Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch (VSNB)
Bde. 1 bis 4
0203
2025
978-3-381-10832-9
978-3-381-10831-2
A. Francke Verlag
Iwar Werlen
10.24053/9783381108329
CC BY-SA 4.0https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Das Besondere an den Oberwalliser Orts- und Flurnamen ist ihr relativ spätes Auftreten. Während die deutsche Schweiz im Wesentlichen seit dem 5. Jahrhundert langsam alemannisiert wurde, war das Oberwallis noch eine gallo-romanische Sprachlandschaft, in der es kaum Spuren des Alemannischen gab. Die früheste alemannische Besiedlung scheint im 9. Jahrhundert geschehen zu sein. Das "Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch" erschließt den Bestand der alemannischen Oberwalliser Namen sprachhistorisch und sprachgeographisch. Es schließt somit eine Lücke zwischen dem schon vollendeten "Urner Namenbuch" und dem im Erscheinen begriffenen "Berner Namenbuch", die das Oberwallis zwar berührten, aber seinen Namenschatz weitgehend ungedeutet ließen.
Die verzeichneten Orts- und Flurnamen wurden in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts erhoben. Sie stammen aus dem agrarischen, alpinistischen und touristischen Bereich, seltener handelt es sich auch um Namen von Straßen und Plätzen. Die Hauptlemmata der Orts- und Flurnamen werde in den Bänden ausführlich dargestellt, etymologisch kommentiert und geografisch verortet. Sie führen als Grundwörter, Bestimmungswörter, in ihrer flektierten und unflektierten Form und begleitet von Adjektiven zur Deutung der Orts- und Flurnamen. Ergänzt wird die Darstellung der Hauptlemmata durch eine Datenbank, die umfangreiche Informationen zu den Lemmata bietet (Belege, geographische Angaben, Kartenangaben etc.). Es entsteht auf diese Art und Weise ein umfassendes Bild der Orts- und Flurnamen des Oberwallis.
9783381108329/9783381108329.pdf
<?page no="1"?> Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch (VSNB) Band 1: Einleitung, Gemeindenamen, Flurnamen A - C Herausgegeben von Iwar Werlen unter Mitarbeit von Anne-Lore Bregy, René Pfammater und Gabriele Schmid und Valentin Abgottspon, Claude Beauge, Werner Bellwald, Milda Christen, Martin Clausen, Gabriela Fuchs, Dominique Knuchel, Gisèle Pannatier und Stefan Würth sowie mit zwei Beiträgen von Philipp Kalbermatter <?page no="2"?> Umschlagabbildung: Bearbeitete Version der Abbildung „ Gemeinden des Kantons Wallis “ von Tschubby (https: / / de.wikipedia.org/ wiki/ Kanton_Wallis#/ media/ Datei: Karte_Gemeinden_des_ Kantons_Wallis_farbig_2021.png), CC BY-SA 4.0 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Das Gesamtprojekt des Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuchs wurde gefördert durch die Walliser Delegation der Loterie Romande, im Kanton Wallis durch das Erziehungsdepartement und die Dienststellen für Kultur und Hochschulwesen, die Stadtgemeinde Brig sowie anonyme Spender. Prof. em. Dr. Iwar Werlen Wangenhubelstrasse 5 3173 Oberwangen bei Bern SCHWEIZ DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381108428 © 2024 · Iwar Werlen Das Werk ist eine Open Access-Publikation. Es wird unter der Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen | CC BY-SA 4.0 (https: / / creativecommons.org/ licenses/ by-sa/ 4.0/ ) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, solange Sie die/ den ursprünglichen Autor/ innen und die Quelle ordentlich nennen, einen Link zur Creative Commons-Lizenz anfügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Werk enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der am Material vermerkten Legende nichts anderes ergibt. In diesen Fällen ist für die oben genannten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISBN 978-3-381-10841-1 (Print) ISBN 978-3-381-10842-8 (ePDF) ISBN 978-3-381-10843-5 (ePub) Bestellbar im Bundle mit den Bänden 1 bis 4 unter ISBN 978-3-381-10831-2 <?page no="3"?> Inhalt Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V Dank an Gründer, Mitarbeiter: innen und Förderer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VI Das Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch: Präsentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII Grammatische und lautliche Besonderheiten des Walliserdeutschen . . . . . . . . . . . IX Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . X 1. Haupttonvokalismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XI 2. Nichthaupttoniger Vokalismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIV 3. Konsonantische Veränderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XV 4. Die Flexion der Nomina im Walliserdeutschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XVII 5. Adjektive des Walliserdeutschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XVIII 6. Partizipien im Walliserdeutschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIX 7. Ableitungen: die Diminutive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIX 8. Präfixe des Walliserdeutschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XX 9. Derivationssuffixe im Walliserdeutschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XX Literatur als Hilfe, Probleme damit und Hinweise für Zitierungen . . . . . . . . . . . . XXIV Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXVIII Abkürzungen und Zitate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXIX Die Archive im Wallis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXX 1. Die Ortsarchive des Oberwallis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXX 2. Das Domkapitelsarchiv in Sitten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXXI 3. Das Walliser Staatsarchiv in Sitten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXXII 4. Das Archiv des Geschichtsforschenden Vereins des Oberwallis in Brig XXXIII 5. Das Stockalperarchiv in Brig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXXIV 6. Edierte Quellen: Chartes Sédunoises und Documents . . . . . . . . . . . . . . . . XXXV 7. Bemerkungen zur Quellenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXXV Rechtshistorische Begriffe mit Erklärungen und Beispielen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXXVII Bibliografie VSNB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XLII Gemeindenamen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 A . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 B (siehe auch P) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 C (siehe auch G und K) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313 <?page no="4"?> Verbunden mit dieser Publikation ist eine Datenbank der einzelnen Orts- und Flurnamen. Zusätzlich sind darin die folgenden Informationen hinterlegt: Gemeinde, Kennzahl, Umschrift des jeweiligen Namens, Kartenangaben, geographische Höhe und geographische Länge und Breite, Hauptlemma und Lemma, zusätzliche Angaben; dazu kommen geographische Lage und Höhe, Beschreibung, lebende Belege und historische Angaben mit der Jahreszahl und einem Zitat mit den historischen Belegen der Namen. Das alles ist natürlich nur vorhanden, wenn die Namen lebend sind; wenn nur historische Belege vorhanden sind, werden nur sie dargestellt. Die Installations- und Systemdateien für die Datenbank können Sie unter diesem Link herunterladen: https: / / files.narr.digital/ 9783381108312/ Datenbank.zip. IV <?page no="5"?> Einleitung Das Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch ist in seiner Endfassung 2024 erschienen. Um es zu verstehen, ist einerseits wichtig, die Besonderheiten des Oberwalliser Dialektes zu sehen, die Archive kennenzulernen, aus denen zitiert wird, die Besonderheiten des Walliser Landrechts kennenzulernen, die wissenschaftliche Literatur zu den Orts- und Flurnamen generell zu verstehen und die Stellung des Oberwalliser Namengutes zwischen dem Deutschen, dem Französischen und Frankoprovenzalischen und dem Italienischen, resp. seinen piemontesischen und lombardischen Dialekten zu sehen. Zur Geschichte des Oberwalliser Orts- und Flurnamengutes wurde in W ERLEN (2012) das Nötigste gesagt; es wird hier nur teilweise wiederholt. Zunächst sei aber den Beteiligten seit 1969 besonders gedankt. V <?page no="6"?> Dank an Gründer, Mitarbeiter: innen und Förderer Es sind zunächst die beiden Professoren Dr. E DUARD S TUDER (Fribourg / Freiburg) und Dr. P AUL Z INSLI (Bern), die Ende des Jahres 1969 beschlossen, dem Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) ein Projekt zu den Orts- und Flurnamen des Oberwallis zu unterbreiten. Während P. Z INSLI als Projektverantwortlicher für das Ortsnamebuch des Kantons Bern (im heutigen Zeitpunkt ist Band 1, 6, 2020 zu den Namen von Se-Di/ Ti des alten Kantonsteils erschienen) ein ausgewiesener Forscher auf diesem Gebiet war, vertrat E. S TUDER eher die ältere Germanistik. Man kann sich aber heute nicht mehr vorstellen, dass E. S TUDER als Katholik und P. Z INSLI als Protestant sich von den geldgebenden Stellen mehr Erfolg versprachen als die umgekehrte Konstellation. Der Mitarbeiter, den die beiden rekrutierten, war Prof. M ARCUS S EEBERGER . Gleichzeitig wurde S EEBERGER , der als Professor am Kollegium Spiritus Sanctus in Brig tätig war, von der Erziehungsdirektion des Kantons Wallis für diese Aufgabe freigestellt. In den Folgejahren nahm S EE- BERGER die Namen des Oberwallis phonetisch auf; seine Notierungen geschahen mit der phonetischen Umschrift, die von Prof. Dr. R UDOLF H OTZENKÖCHERLE (Zürich) für den Sprachatlas der deutschen Schweiz vorgesehen war (siehe dazu H OTZENKÖCHERLE 1962a, 50 ff.). Etwas weniger Glück hatten die beiden Gesuchsteller, als sich S EEBERGER später auch mit den historischen Namenbelegen befassen sollte. Der SNF lehnte das diesbezügliche Gesuch ab, aber S EE- BERGER beschäftigte sich mit den historischen Namen dennoch und legte sie zusammen mit seiner Frau Miranda in einer Zetteldatei nieder; ihre Arbeit wurde dann von R. P FAMMATTER und späteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einer elektronischen Datenbank erfasst (siehe unten). Dem Explorator M. S EEBERGER wurde ein Kuratorium zur Seite gestellt, das zunächst aus Dr. J OSEPH G UNTERN (Erziehungsdirektion des Kantons Wallis) und G ASTON M ICHLIG (Kantonsgeometer) sowie den zwei Professoren S TUDER und Z INSLI bestand; später kamen Prof. Dr. W ALTER H AAS (Universität Freiburg), Prof. Dr. R UDOLF R AMSEYER (Universität Bern), Dr. W ULF M ÜLLER (Université de Neuchâtel), H ANS -R OBERT A MMANN (Staatsarchivar), H ERBERT I MOBERDOR F (Kantonsgeometer), Prof. Dr. I WAR W ERLEN (Präsident) und als Gast Prof. M. S EEBERGER hinzu. Das Kuratorium tagte normalerweise jedes Jahr und begleitete die Arbeit des Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuches. Die beiden Proff. S TUDER und Z INSLI , sowie Dr. J. G UNTERN , Dr. R. R AMSEYER und Prof. M. S EEBERGER sind inzwischen leider verstorben. Etwa 1995 übernahm Prof. Dr. I. W ERLEN , damals Direktor des Instituts für Sprachwissenschaft (ISW) der Universität Bern und Leiter des Universitären Forschungszentrums für Mehrsprachigkeit (UFM) in Brig- Glis und Bern, die Leitung des Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuches. An der Erarbeitung der heutigen Ausgabe übernahmen nach Prof. S EEBERGER die folgenden Personen Aufgaben und Deutungen (alphabetische Reihenfolge, ohne Angabe der Zeiten): V ALENTIN A BGOTTSPON , C LAUDE B EAUGE , W ERNER B ELLWALD , A NNE -L ORE B REGY , M IL- DA C HRISTEN , M ARTIN C LAUSEN , G ABRIELA F UCHS , P HILIPP K ALBERMATTER , D OMINIQUE K NUCHEL , R ENÉ P FAMMATTER , G I- SÈLE P ANNATIER , G ABRIELLE S CHMID und S TEFAN W ÜRTH (Titel sind weggelassen) Zusätzliche Informationen gaben Dr. G ABRIEL I MBODEN und Dr. G REGOR Z ENHÄUSERN . Nach der Emeritierung von Prof. W ERLEN waren es vor allem P HILIPP K ALBERMATTER , R ENÉ P FAMMATTER und Dr. G REGOR Z ENHÄUSERN , die ihre Wissensbestände in den Dienst des Oberwalliser Orts- und Flurnbamenbuches stellten. Das Projekt wurde seit 1995 von der Walliser Delegation der Loterie Romande, dem Kanton Wallis, dem Kanton Bern (insbesondere durch das ISW der Universität Bern), der Gemeinde Brig-Glis, individuellen Geldgebern und ab 2002 durch den SNF bis 2012 unterstützt. 2017 gelang es, einen V EREIN FÜR DAS O BERWALLISER O RTS - UND F LURNAMENBUCH mit dem Präsidenten Prof. Dr. K URT G RÜNWALD zu gründen, der für die Unterstützung der Arbeiten des Vereins auch finanziell zuständig war. Der Verein ist über die Internetsite www.vsnb.ch zugänglich. VI <?page no="7"?> Das Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch: Präsentation Das Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch enthält zunächst eine Datenbank, die auf den Aufnahmen von Prof. M ARCUS S EEBERGER beruht. Als Beispiel dafür sei der Beleg Nr. 1308 di Burgschaft (Brig) vorgestellt: Gemeinde: Brig (Heute: Brig-Glis) Kennzahl: 13087 (KNr = 23) Ortsnamen: Burgschaft, di Koordinaten: 642460/ 129550 Höhe ü. M. 688 m. Breite 46° 18' 57,62'' N / Länge 07° 59' 23,59'' E Lemmas: Burgschaft (Oberbegriff ) → burgschaft (Variante) Deutung: die Burgschaft (Altstadt von Brig) Beschreibung: Südlicher Teil von Brig, alter Teil von Brig (<Altstadt>). Lebendige Belege: 1972, Gewährsperson(en): BP di b|urgß.aft Historische Quellen: 1579 vnam petiam pomerij sitam in bùrgo Brÿge (GA Naters, B 15 - 6, S. 33bis, Brig) 1583 vnam possessionem tam prati quam agri sitam superius búrgúm Brÿga' l. d. an den Bielen (A Arnold Perren, Brig, Nr. 18 Perg., Brig) 1649 zu ᵕ oder in der Bu ᵕ rgschafft Brÿg (GA + PA Gondo, Nr. X Perg., Brig) Die Karte trägt die folgenden Zeilen: Gemeinde: Brig (Heute: Brig-Glis): Die Angabe enthält den Gemeindenamen (Brig) von 1972 und die heutige Zuordnung der Gemeinde zu Brig-Glis. Kennzahl: 13087 (KNr = 23): Die Kennzahl bezieht sich auf die fortlaufende Nummerierung der Namen. Sie verbindet die phonetische Notation, die historischen Belege und die Kommentare dazu. Die Kartennummer gibt die Nummer der Aufnahme durch M. S. in der Gemeinde. Ortsnamen: Burgschaft, di: Der Ortsname wird hier in Transkription nach E. D IETH , Schwyzertütschi Dialäktschrift (Aarau, Sauerländer 2 1986) mit dem definiten Artikel nach einem Komma angegeben. Fehlen lebende Belege, werden die historischen Namen angegeben. Koordinaten: die Koordinaten werden entsprechend der Landeskarte 1: 25 ’ 000 angeführt. Die Höhe entspricht dieser Angabe (wobei di Burgschaft sich von unten nach oben hinzieht und deswegen unterschiedliche Werte annehmen kann; das gilt generell von Flüssen und Bächen). Breite und Länge sind auf Grund der Koordinaten angegeben. Spätere und andere Karten sind unter zusätzliche Daten erwähnt. Lemmas: die Lemmata (griechischer Plural von Lemma; Lemmas ist der dt. Plural) geben einerseits das Hauptlemma (hier: Burgschaft) und Varianten davon (hier: burgschaft) an. Die Kennzeichnung als „ Oberbegriff “ und „ Variante “ entspricht der Redeweise der Mitarbeitenden. Eigentlich müssten hier auch das HL Burg und die Ableitung schaft erwähnt werden; das geschieht üblicherweise nicht, wenn die wenigen Belege keine Differenzierung kennen. Zusätzliche Daten: im Beispiel fehlen sie. Normalerweise sind hier die zusätzlichen Kartenbelege (LT, EK und SK) und allfälligerweise von der Flurnamenkommission (FLNK) erhobene Belege enthalten. Zu den Abkürzungen siehe das Verzeichnis der Abkürzungen (unten). Deutung: die Burgschaft (Altstadt von Brig). Die Deutung wurde im Wesentlichen von I. W ERLEN erarbeitet; zu ihrer näheren Bestimmung vgl. die Bände über die Hauptlemmata des Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuches. Beschreibung: die Beschreibung stammt aus dem Eintrag von M. S. und seinen Gewährspersonen. Lebendige Belege: dieser Kommentar enthält die lebenden Belege der Gewährspersonen; sie sind hier mit den Initialen der Gewährsperson(en) gekenneichnet. Aus Datenschutzgründen werden diese Personen nicht aufgeschlüsselt. Die Angaben sind aber nicht-öffentlich vorhanden. Dann folgt die phonetische Umschrift: di Burgschaft. Sie wird hier in einer vereinfachten Umschrift wiedergegeben. M. S. hat normalerweise die phonetische Umschrift des SDS gewählt; für die vereinfachte Umschrift wird die Schreibweise von E. D IETH ( 2 1986) verwendet. Historische Quellen: Die historischen Quellen werden mit einer Jahreszahl, dem Quellentext und der historischen Quelle in runder Klammer gekennzeichnet. Die Quellenangaben entsprechen der Schreibung, die M. S. angewandt hat. In einigen Fällen entspricht die Quelle nicht der Deutung. Hier ist es insbesondere die Quelle von 1579: vnam petiam pomerij sitam in bùrgo Brÿge ‚ ein Stück eines Apfelgartens in der Gemeinde Brig ’ (GA Naters, B 15 - 6, S. 33bis, Brig). Diese Deutung ist zweifellos enger als die gegebene Deutung. Häufig sind hier nur die ältesten Nennungen eines Orts- oder Flurnamens erfasst; nach 1500 werden bei häufigen Nennungen nur die klarsten Fälle wiedergegeben. Die Nennung der VII <?page no="8"?> Archive entspricht der Wegleitung von P H . K ALBERMATTER (siehe unten). Die Datenbank enthält alle lebenden und historischen Orts- und Flurnamen des Oberwallis. Nicht alle davon können gedeutet oder zugewiesen werden. Einige davon sind mehrdeutig oder nicht erklärbar. Wenn Familiennamen (FaN) oder Personennamen (PN) vermutet werden, wird das angegeben; sofern Quellen vorhanden sind, werden diese zitiert, insbesondere die Wappenbücher des Kantons Wallis als AWWB und NWWB. Die Färbung (ungefärbt, rot, türkis und violett) der Deutung der Hauptlemmata entspricht einerseits der vermuteten Herkunft eines Hauptlemmas oder einer Deutung als FaN oder PN. FaN oder PN werden normalerweise nicht weiter gedeutet (sonst wäre ein Familiennamenbuch entstanden, was nicht in der Absicht eines Orts- und Flurnamenbuches liegen kann). Dennoch sind solche Flurnamen häufig, da in ihnen Besitzer- oder Nutzernamen enthalten sind. Die Hauptlemmata des VSNB sind farblich hervorgehoben, wenn sie Familiennamen (FaN), Personennamen (PN) (beide dunkelblau), französische oder frankoprovenzalische, auch romanische Flurnamen (rot) oder italienische, piemontesische oder lombardische Flurnamen (grün) kennzeichnen. Deutsche Flurnamen sind normalerweise nicht gekennzeichent; das Gleiche gilt für Flurnamen, die nicht zugewiesen werden oder mehrere Herkünfte aufweisen können. VIII Das Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch: Präsentation <?page no="9"?> Grammatische und lautliche Besonderheiten des Walliserdeutschen Die deutschen Dialekte des Oberwallis unterscheiden sich in einer Reihe von Eigenschaften von den Dialekten des Schweizer Mittellandes. Sie sind aber auch unter einander verschieden. R ÜBEL (1950) hat diese interne Variation ausführlich beschrieben; die Karten des (SDS) verdeutlichten seither seine Feststellungen 1 . G RICHTING (1998, 10) hat die dialektale Gliederung schematisch in seinem Wörterbuch dargestellt. In der Deutschschweizer Dialektologie ist es üblich, die mittelhochdeutschen (mhd.) oder althochdeutschen (ahd.) Lautverhältnisse als Referenzgrössen anzugeben. Wir folgen hier dieser Gewohnheit, ohne damit irgendeine Hypothese über die Laute des Walliserdeutschen zu ahd. und mhd. Zeit aufzustellen. 1 Der SDS hat an 34 Orten des Oberwallis Aufnahmen durchgeführt. Das Namenbuch umfasst dagegen alle Gemeinden. Orte, die vom SDS nicht erfasst wurden, können unter Umständen dialektale Besonderheiten aufweisen. Ein Beispiel dafür ist Bellwald. Nach C AMILL S CHMID (1969, XVII) wurde hier von der älteren Bevölkerung anlautendes [ch-] (entsprechend germ. k) als [ š ] realisiert. Wieweit diese Besonderheit verbreitet war, ist unklar. Die entsprechende Karte SDS II 94 ‘ Kind ’ zeigt für das ganze Goms ein präpalatales [ç] ( χ in der SDS-Umschrift), das teilweise leicht jotiert ist. Das Bellwalder [ š ] scheint eine Weiterentwicklung dieser Präpalatalisierung. IX <?page no="10"?> Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen lässt sich von Osten nach Westen dem Verlauf des Haupttals folgend beschreiben; die grösseren Seitentäler wie das Lötschental und die Vispertäler unterscheiden sich in einigen Zügen vom Haupttal. Im Westen ist es der westlichste Teil des Bezirkes Leuk, der sich noch einmal von den andern regionalen Räumen unterscheidet. Dennoch gibt es zwischen den einzelnen Orten keine festen Dialektgrenzen; es sind vielmehr einzelne Unterschiede im Wortschatz, in der Formenbildung und der Lautung, die zur räumlichen Strukturierung beitragen. An gewissen Grenzlinien bündeln sich manchmal mehrere solcher Erscheinungen; je mehr solcher Grenzlinien sich dort bündeln, desto eher geht man von einer Dialektgrenze aus 2 . Für unseren Namenschatz sind solche Unterschiede in dreierlei Hinsicht wichtig: lautlich gesehen kann der „ gleiche “ Name in unterschiedlicher Form auftreten (z. B. Hüs, Hüüs, Huis für ‚ Haus ‘ ), er kann von der Formenbildung her unterschiedlich sein (z. B. Läärch (m.), Läärcha (f.)), oder er kann einen andern Worttyp aufweisen; so hat etwa R ÜBEL (1950, 54) die unterschiedlichen Benennungen der Alpenrose (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 706 s. v. R HODODENDRON FERRUGINEUM ) als Gippi, Jippi, Hienerlöüp, Hienerleibe, Gleiberstude, Troosle usw. dargestellt. Im Fall bloss lautlicher Unterschiede setzen wir kein neues Lemma an, sondern geben die lautlich unterschiedlichen Formen in der Reihenfolge von Osten nach Westen an. Bei den Formenbildungen setzen wir unterschiedliche Lemmata an, auch wenn es keine erkennbaren sonstigen Unterschiede gibt (z. B. die Frage, ob sich Egg (ntr.) und Egga / Eggu (fem.) sachlich unterscheiden oder nicht). Bei den Namenstypen schliesslich sind klarerweise mehrere Lemmata anzusetzen; auf ihre regionale Verteilung kann im Text hingewiesen werden. Eine ausgeprägte Grenze liegt zwischen Brig-Glis und Visp (vermutlich folgt die Grenze der Bezirksgrenze, auf Grund des SDS lässt sich das jedoch nicht sicher sagen). Der Baumname der Lärche (SDS I 31) erscheint im Osten als Typ Läärch, im Westen als Leerch. Er verhält sich dabei wie die Wörter mit umgelautetem langem â (SDS 1, 73 ‚ strääle ‘ , SDS 1, 74 ‚ Käse ‘ ). Im Westen ist dabei eine leichte Diphthongierung möglich (Typ Che ə s in Visp, Agarn und Feschel). Etwas weniger grossräumig ist die Gliederung im Bereich der Nebentonvokale. In den walliserdeutschen Dialekten sind solche Nebentonvokale nicht überall zum sogenannten Schwa ([ ə ]) reduziert. Geographisch am klarsten ist hier die Verteilung bei Feminina auf ahd. -a, wo die drei Hauptformen Tann ə , Tanna und Tannu von Osten nach Westen vertreten sind (SDS 3, 186). Kleinere Dialektregionen sind das Lötschental und das Simplongebiet: beide haben einen Diphthong / ui/ in Wörtern mit mhd. û (Muis ‚ Maus ‘ , SDS 1, 106), beide palatalisieren mhd. uo nicht und haben den Typ Bruodär ‚ Bruder ‘ ; im Lötschental wird auslautendes -n nicht getilgt (SDS 2, 140 ‚ morn (morgen) ‘ , SDS 2, 155 ‚ Mann ‘ , 2, 156 ‚ Sinn ‘ ). Das Zwischbergental, das zum Simplongebiet zählt, weist italienische und piemontesisch-lombardische Flurnamen auf; in den Bergen sind es auch die Gipfel vom Monte Rosa bis zu den Grenzgipfeln zum Tessin, die italienische Bezeichnungen haben. Schliesslich weist auch der westliche Teil des Bezirks Leuk Besonderheiten auf: hier sind es die Realisierungen des germanischen ë und des Sekundärumlauts-ä als [e] (SDS 1, 19 - 24). In der jüngeren Zeit wird hier vermehrt [ä] verwendet; hinzu kommt, dass im westlichen Teil des Bezirkes Leuk ältere und teilweise jüngere Orts- und Flurnamen auf das Frankoprovenzalische zurückgehen, das hier bis ins 17. Jahrhundert gesprochen wurde, teilweise neben dem Deutschen. Im Folgenden werden sowohl Regeln, die das Walliserdeutsche in einigen wesentlichen Hinsichten von den Dialekten des Schweizer Mittellandes unterscheiden, als auch interne Unterschiede angegeben. Andere sog. höchstalemannische Dialekte können die gleichen Laute wie das Walliserdeutsche aufweisen. Für Details verweisen wir auf die einschlägigen Karten des SDS. 2 In der Literatur wird von Isoglossen und Isoglossenbündeln gesprochen; die Benennung erinnert an die aus Wetterkarten bekannten Isobaren, also Verlaufslinien von gleichen Luftdruckverhältnissen. Gemeint sind Grenzlinien, die Orte mit gleichen Eigenschaften von Orten mit davon abweichenden Eigenschaften trennen; je mehr solcher Grenzlinien gleich verlaufen, desto stärker ist die jeweilige Dialektgrenze. X <?page no="11"?> 1. Haupttonvokalismus 1.1 Entrundung: [y, ʏ ] > [i, ɪ ]; Beispiel Rüti > Riti. Der Prozess heisst Entrundung, weil das in den Mittellanddialekten mit Lippenrundung gesprochene [y, ʏ ] ohne solche ausgesprochen wird. Weitere Beispiele sind: Hütte > Hitta, Hüüser > Hiischer usw. Zu beachten ist, dass jene walliserdeutschen [y: ], die beim Prozess der Palatalisierung entstehen, nicht entrundet werden! (Beispiel: Hüüs ‚ Haus ‘ (bdt. Huus) wird nicht zu *Hiis). 1.2 Entrundung: [ø, œ ] > [e, ɛ ]; Beispiel Löcher > Lecher. Auch hier werden die mit Lippenrundung versehenen Laute ohne Lippenrundung gesprochen. Weitere Beispiele sind schöön > schee(n), Hööchi < Heeji. 1.3 Entrundung: [ ʏ ø] > [ ɪɛ ]; Beispiel Güöter > Gieter. Auch der Diphthong üö wird entrundet. Dabei ist der zweite Teil des entstehenden ie in verschiedenen Formen ([e, ə , ɛ , o, æ] vorhanden (siehe / ie/ generell). Die aus der Palatalisierung entstandenen üö werden nicht entrundet: Güöt ‚ Gut ‘ (bdt. Guet) wird nicht zu *Giet. 1.4 Entrundung: [øy] > [e ɪ ]. Beispiel Öüa > Eia. Auch der Diphthong öü wird entrundet zu ei. Das betrifft auch jene Diphthonge, denen noch ein [v] folgt (geschrieben als w); dabei wird in einigen Gebieten -eiwzu -eww- und in einigen Orten des Bezirks Leuk entsteht ein [b]. Höü ‚ Heu ‘ wird dann zu Heww, Heyw oder Heyb. Nicht entrundet werden die palatalisierten öü, die an den meisten Orten im Wallis an Stelle von ou entstehen: Böüm ‚ Baum ‘ (bdt. Boum) wird nicht zu *Beim. 1.5 Palatalisierung: [u ː ] > [y ː , y, u ɪ ]. Beispiel: Huus > Hüüs, Hüs, Huis. Bei der Palatalisierung wird die höchste Zungenfläche in die Richtung des Palatums (harter Gaumen) verschoben, sodass ein mehr oder weniger deutlicher ü-Laut entsteht. Im Nikolaital und in den untersten Gemeinden des Bezirkes Leuk ist die Palatalisierung nur schwach ausgeprägt. Im Lötschental und auf dem Simplon wird der Monophthong diphthongiert zu ui. Der Palatalisierung unterliegen nur altlange Vokale, die im Hochdeutschen normalerweise ein au enthalten. Beispiel: Muure ‚ Mauer ‘ wird zu Müüra, Muira usw. Wenn dem Diphthong ein w folgt, ist die Palatalisierung stärker gehemmt. Das Goms und Östlich Raron weisen dann -üwwauf; das hintere Saastal und der grösste Teil des Bezirks Leuk haben nur -üü-; die Bezirke Brig und Visp haben -uww-, die sog. Rarner Schattenberge haben -uu- und das Lötschental -uiw-. In den Wörtern ‚ Sau ‘ und ‚ Bau ‘ ist die Palatalisierung teilweise vollständig gehemmt. 1.6 Palatalisierung: [ ʊ o] > [ ʏ ø]. Beispiel Guot > Güöt. Der Prozess ist der Gleiche wie unter 1.5; er betrifft hier aber einen Diphthong. Auch hier ist die Realisierung regional verschieden. An einigen Orten - etwa im Goms, im Simplongebiet, im vorderen Nikolaital - werden auch ue und uo verwendet. Das Lötschental hat uä. Weitere Beispiele: Gruebe wird zu Grüöba, Uewand zu Üöwand. 1.7 Palatalisierung: [o ʊ ] < [ø ʏ ]. Beispiel: Boum < Böüm. Der Prozess besteht in der gleichen Vorwärtsverschiebung der Zunge wie in 1.5 und 1.6. Auch hier gibt es aber regionale Varianten. Die ersten unterscheiden öü und öi, wobei diese Differenz nicht immer leicht wahrnehmbar ist. Ausnahmen von diesen zwei Varianten sind: ou in Törbel und Niedergesteln (nach R ÜBEL 1950, 3), oi im Lötschental und im östlichen Teil des Bezirks Leuk. Nordöstlich von Brig kann der Diphthong vor Verschlussfortis und m zu ö gekürzt werden. Auch dieser Diphthong kann mit w verbunden werden. Wie R ÜBEL (1950, 4) zeigt, ist die Realisierung auch von der Stellung im Wort abhängig. Ein Wort wie ‚ Stroh ‘ (strouw) erscheint mit -ow, -ou, -öw, -öu(w), -öi, -öiw, -oi. Beispiel mit inlautendem -w-: Louene ( ‚ Lauenen ‘ ) wird zu Lowwina, Löwwina, Löüwina, Loiwina, Loibina usw. 1.8 Realisierung von / e/ und / ä/ Historische Vorbemerkung: in der Entwicklung des Deutschen aus dem Germanischen sind verschiedene / e/ -artige Laute zu unterscheiden, die sich in den schweizerdeutschen Dialekten unterschiedlich entwickelt haben. Das Mittelhochdeutsche, das wir hier am sinnvollsten als Referenzgrösse annehmen können, kennt fünf verschiedene Laute in diesem Bereich: • das sog. germanische ë - ein kurzes, offenes [ ɛ ] (Bsp. mhd. bërc ‚ Berg ‘ ) • das sog. Primärumlauts-e - ein kurzes, geschlossenes [e] (Bsp. geste ‚ Gäste ‘ ) • das sog. Sekundärumlauts-ä - ein kurzes, überoffenes [æ] (Bsp. mägede ‚ Mädchen ‘ ) 1. Haupttonvokalismus XI <?page no="12"?> • das lange -ê - ein langes, geschlossenes [e: ] (Bsp. snê ‚ Schnee ‘ ) • das lange Sekundärumlauts-æ - ein langes, überoffenes [æ] (Bsp. mære ‚ Stute ‘ ) ‚ lang ‘ und ‚ kurz ‘ beziehen sich auf das mhd. Lautsystem; im heutigen Dialekt können die Längenwerte sich geändert haben. e wird im Nebenton auch zur Bezeichnung des Schwa [ ə ] verwendet; hier hat das Walliserdeutsche teilweise andere Nebentonvokale. Das Primärumlauts-e wird normalerweise als geschlossenes bis neutrales [e] realisiert. Das lange ê wird normalerweise als geschlossenes bis neutrales langes [e: ] realisiert. Das kurze Sekundärumlauts-ä erscheint normalerweise als überoffenes [æ] (e mit zwei untergesetzten Häkchen in der SDS-Transkription). Regionale Variation gibt es vor allem bei der Realisierung des germ. ë und des langen Sekundärumlauts æ. Das germanische ë wird bis auf den westlichsten Teil als überoffenes [æ] realisiert; in Zermatt und im westlichen Teil des Bezirks Leuk als offenes [ ɛ ]. Bsp. [rækxholt ə r] vs. [r ɛ kxholt ə r] ‚ Reckholder ‘ . Das lange Sekundärumlauts-æ gehört zu einer der ausgeprägtesten Dialektgrenzen im Wallis, die den östlichen Teil (Goms, Östlich-Raron, Brig mit Ausnahme des Simplon) vom westlichen Teil trennt. Der östliche Teil hat ein überoffens [æ], der westliche Teil ein offenes bis geschlossenes [ ɛ , e], wobei die Tendenz gilt: je weiter westlich, desto geschlossener. Bsp. Tääla vs. Teelu ‚ Dähle ‘ , Läärch vs. Leerch ‚ Lärche ‘ . Wichtig ist weiter, dass sich vor einem folgenden Nasalkonsonanten die e-Qualität verändern kann. So ist das Primärumlauts-e von ‚ eng ‘ (SDS 1, 35) in einigen Orten (wie Brig, Visp, Eischoll, Niedergesteln, Turtmann, Feschel und Agarn) als [æ] realisiert. Umgekehrt wird das normalerweise offene Sekundärumlauts-ä in einem Wort wie ‚ Wäntele ‘ (SDS 1, 36) an vielen Orten geschlossen ausgesprochen (Details siehe SDS) und das Primärumlauts-e vor nn in ‚ brennen ‘ (SDS 1, 37) erscheint in einem grösseren Gebiet als [æ]. Bei Namen wie dem Plural von Wang wirkt sich das aus: die meisten Gemeinden haben Weng, vereinzelte wie Raron, Ausserberg, St. Niklaus und Stalden dagegen Wäng. 1.9 Qualität der Vokale bei Ersatzdehnung vor Reibelaut (sog. Staubsches Gesetz). Das Walliserdeutsche kennt - wie die meisten schweizerdeutschen Dialekte - die Ersatzdehnung bei der Tilgung eines Nasalkonsonanten vor einem Reibelaut. Der Prozess wird nach dem Begründer des Schweizerdeutschen Wörterbuchs, Friedrich Staub, „ Staubsches Gesetz “ genannt. Nicht immer ist die „ Ersatzdehnung “ bloss eine Dehnung des bestehenden Vokals; bei mittleren und tiefen Vokalen entstehen im Wallis auch Diphthonge. In einigen Walliser Dialekten wird das Staubsche Gesetz eher zurückhaltend angewandt. Kommt hinzu, dass der Prozess heute immer weniger angewendet wird. Beispiele für den Prozess (aus dem Namenbereich): Namenstyp Formen Ranft Raaf(t), Räift Hanf Häif, Hampf finster fiischter, finschter Runse Rüüs, Ruis, Runs Anken Aiche, Oiche, Äiche Winkel Wiichel Die regionale Verteilung ist nicht einfach und je nach Wort verschieden. Das Goms tendiert dazu, den Nasalkonsonanten beizubehalten (fimf ‚ fünf ‘ , finschter ‚ finster ‘ usw.), hat allerdings bei / anF/ auch / ai, oi/ oder / äi, ei/ . Die westlicheren Mundarten haben dagegen selten einen erhaltenen Nasalkonsonanten, unterscheiden sich aber darin, ob sie eher offene oder geschlossene, vordere oder hintere Diphthonge haben. Für Details siehe R ÜBEL (1950, 6) und SDS (2, 126 - 132 und 2, 97 - 104 für -nk-, wo ausnahmslos alle Oberwalliser Gemeinden die n-Tilgung durchgeführt haben). Generell kann man davon ausgehen, dass ein Langvokal oder Diphthong vor einem Reibelaut ein möglicher Kandidat für das Staubsche Gesetz ist. Wenn der Nasalkonsonant erhalten bleibt, kann häufig ein Sprosskonsonant (siehe dort) entstehen (Typ: Hampf für ‚ Hanf ‘ ). 1.10 Änderungen der Quantität von Vokalen: Dehnungen und Kürzungen In den meisten Walliser Dialekten ist der Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen im Prinzip zwar bedeutungsunterscheidend, doch gibt es einige Kürzungs- und Dehnungsprozesse seit den früheren Sprachstufen Alt- und Mittelhochdeutsch, die den Unterschied verdunkeln. Nicht alle diese Prozesse sind in allen betroffenen Wörtern durchgeführt, so dass hier ein grosser Variationsbereich entsteht; die einzelnen Ortsmundarten unterscheiden sich hier ebenfalls. Schliesslich kommt hinzu, dass die Ortsnamen häufig in einem langsameren Sprechtempo quasi diktiert werden, sodass Dehnungen auftreten können, die sich in spontaner Sprechsprache nicht mehr finden. Wir behandeln zunächst die Dehnun- XII Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen <?page no="13"?> gen, dann die Kürzungen. Ausgangspunkt sind die Verhältnisse im Mhd. Die Dehnungs- und Kürzungsverhältnisse können auch durch den Folgekonsonantismus bedingt sein oder diesen ihrerseits beeinflussen (nicht immer ist klar, was die Ursache und was die Folge ist). 1.10.1 Dehnung alter Kurzvokale in offener Silbe Dieser Typ von Dehnung betrifft normalerweise zweisilbige Wörter wie Graben, Gabel oder Wasen, deren Vokal mhd. kurz war (vgl. SDS 2, 1 - 44). Die meisten Walliser Dialekte behalten diese Kürze bei. Hauptsächliche Ausnahme sind die Dörfer im Nikolaital (St. Niklaus, Randa, Täsch und vor allem Zermatt). In einzelnen Wörtern kommen weitere Orte hinzu, am meisten im Worttyp fahren (SDS 2, 22), der in allen Bezirken unterhalb von Brig gedehnten Vokal hat. In unserem Namenmaterial hinterliess diese Dehnung interessanterweise kaum Spuren; es könnte sich um ein Transkriptionsartefakt handeln. 1.10.2 Dehnung alter Kurzvokale in einsilbigen Wörtern vor Verschluss- oder Reibeleniskonsonant SDS (2, 45 - 50) gibt die Verteilung in Wörtern wie Glas, Grab und Schmied. Die meisten Walliser Orte weisen die alte Kürze auf; nur im Lötschental und vereinzelt im Mattertal werden Längen notiert. Auch hier finden sich keine Spuren der Dehnung in den Namen. 1.10.3 Dehnung alter Kurzvokale vor altem Reibefortiskonsonant SDS (2, 51 - 56) gibt die geographische Verteilung der Kurz- und Langformen an Hand von Wörtern wie Blech, Stich, Tisch und anderen. Auch hier sind es nur das Lötschental und vereinzelte Gemeinden im Mattertal, die Dehnungen aufweisen; die restlichen Dialekte bleiben bei den Kurzvokalen. Hierzu gehört auch etwa das in Flurnamen häufige Joch, das laut SDS (2, 56) in den genannten Orten teilweise gelängt vorkommt. In unserem Namenbestand haben wir kein Beispiel dafür finden können. Das kann mit zwei Faktoren zusammenhängen: zum einen wird Joch nur in Zusammensetzungen gebraucht und zum andern hat hier das Hochdeutsche die Kürze bewahrt. 1.10.4 Dehnung alter Kurzvokale vor r+Konsonant und l+Konsonant Diese Art der Dehnung ist im Walliserdeutschen sehr stark ausgeprägt. SDS (2, 57 - 66 und 137 - 143, sowie 202) geben die Verhältnisse für die Wörter Garbe, schwarz, Ärmel, Kerze, Erbse, färben, gestorben, Morgen, Stirne, Salz, Garn, gern, Horn, morn und weitere an. Die Dehnung ist vom Vokal abhängig: hohe Vokale werden kaum gedehnt, tiefe fast durchwegs. So dehnen alle Walliser Dialekte in den Wörtern Garbe und schwarz, nur sehr wenige dagegen bei Ärmel und Kerze, noch weniger bei Stirne, jedoch wieder alle bei Horn und morn. Diese letzteren Fälle unterliegen einem zweiten komplexen Prozess: auslautendes -n und im Fall von Darm oder Arm auch -m wird durch einen eingesetzten unbetonten Vokal (Epenthese) vom vorausgehenden Konsonanten getrennt und danach fast immer getilgt; -m bleibt manchmal erhalten. So ergibt sich die häufig auftretende Form Hooru (oder ähnlich), deren (seltener) Plural Heerner heisst. Oder die ungedehnte Form Ture ‚ Turm ‘ mit dem Plural Turna, was auf ein altes -n verweist (mhd. lautet das Wort turn). Diese Dehnung kann zu Fehldeutungen führen, etwa beim Lemma Arm, das als Aaru erscheinen kann, das zugleich das Wort für Adler ist. 1.10.5 Dehnung vor altem rr SDS (2, 67 - 70) zeigt diese Dehnung an Hand von Wörtern wie Pfarrer, dörren, Geschirr und dürr. Auch diese Dehnung ist im Wallis nur äusserst vereinzelt zu finden, vor allem im Nikolaital, aber auch hier kaum ausgeprägt. Wir finden entsprechend keine Spuren in den Ortsnamen. Die Länge im Namenstyp Herr (gesprochen Heer) für den Pfarrer, resp. ihm oder der Kirche gehörendes Gut, entspricht der Herkunft aus dem Komparativ zu hehr ‚ hoch ‘ , fällt also nicht unter diese Dehnungsregel. 1.10.6 Kürzung von altem Langvokal vor Verschlussfortis SDS (2, 77 - 78) zeigt die Verteilung am Beispiel von reiten und Vergleichsmaterial. Das Wallis weist lange und kurze Vokale auf. Die Verteilung ist nicht ganz klar: sicher haben die oberen Bezirke mit Einschluss des Ortes Visp Kürze, dazu auch das hintere Nikolaital und der Nordwesten des Bezirkes Leuk. Die andern Orte haben Länge oder Halblänge. Das Vergleichsmaterial macht deutlich, dass viele Orte variable Werte aufweisen, doch der obere Teil hat praktisch durchgehend Kürze. So variiert die Aussprache des Ortsnamens Brig: in Brig selbst und im oberen Teil ist der Vokal kurz und geschlossen, im unteren Oberwallis dagegen lang und geschlossen. Ein häufiger Ortsname ist Chriz ‚ Kreuz ‘ , das meist gekürzt erscheint, aber auch mit Halblänge oder Länge notiert wird. 1.10.7 Vokalkürzung in Zusammensetzungen Dieser Prozess, auch als „ Brandstettersches Gesetz “ (nach dem Dialektologien und Linguisten R ENWARD 1. Haupttonvokalismus XIII <?page no="14"?> B RANDSTETTER ) bekannt, besagt, dass ein eigentlich langer Vokal oder Diphthong in Zusammensetzungen gekürzt wird. SDS (2, 79 - 80) zeigt das am Beispiel Schuhmacher, wo der ursprüngliche Diphthong von Schuezu Schugekürzt wird. Für das Wallis gibt es auf der betreffenden Karte keinen einzigen Beleg, hingegen zeigt die Karte (2, 80) bei Grossvater und Grossmutter einige Kürzungsbelege auch aus dem Wallis. E LISA W IPF führt in ihrer Arbeit über die Mundart von Visperterminen einige Beispiele für solche Kürzungen auf (§ 67, 44), sagt aber dazu, dass gedehnte Vokale in solchen Fällen viel häufiger seien. In einigen Namen könnte dieser Prozess einen Einfluss haben, allerdings sind dabei andere Kürzungsprozesse (z. B. bei öüw -> öw usw.) zu berücksichtigen. 1.10.8 Kürzung von altem Langvokal vor m(m) SDS (2, 83 - 84) zeigt am Beispiel der Wörter schäumen und Pflaumen, dass manche Dialekte hier ein ursprüngliches altes langes û kürzen. Im Wallis sind es die Gemeinden von Östlich-Raron und dem unteren Goms, die eine solche Kürzung, verbunden mit der Längung von m aufweisen. Soweit erkennbar ist aber kein belegter Name davon betroffen. 1.10.9 Kürzung vor Reibefortis im Wort Haus Diese Kürzung, die vor allem von Brig aufwärts verwendet wird, scheint auf das Wort Haus beschränkt zu sein, das als Hüss ausgesprochen wird (vgl. SDS 1, 106 Textteil). Schon Wörter wie Maus oder Laus unterliegen der Kürzung nicht. 2. Nichthaupttoniger Vokalismus *Vorbemerkung: neben dem Haupttonvokalismus werden meistens nebenbetonte und unbetonte (resp. schwachbetonte) Silben unterschieden. Wir fassen diese beiden Kategorien zum nichthaupttonigen Vokalismus zusammen. Während die meisten Mittellanddialekte dazu neigen, neben- und schwachtonige Silben mit Schwa [ ə ] zu versehen, ist in den Walliserdialekten häufig ein reduzierter Vollvokal zu hören, der regionale Verschiedenheit aufweist. Die wichtigsten Fälle sind: 2.1 Der Vokalismus bei Maskulina auf -il / -ol (Typ: Hubel) Nach R ÜBEL (1950,7) haben das Goms, Östlich-Raron und Brig in solchen Wörtern ein Schwa (Typ hub ə l) oder ein synkopiertes -l- (Typ hubl), oder - im l-vokalisierenden Gebiet (dem unteren Goms) - einen -u- (Typ hubu). In den Bezirken Visp und Westlich-Raron (mit Ausnahme Lötschental) steht je nach Vokal der Hauptsilbe -ol oder -ul (bei a, o, u der Hauptsilbe) oder -il (bei i, e der Hauptsilbe). Diese Art von „ Vokalharmonie “ ist allerdings nur noch beschränkt wirksam. In den weiter westlichen Gebieten steht durchgehend -il, das aber auch als -äl (Lötschental) oder mit Schwa erscheinen kann (siehe auch SDS 3, 166 ‚ Löffel ‘ und SDS 3, 167 ‚ Nagel / Nägel ‘ ). 2.2 Der Vokalismus des Nominativ Plurals der maskulinen a-Stämme: (Typ: Hubla) Das Walliserdeutsche kennt maskuline a-Stämme, die im Plural im grössten Teil des Gebietes tatsächlich ein / a/ im Nominativ Plural haben. Nur das oberste Goms hat hier ein Schwa, alle andern Orte weisen / -a/ auf. Bei den Stämmen auf -il / -ol gibt es prinzipiell zwei Modelle: Singular und Plural haben die gleiche Endung, eventuell mit Umlaut im Plural. Dieses Modell ist im obersten Goms, im Lötschental, im Bezirk Leuk und dazwischen an vereinzelten Orten vorhanden, scheint dabei eher in den grösseren Talgemeinden angetroffen zu werden. Das andere Modell hat einen Plural auf -la, teilweise palatalisiert zu -ja (im Obergoms hat dieses Modell ə l im Singular und -je im Plural). Die SDS-Karten (3, 166 und 167) zeigen hohe Variation in diesem Bereich. 2.3 Der Vokalismus der schwachen Maskulina und der ursprünglich starken Neutra auf -rn (Typen: Bode, Hoore). Im Singular haben hier nach R ÜBEL Goms und Östlich- Raron ein Schwa (mit vereinzelten Ausnahmen). Visp (mit Ausnahme Saastal) und Raron haben eher ein / -o/ . Das Saastal und der Bezirk Leuk haben ein / -u/ , wobei die Qualität zwischen geschlossen und offen schwankt. Das Lötschental setzt ein silbisches / n/ , das auch an einen vorausgehenden Konsonanten assimiliert werden kann. Der SDS (3, 177 ‚ Horn ‘ ) kategorisiert etwas weniger fein; er hat im Goms ein Modell mit Hoor ə im Sg. und Pl. und für die übrigen Bezirke Hooru im Sg. und Pl.; Ausnahmen davon ist ein Modell Hooru (Sg.) vs. Hoore (Pl.) im hinteren Mattertal und Hoorn (Sg. und Pl.) im Lötschental. Im Plural kann auch Umlaut auftreten, dann hat das Goms die gleiche Form mit Umlaut, Östlich-Raron hat ein überoffenes / ä/ , und die meisten andern Ortschaften haben ein / e/ . Das Lötschental hat auch hier silbisches / n/ . Die Verhältnisse sind im Einzelnen nicht leicht zu resümieren, vgl. die Übersicht bei SDS (3, 173) für verschiedene Walliser Gemeinden. XIV Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen <?page no="15"?> Beispiel für das Wort Chrome ‚ Pferch ‘ : Singular Plural Verteilung chrom ə chrem ə Goms und Mörel, Zwischbergen chromo chreme Bezirk Brig, Visperterminen, Nikolaital (ohne Zermatt), Westlich-Raron (ohne Lötschental) chromu chreme Bezirk Leuk chromn chremn Lötschental 2.4 Nominativendung der schwachen Femina (Typ Alpe) Im Singular enden diese Feminina im obersten Goms auf Schwa, anschliessend vom unteren Goms bis nach Raron auf / -a/ (mit verschiedenen Reduktionsstufen), unterhalb der Gemeinde Raron auf / -u/ (mit verschiedenen Reduktionsstufen). Im Plural enden diese Feminina im oberen Goms auf Schwa (mit etwas stärkerer Verbreitung als im Singular), in Östlich-Raron, Lötschental und Teilen von Westlich- Raron auf / -ä/ , sonst auf / -e/ (offen). Die wichtigsten drei Grosstypen sind: Singular Plural Verteilung alp ə alp ə Oberes Goms alpa alpe Teile von Bezirk Brig und Bezirk Visp alpu alpe Bezirk Westlich-Raron und teilweise Leuk alpu alpä mehrheitlich Bezirk Leuk und sonst vereinzelt. Der SDS zeigt die lokale Variation auf den Karten 3, 182 - 186. 2.5 Deletion des Vokals beim Präfix gi- und bei der Artikelform di vor folgendem Verschlusslaut. In den den Bezirken Goms und Östlich-Raron wird der Vokal des Präfixes der Partizip Perfekt Bildung (gi-) getilgt; der verbleibende Konsonant / g/ wird an den folgenden Verschlusslaut assimiliert (vgl. SDS 3, 3 und 4); in den unteren Bezirken dagegen bleibt gierhalten. Es heisst hier also giderrt ‚ gedörrt ‘ , oberhalb dagegen terrt ‚ gedörrt ‘ ; bei der Assimilation entsteht normalerweise eine Fortis. Ähnlich verhalten sich die Artikelformen di: im oberen Teil haben wir Poscht ‚ die Post ‘ , im unteren di Poscht ‚ die Post ‘ (vgl. SDS 3, 132 und 133). Allerdings sind beide Regeln teilweise variabel. Vor anderen Konsonanten sowie vor Vokalen werden in beiden Fällen die Vokale getilgt und der bleibende Konsonant wird an Folgekonsonanten assimiliert. Diese Assimilation ist aber auch variabel. Im Fall von anlautenden Frikativen erscheinen dann vermeintliche Affrikaten, z. B. bei t Chüematt in der Form Kchüematt. Diese Affrikaten werden gelegentlich auch geschrieben, was zu Fehldeutungen führen kann. 2.6 Sprossvokale bei r+n / m und l+n / m und Vorschläge bei anlautendem / r/ . Sprossvokale (auch Epenthese- oder Svarabhaktivokale genannt) sind unbetonte, meist schwa-artige Vokale, die in den Konsonantengruppen r+Konsonant und l+Konsonant auftreten können, vor allem, wenn diese sich im Auslaut befinden. Teilweise werden die auslautenden -n und -m anschliessend getilgt. So erklären sich Belege wie Hooru ‚ Horn ‘ oder waarum ‚ warm ‘ . Vorschläge beim anlautenden / r/ sind fast im ganzen Wallis belegt (SDS 2, 151 zu Wörtern wie reiten, Rad usw.); im oberen Teil bis und mit dem Bezirk Brig wird dabei das r nicht geminiert (also gelängt), im unteren Teil dagegen schon, teilweise sogar sehr stark. Der vokalische Vorschlag ist immer ein Schwa, also kein anderer Vokaltyp. Im Namenmaterial werden diese Vokale häufig ausgesprochen, aber nicht schriftlich festgehalten. In den phonetischen Transkriptionen sind sie aber notiert. Die Vorschläge können wegfallen, wenn sie nicht im absoluten Anlaut stehen, wenn also zum Beispiel ein Artikel vorangeht wie in der Rot Bach, aber vam e Rotu Bach. In unserer Umschrift werden solche Vokalvorschläge vor / r/ meist in Klammer als (e) notiert. In einigen Fällen hat LT diesen Typ fälschlicherweise als zum Namen gehörend gesehen: so ist der Typ Gri (> Grün) im Lötschtal falsch als Geryn (LT, nicht jedoch in neuesten Karten) notiert. 3. Konsonantische Veränderungen 3.1 Assimilation von / d, t/ an vorausgehendes / n/ , Typ: Hinter > Hinner Diese Regel ist im Walliserdeutschen variabel, das heisst, sie kommt nicht in jedem Fall vor, in dem sie vorkommen könnte. Sie betrifft die häufigen Namensbestandteile Hinter und Unter, die als Hinner und Unner erscheinen. 3.2 Palatalisierung von / l/ ; Typ: Grindji (zu Grund +li) Ein anlautendes / l/ in Nebensilben wie dem Diminutiv (-lîn), aber auch in flektierten Formen von Wörtern mit 3. Konsonantische Veränderungen XV <?page no="16"?> auslautendem / -l/ kann zu / j/ werden. Die Regel ist abhängig von der lautlichen Umgebung; wenn dem / l/ ein / r/ oder ein / n/ vorausgeht, wird die Regel nicht (oder eher nicht) angewandt. Beispiele aus dem Namenbereich: Grindji (zu Grund + li mit Umlaut und Entrundung), Waldji, Bächji (mit Umlaut), Alpja (wohl aus Alp + la), Mettja (entspr. schwzdt. Mettle(n)) usw. Die Regel gilt im Lötschental nicht. Das entstehende / j/ kann dazu führen, dass vorausgehende dentale Konsonanten velarisiert werden: Gringji aus Grindji, Blaggji aus Blattji. 3.3 Vokalisierung von / l/ zu / u/ (Typ: Bieu ‚ Büel ‘ ) Diese l-Vokalisierung kommt nur in einem klar umgrenzten Gebiet im unteren Goms vor (SDS 2, 147 ‚ Sohle ‘ ). Sie umfasst die früheren Gemeinden Gluringen, Ritzingen, Biel, Selkingen, Blitzingen, Niederwald, Steinhaus, Bellwald, Mühlebach, Ernen, Ausserbinn, Binn, Fiesch, Fieschertal, Lax und Martisberg (Gemeinedestatus: Stand Aufnahmen S EEBERGER ). Teilweise führt die Vokalisierung auch nur zu einer stark velaren Aussprache des / l/ ; diese scheint stärker verbreitet zu sein als die eigentliche Vokalisierung. 3.4 Vokalischer Vorschlag vor / r/ und Längung von / r/ (Typ: ə Rrottu ‚ Rhone ‘ ) Wie SDS (2, 151) zeigt, kennt fast das ganze Oberwallis (Ausnahme hinteres Mattertal), einen vokalischen Vorschlag (meist [ ə ] oder [a]) vor anlautendem / r/ . Dieser vokalische Vorschlag kann auch fehlen. Im Bezirk Westlich-Raron wird das anlautende / r/ zusätzlich länger ausgesprochen, bis hin zur Gemination; teilweise ist davon auch der Bezirk Visp betroffen, sowie Mund. In unseren Transkriptionen erscheinen die vokalischen Vorschläge in Klammern, was auf eine eher schwache Vokalisierung hindeutet (vgl. auch 2.6 dazu). 3.5 Die Realisierung von / s/ als / ʃ / . (Typ: Naatersch) Einige / s/ des mittelländischen Schweizerdeutschen erscheinen im Walliserdeutschen als / š / (vgl. SDS (2 144): die Unterscheidung von [ š ] und [ ʃ ] geht auf das verwendete phonetische System von SDS vs. IPA zurück. Das betrifft in den Namen vor allem Ortsnamen mit auslautendem / s/ wie Naters, Lax, Grengiols und Ems. Besonders betroffen sind Genitive des Singulars wie in ts Aadisch Hüss ‚ des Adrians Haus ‘ . Auch in konsonantischen Kontexten, die im Schweizerdeutschen zu [ts] führen, kann [t ʃ ] oder [t š ] entstehen, wie etwa in Gredetsch (Gredetz). 3.6 Die Assimilation von / s/ an / ʃ / und umgekehrt (Typen Hiischi ‚ Häus-chen ‘ und bees ‚ böses ‘ ) Wenn die beiden Frikative / s/ und / ʃ / bei einer Ableitung oder einer Flexionsform aufeinanderfolgen, assimiliert sich der erste an den zweiten. So wird aus Hiis+schi Hiischi und aus beesch+s bees. 3.7 Die Realisierung von / rn/ und / rm/ als / r+Vokal/ (Typen Hoore ‚ Horn ‘ , Ture ‚ Turm ‘ ) Diese Regel wurde schon unter den Nebentonvokalen kurz (vgl. 2.3) behandelt. Wörter mit auslautendem -rn und -rm erscheinen im Walliserdeutschen als -r+Vok, bei -rm kann das m erhalten sein (Aare(m) ‚ Arm ‘ ). Ein Sprossvokal wie in diesen zwei Fällen kann auch bei der Verbindung / lm/ auftreten: Beispiel Äälum (zu Elm). Im Löschental bleibt auch n erhalten. 3.8 Die Tilgung von / n/ vor Frikativ mit Ersatzdehnung, resp. -diphthongierung (Typ: Wiichel ‚ Winkel ‘ ) Diese Regel wurde schon beim Haupttonvokalismus berührt. Das sog. Staubsche Gesetz betrifft das Vorkommen von Nasalkonsonanten vor Frikativen generell, wobei die velaren Frikative in anderen schweizerdeutschen Dialekten als Verschlusslaute, resp. Affrikaten erscheinten (Winkel und Winggel). Die Regel geht generell auch über Wortbildungsfugen hinaus, vgl. das Beispiel Häischpil aus hane-spil ‚ Hahnenspiel ‘ . Zur Variation des Vokals oder Diphthongs wurde weiter oben Näheres gesagt. Die Verhältnisse im Einzelnen zeigt SDS (2, 97 - 108, für die Fälle mit -nk-) und (2, 124 - 132 für dentale und labiale Frikative). 3.9 Sprosskonsonanten Im Walliserdeutschen gibt es einige Fälle, in denen beim Aufeinandertreffen eines Nasalkonsonanten mit einem folgenden Konsonanten ein sog. Sprosskonsonant auftreten kann. Normalerweise ist dieser Sprosskonsonant ein Verschlusslaut, der die gleiche Artikulationsstelle wie der Nasal aufweist. Ein Beispiel ist Brunntschi aus Brunn+schi; besonders trickreich ist die Rekonstruktion eines / d/ oder / t/ bei Wörtern, die zuvor nach 3.1 an / n/ assimiliert wurden. So heisst es dr Unner Schtafel, aber vom Undru Schtafel. Auch nach / r/ und / l/ vor / š / kann ein / t/ entstehen, etwa beim Diminutivsuffix -schi (siehe unten 6.5). XVI Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen <?page no="17"?> 4. Die Flexion der Nomina im Walliserdeutschen Das Walliserdeutsche unterscheidet im Nomenbestand zwischen Singular und Plural; im Kasusbestand sind die ehemaligen Kasus Nominativ und Akkusativ nicht unterschieden. Der Genitiv ist nur noch in Restbeständen vorhanden (z. B. Tagsch ‚ Tages ‘ ), erscheint aber in Flurnamen häufig im Singular (ts Aadisch Hüss) oder im Plural (Bobmerroschlüecht ‚ die Schluecht der Bodmer ‘ (Ausserberg)). Der Dativ ist die oblique Form; er variiert in seinen Endungen regional entsprechend dem Nebentonvokalismus. Die im Folgenden mit (B.) gekennzeichneten Formen finden sich in B OHNENBERGER (1913), können aber nicht in jedem Fall als der heutigen Mundart entsprechend betrachtet werden. 4.1 Maskuline Nomina Die Klassifikation der Nomina folgt den Vorschlägen von B OHNENBERGER (1913). 4.1.1 Sogenannt starke maskuline Nomina 4.1.1.1 a-Deklination. Singular Plural Nom. tak taga Gen. tagsch tago (B.) Dat. tak tagu, tago, tage, tagn (B.) Anmerkung: Das Beispiel tag stammt von B OHNENBERGER (1913). Heute kann das gleiche Wort auch mit Umlaut erscheinen (zwei Tägg). Bei den Ortsnamen ist es vor allem Bäärg, das diesem Muster folgt. SDS (3, 164 ‚ Stiel, Stiele ‘ , 165 ‚ Knecht, Knechte ‘ , 166 ‚ Löffel Sg., Pl. (Nom.) ‘ , 167 ‚ Nagel/ Nägel ‘ ). Sonderfälle: Die Nomina auf -er und -el elidieren den Vokal manchmal (Hammer / Hamm(e)ra; Hubel / Hubla); bei -el kann Palatalisierung des -l auftreten (Eschel / Eschja). In einer Reihe von Gemeinden ist jedoch der Plural dieser Gruppe gleich wie der Singular. Die Nomina auf -rn, -rm vom Typ Doore ‚ Dorn ‘ erhalten das -nim Plural: Doorna. 4.1.1.2 i-Deklination Singular Plural Nom. gascht gescht Gen. gaschtsch (B.) geschto (B.) Dat. gascht geschtu, geschte, geschtn (B.), gescht n-Insertion kann auch bei vokalischem Auslaut im Dativ Plural auftreten: Schüöne ‚ Schuhen ‘ . 4.1.2 Sog. schwache maskuline Nomina Singular Plural Nom. Akk. has ə / haso hase Gen. Dat. hasu, hase, hasn (B.) Hasu, hasun (B.) Anmerkung: Im östlichen Oberwallis wird der Nom.Akk. Sg. mit einem Schwa ausgesprochen, der Plural dagegen mit einem geschlossenen [e]. Im westlichen Oberwallis dagegen findet sich hasu vs. hase und haso vs. hase / hasä; im Lötschental hasu vs. hasn (laut SDS 3, 169; siehe auch oben bei den Nebentonvokalen). 4.2 Neutrale Nomina 4.2.1 Sogenannt starke neutrale Nomina 4.2.1.1 a-Stämme Singular Plural Nom. Akk. jaar jaar Gen. jaarsch (B.) jaaro (B.) Dat. jaar jaaru, jaare, jaarn (B.) Anmerkung. Die starken Nomina auf -rn erhalten hier kein -nim Plural: Hoor ə / Hoore (SDS 3, 177). 4.2.1.2 -er-Stämme (mit Umlaut) Singular Plural Nom. Akk. hüs hiischer Gen. hüsch (B.) hiischro (B.) Dat. hüs hiischre, hiischrn (B.) 4.2.1.3 i-Plurale Singular Plural Nom. Akk. näscht näschti Gen. näschtsch (B.) näschto(B.) Dat. näscht näschtu, näschte, näschtn (B.) näscht Siehe dazu SDS (3, 175 ‚ Fest, Feste ‘ ). 4. Die Flexion der Nomina im Walliserdeutschen XVII <?page no="18"?> 4.2.1.4 -in-Plurale Singular Plural Nom. Akk. chisschi chisschini Gen. chisschisch (B.) chisschino (B.) Dat. chisschi chisschinu, chisschine, chisschin (B.) Anmerkung: Diminutive können palatalisierte -lerhalten: Grind-ji. (Zu den verschiedenen Diminutiven siehe unten). 4.2.2 Schwache Neutra Sie sind nach B OHNENBERGER (1913) selten; im Singular haben sie keine Endung, wirken also wie stark flektiert. Ein Beispiel ist ‚ Auge ‘ : Singular Plural Nom. Akk. öük öüge Gen. öüksch (B.) öügu (B.) Dat. öük öügu, öüge, öügn (B.) 4.3 Feminine Nomina 4.3.1 Sogenannt starke feminine i-Deklination (mit Umlaut): Singular Plural Nom. Akk. hant hent Gen. hant hendo (B.) Dat. hant hendu, hende, hendn (B.) Anmerkung: Der Umlaut ist in manchen Fällen offen (Hänt). 4.3.2 Schwache Deklination 1 Singular Plural Nom. Akk. mata, matu mate Gen. matu (B.) matu (B.) Dat. matu (B.) matu (B.) Die Variation im Nominativ Singular unterliegt regionaler Variation. Neben Matta ist Alpa eines der häufigsten Lemmata mit diesem Paradigma. Im Goms ist die Endung ein Schwa. 4.3.3 Schwache Deklination 2 Singular Plural Nom. Akk. chucchi chucchine Gen. Dat. chucchi chuchinu (B.) 5. Adjektive des Walliserdeutschen Viele Orts- und Flurnamen enthalten Adjektive, die sich unterschiedlich verhalten können. Bei den lebendigen Namen wurden normalerweise auch oblique Formen erhoben, um herauszufinden, ob ein vorhandenes attributives Adjektiv flektiert wird oder nicht und wie es flektiert wird. Da Namen normalerweise bestimmt sind (dr Aalt Stafel), hat das Adjektiv eine schwache Form; die oblique Form ist dann vam Aaltu Stafel. Der Vokalismus der Nebentonsilbe ist wiederum regional unterschiedlich. Bei festen Adjektiv-Nomen-Verbindungen wird das Adjektiv im Dativ nicht flektiert: vam Aaltstafel. Vermutlich ist in diesem Fall der Hauptakzent auf dem Adjektiv; im flektierten Fall dagegen auf dem Nomen (das wurde leider nicht immer notiert). 5.1 Starkes Adjektiv Singular Mask. Fem. Ntr. Nom. Akk. güötä / güöte güöti güöts / (groosses / groossus) Dat. güötum / güöt ə m güöter güötum / güöt ə m Der Genitiv ist nach B OHNENBERGER (1913) aaltsch, aalter, aaltsch. Plural Mask. Fem. Ntr. Nom. Akk. güöti güöti güöti Dat. güöte güöte güöte Daneben gibt es vereinzelt endungslose Formen wie beed Aarma, beed Hent (B OHNENBERGER 1913). Die starken Formen des Adjektivs erscheinen bei artikellosen Konstruktionen (güötä Wii, güöti Milch, güöts Broot; güöti Lit), nach dem unbestimmten Artikel (en güötä Wii, en güöti Milch, es güöts Broot), auch ohne Bezugsnomen, und im prädikativen Gebrauch (der Wii isch güötä, t Milch isch güöti, ts Broot isch güöts). 5.2 Schwaches Adjektiv Singular Mask. Fem. Ntr. Nom. Akk. aaltu/ aalt ə / aalt aalta aalta Dat. aalte aalta aalte Plural alle drei Genera Nom. Akk. aaltu / aalte Dat. aalte / aaltu XVIII Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen <?page no="19"?> Die ‚ schwache ‘ Form wird beim substantivierten Adjektiv verwendet (dr Aalt(e), t Aalta, ts Aalta). Nach dem definiten Artikel erscheint häufig ein endungsloses Adjekt (dr aalt Ma, di aalt Fröü, ts aalt Hüss); aber im Dativ ((d)em aalte Ma, der aalte Fröü, (d)em aalte Hüs) kann eine Endung entstehen. Im Plural erscheint ein [e]: di aalte Manna, di aalte Fröüwe, di aalte Hiischer. Dieses [e] kann auch als [u] realisiert werden. 6. Partizipien im Walliserdeutschen 6.1 Partizip Präsens auf -end In wenigen Fällen erscheinen Partizipia des Präsens auf -end, -änd, -und. Sie können entweder substantiviert erscheinen (selten) wie in ts Schtotsunda ‚ das Stotzende ‘ oder als Attribute, wie in t hangend Egga oder dr lägend Gletscher. Die Partizipia folgen dabei dem Muster der schwachen Adjektive. (In anderen Schweizer Dialekten verschwindet der Nasalkonsonant und es entstehen Formen wie hanget und läget.) 6.2 Partizip Perfekt Passiv Diese Partizipbildung ist bei starken und schwachen Verben unterschiedlich. In beiden Fällen steht ein Präfix gi-, sofern kein anderes untrennbares Suffix (wie be-, veretc.) vorhanden ist. Die starken Verben haben -e(n) (-ä(n), -(un)) als Endung, die schwachen -t. Dazu treten allfällige Endungen. Die Partizipia können substantiviert oder attributiv erscheinen. Beispiele für starke (keine substantivierten Belege gefunden): dr verbrunne Fat, ts gibrochu Hittgi. Beispiele für schwache: ts Verbrannta. 7. Ableitungen: die Diminutive Das Walliserdeutsche kennt mehrere Diminutive, die im Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS 3, 149 - 158) gut erfasst sind. 7.1 -i (Typ Achi, Bidi) Diese neutrale -i-Ableitung ist relativ häufig; sie kann mit oder ohne Umlaut auftreten. In Fällen wie Achi zu Acher und Bidi zu Bidem erfolgt dabei die Ableitung von einem reduzierten Stamm. Das Suffix kann auch mit einem Ortsnamen zusammen als Bezeichnung für einen Bewohner des Ortes verwendet werden (es Brigi ‚ ein Briger ‘ , es Gommi ‚ ein Gommer ‘ ), oder zusammen mit einem Geschlechtsnamen (es Werli ‚ ein Mann aus der Familie Werlen ‘ , es Fänetschi ‚ ein Mann aus der Familie Venetz ‘ ). Es gibt auch Berufsbezeichnungen dieses Typs wie es Schüeni ‚ ein Schuhmacher ‘ . In solchen Fällen liegt wohl kein Diminutiv im semantischen Sinn vor. 7.2 -li (Typ Hoorli, Schiirli) Diese neutrale Ableitung entspricht dem mhd. -lîn-Typ; sie tritt mit oder ohne Umlaut auf. Sie steht in Konkurrenz zur palatalisierten Form -ji (siehe oben 3.2). Nach / r/ steht praktisch nur die Form -li. 7.3 -ji (Typ Bidemji, Blattji / Blaggji) Diese neutrale Ableitung ist ebenfalls mit und ohne Umlaut möglich. Relativ häufig führt die palatalisierte Form nach einem dentalen Konsonanten zu dessen Velarisierung. Das ergibt Namen wie Blaggji zu Blatt-, Brungji zu Brunn-, Gäärggji zu Gaartusw. Das Lötschental kennt die palatalisierte Form nicht. 7.4 -(el)ti (Typ Bielti, Alpelti) Diese neutrale Ableitung ist bei Namen häufig; auch sie ist mit und ohne Umlaut möglich. Die Form ist zunächst -ti zu Wörtern, die ein -el (mit verschiedenem Vokalismus wie -ol, -il, -ul) im Stamm haben. So ist bei Biel-ti ‚ Bühl-lein ‘ -el nicht Teil des Suffixes. Hingegen ist in Fällen wie Alpelti, Eggelti, Eielti zu Alp-, Egg- und Eidas Suffix -elti, mit wiederum wechselndem Vokal nach 2.1 oben. Das erweiterte Suffix ist produktiv. 7.5 -(t)schi (Typ Brunntschi) Dieses neutrale Suffix ist seltener und auch im Alltagsgebrauch nicht mehr sehr lebendig. Im Fall von Brunntschi tritt ein Sprosskonsonant auf: Brunn + schi. Vorsicht geboten ist bei einigen Namen, wo das -sch zum Stamm gehört und dann vermutlich ein -i-Diminutiv vorliegt. Das scheint bei Giretschi der Fall zu sein. Auf der andern Seite gibt es auch die Möglichkeit einer analogischen Erweiterung des Suffixes auf -tschi wie in Talltschi zu Tal (üblicher ist Telli). 7.6 -si (Typ Mundsi) Dieses neutrale Suffix scheint nur in sehr wenigen Belegen vorhanden zu sein und ist sicher nicht mehr produktiv. Mundsi ‚ Kuss ‘ ist der bekannteste Beleg. Bisher wurden keine Belege in Flurnamen gefunden. 7. Ableitungen: die Diminutive XIX <?page no="20"?> 8. Präfixe des Walliserdeutschen 8.1 gials Kollektiv (ntr.) Ähnlich wie im Hochdeutschen (Ge-äst, Ge-stein) kennt das Walliserdeutsche Bildungen mit gi-. Wie beim Verbpräfix giwird der Vokal im allgemeinen getilgt; vor einem Verschlusslaut wird von Brig bis Leuk der Vokal nicht getilgt, oberhalb wird er getilgt und das gassimiliert sich an den folgenden Verschlusslaut. Einige Beispiele: Gigufer, Giblätt, Gibreita, Gibrächtji, Gibidum, Gidick, Gidischtel, Gifett, Gschtei, Gschtid, Gschtipf, Glaiwina, Gläärch, Graafji und Grit. Die Beispiele zeigen, dass Umlaut nicht immer eintritt; in Fällen wie Gibreita ist unklar, ob eine a-Ableitung zu Breit vorhanden ist, zu der gitritt, oder ob das Präfix mit dem Suffix zusammengehört (wie in nhd. Ge-e in Gerede). Normalerweise sind gi-Präfixbildungen neutral, weisen also den Artikel ts auf. Inhaltlich bezeichnen sie meist Kollektiva. 9. Derivationssuffixe im Walliserdeutschen Vorbemerkung: Suffixe legen das Geschlecht des abgeleiteten Wortes fest. Ein Teil von ihnen setzt auch bestimmte Wortarten für das Grundwort voraus. Entsprechend wird von deverbativen, denominalen und deadjektivischen Bildungen gesprochen. 9.1 -a (fem.) (Varianten: ə / -a / -u) Das feminine Derivationssuffix -a ist zunächst ein deverbatives Suffix wie in Wasserleita (zum Verb leiten ‚ lenken, führen ‘ ); es bezeichnet ein Instrument im weitesten Sinn. Weiter gibt es auch deadjektivische Bildungen, so vor allem Breita, Gibreita (mit gi-Präfix), und vermutlich denominale wie in Schipfa. S ONDEREGGER (1958, 511) führt das Suffix auf germ. -jô zurück, was Umlaut und allfällige Geminate erklären würde; als Bedeutung gibt er „ Zugehörigkeit “ . Andere Namen auf -a (fem.) sind entweder -a-Nomina oder haben romanische Wurzeln; manchmal ist unentscheidbar, ob ein maskuliner Plural oder ein femininer Singular vorliegt. Substantivierte Adjektive wie Groossa, Niwwa (meist zu Wasserleita) lassen sich nicht als Derivationen betrachten. Bei Flussnamen vom Typ Gamsa, Vispa ist nicht klar, ob das alte Suffix -aha (S ONDEREGGER 1958, 465) vorliegt oder eine andere Ableitung. Flussnamen mit dem erweiterten Suffix -ina (Saltina, Ägine) können ein ursprünglich romanisches Suffix enthalten, das aber auch produkiv geworden sein kann (z. B. Altina, Altana) (siehe unter -ina). 9.2 -elti (ntr., Diminutiv) (Varianten: ə lti, -ulti, -ilti, -olti, -uti) Zu diesen Dimininutiven siehe oben 7.4. 9.3 -er (mask., Personennamen in Orts- und Flurnamen) (Varianten: -er, -ler, -är, -jer) Das Suffix -er mit seinen Varianten erscheint in Personennamen (mit Erweiterung auf -ler); diese PNN können in Orts- und Flurnamen im Genitiv Singular oder Plural vorkommen. Beispiel ts Rufinersch Wägj ‚ des Rufiners Weglein ‘ . Hier ist der Familienname Rufiner von einer Ortsbezeichnung Rufi oder Rufina abgeleitet. In den historischen Belegen erscheint häufig der Plural in der Form Albinerro Wald ‚ der Wald der Leute aus Albinen ‘ oder Bacherro Biela ‚ der Bühl der Leute aus dem Bach oder der Familie Bacher ‘ . In diesen Belegen ist nicht immer klar, ob mit Albiner oder Bacher schon ein FN oder einfach eine Herkunftsbezeichnung vorliegt. In lebenden Fälle wie ts Jodere Wäälji ‚ des Jodern Wäldchen ‘ kann ein PN oder ein FN (oder ein Übername, der im Dorf bekannt ist) gemeint sein. In Zusammensetzungen wie Steineregg (mit Erstbetonung) wird der Besitzername wie ein Bestimmungswort verwendet (auch als Adjektiv! ). 9.4 -er (mask. Herkunftsbezeichnung) (Varianten: -er / -är) Die Herkunftsbezeichnungen sind eng verbunden mit dem Suffix -er unter 9.3. Die Herkunftsbezeichnungen erscheinen als Adjektive, die auf ursprüngliche Genitive zurückgehen können, oder Bildungen auf ahd. -ari (S ON- DEREGGER 1958, 525); es können durch falsche Abtrennungen auch -ler oder -ner entstehen. Beispiele: Agaarnerwaalt, Almagäller Alpu, Saaserwäg, Alpjer Bach. 9.5 -er / -ler (mask. Stellenbezeichnungen) (Varianten: -er, -ler, -är, -jer) Das Suffix -er / -ler als sogenannte Stellenbezeichnung kommt nach S ONDEREGGER (1958, 541) in mehrerenTypen vor: 1. Denominative Bildungen (Typ: Brämer zu Brämi ‚ Brombeere ‘ ); 2. Bildungen von Zahlwörtern (Dryer, Dreier zu drei); 3. Deverbative Bildungen (Typ: Brenner zu ‚ Holzkohle brennen ‘ ). Stellenbezeichnung kann also heissen, dass es dort etwas hat, was das Nomen bezeichnet, oder dass dort etwas geschah, was das Verb bezeichnet, oder dass es von etwas zwei oder drei (etc.) Dinge gab. Belege im Wallis sind etwa Ameisser, Chatzler, bi de Zwejere. Weitere Belege: Blackerli (Diminutiv zu Blacker, wo es viele Blacken hat), Choler (wo man Kohlen brennt), XX Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen <?page no="21"?> Blattjer (wo es viele Blatten (Felsplatten) hat), Eicherli, Erler, Felacher (wo es viele Felache hat), Holler (wo es Holunder hat), Intjeier (Hütte, wo man die Tiere hineintun kann). Die Endung -er kann auch zum Wort gehören (Acher) oder Plurale bezeichnen (Lecher, Leesser). Adjekive wie inner, ober, hinner, üsser, unner usw. sind nicht hieher zu rechnen. 9.6 -era (fem.) (Varianten: -erra, -erru, -era, -eru) Zu diesem Suffix sagt S ONDEREGGER : „ Die lateinische Endung -âria ist in schweizerdeutschen und süddeutschen Mundarten zu einem Suffix -ere(n) [ … ] entwickelt worden und hat auch in den romanischen Sprachen Entsprechungen (fr. -ière, ital. -iera, rätorom. -era). Das Suffix ist denominativ und bezieht sich auf Sachen und Personen, einerseits den räumlichen Bereich anzeigend, wo die betreffende Sache von Natur aus in großer Menge vorhanden ist oder hergestellt wird (Gersteren ‚ Ort wo viel Gerste wächst ‘ … ), anderseits den Wohnsitz oder Besitz von Personen bezeichnend. “ (1958, 471 f.). Im Walliserdeutschen wird das Suffix auch für die Benennung von Suonen oder Wasserleiten verwendet; es kann dann auch als feminine Erweiterung von Herkunftsbezeichnungen gesehen werden. Die Varianten mit langem / rr/ überwiegen. Beispiele: Gäärschterra, Haberra, Hafnerra, Müölerra, Tischterra, Weiderra, Fiechterru, Fischperru, Gärwerra, Dirriweiderra, Lüögjerru (bei Lüögja, Hohtenn). Das Suffix scheint vor allem im Bezirk Visp und Westlich Raron vertreten zu sein. 9.7 -eri (fem., sog. Movierung) (Varianten: -eri, -äri, -ere, -erri) Das Suffix ist eigentlich eine -i-Ableitung von Herkunfts- oder Besitzerbezeichnungen auf -er. Diese Ableitung wird traditionell als Movierung bezeichnet: „ Feminine Movierungen können eine Wiese, eine Weide oder einen Hof bezeichnen und sind von ON, wo sie die Lage bezeichnen, oder von PN, wo sie den Besitz angeben, abgeleitet. “ (S ONDEREGGER 1958, 551). Im Wallis sind es vor allem Wasserleiten oder Suonen, die so benannt werden. Beispiele: Baneri (Visperterminen, fliesst durch Bawald) und viele andere Wasserleiten. Beispiele für andere Typen: Chouueri, Foggleri, Gaalzeri (Geschinen, Alpweide), Giigeribodu, Häärderi, Schniideri. 9.8 -et (ntr.) Der bekannteste Name dieses Typs ist Äbnet oder Ebnet (und die dazu gehörenden Varianten), der auf ahd. ëbanoti zurückgeführt wird. Das Suffix entwickelt sich später zu -et. S ONDEREGGER (1958, 524) weist darauf hin, dass ahd. Formen auf -ôti / -ôdi neutral sind, auf -ôt / -ôd maskulin. In unserem Namenbestand sind primär neutrale Belege enthalten. Es scheint aber auch Namen zu geben, die ein romanisches Suffix -et enthalten. Wir geben zunächst einige Beispiele mit vermutlich deutscher Wurzel: Reetet, Riiset, Albet, Blattet, Brunnet, Bäret, Chantslet, Äbmet, Ebnet, Griset, Gsteinet, Gurtet, Schallbett, Schälbet, Steinet; vermutlich romanische: Filet, Floret, Glaret, Gognet, Golliet, Loveret, Ponntet, Mulinet. Das romanische Suffix müsste eigentlich feminin sein; es scheint aber einen Einfluss des deutschen Suffixes auf das romanische zu geben. Nicht eingeschlossen sind romanische Namen mit Endbetonungen. Die deutschen Ableitungen können von Adjektiven (root) oder Substantiven (Brunn, Blatt, Chantsel) abgeleitet sein und bezeichnen Stellen, die eine bestimmte Eigenschaft oder Beschaffenheit aufweisen. Die romanischen weisen wohl eine Ableitung zu einem Suffix - ITTU ( M ) / - ITTA auf (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287, wo weitere lateinische Suffixe aufgeführt sind; für eine ausführlichere Suffixliste des Rätoromanischen vgl. RN 2, 1027 - 1034). 9.9 -eta (fem.) (Varianten -eta / -etu) Das Suffix wird von S ONDEREGGER (1958, 482) auf ein romanisches Suffix -âta zurückgeführt, das schweizerdeutsch als -ete erscheint. In unserem Namenbestand können auch ursprünglich romanische Bildungen auftreten. Sicher deutsch ist der häufig vorkommende Name Howweta (mit seinen Varianten). Auch sehr verbreitet sind Belege vom Typ Pflanzeta. Da es im Bezirk Leuk mehrere historische Belege wie in Agarn Grangeta (1337), in Leukerbad Fleseta, in Salgesch Goleta gibt, ist auch eine romanische Bildung zu vermuten. Neben Pflanzeta finden wir auch Flanzeta, was sich auf eine Patois-Form mit anlautendem * FLAN aus PLANU (möglicherweise identisch mit Planchettaz bei B OSSARD / C HAVAN 2006, 59, primäres Suffix wäre - ITTA ) zurückführen liesse. Pflanzeta wäre dann volksetymologisch oder durch Assimilation des Artikels an das anlautende fals Ableitung zum deutschen Wort pflanzverstanden worden. Darauf deuten eine Reihe von historischen Belegen zu flantzata hin. Ägreta in Bellwald ist eine Umdeutung von historischem Eggerden. Das im Walliserdeutschen häufig vorkommende Suffix -eta / -etu etc. (Aarfleta, Lismeta, Biezeta, Bacheta) mit den Bedeutungen ‚ die Menge, die ein Gefäss usw. fassen kann ‘ und deverbal ‚ das Produkt der Verbalhandlung ‘ können die Semantik des namenbildenden Suffixes, das romanisch ein Diminutiv ist, beeinflussen. Bei den Pluralen ist nicht immer klar, ob 9. Derivationssuffixe im Walliserdeutschen XXI <?page no="22"?> ein neutraler -et-Stamm vorliegt oder ein femininer -eta/ -etu-Stamm. 9.10 -heit (fem.) Das Suffix -heit bildet nominale Abstrakta aus Adjektiven oder - seltener - Nomina. In unserem Korpus kommen nur drei Typen vor: Friiheit, Göüchheit und Löübheit. Bei Friiheit liegt sicher das Suffix vor; bezeichnet werden steil aufragende, frei stehende Felsen. Göüchheit ist sehr häufig; hier ist unklar, ob -heit das Suffix ist oder sich auf Heide bezieht, das sich im Wallis sonst aber nur als entweder der Heide (paganus) oder die Heidelbeere bezieht, wobei Heidelbeere ursprünglich von Heide abgeleitet ist. Löübheit ist unklar, geläufiger ist das Simplex Löub oder pl. Löuber allein. 9.11 -i (fem. Adjektivabstraktum) Das ahd. Suffix -î leitet Nomina von Adjektiven ab; nhd. erscheint es als auslautendes Schwa wie in Höhe, Grösse etc. (S ONDEREGGER 1958, 495). Auch in Oberwalliser Namen ist es häufig: Heeji, Wildi, Engi, Plitti und andere mehr. 9.12 -i (fem. Verbalabstraktum) Das ahd. Suffix -î(n) (S ONDEREGGER 1958, 497) leitet aus Verben Nomina ab, die ein Produkt der Verbalhandlung, einen Ort oder ein Instrument bezeichnen können. Beispiele sind Weri, Riti, Deri (zu dere, derre ‚ dörren ‘ ), Ajegi (wo die Jagd beginnt), Treichi und andere mehr. 9.13 -i (neutr., Diminutiv) Der neutrale Diminutiv wurde oben unter 7.1 ausführlich behandelt. 9.14 -ig (mask., meist pl.) S ONDEREGGER (1958, 503) führt es auf ahd. -ing zurück. Er kennt drei Bildungstypen: Familiennamen mit -ing, Ortsbewohnernamen mit -ing, singularische Stellenbezeichnungen. Zu letzeren: sie können von Substantiven, Adjektiven und Verben abgeleitet sein; Variante ist -ling. Beispiele von S ONDEREGGER : Chrömmlig aus Krumbling, Greblig aus Grabling. In unserem Bestand kommen vor allem historisch sehr viele Familiennamen vor, oft im Genitiv Plural wie in Carligo Wald, Gattligo Wald. Aus Ortsnamen entstehen ebenfalls solche Formen: Bieliger Bode (zum Ortsnamen Biel). In lebendigen Namen wird der auslautende Vokal meist abgeschwächt zu Schwa oder [u]. Statt eines Plurals kann auch ein Singular erscheinen: ts Werligsch Waald. Das Suffix -ing für Kollektive ist im Wallis bis in die Gegenwart hinein lebendig geblieben; in Familiennamen gibt es Doppelungen wie Schnyder vs. Schnydrig oder Schmid vs. Schmidig und andere. Die Siedlungsnamen wie Ritzingen, Blitzingen, Selkingen und andere sind deswegen nicht als frühe Siedlungen wie die Mittellandnamen auf -ingen zu betrachten, sondern als lebende Weiterbildungen, hier zu einfachen Personennamen. Stellungsbezeichnungen auf -ig sind selten, Beispiele sind etwa Reetig und Rootig (beide zu root), Chrüütig, Dischlig, vielleicht auch Chräyige. Nicht zu diesem Suffix gehören die femininen -ig- Formen, die dem Hochdeutschen -ung entsprechen (Chrizig, Abzweigig). Auch Adjektive auf -ig (brannig, aschpig) gehören nicht hierzu; sie werden meist attributiv verwendet. 9.15 -ig (fem.) -ig bildet deverbative Substantivabstrakta, die dem hdt. -ung entsprechen. Solche Bildungen sind im allgemeinen nicht alt. Beispiele sind Chrizig, Abzweigig. Älter scheint Atzig zu sein. 9.16 -ig (adjektivisch) Das Suffix -ig (ahd. -îg, S ONDEREGGER 1958, 487) bildet Adjektive aus Nomina oder Verben. In unserem Namenbestand werden die Adjektive fast nur attributiv verwendet, wie in im Aschpigu Bode, t Brannig Egga, Bruchligen Tschuggo. Manchmal ist unklar, ob - wie in Rootig - ein substantiviertes Adjektiv vorliegt, oder eine Stellenbezeichnung auf -ig, oder gar ein Familienname auf -ig. 9.17 -ina (fem.) (Varianten: -ina, -ana, -ena, -inu, -ene) Es scheint, dass sich hier verschiedene Bildungen zu einem Quasi-Suffix vereinigen. Die Fälle Lowwina, Rufina erscheinen als erweiterte Bildungen zu Lowwi, Rufi, wobei mindesten Lowwi auf mlat. *labina zurückgeführt wird. Flussnamen wie Saltina, Saltana oder Wasserleiten wie Altina, Altana könnten ein urspr. lateinisches Suffix enthalten, das später (mit Akzentwechsel) zu -ina wurde (s. auch Aegina, Aegene zu AQUA ? ). Bitzina ist wohl eine Erweiterung zum sonst belegten Bitzi (zu ahd. bî-zuni). Viele andere Beispiele sind unklar. Auch -ona als romanisches Suffix könnte hineinspielen (siehe Funnona für das heutige Finne(n)). XXII Die räumliche Gliederung des Walliserdeutschen <?page no="23"?> 9.18 -ja (fem.) (Varianten: -ja, -ju) Es handelt sich um die palatalisierte Variante von -la (siehe unten). S ONDEREGGER (1958, 517) sieht im entsprechenden -(e)le eine Stellenbezeichnung, abgeleitet aus Substantiven (Eggelen aus Egg), Adjektiven (Derbelen aus derb) und Verben (Hängelen zu hangen). Beispiele aus unserem Korpus sind: Alpja, Blattja, Djepja, Figja, Fochja, Ggipfja, Gibja, Griebja, Gummja, Liegja, Lüögja, Meiggja, Mettja, Gettja. Dabei sind die Grundwörter nicht immer sicher erklärbar. 9.19 -ji (ntr., Diminutiv) Diminutive auf -ji wurden unter 7.2 ausführlich behandelt. 9.20 -la (fem.) (Varianten: -la, -lu) Diese Ableitung ist das nicht-palatale Gegenstück zu 9.18 -ja. Im Lötschental ist die Form mit / l/ normal. Beispiele (teilweise historisch -la, lebend -ja): Gibla, Giigela, Godela, Gugla, Hasela, Hellela, Hängela, Bachla, Määrjela. Unklar ist Isla, das einmal als Insula erscheint; es könnte sich also um Insel handeln. Dies könnte im unteren Wallis auch zu Ill werden, also eine allgemeine Weiterbildung von lat. insula aufweisen. 9.21 -li (ntr., Diminutiv) (-li, -lin) Das diminutive -li wurde unter 7.3 schon ausführlich behandelt. 9.22 -schaft (fem. Kollektiv) Bei S ONDEREGGER (1958) ist dieses Suffix nicht erwähnt. Es ist ein desubstantivisches Kollektivsuffix und erscheint in den folgenden Belegen Burgschaft, Grafschaft, Wirtschaft, Brüöderschaft, Geteilschaft. Die Belege sind jeweils sehr spezifisch: Grafschaft ist ein Teil des unteren Goms, Geteilschaft ist das Kollektiv der Geteilen, denen eine Alp gehört, Brüöderschaft ist eine religiöse Vereinigung. Bei Burgerschaft ist das alte Zentrum von Brig (dazu auch von Visp und Leuk) gemeint, in Brig geschieden in t Unner und t Ober Burgschaft. Bei letzterem könnte, wie bei Grafschaft, ursprünglich einfach das Gebiet gemeint sein, dass den Burgern gehört (wäre aber eher Burgerschaft). 9.23 -(t)schi (ntr. Diminutiv) (Varianten -dschi, -tschi, -schi) Der Diminutiv auf -tschi mit seinen Varianten wurde schon unter 7.5 ausführlich behandelt. 9.24 -(el)ti (ntr. Diminutiv) (Varianten -elti, -ulti, -uti, -älti) Der Diminutiv auf -(el)ti) wurde schon unter 7.4 behandelt. 9.25 -scha / -schu. Das Suffix -scha, im Bezirk Leuk -schu, aber auch sonst als oblique Form, historisch als -sa / -su, ist ausserhalb des Wallis, soweit bekannt, nicht belegt. Es tritt primär mit PN auf (Huitbrächtscha, Blatten) und meint dann ‚ das Gut des Huitbrächt ‘ . In einigen Fällen kann auch die Lage eines Gutes gemeint sein (Heescha, (Embd, historische Belege legen aber Hew ‚ Heu ‘ nahe)), Mittscha (Fieschertal, Mörel), Obscha (Bürchen, Eischoll, Unterbäch). In einigen Fällen ist -scha Teil des Namens (z. B. Giritscha ‚ Eberesche ‘ ) und kann deswegen nicht als Suffix gewertet werden. Diese Darstellung verdankt sich neben dem SDS und der zitierten Literatur der ausführlichen Beschäftigung mit den Orts- und Flurnamen des Oberwallis. Zu berücksichtigen ist, dass die historischen Belege, insbesondere solche nach 1500, dem Frühneuhochdeutschen und dem Hochdeutschen folgen können. Das ist normalerweise unproblematisch, kann aber in Einzelfällen zu Schwierigkeiten führen. So sind etwa die nhd. Diphthongierung in Fällen wie / ei/ , / au/ und / eu/ notiert, wo die wdt. Formen ein / î/ , / û/ und zu / î/ entrundetem / iu/ erwarten lassen. H OTZENKÖCHERLE (1963, nachgedruckt 1986) hat jedoch darauf hingewiesen, dass alemannisch klîn / klein dieser Regel nicht folgt. So weisen manche Walliser Flurnamen ein chlei(n) auf, das nicht hdt., sondern dialektal ist. Nicht ausführlich dargestellt wurde der italienische, resp. piemontesisch-lombardische Teil der Flurnamen, die sich insbesondere auf den AIS (Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz), O LIVIERI (1965), P ETRINI (1993 u. später), das LSI (Lessico dialettale della Svizzera italiana) und den RIP (Repertorio italiano-dialetto) sowie D EVOTO / O LI (2020) stützen. Behilflich waren dabei Prof. Dr. B RUNO M ORETTI und die Redaktoren des Vocabolario della Svizzera italiana. Dank auch an Dr. G. V ASSERE , der inzwischen Direktor der Biblioteca cantonale del Ticino ist. 9. Derivationssuffixe im Walliserdeutschen XXIII <?page no="24"?> Literatur als Hilfe, Probleme damit und Hinweise für Zitierungen Ein grosser Teil der Arbeit an den Orts- und Flurnamen besteht in der Sichtung der Literatur. Was auf den ersten Blick als problemlos erscheint, weist bei näherem Zusehen einige Schwierigkeiten auf. Es genügt ja nicht, einfach irgendwo irgendetwas abzuschreiben. Immer muss man sich bewusst sein, woher eine Erklärung oder Deutung stammt, was mit ihr bezweckt wird und was sie leisten kann. Ein geflügeltes Wort, das dem leider verstorbenen Namenforscher Dr. Eugen Nyffenegger zugeschrieben wird, lautete: die einfachsten Deutungen sind immer die besten. Aber nicht immer sind die einfachsten leicht zu finden und nicht immer sind sie dann die besten. Aber zurück zur Literatur: Der einfachste Fall sind Monographien, die einmal erschienen sind und seither nicht mehr verändert wurden. Das sind in unserem Fall etwa die Werke von B RIDEL (1866), das erste umfassende Glossaire du patois de la Suisse romande, R ÄNKE (1903) über das Französische im Wallis, W IPF (1910) über Visperterminen, M EYER (1914) über das Einfischtal (Val d ’ Anniviers), P IERREHUMBERT (1926) mit seinem Dictionnaire historique du parler neuchatelois et Suisse romande, G ERSTER (1927) über Montana, T AGMANN (1946) über Miège, Z INSLI (o. J. [1946]) zu Grund und Grat und Z INSLI (1984) zum Südwalser Namengut, R ÜBEL (1950) über die Viehzucht im Oberwallis, S CHMID (1969) über Bellwald und viele andere mehr. Manche von ihnen, etwa J ACCARD (1906) sind später neu aufgelegt worden (mein Exemplar etwa 2014 in Genf), manche sind ursprünglich als Zeitschriftenartikel erschienen und dann als Buch publiziert worden, wie etwa G UEX ( 2 1976), wieder andere sind Zeitschriftenartikel geblieben wie etwa K LEIBER (1992) oder E. J OSSEN (1986), der aber 1989 ein sehr viel umfassenderes Buch über den Ort Mund geschrieben hat. Das Problem aller dieser Publikationen ist es, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Drucklegung zwar noch aktuell waren, später aber nicht mehr und deswegen in die Irre führen. So hat etwa Z IMMERMANN (1968) in seiner Dissertation über Die Orts- und Flurnamen des Vispertales im Wallis auf S. 20 Mära ‚ steil abfallender Fels und Umgebung ‘ erwähnt und stellt es mit der Literatur zu Morga ‚ Grenze ‘ , ohne auf das naheliegende Mära > Märch (I D . 4, 394) zu verweisen (phonetisch als M ǟ re n ‚ Stute ‘ ); ein Hinweis, der die seltsame Deutung ( ‚ ein Ort aussehend wie eine Stute ‘ ) hätte erklären können. Anders verhält es sich mit Publikationen wie dem Schweizerdeutschen Wörterbuch, das wir als I D .[iotikon] zitieren: es ist immer noch nicht vollständig erschienen; die ersten vier Bände sind weitestgehend veraltet, die jüngeren zitieren immer mehr Quellen und verfügen über immer mehr Literatur. Mit der Verwendung des Internet sind solche Verzeichnisse leichter zitierbar geworden, aber ihr Grundproblem bleibt: je älter etwas ist, um so weniger ist es an neuerer Literatur orientiert. Ein Forscher wie J. U. H UBSCHMIED hat das deutlich erfahren: galten seine Deutungen in den Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts als unangefochten, werden sie heute nur noch vereinzelt zitiert, meist mit Vorbehalten. Dabei ist nicht so sehr sein Keltentum in Frage gestellt (siehe aber P OKORNY (1948 - 49)), als vielmehr seine Sicht der alten Gottheiten, die sich in den Namen versteckten. Neben dem Idiotikon sind es die drei romanistischen nationalen Wörterbücher, von den wir vor allem das Glossaire des patois de la Suisse romande (G PSR ) zitiert haben. Dieses, das Vocabolario della Svizzera italiana und das Dicziunari rumantsch grischun beruhen auf Fragebogen (in jüngerer Zeit auch weitere Materialien) und sind allesamt weit von ihrer Vollendung entfernt. Als Ersatz dient uns, für das Französische und das Frankoprovenzalische das Französische Etymologische Wörterbuch (FEW), das zwar vollendet ist (eine Neuauflage ist in Band 1 (Refonte) vorhanden), aber kaum auf die geographischen Namen Rücksicht nimmt. Für die bis 2005 geltenden Gemeindenamen haben wir auf das monumentale Werk von K RISTOL ET AL . (2005) zurückgegriffen; da vor allem im Wallis Gemeindefusionen im 21. Jahrhundert üblich waren, sind nicht alle heutigen Gemeinden erfasst. Schwieriger als diese Jahrhundertwerke sind die Bücher, die in ständig neuen und veränderten Auflagen erscheinen. Sie sind einerseits in den nationalen Wörterbüchern zitiert (und damit veraltet, sobald eine neue Auflage erscheint), anderseits unterscheiden sie sich im Verlauf ihres Erscheinens auch inhaltlich. Klassiker dieser Sorte bereiten eine grosse Unsicherheit: welche Ausgabe soll zitiert werden? Und welche gibt Antworten auf die Fragen, die sich uns stellen? Ein Beispiel dafür ist das heute als K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011) zitierte Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache. Es wurde im Laufe der Arbeit am Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch seit 1995 (23. Auflage) verwendet und inzwischen auf die 25. Auflage umgeschrieben. Oder die 25. Auflage von H ERMANN P AUL s Mittelhochdeutscher Grammatik, die von T H . K LEIN , H.-J. S OLMS und K.-P. W EGERA 2007 in Tübingen herausgegeben wurde; sie kann sich auf die früheren Ausgaben stützen, führt aber neue Aspekte ein, die XXIV <?page no="25"?> früher nicht gesehen wurden. Auch das als A MMON ET AL . (2004) zitierte Variantenwörterbuch des Deutschen ist inzwischen in einer neuen Auflage von 2016 erschienen und müsste deswegen neu zitiert werden; da nur wenige Zitate der ersten Auflage enthalten sind, wurde darauf verzichtet. Solche Werke stellen uns vor teilweise unlösbare Aufgaben. Etwas weniger problematisch sind Neu-Auflagen von Werken, die sich mit wenigen, kleinen Ausnahmen gleich bleiben. So zitieren wir etwa A LOIS G RICHTING in seinem Werk Wallisertitschi Weerter aus dem Jahre 1998, obwohl das Werk inzwischen in weiteren Auflagen erschienen ist, allerdings ohne Veränderungen (von Druckfehlern abgesehen); die neueste Auflage stammt von 2021 (! ). Bei G RICHTING ist wichtig, dass er unbetontes [ ə ] nicht kennt und es häufig mit {ä} wiedergibt, was Leserinnen und Lesern unter Umständen zu falschen Schlüssen führen kann; insbesondere sind die vielen unbetonten {ä}-Formen für das Goms regelmässig als [ ə ] zu lesen. Hingegen wurde der Sonderwortschatz über die Gebäude von V. S CHMID (2003) verwendet, das unseres Wissens in der Zwischenzeit nicht neu aufgelegt wurde. B OSSARD / C HAVAN wird von uns aus dem Jahre 2006 zitiert, obwohl in der Zwischenzeit eine Neu-Auflage des Buches von 2014 erschienen ist; die beiden Autoren schreiben die bei ihnen versammelten Orts- und Flurnamen jedoch normal, das heisst ohne Diakritika, während das G PSR Diakritika anwendet, was in einzelnen Fällen Schwierigkeiten bereitet. Ein Problem der besonderen Art stellen die vielen populären Abhandlungen zu Orts- und Flurnamen des Wallis dar. Wir haben uns entschlossen, nur die wichtigsten von ihnen zu zitieren. Wichtig heisst hier: es gibt (a) Feldarbeit und (b) der Versuch einer Deutung. Viele der von uns in W ERLEN (2012, 290) zitierten Werke weisen das nicht auf. Erfasst haben wir dagegen, soweit möglich, die Daten von E. J ORDAN (2006) über die Orts- und Flurnamen Simplon-Süd, wobei hier die häufigen Namen wie Wang und ähnliche nicht vollständig erfasst sind. J ORDAN hat die Namen von Gewährspersonen erhalten, zählt sie alle auf, verweist auf Karten und ein Register, hat eine eigene phonetische Notation entwickelt und erfasst Flurnamen, die in der Datei des VSNB nicht enthalten sind. Was bei ihm leider fehlt, sind Deutungen - ab und zu findet sich etwas aus der Literatur, aber meist eher nebenbei. Neu hat M. M ATHIER (2015) die Orts- und Flurnamen von Salgesch auf Grund seiner Lizenziatsarbeit bei E. S TUDER in Freiburg i. Ue. herausgegeben; er fügt Deutungen bei. Er verwendet dabei auch die von T AG- MANN (Ms.) gedeuteten frankoprovenzalischen Namen; in einigen Fällen stehen Deutungen von M ATHIER und Deutungen von T AGMANN ohne Versuch, sie zu vereinigen, nebeneinander. Auch bei M ATHIER sind die Flurnamen bildlich erfasst. Das Werk von J ULEN ET AL . (1995) über die Flurnamen von Zermatt wurde berücksichtigt, weil es zu den Namen auch Deutungen gibt, die Namen auch auf (leider schlecht lesbaren) Schwarz-Weiss-Fotografien wiedergibt und die einzelnen Namen auflistet. Den Band von H. M ATHIEU (2006) über Albinen haben wir aufgenommen, weil auf S. 10 f. eine Reihe von frankoprovenzalischen und französischen Flurnamen erklärt sind (leider nicht alle richtig, teilweise aus unserem eigenen Verschulden) und weil die schönen Farbfotos erkennen lassen, wo sich die einzelnen Flurnamen befinden. Ebenfalls aufgenommen wurde R. G RICHTING (1993) über Leukerbad: dieses Werk enthält zwar keine Deutungen, ist aber auf grossen Farbfotografien und über ein Register erschlossen. Eine Reihe weiterer Sammlungen sind im Register der verwendeten Literatur erwähnt. Es gibt weiter eine Reihe von Deutschschweizer Namenbüchern, von denen einige in der Laufzeit unseres eigenen Namenbuches erschienen sind; einige davon sind inzwischen abgeschlossen, andere sehen einer Publikation noch entgegen. Von den vielen Namenbüchern seien hier jene erwähnt, die mehr oder weniger direkt an das Gebiet des Oberwallis anschliessen: zunächst das Berner Namenbuch, dessen erster Band 1976 erschien; inzwischen ist - wie an anderer Stelle erwähnt - Band 6 erschienen. Entgegen unserer ursprünglichen Erwartung sind nur die wenigsten Flurnamen aus unserem Bereich dort erwähnt; insbesondere fehlen fast alle Flurnamen aus dem Alpengebiet, das in unserem Bereich wohl etwas anders ausgestaltet war als im Bernischen; die Dissertation von P. G LATTHARD (1977) im Zusammenhang mit diesem Namenbuch ist unseres Wissens die einzige, die sich mit den romanisch-deutschen Ortsnamen im Grenzgebiet von Aare und Saane beschäftigt. Im Osten schliesst das Urner Namenbuch an (A. H UG / V. W EIBEL 1988, vier Bände), dem inzwischen von den gleichen Autoren das Nidwaldner Namenbuch folgte (A. H UG / V. W EIBEL 2003, fünf Bände); V. W EIBEL (2012) hat seine Dissertation neu erweitert als Namenbuch des Kantons Schwyz herausgegeben, neu auch mit einem Datenschlüssel auf dem Internet, einem allgemeinen Band Vom Dräckloch i Himel und einem fünfbändigen Lexikon der Namen. Von E RIKA W ASER (1996) wurde die Entlebucher Orts- und Flurnamen herausgegeben (Bände 1 und 2); spätere Namenbücher der gleichen Autorin sind im Literaturverzeichnis aufgelistet. Erwähnt sei das Appenzeller Namenbuch von S TEFAN S ONDEREGGER (2013, 3 Bände); wir haben von ihm allerdings nur seine ausführliche Dissertation von 1958 berücksichtigt, die für die Suffixe des Deutschen als Grundlage auch für das Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch gilt. Nur ansatzweise das Literatur als Hilfe, Probleme damit und Hinweise für Zitierungen XXV <?page no="26"?> Obwaldner Namenbuch von P. Hugo Müller verwendet. Leider gibt es bisher für die deutschsprachigen Gebiete des Kantons Freiburg kein umfassendes Ortsnamenbuch. Hingegen ist mit S CHMUTZ / H AAS (2000 u. spätere Neuauflagen) ein Senslerdeutsches Wörterbuch erschienen. Eine besondere Gruppe bilden die an das Oberwallis anschliessenden Flurnamen des sog. bischöflichen Wallis, also jene Flurnamen, die auf das Frankoprovenzalische zurückgehen (zum Berndeutschen siehe P. G LATT- HARD (1977)). Hier ist vor allem E RNEST M URET zu erwähnen, der als Professor an der Universität Genf (1891 - 1935) arbeitete und für das Glossaire des patois de la Suisse romande die Flurnamen der Romandie erfassen sollte. Von ihm sind insbesondere die Daten des Fichier M URET erhalten, die sich heute auf dem Internet befinden. Bis zur Internet-Version des Fichier konnten nur die Redaktoren des G PSR oder Gäste in Neuchâtel Einsicht in dieses handschriftliche Verzeichnis der Westschweizer Namenwelt nehmen. In W ERLEN (2019) haben wir einige Orte aus dem westlichen Bezirk Leuk und ihre Bearbeitung bei M URET dargestellt. Daneben hat M URET sich in einigen Artikeln der Zeitschrift Romania und besonders in seinem Beitrag von 1912, der auch im Bulletin des G PRS erschien, zu Fragen der Mittel- und Unterwalliser Flurnamen geäussert. Das Verzeichnis der Flurnamen des frankofonen Wallis von der Seite von Topoval (die Namen stammen wohl aus den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts) enthält kaum Erklärungen. Mit einer staunenswerten Leistung hat H ENRI S UTER die Flurnamen des frankoprovenzalischen Bereiches (eingeschlossen des Val d ’ Aoste) auf dem Internet gesammelt und gedeutet: Noms de lieux des Suisse romande, Savoie et environs (2000 - 2009). Zuletzt ist von R. M AÎTRE , E. F LÜCKIGER und G. P ANNATIER der Dictionnaire du patois de Bagnes (2019) erschienen, der den (riesigen) Wortschatz einer Gemeinde darstellt. Ein Wort noch zu den Karten, auf die wir uns beziehen. In der Datenbank sind sie unter Zusätzliche Daten erfasst. Als wir mit der Arbeit begannen, waren die Daten nur auf Karten erhältlich, die zum damaligen Zeitpunkt (ab 1995) erfassbar waren: die Namen auf den Siegfriedkarten, die Namen auf den kantonalen Karten 1: 10000, die Namen auf den damals aktuellen Karten im Mass-Stab 1: 25000 der Landeskarte der Schweiz und die Daten auf Einzelkarten, die uns von Kollegen zur Verfügung gestellt wurden. M. S. hatte seine Namen handschriftlich mit Kugelschreiber auf den ihm um 1971 und später zur Verfügung stehenden Geometerkarten des Oberwallis notiert. Diese Notierungen wurden um 1995 unter G. M ICHLIG georeferenziert. Leider sind dabei auch Fehler geschehen: aus Gründen der Vergleichbarkeit wurden die einzelnen Angaben von M. S. auf den Geometer-Karten jeweils in der Mitte des Eintrages erfasst: diese Daten waren aber zugleich zu eng (so haben etwa ganze Alpen, die sich über grosse Gebiete erstrecken, eine punktgenaue Referenzierung erhalten) und am falschen Ort (so erscheinen Alpengipfel generell an etwas anderen Orten als ihre punktgenaue Festlegung auf der Landeskarte). Vor allem in stark überbauten Gebieten, also in Gemeinden, wurden die Daten verzerrt wiedergegeben. Die neueren Karten auf map.geo.admin.ch zeigen diese Daten nun sauberer und helfen dank ihrer historischen Dimension, auch ältere Flurnamen zu erklären; in der Zwischenzeit (März 2021) sind weitere Karten von swisstopo publiziert worden, auf die wir aus Zeitgründen nicht mehr eingehen konnten. Dennoch bleiben Unsicherheiten, die an einem Beispiel klar gemacht werden können: in Brig gibt es einen belegten Flurnamen t Sandmatta ‚ die Wiese im sandigen Gebiet ‘ . Es handelt sich um ein Gebiet, das heute vollständig überbaut und asphaltiert ist; keine Wiese befindet sich dort und dass es sich um Sand, hier einerseits Schwemmgebiet des Rottens und anderseits der Saltina (der Sand dieser beiden Flüsse wird Litta genannt), handelt, weiss inzwischen fast niemand mehr. Der Name t Sandmatta ist also nur noch verständlich, wenn man weiss, dass dieses Gebiet vor dem Bau des heutigen Bahnhofs und vor der Überbauung des Gebietes eine Wiese war, die sich in sandigem Gebiet der beiden Flüsse befand (und ursprünglich nicht überbaut war). Das führt zu einem anderen Problem: die Daten, die Prof. M ARCUS S EEBERGER gesammelt hat, stammten aus den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts (zu seinen historischen Belegen vgl. den Beitrag von P H . K ALBERMATTER zu den Archiven im Walllis (unten)). Inzwischen haben die Gemeinden des Tales, insbesondere Naters, Brig und Visp, aber auch andere, sich massiv verändert, Strassen sind neu gebaut worden, ein neuer Tunnel der Neat (Neue Alpentransversale) ist entstanden, Geschäfte haben ihre Namen verändert, die Orts- und Flurnamen sind vielerorts durch neue Strassennamen ersetzt worden - alles Dinge, die wir nicht erfassen konnten. Insofern ist unser Orts- und Flurnamenbuch nur ein Ausschnitt aus einem Prozess, dessen Ausgang wir nicht voraussagen können. Einen Sonderfall stellen die vier Gemeinden Saas-Almagell, Saas-Balen, Saas-Grund und Saas-Fee dar. Wir haben sie im Text immer mit dem Bindestrich geschrieben. Das ist ein prinzipieller Entscheid, der (a) nicht in jedem Fall den Entscheidungen der Gemeindebehörden entspricht und (b) nicht immer den Eintragungen in der Datenbank des VSNB. Unsere Entscheidung fällt aus historischen Gründen: die vier Gemeinden wurden 1392 in vier selbständige Gemeinden aufgetrennt, die üblicherweise als Saas-Almagell, Saas-Balen, Saas-Grund und Saas-Fee XXVI Literatur als Hilfe, Probleme damit und Hinweise für Zitierungen <?page no="27"?> bezeichnet wurden. Diese Schreibweise bildete den Ausgangspunkt für unsere Entscheidung. Einen zusätzlichen Kommentar verlangen die HLL, die in den Bänden des VSNB versammelt sind. Einige von ihnen (z. B. A CHER ) sind sehr häufig (rund 1700 Namen), viele andere kommen aber nur einbis dreimal vor, einige sind nur historisch belegt, andere nur lebend. Von jenen Belegen, die nur sehr selten vorkommen (bis zu circa zehnmal) sind jeweils alle erwähnt; von den häufigeren jedoch nur wenige. Das hängt damit zusammen, dass die Nutzerinnen und Nutzer sämtliche Belege in der Datenbank des VSNB konsultieren können und dass die Deutung des HL normalerweise möglich ist. Ausgenommen hievon sind einzelne häufige HLL wie z. B. das HL R IEBA , deren Deutung sehr unsicher ist. Es gibt einige wenige Belege, die sowohl deutsch, wie französisch, frankoprovenzalisch oder italienisch (eventuell mit einer dialektalen Form) vertreten sind. Sie sind jeweils dann nicht gekennzeichnet, wenn sie entweder zu verschiedenen Wörtern gehören oder wenn ihre Herkunft nicht klar ist. In einigen Fällen wird ein ursprünglich romanisches Wort (wie etwa lat. murus, das zu dt. Mauer geworden ist und dialektal als HL M ÜRA erscheint) nicht als romanisch gekennzeichnet. Diese Entscheidung ist nicht immer einfach; die Nutzerin und der Nutzer können solche Fälle jedoch aus der Datenbank des VSNB heraus selbst näher deuten. Literatur als Hilfe, Probleme damit und Hinweise für Zitierungen XXVII <?page no="28"?> Abkürzungen (e) = vokalischer Vorschlag vor R: z. B. (e)Rat „ Rat “ . FaN = Familiennamen FGA = Forschungsinstitut zur Geschichte der Alpenregion Fln = Flurname FLNK = Flurnamenkommission des Kantons Wallis Gwp. = Gewährsperson Gwpp. = Gewährspersonen HL = Hauptlemma HLL = Hauptlemmata LT = Landestopographie (Karten, auch digitale) PN = Personennamen SK = Siegfried-Karte VSNB = Oberwalliser Namenbuch 10 000 = Karten im Mass-Stab 1: 10 ’ 000 des Kantons Wallis XXVIII <?page no="29"?> Abkürzungen und Zitate Wir haben im Rahmen des Literaturverzeichnisses eine Reihe von Abkürzungen für Zeitschriften und andere verwendet, auf die wir hier nicht eingehen; die Abkürzungen sind im Allgemeinen nach APA (American Psychological Association) zitiert. Die weiteren Abkürzungen, soweit sie nicht nach dem Abkürzungsverzeichnis im D UDEN (2020, 16 f.) erscheinen, sind im Folgenden aufgeführt; Abkürzungen für Literatur sind in der Bibliografie nachgewiesen: AIS Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz. APNB Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell. AWWB Altes Walliser Wappenbuch, 1946. BENB Berner Namenbuch (Bände 1 - 6 der Dokumentation). FaN Familienname; Plural: FaNN. EK Karten von Beiträgern aus verschiedenen Orten. FEW Französisches Etymologisches Wörterbuch. FlN Flurname(n). FLNK Flurnamenkommission. frpr. frankoprovenzalisch. GLS Geographisches Lexikon der Schweiz (1902 - 1910). Siehe Bibliographie unter GLS. Gpsr Glossaire des patois de la Suisse Romande. GrWb Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (1852 - 1971).Zitiert nach der Internet-Version des Wörterbuches, die auf die Ausgabe des dtv-Verlages zurückgeht. HBLS Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz (1921 - 1934). Siehe Bibliographie unter HBLS. HRBS Handlungs- und Rechnungsbücher Kaspar Stockalpers vom Thurm. Das Personenregister von 2003 wird als Register HRBS zitiert. LSI Lessico dialettale della Svizzera Italiana. Bellinzona 2004. LT Landestopographie (Karten im Mass-Stab 1: 25 ’ 000 und interaktive Karten). LUNB Luzerner Namenbuch. NWNB Nidwaldner Namenbuch. NWWB Bände 1 und 2 des Neuen Walliser Wappenbuches, St. Maurice 1974 und 1984. PN Personenname; Plural PNN. REW Romanischea Etymologisches Wörterbuch. RID Repertorio italiano - dialetti. Bellinzona 2013. RN Rätisches Namenbuch. Bd. 2: Etymologien. schwzdt. schweizerdeutsch. SDS Sprachatlas der deutschen Schweiz. Bände 1 - 8. SK Siegfriedkarte (Erste Militärkarten im Mass-Stab 1: 25 ’ 000, handgezeichnet). SONB Solothurner Namenbuch. SZNB Schwyzer Namenbuch. TGNB Thurgauer Namenbuch. URNB Urner Namenbuch. VSNB Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch; Abkürzung wird für Datenbank gebraucht. wdt. walliserdeutsch. ZGNB Zuger Namenbuch. 1: 10000 Kantonale Karten im Mass-Stab 1: 10000 mit Flurnamen meist von M. S. Zitate erscheinen prinzipiell nach dem Muster A UTOR (E RSCHEINUNGSJAHR , S EITENZAHL ); für das S CHWEIZERDEUTSCHE W ÖRTERBUCH und das B ERNER O RTSNAMENBUCH ist die Zählung nach Spalten vereinfacht worden, das Kürzel sp. wird hier und (meist) in anderen Werken mit Spaltenzählung nicht verwendet. Das G LOSSAIRE DES PATOIS DE LA S UISSE ROMANDE verzeichnet die Spalten der Seitenzahlen prinzipiell mit den Buchstaben (a) und (b); wir haben hier darauf verzichtet. Bei den grossen Wörterbücher wie etwa D EVOTO / O LI für das Italienische oder K LUGE / S EEBOLD für das Deutsche haben wir Seitenzahlen verwendet und, falls das nötig war, das Stichwort mit s. v. (sub verbo) angefügt. Das D EUTSCHE W ÖRTERBUCH der Brüder Grimm haben wir mit der oben erwähnten Abkürzung G R W B mit Bandnummer und Spaltennummer erwähnt, wobei wir auf die Internet-Ausgabe des Wörterbuches, also die Aufteilung der dtv-Ausgabe des Buches Bezug nehmen und nicht auf das Original, das sehr schwer zitierbar ist. XXIX <?page no="30"?> Die Archive im Wallis Philipp Kalbermatter 1. Die Ortsarchive des Oberwallis 1.1 Gemeinden, Burgerschaften, Pfarreien Der Ursprung der Oberwalliser Gemeinden liegt im Dunkeln. Im feudalen Hochmittelalter war der Bischof von Sitten Grundherr und erliess Rechtssatzungen. Seit dem 13./ 14. Jh. kann man die Loslösung der Gemeinden von den Grundherrschaften (z. B. durch Loskauf der chiminagia, dt. Besthaupt) beobachten. Dieses Streben nach mehr Autonomie führte vorerst zur Aufzeichnung des Gewohnheitsrechts für den landwirtschaftlichen Alltag (Bauernzünfte) durch die wirtschaftliche Gemeinde, später zur Fixierung der Rechte der alten und der eingekauften Burger (Burgerstatuten) durch die politische Gemeinde. Diese entsprach in etwa der modernen Burgergemeinde und war Trägerin des örtlichen Lebens. In der ersten Hälfte des 19. Jh. entstand die Munizipalgemeinde, die alle Einwohner mit Schweizer Bürgerrecht umfasste und seit 1848 für das politische Leben massgebend wurde (Gesetz über die Gemeindeverwaltung von 1851). Die Burgergemeinde bildete nur noch einen Teil der Ortsgemeinde, und in manchen Orten richtete sie erst im 20. Jh. eine eigene Verwaltung ein. 3 Während für die Zeitspanne von 381 bis 585 nur vier Kirchen, darunter jene von Glis, archäologisch nachgewiesen sind, erhöhte sich ihre Zahl zwischen 950 und 1200 merklich (53 im Jahr 1200). Für das Oberwallis sind die Grosspfarreien und späteren Zendenhauptorte (Münster, Ernen, Mörel, Naters, Visp, Raron und Leuk) charakteristisch. Im 13. Jh. war das Pfarreinetz (73 im Jahr 1300) für längere Zeit weitgehend abgeschlossen. Spätere Neugründungen entstanden u. a. aufgrund der schlechten Wege und der grossen Entfernung und führten oft zu Schwierigkeiten mit den Mutterpfarreien. Im 20. Jh. erreichte der Ausbau des Pfarrsystems den Höhepunkt und vorläufigen Abschluss. Seit 1880 wurden bei Neugründungen die Bande zwischen Mutter- und Tochterkirchen von Anfang an gelöst, und seit 1917 wurden alle Patronatsrechte gemäss Weisung des Kirchenrechts beseitigt 4 . 1.2 Archive Das Oberwallis besitzt zahlreiche alte Ortsarchive, meist als Gemeindearchiv, Burgerarchiv oder Pfarrarchiv bezeichnet, gelegentlich als Pfarr- und Bezirksarchiv 5 (Münster) oder als Kirchenarchiv (Reckingen) 6 . Eigene Burgerarchive mit alten Dokumenten gibt es da, wo schon vor 1848 eine starke Burgerschaft mit einem eigenen Archiv bestand (Leuk, Visp). Der Staatsrat ernannte 1884 Pfarrer F ERDINAND S CHMID wegen seiner grossen Kenntnisse der Walliser Geschichte zum Inspektor der Gemeindearchive im Oberwallis und der Bischof von Sitten übertrug ihm die gleiche Aufgabe für die Pfarrarchive. Die meisten dieser Archivbestände sind in der Folge zum ersten Mal richtig geordnet und registriert worden. 1.3 Inventarisierung F ERDINAND S CHMID hat am Ende des 19. Jh. überall im Oberwallis ein einheitliches System mit Buchstaben von A bis H eingeführt. Eine biographische Notiz: geboren 1832 in Stalden als Sohn des V ALENTIN S CHMID von Ernen und der M ARIA J OSEFA V ENETZ von Stalden, Studien 1847 - 1852 in Brig und Einsiedeln und 1852 - 1855 am Priesterseminar in Sitten, Priesterweihe 1855 in Sitten, 1855 - 1857 Rektor in Glis, 1857 - 1860 Pfarrer von Reckingen, 1860 - 1870 Pfarrer von Leukerbad und 1870 - 1901 bis zu seinem Tod Pfarrer von Mörel. Sein Interesse an Geschichte mag er von F RANZ J OSEF J OLLER , der 1847 am Kollegium Brig lehrte und später den Grundstock zum Archiv des Geschichtsforschenden Vereins des Oberwallis legte, und von P. S IGISMUND F URRER im 3 Louis Carlen, Gericht und Gemeinde im Goms vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution. Beiträge zur Verfassungsgeschichte. Freiburg Schweiz 1967, S. 183 - 199 (Arbeiten aus dem iuristischen Seminar der Universität Freiburg Schweiz 31); Werner Kämpfen, Bernard de Torrenté, Essay über die Entwicklung der Walliser Burgergemeinden, Sitten 2002. 4 Arthur Fibicher, Die Pfarreien, in Helvetia Sacra 1/ 5, Basel 2001, S. 533 - 562; François-Olivier Dubuis, Antoine Lugon, De la mission au réseau paroissial. Le diocèse de Sion jusqu ’ au XIIIe siècle, Sion 2002 (Cahiers de Vallesia 7). 5 Die Bezeichnung Bezirksarchiv würde allerdings auf die meisten Archive der Bezirkshauptorte zutreffen. 6 Das Kirchenarchiv Reckingen wurde früher in der Sakristei der Kirche aufbewahrt. XXX <?page no="31"?> Kapuzinerkloster Sitten mitbekommen haben. Pfarrer Schmid war einer der Initianten, die 1861 in Leuk den „ Historischen Verein für den Kanton Wallis “ ins Leben riefen, der nur vier Jahre Bestand hatte. Abbé J EAN G REMAUD berief Schmid als Mitarbeiter für die Sammlung der „ Documents relatifs à l ’ histoire du Vallais “ . Im Jahre 1888 war Schmid an der Gründung des „ Geschichtsforschenden Vereins von Oberwallis “ beteiligt und amtete 1898 - 1900 als dessen Präsident 7 . Die hochrechteckigen, zwischen 1885 und 1900 entstandenen, in deutscher Schrift abgefassten Inventarhefte (22,5 x 36,5 cm) Schmids mit ihrem vorgedruckten Formular sind einheitlich gehalten. Im Staatsarchiv Sitten gibt es neben den originalen Inventaren auch die sogenannten Favre-Abschriften in Kurrentschrift oder daktylographierte Versionen. Zu einigen Archiven gibt es neuere, ausführliche Inventare, erstellt meist durch die Staatsarchivare Bernard Truffer und Hans-Robert Ammann und lic. phil. Philipp Kalbermatter. 1.4 Archivordnung Im Gegensatz zum Unterwallis sind die die Oberwalliser Archive fast alle nach einem einheitlichen Schema eingeteilt. Bei den Pfarrarchiven existieren oft nur die Rubriken D (Kirchliches) und G (Register) oder man findet eine Einteilung nach Ordnungszahlen. Angabe der Rubrikentitel: A) Die Dokumente, welche für das Land, die Bezirke und die Gemeinden von Interesse sind, wie die Abscheide des Landrates. B) Die Freiheitsrechte der Gemeinden. Die Urschriften der Notare. Die Statuten oder Reglemente der Gemeinden und Burgerschaften. C) Die Juridiktions-Akte oder Gebiets-Abgrenzungen der Bezirke und der Gemeinden. Jene Urkunden, welche sich auf Abmarkung der Gemeindewälder, der Alpenweiden, der Berge, sowie die Reglemente, welche sich auf die Benutzung derselben beziehen. D) Die Urkunden betreffend das unbewegliche Eigentum, die Kapitalien und die Schulden der Gemeinden und Burgerschaften. Ferner die Urkunden betreffend den Kultus, die Kirchen, die Pfründen, die Jahresgedächtnisse (Anniversarien), Spitäler, Armenfonds, Bruderschaften und die Schulen (Schulfonds). E) Die Urkunden und Uebereinkünfte betreffend die öffentlichen Wege, die Wasserläufe und Eindämmungen. F) Die Dokumente betreffend das Militärwesen und im allgemeinen die Dokumente, wie Urkunden, Titel und Briefe, welche von historischem Interesse sein können. G) Die Protokolle und Rechnungen der Gemeinde- und Burgerverwaltungen und der Waisenämter. H) Verschiedene Dokumente. 2. Das Domkapitelsarchiv in Sitten 2.1 Domkapitel Die Geschichte des Domkapitels von Sitten ist seit dem 11. Jh. aktenkundig. Es bestand bis weit ins 18. Jh. hinein aus zwei Gruppen von Domherren: die eine residierte neben der oberen Kirche (Basilika) auf dem Hügel von Valeria, die andere in der Stadt Sitten, um die Feier der Gottesdienste in der unteren Kirche (Kathedrale) sicherzustellen. Die Domherren bekleideten seit dem Mittelalter im Auftrag des Bischofs wichtige diözesane Ämter wie das des Generalvikars oder des Offizials. Von der einstigen Ausübung des Notariatsrechts zeugen die zahlreichen Minutenbücher. Das Domkapitel besass früher Patronatsrechte in zahlreichen Pfarreien sowie Herrschaften, Grundstücke und Einkünfte in grossem Umfang, besonders im Zentralwallis. Innere Mängel schwächten das Kapitel, so dass es dem Bischof im Kampf gegen die Neugläubigen im 16. Jh. und gegen die Patrioten im 17. Jh. nicht die erhoffte Stütze war. Es musste 1613 das Recht der Bischofswahl an den Landrat abtreten und verlor in der Folge seine Mitbestimmung im Landrat. Im 19./ 20. Jh. schmolz der Einfluss des Kapitels weiter, etwa bei der Wahl der Domherren (jetzt durch den Bischof), und es musste als Folge der Säkularisation von 1848 die Pfründen reduzieren. Es besitzt heute zehn Pfründen und führt immer noch eine eigene, von der bischöflichen Mensa getrennte Verwaltung 8 . 2.2 Archiv Das Resultat der internen und externen Verwaltungstätigkeit wie auch die historische Bedeutung des Domkapitels manifestieren sich in einem äusserst umfangreichen Archiv, früher auch Archives de Valère genannt. Es ist eine erstrangige und unersetzliche Quelle für die Geschichte des Landes Wallis und der Diözese Sitten. Weil es sich bis in die neuere Zeit auf dem Valeriahügel befand, fiel es dem verheerenden Stadtbrand von Sitten im Jahr 1788 nicht zum Opfer. Das Archiv wurde 1958 in 7 Josef Lambrigger, Ferdinand Schmid, in BWG 20, 1988, S. 221 - 231. 8 Helvetia Sacra 1/ 5, Basel 2001, S. 359 - 410. 2. Das Domkapitelsarchiv in Sitten XXXI <?page no="32"?> ein Gebäude nördlich der Kathedrale überführt und befindet sich seit kurzem als Depot im Staatsarchiv Sitten 9 . 2.3 Inventarisierung Das älteste bekannte Inventar stammt von Domherr C HRISTIAN S CHRÖTER aus der Zeit um 1674 und diente bis in die zweite Hälfte des 19. Jh. als Findmittel. Dann erstellte Domherr P IERRE -A NTOINE G RENAT ein neues systematisches Inventar, das man vor allem für die Tiroirs noch benutzt. Zwischenzeitlich ging das Schröter-Inventar wohl verloren, so dass Domherr D IONYS I MESCH die Dokumente neu zu numerieren begann. Die heute gültige Signaturengebung ist eine Mischung aus beiden Systemen. Zum Suchen von Dokumenten steht eine Konkordanz zur Verfügung. Die alte Einteilung nach Aufbewahrungsorten (tiroirs, thèques, bahuts) hat nur noch historische Bedeutung, weil die meisten Einzelakten jetzt in Schachteln aufbewahrt werden 10 . 2.4 Archivordnung Das Archiv umfasst mehrere grössere Abteilungen. Sein Inhalt betrifft vor allem das Zentralwallis, wo das Domkapitel die meisten seiner Rechte und Besitzungen hatte. • Tiroirs (Tir.): 101 Titel, früher in Schubladen, heute in Schachteln. • Theken (Th.): 118 Titel, früher in Truhen, heute in Schachteln. • Bahuts (Bah.): 49 Pergamente, vor allem aus dem Fonds der Familie Blandrate. • Kalendenbücher (Kal.): 39 Protokollbücher des Kapitels seit dem Jahre 1500. • Rechnungen (Cpt.) der einzelnen Abteilungen des Kapitels. • Judicialia (Jud.): gerichtliche Akten und Prozesse. • Erkanntnisse (Rec.): 331 Bände über die Einkünfte des Kapitels. • Minutenbücher (Min.): Serie A (gebunden) und B (ungebunden), meist Notariatsakten. • Fragmente (Fragm.). 3. Das Walliser Staatsarchiv in Sitten 3.1 Wallis Während wir über das Wallis der vorrömischen und römischen Epoche durch archäologische Funde gut unterrichtet sind, verliert sich seine Geschichte zur Zeit der Völkerwanderung im Dunkel. Das Wallis als eigenständiges Gebilde entstand 999, als König R UDOLPH III. von Burgund den pagus Vallensis dem Bischof H UGO von Sitten als Grafschaft zu Lehen gab. Im späten Mittelalter kam es zu Konflikten mit Savoyen, das durch Erbschaft, Kauf oder Krieg seine Herrschaft über fast das gesamte Unterwallis ausdehnte, und im Oberwallis brachen Kämpfe zwischen den grösseren Adelsfamilien (von Raron, von Turn) und den Gemeinden (grössere Talflecken mit ihrem Hinterland) aus. Die Herkunft der Fürstbischöfe teils aus Savoyen und teils aus dem deutschen Wallis führte oft zu komplexen politischen Konstellationen. Die frühe Neuzeit war seit 1475 bzw. 1536 durch die Mitregierung der sieben oberen Zenden und durch die Herrschaft über das eroberte Unterwallis geprägt. An der Spitze der Republik stand der Fürstbischof, dessen Macht im 17. Jh. durch den Landrat stark eingeschränkt wurde. Nach dem Untergang des Ancien Régime 1798, nach den von Frankreich dominierten Zwischenetappen und nach dem vorübergehenden Rückgriff auf die Vergangenheit entstand 1847/ 48 der moderne Kanton Wallis. Das politische Geschehen wird seither vom Staatsrat und vom Grossen Rat geprägt, während die Rolle der Bezirke und der Gemeinden stark beschnitten wurde. 3.2 Staatsarchiv Das Mittelalter kannte kein Zentralarchiv, sondern Behördenarchive. Ein grosser Teil der alten Dokumente befand sich in der Kanzlei des Fürstbischofs und ging beim Stadtbrand von Sitten 1788 unter, ein anderer Teil im Archiv des Domkapitels. Die Dokumente in den Hauptorten der Zenden gingen an andere Archive über (in Münster ins Pfarr- und Bezirksarchiv, in Leuk ins Pfarrarchiv, in Mörel ins Zendenarchiv, in Visp ins Burgerarchiv). Das staatliche Archivwesen geht auf das 16. Jh. zurück, als die Landessachen vom Bischof an den Landrat gelangten, der einen Archivar (clavifer arcarum) einsetzte. Dieser betreute die Abschiede des Landrats und die amtliche Korrespondenz. Im 19. Jh. bildeten die alten Dokumente der Landschaft Wallis weniger einen organisch gewachsenen Bestand als viel- 9 Peter Rück, Das Archiv des Domkapitels von Sitten, in Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte 65, 1971, S. 114 - 120; Helvetia Sacra 1/ 5, Basel 2001, S. 402 - 405. 10 Helvetia Sacra 1/ 5, Basel 2001, S. 402 - 405. XXXII Die Archive im Wallis <?page no="33"?> mehr eine lose Sammlung. Dies änderte sich 1905 mit der Ernennung von H. H. L EO M EYER aus Turtmann zum Leiter des Archivs und der Bibliothek. Während 35 Jahren analysierte und ordnete M EYER die archivalischen Bestände und schuf so das heutige Staatsarchiv. Unter A NDRÉ D ONNET (Archivar und Bibliothekar 1941 - 1968) galt das Augenmerk dem Sammeln und der Forschung. Sein Nachfolger G RÉGOIRE G HIKA (Archivar 1968 - 1983) animierte Familien, Vereine und Gemeinden, ihre Fonds im Staatsarchiv zu deponieren. Der Mikrofilm hielt Einzug, etwa bei der Verfilmung der Pfarrbücher. B ERNARD T RUFFER (Archivar 1984 - 2000) setzte die Walliser Landratsabschiede fort und versuchte, vermehrt Forscher aus dem Oberwallis anzuziehen. Unter seinen Nachfolgern H ANS -R OBERT A MMANN (2000 - 2014) und A LAIN D UBOIS (seit 2014) hielt die Digitalisierung Einzug. Das Staatsarchiv ist jetzt zusammen mit der Mediathek (Bibliothek) und den Museen der Dienststelle für Kultur unterstellt und befindet sich im einstigen Zeughaus von Sitten 11 . 3.3 Inventarisierung Das Staatsarchiv mit rund 17 ’ 000 Laufmetern Umfang dokumentiert vor allem die moderne Zeit ab 1815, wobei die Akten der Staatsverwaltung den grössten Teil (13 ’ 000 m) ausmachen. Alle Staatsarchivare verfassten Inventare oder liessen solche erstellen, besonders für die moderne Verwaltung des Staates (Akten der einzelnen Departemente und Dienststellen). Sie konnten aber auch auf die Hilfe von auswärtigen Personen zählen, etwa H. H. Hans Anton von Roten (1907 - 1993). 3.4 Archivordnung Heute befinden sich im Lesesaal des Staatsarchivs grüne Ordner mit den Inventaren von: a) alten (AV, AVL) und modernen (Helvetik, Staatsrat, Grosser Rat) Akten des Staatsarchivs b) im Staatsarchiv deponierten Fonds von Familien, Vereinen und Gemeinden c) Spezialsammlungen (Mikrofilme, Ph = Kopien von verschiedenen Dokumenten) d) anderen Archiven (Burgerschaft Sitten, Domkapitel, Bistum, Propstei vom Grossen Sankt Bernhard, Abtei St-Maurice, Kapuziner in Sitten, Pfarreien, Gemeinden). Die Bestände folgender Archive sind heute im Staatsarchiv zugänglich: Gemeindearchive Baltschieder, Biel, Ergisch, Grächen, Hohtenn, Lalden, Leuk, Niederwald, Ritzingen, Saas-Grund Pfarrarchive Biel, Ergisch, Grächen, Leuk, Mörel, Niederwald Burgerarchive Biel, Ergisch, Grächen, Hohtenn, Ritzingen Gemäss dem Portal scopequery.vs.ch sind die Inventare folgender Ortsarchive online konsultierbar (GA = Gemeindearchiv, BA = Burgerarchiv, PA = Pfarrarchiv): GA Baltschieder, GA und BA Birgisch, GA, BA und PA Blitzingen, GA und PA Bürchen, BA Eyholz, GA Ferden, GA und BA Feschel, GA Fieschertal, GA, BA und PA Grächen, GA und BA Guttet, GA und BA Inden, GA Lalden, GA und PA Mund, GA und PA Niederwald, GA und PA Obergesteln, GA Oberwald, GA Turtmann, GA und PA Ulrichen, GA und BA Varen, BA Visp. Das bedeutet in der Regel, dass diese Archivfonds (und noch weitere hier nicht erwähnte) dort deponiert sind. Da die Bestände des VSNB während mehrerer Jahrzehnte aufgebaut wurden, sind nicht alle Archive den heutigen Zuständen (2021) zugeordnet. 4. Das Archiv des Geschichtsforschenden Vereins des Oberwallis in Brig 4.1 Geschichtsforschender Verein In den Jahren 1861 - 1865 bestand im Oberwallis ein kleiner Geschichtsforschender Verein, der seine Existenz den Impulsen des Kapuziners P. S IGISMUND F URRER , des späteren Staatsrates L EO L UZIAN VON R OTEN und des Pfarrers F ERDINAND S CHMID verdankte. Im Jahre 1888 kam nach einem neuen Anlauf der noch heute bestehende, in seiner Anfangszeit klerikal geprägte Geschichtsforschende Verein des Oberwallis zustande. Neben von Roten und Schmid war auch Domherr D IONYS I MESCH eine treibende Kraft. Der Verein richtete ein Archiv, eine Bibliothek (alte Bücher, neue Bücher) und ein Museum (Münzen, Porträte, Fahnen) ein, gibt bis heute die „ Blätter aus der Walliser Geschichte “ heraus und führt neben den jährlichen Versammlungen auch gelegentlich andere Tagungen durch 12 . 11 Bernard Truffer, Das Walliser Archivwesen im 16. Jahrhundert, in Vallesia 28, 1973, S. 213 - 244; Pierre Reichenbach, Le rôle des sociétés d ’ histoire et des Archives de l ’ Etat du Valais dans l ’ historiographie valaisanne, in Annales Valaisannes 1996, S. 9 - 24. Siehe auch die homepage www.vs.ch/ web/ culture/ aev. 12 Josef Guntern, Hundert Jahre Geschichtsforschender Verein Oberwallis 1888 - 1988, in BWG 20, 1988, S. 13 - 71. 4. Das Archiv des Geschichtsforschenden Vereins des Oberwallis in Brig XXXIII <?page no="34"?> 4.2 Archiv Den Grundstock bildet der Nachlass von Pfarrer F RANZ J OSEPH J OLLER . Biographische Notiz: geboren 1820 in Stans, Kollegium in Stans 1833 - 1837 und in Schwyz 1837 - 1838, Eintritt bei den Jesuiten in Freiburg 1838, Studium in Brig 1840 - 1842 und in Freiburg 1842 - 1844, Lehrer in Brig von 1844 bis zur Ausweisung der Jesuiten 1847, Priesterweihe um 1848 in Deutschland. Danach Priester und Historiker in Westfalen, Paderborn und Feldkirch, Kaplan im Elsass und in Dallenwil und 1878 - 1893 Pfarrer von Gondo und Sammler und Förderer der Walliser Geschichte 13 . Erst nach Jollers Tod folgten von allen Seiten grössere und kleinere Eingänge, darunter der Nachlass der Pfarrherren F ERDINAND S CHMID und J OSEF L AUBER mit Urkunden, Abschriften von Dokumenten und Inventaren sowie historischen und genealogischen Notizen. Das Archiv war ursprünglich in Lokalitäten des Kollegiums Brig untergebracht und befindet sich seit 1963 im Stockalperschloss in Brig. 4.3 Inventarisierung Das Inventar von Rektor H ANS A NTON VON R OTEN trägt das Datum von 1955, ein Supplement stammt von 1963. 4.4 Archivordnung Angabe der Rubrikentitel mit der jeweiligen Anzahl der Nummern. A) Allgemeine Walliser Geschichte (464) B) Minuten, Statuten (39) C) Chroniken (14) D) Religiosa (14) E) Strassen (49) F) Militärwesen (150) G) Familie von Werra (98) H) Unterwallis (195) J) Sammlung Joller (70) K) Bezirk Raron (104) L) Bezirk Leuk (161) M) Bezirk Visp (29) N) Bezirk Brig (233) O) Bezirk Goms (491) S) Sammlung Schmid-Joller (246) T) Theater (20) V) Varia (55) Y) Manuscripti et Libri (55) Z) Nachlass Pfarrer Kämpfen und Professor Jost (2) 5. Das Stockalperarchiv in Brig 5.1 Familie Stockalper Das wohl berühmteste Geschlecht des Zenden Brig nahm im 16. Jh. seinen Aufschwung und zählte vom 17. bis ins 19. Jh. zu den wichtigsten Familien im Oberwallis. Zentrum der Familie war seit dem 17. Jh. das Stockalperschloss in Brig, heute Sitz der Stadtverwaltung und eines historischen Forschungsinstitutes sowie Standort des Stockalper-Archivs und der Stockalper- Bibliothek. Als bedeutendster Vertreter gilt der Baron K ASPAR S TOCKALPER VOM T HURM (1609 - 1691), der „ Grosse Stockalper “ genannt. Er war Politiker, Handelsmann, Salzherr, Soldunternehmer und vieles mehr. Nach seinem Sturz 1678 brachen für die Familie vorübergehend schwere Zeiten an, doch beruhigte sich die Lage wieder. Die Familie wurde erneut die mächtigste des Landes, wobei ihre Macht nun weniger auf dem Geld beruhte als vielmehr auf dem moralischen Ansehen unter der Bevölkerung. Der letzte Nachkomme in männlicher Linie starb 1975. Das Schloss gehört heute der Stadtgemeinde Brig-Glis und wird mit Hilfe der Schweizerischen Stiftung für das Stockalperschloss unterhalten 14 . 5.2 Archiv Das umfangreiche Archiv befindet sich im Stockalperschloss in Brig und umfasst rund 15 ’ 000 Dokumente aus der Zeit zwischen 1259 und 1850. Es beinhaltet auch zahlreiche Dokumente, die nicht direkt mit der Familie Stockalper in Zusammenhang stehen und umfasst daher auch Akten, die den Zenden Brig betreffen oder über das Verhältnis des Wallis zu Frankreich, Savoyen, Mailand und der Eidgenossenschaft unterrichten 15 . 5.3 Inventarisierung Ein erstes Inventar verfasste Pfarrer Franz Josef Joller (+ 1893). In den Jahren 1894 - 1904 ordnete der Pfarrer und spätere Domherr Dionys Imesch das Archiv umfassend nach thematischen Sachgruppen. Zwischen 1951 13 Gabriel Imboden, Franz Joseph Joller (1820 - 1893), in BWG 20, 1988, S. 175 - 182. 14 Walliser Wappenbuch, Zürich 1946, S. 251 - 252; Louis Carlen, Das Stockalperschloss in Brig, 2. Aufl., Visp 2003. 15 Louis Carlen, Das Stockalperschloss in Brig, 2. Aufl., Visp 2003, S. 97 - 100. XXXIV Die Archive im Wallis <?page no="35"?> und 1962 verfassten U LI R OTACH und H ANS A NTON VON R OTEN ein neues Inventar nach chronologischen Gesichtspunkten. 5.4 Archivordnung Die Dokumente des Archivs sind heute in 107 Schachteln verpackt und rein chronologisch von Nr. 1 bis Nr. 15 ’ 263 geordnet. Die Sammlung der Bücher (Libri) umfasst L 1 bis L 82. 6. Edierte Quellen: Chartes Sédunoises und Documents 6.1 Abbé J EAN G REMAUD Biographische Notiz: geboren 1823 in Riaz, Studien 1834 - 1843 am Collège St-Michel in Freiburg und 1843 - 1847 am Priesterseminar in Freiburg, Priesterweihe 1847. G REMAUD war 1847 - 1856 Vikar und Pfarrer in kleineren Pfarreien, unterrichtete 1857 - 1891 als Professor für Geschichte und Geographie am Collège St-Michel und ab 1875 zusätzlich als Professor für Geschichte am Seminar in Freiburg und war 1870 - 1897 auch Kantonsbibliothekar. Des weiteren amtete er als Redaktor des Mémorial de Fribourg mit literarischen und historischen Beiträgen, betrieb umfassende Archivstudien und entfaltete eine rege Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Geschichte und der Kirchengeschichte der Westschweiz (Vuadens sous la domination de l ’ abbaye de Saint-Maurice; Liber donationum der Abtei Hauterive). In seinen letzten Lebensjahren redigierte er das achtbändige Quellenwerk zum Wallis im Mittelalter (Documents relatifs à l ’ histoire du Vallais). Gremaud wurde 1889 Professor der Universität Freiburg und amtete 1896 - 1897 als deren Rektor. Er starb 1897 in Freiburg 16 . 6.2 Die Chartes Sédunoises (1863) Es handelt sich um eine Sammlung aller Jean Gremaud bekannten Dokumente des Wallis vor dem Jahre 1200 und einer Auswahl von Dokumenten nach diesem Datum. Sie umfasst 64 Nummern von 1005 bis 1620, vor allem den Bischof und das Domkapitel betreffend, meist Originale, bisweilen Abschriften von Domherr A NNE J OSEPH DE R IVAZ . Das Werk wurde veröffentlicht in Mémoires et Documents, Band 18, Lausanne 1863, S. 333 - 459, mit Register auf S. 501 - 517. Interessant für die Orts- und Flurnamen sind die Listen von Einkünften des Domkapitels. Die später in die Documents relatifs aufgenommenen Nummern werden dort nicht nochmals abgedruckt, sondern lediglich mit einem Verweis auf die Chartes Sédunoises versehen. 6.3 Die Documents relatifs à l ’ histoire du Vallais (1875 - 1898) Wer über mittelalterliche Geschichte im Wallis arbeitet, kommt kaum um die achtbändige Sammlung der Documents relatifs à l ’ histoire du Vallais, die 1875 - 1898 in der Reihe Mémoires et documents publiés par la Société d ’ histoire de la Suisse romande (MDR) erschien, herum. Jean Gremaud nahm selber in die Archive Einsicht (Domkapitel von Sitten) oder liess sich die Abschriften von Gewährsleuten (Abtei Saint-Maurice, Oberwalliser Ortsarchive) zuspielen. Bei allem Respekt vor der Leistung Gremauds muss gesagt sein, dass es sich nicht um eine historisch-kritische Edition handelt: Quellen sind unvollständig wiedergegeben, die meisten enthalten keine kritischen Kommentare, und gerade bei deutschsprachigen Dokumenten aus dem Oberwallis, die Gremaud als Abschriften aus der Hand Ferdinand Schmids erhielt, sind auch Fehler vorhanden. Gründe mögen sein, dass Schmid vermutlich in deutscher Schrift schrieb und/ oder dass Gremaud wohl der deutschen Sprache und der Oberwalliser Flurnamen nicht kundig war. 7. Bemerkungen zur Quellenarbeit 7.1 Bearbeitungsstand der Quellen Die Sammeltätigkeit S EEBERGER s konzentrierte sich vor allem auf die Ortsarchive als wichtigste lokale Hauptquelle und das Archiv des Domkapitels, wo er vor allem die das Oberwallis betreffenden Minutare sowie andere Bestände (Reconnaissances, Tiroirs, Thèques) bearbeitet hat. Auch das Stockalperarchiv und das Archiv des Geschichtsforschenden Vereins in Brig hat er konsultiert, nicht aber das Staatsarchiv Sitten, wo sich in verschiedenen Privatfonds zahlreiche - auch schon mittelalterliche - Dokumente mit Flurnamen befinden, ebensowenig die Edition Gremauds. K ALBERMATTER hat einige Minutare nachgeprüft und einige neu bearbeitet, ältere Dokumente von ausgewählten Familienfonds durchgesehen und die Edition von Gremaud systematisch durchsucht und - wo möglich - die Originale nachgeprüft, da Gremaud insbesondere bei Flurnamen oder deutschen Texten ungenau ist. 16 Max de Diesbach, Biographie de l ’ abbé Jean Gremaud, in der Einleitung zu Band 8 der Documents relatifs in MDR 39, S. VII-XXXIV. 7. Bemerkungen zur Quellenarbeit XXXV <?page no="36"?> 7.2 Umgang mit Quellen Im Umgang mit den Quellen fehlte zur Zeit der Sammeltätigkeit S EEBERGER s wohl noch der Blick für eine historisch-kritische Bewertung der Belege. Insbesondere bei den ältesten Belegen, an denen die Etymologie oft festgemacht wird, ist eine genaue Analyse der Dokumente wichtig. Es geht etwa um die Frage, ob es sich beim Verfasser um einen deutschen oder einen welschen Schreiber handelt. So ist für uns beim Namen Saastal die Variante „ Vallis de Sausa “ massgebend und nicht die von italienischen Schreibern um 1291 verwendeten Formen „ Vallis Solza “ oder „ Vallis Salxe “ . Auch kann es von Bedeutung sein, ob ein Dokument original oder kopial vorliegt. Wenn ein Dokument aus dem 14. Jh. nur in einer Abschrift des 17. Jh. vorhanden ist, und sei sie noch so getreu, wird der Kopist just die Orts- und Flurnamen so schreiben, wie er diese von seiner Zeit her kennt. Daher können in der Abschrift Formen auftreten, die zur Zeit der Abfassung des Originals noch nicht möglich waren (z. B. Entrundung). Eine Bezeichnung wie „ Torbio seu Derbil “ stammt nicht aus dem originalen Akt von 1343, sondern aus einer 1767 redigierten Kopie. XXXVI Die Archive im Wallis <?page no="37"?> Rechtshistorische Begriffe mit Erklärungen und Beispielen Philipp Kalbermatter Allmein, Allmende Eine Allmein bzw. Allmende ist der ungeteilte Grundbesitz von öffentlichen Körperschaften, meistens Gemeinden oder Korporationen. Dabei kann es sich um Weideland, Wald, Gewässer oder unkultiviertes Land handeln. Die Nutzungsrechte an der Allmein sind als Ergänzung zum bäuerlichen Privatbetrieb zu sehen. Die genauen Ansprüche können differieren, etwa zwischen Burgern und Einwohnern. Eine Verpachtung für Geld ist verboten, denn es handelt sich um eine persönliche Naturalnutzung. / I D 1, 190; Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte HRG, Band 1. Berlin 1971, Sp. 108 - 120 (Art. Allmende). Der Flurname Allmend, Almein oder Allmei kommt in vielen Oberwalliser Gemeinden vor, hin und wieder mit näherer Eingrenzung wie innere und üssere Allmei in Kalpetran bei Embd. Gelegentlich treten Begriffe auf wie Allmeifärich oder Allmeiwald in Jeizinen ob Gampel usw. Ammann Ammänner als Vorsteher von Freigerichten gab es im Goms in Geren, Biel und Fieschertal. In der Grafschaft Biel war der Ammann der Ortsrichter und wurde alle zwei Jahre gewählt. Er richtete ursprünglich nur über die freien Bauern, nicht aber über Adel und Klerus, später aber über mehr oder weniger alle in der Grafschaft wohnenden Personen. / Stanislaus Noti, Zur Geschichte der Grafschaft: Selkingen, Biel, Ritzingen, Gluringen, in Vallesia 30, 1975, S. 1 - 48. Der Flurname Amman Martis Bode in Biel (1780) muss von einem Vornamen abgeleitet sein, weil ein Familienname wie Marti oder Martig dort nicht vorkommt. Stanislaus Noti erwähnt zum Jahr 1749 Martin Aufdereggen von Biel als Ammann. Bischof Der Bischof von Sitten war früher nicht nur Oberhaupt des Bistums Sitten, sondern seit 999 auch Graf und damit Landesherr im Wallis. Obwohl seine Macht im 17. Jh. durch den Landrat stark eingeschränkt wurde, behielt er den Grafentitel bis 1798. Zahlreich sind lebende Belege für Bischofchappu: in Steinhaus, Glis, Niedergesteln, Steg, Gampel und Salgesch. Auch gibt es den Bischoftschuggu in Steg, das Bischofwägelti in Stalden oder die Bischofsmatta in Visperterminen. Solche Beispiele haben weniger mit dem Amt des Bischofs zu tun als vielmehr mit einer Erscheinung im Gelände, etwa in Form einer Bischofsmütze. Bischofsberg (mons episcopi) ist eine alte Bezeichnung (1306 - 1454) für Ausserberg (mons exterior). Als Berg (mons) wurde im Wallis früher eine am Hang liegende Siedlung bezeichnet, die eine Einheit bildete, etwa Eischollberg oder Birchenberg. Wohl weil der Bischof im Mittelalter der wichtigste Grundherr in Ausserberg war, hiess dieser Ort Bischofsberg. Im 14. Jh. erfolgte der Loskauf der Feudalrechte und mit der selbständigen Organisation des Dorflebens (Bauernzunft von 1487) wurde der Name Bischofsberg immer mehr durch Ausserberg verdrängt. Der neue Name widerspiegelt wohl die abgelegene geographische Lage aus der Sicht der Mutterkirche in Raron. / Klaus Anderegg, Ausserberg. Dorf und Weiler. Der alte Baubestand. Ausserberg 1983. Burgerschaft und Gemeinde In der Zeit vor 1798 entsprach die Burgerschaft in etwa dem, was wir heute unter Gemeinde verstehen. Seit 1848 dient die Bezeichnung Burgerschaft bzw. Burgergemeinde auch als Abgrenzung zur Munizipalgemeinde (politische Gemeinde). / Werner Kämpfen, Bernard de Torrenté, Essay über die Entwicklung der Walliser Burgergemeinden. Sitten 2002. Namen wie Burgereye, Burgerlöser oder Burgerreben sind lebende Belege oder stammen aus dem 19. Jh. Gerade die Burgerlöser im Talgrund entstanden erst mit der Rhonekorrektion zwischen 1863 und 1894. Andere historische Belege stammen meist aus dem 18. Jh., einige aus dem 16. und 17. Jh. Zu den ältesten zählt Burgerwasserleite in Brig (1641). Die Gemeinden entstanden ab dem 13./ 14. Jh. durch Ablösung von der Grundherrschaft. Die genossenschaftlich organisierten Mitglieder gaben sich vorerst Bauernzünfte (Regelung des Ortslebens vor allem im bäuerlichen Bereich) und später Burgerstatuten (Erwerb und Verlust des Burgerrechts, Rechte und Pflichten der Burger). Die übrigen Einwohner, die nicht Burger waren, blieben in vielen Bereichen vom Gemeindeleben ausgeschlossen oder besassen weniger Rechte. XXXVII <?page no="38"?> Flurnamen mit Gmeind (im Sinne von Gemeinde) kommen vor allem im 18. und 19. Jh. vor oder sind lebende Belege. Bezeichnungen mit dem Bestandteil Gmei- oder ähnlichen Formen können allerdings auch den Sinn von ‚ allgemein ‘ (lat. COMMUNIS ) haben, z. B. juxta viam communem eys Perez in Salgesch (1594), also der übliche Weg, den alle benutzen. Burgschaft Der Begriff Burgschaft ist von mittellateinisch burgum, burgus abgeleitet, was castellum parvulum (kleinere Befestigung) bedeutet. In mittelalterlichen Städten hatten die aneinander gereihten Steinhäuser auf der Rückseite fensterlose Mauern, die eine Befestigung überflüssig machten. Im Zentrum wohnten die burgenses, die Bürger, in den Aussenquartieren die Handwerker. Im Oberwallis wird der Begriff Burgschaft bzw. burgus für die Orte Ernen, Mörel, Naters, Brig, Visp und Leuk verwendet. Dabei bezeichnen jm gschnitt gemelter burgschaft Moerill (1583) oder ein lobliche burgschafft Leück (1728) das Territorium der Gemeinde, während in Narres superius der burgschaft in der turrenmatten (1673) oder ein gwisses gutt ob der burgschafft Bryg (1630) mit Burgschaft das Stadtzentrum mit den wichtigen Gebäuden meint. Orte wie Brig und Leuk bezogen ihr wehrhaftes Aussehen durch die vielen festen Häuser und Türmchen, verfügten aber nicht über Wehrmauern. / Georg Carlen, Kunsthistorisches Inventar der Stadt Leuk, in Vallesia 30, 1975, S. 160 - 161; Carmela Kuonen Ackermann, Kdm VS 4 (Bezirk Brig), Bern 2015, S. 148 - 151. Galgen Im alten Wallis existierten zahlreiche Galgen als Ausdruck der Gerichtshoheit. Zum Blutgericht gehörte auch das öffentliche Erhängen von Verbrechern. Galgen waren vorerst nur aus Holz bestehende provisorische Einrichtungen, seit dem Ende des Mittelalters aber dauerhafte, mit Steinsäulen versehene Richtstätten. Sie standen oft auf einem Hügel, vielleicht zur Abschreckung. Von zahlreichen Galgen ist nur noch der Standort bekannt, teilweise aufgrund eines noch existierenden Flurnamens. Der einzige, der noch steht, ist jener in Ernen mit seinen drei steinernen Säulen, der 1702 in seiner heutigen Form errichtet wurde. / Louis Carlen, Stein und Recht, in Walliser Jahrbuch 30, 1961, S. 40 - 42; Louis Carlen, Gericht und Gemeinde im Goms. Vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution. Beiträge zur Verfassungsgeschichte. Freiburg, Universitätsverlag 1967 (Arbeiten aus dem iuristischen Seminar der Universität Freiburg Schweiz, 31), S. 168 - 170. Das VSNB verzeichnet Belege zum Begriff Galgen im Gerental bei Oberwald, in Obergesteln, in Ernen und in Visp, sowie in Wortverbindungen in Finnen bei Eggerberg (Galguhubel), in Zermatt (Galgegga) und in Leuk (Galguwald). Wohl kaum ein Gerichtsgalgen war der Galgen bei Obergesteln. Gericht, Hochgericht, Freigericht Die hohe Gerichtsbarkeit war eng mit der Landeshoheit verbunden und unterstand dem Fürstbischof, der Stellvertreter (Viztume, Meier oder Kastläne) einsetzte. Sie äusserte sich u. a. im Blutgericht und schlug sich nieder in Flurnamen wie Hochgericht (Stätte der Hinrichtung) oder Gerichtsbank (Ort des Gerichts). Der Gricht banch von Ernen (1528) meint das Gerichtshaus in Ernen, der Grichtsbank von Steg (1699) das Gerichtsgebäude des Freigerichts Benken-Steg im Oberdorf von Steg am Ort des heutigen 1727 erbauten Gemeindehauses. Das Hogricht in Mörel (lebender Beleg) war die Richtstätte des Meiertums Mörel östlich der Kapelle zen Hohen Flühen. Auf die Richtstätte des Freigerichts Holz bei Unterbäch weisen die Flurnamen Galguachra (jetzt nicht mehr geläufig) und Hogricht hin. In Leuk meint das Hogricht (1736) wohl den Ort, wo einst der Galgen stand. Es gab im Oberwallis auch Freigerichte, die vom Zendenrichter unabhängig waren und die höhere Gerichtsbarkeit mehr oder weniger selbständig ausübten. Sie entstanden meist, als Einheimische im 15. Jh. adeligen Personen und Familien die höhere Gerichtsbarkeit abkauften. Der Richter hiess Meier, Kastlan oder Ammann. Im Oberwallis gab es Freigerichte u. a. in Geren, Biel, Fieschertal, Binn, Walderoberg, Ganter, Kipfen, Finnen, Holz und Benken. Der Begriff Freigericht ist zumeist kein Flurname, sondern meint in der Regel das Territorium des Gerichtsbezirks. Graf Der Bischof von Sitten stand seit 999 dem Wallis als Graf und damit als Vertreter der königlichen Gewalt (König von Burgund, ab 1032 deutscher König) vor. Auch wenn die weltliche Macht immer mehr an die Zenden überging, behielt der Bischof den Grafentitel bis 1798. Mit dem Begriff Graf gebildete Flurnamen beziehen sich weder auf den Fürstbischof, der von der Bevölkerung nicht als Graf, sondern als Bischof gesehen wurde, noch auf den Grafen von Savoyen. Es gab allerdings im Oberwallis Adelsfamilien, die den Grafentitel trugen, worauf sich vielleicht der Graffen-Boden in Oberems (1702) bezieht (13. Jh.: fundum comitis). Doch die Graffen-Zelg in Agarn (1685) oder der Grafenwald in Eyholz leiten sich wohl vom Familiennamen Grafen ab. Hingegen war der Hügel Gräfinbiel in Visp (1533) Sitz der Familie Blandrate. Graf Gottfried von Blandrate aus XXXVIII Rechtshistorische Begriffe mit Erklärungen und Beispielen <?page no="39"?> Novara zog nach Visp und heiratete um 1250 Aldisia, die Tochter des Meiers Peter de Castello, und erlangte dadurch das Meiertum Visp. Namhafte Historiker vermuten, dass der Wohnsitz der Familie, die sogenannte Hübschburg, auf dem Hügel oberhalb der Pflanzetta gestanden habe. Im 17. Jh. gab es auf dem Gräfinbiel eine Mauer und im 18. Jh. einen Turm; noch im 20. Jh. waren Spuren eines Mauerrings sichtbar. / Enrico Rizzi, Beziehungen zwischen dem Wallis und Ossola im 13. und 14. Jahrhundert, 3. Teil, in BWG 18/ 4, 1985, S. 401 - 414; Peter Jossen, Visp. Die Vespia Nobilis. Brig 1988, S. 59 - 62. Grafschaft Der Begriff Grafschaft bezeichnet bisweilen einen kleineren Gerichtsverband, der von der landgräflichen Gewalt unabhängig ist. Es handelt sich um die Blutgerichtsbarkeit über die bäuerliche Bevölkerung. / Stanislaus Noti, Zur Geschichte der Grafschaft: Selkingen, Biel, Ritzingen, Gluringen, in Vallesia 30, 1975, S. 1 - 48; Louis Carlen, Gericht und Gemeinde im Goms. Vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution. Beiträge zur Verfassungsgeschichte. Freiburg, Universitätsverlag 1967 (Arbeiten aus dem iuristischen Seminar der Universität Freiburg Schweiz, 31), S. 126 - 131. Der comitatus (1344) bzw. die Grafschaft (1516) Biel bestand seit dem 13. Jahrhundert, war verwaltungstechnisch dem Zenden Goms angegliedert, nahm aber als Gerichtsbezirk eine Sonderstellung ein. Zur Grafschaft gehörten die vier Gemeinden Selkingen, Biel, Ritzingen und Gluringen. Der Ammann richtete - zumindest anfänglich - nur über die freien Bauern, nicht aber über den Adel und den Klerus. Gumper Der Ausdruck Gumper bzw. Gumperschaft kommt in der lat. Form compra erstmals in einer Urkunde von 1349 vor, in der festgestellt wird, dass Ried zwei Drittel und Termen einen Drittel der Gumper Ried ausmachen. Nach L OUIS C ARLEN bedeutet das Wort compars ‚ Mitgeteile ‘ . Ab dem 15. Jh. bis 1798 bestand der Zenden Brig aus 6 ½ Gumper: Mund, Rischinen, Naters, Brig, Brigerberg, Simplon, Halbgumper Zwischbergen. Diese zerfielen wiederum in kleinere Einheiten. Zweck war die möglichst gerechte Verteilung der öffentlichen Einkünfte und Lasten im Zenden Brig. / Dionys Imesch, Der Zenden Brig bis 1798, in BWG 7/ 1 - 2, 1930, S. 136 - 141. In Mund gibt es einen Gumperwald, der Mund und Eggerberg gehört. Er ist von geringer wirtschaftlicher Bedeutung, bildet aber Schutz gegen Steinschlag. Auch der benachbarte Mattwald wurde bis 1867 Gumperwald genannt. Zur Gumperschaft Mund gehörten Mund, Oberbirgisch, Brigerbad und Eggerberg. / Erwin Jossen, Mund. Das Safrandorf im Wallis. Brig 1989, S. 174. Hube Hube ist ein Sammelbegriff für einen wohl bemessenen Landanteil für die bäuerliche Lebensordnung: eine vom Grundherrn abhängige bäuerliche Siedlung mit dazugehörigem Kulturland und Nutzungsrecht. Später wurde der Begriff Hube (lat. mansus) auch als Flächenmass verwendet. Huben stammen oft aus kirchlichem Grossgrundbesitz; im Wallis ist dieser Grundherr der Bischof, besonders im Goms, oder das Domkapitel. Die Bauern (mansuarii) besassen die Huben als Erblehen und mussten dem Grundherrn Abgaben leisten. Erbteilungen und Verkäufe führten zu einer grossen Zerstückelung, so dass es z. B. um 1384 in Ulrichen nur zwei grosse bischöfliche Huben, aber schon 37 bzw. 47 Lehensleute gab. / Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte HRG, Band 2. Berlin 1978, Sp. 248 - 251 (Art. Hufe); Hans- Robert Ammann, Zur Geschichte der Rechte des Bischofs von Sitten im Oberwallis: zwei „ Urbare “ aus dem 13. Jahrhundert. Einleitung und kritische Edition, in Vallesia 54, 1999, S. 245 - 251. Bei noch vorhandenen Flurnamen wie Hüeb in Selkingen (1593), Huob in Mund (1517) oder Huob in Glis (1573) hat das Wort Hube in der Regel eine allgemeine Bedeutung im Sinne von Acker. Eine Ausnahme bildet der mansus in Visp, der grutzingo halbhuoba heisst (1328), bei dem es sich tatsächlich um ein Lehen des Domkapitels von Sitten handelt. Kaplan, Kaplanei Der Kaplan war im Spätmittelalter der Inhaber einer an Altären oder in Kapellen gestifteten Messpfründe ausserhalb der Pfarreien. Heute ist er ein Hilfspriester, dem die Seelsorge für einen bestimmten Personenkreis oder für ein Teilgebiet einer Pfarrei anvertraut wird. / Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Freiburg-Basel- Rom-Wien, Band 5, 1996, Sp. 1217 (Art. Kaplan). Kapläne gab es im Oberwallis vor allem in den alten Mutterpfarreien. Die Einrichtung einer Kaplanei wurde im 18./ 19. Jh. gelegentlich mit der Pflicht verbunden, den Kindern Schulunterricht (Religion, Lesen, Schreiben) zu erteilen. Zur materiellen Ausstattung der Kaplanei gehörten ein bescheidener Lohn, der Wohnsitz im Kaplaneihaus und die Nutzung von Wiesen, Äckern und Reben. Von der materiellen Grundlage der Kaplaneien zeugen die Flurnamen Kaplaahüsmatte, Kaplaamärweri und Kaplaasch Eie in Münster, Caplaney guoth in Ernen, Kaplaney Reben in Visp, Kaplaneigut in Stalden, in der Kaplany in Raron, Chaplaniischiir in Kippel, Kaplanii- Rechtshistorische Begriffe mit Erklärungen und Beispielen XXXIX <?page no="40"?> mattu in Leuk. Die historischen Belege datieren meist aus dem 19. Jh. Kastlan Der Kastlan war ursprünglich ein vom Bischof auf Zeit eingesetzter richterlicher Beamter, dessen Amt im Gegensatz zum Vitztum nicht erblich war. Kastläne waren später Richter in grösseren Orten oder in Zenden (Brig, Visp). Besonders im 17. Jh. hiessen die Zendenrichter auch Grosskastläne. Lebende Belege wie ts Chaschtlaasch Brannd in Stalden und Chastlaweid in Leukerbad lassen vermuten, dass ein früherer Eigentümer Richter bzw. Kastlan war. In Leukerbad (Baden) gab es einen als Badrichter bezeichneten Ortsrichter. Meier Ursprünglich war der Meier der Wirtschaftsbeamte der Herrschaft. Im Wallis war er Vorsteher der bischöflichen Eigenleute, welche die Güter der bischöflichen Tafel (mensa episcopalis) bearbeiteten, und musste die Zinse einziehen. Mit der Zeit übernahm er auch die grundherrliche Gerichtsbarkeit (Verhängen von Bussen, kleinere Rechtsfälle betreffend die Zinspflichten). Das Amt wurde ein erbliches Lehen und der Meier übernahm die Gerichtsbarkeit anstelle der bischöflichen Viztume, die nur noch im Mai und im Oktober zu Gericht sassen. Im 14. Jh. erhielten die Meier vorübergehend Konkurrenz durch die Kastläne, die vom Bischof eingesetzt wurden und deren Amt nicht erblich war, danach waren sie Richter in gewissen Regionen (z. B. Binntal, Lötschental) oder Zenden (z. B. Goms, Raron). / Louis Carlen. Gericht und Gemeinde im Goms. Vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution. Beiträge zur Verfassungsgeschichte. Freiburg, Universitätsverlag 1967 (Arbeiten aus dem iuristischen Seminar der Universität Freiburg Schweiz, 31) S. 80 - 96. Einige Flurnamen können mit dem Meieramt oder dessen Inhaber in Verbindung gebracht werden, z. B. Meyers muren im Äginental bei Ulrichen (wohl vor 1651 auf Anordnung des Meiers von Goms errichtete Mauer, um das Tal unter die drei an der Alpe beteiligten Parteien zu trennen), Grossmeiersch Hüs in Grächen (vielleicht ein Grossmeier von Nendaz-Hérémence? ), des meyer Werlen matten in Raron (Meier Christian Werlen + 1660), Meiertum in Mörel. Andere Belege wie Meiermattu in Gampel (1698) oder Meiersch Boimgartu in Turtmann dürften mit der Familie Meyer zu tun haben. Beim Meierhubil in Wiler ist beides möglich. Meni Nach dem Idiotikon hat menni die Bedeutung ‚ Gespann, Zugtier, Zugschlitten ‘ . In den Rechtsquellen des Goms kann es den Transport von Lasten bezeichnen, z. B. menweg iuxta Rodanum (1480) oder fimum ducere seu mennen (1482). Aber in den meisten Fällen bedeutet es Durchgang oder Weg, z. B. meni seu via oder meni seu iter (1482). In sogenannten Menischriften werden Durchgangsrechte der Dorfbewohner aufgelistet. / Idiotikon 4, 298 - 299. Flurnamen mit meni kommen nur im Goms vor. Sie stammen aus der Zeit von 1550 bis 1896 oder sind lebendige Belege. In Ernen entsprechen die obere und die untere Meni den heutigen Strassen nach Binn bzw. Niederernen. In Geschinen sind die obere, mittlere und untere Meni die drei heutigen Feldwege von Münster nach Geschinen nördlich der Kantonsstrasse. Einige Belege mit meni in der Datenbank sind wohl nicht Flurnamen, sondern Sachbezeichnungen. Pfarrei, Pfarrer Die Pfarrei ist eine abgegrenzte Gemeinschaft von Gläubigen, die zur seelsorgerlichen Begleitung einem Pfarrer zugeordnet ist. In ihrer heutigen Form bildete sie sich im Hochmittelalter aus. Sie ist eine Unterabteilung der Diözese und wird durch den Pfarrzwang zusammengehalten. Der Pfarrer übt unter der Autorität des Bischofs die Seelsorge in der Pfarrei aus; dazu treten administrative Verpflichtungen. Früher stand eher die Spendung der Sakramente und die Verkündigung im Mittelpunkt, heute der Leitungs- und Hirtendienst. / Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Freiburg-Basel-Rom-Wien, Band 8, 1999, Sp. 162 - 171 (Art. Pfarrei und Pfarrer). Zum Benefizium, das für den Unterhalt des Pfarrers bestimmt war, gehörte neben einer kleinen Entlöhnung auch das Pfarrhaus und Grundstücke (Güet), die zur Nutzniessung dienten, also Garten, Weide, Feld, Alpe. Davon zeugen die zahlreichen und weit verbreiteten Flurnamen Pfarrgarten, Pfarreigut, Pfarrhalde, Pfarreireben, Pfarrwald, Pfarrweidu, zumeist lebende Belege. Weil man den Pfarrer bzw. Pfarrherrn auch Herr (dr Heer) nannte, gibt es auch Namen wie ts Heersch Böumgartu, ts Heersch Chumma und ts Heersch Holzmeis (alle in Mund), ts Heersch Räbe (Zeneggen) oder ts Heersch Gartu (Niedergesteln), alles Güter, die dem Pfarrer zur Nutzung zustanden. Viztum Im Mittelalter war der Bischof von Sitten geistlicher und weltlicher Herrscher im Wallis und sein Stellvertreter in Verwaltung und Gericht hiess vice-dominus. Viztume besassen ihr Amt als erbliches Lehen und übten für geistliche Herren die hohe und niedere Gerichtsbarkeit aus, weil das Kirchenrecht es geistlichen Personen un- XL Rechtshistorische Begriffe mit Erklärungen und Beispielen <?page no="41"?> tersagte, Urteile über Blut und Leben zu fällen. Anfänglich gab es für das Gebiet oberhalb der Morge von Conthey nur einen Viztum, später mehrere. / Louis Carlen, Gericht und Gemeinde im Goms. Vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution. Beiträge zur Verfassungsgeschichte. Freiburg 1967 (Arbeiten aus dem iuristischen Seminar der Universität Freiburg Schweiz, 31), S. 75 - 80; Hans-Robert Ammann, Das Vizedominat in Leuk, in BWG 18/ 4, 1985, S. 415 - 420. Der 1304 genannte Viztumswald (silva vicedomini) lag im Ried in Bürchen, wo sich auch fünf der sieben Huben befanden, die zum Vizedominat von Raron gehörten. Dieses wird seit 1235 erwähnt und gelangte im 14. Jh. an die Familie de Chevron, die es 1538 der Grosspfarrei Raron verkaufte. Weibel, Wyscho Der Weibel (Wischo, Wischun) war der Gerichtsdiener des Viztums, Kastlans oder Meiers. Zu seinen Aufgaben gehörten die Verhaftung von Übeltätern, das Einziehen von Abgaben, öffentliche Ausrufungen und die niedere Gerichtsbarkeit. Er entwickelte sich mit der Zeit zum Ortspolizisten. / Robert Hoppeler, Beiträge zur Geschichte des Wallis im Mittelalter. Zürich 1897, S. 118 - 121. Flurnamen wie Wischunacher in Grächen (1685) und Weibelsch Eie in Geschinen haben wohl mit einem Weibel als einstigem Besitzer zu tun, bei Wischacher in Binn und Lax oder Wischmatte in Zeneggen ist dies unsicher, in anderen Fällen handelt es sich eher um eine kleine Heuwiese. Zehnten Der Zehnten ist eine aus dem Alten Testament hergeleitete Abgabe in Naturalien für Kultusaufwand und Armenunterstützung, die in der christlichen Kirche ab dem 4./ 5. Jh. erscheint und im 19. Jh. abgeschafft wurde. Diese öffentliche Grundsteuer war meist eingeteilt in den grossen Zehnten (Wein, Getreide) und den kleinen Zehnten (Früchte, Gemüse, Tierprodukte), die später teilweise durch Geldbeträge ersetzt wurde. Je ein Viertel der Einnahmen gingen an den Bischof, an den Pfarrklerus, an Arme und Fremde des Ortes und an die Kirchenfabrik. Durch das Eigenkirchenwesen kamen im Mittelalter Laien zu Besitz und Verwaltung von Zehntrechten, die in der frühen Neuzeit nach und nach durch Pfarreien und Gemeinden zurückgekauft wurden. / Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Freiburg-Basel-Rom-Wien, Band 10, 2001, Sp. 1394 - 1398 (Art. Zehnt) Namen wie Zehntacher, Zehntstadel, Zehnten Zelg beziehen sich auf den Zehnten als Abgabe. So gab es einen Zehntstadel in Ernen (1715), in Lax (1632), in Greich (1539), in Mund (1548), in Visperterminen (1569), in Bürchen (1620) und in Turtmann (1686), des weiteren einen Zendtacher in Törbel (1532), einen Zehnden Biel in Bürchen (1798), ein Zehnden Zelgi in Leuk (1732). Zelg Bei einer besonderen Form der Zweifelderwirtschaft war das Ackerland eines Dorfes in zwei Zelgen aufgeteilt und jeder Bauer besass auf jeder Zelge einen Acker. In jährlichem Wechsel wurde die eine Zelge bebaut, die andere brach gelassen. Die Arbeit erfolgte wegen fehlender Feldwege im Flurzwang, d. h. die einzelnen Arbeitsschritte wurden für alle gleichzeitig angesetzt. / Arthur Fibicher, Walliser Geschichte, Band 2. Sitten 1987, S. 205 - 206 (Die Feldsysteme). Es fällt auf, dass sich der Flurname Zelg oder Zälg mit wenigen Ausnahmen (z. B. Wiler im Lötschental) auf die Dörfer nördlich des Rhonetals zwischen Leuk und Gampel beschränkt. Es gibt auch eine Aufteilung in die obere und untere Zelg oder die grosse und kleine Zelg. Zenden Die Herkunft des Begriffs ist unklar, doch waren es wohl ehemals zehn überregionale politische Körperschaften im bischöflichen Wallis, von denen drei (Martigny, Chamoson und Ardon) unter die Herrschaft Savoyens gelangten. Die sieben oberen Zenden kämpften meist an der Seite des Bischofs nach innen gegen den aufständischen Adel und nach aussen gegen Savoyen. Sie waren unterteilt in Drittel (Leuk, Raron, Siders, Sitten), in Viertel (Visp, Obergoms), in Fünftel (Untergoms) und in 6 1/ 2 Gumper (Brig). / Louis Carlen, Gericht und Gemeinde im Goms. Vom Mittelalter bis zur französischen Revolution. Beiträge zur Verfassungsgeschichte. Freiburg 1967 (Arbeiten aus dem iuristischen Seminar der Universität Freiburg Schweiz 31) S. 1 - 19. Das Dreizehntenhorn ist tatsächlich ein Berg, wo die drei Zenden (heute: Bezirke) Leuk, Raron und Visp zusammentreffen. Rechtshistorische Begriffe mit Erklärungen und Beispielen XLI <?page no="42"?> Bibliografie VSNB Die Bibliografie wurde von A NNE -L ORE B REGY , G ABRIELLE S CHMID und weiteren Mitarbeitern gesammel, von D O- MINIQUE K NUCHEL überarbeitet und stand unter der Leitung von I WAR W ERLEN , der für die Inhalte verantwortlich ist. Aebischer, Paul (1921). Noms de montagne de la Suisse Romande. In: Annales Fribourgeoises 6. 233 - 253. Aebischer, Paul (1925). Noms de lieu suisses d ’ origine gauloise. 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Jahrhundert ausschliesslich erscheint; erst 1637 ist die heutige Form belegt. Die frpr. Form Aert/ Ayert entspricht der anzusetzenden lautlichen Entwicklung in den Patois des Mittelwallis. J ACCARD (1903, 115 und 1906, 22) führt den Namen auf lat. ACER ‘ Ahorn, Ahornbaum ’ zurück, G PSR (2, 174 f.) und H UBSCHMIED (1933b, 263 f.) leiten ihn von kelt. *akarno ‘ Ahorn ’ ab. J ACCARD hat zwar die Bedeutung des Namens richtig interpretiert, aus lautlichen Gründen kann der Name jedoch nicht auf lat. ACER zurückgeführt werden, sondern muss auf der kelt. Grundform *akarno- oder *akaros beruhen. M EYER (1930, 18) vermutete als Basis das ahd. Wort agierida, mhd. egerde ‘ unbebautes, ungepflügtes Land ’ ; dagegen spricht der im romanischen Raum weit verbreitete Name. Ein Problem bildet jedoch die heutige Form mit [g] und deutscher Endung. Die Entwicklung der Lautgruppe [aka] zu [aga] > [ag j a] > [aja] wird ins 5. Jh. angesetzt, da die Alemannen jedoch erst im 8./ 9. Jh. ins Oberwallis einwanderten, meinen K RISTOL ET AL . (2005, 77), dass die Lautung [aga/ ag j a] im Afrpr. des Oberwallis bis in diese Periode erhalten blieb. Die heutige Länge in der nur nebenbetonten zweiten Silbe deutet auf eine Dehnung vor / -rn/ hin, wie sie in vergleichbaren Wörtern (z. B. gääru ‚ gern ‘ ) vorliegt. Albinen Die Gemeinde Albinen liegt auf rund 1300 m auf einer Anhöhe oberhalb der linken Seite der Dalaschlucht. Der Name Albinen (gespr. ´Albinu; frz. Arbignon) wird heute nach K RISTOL ET AL . (2005, 81) zu einem Personennamen Albinius gestellt, umschrieben mit ‘ Land, Besitz des Albinius ’ . Die Formen mit / r/ erklären sich aus der frpr. Entwicklung von / l/ vor einem Folgekonsonanten zu / r/ (so auch in balma zu barma); die Gemeinde war im 16. und 17. Jahrhundert zweisprachig. Frühere Deutungen: S TUDER , J ULIUS (1896, 50) sieht im Namen Albinen, eine Pluralform von Alb, ahd. alpa, mhd. albe ‘ Alpe, Bergweide ’ , siehe auch I D . (1, 194 Anmerkung). J ACCARD (1906, 6 und 11) stellt Albinen zu Arbignon und vermutet, dass der Name durch eine Diminutivbildung von alb, alp ‘ Alpe, Bergweide ’ aus kelt. *alpis entstanden ist, das Wort Albinen würde also ‘ kleine Alpe ’ bedeuten. H UB- SCHMIED führt den Namen auf den lat. Personennamen A LBINIUS zurück (G UEX 1938, 361 und 2 1976, 19; R ÜBEL 1950, 132). Das BENB (1, 1, 14) schliesst aus den historischen Belegen, dass der Name die gleichen Grundlagen hat wie Albligen BE, der zur voridg. Wurzel alp-/ alb- ‘ Bergweide ’ oder zu lat.-rom. ALBUS ‘ weiss ’ gestellt wird, ohne jedoch auf das Bedeutungsmotiv des lat. ALBINUS , gebildet mit dem -inione-Suffix, einzugehen. Ausserberg Das Zentrum der Gemeinde Ausserberg, der ehemalige Weiler Trogdorf, liegt auf der rechten Rhonetalseite auf einer Anhöhe von 1008 m; weitere Weiler gehören dazu. Die Gemeinde hiess bis ins 15. Jh. Bischofsberg, lat. MONS EPISCOPI . Mit schwdt. Bërg m. und lat. mons wird im Wallis eine am Hang liegende Siedlungs- und Kulturlandschaft bezeichnet (A NDEREGG 1983, 13). Das Bestimmungswort schwdt. Bischof m. (I D . 4, 1762) bezieht sich vermutlich auf den Sittener Bischof, in dessen Hand im Mittelalter Gerichtsbarkeit und Feudalrechte lagen (https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002756/ 2011-10-06/ [06.07.2020/ iw]). In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wird dann zunächst lateinisch von de exteriori monte gesprochen, 1523 ist Ausserberg (gespr. Üsserbäärg) belegt. Den beiden Namen ist Berg gemeinsam; der Wechsel von Bischof zu schwdt. usser ‘ ausserhalb, jenseits, talauswärts ’ (I D . 1, 561) lässt sich aus den Belegen nicht erklären. Da Ausserberg nicht in einem Tal liegt, wird der Standpunkt, von dem aus es ‘ draussen ’ liegt, wohl am ehesten Raron sein, die ursprüngliche Pfarrei und der wichtigste Ort des Zehndens; K RISTOL ET AL . (2005, 107) sind der Meinung, dass aus Sicht von Brig und Visp Ausserberg im Unterschied zu Eggerberg draussen gelegen sei: diese Deutung ist unwahrscheinlich, da die Gemeinde aus der Sicht der beiden genannten Orte kaum ein Rolle spielte. Nach S TEBLER (1913, 14) soll aus ‘ us an den Berg gan ’ oder ‘ us am Berg ’ ‘ Userberg ’ , ‘ Usserberg ’ oder ‘ Ausserberg ’ entstanden sein. Ausserbinn Die früher selbständige Gemeinde Ausserbinn liegt auf rund 1300 m auf der rechten Seite der Binntalschlucht oberhalb von Ernen, mit dem es seit 2004 zusammen mit Mühlebach und Steinhaus eine Gemeinde bildet. Der Name Ausserbinn (gespr. ´Üsserbi) erklärt sich aus der Lage der Siedlung talauswärts des Binntales; die Ge- 1 2 Ausserbinn <?page no="66"?> meinde Binn selbst liegt innerhalb des Tales und heisst in älteren Quellen auch Innerbinn. Das Bestimmungswort schwdt. usser ‘ ausserhalb, jenseits, talauswärts ’ (I D . 1, 561) verweist auf die Lage der Haufenansiedlung an der Flanke des äusseren Binntals, die Teil des Zendenviertels und der Pfarrei Ernen ist (www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002681/ 2017-01-04/ [06.07.2020/ iw]). Nach heutigem Stand der Forschung bleiben dagegen Herkunft und Bedeutung von Binn selbst unsicher (siehe unter Binn und bei K RISTOL ET AL . 2005, 158). Baltschieder Baltschieder ist eine kleine Gemeinde auf der rechten Talseite des Rottentals, nordwestlich von Visp, an der Mündung des Baltschiederbachs in die Rhone. Die ältesten Belege (ponczirro 1224, balschiedro 1275) weisen auf eine eher romanische und eine eher deutsche Form hin; beide Formen sind bis ins 17. Jahrhundert hinein belegt. Das erste Namenelement geht nach allgemeiner Meinung auf lat. PONS , PONTEM ‘ Brücke ’ zurück (O ETTLI 1945, 212; Z IM- MERMANN 1968, 21), allerdings bleibt der Wandel des romanischen Pontzum deutschen Bal(t)unklar. Für das zweite Element gibt es eine auffällige Parallele zu den hist. Belegen für Sierre/ Siders VS, der als ‘ Ort, Besitz des Sitrius ’ erklärt wird. Baltschieder lässt sich deshalb als ‘ Brücke des Sitrius ’ oder ev. als ‘ Brücke auf dem Weg nach Sierre/ Siders ’ deuten (K RISTOL ET AL ., 2005, 119). Die zweite Lesart ist dabei eher unwahrscheinlich, sind doch die nächstliegenden wichtigen Orte talabwärts Raron und Leuk, bevor man nach Siders gelangt, eine Strecke von rund 30 km. Spekulativ könnte angenommen werden, dass der Wechsel von Pont zu Balt auf einer falschen Rekonstruktion einer älteren Lautentwicklung beruht: der Laut / l/ wurde nach / a/ vor einem weiteren Konsonanten vokalisiert (also zu / u/ ) und dieser Diphthong wurde später zu / o/ . Das / o/ von Ponczirro wurde also fälschlich als aus / al/ entstanden rekonstruiert; daraus ergibt sich die Form mit Bal(t)-. Es kann sein, dass beim deutschen Namen auch der FaN Tschieder (AWWB 266) mitspielte, obwohl er vor allem im Bezirk Brig vorkam. Bellwald Bellwald ist eine Gemeinde mit Streusiedlung, deren Zentrum auf einer Anhöhe zwischen dem Rottental und dem Fieschertal liegt, rund 1560 m über Meer. Der lokale Dialekt verfügt wie die umliegenden Gemeinden über eine l-Vokalisierung, sodass die Dialektform Beuwaud ist. C. S CHMID (1969, 109) berichtet von einer Sage, wonach Gott selbst den Namen gegeben habe. Der Name Bellwald erscheint in den Quellen häufig als Berg ( MONS ) oder Bezirk ( DISTRICTUS ), bezeichnete also zuerst wohl die Bergkuppe, auf welcher die Gemeinde liegt, und ging erst später auf die Hauptsiedlung (1374 Z BLATTUN ) über (https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002804/ 2014-08-24/ [06.07.2020/ iw]). Beizufügen ist, dass es im Lötschental einen Flurnamen Bellwald gibt und dass dort ein gleichlautender FaN verbreitet ist. Im Oberwallis gibt es neben dem hier vorliegenden Bell mit / e/ auch ein Bäll mit / ä/ , das in Naters, Niedergesteln und als Bällegga in Zwischbergen belegt ist. Bei der Belalp in Naters handelt es sich um eine neuere Schreibung zur älteren Aussprache mit / ä/ . In einer geläufigen Hypothese wird angenommen, dass das Grundwort von Bellwald schwdt. Wald m., ahd. wald, mhd. walt wesentlich wie nhd. ‘ kleinerer oder grösserer Baumbestand ’ (I D . 15, 1467 ff. bes. 1475 f.) sei. Schwieriger zu deuten ist der erste Namenteil Bell-. Die ältesten Belege sind Beliwalt und Bellewalt (beide 1273, Beliwalt ist in unserer Datenbank nicht belegt, wird aber von P H . K ALBERMATTER erwähnt). Man könnte sie als Personennamen im Genitiv deuten: also des Beli Walt. Ähnliche Personennamen sind belegt: 1303 und 1306 kommt ein Petrus dictus Belun in Niedergesteln vor; in Gamsen ist ein FaN Beling oder Bellen belegt (auch als Bälen im Register zu den HRBS). Letztere scheinen aber ein / ä/ zu enthalten und sind wohl nicht einschlägig. K RISTOL ET . AL . (2005, 137) denken an lat. BELLUM ‘ schön ’ , weil in der näheren Umgebung romanische Namen belegt sind. Dafür würde zusätzlich sprechen, dass bel mhd. in diesem Sinn vorkommt, aber wohl nur für die Ritterdichtung, nicht als Ortsnamenbestandteil. Dagegen spricht auch die gleichartige Bildung im Lötschental. K RISTOL ET AL . denken alternativ auch an einen Personennamen: Das erste Element könnte zum germanischen PN Ballo / Pallo (M ORLET 1,51a; 3, 248b) gestellt werden, der durch Assimilation aus dem PN-Stamm balda- ‘ kühn, stark ’ hervorgegangen ist (F ÖRSTEMANN 1, 233) oder zum Stamm balva (F ÖRSTEMANN 1, 243 und M ORLET 1,51a; 3,248b; K RISTOL ET AL . 2005, 137). Dennoch erscheint eine Deutung als Wald des Bell nicht ausgeschlossen, woher immer dieser Name selbst stammen würde. Eine etwas gewagtere Hypothese scheint uns möglich: das Grundwort könnte ebenfalls ein alter Name sein: VALD ist als Namensbestandteil bei F ÖRSTEMANN (1, 1496 ff.) reich belegt. Dann wäre die Interpretation von Bellewalt < Baldwalt - ein alter Personenname, der sekundär mit dem dt. Wald in Verbindung gebracht wurde. Das könnte dann auch den FaN Bellwald und die seltsame Bildung Bellwaldwald im Lötschental erklären. Die Station der MGB (früher FO) für Bellwald ist Fürgangen (dial. Firgange), von wo aus eine Luftseilbahn nach Bellwald führt. Der Weilername ist wird zum einem PN Fergang gestellt, gehört aber wohl zu einem Weg, den man (nach vorne) geht. Die Deutung ist aber unklar. Baltschieder 3 4 <?page no="67"?> Betten Betten (heute mit Martisberg zur Gemeinde Bettmeralp gehörig) ist eine kleine Gemeinde am rechten Hang des Rottentales zwischen Grengiols und Mörel, rund 1200 m über Meer mit zwei Dorfteilen. Der Name lautet dial. Bättu, amtliche Schreibweise ist Betten. R ÜBEL (1950, 131) deutet den Namen nach einem Vorschlag von H UB- SCHMIED als altalemannisch *bet(w)un (< kelt. betwas ‘ Birkengehölz ’ ). I D . (4, 1810 ff.) stellt den Namen zu schwdt. Bett n. in FlN ‘ Wildheuplanke, Heubett ’ (cf. S ONDEREGGER 1967, 47). Die Erklärung von H UBSCHMIED und R ÜBEL wird von den älteren Belegen nicht gestützt. Die Deutung des I D . zu schwdt. Bett n. in der Bedeutung ‘ Wildheuplanke, Heubett ’ stellt allerdings lautliche Probleme: der sog. Primärumlaut von Bett wird mit / e/ ausgesprochen; das würde auch auch für den Lokalnamen gelten. Die mda. Aussprache (cf. 1599 Bättun) hat schon früh zu einer frommen Umdeutung des Namens geführt, welche in lat. Form erstmals 1635 belegt ist ( MONTIS ORATIONIS ‘ des Bet-Bergs ’ ). Auf dieser Umdeutung beruht auch die entsprechende Ortsnamenlegende, laut der zur Pestzeit 1720/ 30 das Dorf beinahe ausgestorben sei; die Leute sollen so laut geweint und gebetet haben, dass man sie in Bister gehört habe. Von dieser Zeit an habe man das Dorf Betten genannt (K RISTOL ET AL ., 2005, 146 f.). I D . (12, 1322) kennt den Typ Bättental, interpretiert den ersten Teil als Personennamen (zu Beat? ). Als Simplex erwähnt WWW . ORTSNAMEN . CH an Bätte für Thayngen (SH), ohne Erklärung. Auch für Betten ergibt sich wegen der Qualität des betonten / ä/ im Dialekt keine überzeugende Deutung. Bettmeralp Bettmeralp ist heute eine Gemeinde, zu der auch Betten und Martisberg gehören. Ursprünglich handelt es sich um eine kleine Alpsiedlung, die nach den Bewohnern von Betten als Bättmer Alp benannt wurde. Das / m/ in diesem Flurnamen, das auch in Bettmerhorn erscheint, kann nicht auf frühe Belege zu Betten (historisch 1243 als Bettan) gestellt werden, sondern muss wohl als Assimilation aus Bättner > *Bäpner > Bäpmer verstanden werden; diese Hypothese ist nicht in einer Publikation zum Thema enthalten (G RAF / S IEGFRIED 2017). Die Alpe befindet sich auf der Höhe von 1920 bis 2000 m über Meer, ist heute touristisch gut erschlossen und zählt mehr Einwohner als die beiden ursprünglichen Gemeinden Betten und Martisberg, die hier einzeln behandelt werden. Der zweite Teil des Gemeindenamens bezieht sich auf das HL A LPA . Biel Biel ist eine kleine Gemeinde auf der rechten Rottenseite im Haupttal, zwischen Selkingen und Ritzingen, die nach ihrer Selbständigkeit bis 2017 zur Gemeinde Grafschaft gehörte. Der frühere Gemeinde- und heutige Ortschaftsname Biel geht zurück auf das Appellativ schwdt. Bühel, Büchel, Büel, Biel, Buel m., n. ‘ (kleine) Erhöhung überhaupt; Erdhaufe; Hügel, Anhöhe (etwas länglicher, fast horizontal fortlaufender Hügel) ’ , ahd. buhil, mhd. bühel (I D . 4, 1094 ff.; Z INSLI 1945, 314; G RICHTING 1998, 36). Am 01.10.2000 fusionierte Biel zusammen mit den ehemaligen Gemeinden Gluringen, Ritzingen und Selkingen zur politischen Gemeinde Grafschaft, die 2017 in die neue Gemeinde Goms integriert wurde. Binn Die Gemeinde Binn ist eine Streusiedlung im Binntal, einem Seitental, durch das seit alters die Strasse über den früher wichtigen Albrunpass führte. Zentrum ist Schmidigehischere, andere Weiler sind Ze Binne, Wilere, Giesse und Fäld. Diese erkennbar deutschen Namen kontrastieren mit der Überlieferung des Gemeindenamens, der allerdings auch auf die Binna passen könnte, die das Tal entwässert. Der älteste Beleg von 1246 lautet: Jn tota valle de buyn tam in monte quam Jn plano ‘ im ganzen Tal von Binn, sowohl auf dem Berg, wie im Grund ’ . Die Schreibung legt eine Form Bün nahe; die entrundete Form Binn erscheint, wie zu erwarten, erst nach 1500. (Der Beleg 1485 Zen Bunnon bezieht sich auf den Weilernamen Ze Binne; hier ist vermutlich das Lemma Bina (I D . 4, 3121) enthalten und nicht Binn). Die längere Form Bundolo / Bondolo ist sehr häufig mit vallis verbunden. Es scheint sich also um eine Benennung für die Binna und ihr Tal zu handeln. M ÜLLER (1939 - 46, 218) schlägt vor, Binn zu einem germ. PN wie Binni zu stellen, was schon aus lautlichen Gründen nicht geht. W ERLEN (1991, 244) erwägt eine Ableitung von Büne / Bünt ‘ eingezäuntes Grundstück ’ (I D . 4, 3121); das ist aber aus lautlichen, wie morphologischen Gründen nur für Ze Binne möglich. Die Beziehung zwischen den zwei überlieferten Namenformen lautet: Buyn > Bün > Binn und ist unklar; die Belege sind für eine sichere Deutung zu jung. Archäologische Funde im Tal seit der Latène-Zeit lassen an sehr alte Namen denken. Eine Ableitung von Bondolo / Bundolo aus Buyn / Bün (mit welchem Suffix? ) ist nur dann möglich, wenn der überlieferten Form Bün eine ältere *Bun / Bon zu Grunde liegen würde und sich daraus eine suffigierte Form Bundolo / Bondolo entwickelt haben könnte. Ein Zusammenhang mit dem Lemma Tola (I D . 12, 1676 ff.) ‘ Vertiefung, Loch, Höhle ’ ist eher unwahrscheinlich, weil das Genus nicht übereinstimmt. Bondolo / Bundolo könnte aber auch vom kelt. Stamm *bunda ‘ Grund, Boden ’ abgeleitet sein (cf. Bondo GR); entsprechende rom. Namen bezeichnen Ortschaften, die im Talgrund liegen. Für die Formen vom Typus Buyn / Binn 5 6 Binn <?page no="68"?> könnte ev. an den Stamm *buina ‘ Baumstrunk ’ (G PSR 2, 637; bei K RISTOL ET AL . 2005 falsch als 627) gedacht werden, der im Wallis in der Bedeutung ‘ Holzschüssel ’ belegt ist; Geländemulden werden relativ häufig metaphorisch als ‘ Schüssel ’ bezeichnet. Beim gegenwärtigen Forschungsstand bleiben Herkunft und Bedeutung des Namens jedoch sehr unsicher (K RISTOL ET AL . 2005, 157). Birgisch Die frühere Gemeinde Birgisch gehört heute zu Naters; sie liegt auf einer Anhöhe auf der rechten Seite des Rottentals auf ungefähr 1100 m ü. M. Die Deutungen des Namens sind unklar: die ältesten Formen sind durchgehend vom Typ Burguise (beim Beleg von 1232 Chono de Burginse (K RISTOL ET AL ., 2005, 179) handelt es sich um einen Lesefehler; das Original hat Chono de Burguise). Der Weg zur heutigen Namensform läuft über Burg-ise > Bürg-ise > Birg-isch. Umstritten ist, ob es sich um einen deutschen oder einen gallo-romanischen Namen handelt. W ERLEN (1991, 217) vermutete (ohne die ältesten Belege zu kennen) eine Ableitung von Burg oder Berg oder aber auch eine lat.-rom. Quelle. Für das Suffix -ise verweist W ERLEN (wiederum ohne Kenntnis der historischen Belege) auf Argessa (Ergisch). K RISTOL ET AL . (2005, 159) bemerken, dass die historischen Formen von Ergisch (Argessa) und jene von Birgisch nicht das gleiche Suffix aufweisen. Auch wird eine Herleitung vom rom. Stamm BURG - (> frz. bourg) ausgeschlossen, da keine Ableitung von diesem Stamm mit einem lat. Suffix erkennbar sei. Hingegen könnte Birgisch auf eine im Altertum belegte keltische Form Berguisa (zur idg. Wurzel *bhergh-) zurückgehen und wäre dann eine Zusammensetzung aus dem idg. Adj. *bhergh- ‘ hochgelegen, herausragend ’ und dem Suffix - Ū SIU , - Ū SIA (K RISTOL ET AL . 2005, 159). Diese Herleitung erscheint aus drei Gründen als eher unwahrscheinlich: die Schreibweise Burguise enthält ein stummes / u/ nach dem / g/ , eine keltische Form Berg könnte nicht zu Burg werden und das Genus ist nach den Belegen von 1347 und später maskulin oder neutrum, nicht aber feminin. Zum Genuswechsel verweist FEW (15, 2, 21 s. v. *burg) auf den Zusammenhang mit lat. CASTELLU und den lautlichen Zusammenfall mit lat. BUR- GUS ; FEW zeigt auch, dass sowohl *burg wie BURGUS verschiedene Suffigierungen aufweisen. Nicht wegdiskutieren lässt sich, dass alle historischen Belege den Typ Burg(u)ise aufweisen. Zu vermuten ist, dass eine Ableitung von *burg / burgus im Sinn von Bourg ‘ Weiler ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 211) gegeben ist; die genaue Form des Suffixes lässt sich aus den Urkunden nicht erkennen. In Frage käme etwa - ICIA (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288), was zur Deutung ‘ das kleine Weilerchen ’ führen würde. Bister Bister ist eine sehr kleine Gemeinde mit Streusiedlung am steilen linken Talhang des Haupttales, auf ca. 1000 m ü. M. Laut dem H ISTORISCHEN L EXIKON DER S CHWEIZ wurde der Name auch auf den ganzen Berg ausgedehnt. Bister wurde bisher nicht gedeutet. K RISTOL ET AL . (2005, 162) denken an ein afrz., afrpr. bestort ‘ krumm ’ (lat. BIS ‘ doppelt ’ und lat. TORTUS ‘ krumm, gewunden ’ ; G PSR 2, 367), was als Benennungsmotiv in FlN (z. B. zur Bezeichnung von Wasserläufen) nicht selten sei, hier aber durch den Realbefund nicht gestützt werde. Auffällig ist, dass es einen Flurnamen Im Bisterli in Mörel gibt; historisch ist der Name auch für Betten belegt. Deswegen liegt eine Deutung zum Adj. b ī ster ‘ düster, trübe ’ nahe (siehe I D . 4, 1795, schon bei S TALDER 1, 175). Die Quantität des Vokals ist unklar, S TALDER gibt Kürze und Länge, das I D . nur Länge. Das Adjektiv gilt sonst als niederdeutsch; S TALDER belegt es aber für das Berner Oberland. Bister wäre also ein unfreundlicher Ort, der auf der Schattenseite liegt und im Winter kaum Sonneneinstrahlung hat (die Realprobe (Mai 2013) bestätigt diese Deutung). Die frühesten Belege (Bystur, bisture, bistore) weisen einen vollen Nebensilbenvokal auf, vermutlich ist das aber eine blosse Schreibtradition. Die Deutung sieht also ein deutsches Bister ‘ unfreundlicher Ort ’ als Grundlage. Bitsch Bitsch ist eine kleine, auf der rechten Rottentalseite liegende Streusiedlung mit mehreren Weilern; vom benachbarten Naters ist es durch die Massaschlucht getrennt; gleichzeitig verläuft hier die Bezirksgrenze. Archäologische Spuren bezeugen, dass hier schon früh Siedlungen bestanden. Der Name Bitsch ist Gegenstand kontroverser Deutungen. Klar ist auf Grund der ältesten Belege, dass die überlieferte Form Bütsch gelautet haben muss. Die Entrundung zu Bitsch erfolgte um 1500 wie in anderen derartigen Fällen. Es gibt im Oberwallis weitere ähnliche Namen: in Naters ein Bitschji (mit einem nicht sicher zuordenbaren Beleg von 1412 in dem Butsche), das als Zentrum eines Namensnestes auf Natischer Boden gelten kann; die Flur hat nichts mit der Gemeinde Bitsch zu tun. Für Unterbäch ist der Familiennamen Bitschin (NWWB 2, 36) bezeugt, dessen älteste Belege (1427 Butschins, 1441 Butschin) jenen von Bitsch ähnlich sind; ein Dorfteil von Unterbäch heisst nach dieser Familie Bitschiga. Vergleichbare Namen kennt das BENB (1, 4, 769 f. s. v. Bü(t)sch(i)) mit der Deutung eines Lehnappellativs zur frpr. Weiterentwicklung von lat. PODIUM ‘ Anhöhe ’ (dazu FEW 9, 111 f., G LATTHARD (1976)). K RISTOL ET AL . (2005, 162) nehmen eine urspr. rom. Form an, in welcher ein lat. [k] vor [a] zu [t š ] (später [ts]) palatalisiert wurde. Vermutlich sei Bitsch zu einem germ. Stamm *b ū sca ‘ Feuerholz ’ , der als Lehnwort Birgisch 7 8 <?page no="69"?> im Galloromanischen verbreitet ist (frz. bûche, frpr. [buts ə ]), zu stellen (K RISTOL ET AL . 2005, 162). Da die Gemeinde im Bezirk Oestlich-Raron - also im Osten unseres Gebietes - liegt, ist eine späte direkte Übernahme einer Patois-Form eher unwahrscheinlich; ein Lehnappellativ würde die Form besser erklären. Die Semantik von PODIUM ‘ Anhöhe ’ würde auch eher passen als jene von *busca ‘ Brennholz ’ . Der ähnliche Thurgauer Gemeindename Bütschwil (TG) wird auf einen ahd. Personennamen zurückgeführt (K RISTOL ET AL ., 2005, 210); er käme im Oberwallis, wenn überhaupt, für die Herleitung des FaN Bitschin in Frage. Insgesamt ist die Deutung von lat. PODIUM ‘ Anhöhe ’ am sinnvollsten. Blatten Blatten ist die oberste Gemeinde im Lötschtal. Der Namenstyp ist im Oberwallis weit verbreitet. Er geht zurück auf schwdt. Blatte(n), Platte(n), wdt. Blatta, Blattä, Blattu f. ‘ Fläche auf einem Berggipfel, Felsplateau, Fels-, Bergterrasse ’ , ahd. blatta, platta, mhd. blat(t)e, plat(t)e, aus mlat. PLAT ( E ) A (I D . 5, 189 ff.; G RICHTING 1998, 39; Z INSLI 1945, 312). Wie die Mundartlautung uf .dÈr bl.aàtuû ‘ auf der Blatten ’ zeigt, wird der Name auch heute noch appellativisch verstanden (K RISTOL ET AL ., 2005, 163). Blitzingen Die frühere Gemeinde Blitzingen (dial. Blitzige) gehört heute zur Gemeinde Goms und hat ihren Siedlungsschwerpunkt auf der rechten Rottentalseite zwischen Selkingen und Niederwald auf ca. 1300 m ü. M.; sie verfügt über mehrere Weiler. Der Name lässt sich als kollektive - ING -Ableitung (dial. - IG ) zu einem Personennamen erklären.; sie bezeichnet typischerweise Angehörige einer Familie, lässt sich aber auch generell als Kollektivsuffix betrachten. Die u. a. von B RUCKNER (1945, 107) angenommene Deutung, wonach die - ING -Namen Reckingen, Gluringen, Ritzingen, Selkingen, Blitzingen um 1000 als lebendige Tradition der mittelländischen - ING - Namen erscheinen, dürfte deswegen falsch sein. Die ursprüngliche Form des zugrunde liegenden PN kann nicht sicher bestimmt werden, da entsprechende historische Belege fehlen. Wahrscheinlich liegt eine Ableitung zum Personennamenstamm BLIC- (F ÖRSTEMANN 1, 312) vor, z. B. die PN-Kurzform *Blitzo. Blitzingen bedeutet also ‘ bei den (Gefolgs-)Leuten, der Sippe des *Blitzo ’ . Der Blitz im Gemeindewappen beruht auf volksetymologischer Umdeutung des nicht mehr verständlichen Namens (W ERLEN 1991, 218; K RISTOL ET AL . 2005, 164). Bratsch Bratsch bildet heute mit Gampel zusammen eine politische Gemeinde. Bratsch (gespr. Braatsch) selbst liegt auf ca. 1100 m. ü. M. auf der rechten Rottentalseite; die Weiler Engersch und Niedergampel gehören dazu. Der Ortsname Bratsch leitet sich aus lat. PR Ā TUM ‘ Wiese ’ her (O ETTLI 1945, 94), genauer aus der Pl.-Form lat. * PR Ā TAS > * PR Ā DES ‘ Wiesen ’ , welche in den hist. Belegen sowohl in der romanischen Form, mit Schwund des intervokalischen - D - (> praes), wie auch in deutsch geprägter Weiterentwicklung mit Schwund des Auslautvokals und Verhärtung des - D vor - S (> *prads > prats > brats > bratsch), überliefert ist. Die mit - G geschriebenen Formen von 1408 und 1530 reflektieren eine frpr. Aussprache mit [j]. Das urspr. lat. Schluss - S ist bewahrt, das sich im Oberwallis zu [ š ] entwickelt hat. Der Zeitpunkt der Germanisierung von Bratsch lässt sich nicht genau festlegen; es gibt aber schon im frühen 14. Jahrhundert deutsche Flur- und Personennamen. Der Name muss deswegen schon relativ früh (etwa im 10. Jh.) von benachbarten deutschsprachigen Siedlern übernommen worden sein, d. h. zu einer Zeit, als das romanische / -d- / noch nicht geschwunden war (nach K RISTOL ET AL . 2005, 181). Brig Die Stadtgemeinde Brig (seit 1972 Brig-Glis) liegt auf dem linken Rottenufer am Zusammenfluss von Saltina und Rotten auf ca. 680 m ü. M. Der Name Brig (frz. Brigue, it. Briga) geht auf ein keltisches Gattungswort *briga ‘ Hügel; Hügelfestung ’ zurück (J ACCARD 1905, 54; K RISTOL ET AL . 2005, 187; D ELAMARRE 2 2003, 87). Andere Deutungen, die Brig zu ahd. brugga ‘ Brücke ’ stellen (G ATSCHET 1867a, 245), sind abzulehnen; die ältesten Belege (1215 Briga) zeigen kein / ü/ und die heutige Lautung enthält ein geschlossenes / i/ , kein offenes, wie es die vielen Belege für Brigg und Brigga im Oberwallis aufweisen. Im Übrigen hat Brig zweifellos schon vor der alemannischen Einwanderung im Oberwallis bestanden, was auch durch entsprechende archäologische Funde gestützt wird. Ein weiterer Deutungsansatz stellt den Namen zu spätgallisch *brigwa ‘ Brücke ’ (H UBSCHMIED 1933b, 4; G UEX 1938, 357 und 2 1976, 177; R ÜBEL 1950, 131): laut K RISTOL ET AL . (2005, 187) ist aber dieser Ansatz ebenfalls hinfällig, weil die mittelalterlichen Belege von Brig ansonsten -vaufweisen müssten, da [gw] sich im Frpr. des Oberwallis zu [v] entwickelte (K RISTOL ET AL ., 2005, 187). 1972 vereinigten sich die Ortschaften Brig, Glis mit Gamsen und Brigerbad zur Gemeinde Brig-Glis. Brigerbad Der ehemalige Gemeinde- und heutige Ortschaftsname Brigerbad (seit 1972 Teil der Gemeinde Brig-Glis) setzt sich zusammen aus dem Grundwort schwdt. Bad n., wie nhd. ‘ Bad; Thermalquelle ’ (Id. 4, 1011 ff.) und dem Be- 9 10 Brigerbad <?page no="70"?> stimmungswort Briger (aus Brig) und nimmt Bezug auf die Thermalquellen am Ort. In den historischen Belegen wechseln sich Nennformen des Namens im Sg. (so z. B. 1354 de badt, 1585 zum Badt oder auch die heutige Mundartform Zum Bad) und historisch mehrheitlich Pl. (Baden) ab. Bei der Pl.-Form ist von einer Grundform *(zen) Badun ‘ (bei den) Bädern, Thermalquellen ’ auszugehen. Auch findet sich der Name in historischen Belegen in latinisierter Form (so z. B. 1489 ad balneum, 1512 apud balnea, domus balneorum), zu lat. BALNEUM , BALNE Ī n. ‘ Bad ’ , und in gelehrter griechischer Übersetzung als thermas brigenses (1527), thermas brÿgenses (1535). Erst später, so auch in der griechischen Übersetzung des Namens, tritt als Bestimmungswort der relative Bezug Brigerzur damaligen Nachbargemeinde Brig hinzu, damit die Ortschaft von gleichnamigen Orten unterschieden werden kann (wie etwa Leukerbad). Bürchen Die Gemeinde Bürchen ist eine Streusiedlung (zu den Weilern vgl. G ATTLEN 2007, 23 ff.). Seltsamerweise fehlt die dialektale Aussprache Birchu in der Datenbank des VSNB. Die Siedlung liegt auf ca. 1340 m ü. M. auf einer Anhöhe auf der linken Seite des Rottentals (üblicherweise „ Rarner Schattenberge “ genannt). Der Name Bürchen geht zurück auf das schwdt. Appellativ Birch m., f., wdt. Bircha, Birchä (Goms), Birchu f. ‘ Birke, Betula alba ’ , in den Birchen ‘ im Birkenwald ’ , Birch n. ‘ Birkengehölz ’ , ahd. bir(i)cha, mhd. birche, birke (I D . 4, 1536 f.; G RICHTING 1998, 37). Der heutige amtliche Name mit - Ü ist hyperkorrekt gerundet für - I - (erstmals 1509 montis de bürchon) (G ATT- LEN 2007, 17 ff.). In den älteren Belegen wird Bürchen oft als Birkenberg oder als lateinischer Übersetzungsname 1447 de bethuli, 1757 montis betulae, zu lat. BETULA ‘ Birke ’ , genannt (K RISTOL ET AL ., 2005, 202). Teile der Gemeinde weisen das gleiche Lemma auf (ts Birch, ts Birchji). Eggerberg Die Gemeinde Eggerberg ist eine Streusiedlung mit mehreren Weilern, deren Zentrum heute auf etwa 850 m liegt, auf der rechten Rottentalseite auf dem Hang oberhalb von Visp, politisch aber noch zum Bezirk Brig gehörend. Der Name Eggerberg (gespr. Eggerbärg) ist zu deuten als der Berg, also der Abhang, der zu den Leuten von Eggen gehört. Bis Mitte des 16. Jh. hiess die Siedlung insgesamt nach dem Weiler Eggen. Dazu ist das schwdt. Gattungswort Egg, Egge n , Eggt m./ n. wie nhd. ‘ Ecke, vorspringender und einspringender Winkel ’ , Pl. -i, ahd. ecka, mhd. ecke, egge zu stellen. Im Namenbereich bezeichnet Egg(e) f./ n. eine gewisse Gestalt von Bodenerhebung ‘ Gipfel, spitzig vorstehende Anhöhe, vorspringendes Ende eines Hügels; Übergangsstelle eines Bergpfades, Passhöhe; dachähnlicher Ausläufer eines Berges, Bergkante und die darunter sich anlehnende Halde oder das von ihr begrenzte Plateau, langgestreckte Hochebene (I D . 1, 155 ff.), im Walsergebiet meist ‘ langgezogene Anhöhe am Berghang ’ (Z INSLI 1984, 562; Z IM- MERMANN 1968, 99 f.). Eggen ist formal ein Dativ Singular in lokativischer Bedeutung, und der Name bezeichnet die Siedlung ‘ am Eggen ’ (K RISTOL ET AL ., 2005, 314). Die Form Egger ist ursprünglich als Genitiv Plural zu sehen und meint ‚ zu den Leuten von Eggen gehörig ‘ . Das Grundwort des Gemeindenamens Eggerberg, schwdt. Bërg m. und lat. mons, bezeichnet im Oberwallis eine am Hang liegende Siedlungs- und Kulturlandschaft (A NDEREGG 1983, 13). Sie wird als zu den Leuten vom Weiler Eggen gehörend bestimmt. Eischoll Die Gemeinde Eischoll befindet sich auf rund 1200 m auf der linken Rottentalseite auf einer Anhöhe (bekannt als „ Rarner Schattenberge “ ) westlich von Unterbäch, von dem es durch den Mühlebach getrennt ist. Der Name Eischoll (gespr. Eischoll) ist durch Entrundung aus *Öü š el, frz. Oizelz, Oisel, gall. *ouzello ‘ Höhe, Anhöhe ’ entstanden (K RISTOL ET AL . 2005, 317; R ÜBEL 1950, 131; G UEX 1938, 357 und 2 1976, 177; H UBSCHMIED 1938, 98; M EYER 1930, 22). G ATTLEN (1999, 51) übernimmt jedoch die Etymologie von I D . (1, 346 und 18), das den Dorfnamen Eischoll mit Ei, Eie ‘ Aue, Land im oder am Wasser ’ deutet, mit der Begründung, dass das betreffende Gebiet auf eine Aue ausmünde. Da dies jedoch nicht den topographischen Verhältnissen entspricht, vermutet G ATTLEN (1999, 51), dass der Name mit der Rodung des Waldes und der dort entstandenen Siedlung ‘ einer Insel im Walde, was mit lat. INSULA , treffend bezeichnet wäre ’ in Zusammenhang stehen könnte, was M ÜLLER aus sprachhistorischen Überlegungen verwirft (B ULLETIN G PSR 1999 - 2000, 37). G ATTLEN (1999, 53) lokalisiert in den Rarner Schattenbergen noch ein weiteres Oysel, das Wort kann als Synonym für ‘ Gutshof, besiedelte Flur, Weiler ’ betrachtet werden; die historischen Belege sind zwar Bürchen zugeordnet, gehören aber wohl zu Eischoll. Die Belege mit Entrundungen (Typ Eÿsal) aus dem 15. Jahrhundert (z. B. 1445, 1461 (zweimal)) sind problematisch - man würde Entrundungen eigentlich erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts erwarten. Ob hier eine frühe Entrundung vorliegt, die schon mündlich vorhanden war, oder eine spätere Abschrift, ist unklar. Eisten Die Gemeinde Eisten liegt auf 1145 m am Eingang zum Saastal. Der Name Eisten (gespr. Zen Eischtu) ist ein Bürchen 11 12 <?page no="71"?> Plural; die historischen Belege (1299 oysten) zeigen, dass der ursprüngliche Zwielaut / oy/ zu / ey/ entrundet wurde. Zu Grunde liegt ahd. awist, ewist, auch ouwist ‘ Schafstall ’ , ‘ Aufenthaltsort für Schafe ’ , eine Ableitung zum Namen des weiblichen Schafes (schwdt. Au f., mhd. ouwe, ow, ahd. awi ‘ weibliches Schaf ’ (S ONDEREGGER 1958, 46; ZGNB 1, 922 f.; I D . 1, 5; R ÜBEL 1950, 4, 102; K RISTOL ET AL . 2005, 317 f.). Abzulehnen ist die Deutung von S TUDER (1896, 96). Er stellt den Namen Eisten wegen seiner Ähnlichkeit zu nhd. Hester, Heister ‘ junger Waldbaum, Buche ’ . Schon J ACCARD (1903, 140 f.) verwirft diese mit der Begründung, dass in den höher gelegenen Orten im Lötschental und im Goms, wo diese Namen ebenfalls vorkommen, keine Buchen wachsen. Embd Die Gemeinde Embd mit mehreren Weilern hat ihr Zentrum auf rund 1350 m auf der linken Seite der Matter Vispe. Nahe liegt die Erklärung des Namens Embd (gespr. Ämd) aus dem Schwdt. Amad, Ā mat, Ämd, Emd, Ömd, Ämt, Änd n. ‘ Spätheu, zweiter Graswachs ’ , ahd. und mhd. ā m ā t also eigentlich ‘ Aus-, Abschnitt ’ (I D . 1, 213; K RISTOL ET AL ., 2005, 320), also ‘ der Ort, wo das Spätheu wächst ’ . Das BENB (1, 1, 80 f.) führt den Siedlungsnahmen Emdthal auf dieses Lemma zurück. Die ältesten Belege für unsere Gemeinde lauten Emeda oder Emda, sie weisen ein auslautendes / -a/ auf, das eventuell einer Latinisierung zu verdanken ist (wie Vespia zu Visp). Das Appellativ lautet bei G RICHTING (1998, 15) Äämd, Eemd (Lötschtal), Aamat. Dagegen hat der Ortsname einen Kurzvokal. Die Schreibung mit / -bd/ enthält einen Übergangslaut / b/ zum einfachen Emd. Ergisch Die Gemeinde Ergisch liegt auf rund 1100 m auf der linken Rottentalseite oberhalb von Turtmann im rechten Ausgang des Turtmanntales auf einer wenig steilen Anhöhe. Der Name Ergisch (gespr. Äärgisch) lautet in seiner ältest überlieferten Form 10? ? und später Argessa. Man nimmt an, dass diesem Namen das kelt. Adj. argio- ‘ glänzend, hell, weiss ’ zugrunde liegt (D ELAMARRE 2003, 54), das sich mit einem vorlat., eventuell kelt. -is(s)a- Suffix verband, das Zugehörigkeit ausdrückt (K RISTOL ET AL . 2005, 328 f.). Damit ist auch klar, dass -s (das heutige š ) im Namen Ergisch zum Stamm gehört, also nicht ein rom. Plural-s ist (S CHMID 1951, 21). Laut J ACCARD (1906, 152) soll das Dorf den Namen seiner sonnigen Lage verdanken, M EYER (1930, 22) meint, dass die von weitem sichtbare Lage des Dorfes zur Namengebung geführt habe; für andere Autoren ist das Vorkommen von weissem Quarzit oberhalb des Dorfes für die Benennung ausschlaggebend gewesen, kelt. *Argissa sei die ‘ Siedlung beim hell, glänzenden Gestein ’ (G UEX 1938, 375 und 2 1976, 177 f.; R ÜBEL 1950, 131; H UBSCHMID 1960, 285). Neben den vielen Belegen für Argessa und einigen wenigen für Argesa tritt der erste sichere ‘ deutsche ’ Beleg 1548 als Ergisch auf, 1574 ist es Erÿsch, 1626 Ergies, 1655 Ehries, 1667 Ergesch, 1669 Eriesch, 1700 Ehriesch, 1742 u. später am Erjesch. Die schriftlichen Formen wechseln also zwischen / g/ und / i/ , was sich auch in anderen Belegen findet. Der heutige Name Ergisch (Äärgisch) lässt sich auf Argessa zurückführen, die Form mit / i/ , resp. / j/ für / g/ lässt sich als regelmässige Lautentwicklung ansehen (R HEINFELDER 4 1968, 193). Ernen Die Gemeinde Ernen liegt auf der linken, schattigen Rhonetalseite auf 1196 m, Fiesch gegenüber. Heute gehören auch die früher selbständigen Gemeinden Ausserbinn, Mühlebach und Steinhaus zur Gemeinde, die bis ins 19. Jahrhundert hinein neben Münster die wichtigste der Gommer Gemeinden war. Der Name Ernen, (gespr. Äärnu, frz. Aragnon) lässt sich auf Grund der historischen Belege (fast durchwegs vom Typ Aragnon) als vordeutsch betrachten (Z IMMERLI 1899, 86; Z INSLI 1977, 99 f.), die Deutung des Namens ist jedoch unsicher. S TUDER (1896, 48) leitet den Namen von lat. AREA ‘ Tenne, Feld ’ ab, Ernen sei ein ‘ aus Hofstätten bestehendes Dorf ’ . G UEX (1938, 356 und 1976 2 , 176) und R ÜBEL (1950, 131) übernehmen H UBSCHMIEDS Vorschlag, der den Namen von kelt. *agraniono ‘ Gruppe von Schlehensträuchern ’ ableitet, was K RISTOL ET AL ,. (2005, 332) aus lautgeschichtlichen Überlegungen verwerfen. Aufgrund der rom. Lautentwicklung hätte sich kelt. *agraniono nicht zu dem gut belegten romanischen Namen mit Aim Anlaut entwickeln können. Die frühesten Namenformen Aragnon lassen eher auf den lat. Personennamen Aranius schliessen (S CHULZE 1991, 125). Dies würde einen Deklinationswechsel (Aranius, *Aranione) voraussetzen, und die lautliche Entwicklung des Avon Aragnon zu Ernen könnte laut K RISTOL ET AL . durch die palatale Lautgruppe [nj] > [ ŋ ] entstanden sein. Der Dorfname Ernen würde also ‘ Land, Besitz des Aranius ’ bedeuten (K RISTOL ET AL ., 2005, 332). Die heutige Feriensiedlung Aragon bei Ernen nimmt den historischen Namen auf. Erschmatt Die frühere Gemeinde Erschmatt (heute Teil der Gemeinde Leuk) liegt auf 1228 m auf einer sonnigen Anhöhe über der rechten Rottentalseite, auf halbem Weg zwischen Gampel und Leuk. Der Name Erschmatt (gespr. An Eersch) ist in dieser Form jung. Das Grundwort Matt scheint erst im 19. Jahrhundert fest geworden zu sein; vorher ist nur Eersch belegt, historisch als Huers, eine 13 14 Erschmatt <?page no="72"?> vermutlich vordeutsche Bildung (M URET 1924, 451). J AC- CARD (1906, 152) hält die früheste Namenform Huers für eine Pluralbildung einer rom. Dialektform, z. B. huert aus der Dauphiné, bündnerrom. üert ‘ Garten ’ , zu lat. HORTUS . K RISTOL ET AL . (2005, 333) widerlegen diese Deutung mit der Begründung, dass im Frpr. des Wallis die Bezeichnung courtil für ‚ Garten ‘ verwendet wurde, auch müsste in den Walliser Namenformen lat. -ovon h ō rtum als offenes / o/ erhalten sein. In der mittelalterlichen frz. Schreibtradition wurde das anlautende, etymologisch unbedeutende h zur Unterscheidung eines am Wortanfang stehenden u von einem v verwendet. In diesem Fall könnte von einer ursprünglichen Lautung wers oder wersch und einem germanischen Etymon auf wausgegangen werden. K RISTOL ET AL . schlagen als Basis spätlat. * WERSICUS ‘ krumm ’ vor (2005, 333). Eyholz Die früher selbständige Gemeinde Eyholz liegt im Talboden (ca. 654 m) auf der linken Rottentalseite etwas östlich von Visp, zu dem sie seit 1972 gehört (P ETER J OSSEN , 1988, 83). Der Name Eyholz ist als ‘ Eichwald ’ zu deuten: schwdt. Eich(e n )holz n. ‘ Eichenholz, Eichenwald ’ , mit Schwund des Inlautes -ch- (I D . 2, 1249; AWWB 90). Die ältesten Belege von 1275 (wohl beide aus dem gleichen Dokument) zeigen Hegolz; vermutlich ist das anlautende H eine romanisch beeinflusste Schreibtradition; unklar ist / -g-/ , das eine Verbindung von auslautenden / -ch-/ und anlautendem / h-/ von Holz darstellen kann. Eine Deutung von Eyholz zum dt. Etymon Aue > Eie (G R W B 1, 601 f.) liegt auf Grund der historischen Belege, die schon im 14. Jahrhundert Eich usw. haben, nicht vor. Ferden Die Gemeinde Ferden ist die westlichste der vier Gemeinden des Lötschentals. Gelegen ist sie auf 1375 m auf der rechten Seite der Lonza westlich von Kippel. Der Name Ferden (gespr. Fäärda) wird schon von Z IMMERLI (1899, 76) als vordeutsch angesehen. Die erstbelegte Form Verdan stammt aus dem 14. Jahrhundert. K RISTOL ET AL . (2005, 350 f.) nehmen an, dass sich der Name aus dem Adjektiv vert ‘ grün ’ (< lat. v ĭ r ĭ dis (FEW 14, 507ss.) und dem Suffix ā num zusammensetzt (K RISTOL ET AL ., 2005, 350 f.), ein in der in der Westschweiz weit verbreiteter Namentyp (J ACCARD 1906, 499). S TUDER (1896, 104) führt den Namen auf lat. VIRIDARIUM ‘ Baum- oder Krautgarten ’ zurück, was lautlich nicht haltbar ist. Als Substantiv bezeichnet verdan ‘ unreife Trauben ’ , ‘ spät reifende, lang grün bleibende Hanfsorte ’ , eine ‘ Birnensorte ’ , aber auch ‘ Wiese ’ . Das genaue Benennungsmotiv für Ferden im Lötschental kann jedoch nicht mehr bestimmt werden (K RISTOL ET AL ., 2005, 350 f.). Feschel Die früher selbständige Gemeinde Feschel liegt auf 1280 m auf einer sonnigen Anhöhe westlich Erschmatt und oberhalb von Guttet, mit dem sie seit 2000 eine gemeinsame Gemeinde bildet. Der Name Feschel (gespr. Feschil) ist romanisch. Unklar ist das Verhältnis zum Namen des Baches Feschilju (auf der SK Feschelbach genannt). Die historischen Belege zeigen den Typ Veselly in verschiedenen Schreibweisen, wobei das anlautende / v/ heute als / f/ ausgesprochen wird (B ESSE 1997, 287). K RISTOL ET AL . (2005, 424) führen den Namen vom Typ Veselly auf das Adj. (terra) *veselia zurück, das vom lat. PN V ESELIUS (S CHULZE 1991, 256 und 445) abgeleitet sein könnte. Der Name würde also ‘ Besitz des Veselius ’ bedeuten. Laut FEW (14, 366 s. v. vexillum standarte) kommt vexillum nicht in Frage, da es erst in der Renaissance entliehen wurde. Fiesch Die Gemeinde Fiesch liegt an einem steilen Hang auf rund 1050 bis 1100 m auf der rechten Rottentalseite gegenüber Ernen, links und rechts des Wysswassers mit mehreren Weilern. Der Name der Gemeinde Fiesch ist vordeutsch, vermutlich aus lat. vicus ‘ Gehöfte, Weiler, Dorf ’ (S TUDER 1896, 267; J ACCARD 1906, 168; G UEX 1938, 362; B RUCKNER 1945, 75). Das ursprünglich lat. Schluss-s, das in den romanischen Formen wegfällt, entwickelt sich im Oberwallis zu [ ∫ ]: 1225 wious, 1233 uiox, 1256 vyes, 1356 vies, 1435 viesche, 1469 viesch usw. (S CHMID 1951, 53 f.; K RISTOL ET AL ., 2005, 354). Rom. v wurde von der deutschsprachigen Bevölkerung als f übernommen (B ESSE 1997, 287). Fieschertal Die Gemeinde Fieschertal befindet sich mit ihren verschiedenen kleinen Weilern auf rund 1100 m nördlich von Fiesch am Wysswasser. Der Name Fieschertal (dial. Fieschertau) ist historisch als vallis de vyes belegt. Die Verwendung von Fiescher erscheint erst 1608; es handelt sich, anders als bei anderen derartigen Benennungen nicht um einen Genitiv Plural, sondern um eine relative Ortsbezeichnung zu Fiesch (K RISTOL ET AL ., 2005, 355). Wie unter Fiesch ausgeführt, ist der Name vordeutsch (G AU- CHAT 1907, 5; Z INSLI 1976, 100), vermutlich aus lat. VICUS ‘ Gehöfte, Weiler, Dorf ’ (S TUDER 1896, 267; J ACCARD 1906, 168; G UEX 1938, 362; B RUCKNER 1945, 75). Das ursprünglich lat. Schluss-s, das in den romanischen Formen wegfällt, entwickelte sich im Oberwallis zu [ ∫ ]. Rom. [v] wurde von der deutschsprachigen Bevölkerung als [f] übernommen (B ESSE 1997, 287). Der zweite Namenbestandteil Tal n. wird in der Bedeutung ‘ Tal, als Geländeform, Einheit der Bodengestalt, durch Höhenzüge begrenztes Eyholz 15 16 <?page no="73"?> Gebiet ’ auch ‘ Seitental ’ (I D . 12, 1303 ff.; Z INSLI 1946, 105, 207) verwendet. Das lat. Gegenstück in den frühen Belegen ist lat. vallis ‘ Tal ’ . Filet Das Zentrum der früher selbständigen Gemeinde Filet, einer in Einzelhöfen und kleinsten Siedlungsgruppen zerstreuten Ortschaft, liegt auf der linken Rottentalseite etwas oberhalb von Mörel auf einer Höhe von etwas über 700 m. Früher war sie noch ein eigentliches Dorf und hiess im Spätmittelalter Gifris (R UPPEN 1991, 9 f.), das heute noch im Flurnamen Gifrisch erhalten ist. Der Name Filet (gespr. Filet) lässt sich auf das lat. VILLA ‘ Landhaus, Landgut, Gehöft ’ zurückführen; gebildet mit dem lat. Diminutivsuffix - ITTA bedeutet er ‘ kleines Gehöft, kleines Landgut ’ (K RISTOL ET AL . 2005, 355). Die Übernahme des rom. v als ahd. f dürfte kaum vor dem 8./ 9. Jh. stattgefunden haben (B ESSE 1997, 733). Filet fusionierte 2009 mit Mörel zu Mörel-Filet. Gampel Gampel (gespr. Gampil) ist der Name der früher selbständigen Gemeinde Gampel (heute Gampel-Bratsch). Es liegt auf der Westseite der Lonza auf der Nordseite des Rottentals; die Lonza bildet zugleich die Bezirksgrenze. Der SBB-Bahnhof von Gampel und Steg befindet sich auf dem linken Rottenufer. Die ältesten Belege sind 1238 Champilz und Champiz, 1244 Champilz, 1288 Champilz, 1300 Champiz, 1303 Gampil, 1305 Campiz usw. Der heutige Ortschaftsname Gampel lässt sich auf lat. CAMPUS ‘ Feld ’ zurückführen (J ACCARD 1906, 182; G UEX 1938, 362; 1976, 185). Allerdings lassen sich mit der von J ACCARD vorgeschlagenen Form CAMP Ĕ LLU die historischen Formen und die heutige Mundartlautung mit - I - (Champi(l)z / Gampil) nicht befriedigend erklären. K RISTOL ET AL . (2005, 377) vermuten, dass Gampel sehr wahrscheinlich auf lat. * CAMP - Ī LE ‘ in Wiese umgewandeltes Feld, das im Vorjahr gepflügt wurde ’ (G PSR 3, 294), eine Ableitung zu lat. CAMPUS , zurückgehe; die frz. Formulierung mit labourer ‘ ackern, pflügen ’ kann auch für das Oberwallis gelten, wo nicht gepflügt, sondern mit der Hacke gearbeitet wurde. Die ältesten Belege haben ein auslautendes - Z , was einen Plural auf - S nahelegt. Die Form mit anlautendem / g-/ legt eine Übernahme vor der jüngerem Entwicklung zu einem velaren Reibelaut oder einer velaren Affrikata nahe, doch die ältesten Belege zeigen noch eine Form mit anlautendem / ch-/ , die frpr. / š -/ enspricht, sofern nicht einfach eine Schreibtradition übernommen wurde. Geschinen Die früher selbständige Gemeinde Geschinen (gespr. Geschene) liegt auf rund 1350 m. über Meer auf der rechten Rottentalseite zwischen Ulrichen und Münster im Goms. Der Name Geschinen wird zu it. cascina f. ‘ Sennhütte, Alphütte, Meierei, Viehweide, Käserei ’ zu lat. CAPSUM ‘ Wagenkasten, Behälter für Tiere ’ , dazu die Nebenform * CAPSEUM gestellt (G AUCHAT 1906, 348 f; RN 2, 77; G UEX 2 1976, 185; Z INSLI 1977, 76; BENB 1, 2, 84 f; URNB 2, 12; K RISTOL ET AL ., 2005, 384 f.). Der Erstbeleg 1211 prope villam Gestheynon, der einen andern Namen (wohl Gesteinen) nahelegt, stammt von einer Hand des 17. Jahrhunderts (Mitteilung von P H . K ALBERMATTER ); es handelt sich also um eine volksetymologische Umdeutung. Das Lemma erscheint auch an anderen Orten im Oberwallis; der Urner Gemeindename Göschenen weist die gleiche Herkunft auf. Geschinen fusionierte am 01.10.2004 zur Gemeinde Münster-Geschinen, die ihrerseits seit 2017 zur Gemeinde Goms wurde. Glis Der Kern der ehemals selbständigen Gemeinde Glis liegt auf der linken Talseite leicht erhöht über der Talsohle auf rund 684 m ü. M. um die Wallfahrtskirche ‘ Unserer Lieben Frau auf dem Glisacker ’ herum, die an der Stelle einer frühchristlichen Saalkirche aus dem 5. Jahrhundert steht (D ESCOEUDRES / S AROTT 1986); dazu kommen eine Reihe von Weilern wie Ze Hiischru, Holzji und Gamsen. Der Name Glis (älteste Belege 1230 Glisa, 1252 apud Glisam, 1279 Glisa usw.) wird zurückgeführt auf kirchenlateinisch ECCLESIA ‘ Kirche, Pfarrkirche ’ ; dieser Worttyp ist nach G PSR (6, 161) in den Diözesen Sitten und Genf verbreitet, während die restliche Romandie den Typ moutier > lat. MONASTERIUM aufweist, was nach K RISTOL ET AL . auf norditalienischen Einfluss hinweise (J ACCARD 1906, 191; O ETTLI 1945, 133; R ÜBEL 1950, 133; W ERLEN 1991, 246, n. 59; K RISTOL ET AL . 2005, 187). Am 01.10.1972 fusionierte Glis mit Brig, Gamsen und Brigerbad zur heutigen politischen Gemeinde Brig-Glis. Gluringen Der ehemalige Gemeinde- und heutige Ortschaftsname Gluringen (gespr. Glüürige) lässt sich mit dem Patronymikalsuffix -ingun (> -ingen > -igen) zum althochdeutschen PN Gluro (F ÖRSTEMANN 1, 658; allerdings verweist die Stelle auf unseren Namen) in der Bedeutung ‘ bei den Gefolgsleuten des Gluro ’ (K RISTOL ET AL . 2005, 393) stellen. Am 01.10.2004 fusionierten die beiden ehemaligen Gemeinden Gluringen und Reckingen zur politischen Gemeinde Reckingen-Gluringen; heute gehören beide zur Gemeinde Goms. Wie schon unter Blitzingen aufgeführt, vertreten die -ingen-Namen des Oberwallis nicht eine Fortsetzung der -ingen-Namen der deutschen Schweiz, sondern stellen eine eigenständige Form des Kollektivsuffixes -ing (dial. -ig) dar, das zu FaN und PN gebildet werden konnte. 17 18 Gluringen <?page no="74"?> Goms Goms (frz. Conches) wird in der Forschung zu lat. concha ‘ Muschelschale, Näpfchen ’ , hier in der übertragenen Bedeutung ‘ (Tal-)Mulde ’ gestellt (Z IMMERLI 3, 87; G UEX 1938, 363; B OSSARD / C HAVAN 2006, 34; K RISTOL ET AL . 2005, 629). Der Bezirk wird seit 1247 auch als a Monte Dei superius ‘ oberhalb des Deischberges ’ bezeichnet; Mons Dei ‘ Gottesberg ’ ist eine fromme Umdeutung des dialektalen Deischbärg, das sich beim Weiler Deisch befindet und die Grenze zum Bezirk Östlich-Raron bildet. Die deutsche Form ist seit 1514 als Goms belegt; es ist unklar, ob hier auch ein Einfluss von lat. CUMBA ‘ Mulde ’ zu sehen ist. Das auslautende / s/ wird in beiden Fällen auf ein früheres Plural-s des Lateinischen zurückgeführt (H. S CHMID 1951, 21). Der Name bezeichnete zunächst die ehemalige Gemeinde Münster (heute Münster-Geschinen, seit 2017 Goms); als Talschaftsbezeichnung gilt er seit dem 15. Jh. Der älteste Beleg von 1211 in deseno Gomesiano ist in einer Schrift aus dem 17. Jahrhundert geschrieben, laut P H . K ALBERMATTER . Er stellt also eine Latinisierung dar, der kein etymologischer Wert innewohnt. Die frühesten Belege (auch unter Münster) weisen die Schreibweise Conches oder Consches auf, was die etymologische Deutung bestätigt; die dt. Form Goms ist jünger; unerklärt ist bisher, warum sie ein / m/ enthält (eigentlich müsste eine Form *Gons auf Grund des sog. Staubschen Gesetzes zu *Gous (oder ähnlich) werden - eine solche Form ist aber nicht bezeugt). Hingegen würde eine Herleitung zu lat. CUMBA ‘ Mulde ’ das / m/ erklären. Unter dem Namen Obergoms fusionierten am 01.01.2009 die drei ehemaligen Gemeinden und heutigen Ortschaften Ulrichen, Obergesteln und Oberwald. Obergoms kann aber auch das östliche Goms mit dem Hauptort Münster bezeichnen, das sich vom unteren Goms mit Fiesch und Ernen unterscheidet. Goppisberg Die früher selbständige kleine Gemeinde Goppisberg (gespr. Goppischbärg) liegt auf rund 1340 m ü. M. auf der rechten, sonnigen Rottentalseite, hoch über dem Talgrund. Der Name Goppisberg enthält als Grundwort wdt. Bäärg m. ‘ Berg ’ , amhd. bërc, im Allgemeinen im Gegensatz zu Boden oder Tal (I D . 4, 1550 ff.) und als Bestimmungwort einen Personennamen im Genitiv, der sich auf den ahd. PN *Cobbilo, *Coppilo, Dim. zu den Kurznamen Cobbo, Coppo (F ÖRSTEMANN 1, 371) zurückführen lässt. Als Grundform kann *Cobbilinsberg, *Coppilinsberg (cf. Beleg goplinsperg 1291) ‘ Berg des *Cobbilo, *Coppilo ’ angesetzt werden (K RISTOL ET AL . 2005, 396 f.). Das erhaltene / l/ findet sich auch in Formen wie Gopplerlicka ‘ Goppisberger Lücke ’ und anderen. Am 01.11.2003 fusionierte Goppisberg zusammen mit Greich und Ried-Mörel zur politischen Gemeinde Riederalp. Grächen Die Gemeinde Grächen (gespr. Greechu) hat ihren Siedlungsschwerpunkt auf rund 1600 m ü. M. auf der rechten Talseite des Mattertales. Die Gemeinde besteht aus mehreren Weilern, von denen einer Zer Gr ē chu (heute: Niedergrächen) heisst. Diese Namen werden mit einem langen, geschlossenen / e: / ausgesprochen; die amtliche Schreibweise orientiert sich an Schreibungen aus dem 19. Jahrhundert. Der Name Grächen wird allgemein zum galloromanischen Appellativ * GRAN Ĭ CA ‘ Scheune, Kornspeicher ’ gestellt (spätlat. auch ‘ Meierei, Bauernhof ’ ), daraus das ahd. Lehnappellativ *grencha ‘ Scheune ’ . Die höchstalemannischen Formen entsprechen dem sog. Staubschen Gesetz vor velarem Reibelaut (cf. REW 3845; FEW 4, 225 f.; BENB 2, 102 f.; SONB 1, 319f.; K RISTOL ET AL ., 2005, 402). Die historischen Belege sind unsicher: 1210 ist de Grachan erwähnt, das zwar in einem Dokument von 1210, allerdings aus Turtmann, erscheint (Dank an C HAN- TAL A MMANN und P H . K ALBERMATTER ), aber so nicht stimmen kann, da 1210 eine Form ohne inlautendes - N nicht möglich ist; vermutlich liegt also ein anderer Ort vor, der aber nicht genau bestimmt werden kann. 1250 ist von Granges die Rede, das gleich darauf folgende prato de Grescon kann sich nicht auf das HL beziehen. Das 1295 und 1297 erwähnte de Grangiis ist noch lateinisch orientiert; ab 1301 erscheint de Grenekun ‘ bei den Kornspeichern ’ . Ob es sich hier um eine Übersetzungspaar handelt, wie K RISTOL ET AL . (2005, 402) annehmen, ist unklar: die Notare schreiben ja durchwegs Latein und können solche Namen auch lateinisch wiedergeben. Das 1303 erwähnte Grenekin ist vermutlich ein verschriebener Name, erwähnt der gleiche Text doch mehrfach auch Grenekun (hier nicht belegt). Das 1304 erwähnte sub agro de Grenekers ‘ unter dem Acker des Grenchners ’ ist wohl ein Besitzername; das Dokument bezieht sich zuvor auf supra dem Kynne ‘ oberhalb des Chi (Schlucht) ’ und meint wohl Stalden und nicht Grächen. Die folgenden Belege - etwas vereinfacht - sind Grenckon und ab 1388 Grenchun. Das / n/ nach dem Hauptvokal verschwindet erst im Lauf des 15. Jahrhunderts (wobei ein Beleg von 1426 unsicher ist). Sichere Belege ohne / n/ sind erst ab 1584 fassbar, das / n/ bleibt aber noch lange erhalten. Eine hyperkorrekte Form Grönchen (1599 u. später), Gröchen (1654) zeigt den Einfluss der Entrundung (ö > e). Insgesamt ist die Schreibung ein gutes Beispiel dafür, wie die dial. Form die schriftsprachliche beeinflusst. Goms 19 20 <?page no="75"?> Grafschaft Grafschaft ist zu schwdt. Grafschaft ‘ Grafschaft; das unter der Verwaltung oder Herrschaft eines Grafen stehende Gebiet ’ , ahd. gr ā fscaft, mhd. gr ā veschaft, gr ā fschaft, Abstraktbildung mit dem Suffix -schaft zu schwdt. Graf ‘ Graf; vornehmer, reicher Herr, der standesgemässen Aufwand machen kann ’ (I D . 2, 707; G R W B 8, 1726 ff.) zu stellen. Seit 01.10.2000 ist es der Gemeindename der fusionierten früheren Gemeinden Biel, Ritzingen und Selkingen. Die Gemeinde Grafschaft wurde 2017 in die Gemeinde Goms integriert. Grafschaft ist die traditionelle Bezeichnung einer Landschaft im Goms, die vom Walibach bei Selkingen bis zum Reckingerbach reichte und deren Zentrum Biel war. Das Gebiet war 1237 durch Schenkung des Boso de Granges, Bischof von Sitten und letzter Spross der alten Grafenfamilie de Granges (auch von Gradetsch genannt) in bischöflichen Besitz gekommen und besass bis 1799 eine eigenständige Blutgerichtsbarkeit (K RISTOL ET AL . 2005, 403; http: / / www.hlsdhs-dss.ch/ de/ articles/ 04728/ 2017-01-12/ [06.07.2020/ iw]). Typisch für diese Ortschaften und für das untere Goms insgesamt ist eine l-Vokalisierung zu / u/ , die aber erst in den lebenden Flurnamen belegt ist, vermutlich aber älter sein muss (R ÜBEL 1950, 14 erwähnt eine l- Vokalisierung von / l/ zu / u/ im Auslaut, vor Konsonant und als intervokalische Geminata in den Orten Gluringen bis Binn, ohne historische Dimension; diese l-Vokalisierung entspricht der l-Vokalisierung im westlichen Schweizerdeutschen, besonders im Mittelberndeutschen (SDS 2, 146, 149, 150; Geminaten in SDS 2, 197 ff.)). Ein direkter arealer Einfluss kann jedoch ausgeschlossen werden, da das Berner Oberland laut SDS keine l-Vokalisierung kennt; es ist eine eigenständige Entwicklung anzunehmen, die nur für das untere Goms gilt. Greich Die kleine, ehemals selbständige Gemeinde Greich (heute Riederalp) liegt auf 1360 m ü. M. auf der rechten Rottentalseite oberhalb von Mörel und Filet auf einem südwestlich ausgerichteten Hang. Der Ortschaftsname Greich (gespr. Gräich) gehört zum gleichen Typ wie Grächen im Mattertal, also zum lat. Appellativ * GRAN Ĭ CA ‘ Scheune, Kornspeicher ’ , (spätlat. auch ‘ Meierei, Bauernhof ’ ), daraus das ahd. Lehnappellativ *grencha ‘ Scheune ’ , höchstalemannisch [gr9 1 4e»u, gre: », grei»] mit Anwendung des sog. Staubschen Gesetzes vor einem velaren Reibelaut; die heute gesprochene Form mit / äi/ entspricht der normalen Lautentwicklung. Die historisch belegten Formen von Greich zeigen die Stadien der höchstalemannischen Lautentwicklung: 1279 greneche, 1331 grenche, 1426 grench, 1569 grech, 1633 Gräch, 1635 Greÿch (cf. REW 3845; FEW 4, 225 f.; BENB 2, 102 f.; G LATTHARD 1977, 185 und 289 f.; B ESSE 1997, 157; K ULLY 1999, 32 f.; SONB 1, 319 f.; K RISTOL ET AL . 2005, 408). Am 01.11.2003 fusionierte Greich zusammen mit Goppisberg und Ried-Mörel zur politischen Gemeinde Riederalp. Grengiols Das Zentrum der Gemeinde Grengiols (gespr. Grängelsch) liegt auf rund 990 m ü. M. auf der linken Rottentalseite, südlich des sog. Deischberges; hier ging die alte Strasse Richtung Goms durch. Der Name ist ursprünglich romanisch und wird zu lat. AD GRANARIÓLAS ‘ kleine Speicher ’ , Dim. zu lat. GRANARIUM ‘ Speicher ’ gestellt (J ACCARD 1906, 201; G UEX 1938, 363; 2 1976, 186; R ÜBEL 1950, 133; K RISTOL ET AL ., 2005, 410). Die ältesten Belege vom Typ grinruhel oder greniruel sind wohl Versuche, eine mündliche vordeutsche Form wiederzugeben. Die Belege vom Typ granyols oder grenyols dagegen haben wohl schon Erstbetonung, teilweise mit Umlaut, welche die spätere Schreibform vorausnimmt; der palatale Nasal (geschrieben nj) wird später zu einem velaren (geschrieben ng) - das ist ein Prozess, der sich auch sonst findet. Das auslautende / s/ der lat. Formen ist im Deutschen als / ʃ / erhalten (H. S CHMID 1951, 21). Guttet Die vor 2000 selbständige Gemeinde Guttet liegt auf 1336 m ü. M. auf der sonnigen rechten Rottentalseite oberhalb von Leuk, mit zwei tiefer gelegenen Weilern (Wiler und Grächmatten). Guttet lässt sich auf frpr. gotta ‘ Tropfen ’ (< lat. GUTTA ) mit dem Dim.-Suffix - ETTA (lat. - ITTA ) in der Bedeutung ‘ Ort am Bächlein, an der kleinen Quelle ’ zurückführen (J ACCARD 1906, 206; G UEX 1938, 364; 2 1976, 188; B OSSARD / C HAVAN 2006, 45; K RISTOL ET AL . 2005, 424; G PSR 8, 541ss., bes. 545 7° Noms de lieux). Am 01.10.2000 fusionierten die beiden ehemaligen Gemeinden Guttet und Feschel zur Gemeinde Guttet-Feschel. Hohtenn Die früher selbständige Gemeinde Hohtenn befindet sich auf 817 m auf einer Anhöhe oberhalb von Steg auf der sonnigen, rechten Rottentalseite. Sie ist seit 2009 mit Steg zur Gemeinde Steg-Hohtenn vereinigt. Der Name Hohtenn (gespr. Ho´te mit Betonung der zweiten Silbe) besteht aus dem Bestimmungswort schwdt. h ō ch, ahd. h ō h, mhd. h ō ch, h ō ‘ hoch, gross, stark ’ , räumlich ‘ in vertikaler Erstreckung ’ (I D . 2, 972 ff.; G RICHTING 1998, 108), häufiger verkürzte Form he(e), ho(o), seltener als kontrahierte und assimilierte Form hon- < *hohen-alpe. Das Grundwort schwdt. Tänn und Tenn n., im Wallis meist mit Schwund des auslautenden -nn, ‘ ebener, freier Platz ’ als Wiedergabe von lat. AREA , ist ‘ in dieser Bedeutung in den Schweizer Flurnamen zum Teil noch erhal- 21 22 Hohtenn <?page no="76"?> ten ’ , ahd. tenni, tenne n., mhd. tenne m./ f./ n. (I D . 13, 114; G RICHTING 1998, 193); Ort ‘ zum Dreschen und Säubern des Getreides ’ (I D . 13, 102ff.; H UBER K ONRAD 1944, 27 ff.). Mit ‘ Hochtenne ’ wird vorwiegend in alpinen Gebieten eine freistehende ‘ auf Blockfundament oder Pfosten gestellte Getreidescheuer ’ bezeichnet (I D . 13, 102 ff.; K RISTOL ET AL . 2005, 450). Der Name kommt auch an mehreren anderen Orten als Flurname vor (siehe HL Tenn). Inden Die Gemeinde Inden (gespr. Innu) liegt auf 1138 m ü. M. auf einem östlich ausgerichteten Hang auf der rechten Seite der Dalaschlucht unterhalb von Leukerbad. Der Name Inden ist bisher nicht sicher gedeutet. Laut K RISTOL ET AL . (2005, 460) weisen die historischen Belege Indes auf einen afrpr. fem. Pl. hin und der Name könnte möglicherweise zu einer frpr. Form wie linda ‘ bande de toile ’ ( „ Leinenstreifen “ ; Mase) und linda ‘ champ étroit ’ ( „ schmales Feld “ ; Grône) passen. In Nendaz (P RAZ 1995, 337) findet sich eine entsprechende Form înda ‘ long band de terrain dans le sens de pente ’ ( „ langer, abfälliger Geländestreifen “ ) (G PSR , unpubliziertes Material). Das anlautende lwäre dann als Artikel aufgefasst und abgetrennt worden. Der Name würde somit ‘ schmale Felder, lange, schmale Ackerstreifen ’ bedeuten und ursprünglich einen FlN bezeichnen. Die heutige Lautung geht auf einen Prozess in wdt. Dialekten zurück, bei dem intervokalisches / -nd-/ zu / -nn-/ assimiliert wird. Unklar ist, wann das auslautende / -s/ des frpr. Namens getilgt wurde; in den historischen Belegen ist die Form ohne / -s/ erst 1667 u. später bezeugt. Kippel Die Gemeinde Kippel (gespr. Chiipel) ist das Zentrum der Talschaft Lötschtal; sie liegt auf 1376 m ü. M. auf der rechten Seite des Lötschtales zwischen Ferden und Wiler. Historisch ist der Name 1320 als Kybuel, 1437 Kypill (zweimal), 1440 Kypil, 1440 Kÿpill, 1445 Kipu ᵕ l, 1482 Kippil usw. belegt. 1508 gibt es apud Kupuell, das eine falsche Entrundung im ersten Teil und eine Deutung zu Büel ‘ Hügel ’ im zweiten Teil annimmt; dieses Buel könnte schon 1320 bezeugt sein. Die ältesten Belege machen klar, dass eine Entrundung (ü > i) nicht möglich ist, da das / i/ schon im 14. Jahrhundert vorhanden ist; die Entrundung erscheint sonst erst um 1500. Der wechselnde Vokal im zweiten Teil wird gelegentlich auf Büel zurückgeführt, was nur bei einer Erstbetonung mit Abschwächung des zweiten Teils zur Endung -bil möglich wäre. Laut K RISTOL ET AL . (2005, 481) ist eine romanische Herkunft des Namens, wie sie z. B. bei S TUDER (1896, 141) zu finden ist, der den Namen zu lat. CAPELLA ‚ Kapelle ’ stellt, unwahrscheinlich. Eine Herkunft von hd. Küppel, Kippel m. ‘ Berg, Hügel ’ (G R W B 11, 2771 und 2775 s. v. Kuppe) (nach K RISTOL ET AL . 2005, 481) ist kaum möglich, da die Form im Schweizerdeutschen Gupf (I D . 2, 390) heissen würde. Nicht haltbar ist die Annahme, dass anlautendes / k/ vorhanden gewesen sei; auch in anderen Fällen ist heutiges dialektales / ch/ schriftlich als / k/ realisiert worden, z. B. Kiematt ‘ Kühmatt ’ (1662, Blatten), das heute Chiämad ausgesprochen wird. Lautlich würde eine Ableitung auf -el / -il (S ONDEREGGER 1958, 523) als Stellenbezeichnung zum Nomen Ch ī b ‘ Zorn, Wetteifer, Zank, Streit ’ (I D . 3, 105 f.), also etwa ‘ der Ort, um den es Streit gibt ’ , passen (was auch das sonst undeutbare lange / i: / erklären wurde), aber das Nomen ist sonst für das Oberwallis nicht belegt (vgl. aber HL Strit). Insgesamt ist darum keine Deutung für Kippel sicher. Lalden Die Gemeinde Lalden (gespr. Laalu) liegt auf der rechten Rottentalseite auf 649 m ü. M. Die heute gesprochene Form geht auf eine Lautentwicklung zurück, die sich auch bei Stalden (Staalu) findet. R ÜBEL (1950, 131) führt den Namen nach einem Vorschlag von H UBSCHMIED auf kelt. *loudon ‘ Blei ’ zurück, so auch Z IMMERMANN (1968, 19) und W ERLEN (1991, 248) (cf. K RISTOL ET AL . 2005, 503). Dieser Erklärungsversuch wird von K RISTOL ET AL . (2005, 503) wie folgt abgelehnt: „ In der gallorom. Lautentwicklung müsste das intervok. -dvon *loudon spätestens im 10. Jh. schwinden; vorher wird es jedoch in den Walliser Mda. zu -t- (cf. Rhodanus > Rhône / Rotten, Sedunum > Sion / Sitten). Es ist ausgeschlossen, dass ein kelt *loudon (? ) als Laudona (wie in den Belegen 1218, 1224 etc.) erhalten bleibt; es wäre vielmehr eine rom. Form *Loon (o. ä.) und im Dt. *Lutten / *Lotten zu erwarten. Es muss somit von einem Etymon *laldona oder *laldonia ausgegangen werden, in welchem das postkons. -din der rom. Lautentwicklung zunächst erhalten blieb und das von den Alemannen im 9. Jh. in dieser Form (vor der rom. Vokalisierung von -l-) entlehnt werden konnte. Es finden sich im Wallis zahlreiche ON auf -ona, die meist auf einen alten Gewässernamen zurückgeführt werden können (cf. Evionnaz, Venthône, Vionnaz und Veysonnaz). Zu einem hypothetischen *Lald-ona ist uns jedoch kein alteuropäischer oder keltischer Gewässernamenstamm bekannt, der zur Erklärung dienen könnte. Zudem verweist der romanisch geprägte Beleg 1220 laongne eher auf eine Bildung mit dem Suffix -onia, d. h. auf eine ursprüngliche Grundform *Lald-onia (in frpr. Entwicklung > *Laudonia > *Laogni; zum Suffix -onia cf. auch Raron / Rarogne VS). Auch zu einer solchen Grundform ist uns jedoch kein Etymon bekannt. “ Die historischen Belege enthalten nur Laudona, Lauduna oder Laudun, erst ab 1438 erscheint Lalden. Aus alldem folgt: die Inden 23 24 <?page no="77"?> ältesten Belege haben eine l-Vokalisierung (R HEINFELDER 4 1968, 235), die im Deutschen nicht nachvollzogen wurde. Eine sichere Deutung ist nicht möglich; warum die l- Vokalisierung im Dorfnamen rückgängig gemacht oder gar nie vollzogen wurde, ist nicht erkennbar. Lax Die Gemeinde Lax (gespr. Laggsch) liegt auf ca. 1040 m ü. M. auf der rechten Rottentalseite oberhalb des Deischberges; der Rotten bildet hier eine tiefe Schlucht, die Gemeinde liegt aber auf einer nur leicht ansteigenden Fläche. K RISTOL ET AL . (2005, 515) stellen den Namen Lax zu lat. LACUS in der Grundbedeutung ‘ trogartige Vertiefung ’ (FEW 5, 125 f.) bzw. ‘ See, Tümpel, Teich ’ mit Bezug auf die Geländemulde unterhalb des Dorfes im Bereich des heutigen Bahnhofs, die anscheinend in jüngerer Zeit trockengelegt worden ist. J ACCARD (1906, 227) vertritt die gleiche Deutung, meint aber, der Name beziehe sich auf die Rottenschlucht und nicht auf die weit entfernten Alpseeen auf der Laxeralp. Diese inhaltliche Deutung J ACCARD s ist jedoch kaum zutreffend. Die ältesten Belege seit dem 14. Jahrhundert weisen Lax auf. Es kommen auch Schreibungen wie Lacx (1290, 1330 u. später), Laques (1307) und Lagx (1459 u. später) und andere vor. Die heutige Form Lagsch erscheint erstmals 1547. Das dazu gehörende Adjektiv Lagger ist wohl nicht direkt mit dem FaN Lagger (AWWB 144) verwandt, wo der FaN zu Reckingen und Geschinen gestellt wird. Leuk Die Gemeinde Leuk (SK, LT) oder Leuk Stadt (1: 10000), gespr. Leigg, ist der Hauptort des gleichnamigen Bezirkes. Nicht damit zu verwechseln ist der Weiler Leiggere (Ausserberg) (cf. HL L EIGGERN ), von welchem der FaN Leiggener (AWWB 148) abgeleitet ist. Der Ort befindet sich auf der nördlichen Talseite oberhalb des Rottens auf einem leicht ansteigenden Plateau. Zur Gemeinde gehören auch mehrere südlich des Rottens gelegene Weiler, darunter Susten, wo sich die Bahnstation befindet. 2013 fusionierte Leuk mit der früher selbständigen Gemeinde Erschmatt. Die latinisierte Form Leuca des deutschen Namens Leuk, dialektal Leigg, frz. Loèche, wird erstmals 515 in der Gründungsurkunde des Klosters St-Maurice erwähnt. Der Name wäre so der älteste belegte Ortsname des heutigen Oberwallis, allerdings ist die Urkunde von 515 nur in späteren Abschriften aus dem 12., 14. und 18. Jahrhundert überliefert (A MMANN 1983, 119). In den frühen Urkunden aus dem 12. Jahrhundert lesen wir Formen wie Leuca, Leuce, Leucam und Luchiam. Zu Grunde liegt diesen latinisierten Schreibformen ein ursprünglich keltisches Wort * LEUCOS mit der Bedeutung ‘ hell, glänzend, weiss ’ (D ELAMARRE 2003, 200). K RISTOL ET AL . (2005, 531) haben die wechselhafte Geschichte der Deutung des Namens zusammengestellt. Klar ist, dass der Name vordeutsch sein muss; die meisten Autoren inkl. der Autorin M ARIA B ESSE schliessen sich dem Argument an, dass Leuk auf ein kelt. * LEUCOS zurückzuführen ist. K RISTOL ET AL . (2005, 531) weisen allerdings darauf hin, dass die frz. und frpr. Formen wie Loêche, [lwitsi] (Montana) und [l ɛ tsi] (Val d ’ Anniviers) sich nicht auf * LEUCOS , sondern auf * LEUCCA zurückführen liessen. Begründet wird dies mit der Lautgeschichte des Lateinischen. W. M ÜLLER (p. c.) ist weiter der Meinung, dass die diphthongischen Lautungen wie Loêche und [lwitsi] sich nur durch eine Metathese erklären lassen, welche - anders als das vorausgesetzte * LEUCA - den betonten Vokal auf die zweite Stelle gesetzt hätten. Auch M ÜLLER ist der Meinung, dass ein Gewässername zu Grunde liegt. Während aber die meisten Autoren die Dala als Ausgangspunkt nehmen (sie fliesst in einer tiefen Schlucht an Leuk vorbei), nimmt er einen Bach an, der bei St. Martischbrunnu ‘ die Quelle des Hl. Martin ’ entspringt. Die deutsche Form Leigg muss eigentlich aus einer gerundeten Form Loigg entstanden sein, die nicht im Wallis, wohl aber ausserhalb 1417 als Loigg, 1419 als Löygg bezeugt ist. Im Wallis ist Leig erst 1669 bei S TOCK- ALPER belegt. Und 1671 erscheinen Leügg, Leügk, 1673 Leück usw. Die dialektale Form Leigg hat, im Unterschied zu den hdt. Formen, keine Affrikata, sondern eine Fortis (notiert als -gg). Bis heute ist deswegen die dialektale Aussprache [leik], die hdt. aber [l ɔɩ kx]. Diese dialektale Aussprache deutet auf eine frühe dt. Übername des ursprünglich kelt. Namens * LEUCOS mit erhaltenem Velarkonsonant, während die frpr. Namen eine Wiedergabe des Velars durch eine dentale Affrikata / ts/ oder einen dentalen Zischlaut / ʃ / aufweisen. Die Entwicklung in den frpr. Dialekten der Umgebung scheint also später stattgefunden zu haben als die deutsche Form. Leukerbad Der alte Siedlungskern der Gemeinde Leukerbad (gespr. Badu) liegt auf 1477 m ü. M. im Talkessel der Dala, einem rechten Nebenfluss des Rotten. Der ursprüngliche Name ist frpr. Boez ‘ Wald ’ . Diese Form entspricht der älteren Aussprache von frz. bois (> * BOSCUM ), einem alten Lehnwort aus westgerm. * BOSK ‘ Buschwerk, Wald ’ , welches auch ins Frpr. übernommen wurde (K RISTOL ET AL . 2005, 531 f.; Z IMMERLI 3, 68; G PSR 2, 456 f.). Dieser Name hält sich in den historischen Belegen bis ins 15. Jh. Erst dann wird auf die dortigen Thermalquellen Bezug genommen, in den historischen Belegen zunächst noch in lat. Form zu lat. BALNEUM , BALNE Ī n. ‘ Bad ’ (1407 balneis, 1421 balnea etc.), bis 1438 parallel zum alten Namen Boez (1421 25 26 Leukerbad <?page no="78"?> balnea de buex, 1423 Balnea de Buez etc.). Später in gelehrter griechischer Übersetzung (1557 vallis termarum; 1591 vallis thermarum) und schliesslich deutsch Baden (historisch erstmals 1667 Baden), zum schwdt. Appellativ Bad n., wie nhd. ‘ Bad; Thermalquelle ’ (I D . 4, 1011 ff.). Auszugehen ist von einer Grundform *(zen) Badun ‘ (bei den) Bädern, Thermalquellen ’ . Erst später tritt der relative Bezug zum Namen der grösseren Gemeinde Leuk hinzu, damit die Ortschaft von gleichnamigen Orten unterschieden werden kann (siehe etwa Brigerbad) (K RISTOL ET AL . 2005, 531 f.). Lötschen Als Lötschen (gespr. Leetschtn oder Leetschtal) wird das Tal der Lonza von der Lötschenlücke im Osten bis hin zur Lonzaschlucht im Westen bezeichnet; in den Urkunden wird es häufig Talschaft Lötschen genannt, jedoch trägt keine der einzelne Gemeinden (Ferden, Kippel, Wiler und Blatten) den Namen Lötschen. Der Name ist umstritten. Die ältesten Belege (Liech, Liesc) deuten auf einen gallo-romanischen Ursprung vom Typ *lie(s)c o. ä. (cf. historische Belege) zurück, welches aber bisher nicht identifiziert oder gedeutet werden konnte. Möglicherweise könnte ein kelt. leucos, leucet(i)o- ‚ klar, glänzend ’ (D ELAMARRE 2 2003, 200) zugrunde liegen, welches ursprünglich den Fluss bezeichnet hätte. Es stellen sich dabei aber lautliche Probleme: die frühesten belegten Formen zeigen einen Auslaut / ts/ , später entwickelt er sich im Deutschen zu / t ʃ / . Dieser Auslaut muss auf ein gallo-romanisches / -k/ zurückgehen; die Entwicklung zu / ts/ ist aber relativ spät - und das Lötschental ist vermutlich früher deutschsprachig geworden als die westlicher liegenden Gebiete. Da für Leuk eine ähnliche Etymologie angenommen wird, wäre dieser Name früher ins Deutsche übernommen worden als der Name des Lötschentals, was unwahrscheinlich ist. Auffällig ist weiter, dass die historischen Belege eine gerundete Form Lötschen erst ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufweisen, die aber ab 1500 weitgehend wieder verschwinden. Es scheint, dass die Form Lötschen eine schriftsprachliche Form mit sekundärer Rundung ist. Das würde auch erklären, warum die gallo-romanische Form von 1233 an immer Lyehc oder ähnlich lautet. Die dt. Form wäre dann zunächst Leetsch gewesen, das seinerseits aus liech entstanden ist. Ein Zusammenhang mit Lötsch ‘ ungeschickter, unbeholfener Mensch ’ (ZGNB 3, 241) existiert nicht; der FaN Lötscher (NWWB 1, 157; F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1117 f.) wird für den Kanton Graubünden als Herkunftsname auf Lötschen zurückzuführen sein; die Luzerner Namen aus dem Entlebuch stammen laut NWWB (1, 157) aus dem Lötschtal. Im Wallis gibt es den FaN seit dem 19. Jahrhundert in Ober- und Unterems, jedoch als späte Einwanderung aus dem Entlebuch. Der öfters angeführte Zusammenhang mit dem Flussnamen Lütschine lässt sich schwer nachweisen. Im Übrigen sind in der deutschen Schweiz laut WWW . ORTSNAMEN . CH die Namen Leutsch (AG) und Leutschenbach (/ ZH) vertreten, die eine andere Herkunft aufweisen. Martisberg Die frühere Gemeinde Martisberg (gespr. Martischbärg) liegt auf rund 1340 m oberhalb von Deisch (einem Weiler von Grengiols) auf einem sonnigen Hang der rechten Rottentalseite. Sie fusionierte 2014 mit Betten zur Gemeinde Bettmeralp. Der Gemeindenamen Martisberg ‘ Berg des Martin ’ setzt sich zusammen aus der lokalen Kurzform des PN Martin (I D . 4, 426) und dem Grundwort Berg, wdt. Bäärg (I D . 4, 1550 ff.; K RISTOL ET AL . 2005, 524; G RICHTING 1998, 31). Mit schwdt. Bërg m. und lat. mons wird im Wallis eine am Hang liegende Siedlungs- und Kulturlandschaft bezeichnet (A NDEREGG 1983, 13). Mörel Die Gemeinde Mörel liegt auf rund 760 m auf der rechten Rottentalseite; sie ist Hauptort des Bezirks Östlich-Raron. Mörel fusionierte 2009 mit Filet zu Mörel-Filet. Der Name Mörel (gespr. Merl) enthält laut den historischen Belegen einen Stamm Morg- (latinisiert als Morgia). Erst im 16. Jahrhundert wird eine Ableitung auf / -il/ geläufig, wobei das ursprünglich sicher vorhandene / -g/ verschwindet; die Entrundung zu / -e-/ setzt einen früheren Umlaut von / -o-/ zu / -ö-/ voraus. Das Stammwort ist weit verbreitet; es handelt sich um einen vordeutschen Flur- und Flussnamen (Z INSLI 1976, 100). Die Bedeutung des Namentyps *morga war in der Forschung lang umstritten (G ROSSENBACHER K ÜNZLER 1997, 72). S TUDER (1896, 175) und J ACCARD (1906, 302) stellen den Namen Mörel zu dem in der Westschweiz häufigen Namentyp Murgier, Murgi, Meurgier, Morgier, lat. MURICARIUM ‘ Steinhaufen ’ . G UEX ( 2 1976, 179; 1938, 358), R ÜBEL (1950, 132) und O ETTLI (1945, 128) übernehmen die Etymologie von H UBSCHMIED (1938b, 139 ff.), der den Namen von gall. *morg ā ‘ Grenze ’ ableitet, Die Alemannen sollen eine Form *Morji übernommen haben, das auslautende -il im Namen Mörel sei ein Diminutivsuffix (H UBSCHMIED 1938b, 145). Da jedoch die als Begründung aufgeführten Grenzen jüngeren Datums als die Flussnamen sind, wird dieses Benennungsmotiv bereits von P OKORNY (1948/ 49, 264 f.) verworfen. G EIGER (1965, 128 f.) geht von einer idg. Grundform *mer(e)g-, mer(e)k- ‘ Sumpf ’ aus, was auch erklären würde, dass Murg-Namen nicht nur Gewässer sondern auch Fluren bezeichnen. G REULE (1973, 206 ff.) schliesst als Benennungsmotiv der Namen weder die Lötschen 27 28 <?page no="79"?> Deutung ‘ Grenze ’ noch ‘ Sumpf ’ aus, da beide Namen auf eine homonyme Wurzel *mer(e)g-, *mer(e)kzurückgeführt werden können, und schlägt eine Abklärung von Fall zu Fall vor. B OESCH (1982, 245) und M ÜLLER (1994, 846) schlagen zur Basis *mer(e)geine idg. Variante *morgh ‘ Sumpf, Sumpfbach ’ vor. Nach heutigem Stand der Forschung geht der Name Mörel auf den ursprünglichen Gewässernamen zurück, für das erst ab dem 16. Jh. auslautendem / -il/ im Namen gibt es keine genaue Erklärung (K RISTOL ET AL . 2005, 615). Einige der unter Morgi erwähnten historischen Belege gehen wohl auf andere Orte oder Flüsse zurück, wie etwa 1260 Morgia, wo wohl der heutige Fluss Morge bei Sitten gemeint ist. Schon L. E. I SELIN (1894 - 1897, 37) hat darauf hingewiesen, dass es neben dem Ort Mörel im Goms auch Merje bei Stalden gibt, das wohl auf den gleichen Typ zurückgeht. Mühlebach Die früher selbständige Gemeinde Mühlebach liegt auf einer steilen Anhöhe auf der linken Rottentalseite (ca. 1240 m) bei der Mündung des gleichnamigen Baches in die Rhone. Mühlebach gehört heute zusammen mit Steinhaus und Ausserbinn zur Gemeinde Ernen. Der Name Mühlebach (gespr. Milibach) bezeichnet einen Bach, der eine Mühle treibt, danach wird die Gemeinde benannt. Der Ortsname ist zusammengesetzt aus dem Grundwort Bach ‘ Bach ’ (I D . 4, 97 s. v. B ă ch 2 ; G RICHTING 1998, 31) und dem Bestimmungswort wdt. Mili ‘ Mühle ’ zu schwdt. Mülli f., allgemein wie nhd. ‘ Mühle ’ , mhd. mühl(e), ahd. mul ī n (I D . 4, 187 f.; G RICHTING 1998, 135). Milibach ‘ Bach bei der Mühle ’ ist im Oberwallis neben dem früheren Gemeindenamen häufig vertreten. Mund Mund ist eine heute zu Naters gehörende, früher selbständige Gemeinde auf rund 1207 m (Dorfzentrum) auf einem Plateau rechts des Rottentales. Der Name geht auf rom. mont, lat. MONTE ( M ) ‘ Berg ’ zurück (J ACCARD 1906, 301). Schwdt. Bërg m., lat. mons, bezeichnet im Wallis eine am Hang liegende Siedlungs- und Kulturlandschaft (A NDEREGG 1983, 13). K RISTOL ET AL . (2005, 628) stimmen J ACCARD zu. Die ältesten Belege sind 1250 - 1299 apud monz ‘ bei Mund ’ , 1259 de Munt ‘ von Mund ’ , 1289 de Month usw. In der älteren Überlieferung heisst der Ort meistens Mont, manchmal auch Munt und Mund. Um 1558 ist auch de monte Mundt ‘ vom Berg Mund ’ belegt, also eine doppelte Form. Die lateinische Form von 1716 super monte oris ‘ auf dem Berg des Mundes ’ enthält eine volksetymologische Umdeutung von Mund als lat. os, Gen. oris ‘ Mund ’ , die den historischen Belegen nicht gerecht wird. Münster Die Gemeinde Münster liegt auf 1370 m auf einer leicht ansteigenden Ebene auf der rechten Rottentalseite; sie ist Hauptort des Bezirkes Goms. Der Name Münster (gespr. Minschter) beruht auf einem dt. Münster aus kirchenlat. M Ō NAST Ē R Ī UM > ahd. munistar, ursprünglich ‘ Einsiedelei ’ , später ‘ Kloster, Pfarrkirche ’ (K RISTOL ET AL . 2005, 629). Zwar ist für Münster und sein altes Pfarreigebiet einsiedlerisches Ordensleben im 13. Jh. zahlreich bezeugt (N OTI , 1982, 8; WB 1964, Nr. 113, 13), doch dürfte der Name hier einfach auf die Pfarrei zurückzführen sein - Münster war (laut W ALPEN in www.hls-dhs-dss.ch/ textes/ d/ D2693.php [03.07.2020; iw]) eine Grosspfarrei, der alle Gemeinden talabwärts bis Selkingen zugehörten. Üblicherweise wird angenommen (Z IMMERLI 1899, 3, 87; G AUCHAT 1907, K RISTOL ET AL . 2005, 629), dass der ursrpüngliche Name Goms gewesen sei (vgl. die Belege von 1276 de Conches, 1320 de Conches, 1321 illi de Conches, 1323 apud Consches usw.). Das lässt sich nicht schlüssig beweisen, da auch immer Belege wie 1225 de Mostier, 1225 apud Musterium, 13? ? de Monasterio usw. vorhanden sind. Spätestens ab Beginn des 14. Jh. erscheint der Dorfteil jenseits des Baches, der Conches oder Goms genannt wurde, als ‘ ennet ’ oder ‘ über Bach ’ (N OTI , 1982, 7; WB 1964, Nr. 2, 6). Münster ist seit 2004 mit Geschinen zur Gemeinde Münster-Geschinen zusammengeschlossen, seit 2017 ist es Teil der neuen Gemeinde Goms. Naters Naters (gespr. Naatersch) ist der Name der zweitgrössten Gemeinde des Bezirkes Brig, die sich von der Rottenebene (rund 673 m) bis zum Aletschhorn (4193 m) erstreckt; sie umfasst mehrere Weiler wie Hegdorn, Geimen, Mehlbaum, Rischinen und Blatten und heute auch die früheren Gemeinden Birgisch und Mund. Die ältesten Namenformen Nares (1018), Natres (1079), Natrensis (1131), Nares (1210), Narres (1222) legen eine romanische Form Narres und eine deutsche Form Natres, später Naters (erstmals 1519) nahe. Die früheren Deutungen mit kelt. nader, natri ‘ Schlange, Natter ’ , gebildet mit dem Adjektivsuffix -isc, nhd. -isch, also ‘ ein mit Nattern besetzter Ort ’ (G ATSCHET 1867, 199 f.; S TUDER 1896, 180; J ACCARD 1906, 303) oder lat. NÁRDUS STRICTA ‘ Borstgras ’ , schwdt. Nätsch (I D . 4, 877) sind aus lautlichen Gründen nicht haltbar (G ATSCHET 1867, 199 f.; S TUDER 1896, 180). H UBSCHMIED geht von einer Pluralform zu kelt. *(s)n ā tro ‘ Schutzhütte ’ aus. Diese Deutung ist spekulativ, da es für diese Form keinen Hinweis im Keltischen gibt (H UB- SCHMIED 1938, 115 f.; R ÜBEL 1950, 132; G UEX 1976 2 , 179; P OKORNY 1948/ 49, 256). A NREITER sieht als Benennungsmotiv die feuchte Bodenbeschaffenheit - der alte Dorfkern von Naters lag im Mündungstrichter des Kelchba- 29 30 Naters <?page no="80"?> ches - und leitet den Namen von einer indoeuropäischen Grundform *(s)notros ‘ nass ’ ab, Deutung, die nach heutigem Stand der Forschung am wahrscheinlichsten scheint (A NREITER 1996/ 1997, 100 f.; K RISTOL ET AL . 2005, 636). Die erwähnte Doppelform gleicht der Lautentwicklung von rom. Sierre und dt. Siders, wobei nicht ganz klar ist, warum in Naters (< *natros) ein -t- und in Siders (< *Sitrius) ein -derhalten blieb (W ERLEN 1991, 250; K RISTOL ET AL . 2005, 636). Das auslautende / s/ , bzw. / ʃ / ist der Reflex eines lateinischen Schluss-/ s/ (H. S CHMID 1952, 26 ff.). Insgesamt ist wohl die Deutung von A NREITER am ehesten zutreffend. Niedergesteln Die Gemeinde Niedergesteln (gespr. Geschtillu) liegt auf der rechten Rottenseite westlich von Raron mit mehreren Weilern am Berghang im Norden und auf der linken Rottenseite. Die ältesten Belege enthalten 1170 - 1184 Chastellon, 1198 - 1203 Chastellun, 1219 Chastelan, 1224 de Castellion usw., also eine Ableitung zu castellum ‘ Schloss ’ (FEW 2, 458 ff.). Im Unterschied zu Obergesteln wurde hier tatsächlich eine Burg erbaut, wohl im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts von den Freiherren von Turn-Gestelnburg. Die Burg wurde 1384 zerstört (nach https: / / hls-dhs-dass.ch/ de/ articles/ 002763/ 2017-05-04; [06.07.2020iw]). Der Name blieb und wurde zur Unterscheidung von Obergesteln als Niedergesteln bezeichnet; die lokale Aussprache bezieht sich aber nur auf Geschtillu. Bei Gesteln handelt es sich um ein Lehnappellativ (G LATTHARD 1976), während verbreiteteres Chastel (cf. HL Chastel) mit der Verschiebung von / g/ zu / ch/ belegt ist. Nieder bezieht sich auf schwdt. nider ‘ nieder ’ und wdt. nider, nidr (Lötschtal), nidär ‘ nieder ’ (I D . 4, 670 f; G RICH- TING 1998, 143), hier im Gegensatz zu ober (siehe auch K RISTOL ET AL . 2005, 646). Niederwald Die frühere Gemeinde Niederwald (gespr. Niderwaud) bildet mit Blitzingen, Grafschaft, Münster-Geschinen und Reckingen-Gluringen seit 2017 die Gemeinde Goms. Der Ortsname ist ursprünglich nur Wald (1386 de Walde, 1386 Waldigen, 1402 Waldt) und wird auch lat. als inferiori wald und später dt. als Zniderwalt bezeichnet, wohl um es von Oberwald zu unterscheiden. Die frühere Gemeinde liegt auf der rechten Rottenseite, erstreckt sich aber auch auf der linken Seite des Rotten. Der Ortsname ist zum schwdt. Wald, wdt. Waald ‘ Wald ’ (I D . 15, 1467 ff.; G RICHTING 1998, 235) zu stellen. Nieder bezieht sich auf schwdt. nider ‘ nieder ’ und wdt. nider, nidr (Lötschtal), nidär ‘ nieder ’ (I D . 4, 670 f; G RICHTING 1998, 143), hier als unter im Gegensatz zu ober (s. auch K RISTOL ET AL . 2005, 650). Oberems Das Zentrum der Gemeinde Oberems (gespr. Oberäms) liegt auf einer sonnigen Anhöhe auf der linken Rottentalseite am Eingang des Turtmanntales auf 1336 m. Zur Gemeinde gehören eine Reihe von Weilern; die Abgrenzung zur früher selbständigen Gemeinde Unterems ist in den historischen Zeugnissen nicht immer einfach, da sich viele ältere Belege auf den ganzen Emsberg beziehen. Der Name Oberems besteht aus der Höhenangabe Ober (im Gegensatz zum tieferliegenden Unterems) und einem vordeutschen Namen Ems, der in den historischen Belegen als Emesa (manchmal mit anlautendem / h/ , das aber eine reine Schreibvariante darstellt) erscheint. R ÜBEL (1950, 131) führt den Namen auf Vorschlag von H UBSCHMIED hin auf *Amissa zurück, gibt jedoch keine ausführlicheren Erklärungen zu dieser hypothetischen Form, die K RISTOL ET AL . (2005, 660) ausschliessen, da fast alle historischen Belege nur mit einem -sgeschrieben sind, was auf eine Aussprache mit [z] hinweist (K RISTOL ET AL ., 2005, 660). T SCHERRIG deutet den Namen Ems, der früher das ganze von den Kelten bewohnte Gebiet am Emsberg und im Turtmanntal bezeichnet haben soll, mit ‘ am Bach ’ , gibt jedoch zur Namenentwicklung keine näheren sprachhistorischen Erklärungen (T SCHERRIG 1968, 23). Nach K RISTOL ET AL . (2005, 660 f.) soll der Name des Emsbachs auf die Ortschaft übertragen worden sein. Für den Gewässernamen Ems, Nebenfluss der Lahn bei Limburg, geht K RAHE von einer Grundform *Amisia zu idg. *am- ‘ Flussbett, Graben ’ aus (K RAHE 1962, 312). Trotz formeller Übereinstimmung des Walliser Namens mit dem Namen Ems in Graubünden, urk. 765 Amede, 976 Amedes, 1224 de Amite (RN 2, 676) besteht zwischen diesen Namen keine etymologische Verwandtschaft (G AUCHAT 1907b, 7; K RISTOL ET AL ., 2005, 661). Das Bestimmungswort schwdt. Adj. ober, ahd. obaro, mhd. ober, ist ein Komparativ zu ob und bezeichnet in räumlichen Ortsbestimmungen eine ‘ obere, höher gelegene ’ Stelle ’ (I D . 4, 51; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 663). In den frühesten Belegen ist (1101 u. später) ist lat. von superiori emesa ‘ Oberems ’ die Rede. Obergesteln Die früher selbständige Gemeinde Obergesteln liegt auf rund 1360 m auf der rechten Rottentalseite zwischen Oberwald und Ulrichen. Seltsamerweise ist in der Datenbank des VSNB die gesprochene Form nicht belegt; in einigen abgeleiteten Flurnamen ist von Geschler oder Gestler die Rede. Der Name Obergesteln (frz. Exonym Châtillon-le-Haut) geht zurück auf lat./ rom. CASTELLIONE , Dim. zu mlat. CASTELLUM ‘ befestigtes Lager, Burg ’ , hier höchstwahrscheinlich in der Bedeutung ‘ kleines Lager, Dorf ’ (G UEX 1976, 185; W ERLEN 1991, 246; K RISTOL ET AL . 2005, 662). Niedergesteln 31 32 <?page no="81"?> Die Übernahme ins Deutsche erfolgte wohl nach der alemannischen Einwanderung ins Oberwallis (9. Jh.), d. h. vor der frpr. Palatalisierung des anlautenden [k] vor [a], die zur Lautung tsch- < tsgeführt hätte (vgl. HL Chaschtel); es handelt sich also wohl um ein sog. Lehnappellativ (G LATTHARD 1976). Gemäss S CHMID (1980, 164) lässt der Name auf die Existenz eines Kastells an dieser Stelle schliessen, wo der Gries- und der Nufenenpass ins Rottental einmünden und wo früher der Aufstieg über die Grimselalp zum Grimselpass begann. A EBISCHER (1962a, 206) hingegen betont, dass an dieser Stelle anscheinend nie eine Befestigung gestanden hat. Es ist deshalb möglich, dass sich im Namen (Ober-)Gesteln die ursprüngliche Bedeutung von CASTELLUM ‘ kleines Lager, Dorf ’ bewahrt hat, welche sonst vor allem im Bündnerromanischen gut belegt ist (RN 2, 85 ff.). Der die Ortschaft vom sonst gleichnamigen Niedergesteln unterscheidende Zusatz schwdt. Ober Adj. ‘ der/ die/ das obere, höhere ’ (I D . 1, 51 f.) findet sich in den historischen Belegen erstmals in lateinischer Form 1332 de superiori castellione, dann in deutscher Form 1415 Obergestillen. Am 01.01.2009 fusionierte Obergesteln mit Oberwald und Ulrichen zur politischen Gemeinde Obergoms. Oberwald Die früher selbständige Gemeinde Oberwald liegt am Oberlauf des Rotten auf 1368 m, zugehörig ist auch der Weiler Unterwassern (gespr. Unnerwassere), wobei unter hier als zwischen zu verstehen ist, und die Siedlung Gletsch, sowie der Rottengletscher. Der Name Oberwald (gespr. Oberwaald) setzt sich zusammen aus der Höhenbezeichnung Ober (im Gegensatz zum weiter unten im Tal liegenden Niederwald) und dem Appellativ Wald. Es ist zu schwdt. Wald m., wesentlich wie nhd. ‘ kleinerer oder grösserer Baumbestand ’ , ahd. wald, mhd. walt und wdt. Waald ‘ Wald ’ (I D . 15, 1467 ff.; G RICHTING 1998, 235) zu stellen. Das Adj. ober, ahd. obaro, mhd. ober, ist ein Komparativ zu ob und bezeichnet in räumlichen Ortsbestimmungen eine ‘ obere, höher gelegene ’ Stelle ’ (I D . 4, 51; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 663). Seit 2009 bildet Oberwald mit Obergesteln und Ulrichen die politische Gemeinde Obergoms. Randa Die weilerreiche Gemeinde Randa liegt im Mattertal auf etwas über 1400 m an der Mattervispe zwischen St. Niklaus und Täsch. Der Name Randa ntr. (gespr. Ran´daa mit Betonung der Endsilbe) ist schon auf Grund der Betonung als vordeutsch zu erkennen (Z INSLI 1977, 100), doch ist die Deutung unklar. Üblicherweise wird der Name auf kelt. oder dt. *randa ‘ Rand, Grenze, Kante ’ , beide Namen aus idg. Wurzel *rem-dh, zurückgeführt (FEW 10, 56 - 58; I D . 6, 1022; H OPFNER undatiert, 18; S TUDER 1896, 201 f.; J ACCARD 1906, 376 f.). H UBSCHMIED (bei R ÜBEL 1950, 132, Anm. 1) geht von alpis randata aus; dabei leitet er das Verb rande n , von *randa ab (siehe aber dagegen I D . 6. 1024, das es zu Rand (I D . 6, 1022) im Sinn des nhd. Rand (auch wie dial. Bord, Ranft) stellt). In der Alpwirtschaft werden Genossenschafts- oder Gemeindealpen abgeteilt, das heisst, es wird ‘ der Anteil jedes Nutzungsberechtigten bzw. die Anzahl der Kuhrechte festgesetzt ’ , Güter werden gerandet, um ‘ den Anspruch der Eigentümer auf die Nutzung der Gemeindealpen festzulegen ’ (I D . 6, 1024; R ÜBEL 1950, 78; H UBSCHMID 1951, 23). Eine Deutung auf der Grundlage eines dt. Rand verbietet sich wegen der Endbetonung wie in Planta, Almagell, St. Niklaus, Kalpetran, alle mit Endbetonung. Die Herleitung von H UBSCHMIED ist nur formal überzeugend; das Benennungsmotiv stimmt hingegen nicht, wenn man die geografische Lage des Ortes in Betracht zieht. Randa selbst kann nicht als Alpe verstanden werden; Alpen im engeren Sinn liegen rund 500 bis 600 m. höher. Entsprechend kann auch das Verb rande n hier kaum eine Rolle spielen. Auch eine Grenze ist hier (zwischen Täsch und Herbriggen) kaum anzunehmen, auch wenn Randa vom 13. Jh. bis 1552 zum Meiertum und später zur Kastlanei Naters gehörte (https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002809/ 2010- 07-27/ [06/ 07/ 2020/ iw], sodass der Gemeindename unklar bleibt. Raron Die Gemeinde Raron ist Hauptort des Bezirkes Westlich- Raron. Sie liegt auf der rechten Rottentalseite auf 637 m am Fuss eines Burghügels. Zu Raron gehören die Siedlung St. German und die Weiler Turtig (auf der andern Seite des Rotten) und Rarnerchumma. Der Name Raron (gespr. Raru, frz. Rarogne) ist vordeutsch. Belegt sind 10? ? : Rannia (laut P H . K ALBERMATTER verschrieben für Raronia; Beleg aber heute verschollen), 1146 Rarun, 1189 - 1203, 11? ? Rarogni, 1210 Raronia, 1221, 1224 Rarognia, 1224 Raronie, 1225 (ca.) Rarognia usw., aber 1276 Rarun. Die historischen Belege deuten auf einen latinisierten Namen Raronia; die Schreibweise mit / -g-/ (Rarognia) gibt palatales / nj/ wieder. Die heutige Form liegt schon 1146 und 1276 als Rarun vor. Eine sichere Deutung gibt es nicht; K RISTOL ET AL . (2005, 727) führen den Namen auf ein Adjektiv *raronia zurück, gebildet aus dem lat. Cognomen R ARUS und dem Suffix -on ĕ u, on ĕ a; terra *raronia bedeutet dann ‘ Land, Besitz des Rarus ’ . Frühere Deutungen: G ATSCHET (1867a, 249) und S TUDER (1896, 202) leiten den Namen Raron, frz. Exonym Rarogne, vom Adjektiv RARANUS zu mlat. RARA , RARIS ‘ Fusspfad, Furche ’ aber auch ‘ Wasserrinne, Kanal ’ , 33 34 Raron <?page no="82"?> lat. RIGARE , IRRIGARE , mlat. ROGIUS , ARROGIUM ab. J ACCARD (1906, 378) verwirft diesen Vorschlag, da sich raranus zu *rarain entwickeln müsste. Er geht von einem keltischen Namen gebildet aus rara und dem Augmentativ-Suffix -ogne aus. Laut H UBSCHMIED (in: R ÜBEL 1950, 132) lässt sich der Name weder aus dem Romanischen noch aus dem Germanischen erklären, er setzt vorrom. *Raronia oder *Raraunia > frz. Rarogne voraus, die deutsche Form Raron sei erst spät entlehnt (die Form ist aber historisch schon im 12. und 13. Jahrhundert belegt; es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die vorausgehenden Belege blosse Latinisierungen des Namens darstellen). B ESSE (1997, 236) macht keinen Deutungsvorschlag. Eine sichere Deutung ist nicht möglich. Reckingen Die früher selbständige Gemeinde Reckingen liegt auf ca. 1350 m auf der rechten Rottentalseite (mit einem Weiler Uberrotte auf der linken Seite des Rotten) zwischen Münster und Gluringen (mit dem es seit 2004 fusioniert ist; seit 2017 gehört es zur Gemeinde Goms). Der Name Reckingen (gespr. Reckige) ist von einem ahd. PN mittels des -ingen-Suffixes zur Bestimmung der Zugehörigkeit einer Siedlergruppe zu ihrem Gründer oder Grundherrn abgeleitet. Beim PN könnte es sich um eine Kurzform Ricco zum Stamm RICJA - oder eine von diesem Stamm hergeleitete Form *Recco handeln (W ERLEN 1991, 235; K RISTOL ET AL . 2005, 729); nach F ÖRSTEMANN (1, 1240) wäre auch eine Ableitung von RAGJA und einem Namen R EGGI möglich. Der von B RUCKNER (1945, 107) u. a. vermutete Zusammenhang mit den -ingen-Namen der deutschen Schweiz liegt nicht vor, da das kollektive -ig-Suffix zur Ableitung von PN oder FaN im Walliserdeutschen bis zur Gegenwart belegt ist. Ried-Brig Das Zentrum der Gemeinde Ried-Brig liegt auf 918 m oberhalb von Brig auf einer sonnigen Anhöhe der linken Rottentalseite; sie umfasst mehrere Dorfteile und Weiler und erstreckt sich bis auf den Simplon. Der Name Ried- Brig (gespr. Ried; geläufig auch Brigerbäärg) lässt auf einen Rodungsnamen schwdt. Ried n. ‘ ausgereuteter Platz im Wald, zur Bepflanzung aufgebrochenes und eingezäuntes Weidestück ’ , ahd. *riod (I D . 6, 1731 f.) schliessen (W ERLEN 1991, 214 f.; K RISTOL ET AL . 2005, 731). Ab dem 15. Jh. wird dem Namen Ried zur näheren geografischen Bestimmung und Unterscheidung von anderen Ried-Namen der Name Brig hinzugefügt (zu Brig siehe dort). Der alternative Namen Brigerbäärg bezieht sich auf oberhalb von Brig gelegenes Kulturland (A NDE- REGG 1983, 13). Er kann auch für die Gemeinde Termen verwendet werden. Riederalp Die heutige Gemeinde Riederalp entstand 2003 aus den Gemeinden Ried-Mörel, Greich und Goppisberg. Entsprechend hat die Gemeinde bis heute vier verschiedene Zentren: Riederalp selbst auf ca. 1900 m, Ried-Mörel auf 1180 m, Greich auf 1361 m und Goppisberg auf 1339 m. Alle vier liegen auf der rechten Rottentalseite oberhalb von Mörel, in sonniger Lage. Der Name Riederalp (gespr. Riederalp, bzw. Riederalpa) bezieht sich auf die Alp, die den Riedern (also den Leuten von Ried-Mörel) gehört. Wie üblich ist Ried hier eher als Rodungsname zu verstehen, zu schwdt. Ried, Riet n., Pl. Rieder ‘ ausgereuteter Platz im Wald, zur Bepflanzung aufgebrochenes und eingezäuntes Weidestück ’ , ahd. *riod (I D . 6, 1731 f.). Der frühere Name der Alp ist Terpnetz (siehe HL Terpnetz). Die Namen der übrigen Teilgemeinden sind hier einzeln verzeichnet. Ried-Mörel Die früher selbständige Gemeinde Ried-Mörel (gespr. Ried) gehört seit 2003 mit Greich und Goppisberg zur Gemeinde Riederalp. Ried-Mörel liegt auf rund 1200 m oberhalb von Mörel am Hang der rechten Rottentalseite. Der Dorfname Ried ist zum schwdt. Rodungsnamen Ried n. ‘ ausgereuteter Platz im Wald, zur Bepflanzung aufgebrochenes und eingezäuntes Weidestück ’ , ahd. *riod (I D . 6, 1731 f.) zu stellen. Der erst spät belegte Zusatz Mörel ermöglicht eine Unterscheidung zu anderen Ried- Namen des Oberwallis (wie etwa Ried-Brig). Zur Deutung von Mörel vergleiche den Gemeindenamen Mörel und das HL Mörel. Ritzingen Die früher selbständige Gemeinde Ritzingen liegt auf rund 1320 m am Ende des sogenannten Ritzinger Feldes auf der rechten Rottentalseite oberhalb von Biel. Der Name Ritzingen (gespr. Ritzige) gehört zur Reihe der Gommer Namen auf -ingen, die eine Siedlung einer Gruppe kennzeichnen, die von einer Person mit dem Personennamen angeführt wurde, auf die der Name zurückgeht; hier wohl zu Ricco (F ÖRSTEMANN 1, 1256); ein Zusammenhang mit dem FaN Ritz ist wahrscheinlich. Dieser Namenstyp galt der früheren Forschung als Beispiel einer Namenskontinuität mit dem Berner Oberland in nachkarolingischer Zeit (Z INSLI 2 1975, 34 ff. bes. 36; B OESCH 1958, 27; K RISTOL ET AL . 2005, 403). Heute ist klarer, dass das Suffix -ingenim Oberwallis bis in die Gegenwart hinein gebraucht wurde; es ist in vielen Flurnamen vorhanden und die frühere Deutung ist nicht haltbar. Ritzingen gehört heute zur Gemeinde Goms, die durch die Fusion der früheren Gemeinde Grafschaft, die inzwischen in die Gemeinde Goms fusioniert wurde. Reckingen 35 36 <?page no="83"?> Saas-Almagell Saas-Almagell ist eine der vier Gemeinden des Saastales (gespr. Alma ’ gäll mit Endbetonung) und sie liegt auf 1671 m über Meer. Die ältesten Belege für den Gemeindenamen sind 1291 de Armenzello und 1307 am Almenkel. Mit der Ausnahme einer Hyperkorrektur von 1502 (Jm Ammenggöll) bleibt die Form Almenkel oder Almengel. Erst 1643 tritt die Form Almagell erstmals auf. Die heute gesprochene Form ist Almagäll oder Amigäll, beide sind endbetont. Zu vermuten ist, dass der älteste Beleg mit / r/ romanisch ist (der Wechsel von / l/ zu / r/ ist üblich, vgl. etwa Barma für Balma ‘ überhängender Fels ’ ), da alle späteren Belege ein / l/ aufweisen. Probleme schafft die betonte Silbe zello, deren Endung latinisiert ist (Ablativ in Folge der Präposition de). Es scheint, dass der Schreiber hier einen Anklang an das ursprünglich lateinische Wort cella ‘ die Zelle, das Zimmer ’ vorgenommen hat. Das inlautende / n/ in Almenkel verschwindet erst im 17. Jahrhundert; es kann vorher allerdings auch schriftsprachlich bedingt sein (/ n/ in dieser Position schwindet in alemannischen Dialekten nach 1500). Die Endbetonung legt einen vordeutschen Namen nahe. Auszugehen ist nach aller Wahrscheinlichkeit von der Form Almenggel (-ggist die velare Fortis). Die heutige Aussprache mit nebenbetontem / a/ am Anfang und / ä/ in der betonten Silbe am Schluss bringt schwierige lautliche Probleme mit sich, die ohne ältere Belege nicht zu lösen sind. Der erste Teil des Gemeindenamens geht auf den Talnamen Saas zurück (cf. HL S AAS ). K RISTOL ET AL . (2005, 776) resümieren die bisherige Deutung aus lat. * MANICELLUS ‘ Griff am Pflug ’ nach H UB- SCHMIED (G UEX 1938, 361 f.; R ÜBEL 1950, 132) und weisen sie aus lautlichen und inhaltlichen Gründen zurück. Fakt ist, dass auf dieser Höhe ein Acker nicht belegt ist und dass die Siedler keinen Pflug kannten. Das lat. * MANICELLUS ist also inhaltlich nicht belegt. Formal würde es eine Präposition verlangen, die so nicht gegeben ist. Der Gemeindename ist deswegen nicht deutbar. Saas-Balen 1392 teilt sich die ehemalige Grossgemeinde Saas in vier Viertel, die heute als Gemeinden noch bestehen (Saas- Almagell, Saas-Balen, Saas-Fee und Saas-Grund). Die Gemeinde Saas-Balen ist flächenmässig am kleinsten, das Zentrum liegt auf rund 1480 m im Tal der Saaser Vispe, zwischen Saas-Grund und Eisten auf einem flachen Stück Land. Der Name Balen (gespr. Balu) lässt sich zunächst auf schwdt. Balm ‘ Felshöhle, stark überhängender Fels für Schutz und Obdach ’ und wdt. Balma, Balmä (Goms), Palma (Mattertal), Balmu ‘ Stechpalme, Unterschlupf ’ (I D . 4, 1215; G RICHTING 1998, 32)) zurückführen; dafür spricht, dass die Einwohner dieses Ortes durchwegs als Balmerro (Genitiv Plural) bezeichnet werden. I SELIN (1905/ 09, 509 f.) stellt Balen allerdings zu einem ahd. Stamm bal ‘ Wassergraben ’ oder bündnerrom. aval (< lat. AQUALIS ‘ Wassergraben ’ ), was von VON W ART- BURG (1915, 52) abgelehnt wird. O ETTLI (1945, 48), G UEX (1976 2 , 177) und D ITTLI (1992, 89) stellen wie oben Balen zu mhd. balme ‘ Felsenhöhle, stark überhängender Fels, Felswand, Örtlichkeiten, die Schutz bieten ’ (< balma als Lehnwort aus dem Gallorom. ins Alemannische übernommen). Laut K RISTOL ET AL . (2005, 777) ist diese Namendeutung unhaltbar, da alle andern Namenbelege aus der Schweiz, die auf diese Grundlage zurückgeführt werden, das -m bis heute bewahren und auch keiner der historischen Belege ein -m aufweist. Diese Kritik ist allerdings nicht haltbar, wenn bedacht wird, dass auch andere Formen auf -rm sich zu -re entwickeln, z. B. Aare < Arm. K RISTOL ET AL . (2005, 777) ziehen in Betracht, den Namen auf den lat. Typ pala ‘ Schaufel ’ (FEW 8, 482) zurückzuführen, der in ONN in der Westschweiz ‘ flaches Gelände, Weide ’ bedeutet (B OSSARD / C HAVAN 2006, 18) und auch sonst in den Westalpen gut belegt sei. Diese Deutung ist zumindest mit der geografischen Lage von Saas Balen besser vergleichbar als die Herleitung aus Balm. Das stellt allerdings dann die Frage, ob die Form Balmerro mit / m/ eine nachträgliche Umdeutung oder ein bodenständiger Genitiv Plural ist. Deswegen bleibt die Deutung unsicher. Saas-Fee Saas-Fee ist eine der vier Gemeinden Saas-Almagell, Saas-Balen, Saas-Fee und Saas-Grund, die bis ins 14. Jahrhundert die Grossgemeinde Saas (cf. HL S AAS ) bildeten. Heute ist Saas-Fee die touristisch bekannteste Gemeinde im Saastal. Sie liegt auf rund 1800 m über Meer in einem grossen Kessel unterhalb des Mischabel. Der Name Fee erscheint seit 1304 als Vee oder Ve. Laut K RISTOL ET AL . (2005, 777) wird der Name auf die frpr. Form fèa, fèja ‘ weibliches Schaf ’ zurückgeführt, das seinerseits auf spätlateinisches F Ē TA ‘ Mutterschaf ’ zurückgeht (FEW 3, 486; G PSR 7, 216). Die Deutung als ‘ Fee ’ - unter anderem in der Beschreibung in der Datenbank des VSNB - , ist volksetymologisch belegt, aber nicht zutreffend. Gemeint ist vielmehr ‘ der Ort, wo es (weibliche) Schafe gibt ’ . Saas-Grund Die Gemeinde Saas-Grund liegt auf rund 1600 m im Tal der Saaser Vispe unterhalb von Saas-Fee. Der Name lässt sich auf das geläufige schwdt. und wdt. Grund m. ‘ Talgrund, -sohle, Niederung, Ebene ’ , auch ‘ Boden ’ , amhd. grunt (I D . 2, 772 f.; Z INSLI 1946, 321; RN 2, 770 f.; BENB 2, 122 f.; URNB 2, 84 f.; G RICHTING 1998, 98, K RISTOL ET AL . 37 38 Saas-Grund <?page no="84"?> 2005, 777) zurückführen. Der älteste Beleg Grunderro ist ein Genitiv Plural ‘ der Leute von Grund ’ . Zum Talnahmen Saas vgl. HL S AAS . Saas Das Tal der Saaser Vispe mit den vier Gemeinden Saas- Almagell, Saas-Balen, Saas-Fee und Saas-Grund sowie dem talauswärts liegenden Eisten zieht sich von Monte- Moro- und Antronapass im Süden auf rund 2800 m bis zum Zusammenschluss mit der Matter Vispe bei Stalden auf unter 800 m hin. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts bildet das Tal eine Grossgemeinde; danach werden die vier Gemeinden Almagell, Balen, Fee und Grund einzeln genannt; heute ist ihr amtlicher Name mit Saas verbunden (vgl. https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008388/ 2012-01-06/ [06.07.2020; iw]). Der Name Saas erscheint in den ältesten Belegen vornehmlich als Sausa, daneben sind Einzelbelege vom Typ Solxa (wohl alle aus dem gleichen Dokument), Soxa und sogar Xoxie (1415, Genitiv) vorhanden. Blosses Sas liest man erst 1425. Die meisten Deutungen gehen von einem romanischen Namen aus. J ACCARD (1906, 401) nimmt ein spätlat. * SAUICA (zu lat. SALICETA ‘ Weidengebüsch ’ , aus lat. SALIX , SALICEM ‘ Weide ’ ) an, was aus lautlichen Gründen, wie in K RISTOL ET AL . (2005, 776) ausgeführt, nicht haltbar ist. G UEX (1938, 363), R ÜBEL (1950, 133) und Z INSLI (1965, 338) stellen den Namen direkt zu lat. SALICEM ‘ Weide ’ . Auch diese Herleitung ist laut K RISTOL ET AL . (2005, 776) nicht überzeugend: Zum Zeitpunkt der Germanisierung des Saasertals müsse für die Entwicklung des lat. - C vor - E sehr wahrscheinlich eine affrizierte Lautung [dz] angenommen werden. Jedenfalls seien die mit - S geschriebenen Formen aus dem 13. Jh. auf dieser Grundlage nicht zu erklären. Zudem können die gut belegten Formen vom Typ Solxa, Sausa (mit Schluss-a) nicht auf SALICEM zurückgehen. K RISTOL ET AL . (2005, 776) erwägen, den Namen zu lat. SALSUS , SALSA ‘ salzhaltig, gesalzen ’ zu stellen. Die fem. Form von S ALSA ( ‘ saures oder salziges Wasser ’ ) wäre in diesem Fall der ursprüngliche Name der Saaser Vispa, der auf die Siedlung übertragen worden wäre. Diese Deutung kann den Namen besser erklären, setzt aber voraus, dass der Flussname primär ist, der Talname sekundär. Die Deutung ist deswegen umstritten. Salgesch Die Gemeinde Salgesch liegt auf der rechten Rottentalseite in einer leichten Senke auf rund 580 m; ihre Westgrenze ist zugleich Bezirks- und Sprachgrenze. Der heutige Name Salgesch (gesprochen ´Salkesch) ist sicher romanischen Ursprung, das französische Äquivalent ist Salquenen, der patois-Name Sarqueno. Der älteste Beleg (1075 - 1125) in Salconio ist latinisiert; die Grundlage wäre wohl *S ALCONIUM . Spätere Belege weisen Salqueno auf. Alternativ dazu erscheint Sarqueno (1287); die Entwicklung von / l/ vor Konsonant zu / r/ in den frpr. Patois ist bekannt (cf. barma zu balma). Der erste Beleg mit / k/ stammt von 1416 Sarkenum (Akkusativ Singular). Ein erster Beleg mit einem / -z/ am Schluss stammt von 1428 Sarquenoz. Der erste Beleg mit auslautendem / -sch/ taucht erst 1590 als Salgesch auf. Es geht also wohl um einen ursprünglich romanischen Namen Salquen- / Sarquen-. Die Schreibung mit -qudeutet (entgegen K RISTOL ET AL . 2005, 87) nicht auf einen Labiovelar hin, sondern ist eine Verdeutlichung eines velaren Verschlusslautes, der nicht der Palatalisierung unterlag. Laut D ELAMARRE (2003, 265) würde ein Etymon * SALIKOS ‘ Weide ’ anzusetzen sein. Bisherige Deutungen führen den Namen auf lat. SALI- CETUM ‘ Weidengehölz ’ (G ATSCHET 1867, 80; G UEX 1938, 363) bzw. die romanischen Namenformen vom Typ Salquenen (und den Erstbeleg Salconio) auf eine deutsche Form Salchen ebenfalls mit der Bed. ‘ Weidengehölz ’ , zu ahd. salaha ‘ Salweide ’ (J ACCARD 1906, 413) oder lat. saliconem ‘ kleine Weide ’ (Guex 1938, 363) zurück. R ÜBEL (1950, 132) deutet den Namen aufgrund eines Hinweises von H UBSCHMIED als kelt. * SALIKONIOS ‘ die Leute beim Weidengebüsch ’ . In der bisherigen Forschung werden diese Deutungsansätze regelmässig zitiert (O ETTLI 1945, 72; W ERLEN 1991, 251; M ATHIER 2015, 20 f.; B ESSE 1997, 252). M URET (1907, 152) und K RISTOL ET AL . (2005, 787) weisen sie aber zurück, weil eine Deutung auf deutscher Grundlage äusserst ungewöhnlich und sprachlich nicht plausibel sei. Lat. salicetum ergebe im Frpr. Saugey, Saugy, Seudzey (B OSSARD / C HAVAN 2006, 175), lat. - C vor - E bleibe auf keinen Fall als - K erhalten. Die von G UEX vorgeschlagene Form * SALICONE werde von den hist. Belegen nicht gestützt; sie müsste sich in der rom. Lautentwicklung zu *Saucon oder *Sarcon o. ä. entwickeln. H UBSCHMIED s (bzw. R ÜBEL s 1950, 132) Deutungsansatz * SALIKONIOS beruhe auf dem isolierten Erstbeleg in Salconio aus dem 11. Jh. Aus dieser Form müsste sich aufgrund der frpr. Lautentwicklung ein modernfrz. *Salcone (> *S AUCOGNE , *S ARCOGNE oder *S ACOGNE ) ergeben. Alle andern Belege weisen aber auf eine Form mit der Endsilbe - EN ( N ) U hin. K RISTOL ET AL . (2005, 787) werten den Erstbeleg Salconio als Schreibfehler oder gelehrte Latinisierung und ziehen ihn als Ausgangspunkt für die Deutung nicht in Betracht. Als Ausgangsform wird *salquén- oder *salquínnmit - KW angesetzt. K RISTOL ET AL . (2005, 787) denken an eine Bildung aus kelt. SALICO ‘ Weide ’ (urverwandt mit lat. SALIX , cf. D ELAMARRE 2003, 265) und dem vermutlich kelt. Stamm venn- (spätlat. VENNA ‘ Fischreuse, Weidegeflecht ’ , cf. Tavannes BE). In der modernen frz. Form Salquenen beruhe das - L auf einer Beeinflussung durch die deutsche Form Salgesch. Weiter wird erklärt, die Entwicklung Saas 39 40 <?page no="85"?> von Salquénno zu Sálgesch sei weitgehend regelmässig und weise auf eine frühe Entlehnung der romanischen Form ins Deutsche hin (seit dem 9. Jh.): (1) Verlegung des Haupttons auf die erste Silbe; Schwund des Auslautvokals. (2) Entlehnung des romanischen K als G (cf. Gampel). (3) Analogische Anfügung eines - S als Endkonsonant (H. S CHMID 1952, 26 f.) und Wandel von -s zu -sch in den Oberwalliser Dialekten (K RISTOL ET AL ., 2005, 787). Das schriftsprachliche / g/ , das von Kristol et al. angenommen wird, ist vermutlich im Walliserdeutschen später fortisiert worden (vgl. SDS 2, 166 ff.),; deswegen heisst der heutige gesprochene Dorfname ['Salkesch]. Selkingen Die früher selbständige Gemeinde Selkingen liegt auf 1338 m auf der rechten Rottenttalseite zwischen Biel und Blitzingen. Der Name Selkingen (gespr. Seukchige) ist ein Siedlungsname aus einem ahd. PN und dem Patronymikalsuffix -ingen. Die u. a. von B RUCKNER (1945, 107) vertretene Annahme eines Zusammenhangs mit den -ingen-Namen der Deutschweiz ist hinfällig, da im Oberwallis bis heute Kollektiva mit - ING (- IG ) zu PN und FaN gebildet werden. Die ursprüngliche Form des zu Grunde liegenden PNs kann nicht sicher bestimmt werden; die historischen Belege schwanken zwischen Selgingen (1374) und Selkingen (1376); der Name müsste Selgo oder Selko gelautet haben; hierzu passt der ahd. Personenname Salicho oder Selke bei F ÖRSTEMANN (1, 1290 ff. zu S ALVA ). Der Vorschlag von S TUDER (1896, 230), den Namen zu ahd. salahi ‘ Weidegebüsch ’ zu stellen, ist unwahrscheinlich, da sich das Suffix -ingen in der Regel mit einem ahd. PN im ersten Glied verbindet. Die ehemalige Gemeinde Selkingen fusionierte am 01.10.2000 mit Biel und Ritzingen zur Gemeinde Grafschaft, die ihrerseits seit 2017 zur Gemeinde Goms gehört. Präkonsonantisches / l/ wird in den unteren Gemeinden des Goms als / u/ vokalisiert. Simplon Die Gemeinde Simplon liegt auf rund 1460 m auf der Südseite des Simplonpasses (2005 m) am Krummbach. Der Name Simplon (frz. Simplon, it. Sempione; gespr. ts Símpilu) wird zunächst für die Talschaft (1257 in valle de Simplun) und das Dorf (1267 Simpilion) verwendet, später auch für den Pass (A RNOLD (1984 [1947], 202), der in den Urkunden meist mons collium oder mons de collibus (vermutlich als Übersetzung der heutigen Bäärgalpa) genannt wird. Auf der ältesten Walliser Karte (1545 bei S EBASTIAN M ÜNSTER ) heisst er Sempronij M[ons]; diese Form ist seit dem 17. Jahrhundert auch sonst belegt; sie bezieht sich auch auf Tal und Dorf. J ACCARD (1906, 437) stellt den Namen wohl deswegen zu einem lat. PN S EM- PRONIUS ; es handelt sich aber vermutlich um eine blosse Latinisierung des Namens, wie er auch bei anderen Ortsnamen vorkommt. Das ganze Gebiet wurde wohl erst spät germanisiert; die ursprüngliche Bevölkerung wird aber eher eine Variante des Alpinlombardischen als des Frankoprovenzalischen verwendet haben. G UEX (1938, 359) und R ÜBEL (1950, 132) referieren einen Vorschlag H UBSCHMIED s, der den Namen als ursprünglich keltische Bildung *seno pelion ‘ alte Weide ’ deutet. Der Name soll - wie der (Col du) Pillon und die Val Pellina (Aostatal) etc. - auf einen indoeuropäischen Stamm * KWEL ‚ vermutlich mit der Bedeutung ‘ Weide ’ zurückgehen, keltisch * SENOS ‘ alt ’ ist gut belegt. Allerdings wären von *Sen-pelióne ausgehend rom. Formen vom Typus *Sempillon zu erwarten, in der Belegreihe finden sich jedoch keine analogen Namenformen (K RISTOL ET AL . 2005, 835). L URATI (2004, 102 ff.) führt den Namen auf ein romanisches SUMMU PLANU ‘ die auf dem Gipfel, in der Höhe gelegene Ebene ’ zurück. Das ist sehr spekulativ, da sich der Vokalismus weder von SUMMU noch von PLANU im Namen wiederfindet. Die Entwicklung von plazu ploinsbesondere lässt sich nicht belegen; der Deutungsvorschlag bleibt ebenfalls zweifelhaft. Insgesamt ergibt sich deswegen keine sichere Deutung. J ORDAN (2006, 109) führt die verschiedenen Formen inklusive der Deutung von P AUL H ELDNER , der von S UMMUS B ELENUS ausgeht, aus, ohne eine Deutung zu bevorzugen. St. Niklaus Die Gemeinde St. Niklaus liegt auf 1113 m im Mattertal, das auch Nikolaital heisst. Der Gemeindename (gespr. Zani ’ glaas mit Endbetonung) ist ursprünglich das Patrozinium der Pfarrkirche. In den historischen Belegen heisst das Dorf 1218 Chouson, 1233 Chousun und 1234 Gauson. 1291 (mehrfach) sind Zauxono (Ablativ konstruktionsbedingt) und Zauxon belegt. 1329 tritt erstmals Schouson auf, dem verschiedene weitere Varianten folgen. 1401 erscheint Gason und 1547 ist Gasenn erwähnt. Erst 1606 ist Sanct Niclaus erwähnt, aber Chauson (mit Varianten) und Gasen (mit Varianten) bleiben. Die neuere Form ist als Sanniglas ab 1799 bezeugt. Die alte Form ist sicher romanisch und wird von der Forschung sehr unterschiedlich gedeutet, ohne dass eine wirklich überzeugende Deutung gegeben würde (K RISTOL ET AL . 2005, 793 f.). Am ehesten wird ein PN C ALIDIUS (S CHULZE 1991, 138, 352 und 427a.) angenommen, dessen Name einem Deklinationswechsel zu *C ALIDI Ō NE unterlegen wäre (K RISTOL ET AL . 2005, 794). Die ‘ deutsche ’ Form Gasen wird analog zu Saas mit der Entwicklung von / au/ zu / a: / begründet; sie ist noch im Weiler Gasenried, (gespr. Gasuried) erhalten. Der heutige Gemeindename St. Niklaus beruht, wie gesagt, auf dem Patrozinium der 41 42 St. Niklaus <?page no="86"?> Kirche der Gemeinde, die als zentraler Ort des Tales der Matter Vispa galt. Das Aufkommen des weiter hinten im Tal liegenden Zermatt als Bergsteiger- und Touristenzentrum fällt erst ins 19. Jahrhundert. Stalden Die Gemeinde Stalden liegt auf rund 800 m am Zusammenfluss von Matter und Saaser Vispe in steilem, besonntem Gelände. Der Name Stalden (gespr. Staalu) gehört zum schwdt. Appellativ Stalde(n), G(e)-Stalde(n), St ā le(n) m., f. ‘ ansteigende Stelle im Gelände, steiler Abhang; ansteigender Weg ’ , Grundbedeutung ‘ Ort, wo man gestellt, gehemmt wird ’ (I D . 11, 335 ff.). Der Name ist auch als Flurname im Oberwallis weit verbreitet (cf. HL S TALDE ). Ursprünglich, in den historischen Belegen noch sichtbar, hiess die Gemeinde Morgi, Morgie, Morgia o. ä.; der Name ist im Weilernamen Merje noch erhalten, worauf schon L. E. I SELIN (1894 - 1897, 37 f.) hingewiesen hat. Der Name geht auf den weit verbreiteten keltischen Worttyp * MORG Ā ‘ Sumpf, Sumpfbach ’ oder ‘ Grenze ’ (cf. G ROSSENBACHER K ÜNZLER 1999, 72) zurück (K RISTOL ET AL . 2005, 849). Staldenried Die Gemeinde Staldenried liegt in einem steilen Gelände (Zentrum bei der Kirche auf 1041 m) auf der rechten Seite des Vispertales oberhalb der Gemeinde Stalden (siehe den Artikel zu Stalden) mit mehreren Weilern, darunter G SPON (cf. HL G SCHPO ). Der Name Staldenried (gespr. Staluried, bei G RICHTING (1998, 180) Schtaaluried) erscheint in den ältesten Belegen einfach als Ried; später wird es, zur Unterscheidung von anderen Ried (wie Ried- Brig, Ried-Mörel) Staldenried benannt. Ried ist entweder zu schwdt. Ried n., ahd. hriot und mhd. riet, zu stellen, welches verschiedene Pflanzarten an sumpfigen Orten bezeichnet, die meist als Streu aber auch als Pferde- und Schaffutter verwendet wurden, aber auch allgemein ‘ mit Schilf, Sumpfgras bewachsener Grund, Moor ’ (I D . 6, 1729 ff.) oder zu Ried n., ahd. *riod, als Rodungsname ‘ ausgereuteter Platz im Wald, zur Bepflanzung aufgebrochenes und eingezäuntes Weidestück ’ (I D . 6, 1731 f.) gestellt werden. Staldenried ebenso wie die andern genannten Ried bezeichnen im Oberwallis normalerweise höhergelegene, steile Gebiete, nicht sumpfige Stellen; sie sind daher eher als ‘ gerodete Gebiete ’ zu verstehen. Erst sekundär (erstmals 1391 am riede supra stalden und nahe der heutigen Form 1638 Stalden Riedt) tritt der Zusatz Stalden zum Namen, hier als relative Ortsbezeichnung für ‘ die oberhalb von Stalden gelegene Ortschaft Ried ’ . Steg Die früher selbständige Gemeinde Steg liegt auf der rechten Rottentalseite auf 634 m am Fluss Lonza, der zugleich Grenze zum Bezirk Leuk ist. Der Name Steg (gespr. Stäg) geht zurück auf das Appellativ schwdt. und wdt. Stëg m. ‘ Steg, schmale, leichte Brücke, schmaler Weg ’ , amdh. stëg (I D . 10, 1487 ff.; G RICHTING 1998, 180). Historisch wird Steg alternierend Benken (so schon 1300 Benke) genannt, Benken ist heute Teil der Ortschaft Steg. Zwischen 1434 und 1789 war Benken Freigericht (nach 1727 Gemeinde und Freigericht Steg genannt). Der Name Benken ist (anders als in Benken (SG, ZH) und Biel- Benken (BL); vermutlich falsch bei K RISTOL ET AL . 2005, 852 f.) zum Appellativ schwdt. Bank m. ‘ Sitzbank ’ , ‘ Kirchenbank, Schulbank, Gerichts-, Schöffenbank ’ , mhd. banc mf. (I D . 4, 1380 ff.) zu stellen, hier mit grösster Wahrscheinlichkeit in der Bedeutung ‘ Gerichts-, Schöffenbank ’ aufgrund der Tatsache, dass Benken Freigericht war. Die lokale Musikgesesellschaft heisst übrigens Benken. Steg fusionierte mit Hohtenn am 01.01.2009 zur Gemeinde Steg-Hohtenn. Steinhaus Die früher selbständige kleine Gemeinde Steinhaus liegt auf der linken Rottentalseite auf ca. 1273 m auf einer leicht ansteigenden Fläche oberhalb von Mühlebach und Ernen. Der Name Steinhaus (gespr. Steihüs) setzt sich aus dem schwdt. Appellativ Stei(n) m. ‘ Gestein, Mineral; Rohstoff, Bruchstein ’ , amhd. stein (I D . 11, 754 ff.) und dem schwdt. Appellativ schwdt. H ū s n. ‘ Haus ’ (Id. 2, 1700 ff.) zusammen und bezeichnet ein ‘ aus Stein gebautes Haus ’ . Die steinernen Häuser fielen in dieser Gegend, wo Holzhäuser üblich waren, besonders auf (cf. HLL S TEI und H ÜS ). Der Name erscheint in den historischen Belegen auch als lat. Übersetzungsname de domo lapidea (1574, 1658). Der Name der Ortschaft soll auf eine ehemalige Burg ‘ Steinhuss ’ auf dem Turen zurückgehen, von der allerdings heute keine Spuren mehr vorhanden sind (https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002700/ 2017-01- 04[06.07.2020iw]). Steinhaus gehört seit 01.10.2004 zusammen mit Mühlebach und Ausserbinn zu Ernen. Täsch Die Gemeinde Täsch liegt auf 1450 m im Mattertal, auf der rechten Seite der Mattervispe an der Mündung des Täschbaches, zwischen Randa und Zermatt. Der Name Täsch (gespr. Täsch) ist in den ältesten Belegen aus dem 14. Jahrhundert als Tech, Techs oder Thes zu lesen. Vordeutsche Namen sind im Mattertal öfters belegt; deswegen nimmt man auch für Täsch eine vordeutsche Entstehung an. Eine Deutung ist jedoch schwierig (Z INSLI 1977, 100). Eine Ableitung von rom. tegia, tigia ‘ Alphütte, Stalden 43 44 <?page no="87"?> Dach ’ (S TUDER 1896, 244) verbietet sich aus lautlichen Gründen (ausser man würde von einer Form *tegias ausgehen); eine Rückführung auf ahd. tasca ‘ Mulde, Talschlucht, Waldbucht ’ (M EYER 1931, 626, in: HBLS 6. Bd.; Z URBRIGGEN 1952, 186, vorsichtig auch I D 13, 1871 s. v. Täsch) ist auszuschliessen, da es sich um ein rom. Etymon handelt (A EBISCHER 1971, 15; Z IMMERLI 3, 1899, 81). Die spätere latinisierte Namenform PERA ‘ Ranzen, Quersack ’ , die in den Belegen im 17. Jh. auftritt, ist eine wörtliche Übersetzung des deutschen Wortes Tasche (A MMANN 1997, 205). K RISTOL ET AL . (2005, 866) schlagen eine Herleitung von vorlat. *t ĭ ska ‘ Haufe ’ (FEW 13, 1, 354 f.) vor. Das altfrpr. Tesche in der Bedeutung ‘ Haufen von Brennmaterial, Heuhaufen, Garben ’ ist oder war in der Westschweiz gut belegt, auch eine Übertragung der Bedeutung ‘ Haufen ’ auf die Geländeform sei denkbar. Allerdings ist einerseits unklar, ob Tesche je als Flurname erscheint (alle Belege in FEW sind appellativ; B OSSARD / C HAVAN (2006) erwähnen den Typ nicht) und zweitens bleibt zu erklären, wie aus einem ursprünglichen / e/ in den schriftlichen Formen ein gesprochenes offenes / ä/ hat entstehen können. W IPF (1910) erwähnt für Visperterminen offenes / ä/ u. a. bei Lehnwörtern, jedoch im Wechsel mit / e/ . SDS (1, 16) hat offenes / ä/ , weist aber in anderen Karten auch Formen mit / e/ auf. Ein gesprochenes / ä/ ist deswegen möglich, aber schwierig zu deuten. Termen Die Gemeinde Termen befindet sich auf einer Anhöhe oberhalb Brig und östlich von Ried-Brig auf rund 920 m auf der linken Rhoneseite. Der Name Termen (gespr. Tärmu) erscheint seit dem 13. Jahrhundert als Terman; das / a/ in der Endsilbe ist dabei wohl eine reine Schreibvariante. Schreibungen mit anlautendem {th} deuten auf Therme ‘ Bad, Quelle ’ . Tatsächlich verfügt Termen über einige Quellen weit unterhalb des Dorfes beim Rotten, die heute wieder ausgebeutet werden; sie sind aber nicht warm. Die übliche Deutung führt auf lat. TERMINUS ‘ Grenze ’ , afrz. termine, zurück (J ACCARD 1906, 459; R ÜBEL 1950, 133; G UEX 1938, 363 und 2 1976, 187; W ERLEN 1991, 252; K RISTOL ET AL . 2005, 869). I D . 13, 1607 erwähnt den Ortsnamen s. v. Thërm und sagt, er sei zum gleichen Etymon (frz. terme) im Sinn von ‘ Grenze, Grenzstein ’ zu stellen. Unklar ist, welche Grenze hier genau gemeint sein könnte, doch sind auch andere Flurnamen mit verwandter Bedeutung vom Typ Zill ‚ Ziel, Grenze ‘ oder Maarch ‚ Mark, Grenze ‘ ähnlich unbestimmt. Die östliche Grenze des Zehndens Brig kommt zwar in Frage, ist aber wohl später entstanden als der Gemeindename. Törbel Die Gemeinde Törbel liegt auf rund 1500 m auf der linken Seite des Vispertales oberhalb von Stalden und umfasst mehrere Weiler. Der Name Törbel (gespr. Teerbil) erscheint historisch als Dorbia, Dorbi oder Torbio, wobei unklar ist, welches Genus der Name genau hat. Die heutige Form mit / -e: -/ geht auf Entrundung und Dehnung zurück. Das auslautende / -il/ tritt erst im 14. Jahrhundert auf - es scheint, dass es eine romanische Namenform ohne Suffix und eine deutsche mit Suffix (-il) gegeben hat. Zu erklären bleibt zum einen die Form vom Typ Dorbi- und zum anderen die Suffigierung. In einer frühen Deutung wird der Name auf frpr. derbi ‘ Fichte ’ zurückgeführt, was jedoch nicht den ältesten Formen mit / -o-/ Rechnung trägt. Auch die Herleitung der Endung -il (l) von mhd. lô ‘ Wald ’ oder hlê ‘ Hügel ’ ist sprachgeschichtlich nicht befriedigend (G ATSCHET 1867, 192 f.). J ACCARD (1906, 137) vermutet im Namen eine keltische Wurzel darbi ‘ Nadelbaum ’ . Die lautliche Ähnlichkeit zwischen Torbi und dem germ. thorp dürfte zur Fehldeutung ‘ Dorf, Siedlung ’ geführt haben (M EYER 1934, 8, in: HBLS 7. Bd.), denn ansonsten müsste der Ort heute Dorf und nicht Törbel heissen (K RISTOL ET AL ., 2005, 877). I D . (13, 1441) stellt Dorben in Albinen, Turben in Binn und Tirbjen in Saas zu schwdt. Turbe n ‘ Schlafkammer, Syn. von Speicher ’ und vermerkt, dass der Dorfname Törbel eventuell auch zu diesem Worttyp gehören könnte, was K RISTOL ET AL . (2005, 877) ausschliessen, da der Umlaut in Dorben fehlt, und die historische Form Torbi nicht auf einem fem. Etymon *torba beruhen kann. Breiten Anklang fand die Etymologie von H UBSCHMIED (cf. S TAUB 1927, 152, Anm. 1; G UEX 1938, 359 und 2 1976, 180; R ÜBEL 1950, 132; Z IMMERMANN 1968, 20), der Törbel auf gall. *dorwia ‘ Tannen-, Föhren- und Lärchenwald ’ zurückführt. Die Endsilbe erklärt Z IMMERMANN (1968, 20) mit dem maskulinen ahd. Suffix -al, -alo, -il, -ilo > schwdt. -el, welches in FlN eine Stelle und allgemein eine Zugehörigkeit bezeichnet (Z IMMERMANN 1991, 46; S ONDEREGGER 1958, 513). Da *dorwia in den einschlägigen Referenzwerken nicht vorkommt, ist diese Deutung nicht haltbar. Ein neuerer Deutungsvorschlag setzt für Törbel einen alten indoeuropäischen Gewässernamen *durvoraus, der zur idg. Wurzel *dheu- ‘ laufen, rinnen ’ gehört. Dazu stellt sich das in mehreren Gewässernamen der Westschweiz vorhandene, wahrscheinlich keltische Suffix ŭ bia (B REGY / M ÜLLER 2003, 9 ff.). Nach heutigem Stand der Forschung ist diese Erklärung die wahrscheinlichste (K RISTOL ET AL ., 2005, 877). Diese Deutung würde gestützt, wenn der historische Beleg von 1434 in torrente de dorbi (aus Salgesch) tatsächlich einen Bachnamen bezeichnet. Die Endung auf -il (-el) lässt sich am ehesten nach Z IMMER- MANN (1968, 20) erklären. 45 46 Törbel <?page no="88"?> Turtmann Die Gemeinde Turtmann liegt auf der linken Rottentalseite auf leicht ansteigendem Gelände; das Zentrum liegt auf 628 m. Der Name Turtmann (gespr. Turtma oder Turpma) ist auf Grund der historischen Belege als vordeutsch zu betrachten; die Endung -mann ist volksetymologisch. Im 19. Jh. wurde der vordeutsche Siedlungsname Turtmann, frz. Tourtemagne, lat. turris de maneriis oder mansionilibus, als ‘ Turm bei den Hofstätten, das von Häusern umgebene Schloss ’ gedeutet (G ATSCHET 1867, 254; S TUDER 1896, 254; die Belege stammen aus G ATSCHET ). R ÄNKE (1903, 23) deutete Tortemagny als lat. turrim magnam ‘ der grosse Turm ’ . Wie jedoch FEW (13, 2, 435 ff. s. v. t ŭ rris turm) klar zeigt, gibt es keinen einzigen Beleg für das Simplex mit auslautendem / -t/ wie in torte-. Allerdings würde anlautendes tor- ‘ Turm ’ zu einem anschliessenden Temagni führen, das von S. F URRER (1850 - 52) angenommen wurde, wie J ACCARD berichtet. J ACCARD s (1906, 468) Etymologie beruht auf einem vermeintlichen Erstbeleg für Turtmann Curtmannonis (1050). Er deutet ihn als rom. corte-Bildung mit dem Personennamen Manno. Ein Lautwandel zwischen dem 11. und 13. Jh. von *Curtmann zu Turtmann ist jedoch ausgeschlossen (M URET 1907, 149 f.). K RISTOL ET AL . vermuten, dass bei der frühesten Schreibform das anlautende T mit einem C verwechselt wurde (K RISTOL ET AL . 2005, 891 f.). Die Belege des 13. Jh. mit auslautendem -i (1245 Tortemagni und weitere) zeigen die Lautentwicklung des lat. -a vor Palatalkonsonant, der sich im Frpr. zu -i entwickelt hat (K RISTOL ET AL . 2005, 891 f.). Es wäre also von einer ursprünglichen Form *Tortmania, oder ähnlich, auszugehen, nach heutigem Stand der Forschung gibt es jedoch kein lat. oder vorlat. Etymon, das eine solche Bildung erklären könnte (R ÜBEL 1952, 132; W ERLEN 1991, 253). Der erste Beleg mit der ‘ deutschen ’ Form erscheint 1352 als Turteman. Es zeigt schon deutlich, dass im heutigen Turtmann die Endung aus volksetymologischer Anlehnung an die älteren rom. Formen entstanden ist, die in der Bedeutung ‘ Mann ’ missverstanden wurden (Z INSLI 1977, 91). Interessanterweise heisst auch der Fluss Turtmänna, der sich aus dem Turtmanntal in den Rotten ergiesst, in den historischen Belegen seit dem 13. Jh. aquam … tortemagny (mit Varianten). Erst 1830 wird vom T ŭ rtmannbach gesprochen; damit wird die Frage, ob der Fluss oder das Dorf den Namen zuerst trug, zu Gunsten des Dorfes entschieden. Insgesamt ist aber die Herkunft des Gemeindenamens nicht klar. Ulrichen Die früher selbständige Gemeinde Ulrichen liegt auf der linken Rottentalseite auf 1346 m., auf einer ebenen Fläche zwischen Obergesteln und Geschinen. Der Name Ulrichen (gespr. Üerliche) geht auf ein älteres Uolrichingen zurück (siehe die ältesten historischen Belege), ist also zu verstehen als ‘ bei den (Gefolgs-)Leuten, der Sippe des Odalric, Uodalric, Uolrich ’ gebildet aus dem häufig belegten zweigliedrigen ahd. PN Odalric, Uodalric, Uolrich (F ÖRSTEMANN 1, 1190 f.) und dem Suffix - ING -. Die u. a. von B RUCKNER (1945, 107) vertretene Annahme eines Zusammenhangs mit den -ingen-Namen der Deutschweiz ist hinfällig, da im Oberwallis bis heute Kollektiva mit - ING (- IG ) zu PN und FaN gebildet werden. Die Verkürzung des Namens ist seit dem 14. Jh. belegt; die Umstellung von - LR zu - RL - (wie in der heutigen Mda.- Form) erscheint erstmals im Beleg von 1695 Vrlichen (K RISTOL ET AL . 2005, 896). S TÖCKLI (1953, 46 f.) versucht den Namen auf Ulrich von Kyburg zurückzuführen, was aber in Ermangelung eindeutiger Dokumente nicht nachzuweisen ist. Am 01.01.2009 fusioniert U LRICHEN mit Obergesteln und Oberwald zur heutigen Gemeinde Obergoms. Unterbäch Die Gemeinde U NTERBÄCH liegt auf rund 1220 m auf der linken Rottentalseite, auf einer hochgelegenen Fläche zwischen Bürchen und Eischoll, den sog. Rarner Schattenbergen. Der Name Unterbäch (gespr. Únnerbäch) setzt sich zusammen aus der Präposition schwdt. under, assimiliert unner, hier in räumlicher Bedeutung ‘ zwischen ’ (I D . 1, 324 ff.) und dem Appellativ schwdt. Bach m., Pl. Bäch, wdt. Bach m. ‘ Bach ’ (I D . 4, 947 ff.; G RICHTING 1998, 31) bzw. schwdt. Bäch f. ‘ Örtlichkeit, wo mehrere Bäche zusammen fliessen ’ (Id. 4, 955). Unterbäch, zwischen Milibach und Löübbach gelegen, bedeutet daher ‘ zwischen den Bächen ’ (K RISTOL ET AL . 2005, 897). Die älteren Belege zeigen fast durchwegs einen Dativ Plural Underbechen, der erst ab dem 18. Jahrhundert zur heutigen endungslosen Pluralform führt. Unterems Die früher selbständige Gemeinde Unterems gehört seit 2013 zusammen mit Turtmann zur Gemeinde Turtmann- Unterems. Sie liegt auf etwa 1000 m auf einer Ebene auf der linken Rottentalseite, zwischen dem darunter liegenden Turtmann und dem höher liegenden Oberems. Der Name Unterems (gespr. Unneräms) besteht aus der geografischen Lagekennzeichnung schwdt. under ‘ unterhalb ’ und wdt. unner, undr (Lötschtal), unnär ‘ unterhalb, unter, während ’ (I D . 1, 324; G RICHTING 1998, 211) und dem Stamm Ems (cf. Gemeinde Oberems). Die historischen Belege haben 1270 apud inferioris hemesa ‘ beim unteren Ems ’ (wobei die Präposition apud eigentlich den Akkusativ inferiorem verlangt), 1276 de hemesa, 13. Jh. apud Turtmann 47 48 <?page no="89"?> inferiorem emesa, 1328 in inferiori hemesa. Erst 1700 ist von Nider Embs die Rede und 1785 von Under Embs. Eine Deutung von Ems ist nicht möglich. K RISTOL ET AL . (2005, 899) führen kurz die Deutung *Amissa von H UBSCHMIED bei R ÜBEL (1950, 131) an, weisen sie zurück und postulieren als mögliche Deutung den Emsbach, den sie auf *Amisia zurückführen und der dem Berg Ems den Namen gegeben hätte. Diese Deutung ist sehr unsicher, fliesst doch der Emsbach (nach SK und LT) deutlich westlich von Unter- und Oberems durch den Emsgraben, bei Agarn im Rottental vorbei und verbindet sich dort mit dem Meretschibach. Varen Die Gemeinde Varen liegt auf der rechten Rottenseite oberhalb des Rottens auf rund 760 m zwischen Leuk und Salgesch. Der Name Varen (gespr. Faru, frz. Varone) ist sicher vordeutsch; die historischen Belege weisen alle Varona auf. Die Form entspricht einem Gewässernamen, der auf den Ort übertragen wurde. Angenommen wird ein altidg. oder kelt. Stamm *var- ‘ Wasser, Regen, Fluss ’ und das in Gewässernamen häufige Suffix -ona (K RAHE 1964, 39 f.; M ÜLLER 1988, 3, 1994a, 47 und 2000, 160; B ESSE 1997, 279; K RISTOL ET AL . 2005, 913). Die ältere Deutung zu dt. Farn bei G ATSCHET (1867, 80) und S TUDER (1896, 264) lässt sich nicht halten (J ACCARD 1906, 490). Die historischen Belege haben schon 1225 (ca.) Varona und diese Schreibung - teilweise im Genitiv mit auslautendem -e - und mit Varianten wie Uaronam (1267). Es bleibt mit einer Ausnahme von 1430 Voron, aber unsicher, bis 1662, wo dt. zuo Fahren erscheint. Eingedeutschte Nennungen haben später Varen, zú Faren, Varren, Fahren und Farren. Teilweise kann diese Schreibung auch durch die Zuweisung zu dt. Farn erklärt werden. Ob die Deutung von M ÜLLER , die von K RISTOL ET AL . untersützt wird, wirklich zutrifft, ist allerdings problematisch. Varen verfügt auf den zugänglichen Karten zwar über Wasserleitungen, die u. a. aus der Dala und dem Gulantschi abgeleitet sind, aber sonst über keine erkennbaren Bäche; allerdings weist Varen mehrere Belege mit torrens ‘ Bach ’ auf, wovon einer 1721 als ad Varronensium torentem ‘ beim Bach der Leute von Varen ’ bezeichnet wird. Es ist unklar, welcher Bach damit gemeint ist. Jedenfalls werden auf dem Gebiet von Varen mehrere Bäche genannt, sodass ein Bachname durchaus in Frage kommt. Visp Die Gemeinde Visp (Hauptort des gleichnamigen Bezirkes) liegt auf der linken Rhonetalseite auf rund 660 m am Eingang der Vispertäler. Der Name Visp (gespr. Fischp, frz. Viège) erscheint von Anfang der Überlieferung an in einer latinisierten Form Vespia (11? ? Vespiam) oder Vesbia (1075 - 1125 Vesbia, 1213 Vesbiam) und einer frpr. Form Viegie (1210 Viegie) und Viegi (1220 Viegi). Der Name ist deutlich vordeutsch. Die heutige Form des Namens ist erstmals 1514 als Visp belegt. Die späte Form Vispach (erstmals 1630; der frühe Beleg Vispach aus dem 12. Jahrhundert im Gemeindearchiv von Naters ist vermutlich eine späte Kopie) ist eine volksetymologische Konstruktion. Unklar ist das Verhältnis zum Flussnamen Vispa. G ATSCHET (1867, 248), gefolgt von S TUDER (1896, 268), stützt seine Deutung auf die jüngere deutsche Namenform Vispach, in der er eine Kurzform für Wiesenbach sieht. Er hält Vispach für die deutsche Übersetzung von frz. Praborgne, frz. Benennung des Dorfes Zermatt. J ACCARD (1906, 509 f.) berichtigt, dass der Name Visp, wie übrigens auch die umliegenden Ortsnamen, nicht dt. sondern rom. Ursprungs seien, gibt jedoch keine weitere Erklärung. Z IMMERMANN (1968, 16 f.) vermutet, dass der Name Visp keltischen Ursprungs sei, er geht irrtümlicherweise von einer Grundform Vespia statt Vesbia aus, und verweist auf die Etymologie von H UB- SCHMIED (1926, 437 f. und 1933, 106 f.), der den Namen von einem idg. Stamm *wesp- ‘ nähren ’ ableitet, aus dem im Keltischen ein Substantiv *wosp ā , *wasp ā , *wesp ā ‘ Nahrung, eigentlich Futter für das Vieh, Alpweide ’ gebildet und daraus wiederum eine weitere Form *wespi ā ‘ Alpbach ’ abgeleitet worden sei. Da die frz. Form Viège aus lautlichen Gründen nicht auf diesen Stamm zurückgeführt werden kann, konstruiert H UBSCHMIED ein spätgall. *wesbia. Diese Etymologie wird von R ÜBEL (1950, 132), G UEX (1938, 359 und 2 1976, 181) und B ESSE (1997, 292) kritiklos übernommen. Aufgrund der frpr. und frz. Formen Viegie und Viège gilt Vesbia als ursprüngliche Form, Vespia müsste im Frz. zu *Vièche führen. K RISTOL ET AL . (2005, 937) vermuten, dass die Formen mit p erst mit der Auslautverhärtung bei der Entlehnung des Namens ins Deutsche entstanden seien. W. M ÜLLER (2011) nimmt an, dass Visp/ Viège einen Gewässernamen aus idg. *uis- ‘ fliessen ’ > rom. *vis- und Endung -ubia repräsentiert und erklärt, dass man wegen des kurzen i von *uisbei diesem Proparoxytonon zu rom. Vesbia komme. Das spätere -iin der frz. Namensnennung Viège stamme aus dt. Visp. Für K RISTOL ET AL . (2005) bleibt die Deutung des Namens Visp unsicher, ein Gewässername für den Ortsnamen Visp wird jedoch nicht ausgeschlossen. Die idg. Wurzel *uissei in Gewässernamen gut belegt, aus einer ursprüngliche Form *uisuba würde die frührom. Form *Vésobia entstehen, die vor der alemannischen Einwanderung zu Vesbia synkopiert worden wäre. 49 50 Visp <?page no="90"?> Der Fluss, an dem die Gemeinde Visp liegt, ist in den Quellen schon früh als Vispa (1275 - 1298; 1303, 1315), dann auch lat. als Vespia (1322) und aque Vespie (1450) benannt. Es liegt also die Übertragung des Flussnamens auf den Ort nahe. Visperterminen Die Gemeinde Visperterminen liegt auf der rechten Vispertalseite auf rund 1370 m auf einer sonnigen, westlich ausgerichteten Anhöhe; ihr Weinberg gilt als höchstgelegener Europas. Der Name Visperterminen (gespr. Vischpertäärmino, Vischpertäärminu, auch einfach Täärmino) setzt sich klarerweise zusammen aus dem ursprünglich als Genitiv Plural zu verstehenden Visper und dem ursprünglichen Ortsnamen Terminon (so in den meisten historischen Belegen). Die Kompositionsform erscheint in der historischen Belegreihe erst ab dem 17. Jh. J ACCARD (1906, 459) leitet den rom. Namen, von altfrz. termine > frz. terme ‘ Ende ’ ab, zur Herkunft des Namens siehe auch M URET (1924, 444). Laut I SELIN (1906, 2, 25 ff.) soll der imposante Felsblock unterhalb der Kirche von Visperminen ob Niderhäusern, der in der Ortsmonographie von S TEBLER (1901, 34) abgebildet ist, als Grenzstein, lat T ERMINUS , TERMINUM , gedient haben, und diesem soll die Ortschaft ihren Namen verdanken. O ETTLI (1945, 128), R ÜBEL (1950, 132), G UEX (1938, 365 und 2 1976, 189) und Z IMMERMANN (1968, 23) gehen von lat. TERMINUS ‘ Grenze, Ziel ’ aus, der vollständige Name Visperterminen bedeute ‘ Grenze von Visp, an der Grenze von Visp gelegene Örtlichkeit ’ . K RISTOL ET AL . (2005, 938) widerlegen diese Etymologien, die aus sprachhistorischen Gründen nicht haltbar seien. Lat. TERMINUS , TERMINUM m. ‘ Grenze, Grenzstein ’ ergibt im Gallorom. terme. Das lat. TERMEN , TERMINEM n. ‘ Grenzstein ’ erklären die mehrmals belegten Formen vom Typ T ERMINON / T ERMIGNON nicht; diese Formen lassen jedoch vermuten, dass der Name Terminen von einem lat. PN abgeleitet sein könnte. Als Grundlage käme der PN Terminius (S CHULZE 1991, 278 und 373) in Frage, wobei, wie für zahlreiche von PN abgeleitete Westschweizer Ortsnamen, ein Deklinationswechsel (Terminius, *Terminione) stattgefunden hätte. Terminen würde also ‘ Land, Besitz des Terminius ’ bedeuten. Die Form mit inlautendem / -b-/ ist erstmals 1646 als montis Derbinun belegt und kommt ab 1731 mehrfach vor. W IPF (1910, 1) erwähnt Fälle mit / b/ aus dem 15. Jahrundert, die jedoch nicht belegt sind. Inlautendes / b/ kann als nicht-nasalierte Form von / m/ verstanden werden; das deutet aber auch darauf hin, dass der Sinn des Gemeindenamens nicht mehr verstanden wurde (wie immer man ihn deutet). Wiler Die Gemeinde Wiler befindet sich im Lötschental auf rund 1420 m, etwas oberhalb von Kippel auf der rechten Talseite. Der Name Wiler (gespr. ts Wilär) ist im Oberwallis auch sonst als Flurname belegt, vor allem im Goms. Er ist zurückzuführen auf schwdt. W ī ler m., ahd. w ī l ā ri, mhd. w ī ler ‘ kleine Ansiedlung, Weiler, einzelnes Gehöft ’ , frühe Entlehnung aus rom. vill ā re ‘ Gehöft, Vorwerk, Gutshof ’ , einem substantiviertem Neutrum des lat. Adj. V Ī LLARIS ‘ zum Landhaus, Landhof gehörig ’ (I D . 15, 1258 ff.; FEW 14, 456; K RISTOL ET AL . 2005, 968). Die späten Belege (z. B. 1625) vom Typ Wüler enthalten hyperkorrekt gebildete / ü/ als Ersatz für als entrundet angenommenes / i/ . Das ursprünglich kleine Dorf wurde mehrfach zerstört, hat sich aber seit 1972 mit der Luftseilbahn auf die Lauchernalp touristisch erheblich verändert. Zeneggen Die Gemeinde Zeneggen ist eine Streusiedlung auf der linken Seite des Vispertales westlich von Visp; das Zentrum (Alt-Zeneggen auf LK) liegt auf 1434 m. Der Name Zeneggen (gespr. Zen´eggu) setzt sich zusammen aus der Präposition mit Artikel wdt. zen ‘ zu, bei den ’ und dem Appellativ schwdt., wdt. E GGE ( N ) f. (hier Pl.) ‘ Vor- und einspringender Winkel ’ (I D . 1, 155) zusammen. Als Orts- und Flurname bezeichnet Egg(en) oft Anhöhen, Bergvorsprünge, Bergkanten und Übergangsstellen eines Bergpfades (I D . 1, 155 f., Z INSLI 1946, 317). Im Walsergebiet bedeutet das Wort meistens ‘ langgezogene Anhöhe am Berghang ’ (Z INSLI 1984, 562; K RISTOL ET AL . 2005, 985). Historisch ist der Ort 1282 als Sisych, 1297 Sysicz, 1299 Sisitz belegt. Sisetsch ist heute ein Weiler der Gemeinde Zeneggen. Andere Belege sind 1283 Eccun, 1299 ze dien Eccun, 1299 ze dien Eccon und weitere Belege. Der heutige Gemeindename bezieht sich also auf mehrere Weiler wie Eggen, Im Esch, Schulmatten, Sisetsch, Stadlen, Unterbiel, Widum und Winkelried (zitiert nach dem Artikel Zeneggen (https: / / hls-dhs-dss. ch/ de/ articles/ 002821/ 2014-02.07/ [08.07.2020; iw] von A. G RICHTING ). Während der Gemeindename Zeneggen durchschaubar ist, gilt das nicht für den Weiler S ISETSCH (cf. HL S ISETSCH ). Zermatt Zermatt ist der Name der bekanntesten Oberwalliser Tourismusgemeinde zuhinterst im Mattertal, berühmt wegen des Matterhorns. Der Gemeindename Zermatt (gespr. Zermatt mit Endbetonung; bei Einheimischen ist auch Anfangsbetonung möglich) ist seltsam, da er feminin ist, obwohl das endungslose Grundwort Matt (HL M AHD ) neutral ist. Der Name wäre deswegen wohl als zur Matte zu übersetzen (zum Ortsnamen ausführlich Visperterminen 51 52 <?page no="91"?> A. J ULEN 1951, 8 - 29). Der frz. Name lautet Praborgne. Die historischen Belege seit 1285 haben Pra Borno, das in verschiedenen Formen - einige davon latinisiert wie 1291 de prato borno - bis ins 16. Jahrhundert und weiter belegt ist. Die sicherste Erwähnung des deutschen Namens stammt von 1539, wo es zer Mat heisst (ein früherer Beleg von 1435 mit ze Made ist unsicher). Der erste Teil dieses frpr. Namens ist klarerweise zu pra < lat. PRATUM ‘ Wiese ’ zu stellen Das Adjektiv BORNUM wird üblicherweise einem vorromanischen ‘ Loch ’ zugewiesen, meint aber eigentlich einen Fluss (B OSSARD / C HAVAN 2006, 43; R ÜBEL 1950, 132; das bei Rübel erwähnte Lochmatta als Viertel von Zermatt ist in der Datenbank des VSNB und auf SK nicht belegt). FEW (1, 566 ff.) stellt es zu einem gotischen Wort brunna brunnen und weist es S. 569 einem Adjektiv BORN ‘ dunkel ’ zu. Der heutige Name Zermatt ist zu wdt. Matta, Matte, Mattu, schwdt. Matt (en) f. eine ‘ ebene Grasfläche, Wiese, bes. im Talgrunde, die das Heu für den Winter liefert, daher dem Viehtrieb nicht geöffnet wird, auch Bergwiese ’ (I D . 4, 548; G RICH- TING 1998, 133) zu stellen. Beim ersten Namenbestandteil Zerhandelt es sich um die agglutinierte Präposition mit Artikel zu der > zer (K RISTOL ET AL ., 2005, 985). Wie ausgeführt, ist das feminine Genus des Gemeindenamens schwer erklärbar. Zwischbergen Die Gemeinde Zwischbergen ist ein nur noch schwach besiedeltes Tal, das bei Gondo (830 m) in das Tal der Doveria mündet; das Zentrum der Talsiedlung liegt bei rund 1360 m. Der Name ist eine Bildung aus der Präposition zwischen, wdt. zwischet, zwischät (Goms), zwischänd (Lötschtal), zwischu, zwischunt ‘ zwischen, dazwischen ’ , welche in FlN die Lage zwischen Wäldern, Erhebungen, Vertiefungen, Gewässern oder andern Merkpunkten der Landschaft bezeichnet (TGNB 2,2,685; LUNB 1,2,1208 ff.; G RICHTING 1998, 252) und amhd. bërc, altoberdt. bëreg, -ig, im Allgemeinen im Gegensatz zu Boden oder Tal, als Bezeichnung eines bestimmten Berges im Munde der Anwohner, übertragen auf etwas an oder auf einem Berg befindliches (z. B. der auf einer Anhöhe gelegene Teil einer Ortschaft, unterhalb der eigentlichen Alpregion gelegene, eingehegte, oft noch gedüngte Bergwiese, Berganteil, Alprecht) (I D . 4, 1550 ff.; LUNB 1, 1, 110 ff). Zwischbergen bedeutet dann ‘ zwischen den Bergen ’ (K RISTOL ET AL . 2005, 995 f.); das frz. Gegenstück ist das Val d ’ Entremont, das zum Grossen St. Bernard führt. In den historischen Belegen findet sich auch der alte Name von Zwischbergen und des Tales Waira bzw. Vayra u. ä., welcher heute noch eine Alpweide bezeichnet. Der Name Waira ist bisher nicht gedeutet. Vermutlich handelt es sich um ein romanisches bzw. italienisches Etymon, z. B. das Adj. vair ‘ vaio, screzziato, chiazzato, bigio [grau] ’ (LSI 5, 700), das zu lat. VARIUS ‘ bunt, verschieden, unbeständig ’ zu stellen wäre (F RANCO L URÀ , p. c.). Der Name wäre dann eine elliptische Form mit einem Grundwort wie z. B. Alp o. ä (*Alpa vaira). Ebenfalls in den historischen Belegen findet sich der Name Zwischbergen in lat. Übersetzung (so z. B. 1493 medysmontibus, 1534 Jnter montibus, 1608 medijs montibus). J ORDAN (2006, 319) kennt es als Zwischpäärgu. Der frühere Gemeindename Gondo (auch Ruden, gespr. Rudu) bezieht sich auf einen Ort direkt an der Grenze zu Italien. Gondo (in monte Gundo; cf. W ERLEN 1991, 247, früher deutsch auch Gunt) ist nicht sicher gedeutet. Er wird von J ACCARD (1906, 193) zu bündnerrom. ganda ‘ Geröllhalde, Steinhaufen; Erdrutsch ’ gestellt (RN 2, 159), was sicher nicht zutrifft, da ganda fem. ist. Eher könnte an eine Herleitung von lat. CANTHUS ‘ Rand, Ecke ’ gedacht werden; dieses vorrömische Gattungswort lebt im Bündnerrom. in der Bed. ‘ Stutz, steiles Wegstück ’ weiter und ist auch im Galloromanischen belegt (RN 2, 72; FEW 2, 227). Ruden oder Rudu ist, wie gesagt, ein weiterer Name der früheren Gemeinde Gondo, das schon 1381 belegt ist; offenbar bezog sich der Name damals auch auf eine Alpe, aber auch auf die Gemeinde selbst; J ORDAN (2006, 307) verwendet beide Namen und gibt die Literatur dazu, ohne aber Stellung zu nehmen. In einigen Fällen wird hier Rodanus verwendet (z. B. 1511 der Alpen Rodani, 1622 Rodann), das aber im Kontext als lombardisch gekennzeichnet wird. O LIVIERI (1965, 295) hat dazu keine Deutung, die deswegen nicht möglich ist (cf. HL R UDU ). 53 54 Zwischbergen <?page no="92"?> A Aaber Aaber ‘ aper, schneefrei ’ ist zu schwdt. ā ber ‘ schneefreie Stelle, wo der nackte Erdboden zum Vorschein kommt ’ , ahd. ā par, mhd. ā ber ‘ trocken, sonnig, warm ’ zu stellen. Schwdt. Aberi, Äberi, Äbri, Ē beri, Ē bri f. bezeichnet einen ‘ von Schnee befreiten Erdboden, aber auch den unter noch bleibender Schneedecke erreichbaren Boden ’ (I D . 1, 39 f.; G R W B 1, 31, 72; G RICHTING 1998, 15). Das Lexem kommt zweimal vor, in t Abrahalta ‘ die apere, schneefreie Halde ’ (Ferden) und in t Eeberi Schnittu ‘ der apere, schneefreie Streifen Landes ’ (Gampel). Der kurze Stammvokal in Abrahalta ist wohl auf die Kürzung nach dem sog. Brandstetterschen Gesetz zurückzuführen. Gemeint sind in beiden Fällen Fluren, die früh schneefrei sind. Nicht zu diesem Lexem gehört der FaN A BER in Melchers Abers Claus (Leuk) (cf. HL A RBER (F A N)). Aadi (PN) Aadi ‘ Adi ’ ist die Kurzform eines Personennamens wie Adrian (I D . 1, 90) oder Adolf. Der Name kommt nur einmal vor in ts Aadisch Äbi ‘ der Abhang des Adi / der Leute des Adi ’ (Eggerberg) mit einem vorangestellten Genitiv, der als Plural interpretiert wird (ts Aadisch wird verstanden als die Angehörigen, die Familie des Aadi). Aadrian (PN) Aadrian (PN) ist der Vorname Adrian (der FaN Adrian ist im Oberwallis nicht geläufig). Er erscheint nur einmal in ts Aadriasch Huisin ‘ das kleine Haus des Adrian / der Familie des Adrian ’ (Kippel). Der Genitiv des Personennamens dient als Pluralbezeichnung für die Familie; in den Dörfern mit vielen gleichen Familiennamen werden die Personen nach dem Vornamen des Ältesten oder eines Vorfahrs benannt. Aal Aal ist nur belegt in ts Aalschliechtgi (Reckingen). Weder die Zuordnung zu lat. AQUILA , ahd. aro, mhd. ar ‘ Adler ’ , noch die zu lat. ANGUILLA , ahd./ mhd. âl ‘ Aal ’ (I D . 1, 167) ist sinnvoll. Es handelt sich vermutlich um ein assimiliertes Alt ‘ die alte, kleine Geländeeinbuchtung ’ , wohl zum benachbarten Alt Stafel, eventuell auch zu Alt als ‘ hoch ’ . Die Gwp. stellt es aber zu Aal und bezieht sich auf die Form der Geländeeinbuchtung. Aaldnerru Aaldnerru ‘ die alte Wasserleite ’ kommt nur einmal in Hohtenn vor. Der Name ist schwierig zu deuten. Das Suffix / - ERRA / - ERRU / ist zwar für Wasserleiten geläufig, doch bleibt das Lemma unklar. Das / n/ in Aaldnerru macht eine Deutung als ‘ alt ’ zu schwdt. Adj. alt (I D . 1, 203 ff.) problematisch. Für Wasserleiten wird in frühen Texten mehrfach Altana (Naters, Ried-Brig, Stalden), später auch Altina (Mund) verwendet, zu lat. ALTUS ‘ hoch ’ . Nach R. M ÖLLER (1985) kann dt. alt auch ‘ hochgelegen ’ bedeuten (nach einem Hinweis von E. W ASER , vgl. LUNB 1, 1, 50). Altana wäre dann ‘ die Hochgelegene ’ (cf. HL A LTANA ), zu der hier pleonastisch das / - ERRA / - ERRU / -Suffix hinzukommt: Altána -> Áltina -> Aaltnerra / Aaltnerru. Das ist allerdings spekulativ. Aalese Aalese ‘ Ahle ’ ist einmal als Bestimmungswort in Aalesegrabe ‘ Graben, der einer Ahle gleicht ’ (Binn) belegt. Es ist zu schwdt. Alesne f. ‘ Ahle ’ , ahd. alansa und wdt. Alesa, Alsa (Mattertal), Alussa (Lötschtal) und Alesu ‘ Ahle ’ (I D . 1, 173; G RICHTING 1998, 25) zu stellen (cf. HL A LLESSEN ). Aalter Aalter ‘ ander ’ ist nur als Bestimmungswort belegt. In Zermatt bildet es ein kleines Namensnest mit dem Zentrum Aalterhöüt ‘ das Alter-Haupt ’ ; es scheint hier das andere Haupt zu meinen, dazu dann Aalterchäla und Aalterwaldji. J ULEN ET AL . ( 2 1995, 210) führt allerdings ds Âlter als eigenen Namen auf und deutet ihn als ‘ Hervorragender Bergrücken ’ , ohne dass es dazu eine Quelle gibt. In Naters ist ts Aalterpomatt ‘ das andere Pomatt ’ (cf. HL P OMATT ) belegt. Die Form Aalter schliesst das Adj. aalt ‘ alt ’ eigentlich aus. Es muss sich um ein Adj. aalter handeln, das eventuell zu ald ‘ oder ’ (I D . 1, 187) gestellt werden kann; alder ist ahd. bezeugt und wird von I D . als ursprünglich, dem lat. ALTER ‘ ander ’ entsprechend angesehen (I D . 1, 188). M. H. G RAF (p. c., 4.11.2014) nimmt jedoch eine Reanalyse von alt zu alter an; er erwägt auch kurz Alter ‘ Altar ’ , das u. E. auszuschliessen ist, weil dieses Lexem im Walliserdeutschen nur mit Zweitbetonung belegt ist und nie als Lokalname. M ÖLLER (1985) plädiert für alt im Sinne von lat. ALTUS ‘ hoch, hochgewachsen ’ (nach einem Hinweis von E. W ASER , vgl. LUNB 1, 1, 50). Auch hier ergibt sich das Problem mit der Form Aalter. Aaber 55 56 <?page no="93"?> Aameissa Aameissa ‘ Ameise ’ ist zu schwdt. Ameis(s)e, f. u. ä., wdt. Aameisse, A(a)meissa, A(a)meissu, Pl. Aameisse, Dim. Ameissi, wie nhd. ‘ Ameise ’ , mhd. ā meize und ahd. ā meiza zu stellen. (I D . 1, 216 f.; SDS 6, 229 f. und 232; G RICHTING 1998, 1, 26; Z IMMERMANN 1968, 89). Aameissa tritt in einer Kurzform Ameis und einer Langform Aameissa / Aameissu als Bestimmungswort auf, zusammen mit den Grundwörtern Bodu, Cheer, Haalta, Teiffi, Tola. Gemeint sind verschiedene Geländeformen, in denen es Ameisen oder Ameisenhügel gibt. Ableitungen sind: Ameisser (Ernen, Mühlebach) (so auch laut BENB 1, 1, 26 für Toffen) und Ameisra (auch Ameissi und Ameisnere) (Bratsch); beide bezeichnen Stellen, an denen es Ameisen oder Ameisenhügel hat. Eine alternative Deutung von Aameissu bezieht sich auf den etymologischen Ansatz, wonach das Wort auf mhd. meizen ‘ hauen, schneiden ’ (L EXER 1, 2091) zurückzuführen ist und so eine Rodung bezeichnet. Diese Bedeutung lässt sich wohl angesichts der Häufigkeit von anderen Rodungsnamen kaum halten. Aana Aana ist entweder zum kelt. ana ‘ Sumpf ’ (D ELAMARRE 2003, 43) oder zum dt. Lemma Ane ‘ Grossmutter, Ahne ’ (I D . 1, 247) zu stellen. Unklar ist weiter bei älteren Belegen die Zuordnung zu ‘ Ahne ’ oder zu den PNN ‘ Anna ’ und ‘ Anno ’ (cf. HLL A NNA und A NNO ) (Zer a ᵉ nn ů m (1584, Visperterminen), Anunmatta (1305, Lalden), Anamatta (1307, Raron)). Das Simplex Aana wird sonst nur in Blatten für ein hoch gelegenes Alpgebiet verwendet; nach Auskunft von W. B ELLWALD (p. c.) ist das Gebiet sumpfig. Ausgehend davon bildet sich ein Namennest mit Bach, Boden, Chnubel, Chriz, Firn, Graat, Joch, Loch, Hitta, Schniärä und See als Grundwörtern. Historische Belege zu Aana (Blatten) fehlen leider, die Beschaffenheit der Alp spricht eher für das kelt. ana ‘ Sumpf ’ . Äänär (PN) Äänär ist nur einmal belegt als ts Äänärsch Bodu ‘ der Boden des Enersch ’ (Gampel). Der vorangestellte Genitiv legt einen PN Äänär oder Ernst nahe; es ist nicht klar, ob es sich um einen PN oder einen Übernamen handelt. Das Adjektiv Enerst (I D . 1, 266) ‘ äusserste ’ kommt kaum in Frage, da der Hauptvokal im Walliserdeutschen normalerweise kurz bleibt. Die Konstruktion ts Äänärsch Bodu liesse sich nur verstehen als ‘ der zu äusserst liegende Boden ’ , was sich jedoch ohne den fehlenden Artikel nicht rechtfertigen lässt. Äänitz Äänitz kommt nur in ts Äänitzloch (Betten) vor. Die Gwp. erklärt Äänitz als ‘ Erz ’ und deutet den Namen als ‘ Höhle, wo Erz abgebaut wurde ’ . I D . (1, 496 s. v. Erz) kennt auch Ërez und Ëlez, hat aber keine Form mit / n/ . Unter Enz II gibt I D . (1, 358) die Deutung ‘ Erz, das frisch aus den Minen gekommen ist ’ , aber nur für das Fricktal. Alternativ, aber sehr unsicher, liesse sich ënent ‘ auf der andern Seite ’ (I D . 1, 267) als Grundlage der Konstruktion annehmen; Tilgung des / n/ und die Endung / s/ des Neutrums würden die Form als ts Äänets Loch erklären mit der Deutung ‘ das Loch auf der andern Seite / der Jenseite ’ . Ein PN Äänit ist nicht ganz ausgeschlossen, hätte aber wohl ein {sch} im Genitiv. Aar (Adler) Aar (Adler) m., auch Aaro, Aaru und Aari n. ist zu schwdt. Ar, Are(n), Aro, Aru m. ‘ grosser Raubvogel, Adler, Geier ’ , ahd. aro, arn, mhd. ar(e), arn und wdt. Aari (Mattertal) (I D . 1, 385 und 4, 838; Z IMMERMANN 1968, 89; S ALADIN 1943, 32; G RICHTING 1998, 16) zu stellen. Das Simplex ist als Flurname nicht belegt. Als Bestimmungswort verbindet sich das HL in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Flüö, Gscheis, Näscht, Schipfa, Tschugge, Wald und Wang. Komplexere Belege sind dr Aarenäschtstafel ‘ der Stafel auf dem Adlernest ’ (Ulrichen) und t Arigscheisflüe ‘ die Fluh beim Arigscheis (wo es Exkremente von Adlern hat) ’ (Täsch). Eine Ableitung auf / - ERRA / (nach S ONDEREGGER 1958, 471 f. zu ahd. / - ARRA / ) ist t Aarnärra ‘ der Ort, wo es Adler hat ’ (Kippel). Aar Aar ist in unserem Kontext zum einen ein Alpname im Gebiet des Ursprungs der Aare, zum andern Teil eines Gipfelnamens. Ursprünglich ist es zum Flussnamen Aar oder Aare f. zu stellen, dem *Arura als älteste erschliessbare Form zu Grunde liegt (Näheres bei K RAHE 1963, 318; G REULE 1973, 101 ff.; BENB 1, 1, 40; G ROSSENBACHER K ÜNZLER 1999, 56). Belegt ist das Simplex Aar ‘ die Alpe Aar ’ (1692, Fieschertal), sowie jn der Núdren Ahren ‘ in der Niederen Ar ’ (1604, Oberwald), die Ober Ar (1514 u. später, Obergesteln; 1443 u. später, Oberwald), die vndren Ar (1514, Oberwald; 1514 Obergesteln). Vermutlich befanden sich diese Alpen alle auf dem Gebiet des heutigen Kantons Bern; zwei davon wurden zeitweise von Törbel bestossen. Als Namen von Gipfeln, Jochen und Hütten sind belegt: ts Finschteraarhore ‘ das Finsteraarhorn (Gipfelname, Gipfel oberhalb des Finsteraargletschers) ’ (Bellwald, Fieschteral), ts Finschteraarrothore ‘ das Finsteraarrothorn (Gipfelname nach den roten Felsen beim Finsteraarhorn) ’ (Bellwald, Fieschtertal), t Finschteraar- 57 58 Aar <?page no="94"?> horehitta ‘ die (SAC-)Hütte am Finsteraarhorn (Gipfel oberhalb des Finsteraargletschers) ’ (Fieschertal), ts Oberaarhore ‘ das Oberaarhorn (Gipfelname, oberhalb des Oberaargletschers) ’ (Bellwald, Fieschertal), ts Oberaarjoch ‘ das Joch zwischen Oberaarhorn und Oberaarrothorn ’ (Bellwald, Fieschertal), t Oberaarjochhitta ‘ die (Schutz-)Hütte des SAC beim Oberaarjoch ’ (Fieschertal), ts Oberaarrothore ‘ das Oberaarrothorn (Gipfelname, benannt nach dem roten Fels, beim Oberaargletscher) ’ (Bellwald, Fieschertal, Münster). In unserer Datei nicht belegt ist Oberaarrotjoch ‘ das Oberaarrotjoch (zwischen Nollen und Oberaarrothorn) ’ (LT, Bellwald und Fieschertal). Aarbei Aarbei ‘ Ort, wo es mageres Heu gibt ’ ist wohl zu frpr. Arbi ‘ mageres Heu ’ (G PSR 1, 569; B OSSARD / C HAVAN 2006, 239 s. v. Arbé, Arbey …‘ Foin maigre ’ mit dem Hinweis „ essentiellement Valais “ ) zu stellen. Es kommt in in t Aarbei (Leukerbad) vor; auf der Karte und bei der FLNK als Tarbei, vermutlich mit angefügtem Artikel; auch R. G RICHTING (1993) schreibt Tarbey (Blatt 9, Nr. 54). In einem historischen Beleg heisst es d ’ Arbey (1749, Leukerbad), wobei unklar ist, ob hier eine frz. Präposition de oder der deutsche feminine Artikel gemeint ist. Der lange Vokal der ersten Silbe entspricht der Dehnung vor / r+Kons/ . Der auslautende Diphthong / ei/ hat dazu geführt, es dem HL Arbarey zuzuweisen, doch gibt es sonst keinen Beleg mit dem Ausfall der Silbe -ar-. Äärbis Äärbis ‘ Erbse ’ ist zu schwdt. Erbis f. ‘ Erbse ’ (I D . 1, 419) und wdt. Äärbes, Äärbäs, Äärbis ‘ Erbse ’ (G RICHTING 1998, 15) zu stellen. In FlN dient die Erbse ‘ bildlich … ihrer Kleinheit, teilweise auch ihrer Form wegen zur Bezeichnung geringer Grösse oder Menge ’ . Aus ahd. araweiz, mhd. areweiz, erweiz, erb ī z mit Verhärtung w > b nach r. Als Simplex kommt Äärbis nicht vor; es gibt eine Ableitung Ärbissera ‘ Stück Land mit Erbsen ’ (zu schwdt. Erbsere f. ‘ Stück Land, wo Erbsen angepflanzt sind ’ , I D . 1, 431); das Suffix ist / - ERRA / (S ONDEREGGER 1958, 551). Es kommt in Birgisch (mit Diminutiv), Grengiols, Naters, Simplon und Staldenried vor. In Bratsch wurde die Bildung zu Äärdwässere umgedeutet, doch zeigen die Belege aus dem 18. Jahrhundert deutlich den Typ Ärbissera. Das Simplex wird in den Namen nur als Bestimmungswort verwendet; als Grundwort fehlt es. Die Grundwörter sind Acher, Blatta, Bodo, Egg(a), Fad, Grabu, Loch, Tola, Tschuggu und Wald. Komposita mit Ärbissera als Bestimmungswort enthalten Egg(a) und Tola als Grundwörter. Hohtenn weist mit Ärbissacher, Ärbisblatte, Ärbissgrabu, Ärbissloch und Ärbisswald ein Namennest auf; Ärbiss als Simplex fehlt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass der Erbsen-Acker als Bezugspunkt dient. Aarcha Aarcha f. ‘ Fassungsstelle und Sandfang; Schöpfkasten ’ ist zu wdt. Arche f. < lat. ARCA in der Terminologie der Walliser Wasserleiten zur Bezeichnung der Fassungsstelle und des Sandfangs (E ICHENBERGER 1940, 78; G PSR 1, 580 f.; B ELLWALD / W ÜRTH 2006, passim) zu stellen. Das HL ist dreimal belegt: ts Aarchelti ‘ der kleine Schöpfkasten ’ (Randa), zer Niwwu Aarchu ‘ beim neuen Schöpfkasten ’ (St. Niklaus), t Weraarcha ‘ der Schöpfkasten beim Wehrbau (gegen Überschwemmungen) ’ (Täsch). Die Belege zeigen, dass das HL nicht nur bei Wasserleitungen, sondern generell bei Wasserfassungen verwendet wird. Die Beschränkung auf das Mattertal in den Belegen ist wohl zufällig. Äärd Äärd n., Äärda f. ‘ Erde ’ ist zu schwdt. Erde n f., ahd. erda, mhd. erde ‘ Erde, Welt ’ , in FlN ‘ Erdreich, Erdboden, als Stoff, bes. als Element der Pflanzen, doch auch der Menschen ’ und ‘ Grundstück, Grundbesitz ’ , in diesen Bedeutungen jedoch eher selten und meistens durch Herd vertreten; wdt. Äärda, Äärdä (Goms), Äärdn (Lötschental), Äärdu ‘ Erdreich, Erde ’ (I D . 1, 436 f.; G RICHTING 1998, 16) zu stellen. Das HL kommt nur in wenigen Namen vor. Als Simplex im Singular ist es 1482 in Baltschieder als zem Erd ‘ beim Gebiet mit Erde ’ belegt; die Rede ist von einem Gut des Johannes Hug. Vermutlich ist einfach ein Gut mit Humus gemeint. t Äärda ‘ der Graben mit Erde ’ (Wiler) ist wohl ein Graben mit Erde, also ohne Bach oder Fels. Mit einem Partizip ist Sinkende Erde (LT Saas-Almagell) belegt, eine Übersetzung für das am gleichen Ort belegte t Sickundu Bodme ‘ die sumpfigen Böden ’ (Nr. 33043, Saas-Almagell) für Böden, auf denen man einsinkt (resp. die sumpfig sind). Ein unklarer Beleg von 1531 in Münster hat am Juden Erdt ‘ an der Erde des Juden ’ , was wie ein Genitiv Singular eines PN erscheint; 1601 steht dafür an Guden (? ) Erdt ‘ an der Erde des Guden ’ , wobei das Fragezeichen eine Leseunsicherheit bezeugt. Das Ganze ist deswegen unklar. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Bodu, Bruch, Riische und Wang. Gemeint sind hier immer Gebiete mit Erde (Humus) statt Felsen oder Gestein. Komplexer ist uf der Äprichwasserleitu ‘ auf der Wasserleite bei den Erdbrüchen ’ (Zermatt), wo Gwp. meint, die alte Wasserleitung habe viele Erdrutsche verursacht. Aarbei 59 60 <?page no="95"?> Einen Sonderfall stellt das Kompositum vffen Ertrich ‘ auf dem Erdreich ’ (1537, Ernen) dar, das wohl als Beiname zum PN Johnnes Schmitz erscheint. Gemeint ist wohl einfach ein Gut mit Erde (Humus). Eine Ableitung auf - LA / - LU (S ONDEREGGER 1958, 517 f.) als Stellenbezeichnung ist in den beiden Flurnamen der Äärdjustafil ‘ der Stafel beim Gebiet mit Erde ’ und der Äärdjuwald ‘ der Wald beim Äärdjustafil ’ (beide Oberems) enthalten. Vermutlich handelt es sich bei Äärdju (< Äärda + -la / -lu) um einen Alpnamen, der inzwischen abgegangen ist. Die Namen befinden sich heute in einem Wald auf rund 1640 m. Äärez Äärez n. ‘ Erz ’ ist zu schwdt. Ärz, Ē rez, Ärez m. wie nhd. ‘ Erz ’ , wdt. Äärez, Eerez, Ääräz, Ärz ‘ Metall (Eisen, Bronce) ’ (I D . 1, 498; G RICHTING 1998, 16) zu stellen. Der Name wird für das Vorkommen oder die Ausbeutung von Erz verwendet. Als Simplex des Diminutivs ist belegt ts Eerezji ‘ die kleine Erzstelle ’ (Eischoll); hier sei früher eine Mine gewesen. Dazu gesellen sich in Eischoll Erezchriz ‘ das Kreuz im Gebiet Erezji (die kleine Erzstelle) ’ und Ereztreg ‘ die Tröge beim Erezji (die kleine Erzstelle) ’ (beide FLNK, Eischoll) und das nur auf SK belegte Erizkumme ‘ die Chumme (Mulde) beim Eerezji ’ (Ergisch). Die Ableitung Ääreze ‘ die Erzstelle ’ (Glis) auf / - A / , im Plural / - E / (S ONDEREGGER 1958, 511) ist auch namengebend für Äärezhitta ‘ die Hütte bei den Ääreze ’ , Ärezhoru ‘ das Horn bei den Ääreze ’ und Erizeggen ‘ die Ecke bei den Ääreze ’ (alle Glis, letzteres nur SK). Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita: der Ääritschgrabe ‘ der Graben mit Erz ’ (Grengiols), t Äärizhitta ‘ die Erzhütte (Hütte der Arbeiter bei der Erzgewinnung oberhalb Heiligkreuz) ’ (Grengiols), der Eritzberg ‘ der Erzberg (Alpe) ’ (1609, Simplon), in alpe de Erysberge ‘ auf der Alpe Erzberg ’ (1397 u. später, Ried-Brig) und Äärezegg ‘ die Ecke mit Erz ’ (FLNK, Termen). Inhaltlich ist zu vergleichen R ÜEGG ET AL . (2017), wo Fundstellen für Magnetit im Binntal und im Simplongebiet untersucht sind. Aarnesch Aarnesch ‘ Adlernest (? ) ’ ist schwierig zu deuten. Belegt ist es als Simplex ts Aarnesch (Hohtenn) und als ts Unner Aarnisch (Fieschertal). In Hohtenn gibt es dazu ein Namennest mit den Grundwörtern Färricha, Rand, Wald und Wäng. Das Lemma lässt sich deuten als Aaru-Näscht ‘ Adlernest ’ (so die Deutung der Gwp. aus Hohtenn zum Beleg ts Aarnescherand) (vgl. I D . 1, 386 zu Ar (Adler) und I D . 4, 836 ss. zu Nëscht (Vogelnest), wobei ein Beleg ohne auslautendes -t fehlt). Ähnlich deutet B ENB (1, 1, 44) das Lemma Arnist vorsichtig als ar-nëst ‘ Adlernest ’ . Zwei Belege mit Äärnetsch (Saas-Almagell) sind auf der LK als Ärnisch ‘ des Ärni ’ verzeichnet; sie dürften zum PN Ärni zu stellen sein (cf. HL Ä RNI (PN)). Aaro Aaro m., auch Aarum, ist zu schwdt. Arm m., ahd. aram, Pl. Ärm, Arme n , Dim. Ärmli, wie nhd. Körperteil ‘ Arm ’ , wdt. Aare und Varianten (I D . 1, 452 f.; BENB 1, 1, 41; G RICHTING 1998, 16) zu stellen. In FlN übertragen für armähnliche Geländeformen. Das Simplex im Singular ist als der Aaro ‘ der Arm ’ (Eisten) belegt für eine Weide, die wie ein Arm gebogen sei. Als Bestimmungswort ist das HL in der Aarumacher ‘ der Acker, der wie ein Arm aussieht ’ (Leukerbad) und Arumbiel ‘ der Hügel, der wie ein Arm aussieht ’ (Raron) belegt. Der Beleg Ze Arumprässchteru ‘ bei den Armbrustern ’ wird von der Gwp. zu Armbrust gestellt (I D . 1, 865 ff.), gehört aber von der Form her eher zum FaN Armbruster (AWWB 17, allerdings dort als Berner Familie bezeichnet) oder zu den Leuten, die eine Armbrust (< afrz. arbalestre < lat. ARCUBALLISTA ‘ Bogenschleuder ’ ) getragen haben. Arm hat hier ursprünglich nicht den Sinn von ‘ Arm ’ , sondern von ‘ Bogen ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 60). Äärse Äärse f., wohl Plural, kommt nur einmal vor: t Äärse (Saas-Almagell). Laut Gwp. handelt es sich um eine Ziegenweide, die ziemlich felsig und steil ist. Der Bach, an dem sich die Flur befindet, heisst auf LT Almagellerbach, auf 1: 10000 Leebach (nach dem nördlich danebenliegenden Ortsteil Lee). Formal lässt sich der Beleg zu einem Plural Ärse ‘ die hinten liegenden Gebiete ’ zu schwdt. Ars ‘ Arsch ’ und wdt. Aarsch, Äärs (Saastal) ‘ Gesäss, Hinterteil ’ (I D . 1, 466 f.; G RICHTING 1998, 16) stellen. Das HL wird für die hinten liegenden Gebiete metaphorisch verwendet. Ääschig Ääschig m. ist nur einmal in Betten belegt. Historisch (1681 Äschig, 1735, 1756 im Eschig, 1839 auf dem Eschig) fehlt die Länge der Erstsilbe. Unklar ist, ob es sich um eine / - IG / -Ableitung handelt oder nicht, und falls ja, welches Lemma die Ausgangsform bildet. Schwdt. Äscha II ‘ Asche ’ und wdt. Äscha, Äschä (Goms), Äschu ‘ Asche ’ (I D . 1, 565; G RICHTING 1998, 28) geht wegen der Kürze der betonten Silbe kaum; Escha f., Eschä ‘ Goms ’ , Eescha (Lötschtal), Esch m. ‘ Esche ’ hat bei G RICHTING (1998, 73) kein offenes / ä/ ; hingegen hat I D . (1, 568 s. v. Esch I) eine ahd. Form asch m., die bestätigt ist. Es könnte 61 62 Ääschig <?page no="96"?> deswegen sein, dass Ääschig eine / - IG / - Ableitung (S ON- DEREGGER 1958, 503) ist, die zu den singularischen Stellenbezeichnungen gehört. Dann würde der Flurname ‘ der Ort, wo es Eschen hat ’ heissen. Äätli Äätli, bzw. Äärtli ‘ das bebaute Stück Land ’ ist nur in Oberwald belegt. Während FLNK Ärtli hat, notiert M. S. ts Ober und ts Unner Äätli. Die Namen befinden sich jedoch am gleichen Ort. Die Form legt einen Diminutiv nahe. I D . (1, 473 s. v. Art ‘ Pflügung, gepflügtes Land ’ ) kennt den Diminutiv nicht; das fehlende / r/ in den Belegen von M. S. lässt sich aus einer / r/ -Tilgung bei Langvokal erklären. Inhaltlich befindet sich die Flur auf rund 2000 m, wo eine Bebauung möglich, aber nicht wahrscheinlich ist. Gepflügt wurde in diesem Teil des Oberwallis jedoch nicht; Äcker wurden mit der Hacke umgegraben. Das Urner Namenbuch dokumentiert ein historisches Atlibutzen m., gibt dazu jedoch keine Erklärung (URNB 1, 752). Ab Ab ‘ hinunter ’ ist zu schwdt. Adv. ab ‘ hinab, herab, den Abhang hinunter ’ (I D . 1, 29 f.) zu stellen. Da abauch als Verbpartikel (D UDEN G RAMMATIK 7 2005, Nr. 1061, S. 705) verwendet wird, kann es in Verbalsubstantiven des Typs Abbruch, Abschlacht usw. erscheinen; in einigen Fällen auch mit einem Nomen. Belegt sind der Abärg ‘ die steile Alpe (abfallender Berg) ’ (St. Niklaus, LT Abberg, FLNK Abbärg) mit der Bedeutung von Berg als Alpe, dazu gehörend der Abärggletscher ‘ der Gletscher oberhalb des Abärg (steile Alpe) ’ (St. Niklaus; LT u. SK Abberggletscher, FLNK Abbärggletscher); der Ober und Uner Abbode ‘ der obere und der untere Abboden ’ (Mund), wobei wohl der abfallende Boden gemeint ist; t Abbrucheiu ‘ die Abbruch-Eie (Aue im vom Wasser abgebrochenen Gebiet) ’ (Agarn, Leuk), die Aue ist heute von der Kantonsstrasse überbaut; t Abräche ‘ die Anbruchstellen für Lawinen oder Geröll) ’ (Münster, auch FLNK); zer Abschaaltu ‘ bei der Abschaltstelle (Stelle zur Ableitung des Wassers) ’ (Visperterminen) ist zu Abschalte n f. ‘ Abzugskanal ’ (I D . 8, 1710) zu stellen, hier als Schleusenvorrichtung zum Ableiten des Wassers einer Wasserleitung (früher wohl t Niwa ‘ die Neue ’ ), formal abgeleitet vom Verb abschalte n ‘ fliessendes Wasser ablenken, ableiten ’ (I D . 8, 714); mehrfach belegt ist t Abschlacht ‘ die Stelle, wo das Wasser abgeleitet wurde ’ (St. Niklaus und weitere sieben Gemeinden), das zu schwdt. Abschlacht als Flurname und wdt. Abschlacht ‘ Wässern (Beendigung) ’ (I D . 9, 21; G RICHTING 1998, 20; B ELLWALD / W ÜRTH 2006, s. v. Abschlacht) mit erweiterten Grundwörtern wie Matta, Rüüs und Tschugge; Abschlag ‘ der Abschlag (laut Dokument Üewand (Magerwiese)) ’ (1832, Saas-Balen), wohl eine Baumrodung; t Abzweigig ‘ die Abzweigung (Weggabelung) ’ (Grengiols), am Abz ů gs Graben ‘ der Graben, mit dem das Wasser abgezogen wird (wohl Entwässerungsgraben) ’ (1872, Eyholz). Mit attributiven Adjektiven belegt sind zum Grossu Abschutz ‘ bei der grossen Abschuss-Stelle (wo Holz hinuntergelassen wird) ’ (Niedergesteln) mit dem attributiven Adjektiv Gross konstruiertes Abschutz zum Verb abschiesse n ‘ hinabwerfen ’ (I D . 8, 1378, Bed. 2b) und der Gemeine Abrus (Unterems); anders als im I D . (6, 1150) handelt es sich hier um eine Ableitung aus einer Wasserleitung, die der Gemeinde gehört. Das seltsame die Gemeine Abschecht (1731, Zeneggen) wird zu Abschlacht gestellt; es handelt sich laut Dokument um ein Stück Land, von dem unklar ist, ob es zu einer Wasserleitung gehört. Ober Abbodo und Under Abbode ‘ der obere und der untere abfallende Boden ’ (beide EK, Mund) und t Oberi und t Unneri Abschlacht ‘ der obere und der untere Teil der Abschlacht (Stelle, wo das Wasser abgeleitet wird) ’ (Leuk, auch LT) sind weitere Unterscheidungen. Komplexer sind Gmeine Wasserabschlacht ‘ die abgeleitete Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ (1730, Oberems) und di Gieschsüüeabschlacht ‘ die Stelle, wo die Giesch-Suon (Wasserleitung nach Giesch) abgeleitet wird ’ (Hohtenn). Sichere Belege mit ab als Adverb sind zu finden in zwei voneinander getrennten Namen va Hinnerab ‘ von hinten hinunter ’ (Bratsch, Gampel); gemeint sind Gebiete, die von der jeweiligen Gemeinde aus gesehen unten auf einer Hinterseite gelegen sind. Abäss Abäss ist lebendig als ts Abäss n., historisch als Abbis (1703), beide Ergisch, belegt. Die nächstliegende Erklärung ist ein Pflanzenname, wörtlich ‘ Ab-Biss ’ (die Abgebissene) oder ‘ Ab-Ess ’ (die Abgegessene), genauer die Blutwurz (P OTENTILLA ERECTA , cf. M ARZELL 4, 1014; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 254, S. 248 - 256 sind weitere Arten von P OTENTILLA aufgeführt). Das I D . (4, 1693 f.) erwähnt Ab-Biss und Tüfels-Ab-Biss als Name für diese Pflanze; belegt auch für das Wallis. In Ermangelung einer besseren Hypothese ist davon auszugehen, dass der Pflanzenname für das ganze Gebiet verwendet wurde. ABC ABC, auch Abetze ‘ ABC ’ , ist belegt in ABC Gufer (Saas- Almagell) und Abetzégufer (Saas-Almagell; LT und FLNK Abc Gufer, SK A B C Guffer); die beiden Benennungen bezeichnen denselben Ort. Der Flurname ist zu ABC zu stellen (I D . 1, 1), dem Anfang des Alfabets im Deutschen. Äätli 63 64 <?page no="97"?> Da schon SK (1879) den Flurnamen enthält, muss die Benennung älter sein. Dennoch ist die Motivation nicht klar: es scheint sich aber um eine grosse Fläche mit Steingeröll zu handeln, das einer ABC-Tafel gleicht, also einer Tafel für Kinder, die schreiben lernen sollen (G R W B 1, 18). Abend Abend ‘ Abend ’ ist im Oberwallis laut SDS 1, 61 in den Formen Aabet, Aabut, Aabu, Aabun, Aabnt und Aabunt vertreten und zu schwdt. Aabend (mit verschiedenen Formen), mhd. âbent, ahd. âpand, âbant, âbunt ‘ eig. der spätere Teil des Tages ’ und wdt. Aabed. Aabäd (Goms), Aabnd (Lötschtal), Aabu oder Aabund ‘ Abend ’ (I D . 1, 34ff.; G R WB 1, 22, 48; G RICHTING 1998, 15) zu stellen. In Flurnamen gibt der Name eine Lage oder eine Richtung an, die Abendseite f. ist die gegen Westen gerichtete Seite eines Berges, Gebäudes (BENB 1, 1, 2; G R WB 1, 26, 18). Als Simplex findet sich nur einmal Abendyn ‘ der kleine Abend ’ (1760, Birgisch), wobei wohl ein westlich gelegenes Gebiet gemeint ist. Als Grundwort erscheint es nur in drei Belegen zu Fiirabend (Visperterminen, Saas-Almagell), wobei die Belege in Saas-Almagell insgesamt Bestimmungswörter zu Loch und Weid sind (siehe LK Fiir). Weitaus am häufigsten (rund 15 Belege) ist Abend als Bestimmungswort zu Abe(nd)weid, Plural Abe(nd)weide. Das Wort bezeichnet eine Weide, die sich meist in der Nähe des Stalls befindet und gegen sieben Uhr abends genutzt wird, auch die Weidefläche, die zur Abendfütterung auf den Alpen benötigt wird (I D . 15, 508; R ÜBEL 1950, 84; S CHMID 1969, 156). Adjektive als Attribute sind in t Gross Aabeweid ‘ die grosse Abendweide ’ (Ernen) und t Beesch Aabeweid ‘ die böse (steile) Abendweide ’ (Oberwald) zu finden. In einigen Fällen kommt ein zusätzliches Bestimmungswort hinzu, das die betreffende Alpe oder den Besitzer angibt, z. B. t Chummabeweid ‘ die Abendweide der Alpe Chumm ’ (Ulrichen) oder Mauren Zschampigen Abentweÿdt ‘ die Abendweide des Moritz Tschampen ’ (1714, Binn), um nur zwei zu nennen. Unklar ist ts Aabuwasser ‘ das Wasser (Bach) im Westen ’ (Unterems). Zweimal erscheint Abubrod ‘ das Abendbrot ’ (hier das Essen zur Abendzeit nach der Arbeit) in Aabundbrodeggilti ‘ die kleine Ecke, bei der das Abendbrot gegessen wurde ’ (Visperterminen) und der Aabundbroodstei ‘ der Stein, bei der das Abendbrot gegessen wurde ’ (Randa). Abendbrot bezeichnet nach I D . ‘ frugales Abendessen, meist aus Brot und Wein, ursprünglich nur aus Brot bestehend ’ (I D . 5, 952). In Saas-Grund, Saas- Almagell und Törbel wird auch die Viehfütterung Morgenbrot n. und Abendbrot n. genannt (R ÜBEL 1950, 84). Nicht ganz klar sind Abenberg (1310, Saas-Balen; 1305 Stalden) ‘ der gegen Westen gelegene Berg ’ (? ) und Abenlende (1304, Bürchen; 1307 Eischoll), von dem unklar ist, ob es überhaupt das HL A BEND enthält und welches der zweite Teil des Namens ist. Zu vermuten ist, dass es eher zu Abländsch ‘ abländisch, abgelegen ’ (I D . 1, 42) zu stellen ist; das ist aber auch unsicher. BENB (1, 1, 3 s. v. Abländschen) macht klar, dass der Ortsname zum frz. avalanche ‘ Lawine ’ gebildet wurde und ursrpünglich nichts mit abländsch zu tun hat. Äbermund (PN) Äbermund ist ein PN, der lebend in Termen als Äbermund (FLNK) und als ts Ober und ts Unner Äbermund ‘ der obere und der untere Teil (des Gutes) des Ebermund ’ belegt ist; der Artikel ts ist hier wohl ursprünglich ein Genitiv. Historisch kommt der Name als im Ebermundt (1711, Mörel) vor. F ÖRSTEMANN (1, 444) kennt Ebermund. Abex Abex ‘ bei der Wiese des Abel ’ ist nur einmal als eys abex (1361, Leukerbad) belegt. Es handelt sich um ein frpr. Wort im Plural, wie die Präposition eys und das / x/ am Ende zeigen; dieses ist schreibsprachlich. Am nächsten kommt dem Flurnamen der Eigenname Abel (G PSR 1, 45; M EYER 1914, 26). Äbi Äbi f. ist zu schwdt. Äbi f. als Name zur Bezeichnung von ‘ Nutzungsland von einer gewissen Lage, Schattenhang ’ (I D . 41 f.; Z INSLI 1984, 556 und 602; LUNB 1, 1, 27) zu stellen. Wahrscheinlich ist der Name durch Weiterbildung des Adverbs ā b- ‘ hinab ’ mit / - I / -Suffix entstanden (zu weiteren Vorschlägen siehe LUNB 1, 1, 27). Wir geben den Namen einfach als ‘ Abhang ’ wieder. Rund 160 Flurnamen sind mit dem HL gebildet; keiner von ihnen befindet sich jedoch im Bezirk Leuk. Soweit Bemerkungen vorliegen, werden schattige, wenig besonnte Stücke Land so benannt; in einigen Fällen scheint der Name zum Adjektiv äbu, äbä (Goms), äbm (Lötschental) ‘ eben (hier: ebenes Stück Land) ’ (G RICHTING 1999, 22) gestellt zu werden, was aber nur für das ähnliche HL Ä BNET (ebenes Stück Land) gilt. Das Simplex im Singular ist lebend als t Äbi (Blitzingen und weitere zwanzig Gemeinden) belegt, Äbi ist in Visperterminen und Eggerberg belegt, sowie in Randa, Saas-Balen und Törbel (je FLNK) und Zermatt (LT). Nur einmal ist ein anderes Genus vertreten: ts Äbi (Visperterminen), wo vermutlich ein Diminutiv angenommen wird. Bei den lebenden Belegen ist in der Äby (Gluringen) selten, aber historisch erscheinen jn der Ebin (1391 u. später, Reckingen) und in der Ebi (1695 u. später, Ausserberg) in verschiedenen Schreibweisen häufig. Selten ist einfaches Ebyn (1307, Stalden und weitere). 65 66 Äbi <?page no="98"?> Das Simplex im Plural erscheint als t Äbinä (Ferden), Äbine (FLNK, EK, Eggerberg), t Äbini (Staldenried) und in den Ebinun (1542, Mund). Hier könnte die Nähe zum Nomen Äbni ‘ Ebene ’ (G RICHTING 1999, 19) eine Rolle spielen. Der Diminutiv im Singular ist als Äbeli (FLNK, Ried- Brig), ts Äbili (Naters, Zwischbergen) und Äbili (FLNK, Randa) belegt. Der Plural fehlt, soweit erkennbar. Attributive Adjektive zum HL sind ts Chlei Äbeli ‘ der kleine Abhang ’ (Randa), (durch) die Dicken Ebin ‘ (durch) den dicken (=dichten) Abhang ’ (1315 u. später, Visperterminen), jn der Jnndren a ᵉ bin ‘ im inneren Abhang ’ (1607, Baltschieder), t Inner Äbi ‘ der innere (taleinwärts liegende) Abhang ’ (Randa), im Lengen Ebilli ‘ im langen kleinen Gut am Abhang ’ (1542, Mund), das Mittel Ebilli ‘ das mittlere kleine Gut am Abhang ’ (1542, Mund), t Ober Äbi ‘ der obere Teil des Abhangs ’ (Embd und weitere sechs Gemeinden, teilweise historisch), t Under Äbi ‘ der untere Teil des Abhanges ’ (Ferden, zwei Belege), Undri Äbi (FLNK u. LT, St. Niklaus), t Unner Äbi (Embd, Staldenried), die Vndren a ᵉ bi ‘ der untere Abhang ’ (1587, Grächen), in der Aúsren Ebi ‘ im äusseren Abhang ’ (1820, Eggerberg), t Wiiss Äbi ‘ der weisse Abhang ’ (Randa), t Wilt Äbi ‘ der wilde (unfruchtbare) Abhang ’ (Baltschieder, St. Niklaus). Vorangestellte Genitive finden sich in ts Aadisch Äbi ‘ der Abhang der Familie des Aadi (Adrian, Adolf) ’ (Eggerberg), Bigsch Äbi ‘ der Abhang des Big / der einer Büchse gleicht ’ (Mund), ts Bobmisch Äbi ‘ der Abhang des Bodmi (Imboden) ’ (Randa), ts Niggisch Äbi ‘ der Abhang des Niggi (Nikolaus) ’ (Visperterminen), ds Saagisch Äbi ‘ der Abhang des Sägers (Berufsbezeichnung oder Übername) ’ (Eggerberg), tsch Schalisch Äbi ‘ der Abhang der Familie Schaller / beim Schali ’ (Eggerberg). Eggerberg ist hier mehrfach vertreten; mit dem Genitiv kann auf den Besitzer Bezug genommen werden. Als Grundwort bildet das HL eine Reihe von zweigliedrigen Komposita: Alberebin ‘ der Abhang mit Alber (Pappeln) ’ (1551, Zermatt), di Baltschiederäbine ‘ die Abhänge, die den Baltschiedern gehören ’ (Eggerberg), di Bladäbi ‘ der Abhang beim Gebiet Blatten (Felsplatte) ’ (St. Niklaus), Blasiäbi ‘ der Abhang im Bereich Blaasi (wo es viel windet) ’ (FLNK, Täsch), di Bockäbi ‘ der Abhang unterhalb der Blockflüe (Fluh, wo Böcke weiden) ’ (St. Niklaus), t Chalberäbi ‘ der Abhang für die Kälber ’ (Zermatt), t Chalchäbini ‘ die Abhänge mit Kalk ’ (Visperterminen), t Findneräbine ‘ die Abhänge, die den Leuten von Finnen (Weiler von Eggerberg) gehören ’ (Eggerberg) und andere mehr. Einmal bildet ein Adjektiv das Bestimmungswort: Mieschigäbi ‘ der Abhang mit Moos ’ (FLNI, St. Niklaus). In zwei Fällen ist unklar, was genau gemeint ist: t Fuggsäbi ‘ der Abhang der Familie Fux / wo es Füchse hat ’ (Eisten), Fuxebi ‘ der Abhang der Familie Fux / wo es Füchse hat ’ (1830, Grächen). Komplexere Belege sind etwa t Kiebobmuäbi ‘ der Abhang bei den Chiebodme (Kühböden) ’ (Randa), t Hobalmuäbi ‘ der Abhang beim Gebiet der Hobalmu (des hohen überhängenden Felsen) ’ (Randa), t Höuschbieläbi ‘ der Abhang beim Ort, wo die Auerhähne ihr Balzspiel aufführen ’ (St. Niklaus) und andere. Als Bestimmungswort tritt das HL, manchmal mit auslautendem / n/ , in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Bäärg, Bodu, Egg(a), Flüö, Gassa, Haalta, Hee (hooch, heej), Hooru, Licka, Löüb, Matta, Rigg, Rufina, Schluocht, Tola, Tossu, Wäg, Wald und Wasser. Unklar sind der Äb(e)ritz (Blatten, LT Äbriz) mit den dazu gehörenden dr Äb(e)ritzgrad und ts Äb(e) ritzläger, sowie der (e)Reschtinäb(e)ritz (Ferden) und t Chummunäb(e)ritz (Ferden, unklar, wohl Plural). Die Deutung ‘ begraster Bergabhang ’ löst den Namen in die HLL Ä BI und R ITZ auf. Klar ist, dass das inlautende Schwa ein vokalischer r-Vorschlag ist; das Kompositum ist dann als Verbindung von Äb und Ritz zu verstehen. Der erste Bestandteil könnte auch zum Adjektiv äbe ‘ eben ’ passen, doch gibt G RICHTING (1999, 17) äbm für das Lötschental, sodass das HL Ä BI als näher liegend gelten kann. Unklar ist weiter auch das 1861 in Glis belegte Ebla ŭ b Graben; hier könnte es sich auch um eine Kurzform zu Eb-heuwlaub ‘ Efeu ’ (H EDERA HELIX , cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 950) handeln. Das in Reckingen belegte ts Äbilöb ‘ das Laub bei der Äbi (Abhang) ’ (LT Äbilöüb) meint dagegen sicher ein Gebiet namens Löb ‘ Laub ’ bei der Äbi ‘ Abhang ’ . Komplexere Fälle sind etwa ts Ober und ts Unner Bigschäbi Wägilti ‘ der obere und der untere kleine Weg zur Bigschäbi (unklar) ’ (Mund), wo Bigschäbi sowohl ‘ der Abhang des Big ’ wie ‘ der Abhang, der einer Büchse gleicht ’ meinen kann. Eine Ableitung auf / - ERRI / für Wasserleitungen ist in t Äbinerri ‘ die Wasserleitung, die durch die Äbine führt (LT Laldner Suon) ’ (Eggerberg) belegt, die historisch auch für Baltschieder (1549 u. später) bezeugt ist. Abign Abign ist in Greich historisch belegt als in bÿ Abign Grenchenn und Zabigo Grenchen (beide 1570). In beiden Belegen ist Abig enthalten. Es kann sich um einen allerdings nicht belegten FaN Abig handeln, oder um die Leute, die in der Abi (Abhang) wohnen. Weiter kann Grenchen hier für den Gemeindenamen Greich oder für das Appellativ mit der Bedeutung ‘ Kornspeicher ’ stehen. Ohne weitere Belege kann die Deutung nicht gesichert werden. Abign 67 68 <?page no="99"?> Äbnet Äbnet n. ‘ ebenes Land ’ ist zu schwdt. Ebnet, Ebnat, Ebnit m./ n./ f. ‘ flaches Land, Fläche, welche eine Abdachung unterbricht, also in einer relativen Höhe gelegener Ort ’ und wdt. Äbni, Äbmi (Lötschtal) ‘ Ebene ’ (I D . 1, 46, BENB 1, 1, 54 f., S ONDEREGGER 1958, 524; G RICHTING 1998, 19 zum HL Ä BNI ) zu stellen, eine Ableitung zum Adjektiv äbe ‘ eben ’ . Häufig ist eine Assimilation zu Äbmet zu finden, vor allem im Goms; zu unterscheiden ist das Lemma vom ähnlichen Äbi ‘ Abhang ’ , das zum Adverb ab zu stellen ist. Das Goms weist deutlich am meisten Belegstellen (rund 70 von rund 140) auf, gefolgt von Östlich Raron; in den übrigen Bezirken ist die Anzahl gering, aber es sind alle Bezirke vertreten. Das Simplex ist in der geschriebenen Form Ebnet, sonst als Äbmet oder Äbnet, manchmal mit offener unbetonter Silbe, sehr häufig. Plurale vom Typ Äbmete oder Ebneten sind seltener; sie sind wohl als Kollektive ‘ mehrere ebene Stücke Land ’ zu verstehen. Diminutive im Singular sind Äbmeti, Äbmetgi, Äbnetji, Ebmetli (1803, Ernen); der Plural ist nur einmal belegt: t Äbmetjini (Steinhaus). Häufig, vor allem im Goms, findet sich eine relative Lagenangabe vom Typ ts Ober und ts Unner Äbmet; oft neben dem Simplex Äbmet. Selten sind Plurale betroffen, wie Uneräbmete (Blitzingen) oder t Undru Äbnete (Termen). Andere attributive Adjektive sind selten: das Finstere Ebmet (1848, Oberwald), ts Leng Äbmet (Münster), zen Nydren Ebmeten (1406, Blitzingen), ts Still Äbmet (Mühlebach), in das Still=Etmet (1851, Ernen). Komplexer sind die beiden Belege des Jnneren Ebnet Theils (1840, Embd) und des Äússern Ebnet Theils (1840, Embd), beide wohl zu lesen als ‘ (Besitzer) des Teiles des inneren / äusseren Ebnet (ebenes Land) ’ . Als Grundwort verbindet sich Äbnet mit Genitiven oder Bestimmungswörtern wie in t Borteräbmete ‘ die ebenen Grundstücke der Familie Borter ’ (Ulrichen), Elso Ebnet ‘ das Ebnet (ebenes Land) des Elso / der Elsa ’ (1726, Ried-Mörel), im Elsen=Ebnet (1835, Bitsch), in Elsen Ebnet (1734, Mörel), vermutlich alle das gleiche Gut betreffend, ts Fouetschäbmet ‘ das Ebnet des Follet ’ (Bellwald, unklar), inn Geroldigo Ebnet ‘ im ebenen Land der Leute des Gerold / der Familie Gerold ’ (1725, Naters), Gerolds Ebnet ‘ das ebene Land des Gerold ’ (1651, Bitsch, mit späteren Varianten), beide wohl das gleiche Gut betreffend, üf ts Ligsch Äbmetgi ‘ auf dem kleinen ebenen Land / auf dem ebenen Land des Ligg ’ (Münster, unklare Konstruktion), Oyst Ebnette ‘ das ebene Land beim Eist (Schafstall) (1320, Termen, mit späteren Varianten bis 1381). Das Lemma tritt als Bestimmungswort auf, meist zu Grundwörtern, die eine Flur bei einem Äbnet betreffen. Die Grundwörter sind: Acher, Alpa, Bode, Brunne, Gassa, Grabe, Haalte, Matta, Schleif, Stadel, Stutz, Wald und Wase. Komplexere Konstruktionen sind z. B. t Unner Äbmetmatte ‘ die untere Wiese beim Ebnet (ebenes Land) ’ (Reckingen) oder die Ebnetmatta Dirringo ‘ die Wiese beim Ebnet (ebenes Land) der Familie Dirren ’ (1504, Bürchen). Einen Sonderfall stellt die Form ts Ober und ts Un(d)er Abmät (Wiler) dar, ersteres bei FLNK als Obers Äbmät, und das dazugehörige zwischänn Äbmäten ‘ zwischen den Ebnet (ebene Stücke Land) ’ . Die Form Abmät scheint eine idiosynkratische Veränderung des sonst überall belegten Äbmät zu sein. Äbni Äbni f. ist zu schwdt. E(e)bni, Ebeni f. ‘ Fläche, Talgegend ’ , ahd. ëbanî und wdt. Äbni, Äbmi (Lötschental) ‘ Ebene ’ (I D . 1, 46; G RICHTING 1998, 19) zu stellen. Belegt ist das Simplex im Singular nur historisch als in der Ebnÿ ‘ in der Ebene ’ (1700, Eggerberg). Als Grundwort kommt es in t Lochäbni ‘ die Ebene beim Loch ’ (Hohtenn) vor, laut Gwp. früher eine Siedlung. Das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita haben t Äbniflüe ‘ die ebene Fluh (Gipfelname, FLNK Äbni Flüe, LT Äbeni Flue, SK Ebnefluh) ’ (Fieschertal), t Äbnimatte ‘ die ebene Wiese ’ (Ausserbinn, LT Äbnimatt, SK Ebene Wiesen); am gleichen Ort liegt t Äbnimatta ‘ die ebene Wiese ’ (Ernen). Die übrigen Belege sind komplexer: der Äbneflüegletscher ‘ der Gletscher bei der Äbniflüe (ebene Fluh) ’ (Fieschertal). ts Äbneflüejoch ‘ das Joch bei der Äbniflüe (ebene Fluh) ’ (Fieschertal, SK Ebnefluh Joch) und Äbni Flüefirn ‘ der Firn bei der Äbni Flüe (ebene Fluh) ’ . Zu verwandten Belegen vgl. HL Ä BNET . Abraham (PN) Der Name des alttestamentlichen Abraham (Stammvater Israels) kommt nur einmal vor in ts Aberhamsch Schoos ‘ des Abrahams Schoss ’ (Greich). Gemeint ist hier ein schönes Gebiet, das so sicher und gut aufgehoben ist, wie der arme Lazarus im Schoss des Abraham nach der Erzählung im Lukasevangelium (L K 16, 19 - 31). Äbu Äbu ‘ eben ’ ist als Adjektiv belegt und meint in Flurnamen flache Flächen. Das Adjektiv tritt als lebendes Attribut oder als Bestimmungswort normalerweise mit / ä/ auf; als historisches Attribut oder Bestimmungswort erscheint es mit / e/ . In beiden Fällen ist es als attributives Adjektiv auch mit der Endung / -nd/ belegt. Zu stellen ist 69 70 Äbu <?page no="100"?> es zu schwdt. Adj. eben, ä(ä)ben, ahd. ëpan, mhd. ëben, wie nhd. ‘ eben, geebnet, flach ’ und wdt. äbu, äbä (Goms), äbm (Lötschtal) ‘ eben ’ (I D . 1, 43; G RICHTING 1998, 22)). Bezeugt ist es in lebenden Belegen wie folgt: ts Äbehee ‘ die hochgelegene Ebene ’ (Fieschertal, auch FLNK; FLNK, Ernen; Steinhaus), t Äbelecher ‘ die ebenen Löcher ’ (Binn), Äbuland ‘ das ebene Land ’ (FLNK, Bürchen) ’ , der Äbunacher ‘ der ebene Acker ’ (Unterbäch, auch FLNK; auch Filet und Hohtenn), ts Äbuneggi ‘ die kleine ebene Ecke ’ (Mund), Äbunä Weg ‘ der ebene Weg ’ (FLNK, Erschmatt). Die Form mit / -nd/ erscheint in ts Äbend Bärgji ‘ das ebene, kleine Berggebiet ’ (Binn), der Äbund Stei ‘ der ebene Stein ’ (Mund) und der Äbund Wäg ‘ der ebene Weg ’ (Niedergesteln, FLNK Äbunde Wäg). Die historischen Belege zum Adjektiv enthalten jeweils eben und ebend: Eben Acker ‘ der ebene Acker ’ (1200, Binn), jm Ebennen Acher ‘ im ebenen Acker ’ (1567 u. später, Betten; 1567, Greich; 1570, Mörel), in der Ebenen Bodinen ‘ auf dem ebenen Boden ’ (1844, Naters; der Plural ist unkar), im Ebenen Wald ‘ im ebenen Wald ’ (1701, Gampel), eine Form mit anlautendem / h/ ist wohl romanisch: Hebene Wege ‘ der ebene Weg ’ (1200, Binn). Mit auslautendem / -nd/ erscheinen zum Ebenden Weg ‘ zum ebenen Weg ’ (1771, Hohtenn), zum Ebenden Zuggen ‘ beim Fels mit der Ebene ’ (1540, Embd). Als Bestimmungswort tritt das HL wie folgt auf: Ebenaker ‘ der ebene Acker ’ (1277, Lalden), im Ebenacher ‘ der ebene Acker ’ (1691 u. später, Steg), der Ebenberg ‘ der ebene Berg ’ (1525, Grächen). Eine Ableitung auf / - I / ist die Ebenbergerrj ‘ die Wasserleitung, die vom / zum Ebenberg führt ’ (1634 u. später, Eisten). Eine weitere romanische Form ist wohl illis de Hebeneccen ‘ (von den Leuten von der) Ebenecke ’ (1254, Naters). Mit einem weiteren Adjektiv ist belegt aúff den Obren Ebenhee ‘ auf dem oberen Teil der ebenen Höhe ’ (1680 u. später, Fieschertal) und mit einer Erweiterung die Ebenackerwasserleite ‘ die Wasserleitung vom / zum ebenen Acker ’ (1838, Mörel). Lateinische Formen sind: super planum collem ‘ auf dem ebenen Hügel ’ (1650, Salgesch) und apud planum lapidem ‘ bei dem ebenen Stein ’ (1475, Visp). Beide Belege sind lateinisch und möglicherweise keine Namen, sondern Appellativa. Acher Acher und seine Ableitungen sind sehr häufig (rund 1700 Namen). Zu stellen ist das Lemma zu schwdt. Acher, Acker m., ahd. achar, mhd. acker, Pl. Ächer, Äcker, Achere, Achre, Dim. Ackerli und Ächerli, wie nhd. ‘ Acker, abgegrenztes Stück Pflugland, angepflanztes oder zur Anpflanzung bestimmtes Stück Land, bes. Saatfeld ’ und wdt. Acher, Achär (Goms), Achr (Lötschtal), Achär ‘ Acker ’ (I D . 1, 66 ff.; G RICHTING 1998, 22). Die Häufigkeit von Acher erklärt sich aus dem bäuerlichen Alltag: auf Äckern werden Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Flachs und Hanf und weitere Pflanzen angebaut. M ONHEIM (1955) zeigt übersichtsartig die verschiedenen Systeme der Ackernutzung je nach Höhenstufe und Feuchtigkeit mit Fruchtwechsel (Wintergetreide, Sommergetreide, Gerste und Roggen, Kartoffeln), Brachen und Wechselwirtschaft (Wiesen). Bearbeitet wurden die häufig steilen Äcker von Hand mit der Haue; gepflügt wurde selten. Häufig sind Plurale zu finden, weil die Ackerflächen verschiedenen Besitzern gehörten (teilweise bedingt durch die Realteilung im Erbrecht). Je nach Lage der Gemeinden sind Acher-Namen unterschiedlich häufig. Im Talgrund des Rottens unterhalb von Brig/ Naters, der bis zu Rhonekorrektion Mitte / Ende des 19. Jahrhunderts praktisch Überschwemmungsgebiet war, fehlen solche Namen weitgehend. Als Simplex im Singular wird Acher eher selten gebraucht; häufiger sind Plurale Achra / Achru / Achre, manchmal mit Präpositionen wie Zen oder Uf. Die häufigsten Diminutive sind Acherli und Acherlini (Pl.), die aber selten als Simplizia belegt sind, genau so selten wie die ‘ rückgebildeten ’ Formen Achi und Achini (Pl.) Verglichen mit der Menge der Belege sind beide Typen wenig vertreten. Meistens wird Acher als Grundwort gebraucht; dann entweder mit einem begleitenden Adjektiv (z. B. der Chrumm Acher, der Leng Acher, der Gross Acher) oder als eigentliches Kompositum mit einem Adjektiv wie Chrummacher, Lengacher, Grossacher. Komposita sind im Übrigen sehr zahlreich und bezeichnen den Ort (Hofacher, Hüsacher, Milacher), angebaute Pflanzen (Weizacher, Gärschtacher, Boonacher, Kabisacher, Chleeacher), Geländeeigenschaften (Chummunacher, Schleifacher, Grabunacher, Chiacher), Formen (Schlusselacher, Spitzacher), Besitzer (Chirchunacher, Schitzunacher), benachbarte Gebäude (Stadelacher, Chapilluacher), Wegkreuze oder Kreuzungen (Chrizacher), Bäume (Eschacher (teilweise wohl zu Esch ‘ Saatfeld ’ )), Tannacher, Waldacher, Birchacher, Haselacher), Familien- und Personennamen, manchmal mit Genitivkonstruktionen (Lamjenacher, Lampertsacher, Maartigsch Acher, Perrigo Acher) und Besitzernamen wie Pfaffenacher (wo es unklar ist, ob der FaN Pfaffen oder das Besitztum des Pfarrers oder der Kirche gemeint ist), Rechtstermini (Pfandacher, Pfrüemdacher) und andere. Ganz unklar ist, was jeweils mit Tiernamen wie Fuggsacher, Geissacher, Schafacher, Wolfacher gemeint ist, und im Fall von Rosacher kann oft nicht entschieden werden, ob es um Pferde oder Roossen (Röstplätze für Hanf und Flachs) geht. Wie auch sonst Acher 71 72 <?page no="101"?> üblich, können solche Namen mit Unner oder Ober modifiziert sein, doch in relativ wenigen Fällen. Acher als Bestimmungswort ist sehr selten, am häufigsten ist Achermatta. Es gibt natürlich auch komplexere Namen, in denen Acher vorkommt, etwa Acherstadolwägji (Staldenried), Fuggsgrabuachra (Hohtenn) oder Chapfacherschleif (Visp). Besonders erwähnt seien drei Fälle mit unterschiedlicher Problematik: der Hooschtiunacher (Leuk) (mit Erstbetonung) ist als ‘ der Acker, dessen Ertrag für das Backen von Hostien verwendet wird ’ zu verstehen; das erklärt sich nicht nur aus den Angaben der Gwp., sondern auch aus der Erstbetonung. Die Belege Mälachji ‘ Signal ’ und Ritzumälachji ‘ Signal bei den Ritzen ’ (beide Staldenried und beide auf weit über 2000m) sind nicht zu Acher, sondern zu einem uns bislang unbekannten Mälach ‘ trigonometrisches Signal zur Höhenmessung ’ zu stellen. Schwierig bleibt auch t Weizäggrä (Zwischbergen). Die historischen Belege dazu (1660 weitzakren, 1672 weizachra) legen eine Interpretation als ‘ Acker ’ nahe - wenn aber die lebende Form so stimmt, wie sie notiert wurde (in Einzelfällen hat M. S. velare Fortis statt Affrikata notiert), müsste ein italienischer Einfluss angenommen werden. J ORDAN (2006, 282) notiert aber Weizachra (mit der Bemerkung, dass diese Bezeichung für die spätere Kapelle Sankt Jakob und Anna geläufig war) und Weizacherúawand. Achermann (FaN) Achermann (FaN) ist ein FaN, der in in Achermaas Acher ‘ im Acker der Familie Ackermann ’ (1796, Gampel) belegt ist. Der FaN ist in der Schweiz weit verbreitet; in den FaN des FGA (Forschungsinstitut zur Geschichte der Alpen) ist der Name zweimal notiert. Alt belegt ist jedoch der FaN Amacker (AWWB 7). Die späte Erwähnung in den Quellen deutet auf Achermann hin. Adam (PN) Adam (PN) ist nur 1786 in Birgisch als im Adamlein ‘ im (kleinen Gut) des Adam (PN) ’ (Birgisch) belegt, einem Diminutiv zum PN Adam (I D . 1, 85). Adelese (PN) Adelese (PN) ist nur historisch belegt als Adelese (1320, Törbel) und Adlese Mata ‘ die Wiese der Adelese ’ (13. Jh., Stalden). Der PN ist als Adeliza (B ACH 3 19178b, 55) bekannt; B ACH führt ihn dort mit S CHRÖDER auf eine Kurzform von Adelheid zurück. Diese Kurzform dürfte auch dem PN Adelese zu Grunde liegen. Adelheit (PN) Adelheit ist ein weiblicher PN Adelheit, Adelheid (F ÖRS- TEMANN 1, 169). Er ist zweimal belegt als Adelheyt Rùty ‘ das gerodete Gebiet der Adelheid ’ (1300, Baltschieder) und Adelheyt Rúty ‘ das gerodete Gebiet der Adelheit ’ (1302 u. später, Visp). Die Belege betreffen vermutlich die gleiche Flur. Adelhelm (PN) Adelhelm ist ein männlicher PN Adelhelm (F ÖRSTEMANN 1, 172). Er ist nur belegt in Adelhemsmatton ‘ die Wiese des Adelhelm ’ (13. Jh., Visperterminen). Adil Adil ist nur als Bestimmungswort in t Adiltschugge ‘ die Adil-Felsen ’ (Gampel) und ts Unner Adilwägji ‘ der untere kleine Weg bei den Adil-Tschuggen ’ (Gampel) belegt. Zu vermuten ist, dass Adil hier den Adler meint, vgl. mhd. adel-are ‘ Adler ’ . Sonst ist das HL A DLER oder A AR . Gemeint wären dann Felsen mit Adlern und der untere Weg dorthin. Adler Adler m. ist als Aar, wie schon G R W B (1, 5 s. v. Aar) ausführt, „ des Adlers echter Name “ , während Adler sich aus adel-are entwickelt hat. Im Wallis sind Aro m. oder Ari n. dialektale Ausdrücke (R ÜBEL 1950, 106); Adler deutet auf späte Benennung hin. Das Lemma ist zu schwdt. Adler m. ‘ Lämmergeier; grosser Raubvogel ’ zu stellen (I D . 1, 90; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 17); G RICHTING (1998, 23) verzeichnet Adler und Ari beim gleichen Wörterbucheintrag. Als Simplex mit Präposition ist belegt bim Adler (Simplon). Es handelt sich um ein 1943/ 1944 erstelltes Mahnmal zur Grenzüberwachung auf dem Simplon während des zweiten Weltkriegs. Das über acht Meter hohe Denkmal wurde vom Berner Erwin Friedrich Baumann, Architekt und Bildhauer, aus Granitblöcken aus der Gondoschlucht erstellt. In weiteren Namen ist Adler Bestimmungswort, so in Zermatt beim Namennest Adlerhore, Adlergletscher und Adlerpass (dieser auch Saas-Almagell). Die Adlerflüe (Oberems, Turtmann) und die Adlerspitza (Niedergesteln) sind hochgelegene Flühe und Felsspitzen. In Turtmann ist historisch auf Latein 1417 von einem Ort in prato de aquilla die Rede, was sich übersetzen lässt als ‘ die Adlerwiese ’ , obwohl unklar ist, ob der Name wirklich deutsch oder doch romanisch ist; im frühen 15. Jahrhundert ist Turtmann vermutlich deutsch, kann aber auch zweisprachig gewesen sein. 73 74 Adler <?page no="102"?> Ado Ado ist als der Ado (Ried-Brig) belegt. Die historischen Belege haben 1650 und 1702 im Aden, 1723 úfm Adún, 1744 am Aden, 1796 aúf dem Aden. FLNK Ado und LT Ado zeigen ein Gebiet nördlich von Brey. Der Flurname im Ade ist in Altstätten (SG) belegt ( WWW . ORTSNAMEN . CH s. v. ade), allerdings ohne Deutung. Vermutlich liegt den beiden Flurnamen ein PN wie Adam zu Grunde. Allerdings wird nicht ein Genitiv wie in ts Aadisch Äbi ‘ der Abhang des Familie des Aadi (Adrian, Adolf) ’ (Brig) verwendet, sondern der Name von Land, das dem Adam gehörte. Die Deutung ist aber unsicher. Adolf (PN) Adolf (PN) ist zum Taufnamen Adolf (I D . 12, 1731 s. v. Dolf) zu stellen. Belegt ist nur ein vorangestellter Genitiv in ts Adolfsch Matta ‘ die Wiese des Adolf ’ (Baltschieder). Der Besitzer oder Nutzer der Wiese ist nicht bekannt. F ÖRSTEMANN (1, 1640 ff.) kennt mehrere PNN, die zu Adolf gehören. Affolter Affolter m. ist zu schwdt. Affolter m., ahd. apfoltera f., mhd. apfalter, affalter m. ‘ Apfelbaum ’ , jetzt nur noch als Orts- und Familienname (I D . 1, 106) zu stellen. Belegt ist es nur noch historisch als jm Affolter ‘ im Gebiet mit Apfelbäumen ’ (1569, Staldenried), in der Affoltro ‘ im Gebiet mit Apfelbäumen ’ (1753, Feschel, später Plural), Affoltern ‘ das Gebiet mit Apfelbäumen ’ (1547, Blitzingen), von der Affoltern ‘ vom Gebiet mit Apfelbäumen ’ (1580, u. später, Glis), die Affoltra ‘ das Gebiet mit Apfelbäumen ’ (1448 u. später, Naters), in der Affoltron ‘ im Gebiet mit Apfelbäumen ’ (1399 u. später, Ried-Brig), die Affoltra ‘ das Gebiet mit Apfelbäumen ’ (1475 u. später, St. Niklaus). Komplexer ist Affolger Matte ‘ die Wiese im Gebiet mit den Apfelbäumen ’ (1857, Ried-Brig) (bei Affolger handelt es sich wohl um einen verschriebenen Beleg). Einen Diminutiv findet man in das Ober únd Únder Affolterli ‘ das obere und das untere kleine Gebiet mit Apfelbäumen ’ (1796, Ried-Brig). Affreton Affreton ist nur belegt als jn der Affreton Matton (1345, Gampel). Es handelt sich um ein attributives Adjektiv, das wahrscheinlich zum Adjektiv after ‘ der / die / das hintere ’ (I D . 1, 124; Genera von IW.) zu stellen ist. Ein auslautendes / t/ ist laut Anmerkung im I D . „ angeschweisst “ . Der Beleg meint wohl einfach ‘ in der hinteren Wiese ’ . Äfnet Äfnet ‘ flaches Land ’ ist unklar, selbst das Genus kann sowohl f. wie n. sein. Belegt ist das HL nur in t Schipfäfnet (Hohtenn), wobei die phonetischen Form tsch Schipfäfnet lautet, also eher ein Neutrum meint. Der erste, nebenbetonte Teil des Kompositums ist das HL S CHIPFA ‘ überhängender Fels ’ ; der zweite, hauptbetonte Teil ist Äfnet. Die Endung / - ET / lässt sich zum ahd. / - ÔDI / , / - ÔTI / (S ONDEREGGER 1958, 524) stellen, wohl zu ëban ‘ eben ’ , also insgesamt Ebnet ‘ flaches Land ’ (I D . 1, 46). Der Wechsel von / b/ zu / f/ ist nicht unmöglich (vgl. Schwebel vs. Schwefel, I D . 9, 1725), aber im Wallis u. E. kaum belegt. In der Beschreibung wird es als „ Allmein, Felsen “ beschrieben; das dürfte der Deutung ‘ flaches Land beim überhängenden Felsen ’ entsprechen. After After Adj. ‘ hinter ’ ist zum schwdt. Adj. after ‘ nachfolgend, nachherig; der andere, hintere ’ , ahd. aftar, mhd. after (I D . 1, 124) zu stellen und im I D . für das Wallis belegt. W IPF (1910, 62) kennt after zeitlich als ‘ später ’ und als Präposition ‘ durch ’ ; R ÜBEL (1950, 20) als Adjektiv ‘ hinter ’ . Z INSLI (1984, 423) nennt für Gressoney einen Beleg After Yaz ‘ der hintere Jatz (Lageplatz für das Vieh) ’ aus dem 18. Jahrhundert, allerdings ohne Deutung. Das Nomen After wird in G R W B (1, 185) als After m. ‘ Podex (Hintern) ’ und After n. ‘ der hinterbleibende, schlechtere Teil ’ unterschieden, ist aber im I D . nicht erwähnt. Das in Grengiols mehrfach belegte After f. ‘ die After (Gebiet hinter dem Dorf) ’ , auch Tafter, ist in keinem Wörterbuch belegt; zu vermuten ist, dass hier ein feminines Nomen wie z. B. Matte erspart wurde. Aus lautlichen Gründen werden alle Belege unter dem HL A FTER (mit Ausnahme des HL A FFRETON ) aufgeführt. Als attributives Adjektiv erscheint After vor allem mit dem Nomen Matta ‘ die hintere Wiese ’ , beide mit Variationen in acht Belegen. Weitere Nomina sind: Bach, Fad, Langgse, Mittag, Tanna, Wald; Komposita: Weizacher, Mannmahd. Das Adjektiv ist vor allem im Bezirk Visp belegt; gänzlich fehlt es aber nur im Bezirk Leuk. Am Affter (1763, Mörel) meint wohl einen hinteren Teil des Dorfes; eventuell auch eine Geländeform, die sonst als Arsch erscheint. Neben After f. und Tafter f. (Grengiols), letzteres mit agglutiniertem Artikel, finden sich am gleichen Ort die Affter (1668) ‘ die Wasserleitung zum Gebiet After ’ , der Afterwald ‘ der Wald beim Gebiet After (hinter dem Dorf) ’ und in der Fodren After ‘ im vorderen Teil des Gebietes After (hinter dem Dorf) ’ (1773). Ado 75 76 <?page no="103"?> Agarn Agarn, dial. Agaaru, ist der Name einer Gemeinde im Bezirk Leuk südlich von Leuk selbst auf der linken Seite des Rotten. Der Gemeindename Agarn ist ein dt. Exonym für dial. Ayer, und die historischen Schreibweisen zeigen, dass sich die frpr. Form Aert/ Ayert regelmässig entwickelt hat. J ACCARD (1903, 115 und 1906, 22) führt den Namen auf lat. ACER ‘ Ahorn, Ahornbaum ’ zurück, G PSR (2, 174 f.) und H UBSCHMIED (1933b, 263 f.) leiten ihn von kelt. *akarno ‘ Ahorn ’ ab. Obwohl J ACCARD die Bedeutung des Namens richtig interpretiert hat, kann er von der Form her aus phonetischen Gründen nicht auf lat. ACER zurückgeführt werden, sondern auf die kelt. Grundform *akarno- oder *akaros. Ein von M EYER (1930, 18) vermutetes ahd. Wort agierida, mhd. egerde ‘ unbebautes, ungepflügtes Land ’ kann dem Namen nicht zugrunde liegen. Problematischer ist die Erklärung der heutigen Form mit [g] und deutscher Kasusendung. Die Entwicklung der Lautgruppe [aka] zu [aga] > [ag j a] > [aja] wird ins 5. Jh. angesetzt; da die Alemannen jedoch erst im 8./ 9. Jh. ins Oberwallis einwanderten, meinen K RISTOL ET . AL (2005, 77), dass die Lautung [aga/ ag j a] im Afrpr. des Oberwallis bis in diese Periode erhalten blieb. Als Adjektiv, resp. früherer Genitiv Plural ist der Name auch in der Agarnerwald ‘ der Wald oberhalb Agarn ’ (Agarn, Turtmann) belegt, heute in Besitz von Turtmann. Agassiz (FaN) Der FaN Agassiz bezieht sich auf Louis Agassiz (1807 - 1873), nach dem ts Agassihore und ts Agassijoch (beide Fieschertal) benannt sind; die Benennung ist bei D ESOR (1844, 161 f.) (nach W ERLEN 2008, 580) verzeichnet. L. Agassiz war unter anderem Begründer der eiszeitlichen Gletschertheorie und Pionier der Glaziologie (http: / / www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 015920/ 2018-03- 23/ [iw.09.11.2020]). Ägene Ägene ist der Name eines Baches und eines Tals südöstlich von Ulrichen Richtung Nufenenpass. Die ältesten Belege finden sich zur Alpe Ägene, die 1240 als Ayguelina / Ay`guelina belegt ist. Weitere Belege sind: 1327 Egglina, 1391 Eglina, 1395 Egly`nun usw. Belegt ist als Simplex t Ägene (Ulrichen, LT Ägene, SK Eginen Bach, FLNK Ägene). Die historischen Belege für den Bach sind 1653 aquam vallis dictam Eginen ‘ das Talwasser, das Ägene heisst ’ , 1686 an die Eggena, 1686 beÿ der Egenen, 1707 Eginenwasser, 1774 von dem Flúss Egena. Das Tal ist als ts Ägenetal (Ulrichen, LT Ägenetal, SK Eginen Thal) bezeugt. Diese Formen sind wohl zu lat. AQUA ‘ Wasser, Bach ’ zu stellen. Im Goms liegt sicher keine jüngere patois-Form vor, die laut G PSR (6, 2b ff.) inlautendes -wergeben hätte, sondern eine ältere Form mit inlautendem -g- (H AFNER 1955, 163; FEW 25, 63ss.). Die ältesten historischen Belege weisen darauf hin, dass ursprünglich wohl eine doppelte Ableitung vom Typ aqualina ‘ der kleine Bach ’ vorliegt, die später als aquina zu Ägene wurde. Neben dem Flussnamen sind belegt: t Reckiger Ägene ‘ die zu Reckingen gehörende Alpe Ägene ’ , t Üerlicher Ägene ‘ die zu Ulrichen gehörende Alpe Ägene ’ (beide Ulrichen), der Ägenegrad ‘ der Grat am Brudelhorn Richtung Ägene ’ (Geschinen, Münster, Ulrichen), der Ägenespitz ‘ spitzes Stück Land bei der Einmündung der Ägene in den Rotten ’ (Ulrichen). Unsicher ist ein Beleg von 1626 in Oberwald, wo die Rede von Marchen (Grenzzeichen) ist und es heisst harwerdts … dem Thall vnd Wasser Eginen (1626). Es handelt sich offenbar um die Abgrenzung der zu Oberwald gehörenden Alpe auf dem Blasen in Richtung Ägenental. Äger (FaN) Äger ist wohl zum FaN In Ager, In-Ager, Nager zu stellen (AWWB 180) (cf. HL N AGER ). Belege vom Typ Ager sind ebenfalls erfasst. Die neun Belege enthalten zwei Simplizia: jn Egren ‘ im Gebiet der Familie Äger ’ (1791, Ernen) und den Diminutiv im Egeri ‘ im kleinen Gebiet der Familie Äger ’ (1815, Guttet). Unklar ist in alpe Agerun ‘ in der Alpe der Familie Äger ’ (1548 u. später, 1856 von der Gären, Oberwald), wozu es frühe historische Belege vom Typ de Ago ᵉ rn (1397 u. später, Oberwald) gibt, die zum heutigen Geeretal gehören. Die übrigen Belege enthalten Äger als Bestimmungswort oder im Genitiv als Ägersch: der Agerbiel ‘ der Hügel der Familie Ager ’ (Bitsch), Eger Spitz ‘ der spitze (Acker) der Familie Äger ’ (1821, Selkingen), der Ägerbiel ‘ der Hügel der Familie Äger ’ (Simplon), im Egersteg ‘ im Gebiete des Steges der Familie Äger ’ (1857, Simplon), t Ägerblatte ‘ die Felsplatten der Familie Äger ’ (Naters) und ts Ägersch Gade ‘ der Gaden der Familie Äger ’ (Ritzingen). Alternativ liesse sich Eger ‘ Berggelb ’ (I D . 1, 143) heranziehen, doch ist das Wort nur für das St. Galler Stiftsarchiv belegt. Ägerta Ägerta f. ‘ Brachland ’ ist zu schwdt. Ägerte, Egerde zu stellen: ‘ Stück Land, welches, nachdem es ausgereutet und meistens eine Zeit lang als Acker bebaut war, etwa wegen allzu steinigen Grundes, unfruchtbarer oder entfernter Lage in Wiese, Weide oder sogar wieder in Wald verwandelt worden; Brachland ’ (I D . 1, 129 f.), mhd. egerde, egerte, gerte, egde. Die Herkunft dieses weit verbreiteten Namens ist nicht geklärt (G R W B 3, 34, 25; BENB 1, 1; 58 ff.; Z INSLI 1984, 556). G RICHTING (1998, 24) kennt Ägerta, Ägärta, Ägärtu nur als „ Halde (sonnen- 77 78 Ägerta <?page no="104"?> reich) “ . C. S CHMID (1969, 92) nennt sie „ brachliegende Äckerlein “ . In den Deutungen wird „ Brachland “ verwendet, auch wenn das Land inzwischen umgenutzt wurde; der Plural wird als „ die Stücke Brachland “ gedeutet, mit einer kollektiven Lesart. Weitaus die meisten der rund 200 Flurnamen sind Simplizia im Singular (Ägerta und Varianten) oder im Plural (Ägerte und Varianten), sowie Diminutive im Singular wie Ägerti, Ägertji oder im Plural Ägertjini. Nur einmal ist die Form Ägreta (Bellwald) belegt. In älteren Texten erscheinen häufig die Formen Egerda und Egerden für das Simplex, Egerdgi, Egerdlin und weitere für Diminutive. Alle Belege können auch mit einer Präposition wie an, auf, in, bei, zu erscheinen. Mit agglutiniertem Artikel ist wohl zer Tägerte ‘ beim Brachland ’ (Obergesteln) zu verstehen. Unsicher ist weiter der Beleg in der Hasol Eggerstun (1678, Embd), wo eventuell das Wort für die Elster (Agelstere, I D . 1, 125) versteckt sein könnte, das aber sonst nie in den Flurnamen erscheint. Adjektivische Attributbildungen sind in der Allten Egerten (1824, Bellwald), in der Kalten Egerten (1709, Visperterminen), D ů nchl ů n Egordon ‘ das dunkle Brachland ’ (1388, Glis), di Gaalt Ägerta ‘ das unfruchtbare Brachland ’ (Törbel), die Gemeine Egerden ‘ das Brachland, das der Gemeinde gehört ’ (1693, Gampel), in den Kleinen Egerden (1856, Guttet), in der Kr ů mmen Ägertten (1637, Obergesteln), aúff die Lenge Eggerden (1687, Raron; dazu vier weitere Belege in Embd, Grächen, Simplon und Staldenried), die Letz Egerda ‘ das Brachland auf der Schattenseite ’ (1680, Zwischbergen), t Leidu Ägerde ‘ die schlechten Stücke Brachland ’ (Hohtenn, dazu Niedergesteln und Steg), aúf der Niwen Eggerten (1783, Eischoll, älter auch in Mund), t Spitz Ägreta (Bellwald) und jn den Tieffen Egerden (1596, Turtmann). Relative Lagen werden - wie üblich - mit Ober und Unner konstruiert, einmal mit Voder ‘ vordere ’ . Eher ungewöhnlich ist in Ergisch die Trias t Endruschtu Ägerde ‘ die am weitesten entfernten Stücke Brachland ’ , t Mittluschtu Ägerde und t Undruschtu Ägerde. Eigentliche Komposita zum Grundwort Ägerta sind selten. Genitive bezeichnen Nutzer oder Besitzer: in Bilgischeren Egerden ‘ im Brachland der Familie Bilgischer ’ (1695, Stalden), Hassens Egerda ‘ das Brachland der Familie Haas ’ (1448, Zermatt), in Maners Eggerden ‘ im Brachland der Leute von St. German ’ (1721, Raron) Perris Egerden ‘ das Brachland der Familie Perri / des Perri (Peter? ) ’ (1603, Steg), und Peter Lochers Egerden (1540 - 1558, Erschmatt und Feschel). Andere Nutzungsformen werden genannt: t Acherägerda (Raron), di Biinuägerde ‘ die Stücke Brachland beim Pflanzplatz ’ (Hohtenn), Haber Eggerda ‘ das Brachland mit Hafer ’ (1505, Eischoll), in der Kries Egerten ‘ im Brachland mit Kirschbäumen ’ (1824, Bellwald), weitere Bäume wie zur Than=Eggerden ‘ beim Brachland mit Tannen ’ (1866, Oberems), in der Örill Egerden ‘ im Brachland mit Erlen ’ (1786, Eischoll) oder das schon erwähnte, unsichere in der Hasol Eggerstun (1678, Embd) und Tetzeggerten (1868, Birgisch) mit falsch agglutiniertem Artikel: ‘ das Brachland, das der Viehweide (Etzweide) dient ’ . Unklar sind t Chrizägerte ‘ das Brachland beim Kreuz ’ (Grächen, auch Embd und St. Niklaus, je historisch), sowie aúff der Schmitten Egerden (1733, Eischoll) und aúff den Schützen=Eggerden (1850, Eischoll), wo im ersten Fall eine Schmiede, ein Schmied oder die Familie Schmid gemeint sein kann, im zweiten Fall wohl das Eigentum der Schützengilde. Nur historisch belegt ist Ko ᵘ fegerda ‘ das gekaufte Brachland ’ (1383, Ried-Brig). Weitere Flurnamen sind au ᵕ ff der Bächin Egerde (1861, Bürchen), in der Bachtolen Egerden (1835, Niedergesteln), in der Blat Egerden (1786, Bürchen), t Brandägerta (Blitzingen) und in der Telschegerden (1743, Betten und später), wobei hier Teltsch unklar ist. Etwas seltsam mutet auch Deischägerta (Betten) an, befindet sich Deisch doch deutlich östlicher - es könnte sich also um Brachland im Besitz von Leuten aus Deisch handeln. Ganz unsicher schliesslich ist Viregerda (1398, Ried-Brig), wo eventuell das Präverb Fir- ‘ Vor ’ (Id. 1, 952 ff.) belegt ist, also wohl ‘ das Vor-Brachland ’ , gemeint könnte das Land sein, das später zum Brachland wurde. Als Bestimmungswort ist Ägerte selten belegt. Grundwörter sind Acher, Bode, Bord, Gassa, Hüs, Matta, Schiir, Schlüocht, Wäg Wasserleita und Wildi. Die insgesamt nicht seltenen Ägerta-Namen deuten darauf hin, dass Grundstücke mit wechselnder Nutzung vorhanden waren; die spätere Entwicklung des Wortes zu ‘ Halde ’ bei G RICHTING würde sich auf die eher steilen Grundstücke beziehen, die nicht mehr beackert wurden. Agnun (PN) Agnun ist nur belegt in Agnun Stuckin ‘ das kleine abgeteilte Stück Land des Agno / der Agna ’ (1299, Raron). Es handelt sich wohl um einen PN im Genitiv. F ÖRSTEMANN (1, 36 ff.) gibt unter A GIN eine Reihe von ähnlichen PNN, etwa Agno oder Agin. Agsch Agsch f. ‘ Axt ’ ist nur einmal belegt in im Breitagschi ‘ in der kleinen Breitaxt (Geländeform) ’ (Visperterminen). Das HL ist zu schwdt. Ax, Agsch, Äx, Ägsch, Achs, Ächs f. ‘ Axt ’ , mhd. ackse, aks, ax, ahd. ackus zum wdt. Aggscht, Aggschi ‘ Axt ’ (I D . 1, 617 ff.; G RICHTING 1998, 24) zu stellen. Die formale Diminutivform Agschi n. dient auch generell der Benennung des Werkzeugs. Das Gelände wurde Agnun (PN) 79 80 <?page no="105"?> Breitaxt ‘ Axt mit breiter Schneide und kurzem Stiel zum glatt hauen des schon einmal behauenen Balkenholzes ’ (I D . 1, 616) genannt, weil seine Form der des Werkzeugs ähnelt. Agten (FaN) Agten (FaN) ist nur einmal belegt jn Agttún Garttun ‘ im Garten der Familie Agten ’ (1595, Betten). Es handelt sich um den FaN Agten, Agtun, Akten (AWWB 3), der ursprünglich in Lax und Grengiols belegt ist. Ob die Belege aus dem Goms unter Atti hieher gehören, ist unklar. Am ehesten hieher gehört des Atten Felt ‘ das Feld des Vaters / der Familie Agten ’ (1528, Ernen), wo eine Assimilation von / gt/ zu / tt/ vorliegen kann. Ahore Ahore ‘ Ahorn ’ ist zu schwdt. Ahorn, amhd. ahorn aus lat. ACERNUS ‘ Ahorn ’ (I D . 1, 161; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 23 ist unsicher, ob Ahorn ein Erbwort oder ein Fremdwort ist) zu stellen. Zu der Form mit Nasal Anhorn siehe S ONDEREGGER (1958, 11). Die Form mit langem / o/ und getilgtem / n/ wird gleich behandelt wie das hdt. Horn, wdt. Hoore / Hooru. Das Genus ist, sofern erkennbar, das Neutrum; es geht also um ein Kollektiv, das als ‘ Ahorngehölz ’ wiedergegeben wird. Der Ahorn wird auch als Massholter(baum) bezeichnet (cf. HL M ASSHOLTER ). Beim Diminutiv ts Ahori, ts Ahorili oder ts Ahornli ist nicht klar, ob ein kleiner Ahorn oder ein kleines Ahorngehölz gemeint ist. Öfters ist notiert, dass die Gwp. am Ort mit diesem Namen keine Ahorne mehr kennen; manchmal deuten sie den Namen auch als ‘ am Horn ’ . Zu vermuten ist, dass es am so benannten Ort früher Ahornbäume oder -sträucher gab. Das Simplex im Singular ist als ts Ahore ‘ das Ahorngehölz ’ (Ausserbinn und fünf weitere Gemeinden), bim Ahore ‘ beim Ahorngehölz ’ (Binn), am Ahoren (1482, Visp), im Ahoren (1718, Obergesteln; 1307 u. später, Unterems), an den Ahorn ‘ an den Ahorn ’ (1733, Ried- Mörel), jm Ahorn (1634, Ausserberg), am Anhoren (1661 u. später, Stalden), imm Ahornä (Ferden), ts Ahorne (Oberems), am Ahorne (1463, Raron), an Ahornen (1530, Leuk) und ts Ahoru (Eisten, Naters, Ried-Brig) belegt. Der Diminutiv erscheint als ts Ahori (Zwischbergen und drei weitere Gemeinden), das Ahorilli (1542, Mund), ts Ahorli (Visperterminen, zweimal), im Ahorli (1820, Eggerberg), ts Ahorni (Oberwald). Der Plural ist nur einmal belegt als aúff den Anhorlinen ‘ auf den kleinen Gebieten mit Ahornen ’ (1771, Staldenried). Mit attributiven Adjektiven in zweigliedrigen Konstruktionen sind belegt: im Ändru Ahorne ‘ im jenseitigen Ahorngehölz (Weiler von Oberems) ’ (Oberems), ts Ober und ts Unner Ahorne ‘ im oberen und im unteren Teil des Ahorngehölzes ’ (Oberems), ts Ober Ahoru ‘ der obere Teil des Ahorngehölzes ’ (Eisten), am Vndren Ahoren ‘ am unteren Teil des Ahorngehölzes ’ (1619, Eisten), am Obren Anhoren ‘ am Oberen Ahorngehölz ’ (Ergisch). Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Balma, Bach, Bodu, Brunnu, Fad, Lee, Loch, Schluocht, Stafel, Tschugge, Wäg und Wald. Komplexer ist an Ahornern Bachtela ‘ an der Wasserrinne im Weiler Ahorn ’ (1550, Naters), das wohl einen Genitiv Plural enthält. Das gilt auch für Ahornerro Gu ᵉ ter ‘ die Güter der Leute von Ahorn (Weiler von Naters) ’ (1383, Naters) und Ahornerro Len ‘ das Lehen der Leute von Ahorn (Weiler von Naters) ’ (1383, Naters). Attributive Adjektive enthalten t Chlei Ahoruschlüocht ‘ die kleine Geländeeinbuchtung bei Ahorn ’ (Glis) und di Gross Ahoruschüocht ‘ die grosse Geländeeinbuchtung bei Ahorn ’ (Glis). In einigen wenigen Fällen ist ein Bezug zum FaN Imahorn, Im Ahorn, Im Ahoren (AWWB 128) nicht ausgeschlossen. Äich Äich m. ‘ Butter ’ ist zu schwdt. Anke n , Angge, Ache, Ahe, Auche, Auhe, Aiche, Auhin m. allgemein ‘ Butter ’ , mhd. anke, ahd. ancho und wdt. Aiche, Äiche (Goms), Öücha u. Anka (Mattertal), Äichu (Saastal), Aichn (Lötschental), Aichu (I D . 1, 341 ff.; W ERLEN 1977, 203 f., 247; S TALDER 1994, 18; G RICHTING 1998, 24; zu den lautlichen Formen siehe R ÜBEL 1950, 6) zu stellen. Das HL erscheint nur als Bestimmungswort. Neben dem isolierten dr Aichicheer ‘ der Aichi-Cheer (Wegkehre mit Butter? Unklare Motivation) ’ (Ferden) (laut Gwp. sei dort verschüttete Milch gefroren gewesen, wie reine Butter) sind die Typen t Aichballa ‘ Fels, der einem Butterballen gleicht ’ (Naters, Saas-Almagell, Saas-Grund), in Glis 1542 als die Anckballa bezeugt (alle zu I D . 4, 1149). Komplexer ist t Äichballurufina ‘ das Rutschgebiet, das einem Butterballen gleicht ’ (Ried-Brig). Vermutlich ist nirgends einer der im I D . erwähnten Pflanzennamen gemeint, z. B. C ALTHA PALUSTRIS ‘ Sumpfdotterblume ’ . Zweimal belegt ist weiter der Aichchibjigrabo ‘ der Graben, der aussieht wie ein Butterfass ’ (Naters), auch der Äichchibjigrabo ‘ der Graben, der aussieht wie ein Butterfass ’ (Visperterminen) zu schwdt. Ankechübel ‘ Butterfass ’ (I D . 3, 112 f.). Aisser Aisser kommt nur 1725 als im Aisser Moott ‘ im äusseren Mott (Morast) ’ (Leuk) vor. Vermutlich liegt eine Entrundung von Äusser vor, wobei eine hyperkorrekte Form entsteht, die dialektal Üsser heissen müsste (I D . 1, 582 f.; G RICHTING 1998, 216). Ein Zusammenhang mit der unsicheren Lesart in dem Wissermolt (Aissermolt? ) (1736, Guttet) ist möglich, aber nicht klar. 81 82 Aisser <?page no="106"?> Alaliin Ala ’ liin ist ein schwer deutbarer Name, der die Phantasie der Namendeuter beflügelt hat. Vermutlich stammt der Name von einer Alp Allelii (noch belegt in ts Ober und ts Unner Alellii (beide Saas-Almagell)), eventuell auch von der Hintere Allalinweid ‘ die hintere Weide bei Allalin ’ (Saas-Almagell) und ts Hinder Allelii. Um diese Alp herum, resp. oberhalb von ihr gibt es ts Chlei Allelii und ts Groos Allelii (beides Gipfelnamen). Das Simplex allein Allelii n. (Saas-Fee, Täsch) betrifft aber auch den Gipfel, der sonst Aleliihooru ‘ Allalinhorn ’ (Saas-Almagell, Saas- Grund, Täsch) genannt wird. Aleliingletscher, Aleliinpass und Allalinbach sind weitere Namen in diesem Namennest. Dazu kommt das Mittelalelii / Mittel Allalin (Saas- Almagell), der Hintere Allalingrat, zu dem sich die Hintere und Vordere Allelinmoräne und die Nordallelinmoräne gesellen (alle Saas-Almagell). Die durchgehende Endbetonung des Namens deutet auf eine vordeutsche Herkunft hin. E NGELHARDT (1852, 132) schliesst auf eine sarazenische Namengebung und führt den Namen auf arabisch ala ‘ über ’ und aïn ‘ Quelle ’ zurück. Diese Deutung im Sinn der sogenannten Sarazenenhypothese lässt sich jedoch nicht halten. G ATSCHET (1867, 40 f. und 1880, 407) vermutet ein it. all ’ allagna ‘ bei den Haselstauden ’ ohne zu erklären, woher eine solche Form kommen soll. S TUDER (1896, 50) verwirft sowohl die Sarazenenhypothese als auch G ATSCHETS Etymologie und leitet den Namen von lat. AQUILINA VALLIS ‘ Adlertal ’ ab, erklärt aber nicht, wie die heutige Namenform entstanden ist. G UEX ( 2 1976, 176) beruft sich auf eine H UBSCHMIED - Etymologie und führt den Namen auf kelt. *akarnos ‘ Ahorn ’ zurück, Dim. *acarinus > agalin Name im Versascatal für ‘ kleinen Ahorn ’ . Das noch nicht germanisierte Saastal hatte einen analogen Namen ayalin, der durch die frankoprovenzalische Lautentwicklung -k- > -g- > -yentstanden sein soll (während K RISTOL (in K RISTOL ET AL . 2005, 77) im Fall von Agarn gerade das Gegenteil annimmt). W ERLEN (2008, 585 f.) vermerkt, dass keine der Erklärungen zu überzeugen vermag, und dass das Fehlen historischer Quellen eine sichere Deutung nicht zulässt. Sicher ist eigentlich nur, dass die Alp Alelli (Saas-Almagell) namengebend war; die Endbetonung weist auf einen nicht-deutschen Namen hin. Alamania Alamania ‘ Gebiet der Alemannen (Deutschsprachige) ’ kommt in mehreren Gemeinden vor: eys Alemannio (1649, Leukerbad), jn Alamagny (1398, Leuk), Allemaniae (1388, Varen). Letzteres ist latinisiert. Die Deutschsprachigen selbst werden als Alamans bezeichnet in Crista eis Alamanz ‘ der Hügel der Alemannen (Deutschsprachige) ’ (13. Jh. u. ö. Ergisch). Es ist abzuleiten aus Allemagne (G PSR 1, 280s. und 281.). Wie das G PSR ausführt, könnten sowohl deutschsprachige Siedler und ihr Gebiet, als auch ein FaN oder PN gemeint sein. Alamania und seine Varianten ersetzen das sonst gängige Germania und Germani. Wahrscheinlich gehört auch pratum a Lalamant ‘ die Wiese des Alemannen (Deutschsprachigen) ’ (13. Jh., Ergisch) hierher, mit falsch abgetrenntem Artikel (cf. HL L ALAMANT ). Alawäschi Alawäschi n. ‘ in der schlechten kleinen Wiese (unsicher) ’ ist nur einmal belegt als ts Alawäschi (Eggerberg). Die Betonung liegt auf der dritten Silbe. Beim Grundstück handelt es sich heute um ein bebuschtes Gebiet mit Graswuchs in den nördlichen Felshängen des Rottentals. Die historischen Belege haben: 1717 jm Malo Weschÿ, 1859 Allaweschi und Alleweschÿ. URNB (1, 61) deutet den ersten Bestandteil von Alafund als ‘ bei der ’ und das Grundwort als romanisches fontem ‘ Quelle ’ , ev. auch fundum ‘ Grund, Boden ’ . In Eggerberg ist eine romanische Bildung dieses Typs kaum zu erwarten, auch wenn der älteste Beleg im ersten Teil malo ‘ schlecht ’ einführt (FEW 6, 1, 123 s. v. malus ‘ schlecht ’ ; I D . 4, 166 kennt mehrere Wörter mit anlautendem mal-, aber ohne direkten Bezug). B OSSARD / C HAVAN (2006, 36) nennen den Flurnamen Malavaux, dessen Grundwort vaux ‘ Tal ’ aber rein lautlich nicht direkt zu Wäschi führen kann. Als Wort mit neutralem Genus ist Wäschi ein Diminutiv, laut G RICHTING (1998, 237) zu Wase ‘ Rasenstück ’ zu stellen, was durch I D . (16, 1777 s. v. Wase n ) mit Diminutiv Wä š i für Ausserberg und Lötschen bestätigt wird. Die Deutung von 1717 wäre dann am ehesten wie folgt zu geben: ‘ in der schlechten kleinen Wiese ’ . Alba Alba, auf LT auch Albe, ist eine kleine Siedlung auf Visper Gebiet auf halbem Weg von Visp nach Bürchen. Die ältesten Belege sind: 11? ? apud Albugna, 1280 (ca.) de prato Albi Lapidis; 1372 Albun; 1422 in der Albun; 1509 apud Albunna. Auch andere mit Alba gebildete Namen sind früh belegt: 1299 ad Albun Wald (Bürchen), 1328 juxta fontem de Albuna; 1389 Albonwalde. Abweichend davon sind zwei Belege von 1275 mit der Form Alpiz Uualt und Alpizuualt (beide Visp); in beiden Fällen wird das Grundstück als vinea ‘ Weinberg ’ bezeichnet, was höchstens zutreffen würde, wenn die Weinberge sich im Tal westlich von Visp befanden und das Gebiet dort Albenwald genannt wurde; wir hätten dann wohl eine gelehrte Umdeutung von Alba zu Alpis ‘ Alpe ’ vor uns. Die übrigen Belege deuten auf einen romanischen Namen zum lat. Adj. ALBUS ‘ weiss ’ und einem Suffix, vermutlich / - ONA / , also *A LBONA . Im Alaliin 83 84 <?page no="107"?> Dialekt der Alemannen wurde aus / - ONA / ein / - UNA / , später gekürzt zu Alba oder Albe. Die seltsame Übersetzung von 1280 Albi Lapidis ‘ des weissen Steines ’ nimmt wohl diesen Sinn auf: was jedoch genauer gemeint war, ist unklar. Der Hang, auf dem Alba liegt, heisst am Ort Graubärg (FLNK), was zu einer hellen Geländefarbe passt. Kaum einschlägig ist die Ableitung vom Flussnamen Albe (G REULE 2014, 30); aus formalen Gründen ist auch Albere oder Alber (I D . 1, 186) ‘ Pappel, Feldahorn, Alpen- Goldregen ’ ) kaum einschlägig. Z IMMERMANN (1968, 70 f.) stellt es zu Alpe, was schon rein sachlich nicht geht, liegt Alba doch auf rund 950 m. Um Alba herum bildet sich ein Namennest mit der Obere und Unnere Alba und den Komposita Albuachra (Visp), Albubrunnu (Visp), Albukapälli ‘ die kleine Kapelle bei Alba ’ (Visp), t Albumatte (Visp), Albenriedt (1664, Zeneggen), ts Alburied (Visp, Raron), Albuwald (Visp, Bürchen). Komplexer ist Albuwaldkapälli ‘ die kleine Kapelle im Albuwald ’ (Bürchen) - sie liegt deutlich westlicher und höher als ts Albukapälli (Visp). Ganz aus der Reihe fällt der Beleg sub albo Stalden (1299, Visperterminen); vermutlich ist hier das Adjektiv lat. ALBUS ‘ weiss ’ im Ablativ gemeint für das heute noch belegte t Wiissu Staale ‘ die weissen Stalden (Anstiege) ’ (das im Text von 1299 erwähnte ze der Honflue liegt als Hoflüo in der Nähe). Der FaN In-Albon gehört wohl hieher (cf. A LBINER FaN). Alber Alber n. kommt als ts Alber (Ergisch) vor. Zwar haben die beiden ältesten Belege jn Albert (1535) und jm Albert (1580), später ist jedoch jm Alber (1633) belegt. ts Unner Alber und ts Oberalber (FLNK) sind belegt. Dazu kommen in Alberschnitten ‘ in den ausgeschnittenen Stücken Land beim Alber ’ (1771, Ergisch), die Albertschuggen ‘ die Felsen beim Alber ’ (1771) und der Alberwäg ‘ der Weg vom / zum Alber ’ (1601 u. später, Leuk). Am nächstliegenden ist der Pflanzenname Alber (I D . 1, 186 s. v. Albere ‘ Pappel ’ ). Von der Höhe her (ca. 1560 m) kommt die Zitterpappel (P OPULUS TREMULA ; cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 426)) in Frage. In Zermatt ist 1551 Alberebin ‘ der Abhang mit Pappeln ’ belegt, in Termen kennt SK Albergraben (vgl. aber HL A LBET ). Albert (PN) Albert (PN) ist ein Tauf- oder von diesem hergeleiteter Familienname Albert (AWWB 3). Belegt sind: das Albert Kromji ‘ die kleine eingezäunte Wiese des Albert (PN) ’ (1841, Glis), ts Albregisch Drieschta ‘ die Driesta (unfruchtbares Gebiet) der Familie Albert ’ (Mund) und Albertinigo Matten ‘ die Wiese der Familie Alberti(ni) ’ (1730, Niedergesteln), das eine kollektive / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural zum FaN Alberti(ni) (AWWB 3) enthält. In Mund ist die Familie Albert gut belegt (J OSSEN 1989, 55). Unter dem HL A LBET ist als Alternative auch ts Albert (Ried-Brig) belegt, wo ein Besitzername gemeint sein könnte; allerdings ist die Benennung sehr unsicher. Der PN Albert ist bei F ÖRSTEMANN (1, 163) erwähnt. Albet Albet n. ist in ts Albet, resp. ts Albert (Ried-Brig) belegt. Auf LT und 1: 10000 ist Albetwald (Termen) notiert, das auch als der Alpetwald (Termen) erscheint. In Termen verzeichnet FLNK Albetschleif, also einen Schleif (Graben) beim Albet. Auf SK befindet sich südlich davon Albergraben (sic! ) (Termen). Der Name scheint sehr unsicher zu sein. Am nächstliegenden kommt zwar Alpet n. ‘ die kleine Alpe ’ (zu Alpetta (G PSR 1, 631, noms de lieux) in Frage, aber die Karten weisen keine Lichtung für eine kleine Alpe nach. Die Nennung Albert würde einen Besitzernamen meinen (cf. HL A LBERT (PN)) und er ist auch in der SK Notation Albergraben (cf. HL A LBER ) möglich. Beide Benennungen sind belegt; die Unsicherheit in den verschiedenen Belegen macht jedoch eine Entscheidung unmöglich. Albinen Albinen, gespr. Albinu (mit Erstbetonung), ist der Name einer Gemeinde im Bezirk Leuk auf der rechten Rottenseite, etwas höher gelegen (Zentrum auf ca. 1273 m). M ATHIEU (2006) nennt nur die hochsprachliche Form im Titel und auf dem Kartenausschnitt (S. 60). Die ältesten Belege weisen folgende Formen auf: 1224 Albignun, 1225 (ca.) Albigniun, 1226 Albinnon, 1276 Dalbignon, 1300 Albignyon, 1320 Arbiniong, 1328 Albignon, 1331 Darbignon. Später wird vor allem die Form Arbign(i)on verwendet. Albinen, die heutige Schreibform, erscheint erstmals 1653; man weiss im Übrigen, dass das Dorf im 16. und 17. Jahrhundert zweisprachig war. Die Form mit / r/ an Stelle von / l/ entspricht der Entwicklung im Frankoprovenzalischen (vgl. barma vs. balma). Zur Deutung des Namens greift S TUDER (1896, 50) auf eine Pluralform von Alb, ahd. alpa, mhd. albe ‘ Alpe, Bergweide ’ zurück (siehe auch I D . 1, 194 Anmerkung). J ACCARD (1906, 6 und 11) stellt Albinen zu Arbignon und vermutet, dass der Name durch eine Diminutivbildung von alb, alp ‘ Alpe, Bergweide ’ aus kelt. *alpis entstanden ist, das Wort Albinen würde also ‘ kleine Alpe ’ bedeuten. H UBSCHMIED führt den Namen auf den lat. Personennamen A LBINIUS zurück (G UEX 1938, 361 und 2 1976, 19; R ÜBEL 1950, 132). Das BENB (1, 1, 14) schliesst aus den historischen Belegen, dass der Name die gleichen Grundlagen hat wie Albligen BE, die dort zur voridg. Wurzel alp-/ alb- ‘ Berg- 85 86 Albinen <?page no="108"?> weide ’ oder zu lat.-rom. ALBUS ‘ weiss ’ gestellt werden, ohne jedoch auf das Bedeutungsmotiv des lat. ALBINIUS , gebildet mit dem / - INIONE / -Suffix, einzugehen. K RISTOL ET AL . (2005, 81) stellen den Namen zu den Westschweizer Ortsnamen, die von einem Personennamen abgeleitet sind. Der Name würde also ‘ Land, Besitz des Albinius ’ bedeuten (K RISTOL ET AL ., 2005, 81). S CHULZE (1991 [1904], 118 s.) erwähnt den Namen Albinius. Ein historischer Beleg von 1361 in Albinen spricht von einem Stück Wiese retro cristam de Albignon ‘ hinter dem Hügel von Albinen ’ . Der Gemeindename erscheint auch als Albinerleitre (FLNK, Albinen; LT und SK Albinenleitern), während M ATHIEU (2006, 49) nur Leiträ und Leitrugrabu kennt. Die Leitern erlauben es, eine Felswand in Richtung Leukerbad zu überwinden. In Albinen ist weiter ts Albiner Alputirli ‘ die kleine Tür auf dem Weg zur Albiner Alpe ’ erwähnt; ein Holztürchen im Alpzaun auf dem Alpweg von Albinen her. M ATHIEU (2006, 59) kennt Zum Tirrli / Z Albiner Tirrli und zeigt diesen Durchgang auf einer Fotografie (zu Tirli cf. HL T IRI , hier als ‘ Türe im Grenzzaun ’ ). Oberhalb von Leuk ist der Albinerstadil ‘ der Stadel der Gemeinde Albinen (auf dem Boden von Leuk) ’ (FLNK Albinärstadil) belegt. Anders ist ts Albinergräbji ‘ der kleine Graben des Albiners (Einwohner von Albinen) ’ (Steg) motiviert; die Gwp. gibt an, hier sei vor langer Zeit einer aus Albinen verunglückt. Der kleine Graben findet sich im steilen Gelände der Lonzaschlucht. Aus den Belegen erhellt, dass Albiner sowohl als attributives Adjektiv für die Gemeinde, als auch als Nomen für die Einwohner der Gemeinde steht. Albiner (FaN) Albiner ist ein Herkunfstname und entspricht dem FaN In-Albon, Inalbon, In Alba, de Alben, in Alben, Inalben, In Albun, In Albon. Die Familie wurde nach ihrem Stammsitz, dem Weiler Alba, zwischen Visp und Bürchen, benannt (AWWB 130; BWG 1974, 17, 82 ff.). I D . (1, 193) führt den Namen auf ahd. alpa, mhd. albe f. ‘ Alpe, Bergweide ’ zurück, was unwahrscheinlich ist. Der Gemeindename Albinen gehört nicht hieher. Unter dem HL A LBA wurde der Name zu lat. ALBUS ‘ weiss ’ und der Ableitung / - ONA / gestellt. Belegt sind der Albinerwald ‘ der Wald der Familie In Albon ’ (Eggerberg), Albinerro Waldt ‘ der Wald der Familie In Albon ’ (1763, Glis), in Albiners Kromen ‘ in der eingezäunten Wiese der Familie In Albon ’ (1858, Glis). Albinus (PN) Albinus (PN) ist im Beleg bim Albinutrog ‘ beim (Tränke) Trog des Albinus ’ (Visperterminen) belegt. Ein Zusammenhang mit dem Dorfnamen Albinu ‘ Albinen ’ besteht nicht direkt, auch wenn der Gemeindename auf den PN A LBINIUS zurückgeführt wird. Vielmehr dürfte der Vorname Albinus gemeint sein, der auch heute noch in Visperterminen als Albin bekannt ist. Alboster Alboster ist nur historisch in Ausserberg 1706 als im Alboster, 1825 aúf dem Alboster (Albaster? ) belegt; der jüngere Beleg ist laut M. S. unsicher. In beiden Fällen ist von einem Stück Wiese die Rede. Der Name sieht aus wie ein Superlativ zu alb, doch ist dieses Adjektiv nicht belegt; das nächstliegende Adjektiv ist älw ‘ fahl, gelb ’ (I D . 1, 211), das aber kaum in Frage kommt. Ein Anklang an Alabaster (wie in der zweiten Lesung von 1825) ist sehr unsicher. Eine Deutung ist nicht möglich. Albrecht (PN) Albrecht (PN) ist ein Tauf- oder Familienname Albrecht (AWWB 4 f.). Belegt ist er in Albrechtigen Wald (1691, Bellwald) und im gleichen Jahr auch für Fieschertal (mit der gleichen Quelle). Gemeint ist der Wald der Albrechtigen (der Familie Albrecht). Auch hieher ist Albrechtgigrabe ‘ der Graben der Familie Albrecht ’ (Oberwald) zu stellen. Der PN Albrecht ist bei F ÖRSTEMANN (1, 163) erwähnt. Albres Albres ist nur einmal in subtus Albres fura ‘ unter der Furche (des) Albres (PN) ’ (1361, Gampel) belegt. Es handelt sich vermutlich um einen gekürzten Genitiv eines PN Albrecht (cf. HL A LBRECHT (PN)) oder ähnlich, vielleicht auch nur verschrieben, obwohl das Dokument an dieser Stelle keine Korrektur aufweist. Albrun Albrun, mit l-Vokalisierung Aubrun, ist primär der Name des Albrunpasses, der vom Binntal ins italienische Val Dévero führt; die deutschen Namen haben Erstbetonung; darauf deutet auch die Form Albren (1645) hin. Der Name ist heute in Albrunhorn, Albrunpass, Auberbärg und Aubrunhitta belegt. Formen mit / u/ entsprechen der / l/ -Vokalisierung der Gegend. Das Simplex fehlt. Der italienische Name ist Arbola, auf der italienischen Seite gibt es einen Rio d ’ Arbola und eine Punta d ’ Arbola. Der Pass selbst heisst auf italienisch Bocchetta d ’ Arbola. H UBSCHMIED (1938, 137 Fussnote 2) und ihm folgend G UEX (1938, 357 und 1976 2 , 176) stellen den Berg- und Passnamen Arbola zu den Flussnamen Aubonne und Albarine, hist. Albona und Albarona mit dem Wortstamm alb- ‘ weiss ’ , die sie auf den Namen der kelt. Flussgöttin ‘ weisse Frau ’ , mask. Albaronos ‘ weisser Mann ’ , zurückführen. Der Name des Flussgottes soll sich im Oberwallis Albiner (FaN) 87 88 <?page no="109"?> zu Albrun und in Frankreich zu Auberon entwickelt haben. Diese Deutung ist schon aus lautlichen Gründen unwahrscheinlich, naheliegender scheint eine / - ONE / -Ableitung des rom. albarus ‘ Weisspappel ’ (REW 318; RN 2, 10 f.). Zum Wechsel von -l- und -rin romanischen Mundarten mit Hinweis auf den Passo d ’ Albora, der zu Arbola wird, siehe Z INSLI (1984, 51). Vermutlich ist Albrun also einfach eine eingedeutschte Form zum it. Arbola. Als it. Name für das Albrunhorn gilt heute auch Monte Figascian (F URRER 1991, 2). Umgekehrt heisst die Punta d ’ Arbola auf dt. Ofenhorn. Alche Alche f. ist im Oberwallis nur in t Auga (Bellwald, / l/ - Vokalisierung) belegt, wo historische Belege Algen (1824 u. später) aufweisen. Als Kompositum erscheint dr Alhurein ‘ der Rain mit Alchen ’ (Ferden). I D . (7, 844 s. v. Salche n ) nennt als weitere Formen Alche n , Alha und nennt einerseits den sumpfigen Boden, anderseits die darauf wachsende Pflanze; im Walliserdeutschen sind Alcha (B ELLWALD 1956) und Alchen (S TEBLER 1928) belegt. BENB (1, 1, 14 ff.) nimmt die Wortformen Alch- / Alk- / Algghieher und verweist auf die genannte I D .-Stelle: sie bezeichnet „ in BE und WS eine sumpfige Wiese u. ä. Gelände, bzw. die Pflanze, die auf solchem Boden häufig wächst “ (15) (cf. HL S ALCHE ). In Bellwald ist t Auga eine ‘ sumpfige Wiese ’ , heute in der Nähe einer Klein-Siedlung. dr Alhurein ist ‘ der sumpfige Rain (Abhang) ’ (Ferden). Alder (FaN) Alder (FaN) kommt nur einmal vor in Aldärschwildi ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Alder ’ (Wiler). Der FaN ist in dieser Form in den zugänglichen Quellen für das Oberwallis nicht belegt; er kommt aber im F AMILIENNAMEN- BUCH DER S CHWEIZ (1, 20) vor allem für den Kanton Appenzell-Ausserhoden vor. Es kann sich auch um einen Bei- oder Übernamen handeln. Alegi Alegi ‘ sanfte Steigung, Abdachung ’ ist zum schwdt. Adj. a(n)lege n ‘ sanft ansteigend, bes. von Terrain ’ bzw. dem dazu gehörenden Sub. A(n)lägi f. ‘ sanfte Steigung oder Abdachung ’ (I D . 3, 1166) zu stellen. Das HL könnte formal in die Verbpartikel an- und das Nomen Legi aufgetrennt werden, doch wird es in allen Fällen ohne Trennung verwendet und das HL L EGI wird meist als ‘ Zaundurchgang ’ verstanden. Das Simplex kommt als Aalegi (Ausserberg, SK), als Alegi (St. Niklaus) und als uf dr Aalegin (Blatten, unterhalb Fafleralp) vor. Hier bildet es ein Namennest mit t Aalegbiäla ‘ die Hügel bei der Aalegin ’ , dr Aalegbopem ‘ der Boden bei der Aalegin ’ , t Aalegfurä ‘ die Furchen bei der Aalegin ’ , t Aalegschiirä ‘ die Scheuern bei der Aalegin ’ , t Aalegsuän ‘ die Wasserleite von / zur Aalegin ’ und t Aalegbopemschiirä ‘ die Scheuern beim Aalegbopem (Boden bei der Aalegin) ’ . Aleminjum Aleminjum ist zu hdt. Aluminium (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 37) zu stellen und nur in Leuk als t Aleminjuhittu und t Aleminjummattu belegt. Die Hütte wurde beim Kraftwerkbau beim Illsee durch die Alusuisse (Chippis) erstellt, die Wiese befand sich früher beim Bahnhof Leuk und gehörte eine Zeit lang der Alusuisse (Chippis). Heute existiert die Alusuisse in dieser Form nicht mehr, sie war aber lange Zeit einer der grossen Arbeitgeber in der Region. Die Aussprache ist gegenüber dem hdt. Gebrauch reduziert. Aletsch Aletsch ist ein zwar bekanntes, aber bisher nicht gedeutetes Lemma. Namengebend ist der Alpname Aletsch (Naters), auf der SK nördlich von der Zunge des Grossen Aletschgletschers auf ca. 1845 m über Meer. Inzwischen hat sich jedoch der Gletscher weit zurückgezogen. Die ältesten Belege sind 1231 Alech, um 1270 Alehc, 1320 Alehc, 1363 Aletz. Erst 1460 ist Aletsch belegt. Soweit phonetische Notationen vorliegen, ist der Name anfangsbetont. Zu vermuten ist ein romanischer Name. Das Simplex Aletsch kommt auch in Fieschertal (FLNK) vor, meint aber dort ein hochgelegenes Felsengebiet oberhalb des Konkordiaplatzes, das wohl nicht einmal als Schafalpe benutzt wird. Als attributive Bildung mit einem Adjektiv wird das Innere Aletsch, auch Aletschji genannt, für Naters, Mörel, Bitsch und Ried-Mörel angegeben - es liegt nordwestlich des Grossen Aletschgletschers und umfasst ein grosses Alpgebiet. Das Gegenstück ist das Üsser Aletsch (auf LK Üssers Aletschi), das seinerseits in Oberaletsch und Unner Aletschji gegliedert ist (auf der SK trennt die Zunge des Oberaletschgletschers dieses Gebiet vom Inner Aletschji). Es scheint also, dass das ganze Gebiet vom Unner Aletschji bis zum Inner Aletschji ein grosses Alpgebiet war, das zu Naters gehörte. Mittelaletsch (Betten, Naters) hingegen liegt im Bereich des Mittelaletschfirns und -gletschers; es dürfte kaum als Alpe genutzt worden sein. Die übrigen Aletsch-Namen in diesem Gebiet enthalten das Lemma als Bestimmungswort zu Bach, Biel, Biwak, Bord, Firn, Gletscher, Grat, Horn, Hütte, Joch, Matta, Tal, Wäg und Wald. Dazu kommen die Adjektive Gross (der Grosse Aletschgletscher), Alt, Mittel, Ober und Unter. 89 90 Aletsch <?page no="110"?> Als Ableitung ist historisch im Aletscher (Turtmann) belegt: zuerst 1675 Jm Aletzer, dann 1717 Im Aletscher. Ob es sich um den gleichen Namen handelt, ist unklar. Die bisher vorliegenden Deutungen gehen von der falschen Annahme aus, dass das Aletschhorn Ausgangspunkt des Namens sei, so bei G ATSCHET und S TUDER , die im Namen die herabstürzenden Lawinen erkennen wollen (frz. avalanche, it. valanga, wdt. alenz, avalenz, eine präsentische Partizipialform vom mlat. AVALLARE , ADVAL- LARE , d. h. AD VALLEM VENIRE ‘ ins Tal stürzen ’ (G ATSCHET 1867, 63; S TUDER 1896, 50; B RIDEL 1866, 22 s. v. avalantzche). C OOLIDGE verwirft diese Etymologie zu Recht, er stellt den Namen mit einem inzwischen erloschenen Walliser FaN Alechera, Alechere, Alethere, Aletscher, Alecher, Alacher, Alatscher und dem Lötschental in Verbindung. „ Wir möchten darin einen leisen Anklang an das ‘ Lötschental ’ sehen, weil diese Gletscher und Alpweiden von Brig aus gesehen, als zum Lötschental zugehörig scheinen “ , er gibt jedoch keine weiteren Erklärungen (C OOLIDGE 1914, 73 ff.); eine Anlehnung an das Lötschtal (cf. HL L ÖTSCHEN ) ist kaum gegeben. Nach heutigem Stand der Forschung bleibt die Bedeutung des Namens offen (W ERLEN 1991, 243). Alfred (PN) Alfred (PN) ist nur einmal im Genitiv des Diminutivs Alfredji -> Alfrigi in ts Alfrigisch Hitta ‘ die Hütte des Alfred (PN) ’ (Betten) belegt. Zum Übergang von -dj, -tj in -gi wie zum Beispiel meitja zu meigja ‘ Mädchen ’ siehe B OHNENBERGER (1913, 183). Es handelt sich um eine einfache Hütte in der Nähe des Bettmersees auf der Bettmeralp; der Vorname ist auf einen Vorbesitzer der Hütte zurückzuführen. Der PN Alfred ist schon F ÖRSTEMANN (1, 70) bekannt und heute noch in Betten belegt. Aliichji Aliichji ist nur in den Verbindungen ts Einig Alichji (Erschmatt, auch FLNK und LT) und ts Einigaliichji (Gampel, auch LT und FLNK) belegt; in beiden Fällen ist ein Gipfel gemeint, der auf der Karte auch als Niwen (Abschluss des Niwungrates) erscheint. Weitere Belege sind ts Driialiichji (Gampel, kleiner Gipfel beim Einigaliichji) und ts Meiggualiichji (Gampel) oberhalb der Alpe Meiggu. Aliichji ist als Wort im I D . nicht belegt, es scheint aber einen Steinmann zu bezeichnen, resp. einen Gipfel mit einem Steinmann; Steinmänner sind Orientierungspunkte im Gebirge, bei denen mehrere lose Steine aufeinandergestellt werden. W ERLEN (2008, 590 f.) verweist darauf, dass die Anlautbetonung, langes [i: ] und die Diminutivendung / -ji/ wohl ein deutsches Wort darstellen. Er geht davon aus, dass eine Bildung vom Typ an + lich + li oder ähnlich vorliegt, es ist jedoch nicht klar, ob lîch die Bedeutung ‘ Körper ’ oder ‘ gleich ’ hat. Wie unter dem HL M ÄLLIG ausgeführt, sind die Formen auf ahd. manlîha ‘ statua, figura humana: Menschenbild ’ (G RAFF 1836, 2, 118), mhd. manlîch ‘ das dem Menschen Gleiche, sein Bild ’ (L EXER 1, 2033) zurückzuführen. Die Deutung unter Mellig (I D . 4, 223) zu ‘ Mehl ’ ist unrichtig. Die belegten Einig- und Driibeziehen sich auf die Zahl der Steinmänner; der Name Meiggualiichji bezieht sich auf eine Anhöhe mit einem Steinmann oberhalb der Alpe Meiggu. All All ist ein vermutlich mehrdeutiges HL. Es tritt nur als Bestimmungswort auf. Allewinde ‘ bei allen Winden ’ ist nur in Ulrichen (FLNK) belegt. Es handelt sich um einen Dorfteil von Ulrichen. Die übrigen Belege enthalten Allmatte (Agarn) ab 1527 jn Almatton, später Allmatte und andere Formen. In Leukerbad ist 1591 Allmatton belegt, eine Form, die als ‘ bei den Erlen ’ verstanden wird. In Leuk ist die entsprechende Form 1748 als in den Almatten belegt. Die Belege aus dem unteren Oberwallis (Agarn, Leuk und Leukerbad) enthalten wohl aulne ‘ die Erle ’ (cf. FEW 15, 1, 14 s. v. *alisa (anfrk.) erle), während der Beleg aus Ulrichen hdt. all (I D . 1, 157) ‘ alle ’ enthält. Allesen Allesen ist nur historisch 1765 in Raron als die Allesenmatten und Allesenmatten belegt. Die Flur wird lateinisch als marechiam bezeichnet, was als ‘ Sumpf ’ zu verstehen ist. Das HL ist wohl zu schwdt. Alesne ‘ Ahle ’ und wdt. Alesa, Alsa (Mattertal), Alussa (Lötschtal) und Alesu ‘ Ahle ’ (I D . 1, 173; G RICHTING 1998, 25) zu stellen. Es wird metaphorisch auf die Form des Grundstücks angewandt (cf. HL A ALESE ). Möglich ist aber auch ein Genitiv zu einem PN Alesia, der aber selten belegt ist (AWWB 90 s. v. Exchampéry). Allet (FaN) Allet ist zum FaN Allet, auch Alleti, Allietti, Alliet, Alieti, Allyet (AWWB 5) zu stellen. Der FaN ist als Flurname nur belegt in ts Alletgüed ‘ das Gut der Familie Allet ’ (Leuk). Allmei Allmei f. ‘ Allmende ’ ist zu schwdt. Allmein, Allmeind, Allmend f. ‘ Gemeinweide ’ , mhd. almende, al(ge)meinde, ahd. *(ala)gimeinida ‘ Agrargemeinschaft ’ (I D . 1, 190 ff.; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 33 s. v. Allmende) zu stellen. G RICHTING (1998, 25) deutet Allmei als ‘ Gemeinschaftsboden ’ . In den Urkunden wird häufig das quasi-lateinische almenia verwendet. Alfred (PN) 91 92 <?page no="111"?> Das Simplex im Singular ist Allmei, in historischen Belegen auch Allmein und Almenia (latinisiert), im unteren Goms Aumei mit / l/ -Vokalisierung. Es ist rund zwölf Mal belegt. In einer Reihe von Belegen werden die Besitzer im Genitiv identifiziert: almeniam Argessensium ‘ die Allmein (gemeinsamer Besitz) der Leute von Ergisch ’ (1630, Ergisch), Bettmero almeniam ‘ die Allmein der Leute von Betten ’ (1770, Betten), Gopillero … almeniam ‘ die Allmend der Leute von Goppisberg ’ (1770, Goppisberg), an Greichero Almein ‘ an die Allmein der Leute von Greich ’ (1677, Greich), au ᵕ ff der Riederen Almeÿ ‘ auf der Allmein der Leute von Ried ’ (1825, St. Niklaus, Grächen), almeniam burgensium Vespie ‘ die Allmei der Burger von Visp ’ (1546, Visp), die Wyler Allmeÿn ‘ die Allmein der Leute von Wiler ’ (1754, Blatten), unter Túnnitschiro Almein ‘ unter der Allmein der Leute von Tunetsch ’ (1643). t Moseralmei ‘ die Allmein (Burgergebiet) beim Moss (Weiler von Naters) ’ (Naters) enthält einen alten Genitiv, der wie ein Adjektiv aussieht. Mit attributiven Adjektiven sind belegt: Inner Allmei ‘ die innere (taleinwärts liegende) Allmein ’ (Embd), Unner Allmei ‘ die untere Allmein ’ (Bellwald), Üsser Allmei ‘ die äussere (talauswärts liegende) Allmein ’ (Embd). Als Grundwort ist Allmei mit Flurnamen verbunden, welche die Lage der Allmei kennzeichnen: di Dorfallmei ‘ die Allmein beim Dorf ’ (Leukerbad), t Fiessalmei ‘ die Allmein bei Fiess ’ (Leukerbad), t Hollerallmei ‘ die Allmei oberhalb Holler (wo es Holunderstauden hat) ’ (Eisten, Saas-Balen), t Lufualmei ‘ die Allmein bei Lufu ’ (Niedergesteln), auf der Tscherggalmein ‘ auf der Allmein bei Tscherggu ’ (1927, Eischoll). Komplexer ist der historische Beleg von 1869 in Törbel auf die intere Törbelallmei ‘ auf die innere Allmein von Törbel ’ . Als Bestimmungswort verbindet sich Allmei mit Färich, Giesse, Schiir, Stadel und Wald, wobei im Einzelfall unklar ist, ob es sich um ein Gebäude, einen Wald oder einen Bach handelt, der bei einer Allmei liegt oder der selbst Gemeinbesitz ist. Allubärzä (PN) Allubärzä ist belegt als t Allubärzä (Gampel, 1: 10000 Allubärtsche). Historisch erscheint es auch in Bratsch als in Alobertschen (1752, 1772), in den Albertschen (1785) und jn Alabertschy (1825). Die Beschreibung Gampelji inferioris ‘ Niedergampel ’ legt nahe, dass es sich um die gleiche Flur handelt. Die ältesten Formen legen einen PN im Genitiv Singular nahe. Bei F ÖRSTEMANN (1, 52) ist Alabert belegt; es dürfte sich also um ‘ das Land des Alubert ’ (oder ähnlich) handeln. Allun (PN) Allun kommt nur im Beleg ts Allungadu ‘ der Gaden des Allo ’ (Greich) vor. Es handelt sich wohl um den schwachen Genitiv eines PN Al(l)o, der ev. als Kurzform von Alach oder Adalgisus (BENB 1, 1, 18, nach H UBSCHMIED 1940, 53; B ACH PN 1, 132) zu verstehen ist. Älm Älm ‘ Ulme ’ ist der schwdt. Baumname Ilm, Ilme, Elme, Olme, Ulm, Ulme f./ m. nhd. ‘ Ulme ’ , mhd. ē lme und ëlme f., gegenüber dem Nhd. entlehnt aus lat. ULMUS (I D . 1, 193). Belegt sind die Formen ts Älum n. und ts Älmi n., beide sind als ‘ Gehölz mit Ulmen ’ zu verstehen, die erste mit dem Genus Neutrum allein, die zweite mit dem Ableitungssuffix / - AHI / > / - I / (S ONDEREGGER 1958, 466 ff.) für ein Standortkollektiv. In einigen Fällen scheint ein Diminutiv Älmi als Diminutiv zu Allmeind (I D . 1, 188) nicht ausgeschlossen. Belegt sind: ts Älum ‘ das Gehölz mit Ulmen ’ (Ausserberg, Baltschieder; gemeint ist die gleiche Flur), am Elmen ‘ am Gehölz mit Ulmen ’ (1528, Ernen), ts Älmi ‘ das Gehölz mit Ulmen ’ (Oberwald), ts Äumi ‘ das Gehölz mit Ulmen ’ (Fiesch, mit l-Vokalisierung), jm Elmi ‘ im Gehölz mit Ulmen ’ (1715, Ried-Mörel; ebenfalls 1715 der Elmi ‘ aus der Elmi-Wasserleitung ’ ). Mit einem attributiven Adjektiv findet sich im breiten Elmi ‘ im breiten Gehölz mit Ulmen ’ (1717, Obergesteln). Als Bestimmungswort findet sich das HL in der Älmibode ‘ der Boden beim Älmi (Gehölz mit Ulmen) ’ (Oberwald; Gwp. leitet es aber von Allmeind ab! ), der Älumgrabo ‘ der Graben beim Gehölz mit Ulmen ’ (Baltschieder) und t Äumiwasserleita ‘ die Wasserleitung zum Äumi (Gehölz mit Ulmen) ’ (Fiesch). Der SK-Beleg Elmsteg ‘ der Steg (über den Baltschiederbach) beim Älum (Gehölz mit Ulmen) ’ (Eggerberg) befindet sich nahe beim Älum (Ausserberg, Baltschieder). Beim SK-Beleg Elmet (Mund) ‘ das Gehölz mit Ulmen ’ handelt es sich um ein verschriebenes Ebnet (so auch S TEBLER 1913, 48), vgl. Äbnet ‘ das ebene Land ’ (Mund) (cf. HL Ä BNET ). Almagäll Almagäll (mit Endbetonung) ist der Name der Gemeinde Saas-Almagell; eine Erklärung für Almagäll ist nicht möglich (cf. Saas-Almagell bei den Gemeindenamen). Das Simplex Almagäll wird nur für die Gemeinde verwendet; der LT-Beleg Saas-Almagell Dörfli meint einen nördlichen Weiler, der sonst Chäischlitu heisst. Einen vorangestellten Genitiv Plural enthält der Almagälleru Bitz ‘ das kleine Stück Alp der Leute von Almagell ’ . Die meisten übrigen Belege enthalten Almagäller als Herkunfts- oder Zugehörigkeitsbezeichung mit den Grund- 93 94 Almagäll <?page no="112"?> wörtern Alpa, Bach, Furgga, Hitta (SAC), Hitte (Alphütten), Hooru, Stafel, Viertil, Vischpu (in Saas-Grund) und Tal. Eine komplexere Bildung ist Allmagäller Suonuwäg ‘ der Weg zu den Suonen von Almagell ’ . Zweimal erscheint Amigäller: ts Amigällerhoru (unterhalb des Almagellerhorn, auch Unters Horn genannt) und t Amiggälerhitte ‘ die Hütten von Almagell im Furggtäli ’ . Alle genannten Namen beziehen sich auf dem Gemeindenamen; zu den historischen Belegen siehe den Gemeindenamen A LMAGELL . Alnon Alnon ist nur in zen Lengnon Alnon (1320, Termen) belegt. Es handelt sich um einen Dativ Plural. Alnon ist wohl ein Lehn- oder Fremdwort im Dativ Plural zu lat. ALNUS ‘ Erle ’ . Der Name ist zu deuten als ‘ bei den langen Erlen ’ . Eine Übernahme aus dem Französischen ist dabei kaum möglich (vgl. FEW 15, 1, 14 s. v. *alisa ‘ Erle ’ ); im Übrigen wird in der frpr. Schweiz verna, vergna verwendet (B RIDEL 1866, 406; B OSSARD / C HAVAN 2006, 174); vgl. aber HL A LL . Alo Alo ist nur belegt in t Alobielstapfu, t Obri Alobielstapfu und t Undri Alobielstapfu (alle Niedergesteln). Es handelt sich in allen drei Fällen um einen Zaunüberstieg im Gebiet Alobiel. Das Grundwort Biel ‘ Hügel ’ ist bekannt; Alo hingegen nicht. Ein Anschluss an Allod ‘ freies uneingeschränktes Vermögen ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 33) verbietet sich, da das ursprüngliche Rechtswort latinisiert und erst im 19. Jahrhundert wieder ins Deutsche übernommen wurde. Zwar kennen B OSSARD / C HAVAN (2006, 123) Alloux, Allaux und andere, die sie auf Patois-Formen für das frz. alleu zurückführen, das seinerseits auf Allod zurückgeht. Ein solcher Einfluss dürfte allerdings für Niedergesteln kaum angenommen werden. Ob in Alo ein PN oder Beiname als Besitzername vorliegt, bleibt fraglich. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Alois (PN) Alois (PN) ist in der Form Wiisi zu schwdt. W ī sel (I D . 16, 2012, wo auch W ī si angegeben ist) zu stellen. Belegt ist es in ts Ober und ts Unner Wiisch Bord (Grengiols) mit dem Hinweis, dass Wiisch hier als <ts wiisisch> ‘ des Alois ’ zu verstehen sei. Weiter sind belegt ts Bäärtschuwiisisch Gufer ‘ das Steingeröll des Alois Bäärtschi ’ (Randa) und dr Treesawiisischleif ‘ der Schleif des Treesawiisi (Alois, wohl Sohn der Treesa (Theresa)) ’ (Steg). Die beiden PNN kennzeichnen die Besitzer oder Nutzer. Der PN ist als Alois auch schon bei F ÖRSTEMANN (1, 1622) belegt. Alpa Alpa f. ist zu schwdt. Alp, Alb, Alpa, Alben f., Pl. Alpe n , Dim. Alpetli, Älpetli, Alpli, Alpi, ahd. alpa, mhd. albe, wie nhd. ‘ Alpe, Bergwiese, bes. für Melkvieh ’ und ‘ Recht der Benutzung einer Gemeinalp ’ , sowie Alpa, Alpä (Goms), Alpu ‘ Alpe ’ (I D . 1, 193 ff.; G RICHTING 1998, 25) und Aupa (im unteren Goms) zu stellen. S EEBOLD / K LUGE ( 25 2011, 24) vermuten im Anschluss an die Literatur ein vorindogermanisches Wort mit der Bedeutung ‘ Berg ’ . Das HL ist in über 550 Flurnamen belegt. Das Simplex im Singular erscheint als in der Alben (1707, Visperterminen) und t Alpa (St. Niklaus, Zermatt, Zwischbergen). Lateinische Formen von alpis sind im Allgemeinen Appellative, keine Namen. Plurale sind nicht belegt. Als Diminutive im Singular erscheinen ts Alpgi (unklares Datum, Saas-Fee), im Alpgÿ (1708, Embdt), ts Alpji (Eischoll, Glis (zweimal), Ried-Brig (dreimal), Simplon, Törbel und Zwischbergen, Alpji (FLNK, Termen), ts Ällpi (Saas-Balen, Saas-Fee). Plurale sind nicht belegt. Attributive Adjektive oder Partizipien sind: die Gemeinen Alpen ‘ die Alpen, die der Gemeinde gehören ’ (1824, Naters), die Gemein Alpen ‘ die Alpe, die der Gemeinde gehört ’ (1774 (? ), Eggerberg), in der Gemeinen Alpen ‘ auf der Alpe, die der Gemeinde gehört ’ (1746, Simplon; 1650 super communi alpe), vss der Gemeinen Alpen ‘ die Alpe, die der Gemeinde gehört ’ (1469, Ernen), von der Gemeinen Alpen ‘ von der Alpe, die der Gemeinde gehört ’ (1714, Binn; 1490 u. 1655 communi alpe), die Grosse Alpen ‘ die grosse Alpe (von Geren) ’ (1550, Oberwald), t Inner Alpa ‘ die innere Alpe ’ (Zwischbergen), die Kaufte Alpe ‘ die gekaufte Alpe ’ (1681, Blitzingen; unklar, ob es sich überhaupt um einen Flurnamen handelt), an der Nydrun Alpun ‘ an der niederen (unteren) Alpe ’ (1448, Zermatt), (lat.: ) apud inferiorem alpem ‘ bei der unteren Alpe ’ (1369, Ried-Brig), in der Nydron Alpon ‘ in der niederen (unteren) Alpe ’ (1393, Termen), in der Obren Alpen ‘ in der oberen Alpe ’ (1749, Ried-Brig), Obere Alpe ‘ die obere Alpe ’ (1862, Mund), in den Obern Alpen ‘ in den oberen Alpen ’ (1774, Termen), (lat.: ) in superiori alpe ‘ auf der oberen Alpe ’ (1449, Zermatt), in der Obren Alpen (1749, Ried-Brig), ts Ober Alpji (Randa, Zwischbergen (zweimal)), Obere Alpe (1862, Mund), Oberste Alp ‘ die oberste Alpe ’ (SK, Visperterminen), t Obri Alpu ‘ die obere Alpe ’ (Albinen), in den Vndresten Alpen ‘ in den untersten Alpen ’ (1745, Törbel), t Undri Alpu (Albinen), ts Undruscht Alpa ‘ (das Gebiet) zu unterst der Alpe ’ (Gampel), t Unner Alpa ‘ die untere Alpe ’ (Zermatt), ts Unner Alpji ‘ die untere kleine Alpe ’ (Zwischbergen (zweimal)), iner Unner Aupe ‘ in der unteren Alpe ’ (Martisberg), ts Wiiss Alpji ‘ die kleine Weisse Alpe ’ (Bürchen). Alnon 95 96 <?page no="113"?> Die meisten attributiven Adjektive kennzeichnen die relative Lage oben - unten. Vorangestellte Genitive (ohne die alten Genitive Plural auf / - ER / ) sind: in Arnolsch Alpen ‘ in der Alpe des Arnold / der Familie Arnold ’ (1676 u. später, Törbel), Balligo Alpji ‘ die kleine Alpe der Familie Balli (Balet? ) ’ (1675, Unterbäch), jn Bertoldsalpen ‘ auf der Alpe des Bertold ’ (1768, Ergisch), in Bitschigo Alpÿ ‘ auf der kleinen Alpe der Leute des Bitschin ’ (1742 u. später, Turtmann), ts Bitschisch Alpji ‘ die kleine Alpe der Familie Bitschin ’ (Glis), in Bÿtschis Alpyn ‘ in der kleinen Alpe der Familie Bitschin ’ (1745 Ergisch; 1830 die Alpen Pitschier), in Bortero Alpe ‘ auf der Alpe der Familie Borter ’ (1679, Bürchen; 1678 steht Vortero Alpe), in alpegio der Dietzigen ‘ (lat.: in alpegio) in der Alpe der Familie Diezig ’ (1654, Binn; Genitiv ist aus Konstruktionsgründen nachgestellt), jn Gersters Alpen ‘ auf der Alpe der Familie Gerster ’ (1628, Visperterminen), Ggugis Alpa ‘ die Alpe des Guggi / die Guggi-Alpe ’ (153? , Törbel), ts Guschtavsch Alpji ‘ die Alpe des Gustav (laut Gwp. Gustav Heinzmann) ’ (Visperterminen), in Hofero Alpen ‘ auf der Alpe der Familie Hofer / der Leute vom Hof ’ (1528, Saas-Grund), Jennen Alpen ‘ die Alpe der Familie Jennen ’ (1681, Blitzingen), Júnigo Alpgi ‘ die kleine Alpe der Familie Juon ’ (Unterbäch), Kalbermattero Alpÿ ‘ die kleine Alpe der Familie Kalbermatter ’ (1687 Ergisch; 1687 Turtmann, gleiche Alpe), in alpe illorum de Martis ‘ (lat.: in alpe illorum de Martis) in der Alpe der Leute von Martisberg ’ (1648, Martisberg; Genitiv ist konstruktionsbedingt nachgestellt), Niggligo Alpen ‘ die Alpe der Leute des Niggeli / der Familie Niggeli (Nikolaus) ’ (1585, Oberems), ts Pfarheersch Alpa ‘ die Alpe des Pfarrherrn ’ (Naters; FLNK Pfarrherrualpa), ts Stoffolsch Alpji ‘ die kleine (Vor-)Alpe des Stoffel / der Familie Stoffel ’ (Visperterminen), Trogerro Alpa ‘ die Alpe der Familie Troger ’ (1548, Turtmann), Trogerro Alpgÿ ‘ die kleine Alpe der Familie Troger ’ (1585, Ergisch), Weissen Alpli ‘ die kleine weisse Alpe / die kleine Alpe der Familie Weissen ’ (1706, Turtmann), Zimermans Alpen ‘ die Alpe der Familie Zimmermann ’ (1744, Ergisch). Die / - ER / -Belege (alte Genitive Plural) sind vor allem mit Gemeindenamen vertreten und erscheinen manchmal auch als Erstglieder von Komposita: Almagäller Älpi ‘ die kleine Alpe der Leute von Almagell ’ (FLNK, Saas- Almagell; LT Almagelleralp, SK Almageller Alp) (die Höhenangaben differieren stark, wohl grössere Alp mit einem Stafel), Au ᵕ serbinner Alpen ‘ die Alpen der Leute von Ausserbinn ’ (1844, Ernen), Balmerro Alpelti ‘ die kleine Alpe der Leute von Saas-Balen ’ (1553), in Balmerro Alpen ‘ die Alpe der Leute von Saas-Balen ’ (1528, Saas- Balen), Bettmeralp ‘ die Alpe, die den Leuten von Betten gehört ’ (LT und SK, Betten; 1583 apud alpem Bettmerro), t Bischtmeralpa ‘ die Alpe der Geteilen von Bister ’ (Filet), t Bobmeraupa ‘ die Alpe der Leute von Bodmen ’ (Blitzingen; laut Gwp. Leute aus dem Weiler Bodmen), di Borteralpu ‘ die Alpe der Familie Borter ’ (Oberems, laut Gwp. FaN Borter, auch ze Borteru), Brÿgerro Alp ‘ die Alpe der Leute von Brig ’ (1578, Glis), Bürchner Alp ‘ die zur Gemeinde Bürchen gehörende Alpe ’ (LT, Bürchen), au ᵕ ff Viescherern Alpen ‘ auf der Alpe der Leute von Fiesch ’ (1691, Fieschertal), t Fiescheraupa ‘ die Alpe der Leute von Fiesch ’ (Fiesch), Fieschertalleren Alpen ‘ die Alpe der Leute von Fieschertal ’ (1818, Lax), in Finninero Alpen ‘ auf der Alpe der Leute von Finnen ’ (1306, Eggerberg), Geschineralp ‘ die Alpe der Leute von Geschinen ’ (1471, Geschinen), in der Gorpiler Alpe ‘ auf der Alpe der Leute von Goppisberg ’ (1839, Goppisberg; 1809 in alpibus de Goppileren), Goppisbergeralp ‘ das Alpgebiet der Leute von Goppisberg ’ (LT u. SK, Goppisberg), Gräicher Alpe ‘ die Alpe der Leute von Greich / die zu Greich gehört ’ (FLNK u. LT, Greicheralp; Name ist phonetisch Gräicheralp), Laggeralpa ‘ die Alpe der Leute von Lax ’ (FLNK, Lax), Laxeralp ‘ die Alpe der Leute von Lax ’ (LT u. SK, Lax), Leigeralpa ‘ die Alpe der Leute von Leiggern ’ (Ausserberg; LT u. FLNK Leiggeralpa), Martisbergeralp ‘ die Alpe der Leute von Martisberg ’ (LT, Martisberg), Milebacheraupa ‘ die Alpe von Mühlebach ’ (FLNK, Mühlebach), Munder Alpe ‘ (lat. alpes) die Alpen der Leute von Mund ’ (1527 Baltschieder; 1527 Mund), Riederalpa ‘ die Alpe der Leute von Ried-Mörel ’ (FLNK, Ried-Mörel; LT und SK Riederalp), Ritzigeralpe ‘ die Alpe der Leute von Ritzingen ’ (FLNK, Gluringen; FLNK, Ritzingen), alpem Schineren ‘ (lat.: alpem) die Alpe der Familie Schiner ’ (1520, Binn), ts Schreeteralpji ‘ die kleine Alpe der Familie Schröter ’ (Eischoll), Varneralp ‘ die Alpe der Leute von Varen ’ (LT und SK, Varen; FLNK Varneralpu), Vischper Alpa ‘ die Alpe der Leute von Visp (im Nanztal) ’ (1519, Visperterminen; 1717 Wisper Alpen), Wileralpen ‘ die Alpe von Wiler ’ (1811, Lax), t Wileraupa ‘ die Alpe von Wiler (Weiler von Blitzingen) ’ (Fiesch), ts Wileraupji ‘ die kleine Alpe von Wiler (Weiler von Blitzingen) ’ (Fiesch), Zwischberger Alppen ‘ die Alpen von Zwischbergen ’ (Zwischbergen). Einen nachgestellten Genitiv Plural findet man in jn Alpe Tallerro ‘ in der Alpe der Leute vom Tal (wohl Fieschertal) ’ (1508, Fieschertal). Eine sonst selten belegte Konstruktion besteht im Grundwort Alp und einer Apposition dazu. So gibt es Alp Distel ‘ die Alpe, wo es Disteln hat ’ (LT, Saas-Almagell), Alp Hermetje ‘ die Alp Hermetje (Mettle des Herrn? ) ’ (Zermatt), t Alpa Bäll ‘ die Alpe Bälle ’ (Naters; sonst auch Belalp, wohl in Anlehnung an frz. la belle alpe), Alpe Bächi ‘ die Alpe Bächi (bächereiches Gebiet) ’ (FLNK, Reckingen), in Alpe Biellensium (latinisiert) ‘ die Alpe der Leute von Biel ’ (1733, Biel), Alpa Finilu ‘ die Alpe Finilu (Heuschober; SK Fin- 97 98 Alpa <?page no="114"?> nelenalp, gehört zu Eisten) ’ (Eisten), Alpe Gamilti ‘ die Alpe mit der kleinen Hütte (unsicher) ’ (1680 u. später, Zwischbergen), Alpa au ᵕ ff dem Driest ‘ die Alpe auf dem Driest (unfruchtbares Gebiet) ’ (1401 u. später, Naters; die Namen wechseln, es handelt sich wohl um eine Alpe im inneren Aletschi, die auf dem Driest genannt wurde), alpe zem Beche ‘ auf der Alpe zum Bach ’ (1399, Ried-Mörel), alpe zem Bech ‘ auf der Alpe zum Bach ’ (1480, Naters; die Belege sind unklar, meist nur zum Bech), in Alpe Agerun ‘ die Alpe der Familie Äger / der Leute von Ager (Geren) ’ (1548; Oberwald; später Gerenalp) und weitere. Eine Reihe von Namen weisen dabei romanische Appositionen oder präpositionale Bestimmungen mit de auf: Alpen Camona ‘ die Alpe Camona (Hütte) (liegt jenseits der Grenze in Italien) ’ , Alpa Possetta ‘ die Alpe Pussetta (kleiner Tannenwald) ’ (SK, Zwischbergen), Alpis Sottheroz ‘ die Alpe, die dem Gerichtsboten zur Verfügung gestellt wurde ’ (1495, Salgesch), alpem deys chauanes ‘ die Alpe mit den Hütten ’ (1357, Leukerbad), Alpis de curmilz ‘ die Alpe von Curmilz (unklar) ’ (1346, Leukerbad), in alpe de la soterod ‘ auf der Alpe, die dem Gerichtsboten zur Verfügung gestellt wurde ’ (1344, Feschel), alpem de lalpeta ‘ die Alpe genannt die kleine Alpe ’ (1328 u. später, Leukerbad), alpem de solla ‘ die Boden-Alpe ’ (1346, Leukerbad). In einem Fall ist ein PN im Genitiv nachgestellt: in alpe Otolfi ‘ auf der Alpe des Otolf ’ (1232, Ried-Brig). Andere Belege sind: der Alpen Rodani ‘ die Alpe Rudu (heute Alpjerung) ’ (1511 u. später, Zwischbergen), in alpe Ruspecca ‘ die Alpe Rusp-Egga (Rusp-Ecke, unklar) ’ (Visperterminen) und andere mehr. Das Bild wird hier bestimmt durch lateinische und romanische Konstruktionen, wobei lat. ALPIS und dt. Alpe oft nur appellativen Charakter haben. Als Grundwort tritt das HL zunächst mit Tiernamen auf: Chiealpa ‘ die Alpe für die Kühe ’ (FLNK, Bellwald), Chuealpa ‘ die Alpe für die Kühe ’ (FLNK, Betten), Gämschalpji ‘ die kleine Alpe mit Gämsen ’ (FLNK, Guttet), Chalberalpa ‘ die Alpe für die Kälber ’ (FLNK, Bellwald), Lämmerenalp ‘ die Alpe mit vielen Lämmern ’ (LT und SK, Leukerbad; FLNK Lämmerenalpu), ts Bäralpji ‘ die kleine Alpe, wo es Bären hatte ’ (Ried-Brig), ts (e) Rinneralpu ‘ bei der Alpe für die Rinder ’ (Unterbäch, LT Rinderalp) und ohne Vokalvorschlag in den Formen Rinderalpen ‘ die Alpe für die Rinder ’ (1701, Feschel), jn der Rinderalpen ‘ in der Alpe für die Rinder ’ (1616, Eischoll; der Beleg von 1729 gehört wohl zu Ergisch), die Rinder Alpen ‘ die Alpe für die Rinder ’ (1693, Törbel), ts Rinneralpji ‘ die kleine Alpe für die Rinder ’ (St. Niklaus, laut Gwp. heute Schafalpe), t Rinneralpu ‘ die Alpe für die Rinder ’ (Oberems, laut Gwp. früher Voralpe, heute überwaldet), Schafalpa ‘ die Alpe für die Schafe ’ (FLNK, Bellwald), t Schaafalpa ‘ die Alpe für die Schafe ’ (Visperterminen), Schafalpen (1600 u. später, Turtmann), t Schaafalpu ‘ die Alpe für die Schafe ’ (Ergisch), ts Stieralpji ‘ die kleine Alpe für die Stiere ’ (Erschmatt), t Stieralpu ‘ die Alpe für die Stiere ’ (Guttet) (gemeint ist in beiden Fällen wohl die Alpe für die Stierkälber (R ÜBEL 1950, 23); Stiere wurden kaum auf die Alpen getrieben), ts Tieralpji ‘ die Alpe mit Gämsen ’ (Betten). Komplexer ist t Ämser Schafalpu ‘ die Alpe für die Schafe der Leute von Ems (heute Ober- und Unterms) ’ (Oberems), Ämsär Schafalpu ‘ die Alpe für die Schafe der Leute von Ems (heute Ober- und Unterems) ’ (FLNK, Turtmann). Gemeinde-, Weiler-, Familien- und Personennamen ohne Veränderungen sind: Eischollalpu ‘ die Alpe von Eischoll ’ (FLNK, Eischoll), Ergischalpen ‘ die Alpen von Ergisch ’ (SK, Ergisch), Gerenalp ‘ die Alpe Geere (spitzer Streifen Landes) ’ (1846, Obergesteln), Illalpu ‘ die Ill-Alpe (Alpe beim Illi ‘ Aue ’ ) ’ (FLNK, Leuk), Jolialpa ‘ die Jolialpe (im Jolital) ’ (FLNK, Niedergesteln; SK Ijollialp), Jooscht Alpji ‘ die kleine Alpe des Jost / der Familie Jost ’ (Ergisch), ts Perrigalpji ‘ die kleine Alpe der Familie Perrig ’ (Glis), alpium de Sarqueno ‘ die Alpen von Salgesch ’ (1490, Salgesch), ts Schreeteralpji ‘ die kleine Alpe der Familie Schröter ’ (Eischoll), Spüttelalp ‘ die Alpe beim Spittel (auf der Grimsel) ’ (1604, Oberwald), die Taferalpe ‘ die Alpe bei der Taferna ’ (1857, Ried-Brig), Törbelalpen ‘ die Alpe von Törbel ’ (SK, Törbel; 1412 in alpe de Torbio), Täschalpa ‘ die Alpe von Täsch ’ (FLNK, Täsch; 1388, in alpe de Tesche). Zwei lateinische Belege betreffen das Baltschiedertal: alpis ponÿrrensis ‘ der Alpe von Baltschieder ’ (1660, Baltschieder), in alpe de Balschedertal ‘ in der Alpe des Baltschiedertales ’ (1381, Baltschieder). Die meisten Belege mit dem HL als Grundwort in zweigliedrigen Komposita beziehen sich auf eine naheliegende Flur. Beispiele dafür sind: t Eiualpu ‘ die Alpe an der Aue ’ (Saas-Almagell), t Faldumalp (LT u. SK, Ferden) ‘ die Faldumalp ’ , Findelalp ‘ die Findelalp (LT; lebend: ts Findle) ’ (LT, Zermatt), t Flüealp ‘ die Fluh-Alpe ’ (Leukerbad, so nicht bei R. G RICHTING 1993; Zermatt), t Furggalpu ‘ die Furggalpe (Pass und Alpe) ’ (Saas-Almagell), Gletscheralp ‘ die Gletscheralp (früher wohl im Vorfeld des Langgletschers) ’ (Blatten), di Graadalpa ‘ die Gratalpe (Alpe unterhalb des Gebietes Grat) ’ (St. Niklaus) und viele andere mehr. Komplexere Konstruktionen sind Hotel Belalp ‘ das Hotel Belalp ’ (FLNK, Naters) (wohl in Anlehnung an frz. belle alpe; sonst Alpa Bäll), Milebacher Chalberaupa ‘ die Kälberalpe von Mühlebach ’ (FLNK, Mühlebach), ts Ober Borteralpji ‘ der obere Teil der kleinen Alp der Familie Borter ’ (Unterbäch), ts Ober Chiefferalpji ‘ der obere Teil der kleinen Küfer-Alp ’ (Leuk), ts Ober Geertschigalpji ‘ der obere Teil der kleinen Alpe der Familie Gertschen ’ (Unterbäch), ts Ober Gämschalpji ‘ der obere Teil der Alpa 99 100 <?page no="115"?> kleinen Gemsalpe ’ (Guttet), ts Ober Sänggalpji ‘ der obere Teil der kleinen Alpe oberhalb des Sengg (durch Sengen gerodetes Gebiet) ’ (Eischoll) und weitere Alpen mit dem Attribut Ober, Balmfluh Alp ‘ die Alpe beim Felsen, der überhängt (heute: Balma) ’ (SK, Zwischbergen), Bodmero Schaffalpen ‘ die Schafalpe der Leute von Bodmen ’ (1593, Fiesch), ts Rinderfäldalpji ‘ die kleine Alpe mit dem Rinderfeld ’ (Hohtenn), wobei Rinderfäld kein belegter eigener Flurname ist, Rosswaldalpa ‘ die Alpe oberhalb des Rosswald (Wald, der einem Pferd gleicht) ’ (Termen), Schwarzbergalp ‘ die Alp Schwarzberg ’ (LT, Saas-Almagell; FLNK Schwarzbärgalp), ts Spilbielalpji ‘ die kleine Alpe im Berech des Spilbiel (Spiel-Hügel) ’ (Hohtenn), di Turtmaschafalpu ‘ die Schafalpe der Alpgenossenschaft Turtmann ’ (Oberems), t Undri Eischleralpu ‘ die untere Alpe von Eischoll ’ (Eischoll), t Undri Fäsilalpu ‘ die untere Fäsilalpe (LT Untere Feselalp) ’ (Gampel), t Undri Illalpu ‘ die untere Ill-Alpe (Alpe beim Illi ‘ Aue ’ ) ’ (Leuk), Unner Borteralpji ‘ der untere Teil der kleinen Alpe der Familie Borter ’ (Unterbäch) und weitere Alpen mit Unner, Winckell Riedero Alpÿ ‘ der Winkel auf der kleinen Alpe der Familie Rieder / der Leute vom Ried ’ (1687, Ergisch; 1687, Turtmann), das Weis-Flühen-Älpchen ‘ die kleine Alpe bei der weissen Fluh ’ (1821, Ergisch). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Brigga, Chäller, Chrache, Chromu, Fääsch, Gassa, Hitta, Hubel, Lee, Löuwina, Matta, Müra, Rigg, Riss, Rüüs, Schleif, Schiir, Schlüche, See, Suon, Stafel, Straas, Stutz, Üewand, Wäg, Wald, Wang, Wasser und Züü. Komplexere Konstruktionen finden sich in ts Albiner Alputirli ‘ die kleine Tür auf dem Weg zur Albiner Alpe ’ (Albinen), der Alphubelgletscher ‘ der Gletscher unter dem Alphubel (Gipfelname) ’ (Täsch), ts Alphubeljoch ‘ das Joch beim Alphubel (Gipfelname) ’ (Saas-Fee, Täsch), am Alpmattknúbel ‘ am Hügel bei der Alpmatt (Alpenwiese) ’ (1796, Naters), Alpuwasserleitu ‘ die Wasserleitung für die Alpe ’ (Varen), t Alpwäggräbem ‘ die Gräben beim Alpweg (Weg in die Alpe) ’ (Ferden), dem alten Alpweeg ‘ dem alten Weg, der zur Alpe führt ’ (1766, Münster; Dativ konstruktionsbedingt), den Alten Obren Alpweg ‘ der alte obere Weg auf die Alpe (unklar, ob Name oder Appellativ) ’ (1755, Eisten; Akkusativ konstruktionsbedingt), der Eischolalpgraad ‘ der Grat auf der Alpe von Eischoll ’ (Eischoll), Ergischalphorn ‘ das Ergischalphorn (Gipfelname, benannt nach der Ergisch Alpe) ’ (LT, Eischoll), ts Guttneralputiri ‘ die kleine Türe auf dem Weg zur Alpe der Leute von Guttet ’ (Albinen), in Hans Alpu ᵕ nwald ‘ im Wald des Hans bei der Alpe (unklar) ’ (1688, Grächen), t Hinner Alpgasse ‘ die hintere Gasse, die zur Alpe führt ’ (Oberwald) und andere mehr. Eine Ableitung auf - JA / - JU (wohl mit Palatalisierung eines / l/ , wie bei R ÜBEL (1950, 120, Fn. 6) für Triichja belegt, ist im Typ Alpja / Alpju, Plural Alpje belegt. Es handelt sich um eine Stellenbezeichnung, also etwa ‘ das Alpgebiet ’ , wobei sich diese Kennzeichnung auch einfach als Gebiet mit Etz-Wiesen verstanden werden kann. Belegt sind: Alpia ‘ die Alpe, die Alpia heisst ’ (1424, Eggerberg), Alpja ‘ die Alpja (Name eines Alpgebietes) ’ (FLNK u. LT, Baltschieder), t Alpja ‘ die Alpja (Name eines Gebietes, unsicher) ’ (Ausserberg), t Alpja ‘ die Alpja (laut Gwp. keine Alpe, sondern eine Schafweide) ’ (Mund), t Alpia ‘ die Alpia (Name einer Alpe) ’ (St. Niklaus), in den Alpien ‘ in den Alpien (Namen eines Alpgebietes) ’ (1705, Saas-Grund), in der Alpie ‘ in der Alpie (Name eines Alpgebietes) ’ (? , Saas-Almagell; 1509 der Alpÿen, 1793 in der Alpÿen), in die Alpien ‘ in die Alpien (Name eines Alpgebietes) ’ (1785, Saas-Fee), uf Alpje ‘ auf Alpjen (Name eines grösseren Alpgebietes) ’ (Reckingen), Alpje ‘ Alpjen (Gebiet mit Alpen) ’ (LT, Simplon), Alpje ‘ Alpje (Name eines Alpgebietes) ’ (Münster), t Alpje ‘ die Alpien (Name eines grösseren Alpgebietes ’ (Zwischbergen) (J ORDAN 2006, 265 f. dokumentiert den Namen ausführlich). Ein vorangestellter Genitiv ist in der Alpierro Schlucht ‘ die Schlucht der Leute von Alpien ’ (1410, Saas-Fee) enthalten. Als Bestimmungswort findet sich die Ableitung in ts Alpjahoru ‘ das Alpjahorn (LK Alpjuhorn, Gipfelname, benannt nach der Alpja) ’ (Mund). Eine / - ER / -Erweiterung ist belegt in ts Alpjer Bidi ‘ der kleine Boden im Gebiet Alpje ’ (Simplon), der Alpjerbach ‘ der Bach, der aus dem Gebiet Alpjen herunterfliesst ’ (Zwischbergen), der Alpjergletscher ‘ der Gletscher oberhalb der Alpje (Alpgebiet) ’ (Zwischbergen), der Alpjerwald ‘ der Wald im Gebiet Alpjen (das Alpgebiet) ’ (Zwischbergen), t Alpjerweng ‘ die Grasabhänge im Gebiet Alpjen ’ (Simplon). J ORDAN (2006, 266 ff.) kennt für Zwischbergen: Alpjärwäg, Alpjärschtraass, Obers Alpjärband, Alpjärweng, Alpjärwassär, Alpjärwaald, Alpjärgletschär, Alpjärung (cf. HL Alpjerung), Undrä Alpjerung. Weiter nennt J ORDAN (2006, 153 ff.) für Simplon: Alpjärboort, Unners Alpjärbidi, Alpjärbidi, Alpjärwäg und Alpjärschtraass. Vermutlich auch hieher gehört die historisch belegte Form Alpilwualdt ‘ der Wald bei der kleinen Alpe ’ (1410, Saas-Fee; das / u/ in wualdt ist so belegt), das hier als Diminutiv gedeutet wurde, aber wohl zum Typ Alpila > Alpja gehört. Nur selten ist eine Ableitung auf / - ER / (wohl Stellenbezeichnung, vgl. S ONDEREGGER 1958, 525 f.): der Alperbiel ‘ der Hügel, der zur Alpe gehört (? ) (unklar wegen Höhe, ca. 1300 m) (Feschel, Guttet). Interessant ist, dass in Feschel 1564 Walpelbüehl und in Guttet ebenfalls 1564 Walpper Biel und Walpelbüehl belegt sind. Daraus lässt 101 102 Alpa <?page no="116"?> sich schliessen, dass hier der FaN Walpen gemeint ist; weggelassenes / w/ führt dann zur heutigen Form Alperbiel, für die es keine gute Deutung gibt. In Reckingen ist ts Alperbielti ‘ der kleine Hügel bei der Alpe ’ belegt, bei dem sich eine Voralpe befindet. Häufiger ist eine weitere, wohl romanische Ableitung auf - ETA belegt. B OSSARD / C HAVAN (2006, 239) notieren sie unter Arpettaz, Arpette (mit der frpr. Entwicklung von / l/ zu / r/ ) und dem Diminutiv-Suffix / - ITTA / (cf. auch G PSR 1, 631). Belegt sind: in Alpeten ‘ auf der kleinen Alpe ’ (1742 u. später, Turtmann), in Alpettun ‘ auf den kleinen Alpen ’ (1616, Ergisch) (älteste Belege aus dem 13. Jh. in lalpeta, 1328 (mehrfach) en lalpeta, 1539 jn Alppeten), t Alpetjini ‘ die kleinen Alpen ’ (Ergisch, mit deutschem Diminutivsuffix zum romanischen Diminutiv), Alpethorn ‘ das Alpethorn (Gipfelname, nur auf SK, zwischen Tieregghorn und Dübihorn, wohl zu Alpet ‘ kleine Alpe ’ ) ’ (Baltschieder), Alpetustapfu ‘ die Stapfe (Zaunüberstieg / steiler Weg) bei der kleinen Alpe ’ (FLNK, Ergisch), der Alpetwald ‘ der Wald bei der kleinen Alpe (unklar) ’ (Termen; LT Albetwald) und der Alpetbrunno ‘ die Quelle / der Brunnen im Alpetschleif ’ (Termen). Die Belege aus Turtmann und Ergisch sind sicher romanisch, hierzu gehört auch lalpeta mit agglutiniertem Artikel. Die Belege aus Termen sind unsicher und können auch zum HL A LBET gestellt werden. Alpjerung Alpjerung ist nur belegt als der Alpjerung (Zwischbergen). J ORDAN (2006, 301) sagt unter Alpjärung, dass die Alpe bis ins 17. Jahrhundert ein Zankapfel zwischen den Geteilen auf der Alpjen und den Italiern war. Die ältesten Beleg haben 1511 der Alpen Rodani, auf deutsch Allparun, ebenfalls 1511 Alparu ᵕ n, 1543 ist vom der Kapelle Sancti Marchi de Rodeno die Rede (also wohl die Kapelle des Hl. Markus in Ruden (Gondo)), 1609 - 1699 wird von den Alpien Alperon gesprochen, 1620 von alpis vocatis Rodann, 1673 auf dem Alperonk. Aus den verschiedenen Belegen lässt sich schliessen, dass wohl die Alpe von Ruden oder des Rodan gemeint war. Die Wortform Alpjerung (mit Endbetonung! ) nimmt offenbar eine ursprüngliche Konstruktion Alpa Rodoni mit nachgestelltem Genitiv auf und gibt ihr das maskuline Genus. Nachgestellte Genitive sind im Deutschen nur als präpositionale Konstruktionen des Typs ‘ die Alpe von Ruden ’ möglich. Alpligu Alpligu kommt einmal in Ferden als Simplex und in vier davon abgeleiteten Namen Alpligbord, Alpligstägweid, Alplighorn und Alpliggäbi ‘ Abhang bei Alpligu ’ vor. Es ist zu rom. *alpicula ‘ kleine Alpe, Älpchen ’ zu stellen und durch Umstellung zu Alpligu zu erklären (siehe Z INSLI 1975, 63ff.; LUNB 1, 1, 49; BENB 1, 1, 22f.; H OFER 2012, 29 u. 54), was auch der historische Beleg von 1310 mit jn der Alpiglun (Ferden) nahelegt. Alt Das Adj. alt Adj. ‘ alt ’ ist zu schwzd. alt, mhd. und ahd. alt, wesentlich wie nhd. ‘ alt, ehemalig, einstig ’ , im Gegensatz zu ‘ neu ’ und wdt. aalt, aaut ‘ alt ’ (I D . 1, 203 ff.; G RICHTING 1998, 15) zu stellen. Der Vokal in alt ist im Walliserdeutschen normalerweise gelängt. In FlN wird das Adjektiv auch für noch vorhandene, aber nicht mehr dem ursprünglichen Zweck dienende Gebäude, Bodenflächen, Bachläufe usw. verwendet. Das Adjektiv kommt in rund 350 Namen vor und wird meist attributiv verwendet, entweder unflektiert oder flektiert. Im unteren Goms mit der Vokalisierung von / l/ ist die Form meistens aut. Der häufigste Typ ist der Alt Stafel ‘ der alte Stafel ’ mit den Varianten der Alt Stafil, der Alt Stafol, der Alt Staful und der Aut Stafu mit insgesamt rund 35 Belegen. Es handelt sich fast durchwegs um Alpen und Alphütten, die höher liegen als die späteren Stafel in Folge der sog. Kleinen Eiszeit (C HRISTIAN P FISTER : Kleine Eiszeit. Artikel im HLS: www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 007799/ 2010-05- 21/ [iw; 10-12-2020]). Ein zweiter häufiger Typ bezeichnet das alte Flussbett des Rotten vor dessen Korrektion (1863 - 1884): ts Alt Rottebett ‘ das frühere Bett des Rotten ’ mit den Varianten ts Alt Rottubett, ts Alt (e)Rottubett, ts Alt (e)Rottunbett und das Alte Rhonebett (1895, Leuk) mit acht Belegen. Ebenfalls häufig ist der Typ t Alt Wasserleita ‘ die alte Wasserleitung ’ , die öfters auch lateinisch als antiquus aqueductus oder vetus aqueductus bezeichnet wird. Hier findet sich auch eine der wenigen Substantivierungen wie das Alti (sic! ) (FLNK, Ergisch) und t Altu (Leuk, Oberems) für eine alte Wasserleitung. t Alti Süe (Eischoll, Unterbäch) und Varianten kommen in sechs Fällen vor, davon zweimal t Alti Gieschsüe ‘ die alte Wasserleitung nach Giesch (Weiler von Hohtenn) ’ (Hohtenn, Steg) Die Menge der Nomina mit dem Attribut alt umfasst rund 270 HLL. Sie können hier nicht alle aufgeführt werden. Komplexeste Formen sind t Alti Chalbertreichi ‘ die alte Tränke für die Kälber ’ (Gampel), Alti Ganterbrigga ‘ die alte Brücke über den Ganterbach ’ (FLNK, Ried-Brig), der Unner Alt Stafel ‘ der untere Teil des alten Stafel ’ (Saas-Almagell) und das schöne Alti Niibuhittu ‘ die alte (Alp-)Hütte der Niwenalpe ’ (FLNK, Bratsch), wobei die Niwenalpe ‘ die neue Alpe ’ ist. Nur einige wenige Belege sind zusammengesetzt wie Altwaldschleif ‘ der Schleif beim Gebiet Alti Walda ’ (FLNK, Visperterminen), wobei Alti hier auch ‘ hoch Alpjerung 103 104 <?page no="117"?> gelegen ’ (M ÖLLER 1985) bedeuten kann, was auch für den Beleg Alte Gemmi (Leukerbad) gilt, die wohl kein alter Übergang, sondern ein hochgelegener Übergang (ca. 2700 m) ist. Altana Altana f. ist die vermutlich latinisierte Form von Altina oder Ältina. Das Simplex Altana meint 1392 in Naters eine Wasserleitung, 1399 supra Altanam (Ried-Brig) ist wohl ein Verschreiber für supra Saltanam, 1307 jn der Altanun (Stalden) meint einen Acker, 1617 an die Althinen (Mund) (wird auch Trenke genannt, ist also eine Wasserleitung), 1732 die Ältina (Brigerbad), bezeichnet als Rús, also einen Wasserlauf, 1760 ein Altinen (Birgisch), ohne Hinweis. Seltsam ist jn der Alton (1337, Bratsch) als Wasserleitung; 1361 zen Alton) und an der Alton (1338, Turtmann). Mit attributiven Adjektiven sind belegt: Grossen Altinen (1661 u. später, Mund) als Wasserleitung, in magnam altinam ‘ in die grosse Altina ’ (1513, Brigerbad) als Wasserleitung und das komplexe an der grossen Rúss Altana ‘ am grossen Wasserlauf Altana ’ (1749, Birgisch), die Tieffe Altina (1782, Mund) ohne nähere Angabe. Mit dem Bestimmungswort Rus ‘ Wasserlauf ’ finden sich weiter an die Rusaltinen (1745, Birgisch), an die Rússaltina (1741, Termen) und die Ru ᵉ ssaltinen (1665 u. später, Mund) als Wasserleitung. Sehr schwierig ist schliesslich ein sehr früher Beleg an der ialz strenalton (13. Jahrhunder, Naters), an der ialzstren alton (2. Hälfte 13. Jahrhundert, Naters), wo unklar ist, ob die erste oder die zweite Trennung sinnvoller ist. Insgesamt ist wohl eine Ableitung auf / - ANA / zu alt im Sinne von ‘ hoch ’ (LUNB 1, 1, 50; M ÖLLER 1985) anzunehmen; solche Ableitungen bezeichnen Bäche, Flüsse oder - wie hier - Wasserleitungen, können aber auch für andere hochgelegene Orte verwendet werden. Die spätere Form Ältina (1732, Brigerbad) weist einen Umlaut auf; das HL wurde also wohl als deutsches Lexem verstanden. Die Belege jn der Alton (1337, Bratsch), an der Alton (1338, Turtmann) und die seltsamen Belege zu an der ialz strenalton (Naters, s. oben) weisen Kurzformen auf, die sich ebenfalls zu alt ‘ hoch ’ stellen lassen, aber das Suffix / - ANA / nicht enthalten. Altels Altels m. ist nur als der Altels (Leukerbad; FLNK Altels, LT und 1: 10000 Altels) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 17, Nr. 3, Blatt 29, Nr. 5, Blatt 30, Nr. 3) kennt Altäls und auf Blatt 29, Nr. 4 auch Altälsblattä. BENB (1, 1, 24 f.) nennt den Namen für Kandersteg, der von Touristen fem. gedeutet werde, wohl nach S TUDER „ die alte Els “ (S TUDER 1896, 52). J ULEN (1951, 7) deutet den Namen des Berges am Gemmiübergang mit lat. ALTUS oder keltisch alt ‘ hochaufragend, hochgelegen ’ (cf. auch M ÖLLER 1985). BENB (1, 1, 24 f.) deutet den Gipfelnamen mit H UBSCHMIED (1940, 15 f.) zur Alpe Wildelsigen, das er als „ Alt-alis ō s “ ( ‘ bei den hohen Erlen ’ ) deutet; dieses sei auf den darüber liegenden Berg Altels übertragen worden; das ist nicht unmöglich, da Erlenbüsche auch auf Alpenhöhe vorkommen und Gipfel häufig nach unten liegenden Alpen benannt werden können. Leider liegen aber keine historischen Belege vor. Im Oberwalliser Deutschen ist das anlautende alt gelängt worden zu aalt; das Genus bleibt aber maskulin. Im Oberwallis gibt es zwar den FaN Elsig (AWWB 86), der aber wohl zu einem PN Els(a) zu stellen ist. Die nächstliegende Deutung wäre dann lat. ALTARE altar (FEW 24, 351), das wohl metaphorisch zu verstehen ist. Allerdings ist eine Form Altels nicht belegt. Sie müsste auf * ALTARES mit einer Assimilation von / r/ zu / l/ zurückgehen. Die Form des Berges würde eine solche Deutung möglich machen. Altmann (FaN) Altmann (FaN) bezieht sich auf den Naturforscher Johann Georg Altmann (1695 - 1758), nach dem laut D ESOR (1844, 161 f.) eine Felsspitze im Aletschgebiet benannt worden war (W ERLEN 2008, 580). Der Name ist als Aautma (Fieschertal) und Autma (Bellwald) mit / l/ -Vokalisierung im unteren Goms belegt; die Spitze selbst befindet sich jedoch auf dem Gebiet des Kantons Bern. Altmann (1695 - 1758) war vor allem bernischer Pfarrer und beschäftigte sich auch mit der Erforschung der Alpen. Alto Alto ist nur in Passo Alto ‘ der hohe Pass ’ (LT, Zwischbergen) belegt. Das HL ist zum maskulinen Adjektiv it. alto, < lat. ALTUS ‘ hoch, hochgelegen; weit entfernt ’ (D EVOTO / O LI 2020, 92) zu stellen. J ORDAN (2006) kennt den Namen nicht. Älw Älw Adj. ‘ gelbbraun, fahlgelb ’ ist zu schwdt. Adj. älw, älb, elb ‘ fahl, weissgelb, übergehend in braungelb ’ , ahd. elaw, mhd. elw (I D . 1, 211 f.; G RICHTING 1998, 26 s. v. älw) zu stellen. Das Adjektiv bezeichnet die Gesteins- oder Bodenfarbe. Es wird mit den Grundwörtern Fad (Randa, St. Niklaus, Rigg (Gipfelname) (Baltschieder; Blatten), Stei (Ulrichen) und Tätsch (Blatten, als Gipfel) verbunden. Amat Amat ist zu schwdt. Amad, Ā mat, Ämd, Emd, Ömd, Ämt, Änd n. ‘ Spätheu, zweiter Graswuchs ’ , ahd. und mhd. ā m ā t also eigentlich ‘ Aus-, Abschnitt ’ und wdt. Äämd, 105 106 Amat <?page no="118"?> Eemd (Lötschtal), Aamat ‘ Emd ’ (I D . 1, 213; G RICHTING 1993, 15) zu stellen. K RISTOL ET AL . (2005, 320) sehen auch den Gemeindenamen Embd hier, den G RICHTING (1998, 26) als Ämd aufführt. Verglichen zu den zuerst geschnittenen Gräsern, dem Heu, ist das Emd qualitativ hochwertiger. Die beiden Grasernten bleiben im Heustall unvermischt und werden dem Vieh in genau abgewogenen Mengen verfüttert (R ÜBEL 1950, 69). Zum Simplex Ämd ‘ Embd ’ als Gemeindename gesellt sich ein Namennest mit Ämdbach, Ämdbachgrabo (FLNK), Embderberg (LT, SK Emderberg; 1539 montis embda), Ämbdfad (FLNK), únter den Embdflüen (1806, Embd). Unklar ist ein Beleg aus dem 13. Jh. an der Moria Emdere (Embd); Moria wird sonst am ehesten als gerundetes Gegenstück zum heutigen Merje bei Stalden verstanden, das üblicherweise auf Morgia zurückgeführt wird. Wenn das Zitat richtig ist, scheint es auch bei Embd ein Merje gegeben zu haben. Die Schreibform Embd enthält im Übrigen einen Übergangslaut / b/ zwischen dem Nasal / m/ und dem folgenden / d/ . Unklar ist auch eine Reihe von Belegen aus dem unteren Oberwallis: 1697 zum Amedÿ (Turtmann), 1628 zum Amadie (Unterems) und lebend ts Ametji (Unterems, auch LT). Vermutlich betreffen die drei Namen das gleiche Gut, das auf ca. 900 m westlich unterhalb von Unterems liegt; gemeint ist wohl ein kleines Gebiet mit Emd (Spätheu). Ein anderer Diminutiv im Plural ist das lebende t Äämetschini ‘ die kleinen Wiesen mit Emd (Heu für den zweiten Schnitt) ’ (Reckingen). Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Bodu, Haalta und Pletscha. Ambach Ambach n. oder m. ist nur einmal historisch in Unterbäch belegt: 1578 jm Grossenn Ambach, 1582 in magno Ambach, 1692 im Grossen Ambach, 1712 im grossen Ambach. Es ist zu schwdt. Ambacht, Ambach n. ‘ eine gewisse Anzahl Kühe auf der Alp, die unter einem besondern Meisterhirten stehen ’ , mhd. ambahte n. (I D . 1, 233) zu stellen. Das Wort scheint entgegen I D . auch im Wallis bekannt gewesen zu sein; als Name auf der Ginals-Alpe ist es wohl bezogen auf eine Weide für ein oder einen Ambacht. Ambja Ambja f. ‘ Himbeere ’ ist zu schwdt. Ampe n f. ‘ Brombeere, Himbeere, unterschieden durch die Attribute schwarz oder rot ’ , wdt. Ampju, f. ‘ Himbeere ’ (I D . 1, 239; G RICHTING 1998, 26) zu stellen; der Flurname meint wohl ein Gebiet mit Himbeeren. Es handelt sich um ein Etymon vorromanischen Ursprungs. Zur Verteilung siehe G PSR (1, 446 f., s. v. a ̩ npou ̯ a ‘ Himbeere ’ ). Das HL ist nur belegt in t Ambja (Termen; LT Amja) und den dazu gehörenden der Amjugrabo, Amjigrabo (FLNK) und Amjuheeji ‘ die Höhe bei der Ambja ’ (FLNK) alle in Termen. Seltsamerweise hat die Karte 1: 10000 die Form Anjegraben; es ist unklar, ob hier ein Druckfehler oder eine falsche Form vorliegt. Die historischen Belege beim lebenden der Amjugrabo weisen auf ein ursprüngliches Amýlgraben (1400 u. später, Termen, auch Amilgraben). In Ambju liegt also vermutlich eine Palatalisierung des / l/ vor. G PSR (1, 447) weist darauf hin, dass eine Form mit / l/ nur im Osten des Wallis (romanisches Wallis) auftrete; das Vorkommen des HL in Termen scheint ein Reflex dieser Form zu sein. Ambort (FaN) Der FaN Ambort ist historisch auch als am Bord, Ambord, An dem Borte (AWWB 8) belegt. Der Flurname kommt nur in ts Ambortsch Schleifji ‘ der kleine Schleif der Familie Ambort ’ (Visperterminen) vor; der Familienname steht im Genitiv Singular. Ambrüüf Ambrüüf ist nur im Flurnamen zum Tritt Ambrüüf ‘ beim Tritt hinauf ’ (Saas-Allmagell) belegt. Es ist zu wdt. ambrü(ü)f, ämbrü(ü)f ‘ hinauf, herauf ’ und ‘ oben ’ und wdt. embrüf, ämbrüf (Goms), imbrüf (Mattertal), ambrüf (Schattenberge), imbruif (Lötschtal), ämbrüüf oder äbrüüf ‘ hinauf ’ (I D . 1, 120; G RICHTING 1998, 65) zu stellen. I D . ist der Meinung, es liege hier als erster Bestandteil aber ‘ wieder ’ (I D . 1, 40) zum Adverb uf (wdt. üf) (I D . 1, 118 ff.) vor. Es scheint, dass diese Herleitung die Deutung von ambrüüf nicht erklären kann, auch wenn sie formal stimmt. Laut Beschreibung handelt es sich um eine Schafweide. Ameling (PN) Ameling (PN) ist nur einmal 1306 in Zeneggen als Amelings Matta ‘ die Wiese des Ameling ’ belegt. F ÖRSTEMANN (1, 99) kennt den PN Ameling. Die Form verwendet sicher einen Genitiv Singular, wohl eines Besitzers, für ‘ die Wiese des Ameling ’ . Amerika Amerika ist als Amerigga ‘ in Amerika ’ (Naters; die phonetische Schreibweise ist nicht sicher, da M. S. manchmal die Unterscheidung von Fortis und Affrikata weglässt) und durch Aphärese als Merigga (Brigerbad; für die phonetische Form gilt das Gleiche) belegt. In Naters ist es der Name für die vom damaligen Dorfkern ‘ weit ’ entfernte und abgelegene Neusiedlung (J OSSEN Ambach 107 108 <?page no="119"?> 2000, 632). In Brigerbad ist eine Neusiedlung am Rotten gemeint, die auf 1: 10000 als Merika belegt ist. Ammann Ammann m. ‘ Amtmann ’ ist eine Amtsbezeichung und zu schwdt. Amm-Mann, Antme n m., Pl. Ämme n neben Ammänner als Beamter ‘ Gemeindevorsteher, Vorsteher ’ und ‘ Verwalter der Gerichtsbarkeit ’ , ahd. ambahtmann, mhd. am-man m. ‘ Gerichtsperson, Gemeindevorsteher ’ zu stellen; es kann auch FaN sein (NWWB 1, 19; I D . 4, 246). Im Wallis war der Ammann Oberrichter in einer Gemeinde. Das HL kommt in verschiedenen Formen als vorangesetzter Genitiv Singular zu einem anderen Grundwort vor. Belegt sind: Ameschboden ‘ der Boden des Ammans ’ (1867, Gluringen), ts Amisch Bode ‘ der Boden des Ammans ’ (Biel; FLNK Amischbode), ts Amisch Bode ‘ der Boden der Ami (Beiname der Familie Biderbost, Ammann als Amt? ) ’ (Selkingen), ins Amman Martis Bode ‘ in des Ammann Martins Boden (Ammann ist der Ortsrichter, Martin der Vorname) ’ (1780, Biel), das Ammenloch ‘ das Loch des Ammanns ’ (1819, Mund), z Ammensgaden ‘ beim Gaden (Stall) des Ammanns ’ (1592, Ritzingen), z Antsmans Hauss ‘ das Haus des Ammanns ’ (1636 u. später, Oberems), z Antshmanshauss ‘ das Haus des Ammanns ’ (1685 u. später, Unterems), Zamis Acher ‘ der Acker des Amtmanns ’ (1639, Gluringen). In den meisten Fällen dürfte das Amt des Ammanns gemeint sein, selten der Familienname. Ämmer Ämmer ist nur belegt in ts Ämmertal (Hohtenn). Das HL Ä MMER ist wohl als „ Emmer, Zweikorn, Sommerdinkel (Triticum dicoccon) “ (I D . 2, 218; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1482) zu stellen. Bei W IPF (1910, 175) tritt es im Kompositum amermæll ‘ Stärkemehl ’ mit Verweis auf I D . (4, 218) s. v. Ammelemëlw ‘ Stärkemehl ’ auf. Vgl. auch K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 244 (s. v. Emmer). Ammere Ammere ist der Name eines Weilers von Blitzingen. Die ältesten Belege zeigen Amolren (1386) und Amolre (1406). Der Name ist zu schwdt Ämmere, Ämmerne, hist. Amarelle und Ammeren f., und wdt. Amoltra ‘ Sauerkirsche ’ , ‘ Schattenmorelle ’ , lat. PRUNUS CERASUS (I D . 1, 214 f., J ACCARD 1903, 121; G RICHTING 1998, 26; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 290; M ARZELL 3, 1108f.) zu stellen. Es ist aus rom. amarelle, dies aus lat. AMARUS ‘ herb, bitter ’ (REW 406) entlehnt. Zum Weilernamen in Blitzingen gesellt sich ein Namennest mit Ammeregge, Ammerhaauta und Ammerwasser, sowie den historisch belegten Amerfusweg (1644) und Amerenweg (1768). Ein Adjektiv der Zugehörigkeit ist in der Ammeger Biel ‘ der Hügel bei Ammere ’ (Blitzingen) enthalten. Ammere kommt sonst nur noch in Ammerbiel ‘ der Hügel mit Sauerkirschen ’ (Greich, Ried-Mörel (hier nur 1590 belegt)) vor. Ammili Ammili n. ist nur in Mund als ts Ammili belegt, so auch auf LT, 1: 10000 und FLNK. Es handelt sich um ansteigende Wiesen, die oberhalb eines steileren Felsen stehen. Die Konstruktion ist wohl ein Diminutiv auf -li zu einem Nomen Ammi oder ähnlich. Am nächstliegenden ist das HL Amm-Mann ‘ Beamter, Gemeindevorsteher ’ (I D . 4, 246), das im Diminutiv steht: ‘ das kleine Grundstück des Ammans ’ . Zu vergleichen ist das historisch belegte Ammenloch ‘ das Loch des Ammans ’ (1819, Mund), das sich allerdings an einer anderen Stelle befand. Insgesamt ist das HL A MMANN zu vergleichen. Amoss Amoss ist wohl aus der Agglutination der Präposition am mit dem Nomen Moos entstanden. Ein FaN Amos, Amoos (NWWB 1, 19) ist jedoch nur für Randogne und Venthone belegt, also für das romanische Wallis; seine Herkunft ist ungeklärt. Im Oberwallis (Brig, Naters) ist der FaN heute bekannt. Ob er dt. zu deuten ist, bleibt unsicher. Das HL kommt als Diminutiv ts Amosi ‘ beim kleinen Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Ergisch) vor; dazu gehört der Amosigrabu ‘ der Graben beim Amosi ’ ; vermutlich ist auch das Amosserly ‘ die kleine Voralpe am Moos / des Amoser ’ (1585, Oberems) hieher zu stellen; es kann aber auch zu Amossera gehören. Hingegen ist die Weÿd Amosern ‘ die Weide der Alpe des Amoser ’ (1821, Ergisch) wohl zum Beleg Amosserra ‘ die Alpe des Amoser ’ (1487, Turtmann) zu stellen. An einem ganz anderen Ort findet sich im Amossboden ‘ im Gebiet des Bodens am Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (1717, Zeneggen). Ampelu Ampelu f. ist nur einmal belegt in ts Ampelu Gietji ‘ das kleine Gut, dessen Ertrag der Ampel (Kirchenlicht) zu Gute kam ’ (Glis), hier als Genitivform, vermutliche Grundform ist Ampela. Das HL ist zu schwdt. Ampel, Ampele f., ahd. amp(ul)la < lat. AMPULLA , mhd. ampel, ampulle, wie nhd. ‘ gemeine Lampe mit Talg oder Öl ’ , Dim. Ampeli, Ämpeli ‘ Lämpchen allg. ’ (I D . 1, 239; S TALDER 1994, 15) zu stellen. Seit dem Mittelalter bezeichnet das deutsche Wort das ‘ ewige Licht ’ in der Kirche (LMA 1989, 4, 149 ff.). 109 110 Ampelu <?page no="120"?> Ämrich Ämrich ist nur in Glis in Klammern 1854 als den Aprikosen (Ämrich) Aker ‘ der Acker bei den Aprikosenbäumen ’ belegt. Das HL ist zu wdt. Äämbrich, Äämrich (Mattertal), Eembrich ‘ Aprikose ’ (G RICHTING 1998, 15) zu stellen; SDS (6, 162) gibt weitere Formen für das Oberwallis an. Die Herkunft des Namens ist unklar. I D . (1, 215) kennt unter Amarille mehrere Formen, sagt aber in der Anmerkung, dass Ämmerich u. ähliches nicht zu diesem Stichwort zu stellen sei, sondern um eine vom Aufzeichner rekonstruierte Form für Ämmeri, analog gebildet zu ‘ Pfirsich ’ aus Pfersi (I D . 1, 215). W ERLEN (1977, 73, Fn. 305) geht davon aus, dass -rich im Oberwallis generell für Pflanzen verwendet werde. L ANDOLT (2015) schliesst aus dem Idiotikon, dass die Oberwalliser Formen aus einer Verwechslung mit der Sauerkirsche als Ämmerli etc. stamme. Die Diskussion ist damit nicht abgeschlossen. Amsle Amsle f. ‘ Amsel ’ ist zum schwdt. Vogelnamen Amsle f. wie nhd. ‘ Amsel ’ , mhd. amsel, ahd. amsla (I D . 1, 241; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 41) zu stellen. Belegt ist einmal das Simplex t Amsle f. (Gluringen); dazu ist das Lemma zweimal Bestimmungswort in t Amselschlüecht (Blitzingen) resp. t Amsleschlüecht (Niederwald) (die beiden Belege sind verschieden). Die Motivation ist in allen drei Fällen unklar: vermutlich ein Ort, an dem es Amseln gab oder wo man sie hörte. Amu Amu ist nur belegt in ts Amuhüs ‘ das Haus des Ammanns ’ (Stalden). Die Deutung folgt Z IMMERMANN (1968, 93; im Register falsch S. 43), der auf I D . (4, 746) verweist. Der Ammann versah im Wallis die Stelle des Ortsrichters (cf. HL A MMANN ). Amundier (FaN) Amundier (FaN) ist nur 1306 als Amundieron Matta und 1309 als Amunderon Matta (beide Zeneggen) belegt. Der Genitiv Plural Amunderon bezieht sich hier auf eine Familie Amundier. Im Dokument von 1306 verkauft ein Mattheus Amundier die seiner Familie gehörende Wiese; der FaN ist also belegt. An An ist als ursprüngliches Verbpräfix An- oder Avertreten (I D . 1, 247 ff.). Die nasallose Form erscheint in der Abruch ‘ der Anbruch (Anbruchstelle eines Erdrutsches) ’ (Leuk), t Ajegi ‘ die An-Jegi (Jagdgebiet, in dem die Jagd anfing) ’ (Stalden) und der Astapf ‘ am An-Stepf (wohl Zaunüberstieg) ’ (Randa). Die Form mit Nasal erscheint als t Anbüschlacht ‘ die Anbauschlacht ’ (Gampel). Hier ist eine Parzelle gemeint, die im 2. Weltkrieg umgebrochen wurde (sog. Anbauschlacht oder Plan Wahlen). In einigen Fällen wurden Namen mit dem Präfix A(n) hier gesondert behandelt (z. B. HL A MBORT (F A N) und HL A LEGI ). Änd Änd ‘ Ende ’ ist zu schwdt. End (I D . 2, 314) zu stellen. Im Oberwallis wird der hier vorliegende Primärumlaut vor Nasal (Typ: eng (SDS I, 35)) im östlichen Teil als / e/ , im westlichen Teil (mit Ausnahmen) als / ä/ gesprochen; in der Verschriftlichung steht meist / e/ . Das Simplex ist nur in zwei sehr unsicheren historischen Belegen überliefert, als Enda (1741, Turtmann, mit unsicherer Lesung) und als Entz (18. Jahrh., Naters); letzteres könnte einen erstarrten Genitiv enthalten (noch belegt im zeitlichen Typ Ends Maie n ‘ Ende Mai ’ (I D . 2, 315)), hier aber lokal zu verstehen ‘ am Ende ’ . Als Grundwort ist End nur in Nordend m. ‘ nördlicher Endgipfel des Monte Rosa ’ (Zermatt) vertreten; der Name stammt von VON W ELDEN (1824, 37 f.) (W ERLEN 2008, 579); das Genus ist wohl von ‘ Gipfel ’ übernommen. In allen anderen Belegen tritt End als Bestimmungswort im Kompositum Ändwäg / Endweg (Plural Endwegen) auf (Eischoll, Embd, St. Niklaus, Törbel, Unterbäch, Zeneggen, Zermatt), jeweils in der Bedeutung ‘ Weg, der nicht weiterführt ’ . I D . 15, 819 erwähnt Endwëg nur für Davos, ohne eine Deutung zu geben. Änder Änder ‘ jenseitig ’ ist zum schwdt. Adj. ëner, ënder, -er, -i, -s, ‘ jenseitig ’ , siehe auch änet und wdt. änner, ännär ‘ entfernter liegend, weiter drüben ’ (I D . 1, 265; G RICHTING 1998, 27) zu stellen. Die Form mit / nd/ entsteht durch Einschub eins / d/ vor / r/ ; da gleichzeitig eine optionale Regel / nd/ -> / nn/ (z. B. in ander vs. anner ‘ andere ’ ) existiert, werden auch hier beide Formen verwendet. Das HL kommt in rund 90 Namen vor. Als Simplex erscheint das HL nur in substantivierter Form: an der Enderen ‘ am jenseitigen Ort ’ (1680, Täsch), an der Enderun ‘ am jenseitigen Ort ’ (1676 u. später, St. Niklaus, mit unterschiedlichen Schreibweisen), t Ännerna ‘ der jenseitige Ort ’ (Randa, LT Ennerna). Da die historischen Belege jeweils eine Person namens Truffer erwähnen, dürfte es sich in allen drei Fällen um die gleiche Kleinsiedlung handeln, die sich zwischen Randa und dem nördlicheren Lerch bei Randa befindet. In den meisten anderen Fällen wird das Adjektiv attributiv flektiert oder unflektiert verwendet; nur selten ist es Bestimmungswort in einem Kompositum. Attributive Adjektive erscheinen in verschiedener Schreibform als am Andren Acker ‘ beim jenseitigen Acker ’ (1806, Visperterminen) - die wenigen Belege mit Ander können auch zu ander ‘ ander, ein zweiter ’ Ämrich 111 112 <?page no="121"?> gestellt werden, doch ergibt dies meist keinen wahrscheinlichen Sinn -, in den Endren Driesten ‘ in den jenseitigen Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1547 u. später, Mund), in der Enderen Matten ‘ in der jenseitigen Wiese ’ (1774, Bürchen), am Endren Acher ‘ am jenseitigen Acker ’ (1636 u. später, Stalden), an der Endron Wu ᵉ stin ‘ am jenseitigen öden, unfruchtbaren Stück Land ’ (1427 u. später, Zermatt; 1551 an der Endrun Wiestin), ts Änder Blat ‘ das jenseits liegende Blatt (Felsplatten, Kollektiv), Dorfteil von Blatten ob Naters ’ (Naters), au ᵕ f den Ändern Bielen ‘ auf den jenseitigen Hügeln ’ (1847, Eyholz), zen Ändre Hiischinu ‘ bei den jenseits gelegenen Häusern ’ (Törbel; FLNK, Z ’ Ändre Hiischinu), t Ändru Chaschtlere ‘ die jenseitigen (weiter entfernten) Gebiete beim Ort, der wie eine Burg aussieht ’ (Turtmann; FLNK Ändru Chaschtlere), t Ändrun Güüfre ‘ der jenseitige Teil der Güüfra (Abgrund) ’ (Hohtenn), zum Änndru Hüs ‘ beim jenseitig gelegenen Haus ’ (Staldenried), ts Änner Chriz ‘ das jenseitige / weiter weg liegende Kreuz (Wegkreuz) ’ (Baltschieder), Änners Derfji ‘ das jenseits gelegene kleine Dorf (Bratsch) ’ (Bratsch), t Ännre Lusse ‘ die jenseits gelegenen Teile der Lusse (ausgeloste Stücke Land) ’ (Binn) und viele andere. Eine falsche Abtrennung liegt wohl vor in vltra den Rendru ᵕ m Trogu ᵕ n ‘ (lat.: jenseits) der jenseitigen Tröge ’ (1590, Visperterminen). Attributive Superlative des HL sind: t Endruschtu Ägerdä ‘ die weitest entfernten Stücke Brachland ’ (Ergisch), ts Ennerscht Güod ‘ das am weitesten entfernt liegende Gut ’ (Saas-Fee), der Endrost Acher ‘ der am weitesten entfernte Acker ’ (1436, Ernen), ts Ändruscht Dorf ‘ das am weitesten jenseits liegende Dorf ’ (Varen), t Ännerscht Burg ‘ die am weitesten entfernte Burg ’ (Naters) und andere. Als Bestimmungswort erscheint das HL in Anterputz ‘ der jenseitige Tümpel ’ (1550, Ried-Mörel ’ , der Ännerholzgrabo ‘ der Graben zum weiter entfernten Holz (Wald) ’ (Glis, zweimal). Nicht ganz sicher ist der Flurname t Änibalma (Naters), die als „ grosser Fels, überhängend “ geschildert wird und die sich östlich des Geimerhoru bei der Massaschlucht befindet. Der Name wird hier zum HL Ä NDER gestellt, könnte aber auch zu schwdt. ëne r ‘ jener ’ (Id. 1, 265) oder zum Nomen Äni ‘ Grossvater oder Urgrossvater; auch Enkel ’ (I D . 1, 247 f.) gestellt werden. Die Lage lässt aber eher an einen ‘ jenseitigen überhängenden Felsen ’ denken. Als Präposition erscheint Ennent dem Graben ‘ jenseits des Grabens ’ (1688, Visperterminen). Diese Präposition kann auch sonst auftreten, ohne dass sie klarerweise zum Flurnamen gehört. Andergassen (FaN) Andergassen (FaN) ist ein FaN An der Gassen, auch Gasner (AWWB 10, auch 105). Er kommt wohl in der Gasseteil ‘ der Teil (der Alpe), der der Familie (An der) Gassen gehört ’ (Oberwald) und ts Gassewägi ‘ der kleine Weg durch das Gut der Familie (An der) Gassen ’ (Oberwald) vor. Ob weitere Belege mit Gasse hierzugehören, ist unklar. Cf. HLL G ASSER (F A N) und G ASNER (F A N). Andolla Andolla ist belegt als Pizzo d ’ Andolla (LT, Zwischbergen), Teil des Portjengrates und der Andollapass (östlich vom Gipfel), den auch J ORDAN (2006, 380) als Andolapass kennt. Beide wohl benannt nach den Alpi di Andolla. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Namen nicht. Andreas (PN) Andreas (PN) ist ein männlicher Taufname oder der davon abgeleitete FaN Andres, Andrae, Andris, Andrisch (AWWB 11). Der vorangestellte Genitiv Andreeasch ist belegt in ts Andreeasch Blatta, ts Andreeasch Brunn und ts Andreeasch Huisin ‘ das kleine Haus des Andreas ’ (alle Kippel) sowie Andreaschblatta ‘ die Felsplatte des Andreas ’ (Wiler). In Leuk ist belegt zuo Andrys Heüssren ‘ bei den Häusern des Andreas / der Familie Andres ’ (1645 u. später). Komplexer ist beÿ Christen Andres Scherentach ‘ beim Schermdach (Schutzdach) des Christen Andres ’ (1703, Zeneggen). Einen Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung zeigt in Andressigero Waldt ‘ im Wald der Leute des Andres / der Familie Andres ’ (1682, Zeneggen). Der PN Andreas ist unter Andr ē s (I D . 1, 313 f.) belegt. Änet Änet Präp. ‘ jenseits ’ ist zu schwdt. ënent, ënet ‘ jenseits ’ , früher mit Genitiv, jetzt mit Dativ, siehe auch änder und wdt. änet, änät ‘ jenseits ’ (I D . 1, 267 f., G RICHTING 1998, 26) zu stellen. Belegt sind: enendt dem Bach ‘ das Gebiet jenseits des Baches ’ (1693, Törbel), enent dem Bach (1782, Naters) ‘ das Gebiet jenseits des Baches (in Blatten ob Naters), enund dem Bech ‘ Gebiet jenseits des Baches ’ (1444, Saastal ’ , Änud de Brigga ‘ jenseits der Brücke ’ (Visp, FLNK Ännet der Brigga), ts Ännet Briggu ‘ zu jenseits der Brücke (Dorfteil von Turtmann) ’ (Turtmann, FLNK Ännet Briggu), Ennet dem Rodan ‘ jenseits des Rotten (gelehrte Form) ’ (1720, Obergesteln), Enet dem Wuohr ‘ jenseits der Wasserleitung ’ (1709, Gluringen), Enendt der Vispen ‘ jenseits der Vispa ’ (1609, Stalden). Nur lat. ist belegt 113 114 Änet <?page no="122"?> vltra Rhodanum ‘ jenseits des Rotten ’ (Lalden). Das Adverb findet sich unter dem HL Ä NDER . Anffingo (FaN) Anffingo ist nur 1492 in Ried Brig als terra Anffingo ‘ das Land der Leute der Familie Anffien ’ belegt. Es handelt sich um einen Genitiv Plural einer kollektiven / - IG / - Ableitung zum inzwischen erloschenen FaN Anf(f)ien (I MESCH 1917, 30). Ängel (PN) Ängel (PN) ist entweder der PN Ängeli, Ängeline ‘ Angelika oder Angeline ’ (I D . 1, 330), oder ein FaN Engel o. ä. (I D . 1, 332) mit Anklang an den himmlischen Boten; es kann auch der FaN Engiller gemeint sein (siehe unten). Der in Bürchen belegte Name Ängiller (FLNK) ist historisch als Engillier (1511 u. später, Bürchen) und Engillyer (1347, Unterbäch) bezeugt. G. Z ENHÄUSERN (1998, 267) erwähnt einen Hans dictus Engillier in Unterbäch, wobei das ein FaN oder ein Übername nach seinem Wohnort sein kann. Auch hierzu gehört Engillers Eggen ‘ die Ecke der Familie Engiller ’ (1516, Ergisch). Unsicher ist dagegen die Engillini (1699, St. Niklaus), das sowohl ‘ die kleinen engen Stellen ’ wie ‘ die Güter der Familie Engiller ’ meinen kann. P H . K ALBERMATTER (p. c.) weist darauf hin, dass der FaN Engel im Oberwallis nicht vorkommt, wohl aber der PN Engilla oder der FaN Engillier: „ In meinen Unterlagen finde ich als Beinamen Hans dictus Engillier in Unterbäch (1435), als Familiennamen Thomo Engillo von Tatz (1463), als Vornamen Angnesa sive Engilla in Raron (1573), Engilla in Liden (1574) und Engilla in Raron (1610 - 1630) “ (P H . K ALBERMAT- TER , e-mail vom 2. 9. 2020). In ts Engilo Stadel ‘ der Stadel des Engillo / der Familie Engiller ’ (Staldenried) liegt wohl ein PN vor. Einen starken vorangestellten Genitiv zeigt Engilsbodmen ‘ die Böden des Engillo / der Familie Engillo ’ (1401, Steg). In Raron ist der gleiche Beleg 1401 bezeugt, früher heisst es am Enguelser Bodme (1305) und Hengelser Bodeme (1306), worin sich ein Herkunftsname ‘ die Leute von Engillo ’ verbergen kann. Lebend ist der Name auch in in Ängelbobem ‘ im Engelboden ’ und dr Ängelbrunn ‘ die Quelle des Engel ’ (beide Ferden) belegt. Auch hier könnte ein PN vorliegen. Insgesamt müssen die Deutungen zurückhaltend behandelt werden, da die Formen auch anders verstanden werden können (vgl. auch HL H EGUISSEM ). Angel Angel ist zu schwdt Angel m. ‘ Ecke, Winkel ’ , aus lat. ANGULUS (I D . 1, 329) zu stellen. Belegt ist es historisch in Obergesteln (1714), wahrscheinlich identisch mit dem Beleg der Mangel (cf. HL M ANGEL ). Die beiden anderen Belege Triangel (Saas-Grund) und Dreiangel Aker (1854, Glis) gehören zu Drî-Angel (I D . 1, 329) ‘ Drei-eck ’ , wobei in den Namen nicht ein Riss in der Kleidung oder ein Schlaginstrument beim Musizieren gemeint ist, sondern ein dreieckiges Stück Land. Ängersch Änggersch ist der Name eines Weilers von Bratsch. Die ältesten Belege geben Ancheres (1337, 1353, 1358)), Anchieres (1346) und schon 1385 die ‘ deutsche ’ Form Enkers neben der romanischen Ancheres, in Erschmatt wird 1664 Engersch erwähnt. Die Belege deuten auf eine Form mit Plural-s, im Deutschen später zu / sch/ gewandelt. Die ‘ deutsche ’ Form bewahrt die ältere Lautung mit / ng/ , die romanische hat die weiterentwickelte mit / nch/ . Vermutlich liegt der Typ anche ‘ Schenkel ’ (G PSR 1, 389) mit einem Suffix / - ARIA / vor (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288), das Kollektivbedeutung hat. Die Bedeutung wäre dann etwa ‘ die Schenkel (des Weges), die Wegscheide ’ . Vom Weilernamen abgeleitet sind Ängersch Dorf (Bratsch) und Ängersch Chi ‘ die Schlucht des Ängerschwassers ’ (Gampel). Abgeleitet ist das Adjektiv Änggischer ‘ nach Ängersch führend, zu Ängersch gehörend ’ in Änggischer Wäg und Wildi (beide Erschmatt), sowie dem Änggischerwäg (Bratsch). Angese (PN) Angese (PN) ist nur belegt in ts Angesegädi ‘ der kleine Gaden der Agnes / der Familie Angese ’ (Ernen). Die Form ist wohl ein alter Genitiv Angese n , der sowohl einen PN wie einen FaN meinen kann. Zu stellen ist das HL zum Taufnamen Agn ē s (I D . 1, 128). In einer Regelung von 1471 über Wasser und Wege auf Eggen bei Ernen wird das Backhaus von Claus Agnesii erwähnt (GA E RNEN , E2 P ERG .). Es handelt sich um eine latinisierte Form Agnesius; der FaN ist in AWWB nicht belegt. Anna (PN) Anna (PN) ist ein weiblicher Personenname. Die Heilige Anna war laut apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter Marias, sie erscheint unter anderem ‘ als Helferin gegen Heuschreckenplage, indem eine Prozession zu ihr veranstaltet wird, der die schädlichen Insekten folgen müssen, um dann auf einen Gletscher gebannt zu werden ’ (I D . 1, 260 f.). Sechs Belege betreffen die heilige Anna (Zant Anna), teilweise mit einer Kapelle, die ihr geweiht ist, oder einem Bildstock. In zwei Fällen ist eine Kapälla ‘ Kapelle ’ erwähnt: cappella ‘ S. S. Anna ’ et Jacobi ‘ die Kapelle der Heiligen Anna und Jakob ’ (1672, Zwischbergen) und St. Annakapälla (FLNK, Raron). Ein- Anffingo (FaN) 115 116 <?page no="123"?> mal ist wohl im Namen noch eine Erinnerung an einen früheren Bildstock in Zantanne Lammelti ‘ die kleine Lamme (Felsabhang) der Heiligen Anna ’ (Oberwald) lebendig. Das Simplex ist belegt als Zer a ᵉ nnu ᵕ m (1584, Visperterminen), wo auch der Name Ana ‘ Grossmutter ’ (I D . 1, 247 s. v. Ane) gemeint sein kann. In Naters ist 1601 der Annún belegt, also das Besitztum der Anna. Als Besitzerin oder Nutzerin ist weiter eine Anna in üf Anneacher (Fieschertal) und Annaweidji (FLNK Erschmatt) belegt. Unsicher ist Anunmatta ‘ die Wiese der Ahnen (Vorfahren, Grossmutter) / der Anna ’ (1305, Lalden; 1306 Annen Matta); der spätere Beleg deutet eher auf eine Besitzerin Anna hin. Unklar ist der Beleg Gravenanne (Grengiols), der als ‘ des Grafen Anne ’ gedeutet wird, was eher unwahrscheinlich ist; vermutlich liegt eher ein FaN Graven (AWWB 2, 115) vor; der Name gab Anlass zur Sage von der Gräfin Anna (G UNTERN 1963, 91). Auch Anues Matta (1301, Eischoll) ist unklar - der Beleg kann auch als Annes Matta gelesen werden. Der starke Genitiv würde eher den männlichen Namen Anno nahelegen (cf. HL A NNO ). Ob der Flurname Aana hieher gehört, ist unklar (cf. HL A ANA ). Annig (FaN) Der FaN Annig ist 1852 als der Annig=Acker ‘ der Acker der Familie Annig ’ (Binn) und 1824 als auf Anigsbiell ‘ der Hügel der Familie Annig ’ (Bellwald) belegt. Der FaN ist laut dem Register in WLA (1973, 370) auch als Annigen, Anning, in WLA (1977, 451) auch als Anninx erwähnt; alle Erwähnungen betreffen den Meier Christian Annig aus Binn. Bei den erwähnten Grundstücken handelt es sich jeweils um Äcker. Anno (PN) Anno ist als PN belegt in des Annun Ëbnit ‘ die ebene Fläche des Anno ’ (1460, Blitzingen). Es handelt sich wohl um eine Kurform zu Arnold (cf. HL A RNOLD ); die Kurzform Anno ist auch als Name von Heiligen belegt. Ännupierli (PN) Ännupierli (PN) ist nur in ts Ännupierlisch Chrachu ‘ der Chrachen (Graben) des Ännupierli (unklarer Übername) ’ (Leukerbad) belegt. Bei R. G RICHTING (1993, Blatt 8, Nr. 12) ist es als Hännupierichrachu belegt. Während Chrachu (Graben) in beiden Fällen klar ist, erscheint der Personenname als Ännupierli oder Hännupieri. Der Beleg von R. G RICHTING lässt sich auf Hännu ‘ Henne ’ (I D . 2, 1311; G RICHTING 1998, 106) und dazu den Diminutiv des frz. Männernamens Pierre zurückführen; Pierri, Pieri ist der frz. Name mit einheimischer Endung (I D . 4, 1505). Das von M. S. notierte Ännupierli dagegen verweist im ersten Namensteil eher auf Anna (I D . 1, 260); der zweite ist ein anderer Diminutiv zu Pierre. Ohne weitere Angaben lässt sich der Flurname nicht deuten. Anstalt Anstalt ist nur in di Badanstalt (Brig) erwähnt, die früher Badtola hiess und heute Schwimmbad Geschina heisst. Das HL ist zu schwdt. Anstalt w. wie nhd. ‘ einem bestimmten Zweck dienende Einrichtung ’ (I D . 11, 339 ff. bes. 341) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. Antheli Antheli ist 1685 in Bürchen als aúffúm Antheli und 1748 als am Antheli belegt. G ATTLEN (2007) kennt es nicht. Vermutlich liegt ein neutraler Diminutiv auf - LI vor (vgl. SDS 3, 155). Die so benannte Wiese liegt am Birch (Dorfteil von Bürchen auf ca. 1070 m, deutlich tiefer als das Dorf Bürchen (1283 m) selbst). Vermutlich liegt der PN Anton (cf. HL A NTON ) oder der FaN Anthenien (AWWB 11) vor; der Diminutiv spricht eher für den PN, der wohl den ursprünglichen Besitzer kennzeichnete, also ‘ die Wiese des kleinen Anton ’ . Anthenien (FaN) Anthenien (FaN) ist belegt in zen Jaggen Anthenien ‘ zu den Gütern des Jakob Anthenien ’ (1499, Unterbäch) und ts Peterantenisch Üowand ‘ die Magerwiese des Peter Anthenien ’ (Saas-Almagell). In beiden Fällen liegt der FaN Anthenien auch Anthenjen, Anthönien, Anthönigen, Anthonii (AWWB 11) vor; beide Familiennamen sind im Genitiv, der zweite Beleg ist dialektal, der erste schriftsprachlich. Anthout Anthout ist in Unterbäch belegt, wobei die Formen sehr unterschiedlich sind: 1396 Sand Hout, 1505 Anch Out (Ant Hout? ), 1545 am Anthout, 1693 am Anthaútt, 1743 ds Andhaut. Lebend hat FLNK Amthöüt. Der Name ist zu schwdt. Anthaupt, Amthaupt, Anhaupt, Pl. -häupter usw., ‘ Kopfende eines Ackers, auf welchem der Pflug gewendet wird, und zwar zunächst als Teil des eignen Grundes ’ . Anbezieht sich auf das Anstossen, während Ant- ‘ gegen(über) ’ bedeutet. Amtlässt sich dadurch erklären, dass das eigentliche Präfix ant- oder annicht mehr verstanden wurde und wegen der gesetzlichen Bestimmungen der Grenzpflichten und -rechte auf ein Amtgeschlossen wurde (I D . 2, 1498). Da Pflüge im Oberwallis nicht üblich waren, handelt es sich wohl um einen Ackerstreifen, der beim Hacken ausgelassen wurde. Als Deutung wird deswegen ‘ der nicht bebaute Ackerstreifen ’ gegeben. 117 118 Anthout <?page no="124"?> Antigine Antigine ist nur einmal als Passo di Antigine (LT, Saas- Almagell) belegt. Auf der Karte ist die Situation sehr unklar. Auf LT heisst der Pass auch Ofentalpass, auf 1: 10000 Ofutalpass. Der Pizzo di Antigine (LT) heisst auf dt. Spechhorn (nach Spähnhörner), ist aber nicht direkt neben dem Pass, in dessen Nähe sich das Ofentalhorn befindet. Auf LT findet sich auf italienischer Seite auch Bivacco Antigine CAI (Biwak Antigine des Italienischen Alpenclubs). Antigine kann nicht gedeutet werden; es findet sich nicht in den einschlägigen Wörterbüchern. Antille (FaN) Antille ist zum FaN Antille, Anthillyo, Antillio, Anthillioz, Antilliodus, Antilen, Antillen (AWWB 11) zu stellen, der auch als PN diente. Belegt sind zwei Namen: vnder Antillun Huss ‘ unter dem Haus der Familie Antille / des / der Antille ’ (1615, Grächen) und ts Antilljugüet ‘ das Gut der Familie Antille / des Antille ’ (Guttet). Antlisch (PN) Antlisch (PN) ist der Genitiv zu Antli, laut J ULEN ET AL . zu Anton zu stellen; er könnte jedoch auch vom weiblichen Taufnamen Anna siehe Andli o. ä. abgeleitet sein (J ULEN ET AL . 1995, 210; I D . 1, 260). Belegt ist er nur einmal in ts Antlisch Stei ‘ der (Fels-)Stein des Anton / der Anna ’ (Zermatt). Anton (PN) Anton (PN) ist der Name von Heiligen, die aus verschiedenen Gründen verehrt werden, und ein männlicher Taufname mit Varianten wie Anton(ius), Antoni und Kurzformen Toni, Tuni, Tonnes, im Goms Tune n , Toneli, Doneli, Töneli u. ä. (I D . 1, 350 f. und 13, 261 ff. bes. 263). Als FaN sind im Wallis auch Anthenien (cf. HL A NTHENIEN (F A N)) und Tenisch (cf. HL T ENISCH ) belegt, wohl vom Vornamen abgeleitet. Da mehrere Heilige (vor allem Antonius der Grosse und Antonius von Padua) bekannt sind, ist im Einzelfall nicht klar, auf wen der Name zurückgeht. In einigen Fällen ist auch nicht klar, ob wirklich der PN Anton zu Grunde liegt. Als Simplex erscheint Anten (1540 - 1588, Erschmatt), das sehr unsicher ist. Santantoni. Zantantoni oder Zantutoni sind belegt in Oberwald, Selkingen, Ried-Brig, Saas-Grund, Saas-Balen und in Reckingen (SK) als Sankt Anton - es sind jeweils Kapellen oder Bildstöcke des St. Anton. In Ergisch gibt es der Alt Sankt Antooni, einen Bildstock. Die Form Antonius kommt vor in Simplon, Zwischbergen und Randa; auch hier sind Bildstöcke gemeint; zu Simplon und Zwischbergen hat J ORDAN (2006, 22, 211, 217, 235 (Zwischbergen), 267) fünf Vorkommen von Antoonius. Vermutlich Besitzer, seltener Antonius-Statuen, sind gemeint in Thunnen Matta (1757, Goppisberg), Tuneschürli (1850, Biel), ts Tunegade ‘ beim Gaden des Anton ’ (Binn), bi ts Tunisch Hüs ‘ beim Haus des Anton ’ (Brigerbad), Toni Bÿne ‘ der Pflanzplatz des Anton ’ (1860, Glis), Antenhittÿ ‘ die kleine Hütte des Anton ’ (1762, Naters), z Antunstadel ‘ beim Stadel des Anton ’ (1645, Visp), ts Antograbu ‘ beim Graben des Anton ’ (Visperterminen), ts Anto Stadel ‘ beim Stadel des Anton ’ (Visperterminen), Anthun Acher (1595, Zeneggen), Anten Stadel (1702, Zeneggen), Tonium Weiden (1674, Eischoll), dr Toonigrund ‘ der Grund des Anton ’ (Niedergesteln), dr Tonileerch ‘ Lärche mit Antonius-Statue ’ (Wiler), Tunumatta ‘ die Wiese des Anton ’ (Eggerberg). Unklar ist schliesslich der alleinstehende Genitiv ts Tunisch (Saas Almagell), der ein Gebiet eines Anton oder seiner Familie meinen kann. Komplexer sind zwei Namen: ts Tunixandisch Intiejerli ‘ der kleine Alpstall des Anton Alexander ’ (Oberwald) und der Santantoniwald ‘ der Wald mit der Kapelle des Heiligen Antonius ’ (Naters). Antrona Antrona und der Antroonapass (Saas Almagell, auch Passo di Saas; SK Antrona Pass; FLNK Antronapass) beziehen sich auf das Valle d ’ Antrona in Italien, das hinunter durch den Lago di Antrona nach Antronapiano führt. Der Passname ist historisch im Wallis seit 1217 belegt. Passo di Saas übernimmt die früher belegten Saaser Pass und Saaser Furgga. O LIVIERI (1965, 73) führt Antrona vorsichtig auf lat. A NTRUM ‘ Grotte, Höhle ’ zurück, das als it. antro belegt ist (D EVOTO / O LI 2020, 135). In unserem Kontext ist klar, dass der Pass nach einem italienischen Namen benannt ist; die Benennung Saas bezieht sich auf das Saastal auf der Schweizer Seite. Äntsch Äntsch ist der Name einer (Vor-)Alpe im Nanztal, die sowohl in Glis, wie in Visperterminen belegt ist; es handelt sich jedoch um den gleichen Ort. Der älteste Beleg stammt von 1519 ob Entz (Visperterminen), etwas später 1530 an den Ens (Visperterminen) und 1540 an das Entsch (Visperterminen). Die einfachste Deutung bezieht sich auf einen ahd. PN Enzo (vgl. BENB 1, 1, 88 f.), vermutlich im Genitiv; alle andern dort und im LUNB 1, 1, 68 f. diskutierten Möglichkeiten scheinen hier kaum zuzutreffen. Auch die sonst belegte Adverbbildung äns, änz ‘ sehr, viel, gross ’ (G RICHTING 1998, 27) zu end-s (G R W B 3, 466) kann hier kaum in Betracht gezogen werden. Neben dem Simplex ist ein Diminutiv Äntschji Antigine 119 120 <?page no="125"?> (Glis) belegt. Mit einem Genitiv Plural Eicholtzero Ens ‘ der Ens der Leute von Eichholz ’ (1530, Visperterminen) ist ein Teil der Alpe gemeint. Neben dem Äntschgrabo (Glis, Visperterminen) und der Äntschheji ‘ hoher Felsen beim Äntsch ’ (Glis) ist 1859 auch die Enschschlu ᵕ cht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Äntsch ’ (Glis) belegt. Weiter gibt es ts Ober Äntschi (Visperterminen) und der ússer Entsch Graben (1719, Glis). Äntschil (PN) Äntschil (PN) ist nur in zwei Belegen vertreten. Lebend als t Äntschilmatte ‘ die Wiesen der Familie Äntschil ’ (Hohtenn) und Eynguelser Botme ‘ im Boden der Familie Äntschil ’ (1296, Baltschieder; 1538 jm Engschilboden) (der Beleg von 1296 ist P H . K ALBERMATTER (p. c.) zu verdanken). Die Belege können einerseits zum gut belegten PN Angelinus (z. B. AWWB 22, wo ein Angelinus Berofaller erwähnt wird), anderseits zum FaN Antillen, auch Antellen, Antilen und weitere Formen (AWWB 12) mit späterem Umlaut (a > ä / e) gestellt werden. Die lebende Form in Hohtenn ist historisch als Enschilmatten (1797) und Äntschelmatten (1855) belegt. Der älteste Beleg in Baltschieder ist wohl ein alter Genitiv Plural zu einem PN Eynguels, der so nicht belegt ist, aber zum späteren Engschil passt. F ÖRSTEMANN (1, 134) verweist auf den PN Enzil, der hier aber wohl nicht einschlägig ist. Antschinu (FaN) Antschinu (FaN) bezieht sich auf einen inzwischen im Wallis erloschenen FaN Anchini, Anchen, Antschen u. ä. (B ELLWALD 2006, 876 mit Quellenangaben), der vor allem im Lötschtal bekannt war. Belegt sind neben in dr Antschinu ‘ im Gebiet der Familie Antschinu ’ (Wiler) und einem Plural t Anntschini ‘ das Alpgebiet der Familie Antschinu ’ (Blatten) die Vorkommen als Bestimmungswort in Antschinen Acher ‘ der Acker der Familie Antschinu ’ (1636, Leuk) und t Antschinuntreichi ‘ die Tränke in der Antschinu (Gebiet der Familie Antschinu) ’ (Wiler). Anz Anz ist zum HL Nanz zu stellen. Bei der präpositionalen Fügung in Nanz ‘ im Tal ’ wurde das anlautende / n-/ von Nanz als zur Präposition in gehörend aufgefasst und zu Anz geformt. Belegt sind in Anz ‘ im Nanztal ’ (1682, Visperterminen), in Valle Antz ‘ im Nanztal ’ (1724, Visperterminen), Tärbineranz ‘ die Nanzalpe von Visperterminen ’ (Visperterminen) und ts Vischperanz ‘ die Nanzalpe von Visp ’ (Visperterminen; LT Vispernanz). Aperta Aperta ist die feminine Form von it. aperto ‘ offen ’ (D EVOTO / O LI 2020, 137 s. v. aperto). Der Name erscheint nur als Vallaperta ‘ das offene Tal ’ in Cima Vallaperta ‘ der Gipfel zum offenen Tal ’ (dt. Ganterhorn) und Passo di Vallaperta ‘ der Pass ins offene Tal ’ (beide Ried-Brig, nur LT). Vallaperta kann nicht genauer bestimmt werden, da es bei O LIVIERI ( 2 1961; 1965) und in der Datenbank VSNB fehlt. Apollonia (PN) Apollonia (PN) ist zunächst ein Frauenname Apollonia (I D . 1, 362 s. v. Appelone, wo auch gesagt wird, dass die hl. Apollonia gegen Zahnweh helfe). Ihr wurde im 18. Jahrhundert eine Kapelle geweiht. Sie befindet sich in der Nesselschlucht in Bellwald (aber eigentlich auf dem Boden von Niederwald) und stammt ursprünglich aus dem 17. Jh. (R UPPEN 1979, 312 f.). In den Jahren 1990/ 1991 wurde die Kapelle renoviert (nach https: / / www.bellwald. ch/ natur-und-kultur/ kirchen-und-kapellen [23. 12. 2019; IW]). Der Flurname Apollonia (Niederwald; nur LT; FLNK Apellonia) bezieht sich auf die Kapelle. Aposchtel Aposchtel ist nur einmal belegt im Namen ze Zwelf Aposchtlu ‘ bei den zwölf Aposteln ’ (Naters). Es wird wie nhd. Apostel m. ‘ Jünger Jesus ’ verwendet; die abgeleiteten Bedeutungen beim schwdt. Apostel (I D . 1, 363) treffen hier nicht zu. An Stelle des heutigen Bildstockes im Rischinerwald soll früher das Zwölf-Apostel-Kapellchen mit einem spätgotischen Altar, der 1906 an das Landesmuseum in Zürich verkauft wurde, gestanden haben. In der Predella dieses Altars sind Gottvater mit elf Aposteln abgebildet. Der Apostel Philippus am linken Bildrand wurde gestohlen und ist bis heute unauffindbar geblieben (J OSSEN 2000, 664 f.). Aprikose Aprikose ist nur einmal 1854 in Glis als den Aprikosen (Ämrich) Aker belegt. Das in Klammer notierte Ämrich (dial. für ‘ Aprikose ’ ) ist unter Nr. 2077 noch einmal verzeichnet. Das Wort ist zu hdt. Aprikose f. (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 55) zu stellen Siehe auch HL Ä MRICH . Aprili Aprili ist 1365 für Salgesch als in Laprilý belegt. Gemeint ist vermutlich die Voralpe Aprili (nach T AGMANN 1946, 40) in Mollens und Miège, die auch in Salgesch bekannt war. T AGMANN führt den Namen über agglutiniertes laprali auf * PRATALIA , eine Ableitung zu PRATUM ‘ Wiese ’ , zurück. Der Salgescher Beleg ist älter als die Belege bei T AGMANN . Ein deutlich jüngerer Beleg von 1803 aus Salgesch ist unter 121 122 Aprili <?page no="126"?> dem HL B RIILETT aufgeführt als jn la prilÿ, wo der feminine Artikel von prily losgelöst wurde, eine Lösung, die der Deutung von T AGMANN entspricht. Ara Ara f. ‘ zu pflügendes Land ’ ist zu schwd. Ar (I D . 1, 385 f.), wdt. Ā ra ‘ Pflugarbeit, zu pflügendes Land ’ (W IPF 1910, 108) zu stellen. Nach Z IMMERMANN (1968, 58) bezeichnet Are einen „ Weiler mit ausgedehntem Ackerbau “ (Visperterminen). Der Name tritt als Simplex mit den Adjektiven Ober und Unner Aara auf. Als Bestimmungswort bildet es ein Namennest mit Aren Alp, Aarubodo, Aaruschleif, Aaruegg, Aaruwäg (alle Visperterminen). Für Visp sind Aaregga ‘ Ecke bei der Are ’ und Aargrabu ‘ der Graben, der von Are herunter führt ’ belegt. Das Lexem ist nicht zu verwechseln mit Aro m. ‘ Adler ’ , das vielleicht in im Arenkromli ‘ das kleine eingezäunte Stück Wiese, wo es Adler hat ’ (Stalden) vorliegt, wo aber auch ‘ das kleine eingezäunte Stück Wiese beim zu pflügenden Land ’ verstanden werden kann. Araixe Im Araixe ist 1336 in Ernen belegt. Im Text ist die Rede von einem Stück Land, das im Araixe gelegen ist. P H . K ALBERMATTER liest den Text von 1336 als im Arcuxe. 1355 steht in Marcos (PA Ernen, D 10). Die Belege unterscheiden sich also darin, ob die Präposition in mit dem Artikel verschmolzen ist (im Arcuxe) oder nicht (in Marcos). Im ersten Fall würde ein HL A RCUS oder ähnlich vorliegen, im zweiten ein HL M ARCUS oder ähnlich. 1549 ist weiter in Ernen der Argus erwähnt, der zum HL A RSCH gestellt wurde. Es handelt sich hier wohl um den gleichen Flurnamen, dessen Bezeichnung im Arsch ‘ im Gebiet, das einem Gesäss gleicht ’ verhüllend umschrieben wurde (cf. HL A RSCH ). Ob dieses HL oder eines der früher erwähnten zutreffend ist, bleibt offen. Arbarey Arbarey, mit agglutiniertem Artikel auch Larbarey, ist zu frpr. Arbarey ‘ Silberpappel, Espe ’ (G PSR 1, 566) zu stellen, das auf eine / - ETUM / -Ableitung von arbar-/ albar- (G PSR 1, 564) zurückgeführt wird. B OSSARD / C HAVAN (2006, 173) erwähnen Arbarey und führen es auf lat. ( ARBOR ) * ALBARIS ‘ der weissliche Baum ’ zurück. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 426) kennen sowohl P OPULUS ALBA ‘ Silber-Pappel ’ als auch P OPULUS TREMOLA ‘ Zitter-Pappel ’ , die auch als Espe bekannt ist; beide Formen sind in der ganzen Schweiz vertreten. Arbarey kommt in verschiedenen historischen Formen in Agarn (ab 1337 bis 1544) vor. Leukerbad hat 1352 en Larbare, Leuk 1487 Larbaren und Ergisch im 13. Jahrhundert und später Larbarey. In Agarn ist 1407 de Larbarey jnferiori ‘ beim unteren Gebiet mit Silperpappeln/ Espen ’ belegt. Ergisch kennt 1328 crous de Larbarey ‘ die Vertiefung von Larbarey ’ , 1328 fontem de Larbarey ‘ die Quelle von Larbarey ’ und im 13. Jh. in pratis de larbarey ‘ in den Wiesen von Larbarey ’ . In den letzten zwei Fällen (fontem, pratis) ist unklar, ob es sich tatsächlich um Namen handelt oder um Appellative. Ebenfalls zu Arbarey gehört das erstmals 1353 erwähnt de Larbareyr in Salgesch, das 1544 als de Larbarez erscheint. Arbe - Arva Arbe und Arva ‘ Arve ’ gehören zu schwdt. Arbe w./ n. auch ‘ Alpenzwergkiefer ’ , ‘ Föhre ’ , ‘ Kiefer ’ und wdt. Aarva, Aarvä (Goms), Aarba (Leuk), Aarvu ‘ Arve ’ (I D . 1, 421 und I D . 1, 450f.; G RICHTING 1998, 16). Im Goms und in Östlich-Raron lautet die Bezeichnung Arve, von Brig abwärts Arb, Arba, Arbe, Arbu, im Wortstamm übereinstimmend mit arolle (G PSR 1, 626 ff.). Bei den Flurnamen ist die Situation nicht immer klar: so haben historische Belege im Goms von 1550 Arben, in Grächen ist 1304 zu der Niderun Arwa ‘ bei der niederen (unteren) Arve ’ belegt und in Leukerbad gibt es der Arvuwald ‘ der Wald mit Arven ’ . Die Schreibung Arwa (1304, Grächen) deutet darauf hin, dass der Übergang von / f/ über / v/ zu / b/ stattfand. Auch hdt. ist für die deutsche Schweiz Arve ‘ Zirbelkiefer ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 63) mit der Bemerkung „ Entstehung dunkel “ belegt. Das Genus Neutrum vom Typ ts Arb ‘ das Arvengehölz ’ meint ein Kollektivum; sonst ist das Genus Feminin. Der Hauptvokal wird vor r+Kons üblicherweise gelängt; wir schreiben die Länge nur, wenn sie in der phonetischen Umschrift belegt ist. Das HL kommt in rund 90 Flurnamen vor; wie bei anderen Baumnamen sagen die Gwpp. öfter, dass sich am Ort keine Arven befinden; die Namenmotivation betrifft dann frühere Zustände, die zum Zeitpunkt der Befragung nicht mehr gegeben sind. Zum Baumnamen P INUS CEMBRA ‘ Arve ’ vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 86). Das Simplex im Singular erscheint als Neutrum ts Aarb ‘ das Arvengehölz ’ (Erschmatt und vier weitere Gemeinden), unner dum Aarb ‘ unter dem Arvengehölz ’ (Täsch), das Arb ‘ das Arvengehölz ’ (1448, Zermatt), ts Aarv ‘ das Arvengehölz ’ (Münster). Das Lötschental weicht hier ab: ts Aarbä ‘ das Arvengehölz (Alpe) ’ (Wiler) und underm Aarbä ‘ unter dem Arvengehölz (Alpe) ’ (Wiler; FLNK under im Arbä). Für den Einzelbaum sind als Simplizia im Singular belegt: Arba ‘ die Arve ’ (FLNK, Zermatt, unterhalb Findeln), uf der Aarbu ‘ auf der Arven (Alpe) ’ (Zermatt), Arbe ‘ die Arve ’ (1388, Täsch; unklar, da Genus nicht angegeben), t Aarva ‘ die Arve ’ (Grengiols), die Arfen ‘ die Arve ’ Ara 123 124 <?page no="127"?> (1471, Reckingen; ev. Plural), zúr Arffen ‘ bei der Arve ’ (1614, Ried-Mörel). Das Simplex im Plural ist nur in t Aarbe ‘ die Arven ’ (Termen) belegt. Diminutive im Simplex sind ts Aarbi ‘ die kleine Arve ’ (Simplon), ts Aarbilti ‘ die kleine Arve ’ (Raron), zúm Arbilti ‘ bei der kleinen Arve ’ (1670 u. später, Oberems), zum Arbilti ‘ bei der kleinen Arve ’ (1670, Unterems), ts Arbji ‘ das kleine Arvengehölz ’ (Ergisch). Mit attributiven Adjektiven, Partizipien und Zahlwörtern erscheint das HL in zweigliedrigen Konstruktionen wie folgt: zer Dirrun Arbun ‘ bei der dürren Arve ’ (Blatten), zen Drÿ Arben ‘ bei den drei Arven ’ (1550, Obergesteln), zen Drÿ Arbun ‘ bei den drei Arven ’ (1550, Oberwald), das Vordere únd Hintere Arfelti ‘ der vordere und der hintere Teil des kleinen Gebietes mit Arven ’ (1843, Fieschertal), bis auff die Hon Arba ‘ bis auf die hohe Arve ’ (1658, Baltschieder), zu der Niderun Arwa ‘ bei der niederen (unteren) Arve ’ (1304, Grächen), ts Ober und ts Unner Aarb ‘ der obere und der untere Teil des Arvengehölzes ’ (Törbel), Obru und Unnru Arbe ‘ der obere und der untere Teil der Arben (Arven) ’ (FLNK, Termen) und t Stotzendu Aarbe ‘ das steile Gebiet mit Arven ’ (Täsch; FLNK Schtotzund Arbe). Ein Genitiv Singular ist belegt in zer Zületen Arbun (1550, Obergesteln), resp. zer Zÿletten Arbun (1550, Oberwald). Es handelt sich wohl um Ziileta ‘ Zeile, Reihe ’ : ‘ bei der Reihe von Arven ’ und ist eine Umschreibung von zen Drÿ Arben / zen Drÿ Arbun ‘ bei den drei Arven ’ (cf. HL Z IILETA ). Als Grundwort erscheint das HL in zweigliedrigen Konstruktionen als t Hooarba ‘ die hohe Arve ’ (Randa), ts Illarb ‘ das Arvengehölz auf der Illalp ’ (Leuk), Märetschiarb ‘ das Arvengehölz auf der Märetschi-Alpe (Sumpfgebiet) ’ (FLNK, Leuk, LT Meretschiarb), ts Mittelarbe ‘ der mittlere Teil der Alpe Arbä (Arven) ’ (Wiler), ts Muzenarve ‘ die Arven des Mutz / bei den kleinen Arven ’ (Grengiols, FLNK Mutzenarve, LT Mutzenarve), di Patrullarba ‘ die Arbe der Patrouille ’ (Zermatt) (laut J ULEN ET AL . 1995, 235 nach einer französischen Patrouille 1798 benannt), di Zaalaarbu ‘ die Arve mit Zahlen ’ (Oberems) (laut Gwp. durften Sennen, die während des Sommers keinen Unfall hatten, ihre Initialen und die Jahreszahl einschreiben). Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Blatta, Chnubel, Egg(a), Fääsch, Fläck, Flüö, Gletscher, Hooru, Joch, Litzi, Löuwina, Schleif, Schluocht, Schlüche, See, Stadel, Stei, Stock, Tola, Treije, Tschugge, Wald, Wase und Zug. Komplexer sind t Honaarbustelli ‘ die Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird) bei der hohen Arve ’ (Baltschieder), der Läg Arbbodem ‘ der ebene Boden mit Arven ’ (Wiler). Als Adjektiv sind belegt: der Aarbi Schluichen ‘ die Schlucht mi Arven oder Arvengebüsch ’ (Blatten), beÿ der Arfinen Fluho ‘ bei der Fluh mit Arven ’ (1753, Bister), in der Arfinen Kúmmen ‘ in der Chumma (Mulde) mit den Arven ’ (1753, Filet), t Arvi Chumma ‘ die Chumma (Mulde) mit Arven ’ (Betten), t Arvichumma ‘ die Chumma (Mulde) mit Arven ’ (Ried-Mörel). Im Einzelnen ist nicht immer klar, ob ein Adjektiv oder ein Kompositum mit dem HL vorliegt. Einen speziellen Fall bildet ts Aarbol ‘ der Ort, wo es Arven hat ’ (Ausserberg), wo eine Ableitung auf - OL (S ONDEREGGER 1958, 513; Stellenbezeichnung, hier Neutrum) vorliegt. Generell cf. HL A RULA . Arber (FaN) Arber oder Aber (FaN) ist 1711 in Leuk belegt als jn Arberss Klaüss und 1752 in Melcher Abers Claus (Wiese) ‘ das eingefriedete Gut der Familie Arber ’ . Der FaN kommt als Jacobus Arber (1605, Leuk) vor, ist aber weder in den Wappenbüchern noch im Register HRBS verzeichnet. Wahrscheinlicher ist daher der FaN Arber. Arblis (PN) Arblis (PN) ist als Genitiv zu Arbli zu sehen; der Name bey Arblis Stein ‘ beim Stein des Arbli ’ (1833, Zermatt) ist vermutlich identisch mit dem lebenden ts Antlisch Stei (cf. HL A NTLISCH (PN)). Arbli ist sonst nicht belegt; es könnte sich aber um eine Kurzform des FaN Arbellay (AWWB 12) handeln, der allerdings in Zermatt nicht belegt ist. Arbola Arbola ist als Punta d ’ Arbola (Binn, dt. Ofenhorn) belegt. It. arbola ‘ Weisspappel ’ ist in den alpinlombardischn Mundarten noch gebräuchlich (RN 2, 10 f.). Auf der deutschen Seite heisst der Berg Ofenhorn. Seltsam ist, dass das dt. Albrun als Albrunpass (it. Boccetta d ’ Arbola) und Albrunhorn westlich davon liegen, welche die ursprüngliche Form Alber (cf. HL A LBRUN ), lokal mit / l/ - Vokalisierung, aufweisen. Der Name des Baumes, der laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 426 ff.) höchstens kollin bis subalpin wächst, kann auf dieser Höhe nicht vorkommen; der Name ist also auf ein tieferes Vorkommen zurückzuführen oder metaphorisch zu verstehen. 125 126 Arbola <?page no="128"?> Areber Areber ist nur in Areberweg (1768, Zeneggen) belegt. Am gleichen Ort ist auch ein historisch belegter Treberweg (1719) erwähnt. Der Name ist nicht nur in Zeneggen, sondern auch in Eischoll belegt; die Distanz zwischen den beiden Orten legt aber keinen gemeinsamen Weg nahe. Weder I D ., noch G RICHTING (1998) haben einen Hinweis. Falls das anlautende aeinfach ein r-Vorschlag ist, würde sich Reberweg ergeben, das allerdings weder in I D ., noch bei G RICHTING (1998) erscheint. Die Gemeinde Zeneggen hat Reben bei Zer Vispa; der Weg ist jedoch nicht eingezeichnet. Der Name bleibt deshalb ungedeutet. Arena Arena f. ist ein nhd. Lehnwor, das aus lat. ARENA ‘ Kampfplatz im Amphitheater ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 58) entlehnt wurde. Das ehemalige Ausgleichsbecken der SBB im Massaboden (Bitsch) wich 2007/ 2008 einer öffentlichen Parkanlage mit integriertem Kinderspielplatz und einer polyvalent nutzbaren Fläche von zirka 2 ’ 000 m 2 . Die Parkanlage wurde nach dem Erbauer des Hennebique-Kanals benannt. Der 3,2 Kilometer lange Kanal führte früher das Wasser vom Wehr Mörel in den Massaboden Bitsch zum Ausgleichsbecken und zum Wasserschloss des SBB-Kraftwerks ‘ Massaboden ’ . Die Hennebique-Arena (FLNK, Bitsch) verbindet den Namen des Erbauers des Kanals mit einem Sportplatz. Der Ausdruck Arena ist inzwischen auch etwa für die Lonza- Arena in Visp oder Iischi Arena in Brig-Glis verwendet worden. Beide Namen sind in der Datenbank nicht enthalten. Ärenschtlich Ärenschtlich Adj. ‘ ernstlich ’ ist nur belegt in ts Ärenschtlich Matt ‘ die ernstliche (gefährliche) Mähwiese ’ (Binn). Das HL ist zu schwdt. ernstlich ‘ ernsthaft, gefährlich ’ (I D . 1, 466) zu stellen. I D . führt für das Wallis auch ‘ schnell ’ an, doch dürfte diese für den genannten Beleg nicht zutreffen, wo es um die exponierte Lage eines Alpstafels geht. Bei G RICHTING (1998, 16) ist nur das Nomen Äärescht, Äärunscht (Mattertal), Ääräscht ‘ Ernst ’ notiert. Das Adjektiv fehlt auch sonst in der zugänglichen Literatur. Äri Äri n. ist ein schwierig zu deutendes HL, das vermutlich zu verschiedenen Lemmata zu stellen ist. Lebend belegt ist es in Gloggeäri (FLNK, Münster); ein historischer Beleg von 1721 hat das Gloggner Ehrrÿ ‘ das Ährenfeld des Glöckners ’ . Das HL ist zu schwdt. Ächer ‘ Ähre ’ (I D . 1, 69) zu stellen, wobei auch das HL E RI (I D . 1, 405) in Frage kommt. Heute befinden sich dort keine Äcker; eine Pflügung ist im Goms eher unwahrscheinlich; darum bleibt die Deutung unsicher. Wohl anders zu beurteilen ist das 1578 in Termen belegte an der Eer, das als Wiese ( PETIA PRATI ) bezeichnet wird. Feminines Eer ist nur als Êr ‘ Ehre ’ und wdt. als Eer ‘ Ehre ’ (I D . 1, 389 f.; G RICHTING 1998, 63)) belegt; was das im Kontext bedeutet, ist unklar. Auch t Eerunpolle ‘ die runden Hügel mit Erlengebüsch (unsicher) ’ (Niedergesteln; FLNK Eerupolle) und das dazu gehörende t Eerunpolluschipfe ‘ der überhängende Fels bei den runden Hügeln mit Erlengebüsch (unsicher) ’ (Niedergesteln) sind mögliche Deutungen. Eeru(n) lässt sich hier zu Erle ‘ Erlen ’ (I D . 1, 451) stellen, doch ist die Form Eerusonst nicht belegt; laut Karte ( MAP . GEO . ADMIN . CH mit Zoom) ist diese Deutung aber möglich. Arialandt Arialandt findet sich nur in Jm Cudri Arialandt (1664, Albinen). Cudri ist frpr. für ‘ Haselstauden ’ ; M ATHIEU (2006, 27) kennt das Gebiet Ggüdri, das heute ein Stück Wiese mit Alpstadeln bezeichnet. Arialandt ist nicht belegt; es könnte ein FaN oder PN sein (z. B. zu Hariland (F OERSTEMANN 1, 733), doch ist dies unsicher. Arm Arm Adj. ist nur in der Armuseelubrunnu ‘ die Quelle / der Brunnen der Armen Seelen ’ (Ergisch, auch 1: 10000) belegt. Das HL ist zu schwdt. Adj. arm wie nhd. zu stellen; das Adjektiv ist auch in G RICHTING (1998, 16) als aarm, aarum ‘ arm ’ belegt. Die arme Seele ist nach katholischem Glauben die Seele ‘ des sündhaft verstorbenen und noch nicht aus dem Fegfeuer befreiten Menschen, für deren Erlösung daher die Überlebenden Gebete und Opfer darbringen. Arme Seelen erscheinen im Volksglauben unter anderem als Irrwische ’ (I D . 1, 454 ff. bes. 455). Der Flurname bezieht sich auf einen Bach, der diesen Namen trägt. Die Motivation des Flurnamens ist unklar. Ärmiger Ärmiger ist nur 1767 in Stalden als beÿm Ärmigerbaum belegt. Im Dokument ist von einem andern Stück Acker bei diesem Baum die Rede. Der Name Ärmige ist nur im bernischen Kandertal (Reichenbach) als Ärmige (rund 2100 m über Meer) belegt. H UBSCHMIED führt den Namen Ärmigen auf *rom. (alpis) *erminga, *erminka ‘ die einsame, abgelegene (Alp) ’ , abgeleitet von altrom. *ermo (= aprov. erm, afrz. erme ‘ inculte, désert, abandonné, solitaire ’ ), in FlN also zur Bezeichnung von öden, abgelegenen, verlassenen, unkultivierten Flächen (H UB- SCHMIED 1940, 13 f.) zurück. BENB (1, 1, 95) ist eher der Areber 127 128 <?page no="129"?> Meinung, dass es sich hier um einen dt. / - INGEN / -Namen handle und verweist auf F ÖRSTEMANN (1, 146), wo allerdings kein PN auf Arm erscheint. Als Name eines Baumes kann Ärmiger nicht näher bestimmt werden. Ärn Ärn n. tritt nur einmal als Grundwort in Griinärn, auch Gerinärn (Blatten; FLNK Griinärn) auf. Es ist unklar, aber wohl zu schwdt. Ern ‘ Hausflur, Wohnung ’ (I D . 1, 461) zu stellen. Die Flur befindet sich nicht beim östlich von Blatten gelegenen Griin, das Zentrum eines Namensnestes ist, sondern westlich von Blatten und höher gelegen an der Strasse nach Weissenried. Die Deutung ist unsicher, weil I D . keine Walliser Belege angibt und das Lemma sonst im Wallis fehlt. Arneschie Arneschie und die weiteren historischen Belege seit 1466 in Salgesch stehen wohl für den heutigen Bachnamen Larnessi / Larnässi in Salgesch, mit falsch abgetrenntem Artikel-/ l/ . (cf. HL L ARNESSI ). Darauf weist auch der Beleg von 1494 1.d. en larneschi videlicet vbi arneschia habet originem ‘ am Ort, der en Larneschi heisst, oder wo die Arneschia ihren Anfang nimmt ’ . Unklar ist der Beleg subtus lalusex darnesý (1365, Salgesch) (cf. HL L ALUSEX ). Ärni (PN) Ärni (PN) ‘ Ärni, Erni ’ ist eine Kurzform zum PN Arnold (I D . 1, 461). Alle vier Belege enthalten den PN im Genitiv, wobei im Fall ts Ernesch Azig ‘ die Futterweide des Ärni ’ (Selkingen) auch der PN Ernest gemeint sein könnte. Der FaN Erni oder Ärni ist im Wallis so nicht belegt. Der Name Äärnetsch Wald (Saas-Almagell) lautet auf der LK Z ’ Ärnisch Wald; das gleich daneben liegende Äärnetsch Tschuggu ‘ der Fels des Ärni ’ ist deswegen auch als PN Ärni zu deuten. Am klarsten ist Ärnischbalme ‘ der überhängende Fels des Ärni ’ (Betten). Arnold (FaN) Arnold (FaN) ist ein PN oder ein von diesem abgeleiteter FaN, urkundlich auch Arnolt, Arnoldi (AWWB 14). Belegt ist der PN oder FaN in folgenden Fällen: Arnollds Büell ‘ der Hügel der Familie Arnold / des Arnold ’ (1525, Simplon), ts Arnoldsch Brunnu ‘ die Quelle / der Brunnen der Familie Arnold ’ (Simplon), in Arnoldts Boden ‘ im Boden des Arnold ’ (1650 u. später, Staldenried), Arnoltz Leitwang ‘ der hässliche Grasabhang des Arnold / der Familie Arnold ’ (1383, Termen; 1320 der leyt wanc arnolst) und jn Arnoldtz Jodren Mamatt ‘ in der Mähwiese des Joder Arnold ’ (1580, St. Niklaus). Etwas problematisch sind die Belege zu in Arnotz Alppen ‘ auf der Alpe des Arnold ’ (1676, Törbel). Die Schreibformen sind 1688 Arlouss (? ) Alpún, 1707 in der Arlez Alpern (? ), 1712 in Arlandts Alpun, 1714 an Arnetzalpen, 1714 in Arnolsch Alpen. Die wechselnden Schreibungen legen einen mundartlichen Namen ts Arnoldsch im Genitiv nahe, wobei die Betonung auf der ersten Silbe liegt und die unbetonten Silben unsicher sind. F ÖRSTEMANN (1, 140) kennt Arnolt und Arnold; die Herkunft des FaN vom PN ist so wahrscheinlich. Aroleit Aroleid n. ist lebend in Zermatt und historisch 1427 in St. Niklaus als Arenlait oder Arenlayd belegt. Die ältesten Belege in Zermatt haben Aroley (1425, 1448), Aroleit (1448., 1449) usw. Es wird auf frpr. arolle f., Lokalfrz. m., abgeleitet von vorrom. *arua ‘ Arve ’ und Kollektivsuffix / - ETUM / (G PSR 1, 6276 ff.; M URET 1931, 59; A EBISCHER 1971, 17; B OSSARD / C HAVAN 2006, 182)) ‘ Arvenwald ’ zurückgeführt. Die germanische Deutung aus Aro und Lei ‘ Adlerfels ’ (M EYER 1922, 245) ist nicht haltbar. Die in der Sage von Aroleid enthaltene Deutung ‘ das vom Adler verursachte Leid ’ ist sekundär. Aroll Aroll n. ist nur in ts Aroll (Raron) belegt. Leider ist die betonte Silbe nicht bezeichnet. Es kann sich um das Präfix An + Roll im Sinne von (Stein-)Geröll (I D . 6, 880, nach W IPF 1910, 125) handeln, eine sonst unbelegte Fügung ohne Umlaut. Eher unwahrscheinlich erscheint ein vokalischer Vorschlag vor / r/ für ein sonst nicht belegtes Roll ‘ (Stein-)Geröll ’ . Frpr. Arole f. ‘ Arve ’ ist in diesem Gebiet und auch aus Gründen des Genus nicht möglich (G PSR 1, 626a ss.) Arpett Arpett ist als Arpettes die französische Form zu frpr. Arpèta ‘ kleine Alpe, kleine Weide ’ , abgeleitet von alpis (mit Entwicklung von / l/ vor Konsonant zu / r/ ) und dem Diminutivsuffix / - ITTA / (G PSR 1, 313 s. v. alpe und 631 s. v. arpeta; B OSSARD / C HAVAN 2006, 239 zu Arpettaz, Arpettes übersetzt als ‘ Petit paturâge ’ mit dem Hinweis „ essentiellement Valais “ ). Die französische Form ist belegt in Gol des Arpett ‘ Col des Arpettes ’ (Oberems). Frpr. ist das Lexem zweimal mit agglutiniertem Artikel belegt: en larpeta ‘ auf der kleinen Alpe ’ (1320 u. 1328 Ergisch) und die Erweiterung zu larpiteta ‘ auf der sehr kleinen Alpe ’ (1791, Varen). Spät belegt, ist diese Verdoppelung des Diminutivs nicht erklärbar. Arrisbilti / Arriebilti Arrisbilti ist nur 1715 in Unterbäch belegt, wobei die Lesung unsicher ist zwischen im Arrisbilti oder im Arriebilti. Vermutlich liegt ein vokalischer Anlaut vor 129 130 Arrisbilti / Arriebilti <?page no="130"?> / r/ vor, sodass am ehesten ein Diminituv zum HL R IEBA anzunehmen ist. Interessanterweise ist der Beleg von 1715 unter Rieben aufgeführt, ohne Leseunsicherheit. Es kann also ein Diminutiv auf / - ILTI / resp. / - ELTI / (SDS 3, 155 f.) zum HL R IEBA vorliegen. Der Name lässt sich als ‘ das kleine, gerippte Weidegebiet ’ verstehen, doch ist diese Deutung unklar. Arron Arron ist nur belegt in im Arronbach (1708, Staldenried). Es handelt sich um ein Stück Land, auf dem Getreide wuchs. Falls das anlautende / a/ als vokalischer Vorschlag zu / r/ betrachtet wird, könnte die Form Ronbach angenommen werden. Ron ‘ (gefällter) Baumstamm ’ (I D . 6, 1012 ff.) kommt sonst in Staldenried jedoch nicht vor (cf. HL R ONE ). Die Deutung ist darum sehr unsicher. Arsch Arsch m. ist zu schwdt. Arsch m., Pl. Ärsch, ‘ Hinterteil von Tieren, von Menschen nur in gemeiner, roher oder derber Sprache ’ , ahd. und mhd. ars m., wdt. Aarsch, Äärs (Saastal) ‘ Gesäss, Hinterteil ’ (I D . 1, 466 f.; G RICHTING 1998, 16) zu stellen. Vermutlich eine Weiterleitung zu ig. oros n. ‘ Kuppe, Anhöhe, runde Erhebung ’ , gr. óros n. ‘ Anhöhe, Berg ’ (K LUGE / S EEBOLD , 25 2011, 62; Z INSLI 1946, 311). In FlN laut TGNB (2, 2, 41) ein Vergleichsname für Stellen, die einem Gesäss ähneln, auch für abgelegene Orte. Das HL ist in rund zwanzig Namen belegt. Das Simplex im Singular ist in der Arsch (Filet, Oberwald, Randa, Täsch), der Aars (Visperterminen) und historisch in Ars (1467, Ulrichen, 1472 u. später, Obergesteln), jm Arcs (1547, Binn) und - wohl verschrieben - der Argus (1549, Ernen) belegt. Diminutive sind ts Arschji (Täsch), ts Äärschji (Niedergesteln) und wohl auch das unklare Arschle (LT, Zermatt; SK auf den Arschen), das bei J ULEN ET AL . (1995, 211) als Ârsche erscheint und als Übertragung der Körperform auf das Gelände gedeutet wird. Je nach Lage sind Felsköpfe oder Einkerbungen im Gelände gemeint. Mit attributivem Adjektiv sind belegt: der Gross und der Chlii Arsch (Reckingen), der Nider und der Ober Arsch (1480, Oberwald), t Obru und t Unnru Aarsche (Zermatt). Mit vorangestelltem Genitiv vor dem HL sind belegt: ts Martisch Arsch ‘ der Arsch des Martin / der Familie Marti(n) ’ (Binn) und ts Millersch Arsch ‘ der Arsch des Müllers / der Familie Müller ’ (Ried-Mörel). Als Bestimmungswort ist das HL in t Arschchumma ‘ die Chumma (Mulde) im Gebiet Arsch ’ (Täsch) und t Arschlitzi ‘ der Schattenhang im Gebiet Arsch ’ (Randa) belegt. Arsillie Arsillie ‘ brandgerodetes / verbranntes Gebiet ’ ist historisch 1674 und später in Varen belegt. Es handelt sich um einen frpr. Namen, abgeleitet von frpr. ars < lat. ARSUS , Part. Pas. von ARDERE , „ verbrennen, brennen “ , mit dem Suffix / - ICULA / (G PSR 2, 23a). Als Ortsname meist im Plural Arsilles belegt (B OSSARD / C HAVAN 2006, 132). Entspricht etwa dem deutschen Brand. Äru Äru ist nur belegt in ts Äruloch (Baltschieder). Das nächstliegende Wort in I D . (1, 399) ist Êr ‘ Erz ’ , was ‘ das Loch, wo Erz gegraben wurde ’ bedeuten würde. I D . verzeichnet das Wort allerdings für das Wallis nicht; das offene / ä/ ist ebenfalls schwierig, sodass die Deutung unklar ist. Arula Arúla wird 1577 eine Alpe in Reckingen benannt. Der Name stammt wohl vom gallorom. *arulla ‘ Arve ’ ab, gebildet aus *arua und keltischem Suffix / - ULLA / (G PSR 1, 626a ss., FEW 25, 84 s. v. * ARAWO ). Der Flurname nimmt ein frpr. Etymon auf, das sonst in diesem Gebiet im 16. Jahrhundert keine Rolle mehr spielt. Arz Arz ist unklar. Es kommt in Obergesteln und Ulrichen je zweimal vor; benannt sind wahrscheinlich die gleichen Gebiete. Arz erscheint dabei als Bestimmungswort, resp. Adjektiv in den Formen Artzt Eggen (1656, Obergesteln, auch Arzen (1734), Arzel (1834)) und Artzendeggen (1707, Ulrichen). Weiter als beÿ der Artzerschlûchtt (1581, Obergesteln, auch Artzett (1603) und Arzÿ (1834)), sowie Artzenschlúocht (1716, Ulrichen, auch Arci (1716) und Arzer (1879)). Arzerschlucht ist in der Literatur zu Ulrichen heute noch als Ort der Schlachten gegen Herzog Berchtold von Zähringen (1211) und gegen die Berner (1419) bekannt. Die Formenvielfalt scheint eine Sinngebung über den Stamm arzen ‘ heilen ’ zu versuchen (dazu auch Arzt), was aber im Kontext des Namens kaum sinnvoll ist. Auch möglich scheint eine euphemistische Form zu Ars ‘ Gesäss, Hintern ’ zu sein (cf. HL A RSCH ), das in Obergesteln und Ulrichen je historisch belegt ist. Beide Lösungen überzeugen aber nur wenig. Äs Äs ist lebend nur in t Äsmatte (Visperterminen) belegt; einen historischen Beleg von 1553 gibt P H . K ALBERMATTER (p. c.) als Assmatte, bei Z IMMERMANN ist es Essmatte (mit Seite 6 statt Seite 12) . Z IMMERMANN (1968, 64) stellt den Namen zu ahd. ëzza f. ‘ Weide, Futterplatz ’ (vgl. auch G R W B 3, 1188 s. v. Etzematte). Das Bestimmungswort ist Arron 131 132 <?page no="131"?> zum schwdt. Verb etzen ‘ speisen, ernähren ’ , auch ‘ eine Wiese abweiden lassen oder ihr Gras grün einfüttern ’ , mhd. etzen ‘ speisen, abweiden ’ (I D . 1, 627 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 74) hat wdt. Ezzi, Eezi ‘ Atzung, Weide, Wiesenstück ’ . Unklarer sind historische Belege: jm Hesse (1337, Feschel; auch jm Esse), in dem Hesse (1298, Raron; 1306 in dem Esse), zem Hesse (1328, Unterems). Hier gibt es zwei Probleme: zum einen das Genus, das nicht zu ëzza passt, und die Schreibung mit langem / s/ , die auf ein altes / s/ zurückweist. Es wäre also auch eine Deutung als ts Esch ‘ das Gebiet mit Eschen ’ möglich. Allerdings ist im gleichen Text von 1299 zuerst von jm Esche, später jm Esse die Rede. Da es sich kaum um den gleichen Ort handelt, bleibt das Problem ungelöst. Äsch Äsch und Äschi kommen in Täsch und Zermatt als Gipfel- und Jochnamen vor: Äschihoru (auf LK Äschhorn), ts Ober und ts Unner Äschihoru gehören zu beiden Gemeinden, genau so wie ts Ober und ts Unner Äschijoch (resp. LT Ober und Unter Äschjoch). J ULEN ET AL . (1995, 211) geben als Deutung von Äschihôre „ In die Spitze gehender Berggipfel “ . Äsch für ‘ Spitze ’ lässt sich allerdings sonst nicht nachweisen. Isoliert ist Äschlicka (Naters). Insgesamt sind Bedeutung und Herkunft des Wortes Äsch unklar (W ERLEN 2008, 598); ein Zusammenfall mit dem Baumnamen Esch (I D . 1, 586) ist lautlich kaum möglich, weil der Baumname immer ein / e/ aufweist (G RICHTING 1998, 73 s. v. Escha). Auch zu Äscha f. ‘ Asche ’ (cf. HL Ä SCHA ) lässt sich der Name kaum stellen. Das sonst gebräuchliche Esch II ‘ Zelge, Saatfeld ’ aus der Dreifelderwirtschaft (I D . 1, 569) ist im Wallis nicht belegt. Äscha Äscha ‘ Asche ’ ist zu schwdt. Äsche n f., mhd. asche, ahd. asc ā , asg ā ‘ Asche ’ und wdt. Äscha, Äschu (I D . 1, 565 f.; G RICHTING 1998, 28) zu stellen. Laut S ONDEREGGER (1958, 13) bezieht sich Äschen auf die Düngung der Wiesen, also ‘ mit Asche gedüngte Wiese ’ . In FlN bezeichnet das Wort dunkle, trockene, dürre Stellen. Laut Gwpp. wird es auch für Brandstätten verwendet, doch gibt es dafür keine unabhängige Bestätigung. In einigen Fällen mit schriftlichen Quellen ist unklar, ob wdt. Escha, Eschä (Goms), Eescha (Lötschtal), Esch ‘ Esche ’ (G RICHTING 1998, 73) gemeint ist. Das Simplex Äscha ‘ Asche ’ kommt in Blatten, Grengiols, Randa, und Ried-Brig vor, öfters von den Gwpp. als Brandplatz bezeichnet. Als einziges Kompositum ist hier Äschuegg (Ried-Brig) belegt. In Blatten dagegen gibt es auch uf der Äschun und das Kompositum Waldäräscha ‘ die Asche der Familie Walder ’ . Dazu kommen am gleichen Ort Äschungrabem, Walderäschuschiirä und Walderäschfluä vor. In Blatten ist unklar, ob es um Aschendüngung, einen Brandplatz oder um aschfarbene Stellen geht. Äscher Äscher ist nur als der Aschär (Steg) belegt, historisch 1520 jm Escher, 1777 in der Escheren, 1840 Eschernú. Die letzteren zwei Belege sind feminin; der älteste und der lebende Beleg hingegen maskulin. Zu Grund liegt wohl eine maskuline / - ER / -Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 541), hier zu schwdt. Äsche II ‘ Asche ’ und wdt. Äscha, Äschä (Goms), Äschu ‘ Asche ’ (I D . 1, 565; G RICHTING 1998, 28) mit der Bedeutung ‘ der Ort, der grau wie Asche ist ’ . Ein Bezug zum Baumnamen Escha, Eschä (Goms), Eescha (Lötschtal), Esch (G RICHTING 1998, 73) liegt im Oberwallis kaum vor, da hier nur / e/ vorkommt (cf. HL Ä SCHA ). Aschilier (FaN) Aschilier ist der FaN Aschilier (AAWB s. v. Eschilier 88; NWWB 1, 23; F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 1, 53), heimatberechtigt in Hohtenn. Belegt ist ts Aschiliärsch Wang ‘ der Grasabhang der Familie Aschilier ’ (Steg). Aschinu Aschinu ist 1694 in Bratsch belegt; in der Urkunde steht allerdings in den Aschinú vel Oschinú. Die Konstruktion legt einen Plural nahe; es handelt sich um einen Teil eines Weingartens bei Getwing (Weiler von Bratsch). Es dürfte sich wohl um eine Diminutiv-Form des Baumnamens schwdt. Esch, wdt. Escha, Eschä (Goms), Eescha (Lötschental), Esch ‘ Esche ’ handeln (I D . 1, 568; G RICHTING 1998, 73). Anders ist vermutlich ts Blanderaaschi in Albinen zu bewerten. Der Name kennzeichnet einen Weidebezirk bei der Alpe Tschärmilonga (Albinen) und dürfte auf eine romanische Grundlage zurückgehen. Trotz der Lenis / b/ im Anlaut kann ein rom. PLANU ‘ Ebene ’ am Anfang stehen, gefolgt von einer Präposition de und Raaschi, das sich nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 269) zum Typ Rachy stellen lässt (auch bei J ACCARD 1906, 373 m. anderer Deutung); es bezeichnet nach ihnen entweder die Parasitenpflanze C USCUTA EPITHYMUM oder EUROPAEA (Quendel-Seide / Nessel-Seide; cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 808) oder râche (Grind, Sand), einen Stein schlechter Qualität, der zu Grind (Sand) zerfällt. Ascht Ascht ist im Plural als uf de Eschtu (Täsch) belegt, auf ca. 2195 m. Es handelt sich um eine Flur deutlich über der Baumgrenze. Das spricht eher gegen schwdt. Ast m., Pl. 133 134 Ascht <?page no="132"?> (N)est, Äst, wie nhd. ‘ Ast ’ (I D . 1, 574). Die Belege Ober und Under Aschtbodu (Zwischbergen) sind wohl aus asp- ‘ Espe, Zitterpappel ’ umgewandelt (BENB 1, 1, 47) worden. uf de Eschtu hingegen wird kaum Espen meinen, da solche in dieser Höhe nicht wachsen. Ob jedoch eine Verwechslung mit den hier vorkommenden Eschen vorliegt (vgl. TGNB 2, 2, 42 s. v. Aspe), ist unklar, vgl. HL E SCH . Aseloz Aseloz ist belegt in Agarn und in Unterems: eys aseloz (1338, Agarn), eys asseloz (1353, Unterems). Die Belege zeigen einen Plural, jedoch fehlt sonst ein Plural auf / - OZ / oder / - ELOZ / . Am nächstliegenden scheint der Typ aisselle > * AXELLA ‘ Brett, Schindel ’ zu sein (G PSR 1, 234). Allerdings ist das Wort im Wallis nicht belegt und auch sonst selten. Für die Endung müsste eine Ableitung, z. B. auf / - ONE ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 286) angenommen werden. Beides ist spekulativ. Asp(e) Asp n. und Aspe f. sind zu schwdt. Asp(e), š -, f./ m., Dim. Aspli, ahd. und mhd. aspe, aspa, Baumname ‘ Espe, Zitterpappel ’ , in Orts- und Flurnamen eigentlich Gruppe oder Gehölz von Espen und wdt. Aschpa, Aschpä (Goms), Eschpa o. Äschpa (Mattertal), Aschpu ‘ Espe ’ (I D . 1, 571; G RICHTING 1998, 29) zu stellen. Das Neutrum bezeichnet wie bei anderen Baumnamen ein Gebiet mit mehreren Bäumen; das Femininum einen einzelnen Baum, im Plural mehrere Bäume. Die Form Aspi ist auf Asp-ahi ‘ das Gehölz mit Espen ’ zurückzuführen (S ONDEREGGER 1958, 466 ff.). Als Diminutive treten Aspji, Plural Aspjini und Aspiltini / Aspultini auf. Die meisten der rund 60 Namen sind Simplizia, oft mit Präpositionen wie zum / im / am, resp. den femininen Formen. Relative Lagen werden durch adjektivische Attributbildungen wie Hinter Asp (Agarn), ts Ober Asp (Agarn), ts Unner Asp (Agarn, Grächen) benannt; unklar ist der Beleg die Hoche Aspen (1669, Leuk) - ohne Kontext ist unklar, ob ein einzelner Baum oder ein Gehölz auf der Höhe gemeint ist. In Komposita tritt Asp(e) nur als Bestimmungswort auf; es steht dort bei den Grundwörtern vom Typ Acher, Boden, Egga, Fad, Flüe, Fura, Gassa, Güet, Litzi, Matta, Rufina, Schlüecht, Schnitta, Wäg und Wald. Komplexere Bildungen sind der Oberaspwald (Agarn), bei dem Aspbodentschúggi ‘ bei dem kleinen Fels beim Aspboden (Boden beim Asp)) (1750, Simplon) und weitere. Wohl ein Adjektiv auf / - IG / (I D . 1, 571) liegt vor in der Aspig Bodo ‘ der Boden mit Espen ’ (Staldenried) und der Aspig Fad ‘ das Felsband mit Espen ’ (St. Niklaus). Eine andere Adjektiv-Bildung auf / - IN -/ zeigt t Aspini Flüo ‘ die Fluh mit den Espen ’ . Problemfälle sind di Taschflüe ‘ die Fluh mit den Espen ’ (Birgisch), wo der Artikel agglutiniert und dann wiederholt wurde; der gleiche Ort heisst in Mund t Aspflüo. Der Ober und Unner Aschtbodu (Simplon) ist wohl eine sekundäre Uminterpretation von Asp-Bodu ‘ der Boden mit Espen ’ ; ein Lemma Ast ist sonst nur einmal unsicher belegt. Die Gwpp. bemerken ab und zu, dass es im Gebiet keine Espen gebe; der Name kann bleiben, wenn sich die Vegetation ändert. Beweisen lässt sich das jedoch mit unseren Mitteln nicht. Asper (FaN) Der FaN Asper, auch im Asp, Aspere, Aspers (AWWB 14) geschrieben, kommt in zwei Fällen vor: Aspero Grenchi ‘ der Kornspeicher der Familie Asper ’ (1521, Täsch) und Aspermatta ‘ die Wiese der Familie Asper ’ (1512, Turtmann). Der Name ist ein Herkunftsname für die Leute aus dem Asp ‘ Gebiet mit Espen ’ (cf. HL Asp(e)). Attermänza Attermänza ‘ das dunkle Gebiet ’ ist aus lat. ATRAMENTUM > ahd. atraminza ‘ schwarze Farbe, Tinte, Schusterschwärze ’ (K ÖBLER 4 1993, 106) entlehnt. Attermänza f. dürfte in FlN eine schwarze Stelle bezeichnen, oder auf eine Rodung hinweisen. Das Simplex ist im Singular als Adtermenzun (1299, Unterbäch; hier zusätzlich als der Brand bezeichnet), Attramentzun (1302, St. Niklaus), Atzermänta (FLNK, Ausserberg; 1309 Attermenzun, 1622 auf der Attermentzu), t Ättermänza (Täsch, 1388 Attermentzar ‘ die Leute von der Attermänza ’ ; 1627 u. später, an der Attermensen) belegt. Der Plural findet sich in t Attermänze ‘ die dunklen Gebiete ’ (Randa). Als Bestimmungswort kommt das HL vor in Atermentwald ‘ der Wald bei der Attermänza (dunkles Gebiet) ’ (SK, Täsch), der Attermänzfad ‘ das Grasband bei den Attermänze ’ (Randa), Attermänzuwaldji ‘ der kleine Wald bei den Attermänze ’ (FLNK, Randa), ts Attermänzwasser ‘ die Wasserleitung zu den Attermänze (dunkles Gebiet) ’ (Randa). Attesch Attesch ist nur 1850 als im Attesch in Steg belegt. Laut Dokument handelt es sich um ein Stück Ackerland. Der Name ist sonst nicht belegt und bleibt deshalb ungedeutet. Aseloz 135 136 <?page no="133"?> Atti Atti erscheint in vier Fällen: an des Atten Felt (1528, Ernen), der Attibärg (Münster, auch FLNK), der Attibode (Geschinen; SK Agtenboden) und ts Attital (Feschel). Alle vier können einerseits zum schwdt. Att, Atta, Atto, Atter, Ätti m., Pl. Ättene n von Ätti n , mhd. atte, ahd. atto, auf dem Lande und auch hier abnehmende Bezeichnung für Vater, an vielen Orten nur Kindersprache (I D . 1, 583 ff.) gestellt werden. SDS (4, 117 ff.) kennt den Typ Att und seine Formen zwar für die Walser, nicht aber für das Oberwallis, wo der ältere Typ Vater ist. C. S CHMID (1969, 113) erwähnt Äti als kindersprachlichen Ausdruck für den Vater, hat aber keine unumgelautete Form Atti. Anderseits können sich in den drei Gommer Formen auch assimilierte Formen des FaN Agten (cf. HL A GTEN (F A N)) finden, die SK für Geschinen explizit aufführt. In Feschel ist historisch seit 1701 Attenthal belegt; die Flur befindet sich am Hang des Fescheltals. Der FaN Agten ist im Bezirk Leuk nicht belegt, sodass wohl nur eine Form von Att in Frage kommt. Vermutlich gehört auch Matethal (1843, Feschel) hieher; es zeigt eine falsche Abtrennung von im Attital und ist nicht zum HL M ATTA ‘ Wiese ’ zu stellen. Atzig Atzig f., auch Azig ist zu schwdt. Atzi(n)g f. ‘ Weide und Futter für das Vieh, respektive der Ertrag eines Grundstücks daran, Benutzung desselben zum Abweiden ’ in FlN ‘ zu Weide gebrauchtes Stück Land ’ , mhd. atzunge ‘ Speise, Futter ’ (I D . 1, 624 f.) zu stellen. Als Simplex im Singular ist t Azig ‘ das Weideland ’ (Biel) belegt. Mit vorangestelltem Genitiv erscheinen ts Ernesch Azig ‘ das Weideland des Ärni ’ , ts Josisch Azig ‘ das Weideland des Joosi (Josef) ’ , ts Minnigisch Azig ‘ das Weideland der Familie Minnig ’ (alle Selkingen). Nur einmal belegt ist t Eeza (Naters). Man ist versucht, es zu Etzi, Ätzi f., mhd. etze f. ‘ Weideplatz ’ (I D . 1, 629; R ÜBEL 1950, 84 und 138) zu stellen; der Name kann aber auch direkt zum Verb etzen ‘ abweiden ’ (I D . 1, 627 f.) gestellt werden. Das Problem ist, dass die Flur sich heute in einem steilen Waldtstück befindet, das schon 1783 als silva (Wald) bezeichnet wird. Es könnte sich daher um eine Waldweide (wegen der Steilheit wohl eher für Schafe und Ziegen) handeln. Augustin (PN) Augustin (PN) ist nur in Kippel als dr Oigistinnlär ‘ der Acker, der dem Augustin gehörte ’ belegt. Es handelt sich um einen Acker, der früher einer Person mit dem PN Augustin gehörte. Der Vorname geht wohl auf den Hl. Augustinus von Hippo (354 - 430) zurück. Die Form ist eine Ableitung für eine männliche Stellenbezeichnung auf - LER (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.). Aurona Aurona ist in Forca d ’ Aurona (dt. Furggubäumlicke) und Bochetta Aurona (dt. Chaltwasserpass) auf LT belegt. Dazu kommt der it. Name Punta d ’ Aurona des Furggubäumhorn (alle Ried-Brig, Namen nach LT). Der Name erscheint auch als Gletscher- und Bachname Aurona auf der italienischen Seite. Eine Deutung ist nicht bekannt. O LIVIERI 2 1961, 1965 führt den Namen nicht auf, auch nicht LSI 1, 146. Avino Avino ist nur in Passo d ’ Avino ‘ der Pass von Avino ’ (LT; FLNK Avinopass) und Pizzo d Avino ‘ die Spitze von Avino ’ (beide Zwischbergen, LT und FLNK Pizzo d ’ Avino) belegt. J ORDAN (2006, 293) kennt Pizzo dAwino, nicht aber den Passo. Avino ist der Name einer Piana d ’ Avino und des Lago d ’ Avino auf der italienischen Seite der Grenze. Der Name ist bei O LIVIERI ( 2 1961, 65) als Avigno belegt; er führt ihn auf den PN Avinus zurück. Awannta Awannta f. ‘ Grenze, Randzone eines Grundstücks ’ ist einmal als t Awannta ‘ die Anwende (Randzone eines Grundstücks) ’ (Zeneggen) belegt. Das HL ist zu schwdt. A(n)wand, bzw. -wang f./ m., in Visp Awanta f. ‘ Grenze, Randzone eines Grundstücks ’ (I D . 16, 399 f.) zu stellen (cf. HL W AND 2). Ax Ax ist nur belegt in an den Axwengen ‘ die mit der Axt gerodeten Grasabhänge ’ (1343, Zeneggen). Das Grundwort ist Wang ‘ Grasabhang ’ . Ax ist wohl zu schwdt. Ax, Achs, Agsch f., ‘ Axt, Beil ’ , mhd. ackes, aks, ax, ahd. akus, achus und wdt. Aggscht, Aggschi ‘ Axt ’ (I D . 1, 617 ff.; G RICHTING 1998, 24) zu stellen. Die genaue Deutung ist unklar; wir orientieren uns an TGNB (2, 2, 45), wo Ax als „ indirekter Rodungsname “ betrachtet wird. 137 138 Ax <?page no="134"?> B (siehe auch P) Bä Bä ist nur in der Bäwäg (Gampel, auch FLNK) belegt, laut Beschreibung ‘ Weg in die Alpe ’ (vom Weiler Jeizinen aus). Eine sichere Zuordnung ist nicht möglich; am nächsten liegt wohl der sonst nicht belegte Plural von Bann (I D . 4, 1270) oder dessen Verbindung Bannwägli (I D . 15, 837) ‘ der kleine Weg, der dem Bann folgt ’ . Auslautendes / -n/ wird normalerweise getilgt (sog. / n/ -Apokope). Der Name wäre dann zu deuten als ‘ Weg durch die Banngebiete ’ . Baan Baan ist zu schwdt. Ban, B ā n m., f. ‘ Bahn; Eisenbahn ’ und wdt. Baan ‘ Bahn, Bergbahn ’ (I D . 4, 1268 f.; G RICHTING 1998, 31) zu stellen. Gesprochen erscheint es auch als Baa ohne / n/ . Das Wort wird erst seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts für ‘ Eisenbahn ’ oder später ‘ Seilbahn ’ , noch später für Skilifte, Sesselbahnen usw. verwendet; es kommt vor allem als Bestimmungswort im Kompositum Bahnhof vor, das als Simplex rund 20 mal erscheint. Ältere, schriftliche Belege mit ‘ Bahn ’ sind meistens zum Lemma Bann zu stellen. Das Simplex Baanhof in Visperterminen ist als übertragene Bezeichnung für drei aufeinander treffende ‘ Schleife ’ zu verstehen. Der nur einmal belegte Diminutiv zum Bäändli ‘ bei der kleinen Seilbahn ’ (Staldenried) enthält einen Sprosskonsonanten. der Alt Baanhof (Brig) meint das Gebiet, in dem der erste Bahnhof von Brig stand. Unner der Bahn ‘ das Gebiet unterhalb des Bahnhofes ’ (FLNK, Ulrichen) bezeichnet ein Gebiet von Ulrichen. Das HL tritt in folgenden Zusammensetzungen auf: Gandeggbahn ‘ die Seilbahn von der Lauchernalp auf die Gandegg (Ecke mit Geröllhalde) ’ (FLNK, Wiler), Gieterbahnhof ‘ der Güterbahnhof entlang dem Rotten (auf Briger Gebiet) ’ (FLNK, Naters), Gletscherbahn ‘ die Seilbahn von der Gandegg auf den Hockenhorngrat ’ (FLNK, Wiler), t Seilbaan ‘ die Seilbahn (ursprünglich Transportbahn der Lonza Gampel) ’ (Hohtenn), t Seilbastazjoo ‘ die Station der Seilbahn von Grächen nach Hannigalp ’ (Grächen), Station Seilbahn ‘ die Seilbahnstation der Gemmibahnen auf der Gemmi ’ (Leukerbad). Zum Kompositum Baanhof gibt es eine Ableitung Obri und Undri Bahnhofstrass ‘ die Gebiete der oberen und der unteren Bahnhofstrasse ’ (FLNK, Visp), während di Baanhofstrass ‘ die Strasse entlang des Rottens beim Bahnhof Leuk ’ (Leuk) einen Weg in Susten kennzeichnet. Zu Bäändli in Staldenried tritt auch di Bäändlimatta ‘ die Wiese bei der kleinen (Seil)-Bahn ’ (Staldenried) auf. Baard Das HL Baard kommt nur einmal in der Bockbaard vor, als Grundwort des Pflanzennamens Bock(s)bart: A RUNCUS SILVESTER , Grosser Geissbart (M ARZELL 1, 454 ff.; I D . 4, 1614) oder A NEMONE ALPINA , Teufelsbart (M ARZELL 1, 268 f.). Der Pflanzenname bezieht sich laut M ARZELL auf den Blütenstand. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1178) verwenden den dt. Namen für T RAGOPOGON PRATENSIS und T RAGOPOGON DUBIUS (Grosser Bocksbart). Der Flurname bezieht sich auf das frühere Vorkommen der Pflanze am benannten Ort westlich von Visp, der heute einer Strassenanlage gewichen ist. Bockbaard ist eines der wenigen Kopulativ- Komposita unter den FlNN. Bäärg Das Beschaffenheit des Oberwallis mit einem Haupttal und vielen Nebentälern mit steilen Talhängen und langgezogenen Alpgebieten bestimmt die Bedeutung von Bäärg in den Namen. Die rund vierhundertachtzig Belege beziehen sich meistens auf bergwärts gelegene Fluren und Gebiete oder auf Alpen, in älteren Texten auch auf Pässe; das lateinische mons ‘ Berg ’ hat oft die Bedeutung “ Pass ” . Manchmal sind aber auch einzelne Felsblöcke und selten Gipfel gemeint. Die Namen sind zu schwdt. Bërg, wdt. Bäärg m. ‘ Berg ’ , amhd. bërc, altoberdt. bëreg, -ig, zu stellen. Bäärg dient im Allgemeinen, im Gegensatz zu Boden oder Tal, als Bezeichnung eines Abhangs oder einer Anhöhe, übertragen auf etwas an oder auf einem Berg Befindliches (z. B. der auf einer Anhöhe gelegene Teil einer Ortschaft, unterhalb der eigentlichen Alpregion gelegene, eingehegte, oft noch gedüngte Bergwiese, Berganteil, Alprecht), in der Alpwirtschaft erhält Bäärg zudem die Bedeutung von ‘ Bergweide, nicht beim Talgut gelegenes Heugelände, Aufzuggut, (Allmend-)Land am Hang ’ (I D . 4, 1550 ff.; LUNB 1,1,110ff; G RICHTING 1998, 31). Gemeindenamen sind Ausserberg, Eggerberg, Goppisberg (heute bei Riederalp), Martisberg und Zwischbergen. Formal erscheint Bäärg im Singular oder Plural (Bäärge, Bäärga). Diminutivformen sind Bäärgji, Bärgjini, Bäärgi, Bäärgini und Bäärgje (Zermatt). Das Lemma ist nur selten Simplex, meistens erscheint es als Grundwort oder in komplexen Konstruktionen als Grundwort eines Bestimmungswortes mit einem anderen Grundwort (Typ: Chrütbäärgwäg Bä 139 140 <?page no="135"?> ‘ Weg Richtung Chrütbäärg ’ (Baltschieder)). Es kann auch als Bestimmungswort auftreten (Typ: Bäärgmatta ‘ zum Bäärg gehörende Wiese ’ ). Attributive Adjektive treten auch auf: dr Chaalt Bäärg (Oberems) ‘ der kalte Berg ’ . Als Ableitungen sind vor allem / - ERI / (Bäärgeri (z. B. Glis)) und / - ER ( R ) A / (Bäärgera (Fieschertal)) für Wasserfuhren vertreten. Einen Sonderfall bildet Bäärgschaft (St. Niklaus), ein Kollektivum für Alpen; I D . (4, 1564) kennt die Fügung nur für Grindelwald, wo die Gemeinschaft der Alpgeteilen so heisst. Gipfelnamen sind selten: Trugberg und Kranzberg (Fieschertal) sind zwei bekannte Ausnahmen. Wenn Bäärg als Grundwort auftritt, bezeichnen die Bestimmungswörter Lokalisierung, Beschaffenheit, Nutzung (z. B. Schafbäärg ‘ Alpe für Schafe ’ ), Besitzer (z. B. Hengarterro Bäärg (Visp) ‘ der Berg der Familie Am Hengart ’ ), Farbe (z. B. dr Blau Bäärg (Ulrichen)). Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Acher, Alpa, Bodu, Chi, Dorf, Egg(a), Drittel, Eie, Flüö, Frid, Gassa, Grabu, Hüs, Hee (hooch, heej), Hitta, Kapälla, Mad, Matta, Paragge, Rüüs, Schiir, Schluocht, Schopf, Sita, Spitz, Straas, Sturz, Suon, Wäg, Wald, Wasser und Zug. Komplexer sind Bergmatten Waldt ‘ der Wald bei der Bergwiese ’ (1748, Mörel), die Bergwasserleitta ‘ die Wasserleitung, die vom / zum Berg führt ’ (1718, Biel), (lat. sub) Bergwasserleiton ‘ (unter der) Wasserleitung vom Berg her ’ (1400, Ried-Brig), der Bärwasserschleif (sic! ) ‘ der Schleif, durch den die Berg-Wasserleitung führte ’ (Ried-Brig; FLNK Bärgwasserschleif). Bääri Zum Bääri ist nur einmal in Visperterminen belegt. Laut Beschreibung muss es sich um eine Art Futterkrippe handeln. Vergleichbar ist deswegen Bäri, m. ‘ Futtertrog für Pferde ’ (laut I D . 4, 1477 für Stalden belegt). I D . stellt es zum gleichlautenden Bääre, f. ‘ Tragbahre ’ . Es ist aber wohl eher ein Diminutiv zum besser belegten schwdt. B ă re n ‘ Futtertrog ’ und wdt. Baarma, Baarmä (Goms), Baarmu, Baarnu ‘ Futtertrog ’ (I D . 4, 1439 ff.; G RICHTING 1998, 31; R ÜBEL 1950, 46 gibt die Verteilung zwischen -rm und -rn an.) Die Entwicklung von / -rm/ und / -rn/ im Walliserdeutschen zu / -re/ (vgl. Aare zu Arm und Bääre zu Bern) und ähnlich ist nicht einfach. Aus einem Baare entwickelt sich der Diminutiv Bääri in Visperteminen (vgl. zur Dehnung von / r+m/ W IPF 1910, 41). Das HL B ÄÄRI ist bei W IPF nicht erwähnt. Baarme Baarme ‘ Krippe ’ ist zu schwdt. B ă re n , B ā re n , Barne, B ā rne n , Barme n , Barm, Borme n m., f., Barni n. wdt. Baarma, Baarmä (Goms), Baarmu (Saastal), Baarnu f. ‘ Vorrichtung im Stalle zur Aufnahme des dem Vieh vorgelegten Futters; Krippe, an die das Vieh auch angebunden wird; Futtertrog (für Schweine); Anbindlehne für das Vieh auf Weiden; Stall für Bergheu ’ , ahd. barno, mhd. barn, barne (I D . 4, 1439 ff.; G RICHTING 1998, 31) zu stellen. Belegt ist es nur einmal in ts Rossbaarmestei ‘ beim Stein, der aussieht wie eine Pferdekrippe ’ (Biel). Bäärnetscha Bäärnetscha f. ist in Simplon belegt, Bäärnetschi, n. in Termen, wo die historischen Belege aber auch auf Bäärnetscha hinweisen. Vermutlich liegt eine / - SCHA / SCHU / - Ableitung ‘ der Besitz des X ’ zum PN Bäärnet vor (vgl. I D . 4, 1597 Bërne(e)t zu Bërnhart). Beides also ‘ der Landbesitz des Bernhard ’ . Bäärtschi (FaN) Der PN oder FaN Bäärtschi / Beertschi wird von I D . (4, 1636) auf die beiden Vornamen Bartholomäus und Berchtold zurückgeführt. AAWB (28) kennt den verschwundenen Familiennamen Bertschen und führt ihn auf Berchtold zurück. Die historischen Belege vom Typ Bertschen sind schwache, die vom Typ Bertschis starke Genitivformen. Im Einzelnen ist unklar, ob ein FaN oder ein PN vorliegt. Beim Beleg Bäärtschuwiisi (Randa) liegt die Kombination FaN + PN Wiisi (zu Alois) vor. Baabi (PN) Das HL B AABI ist eine Kurzform zu Barbara (siehe dort) oder auf den FaN Barben bezogen. Belegt ist es als t Baarbitanne ‘ die Tannen der Barbi (Barbara) (keine Tannen mehr, aber im Gebiet Tanne) ’ (Ulrichen), wo mehrere Besitzernamen im Bereich Tanne (FLNK, Ulrichen) als t Fäldertanne und als t Lepolltitanne (beide Ulrichen) belegt sind, vgl. HLL F ÄLD und L EPOLLTI (PN). Bäch (Pech) Bäch in der Bedeutung ‘ Pech ’ wie schwdt., wdt. Pëch n. ‘ Pech; Harz (von Rot- oder Weisstannen); Gummiausschwitzung eines Obstbaumes ’ (I D . 4, 964; G RICHTING 1998, 31) ist nur sehr selten belegt. Alle Belege können auch zum Plural Bäch ‘ Bäche ’ gestellt werden, besonders Zem Bäch (Grengiols) (siehe den Kommentar der Gwp. zum diesem Beleg) und ts Bächwaldji (Ried-Brig), das sich in der Gegend von Mittubäch ( ‘ zwischen den Bächen ’ ) befindet. Inhaltlich zu Pech: das Pech oder Harz der Bäume wurde gesammelt und unter anderem zu Heilzwecken verwendet. Bach (Wasser) Bach m. ist als Name oder Namensbestandteil sehr häufig; einerseits als Bezeichnung eines kleinen Flusslaufes, anderseits auch als Benennung des Gebietes um 141 142 Bach (Wasser) <?page no="136"?> einen solchen Flusslauf herum oder zur Angabe der Lage zwischen zwei oder mehreren Bächen: schwdt. Bach m., Pl. Bäch, wdt. Bach, Bächji, Bächli, Bäch, Bächjini m. ‘ Bach ’ (I D . 4, 947 ff.; G RICHTING 1998, 31), schwdt. Bäch, Bächi f. Örtlichkeit, wo mehrere Bäche zusammen fliessen ’ , schwdt. Bachle(n), Bächle(n) ‘ bachreiche Gegend ’ (I D . 4, 955), schwdt. Bächler m. ‘ Ort, wo ein Bach durch- oder vorbeifliesst ’ (I D . 4, 956), sehr häufig als Kompositum, z. B. Bach-Tal, Bachtalen, Bachtelen ‘ Bachrinne, Bach-, Flussbett, kleines, von einem Bach durchflossenes Tal ’ (I D . 12, 1331 f.), auch Bach-Tola (I D . 12, 1688). In historischen Belegen wird der Umlaut häufig als / e/ gekennzeichnet: Bech, Bechgi usw. In einigen Fällen kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Personenname gemeint ist (z. B. Zer Bächläri Schiir (Blatten) ‘ zur Scheuer der Bächlerin ’ oder ‘ zur Scheuer im Gebiet des Baches ’ ). Formal kommt das Lemma als Simplex vor, auch im Plural, oder in einer Diminutivform mit (Bächji, Bächjini) und ohne (Bachji, Bachjini) Umlaut. In Komposita ist es häufig Grundwort mit Bestimmungswörtern, die die lokale Herkunft, die Ortszugehörigkeit, die Beschaffenheit oder die Nutzer, resp. Besitzer benennen. Interessant ist weiter die Verwendung von Partizipien (z. B. der Schrääjund Bach (Naters) ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ zum Verb schrääje n (I D 9, 1441) oder von Ortsangaben wie Im Bach (Brig); gelegentlich finden sich auch Adjektive wie in Leidbach (Staldenried) ‘ der hässliche Bach ’ - hier ist ein Weiler mit schlechten Wiesen gemeint - und Furzbach ‘ der Bach, der furzende Töne hören lässt ’ (FLNK, Zeneggen). Als Bestimmungswort tritt Bach selten auf, z. B. in ts Bachalpji (Eisten) ‘ die kleine Bachalp ’ , oder in komplexeren Konstruktionen wie ts Tänbahoren (Wiler) ‘ das Tännbachhorn ’ , ein Gipfel oberhalb des Tännbachgletschers, aus dem der Tännbach entspringt. Ein komplexer Fall ist t Unnerbächneri (Unterbäch), ‘ die Unterbächnerin ’ der Name des Dorfbaches vom Holz herunter in Unterbäch; die Ableitung mit / - ERI ( N )/ bezeichnet sonst häufig Wasserfuhren. Das Kompositum Baschweri lässt sich auf ‘ des Baches Verbauung, Schutzwehr ’ zurückführen. Bacher (FaN) Bacher (FaN) ist mehrdeutig: als Herkunftsname (die Leute aus dem Bach) kann es ebenso Familienname werden, wie als Nomen agentis zu bachen ‘ backen ’ ; in solchen Fällen kann auch Umlaut zu Bächer eintreten. Der FaN Bacher erscheint seit dem 15. Jh. in Selkingen und Reckingen (hier erloschen) (AWWB 18). Davon kann eine Kurzform ts Bachi (Genitiv: ts Bachisch) ‘ das Bachi, (des Bachis) ’ gebildet werden; der Genitiv wird dabei als Plural verstanden: ‘ des Bachis (Leute) ’ . Bacherro ist ein schwacher Genitiv Plural ‘ der Leute vom Bach ’ . Z Bächerhiischere (Grengiols) enthält ebenfalls einen Genitiv Plural; es ist unklar, welche Bedeutung von Bächer (Bäcker vs. Bacher) hier zugrunde liegt: ‘ bei den Häusern der Bächer ’ . Bächler (FaN) Bächler (FaN) ist nur in zer Bächläri Schiir ‘ bei der Scheuer der Bächlerin ’ (Blatten) belegt. Ein FaN Bachler, auch Baechler (NWWB 2, 34) ist belegt; er wird auf Bachelar (wohl > Baccalaureus? ) zurückgeführt. Der FaN Bächler ist laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 69) vor allem in den Kantonen Bern und Luzern verbreitet, für das Wallis aber nicht belegt; es kann sich deswegen auch um einen Bei- oder Übernamen handeln. Die feminine Form, hier Bächläri, ist bei Frauen früher üblich gewesen; sie gilt heute jedoch als pejorativ. Backen Bachtritt vor allem als Bestimmungswort zu den beiden Nomina Hüs ‘ Haus ’ und Ofu ‘ Ofen ’ auf, zu schwdt., wdt. bache n , Partizip Perfekt pachet, wdt. gibachot, gibachun ‘ backen (Brot) ’ und schwdt. Bach-Hus ‘ kleineres, gemauertes Gebäude nahe dem Wohnhaus auf grösseren Bauerngütern, zum Backen, Waschen, Obstdörren; auch etwa als Wohnung eingerichtet ’ (I D . 2, 1705; I D . 4, 956 ff., G RICHTING 1998, 31). C. S CHMID (1969, 87 ff.) berichtet über das Backen in Bellwald, dass sich öffentliche Backöfen in der Gemeinde selbst und in den Weilern Ried, Egge und Bodmen befanden, wo gebacken werden konnte; privates Backen war nicht möglich. In grösseren Gemeinden wie Fiesch oder Ernen gab es auch Bäcker, denen das Mehl zum Brotbacken gegeben wurde. Zur Terminologie siehe auch V. S CHMID (2003, 33 - 38). Als FaN ist Bachofen in unserem Gebiet nicht belegt. Der Einzelbeleg Bäckmili (Leuk) enthält die Abstraktbildung schwdt. Beck (I D . 4, 1107) ‘ Bäckerei, das zu Backende ’ . Bad Neben den beiden auf Thermalquellen basierenden Siedlungsnamen Brigerbad (lokal: zum Bad) und Leukerbad (lokal: Badu), in deren Umfeld viele Belege mit Badals Bestimmungswort auftreten (z. B. Badhalta (Brigerbad) ‘ Halde bei Brigerbad ’ ), gibt es eine Reihe weiterer Belege. Zugrunde liegt schwdt. Bad n., Pl. B ĕ der, Dim. B ĕ dli wie nhd. ‘ Bad; Thermalquelle ’ , speziell, meist Dim. ‘ Schwitzstübchen oberhalb des Backofens ’ (Id. 4, 1011 ff.). Bei G RICHTING (1998, 127) ist nur wdt. Leiggärbad und Badu ‘ beide: Leukerbad ’ erwähnt. Das Lemma ist meist n., die Namenform die Bad in Törbel erklärt sich aus einer Umdeutung der Dativ Plural-Form (1378 a den badden; 1394 supra din baden), 1554 erscheint erstmals verkürzt und mit Genuswechsel vff der bad, d. h. der Pluralartikel Bacher (FaN) 143 144 <?page no="137"?> wurde offenbar als Femininum aufgefasst. Von den übrigen Belegen sind erklärenswert: Badneri ‘ Badnerin ’ als Bezeichnung einer Wasserleite Richtung Brigerbad, Badner Leitre ‘ Badner Leitern ’ als Holzleitern, die den Weg nach Leukerbad (von Albinen aus) erleichtern. Als Assimilation lässt sich Baggilla (aus Bad + Gilla ‘ Badeteich ’ ) erklären. Die Badanstalt in Brig hiess früher prosaischer Badtola ‘ Badeteich ’ und heute Schwimmbad Geschina. Schwierig zu deuten ist der Flurname Iisebadwäg (Ernen) ‘ Eisenbadweg ’ auf der Alp Frid. Das Kompositum ‘ Eisenbad ’ existiert im Sinn von ‘ ein Bad in Eisenwasser nehmen ’ (G R W B 3, 367), jedoch nicht als Lokalbenennung im Unterschied zu ‘ Eisenbrunnen ’ für eine Quelle mit eisenhaltigem Wasser. Bädel Bädel n. ist der Name eines Weilers von Grengiols, der laut HLS (s. v. Bister) ursprünglich zu Bister gehörte. Die historische Schreibweise Bedle ist 1399 in Betten, 1342 u. später in Bister, 1382 u. später in Filet, 1370 u. später in Mörel belegt; diese Belege gehören wohl zusammen. In Filet kommen Bedlebach ‘ der Bach, der vom / zum Bädel fliesst ’ (1456 u. später) und Bedlewasserleyto ‘ die Wasserleitung, die vom / zum Bädel führt ’ (1382, Genitiv! ) hinzu. Ein anderes Bädel ist in Münster belegt, das 1471 Pedol, 1573 am Bedell, später Bedel und Pedell genannt wird. In Münster sind weiter bezeugt: beÿ dem Kirchen Pedell (1680), jm Pedell Füertell ‘ im Viertel Bädel ’ (1721), Bädelgifi ‘ die Spalte beim Bädel ’ (FLNK, Münster) und vffem vndren Bedell (1611). Vermutlich gehört auch Bedol (1471, Reckingen) hieher. Im Badoll (1744, Gampel) ist ein unklarer Beleg, der hieher gehören könnte. In Törbel gibt es 1312 an dem Bedeler und in Naters 1400 supra terram Bedler. Ob diese beiden Namen / - ER / - Ableitungen zu Bädel sind, ist wahrscheinlich, aber unsicher. In Törbel steht Bedeler in einer historischen Reihe, die historisch ab 1301 an dem Bedley heisst, das vermutlich identisch ist mit dem lebenden Namen ts Barlei, das auch in am Obren Barlei (1715 u. später), am Nidren Bedley (1306 u. später), in dem Jndren Barleÿ (1705), an das Vnderbarleÿ (1691, Törbel) belegt ist und lebend als Barlei (FLNK) auch in Bürchen vorkommt, hier jedoch bei einer anderen Flur. in Bedley (1306, Zeneggen) wird wohl zu Törbel gehören. Ob alle aufgeführten Namen zum gleichen HL gehören oder nicht, ist unklar. Eine Deutung ist kaum möglich. Eine Ableitung von Bad n. ist zwar lautlich, kaum aber inhaltlich haltbar. Eine romanische Grundlage ist nicht ausgeschlossen (z. B. bedu ‘ Kanal, Graben ’ (FEW 1, 312 ff.; G PSR 2, 387 ss.), aber ebenfalls unsicher. Die historischen Belege zeigen in jedem Fall im Hauptton ein / e/ ; der Wechsel von / d/ und / r/ in einigen Belegen ist im Wallis selten belegt, aber nicht ausgeschlossen. Badelse Badelse (Niedergesteln) ist zusammen mit den Varianten Badelschon (Bürchen) und Badlitsche (Bratsch) wohl zur Bildung zu stellen, die unter HL B ALETSCH behandelt wird. Zu analysieren ist sie als / - SCHA / SCHU / -Ableitung zu einem PN Badel (ev. Kurzname zu Bandolf) ‘ der Landbesitz des Badel ’ . Der FaN Badel ist laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 66) in den Kantonen Genf und Waadt belegt. Bader (FaN) Bader (FaN) ist auch unter dem HL B ADER enthalten, da die Belege nicht klar sind. Ein Genitiv Baders Matta (1306, Zeneggen) bezieht sich entweder auf einen FaN oder auf eine Berufsbezeichnung. In der Datenbank des VSNB ist ein historischer Beleg von 1307 (Törbel) enthalten, der einen Petrus Badere nennt. Man kann also von einem FaN ausgehen. Weiter ist di Badertschu ‘ das Gut des Bader / der Familie Bader ’ (Saas-Balen) mit einer / - SCHA / - SCHU / -Ableitung enthalten, die nach unserer Deutung in vielen Fällen zu einem FaN gehört. Bader Die meisten Belege zu Bader beziehen sich auf den Namen eines bewaldeten Hangs der Gemeinden Betten, Grengiols und Martisberg. Obwohl er vermutlich zurückgeht auf schwdt. Bader m. ‘ Badeknecht, der das Bad zubereitet und die Badegäste bedient; auch der Inhaber einer Badstube, gewöhnlich verbindet er damit das Gewerbe des Barbiers und Chirurgen ’ (I D . 4, 1015), ist die Motivation nicht erkennbar. Möglich ist auch eine Ableitung vom FaN Badner bzw. Bader (BENB 1, 4, 167, mit Literaturverweisen; ein Badner ist im Register zu den HRBS erfasst). Ziemlich sicher ein Personenname liegt in Baders Matta (Zeneggen) vor. Auch hieher zu setzen ist wohl Badertschu (Saas-Balen), vermutlich eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung zum FaN Bader: ‘ das Gut Baders ’ (zu einer anderen Ableitung für das bdt. Badertschsiehe BENB 1, 4, 168). Badji Badji in ts Badjisch Tanna ‘ die Tanne des Badji / beim kleinen Pfad (laut FLNK: Fadji) ’ (St. Niklaus) ist der einzige Beleg. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Personenbezeichnung zu einem FaN wie Bader oder um einen Übernamen (so die Gwp. in der Beschreibung). Die Deutung ist auch deswegen schwierig, weil die FLNK den Namen als Fadjisch Tanna festgelegt hat; vermutlich liegt hier eine Anlehnung an Fat (Pfad) vor; in der Nähe 145 146 Badji <?page no="138"?> liegt der Goldfad. Auf Grund der Daten ist nicht entscheidbar, welcher Name zutrifft. Bäferjol Bäferiool n. ist in Raron belegt, zusammen mit Bäferjolegga ‘ die Ecke beim Bäferiool ’ . Mangels historischen Belegen ist eine Deutung nicht möglich. Bager Bager kommt nur einmal als Bestimmungswort in Bageracher (1791, Ernen) vor. Am nächsten liegt wohl eine / - ER / -Ableitung zu Paag ‘ Brei (nass, aus Erdreich) ’ (G RICH- TING 1998, 149) vor, auch Pagete (I D . 4, 1053 ‘ Kotteig zum Spielen ’ ); hier wohl ‘ Acker mit nassem Erdreich ’ . Bagger Bagger m. kommt nur in Raron als Baggersee (FLNK) vor; der See heisst heute auf LT Steinejisee. K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 82 s. v. baggern) deuten Bagger als deutsche Rückbildung aus dem niederländischen Verb baggern, das auf deutsch ‘ Erdreich maschinell abräumen ’ meint. Der Baggersee wurde von einem Bagger ausgehoben. Der heutige Name orientiert sich am Flurnamen Steineji ‘ die kleine Aue bei der Flur zum Stein ’ . Bald Bald ist ein unsicheres Lemma, das in zwei historischen Belegen vorkommt: Baldnescha (1497, Naters) und Jn der Baldnischen (1554, Birgisch), das zum lebenden Beleg Baletscha gestellt ist. Vermutlich ist mit einer / - SCHA / - SCHU / -Ableitung zu einem PN Baldmit unklarer Endung zu rechnen mit der Deutung ‘ der Landbesitz des Bald (PN) ’ (cf. HL B ALETSCH ). Balerott Balerott n. mit Endbetonung ist nur in ts Balerott (Eisten) belegt; LT hat Balurot, FLNK Balerott. Historische Belege fehlen. Vermutlich steckt im ersten Bestandteil Bale der Name des angrenzenden Dorfes Saas-Balen; von Eisten aus gesehen befindet sich das Gebiet am Balfrin direkt an der Grenze. Der zweite Bestandteil ist ts Rott n., das als Neutrum nirgends belegt ist. Zwar gibt es im I D . (6, 589) R ō d f., u. a. mit der Bedeutung ‘ Gegend, Ort ’ , doch wird dieses Lexem generell auf rätorom. r ō da, rouda (< lat. ROTA ) zurückgeführt und ist vor allem im Appenzellischen belegt. Aus dem Wallis sind solche Entlehnungen bisher nicht bekannt, obwohl es ein rotta ‘ Weg, Strasse ’ (T AGMANN 1946, 64) gibt, das allerdings aus lat. RUPTA abgeleitet wird. In jedem Fall wäre aber mit einer femininen Form zu rechnen. Eine Verbindung zum hdt. Verb roden ist unwahrscheinlich; da dieses eine niederdeutsche Lautform aufweist (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 770); ein Zusammenhang mit hdt. (aus)rotten (K LUGE / S EE- BOLD 25 2011, 76) ebenfalls, da dies im Oberwallis zu Riti ‘ gerodetes Gebiet ’ würde. Deswegen bleibt ts Rott n. ungedeutet. Baletsch Vorbemerkung: in der Datenbank befindet sich eine Reihe ähnlicher Namen, die unter den Hauptlemmata B ALETSCH , B ADELSE , B ADER (FaN) und auch als Baldnescha zum HL B ALD versammelt sind. Wir gehen von der radikalen Annahme aus, dass alle diese Namen / - SCHA / - SCHU / -Ableitungen zu einem variierenden PN vom Typ Bader, Badel, Badet, Balet, Bald sind. / - SCHA -/ - SCHU / -Ableitungen sind seit langem nicht mehr produktiv, werden nicht mehr als solche erkannt und deswegen auch re-analysiert, sodass - SCH als Bestandteil des Lemmas erscheint. Wir gehen zunächst von den ältesten Belegen aus (hier ist -scha noch -sa, oblik: -sun): in der Bandolfsun (1300; Unterbäch), Badelse (Plural) (1301, Niedergesteln), zer Badelson (1337, Bratsch), Badelschon (1391, Bürchen), Badelscha (1470, Birgisch), Badelschen (1495, Gampel), Baldnescha (1497, Naters). Der älteste Beleg aus Unterbäch ist sehr explixit: Bandolfsun. Hier wird offenbar ein Personenname Bandolf (F ÖRSTEMANN 1, 245 kennt Pandulf) mit der Endung -sa (hier oblik: -sun) verbunden: ‘ das Landstück des Bandolf ’ . Die darauf folgenden Belege aus Niedergesteln, Bratsch, Bürchen und Birgisch enthalten durchgehend Badel. Diese Form kann als Kurzform zum (vielleicht rekonstruierten) Vollnamen Bandolf verstanden werden. Erst 1497 erscheint in Naters der Typ Baldnescha. Der Typ Baletscha ist erst viel später belegt als Baletschen (1623, Bitsch), Baletschen (1675, Zwischbergen), Baletschun ((1679, Birgisch), Baletschen (1759, Bellwald). Von Bitsch und Birgisch wurden hier nur je die Erstbelege erwähnt. Der Weg von Bandolf über Badel zu Balet ist unklar; es kann sich auch um zwei, oder sogar drei verschiedene PNN handeln. Unklar ist weiter, ob die beiden lebenden Belege ts Baläggsch Gade ‘ der Gaden des Balägg ’ und ts Baläggschgadewasser ‘ das Wasser für den Gaden des Balägg ’ (beide Blitzingen) hieher gehören. Baläggsch kann aus Balätsch entstanden sein, doch gibt es dafür keinen stichhaltigen Hinweis. Anders di Balätschschluächt (Blatten), die sich auf Baletsch zurückführen lässt, das sich seinerseits aus der nicht mehr durchschaubare Baletscha ableiten liess, wie auch Baletschfluo (Ried- Mörel). Im Beleg Badertschu (Saas-Balen) liesse sich auch ein FaN B ADER ansetzen. Bei den historischen Belegen sind Wechsel vom einen Typ zum andern erkennbar. In einer radikalen Sicht lassen sich alle diese Namen zum selben Typ Bandolf / Badel / Balet + scha ‘ der Bäferjol 147 148 <?page no="139"?> Landbesitz des Bandel / Badel / Balet ’ stellen. Dennoch setzen wir mehrere HLL an, um unsere vorsichtige Deutung nicht zu verallgemeinern. Balfrin Balfrin (ts b.aálfrAË) ist nach Ausweis der historischen Belege zunächst die Bezeichnung einer Alp (Balfriialpa) in Eisten. Danach wurden der Gipfel ts Balfrii (3796 m) (für St. Niklaus und Saas-Balen belegt, LT, SK und FLNK) und Balfringletscher benannt. Der Name ist zweitbetont mit einem langen / i: / ; das / n/ fällt dabei weg. Der älteste Beleg von 1304 hat Belfri, 1503 ist Baluerin belegt. Der Name spielte eine Rolle bei der Sarazenenhypothese, die heute als widerlegt gelten kann. G ATSCHET (1879, 408) führte den Namen auf (Saas) Balen und Firn zurück. Auch das ist unwahrscheinlich, da - wie gesagt - der Name zunächst für die Alp galt. Lautlich würde die Herleitung ebensowenig stimmen, da ein solches Kompositum Erstbetonung hätte und das Wort Firn als [fire] (mit kurzem, offenem i) ausgesprochen würde. Die Zweitbetonung deutet auf romanischen Namen hin. Mangels früherer historischer Belege kann eine begründete Deutung nicht gegeben werden, cf. W ERLEN (2008, 586 f.). Balg Balg ist nur in Blasbalgweg ‘ der Weg, der einem Blasbalg gleicht / der zum Blasbalg führt ’ (1794, Raron) belegt. Formal ist Blasbalg eine Zusammensetzung. Balg allein kommt in den Namen sonst nicht vor. Zu stellen ist es zu schwdt. Blâsbalg wie nhd. ‘ Blasbalg ’ , bildlich und scherzhaft ‘ Atmungswerkzeuge, Lungen ’ (I D . 4, 1210 f.). Hier vermutlich zur Bezeichnung eines steilen Weges, bei dessen Begehung man wie ein Blasbalg ins Schnaufen kommt. Bali (FaN) Die Belege mit Bali (auch Baali) sind wohl auf einen Übernamen oder FaN Bali zurückzuführen. Sicher ist das bei den Genitivformen vom Typ Balis, Balisch oder Balligo ‘ der Leute des Bali ’ . I D (4, 1158 und 1221) vermutet Paul(us) oder Balthasar als Vollnamen, ist aber unsicher; die zwei Belege zu Palus würden dazu passen. G. Z EN- HÄUSERN (p. c., Unterbäch) nennt eine eingebürgerte Familie Balet aus Lens (Mittelwallis) als Namengeber; zu den Familien Balet siehe AWWB (20 f.); sie sind auch für das Oberwallis bezeugt. In allen Fällen handelt es sich um Besitzer- oder Nutzernamen. BENB (1, 4, 174) verweist unter dem Stichwort Baali/ Balli auf lokale FaNN, die aber in unserem Gebiet nicht belegt sind. Die zwei Belege mit Baari sind spät belegt; der Wechsel von / r/ und / l/ ist auch sonst möglich. Ball Ball ist zu schwdt. Balle n f., wdt. Balla, Ballä (Goms), Ballu m. ‘ Spielball; nach Form und Grösse einem Spielball ähnlicher Klumpen (Erde, Lehm); Fruchtknolle; geballte Faust ’ , ‘ Butterballen ’ , ‘ Warenballen, Gebinde ’ (I D . 4, 1148 f.; I D . 4, 1149 f.; G RICHTING 1998, 32) zu stellen. Belegt ist als Simplex nur Ball (LT, Niedergesteln), das aber auf LT als Bäll erscheint (cf. HL B ÄLL ) und vermutlich nicht hierher gehört. Es bleiben zwei sehr unterschiedliche Belege. Der erste gehört zum Typ Aichballe ‘ Butterballen ’ und ist als auf die Aichbale (1875, Saas-Almagell), t Aichballa (Naters), die Anckballa (1542, Glis), t Äichbalu (Saas- Grund) und t Äichballurufina (Ried-Brig) belegt. In allen Fällen ist eine Felsformation gemeint, die einem Butterballen gleicht. Der zweite Typ entspricht dem Fussballplatz: der Füessballplatz (Oberwald, Varen). Dieser zweite Typ hat das Spiel mit dem Fussball zum Gegenstand, während der erste das Aufbewahren der Butter in einer Ballenform meint. Beide verbindet eigentlich nur die runde Form. Bäll Bäll ist unklar und überschneidet sich teilweise mit Bell. Das Simplex Bäll ist in Niedergesteln belegt, wo sich ein Namennest mit Bällchappu, Bällchappuschiir, Bäll(e)rebe, Bäll(e)rüüs, Bällstei, Bälweiderre, Obrun Bällweiderre und Bällweiderrungassu befindet. Weiter gibt es die Alpa Bäll (Naters) mit Bälerchrizji, Bälärru Scheenun Biel ‘ der schöne Hügel der Leute von Bäll ’ und dem Bälgrat (Mund); FLNK hat dafür in Naters auch Bälergrat. Der Flurname Belgrat ‘ der Grat oberhalb von Bel(alp) ’ (Naters) meint einen deutlich höher (ca. 3200 m) gelegenen Grat. Die moderne Bildung Belalp ist im Übrigen vermutlich der schriftlichen Festlegung zu verdanken, so schon 1388 in alpe de Bell; die lokale Aussprache bleibt aber ['bäll]. Der Versuch, in Belalp französisches ‘ belle alpe ’ zu sehen, scheitern an dieser Lautung, obwohl die Benennung des Hotels Belalp im 19. Jahrhundert den Anklang gesucht haben mag. Noch unklarer ist Bälliggjini (Naters, beim Weiler Hegdorn). Es liegt wohl ein Kompositum mit dem Plural des Diminutivs Liggji ‘ die kleine Liegestelle ’ vor; das Bestimmungswort könnte Bäll sein, aber auch ein assimiliertes Bänz ‘ Schaf, Lamm ’ (R ÜBEL 1950, 100) - wobei diese Hypothese eher unwahrscheinlich ist. Historisches Belleggeren Wald (1738, Birgisch) ist unsicher, es könnte auch zu Bell gestellt werden; ‘ der Wald der Leute von der Bällegga ’ würde aber zu den Natischer Belegen passen. Ein weiterer Beleg findet sich zweimal als Bällegga ‘ die Ecke beim Bäll (unklar) ’ in Zwischbergen mit historischen Belegen bis 1389 (de Belleckon) zurück. Bäll ist laut www. ortsnamen.ch auch für eine Weide in Flums (SG) belegt, 149 150 Bäll <?page no="140"?> doch hat auch H. S TRICKER dafür keine Erklärung (p. c., 2014). BENB (1, 4, 176 f. s. v. Bälle) nimmt einen PN Bello o. ä. an; das wird bei unseren Belegen kaum in Frage kommen. Das Lexem Bëll ‘ einzelner Laut beim Bellen ’ (I D . 4, 1158) führt auch nicht weiter. Die geografische Verteilung (Naters, Niedergesteln, Zwischbergen) einerseits, der offene Vokal / ä/ anderseits schliessen ein rom. BELLU ‘ schön ’ (FEW 1, 319 ff.) eher aus. Ballje Ballje (Pl.) ist nur einmal als di Ballje (Leuk) belegt. Die Form ist klarerweise ein Plural, wozu ein Sg. Ballja oder Ballju zu rekonstruieren ist. Da historische Belege fehlen, ist ein Zusammenhang mit Bailli ‘ Vogt ’ (G PSR 2, 200s.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 115) im Sinn von ‘ das Gut des Vogtes ’ zwar nicht ganz sicher, doch ist eine deutsche Herleitung kaum möglich. Balma Als Grundwort ist Balma im Wdt. feminin, als Bestimmungswort häufig endungslos. Lautlich gesehen kann Balm zu Bale(m) werden; Bale-Formen sind nicht zum HL B ALL zu stellen. Grundlage ist schwdt. Balm, wdt. Balma, Balmä (Goms), Palma (Zermatt), Balmu f. ‘ Felsenhöhle, stark überhängender Fels, der Schutz und Obdach bietet ’ , auch ‘ felsiger Hügel ’ , daraus abgeleitet das Partizip gebalmet ‘ mit einer Balm versehen oder wie eine solche geformt ’ (I D . 4, 1215 f., 1216; G RICHTING 1998, 32), hier als balmuchtu oder balmugu. Das Wort ist vorgermanisch und erscheint in den frpr. Patois auch als Barma. Im Oberwallis ist auch Bauma belegt, in den / l/ -vokalisierenden Gemeinden des unteren Goms. Neben dem Singular wird auch der Plural (Balme) verwendet. Als Diminutiv erscheint Balmilti. Der Name wird als Simplex, häufig mit Adjektiven, als Grundwort und als Bestimmungswort verwendet. Einige Fälle mit Balmer, ze Balmere oder Ballmisch ‘ des Balmis/ Balmers ’ , aber auch der Typ Balenmatte sind wohl Herkunfts- oder Familiennamen, besonders dann, wenn die benannten Fluren im Talboden liegen; im Personenregister zu S TOCKALPER s HRSB ist Balmer als FaN erwähnt. In einigen Fällen führen die Befragten die Namen auf Palma ‘ Palme ’ zurück, die Benennung von Pflanzen, die u. a. am Palmsonntag Verwendung finden, etwa Wacholder (J UNIPERUS COMMUNIS ) (M ARZELL 2, 1087; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 92) und Stechpalme (I LEX AQUIFOLIUM ; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 948). Insgesamt sind etwa 290 Flurnamen mit dem HL belegt, von denen im Folgenden nur ein Teil behandelt wird. Neben den Simplizia ist das HL zunächst mit Adjektiven versehen, wie in Chaltu Balme ‘ die kalten überhängenden Felsen ’ (EK, Mund; historisch auch in Naters 1531 zer Kalten Balmun, unklar, ob gleicher Ort gemeint ist), di Gufrig Balma ‘ der überhängende Fels mit Steingeröll unterhalb ’ (Randa), mid der Hibschu Balmu ‘ beim schönen überhängenden Felsen ’ (Simplon; J ORDAN 2006, 151 und 158 hat zwei Belege zu Hipschi Balma, von denen hier nur S. 158 gemeint ist), mehrfach t Läng und t Leng Ballma ‘ der lange überhängende Felsen ’ (St. Niklaus und weitere fünf Gemeinden), t Mittlescht Bauma ‘ der mittlere Stafel auf der Alpe Balma ’ (Binn), t Ober Ballma ‘ der obere Teil des Gebietes beim überhängenden Felsen ’ (Blatten und zwei weitere Gemeinden), t Oberscht Bauma ‘ der oberste Stafel auf der Alpe Balma ’ (Binn), ze Tropfinu Balmu ‘ Gebiet beim überhängenden Felsen, über den Wasser hinuntertropft ’ (Saas-Almagell), t Under Balma ‘ der untere Teil des Gebietes beim überhängenden Felsen ’ (Blatten und fünf weitere Gemeinden) und weitere mehr. Vorangestellte Genitive sind etwa ts Eschersch Balma ‘ das Gut der Familie Escher bei einem überhängenden Felsen ’ (Zwischbergen; J ORDAN 2006, 356 hat Eschärsch Balma), ts Gattlusch Balmu ‘ der überhängende Felsen der Familie Gattlen ’ (Hohtenn), ts Martilaggersch Balma ‘ der überhängende Fels des Martin Lagger ’ (Naters), ts Peetersch Ballma ‘ der überhängende Fels Peters / der Familie Peter ’ (Simplon; J ORDAN 2006, 151 hat Peetärsch Balma, ohne nähere Angaben), ts Pfiifisch Balma ‘ der überhängende Fels des Pfeifers / der Familie Pfeiffer / Pfiffer ’ (St. Niklaus) und wohl auch das zusammengeschriebene Ärnischbalme ‘ der überhängende Fels des Arnold ’ (FLNK, Betten). ts Nagulschbalmu ‘ die Palmen (Stechpalmen) der Familie Nagel ’ (Ried-Mörel, historisch auch Greich, 1681 u. später) weisen auf Pflanzen, nicht auf überhängenden Fels hin. Bei den zahlreichen Komposita mit dem HL als Grundwort sind zunächst die vielen Belege mit zer Hebalmu ‘ zum Gebiet beim hohen, überhängenden Fels ’ (Zermatt) und t Hobalma ‘ das Gebiet um den höhen überhängenden Felsen ’ (Törbel und 6 weitere Gemeinden mit teilweise erweiterten Komposita) zu erwähnen, bei denen ein Adjektiv mit dem Grundwort verbunden wird. Andere Adjektive sind ebenfalls belegt. Ein weiterer Typ enthält als Bestimmungswörter Tiernamen, wie t Eschelbalma ‘ der überhängende Felsen für die Eseal / der wie ein Esel aussieht ’ (FLNK, Zermatt und drei weitere Gemeinden), t Fuggsbalma ‘ der überhängende Felsen der Familie Fux / wo es Füchse hatte ’ (Täsch und zwei weitere Gemeinden), di Geisbalma ‘ der überhängende Fels für die Ziegen ’ (Kippel und sieben weitere Gemeinden, teilweise mit Erweiterungen), t Küebalmu ‘ der überhängende Fels für die Kühe ’ (Inden), t Murumbalma ‘ der überhängende Fels für die Murmeltiere ’ (Randa, auch FLNK), di Bockbalma ‘ der überhängende Ballje 151 152 <?page no="141"?> Fels für die (Ziegen-)Böcke ’ (Randa), Bärubalma ‘ der überhängende Fels für Bären / der einem Bär gleicht ’ (FLNK, St. Niklaus), t Rinnerbalma ‘ der überhängende Fels für die Rinder ’ (Randa, auch Grächen), t Schaafbalma ‘ das Gebiet beim überhängenden Felsen für die Schafe ’ (Eisten), t Schwiiballma ‘ der überhängende Felsen für die Schweine ’ (Simplon und vier weitere Gemeinden; bei J ORDAN 2006 fehlt der Beleg), Wolfsbalm ‘ der überhängende Felsen für den Wolf / der dem Wolf gleicht ’ (SK, Zermatt). Gemeint sind wohl meist Tiere, die unter der Balm Schutz finden. Pflanzennamen erscheinen seltener als Bestimmungswörter: an dyen Heyminon Balmon ‘ an den überhängenden Felsen mit Gutem Heinrich (Pflanze) ’ (1443, Zermatt; ähnlich 1697 Eisten). t Hewwbalma ‘ der überhängende Felsen, unter dem Heu gelagert wird ’ (Simplon; J ORDAN 2006 hat drei Belege für den Namen (S. 207, 212, 216 s. v. Balma), wobei wohl der Name auf S. 212 dem in der Datenbank entspricht), di Blackerbalma ‘ der überhängende Fels, bei dem Blacken wachsen ’ (Saas-Almagell, auch FLNK), Blacken sind bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 688 und 690) als R UMEX ALPINUS und R UMEX OBTU- SIFOLIUS belegt, di Dischtulballma ‘ der überhängende Fels, wo es Disteln hat ’ (St. Niklaus). In mindestens zwei Fällen ist zwar ein Pflanzenname erwähnt, gemeint ist aber ein nahegelegener Weiler, dessen Name erscheint: Ahorn Balmeltin ‘ der kleine überhängende Fels beim Weiler Ahorn ’ (1550, Naters), während der zweite Beleg Hasubalmu (Naters) trotz der historischen Belege Hasenbalmen (1784 u. später) nicht zu den Hasen, sondern zum Flurnamen Hasul (Weiler von Naters oberhalb Blatten) zu stellen ist. Von den zahlreichen übrigen zweigliedrigen und mehrgliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort werden hier keine erwähnt; sie sind aber unter dem Bestimmungswort zu finden. Einige mehrgliedrige Komposita enthalten als Grundwort nicht Balma, sondern ein anderes Grundwort: t Hobalmuäbi ‘ der Abhang beim Gebiet der Hobalma (des hohen überhängenden Felsen) ’ (Randa), der Hobalmwald ‘ der Wald beim hohen überhängenden Felsen ’ (Täsch, auch FLNK), ts Hobalmwasser ‘ die Wasserleitung zum Gebiet Hobalma (hoher überhängender Fels) ’ (Randa), der Hobalugletscher ‘ der Gletscher mit dem hohen überhängenden Felsen (? ) ’ (Saas-Fee, LT Hohbalmgletscher, FLNK Hobalmgletscher, SK Hohbalengletscher), dr Schwarz Balmuntritt ‘ der Tritt beim schwarzen überhängenden Felsen ’ (Ferden). Ein eigentliches Namennest ist in Hohtenn zu finden, wo zu t Stärchbalmu auch die Sterchbalmen Eggen ‘ die Ecke beim Gebiet Stärchbalmu (starker überhängender Fels) ’ (1859 - 1872, Hohtenn), der Stärchbalmuhubil ‘ der Hügel im Gebiet der Stärchbalmu (starker überhängender Fels) ’ , der Stärchbalumbrunnu ‘ die Quelle / der Brunnen im Gebiet der Stärchbalmu (starker überhängender Fels) ’ und ts Stärchbalmuschlüüchji ‘ das Gebiet der kleinen Schlucht bei der Stärchbalmu (starker überhängender Fels), belegt sind. Seltsam ist der FLNK-Beleg Triftbalmustollu (Törbel) wo sonst di Trischtbalma (Törbel) belegt ist, ein überhängender Fels, der als Heuschober gebraucht wurde. Es scheint also, dass der FLNK-Name verändert wurde; ob es hier einen Stollen gab, bleibt unklar. Weitere Belege finden sich unter den einschlägigen HLL. Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden HLL in zweigliedrigen Komposita vor: Acher, Bach, Biina, Bodu, Brigga, Brunnu, Egg(a), Flüö, Gartu, Gassa, Grabu, Gadu, Hooru, Hüs, Licka, Matta, Ritz, Schiir, Schipfa, See, Stafel, Steg, Stuba, Tritt, Tschugge, Tunnel, Wäg, Wald und Züü. Komplexere Konstruktionen sind etwa in Pallen Math=Achren ‘ die Äcker im Gebiet der Wiese bei den überhängenden Felsen ’ (1803, Ernen), Balmfluh Alp ‘ die Alpe beim Felsen, der überhängt ’ (SK, Zwischbergen; auf späterer Karte nur Balma). Ein Genitiv Plural liegt in Balmerro vor, das in den meisten Fällen wohl ‘ die Leute von Saas-Balen ’ meint und einfacher auch als Balmer erscheinen kann. In Saas- Balen sind solche Formen belegt: z Balenhaus ‘ zum Haus im Gebiet Balen (Balm) ’ (1669, Saas-Balen), Balmerbodu ‘ der Boden der Leute von Balm (Saas-Balen) ’ , Balmerro Alpelti ‘ die kleine Alp der Leute von Saas-Balen ’ (1553, Saas-Balen), in Balmerro Alpen ‘ die Alp der Leute von Saas-Balen ’ (1528, Saas-Balen), montem Balmerro ‘ die Alpe (Berg) der Leute von Balm (Saas-Balen) ’ (1527, Saas-Balen), Balmerro Hu ͦ ba ‘ die Hube der Leute von Balm (Saas-Balen) ’ (1390, Saas-Balen), in quarterio Balmerro ‘ der Viertel der Leute von Balm (Saas-Balen) ’ (1509 u. später, Saas-Balen). Weiter sind aber auch ausserhalb von Saas Balen solche Flurnamen belegt: zu Ballmeru ‘ der Weiler ze Ballmeru (bei den Leuten von Balma / bei der Familie Balmer) ’ (Agarn) und dazu gehörig ts Balmerugässi ‘ die kleine Gasse zum Weiler der Familie Balmer ’ (Agarn), ze Ballmeru ‘ zu den Leuten von Balma / der Familie Balmer ’ (Turtmann), laut Beschreibung Dorfteil nördlich der Landstrasse, und dazu gehörend di Ballmerustrass ‘ die Dorfstrasse in Ze Ballmeru (bei der Familie Balmer / bei den Leuten von Balma) (Turtmann) und historisch von 1786 in Turtmann jn der Balmermatten ‘ in der Wiese der Familie Balmer / der Leute bei der Balma ’ . In allen Fällen findet sich der Name in der Ebene des Rottens. Ob der FaN Balmer jedoch tatsächlich bekannt war (AWWB 21) ist unklar. Ebenso unklar ist der Beleg in Balmero Waldgi ‘ im kleinen Wald der Leute von Balm / der Familie Balmer ’ (1604, Unterbäch) und in 153 154 Balma <?page no="142"?> der Balmerú ‘ im Weiler der Leute von Balma / der Familie Balmer ’ (1795, Oberems). Ebenfalls unsicher ist im Ballmersch Hoof ‘ im Hof der Familie Balmer ’ (1855, Turtmann) mit einem Genitiv, der eventuell zum vorstehenden ze Ballmeru gestellt werden kann. Ein Adjektiv ist in zum Balmuchtu Hiischi ‘ zum kleinen Haus unter dem überhängenden Felsen ’ (Täsch) belegt. Eine Ableitung auf / - ERI / ist für eine Schlucht als t Heubaumeri ‘ die Rinne im Gebiet eines überhängenden Felsens, der zum Aufbewahren des Heus diente ’ (Gluringen, mit / l/ -Vokalisierung) auch LT und FLNK Hewbalmeri) bezeugt. Balmer (FaN) Balmer (FaN) ist nur in ts Ballmischeggu ‘ die Ecke beim kleinen überhängenden Fels, der Familie Balmer ’ (Täsch) belegt. Hierher können auch Belege zum HL B ALMA gestellt werden. AWWB (21) kennt zwar den FaN, ist aber nicht sicher, ob er vor dem 17. Jahrhundert im Wallis eingebürgert war. Für ähnliche Fälle cf. HL B ALMA . Balmore Balmore ist 1758 belegt; der Kontext ist Andreae Grez de Balmore ‘ des Andreas Gretz von Balmore ’ (1758, Simplon). Gretz ist ein FaN aus Zwischbergen (AAWB 115). Balmore ist so sonst nicht bekannt. Die Form scheint lateinisch zu sein, allerdings ist Balmore nicht bekannt. Ob eine Anknüpfung an Balma oder Balmer möglich ist, bleibt unsicher. Balmotes Balmotes ‘ die kleinen Balmen ’ ist nur in Perrinus Balmotier dys Balmotes ‘ Perrinus Balmotier von Balmotes ’ (1326, Albinen) belegt. Im gleichen Dokument von 1326 ist weiter ein Willermus dictus Balmotier erwähnt. Dieser PN ist ein Herkunftsname zum Flurnamen Balmotes. Naheliegend liegt das Lexem frpr. balma ‘ Balm, Höhle, überhängender Fels ’ (G PSR 2, 293) mit dem Suffix / - OTTU ( M )/ (laut B OSSARD / C HAVAN 2006, 287 mit Diminutiv- Bedeutung), hier allerdings als Feminin Plural. Baltschieder Baltschieder ist der Name einer Gemeinde am Ausgang des Baltschiedertales. Die ältesten Belege sind 1224 Ponczirro (zweimal), 1275 Balschiedro, 1286 Balchy`edro, 1287 Ponciro, 1291 Baldessire, 1296 Ponziro (Kopie aus dem 18. Jh.), 1300 Poncierro, 1302 Balchiedro (weitere Belege in der Datenbank). Es sind also ein romanischer und ein deutscher Typ vorhanden. Das erste, romanische Namenelement geht sicher auf lat. PONS , PONTEM ‘ Brücke ’ zurück (O ETTLI 1945, 212; Z IMMERMANN 1968, 21), die deutsche Veränderung von Pontzu Bal(t)bleibt unklar; vgl. aber die Deutung als falsche Restitution für die französische / l/ -Vokalisierung unter Baltschieder bei den Gemeindennamen. Für das zweite Element zeigen alle hist. Belege dieselbe Entwicklung wie der Name von Sierre/ Siders VS ‘ Ort, Besitz des Sitrius ’ . Baltschieder ist deshalb als ‘ Brücke des Sitrius ’ oder ev. als ‘ Brücke auf dem Weg nach Sierre / Siders ’ zu deuten (K RISTOL ET AL ., 2005, 119). Die zweite Deutung ist unwahrscheinlich, da Baltschieder und Sierre/ Siders rund 30 km auseinanderliegen. Der Gemeindename lautet auf / - ER / aus; diese Endung kann sowohl als alter Genitiv Plural, wie auch als Adjektiv verstanden werden, was eine klare Zuweisung erschwert. Wir betrachten deswegen die Nennung des Gemeindenamens als Bestimmungswort, auch wenn es getrennt geschrieben wird. Zweigliedrige Komposita mit dem Gemeindenamen als Bestimmungswort verbinden sich mit Äbi, Bach, Brigga, Gletscher, Grund, Hooru, Joch, Klause, Licka, Steg, Stutz und Tal. Zu letzterem gehören das Baltschiederthal Sentu ᵕ m ‘ das Senntum im Baltschiedertal ’ (1866, Baltschieder) und das halblateinische in Alpe de Balschedertal ‘ auf der Alpe im Baltschiedertal ’ (1381, Baltschieder). Zu den komplexeren Ausdrücken gehören auch Obri und Undri Baltschiderbrigga ‘ die obere und die untere Brücke nach Baltschieder ’ (FLNK, Visp; die beiden Brücken findet man noch auf SK) ohne den sonst üblichen Diphthong / ie/ , sowie Üsser Baltschiedergletscher ‘ der äussere Baltschiedergletscher hinten im Baltschiedertal ’ (FLNK, Baltschieder; SK Aeusserer Baltschiederfirn, LT Üssre Baltschiedergletscher). Die Abkürzung SAC (Schweizer Alpen-Club) erscheint in Baltschiederklause SAC ‘ die Baltschiederklause (SAC Hütte auf Gebiet der Gemeinde Baltschieder) ’ (Baltschieder). Einen klaren Genitiv Plural bildet Baldtschiednerro Wÿldÿ ‘ das unfruchtbare Gebiet der Leute von Baltschieder ’ (1708, Baltschieder). Eine lateinische Konstruktion ist Alpis Ponÿrrensis ‘ der Baltschiederalpe ’ (1660, Baltschieder). Eine Ableitung auf / - A / zu Baltschiedra ‘ Baltschiederbach ’ findet sich in Balschiedra (1548 u. später, Eggerberg, LT Baltschiederbach), daz Kynne Balchiedrun ‘ das Kinn (Schlucht) der Baltschiedra ’ (1306, Baltschieder; 1395 Balschieder Kün, 1610 ans Kin), Baltschiedra Runss ‘ der Rüüs der Baltschiedra (wohl Dorfteil von Baltschieder) ’ (1838, Baltschieder), Baltschiedra ‘ der Baltschiederbach ’ (FLNK, Baltschieder), Baltschiedra ‘ der Baltschiederbach ’ (1455, Ausserberg), (lat. aquam ‘ der Bach ’ ) Balschiedre ‘ der Baltschiederbach (hier wohl ein Dorfteil von Baltschieder) ’ (Baltschieder) mit einer quasi-lateinischen Genitivendung auf / - E / , Baltschyedra (1453, Mund). Balmer (FaN) 155 156 <?page no="143"?> Balze (PN) Balze (PN) ‘ Balthasar ’ ist als Bestimmungswort eine Kurzform des PN Balthasar, wie Balzer, Bälzer, Balz, Balzun (W), Bälz, Balz(l)i, Balti, Baldi, Bald, Balis, Balas, Bals (I D . 4, 1221). Belegt sind das Paltzen Acherlein ‘ der kleine Acker des Balz ’ (Bellwald), Balzeia (FLNK Balscheija) ‘ die Aue des Balz ’ (Blitzingen), t Bauzehaaute ‘ die Halde des Balz ’ (Niederwald) und di Paalzihaalte ‘ die Halden des Balz ’ (Bister), t Bauzifure ‘ die Furche des Balz ’ (Ritzingen) und 1910 beim Balzistu ᵕ ck ‘ beim Stück Land des Balz ’ (Ritzingen), sowie im Balzen Stúck ‘ im Stück Land des Balz ’ (1744, Gluringen) und ts Baalzewaalji ‘ der kleine Wald des Balz ’ (Oberwald). Formen mit / au/ gehen auf die / l/ -Vokalisierung im unteren Goms zurück. Ausserhalb des Goms kommt vor: die Baalsmattu ‘ die Wiese des Balz ’ (Leuk). Siehe auch das verwandte HL B ALI . Bammatter (FaN) Der FaN Bammatter (AWWB 21) kommt nur einmal im Genitiv als Bestimmungswort vor: Bammatterschbielti ‘ der kleine Hügel der Familie Bammatter ’ (Naters). Der FaN wurde vermutlich aus Band-matta oder Bann-matta gebildet. Band Die Namen gehen auf Band ‘ Felsband, bandartige Flur ’ zurück, wie in bergschwdt. Band (wdt. auch Bann), Pl. Bänder (wdt. auch Bänner) n. in FlN ‘ Grasband, Felsband ’ , wegen Formähnlichkeit übertragen von Band ‘ Gewebestreifen ’ , zu binden; amhd. bant und wdt. Band ‘ Band, Schnur ’ (I D . 4, 1323 ff.; Z INSLI 1945, 312; G RICHTING 1998, 32, dessen Eintrag nicht erheblich ist). Als Simplex erscheint nur der Plural Bänder / Bänner ‘ die Felsbänder ’ , manchmal mit einem Adjektiv (di Gälwu Bänder ‘ die gelben Bänder ’ (Leukerbad)); als Grundwort ist das Lemma selten (z. B. Felsband (Simplon)), als Bestimmungswort kommt es im Singular (Bandmatta, mit Assimilation Bammatta) oder Plural (Bännerstock) vor. Bandesores Bandesores ist nur einmal belegt in ov Bandesores (1433, Leuk). Es handelt sich um ein Grundstück in einem Weingarten. Der Name ist romanisch, vermutlich der ursprüngliche frpr. Name des heutigen ts Ober Ba ‘ das obere Banngebiet ’ (Leuk). Der Name enthält wohl Ban ‘ Bann, Bannwald ’ (B RIDEL 1866, 26; T AGMANN 1946, 23 mit Verweis auf G PSR 2, 219), gefolgt von dessores ‘ oben, oberhalb ’ (zu Dèzore bei B OSSARD / C HAVAN 2006, 92, dazu auch afrz. dessor in FEW 12, 433; skeptisch G PSR 5, 1, 487ss.), das allerdings die Endung / s/ zusätzlich hat (laut M EYER 1914, 54 wurde / s/ am Ende willkürlich gesetzt, aber nicht ausgeprochen). Alternativ liesse sich eine Präposition de oder des und ein weiteres Wort Ores (zu Or ‘ Bär ’ , nach B RIDEL 1866, 267)) oder Sores (zu Sor ‘ Heublumen ’ , nach B RIDEL 1866, 357) annehmen, doch überzeugen diese Deutungen nicht. Bandoltscha Bandoltscha ist eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung zum Namen Bandolf, wie der älteste Beleg in der Bandolfsun (1300, Unterbäch) nahelegt. ‘ der Landbesitz des Bandolf ’ . Die jüngeren Formen weisen kein / f/ mehr auf. Ähnlich sind die unter HL B ALETSCH erwähnten Namen. Banella Punta Banella (Saas-Almagell laut LT und FLNK) ist der Name eines Grenzgipfels zu Italien, benannt nach der darunter liegenden Alpe Banella mit dem Bach Rio Banella. Eine Deutung fehlt; auch O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Namen nicht. Bang Bang kommt nur einmal in einem historischen Beleg von 1734 aus Leuk als â Bang vor. Wohl frz. (à, de) ban , Lehnwort aus dem schwdt. Bann, B ā n, B ă (n) m., n. ‘ (obrigkeitliches, bes. gerichtliches) Gebot oder Verbot unter Strafandrohung ’ : Wald- und Baumbann, d. h. Verbot des Umhauens von Bäumen an best. Stellen oder zu best. Zeiten; Rebenbann, d. h. Verbot des Betretens des Weinberges zur Zeit der Traubenreife; Wild-, Jagdbann, d. h. Verbot, darin zu jagen; etc., ahd. und mhd. ban m. (I D . 4, 1270 ff.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 124). Die Wortform Bang mit / ng/ erklärt sich aus der lokalen Aussprache der Nasalvokale. Banigo (FaN) Der Flurname Baaniguhüs ‘ Haus der Familie Baani ’ (schon 1725 als bei Banigo Haúss) ist in Mund belegt. Die Form Baanigu ist ein Genitiv Plural des Kollektivsuffixes / - IG / zu einem Kurznamen Bani oder ähnlich. Banigo wird im Personenregister HRBS mehrfach erwähnt. Bank Das Appellativ Bank (m.) ist meist als Baich usw. belegt. Es ist zu schwdt. Bank, Bangg, wdt. Böuch, Baich, Beich m. ‘ Sitzbank ’ , ‘ Kirchenbank, Schulbank, Gerichts-, Schöffenbank ’ , übertragen auf andere, einer Bank ähnliche Dinge bzw. Stellen im Gelände, mhd. banc mf. und wdt. Bäich, Baich ‘ Sitzbank ’ (I D . 4, 1380 ff.; Z INSLI 1945, 312; URNB 1, 283 f.; G RICHTING 1998, 32) zu stellen. Namengebend für eine Reihe von abgeleiteten Namen sind die Beich (Pl.) ‘ Bänke ’ im Lötschental und in Naters, die 157 158 Bank <?page no="144"?> markante Felsbänke bezeichnen. Eine andere Bedeutung hat Gerichtsbanck (Steg, Ernen), in Steg wohl auch namengebend für die alte Gemeindebezeichnung Benken. Bank als Sitzgelegenheit ist wohl in Gselluboich (Turtmann) ‘ Gesellenbank ’ enthalten: Ort, wo man sich gesellig hinsetzen kann. Formal kommen neben Singular und Plural auch Diminutive wie Beichji, Boichji und Beichini vor. Das Wort kann als Simplex, Grundwort oder Bestimmungswort erscheinen. Unklar ist der historische Beleg Jn den Boenchen (Erschmatt). Etwas unklar muten die Belege der Sandbank (Leuk) und vor dum Sandbank (Täsch) an, die wohl eine Bank aus Fluss-Sand meinen. Und sehr unsicher sind Spellbanck und Spetzilbanck (beide Mörel, historisch 1586 und später), wozu es keine direkten Beispiele gibt. Vermutlich auch hieher gehört das 1619 belegte die Beincherren, eine Ableitung mit Staubschen Gesetz auf / - ERRA / zu Bank, 1619 in Gampel belegt. Es ist ursprünglich eine Ableitung auf / - ARIA / (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) und meint eine Gegend mit vielen Bänken (hier sind wohl Felsbänke gemeint). Bann Für die steilen Hänge des Oberwallis sind Bannwälder wichtig, also Wälder, die nicht gerodet werden dürfen. Bann ist auf schwdt. Bann, B ā n, B ă n m., n. ‘ (obrigkeitliches, bes. gerichtliches) Gebot oder Verbot unter Strafandrohung ’ : Wald- und Baumbann, d. h. Verbot des Umhauens von Bäumen an best. Stellen oder zu best. Zeiten; Rebenbann, d. h. Verbot des Betretens des Weinberges zur Zeit der Traubenreife; Wild-, Jagdbann, d. h. Verbot, darin zu jagen; etc., ahd. und mhd. ban m. (I D . 4, 1270 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 33) kennt nur wdt. Bawaald, Baanwaald (Lötschtal). Neben dem Simplex im Singular Ba (3 Belege), Baan (Wiler), Ban (2 Belege) und Ban (Albinen) finden sich vor allem die Komposita Bawald ‘ Bannwald ’ (auch Bannwald und Bawaud) und Baholz ‘ Bannholz ’ (auch Banholz und Bahouz). Interessant ist der Halbbastei (Randa) ‘ Halb- Bann-Stein ’ - ein grösserer Fels auf halber Höhe des Bannwaldes. Als Diminutiv kommt Bannji ‘ der kleine Bann ’ (Grächen) vor. Unklar ist Banetzflüe (Randa) ‘ Bann-Etz-Flüe ’ : die Etzflüe beim Bann? Die Bannschidala in Albinen muss wohl Teil des Baches Dala im Gebiet Bannschi ‘ kleiner Bann ’ sein. Beim historischen Beleg 1357 les bans (Raron) handelt es sich um eine französische Schreibweise von dt. Bann. Vermutlich ist auch Banshorn ‘ das Horn beim Bann ’ hieher zu stellen. Nur wenige Konstruktionen enthalten jedoch das HL als Grundwort: Bodmer Ban ‘ das Banngebiet im Bereich Boden (Bopme) ’ (1542, Blatten), dr Gerin Baan ‘ der Bann oberhalb von Griin (wo umgehauene Stämme herumliegen) ’ (Blatten), der Grosse Ban ‘ das grosse Banngebiet (vermutlich Wald) ’ (1521, Mund), dr Loiwinban ‘ der Bann (wald) oberhalb der Loibinu (Lawinenzug oder Rutschgebiet) ’ (Blatten), ts Ober Ba ‘ das obere Banngebiet ’ (Leuk), an den Rytischban ‘ an das Banngebiet der Riti (gerodetes Gebiet) ’ (1532, Niederwald), Visperro Ban ‘ der Bann (wohl Wald) der Leute von Visp ’ (1315 u. später, Visp), im Weisban ‘ im weissen Bann ’ (1716, Visp) und der Wiisriedbaan ‘ das Banngebiet oberhalb von Wyssried ’ (Blatten, auch FLNK, LT Wyssriedbaan). Das HL ist als Bestimmungswort zusätzlich zu den oben erwähnten Bannwald und Baholz mit folgenden HLL als Grundwörtern verbunden: Blatta, Eie, Haalta, Legi, Schluocht, Stock, Tiri und Tola. Komplexere Konstruktionen sind etwa: di Baholzgassa, di Baholzmatta und des Baholtz Zúnn ‘ der Zaun beim Bannholz (Bannwald) ’ (alle Simplon, letztes nur historisch 1746 u. später; J ORDAN 2006 hat neben Baholz (S. 132) auch Baholzgassa, Baholzmatta, Obri Baholzmatta, Baholzmuira (alle S. 118), Baholzwassärleita (S. 132) und Baholzschtraass (S. 131)). In Stalden hat FLNK Baholzwäg ‘ der Weg, der vom / zum Bannholz (Bannwald) führt ’ . die Banneÿenstras ‘ die Strasse von / zur Aue im Gebiet Bann ’ (1663, Baltschieder). Weitere Beispiel sind etwa: im Gemeinen Banwalt ‘ im Bannwald, der der Gemeinde gehört ’ (1677, Ergisch), im Oberen Bannwald ‘ im oberen Bannwald ’ (1881, Ernen), Unnerem Bannwald ‘ das Gebiet unter dem Bannwald ’ (FLNK, Münster) und der Richulschmatter Bawaud ‘ der Bannwald oberhalb der Richulschmatt ’ (Steinhaus, FLNK Richutschmatterwaud), dessen zwei Formen auch beim Flurnamen Richulschmatt vs. Richutschmatt auf LT zu finden sind. Wohl zum Diminutiv Bannji ‘ der kleine Bannwald ’ ist der Banjerwäg ‘ der Weg, der am Bannj (kleiner Bann) vorbeiführt ’ (St. Niklaus) zu stellen. Eine Ableitung für eine Wasserleitung auf / - ERI / ist di Baneri ‘ die Wasserleitung durch den Bann(wald) ’ (Visperterminen). Unklar ist schliesslich Bannerhubel ‘ der Hügel der Leute vom Banngebiet ’ (FLNK, Blitzingen), wo auf keiner Karte ein Hügel und auch kein Bannwald zu sehen ist. Nicht zu diesem HL gehören Baschwerd (1825, Gluringen) und Baschweriwald (Goppisberg, LT und FLNK; Ried-Mörel, FLNK), die beide zu den HLL B ACH und W ERI ‘ Wehr ’ zu stellen sind. Bänna - Bennu Die Belege zu Bänna, Benu und Bennen (historisch) gehören zu schwdt. Bënne n , wdt. Bänna, Bännä, Bännu f. eigentlich ‘ aus Brettern zusammengesetzter, beweglicher, offener Kasten, auf einem Wagen (oder Schlitten) angebracht, um darin (festen) Dünger, Erde, Sand etc., auch Kartoffeln, Obst fortzuschaffen ’ , übertragen auf den Bann 159 160 <?page no="145"?> mit einem solchen Kasten versehenen Wagen, ‘ einrädriger Stosskarren ’ , ‘ Futterraufe ’ , hier als FlN allerdings hauptsächlich ‘ Brunnentrog ’ , nach R ÜBEL (1950, 62) ‘ nüchterne Stein- oder Zementbecken ’ , entlehnt aus lat. BENNA (I D . 4, 1289 ff.; G RICHTING 1998, 32). Ob der Gegensatz zwischen dem hölzernen Trog und der steinernen Bänna durchgängig ist, lässt sich auf Grund der Namen nicht entscheiden. Bänna tritt meist als Simplex, häufig mit der Präposition Zur auf; insgesamt sind sechs Gemeinden erwähnt. Vor Nasalkonsonant wird offenes / ä/ häufig zu / e/ , entsprechend den phonologischen Prozessen der Dialekte. Neben dem Simplex ist auch aús der Bennen Wasserleiten ‘ aus der Wasserleitung bei zur Bennen ’ (Simplon) belegt. Bänniger Bänniger (auf 1: 10000 Bäniger) (Unterbäch) ist laut dem ältesten Beleg (1300 zien Beringneren) von einem PN Bero o. ä. abgeleitet und meint ‘ bei den Leuten des Bero ’ mit einer kollektiven / - ING / -Ableitung (cf. HL B ERO ). Der Wechsel von Beringer zu Beniger erfolgt im 16. Jahrhundert; es handelt sich um eine Metathese von / r/ und / n/ . Bännzi Bännzi ist zu schwdt. Benz, Bänz m., Dim. Bänzli, Bänzeli PN Benedikt, Bernhard, von Tieren: Kosename des Schafes (eines plumpen, dichtwolligen Schafes; Schaflamm) (I D . 4, 1408 ff.) zu stellen. Wdt. Bänz, Bänzji bezeichnet auch ein ‘ kleines Schaf ’ (R ÜBEL 1950, 100; G RICHTING 1998, 32). Bänzi ist nur einmal belegt in Ergisch; dazu abgeleitet der Bänzigrabu ‘ der Graben, der zum Bänzi führt ’ . Vermutlich liegt dem Flurnamen ein PN zu Grunde. Ein Simplex mit Bezug auf die Tierart ist nicht belegt. Bans Bans ist belegt als in das Banshorn ‘ in das Banshorn ’ (1414 Eggerberg, Baltschieder). Lebende Belege fehlen. Vermutlich liegt ein starker Genitiv ‘ des Bannes ’ zum Nomen Bann vor (cf. HL B ANN ). Die Deutung wäre dann ‘ das Horn (vermutlich kleiner Gipfel) beim Bann ’ , sie ist aber unsicher. Eine Kurzform Banz (in unseren Quellen allerdings nicht belegt; vgl. aber schwdt. Benz ‘ Benedikt ’ (I D . 4, 1408) und den FaN Banz (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 1, 86 vor allem mit Belegen aus dem Kanton LU) ist nicht ausgeschlossen. Baptist (PN) Der Taufname Baptist (wörtlich: Täufer) bezieht sich auf Johannes den Täufer. Die dialektale Form ist Batischt (I D . 4, 1429) mit Assimilation von / p/ zu / t/ . Der Name kommt als Besitzername in der Batischtwald (Saas-Allmagell) und Batistischwald (LT, Saas-Fee) (beide Namen für den gleichen Wald) und als ts Batischtsch Weidu ‘ die Weiden des Baptist ’ (Gampel), hier im starken Genitiv Singular, vor. Bar Der Name Parschílte (Naters) ist unklar; es dürfte sich um bar mit der Bedeutung ‘ ähnlich wie, ganz wie ’ (I D . 4, 1433 f. Bed. 2 b), β )) handeln, also ‘ ähnlich wie Schilde ’ . Unklar ist weiter Barmíli (Visperterminen, Visp), wohl mit dem gleichen bar in der Bedeutung ‘ bloss, nur ’ - “ nichts als eine Mühle ” (siehe dazu SZNB (3, 463) zu Barmettlen). Heute ist allerdings Barmili (auf LK Parmili) ein Weiler ohne eine Mühle. Weiter haben alle historischen Belege ein Ber-, das nur schwer zu dieser Deutung passt, doch ist die klare Akzentsetzung auf Mili ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Kompositum handeln kann, sondern um ein Attribut. Einzelne historische Belege (1343 Bernmùlen, 1598 Bärmille, 1599 Bärmili) legen ein Lemma Bär nahe, doch passt dies nicht zur Nebenbetonung von Bar. Insgesamt lassen sich die Namen nicht sicher deuten. Bär Bär ist ein Tiername, der in rund 90 Flurnamen vorkommt. Das HL ist zu schwdt. Bër ‘ Bär ’ und wdt. Bär ‘ Bär ’ (I D . 4, 1447; 1998, 32) zu stellen. Laut C ARLEN (2009, 25) wurde der letzte Bär anfangs des 19. Jahrhunderts erlegt, vgl. auch C APT ET AL . (2005), die jedoch eher das Ende des 19. Jahrhunderts annehmen. Generell ist weiter zu bedenken, dass auch schwdt. Bëre n ‘ Schubkarren ’ und wdt. Bära, Bärä (Goms), Bara, Bäru ‘ Schubkarre ’ (I D . 4, 1478; G RICHTING 1998, 432) eine Rolle spielen können, vor allem bei Bestimmungswörtern. Neben dem Simplex zum Bär ‘ zum Bär (Fels, der einem Bär gleicht) ’ (Randa, auch FLNK) erscheint das HL praktisch nur als Bestimmungswort. Ausnahmen von dieser Regel sind Genitive wie im Berren Acker ‘ (unklar, ob Berren zum Tier Bär oder zu Bäre ‘ Bahre, Futtertrog zu stellen ist) der Bärenacker ’ (1786, Ulrichen) und t Bäriseggu, auch t Rächti Bäriseggu ‘ die rechte (sonnseitige) Ecke des Bäri (PN) / wo es Bären hatte ’ und t Läzi Bäriseggu ‘ die schattseitige Ecke des Bäri (PN) / wo es Bären hatte ’ (Ergisch). In allen drei Fällen ist die Zuordnung zu Bär als Tier unsicher. Bei den Komposita ist zunächst der Typ di Bärufalla ‘ die Falle für Bären ’ (Ried-Brig, auch FLNK, LT Bärufalle, SK Bärfallen) zu erwähnen, der auch als di Bärufallu ‘ die Falle für Bären ’ (Niedergesteln, Saas-Balen, Saas-Fee) belegt ist. Plural ist Bärufalle ‘ die Fallen für Bären ’ (FLNK und LT, Ferden; SK Bärenfällen). Ein vereinfachte Form ist ts Bärfel ‘ die Bärenfalle (aber ntr.) ’ (Oberwald) und 161 162 Bär <?page no="146"?> das historische jm Berfell ‘ in der Bärenfalle (aber ntr.! ) ’ (Obergesteln). Komplexer sind bei der Bärenfallun Stapfen ‘ beim Zaunstieg bei der Bärenfalle (Alpe von Ried- Brig) ’ (1809, Ried-Brig), Bärufallugrabu ‘ der Graben bei der Bärufallu (Falle für Bären) ’ (FLNK, Niedergesteln), di Bärunfalluntreichi ‘ die Tränke bei den Bärufalle (Fallen für Bären) ’ (Ferden) und andere mehr. Ein zweiter verbreitetet Typ ist (der) Bärefad (Binn, Ernen (nur FLNK), Steinhaus) und der Bärufat ‘ das Felsband, wo es Bären hatte ’ (Naters, auch FLNK), das auch als der Bärufatt ‘ das Felsband, wo es Bären hatte ’ (Raron, FLNK Bärufat, LT Bärufad, SK Bärenfad; Mund, auch FLNK) erscheint. In Fiesch (auch FLNK, LT und SK) ist es als ts Bärfett ‘ die schmalen Felsbänder, wo es Bären hatte ’ (wohl ein Kollektiv) belegt. Komplexer sind etwa Leigru Berenfad ‘ das Felsband für die Bären bei Leiggern ’ (1688, Ausserberg), der Bärfettgrabe ‘ der Graben beim Bärfett (Felsbänder, wo es Bären hatte) ’ (Fiesch), der Bärofattbodo ‘ der Boden beim Bärufad (Felsband, wo es Bären hatte) ’ (Ausserberg) und andere mehr. Ein dritter Typ ist zum mhd. bërsol ‘ die Pfütze, in der sich Bären suhlen ’ (cf. HL S OL ) zu stellen. Belegt sind ts Bärsol (Ferden), ts Bärisall ‘ Pfütze, in der sich Bären suhlten ’ (Ried-Brig; FLNK Bärisal). Weitere zweigliedrige Komposita enthalten die HLL Acher, Alpa, Balma, Chi, Chumma, Egg(a), Fääsch, Flüö, Grüeba, Loch (mehrfach), Matta, Pfad, Pletscha, Ried, Ritz, Schleif, Schluocht, Schwand, Seil, Sprung, Stampf, Stei, Stafel, Stich, Tritt, Tschugge und Wald. Komplexer sind u. a. t Hinner und t Voder Bäreschlüecht ‘ der hintere und der vordere Teil der Geländeeinbuchtung, wo es Bären hatte ’ (Reckingen), ts Inner und ts Uister Bärriäd ‘ das innere und das äussere Ried, wo es Bären hatte ’ (Wiler), ts Ober und ts Unner Bärisall ‘ der obere und der untere Teil des Bärisall (Pfütze, in der sich Bären suhlten) ’ (Ried-Brig) und andere mehr. Bära Bära f. ‘ Schubkarre ’ ist zu schwdt. Bëre n f. und wdt. Bära, Bärä (Goms), Bara, Bäru ‘ Schubkarre ’ (I D . 4, 1478, Bed. 2); G RICHTING 1998, 32) zu stellen. Es ist nur belegt in di Bärubrächa ‘ der Ort, wo man mit der Bära (Schubkarren) nicht mehr weiter kommt ’ (Eggerberg). Der historische Beleg jn der Berenbrechen ‘ in der Stelle, wo man mit der Schubkarre (Bäre) nicht mehr weiterkommt ’ (1564, Baltschieder) gehört wohl hierzu; Eggerberg und Baltschieder befinden sich direkt beieinander. Der sonst gut belegte Tiername Bär ‘ Bär ’ ergibt hier keinen vernünftigen Sinn. Das Verhältnis zum sonst geläufigen Typ t Beibrächi ‘ der Ort, wo man sich die Knochen brechen kann ’ ist unklar. Barbara (PN) Barbara (PN) erscheint einerseits als PN, anderseits als der Name der Heiligen (Sant) Barbara; für den PN ist die Kurzform Baabi, Babi (I D . 4, 915 ff.) belegt, die aber auch den Sinn ‘ einfältige Person ’ haben kann. Bei Z Sant Barbara handelt es sich um eine Kapelle in Leuk und deren Umgebung. Unklar ist, ob der frz. Beleg Barbarie (Leuk, 1544) sich auf die Heilige bezieht. Die Form Baabisch ist ein Genitiv für die Besitzerin oder Nutzerin. Die Gewährsperson aus Visperterminen interpretiert Baabischtadolti als ‘ kleiner Stadel ’ , versteht also Baabi als ‘ klein ’ , wohl in Anlehnung an ‘ kleines Kind, Säugling ’ , das im Wdt. allerdings Mämmi heisst (I D . 4, 225); zu vermuten ist, dass wohl eher Baabi ‘ Barbara ’ vorliegt. Zum Namen siehe auch die HLL B ABEN (PN) und B ARBI . Barbi Barbi ist dreimal belegt, immer als Bestimmungswort. Es ist wohl zum PN Barbara zu stellen; die Kurzform Barbi ist für das Oberwallis belegt (I D . 4, 1534); in Ulrichen wird Barben als FaN angegeben, wohl ein Genitiv zu Barbi; allerdings fehlt ein Beleg dafür. Die Grundwörter sind zu Tanna, Egg(a) und Wang zu stellen. Da historische Beleg durchwegs fehlen, kann die Deutung nicht als gesichert gelten. Die teilweise Kürzung der Hauptsilbe lässt sich durch das sog. Brandstettersche Gesetz (Kürzung von Langvokalen in mehrsilbigen Komposita) erklären. Zum Personennamen siehe auch HLL B ARBARA (PN) und B ABEN (PN). Barbillu Barbillu kommt nur einmal in einem Beleg von 1732 vor: in Barbillu Wildi (Lalden) ‘ im unfruchtbaren Gebiet von Barbilla ’ . Es handelt sich vermutlich um den PN Barbilla; der vergleichbare Name Barbilia ist 1599 in Stalden belegt (cf. Nr. 31389 der Datenbank), war also bekannt; Barbila steht für Barbara auch im I D . (4, 1534). Bärde Bärde ist der Name eines Gebietes in Varen, zu dem sich die Komposita Bärduwäg ‘ Weg zu den Bärde ’ , Bärduhubil ‘ Hügel im Gebiet Bärde ’ und Baschubärde ‘ (wohl) unterer Teil der Bärde ’ gesellen. Die historischen Belege (1338; 1347 en berdes, 1512 eys berdes) zeigen eine frpr. Basis, die vermutlich auch historisch in Saxum de Berdes (Inden, Salgesch) (cf. HL B ERDES ) vorhanden ist. Am nächstliegenden scheint als Basis ein frpr. Adj. verde < lat. VIRIDAS ‘ grün ’ (Akk. Pl.) (FEW 14, 507 - 516) zu einem mitverstandenen Nomen wie prata ‘ Wiese ’ anzunehmen zu sein. Anlautendes / v/ müsste dann zu / b/ werden, was in den heutigen Dialekten der Gegend üblich ist. Die Deutung wäre ‘ das grüne Gebiet ’ . Bära 163 164 <?page no="147"?> Bare Bare kommt nur vor in en laz bare (1436, Varen) ‘ am Damm ’ . Es ist zu frpr. barre < lat. pop. * BARRA ‘ digue, Damm ’ zu stellen (G PSR 2, 262s.). Damit verwandt, aber wohl schon mhd. entlehnt ist Barr (cf. HL B ARR ). Bäret Bäret ist mehrfach belegt. Das Simplex im Bäret ‘ im Gebiet des Bäret / Perret (PN) ’ (Visp, FLNK Bäret) und das nur historisch belegte an die Beretgassen ‘ die Gasse zum / beim Gebiet des Bäret / Perret ’ (1580, Visp) legen einen Flurnamen zum Besitzernamen Perret nahe. der Bäretsja ‘ der Streifen Ackerland des Perret (PN) ’ (Ausserberg, FLNK Bärezia) ist eine Zusammensetzung mit dem HL J AN . t Bäretschga ‘ die Alpe des Bäret / Perret (PN) ’ ist in Binn belegt, zusammen mit t Ober und t Unner Bäretschga ‘ der obere und der untere Teil der Alpe des Bäret / Perret (PN) ’ . t Bäretschmatta ‘ die Wiese des Bäret / Perret (PN) ’ (Niederwald) ist ein Kompositum, während ts Bäretsch Rufene ‘ das Rutschgebiet des Päret / Perret (PN) ’ (Niederwald, auch FLNK) meint. Wie schon die Deutungen klar machen, geht es wohl um einen PN Perret, der in AWWB (z. B. 29, 48, 51 u. a.) als Vorname belegt ist; allerdings scheint er vor allem im frpr. Gebiet vertreten gewesen zu sein. Eine Ableitung von Bär ‘ Bär ’ ist dagegen sehr unsicher. Bärfit Bärfit kommt 1609 in Ernen vor. Nächstliegend ist eine abgeschwächte Form von Bärefad ‘ Grasband, Durchgang für Bären ’ , das auch für Ernen belegt ist (cg. HL B ÄR und HL F AD ). Bärginer Bärginer ist in Eisten im Namen ts Bärginerloch belegt (auf LK Bergenerloch). Formal ein Adjektiv, vermutlich ein früherer Genitiv Plural. Wenn Gwp. recht hat, bezeichnet dies einen Beinamen einer Familie Venetz von Stalden. Der Name bezeichnet eine Stelle auf rund 3080 m am Mattwaldgletscher. Die Motivation ist unklar; auf dieser Höhe ist kein Privatbesitz zu erwarten. Barileet Barileet ist nur einmal belegt in ts Barileet (Leuk), Name eines Grashangs auf der Ill-Alpe. Die Endbetonung deutet auf ein romanisches Wort, das zu frpr.-barillet zu stellen ist. G PSR (2, 256) gibt die Bedeutung ‘ petit baril ’ (kleines Fässchen), weist aber darauf hin, dass einige Namen mooriges oder sumpfiges Land bezeichnen. Diese Deutung trifft hier wohl zu. Kaum in Frage kommt der FaN Barillier (belegt in F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 1, 90), der nur für die Waadt bezeugt ist. Barlei Barlei n. ist in Törbel und Bürchen belegt, an zwei weit voneinander entfernten Orten. Historisch hat Törbel 1519 an das Berrleÿ; später immer Barley oder ähnlich mit Genus neutrum; LT hat Parlei und zwar als Weiler und als Weide. 1569 ist in Stalden am Berley belegt, das sich hier anschliessen lässt. Vermutlich gehört hieher auch Bedley n. in Törbel (Belege aus dem 14. Jahrhundert) und Zeneggen (1306), sowie Betleÿ (1477, Bürchen) (cf. HL B ÄDEL ). Z IMMERMANN (1968, 24) kennt Barlei (Törbel) und stellt es zu frz. barle (petit baril) ‘ kleines Fass ’ (mit Hinweis auf G PSR 2, 258 f.); E GLI (1982, 309) diskutiert den Namen ausführlich unter Batilla ‘ Trinkfässchen ’ , ohne dass die Deutung für den Flurnamen sinnvoll wäre. Soweit erkennbar, befindet sich die Flur nicht im Weinbaugebiet. Die Deutung ist unklar. Der älteste Beleg von 1300 hat Bedeley; 1301 steht im Bedley. Ältere Belege fehlen. Es scheint, dass ein ursprünglich romanisches Wort vorliegt, das jedoch nicht mehr rekonstruiert werden kann. G. P ANNATIER (p. c.) erwägt barlè (G PSR 2, 258 f.), abgeleitet von * BARILIS mit dem Suffix / - ITTU / und der Bedeutung ‘ Weingefäss ’ oder ‘ Milchgefäss ’ . Das G PSR erwähnt Barlet und Barlè als Ortsnamen in Liddes und Nendaz. Die Herleitung ist problematisch, da * BARILIS nach E GLI (1982, 310) sonst im Deutschwallis nicht belegt ist; die Ausnahme ist Barileet (Leuk) (cf. HL B ARILEET ), das aber vermutlich ein sumpfiges Gebiet bezeichnet. Bärli (FaN) Bärli (FaN) ist dreimal belegt: di Bärliachra ‘ die Äcker des Bärli / der Familie Bärli ’ (Oberems), di Bärlimatta ‘ die Wiese der Familie Bärlig oder der Leute des Bäro ’ (Simplon) und Zbärlisch Hütgy ‘ des Bärlis kleine Hütte ’ (1716/ 17, Glis), das auch ein Diminutiv sein kann. Ein Berren ist im Register der HRBS erwähnt. Beim Beleg in Simplon wird 1578 Berligo Matta, 1749 Berligmatta, 1751 in der Berligenmatten, 1756 auf der Berligo Matten notiert. Es handelt sich durchwegs um einen Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung zum HL Bärli, vermutlich also um einen FaN oder einen Übernamen. Der PN ist im I D . jedoch nicht aufgeführt; auch ein FaN fehlt. Vermutlich liegt eine Kurzform Bäro oder ähnlich vor; wohl auch ein Anklang an den Tiernamen Bär (I D . 4, 1447 ff.). Nach / r/ wird das / l/ des Diminutivsuffixes nicht zu / j/ palatalisiert (R ÜBEL 1950, 13). Barlott (FaN) Der FaN Barlott ist in Barlott Schiir (Ried-Brig) belegt. Im Register zu S TOCKALPER s Handels- und Rechungsbüchern (HRBS) ist der Familienname gut belegt. 165 166 Barlott (FaN) <?page no="148"?> Barma Der nur historisch im Bezirk Leuk belegte Name Barma ist zu frpr. barma ‘ Felsüberhang, geschützte Felsenhöhle ’ , wie baume f. ‘ natürliche Grotte; Felsspalte; einzelner Felsblock ’ , vorrom. *balma (G PSR 2, 259; G PSR 2,239) zu stellen. Cf. auch HL Balma. Die Form es Barmes in Turtmann ist ein Plural. Barmat Barmat ist unklar. Das Lemma ist historisch als Barmatt in Gluringen belegt. Niederwald hat - ebenfalls historisch - den Beleg in dem Parmatter Boden, wo sich Parmatter auf einen Weiler oder dessen Einwohner beziehen kann. Ritzingen hat ts Parmacki, historisch als Z Barmat belegt und dazu t Parmackischlüecht. Die Form erklärt sich aus der Velarisierung von / t/ vor palatalisiertem / ji/ . Eine mögliche Analyse von Barmat wäre Bar + Matt ‘ die blosse Mähwiese ’ zu den HLL B AR und M AD . Die Belege sind in dieser Hinsicht aber unklar. Bärold (PN) Bärold ist einmal in Bäroldswaldji (Hohtenn) ‘ der kleine Wald des Bärold ’ belegt. In den historischen Belegen der Datenbank des VSNB erscheint 1444 ein Berold in Ergisch. Der Beleg aus Hohtenn legt einen Namen vom Typ Berold (F OERSTEMANN 1, 265) nahe. Baroon Baroon ‘ Baron ’ bezieht sich auf den Adelstitel der von Werra (Leuk), der von Ferdinand von Werra 1806 am Kaiserhof in Wien käuflich erworben wurde (B. T RUFFER unter https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 023612/ 2015-01- 11/ [06.07.2020iw]). Das Lemma tritt zweimal im Genitiv auf ts Baroonsch Acher ‘ der Acker des Barons ’ und ts Baroonsch Acherschleif ‘ der (Holz-)Schleif beim Acker des Barons ’ (beide Leuk). Barr Fast alle Belege mit Barr sind im Umfeld des Alpnamens Barr (Oberems) zu orten. Er ist zu schwdt. Barr f. ‘ Schranke, Riegel, Grenzwehr ’ , mhd. bar, barre (I D . 4, 1435) zu stellen und bezeichnet eine steile Anhöhe im Turtmanntal, über der sich Joch, Wand und Hooru befinden, die zu Turtmann, Oberems und St. Niklaus gehören. Der Barrgletschär (FLNK, Turtmann) gehört dazu, sowie das Inner und Üsser Barrhoru (Oberems, St. Niklaus), auf LT als Inners- und Üssers Barrhorn verzeichnet. Das nur einmal belegte Bare (Varen) ‘ Damm ’ ist frpr., aber wohl nicht der Ursprung des deutschen Namens (cf. HL B ARE ). Barrage Di Barraasch ‘ die Barrage ’ heisst das Stauwehr des Rotten bei Leuk; laut der Gwp handelt es sich um “ Wasserfassung der Alusuisse ” . Das HL ist eine Übernahme des frz. barrage m. ‘ Staudamm, Sperre ’ . Barral (FaN) Das Barralhuis ‘ Barralhaus ’ (auch Leng Huis genannt) auf dem Simplonpass ist nach P. Pierre-Marie Barral (1855 - 1929) benannt, dem Gründer der Missionsgesellschaft Bethlehem (Immensee SZ), der das Haus von 1902 bis 1907 als Ferienheim für Kinder aus minderbemittelten Familien erbauen liess. Es liegt auf der Ebene der Bergalpe unterhalb des Alten Spittels. Zu Barral und dem Ferienhaus auf dem Simplon vgl. H EIM , Walter (1982). Bethlehems Stiftungsdokument (Die Gründung der Apostolischen Schule Bethlehem). Immensee, Missionsgesellschaft Bethlehem. S. 121 Zeittafel zur Biografie P. M. Barrals und H EIM , Walter (1987). Die Entwicklung des Institutes Bethlehem. Immensee, Missionsgesellschaft Bethlehem. S. 97 - 100 Kapitel 10.3 Das Ferienhaus Simplon (1902). Laut H EIM : “ Und am 11. August 1901 kaufte er von M. Ritter den zweiten Stock des alten Hospizes samt den dazu gehörenden Weiden um den Preis von 8000 Franken ” (97, gemeint ist der Alte Spittel, nicht das Hospiz). Weitere Hinweise verdanken wir dem Archiv des Missionshauses Bethlehem in Immensee (wir danken insbesondere der Archivarin, Frau Elisabeth Vetter): Notizen von P. Aug. Jenny (1964) zu P. Barral (Sign. B2 - 812a) und ein Artikel von G. Schelbert über Barral in Dizionario degli Istituti di perfezione. Vol. I / hrsg. v. G. P ELLICIA / G. R OCCA . - Roma, 1974, 1055 - 1058. Über das Barralhaus selbst erschien ein Artikel von Josef Friemel Das Ferienheim auf dem Simplon zur Alt-Bethlehemzeit, publiziert im Forum SMB 1970, 6, 153 - 159. Barreriam Barreriam ist ein spätlat. Ableitung zu * BARRA ‘ querstange ’ (FEW 1, 255; D U C ANGE s. v. Barreria). Es ist nur 1400 historisch apud Barreriam apud Gamson ‘ bei der Sperre von Gamsen ’ (Glis) belegt, wo die Landmüra gemeint ist, also die Mauer bei Gamsen, die als Abwehr für die Pest gedacht war. Barrjeer Zweimal kommt Barrjeer als Flurname vor. Zu stellen ist es zum frz. barrière ‘ Hindernis, Schranke ’ und wdt. Barrieer, Barrieeru f. ‘ Schlagbaum, Schranke ’ (G RICHTING 1998, 32). Auf dem Simplon wurde das Kantonierhaus (Schutzhaus Nr. 6) so genannt, das 1913 durch eine Lawine zerstört wurde; der Name blieb aber erhalten (J ORDAN 2006, 18); vermutlich befand sich hier eine Barma 167 168 <?page no="149"?> Strassenschranke. In der Gemeinde Embd wird der Name heute für einen Schutzwall der Eisenbahn südlich der Station Kalpetran verwendet: er geht aber wohl auf eine Eisenbahnschranke zurück. Barta Barta kommt nur in einem historischen Beleg von 1399 in Ried-Brig als Barta vor. Vermutlich Bezeichnung eines Landstücks nach der Form einer Axt zu Barte n ‘ Axt ’ (I D . 4, 1619). Bartholomäus (PN) Der hl. Bartholomäus war ein Jünger Jesu, dessen Gedenktag am 24. August gefeiert wird. Belegt ist der Name in di Zanpärtlameehaaltu ‘ die Halde des Heiligen Bartholomäus ’ (Ergisch). Namengebend war nach Aussage der Gewährsleute, dass hier das Vieh erst am Tag des Heiligen weiden durfte. Bärtlät (PN? ) Bärtlät (PN) ist wohl ein Personen- oder Beiname, der im Genitiv Bärtlätsch in vier Belegen aus Blatten (Lötschtental) vorkommt: Bärtlätschgrabem ‘ der Graben des Bärtlät ’ , Bärtlätschläger ‘ die (Vieh-)Lagerstätte des Bärtlät ’ , Bärtlätschwang ‘ der Grasabhang des Bärtlät ’ und Bärtlätschwannä ‘ die Wanne des Bärtlät ’ . Da ältere Belege fehlen, lässt sich nicht entscheiden, welcher PN zu Grunde liegt. Bärüt Bärüt ist nur als Bärüt ‘ Widder ’ (Leukerbad) mit Erstbetonung belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 65 und Blatt 10, Nr. 7) kennt es als Pärüd. Der Ort befindet sich heute zwischen der Dala und dem Sportplatz. SK lokalisiert ihn ausserhalb des damaligen Dorfes in einem Abhang rechts der Dala. Das Genus geht aus den Belegen nicht hervor. B OSSARD / C HAVAN (2006, 187 s. v. Bérou, Béroud) führen den Namen auf den Widder (bélier) zurück, betonen aber, dass die Flurnamen Praz Bérou Patronyme seien, also auf einen PN oder FaN zurückgehen. G PSR (2, 350 s. v. bérou) gibt die Form auf -ouda für Freiburg an, die man hier voraussetzen müsste. Die Deutung mit einem frpr. Etymon ist naheliegend. Da jedoch nur Bärüt oder Pärüd vorliegen, ist unklar, ob auch einfach eine Wiese eines Widderhalters gemeint ist. Baschelere Baschelere ist nur einmal belegt in der Baschelere (1299, Visp). Es könnte sich um den FaN Bachler (AWWB 18), auch Bachelar etc. handeln, der in Visp vertreten war. Die Schreibung / sch/ ist mehrdeutig und kann als / sk/ wie als / sch/ gelesen werden (P AUL , M HD G RAMM , 25 2007, 174). Zu deuten wäre der Name dann als ‘ (Grundstück) der Familie Bachler ’ . Baschper Baschper ist mehrfach belegt, aber unklar. Das Simplex kommt als im Baschper (Bellwald) und als Basper (Raron) vor. Dort auch als Paschpereia und Paschpereii. Die FLNK kennt auch die Baschperstrass, die an den vorgenannten Orten vorbeiführt. Baschper ist sonst aus dem Pomat bekannt. Z INSLI (1984, 226 Nr. 583) führt es auf lat. PASCUUM zurück; ähnlich auch Paschger auf lat. PASCUARIUM ‘ Weideplatz ’ (Z INSLI 1984, 360, Nr. 168). Raron weist 1522 ein pascuar auf (mit allerdings unsicherer Lesung), das sich auf pascuariu (M EYER 1914, 168) zurückführen lässt. Mit einer Assimilation von / kw/ in pascuar zu / p/ in Baschper liesse sich die Entwicklung erklären. Baschper wäre dann ein Weideplatz. Vermutlich ist das ähnlich lautende Besper (cf. HL P ESPER ) damit verwandt. Bascht Das Wort Bascht kommt nur zweimal vor, einmal als Simplex, einmal als Eschelbascht (Naters, Ortsteil von Blatten b. Naters) ‘ Eselsattel ’ . Ist zu schwdt., wdt. Bast, Bascht, Bäscht n. ‘ Pack-, Saumsattel ’ (I D 4, 1778) zu stellen. In FlN dient es zur Bezeichnung eines sattelförmigen Geländes. Der von Domherr B ERCHTOLD vorgeschlagene Name Silberbast für den Lyskamm konnte sich nicht durchsetzen (W ERLEN 2008, 598 mit Verweis auf J ULEN 1951, 39). Baschter Baschter ist einmal belegt in ts Baschters Schiirli ‘ die kleine Scheuer des Baster (PN zu Bastian) / Baster (unklar) ’ (Törbel). Es ist wohl ein Personen- oder Beiname im Genitiv, entweder auf der Grundlage eines PN wie Bastian oder des Appellativs Baster ‘ Bastard ’ (I D . 4, 1783), das allerdings eher auf Tiere Bezug hat. Baschu Baschu ist nur belegt in Baschubärde ‘ der untere Teil der Bärde ’ (Varen). Es ist die frpr. Form von frz. bas ‘ unten, tief ’ , das in den umliegenden Patois als bache erscheint (G PSR 2, 265); es wurde in dieser Lautform im Namen übernommen. Baschweri Baschweri ist eine verschliffene Form von ts Bachsch Weri ‘ des Baches Wehr ’ ; die Belege dazu finden sich unter HL B ACH (W ASSER ) und HL W ERI . 169 170 Baschweri <?page no="150"?> Bässe Bässe ist nur belegt als in di Bässe (Albinen). M ATHIEU (2006, 13 u. 29) kennt es als Bässä. Der älteste Beleg von 1689 hat in die Bessen, eine verhochdeutschte Form. Es handelt sich um einen Plural, vermutlich eines romanischen Etymons. In Frage kommt substantiviertes bas ‘ unter ’ , also ‘ der untere Teil ’ (G PSR 2, 265 s.), doch kennt das untere Wallis keine Belege mit / e/ . Weiter ist bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 161) Bessu ‘ bifurqué, fourchu ’ zu bési ‘ fourchu, double ’ (G PSR 2, 354) belegt; das ergibt hier ‘ Weggabelung ’ , was zur Situation auf der Siegfriedkarte von 1886 passt; heute ist die Flur überbaut. Bastela Bastela ist nur einmal als la Bastela iuxta Fontem (1320, Glis) belegt. Die klar französische Form mit dem Artikel la kommt im uns zugänglichen Dokument aus dem Kapitelarchiv mehrfach mit französischen Formen vor; so wird Gamsen als Chamson notiert. Auf dem vorhergehenden Blatt (KapA, Sitten, Min. A 12, S. 12) ist zu lesen in der Bastalon. Beide Stellen zusammen führen zur Annahme, dass das dt. Bachtela romanisiert wurde, was auch zur Kontextangabe iuxta fontem ‘ beim Brunnen ’ passt. Zu Bachtela vgl. die HLL B ACH und T ELA . Eine frz. oder frpr. Form Bastela ist nicht belegt. Der Ersatz von / ch/ durch / s/ entspricht einer allgemeinen Entwicklung in einer Sprache, die keinen velaren Reibelaut kennt. Basul Basul, in den historischen Belegen auch Basel, ist nur in Naters belegt als Basulbodo, im Obren Baselboden (1785) und t Basulflie ‘ die Flühe des Basul ’ . Die beiden lebenden Namen befinden sich im Oberaletschgebiet. Vermutlich liegt ein Kurzname zu einem PN wie Basilius (I D . 4, 1644) als Besitzer oder Nutzer vor. Der Name der Stadt Basel spielt keine Rolle. Baszigen Zen Baszigen ‘ bei der Alpe der Leute des Baszi ’ ist einmal in Oberems 1617 belegt. Es handelt sich um eine Alpe; die Alpnamen im Turtmanntal sind häufig von FaN mit dem Kollektiv-Suffix / - IG / gebildet (Rotigu, Simmigu). Die genaue Form des zugrundeliegenden PN ist unbestimmt; es kann sich auch um einen romanischen FaN wie Pache (historisch auch Pazi) handeln; dieser Name ist im Register HRBS verzeichnet. Batelin Jn Batelin ‘ das Stück Land mit kleinem Ertrag ’ (? ) ist einmal in Turtmann 1560 als unsichere Lesung belegt. Wenn der Beleg deutsch ist, liegt wohl ein Diminutiv vor, ev. zum mhd. bate ‘ Förderung, Nutzen, gehörige Menge ’ (L EXER 1, 135); als Name ist es allerdings nicht belegt. Bätsch Bätsch ist einmal in Bätschegge (Ulrichen) ‘ die Ecke des Bät / Bätsch ’ (unklar) belegt; LK hat Pätschegge, historisch 1653 Petscheggeltÿ. Unklar ist, ob ein Genitiv zu Bät vorliegt oder ob Bätsch den Stamm bildet. Im ersten Fall würde es sich um einen PN oder Beinamen handeln, wohl zu Batt ‘ Beat ’ (I D . 4, 1844); im zweiten Fall könnte das Appellativ Bätsch (I D . 4, 1925 f.) in einer seiner zahlreichen Bedeutungen gemeint sein (vgl. auch B ENB 1, 4, 246 mit möglichen weiteren PNN). Die Quellenlage erlaubt keine Entscheidung. Bätt Vorbemerkung: die Belege auf B ÄTT - und B ETT sind sehr komplex. Zunächst gibt es eine Gruppe von Flurnamen, die im Zusammenhang mit dem Gemeindenamen Betten (Bätte) (G RICHTING 1998, 33 wdt. Bätte, Bettu (Leuker Berge), Bättu), dazu Bättmer- oder Bettmer-, stehen, der selbst kaum auf das Appellativ Bett ‘ Bett ’ zurückgehen kann, da nach SDS (1, 15) nirgends im Oberwallis ein offenes Bätt dafür steht. Der Typ Bëtt (I D . 4, 1823) im Sinn von ‘ Bitte ’ und das dazugehörige bëtte n ‘ beten ’ (G RICHTING 1998, 33, wdt. bätte, bättä (Goms), bättu ‘ beten; bitten ’ ) kann in einigen Fällen einschlägig sein. Es bleiben aber eine Reihe von Bildungen mit Bätt- und Ableitungen wie Bättär-, Bättul/ il/ el-, die sich nicht klar deuten lassen: Bättel (Id. 4, 1835; so nicht bei G RICHTING 1998, 33) im Sinn von ‘ geringe, armselige Sache ’ scheint in FlN vertreten. Auch das BENB (1, 4, 248 ff.) ist nicht sicher, vgl. dort die Lemmata Bät(t)/ Bett, Bättel, Bättler/ Bettler. Im Wallis muss auch mit bätte im Sinn von ‘ beten, ein Gebet sprechen ’ oder Bätti (G RICHTING 1998, 33 wdt. Bätti, Bättin (Lötschtal), Bättli (Leuker Berge) ‘ Perlenschnur (Rosenkranzgebet ’ ) im Sinn von ‘ Rosenkranz, Rosenkranzperle ’ gerechnet werden, vgl. auch schwdt. bëtte n ‘ beten ’ bzw. substantiviert Bëtt n. ‘ Bitte, Gebet; kirchl. Gebet; Bittopfer, Kirchenalmosen ’ oder schwdt. Bëtt f. ‘ Bitte; Steuer, Abgabe ’ (I D . 4, 1823 ff.; I D . 4, 1828). Der Beleg ts Bätchrizji (Mund) könnte auch zum Betthorn (Mund, so auf der SK, lebendig nicht belegt) zu stellen sein. Besonders schwierig ist ts Bätuleischtu (Ried-Mörel), das wohl - entgegen dem Beleg von 1610 - als Bätul-Eischtu zu trennen ist, also eine ‘ kleine, armselige Ansammlung von Schafställen (=Eisten) ’ . In Bättäregga (Wiler) kann eine / -är/ - Ableitung zu bätte ‘ beten ’ angenommen werden, da die LK dort eine kleine Kapelle verzeichnet. Bässe 171 172 <?page no="151"?> Bättel Das HL Bättel , siehe auch die Bemerkungen zu Bätt-, ist zu schwdt. Bëttel, wdt. Bättl, Bättul (Mattertal), Bättl (Lötschtal), Bättil m. ‘ das Betteln; elender Zustand; geringe, armselige Sache ’ (I D . 4, 1835 f.; G RICHTING 1998, 33) zu stellen. Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor. Vor allem in Gewässernamen auch zur Bezeichnung eines wenig Wasser führenden Gewässers. In einigen Fällen wohl auch in Zusammenhang mit Bettler zu stellen, etwa Bättiltrogji (Ergisch). Zu beachten ist, dass der Bättebach (Grengiols) gleichzeitig der Bettmerbach ist, also jener Bach, der vom Bettmersee auf der Bettmeralp herkommt, im Unterschied zum Bättligrabe, nach dem das Bättlihore und die Bättlichumma benannt sind (alle Grengiols); der Weilernamen ts Bädel (Grengiols) gehört hier aber wohl nicht dazu. Die Bättelmatte (Ulrichen) befindet sich im walserischen Pomatt in Italien, nach ihr ist das Bättelmatthore benannt. Unklar ist Betwald (Bitsch), das auf den Karten als Bätwald erscheint, lebend aber mit / e/ gesprochen wird. Battet Battet ist nur in Leuk und nur historisch belegt. 1610 jm Batten, 1638 jm Battet, 1651 u. später jm Battet. Die letzten Belege enthalten im Pattet (1757), jm Patet (1826), in die Patet (1860). Nach den historischen Dokumenten handelt es sich um ein Stück Land mit Reben zwischen zwei Brücken in Leuk. 1691 ist auch jm Obren Battet belegt. G. P ANNATIER (p. c.) vermutet eine Ableitung auf / - ITTU / von frpr. batè ‘ battant de cloche ou de sonnette ’ . In diesem Fall würde Battet sich auf das Geräusch des Wassers an den Steinen beziehen: ‘ beim Wasserschlag ’ . Andere Belege dafür liegen nicht vor; das Fehlen früherer Formen macht die Deutung unsicher. Batty Batty ist nur 1473 in Varen als in locis de battÿ ‘ beim Damm ’ belegt. Der Flurname enthält keine Genus-Kennzeichnung. Das verdoppelte / t/ deutet auf ein kurzes / a/ hin. Es dürfte sich um eine Form von batya ‘ digue ’ (Damm, Deich) (G PSR 3, 290; B OSSARD / C HAVAN 2006, 53 s. v. Batiaz) handeln, die beide jedoch auch die Bedeutung ‘ Bau, Schloss ’ angeben. Der Beleg ist in dieser Hinsicht unklar; als ‘ Damm, Deich ’ wird jedoch ausgedrückt, was in Varen wichtig war: der Schutz gegen den Rotten. Bätzig Bätzig ist ein Adjektiv, das nur einmal in di Bätzig Egga (St. Niklaus) belegt ist, flektiert als vaner Bätzigu Eggu. Es handelt sich wohl um eine adjektivische / - IG / -Ableitung zu Batze n , nach I D . (4, 1974) mit der Bedeutung ‘ nur einen Batzen wert ’ oder - verallgemeinert - ‘ geringwertig, schlecht ’ . Es handelt sich also wohl um schlechten, leicht erodierenden Fels. Bätzla Bätzla bildet in Kippel und Wiler ein Namennest, das sich auf der Schattseite des Tales vom Talboden bis hinauf zum Bätzlerrigg erstreckt. Namengebend ist dabei ein steiler Bachgraben Bätzla, der Bach dazu heisst Bätzelbach. Bätzler wird als Bestimmungswort zu Chin, Chnubel, Erlä, Friithof, Rigg, Schleif, Seeli, Tola und Weidä verwendet. In Staldenried gibt es ein Bätzje (Plural mit Palatalisierung von / l/ ) und ts Bätzjuwaldji sowie die komplexe Form unneru Bätzju ts Waldji ‘ unter den Bätzlen der kleine Wald ’ . B ENB 1, 4, 253 f. (s. v. Bätz / Betz) nimmt einen Familiennamen Bätzle an. Das scheint hier ausgeschlossen; vielmehr ist an eine feminine / - LA / -Ableitung (Stellensuffix) zu einem schwierig zu deutenden Bätz zu denken. M ARZELL (1943, 827) erwähnt Batzna ‘ Batzen (Münze) ’ als Name für den Bärenklau (H ERACLEUM SPHONDYLIUM , vgl. W AGNER / L AUBER / G YGAX 5 2014, 992) nach B IELANDER 1948 für Lax (siehe auch C. S CHMID 1969, 168, der Batzna (Plural) als Frucht der Bärenklaue bezeichnet). Bätzla könnte dann ein Ort sein, wo es Bärenklau gibt. Bauillut Bauillut ist nur 1664 als Weinberg in Varen als im Bauillut belegt; es wird dort als Variante zu Perrotto aufgeführt, das bei uns unter dem HL P ÄRÄTU ‘ der Weinberg des Perrodus ’ erfasst ist. G. P ANNATIER (p. c.) stellt den Namen zu Bouil (B OSSARD / C HAVAN 2006, 276), weist aber auch auf die Endung / -ut/ hin, die hier nicht zu passen scheint. Die Form Bauil ist zwar 1664 möglich (es handelt sich ja um einen inzwischen verdeutschten Beleg), aber sie scheint doch vom Zielbeleg Bouil ‘ Tränke ’ entfernt. Inhaltlich passt die Deutung nicht: ein Weinberg ist keine Tränke. Die Deutung bleibt deswegen unklar. Baullet Baullet ist nur einmal belegt in Clausum Baullet ‘ das eingefriedete Gut der Familie Balet ’ (1355, Agarn). Es handelt sich wahrscheinlich um den FaN Balet, auch Baulet, eine Familie aus Leuk (AWWB 20). Baumgartner (FaN) Baumgartner (FaN) ist ein FaN zum Kompositum Baumgarten / Böümgartu, das in den Flurnamen zu den HLL B ÖÜM und G ARTU gestellt wird. Als FaN (AWWB 24) macht die Aufteilung keinen Sinn. Belegt ist er in Baúmgarnermatten (sic! ) ‘ die Wiese beim Baumgarten / 173 174 Baumgartner (FaN) <?page no="152"?> der Familie Baumgartner ’ (Embd) und Bau ᵕ mgarttero Wyldÿ ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Baumgartner / der Leute vom Baumgarten ’ (1637, Raron). Baur Baur ‘ Hütte ’ ist historisch 1646 in Münster belegt: vnder dem obren Baúr ‘ unter der oberen Hütte ’ . Wohl ein ins Hochdeutsche übersetztes Büür, vgl. I D . 4, 1525 (s. v. B ū r ‘ Haus, Hütte, Alphütte ’ ). Das Wort überlebt in hdt. Vogelbauer ‘ Vogelhäuschen ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 97). Bayard (FaN) Bayard (FaN) kommt als FaN Bayard, Baiard u. ä. von Varen (AWWB 25) vor, der auf ein vom spätlat. Adjektiv BAIARDUS ‘ gefleckt ’ abgeleitetes Patronym zurückgeführt wird. Belegt sind di Baiardweidu ‘ die Weiden der Familie Bayard ’ (Niedergesteln) und ts Hans Baiartsch Weidu ‘ die Weiden des Hans Bayard ’ (Leuk). Bazen Nur einmal ist historisch belegt Schwizerbazen ‘ Schweizer-Batzen ’ (1752, Oberwald). Es ist zum Grundwort schwdt. Batze n ‘ Münze ’ , im Sprachgebrauch ungefähr dem deutschen Groschen entsprechend; seit der neuen Münzwährung (1852) durch das geringwertigere Zehnrappenstück (Zëhner, Zëhni) abgelöst, auf das indessen vielfach der Name Batzen übergegangen ist. Auch übertragen auf andere Dinge, die von der Grösse und der Form her dem Batze n ähnlich sind (I D . 4, 1964 ff.; zu Schwitzerbatzen I D . 4, 1793: Münze mit Schweizerkreuz). Hier wahrscheinlich zur Bezeichnung eines kleinen Stückes Land. Bechmann Bechmann kommt in der Bechmannuwald (Salgesch) vor. M ATHIER (2015, 43). hat Bächmannuwald und analysiert es als Kompositum von Päch ‘ Pech ’ , Mann und Wald ‘ der Wald der Pechsieder ’ . Er erwähnt einen Gewährsmann, der berichtete, dass dort ‘ Schuhmacherharz ’ gewonnen worden sei. Die Bildung ist durchsichtig, doch kennt I D . (4, 964) Pëch als ‘ Schusterpech ’ , aber I D . und G R W B weisen Pechmann nicht auf. Der Beleg Bechmann Hischinu ist verlesen für Techmanns Hischinu. Becken Becken n. kommt nur in zwei Belegen vor: der Üsgliichsbecke ‘ das Ausgleichsbecken ’ (Ernen, FLNK Üsglichsbecki) und Ausgleichsbecken Mattsand (LT, St. Niklaus). Das dial. Becki ‘ Becken ’ (I D . 4, 1113 ff.) dient bei FLNK als Wiedergabe des hdt. Becken (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 100). Es handelt sich um Speicherbecken bei Wasserkraftwerken. Beczing Beczing ist einmal 1478 als in Beczings Boden erwähnt (Mund) ‘ der Boden der Leute des Betz ’ . Vermutlich liegt eine kollektive / - ING / -Ableitung zum Kurznamen Betz vor; B ENB (1, 4, 253) führt Betz/ Bätz nach B RECHENMACHER (1957 1, 115) auf Berchtold oder Bernhard zurück. Bedele di Bedele pl. ist in Agarn belegt; FLNK hat Bedelä. Historisch lässt sich ihm ein Beleg von 1472 Bedillion zuordnen, was einen romanischen Namen wahrscheinlich macht. Ob BATILLUM ‘ Schaufel ’ (FEW 1, 288) zu Grunde liegt, ist unklar; es handelt sich im vorliegenden Fall um ein recht flaches Gebiet in der Talebene, zu dem die von RN (2, 38) gegebenen Deutungen ‘ Hügel ’ , ‘ Bergspitze ’ nicht passen. Laut Beschreibung wurde dieses Gebiet überschüttet und hiess früher ts Wüeggetsch (zu I D . 15, 1028 s. v. Wueggisch ‘ Erdlawine, Schutt, Steingeschiebe von einem Wildbach ’ und wdt. Wüöggisch, Wuäggisch (Lötschental), Wüöggätsch ‘ Geröll (angeschwemmtes) ’ (G RICHTING 1998, 241)). Wenn das stimmt, ist eine romanische Deutung nur beschränkt möglich; das auslautende -le ist allerdings sicher nicht walliserdeutsch; eine Deutung zu Bodem ‘ Boden ’ (I D . 4, 1020) ist darum unmöglich, was schon aus dem Plural deutlich wird. Beder Beder ‘ Bäder ’ ist nur historisch belegt und zwar als Diminutiv im Bedertzi (1669, Zeneggen) ‘ im kleinen Bad ’ sowie als Bestimmungswort Bederfluo (1674, Brigerbad), pratum Bederflue (1322, Guttet) und Bedermatten (1399, 1639, Betten). In Feschel ist 1836 Peters=Matten belegt, das ev. eine Umdeutung von Beder ist. Die frühesten Belege zeigen schon / e/ , es liegt also keine Entrundung aus / ö/ vor. Formal ist Beder ein Plural von Bad (I D . 4, 1011). Das passt zum Beleg Bederfluo ‘ die Fluh bei den Bädern ’ in Brigerbad. In Betten gibt es einen (unklaren) Flurnamen Bader, zu dem Bedermatten gestellt werden könnte. Die anderen Belege sind unklar und die Deutung ist deswegen unsicher. Bedler Bedler ist nur zweimal historisch belegt als Bedeler (1312, Törbel) und Bedler (1401, Naters). Vermutlich ist es zu Bad (I D . 4, 1011) zu stellen, ist aber nicht belegt; die Ableitung -( E ) LER wird von S ONDEREGGER (1958, 541) als denominative oder deverbative Stellenbezeichnung gedeutet. Das ergäbe ‘ der Ort, wo gebadet wird ’ . Als topografische Bezeichnung ist dies allerdings sonst nicht belegt. Daher bleibt die Deutung unsicher. Vermutlich Baur 175 176 <?page no="153"?> kann der Beleg in Törbel zum lebenden Barlei gestellt werden (cf. HL B ARLEI ). Beeger (FaN) In Leukerbad ist einmal belegt ts Beegersch Weidji ‘ die kleine Weide der Familie Beeger ’ . Der FaN Beeger ist für Leukerbad bezeugt (NWWB 1, 28 f., B RUNO Z UMOFEN 2005, 103); die Familie besass auch zeitweise das Hotel des Alpes in Leukerbad. Die Namenform di Be bezeichnet die gleiche Stelle wie Beegersch Weidji (Leukerbad), es könnte sich bei Be ev. um eine Kurzform zu Beegerweid (cf. LK 1: 10 ’ 000) handeln. Solche verkürzte Namenformen sind aber unseres Wissens im Wallis sonst nicht üblich. Beegi Beegi kommt nur vor in im Untern Beegi (1861, Birgisch). Da die Schreibung ein langes / e: / zeigt, kommt ein umgelauteter und entrundeter Diminutiv von Boge ‘ Bogen ’ nicht in Frage (SDS 2, 34, Dehnung in offener Silbe). Eine Analyse als Beet+ji > Beegi ist nicht ausgeschlossen, würde aber eine Fortis Beeggi erwarten lassen. P ē ggi ist im I D . (4, 1079) als Diminutiv von Peter erwähnt, allerdings nur für Graubünden. Alternativ ist B ē t im I D . (4, 1810) als Kurzform von Elisabeth belegt. Mangels Kontext sind alle Deutungen möglich, aber eher unwahrscheinlich. Beeli Beeli f. ist nur belegt als di Beeli (Eisten). Beschrieben wird der Ort als “ Schöner Weideboden der “ Keitialpe ”” . Es scheint deswegen, als würde die Gwp. das HL zum ursprünglich lat. BELLUS ‘ schön ’ (FEW 1, 319 ff.) stellen und es als ‘ die Schöne ’ verstehen. Die feminine Ableitung auf / - I / findet sich jedoch in FEW nicht. Von den Einträgen im I D . weist keiner die gleiche Form einer femininen / I / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 495 f.) auf. G RICHTING (1998, 33) kennt keinen Eintrag mit langem / e: / . Die hybride Form Beeli zu lat. BELLUS ‘ schön ’ für ‘ die Schöne ’ erscheint deswegen als die nächstliegende Deutung. Historische Belege liegen jedoch nicht vor. Beelig Beelig m. ist nur in Naters als der Beelig belegt. Historische Belege sind Beelig (1739) und Belig (1782). Es handelt sich um eine Wiese beim Weiler Moss. Eine Deutung ist nicht möglich. Beesch Beesch Adj. ‘ böse ’ ist ein meist attributiv gebrauchtes Adjektiv, das zu schwdt. b ō s / bös, wdt. beesch (I D . 4, 1705 f.; G RICHTING 1998, 33) zu stellen ist. Lautlich sind Entrundung von / ö: / zu / e: / und Schibilantisierung (/ s/ zu / sch/ ) für die jüngeren historischen und die lebenden Belege verantwortlich. Das Adjektiv bewertet den Namen als ‘ nach Beschaffenheit oder Leistungsfähigkeit mangelhaft, geringwertig, schlecht, von Tieren, Körperteilen, vom Erdreich mit Bezug auf dessen Ertragfähigkeit, unfruchtbar; durch schlechte, ungünstige Beschaffenheit Schaden drohend oder wirkend, arg, schlimm, gefährlich, unangenehm ’ (I D . 4, 1705 ff.; G RICHTING 1998, 33). Das HL ist in rund 90 Namen belegt. Das attributive Adjektiv verbindet sich mit einer Reihe von Grundwörtern; der häufigst belegte Typ ist dabei der Beesch Tritt ‘ der böse Tritt ’ (19 Belege), gefolgt von di Beesch Matta (10 Belege) und weiteren insgesamt rund 45 HLL, die meisten davon nur einmal belegt. Das HL kommt in allen Bezirken so vor. Es kann flektierte Formen annehmen wie in di Beeschi Haaltu ‘ die böse Halde ’ (Hohtenn) oder di Beeschun Gräbem ‘ die bösen Gräben ’ (Baltten). Substantivierte Belege sind: di Beeschi ‘ die Böse (Stelle, wo der Weg jährlich erneuert werden musste) ’ (Zermatt), die Bösi ‘ die Böse (wohl: böse (schwer zu erreichende) Stelle) ’ (1653, Ulrichen) (hierzu I D . 4, 1727 ‘ gefährliche Stelle im Hochgebirge ’ und A SCHWANDEN 1994, 7) und das Kompositum t Winndbeeschti ‘ die böseste (Stelle) mit Wind ’ (Randa), wobei Beeschti ein Superlativ (< Beesch+escht-i) ist (vgl. auch HL B OSSINEN ). Unklar bleibt der Beeschrich (Raron) und historisch Böschrich (1753, Ausserberg). Es handelt sich um die gleiche Flur in einem Weinberg unterhalb St. German. Da eine benachbarte Flur der Bitrich ‘ Gelände in rundlicher, fassartiger Form ’ (Raron) heisst, kann ein Einfluss der Endung -rich nicht ausgeschlossen werden, die wohl als Suffix zu Beesch mit der Gesamtbedeutung ‘ schwer zu bearbeitende Stelle ’ gedeutet wurde. Beetre Beetre ist zum Beleg di Beetre (Pl.) (Grächen) zu stellen. Laut dem Registerbeleg ist der Flurname zu in den Börteren zu stellen (R EG . B D . I, F OL .60: in den Börteren), Wenn das stimmt (wir sind gegenüber Registereinträgen sehr zurückhaltend), ist eine entrundete Form Beertre vereinfacht worden zu Beetre ‘ die Börter ’ (Plural von Bord); allerdings ist dann zu erklären, warum das / r/ hier fehlt. Beetscha Beetscha f. gehört zu den Ableitungen auf / - SCHA / - SCHU / ‘ Gut des X ’ zu einem PN Beet oder Peetsch (I D . 4, 1840; BENB 1, 4, 286 f.), abgeleitet von Peter, also ‘ Gut des Peter (PN) ’ . 177 178 Beetscha <?page no="154"?> Belegt ist das Simplex als di Beetscha (Zermatt), di Beetsa ‘ das Gut des Peter (PN) ’ (Naters, LT Beetscha, FLNK Beetsche), historisch auch als in der Betschen (1769, Naters). Als Komposita mit dem HL als Bestimmungswort finden sich in Naters der Beetschbodo ‘ der Boden bei der Beetscha (Gut des Peter (PN)) ’ , Beetschwasser ‘ der Bach / die Wasserleitung beim Gut des Peter (PN)) ’ und dass Beetschwasserlehitij (sic! ) ‘ die kleine Wasserleitung beim Gut des Peter (PN) ’ (1722); die Lesung ist unklar. In Zermatt ist 1551 der hyperkorrekte Beleg Bo ᵉ tsch Wasserleytaz belegt; die Schreibform mit / z/ am Ende lehnt sich wohl an ein französisches Wort an. Beggi Beggi ist ein unklares Lemma, das zunächst vom Alpnamen Ze Begginu (Ried-Brig) abzuleiten ist. der Peggo (1680, Zwischbergen) kann mangels weiteren Angaben nicht gedeutet werden (ev. zu it. becco ‘ Bock ’ ? ). In Eischoll, Niedergesteln und Raron ist ts Pägguried belegt; für Eischoll hat SK Beckenried, also die Schreibweise für die Gemeinde Beckenried (NW), deren {ck} lautlich als velare Fortis / gg/ realisiert wird. NWNB (3, 1683 - 1688) nimmt einen PN Becco oder ähnlich an. Das ergibt allerdings Probleme mit dem offenen / ä/ in Niedergesteln und Raron, das auf ein germ. ë oder einen Sekundärumlaut hindeutet, aber wiederum dem geschlossenen / e/ in Ze Begginu widerspricht (die gleiche Verteilung zeigt aber Messer in SDS 1, 29). Wir stellen die Belege hier zu einem PN Päggu. Es bleiben Nesselbeggi ‘ das Beggi im Nesseltal ’ (1790, Glis) und Rischbeggi (Grengiols, LT) mit dem dazu gehörenden Rischbeggiwald - letztere mit dem Problem der Segmentierung; alternativ kann auch Rischp-eggi ‘ die kleine Ecke mit Rispen? ’ gelesen werden. I D . (4, 1055) übernimmt von S TALDER Begi n. ‘ hageres Geschöpfchen, Tierchen ’ explizit für das Oberwallis. Das Wort ist sonst nirgends belegt und ergibt keine sinnvolle Motivation. Be 1 cki ‘ Becken ’ (I D . 4, 1113) kommt wegen der Affrikata nicht in Frage; im Oberwallis ist nirgends eine Fortis notiert. Eine Analyse von Beggi als Diminutiv von Bett (Bett + ji) (I D . 4, 1810 f.) ist möglich. Die meisten Belege mit Bett benennen im Oberwallis ein (ehemaliges) Flussbett, was bei Rischbeggi kaum in Frage kommt. Ein entrundetes Diminutivum zu schwdt. Boge n ‘ Bogen ’ und wdt. Boge, Bogä (Goms), Boga (Mattertal), Bogn (Lötschtal), Bogu ‘ Bogen ’ (I D . 4, 1060 ff.; G RICHTING 1998, 40) ist möglich, angesichts der Fülle von Bedeutungen, die I D . aufzählt. Insgesamt drängt sich aber keine der Deutungen auf. Bei Das Nomen Bei ‘ Bein, Knochen ’ tritt vor allem im Typ Beibrächi (n.) ‘ Beinbreche ’ auf. Das Wort ist zu schwdt. Bei n n. ‘ Knochen (allgem.); Bein ’ und wdt. Bei, Bein (Lötschtal) ‘ Bein, Knochen ’ (I D . 4, 1293 ff.; G RICHTING 1998, 34) zu stellen. Beibrächi bezeichnet steile, mühsame Aufstiege und (Weg-)Stellen, mit der Vorstellung, dass dort vor Anstrengung oder Gefährlichkeit ein Bein gebrochen werde (LUNB 1, 1, 109 f.; cf. auch HL C HNEWW ). Zweimal belegt ist Ripp-Bei (Mühlebach, Termen) ‘ wörtlich: Rippenknochen ’ , ‘ das Ripp-Bein, die Rippe (wohl von der Geländeform) ’ , das bei den piemontesischen Walsern (SDS 1, 163) noch belegt ist. In unseren Daten isoliert, aber sonst häufig ist das Beihuis (Kippel) ‘ Beinhaus ’ - ein Ort, wo die Gebeine der Verstorbenen aufbewahrt wurden, vgl. schwdt. Bei(n)hus ‘ Totenkapelle auf dem Friedhof ’ und wdt. Beihüs, Beihuis (Lötschtal), Beihiischi ‘ Beinhaus ’ (I D . 2, 1720; G RICHTING 1998, 34). Beigen Beigen ‘ in der Biegung ’ ist nur 1616 in St. Niklaus als jm Beigen belegt. Gemeint ist ein Viertel einer Scheuer unter dem Haus des Hans Borter, das im Beigen liegt. Vermutlich ist der Diphthong auf ein entrundetes / öü/ zurückzuführen. I D . (4, 1078) kennt Baugg ‘ Biegung, ein- oder ausgebogene Stelle ’ zu einem Verb bäugge n ‘ biegen ’ (I D . 4, 1078; laut I D . Kausativ zu biegen); der Flurname wird schwach dekliniert, was aber auch am Hdt. liegen kann. Das HL ist sonst im Oberwallis nicht belegt. Eine Herleitung von Bîg, Bîge(n), (Beige(n)), Bîgi f. ‘ Beige, Stoss, regelmässig aufgeschichteter Haufe von Gegenständen gleicher Art und Beschaffenheit ’ (I D . (4, 1056 f.) kann auf Grund des unterschiedlichen Genus ausgeschlossen werden. Beiter Beiter ist im Wesentlichen in Visperterminen belegt; historische Belege aus Staldenried und Visp gehören wohl hieher. In Visperterminen gibt es der Beiterbach, das auch als der Breiterbach (zweite Form bei MS, dazu LT) belegt ist; historisch als der Beÿtterbach (1543, Staldenried). Aus diesem Bach zweigt in Visperterminen eine Wasserleitung mit dem Namen di Beitra (Visperterminen), historisch auch der Beyttrun ‘ (aus) der Beitra ’ (1653, Visp) ab. Die Gegend um diese Wasserleitung herum heisst zer Beitru ‘ bei der Beitra ’ , under der Beitru ‘ unter der Beitra (südlich) ’ und unner der Beitru (nördlich) ‘ unter der Beitra ’ (alle Visperterminen). Historisch ist von die Beÿtterwasserleÿtta ‘ die Wasserleitung aus dem Beiterbach ’ (1545 u. später, Visperterminen) die Rede. Beggi 179 180 <?page no="155"?> Als Bestimmungwort kommt das HL weiter in di Beiterachra ‘ die Äcker bei der Beitra ’ , in Beÿtterboden ‘ im Boden bei der Wasserleitung Beitra (unklar) ’ (1659, Visperterminen; so auch Z IMMERMANN (1968, 84, der den Namen lebend kennt), und die Beitruschreeji ‘ der Wasserfall des Beiterbaches ’ (Visperterminen) vor. Die Form Breiterbach schliesst das HL an das Adjektiv breit an, ist aber vermutlich eine späte Deutung des ursprünglichen Beiter. Z IMMERMANN (1968, 79 f.) führt den Namen auf wdt. Beiter, eine / - ER / -Ableitung aus dem Verb beite, beitä (Goms), beitun (Lötschental), beitu ‘ warten ’ (G RICHTING 1998, 34) zurück und deutet es als ‘ Bach, auf dessen Wasser man warten muss ’ mit der Begründung, der Bach führe im Hochsommer sehr wenig Wasser. Z IMMERMANN s Deutung dürfte, auch angesichts seiner lokalen Kenntnisse, zutreffen. I D . (4, 1849) kennt Beiter m. für das Wallis in sprichwörtlicher Bedeutung für Gott als einer, der lange zuwartet, bis er seine Rechnung einfordert. Beittel Beittel ist nur 1769 in Leuk als auf dem Beittelblatt belegt. Die Quelle ist ein Kopialbuch; der FlN kann deswegen nicht sicher bestimmt werden. 1769 ist in Guttet und Leuk auch Teiltelblatt belegt. Das Grundwort ist Blatt, wohl im Sinn von ‘ Felsplatte ’ . Schwzdt. Beit ‘ das Warten, Verzug, Aufschub ’ und wdt. beite, beitä (Goms), beitun (Lötschtal), beitu ‘ warten ’ (I D . 4, 1844; G RICHTING 1998, 34) deuten auf ein Bestimmungswort, das zu ‘ warten ’ zu stellen ist. Beittelblatt wäre dann die Felsplatte, bei der man wartet. Da aber wohl Mittelblatt (P H . K ALBERMATTER , p. c.) zu lesen ist (vgl. HL M ITT -), wird die Deutung diesem zugewiesen. Beiu Beiu m., auch Beie m. und Peiu m., ist belegt in der Beie (Zermatt), der Peiu (Saas-Almagell), ine Beiu (Glis) und der Beiugrad ‘ Grat oberhalb der Beiu (Plural) beim Fülhorn ’ (Glis). Z INSLI (1984, 558) hält Beje als ‘ begraster Hang ’ , ‘ steile Weide, wo meist nur noch Schafe grasen ’ für südwestwalserisches Eigengut. Die Oberwalliser Belege hält er für noch zu erklären. Er verweist jedoch generell auf den Eintrag zu Beie n (I D . 4, 898 f.) ‘ kleine Lichtöffnung in Holzwänden, Mauern ’ , das jedoch meist feminin ist, und Beijo m. ‘ Diele, Dachraum über dem Stall einer Alphütte ’ . Die aufgeführten Flurnamen finden sich alle auf einer Höhe von über 2400 m, dürften also am ehesten als ‘ steile Weide für Schafe ’ gedeutet werden. Die Deutung von Z INSLI für die südwestwalserischen Belege gilt darum wohl auch für die Oberwalliser Belege (ganz abgesehen davon, dass Saas-Almagell und Zermatt enge Beziehungen zu den südlichen Walsern hatten). Beiz Beiz ist ein frpr. Etymon, das 1328 als lo beiz de dala (Leuk) belegt ist. Alternativ sind im gleichen Jahr ol beiz de dala und lo boiz do dala verzeichnet. beiz und boiz sind nach M EYER (1914, 159) zu b ě d+s zu stellen, das seinerseits zu frz. bief ‘ Kanal, Fluss, Bach ’ zu stellen ist, das historisch Formen wie bey aufweist (G PSR 2, 318 ss.). Im Kontext ist wohl eine Wasserleitung von der Dala her zu verstehen. Belen (FaN) Belen (FaN) ist 1746 in Filet als Belen Matten belegt. In Zwischbergen ist 1752 an des Belen Eggen bezeugt. Dieser Beleg enthält deutlich einen schwachen Genitiv Singular zu einem PN Belo oder ähnlich. Tatsächlich kennt das Register der HRBS den Familiennamen Bälen oder Belen mit weiteren Varianten. Ob Bälluschiir ‘ die Scheuer des Bällu ’ (FLNK, Eischoll) hieher zu stellen ist, bleibt unsicher. Belitä Belitä f. ist in Albinen (FLNK) belegt; M ATHIEU (2006, 13) kennt es als Bälitä. Die historischen Belege haben 1656 en la Belitta, 1690 in die Belitta, 1753 in die Pellita. In Leukerbad ist es historisch als in die Belliten (1738) belegt, doch ist die Zuweisung zu Leukerbad unsicher; es kann sich auch um den gleichen Ort wie in Albinen handeln. R. G RICHTING (1993) kennt die Flur nicht. W. M ÜLLER (p. c.) nimmt eine Erweiterung von beau/ belle ‘ schön ’ an; sie ist in FEW (1, 319 f. s. v. bellus ‘ schön ’ ) und G PSR so nicht belegt. Ob frz. belette ‘ Wiesel ’ dem HL entspricht, ist sehr unsicher. Es wird deswegen als ‘ kleine schöne Gebiete ’ gedeutet. Belken Belken ist nur einmal 1303 in Raron belegt. Die Rede ist von einem Petrus, dem Sohn eines Müllers von Belken aus Raron. Statt Belken kann auch Besken gelesen werden. Das naheliegende Belchen (SONB 3, 527) liegt kaum vor, da der Name elsässisch und solothurnisch ist und eine Übertragung auf das Wallis im 14. Jahrhundert als sehr unwahrscheinlich gelten muss. Auch Besken ist kaum wahrscheinlich, obwohl 12? ? in Ried-Brig in den Besquen belegt ist. Insgesamt muss der Name als unklar ungedeutet bleiben. Bell Bell ist als sicheres Hauptlemma in der Beuhirt ‘ der Ort, wo der Bellwalder Hirt hirtet ’ (Bellwald, FLNK Bellhirt) belegt, mit / l/ -Vokalisierung für Beu. Gwp. beschreibt den Ort als “ Früher Kalberläger ” . Zu vermuten ist, dass Bell hier eine Vereinfachung von Bellwald darstellt; der 181 182 Bell <?page no="156"?> Gemeindename Bellwald und der FaN Bellwald sind unter dem HL B ELLWALD (PN) erfasst. Das mehrfach belegte Belalp (bei Blatten oberhalb Naters) heisst wohl ursprünglich Alpa Bäll (cf. HL B ÄLL ), eine der grösseren Alpen von Naters; das wird auch im historischen Beleg von 1824 von der Unterbächenalpe Bell (Naters) deutlich, wo die Alpe unterhalb Unterbächen als Bell bezeichnet wird, was aber wohl als Bäll auszusprechen ist. Das Hotel Belalp (Naters) scheint die Assoziation mit belle alpe ‘ schöne Alpe ’ in den Namen aufgenommen zu haben. Das gilt wohl auch für die Siedlung Belalp (Naters) und den hochgelegenen Belgrat ‘ der Grat oberhalb Bell ’ (SK und FLNK), der wohl eigentlich Bällgrat heissen müsste. Ganz unsicher sind di Belachra ‘ die Bell-Äcker ’ (Saas- Balen, FLNK Belachra), wo sich keine Deutung für Bell finden lässt. Frz. bel ‘ schön ’ ist in Bélvedère (FLNK, Saas-Grund) vertreten, ein Ort unter dem Jegihorn, von dem aus man einen schönen Ausblick hat. Die Schreibung entspricht der FLNK; frz. ist belvédère ‘ Aussichtspunkt ’ die angemessene Schreibweise. Bella Bella ist die Femininform zum Adjektiv lat. BELLU ‘ schön ’ . Neben dem Adjektiv kommt auch ein Bestimmungswort Belvor. Belegt sind einerseits attributive Adjektive wie en la Bella Comba (1527, Turtmann) ‘ in der schönen Mulde ’ , eys Belles Combes (1552 u. später, Albinen), die Bella Tola ‘ die schöne Ebene (Gipfelname) ’ (Agarn, Oberems) und der dazu gehörende Bella Tola Gletscher (FLNK, Agarn). Unklar ist Bella Tola (FLNK, Grächen), das so weit vom Gipfel Bella Tola entfernt ist, dass ein direkter Zusammenhang nicht gegeben ist. Kommt hinzu, dass in Grächen ein frpr. Name sehr selten ist. In Zwischbergen findet sich Lottschabella (LT Locciabella auf ca. 1790 m.) und daneben ein zweites Lottschabella in der gleichen Gegend. J ORDAN (2006, 302) verzeichnet die beiden Fluren und führt an, dass der Name eventuell aus it. loggia ‘ Gebäude ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1234 führen das Wort auf frz. Loge ‘ capanna, picola stanze ’ ‘ Hütte, kleine Wohnung ’ zurück) und bella ‘ schön ’ abgeleitet werden könne. Vermutlich ist loggia hier einfach als ‘ Aussichtspunkt ’ zu verstehen (cf. HL L OTTSCHA ); Gebäude finden sich dort nach Ausweis der Karten nicht. Dann ist der Name als ‘ schöner Aussichtspunkt ’ zu deuten. Als Bestimmungswort erscheint das HL in ts Belwedeer ‘ das Hotel Belvedere auf der Furka ’ (Oberwald) und im zugehörigen Beleg auf der LT Station Muttbach- Belvédère ‘ alte Station Muttbach-Belvédère auf der Scheitelstrecke der Furkabahn ’ . Bélvedère (FLNK, Saas-Grund) meint einen ‘ Ort (beim Jegihorn) mit einer schönen Aussicht ’ . Die etwas seltsame Schreibweise scheint eine falsche Französisierung darzustellen. Insgesamt finden sich drei romanische Sprachen (Französisch, Italienisch, Frankoprovenzalisch) hier vertreten. Bellgisch Die Erstbesteigung des Hübschhorns über den Bellgisch Graat (Simplon) erfolgte durch Albert I., König von Belgien (1875 - 1934) (www.gipfelbuch.ch/ tourenfuehrer/ gipfel/ id/ 458 [15.09.2010/ gs]); danach ist der Grat benannt. Das Adjektiv bezieht sich also auf Belgien. Bellwald (PN) Bellwald (PN) ist einerseits ein Gemeindename und anderseits ein im Oberwallis verbreiteter Familienname. Die Grundhypothese des AWWB (25) geht davon aus, dass der FaN auf den ursprünglichen Wohnort Bellwald zurückgeht. Die geografische Konzentration des FaN auf Blatten (Lötschental) und der Ausdruck di Belwadiga ‘ die Sippe Bellwald ’ (W. B ELLWALD , p. c.) mit der kollektiven / - IG / -Ableitung sprechen aber dagegen. Als Gemeindename bezeichnete Bellwald zuerst die Bergkuppe, auf welcher die Gemeinde liegt. Sie ging erst später auf die Hauptsiedlung (1374 Zblattun) über (https: / / hls-dhs-dss.ch/ 002682/ 2004-06-11[06.07.2020iw.] nach W. R UPPEN (1979, 290)). Der Name wird bestehend aus dem Grundwort schwdt. Wald m., ahd. wald, mhd. walt wesentlich wie nhd. ‘ kleinerer oder grösserer Baumbestand ’ (I D . 15, 1467 ff. bes. 1475 f.) und einem ersten Namenteil Bellanalysiert, dessen Herkunft unsicher ist. K RISTOL ET AL . (2005, 137) nehmen zwei Hypothesen an: (1) ein Weiterleben des lat. BELLUM in frz. bel ‘ schön ’ , (2) einen germanischen PN (Ballo / Pallo) (F ÖRS- TEMANN 1, 243) oder zum Stamm Balu (F ÖRSTEMANN 1, 235), wo ein PN Pallo erwähnt ist. Nicht beachtet wird, dass im Goms mit Oberwald und Niederwald schon zwei Gemeindenamen mit Wald existieren; ein drittes Wald müsste sich von diesen zwei absetzen, doch fehlt ein solcher Hinweis. R UPPEN (1979, 291) deutet den Namen als Fellwald, meint also wohl, es liege eine Beziehung zu lat. PELLIS ‘ Fell ’ vor. Eine grundsätzlichere Lösung ist wohl ein zweigliedriger germanischer PN. Als Grundwort wäre dann selbst ein PN zum Typ vald (F ÖRSTEMANN 1, 1496 ff.) anzunehmen. In Frage kommen Baldoald (F ÖRS- TEMANN 1, 1497) oder ein ähnlicher Name. Diese Hypothese scheint uns angesichts der schwierigen Situation am sinnvollsten. Der Gemeindename lautet in der lokalen Mundart mit / l/ -Vokalisierung Beuuaud ‘ Bellwald ’ (Bellwald, SK und Bella 183 184 <?page no="157"?> LT Bellwald). Der älteste Beleg lautet 1273 Bellewalt, spätere Belege lassen den zweiten Vokal weg: 1293 Belwalt, 1332 Belwalt, 1376 Belwald usw. Das Simplex im Singular ist belegt als jm Belwaldt ‘ im Gebiet, das dem Bellwald (FaN) gehörte ’ (1671 u. später, Blatten), Belwalt ‘ der Wald bei der Alpe Bäll ’ (1390, Naters), der in der Quelle als siluam ‘ Wald (Akkusativ konstruktionsbedingt) ’ bezeichnet wird, also sicher kein FaN ist. In Blatten bildet sich ein ganzes Namennest mit di Bellwaldegga ‘ die Ecke der Familie Bellwald ’ , di Bellwaldhaaltä ‘ die Halden der Familie Bellwald ’ (FLNK Bellwadhaltä), di Bellwaldlägi ‘ die Ebene am Gebiet der Familie Bellwald ’ , dr Bellwaldwald ‘ der Wald beim Gebiet der Familie Bellwald ’ (LT und FLNK Bellwadwald), dr Fiischter Bellwald ‘ der finstere Teil des Gebietes der Familie Bellwald ’ , t Obru und t Undru Bellwaldhaltä ‘ der obere und der untere Teil der Halden der Familie Bellwald ’ , t Ober und t Under Bellwaldlägi ‘ der obere und der untere Teil der Ebene der Familie Bellwald ’ , dr Inder und dr Uister Bellwaldschleif ‘ der innere und der äussere (Holz-)Schleif der Familie Bellwald ’ . Die Form Bellwad ohne / l/ ist im Übrigen im Tal gängig (W. B ELLWALD , p. c.). Dazu passt ein vorangestellter Genitiv dr Bellwadu Schiir ‘ die Scheuer der Familie Bellwald ’ (Kippel). Eine Ableitung auf / - ER / zum Gemeindenamen Bellwald ist belegt in in der Belwalder Binen ‘ die Bellwalder Bine (Pflanzplatz) ’ (1824, Bellwald), an den Gemeinen Belwalder Wald ‘ der Wald, der der Gemeinde Bellwald gehört ’ (1839, Bellwald), t Beuuaudertrifft ‘ die Bellwalder Trift (Alpgebiet am Fieschergletscher) ’ (Bellwald) und Bewauderwäg ‘ der Weg nach Bellwald ’ (FLNK, Niederwald). Eine Ableitung auf / - ERI / für Wasserleitungen ist in t Beuuauderi ‘ die Wasserleitung nach Bellwald ’ (Bellwald, mit / l/ -Vokalisierung, FLNK Bellwalderi) belegt. Beltzwillen (PN) Beltzwillen (PN) ist nur einmal 1414 in Simplon belegt als Beltzwillen. Es handelt sich um einen Genitiv Singular, wie aus dem Text hervorgeht: “ terre prati sitam [ … ] subtus et juxta terram ab oriente dicti Beltzwillen ” , was auf deutsch heisst: “ ein Stück Wiese [ … ] unterhalb und östlich neben dem Gebiet des genannten Beltzwill ” . Ob es sich hier um einen PN oder einen FaN handelt, geht aus dem Dokument nicht hervor. Vermutlich handelt es sich aber um einen PN im Genitiv. Bei F ÖRSTEMANN ist ein solcher Name nicht erwähnt; er würde wohl zu BALDA (F ÖRSTEMANN 1, 233 ff.) gehören. Belu Belu ist nur als im Belubach ‘ im Gebiet, das am Belenbach liegt ’ (Visperterminen, auch FLNK) belegt, einer Gegend, durch die auch der Beiterbach (cf. HL B EITER ) fliesst. Gwp. führt den Namen offenbar auf <bellt> ‘ bellt ’ zurück, also eine flektierte Form zum Verb ‘ bellen ’ . Der historische Beleg von 1577 kennt den Louwibach siue den Peÿla Bach. Wenn der historische Beleg Peÿla richtig wiedergibt, wäre der Name wohl zu Beile n ‘ Kerbholz ’ (I D . 4, 1161 ff.) zu stellen; diese Deutung ist aber sehr unsicher. Belzer (FaN) Belzer (FaN) ist ein FaN, der u. a. im Register der HRBS s. v. Belzer für Gamsen verzeichnet ist. Er ist dreimal belegt: ts Belzergässji ‘ die kleine Gasse zum Gut der Familie Belzer ’ (Glis) sowie historisch 1742 in den Grúoben Beltzers Kúmmen ‘ in den Gruben (bei) Belzers Chumma (Mulde) ’ (Unterbäch) und 1751 pro principali feudo vocato Belzers sester l. d. zKummen ultra rivum aúf Belzers Glareto seu Sand (Raron) - dieses ausführliche Zitat ist nötig, weil der FaN Belzer hier zweimal vorkommt. Er enthält zuerst als Benennung eines feudum (also Lehngut) den Ausdruck Belzers Sester. Sester (I D . 7, 1412 f.) ist üblicherweise ein Hohlmass oder ein Gefäss für Wein oder andere Flüssigkeiten; als Name eines Gutes scheint es aber nicht verwendet worden zu sein, weswegen es hier nicht als Flurname aufgenommen wurde. Es folgt dann ein Flurname z Kummen ‘ bei der Chumma (Mulde) ’ , was an den Beleg von 1741 in Unterbäch erinnert. Schliesslich kommt die zweite Namensnennung aúf Belzers Glareto (cf. HL G LARETO ), das als Sand übersetzt wird. In den beiden historischen Belegen ist vermutlich das gleiche Gut der Familie Belzer gemeint, auch wenn die genauen Verhältnisse sich aus dem Text nicht erschliessen lassen. Benedikt (PN) Benedikt (PN) hat laut I D . folgende Nennbzw. Kurzformen: Bënedikt, Bënedicht, Bëndicht, Bandicht, Bendik, Benik, Bänek, Bendi, Bändi, Bäni, Beni, Dicht, Dichti, Dichtel, Dichtli (I D . 4, 1288 f.; I D . 12, 380), wobei nicht alle für das Oberwallis gelten. Belegt sind Benedichtt Halta ‘ die Halde des Benedikt / der Familie Benedikt ’ (1626, Reckingen) und die Dichtelhalta ‘ die Halde des Benedikt / der Familie Benedikt ’ (1690, Reckingen). In Mund ist belegt Dichtuhüüs ‘ das Haus des Benedikt / der Familie Benedikt ’ . Weiter in Dichtilen Grúndt ‘ im Grund des Familie Benedikt ’ (1716, Visp) und im Dichtolu Wiingaarto ‘ im Weingarten der Familie Benedikt ’ (Visperterminen). Eine ganz andere Ableitung bietet ts Benisch Ischlag ‘ das gerodete Stück Land des Beni / der Familie Benedikt ’ (Staldenried). Benedikt ist nur als PN, nicht als 185 186 Benedikt (PN) <?page no="158"?> FaN belegt; in den Deutungen wird trotzdem “ Familie ” angegeben, da es sich auch um Beinamen einer Familie handeln kann. Beni (PN) Beni ist nur 1625 als an den Beni Zúg belegt. Zug meint hier eine Hangrinne oder einen (Holz-)Schleif (cf. HL Z UG ). Beni ist als Kurzname in I D . (4, 1288; 4, 1293; 4, 1597) für die PN Bënedik(t), Benjamin und Bërnhart belegt. Es kann sich am ehesten um eine Kurzform zu Bënedik(t) handeln (cf. HL B ENEDIKT (PN)). Da jedoch kein Genitiv Singular vorliegt, ist die Deutung ‘ der Zug des Beni ’ unsicher. Beniger (PN) Der historische Beleg von 1677 der Beniger (Turtmann) geht vermutlich auf eine / - ING / -Ableitung (Kollektiv) zum PN Beni (Benediktus) oder den FaN Benig zurück. Benisang Benisang ist als ts Benisang (Inden, auch LT und FLNK) belegt. 1338 ist ol plan benezan bezeugt. G. P ANNATIER (p. c.) geht davon aus, dass hier ein Kompositum zu frpr. tsan < CAMPU vorliegt. Im ersten Teil wäre dann eine frpr. Form ben < lat. BENE anzunehmen, also ‘ ein flaches Stück Land von guter Qualität ’ . Spätere Deutungen wie das 1748 belegte in Benessant hätten sich dann wohl eher an frz. bénir < lat. BENEDICERE angelehnt, also das Gelände als ‘ gesegnet ’ angesehen. Benken (kein HL! ) Benken ist der historisch ältere Name der Gemeinde Steg (gespr. Stäg). Er tritt seit 1300 als apud Benke auf, konkurriert aber im gleichen Jahr schon mit de Stegue. Die historischen Schreibweisen unterscheiden / e/ und / a/ , wobei im Einzelfall nicht zwischen latinisierten und deutschen Namen unterscheiden kann. Ab ca. 1600 tritt nur noch der Name Steg / Stäg auf. 1699 ist historisch Gerichtsbanck belegt; dieser Name gibt wohl die Deutung von Benken als Gerichtsbank wieder; die Deutungen, die für Benken SG und ZH und Biel-Benken BL (K RISTOL ET AL ., 2005, 138 f. und 154f.) mit einem althochdeutschen PN gegeben werden, ist vermutlich falsch. Vgl. auch den Artikel Steg bei den Gemeindenamen. Bennon Bennon ist der Name eines Baches, der in Leukerbad in einem Graben als Bennonggrabu, (auch bei R. G RICHTING auf Blatt 1, Nr. 13 und Blatt 3, Nr. 8) und in Inden als der Bennunggrabu belegt ist. Die ältesten Belege sprechen 1315 von torrentem Bennum; 1338 torrentem Banon, 1353 torrentem Bennon, 1503 loz Benon in Leukerbad und 1542 torrentis dov Bemon, 1542 torrentis dov Benion, 1587, du Bennong, 1757 den Bennen Graben in Inden. G. P ANNATIER stellt den Namen zu frpr. benna, abgeleitet von einem lat. Adj. bajana ‘ der im Wasser badet ’ und einem Suffix / - ONE / . Sie stellt das Ganze zu B OSSARD / C HAVAN (2006, 43), die Baine, Bennaz, Binnaz kennen. Da ein Hinweis auf ältere historischen Belege durchwegs fehlt, lässt sich keine sichere Deutung angeben. Bennu (PN) Bennu ist nur belegt in zú Bennu Haus (1733, Naters). Die Konstruktion legt einen Genitiv Singular nahe, wohl zu einem PN oder FaN Benna, also ‘ beim Haus der Benna ’ . Als FaN ist der Name nicht belegt; als PN wird er schon 1389 in Naters erwähnt in Georgius f[ilius]. q[uae]d[am]. Benne ‘ Georgius, Sohn der Benna ’ . Berbel Berbel m. ist lebend nur in Münster als Berbel (FLNK, LT) oder Auf dem Bärbel (SK) belegt; gemeint ist eine Rodung in einer Hanglage. Dazu gesellen sich der Ober und der Unner Berbel, sowie 1560 die Berbieleggen und 1766 Berbel=Weg. Die historischen Belege für das Simplex sind Berb ů l (1300 - 1330), Bo ᵉ rbu ᵉ l (1531), der Berbu ᵉ l (1573), vff dem Berbell (1605) usw. Es handelt sich um eine Zusammensetzung zum Grundwort Büel, später Biel ‘ Hügel ’ und einem Bestimmungswort Ber ‘ die Beere ’ (siehe unten) oder schwdt. Bär ‘ der Bär ’ und wdt. Bär ‘ Bär ’ (I D . 4, 1447 ff.; G RICHTING 1998, 32) . Das geschlossene / e/ deutet eher auf schwdt. Ber (II) ‘ die Beere ’ und wdt. Berr, Bärr ‘ Beere ’ (I D . 4, 1461 f.; G RICHTING 1998, 35; G RICHTING 1998, 32 kennt noch einmal Bär und weist auf Varianten als ‘ Beere ’ ) hin: ‘ der Hügel mit Beeren ’ ist wahrscheinlich gemeint. Berchtold (FaN) Der Tauf- und FaN Berchtold (AWWB 27) kommt auch in der Erweiterung Berchdoldigo (Riedmörel) mit dem kollektiven / - IG / -Suffix vor. Die latinisierte Form (ad) Cristam Bertoldi (Ergisch) ‘ beim Hügel Berchtolds ’ könnte auch im heutigen Flurnamen Bäriseggu ‘ Ecke des Bäri ’ weiterleben. Berda Berda ist nur belegt in Pra de la Berda ‘ in der Wiese der Familie Berclaz / bei der Weinlaube (unsicher) ’ (1848, Salgesch). Das späte Dokument lässt keinen Schluss auf ein Lemma Berda zu. In der Datenbank ist die gleiche Stelle auch für Branubergla neben pra de la Berclaz aufgeführt (cf. HL P ÄRGOLA ). Es würde sich dann um ein Schreibversehen handeln. Der lebende Name wird in M ATHIER (2006, 115) als Pranobergla ‘ Wiese der Familie Beni (PN) 187 188 <?page no="159"?> Berclaz ’ wiedergegeben. Es kann sich aber auch einfach um Bergla (< rom. *berkela) ‘ Weinlaube ’ (E GLI 1982, 20 f. u. passim) handeln. Berdes Berdes erscheint in saxum de Berdes (1326, Inden) und a saxis de Berdes (1537, Salgesch). Es handelt sich vermutlich um den gleichen Namen, der Bärde ‘ das grüne Gebiet ’ in Varen (cf. HL B ÄRDE ) zu Grunde liegt (vgl. FEW 14, 507 ff. s. v. v ĭ r ĭ dis grün). Beide Belege sind zu deuten als ‘ der Fels beim grünen Gebiet ’ . Berga Berga kommt nur in Praaberga (Albinen) vor. M ATHIEU (2006, 11) nimmt ein Kompositum aus pra ‘ Wiese ’ und per-ca ‘ Hütte ’ an, letzteres ohne Erklärung. Der zweite Teil kann entweder zum FaN Berclaz stehen ( ‘ die Wiese der Familie Berclaz ’ ) oder zum Lexem b ę ́ rga ‘ kleine Kuh, alte Ziege ’ (FEW 22, 1, 277 u. 288; G PSR 2, 342) gestellt werden mit der Deutung ‘ die Wiese für kleine Kühe / alte Ziegen ’ . Das Wort ist allerdings für das Wallis sonst nicht belegt und das FEW kann es keiner bekannten Wurzel zuordnen. Da es sich bei Praaberga um einen Teil der Torrentalp handelt, sind beide Deutungen möglich. Berger (FaN) Die wenigen Belege mit dem FaN Berger können teilweise auch Herkunftsnamen ( ‘ die Leute vom Berg ’ ) sein (vgl. dazu HL B ÄÄRG ). Der FaN ist im Register der HRBS mehrfach erwähnt. Berktun Die historisch einmal belegte Form von 1306 Berktun (Visp) ist ein Genitiv der Kurzform des PN Berchto zur Vollform Berchtold (I D . 4, 1539) oder FaN Berchtold (cf. auch HL B ERCHTOLD (F A N)). Berna (PN) Berna (PN) ist in Albinen (FLNK) belegt. M ATHIEU (2006, 13) schreibt Bärnad. Historisch ist 1358 ou bernart belegt; erst 1705 steht dann wieder in Berna. Vermutlich handelt es sich um den PN Bernard (M EYER 1914, 100) oder dessen feminines Gegenstück Bernarda; hier zu verstehen als ‘ das Grundstück des Bernhard / der Bernharda ’ . Berner (FaN) Der FaN Berner bzw. Bärner ist in den Quellen nicht belegt; der Name kann aber auch zur Kurzform Bäärni des PN Bernhart (I D . 4, 1597) gehören. Im Fall der Namen in Grengiols ist der Bärner (FLNK, Grengiols; LT Bärner, SK Berner) wohl ein Gut eines Bäärni, der Wald ist danach benannt, ebenso der Ober und der Unner Bärner (beide Grengiols). In mehreren Fällen wird von den Gwpp. ein Zusammenhang mit den Bernern (heutiger Kanton Bern) hergestellt; das ist vermutlich nicht haltbar (auch wenn es zwischen Bern und dem Wallis zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen kam). Als vorangestellter Genitiv erscheint (ts) Bäärnersch Haaltu ‘ die Halde der Familie Berner / der Leute des Bernhard ’ (Bratsch; FLNK z Bärnersch Haltu). Belegt sind weiter: di Bäärnicheera ‘ der Kehren des Bernhart ’ (Simplon), t Bärnerschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung von Bernhart oder der Familie Berner (Gwp. bezieht sich auf eine Schlacht zwischen Bernern und Wallisern) ’ (Münster), auff dem Bernersandt ‘ auf dem Sand des Bernhard (kaum FaN Berner) (1716, Visp). Unklar ist aus lautlichen Gründen zum Bernerhiischi ‘ zum kleinen Bernerhaus (unklar) ’ (Visperterminen) mit einem nur leicht offenen / e/ . Aber auch hier kann ein PN Berni vorliegen. Bernolt (PN) Bernolt (PN) ist nur 1304 als jn Bernoltz Brunnen ‘ bei der Quelle / dem Brunnen des Bernolt ’ (Törbel) belegt. Der PN ist bei F ÖRSTEMANN (1, 271) als Bernolt belegt. Der PN erscheint u. a. auch in einem Beleg von 1309 in Stalden als Bernoldz Erbe ‘ das Erbe des Bernold ’ . Bero (PN) Bero (PN) ist die Grundlage von Beringo Bongarto ‘ der Baumgarten der Leute des Bero ’ (1275 u. später, Visp) und der Beringo Aker ‘ der Acker der Leute des Bero ’ (1304 und 1307, Zeneggen), das auch als der Beron Akeren (1303) und der Beron Akere (1304) erscheint. Beringo ist ein Genitiv Plural der kollektiven / - ING / -Ableitung zum PN Bero (F ÖRSTEMANN 1, 260). Berr Berr n. ‘ Beere ’ ist zu schwdt. Ber (I D . 4, 1461), wdt. Berr ‘ Beere ’ (G RICHTING 1998, 35; auch G RICHTING 1998, 32 s. v. Bär m. Varianten) zu stellen. Es ist belegt in ts Beruloch ‘ das Loch mit Beeren ’ (St. Niklaus) und der Berrwald ‘ der Wald mit Beeren ’ (Münster). Als Kompositum mit Mäl ‘ Mehl ’ kommt vor beym Melbeerbaúm ‘ beim Mehlbeerbaum ’ (Staldenried) und t Mälbertschugge ‘ die Felsen mit Mehlbeerstauden ’ (Eisten). Eine zweites Kompositum enthält Milals entrundetes Gegenstück zu Müül ‘ Maul ’ und meint in den Flurnamen beim Milberböüm ‘ beim Maulbeerbaum ’ (Visperterminen) und Milberschleif ‘ der Schleif mit Mülber (Maulbeeren) ’ (FLNK, Termen) (cf. HL M ÜÜL ) den Maulbeerbaum. Zum Maulbeerbaum vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 216 s. v. M ORUS ALBA und M ORUS NIGRA ; zum Mehlbeerbaum vgl. L AUBER / W AG- 189 190 Berr <?page no="160"?> NER / G YGAX 5 2014, 280 s. v. S ORBUS ARIA und S ORBUS MOU- GEOTH . Die Ableitung ts Berett ‘ der Ort, wo es Beeren hat ’ (Oberwald; FLNK Beret) ist zum Suffix / - ÔDI / - ÔTI / (S ONDER- EGGER 1958, 524) zu stellen und meint den Ort mit Beeren. Bertschen (FaN) Bertschen (FaN) ist der FaN Bertschen, auch Berchen, Berczen, Bertcheti geschrieben und wohl zum PN Berchtold zu stellen (AWWB 29). Er ist nur belegt in Bärgscheried (Turtmann). In Turtmann ist der FaN Bertschen gut belegt (W. M EYER 1991, 321 ff.). Besquen Besquen ist nur im 13. Jahrhundert in Ried-Brig als in den Besquen belegt. 1299 ist in zwei Dokumenten von Willelmi de Vnderbesquen und Petri de Honderbesquen die Rede. Auch in einem Beleg von 1252 erscheint Mulinbasquen, das später (1693) Milibach heisst. Es scheint, dass die Schreibweise Besquen eine romanischen Schreibung für Bach oder Bächen ist. Vermutlich handelt es sich um den Bach, der aus dem Bächgrabe kommt. Im Beleg ist von casamenta ‘ Behausungen ’ die Rede, die sicher nicht im Bächgraben, sondern eher am Bach lagen. Besren Besren ist in an dem Henderbesren (1320, Binn) und die mittleste Bessreten (1726, Mund) belegt. Der erste Beleg macht deutlich, dass es sich nicht um eine Entrundung handeln kann; Hender ist wahrscheinlich zu Hinterzu stellen. Die Herleitung von besser (I D . 4, 1669) ist dennoch unsicher. Schwdt. Besser(e)te(n) f. ‘ Aufbesserung des Lohnes, Trinkgeld; Entschädigung; Verbesserung, Vermehrung eines Gutes bzw. der daraus sich ergebende Mehrwert desselben ’ (I D . 4, 1678) kann für Bessreten herangezogen werden. Aber auch hier ist die Deutung unklar. Bestent Bestent ist nur 1355 in Albinen als ou bestent belegt. G. P ANNATIER (p. c.) erwägt eine Richtungsangabe, wobei das anlautende / b/ nach dem Artikel ou als bilabialer Laut zu ouest ‘ Westen ’ zu lesen wäre. Diese Deutung ist nicht auszuschliessen, wenn der Notar die Ortsangabe falsch verstanden hätte. Eine zweite Möglichkeit ist eine Ableitung zu *tentiare streiten (FEW 13, 1, 228), wo afr. und mfr. bestens ‘ querelle, dispute ’ (Streit, Disput) angegeben wird; der Flurname würde dann dem dt. HL S TRIT ‘ Streit ’ entsprechen. Beide Deutungen ‘ im Westen ’ und ‘ im Streit ’ sind sehr unsicher. Bethen (PN) Bethen (PN) ist nur 1565 in Turtmann belegt jn Bethen Ordt ‘ im Ort der Beth (PN) ’ . Es liegt vermutlich ein Genitiv Singular zum weiblichen PN Beth vor (I D . 4, 1808 s. v. B ē t, wohl zu Elisabeth). Betrogny Im Beleg Betrogny Egga (Stalden) ist betrogny zum Verb schwdt. betriege n wie nhd. ‘ betrügen ’ , Partizip II betroge n , hier in der Bedeutung ‘ trügerisch, gefährlich ’ (I D . 14, 621 ff., bes. 623) zu stellen. G RICHTING (1998) kennt den Namen nicht. Bett Bett ist zu schwdt. Bett, Pl. Bett, Better, Dim. Bettli, Bettji wie nhd. ‘ Bett ’ , ‘ Lager, Nest von wilden Tieren ’ , ‘ Lagerstätte der Kühe im Stall ’ , ‘ Gartenbeet ’ und wdt. Bett, Bätt (Leuker Berge) ‘ Bett ’ (I D . 4, 1810 ff.; G RICHTING 1998, 35), hier oft zur Bezeichnung eines (früheren) Fluss- oder Bachbetts (Rottubett, Säältinubett, Vischpubett) oder zur Kennzeichnung für Quarzvorkommen (Vooder, Hinner Stralbett (Randa)) zu stellen. Die Belege mit Schallbett sind unter HL S CHELB zu finden. Unklar ist t Kimmbetti (Niederwald) ‘ die Kindbette ’ (I D . 4, 1816 f.); der dort erwähnte Bildstock könnte die Geburt Jesu zeigen(? ). Unklar sind ebenfalls Flurnamen mit Bettals Bestimmungswort (Betthorn (Mund) und Bettwald (Bitsch)); ein Zusammenhang mit der Bedeutung ‘ Wildheuplanke, Heubett ’ ist möglich (I D . 4, 1812). Weitere Belege hierzu enthalten die HLL der Grundwörter Bach (Wasser) und Matta. Belegt ist mehrfach ts Alt Rottubett ‘ das alte Bett des Rotten ’ (Leuk und weitere neun Gemeinden, unterschiedliche Schreibweisen); Rottubett allein ist in Lalden und weiteren acht Gemeinden belegt. Die übrigen Flussbett-Namen wurden schon erwähnt. Vermutlich die Lagerstätte von Hirschen wird als ts Hirschbett ‘ das Lager von Hirschen ’ (Ferden) bezeichnet. Bettelly Bettelly ‘ Viehalpe ’ ist nur historisch in Leukerbad belegt, 1433 als alpe … de Bettelly, 1590 als juxta alpem … Bettelly. In beiden Fällen ist also eine Alpe Bettelly gemeint; sie liegt in beiden Fällen bei der Alpe dov / du Mayen, die als Maing auf rund 1800 m und höher östlich von Leukerbad liegt. Bettelly ist frpr. und wohl zu bête ‘ Vieh, Haustier ’ zu stellen (G PSR 3, 362 ss.) mit einer vermutlich doppelten Ableitung auf / - ELLU ( M )/ und / - ATICIU ( M )/ (B OSSARD / C HA- VAN 2006, 287ss.), etwa mit der Bedeutung ‘ Viehalpe ’ . Bertschen (FaN) 191 192 <?page no="161"?> Betten Betten ist der Gemeindename in der hdt. Form; die dial. Form ist Bättu. Die Gemeinde befindet sich auf rund 1200 m oberhalb des Rotten. Historisch ist 1243 Bettan, 1292 in Bettan und so weiter belegt; es wird immer ein auslautendes [-an] verwendet; erst 1587 ist Bett ŭ n erwähnt und ab 1599 erscheint Bättun. Das Seltsame ist, dass fast kein anderer Name auf historisch [-an] belegt ist. Betten wird von R ÜBEL (1950, 131) nach einem Vorschlag von H UBSCHMIED als altalemannisch *bet(w)un (< kelt. betwas ‘ Birkengehölz ’ ) gedeutet. I D . (4, 1810 ff.) stellt den Namen zu schwdt. Bett n. in FlN ‘ Wildheuplanke, Heubett ’ (cf. S ONDEREGGER 1967, 47). Die Erklärung von H UBSCHMIED und R ÜBEL , aber auch von S ONDEREGGER wird von den älteren Belegen nicht gestützt. Der zentrale Vokal von Bett kann laut SDS (1, 15) nur als geschlossener oder offener / e/ -Vokal, praktisch nie als / ä/ , realisiert werden. Die Deutungen mit / e/ sind also irreführend. Der Name wird dialektal im 16. Jahrhundert als Bättun (cf. 1599 Bättun) notiert, die schon in lateinischer Form 1635 belegt ist (montis orationis ‘ des Bet-Bergs ’ ). Auf dieser Umdeutung beruht auch die entsprechende Ortsnamenlegende, laut der zur Pestzeit 1720/ 30 das Dorf beinahe ausgestorben sei; die Leute sollen so laut geweint und gebetet haben, dass man sie in Bister gehört habe. Von dieser Zeit an habe man das Dorf Betten genannt (K RISTOL ET AL . 2005, 146 f.). Tatsächlich würde das Wort bätte, bättä (Goms), bättu ‘ beten ’ (G RICHTING 1998, 33) hieher passen. Ein weiteres, seltsames Indiz ist die Tatsache, dass Ableitungen von diesem Gemeindenamen fast in jedem Fall Bättmer enthalten. Das in Filet belegte Betnerbach (1460) weist diese Form zwar nicht auf, ebenso wenig der lebende Beleg der Bättebach (Grengiols, FLNK Bättmerbach), der aber bei FLNK das / m/ enthält. Das Bestimmungwort Bättmer tritt mit den Grundwörtern Allmei, Alp, Bach (Wasser), Breit, Chumma. Graat, Hooru, See, Stafel und Weri auf. Die meisten dieser Komposita befinden sich in Betten, einige in Fiesch, Filet, Grengiols, Lax, Martisberg und Ried-Mörel, also in der Umgebung von Betten. Auf eine Unterscheidung von Komposita und auseinandergeschriebenen Formen wurde hier verzichtet. Die Form auf / -m-/ lässt sich wohl als doppelte Assimilation vom Typ / bättner/ -> / bäpner/ -> / bäpmer/ -> / bättmer/ verstehen. Bettene Bettene ist ein Plural oder Kollektiv, das in Ulrichen als t Bettene (FLNK, Bettene) belegt ist (so auch auf 1: 10000). Eine Deutung zu Bett ‘ Bett ’ (I D . 4, 1810 f.) ist nicht ausgeschlossen. Der Name kann hier unter 3. ‘ Lagerstätte der Kühe ’ verstanden werden (vgl. auch die Flurnamen unter I D . 4, 1811). Betz Betz ist einmal belegt in zem Betz Stein (1429, Törbel). Am nächstliegenden ist Betz ‘ Bär ’ (I D . 4, 1980), laut I D . eine Koseform zu Bär. Beu Beu ist nur belegt in in alpa dicta Beuecca (1354, Ulrichen). Wenn als Grundwort Egga angenommen wird, bleibt ein unklares Beu- oder Bew-; beide sind nicht belegt. Für den frühen Zeitpunkt ist eine wdt. / l-/ Vokalisierung unmöglich. Laut P H . K ALBERMATTER (p. c.) ist auch Benlesbar. Letzteres ist zwar in I D . als Ben (Frucht des Meerrettichbaumes, M ORINGA OLEIFERA ) (4, 1288) und P ē n ‘ Marter; Busse, Strafe ’ (4, 1286) belegt, aber beide Deutungen sind für eine Alpe sehr unsicher. Die Bildung bleibt deswegen unklar. Bewron en Bewron ist nur 1485 in Salgesch belegt. Der Text a fonte frigido qui nascitur en bewron a fontibus nascentibus ‘ von der kalten Quelle, die en Bewron - bei den entspringenden Quellen - entspringt ’ gibt wohl die Deutung von Bewron wieder. T AGMANN (1946, 80) kennt Bévéron und insbesondere Bé ̨ ver ǫ ng (Salgesch), das so bei uns nicht belegt ist, als Name einer steilen Alpe (heute Alpage de Beveron, die zu Mollens gehört). Er führt als mögliche Etymologie den Namen auf *Bebrona ‘ Biberbach ’ (G PSR 2, 376) nach A EBISCHER zurück, was angesichts der Höhenlage kaum realistisch ist; die Herleitung von Bèvèrè ‘ Tränke ’ (G PSR 2, 376) weist er zurück, weil dieses Wort sonst im Wallis unbekannt sei. G. P AN- NATIER (p. c.) weist darauf hin, dass ein Suffixwechsel von / - ET / zu / - ON / und dem Stamm beve (<*bedu, bief ‘ Bach ’ ) den Namen erklären kann. en Bewron wäre dann etwa ‘ bei den kleinen Bächen ’ . Beynten Beynten ist nur 1809 in Salgesch als jn Schoppet oder Beÿnten belegt. Es handle sich um eine Wiese und unbebautes Land; die Bedeutung von Beynten wäre also ‘ das langgestreckte Stück Land ’ . Die Schreibweise ist wohl hdt.; das zu Grunde liegende Wort ist - laut T AGMANN (1946, 60) - Benda oder Binda (vgl. FEW 15, 1, 111 ff. s. v. *bind ō binde, band; G PSR 3, 224 s. v. frz. bande) (Dank auch an G. P ANNATIER für den Hinweis). Das dt. Bünt (wdt. Biina) ‘ Bünde ’ kommt kaum in Frage, ist aber sonst im Wdt. sehr verbreitet (cf. HL B IINA ). 193 194 Beynten <?page no="162"?> Bez Bez ist in Salgesch als lo bez ‘ die Wasserleitung ’ (1346 u. später) und als lo bez domini martini ‘ die Wasserleitung des Herrn Martin ’ (1353, heute Bismerting), in Albinen als lo bez commune ‘ die Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ (1345) belegt. Die Form entspricht M EYER (1914, 159), der für das 13. Jahrh. bez, beiz angibt. Das HL ist unter bief, wohl in der Bedeutung ‘ Bewässerungskanal ’ (G PSR 2, 387 ff.), aufgeführt; als Etymologie wird keltisch * BEDU ‘ Kanal ’ angenommen. Die Belege in Salgesch und Albinen zeigen, dass im 14. Jahrhundert die frpr. Formen geläufig waren (cf. HL B ISS ). Bi(j)i Zur Präposition bii ‘ bei ’ gebildetes Nomen, bezeichnet schwdt. Bi(j)i f. ‘ Nähe ’ (I D . 4, 908) als FlN-Element die Nähe zu einer andern Flur. Das Wort kommt dreimal als Bestimmungswort vor: ts Bibalmi (Embd), Bÿ Berg (1579, Niedergesteln und frühere Belege) und Bischlüecht (Ulrichen, auch Pischlüecht). Bi bi ‘ bei ’ ist als Präposition nicht gesondert erfasst, kommt aber im Typ Bifang ‘ Einzäunung; ein von Furchen oder Zaun umgebenes, mit Bäumen besetztes, meist als Wiese benutztes Stück Land ’ (I D . 1, 856) und dessen phonetischer Reduktion Bifig häufig vor (cf. HL F ANG ). Synonym zu Bifang ist Infang (I D . 1, 855 und HL I N ). Zu den einzelnen Namen cf. HL F ANG . Bibi Bibi ist nur als FLNK-Beleg für Inden (auch LT) angegeben. Die Flur befindet sich halbwegs zwischen Rumeling und Inden. Zwar kennen I D . (4, 924) und G RICHTING (1998, 37) das Wort für ‘ beissender Hautausschlag; Eiterbläschen ’ , doch ist nicht erkennbar, was genau der Flurname bedeuten soll. FEW (1, 350) weist auf bibi (alem.) ‘ rufname des huhns ’ hin, das ebenfalls kaum als Flurname in Frage kommt und das im Oberwallis sonst nicht belegt ist. Die Karte zeigt in diesem Bereich eine verwaldete Weide, die keinen Hinweis auf den Namen enthält. Der Flurname kann deswegen nicht gedeutet werden. Bickel (FaN) Der älteste Beleg (1354 in bickels slu ᵉ chte) des nur einmal vorkommenden Namens (Ulrichen) legt einen Personen- oder Übernamen Bickel für den Besitzer oder Nutzer nahe (I D . 4, 1117); ob schon ein FaN (für das Oberwallis sonst nicht belegt) vorliegt, ist unklar. Die Belege weisen den FaN bis 1820 in verschiedenen Schreibweisen ohne Genitiv-s auf. Bicki Hier liegen zwei verschiedene Lemmata vor, die sich nicht immer unterscheiden lassen: wdt. Bicki n., f. ‘ Steinpflaster ’ (Grächen, Visp), ‘ mit kleinen, runden Steinen gepflasterte Strasse ’ (I D . 4, 1121; G RICHTING 1998, 37) oder schwdt. Bucki, Bücki, wdt. Bicki n. ‘ Holzbecken, Bottich ’ (I D . 4, 1143 f.; G RICHTING 1998, 37). Laut R ÜBEL (1950, 46) ist die Bicki ein Steinpflaster im Viehstall, das er aber S. 12, § 21 zu Bücki stellt und damit eine Entrundung annimmt; es scheint, dass er Bicki und Bücki nicht unterscheidet. Bei Bickitrog (Termen, Bister) liegt ‘ Holzbecken, Bottich ’ nahe, sonst die Bedeutung ‘ Steinpflaster ’ oder ‘ gepflasterte Strasse ’ . Als Grundwort kommt das HL nur im Beleg t Eischtbickin ‘ die zum Weiler Eisten führende gepflasterte Strasse ’ (Blatten) vor. Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Bestimmungswort liegen weiter vor zu Matta und Wäg. Einmal belegt ist aúf der Bucki ‘ auf dem Steinpflaster ’ (1788, Stalden) und in dem Bleiziger Bucki ‘ auf dem kleinen Blitzinger Steinpflaster ’ (1692, Blitzingen). Letzteres scheint ein Diminutiv zu sein, da das Genus nicht feminin ist. Diese Formen würden R ÜBEL s implizite Annahme bestätigen, dass bei Bicki eine Entrundung vorliegt. Es kann sich aber auch um hyperkorrekte Formen handeln. In Bickinärweng ‘ in den Wiesenabhängen der Leute in der Bicki ’ (Wiler) ist wohl eine Zuordnung zu den Leuten in der Bicki (in Wiler nicht belegt) gemeint. Bider Bider n. bildet ein Namennest in Saas-Balen, ein einziger Beleg wird früh als Bidermatta (1356, Grengiols) anderwärts erwähnt. Die Belege in Saas-Balen weisen in den ältesten Belegen alle / u/ oder / ü/ auf, so 1300 Bu ᵕ dermattun, 1305 Bv ᵢ dermatta, 1307 Bv ᵢ dern usw. Bidermatta ist ein Weiler von Saas-Balen; das zu Grunde liegende Lemma ist wohl Buder (I D . 4, 1036), das mehrere Bedeutungen hat; es dient auch als Name für die Preiselbeere (V ACCINIUM VITIS IDAEA ) oder die Rauschbeere (V ACCINIUM ULIGINOSUM ), doch lassen die Belege keinen Schluss auf eine der im I D . aufgeführten Bedeutungen zu; die Pflanzen sind beide bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 708 und 710) belegt. Neben dem Simplex Bider (für die Alpe) und den Adjektivbildungen ts Ober und ts Unner Bider sind belegt die Komposita Bideralp, Biderbach, Bidergletscher, Biderlöuwinu, Bidermatta und Biderstafel. Nicht zum gleichen Lemma gehört wohl der oben erwähnte Name Bidermatta (1356, Grengiols), der entweder zu einem FaN Bider (aus dem Adjektiv biderb (I D . 13, 1412)) oder zu diesem Adjektiv selbst gestellt werden kann - allerdings findet sich der FaN Bider nicht Bez 195 196 <?page no="163"?> im AWWB und anderen Quellen. Das F AMILIENBUCH DER S CHWEIZ (1, 157) kennt Bider alteingesessen nur für Langenbruck BL. Bidtrich Bidtrich m./ n. ist nur 1767 in Bürchen als in dem Bidtrich ‘ das Gelände in runder, fassartiger Form ’ belegt. Laut Dokument handelt es sich um einen Weinberg. Zum Weinbau in Bürchen vgl. G ATTLEN (2007, 204 ff.), laut dem sich die meisten Weinberge auf dem Gebiet von Raron befanden. Da es in Raron, genauer in St. German, lebend einen Flurnamen der Bitrich gibt, dürfte es sich um den gleichen Weinberg handeln (cf. HL B ITRICH ). Zu stellen ist der Name zu schwdt. Bütterich, -ech, wdt. Pittrich, Pittrig, -ga m. ‘ Gefäss (für Flüssigkeiten); Ledersack, kleines, rundes, sehr schmales Fässchen, worin Arbeitsleute ihr Getränk mit aufs Feld nahmen ’ , ‘ das dicke, volle Hinterteil der Spinne; beim Geflügel; Bauch und Hinterteil bei Hühnern, Enten und Gänsen ’ , übertragen auf Personen ‘ Schmerbauch, Dickwanst ’ , ahd. butirih, mhd. buterich, büterich m. ‘ Schlauch, Gefäss ’ (I D . 4, 1923 f.; E GLI 1982, 218, 357; G RICHTING 1998, 153). Der Name wird für eine rundliche, fässchenartige Geländeform verwendet. Biel Biel m. ‘ Hügel ’ ist ein sehr häufiges HL (rund 970 Belege), das zu schwdt. Bühel, Büchel, Büel m. ‘ (kleine) Erhöhung überhaupt; Erdhaufe; Hügel, Anhöhe (etwas länglicher, fast horizontal fortlaufender Hügel) ’ , ahd. buhil, mhd. bühel und wdt. Biel, Biäl ‘ Hügel ’ (I D . 4, 1094 ff.; Z INSLI 1945, 314; G RICHTING 1998, 36) zu stellen ist. Das Simplex im Singular ist lebend als dr Biäl (Ferden), ufem Biäl (Ferden), uffem Biäl (Blatten) im Lötschental belegt. der Biel (25 Belege) kommt im ganzen Oberwallis vor, Präpositionen wie am Biel (Embd, Saas-Fee), hinner dem Biel (Grächen, Stalden), im Biel (Bitsch, Hohtenn), uf dum Biel (St. Niklaus), üfem Biel (Obergesteln), ufem Biel (Baltschieder, Oberwald, Wiler), ufum Biel (Zwischbergen und acht weitere Gemeinden), uf ts Biel (Leukerbad, mit neutralem Genus), unner dum Biel (Saas-Fee), zem Biel (Grengiols), zum Biel (Betten, Zermatt) sind belegt, bei ufum Bi ǝ el (Staldenried) liegt wohl ein Versehen vor. Mit Vokalisierung von / l/ zu / u/ finden sich Bieu (Biel, Gemeindename), der Bieu (Fieschertal und sieben weitere Belege im unteren Goms), am Bieu (Mühlebach), im Bieu (Bellwald, zweimal), ufem Bieu (Binn). Historische Belege werden aus Platzgründen nicht wiedergegeben; die / l/ - Vokalisierung fehlt dort jedoch. Die Entrundung wird ab den letzten zwei Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts spürbar; der älteste Beleg scheint 1482 vff dem Biel (Ernen) zu sein, das als dt. Übersetzung von lat. super crista (sic! ) gegeben wird (sofern es sich um ein Original handelt). Seltsam ist ein Beleg für den Gemeindenamen Biel als Bielle (12. Jh.), das in AWWB (31) genannt wird. Ein feminines Simplex im Singular t Biela (Blitzingen, Fieschertal, Lax, Naters, Termen) und t Biele (Biel), wurde aus dem Plural t Biela oder t Biele ‘ die Hügel ’ reanalysiert; in einigen Fällen ist die Form in Bezug auf Singular oder Plural unklar. Mit Präpositionen erscheinen Hinder der Biele (Fieschertal). Unsicher ist der Beleg Bielu (Oberems); die ältesten Belege von 1328 haben Biela und Biola ‘ Birke ’ , ab 1636 wird jn den Bielen usw. verwendet, Bielen steht auch auf LT. Wenn die Erstbelege wirklich den gleichen Ort meinen, wurde ein rom. Biola ‘ Birke ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 171 f.) als Bielu ‘ bei den Hügeln ’ reanalysiert und als Plural verstanden. Lebende Simplizia im Plural sind di Biäla (Gampel), di Biela (Ausserberg, Niedergesteln, Ried-Brig, Simplon, Törbel, Visperterminen, Zermatt), Biela (FLNK, Visp), Biele (FLNK, Eisten; FLNK Saas-Balen; FLNK, Saas-Fee), di Biele (Oberems, zweimal; Randa; St. Niklaus), t Biele (Fieschertal, Reckingen, Saas-Almagell), Bielä (FLNK, Leuk), mit Präpositionen bine Biele (Geschinen), ine Biele (Münster), uf de Biele (Grengiols, Selkingen), üf de Biele (Obergesteln), ine Bielu (Saas-Fee, Visperterminen), unner de Bielu (Saas-Almagell), ts Bielu (Törbel, historisch als Plural de Buelen (1303), ze Bveln (1304)) und ze Biele (Binn). Historische Belege sind an dien Bu ᵉ len (1388, Täsch), an den Bielenn (1584, Niederwald), auff / in den Bielen (1649 u. später, Guttet), in den Bielen (1778, Oberwald), hinder den Bielen (1749 u. später, Bellwald), zen Bielen (1425, Eggerberg). Das Simplex Singular im Diminutiv ist als Bielti (FLNK, Bürchen; FLNK, Eischoll; FLNK, Grengiols; FLNK, Naters; FLNK, Ried-Brig; FLNK, Saas-Grund), ts Bielti (Brig, Eggerberg, Grächen, Raron (dreimal), Simplon (dreimal), Stalden, Visperterminen (zweimal), Zeneggen, Zermatt (zweimal), Zwischbergen (zweimal)), Bieuti (FLNK, Ernen) und mit Präpositionen hinnerm Bieuti (Ernen), ufem Bielti (Goppisberg), ufem Bieuti (Niederwald) belegt. Auch hier kommen historische Formen hinzu, die aus Platzgründen nicht angeführt werden. Das Simplex Plural im Diminutiv ist als Bieltini (FLNK, Törbel; FLNK, Zermatt), di Bieltini (Ausserberg, Baltschieder, Glis, Naters, Täsch, Zwischbergen), t Bieltini (Grengiols, Ried-Mörel), t Bieutini (Binn, Fieschertal (zweimal)) und mit Präpositionen uf de Bieltine (Fiesch), ze Bieltinu (Betten) belegt; historische Belege sind hier nicht aufgeführt. Mit attributiven Adjektiven oder Partizipien zum HL als Grundwort sind belegt: au ᵕ f den Ändren Bielen ‘ auf den jenseitigten Hügeln ’ (1847, Eyholz), der Friä Biäl ‘ der frühe Hügel (wohl: früh blühend) ’ (Steg), Geenubiel ‘ der 197 198 Biel <?page no="164"?> steile Hügel ’ (FLNK, Bürchen) (die historischen Belege haben 1655 am Gänien Biell, 1688 am Gehenden Biell, 1798 aúf dem gehnden Biell, 1825 an dem gehenden Biell; zu Grunde liegt aber wohl schwdt. g ā ch ‘ jäh, steil ’ und wdt. gää, gee ‘ steil ’ (I D . 2, 99 f.; G RICHTING 1998, 83)), (lat.: superius) den Gemeinen Biel ‘ oberhalb an den Hügel, der der Gemeinde gehört ’ (1689, Embd), di Griänun Biäla ‘ die grünen Hügel ’ (Blatten), beim Grossen Beil (Biel? ) ‘ beim grossen Hügel ’ (1623, Münster, Lesung unsicher), der Gross Biel ‘ der grosse Hügel ’ (Stalden), der Gros Biell ‘ der grosse Hügel ’ (1626, Ernen), zem Grozen Buele ‘ beim grossen Hügel ’ (1307, Grächen), an den Grossen Bülen ‘ an den grossen Hügeln ’ (1630 u. später, Brig), der Hee Biel ‘ der hohe Hügel ’ (Raron), Heidnisch Biel ‘ der heidnische Hügel (wo die vorgeschichtliche Bevölkerung wohnte) ’ (Ergisch), an den / hinder dem Höchen Biell ‘ an den / hinter dem hohen Hügel ’ (1619 u. später, Ulrichen), Hibsch Bielti ‘ der hübsche kleine Hügel ’ (FLNK, Grächen), Hindern Biälun ‘ die hinteren Hügel / hinter den Hügeln ’ (Ferden, unklar), Hinner Biela ‘ die hinteren Hügel ’ (FLNK, Fieschertal), uffem Holtzenen Biel ‘ auf dem Hügel beim Gebiet Holz (Wald) ’ (1629, Baltschieder), aúffum Huppenden Biell ‘ auf dem sich rundenden Hügel ’ (1630, Ausserberg; vgl. HL H UPP ), der Inder Biel ‘ der innere Hügel (von Kippel aus gesehen) ’ (Kippel), t Indru Biele ‘ die inneren Hügel ’ (Simplon), dr Chaalt Biel ‘ der kalte Hügel ’ (Zermatt), ts Chlei Bielti ‘ der kleine Hügel ’ (Naters; Stalden, FLNK Bielti), das Klein Bu ᵉ ltin ‘ der kleine Hügel ’ (1531, Ernen), der Leng Biel ‘ der lange Hügel ’ (Oberwald), den Lengen Bu ᵉ l ‘ den langen Hügel ’ (1519, Törbel, Akkusativ kostruktionsbedingt), vff dem Michel Bu ᵉ l ‘ auf dem grossen Hügel / auf dem Hügel des Michael ’ (1477, Bürchen, vgl. HL M ICHAEL ), Mitti Bielti ‘ der in der Mitte (der Wiesen) liegende kleine Hügel ’ (Visperterminen), in den Mosinen Bieltinen ‘ auf den kleinen Hügeln im Bereich Moos (Weiler von Naters? ) ’ (1796, Naters), aúffm Nidren Biel ‘ auf dem niedrigen (oder unteren) Hügel ’ (1729, Mund), Nidresten Bu ᵉ la ‘ der unterste Teil des Hügels (Singular Feminin aus Plural Maskulin reanalysiert) ’ (1376, Brig), der Ober Biel ‘ der obere Hügel ’ (Embd, Ergisch, Zermatt), im Obren Biel ‘ im oberen Hügel ’ (1852, Glis), (lat.: ) Superior Bul ‘ der obere Hügel ’ (1388, Brigerbad), t Ober und t Unner Biela ‘ der obere und der untere Hügel ’ (Brig) und weitere Belege zu Ober Biel und ähnlich, ts Briischtig Bielti ‘ der kleine, ungewässerte, verbrannte Hügel ’ (Törbel), an den Blinden Biel ‘ an den blinden Hügel (von dem aus man nichts sieht? ) ’ (1619, Fiesch), aúff den Blossen Bielen ‘ auf den unbewachsenen Hügeln ’ (1694 u. später, Ausserberg), am Bsangtu ᵕ n Biel ‘ am versengten Hügel ’ (1587, Ried-Mörel), der Rot Biel ‘ der rote Hügel ’ (Eisten, zweimal), vom Rothen Bu ᵉ l ‘ vom roten Hügel (unklarer Beleg mit unsicherer Lesung) ’ (1469, Mund), t Rotu Biele ‘ die roten Hügel ’ (St. Niklaus), Rotu Biele ‘ die roten Hügel ’ (FLNK, Saas-Almagell), der Schee Biel ‘ der schöne Hügel ’ (Raron) und rund dreissig Belege mit teilweise anderer Form wie der Scheen Biel, auch Plurale und schriftlich Schönbiel (FLNK, Betten), der Spitz Biel ‘ der spitze Hügel ’ (Binn, Bürchen, Ergisch, Turtmann), im Spitzu Biel (Visperterminen) und historische Belege, der Steinig Biel ‘ der steinige Hügel ’ (Täsch), der Dirr Biel ‘ der dürre Hügel ’ (Zermatt), zum Dirre Biel ‘ beim dürren Hügel ’ (Zermatt), ts Titsch Bielti ‘ der kleine, klotzartige Hügel ’ (Naters), dr Uister Biäl ‘ der äussere Hügel (von Kippel aus gesehen) ’ (Kippel), vff den Undresten Biel ‘ auf den untersten Hügel ’ (1532, Reckingen), t Undru Bieltini ‘ die unteren kleinen Hügel ’ (Baltschieder), t Undrun Bielä ‘ die unteren Hügel ’ (Ferden, zweimal), der Unner Biel ‘ der untere Hügel ’ (Ergisch) und historische Belege, unner dum Biel ‘ unter dem Hügel ’ (Visperterminen), t Unner Biela ‘ der untere Teil des Gebietes Biele (Hügel) (Singular Feminin aus Plural Maskulin reanalysiert) ’ (Fieschertal) und mehrere andere, ts Unner Bielti ‘ der untere kleine Hügel ’ (Raron, Visperterminen), dr Unner Bieu ‘ der untere Teil des Gebietes Biel (Hügel) ’ (Binn) und viele andere, ts Üsser Bielti ‘ der äussere kleine Hügel ’ (Visperterminen), in dien Vssren Bula ‘ in den äusseren Hügeln ’ (1376, Brig), am Wÿsbu ͦ l ‘ am weissen Hügel ’ (kann aber auch wie andere solche Formen zum HL W ISPIL gehören), t Witu Biela ‘ die weiten Hügel ’ (Grächen). Komplexer ist der Hei Hobiel ‘ der hohe Hochhügel ’ (Oberwald). Mit vorangestellten Genitiven von Besitzern oder Nutzern erscheinen Arnollds Büell ‘ der Hügel der Familie Arnold / des Arnold ’ (1525 Simplon), an dem Eberaczbuele ‘ am Hügel des Eberacz (ev. Eberhart) ’ (1310, Stalden), vff Enginero Biel ‘ auf den Hügel der Familie Enginer ’ (1610, Eggerberg), Fischerschbiel ‘ der Hügel der Familie Fischer ’ (Ausserberg), Froonibiel ‘ der Hügel des Herrn (? ) ’ (FLNK, Birgisch; 1504 Fronenbu ᵉ l, 1577 Froni Bu ᵉ l, 1725 im Froni Biell), am Gabmigerbieu ‘ am Hügel der Leute von Gadmen ’ (Blitzingen), Gräfibiel ‘ der Hügel der Gräfin (Adelstitel) ’ (FLNK, Visp), ts Gämscherlisch Biel ‘ der Hügel der kleinen Gemse ’ (Mund), Hanften Biellen ‘ die Hügel des Hanft / die Hügel mit Hanf (unklar) ’ (Oberems), t Hanschbieutini ‘ die kleinen Hügel des Hans / beim Balzplatz des (Auer)Hahns ’ (Bellwald), Hartmans Bÿell ‘ der Hügel des Hartmann (PN oder FaN) ’ (1553, Visperterminen), t Hegdornerbiela ‘ der Hügel beim Weiler Hegdorn (Singular Feminin aus Plural Maskulin reanalysiert) ’ (Naters), Heinigobiel ‘ der Hügel der Familie Heinen ’ (Ausserberg), ts Heinzebieuti ‘ der kleine Hügel des Heinz / der Familie Heinzen ’ (Gluringen), auf dem Heisen Bielty ‘ auf dem kleinen Hügel des Hans ’ (1780, Selkingen), ts Hersch Biel ‘ der Hügel des (Pfarr-)Herrn ’ Biel 199 200 <?page no="165"?> (Visperterminen), Heymansb ů l ‘ der Hügel des Heyman ’ (1347 u. später, Naters), dem Heynen B ů l ‘ der Hügel des Hein / der Familie Heinen ’ (1527, Naters; Dativ konstruktionsbedingt), Hÿlprandts Biela ‘ der Hügel des Hiltbrand / der Familie Hiltbrand ’ (1570 u. später, Brig; ähnlich 1564, Glis und 1630 Ried-Brig), der Hirtsbieu ‘ (wohl) der Hügel, wo es Hirsche gibt ’ (Selkingen; Gwp. meint eher HL H IRT ), Häischbiele ‘ die Hügel des Hans ’ (FLNK, Termen; ev. auch ‘ des Hahns ’ ), Höischbiel ‘ der Ort, wo die Auerhähne ihr Balzspiel aufführen ’ (FLNK, Randa; LT Häüschbiel, ev. auch ‘ des Hans ’ ), ts Höupmisch Biel ‘ der Hügel des Hauptmanns (oder der Familie Hauptmann) ’ (Grengiols), Hüotersch Biel ‘ der Hügel der Familie Hutter / Hüeter ’ (Naters), der Jauschbiel ‘ der Hügel des Jan (Johnannes) ’ (Ausserberg), ob des Castlans Biel ‘ ob dem Hügel des Kastlans ’ (1644, Visperterminen), auf Kempfen Bielen ‘ auf dem Hügel der Familie Kämpfen ’ (1772, Naters), der Chindobiel ‘ der Hügel der Kinder ’ (Ausserberg), jn Leigginero Biell ‘ der Hügel der Bewohner von Leiggern / der Familie Leiggener ’ (Raron), auf Lochero Biel ‘ auf dem Hügel der Familie Locher ’ (1828, Raron), auff Lochers Biell ‘ auf dem Hügel der Familie Locher ’ (1635 u. später, Bürchen), Maners Biell ‘ der Hügel der Leute von St. German ’ (1693, Raron), ts Martischbiel ‘ der Hügel der Familie Marti / des Martin ’ (Ried-Mörel), ts Martischbiäl ‘ der Hügel des Martin / der Familie Marti ’ (Kippel), Melkenbiel ‘ der Hügel des Melchior (? ) ’ (FLNK, Wiler), in Metschisch Biel ‘ der Hügel der Familie Metz ’ (1737 u. später, Mund), ts Nässisch Biel ‘ (vermutlich) der Hügel des Nässi / bei einer nassen Stelle (? ) ’ (Mund), (lat.: super) Bacharo B ů len ‘ der Hügel der Familie Bacher / der Leute vom Gebiet Bach ’ (1390 u. später, Ried-Brig), aúff Bacherro Biela ‘ auf dem Hügel der Leute vom Bach / der Familie Bacher ’ (1713, Brig), Bammatterschbielti ‘ der kleine Hügel der Familie Bammatter ’ (FLNK, Naters), Pfaffebiel ‘ der Hügel des Pfarrers / der Familie Pfaffen ’ (FLNK, Selkingen), Biinnerrobiel ‘ der Hügel der Familie Binder? (Ausserberg), Birchen Biell ‘ der Gügel bei der Flur Birken ’ (1711 u. später, Mörel), an dem Blanspuele ‘ an dem Biel (Hügel) der Familie Blantschen (siehe aber auch: Blaaschbiel) ’ (1302, Raron), auf Rothigo Biell ‘ auf dem Hügel der Familie Roten / der Leute des Roten ’ (1686 u. später, Stalden), Rubitschibiel ‘ der Hügel der Familie Rubin (? ) ’ (Agarn), Schlechters B ů l ‘ der Hügel der Familie Schlechter ’ (1531, Ernen), am Seúisbiell ‘ (unklar) am Hügel beim kleinen See (ev. Seewji) ’ (1717, Eggerberg) (klarer Genitiv, aber unklare Deutung), am Sperwers B ů ll ‘ am Hügel des Sperbers / (der Familie Sperber) ’ (Naters), Steffans B ů la ‘ der Hügel (Singular Feminin aus Plural Maskulin reanalysiert) des Stefan ’ (1630, Brig), ze Stephans Buele ‘ beim Hügel des Stefan ’ (1301 u. später, Visperterminen), Tomischbieu ‘ der Hügel des Tomi (Thomas, PN) ’ (Binn), Tschampigen Bieltin ‘ der kleine Hügel auf der Alp Tschampigen / der Familie Tschampen ’ (1629, Binn), am Walpper Biel ‘ am Hügel der Familie Walpen ’ (1564, Guttet), Walscher Bielen ‘ (unklar) die Hügel der Familie Walscher / der Welschen ’ (1756, Ulrichen), der Walthers B ů l ‘ der Hügel des Walter / der Familie Walter ’ (1462, Mund), zWalters Bielen ‘ der Hügel des Walter / der Familie Walter ’ (1740, Aussserberg), Wissigobiel ‘ der Hügel der Familie Weissen ’ (Ausserberg), Äbnetschbiel ‘ der zum ebenen Land (Äbnet) gehörende Hügel ’ (Embd). Komplexere Konstruktionen sind etwa: der Fiescher Wartbieu ‘ der Hügel mit Aussicht, der zu Fiesch gehört ’ (Fiesch), hinder Graberen Wartbiel ‘ hinter dem Hügel mit Aussicht der Familie Graber ’ (Fiesch), uf Haneggschbieu ‘ auf dem Hügel der zur Hanegg gehört (unklar) ’ (Bellwald), uf Lüsgeru Schenu Biel ‘ auf dem schönen Hügel der Alp Lüsgera (Aussicht) ’ (LT u. FLNK, Naters), in den Neu ᵕ en Gliser Gru ᵕ ndbieleÿen ‘ die neue Aue in den Grundbielen (Hügeln im Grund) von Glis ’ (1858, Glis), Wäuschige Voder Brunnebieu ‘ der vordere Teil des Gebietes Brunnebiel der Familie Welschen ’ (Binn). Als Grundwort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita sehr häufig auf. Dabei sind die Typen Scheebiel ‘ Schönbühl ’ (siehe schon oben) und Hobiel ‘ Hochbühl ’ , belegt als der Hobiel (Ried-Brig und rund 10 weitere Belege), t Hobiele ‘ die hohen Hügel ’ (Leuk), ts Hobielti ‘ der kleine hohe Hügel ’ (Eggerberg), sowie den komplexeren der Hohbiellacher ‘ der Acker beim hohen Hügel ’ (1663, Visperterminen), der Hobielustafel ‘ der Stafel der hohen Hügel ’ (Simplon), der Hobielwier ‘ der Weiher im Bereich Hobiel (hoher Hügel) ’ (Visperterminen), t Hobielwildi ‘ das unfruchtbare Gebiet beim hohen Hügel ’ (Brigerbad), Hohbielplatten ‘ die Felsplatten im Bereich Hobiel (hoher Hügel) ’ (SK, Mund) besonders häufig vertreten. Vermutlich ein Verschreiber liegt vor in Hohle Bielen ‘ die hohlen Hügel ’ (LT, Zermatt), obwohl es an einem anderen Ort in Zermatt t Hole Biele ‘ die Hügel mit Höhlungen ’ gibt. Generell können die Typen Adjektiv +Grundwort und Attribut+Nomen nur in flektieren Formen sicher unterschieden werden: erstere weisen das Adjektiv immer in der gleichen Form auf, letztere verändern es in obliquen Formen. Weitere Konstruktionen mit einem Adjektiv als Bestimmungswort sind: zen Galbuele ‘ (unklar, wohl zu Galt? ) der unfruchtbare Hügel ’ (1320, Glis), apud Galbulen ‘ (unklar, wohl zu Galt? ) der unfruchtbare Hügel ’ (1391, Baltschieder), aúff dem Gmeinbiell ‘ auf dem Hügel, der der Gemeinde gehört ’ (1683, Bürchen), der Heidnischbiel ‘ der heidnische Hügel (wo die vorgeschichtliche Bevölkerung wohnte) ’ (Raron), Lägundbiel ‘ der leicht ansteigende Hügel ’ (FLNK, Staldenried), Plozenbuele ‘ bei dem unbewachsenen Hü- 201 202 Biel <?page no="166"?> gel ’ (1300, Baltschieder), am Wÿsbu ͦ l ‘ am weissen Hügel ’ (1507, Bürchen), am Wyspuel ‘ am weissen Hügel ’ (1509, Turtmann), der Üsbiel ‘ der äussere Hügel ’ (Randa) (unklar, ob Üs als Adjektiv oder als Verbpartikel zu verstehen ist). Mit Pflanzennamen belegt sind folgende zweigliedrigen Komposita: t Erlbielä ‘ die Hügel im Gebiet Erlä (wo Erlen wachsen) ’ (Blatten), aúf dem Faxbiel ‘ auf dem Hügel, wo es Borstengras hat ’ (1755, Simplon), der Hamfbieu ‘ der Hügel, wo Hanf angebaut wurde ’ (Mühlebach), im Hanfbiel ‘ der Hügel, bei dem Hanf angebaut wurde ’ (1743, Niederwald), unter dem Hanfbiel ‘ unter dem Hügel im Gebiet, wo Hanf angebaut wurde ’ (1849, Ernen), der Heitbiel ‘ der Hügel mit Heidelbeersträuchern (lat. Übersetzung meint Heiden (pagani) ’ (Simplon), der Heitebiel ‘ der Hügel mit den Heidelbeersträuchern ’ (Grengiols), Heitebieu ‘ der Hügel mit Heidelbeersträuchern ’ (Binn, zweimal), aúff den Heyten Biell ‘ auf den Hügel mit Heidelbeersträuchern ’ (1734, Selkingen), am Holderbÿel ‘ am Hügel mit vielen Holunderstauden) ’ (1635 u. später, Saas-Grund), am Holderbiell ‘ am Hügel mit vielen Holunderstauden ’ (1531 u. später, Stalden), der Hollerbiel ‘ der Hügel mit vielen Holunderstauden ’ (Saas- Balen), aúf Lerchibiel ‘ auf dem Hügel beim Lärchengehölz ’ (1765, Stalden), Birchbiel ‘ der Hügel mit Birkengehölz ’ (Ausserberg) Birchen Biell ‘ der Hügel bei der Flur Birken ’ (1711 u. später, Mörel), am Birchenbiel ‘ am Hügel im Bereich Birchi (Birkengehölz) ’ (1573, Naters), Burchenbul ‘ am Hügel bei der Flur Birken (das Birkengehölz) ’ (1389 u. später, Bitsch), Roggenbiell ‘ der Hügel, wo Roggen angepflanzt wurde ’ (1469, Mund), Ronb ů l ‘ der Hügel, bei dem es Baumstücke hat ’ (1396, Unterbäch), der Sefibiel ‘ der Hügel mit Sefinen (Juniperus sabina) ’ (Ausserberg), der Tambiel ‘ der Hügel im Gebiet Tann (Tannengehölz) ’ (Zermatt), der Tanbiel ‘ der Hügel beim Tannengehölz ’ (Glis), der Tannbiel ‘ der Hügel beim Tannengehölz ’ (Simplon), Thanbiell ‘ der Hügel im Bereich Tann (Tannengehölz) ’ (1677 u. später, Oberems; Beleg von 1589 im Then Bÿel wohl nicht; zwei weitere Belege in Naters (17? ? ) und Visperterminen (1519 u. später)), der Tischterbiel ‘ der Hügel im Gebiet der Dischtera (Gebiet mit vielen Disteln) ’ (Ausserberg), Waldbuel ‘ der Hügel beim / im Wald ’ (1596, Ulrichen), Waldbielti ‘ der kleine Hügel im / beim Wald ’ (FLNK, Ulrichen). Mit Tiernamen sind folgende zweigliedrigen Komposita belegt: Eschelbielti ‘ der kleine Hügel, wo Esel weiden / der einem Esel gleicht ’ (FLNK, Zermatt), dem Fúx Biel ‘ der Hügel der Familie Fux / wo es Füchse hat ’ (1895, Embd; Dativ konstruktionsbedingt), dr Fuggsbiäl ‘ der Hügel, wo es Füchse hat / ev. der Hügel der Familie Fux ’ (Wiler), an den Guoch Bielen ‘ an den Kuckucks- Hügeln ’ (sofern ‘ guoch ’ für ‘ gouch ’ , Lesung guoch bestätigt) (1309, Niedergesteln), der Chalberbiel ‘ der Hügel, wo die Kälber weiden ’ (Ausserberg), t Kiebiela ‘ die Hügel, auf denen Kühe geweidet werden ’ (Ried-Brig; FLNK Chüobiela), ts Chräijubiel ‘ beim Hügel mit Krähen ’ (Ried- Brig), z Kra ᵉ yenbu e ll ‘ beim Hügel mit Krähen ’ (1557, Mund), ts Murmetebieuti ‘ der kleine Hügel mit Murmeltieren ’ (Ritzingen) und das mehrgliedrige Murmdlochbiel ‘ der Hügel beim Gebiet Murmdloch (Murmeltierloch) ’ (FLNK, Wiler), t Murmoltbiela ‘ die Hügel mit Murmeltieren ’ (Ried-Brig), t Oggsobiela ‘ die Hügel, wo man die Ochsen weidet ’ (Visperterminen; kann laut Gwp. auch zu Oggsoläger ‘ die Ruhestätte für die Ochsen ’ gestellt werden), der Bockbiel ‘ der Hügel, wo man (Gems-)Böcke sieht ’ (Reckingen), der Bockbiel ‘ der Hügel, wo es Gämsböcke hat (laut Gwp.) ’ (Täsch), Raazubiel ‘ der Hügel, wo es Haselmäuse hat ’ (Eischoll), der Rinderbiel ‘ der Hügel, wo Rinder weideten ’ (Glis), ts (e)Rinderbielti ‘ der kleine Hügel, wo Rinder weideten ’ (Hohtenn), t (e)Rinnerbieltini ‘ die kleinen Hügel, wo die Rinder weideten ’ (Simplon), der Rinnerbieu ‘ der Hügel, wo die Rinder weideten ’ (Binn), der Rossbiel ‘ der Hügel beim Rossbode ’ (Reckingen), der Rosbu ᵉ l ‘ der Hügel bei den Rossweiden / der aussieht wie ein Pferd ’ (1527 u. später, Naters), ts Rossbielti ‘ der kleine Hügel beim Rossboden / wo Pferde weideten ’ (Münster), Schlangebiel ‘ der Hügel mit Schlangen ’ (FLNK, Blitzingen), der Wolfbiel ‘ der Hügel mit Wölfen ’ (Hohtenn) (auch Ausserberg, Niedergesteln und Raron (nur historisch), Steg (nur historisch), nicht gleicher Ort). Bei den übrigen, sehr zahlreichen Komposita erscheint als Bestimmungswort meistens der Name einer naheliegenden Flur; auf Beispiele verzichten wir hier. Hingegen ist der Typ der Fasnachtbiel (Törbel; historisch auch Ausserberg, Raron und Unterbäch) wohl durch ein Fasnachtsfeuer auf einem Hügel zu erklären. Unklar ist der Typ der Grimbieu (Ernen) vs. der Grundbiel (Saas-Fee), beide sind auch mehrfach historisch und an anderen Orten belegt. Ersterer kann zum HL G RIND ‘ Kopf ’ , letzterer zum HL G RUND ‘ Talboden ’ gestellt werden, wobei in Belegen nach 1500 Grind auch entrundeter Plural zu Gründ sein kann. In beiden Fällen kann mit Assimilation auch Grimpiel oder Grumpiel erscheinen. Die Belege sind sehr komplex und werden unter den HLL G RIND und G RUND diskutiert. Weiter sind die Namen im Chilchbiel ‘ im Kirchenhügel (der zum Kirchengut gehört? ) ’ (Münster), der Chirchebiel ‘ der zum Kirchengut gehörende Hügel ’ (Bister), am Kirchen Biell ‘ am zum Kirchgengut gehörenden Hügel ’ (1679, Mörel), Chiuchebiel ‘ der zum Kirchengut gehörende Hügel ’ (Binn) entweder als Ort, wo die Kirche steht, oder als Hügel, der zum Kirchengut gehört, zu verstehen. Eine weiteren Typ präsentiert ts Liechtbiel ‘ der helle Hügel ’ (Stalden), zem Lÿechtbÿel Biel 203 204 <?page no="167"?> ‘ beim hellen Hügel ’ (1538, Saastal), zem Lÿechtbüell ‘ zum hellen Hügel ’ (1545, Eyholz), Liekbuele ‘ (zum) hellen Hügel ’ (1306 u. später, Grächen), zem Liechtbu ᵉ l ‘ beim hellen Hügel ’ (1465, Eisten) und mehrere komplexere Formen zum HL L IECHT zu stellen, das hier als Adj. zu verstehen ist. Auf weitere zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort gehen wir hier nicht ein. Komplexere Konstruktionen (sofern nicht schon erwähnt) sind etwa der Fiescher Wartbieu ‘ der Hügel mit Aussicht, der zu Fiesch gehört ’ (Fiesch), hinder Graberen Wartbiel ‘ hinter dem Hügel mit Aussicht der Familie Graber ’ (1735, Fiesch), uf Haneggschbieu ‘ auf dem Hügel der zur Hanegg gehört (unklar) ’ (Bellwald), t Hinnere Scheene Biela ‘ der hinter (taleinwärts liegende) Teil der schönen Hügel (Schafalpe) ’ (Fieschertal), der Holöwwibiel ‘ der Hügel im Bereich der Holöwwi ’ (Reckingen), der Hostadulbiel ‘ der Hügel beim Hostadel (der hohe Stadel) ’ (Grächen), der Huismattubiel ‘ der Hügel bei der Hauswiese ’ (Simplon), im Kleinen Kastenbiell ‘ der kleine Hügel im Gebiet Kasten ’ (1744, Biel), Lüsgeru Scheenu Biel ‘ auf dem schönen Hügel der Alp Lüsgera (Aussicht) ’ (Naters), der Ober Brunnebieu ‘ der obere Teil des Gebietes Brunnenbiel ’ (Binn) und mehrere weitere Namen mit Ober, der Tschampigebrunnebieu ‘ der Hügel der Quelle / des Brunnens der Familie Tschampen ’ (Binn), wobei Tschampige eine Alpe im Binntal ist, der Unner Brunnebieu ‘ der untere Teil des Gebietes Brunnenbiel ’ (Binn) und mehrere weitere Namen mit Unner, t Vodre Scheene Biela ‘ der vordere (talauswärts liegende) Teil der schönen Hügel (Schafalpe) ’ (Fieschertal), der Wiler Wartbieu ‘ der Hügel mit Aussicht auf die Wileralpe ’ (Fiesch), Wäuschige Voder Brunnebiel ‘ der vordere Teil des Gebietes Brunnenbiel der Familie Welschen ’ (Binn), wobei Wäuschige eine Alp im Binntal ist, und Tsantmärjelebieu ‘ der Hügel der Heiligen Maria ’ (Binn). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bach, Blatta, Bodu, Brigga, Brunnu, Chi, Chnubel, Chumma, Flüö, Gartu, Gassa, Grabu, Haalta, Hubel, Kapälla, Löuwina, Matta, Pärgola, Rüüs, Schiir, Schleif, Schnitta, Stadel, Steg, Sunna, Suon, Tiri, Tola, Tschugge, Wald, Weid, Wier und Zug. Komplexere Konstruktionen sind etwa: Fiirbieltschuggo ‘ der Fels beim hervorstehenden Hügel (heute Strasse? ) ’ (FLNK, Embd), t Fischbiältreichi ‘ die Tränke beim Fischbiäl (Hügel in Fischform? ) ’ (Wiler) und t Fischbielweidä ‘ die Weiden beim Fischbiäl (Hügel in Fischform? ) ’ (Wiler), ts Fronibielställi ‘ der kleine Stall beim Fronibiel ’ (Birgisch), der Greechbielspitz ‘ das spitze Waldstück beim Gräächbiel (Hügel, der zu Grächen gehört) ’ (St. Niklaus), der Gross Biälschleif ‘ der grosse Schleif im Gebiet Biela (die Hügel) ’ (Gampel) und weitere. Einen Sonderfall bieten Flurnamen mit mehreren syntaktischen Gliedern wie der Acher zem Bu ᵉ l ‘ der Acker beim Hügel ’ (1468, Geschinen), bis in die Liecht Biel Ruffinen ‘ bis in das Rutschgebiet bei der Flur Liechtbiel ’ (1740, Stalden), in den Neuen Gliser Gru ᵕ ndbieleÿen ‘ in den neuen Auen in den Grundbielen (Hügeln im Grund) von Glis ’ (1858, Glis), üf de Biele am Rotte ‘ auf den Hügeln am Rotten ’ (Obergesteln), Bielä bim Chrizhubil ‘ die Hügel beim Kreuzhubel ’ (FLNK, Turtmann). Eine Ableitung zum früheren Gemeindenamen Biel ist Bieliger (wörtlich ‘ zu den Leuten von Biel gehörend ’ ), das nur als Bestimmungswort mit den Grundwörtern Biina, Bäärg, Bleiwen, Bodu, Chäller, Eie, Fura, Haalta, Licka, Matta und Tal auftritt. Weiter erscheinen als Ableitungen die FaN Bieler (cf. HL B IELER (F A N)) und Bieliger (cf. HL B IELIGER (F A N)). Bielander (FaN) Die beiden belegten Flurnamen di Bielandi ‘ die Kuhweide, die der Familie Bielander gehört ’ (Eisten) und ts Bielantuloch ‘ das Loch der Familie Bielander ’ (Saas-Fee) im Saastal lassen sich am ehesten dem FaN Bielander (verstanden als Kürzung zu Imbiederland, Inbiederland, Familiennamen des Bezirks Goms (AWWB 128)) zuordnen. Der FaN ist auf die Flur Bielerland ‘ das Land beim Hügel ’ (Bellwald) zurückzuführen, die später zu im Biederland wird. Bieler (FaN) Bieler (FaN), auch Bieller, ist in drei Belegen mit vorangestelltem Genitiv bezeugt: an Biellers Acher ‘ am Acker der Familie Bieler ’ (1670, Gampel), ts Bielersch Legi ‘ die mit einem Zaun abgetrennte Wiese der Familie Bieler ’ (Obergesteln), Bielersch Trog ‘ der Trog der Familie Bieler ’ (Zermatt). Bieler ist als FaN im Wallis gut bezeugt (AWWB 31); es kann im Einzelfall auch ein Herkunftsname ‘ die Leute von Biel ’ vorliegen (cf. HL B IEL ). Bieliger (FaN) Der einzige historische Beleg von 1354 (Ulrichen) lässt sich am besten einem Herkunftsnamen oder FaN Bieliger zuweisen: ‘ hinter der Wiese der Leute vom Biel / der Familie Bieliger ’ . Häufiger kommt Bieliger als Zugehörigkeitsbezeichnung für die früher selbständige Gemeinde Biel vor. Bieloz Bieloz ist nur einmal 1755 in Guttet als Hof Alpen Bieloz belegt. Vermutlich ist der Name zu verstehen als ‘ der Hof auf der Alpe Bieloz ’ . Das ist insofern schwierig, als auf den Alpen kaum Matten verkauft wurden. Es scheint sich um eine Umschreibung für den sonst als der Alper- 205 206 Bieloz <?page no="168"?> biel ‘ der Hügel, der zur Alpe gehört (? ) ’ (Guttet) benannten Ort zu handeln. Dann wäre Bieloz ein Verschreiber für Biel. Diese Deutung ist aber sehr unsicher. Bietsch Bietsch ist als Bach-, Berg- und Talname vor allem im südlichen Teil des Bezirkes Westlich-Raron vertreten; dazu kommen vereinzelte Nennungen in Baltschieder. Das Simplex ist nur in der Form ts Bietschi belegt, das in Raron identisch ist mit dem Bietschbach, in Niedergesteln einen Kanal in der Rottenebene und sein Umfeld bezeichnet, in Baltschieder das Bietschhorn meint. Die ältesten Belege in Raron haben in monte qui dicitur Biehc (1233 (1234)), wobei monte hier wohl ein bergwärts gelegenes Gebiet meint (und kaum das Horn), in Byech ‘ im Bietschtal ’ (1280 (ca.)), jn valle de Biechsh ‘ im Bietschtal ’ (1298), siti ex illa parte Bieschun iuxta Rodanum ‘ gelegen auf der anderen Seite des Bietschi neben dem Rotten ’ (1300), wobei hier das Bietschi in der Rottenebene gemeint ist. In Niedergesteln ist 1301 in Biehcs erwähnt, wobei der Kontext wieder das Bietschtal meint, aquam cui dicitur Byecha ‘ das Wasser, das man Bietscha nennt ’ (1351 - 1365), aquam cui dicitur Byocha ‘ das Wasser, das man Bietscha nennt ’ (1387) - im Kontext beide für den Bietschbach. Die Belege deuten darauf hin, dass eine ältere Form biehc zum franz. bief ‘ Kanal, Bach ’ (G PSR 2, 387ss. und weitere Literatur 389) vorliegt. Die zitierte Form Byecha für den Bietschbach ist weder lebend noch bei G PSR belegt, enthält aber eine Endung für Flussnamen, die auch in Lodenza ‘ Lonza ’ usw. vorkommt. Mit einer Präposition verbunden ist der Beleg hinner dum Bietschi ‘ hinter dem Bietschi (Bietschbach) ’ (Raron). Es handelt sich um einen Rebenhang, der von Raron aus gesehen hinter dem Bietschbach liegt, der hier am Dorfkern von Raron vorbeifliesst. Mit attributiven Adjektiven sind belegt ts Gross Bietschi ‘ das grosse Bietschi (Kanal in der Talebene) ’ (Niedergesteln), ts Chlein Bietschi ‘ das kleine Bietschi (Kanal in der Talebene) ’ (Niedergesteln, zweimal). SK (1892) zeigt den Kanal schon, der wohl vom Bietschbach und vom Rotten gespeist wurde. In Steg und Hohtenn wird der gleiche Kanal ts Gaaldi genannt. Komplexer sind ts Ober und ts Unner Bietschisand ‘ der obere und der untere Teil des Sandgebietes des Bietschbaches ’ (Raron; Wiesen in der Rottenebene) und dÿ Obre Bietzwasserleitta ‘ die obere Wasserleitung aus dem Bietschtal ’ (1420, Ausserberg). Das HL ist auch in di Bietschi Binu ‘ der Pflanzplatz am Bietschi (Entwässerungskanal in der Rottenebene) (auch Teiffi Biina) ’ (Niedergesteln) enthalten. Als Bestimmungswort kommt Bietsch in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Alpa, Bach, Gartu, Gletscher, Hooru, Joch, Jegi, Matta, Rüüs und Tal vor. Bietschi ist mit den Grundwörtern Hitta, Loch, Rand, Sand, Stüde und Wäg vertreten. In Wiler ist Biätsch mit Gletscher und Hooru verbunden. Komplexer sind weiter Bietschtalbrigga ‘ die Brücke (der BLS) über das Bietschtal ’ (FLNK, Raron), Bietschtaltunnel ‘ der Tunnel (der BLS) beim Bietschtal ’ (FLNK, Raron) und zer Bietschhorihitta ‘ bei der Bietschhornhütte (LT Bietschhorn H. AACB (Akademischer Alpenclub Bern), Hütte am Bietschhorn) ’ (Wiler). Biezi (FaN) Biezi (FaN) ist nur als ts Biezisch Weid ‘ die Weide der Familie mit dem Beinamen Biezi ’ (Oberwald) belegt. Biezisch ist ein Genitiv Singular. Laut Gwp. handelt es sich um den Beinamen einer Familie. Biezi ‘ Näher, Näherin ’ ist als Agens zum Verbum schwdt. büeze n ‘ ausbessern, flicken ’ und wdt. bieze, biäzä (Goms), biezu (Mattertal), -biäzn (Lötschtal), biäzu ‘ nähen, flicken ’ (I D . 4, 2030; G RICHTING 1998, 36) zu stellen. Die Ableitung ist laut S ONDEREGGER (1950, 491) eine deverbative / - ÎN / - Ableitung. Bifiger (FaN) Die Belege mit Bifiger (FaN) sind entweder auf einen Herkunftsnamen (die Leute aus dem Bifig) oder den FaN Biffiger (alte Familie von St. Niklaus (AWWB 32), cf. auch HL F ANG ) zurückzuführen. Das HL ist als Genitiv Singular in ts Bifigersch Bärgji ‘ der kleine Berg der Familie Bifiger ’ (Grächen) und ts Bifigersch Sand ‘ das Sandgebiet der Familie Bifiger ’ (Baltschieder), als Genitiv Plural in Bifigero Viertel ‘ der der Familie Bifiger / den Leuten aus dem Bifig gehörende vierte Teil der Alp ’ (1641 u. später, Naters; 1641 Bitsch) belegt. Nicht zum FaN gehören die Namen von Wasserleiten und die Bifigertola ‘ die Mulde im Gebiet Bifiga (das eingehegte Stück Wiese) ’ (Mund). Big Big ist nur in di Bigstatt und der Bigstattschleif (beide Ausserberg) belegt. Das Simplex ist auf LT auch als Biegstatt notiert, frühere Ausgaben haben jedoch Bigstatt. Es scheint, dass hier ursprünglich ein Flurname bi + Gstatt vorliegt, also eine Präposition mit einer kollektiven Form: ‘ bei der Gstatt ’ . Gstadt ist historisch 1658 in Ausserberg belegt. Big ist also ein falscher Freund und meint eigentlich nur ‘ bei ’ verbunden mit dem anlautenden / g/ von Gstadt. Biger (FaN) Biger (FaN) kommt dreimal vor: zum einen das Grosse und das Kleine Bigerhorn (St. Niklaus), zum zweiten der Bigersbach (Bellwald), zum dritten Bigrigo Matta (Ernen). Bietsch 207 208 <?page no="169"?> Vor allem diese letzterwähnten Belege weisen auf einen FaN Biger hin, der in der Sammlung R. A RNOLD des FGA in Brig (3) belegt ist. Eine Ableitung zu I D . (4, 1056 ff.) zu B ī g (Pl. B ī ge(n)) f. ‘ Beige, Stoss; regelmässig aufgeschichteter Haufe von Gegenständen gleicher Art und Beschaffenheit ’ , mhd. b ī ge, ahd. b ī ga, b ī go und wdt. Biiga, Biigä (Goms), Biigu (Saastal), Biigi ‘ Stapel, Beige ’ (G RICHTING 1998, 37) ist eher unwahrscheinlich. Bigschen Bigschen ist nur in Warm Bigschen (Gampel) belegt. Die historischen Belege enthalten 1713 jn den Warm Bigschen, 1730, in der Wau ᵕ rm Bischen, 1732 in der Warx (? ) Biescho, 1740, jn den Warobixo, 1752 in der Warm Bixen. Das HL dürfte sich zu schwdt. Büchs f. und wdt. Biggsa, Biggsä (Goms), Biggsu f. ‘ Büchse ’ (I D . 4, 1000; G RICHTING 1998, 36) stellen lassen. Es handelt sich um ein ursprünglich aus Buchsbaum gefertigtes Gefäss. Der Flurname könnte sich aber auch auf ein warmes, sonnenbeschienenes Gebiet beziehen, in dem Buchsbaum wuchs. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 164, s. B UXUS SEMPER- VIRENS ) geben ein kleines Gebiet im Wallis an, wo die Pflanze belegt ist. Das Verhältnis zum HL B IGSCHU ist nicht geklärt. Am ehesten könnte der Beleg di Bigschuachra ‘ die Äcker im Gelände, das einer Büchse gleicht ’ (Zeneggen) hieher gehören. Bigschu Bigschu ist zunächst in di Bigschuachra (Zeneggen) belegt, wo wahrscheinlich Bügsche n (I D . 4, 1000 s. v. Büchs) eine Rolle spielt, das ursprünglich eine Büchse aus Buchsbaumholz meint mit weiteren Bedeutungen ‘ Flinte ’ , ‘ Hinterer von Tieren ’ , ‘ abschätzig-derbe Bezeichnung für eine Weibsperson ’ (vgl. auch HL B IGSCHEN ). Die genaue Motivation für den Namen bleibt unsicher (vgl. G RICHTING 1998, 36 s. vv. Biggsa und Biggscha). Weniger klar ist die Zuordnung bei Bigsch Äbi ‘ der Abhang des Bigsch (? ) / der Abhang, der einer Büchse gleicht ’ , wo Bigsch auch ein Kurzname im Genitiv für eine Person sein kann, der allerdings nicht belegt ist. Dazu gehören auch ts Ober und ts Unner Bigschäbi Wägilti ‘ der obere und der untere kleine Weg zur Bigschäbi ’ . Biicht Das Kompositum der Biichtschtuel (Simplon-Dorf) ‘ Beichtstuhl ’ kommt nur einmal vor. Das Bestimmungswort ist zum schwdt. Verb bîchte n ‚ beichten, im kirchlichen Sinne allg. ’ und wdt. biichte, biichtä (Goms), biichtu ‘ beichten ’ (I D . 4, 1010; G RICHTING 1998, 37), zu stellen. Beichtstühle sind Einrichtungen, in denen die Gläubigen die Ohrenbeichte ablegen können. Als FlN bezeichnet der Name hier eine Felsnische, die von ihrer Form her an einen Beichtstuhl erinnert. Biina Biina f. ‘ Pflanzland ’ ist zu schwdt. Bünt (Pl. Bünte(n)), Pünt (Pl. Pünte(n)) f. Dim. Bündeli, Büntli, Püntli zu stellen, ahd. biunta, biunda, biunt, mhd. biunte, biunde, biunt (I D . 4, 1401 ff. mit ausführlicher Beschreibung). I D . (4, 1321) verzeichnet auch das Stichwort B ǖ 1 ne n mit folgenden Deutungen für das Wallis: ‘ eingezäuntes und gedüngtes Stück Land für Korn ’ , ‘ Garten ’ , ‘ Grundacker, Land, welches in der Ebene liegt und mit Karst und Haue bearbeitet wird ’ . Z INSLI (1946, 314) gibt für Büüne ‘ ebenes Ackerfeld ’ und für Bünt ‘ (ebenes) Grundstück ’ . Im Wdt. entsteht durch Entrundung und z. T. mit Assimilation -d- > -n- Biina. Die ältesten Belege (1276 stegebundun, 1303 Stegbuynda, 1306 Stegbunda usw. (Raron)), 1301 dv ᵢ Bv ᵢ nda (Törbel, heute di Biinna) und viele andere haben / nd/ . Die ersten Namen vom Typ Bina sind erst etwa im 17. Jahrhundert belegt, sieht man vom Gemeindenamen Binn und den davon abgeleiteten Namen wie Binna oder Binntal ab, die jedoch vermutlich auf eine romanische Grundlage zurückgehen. Schon die Deutungen des I D . machen klar, dass sich eine einheitliche Bedeutung des HL kaum geben lässt. Generell handelt es sich aber um ebene, leicht bebaubare, häufig als Gärten genutzte, oft eingezäunte und meist im Privateigentum sich befindliche Pflanzplätze. Wir geben deswegen generell die Deutung ‘ Pflanzplatz ’ , auch wenn die Gwpp. manchmal andere Aussagen machen. Das HL kommt in rund 360 Namen in allen Bezirken vor. Das Simplex erscheint im Singular in verschiedenen Formen wie Biina, Binna, Bina, Binu usw. häufig, ist auch historisch als in der Bünden oder in der Binden belegt. Im Lötschental treten auch Bindä (Blatten, im Plural Kippel) auf. Bine und Varianten davon sind auch im Plural häufig vertreten; nicht immer lässt sich entscheiden, ob ein Singular oder Plural vorliegt. In beiden Fällen können Präpositionen wie in, ze oder bi (bei) auftreten. Historisch sind plurale Belege mit Bünden oder Binden vertreten. Der Diminutiv Bindelti, Binelti, Binilti und Binuti ist weniger häufig; Bindiltin ist die geschriebene Form. Auch Diminutive können mit Präpositionen konstruiert sein. Isoliert ist das einmal belegte ts Pinnti (Oberems) mit einer Ableitung auf - TI (SDS 3, 156). Plurale sind selten: t Binnultini (Binn) zeigen den Normalfall; der Plural in den Bindlu ‘ in den kleinen Pflanzplätzen ’ (Niedergesteln) lässt sich als Diminutiv im Plural verstehen, wobei das / d/ hier auch ein Sprosskonsonant sein kann; die historischen Belege verzeichnen allerdings alle einen Typ mit / nd/ , aber ohne / l/ . 209 210 Biina <?page no="170"?> Attributive Adjektive zum HL sind: t Alt Biine ‘ der alte Pflanzplatz ’ (Ulrichen), die Alten Bÿnden ‘ die alten Pflanzplätze ’ (1632, Raron), t Änner Binna ‘ der jenseits gelegene Pflanzplatz ’ (Lax), in dem Kleinen Beindilti ‘ im kleinen Pflanzplatz ’ (1677, Naters, mit hyperkorrektem / ei/ ), das Klein Bündilti ‘ der kleine Pflanzplatz ’ (1542, Mund), Kleinbinda ‘ der kleine Pflanzplatz ’ (1383, Termen, vorher parua bynda), jn der Endren Binnen ‘ im jenseitigen Pflanzplatz ’ (1765, Bellwald), t Forder Binna ‘ der vordere Pflanzplatz ’ (Lax), das Fodre Binnilti ‘ der kleine, vordere Pflanzplatz ’ (1796, Ried-Brig), Vooder Bina ‘ der vordere Pflanzplatz ’ , die Gmeine Binden ‘ der Pflanzplatz, der der Gemeinde gehört ’ (1734, Lalden), in der Grossen Bünden ‘ im grossen Pflanzplatz ’ (1546 u. später, Brigerbad), die Gros Bÿnda ‘ der grosse Pflanzplatz ’ (1750, Lax), t Hääu Biine ‘ der glatte Pflanzplatz ’ (Gluringen), in der Hoybüynden ‘ im hohen Pflanzplatz ’ (1299 u. später, Raron), t Indrun Biindä ‘ die inneren Pflanzplätze ’ (Kippel), jn den Lengen Binden ‘ im langen Pflanzplatz ’ (1507 u. später, Steg), t Lengu Biine ‘ die langen Pflanzplätze ’ (Brigerbad, nur 1507, Niedergesteln: jn den Lengen Bindun), t Linn Bina ‘ der weiche Pflanzplatz ’ (Binn), in den Mitlesten Bÿnden ‘ in den mittelsten Pflanzplätzen ’ (1768, Naters), in nouis Bindis ‘ in den neuen Pflanzplätzen (lateinisch) ’ (1557, Lalden), jn den Nÿdren Bundon ‘ in den unteren Pflanzplätzen ’ (1522, Steg), jn den Nüwwen Bÿndenn ‘ in den neuen Pflanzplätzen ’ (1578, Raron und vier weitere Belege mit Varianten), t Ober Biina ‘ der obere Pflanzplatz ’ (Niederwald und 15 weitere Belege mit Varianten), an der Schalb Binden ‘ am schrägen Pflanzplatz ’ (1653, St. Niklaus), di Teiffi Biina ‘ der tiefe Pflanzplatz ’ (Niedergesteln), Uistru Biindä ‘ die äusseren (talauswärts liegenden) Pflanzplätze ’ (Wiler), t Undru Bine ‘ die unteren Pflanzplätze ’ (Simplon und 13 weitere Belege mit Varianten) und in der Aúsren Binnen ‘ im äusseren Pflanzplatz ’ (1749, Niedergesteln), (FLNK, Grächen). Vorangestellte Genitive von Nutzern oder Besitzern sind selten: in der Belwalder Binen ‘ im Pflanzplatz der Leute von Bellwald ’ (1824, Bellwald), jn Baergerro Bÿndu ᵕ n ‘ im Pflanzplatz der Familie Berger ’ (1589, Baltschieder), in der Bieliger Binen ‘ im Pflanzplatz der Bewohner von Biel ’ (1733, Biel), Buydun Sutoris ‘ der Pflanzplatz der Familie Suter / des Schusters ’ (1302, Mund, nachgestellt wegen Latein), au ᵕ f der Eggern Binna ‘ auf dem Pflanzplatz beim Weiler Egga (Ecke) / der Leute von der Egga ’ (1817, Grengiols), Krettubiinelti ‘ der kleine Pflanzplatz der Familie Crettaz ’ (Brigerbad), Gúnttren … Bünden ‘ der Pflanzplatz der Familie Guntern ’ (1543, Geschinen), Hoferebine ‘ der Pflanzplatz der Familie Hofer / der Leute vom Hof ’ (Bister), Hügschbiinna ‘ der Pflanzplatz der Familie Hug (laut Gwp. Hutter, aber historische Belege haben Hug) ’ (Naters). Hunpenbùnda ‘ der Pflanzplatz des Hunpen (unsicher) ’ (1300 - 1330, Münster), Ku ͦ nschun Binda ‘ der Pflanzplatz der Familie Kuntschen / des Kuntschi ’ (1548, Eyholz), Lötscheren Binnen ‘ der Pflanzplatz der Leute von Lötschen ’ (1773, Gampel), ts Lükasch Binnelti ‘ der kleine Pflanzplatz des Lukas ’ (Grengiols), in den Melbaumerbinen ‘ in den Pflanzplätzen beim Mehlbaum (Weiler von Naters) / der Leute von Mehlbaum ’ (1760, Naters), die Mathien Bine ‘ der Pflanzplatz des Matthäus / Matthias ’ (1861, Lalden), Meretzen=Biene ‘ der Pflanzplatz des Moritz ’ (1879, Ulrichen), die Mosserbinna ‘ der Pflanzplatz im Moss / der Familie Moser ’ (1744, Münster), Nessier=Biene ‘ der Pflanzplatz der Familie Nessier ’ (1879, Ulrichen), Pfaffen Binen ‘ der Pflanzplatz des Pfarrers / der Familie Pfaffen ’ (1735, Fiesch), t Riederbiina ‘ der Pflanzplatz beim Ried (Weiler von Bellwald) / der Leute vom Ried ’ (Bellwald), Riedmatten=Biene ‘ der Pflanzplatz der Familie Riedmatten ’ (1879, Ulrichen), Rittere Biine ‘ der Pflanzplatz der Familie Ritter ’ (Bister), die Schitzen Binen ‘ der Pflanzplatz der Schützen ’ (1817, Steg; Hohtenn; 1768, Lalden), t Schmidi Binna ‘ der Pflanzplatz des Schmieds / der Familie Schmid ’ (Betten), die Thoma Biene ‘ der Pflanzplatz des Thomas / der Familie Thomen ’ (1879, Ulrichen), t Tomebiine ‘ das Pflanzland des Thomas / der Familie Thomen ’ (Reckingen), Toni Bÿne ‘ der Pflanzplatz des Anton ’ (1860, Glis), Waters Bv ᵢ nda ‘ der Pflanzplatz des Water (wohl: Walter) ’ (1303, Eyholz), Werligen Bünden ‘ der Pflanzplatz der Familie Werlen ’ (1543, Geschinen) mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung, Zeiterbiine ‘ der Pflanzplatz des Gebietes Seit / der Leute von Seit ’ (FLNK, Selkingen), an Zenders Binen ‘ zum Pflanzplatz der Familie Zehnder ’ (1570, Baltschieder). In einigen Fällen ist unklar, ob es sich um einen Genitiv handelt. Die Grenze zwischen Genitiv und Kompositum ist ebenfalls dort fliessend, wo ein FaN oder PN nicht verändert wird, wie in t Geertschbiine ‘ der Pflanzplatz der Familie Gertschen ’ (Münster), t Chräjigbinna ‘ der Pflanzplatz der Familie Kräig ’ (Lax) mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung, t Millerbiine ‘ der Pflanzplatz der Familie Müller ’ (Reckingen), Waltherlin Bv ᵢ ndeltin ‘ der kleine Pflanzplatz des kleinen Walter ’ (1305, Lalden) und jn der Wÿller Bÿnden ‘ im Pflanzplatz von Wiler / der Leute von Wiler ’ (1629, Wiler). In t Fuggsbiine ‘ der Pflanzplatz, wo man den Füchsen auflauerte / der Familie Fux ’ (Gluringen) ist kaum ein FaN gemeint, sondern der Ort der Fuchsjagd. Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort enthalten im Bestimmungswort nähere Gebrauchsweisen des Pflanzplatzes wie in der Garten Binden ‘ im Pflanzplatz, der als Garten dient ’ (1767, Blatten), die Garten Binden ‘ der Pflanzplatz, der als Garten dient ’ (1743, Raron), di Pfrüendbiinu ‘ der Pflanzplatz, dessen Erträge dem Pfründer zu Gute kommen ’ (Niedergesteln), Biina 211 212 <?page no="171"?> t Weizbiine ‘ die Pflanzplätze, wo Weizen angebaut wurde ’ (Eggerberg; historisch auch Eischoll). Andere Konstruktionen geben die Lage des Pflanzplatzes an wie t Gifibiine ‘ der Pflanzplatz oberhalb der Gifi (Spalte) ’ (Münster), die Gu ᵕ fer Bÿne ‘ der Pflanzplatz beim Steingeröll ’ (1860, Glis), t Kummubiina ‘ der Pflanzplatz bei der Chumma (Mulde) ’ (Brigerbad), jn der Mosbv ᵢ ndun ‘ im Pflanzplatz beim Moos ’ (1307, Raron), das mehrfach belegte Stägbiina ‘ der Pflanzplatz beim Steg ’ (Baltschieder, Bratsch, Lalden, Raron), t Bietschi Biinu ‘ der Pflanzplatz am Bietschi (Entwässerungskanal in der Rottenebene ’ (Niedergesteln) und andere mehr. Komplexere Konstruktionen sind t Chalchofubiina ‘ der Pflanzplatz beim Kalkofen ’ (Baltschieder), t Foodri und t Indri Gmeindbinu ‘ der vordere und der innere Pflanzplatz, der der Gemeinde gehört ’ (Niedergesteln). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita verbindet sich das HL mit den folgenden Grundwörtern: Acher, Ägerta, Bäärg, Biel, Bodu, Bord, Doore, Dorf, Egg(a), Gartu, Gassa, Haalta, Hitta, Kapälla, Matta, Moos, Schleif, Schluocht, Schiir, Schwelli, Stadel, Stapf, Tola, Tossu, Ture, Viertel, Wäg, Wald, Wasser und das Kompositum Wasserleita. Komplexer sind ts Binnutreichtrogi ‘ der kleine Trog zum Tränken beim Pflanzplatz ’ (Goppisberg), in Bÿndero Getheillen Walt ‘ im Wald der Geteilen von der Bina (Pflanzplatz) / der Familie Binder ’ (1643, St. Niklaus) mit unsicherer Deutung und andere mehr. Eine Ableitung auf / - ER / ist in Biener (1879, Ulrichen) belegt; die Deutung ist wohl ‘ Ort, wo es einen Pflanzplatz hat ’ , während sonst Biner oder Binder ein FaN ist, der auch als Inderbinen (AWWB 131) erscheint (cf. HLL B INDER (F A N) und B INER (F A N)). Eine Ableitung auf / - ERI / für Wasserleitungen ist in di Bineri (Grächen, St. Niklaus) und Binerri (1583, Eggerberg) belegt. Nur einmal ist Gebineren im Beleg zen Schnittengebineren ‘ die regelmässig abgeschnittenen Pflanzplätze ’ (1808, Raron) bezeugt; formal handelt es sich um eine Kollektivableitung mit dem Zirkumfix / G ( E )- ER / (wie Gewässer), die wohl mehrere Pflanzplätze in der Form einer Schnitta (abgeschnittenes Stück Land) meint. Biisa Die rund zehn Belege mit dem Bestimmungswort Biisbeziehen sich auf das Biishoru, das Biisjoch, den Biisgletscher und das kleine und grosse Biisbächji (alle Randa, teilweise Oberems, aber die gleichen Orte). Verschieden davon sind die Biisse und das Biisbächji (beide Eisten), die auch zum HL B ISSEN gestellt werden könnten. Das Wort entspricht schwdt. B ī s f., m., B ī se n f., B ī se n m., wdt. Biisa, Bisä, (Goms), Bissa (Lötschtal), Biisu f. ‘ schneidend kalter, trockener, aufhellender Wind, und zwar der Nord- oder Nordostwind, auch Nordwestwind, Ostwind; ( … ) heftiger Wind, der Regen und Schnee bringt ’ , übertragen ‘ Schnee, Schneegestöber ’ , im Wallis auch B ī si n. = B ī snäbel ‘ dichter Nebel, der auf den Bergen oder im Tal dem Boden nach schleicht ’ , ahd. b ī sa, mhd. b ī se f. (I D . 4, 1682 f.; G RICHTING 1998, 37). Biiser Biiser ist nur in Biisertola ‘ die Mulde für das Vieh, das erschreckt davonläuft ’ (Zwischbergen). Das Wegrennen des Viehs wegen Gewittern oder der Belästigung durch Fliegen wird b ī se n genannt (I D . 4, 1684, Bed. 3); die / - ER / - Ableitung Biiser bezeichnet Tiere, die wegrennen; S ON- DEREGGER (1958, 533) nimmt für Appenzell einen FaN Biser an, der dort auch belegt ist; im Oberwallis finden sich jedoch keine Belege für diesen FaN. Bild Bild kommt meistens im Zusammenhang mit einem Bildstock oder einem Heiligenbild an einem Baum vor; selten ist ein nicht-religiöses Bild gemeint (z. B. Kamilsch Bildji (Gampel)), laut Gwp. früher das Bild eines verunfallten Knaben. Das Wort ist zu schwdt., wdt. Bild n., mhd. bilde n., meist in der Bedeutung ‘ Heiligenbild ’ zur Bezeichnung einer Flur, die sich bei einem solchen befindet (I D . 4, 1197 f.; G RICHTING 1998, 37) zu stellen. Das Lemma kommt als Simplex (ts Bild) oder Diminutiv (ts Bildji, ts Bilgi) vor. In Komposita ist es häufiger Bestimmungswort als Grundwort. Mit einem attributiven Adjektiv sind belegt: ts Hibsch Bildj ‘ das schöne kleine Bild (Erinnerung an letzten Wolf) ’ (Hohtenn), ts Leimige Bild ‘ bei dem Bild(stock) aus Lehm ’ (Betten), ts Ober und ts Unner Bild ‘ der obere und der untere Teil des Gebietes Bild ’ (Niedergesteln). Komplexere Belege sind zer Obren Bildschür (1740) und zúr Úndren Bildschir (1747, beide Niedergesteln) und der Ober und der Unner Billibodo ‘ der obere und der untere Billiboden (der Boden beim kleinen Bild) ’ (Mund). Ein vorangestellter Genitiv erscheint in bÿ Fliero Bildt ‘ beim Bild der Leute von der Fluh ’ (1630 u. später, Naters, ev. zum FaN Supersaxo) und ts Kamilsch Bildji ‘ das kleine Bild Kamils ’ (Gampel) (siehe oben). Häufiger sind Genitive vor dem Kompositum Bildtanna, die alle für Birgisch belegt sind: ts Eggersch Bildtanna ‘ die Bildtanne der Familie Egger ’ (Birgisch) (<egger> ist der Beiname einer Familie), Chamsetsisch Bildtanna ‘ die Bildtanne der Familie mit dem Übernamen Chammsetsi (Kammsetzer) ’ (FLNK, Birgisch), ts Läntsch Bildtanna ‘ die Bildtanne des Lenz (= Lorenz) ’ (Birgisch), ts Zeitisch Bildtannu ‘ die Bildtanne der Familie Zeiter ’ (Birgisch). Als Grundwort erscheint das HL in folgenden zweigliedrigen Komposita: zú dem Maúerbildlein ‘ beim klei- 213 214 Bild <?page no="172"?> nen Bild an der Mauer (verhochdeutscht) ’ (Varen), ts Stiigbild ‘ das Bild an der Steige ’ (Wiler). Als Bestimmungswort kann es auch mit Fugen-/ ER / erscheinen. Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind Acher, Biel, Bode, Cheer, Egg(a), Haalta, Hüüs, Läärch, Platz, Schiir, Stadel, Stock, Tanna und Wald. Dazu kommen komplexere Konstruktionen wie in dem Bilder Aker Gr ŭ nd ‘ im Grund beim Bilder-Acker ’ (1851, Brigerbad), die Bilderwasserleÿten ‘ die Wasserleitung, die vom Bereich Bild kommt oder zu ihm führt ’ (1716, Mörel), beÿ dem Tschillbildhaus ‘ beim Bildhaus beim Gebiet Tschill ’ (1760, Naters), beÿ dem Wartflüeier Bildhaús ‘ beim Bildhaus im Gebiet der Wartfluh ’ (1754 u. später, Naters), beÿm Obren Wartflühbildt ‘ beim oberen Bild im Gebiet der Wartfluh ’ (1795, Mund; 1738 ob Warpflierro Obren Bildÿ ‘ beim oberen kleinen Bild der Leute von Wartfluh ’ ). Die Variante Billi (z. B. der Ober Billibodo (Mund)) (ohne -d-) entsteht aus einer Assimilation von Bild+li/ yi. Bilderne Bilderne ist in Mörel belegt, das Gebiet westlich des Dorfes entlang dem Rotten heisst so; die Benennung anderer Fluren bezieht sich darauf. Zu Grunde liegt schwdt. Biler, Bilern, Billeren, Bilder, Bilderen, Bilderne, Bildnerren, Bilger, Bilgeren, Bilgeri, wdt. Bilderna, Bildärnä (Goms), Bildrna (Lötschtal), Bildärnu f. ‘ Zahnfleisch ’ , ahd. bilarn (Pl. bilarna), pilari, mhd. biler(n) (I D . 4, 1169; G RICH- TING 1998, 37), hier übertragen auf das Wiesland entlang dem Fluss. Der historische Beleg von 1738 für Salgesch Blidernen (unklare Lesung, laut M. S. auch Klidernen möglich) ist unklar; M ATHIER (2015) enthält ihn nicht. Bilger Die Deutung der Flurnamen mit Bilger, Pilger ist schwierig, da in den meisten Fällen nicht entschieden werden kann, ob das Appellativ Bilgeri / Bilger ( ‘ Pilger ’ , siehe I D . 4, 1213) oder ein FaN Bilger zu Grunde liegt. Schwierig ist auch das Verhältnis zum FaN Bilgischer (cf. HL B ILGISCHER (F A N)). Die meisten Belege stammen aus Törbel, wo ein einfaches der Bilger ‘ der Pilger (FaN? ) ’ belegt ist, um das herum ein Namennest entstanden ist: in dem Obern Bilger ‘ im oberen Teil des Gebietes Bilger ’ (1869, Törbel; 1869, Stalden), Pilgercheer ‘ die Strassenkehre oberhalb des Gebietes Bilger (FaN? ) ’ (FLNK, Törbel) und Bilgerinsvede (Törbel) ‘ in der Felsweide des Pilgers / der Familie Bilger ’ (1307, Törbel). Simplizia im Singular erscheinen auch in der Pilger ‘ der Pilger (FaN? ) ’ (Stalden; FLNK Pillger) und der Pilger ‘ der Pilger (FaN? ) ’ (Zwischbergen). Als Bestimmungswort erscheint das HL in in den Bilgermatten ‘ in den Wiesen der Familie Bilger / der Pilger ’ (1790, Mörel) und in die Billgertfet ‘ die Felsbänder der Familie Billger(t) ’ (Saas Balen). Der vorangestellte Genitiv di Billgerschmatte (Saas Almagell) ‘ die Wiesen der Familie Bilger ’ meint wohl einen Nutzer oder Besitzer mit dem FaN Bilger. Allerdings ist dieser FaN im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ als Bilger (1, 163) nur in den Kantonen AG und TG heimisch; als Pilger (2, 1417) ist nur eine Familie aus Deutschland erwähnt. Die Ableitung an der Bilgerson ‘ die Flur der Familie Bilger / des Pilgers ’ (1472, Turtmann) entspricht eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung (also Bilgerscha), welche die Flur eines Besitzers kennzeichnet (cf. HL B ILGISCHER (F A N)). Bilgischer (FaN) Der FaN Bilgischer lässt sich vermutlich auf einen Flurnamen Bilgische (Saas-Almagell; FLNK und 1: 10000 Bilgersche) zurückführen, der aber seinerseits wohl eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung zu Bilger (cf. HL B ILGER ) ist; darauf deuten die historischen Belege (1509 Bilgerscha), besonders auch 1472 Bilgerson (Turtmann) hin. Der FaN Bilgischer kommt für eine alte Familie des Saastales (AWWB 32) vor. Belegt sind in Bilgischeren Egerden ‘ im Brachland der Familie Bilgischer ’ (1695, Stalden), in Bilgischero Grundt ‘ im (Tal-)Grund der Familie Bilgischer ’ (1716, Visp) und der Bilgischerwald ‘ der Wald oberhalb der Flur Bilgische / der Familie Bilgischer ’ (Saas-Almagell) . Billig Das Adjektiv billig findet sich nur in Ze Billigu Achru (Visperterminen) ‘ zu den billigen Äckern ’ , hier zu verstehen als wenig wertvoll. Zu schwdt. Adj. billich, billig ‘ billig, in ethischem Sinne; wohlfeil ’ und wdt. Adj. billig ‘ billig, wohlfeil ’ (I D . 4, 1167; G RICHTING 1998, 37), im I D . nicht in FlN belegt und auch sonst nicht. Binder (FaN) B INDER (F A N) ist ein FaN, der als Variante unter I NDERBINEN (AWWB 131) erscheint; es kann sich aber auch um einen Herkunftsnamen zu B IINA handeln. Er kommt als FaN in rund zwanzig Nennungen in unseren Daten in den Gemeinden Ausserberg, Bürchen, Embd, Grächen, St. Niklaus und Zermatt vor. Belegt ist der Name als FaN in B IINNEROBIEL ‘ der Hügel der Familie Binder ’ (Ausserberg; 1706 u. später als IN B INDERO B IELL ), IN B INDERRO V IERTILL ‘ im Viertel der Familie Binder ’ (1615, Grächen), eher als Herkunftsname in IN B Ÿ NDERO G ETHEILLEN W ALT ‘ im Wald der Geteilen von der Biina (Pflanzplatz) ’ (1643, St. Niklaus). In allen Fällen liegt (ursprünglich) ein schwacher Genitiv Plural vor. Bilderne 215 216 <?page no="173"?> Biner (FaN) Biner ist als FaN Inderbinen, Biner (AWWB 131) belegt. Biner kommt im Genitiv in Binersch Liwwi ‘ die Liwwi (Rastplatz) der Familie Biner ’ (FLNK, Grächen) vor; vermutlich ist auch domum Bu ᵕ nigo ‘ das Haus der Familie Biner ’ (1629, Birgisch) mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung hieher zu stellen. Binn Die Gemeinde Binn, dial. Bi, ist eine Streusiedlung im Binntal, einem Seitental, durch das seit alters die Strasse über den früher wichtigen Albrunpass führte. Zentrum ist Schmidigehischere, andere Weiler sind Ze Binne, Wilere, Giesse und Fäld. Diese erkennbar deutschen Namen kontrastieren mit der Überlieferung des Gemeindenamens, der allerdings auch auf die Binna passen könnte, die das Tal entwässert. Der älteste Beleg von 1246 lautet: Jn tota valle de buyn tam in monte quam Jn plano ‘ im ganzen Tal von Binn, sowohl auf dem Berg, wie im Grund ’ . Die Schreibung legt eine Form Bün nahe; die entrundete Form Binn erscheint, wie zu erwarten, erst nach 1500. (Der Beleg 1485 Zen Bunnon bezieht sich auf den Weilernamen Ze Binne; hier ist vermutlich das Lemma Bina (I D . 4, 3121) enthalten und nicht Binn). Die längere Form Bundolo / Bondolo ist sehr häufig mit vallis verbunden. Es scheint sich also um eine Benennung für die Binna und ihr Tal zu handeln. M ÜLLLER (1939 - 46, 218) schlägt vor, Binn zu einem germ. PN wie Binni zu stellen, was schon aus lautlichen Gründen nicht geht. W ERLEN (1991, 244) erwägt eine Ableitung Büntele von Büne/ Bünt ‘ eingezäuntes Grundstück ’ (I D . 4, 3121); das ist aber aus lautlichen, wie morphologischen Gründen nur für Ze Binne möglich. Die Beziehung zwischen den zwei überlieferten Namenformen: Buyn > Bün > Binn und Bondolo / Bundolo ist unklar; die Belege sind für eine sichere Deutung zu jung. Archäologische Funde im Tal seit der Latène-Zeit lassen an sehr alte Namen denken. Eine Ableitung von Bondolo / Bundolo aus Buyn/ Bün (mit welchem Suffix? ) ist nur dann möglich, wenn der überlieferten Form Bün eine ältere *Bun/ Bon zu Grunde liegen würde und sich daraus eine suffigierte Form Bundolo / Bondolo entwickelt haben könnte. Ein Zusammenhang mit dem Lemma Tola (I D . 12, 1676 ff.) ‘ Vertiefung, Loch, Höhle ’ ist eher unwahrscheinlich, weil das Genus nicht übereinstimmt. Bondolo / Bundolo könnte aber auch vom kelt. Stamm *bunda ‘ Grund, Boden ’ abgeleitet sein (cf. Bondo GR); entsprechende rom. Namen bezeichnen Ortschaften, die im Talgrund liegen. Für die Formen vom Typus Buyn / Binn könnte ev. an den Stamm *buina ‘ Baumstrunk ’ (G PSR 2, 637; bei K RISTOL ET AL . 2005 falsch als 627) gedacht werden, der im Wallis in der Bed. ‘ Holzschüssel ’ belegt ist; Geländemulden werden rel. häufig metaphorisch als ‘ Schüssel ’ bezeichnet. Beim gegenwärtigen Forschungsstand bleiben Herkunft und Bedeutung des Namens sehr unsicher (K RISTOL ET AL . 2005, 157). Neben dem Simplex Bi ‘ Binn ’ kommt der Bachname di Binna (Grengiols), t Binna (Binna) und Binna (FLNK, Ernen) vor. Komplexer ist Üsserbi ‘ Ausserbinn ’ (Ausserbinn), ein früherer Gemeindename (heute Ernen) einer Siedlung am Ausgang des Binntales, wozu auch ts Läz Üsserbi ‘ das linke, schattseitige Ausserbinn ’ (Ausserbinn) gehört. Historisch sind hierzu Au ᵕ serbinner Alpen ‘ die Alpen von Ausserbinn ’ (1844, Ernen) und an den Gemeinen Aúserbinner Wald ‘ an den Ausserbinner Wald, der der Gemeinde gehört ’ (1847, Ausserbinn) belegt. Weiter ist historisch (auf Latein) apud interiorem buyn ‘ beim inneren Binn ’ (1320 u. später, Binn) und im Vseren Innerbin ‘ im äusseren Innerbinn ’ (1526, Binn) bezeugt. 1757 erscheint auch jhm Hiendren Binn ‘ im hinteren Binn ’ (Binn). Als Bestimmungswort ist zu unterscheiden zwischen dem Gemeindenamen Bi, das nur mit den Grundwörtern Alpa und Egg(a) erscheint, und dem Gewässernamen Binna, der in Binntal (LT und SK, Binn) und erweitert in Binntalhitta SAC ‘ Binntalhütte SAC (Schutzhütte, SAC Delémont) ’ (FLNK, Binn; LT Binntalhütte) belegt ist. Er kommt auch in Ernen als t Binachra ‘ die Äcker an der Binna ’ , t Binegga ‘ die Ecke im Binntal ’ , dÿ Bungassen ‘ die Gasse zur Binna / nach Binn ’ (1490 u. später; das lebende FLNK Biinegassa (FLNK) bezieht sich wohl auf Ze Binne). Komplexer sind hier Binnacherwald ‘ der Wald bei den Binnäckern ’ (FLNK), Binnacherwäg ‘ der Weg zu den Binnäckern ’ (FLNK) und Biwaudwäg ‘ der Weg zum Binnwald ’ (FLNK). In Ausserbinn ist Binnechi ‘ das Kinn (Schlucht) der Binna ’ (FLNK) belegt. Eine Ableitung auf / - ER / (wohl früherer Genitiv Plural, vgl. S ONDEREGGER 1958, 526 ff.) ist in Binnergale ‘ der Grasrücken der Leute von Binn ’ (Binn) bezeugt. Binna Die Binna entspringt am Fusse des Ofenhorns und fliesst durch das Binntal bei Grengiols in den Rotten. Die historischen Belege für den Fluss überschneiden sich teilweise mit jenen für den Gemeindenamen und den Talnamen. Sicher ist der Fluss bezeugt 1437 aquam bunne ‘ das Wasser der Binna ’ und 1468 supra aquam der bünnen ‘ oberhalb des Wassers der Binna ’ , 1528 wird der Fluss an pinnen ‘ bei der Binna ’ benannt, 1714 Bünna, 1768 Binna. Der Flussname ist - soweit belegt - immer zur Form Bunn / Binn zu stellen und nicht zur Alternativform Bundolo (für das Binntal). Die / - A / -Ableitung für Gewässer ist auch sonst üblich (z. B. Turtmänna, Vispa), wobei 217 218 Binna <?page no="174"?> unklar ist, ob ursprünglich ein alemannisches Suffix / - AHA / oder ein romanisches Suffix / - ONA / oder / - ANA / vorliegt. Naheliegend ist die Annahme, dass der Flussname auf Grund des Siedlungsnamens entstand und nicht umgekehrt; Indiz dafür ist die / - A / -Ableitung. Die Flurnamen, die sich auf die Binna beziehen, sind unter dem HL B INN verzeichnet. In einigen Fällen ist unsicher, ob Binna oder Biina ‘ Pflanzplatz ’ vorliegt. Binternon Binternon ist ein Plural, der 1371 in Glis als in dyn Binternon, 1398 als an den Býntneron, 1496 im Singular als an der Bintternon erscheint. Das / i/ kommt von Anfang an vor, ist also nicht der Entrundung geschuldet. Vermutlich ist es zum lebenden Beleg Pinntäärne zu stellen (cf. HL P INNTÄÄRNE ). Eine Deutung ist nicht möglich. Bintz Historisch ist einmal belegt Bintzbake ‘ dem Binzbach ’ (1306, Eisten). Zu Grunde liegt das in der deutschen Schweiz sonst häufig vorkommende schwdt. Binz, Bins, Binsch m., f., n. ‘ Binse ’ , zunächst verschiedene Arten von J UNCUS , S CIRPUS und C AREX ohne genauere Unterscheidung, aber mit dem gemeinsamen Merkmal des knotenlosen Halmes und des feuchten Standortes, Syn. Riet. Ahd. binuss, mhd. biness, binz m., f. (I D . 4, 1411 f.). Belegt ist Juncus bei W AGNER / L AUBER / G YGAX 5 2014, 1342 ff.; E LEOCHARIS (S CIRPUS ) unter S. 1376 ff. und C AREX unter S. 1382 ff. Biola Biola ‘ Birke ’ ist zu frpr. byòla ‘ bouleau ’ (G PSR 3, 905s.) zu stellen; zur Herleitung siehe G PSR (3, 906) aus galloromanisch betu ᵕ lla (FEW 1, 346). B OSSARD / C HAVAN (2006, 171 s.) führen eine Reihe von Ortsnamen aus der Romandie auf. Das Simplex ist belegt als di Biele ‘ die Birke ’ (Turtmann, FLNK Bielä), wo die ältesten Belege de la biola (1328) haben, aber schon 1356 in dem Buyle - hier wurde offensichtlich das mhd. bühel an Stelle von älterem Biola verwendet. Heute befinden sich am angegebenen Ort Weinberge, sodass sich nichts aussagen lässt. Weiter ist 1306 in Raron belegt Birka siue Biola, also die deutsche und die patois-Form. In Salgesch ist lebend Pjola (auch FLNK) belegt, historisch Biolla, wobei 1494 en la Bioletaz, 1556 eÿ la Bioleta und erst 1639 en la Biolla steht. Der letzte Beleg von ca. 1880 hat Piola. M ATHIER (2015, 73) kennt Pjola. In Unterems ist Biola (1328 u. später) belegt. Albinen hat jn Pjoole ‘ in den Birken ’ , das bei M ATHIEU (2006, 19) als Piolä steht. Diminutive sind belegt als en la Bioleta ‘ im kleinen Birkengebiet ’ (1649 u. später, Varen) und en la Bioleta ‘ im kleinen Birkengebiet ’ (1556, Leuk; 1666 jn der Bioletten, 1696 in die Piolette). Eine Ableitung auf / - EY / (< / - ETUM / ‘ kollektiv ’ ) findet sich in Ergisch als dol Bioley (13. Jh. u. später), zusammen mit jn campo dou bioley ‘ im Feld bei den Birken ’ (1355). 1328 ist von einem clausum suum dol Bioley ‘ sein eingezäuntes Gut bei den Birken ’ die Rede, was 1351 - 1365 wiederholt wird. Eine Umdeutung von HL B IOLA zum HL B IEL I m Plural (wie in Turtmann) ist auch an anderen Orten möglich, aber nicht belegt. Bira Bira ‘ Birne ’ kommt in Flurnamen nur als Bestimmungswort vor. Zu stellen ist es zu schwdt. Bir, B ī r (Pl. B ī re n ), B ĭ re n , seltener B ī re n f., Biri (Pl. Birini) n., wdt. Bira, Birä (Goms), Biru ‘ Birne ’ , mhd. bir, Pl. birn (I D . 4, 1481 ff.; G RICHTING 1998, 37). Am häufigsten ist belegt Birböum ‘ Birnbaum ’ , vereinzelt auch Biracher ‘ Birnacker ’ , wohl vereinfacht aus Birböumacher ‘ Birnbaumacker ’ . Biracker kann aber auch zu Birchacher gestellt werden, je nach Kontext. Nur einmal erscheint Birnmatte ‘ die Birnwiese ’ (1839, Unterems). Vermutlich ist das Pieren Ackerli ‘ der kleine Birnacker ’ (1793, Termen) auch zu Bira zu stellen. Bircha Der Baumname Bircha ‘ Birke ’ tritt als Simplex Birch n. mit der Bedeutung ‘ Birkengehölz ’ , aber auch als Bircha ‘ Birke ’ im Sg. oder Pl. auf. Beide sind zu schwdt. Birch m., f., wdt. Bircha, Birchä (Goms), Birchu f. ‘ Birke ’ ‘ Birke, Bet. alba. ’ , in den Birchen, Bilchen ‘ im Birkenwald ’ , Birch n. ‘ Birkengehölz ’ , ahd. bir(i)cha, mhd. birche, birke, Ableitungen: Birchi n., Bircheren, Bircher FaN (I D . 4, 1536 f.; G RICHTING 1998, 37) zu stellen. Zum Gemeindenamen vgl. G ATTLEN (2007). Neben den beiden Simplexformen kommen Plurale (di Birche, die Bircha) vor. Diminutiv ist Birchji; mit dem Stellensuffix / - I / erscheint Birchi, n., Pl. Birchini (wohl aus / - AHI / vgl. S ONDEREGGER 1958, 466 ff.). Birchner ist eine Zugehörigkeitsableitung zum ON Bürchen. Vereinzelt ist Bircheren (Fiesch) ‘ wo es viele Birken hat ’ , eine / - ERRA / -Ableitung (vgl. S ONDEREGGER 1958, 471). Belege mit erhaltenem -üsind entweder historisch oder verhochdeutscht. Als Bestimmungswort ist Birchsehr häufig (Birchacher, Birchmatta), als Grundwort meist mit Orts- oder Eigenschaftsangaben (z. B. Ober Birch (Randa), Zer Nassu Birchu (Visperterminen)). Birgisch Birgisch ist der Name einer heute zu Naters gehörenden Gemeinde in Hanglage um 1100 m herum. Wie beim Binternon 219 220 <?page no="175"?> Gemeindenamen Birgisch ausgeführt, ist die Deutung unklar. Die ältesten Belege weisen alle den Typ Burg- (u)ise auf, mit einem stummen (u), das zur Kennzeichnung des Konsonanten / g/ verwendet wurde. Die Entwicklung lief über Burgise > Bürgise > Birgisch. Zu vermuten ist ein Etymon Burg ‘ Weiler ’ mit einer wohl diminutiven Ableitungssilbe ‘ der kleine Weiler ’ ; wohl der Name der Hauptsiedlung des Dorfes mit mehreren Kleinsiedlungen. Neben dem Gemeindenamen sind Oberbirgisch und - nur historisch 1718 - de inferiori Birgisch ‘ vom unteren Birgisch ’ belegt. Als attributives Adjektiv (wohl älterer Genitiv Plural) erscheint in den Birgischer Driesten ‘ im unfruchtbaren Gebiet der Gemeinde Birgisch ’ (1778 u. 1780, Birgisch) und Birgischerwald, der historisch als ad sÿluestria Birgischero (1640) ‘ beim Wald der Leute von Birgisch ’ und 1880 als im Birgischerwald erscheint. Als Bestimmungswort ist Birgisch noch einmal belegt in Birgischwald; hinzu kommen an die Birgis Flúo ‘ an die Fluh bei Birgisch ’ (1714, Birgisch) und Birgischgrat ‘ der Grat oberhalb von Birgisch ’ (zwischen Nesselalp und Gredetschtal). Nichts mit Birgisch zu tun hat der FaN Bilgischer (AWWB 32) des Saastales (cf. HL B ILGISCHER (F A N)). Biri Biri ‘ Last, Gewicht ’ (G RICHTING 1998, 38) ist wohl zum Verb bire, birrn, biru ‘ heben ’ (G RICHTING 1998, 37) zu stellen, also ‘ das, was gehoben wird ’ . I D . (4, 1533) kennt es als B ǚ ri ‘ Bewegung (in die Höhe) ’ und das Verb als b ǚ ren II ‘ eine Last (empor) heben ’ (I D . 4, 1532). Der klarste Beleg ist t Steibiri ‘ der Ort, wo man Steine aufhob ’ (Törbel). Der historische Beleg von 1675 in Guttet auff der Bÿri ‘ auf der Aufladestelle ’ ist der Wohnort eines Joannes Meichtri und bezieht sich vermutlich auf das gleiche HL. Birlaz Birlaz ist nur in Salgesch und nur historisch belegt: de la Birlaz (1580, Salgesch; 1618 es Bÿrlez) und jn presijs de la Birlaz (1520; 1564 jn presys de la Bierla). FEW (1, 338) verweist unter berula ‘ Brunnenkresse ’ auf dieses Lemma. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 881 s. N ASTURTUM OFFICI- NALE ) zeigen, dass die Pflanze auch im Wallis vorkommt. Falls diese Herleitung stimmt, ist ein Gebiet mit Brunnenkresse gemeint. Ein PN, wie er bei Presis (oder Preisen) häufig vorkommt, ist kaum im Spiel, da alle Belege einen Plural zeigen. Birmji Birmji, auch Birmi, ist belegt im Plural Birmini (Binn, mehrfach) und Birmjini (Betten). Mit attributivem Adjektiv ist t Wiisse Birmini (Grengiols) bezeugt; als Komposita di Täälbirmini (Grengiols) und der Singular ts Stutzbirmji (Fieschertal). Weder I D ., noch G RICHTING (1998) kennen das Wort. Am nächstem kommt dem Diminutiv Birmji das frz. Lehnwort Bërm(e(n)) f. (hier: ) ‘ Abhang ’ (I D . 4, 1596), dessen / e/ durch das folgende Diminutivsuffix / - JI / zu / - I / gehoben werden kann. In den Deutungen wird ‘ kleiner Abhang ’ gegeben, ohne dass dies sicher wäre. Ein Zusammenhang mit dem HL B IRMON ist unklar. Birmon Birmon ist in Termen 1388 als an dien Birmon Achren belegt. In Visperterminen gibt es ein lebendes ts Birrmoland, das 1577 als vffem Birmen Landtt und 1600 an das Birman Landt vorkommt. Der Beleg aus Termen kann zu einem assimilierten Birn+Boum -> Birmom -> Birmon gestellt werden; dann ist der Beleg mit di Birböümachra (Termen) identisch. Den Beleg aus Visperterminen stellt W IPF (1910, 110) zu frz. berme ‘ Absatz ’ , was zum HL B IRMJI passen würde. Z IMMERMANN (1968) kennt den Namen nicht. Ein PN Birmo kommt zwar in Frage, ist aber nicht belegt. Insgesamt bleibt die Deutung in beiden Fällen unsicher. Bischof Bischof ist in den Namen nur als Bestimmungswort belegt. Es ist zu schwdt. Bischof m. wie nhd. ‘ Bischof ’ (I D 4, 1762) zu stellen. Fünf Mal ist das Kompositum Bischofchappa / Bischofchappu (cf. auch HL C HAPPA ) ‘ Bischofskappe, Mitra ’ belegt; es bezeichnet die Form eines Geländes oder eines Waldes, die an eine Mitra erinnert. Bischofsbärg ist der frühere Name von Ausserberg, latinisiert als Mons Episcopi. Woher die Benennung stammt, ist unklar, ebenso in den weiteren Komposita - denkbar sind Besitzungen des Bischofs, der ja formell Landesherr war. Bischof kann aber auch ein Personen- oder Übername sein; das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 171 f.) kennt unter Bischof und Bischoff FaNN aus der ganzen Schweiz; die zweimal erwähnten FaNN aus Blatten (VS) und Salgesch sind aber sehr spät. Bischong Bischong ist nur belegt in Glübischong (Albinen), bei M ATHIEU (2006, 39) als Gglübischong; auf S. 10 ist der Name zu lat. CLAUSU , frz. clos gestellt, aber ohne Deutung von Bischong. Vermutlich ist damit ein Personenname Bichon oder ähnlich gemeint, dem ein Glüü ‘ eingefriedetes Gut ’ (cf. HL C LOU ) gehörte. 221 222 Bischong <?page no="176"?> Bischtina Bischtina ist als di Bischtina der Name einer Alpweidenmulde auf dem Simplon. Historisch ist sie 1470 u. später in Visperterminen als an der Bistinun, später Bistinon belegt; vermutlich ist hier der Bach gemeint. der Bischtinupass (Simplon, Visperterminen) führt von der Bischtina hinüber ins Nanztal. J ORDAN (2006, 36 ff.) kennt Bischtina, Bischtinuhaalte, Obri und Undri Bischtinubedu, Bischtinupass, Bischtinuboort und Bischtinutréjio, alle Simplon. Die übrigen Belege enthalten die Kurzform Bischti: der Bischtibach ‘ der Bach, der vom Bistinenpass hinunter in die Gamsa fliesst ’ (Visperterminen; LT Bistibach), di Bischtihaalte ‘ die Halde in der Bistina ’ (Simplon, FLNK Bistinuhalte), di Bischtimatte ‘ die Wiesen im Gebiet des Bistibaches ’ (Visperterminen; LT Bistimatte), der Bischtistafol ‘ der Stafel der Alp Bischtina ’ (Visperterminen; LT Bististafel, SK Mittler und Unter Bististafel), der Bischtistutz ‘ die steil ansteigende Stelle unterhalb des Bischtistafel ’ (Visperterminen). Vermutlich ist es di Bischtina, die dem Gebiet den Namen gibt, wobei in Visperterminen der Bistibach wohl den Namen weitergibt. I D . (4, 1795) kennt aus Alagna (G IORDANO ) Bistjine n ‘ grosser Wegerich, Plant[ago] major ’ . Die Pflanze kommt in der ganzen Schweiz inklusive Alpen vor (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 864), der Name ist aber nur in Alagna bekannt. Da sich sonst aber kein unmittelbarer Anschluss ergibt, wird angenommen, dass Bischtina ‘ das Gebiet mit (grossem) Wegerich ’ meint. Schwdt. B ī st ‘ stöhnender Atemzug ’ und das zugehörige Verb bîste n , wdt. piischte, piischtä (Goms), biischtä (Lötschental), piischtu ‘ keuchen, seufzen, klagen ’ (I D . 4, 194) kommen wegen dem langen, geschlossenen / i: / nicht in Frage und wären auch inhaltlich schwer zu deuten. Bischtun Bischtun ist als ts Bischtun (Leuk) notiert, das auch Planta heisse. FLNK und LT haben Bischtum. Letzteres ist sicher mit Bezug auf das Bischofsschloss zu sehen, als Besitz des Bischofs (oder ähnlich). Laut K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 127) ist das Wort Bischofstum im Mhd. als bis(ch)tuom belegt. Zu vermuten ist, dass es sich um ein Besitztum des Bischofs handelt und damit um einen deutschen Namen. Frz. évêque (G PSR 6, 968 s.) ist nicht belegt. Biss Biss ‘ Wasserleitung, Suon ’ ist zu frpr. bisse ‘ Bach, Wasserlauf ’ zu stellen, das seinerseits zu einem aus dem keltischen * BEDU entwickelten afrz. biez zu stellen ist (T AGMANN 1946, 5 ff.; FEW 1, 312/ 313; G PSR 2, 387 s. v. bief). Eine Art von doppeltem Diminutiv bietet Bissetji ‘ die kleine Wasserleitung ’ (Salgesch, s. auch M ATHIER 2015, 64), das zum Stamm Biss zunächst eine rom. / - ITTA / - Ableitung und danach eine deutsche Ableitung auf / - LI / (palatalisiert zu / -ji/ ) hat. Die meisten Belege enthalten Biss als Grundwort, so t Bismerting (FLNK Bismarting) ‘ die Wasserleitung des Martin ’ (1346 aqueductum dou Martini). In Varen ist 1664 Maimbys und 1721 Mengbis belegt; nach T AGMANN (Ms., 62 f.) ist Mängis oder Mengis (Salgesch) gleichfalls als *mei ŋ < lat. MEDIANU - ‘ mittel ’ und bisse zu erklären, also die mittlere Wasserleitung (s. auch M ATHIER 2015, 42 f.). Die Stellung des Adjektivs vor dem Bezugsnomen ist nach T AGMANN zwar selten, aber nicht unbelegt. Anders hingegen hat ein Beleg aus Albinen von 1783 Bis nove ‘ die neue Wasserleitung ’ . Schwierig zu erklären bleibt ebenfalls in Albinen en Riwa Bÿs (1650), in Riua Bÿs (1703), etwa ‘ am Rand der Wasserleitung ’ (mit Riwa < lat. RIPA ; cf. HL R IVA ). Bissagga Nur einmal kommt in Visperterminen vor Bissagga zu wdt. Bís ă gge n , Bíss ă gge n f. ‘ Strohsack, Strohmatratze ’ (I D . 4, 1700; G RICHTING 1998, 38) - ebenes Gelände, das an eine Bissagga erinnert; das Wort ist wohl aus dem Französischen (bissac) entlehnt (s. auch C. S CHMID 1969, 72). Bissen Nur einmal ist historisch belegt Bissen (Zwischbergen) zu schwdt. Bisse m., f., Pl. Bissi, Dim. Bissli, Bissji ‘ Holz- (seltener Eisen-) Keil, zumeist zum Spalten von Holz, auch Steinen usw., dann häufig zum Verkeilen ’ , Bisse n f. ‘ keilförmiges Stück; von Brot und Käse, auch grösseres Stück überhaupt ’ , mhd. bi ββ e m. ‘ Keil ’ , in Ortsnamen zur Bezeichnung keilförmiger Vertiefungen (I D . 4, 1696ff, Z INSLI 1984, 417, n. 24). Bister Bister n. ist der Name der Gemeinde Bister, tritt aber als Bisterli auch in Mörel und Ried-Mörel auf. Wie K RISTOL ET AL . (2005, 162) ausführen, ist der Gemeindename nicht gedeutet. Die ältesten Formen (1374 in dem Bystur, 1385 in dem Bisture, 1388 in dem Býstore) führen dort zur Deutung aus afrz., afrpr. bestort ‘ krumm ’ (lat. BIS ‘ doppelt ’ und lat. TORTUS ‘ krumm, gewunden ’ ; G PSR 2, 367), was als Benennungsmotiv in FlN (z. B. zur Bezeichnung von Wasserläufen) nicht selten sei, hier aber durch den Realbefund nicht gestützt werde. Deswegen liegt eine Deutung zum Adj. b ī ster ‘ düster, trübe, unfreundlich ’ nahe (siehe I D 4, 1795, schon bei S TALDER 1, 175). Das würde auch die Form Bisterli ‘ das kleine Bister ’ und Bischtina 223 224 <?page no="177"?> ts Ober Bisterli ‘ das obere kleine Bister ’ (Ried-Mörel) als unfreundliche Orte erklären; er befindet sich auf der linken Talseite, die im Winter nicht besonnt ist. Ein Adjektiv tritt mit einer -m-Erweiterung auf: Bistmeren Bachschwerehag ‘ der Zaun beim Bachwehr der Leute von Bister ’ (1753, Bister), der Bischmärchäller ‘ der (Käse-)Keller der Leute von Bister ’ (Bister), t Bischtmeralpa ‘ die Alpe der Geteilen von Bister ’ (Filet), Bischtmer Brachen ‘ das Brachland der Leute von Bister ’ (1753, Filet). Die Form mit / m/ ist ähnlich wie jene in Bättmer zu erklären (vgl. HL B ETTEN ). Als Bestimmungwort erscheint Bister in an der Bistereccon ‘ an der Ecke, die zu Bister gehört ’ (1459 u. später, Bister) und vs dem Bisterwasser ‘ aus dem Bisterwasser (wohl Wasserleitung) ’ (Bister). Bistetter (FaN) Die Bistetterweid ist in Bellwald (FLNK) belegt. Es handelt sich beim Bestimmungwort um den FaN Bistetter. Er ist in der Sammlung A RNOLD des FGA in Brig belegt. Bitnut Bitnut ist in der Datenbank nur 1880 (ca.) als die Bitn ŭ t Wasser F ŭ hr belegt. M ATHIER (2015, 60) kennt sie als Binüt, liest aber den Beleg von 1880 (ca.) anders (Bitnur); einen anderen Beleg aus dem gleichen Jahr zitiert er als Binud. Er verwendet den Namen für den Abschnitt der Tschampichtru-Wasserleitung von deren Fassung bis zum Schiess-Stand des Dorfes. M ATHIER ist der Meinung, dass das Nomen bisse ‘ Wasserleitung ’ und das Adjektiv lat. nova ‘ neu ’ in der Form nu (also: la bisse neuve) dem Namen zu Grunde liegen. Das stimmt mit Bitnut nicht überein. Da der Beleg aber sehr jung ist, kann ein älteres bisse neuve durchaus gemeint sein. Jedenfalls ergibt sich keine bessere Deutung. Bitrich Bitrich ist zwar für zwei Gemeinden (Raron, Ausserberg) belegt; beide benennen aber den gleichen Ort. Das Wort entspricht schwdt. Bütterich, -ech, wdt. Pittrich, Pittrig, -ga m. ‘ Gefäss (für Flüssigkeiten); Ledersack, kleines, rundes, sehr schmales Fässchen, worin Arbeitsleute ihr Getränk mit aufs Feld nahmen ’ , ‘ das dicke, volle Hinterteil der Spinne; beim Geflügel; Bauch und Hinterteil bei Hühnern, Enten und Gänsen ’ , übertragen auf Personen ‘ Schmerbauch, Dickwanst ’ , ahd. butirih, mhd. buterich, büterich m. ‘ Schlauch, Gefäss ’ (I D . 4, 1923 f.; E GLI 1982, 218, 357; G RICHTING 1998, 153). Der Name wird für eine rundliche, fässchenartige Geländeform verwendet; cf. auch HL B IDTRICH . Bitsch Bitsch ist der Name einer kleinen Gemeinde im Bezirk Östlich-Raron (cf. Bitsch bei den Gemeindenamen). Das alte Dorfzentrum befindet sich auf rund 800 m östlich der Massaschlucht. Daneben gibt es ein weiteres Bitsch (heute Bitschji) in Naters auf der westlichen Seite der Massaschlucht auf ca. 1050 m sowie eine Bitschuschlüocht deutlich weiter westlich auf ca. 1250 m, wohl ohne Zusammenhang zu den beiden andern Orten. Ein FaN Bitschi ist ebenfalls belegt, mit einem Schwerpunkt im Bezirk Westlich-Raron (cf. HL B ITSCHIN (F A N)). Die ältesten Belege für das HL sind: 1317 de Byche (Bitsch); 1332 jn dem Byche (Bitsch); 1342 de Butsche (Bitsch) und 1390 de Bu ᵉ sche (Bitsch). Der erste Beleg mit / i/ tritt erst 1526 als Bitzsch auf. Es ist also von einem gerundeten Vokal auszugehen, der erst nach 1500 zu Bitsch entrundet wurde; die konsonantische Endung / t ʃ / kann aus einem stimmhaften romanischen / ʣ / oder / ʤ / entstanden sein. Auch für Naters ist 1412 in dem Butsche belegt. Und auch Bitschuschlüocht hat 1460 jn der Bütschschlucht. BENB (1, 4, 769) führt Bütsch und Varianten auf das lat.-rom. Appellativ PODIUM ‘ Erhöhung, Anhöhe ’ zurück. K RISTOL ET AL . (2005, 162) lehnen diese Deutung (so schon von O ETTLI (1945, 44)) ab und schlagen germ. *b ū sca ‘ Feuerholz ’ , in der Bedeutung ‘ Schindel ’ vor. Dennoch sind Formen wie pudzo von PODIUM durchaus als Vorgänger von Bütsch möglich (FEW 9, 111 ff.), entgegen unserer eigenen Ansicht in W ERLEN (1991, 244). K RISTOL ET AL . argumentieren phonetisch; die hist. Formen weisen auf eine urspr. rom. Form hin, in welcher ein lat [k] vor [a] zu [t š ] (später [ts]) palatalisiert wurde. Wahrscheinlicher Ausgangspunkt ist daher für K RISTOL ET AL . der germ. Stamm *b ū sca ‘ Feuerholz ’ , der als Lehnwort im Galloromanischen verbreitet ist (frz. bûche, frpr. [buts ə ]). Wie in anderen Oberwalliser ON, die auf eine fem. rom. Form zurückgehen, ist in Butsche > Bitsch der Endungsvokal geschwunden. Die Hauptbedeutungen von germ. *b ū sca sind ‘ Grashalm, Strohhalm; Schindel ’ . Von den beiden konkurrierenden Deutungen ist inhaltlich PODIUM ‘ Anhöhe ’ sinnvoller. Lautlich sind aber beide möglich. In Bitschuschlüocht wäre der Auslaut erhalten oder neu eingeführt worden. Zum Gemeindenamen Bitsch gehören die attributiven Adjektivbildungen im Endren Bitsch ‘ im jenseitigen Bitsch ’ (1695, Bitsch) und in Superiori Bütsch ‘ im oberen Bitsch ’ (1509, 1513, 1536 Bitsch). Als Bestimmungswort ist der Name belegt in im Bitschgrabu ‘ im Graben im Gebiet Bitsch ’ (Bitsch) und die Bitschschluocht ‘ die Geländeeinbuchtung von Bitsch ’ (Bitsch). Ein Genitiv Plural findet sich in Bitscherro Kirchweg ‘ der Weg zur Kirche der Leute von Bitsch ’ (Jahr unsicher, Bitsch). Eine Ab- 225 226 Bitsch <?page no="178"?> leitung auf / - ERRI / (für Wasserleiten) ist belegt in uf der Bitscherri ‘ oberhalb der Wasserleite nach Bitsch ’ und ex Obren Bitscherri ‘ aus der oberen Wasserleite nach Bitsch ’ (1609, Bitsch). Zu Ried-Mörel gehören in der Bitschschlucht (1763, Ried-Mörel), Bitschwald ‘ der Wald in Richtung Bitsch ’ (Ried-Mörel) und die Ableitung auf / - ERI / für eine Wasserleite: Bitscheri ‘ die Wasserleite nach Bitsch ’ . Das erstmals 1412 in dem Butsche (Naters) erwähnte Natischer Bitsch heisst heute Bitschji ‘ das kleine Bitsch ’ (auf SK Nat.[ischer] Bitsch). Als attributive Adjektivbildung ist belegt ts Unner Bitschji ‘ der untere Teil des kleinen Bitsch ’ . Als Bestimmungswort erscheint Bitsch in Bitschbodu ‘ der Boden beim Bitschji ’ , weiter Bitscher in Bitschergraagi ‘ (unklar) das Graagi (ev. zum Diminutiv gratgi) beim Bitschji ’ und Bitscherhoru (Felshorn oberhalb Bitschji). Eine / - ERI / -Ableitung für eine Wasserleite ist in die Bitscherij (1750), Ober Bitscheri und Unner Bitscheri enthalten. Zu Bitschji findet sich Bitschjisee ‘ der See beim Bitschji ’ . Nicht geklärt ist der Name Bitschuschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung bei Bitschu ’ (Naters); Bitschu ist sonst nicht belegt. Bitschi (FaN) Der FaN Bitschi (mit den Varianten Bitschi oder Bitschin, Butschin, Bitzin, Buschini, Buchin) gehört einer Familie, die in Unterbäch seit dem 13. Jh. bekannt ist (AWWB 33 f.). Nach ihr heisst ein Weiler di Bitschiga ‘ die Leute des Bitschin ’ (Unterbäch), der historisch auch für Bürchen als Zen Bÿdschigen (1663 u. später) belegt ist. Der FaN ist an verschiedenen Orten als Besitzername von Wiesen und Alpen usw. belegt. Die Form ts Bitschisch ‘ des Bitschis ’ ist häufiger als die / - IG / -Ableitung (Bitschig-), eine Kollektivbildung: Mit einem Genitiv Singular erscheinen ts Bitschisch Alpji ‘ die kleine Alpe der Familie Bitschin ’ (Glis), in Bÿtschis Alpyn ‘ in der kleinen Alpe der Familie Bitschin ’ (1745 u. später, Ergisch), an Bitschiss Boden ‘ am Boden der Familie Bitschin ’ (1716, Bürchen), ts Bitschisch Hubil ‘ der runde Hügel der Familie Bitschin ’ (Steg), Bitschischmatta ‘ die Wiese der Familie Bitschin ’ (FLNK, Birgisch), ts Bitschisch Tirli ‘ der Durchgang der Familie Bitschin ’ (Hohtenn), ts Bitschisch Weidji ‘ die kleine Weide der Familie Bitschin ’ (Ergisch), Bitschisch Stapfen ‘ der Zaunüberstieg der Familie Bitschin ’ (1757, Ausserberg; 1573 Butschinstapfen, 1696 Bitschis Stapffen) und das komplexere Bitschischweidjiwald ‘ der Wald bei der kleinen Weide der Familie Bitschin ’ (Ergisch). Sichere Genitive im Plural haben in Bitschigo Alpÿ ‘ auf der kleinen Alpe der Leute des Bitschin ’ (1742, Turtmann; 1743 Bütschis Alpun), in Bütschingo Mattun ‘ in den Wiesen der Familie Bitschin ’ (1522, Raron; 1713 in den Bitschigmatten), Bitzigerro Hauss ‘ das Haus der Familie Bitschin ’ (1606, Unterbäch); weniger sicher sind vnder der Bidschig Gassen (1654, Unterbäch), wo wohl die Gasse im Bereich des Dorfteils Bitschiga gemeint ist, und di Bitschigmatte ‘ die Wiese der Familie Bitschin ’ (Unterbäch). Bitschibiela ‘ die Hügel der Familie Bitschin ’ (FLNK, Ausserberg) enthält das HL nur als Bestimmungswort. Unsicher ist der Beleg Plaabitscher ‘ das ebene Gebiet der Familie Bitschin ’ (Inden). Plaaist zu lat. PLANU ‘ eben ’ zu stellen; da Bitscher nachgestellt ist, kann es sich nicht um eine deutschen Konstruktion handeln; die Endung / - ER / kann deswegen kaum deutsch sein und rom. / - ER / würde aus / - ARIU ( M )/ herzuleiten sein, das wiederum kaum zum dt. FaN Bitschin passt; eine bessere Deutung steht aber nicht zur Verfügung. Bittel (FaN) Der im Goms weit verbreitete FaN Bittel (NWWB 1, 38) kommt einmal als Bestimmungswort in Bittelegg ‘ die Ecke der Familie Bittel ’ (Betten) vor. Biuinol Biuinol ist nur 1364 in Filet belegt als Stück Land, genannt der Biuinol beim Bach von Gifrisch, also auf der linken Rottenseite. Der Name ist jedoch undurchsichtig. Biven Biven ist nur 1614 von Vercelli aus (Stadt im Piemont) als jm Biventhal (Binn? ) (s. v. B IVENTAU ) belegt. Es handelt sich um ein Testamtent eines Petrus zum Oberhaus (von Bürchen), der seinem Bruder Geld vermacht, um eine Wallfahrt nach dem Ort zu unternehmen, der jm Biventhal ‘ im Bivental (unklar) ’ genannt wird. Im gleichen Testament sind 1614 die beiden Flurnamen di Gibreita (Raron) und tsum Oberhüs (Bürchen) belegt. Eine Deutung von Biven ist nicht möglich; als Wallfahrtsort käme am ehesten der Ort Heiligkreuz im Lengtal (Binn) in Frage, dessen Name aber nie als Biventhal erscheint. Biwak Biwak ist ein aus der Bergsteigersprache stammendes Wort (zu frz. bivouac, urspr. hdt. Bei-Wache), siehe nhd. Biwak n. ‘ (behelfsmässiges) Nachtlager im Freien (von Truppen, Bergsteigern) ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 127). Kommt als Grundwort nur in alpinen Namen vor, häufig im Kontext des SAC (Schweizerischer Alpenclub). Belegt sind: Arben Biwak SAC ‘ die Biwakhütte des SAC oberhalb des Arben-Gletschers ’ (LT, Zermatt), Fusshornbiwak ‘ die Biwakhütte unterhalb der Fusshörner ’ (LT Naters, FLNK Füesshorubiwak), Laggiinbiwak ‘ die Biwakhütte oberhalb des Laggintales ’ (Simplon, LT Lag- Bitschi (FaN) 227 228 <?page no="179"?> gin Biwak SAC), Lonza Biwouack ‘ die (2001 durch Lawine zerstörte) Biwakhütte am Fuss des Zmuttgrates, wohl durch Firma Lonza gestiftet ’ (Zermatt), Mittelaletschbiwak ‘ die Biwak-Hütte des SAC oberhalb des Mittelaletschgletschers ’ (Betten, LT und FLNK), Biwak de Zen ‘ die Biwakhütte unterhalb der Senggchuppa (auch Fletschornbiwak genannt), benannt nach dem Alpinisten Piero de Zen ’ (Simplon), Biwak Schalijoch SAC ‘ die Biwakhütte des SAC auf dem Schalijoch unterhalb des Weisshorn ’ (Randa, LT, SK und FLNK) und Stockhornbiwak SAC ‘ die Biwakhütte des SAC unterhalb des Stockhorns (Gemeinde Baltschieder) ’ (LT Baltschieder, FLNK Stockhorubiwak). Biz Bei den Namen mit Biz lassen sich zwei Ansätze unterscheiden: Bitz m. ‘ kleines Stück Land ’ zu schwdt. Bitz, Bitze n m., Dim. Bitz(e)li ‘ abgebissenes Stück; kleines Stück; ( … ), Abschnitt von Grundstücken, Wegstrecken ’ , wdt. Bizz ‘ Bissen ’ (I D . 4, 1987 ff.; für das Wallis E GLI 1982, 70 und G RICHTING 1998, 38)) und Bitzi f. zu schwdt. Bitzi f. ‘ Einschlag zur Anlegung von Kulturen auf dem sonst als Stoppelweide dienenden Brachfeld ’ , ahd. bíz ū ni n., bíz ū nna f., mhd. biz ū ne, biziune n. ‘ umzäuntes Grundstück ’ , daraus mit Reduktion des zweiten Kompositionsgliedes zunächst etwa *bizine, -ene, woran sich die analogische Neubildung eines Nom. Bitzi schloss, daraus abgeleitet auch FaN (Bitzi, Inderbitzin, Bitziner) (I D . 4, 1993 f.), cf. auch HL B IZINA . Das Simplex ist nur als am Bitz ‘ das kleine Stück Land ’ (Zermatt) und im Bitz ‘ im kleinen Stück Land ’ (1701, Ried-Brig) belegt; die Plurale sind häufiger: di Bitze ‘ die kleinen Stücke Land ’ (Randa), di Bize ‘ die kleinen Stücke Land ’ (Goppisberg, Naters) und mehrere historische Belege (1842, Turtmann; 1570 u. später, Mörel; 1554, Filet). Mit attributiven Adjekten sind belegt: Obru Bitze ‘ der obere Teil des Bereichs Bitze (kleine Stücke Land) ’ (FLNK, Naters), t Undru Bitze ‘ der untere Teil der Bitze (kleine Stücke Land) ’ (Naters, auch FLNK) und in den Unteren Bitzen ‘ in den unteren kleinen Stücken Land ’ (1808, Filet). Mit vorangestelltem Genitiv erscheinen Almagälleru Biz ‘ das kleine Stück Alp der Leute von Almagell ’ (Saas- Almagell), der Gruneru Biz ‘ das kleine Stück Alpe der Leute von Saas-Grund ’ (Saas-Almagell), Thomas Bizgi ‘ das kleine Stück Land des Thomas (PN) / der Familie Thomen ’ (1735, Visperterminen). Kein Genitiv liegt vor in der Massonibiz ‘ das kleine Stück Land der Familie Massoni ’ (Baltschieder). Als Grundwort erscheint das HL in folgenden Belegen: t Eierbize ‘ die kleinen Stück Land der Familie Eyer ’ (Naters) Als Bestimmungswort ist das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita belegt: Balma, Bodu, Brunnu, Flüö, Matta und Torre. Komplexere Formen sind ts Bizbrunnutäli ‘ das kleine Tal im Bereich Bizbrunnu (Quellen / Brunnen der Bize) ’ (Saas-Almagell), Ober Bitzibodo ‘ der obere Teil des Bodens im Bereich Bitzi (Einschlag) ’ (FLNK, Ausserberg), t Innru und t Üssru Bizbrune ‘ der innere und der äussere Teil des Gebietes Bizbrune (Quellen / Brunnen der Bitze (kleine Stücke der Alp)) ’ (Saas-Almagell). Bizina In Visperterminen gibt es eine Bizina, zu der es ein Namennest gibt. Der Name lässt sich am ehesten zur Ausgangsform des schwdt. Bitzi f. ‘ Einschlag zur Anlegung von Kulturen auf dem sonst als Stoppelweide dienenden Brachfeld ’ , ahd. bíz ū ni n., bíz ū nna f., mhd. biz ū ne, biziune n. ‘ umzäuntes Grundstück ’ , daraus mit Reduktion des zweiten Kompositionsgliedes zunächst etwa *bizine, -ene stellen, woran sich die analogische Neubildung eines Nomens Bitzi schloss (I D . 4, 1993 f.), cf. auch das HL B IZ . Bjetz Bjetz ist nur 1560 als jm Bjetzboden (Ergisch) belegt. Das Bestimmungswort Bjetz kann zu frz. bief (G PSR 2, 387 ss.) ‘ Kanal, Fluss, Bach ’ ) gestellt werden, dem es historisch entspricht (vgl. hist. Belege zu biez und bieyz in G PSR ). Der Flurname würde dann aus einem älteren frpr. Bestimmungswort und dem dt. Boden bestehen und meint dann etwa den Bachboden. Bla(g)jini Bla(g)jni ist nur einmal in Brigerbad als di Bla(g)jini belegt. Es handelt sich um einen Diminutiv Plural zu Blatta (cf. HL B LATTA ), der sonst als Blattjini belegt ist. Die Entwicklung von / t/ zu / g/ vor / j/ ist üblich. ‘ die kleinen Felsplatten ’ entspricht dem Namen am Südhang von Brigerbad. Blaasa Die zum Verb blaase gehörenden Namen sind entweder endungslose Simplizia (Blaas), meist als Bestimmungswörter, oder Ableitungen wie Blaasa f., Blaase m., Blaasi n. Sie sind zu schwdt. blâse n ‘ blasen, (vom Winde) wehen ’ bzw. schwdt. Bl ā s m. ‘ einmaliges Blasen mit dem Munde, Hauch, Atem; Windhauch ’ , mhd. bl ā s m. (I D . 5, 141, 142 ff.) zu stellen. Die wenigen Belege zu Blaascht sind unter dem HL B LAASCHT behandelt. 229 230 Blaasa <?page no="180"?> Das Simplex ist belegt als di Blaasa ‘ der Ort, wo es viel windet ’ (Bitsch) und der Blaase ‘ die Alpe, auf der es viel windet ’ (Oberwald, Ulrichen), an Blasen ‘ auf der Alpe Blasen (wo es viel windet) ’ (1463, Münster), an Blason ‘ auf der Alpe Blasen (wo es viel windet) ’ (1570, Ernen), uf der Blaasu ‘ auf dem Ort, wo es viel windet ’ (Saas-Grund). Der Genusunterschied mask. / fem. scheint regional bestimmt zu sein (Goms vs. westliche Bezirke). Ein Diminutiv im Singular ist ts Blaasi ‘ der Ort, wo es viel windet ’ (Eisten, (zweimal), Mund, Täsch). Mit attributiven Adjektiven finden sich t Heeju Blaasini ‘ der hohe Felsrücken, auf dem es viel windet ’ (Embd) und Ober Blasji ‘ der obere Teil des kleinen Blaasi (wo es viel windet) ’ (FLNK, Täsch). Als Grundwort kommt das HL nur einmal vor: Wintblasa ‘ der Ort, wo der Wind bläst ’ (1356, Ried-Mörel). Einen ursprünglichen Genitiv Plural auf / - ER / der Bewohner (S ONDEREGGER 1958, 526) findet man in Üerlicher Blase ‘ der Teil des Blasen, der zu Ulrichen gehört ’ (FLNK, Ulrichen; LT Üerlicherblase, SK Ulricher Blas Alp). Als Bestimmungswort tritt das HL in seinen verschiedenen Formen mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita auf: Äbi, Acher, Alpa, Bach, Biel, Blatta, Bodu, Egg(a), Flüö, Gletscher, Hooru, Matta, Stafel und Wald. Komplexer sind Vnder Blasswaldt und Ober Blasswaldt (1603, Münster), Oberwalderblase ‘ der Teil des Blasen, der zu Oberwald gehört ’ (Oberwald), Blasbalgwäg ‘ der Weg der einem Blasbalg gleicht / der zum Blasbalg führt ’ (1794, Raron), Blasbielrüüs ‘ der kleine Bach im Bereich des Blasbiel (Hügel mit viel Wind) ’ (FLNK, Raron), Blasbodutunnel ‘ der (BLS-)Tunnel im Bereich des Blasboden (Boden, wo es viel windet) ’ (FLNK Raron; FLNK Niedergesteln; LT Blasbodetunnel), Blaaseggewald ‘ der Wald bei der Blasegga (Ecke, wo es viel windet) ’ (FLNK, Fiesch). P H . K ALBERMATTER (p. c.) gibt zusätzlich zu den bekannten Belegen 1487 am Blaspuel ‘ am Blashügel (Hügel, wo es viel windet) ’ (KapA Sitten, Min. B 53, p. 44, Raron) an. Unklar ist der Blasÿ Acker ‘ der Acker des Blasi (Blasius) / wo es viel windet ’ (1746, Simplon), wo sowohl ein PN Blasius wie der blasende Wind gemeint sein kann. Blaasch Blaasch ist nur als der Blaaschtbiel (Raron, FLNK und LT Blasbiel) belegt. Historisch ist der älteste Beleg an dem Blanspuele (1302) (Nr. 47765). Hier überrascht das / n/ , das zu diesem Zeitpunkt noch nicht als hyperkorrekte Form auf Grund des n-Schwundes vor Reibelaut (Staubsches Gesetz) betrachtet werden kann; diese Entwicklung ist erst um 1500 sichtbar (cf. HL B LAASA ). Spätere Belege haben Blasbiell (1592), Blaspiell (1697) und erst 1757 Blaschbiell. Die älteste historische Form liesse sich zum Nomen Pl ā n ‘ freier Platz, Ebene ’ (I D . 5, 104) stellen, das später zum Verb blâsen ‘ blasen ’ (I D . 5, 141 ff.) gestellt und ab 1875 mit der Entwicklung s > š zu Blaasch wurde. Das / t/ im der heutigen Form stammt dann als Übergangslaut zwischen / š / und / b/ . Alternativ wäre allerdings auch das wdt. Nomen Blaascht ‘ Puste ’ (G RICHTING 1998, 38) anzunehmen. Möglich ist aber auch der FaN Blantschen (AWWB 35), der für Ausserberg bezeugt ist. In jedem Fall ist die Deutung alternativ ‘ der Hügel mit viel Wind / der Hügel der Familie Blantschen ’ . Blaater Blaater ist nur belegt in ts Blaaterloch (FLNK, Betten). Die Vokalquantität legt als Lemma schwdt. Blâtere n f. ‘ Blase (auf der Haut) ’ und wdt. Blaatra, Blaatru ‘ Blase, Beule, Gesellschaft ’ (I D . 5, 203; G RICHTING 1998, 38; dritte Deutung nicht einschlägig) nahe. Der Name tritt im Zusammenhang mit Skipisten und Kletterfelsen auf - es scheint sich um ein Loch zu handeln, dessen Bewältigung Hautblasen erzeugt. Diese Deutung ist allerdings sehr unsicher. Blachten Blachten ist zu schwdt. Blacke n , Blagge n , Placke n , Plagge n , Blackte n , Blaggte n , Blachte n , wdt. Blakka, Blachtä (Goms), Blakku f. (meist geschlechtsloser Pl.) ‘ jedes Pflanzenblatt; grosses, breites, mastiges Pflanzenblatt (nicht von Baum- oder Blumenblättern); grosse Unkrautblätter im Allgemeinen; von Huflattich, Ampfer, Pestilenzwurz ’ (auch im Wallis bezeugt) zu stellen. Die Blacken wuchern bes. in dem fetten Grunde um die Bergställe herum, die Blätter werden zerhackt und dienen für die Schweinemast, ahd. *blatacha, bleticha, bletacha, mhd. blat(e)che, blet(e)che (I D . 5, 54 f.; BENB 1, 4, 360; G RICHTING 1998, 38). Belegt ist zweimal das neutrale ts Black ‘ der Ort, wo Blacken wachsen ’ (Eischoll, Naters). Das Simplex im Plural ist ts Blackä ‘ die Blacken (wo Blacken wachsen) ’ (Blatten, Ferden) und Blackä ‘ der Ort (auf der Alpe), wo Blacken wachsen ’ (FLNK, Agarn), sowie di Blacke ‘ der Ort, wo Blacken wachsen ’ (Leuk). Daneben gibt es Diminutive wie Blackji ‘ das kleine Gebiet, wo Blacken wachsen ’ (FLNK, Eischoll) und Plächti ‘ das kleine Gebiet, Blacken wachsen ’ (Varen). Eine Ableitung auf / - ERNA / - ERA / (Stellenbezeichnung: ‘ wo es Blacken hat ’ ) ist in di Blackerna ‘ Dorfteil von Törbel: wo Blacken wachsen ’ (Törbel), di Blacknera ‘ der Ort, wo Blacken wachsen ’ (Ried-Mörel), di Blechterna ‘ der Ort, wo Blacken wachsen ’ (1777, Simplon) und dazu einem Diminutiv ts Blackerli ‘ das kleine Gebiet, wo Blacken wachsen ’ (Saas- Almagell) belegt. Das Lemma erscheint auch als Bestimmungswort (Black-, Blackä-, Blacki-) mit den Grundwörtern Balma, Blaasch 231 232 <?page no="181"?> Biel, Bodu, Grabu, Schleif, Stuck, Tschugge und Wald. Mit Adjektiven sind belegt der Ober Placki Boden ‘ der obere Teil des Bodens, wo Blacken wachsen ’ (1531, Ernen), der Ober vnd der Vnder Placki Boden ‘ der obere und der untere Teil des Bodens, wo Blacken wachsen ’ (1530 und 1531, Binn). Das Kompositum Sandblacke in der Sandblackuschleif ‘ der (Holz-)Schleif, wo Sandblacken (Huflattich, T USSI- LAGO FARFARA ) wachsen ’ (Gampel) wird für die Blätter des Huflattich (T USSILAGO FARFARA ) verwendet (siehe M ARZELL Bd. 3, 857 ff. und L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1114). Blädren Das nur einmal vorkommende Bleder (historisch Blaedren) (Gampel, FLNK Bledär) lässt sich vermutlich auf schwdt. Bläder m. ‘ Pfluder ’ , Bläder m. ‘ fladenförmig ausgebreitete weiche Masse, i. S. v. Strassenkot ’ (I D . 5, 16 f.) zurückführen. Das Namenmotiv ist unklar - es handelt sich heute um unbebautes und unbesiedeltes Land, das wohl weich und rutschig war; direkt darunter befindet sich das Gebiet Rufine (also Rutschgebiet). Die Deutung enthält darum ‘ das kotige, weiche, rutschige Gebiet ’ , auch wenn ein Teil dieses Gebietes felsig war. Das Register spricht von Etzweide, also einem Gebiet, auf dem wohl Schmalvieh geäzt wurde. Blafischier Blafischier ist nur als jm Blafischier ‘ auf der Ebene des Hirten ’ (1714, Leukerbad) belegt; bei Z IMMERLI (1899, 66) erscheint es als Plawitschier, ohne Deutung; er gibt auch (S. 68) ein historisches Plangwaschier (1551), das bei uns 1358 als in plano Wachyer und 1369 als in plano Wachier bezeugt ist. Ein lebender Beleg ist nur für Inden als Plaabitscher belegt, aber ohne historische Grundlage; die Flur liegt allerdings im Süden von Inden und kann kaum zu Leukerbad gehören. Vermutlich handelt es sich in allen Fällen um eine Verbindung von bla / pla (< lat. PLANU ‘ eben ’ ) und einem zweiten Teil. Dieser zweite Bestandteil scheint in Leukerbad zunächst als Wachyer, das von uns zu frz. vachier ‘ Hirte ’ (FEW 14, 97 s. v. vacca kuh, bes. S. 99) gestellt wurde, belegt zu sein; später wird der Name offensichtlich verändert. In Turtmann ist weiter 1683 in der Fischieren bezeugt, das dort eventuell zu Fischi ‘ Hohlmass für Getreide ’ gestellt wird. Blag Blag ist zu schwdt. Bl ă g ‘ Tierleiche, Aas; kränkelndes Tier; verächtliche Bezeichnung für Tier und Mensch ’ und wdt. Blagg n. ‘ Spitzbube, Sache (minderwertig) ’ (I D . 5,35; R ÜBEL 1950, 31; G RICHTING 1998, 38) zu stellen. Nach I D . und G RICHTING kann auch etwas Minderwertiges, Geringes gemeint sein; bei den Flurnamen steht diese Deutung im Vordergrund. Im Allgemeinen erscheint Blag nur als Bestimmungswort in Komposita zu den Grundwörtern Biel, Eie, Haalta und Zug. Komplexere Formen sind der Ober und der Unner Blaggwang ‘ der obere und der untere Teil des minderwertigen Grasabhangs ’ (Blagg könnte aber hier auch zu Blatta ‘ die Felsplatte ’ gehören; die Deutung wäre dann ‘ der obere und der untere Teil des Grasabhangs in der Felsplatte ’ ). Die / - ER / -Ableitung Blager und das Kompositum Blagerbodo sind nur in Embd belegt. Der Beleg ts Plegerwaldji ‘ der kleine Wald, wo Tierleichen begraben wurden ’ (Glis) ist als / - ER / -Ableitung zu Bläger (I D . 5, 37 f.) zu stellen, wobei die Deutung unklar ist. Eine sonst nicht belegte / - ERRA / -Ableitung findet sind in inne Blagerru (Raron) ‘ im minderwertigen Gebiet ’ (wörtlich ‘ in den Schlechten ’ ) mit den Komposita di Blagerruleesser und di Blagerruwageleisa (beide Raron); sie bezeichnen Güter und Weg in den Blagerru. Ebenfalls hierzu zu stellen sind t Obru und t Undru Blagerre ‘ der obere und der untere Teil des minderwertigen Gebietes ’ ). Einige Belege mit Blagsind wohl zu Blattzu stellen (siehe oben), mit Assimilation des Dentals zum Velar (Blatt+ji -> Blaggji / Blaggi). Blancheres Blancheres ist in Leuk belegt: 1277 als Blancheret, 1328 (mehrfach) als Blancheres. In beiden Fällen handelt es sich um einen Weinberg. Laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 59) ist der Name zu Planche ‘ [t]errain plat ou de faible pente, de forme régulière, plus long que large; terre de bonne qualité, prés gras ’ [ebenes oder leicht geneigtes Gelände, in gleichmässiger Form, länger als breit, Erde mit guter Qualität und fettes Gras] zu stellen. B OSSARD / C HAVAN (2006) führen es auf griech. phalanx ‘ Balken ’ zurück. In Planchère sehen sie eine Ableitung. G. P ANNA- TIER (p. c.) nimmt für Blancheres eine / - ARIA / -Ableitung und für Blancheret eine / - ITTU / -Ableitung an; M EYER (1914, 73, 136 und 169) führt eine Ableitung auf / - ITTA / zu PLANCITTA an und nennt “ Reben ” als Deutung. In allen Fällen dürfte es sich um eine fruchtbare, ebene Fläche handeln. Blanderaaschi Vermutlich handelt es sich bei ts Blanderaaschi um das frpr. plan de rachy ‘ die Ebene mit Seiden-Pflanzen / Sand ’ . M ATHIEU (2006, 59) kennt es als Planderaaschi. Während plan zu lat. PLANU - ‘ eben, Ebene ’ zu stellen ist, bleibt Raaschi unklar. Wie B OSSARD / C HAVAN (2006, 269 s. v. Rachy) ausführen, lässt sich der Name auf zwei Deutungen zurückführen: auf cuscute ‘ Quendel- oder 233 234 Blanderaaschi <?page no="182"?> Nessel-Seide ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 808) oder auf frpr. râche, das G. P ANNATIER (p. c.) als ‘ bande de terre ’ (Erdstreifen) kennzeichnet. B OSSARD / C HAVAN (2006) führen das Wort auf lat. * RAS Ĭ CARE schaben (FEW 10, 86) zurück. B RIDEL (1866, 316) kennt es als râtsche ‘ [r]ache ou cuscute ’ . Gwp. kennzeichnet das Gebiet als “ sumpfiger, unebener Weidebezirk mit bläulicher Erde ” , also ein wenig fruchtbares Gebiet. Blandi Blandi ist zwei Mal belegt: des Valentin Biner oder Blandi Höhe (1858, Naters) und in Plandi (1747, Varen). Der Beleg in Naters ist unklar, da daraus nicht erkennbar wird, ob Blandi ein Übername des Valentin Biner war. Im Fall von Varen dürfte eine Ableitung zu plant- ‘ Pflanzung ’ oder plan- ‘ Ebene ’ vorliegen, doch ist die Form unklar und lässt sich nicht auf eine frpr. Form zurückführen. Es ist nicht klar, wie die Endung auf - I entstanden ist; B OSSARD / C HAVAN (2006, 286 ff.) geben zwar mehrere Möglichkeiten dafür an; da historische Belege fehlen, kann keine davon angenommen werden. Blantschen Blantschen hat vermutlich zwei verschiedene Quellen. In Ausserberg, Baltschieder, Niedergesteln, Oberems, Raron und Unterems ist wohl ein FaN Blantschen gemeint (AWWB 35), für Ausserberg bezeugt; auch in Quellen von 1522 Niedergesteln (Petrus Blantzen) und 1691 Baltschieder (Petrus Blanschen) erwähnt). Die Form dürfte ein Genitiv sein (vgl. auch den Singular Blantzo Zuggen ‘ der Fels des Blantzo ’ (1676 Baltschieder). Allerdings kann Blantschi in Blantschisch Gläcki ‘ die (Salz-)Leckstelle der Familie Blantschen ’ (Raron) auch auf einen FaN Blanc zurückgehen; die Quellen lassen keine Entscheidung zu. Einen Sonderfall bildet ts Blattscherb ‘ das Erbgut der Familie Blantschen ’ (Raron), das auf Grund des historischen Belegs Jn Blantschun Erb (155? , Raron) deutbar ist. Damit hängt der Platscherbwald ‘ der Wald beim Erbgut der Familie Blantschen ’ (Raron) zusammen. Während Blantschen oder eine seiner Varianten normalerweise als vorangestellter Genitiv oder Bestimmungswort zu betrachten ist, hat der Beleg Zer Kehr Plantschen ‘ zur Kehr der Familie Plantschen ’ (1791, Unterems) nachgestellten Genitiv. Weitere Grundwörter sind Egga, Biel und Giblätt. Eine romanische Quelle ist hingegen für Plantschen (1818, Leuk) und eventuell Plantschu (Oberems, aber siehe auch Planschen Gassen (1711, Oberems) und Blantschen Trog (1687 Oberems), die zum FaN Blantschen gestellt sind, anzunehmen. Sie lassen sich auch auf frz. planche, frpr. plantze, plantsche (B RIDEL 1866, 296) in der Bedeutung ‘ pré gras, espace de terrain bien cultivé attenant à la ferme ’ zurückführen. Das ebenfalls in Oberems belegte Pflantschutrog dürfte eine Uminterpretation auf der Grundlage von Pflanz- ‘ Pflanze ’ darstellen (cf. HL P FLANTSCHU ). Blatier Blatier ist nur in Naters belegt und zwar als zum Blattjer, sowie zum Obren Blatier (1766) und zu ᵉ m u ᵉ ntren Blatier (1761). Die Flur befindet sich beim Üsser Aletschi. Es handelt sich wohl um eine Ableitung auf - LER , das dialektal zu - JER wird, zu Blatta ‘ (Fels-)blatte ’ (cf. HL B LATTA ), (laut S ONDEREGGER 1958, 541 f. eine Stellenbezeichnung), also zu verstehen als ‘ der Ort, wo es (Fels-)Platten hat ’ . Blatt Zu Blatt n. gehören nur wenige Belege, die Abrenzung gegenüber Blatta f. ‘ Felsplatte ’ ist nicht immer klar. Zu stellen ist es zu schwdt. Blatt, Bl ā d n., Pl. Bletter, Blätter, wdt. Blatt, Dim. Blettji, Bleggi, Blattji ‘ Pflanzen-, Blumenblatt allgemein ’ , auch von anderen flachen, dünnen Dingen, ahd. blat, Pl. bletir (I D . 5, 179 ff.; G RICHTING 1998, 39). Hier auch möglich in der Bedeutung von schwdt. Blacke n , Blagge n , Placke n , Plagge n , Blackte n , Blaggte n , Blachte n f. (I D . 5, 54 f.; cf. HL B LACHTEN ), vor allem Sandbletter (auch Sandblachte) ‘ Huflattich (T USSILAGO FARFARA ) ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1114). Blettret ist von der Form her kollektive oder stellenbezeichnende Ableitung zu Blatt, genauer Bletter (S ONDEREGGER 1958, 524 zu - ÔDI , - ÔTI ). Die Simplizia treten im Singular als ts Blat (Simplon), ts Blatt (Binn, Greich), im Plural als uf de Blettre (Lax), uf de Blättre (Martisberg), auf de Blettru (Betten) und als Diminutiv ts Blatgi (Termen) auf. Seltsam ist das feminine zer Blattli ‘ zur ebenen Fläche ’ (Täsch), das offenbar eine feminine Ableitung auf -( I ) LI (S ONDEREGGER 1958, 517 f.) ist. Mit attributiven Adjektiven treten zer Unner Blattli ‘ zur unteren ebenen Fläche ’ (FLNK, Täsch) und ts Ober und ts Unner Bletrett ‘ der obere und der untere Teil des Gebietes mit vielen Blättern ’ (Gampel) auf. Nur einmal ist das HL als Bestimmungswort in ts Blamatu ‘ zu Blattmatten (flache Wiesen), Dorfteil von Saas- Fee ’ (Saas-Fee) belegt. Die historischen Belege Blatmatto (1734) und Blatmatten (1831) machen deutlich, dass es sich um das HL B LATT handelt. Gwp. meint allerdings, es handle sich um <blacke> ‘ Blacken ’ bei den <bühef> ‘ Bau-Höfen (Miststöcke) ’ . Diese Deutung ist möglich, wenn man von der heutigen Lautung ausgeht; die historische Form deutet aber eher auf das HL B LATT . Blandi 235 236 <?page no="183"?> Blatta Blatta kommt rund 600 mal in den Namen vor. Es ist zu stellen zu schwdt. Blatte n , Platte n , wdt. Blatta, Blattä (Goms) Blattu f. ‘ Fläche auf einem Berggipfel, Felsplateau, Fels-, Bergterrasse ’ , nur noch in Namen, ‘ breiter, flacher Fels, (blossliegende) Felsplatte, Felswand ’ , ‘ Steinplatte, roh oder zugehauen, auch künstlich hergestellt (z. B. auf Stützen ruhende Steinplatte (Kornspeicher), zum Belegen des Bodens (cf. Platten-Gass), zum Belegen der Fussböden, Deckplatte (Brunnen), Schieferplatte auf Dächern … ) ’ , ahd. blatta, platta, mhd. blat(t)e, plat(t)e, aus mlat. PLAT ( T ) A (I D . 5, 189 ff.; G RICHTING 1998, 39; Z INSLI 1945, 312). Als Gemeindename erscheint es in Blatten (Lötschental), als Weilername in Blatten ob Naters. Neben dem Simplex Blatta / Blattu / Blattn (Singular) und Blatte / Blattä / Blattn (Plural) kommt es häufig in obliker Form nach Präpositionen wie uf / üf / uif ‘ auf ’ vor, oft im Plural. Daraus entstand auch der Familienname Aufdenblatten (AAWB 15). Das Simplex n. ts Blatt ‘ die Felsplatten (Kollektiv) ’ ist - ähnlich wie bei den neutralen Baumnamen wie ts Ta ‘ die Tannen (Kollektiv) ’ - als Kollektivbildung zu verstehen. Die Abgrenzung zu Blatt n. ‘ das (Blumen-)Blatt ’ ist dabei nicht immer klar. Ebenfalls kollektiv ist die neutrale Präfixableitung Giblatt, Giblett zu verstehen; an den Orten mit Assimilation zu Platt n. fällt die Form mit dem kollektivn Blatt n. zusammen. Eine / - LA / - JA / -Ableitung (Blattla / Blattja / Blättja usw.) ist als ‘ Ort, wo es Platten hat ’ zu verstehen, sie kann auch im Plural (Blättje) auftreten; vermutlich gehört auch Blattel (Saas-Grund) hierzu. Lautlich ähnlich, aber mit diminutiver Bedeutung erscheinen Blattji / Blaggji / Blättji / Bläggi usw. ‘ die kleine Felsplatte ’ , auch im Plural vom Typ Blattjini / Blaggjini. Dabei sind die assimilierten Formen Blaggji / Blaggjini nicht immer vom homophonen Blagg ‘ Tierkadaver ’ zu unterscheiden. Ebenfalls diminutiv ist Blatti, in Zermatt Blättje. Selten tritt eine / - LIG / -Ableitung Blattlig (Blatten) ‘ die Felsplatten (Kollektiv) ’ auf. Auf einen alten Genitiv Plural scheint Blatterne (Visperterminen) zurückzugehen - ein Ort, wo man Steinplatten gewann. Eine kleine Anzahl von Adjektiven werden gebildet mit - GI (Blatgisch Bodu, vam Blaggischu Bodu (Simplon), oder -( W ) UCHT (Blattwucht Wang (Oberwald)) (K. M EYER 1960, 124 ff.). Blatta und andere Formen sind auch als Grundwort von Komposita belegt wie Geissblatta ‘ Felsplatte, wo Ziegen weiden ’ , und anderen Tiernamen wie Eschel-, Gämsch-, Hirsch-, Ross-, Schaf-, Wolf-, wobei hier entweder das Vorkommen oder die Ähnlichkeit eine Rolle spielen kann. Andere Komposita beziehen sich auf Orte (z. B. Laalublattjini ‘ die kleinen Felsplatten Richtung Lalden ’ (Eggerberg)) oder Besitzer / Nutzer (z. B. Jordans Blatton (Simplon) oder ts Bobmersch Giblätt ‘ die Felsplatten der Familie Bodmer ’ (Ausserberg)). Attributive Fügungen vom Typ Schwarz, Wiiss, Root beziehen sich auf den Farbeindruck der Felsplatten. Neben häufigem Hääl ‘ glatt ’ findet man auch Ho(ch) und weitere Attribute. Blatta tritt, meist in einsilbiger Form, auch als Bestimmungswort in häufigen Blattmatta / Blapmatta, Blattacher, Blattflüe usw. auf; dabei ist nicht immer klar, welche Rolle Blatta hier spielt. Die Motivation kann je nach der konkreten Bedeutung verschieden sein: es gibt steile und flache Felsplatten, Steinplatten, die für Dächer oder Öfen gebrochen werden, Wiesen mit kleinen Felsplatten durchsetzt, flache Platten, auf denen Häuser, Stadel oder Scheuern gebaut werden, Wiesen und Äcker neben Felsplatten und weitere Fälle. Die Topografie des Oberwallis führt dazu, dass sehr viele Felsflächen freiliegen und benannt werden können. Blatter (FaN) F A N Blatter, An der Blatten, Auf den Blatten, alte Familie aus dem Goms (AWWB 35). Da es sich um einen Herkunftsnamen handelt, ist bei einzelnen Belegen die Zugehörigkeit zum HL B LATTA nicht auszuschliessen. In Bürchen gibt es ein Namennest mit dem FaN Blatter im Gebiet des Dorfteils Mürächer, wo eine Familie Blatter wohnhaft war (G ATTLEN 2007, 51 f.). Blattere Die Zuordnung des Belegs Blattere von 1749 in Visp ist nicht eindeutig. Von der Form her kann es sich hier um eine / - ÂRIA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 f.) zu schwdt. Blatta (cf. HL B LATTA ) handeln oder der Beleg ist zum FaN Blatter (cf. HL B LATTER (F A N)) zu stellen. Die Deutung ‘ die Felsplatten (kollektiv) ’ bezieht sich auf die Zuordnung zum HL B LATTA . Blättrig Blättrig m. ist nur in Ulrichen als der Blättrig belegt, vermutlich ein Kollektivum. Laut Beschreibung handelt es sich um einen alten Alpstafel mit Hütte, hinter dem sich grosse Steine und Felsplatten befinden. Das legt eine Adjektiv-Ableitung auf / - IG / zum HL B LATTA nahe, bei I D . (5, 189) Blatte n ‘ Felsplatte ’ , in Flurnamen gut belegt, s. auch Blatta, Blattä (Goms), Blattu ‘ Steinplatte ’ (G RICH- TING 1998, 39). Gemeint ist hier wohl eine Alpe mit vielen kleinen Fels(platten). Blau Das Farbwort Blau (schwdt. Farbadj. bl ā w, bl ō u, blab ‘ blau ’ und wdt. blaaw, blau (Goms), blaab (Leuker Berge) ‘ blau ’ , (I D . 5, 240 ff.; G RICHTING 1998, 38)) wird vor allem für die Farbe von kleinen Seen und von Gestein oder Felsen verwendet. Es tritt meist in attributiver Form auf; 237 238 Blau <?page no="184"?> selten substantiviert (Bim Blaawu ‘ Ried-Brig ’ ). Lautlich wird es meistens mit auslautendem -w oder -b (westlicher Teil des Bezirkes Leuk) realisiert; die Schreibungen mit / au/ sind häufig an das Hochdeutsche angelehnt. Rund 35 Flurnamen mit dem HL sind belegt. Ausser dem schon genannten bim Blaawu ‘ beim Blauen (Gestein? ) ’ (Ried-Brig, LT im Blaue, FLNK im Blaawu) enthalten die belegten Flurnamen das Farbwort nur als Adjektiv. Besonders wichtig ist der Blaaw See ‘ der blaue See ’ (Obergesteln, LT Blawseewji), der in verschiedenen Form rund zehn Mal erscheint. Daneben sind die HLL Bäärg, Chriz, Egg(a), Flüö, Grabu, Gufer, Häärd, Putz, Roosse, Rufina, Satz, Stei, Strich und Wang belegt. Komplexer sind der Ober und der Unner Blau Satz ‘ der obere (höher liegende) und der untere (tiefer liegende) blaue Felsabsatz ’ (Zermatt). Mehrgliedrig ist die Konstruktion Blauseelicka ‘ die Lücke über dem Blausee ’ (Grengiols). Blauonyer Blauonyér (1399, Ried-Mörel) ist im Dokument bestätigt; die Lesung Blanonýer ist nach M. S. möglich. Ob der Akzent im zweiten Fall wirklich auf dem / y/ steht, ist unklar. In beiden Fällen kann jedoch eine Deutung nicht gegeben werden. Bleessi Das vom Adjektiv bloss ‘ kahl, nackt ’ abgeleitete Bleessi oder Bleetzi ist zu schwdt. Blôssi, Bloussi, sonst Blössi, wdt. entrundet Bleessi f. wie nhd. ‘ Blösse ’ , ‘ kahle Stelle im Wald, im Weinberg ’ (I D . 5, 159; G RICHTING 1998, 39) zu stellen. Die Formen mit inlautendem -tz- (I D . 5, 296) sind Intensivierungen. In Blatten (Lötschen) gibt es um die Bleetzun herum ein Namennest; der FaN Blötzer / Bloetzer (AWWB 36; cf. HL B LÖTZER (F A N)) ist wohl dorther abzuleiten; die vorliegenden Besitzernamen sind unter dem HL zu finden. Blegi Nur in Visperterminen und Reckingen ist das HL B LEGI belegt. In Reckingen ist ts Blegi bezeugt, in Visperterminen erscheint historisch ab 1607 zum Blegyn und 1607 an den Blögy Graben. Zu stellen ist es zu B e -Legi, wohl ein ‘ Zauntor ’ oder ‘ Zauntürli ’ (I D . 3, 1199 f.); der Flurname ist eine zum Neutrum zu stellende Ableitung zum gleichbedeutenden Legi ‘ Verzäunung auf Viehweiden ’ und ähnliche Bedeutungen (I D . 3, 1196 ff.) (cf. HL L EGI ). Bleicka Der Name ist auf schwdt. Bleike n f. ‘ (schmälere, auch z. T. bewachsene) Geröll-, Schutthalde; grasige Stelle im Walde ’ , eig. ‘ Stelle, wo infolge Abrutschung das nackte Erdreich oder Gestein ‘ hervorblickt ’’ (I D . 5, 58 f.; Z INSLI 1945, 313) oder Bleiki, Bl ā ki f. ‘ die Handlung des Bleichens, Ort, wo gebleicht wird, Bleiche; Waldlichtung, bes. von Wald rings umschlossenes Grundstück ’ (I D . 5, 60 f.) zurückzuführen. Im Einzelnen ist die Motivation nicht immer erkennbar - es kann sich um baumlose Stellen in Waldgebieten oder graslose Stellen in Wiesengebieten handeln oder auch um Lichtungen in Wäldern. In den meisten Fällen steht das Simplex im Plural (di Bleicke), seltener im Singular (di Bleicka). ts Bleick n. ist als Kollektiv zu betrachten, vergleichbar ts Ta ‘ das Tannengehölz ’ . Eventuell zum Typ Bleiche ist die Form Bleicki (z. B. Ausserbinn) zu stellen; es kann sich aber auch um eine Alternativbildung auf / - I / handeln. Ein Diminutiv Plural auf / - ELTI / (Drii Bleikeltini (Saas- Almagell)) ist nur einmal belegt. Ausser attributiven Fügungen wie t Unner Bleicka (Ausserberg) wird das Grundwort selten modifiziert; es erscheint aber als Bestimmungswort in kleinen Namennestern (z. B. Zwischbergen). Bleimolun Bleimolun, ein Dativ Pl., ist 1303 als in dyen Blenuolun und 1306 als jn den Bleimolun (beide Ausserberg) belegt. Es handelt sich um eine Wiese in Leiggern, einem Dorfteil von Ausserberg auf 1579 m. Die Belege sind isoliert, voneinander verschieden, meinen aber die gleiche Flur und lassen sich beide nicht auf eine ältere deutsche Form zurückführen. Eine Anlehnung an ‘ Blei ’ kann zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben sein, da langes / i: / wie in Blii nicht diphthongiert ist. Eine Deutung ist nicht möglich. Blein Blein ist nur 1821 in Ergisch als an die Bleinspalt belegt. Die Lesung ist unsicher. Blein ist als solches nicht belegt; es könnte aber ein in Anlehnung an das Hdt. diphthongiertes Wort (das Wdt. kennt keine Hiatusdiphthongierung) zu schwdt. Blii ‘ Blei ’ und wdt. Blii ‘ Blei ’ (I D . 5, 1; G RICHTING 1998, 39) sein, wobei auslautendes / n/ wohl nur hyperkorrekt zu erklären ist. Das Grundwort Spalt ist normalerweise nicht feminin, sondern maskulin, wie I D . (10, 205 ff.) und G RICHTING (1998, 176) zeigen. Das Feminin im Beleg kann aber auch ein Plural sein, der dann kein Genus anzeigt. an die Bleinspalt kann deswegen unsicher als ‘ an die (Fels-)Spalte mit Blei ’ gedeutet werden. Bleiwen Die vorherrschende Form Bleiwa ist wohl das entrundete Gegenstück zu Blöuwa, das zu schwdt. Bl ū we n , Bl ǖ we n f. ‘ Stampfmühle für Hanf oder Flachs ’ (I D . 5, 249 f.) zu stellen ist, volksetymologisch umgedeutet in Anlehnung an blau (I D . 5, 240 ff.). Belegt ist das Simplex im Singular Blauonyer 239 240 <?page no="185"?> als z Blauwen ‘ zur Hanf- oder Flachsmühle ’ (1832, Mühlebach), zer Bleiwu ‘ auf dem Gebiet der Hanf- oder Flachsmühle ’ (Ferden), zer Bleiwun ‘ bei der Hanf- oder Flachsmühle ’ (Blatten), Blewa ‘ die Hanf- oder Flachsmühle ’ (1690, Fieschertal). Als Grundwort erscheint das HL in Bieliger Bleiwen ‘ die Hanf- oder Flachsmühle der Leute von Biel ’ (1731 u. später, Biel). Als Bestimmungswort findet sich das HL in das Bleiwmättelti ‘ die kleine Wiese bei der Hanf- oder Flachsmühle ’ (1639, Turtmann), der Bleiwwistuck ‘ das abgeteilte Stück Land bei der Hanf- oder Flachsmühle ’ (Selkingen), Blewengraben ‘ der Graben bei der Hanf- oder Flachsmühle ’ (1544, Eyholz), in der Bleÿwe Halten ‘ die Halde bei der Hanf- oder Flachsmühle ’ (1834, Unterems) und au ᵕ s dem Bleüwen Wu ᵕ hr ‘ die Wasserleitung zur Hanf- oder Flachsmühle ’ (1650, Mühlebach). Komplexer ist den alten Bleu ᵕ we Platz ‘ der Platz der alten Hanf- oder Flachsmühle ’ (1860, Glis). Die Form Blewwi ‘ die Hanf- oder Flachsmühle ’ (Unterems) zeigt eine Ableitung auf / - I / (S ONDEREGGER 1958, 497 ff.), die sonst nicht belegt ist. Bleschu Bleschu ist ein unklares Lemma, das wohl einerseits zu Pletscha ‘ ebene Fläche ’ (cf. HL P LETSCHA und G RICHTING 1998, 153), anderseits zu Bleschi ‘ Blässe, Kuhname ’ (I D . 5, 161) zu stellen ist. Es handelt sich im ersten Fall um eine vereinfachte Aussprache mit der Reduktion von / tsch/ zu / sch/ . Als Simplex kommt vor: vff der Pleschun ‘ auf der ebenen Fläche ’ (1535, Guttet). Die weiteren Belege sind Bestimmungswörter: Bleschuflüo ‘ die Fluh bei der ebenen Fläche ’ (Naters) und Bleschilärch ‘ die Lärche bei der ebenen Fläche ’ (Mund). z Bleschun Gaden wäre dann ‘ der Gaden bei der ebenen Fläche ’ . Ob bei Bleschilärch (Mund) wirklich von einer Kuh namens Bleschi ausgegangen werden kann, wie Gwp. annimmt, ist unwahrscheinlich. Blettes Blettes kommt als frpr. Etymon historisch in Varen vor. Gemeint ist ein Alp, die in den Urkunden als blectex (1473), blettex (1473), blettes (1473), blette (1474) erscheint. 1843 hat eine Urkunde La Pletta, das jedoch als Fels bezeichnet wird, also kaum eine Alpe sein kann. In einem der Belege von 1474 ist vom unteren Teil einer Prati du Blette die Rede, also einer Wiese, die im Patois pra heissen würde. Der älteste Beleg hat lochales de blettes (1388), vermutlich ist lochales ein unverstandenes le chalet (cf. HL T SCHALET ). T AGMANN (1946, 23) erwähnt den Alpnamen bl ’ę tt ẹ i (Varen), verweist aber auf den deutschen Teil seiner Dissertation (nie erschienen). Nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 246) sind die Ortsnamen Blettes, Bletta, Blettey zu verstehen als “ motte de terre gazonnée ” ( ‘ begraster Erdklumpen ’ ); “ touffe de foin sauvage ” ( ‘ Wildheubüschel ’ ). G PSR (2, 426 s. v. blyèta) gibt als étym. *Blista ‘ touffe ’ mit unbekannter Herkunft; erwähnt sind mehrere Flurnamen; auch J ACCARD (1906, 38 s. v. Blettaz) erwähnt einige Alpen mit dem gleichen Namenstyp. Bletz Bletz ist zu schwdt. Blëtz, wdt. Bläzz m. eig. ‘ Lappen, lappenförmiges Stück ’ , in FlN i. d. R. ‘ Stück Land, Grundstück; Stück eines Feldes, einer Wiese; Stück Weges ’ , ahd. blëz (-zzes) m., auch blëzza f., mhd. blëtz (-tzes) m. ‘ Lappen, Flicken, Fetzen ’ (I D . 5, 264 ff.; G RICHTING 1998, 39) zu stellen. Schriftlich erscheint der Name häufig mit / e/ , gesprochen wird er mit überoffenem / ä/ . Eine feminine / - I / -Ableitung Blätzi ist in Zermatt belegt. Nicht immer klar ist die Abgrenzung gegenüber Platz (Pl. Plätz) ‘ Platz ’ (cf. HL P LATZ ) oder Pletscha ‘ ebene Fläche auf einer Anhöhe ’ (cf. HL P LETSCHA ). Von den rund fünfundfünfzig Flurnamen erscheinen als Simplex im Singular der Blätz ‘ das kleine Stück Land ’ (Eisten, Fieschertal, Obergesteln), Bletz ‘ das kleine Stück Land ’ (1776 u. später, Fiesch), im Plural t Blätza ‘ die kleinen Stücke Land ’ (Fieschertal), an den Bletzen ‘ an den kleinen Stücken Land ’ (1390, Naters) und als Diminutiv im Bletzgi ‘ im sehr kleinen Stück Land ’ (1731, Staldenried), das Bletzgi ‘ das sehr kleine Stück Land ’ (1650, Zwischbergen), das Bletzli ‘ das sehr kleine Stück Land ’ (1500, Fiesch). di Bletzi f. ‘ das kleine Stück Land ’ (St. Niklaus) ist ein Simplex im Feminin, also eine Ableitung auf / - I / . Mit einem attributiven Adjektiv sind belegt: Grieblätz ‘ das grüne kleine Stück Land ’ (LT Münster), der Grien Blätz ‘ das grüne kleine Stück Land ’ (Saas-Fee), der Ober Blätz ‘ das obere kleine Stück Land ’ (Obergesteln, auch FLNK), in dem Obren Blez ‘ im oberen Teil des kleinen Stückes Land ’ (1722, Fieschertal), Oberblätz ‘ der obere Teile des Gebietes Blätz (kleines Stück Land) ’ (FLNK, Obergesteln), Breit Blätz ‘ das breite, kleine Stück land ’ (FLNK, Oberwald), der Rund Blätz ‘ das kleine, runde Stück Land ’ (Leuk), Siwillen Blätz ‘ das runde Stück Land ’ (1697/ 8 u. später, Ried-Mörel), Synwelle Blecz ‘ das runde Stück Land ’ (1402, Mörel), ab dem Vndren Bletz ‘ ab dem unteren Teil des kleinen Stückes Land ’ (Fiesch), der Unner Blätz ‘ das untere kleine Stück Land ’ (Obergesteln, auch FLNK; ein zweiter Beleg, südöstlich davon, Obergesteln) und der Vorblätz ‘ der Brustfleck (Teil der traditionellen Frauenkleidung, hier wohl metaphorisch für einen spitzen Keil des Weidelandes) ’ (Eisten), wobei das HL V OR - F IR hier aus einer Präposition entstanden ist. Zwei Besitzer- oder Nutzernamen sind zum Grundwort Bletz belegt: Karliblätze ‘ die kleinen Stücke Land, die dem Karl / der Familie Karlen gehörten ’ (Ried-Brig, 241 242 Bletz <?page no="186"?> Registerbeleg), ts Rosiinisch Blätz ‘ das kleine Stück Land der Rosina ’ (Saas-Almagell). Baum- und Pflanzennamen sind der Arvblätz ‘ das kleine Stück Land im Gebiet Arv (wo es Arven hat) ’ (Münster), der Voder und der Hinner Stüdeblätz ‘ der vorder und der hintere Teil des mit Stauden bestandenen Stückes Land ’ (Ulrichen), der Waldblätz ‘ das kleine Stück Land beim Wald ’ (Oberwald). Von den übrigen Komposita ist besonders t Schiisseblätze ‘ die kleinen, wertlosen Stücke Land ’ (Ulrichen) zu erwähnen. Andere Bestimmungswörter sind in den Artikeln zu ihren Hauptlemmata erwähnt. Nur wenige Belege sind als Bestimmungwort zu folgenden Grundwörtern vorhanden: Matta, Stei, Wald und Wasser. Komplexer ist der Obren Bletzfluo ‘ die obere Fluh bei einem kleinen Stück Land ’ (1648, Visp; Genitiv ist konstruktionsbedingt). Einen besonderen Fall zeigt Schliechtu Bläzzette ‘ die kleinen Stücke Land beim Weiler Schliecht (Geländeeinbuchtungen) ’ (EK, Eggerberg) Die Form Bläzzette ist Kollektivableitung auf / - ET / im Plural, zurückzuführen auf / - ÔDI / - ÔTI / (S ONDEREGGER 1958, 524 ff.). Bleych (PN) Bleych (PN) kommt nur vor in des Bleychen Stadel ‘ der Stadel des Bleich ’ (1347, Unterbäch). Es scheint hier ein Beiname ‘ der Bleiche ’ gemeint zu sein; Bleich als FaN ist nicht belegt. I D . kennt das Adj. bleich (5, 8) im Sinn der Hautfarbe, aber auch für Emotionen (bleich vor Zorn, z. B.), nicht aber den Beinamen. Bliäjendun Nur einmal kommt Bliäjendun in Blatten (Lötschen) vor, ein Partizip I zu schwdt. blüe(i)je n , wdt. blieje, bliäjä (Goms), bliäjn (Lötschtal), bliäju ‘ blühen ’ (I D . 5,52 f.; G RICHTING 1998, 39). Die ‘ Blühenden ’ ist eine Alp, deren Namen Zentrum eines Namennestes ist. Das Motiv für den Namen sind wohl blühende Pflanzen (z. B. Alpenrosen). Blick Blick ist zu schwdt Blick m. wie nhd. ‘ Blick ’ , in FlN zur Bezeichnung von Orten mit schöner Aussicht, mhd. blic (I D . 5, 61 f.; LUNB 1, 1, 128) zu stellen. Simplonblick (Simplon) ist der Name eines Gasthauses auf dem Pass selbst; beim Gletscherblick (Bellwald) sieht man auf den Fieschergletscher. Die beiden Nomina mit attributivem Adjektiv der Schee Blick ‘ der schöne Blick (Aussichtspunkt) ’ (Oberwald) und zum Schänu Blick ‘ zum schönen Blick ’ (Gampel; FLNK Schönblick) beziehen sich auf die schöne Aussicht. Blii Nur zwei Mal kommt Blii in den Namen vor. Es ist zu schwdt. Bl ī , Blei, wdt. Blii n. ‘ Blei ’ , ‘ Senkblei ’ mhd. bl ī , -wes (I D . 5, 1 f., G RICHTING 1998, 39) zu stellen. In Ferden, resp. Goppenstein ist eine frühere Bleimine gemeint (cf. R OSSI 1949); bei der Bliischmelzi ‘ Bleischmelze, Anlage zum Schmelzen von Blei ’ (Naters, genauer Blatten ob Naters) ist der Zusammenhang laut Gwp. unklar. Wie das R OHSTOFFINFORMATIONSSYSTEM S CHWEIZ zeigt, gab es am Grisighorn u. a. eine Blei-Grube, deren Blei wohl in der Bliischmelzi verarbeitet wurde (W. B ELLWALD , p. c.). Ob das HL B LEIN hieher gehört, ist unklar, aber eher nicht wahrscheinlich. Bliisch Bliisch ist ein unklares HL, das vor allem in Ergisch vorkommt. Zentral dafür sind di Bliischini ‘ die kleinen Blische ’ (Ergisch), von denen der Bliischbach herunterfliesst. Aus dem Bach kommen di Bliisch ‘ die Wasserleitung aus dem Bliisch ’ und t Alti Bliisch ‘ die alte Bliisch-Wasserleitung ’ . Bei den Blischini befindet sich auch der Bliischiwald. Die ältesten Belege zeigen einen romanischen Namen: 1345 dol blyz, 1361 de la blix, (beide für die Wasserleitung), 1363 de lablyx (für den Bach). Der Name ist schwer deutbar; zwar kennt J ACCARD (1906, 38) die Ortsnamen Bliou, Blioux oder Bluch, die er auf einen germanischen Personennamen zurückführt, und M EYER (1914, 105, 151) den Namen blus, den er zu germ. bl ū st ‘ Blust, Blüten ’ stellt, aber die Formen mit langem / i: / liessen sich nur durch eine Entrundung erklären, die im Oberwallis erst um 1500 herum stattfindet. Hingegen scheint das patois-Wort blya zu frz. blé ‘ Getreide ’ (G PSR 2, 418) im Plural als Deutung in Frage kommen; meist ist hier Roggen gemeint. Die Deutung des FEW (1, 389) zu fränkischem *blâd getreide wird als wahrscheinlich, aber umstritten angesehen. In Turtmann ist 1584 an den Blÿsch belegt; der Kontext macht nicht klar, was genau gemeint ist. Der Ort heisst im Text auch an Kummetten; die beiden Namen sind 1574 und 1658 auch für Ergisch als Namen von Alpen bezeugt, so dass es sich um den Namen aus Ergisch handelt, wohl identisch mit dem heutigen Bliischini. In Leukerbad sind der Blischesbodu und der Blischesgrabu (auch Blischgrabu) belegt, beide lebend ohne historische Quellen. R. G RICHTING (1993, Blatt 13, Nr. 25 und Blatt 14, Nr. 18, s. v. Blischäsgrabu) kennt einen der beiden Namen; alle haben nur ein kurzes / i/ , sodass die Zugehörigkeit zum HL B LIISCH unsicher ist. Der Graben und der Boden befinden sich nicht am gleichen Ort, sodass ein Besitzer- oder Nutzername Blisch nicht ausgeschlossen ist; der PN oder FaN ist allerdings nicht belegt. Bleych (PN) 243 244 <?page no="187"?> Blind Blind kommt als Adjektiv und als Substantiv vor. Es ist zu schwdt. blind wie nhd. ‘ blind, trübe, undurchsichtig, versteckt ’ und wdt. blind ‘ blind ’ und Blinni, Blindi ‘ Blindsein ’ (I D . 5, 109 ff.; SZNB 1, 455; G RICHTING 1998, 39) zu stellen. Die Form Blinne (< Blinde) geht auf einen lautlichen Prozess im Walliserdeutschen zurück (nd -> nn). Blinne ist in Reckingen Bachname, der ein Namennest mit Blinnental, Blinnenhorn, Blinnengletscher usw. bildet (das Blinnenhorn heisst an der Grenze zu Italien auf LT Corno Cieco ‘ Blindes Horn ’ ). Hier dürfte als Motivation das trübe Wasser in Frage kommen. Weitere Blind-täler gibt es in Naters und in Mund / Eggerberg; die Motivation ist hier weniger klar - kleine, schlecht einsehbare Täler? Auch in Naters gibt es ein kleines Namennest, ausgehend vom Blindtal. Blinda (St. Niklaus) und die Blyndun (1303 u. später, Grächen) als Flurname beziehen sich wohl auf ertragsarme, unfruchtbare Flächen oder undurchsichtige Waldstücke. der Blindu (Niedergesteln) benennt einen unfruchtbaren Rebberg. Als Adjektiv kann weiter die versteckte Lage oder die unklare Struktur in Frage kommen. Die Grundwörter zum Adjektiv sind: Bach, Bäärg, Biel, Chella, Chumma, Flüö, Schleif, See und Tal. Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Bestimmungswort haben folgende Grundwörter: Acher, Bäärg, Chäla, Egg(a), Gletscher, Hooru, Joch, Rüüs, Sand, Schleif, Tal und Wald. Komplexer sind ts Chlii Blinnehore ‘ das Klein Blinnenhorn (so LT) ’ (Grengiols) und die Blindthall Höhi ‘ die Höhe im Blindtal ’ (1550, Naters). Blintzlig Der Name Blintzlig kommt zwei Mal im Lötschental vor, einmal für einen Schleif (Wiler), einmal für eine Wiese (Ferden). Während das BENB (1, 4, 405 s. v. Blinz) einen Personenübernamen Blinzo ansetzt, übernimmt das URNB (1, 408) die Analyse von S ONDEREGGER (1958, 491), wonach eine Stelle, die blinzen macht, gemeint sein könnte. Für unsere Namen ist eher vom Adjektiv blinzlig ‘ blindlings, in der Finsternis ’ (I D . 5, 125) auszugehen, das substantiviert wurde und dann eine Stelle meint, die dunkel, finster ist. Blitzige Blitzingen (dial. Blitzige) ist der Name der früheren Gemeinde Blitzingen (heute: Goms). Dieser lässt sich als / - ING / -Ableitung zu einem Personennamen erklären. Das kollektive Suffix / - ING -/ (dial. / - IG -/ ) ist im Oberwallis bis heute aktiv geblieben; es bezeichnet typischerweise Angehörige einer Familie, lässt sich aber auch generell als Kollektivsuffix betrachten. Die u. a. von B RUCKNER (1945, 107) angenommene Deutung, wonach die / - ING / - Namen Reckingen, Gluringen, Ritzingen, Selkingen, Blitzingen um 1000 als lebendige Tradition der mittelländischen / - ING / -Namen erscheinen, dürfte deswegen falsch sein. Die ursprüngliche Form des zugrunde liegenden PNs kann nicht sicher bestimmt werden, da entsprechende historische Belege fehlen. Wahrscheinlich liegt eine Ableitung zum Personennamenstamm BLIC- (F ÖRSTEMANN 1, 312) vor, z. B. die PN-Kurzform *Blitzo. Blitzingen bedeutet also ‘ bei den (Gefolgs-)Leuten, der Sippe des *Blitzo ’ . Der Blitz im Gemeindewappen beruht auf volksetymologischer Umdeutung des nicht mehr verständlichen Namens (W ERLEN 1991, 218; K RISTOL ET AL . 2005, 164). Die Belege mit Blitzials Bestimmungswort treten mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita auf: Blitzibach (SK, Blitzingen), im Plÿtziboden ‘ der Boden, der zur Gemeinde Blitzingen gehört ’ (1531 u. später, Blitzingen), Blizi Bach ‘ der Bach bei Blitzingen ’ (1878, Biel). Einen Genitiv Plural als Insassennahme auf / - ER / (S ON- DEREGGER 1958, 526) zeigt in dem Bleiziger Bucki ‘ auf dem zu Blitzingen gehörenden gepflasterten Platz ’ (1692, Blitzingen), wo ein hyperkorrekter Diphthong / ei/ erscheint. Der historische Beleg im Plÿtziboden (Ernen, 1531) wird gesondert zu Ernen, unter Nr. 5763 der Datenbank aber auch zu Blitzingen aufgeführt. Vermutlich ist die Zuordnung zu Ernen dem Ausstellungsort der Urkunde geschuldet; die Flur selbst befindet sich auf dem Gebiet der früheren Gemeinde Blitzingen. Blocta Blocta ist nur 1437 in Inden als ly blocta belegt. Zwar ist die Form unklar; es handelt sich aber wohl um ein Partizip zum frz. bloquer (G PSR 2, 422 s.), hier wohl in der Bedeutung ‘ Wiese mit Felsbrocken ’ . Vgl. hierzu auch FEW (15, 1, 163 ff. s. v. blok (ndl.) block). Diese Deutung bleibt allerdings unsicher. Bloos Das Adjektiv bloos ist zu schwdt. bl ō ss ‘ nackt, unbedeckt ’ , vom Erdboden, ein brachliegender Acker z. B., nackt, kahl, ohne Bäume von einem Berg, Haus; mhd. bl ō ß und wdt. blooss ‘ nackt, bloss ’ (I D . 5, 155 f.; G RICHTING 1998, 39) zu stellen. Eine / - I / -Ableitung dazu findet sich unter dem HL Bleessi ‘ Blösse ’ . Bei Plozen im historischen Beleg Plozenbuele (1300, Baltschieder) könnte es sich von der Form her möglicherweise auch um einen PN handeln. Das Adjektiv tritt attributiv mit den HLL Biel, Egg(a) und Hooru auf. Als Bestimmungswort erscheint es mit den HLL Biel und Stei. Komplexer ist es in Bloosbielschleif ‘ der (Holz-)Schleif beim blossen Hügel ’ (FLNK, Gampel). 245 246 Bloos <?page no="188"?> Ganz unsicher ist Blomattu ‘ die ? -Wiese ’ (Saas-Fee); eine Assimilation Bloss+Mattu zu Blomattu ist sehr ungewöhnlich. Rein spekulativ liesse sich Be-Loo(n)-Mattu ‘ Wiese, die gegen Lohn gemäht wird ’ oder ‘ die Wiese, die beim Wald steht ’ ansetzen, aber dafür gibt es keine weiteren Belege. Die Deutung bleibt also unklar. Blötzer (FaN) Der FaN Blötzer (AWWB 36) ist im Lötschental verbreitet und ist hier Besitzername, häufig mit Entrundung. Cf. HL B LEESSI (mit der Variante Bleetzun (Blatten / Lötschen); der FaN ist wohl Herkunftsname). Belegt ist er in ts Bleetschärs Grabem ‘ der Graben der Familie Blötzer ’ (Ferden) und än Bleetzärsch Wang ‘ im Grasabhang der Familie Blötzer ’ (Wiler). Blüemu Blüemu ist zu schwdt. Blueme n , wdt. Blüema, Blüemä (Goms), Blüöma (Saastal), Bluäm (m.) (Lötschtal), Blüomu m., f. wie nhd. ‘ Blume ’ , ‘ das Blühen, Blüte, vom Gras auf den Wiesen ’ , ‘ Graswuchs ’ , ‘ Ertrag, den eine Wiese bei der einzelnen Nutzung liefert; Bodenertrag überhaupt ’ ; ‘ der Erste, Beste, Schönste unter gleichartigen Dingen (z. B. Alpweiden) ’ , ahd. bluomo m., bluoma m., f. (I D . 5, 64 ff.; G RICHTING 1998, 39) zu stellen. Bei einzelnen Belegen kann es sich auch um den (im Register der HRSB belegten) FaN Blumen handeln. Mit der Ausnahme von Blüemme (Raron) erscheint das Lemma nur als Bestimmungswort. Dabei ist unklar, ob Heublumen, der Heuertrag oder blühende Blumen gemeint sind; es kann sich auch einfach um hervorstechende Objekte handeln wie in Blüomustei ‘ Blumenstein ’ (Saas-Almagell). Die Ableitung Blüemel- oder Blüemilauf / - EL / / / - IL / scheint eine Stellenangabe zu sein ( ‘ wo es Blumen hat ’ ). Bei Bliemischwanna ‘ die blumenreiche Wanne / die Wanne des Bliemli ’ (Randa) ist ein Genitiv zu einem zunächst umgelauteten und dann entrundeten Lemma, der auf einen Personennamen zurückgeht (der aber nirgends sonst belegt ist). ts Blüemuschiir ‘ die Scheuer der Familie Blum ’ (Mund) nimmt wohl auf den FaN Blum Bezug, der im Register der HRBS gut belegt ist. Ganz unsicher sind Blummhorn und Blummgrat; lautlich kann zwar nach dem sogenannten Brandstetterschen Gesetz (Kürzung eines Zwielautes im Mehrsilber) das Lemma Blüemvorliegen; vielleicht handelt es sich aber auch um Plumpe n (I D . 5, 103) ‘ grosse Kuhglocke ’ nach der Form des Gipfels. Blüet Nur zwei Mal erscheint als Bestimmungswort Blüet, zu schwdt. Bluet, wdt. Blüet, Bluäd (Lötschtal), Blüöt n. ‘ Blut im menschlichen Körper ’ ; ‘ leibliche Verwandtschaft ’ ( … ), Verstärkung als erstes Glied in Zusammensetzungen (I D . 5, 219 ff.; G RICHTING 1998, 40). Im Fall Bluotbletza ‘ (vermutlich) das rötliche kleine Stück Land ’ (Raron) ist wohl die rote Farbe ausschlaggebend, im Fall Bluädcheera ‘ die (steilen) Kehren, bei denen man Blut schwitzt ’ (Ferden) geht es vermutlich um die Steilheit der Kehren, die einen Blut schwitzen lassen. Bluttig Bluttig ist ein Adjektiv auf / - IG / zu schwdt. und wdt. blutt (cf. HL P LUTT u. G RICHTING 1998, 154) in der Bedeutung ‘ kahl ’ (I D . 5, 214; Bed. 2e) und 1507 in Ulrichen belegt als bluttigx Gu ͦ t ‘ das kahle Gut ’ . Bluttig selbst ist im I D . (1, 262) passim als ‘ bloss ’ belegt, nicht aber als eigener Eintrag. Bobi Der Schwaarz Bobischleif ‘ der (Holz-)Schleif beim kleinen schwarzen Boden ’ (Blatten / Lötschen) befindet sich beim Schwarz Bopem, cf. HL B ODU . Bobi ist deswegen zu Schwdt. Bodem m., sonst Boden, wdt. Bode, Bodu, wie nhd. ‘ Boden ’ , ‘ kleinere Ebene zwischen, an oder auf Abhängen; Wiesengrund, Bergterrasse, baumfreie, kleine Ebene in Bergwäldern, kleinere Hochfläche ’ , ‘ kleinere, rundliche Einsenkung des Erdbodens ’ , ahd. bodam, mhd. bodem (I D . 4, 1020 ff.; G RICHTING 1998, 40) zu stellen und ergibt sich aus der Assimilation Bodmi > Bobmi > Bobi. Bocard (PN) Bocard (PN) ist nur einmal 1713 in Praz Bocard (Albinen) belegt. Es handelt sich wohl um eine verschriebene oder nicht mehr durchsichtige Form des PN oder FaN Broccard oder Borcard (AWWB 46), also ‘ die Wiese des Bocard / der Familie Bocard ’ . Bochetta Bochetta ist zu it. bocchetta, Dim. zu bocca ‘ Mund ’ , als geografischer Begriff entweder ‘ Aushöhlung an der Gletscherzunge, wo der Gletscherbach herausfliesst ’ oder ‘ Pass ’ (D EVOTO / O LI 2020, 286) zu stellen. Die Bochetta Aurona ist laut LT der it. Name des Chaltwasserpass. (Aurona ist der Name des Flusses, der jenseits der Grenze entspringt; cf. HL A URONA ). Bochte Der Name kommt in zwei Formen vor: Bocka (Betten, Bitsch), die seltenere Form, und Bochte. Es ist zu schwdt. Bocke n , Bockte n m., f., Bochte n f., wdt. Bochta, Bochtä (Goms), Bochtu f. ‘ grosse, runde, meist eichene, tw. mit Deckel versehene Kufe zu verschiedenen Zwecken; Kufe zur Aufnahme der frisch gelesenen Trauben, Jauchebot- Blötzer (FaN) 247 248 <?page no="189"?> tich, Wasserzuber ’ , ahd. botahha f. ‘ Bottich ’ , mhd. boteche m., f., ahd. botahha f. ‘ Bottich ’ (I D . 4, 1010f. und 1138f.; G RICHTING 1998, 40) zu stellen; die Form wird bei BENB (1, 4, 416 f.) in der Anmerkung erklärt. Meistens ist eine Geländeform gemeint, wobei unklar ist, welcher Typ von Bottich im Einzelnen gemeint ist. Der Name tritt als Simplex im Singular als t Bochte (Reckingen), di Bochtu (Turtmann; Unterems) oder di Bocka (Betten, Bitsch) auf. Unklar, ob Singular oder Plural sind in die Bochten / in der Bochten (1637, Betten), Bochten (LT Reckingen), Bochten (SK Ulrichen). Als Diminutiv ist ts Bochtuti ‘ der kleine Bottich ’ (Fieschertal (mit / l/ -Vokalisierung)) belegt. In attributiven Fügungen erscheint das HL als Grundwort in t Hinnere Bochte ‘ der hintere Teil der Bochte (Bottich) ’ (Münster, Reckingen), vff der Obren Bocken ‘ auf dem oberen Teil der Bocka (Bottich) ’ (1629, Bitsch), t Vodere Bochte ‘ der vordere Teil der Bochte (Bottich) ’ (Münster, Reckingen). Als Grundwort tritt das HL nur einmal in einem mehrgliedrigen Kompositum auf: t Chietalbochte ‘ die Bochte (Bottich) auf der Alp Chietal (Kühetal) ’ (Münster). Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bletz, Chäla, Egg(a), Fääsch, Grabu, Haalta, Hooru, Löüb, Matta, Schluocht, Stafel, Tschugge und Wang. Bochtür Bochtür ist als ts Bochtür (Leuk, auch FLNK und LT) belegt. Der Name hat Erstbetonung, die zweite Silbe ist nebenbetont und halblang. Inhaltlich geht es um Wald und Geröllhänge. Dazu gehören der Bochtürschleif ‘ der Schleif vom Bochtür herunter ’ und der Bochtürwald ‘ der Wald beim Bochtür ’ . Laut Beschreibung unter Bochtür feiern die Leute von Agarn einen Bittag wegen der <Bochtürlawine>. Historische Belege fehlen. Rein formal würde das HL zu einem frz. posture (FEW 9, 166) zu stellen sein, das hier in der patois-Form erscheint und etwa ‘ Lage ’ meint. Eine Deutung dafür ist jedoch nicht möglich. Bock Bock bezieht sich meistens auf männliche Tiere bei Ziegen und Schafen (dem Schmalvieh), aber auch bei Gemsen und Hirschen; manchmal sind generell solche Tiere gemeint. Es ist zu schwdt. Bock, Bogg m., Pl. Böck, Dim. Böckli, wdt. Bokk m. ‘ Ziegenbock allgem.; Männchen anderer Tiere ’ , ‘ Wiese, die keinen Ertrag liefert ’ , ahd boch, mhd. boc (I D . 4, 1122 ff.; G RICHTING 1998, 40) zu stellen. Im Einzelfall kann jeweils nicht genau entschieden werden, welche Tiere gemeint sind; bei Angaben der Gwp. wird auf diese abgestellt. Bock kommt nur als Bestimmungswort in Zusammensetzungen vor, nicht als Grundwort. Unklar ist der Beleg Bockibode (Oberwald), der sich auch auf Bochte beziehen kann, hier aber zu Bocki ‘ kleiner Bock ’ gestellt wird. Als eines der wenigen Possessivkomposita (Typ: Rotkehlchen) erweist sich der Bockbaard ‘ der Bockbart (Pflanzenname (? ): Grosser Geissbart (A RUNCUS SILVES- TER )) ’ (Visp) (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1178 haben T RAGOPOGON PRATENSIS und T RAGOPON DUBIUS als Bocksbart). Der Flurname bezeichnet eine Flur, auf der diese Pflanze wächst; heute befindet sich dort ein Güterterminal der SBB. Bodenmann (FaN) Nur in ts Bodumasch Läärch ‘ die Lärche des Bodenmann ’ (Simplon) kommt einmal der FaN Bodenmann, Familie von Lax und Martisberg (AWWB 36) vor. Eine wörtliche Deutung zu Boduma ‘ der Mann vom Boden ’ liegt kaum vor. Bodi (FaN) Bodi (FaN) ist nur in ts Bodisch Weid ‘ die Weide der Familie Gundi mit dem Beinamen Bodi ’ (Steinhaus) belegt. Es handelt sich um einen Genitiv zu einem Diminutiv Bodi ‘ der kleine Boden ’ . Der FaN Gundi ist im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 741) für Niederwald und Filet belegt. Bodmer (FaN) Im historischen Beleg von 1826 wird eine Hofstatt der Pottmer (Obergesteln) erwähnt. Vermutlich ist hier der FaN Bodmer gemeint, eine alte Familie von Niederernen, die sich im 16. Jh. in Mühlebach und Lax niederliess und sich bis ins 17. Jh. auch Bogner schrieb (AWWB 36) (cf. auch HL B ODU ). Bodu Bodu ist zum hdt. Boden zu stellen. Damit werden ebene, leicht bebaubare Flächen bezeichnet. Sie sind für die Land- und Alpwirtschaft sehr wichtig, deswegen kommt das Lemma sehr häufig vor (rund 1600 Belege). Es ist zu schwdt. Bodem m., sonst Bode n , wdt. Bode, Bodu, Bodä (Goms) Bodo (Schattenberge), Bodn (Lötschtal) wie nhd. ‘ Boden ’ , ‘ kleinere Ebene zwischen, an oder auf Abhängen; Wiesengrund, Bergterrasse, baumfreie, kleine Ebene in Bergwäldern, kleinere Hochfläche ’ , ‘ kleinere, rundliche Einsenkung des Erdbodens ’ , ahd. bodam, mhd. bodem (I D . 4, 1020 ff.; I D . 4, 1038; G RICHTING 1998, 40) zu stellen. Im Oberwallis erscheint der Name in verschiedenen Formen. Die eine lässt sich auf ahd. bodam, mhd. bodem 249 250 Bodu <?page no="190"?> zurückführen, die andere auf umgelautetes und entrundetes bidum (< büdum). Zur ersten gehören die Simplizia Bode / Bodu / Bodo / Boda mit den Pluralformen Bodma / Bodme, die teilweise zu Bobma / Bobme assimiliert werden. Häufig sind sie auch verbunden mit einer Präposition, meistens in mit dem Dativ, was Im Bodu, Inu Bodme und ähnliches ergibt. Eine alternative Pluralform ist das umgelautete und entrundete Bedu, wobei die Qualität des / e/ je nach Ort auch offen sein kann bis hin zur Schreibweise Bädu. Die Diminutive dazu sind entweder Bodi (Pl. Bodini) oder Bodji (Pl. Bodjini), vereinzelt auch Bodälli. Der zweite Stamm hat im Simplex Bidem / Bidum / Bipm (Lötschtal) und im Plural Bidmer / Bipmer; selten sind Formen mit einem / e/ im Stamm: Bebm und (flektiert) Bebmin sind im Lötschtal belegt. Als Diminutiv findet man neben Bidi auch Bidemji / Bidumji / Bidimji (teilweise historische mit -ggeschrieben, das aber für -jsteht); die Pluralbildung führt hier zu Bidini und Bidemjini etc. Interessant ist die Kollektivbildung Gebidem / Gibidem / Gibidum n.; in den Gebieten, in denen anlautendes / gi-/ vor / b/ assimiliert wird (etwa zu Bipm), ist nicht immer klar, ob das Simplex oder ein Kollektiv vorliegt; vor allem, wenn das Genus nicht eindeutig ist. Eine Ableitung mit / - ER / zu Boden ergibt als Zugehörigkeitsform Bodmer, das - neben Imboden - auch als FaN erscheint (AWWB 128 mit beiden Formen). Die / - ER - I ( N )/ -Ableitung zu Bodmeri meint dann eine Wasserleite von oder zu einem Bode oder Bodme. Boden ist häufig allein stehendes Simplex, wie gesagt oft mit in versehen. Das gilt auch für den Plural und die Kollektivbildung. Neben attributivischen Bildungen vom Typ der Schwarz Bode, der Leng Bode, der Wiiss Bode und den seltenen Partizipien wie Sickundu Bodu ‘ der nässende Boden ’ wird Boden in Zusammensetzungen meistens als Grundwort verwendet. Neben den Nutztieren, für die der Boden gebraucht wird, wie Rossbode, Chalberbode, Lammerbode, Chüe- / Chiebode, finden sich sehr viele andere Zusammensetzungen, etwa mit Pflanzen (Räckholterbode, Chleebode), Nutzungsformen (Tanzbode, Springbode, Scheidbode, Ringbode), Besitzern (Agnyg Bode, Giischigbode), geografischen Eigenschaften (Fleschbode, Schneebode) und manches andere. Als Bestimmungswort ist Bodu deutlich weniger häufig vertreten; es gibt aber einige Boduachra und Bodumatte und vereinzelte Belege wie Bodusunna ‘ das sonnseitig gelegene Grundstück unterhalb des Bodens ’ (Randa). Natürlich gibt es dann auch komplexere Bildungen, in denen Bodu ganz unterschiedliche Funktionen hat, wie z. B. Schenuboduwaldji ‘ der Wald beim schönen Boden ’ (Visperterminen), der Rossbodupass ‘ Rossbodenpass ’ (Visperterminen) oder der Ronibodjifärich ‘ der Pferch beim kleinen Boden der Alpe Roni ’ (Visperterminen) und viele andere mehr. Boemmelti Bo e mmelti ‘ beim kleinen Baum ’ ist nur 1552 in Münster belegt. Es handelt sich um eine Diminutivform ‘ beim kleinen Baum ’ zum HL B ÖÜM ‘ Baum ’ . Laut SDS (1, 124) hat Geschinen bei Münster eine monopthongierte Form Böm. G RICHTING (1998, 40) führt an erster Stelle ebenfalls Böm ‘ Baum ’ auf. Auch I D . (4, 1230 ff. s. v. Baum) kennt monophthonge Formen, jedoch keinen Diminutiv auf / - ELTI / , der aber im Wallis geläufig ist (vgl. SDS 3, 156). Boeuf Boeuf ‘ Stier ’ ist zweimal belegt: Corne du Boeuf ‘ Stier- Horn / Ochsen-Horn ’ (LT, Oberems) und der Padöböff ‘ der Pas de / du Boeuf (Ochsenpass) ’ (Oberems, FLNK Pas du Boeuf). Die Schreibweise der Präposition de / du ist nicht einheitlich. In beiden Fällen handelt es sich um die frz. Form boeuf (G PSR 2, 448; G. P ANNATIER p. c.). Boge Das Lemma Boge tritt in drei Bedeutungen auf: zum einen ein Brückenbogen aus Stein (auch Schwibbogen), zum zweiten als bogenartige Geländeform, zum dritten als Ellbogen - auch hier eine Geländeform, die einem Ellbogen gleicht. Es ist zu schwdt. Boge n m., Pl. mit Umlaut, Dim. Bogji, Bögli, Bögeli, im Allgemeinen wie nhd. ‘ Biegung, gebogene Linie; etwas Gebogenes (Brückenbogen, Fensterbogen, Gewölbebogen, Schwibbogen) ’ , mhd. boge und wdt. Boge, Bogä (Goms), Boga (Mattertal), Bogn (Lötschtal), Bogu ‘ Bogen ’ zu stellen (I D . 4, 1060 ff.; G RICHTING 1998, 40). Weiter sind Ellbogen zu schwdt. Ell-Boge n m. wie nhd. allgem. ‘ Ellbogen ’ , zur Bezeichnung von etwas Ellbogenähnlichem (I D . 4, 1064 ff.; BENB I, 4, 459 f., wo auch feminine Formen erwähnt sind) und Schwibbogen zu schwdt. Schwî-Boge n ‘ steinerner Bogen über Gewässern ’ , ahd. swibogo (I D . 4, 1068; BENB I, 4, 459 f.) zu erwähnen. Der Beleg Stiibogn (Kippel) wird zu Stiia ‘ einfacher Stall ’ gestellt; es könnte sich aber auch um eine Re-Interpretation von Schwibbogen handeln. Bogen erscheint nur einmal als Simplex Singular jm Bogen ‘ im Bogen (unklar) ’ (1477, Bürchen), als Simplex Plural in Bine Bege ‘ bei den Bögen ’ (Oberwald; FLNK Bi de Bege); es ist sonst Grundwort in Ellbogen und Schwibbogen. Komplexere Formen sind Ellbogegrabe ‘ der Graben oberhalb des Gebietes Iner Ellboge (im Ellbogen) ’ (Gluringen, auch LT und FLNK) und Ellbogeloch ‘ das Loch im Gebiet Ellboge (Ellbogen) ’ (FLNK, Gluringen). Einmal ist es Bestimmungswort in Pogungraben ‘ der Bogengraben (unklar) ’ (1619, Simplon), wo es mangels weiterer Angaben nicht näher gedeutet Boemmelti 251 252 <?page no="191"?> werden kann. Allerdings hat J ORDAN (2006, 234) unter Pooggu und Pooggubode wohl die gleiche Flur gemeint; interessanterweise verweist er auf Pogungrabe beim vorausgehenden Lemma Gräbu ‘ Gräben ’ , sodass er implizit die gleiche Deutung annimmt, wohl auch zum HL B OGE . Boggarden Boggarden ist 1684 in Turtmann als in der Boggarden belegt. 1701 erscheint Zer Bagerden (? ), das im Beleg von 1684 im Oberriedt lokalisiert wird; es handelt sich dabei wahrscheinlich um eine Kleinsiedlung östlich auf ca. 900 m (auf LT Obers Ried, auf SK als Ob. Ried mit deutlich mehr Bebauung). In beiden Fällen ist von einer Wiese die Rede. Beide Namen sind feminin, können also zunächst nicht zu Garte n m. ‘ Garten ’ (I D . 2, 432 f.) gestellt werden. Es könnte sich aber um eine Re-Analyse eines Plurals als femininem Singular handeln. Dann würden beide Namen an eine Form von Baumgarte n (I D . 2, 436) erinnern (zu Bovergl. BENB 1, 4, 415 f.; zu Boumgarte BENB 1, 4, 503 ff.). In beiden Fällen sprechen aber sowohl Genus wie Lautung (Palatalisierung zu / ö/ oder ähnlich fehlt) dagegen. Auffällig ist, dass gleich neben dem Oberen Ried sich ein Flurname Ägerte (LT; SK Egerten) (cf. HL Ä GERTA ), der heute zu Eischoll gehört, befindet; er könnte, eventuell mit der Präposition bi ‘ bei ’ , in den Formen Boggarden und Bagerden ‘ beim Pflanzplatz ’ versteckt sein. Bois Bois ‘ Wald ’ ist der ältere Name von Leukerbad. Belegt ist er als Boez (Belege unter Leukerbad) und 1402 in Leuk als vallis des Bois ‘ das Tal von Leukerbad ’ . Siehe dazu G PSR (2, 456 ss. s. v. bois und unter Noms de lieux 460: Buez 1229, anc. nom de V[alais] Louèche-les-Bains). Das Wort sei vor allem in den Orts- und Flurnamen als ‘ Wald ’ vertreten gewesen; allgemein wird sonst eher der keltische Typ * JUR für das Appellativ ‘ Wald ’ verwendet. Bolla Bolla f. ist historisch 1350 in Agarn als super pratis de la bolla (cf. HLL P RA und P RADIUM ) belegt; hierzu gehört auch das 1669 in Agarn belegte in der Bollen. Unklar sind jedoch das 1346 in Agarn bezeugte eys pollez und das ca. 1500 erwähnte eys pollet, die beide eher zum HL P OLLET zu stellen sind. Lebend ist di Bollu (Leuk) belegt, die 1519 als Bolla, später als in der Bollen erscheint. FLNK kennt es als Bollumattu - am gleichen Ort, heute als Pfarreiwiese bei Gampinen (Weiler von Leuk) belegt. Vermutlich sind alle historischen Belege zu Bolla am gleichen Ort zu finden. Das dt. Wort Bolle (Z INSLI 1946, 313) wird auf ahd. bolla, dieses als Lehnwort aus dem lat. BULLA (FEW 1, 607 ff. s. v. bulla blase) zurückgeführt. Das sonst im Deutschen vorhandene Bohl ‘ rundlicher Hügel ’ fehlt aber im Oberwallis sonst ganz. Das HL muss also auf ein romanisches HL zurückgehen. Die Lokalisierung auf der SK von 1886 zeigt ein flaches Stück Land am alten Rottenlauf. Am nächstliegenden wäre deswegen ein rundes Stück Land und das HL B OLLA geht zurück auf lat. BULLA blase (FEW 1, 607; G PSR 2, 631). Boltz Boltz ist nur 1547 und 1558 in Reckingen als Boltz Schleiff und Boltzschleiff ‘ der Schleif des Boltz (PN? ) ’ belegt. Eine Verlesung von Holz ist nicht ausgeschlossen, doch kann auch Bolz im Sinne von ‘ pfeilgerade ’ (I D . 4, 1226, bes. Bed. 9.) und wdt. bolzeggrad, bolzugrad (Saastal), bolzugraad (Lötschtal), bolzuggärad ‘ schnurgerade ’ (G RICHTING 1998, 40) gemeint sein. Nicht ausgeschlossen werden kann weiter eine Kurzform PN Boltz, der als Nutzer des Schleifs gemeint sein könnte. Der Name wäre dann zu BALDA ‘ kühn ’ nach F ÖRSTEMANN (1, 233 ff.) zu stellen. Die verschiedenen Vorschläge lassen keine klare Deutung zu. Für die Grundtabelle wurde der PN gewählt. Bomme Bomme ist nur 1352 in Unterems als jn Bomme belegt. Laut Dokument handelt es sich um ein Stück Land. Der Name ist unsicher. G. P ANNATIER (p. c.) würde ihn zu baume (G PSR 3, 293 s. v. 3. baume) stellen, das dem wdt. Balma entspricht und normalerweise einen Felsen meint, unter dem Tiere und Menschen Schutz finden. Möglich ist auch ein Anschluss zu pommier ‘ Apfelbaum ’ (cf. B OSSARD / C HAVAN 2006, 156 s. v. Pomy). Ein Anschluss an ein dt. Lemma wie etwa Boum ‘ Baum ’ wäre nur möglich, wenn eine Monophthongisierung angenommen würde, was in dieser Gegend laut SDS (1, 124 s. v. Baum) kaum gegeben ist. Am wahrscheinlichsten ist deswegen die Deutung von G. P ANNATIER . Bomossier Bomossier m. ist als lebender Name (ohne Koordinaten, vgl. aber Triftbach) in Zermatt belegt; ein historisches Bomassyer (1494, Grächen) gehört wohl auch hieher. Nach J ULEN ET AL . (1995, 150 und 213) handelt es sich um den alten Namen des Triftbaches oder des Triftbächji, seine Herkunft bleibt aber ungeklärt. Die historischen Belege zum Namen geben 1435 Bomassy`er, 1434 Bo ᵘ mmassyer, 1448 Bo ᵘ masyer usw. und weisen ihm lat. RIPA ‘ Bach ’ zu, unterstützen also die Angabe bei J ULEN ET AL . Bis jetzt wurde keine sinnvolle Deutung des ursprünglich wohl romanischen Namens gefunden. 253 254 Bomossier <?page no="192"?> Bon (rom.) Bon ist als Adjektiv bon nur belegt in ol bon fons ‘ bei der guten Quelle ’ (1338, Leukerbad). Das Adjektiv ist s. v. Bon im G PSR (2, 483 ss.) vertreten; zurückzuführen ist es auf lat. BONU - (FEW 1, 433 s. v. bonus gut). Bon Bon kommt in einigen wenigen Fällen vor, die wohl auf verschiedene Lexeme zurückgehen. Wohl deutsche Belege sind ts Bogässi ‘ die kleine Gasse bei den Bohnenpflanzungen (unklar) ’ (Randa) (das / o/ ist nasalisiert und es folgt ein unsicherer velarer Nasal; ein Boon- ‘ Bohne ’ mit Kürzung (Brandstettersches Gesetz) ist also möglich) und in den Boschliechten (1753, Filet), wo entweder Boon- ‘ Bohne ’ oder Boum- ‘ Baum ’ gemeint sein kann; dÿe Booschlu ͦ cht (1480, Obergesteln) ist ähnlich zu deuten. Zwei vermutlich romanische Fälle sind Bomatte (Feschel), di Bohaltu (Guttet). Zwar sind romanisch-deutsche Mischformen immer problematisch; in Bo(n) könnte sich aber entweder das Adj. bon ‘ gut ’ oder das Nomen bon ‘ Gut ’ oder das patois-Wort bou ‘ boeuf, Stier ’ (G PSR 2, 448ff, bes. 450) verbergen (vgl. HL B ON ( ROM .)). Boner (FaN) Die Belege ts Boneregg ‘ die Ecke der Familie Boner ’ , an Boners Eggen ‘ an der Ecke der Familie Boner ’ (1765, Naters), Bonero Wildi ‘ das Brachland der Familie Boner ’ (1651, Mund) und Bonerro Hitta ‘ die (Alp-)Hütte der Familie Boner ’ (1579, Eggerberg) sind zum FaN Boner zu stellen, der im Register von HRBS erwähnt wird; laut Gwp. handelt es sich um einen ehemaligen Familiennamen von Mund. Unklar ist der Beleg Bonig See (auch Boniger See) (Törbel) - es handelt sich um einen kleinen Alp-See, der den Bonigen (eine kollektive / - IG / -Ableitung zu Boner) gehört haben könnte; ein Alpname dazu fehlt jedoch. In der Datenbank zu Personennamen des FGA in Brig findet sich Boner als Kurzname zu Abgottspon. Bongen Bongen ist nur einmal historisch 1450 in Obergesteln als in den Bongen belegt. Das HL fehlt in den Wörterbüchern. P H . K ALBERMATTER (p. c.) nimmt an, dass über dem {o} ein Sonderzeichen steht und das in Obergesteln sonst belegte Buogen gemeint sei (cf. HL B UGEN ). Da für Bongen keine Deutung möglich ist, wird hier auf die Deutung von Bugen verwiesen. Boona Bohnen wurden traditionellerweise auf Äckern angebaut; sie dienten als Tierfutter und ihr Mehl wurde teilweise mit Brotmehl vermischt. Zu stellen ist das HL B OONA zu schwdt. B ō n, B ō ne n f., Pl. B ō ne n , Dim. Bön(d)li, Böneli, Böndeli, W[allis] auch B ō ni ‘ Bohne, Sau- oder Ackerbohne Vicia faba, früher allgem. angebaut und tw. als Mastfutter für das Vieh, tw. als nahrhafte Speise für die Menschen verwendet, ( … ); etwas Wertloses; Erbse, ( … ) ’ (I D . 4, 1310 ff.; G RICHTING 1998, 40). Boona erscheint nur als Bestimmungswort, meist zum Grundwort Acher und dann in der Form Bonacher. Selten sind andere Grundwörter wie Biina, Gaarte, Schluocht und Loch. Komplexere Belege wie der Bonacherstutz ‘ die steil ansteigende Stelle oberhalb des Bonacher (Bohnenacker) ’ (Obergesteln) und der Unner Bonacher ‘ der untere Bohnenacker ’ (Ritzingen) sind selten. Einige der unter dem HL B ON aufgeführten Belege können hieher gehören. Die früheren Bonacher in Siedlungsnähe sind heute oft überbaut. Boonu Boonu ‘ gut ’ ist nur in di Boonufännä und ts Boonufännugässi (beide Leuk) belegt. Zu Grunde liegt frpr. bonna fèna ‘ bonne-femme ’ (G PSR 2, 492 s. v. bonne-femme). Das Kompositum bezeichnet eine Hebamme, wird für eine Pflanze (Distel) verwendet und kommt auch sonst als Flurname vor. Die genaue Motivation für einen Rebberg ist unklar. Bei Boonu ist wohl auch ein Anklang an Boona ‘ Bohne ’ vorhanden, doch ist der Name einem Rebberg zugewiesen. Boortel Boortel kommt nur in Ried-Brig vor. Zentral ist der Alpname Boortel. Die ältesten Belege haben Bortal (1389, 1390), später auch Borthal (1577). Die Schreibweise ist unklar: sie kann entweder eine volle zweite Silbe bezeichnen oder sich auf Tal beziehen, dass dann durch den Einfluss der Erstbetonung reduziert worden wäre zu T ǝ l. Diese Erklärung steht aber im Gegensatz zu den vielen Flurnamen mit dem Grundwort Tal, die nicht reduziert wurden. Unklar wäre dann auch, welches Lemma die erste Silbe vertritt: Boor ‘ Bohrer ’ oder Boord ‘ Abhang ’ ? Eine zweite Hypothese wäre eine / - EL / -Ableitung zu Boord (S ONDEREGGER 1958, 513 spricht von “ Stellenbezeichnung ” , zu Boord siehe I D . 4, 1615 ff. s. v. Bort), etwa mit der Bedeutung ‘ Alpe an einem Bord (Abhang) ’ . Eine Ableitung von Poort (I D . 4, 1632) ‘ Zaunlücke, Durchgang durch einen Zaun ’ dürfte kaum zutreffen. Keine der aufgezählten Hypothesen vermag zu überzeugen, doch am sinnvollsten ist eine / - EL / -Ableitung zum Nomen Boord ‘ Abhang ’ . Neben dem Simplex kommt das Lemma als Bestimmungswort zu Alpa, Gletscher, Heeji, Hooru, Licka und Seewji vor. Die Namen bilden so ein Namennest. Bon (rom.) 255 256 <?page no="193"?> Boot Boot - ursprünglich kein Dialektwort - wird als Bestimmungwort in bim Boothüüsi ‘ beim kleinen Bootshaus ’ (Betten) für den Aufbewahrungsort der Mietboote am Bettmersee verwendet. Vgl. nhd. Boot n. (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 141). Boozu Boozu ist der Singular zum Plural Booze ‘ Gespenster, Spukgeister ’ . Sie spielen in den Walliser Sagen eine wichtige Rolle; Orte, die unheimlich sind, an denen es spukt, werden danach benannt. Das HL B OOZU ist zu schwdt. B ō z, Pl. B ō ze n und wdt. Booze, Boozä (Goms), Booza (Mattertal), Boozu m. ‘ Popanz, Vogelscheuche; Gespenst; Schreckgespenst für Kinder ’ (I D . 4, 1994 f.; G RICHTING 1998, 40) zu stellen. Das HL tritt nur als Bestimmungswort auf. Die Grundwörter sind: Balma, Färich, Hitta, Loch, Stei, Tola und Trog. Bord Ein Boord n. (mit gelängtem Vokal und meist auslautendem -t) ist in unserem Gebiet meistens ein Abhang oder ein Böschung, manchmal auch ein Rand oder eine Begrenzung; es ist insgesamt nicht selten, was mit der gebirgigen Topografie des Gebietes zusammenhängt. Belegt sind rund 420 Flurnamen. Zu stellen ist es zu schwdt. Bort, wdt. Boord n., Pl. unverändert oder Börter, Dim. Börtli, Bördji ‘ Rand, äusserstes Ende eines Dinges, z. B. eines Tellers, Tisches ’ , vom Erdboden: ‘ Uferrand, -böschung eines Sees, Flusses, Bachs ’ , ‘ Rand, ansteigende oder abfallende Böschung, (mit Gras oder Gesträuch bewachsener) Grenzrain an Grundstücken (Wiesen, Äckern, Gärten), Strassen und Wegen; kleiner Abhang ’ , mhd. bort, -tes mn., dazu FaN Borter (I D . 4, 1627 ff.; G RICHTING 1998, 40). Das Wort erscheint zunächst als Simplex im Singular oder Plural (Beerter), wobei der Plural mehrere kleine Abhänge oder Böschungen meint und Entrundung aufweist. Der Diminutiv (Boortji; selten Beertji) hat meistens keinen Umlaut; oft ist er im Plural (Boortjini; Beertjini). Neben attributivischen Fügungen (ts Leng Boort, ts Root Boort usw.) gibt es viele Zusammensetzungen mit Boord als Grundwort, wobei meist die Lage ausschlaggebend ist; die meisten dieser Namen sind unter dem Bestimmungswort erschlossen. In komplexeren Fügungen kann Boord ebenfalls auftreten, so in Öügschtbordwasserleitu (Wasserleite aus dem Öügschtbord). Zusammensetzungen mit Öugschtbord oder ähnlich sind häufig; sie bezeichnen meist den Zeitpunkt der Nutzung (cf. HL Ö UGSCHT ). Ein seltsamer vorausgesetzter Genitiv eines PN ist in ts Ober und ts Unner Wiisch Bord ‘ das obere und das untere Bord des Alois ’ (Grengiols) enthalten, wo laut Beschreibung Wiisch für <ts wiisisch> ‘ des Alois ’ steht. Als Bestimmungswort tritt Boord ebenfalls auf: meist wieder in Bezug auf die relative Lage: Boordacher ( ‘ Bordacker ’ ) oder Boordhooru ( ‘ Bordhorn ’ ) sind zwei Beispiele. Ein Sonderproblem bietet das mehrfach auftretende Landboord (Gampel, Bratsch), das den Rottendamm bezeichnet - unklar ist, ob Land hier das Material des Dammes meint (also Erde) oder ob es in Analogie zur Landstraass ‘ Staats-, Kantonsstrasse ’ einen kantonalen Damm bezeichnet. Als FaN treten Ambord und Borter auf (AWWB 8 und 40). Vermutlich auch hieher gehört die Ableitung auf / - EL / (Stellenbezeichnung) in Boortel (cf. HL B OORTEL ). Bordier (FaN) Der FaN Bordier erscheint im Namen einer SAC-Hütte (St. Niklaus) auf 2990 m, die von Pierre Bordier (Genfer Privatbankier, 1872 - 1956) im Andenken an seinen hier verunglückten Sohn gestiftet wurde. Belegt sind Bordier (FLNK, St. Niklaus) und di Bordjehitta ‘ die Bordier-Hütte des SAC ’ (St. Niklaus; LT Bordierhütte). Der FaN Bordier ist im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 210) für Genf und Coppet aufgeführt. Borer Borer ist zum schwdt. Verb bore n ‘ bohren ’ (I D . 4, 1505) und dem davon abgeleiteten Borer ‘ Bohrer ’ (I D . 4, 1507) zu stellen; G RICHTING (1998) kennt die beiden Einträge nicht. Die Belege in I D . gelten zumindest für di Borertschugge ‘ die Felsen mit Bohrlöchern ’ und der Borertschuggufärrich ‘ der Pferch bei den Felsen mit Bohrlöchern ’ (beide Hohtenn), laut Gwp. sei der Weg dort in den Fels hineingebohrt worden. In Embd ist 1698 ein Borerbaúm erwähnt, der lateinisch pomum ‘ Apfelbaum ’ genannt wird; vermutlich handelt es sich hier um ein Pflanzung von Apfelbäumen. Der Flurname beim Bohrerkreuz (1872, Ergisch) wird aus dem Kontext erklärt: es handelt sich um den Ort, wo eine Wasserleitung in den Fels eingesprengt werden soll. Bori (PN) Bori (PN) ist ein Personen- oder Beiname, der zweimal vorkommt: ts Borisch Holz ‘ der Wald des Bori ’ (Ried- Brig) und ts Borisch Howwetu ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau des Bori ’ (Niedergesteln). Es könnte sich um eine Kurzform zu Borer ‘ Bohrer ’ (I D . 4, 1507) handeln, doch gibt es dafür keine direkten Hinweise. Die Einträge zu Bori im I D . (4, 1508 ‘ Hunger haben ’ und 1511 ‘ Rausch ’ ) sind kaum einschlägig; in G RICHTING (1998) fehlt ein Eintrag. Der FaN Borri (NWWB 1, 44) aus Bergamo kommt kaum in 257 258 Bori (PN) <?page no="194"?> Frage. In den belegten Fällen ist wohl ein Genitiv des Besitzers oder Nutzers gemeint. Bornaatsu (PN) Bornaatsu ist nur einmal in ts Bornaatsu Acher (Staldenried) erwähnt. Es liegt ein Genitiv Singular eines PN oder Beinamen vor. Naats ist zu Ignaz (I D . 4, 885 mit Verweis auf Gnazi ‘ Ignazius ’ (I D . 2, 676)) zu stellen. Bor ist wahrscheinlich zu ‘ der Bohrer ’ zu stellen (cf. HL B ORER ). Bornaatsu ist also ein Beiname für jemand, der Ignaz hiess und den Beruf eines Bohrers hatte oder Bor(i) genannt wurde. Gwp. vermutet einen Steinmetz. Borter (FaN) Borter (FaN) - ein Herkunftsname zu Boord - erscheint in AWWB 40 als Borter, auch Borta, Borters, Borterez, Borthere, Borter sub via, Ambort, Am Bort: Familien, die man im 14. Jh. in Ernen, Fiesch, Geschinen, Reckingen und Ulrichen (hier als Ambort) findet. Bei den Flurnamen ist nicht immer klar, ob wirklich der FaN gemeint ist; so ist die Alp Zen Borteren (Oberems) ziemlich sicher dem FaN zuzuordnen, aber die davon abgeleiteten Borterhorn, Bortertälli usw. sind über den Alpnamen mit dem FaN verbunden, nicht direkt. Manchmal kann auch einfach eine Verbindung mit dem Flurnamen Boord gemeint sein, der nicht in jedem Fall überliefert ist. Bis auf den Alpnamen Zen Borteren tritt Borter als Bestimmungswort auf und kann dann auch als alter Genitiv auf / - ER ( O )/ ‘ die Leute vom Bord ’ gelesen werden. Unklar ist in der Teiffÿ Borteri ‘ in der tiefen Borterin (wohl: Besitz der Familie Borter? ) ’ , wo auch eine Wasserleitung gemeint sein könnte. Bösch (FaN) Der FaN Bösch ist nur in Karl Böschweg (FLNK, Saas-Fee) belegt. Der Weg wurde nach Karl Bösch (1914 - 1992), heute Bösch Sanitäringenieure AG in Dietikon (ZH) benannt, der die Wasserversorgung der Standseilbahn Felskinn-Mittelallalin in Saas-Fee sicherstellte. Der FaN Bösch ist laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 193 f.) weit verbreitet, doch nicht im Wallis belegt. Bosgolt (PN) Bosgolt ist ein PN. Er ist im Genitiv belegt in Bosgoltzgarto ‘ der Garten des Bosgolt ’ (1304, Visp). Vgl. eventuell Bossold in F ÖRSTEMANN (1, 332). Bosoneys Bosoneys ist in Varen 1241 als iuxta contaminam Bosonis ‘ neben dem Landgut des Boso ’ und 1346 als eys bosoneys belegt. Im ersten Fall handelt es sich um den PN und FaN Boso (AWWB 30 s. v. Besson und 81 s. v. Dubosson); im zweiten Fall wohl um eine Ableitung zu frz. buisson, frpr. bòson ‘ Busch ’ (G PSR 2, 883 ss.), wohl eine kollektive Ableitung auf - Ē TUM (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288). Vgl. auch die Aufzählung von Orts- und Flurnamen zu Bosson (B OSSARD / C HAVAN 2006, 177). Bossigu Bossigu ist eine kleine Alpsiedlung, die zur Alpe Hungerli im Turtmanntal (Gemeinde Oberems) gehört. Der älteste Beleg von 1337 ist Zen Bozinguen, später folgen Zem Bosingen (1472) und 1707 Zen Bossigen. FLNK hat Bossigu. Es handelt sich wohl um eine kollektive / - IG / -Ableitung zu einem Kurznamen Boso oder ähnlich (F OERSTEMANN 1, 332); also ‘ die Alpsiedlung der Leute des Boso ’ , oder der frz. PN Boson, der im Wallis gut bekannt war (cf. HL B OSONEYS ). Belegt ist als Kompositum der Bossigerstei ‘ der Felsblock bei der Alpsiedlung der Leute des Boso ’ (Oberems). Der komplexe Name Bossigu Hungerli Unner Stafel (FLNK, Oberems) meint dann ‘ die Alpsiedlung Bossigen, dem unteren Stafel der Alpe Hungerli ’ . Bossinen Bossinen ist 1716 in Naters als die Bossÿnen ‘ die unfruchtbaren Wiesen ’ belegt; es handelt sich um den Drittel einer Wiese in Geimen. Am nächstliegenden ist eine Substantivierung im Plural zum Adjektiv bos ‘ unfruchtbar ’ , das 1527 in das boso ᵉ rt ‘ der böse Ort (Spitze, Ecke? ) ’ belegt ist und zu bos ‘ (hier: ) unfruchtbar ’ (I D . 4, 1705 ff.) und B ȫ si als Bösene ‘ steil abfallende Wildheuplätze ’ (für Kt. Uri belegt) (I D . 4, 1727; als Beesi Bed. 2 ‘ gefährliche Stelle im Hochgebirge ’ in A SCHWANDEN / C LAUSS (1982, 65), erwähnt in A SCHWANDEN (1994, 7), zu stellen. G RICHTING (1998, 33) kennt beesch ‘ böse ’ und mehrere Ableitungen davon, aber keine ist einschlägig. Zu vergleichen sind auch die Einträge zum HL B EESCH . Bosson (FaN) Bosson (FaN) ist zum FaN Besson, Bosson (AWWB 30) zu stellen. Die Belege les Cloz Besong (1568, Albinen) und weitere wie Bossong, Bosson und Clabossong beziehen sich auf das eingefriedete Gut der Familie Bosson in Albinen. Botaysses Botaysses ist eine unsichere Lesart eines Beleges von 1433 in Leuk, die M. S. auch als Votaysses liest. Da weitaus die meisten Belege unter dem HL V OTAYSSES in Leuk als Weinberge belegt sind, gehört der verlesene Beleg dorthin. Bornaatsu (PN) 259 260 <?page no="195"?> Bott Bott m. ‘ der Bote ’ ist zu schwdt. Bott ‘ Bote ’ (I D . 4, 1882 ff.) zu stellen. Das HL kommt nur im vorangestellten starken Genitiv Singular vor: z Potschhüs ‘ das Haus des Boten ’ (Oberems), z Potsch Hauss ‘ das Haus des Boten ’ (1663 u. später, Unterems), z Bots Acher ‘ der Acker des Boten ’ (1770, Oberems). Aus den Belegen geht nicht hervor, welche Art Bote hier gemeint ist. G RICHTING (1998, 41) kennt zwar wdt. Bott, aber nur als ‘ Mitteilung, Aufgebot, Busse ’ - also nicht im Sinne von Bote. In einem Beleg von 1548 aus Unterems ist weiter ein Perrodus Botzo erwähnt; es könnte sich also auch um einen FaN Botzo handeln, der aber sonst unbelegt ist. Bou Bou ist nur 1602 in Albinen als ou bou du Salyr ‘ beim Stall von Salyr ’ belegt. T AGMANN (1946, 71) übersetzt bou als ‘ étable ’ (Stall) und verweist auf G PSR (2, 438 s. s. v. b œ (vereinfacht) ‘ Stall ’ ). Salyr kann nicht gedeutet werden, cf. HL S ALYR . Boudri Boudri ist nur als Le Boudri (Gipfelname, dt. Burgihorn auf 3070 m, Oberems) belegt. Es handelt sich um einen Gipfel zwischen Turtmanntal und Val d ’ Anniviers. Der deutsche Name wird als ‘ kleine Burg ’ verstanden. Die frz. Form le Boudri ist bei K RISTOL ET AL . (2005, 177) für die neuenburgische Gemeinde Boudry zum PN Balderich gestellt; diese Deutung kann im vorliegenden Fall kaum angenommen werden. Problematisch ist weiter, ob le Boudry oder Burgihorn primär war. Das unter Baudrier (G PSR 2, 292) erwähnte Boudri ‘ doppelter Seilring, Schulterriemen, Klettergurt ’ kann vermutlich nur metaphorisch gemeint sein; die Deutung ist also unsicher. Böuggi Böuggi ist nur belegt in der Böuggigrabe ‘ der gebogene Graben ’ (Grengiols). Die Form ist unklar; im Oberwallis muss / öu/ als Palatalisierung aus / ou/ verstanden werden. Die Endung verweist auf einen Diminutiv, der aber nicht umgelautet ist (sonst würde Beiggi entstehen). Am nächstliegenden wäre die Ablautstufe des Präteritums bouc ‘ bog ’ zum Verb biegen. I D . (4, 1078) kennt ein Baugg m. ‘ Biegung, ein- oder ausgebogene Stelle ’ , aber nur für Graubünden; inhaltlich würde ‘ der gebogene Graben ’ Sinn machen; das HL ist aber sonst nie belegt. Das ebenfalls mögliche Bauggi n. ‘ Popanz, Schreckgespenst für Kinder ’ (I D . 4, 1079) kommt aus inhaltlichen Gründen kaum in Frage. Böüm Böüm ‘ Baum ’ ist ein HL mit mehreren Varianten (vgl. R ÜBEL 1950, 3). Es kommt in rund 170 Flurnamen vor. Sie sind zu schwdt. Baum, Boum, Boun, Boin, B ŏ m, B ŭ m, wdt. Böm, Böim (Mattertal), Böüm (Saastal), Boim m. ‘ Baum ’ (I D . 4, 1230 ff.; G RICHTING 1998, 40) zu stellen. Das Simplex Böüm kommt nur sehr selten vor, auch im Plural (mit Entrundung) (Unner de Beimu ‘ Unter den Bäumen ’ (Raron)) oder als Diminutiv (Boimjini ‘ die kleinen Bäume ’ (Simplon)); daneben lassen sich zwei Typen unterscheiden - die Art des Baumes (Apfel-, Kastanien-, Kirschen-, Mehl-, Nussbaum als häufigste) und der Typ Baumgarten (cf. auch HL G ARTO ). Der erste Typ wird oft mit dem Genus Neutrum verwendet (ts Nussböüm ‘ das Nussbaum ’ ), was seine Verwendung als Ortsbezeichnung unterstreicht. Solche Namen können bleiben, auch wenn die entsprechenden Bäume dort nicht (mehr) wachsen. Neben dem Singular kommen selten auch Plurale (Ze Cheschtibeimmu ‘ bei den Kastanienbäumen ’ (Naters)) und Diminutive (t Epfilböümjini ‘ die kleinen Apfelbäume ’ (Gampel)) vor. Der Typ Böümgaarte ‘ Baumgarten ’ kann zu Bongarto (Visp) werden. Baumgartner kann auch FaN sein. Das in Ried-Brig belegte Furgguböüm (auch FLNK; LT Furggubäum) bezeichnet eine Alpe am Fuss des Furgguböümhoru ‘ Furkenbaumhorn ’ (it. Punta d ’ Aurona), der Furgguböumlicka ‘ die Lücke (Pass, it. Forca d ’ Aurona) beim Furgguböümhore ’ und dem kleinen Furgguböümgletscher. Durchflossen wird die Alpe vom Furgguböümbach (FLNK; LT Furrgubäumbach). Während Furggu zum HL F URGGA zu stellen ist, kann Böüm auf rund 2300 m kaum einen Baum meinen. Der älteste Beleg von 1457 hat an Furkunbun, was ein schwacher Dativ sein muss. In Frage kommt etwa das von I D . (4, 1945 ff.) erwähnte Bü(w) ‘ Bau, Mist ’ , bei G RICHTING (1998, 45) als wdt. Büww, Büü (Saastal), Buiw (Lötschtal), Buww ‘ Mist ’ . Doch diese Herleitung ist spekulativ und inhaltlich nicht besser als das später aufgeführte Böüm. Bildungen mit Adjektiven (Bim Schwartzen Bo ŭ m ‘ beim schwarzen Baum ’ (Binn)) finden sich ebenso wie Besitzernamen (ts Heersch Böümgartu ‘ des Herrn (Pfarrer) Baumgarten ’ (Mund)). Weitergehende Komposita wie etwa t Mälböümschräja ‘ der Wasserfall (des Kelchbachs) beim Weiler Mehlbaum ’ (Naters) oder in den Boúmgartenackeren ‘ in den Äckern beim Baumgarten / der Familie Baumgartner ’ (Mörel) sind selten. Vereinzelt ist die Motivation für die Namen unklar - etwa bei Im Erbböüm (Agarn), das zwar durchsichtig zu sein scheint (Kompositum mit Erb ‘ das Erbe ’ ), ohne dass klar ist, was genau gemeint ist. 261 262 Böüm <?page no="196"?> Bowiiri Bowiiri ‘ Ochsenweide, Ochsenstall ’ und das davon gebildete Boiwerig (Salgesch) gehen auf eine / - ARIU ( M )/ -Ableitung zu frz. bou < lat. BOVEM ‘ Ochs ’ (T AGMANN , Ms., 1 f. zu Bauwerig (Salgesch), auch M ATHIER 2015, 62; G PSR 2, 702 ss.) zurück. Belegt ist es als Boiwerig (Salgesch) mit frühen Belegen vom Typ la bouery, und für Albinen als Bowiiri (M ATHIEU 2006, 45 ff. mit Bowiiri und Bowiiriwald; auf S. 10 zu frz. bouvière ‘ Rinderhirtin ’ gestellt, was wohl nicht ganz zutrifft; G PSR 2, 702 s. v. bouvier mit Noms de lieux, u. a. Bovire). Als Bestimmungswort wird es mit Halta, Wald und Wiichil verbunden. Als romanisches Grundwort ist Creta (< CRISTAM ‘ Hügel ’ ) in Cretabouier (1650, Albinen) ‘ Hügel bei der Ochsenweide ’ belegt. Späte historische Belege für Salgesch enthalten verhochdeutschte Formen wie Baurig, Baubrig oder Pauprigen. Bra Bra kommt vor in t Brahitzeri ‘ die russige Stelle, wo das Vieh sich bei Hitze aufhielt ’ (Eggerberg, Mund). Vermutlich liegt hier das schwdt. B e -râm ‘ Russfleck ’ (I D . 6, 884) zu Grunde, dessen auslautender Nasalvokal getilgt wurde. Der Beleg ts Brälöüwilji ‘ das kleine, russige Rutschgebiet ’ (Gampel) enthält wohl das damit verwandte wdt. Brämo ‘ Fleck ’ (I D . 6, 884); G RICHTING (1998, 41) kennt nur das Verb brääme ‘ beschmieren mit Russ ’ . Braache Vorbemerkung IW: Es existieren von GS und ALB insgesamt vier HLL: Braache, Brache, Brachen, Brachottgini. Sie werden neu alle unter Braache gestellt. Das gilt auch für Braachet ‘ Brachmonat ’ , der als Ableitung zu Braache verstanden wird. Braache ist zu schwdt. Br ā ch, im Wallis Br ā cha f. zu stellen; gemeint ist ursprünglich das Aufbrechen des Bodens für die Neusaat. I D . führt dazu aus: ‘ zur Zeit der alten Dreifelderwirtschaft eig. das alle drei Jahre einmal erfolgende Umbrechen desjenigen Ackerfeldes, das seit der Sommerernte des vorhergegangenen Jahres den ganzen Herbst über und im darauf folgenden Frühjahr bis zum Juni, der Zeit des Umbruches (cf. Br ā chet), als Stoppelweide gedient hatte, und das nun von Juni bis zum Herbste, der Zeit der Neubestellung mit Winterfrucht, zum Zwecke der Lockerung des Bodens und Reinigung desselben vom Unkraut wiederholt umgeackert wurde; dann übertragen auf das gebrachte Feld selbst, eine der drei Zelgen ’ , ‘ umgebrochenes Stück Wiesland, Acker, zum Anbau von Getreide, Kartoffeln und anderen Hackfrüchten ’ , ‘ Allmendanteil zum Anbau von Feldfrüchten ’ , ‘ von Rasen entblösste Stelle an steilen Abhängen ’ , ‘ der beim Pflügen aufgeworfene Erdteil im Ggs. zur Furche ’ , ahd. br ā hha, mhd. br ā che (I D . 5, 306 ff.). Im Oberwallis finden sich jedoch kaum Hinweise auf eine Dreifelderwirtschaft; es gibt aber einige Gebiete, in denen ein Zweijahresrhythmus eingehalten wurde, an anderen Orten gab es hingegen kaum Brachen (vgl. A DRIAN I MBODEN , Die Land- und Alpwirtschaft im Oberwallis, 1972, S. 123: “ In manchen Gemeinden (z. B. in den Leukerbergen, in Törbel, in Zeneggen und vor allem in Visperterminen) kennt man im Roggenanbau heute noch die Brache. Das Ackerfeld wird nur jedes zweite Jahr angepflanzt. Im Juni wird gepflügt (Brachen), Ende Juli ein zweites Mal gepflügt (Drifren), Ende August erfolgt die Aussaat und im folgenden August die Ernte. Die Höhenlage und der Mangel an Mist führten zu dieser Anbaumethode ” ). Der Name kommt als Simplex, normalerweise im Plural vor (di Brache (Eischoll)), gelegentlich auch im Diminutiv (ts Braachji (Oberems) oder Brachi (Zermatt) ’ ). Ein in Naters 1673 als Brasche gelesener Name ist als die Brache (unklar ob Sg. od. Pl.) (P H . K ALBERMATTER , p. c.) zu lesen. Als Grundwort erscheint es in Zusammensetzungen sehr selten, etwas häufiger als Bestimmungsort wie in Brachacher (Visp) oder Braachmatte (Turtmann). Eine oblique Form ist einmal in ts Braachutirli (Raron) ‘ die kleine Tür beim Brachland ’ belegt. Als Ableitung von Braache dient Braachet / Braachot / Braachut ‘ der Brachmonat (Juni) ’ (I D . 5, 311 (Bed. 2)). Es erscheint historisch in Brachottgini (Naters) ‘ die kleinen Stücke Land, die im Juni bebaut werden (? ) ’ und lebend in dr Braahudschtein (Kippel) ‘ der Juni-Stein ’ (weil er im Juni heruntergekommen sei). Ganz unklar ist der Braachedwaald (Bister) mit dem Braachedwäg; während der Weg durch den Wald führt und wohl deswegen so heisst, ist schwer erkennbar, was der Wald mit dem Juni zu tun haben soll - es sei denn, der Wald hätte z. B. im Juni als Viehweide gedient (die sog. Waldweide war amtlich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekämpft, wurde aber dennoch weiter betrieben). Braadeli Braadeli ist dreimal in Albinen belegt: ts Braadeli (LT Bradele, FLNK Bradele, M ATHIEU 2006, 57 Praadelee), sowie der Braadeligrabu ‘ der Graben durch das Braadeli ’ (M ATHIEU 2006, 57 und 59 Praadeleegrabu) und der Braadeliwäg ‘ der Weg ins Braadeli ’ . M ATHIEU (2006, 57) kennt weiter Z Unner Praadelee ‘ der untere Teil des Praadelee ’ . In M ATHIEU (2006, 11) wird Praadelee als Kompositum von frpr. praa ‘ Wiese ’ (FEW 9, 333ss. s. v. pratum ‘ Wiese ’ ) und frpr. delé ‘ jenseits ’ (G PSR 5, 251 s. v. delà), insgesamt ‘ die Wiese jenseits (des Baches) ’ gedeutet. Die verschiedenen Schreibweisen lassen annehmen, dass der Name auch als dt. Diminutiv gedeutet und deswegen als Neu- Bowiiri 263 264 <?page no="197"?> trum interpretiert wird; insgesamt dürfte aber die frpr. Herkunft des Flurnamens ausser Frage stehen. Braahini Braahini ist nur belegt in di Braahini ‘ die brachliegenden kleinen Äcker ’ (Eggerberg). Es ist ist zu schwdt. Br ā ch, im Wallis Br ā cha f. zu stellen (vgl. HL B RAACHE ). / h/ an Stelle von / x/ findet sich in den umgebenden Orten in SDS 2, 98 (Ausserberg hat tr ī hu für tr ī chu ‘ trinken ’ ; Eggerberg war kein Befragungsort im SDS). Braatsch Braatsch ist zunächst der Name einer früher selbständigen Gemeinde am Nordhang des Rottentals auf ca. 1100 m; es gehört heute zur Gemeinde Gampel-Bratsch. Die ältesten Belege haben 1228 und 1242 Praes, 1300 und 1309 Prahcs und danach wieder Praes und Varianten bis 1388 Bratz, dem weitere Belege folgen. Bratsch leitet sich aus lat. pr ā tum ‘ Wiese ’ ab (O ETTLI 1945, 94), genauer aus der Pl.-Form lat. * PR Ā TAS > * PR Ā DES ‘ Wiesen ’ , welche in den hist. Belegen sowohl in der romanischen Form, mit Schwund des intervokalischen -d- (> praes), wie auch in deutsch geprägter Weiterentwicklung mit Schwund des Auslautvokals und Verhärtung des -dvor -s (> *prads > prats > brats > bratsch), überliefert ist. Die mit -ggeschriebenen Formen (Prages) von 1408 und 1530 reflektieren eine frpr. Aussprache mit [j]. Das urspr. lat. Schluss / -s/ , das sich in Teilen des Oberwallis zu [ š ] entwickelte, wird bewahrt. Da die Germanisierung von Bratsch nicht vor dem 15. Jh. abgeschlossen war, muss die deutschsprachige Form als Oberwalliser Exonym etwa im 9. Jh. entstanden sein, d. h. zu einer Zeit, als das romanische / -d-/ noch nicht geschwunden war (nach K RISTOL ET AL . 2005, 181). Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort. Verbunden ist es mit Acher, Bach und Wäg, wobei Letzteres auch 1663 zwischen dem Niwen vndt Alten Bratschwäg erscheint. In Gampel ist der Braatschwäg ‘ der Weg von / nach Bratsch ’ (LT Bratschweg, FLNK Bratschwäg) belegt, der vom Tal (Gampel) hinauf nach dem westlicher gelegenen Bratsch führt. Brachottgini Siehe HL B RAACHE . Die beiden Belege Braahudstein und Brachottgini sind zu schwdt. Br ā chet, wdt. Braachet, Braachät (Goms), Braachat (Mattertal), Braachud (Saas- und Lötschtal), Braachot m. ‘ die Arbeit, bes. die Zeit des Brachens; Monatsname Juni ’ (I D . 5, 311 f.; G RICHTING 1998, 41) zu stellen. Die Motivation des Namens ist in beiden Fällen wohl eine Verkürzung aus Brach-Monat. Brächtscha Brächtscha lässt sich als eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung zum PN Brächt ‘ Brecht ’ (< Beraht (F ÖRSTEMANN 1, 278 ff.)) und Brëcht ‘ Albrecht, Albert ’ (I D . 5, 399) stellen. Es ist in Blatten als ‘ das Gut des Brächt (PN) ’ belegt; dazu gehören di Brächtschuschiir ‘ die Scheuer beim Gut des Brächt (PN) ’ , di Brächtschusuän ‘ die Wasserleitung zum Gut des Brächt (PN) ’ und dr Brächtschuwald ‘ der Wald oberhalb der Brächtscha (Gebiet des Brächt (PN)) ’ (alle Blatten). Wohl einen Diminutiv vertritt Brächtschin ‘ das kleine Gut des Brächt (PN) ’ (Blatten), historisch 1840 (ca.) als an dem Brechzin, das auf über 2000 m liegt. Brägi Die Belege zu Brägi sind entweder auf den Flurnamen ts Brägji (Niedergesteln) zurückzuführen oder auf den davon abgeleiteten FaN Braegy, auch Braegi, Bregi, Braegin, Bregin, Bregis, Breglin geschrieben (AWWB 42 f.), einer alten Familie aus Niedergesteln, nach dem Weiler Brägi benannt. Sie hat sich später nach Turtmann, Ems, Raron und anderen Orten verbreitet. Das Simplex ist jedoch Prag / Brag n. Es erscheint als Simplex Prag (FLNK, Raron; 1532 das Brag), am Brag (1543, Niedergesteln; 1832 aúf Prag). Als Deutungsansatz bietet sich das Verb be-rage n (I D . 2, 718) ‘ starr, steif werden ’ , doch ist die Benennungsmotivation hierfür unklar. Das Simplex Rag ‘ Bartflechte (U SNEA FLORIDA ) (Flechte an den Bäumen) ’ (I D . 6, 715) ist für das Oberwallis belegt (B ELLWALD 1956, B IELANDER 1984), doch existiert keine Form mit dem Präfix B(e)-. G RICHTING (1998, 155) kennt pragg (Schattenberge) ‘ prallvoll, fett ’ und praggu ‘ zunehmen ’ . Dieses sonst so nicht belegte Lemma liesse sich für ein fettes, gut nährendes Stück Land verwenden; es gibt aber keinen weiteren Hinweis auf einen Lokalnamen dieses Typs, sodass die Deutung unklar bleibt. Neben dem Simplex des Singulars erscheint der Diminutiv im Singular als ts Brägji ‘ das kleine Brag ’ (Niedergesteln), am Breegÿ ‘ am Breegi / im Gebiet der Familie Bregy ’ (1714, Turtmann), am Breggi ‘ am Bregi / am Gebiet der Familie Bregy ’ (1752, Gampel), im Bregÿ ‘ im Bregi / im Gebiet der Familie Bregy ’ (1644, Grächen), am Bregÿ ‘ am kleinen Brag / am Gebiet der Familie Bregy ’ (1740, Raron). Da in den historischen Belegen von Christian Bregy die Rede ist, dürfte es sich hier um Grundstücke der betreffenden Familie handeln. Als Bestimmungswort erscheint Prag in zweigliedrigen Komposita zusammen mit den Grundwörtern Bodu, Egg(a), Haalta, Hooru, Rand, Schrapf und Wäg. Komplexere Konstruktionen sind der Ober und der Unner Pragbodo (Raron), resp. der Ober und der Unner Pragbodu (Niedergesteln). 265 266 Brägi <?page no="198"?> Genitive im Singular sind ts Brägibabisch Wang ‘ der Grasabhang der Barbara Bregy ’ (Hohtenn) (vgl. I NDER- MITTE 1980, 266 als “ Brägibaby uf um Rotschuggji ” ), ts Brägjisch Niäschji ‘ der Gläck-Behälter der Familie Bregy ’ (Steg) und in Bregierro Wald ‘ der Wald der Leute vom Bregi / der Familie Bregy ’ (1655, Turtmann; später andere Formen). Die Ableitung Brägjerru ‘ die Wasserleite, die zum Brägji führt ’ (Niedergesteln) ist auf den Flurnamen zurückzuführen. Dazu gehören der Brägjerrufall ‘ der Wasserfall der Wasserleitung, die zum Brägji führt ’ (Niedergesteln), di Brägjerruschepfi ‘ die Wasserschöpfstelle der Brägjerra (Wasserleitung nach Brägji) ’ (Niedergesteln, auch FLNK) und wohl auch das historisch belegte Breggischrapff ‘ die kleine Abzweigung von der Brägi-Wasserleitung ’ (1756, Niedergesteln; im Dokument als pratum ‘ Wiese ’ bezeichnet). Brällu Brällu f. ist nur in Gampel als di Brällu belegt. Gwp. gibt als Beschreibung ‘ langgezogener <schooss> ’ . Die Beschreibung erwähnt ein maskulines Schooss, das in I D . (8, 1495 s. v. Schoss) u. a. als 3b. ‘ Einsenkung des Erdbodens, Mulde an einem Berghang ’ verstanden wird. Brällu selbst ist in dieser Bedeutung nicht belegt. G RICH- TING (1998, 41) kennt zwar ein Verb brällu (Leuker Berge) ‘ schwingen (auf und nieder) ’ , doch kein Nomen Brällu. Ob der Name hier als ‘ Mulde ’ zu verstehen ist, bleibt unsicher. Sollte er frz. sein, ist darunter wohl E QUISETUM ARVENSE (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 52) zu verstehen, das frz. Prêle des champs, dt. Acker-Schachtelhalm heisst. Die Pflanze ist allerdings im Wallis nur als Chatzeschwanz (I D . 9, 2032 f.) belegt. Eine Deutung ist deswegen unsicher. Brand Brand ist ein geläufiger Rodungsname zu schwdt. Brand m., Pl. mit Uml., Dim. Brändli, allg. wie nhd. ‘ Brand ’ , mhd. brant, -des, in FlN meist Stelle, wo im Walde mit Feuer gerodet wurde (I D . 5, 673 ff.; G RICHTING 1998, 41). Die Bemerkungen der Gwpp. deuten jedoch darauf hin, dass sie auch trockene, sonnenbeschienene Stellen als Brand bezeichnen. Belegt sind insgesamt rund 360 Flurnamen mit diesem oder einem verwandten Lemma. Neben dem Simplex Brand und dem Plural Brend / Bränd kommen auch Diminutive Brendji / Brändji / Brennji / Brännji und Brendli vor. Nicht ganz klar sind die Ableitungen Brändil (Raron) und Bränola / Brännola (Bürchen, Zeneggen), das auch als Pflanzennamen (Männertreu, siehe I D . 5, 616, G RICHTING 1998, 42 s. v. Brennji) verwendet werden kann (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1314 als N IGRITELLA NIGRA ). Brengi und ähnlich ist aus Brendji (I D . 5, 673 ff.) mit Assimilation zu erklären. Brenni oder Brenne f. ist Verbalabstraktum auf ahd. -î(n) zu brenne n und bezeichnet eine ‘ Stelle, wo etwas gebrannt wird ’ (I D . 5, 636) - hier konkret Haartsbrenni ‘ Harzbrennstelle ’ (Ried-Brig). Als Grundwort wird das HL mit attributiven Adjektiven verwendet wie dem Alten Brand ‘ das alte brandgerodete Gebiet ’ (1862, Leuk), den Gemeinen Brand ‘ das brandgerodete Gebiet, das der Gemeinde gehört ’ (1782, Stalden; 1704 Eisten mit lat. communem Brand), jm Hochen Brand ‘ im hohen Brand (brandgerodetes Gebiet) ’ (1696, Eyholz), t Innru Brennd ‘ die inneren brandgerodeten Gebiete ’ (Saas-Almagell, FLNK Inneru Brend), t Kurzu Brännd ‘ die kurzen, brangerodeten Gebiete ’ (Stalden, LT Churzi Bränd, FLNK Churzu Bränd), der Leng Brannd ‘ der lange Brand (brandgerodetes Gebiet) ’ (Zeneggen) und viele andere mehr. dr Bliäjendun Brand ‘ der verbrannte Wald unterhalb der Bliäjendun (Blühenden) ’ (Blatten) meint jedoch eine Lokalisierung unterhalb der Alp Bliäjendun. Auch komplexere Formen sind belegt wie etwa der Hebrandwald ‘ der Wald beim hohen brandgerodeten Gebiet ’ (Glis) oder ts Unner Branndwasserleitji ‘ die kleine Wasserleitung zum unteren Brand (brandgerodetes Gebiet ’ (Visperterminen) sind zwei von mehreren Beispielen. Ein vorangestellter Genitiv meint einen Besitzer oder Nutzer: ts Briggersch Brand ‘ das brandgerodete Gebiet der Familie Brigger ’ (Eisten), die Herderen Brendt ‘ die brandgerodeten Gebiete der Familie Herder (Am Herd) ’ (1816, Zwischbergen), ts Häälisch Brand ‘ das brandgerodete Gebiet des Häli ’ (Mund), ts Chaschlasch Brand ‘ das brandgerodete Gebiet des Kastlans (Richter) ’ (Stalden), ts Loorisch Brand ‘ das brandgerodete Gebiet des Lori (Lorenz) ’ (Grengiols), Melchers Brandt ‘ Melchiors Brand (brandgerodetes Gebiet) ’ (Zeneggen), ts Micholsch Brand ‘ das brandgerodete Gebiet Michaels ’ (Stalden, FLNK Michulsch Brand), ts Michulsch Brend ‘ die brandgerodeten Gebiete Michaels ’ (Zwischbergen), in Schmidts Brand ‘ im brandgerodeten Gebiet des Schmiedes / der Familie Schmid ’ (1703, Ausserberg), Semattero Brandt ‘ das brandgerodete Gebiet der Familie Seematter ’ (1762, Embd), jn Summermattero Brand ‘ im brandgerodeten Gebiet der Familie Summermatter ’ (1676, Stalden) und andere. Nur in einem Fall ist ein nachgestellter Genitiv erwähnt: im Brandt Jodro Helners ‘ im brandgerodeten Gebiet des Joder (Theodul) Heldner ’ (Visperterminen). Als Grundwort tritt das HL in vielen zweigliedrigen Komposita auf, von denen nur einige aufgeführt werden: der Eschilbrand ‘ das brandgerodete Gebiet für Esel / in der Form eines Esels ’ (Ausserberg, auch FLNK), t Mittelbrend ‘ die mittleren brandgerodeten Gebiete ’ (Saas-Almagell. FLNK Mittel Brend), der Pollerbrand ‘ das brand- Brällu 267 268 <?page no="199"?> gerodete Gebiet oberhalb Ze Pollere (Gebiet mit runden Erhebungen) ’ (Stalden), in den Sÿtbrennen ‘ die talseitig gelegenen Brände (brandgerodete Gebiet) ’ (1623, Visperterminen), der Sunnubrand ‘ das sonnseitig gelegene brandgerodete Gebiet ’ (Visperterminen) und andere mehr. Brand kommt sehr häufig auch als Bestimmungswort in Brandacher, Brandegg und Brandwald vor, wo die Motivation nicht immer klar ist. Man muss aber - wie bei anderen Rodungsnamen - davon ausgehen, dass der Name am Ort haften bleibt, auch wenn inzwischen hier wieder Wald gewachsen ist. Weitere Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind: Ägerta, Biel, Biina, Bodu, Brigga, Brunnu, Färich, Gääschi, Gassa, Gletscher, Grabu, Hee (Hooch - Heej), Hitta, Hooru, Joch, Litzi, Mad, Matta, Moos, Pletscha, Recht, Rigg, Schleif, Schlüche, Schluocht, See, Spitz, Stadel, Stutz, Sunna, Tal, Tola, Tschugge, Twära, Wang, Wäg und Weid. Komplexere Konstruktionen sind etwa ts Brandachruwägji ‘ der kleine Weg in die Brandachru (Äcker beim Brand) ’ (Randa), Brandegguwald ‘ der Wald bei der Brandeggy (Ecke beim brandgeroteten Bereich) ’ (FLNK, Stalden), dr Brandschluichuschleif ‘ der Holzschleif bei der Schlucht beim brandgerodeten Gebiet ’ (Blatten), die Brantwasserleyten ‘ die Wasserleitung vom / zum Brand (brandgerodetes Gebiet) ’ (1634 u. später, Naters; ähnlich auch 1570 u. später in Visperterminen) und andere. Nur einmal ist ein Adjektiv auf / - IG / belegt: die Brannig Egga ‘ die brennende, heisse Ecke ’ (Täsch) (siehe I D . 5, 682). Auch als vorangestellter Genitiv erscheint das HL in ts Brandsch Bodu ‘ der Boden beim Brand (durch Feuer gerodetes / verbranntes Gebiet) ’ (Reckingen), wo Brand ein Flurname ist. Eine Ableitung auf / - ERRI / findet sich als di Branderri ‘ die Wasserleitung zum Brand ’ (Naters), wobei unklar ist, ob das historische die Brantwasserleyten mit diesem Namen identisch ist. Von anderem Typ sind die Partizipia, die als Attribute oder als Substantivierungen zum Verb schwdt. bränne n , verbränne n ‘ durch Brand zerstören ’ (I D . 5, 616 ff.; I D . 5, 630) gebildet werden: ts Verbrannda (Raron), der Ferbrant Wald (Mund, Gampel), aber auch das Ferbrunnen Schiirli ‘ die abgebrannte kleine Scheuer ’ (Birgisch) vertreten diesen Typus, der zugleich zeigt, dass die Wirkung des Feuers (Verbrennen, Roden) zwar kurzfristig wirkt; die Namen jedoch bleiben teilweise über Jahrhunderte erhalten, auch wenn vom ursprünglichen Vorgang nichts mehr erkennbar ist. Brandulös Brandulös ist nur in der Brandulös (Zwischbergen (vereinfacht), FLNK Brandulös, 1: 10000 Brantulös) belegt. J ORDAN (2006, 302) kennt Brantulöös (mit neutralem Genus) und sagt, dass die Flurbezeichnung aus dem italienischen Dialekt stamme, ohne weiteren Hinweis. Es handelt sich um eine steile Felshangkehle oberhalb von Gondo. Eine Deutung ist nicht möglich. Brang Brang ist nur in Eggerberg auf der Karte EK belegt. Kann nicht zu Brand (> Brang) gestellt werden, da die Velarisierung / ND / -> / NG / im Oberwallis nicht vorkommt. Vermutlich liegt eine Bildung mit dem Präfix / bi-/ vor, die so nicht belegt ist. Verwandt wäre dann Rang im Sinn von An-Rang ‘ Grenze, Rand eines Grundstücks gegen die Strasse, einen Weg oder ein andres Gut ’ (I D . 4, 1055). Dies entspricht in etwa der Lage des Flurnamens. Brännerii Nur einmal belegt ist bid der Niwwu Brännerii ‘ bei der neuen (Schnaps-) Brennerei ’ (Stalden) zu wdt. Brännerii f. analog zum nhd. Brennerei f. (cf. I D . 5, 636 f. Bränni f.). Das Brennen von Schnaps ist in der Schweiz durch das Bundesgesetz über die gebrannten Wasser (Alkoholgesetz) vom 21. Juni 1932 (gegenwärtig in der Fassung vom 1. Juni 2011, SR 680) geregelt; der Bund besitzt danach das Recht zur Herstellung gebrannter Wasser, wofür er Konzessionen unter anderem an sog. Hausbrenner erteilt; um eine solche Hausbrennerei handelt es sich hier. (Das Lemma könnte auch unter Brand angeführt werden; da es sich um eine spezifische Bedeutung handelt, wurde es gesondert behandelt). Bränntjong Bränntjong ist als Bränntjong (Leuk, LT Brentjong, FLNK Bräntjong) belegt. Heute befinden sich dort die Satellitenstationen. Die historischen Belege haben 1267 Brantions, 1331 Brantyons usw., 1440 ist im Brentyon belegt, 1405 wieder Brantions und so auch später. Ab 1430 erscheint Brenntion, 1490 Brentjonng und weitere Formen. SK zeigt, dass sich hier keine Siedlung befand, sondern nur Äcker. Bränntjong ist wohl zum gut bezeugten Bränta (E GLI 1982, 212 f. mit Verweis auf G PSR und I D .) zu stellen, das vermutlich aus Italien stammte (G PSR 2, 800 ss. s. v. bri ̩ nta). Schwieriger ist die Endung / -iong/ , die sonst nicht belegt ist. Am ehesten könnte hier eine diminutive Ableitung auf / - IONE ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) in Frage kommen, die ‘ Ort mit kleinen Rückentragen ’ bedeuten kann. 269 270 Bränntjong <?page no="200"?> Brantschen (FaN) In zwei Fällen erscheint als Besitzer- oder Nutzername der FaN Brantschen, Branschen, alte Familie von Zermatt und des Nikolaitales, in Visp vor 1489 Burger. Ihr Name wird von Hiltprand abgeleitet (AWWB 43): ts Branntschehüs ‘ das Haus der Familie Brantschen ’ (Zermatt) und Brantschen Wang ‘ der Grasabhang der Familie Brantschen ’ (1656, Binn). Der Weiler Bräntschu (Brentschen) in Erschmatt gehört nicht hieher; der Name ist vermutlich romanischen Ursprungs. Bräntschen Der Weiler Bräntschu (auf SK Brentschen) von Erschmatt ist vermutlich romanischen Ursprungs; einige historische Belege legen einen Zusammenhang mit Bräntjong (Leuk) nahe. G. P ANNATIER (p. c.) nimmt hier eine mögliche Ableitung von *brenta ‘ Bränte ’ an, ohne sie zu benennen. Der Weilername dient auch als Bestimmungswort, so in Bräntschumattä ‘ die Wiesen bei Bräntschen ’ . Bras Bras erscheint nur 1822 in Salgesch als im Brasacher. Während das Grundwort Acher deutsch ist, kann Bras nicht sicher zugeordnet werden. Zwar hat FEW (1, 485 ff. s. v. brachium arm) eine Form bras, die auch bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 43) als ‘ bras d ’ une rivière, puis simplement un ruisseau ’ (Arm eines Flusses, später einfach ein Bach) erscheint. Aber G PSR (2, 739 s. v. brasse) weist eher darauf hin, dass hier eine Handarbeit gemeint war: im Brasacher meint dann den Acker, der von Hand bearbeitet wurde. Braschaz Braschaz ist ein HL, das in Braschaz Wald (Oberwald) erwähnt ist. I D . (8, 1661) kennt Braschatz ‘ bestimmte Gebühr für Abgabe von Nutzholz (Lärchen oder Tannen) aus der Gemeindewaldung an die Bürger ’ . Das Etymon Bra-Schatz wird in I D . jedoch nicht erklärt. Während Schatz (I D . 8, 1637) hier wohl als ‘ Abgabe ’ zu deuten ist, kann Branicht erklärt werden. I D . (8, 1661) macht auch keinen Vorschlag. Braschatz ist in Nr. 8982 in der Erklärung der Gwpp. als <Braschatz> ‘ Bauholz ’ erwähnt. Brätt Nur gerade sechs Belege sind zu schwdt. Brëtt n., Pl. Brëtter, Dim. Brëttli, Brittli, Brittji allg. wie nhd. ‘ Brett ’ , ahd. brët, britir (neben brëtir), Dim. britil ī n zu stellen. G RICHTING (1998, 41) hat wdt. Brätt ‘ Brett ’ . In der alpinen Toponymie wird das Lemma zur Bezeichnung von Felswänden und bretterartigen Gesteinsschichten verwendet (I D . 5, 890 ff.; Z INSLI 1945, 313; LUNB 1, 1, 154), doch lassen die meisten Einzelbelege diese Deutung nicht zu. Dreimal ist das Simplex im Wallis als zúm Britt (Erschmatt, Feschel) und bi de Brittere (FLNK, Gluringen) belegt, ohne Kontext ist seine Bedeutung unklar. Im Fall von Lîch(en)-brëtt ist eigentlich das Brett gemeint, auf das die Leiche gelegt und welches nachher, bemalt, im Freien als Denkmal aufgestellt wurde. In der Toponymie (hier t Liichubretter (Zermatt)) ist es eine Bezeichnung von steilen Felspartien oder Felsplatten (I D . 5, 903; J ULEN ET AL . 1995, 231 gibt als Deutung ‘ Felsplateaus, vielleicht auch Salzleckstellen ’ ). ts Teilbritt (Gampel) ist wohl ein Schleusenbrett, das die Wasserverteilung beim Wässerwasser regelt. di Brätterwand ‘ die Bretterwand (Lawinenverbauung) ’ (St. Niklaus) soll - laut Gwp. - eine Lawinenverbauung auf dem Grat (bei der Twära) bezeichnen. Brecht Brecht ist nur 1440 als dov brecht, resp. dou brecht belegt. Es stammt aus einem Kopialbuch, dürfte also eine Kopie sein. Es wird als strata oder via publica ‘ öffentlicher Weg ’ gekennzeichnet. Da auch Brest (cf. HL B REST ) als Fels- oder Steinblock in Leuk erscheint, dürfte es sich um den gleichen Namen handeln. Es handelt sich in beiden Fällen um ein älteres Nomen, das A EBISCHER (G PSR 2, 813 in der Anmerkung zu brita ̩ als brest und brecht) nachweist. Hier ist es wohl als ‘ die Strasse mit Windungen ’ zu verstehen. Bregera In Fieschertal und Fiesch (FLNK) ist t Bregera belegt, eine Wasserleitung. Deutung ist unklar, eine mögliche Herleitung zum Verb beregen (G R W B 1, 1495) im Sinn von ‘ bewegen, sich rühren ’ mit der Deutung als ‘ die Wasserleitung, die bewegtes Wasser führt ’ ist möglich. Formal liegt eine / - ERA / -Ableitung für Wasserleitungen vor. Brei Brei m. / n. kommt zunächst in Ried-Brig als Name eines Dorfteils vor: ts Brei, südwestlich vom Dorfkern. Die ältesten Belege sind 1244 de Brov, 12? ? de Brolio, 1349 supra Broy usw.; erst ab ca. 1460 erscheint Brey. Der Name dürfte romanisch sein und zu *brogilos ‘ eingehegtes Gehölz ’ (FEW 1, 555; D ELAMARRE 2003, 91 f. ‘ petit bois ’ ) gehören, generell also etwa ‘ kleiner Wald ’ . Hierzu sind auch alle Belege in Ried-Brig zu stellen: an der Alten Breÿ Gassen (1796, Ried-Brig), Broyacher (1391, Ried-Brig), Bro ᵉ ierro Schleif ‘ der Holzschleif der Leute vom Brey ’ (1374, Ried-Brig), Breÿerÿ ‘ die Wasserleitung vom / zum Brei ’ (1391 und später, Ried-Brig), in den Breÿmatten ‘ in den Wiesen beim Brei ’ (1389 u. später, Ried-Brig), di Bro ᵉ ywasen ‘ die Wasen beim Brei ’ (1320 u. später, Ried- Brig), Mittelbrei (Ried-Brig), am Vndren Brey ‘ am unteren Brei ’ (1684, Ried-Brig). Das für Naters belegte Breÿ (1468) Brantschen (FaN) 271 272 <?page no="201"?> betrifft das Herkommen von Egidij Partitoris (Egidius Theiler) von Breÿ, das zur Pfarrei Naters gehört; es ist der Dorfteil Brei (Ried-Brig) gemeint. Eventuell kann auch iuxta dem Breyerschleif ‘ beim Holzschleif der Leute vom Brei ’ (1659, Glis) zum Dorfteil Brei (Ried-Brig) gestellt werden, obwohl der Wickert, der im Dokument genannt wird, sich auf der linken Seite der Saltinaschlucht befindet. Wohl ebenso zu Brei gehören: Broherro, ein Genitiv Plural zu einem cabulum ‘ Schleif ’ , also ‘ der Schleif der Leute von Brei ’ (1279, Glis; auch Broherto), einige Belege Mittelberoh (1279), Mitteboroh (1279), die zu Mittelbrei zu stellen sind. In Eischoll ist der älteste Beleg zu ts Breyu 1396 Breyun (LT Breie, ein Weiler von Eischoll). Es gibt keinen älteren Beleg mit / ö/ oder ähnlich, sodass von einem / ey/ auszugehen ist. Belegt sind weiter t Breiachra ‘ die Äcker im Gebiet Breije ’ , t Breihalte ‘ die Halden beim Weiler z Breije ’ (FLNK, Eischoll), Breimattu (nicht Breitmattu, wie FLNK und LT) ‘ die Wiesen beim Weiler z Breije ’ , Breirüüs ‘ die Wasserleitung vom / zum Weiler z Breije ’ , Breiweg ‘ der Weg von / nach z Breije ’ (1707 u. später, Eischoll). I D . (4, 1561) kennt Brejerbërger-Stückli als ‘ Schildbürgerstreiche ’ , auch für das Wallis, aber daraus lässt sich keine Deutung ableiten. Belegt ist weiter am Breÿ (1639, Niedergesteln); auch hier ist von einem Brey ohne Rundung auszugehen. Die Deutung, die sich für Ried-Brig anbietet, kann kaum angewandt werden. Eine andere Deutung ist jedoch nicht möglich. Breido Breido ist nur 1745 in Leuk als in den Breido belegt. M. S. setzt ein Fragezeichen, ist also nicht sicher. Die Konstruktion legt einen Plural nahe. B OSSARD / C HAVAN (2006, 283) kennen Pré doux ‘ [p]ré humide, même spongieux, mais non marécageux ’ [feuchte Wiese, sogar schwammig, aber nicht sumpfig]. Der Flurname ist insofern seltsam, als pré an Stelle von pra in den Patois kaum vorkommt. Es dürfte sich insgesamt um eine späte Umdeutung handeln, die sich an einer deutschen Schreibweise orientiert, sofern die Deutung überhaupt zutrifft. Breit Das Adjektiv breit und die davon abgeleiteten Substantive Breiti, Breita und Gibreita sind zu schwdt. breit ‘ ausgedehnt (von Flächen) ’ (I D . 5,917 ff.) bzw. schwdt. Breite n , Gebreite n , Breiti f. ‘ ausgedehntes, ebenes Feld, Komplex von Grundstücken (bes. Äckern) in ebener, fruchtbarer Lage ’ und wdt. Breiti ‘ Breite ’ (I D . 5,920 f., 922; G RICHTING 1998, 41) zu stellen. Rund 240 Flurnamen sind damit gebildet. Das Adjektiv kann attributiv verwendet werden; die Breite ist dann relativ zum Substantiv zu verstehen (ein breiter Weg ist weniger breit als ein breiter Acker). Folgende HLL sind als Grundwörter in zweigliedrigen Formen belegt, wobei das Adjektiv flektiert oder unflektiert sein kann: Acher, Älm, Blatta, Bletz, Bodu, Bord, Chumma, Egg(a), Fad, Fäld, Grabu, Haalta, Löüb, Matta, Moos, Pfad, Rieba, Riiffe, Riische, Riss (m.), Ritz, Rufina, Schleif, Schluocht, Schnee, Schnitta, Spiss, Steg, Stei, Stock, Trasse, Ture, Wäg, Wald, Wang, Wase, Wildi und Zug. Komplexere Konstruktionen sind etwa der Ober Breit Fad ‘ das obere breite Felsband ’ (Saas-Almagell, zweimal), t Obri Breit Mattu ‘ die obere breite Wiese ’ (Eischoll; FLNK Oberi Breitmatte), (lat. larga) Bachtala ‘ die breite Wasserrinne ’ (1301, Raron), Breit Löübgrabo ‘ der Graben beim breiten Laub ’ (FLNK, Baltschieder) und andere. Nicht immer ist die Abgrenzung von attributiven Konstruktionen zu Komposita mit Breitals Erstglied wie in Breithorn usw. sicher (vgl. oben t Obri Breit Mattu vs. Oberi Breitmatte in Eischoll). Komposita werden mit folgenden Grundwörtern gebildet: Acher, Agsch, Fad, Hooru, Löüb, Matta, Tola, Wäg, Wald und Wang. Komplexere Konstruktionen sind etwa: Chlei Breithorn (FLNK, Blatten; LT Kleines Breithorn, SK Breithorn), Ober Breitwang ‘ der obere breite Grasabhang ’ (FLNK, Staldenried), der Breithoregletscher ‘ der Breithorngletscher ’ (Zermatt; LT und SK Breithorngletscher), ts Breithoreplato ‘ das Breithornplateau ’ (Zermatt, LT und SK Breithornplateau) und viele weitere. Vor allem im alpinen Bereich spielen die verschiedenen Breithorn und Ableitungen davon eine Rolle. Die substantivierten Typen Breiti, Breita und Gibreita (Kollektiv) beziehen sich meist auf ausgedehnte, fruchtbare Felder, deren konkrete Nutzung als Wiese, Weide oder Acker nicht bestimmt ist. Alle drei kommen in verschiedenen Formen als Simplizia im Singular vor, wobei Gibreita und seine Formen im Gebiet mit assimiliertem GI - (Bezirke Goms und Östlich-Raron) als Breita erscheinen kann. Als Simplizia im Plural sind Breite und historisch, resp. verhochdeutscht auch Breiten und Breitten belegt. Der Singular eines Diminutivs erscheint als a ŭ f dem Breitelti (1857, Naters). Ein Plural Breitini (Guttet und Feschel) ist für die gleiche Flur bezeugt. Das Kollektiv erscheint in verschiedenen Formen als Gebreita und Gibreita mit unterschiedlichen Endungen. Nur ganz wenige Namen weisen auf Gemeindenamen hin, wie z. B. jn den Bettmer Breÿten ‘ in den breiten, ebenen Feldern der Leute von Betten ’ (1662, Betten), in den Morgien Breÿtten ‘ in den breiten Feldern von Mörel ’ (1884, Mörel) oder einem Gebäude wie in t Kaplubreite 273 274 Breit <?page no="202"?> (Plural) ‘ die breiten Felder bei der Kapelle ’ (Bister, FLNK Chaplebreite). Zum Kollektiv Gibreita gibt es nur wenige Zusammensetzungen wie di Gibreituachra ‘ die Äcker bei den breiten Feldern ’ (Ergisch) und ts Gibreituschiirli ‘ die kleine Scheuer in den breiten Feldern (Kollektiv) ’ (Unterbäch, FLNK Gibreituschiirli). Nicht ganz klar ist das nur auf der Siegfriedkarte verzeichnete Thürspreite (Leukerbad) - es scheint sich um einen engen Übergang von Türes Breite zu handeln, doch ist diese Deutung nicht gesichert. Brem Nur neun Belege mit Brem sind in der Datenbank erfasst, doch ihre Deutung ist schwierig und nicht zweifelsfrei möglich. In Frage kommen folgende Möglichkeiten 1) schwdt. Brâm-Ber, Brandber, Bromber, Brumm-, Frumm-, Brâne etc. ‘ Brombeere ’ (I D . 4, 1470 ff.), 2) schwdt. Br ā m, Brâme(n) f., n., m. ‘ Augenbraue, auch Wimper ’ , m. ‘ Rand, Kante ’ , ‘ Rand von Flächen (Grundstücken, Wäldern, Strassen), ‘ langgezogener Rücken, Grat eines Hügel, Berges ’ (I D . 5, 597 ff.), 3) schwdt. Br ā me(n), Bräme(n), Br ē m, f., m., Bräm, Brem m. ‘ Viehbremse ’ (I D . 5, 603 ff.) oder 4) Brämi, n. zu B e -râm (I D . 6. 885) ‘ Russfleck, Schmutzstreif ’ , wohl in der Bedeutung ‘ schwarz gefärbte Stelle ’ (hierzu wohl Bremflu ͦ ‘ die schwarze Fluh (Fluh mit Russfarbe? ) ’ (1449, Zermatt)). Auch möglich ist ein Besitzer- oder Nutzername zu einem Personennamen wie Bremo (cf. HL B REMO ), so in Bremmen Matta ‘ (unklar) die Wiese des Bremmo? ’ (1390, Glis). Laut S TEBLER (1927, 75) sind rote und schwarze Bremer Himbeeren und Brombeeren; dazu passen wohl die Belege di Bremertola ‘ die Mulde mit Himbeeren ’ (St. Niklaus), eventuell Bremmat ‘ die Mähwiese mit Brombeeren? ’ (1390, Ried-Brig) und di Breemmachra ‘ die Äcker bei den Brombeeren (? ) ’ (Hohtenn; am gleichen Ort auch die gleiche Flur dr Breemmacher). Ganz unklar ist das isolierte Breem (FLNK, Erschmatt) mit di Breemmwasserleitu ‘ Wasserleite vom / zum Breem ’ (Erschmatt, FLNK Breemwasserleitu). Ebenso schwierig ist der historische Beleg Bremen Wasser (1306, Eggerberg) - der Beleg spricht von partem meam aque cui dicitur bremen wasser Jn fúnnúnero bake - wohl zu übersetzen mit ‘ meinen Teil des Bächleins genannt Bremen Wasser, das in den Bach der Leute von Finnen fliesst ’ . Es müsste sich also um den Namen eines Kleingewässers oder einer Wasserleitung handeln. Die oben aufgeführte Bedeutung ‘ Viehbremse ’ fehlt in unseren Namen. Bremo (PN) Bremo (PN) oder ähnlich liegt den Belegen super Furon Bremygo (1383, Glis) und supra Furen Bremygo (1406, Glis) zu Grunde. Bremygo ist entweder ein Genitiv Plural einer kollektiven / - IG / -Ableitung zum PN Bremo, oder eine Lokalangabe ‘ der Leute aus Bremigen ’ . Für die zweite Lesung spricht der Beleg supra Furon dictorum Brennyngo ‘ oberhalb der Furche der obgenannten Leute von Brennigen ’ (1320, Glis). Zen Brennigen ist in Glis von 1389 bis 1639 als Weiler von Gamsen belegt; der Name ist eine kollektive / - IG / -Ableitung auf einen 1383 belegten PN Brenno (cf. HL Brennigen). Ob es sich bei Bremygo und Brennyngo um den gleichen Namen handelt, lässt sich auf Grund der Lesung der Belege allein nicht entscheiden. Für die Überprüfung der Lesung sei C HANTAL A MMAN (Sitten) und P H . K ALBERMATTER (p. c.) gedankt; sie stellen fest, dass die Schreibungen Bremygo und Brennyngo unterschiedlich sind. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Verschreibung von Brennigo handelt. Brennär Brennär ist nur in den Belegen dr Ober und dr Under Brennär (beide Kippel) belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um eine Wiese hinter dem Haus Nyfeler. Wie BENB (1, 4, 555 ff.) ausführt, können Brandrodungen, Alkohol- oder Kohleherstellung, andere Brennvorgänge, aber auch - in der Form Bränni (I D . 5, 636) - die Sommerhitze eine Rolle spielen. In unserem Beleg scheint Letzteres der Fall zu sein: Wiesen, auf die die Sonne niederbrennt. Die Form Brennär ist so jedoch im I D . nicht bezeugt; in den Ortsnamenbüchern sind entweder FaN oder Orte gemeint, wo es gebrannt hat oder wo Kohle oder anderes gebrannt wurde. Die Bildung entspricht der Stellenbezeichnung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 541 ff., bes. 548 ff., wo auch Brenner als ‘ Ort, wo man früher Kohlen brannte ’ belegt ist). Brennigen Zen Brennigen ist ein Weiler von Gamsen, in Glis belegt erstmals 1389 als Zen Brenygen und später öfter. Dem Ortsnamen liegt der PN Brenno zu Grunde (1383 als Walterus, filius quondam Anselmi Brenno de Gamson ‘ Walter, Sohn des Anselm Brenno von Gamsen ’ (KapA Sitten, R 6, S. 10) belegt (Dank an P H . K ALBERMATTER für die Mitteilung)), von dem eine kollektive / - IG / -Form im Dativ Plural gebildet wurde: ‘ bei den Leuten des Brenno / bei den Gütern der Leute des Brenno ’ . Davon abgeleitet ist die Brennigmatte (1857, Glis), also die Wiese bei Zen Brennigen. Dass das 1383 und 1406 belegte Bremygo den gleichen Ort bezeichnet, kann angenommen werden (cf. HL B REMO (PN)), ist aber nicht sicher. Brennong Brennong ist 1695 als im Brennong (Saas-Balen) belegt. Der Beleg ist seltsam, da er 1695 in Varen erscheint. Der Brem 275 276 <?page no="203"?> Text bezieht sich aber sehr deutlich auf das Saastal: Sausa ’ im Brennong quarterij Balm. Die Deutung ist sehr schwierig: entweder handelt es sich um ein alemannisches Wort, das als di Brend, inne Brenu ‘ die brandgerodeten Gebiete ’ belegt ist (Saas-Balen); der Ort scheint eine Brandrodung auf ca. 1950 m. zu bezeichnen, die eventuell als Voralpe benutzt wurde. Oder der Name gehört zu einem frpv. Wort bré ̨ nno (T AGMANN 1946, 81). das wiederum zu dt. Brand (FEW 15, 1, 242 ff. s. v. brand ‘ Feuerbrand; Schwert ’ ) zu stellen wäre. Eine Ableitung aus einem alemannischen Wort, das im Frankoprovenzalischen in anderer Bedeutung bezeugt ist, stellt eine sehr unichere Deutung dar. Brest Brest ist nur 1382 als petra dou brest und 1407 als lapidem dou brest belegt. Es handelt sich also um einen Fels- oder Steinblock. Die Belege stammen aus einem Kopialbuch und sind deswegen Kopien. Da im gleichen Kopialbuch 1440 eine öffentliche Strasse dou brecht genannt wird, dürfte es sich um den gleichen Namen handeln. Es handelt sich in beiden Fällen um ein älteres Nomen, das A EBISCHER (G PSR 2, 813 in der Anmerkung zu brita ̩ als brest und brecht) nachweist. Hier ist es wohl als ‘ der Fels, wo die Wagen wenden ’ zu verstehen. Breten Breten ist einerseits 1230 als Breten in Glis belegt; anderseits als únter die Brettú 1829 in Ergisch. V. A BGOTTSPON (p. c.) vermutet in Ergisch einen Bezug zu Nr. 45809 in der Datenbank, wo es únder die Breiten heisst. In Glis ist von einem Stück Weinberg, der Breten heisst, die Rede. L EXER (1, 351) kennt brëten ‘ grosser Balken ’ (vgl. auch I D . 5, 911 f. s. v. Brëtte n ). BENB (1, 4, 532) nennt Brätte, kann es aber nicht deuten. Wenn die Deutung von L EXER stimmt, müsste es sich um eine metaphorischen Verwendung handeln: das Stück Weinberg, das wie ein grosser Balken aussieht. Im Fall von Ergisch scheint die Deutung als Breite sinnvoll zu sein (cf. HL B REIT ). Briannu Briannu ist lebend als Briannu (Leuk; LT und SK Briannen) bei Leuk überliefert; gemeint ist ein Weiler bei Agarn (aber auf Leuker Boden). Der älteste Beleg von 1433 enthält die unsichere Lesung en Brianna. Historisch bezieht sich weiter Zu ᵕ n Brÿannigen (1545 u. später; Agarn) auf den gleichen Weiler, der auch als zen Brÿanden, zen Brianden und zun Brÿannen genannt wird. Die Formen mit -ndsind wohl hyperkorrekt in Anlehnung an die Entwicklung / -nd-/ -> / -nn-/ in anderen Wörtern. Obwohl es einen Familiennamen Briand gibt, der für Albinen belegt ist (NWWB 1, 48), scheint der Name des Weilers nicht darauf rückführbar zu sein. NWWB nimmt an, der Name sei ursprünglich Prumat und die älteste Form des späteren Beinamens Bruyant gewesen. Briannu ist dann wohl ein romanischer Lokalname, für den mangels älterer Belege keine Deutung vorgelegt werden kann. Als Bestimmungswort kommt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Acher, Gassa und Matta (alle Leuk). Briesch Briesch ist nur in Birgisch belegt und zwar lebend als ts Brieschji ‘ das kleine Briesch ’ (FLNK), historisch 1759 als im Briesch und 1814 als im Brieschacker. BENB (1, 4, 562 s. v. Briesch) findet keine älteren Belege und kann es nicht deuten. Es gibt jedoch auch in BENB (1, 4, 582 f. s. v. Brüesch) einen Namen, den die Autoren als unsicher - entweder alemannisch oder frpr. - betrachten. In Birgisch hätte eine Entrundung eintreten können; dann wäre wohl ein Besitzername bei Brieschacker möglich; ob frpr. oder alemannisch, ist nicht entscheidbar. Da ältere Belege fehlen, kann eine Deutung nicht gegeben werden. Die Einträge zu Briesch im I D . (5, 823 - 824) zu ‘ Gebrüll ’ und ‘ plumpe, faule Person ’ führen nicht weiter. Brüesch ist in I D . nicht enthalten; G RICHTING (1998) enthält Briesch oder Brüesch ebenfalls nicht. Brig Brig (frz. Brigue, it. Briga) ist eine städtische Siedlung auf der linken Rottenseite und rechts der Saltina. Der Name geht vermutlich auf ein keltisches Gattungswort *briga ‘ Hügel; Hügelfestung ’ zurück (J ACCARD 1905, 54; K RISTOL ET AL . 2005, 187). Andere Deutungen, die Brig zu ahd. prücca ‚ Brücke ’ stellen (G ATSCHET 1867a, 245), sind abzulehnen - Brig ist zweifellos eine ältere Gründung als die alemannische Einwanderung im Oberwallis, was auch durch entsprechende archäologische Funde gestützt wird. Ein weiterer Deutungsansatz stellt den Namen zu spätgallisch *brigwa ‘ Brücke ’ (H UBSCHMIED 1933b, 4; G UEX 1938, 357 und 2 1976, 177; R ÜBEL 1950, 131): laut K RISTOL ET AL . (2005, 187) ist aber dieser Ansatz ebenfalls hinfällig, da die mittelalterlichen Belege von Brig ansonsten -vaufweisen müssten, weil [gw] sich im Frpr. des Oberwallis zu [v] entwickelte (K RISTOL ET AL ., 2005, 187). 1972 vereinigten sich die Ortschaften Brig, Glis, Gama und Brigerbad zur Gemeinde Brig-Glis. Lateinisch erscheint der Stadtname in murum villae Brigae ‘ die Stadtmauer von Brig ’ (1624, Brig). Mit attributiven Adjektiven kommen lat. in superiori Briga ‘ im oberen Teil von Brig (wohl: obere Burgschaft) ’ (1384 u. später, Brig) und jn inferiori Briga ‘ im unteren Teil von Brig (wohl: untere Burgschaft) ’ (1486, Brig) vor. 277 278 Brig <?page no="204"?> Komplexer sind t Ober und t Unner Briggassa ‘ die obere und die untere Gasse nach Brig ’ (Glis). Eine Ableitung vom Stadtnamen ist Briger, ein ursprünglicher Genitiv Plural Brigerro. Volle Genitivformen sind: Brÿgerro Alp ‘ die Alpe der Leute von Brig ’ (1578, Glis), in Brÿgerro Theilen ‘ die den Leuten von Brig zustehenden Teilstücke im Grund (Rottenebene) ’ (1626, Glis), Briigeru Blessi ‘ die kahle Stelle im Wald, die den Leuten von Brig gehört ’ (Glis). Als Adjektiv erscheint Briger in die Brügereyen ‘ die Auen der Briger (Leute von Brig) ’ (1729, Naters; 1732 Brigeru Eÿen), Brÿger Weg ‘ der Weg nach Brig ’ (1602, Ried-Mörel; 1408 Brigweg), Brÿgerberg ‘ die bergwärts liegenden Gebiet oberhalb Brig (heute Ried-Brig und Termen) ’ (1529, Ried-Brig; SK und LT Brigerberg), der Name erscheint auch als lat. de Monte Briencium (1556), de Monte Brigensi (1594) und ähnlich, das Brigerweglin ‘ der kleine Weg nach Brig ’ (1452, Visperterminen), Brigerweg ‘ der Weg nach Brig (zum Markt) ’ (1427, Bitsch). Komplexer ist am Grosen Briger Graben ‘ am grossen Briger Graben ’ (1860, Glis). Die Ableitung auf / - ERI / für eine Wasserleitung ist als Brigeri ‘ die Wasserleitung nach Brig ’ (1564 u. später, Brig), der Brigerrin ‘ der (Genitiv ist konstruktionsbedingt) Wasserleitung nach Brig ’ (1448 u. später, Ried-Brig), únter der Brigeri ‘ unterhalb der Wasserleitung nach Brig ’ (1801, Glis) belegt. Obri Brigeri ‘ die obere Wasserleitung nach Brig ’ (FLNK, Ried-Brig) und t Ober und t Unner Brigeri ‘ die obere und die untere Wasserleitung nach Brig ’ (Brig) sind komplexere Konstruktionen. Briigerbad ‘ das Bad der Briger ’ (Brigerbad) war bis 1972 eine selbständige Gemeinde. Es wird im Unterschied zum Leukerbad ‘ das Bad der Leuker ’ so benannt; am Ort selbst ist nur von tsum Bad die Rede. Brigga Brigga f. ‘ die Brücke ’ ist zu schwdt. Brugg, Brugge n , Brügg, Brügge n ‘ Brücke als Übergang über einen Fluss, Bach, Graben, etc. ’ , auch ‘ ein aus nebeneinander gelegten Prügeln verfertigter Weg, Knüppelweg, aus Bohlen oder Steinen gemachter Weg über nassen Boden ’ , ahd. brucca, mhd. brucke, brücke und wdt. Brigga, Briggä (Goms), Briggu f., ‘ Brücke ’ (I D . 5, 537 ff.; G RICHTING 1998, 42) zu stellen. Im Oberwallis kommt das Appellativ Brigga / Briggu nur entrundet (mit ehemaligem Umlaut) und mit Endung vor; die endungslose Kurzform Brigg erscheint nur in Flurnamen. Einen besonderen Fall mit einer falschen Diphthongierung findet man in zer Breigo ‘ bei der Brücke ’ (Saas-Balen). Häufig befinden sich Weiler oder Siedlungen bei den Brücken, die ZBrigg, Zer Briggu und ähnlich benannt werden. Dazu gesellen sich die Familiennamen Zurbriggen und Brigger (AWWB 44 und 302). In weitaus den meisten der rund 200 Fälle kommt das Lemma als Simplex im Singular, selten im Plural vor; häufigster Diminutiv ist Briggelti (Pl. Briggeltini). In einigen Fällen ist historisch der Vokal / u/ belegt, so etwa 1439 Brúg (Steinhaus) oder ein Diminutiv zem Brucgiltin ‘ bei der kleinen Brücke ’ (1389, Ulrichen). Diese Belege sind problematisch, weil sie keinen Umlaut aufweisen, während die lebenden Namen durchwegs Entrundungen des Umlauts sind (vgl. zum Problem P AUL 25 2007, 95 und SDS 1, 54). Die Form z Brick ‘ bei der Brücke ’ (Ernen, FLNK, LT und SK Z ’ Brigg) mit auslautender velarer Affrikata, ist selten; da die ältesten Belege von Brúcko (1328 u. später) sprechen, ist aber diese Affrikata als Alternative gebräuchlich. Als attributive Adjektive erscheinen indertthalb der Bo ᵉ sen Bruggen ‘ unterhalb der bösen Brücke ’ (1502, Binn), di Grau Brigga ‘ die graue Brücke ’ (Stalden; Hängebrücke mit Rohrleitung der Lonza AG), t Hee Brigga ‘ die hohe Brücke ’ (Simplon), t Hee Briggu ‘ die hohe Brücke ’ (Leuk, Salgesch), Heeji Briggu ‘ die hohe Brücke ’ (FLNK, Erschmatt), Neÿ = oder Hohen Brügen ‘ der neuen oder hohen Brücke ’ (1747, Bratsch; 1747 u. später, Erschmatt), der Hochen Brúgen (1747 u. später, Feschel), beÿ der Langen Brücke ‘ bei der langen Brücke ’ (1839, Inden), Mittlescht Briggelti ‘ der mittlere Teil des Gebietes der kleinen Brücke ’ (FLNK, Oberwald), beÿ der Mittlesten Bruggen ‘ bei der mittleren Brücke ’ (1654, Naters), t Niww Brigga ‘ die neue Brücke ’ (Zwischbergen), zer Niwwu Briggu ‘ bei der neuen Brücke (Weiler von Visperterminen, hdt. Neubrück) ’ (FLNK, Visperterminen), zer Niwwu Briggu ‘ bei der neuen Brücke ’ (Stalden), vnder der Nüwen Briggen ‘ unter der neuen Brücke ’ (1676), bey der Obrn Brücken ‘ bei der oberen Brücke ’ (1662, Münster), Oberscht Briggelti ‘ der obere Teil des Gebietes der kleinen Brücke ’ (FLNK, Oberwald), die Rothen Brigen ‘ die Brücke über den Rotten / die rote Brücke (unsicher) ’ (1662, Geschinen), Roti Briggu ‘ die rote Brücke ’ (FLNK, Inden), Schwarz Brigga ‘ die schwarze Brücke ’ (FLNK, Termen), t Steinig Brigge ‘ die Brücke aus Stein ’ (Münster), bim u ᵕ ndersten Briggilti ‘ bei der untersten kleinen Brücke ’ (1684, Naters), zer Unnru Briggu ‘ bei der unteren Brücke (Weiler von Saas-Grund) ’ (Saas-Grund). Zweimal belegt sind Präpositionen in ts Ännet Briggu ‘ zu jenseits der Brücke (Dorfteil von Turtmann) ’ (Turtmann), wo als Neutrum oder mit der Präposition ts (hdt. bei) ein Dorfteil jenseits der früheren Brücke über die Turtmänna gemeint ist (die ursprüngliche Lage des noch nicht korrigierten Baches sieht man noch auf SK, wo sich ein Dorfteil jenseits des Baches befindet) und Zwisch Briggen ‘ zwischen den Brücken (von Leuk) ’ (1865, Leuk; frühere Belege lateinisch: intra pontes Leucae). Brigga 279 280 <?page no="205"?> Vorangestellte Genitive oder Formen auf / - ER / , die ältere Genitive vertreten, sind: beÿ der Geschinern Brüggen ‘ bei der Brücke von Geschinen (Gemeindename) ’ (1628, Münster), zer Briggen Leuce ‘ bei der Brücke von Leuk (wohl zwischen Agarn und Leuk über den Rotten) (1543, Leuk) [der Genitiv Leuce ist hier in romanischer Weise nachgestellt], t Michaelsbrigga ‘ die Brücke (über die Vispe), die nach St. Michael benannt ist ’ (Stalden), Napoleonsbrücke ‘ die Brücke der Napoleonsstrasse über die Saltina ’ (LT, SK Brig), bÿ dem Schmitten Brigelte ‘ bei der kleinen Brücke bei der Schmiede / der Familie Schmid ’ (1716, Vispe), bey der Zeiter Brüggen ‘ bei der Brücke von Seit (früherer Weiler von Selkingen) ’ (1791, Selkingen; FLNK Zeiterbrigge). Als Grundwort nimmt das HL Fluss- oder Bachnamen zu sich wie di Ganterbrigga ‘ die Brücke über den Ganterbach ’ (Ried-Brig; heute Alti Ganterbrigga ‘ die alte Brücke über den Ganterbach ’ (FLNK)), nachdem eine neue Brücke gebaut worden war, Daalubriggu ‘ die Brücke über die Dala ’ (FLNK, Leuk; FLNK, Varen), t Illgrabubriggu ‘ die Brücke über den Illgraben ’ (Leuk), di Kanalbrigga ‘ die Brücke über den Kanal (des Kraftwerks Mörel) ’ (Grengiols), beÿ der Massenbrúggen ‘ bei der Brücke über die Massa ’ (1825, Bitsch), bi der Massubriggu ‘ bei der Brücke über die Massa ’ (Naters) und andere mehr. Die Namen benachbarter Siedlungen oder Fluren sind im Bestimmungswort gemeint in ts Badnerbriggelti ‘ die kleine Brücke über die Wasserleitung oberhalb von Brigerbad ’ (Mund), Balltschiederbruggen ‘ die Brücke von Baltschieder ’ (1626, Baltschieder), Bietschtalbrigga ‘ die Brücke (der BLS) über das Bietschtal ’ (Raron), Riederbrigga ‘ Brücke nach (Stalden-)Ried ’ (FLNK, Stalden), Schweigmattubriggi ‘ die kleine Brücke bei der Schweigmatte ’ (Zermatt), uf der Säältinubrigga ‘ auf der Brücke über die Saltina ’ (Brig) und vielen anderen. In den Beispielen sind schon komplexere Belege genannt worden; der Beleg t Rosswangbrigga ‘ die Brücke (über die Vispe) im Gebiet Rosswang ’ (Randa) zeigt, dass auch Ausgangs- und Zielorte eine Rolle spielen können. In einer Reihe von lateinischen Belegen erscheint das Wort pons, Gen. pontis ‘ Brücke ’ . Es ist manchmal sehr unsicher, ob es sich hier wirklich um einen übersetzten Namen oder doch um ein Appellativ handelt. Diese Belege sind vorsichtig zu interpretieren. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Biina, Bodu, Loch, Los, Matta, Moos, Schiir, Schluocht, Schlüche, Stutz, Wäg und Wang. Eine komplexere Konstruktion ist: zer Altun Brúckstat ‘ bei der alten Stelle der Brücke ’ (1438, Visp). Bei Namen in der Umgebung von Brig kann allerdings auch diese Gemeinde gemeint sein, deren Namen nichts mit Brigga zu tun hat (cf. HL B RIG ). Verwechslungen sind auch mit Brigi ‘ Lagerplatz für das Vieh (im Stall), Behelfssteg ’ usw. und Brigil ‘ Knüppel ’ möglich (cf. HL B RIGI ). Hingegen ist der Beleg Zbruggbresen (1722 u. später, Ergisch) nicht hieher zu stellen; es handelt sich um eine unverstanden Umschrift zum Namen Prupräsu ‘ Stück Land ’ in Unterems. Brigger (FaN) Brigger (FaN) ist belegt für eine ältere Familie des Bezirks Visp (AWWB 44). Er ist zu Brigga ‘ Brücke ’ zu stellen; einmal kommt auch Brúgger (Turtmann) vor. Als Simplex ist es nur in Greich belegt; hier ist die Annahme eines Familiennamens spekulativ, es gibt aber keine bessere Deutung. Sonst erscheint Brigger entweder im Genitiv Briggersch oder als Bestimmungswort Brigger (das ursprünglich ein Genitiv Plural Briggero war). Die Grundwörter sind: Acher, Brand, Grabu, Hüs, Schiir, Matta, Stock, Weid, Wild, sowie die Komposita Briggerschirliräbe ‘ die Reben beim Briggerschirli (kleine Scheuer der Familie Brigger) ’ (Niedergesteln) und Brúgger Bongarten ‘ der Baumgarten der Famulie Brügger / Brigger ’ (1500, Turtmann). Unklar ist das Verhältnis zum FaN Zurbriggen (AWWB 302). Brigi Das Lemma Brigi ist zu schwdt. Brügi, wdt. Brigi, Brigin (Lötschtal) f., ‘ Knüppeldamm, -weg über sumpfige Stellen; Brücke über einen Graben, über einen tieferen Weg, als Einfahrt in eine Scheune; aus nebeneinander gelegten Rundhölzern bestehende, meist aber aus dicken Bohlen gezimmerte (erhöhte) Lagerstätte oder Standort des Viehs im Stalle; Holzgestell, Gerüst ’ (I D . 5, 523 ff.; R ÜBEL 1950, 45; G RICHTING 1998, 42) zu stellen. Seine Verwendung bezieht sich dabei nicht primär auf die Lagerstätte für das Vieh in den Ställen, sondern eher auf mit Holzknüppeln befestigte Wege oder Holzgerüste (cf. HL B RIGIL ). Belegt ist es als Simplex im Plural di Brigine ‘ (mit Brettern? ) befestigter Weg ’ (Eggerberg). Ein Diminutiv mit attributivem Adjektiv ist ts Spitz Brigilji ‘ die spitze kleine ebene Fläche (wie eine Brigi) ’ (Gampel). In den übrigen Fällen erscheint das HL als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Fat und Tschugge, oder komplexer als der Mittluscht, der Oberscht und der Unnerscht Brigifat ‘ das mittlere, obere und untere Felsband mit einem Bretterboden ’ (Eisten). Brigil Das Lemma Brigil ist zu schwdt. Brügel ‘ Rundholz, Knüppel ’ , wdt. Brigel ‘ Holzstäbchen ’ (R ÜBEL 1950, 94), 281 282 Brigil <?page no="206"?> Brigil ‘ Prügel, Knüppel ’ (G RICHTING 1998, 42) zu stellen. Das Lemma ist nur einmal belegt: Briggilluschleifji ‘ kleiner Holz(schleif) für die Prügel ’ (Törbel). Briilett Briilet ‘ kleine Wiese ’ ist in Salgesch belegt (M ATHIER 2015, 43). T AGMANN (1946, 37 s. v. Prilet) kennt den Namen auch für Cordona und für das Eifischtal. Er wird übereinstimmend von PRATELLUM oder PRATELLA abgeleitet (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 140); T AGMANN (1946, 40) setzt * PRATALIA ‘ die kleine Wiese ’ an. Historisch ist sub saxo dov prylet ‘ unter der Fluh von Prilet ’ (1490, Salgesch) belegt. Unklar ist jn la prilÿ (1803, Salgesch); seltsamerweise ist laprilý schon 1365 in Salgesch belegt (cf. HL A PRILI mit nur diesem einen Beleg). Das deutet darauf hin, dass hier wohl nicht das HL B RIILETT vorliegt. Weiter ist in Varen neben Pralet auch Brÿlet (1490) und der Felsen Prilet (1834) belegt; hier liegt der Flurname mit der Deutung ‘ kleine Wiese ’ vor. Brindlen (FaN) Der FaN Brindlen, auch Brinlen, Brynlen, Brunlen, Brünlen, Brünli, Brünle, aus Termen, verbreitete sich im 15. Jh. nach Brig und war dort im 16. Jh. angesehen (AWWB 44). Der Name kommt drei Mal als Besitzername vor: als die Brindlen Schnitten ‘ das ausgeschittene Land der Familie Brindlen ’ (1791, Termen), ts Brindlumättelti ‘ die kleine Wiese der Familie Brindlen ’ (Brigerbad) und einmal in der Form des Genitiv in Brindlugo Stadell ‘ im Stadel der Familie Brindlen ’ (1742, Ried-Brig) mit einem kollektiven - IG -Suffix (hier mit der unüblichen Rundung zu / - UG -/ ), das bei Namen im Oberwallis häufig ist. Brinet (FaN) Brinet (FaN) ist nur einmal in Staldenried belegt als im Brinetfach (1832, unsichere Lesart). Es könnte sich um eine entrundete Form zu einem FaN wie Brunet oder Brunod (NWWB 2, 47) handeln, doch ist der Name in dieser Form sonst nicht belegt. Fach wird als ‘ eingehegtes Stück Land ’ gedeutet (I D . 1, 637, 1h); Brinet wäre dann ein Besitzername. Brinnje Brinnje Pl. ist nur belegt in di Brinnje (Salgesch; FLNK Brinju) und Brinjuwasserleite ‘ die Wasserleitung bei den Brinnje ’ (1927, Salgesch). M ATHIER (2015, 46) kennt Brinju, dazu Brinjustrass und Brinjuwasserleitu. Die ältesten Belege enthalten 1353 in brignyos, 1405 eys brygnyouz, 1459 eys briniot, 1494 eys brignioz usw., also einen sicheren romanischen Plural. T AGMANN (Ms., 5 ff.) kennt Brinien, ist sich über die Herleitung nicht ganz sicher, stellt es aber zu frz. brin ‘ Rute ’ < * BRINOS (gall.? ) ‘ Rute ’ (FEW 1, 528 ff.) mit einer Ableitung. M ATHIER (2015, 46) stellt den Namen zu gall. * BRINOS ‘ Rute, Halm, Grashalm, Weide ’ oder gall. * BRINULUS ‘ Weide ’ . Er übernimmt T AG- MANN s Ansicht, dass die Vegetation des Ortes den Namen bestimmt. Heute befindet sich allerdings bei der Flur Brinnje ein Weinberg; auf SK ist die Flur aber ausserhalb und bildet eine Wiese an einem Weg und einer Wasserleitung. Brisch Brisch / Priisch bezeichnet zunächst das Heidegebüsch auf Alpweiden. Zu stellen ist es zu schwdt. Br ǖ sch Pflanzenname ‘ stechender Mäusedorn, Ruscus scul. ’ , ‘ gemeines Heidekraut, Calluna vulg.; rote Glockennelke, Erica carn. ’ , ‘ zarte, dürre Reiser von Nadelbäumen ’ , ‘ Flatterbinse ’ , i. allgem. Sinne ‘ niedriges, an trockenen Stellen wachsendes Gesträuch, Gestrüpp überhaupt, z. B. für Alpenrosenstauden, Preiselbeergesträuch ’ (I D . 5, 827 f.; M ARZELL 1, 729 ff.; BENB 1, 4, 629 f.). Bei B IELANDER (1948, 102) als Priisch für E RICA CARNEA , ebenso C. S CHMID (1969, 162). Die Pflanze ist als Schneeheide in L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 702) belegt. Als Bestimmungswort erscheint das HL in Briischegga ‘ Ecke mit Erika (Heidegebüsch) ’ (Blitzingen, Bellwald). Die Ableitung Brischeru ‘ Gebiet mit Erika (Heidegebüsch) ’ ist - laut den historischen Belegen - mit dem Suffix / - ERRA / gebildet, das als Stellenbezeichnung mit Pflanzennamen gebraucht wird (S ONDEREGGER 1958, 471 f.). Die Bildung Brischlär- (Blatten) ist ein Plural. Der Beleg Brischhubil (Leuk) bezeichnet laut Gwp. einen plattenartigen, bröckligen Fels; es ist wohl zum Adjektiv br ǖ sch II ‘ mürbe, morsch, brüchig ’ (I D . 5, 830) zu stellen. Die Belege ts Priischubossi ‘ das kleine Privatgut der Familie Boson / des Boso ’ , Priischuglabiu ‘ das Privatgut der Familie Clavioz ’ und der Priischuwäg ‘ der Weg zu / von den Priischen (Privatgütern) ’ (alle Varen) beziehen sich nach T AGMANN (1946, 76 f. s. v. Poprisat) und B OSSARD / C HAVAN (2006, 129) auf frz. prise ‘ Privatgut ’ ; der Name lässt sich auf ein feminines Partizip Passiv von lat. PREHENDERE zurückführen, als prise französisiert. Britania Die Britannia-Hütte (3030 m; Saas-Almagell) des SAC wurde 1912 erbaut, 1951 erweitert und 1997 renoviert; der erste Bau wurde von der Vereinigung britischer Mitglieder des SAC finanziert (www.britannia.ch [gs: 21.11.07]). Das Wort ist ursprünglich die lat. Bezeichnung der römischen Provinz Britannia; hier übertragen auf die britischen Mitglieder des SAC. M. S. notiert di Britaania, LT Britanniahütte SAC, FLNK Britanniahittu SAC. Das HL B RITANIA ist eine hybride Form aus den verschiedenen Notaten. Briilett 283 284 <?page no="207"?> Bro Bro ist nur einmal belegt in ts Browaalji (Blitzinen). Das / o/ ist geschlossen, der Akzent liegt auf Waalji ‘ der kleine Wald ’ . Die nächstliegende Form wäre ts Bru ‘ die Quelle / der Brunnen ’ : der kleine Wald mit Brunnen (Quellen). URNB (2, 245) gibt für Broholz eine andere Deutung. Als Ausgangspunkt nimmt URNB *ab row Holz ‘ das rauhe Holz (Wald) ’ mit Agglutination zu *Browholz. Dagegen spricht die Bemerkung der Gwp. ‘ mit kleinen Wasseransammlungen ’ , was eher für ts Bru spricht. Historische Belege liegen nicht vor. Brogli (FaN) Brogli (FaN) erscheint nur einmal in Broglilamma ‘ der (brüchige) Felshang des Brogli ’ (Bellwald). Brogli ist ein Familienname, der laut dem F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 247) aus dem Kanton Aargau stammt. Er ist im 20. Jahrhundert im Oberwallis belegt. Als Appellativ bedeutet Brogli m. ‘ Prahlhans ’ (I D . 5, 518); zu stellen ist es zum Verb brogle n ‘ prahlen, grosstun, sich rühmen ’ (I D . 5, 518; G RICHTING 1998, 42, s. v. broggle, brogglä (Goms), broglun (Lötschtal), broglu ‘ prahlen ’ ), das auf mhd. brogen ‘ sich in die Höhe richten; sich übermütig erheben, grosstun ’ zurückgeführt wird. Broglilamma kann also einerseits zum FaN Brogli gestellt werden, anderseits aber metaphorisch eine Lamma (Felshang) meinen, die nur von einem Prahlhans durchstiegen werden kann. Brosy (FaN) Dreimal historisch belegt (in Brosen Schlu ᵉ cht (1779, Naters), in Brosigen (1779, Naters), aúff Brossmigen Matten (1746, Simnplon)) ist Brosi, das zu einem FaN Brosy oder zum PN Brosi, Kurzform zu Ambrosius (I D . 1, 233), zu stellen ist. In zwei Fällen ist es mit einer kollektiven / - IG / - Ableitung versehen, wobei im Fall Brossmigen (Simplon) ein m vorhanden ist, das wohl parallel zu Fällen wie Bettmer (aus Betten) zu erklären ist. Im Register zu den HRBS wird ein Johannes Lergjen, Venner, gen. Brosy, erwähnt. Brot Die Namen mit Brot sind zu schwdt. Br ō t n. ‘ Brot ’ (I D . 5, 923 ff.) zu stellen. FlN mit Brot können sich auf die besondere Fruchtbarkeit der Flur, aber auch auf den Zins in Form von Brot beziehen (TGNB 2, 2, 95). Weiter sind belegt schwdt. Morgen-Br ō t ‘ Morgenessen ’ (I D . 5, 979 f.) und schwdt. Abend-Br ō t ‘ frugales Abendessen, meist aus Brot und Wein ’ (I D . 5, 952). Laut R ÜBEL (1950, 84) sind die Bezeichnungen morgudbr ō t und ā bundbr ō t im Saastal und in Törbel geläufig (für die Mahlzeit des Viehs! ). Brot bezeichnet hier wohl eine Mahlzeit, die an einer bestimmten Stelle genommen wird, oder es wird dann als Vergleich verwendet ( ‘ von der Form eines Brotes ’ ). Die meisten unserer Belege stammen aus dem Vispertal: ts Abundbrodeggilti ‘ die kleine Ecke, bei der man das Abendbrot nahm (laut Gwp.) ’ (Visperterminen), der Aabundbroodstei ‘ der Stein, bei dem man das Abendbrot nahm ’ (Randa), ts Leid Morgundbrootji ‘ der hässliche kleine Ort, der für die Morgenmahlzeit des Viehs reicht ’ (Saas-Almagell), ts Broodtschuggji ‘ der kleine Fels, der aussieht wie ein Brot / bei dem man einen Imbiss nahm ’ (St. Niklaus), ts Brodtschuggji ‘ der kleine Fels, der aussieht wie ein Brot, bei dem man einen Imbiss nahm ’ (Törbel) (die beiden Belege liegen klar an verschiedenen Stellen), di Broodtschuggjini ‘ die kleinen Felsen, die aussehen wie in Brot / bei denen man einen Imbiss nahm ’ (Täsch; andere Stelle als Törbel und St. Niklaus). Unklar sind die Ableitungen die Brodtla ‘ der Ort, der wie ein Brot aussieht ’ (1497, Obergesteln) und Klein Brotgjen Aua ‘ die Au, die wie ein kleines Brot aussieht ’ (1617, Filet). Das erste enthält / - LA / , ein Suffix, das mehrere Bedeutungen hat - hier aber unklar ist; das zweite ist ein Diminutiv, vermutlich zu einer metaphorischen Verwendung ( ‘ wie ein kleines Brot ’ ). Brottele t Brottele f. (Biel, auch LT und FLNK) ist in Biel auf rund 2000 m belegt. Die Ableitung auf / - ELE / (S ONDEREGGER 1958, 517) ist üblicherweise eine Stellenbezeichnung. Unsicher ist das Grundwort Brott. Es ist kaum zum HL B ROT ‘ Brot ’ zu stellen, wegen der Kürze des Vokals; einen Sinn würde diese Zuordnung nicht ergeben. Ob das Verb auf bezu ûs-rotte n ‘ ausreuten, -roden ’ (I D . 6, 1794) zu stellen ist, mit der Bedeutung: ‘ die kleine gerodete Stelle ’ , bleibt angesichts der hohen Lage unsicher. Bröü Bröü ist zum Ortsnamen Breuil zu stellen, cf. Gemeinde Breuil-Cervinia, Italien. Belegt ist es als ts Bröüjoch ‘ das Breuiljoch ’ (Pass von Italien nach Zermatt) ’ (Zermatt, LT Breuiljoch). Der Ortsname Breuil geht zurück auf frpr. breuil ‘ sumpfiges Gelände ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006; 133 und G UEX 2 1976, 136). Auf LT ist Breuiljoch und it. Colle del Breuil notiert. Es handelt sich um einen Übergang auf 3350 m von Italien nach Zermatt. Brü Das Farbwort brü ‘ braun ’ ist zum schwdt. Adj. br ū n, wdt. brüü, bruin (Lötschtal) ‘ braun ’ (I D . 5, 647 f.; G RICHTING 1998, 43) zu stellen. Das attributive Adjektiv in Brún Erbÿ ‘ das kleine braune geerbte Gut ’ (1680 ca. u. später, Zwischbergen) bezieht sich wohl auf die Bodenfarbe. In 285 286 Brü <?page no="208"?> zweigliedrigen Komposita kommt das Adjektiv nur als t Brünegga ‘ die braune Ecke ’ (Fiesch), t Brünegge ‘ die braune Ecke ’ (Ulrichen) und ts Brüneture ‘ beim braunen (Fels-)Turm ’ (Fieschertal) vor; der Typ Brunegg hingegen ist sonst - auch aus lautlichen Gründen - zu Brunnu zu stellen, dessen kurzes u nicht zu ü palatalisiert wird. Bruch Bruch m., Brich Pl. ist zu schwdt. Br ŭ ch m. ‘ Bruch, Vorgang des Brechens ’ , ‘ eine durch die Natur bewirkte Losreissung der Erde oder Gesteins; Erdbruch, Erdrutsch an Berghalden, bes. in Folge von Regengüssen ’ , ‘ Steinbruch, auch Kies- und Sandgrube ’ und wdt. Bruch ‘ Unterbruch, Abbruch ’ (weitere Varianten weggelassen) (I D . 5, 367 ff.; G RICHTING 1998, 42) zu stellen. Es ist mit Ablaut zum Verb brëch 2 e n ‘ brechen ’ (I D . 5, 316 ff.) gebildet, zu dem es mehrere weitere Ableitungen gibt (s. unten). Zu Bruch sind auch schwdt. Ab-Br ŭ ch m. ‘ das Abbrechen im eig. Sinn ’ ( … ) ‘ Neubruch ’ (I D . 5, 368 f.), schwdt. An-Br ŭ ch ‘ das Heran-, Losbrechen ’ (I D . 5, 371, hier im Sinn von ‘ Anbruchstelle ’ ), schwdt. Ûf-Br ŭ ch m. und schwdt. N ǖ w-, Neu-Br ŭ ch m. ‘ das Aufbrechen eines Zaunes; das Aufbrechen, Umpflügen des Bodens, spez. zum Zwecke unbebautes Land, Wiesen zu Kulturland (Acker) zu machen; das frisch umgebrochene Land selbst, Neubruch ’ (I D . 5, 369, 375), schwdt. Ërd-Br ŭ ch m. von trichterförmigen Einsenkungen der Erde auf Bergen, wo tiefer, erdiger Untergrund sich befindet (I D . 5, 371 f.), schwdt. Bërg-Br ŭ ch m. ‘ Bergsturz ’ (I D . 5, 375) und schwdt. Bei(n)-Br ŭ ch m. ‘ Name steiler, steiniger Wege ’ (I D . 5, 378) zu stellen. Die Bedeutung von Bruch variiert also je nach Kontext. Häufig sind Geröllhalden, Erdrutsche, Bodenabbrüche gemeint, es kann sich aber auch um neu aufgebrochenes Land handeln. Die Bedeutung von Steinbruch ist doppelt: zum einen die Gewinnung von Steinen für Bauten, zum andern ein Felsabbruch mit Steinen. Der Zusammenhang mit dem Verb brëchen ‘ brechen ’ wird in den Formen wie Brëche n ‘ Werkzeug zum Brechen, Sturz losgerissenen Gesteines an steilen Abhängen ’ (I D . 5, 314 f.) oder Bei-Brächi ‘ der Ort, wo man sich die Knochen brechen kann ’ (rund fünfzehn Belege) und den Partizipia vom Typ gibrochu ‘ gebrochen ’ (siehe unten) hergestellt. Das Simplex kommt im Singular als Bruch acht Mal vor. Der Plural ist verschieden: in den Bruchen (1514, Selkingen), zen Brúchon (1418, Geschinen), jn den Brúchen (1554, Filet), vor allem aber als umgelauteter und entrundeter Plural Brich mit insgesamt rund zwanzig Belegen. In Einzelfällen wie jn den Brúchen (1696, Filet) und In den Brüchen (Zermatt) ist unklar, ob das HL B RUCH oder das HL B RÜCH (Heidekraut, Erika) vorliegt. Der Diminutiv im Singular ist ts Brichji (Embd), ts Bruchi (Naters), ts Bruchji (Ausserberg, Naters). Im Plural ist belegt di Bruchjini (Hohtenn). Attributive Adjektive zum HL sind jn der Nüwbrichenn (1545, Bürchen; 1468 jn der nyw bricht; 1511 jn dernibrit) [ein unklarer Beleg, vermutlich zum HL I IBRICHTI f. zu stellen, aber 1545 wohl umgedeutet, vgl. G ATTLEN 2007, 45 s. v. Ibri], t Obru Brich ‘ die oberen Brüche ’ und t Undru Brich ‘ die unteren Brüche ’ (beide Mund), jm Nÿbruch (1589, Leuk), Niiwbruch (FLNK, Gampel), an den Núbrúchen (1474, Mörel), an den Núwbrúchen (1544, Unterbäch), beÿ dem undren Bruch (1734, Visp). Vorangestellte Genitive zum HL sind selten: ts Steinersch Brich ‘ die Brüche der Familie Steiner ’ (Mund) und - komplexer - ts Perigsch Steibruch ‘ der Steinbruch der Familie Perrig ’ (Ried-Brig). Als Grundwort ist Bruch verbunden mit den Präfixen Ab, An, Üüf und Üs. Belegt sind: t Abbrucheiu ‘ die Abbruch-Aue ’ (Agarn, Leuk) - die Aue lag an einem Abbruch entweder des Rotten oder des Märetschibaches; heute ist die Stelle durch die Kantonsstrasse überbaut. Der Abruch ‘ Anbruch ’ (Leuk) ist die Anbruchstelle eines Erdrutsches. Der Typ Üüfbruch kommt als der Üfbruch ‘ das aufgebrochene Land ’ (Eischoll, Unterbäch, Visperterminen), Üfbruch ‘ das aufgebrochene Land ’ (FLNK, St. Niklaus), im Üfbruch ‘ im aufgebrochenen Land ’ (Zeneggen), der Üüfbruch ‘ das aufgebrochene Land ’ (Ausserberg, Hohtenn) vor. Historische Belege sind: jm Aúffbrúch ‘ im aufgebrochenen Land ’ (1733, Raron), auf dem Aufbruch ‘ auf dem aufgebrochenen Land ’ (1763 u. später, Ausserberg; 1735 als Plural jn den Uffbrüchen), in den Aúfbrichen ‘ in den aufgebrochenen Stücken Land ’ (1874, Guttet), im Auffbruch ‘ im aufgebrochenen Land ’ (1712, Oberems; 17450 im Uffbruch). Komplexer sind in den Aúfbrúchacheren ‘ in den Äckern im neu aufgebrochenen Land ’ (1803, Eischoll) und der Au ᵕ fbru ᵕ chgarten ‘ der Garten im aufgebrochenen Land ’ (1815, Salgesch). Ein Attribut erscheint in der Neiw Aufbrúch ‘ das neu aufgebrochene Stück Land ’ (1670 (ca.), Leuk). Einen vorangestellten Genitiv findet man in ts Peetersch Üüfbruch ‘ das neu aufgebrochene Land des Peter ’ (Brigerbad). Der Typ Üsbruch kommt als der Üsbruch ‘ der Ausbruch (Abbruch von Felsen) ’ (Grengiols, zweimal), der Üsbruch ‘ der Ausbruch (Rutschgebiet) ’ und ‘ der Ausbruch (Ausbruch von Felsen) ’ (St. Niklaus, zweimal), der Üsbruch ‘ der Ausbruch (von Steinen) ’ (Randa, zweimal), der Üssbruch ‘ der Ausbruch (von Felsgestein) ’ (Embd) vor. Weiter sind als zweigliedrige Komposita belegt: im Bru ᵕ nbruch ‘ im Bruch mit Brunnen / Quellen ’ (1831, Betten), zen Ertbruchen ‘ bei den Erdbrüchen ’ (1449, Zermatt), t Äärdbrich ‘ die Erdbrüche ’ (Zermaat), der Steibruch ‘ der Steinbruch ’ (Baltschieder und weitere fünf Belege) und Bruch 287 288 <?page no="209"?> der Steinbruch (Ausserberg; 1692, Lalden). Komplexer ist Alt Steibruch (FLNK, Embd). Als Bestimmungswort findet sich das HL mit den Grundwörtern Acher, Bäärg, Egga, Grabu, Gufer, Haalta, Statt, Tola, Tossu, Wäg, Wald, Wang, Wanna und Wasser. Komplexer sind Konstruktionen wie t Niwbruchcheerlini ‘ die kleinen Wegkurven beim Neubruch ’ (Gampel), der Ober Niiwbruchbodu ‘ der obere Teil des Bodens beim Neubruch ’ (Gampel), t Steinbruch(e)räbe ‘ die Reben im Gebiet des Steinbruchs ’ (Hohtenn), uf der Äprichwasserleitu ‘ auf der Wasserleitung bei den Erdbrüchen ’ (Zermatt) und andere. Einen bemerkenswerten Fall stellen die Brichbärge ‘ die bergwärts liegenden Gebiete oberhalb der Brüche (Alpen) ’ (LT, Münster) dar, die auch als t Bruchbärge (Münster) belegt sind; es gibt dazu t Hinnerscht, t Mittlescht und t Vorderscht Bruchbärglamme ‘ der hinterste, mittleste und vorderste steile Graben am Bruchberg ’ (alle Münster). Eine Ableitung auf / - ER / (ursprünglich ein Genitiv Plural) ist in der Bruchersee ‘ der See beim Bruchi (kleiner Bruch) ’ (Naters) belegt. Unklar ist der Brucherbach (1604, Fiesch). Da es in Fieschertal der Brücherbach gibt, der historisch als Brucherbach bezeugt ist, dürfte der Name in beiden Fällen zum HL B RÜCH ‘ Heidenkraut, Erika ’ gehören. Nur einmal kommt das Adjektiv bruchlig ‘ bröcklend ’ (Embd) vor (zu brüchlig (I D . 5, 381). (Die in BENB 1, 4, 578 f. erwähnten Fälle mit Bruoch ‘ Moorboden, Sumpf ’ und Bruuch ‘ Heidekraut ’ sind aus lautlichen Gründen im Oberwallis ausgeschlossen, cf. HL B RÜECH , HL B RÜCH ). Die übrigen Ableitungen zum Verb brëchen sind: Brächa f. in die Brechon ‘ die Brechstelle ’ (1448, Termen, hier im Akkusativ Singular), di Bärubrächa (Eggerberg), wörtlich ‘ der Ort, wo die Bära (Schubkarren) gebrochen wird ’ , vermutlich zu verstehen als ‘ der Ort, wo man mit der Bära (Schubkarre) nicht weiter kommt ’ (Eggerberg); der gleiche Typ in jn der Berenbrechen (1564, Baltschieder). Ein Kompositum ist auch t Abräche ‘ die Anbruchstellen (für Lawinen und Geröll) ’ (Münster). Brächi n. im Typ ts Beibrächi ‘ der Ort, wo man die Knochen brechen kann ’ (Oberwald und weitere), auch ts Beinbrächi (Unterbäch) und mit Präpositionen wie bim, am, im usw. und Brächi f. t Beinbrächi ‘ der Ort, wo man die Knochen brechen kann ’ (Hohtenn). Einen Diminutiv Plural findet man in t Chnewbrächjini ‘ die kleinen steilen Stellen, wo man sich das Knie brechen kann ’ (Mund). Schliesslich sind die attributiv verwendeten Partizipia des Perfekts von brëchen zu nennen: t Broche Hitte ‘ die gebrochenen (zerstörten) (Alp-)Hütten ’ (Obergesteln), bim Brochne Gade ‘ beim gebrochenen (zerstörten) Gaden (Stall) ’ (Ritzingen), die gebrochne Hitten ‘ die gebrochene (zerstörte) Hütte ’ (1730, Ried-Brig), ts Gibrochu Hitgi ‘ die kleine, gebrochene (zerstörte) Alp-Hütte ’ (Simplon), bÿ dem gebrochnen Haus ‘ bei dem gebrochenen (zerstörten) Haus ’ (1679 u. später, Simplon). Weiter sind Partizipien wie ts Gibrächtji (FLNK, Naters) belegt (1765 im Gebrächti), eine Flur unterhalb von Geimen, deren Deutung unklar ist, aber wohl ‘ der kleine Ort, wo es Bäume brach ’ meinen kann. Brüch Das Lemma Brüch ist zu Schwdt. Br ū ch, Br ǖ ch, Br ǖ sch, Br ū g m., n. ‘ Heidekraut, Erica carn. ’ , wdt. Piislbrüüch, Pissälbrüüch (Goms), Pissilbrüü (Leuker Berge) m. ‘ Erikapflanze ’ , schwdt. Br ū chere n f. ‘ Gegend, Stelle, wo Heidegebüsch wächst ’ (I D . 5, 341; G RICHTING 1998, 152) zu stellen. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 702) kennen es als E RICA CARNEA (dt. Schneeheide). Der Name kommt einmal als Simplex im Singular Brüch (FLNK, Greich) vor. Als Grundwort erscheint es nur einmal in Rotbrüch ‘ das rote Gebiet mit Erika (Heidegebüsch) ’ (Ried-Mörel). Sonst ist es Bestimmungswort wie in Brüchbärgi ‘ das kleine bergwärts liegende Gebiet mit Erika (Heidegebüsch) ’ (Oberwald), t Brüchschliecht ‘ die Geländeeinbuchtungen mit Erika (Heidegebüsch) ’ (Reckingen, auch FLNK) und der Brüchtschuggu ‘ der Fels mit Erika (Heidegebüsch) ’ (Saas-Almagell). Etwas verändert ist t Brüchematte ‘ die Wiesen mit Erika (Weidegebüsch) ’ (Grengiols), wo das Bestimmungswort wohl im Plural steht. Die Ableitung auf / - ERA / t Brüchera ‘ Gebiet mit Erika (Heidegebüsch) ’ ist als Simplex in Fieschertal und als / - ERNA / in Naters (di Brüücherna) belegt; es kommt als Bestimmungswort in ts Brüchergand ‘ Geröllhalde mit Erika (Heidegebüsch) ’ (auch FLNK) und der Brücherbach ‘ Bach beim Gebiet mit Erika (Heidegebüsch) ’ (beide Fieschertal) vor, die bei der Brüchera liegen. Für die gleichen Pflanze cf. HL B RISCH . Brudel Brudel bildet in Münster und Geschinen ein kleines Namennest mit Brudelhore ‘ Brudelhorn ’ , Brudellamme ‘ Tobel im Gebiet Brudel ’ und Brudelwang ‘ Grasabhang im Gebiet Brudel ’ . Das Simplex im Plural t Brudele f. findet sich in Oberwald, wo auch der Brudelegrabe belegt ist. Zwar kennt I D . (4, 411) Brudel und Ableitungen davon als ‘ undeutlich reden, Person, die undeutlich redet ’ . In I D . (7, 326 s. v. Ge-su ᵕ del) wird im Text Brudel und Gesudel als ‘ Kehricht, Abfall ’ erwähnt, doch ist diese Deutung für das Wallis nicht belegt. G R W B (7, 2182) gibt lat. VAPOR ‘ Rauch, Dampf ’ an. G RICHTING (1998) kennt das HL nicht. Die drei Deutungen stellen Probleme bei der Namenmotivation. Das HL bleibt deswegen unklar, könnte aber ‘ Geröll ’ als eine Art von Abfall meinen. 289 290 Brudel <?page no="210"?> Brüech Das Lexem Brüech ist zu schwdt. Bruech, ahd. bruoh stnm. ‘ Sumpf, Moor ’ , mhd. bruoch snm. ‘ Moorboden, Sumpf ’ zu stellen, es handelt sich um ein vornehmlich mittel- und niederdeutsches Wort (I D . 5, 385; TGNB 2, 2, 96); dazu passt allerdings nicht, dass schon S TALDER (1, 232) Bruch mit der Bedeutung ‘ Morast ’ kennt. In unserem Kontext kennzeichnet Brüech wohl einfach feuchte, morastige Stellen. Ein Diminutiv Plural Briechjini ‘ die sumpfigen Wiesen ’ (Törbel) ’ ist das einzige Vorkommen als Simplex. Weiter ist es Bestimmungswort in Bruochaker ‘ der Acker im Sumpfgebiet ’ (12? ? u. später, Ried- Brig; zunächst als Bruechacsquere), di Brüochachra ‘ Äcker im Sumpfgebiet ’ (Eggerberg), daz Brv ᵢ kerakerli ‘ der kleine Acker im Sumpfgebiet ’ (1300, Visperterminen), und di Brüechmatta ‘ die Wiese im Sumpfgebiet ’ (Baltschieder, auch FLNK). Ableitungen mit Kollektivcharakter sind Brüochete ‘ Sumpfgebiete ’ (Visperterminen) auf / - ETE / (S ONDEREGGER 1958, 482) und Brüechere ‘ Sumpfgebiete ’ (Erschmatt) auf / - ERE / (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.). Bruel Bruel ist nur in Mund 1542 belegt und zwar als in der Bru ᵉ lmatten ‘ in der nassen Wiese ’ und im gleichen Jahr als die Ender Bruelmatta ‘ die jenseitige nasse Wiese ’ und die Hinder Bruelmatta ‘ die hintere nasse Wiese ’ . FLNK führt Brumatta an, das zwar ähnlich lautet, aber zum HL B RUNNU zu stellen ist. Eigentlich müsste das HL B RUEL im Wdt. mit Entrundung Briel heissen; es ist zu schwdt. Brüel m., n. ‘ meist in der Niederung, an einem Bach oder Fluss gelegenes, wasserreiches Wiesengelände, vorwiegend in der Nähe der Dörfer ’ , ahd. broil, bruil, mhd. brüel m. ‘ wasserreiche, buschige Wiese, Aue, Rasenplatz ’ (I D . 5, 594 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 42) kennt Briel, Briäl ‘ Wassermenge (grosse, in Wasserleitung) ’ . Die Übersetzung “ nasse Wiese ” nimmt diese Deutungen für die Namen in Birgisch auf. Bruferos Bruferos ist nur einmal 1405 in Agarn als eys bruferos belegt. Es gibt in Agarn 1346 auch les brullezos, 1363 eys broleyzos und weitere Formen. Es ist darum unklar, ob die Form bruferos mit dem älteren brullezos identisch ist. Der Anfang beider HLL scheint zu keltisch br ū cus ‘ Heidekraut ’ (FEW 1, 557 f.) zu stellen zu sein; die Endung bleibt jedoch unklar. Brüller Brüller ist nur im Beleg der Brillerbode ‘ der Boden für brüllendes Vieh / der Boden der Familie Brindlen ’ (Obergesteln) belegt. Gwp. stellt das HL offenbar zum Verb wdt. brille, brillä (Goms), brillu (Vispertal), briäälun (Lötschtal), briälu ‘ weinen ’ (G RICHTING 1998, 42), indem er <brille> ‘ weinen ’ erwähnt. Bei G RICHTING ist auch das zweite Wort (schwdt. brüele n , wdt. brielu (vgl. I D . 5, 598) mit etwa dem gleichen Sinn genannt. Es scheint aber eher so zu sein, dass das HL B RÜLLER , wdt. Briller (I D . 5, 588) sich auf ‘ brüllende Stiere oder Kühe ’ bezieht, die an ‘ übermässigem Begattunstrieb ’ (I D . 5, 589) leiden. Die vorgeschlagene Deutung als FaN ‘ der Boden der Familie Brindlen ’ (vgl. AWWB 44) scheint schon lautlich nicht zuzutreffen (/ -ndl-/ wird üblicherweise nicht zu / -ll-/ , lässt sich aber aus / nd/ -> / nn/ und anschliessender Assimilation zu / -ll-/ erklären); es kann aber nicht ausgeschlossen werden. Brullezos Brullezos ist historisch in Agarn belegt, 1646 les brullezos, 1363 eys broleyzos, 1366 les brolazes, 1386 eys brulezos, 1607 in Brolacis. Eventuell passt eys bruferos (1405, Agarn) dazu. Ob sich der Name zu frz. brûlé ‘ Brand, verbrannter Wald ’ stellen lässt (T AGMANN 1946, 34 s. v. Burla), ist unsicher, da die Patois-Namen eine Metathese von brul zu burl aufweisen (G PSR 2, 858 s. v. brûlé). Zu Bruferos siehe HL B RUFEROS . Brulli Brulli n. ist nur in Täsch als ts Brulli (auch FLNK) belegt. Es handelt sich um einen sonst nicht belegten Diminutiv (Brunli -> Brulli) zum HL B RUNNU (I D . 5, 653; G RICHTING 1998, 42) in seiner Kollektivform ts Bru als ‘ das Gebiet mit kleinen Quellen ’ . SK zeigt an der Stelle einen kleinen Zufluss zur Matter Vispe, der später nur noch in Spuren vorhanden ist. Da die Beschreibung von Hang und Wiese spricht, die Karten den Namen aber im Wald lokalisieren, müssen wohl auch die höher gelegenen Wiesen hierzu gerechnet werden. Brummil Brummil ist zweimal als Bestimmungswort belegt in di Brummilstüde (Hohtenn) und Brummulmatta (FLNK, Birgisch). Während I D . (5, 610) unter dem HL entweder die Hummel oder eine läufige, aber nicht trächtige Kuh meint (dasselbe unter Brummle n ) und wdt. Brummel, Brummäl (Goms), Brummol (Schattenberge), Brummi (Lötschental), Brummil ‘ Hummel, Ästchen ’ (G RICHTING 1998, 43) bedeutet, ist das HL in den beiden Fällen unklar. di Brummelstüde (Hohtenn) kann meinen ‘ die Gebiete mit Stauden, in denen es Hummeln hat ’ ; dagegen ist Brummulmatta ‘ die Wiese der läufigen, aber nicht trächtigen Kühe ’ (FLNK, Birgisch) sehr unsicher. Brüech 291 292 <?page no="211"?> Bruniols (FaN) Bruniols (FaN) kommt 1736 in Erschmatt als in Bru ͦ niols Acher vor. 1649 ist es als im Brúmols Acher am gleichen Ort belegt. Die Form ist im Genitiv Singular, meint also einen FaN Bruniol oder Brumol. Eine Person dieses Namens war Besitzer oder Nutzer des Ackers. Im Wallis scheint der Name nicht bekannt zu sein; Bruniol ist in Frankreich (laut www.filae.com[06.07.2020iw]) in wenigen Fällen als FaN belegt. Vermutlich handelt es sich also um einen romanischen FaN. Brunner (FaN) Das Lexem Brunner kann sowohl den Familiennamen Brunner wie auch eine Herkunftsbezeichnung (Brunner sind dann die Leute von Brunnen) meinen. Der FaN Brunner, auch Zum Brunnen, Zbrunnen, latinisiert ad fontes ist für mehrere Familien dieses Namens im Wallis, besonders in Eischoll, Brig, Lötschen, Leuk, Salgesch, Siders und Sitten belegt. In Eischoll und Turtmann kommt sie unter dem Namen Zbrun vor (AWWB 45 f.). Wenn Brunnu oder Bru als Weilername erscheint, können die Brunner auch einfach die Leute aus diesem Weiler sein; entsprechend ist der Genitiv Plural Brunnero mehrdeutig. Belegt sind neben dem Simplex der Brunner ‘ im Gebiet der Familie Brunner ’ (Termen) und dem Genitiv Brunnero ‘ der Familie Brunner / der Leute von Brunnu ’ (1572 u. später, Eischoll) auch der Genitiv Plural Brunnero mit den HLL Eie, Drittel, Graat und Hüs. Vermutlich auch hieher gehört Brúnneren Eÿholtz ‘ der Eich-Wald der Familie Brunner / der Leute von Brunnen ’ (1747 u. später, Mörel). Klare Fälle von Familiennamen sind der Brunnerlinen Reben ‘ die Reben der Familie Brunner ’ (1732, Zeneggen) mit einem Diminutiv auf - LI , der häufig auch für FaN gebraucht wird, ts Brunnärsch Zuin ‘ der Zaun der Familie Brunner ’ (Wiler) und Brunnischwald ‘ der Wald der Familie Brunner ’ (Grengiols) mit der typischen Genitiv-Kurzform Brunnisch. In dieser Gemeinde gibt es allerdings als Variante auch Bunnisch, das unklar ist. Unklar ist der historische Beleg de Brungners Lene ‘ vom Lehen des Brunner ’ (1301, Bürchen), das zum HL B RUNNU gestellt ist, hier aber wohl den FaN meint. Brunnu Brunnu kommt in rund 700 Namen vor. Es ist zu schwdt. Brunne n , wdt. Brunne, Brunnä, Brunnu (Saastal), Brunn (Lötschtal) m. ‘ (aus dem Boden sprudelnde) Quelle, Quelle eines Flusses, Baches ’ , auch i. S. wie nhd. ‘ Brunnen ’ , ahd. brunno, mhd. brunne (I D . 5, 653 ff.; G RICHTING 1998, 43) zu stellen. In den meisten Fällen ist mit dem Grundwort Brunnu eine Quelle gemeint, nur selten ein Brunnen mit einem Trog. An verschiedenen Orten sind solche Brunnen gefasst worden und dienen der Wasserversorgung von Siedlungen. Der Bau von Stollen hat andere Brunnen zum Versiegen gebracht; die Namen sind aber noch erhalten. Neben der Quelle selbst tragen auch die Gebiete, bei denen sie zu finden sind, den Namen (im, zum) Brunnu. Formal ist das Simplex im Singular Brunnu m. (mit Varianten wie Brunno, Brunne, Brunn) oder im Plural Brunne / Brunnä vertreten. Umgelautete (und dann entrundete) Plurale sind selten, z. B. Brinn ‘ die Quellen ’ (Ferden). Diminutive im Singular sind Brunnji, Brunntschi, Brungji und Brungi, im Plural Brunnjini und Brunntschini. Umgelautete (und dann entrundete) Diminutive sind Brinnlin, Brinnji und im Plural Brinnjini. Ableitungen anderer Art sind Brunnet mit einem / - ET / -Suffix (Stelle mit zahlreichen Quellen), dazu auch der Diminutiv Brunnetji (Oberems) und das häufige Brunni (nach S ONDEREGGER 1958, 466 ff. eine ursprüngliche / - AHI / -Ableitung mit Kollektivbedeutung ( ‘ Ort mit vielen Quellen ’ )). In Brunnig ist ein / - ING / -Suffix (S ONDEREGGER 1958, 503) vorhanden, das ebenfalls ‘ Ort mit vielen Quellen ’ bezeichnet. Unklarer ist das einmal belegte Brunnil(acker) (Birgisch) - hier liegt wohl das Suffix schwdt. / - EL / (S ONDEREGGER 1958, 513) vor, das im Oberwallis mit wechselndem Vokal Verwendung findet, hier mit der Bedeutung ‘ Ort, wo eine Quelle fliesst ’ . Die Form Bru n. folgt einem andern Muster: ähnlich wie bim Typus Ta ‘ Tann ’ wird hier ein Kollektiv gebildet: ‘ Gebiet, in dem es Quellen hat ’ . Als Grundwort kann Brunnu (oder eine seiner Ableitungen) zunächst mit Adjektiven verbunden werden, vom Typ der Chaalt Brunnu ‘ die kalte Quelle ’ ; wie auch in anderen Fällen gibt es dazu das Kompositum der Chaltbrunnu; es ist nicht immer klar, ob ein attributives Adjektiv oder ein Kompositum mit Adjektiv als Erstglied vorliegt. Vorwiegend sind hier Adjektive wie chaalt und waarm vertreten; daneben gibt es auch einige Partizipien wie t Siedundu Brunne ‘ die siedenden Quellen ’ (Mund) oder ts Gsägnut Brunnji ‘ die kleine, gesegnete Quelle ’ (Saas-Almagell). Verbale Erstglieder von Komposita sind sehr selten, z. B. Triichbrunne ‘ Trinkbrunnen ’ (Zermatt); nominale sind dagegen häufiger, z. B. der Leffelbrunn ‘ die Quelle in löffelförmigem Gelände ’ (Blatten); öfters sind das aber Nutzerangaben (teilweise im Genitiv) wie ts Andreeasch Brun ‘ des Andreas Quelle ’ (Kippel) oder bim Elsibrunno ‘ bei der Quelle des Elsi ’ (Raron). Geläufig sind auch umgebende Ortsnamen wie Seematt Brunnen ‘ Quelle bei der Seematte ’ (Blatten). Mehrfach vertreten ist der Name ts Vogelbrungi ‘ der Vogelbrunnen ’ (Saas-Grund) - ist das eine Quelle, an der Vögel trinken, oder ein kleiner Brunnentrog für Vögel? Die vielen Komposita sind je- 293 294 Brunnu <?page no="212"?> weils unter dem jeweiligen Bestimmungswort näher bestimmt. Als Bestimmungswort steht Brunn- oder Bruhäufig mit Acher, Bach (Wasser), Matta und Tschugge. Gemeint sind meistens Gebiete oder Wasserläufe bei oder aus Quellen. Ein seltsamer Beleg ist ts Bronachi (Lalden), das laut Beschreibung ein Acker bei einer Quelle ist - es ist der einzige Beleg mit dem klaren Vokal / o/ . Weitere Belege finden sich mit den HLL Biel, Bodu, Bord, Chriz, Flüö, Egg(a), Gassa, Gletscher, Grabu, Haalta, Hitta, Kapälla, Lee, Loch, Luss, Mad, Quell, Rüüs, Schiir, Schleif, Schlüche, Schluocht, Schnitta, See, Stadel, Stapfa, Steg, Strich, Stuba, Stüda, Stutt, Suon, Tola, Ture, Wäg, Wald, Wang, Wasser, Weid und Zudangna. Einige der Namen sind schwer zu deuten: so ist unklar, was der Armuseelubrunnu ‘ die Quelle der Armen Seelen ’ (Ergisch) sein soll; die Armen Seelen spielen zwar in den Walliser Sagen eine grosse Rolle (z. B. beim sog. Gratzug), das allein erklärt den Namen aber nicht. Auch der Froibubrunnu ‘ Frauenbrunnen ’ (Leukerbad) ist unklar: haben hier die Damen gebadet? Oder spielt die Jungfrau Maria mit? Die Form Brundegga (Ausserbinn) ist dissimiliert aus *Brunnegga. Die Form Brusch ist Genitiv Singular. Vorangestellte Genitive wie in ts Brunggisch Wang (auch: ts Brunnjisch Wang) ‘ der Grasabhang mit einer kleinen Quelle / einem kleinen Brunnen ’ (Simplon) weisen auf einen Grasabhang hin, wo sich eine kleine Quelle befindet. Brünstig Brünstig Adj. ist nur belegt in ts Briischtig Bielti ‘ der kleine, ungewässerte, verbrannte Hügel ’ (Törbel). Es ist zu schwzd. brünstig ‘ brennend, glühend; von Erdreich, in dem wegen Hitze und Trockenheit nichts gedeiht ’ (I D . 5, 751) zu stellen; der lange Vokal ohne / -n/ geht auf das Staubsche Gesetz mit Entrundung zurück. Vgl auch Brünst (I D . 5, 750), das auf I D . 5, 745 Brünsen in Bed. 2 verweist, wo “‘ verbrannte ’ , d. h. infolge ungenügender Bewässerung dürre und ausgetrocknete und daher rot erscheinende Stelle einer Wiese ” gemeint sind. Bruoder Die wenigen Belege mit Brüeder sind zu schwdt. Brueder, Brüeder m. ‘ Bruder; allgem. zum Ausdruck einer engen (bes. religiösen) Gemeinschaft, Ordensbruder, Mönch ’ , mhd. bruoder und wdt. Brüeder, Briedri, Brüädär (Goms), Bruädr (Lötschtal) Brüödär oder Briädri ‘ Bruder ’ (I D . 5, 413 ff.; G RICHTING 1998, 42) zu stellen. Das Simplex Brüeder, Pl. Brieder kann sowohl den Verwandten, als auch einen Angehörigen einer Bruderschaft oder diese selbst bezeichnen. Belegt ist das HL als Bestimmungswort wie in ts Briedruchriz ‘ das Kreuz der Brüder (unklar) ’ (Mund), Brüederbrunne ‘ die Quelle / der Brunnen des Bruders (unklar) ’ (FLNK, Ausserbinn), ts Brüederhüüs ‘ das Haus der Brüder (Angehörige einer Bruderschaft) ’ (Raron) und di Brüedermatte ‘ die Wiesen des Bruders / der Brüder ’ (Erschmatt; FLNK Brüodermattä). Als Genitiv erscheinen Bru ͦ ders Chumma ‘ die Chumma (Mulde) des Bruders ’ (1414, Binn) und ts Brüedersch Bodo ‘ der Boden des Bruders (unklar) ’ (Glis). Ein Nominativ ist in die Bru ͦ der Matta ‘ die Wiese des Bruders ’ (1552, Naters) belegt. Die Ableitung Brüederschaft bezeichnet im Allgemeinen eine kirchlich anerkannte Vereinigung von Gläubigen, die karitativ und sozial tätig waren, über eigene Statuten und häufig auch ein eigenes Vermögen und Grundbesitz verfügten. Hierzu gehören die Bru ͦ derschaft Matta ‘ die Wiese der Bruderschaft ’ (1432, Ried-Brig) und di Brüederschaftsleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Gebiete der Bruderschaft ’ (Gampel; FLNK Brüädärschaftsleessär). Der Hl. Bruder Klaus (von Flüe) gilt als Landesheiliger der Schweiz - ihm ist in Ernen eine Kapelle gewidmet, wonach der Ort als Brüederchlöis (FLNK, Ernen) und dazu Brüederchlöiswäg ‘ der Weg, der zur Bruder-Klaus- Kapelle führt ’ (FLNK, Ernen) benannt ist. Der Waldbruäder ist ebenfalls eine religiöse Figur; sie bezeichnet den Eremiten, einen in Einsamkeit in einer Klause lebenden Mönch. dr Walbruäder ‘ der Hügel, der wie ein Waldbruder aussieht ’ (Kippel; FLNK Waldbruäder) und dr Waldbruäderhubel ‘ der Hügel, der wie eine Waldbruder aussieht (unklar) ’ (Kippel) bezeichnen metaphorisch ein Gebiet, das wie ein Waldbruder aussieht (wie immer man das versteht). Brüof Brüof ist dreimal in Eggerberg (EK) belegt als Brüofmatta ‘ die Wiese beim oben liegenden Gut ’ , Brüofmattutschuggo ‘ der Fels bei der Wiese beim oben liegenden Gut ’ und Brüöf Eggerbärgero Chilchuwäg ‘ das oben liegende Gut am Kirchweg der Leute von Eggerberg ’ . Auf LT erscheint jedoch Brüechmatta und M. S. kennt etwas weiter oben di Brüochachra ‘ die Äcker im Sumpfgebiet ’ , die EK als Brüachra verzeichnet. Die drei Namen kommen südlich von Eggerberg am Hang oberhalb des Rottentales vor. Zur Form Brüof kennt I D . (6, 687 f.) nur B(e)rueff ‘ Beruf ’ und W IPF (1910, 71) nur das Simplex Rüoff ‘ Ruf ’ . Beide eignen sich schlecht als Flurname. Das alternative Brüech ist in I D . (5, 382 ff.) als Bruech ‘ Scham, Hose ’ belegt. In der Anmerkung (I D . 5, 385) wird auf den Flurnamen Bruech verwiesen, der zu mhd. bruoch ‘ Sumpfland, Moorboden ’ zu stellen wäre, vgl. Bruech in www.ortsnamen.ch, TGNB (2, 2, 96 s. v. Bruech) und HL B RÜECH , was zumindest einen Sumpfboden nahelegt. Eine allerdings näher lie- Brünstig 295 296 <?page no="213"?> gende Deutung würde sich auf die Richtungsangabe aber-ûf ‘ hinauf, oben ’ (I D . 1, 120) beziehen, das seinen Diphthong wohl von uf-hin ‘ hinauf ’ (I D . 2, 1325 f.) hat. Dann wäre Brüof einfach ein oben liegendes Gut. Wir nehmen diese (wohl nicht mehr geläufige) Deutung als sinnvollste an. Brutschaata Brutschaata ist in Preesa Brutschaata ‘ das (von der Sonne versengte) Haus ’ (Zwischbergen; FLNK Presa Bruciata, Presa-Bruciata d ’ Fo; LT Presa Bruciata) belegt. Es ist zum it. Adj. bruciato ‘ von der Sonne, von der Hitze ausgedorrt, ausgetrocknet ’ (D EVOTO / O LI 2020, 311) zu stellen. Es wird als Adjektiv zu Preesa ‘ Haus mit Umschwung ’ verwendet (vgl. P ETRINI 1993, 116 zum älteren Gebrauch von Presa als Inanspruchnahme eines Gemeingutes durch Private). Bruttele Bruttele ist nur als t Bruttele ‘ die Moorbeere(n) ’ (Reckingen) belegt. Die Flur befindet sich auf einer steilen Ebene auf rund 2300 m. Ob es sich um einen Singular oder einen Plural handelt, ist unklar. Dass der Beerenname V ACCINIUM ULIGINOSUM ‘ Rauschbeere ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 710) vorliegt, ist laut Z INSLI (1984, 224 zu I D . 5, 72 Bl ŭ dere ‘ Sumpfheidelbeere ’ ) klar. Bruttin (FaN) Brutting und Bruttin (FaN) lassen sich auf den FaN Bruttin, Brutin (AWWB 46) zurückführen. Der auslautende Konsonant / ŋ / entspricht der lokalen Aussprache des frz. Nasalvokals. Belegt sind v Brutting ‘ beim Eigentum der Familie Bruttin ’ (1683, Albinen), der Bruttingwald ‘ der Wald der Familie Bruttin ’ (Leukerbad) und di Bruttingweid ‘ die Weide der Familie Bruttin ’ (Leukerbad). R. G RICHTING (1993, Blatt 24, Nr. 3) kennt Brutting ‘ das Eigentum der Familie Bruttin ’ auch für Leukerbad. Bsetzi Das Lemma Bsetzi ist eine Abstraktbildung zum Verbum b(e)setze n und lässt sich zu schwdt., wdt. Bsezzi g , Bsazzi g f. ‘ Alpaufzug; eine Alp (mit Vieh); Bestossung einer Alp ’ (I D . 7, 1559 f. und 1694 ff., bes. 1697 und 1710; G RICHTING 1998, 44) oder schwdt. B e -setzi f., B ’ setzni f. ‘ (steinerne) Pflasterung (im Freien), Strassenpflaster, Pflasterung verschiedener Dinge und Orte ’ (I D . 7, 1707 f.) stellen. Von den sieben Belegen sind vier als Bestimmungswörter im Zusammenhang mit der Alpauffahrt zu sehen: di Psetzbletschu ‘ die Bletschu (Ebene), die bei der Alpauffahrt (Bsetzi) gebraucht wird ’ (Steg, Oberems, Ergisch) und Bsetzfärich ‘ der Pferch, der bei der Alpauffahrt (Bsetzi) gebraucht wird ’ (Unterbäch). In drei Fällen ist wohl ein ebener (ev. gepflasteter) Platz gemeint, zweimal als Simplex uf der Bsetzi ‘ auf dem ebenen gepflasterten Platz ’ (Naters) und auf den Psetzen (1770, Selkingen), resp. auf der Psetzy ‘ auf dem ebene gepflasterten Platz ’ (1806, Selkingen) und einmal als Grundwort in t Merderbsetzi ‘ der ebene (gepflasterte? ) Mörderplatz (Motivation unklar) ’ (St. Niklaus). Bubi Das Lemma Bubi ‘ kleiner Junge ’ kommt nur einmal in Bubichopfgalerie (Steg) vor. Wohl zu dt. Bubichopf m. (< 20. Jh.) als Bezeichnung einer jungenhaft geschnittenen Damenfrisur (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 157). Vermutlich ist die Eisenbahngalerie metaphorisch nach dem runden Haarschnitt benannt. (Unklar bleibt die Zeitdimension - die Lötschbergstrecke wurde 1913 eröffnet; die Frisur wurde erst um 1920 Mode). Bublä Bublä pl. ist nur als di Bublä (Steg) belegt. Gwp. sagt, dass <bublä> “ Aspen, Wiesen, grosse dicke Bäume, heute gefällt ” bezeichne. Es handelt sich wohl um eine Übernahme aus dem frz. peuplier ‘ Pappel ’ (FEW 9, 181 s. v. p ō p ŭ lus pappel), resp. einer patois-Form, die etwa in Montana publo (G ERSTER 1927, 58) lautete (vgl. auch B OSSARD / C HAVAN 2006, 173 s. v. Publoz, Puble, Publet und HL B UBLU ). Der Plural bezieht sich darauf, dass dort mehrere solcher Bäume standen. Bublet Bublet n. ist als ts Bublet in Leuk belegt. Dazu gehört auch Bublet Trog ‘ der Trog beim Bublet ’ (Leuk). Historisch ist der Name erst im 19. Jahrhundert belegt, immer in der Form Bublet. Die nächstliegende Erklärung ist eine Ableitung zu lat. P Ō PU ᵕ LUS ‘ Pappel ’ (FEW 9, 181), das u. a. publet m. ‘ place plantée de peupliers (mit Pappeln bepflanzter Platz) ’ angibt (cf. HLL B UBLÄ und B UBLU ). Bublu Bublu ist als zer Bublu ‘ bei der Pappel ’ (Varen, auch FLNK) belegt. Es handelt sich um eine Verdeutschung des Flurnamens Publoz, Puble, Publet ‘ Pappel ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 173) aus lat. P Ō P Ū LUS pappel (FEW 9, 181 f.). I D . und G RICHTING (1998) kennen den Ausdruck nicht (cf. HL B UBLÄ ). Das feminine Genus mit der dt. Präposition führt dazu, den Namen als eingedeutscht zu behandeln. Buchen Buchen kommt nur in Niedergesteln als an die Búchengassu ‘ die Gasse am Ort, wo Buchen wachsen ’ (1750) vor. Die Deutung erfasst das HL als hochdeutsches Wort, 297 298 Buchen <?page no="214"?> nicht in der dialektalen Form. Da am gleichen Ort Büechsche ‘ das Gut der Familie Büech / des Büecho / wo Buchen wuchsen ’ (FLNK, Niedergesteln) und di Büechschungäärtu ‘ die Gärten bei der Büechscha (Gut der Familie Büecher / des Büecho / wo Buchen wachsen) ’ vorliegen und die Fluren sich in der Rottenebene befanden, ist anzunehmen, dass sich dort eine Pflanzung von Buchen befand. Die / - SCHA / - SCHU / -Ableitung meint ‘ das Gut der Familie Büech / mit Buchen ’ . Buchs (PN) Die naheliegende Deutung als schwdt. Buchs, Bux m. ‘ Buchs, Buxus semp. allge.; spec. der zur Einfassung von Gartenbeeten verwendete Zwergbuchs ’ (I D . 4., 999 f.) ist kaum zutreffend. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 164 (Nr. 245)) zeigen, dass die Pflanze zwar im Mittelwallis vorkommt, aber nicht im Simplongebiet und in Eischoll, wo die Belege zu Buchs herstammen. Die Belege für Buxgassa (Simplon) enthalten beide des Buxgassen ‘ die Gasse des Buxs ’ ; hier liegt wohl ein PN vor. Buchs(er) mattun (Eischoll) enthält wohl einen PN Buchs oder Buchser. Beide sind jedoch in den Quellen nicht belegt. Bucht Nur einmal kommt das sonst ungeläufige Lemma Bucht im Namen t Moräänebucht ‘ die Einbuchtung im Gebiet der Moräne (des Rhonegletschers) ’ (Oberwald) vor. Es ist zu nhd. Bucht f. ‘ Sinus, Biegung, Einbiegung, Krümmung ’ (G R W B 2, 483 ff.; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 159; I D . kennt es nicht) zu stellen. Buckert Buckert m. ist nur belegt als der Buckert (Staldenried). Historisch ist 1742 im Búckhert bezeugt. Das deutet darauf hin, dass ursprünglich ein Kompositum aus Buck ‘ Biegung, Krümmung; Hügel ’ , wdt. Bukk ‘ Biegung, Beule, Knick ’ (I D . 4, 1139; G RICHTING 1998, 45) und Härd ‘ (Erd-) Boden ’ , wdt. Häärd ‘ Erde ’ (I D . 32, 1597 ff.; G RICH- TING 1998, 102) gemeint war. Zu verstehen wäre der Flurname dann als ‘ das gebogene Erdstück ’ . Bucki Die beiden Belege für Bucki (Blitzingen, Stalden) sind wohl Varianten zu Bicki (cf. HL B ICKI ) und vermutlich eher zum Lemma mit der Bedeutung ‘ Steinpflaster ’ (I D . 4, 1221) zu stellen, als zur Bedeutung ‘ Bottich ’ (I D . 4, 1143 f.). Budel Budel ist nur als der Budel ‘ Übergraster Felsgrat ’ (Zermatt) belegt. J ULEN ET AL . (1995, 236) kennen den Flurnamen als der Pudel und deuten ihn als ‘ der Rücken ’ . I D . und G RICHTING (1998) kennen das Etymon nicht; das in Z INSLI (1984, 381) erwähnte Budelein (mit Endbetonung) lässt sich auf it. Pedelegno zurückführen und hat mit dem HL B UDEL nichts zu tun. Eine präzisere Deutung ist damit nicht möglich; übernommen wird die Umschreibung durch die Gwpp. Budilji Budilji ist als ts Budilji (Leuk , auch LT und FLNK) und der Budiljiwäg (Leuk) belegt. Heute befindet sich dort die Trinkwasserfassung der Gemeinde Leuk; sie erfasst Quellwasser. Wie die historischen Belege aus dem 19. Jahrhundert zeigen, scheint hier früher eine Alpe gewesen zu sein. Es handelt sich um einen Diminutiv, der wohl zu Butilli ‘ hölzernes Trinkfässchen ’ (E GLI 1982, 291) zu stellen ist (nach G PSR 2, 689). Der Budiljiwäg führt in dieses Gebiet. Ob die Benennung nach dem dort fliessenden Quellwasser oder nach der Umgebung geschieht, bleibt unklar. Die Gwp. bezieht sich auf das Quellwasser, das dort hervorsprudelt. Büeb Das Lemma Büeb ist zu schwdt. Bueb ‘ Knabe, gewöhnlich bis zur Konfirmation; Sohn, ( … ); Bursche in dienender Stellung, Dienstknabe, Handbube des Sennen, Handlanger bei Handwerkern; ( … ), mhd. buobe ‘ Knabe, Diener, Trossknecht ’ und wdt. Büeb, Büöb (Saastal), Buäb (Lötschtal), Büöb oder Büob ‘ Knabe, Schelm ’ (I D . 4, 925 ff.; G RICHTING 1998, 44) zu stellen; in FlN vermutlich meist in der Bedeutung ‘ Sohn ’ , ein Erbschaftsverhältnis anzeigend (TGNB 2, 2, 103). BENB (1, 4, 643 ff.) erwähnt auch den ahd. PN Buobo als mögliche Deutung; sicher ist Büebebärg (Fieschertal; 1547 - 1552, Ernen als Bübenberg, wohl nicht am gleichen Ort) als Name einer Voralpe (Fieschertal) nicht auf die bernische Ministerialenfamilie zurückzuführen. Hingegen ist Buob als FaN im F AMILIEN- NAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 292 f.) belegt, aber nicht für das Wallis; IW. kennt den FaN aus Brig. Im Einzelnen ist die Deutung für Büeb aber unklar. Das HL B ÜEB erscheint nur als Bestimmungswort; die Grundwörter dazu sind Bäärg, Fach, Räbe und Wasser, sowie Glutte und See. Die letzteren zwei sind im Sinn eines untiefen Gewässers zu verstehen, in dem auch kleine Jungen baden können. Büechsche Büechsche ist als HL nur in Niedergesteln belegt, wo es lebend auch als FLNK-Beleg Büechsche erscheint. Die historischen Belege weisen unterschiedliche Formen auf (1424 Bu ͦ chsa, 1430 Bu ͦ chscha, 1627 B ŭ ochtschen, usw.), es scheint sich aber um eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung zu Büechzu handeln. Am ehesten ist hier ein Buchenwald Buchs (PN) 299 300 <?page no="215"?> anzunehmen, wozu auch das Kompositum di Büechschungäärtu ‘ die Gärten, wo Buchen wachsen ’ zu rechnen ist. Dazu passt auch das sonst unerklärte an die Búchengassen ‘ die Gasse am Ort, wo Buchen wachsen ’ (1750, Niedergesteln) (cf. HL B UCHEN ), wo P H . K ALBERMAT- TER (p. c.) ein Büechschungasse vorschlägt. Die Annahme von FaN und PN ist sonst nicht belegt, aber nicht auszuschliessen. Bugen Bugen ist zunächst 1440 in Stalden als ad Bucen (unsichere Lesung) belegt. Danach kommt in den Búgen (1709 u. später, Obergesteln) vor. Letzteres ist ein Dativ Plural, ersteres unsicher. Am ehesten kommt Bueg ‘ in der Holzarchitektur, schräg stehende Stütze, Strebe zwischen zwei Balken ’ (I D . 4, 1071) in Frage, das auch für Münster belegt ist. R ÜBEL (1950, 41 kennt Sperbüek (Leukerbad), einen Pflock, der auf der Ebenwand der Scheune steht und den Firstbalken trägt. G RICHTING (1998) nennt das HL nicht. Wenn die Deutung stimmt, muss ein Stück Land gemeint sein, das einem solchen Pflock ähnelt. Das HL B ONGEN wurde für Obergesteln entsprechend geändert, da P H . K ALBERMATTER (p. c.) annimmt, dass Bongen für Bugen steht. Der Beleg aus Stalden bleibt jedoch unsicher. Buger (FaN) Buger (FaN) ist einmal als Bestimmungswort in Buger Wingartto ‘ der Weingarten der Familie Buger ’ (Mörel) belegt. Buger erscheint in Belegen aus Greich als FaN Petrus Buger (1332), Johanni Buger (1392), Willelmi Buger (1426). Greich liegt direkt oberhalb von Mörel und gehört heute zur Gemeinde Riederalp. Buisa Buisa f. ist nur in Simplon als di Buisa belegt. J ORDAN (2006, 274) kennt den Namen, gibt aber keine Erklärung. Laut Gwp. gehörte die Flur früher Italienern. Auf 1: 10000 als Buisa verzeichnet, steiler Hang bis auf ca. 2100 m. Formal handelt es sich beim Diphthong um ein langes / u: / , das in Simplon zu / ui/ wurde. In den alpinpiemontesischen Dialekten müsste ein / ü: / entstanden sein, vorausgesetzt, es handelt sich um ein alpinpiemontesisches Wort. O LIVIERI (1965, 105) kennt Bussi und führt es auf Bus ‘ Busch ’ zurück. Bussia wäre dann ein Kollektivum auf / - ETA / . Wenn diese Deutung stimmt, handelt es sich um ein bebuschtes Gebiet. Buller (FaN) Buller (FaN) ist nur in Visp belegt und zwar als Pv ̌ llersmatta (1315; Visp) und Bullero Stoss (1474, Visp; im Text als Barreria (Wehrbaute) bezeichnet). Es handelt sich in beiden Fällen um einen Genitiv, der eine im Singular, der andere im Plural. Beide Belege stammen aus der Zeit vor der Entrundung, weisen aber einen Monophthong auf. Es dürfte sich trotzdem um Bieler handeln, das als FaN (AWWB 31) belegt ist, aber auch die Herkunft von einem Biel ‘ Hügel ’ benennen kann. Mindestens für den Beleg von 1474 trifft eher der FaN zu. Buller oder Puller sind aber als FaN nicht belegt. Bulliet Bulliet ist nur in Leuk belegt: 1420 ov billiet (bulliet? ), 1423 bullÿet, 1468 eys bùlliet, 1523 eys bulliex. Der älteste Beleg ist verlesen, die Form mit / u/ ist wohl korrekt. Der letzte Beleg hat alternativ eys mares ‘ beim Sumpf ’ . Der Name bezieht sich deswegen auf feuchtes Gelände. Es handelt sich wohl um eine Diminutiv-Ableitung auf / - ITTU ( M )/ oder / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) zum Namen bouè ‘ Trog ’ (vereinfacht) (G PSR 2, 600 ss. Noms de lieux 600), hier einfach als ‘ der kleine Trog ’ . Bulljess Bulljess ist in Albinen als der Buljess und di Buljess (LT Buljes) belegt; M ATHIEU (2005, 13) kennt Buljes. Der älteste Beleg von 1406 hat ex bullyez. In Leukerbad erscheint ts Bulljes, bei R. G RICHTING als Buljäs (1993, Blatt 9, Nr. 2; Blatt 11, N. 29) und der Bulljessgrabu ‘ der Graben beim Bulljess ’ , das R. G RICHTING (1993) nicht kennt, im Unterschied zum Buljässtutz (Blatt 9, Nr. 8), das in der Datenbank des VSNB fehlt. Der älteste Beleg für das Simplex stammt von 1355 deys bullez. Es handelt sich um ein frpr. Wort, das T AGMANN (1946, 8) zu Bouillet ‘ Wiese mit kleinen Mulden, die als Viehtränke dienen ’ stellt. Das auslautende -s bewahrt nach ihm einen Plural. Er stellt es zu boly(e) (G PSR 2, 477), entsprechend dem schwdt. Brënte n (I D . 5, 753). Bullu Bullu ist nur in di Bullumatte (Törbel) belegt. Das hdt. Bulle ‘ Stier ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 162) kommt kaum in Frage, da nach R ÜBEL (1950, 23 ff.) nur Stier verwendet wird. Hingegen wäre schwd. Pullen III ‘ junges Huhn ’ und wdt. Pula, Pullä (Goms) ‘ Huhn, Knospe, Jungmädchen ’ (I D . 4, 1186; G RICHTING 1998, 156) in der Deutung ‘ die Wiese für die jungen Hühner ’ nicht ausgeschlossen. Bult Bult bleibt unklar. Es ist nur einmal als Bestimmungswort in Bultgarten (1333, Naters) belegt, mit unsicherer Lesung; MS schlägt auch Bildgarten vor, ebenfalls unsicher. Eine Deutung ist nicht möglich. 301 302 Bult <?page no="216"?> Bumann (FaN) Bumann (FaN), Büman, geschrieben auch Baumann, ist im Oberwallis dokumentiert für eine Familie, die im 15. Jh. in Saas, in Ausserberg und Sitten vorkommt (AWWB 47). Das Simplex ist historisch in Glis und Visperterminen für eine Alpe im Nanztal belegt, etwa in der Buman (1519 u. später, Glis; Visperterminen), der … innere Büman ‘ der innere Teil des Gebietes der Familie Bumann ’ (1716/ 17, Glis); heute erinnern noch der Bummustafel (Glis), auch LT) und der Bummuwald (Visperterminen, auch LT und FLNK, SK Baumannwald) daran. Die übrigen Belege weisen einen vorangestellten Genitiv auf: Bümasch Eggu ‘ die Ecke der Familie Bumann ’ (Ergisch), ts Büümisch Lecher ‘ die Löcher der Familie Bumann ’ (Randa), ts Büümusch Wang ‘ der Grasabhang der Familie Bumann ’ (Saas-Fee). Bumma Bumma f. ist als di Bumma (Grengiols) belegt. Laut Gwp. handle es sich bei <bumma> um eine grosse <trinkel>. Wenn diese Angabe stimmt, ist wohl die Form einer grossen Trinkel gemeint; der Name wäre dann eine Ableitung zum Schallwort bumm (I D . 4, 1245), hier wohl die Nachahmung des Geläutes einer Trinkel. Das HL ist so jedoch nicht belegt. In Hohtenn ist di Bummermattu ‘ die Wiese der Familie Bummer (nur laut Gwp.) ’ . Belegt ist der FaN im Oberwallis sonst nicht; ob ein Beiname vorliegt, kann nicht gesagt werden. Die in Visperterminen und Glis vorkommenden Belege für Bummustafel und Bummuwald gehören wohl zum FaN Bumann (cf. HL B UMANN (F A N)). Buna Buna f. ist zweimal belegt als di Buna (Filet, auch FLNK) und der Bunewald (Filet). Laut Gwp. handelt es sich um einen Tannenwald unterhalb der Tunetschalp auf ca. 1300 m. Auffällig ist, dass der betonte Vokal kurz und geschlossen ist; normalerweise erwartet man bei geschlossenem Vokal eine Palatalisierung (vgl. R ÜBEL 1950, 2; SDS 1, 106), bei Kürze einen offenen Vokal. Zwar kennt DU C ANGE buna f. (1, 778c) als “ modus agri certis limitibus … definitus ” (1, 778c), doch deutet nichts darauf hin, dass sich hier ein Acker befunden hätte. I D . (4, 318) kennt zwar einen Eintrag für b ū ne n ‘ cacare ’ , woraus sich so etwas wie Düngwiese ableiten liesse, doch ist dieser Typ nur in der Ostschweiz belegt. K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 161) kennen zwar Buhne f. ‘ Uferschutzbau ’ , führen ihn aber auf das Niederdeutsche zurück. Letztlich bleiben die Namen ungedeutet; wie I D . (4, 1318 s. v. b ǚ ne n ) in einer Anmerkung sagt, erscheint Pünet als Flurname in Affoltern bei Zürich. Am ehesten dürfte also Buna ein gedüngter Ort sein, was aber unsicher ist. Bund (Schweiz) Schwdt. Bund m. ‘ amtliche und in neuerer Zeit auch volksübliche Bezeichnung des schweizerischen Bundesstaates ’ (I D . 4, 1355 ff.), in Naters Bezeichnung eines Besitzes der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), die dem Bund gehören, als Bundesweitji ‘ kleine Weide des Bundes ’ . Das HL erscheint hier im Genitiv Singular. Bund Bund ist nur in jm Bundesch (1527, Grengiols) belegt. Das zugehörige Grundwort Esch (cf. HL E SCH ) bedeutet ‘ Saatfeld ’ . Welche Deutung Bund hier genau hat, ist unklar. Am ehesten dürfte das sonst als Biina belegte Bünt ‘ Pflanzplatz ’ (I D . 4, 1401 ff.) gemeint sein; hier ein eingehegtes Stück Land, das als Saatfeld oder Pflanzplatz diente. Bunnisch Bunnisch ist in Grengiols dreimal belegt, als Simplex und als Bestimmungswort zu Wald. Auf der LK heisst das Gebiet Brunnisch und Brunnischwald. Ein hist. Beleg Jm Bundesch (1527) lässt sich aus lautlichen Gründen (/ nd/ > / nn/ ) dazu stellen. Die Endung / -isch/ deutet im Allgemeinen auf einen Genitiv, aber das Genus Maskulin des Nomens passt nicht dazu; eine Adjektivableitung auf / - ISCH / ist angesichts der Beleglage praktisch ausgeschlossen. Die Umdeutung zu Brunnisch ‘ bei der Quelle / beim Brunnen / bei der Familie Brunner ’ auf der LK weist auf eine unverstandene Bildung hin, für die mangels historischen Belegen keine Deutung erfolgen kann. Büntenen Büntenen ist nur einmal auf der SK für Ergisch belegt. Auf neueren Karten fehlt der Eintrag, doch könnte t (e)Ritine ‘ die gerodeten Gebiete ’ (Ergisch) gemeint sein, das der aufnehmende Ingenieur (X. I MFELD , Aufnahme 1887 - 88) nicht erkannte. Büocher (FaN) Das in nur zwei Fällen belegte Büochist unklar. Der Baumname Buech (I D . 4, 980 ff.) kommt kaum in Frage, da im Rhonetal bei Niedergesteln (t Büechsche) und Turtmann (di Büöchimatta) keine Buchen (cf. aber HL B U- CHEN ) wachsen. Ein Familien- oder Personenname ist ebenso möglich wie ein Übername. Der Beleg Büechscha (Niedergesteln) ist eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung, häufig zu einem Personennamen - hier könnte auch der Vorname Buocho zu Grund liegen. Die Büochimattu (Turt- Bumann (FaN) 303 304 <?page no="217"?> mann) wäre die ‘ Wiese der Familie Bucher ’ . Da Buchenwälder in anderen Gegenden der deutschen Schweiz sehr häufig sind, erscheint der Baumname mit seinen Ableitungen dort sehr oft (vgl. etwa BENB 1, 4, 645 - 661); im Oberwallis kann aber auch der FaN Büecher gemeint sein, der allerdings nur im Register der HRBS als Bucher aus Unterwalden erscheint. Buos (FaN) Buos (FaN) ist vermutlich ein Familienname, der für 1330 in Mörel belegt ist (siehe die beiläufige Erwähnung in AWWB 99). Der einzige Beleg stammt aus Baltschieder von 1657: Fluo Buoslego. Die Konstruktion sieht wie ein nachgestellter Genitiv Plural mit einer Kollektiv-Ableitung auf - LEG (< - LING ) aus: ‘ die Fluh der Leute des Buos ’ . Büos Büos ist lebend nur als di Büosini (Eischoll) und Büosinu (Unterems) belegt. In Eischoll ist historisch 1803 das Bussergessi belegt, also ‘ die kleine Gasse zu den Büosini ’ . Diese Deutung wird unterstützt von der Lage des im Dokument erwähnten Ortes im Jnfang, das lebend als ts Ifangji am nördlichen Dorfrand von Eischoll erscheint. Vermutlich liegt den Flurnamen das schwdt. Buesem (I D . 4, 1755 f.) zu Grunde, das allerdings in unseren Quellen nicht belegt ist. BENB (1, 4, 761 ff. s. v. Bus(s)-/ Bues(s)/ Büess) führt die meisten der Flurnamen auf ahd. PNN oder FaNN zurück, schliesst aber auch eine Herkunft aus den Nomina Buess ‘ Busse ’ , B ū ss ‘ Stoss ’ und Buesem ‘ Busen, Teil des Gewandes, zunächst des Hemdes, der die Brust, bes. die Herzgegend bedeckt ’ nicht aus. Die wenigen Belege in unserem Gebiet deuten eher auf einen metaphorischen Gebrauch hin, im Sinne eines kleinen, rundlichen Ortes. Buoz Buoz ist zweimal in Varen belegt, beide von 1490: dor buoz [wohl verschrieben aus dov buoz] und dov plan buoz. Der Kontext sagt in beiden Fällen usque ad torrentem vocatum ‘ bis zum Bach mit dem Namen …’ . Es handelt sich also um den gleichen Bach. buoz dürfte ein Plural zu lat. B Ŏ VEM ‘ Stier ’ sein (cf. G PSR 2, 448 ss. s. v. boeuf); der Bach ist nach den angrenzenden ebenen Weideflächen für die Stiere benannt. Bur Bur ist zu schwdt. B ū r, P ū r ‘ Haus, Hütte; Alphütte; Beinhaus; Milchkammer, Käsespeicher in Sennhütten; Stall ’ , ahd. b ū r m. ‘ Haus, Kammer ’ (I D . 4, 1512) zu stellen. Der historische Beleg Bur (Oberwald, 1388 edificij cui dicitur bur ‘ des Gebäudes, das Bur genannt wird ’ ) könnte auch bloss appellativ sein, ist aber deutsch im lateinischen Text und darum wohl ein FlN. Der historische Beleg Burwardtt (Grächen, 1570) ist wohl verschrieben für Burwald. Die in Grächen belegten der Burwald (auch FLNK) und jm Vsren Burwald ‘ im äusseren Burwald (Wald bei der Hütte ’ (1617) legen diese Deutung nahe. Burg Burg ist zu schwdt. Burg f., wie nhd. ‘ Burg ’ , ahd. burg, mhd. burc ‘ umschlossener, befestigter Ort, Burg, Stadt ’ , als Name für Orte bei ehemaligen Burgstellen oder im übertragenen Sinn für burgähnliche erhöhte oder felsige Geländestellen zu stellen. Burg vermischt sich in der Burg- und Flurnamengebung mit dem Geländewort Berg, mit dem es vermutlich im Ablautverhältnis steht (LUNB 1, 1, 191 ff.; I D . 4, 1576 ff.; Z INSLI 1945, 314, B OXLER 1976, 79 ff., u. 90 f.). Die meisten der Namen sind Simplizia wie Burg (17 Gemeinden), selten im Plural (Burge, 3 Gemeinden) und nur wenige beziehen sich auf Burgen oder deren Ruinen (Ried-Mörel, Naters, Raron, Niedergesteln). Als Adjektive sind Unter, Ober und Nieder vertreten; als Präpositionen Hinter, Unter und Ob. Ein Sonderfall ist die Reihe t Erschtuscht, t Mittluscht und t Ännerscht Burg bei Blatten ob Naters im Gebiet Burge. Als Grundwort kommt Burg nur selten vor; dabei ist viam Steýburgs ‘ der Weg zur Steinburg ’ (1391, Glis) mit einem Genitiv seltsam; der Kontext legt aber eine höher gelegene Stelle nahe. Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit Matta, Wald, Hitta, Schlüecht, Sita und Spitz. Unklar ist die lateinische Form Burguna (Törbel) für den Weiler Burge. Schwer zu erklären ist Swanburgshaalta, resp. Swanenburgs Haltun (beide Embd, 1307) - eine Schwanenburg ist in Embd jedenfalls unerwartet; die Belege von 1307 deuten aber auf einen solchen PN oder FaN hin. Die Ableitung Burger ist in einem gesonderten Artikel behandelt, ebenso der FaN Burgener. Burgener (FaN) Der FaN Burgener, Burguener, de Burgen, ist belegt für eine alte Familie des Saas-Tales, die dort im 15. Jh. nach Grächen, Visp, Siders, Eifisch, dann auch nach Glis verzweigte (AWWB 47 f.). Nur historische Belege sind vorhanden - alle im Genitiv Plural: Burgernerro Hüsern ‘ die Häuser der Burgener ’ (Stalden, 1304), Burgernerro Mattun ‘ die Wiese der Burgener ’ (Törbel) und Burginero Schiir ‘ die Scheuer der Burgener ’ (Termen). Burger Heute wird im Wallis zwischen Burger (Angehöriger einer Burgergemeinde oder Burgerschaft) und Bürger (Schweizer und kantonale Staatsangehörige, Gemeindebürger) unterschieden. Diese Unterscheidung ist auch in 305 306 Burger <?page no="218"?> anderen Kantonen gegeben, aber terminologisch anders ausgestaltet. Das Lemma ist zu schwdt. Burger, Bürger m. ‘ Bürger, Stadtbewohner; Dorfbewohner; wer in einer Gemeinde das Bürgerrecht besitzt; Glied einer kirchlichen Genossenschaft; Staatsangehöriger ’ (I D . 4, 1579 ff.) zu stellen. In Flurnamen bezieht sich Burger auf die Besitzverhältnisse von Grundstücken durch die Bürger (im Wallis: Burger) einer Gemeinde (TGNB 2, 2, 108). Burger tritt nur als Bestimmungswort auf, mit Ausnahme des Weilers ts Burgeru (Agarn), das wohl als ‘ bei den Burgern ’ zu verstehen ist. Die Grundwörter dazu sind Eie, Gassa, Los, Räbe, Rand, Recht, Stock, Stuck, Wald, Wasser, Weid und Wild; manche in der Rhoneebene liegend, die erst spät nutzbar gemacht wurde. Einen Sonderfall weist Eggerberg mit der mehrfach belegten Ableitung Burgertum ‘ Eigentum der Burger ’ auf. Zur Ableitung Burgschaft cf. HL B URGSCHAFT . Burgschaft Burgschaft ist eine Ableitung mit dem Suffix / - SCHAFT / zu Burg. Diese Ableitung ist nicht im I D . vertreten. Burgschaft meint den zentralen alten Teil (Altstadt) der Gemeinden Brig, Visp und Leuk; ein Beleg verweist auch auf Naters. In Brig ist es auch Strassenbezeichnung, geteilt in die Obere und die Untere Burgschaft. Belegt sind in der Datenbank aber nur Brig und Leuk. Zu unterscheiden davon ist die Burgerschaft, die Vereinigung der Burger (I D . 4, 1586). Das Suffix / - SCHAFT / tritt auch in anderen Nomina wie Bärgschaft, Brüederschaft, Grafschaft und Herrschaft auf. Zum Suffix / - SCHAFT / vgl. F LEISCHER / B ARZ ( 4 2012 , 221 ff.) Burguos Burguos ist nur einmal belegt in pra de burguos (1697, Albinen). Da im Text auch steht “ Arbionenerensi ” (Lesung wurde überprüft von R. P FAMMATTER ) ist anzunehmen, dass der Schreiber unsicher war. Burguos könnte also eine Fehlform für Burgos ‘ die Burger ’ sein. B OSSARD / C HAVAN (2006, 72) kennt aber Ortsnamen vom Typ Bourgoz / Burgoz ‘ Schlamm, Sumpf ’ , das bei G PSR (2, 755 s. v. br ǝ go) zu frpr. brego, bergo < * BURG - (mit vorromanischer Herkunft) gestellt wird; auch hier sind Ortsnamen wie Bourgoz erwähnt. Dann wäre der Name als ‘ Sumpfwiese ’ zu verstehen. Beide Deutungen sind unsicher. Burkard (FaN) Der FaN Burkard, Burcardi, Burket, Burken, vom PN Burcardus, Burkard oder Burkardt, ist belegt für eine alte Familie von Gampel, die einen Zweig nach Fiesch abgab, der sich Burken schrieb und im 19. Jh. erlosch (AWWB 48). Der Beleg Burkarts Acher (Greich) bezieht sich vermutlich nur auf einen PN, nicht auf einen FaN. di Burkätä ‘ zu den Burkharden ’ (Gampel) und zu Burketten (1865, Bratsch), das 1649 als zun Burcarten erscheint, beziehen sich auf die lokale Aussprache des FaN. Dasselbe gilt für in den Burkethalten (1868, Bratsch). Einen Genitiv des FaNs enthalten Burketsch Matten (1809, Bratsch) und Búrketschacher (1833, Steg). Burscht Burscht ist zu schwdt. Burst m. ‘ Borsten des Schweines ’ , ‘ kurzes, borstiges, hartes Gras, Riedgras ’ , ‘ Wiesen, die mit Riedgras bewachsen sind ’ (I D . 4, 1607 f.). zu stellen. Allerdings ist das Simplex in unserem Gebiet meist n., d. h. wahrscheinlich ein Kollektiv im Sinn von ‘ mit Riedgras bewachsen ’ . Aus der Reihe fällt ts Schwiin Burscht (Blatten), wo die Gwp. an Schweineborsten denkt; hierzu laut Gwp. aber auch ts Gugginburscht ‘ die mit Riedgras bewachsene Wiese auf der Alp Guggina ’ (Blatten). Auch bei Burschtwald (Fieschertal) ist die Anspielung an Schweineborsten erkennbar. Schwierig ist Burscht (Blatten) auf einer Höhe von über 3300 m, wo ev. ein fester, harter Boden mit kurzem Riedgras gemeint ist; dazu dann auch der Burstsattel ‘ Felssattel oberhalb des Burst ’ (Blatten, LT und FLNK), wo es auch di Burschtspitza ‘ die (Fels-)spitzen oberhalb des Burst ’ (Blatten, LT Burstspitza, SK Burstspitzen, FLNK Burschtspitza) gibt, also ein eigentliches Namennest um das HL B URSCHT herum. Der Diminutiv hat die Formen ts Burschtji ‘ die kleine, mit Riedgras bewachsene Wiese ’ (Visperterminen, auch FLNK) und historisch das B ŭ rstin ‘ die kleine, mit Riedgras bewachsene Wiese ’ (1721, Münster), der Plural dazu ist (t ’ ) Purschgini ‘ die kleinen, mit Riedgras bewachsenen Wiesen ’ (Ausserbinn, FLNK Burschgini, und 1: 10000 Burstini) und t Burschtjini ‘ die kleine, mit Riedgras bewachsenen Wiesen ’ (Binn, LT und 1: 10000 Burstini, FLNK Burschtini); es handelt sich in beiden Fällen um die gleiche Flur. Als Bestimmungswort ist das HL (ausser den schon genannten Belegen) mit Bodu, Egg(a), Hooru und Trog verbunden. Burtlome (FaN) Der FaN Burtlome ist belegt in einem Dokument aus dem Gemeindearchiv Brig-Glis / Brigerbad (E 20, S. 2, Mund): Thomae Burtlome de Einholtz und findet sich auch im Register der HRBS. Als Flurname kommt sÿluam Burthlomennigo (Glis) vor: ‘ der Wald der Familie Burtlome ’ . Die Konstruktion zeigt, dass auf Vokale auslautende Namen mit einem / - N / -Infix und dem Kollektivsuffix / - IG / gebildet werden. Burgschaft 307 308 <?page no="219"?> Busch Busch m., Plural Bisch ist zu schwdt. Busch, Bosch, Posche n m., f. ‘ Busch, Strauch, Laubholz; mit Gras bewachsenes Stück Erde, Rasenstück ’ , mhd. bosch (neben busch) (I D . 4, 1763 ff.) zu stellen. Von den sechs Belegen sind zwei Simplizia im Singular: im Busche (1399, Ried-Mörel), in dem Busche (1390, Mund). Simplizia im Plural sind in den Büschen (1778, Raron), jn den Büschun (1455, Eischoll) und ein vermutlicher Diminutiv au ᵕ f den Bu ᵕ schinen (1844, Binn). Der sechste ist Bischtrieschtu ‘ Driest (unfruchtbares Gebiet) mit Büschen ’ (Zeneggen). Buschen (FaN) Buschen (FaN) ist nur einmal belegt in vff Bu ᵕ schen Thurren ‘ auf dem Turm des Buschen (FaN) ’ (1606, Betten). Ist eventuell zum FaN Bitschin (AWWB 33) zu stellen, der auch als Buschini erscheint; es kann aber auch ein PN Busch gemeint sein. Büsing Büsing ist als der Büsing und der Büsingpass (beide Zwischbergen, FLNK Busing und Busingpass) belegt. J ORDAN (2006, 381) kennt es als Bischúng mit mehreren Varianten: Bischu, Büsching, Büsín, Buschíng, Busíng, Busino und Bischungpass mit den gleichen Varianten (Zwischbergen); er nimmt an, dass die Alpe Büsin (Italien) namengebend ist. LT kennt P[izzo] del Büsin, Passo del Büsin und A[lpe] Büsin, welche auf italienischer Seite liegt. 1: 10000 hat Busing und Busingpass. Es liegt wohl das von P ETRINI (1993, 83 f.) aufgeführte büsan, busan, büsen, busen ‘ avallamenti e canali ’ (Einsenkungen und Kanäle) vor, hier also Alpe mit Graben. Er führt es auf * BUCINU zu lat. BUCINA ‘ Trompete ’ zurück, eine Benennung auf Grund des Wasserlärms. Die verschiedenen Formen bei J ORDAN (2006) beziehen sich auf die Entrundung (ü > i), die Schibilantisierung (s > sch) und den fehlenden Umlaut (u > ü) sowie die Position des Akzentes. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Namen nicht. Buttilliettes Buttiliettes ist nur 1703 in Salgesch als in Buttilliettes belegt. Es handelt sich um eine diminutive Form auf / - ITTA / , hier wohl im Plural (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Es ist zu lat. BUT Ĭ CCULA art gefä β (FEW 1, 660 f.) zu stellen. S. 660 ist ein afrz. und mfrz. Beleg für bouteillette ‘ petite bouteille ’ erwähnt (vgl. auch G PSR 2, 691 s. v. bouteillette). Ob ein Pflanzenname T ROLLIUS EUROPAEUS ‘ Europäische Trollblume ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 102), deren Verbreitung in der ganzen Schweiz gesichert ist, vorliegt, ist unklar. Als Flurname kommt aber am ehesten die Pflanzenbezeichnung in Frage. Büüch Büüch ist zu schwdt. b ū che n , wdt. büüche, büüchä (Goms), buichun (Lötschtal), büüchu ‘ waschen, d. h. Wäsche (auch frisch gesponnenes Garn) in heisser Aschenlauge einweichen, als Vorbereitung des eigentlichen Waschens; Hauswäsche halten ’ , mhd. b ū chen, schwdt. B ū ch II n., im Wallis auch f. ‘ das Waschen in Lauge, Wäsche ’ (I D . 4, 976 f.; G RICHTING 1998, 45) bzw. schwd. Buchh ū s n. ‘ Waschhaus, teils als selbständiges Gebäude, teils als Waschküche, bes. im Hinterhause ’ (I D . 2, 1719) zu stellen. Das Lemma erscheint nur als Bestimmungswort. Belegt ist es einerseits in Hohtenn als zum Büüchhüs ‘ zum Waschhaus ’ und anderseits in Brigerbad als Büüchhüsbina ‘ der Pflanzplatz beim Waschhaus ’ und der Büüchhüsgrund ‘ der Teil des Talgrundes, wo das Waschhaus stand ’ . Die Lötschentaler Form Buich ist belegt als tsem Buichärhuis ‘ zum Waschhaus ’ (Kippel, Wiler). Die Ableitung auf / - ER / ist nur im Lötschtal belegt (vgl. S ONDER- EGGER 1958, 531 ff.). Buw Buw ist zu schwdt. B ū w , Bou m., wie allgemein nhd. ‘ Bau ’ , ‘ Bebauung des Feldes ’ , ‘ die Zeit, in der das Feld bestellt wird, Frühling ’ , Buw w Berner Oberland, B ū w (W[allis] Dim. B ū (w)li) ‘ Dünger, Mist ’ , mhd b ū , -wes (I D . 4, 1945 ff.). G RICHTING (1998, 45) kennt es als Büü, Büw (Goms), Buiw (Lötschtal), Buww ‘ Mist ’ . Gibiww ‘ Gebäude ’ ist zu Geb ǖ (w) (I D . 4, 1961) zu stellen. Aus dem Hochdeutschen lautlich angepasst entlehnt ist der Typ Verbüwig ‘ Verbauung ’ für die Bauten zum Schutz vor Lawinen. Die belegten Namen sind im Bu ͦ we (1399, Glis), ts Buwji (Ried-Brig ’ ) und di Buwjini (Glis), wohl als ‘ bebautes (kleines) Feld ’ oder als ‘ Feld mit Mist ’ zu verstehen. ts Gibiww (Turtmann, auch FLNK Gibiw) meint ‘ das Gebäude (Dorfteil von Turtmann mit einem unvollendeten Gebäude von Kaspar Stockalper) ’ . Der Typ Verbüwig ‘ Verbauung ’ ist als Simplex, Grundwort und Bestimmungswort belegt: t Verbuwwige ‘ die (Lawinen-)Verbauungen ’ (Grächen), t Verbüwunge ‘ die (Lawinen-)Verbauungen ’ (Grengiols), t Verbüüwig ‘ die (Lawinen-)Verbauung ’ (Leukerbad), di Dorfallmeiverbüübige ‘ die (Lawinen-)Verbauungen in der Dorfallmei (gemeinsamer Besitz des Dorfes) ’ (Leukerbad) (R. G RICHTING 1993 kennt nur Dorfallmey (Blatt 9, Nr. 15 und Blatt 22, Nr. 33)), t Lawiineverbüwige ‘ die Lawinenverbauungen ’ (Oberwald). Isoliert ist ein Genitiv Malaschiers Buve ‘ der Bau des Malaschier (unklar, ob Gebäude oder bebautes Land) ’ (1297, Visp). Und ganz anders t Anbüschlacht ‘ die Anbauschlacht ’ (Gampel, FLNK Ambüschlacht) - ein Stück Land in der Rottenebene, auf der im zweiten Weltkrieg Kartoffeln angebaut wurden. 309 310 Buw <?page no="220"?> Buzer (FaN) Der FaN Buzer ist belegt in der Datenbank des FGA. Er kommt in Birgisch im Beleg an der Buzers Matten (1347) ‘ an der Wiese Buzers ’ und in Goppisberg in terram Butzarro ‘ das Land der Buzer ’ vor. Andere Belege mit Butzer wie der Butzer (Raron, 1309 aber in Buty`eres), Pu ᵕ tzer=Gassa (1827, Visp) und der Butzerwang (Niedergesteln) sind wohl eher zum HL P UTZ ‘ Tümpel ’ zu stellen; die / - ER / -Ableitung kann eine maskuline Stellenbezeichnung (Butzer) oder eine gekürzte feminine Stellenbezeichnung auf / - ERA / (Butzera) sein (cf. HL P UTZ ); in allen Fällen ist aber auch ein FaN Buzer möglich. Bynynguen Bynynguen ist nur einmal 1292 in Visp als apud Bynynguen belegt. Es handelt sich wohl um eine verschriebene oder verlesene Form von Byvynguen, also Bifingen ‘ das eingezäunte Stück Land ’ (cf. HLL B I und F ANG ). Buzer (FaN) 311 312 <?page no="221"?> C (siehe auch G und K) Cabana Cabana ‘ Hütte ’ ist zu capanna ‘ Hütte ’ (FEW 2, 244 ss.) zu stellen. Die Form mit anlautendem / c/ ist älter als das spätere Chavannes (B OSSARD / C HAVAN 2006, 218); die Auroren stellen es zu kelt. capanna. Belegt sind: nemus de cabana ‘ der Wald bei der Hütte ’ (13. Jh., Oberems), ol plagney de cabana ‘ in der kleinen Ebene bei der Hütte ’ (1328, Unterems), ou plagne ỳ de cabana ‘ in der kleinen Ebene bei der Hütte ’ (1328, Oberems), de canabis ‘ von den Hütten ’ (1522, Steg (Herkunft eines Zeugen)). Der FaN de Cabanis ist eine Übersetzung von Zengaffinen (AWWB 49). Vermutlich gehört auch zen Gauenon ‘ bei den Hütten ’ (1345, Unterems) hieher (cf. HL Gafene). Cairerlin Cairerlin ist einmal historisch (1386) für Raron belegt. Der Text legt den Beinamen eines Mannes namens Willelmus Magillun nahe, der Cairerlin genannt wurde. Es handelt sich um einen Diminutiv zu Cairer. Es geht nicht um einen Flurnamen, sondern um einen Beinamen, der jedoch nicht gedeutet werden kann. Calanches Calanches ist nur 1338 in Varen als eys reyes a calanches belegt. Zu reyes ‘ Furche ’ cf. HL R EI . D U C ANGE (1883 - 1887, 2, 20b) hat für calanca angegeben ‘ Locus humilis, depressus ’ . P H . K ALBERMATTER (p. c.) liest jedoch Culanches, das in Varen lebend als Gulantschi ‘ der Bach in der Schlucht ’ belegt ist und auch als a Culanches (1374) belegt ist (cf. HL G ULANTZEN ). Diese Lesung ist überzeugender als Calanches. Calattraz Calattraz ist nur 1594 in Salgesch als en laz calattraz belegt. T AGMANN (1946, 7 f.) kennt den Beleg und sagt, es handle sich um die Schleuse einer Wasserleitung, die das Wasser im Dorf verteilte. Er führt es auf ein lat. * CALASTRA zurück. Die für Salgesch dokumentierte Form ist eine frpr. Form; die „ deutsche “ Form ist Galachtru (cf. HL G ALACHTRU ). Caldana Caldana ‘ die warme Quelle ’ ist zweimal 1346 in Leuk als in Tercio Caldane ‘ im Drittel des warmen Brunnens (wohl Gaaldinu cf. HL G AALDI ) ’ und aque de Caldana ‘ des Wassers der warmen Quelle ’ belegt; 1453 ist ad Caldanam decursum aque Caldane ‘ bei der Gaaldinu und beim Lauf der warmen Quelle ’ bezeugt. Das Alter der Belege legt nahe, dass hier Gaaldinu und Caldana zusammengehören. Ein weiteres Beispiel findet sich in Salgesch als apud Caldanam ‘ bei der warmen Quelle ’ (1414) mit Varianten von 1468 supra fontem Caldane ‘ über der warmen Quelle ’ und ad Coldanam ‘ bei der warmen Quelle ’ . Hier handelt es sich wohl um das heutige Gebiet Tschüdangna (Salgesch, Varen) (cf. HL T SCHÜDANGNA ). Eine Zusammensetzung weist 1312 Agarn mit in Clauso de Caldana ‘ im eingefriedeten Gut mit der warmen Quelle ’ auf. Und noch einmal in Leuk ist 1331 Crosum Caldane ‘ die Vertiefung (Schlucht) der warmen Quelle ’ belegt; letzteres nimmt auf den Ortsteil Gaaldinu von Leuk Bezug. Calido Calido ist nur einmal 1697 in Albinen als im Calido belegt. Auf den ersten Blick würde der Beleg zum lat. Adjektiv CAL Ĭ DUS warm (FEW 2, 87 ff.) passen; die frpr. Formen sind aber anders (G PSR 3, 443 ss. s. v. chaud). Eine deutsche Deutung (z. B. zu galt ‘ brach, unangebaut ’ (I D . 2, 236)) ist zwar möglich, aber wegen des interkonsonantischen / i/ schwer möglich. Die einfachste Lösung ist wohl eine lateinische Übersetzung von ‘ bei der warmen Quelle ’ . Diese Hypothese ist aber unsicher. Campus Campus ‘ Feld ’ ist mehrfach belegt, wobei die meisten historischen Belege auf lat. CAMPUS ‘ Feld ’ zurückgehen und nicht immer klar ist, ob ein Flurname oder ein Appellativ gemeint ist. Die Form campo kann ein lat. Dativ oder Ablativ sein, aber auch eine it. Form, wobei italienische Namen nur an der Südgrenze des Oberwallis zu Italien und dem Kanton Tessin auftreten. Für die frz. Form vgl. das HL C HAMP , für die frpr. Form das HL Z A ; dt. Lehnformen sind unter dem HL G AMPEL zu finden. Als Simplex ist de Campis ‘ bei den Feldern ’ (1203 u. später, Leuk) belegt, wo ein Weinberg so benannt ist, der 1217 auch als Rees bezeichnet wird. Da diese Form nur noch 1358 in Leuk als eys rees marchis vorkommt, muss es sich um einen romanischen Namen handeln (cf. HL R EES ). Mit einem nachgestellten lat. Genitiv oder einer präpositionalen Form erscheinen: jn Campis de Fingoz ‘ in den Feldern von Pfyn ’ (1578, Leuk), in Campis dou 313 314 Campus <?page no="222"?> Chablo ‘ in den Feldern beim Holzschleif ’ (1330, Leuk), in Campis Presbiterorum ‘ in den Feldern der Priester ’ (1468, Albinen), in Campo dol Dreuies ‘ im Feld mit Brunnen (Quellen) ’ (1328, Ergisch; in anderen Dokumenten dol Druyes, dou Duey`s, dol Duyes, dol Duy`es) (cf. HL D RUYES ), jn Campo dou Bioley ‘ im Feld mit Birken ’ (1355, Ergisch), in Campo dou Rives ‘ im Feld beim Bach ’ (1358, Albinen), in Campo Dues ‘ im Feld mit Brunnen (Quellen) ’ (13. Jh., Ergisch) (cf. HL D UES ), in Campo Gyrardi ‘ im Feld des Girard ’ (1368, Varen) (cf. HL G YRARDI ), jn Campo Lambaner (1351 u. später, Varen) (cf. HL L AMBANE ), jn Campo Reyl (1338, Inden) (cf. HL R EYL ), in campo d.[icto] Vyonet ‘ im Feld, das Vyonet genannt wird ’ (1375, Varen) (cf. HL V IA ). Weiter sind belegt iuxta campum dol mantel ‘ beim Feld des Mantel ’ (1250, Leuk) (cf. HL M ANTEL ( ROM .)), juxta campum faborum ‘ beim Bohnenfeld ’ (1526, Varen), campum Oliverii ‘ das Feld der Familie Olivier ’ (1241, Varen), campus dou dallie ‘ das Feld bei den Dählen (Föhren) ’ (1413, Leuk). Mit einem attributiven Adjektiv erscheinen: jn plano campo ‘ auf dem ebenen Feld (unklar, ob Name) ’ (1328, Ergisch; 1407 Leuk, 1589 in planis campis; 1338 u. später, Varen) (später erscheinen Plan Cham und Pflantschang in Varen). Eine nachgestellte präpositionale Konstruktion findet man in in summitate saxi de campo cort ‘ auf der Höhe des Felsen beim Feld des Hofes ’ (13. Jh., 1328, Ergisch). It. campo ist nur in Passo di Camposecco ‘ der Camposecco-Pass (trockenes Feld) “ (Saas-Almagell), benannt nach dem Gebiet Camposecco ‘ trockenes Feld ’ , das u. a. als Lago di Camposecco ‘ See von Camposecco ’ erwähnt ist, auf der italienischen Seite. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Namen nicht. Cappis (FaN) Cappis (FaN) ist nur 1623 in Ulrichen als Cappis Tritt belegt. Es handelt sich vermutlich um den gleichen Namen wie Gappistrÿt (Obergesteln) (cf. HL G APPI (PN)). Cappis (FaN) ist ein Genitiv zu einem FaN Capi, der in den Registern der HRBS mehrfach belegt ist. Carmelin Carmelin ist nur 1358 in Albinen als ou carmelin ‘ beim Karmeliter ’ belegt. Das Nächstliegende ist eine Ableitung zu Carmel (FEW 2, 378), einem Bergnamen aus Libanon, der für den Orden der Karmeliter und Karmeliterinnen stand. Der Zusammenhang zwischen dem Flurnamen und dem Orden ist nicht einsichtig; es könnte sich höchstens um eine Flur handeln, wo sich ein Bildstock oder etwas Ähnliches zu den Karmelitern befand. Carrerra Carrerra ist nur einmal 1300 in Raron belegt als Carrerra f. Die Schreibung lässt Zweifel offen, ob es sich um ein dt. oder frz. Wort handelt. Die Endung / - ERRA / (S ONDER- EGGER 1958, 471 f. zu / - ARIA / ) ist urspr. lat., kann aber auch in frz. -ière auftreten. Der Stamm ist entweder schwdt. Charre n ‘ zwei- oder vierrädriges Furwerk; Karren ’ und wdt. Charre, Charrä (Goms), Charra (Matteral), Charrn (Lötschtal), Charu ‘ Karren ’ (I D . 3, 422; G RICHTING 1998, 47), was dann etwa bedeuten würde ‘ der Ort mit Karren ’ oder lat. * CARRARIA ‘ Fahrweg ’ (FEW 2, 412 ff.), das allerdings vor der Verschiebung von / c/ zu / ts/ vor / a/ (B RIDEL 1866, 388 s. v. tsarraira; bei R HEINFELDER 4 1968, 162 vor 800 n. Chr. angesetzt) angenommen werden müsste. Beide Deutungen sind für die ältere Zeit vermutlich identisch als ‘ Ort, wo es Karrenwege gab ’ . Carta Carta ist nur einmal belegt als incarta Gobingo (13. Jh., Törbel). Während Gobingo ein Genitiv Plural eines FaN ist und in Törbel schon 1252 als Gobignon (cf. HL G OOBE ) vorkommt, ist incarta unklar. Man kann den Beleg prati que dicitur incarta Gobingo entweder lesen als ‘ der Wiese, die im Dokument Gobingo genannt wird ‘ oder ‘ der Wiese, die man im Garten der Leute des Goben nennt ’ . Im ersten Fall würde es sich um keinen Namen, sondern einen lateinischen Text handeln; incarta heisst dann einfach ‘ im Dokument ’ . Im zweiten Fall liegt ein Verschreiber für in Garto vor. Zwar ist carto für ‘ Garten ’ in Termen schon im 13. Jh. als amfcarto ‘ Hanfgarten ’ und 1320 als Hanfcarto ‘ Hanfgarten ’ belegt; das erklärt aber die Endung / a/ nicht. Eine Überprüfung der Lesart durch C HANTAL A MMANN und P H . K ALBERMATTER hat keine Lösung des Problems ergeben. Casermetta Das italienische casermetta f. ‘ kleines Schutzhaus ’ ist in Simplon in der Form Ggasarmetta f. (LT Casermetta, SK Gasermetta) belegt. J ORDAN (2006, 315) kennt es als Ggasärmétta und fügt Ggasärméttubrigga und Ggasärméttugalärii hinzu, die in der Datenbank des VSNB fehlen. Es handelt sich um das frühere Schutzhaus Nr. 9 im Bereich der heutigen Nationalstrasse in der Gondo-Schlucht, das beim Bau der Strasse zerstört wurde. Gebildet als Diminutiv zum it. caserma ‘ Kaserne ’ (D EVOTO / O LI 2020, 384 auch s. v. casermetta). Cassel (FaN) Die Villa Cassel und der Casselweg (beide Riederalp) gehen auf den FaN Cassel des Erbauers zurück. Sir Ernest Cassel (1852 - 1921) wurde als Sohn jüdischer Eltern in Köln geboren, Arbeit bei Privatbanken in Liverpool, Cappis (FaN) 315 316 <?page no="223"?> Paris und London, erfolgreicher Bankier. Die Villa Cassel wurde von ihm als Sommer-Residenz erbaut und dient heute Pro Natura als Zentrum (cf. www.pronatura.ch/ aletsch/ de/ geschichte/ sircassel.html[06.07.2020iw]). der Gaselwäg (Ried-Mörel) ist ein Spazierweg um das Riederhorn herum. Nicht hieher gehört der Beleg Gaselmatta (1356, Ried-Brig) (cf. HL G ASEL ). Casselin Casselin ist nur 1657 als au Cahseling und 1697 im Casselin in Albinen belegt. Ein Registereintrag hat Gasseling. M ATHIEU (2006, 41) hat Ggasseling Haaltu. Der älteste Beleg mit einem au ist wohl romanisch, das aber mit anlautendem / c/ nicht frpr. sein kann. Die Formen Gasseling und Ggasseling Haaltu sind eventuell zum FaN C HESEAUX (AWWB 60) zu stellen, der lat. auch als de Casali erscheint und zunächst auch im Oberwallis belegt ist; später erscheint die Familie vor allem im unteren Wallis. Da unklar ist, ob es sich um einen FaN, einen PN oder einen Beinamen handelt, wird er hier nicht näher gekennzeichnet. Catta Catta ist 1577 als de la Catta ‘ beim roten Seifenkraut ’ (Leukerbad) bezeugt. Es handelt sich wohl um frz. chatte, patois tsata (mit wechselnden Abtönungen der Vokale) (G PSR 3, 442 f.), obwohl der Anlaut unsicher ist. Als Flurname kommt am ehesten die botanischen Bedeutung zu S APONARIA OCYMOIDES ‘ rotes Seifenkraut ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 666) in Frage. Diese Deutung ist aber unsicher. Cerpeta Cerpeta erscheint einmal historisch apud lacerpeta (1355 Ergisch). Vermutlich entspricht der Anlaut dem Artikel la. Eine mögliche Herleitung von Tsarmetta (T AGMANN 1946, 53) ‘ kleine Weissbuche ’ ist unsicher. Am selben Ort findet sich larpeta, vermutlich l ’ alpetta ‘ die kleine Alp ’ (1320, 1328). Vgl. B OSSARD / C HAVAN (2006, 239) mit dem gleichen Suffix. Der Name lacerpeta dürfte damit übereinstimmen. Ceruleum Das lat. Adj. CAERULEUS ‘ blau, bläulich; dunkel, schwärzlich ’ (FEW 2, 38) ist in einem einzigen Dokument von 1668 für Reckingen belegt: ad lacum ceruleum. Es handelt sich um eine Latinisierung von ‘ dr blaau See ’ (in Reckingen nicht belegt) und nicht um einen lateinischen Namen. Chaalt Das Adj. schwdt. chalt, wdt. chaalt, chaald ‘ kalt ’ , weist in der Toponomastik auf kühle, schattige bzw. dem Wind ausgesetzte Geländestellen oder auf Wasserläufe oder Quellen mit kühlem Wasser (I D . 3, 239 ff.; G RICHTING 1998, 46; URNB 2, 383) hin. Es wird entweder attributiv verwendet (der Chaalt Brunnu ‘ die kalte Quelle ’ (Bratsch)) oder als Bestimmungswort in einem Kompositum (dr Chaltbrunn ‘ die kalte Quelle ’ (Blatten)) ’ . Betroffen sind vor allem Wasser und Brunn / Brunnu; weitere Grundwörter sind Acher, Ägerta, Bäärg, Bach, Balma, Bodu, Cheer, Haalta, Hee (hooch, heej), Höu, Läicha, Loch, Putz, Schluocht, Söüm, Stadel, Tritt, Wang, Wier und Zuba. Ein Namennest betrifft t Chaaltu Wasser ‘ die kalten Wasser ’ (Ried-Brig) mit dem Kaltwassergletscher, der -hitta, dem -seewji und dem -tälli. Einen Sonderfall stellt jn der kalt smýdinmattun (1389 Ulrichen) dar, das wohl die Wiese des Kaltschmiedes (Kessel- oder Kupferschmied) bezeichnet (I D . 9, 861). Chaarle Chaarle lässt sich keinem belegten Wort zuweisen. S TEB- LER (1928, 80) kennt in Törbel Garle für die Mehlbeere (A RCTOSTAPHYLOS UVA - URSI ; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 784, dt. als ‘ Alpen-Bärentraube ’ ; der ‘ Mehlbeerbaum ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 280) ist als S ORBUS mit mehreren möglichen Unterarten bekannt); anlautendes / g-/ könnte für eine romanische Form stehen. Chaarle kommt einmal in Chaarleschleif (Reckingen) vor. Die Gwp. nennt als Motivation, dass es dort viele Chaarleberr habe; ebenfalls sonst nicht belegt. Vgl. aber Galopsst ū de n , auch Garlobs- ‘ Bärentraube ’ (I D . 10. 1353) mit unsicherer Herleitung aus G ALEOPSIS . Chääs - Chees Käse ist eines der wichtigsten Alpprodukte; er wurde auf den Alpen zubereitet, dann in geeigneten Kellern aufbewahrt und am Ende der Alpzeit unter die Geteilen verteilt. Das Wort kommt in Flurnamen nur als Bestimmungswort oder in Ableitungen vor. Zu stellen ist es zu schwdt., wdt. Chääs m. ‘ Käse ’ (I D . 3, 502; G RICHTING 1998, 46). Lautlich ist das Oberwallis in zwei Gebiete geteilt: der obere Teil bis zur Grenze zwischen Brig und Visp hat Chääs, der untere Chees (SDS 1, 74). Im Goms herrscht der Typ Chäserstatt f. ‘ Ort, wo Käse gemacht oder gelagert wurde ’ vor, lebend in Binn und Mühlebach, historisch ab 1527 als Cheserstatt (Ernen) und 1529 als Keserstatt (Ritzingen); Chäserstatt kennt auch BENB (1, 2, 429) für Hasliberg. Vermutlich liegt hier die Ableitung Chäser ‘ Käser ’ (I D . 5, 513) vor. Seltsam ist das schon 1379 belegte Hutten Kesseren (Ulrichen), wo wohl die Hütten der Alpe Kesseren gemeint sind, wobei Kesseren selbst 317 318 Chääs - Chees <?page no="224"?> unklar ist (cf. HL K ÄSCHERA als Alternative). Der Bezirk Brig weist 1320 u. später zer Alten Keserron, 1381 zen Alten Kesarie (Glis) auf, das wiederum die beiden Deutungen ‘ Hütte ’ oder ‘ Ort, wo gekäst wird ’ zulässt. Ganz anders zu deuten ist der Beleg t Chääsladi ‘ der Ort, wo der Käse (auf Schlitten) verladen wurde ’ (Zwischbergen). Im Bezirk Visp sind t Cheesegge ‘ die Ecken in der Form eines Käses (? ) ’ , ts Cheeswägji ‘ der kleine Weg, auf dem man Käse trug ’ (Embd, Staldenried), im Bezirk Westlich- Raron t Cheeswäga ‘ die Wege, auf denen man Käse transportierte ’ (Ferden) belegt; im Bezirk Leuk ist Cheesschleif ‘ der Schleif, durch den man Käse transportierte ’ (Gampel) bezeugt. Nur historisch ist in Törbel Ku ͦ ntschen Keserron ‘ die Alphütte / die Käserei der Familie Kuntschen / des Kunz ’ (1519) belegt. Dazu kommt der Chaaslobstei ‘ der Stein von der Farbe des Käselabs ’ (Täsch). Im Bezirk Leuk ist der Chaaslobbodu ‘ der Boden, der die trübe Farbe von Käselab hat ’ (Ergisch) vertreten; auch in Ritzingen (Goms) ist belegt der Chaaslobputz ‘ der Tümpel mit trübem Wasser ’ . Unsicher ist die Zuordnung der obliquen Form Kesseron, das u. a. von BENB (1, 2, 429 f.) unter Hinweis auf I D . 5, 513 Chäsere n ‘ Ort, wo gekäst wird ’ zugeordnet wird (cf. zu einer abweichenden Meinung HL C HÄSCHERA ). Einige dieser Belege können auch zu einem romanischen Wort gestellt werden, wie das Folgende. Zu einem rom. Beleg (M EYER 1914, 161 stellt es zu casaria; T AGMANN 1946, 44 zu casearia ‘ fromagerie ’ ) gehören die unter Cheserey aufgeführten Belege in Ergisch: 13. Jh. lo chisera, 1328 lo cheserel (mehrfach), 1328 lo chesery, 1328 ol chesery, hier wohl zu verstehen als ‘ die Hütte, in der Käse hergestellt / aufbewahrt wurde ’ (vgl. auch FEW 2, 456 s. v. caseus käse). Chaaslob Chaaslob ist als wdt. Chaaslab, Chaasloib, Chaaslob, schwdt. Chäslab n. ‘ (Käse-)Lab; Stoff, den man der Milch zusetzt, um sie zum Zweck der Bereitung von Käse gerinnen zu machen; Salzwasser, Lauge ’ (I D . 3, 952; G RICHTING 1998, 46); hier zur Bezeichnung der laugenartigen, trüben Färbung z. B. des Wassers bzw. des Steins belegt. Die Belege finden sich unter HLL C HÄÄS - C HEES und L OB . Chabis Chabis ‘ Kohl, Kohlkopf ’ tritt nur als Bestimmungswort auf; es ist zu schwdt. Chabis, wdt. Chabes, Chabäs, Chabos, Chabus m. ‘ weisser Kohlkopf ’ zur Bezeichnung von Orten, wo Kohl gepflanzt wurde (I D . 3, 98 ff.; G RICH- TING 1998, 46) zu stellen. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 540 s. v. B RASSICA OLERACEA ) kennen verschiedene Arten. Dominierend ist hier der Typ Chabisgaartu (auch im Pl.); daneben sind Chabisacher und Chabisland vertreten. Laut C. S CHMID (1969, 183) gehörte Kohl zu den wenigen Gartengemüsen im Oberwallis. Chächär Chächär kommt in zwei Belegen in der Chähärstatt und t Ober Chähärstatt (beide Ferden) vor; inlautendes / -ch-/ kann hier zu / -h-/ werden. Laut Bemerkung denkt Gwp. an das Adjektiv Chäch (I D . 3, 120 ff.) wohl in Bedeutung 3 ‘ stramm, derb gebaut, fest ’ in Bezug auf das auf die Alp aufgetriebene Vieh. Möglich ist aber auch eine Verballhornung des sonst belegten C HÄSCHÄRSTATT (cf. HL C HÄ- SCHERA ). Chachla Chachla ‘ Kachel ’ kommt nur dreimal vor; es ist zu schwdt. Chachle n f. ‘ irdenes Gefäss, Tongeschirr ’ , ahd. chachala, mhd. kachele f. ‘ irdenes Geschirr ’ und wdt. Chachla, Chachlä (Goms), Chachlu ‘ Steingutschüssel, Kachel ’ (I D . 3, 118 f.; G RICHTING 1998, 46) zu stellen. In Örtlichkeitsnamen bezieht es sich auf Töpfereien oder beschreibt eine Geländeform (BENB 1, 390; TGNB 2, 2, 114). Das Simplex Chachla (Ausserberg) meint wohl eine Geländeform, historisch ist es 1570 als Kachtlún und 1547 in Raron als Kachttlun (wohl gleicher Ort, da die Flur einem Peter Leÿgginer - vermutlich aus Ausserberg - gehört) belegt, wobei das / t/ als Übergangslaut erklärt werden kann. Das Bestimmungswort Chachilmätti ‘ kleine Wiese bei einer Kachelfabrik (? ) ’ (Ergisch) soll sich auf eine Töpferei beziehen. Wohl nicht hierzu gehört der Beleg Kacheren (Zwischbergen) auf der SK; gemeint ist vermutlich die nahe gelegene Chäscherna (cf. HL C HÄ- SCHERNA ). Chadanyes Chadanyes ist in dieser Form in Leuk 1370 als eys Albaresz deys Chadanyes belegt; 1481 erscheint es in Agarn als eys Chadanier. Es dürfte mit den Belegen eys Chandaniers (1353, Agarn) und der heutigen Form Kanndere (Agarn) (aus t Chandere) identisch sein (cf. HL K ANNDERE ). Die historischen Belege sind sehr unsicher; die Deutung ‘ Grenzgebiet ’ ist ebenfalls unklar. Chäfer Chäfer ‘ Käfer ’ ist nur zweimal als Bestimmungswort belegt. Es ist zu schwdt. Chäfer, wdt. Chäfer, Chäfr m. ‘ Käfer ’ (I D . 3, 160 f., G RICHTING 1998, 46) zu stellen. TGNB (2, 2, 115) nennt als Motiv „ das Vorkommen von Käfern “ . Chäferwang ‘ Grashang mit Käfern ’ (Mund) kann so gedeutet werden, Chäferstatt ‘ Käferplatz ’ (Ausserberg, FLNK) ebenfalls, könnte aber auch ein verdorbenes Chäserstatt sein (aber meist im Goms geläufig). Häufiger Chaaslob 319 320 <?page no="225"?> ist im Wallis der Typo Güege ‘ Käfer, Wurm ’ (G RICHTING 1998, 101). Siehe dazu T HURNHERR , M ARGRIT (1938). Benennungsmotive bei Insekten, untersucht an schweizerdeutschen Insektennamen, unter besonderer Berücksichtigung der Ostschweiz. Diss. Zürich. Winterthur. Chäfig Nur einmal ist Chäfig ‘ Käfig, Gefängnis ’ (Visp) im Kompositum Chäfiggässi n. ‘ die kleine Gasse beim Gefängnis ’ belegt (heute als Käfiggasse erhalten). Es ist zu schwdt. Chäfi, Chefi m., f. ‘ Käfig, Vogelbauer, Hühnerstall; gitterartige Scheidewand auf einem Heustall; Gefängnis; verächtliche Bez. eines dunklen, engen Raums oder Hauses ’ (I D . 3, 162 ff.) zu stellen, hier im Sinne von ‘ Gefängnis ’ (laut Gwp. „ wurden hier die Übeltäter eingesperrt “ .). Die lautliche Form Chäfig lässt auf schriftsprachlichen Einfluss schliessen; dialektal wird Chebja (G RICHTING 1998, 47) verwendet. Chäischlitu Ze Chäischlitu ist als Name eines Dorfteils von Saas- Almagell einmal belegt (auch 1: 10000 Chaischlitu). Historische Belege fehlen. Der zweite Bestandteil könnte Litta ‘ Schwemmsand ’ sein; dann ist Chäisch wohl ein Genitiv zu einem Personennamen mit Diphthongierung nach dem Staubschen Gesetz: Chan-sch oder Chän-sch, was ‘ beim Schwemmsand des Chan/ Chän ’ ergibt, doch ist ein solcher Name nicht belegt. Näher liegend wäre Hans, das zu Heisch werden kann: ‘ beim Schwemmsand des Hans ’ . Diese Deutung ist aber sehr unsicher. Chäla Chäla ist auf schwdt. Chële n , Chelle n , Challe n f., Dim. Chëlli ‘ Kehle; natürlicher Einschnitt im Boden, Rinne, Kluft, bes. in den Bergen ’ , mhd. kël(e) ‘ Kehle, Schlund ’ (I D . 3, 198 f.; Z INSL 1946, 91 ‘ Felsrinne ’ ; G RICHTING 1998, 46 ‘ Runse, Engstelle ’ ) zurückzuführen. Inhaltlich ist damit meist eine Rinne oder ein enger Durchgang gemeint; in der Datenbank wird dies meist durch ‘ Felsrinne ’ wiedergegeben, obwohl nicht immer ein Fels sichtbar sein muss. Das Lemma tritt als Simplex Chäla - Chälu f., Pl. Chäle oder als Diminutiv Chäli (Lötschental Chälin) auf. Selten sind adjektivische Bildungen wie t Vooder Chäla ‘ vordere Felsrinne ’ (Randa, früher Weide), t Hinner Chäla ‘ die hintere Felsrinne ’ (Randa, früher Weide) und t Foderscht Chäla ‘ die vorderste Alpe Chäla (Felsrinne) ’ (Binn) und weitere. Komposita mit dem Grundwort Chäla beziehen sich meist auf den Ort, bei dem die Chäla liegt: t Alterchäla ‘ die Felsrinne oberhalb des Alterhöüt (Alterhaupt) ’ (Zermatt) (bei J ULEN ET AL . (1995, 210) als d Alterchella ‘ Grabenzug auf einen hervorragenden Bergrücken zu ’ ), t Bochtechäle ‘ die Felsrinne bei den Bochte (Bottich) ’ (Reckingen) oder bewerten eine Chäla negativ als t Finschterligchäle ‘ die Felsrinne beim Finsterling (finstere Stelle) ’ (Reckingen, auch FLNK) oder tsch Schwiichäli ‘ wüste kleine Felsrinne ’ (Hohtenn, Niedergesteln) und andere mehr. Als Bestimmungswort wird Chäla oder Chäli verbunden mit den HLL Egg(a), Gassa, Grabu, Hitta, Stäga, Tschugge und Wald, also bei einer Rinne liegende Objekte und Gebiete. Komplexere Konstruktionen sind etwa der Inner Chälgrabo ‘ der innere Graben in der Kehle (Geländeeinschnitt) ’ (Mund) und das sehr komplexe zum Chalchofili in der Chälu ‘ zum kleinen Kalkofen in der Felsrinne ’ (Niedergesteln). Chalb Chalb kommt in den Flurnamen als Bestimmungswort in Komposita in der Form Chalber (ursprünglich wohl Genitiv Plural) vor. Es ist zu schwdt., wdt. Chalb n. ‘ Kalb ’ (I D . 3, 215 ff.; G RICHTING 1998, 47) zu stellen. Schreibweisen sind Chalber, Challber, Chauber, Kalber und Kallber. Belegt sind rund 120 Flurnamen mit diesem HL. Als Simplex ist nur an den Kalber (1636, Oberems) belegt, doch ist die Lesung unklar und das Genus maskulin, sodass wohl ein anderes Wort oder ein Erstglied eines unvollständigen Kompositums vorliegt. Die Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind Äbi, Alpa, Biel, Bodu, Chromu, Egg(a), Eie, Fad, Fall, Färich, Fääsch, Grabu, Gadu, Haalta, Hitta, Lamma, Läger, Matta, Putz, Rufina, Schluocht, Spitz, Stafel, Stei, Stelli, Tiri, Tschugge, Wald, Wang, Wasser, Weid und Züü. Komplexere Konstruktionen sind etwa t Alti Chalbertreichi ‘ die alte Tränke für die Kälber ’ (Gampel), t Foder und t Hinner Chalberlamme ‘ die vordere und die hintere Runse für die Kälber ’ (Oberwald), t Fodere und t Hinnere Chalberweng ‘ die vorderen und die hinteren Grasabhänge für die Kälber ’ (Oberwald), Grüöbchalberspitz ‘ die spitze zulaufende Weide für die Kälber beim Weiler Grüobu (Gruben) ’ (FLNK, Oberems) und viele andere. Unklar sind ts Ober und ts Unner Challmattu ‘ bei den oberen und bei den unteren Kälberwiesen ’ (Saas-Fee), wo von einer Assimilation des auslautenden / b/ von Chalb mit dem anlautenden / m/ von Matta auszugehen ist. Die Flur befindet sich heute im Siedlungsgebiet von Saas-Fee. In Einzelfällen sind FaN betroffen: Kalbermatter, (de oder von) Kalbermatten (AWWB 138 - 140). Normalerweise wurden vor allem Kuhkälber aufgezogen, die nach einem Jahr etwa geschlechtsreif werden und dann Rind heissen (cf. R ÜBEL 1950, S. 23 f. mit genaueren Angaben). Schwer verständlich der folgende Text: in alpegio vitulorum uel uulgariter in der kalber kúo (1631, Binn) - der lateinische Text legt eine Kalberalp oder einen Kalberstafel nahe. Normalerweise würde kúo ‘ Kuh ’ heissen, 321 322 Chalb <?page no="226"?> gemeint sein könnte also eine Kuhalpe mit Kälbern, eventuell also das, was modern ‘ Mutterkuhhaltung ’ heisst oder dann eine Alpe mit weiblichen Kälbern. Chalch Zur Kalkgewinnung und -verwendung siehe V. S CHMID (2003, 60 ff.). Chalch ist zu schwdt. und wdt. Chalch m. ‘ Kalk ’ , ahd. chalch, mhd. kalc (I D . 3, 229; G RICHTING 1998, 47) zu stellen. Das Simplex ist nur in der Form Chalche u. ä. (Dat. Pl.) ‘ zu / bei den kalkhaltigen Stellen ’ vertreten. Als Ableitung tritt einmal Chaucheri ‘ Kalcheren ’ (Ritzingen) auf (I D . 3, 229 Chalchere n ‘ der Ort, wo Kalk reichlich gefunden ’ wird). Als Grundwort fehlt es sonst, als Bestimmungwort ist es häufig. Zentral und für eine Vielzahl von Gemeinden belegt ist der Typ Chalchofe ‘ Kalkofen ’ , meist im Singular, selten im Plural oder als Diminutiv. Der Ort befindet sich meist in der Nähe von Kalklagern (I D . 1, 111 f.). V. S CHMID (2003, 61) gibt schematisch den Bau eines solchen Ofens an. Die meisten der Öfen sind heute ausser Gebrauch und zerfallen oder gänzlich verschwunden. Nur einmal hingegen ist Chalchgrüeba ‘ Kalkgrube ’ (Oberwald) bezeugt. Weiterbildungen wie Chalchofuwald ‘ Kalkofenwald ’ (Eggerberg, Mund), Chalchofuwäg ‘ Kalkofenweg ’ (Eggerberg), Chalchofugrabu ‘ Kalkofengraben ’ (Raron) kommen vor. Neben diesem Haupttyp finden sich weitere wie Kalchacher ‘ Kalkacker ’ (Unterems), Chalchgassa ‘ Kalkgasse ’ (Eyholz), Chalchstei ‘ Kalkstein ’ (St. Niklaus, Randa), Chalchtola ‘ Mulde mit Kalk ’ (Stalden), Chalchtschugge ‘ Fels mit Kalk ’ (Ergisch) und Chalchzand ‘ Felszahn mit Kalk ’ (Ferden). Die erweiterte Form tritt in Chalchuflüe ‘ Fluh bei kalkhaltigen Stellen ’ und Chalchuzug ‘ (Lawinen-)Zug bei kalkhaltigen Stellen ’ (beide St. Niklaus) auf. Chäller Namengebend sind fast immer die Käsekeller der Alpen, die aber nur Chäller genannt werden (cf. R ÜBEL 1950, 2, 79 f.). Das Wort ist zu schwdt., wdt. Chäller m. ‘ Keller ’ , mhd. keller (I D . 3, 203 f.; G RICHTING 1998, 47) zu stellen. Neben dem Simplex Chäller findet man Alte Chäller ‘ der alte Keller ’ (z. B. Ulrichen, Steinhaus, Binn, Zeneggen usw.), im / l/ -Vokalisierungsgebiet als Aute Chäuuer. In einigen Fällen wird Zugehörigkeit durch ein Bestimmungswort ausgedrückt wie Bieligerchäuer ‘ der Keller der Leute von Biel ’ (Biel), Bischmärchäller ‘ der Keller der Leute von Bister ’ (Bister) oder Lengeschäller ‘ der Keller der Lengesalpe ’ (Oberwald). Auch Besitzernamen kommen vor: ts Jaasch Chäller ‘ der Keller des Jan (PN) ’ oder Tschampigchäller ‘ der Keller der Familie Tschampen ’ (Binn). Nur selten sind andere Arten von Kellern gemeint, wie etwa Schitzuchäller ‘ der Keller der Schützenzunft ’ (Visperterminen) oder ts Wiichällerli ‘ der kleine Weinkeller ’ (Stalden). Als Bestimmungwort erscheint das Lemma selten: Kellerboden ‘ der Boden mit einem Keller ’ (Oberems), Kellergraben ‘ der Graben bei einem Keller ’ (Zeneggen) oder Chällerflüe ‘ Fluh mit einem Keller ’ (Inden, Varen), wobei im letzten Fall der Keller wohl eine (ev. zugemauerte) Höhle im Fels ist. Komplexere Namen wie Chäuerwäälji ‘ der kleine Wald beim (Käse-)Keller ’ (Biel) sind selten. Auffällig ist eine komplexe Bildung Chäller uf de Tossjene ‘ der Keller auf den kleinen Felsen ’ (Ulrichen), wo zwei Namen mit einer Präposition verbunden sind. Viele der (Käse-)Keller sind übrigens heute zerfallen, weil sie nicht mehr gebraucht werden; zu ihrer Ausstattung siehe V. S CHMID 2003, 65 f. Challetum Challetum ist nur 1552 in Albinen als ad jnferiorem challetum belegt. Während JNFERIOR lat. für unter ist, scheint CHALLETUM eine Latinisierung zu frz. chalet ‘ (Alp)hütte ’ (G PSR 3, 270 ss.) zu sein. Die Deutung ist dann ‘ bei der unteren (Alp)hütte ’ . Chalomel (FaN) Vermutlich ist in Salamähaaltu ‘ die Halde der Salome / der Familie Chalomel ’ (Leuk) der alte PN oder FaN Chalomel, auch Chalumel, Chalumeau. Schalomel, Salome, ausgestorbene Familie von Leuk (NWWB 2, 1984, 56) erhalten. Salome erscheint in mehreren historischen Belegen der Datenbank des VSNB als Frauenname, ist aber sonst nirgends in Flurnamen bezeugt. Chalweley Chalweley ist nur belegt in alpem chalweley (1337, Oberems). Eine nachträgliche Lesung (P H . K ALBERMATTER , p. c.) ergibt chalwoley. Eine Deutung ist schwer möglich. J ACCARD (1906, 66) kennt ein Chalevey bei Bourg St. Pierre (VS), das er als ‘ alte Hütte ’ (vieux chalet) betrachtet. Formal ist der Name der Alpe ähnlich, aber eine Deutung ist nicht sicher möglich. Chamm Das Lemma Chamm ‘ Kamm ’ ist zu schwdt. Cham(b) m. ‘ Bergrücken, Kuppe auf einem länglichen Berge ’ (I D . 3, 296 f.) zu stellen. In dieser Bedeutung ist es jedoch nicht bodenständig. Zwar ist es bei G RICHTING (1998, 47) belegt, aber laut Beispiel nur für die Redensart ‘ jem. wächst der Kamm ’ . Das Lemma kommt zweimal als Simplex vor: Chamm ‘ der wie ein Hahnenkamm gezackte Grat ’ (Zermatt, Fieschertal), einmal als Grundwort in Liskamm ‘ Lyskamm ’ (Gipfelname, Zermatt) und einmal als Bestimmungswort in ts Chammjoch ‘ das Joch beim Kamm ’ (Fieschertal). Der Diminutiv ts Chämmji ‘ der kleine Chalch 323 324 <?page no="227"?> Kamm ’ (Eisten) meint einen Grat, der einen Lawinenzug bildet. Einen Sonderfall stellt der Übername Chammsetzi ‘ die Familie, die den Beruf des Kammsetzers ausübt ’ (Birgisch) dar. Hier liegt eine Integration eines Objekts in ein Kompositum mit einer / I / -Ableitung Setsi n. ‘ der Setzer ’ zum Verb ‘ setzen ’ vor. Ein Setzer ist ein ‘ Handwerker, der sog. Weberkämme setzt ’ (I D . 7, 1719). der Chammsetziwald ist dann der ‘ Wald der Leute mit dem Übernamen Chammsetzi (Kammsetzer) ’ . Der Genitiv Chammsetsisch Bildtanna ‘ die Bildtanne der Familie mit dem Übernamen Chammsetsi (Kammsetzer) ’ (FLNK, Birgisch) ist hieher zu stellen. Champ Champ m. ‘ Feld ’ ist die frz. Form zu lat. CAMPU ‘ Feld ’ (FEW 2, 165 ff.; G PSR 3, 289 ss.). Im ehemals frpr. Oberwallis sind die Flurnamen auf Tschan und Tsan vertreten; lat. CAMPUS erscheint unter HL C AMPUS . Belegt sind zunächst Formen von Champ mit präpositionalen Erweiterungen: Champ du froment ‘ das Weizenfeld ’ (1651, Salgesch), ou Chang de Larnessi ‘ beim Feld der Larnessi ’ (1649, Salgesch), oder mit PNN oder FaNN: Tschangerang ‘ das Feld des Durand (PN) ’ (Salgesch; auch M ATHIER 2015, 63; 1338 jn campo Durant), wozu auch Tschangerangblattu ‘ die Felsplatte oberhalb von Tschangerang (das Feld des Durand) ’ (Salgesch, M ATHIER 2015, 64 hat Tschangerangblattä) gehört, der Tschangerangwäg ‘ der Weg nach Tschangerang (das Feld des Durand) ’ (Varen) bezieht sich auf den Weg von Varen (östlich von Salgesch) aus. Unklar ist en champo vidov ‘ im Feld Vidov ’ (1494, Salgesch). Tschangaladonga ‘ das Feld der Herrin, der Dame ’ (FLNK, Albinen; 1612 ouz champ de laz Donna), Changuron ‘ das Feld der Familie Gorron ’ (1744, Salgesch; frühere Formen haben 1338 jn campis Gorron, 1362 in campo Gorron, 1439 en changoron usw.), eys champeysson ? ‘ das Feld Eysson ’ (1494, Salgesch), wobei Lesung und Deutung unsicher sind, ey chans de Ronot ‘ das Feld beim Röhricht / das Feld am Rotten ’ (1413, Salgesch; 1580 jn chang Rossang, 1581 jn chang dov ronoz, 1716 ys champs du Rosne) ist sehr unsicher, gehört aber wohl zum lebenden Beleg Schanderong oder Tschanderong, der seinerseits unklar ist (M ATHIER 2015, 69, der hieher andere historische Belege stellt), y schan Weyner ‘ im Feld des Weyner ’ (1589, Varen, unsichere Lesung von Weyner), Tschanderüünu ‘ das Feld beim Rotten ’ (Salgesch, M ATHIER 2015, 112; T AGMANN , Ms., 116 f. als Schanerüno)). Mit attributiven Adjektiven sind belegt: Pflantschang ‘ das ebene Feld ’ (Varen), der Pflantschanghubil ‘ der Hügel beim Gebiet Pflantschang (ebenes Feld) ’ (Varen), ou Plan Cham ‘ beim ebenen Feld ’ (1352, Varen), wohl identisch mit dem vorhergehenden Beleg, wozu wohl auch das unter dem HL C AMPUS aufgeführte jn plano campo (1338 u. später, Varen) gehört, Tschalong ‘ langes Feld ’ (Salgesch, M ATHIER 2015, 101) ist seit 1338 als campo longo belegt, 1346 en chanlon usw. Pra dey Champs ‘ die Wiese bei den Feldern ’ (1708, Albinen; 1602 in pratis camporum) (bei M ATHIEU 2006 so nicht belegt). Unklar ist in Grantschang (1676, Varen), wo der zweite Bestandteil sicher auf Champ zurückzuführen ist, der erste aber eher auf gran ‘ gross ’ . Eine Ableitung ist in Champagnes ‘ die Felder ’ (1267 u. später) enthalten (cf. G PSR 3, 292 s. v. Champagne, bes. Noms de lieux), zu lat. CAMPANIA (FEW 2, 152). der Tschanggil ‘ das kleine Feld ’ (Ergisch, auch FLNK) ist eine frpr. Diminutiv-Ableitung auf / - ELLU / (G PSR 3, 293 s. v. Champel). Ebenfalls eine Ableitung ist in der Form in chang pitro ‘ auf dem Feld ’ (1666, Varen) enthalten, das zum HL T SCHAMPIICHTRU (< lat. CAMP Ĕ STRIS (FEW 2, 155)) zu stellen ist. Champichtro en Champichtro (1619, Albinen) gehört zum gleichen Namen wie Tschampiichtru (HL T SCHAMPIICHTRU , Salgesch). Zu den unterschiedlichen Deutungen siehe dort. Chamsabel Chamsabel ist 1528 in Leuk als deys Chamsabel ‘ das Feld des Abel ’ belegt. Der Name ist unklar. Der erste Teil scheint auf lat. CAMPUS feld (FEW 2, 156 ff.; G PSR 3, 289 ss.) zurückzuführen zu sein. Der zweite Teil enthält, je nach der Zuordnung von / s/ , entweder sabel oder abel. Es dürfte sich um einen PN oder FaN handeln, wobei A BEL als PN wahrscheinlicher ist; als FaN kommt keiner der Namen im Oberwallis vor. Chänatsa In Randa sind gleich nebeneinander die beiden Flurnamen t Chänatsa (Randa) und t Känetsa (Randa) belegt. Letzteres ist durch Agglutination des Artikels entstanden, die präpositionale Fügung heisst va der Chänetsa. Im ersten Fall kommt 1735 der Name einer Wasserleitung als die Kenitza vor, im zweiten Fall wird im 17. Jahrhundert vnder der Kenelschon notiert. Letzteres ist am besten durchschaubar: es handelt sich um eine in Holzkänneln verlaufende Wasserleitung (cf. HL C HÄNNEL ) mit dem Suffix / - SCHA / - SCHU / . Die lebenden Namen legen eine Umdeutung nahe: aus dem durchsichtigen Kenelscha wird das weniger durchschaubare Chänatsa oder Chänetsa. Das entspricht einer Ableitung, die Randa auch in t Wiichertsa ‘ die Wasserleitung zu den Wichje (Winkeln) ’ kennt. 325 326 Chänatsa <?page no="228"?> Chandela Chandela ist nur belegt in au pra de la chandela (1685, Salgesch). Vermutlich meint aber der Beleg au prat de la chan dela von 1809 (M ATHIER 2015, 74) den gleichen Flurnamen. Chandela lässt sich am ehesten als eine Schreibform von Tsandaila, Tschandeila ‘ Chandelle; glaçon allongé qui pend au bord des toits en hiver ’ (B RIDEL 1866, 386) verstehen. Im Text ist von einer dreieckigen Wiese die Rede; es könnte sich eventuell um die Form einer Kerze handeln. Die Form Tschandelang ist in mehreren historischen Belegen unter Tschangerang eingeordnet, das seinerseits als Acker der Familie Durand verstanden wird; das passt nicht zu Pra Chandela, das eine Wiese und nicht einen Acker meint. Chanderuna Chanderuna ist nur 1684 in Albinen belegt. Es handelt sich im ersten Teil wohl um den frpr. Reflex von lat. CAMPUS ‘ Feld ’ , gefolgt von der Präposition de. Das bleibende runa ist unsicher. Es könnte am ehesten zu lat. R ŬĪ NA einsturz (FEW 10, 552 ff.) zu stellen zu sein, das aber meist mit einem intervokalischen / v/ erscheint (cf. T AGMANN 1946, 11s.). Zu deuten wäre es dann als ‘ das Feld beim Rutschgebiet ’ . Nicht zu verwechseln ist es wohl mit dem in Salgesch belegten Tschanderüünu ‘ das Feld beim Rotten ’ , da Albinen nicht bis zum Rotten reichte. Chännel Das Lemma Chännel ‘ Kännel ’ ist zu schwdt. Chännel, wdt. Chännl, Chännul (Mattertal), Chänel (Saastal), Chänäl (Lötschtal), Chänil m. ‘ rinnenförmige Vertiefung, meist künstliche Wasserleitung, Kanal ’ , ahd. canal, canali, mhd. kanel, kenel ‘ Kanal, Röhre, Rinne ’ (I D . 3, 310; G RICHTING 1998, 47) zu stellen. Das Simplex tritt im Singular und Plural (Chänla, Chänja mit Palatalisierung des / l/ ) auf, auch im Obliquus, bim Chännel / bi de Chännlu / Chännju ‘ beim Kännel, bei den Känneln ’ . Als Grundwort erscheint es in attributiven Fügungen wie der leng Chänu ‘ der lange Kännel ’ (Gluringen), mit einem Zahlwort Sägsch Chännja ‘ sechs Kennel ’ (Bitsch) oder dann in Komposita wie mit de Ladusüöchännju ‘ bei den Känneln der Wasserleite nach Laden ’ (Niedergesteln) oder Sengkenel ‘ der Kännel im Seng ’ (Naters, Bitsch). Als Bestimmungswort findet man es vor allem bei Chänilmatta ‘ die Wiese mit Känneln ’ (Raron und andere), seltener Chänilbodo ‘ der Boden mit Känneln ’ (Ausserberg) und vereinzelt auch Chänilachra ‘ die Äcker bei den Känneln ’ (Varen), Chäniltschuggu ‘ Felsen bei den Känneln ’ (Oberems). Komplexere Bildungen wie Schlusskenilegga ‘ die Ecke beim Schlusskännel ’ (Mühlebach) sind nur vereinzelt nachweisbar. Der vereinzelte Beleg Chängeltola ‘ Mulde in der Form eines Kännels ’ (Grengiols) ist - laut I D . (3, 362) - auch als ‘ Kännel ’ zu verstehen. Der isolierte historische Beleg Walterli im Kenle (1363, Naters) enthält vielleicht den FaN Kenel (de Canali) (AWWB 49 f.): Meistens sind mit Chännel künstliche, früher vor allem aus Holz gefertigte Kännel gemeint, die der Wasserfuhr und damit der Bewässerung der trockenen Wiesen dienen. In einigen Fällen sind aber auch natürliche Chännel (Gräben, schluchtartige Züge) gemeint. Da die traditionellen Chännel heute kaum mehr in Funktion sind, können Namen auf früher bestehende Wasserleiten verweisen, die heute ersetzt oder gar überbaut sind. Chano Chano ist 1353 in Salgesch als in cliue dou chano? ‘ der Abhang bei der Eiche ’ belegt, mit unsicherer Lesung. Das HL ist zu frz. chêne ‘ Eiche ’ zu stellen (G PSR 3, 498 ss., FEW 2, 459 ss. s. v. *cassanus (gall.) eiche; M EYER 1910, 162 s. v. cassanum; B OSSARD / C HAVAN 2006, 168 mit Chanoz). Chanzel Chanzel (m.) oder Chanzla (m., f.) ist zu schwdt. Chanzel m., f. schwdt. Chanzle n , wdt. Chanzla, Chanzlä, Chanzlu f. ‘ Kanzel ’ , in Namen ‘ hervorragender, aussichtsreicher Teil (Grat oder Platte), Vorsprung an einer Felswand, einem Hügel, zwischen anderen hervorragender Hügel ’ (I D . 3, 377 f.; G RICHTING 1998, 47) zu stellen. Das Lemma tritt meist als Simplex Chanzel auf, fast immer maskulin und immer im Singular. Diminutiv ist der Typ Chanzelti. Adjektivisches Attribut tritt nur auf in der Grosse Kanzel (Salgesch). Als Grundwort kommt es zweimal vor: Straffilchanzil ( ‘ die Kanzel mit Heuschrecken ’ , Erschmatt) und Rotafuchanzil ( ‘ die Kanzel im Gebiet Rotafu (Ottafen) ’ , Leuk). Als Bestimmungswort wird es mit Bodu, Joch, Stei, und Tschuggu gebraucht. Gemeint sind Geländeformen, die wie eine Kanzel aussehen. Die Kanzel selbst als erhöhter Platz, von dem aus gepredigt wird, ist aus den Kirchen gut bekannt. Chanzleb Chanzleb ist ein FLNK-Beleg von Steinhaus. Die Form lässt sich nicht deuten; die Flur befindet sich etwas oberhalb des Dorfes. Zwar gibt es einige Belege zu Chanzel (I D . 3, 377 u. HL C HANZEL ), aber keinen zu Chanzleb, das auch sonst nicht belegt ist. Die Form muss darum ungedeutet bleiben. Chapf Chapf ist selten, es ist zu schwdt. Chapf m. ‘ rundliche Kuppe, Bergvorsprung, Hügel, meist zugleich Aussichtspunkt ’ , ahd. chapf ‘ Ort, von dem man ausschaut ’ (I D . 3, 407) zu stellen. Historisch ist am Kaphe ‘ am Kapf (Fels- Chandela 327 328 <?page no="229"?> kopf) ’ (1334, Stalden) belegt. Das Simplex Chapf ist sonst vier Mal belegt, immer im Singular, nie als Diminutiv. Ein Attribut dr Leid Chapf ( ‘ der hässliche oder mühsam zu ersteigende Felskopf ’ ) (Ferden) kommt nur einmal vor. Als Grundwort ist Chapf nur in der Mittag Chapf ‘ der südlich gelegene Felskopf ’ (Fieschertal) belegt. Sonst erscheint Chapf als Bestimmungswort zu Acher, Brunnu, Egg(a), Grabu, Loch, Site, Wäg und Wald. Komplexer sind der Ober- und der Unner Chapfacherschleif ‘ der obere und der untere (Holz-)Schleif beim Chapfacher ’ (Visp). Chapnisset Chapnisset ist nur 1389 in Leuk als ou chapnisset belegt. Die Lesung ist unsicher. Es könnte sich um eine Ableitung zu chapon ‘ Kapaun ’ (M EYER 1910, 161, der allerdings auf S. 97 auf G ODEFROY mit „ bout, fin, extremité “ verweist) handeln. B OSSARD / C HAVAN (2006, 152) übersetzen chaponnaire als ‘ boutures de vigne ’ (Trauben-Setzlinge). als Suffix käme laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 289) die Kombination von / - ATICIA / und / - ITTU ( M )/ in Frage. Diese Ableitung ist jedoch spekulativ; eine Deutung ist darum nicht möglich. Chappa Chappa ist zu schwdt. Chappe n , wdt. Chappa, Chappu, f. ‘ Mantel, Kutte mit Kapuze dran; Kapuze; Narrenkappe; Mütze ’ (I D . 3, 284 ff.; G RICHTING 1998, 47) zu stellen, hier übertragen auf Geländeform. Fünf mal ist das Kompositum Bischofchappa - Bischofchappu ‘ Mitra des Bischofs ’ belegt; die Mitra des Bischofs als Landesherrn ist in Bischofsdarstellungen und im Wappen präsent. Das Simplex erscheint nur einmal als Chappi (Ergisch). Als Grundwort findet sich nur Bällchappu ‘ die Chappu (kappenförmiges Gelände) beim Bäll ’ und davon abgeleitet di Bällchappuschiir ‘ die Scheuer bei der Bällchappu (kappenförmiges Gelände beim Bäll) ’ (beide Niedergesteln). HL B ÄLL lässt sich nicht deuten. Chappuy Chappuy ist 1736 in Leuk als Zschapurg, 1745 im Chappuÿ belegt. Ob es sich um den gleichen Namen handelt, ist unklar. Der FaN Chappuis kommt laut NWWB (2, 57) im französischsprachigen Wallis vor; laut der Quelle ist es die frühere Bezeichnung für charpentier ‘ Zimmermann ’ (FEW 2, 279 ff.) zu *cappare kastrieren, das afr. chapuisier ‘ Zimmermann, Holzschneider ’ kennt. Während im Chappuÿ hierzu passt, ist Zschapurg offensichtlich eine volksetymologische Umdeutung zu ‘ Burg ’ . Der Flurname meint offensichtlich den Besitz einer Familie, die Chappuis heisst. Char Char wird laut Z INSLI (1946, 78) für eine ‘ Mulde ’ gebraucht. Das Lemma geht zurück auf schwdt. Char n. ‘ hölzernes Gefäss, wie Trog, Kübel ’ , mhd. kar ‘ Gefäss ’ (I D . 3, 420), in FlN Übertragung auf die Geländeform. Die Herleitung von schwdt./ wdt. Charre n , Chärre n bzw. Chare n , Chäre n , nur als Pl. ‘ ausgedehnte Strecken kahler, zerklüfteter Kalksteinflächen im Gebirge, Felsrippen, -Gräte oder -Zacken von der verschiedensten Form und Grösse, zwischen denen sich ebensolche Vertiefungen, oft mit einiger Vegetation, befinden ’ (I D . 3, 422) ist nicht auszuschliessen. Als Entscheidungshilfe dient im Allgemeinen die Länge des Stammvokals: bei Kurzvokalen liegt die erste Bedeutung vor, bei Langvokalen die zweite. Zu Char n. ‘ Mulde ’ zu stellen ist das Simplex im Char ‘ im Char (wohl Mulde) ’ (Ausserberg), sowie die Komposita zum Leffelchar ‘ zur Mulde in der Form eines Löffels ’ (Randa) und ts Märetschichar ‘ das Märetschichar (Mulde auf der Märetschilap) ’ (Agarn); auch der Charbodu ‘ der Boden beim Char (Mulde) ’ und der Charwald ‘ der Wald beim Char (Mulde) ’ (beide Gampel) gehören dazu. Zu Chaare ‘ Karstartiges Gebiet ’ sind zu stellen di Kaarlowena ‘ das Rutschgebiet beim Chaar (wohl: Karstgebiet) ’ (Randa), t Chare ‘ das Karstgebiet ’ (Saas-Fee), ts Chaarbachi ‘ der kleine Bach bei den Charblatte (karstartige Felsplatten) und t Chaarblatte ‘ die Felsplatten, die karstartig sind ’ (beide Saas-Almagell). Charbon Charbon ‘ Kohle ’ ist in zwei historischen Belegen als Ableitung auf / - EL / als en Charbonel (1353, Albinen) und auf / - IERE / als ou Charboniere (1676, Agarn) belegt. Der Beleg aus Albinen ist eine Diminutiv-Ableitung auf / - ELLU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) mit der Bedeutung ‘ im kleinen Kohlplatz (wo Holzkohle gebrannt wurde) ’ zu Charbon ‘ Kohle ’ (FEW 2, 354 aus lat. CARB Ō NE ; G PSR 3, 353ss.) (cf. HL T SCHARMONIIRI ). In Agarn liegt eine kollektive Ableitung zum gleichen Wort auf / - ARIA / (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 288) mit der Deutung ‘ auf dem Kohlplatz (wo Holzkohle gebrannt wurde) ’ vor. Chargiours Chargiours ‘ Wasserentnahmestelle einer Wasserleitung ’ ist 1361 für Agarn als eys chargiours belegt, so P H . K ALBERMATTER (p. c.). Eine frühere Lesung chargionis ist wohl falsch. Ein vergleichbarer Flurname ist 1490 in Varen als dÿs chargiour belegt. In Salgesch erscheint 1347 en chariour und 1353 les chargiours mit vielen weiteren Belegen. Der Name ist wohl zu frz. chargeoir (G PSR 3, 367 ss. vgl. die historischen Belege chargiour etc.) zu stellen. Im Wallis wurde der Name laut 7° (p. 368) als ‘ [p]rise d ’ eau d ’ un „ bisse “’ (Wasserentnahmestelle einer 329 330 Chargiours <?page no="230"?> Wasserleitung) verwendet (siehe auch B OSSARD / C HAVAN 2006, 164). Chargude Chargude ist nur 1657 in Agarn als ÿ Chargude belegt, ein Grundstück, das im Osten an den Meretschenbach grenzt. Wie SK zeigt, ist Agarn noch im 19. Jahrhundert sehr klein; es kann sich also um ein heute überbautes Gebiet zwischen Agarn und dem Meretschenbach handeln. Wenn als Stamm charger- ‘ beladen ’ resp. chargeoir (FEW 2, 415 ss. s. v. carricare; G PSR 3, 367 s. v. chargeoir) angenommen wird (mit einer unklaren Ableitung, ev. auf / - UTU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 289)), ist die Deutung ganz allgemein ‘ der Ort, wo beladen wurde ’ ; zu chargeoir kennt G PSR (3, 368) auch eine Reihe von Flurnamen aus dem Wallis mit ähnlicher Phonologie, aber anderer Ableitung (cf. HL CHARGIOURS ). Charrery Charrery ist in Salgesch seit 1339 als en charrerÿ mit mehrfachen Varianten belegt. M ATHIER (2015, 66) setzt dafür Tschariri an (mit teilweise späteren Belegen) und führt es auf mlat. * CARRARIA ‘ befahrbarer Weg, Wagenweg ’ zurück. Einige Dokumente (das früheste von 1549 bei M ATHIER , in der Datei des VSNB fehlend) sprechen von en charrery seu champetroz, nehmen also an, dass die Namen Tschariri und Tschampichtru das gleiche Gebiet bezeichnen. Chäschera Chäschera f., auch Chäscherna f. ist ein mehrfach bezeugtes HL, dessen genaue Form und Herkunft umstritten sind. Die historischen Quellen übersetzen damit den Ausdruck casicula, z. B. vnam casiculam seu kesaron (1390, Naters) oder casiculam seu kescharon (1391, Mund); der Wechsel von / ss/ und / sch/ in den Quellen kann auch sonst beobachtet werden. casicula selbst ist in Latein-Wörterbüchern nicht belegt, muss aber ein Diminutiv zu casa ‘ Haus ’ sein. Das erhellt auch aus folgender Stelle: casiculam cui dicitur Michols Hitta (1550, Oberwald). I D . kennt Cäscherne(n), im Lötschental Chescherne(n) ‘ ärmlich gebautes oder im Verfall begriffenes grösseres Haus; grosse, alte Bauernstube; Alpenhäuschen ’ (I D . 3, 531). I D . deutet die Form als Mischung aus Gäschi und Kaserne, was nicht überzeugt. J ACCARD (1906, 86) führt Chéserex und weitere Namen auf spätlat. C Ā S Ā RIA , als Ableitung zu CASA ‘ Haus ’ zurück. BENB (1, 2, 429 f.) verweist für Chäsere ‘ Ort, wo Käserei getrieben wird ’ (nach I D . 3, 513) auf J ACCARD , hält aber die Herleitung von H UBSCHMIED (1938a, 722) aus spätlat. C Ā SE Ā RIA ‘ Käserei ’ für begründeter; ähnlich auch URNB (2, 407). Sowohl I D ., wie BENB und URNB gehen davon aus, dass Chäsere n etwas mit Käse-Herstellung zu tun hat. Dagegen sprechen die Namen vom Typ Chäschera in dreifacher Hinsicht: Die Übersetzungen enthalten das Wort Hütte, das Wort für Käse ist im Walliserdeutschen nie als Chääsch oder Cheesch belegt, und im Lötschental, für das K ALBERMATTEN / K ALBERMATTEN (1997, 92 f.) Chäschärra f. ‘ Alter Begriff für eine Alphütte, in der gekäst wurde ’ angeben, ist das Wort für Käse nur als Chees belegt (SDS 1,74, WS 6 u. WS 7). Der lautliche Zusammenfall der ersten Silbe von lat. C Ā SA ‘ Haus ’ und lat. C Ā SEUS ‘ Käse ’ führte dazu, in Chäsere und Chäschera das Wort für ‘ Käserei ’ zu finden, während wohl in beiden Fällen eine (Alp-)Hütte gemeint war. Der zu / ch/ verschobene Anlaut deutet darauf hin, dass das HL schon vor der alemannischen Besiedlung des Oberwallis in die Bergdialekte übernommen worden war und die Verschiebung von / k/ zu / ch/ mitgemacht hat, die üblicherweise zwischen 650 und 750 n. Chr. angesetzt wird. Im Übrigen ist im heutigen Walliserdeutschen das Wort für einen Ort, wo Käse gemacht oder verkauft wird, Senner ī , Sännär ī ‘ Sennerei ’ (G RICHTING 1998, 188), was jedoch nur ein Hilfsargument ist. Aus lautlichen Gründen ordnen wir dem HL K ÄSCHERA nur jene Belege bei, in denen ein / sch/ zu finden ist; während Belege mit / s/ vom Typ Chäsera sich unter Chääs / Chees befinden. Zum Nomen Chäschera kann eine Rückbildung Chäscher und dazu Chäschi als / I / -Ableitung zum rekonstruierten Stamm Chäsch- (wie Achi zu Acher) vorkommen. Ob dabei das wdt. Verb chäsche ‘ zerkauen (lautstark), knabbern, reden (undeutlich) ’ (I D . 3, 578 s. v. chätsche n ; G RICHTING 1998, 47 mit mehreren Varianten) beigezogen werden kann, ist unsicher; inhaltlich gehört es wohl nicht hieher. Chäschera ist als Simplex 1540 in Naters als für den Käscheren ‘ vor den Käschern ’ belegt. In Betten ist 1624 zur vollen Käschern / zur follen Käscheren bezeugt. Hier sind sowohl das HL F OLLA ‘ Trichter, Sieb ’ wie das HL K ÄSCHER unklar; es könnte sich auch um das Nomen Fole n ‘ Beschäler (Zuchthengst) ’ (I D . 1, 785) handeln. Die Belege aus Blatten in der Kesseren (1669), in der Kescheren (1682) und Kessera (1668) gehören wohl ebenfalls zu diesem Typ, genau so wie t Chäscherna (Zwischbergen), wozu 1673 die Kescheren und 1680 Kescherer überliefert sind; vermutlich gehört auch Schecherna (1652) hieher. In Niederwald findet sich 1503 zun Kesserlÿ, 1725 oberhalb der Kescheren, 1725 Wasserfurt Keschern, wobei es sich im letzten Fall wohl um eine Wasserleitung handelt. t Käscherne, van de Chäschernu (Simplon) ist ein Plural der Ableitung auf / - ERNA / . J ORDAN (2006, 114 u. 206) kennt Çhäschärna (Simplon, Zwischbergen), die eine auf Rossboden, die andere auf Alpjen. Historisch ist in Oberwald 1489 Zer Kescherron ‘ bei der Alphütte ’ belegt. Chargude 331 332 <?page no="231"?> Das Simplex Chäschi n. ist im Plural t Chäschini (Ried- Brig, Visperterminen) belegt, dazu gehört auch das Kompositum der Chäschigrabo (Visperterminen). In Visperterminen gehören zum Simplex eine Reihe von historischen Belegen, nämlich an den Käscherlinen (1620), zen Kesserlinen (1635, 1661, 1669), zen Kascherlinen (1640) und zen Käscherlinen (1700), die das HL K ÄSCHER und eine Diminutivableitung im Dativ Plural zeigen. Wenn die Zuordnung stimmt, wäre Chäschini eine Rückbildung aus Chäscherlini. In zwei Fällen kommt ein attributives Adjektiv zum HL hinzu: zer Hoo Kescheren ‘ bei der hohen Alphütte ’ (1657, Ergisch) und Ho Kescharon ‘ die hohe Alphütte ’ (1388 u. später, Mund; wird als Alternativname zu Honalpe verwendet). Als Grundwort eines zweigliedrigen Kompositums ist das HL nur in zen Leechäschärrun ‘ bei den Alpenhütten im Lehn ’ (Blatten) belegt. Häufiger ist das HL als Bestimmungswort erwähnt, wobei die Form Käscher / Chäscher fast ausnahmslos vorkommt; nur einmal ist der Chäschigrabo (Visperterminen) belegt. Die übrigen Grundwörter sind: Brunnu, Egg(a), Gassa, Matta, und Statt, wobei t Chäschärstatt (Ferden) wohl zum Typ Chäserstatt ‘ der Ort, wo Käse gemacht oder gelagert wird ’ zu stellen ist (cf. HL C HÄÄS - C HEES ). Komplexere Konstruktionen sind Käscherwasserleita ‘ Wasserleitung von der / zu der Alphütte ’ (1839, Bellwald), Keschermatten Wald ‘ der Wald bei der Keschermatte (Wiese mit einer Hütte) ’ (1734, St. Niklaus) und vnder dem Schwartzen Kescher Trogg ‘ unter dem Trog bei der schwarzen Hütte ’ (1692, Filet). Einen Spezialfall stellt ts Chäscherli (Ergisch) dar, das laut Register auch Kescherweid heisst. Der älteste Beleg aus dem 13. Jh. hat lo chisera. 1328 steht lo cheserel und im gleichen Jahr lo chesery, resp. ol chesery. Sofern die Zuordnung stimmt, ist das heutige Chäscherli eine Verdeutschung eines romanischen Typs Chisera / Cheserel / Chesery, Formen, die laut J ACCARD (1906, 86) zu spätlat. C Ā S Ā RIA ‘ ärmliches Haus, Hütte ’ zu stellen sind; dagegen haben B OSSARD / C HAVAN (2006, 233) den Hinweis auf lat. CASERIA ‘ Ort, wo man Käse macht ’ . Zu erwähnen ist, dass caseria in den historischen Quellen für Mund 1569 belegt ist. Dort heisst es dimidiam caseriam, aber es bleibt unsicher, ob nicht doch einfach eine Alphütte gemeint ist. Chaschper (PN) Chaschper (PN) ist zum PN Chasper, Dim. Chasperli ‘ Kaspar ’ (I D . 3, 532 f.) zu stellen; es bezeichnet eine dem Kaspar gehörende Flur. Es kommt in Ferden als Genitiv (Chaschpersch Bobem, Chaschpersch Eggu) vor, in Niedergesteln in Chasperhüüs und in Martisberg als Diminutiv im Gaschperli (eventuell zu frz. Gaspard? ). Im Oberwallis ist der PN nicht auch als FaN belegt, als PN jedoch präsent. Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 325 f.) kennt mehrere Caspar, Caspard, Caspari, Casparin, Caspary und Casper (keines jedoch aus dem Wallis) sowie (2, 953 f.) Kaspar und Kasper (ebenfalls nicht aus dem Wallis). Chaschpil Chaschpil ist nur einmal belegt in der Chaschpiltschuggo (Embd). Beschrieben ist es als „ Viereckiger Felsen “ , wobei „ Felsen “ zu Tschugge passt. Das HL ist aber nirgends sonst belegt. Nahe kommt Chaschtel (cf. HL C HASCHTEL ), was zur Beschreibung „ viereckig “ (wie ein Kastell) passen würde. Chaschte Chaschte ‘ Kasten ’ ist ein selten verwendetes Lemma; in einigen Fällen könnte auch Chaschtel zu Grunde liegen (cf. HL C HASCHTEL ). Es ist zu schwdt. Chaste(n) m. ‘ Trog, Schrank ’ , übertragen wohl für ‘ eng eingeschlossene Örtlichkeiten ’ , ahd. kasto, mhd. kaste m. ‘ Behälter ’ (I D . 3, 535) zu stellen (vgl. BENB 1, 2, 431 f.); wdt. sind Chaschte, Chaschtä (Goms), Chaschta (Mattertal), Chaschtu (Saastal), Chaschtn (Lötschtal), Chaschtu ‘ Kasten ’ (G RICHTING 1998, 47) zu berücksichtigen. Nach I D . gehören auch mit Kastengefügte ONN zur Bed. ‘ Truhe, in der wichtige Schriftstücke aufbewahrt werden, Archiv ’ oder ‘ Gebäude zur Aufbewahrung des Gült- oder Zehntengetreides ’ . Die bes. in östl. Mda. bekannte Bed. ‘ Felswand ’ dürfte erst aus Namen für Gebirgsformationen abstrahiert sein. Das Simplex kommt historisch als Kastenne (1307, Törbel) und lebend im Plural Chäschte (Saas-Almagell) vor. Adjektivische Attributbildungen sind der Ober Chaschtu und der Unner Chaschtu (beie Saas-Balen). Alle andern Belege enthalten Chaschte als Bestimmungswort. Mehrfach belegt ist Chaschtebieu ( ‘ Kastenhügel ’ Biel, Blitzingen, Ritzingen (mit Diminutiv), Selkingen) und Chaschteschlüecht (Biel), mit Chlii und Gross qualifiziert. Chaschtel Vorbemerkung: Zum lat. CASTELLUM ‘ Schloss ’ und CASTEL- LARE ‘ zum Schloss gehörig ’ finden sich unterschiedliche Arten von Entlehnungen. Chaschtel wurde als Lehnappellativ vor der k-Verschiebung (ca. 9. Jahrhundert) übernommen (G LATTHARD 1977, 281 f.); die Erweiterung Chaschtler ist einerseits auf CASTELLARE zurückzuführen, anderseits liegt ein Zugehörigkeitsadjektiv vor. Eine Wasserleitung in Kippel meint die Ableitung Chaschtlärra. Die Namen der Gemeinden Ober- und Niedergesteln sind direkt aus lat. CASTELLIO entlehnt worden. Aus den 333 334 Chaschtel <?page no="232"?> frpr. Patois stammen Tschachte (aus CASTELLUM ) und Tschachtular (aus CASTELLARE ), das in den Quellen auch als Chastellar (und ähnlich) erscheint. Vermutlich aus dem Italienischen castello stammen Gaschtel und hdt. Kastell. Hineinspielen kann gelegentlich auch Chaschte ‘ Kasten ’ (I D . 3, 535; G RICHTING 1998, 47). Zu CASTELLANUS zu stellen ist der Kastlan ‘ Richter ’ (auch als Kchaschlaa vorkommend). Da in den Quellen anlautendes Chhäufig mit Kwiedergegeben wird, bleibt manchmal unsicher, welche Form genau vorliegt. Zu verweisen ist deswegen auf die Artikel C HASCHTE , G ESTELN , T SCHACHTE und weitere. Chaschtel bezeichnet eine ehemalige Burgstelle oder bildlich eine Geländeform, etwa einen Felskopf (siehe Z INSLI 1946, 52). Es ist zu schwdt. Chastel, ‘ Schloss, Burg ’ , ‘ grosses Gebäude, Haus ’ , < lat. CASTELLUM (I D . 3, 534 f.) zu stellen; G RICHTING (1998, 121) hat nur Kasch ’ tell. Das Simplex ist Chaschtel / Chaschtäl / Chaschtul / Chaschtil / Chaschtol (Vokal der zweiten Silbe variiert von Osten nach Westen) und kommt so häufig vor, dass meist kaum eine alte Burgruine gemeint ist. Nicht vertreten ist es im Bezirk Leuk, das den Typ Chaschtler aufweist (wohl zu CASTELLARE ), der so nicht im I D . erfasst ist. Diese Grundform ist leicht verwechselbar mit einer / - ER / -Ableitung Chaschtler (BENB 1, 2,432 f. führt sie ohne Erklärung auf, URNB (s. v. Chastlergraben) vermutet eine / - ER / -Ableitung als Stellenbezeichnung). Der Plural ist nur als Kastleren (Turtmann, zu CASTELLARE ) belegt. Diminutive haben die Form Chascht(e)lji (Bitsch) oder Chaschtulti (Simplon). Ableitungen als Simplex sind t Chaschtleri (Wasserleitung, Grengiols) und Chaschtlärra (Wasserleitung, Kippel), wohl eine Wasserleitung zum nahe liegenden Chaschtel am gleichen Ort (in Wiler ist t Chaschtärra (sic! ) eine Wasserleitung zum Chaschtel; es ist unklar, ob hier das / l/ einfach verschwunden ist, oder doch ein Chaschte zu Grunde liegt). Eine seltene Form Chaschler weist Bürchen mit der Hochaschler (SK Hohkastler, LT Hochchastler, FLNK Hochaschtler) auf. Die historischen Belege weisen durchwegs den Typ Kastler auf, sodass die Form wohl nur eine Vereinfachung der Sequenz / ʃ t/ zu / ʃ / gegenüber Kastler aufweist. Adjektivische Attribute sind selten: am Vndren Castel (Brig), der Ober Chaschtler (Mund), t Ändru Chaschtlere (Turtmann) und einige andere relative Lagebezeichnungen, Ho Chaschtul ( ‘ Hoher Chastel ’ ) und Gross Chaschtel ( ‘ Grosser Chastel ’ , beide Randa) sind qualifizierend. Komposita mit Chaschtel als Grundwort fehlen. Hingegen gibt es eine Reihe von Komposita mit Bestimmungswort Chaschtel, darunter Bärg, Flüö, Galerie, Hooru, Egga, Licke, Matta, Tole, Wäg, Wald, Wang und andere, teilweise mit Chaschtler. Ein eigentliches Namennest weist Kippel auf - ausgehend vom Chaschtel hat es Chaschtlärwald, Chaschtlärbord, Chaschtlärbach, Chaschtlärchinn (Schlucht), Chaschtlärhoren, Chaschtlärstäg usw., wozu auch ts Chaschtlerrujoch gehört, das sich beim Chastelhorn befindet und zu Niedergesteln gestellt ist. Hingegen ist ts Chaschtlerruntelli (Niedergesteln) und auf LT Chastlertellipass zu einer Felsformation als Nebental zum Jolital zu verstehen. Wohl von CASTELLARE abgeleitet sind die Chaschtlärä (Turtmann), zu denen es den Chaschtleruhubil und das Chaschtlerukchapälli gibt. Komplexere Fälle bilden das Chly Chastelhorn und das Gross Chastelhorn (beide Reckingen). Einen schwierig zu deutenden Sonderfall stellt der Beleg in Kastlers Wald (1819, Ergisch) dar; es scheint sich hier um einen Genitiv eines FaN zu handeln, doch ist der Name so im Oberwallis nicht belegt. Chastelar Chastelar und seine Weiterentwicklung zu Tschachtular und Tschachtela gehen auf CHÂTELARD ‘ château fort ’ (G PSR 3, 432) zurück. T AGMANN (Ms., 104) nimmt lat. CASTELLARE ‘ Ort mit einem Schloss oder einer Befestigung ’ mit Weiterentwicklung zu Tschachtelar an; die Entwicklung von / -st-/ zu / -cht-/ entspricht der üblichen Lautentwicklung (siehe T AGMANN 1946, 7). Die ONN bezeichnen „ einfach eine Anhöhe, ohne dass darauf eine Burg … nachgewiesen werden kann “ . Die Re-Analyse in t Schachtela ( ‘ die Schachtela ’ ) geschah in Analogie zu synkopierten Femininartikeln in der deutschen Mundart. Die meisten Belege sind historisch vom Typ ou Chastelar ‘ auf der Anhöhe (die wie eine Burg aussieht) ’ . Der Namenstyp findet sich nur im westlichen Bezirk Leuk; in den anderen Bezirken sind die HLL C HASCHTE oder C HASCHTEL belegt; ein sogenanntes Lehnappellativ ist im HL G ESTELN vertreten. Belegt sind Chastelar (1280 u. später, Leuk), ou Chastelar (1315, Leukerbad), ol Chastelart (1328, Unterems), ou Chastelart (1328 u. später, Inden), in der Chatelarden (1582, Agarn), Tschachtela (Salgesch; M ATHIER 2015, 74, der auch Tschachtelastrass und Tschachtelawasserleita (beide S. 75) hat), in Tschachtulaar (Leukerbad; R. G RICH- TING 1993 hat Tschachtälar (Blatt 2, Nr. 21; Blatt 3, Nr. 7)). In Salgesch sind weiter t Obri und t Undri Tschachtela belegt; nur historisch ist Schachtalar Strasse (1880 (ca.), Salgesch; M ATHIER 2015, 75 hat den Beleg ebenfalls) überliefert. Chat Chat ist nur in einem Beleg aus Salgesch 1640 zweimal enthalten: Cretta Chat seu Muschichat. Es ist vermutlich das gleiche Wort wie bei Zat (cf. HL Z AT ). T AGMANN (1946, 46) stellt es zu lat. * CALMIS ‘ prairie, alpe, pâturage ’ . Üblich Chastelar 335 336 <?page no="233"?> sei die Bedeutung ‘ die höchste Weide ’ . Der lateinische Text von 1640 lautet superius colliculum seu petram uocatam cretta chat seu muschichat ad insulam sarquensium, übersetzt ‘ oberhalb des kleinen Hügels oder des Felsen, der cretta chat oder muschichat bei der Eie der Leute von Salgesch genannt wird ’ . Wir haben die Deutung ‘ der Hügel mit der Weide ’ gewählt. Für Muschichat ist wohl anzunehmen ‘ (der Hügel) mit Muskat-Reben ’ (cf. HL M USCHI ). Chatet Chatet ist 1692 in Leukerbad als in Chatet ‘ im Gebiet der Felsstücke ’ bezeugt. Die Schreibweise ist unklar; vermutlich steckt dahinter das frz. château, patois tsaté (vereinfacht) ‘ Schloss ’ (G PSR 3, 429 ss.) (cf. HL T SCHACH- TE ), das in Leukerbad als Tschachte ‘ die Tschachten (Felsstücke) ’ belegt ist. In unserem Gebiet sind meistens keine Schlösser gemeint, sondern schlossartige Erhebungen. Chatza Chatza (f.) ist zu schwdt. Chatz, Chatze n , wdt. Chazza, Chazzä (Goms), Chazz, Dim. Chatzi f. ‘ Katze, Dieb ’ zu stellen. In FlN zur Bezeichnung der Kleinheit, schwer gangbarer, steiler Stellen, schmaler (Fuss-)Wege oder als Ausdruck der Geringschätzung (I D . 3, 582 ff.; G RICHTING 1998, 47). Von den rund 20 Belegen sind nur zwei Simplizia und zwar die Diminutive ts Chatzi (Bellwald) und t Chatzini (Ausserberg) - in beiden Fällen sind wohl kleine Geländestellen gemeint. Nicht ganz klar ist die Ableitung Chatzler (Zermatt) - es kann sich um eine Stellenbezeichnung auf - LER für ein geringes Gut handeln, das schwer zu bearbeiten ist. Alle andern Belege sind Komposita mit Chatzuals Bestimmungswort. Weitaus am häufigsten sind Chatzuloch und Chatzulecher - kleine Mulden und Löcher; das Kompositum ist auch ausserhalb unseres Gebietes verbreitet (vgl. z. B. BENB 1, 2, 435 f.). Weitere Grundwörter sind Haalta, Hüs, Sprung, Stafel, Stägä, Tritt und Zug. Auffallend ist Tierchatzuhiischi ( ‘ kleines Tierkatzenhaus ’ , Eyholz); Tierchatz ist laut I D . (3, 534) eine Bezeichnung für ‘ Luchs ’ - also der Ort, wo ein Luchs hauste oder gefangen wurde. Komplexere Bildungen sind Katzbieltola ( ‘ die Mulde beim Katzbiel ’ , Simplon) und Katzulochchnubol ( ‘ der Hügel beim Katzenloch ’ , Naters). Chavanes Chavanes, auch Chauanes, ist wie folgt belegt: eys Chavanes (1355, Agarn), eys Chauanes (1345, Inden), eys Chavanes (1468 u. später, Salgesch), Chauanes (1307, Unterems) und iuxta alpem deys Chauanes (1357, Leukerbad). Alle Belege weisen den Plural auf. B OSSARD / C HAVAN (2006, 218) stellen Chavannes zu lat. CAPANNA ‘ Hütte ’ und folgen damit J ACCARD (1906, 82) und M EYER (1914, 161). Die deutsche Deutung ist ‘ bei den Hütten ’ . Beim Beleg clananes (1479, Salgesch) ist chauanes für clananes zu lesen. Chavez (FaN) Der FaN Chavez [ausgesprochen Schawe] ist auf dem Denkmal für den Flieger Geo (Georges Antoine) Chavez (13.06.1887 - 27.09.1910) aufgeführt, der beim Flugwettbewerb Brig-Mailand am 23.09.1910 von Ried-Brig aus als Erster mit einem Motorflieger über die Alpen und den Simplon flog und dabei südlich von Domodossola abstürzte und danach seinen Verletzungen erlag (http: / / www.hls-dhs-dss.ch [gs, 19.05.08]). Belegt ist nur bim Schawedenkmal ‘ beim Denkmal an G. Chavez ’ (Ried- Brig). In Brig befindet sich ein Brunnen zum Gedenken an G. Chavez auf dem Sebastiansplatz; dieser Beleg ist in der Datenbank des VSNB nicht enthalten. Chawalaressiiz Chawalaressiiz ist nur 1544 in Chawalaressiiz (Leuk) belegt, eine Strasse, die als Gemeindestrasse bezeichnet wird. Das Etymon wurde ursprünglich zu den beiden HLL C HAWALA und R ESSIZ gestellt. Es scheint sich aber um eine mehrfache Ableitung zu lat. CABALLUS pferd (FEW 2, 8 ff.; G PSR 3, 522 ss. s. v. cheval) zu handeln; die Ableitung könnte / - ARICIA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 289) sein, das in etwa als ‘ was sich auf Pferde bezieht ’ , hier wohl als ‘ der Pferdeweg ’ zu deuten ist. Die gleiche Ableitung ist wohl im häufigeren HL C HEVALERESSY vorhanden. Chebja Chebja ‘ Käfig ’ ist nur einmal im Namen eines Alpstafels in Ausserbinn als Vogelchebja belegt. Es ist zu schwdt. Chäfi, Chefi n., Chebje n , wdt. Chebja, Chebjä (Goms), Chebla (Lötschtal), Chäbju (Leuker Berge), Chebju f. ‘ Käfig, Vogelbauer; Hühnerstall in Form eines Kastens oder Troges, z. T. in der Wohnstube gehalten; Gefängnis; verächtliche Bez. eines engen, dunklen Raumes oder Hauses ’ , mhd. kevje f. ‘ Vogelkäfig ’ , später auch ‘ Gefängnis ’ (I D . 3, 162 ff.; G RICHTING 1998, 47) zu stellen. Hier ist es wohl als kleines Gebäude auf einer Alp zu verstehen. Cheer Cheer bezeichnet meist eine Kehre (Kurve) einer Strasse oder eines Weges oder den Turnus des Wassergebrauchs aus einer Wasserleite; andere Gebrauchsweisen sind sehr selten. Es ist zu schwdt. Ch ē r, Pl. Ch ē re n m., f. ‘ Wendung; Umweg; zwei aufeinanderfolgende (durch einmaliges Hin- und Zurückfahren mit dem Pflug entstandene) Furchen ’ , mhd. k ē r m., k ē r(e) f. ‘ Richtung, Wendung ’ (I D . 3, 430 ff.) und zu wdt. Cheer ‘ Kurve, Umkehr, Wende, 337 338 Cheer <?page no="234"?> Turnus ’ (G RICHTING 1998, 47) zu stellen. Das HL ist in rund 200 Flurnamen vertreten. Das Simplex Cheer wird häufig mit einer Präposition wie zum / bim / im verwendet, ebenso der seltenere Plural Cheere / Cheera / Cheeru (nur einmal tritt in einem Kompositum der Plural Deischcheerna ‘ die Strassenkehren am Deischberg ’ (Grengiols) auf). Nur im Plural tritt der Diminutiv Cheerlini auf. Adjektivische Attributbildungen sind vor allem mit dr Leng / Läng Cheer belegt; dazu kommen der Fiischter Cheer ‘ der finstere Kehr (Wegkehre im dunklen Wald) ’ (Wiler) und der Lüter / Lüüter Cheer ‘ Wegkehre in hellem Gebiet ’ (Blitzingen, Hohtenn). Sehr zahlreich sind Komposita mit Cheer als Grundwort, zumeist ist das Bestimmungswort der Name eines benachbarten Gebietes; seltener sind es die Kosten (Millioonocheer ‘ Millionenkehre ’ , Ulrichen), der Name der Erbauer (Giontacheer ‘ Kehre des Herrn Chionta / Ghionda (? ) ’ , Oberwald) oder ein Bestandteil (Gländercheer ‘ Strassenkehre mit einem Geländer ’ , Zeneggen). Zu den Erbauern eine Anmerkung: die Kehren der Grimselpassstrasse wurden seit den Aufnahmen neu benannt (vgl. Artikel „ Jedem Chef seine Grimsel-Kehre “ (Walliser Bote vom 23. September 1995, S. 9); Dank an Prof. K LAUS A ERNI † für den Hinweis auf den Artikel): Stoffel-Kehre, Sengge-Kehre, Steiner-Kehre, Magnin-Kehre und Suter- Kehre. Sie sind in der Datenbank des VSNB nicht erfasst. Einen Sonderfall stellt t Oschicheri ‘ die Kehre nach oben ’ (Stalden) dar; das feminine Cheeri ‘ Kehre ’ ist sonst nicht vertreten; oschi ist vermutlich eine verschliffene Form zu obschi ‘ ob sich, nach oben ’ . Komplexere Bildungen wie tsch Schmidowildicheer ‘ der Kehr bei der Wildi der Familie Schmid ’ (Ausserberg) oder Schwarzwaldcheer ‘ der Kehr beim schwarzen Wald ’ (Ergisch) kommen seltener vor. Als Partizip von cheere n tritt einmal ts ǝ Kcheerete Wasser ( ‘ zu den gekehrten Wassern ’ , Grengiols) auf; die Motivation ist unklar, sagt doch die Gwp., es habe dort kein Wasser. In der Nähe liegen Chalti Wasser ( ‘ kalte Wasser ’ ), vielleicht erklärt sich der Name daraus. Als Bestimmungswort ist Cheer vor allem in der Fügung Cheerwasser (Naters, Bitsch, Niederwald) belegt; hier geht es um das Wässerwasser, das im Kehr (im Turnus) von den Geteilen gebraucht werden kann. Weitere Fügungen sind mit Acher, Bach, Biina, Bletscha, Bodu, Chriz, Löuene, Matta, Rigg, Stafel und Wald verbunden; die jeweilige Interpretation ist von der Umgebung abhängig. Komplexere Bildungen sind mit Adjektiven versehen wie der Obere Cheerbode ‘ der obere Kehrboden ’ und der untere Cheerbode ‘ der untere Kehrboden ’ (Münster). Seltene Verbindungen eines romanischen Elementes mit dem HL sind in der Pflangcheer ‘ der Kehr (Wegkehre) im Bereich Pflang (Ebene) ’ (Varen) und des Pfranthier=Kehrwasser ‘ (Genitiv konstruktionsbedingt) die Wasserleitung im Gebiet Pfrantieri, welche die Geteilen im Kehr (Turnus) brauchten ’ (Feschel) enthalten. Zu den komplexeren Fügungen vgl. auch die einzelnen HLL. Chegel Chegel tritt in sechs Belegen als Bestimmungswort auf. Gemeint ist hier jeweils das Kegelspiel unter freiem Himmel; die Namen beziehen sich auf (ehemalige) Spielplätze (BENB 1, 2, 437 f.). Chegel ist zu schwdt. Chegel und wdt. Chegl, Chegäl (Goms), Chegul (Mattertal), Chägil (Leuker Berge), Chegil m. ‘ Gelenkkopf eines Knochens bzw. der Gelenkknochen selbst; Spielkegel ’ , mhd. kegel ‘ Stock, Knüppel ’ , wdt. ‘ Kegel ’ (I D . 3, 179 ff.; G RICH- TING 1998, 48) zu stellen. Die Grundwörter sind Gassa, Platz, Riis und Wäg. Cheischt Cheischt ist nur als Diminutiv ts Cheischtji ‘ der kleine Ofen ’ (Visperterminen, auch FLNK, LT Cheistji) belegt. Historisch erscheint es 1623 als Keunstgi und das Kaunstgi. Diese Formen legen eine Herkunft aus dem Staubschen Gesetz (n-Ersatzdehnung vor Frikativ) nahe. Der Diminutiv weist danach eine Entrundung zu einem nicht belegten Chöust auf. Am nächstliegenden ist dies zu Chunst ‘ Kochherd ’ (I D . 3, 367 f., bes. 368) zu stellen, das für das Wallis belegt ist. W IPF (1910, 36) kennt es als Chüüscht ‘ Kunst ’ (vereinfacht). G RICHTING (1998, 55) kennt nur wdt. Chüüscht, Chunscht für das hdt. ‘ Kunst ’ , das laut I D . (3, 368) „ unserem Volke tw. erst durch die Schriftsprache wieder vermittelt worden “ ist. ‘ Kunst ’ ist zu verstehen als ‘ Kunstofen ’ . Chelch Chelch ‘ Kelch ’ ist zu schwdt. Chelch m. ‘ Kelch ’ (I D . 3, 229) zu stellen, in Namen zur Bezeichnung von kelchförmigem Gelände. Der Chelchbach (Naters) speist sich aus mehreren kleineren Bächen, die eine Kelchform bilden; das Chelchzigji ( ‘ kleine Felsrinne in Kelchform ’ , St. Niklaus) weist ebenfalls eine solche Form auf. Der älteste Beleg Schelbach (1256, Kopie von 1334) für den Kelchbach lässt eher an das Bestimmungswort Schelb / Schalb ‘ schief, schräg ’ (I D . 7, 750 f.) denken, doch ist der Beleg isoliert. Nur lateinisch überliefert ist: Jnferiorem pontem Kelchbach, zu verstehen als ‘ die untere Brücke über den Kelchbach ’ (Naters). Chella Chella ‘ Kelle, Schöpflöffel ’ kommt in den oberen fünf Bezirken vor, nicht aber im Bezirk Leuk. Die Abgrenzung zu Chäla ‘ Kehle ’ ist nicht immer klar. Der Pflanzenname Chegel 339 340 <?page no="235"?> Chälle n ‘ Thymian und Nächstverwandte ’ scheint in Flurnamen nicht vorzukommen. Zu stellen ist es zu schwdt. Chelle n II f. m. wie nhd. ‘ Kelle, Küchengerät zum Rühren und Schöpfen ’ (I D . 3, 199 ff.) und ‘ Schöpflöffel ’ (G RICHTING 1998, 48), in FlN in Übertragung auf die Geländeform. In Einzelfällen kann auch Chäla zu schwdt. Chële n , Chelle n I, Dim. Chëlli f. ‘ Kehle; nat. Einschnitt im Boden, Rinne, Kluft, bes. Einschnitt in Bergen; Rinnsal für Bäche oder Lawinen; langer, hoher Strich auf Feldern, ähnlich dem früheren Bett eines Baches oder Flusses ’ (I D . 3, 198 f.) mit hineinspielen (cf. HL C HÄLA ). Historische Belege sind öfters unklar. Als Simplex im Singular erscheint Chella, manchmal Chelli f., im Plural Chelle / Chellä. Diminutiv ist Chelli n., nicht immer zu unterscheiden von Chelli f. Adjektivische attributive Bildungen sind Ober Chella, Under Chella, Uister Chella und Inder Chella, sowie Grossi Chella und Blindi Chella. Komposita mit Chella als Grundwort sind selten, z. B. Galuchella ( ‘ Kelle beim Galen ’ , Visperterminen). Als Bestimmungswort ist Chella häufiger, Grundwörter sind Acher, Bodu, Grabu, Hee (hooch, heej), Hooru, Loch, Matta, Mettle - Mettja, Schiir, Schlüche, Stuck, Tschugge, Wald und Weid. Unklar bleiben die historischen Belege Hunckellen (Mühlebach) und Hungköllen (Ernen) (cf. HL H UND ). Chemi Chemi ist nur gerade sechs Mal belegt. Es ist zu schwdt. Chemi, Chämi n., f., wdt. Chemi, Chäm(m)i n. ‘ Kamin, Rauchfang, Schlot; dem Innern eines Kaminschlotes vergleichbare enge, steil ansteigende Felsschlucht bzw. durch eine solche Schlucht führender Steig ’ , häufig als FlN (I D . 3, 257 ff.; G RICHTING 1998, 48) zu stellen. Belegt sind ts Chemi (Ferden, Wiler), im Chämi (Visp) und t Kchemini (Brigerbad). Alle meinen einen engen Weg, Steig oder Felsband. zum Vndren Kemj (1551, Zwischbergen) kann zum gleichen Flurnamen gehören wie tsum Chemi ‘ beim Kamin ’ (Zwischbergen, auch LT und FLNK), das eine kleine Siedlung mit Kapelle ist; ihr Name liegt dem FaN Zumkemi zu Grunde (NWWB 2, 259). J ORDAN (2006, 161, 370, 572) kennt mehrere Chemi, dazu auch Chemibiel ‘ der Hügel beim Chemi ’ und Chemischtägi ‘ der Steg beim Chemi ’ (161 f.). Von den Belegen ist nur der Erste dem FaN Zumkemi zugeordnet. Chenevier Chenevier ‘ Hanfacker ’ (G PSR 3, 501; FEW 2, 211) ist historisch belegt 12? ? in Salgesch als Cheueneres, 1347 in Agarn als es Cheneueres und 1602 in Albinen als ÿ Cheneuÿre. Die Formen mit / -s/ sind Plurale, die Form in Albinen ist ein Singular; eine Ableitung auf / - ARIU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) liegt vor. Alle drei bezeichnen einen Hanfacker (cf. HL H ANF ). Cherner Cherner ist in Varen 1252 als retro cherner, 1346 als tres cherner und 1352 als treys cherneyr belegt. Wie unter HL T RES ausgeführt, ist es wohl zu lat. TRANS (FEW 19, 2, 197 ff.) zu stellen, hier als ‘ zurück, hinter ’ zu verstehen, wie lat. RETRO im ersten Beleg. Das HL CHERNER ist zu Cerne etc. ‘ gerodeter Wald ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 133 mit Verweis auf G PSR 3, 214 ss. s. v. cerne) zu stellen, hier wohl mit einer Ableitung auf / - ATA / (G PSR 3, 217 s. v. cernée und 4° Noms de lieux). Chesalet Chesalet ist 1439 in Leukerbad als ou chesalet belegt. Es ist zu chesalet ‘ Bauplatz ’ (G PSR 3, 519 f.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 218) zu stellen, wo mehrere Flurnamen aufgeführt sind; Diminutiv zu lat. CASALIS zum hof gehörig (FEW 2, 454). Chesauz Chesauz ist in Leuk 1347 als eys chesalz, 1352 als heys chesauz ‘ bei den Hütten ’ belegt. Es ist wie HL C HESALET zu lat. CASALIS zum hof gehörig (FEW 2, 454) zu stellen. B OSSARD / C HAVAN (2006, 218) führen es unter Chesal, Chesau und Cheseau auf. Die genaue Deutung ist unklar; es dürfte sich hier aber um Hütten oder Grundstücke handeln, die bebaut werden können. Die Deutung als Ruinen oder Überbleibsel eines Hauses oder einer Hütte ist unsicher. Cheschen Cheschen ist ein Dativ Plural, der 1426 in Naters als an den Cheschen im Gebiet Erich (ca. 1600 m) belegt ist. Am ehesten lässt sich das HL zu Ch ǟ s ‘ Käse ’ (I D . 3, 502 ff.) stellen. I D . (3, 505, Bed. 5.) gibt an, dass das Wort in Flurnamen vorkommen könne, „ viell. mit Bez. auf Abgaben “ . I D . (3, 505, Anm.) erwähnt, dass im Wallis / š / statt / s/ vorkomme. Dass / e/ statt / ä/ geschrieben wird, ist durchaus möglich. Der Ort wäre dann ‘ an den Käsen ’ zu verstehen, sei es als Abgabe oder als Ort, wo die Käse gelagert wurden (sonst Chäs-Chäller u. ä.). Cheschti Cheschti tritt nur als Bestimmungswort auf, es ist zu schwdt. Cheste n , Chestene n , Chestele n f., wdt. Cheschtina, Cheschtänä (Goms), Cheschtinu f. ‘ Kastanie ’ (I D . 3, 541; G RICHTING 1998, 48) zu stellen. Der häufigst belegte Typ ist Cheschtiböum ‘ Kastanienbaum ’ (Brigerbad, Naters, Stalden, Visperterminen), gefolgt von Cheschtiholz ‘ Kastanienwald ’ (Filet, Naters) und Cheschtinuwald ‘ Kas- 341 342 Cheschti <?page no="236"?> tanienwald ’ (Mörel). Die volle Form Cheschtinu erscheint noch in Cheschtinuhaalta ‘ Kastanienhalde ’ (Eyholz). Je einmal sind Matta und Acher Grundwort. Komplexer ist einzig Cheschtiböumgrabo ‘ der Graben beim Kastanienbaum ’ (Visperterminen). Chessi Chessi, n. und Chessel, m. werden hier zusammengenommen; sie sind zu schwdt. Chessel m., Chessi n., wdt. Chessi, Chässi n. ‘ Kessel ’ , und Chessl, Chessäl (Goms), Chässil (Leuker Berge), Chessil ‘ Kessel ’ , in FlN ‘ kesselförmige Vertiefung in der Erde, bes. im Bette eines Wasserlaufes; Strudel unter Wasserfällen, in Bergschluchten, Felslöchern ’ (I D . 3, 516 ff., 518 f.; G RICHTING 1998, 48) zu stellen. Der Flurname kommt in etwa 40 Flurnamen vor. Während Chessi n. für das Chäs-Chessi ‘ Käsekessel ’ verwendet wird, hat Chessel m. eine allgemeinere Bedeutung. Die Palatalisierung von / l/ > / j/ führt zum Plural Chessja, Chessju. Chessi erscheint zweimal als Simplex. Chessel ist nur einmal Simplex im Singular und Chessje, sowie Chessjene, im Plural belegt. Zweimal gibt es den Diminutiv Plural Chessiltini (Gampel). Als Grundwort findet sich Chessi drei Mal (Hellchessi, Hobitzuchessi, Guggerchessini). In allen anderen Fällen ist Chessi, resp. Chessel Bestimmungswort zu Grundwörtern wie Bach, Bodu, Brunnu, Chummu, Gletscher, Grabo, Haalta, Hooru und Schina. Meistens dient es zu Bezeichnung eine Geländemulde, eines Felskessels oder eines kesselförmigen Felsstücks. Bei der Chesselschina ‘ Kesselschiene ’ (Mund) ist wohl eine Schiene gemeint, an der das Käsekessi über das Feuer gezogen werden konnte; üblicherweise wurde aber eher der Turner verwendet: ein Drehgestell mit dem gleichen Zweck. Chessli Chessli ist nur in t Chesslihitte ‘ die (Alp-)Hütte der Leute, die Chessli hiessen ’ (Reckingen) belegt. Die Hütte befindet sich auf 1637 m. Gwp. erwähnt den Beinamen einer Familie Steffen. Der Beiname ist wohl zum HL C HESSI zu stellen (cf. HL C HESSI ). Chestquenden Chestquenden ist nur in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts in Mund als cen Chestquenden Steyne belegt. Es handelt sich um ein Partizp Präsens eines Verbums, das offenbar vom Verfasser nicht verstanden oder falsch geschrieben wurde. Das nächstliegende Verb ist stechen ‘ stehen ’ , das in I D . (11, 493 ff.) als st ā (n) ‘ stehen ’ belegt ist. G RICHTING (1998, 180) kennt das Verb als schtaa ‘ stehen ’ . Im Zusammenhang ist ‘ der stehende Stein ’ als ein aufrecht stehender Stein zu verstehen. Stechend (cf. HL S TÄCHE ) ist an mehreren Orten (Bellwald, Bürchen, Mund, Obergesteln, Stalden, Staldenried und Törbel) zum HL S TEI ‘ Stein ’ belegt. Chetal Chetal kommt nur einmal historisch in Inden vor: ov pra chetal (1433, 1453, 1510 als chettul). Das Wort ist bei P IERREHUMBERT (1926, 119 s. v. Chédal; 121 Chétal) und schon bei B RIDEL (1866, 74 s. v. Chédal) belegt. P IERREHUM- BERT leitet es von capital ab und versteht darunter u. a. Vieh und Fahrhabe des Bauern; hier wohl einfach für das Vieh als Kapital des Bauern: ‘ auf der Viehwiese ’ . Chetti Chetti ist nur einmal als Bestimmungswort in Chettischleif (Oberems) belegt. Es ist zu schwdt. Chette n , Chetti, Chötti f. wie nhd. ‘ Kette (zum Binden, Befestigen, zum Sperren von Strassen etc.) ’ zu stellen, ahd. chetin(n)a, mhd. keten(e) aus lat. CATENA (I D . 3, 563 ff.; G RICHTING 1998, 48) zu stellen. Zu verstehen ist es wohl als ‘ Schleif, der wie eine Kette aussieht ’ . Cheuellen Zen Cheuellen ist nur einmal belegt (1305, Raron). Es handelt sich um einen Plural. I D . (3, 581) kennt Chewel ‘ Handkorb ’ , aber nur für den piemontesischen Walserdialekt von Rimella, ohne nähere Erklärung. Dies kann hier kaum gemeint sein, da im Beleg von einer via ‘ Weg, Strasse ’ die Rede ist. Zen Cheuellen lässt sich deswegen nicht deuten. Chevaleressy Chevaleressy kommt nur ab 1326 als viam chaualeressy, 1328 via cheualeressy und weiteren Belegen, die sich in Details unterscheiden, bis 1610 in Leuk vor. Vermutlich liegt eine Ableitung zu frz. cheval ‘ Pferd ’ (FEW 2, 8 ff. s. v. caballus pferd) vor. Die Ableitung ist in dieser Form in FEW nicht belegt, nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 289) müsste es / - ARICIA / sein; das Suffix ist häufig mit Tiernamen verbunden. Hier ist es wohl als ‘ der Pferdeweg / die Pferdestrasse ’ zu verstehen, also die Strasse (cf. HL V IA ), durch die auch Pferde geführt werden. Chi Chi, Chinn ist ein charakteristisches Lemma des Walliserdeutschen, das nach Z INSLI (1946, 102) ‘ einen engen, schluchtartigen Felsenabgrund ’ bezeichnet. Es ist zu schwdt. Chinn, wdt. Chi n. ‘ enge Schlucht, Felsspalte; Schlucht, Felsschrund ’ (I D . 3, 320; G RICHTING 1998, 48) zu stellen; die Etymologie ist ungeklärt. In Einzelfällen ist das fast gleichlautende Chinni ‘ Kinn ’ (I D . 3, 319) anzunehmen, obwohl mundartlich Chimbei ‘ Kinnbein ’ Chessi 343 344 <?page no="237"?> (G RICHTING 1998, 48) geläufiger ist; die Form Chinni f. kommt nur in Embd vor; sie könnte aus einem Diminutiv als Femininum reanalysiert worden sein. Das Lemma findet sich in etwas über 200 Namen. Das Simplex ist Chi, im Lötschental Chinn; Plurale sind nicht belegt. Als Diminutive erscheinen Chindli (Naters) und Chinnigji (Ried-Brig). Historische Belege sind anlautend meist mit K geschrieben. Adjektivische attributive Bildungen sind relative Lagebezeichnungen wie Inner Chi (Oberems), Ober Chi (Simplon, Bitsch), Ober Chinni (Embd), Unner Chi (Simplon), auffallende Eigenschaften wie Füül Chi ‘ Schlucht mit faulem Gestein ’ (Törbel), Teiff Chi ‘ tiefe Schlucht ’ (St. Niklaus, Simplon), Stumpe Chi ‘ kleine Schlucht ’ (Simplon) und Trochu Chi ‘ trockene Schlucht ’ (Mund, Eggerberg), Farben wie Rot Chi (Zwischbergen) und Wiissu Chinni (Embd); nicht ganz klar ist der historische Belege ze dien Sterren Kynnen (1300, Zeneggen), wo ein FaN Sterren oder ein Adjektiv vom Typ starr vorliegen könnte. Als Grundwort verbindet sich Chi meist mit einer Lagebezeichnung wie Turtig Chi (Unterbäch, Niedergesteln), Sältinuchi ‘ Schlucht der Saltina ’ (Glis), Maachi ‘ die Schlucht bei St. German ’ (Raron, Ausserberg) und vielen weiteren; wohl metaphorisch wird die Körperteilbezeichnung Kinn in Felschi ‘ Felskinn ’ (Saas-Fee) verwendet. Vermutlich Genitive liegen vor in Goopischchi ‘ die Schlucht des Goopi (? ) ’ (Ausserberg) und Gsellischchinn ‘ die Schlucht (der Lonza) des Gesellen (? ) ’ (Blatten). Sehr selten ist das Grundwort auch ein Diminutiv wie in Feechindli (unklar, liegt auf über 3500 m) (Blatten). Als Bestimmungswort verbindet sich Chi mit Acher, Bodu, Brigga, Brunnu, Cheer, Egga, Fels, Gassa, Gletscher, Grabu, Hitta, Hooru, Licka, Löuwina, Matta, Schiir, Schluocht, Stalde, Stei, Tola und dem komplexen Wasserleita. Auch hier gibt es wenige Belege mit einem Diminutiv wie in dr Chinglicheer ‘ die Kehre bei der kleinen Schlucht ’ (Kippel) und dem Plural t Chinglicheera ‘ die Chingelkehre (Wegkehren beim kleinen Chinn (Schlucht)) ’ (Wiler). Komplexere Bildungen wie Chinegguwang ‘ der Grasabhang bei der Ecke an der Schlucht ’ (Niedergesteln) oder Uister Wilärchinn ‘ die äussere Schlucht der Wilerra ’ (Wiler) sind selten. Chiächil Chiächil ist einmal belegt als Bestimmungswort in Chiächiltschuggu (Steg). Nächstliegend ist eine sonst nicht nachweisbare entrundete Form zu Chüechla ‘ Kunkel ’ (G RICHTING 1998, 55), im I D . (3, 364) Chunkle n . Lautlich liegt Ersatzdehnung bei n-Schwund vor (sog. Staubsches Gesetz), die zu Chüechla führt. Als Bestimmungswort wird entrundetes Chiächil verwendet: ‘ der Fels, der Kunkeln gleicht ’ . Alternativ kennt URNB (2, 478) Schlittchueche ‘ Schlittenkufe ’ (mit Verweis auf I D . 3, 145), dessen Grundwort Chüeche ‘ Kufe ’ auch bei G RICHTING (1998, 55) erwähnt wird; allerdings fehlt eine / - IL / -Ableitung. Deswegen wird hier die erste Deutung angenommen. Gwp. erwähnt, dass K. B RENNER diesen Namen <aufgebracht> habe. Bei B RENNER handelt es sich um einen FaN, der schon vor 1800 in Steg und Gampel eingebürgert war; im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 242) ist die Familie für Gampel und Steg verzeichnet. Chibel Chibel ‘ Kübel ’ ist zu schwdt. Chübel, wdt. Chibel m. ‘ kleineres, mehr tief als weites Gefäss aus Holz, doch auch aus Leder, Glas und anderen Stoffen ’ , mhd. kübel zu stellen. Es kommt in FlN einmal als Diminutiv Chibli ‘ kleiner Kübel ’ und zweimal, ebenfalls als Diminutiv, in der Zusammensetzung wdt. Aich-, Äichchibji ‘ Butterfass ’ vor; letzteres zur Bezeichnung eines Grabens, der von seiner Form her an ein Butterfass erinnert (I D . 3, 110 f.; I D 3, 112 f.; G RICHTING 1998, 24). Chibli (Ferden) ist laut R ÜBEL (1950, 49 f.) die Bezeichnung eines Rückentraggefässes für Milch, das jedoch im Lötschental Tuitel genannt wird; es ist deswegen nicht klar, welche Art von kleinem Kübel gemeint ist. Im Übrigen hat LK 1: 25000 den Namen zu Chilbi verändert; vermutlich ein Druckfehler. Auf der Kantonskarte 1: 10000 ist es als Chibli verzeichnet, ebenso auf der neueren interaktiven LT. Chigez Chigez ist nur 1708 in Albinen als jn Chigez belegt. Laut Dokument befindet sich diese Flur in Dorbu (M ATHIEU 2006, 35, aber ohne Hinweis auf Chigez). Vermutlich handelt es sich um einen frpr. Namen. Am nächstliegenden wäre das bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 219) erwähnte Chiesaz etc., das auf lat. CASA ‘ Haus ’ zurückgeführt wird. Eine Deutung ist aber bei der Schreibform aus dem 18. Jahrhundert nicht möglich. Chiis Chiis ‘ Kies ’ ist zu schwdt. Chis, wdt. Kiis n. ‘ Kies ’ (I D . 3, 523; G RICHTING 1998, 121) zu stellen. Die Lautung mit anlautendem kchdeutet auf eine Übernahme aus dem Hochdeutschen hin. Kiiswärch gehört zu Chiswërch ‘ Kiesgrube, Kiesaufbereitungsanlage ’ (I D . 16, 1220); das Kompositum meint auch einfach eine Kiesansammlung in einem Fluss. Kiesfang ist im I D . nicht belegt; es meint ein ‘ Becken, in dem vom Wasser mitgeführter Kies und Sand aufgefangen werden kann ’ (nach D UDEN (http: / / www.duden.de/ node/ 843676/ revisions/ 1080094/ view [06.07.2020; IW]). Nur einmal kommt vor Chisine ‘ Kiesel 345 346 Chiis <?page no="238"?> (Kollektiv), Geschiebe ’ (Saas-Balen); formal handelt es sich um einen Plural zu Chisi n. ‘ Kügelchen, Körnchen ’ (I D . 3, 523 s. v. Chisel). Sonst ist Chiis nur mit den HLL Fang, Fad, und Wärch belegt. Chilcheri Chilcheri ist ursprünglich wohl ein Kompositum zu schwdt. Chilch-h ē ri f. ‘ Kirchgemeinde; Pfarrei, der Umfang derselben und die Gesamtheit der zu ihr Gehörigen; auch Umkreis, Gebiet einer Gemeinde überhaupt ’ , spätmhd. kilchhoere (I D . 2, 1577). Es kommt in Ku ᵉ lcherÿacher (1579, Münster) vor; der Beleg Chillcherustutz ‘ steiler Weg, den die Leute vom Dorfteil bei der Kirche benutzten ’ (Grächen) ist unklar; er kann auch von der Bezeichnung der Wasserleite Chillcheri am gleichen Ort herstammen, die wohl eher eine Ableitung auf / - ERI / ( ‘ die Wasserleitung, die zum Dorfteil bei der Kirche führt ’ ) darstellt; sie heisst in St. Niklaus t Chirchneri. Unklar ist Z Kilcherren Matta (1594, Staldenried), das entweder ‘ des Kilch-Herren Wiese ’ oder ‘ zur Wiese, die zur Kilch-Heri gehört ’ bedeuten kann; lautlich überzeugender ist die erste Deutung. Chin Chin n. ist als Teil des Kopfes und übertragen in G RICH- TING (1998, 48) nur als Chimbei, Chinbein (Lötschtal) ‘ Kinn ’ belegt. I D . hat es als Chinni II ‘ Kinn ’ (3, 320); als Chinnbei n ‘ Kinnbein, Unterkiefer, Kinn ’ ist es in I D . (4, 1301) ebenfalls belegt. In der Datenbank erscheint es als Felschin ‘ Felskinn (Fels in der Form des Körperteils Kinn) ’ (Saas-Fee; auch LT und FLNK als Felskinn). der Chimmbode ‘ der Boden unterhalb des Felskinns ’ (Grengiols) schliesst mit einem Bestimmungswort hier an. Weit häufiger sind die Belege für Chi ‘ Schlucht ’ (cf. HL C HI ). Chinesischi Das Adjektiv Chinesischi ist nur im Beleg Chinesischi Müru / Chinesischi Müra (beide FLNK, Saas-Fee) und Chinesische Mauer (LT, Saas-Fee) belegt. Es handelt sich um eine westlich gelegene Mauer zwischen Saas-Fee und Saas-Grund auf über 2000 m ü. M., die nach der berühmten Chinesischen Mauer (über 21 299 km mit 43721 Einzelobjekten) benannt wurde. Chinig (FaN) Der FaN Chinig (hdt. König) ist laut AWWB (141 s. v. King) für Ernen im 15. bis 17. Jahrhundert belegt; der FaN war aber wohl weiter verbreitet, wie das Register zu HRBS s. v. König zeigt. Alle vier Belege in den Daten sind im Genitiv: ts Chinigsch ‘ des Königs ’ , zu verstehen als Plural im Sinn von ‘ die Familie König ’ zu den Grundwörtern Bodo (Mund), Bodu (Saas-Balen), Hof (Bister) und das historische Kings Eÿgen ‘ das Eigengut der Familie König ’ (1688, Mörel). Chipfe Chipfe ist unklar, es wird üblicherweise zu schwdt. Chipfe n gestellt, das zu ahd. kupfa, kupha, mhd. kupfe, kuppe, Nebenform zu gupf, gupfe, stf. ‘ Spitze, Gipfel, Kuppe ’ (URNB 2, 430 ff.; K ÖBLER 1994, 208; H ENNIG 2001, 197; eine ältere Erklärung H UBSCHMIED s wird in BENB 1, 2, 458 abgelehnt), zu stellen ist; der zu / ch-/ verschobene Anlaut und eine Entrundung von / -ü-/ zu / -i-/ müssen angenommen werden. Es scheint sich bei fast allen Belegen um das gleiche Gebiet zu handeln, das sich im Grenzbereich zwischen Grächen, Embd, Stalden (nur historische Belege) und St. Niklaus befindet. Das Lemma tritt hier immer im Plural auf, was eine Kollektivbedeutung (etwa: höherliegendes Gebiet) nahelegt. Neben dem Simplex Chipfe sind belegt Oberi und Underi Chipfe, Chipferwald und der Obere Kipferwäg (1685, Stalden). Weiter weg liegen nur die Chippfet ‘ Grasbänder bei der Kuppe ’ (Täsch). Die genauere Bedeutung ist zweifelhaft. Chippfet könnte auch in Chip + Fet getrennt werden; das HL K IPP existiert aber nur in Mühlebach, wo es zu hdt. Kippe gestellt wird. Chircha - Chilcha Chircha und Chilcha sind zu schwdt. Chirche n , wdt. Chilcha, Chilchä (Goms), Chircha (Mattertal), Chirchu (Saastal), Chilchu f. ‘ Kirche; Kirchen- und Armengut bzw. dessen Verwaltung; Kirchengemeinschaft; Name von Bergen nach ihrer Gestalt benannt ’ , ahd. chiricha, mhd. kirche, mit der alem. Nebenform ahd. chil(i)cha, mhd. kilche, (I D . 3, 229 ff.; G RICHTING 1998, 48) zu stellen. Hdt. Belege haben auch anlautendes / k/ wie in Kirche. Lautlich lässt sich kein Muster für die beiden Formen mit / r/ und / l/ erkennen. Neben den markanten Kirchen in den Gemeinden werden manchmal auch Kapellen Chircha oder Chilcha genannt. Die Zugehörigkeit vieler Gemeinden zu grossen Mutterpfarreien (ursprünglich Münster, Ernen, Mörel, Naters, Visp, Raron und Leuk) schlägt sich in vielen Chirchwäg, Chilchwäg nieder; Chirchgassa, Chilchgassa dagegen ist eher auf die Gasse beschränkt, die in der Gemeinde zur Kirche führt. In den Dörfern kann die Lage oberhalb, unterhalb, neben, hinter oder auch bei der Kirche namengebend sein. Güter, Äcker, Wiesen und Gärten, die zum Kirchengut gehörten, werden mit Chirch- / Chilchals Bestimmungswort benannt. Neben eigentlichen Kirchen gibt es auch Felsgebilde und andere Gebiete, die einer Kirche gleichen und entsprechend benannt werden; in Blatten (Lötschen- Chilcheri 347 348 <?page no="239"?> tal) gibt es ein eigentliches Namennest mit Zer Chilchun, Chilchgrabem, Chilchgrabemegg usw., ebenso in Ulrichen mit Chilchweng, Chilchgletscher und Chilchhore. Entsprechend der Sachlage sind Simplizia eigentlich selten, meist ist eine Präposition wie ze, bi, unner, hinner usw. vorhanden, auf die das Simplex im Obliquus (meist Chirchu / Chilchu) folgt. Im / l/ -Vokalisierungsgebiet der Grafschaft ist die lautliche Form Chiuche. Nur ein einziger Diminutiv ist belegt: in den Kilchiltinen ‘ in den kleinen Kirchen ’ (Simplon). Adjektivische Attributbildungen sind: Zer Aaltu Chilchu ‘ zur alten Kirche (frühere Messkapelle, jetzt verschwunden) ’ (Visperterminen), bei der Englischen Kirche ‘ bei der englischen Kirche ’ (Saas-Fee), t Heidnisch Chilcha ‘ die heidnische Kirche ’ (St. Niklaus, Gebiet, das wie eine alte (heidnische) Kirche aussieht) und Zer Heimlichu Chilchun ‘ Zur heimlichen Kirche ’ (Ferden), ein Name eines Gebietes, das wohl einer Kirche gleicht. Als Grundwort kommt das Lemma in Komposita kaum vor: belegt sind Suschtnerchillchu ‘ die Kirche von Susten ’ (Leuk), di Zantpeterschchilchu ‘ die Kirche von St. Peter ’ (Leuk, heute Feuerwehrlokal), t Fuggsjichilcha ‘ die Kirche des kleinen Fuchses ’ (Grächen, Felsturm, der einer Kirche gleicht) und Zer Juduchirchu ‘ zu der Judenkirche ’ (Zermatt, viereckiger Stein - eventuell im Hinblick auf eine Synagoge oder einfach vorchristlich? ). Sehr häufig ist Chircha - Chilcha als Bestimmungswort, so vor allem im Kompositum Chirchwäg / Chilchwäg, das allein oder mit Spezifikation wie Alt Chirchwäg (Fiesch) oder Firganger Chilchwäg (Bellwald) rund zwanzig Mal vertreten ist. Weitere Grundwörter sind Acher, Bach, Balm, Blatta, Biel, Bodu, Driest, Egg(a), Eie, Fad, Gartu, Gassa, Gletschter, Grabu, Güet, Haalta, Heer, Hooru, Matta, Platz, Räbe, Ritz, Schiir, Stadel, Stutz, Tola, Wald, Wand und Wang. Komplexe Bildungen sind selten: beym alten Gobbiller Kirchweg ‘ beim alten Kirchweg der Leute von Goppisberg ’ (Filet) oder Brüof Eggerbärgero Chilchuwäg ‘ Aufwärts (am) Eggerberger Kirchenweg ’ . Ableitungen sind selten und betreffen im Fall von / - ERI / (Grächen, Münster) vermutlich Komposita mit dem sonst unbelegten Höri (wdt. Heri) (cf. HL C HILCHERI ); eine Deutung auf / - ERI / ist aber für die Wasserleitung, die zum Dorfteil bei der Kirche führt (t Chilcheri, Grächen), durchaus möglich. Sie heisst in St. Niklaus t Chirchneri. Chischta - Chischtu Chischta - Chischtu ist zu schwdt. Chiste n f. wie nhd. allgem. ‘ Kiste ’ (I D . 3, 543; G RICHTING 1998, 49) zu stellen, in FlN mit metaphorischer Übertragung auf Geländeformen (BENB 1, 2, 464). Das Simplex kommt dreimal im Plural vor; die Chischtä in Steg und Gampel bezeichnen den gleichen Ort; die Chischte in Niedergesteln sind namengebend für das Chischtuhooru (es gehört zu den drei Gemeinden Hohtenn, Niedergesteln, Steg). Nur einmal ist belegt Kistflüe ‘ Fluh, die einer Kiste gleicht ’ (1548, St. Niklaus). Chitoret Chitoret ist nur 1563 in Varen in einem Dokument als Wasserleitung de Chitoret belegt. Wie T AGMANN (1946, 7) unter Zittoret ausführt, handelt es sich um eine Wasserleitung, die das Gebiet der ganzen Noble Contrée betrifft. T AGMANN zitiert die Stelle von 1563 für Varen und bezeichnet sie als eine Kopie von 1707. Es werden zwei Etymologien vorgeschlagen: J EANJAQUET (einer der Gründer des G PSR ) postuliert latinisiertes CITURNU , T AGMANN selbst ist eher für * SUBTURNU . J EANJAQUET sagt, dass das frz. cetour eine Art Keller meint, wo Käse und Wein aufbewahrt wurden. Die Wasserleite sei an einem solchen Keller vorbeigeflossen, doch ist diese Lokalisierung nicht sicher. In Chitoret handle es sich um den letzten Rest des Wortes in der Noble Contrée (Gebiet westlich anschliessend an Bezirk Leuk). Chitt Chitt, Pl. Chitte ist zu schwdt. Chitt, Chitte n m., f. (Ulrichen n.) ‘ Spalte, Ritze, z. B. in Gletschern, Felsen ’ (I D . 3, 567 f., Z INSLI 1946, 88) zu stellen; G RICHTING (1998, 48) kennt nur das gleichlautende Chitt ‘ Kitt ’ und gibt als Beipiel ‘ der Chitt am Pfeischter ’ . Die Formen sind schwierig zu interpretieren, da anlautendes <k> auch zu Ge-Chitt ‘ Felsspalten (Kollektiv) ’ gehören kann; auch Chitter ist wohl eine kollektive / G( E )- ER / -Ableitung zu Chitt. Überschneidungen mit entrundetem Ge-Hitt ‘ das Gehütt, die (armseligen) Hütten ’ (I D . 2, 1780), Chütt ‘ Herde, Schar von Kleinvieh, Geflügel ’ (I D . 3, 576, ohne Beleg für WS) oder verhochdeutschtem Ge-Hüet ‘ der Hütebereich, Teil einer Gemeinde ’ (I D . 2, 1794) sind möglich. Das Chitt ist ein relativ grosses Gebiet an der Ägene, das den Gemeinden Reckingen, Münster und Ulrichen zugesprochen ist; darauf beziehen sich mehrere Belege. Es ist in der Datenbank mit ‘ Felsspalten ’ gedeutet; die Bezeichnung bezieht sich wohl auf die Felsen entlang der Ägene. In Birgisch wird die Chitta als ein ‘ grosses Loch ’ bezeichnet; der Name erscheint aber nur als Bestimmungswort. t Fuggschitta ‘ das Fuchsloch ’ (Randa) ist wohl metaphorisch für eine Reihe von Felsspalten gemeint, doch kann hier auch Hitta gemeint sein. Das Simplex Chitt ist im Ägenental vertreten (s. oben); die übrigen Belege sind wohl Plurale wie t Kchitte (Fieschertal, Unterems, beide mit assimiliertem Artikel); historisch erscheint es mehrfach auch als Kytten. Ein Diminutiv t Kchittiltini ‘ die kleinen Felsspalten ’ (Embd) tritt einmal auf. Adjektivische Attributbildungen sind 349 350 Chitt <?page no="240"?> t Obru und t Undru Chitte (Staldenried), in der Indren Kitten (1746, Turtmann), das Vordere und das Hintere Kitt (1653, Ulrichen), sowie ts Minschtiger Kitt (Ulrichen, auch FLNK) und Reckiger Kitt (FLNK, Ulrichen). Als Grundwort in Komposita findet es sich in t Fuggschitta (Randa) und t Walkite ‘ Waldchitte ’ (Naters). Als Bestimmungswort ist es belegt mit den HLL Bach, Biel, Bodu, Flüö, Matta, Schleif, Sunna, Wald und Weid. Komplexere Bildungen sind etwa bis an den Vndren Küdtboden ‘ bis auf den unteren Teil des Bodens beim Kitt ’ (1653 u. später, Ulrichen) oder Chittumattuwald ‘ der Wald bei der Wiese bei der Chitta ‘ Loch, Felsspalte ’’ (FLNK, Birgisch). Chlääna Chlääna f. ist zunächst der Name eines Gipfels (Termen, SK Klenenhorn), der mit agglutiniertem Artikel auch Klääna heisst. Der hauptbetonte Vokal ist lang. Darin unterscheidet sich Chlääna vom nur historisch belegten Namenstyp Klenerra (Greich, Ernen, Steinhaus) und den lebendigen Namen t Klännerne (Unterbäch) und Chländernä (FLNK, Blatten), das sonst als Chländerfluä belegt ist. In Fieschertal ist historisch die Klener Gassen belegt (1674 u. später). Es ist unsicher, ob die genannten Namen überhaupt vom gleichen Lemma abzuleiten sind. Ausserhalb des Wallis ist Chläneren (URNB 2, 437) belegt, das die Autoren zum Verb schwzdt. chläne ‘ klettern, sich emporwinden ’ (I D . 3, 650) stellen, mit dem Ableitungssuffix / - ERE ( N )/ (S ONDEREGGER 1958, 551) für eine Stellenbezeichnung, also etwa ‘ Ort zum Klettern ’ . Allerdings ist das Verb im I D . nur für Berner Oberland, Unterwalden und Uri bezeugt. Der Typ Klenerra würde dennoch hieher passen. Die Klener Gassen wäre dann die Gasse, die zur Klenerra führt. Die Form Klännerne (Unterbäch) hat das auch sonst belegte Ableitungssuffix / - ERNA / , das im Allgemeinen als Kollektiv für Pflanzen verwendet wird; der Pflanzenname Chlee(w) ‘ Klee ’ kommt aber aus lautlichen Gründen nicht in Frage; man kann die Form deswegen als Variante zu Klenerra betrachten. Die Lötschentaler Formen Chländernä und Chländerfluä enthalten den Sprosskonsonanten / d/ , der am Übergang von / n/ und / r/ entstehen kann. Der Gipfelname in Termen lässt sich schliesslich nur erklären, wenn eine sekundäre Dehnung in der offenen Silbe (Chläna > Chlääna) angenommen wird. Andere Lemmata mit Chlään- (z. B. chlääne n ‘ ohne Grund klagen ’ (I D . 3, 650)) kommen kaum in Frage. Chläber Chläber ist als Chläberbodo (FLNK, Ried-Brig) belegt. Historisch erscheint er 1655 als Kleberbodo, 1655 als im Kleber Boden, 1686 im Kleberboden und so auch später. Vermutlich ist Chläber zu schwdt. Chlëbere(n) ‘ Gallium aparine, Klebkraut: Rötengewächs mit schlaffem, vierkantigem Stängel, der sich durch rückwärts gerichtete Borsten in Hecken, im Gebüsch, an Zäunen usw. festhält (Spreizklimmer). Auch die lanzettlichen, in Quirlen beisammenstehenden Blätter besitzen solche Borsten, so dass die Pflanze an Kleidern usw. leicht hängen (kleben) bleibt. [ … ] Die Früchte sind kugelig und bleiben in folge ihrer Widerhäkchen leicht hängen ’ (I D . 3, 612 (hier auch Verbreitung und andere Pflanzen); M ARZELL 2, 562 ff.). Als Chläbera ist der Pflanzenname bei B IELANDER (1948 [1985], 100) für Lax belegt. Die Pflanze G ALLIUM APARINE ist bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 774) als ‘ Kletten- Labkraut ’ benannt und kommt in der ganzen Schweiz vor. Chläck Chläck m. ist zu schwdt. Chlack ‘ Spalte, Riss ’ und wdt. Chlakk, Klakk ‘ Spalte, Riss ’ (I D . 3, 639; G RICHTING 1998, 49) zu stellen. Die formale Pluralform Chläck wird als Singular re-analysiert. Der Name kommt als der Chläck (Leuk) vor, dazu gesellen sich der Ober und der Unner Chläck. Die Namen beziehen sich auf ein Gebiet auf rund 1000 m ausserhalb des Ortes Leuk. Chlamm Chlamm ist zu schwdt. Chlamm m. ‘ Geleise in der Strasse ’ , ‘ Spalte ’ , mhd. klam(m) m., klamme f. ‘ Krampf, Klemme; Klammer; Spalte, Schlucht ’ (I D . 3, 643) zu stellen. Der einzige Beleg ist ts Waaldisch Chlamm ‘ der Felsausschnitt des Waldi (PN) ’ (Steg). ts Waaldisch kann sowohl ein PN wie ein FaN sein (ts Waaldisch als Plural: die Familie Walden ist in NWWB 1, 254 erwähnt). Chlätta Chlätta ist zu schwdt. Chlëtte n , wdt. Chlätta, Chlättä (Goms), Chlättn (Lötschental) f. ‘ Klette ’ , ahd. cletha, kleddo, -a, mhd. klette (I D . 3, 701 f.; G RICHTING 1998, 49; M ARZELL 1, 374 ff.) zu stellen. Das Simplex kommt einmal im Plural vor als Chlätte ‘ die Kletten ’ (Raron). Dazu noch drei Mal als Bestimmungswort zusammen mit Acher, wohl mit der Bedeutung ‘ Acker, auf / bei dem Kletten wachsen ’ . Die Pflanze ist als Chlätta in Törbel (S TEBLER 1927, 84) und Lax (B IELANDER 1948 [1985], 100) genannt. A RCTIUM M INUS und weitere Subklassen sind für das Wallis erwähnt (W AGNER / L AUBER / G YGAX 5 2014, 1136). Chlätter Chlätter ist belegt als Bestimmungswort in Klettersteig, einem aus dem Hochdeutschen stammenden Ausdruck: ‘ zum Klettern benutzter und gesicherter steiler schmaler Gebirgspfad ’ , dialektal Chlätterschteig (Naters, FLNK; LT Chlääna 351 352 <?page no="241"?> Klettersteig). Hier verwendet zur Bezeichnung der Kletterroute rund um den Gibidumstausee im Aletschgebiet (Naters). Chlee Chlee ist zu schwdt. Chl ē m. ‘ Klee, Wiesenklee ’ , mhd. kl ē , chl ē stm. (flektiert kl ē we-) (I D . 3, 607; M ARZELL 4, 761 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 352 - 374, alle unter T RIFOLIUM ) zu stellen. Das Simplex tritt mit einer Präposition auf, meistens im Chlee ‘ im Klee ’ (Raron und andere). Simplexformen wie im Chleewe ‘ im Klee ’ (Bellwald) u. ä. gehen zurück auf eine mhd. flektierte Form im Dativ kl ē we. Mit einem Besitzer-Genitiv erscheint ts Pfiiferlisch Chlee ‘ des kleinen Pfeifers Klee ’ (Hohtenn). Daneben ist Chlee als Bestimmungswort zu finden. Grundwörter dazu sind Acher, Alpa, Bodu, Gaartu, Grund, Wang und Wase. Komplexere Formen sind Unner Klebodowäg ‘ der Weg zum unteren Kleeboden ’ (FLNK, Staldenried) oder ts Chlealpuresi ‘ die Quelle der Kleealpe, die zum Roossen dient ’ (Ferden). Chleetrigu Chleetrigu kommt nur im Beleg di Drihundertchleetrigu ‘ die Lose von dreihundert Klaftern Grösse ’ (Leuk) vor. Nach der Beschreibung handelt es sich um Burgerlose von 300 Klafter Fläche. Chlaafter ist laut G RICHTING (1998, 49) ein Längenmass, Flächenmass und Raummass. E GLI (1982, 77) kennt es als Längenmass. C. S CHMID (1969, 80) gibt als Länge eines Klafters 6 Schuh, zwischen 1,92 m und 1,96 m; heute 1,80 m; für die Fläche gibt er keine Angabe. I D . (3, 634) weist g e chläfterig als ‘ ein Klafter haltend, messend ’ nach. Chleetrig ist hier Adjektiv, seltsamerweise ohne / f/ . Die Lose werden als die Dreihundertklaftrigen bezeichnet. Sie befinden sich im Rottentalgrund, der früher wegen Überschwemmungen nicht genutzt werden konnte. Chleferna Chleferna f. ist als t Chleferna (Eyholz; FLNK Chleferna) belegt. Heute findet sich dort u. a. ein Weinberg; gemeint ist jedoch ein Dorfteil von Eyholz (heute Gemeinde Visp) südlich der Strasse nach Visp. Die historischen Belege Zen Klefernen (1857) und zu Klefernen (1872) weisen dieselbe Form einer Ableitung auf. Wenn die Ableitung / - ERNA / ist; dann dürfte es sich wie bei Blackerna ‘ der Ort, wo es viele Blacken hat ’ um einen Pflanzennamen handeln. I D . (3, 626) weist unter Chlaffe n (Bed. 3) auf einen Namen für verschiedene Pflanzen, deren Samen zur Zeit der Reife in den Hüllen klappern, hin. Es dürfte sich um eine Form von R HINANTHUS ‘ Klappertopf ’ handeln (L AU- BER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 940 ff.). Die Deutung wäre dann ‘ der Ort, wo es viel Klappertopf (Pflanze) hat ’ . Chlei - Chlii Chlei(n) und Chlii(n) sind zwei Varianten des Adjektivs, das zu schwdt., wdt. chlei, chlii, chlein (Lötschtal) ‘ klein ’ , substantiviert Chleini f. ‘ Kleinheit ’ (I D 3, 654; I D . 3, 653 f; G RICHTING 1998, 50) zu stellen ist; zum Nebeneinander der Formen klîn und klein siehe H OTZENKÖCHERLE (1963). In hochdeutsch geschriebenen Namen ist klein üblich. Das auslautende -n erscheint in flektierten Formen wie t Chleinu Fett ‘ die kleinen Grasbänder ’ (Saas-Almagell). Flurnamen mit Chlei - Chlii kommen in rund 170 Namen vor. Praktisch alle Belege sind adjektivische Attribute, nur sehr selten wird das Adjektiv in ein Kompositum integriert wie in Kleinstockji ‘ der kleine Stock ’ (1853, Grächen). Von der Bedeutung her sind zu unterscheiden: relativ zur üblichen Grösse kleine Gebiete (häufig mit einem Diminutiv des Bezugsnomens, wie in ts Chlei Bielti ‘ der kleine Hügel ’ (Naters)) oder im Gegensatz zu einem grossen (oder näher nicht spezifizierten) Bezugsgebiet oder häufig Bezugsgipfel (z. B. ts Chlei Matterhoore ‘ das Kleine Matterhorn ’ relativ zum Matterhoore ‘ das Matterhorn ’ (beide Zermatt)). Ein einziges Mal erscheint die substantivierte Form Chleini in t Chummuchleini (Zermatt), wobei die LK Chummenchlene hat, die SK dagegen Kummen-Kleine ‘ das kleine Gebiet bei der (Tuffter-)Chummu (Geländeeinbuchtung) ’ (Zermatt). Zur Schreibweise ist zu beachten, dass die Namen höherer Gipfel auf der LK hochdeutsch geschrieben sind; SK verhochdeutscht Namen in sehr vielen Fällen, sodass auf beiden Karten Klein bei Gipfelnamen verwendet wird. Chlempa Chlempa f. ‘ Klemme, Klammer ’ ist zu schwdt. Chlempe n f. ‘ Klammer ’ (I D . 3, 647) und wdt. Chlempa, Chlempu (Saastal), Chlämpu f. ‘ Klemme, Engpass, Abstellraum ’ (G RICH- TING 1998, 50) zu stellen, hier in der Bedeutung ‘ Engpass, enge Stelle im Gelände ’ . Das Lemma enthält ein / e/ der Hauptsilbe im Bezirk Brig und in Eisten, ein / ä/ in den Bezirken Visp und Leuk. Das Simplex kommt als Singular t Chlempa (Simplon, Mund) und als t Chlämpu (Oberems) vor. Ein Simplex im Plural ist als t Kchlämpe (Feschel) und im Obliquus als uf de Chlämpu und unner de Chlämpu (beide Saas-Almagell) belegt. In den anderen Belegen ist das HL Bestimmungswort zu den Grundwörtern Blatta, Loch, Matta und Schleif. Chlepfi Chlepfi ist zu schwdt. Chlepfi, Chlepfe n , Chlöpfe n ‘ blasiges Leimkraut ’ , Name von Pflanzen bzw. der knallenden oder zum Knallen und Klatschen verwendeten Teile derselben (I D . 3, 679; I D . 3, 678; M ARZELL 4, 315 ff. s. v. SILENE VULGARIS ) 353 354 Chlepfi <?page no="242"?> zu stellen. Der Pflanzenname findet sich nur einmal als Bestimmungswort in Chlepfihaalta ‘ Halde mit Leimkraut ’ (Naters); er ist u. a. bei A LBERT B ELLWALD (1956, 84) für das Lötschental, S TEBLER (1927, 69 als Chlepfjeni) für Törbel und B IELANDER (1948 [1985], 100 als Chlepfer) für Lax erwähnt. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 656) weisen S ILENE VULGARIS für die ganze Schweiz nach. Chlofu Zum Chlofu (Leukerbad) ist zu schwdt. Chlobe n , wdt. Chlofe n m. hier in der Bedeutung ‘ Holzpflock ’ , mhd. klobe ‘ gespaltenes Holzstück zum Klemmen, Festhalten; Türriegel ’ (I D . 3, 617 ff., bes. 619; G RICHTING 1998, 50) zu stellen. Laut Gwp. befindet sich hier ein Holzpflock im Felsen. R. G RICHTING (1993, Blatt 8, Nr. 17) kennt es als Chlofu. Das Lemma ist nur einmal belegt. Chloos Chloos ist in Chlosi (Naters) und damit gebildeten Namen, in Kloosmatte (Glis) sowie in Chlosnere (Grengiols) vertreten. Für die Deutung bieten sich zwei Lemmata an: zum einen Chloos ‘ Klumpen ’ (G R W B 11, 1244 ff. s. v. Klosz), das bei I D . 3, 698 nur in spezifischeren Bedeutungen verzeichnet ist, zum anderen Chl ū s, (I D . 3, 699), wo Chl ō s für eine Klause verzeichnet ist (zum Nebeneinander der Formen siehe S ONDEREGGER 1958, 140 f., der deutlich macht, dass Formen mit -okirchlich bedingt sind, was in unserem Kontext eher unwahrscheinlich ist; das zugehörige Wort wäre Chlooschter ‘ Kloster ’ ). Chlosi in Naters könnte als ‘ kleiner Felsklumpen ’ verstanden werden. Als Bestimmungswort tritt es auch in Chloosibach ‘ der Bach, der am Chlosi vorbei nach Naters fliesst ’ , Chlosichi ‘ die Schlucht beim Chlosi ’ und bim Chlosischiirli ‘ bei der kleinen Scheuer im Chlosi ’ (beide Naters) auf. In Glis ist t Kloosmatte ‘ die Wiesen in der Form eines Chloos (Klumpen, Klotz) ’ belegt, ohne sichere Zuordnung. Ze Chlosnere (Grengiols) ist als Plural zu verstehen ‘ bei den Leuten im Chloos (Klumpen? ) ’ . Eine vergleichbare Form bei S ONDEREGGER (1958, 142) wird zu einem Chlos, verstanden als Frauenkloster, gestellt, was für Grengiols nicht zutrifft. Die Form wird hier als Dativ Plural einer / - ER / -Ableitung (hier wohl Herkunftsname) verstanden. Chloschter Chloschter ist zu schwdt., wdt. Chl ō ster n. ‘ Kloster ’ (I D . 3, 700; G RICHTING 1998, 50) zu stellen. Das Simplex ist in Fiesch und Brig belegt; in beiden Fällen geht es dabei um ein Frauenkloster. Das Diminutiv Chloschterli ist sieben Mal belegt; allerdings bezeichnen die Belege aus Gampel und Steg den gleichen Ort (I NDERMITTE 1980, 95, der den Flurnamen auf Klus zurückführt). Nur einmal gibt es einen Zusammenhang mit der Kirche des Ortes (Saas- Grund), sonst scheint es sich um eine metaphorische Bezeichnung zu handeln, die wohl ein Merkmal eines kleinen Klosters (Abgeschiedenheit, Eingegrenztheit? ) herausgreift; in keinem Fall dieses Diminutivs ist ein direkter Zusammenhang mit einem Kloster belegt. Besitztum der beiden genannten Klöster liegt in Chloschtermatte ‘ Wiesen des Klosters ’ (Fiesch, Brig) vor, ebenfalls in Klosterschür ‘ Scheuer des Klosters ’ (Fiesch). Chlüüs Chlüüs ist zu schwdt. Chl ū s, Chl ō s f. ‘ Einsiedelei; Engpass, Schlucht, Bergluke, Runse eines Bergbaches; grosse Schleuse in einer Schlucht, wo der Abfluss des Wassers so lange versperrt wird, bis der Durchbruch stark genug ist, eine Menge aufbewahrten Holzes mitzureissen; Klause ’ (I D . 3, 699), mhd. kl ū se, kl ū s, kl ō se ‘ Felsspalte, Felskluft, Engpass; Schleuse zur Aufstauung eines Gebirgbachs für die Holzflössung ’ (L EXER 1986, 111) zu stellen. Das Lemma ist vom lat. * CLAUSU ‘ abgeschlossen ’ abzuleiten, das entweder ein eingezäuntes Stück Land (frz. clos), eine Klause (eines Einsiedlers z. B.) oder eine Felsenenge oder Schlucht meinen kann. Im Einzelfall ist nicht klar, ob Chlüüs als schon früh ins Deutsche entlehnte Form zu verstehen ist (das vor allem in den oberen Bezirken), oder als direkte Übernahme aus dem Frpr. (im westlichen Bezirk Leuk). Sofern das / s/ ausgesprochen wird, ist das Lemma hier zu Chlüüs gestellt, sonst zum HL G LÜÜ . Die Belege zu Chloosi (Naters) sind unsicher und werden zum HL C HLOOS gestellt, desgleichen Chlosnere (Grengiols), obwohl I D . die Form mit / o/ ebenfalls kennt (siehe dazu S ONDEREGGER 1958, 140 ff.). Das Lemma ist als Simplex belegt in t Klüüs ‘ die Klus ’ (Albinen), wobei vermutlich ein eingezäuntes Stück Land gemeint ist, wenn die zugehörigen historischen Belege richtig zugeordnet sind, dann in Cluss (1511, Glis), wo von einer domuncula die Rede ist, also wohl von einem kleinen Raum, einer Klause also, und in t Chluise ‘ die Felsenengen ’ (Simplon). Ein romanischer Diminutiv ist in ÿ Clusettes (1654, Albinen) erhalten, 1622 als eÿ Kluselet, beide wohl ursprünglich frpr. für ‘ das kleine eingezäunte Gut ’ . In Simplon gibt es die adjektivischen Bildungen t Obru Chluise und t Undru Chluise (beide im Umfeld von t Chluise) und dazu mit dem Bestimmungswort Chluise Chluisbiel, die Klussfl ů (1570, Simplon), t Kluismatte, Klu ᵕ stschu ᵕ ggen (1643, Simplon). Die erweitere Form t Chluisbieleri ‘ die Wasserleite vom / zum Hügel bei den Klusen ’ (Simplon) weist eine Ableitung auf / - ERI / für Wasserleiten auf. J ORDAN (2006, 178 ff.) kennt neben Chluisä auch Obri Chluisä, Franzjisch Chluisä, Tunosch Chluisä, Chluisunegg, Chluisuçheer, Groossi Chluisä, Chlofu 355 356 <?page no="243"?> Chluisuntola, Chluisbodu, Chlusbièl, Chluisä hinnuní, Chluisuchi und Undri Chluisä (alle Simplon-Dorf). Wohl zum FaN Kluser ist Chluisärmat (J ORDAN 2006, 329) zu stellen. Auch im Lötschental hat das Lemma den Diphthong / ui/ : dr Chluisbiäl (Kippel), t Chluissteina (Blatten), die auch als Chluichsteina belegt sind (vermutlich mit einer Dissimilation des / s/ vor / š / ). Weiter ist Chlüüs Bestimmungswort in Klüüsbodu (Albinen) und der Klüüsgrabe (Gluringen). Einen Genitiv Plural weist in Klúsero Boden (1746, Simplon) auf, dem entweder der FaN Kluser (AWWB 141, für Simplon belegt) oder der Herkunftsname ‘ die Leute von der Klus ’ zu Grunde liegt; vgl. auch Chluisärmat (J ORDAN 2006, 329). Unklar ist der Beleg auf der Inneren Klusinen Höhe (1769, Leuk), wo vermutlich ‘ die Höhe bei den inneren kleinen Klusen (wohl eingezäunte Stücke Land) ’ gemeint ist. Klusinen dürfte ein Genitiv Plural zum Diminutiv Klusi sein, kaum ein Adjektiv klusi(n) ‘ zur Klus gehörig ’ . Chnebel Chnebel ist zu schwdt., wdt. Chnebl, Chnebäl (Goms), Chnäbil (Leuker Berge), Chnebil m. ‘ derbes Stück Holz; Sparren, Knüppel, Bengel von mittlerer Grösse, kleiner als Prügel; allg. Rundholz ’ , mhd. knebel (I D . 3, 713 ff.; G RICHTING 1998, 51) zu stellen. Es kommt nur als Bestimmungswort vor, je zweimal mit Brigga und Falla. Beide Male werden Knebelhölzer zum Bau verwendet; bei der Falle für die Gemsen, die sich zwischen den Knebeln (Rundhölzern) verfangen (die Jagd mittels solchen Fallen ist heue verboten), bei der Brücke für den Brückenboden. Chnew Chnew ‘ Knie ’ ist nur in t Chnewbrächjini ‘ die kleinen Knie-Brecher, steiler Abstieg ’ (Mund) belegt. Es ist zu schwdt., wdt. Chneww, Chnei (Leuker Berge), Chneiw n. ‘ Knie; knieförmige Ein- und Ausbiegung eines Weges, einer geknickten Gerte usw ’ , Chnüw-Brëche n ‘ Bezeichnung steiler, schlechter Bergstrassen oder -pfade, meist nur noch als Lokalname ’ (I D . 3, 774 f.; I D . 5, 315; G RICHTING 1998, 51; cf. auch HL B EI ) zu stellen. Geläufiger ist Beibrächi. Chnollu Chnollu kommt zweimal vor: einmal im Diminutiv beym Knoli ‘ beim kleinen Erdknollen ’ (1814, Zwischbergen) und einmal im Plural des Diminutivs t Chnollini ‘ die kleinen Erdknollen ’ (Steg). Beide sind zu schwdt. Chnolle n , Pl. unverändert oder sonst meist Chnölle n m. ‘ Knollen, Klumpen; Erdklumpen, Scholle ’ und wdt. Chnolle, Chnollä (Goms), Chnolla (Mattertal), Chnolln (Lötschtal), Chnollu ‘ Knolle ’ (I D . 3, 740; G RICHTING 1998, 51) zu stellen. (Vgl. aber HL K NOU ). Chnopf Chnopf ‘ Knopf ’ ist zu schwdt. Chnopf, Pl. mit Umlaut, m. ‘ rundliche Anschwellung, Hervorragung am Ende, bes. an der Spitze eines Gegenstandes ’ und wdt. Chnopf ‘ Knopf, Knospe, Knoten, Schlaufe ’ (I D . 3, 746 ff.; G RICH- TING 1998, 51) zu stellen. Die genaue Bedeutung ist unklar; SZNB (3, 216) sagt; „ In Namen steht Chnopf für eine rundliche, hervorragende Geländeform, aber auch für etwas Kleines “ . Das Lemma kommt zweimal als Simplex Chnopf ‘ Knopf ’ (Raron, Baltschieder) vor. Hier bezeichnet es eine hochgelegene Weide, also eher etwas Flaches, Kleines. Die Ableitung Chnopfil (so nicht in I D . und G RICHTING belegt) in Chnopfilwang ‘ zugeknöpfter Grasabhang ’ (Ergisch) meint dagegen etwas Zugeknöpftes, Abgeschlossenes. Chnubel Chnubel ist zu schwdt., wdt. Chnubl, Chnubäl (Goms), Chnubul (Vispertäler), Chnubol (Schattenberge), Chnibl ‘ Lötschtal ’ , Chnubil m. in FlN ‘ kleinere, auf flachem Grund sich erhebende, oben schön abgerundete Bodenerhebung mit etwas rauhen, steilen, aber doch bebauten oder rasenbewachsenen Abhängen, Hügel ’ , mhd. knübel (Nebenform knubel) ‘ Fingerknöchel ’ (I D . 3, 717 ff; Z INSLI 1946, 39; G RICHTING 1998, 51) zu stellen. Das Simplex kommt nur im Plural Chnubla ‘ das hügelige Gebiet ’ vor. Mit einem vorangestellten Genitiv ist ts Trinisch Chnubul ‘ der Hügel des Triini (Katharina) ’ (Simplon) (bei J ORDAN (2006, 87 als Triinichnub u l) belegt, mit einem Attribut der Gammpischer Chnubul ‘ der Hügel im Gebiet Gampisch ’ (Simplon), bei J ORDAN (2006, 35) als Gampischärhub u l belegt. In den meisten Fällen jedoch ist Chnubel Grundwort eines Kompositums, das zumeist die Lage des (kleinen) Hügels angibt, z. B. Jegichnubel ‘ der Hügel in der Jegi (Jagdgebiet) ’ (Niedergesteln, Blatten), oder Tiere benennt wie Hüenerchnubel ‘ Hügel, bei dem es viele Schneehühner hat ’ (Zermatt) oder Parniisuchnubil ‘ Hügel, wo es viele Rebhühner (Parniisu) hat ’ (Hohtenn). Als Bestimmungswort findet sich Chnubel vier Mal; es ist damit hügeliges Gebiet gemeint. Das jeweilige Grundwort ist Lische, Uowand, Wald und Wengi. Chol Chol ‘ Kohle ’ kommt in etwa hundert Fällen als Bestandteil von Namen vor, ist aber nie als Simplex belegt. Es ist zu schwdt. Chol(l) m., n. ‘ einzelnes Stück Kohle; die vom Kohlenbrenner gelieferte Kohle; brennender Kohlehaufen, Meiler des Köhlers ’ , als erster Teil von zusammen- 357 358 Chol <?page no="244"?> gesetzten ON meist mit Bezug auf Kohlbrennerei, die an den betreffenden Orten betrieben wurde; mhd. kol, schw. m., f., auch st. n.; Pl. koln, kölen, köler ‘ Kohle, Kohlehaufen ’ und wdt. Chola, Cholä (Goms), Choln (Lötschtal), Cholu ‘ Kohle ’ (I D . 3, 207 ff.; G RICHTING 1998, 52) zu stellen. Neben der Holzkohle wurde an einzelnen Orten zeitweise auch Steinkohle (Anthrazit) abgebaut, so etwa im Lötschental. In einzelnen Fällen kann auch die dunkle Farbe des Gesteins gemeint sein; die Ableitung Choller u. ä. kann auch als FaN (AWWB 142 s. v. Koller) verwendet werden. Lautlich gesehen hat Chol einen Kurzvokal und ein geminiertes / ll/ , das in Ableitungen zum Vorschein kommt; im unteren Goms mit seiner / l/ - Vokalisierung wird das Lexem deswegen als Chou ausgesprochen. Das Simplex Chola m. Varianten ist feminin. Der Umlaut zu / ö/ kommt nur einmal in einem unklaren Fall aus Saas-Fee vor (1762 köllen). Als Bestimmungswort kommt Chol vor allem im Typ Cholplatz ‘ Platz, an dem Kohle gebrannt wurde ’ vor; dieser Typ ist verbreitet in den oberen vier Bezirken Goms, Östlich-Raron, Brig und Visp; er fehlt ganz im Bezirk Leuk. Der Typ Cholgrüeba ‘ Grube, wo Kohle gewonnen / gebrannt wurde ’ findet sich in Oberwald, Obergesteln, Ulrichen und Blatten. Nur in Oberems findet sich ts Cholbrännerplatzji ‘ der kleine Platz des Kohlbrenners ’ . Andere Grundwörter sind die HLL Alpa, Bodu, Gartu, Matta, Miina, Schluocht und Statt. Als Adjektive erscheinen Ober und Unner Chouplatz (Ausserbinn), Reckiger Cholplatz (Ulrichen). Nur einmal wird ein Genitiv vorangestellt: ts Schüüliersch Chollplatz ‘ der Platz, an dem ein Mann namens Julier Kohle brannte ’ (Gampel). Eine Reihe von Ableitungen ergänzen das Bild: Choli n. ‘ der Ort, wo Kohle gewonnen / gebrannt wurde ’ (Leuk, Varen) ist als Simplex belegt; dazu kommen Cholibode (Leuk), Cholimatte (Bratsch), Cholitotz (Inden) und Choligrabu (Inden) - alle im Bezirk Leuk, wo sich auch das Ober Choli und das Unner Choli (beide Varen) befinden. Der Kolÿ Aker (1850, Mund) ist nur historisch belegt; ebenso die Koliwasserleiten (1781, Leuk). Eine zweite Ableitung ist uneindeutig: Chol(l)er kann sowohl den Köhler (I D . 3, 208) meinen, als auch einen Kohlplatz. Als Simplex ist Choler selten belegt: im Cholär (Dorfteil von Blatten), hingegen erscheint es als Bestimmungswort mit den Grundwörtern Bodu, Grabu, Hooru, Joch, Legi, Schleif, Stüde, Tschugge und Wald. Im Einzelnen ist hier nicht immer klar, was genau gemeint ist: auch die FaN Koller, Kohler, Coller, Coler (AWWB 142) kommen in Frage. Ziemlich sicher ist der FaN in Choligu Gadu ‘ der Gaden der Familie Kohler / der Leute des Köhlers ’ (Eggerberg) gemeint. Ableitungen, die für die Köhlerei (als Ort, wo Kohle gebrannt wurde) verwendet werden, sind die Typen Chol(e)ra, Chollerna und Choleri (resp. Choueri im unteren Goms). Choor Choor ‘ Chor ’ n. ist zu schwdt. Chor n. ‘ der erhöhte Teil des Schiffes im Vordergrund einer Kirche ’ (I D . 3, 444 f.; G RICHTING 1998, 52) zu stellen, als FlN übertragen auf die Geländeform. Das Simplex ts Choor kommt in Eisten vor; die andern Belege enthalten Choor (zwei mit gekürztem Vokal, sog. Brandstettersches Gesetz) als Bestimmungswort: t Chorsteine (Ulrichen) und t Choorblatte (Eisten). Unklar ist ts Chorwalji (Obergesteln) ‘ der kleine Wald in Chor-Form ’ ; hier hat die FLNK Chorewalli ‘ Kornwäldchen ’ ; daneben liegt der Cholplatz; es könnte sich also auch um ein verkanntes Cholwalji ‘ der kleine Wald beim Kohlplatz ’ handeln. Die Formen mit Kurzvokal liessen sich auch auf die Verben chore n ‘ sich mit Korn beschäftigen ’ (I D . 3, 475) oder chore n ‘ kosten, versuchen ’ (I D . 3, 476) zurückführen, doch ist wohl keiner der Belege dadurch motiviert; allerdings kann auch der Bezug zu Choor ‘ Chor ’ volksetymologisch begründet sein; kaum gemeint ist ein Gesangsverein. Choorb Choorb ‘ Korb ’ ist zu schwdt. Chorb, wdt. Choorb m. ‘ Korb ’ zu stellen, in FlN auf Geländeform übertragen: entweder muldenartige Vertiefung oder Bodenerhebung mit dem Aussehen eines Korbes bzw. eines umgestürzten Korbes (I D . 3,451 f.; BENB 2, 494; G RICHTING 1998, 52). Als Grundwort kommt einmal der Plural in Spis-Cherb ‘ die spitzen Körbe ’ (Erschmatt) vor. Als Bestimmungswort ist belegt der Choorbacher ‘ der Acker in der korbartigen Mulde ’ (Mund) (cf. HL G OORB ). Choore Choore ist zu wdt. Choore, schwdt. Chorn ‘ Korn, Getreide ’ , mhd. korn (I D 3, 469ff.; G RICHTING 1998, 52) zu stellen. Als Grundwort ist es nur in Widum Koren (historisch in Visperterminen) vertreten; der Beleg ist unklar, da das Widemkorn ‘ Getreide als kirchliche Abgabe ’ meint; als Flurname könnte wohl ein Acker gemeint sein, dessen Ertrag als kirchliche Abgabe verwendet wurde. In den andern Belegen ist Choore Bestimmungswort zu Bärg, Chi, Derri (Ort, wo Korn gedörrt wird), Fet und Wäg. Ausser bei Derri ist die Motivation wohl die, dass bei diesem Gebiet Korn angebaut wurde. Chopf Chopf ‘ Kopf ’ ist zu schwdt., wdt. Chopf, Pl. Chöpf, Chepf m. ‘ Kopf; Felsstück, grosser Stein, Felsvorsprung, Hügel, Bergspitze; das eine der beiden Enden einer Sache ’ (I D . 3, 408 ff.; G RICHTING 1998, 52) zu stellen. Das Simplex kommt Choor 359 360 <?page no="245"?> nur im Plural t Chepf ‘ Köpfe ’ (Binn, Blatten, Mühlebach) vor und wird metaphorisch verwendet; es meint entweder mehrere Felsgipfel (Binn, Mühlebach) oder kopfartige Steingebilde (Blatten). Als Grundwort ist es im Singular vertreten als der Feechopf (zu Saas-Fee gehörig; Täsch, Saas-Fee), mit Fels als der Felschopf ‘ der Fels in Kopfform ’ (Simplon) (J ORDAN 2006, 315 hat den Namen als Fels-Chopf und stellt ihn zu Simplon-Dorf), als der Gamserchopf ‘ Gipfel oberhalb des Gamsagletschers ’ (Eisten, Visperterminen) und mit dem Kompositum der Schwarzbärgchopf ‘ der Felskopf oberhalb der Schwarzbergalp ’ (Saas-Almagell). Der Plural in Turbechepf (LT, FLNK Binn) meint die gleichen Spitzen wie das Simplex Chepf (Binn). Unklar bleibt die Bubichopfgalerie (Steg), eine Tunnelgalerie der Lötschbergbahn, die vermutlich nach der Bubikopf-Mode benannt wurde. Chorrli Chorrli n.; ts Chorrli ist laut Gwp. eine Alpweide in Richene (Bellwald); Richene befindet sich jedoch deutlich südöstlicher laut dem Beleg Richenen (Bellwald, LT). Der Flurname passt hierzu nicht, hingegen würde t Geislamma ‘ das Felstobel für die Ziegen ’ hierzu gehören. Am nächstliegenden ist Chorn (I D . 3, 470) ‘ Korn ’ , das aber sonst im Oberwallis als Chirrli (Leuker Berge), Chirrlin (Lötschtal) (G RICHTING 1998, 49) mit Umlaut zu einem / ü/ und später entrundet erscheint; beide Bedingungen sind hier nicht erfüllt. Die Höhenlage (ca. 2100 m. ü. M.) macht im Übrigen Getreideanbau schwer möglich. Ein Diminutiv zu Choor (cf. HL C HOOR ) ist auch möglich; allerdings wäre dann die Kürze unerklärt. Deswegen ist die Deutung sehr unsicher. Chosa Chosa ist nur in Inden 1549 als eys chosa oder chosa belegt. Das Dokument sagt, dass hier Häuser (in casalibus ‘ bei den Häusern ’ ) waren, die so geheissen haben. Das Nomen ist zu chésal ‘ parcelle de terrain sur laquelle est construite une maison ’ (G PSR 3, 517ss.; FEW 2, 454 f s. v. casalis zum hof gehörig) zu stellen; wie G PSR zeigt, sind Formen wie chosaulx belegt. Die Deutung ist ‘ bei den Häusern ’ . Choscht Choscht ist nur belegt in Choschtchi ‘ Kinn (Schlucht) mit Thymian ’ (Stalden). Ob das zu schwdt. Choscht m. ‘ Feldthymian ’ , Pflanzennamen, mhd. koste aus mlat. COSTUS , das für verschiedene aromatisch riechende Kräuter gebraucht wurde (I D . 3, 545 f; M ARZELL 4,699 ff.) gestellt werden kann, bleibt offen, da I D . keinen Beleg aus dem Wallis erwähnt; auch die Literatur zu den Pflanzennamen des Oberwallis kennt den Ausdruck nicht. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 846 ff.) zählen mehrere Formen von T HYMUS auf, die teilweise schweizweit verbreitet sind, sodass der Name auch für das Wallis als möglich erscheint. Chotz Chotz kommt zweimal als Bestimmungswort in Chotzbodu (Salgesch, Varen) vor. R ÜBEL (1950, 99) kennt Kotz für ‘ geringes Schaf mit struppiger Wolle ’ und in der Fussnote 7 chotswolla für ‘ minderwertige Wolle ’ . Er sieht darin S. 100 einen Beleg für das ahd. choz, chozzo, chozza für ‘ grobes, zottiges Wollenzeug ’ (siehe dazu I D . 15, 1377 Chotzwolle). Der Chotzbodu könnte dann einfach ein schlechter Boden sein. Für Salgesch hat M ATHIER (2015, 111) den Vogelnamen Chutz ‘ Kauz ’ vorgeschlagen, was jedoch aus lautlichen Gründen nicht geht (vgl. wdt. Chüzz nach G RICHTING 1998, 55); inzwischen akzeptiert der Autor (p. c.) die Rückführung auf das ahd. Wort. Chöüf Chöüf ‘ Kauf ’ ist zu schwdt. Chauf m. ‘ Kaufgeschäft; Absatz; Kaufmannsware; Kaufpreis ’ (I D . 3, 164; G RICHTING 1998, 52) zu stellen, als FlN Grundstück, das gekauft oder verkauft wurde (BENB 1, 1, 496 f.), etwa im Unterschied zum Lee ‘ Lehen ’ oder zum Erb ‘ Erbe ’ . Das Simplex Chöüf / Choif meint einerseits einen Platz in Visp (auch Chöüfplatz), anderseits ein ge- oder verkauftes Grundstück (Blatten, Kippel, Visperterminen). Als Bestimmungswort erscheint Chöüfvor allem im Typ Chöüfgüöt ‘ ge- oder verkauftes Gut ’ ; daneben gibt es auch Verbindungen mit Acher, Alpa und Matta. Vom Verb chöüfe n abgeleitet sind Partizipia wie Köüft, Kauftu und Kaufte ‘ Gekaufte ’ mit den Grundwörtern Aupa, Bodu, Eia und Güet. In einem Fall steht Im Kaufftu ‘ im Gekauften ’ (Greich) allein. Bei diesen Gütern handelt es sich wohl um gekaufte, nicht vererbte Güter. Chrääja Chrääja f. ‘ Krähe ’ ist zunächst zu schwd. Chräje(n) m., f. ‘ Krähe ’ (I D . 3, 803 ff.), wdt. Chrääja, Chreeja ‘ Krähe ’ (G RICHTING 1998, 52) zu stellen. Einige Formen deuten auf einen FaN Kräig, der als Kreig, Kraig und weiteren Varianten für das Goms (AWWB 142) und noch im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1020) für Ernen belegt ist. BENB (1, 2, 501) kennt Chräjige (Quartier von Muri (BE)) und führt es auf einen unbekannten germanischen PN mit dem kollektiven / - IG / -Suffix zurück. Der FaN wird hier aus lautlichen Gründen zum HL Chrääja ‘ Krähe ’ gestellt, auch wenn er vermutlich auf einen germ. PN zurückgeht. Das Simplex ist nur im Plural als t Krääje ‘ die Krähen ’ (FLNK, Ulrichen) und Chreje ‘ die Krähen ’ (FLNK, Stal- 361 362 Chrääja <?page no="246"?> denried) belegt. Das Namenmotiv ist dabei wohl, dass sich am Ort Krähen aufhalten. Bei den Komposita mit Chrääja im Bestimmungswort ist der Typ Chrääjubiel ‘ Krähenbühl, der Hügel mit Krähen ’ häufiger vertreten. In Ried-Brig gibt es dazu ein Namennest mit ts Chrääjubiel ‘ beim Krähenbühl ’ , der Chrääjubielwald und 1379 Chreianbuel Mata ‘ die Wiese beim Krähenbühl ’ . In Mund ist 1557 z Kra ᵉ ÿenbuell vertreten. Die Ableitung mit dem Kollektivsuffix / - IG / erscheint als Simplex im Plural Chrääjige ‘ das Gut der Familie Kräig ’ (Bellwald), davon abgeleitet ist der Chrääjigbach ‘ der Bach aus Chräjigen ’ (Bellwald). Einen vorangestellten Genitiv zeigt Chräjigsch Weid ‘ die Weide der Familie Kräig ’ (FLNK, Ernen). Bestimmungswörter in Komposita sind weiter vertreten in Chräjigbinna ‘ der Pflanzplatz der Familie Kräig ’ (FLNK, Lax) und Chräjigweid ‘ die Weide der Familie Kräig ’ (FLNK, Fiesch). Chraapf Chraapf ist zu schwdt. Chr ā pf (en) m. ‘ Haken, gekrümmter Gegenstand; was die Form eines schiefen Vierecks hat ’ in Übertragung auf Geländeform, oft Felszacken, mhd. krapfe, chrapfo (I D . 3, 842; BENB 2, 504) zu stellen. G RICHTING (1998, 52) kennt nur das Gebäck ‘ Krapfen ’ . Das Simplex Chraapfo (Naters) bezeichnet wohl einen Felszacken, dazu sind zu nehmen Chraapflischa und Chraapfschlüöcht, beide in unmittelbarer Nähe. Im Plural weist Zwischbergen Chraapfe ‘ Felszacken ’ auf (J ORDAN 2006, 260 kennt Chraapfä). Diminutiv im Singular ist zweimal Chraapfji (Ausserberg), einmal im Plural Chraapfini (Glis). Im Einzelfall ist jeweils schwierig zu entscheiden, was als Vergleichsgrösse gilt. Chrache Chrache ‘ Krachen ’ ist zu schwdt. Chrache n , wdt. Chrache, Chrachä (Goms), Chrachn (Lötschtal), Chrachu m. ‘ Felstobel, Schlucht, meist tief, eng, steil, schaurig; Abgrund ’ (I D . 3, 783 f.; G RICHTING 1998, 53) zu stellen. Z INSLI (1946, 328, s. v. Chrache(n)) unterscheidet drei Bedeutungen: 1) ‘ Felskluft, Schlucht ’ 2) ‘ Hang ’ und 3) ‘ abgelegener Ort ’ . Vor allem die Bedeutungen 1) und 2) sind im Oberwalliser Namenmaterial vertreten; es lässt sich auf Grund der verfügbaren Kenntnisse nicht immer entscheiden, welche Bedeutung vorliegt. Entsprechend sind die Umschreibungen in der Datenbank nicht immer gleich. Gemeinsam ist allen das Steile und Enge. Das Simplex Chrache m. ist selten im Singular, häufiger im Plural (Chrache) belegt; die Endungen variieren wie üblich im Singular: Chrache, Chracho, Chrachu, Chracha. Als Simplex kommt nur ein einziger Diminutiv (im Plural) vor: Chrachjini (Simplon). Adjektivische Konstruktionen mit Diminutiv sind ts Unner und ts Ober Chrachji (beide Binn), sowie ts Fiischter Chrächji ‘ der finstere kleine Krachen ’ (St. Niklaus). Nur einmal findet sich eine Genitivkonstruktion: ts Ännupierlisch Chrachu (Leukerbad), wobei unklar ist, auf welchen Namen der Genitiv zurückgeht. In Komposita tritt Chrache als Grundwort zusammen mit näheren Bestimmungen auf, die nahegelegene Orte bezeichnen wie Alpuchrachu (St. Niklaus), Tiernamen wie t Huwwuchrache ‘ die steilen Felshänge, wo Eulen / Uhu sind ’ (Ausserberg) und Geischrache ‘ die steilen Felshänge mit Ziegen ’ (Saas-Almagell) oder die Beschaffenheit wie Wasserchrache ‘ Steiler Wassergraben ’ (Blitzingen) - wohl ein Tobel, das Wasser führt. Andere Namen wie Paajichrachu ‘ Felshang des / der Paaji (Welsche? , Italiener? ) ’ geben Rätsel auf, genau so wie der Froibuchrachu ‘ Frauenkrachen ’ auf dem Gemmiweg (Leukerbad) (R. G RICHTING 1993, Blatt 8, Nr. 19 hat ebenfalls Froibuchrachu). Komplexere Bildungen sind etwa Dorftossuchrache ‘ Felstobel beim hervorstehenden Felsen über dem Dorf St. Niklaus ’ (St. Niklaus). Als Bestimmungswort tritt Chrache zusammen mit Bodo auf, meistens wohl die Nachbarschaft eines Boden zu einem Chrache, dann mit Grabu / Grabo (was als Verdoppelung erscheinen mag, ein Chrache ist ja auch ein Graben, aber eben nicht immer), mit Gassa, Loch, Runs, Schleif, Wald und Wäg. Ganz unklar ist die 1843 belegte Krachen=Mauer (ev. ‘ steiler Hang ’ ) (Steg). Chrampf Chrampf ist nur in Gluringen belegt, als Diminutiv Chrampfji, die FLNK hat den Plural Chrampfjini. Das zu Grunde liegende Nomen wäre Chrampf ‘ (Muskel-) Krampf ’ ; umgangssprachlich auch ‘ schwere Arbeit ’ (so G RICHTING (1998, 53 s. v. Chrampf ‘ Krampf, Arbeit (schwere) ’ ). Vielleicht besser zum Adj. ahd. chramph, mhd. krampf ‘ gekrümmt, schmal, eingezwängt ’ (I D . 3, 825; BENB 1, 2, 503) zu stellen. Das Adjektiv wäre dann substantiviert und diminuiert worden: ‘ das kleine, schmale Gebiet ’ . Der Kommentar der Gwp. aber deutet eher auf ‘ schwere Arbeit ’ . Chranz Chranz ‘ Kranz ’ ist zu schwdt. Chranz m. wie nhd. ‘ Kranz ’ und wdt. Chranz ‘ Kranz ’ zu stellen. In FlN bezeichnet es kranzförmig angeordnetes Gelände o. ä. (I D . 3, 837 ff.; G RICHTING 1998, 53). Fünf der belegten Namen haben mit dem Chranzbärg ‘ Berg in der Form eines Kranzes ’ (Fieschertal) zu tun, der vermutlich vom Gletscherforscher L OUIS A GASSIZ so benannt worden war (W ERLEN 2008, 591). Der Chranzbiel ‘ Hügel mit einem Kranz (von Wiesen) herum ’ (Simplon) wird auf Grund seiner Form Chraapf 363 364 <?page no="247"?> so benannt, gleich wie der Chränzliwald ‘ Wald, der die Form eines Kränzchens hat ’ (Bister). An den Rosenkranz, der zum Beten verwendet wird, erinnert der Rosuchranzacher ‘ der Acker, der wie ein Rosenkranz um einen Felsen herum liegt ’ (erwähnt bei den Waldachra) (Gampel)). Chratz Chratz ‘ Kratz ’ kommt als Simplex nicht vor; es wäre zu schwdt. Chratz m. ‘ Felsrinne ’ , evtl. auch ‘ enger Raum, Durchgang ’ zu stellen. Zwei Ableitungen sind je einmal belegt: Kratzara (1399, Glis) ist wie Chratzere f. ‘ Gelände mit vielen Einschnitten, z. B. Bachrunsen, enge Geländestelle ’ , / - ARIA / -Bildung zu Chratz (I D . 3, 928; BENB 2, 505 f.; LUNB 1,1,558 f.) zu betrachten. Chratzol n. ‘ Kratzel ’ (Mund) ist eine / - OL / -Ableitung zu Chratz; entspricht der / - EL / -Ableitung, die als Stellenbezeichnung verstanden wird (S ONDEREGGER 1958, 531): der Ort, wo es Gräben und Felsrisse hat. Chremänzil Chremänzil ist nur in der Chremäntsilbodu ‘ der Boden, der wie mit einer unnützen Verzierung (Kremenzil) versehen ist ’ (Gampel, auch FLNK) belegt. Es handelt sich um eine Flur auf rund 2000 m ü. M. Unter dem Stichwort Kramanzen (I D . 3, 817) sind auch die Formen Kremänzel und ähnlich vertreten. Die Bedeutungen sind: ‘ 1. überreiche, schnörkelhafte Verzierung … (auch in der Schrift, dann: ) Geschreibsel, Gekritzel; 2. m. Komplimente ’ : eine Herleitung wird nicht gegeben. G R W B kennt das Wort unter Kramanz (11, 1991 f.), aber ohne weitere Deutung. G RICHTING (1998, 123) hat ‘ Unnützes Flitterzeug ’ , aber nur für die Leuker Berge. Die Beschreibung bei Gampel scheint die Chrachen ringsherum als Chremänzil zu verstehen. Chrer Chrer ist nur 1628 in Bratsch im Beleg jn der Chrermatten belegt. Laut M. S. ist die Schreibung unsicher. Zu vermuten ist, dass hier Cheer gemeint ist, das üblicherweise im Zusammenhang mit Cheer ‘ Abfolge beim Wässerwasser ’ erwähnt ist. Gemeint ist wohl die Cheermatte ‘ die Wiese bei der Kehre ’ . Chreschärra Chreschärra f. ist nur in Ferden belegt: Chreschärra (FLNK), t Ober und t Under Chreschärra. Der einzige historische Beleg von 1822 hat in der Krescheren. Am nächstliegenden ist wohl eine / - ERRA / -Ableitung (S ONDER- EGGER 1958, 471 ff.; Stellen heissen so, wo das im Grundwort Erwähnte häufig vorkommt) zum Wort Chrös, auch Chrösch ‘ Gedärme, Fetteingeweide ’ , aber auch ‘ Halskrause, Busenkrause an einem Hemd ’ (I D . 3, 859) das als Krees ‘ Faltkranz (Trachtenhut) ’ (G RICHTING 1998, 123) belegt ist. Die Deutung wäre dann ‘ Ort, wo es viel Gekröse (von Tieren) hat ’ . Die Chreschärra ist heute ein Wiese am Abhang zum Stausee der Lonza bei Ferden. Chrieg Chrieg ‘ Krieg ’ ist zu schwdt. Chrieg m. ‘ Zwist, Streithandel; Prozess; Krieg ’ und wdt. Chrieg, Chriäg ‘ Krieg ’ zu stellen. In FlN deutet das Lemma oft auf einen Rechtsstreit hin (I D . 3, 793 ff.; G RICHTING 1998, 53). Es kommt nur als Bestimmungswort vor. Ein Namennest bildet dabei die Chriegalpa (Grengiols) oder Chriegaupa (Binn) mit dem Chriegalptal, dem Chriegalpwasser, dem Chriegalppass und dem Chriegalpstock (alle Binn und Grengiols, teilweise mit / l/ -Vokalisierung). Verbreitet ist ebenfalls die Kriegmatta ‘ die Wiese, um die es Streit gegeben hat (? ) ’ (Raron, Simplon, Törbel (hier ist der älteste Beleg von 1307 wohl verschrieben)). Unklar ist Kriegsbrunnu (Ried-Mörel); die Formen mit dem Genitivs legen einen PN oder FaN Krieg nahe. Ein FaN liegt wohl auch in Chriegersch Trog ‘ der (Brunnen-)Trog der Familie Krieger ’ (Zwischbergen) und Kriegischiir ‘ die Scheuer der Familie Krieger ’ (Simplon) vor. Die FaN Krieg, Krieger sind allerdings für das Wallis nicht belegt (so im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1028 f.), sodass sie nicht gesondert aufgeführt werden. HRBS bringt in Bd. 2, S. 15 f. zweimal Kriegsman, wobei unklar ist, ob es sich hier um einen FaN handelt oder um eine allgemeine Bezeichnung. Chriesa Chriesa ‘ Kirsche ’ ist zu wdt. Chriesa, Chriäsä, Chriesu, Chriäsa, schwdt. Chirs n , Chirsche n , Chriese n f., Chirsi, Chirschi, Chriesi, n. ‘ Kirsche ’ , mhd. kërse, kirse, aus lat. CERASUM ‘ Kirsche ’ > Chirsi u. ä. bzw. mlat. * CER Ē SIA > oberrheinisch kr ē sia mit Diphthongierung des ē zu ie Chriesi u. ä.(I D . 3, 478 ff.; BENB 2, 461 ff.; G RICHTING 1998, 53) zu stellen. Als Simplex kommt das Lemma nur einmal vor: Chriäscha (Kippel); das inlautende / sch/ gibt dabei Rätsel auf. Sonst kommt das Lemma nur als Bestimmungswort vor, am häufigsten zusammen mit Böum ‘ Baum ’ . Gemeint sein können sowohl wilde Kirschbäume als auch solche mit essbaren Früchten. Weitere Grundwörter sind Brungi ‘ kleiner Brunnen ’ (Greich), mehrmals Acher und Matta; einmal Ägerta (Bellwald). Wohl nur metaphorisch ist Chrieshore ‘ Horn, das wie eine Kirsche aussieht ’ (Bister) zu verstehen. Komplexere Formen sind etwa beim höchen Kriesbaum (Bellwald), Chriäsböümachra (Hohtenn) und in dem Krieschmatten Strichji (Eischoll). 365 366 Chriesa <?page no="248"?> Chriida Chriida ‘ Kreide ’ ist zu schwdt. Chr ī de n , Chride n , wdt. Chriida, Chriidä (Goms), Chriidu f. wie nhd. ‘ Kreide ’ , in FlN entweder kreidenartiger Grund oder mit Bezug auf die weisse Farbe (I D . 3, 787; URNB 1, 876; G RICHTING 1998. 53) zu stellen. Das Lemma kommt nur als Bestimmungswort oder mit Ableitung vor. Als Bestimmungswort ist es mit den Grundwörtern Bärg, Flüe, Hubil, Matta, Tünnel und Wäg verbunden. Die Belege aus Glis (Chriiduflüo, Chriidumatta, Chriiduwäg und wohl auch das historische Chriidutschuggo) bilden ein Namennest. Die zwei Belege Chriiderna ‘ Ort, wo es Kreide hat ’ (Visperterminen) sind Ableitungen auf / - ERNA / als kollektive Stellenbezeichnungen. Chrinna - Chrinnu Chrinna - Chrinnu ist zu schwdt. Chrinne(n) f. ‘ kleine, längliche Vertiefung, Einschnitt, Kerbe, Rinne; natürliche Vertiefung im Boden, Einsattelung zwischen Bergen ’ , spätmhd. krinne ‘ Einschnitt, Kerbe, Rinne ’ (I D . 3, 827; Z INSLI 1945, 92; S ONDEREGGER 1958, 81 f.; BENB 2, 509 f.; URNB 2, 473; LUNB 1, 1, 564 f.) zu stellen. Das Simplex tritt im Singular (Chrinna - Chrinnu) und im Plural (Chrinne) auf; im Einzelfall ist nicht zu entscheiden, ob es sich um eine Rinne, eine Einsattlung oder einen Einschnitt handelt. Als Grundwort in Komposita ist Chrinna - Chrinnu nicht belegt. Als Bestimmungswort kommt es mit Biel, Blattu, Licka vor. In Blatten (Lötschental) hat das Lemma ein inlautendes / -nd-/ . Die Alp Chrindällun (Blatten) ist Zentrum eines Namennestes mit Blatta, Lägi, Spitza, Licka. Zu Grunde liegt wohl die Ableitung Chrinnel (I D . 3, 827) ‘ Ritze, Spalte ’ . Das / -nd-/ erklärt sich entweder aus einer hyperkorrekten Form (Chrinnel < Chrindel wie Anner < Ander ‘ ander- ’ ) oder aus dem Sprosskonsonanten / d/ vor / l/ . Für eine Hyperkorrektion spricht der Beleg ts Ruppu Chrindu ‘ der enge Felsdurchgang der Familie Ruppen ’ (Blatten). Nicht ganz klar ist die Grundform bei mehreren historischen Belegen, die eine Wasserfuhr in Grächen als Krinnolla und Krynnellon benennen; es handelt sich um Ableitungen zu Chrinna (Grächen), an der die Wasserfuhr vorbeiführt. Der historisch älteste Beleg Krynarrola (1388, Grächen) verbindet wohl eine / - ARRO / (heute: / - ERRA / ) und eine / - LA / -Ableitung. Chris Chris ‘ Reisig ’ ist zu schwdt. Chris, Chr ī s, wdt. Chriss, Chriis n. ‘ Reisig, bes. von Tannen, mit und ohne Nadeln ’ , ahd. hr ī s, mhd. r ī s ‘ Reis, Zweig, Rute; Reisig, Gebüsch ’ (I D . 3, 853 f.; G RICHTING 1998, 54) zu stellen. Das Lemma kommt nur als Bestimmungswort vor, zusammen mit den Grundwörtern Gadu, Hüs, Stadel und Wichel. I D . (2, 1782) kennt eine Krishütte ‘ Reisighütte ’ - also eine Hütte aus Reisig, was bei t Krisgädini ‘ die kleinen Gaden (Ställe) (Gebäude) mit Chris (Reisig) ’ (Eisten), zem Krisshuss ‘ beim Haus aus / mit Chris (Reisig) ’ (1457, Eischoll) und Kristadelbode ‘ der Boden beim Reisig-Stadel ’ (Grengiols, auch FLNK) ebenfalls vorliegen mag. Als Adjektivableitung kommt der Chrissig Rigg ‘ der Rücken, der voll von Chris (Reisig) ist ’ (Ulrichen) vor. Seltsam ist ein Partizip zer Chrissundu Blattu ‘ zu der mit Reisig bedeckten Felsplatte ’ (Saas-Almagell), wohl zu einem sonst nicht belegten Verb chrissu n ‘ mit Reisig bedeckt sein ’ . Chrischpel Chrischpel ist nur einmal in dr Chrischpelbach (Blatten) belegt. Die Gwp. führt es auf <chreschen> zurück als Kresse, die in diesem Bach wächst, ist aber nicht sicher. In I D . (3, 852) ist Chresse n ‘ Brunnenkresse ’ belegt, aber keine Form mit / i/ . Hingegen hat M ARZELL (2, 1250) ältere Namen mit / i/ wie krisso, crisso für ‘ Kresse ’ . M ARZELL (1, 959) erwähnt zwar Krispel für C HRYSANTHEMUM INDICUM (dt. Wunderblume) zu lat. CRISPULA ‘ Halskrause ’ , denkt aber, dass dieser Name eher für C APSELLA BURSA (dt. Hirtentäschchen) gelte (letzteres ist in L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 518 als Gemeines Hirtentäschel erfasst; die unter C HRYSANTHEMUM belegten Namen sind dort (S. 1100 ff.) unter L EUCANTHEMUM als Margeriten benannt und deswegen nicht vergleichbar). M ARZELL (1, 788f) erwähnt als alten Namen u. a. crispula und sp. 797 führt er unter den Entlehnungen u. a. crispele, crispil(e), crispel, crispelkraut zu lat. CRISPULA an. Da das Etymon in I D . nicht erscheint und da die Gwp. mit <chreschen> ganz offensichtlich die Endung von Chrischpel nicht erfasst, handelt es sich vermutlich um einen alten Pflanzennamen Chrischpel. Tatsächlich ist Krispel als Substantiv in G R W B (11, 2333 f.) als Name von Kräutern erwähnt. Crispula ist im Übrigen eine nominalisierte Feminin-Form zu einem nur spärlich belegten Adjektiv crispulus ‘ kraus ’ , das normalerweise nur als cr ĭ spus ‘ kraus ’ (FEW 2, 1346 ff.) erscheint. Christian (PN) Chrischti (PN) ‘ Christian ’ und vergleichbare Formen sind zum PN Christian (D UDEN TB 4, 53) mit Kurzformen wie schwdt. Christi, Chrischti (I D . 3, 868) zu stellen; der PN Christoph ist nur für den Kanton Luzern belegt. Überwiegend ist der Name im Genitiv (stark oder schwach) einem Grundwort vorangestellt, wie in ts Chrischtisch Stadel ‘ der Stadel des Christian ’ (Greich), ts Chrischtisch Wägji ‘ der kleine Weg des Christian ’ (Eisten) und bin ts Chrischtenägsch Hüs ‘ beim Haus des Christian Eggs ’ (Ritzingen). Nur in t Chrischtiweid ‘ des Christian Weide ’ (Albinen) scheint ein Kompositum vorzuliegen mit Chrischti als Bestimmungswort. Christig FaN ist u. a. in Chriida 367 368 <?page no="249"?> Naters belegt (/ - IG / -Ableitung zu Christian), tritt in dieser Form aber in den Flurnamen nicht auf. Im Fall von beÿ Christen Andres Scherentach ‘ beim Schutzdach von Christian Andres ’ (Zeneggen) ist unklar, ob einer der beiden PN ein Familiennamen ist, oder ob beide Rufnamen sind. Die Ableitung der Chrischtner ‘ das Gelände des Christian / der Familie Christener ’ (Mund) dürfte eine Stellenbezeichnung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 531) sein. Christophorus (PN) Der PN Christophorus (D UDEN TB 4, 54; I D . 3, 869) ist nur einmal vertreten in ts Krischtofoorushuis (Simplon). Das Haus ist ein Ferienhaus und besitzt aussen ein Wandbild des Heiligen Christophorus, der u. a. als Patron der Reisenden gilt. Dank an E. G EROLD -W ERLEN und R. A RNOLD für ihre Auskunft. J ORDAN (2006, 31) kennt den Namen als Krischtofforushuis und merkt an, das sich hier früher wohl eine Suste befunden habe. Chriz Chriz ‘ Kreuz ’ ist zu schwdt. Chrüz, wdt. entrundet Chriz, Chriiz, Dim. Chriizji n. ‘ Kreuz als Sinnbild des Christentums überhaupt; Kruzifix zur Bezeichnung der Grenzen der Gerichtsbarkeit einer Stadt; Kreuz als Zeichen überhaupt (Kreuze (z. T. mit roter Farbe) an Bäumen, Steinen, Fels als Grenzzeichen) ’ (I D . 3, 938 ff.; G RICHTING 1998, 54), ahd. kr ū zi, kriuze, mhd. kriuz(e), kriuce entlehnt aus lat. CRUX ( CRUCIS ) f. (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 541) zu stellen. In FlN ist häufig unklar, ob ein Wegkreuz (meist ein Kruzifix) oder eine Wegkreuzung (Kreuzung von zwei oder mehr Wegen) oder ein Zusammenfluss von Bächen oder Wasserfuhren gemeint ist. Bei Chrizwäg ‘ Kreuzweg ’ und Chrizgassa ‘ Kreuzgasse ’ (cf. URNB 2, 469) kann auch an Abzweigungen und Verbindungswege gedacht werden. Weiter scheint Chriz auch in Alpnamen Verwendung zu finden, so häufig in Mittelchriz ‘ Mittelkreuz ’ , wo vermutlich die Lage zwischen Bächen oder Grenzen entscheidend ist. Im ganzen Oberwallis ist das Aufstellen von Kreuzen auf markanten Punkten (wie Gipfel, Felsen usw.) verbreitet; das Heilige Kreuz als Patrozinium von Kirchen und Kapellen spielt eine Rolle. In solchen Fällen kann auch ein Weiler oder ein Ortsteil den Namen Chriz erhalten. Chriz kommt als Simplex im Singular häufig vor, der Plural (da fast immer endungslos) hingegen ist sehr selten; in geschriebenen Texten sind auch Crütz, Crutz, Kreitz oder lateinisch (apud) Crucem ‘ beim Kreuz ’ zu finden. Häufig ist auch der Diminutiv Chrizji ‘ das kleine Kreuz ’ , nur selten der Plural Chrizjini ‘ die kleinen Kreuze ’ . Attributive Konstruktionen mit Adjektiven sind etwa ts Alt Chriz ‘ das alte Kreuz ’ , bim (e)Rotu Chriz ‘ beim roten Kreuz ’ , ts Änner Chriz ‘ das jenseitige, weiter entfernte Kreuz ’ , ts Blau Chriz ‘ das blaue Kreuz ’ , ts Ho Chriz oder ts He Chriz ‘ das hohe (hochgelegene oder grosse) Kreuz ’ , ts Ober Chriz ‘ das obere Kreuz ’ , ts Schwarz Chriz ‘ das schwarze Kreuz ’ , ts Unner Chriz ‘ das untere Kreuz ’ , bim Niwi Chriz ‘ beim neuen Kreuz ’ . Als Grundwort wird Chriz verbunden mit benachbarten Gebieten wie Aanuchriz ‘ das Kreuz auf der Aana (Alpe) ’ , Bälerchrizji ‘ das kleine Kreuz auf der Alpe Bäll ’ , Burgchriz ‘ das Kreuz auf der Burg ’ , Cheeruchriz ‘ das Kreuz bei den Kehren ’ . Selten ist eine Präzisierung wie Härzjesuchriz ‘ das Kreuz mit dem Herzen Jesu ’ . Ab und zu kommen Genitive vor, die einen Stifter oder das Andenken an einen Verunfallten betreffen: Herr Guntren Kreuz ‘ das Kreuz des Herrn Guntern ’ , Jägerchriz ‘ das Kreuz, das an verunfallte Jäger erinnert (mit Gedenktafel) ’ , ts Kaarlifrantsch Chriz ‘ das Kreuz für Franz, den Sohn des Karl ’ usw. Verbreitet ist Mittelchriz ‘ das Mittelkreuz ’ , wie oben gesagt für ein Gelände zwischen Bächen oder Wegen. Sehr zahlreich ist Chriz als Bestimmungswort zu Acher, Ägerta, Bach, Biel, Biina, Bodu, Brand, Brunnu, Egg(a), Eie, Fääsch, Fura, Gartu, Gassa, Grund, Haalta, Hooru, Hubel, Hüs, Kapälla, Läger, Lerch, Matta, Räbe, Schiir, Schleif, Schluocht, Schnitta, Stadel, Stafel, Stock, Tanna, Teiff, Tola, Tschugge, Wald, Wasser und Wäg, die häufig eine Lage relativ zu einem Kreuz oder einen Ort mit einem Kreuz bezeichnen. Seltsam ist der Chrizinuleerch ‘ Lärche mit Kreuzen ’ (Guttet), eine Lärche, in der sich Hirten mit Kreuzen verewigen können. Modern sind zwei Haltestellenangaben von Seilbahnen: Station Steibenkreuz (Bellwald) und Station Kreuzboden (Saas- Grund), beide mit hochdeutschem Namen. Die Ableitung Chrizer gehört meist zum FaN Kreuzer (cf. HL K REUZER (F A N)). Chromu Chromu kommt rund hundert Mal in den Flurnamen vor; es ist zu schwdt. Chramme n , Chromme n , Chr ō me n , Chrumme n , Grumme n , Pl. mit oder ohne Umlaut, Dim. Chromji, Chrummeli, Chrömm(e)li, Chrümm(e)li, wdt. Chromä, Chrome (Mattertal), Chromu (Saastal), Chrumm (Lötschtal), Chrommu m. ‘ durch eine Einfriedung abgeschlossener, enger Raum; Verschlag zur Unterbringung von Schmalvieh; Vogelkäfig; kastenähnlicher Verschlag zur Unterbringung von Vorräten; eingezäuntes Stück Weideland; verächtlich von engem Raum oder kleiner Hütte ’ (I D . 3, 818 f.; G RICHTING 1998, 54) zu stellen. Wie G RICHTING (1998, 54) zeigt, ist im Lötschental die Lautung Chrumm, Plural Chrimm vertreten; das führt in einigen Fällen zu 369 370 Chromu <?page no="250"?> Unklarheiten in Bezug auf das HL C HRUMM ‘ krumm ’ . In den meisten Fällen ist eine eingezäunte oder ummauerte Wiese oder Weide gemeint (oft mit der Funktion eines Pferchs), manchmal auch eine Wiese, die von Wald, Gebüsch oder Gebäuden als eingezäunt erscheint. In einigen Fällen ist es eine Wiese mit schlechtem, wenig fruchtbarem Bewuchs. Als Gebäudeteil ist ein Chromo auch ein Verschlag oder Zwinger (so V. S CHMID 2003, 80). In den historischen Einträgen ist häufig nicht zu entscheiden, welche Bedeutung genau vorliegt. Bei den Bedeutungsangaben wurde normalerweise ‘ eingezäunte Wiese / Weide ’ verwendet; sofern aus dem Kommentaren andere Bedeutungen zu erkennen waren, wurden diese angegeben. Das Simplex Chromu stellt den grössten Teil der Belege dar; Plurale sind seltener - entweder mit dem Umlaut (Typ Chreme) oder ohne (Typ Chrome). Auch Diminutive sind vertreten, mit dem Umlaut (Typ Chremji, Plural Chremjini) und ohne (Typ Chromji, Plural Chromjini). Historische Belege vom Typ Kromi / Kromine werden auch als Diminutiv gewertet. Eine nur einmal belegte Form ist das historische in den Kromigen (Niederwald), vermutlich ein Diminutiv Plural - die sonst geläufige Ableitung auf / - IG / (</ - ING / ) mit Kollektivbedeutung kann hier kaum vorliegen. Die Präposition in m. Dativ ‘ in ’ ist sehr oft belegt; sie bezieht sich wohl auf die Einfriedung, innerhalb derer die Weide liegt. Adjektivische Attribute zu Chromu sind wenig häufig: Hinnerscht Chrome (Mühlebach), Ober Chromu (Hohtenn), Unner Chromu (Hohtenn). Vorangestellte Genitive zu Chromu sind selten: Albiners Kromen (Glis), Gattalferro Chromu (Naters) (bezieht sich auf die Leute, die im Weiler Gattalfen (dt. ‘ Schleif ’ ) wohnen), ts Jaggisch Chrumm (Wiler). Nicht als Genitiv, aber vorangestellt als Besitzer sind zu verstehen Albert Kromji (Glis), Fuggschromo (Grächen) ‘ der Chromo der Familie Fux ’ , Joschtchromme (Binn) ‘ die Chromme der Familie Jost ’ . Als Grundwort in Komposita wird Chromo oder eine seiner Varianten gebraucht mit Alp, Aren (Adler), Bode, Draad (Draht), Guggi (Gugginalp), Haggdoori (zu Hagdoorni ‘ Hagedorn ’ ), Wald, Wasser, Ziger (Zieger im Sinn von schlechtem Gras). Die Tiere, denen die eingezäunte Weide dient, werden ab und zu genannt: Chalberchromu (St. Niklaus), Geis- und Schafchromu (Hohtenn), Schaaf- und Geischromu (Niedergesteln), Stierchromo (Grächen), Rinderchrumm (Blatten, Kippel). Mehrfach wird die Funktion betont: Scheidchreme ‘ eingezäunte oder ummauerte Weiden zum Scheiden der Schafe oder Ziegen ’ (die gemeinsam auf der Alp gehaltenen Tiere werden für ihre Besitzer in abgesonderte Pferche getrennt), Ringchromo (Grächen) ‘ Chromo, in dem die Kühe miteinander ringen ’ , Stächchromo (Staldenried) ‘ Chromo, in dem die Kühe miteinander stechen ’ - in beiden Fällen geht es um die Rangordnung unter den Kühen auf der Alp. Kaum verwendet wird Chromu als Bestimmungswort, etwa in Chrommjiwasser (Randa), Chrommo Wier (Visperterminen), Chromiwäg (Glis), Chromugrabu (Saas-Balen), Chromunblatte (Hohtenn), Kromenachra (Bitsch), Kromen Flüe (Ausserberg), Kromen Schiiri (Birgisch), Krommen Matten (Hohtenn); bei einigen ist auf Grund der Schreibung wohl auch ein vorangestellter Genitiv möglich. Chroona Chroona ‘ Krone ’ tritt zweimal als Bestimmungswort zu Flüö ‘ Fluh ’ auf: Kronflu ᵉ ‘ die Kronenfluh ’ (1401, Naters) und Chroonuflüe ‘ die Kronenfluh ’ (Ausserberg). Das Lemma ist zu schwdt. Chr ō n, Chrone(n) f. ‘ Krone ’ (I D . 2, 328 f.), wdt. Chroona, Chroo, Chroon (Lötschtal), Kroonu (sic! ) ‘ Krone ’ (G RICHTING 1998, 54) zu stellen. Im Kontext ist wohl eine Fluh mit einer Bekrönung gemeint. Wirtshausnamen, wie in I D . (2, 328 f.) und LUNB (1, 1, 566) erwähnt, sind in den Daten des VSNB im Allgemeinen nicht enthalten. Chropf Chropf ist zu schwdt., wdt. Chropf, Pl. mit Umlaut, Dim. Chropfji, Chröpfli m. ‘ Kropf, kropfartiger Auswuchs am Halse von Menschen und Vögeln, an Bäumen; kropfartiges Ding überhaupt ’ , mhd. kropf (I D . 3, 847 f.; G RICH- TING 1998, 54) zu stellen. Zur Verwendung in Flurnamen s. BENB (1, 2, 514) „ übertragen auf rundliche Geländeerhebungen “ . Das Lemma kommt nur rund zehn Mal vor. Als Simplex Chropf (Ausserberg) und zweimal Chropfji ‘ kleiner Kropf ’ (Glis, Visp). Bei den andern Belegen ist das Lemma Chropf Bestimmungswort. Dabei ist Chropfgassa (Lax, Münster) nicht klar (Gasse bei einem kleinen Hügel, Form der Gasse). G R W B 11, 2400 s. v. kröpfen kennt auch die Bedeutung ‘ krumm biegen ’ , daher ev. das Gleiche wie Krummgasse). Beim Chropfjischleif geht es um einen Schleif beim Chropfji (Visp), bei der Chropftanne (Lax) um eine Tanne mit kropfartigen Auswüchsen, ähnlich wohl beim Chropfwald (Staldenried). Vermutlich die Nähe zu einem kropfartigen Gelände ist bei Kropfmooss und Kropfmatte (beide Saas-Fee) gemeint. Chruchtula Chruchtula ‘ Fasnachtsgebäck ’ ist nur einmal belegt als Bestimmungswort in t Kruchtuluflue ‘ die Fluh, die wie ein Fasnachtsgebäck aussieht ’ (Simplon). Das Lemma ist belegt in I D . (3, 786) und G RICHTING (1998, 54). E GLI (1982, 312) erwähnt es beiläufig und verweist auf die Deutung von E. S CHÜLÉ (1962, 212), der auf das Patois-Wort kroch- Chroona 371 372 <?page no="251"?> tela verweist. G LATTHARD (1997, 9 - 15) stimmt S CHÜLÉ zu. G PSR (4, 814ff.) kennt kruchtilya ‘ croustilleux ’ . Es handelt sich also um ein Patois-Wort, das - wohl mit dem Gebäck - ins Deutsche des Oberwallis gelangte. Chrugla Chrugle (Plural) zum Sing. Chrugla ist nur einmal in St. Niklaus belegt. Es ist zu schwdt. Chrugel m., Chrugle f., wdt. Chrugla, Chrugglä (Goms), Chruglu f. ‘ Kugel, Geröllstein, Kopf ’ (I D . 3, 799 ff., 802; G RICHTING 1998, 54) zu stellen und bezeichnet ein Gelände mit losen Steinen von einem Steinschlag herrührend. Chrumm Chrumm als Adjektiv ist zu schwdt. chrump, chrumm, wdt. chrumm ‘ krumm, gekrümmt, verdreht, schief ’ (I D . 3, 820 ff; G RICHTING 1998, 54), zu stellen; als substantiviertes Mask. Chrumm ‘ Krümmung, Biegung, z. B. einer Strasse, eines Flusses, eines Stückes Holz usw.; in Krümmung verlaufender Weg ’ , mhd. krump m. ‘ Krümmung ’ (cf. I D . 3, 823 ff.), Chrimm - entrundet aus schwdt. Chrümm - (cf. I D . 3, 824) bezieht sich auf ein gekrümmtes Gelände, einen Bach oder einen Weg. Das Adjektiv tritt entweder als Attribut oder als Bestimmungswort eines Kompositums auf; was genau vorliegt, wird häufig nur in flektierten Formen deutlich (z. B. im Chrummacher vs. im Chrumme Acher). Das auslautende / -mb/ / / -mp/ der mhd. Form ist nur selten erhalten (etwa in Chrimpebach (Blitzingen)). Hauptsächlich vertreten sind die Typen Chrummacher und Chrummenacher; weiter Chrummbach, Chrummu Böüm (Täsch), Chrummu Stadol (Ausserberg), Chrumm See (Unterbäch), Chrumm Waud (Gluringen), Chrummu Stickjini (Törbel), Chrumpbobem (Ferden). Das Substantiv Chrumm ‘ Krümmung, Biegung ’ (nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Chrumm ‘ eingemauerte Weide, eingezäunte Wiese ’ im Lötschtental) kommt als Simplex vor (Zermatt, Randa, Ausserberg), selten im Plural Krimen (Eggerberg). Das Diminutiv erscheint im Plural Krimjini. Wie unter dem HL C HROMU erwähnt, ist im Lötschental die Zuordnung nicht immer eindeutig. Unklar ist ts Chrumisch Haaltu (Saas-Fee). Chrumi verhält sich hier wie ein PN; es könnte sich um eine Kurzform zum FaN Krummenacher handeln, der im Oberwallis belegt ist, im Gegensatz zum FaN Krumm. Auffallend ist die Ableitung Krimpa (Blitzingen, Niederwald) als substantiviertes Feminin, entrundet, in der Bedeutung ‘ die Krümmung, Gekrümmte ’ , Bachname, zur Bezeichnung eines Gewässerlaufes mit grossen Krümmungen (cf. I D . 3, 823 ff.). Chrumpfer (FaN) Chrumpfer (FaN) kommt als der Chrumpferbodu und t Chrumpferboduräbe (beide Niedergesteln) vor; in Raron ist Chrumpferschbodo belegt. Die Flurnamen bezeichnen die gleiche Flur oberhalb von Raron und Niedergesteln. Die historischen Belege zum ersten Flurnamen weisen alle ein Genitiv-/ s/ auf; auch der Beleg in Raron hat einen Genitiv, diesen auf neueres / š / . Es muss sich deswegen um einen Familiennamen handeln, der allerdings nicht belegt ist. Die älteste Form Krumphlosboden (1396, Niedergesteln) weist die spätere Erweiterung auf / - ER / noch nicht auf. Auch diese Form ist als FaN aber nicht belegt. Chrüt Chrüt n. ‘ Kraut ’ ist zu schwdt. Chr ū t, wdt. Chrüt, Chruid (Lötschental) n. ‘ Kraut, kollektiv Gras, bes. sofern es als Grünfutter abgeweidet oder so lange es noch auf dem Felde steht, Graswuchs ’ zu stellen (I D . 3, 883 ff.; G RICHTING 1998, 54 f.). R ÜBEL (1950, 115) erwähnt, dass Chrüt „ die Blätter der Runkelrüben “ meine. Das Simplex kommt nicht vor. Mit einem attributiven Adjektiv erscheint ts Hochrüt ‘ das hochgelegene Gebiet mit Kraut ’ (Saas-Grund). Als Grundwort ist das HL in ts Faluchrüt ‘ Arnika ’ (Täsch) (zu Fallchrut (I D . 3, 890), dem Namen für A RNICA MONTANA ‘ Arnika, auch Wohlverleih ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1118) und ts Lüschrüt ‘ das Läusekraut ’ (Täsch) (zu Lüschrut (I D . 3, 900) belegt, wobei unklar ist, welche Pflanze genau gemeint ist; vermutlich ein Läusekraut (P EDICULARIS VER- TICILLATA ‘ Quirlblättriges Läusekraut ’ , das im Alpenraum verbreitet ist; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 934). In zwei Belegen Lammikräu ᵉ tern (1869, Stalden) und Lamminkräutern (1869, Törbel) ist wohl die Ableitung Chrütera gemeint: ‘ das Gebiet mit Kraut bei der kleinen Lamme (Felsschlucht) ’ . Einen seltsamen Genitiv des HL weist ts Innruscht Chrütsch ‘ beim innersten Gebiet mit Kraut ’ (Zermatt) auf, wo der Name von der Lage her (2353 m., beim Gletscher) Probleme aufgibt. Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit Bäärg, Brunnu, Chnubel, Egg(a), Fad, Flüö, Gartu, Grabu, Mad, Schleif, Schlüche, Tola und Tschugge. Dabei ist die Grútzschuggen (1540, Glis) sehr unsicher; das Bestimmungswort Grút ist sonst nicht belegt. Komplexer sind Chrütbärgwäg ‘ der Weg auf den Chrütbärg (Berg, wo es Kraut hat) hinauf ’ (FLNK, Baltschieder) und der Unner Chrütbärg ‘ der untere Teil des bergwärts gelegenen Gebietes, das mit Kraut bewachsen ist ’ (Baltschieder). Häufiger sind Ableitungen vom Typ t Chrütera ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (Stalden), iner Chrüteru ‘ im Gebiet mit Kraut ’ (Saas-Grund), t Chruitärra ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (Blatten, Ferden), t Krütera ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (Balt- 373 374 Chrüt <?page no="252"?> schieder, Grächen), die Krútern ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (1860, Steg), jn die Krútteren ‘ im Gebiet mit Kraut ’ (1540 u. später, Embd), dv ᵢ Krutterra ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (1399 u. später, Staldenried), in der Krutterun ‘ im Gebiet mit Kraut ’ (1674 u. später, Zeneggen), im Plural t Chrütere ‘ die Gebiete mit Kraut ’ (Saas-Almagell; FLNK Chriter) und t Krütre ‘ die Gebiete mit Kraut ’ (St. Niklaus). Unsicher ist t Krüüternee ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (Hohtenn, van de Chrüüternu). Es handelt sich um eine / - ERRA / -Ableitung zum Nomen Chrüt (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) mit der Bedeutung ‘ viel Kraut ’ . Mit attributiven Adjektiven kommen t Ober und t Unner Chrütre ‘ die oberen und die unteren Gebiete mit Kraut ’ (Täsch), in der Stotzenden Krutero ‘ im steilen Gebiet mit Kraut ’ (1768, Zeneggen), t Wiiss Chrüterra ‘ das weisse Gebiet mit Kraut ’ (Törbel) vor. Wohl vom Verb chrütte, chrüttä (Goms), chruitu (Lötschental), chrüütu ‘ abschneiden (Gras, Kraut), ist das substantivierte Fem. Chrütteta, Chrüttätä (Goms), Chrüttuta (Mattertal), Chrüttettu (Saastal), Chruitätä (Lötschental), Chrüütätu f. ‘ Gras (abgesichelt) ’ (I D . 3, 883 ff.; G RICHTING 1998, 54 f.) abgeleitet. Es kommt vor in t Chrütete ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (Grengiols), t Kchrütete ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (Ulrichen), t Kchrüütete ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (Naters), jeweils im Plural. Es handelt sich um eine / - ETA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 482 ff., wohl deverbativ). Zum Adjektiv chrütig (zu (g ’ )chrûtig ‘ krautig ’ (I D . 3, 917)) gehört der Chrütigu ‘ das Gebiet mit Kraut ’ (Raron, Alpweide) mit den dazu gehörenden ts Chrüütigchi ‘ das Kinn (Schlucht) im Gebiet des Chrütigu ’ , ts Chrüütighoru ‘ das Chrüütighoru (Gipfelname, LT Chrütighorn, Gipfel über dem Chrütigu) ’ , t Chrüütiglowwi ‘ das Rutschgebiet beim Chrüütigu ’ (Raron). Wohl auch dazu gehört Krutigrück ‘ der krautige Rücken (Rücken mit Kraut) ’ (SK, Ausserberg). Chuchi Chuchi ist nur einmal als Bestimmungswort in Chuchiwang (Eisten) belegt. Es ist zu schwdt., wdt. Chuchi f. ‘ Küche ’ , zu stellen. In der Toponomastik ‘ Felshöhle, küchenähnliche Höhlen oder Kochstellen in geschütztem Gelände, die sich als Herdstellen eignen ’ ; ahd. chuhhina < lat. COQUINA ; mhd. kuche(n), küche(n) (I D . 3, 129 ff.; BENB 1, 2, 523 f.; Z INSLI 1945, 73 und 329; G RICHTING 1998, 55). Wang bezeichnet üblicherweise einen Grasabhang; der Vergleich mit einer Küche ist unklar; die Steilheit des Hanges könnte mit dem senkrechten Rauchabzug der Küche verglichen werden. Chüe Chüe ‘ Kuh ’ ist zu schwdt. Chue, Pl. Chüe, wdt. Chüe, Chüä (Goms), Chüä (Lötschtal), Chüö f. ‘ Kuh ’ (I D . 3, 85 ff.; G RICHTING 1998, 55), mhd. kuo, Pl. küeje, ahd. chuoi zu stellen. Nach R ÜBEL (1950, 24) wird ein Tier erst zur Chüe, wenn es schon ein zweites Kalb geworfen hat; vorher heisst es Rind (Pl. Rinder / Rinner) oder Meischi (Pl. Meischini). Als Simplex tritt Chüe nur zwei Male auf: Uf der Chüe ‘ Auf der Kuh ’ (Bellwald) und Roti Chüe ‘ rote Kuh ’ (Ausserberg) - in beiden Fällen wird wohl die Geländeform als einer Kuh ähnlich gedeutet. Einmal ist ein Genitiv der Besitzerin mit dem Diminutiv verbunden: ts Marjibaabisch Chieli ‘ die kleine Kuh (Felsblock) der Maria Barbara (PN) ’ (Hohtenn). Vergleichbar sind die Komposita Chiähoren ‘ Küh-Horn ’ (Blatten), Name eines Gipfels, der Kühen gleicht, Chietosse ‘ Felsblock, der einer Kuh gleicht ’ (Münster, Ulrichen) und Chieture ‘ Felsturm, der Kühen gleicht ’ (Fieschertal). In den meisten Fällen ist Chüe, häufig im Plural Chie, ein wörtlich gemeintes Bestimmungswort zu Grundwörtern wie Alpa, Blatta, Bodu, Fad, Mad, Matta, Mettla-Mettja, Schiir, Sita, Stafel, Stelli, Tal, Twära, Wang, Wäg und Weid - zumeist Flächen oder Gebäude, auf oder in denen Kühe gehalten werden oder weiden. Ein Namennest findet sich um den Weiler Kühmad (Chiemad) in Blatten: Hier bildet der Weilername das Bestimmungskompositum zu den Grundwörtern Bodu, Bord, Flüö und Wang. Ein zweites Namennest bilden zwei Alpen Chietal (Obergesteln und Münster, Ulrichen) mit Bach, Bochten, Chäller und Nolle. Komplexere Konstruktionen sind möglich, etwa Chüolimatturüüs ‘ die Wasserleite von der / zu der Chüölimatta (Wiese für die kleinen Kühe) ’ (Brigerbad) oder der Inder Chiämettlun Bopem ‘ der innere Boden bei der Chiämettlu (Mettle für die Kühe) ’ (Blatten). Formal sind weiter interessant Bildungen mit Chien- (Plural mit n), teilweise assimiliert zu Chiem-, wie in Chienbodu (Saas-Balen) oder Chiembobmu (Staldenried). Schwer zu deuten schliesslich ist der historische Beleg Wiss Ku ᵉ ÿ Sewlin (Guttet) - wörtlich ‘ das weisse Küh- Seelein ’ ; unklar ist insbesondere, ob sich ‘ weiss ’ auf ‘ Küh- ’ oder auf ‘ Seelein ’ bezieht. Chüeffu Chüeffu ‘ Fass, Kufe ’ ist zu schwdt. Chuefe n , wdt. Chüeffa f. ‘ Kufe, Fass ’ , mhd. kuofe, ahd. kuofa (< mlat. C Ō PA ) (I D . 3, 178; E GLI 1982, 275 f.) zu stellen. G RICHTING (1998, 55) kennt es als Chüeche (mit vielen Varianten, aber ohne inlautendes / f/ ) ‘ Kuchen, Kufe ’ . Das Lemma selbst kommt nur einmal vor in t Roti Wiichüeffu ‘ das rote Weinfass ’ (Niedergesteln). Die Ableitung Chieffer ‘ Küfer ’ ist in Leuk für das Chiefferalpji ‘ kleine Küfer-Alp ’ zu Chuchi 375 376 <?page no="253"?> finden; es bildet ein Namennest mit dem Obere und Unnere Chiefferalpji, sowie mit Grabu und Wäg. Laut Gwp. bezieht es sich hier auf ein Gelände „ in der Form einer Schlittenkufe “ . Die beiden Wörter Kufe (für ‘ Schlittenkufe ’ und ‘ Gefäss ’ ) haben laut K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 546) einen verschiedenen Ursprung; Kufe im Sinn von Schlittenkufe scheint nicht dialektal zu sein; die Erklärung der Gwp. ist deswegen problematisch. In Chieffer ‘ Küfer ’ liegt wohl auch kein FaN vor; er ist im Oberwallis nicht belegt. Chumma Chumma ist ein häufig belegtes Lemma, das zu schwdt. Kum, Gumm m., Chumme(n), wdt. Chumma, Chummä (Lötschtal) Chummu f. ‘ wellenförmig gekrümmte Bodenfläche, bes. enge, mulden- oder kesselförmige, geschützte, mit Pflanzenwuchs bedeckte Ausbuchtung im Gebirge, entweder im Hintergrund von Tälern oder in den Abhängen, wo sich dann etwa Alpenwege hinaufschlängeln; Bergwinkel, Vertiefung, Höhle, Engpass zwischen Felsen, kleinere Seitenschlucht (Viele dieser Chummen sind beliebte Alpstafel) ’ ; ‘ tiefe Wassergrube, eine Art Zisterne, Wasserbehälter im Freien ’ ; Kum(p) ‘ enger Verschlag aus Latten und Stäben, zur Aufbewahrung von Heu oder Unterbringung von Hühnern und jungen Ziegen ’ ; ‘ Hügel, Bergkopf ’ zu stellen ist. Im Walliser Kontext kann es direkt aus frz. combe, frpr. comba ‘ kleines Tal , Bergschlucht ’ entlehnt sein (cf. HL COMBE ) (I D . 3, 290; G RICHTING 1998, 55); es ist aber auch als Lehnappellativ im Alemannischen belegt. Die spät verschobene Form Gumma kommt nur einmal in Griesgumma (Zermatt) vor, ist dort aber unsicher. In den Deutungen wird es regelmässig als ‘ Mulde ’ benannt - auch wenn im Einzelfall eine andere Umschreibung zutreffender sein könnte. In einigen Fällen sind die FaN Kummer oder Inderkummen nicht auszuschliessen (cf. HL K UMMER (F A N)); wenn kein Entscheid getroffen werden kann, sind in der Datenbank beide HLL angegeben. Das Simplex Chumma (auch: Chumme, Chummu, Chummä) im Singular und Plural (dann: Chumme) ist häufig; Diminutive im Singular (Chummi, Chummelti, Chummutji, Chummetli, Chummilti, Chummetji) und Plural (Chummini, Chummeltini, Chummutjini, Chummetlini, Chummiltin, Chummetjini) ebenfalls. Besonders auffällig sind die Bildungen vom Typ Chummetji in Ergisch und Unterbäch - es handelt sich dabei um die gleiche Gegend (die Gemeinden grenzen dort aneinander). Ein Einfluss eines frpr. Combetta ist hier möglich (zum Thema / - ETLI / siehe H OFER 2012, 13 - 87). Adjektivische Attributbildungen sind etwa Roti Chumma (Baltschieder, Betten, Eggerberg, Leukerbad, Mund, Ried-Mörel, St. Niklaus, Simplon), Scheeni Chumma (Betten, Hohtenn, Niedergesteln, Unterbäch, Bürchen), Arvi Chumma (Betten, Filet, Ried-Mörel), Steinig Chumma (Bellwald, Blatten, Reckingen), Blindi Chumma (Gampel, Bratsch), Wiit Chumma (Erschmatt, Ferden, Ried-Brig, Ulrichen) und andere. Genitive als Besitzer oder Nutzer sind ebenfalls belegt: Bruoders Chumma (Binn), Eischtersch Chumma (Greich), Litschchumme (Reckingen), Manders Chumma (Betten), Martisch Chumma (Simplon), Niggigo Chumma (Ried-Mörel), Peroldo Kummen (Guttet), Tschoolisch Chummu (Unterems, Turtmann), Üerlicher Chumm (Ulrichen). Der letzte Beleg lässt sich auch als Adjektiv deuten. Unsicher ist Peischchumma (Ausserberg) - das Bestimmungswort Peisch sieht zwar wie ein Genitiv aus, es ist aber unklar, zu welchem Personennamen. Chumma kommt auch als Grundwort von Komposita vor. Häufig ist der Typ Öugschtchumma ‘ Chumma, die erst im August bestossen wird ’ in rund zehn Gemeinden. Von den übrigen bezeichnen einige Besitzer oder Nutzer wie Bättmerchumma (Grengiols), Bobmerchumma (Blitzingen), Färdan Chummun (Ferden), Herchumme ‘ die Chumma des Pfarr-Herrn ’ (Reckingen), Munder Chumma (Mund), Rarenkummen (Raron) und andere. In einigen Fällen sind die Tiere genannt, die auf der Chumma gealpt werden: Rinderkumma (Salgesch), Rinnärchummu (Gampel), Rinnerchummu (Varen), Rosschumma (Täsch) und Ochsenkumme (Visperterminen); unklar ist Moorechumme ‘ Chumma für die Alpung von Schweinen ’ (Grengiols). In manchen Fällen sind benachbarte Alpen oder Fluren erfasst wie in Urschgechumme (Reckingen), Rachartchummu (Wiler), Hellchummu (Salgesch) und Gorweichummu (Varen). Auch komplexere Bildungen sind möglich wie Gross Öugschtchumma (Raron, Termen), Längi Ängschti Chumma ‘ (wohl) die lange Chumma der Familie Engschen ’ (Raron), das später in ‘ engste ’ umgedeutet wurde, und weitere. Komplexer sind etwa Zweit Chummelegi ‘ die zweite Sperre bei der Chumma ’ (Reckingen) oder Witzi Chummugrabu ‘ der Graben bei der Witzichummu ’ (Ergisch), wobei in Witzi ein alter, romanischer PN (Wittenzon) steckt. Als Bestimmungswort ist Chumma (auch Chumm-) verbunden mit Acher, Alpa, Bach, Blatta, Bloos, Bodu, Bord, Brigga, Chlei - Chlii, Dorf, Egg(a), Fall, Fad, Furgga, Gol (hier: Goletta), Graat, Grabu, Haalta, Hooru, Hubel, Hüs, Legi, Licka, Lischa, Loch, Mällich, Port, Ranft, Räbe, Ritz, Runs, Sand, Schiir, Schleif, Schluocht, See, Sidel, Stiia, Stadel, Stafel, Steg, Tiri, Tola, Tschugge, Ture, Wäg, Wald, Wasser und Weng. Häufig sind die Komposita zu Chumma als Alpname gebildet. Zusammengesetzt sind Abeweid und Wasserleita. 377 378 Chumma <?page no="254"?> Als Ableitung ist Chummerra ‘ Wasserleite, die an der Chumma vorbeiführt ’ (Raron) mehrfach belegt; er enthält eine / - ERRA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.). Einen anderen Typ zeigt Kumberro ‘ die Leute von der Chumma, die Familie Kummer ’ (Bürchen, Raron), der einen Genitiv Plural aufweist. Die vielen Flurnamen mit Chumma zeigen, dass die Geländeform, die mit ‘ Mulde ’ wiedergegeben wird, als geschütztes und deswegen gut benutzbares Alp- und Nutzgebiet geschätzt wurde. Chüol Das Adj. chüol ‘ kühl ’ ist zu schwdt. chüel, chuel ‘ kühl ’ von der Temperatur der Luft und des Wassers (I D . 3, 214) zu stellen. G RICHTING (1998, 48) kennt nur das Verb chiele, chiälä (Goms), chielu (Vispertäler), chiäln (Lötschtal), chiälu ‘ kühlen ’ mit den entrundeten Formen. Der Flurname kommt als Adjektiv oder Bestimmungswort zusammen mit Bach, Brunnu, Egg(a) und Ritz vor. Bei t Kieleggä ‘ die kühlen Ecken ’ (Grengiols) liegt ein Plural vor, dessen Anlaut durch den Artikel von / χ / zu / k χ / verändert wurde. Chupfer Chupfer ‘ Kupfer ’ ist zu schwdt. Chupfer ‘ Kupfer ’ (I D . 3, 419) zu stellen. Die beiden Belege Chupferbodo (Grengiols) und Zum Kupffer Trog (Termen) sind mangels weiterer Angaben nicht näher zu spezifizieren. In Grengiols könnte es sich um die Farbe handeln, in Termen um das Material oder die Farbe des Geländes in Trogform. Chuttaier Chuttaier ist nur 1703 in Salgesch als in Chuttaier belegt. Die Lesung ist unsicher. Eine Deutung könnte zu Côtière ‘ Pente d ’ une mongtagne, d ’ une colline [Abhang eines Berges, eines Hügels] ’ (G PSR 4, 357 ss.; FEW 2, 1245 ff. s. v. C Ŏ STA rippe) gestellt werden, das bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 21) u. a. als Côtière belegt ist (cf. HL C OTTIR ). Die Deutung ist angesichts der Schreibweise aber unsicher. Cingino Cingino ist nur belegt auf zwei Grenzgipfeln und einem Pass: Passo di Cingino ‘ der Cingino-Pass ’ (LT, Saas- Almagell; dt. Jazzilücke), Pizzo Cingino Nord ‘ die Cingino-Spitze Nord ’ (LT, Saas-Almagell; dt. Jazzihorn). Nicht erfasst, weil ganz in Italien liegend, aber auf LT belegt, ist Pizzo Cingino Sud ‘ die Cingino-Spitze Süd ’ . Die Benennungen stammen aus Italien und beziehen sich auf die dortige Alpe Cingino. Bekannt sind vor allem der Lagho di Cingino mit der Staumauer und deren Steinböcken. Eine indirekte Deutung dafür findet sich bei O LIVIERI ( 2 1961, 177 s. v. Cingia) als „ striscia sottile di terreno “ (etwa: kleiner Streifen Landes). Claleu Claleu ist nur belegt in im Claleu Strich (1757, Guttet); ob es sich um ein frpr. Etymon handelt, ist unklar. Die späte schriftliche Überlieferung macht das HL undeutbar. Clar Clar ist nur als jm Clar (1744, Leuk) belegt. Laut Dokument handelt es sich um einen Weinberg zwischen den Brücken von Leuk (intra pontes Leuca ’ ). Die beiden Brücken beziehen sich wahrscheinlich auf die Rottenbrücke und die alte Brücke nach Varen. Zu vermuten ist, dass jm Clar einen Weinberg bei Leuk und der Dala meint. G PSR (4, 84 ss. s. v. clair) gibt eine Reihe von Bezeichnungen für ‘ Lichtung ’ (4, 88). Ob diese Deutung gemeint ist, bleibt unsicher; sie wird hier aber übernommen. B OSSARD / C HAVAN (2006, 164) verweisen unter Claire darauf. Clas Clas ist nur in Salgesch 1347 als eys clas und 1351 als heys clas ‘ bei den Schlüsseln ’ belegt. M ATHIER (2015) kennt den Namen nicht. Es handelt sich wohl um den Plural von lat. CLAVIS , frz. clef, das alt als cla erscheint (FEW 2, 764 s. v. CLAVIS schlüssel; G PSR 4, 106 ss. s. v. clef). Die Bedeutungen sind sehr vielfältig; am ehesten kommt Bed. 4° in Frage, in der u. a. die Schleuse einer Wasserleitung gemeint ist. Es handelt sich in jedem Fall um einen Flurnamen, spricht das Dokument doch von einem Stück Land in diesem Gebiet. Clawie (FaN) Clawie (FaN) ist belegt in Clawieflúh (1834, Varen) und Claviozkapälli (Agarn). In beiden Fällen liegt ein romanischer FN Clavioz oder Clavien vor (T AGMANN 1946, 70; 1993; AWWB 62 s. v. de Clavibus). Clemenz (FaN) Clemenz ist zum PN Clemenz oder zum FaN Clemenz zu stellen, vom PN Clemens, Clementius abgeleitet (AWWB 63). Häufiger als Clemenz selbst sind Belege vom Typ Glimme. Einen Ausgangspunkt bietet die Stelle apud domum Clementis siue uulgariter zuo Glÿmenhaus ‘ beim Haus des Clemens oder volkssprachlich beim Glÿmenhaus ’ (1642, Fiesch). Glÿmen lässt sich als Genitiv zu Glimme verstehen. Dazu passen auch die historischen Belege für Glimeischi (FLNK, Bürchen), das 1653 als in der Clemenschen ‘ beim Gut der Familie Clemenz ’ belegt ist, später dann als Glimmitschún (1670), ab 1681 als Glimeischen. Es handelt sich dabei wohl ursprünglich Chüol 379 380 <?page no="255"?> um eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung zu Clemenz ‘ das Gut der Familie Clemenz ’ (Bürchen). Glimmebieu ‘ der Hügel des Clemenz ’ und Glimmestadu ‘ der Stadel des Clemenz ’ (beide Steinhaus) können auch hieher gestellt werden; die Vermutung der Gwp., es handle sich um en Glimme (wohl Glimmerstein), ist sekundär. im Glimmenstuck ‘ im Stück Land des Clemenz ’ (1735, Grengiols), Glimmen Hu ᵕ ss ‘ das Haus des Clemenz ’ (1550 (ca.), Ernen), ts Glimmuschiir ‘ die Scheuer des Clemenz / der Familie Clemenz ’ (Termen) gehören auch hieher. Eine kollektive / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural schliesslich ist syluam Glimentzigo ‘ der Wald der Familie Clemenz ’ (1688, Staldenried). Clerri Clerri ist auf LT (1999) als Choruclerri falsch geschrieben; gemeint ist Choruderri ‘ Korndörre ’ , was auch auf LT nach 2005 steht und von FLNK bestätigt wird (cf. HL D ERRI ). Cleves Cleves ist belegt in eys Cleves (1361, Leukerbad), eys Cleues (1327 u. später, Salgesch, auch andere Schreibungen), eys Cleves de Chandurant (1494, Salgesch) und in Clevis (ubi dicitur eÿs Millieres) (1794, Leuk). M EYER (1914, 162) stellt diese Form zum lat. CLIVU ‘ Halde, Abhang ’ . T AGMANN (1946, 11) stellt es ebenfalls zu Clives ‘ Halde, Abhang ’ . Es handelt sich um eine alternative Form für clive (vgl. HL C LIVES ). Cliuingnÿ Cliuingnÿ kommt nur 1655 in Varen als en flan de cliuingnÿ vor. Da flan als ‘ Ebene ’ zu verstehen ist (cf. HL P FLAN ), muss cliuignÿ der Ort dieser Ebene sein. Der Name müsste wohl zu lat. CL Ī VUS abhang (FEW 2, 789) zu stellen sein, aber flan stellt das in Frage. Die Ableitung -ingnÿ ist jedoch bekannt für PN des Typs / -( I ) ACUM / (cf. Martigny < Martiniacum). S CHULZE (1999, 605) kennt als nächsten Gentilnamen Clevius. AWWB (64) kennt den FaN Clivaz, der möglicherweise in Cliuingnÿ steckt. Dann wäre der Flurname als ‘ die Ebene, die der Familie Clivaz gehörte ’ zu verstehen. Clives Clives und die deutschen Formen Kliibe und Kliiwe sind zu lat. CLIVA ‘ pente ’ (Abhang) (B OSSARD / C HAVAN 2006, 20; T AGMANN 1946, 11 s. v. Clives) zu stellen. Die dt. Form Kliibe ersetzt / v/ durch / b/ (vgl. SDS 1, 156 für WS 2 und 3 (Inden und Agarn)). Das Simplex im Singular ist als di Kliibe (Leukerbad; R. G RICHTING 1993 als Kliebä, Blatt 9, Nr. 6, Blatt 11, Nr. 40, Blatt 14, Nr. 21), t Kliibe (Inden, Varen) belegt. di Kliiwe (Salgesch, M ATHIER 2015, 54) zeigt die ursprüngliche frpr. Form. Mit einem Adjektiv ist in Varen 1652 y Petites Clives ‘ in den kleinen Abhängen ’ belegt. Historisch gibt es in Salgesch les Cliues de la Coliri ‘ der Hang bei der Goliiri ’ (1619), Weitere romanische Belege sind: in cliue dou chano (? ) ‘ im Hang des Chano ’ (1353, Salgesch), unsichere Lesart von Chano, das sonst als ‘ Eiche ’ zu übersetzen ist, darum keine Deutung, in der Datenbank des VSNB zu y cliwez dov chabloz ‘ der Abhang beim Schleif ’ (1579, Salgesch) gestellt; en la clivaz ov Ryvyoz ‘ der Abhang beim Bach ’ (1494 und später, Salgesch) (sofern Ryvyoz sich zu R Ī VUS ‘ bach ’ (FEW 10, 422s.) stellen lässt), en laz cliwaz dou torren ‘ in den Abhängen beim Bach ’ (1494, Salgesch; 1345 in cliuo terrentis; 1353 in cliuo de torrente). Unklar ist rotam dys cliwes ‘ der Weg beim Abhang ’ (1495, Salgesch), der wohl dem heutigen Kliiwugässi (M ATHIER 2015, 54) entspricht. Deutsche Bildungen sind Kliiwuschleif ‘ der Schleif in die Kliiwe (Abhang, heute Rebberg) ’ (FLNK, Salgesch; M ATHIER 2015, 54), Kliiwuwald ‘ der Wald oberhalb der Kliiwe (Abhang, heute Rebberg) ’ (FLNK, Salgesch; M A- THIER 2015, 54) und der Chliibuwald ‘ der Wald bei den Chlibu (Abhang) ’ (Albinen; M ATHIEU 2006, 41 Nr. 28 Kliibuwald). In Varen sind ts Kliibedronnji und t Kliibustrass ‘ die Strasse zu den Kliibe ’ belegt. Der in Albinen unter Klewäte (FLNK; M ATHIER 2006, 35 Klewätä), hist. 1602 als en la Clÿweta belegte Flurnamen wird in T AGMANN (1946, 11) als Klebeten versuchsweise zu Clivetta ‘ kleiner Abhang ’ gestellt; der historische Beleg unterstützt diese Deutung. Clou Clou ist die frpr. Form von frz. clos (< lat. CLAUSU ) (G PSR 4, 128 ss.; FEW 2, 755 s. v. CLAUSU ) mit der Bedeutung ‘ enclos; eingefriedetes Gut ’ , also meist ummauertes oder sonstwie abgegrenztes Stück Land. In den Belegen wird auch lat. CLAUSU -, frz. Clos, dt. Klausverwendet. Gesprochen wurde wohl [klu], was zu den „ deutschen “ Formen Glu und Glüü führt, die dann wiederum auch als Clau oder Claux wiedergegeben werden. Sie werden hier alle unter dem HL C LOU zusammengefasst (zu unterscheiden sind davon alle Belege mit Glaus-, die auf den PN Nikolaus zurückzuführen sind; weiter sind auch die Namen mit erhaltenem / -s/ vom Typ Klüüs hier nicht erfasst). Der Flurnamentyp kommt etwa 50 mal vor. Zu den verschiedenen Schreibweisen vgl. auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 125). Das Simplex Clou im Singular wird oft von einer Präposition (ou clou) begleitet. Deutsches Glüü dagegen erscheint ohne. Ein Diminutiv ist belegt als Closel (Agarn, Varen - hier auch im Plural). 381 382 Clou <?page no="256"?> In den romanischen Namen geht das Grundwort Clou einem folgenden, bestimmenden Nomen oder einer Präposition mit Nomen voraus. Das betrifft Besitzer- oder Nutzernamen wie Clou Martin ‘ das eingefriedete Gut des Martin (PN) ’ (Varen), später Glümarte (Salgesch) in gleicher Bedeutung; bei M ATHIER (2015, 108) als Glümarting. Lokalisierungen sind in Clou Damun ‘ das obere eingefriedete Gut ’ und Clou Desor ‘ das untere eingefriedete Gut ’ (beide Salgesch) vertreten; heute sind das Obri Glü und Undri Glü (Salgesch), bei M ATHIER (2015, 58) erwähnt. Es können aber auch Appellative verwendet werden wie in ou Clou du Largi ‘ beim eingefriedeten Gut im Lärch ’ (1629, Salgesch). Selten dagegen erscheint Clou selbst als bestimmendes Element. Beispiel dafür ist in Crista dou Clov ‘ auf dem Hügel beim eingefriedeten Gut ’ (1602, Albinen). Der eben zitierte Beleg zeigt das Problem der Namen: wir wissen nicht, ob Crista hier eine lateinische Übersetzung von Biel ist, oder ob die frpr. Form Grechta hier ‘ rückübersetzt ’ wurde. In einigen Fällen sind zwei Bestandteile zu einem Namen geworden, etwa in Praclout (1675, Salgesch), wo die beiden Bestandteile Pra (< PRATU ‘ Wiese ’ ) und clou (< CLAUSU ‘ eingefriedetes Gut ’ ) zusammengenommen werden. Das bei T AGMANN (Ms., 39) erwähnte Gran Clu von 1697 ist in der Datenbank als gran clu (1698) mit der Bemerkung latine in magno clauso ‘ auf Latein: im grossen eingefriedeten Gut ’ vertreten. Clurine Clurine ist nur 1669 in Salgesch als im Clurine (Reben) belegt. Laut Dokument handelt es sich um Reben. Der Eintrag dokumentiert ein Maskulin oder Neutrum Singular. Der Name ist aber sonst weder historisch noch lebend bezeugt. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Coffen (PN) Coffen (PN) ist nur belegt in Coffengraben (1383, Glis). Von der Form her drängt sich ein Genitiv Singular eines PN oder FaN Coff auf, doch ist ein solcher Name im Wallis nicht belegt. Col Col ist das frz. Wort für dt. Pass und laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 255) zu lat. COLLUM ‘ Hals, Pass ’ (FEW 2, 911; G PSR 4, 154 s. v. col 2) zu stellen. Belegt sind Gol des Arpett ‘ der Pass, der benannt ist nach les Arpettes (die kleinen Alpen, Weiden) ’ (Oberems; LT Col des Arpettes), Goll de Wisiwi ‘ der Pass, der benannt ist nach Wisiwi (Alpe für das junge Vieh) ’ (Oberems; LT Col de Vjivi), sowie nur auf LT Col de Valpelline ‘ der Pass in das penninische Tal ’ , Col d ’ Hérens, Col du Mountet und Col Durand (alle Zermatt; zu den Deutungen vgl. die HLL D URAND , H ÉRENS , M OUNTET und P ELLINE ). Coliour Coliour ist 1394 als dou Coliour (Leukerbad) belegt. Es handelt sich um einen Bach und zugehörig ist G PSR (4, 390 ss. s. v. couloir), vermutlich mit der Bedeutung ‘ Couloir dans une pente rapide ’ ( „ Rinne in einem steilen Hang “ ). Gleich ist 1340 Torrentem du Collior (Leuk, 1340) zu verstehen. T AGMANN (1946, 15) führt das HL auf * COLATORIU zurück (cf. FEW 2, 877 s. v. C Ō LARE seihen); die Bedeutung von couloir ist hier einschlägig (FEW 2, 880). Colten (PN) Colten (PN) ist nur belegt in in Colten Ledin ‘ auf der Aufladestelle des Colten ’ (1399, Ried-Brig) Es handelt sich um den Genitiv eines PN oder FaN, der aber sonst so nicht belegt ist. Die Grundform Colt oder ähnlich findet sich weder im Wappenbuch, noch in anderen Namensverzeichnissen; am nächsten kommt dem PN die Form Golz in ts Goltsch(e)rriäd (Ferden), die 1628 als Zgoldts Riedt belegt ist (cf. HL G OLTSCH (PN)). Comba Comba ist zu G PSR (4, 171) frz. Combe, Patois ko ̩ nba ‘ Tal, Schlucht ’ zu stellen. Vgl. T AGMANN (1946, 14), der auch combetta ‘ kleine Schlucht ’ kennt. Das HL kommt so nur im Bezirk Leuk vor. Für die frankophone Schweiz vgl. B OSSARD / C HAVAN (2006, 34) s. v. Comba. Auf Deutsch sind meist ‘ Kumme ’ und ‘ Tal, Schlucht ’ zu verstehen. Das Simplex Comba kommt 1298 in Leukerbad als jn comba vor; in Inden ist 1337 en la comba belegt. Mit attributivem Adjektiv sind 1527 en la bella comba (Turtmann) und 1552 eys belles combes (Albinen, so auch 1581) belegt. Belege mit vorangestelltem comba und PNN sind: en laz combaz Martin (1544 u. später, Varen), en la comba Peleryn (1375, Varen), in comba Tencinosa (1590, Albinen) (dazu: in comba Tenzenosa, 1455 u. später, Leuk), in comba Tencinosa 1590 (zweimal) Guttet)) (cf. HL T ENCE- NOSA ). Einen Anschluss mit dys findet man in jn comba dys montez ‘ in der Kumme beim Abhang ’ (1494, Salgesch). Weiter sind belegt: pratum de la comba (Salgesch, unklar), torrentem de la comba ‘ der Bach de la Comba (von der Schlucht) ’ (1328, Ergisch) und via de comba de Argessa ‘ (romanisch) via de comba (Weg zur Mulde) von Ergisch ’ . Als Diminutive sind belegt: en la combeta ‘ in der kleinen Mulde ’ (1349, Leuk) und in combeta ‘ in der kleinen Chumme ’ (1453, Albinen). Clurine 383 384 <?page no="257"?> Eventuell ist das HL C OMBA auch im Bezirks- und Gemeindenamen Goms vertreten, das sonst auf rom. conca ‘ Muschel ’ zurückgeführt wird (cf. HL G OMS ). Die deutsche Form zum HL C OMBA erscheint als HL C HUMMA . Combavert Combavert ist nur im Namen Pigne de Combavert (dt. Meidzähn, Oberems) vertreten. Combavert ist ein Flurname im Val d ’ Anniviers, der u. a. im Lac de Combavert und in Combavert vertreten ist. Der Flurname setzt sich wohl aus comba ‘ combe, petit vallon ’ (Schlucht, kleines Tal) (T AGMANN 1946, 14; B OSSARD / C HAVAN 2006, 34) und vert ‘ grün ’ (FEW 14, 507 ff. s. v. V Ĭ R Ĭ DIS grün) zusammen, also ‘ das kleine grüne Tal ’ . Commoli Commoli ist nur einmal 1816 in Ergisch als im Commoli belegt. Es wurde zuerst zum HL C OMONES gestellt, doch gehört es wahrscheinlich zu C HUMME (cf. HL C HUMMA ‘ Mulde ’ ) und meint wohl einfach ‘ die kleine Mulde ’ . Ob es sich um eine frpr. oder eine entlehnte dt. Form handelt, ist unklar; es wird deswegen in der Datenbank nicht rot eingefärbt. Comones Comones ist nur einmal belegt: 1485 als eys les comones (Salgesch), wozu im Dokument steht: „ jn loco dict. eys les comones nascitur quidam torrens qui prouenit ad aquam raspillie …“ (am Ort, der eys les comones genannt wird, dort entspringt ein Bach, der in die Raspille fliesst … ). Der Beschrieb fährt weiter: „ quem locum communiter depascunt consortes alpium de saxo dou plan et de cathony “ (diesen Ort benützen als Weide gemeinsam die Geteilen der Alpen Saxo du plan und von Cathony) (1485, Salgesch). Vermutlich ist also Comones zu lat. COMMUNIS ‘ gemeinsam ’ (FEW 2, 961 ff.; G PSR 4, 198 ss.) zu stellen und meint einfach ‘ das gemeinsame Gut ’ . im Commoli (1816, Ergisch) hat wohl mit dem ersten Beleg nichts zu tun. Es ist zu Chumma zu stellen sein und meint dann ‘ die kleine Kumme ’ (vgl. HL C OMMOLI ). Condemynaz Condemynaz ‘ dem Herrn gehörende Wiese ’ ist nur historisch belegt. Es kommen in Ergisch vor: es planes condemines (1297), eys condemines (1328, mehrfach), apud condeminam (1337), eys condemines (1345) und in contamina (1353). In Salgesch ist 1361 en la condemina belegt, das erst im Beleg von 1698 als in die Contomine erscheint. In Unterems ist en laz condemynaz (1540) belegt, wobei der Ort unsicher ist. In Varen erscheint seit 1480 a laz condeminaz, 1503 deys condemines, 1538 eys condemines, 1545 en laz condemina, 1580 en laz condemina siue eÿs werdt (zweimal, Variation bei werdt), 1678 in die Condemine (ebenso 1682). M EYER (1914, 162) führt es auf condom ī nas zurück, T AGMANN (1946, 75) ebenfalls, B OSSARD / C HAVAN (2006, 152) auf *condamina. T AGMANN nennt vier verschiedene Bedeutungen: 1) fruchtbare Gebiete in der Nähe von Siedlungen, 2) herrschaftliche Gebiete, 3) ungeteilte Gebiete, die mehreren Herren gehören, 4) von jeder Abgabe freies Gebiet (unsere Übersetzung). Die in Varen vorkommende Übersetzung von condemina als werdt bezieht sich auf ein romanisches Wort (substantiviert zum Adjektiv vert ‘ grün ’ ), das an späterer Stelle (1699) als Wiese bezeichnet wird. Vermutlich ist also mit dem HL C ONDEMYNAZ eine ‘ dem Herrn gehörende Wiese ’ gemeint. Confine Confine ‘ Grenze ’ ist nur einmal belegt in Riale del confine ‘ Grenzgraben ’ (Zwischbergen). Es ist zu it. confine m. ‘ Grenze ’ (D EVOTO / O LI 2020, 508) zu stellen. Der Graben liegt auf der Landesgrenze Schweiz-Italien; der Name ist in LT verzeichnet. Riale ist zu lat. RIVUS ‘ Bach, Gerinne ’ , resp. dem Adjektiv lat. RIVALIS oder RIALIS (RN 2, 284; Z INSLI 1984, 241) zu stellen. Die Karte 1: 10000 hat den deutschen Namen Marchgrabu ‘ der Graben, der die Grenze zu Italien bildet ’ (cf. Nr. 14180 in der Datenbank). Coniou Coniou ist nur belegt in alpis du Coniou (1474, Varen). Es scheint sich um eine verschriftlichte Form von Colliou (T AGMANN 1946, 16) ‘ (Fels)Rinne ’ zu handeln, also eine steile Alpe. Cor Cor f. ist in Leuk und Leukerbad je einmal historisch belegt; hinzu kommt Cort (Inden) und das Kompositum Malacort (Turtmann). Es ist zu afrz. cort ‘ Hof ’ zu stellen (vgl. G PSR 4, 421 - 424), das seinerseits auf lat. COHORS zurückgeht (FEW 2, 1, 849). Schwierig ist der Beleg in summitate saxi de campo cort ‘ auf der Höhe des Felsen beim Feld des Hofes ’ (13. Jh. u. 1328, Ergisch), wo cort wohl zu einem Kompositum gehört; de campo cort kann auch als ‘ zum kurzen Feld ’ übersetzt werden, wenn cort hier ein nachgestelltes Adjektiv zu lat. C Ŭ RTUS kurz (FEW 2, 1585 ff.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 102, s. v. Court, Courte) ist. Corbe Corbe, auch Corba, Adj. oder Subst., erscheint entweder als Simplex Corba 1407 in Varen als torrentem de la Corba ‘ der Bach die Krumme ’ und Corbex (1308) ‘ der jenseits 385 386 Corbe <?page no="258"?> liegende Weiler ’ , das als UICUM ‘ Weiler, Dorf ’ bezeichnet wird, sowie 1523 eingedeutscht als zem Corbe, ein Stück Feld. In Salgesch ist 1485 a paruo torrente de corbaz espinal ‘ vom kleinen gekrümmten Bach im Dorngestrüpp ’ (cf. HL E SPINAL ) die Rede. Ebenfalls in Salgesch ist 1642 en la Corba Reÿ belegt. Die Schreibungen 1644 en Carbareÿe, 1644 en la Corba Reyz, 1644 en la Corba Reyes, 1721 in Corboreÿe, 1766 in Corberey sind uneinheitlich. G PSR (4, 430) zählt eine Reihe von Flurnamen auf, die ähnlich sind, auch für das Wallis: Corba Ray (1267, Ayent). Wie B OSSARD / C HAVAN (2006, 104) ausführen, ist rai, geschrieben auch ray als ‘ sillon ’ (hier wohl: Graben) zu verstehen. Corba Ray wäre dann ‘ der krumme Graben ’ . Das HL ist nicht ganz einfach: als Substantiv feminin ‘ der Bach die Krumme ’ , als Weilername ‘ der jenseits liegende Weiler ’ , wiederum als Bachname in ‘ vom kleinen gekrümmten Bach ’ und schliesslich ‘ der krumme Graben ’ . Schwierig ist die Form zem Corbe (1523, Agarn), die auch zu Gorb (cf. HL G ORB ) gestellt werden könnte; der Ort befindet sich laut Beleg juxta cursum torrentis dou merdesson ‘ neben dem Märetschibach ’ und meint darum wohl einen Weiler von Agarn. Corbetsch Corbetsch ist an zwei Orten belegt: Corbetsch (Zwischbergen, FLNK u. LT), der Corbetsch (Salgesch) und Corbetschgrat (1827, Salgesch). Corbetsch (Zwischbergen) ist auch bei J ORDAN (2006, 372, s. v. Ggorbétsch) erwähnt, ohne Erklärung. der Gorbetsch (Salgesch) (mit Erstbetonung) erscheint bei M A- THIER (2015, 141) als Gorwetsch. der Gorbetschgrat (1827, Salgesch) ist sonst nicht belegt. Während in Salgesch die Entwicklung von w > b gängig ist, gibt es diese Möglichkeit in Zwischbergen nicht (wo aber J ORDAN (2006, 299) auch ein Ggorwetsch kennt, vgl. HL C ORWETSCH ). M ATHIER (2015, 141) führt Gorwetsch auf lat. CORVUS ‘ Rabe ’ und das Suffix / - ACEU / zurück. Näher liegend dürfte aber in Salgesch eine Ableitung von * CURVUS ‘ Kurve ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 101s.) sein, also ‘ das Gekrümmte ’ . Beides gilt auch für Zwischbergen. Cordona T AGMANN (1946, 31 f.) kann keine klare Etymologie zu Cordona geben, das früher eine eigenständige Gemeinde war und heute zu Mollens gehört. Er vermutet auf Grund der Endung / - ONA / (die auch etwa in Varen (< Varona) eine Rolle spielt) eine keltische Grundlage, kann aber nicht mehr dazu sagen. Corne Corne ist zu frz. corne m. ‘ Horn ’ zu stellen, das selbst aus lat. CORNU ‘ Horn ’ entstanden ist (G PSR 4, 323 ss.; FEW 2, 1191 ff. s. v. c ŏ rnu horn). Belegt ist das Lemma als Corne du Boeuf ‘ Stierhorn ’ (Oberems) (auf der LK Pas du Boeuf ‘ Stierpass ’ ) und Corne de Struples (1484 Varen) ‘ Horn bei der Tropla (Bach mit unruhigem Wasser) ’ . Andere Ableitungen zu CORNU finden sich unter den HLL C ORNO und G OORNER . Corno Ggorno / Corno ist zu it. corno m. ‘ Horn ’ zu stellen, das selbst aus lat. CORNU ‘ Horn ’ entstanden ist (D EVOTO / O LI 2020, 552). Das Lemma kommt einmal in Ggornopass ‘ der Pass ins Val Corno ’ (Ulrichen) und zweimal als Ableitung Cornera an der italienisch-schweizerischen Grenze im Binntal als Pizzo Cornera (it. Name des Gischihorns) und Passo di Cornera (it. Name des Chriegalppasses) vor. Andere Ableitungen zu CORNU finden sich unter den HLL Corne und Goorner. O LIVIERI ( 2 1961, 196; 1965, 137) kennt zwar corni (pl.) und corno, aber für andere Orte. Corwetsch Corwetsch m. ist in Zwischbergen als Corwetsch (LT) und der Ggorwetsch (FLNK Corwetsch, SK Corvet), in Leuk als der Gorwätschgraad (Leuk, FLNK Gorwätschgrat, LT Gorwetschgrad, SK Corbetschgrat), der Ober und der Unner Gorwätschwald (Leuk) belegt. Vermutlich besteht eine enge Verwandtschaft zum HL C ORBETSCH . Der Flurname in Zwischbergen (J ORDAN 2006, 299) dürfte zu lat. CORVUS (D EVOTO / O LI 2020, 563 s. v. corvo) und dem Suffix / - ACEU / zu stellen sein ( ‘ Rabengebiet ’ ). Gleiches gilt für Leuk (cf. RN 2, 109 corvus). Die FlNN Gorbetsch (Salgesch) und Gorwätschgrat (Leuk) befinden sich am gleichen Ort. Möglich ist aber auch an diesen Orten die Deutung von B OSSARD / C HAVAN (2006, 101s.) zu * CURVUS . Vgl. aber auch P ETRINI (1993, 92 s. v. corvi) und LSI (2, 44 s. v. còrv) zu it. corvo ‘ Rabe ’ . Costa Costa ist zu lat. COSTA ‘ Abhang ’ (FEW 2, 1245 f. s. v. c ŏ sta rippe, insbes. 1248 unter γ ) zu stellen. M EYER (1914, 162) führt weiter die historisch mehrfach belegte Form Coster (1361, Ergisch; 1433, Leuk; 1690, Salgesch; 1325, Turtmann; 1361, Varen (mit der Erweiterung de Varona)) zu einer Ableitung COSTARIU - ‘ Abhang (Kollektiv) ’ an. Costello (1353, Salgesch; 1690 au Coster) lässt sich zur Ableitung COSTELLU stellen, das bei M EYER a. a. O. erwähnt wird. G PSR (4, 349) Côtard und G PSR (4, 349 - 354) Côte erwähnen mehrere ähnliche Flurnamen; vgl. auch B OS- SARD / C HAVAN (2006, 23). Zu COSTELLU vgl. auch BENB (1, 2, 85) unter Gost-, wo die Bedeutung ‘ Wäldchen ’ an- Corbetsch 387 388 <?page no="259"?> genommen wird. Fraglich ist weiter, ob die formal gleichen Belege Goschte (Ausserberg) und Goschtelti (Ulrichen) als Entlehnungen von COSTA ‘ Abhang ’ gelten können (vgl. HL G OSCHT ). Costergium Costergium ist nur belegt in magnum Costergium (1690, Salgesch). Im Kontext des Belegs ist die via publica ‘ die öffentliche Strasse ’ erwähnt. Wie R. M AÎTRE (p. c.) mitteilt, ist das in Bagnes belegte Cotterg (p. 508 des D IC- TIONNAIRE DU PATOIS DE B AGNES ) zu FEW (2, 1258 f. * COTERI- CUM (gall.) gemeindeweide ’ ) zu stellen, das mit C Ŏ STA (FEW 2, 1245 ff. s. v. C Ŏ STA rippe) verbunden ist. costergium wäre also ‘ die Gemeindeweide ’ . Cottir Cottir ist als cottir in Salgesch belegt, erstmals 1594 in einer unsicheren Lesart als ouz cotter, 1651 als dÿ Cottÿr und 1685 als du Cottÿr. 1594 ist dort ein casamentum (Gebäude), später wird dort eine Wiese genannt. In Varen ist 1658 ein Weinberg en le cottierre belegt. Vermutlich sind beide Namen Ableitungen von lat. C Ŏ STA ‘ Rippe ’ (FEW 2, 1245 ff.), wohl côtière ‘ Abhang ’ (G PSR 4, 357 s.), einer Ableitung auf / - ARIA / . Cottière und Cottir sind auch in den Ortsnamen des Artikels erwähnt (cf. HL C HUTTAIER ). Courten (FaN) Courten (FaN) ist nur belegt als ts Gurtisch Bodu (Leukerbad) ‘ der Boden der Familie Curti (Courten) ’ . Es handelt sich um den Familiennamen Courten (AWWB 70) unter anderem auch als Curti erwähnt, der das Grundstück gehörte. Crepelet Crepelet ‘ der kleine Korb (Mulde) ’ ist nur 1783 in Albinen belegt. Im Text heisst es l. d. olim im Crepelet, nunc vocato in superiore Dieten ‘ der Ort, der früher im Crepelet hiess, das heute Oberdieten genannt wird ’ . M ATHIEU (2006, 31) kennt den alten Namen nicht. B OSSARD / C HAVAN (2006, 278) erwähnen Crebillette ‘ Gelände in der Form eines Korbes, leichte Mulde ’ . Der Name ist eine Ableitung zu frz. corbeille (FEW 2, 1179 ff. s. v. C Ŏ RB Ĭ C Ŭ LA körbchen; G PSR 4, 303 ss.). Creppi Creppi ‘ Fels ’ ist nur in Leuk belegt und zwar 1610 als ÿ Crepe, 1731 im Creppi und 1787 im Greppy. Der älteste Beleg zeigt, dass es sich um ein frpr. Wort handelt. Es tritt in den zwei späteren Belegen zusammen mit zen Grechten auf, das auf lat. CRISTA zurückzuführen ist (cf. HL G RECHTA ). B OSSARD / C HAVAN (2006, 246) vermuten, dass ein vorlat. * CREPP ‘ Felsen ’ (FEW 2, 1323 s. v. * KREPP felsen) Ausgangspunkt sei. Für Montana wird gr ə p ē ̩ ‘ rocher ’ angegeben, das im angrenzenden Leuk als ÿ Crepe ‘ beim Felsen ’ verschriftlicht werden konnte. Cretaz Cretaz ist zum HL G RECHTA zu stellen. Belegt sind a la Creta ‘ beim Hügel ’ (1610, Leuk) und das abgeleitete en Cretabouier (1650, Albinen), wo ein belegtes Bowiiri vorliegt, also auf dem ‘ Hügel mit der Ochsenweide ’ . Crettaz (FaN) Crettaz ist ein altbelegter FaN (AWWB 71), der im 19. Jahrhundert auch im Oberwallis erscheint. Belegt ist er in Kretta Hofeld ‘ das Hochfeld der Familie Crettaz ’ (1852, Eyholz). Cretteraut Cretteraut ist nur 1649 in Leuk als jm Cretteraut belegt, einem Weinberg zwischen den Brücken von Leuk (gemeint sind vermutlich die Rottenbrücke und die alte Brücke nach Varen). Es handelt sich wohl um eine frpr. Form zu crêt (G PSR 4, 531 s.; FEW 2, 1351 ff. s. v. CR Ĭ STA kamm) ‘ Grat ’ . Wozu der zweite Teil des Namens zu stellen ist (z. B. zu *heriwald (anfrk.) herold (FEW 16, 199 f.)), bleibt unklar. Als Vorschlag wäre zu erwägen: ‘ der Grat des Herolds ’ und die Deutung unter HL G RECHTA . Crevayz Crevayz ist in verschiedenen Schreibungen als ol Crevayz ‘ im rissigen Gebiet ’ (1328, Ergisch), ol Creuayz (1328, Ergisch) und ol Creueis (13. Jh., Ergisch) belegt. In Varen kommt es als des Creueiz (1241), es Creveiz (1241), en Creueiz (1248), es Creueiz (1249) und eys Crevayz (1337) vor. M EYER (1914, 163) stellt es zu CREPACEU , T AGMANN (1946, 21 s. v. Krévays) hingegen vorsichtig zu * CREPATAS . Die Ableitung ist zu lat. CR Ě PARE ‘ bersten ’ (FEW 2, 1316 ff.) zu stellen, B OSSARD / C HAVAN (2006, 38) geben dazu als Flurname Crevasse ‘ Terrain fissuré ’ (rissiges Gebiet). Der zunächst als ol Treneys gelesene Flurname in Ergisch ist ebenfalls hieher zu stellen als ol Creveys (Dank an P H . K ALBERMATTER (p. c.) für die Lesung). Creÿ Creÿ ist nur 1592 in Varen als en la creÿ ‘ beim Kreuz ’ belegt. Der Text fährt weiter sive apud crucem Varona ’ ‘ oder beim Kreuz von Varen ’ . crey ist deswegen zu frz. croix ‘ Kreuz ’ (G PSR 4, 598 ss., bes. 603 zu 9° Noms de lieux; B OSSARD / C HAVAN 2006, 203 s. v. Croix, wo auch Crey erwähnt ist) zu stellen. 389 390 Creÿ <?page no="260"?> Crosum Crosum ‘ Vertiefung, Höhlung ’ wird von T AGMANN (1946, 15 s. v. Croux) und von B OSSARD / C HAVAN (2006, 38) zu lat. CROSU ‘ creux ’ gestellt. T AGMANN beschreibt, was damit gemeint ist: ein vom Regen ausgehöhltes Gebiet oder ein Gebiet mit Löchern und Höckern oder ein Gebiet bei einer Höhle, einem Loch. Die Belege sind fast alle in Latein gehalten: das Simplex in Leukerbad 1439 als (in) croso ‘ im Gebiet mit einer Vertiefung ’ , mit einem attributiven Adjektiv in Ergisch (1361) in magno croso ‘ im Gebiet mit der grossen Vertiefung / Höhle ’ . In Leuk kommen drei Belege vor: 1331 iuxta crosum caldane ‘ neben der Vertiefung des Warmwassers ’ ; 1563 supra ripas crosi de crudillie und ebenfalls 1563 crosum crudillia ’ (es könnte sich hier um ein Versehen für cursum ‘ Wasserlauf ’ handeln; zu crudillia cf. HL C RUDELIAE ) und 1566 supra crosum dÿ cudry ‘ oberhalb der Vertiefung bei den Haselstauden ’ . Die letzten zwei Belege stammen aus dem Kopialbuch von Leuk, können also verändert worden sein. Die frpr. Form ist crous (cf. HL C ROUS ). Crous Crous ‘ Vertiefung, Höhlung ’ ist die historisch überlieferte Form von frz. creux (B OSSARD / C HAVAN 2006, 38; FEW 2, 1362 ff.; G PSR 4, 542b). Die Belege lauten im Simplex ou croux (1359 u. später, Agarn), crous (1687, Salgesch). Dazu kommen lo crous de larberey ‘ die Vertiefung bei der Silberpappel ’ (1328, Ergisch), ol crous loueres ‘ bei der Vertiefung beim Ort, wo es Wölfe hat ’ (1337, Agarn), lo crous de ylly ‘ die Vertiefung bei der Ill-Alpe ’ (1346 u. später, Leuk). Die Deutungen sind nicht sicher, so heisst es in Salgesch super vnam petiam Bercularum vocatam de Crous ‘ über einem Weinberg, der crous heisst ’ (1687); es handelt sich also wohl um einen Weinberg in einer Mulde. Zum lat. CROSUM cf. HL C ROSUM und zum gleichbedeutenden Cru cf. HL C RU . Cru Cru ist 1702 in Salgesch als im Cru ‘ in der Geländevertiefung ’ belegt. Gemeint ist ein Stück Weinberg. Es ist zu *krosu (gall.? ) hohl (FEW 2, 1362 ff.) zu stellen, vgl. auch creux (G PSR 4, 542 ss.) und Grou (BENB 1, 2, 117). Das frpr. Wort erscheint in Salgesch mit einer dt. Präposition; eigentlich müsste das / u/ mit einer Palatalisierung als / y/ (ü: ) ausgesprochen werden. M ATHIER (2015) kennt den Flurnamen nicht. Crudeliae Crudeliae ist zweimal belegt: einmal 1595 in Agarn als Cursum Crudeliae (Genitiv konstruktionsbedingt) ‘ der Lauf des rauen Baches ’ , zum andern 1563 in Leuk als ad Crosum Crudillia ’ und Crosi de Crudillie (Genitiv konstruktionsbedingt) ‘ die Vertiefung (Schlucht) des rauen Baches ’ . Der lat. Name C RUDELIA ‘ der raue Bach ’ und die frpr. Form Crudillie ‘ der raue Bach ’ stehen hier nebeneinander. Da Agarn früher zur Gemeinde Leuk gehörte, ist vermutlich der gleiche Bach gemeint. Das HL ist wohl zum Adj. lat. CR Ū DUS ‘ roh ’ (G PSR 4, 617 ss.; FEW 2, 1386) zu stellen. FEW gibt u. a. mfr. cruaulté ‘ crudité (de l ’ eau) ’ an. Es ist im Kontext klar auf einen Bach und seine Schlucht anzuwenden; auf deutsch meint es wohl einfach ‘ die Raue ’ . Crujeten Crujeten ist 1861 für Varen belegt, in einer unsicheren Lesart. Der Schreiber des Textes aus dem 19. Jahrhundert schien darin einen romanischen Namen zu sehen, darauf deutet der Anlaut mit Crhin. Die Endung ist verdeutscht und kann sowohl romanisch, wie auch deutsch sein. Der eigentliche Wortstamm ist am ehesten zum frpr. croux ‘ creux ’ (Höhle, Graben; ausgesprochen [kru]) zu stellen (T AGMANN 1946, 15; G PSR 4, 542 - 546). T AGMANN (a. a. O.) erwähnt auch ein kro ž étta ‘ petit creux ’ für Mollens. Crujeten wäre also ‘ die kleine Höhle, das kleine Loch ’ . Cudry Cudry ist nach T AGMANN (1946, 26) und B OSSARD / C HAVAN (2006, 178) zu coudrier (noisetier) ‘ Haselnuss-Staude ’ zu stellen; in Albinen erscheint es auch als in Güüdri ‘ im Haselstaudengebiet ’ (auch bei M ATHIEU 2006, 10 belegt und gleich gedeutet). G PSR (4, 377 s. v. Coudrey) verweist auf das gleiche Etymon mit dem Suffix / - ETU / . Das Simplex ist neben Albinen belegt für Leukerbad (1352 en codrey; 1579 ov cu ᵕ drÿ) und Salgesch (1566 supra crestam dÿ cudrÿ ‘ oberhalb des Grates mit Haselstauden ’ ). Eine lange Liste von historischen Belegen weist Inden auf: 1338 ol coudrey, 1433 ov codre und zuletzt 1709 in Coudry. Leuk hat 1566 Crosum dÿ Cudrÿ (Kopialbuch, vermutlich also später) ‘ die Vertiefung bei den Haselstauden ’ . Albinen weist Komposita auf: in plano cudry (1358) ‘ auf der ebenen Fläche mit Haselstauden ’ ; jm cudri Arialandt (1664) ‘ die Haselstauden des Arialand (unklar) ’ und den lebenden Beleg Vordergüüdri ‘ der vordere Teil des Güüdri ’ . Cules Cules ist nur 1514 in Inden als eÿs Cules ‘ bei den Ärschen ’ belegt. Es ist wohl zu lat. C Ū LUS arsch (FEW 2, 1505 ff.; G PSR 4, 652 ss., bes. 660, 11° Noms de lieux) zu stellen; gemeint ist hier eine Felsformation (saxa), die einem Hinterteil entspricht. Crosum 391 392 <?page no="261"?> Curia Curia ist nur historisch in Leuk als de Curia (erstmals 1210) belegt; es handelt sich wohl um einen FaN, der auf deutsch Imhof (AWWB 129) heisst. Die frühen Belege für Leuk beziehen sich wahrscheinlich auf einen romanischen Namen, der jedoch nicht belegt ist. de Leuca von 1255 ist der einzige Beleg mit einem vermutlichen Herkunftsnamen. In Inden ist 1328 u. später ein pratum de curia belegt, also eine Wiese beim Hof. Eine zweite Lesung von 1328 hat pratum de cuna, vermutlich verschrieben für de curia. Da beide Belege im 13. und 14. Jahrhundert erscheinen, dürfte tatsächlich ein romanisches curia gemeint sein. Vgl. hierzu G PSR (4, 670 ss. s. v. cure). Eine blosse Übersetzung für den FaN Imhof dürfte in dieser Zeit mindestens für Inden schwierig sein. Curmilz Curmilz ist nur einmal 1346 in Leukerbad als alpis de curmilz belegt. Ob ein Zusammenhang mit dem freiburgischen Gurmels (K RISTOL ET AL ., 2005, 421 f.) besteht, ist sehr unsicher. Bei Gurmels wird übereinstimmend als Erstglied CORTE ‘ Hof ’ < lat. COHORTEM angenommen. Bei einer alpis ‘ Alpe ’ ist das kaum der Fall. BENB (1, 2, 41) nimmt auf der Grundlage der Literatur in HBLS (3, 431) an, dass Gurmilz ein früherer, wohl verstümmelter Name der Gemmi gewesen sei. Der ursprüngliche Name sei Gurnigel (aus mlat. CORNICULUM ) (cf. HL G EMMI ). Curs Curs ist 1577 in Leukerbad als Saxa dÿ Curs belegt und 1587 in Varen als Saxa di Curs; vermutlich sind beide Stellen identisch. Gemeint sind hier Felsen, die sich nur schwer zu frz. cour ‘ Hof ’ stellen lassen und eher zu frz. cours (FEW 2, 1576 s. v. c ŭ rsus lauf; G PSR 4, 446 ff. s. v. cours) zu stellen sind. Der Genitiv auf / di/ bezeichnet ein Maskulinum. Die genaue Deutung ist unklar. Am ehesten ist ein Zaun gemeint (Bedeutung 9. 4. in G PSR 4, 447), also ‘ die Felsen beim Zaun ’ , aber das ist unklar. Eine Ableitung Curseta ist 1346 in Varen nach M. S. belegt. P H . K ALBERMATTER (p. c.) ist jedoch sehr unsicher und liest ceseta oder - mit Berücksichtigung eines kleinen / o/ über dem Vokal - corseta; die Stelle ist nicht gut leserlich. Die Endung / - ETA / ist wohl ein Diminutivsuffix / - ITTA / (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 287). Angesichts der schwierigen Lesung wird hier auf eine Deutung verzichtet. Cusetaz Cusetaz ist nur einmal 1494 in Salgesch als en la cusetaz belegt. Dort befindet sich eine Wiese. Das HL ist nicht belegt; eine Deutung ist nicht möglich. 393 394 Cusetaz <?page no="262"?> Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch (VSNB) Band 2: Flurnamen D - J Herausgegeben von Iwar Werlen unter Mitarbeit von Anne-Lore Bregy, René Pfammater und Gabriele Schmid und Valentin Abgottspon, Claude Beauge, Werner Bellwald, Milda Christen, Martin Clausen, Gabriela Fuchs, Dominique Knuchel, Gisèle Pannatier und Stefan Würth sowie mit zwei Beiträgen von Philipp Kalbermatter <?page no="263"?> Umschlagabbildung: Bearbeitete Version der Abbildung „ Gemeinden des Kantons Wallis “ von Tschubby (https: / / de.wikipedia.org/ wiki/ Kanton_Wallis#/ media/ Datei: Karte_Gemeinden_des_ Kantons_Wallis_farbig_2021.png), CC BY-SA 4.0 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Das Gesamtprojekt des Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuchs wurde gefördert durch die Walliser Delegation der Loterie Romande, im Kanton Wallis durch das Erziehungsdepartement und die Dienststellen für Kultur und Hochschulwesen, die Stadtgemeinde Brig sowie anonyme Spender. Prof. em. Dr. Iwar Werlen Wangenhubelstrasse 5 3173 Oberwangen bei Bern SCHWEIZ DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381116126 © 2024 · Iwar Werlen Das Werk ist eine Open Access-Publikation. Es wird unter der Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen | CC BY-SA 4.0 (https: / / creativecommons.org/ licenses/ by-sa/ 4.0/ ) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, solange Sie die/ den ursprünglichen Autor/ innen und die Quelle ordentlich nennen, einen Link zur Creative Commons-Lizenz anfügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Werk enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der am Material vermerkten Legende nichts anderes ergibt. In diesen Fällen ist für die oben genannten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. 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KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISBN 978-3-381-11611-9 (Print) ISBN 978-3-381-11612-6 (ePDF) ISBN 978-3-381-11613-3 (ePub) Bestellbar im Bundle mit den Bänden 1 bis 4 unter ISBN 978-3-381-10831-2. <?page no="264"?> Inhalt D (siehe auch T) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 E . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 F (siehe auch V) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 G (siehe auch C und K) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 H . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 425 I (siehe auch J) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 529 J (siehe auch I) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 543 Verbunden mit dieser Publikation ist eine Datenbank der einzelnen Orts- und Flurnamen. Zusätzlich sind darin die folgenden Informationen hinterlegt: Gemeinde, Kennzahl, Umschrift des jeweiligen Namens, Kartenangaben, geographische Höhe und geographische Länge und Breite, Hauptlemma und Lemma, zusätzliche Angaben; dazu kommen geographische Lage und Höhe, Beschreibung, lebende Belege und historische Angaben mit der Jahreszahl und einem Zitat mit den historischen Belegen der Namen. Das alles ist natürlich nur vorhanden, wenn die Namen lebend sind; wenn nur historische Belege vorhanden sind, werden nur sie dargestellt. Die Installations- und Systemdateien für die Datenbank können Sie unter diesem Link herunterladen: https: / / files.narr.digital/ 9783381108312/ Datenbank.zip. <?page no="266"?> D (siehe auch T) Daalu Daalu ‘ Dala ’ f. ist der Bach, der von Leukerbad nach Leuk in den Rotten fliesst und dabei im unteren Teil eine tiefe Schlucht bildet. Das Simplex ist in di Daalu (Leuk), zer Daalu (Albinen FLNK Dala; Varen), Dalu (FLNK, Leukerbad; SK u. LT Dala), in Dala (1512 u. später, Inden) belegt. J ACCARD (1906, 128) setzt den Namen zu den Daliterni ‘ Einwohner der Umgebung der Dala ’ und vermutet keltischen Ursprung, ohne weitere Deutung. Historisch erscheint der Name als Dala (1381 Leuk; 1416 und 1417 Dale (Genitiv)). Weitere historische Belege zeigen durchwegs Dala, häufig auch als lat. Form dekliniert. Das Gebiet weist frpr. Namen auf, eigentlich deutsche Namen sind erst spät (16./ 17. Jahrhundert) belegt. G PSR (5, 5 s. v. dalle ‘ Steinplatte ’ ) kennt den Namen als Flussnamen im waadtländischen Teil des Rottens. Allerdings bringt FEW (23, 23 s. v. dalle) keine Deutung. Deswegen bleibt der Name unsicher, ist aber mit Sicherheit vordeutsch. Ursprünglich lateinische oder frpr. Konstruktionen enthalten: Golam de Dala (1355, Leuk; später Gulam), hier wohl ‘ Schlucht ’ , lo Boiz de Dala (1328, auch Beiz), wohl ‘ Dalawald ’ , Pra de Dala ‘ die Wiese bei der Dala ’ (1706, Leuk), Pro de Dala ‘ die Wiese bei der Dala ’ (1693, Albinen), Saxa de Dala ‘ die Felsen der Dala ’ (1490, Varen), Saxum de Dala (1294, Leuk; später auch Saxa de Dala) ‘ die Felsen der Dala ’ , Viam de Dala ‘ der Weg zur Dala ’ (1285, Leuk). Lebend ist auch Pralidaalu ‘ die Wiese bei der Dala ’ (Leukerbad, FLNK Pradidalu) belegt, ursprünglich wohl ‘ die Wiese bei der Dala ’ (R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 67 und Blatt 10, Nr. 33). Später kommt der Bachname als Grundwort wie folgt vor: t Lämmeradalu ‘ die Dala aus dem Lämmertal ’ (Leukerbad; bei R. G RICHTING (1993) nicht belegt), Bannschidala ‘ die Dala (Flussname) aus dem kleinen Bann-Gebiet ’ (Albinen; M ATHIER (2006, 27 Nr. 12)). Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita zusammen mit Brigga, Gletscher, Loch und Wärch. Komplexer sind superius Acueductum Dale Jllorum de Sarqueno ‘ oberhalb der Wasserleitung der Dala der Leute von Salgesch ’ (1524, Salgesch), di Daaluwasserleitu ‘ die Wasserleitung von der Dala her ’ (Varen). Ein noch komplexerer Name findet sich im Beleg consortum novi aqueductus dale ‘ der Konsorten der neuen Wasserleitung der Dala ’ (1501, Leuk). Der lat. Name CONSORTES meint auf dt. Geteilen. Ebenfalls komplex ist der Name die Obre Dal Matten ‘ die obere Wiese bei der Dala (Fluss) ’ (16(9)7 u. später, Albinen). Daana Daana ist in Visp belegt; es handle sich um das früher „ änund der Brigga “ genannte Gebiet. Die erwähnte Brücke geht über die Vispa; der Rotten fliesst mehrere Hundert Meter nördlich davon durch. Daana ‘ jenseits ’ ist zum schwdt. Adv. d ā ne, dëne, dana ‘ drüben, jenseits ’ und wdt. daana, daanä (Goms) ‘ jenseits, gegenüberliegend, drüben ’ (I D . 1, 267; G RICHTING 1998, 56) zu stellen. Dabei ist fraglich, ob dana als Gegensatz zur Präp. hiena nicht in da-nach zerlegt werden sollte (I D . 1, 267), I D . gibt als Beispiel ‘ hien ā ch und d ā na ch d em Gang ist die Lagerstelle der Kühe ’ (I D . 12, 22). Als Flurname meint die eigentlich deiktische Form einen Dorfteil, der sich jenseits der Brücke befindet. Typischerweise ist das jedoch kein Flurname, sondern einfach ein Verweis auf ein jenseitiges Gebiet. So liegt von Brig aus gesehen das alte Glis daana der Säältina ‘ jenseits der Saltina ’ und Naters liegt daana dem Rottu ‘ jenseits des Rotten ’ . Daare Daare ist lebend als di Daare (Salgesch, FLNK Daare; LT Dare) belegt. FLNK kennt weiter Daaruwald (Salgesch). M ATHIER (2015, 35) nennt Daarä. Es handelt sich um eine Waldgebeit im Norden von Salgesch. Ein historischer Beleg von 1806 weist jn din Darro auf. M ATHIER führt den Flurnamen nach H UBSCHMIED (1933, 265) auf *dagla ‘ Fichte ’ (cf. D ELAMARRE (2003, 134), der ‘ Fackel, Föhre ’ angibt) zurück, das im Wdt. als dallia ‘ Föhre ’ erscheint (FEW 3, 7 s. v. dalea (germ.? ) föhre; G PSR 5, 5 ss. s. v. d ā ̩ ly ə mit kritischen Anmerkungen zur Etymologie). Zwar kennt das Val d ’ Anniviers laut FEW darle, doch kann das die Form in Salgesch nicht erklären. Die Patois des Mittelwallis weisen eine Entwicklung von / lm/ zu / rm/ auf (cf. balma vs. barma), doch ist diese Entwicklung auf die Position vor Konsonant beschränkt. I D . (12, 1395 ff. s. v. T ǟ l ‘ Föhre, Kiefer ’ ) weist keine Form Daare auf; die Anmerkung hierzu ist unsicher. Die Deutung von M A- THIER ist deswegen kaum stichhaltig; eine bessere steht allerdings auch nicht zur Verfügung. Daatilje Daatilje ist nur in di Daatilje ‘ die kleinen Gräte ’ (Leukerbad) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 29, Nr. 2) kennt es als Datiljä und benennt dabei auch Chley und Gross Datiljuhoru ‘ das kleine und das grosse Datilju-Horn ’ (R. G RICHTING 1993, Blatt 29 Nr. 1 und Nr. 3). Auf LT sind die beiden Gipfel als Unders und Obers Tatelishore und 1 2 Daatilje <?page no="267"?> die zugehörige Ebene als Tatele belegt; sie sind schon auf SK als Tatlishorn und Ober Tatlishorn sowie Tatelen aufgeführt; alle Belege befinden sich auf dem Gebiet des Kantons Bern (Kandersteg). H UBSCHMIED (1940, 24 f.) führt die Benennung auf frz. tertre ‘ Hügel, kleine Erhebung ’ zurück, dessen diminutive und dissimilierte Formen zu *t ā drell ī ns geführt hätten, das mit / r-/ Schwund und Wechsel zum dt. Suffix / - LE ( N )/ zur aktuellen Form geführt hätte. Im Walliserdeutschen wäre - das ist bei H UBSCHMIED nicht diskutiert - die palatale Form Daatilje entstanden. Die komplizierte Deutung von H UBSCHMIED ist die einzig vorhandene; wir zitieren sie deswegen hier. Dach Dach n. ist zu schwdt Dach n., Pl. Decher, Dächer, wesentlich wie nhd. Dach an Gebäuden, ahd. t ā ha, mhd. t ā he, dach, techen und wdt. Tach ‘ Dach ’ (I D . 12, 173 ff.; G RICHTING 1998, 192) zu stellen. Das Simplex allein kommt nicht vor. Als Kompositum ist der Typ Schäremdach n. ‘ Vordach oder selbständiger Bau, Schutzdach für das Alpenvieh ’ (I D . 12, 186) belegt. Er kommt vor als ts Schärutach ‘ das Dach, das Schutz bietet ’ (Baltschieder), tsch Schäärutach ‘ das Dach, das Schutz bietet ’ (Eggerberg), ts Schäärutach ‘ das Dach, das Schutz bietet ’ (Eyholz), Schärutach ‘ das Dach, das Schutz bietet ’ (FLNK, Visp). Dazu kommt ein vorangestellter Genitiv beÿ Christen Andres Scherentach ‘ bei Christen Andres ’ Schermdach (Schutzdach) ’ (1703, Zeneggen) und der komplexere Beleg ts Schärutachschiirli ‘ die kleine Scheuer beim Schärutach (Dach, das Schutz bietet) ’ (Baltschieder). Der Typ kann auch metaphorisch für ein Gebiet stehen. Nur einmal belegt ist ts Unnertach ‘ der Dachboden (metaphorisch: das Gebiet gleicht einem Dachboden) ’ (Leuk). Im Wallis wird Underdach oder Unnerdach für ‘ Dachraum, Estrich ’ oder ‘ Dachboden, Estrich ’ (I D . 12, 181; V. S CHMID 2003, 211) gebraucht. Beim Flurnamen handelt es nicht um einen Dachboden, sondern um etwas, das einem Dachboden gleicht. Daichtscha Daichtscha f. ist nur einmal in Blatten bezeugt. Das Suffix / - SCHA / - SCHU / ‘ Gut des X ’ ist in Blatten schon in Huitbrächtscha / Huiprächtscha und Brächtscha vertreten; es ist also anzunehmen, dass in Daichtscha ein PN Daich oder Daicht (nach dem Staubschen Gesetz) enthalten ist, und die Deutung ‘ das Gut des Dank ’ ist. Allerdings findet sich weder ein FaN, noch ein PN in den uns zugänglichen Quellen. Ein Zusammenhang zum Nomen Dank (I D . 18, 607 ff.), das im Lötschtental als Daich erscheint, ist wenig plausibel. Däliiri ts Däliiri mit Betonung auf der ersten Silbe ist nur in Varen belegt. Die historischen Belege sind äusserst heterogen: 1346 eys deleres, 1375 eys deleres, 1413 en la deluerý, 1509 en deseliers, 1649 en la deliri, 1655 in die Daliri, 1659 in die Delire, 1668 in die Deveasire, 1737 in die De Lire, 1754, in den Delÿree, 1759 in die Dellirÿ, 1782 in die Deliry. Ob alle diese historischen Belege hieher gehören, ist unsicher. Die meisten davon bezeugen einen Namen auf Deleres, später Deliri oder Daliri. Die historischen Belege lassen kaum auf Dählen (FEW 3, 7 s. v. *dalea Föhre) schliessen. SK zeigt einfach einen Weg nach Varen, Weinberge sind etwas westlicher bezeugt. Dählen sind aber dort kaum belegt. Die heutige umfassende Bebauung mit Weinbergen ist sicher später. Eine Deutung für den Flurnamen ergibt sich trotzdem nicht, wenn man vom Weg zur Dala absieht (von Varen aus gesehen würde das stimmen), das dann mit einer Ableitung auf lat. / - ARIA / oder / - ARIU ( M )/ ‘ das Gebiet bei der Dala ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) zu verstehen wäre. Da aber immer ein / ä/ oder / e/ vorhanden ist, kann diese Deutung kaum zutreffen. Der Flurname lässt sich insgesamt jedoch nicht deuten. Dames Dames ist nur auf LT als Diablon des Dames (Oberems) belegt. Es handelt sich um einen Gipfel auf 3537 m. ü. M., der Teil einer Gebirgsgruppe les Diablons ist. Laut G PSR (5, 676) ist der Gebirgsname von diable ‘ Teufel ’ abgeleitet (FEW 3, 64). Dames (G PSR 5, 10ss.) ist hier wohl zum frz. dame ‘ Dame ’ (FEW 3, 123 ff. s. v. domina herrin) zu stellen und vermutlich auf die einfache Besteigung des Berges anzuwenden. Damm Damm ist zu schwdt. Damm wie nhd. ‘ Damm, künstlich errichteter Schutzwall ’ , mhd. tam, tammes (I D . 12, 1781 f.) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) ist es nicht erwähnt. Belegt sind die Simplizia der Damm ‘ der Damm gegen die Lawinen ’ (Zwischbergen), Damm ‘ der Damm (gegen Überschwemmungen) ’ (FLNK, Niedergesteln; FLNK, Reckingen) und das Kompositum Löuwinedamm ‘ der Damm gegen die Lawinen ’ (FLNK, Biel). Das HL ist wohl hochdeutsch beeinflusst; sonst wird eher Weri (cf. HL W ERI ) verwendet. Damma Damma ist als der Dammastock und der Dammapass (Oberwald) belegt. Beide Namen befinden sich auf der Grenze zwischen dem Wallis und Uri. URNB (1, 759 s. v. Damma) stellt das HL entweder zu dammas ‘ Gemsen ’ oder zu einem dt. Damm. Beide Deutungen sind eher Dach 3 4 <?page no="268"?> spekulativ und können keine sichere Deutung ermöglichen. Damun Damun ist ein zusammengesetztes Wort aus der Präposition de und amont ‘ oben ’ (G PSR 1, 356 ss., bes. S. 358 mit de) (Dank an G. P ANNATIER (p. c.) für den Hinweis). Es ist in Salgesch 1644 als le termino damun ‘ die Grenze oberhalb ’ und im gleichen Jahr in einer Kopie aus dem 18. Jahrhundert als le termino d ’ amum lo bis de la Raspilij ‘ die Grenze oberhalb der Wasserleitung der Raspille ’ ebenfalls in Salgesch belegt. In Salgesch ist weiter 1646 en la fin damun ‘ in der oberen Zelg ’ und 1681 v clou damun ‘ im oberen eingefriedeten Gut ’ (wohl identisch mit Nr. 42769 der Datenbank) bezeugt. In Albinen erscheint 1660 u. später en la gietti damun ‘ in der oberen Gieti (Voralpe, frpr.) ’ und 1650 und später eÿ dewen dammon ‘ der obere Teil des verbotenen Gebietes ’ . Dannschelo Dannschelo ist nur als Preesa Dannschelo belegt; LT und FLNK haben Presa d ’ Angelo ‘ das Haus mit Umschwung des Angelo ’ (Zwischbergen). J ORDAN (2006, 303) hat es als di Preesa dAnschel mit Varianten. Es handelt sich um ein Gut, das einem Angelo (wohl PN) gehörte; das Nomen angelo ‘ Engel ’ (D EVOTO / O LI 2020, 116 f.) ist nicht gemeint. Datsooljio Dazooljo ist nur belegt in Tschiima Datsooljo (Zwischbergen). LT und FLNK haben Cima d ’ Azoglio. J ORDAN (2006, 395) kennt Azóljo. Es handelt sich um einen Grenzgipfel (2611 m) zwischen Italien und Zwischbergen. Die Schreibweise mit anlautendem / d/ entspricht der it. Präposition de. Azoglio ist der Name eines Weilers von Crevacuore in der Provinz Biella (Piemont) - ein direkter Zusammenhang ist jedoch nicht erkennbar. Der Name ist italienisch; eine Deutung fehlt (z. B. O LIVIERI 1965, 79; er kennt nur Azeglio, dessen vermutliche Bedeutung *agellis ‘ auf den kleinen Feldern ’ für den Gipfel nicht in Betracht kommt). David (PN) David (PN) ist der männliche Personenname David (I D . 12, 549). Belegt ist er im Genitiv ts Taafidsch Färrich ‘ der Pferch des David (PN) ’ (Ferden). Auf der Luftfotografie ist ein steinerner Pferch auf ca. 2355 m erkennbar. Däweng Däweng, auch Deweng ist in Albinen als ts Deweng oder Däweng (Erstbetonung) belegt. M ATHIEU (20006, 13) kennt es als Däwäng. Die ältesten Belege sind 1337 ol Deweng, 1345 ol Deuens, 1353 ou Deuens, 1544 ov Deweng usw. Weiter sind belegt ey Dewen Damon (1650 u. später) und o Deuen superiori (1602, Albinen), also ‘ im oberen verbotenen Gebiet ’ . B OSSARD / C HAVAN (2006, 126) kennen Devens und verwandte Formen als „ terre, souvent forêt, soumise à certaines restrictions “ und leiten es von lat. DEFENSUM ab, also etwa ‘ das verbotene Gebiet ’ (cf. G PSR 5, 583 s. v. devens, bes. 5, 585 Noms de lieux). Deffin Deffin ist nur einmal 1540 in Stalden in die meisten Deffin belegt. Aus dem Kontext geht hervor, dass es sich hier um eine Grenze handelt. Deffin ist ein femininer Akkusativ, dessen Deutung aber unklar bleibt (cf. aber HL D EFIN ‘ Grenze ’ ). Wenn diese Deutung richtig ist, geht es um ein frpr. Wort, das in Stalden um 1540 nur als Fremdwort zu verstehen ist. Deffin liesse sich aber auch zu Teiffi ‘ Tiefe ’ (cf. HL T EIFF ) und meist zum Verb meisse n ‘ Heu schroten ’ (I D . 4, 465; G RICHTING 1998, 134 mit Varianten) stellen, doch bleibt diese Deutung sehr unsicher. Defin Defin ‘ Grenze zwischen Anwesen ’ kommt 1508 als en la defÿn und 1548 als en laz defyn in Albinen vor. In beiden Fällen wird der Name lateinisch als in eodem loco differentia und in eodem loco differentie notiert. Das lat. DIFFERENTIA meint eigentlich ‘ Verschiedenheit ’ , kann aber hier auch als ‘ Grenze ’ verstanden werden. Der Flurname ist wohl zu patois d ǝ fin ‘ [l]imite entre deux propriétés ’ (G PSR 5, 167) zu stellen, ist aber anders als dieses feminin; zu femininen Formen von fin vgl. G PSR (7, 461 ss.). Deisch Deisch ist zunächst ein Weiler von Grengiols an der Furkastrasse am oberen Ende einer steilen Talstufe, die als Mons Dei ‘ Gottesberg ’ (schon 1344, Grengiols) fromm umgedeutet worden ist. Die historischen Belege zeigen die Form Do ᵉ ÿsch (1425 und später), also mit einem gerundeten Diphthong; die frühen Belege wie Deischbach (1367, Lax) und vfem Deisch (1437, Grengiols) gehen - laut P H . K ALBERMATTER (p. c.) - auf Kopialbücher aus dem 17. Jahrhundert zurück. Daraus lässt sich folgern, dass die ältest belegte Form einen gerundeten Diphthong enthält. H UBSCHMIED deutete Deisch oder Teisch als deutsch, Doeys als französisch, und führte den Namen auf kelt. *d ā ouks ū ‘ auf der Höhe ’ zurück. Diese Deutung wurde von P OKORNY abgelehnt, da es eine kelt. Präposition * d ā nicht gebe und da der Name auch in der deutschen Schweiz und im grössten Teil Süddeutschlands verbreitet sei. Er lasse sich auf das Appellativ Deisch, Teisch ‘ Kuhmist, Kot, Dünger, Schmutz, Abfall ’ , 5 6 Deisch <?page no="269"?> ahd. theisk, deisk ‘ Mist, Misthaufen ’ zurückführen (H UB- SCHMIED 1938, 98; P OKORNY 1948/ 49, 240; I D . 13, 1891 ff., mit einer Diskussion des Namens 1893). Es gibt damit einerseits die gerundete Form, anderseits die ungerundete; beide entsprechen vermutlich zwei verschiedenen Formen, die als éine interpretiert wurden. Da die gerundete Form ursprünglich zu sein scheint, kann P OKORNY s Deutung nicht zutreffen; hingegen sind die Belege für Bellwald, Hohtenn, Saas-Balen und Betten klarerweise auf Deisch ‘ Mist ’ zurückzuführen. Die Belege zu Deisch (Grengiols), Lax und vermutlich auch Binn jedoch müssen zu einem Lemma Döisch gestellt werden, ohne dass dazu eine Erklärung möglich ist (auch H UB- SCHMIED s Deutung kann kaum stimmen). Das Simplex Deisch (Grengiols) ist historisch auch in Lax (1580) als vffen Deisch ‘ auf dem Deisch ’ belegt; diese präpositionale Form ist auch bei Grengiols historisch mehrfach belegt, teilweise auch als lat. SUPER . Das deutet darauf hin, dass der Weiler auf der Höhe der Talstufe Deischberg liegt. Für Binn ist auff Deisch (1762) belegt, vermutlich der gleiche Ort wie in Grengiols. Relative Lagen benennen ts Ober Deisch (Grengiols, Lax) und ts Unner Deisch (Grengiols); in Fiesch ist historisch 1737 im obren Deÿsch belegt, auch hier ist unklar, ob der Ort mit jenem in Grengiols identisch ist. In allen andern Belegen ist Deisch Bestimmungswort. Der Deischbach (Martisberg, Grengiols, Lax) fliesst von der Martisbergeralp an Lax und Deisch vorbei in den Rotten. Zu ihm gehören der Deischbachgrabe (Lax) und die Deischbachsita (Lax). Der Deischwald (Grengiols), auch Deischwaud (Lax) befindet sich östlich von Deisch. Zu Lax gehört auch an den Deÿschackren (1552). Der Deischbärg (auch Mons Dei, ab 1344) gehört wie auch t Deischcheerna ‘ die Kehren der Kantonsstrasse am Deischberg ’ und di Deischerwasserleita ‘ die Wasserleite nach Deisch ’ zu Grengiols. Die Deischägerta ‘ das Brachland beim Mist ’ (Betten), in der Deisch=Halten ‘ in der Halde beim Deisch (Mist) ’ (1850, Bellwald), di Teischbalmu ‘ der überhängende Fels mit Mist ’ (Saas-Balen) und das komplexere Teischbalmen Kenel ‘ der Kännel im Gebiet der Teischbalma (überhängender Fels mit Mist) ’ (Hohtenn) sind weitere Vorkommen des HL D EISCH , die zur Deutung ‘ Mist ’ passen. Deleschi Deleschi ist als di Deleeschi ‘ das Zaungatter ’ (Albinen, auch LT und FLNK) zweimal belegt. M ATHIEU (2006) führt es als frpr. delése ‘ Zaungatter ’ (S. 10) auf und erwähnt Deleeschi weiter auf den Seiten 39, 41, 43, 47 und 49. Die beiden Namen bezeichnen zwei verschiedene Orte; der eine liegt im Gebiet Planedri, der andere weiter oben und östlich im Gebiet des Boviriwald (so auf 1: 10000). G PSR (5, 259 ss. s. v. d ə l ē ̩ ́ z ə ‘ Zaungatter ’ ) kennt eine Reihe von Noms de lieux zu diesem Wort. Historisch ist es als in die Deleschi 1807 in Salgesch belegt. Ein früherer Beleg von 1594 zu Deresy ist ebenfalls in G PSR für Salgesch aufgeführt (cf. HL D ERESY ). Della Bianca (FaN) Della Bianca (FaN) ist nur belegt in Della-Bianca Turli ‘ der kleine Turm der Familie Della Bianca ’ (Visp). Es handelt sich um einen FaN, der seit 1892 in Visp vertreten ist (siehe Artikel Della Bianca von H.-R. A MMANN im Historischen Lexikon der Schweiz (https: / / hls-dhs.dss. ch/ de/ articles/ 028749/ 2005-03-22[06.07.2020iw]). Das F A- MILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 412) verzeichnet den FaN für Brigerbad und führt ihn auf Italien zurück. Deneym Deneym ist nur 1344 in Albinen als ou deneym belegt; M. S. ist nicht sicher, ob der Beleg so zu lesen ist. Die Flur muss sich laut Dokument in Tschingere befinden. M A- THIEU (2006, 19) kennt den Namen nicht. Im Kontext ist von einem Zehnten der Ackerfrüchte in diesem Gebiet die Rede; ein Hinweis auf frz. dîme und dixième bringt jedoch kein Ergebnis (FEW 3, 24 f. s. v. decimus der zehnte; G PSR 5, 713 ss. s. v. dîme und 5, 785 ss. s. v. dixième). Der Flurname muss deshalb ungedeutet bleiben. Denk Denk ist nur belegt als Bestimmungswort, das zu hdt. Denkmal zu stellen ist und wie dieses ‘ Bauwerke, Säulen, Statuen, Gemälde, Grabhügel, bestimmt das Andenken an eine Person oder eine Sache oder an ein grosses Ereignis zu erhalten ’ (G R W B 2, 941, 21) bezeichnet. Das Kompositum ist im I D . nicht enthalten. Belegt sind: bim Denkmal (Grengiols), laut Gwp. Holzdenkmal zur Erinnerung an vier tote Soldaten mit ihren Namen, bim Denkmal (Obergesteln), Erinnerung an die Schlacht von Ulrichen (1211), ts Dänkmaal (Leuk), Erinnerung an die Schlacht von Pfin (1799), auf LT Pfyndenkmal, FLNK Pfydänkmal (beide Leuk), bim Schawedenkmal ‘ beim Denkmal an den Flieger G. Chavez (1887 - 1910) ’ (Ried- Brig) und ts Tindelsch Denkmal ‘ das Denkmal für Tyndall (John Tyndall (1820 - 1893), irischer Physiker und Alpinist) ’ (Naters). Dent Dent ‘ Zahn, steiler Berggipfel ’ ist historisch 1352 in Leukerbad als la dent, und 1320 u. später in Unterems als dent belegt; interessanterweise hat ein Beleg von 1398 zen Zenden seu a ladent ‘ bei den Zähnen oder beim Zahn ’ . Komplexer ist la dent de guerses ‘ der Zahn von Guerses ’ Deleschi 7 8 <?page no="270"?> (letzteres ist unbekannt, cf. HL G UERSES ). Dent ist zu frz. dent f. ‘ Zahn ’ , geografisch ‘ steiler Berggipfel, hervorragende Spitze ’ (G PSR 5, 1, 332) zu stellen; Dent wird in der frz. Westschweiz häufig für „ Berggipfel “ verwendet. Depot Depot ist nur als Deppo Teeler ‘ das Depot der Firma Theler ’ (Raron) belegt. Es handelt sich um ein Materialdepot der Firma Theler AG in Raron. Das HL ist als Deppo ‘ Depot ’ (G RICHTING 1998, 57) verzeichnet. Zum hdt. Depot vgl. K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 191 s. v. Depot). Deresy Deresy ‘ das Zaungatter ’ ist nur 1594 in Salgesch als lo deresy belegt. Es ist zu G PSR (5, 259 ss. s. v. d ə l ē ̩ ́ z ə ) zu stellen, wo auch die phonetischen Unterschiede diskutiert sind (cf. HL D ELESCHI ). Deretji Deretji (bei M ATHIEU 2006, 13 Därätji) ist in Albinen belegt (FLNK Däretji). Historisch gibt es seit 1648 eine Flur Le Derrÿ, 1649 ou Deriou, 1666 in Deri Wiu und später wieder Le Derri geschrieben. Ob es sich um die gleiche Flur handelt, ist unklar, aber wahrscheinlich. Zu Grunde liegt wohl dèrai (vereinfacht, G PSR 5, 395 ss., als Flurname 398 ss.) ‘ hinter ’ , hier also die hinten oder höher gelegene Flur, vom Dorf aus gesehen. Die lebende Form weist eine dt. Diminutivendung auf ‘ die kleine hinten gelegene Flur ’ . Derri Derri ‘ der Dörrplatz ’ ist zu schwdt. Der(r)i bzw. Ter(r)i f. ‘ Vorrichtung, Ort zum Dörren von Obst, Getreide, Hanf, Flachs usw. ’ und wdt. Derri, Derrin (Lötschental), Deri ‘ Dörrplatz ’ (I D . 13, 1023 f.; G RICHTING 1998, 58) zu stellen; V. S CHMID (2003, 87 u. passim) kennt es als Derri ‘ Dörrplatz ’ . Das Simplex im Singular ist als di Deri ‘ der Dörrplatz ’ (Saas-Almagell), wo das Wildheu getrocknet wurde, belegt. zer Tärrun ‘ beim Dörrplatz ’ (Blatten, LT Tärra, FLNK Tärrun) gehört dagegen zu Darre n ‘ Vorrichtung zum Dörren von Obst, Getreide, Hanf, Flachs udgl. ’ (I D . 13, 1004 ff.). t Kooredeeri ‘ die Dörrplatz für das Korn ’ (Bellwald) ist der Ort, wo früher das Korn gedörrt wurde; ebenfalls hieher zu stellen ist Chooruderri ‘ die Korndörre ’ (FLNK, Ausserberg), die auf LT (1999 ff.) falsch als Choruclerri verzeichnet ist. Es ist als Diminutiv zu schwdt. Korndarre f. als Vorrichtung zum Dörren von Getreide (I D . 13, 1005. und 1007) zu stellen. Derbodo ‘ der Boden als Dörrplatz ’ (1412, Glis) meint den Boden, wo vermutlich Hanf und Flachs gedörrt wurden. Deschart Deschart f. ist nur in Ferden als di Deschart (mit Erstbetonung) belegt. Laut A NNE -L ORE B REGY und W. B ELL- WALD (p. c.) ist es auf das frz. décharge f. ‘ Schuttabladeplatz ’ zurückzuführen; hier wurde der Ausbruch des Lötschbergtunnels gelagert. Die frz. Benennung sei auf den Originalplänen des Tunnelbaus (1906 - 1913) nachweisbar. Im Dialekt wurde der Name mit auslautendem / -t/ übernommen; eine solche Anpassung an den Dialekt findet sich auch sonst, vgl. etwa Disöörli ‘ Zwischenmahlzeit (10 Uhr) ’ bei G RICHTING (1998, 59). Deserta Deserta f. kommt als lat., frpr. und it. Wort vor. Zunächst 1237 in Leuk als vineam meam in Deserto ‘ mein Weinberg im wüsten Land ’ (M EYER 1914, 163) und 1346 de la deserta ‘ im wüsten Land ’ (Leuk), wobei ein Bach (cursos aque) gemeint ist. Die beiden Belege beziehen sich wohl nicht auf den gleichen Ort. FLNK Täschert gehört zu einem der beiden, genau so wie im Tescherd (1690, Agarn); die Form wird von M EYER (1914, 163) und G PSR (5, 469 s.) bestätigt, wobei ein Unterschied für das Adjektiv und das Nomen besteht; die Form des Nomens kommt vor allem als Orts- und Flurname vor. Belegt ist Täschert in Agarn bei Briannen, gehört aber zur Gemeinde Leuk. Die it. Form deserta des Adjektives ist belegt in Passo di Valdeserta und Waldesertapass (beide Binn); Punta di Valdeserta (LT) ist nicht belegt, meint aber den gleichen Gipfel wie dt. Gr[osses] Schinhorn; Corno di Valdeserta ist dt. nicht überliefert. In Italien sind weiter Rio di Valdeserta und Alpe di Valdeserta aufgeführt. Gemeint ist überall ein wüstes Tal in Italien zum it. Adj. deserto, deserta vgl. D EVOTO / O LI (1990, 550). O LIVIERI ( 2 1961, 212) kennt unter Deserto auch eine fem. Form Deserta. Desot Desot ist nur einmal in Salgesch 1665 als au Clou Desot belegt. Desot ist zu lat. DESUBTUS ‘ unten ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 94; FEW 12, 369 ff. s. v. s ŭ btus unten, bes. S. 370) zu stellen. Zu übersetzen ist der Beleg etwa als ‘ beim eingefriedeten Gut unten ’ . Dfonnd Dfonnd ist nur als Preesa Dfonnd ‘ das untere Haus ’ (Zwischbergen; LT und FLNK Presa d ’ Fond) belegt. J OR- DAN (2006, 305) kennt es als Preesa dFund. Das HL ist zusammengesetzt aus der Präposition di ‘ von ’ mit Deletion des Vokals und dem dialektalen, resp. it. fond (LSI, 2, 503; D EVOTO / O LI 2020, 883) ‘ unterer Teil ’ . 9 10 Dfonnd <?page no="271"?> Diablon Diablon ist der Name eines Gebirges zwischen Oberems und dem Val d ’ Anniviers. Belegt sind der Diablo ‘ der Diablons ’ (Oberems, LT Les Diablons, FLNK Diablo), der Diablogletscher ‘ der Glestscher am Gipfel Les Diablons ’ (Oberems, LT Diablonsgletscher; FLNK Diablogletscher) und Diablon des Dames (LT, Oberems). Es handelt sich um zwei Bergmassive, von denen das eine Les Diablons, das andere Diablon des Dames heisst. Diablon wird vom G PSR (5, 676) als Ableitung zu diable ‘ Teufel ’ (FEW 3, 64) verstanden, etwa als ‘ Gipfel des Teufels ’ . Dick Dick Adj. ‘ dick ’ ist zu schwdt. Adj. dick wie nhd., ahd. dik, mhd. dic und wdt. dikk ‘ dick ’ (I D . 12, 1222 f.; G RICH- TING 1998, 58) zu stellen. In FlN wird es zur Bezeichnung von dichtem Laubwerk und von Stellen, die ‘ dicht, eng, gedrängt mit Bezug auf Wuchs, von Saaten bzw. Pflanzen ’ sind (I D . 12, 1222 f. bes. I D . 12, 1235), verwendet. Als attributives Adjektiv erscheint es in den folgenden Belegen: ts Dick Birchi ‘ das dichte Birkengehölz ’ (Obergesteln), der Dick Schlüüchu ‘ der breiteste Schlauch ’ (Steg), ts Dick Walgi ‘ der kleine, dicke (= dichte) Wald ’ (Saas-Fee), dye Dickun Ebyn ‘ der dicke (= dichte) Abhang ’ (1315 u. später, Visperterminen) und dv ᵢ Dika Oy`a ‘ die dicke (dicht bewachsene) Aue ’ (1303, Lalden). Eine substantivische Ableitung, wohl mit Assimilation von anlautendem / GI -/ ist ts Dick ‘ das Dickicht ’ (Eggerberg). Mit anlautendem / GI -/ ist belegt: ts Gidick ‘ das Dickicht ’ (Täsch). I D . kennt diese Ableitung nicht, wohl aber das gleichbedeutende Dicket, Dickete n (I D . 12, 1268). Dieb Dieb m. ‘ Dieb ’ ist zu schwdt. Dieb m., ahd. diub, dieb, mhd. diep, im Wesentlichen wie nhd. ‘ Dieb, Schelm ’ , in FlN in Zusammensetzungen für Örtlichkeiten, die von Dieben aufgesucht werden oder für Plätze, wo sie sich verstecken (I D . 12, 106 ff. bes. I D . 12, 109; G RICHTING 1998, 58; TGNB 2, 2, 155) zu stellen. Das HL kommt sieben Mal nur als Bestimmungswort in den Plural-Formen Diebo und Diebu vor. Die Grundwörter sind Loch (vier Belege in Embd, Ried-Brig, St. Niklaus und Täsch; hier wohl als Höhle zu verstehen) und Wald (drei Belege in Vispeterminen (zwei) und Stalden). Diepi (PN) Diepi (PN) ist ein schwer zu deutendes Lemma, das auch in erweiterten Formen vorkommt. Die Belege bilden mehrere Nester, so Diepiwaud, Diepiwaudstäfuti, Diepischlüecht und (nur auf Karte 1: 10000) Diepiwaldhitta (alle Blitzingen), sowie Diepiwald (Biel) im Goms. Hier ist wohl ein PN Diepi (ev. zu ahd. Dietpold, Diebold (URNB 3, 706 f.)) anzunehmen. Ein zweites Namennest bildet sich um Diepja (Zeneggen) herum mit Diepilbrand, Diepilwier (Zeneggen, letzteres auch Törbel); vielleicht gehört auch Diebgunflu (1699, St. Niklaus) hierzu. Vermutlich dürfte Diepja auf Diepi+la zurückgehen, also die Alpe eines Diepi meinen. Das dritte Nest befindet sich in Guttet und Feschel mit Tiepermatte (1852, Feschel; 1796, Guttet) und Dieperweid (1810, Feschel; 1810, Guttet), wo eine / - ER / -Ableitung zu Diepvorliegen könnte, also auch hier ein PN; möglich wäre auch eine Kurzform des für Salgesch belegten FaN Theobaldi, der auch als Tiepold und Diebold erscheint (AWWB 257), also Grundstücke dieser Familie. Ganz unklar sind die verbleibenden Belege: an Tippien (1676, Binn) und die Thippin (1468, Ernen). Beide Male fehlt der sonst übliche Diphthong, was mit der Schrift zusammenhängen mag. Ohne weitere Angaben lässt sich hier keine sichere Deutung geben. Diescht Diescht ist an drei Orten belegt: der de Diescht üss ‘ durch den Diescht hinaus ’ (Saas-Almagell), Dieschtachra ‘ die Dieschtäcker ’ (Grächen) und ts Walkärsch Diäschttritt ‘ der Diesttritt der Familie Walker ’ (Ferden). Am nächstliegenden wäre wohl schwdt. Dienst m. ‘ Leistung, Abgabe bzw. Verpflichtung ’ , ‘ Obliegenheit, Pflicht, Aufgabe ’ (I D . 13, 740 ff.), doch findet sich kein Beleg ohne / n/ im Walliserdeutschen, sodass das Lexem und seine Beziehung zu den HLL T IESCH und eventuell D RIEST unklar bleiben. Dieten Dieten ist die Form, in der SK ein Gebiet in Albinen benennt. Die Aufnahmen zeigen, dass drei verschiedene Orte gemeint sind: Dietetu (Albinen), in t Oberietu (Albinen; LT, FLNK Oberdietu) und t Unnerietu (Albinen; LT, FLKN Unnerdietu). Betrachtet man die Verteilung der drei Namen auf der Karte, wird deutlich, dass Dietetu sich nordöstlich von Albinen befindet, während Oberdietu und Unnerdietu nördlich und westlich von Albinen liegen. M ATHIEU (2006, 9) kennt Diätätu (S. 29), Oberdietu / Unnerdietu (S. 31) und Unnerdietu (S. 33) mit ausführlicher Belegung. Die historischen Belege sind für Unnerjetu: 1675 in die Undre Jeten, 1797 in der Vndren Jieten, 1724 in d. undren Jetten, 1735 in dundrÿ Dieten, 1742 in der Undren Dietta. Für Oberietu: 1685 in die Obre Ieten, 1730 in d. Obren Jetten, 1735 in d ’ Obre ÿetten, 1783 in superiore Dieten, 1783 in dorbern Dieten und Dobren Dieten. Für Dietetu: 1612 jn die Jettu ᵕ , 1678 en la Jete, 1680 in die Jete, 1693 in Dietteten, 1697 in Ieten usw. Erst ab 1736 in Dÿeten, 1737 in Dietta usw. Diablon 11 12 <?page no="272"?> Die Belege zeigen, dass der Typ Dieten später belegt ist als der Typ Jeten. Auch scheinen die Belege unter Dietetu nicht klarerweise von Dieten getrennt zu sein. Es scheint, als sei der deutsche Artikel / di/ mit einem romanischen Etymon Jeten agglutiniert worden. Doch das ist schwer verständlich: ein romanisches Jeten mit anlautendem / j/ ist nicht vorstellbar; die Entwicklung von lat. / j/ führt schon im Altfranzösischen zu / d ʒ / (R HEINFELDER 4 1968, 165). In Albinen ist nun aber auch sehr früh und sehr lange la Giety (1338 u. später) belegt, das vermutlich zum frz. gite, frpr. dzita ̩ ‘ Wiese auf mittlerer Höhe; Voralpe ’ (G PSR 8, 335a ff.) zu stellen ist (cf. HL G IETY ). Der Anlaut wurde später offenbar als Artikel verstanden und deswegen zunächst abgetrennt, mit dem Resulat Jeten, danach wieder agglutiniert als Dieten. Die Form Dietetu findet sich als de la gieteta (1449 u. später, Albinen) wieder; es handelt sich wohl um einen Diminutiv auf / - ETA / (< / ITTA / ) (G PSR 8, 343a s. v. gîttete) ‘ die kleine Voralpe ’ . Die Deutung passt zu den drei Namen, da alle drei auf mittlerer Höhe um das Dorf Albinen herum liegen. Dietrich (PN) Dietrich (PN) ist nur in an der Dietrichen ‘ an der Wiese des Dietrich ’ (1685, Wiler) belegt. Es ist zum PN Dietrich (I D . 13, 2071; F ÖRSTEMANN 1, 1447 f.) zu stellen. Das feminine Genus wird hier durch ‘ die Wiese ’ wiedergegeben. Dietter (PN) Dietter (PN) ist nur 1773 in Guttet als in der Dietter Matten ‘ in der Wiese des Dieter ’ belegt. Dieter erscheint in I D . (13, 2071 ff.) und F ÖRSTEMANN (1, 1434) als PN oder FaN. Vermutlich ist hier der Name des (früheren) Besitzers gemeint. Der Flurname Dietetu in Albinen kann keine Rolle spielen, da er sich nördlich vom Dorf Albinen befindet und vermutlich aus dem Romanischen stammt. Guttet liegt deutlich südöstlich davon und tiefer. Dietzig (FaN) Dietzig (FaN) ist der FaN Dietzig, auch Diezig, Diezing, Diezung, Deyetzing, Dutzing geschrieben (AWWB 79), wohl eine / - IG / -Ableitung zu einem Kurznamen Dietz (< Dietrich). Bei F ÖRSTEMANN (1, 1416) ist Dietz belegt. Zu unterscheiden ist der einfache Name Dietz, der als schwacher Genitiv in Dieczenbach (1400 u. später, Brig) belegt ist; gemeint ist wohl ein Grundstück des Dietz im Bach (Gelände um den Bach herum, der von Ried-Brig nach Brig fliesst). Der einfache FaN Dietzig ist belegt in die Diezigmatten ‘ die Wiesen der Familie Dietzig ’ (1794, Ried-Brig) und ts Dietzigchriz ‘ das Kreuz zur Erinnerung an einen Dietzig (FaN) ’ (Blitzingen). Der Genitiv Singular erscheint in Dietzings Matta ‘ die Wiese der Familie Dietzig ’ (1435 u. später, Betten). Der Genitiv Plural ist belegt in in Dieczingo Boden ‘ im Boden der Familie Dietzig ’ (1400, Betten), in Dietzigo Senthum ‘ im Senntum der Familie Dietzig ’ (1607 u. später, Binn), in alpegio der Dietzigen ‘ auf dem Senntum der Familie Dietzig ’ (1654, Binn) und Diezigen ‘ die Alpe der Familie Dietzig ’ (1685, Binn). Diezel Diezel m. kommt nur als dr Diezel und dr Diezelwald (beide Grengiols) vor. Historische Belege fehlen. Vermutlich handelt es sich um eine Ableitung auf / - EL ( O )/ (S ONDEREGGER 1958, 513) zum FaN Diezig (AWWB 79) oder zum PN Dietz (vgl. Diezo in F ÖRSTEMANN 1, 1416), wozu auch der Diminutiv Diezelin (F ÖRSTEMANN 1, 1417) belegt ist. Zu deuten ist der Flurname dann als ‘ die Voralpe des Dietz / der Familie Dietzig ’ cf. FaN Dietzig. Diichil Diichil m. ‘ Holz- oder Eisenröhre ’ ist zu schwdt. Düüchel bzw. Tüüchel m., im Wallis entrundet Diichil, Pl. -ja, eigentlich ‘ Holz- oder Eisenröhre ’ insbesondere ‘ Wasser-, Brunnenleitungsröhre ’ , die aus ausgehöhltem Holz, meist Föhrenholz, sind, ahd. tuchil, mhd. tiuchel, tunchel und wdt. Tiichel (mit Varianten) ‘ Röhre (Zement oder Holz) ’ (I D . 12, 220 ff.; G RICHTING 1998, 194) zu stellen. Im Kontext der Flurnamen sind es Holzkännel, die für die Wasserleitungen (Suonen) verwendet werden. Belegt ist das HL als Simplex im Plural di Diichel ‘ die Holzkännel (Wiese, durch welche die Dorfwasserleitung führte) ’ (Ferden). Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort: das Tichellwasser ‘ die Wasserleitung mit Holzkänneln ’ (1760, Oberems), ts Alt Diichilwasser ‘ die alte Wasserleitung in Holzkänneln ’ (Niedergesteln), ts Tatzdiichilwasser ‘ die Wasserleitung aus Holzkänneln zum Weiler Tatz (Hohtenn) ’ (Hohtenn), zu ᵕ m Dichelsteg ‘ zum Steg (Brücke) über die Holzkännel ’ (1825, St. Niklaus), ts Tiihilwägji ‘ der kleine Weg an den Tiicheln (Holzröhren für die Wasserleitung) ’ (Unterems), bim Diichilwärch ‘ beim Werk (Wasserleitung) aus Holzkänneln ’ (Stalden). Vermutlich auch hieher gehört das unter dem HL T UNGJI aufgeführte di Túngilwasserleiten ‘ die Tungilwasserleita (ev. zu Diichil ‘ Röhre) ’ (1781, Bürchen). Dili Dili ‘ Diele ’ ist zu schwdt. Dili f. ‘ Boden, Decke, Dachraum ’ , in Berggebieten auch ‘ Dachraum der Alphütte, Heubühne und selbstständiges Gebäude wie Heustall, Gaden, Stadel ’ , ahd. dili, mhd. dile ‘ Brett, Diele, Fuss- 13 14 Dili <?page no="273"?> boden ’ und wdt. Dili, Diln (Lötschtal) ‘ Zimmerboden ’ (I D . 12, 1225 bzw. 1629 ff.; Z INSLI 1984, 562; G RICHTING 1998, 58) zu stellen. V. S CHMID (2003, 88) sagt, dass Dili an einigen Orten im Oberwallis für den Boden, an anderen für die Decke gebraucht wurde; auch für einen Vorbau oder eine Laube wurde Dili verwendet. In FlN kann Dili auch für ein ebenes Stück Land gebraucht werden. Das Simplex Dili, auch Dylin wird in St. Niklaus, Zermatt und Blatten gebraucht; meistens für ein ebenes Stück Land. In Zeneggen wird ze der Niderun (untere) und ze der Oberun Dili (beide 1307) erwähnt; hier können zwei Scheuern (grangia) gemeint sein. Nur historisch ist belegt vnder der Dilin (1306, Eisten); aus dem Kontext wird nicht klar, was genau gemeint ist. In Blatten gibt es zer grossen Dÿllÿ (1664). Eine Schaafdili kennen Ferden und Blatten. In Wiler ist ts Jaggisch Dili ‘ der ebene Boden der Familie Jaggi ’ belegt, aber auch die Zuädili, laut I D . (12, 1645) ‘ ein kleiner Verschlag neben dem Heuboden, worin Lische und Heustroh aufbewahrt ist ’ , vermutlich auch hier als Vergleich zu verstehen. Ding Ding n. ist zunächst belegt als Dingstüel ‘ Dingstuhl ’ , sowie ufum Grossu Dingstüel und ufum Chleinu Dingstüel (alle St. Niklaus) zu schwdt. Dingstüel ‘ Gerichtsstuhl ’ (I D . 11, 324); das wdt. Ding ‘ Ding, Gelände ’ (G RICHTING 1998, 58) ist nicht einschlägig. Die Namengebung entspricht wohl dem häufigeren Chäiserstüol ‘ Kaiserstuhl ’ (Ried- Brig), als Metapher für einen Hügel. Wohl von Dingstüel abgeleitet ist di Dinglowwina ‘ das Rutschgebiet beim Dingstüel ’ (St. Niklaus). Historisch ist 1310 auch in Stalden de Dynglowinun ‘ von der Dinglowina ’ belegt, vermutlich auch zu einem sonst nicht belegten Ding als ‘ Richterstuhl ’ . Schwdt. Ding n. ist in der Rechtssprache das ‘ Ergebnis einer Gerichtsverhandlung, einer Rechtshandlung, für rechtliche Bestimmungen massgebendes Verhältnis ’ , ahd. thing, ding n., mhd. dinc n. (I D . 13, 470 ff.) und auch der Ort, wo Gericht gehalten wurde. Dinli (PN) Dinli ist einmal in der Dinlicheer ‘ die Kurve der Furkastrasse der Dinli (Übername einer Familie? ) ’ (Oberwald) belegt. Gwp. sagt, dass eine Familie Lagger den Beinamen <ts diinlisch> hatten; vielleicht habe ein Mann aus dieser Familie als Schneearbeiter gewirkt. Diese Bemerkung bezieht sich darauf, dass die Furkastrasse im Winter mit hohem Schnee bedeckt ist und im Frühjahr vom Schnee befreit werden muss. 1: 10000 hat Tinlicheer. Auf den übrigen Karten ist der Name nicht verzeichnet. Die unsichere Deutung orientiert sich an der Gwp. Dinn Dinn Adj. ist zu schwdt. dünn, im Wallis entrundet, ahd. dunni, mhd. dünne, wesentlich wie nhd. ‘ dünn ’ zu stellen. In FlN könnte der Name sowohl auf die schmale Geländeform als auch auf das spärliche Gras mit geringem Ertrag verweisen (I D . 13, 270 ff.; G RICHTING 1998, 58). Das HL ist nur einmal belegt in ts Din Maad ‘ die dünne (wenig ertragreiche) Mähwiese ’ (Wiler). Dinnen (FaN) Dinnen (FaN) ist wohl ein inzwischen erloschener FaN Din(n)en, Tin(n)en, Tyn(n)en u. ä. (laut P H . K ALBERMATTER ist der FaN im 16. Jahrhundert in Raron belegt, p. c.) Er kommt nur vor in Dinnuhüs ‘ das Haus der Familie Dinnen ’ (Eischoll) und in den Dinnen Matten (1769, Eischoll) ‘ in den Wiesen der Familie Dinnen ’ . Dirr Dirr ‘ dürr ’ Adj. ist zu schwdt. Adj. dür(r), ahd. durri, mhd. dürre, wesentlich wie nhd. ‘ trocken, verdorrt, ausgetrocknet, wenig ertragreich oder fruchtbar ’ und wdt. dirr, dir ‘ dürr ’ (I D . 13, 1345 ff.; G RICHTING 1998, 59) zu stellen. Das Adjektiv wird attributiv flektiert und unflektiert verwendet, meist mit der Bedeutung ‘ trocken ’ , ‘ felsig ’ oder ‘ unfruchtbar ’ . Mit einem Baum- oder Waldnamen zusammen ist ein verdorrter Baum oder ein trockener Wald gemeint: von der Dirren Tannen ‘ von der dürren Tanne (an) ’ (1542, Biel; 1542 Ritzingen; gleicher Text in beiden Gemeinden), di Dirri Teelu ‘ die dürre Dähle (Föhre) ’ (Steg), ts Dirr Ta ‘ der dürre (trockene) Tannenwald ’ (St. Niklaus, zweimal), zer Dirrun Arbun ‘ bei der dürren Arve ’ (Blatten), der Dirr Wald ‘ der dürre (trockene) Wald ’ (Eisten), bim Diru Böüm ‘ beim dürren Baum ’ (St. Niklaus), jhm Dürren Than ‘ im dürren Tannwald ’ (1638, Grächen). Ein Namennest findet sich in Randa und St. Niklaus: in Randa sind es Dirrugrat, Dirruhoru und Dirrujoch, in St. Niklaus Dirrugletscher, Dirugraad, Diruhoru, Dirujoch und ts Chlei Diruhoru. Namengebend dafür sind wohl di Dirru Fett ‘ die dürren Grasbänder ’ (St. Niklaus) - ein Simplex ist weder in Randa, noch in St. Niklaus belegt. Die übrigen Grundwörter sind Acher, Bäärg, Biel, Bodu, Egg(a), Höü, Hubel, Löuwina, Mad, Matta, Nadel, Stand, Rigg, Riti, Schluocht, Taferna und Weid. Komplexer sind der Dirr Löübodo ‘ der dürre Laubboden ’ (Mund), ts Dirrubärgsch Bodo ‘ der Boden oberhalb des Dirrubärg (dürrer Berg) ’ (Eisten), der Tirlöübigrabe ‘ der dürre (trockene) Lawinengraben ’ (Binn) und der Dirreggrabu ‘ der Graben bei der Dirregga (dürre Ecke) ’ (Zwischbergen). Eine Ableitung Dirri ‘ die dürre Stelle ’ auf / - I / (S ONDER- EGGER 1958, 495, Adjektivabstrakta; I D . 13, 1351 f. s. v. Ding 15 16 <?page no="274"?> Dür(r)i) ist als Simplex di Diri belegt in Grächen und Zeneggen, als die Dirren (1634, Ausserberg) und Dirri (FLNK, Saas-Grund). Einen Plural findet man in die Dirrine (1753, Naters) und einen Diminutiv im Singular in im Tÿrigÿ (1701, Ried-Brig). Mit einer Präposition erscheint Hinnerdire ‘ hinter der dürren Stelle ’ (Blitzingen). Sehr selten sind Formen mit Dorr. Raron hat zweimal ts Dorrgräbji ‘ der kleine dürre Graben ’ und Dorblatte ‘ die Felsplatten im Bereich des Dorrgräbji ’ (FLNK). I D . (13, 1256) kennt es und stellt es zu dürr. In Täsch ist schliesslich das Nomen im Plural di Dorrini ‘ die kleinen dürren Stellen ’ belegt; die Bildung ist ein Neutrum und wohl zum Verb dor(r)e n (I D . 13. 1256 f.) zu stellen, am ehesten als ‘ verdorrte Stelle ’ zu verstehen. Dirren (FaN) Dirren (FaN) ist ein FaN (AWWB 80), der für Bürchen, Unterbäch und Mollens altbelegt ist. In den Flurnamen kommt dreimal die Form Dirrigo vor, einmal die Form Dirringo, also alles kollektive / - IG / -Formen im Genitiv Plural. Belegt sind aúff Dirrigo Boden (1753, Bürchen), aúff Dirrigo Riedt (1691, Bürchen), jn Dürrigo Schluocht (1648, Bürchen) und die Ebnetmatta Dirringo (1504, Bürchen). Das / ü/ im Beleg von 1648 wird 1653 zu Dirrigo verändert; es ist also ein hyperkorrektes Merkmal, das nur einmal vorkommt. In allen Fällen ist der Name als ‘ die Familie Dirren / die Leute des Dirren ’ zu lesen. Dischtel Dischtel ‘ Distel ’ ist zum schwdt. Pflanzenname Distel, Tistel, Dischtill m./ f., ahd distil m., distula f., mhd. distel m./ f., ‘ Distel, distelartige Pflanze ’ (I D . 13, 1996 ff.; W IPF 1910, 165; G RICHTING 1998, 59) zu stellen. Je nach Ort kann das / l/ zu / j/ palatalisiert werden. Neutrale Formen bezeichnen grosse Vorkommen von Disteln. Im Lötschental ist auch Dischel m. (I D . 13, 1996) belegt. Der Pflanzenname dient meistens für Alpgebiete und davon abgeleitet von Teilen solcher Gebiete, Berggipfel und Gletscher; er ist bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2104, 1134) als C ARLINA , ab S. 1140 ff. als C ARDUUS und ab S. 1144 ff. als C IRSIUM , jeweils mit verschiedenen Unterarten, belegt; weitere Distelarten kommen kaum in Frage. Im Bezirk Leuk fehlt er in den Orts- und Flurnamen. Er kommt in gut 80 Namen vor. Das Simplex Dischtel, Dischtil, Dischtul, im Plural Dischtle oder Dischtje kommt u. a. in Grächen, Lax, Martisberg, Naters, Saas-Almagell, Saas-Balen, und Ulrichen vor; häufig bildet sich darum herum ein Namennest, das sich in Komposita mit den Grundwörtern Bach, Balm, Biel, Bord, Bodu, Brunnu, Fääsch, Gletscher, Graat, Gufer, Haalta, Hooru, Matta, Pletscha, See, Spitz, Stei, Stock und Tola zeigt. Adjektivische Bildungen sind Hinner Dischtel, Ober Dischtel, Unner Dischtel und Vorder Dischtel. Dieselben relativen Lageadjektive können sich auch mit Komposita verbinden wie Hinner Dischtelbode (Münster), Ober Dischtelhoru (Saas-Fee) und weitere mehr. Beim Kompositum Distilgarten ‘ Distelgarten ’ (1399, Ried-Brig) ist an ein eingezäuntes Stück Land zu denken, das für den Gemüseanbau verwendet wird, aber auch Disteln enthält. Die Bildung Distjenen ‘ die Disteln ’ (1824, Naters) enthält eine Palatalisierung von / l/ zu / j/ und eine falsche hochdeutsche Endung zu einem Dativ Plural ‘ bei den Disteln ’ . Ableitungen verschiedener Art sind zu finden: Dischlig (< Dischtel + ING ) ‘ Ort wo es Disteln hat ’ (Blatten), Dischgerna (< Dischtel + ERNA , mit Velarisierung zu / g/ ) ‘ Ort, wo es Disteln hat ’ (Simplon), Tischterra (gleiche Bildungsweise ohne Velarisierung) ‘ Ort, wo es Disteln hat ’ (Ausserberg); diese Ableitung erscheint als Bestimmungswort Tischterin einer Reihe von Namen wie Tischterbiel ‘ der Hügel bei der Tischterra ’ (Raron) und anderen (cf. HL D ISTER ). Ein kollektives Präfix GI ist in Gidischtel ‘ Ort, wo es Disteln hat ’ (Randa, Visperterminen) zu finden. Solche Ableitungen verschiedener Art kommen auch in komplexen Bildungen wie ts Foder Faflärdischligen ‘ der vordere Teil des Gebietes mit Disteln auf der Fafleralpe ’ (Blatten) vor. Dister Dister ist in Ausserberg und Raron belegt; an anderen Orten ist das HL D ISCHTEL . In Ausserberg ist zentral Dischtera ‘ das Gebiet mit vielen Disteln ’ (FLNK und historisch ab 1502), t Obri und t Undri Tischterra ‘ der obere und der untere Teil des Gebietes mit Disteln ’ , dazu kommen der Tischterbiel ‘ der Hügel im Gebiet der Dischtera (Gebiet mit vielen Disteln) ’ und 1741 u. später an den Tischertbielruns ‘ an den kleinen Bach im Gebiet des Tischterbiel ’ , 1707 u. später im Tisterboden ‘ der Boden im Gebiet Dischtera (Gebiet mit vielen Disteln ’ , dann Dischterfeesch ‘ das Grasband bei der Dischtera (Gebiet mit Disteln) ’ und 1703 im Vndren Tisterfesch ‘ im unteren Teil des Grasbandes bei der Dischtera (Gebiet mit Disteln) ’ . In jedem Fall könnte auch der FaN Tister, Dister, In der Tisteren u. ä. (AWWB 132 s. v. Indertisteren) gemeint sein. In Raron ist historisch ab 1305 als zem Distersse und weitere Formen, zuletzt 1815 in der Distern ‘ das Gebiet mit Disteln / der Familie Dister ’ belegt. Dazu kommen in Distern Boden ‘ im Boden bei den Disteln / der Familie Dister ’ (1816, Raron) und auf dem Tisterfoesch ‘ auf dem Grasband bei den Disteln / der Familie Dister ’ (1765, Raron). Das HL ist zu schwdt. Dister m. ‘ Distel ’ (I D . 13, 2005) zu stellen (cf. HL D ISCHTEL ). 17 18 Dister <?page no="275"?> Dit Dit kommt nur in zobrest dem Dithang (1528, Mörel) vor; ob die Analyse Dit + Hang zutrifft, lässt sich aus der Stelle nicht erkennen. Dit selbst lässt sich nicht deuten; es könnte sich auch um eine Verschreibung handeln, doch ist diese nicht klar. Dobell Nur einmal historisch ist 1686 in Niederwald jm Dobell belegt. Es handelt sich um schwdt. Tobel ‘ enges Tal, Schlucht ’ und wdt. Tobl, Tobäl (Goms), Tobul (Vispertäler), Tobol (Schattenberge), Tobil ‘ Tobel, Schlucht ’ (I D . 12, 116 ff.; G RICHTING 1998, 195). Das HL ist sonst als FlN im Oberwallis und der westlichen Deutschschweiz kaum belegt, in der östlichen Schweiz aber häufig (cf. www. ortsnamen.ch (besucht am 3. 8. 2018) s. v. Tobel). Dogaana Dogaana ist zweimal belegt, einmal als der Zolldogaana ‘ Schild mit der Aufschrift Zoll - Dogana (it. ‘ Zoll ’ ) ’ (Zwischbergen) und Dogana Gondo (LT, Zwischbergen. Der zweite Beleg ist direkt an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz; der erste am Ausgang Gondo Richtung Gabi. J ORDAN (2006, 309) kennt nur Zolldogaana, mit neutralem Genus. Zu Grunde liegt it. dogana f. ‘ der Zoll, das Zollamt, das Zollhaus ’ (vgl. D EVOTO / O LI 2020, 710). Dokter Dokter ‘ Arzt ’ m. ist zu schwdt. Dokter bzw. Tokter m., teilweise auch Doktor, mhd. doctor, entlehnt aus lat. DOCTOR ‘ Lehrer ’ , in FlN die Berufsbezeichnung ‘ Arzt ’ oder der akademische Grad ‘ Doktortitel ’ des Besitzers (I D . 12, 1285 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 59) hat Dokkter, Dokktr (Lötschtal), Dokktär ‘ Arzt ’ . Das HL kommt dreimal vor; zweimal im vorangestellten starken Genitiv: ts Doktersch Güed ‘ das Gut des Arztes ’ (Agarn) (laut Gwp. Eigentum des Arztes Dr. med. Adolf Bayard (1875 - 1952)), ts Doktorsch Huis ‘ das Haus des Arztes ’ (Kippel), auch ts Pomettasch Huis, Ferienhaus von Dr. med. Daniele Pometta (1869 - 1949), früher Spitalarzt in Brig. Als Kompositum belegt ist di Doktermattu ‘ die Wiese des Arztes ’ (Varen). Die heutigen Karten zeigen Reben, SK jedoch ein Gebiet ausserhalb der Reben, sodass ursprünglich an eine Wiese gedacht werden kann; im Unterschied zu den ersten zwei Belegen kann hier der Doktor (wohl: Arzt) nicht namentlich genannt werden. Dom Dom m. ist zunächst der Name des 4545 m hohen Gipfels der Mischabelgruppe, der früher Graben- oder Festihorn genannt wurde, er verdankt seinen Namen dem Domherrn J OSEF -A NTON B ERCHTOLD (J ULEN 1951, 38 ff.; W ERLEN 2008, 587), wie dieser in seinem Manuskript (Nr. 16 der literarischen Manuskripte des Staatsarchivs Sitten von 1857 auf S. 36 f.) selbst vermerkte. Belegt ist der Dom (Randa) und der Doom (Saas-Fee). Weiter erscheint das HL als Bestimmungswort in di Domhitte ‘ die SAC-Hütten (alte und neue) beim Dom (Gipfelname) ’ (Randa, LT Domhütte SAC, FLNK Domhitta SAC) und ts Domjoch ‘ das Domjoch (zwischen Dom und Täschhorn) ’ (Randa, Saas-Fee). Komplexer ist Domhittuwäg ‘ der Weg zur Domhütte (Hütte des SAC beim Dom (Gipfelname)) ’ (FLNK, Randa). Dom selbst hat sich im Deutschen in Anlehnung an das mfrz. dôme (< lat. DOMUS ‘ Haus ’ ) als ‘ Bischofskirche ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 209 f.) durchgesetzt; Domherr B ERCHTOLD erinnerte die Kuppel des Berges an eine solche Kirche. Nicht der Gipfel ist in Domherruhof ‘ der Hof der Domherren (Haus am Dorfplatz in Naters) ’ (Naters) gemeint, sondern das Domkapitel des Bistums Sitten. Siehe dazu M ARTONE (2013). Domig (FaN) Domig (FaN), auch Tomig, ist zum FaN Domig zu stellen, der im Register HRBS mehrfach belegt ist. Alle Belege enthalten den Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung Tomigo oder Tomigu einem Grundwort vorangestellt. Gemeint sein kann auch ein PN Thomas (I D . 12, 1812 ff.). Neben dem PN Thomas ist auch der PN Domigis (F ÖRSTEMANN 1, 416) belegt, doch ist wohl der biblische PN Thomas sinnvoller. Belegt sind: in Tomigo Erb ‘ im Erbe der Familie Domig / der Leute des Thomas ’ (1686 u. später, Ausserberg), ts Tomigohüüs ‘ das Haus der Familie Tomig / der Leute des Thomas ’ (Ausserberg), zu Thomigu Haus ‘ beim Haus der Familie Domig / der Leute des Thomas ’ (1789, Raron), Thomigo Matta ‘ die Wiese der Familie Domig / der Leute des Thomas ’ (1637, Ausserberg) und zuo Tomigo Throg ‘ beim Trog (Brunnen) der Familie Domig / der Leute des Thomas ’ (1540, Ausserberg). Domo Domo m. kommt lebend nur in Betten auf einer Höhe zwischen 1500 und 1600 m vor. Weiter sind der Ober Domo und der Unner Domo erwähnt. Die historischen Belege sind: 1292 in Domne, 1386 ab Done, 1399 apud Dompne, 1401 und 1416 ab Dompne, 1435 apud Dompne, 1463, de Dompne, 1527 an Doman, 1535 an Domen und weitere. Das nächstliegende Wort wäre ein aus dem Romanischen entlehntes lat. DOMINU ‘ Herr ’ , das schon früh zu domne wurde (FEW 3, 130 ff.). Ab dem 16. Jahrhundert wird die schwierige Form Dompne zu Doman / Domen vereinfacht und als Domo ausgesprochen. Die Dit 19 20 <?page no="276"?> genaue Deutung bleibt unsicher - es könnte sich um ein Gut des Lehensherrn oder des Pfarrherrn gehandelt haben. Schwierig zu erklären ist allerdings der Anlaut / d/ , der üblicherweise zu / t/ wird (vgl. Tuem für Domo (dossola) in I D . 12, 1874 f.) und das Genus Maskulin statt des Neutrums. Vermutlich gehören der Domlibiel ‘ der zur Flur Domo gehörende Hügel ’ (Betten) und der historisch belegte Domlybach ‘ der Bach, der aus dem Gebiet Domo kommt ’ (1739, Betten) auch hierzu; auch der Beleg in den úntren Dommenmatten ‘ in den Wiesen des unteren Domo ’ (1844, Betten) ist hier lokalisierbar. Schwieriger zu deuten ist ein 1839 für Obergesteln belegtes Domÿlÿbach. Zu vermuten ist, dass der Milibach ‘ der Mühlenbach ’ (Obergesteln) gemeint ist; der Schreiber könnte den Artikel fälschlicherweise an den Namen agglutiniert haben. Donna Donna kommt nur in Champ de laz Donna (1612, Albinen) vor, das heute als Tschangaladonga (FLNK, Albinen; M ATHIEU 2006, 11 u. 15) belegt ist. donna ‘ Frau, Herrin ’ ist im G PSR (5, 848 ss.) belegt, wo auch entsprechende Ortsbezeichnungen vom Typ champ à la Donnaz usw. aufgeführt sind. Hier zu deuten als ‘ Feld der Herrin, der Dame ’ . Welche Herrin genau gemeint war, entzieht sich der Kenntnis. Der erste Teil Tschang- (frz. champ ‘ Feld ’ ) ist unter HL C HAMP verzeichnet. Donner Donner ist als Simplex nur einmal belegt in im Donnern (1859, Betten). Die Bewohner dieses Ortes sind in einem Beleg von 1756 zweimal erwähnt: in Donnero Alpmatten und Donnero Spitz (Betten), vermutlich in beiden Fällen keine FaNN, sondern blosse Herkunftsnamen (TGNB 2, 2, 157 kennt Donner dagegen nur als Besitzername). Ebenfalls in Betten ist Donnerstafel ‘ der Stafel der Leute von Donner (? ) ’ belegt (Gwp. vermutet jedoch eine sonst nicht belegte Herkunft vom Flurnamen Domo (cf. HL D OMO )). Weiter kommen je ein Donnereggi ‘ kleine Ecke, bei der es lärmt wie beim Donnern(? ) ’ in Ausserberg und Hohtenn und ein bloss historisch belegtes Zum Donderstein (1560), resp. Donnerstein (1737), beide Bratsch, vor. Am ehesten ist das Lexem zu schwdt. Donner, Donder, Dun(n)er m., ahd. donar, mhd. doner, toner, donder, dunder, wesentlich wie nhd. ‘ Donner ’ (I D . 13, 236 ff.; W IPF 1910, 84; G RICHTING 1998, 59) zu stellen, doch ist die Namenmotivation unklar. Donru Donru ist 1629 in Albinen als lÿ donru belegt. Es handelt sich laut Dokument um einen Bach, der sich im Westen eines Grundstücks befindet (laut Nr. 45047 der Datenbank in di Dallje in Tschingere). Laut www.suone.ch bewässerte die Corwey-Wasserleite den Ort Tschingere. Ihr Wasser stammt aus dem Lirschigrabu. Der Bachname Donru kann eventuell zu frz. donner ‘ geben ’ (G PSR 5, 861 ss.) oder besser zu frz. donneur ‘ Geber ’ (G PSR 5, 865) gestellt werden; ein Hinweis auf die hier gebrauchte Form entfällt allerdings. Ob die beiden Deutungen für einen Bach gelten, ist sehr unklar. Die Endung von Donru kann aber auch auf eine nachträgliche Verdeutschung deuten. Insgesamt bleibt deswegen die Deutung unklar. Dontana Dontana ist nur einmal 1484 in Salgesch als Glarie Dontana belegt. Laut Dokument soll dort der Ursprung der Raspille liegen. T AGMANN (1946, 51) zitiert das Dokument als Kopie aus dem 19. Jahrhundert als doctana und stellt es zu Autannaz, das sich als les Outannes auf dem Gebiet von Miège befindet. Es müsste sich also um einen Genitiv zu Otanna handeln (cf. T AGMANN 1946, 51), das laut T AGMANN zu *A UGUSTANA ‘ pâturage d ’ août ’ (auf dt. also Augstweide) zu stellen ist. Donu Donu ist nur belegt in ts Donuwasser und der Donuwasserschleif (beide Gampel). Der Bach entspringt auf ca. 2100 m und erstreckt sich von Nordwest nach Südost ziemlich gerade bis auf ca. 1800 m. Der Schleif liegt neben dem unteren Teil des Baches. I D . (13, 231) kennt ein Done n II f. ‘ Leine, Schlinge zum Vogelfang; dickes Seil ’ , doch ist (a) das Wort sonst im Walliserdeutschen nicht belegt und (b) ist der Zusammenhang zum Donuwasser nicht zu erkennen. L EXER (1, 447) kennt ein schwaches Verb donen ‘ gespannt sein ’ . Donu wäre dann wohl der Bach, der grade wie ein gespanntes Seil fliesst. Diese Deutung ist aber sehr unsicher. Doorbu Doorbu kommt primär als frpr. Etymon im Bezirk Leuk vor. Ob än Toorbu ‘ auf Torben ’ (Ferden; FLNK Dorbu; LT Torbu; SK Dorben) hieher gehört, ist unklar; schwdt. Turb ‘ Torf ’ (I D . 13, 1437) kommt aus inhaltlichen (der Ausdruck kommt im Walliserdeutschen sonst nicht vor) und lautlichen (/ o/ statt / u/ ) Gründen kaum in Frage. Das Simplex erscheint als ts Doorbu (Albinen) und als Dorben (1723, Inden), wobei die beiden Orte identisch sind. Die ältesten Belege in Albinen sind: 1250 (ca.) de Dorbuns (eine Alpe), 1298 apud Dorbons, 13. Jh. Petri de Dorbon, 1320 de Dorbons (eine Alpe) usw. Obwohl als Alpe bezeichnet, ist der Weiler mit rund 1410 m eine Voralpe; M ATHIEU (2006, 35) gibt den Weiler als Dorbu Derfji wieder; er ist heute weitgehend vebuscht. Albinen weist folgende weiteren Belege auf: Dorbu ob dum Wäg ‘ in 21 22 Doorbu <?page no="277"?> Dorben oberhalb des Weges ’ (FLNK), Dorbubodu ‘ der Boden beim Weiler Doorbu (Dorben) ’ (FLNK), Dorbubrunnji ‘ die kleine Quelle / der kleine Brunnen beim Weiler Doorbu (Dorben) ’ (FLNK), der Doorbugrabu ‘ der Graben, der bei Dorben vorbeiführt ’ , der Doorbuwald ‘ der Wald beim Weiler Dorben ’ . Diese Namen sind auch alle bei M ATHIEU (2006, 34 f.) verzeichnet, der Dorbu schreibt. Nur historisch sind in Crista de Dorbons (1358, Albinen) und Saxi de Dorbons (1291, Albinen) erwähnt. Ob es sich um Doorbu handelt, kann nicht entschieden werden. Unner Dorbu ‘ das untere Dorben ’ (Albinen) ist bei M A- THIEU (2006, 36 f.) belegt. Der gleiche Name ts Unner Dorbu ‘ das untere Dorben ’ (Inden) wird von M ATHIEU als „ kleines Albiner Wintergut auf Gebiet der Gemeinde Inden. Längst aufgegeben “ (2006, 37) bezeichnet. In Inden ist weiter der Dorbuwäg ‘ der Weg nach Dorbu (Weiler von Albinen) ’ (Inden) belegt. Der Name wird von J ACCARD (1906, 136 f.) notiert; er stellt ihn zu einer kelt. Wurzel darbi ‘ Tanne ’ mit Verweis auf Darbellaz. Damit würde allerdings das klare / o/ des Namens nicht erklärt. G PSR enthält den Namen nicht, sodass eine Erklärung fehlt. Ob das in Erschmatt belegte Dorbeggu ‘ die Dorb-Ecke ’ auf ca. 2370 m hieher gehört, ist unklar. Als di Doorbeggu (Guttet) ist die gleiche Ecke auch in Guttet belegt. Weiter westlich findet sich historisch a torrente de laz Dorby ‘ vom Bach Dorby ’ (1485 u. später; Salgesch) und in torrente de Dorbi ‘ am Bach von Dorbi ’ (1434, Varen), wobei hier Leute aus einem in Siders geschlossenen Vertrag benannt sind; der Bach gilt als einer der Ursprünge der Raspille neben den Bächen Posa und Mayentzet. Während T AGMANN (1946, 3) die posa kennt und auf S. 48 f. auch mayents ę t als Bach erwähnt, ist ihm offensichtlich der Name Dorbi / Dorby unbekannt; T AG- MANN (1946, 3) kennt aber tró ̩ pla, was jedoch nicht direkt zu Dorbi / Dorby passt. Der Name dieses letzteren Baches ist mit dem von W ULF M ÜLLER (in B REGY / M ÜLLER 2003, 19 f.) angesetzten Flussnamen *Dúr-ub-ia > Torbi vergleichbar (als Quelle von Törbel). Ob das auch für die übrigen Flurnamen das Typs D OORBU gilt, kann nur vermutet werden. Doore Doore m. ‘ Dorn ’ ist zu schwdt. Dore n , Dorn bzw. Torn, im Wallis ō -, -u n , -o n , in Lötschen T ō rn m., diese Endung / -rn/ geht auf / -ren/ zurück (Konsonant + Schwachtonvokal + n > Konsonant + n), Pflanzenname wesentlich wie nhd. ‘ Dorn, Dornstrauch, Dornzweig ’ , ahd. und mhd. dorn und wdt. Doore, Doorä (Goms), Doora (Mattertal), Doorn (Lötschental), Dooru (I D . 13, 1622 ff. bes. 1631 Anm.; SDS 2, 142; G RICHTING 1998, 59; H ENZEN 1929, 130) zu stellen. Das HL kommt in rund 75 Flurnamen vor. Gemeint sind in den Flurnamen generell Gebiete mit Dornsträuchern wie Schwarzdorn, Weissdorn und andere. Bei Namen mit neutralem Genus sind Kollektiva gemeint. Das HL ist als Simplex im Singular selten belegt: ts Dooru ‘ bei den Dornsträuchern ’ (Ried-Brig), jm Dorr ‘ im Gebiet mit Dornsträuchern ’ (unklar) (1777, Niedergesteln). Ganz unsicher ist der Beleg zúr Doren (1667, Ernen; 1838 zúr Thorn), ein seltenes Feminin, das am ehesten als Reanalyse aus dem Plural verstanden werden kann. Häufig sind dagegen Plurale des Simplex: Doorna (FLNK, Eggerberg, EK: Dorna; FLNK, Embd), di Doorna (Ausserberg, Baltschieder, Eggerberg, Hohtenn, Raron), ze Doornu (Termen (dreimal), Visperterminen), jn Dornen ‘ im Gebiet mit Dornsträuchern ’ (1557, Mund), jn den Dorun (1545, Unterbäch). Als Diminutiv im Singular kommt Dori (FLNK, Albinen) in Frage, das als Dori / Im Dori auch bei M ATHIEU (2006, 19) vorkommt. Ob aber überhaupt das HL D OORE oder ein frpr. Etymon vorliegt, lässt sich nicht sagen. Im Plural sind di Doorlini ‘ die kleinen Dornensträucher ’ (Hohtenn, Steg) belegt. Mit attributiven Adjektiven finden sich: Grawi Dorne ‘ die grauen Dornsträucher ’ (FLNK, Bürchen), wozu wohl auch das nur einmal historisch belegte die Graden Dorna (1576, Bürchen) gehört. Bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014) ist kein Graudorn oder ähnlich belegt; hingegen gibt M ARZELL (1972, 2, sp. 872, s. v. H IPPOPHAË RHAMNOIDES für den Sanddorn) auch Blawe Dore ‘ blaue Dornen ’ (nach S TEBLER 1928, 78) an. Als Kompositum kommt auch t Wiissdoorna ‘ die Weissdornsträucher (Crataegus monogyma oder laevigata) ’ (Eggerberg) vor. Weiter ist belegt im (lat.: Superiori) Oberen Doren ‘ im oberen Gebiet mit Dornsträuchern ’ (1674, Ried-Brig). Von den zweigliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort ist vor allem der Typ Hegdore vertreten, der zu schwdt. Hagdorn, auch Hegge n dorn (I D . 13, 1634 ff.) zu stellen ist. Die beiden Ausdrücke bezeichnen verschiedene Arten von Dornsträuchern. Dieser Typ ist belegt als am Haadorn (1745, Niedergesteln), im Hadoore (Eischoll, Dorfviertel), Hegdore (FLNK, Bellwald), Hegdorn (1844, Fieschertal), im Heggdooru (Naters, Weiler). Als komplexere Formen kommen dazu Undern Haagdoorni ‘ im unteren Hagedorn ’ (Wiler) mit dr Haggdoorichrum ‘ die eingezäunte Wiese beim Gebiet kleines Hagedorn ’ (Wiler) und dr Haggdoristäg ‘ der Steg (über den Chummerbach) zum Gebiet kleines Hagedorn ’ (Wiler). Zum Weiler Heggdooru (Naters) sind folgende komplexe Konstruktionen belegt: Hegdorner Gassa (1774 u. später), Hegdornerbiela, Hegdornerwald (1684 u. später), Heggdorner Schrattji, Hegdoruhalta (FLNK), sowie die Ableitung Hegdorneri (FLNK) für die Wasserleitung von / nach Hegdooru. Der Hegdornerwald ist im Dokument von 1684 auch Doore 23 24 <?page no="278"?> für Bitsch und Ried-Brig belegt; es handelt sich vermutlich in allen drei Fällen um den gleichen Wald, der am ehesten dem Weiler Hegdooru bei Naters zuzuschreiben ist. Ein fragliches Kompositum findet sich in t Hiiseldoorna (Niedergesteln); das Bestimmungswort scheint eine ursprünglich umgelautete, dann entrundete Form zu mhd. hûs ‘ Haus ’ zu sein, das entweder einen Abort (vgl. G RICHTING 1998, 107 s. v. Hiisler ‘ Abortmist ’ ) oder ein Spielgerät (vgl. I D . 6, 1537) meint; es ist wohl zu verstehen als ‘ die Dornsträucher, bei denen man seine Notdurft verrichten kann ’ . Weiter kommen vor: die Biinundoorna ‘ das Gebiet mit Dornsträuchern beim Weiler Binu (Pflanzplatz) ’ (Hohtenn), t (e)Rottundorna ‘ die Dornsträucher beim Rotten ’ (Hohtenn, FLNK Rottudorna), zen Schledornen ‘ bei den Schlehdornen (P RUNUS SPINOSA , Schwarzdorn) ’ (1543 u. später, Termen), der Schliechdooru ‘ der Schlehdorn (? , P RUNUS SPINOSA , Schwarzdorn) ’ (Niedergesteln), dabei zeigen die historischen Belege 1522 Schlechdoren, 1575 die Schlecht Dorenbachtholen, 1575 Schlechtdoren Bachtohlen. Gleich in der Nähe befindet sich jedoch tsch Schliechtjihüüs ‘ das Haus bei der kleinen Geländeeinbuchtung ’ ; es ist deswegen anzunehmen, dass der Schliechdooru ‘ das Dorngesträuch bei der kleinen Geländeeinbuchtung ’ meint; die historischen Belege scheinen statt dessen das Adjektiv schlecht anzunehmen, das jedoch in der aktuellen Dialektform nicht wiedererkennbar ist. t Wedorna ‘ die Wehdornen (Sanddorn, H IPPOPHAË RHAMNOIDES ) ’ (Grächen) ist laut M ARZELL (1972, 2, sp. 874) im Oberwallis belegt. Das HL tritt als Bestimmungswort mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita auf: Acher, Bach, Brunnu, Eie, Gassa, Grabu, Haalta, Hüs, Matta, Rüüs, Steg, Stüde und Wald. Komplexer sind: der Läz Torembach ‘ das Gebiet links (schattseitig) des Dornbaches ’ (Ferden), der Rächt Torembach ‘ das Gebiet rechts (sonnseitig) des Dornbaches ’ (Ferden), di Torembachegga ‘ die Ecke am Dornbach ’ (Ferden), t Under Torembachegga ‘ die untere Ecke am Dornbach ’ (Ferden). Das indirekt in der Beschreibung zu Doore gestellte di Dooriljättu (Leuk) gehört nicht hieher, sondern wohl zu einem romanischen Etymon, das leider nicht deutbar ist (cf. HL D OORILJÄTTU ). Dooriljättu Dooriljättu ist nur als di Dooriljättu (Leuk) belegt. Die historischen Belege 1720 jn die Doriette, 1727 ÿ Doriletta, 1751 in die Dorilleten, 1751 in den Dorlieten, 1855 in der Doriljette, ebenso wie die 1711 belegten Dorilleten (Agarn, Leuk) gehören alle zu einem frpr. Etymon, das allerdings nicht näher bekannt ist. Gwp. meint, die Flur heisse so, weil es in der ganzen Gegend Dornbüsche habe. Diese Deutung zu den HLL D OORE ‘ Dorn ’ und J ÄTTU ‘ Gejät ’ ist vermutlich falsch; es handelt sich wohl um einen Diminutiv auf / - ITTA / zu Dori(l)- oder ähnlich. Naheliegend wäre dorier (G PSR 5, 870 s.) ‘ Goldschmied ’ , das auch als Wiesenname vorkommt. Die Deutung wäre dann etwa ‘ die kleine Wiese des Goldschmieds ’ , wobei das auch ein FaN oder ein Beiname sein könnte. Dooträ Dooträ ist die Form des Simplex in Leukerbad (FLNK), wobei unklar ist, ob es sich um einen Singular oder einen Plural handelt. In der Nähe befinden sich der Dootrugrabu und der Dootruwald (beide Inden). di Dootruweid (Leukerbad) hingegen ist weit davon entfernt unterhalb der Clabinualp belegt. Bei R. G RICHTING (1993) ist Doträ auf Blatt 1, Nr. 14 verzeichnet; Dotruweyd dagegen auf Blatt 11, Nr. 26. Es handelt sich um einen romanischen Namen, dessen Deutung nicht möglich ist. Doppelt Doppelt Adj. ist einmal belegt in zer Topplete Schiir ‘ bei der doppelten Scheuer ’ (Ernen). Das Adjektiv ist zu schwdt. topplet ‘ doppelt ’ und wdt. topplet , topplät (Goms, topplut, topplot ‘ doppelt ’ (I D . 13, 369; G RICHTING 1998, 195) zu stellen. Gemeint sind „ zwei Scheunen, die nebeneinander stehen “ . Laut K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 212) ist das Wort aus afrz. doble entlehnt. Dora (PN) Dora (PN) ist nur in Cima Dora (Zwischbergen) auf LT belegt. J ORDAN (2006) kennt es nicht. Belegt ist bei O LIVIERI (1965, 148) Dora nur als Flussname, was bei Cima Dora kaum in Frage kommt. LSI (2, 312) kennt dorá als Nebenform zu doraa ‘ goldfarben ’ . RN (2, 149) hat dora als Nebenform zu lat. FORAS ‘ draussen, ausserhalb ’ , aber nur für das Münstertal und das Bergell. Es verweist auf S. 551 auch auf den PN Dorothea mit der Kurzform Dora. Das PN Dorothe mit der Kurzform Dora ist auch in I D . (13, 1294 f.) enthalten. Als Bergname kommt sowohl der PN als auch ‘ goldfarben ’ in Frage. Dorf Dorf n. ‘ Dorf ’ ist zu schwdt. Dorf n., Pl. Dörf(f)er bzw. -e-, Dim. Dörf(f)li, Derf(f)li, Dörffji, Derffji, Dorffji, ahd. und mhd. dorf n., wesentlich wie nhd. ‘ kleinere, meist bäuerliche Siedlung; Hauptsiedlungsort mit mehreren Weilern oder mehreren einzeln stehenden Häusern, der sich wiederum in Ober- und Unterdorf, Mitteldorf, Hinter- und Vorderdorf teilt ’ (I D . 13, 1472) zu stellen. G RICHTING (1998, 59) notiert Doorf mit der üblichen Dehnung des Kurzvokals vor / r+Konsonant/ im Oberwallis. Zur Herkunft siehe K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 212). 25 26 Dorf <?page no="279"?> Das HL kommt in rund 240 Namen vor. Dabei dominiert das Simplex Dorf, häufig allerdings mit Präpositionen wie im, ob, unter dem Dorf. Der Plural ist als zwischen den Dörfern (Ferden, Steg) nur zweimal historisch belegt. Der Diminutiv im Singular ist meist Deerfji (zehn Belege), weiter Deerfli (Ferden) und beÿm Derfflin (1782, Naters). Historisch sind auch im Dörffli (1724, Bitsch), im Dörffly (1677, Steinhaus) und vnder dem Dörfli (1689, Ausserbinn und Binn) belegt. Mit attributiven Adjektiven sind vor allem die Typen ts Ober Dorf ‘ das obere Dorf ’ und ts Unner Dorf ‘ das untere Dorf ’ belegt, die sich aber nur schwer von den Komposita ts Oberdorf und ts Unnerdorf unterscheiden lassen. Auch ts Mittel Dorf und ts Mitteldorf sind vertreten, jedoch deutlich seltener. Weitere Belege sind vnder dem Alten Dorf (1727 u. später, Betten), ts Ändruscht Dorf ‘ das jenseitigste Dorf ’ (Varen), Änner Dorf ‘ das jenseitige Dorf ’ (Naters) und Änners Deerfji (Bratsch), ts Chlein Deerfji ‘ das kleine Dorf ’ (Visperterminen), beim Fordren Dorfli ‘ beim vorderen kleinen Dorf ’ (1749, Leuk), jm Hinder Dörfflin ‘ im hinteren kleinen Dorf ’ (1498, Ausserbinn und zwei weitere Belege), im Indrin Dorf ‘ im inneren (taleinwärts gelegenen) Dorf ’ (Kippel), ts Inner Dorf ‘ das innere Dorf ’ (Baltschieder), ts Niw Dorf ‘ das neue Dorf ’ (Eischoll), im Neiwen Dorfÿ ‘ im neuen kleinen Dorf ’ (1756 u. später, Betten), Z Obruscht Dorf ‘ das oberste Dorf ’ (Leukerbad und drei weitere), z Undruscht Dorf ‘ das unterste Dorf ’ (Inden) und im Uistrin Dorf ‘ im äusseren (talauswärts liegenden) Dorf ’ (Kippel). Einen eigenständigen Typ scheint die Kombination eines Lokaladverbs mit Dorf darzustellen: Uf Dorf ‘ auf (dem) Dorf ’ (Naters), das historisch als vffem Dorf (1458 u. später) erscheint. Das 1516 belegte lateinischen vltra villam Narres (Naters) ist unsicher, da nicht klar ist, ob VILLA wirklich als Dorf übersetzt werden kann, und die Präp. ultra sowohl über wie jenseits heissen kann; 1719 und später ist aber Z Naters Obdorf ‘ die Gegend über dem Dorf von Naters ’ belegt. Vorangestellte (alte) Genitive sind selten. unter Nanzer Dörflein (1857, Gamsen) kann zu Nanztal, aber auch zum FaN Nanzer gestellt werden. ob dem Hÿschÿer Dorff (1728, Bürchen) ist wohl als ‘ ob dem Dorf der Leute von Ze Hischre (Zenhäusern) ’ zu lesen. Bei den zweigliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort fällt der Typ Niderdorf ‘ das Niederdorf ’ (sechs Belege auf); er ist das Gegenstück zum schon erwähnten Oberdorf. Ein zweiter Typ verbindet einen Siedlungsnamen mit Dorf: ts (e)Rieddorf ‘ das Ried-Dorf ’ (Turtmann), Änggärsch Dorf ‘ das Dorf Engersch ’ (Bratsch), under dem Breÿen Dorf ‘ unter dem Dorf Breien ’ (1803, Eischoll), ts Eischtdorf ‘ das Dorf Eisten (Teil von Blatten) ’ (Blatten), ob dem Gerber Dorf ‘ oberhalb des Dorfes Ze Gäärwerru ’ (1685, Bürchen), ts Ladundorf ‘ das Dorf Laden ’ (Hohtenn), ts Pfideerfji ‘ das kleine Dorf Pfyn ’ (Leuk), Rufinu Deerfji ‘ das kleine Dorf Rufinu (Rutschgebiet) ’ (Unterbäch), das Sedeldörflein ‘ das kleine Dorf Sädel (Weiler oberhalb Ausserberg) ’ (Ausserberg), Steideerfji ‘ das kleine Dorf Stein (unterhalb von St. German) ’ (Raron), Turtigdorf ‘ das Dorf Turtig (Raron) ’ (Raron). Auch komplexere Bildungen sind möglich, wie ts Ober und ts Unner Geeredorf ‘ das untere und das obere Dorf Geren ’ (Oberwald) zeigt. Naheliegende andere Fluren sind in ts Chummudeerfji ‘ das kleine Dorf bei der Chumma (Mulde) ’ (Raron) belegt, es handelt sich um eine Kleinsiedlung im Bereich der Rarnerchumme. Lärchedorfji ‘ das kleine Dorf bei den Lärchen ’ (FLNK, Ernen) meint eine Siedlung beim Gebiet Lärch, das sonst nur historisch (ab 1469) belegt ist. im Stadeldorf (Ferden) meint den Dorfteil von Ferden mit Stadeln. Schwieriger ist ts Trogdorf (Ausserberg), die Hauptsiedlung von Ausserberg; es ist unklar, ob hier ein Trog (Brunnen) stand, oder ob eine Geländeform (wie ein Trog, eine Mulde) gemeint ist. ts Steideerfji ‘ das kleine Stein-Dorf ’ liegt unterhalb St. German im Gebiet zum Stei. Die komplexeren Ober und Unner Chummudeerfji (Raron) befinden sich bei der Siedlung Z Chummu unterhalb St. German. Einen Sonderfall stellt Feriendorf Fiesch (Fiesch) dar, das eine Freizeit- und Sportsiedlung aus dem 20. Jahrhundert bei Fiesch benennt. Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Acher, Allmei, Bach, Blatta, Brigga, Halm, Hüs, Löuwina, March, Matta, Platz, Rüüs, Schnitta, Suon, Tossu, Tschugge und Wald. Dazu kommen Komposita mit Wasserleita ‘ Wasserleitung ’ und weitere komplexe Bildungen wie Dorftossuchrachu ‘ der Chrache (Tobel) beim Dorftossu (hervorstehender Fels oberhalb des Dorfes St. Niklaus) ’ (St. Niklaus), im Wüller Kin Dörfflin ‘ im kleinen Dorf beim Wiler Kinn (Schlucht) ’ (1693, Wiler) der Gmein Dorff Russ ‘ die Wasserleitung vom / zum Dorf, die der Gemeinde gehört ’ (1725, Leuk) und andere. Eine Ableitung auf / - ERI / (für Wasserleitungen) findet sich in Dorferi ‘ die Wasserleitung vom / zum Dorf ’ (Bellwald), eine Diminutivbildung dazu ist das Dorferlin ‘ die kleine Wasserleitung vom / zum Dorf ’ (1770, Naters). Ein Ableitung auf / - ERA / (für Wasserleitungen) ist in Dorfera ‘ die Wasserleitung vom / zum Dorf ’ (FLNK, Ernen; 1792 ob der Dorffern) belegt. Dorner (FaN) Dorner (FaN) ist nur als der Doornerbode ‘ der Boden der Familie Dorner ’ (Ried-Brig, auch FLNK) belegt. Gwp. Dorner (FaN) 27 28 <?page no="280"?> sagt, dass sich dort wenig oder keine Dornbüsche befinden. In Frage kommt also eher ein FaN. Historisch ist 1645 im Dornen Boden, 1664 jm Dorner Boden, 1786 ob dem Dorner Boden und 1843 im Dorner Boden (Ganther) bezeugt. Der heute noch lebende Flurname befindet sich als Dornerboden auch auf der Karte 1: 10000 in der Nähe der Acherbielen auf dem Brigerberg. Der FaN ist in AWWB (81) mit dem Hinweis auf Kämpfen (AWWB 141) erwähnt. Die Bemerkung Ganther im Beleg von 1843 deutet darauf hin, dass mit Dorner die Kämpfen aus dem Gantertal gemeint waren. Döss Döss ist nur als der Döss ‘ der Rücken ’ (Zwischbergen) belegt. J ORDAN (2006, 300) kennt Döss und Döss-Sita. Es ist zum dialektalen it. doss, döss m. ‘ Rücken ’ (LSI 2, 315; D EVOTO / O LI 2020, 719 s. v. dorso) zu stellen. Gemeint ist ein Gelände, das aussieht, wie ein Rücken (so auch J ORDAN ). Dou Dou ‘ zwei, maskulin ’ wird nur einmal in Jntre dou Thorren ‘ zwischen zwei Bächen ’ (1610, Leukerbad) verwendet und ist ein romanisches Etymon (vgl. T AGMANN 1946, 63, der darauf hinweist, dass es im Patois von Miège eine maskuline Form dou und eine feminine dauwe gibt). Dou ist allerdings häufig auch der präpositionale Genitiv des Maskulinums (M EYER 1914, 55). Doweeria Doweeria f. ist der Name des Flusses, der in Simplon Chrummbach heisst, und zwischen Gabi und Gondo Doveria. J ORDAN (2006, 310 u. passim) kennt Doweeria. Auf der italienischen Seite wird der Fluss Diveria genannt. Das Tal unterhalb von Gondo wird Val Divedro (deutsch: Daveder, hier HL T HAFEDER ) genannt, während der umfassende Name des Tales Val d ’ Ossola und dt. Eschental ist (nach H UBSCHMIED 1938 b, 50 ein Beleg für das späte Aussterben des Keltischen). O LIVIERI (1965, 147) kennt den Talnamen Diveria und den Alpnamen Deveria und führt sie - mit S ALVIONI - auf vetro ‘ Glas ’ mit Hinweis auf den dort vorhandenen Gletscher (ghiachiaio) zurück, weil auch Val di Vedro vorliege. Er interpetiert also Divedro als Verbindung einer Präposition di mit Vedro. Für Doveria gilt das jedoch nicht; dagegen könnte es sich auf das keltische *dubos ‘ schwarz ’ (L EBEL 1956, 289) beziehen, während Diveria sich zu keltisch *deua ‘ Göttin ’ (L EBEL 1956, 289) stellen liesse; auch wenn O LIVIERI S ALVIO- NI s Vorschlag als korrekt bezeichnet. In beiden Fällen wäre dann eine Ableitung auf / - ERIA / erfolgt, wobei der Akzent auf der ersten Silbe der Ableitung liegen würde. Diese Deutung ist allerdings sehr spekulativ. Zwei historische Belege, vermutlich aus Varzo, liegen vor: 1279 de douerio, 1561 de Diuerio - beide meinen wohl einen Ort im Tal, das 1543 vallis diuerij und 1555 vallis diuerÿ (beide Zwischbergen) heisst. In beiden Fällen liegt nicht das Feminin vor, sondern Maskulinum oder Neutrum, was auf einen Ort hindeutet; der Name des Flusses ist feminin. Doyrot Doyrot ist nur belegt in iuxta torrentem Doyrot (1407, Albinen). Der Beleg ist wohl verschrieben, da der Text aus einem jüngeren Kopialbuch stammt. In einem sonst gleich lautenden Beleg ist 1407 vom Bach dou Rol die Rede. Für eine vorsichtige Deutung cf. HL R OT . Draad Draad ist belegt in der Draadchromu ‘ die mit einer Mauer eingezäunte Wiese, von der ein Transportbahnseil wegführt ’ (Simplon) (vgl. auch J ORDAN 2006, 59 Draatchromu), ts Ober und ts Unner Draatseil ‘ das obere und das untere Drahtseil (Seil zum Holztransport) ’ (Mund) und Draatseilbächi ‘ der kleinen Bach, dem entlang ein Drahtseil führt / der gerade wie ein Drahtseil ist (? ) ’ (FLNK, Ulrichen). Es ist zu stellen zu schwdt. Dr ā t m., ahd. und mhd. dr ā t, wie nhd. ‘ Draht, fadenähnliches Gebilde aus Naturfasern oder Metall ’ (I D . 14, 1439 ff.) und zum Kompositum Drahtseil n. wie nhd. ‘ Seil aus Stahldrähten ’ (I D . 7, 756). G RICHTING (1998) kennt die Formen nicht. Ein Drahtseil dient im Allgemeinem dem Transport von Waren, nicht aber von Personen. Ob der Beleg von Ulrichen metaphorisch ist, lässt sich anhand von Karte und Fotografie nicht entscheiden. Dräck Dräck m. ist zu schwdt. Drëck m., mhd. drëck, wdt. Dräkk zu stellen. Es benennt in FlN schlammigen, sumpfigen Erdboden, Lehm, aber auch minderwertiges Land oder einen schmutzigen Ort (I D . 14, 724 ff.; G RICHTING 1998, 60). Das Simplex allein kommt nicht vor; mit einem attributiven Adjektiv ist es in der Gälw Dräck ‘ der fahlgelbe Dreck (vom Illwasser herausgespülte Lehmerde) ’ (Leuk) belegt. Die meisten Belegen enthalten Dräck als Bestimmungswort zu Fäld, Schleif, Sita und Wald, gemeint ist jeweils der schlammige, feuchte Boden. Eine Adjektivableitung auf / - IG / ist belegt in di Dräckig Wirtschaft ‘ die schlammige Unordung ’ (Blatten). Drähen Drähen ist nur belegt in Fasnacht Drähen (1659, Glis). Die Rede ist von einem Acker. Wie unter HL F ASNACHT aufgeführt, sind Namen mit diesem HL häufig mit Fasnachtsbrauchtum verbunden. Zu Drähen gibt es zunächst 29 30 Drähen <?page no="281"?> ein Stichwort Drä ̂ hen ‘ Hauch, Schwall ’ (I D . 14, 680), das inhaltlich wohl kaum in Frage kommt. Etwas weiter führt das Stichwort Drä ̂ je n II (I D . 14, 695 f.) ‘ das Drehen beim Tanz ’ ; man könnte dann annehmen, dass auf dem Grundstück ein Fasnachtstanz stattfand; diese Deutung ist allerdings sehr spekulativ. Rein von der Schreibung her ist Drähen aber in diesem Sinn durchaus möglich, wie die angeführte Stellen aus dem I D . zeigen. Dräjerli (PN) Dräjerli (PN) ist nur belegt in ts Dräjerlisch Ggääschi ‘ das kleine, schlechte Haus des kleinen Drehers ’ (Mund). Es ist zu schwdt. Drä(i)jer, Dr ē (i)jer m. ‘ Drechsler ’ , Nomen agentis zum Verb drää(i)je, dr ē (i)je ‘ drechseln ’ (I D . 14, 688 ff. bes. 711 f.) zu stellen (G RICHTING 1998 kennt es nicht). Es handelt sich wohl um einen Beinamen, der sich auf den Beruf des Besitzers bezieht. Wir geben ihn hier als PN wieder. Driest Driest m. ‘ unfruchtbares Gebiet ’ ist seit dem Ende des 13. Jahrhunderts in rund 120 Namen belegt. Die ältesten Formen zeigen durchwegs Driest, am Drieste und in dien Driesten. Das HL fehlt in dieser Form sowohl in I D . wie bei G RICHTING (1998). Für das HL gibt es eine romanische und eine deutsche Deutung. Die romanische stammt von H UBSCHMIED (1940, 10). Er kennt den Namen in Frutigen und deutet ihn als altrom. *tried žə > *Triesch, afrz. triège, aus gall. *trebio-, ‘ Weg, Spur ’ , in den Mundarten ‘ Durchgang ’ , in der Westschweiz auch ‘ Pfad, Viehweg, Spur ’ (FEW 13, 2, 233 zu * TREBARE ‘ wohnen ’ ). Das auslautende / t/ hält er für sekundär. Eine zweite romanische Deutung gibt J ACCARD (1906, 475) für Triège bei Salvan mit ‘ Weggabelung, Kreuzung von drei Wegen ’ . Eine deutsche Deutung skizziert M EYER (1930, 9), der es von Driesch m. ‘ Acker, der brach liegen bleibt ’ auch Weiden, alemannisch driesch ‘ brach ’ ableitet. Die Verbreitung von Driest im Oberwallis mit Belegen im ganzen Oberwallis und seit dem 13. Jahrhundert würde eine romanische Bildung nur als Lehnappellativ (G LATTHARD 1976) erlauben. Dagegen kann das deutsche Driesch m. ‘ unangebautes, brach liegendes Land, ungepflügter Acker ’ (G R W B 2, 1408; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 216 s. v. Driesch) eher als Grundlage dienen. Das HL erscheint durchwegs mit / t/ im Auslaut und ist ursprünglich maskulin. Das Suffix / -T/ wird aber nach S ONDEREGGER (1958, 556) zu einer verbalen Basis hinzugefügt und ist normalerweise feminin, obwohl der Autor mit der Literatur auch maskuline Bildungen annimmt. Die Deutung ‘ unfruchtbares Gebiet ’ bezieht sich im Oberwallis auf die meist steilen, felsigen und trockenen, schlecht zu bewirtschaftenden Gebiete, wie sie etwa auf der rechten Seite des Haupttales anzutreffen sind (ungefähr dem hdt. Leite ‘ Berghang ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 571) entsprechend). Jüngere lebende Belege haben häufig anlautendes / t/ , also Triescht. Die feminine Form Drieschta f. (z. B. Birgisch, Lax) lässt sich am ehesten als Re-Analyse des Plurals verstehen, wie die historischen Belege für Birgisch und Lax zeigen. Eine eigentliche Ableitung auf / - A / liegt kaum vor. Wenn Artikel fehlen, ist es nicht möglich zu entscheiden, ob ein Singular Feminin oder ein Plural vorliegt. Das Simplex im Singular ist als dr Driäscht (Blatten, Ferden), der Driescht (Naters und weitere), der Triescht (Oberwald, Gluringen) und mit Präposition ufum Driescht (Zeneggen), bzw. unner dum Driescht (Zeneggen) und im Driescht (Visperterminen) belegt. der Driest ist historisch mehrfach bezeugt (1306, Lalden und weitere), am Drieste (1306, Eggerberg) einmal. Ein femininer Singular Driesten (1795, Feschel und Guttet) steht neben den lebenden di Drieschta (Erschmatt und drei weiteren Belegen (Birgisch, Mund, Naters), die wohl Singular Feminin sind, aber historisch Plural aufweisen. Trieschta (FLNK, Lax) ist vermutlich auch Singular Feminin. Im Plural ist das Simplex sicher bezeugt in di Drieschta (Brigerbad), di Drieschte (Oberems, Randa), in den Driesten (1320 u. später, Glis; 1807, Mörel) und inter (zwischen) den Driesten (1297, Lalden), ze Trieschte (Fieschertal), an dien Triesten (1300 - 1330, Münster) und den Triesten (1717, Turtmann; Kasus durch Konstruktion). Der Diminutiv im Simplex ist belegt als Drieschti (FLNK, Ernen), ts Drieschtji (Ausserberg, Embd, Hohtenn, Törbel), Triestji (FLNK, EK, Eggerberg) (wohl mit [sch] ausgesprochen. Der Plural erscheint in di Drieschtjini (Naters, zweimal) und Trieschtjini (EK, Eggerberg). Attributive Adjektive zum HL sind wie folgt belegt: in den Endren Driesten ‘ in den jenseitigen Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1547 u. später, Mund), in den Grauen Driesten ‘ in den grauen Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1651, Mund), den Grawen Triest ‘ (den) grauen Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1540, Naters, Kasus durch Konstruktion), in den Hindern Driesten ‘ in den hinteren Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1865, Glis; 1399 u. später, Naters), au ᵕ ffu ᵕ m Hoodriest ‘ auf dem hohen Driest (unfruchtbares Gebiet) ’ (1634 u. später, Zeneggen), Klein Driestgÿ ‘ der kleine Driest (kleines, unfruchtbares Gebiet) ’ (1768, Zeneggen), dr Ober Driäscht ‘ der obere Teil des Driest (unfruchtbares Gebiet) ’ (Blatten), die Obern Driesten ‘ die oberen Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1683, Erschmatt), t Ober Trieschta ‘ die obere Driesta (unfruchtbares Gebiet) ’ (Lax), Schwarz Trieschta ‘ die schwarze Driesta (unfruchtbares Gebiet) ’ (FLNK, Dräjerli (PN) 31 32 <?page no="282"?> Lax), der Under Driäscht ‘ der untere Teil des Driest (unfruchtbares Gebiet) ’ (Blatten), die Vndrenn Driest ‘ die unteren Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1577, Birgisch), in den Vndren Driesten ‘ in den unteren Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1569 u. später, Mund), t Unner Trieschta ‘ die untere Driesta (unfruchtbares Gebiet) ’ (Lax) und Wiissu Trieschte ‘ die weissen Driesten (unfruchtbare Gebiete ’ (FLNK, Termen). Vorangestellte Genitive des Besitzers oder Nutzers sind: ts Albregisch Driesta ‘ die Driesta (unfruchtbares Gebiet) der Familie Albert ’ (Mund), in den Birgischer Driesten ‘ in den Driesten (unfruchtbare Gebiete) der Gemeinde Birgisch ’ (1778 u. später, Birgisch), in den Gamsner Driesten ‘ in den Driesten (unfruchtbare Gebiete) der Gemeinde Gamsen ’ (1849, Glis), ts Gläisisch Drieschta ‘ die Driesta (unfruchtbares Gebiet) des Gläis (Klaus) / der Familie Gläisen ’ (Mund), des Gloden Driesta ‘ die Driesta (unfruchtbares Gebiet) des Gloden ’ (1714, Glis), Hirlymans Drieste ‘ die Driesta (unfruchtbares Gebiet) der Familie Hirlymann ’ (1859, Mund), ts Maadrisch Drieschta ‘ die Drieschta (unfruchtbares Gebiet) der Familie Jossen, die Maadrini ‘ Marder ’ genannt wurde ’ (Mund), ts Steihüötisch Drieschta ‘ die Driesta (unfruchtbares Gebiet) der Familie Hüeter beim Stein ’ und in des Tÿrolers Driesten ‘ in der Driesta (unfruchtbares Gebiet) des Tirolers ’ (1862, Glis). Die Formen Birgischer und Gamsner lassen sich als alte schwache Genitive Plural sehen, die heute als attributive Adjektive verstanden werden. Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita selten belegt: Bischtrieschtu ‘ die Driesten (unfruchtbares Gebiet) mit Büschen ’ (Zeneggen), ts Chilchchrieschi ‘ der kleine Driest (unfruchtbares Gebiet), der der Kirche gehörte (? ) ’ (Eggerberg, FLNK und EK haben Chilchtrieschtji), dazu kommen die komplexeren Ober Chilchtrieschtji (EK, Eggerberg) und Unner Chilchtrieschtji (EK, Eggerberg), Zwischdrÿesten ‘ das Gebiet zwischen den Driesten (unfruchtbare Gebiete) ’ (1558 u. später, Zeneggen) und dazu Obri und Unnri Zwischtrieschte (FLNK, Zeneggen). Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Acher, Bach, Balma, Bodu, Bord, Egg(a), Flüö, Gand, Gletscher, Matta, Sand, Schiir, Suon, Tiri, Wäg, Wald und Wanna. Mehrfach belegt ist auch die Verbindung mit Wasserleita. Komplexer ist etwa an den Obren Triestweg ‘ an den Weg zum oberen Driest (unfruchtbares Gebiet) ’ (1701 u. später, Feschel; 1796, Erschmatt). Bemerkenswert sind komplexere Bildungen, die sich als syntaktische Gruppen verstehen lassen wie Alpen Uffem Triest ‘ die Alpe auf dem Driest (unfruchtbares Gebiet) (1540, Naters), die allerdings auch einfach zem Drieste (1407) oder vffem Driest (1468) genannt wird - es handelt sich um eine hochgelegene Alpe im Bereich des Aletschi (Naters), oder ts Steihüötisch Hüs in der Drieschtu ‘ das Haus der Familie Hüeter beim Stein in der Driesta (unfruchtbares Gebiet) ’ (Mund). Eine Ableitung auf / - ERIN / für Wasserleitungen findet sich in die Driesterin ‘ die Wasserleitung vom / zum Driest ’ (1670, Mund) und als Weiterbildung Drieschtneri ‘ (wohl) die Wasserleitung vom / zum Driest ’ (FLNK, Naters). Eine Adjektivbildung auf / - IN / (S ONDEREGGER 1958, 494, Adjektive mit Suffix ahd. / - ÎN / ) ist belegt in der Drieschtinerwäg ‘ der Weg, der durch den Driest (unfruchtbares Gebiet) führt ’ (Visperterminen). Da in der Nähe kein HL als Flurname existiert, muss hier eine Adjektivableitung zu einem appellativ verstandenen ‘ unfruchtbare, steile Gegend ’ angenommen werden. Kaum hieher gehört das 1740 in Bratsch belegte im drüest=tahl (zvahl? ). Zwar lässt sich das als Driest-Tal verstehen, aber vermutlich liegt eine hyperkorrekte Form zum HL T RISCHTEL vor. Die unsichere Lesung legt nahe, dass der Schreiber selbst den Namen nicht mehr verstand. Das als Tiesch in Dieschacher (FLNK, Bürchen; Unterbäch) und Tÿescheggen (1620 u. später, Bürchen) sowie Tÿsch Matten (1713, Bürchen) belegte Etymon kann zum HL D RIEST gestellt werden, ist aber ohne / r/ sonst nicht belegt. Drii Drii ‘ drei ’ ist als Kardinalzahl schwdt. drii, drei u. ä. und wdt. drii ‘ drei ’ (I D . 14, 3 ff.; G RICHTING 1998, 60) belegt. In FlN sind das Stellen, wo etwas in der Dreizahl vorhanden ist (LUNB 1, 1, 208). Die Ordinalzahl erscheint zunächst in der Konstruktion ze (de) drii X ‘ bei den drei X ’ , in schriftlichen Quellen wird manchmal auch drei geschrieben. Belegt sind als Grundwörter Aliichji, Arbe - Arva, Bleicka, Böüm, Chriz, Fura, Gadu, Gartu, Hooru, Lerch, Maa (Steinmann), Mad, Sarbach, See, Schiir, Schluocht, Schnitta, Stadel, Stafel, Stei und Tiri. Komplexer ist di Drii Heitbobma ‘ die drei Heideböden ’ (auf LT nur Heitbobme) (Saas-Almagell) und das Drei=Männli=Bord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) mit drei Steinmännern ’ (1596, Ulrichen), den es auch als Drimännelibord ‘ das Bord (Abhang, Böschung), wo sich drei Steinmänner befanden ’ und in Drimännelibode ‘ der Boden oberhalb des Drimännelibord (Bord, wo drei Steinmänner standen) ’ (Obergesteln) gibt. Von den Komposita mit drii als Bestimmungswort ist vor allem Driispitz ‘ Dreispitz ’ häufig. Es ist zu wdt. Driischpizz ‘ Hutform, Gestell (Auflage des Mistkorbes) ’ (I D . 10, 696 f.; G RICHTING 1998, 60) zu stellen und bezeichnet nach URNB (3, 263) in FlN primär eine ‘ dreieckige 33 34 Drii <?page no="283"?> Fläche ’ . Es ist rund zehn Mal belegt und meint eine dreieckige Wiese, ein dreieckiges Stück Land oder ein dreieckige Mauer zur Lawinenwehr. Erweiterungen dazu finden sich in der Driispitzwald ‘ der Wald, der einem Dreispitz gleicht (dreieckiges Stück Wald) (Eischoll, Eyholz), der Drispitzfärich ‘ der Pferch mit dem Dreispitz (dreieckige Mauer gegen Lawinen) ’ (Visperterminen) und ts Driispitzwang ‘ der Grasabhang in der Form eines Dreispitzes (dreieckiges Stück Land) ’ (R. G RICHTING (1993, Blatt 16 Nr. 11) hat Drieschpitzwang), das neutrale Genus ist wohl als Kollektiv zu verstehen. Im Gebiet des Grossen Aletschgletschers ist der Typ Driiegg (hdt. Dreieck) vertreten in Erstes, Zweites, Drittes und Viertes Dreieck, Kleines Dreieckhorn, Driieggheerner, t Driieggspitza (alle Fieschertal), ts Chlii Driiegghoru, ts Gross Driiegghoru (beide Betten und Ried-Mörel). Es handelt sich in allen Fällen um Felsformationen, die wie Dreiecke aussehen. Eine Verbindung mit Zeene ‘ Zehnden ’ findet sich in ts Drizeenuhoru ‘ das Horn, wo drei Zehnden zusammentreffen ’ (Embd, Ergisch, Unterbäch). Ähnlich ist Driländerstei ‘ der Dreiländerstein ’ (Eggerberg), wo drei Gemeinden zusammentreffen (Eggerberg, Baltschieder und Lalden), und bim Drimarchstei ‘ beim Marchstein (Grenzstein) von drei Gemeinden (Bürchen, Törbel, Zeneggen) ’ (Zeneggen) zu verstehen. In Glis gibt es neben ts Drilärchu ‘ bei den drei Lärchen ’ auch di Drilärcherriischa ‘ die Riische (Schuttkegel) beim Gebiet zu den drei Lärchen ’ . Eine Verbindung mit Hundert ist in di Driihundertchleetrigu ‘ die dreihundert Klafter grossen Lose im Talgrund ’ (Leuk) mit einem substantivierten Adjektiv Chleetrig belegt. Triangel, ein Lehnwort aus dem Lateinischen (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 929), kommt in Saas-Grund als Name für eine dreieckige Mauer gegen Lawinen und komplexer in Dreiangel Aker ‘ der dreieckige Acker ’ (1854, Glis) vor. Eine Ableitung di Driieri ‘ die Wasserleitung für drei Wässerwasser ’ (Grächen, St. Niklaus) ist zwar zweimal belegt, es handelt sich aber um die gleiche Wasserleitung. Die Ordinalzahl drittist bei I D . (14, 1495 f.) belegt, nicht aber bei G RICHTING (1998). Sie kommt vor in biner Dritt Chummelegi ‘ bei der dritten Sperre bei der Chumma (Mulde) ’ (Reckingen, Legi ist hier eine ‘ Zaunsperre ’ ), di Drittu Liggi ‘ der dritte Liegeplatz für die Kühe ’ (Saas- Almagell), Dritti Mässhitta ‘ die dritte (Alp-)Hütte, in der die Milch gemessen wurde ’ (Ried-Mörel), di Dritt Lowwinu ‘ das dritte Rutschgebiet ’ (Visperterminen), Dritte See ‘ der dritte See (von vier Alpseen) ’ (Zwischbergen), sowie Drittes Dreieck ‘ das dritte Dreieck (Felsspitze am Dreieckhorn) ’ (Fieschertal). Driisger Driisger ‘ dreissiger ’ ist nur im Beleg Sägschudriisger Militeerwäg ‘ der Weg, der im 2. Weltkrieg vom Gebirgsbataillon 36 gebaut wurde ’ (Termen) belegt. Es handelt sich um einen Weg, der im 2. Weltkrieg von Ried-Brig auf den Rosswald gebaut wurde. Drillinge Drillinge ist der Name eines Fusspasses (LT, Niedergesteln). Er ist zu schwdt. Drilling m., mhd. dr ī linc, ‘ Dreiheit ’ und ‘ Drilling ’ (I D . 14, 35 f.) zu stellen. Drillinge ist der Name dreier kleinerer Bergspitzen, die sich gleichen; sie werden verglichen mit menschlichen Drillingen. Drittel Drittel ‘ der dritte Teil ’ ist nur im Plural als Simplex di Drittla ‘ die dritten Teile ’ (Oberems) belegt; der historische Beleg von 1804 im Drittel legt nahe, dass ursprünglich ein Singular verwendet wurde; heute ist die Gegend überbaut, meint aber wohl immer noch ‘ der dritte Teil ’ ; wohl bezogen auf die Wiesen des Dorfes. Mit einem attributiven Adjektiv ist lat. in inferiori tertio ‘ im unteren Drittel ’ (1675, Visp); ob hier überhaupt ein Name vorliegt, ist unsicher. Mit einem Genitiv Plural sind Brunnero Drittel ‘ der Drittel (des Dorfes) der Familie Brunner / der Leute von Brunnu ’ (1603, Eischoll), 1674 als im Brunner Drittel und jn Reiderro Drittel (1522 u. später), resp. Riederro Drittel (1603 u. später, teilweise lateinisch), zu verstehen als ‘ der Drittel der Leute vom Ried (ehemals selbständiges Gemeinwesen) ’ (Eischoll) belegt. Ebenfalls ein Genitiv Plural ist in Schnÿdero Drittill ‘ im Drittel der Familie Schnider ’ (Eischoll) belegt. Als hyperkorrekte Form erscheint 1634 die Zusammensetzung der Bergdrüthill ‘ der Bergdrittel (genannt Gestelberg, alter Name von Hohtenn) ’ (Hohtenn) mit dem HL als Grundwort. Zu stellen sind diese Belege zu schwdt. Drittel, mhd. dritteil, drittel m., eigentlich der dritte Teil, dann lautlich abgeschwächt zu Drittel. In FlN der Drittel eines Bodens, eines Gutes zur Bezeichnung eines Anteils, ehemals Unterabteilung einer Gemeinde (I D . 12, 1535); G RICHTING (1998) kennt das HL nicht. Droosle Droosle f., Pl. ist ein Pflanzenname und zu schwdt. Drôsle n , Trôsle n u. ä. f. ‘ Alpen-, Grünerle ’ , lat. ALNUS VIRIDIS (W AG- NER / L AUBER / G YGAX 5 2104, 340 dt. Grün-Erle) zu stellen. Es ist im Plural als Kollektiv ‘ Erlengebüsch ’ und überhaupt allgemein als alpines Buschwerk, Alpenerlengebiet, mit Stauden bewachsener Berghang zu verstehen. Der Name Driisger 35 36 <?page no="284"?> mit alemannischem fem. Suffix / -( E ) LE / in Stellenbezeichnungen ist Synonym von Tros m./ n. < vorröm. *drausa (I D . 14, 1317 ff.; FEW 3, 157). An einigen Orten wird damit die Alpenrose benannt; R ÜBEL kennt es in diesem Sinn aber nur für Gampel und Turtmann (R ÜBEL 1950, 54; I D . 14, 1319, 2b). Die Gwpp. sind gelegentlich anderer Ansicht, so etwa für di Troosle in Saas-Almagell. Das Simplex ist nur im Plural als di Droosle / di Drooslu / tse Drooslä ‘ das Erlengebüsch ’ an acht Orten belegt. Auffällig ist Blatten, wo neben einem ts Drooslä auch uffen Drooseltschuggun ‘ auf den Felsen bei ze Drooslä (beim Erlengebüsch) ’ , Drooselruis ‘ der Wasserlauf bei ze Drooslä (beim Erlengebüsch) ’ und Trooselstrich ‘ das langgestreckte Grundstück bei ze Droosslä (beim Erlengebüsch) ’ belegt sind, teilweise doppelt (FLNK). Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita zu den Grundwörtern Bach, Bodu, Egg(a), Gassa, Grabu, Schluocht und Wald. Unsicher ist ein Beleg in Simplon Dorf, der als (d) Roosligumattu belegt ist; Gwp. geht von <troslä> aus, was Droosligumattu nahelegt. J ORDAN (2006, 91) hat Troosligu Mat und stellt es zu Trooslä. Zwei Sonderfälle sind zu erwähnen: di Treesselschliecht ‘ die Geländeeinbuchtungen mit Erlengebüsch ’ (Martisberg) weist einen entrundeten Umlaut auf. Und der Troosibodo ‘ der Boden mit Alpenrosen ’ (Ausserberg, nach Gwp.) hat ein rückgebildetes Troosi (<Troosle) als Bestimmungswort. Drug Drug ist nur 1834 in Guttet als die Drugmatte belegt. Die Lesung ist unsicher. Laut Dokument handelt es sich um eine Stück Garten (also umzäuntes Land) mit diesem Namen. Drug ist so nicht belegt. Am nächstliegenden wäre wohl schwdt. Trog und wdt. Trog, Troog (Lötschtal) ‘ Trog, Brunnen ’ (I D . 14, 628 ff.; G RICHTING 1998, 198), also die Trogmatte ‘ die Wiese beim Brunnentrog ’ . Romanisch wäre der Name wohl zu FEW (3, 64 ff. s. v. *dr ū to (gall.) stark) zu stellen, dessen genauere Deutung etwa ‘ Fruchtbarkeit des Bodens ’ wäre (vgl. G PSR 5, 993 dru ̩ dze ‘ Mist ’ ). Die romanische Form würde dann also etwa ‘ die gedüngte Wiese ’ heissen. Die Deutung ist zu schwdt. Trog gestellt, kann aber auch romanisch sein. Druyes Druyes ist nur in Ergisch 1328 belegt. Die verschiedenen Erwähnungen sind: in campo dol dreuies, jn campo dol druyes, in campo dou due ỳ s, in campo dol duey, in campo dol du ỳ es. Während der erste Teil in campo ‘ im Feld ’ klar ist, gilt das nicht für das HL Druyes oder die konkurrenten Formen ohne / r/ . Die Schreibweisen machen es unmöglich, ein HL herauszufinden. Am ehesten ist an einen PN oder FaN zu denken, doch fehlt auch hierzu ein Beleg. Dschauden Dschauden kommt nur 1749 in Leuk als in den Dschauden vor. Es handelt sich um einen Dativ Plural, dessen Genus nicht erkannt werden kann. Es ist unklar, ob der Name mit / au/ auszusprechen ist; ein langes / u: / kann zu einem hdt. / au/ werden. Falls es sich um einen frpr. Namen handelt, muss ein / o/ oder / al/ vertreten sein. Ein deutscher Name ist ausgeschlossen, obwohl die Präposition deutsch ist. Vermutlich handelt es sich um di Gaaldinuu (Drittel von Leuk mit warmem Wasser) (cf. HL G AALDI ) oder um di Tschüdanu ‘ die warme Quelle ’ (cf. HL T SCHÜ- DANGNA ); beide weisen als Grundlage ‘ das warme Wasser ’ auf. in den Dschauden wird sich also auf eine Flur beziehen, die warmes Wasser hatte. Dubach (FaN) Dubach (FaN) ist ein bernischer FaN. Er ist belegt in Dubachihüsi ‘ das kleine Haus des Herrn Dubach ’ (Oberwald). Laut Auskunft der G EMEINDEVERWALTUNG (p. c.) der damaligen Gemeinde, heute Obergoms, baute sich dort ein bernischer Bau-Unternehmer namens Dubach (F AMI- LIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 1, 457, belegt in den Kantonen Bern und Luzern) ein kleines Haus, das heute noch existiert. Dübi (FaN) Dübi (FaN) kommt als Bestimmungswort in Dübihorn (Raron), Dübigrat (Baltschieder, Raron) und Düübigreetji (Raron) vor. Der FaN bezieht sich vermutlich auf den Alpinisten und SAC-Redaktor Dr. Heinrich Albert D ÜBI (1848 - 1942) (www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 044282/ 2004-04-15/ [30.07.2020IW]). Dues Dues ist ein unklares HL, das nur einmal in Ergisch als in campo Dues (13. Jh., Ergisch), resp. in campo dicto Dues (13. Jh., Ergisch) belegt ist. M EYER (1914, 100 u. 163) kennt eine Form duex, dueys zu lat. DUCTUS , das er als écluse, mare, conduit (etwa: Tümpel, Rinne) wiedergibt; B OS- SARD / C HAVAN (2006, 44) kennen Douay, Duay, Doey f. mit der Bedeutung canal, source à fleur de terre, souvent intermittente zu lat. DUCEM mit der Bedeutung „ ce qui conduit “ . Gemeint ist also wohl ein Feld mit Wasserrinnen. Zu stellen ist der Flurname zu FEW (3, 170 ff. s. v. d ū cere führen). Dufour (FaN) Dufour (FaN) ist als der Düffurspitz ‘ die Dufourspitze ’ (Zermatt) belegt. Es handelt sich um die höchste Spitze (so 37 38 Dufour (FaN) <?page no="285"?> VON W ELDEN 1824, vgl. W ERLEN 2008, 579), die vom Bundesrat 1863 nach dem General G UILLAUME -H ENRI D UFOUR (1787 - 1875) benannt wurde, der u. a. für die Aufnahme der Dufour-Karte verantwortlich war. Der FaN Dufour ist laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 465 f.) in den Kantonen Genf und Waadt verbreitet (vgl. auch https: / / hls-dhs-dss.de/ articles/ 003862/ 2006-03-20/ [30.07.2020iw]. Dul Dul ist nur in Sas Dulgraui (1678, Zwischbergen) belegt, als ‘ der Bock-Fels ’ übersetzt. Es handelt sich um eine durch Agglutination der it. Präposition de und dem it. Artikel il oder lo (dello) entstandene Form, die vom Schreiber als zum Namen gehörig interpretiert wurde. Die it. Grundform ist in Sass dell Luf ‘ Wolfsstein ’ (1766, Zwischbergen) erhalten. Dunkel Dunkel ist nur 1388 in Glis als de Du ͦ nchlu ͦ n Egordon ‘ vom [lat. Präposition] dunklen Brachland ’ bezeugt. Das Adjektiv ist zu schwdt. tunkel ‘ dunkel, finster ’ , ahd. dunkal, mhd. tunkel, in FlN Orte mit wenig Licht, namentlich ‘ durch Tages- oder Jahreszeit bedingt ’ (I D . 13, 710 ff.) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) fehlt es. Durch Durch, Präp. und Verbalpartikel, auch dirr ist zu schwdt. durch und wdt. dir ‘ durch ’ (I D . 13, 1443 ff.; G RICHTING 1998, 59) zu stellen. Die Verbpartikel führt G RICHTING (1998, 61 f.) zu mehreren Verben als durch und dur auf. In den Flurnamen ist die Partikel immer als Verbpartikel belegt, meistens mit einem Partizip verbunden: der Dirrgänd Fat ‘ der durchgehende Felspfad ’ (Simplon), der Durchgeend (e)Ritz ‘ der durchgehende Ritz (Spalte im Fels) ’ und der Durchgeend (e)Ritzgrabu ‘ der Graben beim durchgehenden Ritz ’ (beide Niedergesteln). Eine besondere Form ist der Heiter Tirrgäne ‘ der heitere (helle) Durchgang ’ (Reckingen) (cf. HL G AA ). Zum schwdt. Verb lâsse n ‘ lassen ’ und seiner Kurzform l ā n (I D . 3, 1393 ff.), resp. der Imperativform lach (SDS 3, 68) und zum wdt. laa (G RICHTING 1998, 124) zu stellen sind: ts Dirrlacherhoru ‘ das Durchlasserhorn ’ (Grächen), das auf LT Durchlochhorn ‘ Durchlochtes Horn ’ heisst - insgesamt ein unsicherer Name - und der Ladundurchlaas ‘ der Durchlass (Unterführung der Lötschbergbahnstrecke) unterhalb des Weilers Ladu ’ (Hohtenn) ’ , wobei das Nomen Durchlass in dieser Bedeutung in I D . und G RICHTING nicht verzeichnet ist. Vom Nomen Loch abgeleitet ist das Verb loche n ‘ ein Loch (Löcher) machen ’ und wdt. loche, lochä (Goms), lochru oder lochu ‘ lochen ’ (I D . 3, 1041; G RICHTING 1998, 129); I D . weist darauf hin, dass Zusammensetzungen wie dür ch -loche n üblich sind. Belegt sind zúm Dirlochen Stein ‘ beim durchlochten Stein ’ (1653, Ulrichen), beÿ den Drÿlochigen Steinen ‘ bei den Durchlöcherten Steinen ’ (1678, Zwischbergen; 1713 beÿ den Dirlochrigen Steinen), die erste Form scheint eine Umdeutung zu drii ‘ drei ’ zu enthalten, lässt sich aber auch als Schreibfehler deuten, und der Durchglochet Stei ‘ der Stein mit einem Loch ’ (Ernen). Durscht Durscht ‘ Durst ’ ist zu schwdt. Durst m., mhd. durst, ahd. durst, thu(r)st, allgemein wie nhd. ‘ Durst ’ (I D . 13, 1683 ff.) zu stellen, in FlN für dürre, trockene, wasserarme, der Sonne ausgesetzte Lagen. Bei G RICHTING (1998) fehlt das Wort seltsamerweise. Das gleich lautende mhd. turst ‘ Kühnheit, Keckheit, Verwegenheit ’ (L EXER 2, 1587) liegt wohl nur Geturstigen zu Grunde. Das Simplex Durst n. ist 1345 in Mörel belegt; der Kontext gibt keinen weiteren Hinweis. Das Genus Neutrum hat hier vermutlich kollektive Bedeutung: ‘ das trockene Gebiet ’ . Als Bestimmungswort kommt das Lemma in Durschtbach ‘ der wasserarme Bach ’ und di Durschtbachsita ‘ die Talseite, durch die der Durstbach fliesst ’ (beide Ried- Brig) vor. Vermutlich ein Diminutiv ist im Beleg auffm Turstiÿ ‘ auf dem kleinen Durst ’ (1731, Visperterminen) vorhanden; eine nähere Deutung lässt der Kontext nicht zu. Das Adjektiv durschtig ‘ durstig, wasserarm, trocken ’ (I D . 13, 1867) ist vertreten in das Durstig Ried ‘ das wasserarme Ried (gerodetes Gebiet) ’ (1315 u. später, Visperterminen), jn dem Durstigen Riede ‘ im wasserarmen Ried (gerodetes Gebiet) (1307, Stalden), di Durschtigu Situ ‘ der wasserarme steile Grashang ’ (Saas-Almagell). Die elaboriertere Form pratum des Geturstigen ‘ die Matte des Tapferen ’ (1310, Grächen) dürfte dagegen eher auf turstig ‘ tapfer ’ (I D . 13, 1689, mit Verweis auf mhd. (ge) turstec zurückgehen und hier als PN gemeint sein. Vermutlich zum Verb dürste n ‘ dürsten, durstig sein ’ (I D . 13, 1688 f.) ist Dirschtuloch ‘ die wasserarme Höhlung ’ (Termen) zu stellen. Duude Duude pl. ist in Varen belegt, dazu gehört auch Duduhubil ‘ der Hügel bei den Duude ’ (Varen). Ein historische Beleg in Leuk hat y dude (1556). In Varen ist der älteste Beleg von 1352 eys dondes. 1667 u. später folgen in die Dude ‘ in den Duden ’ . Das HL ist sicher frpr. und dürfte in Flurnamen wie Doudes (B OSSARD / C HAVAN 2006, 278) vorliegen, die nach G PSR (5, 901) ein Gebiet bezeichnen, das dem Unterhalt des Pfarrers diente; es wird auf dot ‘ Mitgift ’ zurückgeführt; auf deutsch etwa Pfrundgut. Dul 39 40 <?page no="286"?> E Eber Eber ist nur 1554 in Zeneggen als die Aeber Matta ‘ die Wiese für den Eber (unklar; Eber ist sonst nicht belegt) ’ und im gleichen Jahr als die Eber Matta erwähnt. Im Kontext heisst es, dass die Gattliga (die Leute, die Gattlen heissen) fünzehn Pfund aus einer Wiese namens die Eber Matta schulden. Am nächstliegenden ist hier der schwdt. Tiername Eber m. ‘ männliches Schwein ’ , mhd. ëber (I D . 1, 46), das allerdings bei R ÜBEL (1950, 112, s. v. Barg) und bei G RICHTING (1998) nicht belegt ist. Es scheint sich um ein Nomen zu handeln, das heute so nicht mehr verwendet wird. Als alternative Deutung liesse sich das Adjektiv schwdt. ā ber ‘ frei von Schnee; frei von Steinen und Geröll ’ und wdt. aabr, aaber, eebr (Lötschtal), aabär ‘ schneefrei ’ (I D . 1, 39; G RICHTING 1998, 15; cf. HL A ABRA ) annehmen, doch ergibt das wenig Sinn. Eberacz (PN) Eberacz (PN) ist 1310 als an dem Eberaczbuele ‘ am Hügel des Eberacz ’ (Stalden) belegt. Es handelt sich wohl um einen Genitiv zu einem PN wie Eburaca oder ähnlich (F ÖRSTEMANN 1, 445 f.) als Besitzer oder Nutzer. Eberarthen (PN) Eberarthen (PN) ist in Zermatt belegt: zir Eberarthen (1689 (? )), zer Eberhalten (1777), zu ᵕ r Eberarthen (1810), zu ᵕ n Eberalten. Die verschiedenen Schreibweisen zeigen, dass der ursprünglich wohl vorhandene PN des Besitzers zer Eberharten (Matta) ‘ bei der Wiese des Eberhart ’ reanalysiert wurde in die Bestandteile Eber und Haalte ‘ Halde ’ . Zu Grunde liegt aber wohl der PN Eberhart (F ÖRSTEMANN 1, 441 f.). Ebiner (FaN) Ebiner (FaN) ist als dr Ebinäracher ‘ der Acker der Familie Ebener ’ (Wiler) belegt. Der FaN ist im Lötschental seit dem 14. Jhdt. belegt (AWWB 85). Der Wechsel des zweiten Vokals von / e/ und / i/ ist alt bezeugt. Eblinen Eblinen ist nur einmal als in den Eblinen (1825, St. Niklaus) belegt. Es ist vermutlich als Plural des Diminutivs zu Äbi ‘ Abhang ’ (I D . 1, 41 f.) zu stellen, also zu deuten als ‘ in den kleinen Abhängen ’ (vgl. HL Ä BI ). Ebli (I D . 1, 47) als Teil des Wagens trifft nicht zu. Eckart (FaN) Eckart (FaN) ist ein vom Taufnamen Ekkehart abgeleiteter FaN Ekart, Eckart, Eckard, Ekart, Eccard, Eckhardt, Heccart, Heccard, Heccardt, Heckart (AWWB 86). Er erscheint einmal in jm Eckart ‘ im Gebiet des Eckart ’ (1667 u. später, Bürchen), einmal im Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung in Eckertigo Haus ‘ das Haus der Familie Eckart / der Leute des Eckart ’ (1742, Ried-Brig) und im starken Genitiv Singular jn der Eccartzslu ᵉ kte ‘ in der Geländeeinbuchtung der Familie Eckart / des Eckart ’ (1308, Stalden). Der PN Eckart ist bei F ÖRSTEMANN (1, 22) belegt. Edel Edel f. ist wohl zu schwdt. Erle, auch Edle (Berner Simmental) (I D . 1, 451) zu stellen; gemeint sind vor allem verschiedene Formen von ALNUS (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 210 ff.). Die Form Edle des I D . ist zwar für das Wallis nicht belegt, ist aber einigen Walliser Gewährspersonen geläufig. Bezeugt sind neben Ho Edle ‘ die hohe Erle ’ (FLNK, Grächen) die Komposita Edelcheera ‘ die (Weg-)Kehren zum Gebiet Erl ’ (Baltschieder), t Edelgassu ‘ die Gasse mit Erlen ’ (Saas-Almagell), ts Edelmaad ‘ die Mähwiese bei den Erlen ’ (Kippel), wozu es einen historischen Beleg aúff dem Erelmad ‘ auf der Mähwiese bei den Erlen ’ (1841, Kippel) gibt, und zum Edeltrogi ‘ beim kleinen Trog bei den Erlen ’ (Saas-Balen), wobei die Gwp. betont, hier habe es keine Erlen. Dennoch scheint die Deutung ‘ Erle ’ die nächstliegende zu sein. Nicht hieher gehören die Belege mit Edelweiss (cf. HL E DELWIIS ). Edelwiis Edelwiis ‘ Edelweiss ’ ist der Name der Hochgebirgspflanze LEONTOPODIUM ALPINUM (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1070; I D . 11, 1538). Da es sich um einen Pflanzennamen handelt, wird das formale Kompositum hier als Einheit gesehen. Das HL kommt einmal als Simplex ts Edulwiis ‘ das Edelweiss (Name eines Hauses) ’ (Ried-Mörel) vor. Die übrigen Belege kennen das HL als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Biina (mit Pflanzen, die Edelweiss gleichen), Pletscha, Tritt und Tschugge. Im Allgemeinen wohl als Angabe zu Edelweiss, die dort wachsen. Edrii Edrii ist nur belegt in ts Planedrii (Albinen). Der älteste Beleg von 1345 hat ol plan endry. Danach überwiegt der Typ planendri, bis ab 1749 der Typ planedri / planadry 41 42 Edrii <?page no="287"?> auftritt. Der Name ist zusammengesetzt aus plan ‘ ebenes Gelände, Ebene ’ und frpr. adrai m., selten drai f., ‘ sonnenhalb, Sonnenseite ’ , das seinerseits zusammengesetzt ist aus à und droit (G PSR 1, 132; Dank an W ULF M ÜLLER für die Deutung), also: ‘ die sonnseitig gelegene Ebene ’ . M ATHIEU (2006, 11) gibt als Deutung frpr. deri ‘ hinten ’ ; diese Deutung entspricht T AGMANN (1946, 62), der deri auf DE RETRO ‘ hinten ’ zurückführt. Er diskutiert allerdings die Form planedrii nicht ausführlich; insbesondere nicht den Vokal zwischen plan und drii, der eher die Deutung von W. M ÜLLER unterstützt. Inhaltlich handelt es sich um einen kleinen, westlich ausgerichteten Weiler, der wohl als Voralpe diente. Ee Ee ist nur als Bestimmungswort vertreten. Es ist zu schwdt. Ef. ‘ Recht, Ordnung, Gesetz, das von jeher und für alle Zeit Bestehende und Festgesetzte, Gewohnheitsrecht ’ , nur in Zusammensetzungen, ahd. êwa, mhd. êwe, ê (G RAFF 1, 505 f.; I D . 1, 6) zu stellen. Belegt sind der Eewäg ‘ der (rechtmässige) Weg auf die Alpe ’ , ‘ der (rechtmässige) Weg nach Martisberg ’ (Betten, zweimal, auch FLNK für Nr. 34), t Eewägtola ‘ die Mulde am Weg, der rechtmässig befahren wurde ’ (Fieschertal). Die drei Belege sind zu Ê(w)wëg ‘ rechtmässig, mit rechtlich geregelter Benützung ’ (I D . 14, 821) zu stellen. Weiter ist belegt auf den Efettstein ‘ der Stein bei den Umzäunungen ’ (1833, Grächen), das zu schwdt. Ê-fad ‘ die von der Dorfverordnung gesetzlich vorgeschriebene Umzäunung zwischen den Zelgen der Dreifelderwirtschaft ’ (I D . 1, 617 f.) gehört. Der fünfte Beleg ist Eefmatta (FLNK, Embd), das wohl Ê w matte ‘ alte, ehhafte [d. h. gesetzliche, rechtmässige] Matte ’ (I D . 4, 549) vertritt. Eewig (FaN) Eewig (FaN) ist nur als ts Eewigschmattu ‘ die Wiese der Familie Ewig (Owlig? ) ’ (Mund, auch FLNK; LT Ewigschmatte). Die Konstruktion legt einen FaN nahe. am nächsten kommt der FaN Owlig, das heute erloschene Geschlecht wurde früher auch Aulig, Auwlig, Ougings, Ouwelin, Ovlin, Owling geschrieben (AWWB 198; J OSSEN 1989, 78; B ACH 1, 1, 149) (cf. HL O WLIG (F A N)). Die lebende Form weist die Entrundung eines vorderen / ö/ auf, das aus altem / o/ entstanden ist. / l/ wird weggelassen: zum einen wird so eine volksetymologische Umdeutung des FaN zum Adjektiv êwig möglich. Zum andern ist der FaN zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht mehr lebendig und den Befragten wohl nicht mehr direkt bekannt. Egg(a) Die beiden Lemmata Egga / Eggu f. und Egg n. sind zu schwdt. Egg, Egge n , Eggt m./ n. wie nhd. ‘ Ecke, vorspringender und einspringender Winkel ’ und wdt. Egg n., Egga, Eggu f. ‘ Ecke ’ zu stellen (I D . 1, 155 ff.; G RICHTING 1998, 64). Im Namenbereich bezeichnet Egg(e) f./ n. eine gewisse Gestalt von Bodenerhebung: Gipfel, spitzig vorstehende Anhöhe, vorspringendes Ende eines Hügels; Übergangsstelle eines Bergpfades, Passhöhe; dachähnlicher Ausläufer eines Berges, Bergkante und die darunter sich anlehnende Halde oder das von ihr begrenzte Plateau, langgestreckte Hochebene (I D . 1, 155 ff.), im Walsergebiet meist ‘ langgezogene Anhöhe am Berghang ’ (Z INSLI 1984, 562). Im Wallis wird nach Z INSLI im Allgemeinen zwischen Egge n f. ‘ Höhenzug ’ und Eck n. ‘ Haus- oder Felsenecke ’ unterschieden. Im Lötschental werden jedoch beide Ausdrücke für dieselbe Bodenform benutzt (Z INSLI 1946, 279, Anm. 21). In Komposita mit den beiden Lemmata als Bestimmungswort lassen sie sich jedoch häufig nicht unterscheiden. Deswegen werden sie hier gemeinsam unter dem umschreibenden HL E GG ( A ) behandelt. Die Lemmata sind sehr häufig; sie kommen in insgesamt rund über 1200 einzelnen Namen vor, sodass hier nur die wichtigsten Bildungen besprochen werden können. In Einzelfällen können Egger, Andereggen, Aufdereggen usw. auch als FaN auftreten (AWWB 10). Lautlich ist der Anlaut ein / e/ ; das in Varen und Albinen auftretende Äggu ist untypisch; in Albinen ist übrigens auch Egge belegt. Ob es sich hier um ein Lemma mit anderer Bedeutung handelt, bleibt offen. Da die beiden HLL in allen Gemeinden und Bezirken des Oberwallis auftreten, wird auf deren Nennung verzichtet. Das Simplex ist im Singular Egga / Egge / Eggu f. häufig, das gilt auch für den Plural Egge f.; blosses Egg n. ist dagegen selten. Wie üblich gibt es mehrere Diminutive im Singular wie im Plural: Eggi / Eggini, Eggelti / Eggeltini, Eggelti / Eggeltini, Egguti / Eggutini und Eggji / Eggjini. Bildungen mit Adjektiven sind häufig, so insbesondere verschieden Formen des Typs ‘ hohe Ecke ’ : He Egga, Heehi Eggu, Heeji Eggu, Hochi Egga, Honegga, Honeggu usw., dann sind Alt Egga, Blaw Egga, Breit Egg, Brün Egga, Dirri Egga, Fälwig Egg, Graawu Egge, Grien Egga, Gross Egga, Hibsch Eg, Hinner Egga, Khaari Egga, Längi Eggu / Läng Egga, Lengi Eg Egga, Läz Egga, Leid Egga, Nider Egga, Ober Egg und Ober Egga, Plutti Eggu, Scheen Egga, Schmal Egga, Spitz Egga, Undru Egge, Üsser Egga, Waarmi Eggu, Wiiss Egga weitere Beispiele für adjektivische Bildungen. Partizipien als Attribute sind selten: Betrognyegga, Hangend Egge, Stotzund Eggi, Verbrannd Egg sind Beispiele dafür. Der Übergang zu eigentlichen Komposita mit Egg(a) als Grundwort ist fliessend, ihre Zahl ist sehr gross. Inhaltlich geht es um Bäume und Pflanzen wie in Aarbegga, Ärbisegg, Arveegg, Aspegga, Birchegga, Bruchegga, Ee 43 44 <?page no="288"?> Burschtegga, Burstegga, Ditschtelegg, Eichegga, Erilegga, Faggsegga, Griffeleggu, Haberegga, Holzegga, Hasileggi, Lärchegga, Massolter Egge, Mälböumegg, Reckholter Egga, Ronig Egga, Schgutzelegga, Sefieggu, Waldegga und andere. Tiere werden genannt in Chalberegga, Fuggsegga, Geisegga, Hasenegga, Hiener Egga, Hirschegge, Khyen Eggi, Schaafeggu, Tieregg, Vogelegga, Wurem Egga. Häufig wird die Egg(a) nach einem in der Nähe liegenden Gebiet benannt. Von den zahlreichen Beispielen sind zu nennen: Reetiegg, Riitiegga, Ritzuegg, Äbinegga, Acheregga, Astaaluegg, Bachegga, Bällegga, Bifigegga, Blaasegga, Brandegga, Briischegga, Brunneggu, Brunnigegga, Burgegga, Chapfeggu, Chinegga, Chrizegga, Eiegga, Eischoleggi, Eischtegga, Färdanegga, Fleschegga, Fruttegg, Gandegga, Gibelegga, Goorbegga, Guferegga, Haauteg, Holöwwiegge, Leenegge, Lochegga, Loibegga, Lüegileggi, Massegga, Miliegga, Mosegge, Räift Egga, Rakart Egga, Riebe Egga, Ritzegge, Sattelegga, Schäärtegge, Schiltegga, Schopfegge, Sitegga, Spiicheregga, Stadilegga, Steinegga, Strubelegga, Tosseggu, Tschafileggu, Tufetschegga, Weritzegga, Wiilär Egga, Wohlfartegga und viele andere. Besitzer- oder Nutzernamen stellen eine weitere Gruppe dar: Bärgersch Egga, Bärisegga, Bätzig Egga, Bertschis Egga, Boners Eggen, Bümasch Eggu, Chaschpersch Eggu, Eischler Egge, Engillers Eggu, Gantersch Egg, Giischigsch Eggi, Guggersch Egga, Haubtmans Eggen, Holzi Eggini, Hosenigo Egga, Hüetereggu, Jaagischegga, Jergien Egga, Jooschtegga, Karleegga, Laubers Egga, Lehmanns Egge, Maartischegga, Meschlers Egga, Millereggi, Mörisch Eggelti, Osgisch Egg, Pfaffeegge, Schoenigs Egge, Stockalper Egga, Stoelis Egge, Thoenis Egge, Truffisch Egg und andere; manche weisen Genitive des Bestimmungswortes auf oder sind Genitivattribute. Die Bodenbeschaffenheit spielt eine Rolle bei Gandegga, Guferegga, Häärdegge, Leimegga, Sandegga, Kinegga / Chinegga, Risegga, Schrattegge, Steinegga usw. Dass Ecken auch als Aussichtspunkte gelten, zeigen Bildungen wie Gaffeggu (Wiler), Guggiegga (Bürchen), Lüegel Egge (Ried-Brig); in einem Fall, dem Jüzeggilti ‘ kleine Ecke, wo man jauchzen kann ’ (Visperterminen), wird nicht nur geschaut, sondern auch gejauchzt. Eine ganze Reihe weitere Bildungen ist schwer zu deuten oder gibt Probleme bei der Namenmotivation auf: Abundbrodeggilti ‘ die kleine Ecke, bei der man das Abendbrot nahm ’ (Visperterminen) ist nur auf Grund einer Angabe einer Gwp. so zu deuten. Die Alpe Ruspecca, später auch Ruschpegga (Visperterminen), ev. auch Rispegg (Visp) und Riischpeggi (Grengiols) ist gut belegt, aber nicht zu deuten. Auch Schatzegga (Ried-Brig) ist unklar, genau so wie Schöibeggi (Ergisch) und Schöübuneggi (Unterems), Seilegga (Raron) und Seileggu (Niedergesteln), um nur einige zu nennen. Mehrgliedrige Bildungen mit Egg(a) als Grundwort sind belegt wie Heimifliäeggu ‘ die Ecke bei der Fluh mit Heimine (Guter Heinrich) ’ (Gampel) (zu: C HENOPOIUM BONUS - HENRICUS (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 594)), Schreeteralpjieggu ‘ die Ecke bei der kleinen Alpe der Familie Schröter ’ (Eischoll) oder t Schindelschluächtegga ‘ die Ecke bei der Schindelschluächt ’ (Blatten). Auch hier gibt es Bildungen mit adjektivischem Attribut wie Chlei Löübegg ‘ die kleine Ecke unterhalb der Laubegg ’ (Geschinen), Foodri Heeji Eggu ‘ vordere hohe Ecke ’ (Steg), Hinner Windegge ‘ die hintere Ecke, wo es windet ’ (Obergesteln) usw. Als Bestimmungswort tritt Egg(a) deutlich seltener auf, mehrfach Eggacher, Eggassen, Eggebieu, Eggeltiwasser, Eggenhüs, Eggenschiir, Eggfirn, Eggflüo, Eggibode, Eggiltigrabo, Eggimattu, Eggitoli, Eggstadol, Eggstafol, Eggstock Egguturna, Egguwald, Egguweidä und Eggwäg. Die Formen mit Eggen wie Eggenächer, Eggenhüs, Eggenschir sind schreibsprachlich beeinflusst. Bekannt ist schliesslich das Eggischhore ‘ Eggishorn ’ ; gemeint ist damit der Gipfel, der das Eggi (kleine Ecke) krönt; der Genitiv Eggisch wird hier als Bestimmungswort gebraucht. Eine produktive Ableitung ist Egger, das entweder die Herkunft oder Zugehörigkeit zu einem Ort namens Egg(a) meint oder ein FaN ist. Auch Personen aus Zeneggen oder Eggerberg (beides Gemeindenamen) können gemeint sein, letztere auch Eggerberger oder Eggerbergerro (beide Genitiv Plural) genannt. Zu diesen Bildungen gehören etwa die Komposita Eggerbode, Egger, Chilchwäg, Eggeren Sentum, Egger Geschnitt, Eggergrabe, Eggerguet, Eggerhore, Eggerhüs, Eggerkapälli, Eggerlische, Eggerofe, Eggerstafel usw. Konstruktionen mit dem Genitiv sind Eggerschchi, Eggerschwäg, Eggers Flüe. Komplexer ist Eggersch Bildtanna ‘ die Bildtanne (Tanne mit Heiligenbild) der Familie Egger ’ (Birgisch). Zwei weitere Ableitungen sind Eggerra und Eggeri; beide bezeichnen Wasserleiten, die von, vorbei an oder zu einer Egg(a) führen. Komplexer ist Eggerischepfi ‘ Anschlussstelle (Schöpfstelle) der Wasserleite nach Eggen ’ (Eggerberg). Als komplexester Name kann Brüof Eggerbärgero Chilchuwäg ‘ hinauf am Kirchenweg der Eggerberger ’ (Eggerberg) gelten, das wohl zu aber-ûf (I D . 1, 120) zu stellen ist. Aber auch sonst sind Ableitungen mit Egg(a) als Grundwort des Bestimmungswortes aufzufinden: Brunegggletscher, Brunegghoru, Bruneggjoch, Bruneggbach z. B. bilden ein Namennest zur (nicht belegten) Brunegga in Oberems. Einen Sonderfall stellt ein ganzes Namennest von Driiegg ‘ Dreieck ’ (Fieschertal) dar, wo es die Driieggherner ‘ die Gipfel im Bereich des Dreieckhorns ’ gibt, dazu das Erste, Zweite, Dritte und Vierte Dreieck, das Drei- 45 46 Egg(a) <?page no="289"?> eckhorn und das kleine Dreieckhorn - alle am Grossen Aletschgletscher südlich des Konkordiaplatzes. Dreieck bezieht sich hier auf die Form der Gipfel. Eggel (FaN) Eggel (FaN) ist ein FaN (AWWB 85), der in drei Belegen vorkommt: unter Eggels Turillin ‘ unter dem kleinen Turm der Familie Eggel ’ (1770, Naters), Eggligo Hitten ‘ die (Alp-)Hütte der Familie Eggel ’ (1634, Naters) und jenseits des Eggelbaches ‘ jenseits des Baches der Familie Eggel / der vom Eggelti herfliesst ’ (1772, Fieschertal). Der letzte Beleg ist doppeldeutig; es kann sich auch um einen Bach handeln, der von einem Eggelti ‘ kleine Ecke ’ her fliesst. Egger (FaN) Egger (FaN) ist auch unter Andereggen belegt (AWWB 10). Er kommt als FlN nur in der Eggerbode (Binn) vor; LT und FLNK haben Eggerebode, was auf einen schwachen Genitiv Plural hinweist: ‘ der Boden der Alp der Familie Egger ’ . Gwp. spricht davon, dass der Boden der Eggeraupe (mit / l/ -Vokalisierung des unteren Goms) gemeint sei. Dieser Name ist auf den Karten nicht verzeichnet, doch hat SK Eggern und auf 1: 10000 ist uf der Egge verzeichnet, das indirekt namengebend sein könnte. Eggitsch der Eggitsch ist in Bister und Grengiols belegt; es handelt sich um zwei verschiedene Fluren. Bister kennt alternativ auch Eggetsch (FLNK).Historische Belege fehlen. Das HL lässt sich entweder als Kompositum von Egg(a) und Gitsch m. ‘ kleine rundliche Erhebung ’ (cf. HL G ITSCH ) oder als eine / - ITSCH / - ETSCH / -Ableitung zu Egg(a) deuten. Grengiols kennt die Namen der Tufitsch ‘ der Ort, wo Tuffstein abgebaut wurde ’ (historisch 1527 Tufetz) und der Ääritzschgrabe ‘ der Graben mit Erz ’ , doch genügt das nicht zur Postulierung einer eigenen Ableitung. Ein Genitiv wie in Lampitsch (Grengiols) liegt nicht vor. Das vorgeschlagene Kompositum wäre ein Kopulativkompositum (beide Teile sind etwa gleichbedeutend) ‘ die Ecke, die eine kleine rundliche Erhebung ist ’ ; das Genus stammt vom Grundwort Gitsch. Eine klare Deutung lässt sich nicht geben. S. A GTEN (p. c., nach K. A GTEN ) möchte / - ITSCH / als ‘ beim Felsen ’ verstehen, doch gibt es keinen Hinweis auf eine solche Deutung. Eggs (FaN) Eggs (FaN) (dialektal Äggsch) ist zum FaN Eggs, Egs, Egz, Ez, Ezen (AWWB 85 f.) zu stellen. Der FaN ist nur als Bestimmungswort belegt. Das Simplex erscheint in ts Ägschhüs ‘ das Haus der Familie Eggs ’ (Filet), bin ts Chrischtenägsch Hüs ‘ beim Haus des Christian Eggs ’ (Ritzingen) und t Äggschweid ‘ die Weide der Familie Eggs ’ (Niederwald). Ein schwacher Genitiv liegt vor in im Äxenacher ‘ im Acker der Familie Eggs ’ (1758, Fiesch), Äggsebode ‘ der Boden der Familie Eggs ’ (Fiesch), an der Egschenmatten (1706, Törbel), wobei hier die ältesten Belege von 1351 u. später Exinmattun haben, also wohl auf ein Feminin ‘ die Frau Eggs ’ verweisen, und tser Eggschuschiir ‘ bei der Scheuer der Familie Eggs ’ (Törbel). Egil Egil ist als Bestimmungswort in der Egiltschuggu ‘ der Adlerfelsen ’ , der Egiltschugguschleif ‘ der (Holz-)Schleif beim Adlerfelsen ’ und zer Egiltannu ‘ bei der Adlertanne ’ (alle Hohtenn) belegt. Laut Gwp. ist <egil> der Name des Adlers; es gibt allerdings keine unabhängigen Belege dafür. Egil geht dann auf frz. aigle m. ‘ Adler ’ zurück; die Formen mit / g/ sind nicht dem Patois zu verdanken, sondern gehen direkt auf das Französische zurück (G PSR 1, 201b ss.). Die Namen befinden sich alle im gleichen Gebiet westlich von Ladu (Weiler von Hohtenn). Ehemalig Ehemalig ist ein Adjektiv, das nur in zwei Belegen vokommt: Ehemalige Erzgruben (LT, Grengiols, als Ehem. Erzgruben), bei FLNK Ärzgrüeba einerseits und Ehem. Bergwerk (Baltschieder) anderseits, das so erst in der Ausgabe von 1980 erscheint. Es handelt sich um ein hdt. Adjektiv als Kompositum, das nicht in I D . und G RICHTING (1998) verzeichnet ist. Konstruktionen mit diesem Adjektiv sind wohl keine Flurnamen im engeren Sinn, sondern einfach Appellative auf den Landeskarten. Ehr Ehr ist nur als Bestimmungswort belegt in Ehracker (1627, Gampel), im Eracher (16(9)3, Bratsch), in den Errackren (1689, Unterems) und in der Ehrmattún (1732 u. später, Niedergesteln). Alle vier sind zum schwdt. Verb ere n ‘ pflügen, ackern, überhaupt den Acker bestellen ’ (I D . 1, 404 f.) und Ar III f. ‘ das Gepflügte, die Furchen ’ (I D . 1, 385) zu stellen. Gemeint ist in jedem Fall ein Acker oder eine Wiese, die gepflügt werden oder wurden; im unteren Teil des Oberwallis (Bezirk Leuk) kann ein Pflug gebraucht worden sein, während sonst die Hacke in Gebrauch stand. Eich Eich f., n. ist zu Schwdt. Eich, Eiche, Eie f., mhd. eich f., wie nhd. Baumname ‘ Eiche ’ zu stellen. Eich n. ist ein kollektives Neutrum mit der Bedeutung ‘ Eichenwald, wo es Eichen hat ’ wie auch bei anderen Baumnamen, z. B. ts Ta. Eich in FlN bezeichnet einen mit Eichen bepflanzten Eggel (FaN) 47 48 <?page no="290"?> Ort (I D . 1, 72; G RICHTING 1998, 64 kennt Eich nicht, vgl. aber W IPF 1910, 75 zu Eichböim). Im Namengut ist auch eine Besitzerbezeichnung oder FaN Im Eich (AWWB 128 f.; VON R OTEN , A NTON , in: BWG 1943, 9, 456 ff.) möglich. Das Simplex im Singular ist belegt als ts Eich ‘ der Ort, wo es Eichen hat ’ (Birgisch, Eggerberg, Raron, Zeneggen), historisch 1305 als dz Eyche (Baltschieder), später als im Eich (1880, Hohtenn). vnder dem Eyk ist 1306 in Ausserberg belegt; später (1713 u. später) ist es als Zer Eichen bezeugt. Eycha ‘ die Eiche ’ (1391, Naters) ist etwas unsicher, da der Kontext auch eine Aue meinen könnte. 1705 hat Turtmann zur Eüchen ‘ bei der Eiche ’ - eine hyperkorrekte Form. Lebend ist belegt tser Eichu ‘ bei der Eiche ’ (Hohtenn). Einen Plural findet man seit 1435 in Eÿchon ‘ bei den Eichen ’ in Bitsch, heute als Eiche. Diminutive zeigen 1750 im Eicherli ‘ im kleinen Gebiet mit Eichen ’ (Unterems, 1744 als zum Eicherleÿ) und Eichji ‘ das kleine Gebiet mit Eichen ’ (Hohtenn). Mit attributiven Adjektiven sind bezeugt: die Grosse Eiche (1869, Stalden), Hohen Eiche (Dat. Sg.) ‘ die hohe Eiche ’ (1890, Stalden), t Holuneich ‘ die hohle Eiche ’ (Mund), t Obru und t Undru Eiche ‘ die oberen und die unteren Eichen ’ (Bitsch, zum Simplex Eiche). Belege mit Eich als Grundwort fehlen. Von den Komposita mit Eich als Bestimmungswort ist Ei(ch)holz ‘ Eichenwald ’ am prominentesten, das auch als (früherer) Gemeindename Eyholz (Eyholz) belegt ist. Der Flurname kann in wenigen Fällen auch zum HL E IE ‘ Aue ’ gestellt werden. Weitere Eiholz gibt es in Bitsch und Ried-Mörel, historisch 1372 (im Eichholtz) u. später auch in Mörel. jhm Einholtz (1653 u. später, Naters) weist eine unsichere Lokalisierung auf (M. S. nimmt auch Eyholz an). Das Kompositum ist auch mit attributiven Adjektiven verbunden: jm ändren Eyholtz (1672 u. später, Bitsch; 1589 vom Hindren Eÿholtz ans Endra), im Hindren Eÿholtz (1779, Bitsch; 1779 Ried-Mörel), im Obren Eÿholz (1746, Bitsch) und im Obren Eýcholtz (1399, Birgisch). Einen vorangestellten Genitiv Plural findet man in Brúnneren Eÿholz (1747 u. später, Mörel), wo entweder der FaN Brunner oder ein Herkunftsname ‘ die Leute vom Brunnen (Quelle) ’ vorliegt. Zum Bestimmungskompositum Eiholz erscheinen die Grundwörter Acher, Blatta, Grabu, Matta, Schluocht, Wäg und Wald, sowie das Kompositum Wasserleita. Von Eiholz abgeleitet ist der FaN Eyholzer, Eiholzer (AWWB 90 f.), der auch Herkunftsname sein kann. Als sicherer Genitiv erscheint es in der Eikholzerro Acher ‘ der Acker der Leute vom Eichholz / der Familie Eyholzer ’ (1307, Zeneggen), Eicholtzero Ens ‘ der Äntsch (Alpe des Enzo? ) der Leute vom Eichholz / der Familie Eyholzer ’ (1530, Visperterminen), Eikholtzerro Matta ‘ die Wiese der Leute vom Eichholz / der Familie Eyholzer ’ (1303, Visp), Eÿholtzero Wald ‘ der Wald der Leute von Eyholz ’ (17? ? , Eyholz). Weitere Belege sind t Eiholzerräbe ‘ die Reben der Familie Eyholzer / der Leute vom Eichholz ’ (Visperterminen), ts Eyholzerchi ‘ das Kinn (Schlucht) im Eyholzerwald ’ (Eyholz, Visp). Die übrigen zweigliedrigen Komposita mit Eich als Bestimmungswort weisen die Grundwörter Blatta, Brunnu, Egg(a), Giller (wohl: Chiller), Gilla, Grabu, Haalta, Matta, Pletscha, Schnitta, Stei, Trog, Wäg, Wald, Wang, Weid, Wier und das Kompositum Wasserleita auf. dr Eichjitschuggu ‘ der Fels beim Eichji (kleines Gebiet mit Eichen) ’ (Hohtenn) ist der einzige Belegt mit dem Diminutiv als Bestimmungswort. Komplexer ist Eichmattutschuggu ‘ der Fels bei der Wiese bei den Eichen ’ (Bratsch). Nur zweimal ist der Name Eichhoru für das Eichhörnchen belegt: Eihoruflüe ‘ die Fluh, die wie ein Eichhörnchen aussieht ’ (Hohtenn) und ts Eihorugässi ‘ die kleine Gasse, wo es Eichhörnchen hat (? ) ’ (Leuk). Der Tiername schwdt. Ei(ch)horn n., mhd. eich(h)orn, ahd. eihhurn(o), eihhorno, ist zu Eiche zu stellen; der zweite Teil ist jedoch umstritten (L EXER 1, 517; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 231). Ableitungen zum HL Eich sind selten. 1757 ist jn Eÿchers Garten (Gampel) belegt, wo ein sonst nicht belegter FaN oder ein Herkunftsname vorliegen kann; dass ein verkürztes Eichhorn vorliegt, ist eher unwahrscheinlich. der Eichibodo ‘ der Boden beim Gebiet mit Eichen ’ (Ausserberg) könnte eine Ableitung Eichi auf / - I / enthalten, die laut I D . (1, 72) zu einer / - ACH / -Ableitung mit dem Sinn ‘ mit Eichen besetzter Ort ’ gestellt werden kann (S ONDEREGGER 1958, 466 ff. zu / - AHI / ). Als Adjektiv auf / - LICH / ist 1548 in Bürchen Eylichi Tuelin ‘ die eichene Röhre ’ belegt (vgl. HL T UELIN ), der Name eines Ackers, der mit einer solchen Röhre bewässert wurde. Das Adjektiv ist bei W IPF (1910, 176) als eichin belegt. Eie Eie f., auch Eia f. ‘ Aue ’ ist zum schwdt. Ei, Eie f., entrundete Form zu Au, Äu, Äue f., Dim. Eielti, ahd. ouwa f., zur Bezeichnung einer Insel oder Halbinsel und wdt. Eija, Eijä (Goms), Eiju ‘ Magerland (strauch-bewachsen) ’ zu stellen (I D . 1, 5 f. und 18; R ÜBEL 1950, 9; Z INSLI 1984, 56; G RICHTING 1998, 64). In unserem Namengut meist ‘ am Wasser gelegene Wiese; niedriges, feuchtes Uferland ’ auch ‘ am Wasser liegendes Gesträuch oder Gehölz ’ oder ‘ abgelegene unbewohnte Gegend ’ . Das HL kommt in rund 350 Namen vor. In einigen Fällen ist nicht zwischen Eie und Eiche zu unterscheiden (z. B. Eyholz ‘ der Auenwald / der Eichenwald ’ ). Inhaltlich geht es in den meisten Fällen um eine Aue im Talgrund des Rotten, die vor der 49 50 Eie <?page no="291"?> Korrektion weite Bereiche überschwemmte; ähnliche Auen befinden sich an Seitenflüssen, wie etwa an der Vispe. Die Formen Oww und Oya sind teilweise älter, teilweise nicht umgelautet, gehören aber meist hieher; Ausnahmen dazu sind Formen wie ouwe usw., die für das weibliche Schaf (Aue) anzuführen sind (cf. HL E ISCHT ). Das Simplex im Singular erscheint lebend in der Form t Ei ‘ die Aue ’ (Lax), dann t Eie (mit Schwa am Schluss) im Goms rund 10 Mal, weiter auch als üf der Eie (Münster), uf der Eie (Selkingen) und in der Eie (Fiesch, Geschinen). t Eie (mit / e/ am Schluss) ist sicher in St. Niklaus belegt; in Randa und Agarn ist ein Plural gemeint. t Eia kommt rund zwölf Mal vor - von Niederwald bis Oberems. Eiu ‘ Aue ’ ist der Name einer Alpe in Saas-Almagell (FLNK Eiju). in der Eiun (Blatten, zwei Mal) ist nur hier lebend belegt. Die Namen der FLNK enthalten meistens die Form Eija oder ähnlich. Einen Sonderfall stellt inner Oww ‘ in der Aue ’ (Eyholz) dar, das eine nicht entrundete Form, eventuell unter dem Einfluss des folgenden / w/ , enthält; historisch ist es 1544 in der Owi und 1690 in der Ow belegt; dazu kommt Ouw (FLNK, Visp). Historisch ähnlich ist das 1539 in Bellwald als jn der Ou ᵉ ‘ in der Aue ’ . Die ältesten historischen Belege vor der Entrundung sind dy` Oy`a (1424, Baltschieder, aber 1475 als Eien), an der o ᵉ yen (1431, u. später, Niedergesteln, später entrundet), in der o ᵉ yun (1438 u. später, Steg, später entrundet), o ᵉ yun (1450 u. später, Visp, später entrundet) und einige andere. Unklar ist der älteste Beleg Oyez (1391, Eischoll; 1443 als jn der o ᵉ ýun). Zu vermuten ist ein Schreibfehler von 1391, da der Gemeindename Eischoll in den ältesten Belegen als Oselz (11? ? ), Oiselz (1219), Oysez (1267 - 1276) erscheint und vermutlich auch 1391 gemeint ist; dieser Name wird eher zu kelt. Uxellos ‘ Anhöhe ’ gestellt (cf. HL E ISCHOLL ). Ein ungewöhnlich früh entrundeter Beleg jn der Eÿun (1468, Ernen) könnte auf eine spätere Kopie hinweisen, die sich jedoch am Fundort (Pfarrei-Archiv Mörel) nicht überprüfen liess (nach P H . K ALBERMATTER , p. c.). Das Simplex Singular im Diminutiv ist das Eÿgeltin ‘ die kleine Aue ’ (1594 u. später, Fiesch), im Eÿgiltin ‘ in der kleinen Aue ’ (1696 u. später, Bürchen), ts Eii ‘ die kleine Aue ’ (Raron), ts Eiilti (Gampel, Raron, Unterems), in dem Eÿeltin ‘ in der kleinen Aue ’ (1754 u. später, Steg), Eijilti (FLNK, Steg), Eijulti (FLNK, Randa), Eijuti (FlNK, Blitzingen), ts Eiuti (Binn, Fieschertal), das Eÿelti (1733, Biel), in dem Eÿelti (1765, Oberwald), im Eyeltin (1627 (ca.), Niedergesteln) und das agglutinierte Zeiuti ‘ die kleine Aue ’ (Blitzingen). Für den Plural ist nur t Eiiltini ‘ die kleinen Auen ’ (LT, Baltschieder; FLNK Eijiltini) belegt. Mit attributiven Adjektiven zum HL erscheinen: dv ᵢ Dika Oy`a ‘ die dicke (dicht bewachsene) Aue ’ (1303, Lalden), der Gekauften Eien ‘ die gekaufte Eie (Aue) ’ (1852, Steg), die Gemeine Eyen ‘ die Aue, die der Gemeinde gehört ’ (1810, Fieschertal und mehrere andere, teilweise die Gmeine Eÿen oder ähnlich), di Gros Eia ‘ die grosse Aue ’ (Baltschieder und mehrere andere mit Varianten), t Hinner Eia ‘ die hintere Aue ’ (Niederwald, sowie Münster und Fiesch mit Varianten), t Honeia / t Honeie ‘ die hohe Aue ’ (Fieschertal und drei weitere), in den Indren Eÿen ‘ in den inneren Auen ’ (1767, Wiler), das klein Öyilti ‘ die kleine Aue ’ (1460, Fiesch), Lengú Oya ‘ die lange Aue ’ (1396 u. später, Raron), t Mitleri Eiu ‘ die mittlere Aue ’ (Salgesch), jn dien Nideren Oyon ‘ in den niederen (unteren) Auen ’ (1306, Lalden), in der Niwen Eÿen ‘ in der neuen Aue ’ (1709, Agarn), t Niwwi Eiu ‘ die neue Aue ’ (Turtmann), t Ober Eie ‘ die obere Aue ’ (Gluringen (zwei Belege), Oberwald, Reckingen und mehrere historische Belege), t Obri Eiu ‘ die obere Aue ’ (Salgesch, Turtmann), t Pmei Eie ‘ die Aue, die der Gemeinde gehört ’ (Obergesteln, zwei Belege), t Rundeia ‘ die runde Aue ’ (Raron), t (e)Rundi Eiu ‘ die runde Aue ’ (Turtmann), Schibochten Eyen ‘ die runde, scheibenförmige Aue ’ (1717, Obergesteln), Tuchen Oyun ‘ die Aue, die überschwemmt wird (unsicher) ’ (1309, Raron), t Undri Eiu ‘ die untere Aue ’ (Salgesch), t Unner Eie ‘ die untere Aue ’ (Gluringe, Oberwald), ts Unner Eii ‘ die untere kleine Aue ’ (Raron), in der Aussern Eije ‘ in der äusseren Aue ’ (1853, Eisten), t Vorder Eia ‘ die vordere Aue ’ (Täsch), in der Wissen Eÿen ‘ in der weissen Aue ’ (1790, Glis). Mit vorangestellten Genitiven zum HL sind belegt: Balscheija ‘ die Aue des Balz (Balthasar? ) ’ (FLNK, Blitzingen; 1592 Poltzeÿen, 1872 des Balz=Eien), wobei der historische Beleg von 1592 auch einen PN Bolz nahelegt, dv ᵢ Bu ᵉ lerra Oy`ga ‘ die Aue, die der Familie Bieler gehört ’ (1303, Lalden) (könnte auch die Leute vom Biel bezeichnen; der Genitiv Plural ist unsicher), in Bieliger Eie ‘ in der Aue der Leute von Biel ’ (1685 u. später, Biel), an die Brügereÿen ‘ die Aue der Briger (Leute von Brig) ’ (1729, Naters; 1732 als Brigeru Eÿen), ad insulam Brunnero ‘ (lat.) bei der Aue der Familie Brunner ’ (1509 (? ), Brigerbad), an der Kilchen Eÿenn ‘ an der Aue, die der Kirche gehört ’ (1594, Münster), in der Kirchen Eÿen ‘ in der Aue, die der Kirche gehört ’ (1824, Oberwald), in der Gertschigen Eÿa ‘ in der Aue der Familie Gertschen ’ (1711, Münster), ts Gelisch Eielti ‘ die kleine Aue der Familie Geli (Gely) ’ (Baltschieder), di Gieschereiu ‘ die Aue, die den Leuten von Giesch gehört? ’ (Niedergesteln), di Grantscheiä ‘ die Auen der Familie Grand ’ (Steg), Gwalthaber Eÿe ‘ die Aue, deren Ertrag dem Gewalthaber (Gemeinde-vorsteher) zukam ’ (1832, Geschinen), t Hansieie ‘ die Aue des Hans ’ (Ulrichen), des Herren Eya ‘ die Aue des (Pfarr-)Herrn ’ (1815, Oberwald), t Hereeie ‘ die Aue des (Pfarr-)Herrn ’ (Münster), in Jagesu ᵕ oeÿe ‘ in der Aue des Jaaggi (PN Eie 51 52 <?page no="292"?> Jakob) ’ (1729, Leuk), t Jaggesseiu ‘ die Aue des Jaaggi (PN Jakob) ’ (Turtmann), Jans Graphun Eÿa ‘ die Aue des Jan Graven ’ (1545, Vispertminen), in der Jostigen Eÿen ‘ in der Aue der Familie Jost ’ (1721, Obergesteln), ts Irisch Eie ‘ die Aue des Iri (PN? ) ’ (Oberwald), ts Kaplaasch Eie ‘ die Aue, die dem Kaplan gehörte ’ (Münster), ts Maartischeiu ‘ die Aue des Martin / der Familie Marti ’ (Turtmann), Matters Eÿa ‘ die Aue der Familie Matter ’ (1531, Brigerbad), ts Michutisch Eie ‘ die Aue der Leute des kleinen Michael (Übername einer Familie Biderbost) ’ (Ritzingen), Nuntzen Eÿen ‘ die Aue des Nuntz (PN? ) ’ (1608 u. später, Ried- Brig), Mörisch Eÿeltin ‘ die Auen des Mörisch / der Familie Mörisch ’ (1794, Naters), in Parnisch Eÿen ‘ die Aue der Familie Parni / des Parni (wohl: Perrin) ’ (1757, Agarn), in Perinis Eyen ‘ in der Aue der Familie Perrini ’ (1711, Agarn), in Perrigen Eÿen ‘ die Aue der Familie Perrig ’ (1717, Leuk), in der Pfaffen o ᵉ yen ‘ in der Aue des Pfarrers / der Familie Pfaffen ’ (1431, Niedergesteln), di Pulligueiu ‘ die Aue bei Pulligu (Ort der Leute des Pullo) ’ (Leuk), jn Randiers Eÿen ‘ die Aue der Familie Randier ’ (1663 u. später, Turtmann), in Riedigen Eyen ‘ in der Aue der Leute vom Ried ’ (1716, Visp), t Ritzigereie ‘ die Aue der Leute von Ritzingen ’ (Ritzingen), ad insulam sarquenensium ‘ (lat.) bei der Aue der Leute von Salgesch ’ (1640, Salgesch; unklar, ob Name oder Appellativ), in Schu ͦ machrigo Eÿen ‘ die Aue der Familie Schuhmacher / der Leute des Schuhmachers ’ (1592, Visp), in der Seitter Eÿgen ‘ in der Aue der Leute von Seit ’ (1603, Ritzingen), Selkiger Eije ‘ die Aue der Leute von Selkingen ’ (Selkingen), Suters Eÿa ‘ die Aue der Familie Suter ’ (1548 u. später, Baltschieder), Theyllerseÿe ‘ die Aue der Familie Teiler ’ (1774, Ernen), in das Ursers Eÿen ‘ in der Aue des Mannes aus dem Urserntal (UR) ’ (1718, Oberwald), ts Weibelsch Eia ‘ die Aue des Weibels ’ (Geschinen), jn Wÿdigen Eigen ‘ in den Eien (Auen) der Familie Wyden ’ (1597, Visp), dez Wirtz Oya ‘ die Aue des Wirtes / des Wirt (PN) ’ (1369, Raron), Zittersch Eia ‘ die Aue der Familie Sitter / Schitter ’ (Baltschieder). Diese Genitive bezeichnen häufig die Besitzer der Auen. Die alten Genitive auf / - ER / (z. B. Ritziger ‘ der Leute von Ritzingen ’ ) wurden hieher genommen, obwohl sie heute oft als Adjektive analysiert werden. Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL mit Tiernamen verbunden: di Blageia ‘ die Aue, wo verendete Tiere begraben wurden ’ (Glis, Visp), ts Geiseii ‘ die kleine Aue für die Ziegen ’ (Baltschieder, 2 Belege), ts Geiseielti ‘ die kleine Aue für die Ziegen ’ (Oberwald), t Haneia ‘ die Aue für die Hähne ’ (Fieschertal, aber unsicher, laut Gwp. auch Honeia), t Kalbereia ‘ die Aue für die Kälber ’ (Brigerbad), t Kalbereie ‘ die Aue für die Kälber ’ (Geschinen), im Plagey`iltÿ ‘ die kleine Aue, wo verendete Tiere begraben wurden / die minderwertig sind ’ (1862, Turtmann), t (e)Rosseia ‘ die Aue für die Pferde ’ (Brigerbad), in der Ross Eyen ‘ in der Aue für die Pferde / mit dem Röstplatz für Hanf und Flachs ’ (1664, Geschinen; Ross ist unklar), in der Ros Eÿen ‘ in der Aue für die Pferde ’ (1808, Münster; 1678 insulam Equinam ‘ die Ross-Aue ’ ), t Wolfeia ‘ die Aue der Familie Wolf (liegt in Rottenebene, wo kaum Wölfe zu erwarten sind) ’ (Raron). Nicht alle Belege sind sicher; typischerweise wurden Auen als Ziegenweide gebraucht. Eine Reihe von Pflanzennamen treten ebenfalls auf: die Bännereia ‘ die bänderförmige Aue ’ (Turtmann), t Bircheya ‘ die Aue beim Weiler Birch (Birkengehölz) ’ (Fiesch), ts Doorueii ‘ die kleine Aue mit Dornengesträuch ’ (Raron), zen Doroien ‘ bei den Auen mit Dornengesträuch ’ (1303, Niedergesteln), di Doreia ‘ die Aue mit Dornengesträuch ’ (Visp), t Flaggseie ‘ die Aue mit Flachs ’ (Ulrichen), in der Flaxeien ‘ in der Aue mit Flachs ’ (1741, Ritzingen), in der Flax=Eÿen ‘ in der Aue mit Flachs ’ (Münster), in der Holtz Eÿen ‘ die Eie (Aue) mit Holz (Wald) ’ (1675, Turtmann), t Lärcheie ‘ die Aue beim Lärchenwald ’ (Ulrichen), in die Peschereye ‘ die Aue mit Erbsenfeld (sofern überhaupt Aue! ) ’ (1706, Salgesch), t Runeia ‘ die Aue mit Baumstöcken ’ (Blatten, sofern nicht das Adjektiv rund enthalten ist). Die Form der Aue spielt eine Rolle in t (e)Radeia ‘ die Aue beim Gebiet Rad (radförmiges Gebiet, in Brigerbad) ’ (Lalden), t Rundeia ‘ die runde Aue ’ (Raron), Rÿemen Eÿen ‘ die riemenförmige Aue ’ (1562 u. später, Brigerbad; 1530 Rymen Eyun). Bei einer Reihe von Komposita ist wohl eine nahegelegene Flur oder ein Gebiet gemeint, so etwa bei t Abbrucheiu ‘ die Abbruch-Eie (Aue im vom Wasser abgebrochenen Gebiet? ) ’ (Agarn, Leuk), in der Baneÿen ‘ in der Aue beim Banngebiet ’ (1594, Visp), in der Banneyen ‘ in der Aue beim Banngebiet ’ (1663, Baltschieder), in der Berggeÿen ‘ die Aue beim bergwärts liegenden Gebiet ’ (1677, Turtmann), in der Bergeÿen ‘ die Aue beim bergwärts liegenden Gebiet ’ (1634, Bürchen), ts Bärgeiji ‘ die kleine Aue beim Gebiet, das bergwärts ansteigt ’ (Raron), in der Fureye ‘ in der Aue bei der Furche ’ (1663, Biel), Mosoya ‘ die Aue im Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (1427, Niedergesteln; 1307, Raron), Santhoy`a ‘ die Aue beim Sandgebiet ’ (1303, Raron), Sant Eÿa ‘ die Aue beim Sandgebiet ’ (1548 u. später, Baltschieder), Santhoyunt ‘ die Aue beim Sandgebiet ’ (1300 u. später, Niedergesteln), jn der Stegoyun ‘ in der Aue beim Steg ’ (1306, Lalden), ts Steineii ‘ die kleine Aue beim Gebiet zum Stein ’ (Raron, LT Steineji, FLNK Steneiji), di Taleia ‘ die Aue beim Tal ’ (Baltschieder, Eggerberg, Lalden und historische Beleg in Brigerbad und Visp; alle wohl für den gleichen Ort), Wereija ‘ die Aue beim Wehr (Wehrbau der Vispe) ’ (FLNK, Visp; LT Wehreye), dazu t Forder Wereia ‘ die vordere Aue beim Wehr (Wehrbau der Vispe) ’ (Visp; 53 54 Eie <?page no="293"?> LT Vordere Wehreye), t Unner Wereia ‘ die untere Aue beim Wehr (Wehrbau der Vispe) ’ (Visp, LT Untere Wehreye). In einigen Belegen wird die Zuordnung der Aue zu einer Gemeinde oder einem Weiler ausgedrückt: t Laaldeia ‘ die Auen, die zu Lalden gehört ’ (Visp), in den Laldeÿen ‘ in den Auen, die zu Lalden gehören ’ (1768, Lalden), Laleija ‘ die Aue, die zu Lalden gehört ’ (FLNK, Eyholz), Turtigeiju ‘ die Aue, die zu Turtig (Weiler von Raron) gehört ’ (FLNK, Niedergesteln; LT Turtigeiu), in Turtigeÿen ‘ in der Aue, die zu Turtig (Weiler von Raron) gehört ’ (1507, Raron). Einen Sonderfall stellt das mehrfach belegte, zweitbetonte Tscharei mit Varianten dar. Z IMMERMANN (1968, 41 f., s. v. Scharei) stellt es zu Eie und deutet Schar als eine Uminterpretation von zer. Dagegen spricht, dass auch Inden (di) Tschareie kennt und dass deswegen vermutlich eine frpr. Form von lat. CARRUS ‘ Karren ’ (FEW 2, 426 ff.; G PSR 3, 385 s. v. charray) oder ähnlich vorliegt (cf. HL T SCHAREI ). Komplexere Formen mit dem HL als Grundwort sind etwa: Getschhauteeije ‘ die Aue unterhalb der steilen Halde / der Halde oberhalb des Morastes ’ (Ritzingen), in den Grimpeil Eÿen ‘ in den Grindbiel (Hügel, der wie ein Felskopf (Grind) aussieht ’ (1626 u. später, Glis) (Grindbiel kann auch zu Grund gestellt werden; die ältesten Belege dieses Kompositums in Glis enthalten jedoch schon ein / i/ (z. B. 1270 (ca.) Crinpuil, 1279 Grimpuel, 1299 Grimpuele usw.). Es gibt allerdings auch ein Grundbiel (z. B. 1339 zem Grvnt Bu ͦ le), das als Typ besser belegt ist. Entsprechend sind auch an die Grundbu ᵉ leyen ‘ die Aue beim Grundbiel (Hügel im Grund) ’ (1622, Glis) und in den Neu ᵕ en Gliser Gru ᵕ ndbieleÿen ‘ die neue Aue in den Grundbielen (Hügeln im Grund) von Glis ’ (1858, Glis) bezeugt. Unsicher ist auch Klein Brotgien Eÿa ‘ die Aue, die wie ein kleines Brot aussieht ’ (1617, Filet). in der Nüwen Ausgetheilten Eÿen ‘ in der neuen, zugeteilten Aue ’ (1717, Turtmann) zeigt, dass Auen im Rottengrund den Burgern neu zugeteilt wurden. Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Alpa, Biina, Brigga, Brunnu, Chriz, Fääsch, Gassa, Haalta, Grabu, Licka, Los, Matta, Sand, Schleif, Schluocht, Straas, Stutz, Tola, Tschugge, Wald, Wasser und Weid. Komplexere Formen sind etwa di Turtigeiuleesser ‘ die zugeteilten Grundstücke bei der Aue bei Turtig (Ortsteil von Raron) ’ (Niedergesteln), in den Vndren Eÿmatten ‘ in den unteren Wiesen bei der Aue ’ (1739, Turtmann), t Wereiuleesser ‘ die zugeteilten Grundstücke bei der Aue bei der Weri (Wehrbau bei der Vispe) ’ (Visp) und t Indru und t Üssru Eiutola ‘ die innere und die äussere Mulde bei der Aue ’ (Eisten) und andere mehr. Zur Form Ow / Oue (kann sowohl zu Eie wie zu Aue (Schaf) gehören) stellen sich Jn der Owmattun ‘ in der Aumatte / in der Schafmatte ’ (1580, Guttet) und in Owlandschboden ‘ im Boden des Eiland(? ) ’ (1779, Staldenried), wobei der Genitiv auch zu einem PN gehören kann, der sonst nicht belegt ist. Auch ts Öuchumm ‘ das Chumm (Mulde) mit einer Aue ’ (Münster, zwei Belege) und der Öuchummsee ‘ der See bei der Chumma (Mulde) mit der Aue ’ (Münster) sind hieher zu stellen. Eifetsch Eifetsch ist nur historisch 1699 als die Eifetschfäd ‘ die Felsbänder mit Eis ’ (St. Niklaus) belegt. Das nächstliegende Wort im I D . (2, 129) ist Geifetsch ‘ kalter Nebel, Frostnebel ’ , das auch bei K LEIBER (1992, 617 f.) belegt ist. Er bezieht sich auf J UD , der Geifetsch auf eine romanische Grundlage zurückführt (G PSR 8, 343 ss. s. v. givre ‘ Eis, Frost ’ ). P H . K ALBERMATTER (p. c.) weist jedoch darauf hin, dass im Dokument Eifetschfäd steht, also keine Falschschreibung von Geifetsch. Eine Deutung dafür ist nicht möglich. Eifisch Eifisch ist nur in der Eifischgraad ‘ der Grat zum Val d ’ Anniviers ’ (Oberems) belegt. Es handelt sich um die im Deutschen gebräuchliche Form für frz. (Val d ’ ) Anniviers. M EYER (1914) nennt das Tal im Titel seiner Dissertation Einfisch und geht im Register (S. 159) von der Form Anii vias aus, zitiert aber S. 20 de Anivesio und apud Anivesium und S. 30 Anivieix, das er als nicht lateinisch ansieht. Die dt. Form Einfisch scheint eine rekonstruierte Fehlform von Eifisch zu sein, das seinerseits wohl erst im 16. Jahrhundert als Ergebnis des sog. Staubschen Gesetzes entstanden ist: / n/ vor einem Reibelaut (hier / f/ ) wird durch einen Diphthong ersetzt (vgl. etwa Beich ‘ Bänke ’ ). Die Form lautete also Eifisch, das seinerseits aus einem rom. *Anfis oder *Anvis entstanden sein muss. Diese Formen erscheinen allerdings in den historischen Belegen von M EYER nicht, der latinisiertes Anivesium und frpr. Anivieix hat. Das auslautende / s/ wurde im Oberwallis zu / sch/ . G ATSCHET (1867b, 191) und S TUDER (1896, 96) führen den Namen auf lat. NIX , NIVIS ‘ Schnee ’ , Adj. NIVEUS ‘ aus Schnee, schneeig ’ zurück, laut G ATSCHET soll das Tal seinen Namen dem Einfluss des jenseitigen italienischen Sprachgebietes verdanken, er geht von it. annevare ‘ mit Schnee bedecken ’ aus, Anniviers bezeichne also ‘ eine in der Nähe von Schneefeldern liegende, oder bis tief ins Frühjahr mit Schnee bedeckte Gegend ’ . Die von M EYER (1914, 159) angesetzte Grundform Ă NII VIAS ‘ Jahreswege ’ beziehe sich laut C RETTAZ (2008, 9) auf die früher nomandenhafte Lebensweise der Einwohner des Eifischtales ‘ l ’ année sur les chemins ’ . G PSR (1, 437 s. v. Anniviard) gibt Eifetsch 55 56 <?page no="294"?> zum Namen keine nähere Erklärungen. Insgesamt steht eine wissenschaftlich haltbare Erklärung aus. Eige Zu schwdt. Eigen n., mhd. eigen, ‘ ganz eigener und darum auch erblicher Grundbesitz, ein solches Grundstück, Gut, im Gegensatz zu Fahrhabe, zu Lehengut und zu Allmend, Adj. eigent ‘ als Eigentum angehörend ’ (I D . 1, 146; G R W B 3, 95, 69). Das Nomen ist teilweise Neutrum, teilweise Feminin, soweit erkennbar. G RICHTING (1998, 64) kennt nur das Adj. eige, eigä (Goms), eign, eigund ‘ eigen ’ . Von den rund 30 Namen gehören die meisten dem Bezirk Goms an; die übrigen verteilen sich über die restlichen Bezirke. Sichere Simplizia im Singular sind ts Eige ‘ das Eigengut ’ (Binn) (aber 1820 in der Eigen), t Eige (Biel, aber historisch immer Plural, erst 1769 Singular; Gluringen, historisch 103 und 1726 Plural, 1633 Singular, wohl Neutrum), in der Eigen (1589, Agarn; ähnlich 1859, Hohtenn, 1725 Obergesteln). Eigne, auch t Eitne (Binn) sind wohl Singular, aber 1768 auch Plural. Das seltsame Zeygen ‘ beim Eigengut ’ (1446, Ried-Mörel) ist wohl ein Singular. Sichere Simplizia im Plural sind in Eige ‘ in den Eigengütern) (Ritzingen, auch historisch immer Plural), in dien Eygen (1393, Grengils), vf dien Eigen (1310, Visp), t Eigna (Visperterminen; historisch Plural). Etwas unklarer ist zen Heygen ‘ bei den Eigengütern ’ (1351, Unterems), wo das anlautenden / h/ sich auch in Hemessa ‘ Ems ’ findet. Insgesamt wechseln Singular und Plural, Neutrum und Feminin in unklarer Weise. Die Assimilation (/ g/ > / t/ ) in t Eitne kommt nur in Binn vor. Attributive Adjektive in zweigliedrigen Konstruktionen sind: t Hinnre und t Vodre Eitne ‘ der hintere und der vordere Teil des Eigengutes ’ (Binn). Einen vorangestellten Genitiv zeigen Kinigs Eÿgen ‘ das Eigengut der Familie König ’ (1688, Mörel; auch Kings Eÿgen) und t Leemischeige ‘ die Eigengüter der Familie Lehmann / des Lehensmannes ’ (Binn). Als Grundwort findet sich nur im Múhly Eigen ‘ im Eigengut bei der Mühle ’ (1838, Visp). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Biel, Bord, Läg, Matta, Wald, Wier und Zehnt. Letzterer Beleg Eygen Zendo (1453) meint wohl ein Eigengut, dessen Ertrag als Zehnten diente. Eine / - ET / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 524) liegt in Eiget ‘ das Eigengut ’ (Münster) und den dazu gehörenden ts Ober Eiget, im Unner Eiget, der Eigetbode, der Eigetwald, und der Ober Eigetbode (alle Münster) vor. Vermutlich ein Adjektiv kommt in aúff den Eigenden Wehrinen ‘ auf den Eigengütern bei den Wehrbauten ’ (1727 Brigerbad) und z ’ Eigenen Stadol ‘ beim eigenen Stadel ’ (1838, Staldenried) vor. Eiginer Eiginer m. ist nur in Saas-Almagell als der Eiginer belegt (so auch auf 1: 10000). In Saas-Fee lautet der Name der Eginer (FLNK Egginer). Auf der Dufourkarte OA 492 von 1860 und der Siegfriedkarte Blatt 534 von 1881 steht Egginer, ebenso auf LT, wo der Gipfel auf 3368 m lokalisiert ist. Ebenfalls in Saas-Fee ist ts Eginerjoch (FLNK Egginerjoch), ein Felsübergang beim Egginer belegt. G AT- SCHETS Paraphrasierung lässt auf eine Ableitung von Egg, Dim. Eggi schliessen: ‘ des Kantigen, oder in der Bergkante aufragenden Berges ’ (G ATSCHET 1879, 407). Die Formen auf den Karten legen tatsächlich am ehesten eine Herleitung von schwdt. Egg ‘ Ecke ’ und wdt. Egga, Eggu ‘ Ecke, Egge (Gerät), Geländerippe ’ (I D . 1, 155 ff.; G RICHTING 1998, 64) nahe. Die Ableitung ist wohl zum Diminutiv Eggi mit einem hiatustilgenden / n/ und dem männlichen stellenbezeichnenden Suffix / - ER / (S ONDER- EGGER 1950, 541 ff.), also ‘ der Berg mit kleinen Ecken ’ zu stellen. Im Oberwalliser Namenbestand gibt es nur eine ähnliche Form, nämlich Enginer in Baltschieder, das sich eventuell auf eine Ableitung von Engi f. bezieht (W ERLEN 2008, 587). Der Name Eiginer in Saas-Almalgell scheint dagegen eine ähnliche Ableitung, aber von Eigen n. (I D . 1, 146; G RICHTING 1998, 64 kennt nur andere Ableitungen), hier etwa als ‘ der uns gehörende Berg ’ . Ob der bekannte Name Eiger (BENB 1, 1, 72) eine Rolle für den Namen Eiginer spielt, ist unklar; dessen Etymologie gilt im Übrigen als ungeklärt. Eim (FaN) Eim (FaN) ist ein in Hohtenn inzwischen erloschener FaN Heimen, Heymen auch Heinen, Heynen, lat. A YMONIS (AWWB 122 f.); siehe dazu den historische Beleg von 1852 mit die Heimen Haús Schnitten gelegen aúf der Gemeinde Hothen (GA S TEG , R 2 S. 228, Steg). Belegt ist er in ts Eimhüüs ‘ das Haus der Familie Eim ’ und der Eimhüüsstadil ‘ der Stadel beim Haus der Familie Eim ’ . A YMO ist ein im 13. und 14. Jahrhundert sehr geläufiger PN. Zu weiteren Varianten cf. HL H EIME und HL H EINRICH . Eimerli Eimerli n. ‘ der kleine Eimer ’ ist nur 1752 und 1781 in Blitzingen belegt. Es handelt sich um ein Diminutiv Eimerli zu schwdt. Eimer m., Pl. Eimere n , mhd. eimer aus älter eimber m./ n., ‘ ein hölzernes Gefäss für Getränke, bauchiger Kübel, in welchen gemolken wird ’ auch ‘ Weinmass ’ (I D . 1, 221; ZGNB 2, 67). In Blitzingen kommt 57 58 Eimerli <?page no="295"?> ein Weinmass nicht in Frage, sodass wohl eine Wiese gemeint ist, die in etwa einen kleinen Eimer Milch liefert. Ein Ein ist zum Zahlwort ein zu stellen. G RICHTING (1998, 64) kennt die Form so nicht, führt aber flektierte Formen wie wdt. eim, eimu (Matteratal), einum ‘ einem ’ und einere, einra (Lötschtental), einära ‘ einer ’ auf. Wie schon W IPF (1910, 137) für Visperterminen zeigt, ist das Zahlwort substantivisch, adjektivisch und als unbestimmter Artikel (in verkürzter Form) gebraucht (vgl. auch I D . 1, 296 ff.). Die Belege in den Orts- und Flurnamen sind: ts Eineggi ‘ die eine (besondere) Ecke ’ (Ernen), die als Aussichtspunkt besonders auffällt, der Einumällich ‘ der eine Mällich (Steinmann) ’ (Embd) ist ein aufgemauertes Mäuerchen, das im Gegensatz zu di Zwei Mällicha ‘ die zwei Mällicha (Steinmänner) ’ (Embd) - etwa 200 m höher - zu sehen ist. Dazu gehört t Einumällichbletscha ‘ die Ebene beim einen Mällich (Steinmann) ’ (Embd). Die Ableitung eintu ‘ (der) einte ’ (Id. 1, 269 ff.) steht in bim Eintu Stock ‘ beim einzelnen (Baum-)Stock ’ (Embd), dem Überrest einer früher dort stehenden grossen Lärche. Unsicher ist der Beleg Einmatta ‘ die Wiese bei der Aue ’ (1565, Naters), der wohl zum HL E IE ‘ Aue ’ zu stellen ist (< Eie(n)matta). Einig Einig kommt in drei Belegen vor, von denen zwei den gleichen Gipfel meinen. Es handelt sich um ein Adjektiv einig ‘ einzig ’ (I D . 1, 279; G RICHTING 1998, 64). Im Fall von ts Einig Alichji (Erschmatt), ts Einigalichji (Gampel) ist wohl ein Gipfel gemeint, der wie ein einzelner Steinmann aussieht oder einen solchen aufweist. Bei Einigehitte ‘ die einsame (Alp-)Hütte / die (Alp-)Hütte der Alpgeteilen ’ (Grengiols) könnte auch das Nomen Eini n g (I D . 1, 280) ‘ die Versammlung der Teilhaber einer Gemein-Alpe ’ gemeint sein, doch ist als Alternative Heinigehitte ‘ die Hütte der Familie Heynen ’ erwähnt. Der Beleg bleibt unklar. Eischoll Eischoll ist der Name einer Gemeinde, deren Zentrum zu den Schattenbergen gehört. Der Name ist als Entrundung aus *Öü š el, frz. Oizelz, Oisel, kelt. *ouzello ‘ Höhe, Anhöhe ’ entstanden (K RISTOL ET AL ., 2005, 317; R ÜBEL 1950, 131; G UEX 1938, 357; 1976, 177; H UBSCHMIED 1938, 98; M EYER 1930, 22). G ATTLEN (1999, 51) übernimmt die Etymologie von I D . (1, 346 und 18), das den Dorfnamen Eischoll mit Ei, Eie ‘ Aue, Land im oder am Wasser ’ deutet, mit der Begründung, dass das betreffende Gebiet auf eine Aue ausmünde. Da dies jedoch nicht den topografischen Verhältnissen entspricht, vermutet G ATTLEN (1999, 51), dass der Name mit der Rodung des Waldes und der dort entstandenen Siedlung ‘ einer Insel im Walde, was mit lat. INSULA treffend bezeichnet wäre ’ in Zusammenhang stehen könnte, was M ÜLLER aus sprachhistorischen Überlegungen verwirft (B ULLETIN G PSR 1999 - 2000, 37). G ATTLEN (1999, 53) lokalisiert in den Rarner Schattenbergen noch ein weiteres Oysel, das Wort kann als Synonym für ‘ Gutshof, besiedelte Flur, Weiler ’ betrachtet werden, Neben dem Gemeindenamen Eischoll findet sich eine Reihe weiterer Namen. Die historischen Oysol (1304), Oysel (1307 (zweimal) und 1346) sind zwar unter Bürchen notiert, gehören aber wohl zu Eischoll. Der Dorfname erscheint als Bestimmungswort wie folgt: ts Eischoleggi ‘ die kleine Ecke Richtung Eischoll ’ (Niedergesteln), ts Eischoleggi ‘ die kleine Ecke, die den Leuten von Eischoll gehört (unklar, da auf der rechten Rottenseite, weit von Eischoll entfernt) ’ (Niedergesteln), Eischollalpu ‘ die Alpe von Eischoll ’ (FLNK, Eischoll), ts Eischoleggi ‘ die kleine Ecke, die zu Eischoll gehört ’ (Eischoll), Eÿschollberg ‘ der Berg (bergwärts liegendes Gebiet) von Eischoll ’ (1624 u. später, Eischoll), in den Eÿscholhalten ‘ in den Halden bei Eischoll ’ (1646 u. später, Eischoll), die Eÿscholgassen ‘ die Gasse, die nach Eischoll führt ’ (1619 u. später, Ergisch), auch FLNK Eischilgassu ‘ die Gasse nach Eischoll ’ (Ergisch). Auch hierzug gehört aúff der Eÿscholl Eggen (1724, Unterbäch; 1959 als Eyschler=Egge; auch 1959 Eischoll). Ein Genitiv Plural ist belegt als in Eÿschlerro Grund ‘ im Grund (wohl Rottenebene) der Leute von Eischoll ’ (1651, Niedergesteln). Sonst erscheint das Adjektiv Eischler (ursprünglich wohl ein Genitiv Plural, vgl. S ONDEREGGER 1958, 526) in folgenden Belegen: der Eischlergrund ‘ der Grund der Leute von Eischoll (früherer Besitz? ) ’ (Brigerbad; als veraltet bezeichnet), FLNK hat Eischlerriti ‘ das zu Eischoll gehörende gerodete Gebiet ’ und Eischlersüe ‘ die zu Eischoll gehörende Wasserleitung ’ (beide Unterbäch). Komplexer sind t Obri Eischleralpu und t Undri Eischleralpu ‘ die obere und die untere Alpe von Eischoll ’ (Eischoll). Schliesslich gehört auch Eischler Riedbärg ‘ der Riedberg, der zu Eischoll gehört ’ (FLNK, Niedergesteln) hieher. Eischt Eischt m. ist zu ahd. awist, ewist, sekundär ouwist ‘ Schafstall ’ , eigentlich ‘ Aufenthaltsort für Schafe ’ , zu idg. ouis ‘ Schaf ’ , schwdt. Au, mhd. ouwe, ow, ahd. awi, ‘ weibliches Schaf ’ und wdt. Owwji, Öiwi (Saastal), Oiw (Lötschental), Owwa (Schattenberge), Oibji (Leuker Berge), Öüwji ‘ Mutterschaf ’ (S ONDEREGGER 1958, 46; ZGNB 1, 922 f.; I D . 1, 5; R ÜBEL 1950, 4, 102; G RICHTING 1998, 148) zu stellen. Die Ableitung ist entrundet zu Eischt, in einigen Fällen auch Ein 59 60 <?page no="296"?> zu Eisch. Der Gemeindename Eisten oberhalb der Saaser Vispe ist hieher zu stellen. Das Simplex ist im Singular als vff der Eÿsch ‘ beim Schafstall ’ (1587, Grächen), Eischt ‘ der Schafstall ’ (FLNK, Ried-Brig; LT Eist, SK Eisten), der Eischt ‘ der Schaftstall ’ (Baltschieder, Saas-Balen), am Eist ‘ am Schafstall ’ (1548 u. später, Eggerberg), t Eischta ‘ der Schafstall ’ (Blitzingen, Niederwald; an beiden Orten historisch als Plural Eisten usw.) belegt. Häufiger ist der Plural des Simplex, wobei hier ‘ Schafställe ’ kaum zutrifft; wir geben den Namen als ‘ das Gebiet beim Schafstall ’ wieder. Belegt sind zen Oysten (1306 u. später, Törbel), apud Oýsten (1389 u. später für FLNK Eischt, Ried-Brig), an den o ᵉ ysten (1473 u. später für t Eischta, Blitzingen; 1470 Brig), an o ᵉ ysten (1491 u. später, Biel), in den Eisten (1617 u. später für t Eischta, Niederwald), t Eischte (Filet), zen Eischtu (Eisten), Eischten (FLNK, Blatten; LT u. SK Eisten), an den Eysten (1547, Ernen; 1592, Ritzingen). Einige Diminutive im Singular sind belegt: ts Eischterli (Martisberg, Ried-Brig), ts Eischtli (Ferden, Wiler), ts Eischtje (Zermatt) und Eischtje (FLNK, Zermatt). Mit attributiven Adjektiven tritt das HL vor allem lokal auf: apud dien Jndren Oysten ‘ bei den inneren Gebieten mit Schafstall ’ (1299, Eisten), Ober Eist (Alpe) (EK, Baltschieder, EK Eggerberg), t Obru und t Undru Eischt (Voralpen) (Ried-Brig), Unner Eist (Alpe) (EK, Baltschieder), ze dien Vsseren Oysten (1304 u. später, Eisten). Einen Sonderfall mit einer Präposition stellt unner Zen Eischtu ‘ unter Zen Eisten ’ (Eisten) dar, wo eine Flur unterhalb des Dorfteils Zen Eisten gemeint ist. Nur einmal ist ein vorangestellter Genitiv zu finden: in des Millers Eÿsten ‘ im Gebiet des Schafstalls des Müllers / der Familie Müller ’ (1724, Niederwald). Als Grundwort scheint das HL nur in ts Bätuleischtu (Ried-Mörel) belegt zu sein. Der historische Beleg Bätten=Leÿsten (1610) teilt den Namen in die Bestandteile Bätten ‘ Beten ’ und Leisten ‘ Leiste ’ auf; letzteres kommt sonst nie in Namen vor. Anzunehmen ist, dass es sich um Bätul ‘ Bettel ’ und Eischtu ‘ Schafställe ’ handelt, also ‘ die armselige Ansammlung von Schafställen ’ . Die Flur befindet sich im Wald nördlich von Ried-Mörel, wo sich früher eine Lichtung befand (vgl. SK). In den meisten andern Fällen ist das HL Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Acher, Äbnet, Bach, Bicki, Biel, Blatta, Bodu, Bord, Dorf, Egg(a), Fäld, Flüö, Gassa, Haalta, Hüs, Matta, Schluocht, Suon, Wald und Wasser. Komplexer sind das obere Eischtbachfell ‘ das obere Gefälle (? ) am Eistbach ’ (1833, Grächen), ts Inder Eischtbord ‘ das innere (taleinwärts liegende) Bord (Abhang, Böschung) bei Eisten ’ (Blatten), t Indrun Eischtbebem ‘ die inneren (taleinwärts liegenden) Böden bei Eisten ’ (Blatten) und andere. Einen Genitiv Plural enthält dr Äischtnärru Schgguisär ‘ der Durchfall der Leute von Eisten ’ (Blatten), wo im Frühjahr tagsüber mehrere kleine Lawinen niedergehen. Wohl ebenfalls einen Genitiv Plural enthielt ursprünglich ts Eischter Üowand ‘ die Magerwiese der Leute von Eisten ’ (Saas-Balen). Ein seltsames Adjektiv enthält im Eisinen Boden (1671, Ausserberg), das wohl einen Verschreiber für ‘ im Boden von Eisten ’ darstellt; in Ausserberg ist sonst kein Adjektiv zu Eisin bekannt. Eise (PN) Eise (PN) kommt nur als Eisebode ‘ der Boden der Eise (Elisabeth) ’ (Ausserbinn) vor. Gwp. meint, hier habe man einst Eisen abgebaut. Der dialektale Ausdruck für ‘ Eisen ’ wäre allerdings Iise. Bei einem lebenden Beleg ist eine hyperkorrekte Form Eise nicht wahrscheinlich. Eher in Frage kommt ein Frauenname zu Eisa (I D . 1, 532), wo auch Eise genannt und zu Elisabeth gestellt wird. Das auch 1840 in Martisberg belegte im Eisenboden ist vermutlich das am gleichen Ort mehrfach bezeugte im Meisebode. Eisidlär dr Eisidlär ‘ der Einsiedler ’ (Wiler) ist nach der Gwp. ein Gebiet, dessen Ertrag für die Reise zum Wallfahrtsort Einsiedeln (SZ) gegeben wurde. Der daneben liegende Grasabhang heisst t Eisidlerweng ‘ die Grasabhänge beim Gebiet, dessen Ertrag für die Reise zum Wallfahrtsort Einsiedeln (SZ) gegeben wurde ’ (Wiler). Das in Ferden belegte t Einsidelii ist eine Kapelle mit dem Bild der Einsiedler Madonna, die im Winter in der Pfarrkirche von Ferden aufgestellt wird. Einsiedel ist zu schwdt. Einsidel m. ‘ Einsiedler, Eremit ’ , ahd. einsidilo, mhd. einsidel(e) zu stellen. Im Kontext ist allerdings der Wallfahrtsort Einsiedeln (SZ) gemeint (I D . 7, 302 f.; SZNB 2, 227 ff.). Das gleiche gilt für die 1614 belegte Wallfahrt nach Eyensidelen, die nicht in der Datenbank des VSNB verzeichnet ist. Eitresch Eitresch ist ein Flurname in Bürchen. Er ist schon ca. 1250 als Oitres, ca. 1280 als Oytres, 1299 als Oytres belegt. Die heutige Form erscheint erstmals 1541 am Eÿtresch. G ATT- LEN (2007) vermutet eine Zusammensetzung Oitr-es, Eitresch und deutet Es, Esch n. als ‘ eine im alemannischen Sprachgebiet verbreitete Benennung für einheitlich bewirtschaftete, manchmal eingezäunte Nutzflächen in der Nähe von Siedlungen ’ , oi habe sich im romanisch-deutschen Grenzgebiet der Schweiz zu ei ‘ Eia, Eie ’ gewandelt 61 62 Eitresch <?page no="297"?> (G ATTLEN 2007, 39). Diese Deutung lässt sich kaum halten. Vermutlich liegt ein Akkusativ Plural auf / - ES / vor. Der Stamm lässt sich am ehesten zu lat. ULTR Ā ‘ jenseits ’ (FEW 14, 7 ff.) stellen, wohl in der Bedeutung von Outre ‘ audelà (jenseits) ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 98), also etwa ‘ die jenseits gelegenen Wiesen ’ . Neben dem Simplex sind belegt: am Obren Eÿtresch ‘ am oberen Eitresch ’ (1541 u. später, Bürchen) und die Eÿtrischmatta ‘ die Wiese beim Eitresch ’ (1545, Bürchen). Elektrizität Elekrizität f. erscheint einmal als Elektrisitätswärch (sic! ) (Münster), sonst nur in der schriftsprachlichen Form Elektrizitätswerk. In allen Fällen ist es mit dem HL W ÄRCH ‘ Werk ’ verbunden und hat ein Fugen-Element / s/ . K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 240) kennen Elektrizität als Abstraktum zum Adjektiv elektrisch. Ausser in Münster ist es belegt in Bitsch, Brig, Ernen, Fieschertal, Leuk, Oberems, Saas- Almagell, Simplon, Stalden, Turtmann, Zermatt und Zwischbergen. Mit Ausnahme von Münster stammen alle Belege von der Landeskarte 1: 25 ’ 000. Elf Elf ist zur Kardinalzahl elf, mhd. eilf, ahd. einlif (I D . 1, 283 f.) zu stellen. Es ist nur in t Elfilicku ‘ die Lücke, aus der um 11 Uhr die Sonne scheint ’ (Salgesch; auch FLNK), auch bei M ATHIER (2015, 141) als Elfilicku belegt, und Halbelfiljoch ‘ das Joch (Fusspass), über dem die Sonne um halb elf sichtbar ist ’ (FLNK, Binn) belegt. Ell Ell ‘ Öl ’ ist nur als der Ellbärg ‘ der Ölberg (Bildstock mit Ölbergszene ’ (Unterems; FLNK Elbärg) belegt. Das HL ist zu schwdt. Öl n., Pl. Öler, ahd. oli, mhd. öle, öl, wie nhd. ‘ Öl ’ und - mit Entrundung - zu wdt. Ell, Eel (Lötschtal) ‘ Öl ’ (I D . 1, 181; G RICHTING 1998, 65) zu stellen. Der Flurname Ölberg m. heisst in den meisten anderen Sprachen Olivenberg. Die Ölbergszene zeigt den betenden Jesus vor seiner Kreuzigung im Garten Gethsemane auf dem Ölberg zusammen mit den schlafenden Jüngern. Elle Elle f. ‘ Elle ’ ist zu schwdt. Elle f., mhd. elne, eln, ellen, elle, ‘ Längenmass; Unterarm ’ (I D . 1, 175) zu stellen. Es ist nur belegt im Kompositum Ellboge n m. (I D . 4, 1064 f.). Als FlN ist metaphorisch die Gestalt des Geländes gemeint (BENB 1, 4, 459 f.). Das Simplex im Sg. t Ellboge f. (Reckingen), iner Ellboge f. ‘ im Ellbogen ’ und im Pl. t Ellboga (Ferden), zur Elbogen (1678, Blatten; auch Diminutiv 1680 zúm Elbogin) ist durchwegs feminin, was I D . nur für Zürich erwähnt; es erklärt ihn „ als missverstandenen Plural “ , was auch für unsere Belege zutreffen könnte. Komposita sind Ellbogegrabe ‘ Graben oberhalb des Gebietes Iner Ellboge (im Ellbogen) ’ und Ellbogeloch ‘ das Loch im Ellboge ’ (beide Gluringen). Ellungji Ellungji ist nur in ts Ellungji (Mund, auch FLNK Ellungi) belegt. Es handelt sich um ein Grundstück auf rund 2460 m am Strahlhorn im Gredetschtal. Von der Form her ist ein Diminutiv auf -ji anzunehmen. I D . (1, 178) kennt Elend III für die Blume E RYNGIUM ( ALPINUM ), die bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 952) als Alpen-Mannstreu belegt ist, aber für das Oberwallis fehlt. Die Pflanze N IGRITELLA NIGRA ‘ Schwarzes Männertreu ’ ist bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2011, 1314) auch für das Oberwallis angegeben, aber die uns vorliegende Deutung als Brändjeni (S TEBLER 1927, 66) legt eine andere Bestimmung nahe. Eine klare Deutung ist darum nicht möglich. Elsen (PN) Elsen (PN) ist als Genitiv zu einem weiblichen Personennamen Elsa (I D . 1, 202 s. v. Els, zu Elisabeth) oder zum Familiennamen Elsig, urkundlich auch Elsun, Elsen (AWWB 86) zu stellen, siehe auch HL E LSIG (F A N). Der Pflanzenname Else n ist sonst nicht belegt; für SORBUS TORMINALIS ‘ Elsbeerbaum ’ ist der Name auszuschliessen, da die Pflanze im Wallis nicht vorkommt (BENB 1, 1, 78; Z INSLI 1984, 222; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 278). Das Simplex ist zweimal belegt als t Ellsa (Ried-Mörel, Zwischbergen) und meint wohl ein Gut der Elsa. Schwache vorangestellte Genitive liegen vor in im Elsen=Ebnet ‘ im ebenen Land der Elsa ’ (1835, Bitsch), in Elsen Ebnet ‘ im ebenen Land der Elsa ’ (1734, Mörel), Elsen Gietgi ‘ das kleine Gut der Elsa ’ (1712, Bitsch), in Elsenn Schnitten ‘ in den Geländestreifen der Elsa ’ (1572, Ernen), der Elsunwalt ‘ der Wald der Elsa ’ (1628, Grächen) und komplexer Elsen Omen Acher ‘ der Acker der Elsa Omen / des Oheims der Elsa (? ) ’ (15? ? , Reckingen). Ein starker Genitiv ist belegt in z Elsiss Haus ‘ das Haus des Elso / der Elsa ’ (1675 u. später, Zwischbergen). Komposita mit dem HL als Bestimmungswort sind bim Elsibrunno ‘ bei der Quelle / dem Brunnen der Elsa / Elsi ’ (Raron), Elso Ebnet ‘ das ebene Land des Elso / der Elsa ’ (1726, Ried-Mörel), t Elselicka ‘ die Lücke (Fusspass) der Elsa zwischen Bettmerhorn und Riederhorn (LT Elselicka, SK Elsilücke) ’ (Fiesch), t Elsulicka (Ried-Mörel), (in Betten lautet der Name t Ellsigelicke, also eher zum FaN Elsig), Ellsuloch ‘ das Loch der Elsa ’ (Simplon), t Elsematta ‘ die Wiese der Elsa ’ (Grengiols). Elektrizität 63 64 <?page no="298"?> Alle Belege lassen sich am ehesten mit dem PN Elsa, seltener dem FaN Elsig oder einer Kurzform davon deuten. Elsig (FaN) Elsig (FaN) ist ein im Oberwallis verbreiteter FaN, der auch als Elsun und Elsen erscheint (AWWB 86), cf. HL E LSEN (PN). Die / - IG / -Ableitung ist vermutlich zum weiblichen Vornamen Elsa (wohl Kurzform von Elisabeth) zu stellen, meint also ‘ die Leute der Elsa ’ . Das Simplex Ellsign m. (auf LK Elsigen) in Kippel ist wohl als ‘ der Elsigen Gut ’ zu verstehen. dr Ober Ellsign liegt etwas höher. Ähnlich ist Elsigen (1831, Goppisberg) ein Gut der Familie Elsig. t Elsigelicke (auf LK Elselicka) in Betten (zwischen Bettmerhorn und Eggishorn) ist ein Fusspass. Die übrigen Belege enthalten den Genitiv Plural Elsigo oder Elsingo zu den Grundwörtern Egga, Erle, Hüüs und Schlüecht. Emeri (FaN) Emeri (FaN) ist ein PN oder FaN (AWWB 86 Emery), der nur einmal mit assimiliertem Artikel in in pratis de lemeri ‘ auf den Wiesen des Emeri ’ (1357, Albinen) belegt ist. Es ist unklar, ob pratis hier Appellativ oder Nomen proprium ist. Emil (PN) Emil (PN) ist ein männlicher Personenname, der in I D . (4, 123 s. v. M ī ggi) belegt ist. Der Vorname kommt nur einmal im Genitiv Singular als ts Emilsch Grund ‘ der Grund des Emil ’ (Baltschieder) vor. Es handelt sich laut Gwp. um einen Besitzernamen; das Grundstück sei heute aufgeteilt. Der Name geht wohl auf lat. A EMILIANUS zurück, der nach dem Erscheinen des Erziehungsromans Émile ou de l ’ éducation von J EAN -J ACQUE R OUSSEAU wieder populär wurde (Information nach Emil bei Wikipedia [iw.11.12.2020]). Emmera Emmera ist in Leukerbad belegt: eys emeris (1353), eymerra (1509), eys Emmera (1690), eÿs Emmerâ (1692), dÿ Emmera (1692). Weiter erscheint 1391 aqueductus emerra ‘ die Wasserleitung Emerra ’ (Leukerbad). Der älteste Beleg könnte eine flektierte latinisierte Form zu emera enthalten. Es handelt sich um einen romanischen Namen, wie die Präposition eys zeigt. Es bieten sich zwei Deutungen an: Am nächstliegenden ist der FaN Emeri (cf. HL E MERI (F A N)) (AWWB 86). G PSR (4, 284a) kennt emer ā ̩ ‘ bleich, farblos ’ , doch ist das Wort nur für den Kanton Waadt belegt. Wahrscheinlicher dürfte also die Herleitung vom FaN sein. Die Verdoppelung von / m/ erklärt sich wohl aus dem späteren deutschen Dialekt (SDS 2, 192 mit optionaler Verdoppelung von / m/ zwischen Vokalen). Empfen (FaN) Empfen (FaN) ist zweimal belegt in beÿ Empfen Trog ‘ beim Trog der Familie Empfen ’ (Birgisch, Naters). Es handelt sich wohl um einen FaN Empken, Emchen, Emcken, Emke, Empchen, Emphen, Empfen, Empten, Emfi (AWWB 87), der für Zermatt und Sitten belegt ist. In den Belegen der Datenbank VSNB erscheint 1673 ein Joannes Empfen (Zermatt). Ems Ems ist der historische Name für die beiden heutigen Gemeinden Oberems und Unterems, wobei letzteres heute zu Turtmann gehört. Die historischen Belege sprechen von Superiori Emesa (1101 u. später, Oberems) und apud Inferiorem Emesa (13. Jh. u. später, Leuk). Weitere Schreibungen sind Hesmesa (1270, Leuk), Hemesa (1276, Leuk) und ähnlich. Das anlautende / h/ dürfte eine romanische Schreibung für einen vokalischen Anlaut darstellen. Die Form Embs erscheint erstmals 1554 für Oberems. Das / b/ in dieser Form ist ein Übergangslaut zwischen / m/ und / s/ . R ÜBEL (1950, 131) führt den Gemeindenamen auf Vorschlag von H UBSCHMIED auf *Amissa zurück, gibt jedoch keine ausführlicheren Erklärungen zu dieser hypothetischen Form, die K RISTOL ET AL . (2005, 660) ausschliessen, da fast alle historischen Belege nur mit einem {-s-} geschrieben sind, was auf eine Aussprache mit [z] hinweise. T SCHERRIG (1968, 23) deutet den Namen Ems, der früher das ganze von den Kelten bewohnte Gebiet am Emsberg und im Turtmanntal bezeichnet haben soll, mit ‘ am Bach ’ , gibt jedoch zur Namenentwicklung keine näheren sprachhistorischen Erklärungen. K RISTOL ET AL . (2005, 660 f.) nehmen an, dass der Name des Emsbachs auf die Ortschaft übertragen worden sei. Für den Gewässernamen Ems, Nebenfluss der Lahn bei Limburg, geht K RAHE (1963, 312) von einer Grundform *Amisia, zu indoeuropäisch *am- ‘ Flussbett, Graben ’ aus. Trotz formeller Übereinstimmung des Walliser Namens mit dem Namen Ems in Graubünden, urk. 765 Amede, 976 Amedes, 1224 de Amite besteht zwischen diesen Namen keine etymologische Verwandtschaft (G AUCHAT 1907a, 7; RN 2, 676; K RISTOL ET AL ., 2005, 661). Belegt sind neben den schon erwähnten Oberäms und Unteräms auch Mittiläms (Oberems; historisch ab 1270 Unterems; SK Mittelems für Ergisch), eine Kleinsiedlung unterhalb Oberems, wo auch am Mittell Embs Acker (1680 u. später, Unterems), sowie in den Mittel Ems Achren (1636, Oberems) notiert sind. Nider Embs (1700 u. später, Unterems) und am Nider Emss (1619, Turtmann) sind Varianten zu Unteräms. 65 66 Ems <?page no="299"?> Das HL kommt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Bach, Bäärg, Grabu, Haalta, Hooru und Wald. Komplexere Konstruktionen sind in den Embs Bach Ackeren (1790 u. später, Agarn), Embsbachgraben (1798, Agarn) und Ämsgrabuwald (FLNK, Oberems). Ein Adjektiv (wohl erstarrter Genitiv Plural) ist in t Ämser Schafalpu ‘ die Schafalpe der Leute von Ems ’ (Oberems), resp. Ämsär Schafalpu ‘ die Schafalpe der Leute von Ems ’ (FLNK, Turtmann) belegt. Eng Eng Adj. ‘ eng ’ ist zu schwdt. Adj. eng, engg, ahd. angi, engi, mhd. enge, wie nhd. ‘ schmal, räumlich eingeschränkt ’ und wdt. engg, änng ‘ eng ’ (I D . 1, 330 f.; G RICHTING 1998, 66) zu stellen. Das Adjektiv kommt entweder attributiv oder als Bestimmungswort von Komposita vor. Attributiv erscheint es etwa als ts Äng Bächi ‘ der kleine, enge Bach ’ (Raron), der Äng Rigg ‘ der enge (Fels-)Rücken ’ (St. Niklaus), zum Änggu Stei ‘ beim engen Stein (Fussweg zwischen zwei Felsen) ’ (Ergisch), der Eng Bode ‘ der enge Boden ’ (Münster, Ulrichen), an die Enggen Bachtolen (1586 u. später, Bürchen) und andern Konstruktionen. Die HLL dazu sind - ausser den genannten - Chi, Chumma, Flüö, Gassa, Lamma, Schleif, Schluocht, Tal, Tiri, Trifft, Tritt und Zug. Als Bestimmungswort in Komposita - erkennbar an der Zusammenschreibung - muss unterschieden werden zu Flurnamen, die als ersten Bestandteil die Ableitung Ängi/ Engi enthalten (siehe unten) und solche, die das Adjektiv enthalten. Die Unterscheidung ist aber nicht immer klar. Klare Adjektive finden sich wie folgt: t Engebibmer ‘ die engen Böden ’ (Münster), im Engenstutz ‘ in der steil ansteigenden Stelle bei der Enge (Talenge) ’ (1864, Blatten), Engschindle ‘ die enge Stelle, die wie eine Schindel aussieht (? ) ’ (FlNK, Saas-Grund). Ein unklarer Fall ist t Ängräischä ‘ die enge maulförmige Stelle ’ (Wiler) mit dem dazu gehörigen t Ängräischtschuggen ‘ die Felsen bei der engen maulförmigen Stelle ’ (Wiler). Wir deuten den Namen als Kompositum aus äng ‘ eng ’ und Gräischa ‘ Maul ’ (cf. HL G RÄISCHA ). Die Ableitung Engi f., wdt. Engi, Enggi (Saastal), Ängi, Änggi ‘ Enge ’ im räumlichen Sinne steht für ‘ engen Durchpass, Schlucht, schmale Stellen in Strassen oder Flüssen ’ (I D . 1, 331; G RICHTING 1998, 66) und ist deutlich häufiger als das Adjektiv. Das Simplex ist als t Ängi ‘ die enge Stelle ’ (Bürchen, Guttet, Oberems, St. Niklaus), die Enge ‘ die enge Stelle ’ (1601, Lalden), t Engi (Ernen) und zer Engi (Saas-Grund) zusammen in siebzehn Gemeinden vertreten. Die Form die Engin (1638, Bitsch) ist daneben fünf Mal vertreten, lebend nur einmal als uf dr Engin ‘ auf der engen Stelle ’ (Blatten). Eine Notationsvariante ist t Enngi ‘ die enge Stelle ’ (Staldenried, Wiler). In einigen Fällen bilden sich Namennester, so neben Ängi (Oberems), einem Alpstafel, die Formen Ängiritze ‘ die Ritze (Grasbänder) oberhalb der Ängi (enge Stelle) ’ , ts Ängitagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) bei der Ängi (enge Stelle) ’ und Inner Ängi ‘ die innere enge Stelle (Alpe) ’ (FLNK, alle Oberems). Attributive Adjektive zu Ängi / Engi sind selten: Inner Ängi ‘ die innere enge Stelle ’ (Oberems, Raron), die Meyscun Engyn ‘ die ausgemeisselte enge Stelle ’ (1305, Törbel), dye Meysun Engin ‘ die ausgemeisselte enge Stelle ’ (1509, Ried-Mörel). Unklar ist Welschen Engin ‘ die Enge der Italiener ’ - hier kann sowohl ein Adjektiv wie ein Genitiv Plural gemeint sein; letzteres ist wahrscheinlicher, da der lateinische Ausdruck stretiam Jtalorum ‘ die Enge der Italiener ’ (1642) heisst. stretia ist im gleichen Dokument als ‘ die Engin ’ übersetzt; das lateinische Wort ist zwar nicht erwähnt, ist aber als it. stretta ‘ Enge ’ (D EVOTO / O LI 2020, 2215) bekannt. Als Grundwort findet sich die Ableitung weiter in Moosengi ‘ die enge Stelle auf der Moosalp ’ (FLNK, Törbel). Eine historische Stelle von 1397 in alpibus … de Engýn ‘ in den Alpen der Engi ’ und 1796 ad alpem Engi ‘ zur Alpe Engi ’ (Ried-Brig / Simplon) gibt wohl einfach an, dass Engi eine Alpe ist. Als Bestimmungswort erscheint Ängi / Engi mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita: Bodu, Bord, Grabu, Loch, Putz, Ritz, Stei, Stutz, Tschugge, Weid und Zug. Komplexere Bildungen sind: ts Ober und ts Unner Engibodi ‘ der obere und der untere kleine Boden mit einer engen Stelle ’ (Visp), ts Unner Ängiloch ‘ das untere Loch bei der Engi (enge Stelle) ’ (Simplon), der Engilochtschuggu ‘ der Fels oberhalb dem Engiloch (Loch bei der engen Stelle) ’ (Simplon) (J ORDAN 2006, 51 kennt neben Engiloch und Engilochtschuggu auch Engilochçheer; er beschreibt das Engiloch als ‘ Schluchtartige Talenge ’ ; das Simplex Engi ist bei ihm S. 54 ebenfalls belegt; er kennt weiter Engigalärii und Engiçheer. Es bleibt unklar, ob Engiloch und Engi von der Namengebung her zusammenhängen oder nicht; von der Karte her scheint dieser Zusammenhang aber gegeben). Engadin Engadin ist nur 1655 in Obergesteln belegt. Der Text lautet: super vna petia terra ’ dicta im Rotten Schwung im Engadin ‘ oberhalb einem Stück Land, das im Rotten Schwung im Engadin heisst ’ . Der Rotten Schwung ist lebend als im Schwung belegt; es handelt sich um eine Biegung des Rottens vor der Korrektion des Flusses zwischen Obergesteln und Ulrichen. Engadin ist nicht mit dem gleichnamigen Talnamen im Kanton Graubün- Eng 67 68 <?page no="300"?> den (RN 680 f.; er wird meist zum Flussnamen Inn gestellt) zu verbinden, sondern besteht wohl aus einem Adjektiv eng (cf. HL ENG ) und dem Diminutiv Gadi (cf. HL G ADU ), entweder zu verstehen als ‘ enger Stall ’ oder ‘ enger Heuschober ’ . Engel Engel ist zu schwdt. Engel m. wie nhd. (I D . 1, 332; G RICHTING 1998, 66 s. v. Engl) zu stellen. Das Lemma ist nur als Bestimmungswort oder Adjektiv belegt. Als Bestimmungswort erscheint es in Engelhiischi ‘ das Engelhaus ’ (Zermatt), wo die Motivation unklar ist, und in Engelsiessistei ‘ der Stein mit Engelsüsse (Pflanzenname). Der gemeine Tüpfelfarn, POLYPODIUM VULGARE L . (L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 83)) wird wegen dem süssen Geschmack der Wurzel auch Engelsüess bzw. -siess m./ n., genannt (M ARZELL 1977, 3, 945 ff.). Zu Engelsüss schreibt M ARZELL (1977, 3, 947) „ wohl deswegen, weil dieser Farn als Heilpflanze wegen seiner wohltuenden Wirkung den Menschen gewissermassen von den Engeln gewiesen wurde “ . Das Adjektiv Englisch ist von Engel und nicht von der englischen Sprache abgeleitet (I D . 1, 335). Der Englische Gruss sind die Grussworte des Erzengels Gabriel an die Jungfrau Maria bei der Verkündung der Geburt Jesus Christus (L EXIKON FÜR T HEOLOGIE UND K IRCHE 1995, 3, 673). Dieser Name ist als der Englisch Grüess (mit Varianten) in Baltschieder, Binn, Bürchen, Glis und Visp belegt. Das Beten des Englisch Grüess (Ave Maria) gehörte zu den Alltagspflichten der Gläubigen. Änglischhof (Turtmann) ist wohl ein den Engeln geweihter Hof in der Nähe der Kirche in Turtmann. In Enguschlamma (LT Engelslamme), einem senkrechten Felsen am Aletschgletscher in Fieschertal (mit / l/ - Vokalisierung), ist die Motivation unklar. Es könnte sich um einen FaN handeln; er ist jedoch für das Oberwallis sonst nicht belegt. Engilbolz (PN) Engilbolz (PN) ist nur historisch zwischen 1356 und 1534 in Filet als Engilbolzbach ‘ der Bach des Engilbold ’ mit Schreibvarianten belegt. Nur 1534 ist Engilgoltzbach erwähnt. Engilbolz ist wohl ein genitivischer PN ‘ des Engilbold ’ . Belegt ist der Name bei F ÖRSTEMANN (1, 109). Enginer (FaN) Enginer (FaN) ist ein FaN, der im Register HRSB erwähnt wird; es kann sich auch um einen Herkunftsnamen vom Flurnamen Engi ‘ Enge ’ handeln. Das Simplex Enginer ‘ Alpweide, die über eine Enge zugänglich ist ’ (Baltschieder, Eggerberg) ist jedoch kaum ein FaN, sondern eine Stellenableitung auf -( N ) ER (S ONDEREGGER 1958, 541) (cf. HL E NGINER ). Das HL erscheint entweder als Genitiv oder als Bestimmungswort. Genitive im Singular sind: Jn Enginers Matten ‘ in den Wiesen der Familie Enginer ’ (1731, Ausserberg), in Enginerschboden ‘ im Boden der Familie Enginer ’ (1762, Eggerberg); Genitive im Plural liegen vor in vff Enginero Biel ‘ auf dem Hügel der Familie Enginer ’ (1610, Eggerberg), zú Enginerro Huse ‘ beim Haus der Familie Enginer / der Leute von der Engi ’ (1554, Lalden) und Engeruhüs ‘ das Haus der Familie Enginer ’ (Eggerberg), das 1594 als Zenginerro Huss belegt ist. Enginer Enginer m., nach den Angaben der Gwp. eine ‘ Alpweide, die über eine Enge zugänglich ist ’ (Baltschieder, Eggerberg), ist eine Stellenableitung auf -( N ) ER (S ONDEREGGER 1958, 541) zum HL E NGI ‘ Enge ’ . Vermutlich hängt damit der FaN Enginer zusammen, der in Ausserberg, Eggerberg und Lalden belegt ist (cf. HL E NGINER (F A N)). Engisch (PN) Engisch (PN) ist nur 1676 als die Engischmatta ‘ die Wiese des Engi / der Familie Engisch ’ belegt. Die Bildung auf / -sch/ lässt auf den Genitiv eines Personen- oder Familiennamens schliessen, die beide jedoch nicht verzeichnet sind. Schwdt. Engi ‘ enger Durchpass, Schlucht ’ und wdt. Engi, Enggi (Mattertal), Ängi oder Änggi ‘ Enge ’ (I D . 1, 331, G RICHTING 1998, 66) kommen wegen dem Genitiv- / sch/ kaum in Frage. Auch F ÖRSTEMANN (1, 107 zu ANG? ) gibt keine sichere Auskunft. England England ist als Ländername nur belegt in Ängländerhubil ‘ der Hügel des Engländers ’ (FLNK, Salgesch). M ATHIER (2015, 133) erklärt, dass es sich um einen Hügel handle, auf dem ein Engländer ein Haus bauen wollte. Das Adjektiv Englisch kann sich auf den Ländernamen beziehen (cf. HL E NGLISCH ), sofern es nicht eine Ableitung zu Engel (cf. HL E NGEL ) ist. Englisch Englisch ist ein doppeldeutiges Adjektiv: es ist einerseits zu Engel (cf. HL E NGEL ) zu stellen (I D . 1, 335 s. v. englisch I), anderseits zu England und den Engländern (I D . 1, 336 s. v. englisch II). G RICHTING (1998, 66) kennt für ersteres nur Englisch Grüess, Änglisch Gruäss (Lötschental), Änglisch Grüoss ‘ Englischer Gruss ’ und für das zweite englisch, änglisch ‘ englisch (England betreffend) ’ . Sicher zu England und den Engländern gehören: der Englisch Tämpel ‘ der englische Tempel (frühere kleine Kirche für Engländer) ’ (Fiesch), der Englisch Viertel ‘ der 69 70 Englisch <?page no="301"?> englische Viertel (laut Gwp. nach einer Englisch-Lehrerin benannt) ’ (Zermatt), der Englisch Viertel ‘ der englische Viertel (laut Gwp. nach Bergführern, die Englisch verstanden) ’ (Randa), zem Änglische Friithof ‘ beim englischen Friedhof (Dorfteil mit Gedenkstein an Engländer) ’ (Blatten). Engländer gehörten zu den frühen Bergsteigern in den Alpen. Zu Engel zu stellen sind t Englisch Matta ‘ die Wiese des Engelsgrusses (Altarbild in der Kapelle Giessen) (R UPPEN 1979, 190 f.)) ’ (Binn) und das dazu gehörende der Englisch Bach ‘ der Bach, der bei der Wiese der Engel (Englisch Matta) durchfliesst ’ (Binn). Belege zu Englisch Grüess finden sich unter HL E NGEL . In Einzelfällen ist die Zuordnung nicht klar, etwa bei weiteren Belegen mit Englisch unter dem HL E NGEL . Englischa Englischa ist belegt als uf der Englischu (Zermatt, FLNK Englischa). 1448 ist es als Engilscha belegt. Nur historisch ist 1449 zem Engilschen Bu ᵉ l (Zermatt) belegt. Das Bezugswort englisch ‘ auf England Bezug habend ’ (I D . 1, 336) kommt nicht in Frage, da vor 1500 kein derartiger Bezug möglich ist; die englischen Bergsteiger kommen erst im 19. Jahrhundert nach Zermatt. Hinzu kommt, dass die älteren Belege Engilscha haben. Dieses könnte als / - SCHA / - SCHU / -Ableitung verstanden werden und meint dann wohl ‘ das Grundstück des Engel ’ , wobei der FaN Engel erst im 18. Jhdt.; belegt ist (NWWB 2, 82), jedoch Engiller (Ergisch) das zum HL Ä NGEL (PN) gestellt ist. Entsprechend wäre dann 1449 zem Engilschen Bu ᵉ l als ‘ der Hügel beim Grundstück des Engiller (? ) ’ zu verstehen. Engscher (FaN) Engscher (FaN) ist der FaN Engscher oder Engschen, der u. a. 1434 als FaN Engschun und 1620 als Engschen belegt ist; beide Belege gelten für Unterbäch. Belegt sind 1545 Zengschun ‘ bei den Engschun ’ , wobei vermutlich der Wohnort der Familie Engschun gemeint ist. Weiter ist in Ausserberg auf rund 1270 m der Engscherbodo ‘ der Boden der Familie Engscher ’ belegt (LT Ängscherbode; FLNK Engscherbodo), der historisch u. a. 1548 als im Engschero Boden ‘ im Boden der Familie Engscher ’ bezeugt ist. Vermutlich eine Umdeutung zum Adjektiv ‘ eng ’ ist t Ängschti Chumma ‘ die engste Chumme (Mulde) / die Chumme (Mulde) der Familie Engscher ’ (Raron) und Längi Ängschti Chumma ‘ die lange engste Chumma (Mulde) / die lange Chumma (Mulde) der Familie Engscher ’ . Historische Belege zum erstgenannten Namen von 1489 subtus dem Bort der Engschen Kumbun ‘ unter dem Bort der Kumme der Familie Engschen ’ machen aber deutlich, dass es sich um eine Chumme (Mulde) der Familie Engschen handelt. Enschen (FaN) Enschen ist belegt in Engschu ᵛ n (1478, Mund) und Enschen Kummen. Letzteres ist als t Ängschti Chumma ‘ die engste Chumma (Mulde) / die Chumma (Mulde) der Familie Engscher ’ (Raron) belegt. Vermutlich liegt hier ein FaN vor (cf. HL E NGSCHER (F A N)). Der historische Beleg Riedini Engschu ᵛ n ‘ unter dem Gebiet des Riedi Engschon ’ (1478, Mund) meint wohl einen Besitzer, der Riedi (Rudolf) Engschon heisst. Die Rede ist nämlich vom Land (terram) des Genannten und der schon erwähnten Leute, die Feldmatter heissen oder aus der Feldmatte stammen. Epfel Epfel m. ‘ Apfel ’ ist zu schwdt. Epfel, Epfil, Öpfel, Öpfil m. wie nhd. ‘ Apfel ’ , ahd. aphul, apfil, Pl. epfil, mhd. apfel, später epfel und wdt. Epfl, Epfäl (Goms), Epful (Mattertal), Epfel (Saastal), Äpfil (Leuker Berge), Epfil ‘ Apfel ’ (I D . 1, 366 f.; G RICHTING 1998, 68) zu stellen. Das Simplex ist in Orts- und Flurnamen nicht belegt. Hingegen erscheint mehrfach das Kompositum Epfelbaum wie nhd. ‘ Apfelbaum ’ (I D . 4, 1235). Lebend sind belegt zem Epfelboim ‘ beim Apfelbaum ’ (Kippel) und t Epfilböümjini ‘ die kleinen Apfelbäume ’ (Gampel). Die übrigen sechs Belege sind historisch. Komplexer ist der Acher únder dem Apfel Baúm ‘ der Acker unter dem Apfelbaum ’ (1796, Ried-Brig). Vgl. auch HL A FFOLTER ‘ Apfelbaum ’ . Nur einmal belegt ist dr Haarzepfltschuggen ‘ der Fels mit den Früchten der Arve ’ (Blatten), wo sich das Bestimmungskompositum als Harz-epfeli (I D . 1, 382) findet; gemeint ist die Frucht der Arve (P INUS CEMBRA ). Eppisch (PN) Eppisch (PN) ist ein Genitiv zu Eppi im Beleg ts Eppisch Gädi ‘ der kleine Gaden des Eppi / der Familie Eppi ’ (Randa). Vermutlich ist ein PN oder FaN oder ein Übername gemeint; die Quelle lässt sich nicht eruieren. Er Er ist nur als Bestimmungswort belegt in t Êrblatte (Zwischbergen, zweimal; LT u. FLNK Erblatte). J ORDAN (2006, 288) kennt den Namen als Eerblattä und fügt hinzu Obrä Eerblattuschtaaf u l und Undrä Eerblattuschtaaf u l, sowie auf S. 298 Eerblattunegg. Auf S. 288 fügt er hinzu, dass der gleiche Ort auf It. Pián Ggaséla (P IANO C ASELA ) benannt gewesen sei. LSI (1, 712 s. v. cas ̍ éla edificio sull ’ alpe ‘ Alphütte ’ ) kennt den Namen, der laut SK durchaus gerechtfertigt war, befanden sich zu dieser Zeit hier noch Hütten. Der deutsche Name scheint das HL Êr ‘ Erz ’ Englischa 71 72 <?page no="302"?> zu enthalten (I D . 1, 399), das laut I D . nicht identisch sei mit dem gleichbedeutenden Erz (vgl. HL Ä ÄREZ ). dafür sprechen die Namen sowohl bei J ORDAN (mit / ee/ ) wie auch die Flurnamen von VSNB, die ein halblanges / ê/ zeigen, das mit dem Brandstetterschen Gesetz (Kürzung von altem Langvokale in dreisilbigen Wörtern) erklärt werden kann. Es ist aber nicht auschzuschliessen, dass hier ein HL E RB vorliegt; dafür spricht die Beschreibung des nächstliegenden Eerblatte (Nr. 13928), wo von „ Alpstafel, Hütte, Stall “ die Rede ist (siehe oben). Die Blatten, die hier genannt werden, sind Felsstücke beim Stafel. Erb Erb n. zu schwdt. Erb n., Pl. Erb, Dim. Erbi, Erbji, mhd. erbe, zu stellen. Es bedeutet ‘ Lehen, das zu erblichem Besitz und Nutzung nach Hofrecht verliehen ist; hofrechtliches Erblehen; ererbtes und vererbbares Grundeigentum ’ und ‘ Erbschaft allgemein ’ (I D . 1, 427 f.; G RICH- TING 1998, 71 kennt nur das Verb erppe (m. Varianten) ‘ erben ’ ). Es kommt in rund 90 Flurnamen vor. Das Simplex im Singular erscheint als ts Erb (Ausserberg und sechs weitere Gemeinden), im Erb (Hohtenn, Visp) und uffum Erb (Zeneggen). Historisch sind aufum Erb (1615 u. später, Raron), im Erb (1679, Fiesch) und vffem Erb (1528 Ernen, 1816 im Erb) belegt. Einen Spezialfall stellt Erbo (1394, Unterbäch) dar, das wörtlich ‘ der Erbe ’ heisst, hier aber wohl für ‘ das Erb ’ verwendet wird. Der Diminutiv Singular ist als am Erbgi ‘ am kleinen Erb (geerbtes Gut) ’ (1594 u. später, Eggerberg), Erbgÿ ‘ das kleine Erb (geerbtes Gut) ’ (1825, Saas-Fee), Erbi ‘ das kleine Erb (geerbtes Gut) ’ (FLNK, Saas-Balen), ts Erbi ‘ das kleine Erb (geerbtes Gut) ’ , im Erby ‘ im kleinen Erb (geerbtes Gut) ’ (1699, Turtmann), ts Erbji ‘ das kleine Erb (geerbtes Gut) ’ (Raron und zehn weitere Gemeinden) und im Erbÿ ‘ im kleinen Erb (geerbtes Gut) ’ (1698 u. später, Bürchen) belegt; der Diminutiv Plural als t Erbine ‘ die kleinen Erbgüter ’ (Ausserberg), ts Erbini ‘ bei den kleinen Erbgütern ’ (Saas-Almagell), t Erbjini ‘ die kleinen Erbe (geerbte Güter) ’ (Hohtenn, FLNK Erbjini; zweimal). Mit einem Adjektiv oder Partizip sind belegt: ts Gschoru Erb ‘ das geschorene Erbgut ’ (Zwischbergen, LT und FLNK Gschorus Erb) (J ORDAN 2006, 247 kennt es als Gschorus Erb; er hat weiter Uissärs Gschorus Erb (S. 247) und Innärs Gschorus Erb (S. 248)), ts Läng Erb ‘ das Lange Erb (geerbtes Gut) ’ (Niedergesteln; FLNK Läng Erb), Mitelerbe ‘ das mittlere Erb (geerbtes Gut) (1399, Ried- Brig), zen Núwen Erben ‘ beim neuen Erb (geerbtes Gut) ’ (1470, Visperterminen), ine Niwwu Erbu ‘ in den neuen Erb(stück)en (geerbte Güter im Schwemmgebiet von Vispe und Rotten) ’ (Visp; FLNK Niw Erb), ts Ober Erb ‘ das obere Erb (geerbtes Gut) ’ (Oberems; FLNK Obererb; dazu zwei weitere in Eggerberg, eines davon Diminutiv), Brún Erbÿ ‘ das braune geerbte Gut ’ (1680 (ca.), Zwischbergen), Staeltun Erb ‘ das abschüssige Erb (? ) / das Erbe des Stelto ’ (Zermatt), ts Schattmig Erb ‘ das schattige Erb (geerbtes Gut) ’ (Visperterminen), ts Unner Erbji ‘ das untere kleine Erb (geerbtes Gut) ’ (Eggerberg). Häufiger sind Genitive im Singular oder Plural, die Erben bezeichnen: ab Kumberro Erbe ‘ das Erbe der Leute von der Chumma (Mulde) / der Familie Kummer ’ (1303, Raron), Kumberro Erbe ‘ das Erbe der Leute von der Chumma (Mulde) / der Familie Kummer ’ (1307, Bürchen), Lorisch Erb ‘ das Ergbut des Lori (Lorenz) ’ (Ausserberg; FLNK Lorischerb), d ’ Martisch Erb ‘ das Erbe des Martin / der Familie Marti ’ (1682, Turtmann), ts Maartischerb ‘ das Erbe des Martin / der Familie Marti ’ (Ergisch), Riederro Herbe ‘ das Erbe der Familie Rieder / der Leute vom Ried ’ (1303, Raron), Rv ᵢ beln Erbe ‘ das Erb (geerbtes Gut) des Rübel (Krauskopf? ) ’ (1306 u. später, Grächen), Simpellero Erbe ‘ das Erbe der Familie Simpiler) ’ (1297, Stalden), Tazzero Erbe ‘ das Ergubt der Leute von Tatz (Weiler von Niedergesteln) ’ (1310, Steg), Tomigo Erb ‘ das Erbe der Familie Tomig / der Leute des Thomas ’ (1686 u. später, Ausserberg), Hans Jos Wichellen Erb ‘ das Erb (geerbtes Gut) des Hans Jost Wichel ’ (1750 (ca.), Lax), Wullis Erb ‘ das Erb (geerbtes Gut) der Familie Wulli ’ (1462, Visp), Zuberro Erbe ‘ das Erbe der Familie Zuber ’ (1307, Törbel). Komposita mit dem Grundwort Erb sind: im Galdterbt ‘ im unfruchtbaren Erb (geerbtes Gut) ’ (1778, Oberwald), ts Gauterb ‘ das unfruchtbare Erb (geerbtes Gut) ’ (Bellwald, auch Niederwald, hier mit FLNK Gauderb), ts Jänneerb ‘ das Erbe (geerbtes Gut) des Johannes ’ (Steinhaus; FLNK Jänneerb), Leegerb ‘ das ebene Erb (geerbtes Gut) ’ (1927, Eischoll), ts Blattscherb ‘ das Erbe der Familie Blantschen ’ (Raron; eventuell Genitiv Singular), ts Scheuwenerb ‘ das Erb (geerbtes Gut) der Familie Schellen ’ (Lax; FLNK Schellenerb) und Türlen Erb ‘ das Erb (geerbtes Gut) im Tirler (cf. Nr. 29002) ’ (1415, Visp). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit den folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bodu, Böüm, Chi, Hee (hooch, heej), Loch, Matta, Pletscha, Rüüs, Schiir, Schnitta, Stadel, Stutz, Tola, Tschugge, Wäg, Wald und Zug. Komplexere Fälle sind Erbbletschuräbe ‘ die Reben bei den Erbbletschu (Ebene beim Erb) ’ (Hohtenn), in Martis Erbzug ‘ im Zug (Graben) beim Erbe des Martin / der Familie Marti ’ (1827, Turtmann), Nüwen Erb ŭ n Gass ŭ n ‘ die Gasse zu den neuen Erb(stücken) (Gebiete im Schwemmgebiet von Vispe und Rotten) ’ (1580, Visp), der Platscherbwald ‘ der Wald beim Blattscherb (Ergbut der Familie Blantschen) ’ (Raron). Ob das in Zwischbergen doppelt belegte Eerblatte zu diesem HL gehört, ist unklar. 73 74 Erb <?page no="303"?> Erblun Erblun ist nur einmal als jm Erblun (1452, Visp) belegt. Es handelt sich um eine maskuline oder neutrale Form und sie benennt ein Grundstück des Schuhmachers Tho ᵉ nen, also des Anton. Es liegt wohl eine Zusammensetzung mit abgeschwächtem zweitem Teil zu Erblen ' (Erblehen ‘ erbliches Lehen; Erbgut ’ (I D . 3, 1237) vor. Erce Erce ‘ Erz? ’ ist nur in Gampel 1361 als in der Erce Mytyn belegt. Das Dokument schreibt die beiden Wörter auseinander, deswegen auch hier die Trennung. Erce ist vermutlich zu schwdt. Ärz, Ē r ę z, Ërez n. wie nhd. ‘ Erz ’ , mhd. erze, ahd. aruz m. und wdt. Äärez, Eerez (Saastal), Eeriz (Lötschental), Ääräz oder Äärz ‘ Erz ’ (I D . 1, 498; G RICHTING 1998, 16) zu stellen (cf. HLL Ä ÄREZ und E RZ ). Zu Mytyn vgl. HL M YTYN mit der (unsicheren) Deutung des Ganzen als ‘ in den Erzgesteinsblöcken ’ . Erchyns (PN) Erchyns (PN) ist nur 1305 in Baltschieder als Erchyns Aker ‘ der Acker des Erchin (PN) ’ belegt. Der Genitiv Singular Erchyns legt einen PN als Besitzer- oder Nutzername nahe. TGNB (1, 1, 454 s. v. Erchingen) geht von einem PN E RICHO aus, das als Suffigierung zu Ê RA ‘ Ehre ’ angesetzt wird. Auch F ÖRSTEMANN (1, 146) kennt Namen wie Ercho und ähnliche. Erdeschun Erdeschun f. ist nur 1304 in Stalden als an der Erdeschun ‘ beim Gut der Leute von Erden (PN oder FaN? ) ’ belegt. Es handelt sich um ein / - SCHA / - SCHU / Suffix im Dativ; in Erde müsste dann ein Besitzername vorhanden sein. Es ist wohl zu einem PN zu Hard zu stellen (F ÖRSTEMANN 1, 749 ff. erwähnt, aber unsicher, nhd. Erdt). Vermutlich ist damit das Gut eines Erd gemeint. Naheliegend ist der FaN Amherd (AWWB 9), doch ist er nicht für Stalden belegt. Erdtjunn Erdtjunn ist nur einmal 1570 in Eggerberg belegt als an der Erdtjunn. Der Dativ Singular verweist auf einen Nominativ Erdtja / Erdla f. Inhaltlich handelt es sich um eine Flur auf der Honalpe (belegt unter LT Honalpa, SK Hohenalpe). Es handelt sich wohl um eine Nebenform zu Erle (I D . 1, 451), das öfter auch mit einem / d/ erscheint (vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 210 f. s. v. A LNUS VIRIDIS ‘ Grünerle ’ ). Diese Deutung wird durch das nahegelegene ts Erl ‘ das Erlengebüsch ’ (Mund) gestützt. Ergescher Ergescher ist nur in Ausserberg belegt. Die Belege sind wie folgt: 1699 auff dem Ergischer, 1740 auf den Ergeschen, 1747 auffumb Erÿescher, 1750 auff dem Ergescher, 1754 auf dem A ’ rgescher, 1776 auf der Ergeschern. Die Belege weisen meistens eine Präposition mit einem maskulinen Singular auf; zweimal ist aber ein femininer Plural erwähnt. Die Präposition auf legt einen Hügel oder ein hochgelegenes Stück Wiese nahe. Nicht in Frage kommt der Gemeindename Ergisch im Bezirk Leuk, der weit von Ausserberg weg liegt. Eine Deutung ist jedoch nicht möglich. Ergetten Ergetten f. ist nur als auf der Ergetten (1765, Raron) belegt. Es handelt sich um einen Weingarten. Der Name steht im Dativ Singular Feminin. Die Bearbeiterin denkt auch an Ergessen; beide Namen sind aber schwierig zu deuten. Möglicherweise ist Egerten gemeint (so 1806 Ergeten in Stalden verschrieben für Egerten), also Ägerta ‘ Brachland ’ , also ungenutztes Land, das auch für Reben gebraucht werden konnte. Ergien Ergien ist in Eggerberg 1774 belegt, wohl bei einer Grenzbeschreibung. Es handelt sich entweder ein feminines Ergia oder ein Plural Ergie. Beide Formen sind nicht belegt. Eine Deutung ist nur möglich, wenn das / g/ als / j/ interpretiert wird und dieses / j/ seinerseits zu einem / l/ zu stellen wäre. Dann ergibt sich die Lesart Erle, resp. im Plural Erlen (cf. HL E RLE ). Diese Deutung ist sehr spekulativ; sie wird deswegen in der Datenbank nicht erwähnt. Ergisch Ergisch ist der amtliche Name einer Gemeinde, die im Dialekt Äärgisch heisst und die sich auf der linken Rottenseite auf rund 1100 m am Eingang zum Turtmanntal befindet. Die älteste Form des Namens (10? ? u. später) Argessa lässt allgemein vermuten, dass dem Namen das kelt. Adj. argios ‘ glänzend, hell, weiss ’ zugrunde liegt (D ELAMARRE 2003, 54), und mit einem vorlat., eventuell kelt. / - IS ( S ) A / -Suffix, welches eine Zugehörigkeit ausdrückt, gebildet wurde (K RISTOL ET AL . 2005, 328 f.). Der älteste Beleg erweist, dass das / -s/ (/ -sch/ ) im Namen Ergisch zum Stamm gehört, und dass es hier nicht um ein rom. Plural-s handelt (S CHMID 1951, 53). Laut J ACCARD (1906, 152) soll das Dorf seinen Namen seiner sonnigen Lage verdanken, M EYER (1930, 22) wiederum meint, dass die von weitem sichtbare Lage des Dorfes zur Namengebung geführt habe, für andere Autoren ist das Vorkommen von weissem Quarzit oberhalb des Dorfes für die Erblun 75 76 <?page no="304"?> Benennung ausschlaggebend gewesen, kelt. *Argissa sei die ‘ Siedlung beim hell, glänzenden Gestein ’ (G UEX 1938, 375 und 1976, 177 f.; R ÜBEL 1950, 131; H UBSCHMID 1960, 285). Neben den vielen Belegen für Argessa und einigen wenigen für Argesa tritt der erste sichere ‘ deutsche ’ Beleg 1548 als Ergisch auf, 1574 ist es a ᵉ rÿsch, 1626 Ergies, 1655 Ehries, 1667 Ergesch, 1669 Eriesch, 1700 Ehriesch, 1742 u. später am Erjesch. Die schriftlichen Formen wechseln also zwischen / g/ und / i/ , was sich auch in anderen Belegen findet. Der heutige Name Ergisch (Äärgisch) lässt sich auf Argessa zurückführen, die Form mit / i/ , resp. / j/ für / g/ lässt sich als regelmässige Lautentwicklung ansehen (R HEINFELDER 4 1968, 193). Neben dem Gemeindenamen erscheint das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita zu Alpa, Chumma, Flüö und Hooru. Komplexer sind Ärgischalphoru (Ergisch; LT Ergischalphorn) (zu unterscheiden von ts Äärgischhoru ‘ das Ergischhorn ’ (Eischoll), das sich nördlich davon befindet) und Erüesch (sic! ) Kummen Bort ‘ das Bord (Abhang, Böschung) bei der Ergischer Chumma (Mulde) ’ (1709, Ergisch). Ein Adjektiv auf / - ER / , das wohl als alter Genitiv Plural von Ortsbewohnern zu deuten ist (S ONDEREGGER 1958, 526), erscheint in t Ärgischerwasserleitu ‘ die Wasserleitung durch Ergisch ’ , jm Eriescher Ried ‘ im Ried unterhalb von Ergisch ’ (Turtmann). Deutlicher ist das im lat. antiquam viam Argessanorum ‘ der alte Weg der Leute von Ergisch ’ (1723, Ergisch), und almeniam Argessensium ‘ die Allmein (gemeinsamer Besitz) der Leute von Ergisch ’ (1630, Ergisch). Ein Problem geben die historischen Formen für Edlen Matten ‘ die Wiese bei den Erlen ’ (1761, Turtmann) (cf. HL E RLE ) auf, die 1453 in Eryes Matte, 1510? jn Ergissmatten, 1755 in der Edjo Matten haben. Es sieht so aus, dass hier wohl ‘ die Wiese von Ergisch ’ gemeint war, dass aber im 18. Jahrhundert die alte Form Edjo Matten als Edlen Matten interpretiert wurde, die wir als ‘ die Wiese bei den Erlen ’ gedeutet haben. Die Umdeutung könnte durch das nicht mehr verstandene Eryes für Ergisch entstanden sein. Erhynen Erhynen ist nur 1750 in Naters als in den Erhÿnen belegt. Laut Dokument handelt es sich um zwei Fischel Wiese im Natischerberg in Geimen, westlich des Baches Bruch (heute Bruchji). Die Form legt einen Dativ Plural nahe. Die Grundbedeutung ist unklar. Es lässt sich zwar zu Êr ‘ Erz ’ , resp. êrin ‘ erzen ’ (I D . 1, 399) stellen, aber das sonst dafür geläufige Wort ist Äärez, Eerez (Saastal), Eeriz (Lötschental), Ääräz oder Ärz ‘ Metall (Eisen, Bronze) ’ (G RICHTING 1998, 16); auch ist keineswegs klar, ob es in der Nähe von Geimen Erzabbau gab. Näher liegend ist wohl eher eine Ableitung zu Ächer ‘ Ähre ’ (I D . 1, 69) mit der Variante Äri. Geimen liegt auf 1037 m. über Meer, einem Ort, wo durchaus noch Getreide angebaut werden konnte, darum die Deutung ‘ die kleinen Ährenpflanzungen ’ . Auch wenn im lat. Dokument duo fiscillinata prati ‘ zwei Fischel Wiese ’ steht, kann das Land als Acker verwendet worden sein. Erich Erich n. ist primär der Name eines Gebietes oberhalb Rischinen in Naters. Vermutlich gehören auch Herichst (13. Jahrhundert, Naters), zen Herichstene ( ‘ zum Herich- Stein (? ) ’ , 1345, Gampel) und Herich (1352, Glis) hierher; das anlautende / h/ scheint eine Schreibtradition zu sein. Am besten belegt ist jedoch die Form Erich (1390 u. ö., Naters). Laut den lebenden Belegen ist der Anlaut lang und das Genus Neutrum. Als adjektivische Bildungen kommen vor ts Ober und ts Unner Erich (beide Naters). Belegt sind weiter aúff den Ericheggen (1762, Naters), t Ericheggini (Naters), auf den Erich Furen (1763, Naters), Erichwasser (Naters) und, nicht ganz klar, Erich-Hasul- Müelera (FLNK, Naters), vermutlich die Wasserleite nach Erich, Hasel und Müelera. Es bleibt unklar, ob Erich ein Kompositum ist und aus welchen Teilen es gegebenenfalls besteht. Eriola Eriola ‘ die Alpe beim Bord ’ wird 1642 eine Alpe in Zwischbergen genannt, die von den Italienern laut Text la Gurua ‘ die Biegung, die Kurve ’ (vermutlich eine Mulde) genannt wird. 1461 wird eine Alpe in Zwischbergen als Oriola bezeichnet, sie befindet sich in der Nähe der Alpe der Leute, die Zen Werrön ‘ Zurwerra ’ (cf. HL W ÄRRA ) heissen. Wo diese Alpe genau lag, ist unbekannt. Eriola lässt sich phonetisch als Entrundung von Oriola deuten. Es scheint, dass der ursprünglich wohl piemontesische Namen Oriola zum deutschen Eriola wurde; die Italiener nannten die gleiche Alpe später um. Oriola, resp. Eriola ist vermutlich identisch mit der heutigen Alpe Irrgili, die sich auf Oriola zurückführen lässt (cf. HL I RRGILI ). J ORDAN (2006, 288) erwähnt unter Irgili auch Orgliola (nach P. A RNOLD 1968 (1947), 21 f.). Dieses wiederum kann laut P ETRINI (1, 110) zu einer Ableitung zu ital. oro ‘ Bord, Grat, Erhebung ’ gestellt werden; er zitiert u. a. orell und orello für das Maggia- und Bedrettotal; cf. O LIVIERI (1965, 245 s. v. Orio). Dessen Deutung von Oriòla aus PN A UREOLA (1965, 246) trifft jedoch kaum zu. Erläbnis Erläbnis n. ist nur als Erläbniswäg ‘ der Erlebnisweg ’ (FLNK, Saas-Almagell) belegt. Es handelt sich um einen Höhenweg auf ca. 2190 m. ü. M. Der Ausdruck „ Erlebnis “ wird heute in Werbetexten als aufregendes Ereignis 77 78 Erläbnis <?page no="305"?> empfunden. Entsprechend ist die Kennzeichnung eines Weges als Erlebnisweg ein Weg, der ein (aufregendes) Erlebnis bietet. Erle Erle f. ‘ Erle ’ ist ein Baumname für verschiedene Erlen- Arten (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 210 - 212, s. v. A LNUS ), der zu schwdt. Erle f., Pl. Erle n , Dim. Erli, wie nhd. ‘ Erle ’ , ahd. erila und elira zu stellen ist; in G RICHTING (1998) ist er nicht belegt, dafür der Typ Troosla ‘ Schwarzerle ’ . Das neutrale Erli n. ‘ Erlengebüsch, -wald ’ (I D . 1, 451) ist wohl auf ahd. eril-ahi ‘ Erlengehölz ’ (so TGNB 2, 2, 174) zurückzuführen. Das HL kommt in rund 90 Namen vor. Das Simplex ts Erl (Eisten) und ts Erel (Mund, SK, LT und FLNK Erl) ist zweimal lebend belegt; die historischen Belege enthalten den Typ Zum Erill. Das Simplex Eril mit der Variante Erill, häufig mit einer Präposition zum, kommt in rund zehn Fällen vor; Erell (1702, Zermatt) ist nur einmal sicher belegt. Das Lötschental weist mehrfache Zem Errlä (Blatten, Kippel) auf. Der Kollektiv-Typ Erli ‘ die Erlen, das Erlengehölz ’ kommt rund zehn Mal vor. Im Fall von t Erlini ‘ die kleinen Gebiet mit Erlen ’ (Binn, zwei Belege) ist unklar, ob es sich um einen Plural eines Diminutivs, oder um den Plural des Kollektivs Erli handelt. Soweit erkennbar ist das einzige klare Simplex im Plural in den Erlen (1752, Zwischbergen). Ob das einmal belegte ts Äärli ‘ die Erlen ’ (Leukerbad) hieher gehört, ist unklar; zusammen mit dem Kompositum der Äärligrabu ‘ der Graben zum Äärli ’ (Leukerbad) stellt es die einzigen Fälle mit offenem / ä/ dar. Attributive Adjektive sind selten: die Lengen Erle ‘ das lange Gebiet mit Erlen ’ (1519, Törbel), t Nassu Erle ‘ das nasse Gebiet mit Erlen ’ (Ried-Brig), ts Ober Erli ‘ das obere Gebiet mit Erlen ’ und ts Unner Erli ‘ das untere Gebiet mit Erlen ’ (beide Filet) sind alle Belege, die dokumentiert sind. Einen vorangestellten Genitiv des Besitzers oder Nutzers zeigt Elsingo Erlen ‘ das Gebiet mit Erlen der Familie Elsig ’ (1519, Törbel). Der gleiche Typ, etwas komplexer, findet sich in Unner Erlerru Alpmattu ‘ die Alpwiese der Leute vom unteren Gebiet mit Erlen ’ (Mund). Das HL als Grundwort ist vor allem im Lötschental belegt als Bätzlärerlä, Biälerlä, Chaschtlärerlä und Schnäggunerlä (alle Kippel), wobei das Bestimmungswort jeweils die Lage des Erlengehölzes deutlich macht: Bätzla, Biäl, Chaschtlär sind auch sonst als Fluren belegt; Schnäggu ‘ Schnecke ’ scheint das Vorkommen von Schnecken im feuchten Erlengehölz zu bezeichnen. Zahlreicher tritt Erle mit seinen Varianten als Bestimmungswort auf. Grundwörter sind Acher, Ägerta, Biel, Bodu, Bord, Egg(a), Eia, Gand, Gartu, Gassa, Grabu, Haalta, Höu (Howata), Mad, Spitz, Steg, Wald und Wase. Eine / - ER / -Ableitung als Stellenbezeichnung (S ONDER- EGGER 1958, 541 ff.) stellt der Erler ‘ das Gebiet, wo es Erlen hat ’ (1542, Grächen) dar. Etwas problematisch sind Belege mit Edle, Edel (cf. HL E DEL ). I D . kennt Edle für das Berner Simmental (1, 451; nicht so B RATSCHI / T RÜB 1991); eine Beschreibung zum Namen t Edelgassu (Saas-Grund) nennt „ Edle “ als ‘ Erlen ’ . Historisch gibt es für die gleiche Gemeinde dÿ Erilgassen (1509) und die Erlingassen (1561). Komplexer ist eine Belegreihe aus Turtmann: 1453 in Eryes Matte, 1510? jn Ergissmatten, 1755 in der Edjo Matten, 1761 zúr Edlen Matten. Der Wechsel von / r/ zu / d/ geschieht offenbar nach dem 16. Jahrhundert; die Schreibungen mit / y/ , / g/ , / j/ und / l/ deuten darauf hin, dass hier ein palatalisiertes / l/ wiedergegeben wird. Da auch der Gemeindename Ergisch teilweise mit / i/ und / j/ an Stelle von / g/ geschrieben wird, kann auch ‘ die Wiese von Ergisch ’ gemeint sein. Dass im Übrigen eine Palatalisierung möglich ist, zeigt der Beleg ts Erjerli ‘ die kleine Wasserleitung nach Erl ’ (Eisten), eine sonst unbelegte Ableitung. Weitere Belege cf. HL E DEL . Zwei weitere Belege sind kurz zu erwähnen: Herle Waso ‘ der Wasen mit Erlen ’ (1300, Lalden), wo / h/ den Glottis-Verschluss-Anlaut wiedergibt, und di Teerlumatta ‘ die Wiese bei den Erlen ’ (Ried-Brig), wo der feminine Artikel an Erle agglutiniert wurde. Inhaltlich ist zu erwähnen, dass Erlen in feuchtem Gebiet gut gedeihen. Wenn die Gebiete entwässert wurden (z. B. durch die Rhonekorrektion), blieben die Namen erhalten, auch wenn die Erlen verschwunden sind. Ermiet Ermiet f., auch Ärmiet, ist nur in Zermatt belegt. Neben FLNK Ärmiete und dem historischen Beleg von 1702 an den Ermietten sind t Innru und t Üssru Ermiet (auch Ärmiet) belegt. Auf 1: 10000 findet sich Ärmiete. J ULEN ET AL . (1995, 211) kennen die Form t Ärmite und geben als Deutung „ Wiesland für Galt- oder Kleinvieh “ ; für die Ärmitfura ist angegeben „ Furche, längliche Erhöhung der Erde, begraste Halde von starker Neigung “ . Auf der Fotografie (S. 132) finden sich d Obru Ärmite und d Innru Ärmite. Ob d Ärmitfura (S. 133) hieher gehört bleibt unklar. Es handelt sich laut LT wohl um eine kleine Voralpen-Anlage (ob sich dort eine Siedlung befindet, lässt sich laut LT nicht entscheiden). Gwp. denkt offenbar an Wermuet ‘ Wermut ’ (I D . 16, 1508 ff.) und sagt, es habe dort „ viel Wermutkraut “ . I D . kennt aber keine Formen ohne anlautendes / w/ ; ob die Entrundung hieher gehört, ist unklar. Da auch sonst keine Flurnamen vom Typ Wärmieta ‘ Wermut ’ zu finden sind, sind die Belege Erle 79 80 <?page no="306"?> wohl anders zu deuten, wobei sie einen Plural nahelegen. M ARZELL (1, 420) kennt keine Formen ohne anlautendes / w/ . L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1108) weisen für das Wallis Belege von Wermut auf; schweigen jedoch in Bezug auf Ermiet. Die wechselnden Formen (Ervs. Är-; miete vs. mite) lassen eine Deutung kaum zu. Ermitage Ermitage f., dial. Ermitaasch ist zu frz. ermitage m. ‘ Einsiedelei ’ (G PSR 6, 657) zu stellen. Belegt ist es nur in ts Ermitaasch ‘ das (Wirtshaus) Ermitage ’ (Leuk), auf LT als L ’ Ermitage (daneben Restaurant L ’ Ermitage) im Pfynwald. Ernen Ernen, dial. Äärne ist zunächst der Gemeindename Ernen, frz. Aragnon. Die ältesten Belege weisen alle Aragnon auf, erst 1619 ist Ärnen belegt. Der Gemeindename zählt darum zum vordeutschen Namengut (Z IMMERLI 1899, 86; Z INSLI 1977, 99 f.), aber die Deutung des Namens ist unsicher. S TUDER (1896, 48) leitet den Namen von lat. AREA ‘ Tenne, Feld ’ ab, Ernen sei ein ‘ aus Hofstätten bestehendes Dorf ’ . G UEX (1938, 356 und 2 1976, 176) und R ÜBEL (1950, 131) übernehmen H UBSCHMIEDS Vorschlag, der den Namen von kelt. *argraniono ‘ Gruppe von Schlehensträuchern ’ ableitet, was K RISTOL ET AL . (2005, 332) aus lautgeschichtlichen Überlegungen verwerfen. Aufgrund der rom. Lautentwicklung hätte sich kelt. *argraniono nicht zu dem gut belegten romanischen Namen mit / a-/ im Anlaut entwickeln können. Die frühesten Namenformen Aragnon lassen eher auf den lat. Personennamen A RANIUS schliessen (S CHULZE 1991 [1904], 125). Dies würde einen Deklinationswechsel (Aranius, *Aranione) voraussetzen, und die lautliche Entwicklung des / a-/ von Aragnon zu Ernen könnte laut K RISTOL ET AL . durch die palatale Lautgruppe [nj] > [ ŋ ] entstanden sein. Der Dorfname Ernen würde also ‘ Land, Besitz des Aranius ’ bedeuten (K RISTOL ET AL . 2005, 332). Neben dem Simplex sind lat. de Superiori Aregnon ‘ von Ober-Ernen ’ (13? ? , Ernen) und ts Niderärne ‘ bei Niederernen ’ (Ernen) belegt; FLNK kennt auch Ob Niderärne ‘ oberhalb von Niederernen ’ (Ernen). Zum Gemeindenamen gibt es Ableitungen auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 525 f.), die als Genitiv Plural ( ‘ der Leute von Ernen ’ ) oder als Adjektiv verstanden werden können. Belegt sind Ärnerfäld ‘ das Erner Feld ’ (FLNK, Ernen), Ärnergale ‘ der Gale (begraster Bergrücken) oberhalb Ernen ’ (FLNK, Ernen), im Ärner Lehn ‘ im Lehen der Leute von Ernen / das zu Ernen gehört ’ (1813, Ernen), zum Erner Thirlin (1709 u. später, Betten) ‘ zum Durchgang auf dem Weg, der nach Ernen führt ’ , der Ärnerwaud ‘ der Wald oberhalb von Ernen ’ (Ernen), der Ärnerwäg ‘ der Weg nach Ernen ’ (Betten) und das komplexere Ärner Waudkapälla ‘ die zu Ernen gehörende Waldkapelle ’ (Ernen). Zu Niderärne gibt es ebenfalls eine Ableitung auf / - ER / : Niederärnerchäller ‘ der (Käse-)Keller der Leute von Niederernen ’ (LT, Mühlebach), im Niderärnermoos ‘ im Moos (sumpfiges Gebiet) von Niederernen ’ (1815, Ernen), Nider Ernen Wald ‘ der Wald, von Niederernen ’ (1701, Ernen) und ts Niderärnere Chäuere ‘ bei den (Käse-)Kellern der Leute von Niederernen ’ (Ernen). Eine Neu-Bildung ist Aragon, eine Feriensiedkung südwestlich von Ernen, die offenbar einen historischen Beleg aufgenommen hat. Erpen (FaN) Erpen (FaN) ist ein gut belegter FaN, der auch als Erben, Erpo, Erpon, Erbo, Herpos (AWWB 88) erscheint. Als kollektive / - IG / -Ableitung eines Simplex ist Zen Erpigen ‘ bei den Leuten des Erpen ’ (1571, Naters) für eine Alpe belegt. Sonst tritt der Name als Besitzername in Erpestafel (Filet, Mörel), Erpustadel (Mörel, Ried-Mörel) und Erpenmattun (1303, Niedergesteln) auf. Erpiguwald ‘ der Wald der Familie Erpen ’ (Bitsch) zeigt wiederum die kollektive / - IG / -Ableitung. Erpsen Erpsen ist nur 1345 belegt in in der Erpsenmaton ‘ bei der Erbsenwiese ’ (Bratsch). Obwohl die Bearbeiterin hier einen FaN vermutet (wegen der Genitiv-Form Erpsen), findet sich kein FaN oder PN hierzu. Vielmehr wird wohl die Pflanze (P ISUM SATIVUM ; cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 342) bei den Wiesen gemeint sein. Bratsch (gehört heute zu Gampel) ist im 14. Jahrhundert vermutlich schon deutschsprachig. Ersatz der Ersatz m. ist - laut I D . (6, 1544) - nicht volkstümlich. Es ist in der Ersatz (Niedergesteln) belegt. Laut Gewährspersonen erhielten die Besitzer für die bei der ersten Rottenkorrektur (1863 - 1893) enteigneten Güter ‘ Ersatzbesitz ’ . In Hohtenn wird 1880 der Ersaz als Biina (Pflanzplatz) im Grund (wohl Rottenebene) erwähnt. Es dürfte sich ebenfalls um Ersatzbesitz wegen der Rottenkorrektur handeln. Ersch Ersch ist im Wesentlichen belegt als der romanische Name der Gemeinde Erschmatt, die sich auf der linken Rottenseite auf einer Höhe von rund 1200 m erstreckt. Die ältesten Belege zeigen durchweg Huers, später Varianten davon. Die Zusammensetzung mit -matt kommt erst spät vor, nämlich im Buch des Pfrantier- 81 82 Ersch <?page no="307"?> Kehrwassers (1878 - 1963); als Ortsname ist aber immer noch Ersch geläufig (siehe unten). J ACCARD (1906, 152) sieht darin einen Plural zu huert ‘ Garten ’ , zu lat. HORTUS . K RISTOL ET AL . (2005, 333) lehnen diese Deutung ab: im den frpr. Dialekten des Wallis sei courtil die Bezeichnung für ‘ Garten ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 150). In der mittelalterlichen frz. Schreibtradition sei das anlautende, etymologisch unbedeutende h zur Unterscheidung eines am Wortanfang stehenden u von einem v verwendet worden. Deswegen setzen sie eine Lautung wers oder wersch zu einem germanischen Etymon auf / w-/ an und schlagen spätlat. * WERSICUS ‘ krumm ’ vor (2005, 333). Diese Deutung kommt dem Ortsnamen am nächsten. Ersch ist als Simplex an Ersch ‘ in Erschmatt ’ belegt; vgl. auch Eersch (G RICHTING 1998, 63). Lateinische Konstruktionen finden sich in iuxta torrentem de Huers ‘ neben dem Erschbach ’ (1242, Erschmatt) und cristam de Hoers ‘ der Hügel von Erschmatt ’ (1357). Ersch als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist belegt als mit du Erschleerchu ‘ bei den Lärchen von Erschmatt ’ (Guttet; kaum zu schwdt. erst und wdt. eerscht ‘ erst ’ (I D . 1, 470 f.; G RICHTING 1998, 63)), das Erschthall ‘ das Tal von Erschmatt ’ (1796, Erschmatt; 1701 Feschel), der Erschwäg ‘ der Weg von / nach Ersch (Erschmatt) ’ (Bratsch; 1722 u. später, Leuk) und das unsichere in der Ersmatten (Eschmatten? ) (1682, Feschel). Kaum hieher zu stellen ist aus räumlichen Gründen der Beleg Erswaso ‘ die Ers-Wiese ’ (1307, Eischoll); er ist jedoch isoliert, weswegen er unter diesem HL aufgeführt wird. Einen vorangestellten Genitiv einer Herkunftsangabe auf / - ER / zeigt an Erscherren Wengen ‘ an den Grasabhängen der Leute von Erschmatt ’ (1592, Erschmatt). Etwas schwieriger sind die zwei historischen Belege jn der Erschibinen (1746, Gampel) und in den Erschel Binen (1865, Gampel). Vermutlich sind die beiden Ableitungen Erschi und Erschel Bildungen, welche die Zugehörigkeit zu Erschmatt ausdrücken ‘ die zu Erschmatt gehörenden / Richtung Erschmatt liegenden Pflanzplätze ’ . Sehr unklar ist schliesslich Wanniersch (FLNK, Grächen), die bei einem kleinen See liegt (er ist schon auf SK belegt). Zwar ist die Trennung in Wanni ‘ die kleine Wanne ’ und Ersch möglich, aber Ersch bleibt in diesem Zusammenhang undeutbar. Grächen liegt im Übrigen zwischen Matter und Saaser Vispe auf rund 1620 m, ist also weit von Erschmatt entfernt. Erst Erst wird als Zahlwort erst meist wie ein attributives Adjektiv verwendet. Es tritt nie als Simplex auf und nur einmal als Bestimmungswort im Kompositum zer Wiissun Eerschtmälchun ‘ bei der weissen Ziege, die erstmals geworfen hat (wohl metaphorisch gemeint, auf der Hockenalp) ’ (Kippel). Laut R ÜBEL (1950, 91) wird der Terminus im Lötschtal für eine Ziege verwendet, die ihr erstes Junge geworfen hat. In den übrigen Fällen sind flektierte und nichtflektierte Formen des HL zu unterscheiden, wobei die Form Erschtuscht (wörtlich: ersteste) nur in Naters für Burg (hier wohl metaphorisch für einen Hügel) und in Ergisch für Läger (Ruhestelle für das Vieh) verwendet wird. Die übrigen HLL sind: Egg(a), Fall, Grabu, Hitta, Häärz, Höu, Läger, Legi, Lig, Löuwina, See und Stafel. Zum attributiven Adjektiv sind zweigliedrige Namen belegt: t Erscht Mässhitta ‘ die erste (Alp-)Hütte, in der die Milch gemessen wurde ’ (Ried-Mörel), ts Erscht Tschampematt ‘ die erste Mähwiese der Familie Tschampen ’ (Grengiols), biner Erschte Chummlegi ‘ bei der ersten Legi (Zaun) bei der Chumma (Mulde) ’ (Reckingen), Erschtä Stosswäg ‘ der erste Stossweg (Weg durch den Mittelwald) ’ (Erschmatt, FLNK), Erstes Dreieck ‘ das erste Dreieck (Felsspitze am Dreieckhorn) ’ (Fieschtertal, LT). Das HL ist zu schwdt. erst ‘ erst ’ und wdt. eerscht ‘ erster ’ (I D . 1, 470; G RICHTING 1998, 63) zu stellen. Meistens bezeichnet es in Flurnamen das erste Glied einer räumlichen Reihe (z. B. von Alpseen), seltener eine zeitliche Abfolge. Ertill Ertill ist nur belegt in bis an den Ertillschucken ‘ bis zum Ertill-Felsen ’ (Bratsch). FLNK hat Ertjitschuggu ‘ der Felsen beim kleinen Ort ’ . Ertjini ‘ kleine Orte ’ ist in Bratsch gleich daneben belegt und t Eertjitschugge finden sich am gleichen Ort in Gampel; Ertill ist also eine hyperkorrekte Form zum Diminutiv Ertji ‘ kleiner Ort ’ (cf. HL O RT ). Erz Erz ist nur dreimal in dieser Form belegt als ehemalige Erzgruben (Grengiols, LT; FLNK Ärzgrüöba), vff der Silber Ertz Gr ŭ ben ‘ auf der Silbererzgrube ’ (1586, Naters), zer Äärzwäschi ‘ bei der Erzwäsche ’ (Oberems). Das HL ist zu schwdt. Ärz, Ē r ę z, Ërez n. wie nhd. ‘ Erz ’ , mhd. erze, ahd. aruz m. (I D . 1, 498; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 258) zu stellen. Siehe auch HL Ä ÄREZ ; vgl. auch hierzu R ÜEGG ET AL . (2017). Esch Esch m./ n. ist zu schwdt. Esch, Ösch, Äsch m./ f., Pl. Esch (auch Esche n für m. und f.? ): ‘ das gemäss Dreifelderwirtschaft aus der Sommer- und Winterzelge bestehende, auch Wiesen umschliessende, eingezäunte, gewöhnlich vom Weidrecht ausgeschlossene Saatfeld einer Dorfgemeinde, Zelge, Flur, meist im Gegensatz zu Br ā ch Erst 83 84 <?page no="308"?> und Ägerte ’ , mhd. ezzisch, ezesch, ahd. ezzisc ‘ Saatfeld ’ (I D . 1, 569 ff.) zu stellen. Da das Wort nach Aussterben der Sache nur noch in FlN vorkommt, kann es nicht immer eindeutig von Esch n. ‘ Eschengehölz ’ (I D . 1, 568) oder dem Baumnamen Esche unterschieden werden (TGNB 2, 2, 175). Im Wallis herrschte im Übrigen im Allgemeinen eine Zweifelderwirtschaft (zu Details vgl. M ONHEIM 1955). Der FaN Im Esch / Imesch wird in AWWB (129) auf den Weiler Esch in Zeneggen zurückgeführt. Gwp. sieht den Namen im Zusammenhang mit dem Baumnamen ( „ Es hat hier Eschen “ ); es könnte sich aber auch um Esch ‘ Saatfeld ’ handeln. Von den vierzehn belegten Namen mit dem Simplex im Singular Esch sind fünf lebend belegt: Esch (LT, FLNK St. Niklaus), bim Esch (Mühlebach), im Esch (Zeneggen), zum Esch (Stalden, Täsch) - öfters wird der Baumname als Erklärung hinzugezogen; wieweit das jeweils eine Erklärung ad hoc ist, lässt sich nicht feststellen. Historisch erscheinen bei dem Esch (1673, Zwischbergen), bim Esch (1791 u. später, Ernen), im Esch (1477 u. später, Bürchen; 1536 u. später, Embd; 1580, Visperterminen), zum Esch (1520, Binn; 1848 zu den Eschen), und Esch (1463, Lax), daz Esche (1303, Visp; 1668 jn Eschen) - in allen Fällen kann sowohl das Saatfeld, wie der Baumname gemeint sein. Ein gerundeter, wohl nur schriftsprachlicher Beleg ist in den Öschen ‘ in den Eschen / in den Saatfeldern ’ (1614, Bellwald). Mit attributiven Adjektiven finden sich ts Ober Esch (St. Niklaus), jm Obren Esch (1684, Eggerberg), im Obren Esch (1669 u. später, Zeneggen), ts Unner Esch (St. Niklaus), das Vnder Esch (1540, Embd) und das seltsame Unneräschi (FLNK, Inden), (lat.: in anteriori) Esch ‘ im vorderen Esch ’ (1732, Stalden), zum Wiltun Esch ‘ zum wilden Saatfeld / Eschengehölz ’ (Hohtenn) und (lat.: jn exteriori) Esch ‘ im äusseren Esch ’ (1732, Stalden). Die Belege zem Grossen Eesch ‘ bei der grossen Esche ’ (Kippel, Wiler) gehören zum HL E SCHE ‘ Esche ’ . Ein vorangestellter Genitiv ist in ts Volke Esch ‘ das Saatfeld der Familie Volken ’ (Grengiols) belegt. Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL selten: jm Bundesch ‘ im Saatfeld beim Pflanzgarten ’ (1527, Grengiols), Als Bestimmungswort erscheint das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bach (Wasser), Blatta, Bodu, Bord, Grabu, Haalta, Löuwina, Matta, Räb-, Rigg, Rüüs, Wäg und Wald. Vermutlich hieher gehört Deschmatten ‘ die Wiese bei den Eschen / beim Saatfeld ’ (1782, Hohtenn) mit agglutiniertem Artikel. Komplexere Formen sind ob der Eschmatten ‘ oberhalb der Wiese bei den Eschen / beim Saatfeld ’ (1712, Leuk), t Obre Eschachra ‘ der obere Teil der Äcker bei den Eschen ’ (Ausserbinn), der Unner Eschacher ‘ der untere Teil des Ackers bei den Eschen / beim Saatfeld ’ (Mühlebach) und drei weitere in Ausserbinn und Binn, (lat.: ) in inferiori Essmatten ‘ in den unteren Eschmatten (Wiesen bei den Eschen / beim Saatfeld) ’ (1540 u. später, Feschel). Sicher zu Esche ‘ die Esche ’ sind die Belege apud Esschinon Matton ‘ bei den Wiesen bei den Eschen ’ (1390, Simplon) und Eschinu Staale (EK, Mund) ‘ der steile Abhang mit Eschen ’ zu stellen. Esche Esche m. / f. ‘ Esche ’ ist zu schwdt. Esch I ‘ Esche ’ und wdt. Escha, Eschä (Goms), Eescha (Lötschental) (alle w.), Esch m. ‘ Esche ’ (I D . 1, 568; G RICHTING 1998, 73) zu stellen. Aus lautlichen Gründen ist der Baumname häufig nicht vom HL E SCH ‘ Saatfeld ’ (cf. HL E SCH ) zu unterscheiden; wo das nicht möglich ist, werden beide HLL angegeben; im Einzelnen cf. HL E SCH . Das Simplex im Singular ist 1299 in Törbel als jm Esche, resp. jm Esse bezeugt. Hier ist aber ziemlich sicher Esch ‘ Saatfeld ’ gemeint; im ersten Beleg ist ein Speicher genannt, der darauf hinweisen würde; der Weinberg (vineam) im zweiten Beleg passt aber eher zur Deutung ‘ beim Eschengehölz ’ . Das Simplex im Plural ist als Zen Esche ‘ bei den Eschen ’ (Ausserbinn) und Zen Eschenn ‘ bei den Eschen ’ (1586, Naters), in Simplon als mid de Eschu ‘ bei den Eschen ’ belegt. Die Diminutive im Singular erscheinen als ts Eschji ‘ das kleine Gebiet mit Eschen ’ (Eggerberg), wo kaum ein Saatfeld liegt; zu diesem Namen gehören auch ts Inner Eschji ‘ das innere (taleinwärts liegende) kleine Gebiet mit Eschen ’ und ts Üsser Eschji ‘ das äussere (talauswärts liegende) kleine Gebiet mit Eschen ’ (beide Eggerberg). ts Eschji (Raron) und Eschji (FLNK, Embd) sind beide als ‘ kleines Gebiet mit Eschen ’ zu verstehen. ts Eschtji ‘ das kleine Gebiet mit Eschen ’ (Staldenried) wird laut V. A BGOTTSPON Eschji genannt und erscheint 1656 u. später als Zum Esch, hat also nichts mit Ascht zu tun. Der Plural des Diminutivs ist als die Eschlini ‘ die kleinen Gebiete mit Eschen ’ (1795, Naters) und ubern Eschini ‘ oberhalb der kleinen Eschen ’ (Ferden) belegt; letzteres befindet sich oberhalb von der Eschi Rigg ‘ der (Fels-)Rücken mit Eschen ’ , bei FLNK als Eschine Rigg ‘ der eschene (Fels-) Rücken ’ (Ferden). Alle Diminutive können auch als Ableitungen zu Eschi < Esch-ahi ‘ Eschengehölz ’ mit dem Suffix / - AHI / (S ONDEREGGER 1958, 466) verstanden werden. Das gilt auch für t Eschi f. ‘ das Eschengehölz ’ (Bürchen). Vermutlich ein Adjektiv liegt vor in t Eschini Chummu ‘ die Kumme mit Eschen ’ (Ergisch). Es handelt sich um 85 86 Esche <?page no="309"?> das Adjektiv eschin ‘ von der Esche herrührend ’ (I D . 1, 568). Als Bestimmungswort ist das HL wie folgt belegt: Eschigrund ‘ der Grund (Rottenebene) mit Eschen ’ (Baltschieder). Die historischen Belege von 1553 und 1697 haben jn Heschengrúndt, was den Verdacht nahelegt, dass hier ursprünglich ein PN Heschi oder ähnlich gemeint war, der allerdings sonst nicht belegt ist; das gilt auch für das 1548 belegte Heschen Eÿen ‘ die Aue mit Eschen (? ) ’ . aúf den Eschikúbel ‘ auf den Hügel bei den Eschen / der Familie Escher ’ (1774, Naters) ist unsicher; es könnte hier ein Eschig vorliegen ‘ die Leute der Familie Escher ’ . im Eschu Mos ‘ im Moos (sumpfiges Gebiet) mit Eschen ’ (Fiesch) enthält entweder einen vorangestellten Genitiv Plural oder bildet ein Kompositum. Die Adjektivbildung aschin-/ eschin- ‘ von der Esche herrührend ’ (I D . 1, 568) gehört hieher. Vermutlich ein Lesefehler liegt in am Hirgeschji (1855, Staldenried) vor, das auch als Girgeschji gelesen werden kann und dann zum HL G IRETSCH ‘ Vogelbeerbaum ’ gehört. Eschelleÿs Eschelleÿs ist als les eschelleÿs 1568 in Albinen belegt. Es handelt sich um eine frpr. Form zum lat. SCALA ‘ (die) Leiter ’ (T AGMANN 1946, 65; FEW 11, 263 ff.). Dazu gehören auch eys eschelers (1331, Varen) und eys eschelir (1405, Varen), die eine kollektive Ableitung, wohl auf / - ARIU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) enthalten. Gemeint sind wohl die Leitern, die von Albinen und Varen nach Leukerbad führen. Escher (FaN) Escher (FaN) ist in den sicheren Fällen als Genitiv Singular Eschersch oder als Plural Escherro vertreten: ts Eschersch Balma ‘ das Gut der Familie Escher bei einem überhängenden Felsen ’ (Zwischbergen; LT und FLNK Escherschbalma), auch belegt bei J ORDAN (2006, 356) als Eschärsch Balma, weiter der Eschersch Bodo ‘ der Boden der Familie Escher ’ (Zeneggen; FLNK und LT Eschers Bode). Eine lateinische Form sub horto ist mit dem dt. Escherro ‘ unter dem Garten der Familie Escher ’ (Baltschieder) vertreten. des Escherbirchwaldes ‘ der Wald der Familie Escher im Bereich Birch (Birkengehölz) ’ (1896, Münster; Genitiv konstruktionsbedingt) vertritt einen endungslosen Genitiv. der Eschibubel ‘ der Hügel der Familie Escher ’ (Eggerberg) und Eschistafol ‘ der Stafel der Familie Escher ’ (FLNK, Törbel) vertreten wohl auch den FaN Escher, nicht einfach das Gehölz mit Eschen. Auch Eschigenmatten ‘ die Wiese der Familie Escher ’ (1651, Eggerberg) vertritt den FaN mit einem früheren Genitiv Plural; die / - IG / -Ableitung vertritt ein Kollektiv. Der FaN Escher, zum Esch, Fraxinodo, de Fraxino ist gut belegt (AWWB 89). Eschery Eschery ist 1292 als de la Eschyeri und 1407 in eys Eschery in Agarn belegt. In Leuk ist der gleiche Beleg von 1407 bezeugt; die Zuordnung ist unklar. Der Beleg von 1292 in Agarn benennt explizit einen Wilhelmus Escheri, dem der Besitz gehört. Die Wappenbücher kennen diesen FaN nicht. Zu vermuten ist, dass der FaN oder der Flurname zum frpr. Echert ‘ gerodetes Land ’ < lat. EXARTUM gehört, wobei wohl ein Suffix auf / - ARIU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) anzunehmen wäre, was mit dem Erstbeleg Eschyeri ‘ die gerodeten Gebiete ’ übereinstimmen würde. Eschi (Esch) Mundereschi ist 1799 in Inden belegt. Wie unter dem HL M UNDERESCHI (F A N) ausgeführt, kann der Flurname auf einen FaN Monderesse (AWWB 171) zurückgeführt werden. Allerdings legt die Schreibung in die M ’ undereschi (1799, Inden) ein ursprüngliches under Eschi ‘ das untere Gebiet mit Eschen / beim Saatfeld ’ nahe, das zum lebenden Unneräschi ‘ das untere kleine Gebiet mit Eschen / beim Saatfeld ’ (FLNK, Inden) passen würde. Die beiden Deutungen entsprechen wohl unterschiedlichen Interpretationen des Flurnamens im 18. Jahrhundert. Escoujieres Escoujires ist nur 1502 in Leuk als en les Escoujires ‘ bei der Gerberei ’ belegt. Der Ort befindet sich laut Dokument unterhalb von Susten. Das Dokument stammt aus einem Kopialbuch und ist deswegen kaum original. Es handelt sich wohl um eine Gerberei (cf. G PSR 6, 682 s. v. escoferia und B OSSARD / C HAVAN (2006, 224 s. v. escofferie)). Belegt ist eine kollektive Ableitung auf / - ARIA / (B OSSARD / C HA- VAN 2006, 288). Esel Esel, wdt. Eschel m. ‘ Esel ’ ist zu schwdt. Esel, Eschel m., Pl. Esel und Esle n , wie nhd. das Haustier ‘ Esel ’ , ahd. esel, ahd. esil, wdt. Eschl, Eschul (Mattertal), Eschel (Saastal), Äschil (Leuker Berge), Eschil ‘ Esel; Schmoller ’ (I D . 1, 514 ff.; G RICHTING 1998, 73) zu stellen. In unserem Gebiet kann auch der Maulesel gemeint sein (R ÜBEL 1950, 80), der als Lasttier gebraucht wurde. Die ausgewogenste Deutung gibt LUNB (1, 1, 252), wonach das Tier selber oder eine übertragene Bedeutung gemeint sein könne. Das Simplex der Eschel ‘ das Gelände, das wie ein Esel aussieht ’ kommt in Glis, Martisberg, Reckingen und Ried-Mörel vor, historisch 1580 als Eschell auch in Lax. üfem Eschu (Fieschertal) hat / l/ -Vokalisierung und eine Präposition. Eschelleÿs 87 88 <?page no="310"?> Die übrigen Belege verbinden das HL als Bestimmungswort mit folgenden Grundwörtern: Acher, Balm, Bast, Biel, Blatt, Bode, Brand, Fääsch, Fall, Furgga, Gassa, Grabu, Mad, Rigg, Schluocht, Seick, Stapf, Tola, Tritt, Tschugge, Wäg und Weid. Die Motivationen sind nicht immer klar: bei t Eschilweid (Zeneggen) geht es zwar sicher um die Weide für die Esel, aber viele andere können entweder eine Ähnlichkeit des Geländes mit einem Esel oder eine nahe bei einer Flur namens Eschel gelegene Flur meinen, oder einfach eine enge Stelle (Eschultritt (Grächen)). Die Auskünfte der Gwpp. sind ernst zu nehmen, treffen aber manchmal kaum zu (z. B. der Eschulbodo (Grächen) als Alpe für Esel auf 1471 m, also tiefer als Grächen selbst (1623 m)). Hier könnte höchstens eine Voralpe in Frage kommen. Espinal Espinal ist nur 1485 in Salgesch im Text a paruo torrente de corbaz espinal belegt. Der Text spricht von einem Bach, der de corbaz espinal heisst. Unklar ist, ob espinal ‘ dornig ’ hier ein Adjektiv zu lat. SP Ī NA ‘ Dorn ’ (FEW 12, 176 ff.) mit dem adjektivbildenden Suffix / - ALE / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 289) ist, oder ob es selbst wieder substantiviert wurde zu ‘ Dorngestrüpp ’ oder ähnlich. Da auch corbaz (cf. HL C ORBE ) unklar ist (G PSR 4, 428 ss. geht vom Adjektiv COURBE aus), stellt sich die Frage, ob der Bach nun ‘ das gekrümmte Dorngestrüpp ’ oder ‘ die dornige Krümmung ’ bedeuten soll. In der Sache gibt es natürlich kaum einen Unterschied, wir gehen darum von einem kleinen gekrümmten Bach im Dorngestrüpp aus. Espion Espion ist nur 1322 als de espions (Guttet) belegt. M. S. weist es auf Grund des Textes totius communitatis de gottet et de espions der früheren Gemeinde Guttet zu, ist aber nicht sicher. Es scheint sich hier um einen Wechsel (vice) zwischen der ganzen Gemeinde Guttet und espions zu handeln. Vermutlich handelt es sich um den Ort, der heute als Spiiu oder Spien bekannt ist und früher als Weiler bewohnt war (cf. HL S PIEN ). Zu stellen ist dann der Name zu *spehôn (anfrk.) spähen (FEW 17, 173 ff.) in einer nominalen Form (bes. S. 174), die etwa ‘ Späh-Ort ’ entspricht. Essert Essert ‘ Rodung ’ wird nach M EYER (1914, 164) und T AG- MANN (1946, 34) und der dort angegebenen Literatur auf lat. EXSARTUM ‘ gerodetes Land ’ zurückgeführt (B OSSARD / C HAVAN 2006, 134). Das Simplex kommt ab dem 13. Jh. in Ergisch als in essertis, später in esserto (1328) und eys essers (1328) vor. In Salgesch ist es 1485 als en essers, 1494 eys essers und 1495 deys essers belegt. Mit assimiliertem Artikel kommt es in Leukerbad 1357 als en lessyert, 1361 en lessert und 1514 dou leseret vor; die schwankenden Schreibungen legen nahe, dass der Name nicht mehr verstanden wurde. Das gilt wohl auch für den Beleg prato de lensser (1651, Leukerbad). In Ergisch gibt es ein zweites essert, das in den Quellen als in esserto de larseler ‘ die Rodung beim Boden mit Ton ’ (13. Jh. und später) erscheint. In Salgesch ist ou clous de lessert (1353), in clevis dou lesyers (1370) belegt, also das eingefriedete Gut bei der Rodung. Ein attributives Adjektiv ist im Beleg in via dou lonc essert ‘ auf dem Weg zur langen Rodung ’ (1298, Leukerbad) zu finden. Etert Etert ist nur einmal 1339 in Agarn als Etert belegt. Der Flurname ist zu Eter(d) ‘ pré, champ gagné sur la forêt ’ zum participe passé masculin zu frpr. èterdre, étèdre (<lat. STERNERE ) ‘ étendre (ausweiten) ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 134) zu stellen. Es handelt sich also um einen frpr. Rodungsnamen. Etria Etria ist der Name einer Alpe oberhalb von Niederwald auf der linken Seite des Rottentales. Lebend belegt ist es als in Etria (Niederwald). Historisch sind in der Alpenn Eterian (1584, Steinhaus) und in Alpe Edrÿa (1808, Blitzingen) belegt. Als Komposita sind der Etriastand ‘ der Stand (höchster Punkt) der Alpe Etria ’ und der Etriawaud ‘ der Wald unterhalb der Alpe Etria ’ (Niederwald, mit / l/ - Vokalisierung) belegt. Die ältesten Belege haben 1584 Eteriang, 1484 Eterianeren, 1658 in Ettrian. Belege vor dem 16. Jahrhundert liegen nicht vor. Die ältesten Belege weisen den Typ Etteria auf, der als fem. Ableitung auf -ja zu schwd. Ätter, Etter ‘ Oheim; Vetter ’ (I D . 1, 586) und wdt. Ettere, Ettärä (Goms), Ettra (Mattertal), Ättru (Leuker Berge), Etro oder Etru ‘ Onkel ’ (G RICHTING 1998, 74) zu stellen ist. Die Deutung ist ‘ das Alpgebiet des Onkels ’ . Ettro Ettro ‘ Oheim ’ ist zu schwdt. Ätter, Etter, Attro, Ettro, Ättere, Ettere ‘ Oheim ’ , wdt. Ettere, Ettärä (Goms), Ettra oder Etterle, Ättru (Leuker Berge), Etru ‘ Onkel ’ (I D . 1, 586; G RICHTING 1998, 74) zu stellen. Das HL ist im Genitiv belegt in in des Ettren Schnitginen ‘ in den kleinen Schnitten des Onkels ’ (1530, Mühlebach). Aus dem Beleg geht nicht hervor, ob Ettro hier ein Rufname oder eine Verwandtschaftsbezeichnung ist. 89 90 Ettro <?page no="311"?> Etz Etz, auch Etzi f. ist zu schwdt. Etzi, Ätzi f. zu stellen, das laut I D . eine ‘ Weide, besonders als Massbezeichnung ein Stück Weide, das in einem Tag abgeätzt werden kann ’ (I D . 1, 629) bezeichnet. In den Bezirken Mörel und Goms wird diese vom Vieh für eine Verpflegung benötigte Weidefläche nicht Ätze sondern Weide f. genannt. Die Nahrungszufuhr erfolgte in drei Zehrungen in Morgen-, Tag- und Abendweid bzw. in Morgen-, Abend- und Nachtätze. Zwischen dem Morgen- und Abendmelken nahm das Vieh die erste, teilweise aus frischem, unberührtem Gras bestehende, und die zweite Mahlzeit auf einem abgeätzten Gebiet ein. Die letzte Mahlzeit wurde gegen sieben Uhr auf einem noch nicht betretenen Land der Abendweide bzw. der Nachtätze geboten (R ÜBEL 1950, 84). In den Namen wird Etz / Etzi als ‘ Viehfutter ’ ohne Rücksicht auf die Massbezeichnung gedeutet. Das Simplex im Singular ist als am Ezÿ ‘ am Etzi (kleines Gebiet mit Viehfutter) ’ nur in Gampel 1794 belegt; die Konstruktion mit einem n./ m. legt einen Diminutiv nahe. Einen Plural findet man in t Ezine ‘ die Weiden mit Viehfutter ’ (Randa). Als Grundwort ist das HL in die Voretzÿ ‘ das vor der Etzi (Weide mit Viehfutter) gelegene Gebiet ’ (1726, Mund) und t Mässeetzi ‘ die Weide mit Viehfutter, wo der Milchertrag gemessen wurde ’ (Ergisch) belegt. Sonst erscheint das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita vor allem in den Typen Etzweid ‘ die Weide mit Viehfutter ’ (FLNK, Fieschertal, Goppisberg, Niederwald, FLNK Oberwald), in Oberwald auch t Ober und t Unner Etzweid ‘ die obere und die untere Weide mit Viehfutter ’ , und historisch als Etzweidt (1500, Fiesch) und Etzweid (1745, Visperterminen), das alternativ Ouvandium ‘ Üewand, Magerwiese ’ genannt wird, und ts Etzmad (Grengiols), das Etzmatt (1529 u. später, Binn), im Etzmatt (1529, Lax). Der Typ Etzweid zeigt, dass im Goms neben Weid auch Etzweid gebraucht wird (anders R ÜBEL 1950, 84). Nur einmal belegt ist t Etzegerten ‘ das Brachland mit Viehfutter ’ (1868, Birgisch). Lebend in Eisten belegt ist Etzibärg ‘ das bergwärts gelegene Gebiet mit Viehfutter ’ (FLNK, Eisten; LT Eziberg) mit dem zweimal im gleichen Dokument belegten Etziberg (1833, Eisten; 1833, Grächen). Komplexer sind ts Geistricheletzmad ‘ die Mähwiese mit Viehfutter, die so gross ist wie eine Ziegenglocke ’ und Schlänggeetzmad ‘ der schmale Streifen von Etzmad ‘ Mähwiese mit Viehfutter ’’ (beide in Grengiols für die gleiche Flur), sowie t Wanneetzmeder ‘ die Mähwiesen mit Viehfutter bei den Wannen (Mulden) ’ (Binn). Schwierig zu deuten ist di Banetzflüe ‘ die Fluh des Banet / die Fluh im Gebiet Bann-Etz (Etzweide im Banngebiet? ) ’ (Randa), wo aber kein Bann-Gebiet belegt ist. Der PN oder FaN Banet ist im Übrigen sonst nicht bezeugt; es kommt nur hier vor, sodass auf eine Lemmatisierung verzichtet wird. Etzel Etzel ist nur einmal im historischen Beleg in der kurtzen Etzelschl ů cht (1582, Münster) vertreten. SZNB (2, 146) diskutiert den Namen Etzel (Einsiedeln) ausführlich; die Deutung als Ableitung zu mhd. etze ‘ Weideplatz ’ (auch schwdt. Etzi (I D . 1, 629)) scheint auch in unserem Fall sinnvoll zu sein: ‘ in der kurzen Geländeeinbuchtung beim Weideplatz ’ . Eugen (PN) Geeni n. ist eine Kurzform des PN Eugen (I D . 2, 327). Das HL kommt nur einmal in di Geenipletschu ‘ die Pletschu (Ebene) des Eugen (Meichtry) ’ (Feschel) vor. Die Angabe des PN stammt von der Gwp. Europa Europa ist als Bestimmungswort belegt in Europaweg (Randa, St. Niklaus, Täsch, Zermatt), resp. Europawäg (FLNK) und Europahütte (Randa), resp. Europahitta (FLNK, Randa); die hdt. Belege stammen aus der LT. Der Weg wurde 1997 eröffnet, die Hütte zwischen 1998 und 1999 auf 2220 m gebaut. Mit Europa wird auf den Namen des Kontinents Bezug genommen, kaum auf die mythische Europa oder gar die Europäische Union. Euuistine Euuistine ist eine unsichere Lesung von 1252 apud asquere czumeuuistine czungun vna vinea (Stalden) (Lesung von P H . K ALBERMATTER , p. c.). Der Name bezieht sich nach dem Text auf einen Acker (asquere), der zum euuistine czungun heisst; dort befindet sich ein Weinberg. Zu vermuten ist, dass in euuistine ein Adjektiv vorliegt, doch ist unklar, ob das anlautende / e/ zum Adjektiv gehört oder nicht. Czungun ist ein Nomen im Akkusativ, vermutlich eine Fehl-Schreibung für Tschugge. Das Adjektiv kann nicht gedeutet werden. Ewen (PN) Ewen (PN) kommt nur in beÿ des Ewen Gaden (1795, Obergesteln) vor. Die Konstruktion legt einen Besitzer- oder Benutzernamen im Genitiv nahe. Es handelt sich um einen sonst unbelegten Kurznamen. Ewig Ewig Adj. ist zu schwdt. ē wig wie nhd. ‘ ohne Ende, immer oder wenigstens sehr lange dauernd ’ auch ‘ immer, d. h. oft wiederkehrend ’ und wdt. eewig ‘ ewig, andauernd ’ (I D . 1, 609 ff.; G RICHTING 1998, 63) zu stellen. Etz 91 92 <?page no="312"?> Belegt ist es in das Ewig Güldt ‘ die ewige Abgabe ’ (1728, Zeneggen), t Eewigu Reina ‘ die ewigen (wohl: sich lange hinziehende) Raine ’ (Wiler) und ts Ewigschneefäud ‘ das Feld mit dem ewigen Schnee ’ (Fieschertal; LT und FLNK, Ewigschneefäld; SK Ewig Schnee Feld), ein Gletscher östlich des Trugberg. Die drei Bedeutungen von ewig sind sehr unterschiedlich, entsprechen aber auch dem Hochdeutschen. Eyer (FaN) Eyer(FaN) ist ein FaN, der auch als Eier, Oeyer, In der Oye, Oyer, Hoyer (AWWB 90) erscheint. Es handelt sich um eine Ableitung von Eie ‘ Aue ’ (cf. HL E IE ). Das Simplex erscheint in der Eier ‘ das Gut der Familie Eyer ’ (Eyholz). Ein Genitiv liegt in Thomen Eyers Hauss ‘ das Haus des Thomas Eyer ’ (1635, Naters) vor. Vermutlich liegt auch in Eiro Matto ‘ die Wiese der Eyer ’ (1200, Ried-Mörel) ein Genitiv Plural vor. Das gilt auch für der Hoyerro ‘ die (Wiese) der Eyer ’ (1301, Niedergesteln) und Eieru Achra ‘ die Äcker der Familie Eyer ’ (Naters). Zusammensetzungen mit Eier als Bestimmungswort treten mit den Grundwörtern Acher, Balma, Blatta und Biz auf. Eine hochdeutsche Form ist wohl die Au ᵕ ermatten ‘ die Wiese in der Aue / der Familie Eyer ’ (1608, Ulrichen). Eyholzer (FaN) Der FaN Eyholzer kommt lebend nur einmal vor in ts Eyholtzersch Ried ‘ das Ried der Familie Eyholzer ’ (Betten). Vermutlich auch hieher gehört das 1307 belegte der Eikholzerro Acker ‘ der Acker der Familie Eyholzer / der Leute vom Eyholz ’ (Zeneggen). Eyholzer ist ein FaN in Betten, der wohl aus Visp stammt (AWWB 90). Eymons (FaN) Eymons ist nur 1404 in Albinen in Zenglo Eymons ‘ das Felsband der Aymon ’ belegt. Es handelt sich um einen FaN Aymon, Eymon, Aimon, Aimonis, Aymonis (AWWB 18). Der FaN ist auch als PN weit verbreitet und wird auf dt. Heimen (AWWB 122 f.) genannt; er ist auch im Oberwallis vertreten, cf. HL H EIME (PN). Eynluzingen Eynluzingen ist wohl ein Genitiv Plural einer kollektiven Ableitung auf / - ING / zu einem sonst nicht belegten PN Eynluz. Es liegt nur ein Beleg vor: Zen Eynluzingenhus ‘ beim Haus der Leute des Eynluz ’ (1303, Törel). Das Alter des Beleges macht einen eigentlichen FaN unwahrscheinlich. Eyreles Eyreles ist ein HL, das nur in Varen erscheint, aber in sehr unterschiedlichen Formen. 1473 eys les, 1509 les eyreles, 1585 eys lies, 1652 eÿs eÿschelet. Die beiden Belege von 1473 und 1585 legen einen Flurnamen eys Les / eys Lies ‘ bei der Felswand ’ nahe, der von B OSSARD / C HAVAN (2006, 249) zu Lex, Lay usw. gestellt wird und im Gebirge ein Felswand oder eine Steinplatte meint. Sie führen es - wohl mit FEW (5, 132 *lake (gall.) steinplatte) - auf kelt. *lake ‘ Steinplatte ’ zurück, während J ACCARD (1906, 231) und M EYER (1914, 166) es auf dt. Lei ‘ Fels ’ gründen wollen. Die keltische Herkunft dürfte sicherer sein. Die anderen Belege eyreles und eÿs eÿschelet scheinen den Artikel eys in den Namen Lex integriert zu haben, wobei das / r/ in eyreles unerklärt bleibt. Es kann sich aber auch um ein verschriebenes oder verlesenes Wort handeln. Eysson Eysson ist nur belegt in eys champeysson (1494, Salgesch) wobei die Lesung unsicher ist. Vermutlich liegt ein Kompositum aus champ (aus lat. CAMPUS ) + eysson vor, dessen zweiter Teil aber unklar ist, was durch die unsichere Lesung verstärkt wird. Eyster (FaN) Eyster (FaN), auch Eister, ist ein Walliser Familienname (AAWB 86) aus Eisten im Gantertal, der zum Ortsnamen Eischt (cf. HL E ISCHT ) zu stellen ist. Der FaN breitete sich in Brig und der Pfarrei Mörel aus. Belegt ist er in Greich (gehörte zur Pfarrei Mörel) als ts Eischtersch Birch ‘ das Birkengehölz der Familie Eyster ’ (Greich) und jn Eÿsters Kúmmen ‘ die Chumma (Mulde) der Familie Eyster ’ (1667, Greich). in Eÿstersacher ‘ im Acker der Familie Eyster ’ (1667, Baltschieder) ist wohl auch hieher zu stellen. 93 94 Eyster (FaN) <?page no="313"?> F (siehe auch V) Fa ts Fa n. ist der Name einer Alpe, die heute von einem Stausee (Fahsee) bedeckt ist. Hinzu gesellen sich der Fabiel ‘ der Hügel im Gebiet Fa ’ und t Faweng ‘ die Grasabhänge im Gebiet Fa ’ (beide Zwischbergen). Der einzige historische Beleg zu Fa gibt die Schreibung jn Fan (1461, Zwischbergen). J ORDAN (2006, 370) fügt Fágrabu ‘ der Graben bei Fa ’ hinzu und deutet den Namen vorsichtig aus ital. fango ‘ Schlamm ’ , was nach dem AIS (4, 849, Karte fango) kaum stimmen kann, da in den angrenzenden alpinlombardischen Dialekten der Typ palta verwendet wird. J ORDAN gibt neben den Belegen Fa und Fah auch Wann und All ’ Vaz nach Pfarrer J OLLER . Auffallend ist das Genus Neutrum. Es dient normalerweise zum Ausdruck eines Kollektivs. In Frage käme rein lautlich der alpinlombardische Name Fo für die Buche (ital. faggio) (AIS (3, 578), doch ist die Höhe von rund 1760 m zu hoch für Buchen. Wird der Name zum schwdt. Fang ‘ Einfriedung, eingehegtes Stück Land ’ gestellt (I D . 1, 855) stellt sich die Frage des Genus ebenso wie die nicht belegte Endung / -ng/ (cf. HL F ANG ). Eine sichere Deutung kann deswegen nicht gegeben werden. Fäändli Fäändli ist belegt in t Fäändlimatte ‘ die Wiese mit der kleinen Fahne (unklar, ob Pflanzenname) ’ (Geschinen, auch FLNK), t Fendlingruäba ‘ die Grube , wo die kleinen Fahnen versteckt wurden ’ (Ferden) und dr Fendlischleif ‘ der Schleif mit dem Fendli (Fähnlein ’ (Blatten). Zu allen drei Belegen gibt es Deutungen der Gwpp. In Geschinen vermutet die Gwp. einen Pflanzennamen, was zu I D . (1, 828 f., s. v. Fane n ) passt, wo unter 6. von einem Pflanzennamen die Rede ist; allerdings bleibt die Pflanze unbenannt. In Ferden ist die Rede davon, dass die Fähnlein während der Franzosenzeit in einer Grube auf dem Weg zur Faldumalp versteckt wurden. In Blatten geht es darum, dass im Schleif eine alte Lärche ein Fähnchen enthielt. Das HL ist in I D . (1, 828 f.) und wdt. Faane (w), Faanä (Goms), Faana (w., Mattertal), Faan (m., Lötschtal), Faanu ‘ Fahne ’ (G RICHTING 1998, 75) belegt; der Diminutiv erscheint dort als Fendli oder Fännli. Faar Faar ist als Simplex nur in der Faaru ‘ der Farn ’ und t Faarini ‘ die kleinen Farne ’ (beide Gampel) belegt. Die erste Form ist 1361 als in den Varne belegt. Es handelt sich darum wohl um eine dialektale Form zu Farn ‘ Farnkraut ’ (I D . 1, 1017 f.) mit der Entwicklung von / rn/ > / ru/ (vgl. fääru zu fäärn ‘ letztes Jahr ’ ). Bei G RICHTING (1998) ist das HL nicht belegt, auch nicht beim HL F ARN . Heute ist das Gebiet überbuscht, sodass sich keine klare Aussage machen lässt. Weitere Belege zu Farn finden sich unter dem HL F ARN . Fäärbi Fäärbi f. ist zu schwdt. Färbi, Färwi f. ‘ Färberei ’ und wdt. Fäärbi f. ‘ Färberei ’ (I D . 1, 991; G RICHTING 1998, 75) zu stellen. Es ist als t Fäärbi ‘ die Färberei, Dorfteil von Susten (rechtes Rottenufer) ’ (Leuk; FLNK und LT Färbi) und historisch als bÿ der Ferwÿ ‘ bei der Färberei ’ (1755 u. später, Glis) belegt. Vgl. zu Färbereien W. B ELLWALD (2011, 85, 88). Fääre Fääre n. ist nur einmal belegt als ts Fääre ‘ das abgelegene Grundstück ’ (Grengiols). Gwp. denkt an <fääre> ‘ vergangenes Jahr ’ , das G RICHTING (1998, 75) nachweist. Diese zeitliche Bestimmung ist kaum zutreffend. Eher kommt schwdt. fer(r), Adj. und Adv. ‘ fern, weit, ursprünglich rein räumlich ’ , ahd. vër, mhd. vërre ‘ fern, weit ’ in Frage. In FlN bedeutet es im übertragenen Sinn ‘ das abgelegene Grundstück ’ (I D . 1, 912 f.; BENB 1, 1, 128). Fäärli Fäärli n. ist nur in der Fäärlichrachu ‘ der Chrache (steiler Abhang) für die Schweine / wo man erbrechen muss (? ) ’ (Gampel) belegt. Am nächstliegenden ist das Bestimmungswort Fäärli zu schwdt. Fërli n n., mit den Nebenformen Fërkelti, Färtschi u. ä., mhd. verlin ‘ junges Schwein, Ferkel ’ (I D . 1, 921; R ÜBEL 1950, 13, 111 ff.) zu stellen. Auch G RICHTING (1998, 75) kennt das HL als ‘ Schwein, Ferkel ’ . R ÜBEL zeigt, dass u. a. in Gampel Fäärli als Bezeichnung für das Schwein generell ist. I D . erwähnt, dass Fäärli im Wallis aber auch für das Erbrochene verwendet wird; G RICHTING (1998, 75) kennt diese Bedeutung jedoch nicht. Die genaue Deutung bleibt unklar; der Kontext Chrachu ‘ Felstobel, Schlucht, Abgrund ’ (G RICHTING 1998, 53) hilft hier nicht weiter. Fäärschtun (PN) Fäärschtun (PN) ist in der Fäärschtunacher ‘ der Acker des Ferst (unklar) ’ (Staldenried, auch FLNK und LT) belegt. Die historischen Belege haben 1555 am Ferstenacher Fa 95 96 <?page no="314"?> (/ Feistenacher? ? ) [die zweite Lesung ist sehr unsicher, da auf dem Zeichen für / r/ kein Hinweis auf dem Zeichen für / i/ steht], 1700 im Fersten Acher, 1716 am Fersten Acher, 1785 im Ferschen Acher, 1806 im Ferschen Acher, 1820 im Fersten Acher, 1836 Wertschen Acher, 1839 im Ferschenacher, 1851 im Ferschen Acker. Das Bestimmungswort ist also wohl ein schwacher Genitiv Singular zu einem PN Fersta oder Ferst, der im Wallis jedoch nicht bekannt ist. Weiter ist belegt Färschtunachergrabu ‘ der Graben, der zum Fäärschtunacher hinunterführt ’ (FLNK, Staldenried). Faarw Faarw f. ‘ Farbe ’ ist nur als Bestimmungswort in ts Faarwasser (Zwischbergen) belegt. Es handelt sich um einen kleinen Bach, der als Wasserfall über die Felsen fällt und in die Doveria mündet. Das HL F AARW ‘ Farbe ’ ist im I D . (1, 987 s. v. Farb) und bei G RICHTING (1998, 76) als Farb, Fäärw (Lötschtal), Faarb ‘ Farbe ’ belegt. Gemeint ist hier nach der Beschreibung die Färbung bei Sonnenschein als Regenbogen. Fääsch Fääsch ist zu schwdt. Fääsch, Feesch m. (im Oberwallis auch f. und n.) als Toponym ‘ Grasband, Streifen im Gefels ’ , rom. Lehnwort aus lat. FASCIA ‘ Band, Binde ’ , ahd. fasca, mhd. fasch(e) und wdt. Fääscha, Fääschä (Goms), Feescha (Mattertal), Feeschu f. ‘ Wickelband ’ (Z INSLI 1984, 564; I D . 1, 1140 f.: G RICHTING 1998, 75) zu stellen; letzterer kennt nur die feminine Form. Der Name ist nur im Wallis als Appellativ für ein grösseres Grasband bekannt, das sich zwischen Felsen hinzieht (Z IMMERMANN 1968, 32; Z INSLI 1946, 146). Die toponomastische Bedeutung ‘ Landstreifen ’ ist in frz. und oberit. Dialekten verbreitet (REW 3214; Z INSLI 1984, 564; G PSR 7, 178 f.). Das HL kommt in rund 60 Flurnamen vor. Das Simplex im Singular ist belegt als t Fääsch ‘ das Grasband ’ (Fieschertal), ts Fääsch ‘ das Grasband ’ (Baltschieder, Mund), das Fäsch ‘ das Grasband ’ (1636, Naters), Fäsch ‘ das Grasband ’ (FLNK, Mörel; Genus unklar), ts Feesch ‘ das Grasband ’ (Eisten, Ferden). Das Simplex im Plural kommt als t Fääsche ‘ die Grasbänder ’ (Ulrichen), in den Fäschen ‘ in den Grasbändern ’ (1839, Staldenried), t Feschä ‘ die Grasbänder ’ (Ferden, FLNK Feeschä), in den Feschen ‘ in den Grasbändern ’ (1702, Eggerberg; EK Fääsch) vor. Diminutive erscheinen im Plural als t Feschine ‘ die kleinen Grasbänder ’ (Zermatt; aber FLNK Feesch) und in den Feschlinen ‘ in den kleinen Grasbändern ’ (1808, Naters). Mit attributiven Adjektiven sind belegt: t Glate Fääsch ‘ die glatten Grasbänder ’ (Bellwald), z Lengen Vesch ‘ beim langen Grasband ’ (1563 u. später, Eggerberg), inne Lengu Fääschu ‘ in den langen Grasbändern ’ (Glis), dr Mittluscht, dr Obruscht und dr Under Feesch ‘ das mittlere, das oberste und das untere Grasband ’ (Ferden), der Schee Feesch ‘ das schöne Grasband ’ (Ergisch), das Vnder Vesch ‘ das untere Grasband ’ (1466, Mund). Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita zunächst mit Tiernamen verbunden: ts Bärufeesch ‘ das Grasband, wo es Bären hatte ’ (Raron), ts Bockfääsch ‘ das Grasband, das wie ein Bock aussieht / wo Böcke weiden ’ (Birgisch), die Kalberfäsch ‘ die Grasbänder für die Kälber ’ (1651, Mund), die Kalberfeschen ‘ die Grasbänder für die Kälber ’ (1651, Birgisch), im Eselfesch ‘ im Grasband, das einem Esel gleicht / für die Esel ’ (1540, Naters), das Gitzefäsch ‘ das Grasband für die kleinen Ziegen ’ (1668, Bellwald), ts Gitzifääsch ‘ das Grasband für die kleinen Ziegen ’ (Goppisberg), ts Hasifääsch ‘ das Grasband, wo es Hasen hat ’ (Eggerberg), ts Hasufääsch ‘ das Grasband, wo es Hasen hat ’ , ts Tierfääsch ‘ das Grasband, wo es Gemsen hat ’ (Mund). In einigen Fällen sind Pflanzen erwähnt: Arbifääsch ‘ das Grasband mit Arven ’ (FLNK, Mund), Grifilfääsch ‘ das Grasband mit Preiselbeeren ’ (FLNK, Baltschieder) mit ts Inner und ts Üsser Griifelfäsch ‘ der innere und der äussere Teil des Grasbandes mit Preiselbeeren ’ (Baltschieder), der Heiminufääsch ‘ das Grasband mit Gutem Heinrich (Chenopodium bonus-henricus) ’ (Glis), ts Hewwfäsch ‘ das Grasband, wo Heu gewonnen wurde ’ (Naters), Dischterfeesch ‘ das Grasband bei der Dischtera (Gebiet mit Disteln) ’ (FLNK, Ausserberg) mit im Vndren Tisterfesch ‘ im unteren Grasband bei der Distera (Gebiet mit Disteln) ’ (1703, Ausserberg), auf dem Tisterfoesch ‘ auf dem Grasband mit vielen Disteln ’ (1765, Raron). Die übrigen Komposita beziehen sich auf das Gelände oder eine nahegelegene Flur: ts (e)Radfääsch ‘ das Grasband oberhalb des Rad (Geländeform) ’ (Brigerbad), t Alpufeescha ‘ die Grasbänder auf der Alpe ’ (Ferden), ts Balufäsch ‘ das Grasband im Gebiet des überhängenden Felsen ’ (Lalden), Bochtefääsch ‘ das Grasband im Gebiet Bochte (Bottich) ’ (Ulrichen), t Chrizjifääscher ‘ die Grasbänder beim kleinen Kreuz (auf dem Grat) ’ (Birgisch), ts Eifääsch ‘ das Grasband in / bei der Aue ’ (Eggerberg), t Sattulfääscher ‘ die Grasbänder beim Sattelhorn ’ (Naters), t Schtielfääscher ‘ die Grasbänder, die wie Stühle aussehen ’ (Naters), di Talfääscher ‘ die Grasbänder im Tal ’ (Naters). Zwei Namen beziehen sich auf die Farbe der Bänder: t Goudfääsch ‘ die goldenen Felsbänder (laut Gwp. rötliche Felsen) ’ (Bellwald) und ts Tiifolfääsch ‘ die Teufelsbänder (schwarzer Fels) ’ (Mund). Unklar ist ts Aabufääsch ‘ das Grasband im Westen (nur von Bettmeralp aus gesehen) / das abends bestossen wurde (? ) ’ (Naters). R ÜBEL (1950, 84) kennt zwar die Abendweide für das Vieh; es ist aber unklar, ob das hier gemeint ist. 97 98 Fääsch <?page no="315"?> Komplexer sind t Obru und t Undru Bodfeeschä ‘ die oberen und die unteren Grasbänder beim Boden ’ (Gampel), andere wurden oben erwähnt. Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Pletscha, Hooru, Tschugge, und Wald. Eine Ableitung (aqueductum) Fescheru ᵕ ‘ die Wasserleitung vom / zum Grasband ’ (1801, Unterems) gehört zu den Ableitungen auf / - ERA / für Wasserleitungen. Faber Faber ist nur belegt in roten Faber Stein (1663, Erschmatt). Der Name ist eine Übersetzung des lat. lapidem rubrum ‘ den roten Stein ’ . Der Einschub von Faber ist unklar. Lat. FABER ist dt. ‘ Schmied ’ ; man könnte sich eine Teilübersetzung von Schmitte n stei n (I D . 11, 891) ‘ Eisenschlacke ’ vorstellen, also ein Stein, der rot ist wie Eisenschlacke? Faber ist weiter im DRW (3, 341) für ‘ Schinder, Abdecker ’ belegt; das ergibt aber kaum einen Sinn (und das Wort ist nicht für unser Gebiet bezeugt). Eine Falsch-Schreibung für Farbe ist nicht ausgeschlossen und würde etwa ‘ der Stein mit roter Farbe ’ bedeuten; ein solcher Eingriff in das Geschriebene ist aber kaum möglich. Faborum Faborum ist historisch belegt in juxta campum faborum (1526, Varen). Es ist unklar, ob hier ein Appellativ oder ein Name übersetzt wird. Faborum ist Genitiv Plural m. zu lat. FABA , Nebenform FABUS m. ‘ Bohne ’ ; der lateinische Ausdruck meint also ein Bohnenfeld (G PSR 7, 380 ff.). Fabrik Fabrik ‘ Herstellungsgebäude ’ ist zu nhd. Fabrik f., entlehnt aus frz. fabrique ‘ Herstellungsgebäude ’ , dies aus lat. OFFICINA FABRICA ‘ Werkstatt ’ (I D . 1, 636; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 270) zu stellen. Fábrik (Glis) meint die Dynamitfabrik am Eingang zum Nanztal; die Fábrikstrass führt aus Glis hieher. Fabrik (Gampel) bezieht sich auf die Fabrik der Lonza AG (1999 aufgegeben). di Gipsfabrikch (Leuk) ist das Gebäude einer früheren Fabrik im Pfynwald, die Gips herstellte. Ganz anders zu beurteilen ist der historische Beleg casale cui dicitur fabrica (1392, Visperterminen) ‘ ein Gebäude, das fabrica genannt wird ’ , wo vermutlich eine Schmiede gemeint ist (Ableitung von faber ‘ Schmied ’ ) (FEW 3, 342 s. v. fabrica werkstatt; schmiede). Fach Fach n. ‘ das eingehegte Stück Land ’ ist zu schwdt. Fach(t) n., zum Teil F ā ch, Pl. Fach(t), seltener Fächer, ‘ Einhegung, markierter Teil eines Grundstückes von Kulturland, eines Weinberges, Gemüsegartens ’ ein Fach Reben ist ‘ ein zusammenhangendes, abgegrenztes Besitztum ohne Beziehung auf die Grösse ’ , mhd. vach n., die Grundbedeutung ist ‘ Umfassung, Abteilung ’ (I D . 1, 637 ff.; E GLI 1982, 71 und 353) zu stellen. Es gehört zum Verb f ā hen ‘ fangen ’ (I D . 2, 715 f.; cf. HL F ANG ). Das Simplex ist lebend als ts Fach ‘ das eingehegte Stück Land ’ (Simplon), historisch als im Fach ‘ im eingehegten Stück Land ’ (1848, Eisten, Staldenried) belegt. Komplexer ist die Situation in Stalden, wo 1671 das Vndrest Fach ‘ das unterste eingehegte Stück Reben ’ meint, 1671 in den Fachinen ‘ in den kleinen eingehegten Stücken Land ’ eine Wiese und 1767 im Fach ‘ im eingehegten Stück Land ’ eine andere Wiese. Vermutlich sind hier drei verschiedene Flurnamen vorhanden. Der Singular das Diminutivs erscheint als ts Fachji ‘ das kleine eingehegte Stück Reben ’ (Raron), im Plural sind belegt t Fachjini ‘ die kleinen eingehegten Stücke Land ’ (Binn, Eisten), wobei in Eisten ein Stück Land zwischen zwei Wasserleitungen gemeint sei (Gwp.). Attributive Adjektive sind belegt in im Langen Fach ‘ im langen eingehegten Stück Land ’ (1832, Eisten), im Schmalen Fach ‘ im schmalen eingehegten Stück Land ’ (1774, Staldenried), im u ᵕ ntern Fach ‘ im unteren eingehegten Stück Land ’ (1828, Staldenried). Vorangestellte Genitive erscheinen in: ts Fennersch Fach ‘ das eingehegte Stück Weinberg des Fenners (laut Gwp. ‘ Fenner ’ als Funktion) ’ (Staldenried), Niggenhansch Fach ‘ der Rebenbesitz (Fach) des Hans Niggen (Nikolaus) ’ (1825 u. später, Staldenried). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL belegt in im Brinetfach ‘ im eingehegten Stück Land der Familie Brinet (? ) ’ (1832, Staldenried), di Büobufachjini ‘ die kleinen abgetrennten Teile des Weinbergs für die Buben(? ) ’ (Visperterminen), das Lenn Fach ‘ das abgegrenzte Stück (Reben), das als Lehen vergeben wurde ’ (1570, Visperterminen), ts Roossfach ‘ das umzäunte Grundstück, wo Flachs und Hanf geröstet wurden ’ (Goppisberg), Zeschfach ‘ das eingehegte Stück Land beim Saatfeld ’ (1570, Goppisberg), wohl mit agglutiniertem Artikel. Fächt Fächt m. ist zweimal als der Fächt (Simplon, auch LT) belegt. J ORDAN (2006, 94, 192) kennt die beiden. Historisch ist 1624 in Ried-Brig Wider Fächt als Name eines Besitztums in ts Bru (Teil der Mäderalp? ) benannt. Vermutlich handelt es sich um eine Abstraktbildung zum Verbum fëchten ‘ sich ängstlich bemühen, eifrig arbeiten; sich beeilen Etwas fertig zu bringen; sich lebhaft bewegen; streiten, zanken ’ (I D . 1, 663 ff.). Zu Wider Fächt ist das Verbum widerfëchten ‘ Widerstand, Gegenwehr leisten; angreifen, bestreiten ’ (I D . 1, 667) zu stellen. Das bei Faber 99 100 <?page no="316"?> R ÜBEL (1950, 101 f.), I D . (15, 597 ff.) und als Wider, Widr, Widär (Goms), Widri oder Widär (G RICHTING 1998, 238) belegte Wider ‘ Widder, Schafbock ’ ist wohl nicht einschlägig. Das I D . (1, 661) kennt Fächt ‘ gesetzliches Mass ’ , das kaum hieher gehört. In allen Fällen ist wohl ein Ort gemeint, den man mühsam erreicht. Dadurch würde auch das Genus maskulin erklärt. Anders sieht es BENB (1, 1, 122). Es verweist auf PN Fecht, der allerdings in Saanen (so BENB) nicht belegt sei, sowie auf Fächt f. ‘ einer Person rechtmässig zukommender Anteil ’ (Erbe) (I D . 1, 661) oder Fecke ‘ Fittig, Flügel ’ (I D . 1, 728 ff.). Alle drei sind für Simplon problematisch, wie die Beschreibungen von J ORDAN und die Karten zeigen. Fächtleren wird weiter von S ONDEREGGER (1958, 53) zum FaN Fächter gestellt, der im Oberwallis nicht belegt ist. Fad Fad m. ist zu schwdt. Fad, Fatt, F ā t, F ē d, Pf ă d m./ n., Pl. Fäder, Pfäder, Fed, F ā d (I D . 1, 670; G RICHTING (1998) kennt es nicht) zu stellen. Das Wort gehört zum typisch alpinen Namengut und bezeichnet einen engen steilen Felsdurchgang oder auch einen schwer zugänglichen Weideplatz in den Felswänden. Es ist umstritten, ob es sich bei Fad um eine Eigenprägung der Bergmundarten handelt oder ob das Wort von ‘ Pfad ’ , mit Auflösung des Verschlusslautes am Anfang, abgeleitet ist. Siehe dazu auch Färrich, ahd. pfarrih, pferrih ‘ Pferch ’ (Z INSLI 1963, 318 ff; I D . 1, 670 f.; BENB 1, 1, 106) und cf. HL P FAD . Das HL ist in mehr als 250 Flurnamen belegt. Als Simplex im Singular ist das HL als Fad (7 Gemeinden), Fat (3 Gemeinden), Fatt (2 Gemeinden) vertreten, im Plural als Fed (Täsch), Fedd (Saas-Almagell), Veden (1304, Saas-Fee), Fet (Zwischbergen), Fett (3 Gemeinden), Fäd (LT, Zermatt). Der Diminutiv erscheint im Plural als Fedjini (2 Gemeinden) und Fettiltini (Visperterminen). Mit einem attributiven Adjektiv oder einem Partizip sind belegt: t Afftru Fet ‘ die hinteren Felsbänder ’ (Saas- Almagell), der Grie Fad ‘ das grüne Grasband ’ (Eisten), des Grünen Fad ‘ das grüne Felsband ’ (1833, Grächen, Genitiv konstrutionsbedingt), t Hangundu Fet ‘ die hängenden (steilen) Grasbänder ’ (Saas-Balen), der Hibsch Fat ‘ das hübsche (schöne) Grasband ’ (Saas-Almagell), t Hibschu Fet ‘ die hübschen (schönen) Grasbänder ’ (St. Niklaus), der Hofad ‘ das hohe Felsband ’ (Randa und drei weitere Gemeinden), auch der Hofat (Simplon und Naters), der Holzig Fad ‘ das Felsenband mit Holz (Wald) ’ (Täsch und 2 weitere Gemeinden), der Ibjufad ‘ das üble (schlechte) Felsband ’ (Randa), t Inn(d)ru Fed ‘ die inneren Felsbänder ’ (Zermatt), der Kleÿnen Veden ‘ die kleinen Felsbänder ’ (Täsch, Genitiv konstruktionsbedingt), t Chleinu Fet (Saas-Almagell), t Kurzu Fedjini ‘ die kleinen kurzen Grasbänder ’ (Saas-Almagell), der Leng Fad ‘ das lange Felsband ’ (Randa, Saas-Almagell), auch der Läng Fad (St. Niklaus), t Mittlu Fed ‘ die mittleren Feslbänder ’ (Randa; FLNK Mittleru Fed), t Obru Fet ‘ die oberen Felsbänder ’ (Zwischbergen), der Breit Fad ‘ das breite Felsband ’ (Randa und zwei weitere Gemeinden), ‘ das schmale Felsband ’ der Schmal Fad (Eisten, Randa), t Schmalu Fed ‘ die schmalen Grasbänder ’ (Zermatt), der Spitz Fad ‘ der spitze Felsdurchgang ’ (St. Niklaus), der Steinig Fad ‘ das Felsband mit Steinen ’ (Täsch), t Steinigu Fed ‘ die Felsbänder mit Steinen ’ (St. Niklaus, auch FLNK), der Dirrgänd Fat ‘ der durchgehende Felspfad ’ (Simplon), di Diru Fet ‘ die dürren (trockenen) Felsbänder ’ (St. Niklaus), der Verbrunnu Fad ‘ das verbrannte Felsband ’ (Randa), dr Wit Fad ‘ der weite Felsdurchgang ’ (Glis) und t Üssru Fed ‘ die äusseren Felsbänder ’ (Zermatt). Die Farbe Gelb ist in der Älu Fad ‘ das fahlgelbe Felsband ’ (Randa, St. Niklaus) belegt. Komplexere Formen finden sich vor allem mit den Typen Ober und Unner, z. B. in der Ober Breit Fad ‘ das obere breite Felsband ’ (Saas-Almagell) und der Unner Rinnerfad ‘ das untere Felsband für die Rinder ’ (Täsch). Vorangestellte Genitive sind selten. Sie beziehen sich entweder auf die Umgebung oder einen Besitzer / Nutzer: Hebrigschfad ‘ das Felsband bei der Herberge (Weiler Herbrigg) ’ (St. Niklaus; FLNK Herbriggschfad) (M. S. schreibt Hebrigschfad, meint aber nicht eine hohe Brücke, sondern den Weiler Herbrigg), ts Hoipmasch Fat ‘ das Felsband des Hauptmanns / der Familie Hauptmann ’ (Simplon) (J ORDAN 2006, 272 berichtet, hier sei einst ein Geist als Hauptmann in Uniform und mit Degen herumgeganen), ts Korjobsch Fet ‘ die Grasbänder der Familie mit dem Beinamen Korjob ’ (Saas-Almagell), wobei Gwp. die Information gibt, eine Familie habe <ts koriersch> geheissen, was direkt nicht mit Korjob übereinstimmt, t Magunärufet ‘ die Felsbänder der Leute von Macugnaga / Richtung Macugnaga ’ (Saas-Almagell), ts Meischtersch Fad ‘ das Felsband des Meisters / der Familie Meister ’ (Randa), in dem Bilgerinsvede ‘ im Felsband des Pilgers / der Familie Bilger ’ (Törbel), Walkerschfed ‘ die Grasabsätze der Familie Walker ’ (St. Niklaus, FLNK Walkerschfad) (der FaN erklärt sich vom benachbarten Walkerschmatt), der Weginer Fadt ‘ das Felsband der Familie Wegener ’ (1762, Simplon). Als Grundwort erscheint das HL mit einer Reihe von Tiernamen wie der Geisfad ‘ das Felsband für die Ziegen ’ (Saas-Almagell), auch ts Geisfad (Oberwald), jm Geissfadt (1576, Zwischbergen) und der Geissfad (Täsch), der Gitzifad ‘ das Felsband für die kleinen Ziegen ’ (Randa), auch der Gitzufad (Saas-Almagell, Randa) und der Plural di Gitzufet (Eisten), di Glirfet ‘ die Felsbänder mit Siebenschläfern ’ (Simplon), der Gämschfad ‘ das Felsband mit Gämsen ’ (St. Niklaus), auch Plural di Gämschfed (Täsch), 101 102 Fad <?page no="317"?> di Güogufet ‘ die Grasbänder mit Käfern ’ (Eisten), t Hanufet ‘ die Felsbänder mmit Auer- oder Birkhähnen ’ (Simplon), t Hienerfet ‘ die Felsbänder mit (Birk-)Hühnern ’ (Glis), ts Hinner Oggsefad ‘ das hintere Felsband für die Ochsen ’ (Oberwald), Kalberfat ‘ das Felsband für die Kälber ’ (1833, Grächen), auch der Chalberfat (Eisten) und der Chalberfad (St. Niklaus), t Chiefett ‘ die schwer zugängliche Weide für die Kühe ’ (2 Gemeinden), der Chüefad ‘ das Grasband für die Kühe ’ (St. Niklaus), der Bockfad ‘ das Felsband, wo (Schaf-)Bökce weiden ’ (Randa, Saas-Almagell), Bärefad ‘ das schmale Felsband, wo es Bären hatte ’ (FLNK, Ernen und 2 weitere Gemeinden), auch ts Bärfett (Fiesch), der Bärufatt (Naters und 2 weitere Gemeinden) und di Bärufett (Simplon), der Rossfat ‘ das Felsband für die Pferde ’ (Zwischbergen) und Plural t Rossfed (St. Niklaus, unsicher), der Tierfad das Felsband mit Gämsen ’ (St. Niklaus), auch di Tierfett (Randa, zwei Namen) und Plural in dien Tierveden (1437, Baltschieder), der Vogelfad ‘ das Felsband mit Vögeln ’ (Täsch) und der Wolffad ‘ das Grasband im Gebiet mit Wölfen ’ (Randa). Etwas weniger verbreitet sind Baum- und Pflanzennamen: der Ahorifad ‘ das Felsband beim Ahorngehölz (laut Gwp. kein Ahorn) ’ (St. Niklaus), auch Plural t Ahorufet (St. Niklaus (laut Gwp. kein Ahorn) ’ (seltsam, dass bei beiden Namen offenbar kein Ahorn-Baum vorhanden ist; woher dann der Name? ), der Aspig Fad ‘ das Felsband mit Espen ’ (St. Niklaus; die Form Aspig ist ein Adjektiv zu Asp ‘ Espe ’ ), t Hasolfett ‘ die Felsbänder im Gebiet, wo es Haselstauden hat ’ (Törbel), Heiperfad ‘ das Felsband mit Heidelbeersträuchern ’ (FLNK, St. Niklaus), t Holzfet ‘ die Felsbänder mit Holz (Wald) ’ (Eisten), der Holzi Fat ‘ der Weideplatz in den Felsen mit Holz (Wald) ’ (Simplon; kein Eintrag bei J ORDAN (2006)), der Holzig Fad ‘ das Felsband mit Holz (Wald) ’ (Täsch und zwei weitere), t Koorufet ‘ die Grasbänder, wo es Korn hatte (unklar) ’ (St. Niklaus), der Chriterfad ‘ der Fad (Felsband) mit Kraut ’ (Saas-Almagell), der Löübfad ‘ das Felsband mit Laub ’ (Randa, Eisten), der Birchfad ‘ das Grasband mit Birken ’ (St. Niklaus), auch der Birchufad (Eisten), Tafad ‘ das Felsband mit Tannenwald ’ (St. Niklaus), Tannufad ‘ das Felsband mit Tannen ’ (Randa), der Ärbisfad ‘ das Grasband, wo Erbsen angepflanzt wurden ? (? ) ’ (St. Niklaus). Dieser letztere Beleg ist etwas seltsam, da normalerweise in einem Fad keine Nutzpflanzen angebaut wurden. Eine Reihe von Flurnamen geben Fluren an, die sich in der Nähe befinden oder ähnlich wie solche Fluren aussehen: Acherfed ‘ die Felsbänder bei den Äckern ’ (FLNK, St. Niklaus), auch t Acherfett ‘ die Felsbänder, die Äckern gleichen ’ (Eisten), der Attermänzfad ‘ das Felsband bei den Attermänzen (dunkle Gebiete ’ (Randa; FLNK Attermänzufad), die Eifetschfäd ‘ die Eifetsch-Felsbänder ’ (St. Niklaus, wohl zu Geifetsch ‘ Eisnebel ’ zu stellen), di Gennerfet ‘ die Felsbänder unterhalb der Genner (Geröllhalden, Plural zu Gand) ’ (Eisten), der Goldfad ‘ das goldene Felsband ’ (St. Niklaus), t Hostettfed ‘ die Felsbänder bei den Hofstätten ’ (Randa; FLNK Hofstettfed); die Flur befinde sich oberhalb von Hostett), t Kilchufet ‘ die Gras- oder Felsbänder unterhalb der Kirche ’ (Simplon; bei J ORDAN (2006, 122) als Çhillchufet, der es als „ Eigengut der Kirche “ bezeichnet), t Chippfet ‘ die Felsbänder bei der Kipfe (wohl: Kuppe) ’ (Täsch), t Chisifet ‘ die Felsbänder oberhalb der Chisine ’ (Saas-Balen), t Kummufedjini ‘ die kleinen Grasbänder bei der Chumma (Mulde) ’ (Täsch), t Mattfed ‘ die Grasbänder bei der Mähwiese ’ (St. Niklaus), ts Mattufad ‘ das Felsband bei der Alpe Matte (Wiese) ’ (Raron), der Mettie(n) Fadt ‘ das Felsband bei der Mettle ’ (1757, Simplon), t Nieschfed ‘ die Grasbänder mit dem Gelecktrog für die Schafe ’ (St. Niklaus), t Nolufet ‘ die Felsbänder beim Nollen (rundlicher Felsgipfel) ’ (Saas-Almagell), die Bockflu ͦ fatt ‘ der Felsdurchgang bei der Fluh, wo die Böcke weiden ’ (Zwischbergen; Problem mit dem Artikel, der wohl einen Plural anzeigt; J ORDAN (2006, 373) führt den Namen so nicht an), Reeschtifat ‘ das Felsband bei der Reschti (Raststelle) ’ (FLNK, Grächen), auch t Reschtifet (Grächen), t Riederfett ‘ die Grasbänder oberhalb des Weilers Ried ’ (St. Niklaus), t Rifelfed ‘ die Felsbänder im Gebiet der Riffelalpe ’ (Zermatt), t (e)Risigu Fet ‘ die Felsbänder mit Steingeröll ’ (Randa, Risigu ist ein attributes Adjektiv), der Roggifad ‘ das Felsband des Roggi / der kleinen roten Stelle ’ (Randa), der Rudufat ‘ das Felsband bei Ruden (Gondo) ’ (Zwischbergen; auch FLNK, LT Rudefad; bei J ORDAN (2006, 312 als Rudufat), Schoberveden ‘ das Grasband / die Grasbänder beim (Heu-)Schober ’ (1389, Täsch), der Seilfad ‘ das Felsband, das wie ein Seil aussieht ’ (Saas-Almagell, Saas-Fee), t Stockfet ‘ die gestuften (gestockten) Felsbänder ’ (St. Niklaus, formal Nomen und kein Adjektiv), der Stollufad ‘ das Felsband in den Stollen (Felsformationen) ’ (Randa), der Sänggfad ‘ der Felsdurchgang bei den Sänggini (kleine, durch Sengen gerodete Gebiete) ’ (St. Niklaus), der Tschingelfad ‘ das Felsband zum Tschingel (Felsband, Bergwiese) hinauf ’ (Saas-Almagell), Tschuggfet ‘ die Felsbänder bei den Felsen (Tschuggen) ’ (FLNK, Randa), di Twärfet ‘ die quer verlaufenden Felsbänder in den Felsen ’ (Täsch), auch der Twärufad (St. Niklaus) und der Plural di Twärufet (Eisten), t Wiissuflüefet ‘ die Grasbänder bei der weissen Fluh ’ (St. Niklaus), der Zagelfad ‘ der schmale Grasabhang ’ (Täsch, auch FLNK; Zagel ‘ Schwanz am Tier ’ )), di Zugfett ‘ die Felsbänder beim Zug (Hangrinne) ’ (Randa), Ämbdfad ‘ das Felsband bei Embd (Gemeinde) ’ (FLNK, Embd). Neben diesen inhaltlich zusammengehörenden Bildungen mit Bestimmungswörtern sind einige weitere Fad 103 104 <?page no="318"?> mit Einzelbedeutungen belegt: der Fleeckfad ‘ das Grasband beim Fleeck (? ) ’ (Saas-Almagell), wo Gwp. hinzufügt: Schöner Graspfad zum <chrütu>, also zum ‘ Gras gewinnen ’ . 1852 ist Fletzfad (Saas-Almagell) erwähnt, von uns als ‘ das nasse Grasband ’ zu Fl ȫ tz (I D . 1, 1240 ‘ nasse Stelle im Boden, wo immer Feuchtigkeit durchsickert ’ gestellt. der Gänu(d)sfad ‘ das Felsband des Gänu (? ) ’ (Täsch) würde Gänu als einen Besitzer oder Nutzer meinen. di Gattlafet ‘ die Felsbänder der Familie Gattlen ’ (Törbel) meinen die Familie Gattlen als Besitzer. Hannischfädt ‘ die Felsbänder der Hannigalp ’ (1738 Grächen, 1738 Stalden; beide Texte identisch) beziehen sich wohl auf Felsbänder bei der Hannigalp. Harnischfet ‘ die Felsbänder der Familie Harnisch ’ (Eisten) hat auch den historischen Beleg unter Hannischfädt, wahrscheinlich zu Unrecht. Hertzen Faad ‘ unter dem Felsband in Herzenform ’ (1699, St. Niklaus), der Howattritt ‘ (vermutlich) der Tritt unter dem Hofathorn (kaum zu Höüweta zu stellen) ’ (Mund), der Pútzfadt ‘ das Felsband beim Tümpel ’ (1744, Simplon; J ORDAN (2006, 187) hat den Flurnamen lebend als Putzfat), der Tirbilfat ‘ das Felsband unterhalb der Alpe Tirbje ’ (Eisten). Komplexere Konstruktionen mit dem Grundwort Fad sind schon erwähnt worden. Hinzu kommen etwa t Unnru Leerchfett ‘ die unteren Felsbänder oberhalb des Leerch (Lärchengehölz) ’ (Randa), t Nassu Brunnufet ‘ die nassen Felsbänder im Gebiet Brunne (Brunnen / Quellen) ’ (Saas- Balen) und uf de Nassu Brunnufedu ‘ auf den nassen Felsbändern im Gebiet Brunne (Brunnen / Quellen) ’ (Saas-Balen), der Mittluscht Brigifat ‘ das mittlere Felsband mit einem Bretterboden ’ (Eisten) und andere mehr. Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern belegt: Äbi, Acher, Färich, Flüö, Hooru, Stafel, Tritt und Wäg. Komplexere Formen sind der Bärfettgrabe ‘ der Graben beim Bärfett (Felsbänder, wo es Bären hatte) ’ (Fiesch) und weitere. Genitive des HL sind belegt in Faatsch Chriz ‘ das Kreuz beim Fat (Felsband) ’ (FLNK, Betten) und ts Breitu Fatsch Mälig ‘ des breiten Felsbandes Mällig (Felskopf über dem Fad) ’ (Saas-Fee). Eine Kollektivbildung mit dem Präfix G( I )ist in ts Gfätt ‘ das Gebiet mit Felsbändern ’ (Simplon), wobei nur der Beleg von 1757 sicher ist; vorher belegt sind 1391 Gývat und 1554 Gfodt (unsicher) und di Gifett ‘ die Felsbänder (Kollektiv) ’ (Saas-Almagell). Eine Ableitung (? ) auf / - ER / ist in ts Faderhoru ‘ das Horn mit den Felsbändern ’ (Saas-Almagell) und t Fäderschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung mit Felsbändern ’ (Ausserbinn) belegt. In beiden Fallen ist aber wohl eher ein Plural auf / - ER / gemeint. Fäderli (PN) Fäderli (PN) ist nur in ts Fäderlisch Weid ‘ die Weide der Familie Schmidt mit dem Beinamen ts Fäderlisch ’ (Grengiols) belegt. Das HL ist wohl zu Fädere ‘ Feder ’ und Fädra, Fädärä (Goms), Fädru ‘ Feder ’ (I D . 1, 667; G RICHTING 1998, 76) zu stellen. I D . gibt Fëderli (1, 680) als ‘ Name des Teufels in Hexenakten ’ an, was im hier belegten Beinamen wohl kaum gilt. Wörtlich ist ‘ die kleine Feder ’ zu übersetzen, doch ist nicht klar, was damit genau gemeint ist. Fadung Fadung f. kommt nur in die Alte Schweibenfadung (1702, Ried-Brig; Lesung überprüft von P H . K ALBERMATTER (p. c.)) vor. Schweiba ist in Ried-Brig der Name einer alten Wasserleite. Fadung ist wohl eine verhochdeutsche Ableitung zu Fad ‘ Grenzzaun zwischen Grundstücken, (selten) Grenze ’ (I D . 1, 671); gemeint ist also die alte Begrenzung durch die Wasserleite Schweiba. Fafler Fafler ist der Name einer Alp im Lötschental, wo das Simplex und eine Reihe von Komposita vorkommen. Es kann sich um eine Herkunftsbezeichnung zu Fafel oder eine Stellenbezeichnung auf - LER (S ONDEREGGER 1958, 541) handeln. I D . (1, 685) kennt ein Fafel ‘ Gegenstand des Gespöttes ’ (nur für Guggisberg im Kanton Bern belegt) und gibt dafür die vorsichtige Herkunft aus mhd. favele ‘ Fabel ’ an; diese Deutung ist für Fafler schwierig. Alternativ kann an eine Diminutiv-Ableitung zum rom. faba ‘ Saubohne (vivia faba) ’ gedacht werden (RN 2, 135; FEW 3, 339 f.; B RIDEL 1866, 159), das auch im mhd. fâve ‘ Saubohne ’ (L EXER 3, 34) vertreten ist. Die Alp befindet sich auf rund 1780 m - es ist möglich, dass V ICIA FABA hier wächst (aus der kleinen Verbreitungskarte bei L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 330 folgt eher, dass das nicht der Fall ist); es können aber auch andere Pflanzen gemeint sein. Die ältesten Belege stammen von 1531 Fafler und 1690 Faffler, geben also keinen näheren Aufschluss. Neben dem Simplex Faflär (Blatten, FLNK) sind mehrere Komposita mit dem Lemma als Bestimmungswort belegt, alle für Blatten: Fafleralp, t Faflärbletschä ‘ die ebenen Flächen auf der Fafleralp ’ , t Faflermattä ‘ die Wiesen der Fafleralp ’ , der Faflersee ‘ der See auf der Fafleralp ’ , t Faflärschluichen ‘ die Schluchten ob der Fafleralp ’ , dr Faflärstafel ‘ der Stafel der Fafleralp ’ und dr Faflerwald ‘ der Wald ob der Fafleralp ’ . Weiter werden komplexer unterschieden: Aeusser Faflerthal (SK) und Inner Faflerthal (SK), sowie Uistre Faflerbach ‘ der Bach, der durch das äussere Faflertal fliesst ’ und Indrä Faflerbach ‘ der Bach, der durch das innere Faflertal fliesst ’ . Oberhalb dieser beiden Täler befinden sich auf über 105 106 Fafler <?page no="319"?> 2600 m Foder, Hinder, Inder und Uister Faflärdischligen ‘ das vordere / hintere / innere und äussere Gebiet mit Disteln bei den Faflärtälern ’ . Namengebend ist hier in jedem Fall die Alp-Siedlung Fafler, die rund 800 m tiefer liegt. Fäg Fäg ist nur als Bestimmungswort in Fägfiir ‘ Fegfeuer ’ (FLNK, Lax) belegt. Es handelt sich um die dialektale Form von Fegefeuer (G R W B 3, 1412) zu lat. PURGATORIUM (cf. HL F IIR (F EUER )). Das Bestimmungswort ist zum Verbum fegen im Sinne von ‘ reinigen ’ zu stellen; dialektal ist schwdt. fëgen (I D . 1, 686) belegt, das allerdings im Schweizerdeutschen eine engere Bedeutung hat als im Hochdeutschen (vgl. A MMON ET AL . 2016, 228). Die Motivation für den Flurnamen (z. B. anstrengende Steigung oder bildliche Darstellung des Fegefeuers) lässt sich nicht eruieren (cf. HL F IIR (F EUER )). Faggs Faggs ‘ Borstengras, Knäuelgras ’ ist zu schwdt. Fachs, Faggs, Fax m., Pl. Faxe n , mhd. vachs m./ n., typisches Bergwort für ‘ glattes, kurzes, borstenartiges Gras, nie recht grün, das an Abhängen, etwa auch aus Felsenritzen hervor büschelweise und um Sennhütten wächst; besonders Borstengras oder Knäuelgras ’ , ‘ Heugras ’ als Pl. ‘ die Rasenbänder an felsigen Halden ’ (I D . 1, 655; C. S CHMID 1969, 26 u. 122; Z INSLI 1984, 563; Z INSLI 1946, 317) zu stellen. Die Pflanzen heissen auch Gemschfaggse (I D . 1, 655). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1492) kennen die Pflanze als N ARDUS STRICTA ‘ Borstgras ’ für die Berggebiete der Schweiz. Das Simplex kommt im Plural als uf de Faggse ‘ auf den Fachsen (Ort, wo es Borstengras hat) (Bellwald), t Faggse ‘ der Ort, wo es Borstengras hat ’ (Zeneggen) und jn den Faxen ‘ in den Fachsen (wo es Borstengras hat) ’ (1648, Eggerberg) vor. Als Grundwort erscheint es in der Gämschfaggs (Obergesteln, Oberwald), das auch nur das Borstengras bezeichnet (Gämsch wohl nur als Höhenangabe) und in t Forfaggse (Hohtenn) mit unklarer Deutung ‘ die vorne liegenden Gebiete, wo es Borstengras hat ’ . Als Bestimmungswort kommt es zusammen mit den Grundwörtern Biel, Egg(a), Grund, Rigg und Wang vor. Eine Sonderform kennt Ferden mit der Adjektivbildung Faggsig Bletscha ‘ die Ebene mit Borstengras ’ ; dieses Adjektiv ist in I D . nicht belegt. G RICHTING (1998, 76) kennt das Verb faggse ‘ heuen (Wildheu), faxen ’ und das Nomen Faxa, Faxä (Goms), Faxn (Lötschtal), Faxu ‘ Wildgras, Faxe (Spass, Dumheit), Unart ’ (G RICHTING 1998, 76); gemeint ist in den Flurnamen immer ‘ Wildheu ’ . Fahr Fahr ist zu schwdt. fare n , f ā re, ahd. faran, mhd. var(e)n ‘ fahren ’ , ‘ sich von einem Ort an einen andern begeben ’ , substantivierte Form Fart f., Pl. Fert(e), ‘ Fahrt, Ladung, Zug, Reise ’ , mhd. vart ‘ Fahrt, Zug, Reise, Lauf, Weg ’ und wdt. fare, farä (Goms), farn (Lötschtal), faaru ‘ fahren, laufen ’ (I D . 1, 888 ff., I D . 1026 ff.; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 271; G RICHTING 1998, 74) zu stellen. Belegt sind Fahrweg ‘ der Fahr-Weg (Weg für Fuhrwerke und Fahrzeuge ’ (1774, Binn), t Fargassa ‘ die Gasse, auf der man das Vieh treibt ’ (Fieschertal); beide Ausdrücke bezeichneten früher einen Viehtreibweg oder ‘ Weg für Fuhrwerke oder Fahrzeuge überhaupt ’ (I D . 15, 822; BENB 1, 1, 118). Der dritte Beleg di Züöfartstrass ‘ die Zufahrtsstrasse (wohl zum Weiler Bitzine) ’ (Visperterminen) ist neuer und meint die Strasse, die von der Hauptstrasse abzweigt und zum Weiler Bitzinen führt. Fälach Fälach m. ‘ Weide, Weidenbaum ’ , auch Felach m. ist zu schwdt. Fëlwe, Felbe, Pfelbe, Felme, im Wdt. F ě lach m. ‘ Weide, Weidenstock, lat. SALIX ALBA ’ , mhd. fëlwe m. und f., ahd. felawa (I D . 1, 822; M ARZELL 4, 8 ff.) zu stellen. Wohl eigentlich *felw-ahi ‘ Weidengehölz ’ , ahd. / - AHI / als Suffix für Pflanzenstandorte (E GLI 1982, 150). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 410 - 426) geben S ALIX mit mehreren Unterarten an. Das Simplex im Singular Fälach ist in Törbel und Stalden belegt, historisch als bÿ dem Felach (1559, Münster), zum Felach (1578, Visp), zu ᵕ m Fellach (1663, Visperterminen), vnder / vor dem Velach (1380 u. später, Ulrichen), zúm Felach / zen Felachen (1715 u. später, Törbel). Ein Plural findet sich als die Felacha ‘ die Weidenbäume ’ (1674, Ried-Brig). Ein Diminutiv Plural ist zu sehen in t Fälachini ‘ die kleinen Weidengebüsche ’ (Ergisch), was allerdings nicht mit der Beschreibung übereinstimmt; es kann sich, wie unten ausgeführt, auch um eine Verbindung mit dem HL A CHER handeln. Attributive Adjektive finden sich in bim Grossu Fälach ‘ beim grossen Weidenbaum ’ (Eyholz) und Hohe Fälach ‘ der hohe Weidenbaum ’ (Eyholz). Das HL erscheint als Bestimmungswort in Fellach Bindelti ‘ der kleine Pflanzplatz beim Weidenbaum ’ (1773, Raron), Velachmatta (1418 u. später, Termen; 1391 u. später, Ried-Brig), das alte Feloch Schirli ‘ die alte, kleine Scheuer beim Weidenbaum ’ (1776 u. später, Ried-Brig). Eine Kurzform der Felibode ‘ der Boden mit Weidengebüsch ’ (Zermatt) enthält wohl einen Diminutiv. Zwei Belege am Felacher (1530, Mühlebach) und im Fehllacher (1720) enthalten entweder das HL A CHER ‘ Acker ’ , oder eine / - ER / -Ableitung mit der Bedeutung ‘ wo es Weidenbäume hat ’ . zum Fälacherstadol ‘ beim Fäg 107 108 <?page no="320"?> Stadel mit Weidenbäumen / der Bewohner des Gebietes Fälach ’ (Törbel) ist ein Kompositum mit mehrdeutigem Erstglied; die Deutung nach dem Flurnamen Fälach scheint sinnvoller zu sein. Fäld Fäld n. ist zu schwdt. Fëld, Fël Dim. Felli, Pl. Felder, auch Feld, Fël ‘ zu Ackerbau bestimmtes Land, einzelnes Stück oder kollektiv im Unterschied oder Gegensatz von Wiesen oder Weinbergen ’ und ‘ Wiesen oder Weideland ’ (I D . 1, 806) zu stellen. W IPF (1910, 76) kennt das Wort als Fäld (unsere Umschrift); G RICHTING (1998) und R ÜBEL (1950) erwähnen es nicht. Lat. CAMPUS ‘ Feld ’ erscheint in älteren Texten; es ist dabei nicht immer klar, ob ein Name oder ein Appellativ vorliegt. Der Typ Gampel (Gemeindename) oder jünger Tsa oder Tscha wird hier nicht behandelt. Inhaltlich ist zur Bearbeitung der Felder M ONHEIM (1955) zu beachten. Höhenlage, Regenhäufigkeit und davon abhängig Wachstumsperioden bestimmen mit, ob und wie im Oberwallis mehrfache oder einfache Kulturen im Agrarbereich möglich waren. Das Simplex ist im Singular als Fäld (FLNK, Leuk; FLNK, Mund; FLNK, Ried-Brig, FLNK, St. Niklaus), ts Fäld (Törbel), im Fäld (Naters, Reckingen, Termen), im Fäud (Binn, mit / l/ -Vokalisierung), am Feld (1638, Grächen; 1515 u. später, Mörel), am Felt (1553 u. später, Gluringen; 1675, Turtmann), an dem Velde (1235, Münster; 1356, Grengiols) belegt; phonetisch ist der Vokal meist lang (Fääld), entsprechend der Länge vor / l/ +Kons., wird aber nicht so geschrieben. Das Simplex im Plural ist belegt als an den Välden (1513, Brigerbad) und an den Velden (1613, Lalden). Der Diminutiv ist nur einmal im Singular belegt als im Fäldji ‘ im kleinen Feld ’ (Grächen). Eine Kurzform ohne / d/ ist im Plural als ze Fäle ‘ bei den Feldern ’ (Bellwald) (allerdings unsicher) und historisch 1335 als zun Felen (Niederwald) belegt, auch hier jedoch unsicher. Als Diminutiv erscheint üfem Fäli ‘ auf dem kleinen Feld ’ (Ulrichen) (wobei Gwp. angibt, das sei auch ein FaN gewesen, aber nicht in Ulrichen), ts Fäälji ‘ das kleine Feld ’ (Ernen, Lax, Mörel), wobei Ernen und Lax historische Belege mit / d/ aufweisen. Attributive Adjektive zum HL sind ts Alt Fäld ‘ das alte Feld ’ (Raron), am Endren Velde ‘ am jenseitigen Feld ’ (1387, Münster; 1661 im Ándren Feldt), am Endren Fäldt ‘ am jenseitigen Feld ’ (1584, Naters), im Endren Feldÿ ‘ im jenseitigen kleinen Feld ’ (1756, Naters), ts Fiischter Fäld ‘ das finstere Feld ’ (Naters), jm Fodren Felt ‘ im vorderen Feld ’ (1638, St. Niklaus), Gemeÿnvelt ‘ das Feld, das der Gemeinde gehört ’ (1389, Turtmann, später lateinisch), ts Gmei Fäld ‘ das Feld, das der Gemeinde gehört / das gemeinsam genutzt wird ’ (Oberems), Gmeind Feld ‘ das Feld, das der Gemeinde gehört ’ (1815, Salgesch), ts Hofäld ‘ das hohe Feld ’ (Lalden, Mund), das Hoväldt ‘ das hohe Feld ’ (1513 u. später, Brigerbad), am Hochen Feldt ‘ am hohen Feld ’ (1699 u. später, Visp), am Hoofäldt ‘ am hohen Feld ’ (1593 u. später, Eyholz), im Kleinen Feldlin ‘ im kleinen Feld ’ (1758, Naters), im Kleinen Fellji ‘ im kleinen Feld ’ (1839, Lax), jm Kleinen Feldÿ ‘ im kleinen Feld ’ (1680 u. später, Ernen), t Linggu Fäld ‘ die linken Felder ’ (Mund), mehrere Belege von ts Ober und ts Unner Fäld ‘ das obere Feld ’ (St. Niklaus und jeweils mehrere andere Gemeinden) mit verschiedenen Varianten inklusive / l/ -Vokalisierung. Die lateinischen Belege mit teilweise nachgestelltem Adjektiv sind campum curvum ‘ das krumme Feld ’ (1232, Ried-Brig), in campo curvo ‘ im krummen Feld ’ (12? ? u. später, Naters), in longo campo ‘ im langen Feld ’ (1338, Bratsch), in largo campo ‘ im breiten Feld ’ (13. Jh. u. später, Erschmatt), in nigro champo ‘ im schwarzen Feld ’ (1333 u. später, Unterems), in exteriori campo ‘ im äusseren Feld ’ (1346, Bratsch). In den lateinischen Belegen ist unklar, ob es sich um Namen oder Appellative handelt. Vorangestellte Genitive (ausser den ursprünglich genitivischen / - ER / -Formen) sind: des Atten Felt ‘ das Feld des Vaters / der Familie Agten ’ (1528, Ernen), im Eischen=Feld ‘ im Feld beim Schafstall ’ (1838, Ernen) (cf. HL E ISCHT ), ts Höupmischfäud ‘ das Feld des Hauptmanns (wohl Funktion) ’ (Ernen; FLNK Höüpmerschfäud), in Martis Feldt ‘ im Feld des Martin / der Familie Marti ’ (1722, Ernen), in Mattlis Feld ‘ im Feld der Familie Mattli ’ (1679 (ca.), Ernen), ts Pfaffufäld ‘ das Feld der Familie Pfaffen / des Pfarrers ’ (Ried-Brig), ts Sant Peetersch Fäld ‘ das Feld des Heiligen Peter ’ (Saas-Fee; Gwp. nennt Peter Josef Zurbriggen als ehemaligen Besitzer), Belege mit / - ER / (früherer Genitiv): ts Ärner Fäld ‘ das Feld bei Ernen ’ (LT, Ernen), ts Geschenerfäld ‘ das Feld bei Geschinen (Gemeindename) ’ (Geschinen), am / im Gluriger Feldt ‘ am / im Feld bei Gluringen (Gemeindename) ’ (1602 u. später, Gluringen; 1571 lat.: in campo Jllorum de Glu ᵕ rigen ‘ im Feld der Leute von Gluringen ’ ), Creútzero Väldt ‘ das Feld der Familie Kreuzer / der Leute vom Weiler Chriz (? ) ’ (1625, Eyholz), Leiggärfäld ‘ das Feld bei Leuk ’ (FLNK, Leuk; SK u. LT Leukerfeld: lat.: jn territorio camporum de Leuca ‘ im Gebiet der Felder von Leuk ’ ), Leigerfeld ‘ das Feld bei Leuk ’ (1741, Bratsch), Nateser Feld ‘ das Feld bei Naters ’ (1841, Naters; vorher lat.: in campo de Narres ‘ im Feld von Naters ’ ) und Stägärfäld ‘ das Feld bei Steg (Gemeindename) ’ (FLNK, Steg; LT Stägerfäld). Als Grundwort erscheint das HL zunächst mit Tiernamen: ts Geisfäld ‘ das Feld, wo die Ziegen weiden ’ (Ergisch), ts Geissfäld ‘ das Feld, wo die Ziegen weiden ’ (Eischoll), ts Geissufäld ‘ das Feld für die Ziegen (Gwp. 109 110 Fäld <?page no="321"?> meint, der Ort sei nach „ Geissrafe “ (S EMPERVIVUM TECTO- RUM , Dachhauswurz; cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 170) benannt) ’ (Bratsch; FLNK Geissifäld), ts Oggsefäud ‘ das Ochsenfeld (Alpe im Binntal) ’ (Binn), das Rinderfeld ‘ das Feld für die Rinder ’ (1852 u. später, Niedergesteln), ts (e)Rinderfäld ‘ das Rinderfeld ’ (Niedergesteln, wohl identisch mit dem historischen Beleg von 1852 u. später), hierzu gehört auch ts Rinderfäldalpji ‘ die kleine Alpe beim Rinderfeld ’ (Hohtenn), ts Widerfäld ‘ das Feld für den Widder ’ (Ried-Brig). Weitere zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind: ts Hubufälji ‘ das kleine Feld beim Hügel ’ (Ernen; FLNK Hubufäud), ts Iischefäud ‘ das vereiste Feld ’ (Ernen) (laut Gwp. der kälteste <Hirtweg> von Ernen), ts Jänefäud ‘ das Feld des Johannes ’ (Ernen), ts Meiefäld ‘ das Feld mit Blumen ’ (Grengiols), Seefäld (FLNK, Unterbäch; LT Seefeld) ‘ das Feld beim Grossen See (Alpsee auf 2546 m.) ’ (Unterbäch), di Dräckfäld ‘ die dreckigen (schlammigen) Felder ’ (Mund), das Túrtmanfeldt ‘ das Feld bei Turtmann ’ (1617 u. später, Turtmann; 1607, Unterems). Nur lateinisch ist belegt in campo de pertusio ‘ im Feld beim Loch ’ (13. Jh. u. später, Unterems; unklar, ob Appellativ oder Flurname). Als Simplex kommt Tagfeld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) ’ (1691, Ergisch; 1691, Oberems; 1691, Turtmann) nur in diesem für die beiden Orte identischen Text für das Turtmanntal vor. Daneben gibt es aber eine Reihe von komplexeren Konstruktionen: ts Ängitagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) bei der Ängi (enge Stelle) ’ (Oberems), ts Giigitagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Giigi ’ (Oberems), ts Grindjitagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Grindji ’ (Oberems), ts Grüobtagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Grüoba (Grube) ’ (Oberems; FLNK, Ergisch), ts Jäniltigertagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) auf der Alpe Jäniltigu (der Familie Jenelten) ’ (Oberems), ts Chiemattjitagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) bei der kleinen Wiese für die Kühe ’ (Oberems), ts Niggelingtagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Niggeling (Familie Nicolin / Niggeli) ’ (Ergisch), ts Pletschtagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe zer Pletschu (bei der Ebene) ’ (Ergisch), ts Blüomatttagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Blüomatt (blühende Mähwiese) ’ (Oberems), ts Brunnettagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Brunnetji ’ (Oberems), ts Brändjitagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) des Brändji (Alpe) ’ (Oberems), ts Rotigertagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tabgsüber) der Alpe Rotigu (der Familie Roten / der Leute des Roten) ’ (Oberems), ts Simmigutagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Simmigu (Alpe der Familie Simmen / der Leute des Simon) ’ (Oberems), ts Tschafiltagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Tschafil (Schleif? ) ’ (Ergisch), ts Vorsastagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) des Vorsaasstafels ’ (Oberems). Das Simplex Tagfäld ist nur im Turtmanntal belegt, wo aber alle Alpen einen dieser Namen aufweisen; sonst heissen vergleichbare Fluren Tagweid. Komplexere Konstruktionen verschiedenen Typs sind: ts Ewigschneefäud ‘ das Feld mit dem ewigem Schnee (Gletscher) ’ (Fieschertal), ts Gläisig Oggsefäud ‘ das Ochsenfeld der Gläisigalpe (Alpe der Familie Gläisen) ’ (Binn), ts Grossseefäld ‘ das Feld (Alpweide) beim grossen See ’ (Unterbäch), Kretta Hofeld ‘ das hohe Feld der Familie Crettaz ’ (1852, Eyholz), ts Niw Leigerfäld ‘ das neue Feld der Leut von Leuk ’ (Leuk), ts Ober Hofäld ‘ das obere hohe Feld ’ (Brigerbad, Lalden), ts Ober Unnerfäld ‘ das obere Unterfeld ’ (Erschmatt), Schertigen Oxenfelldt ‘ das Ochsenfeld der Familie Schertig ’ (1714, Binn) und andere mehr. Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Konstruktionen mit folgenden Grundwörtern: Bach, Bäärg, Biel, Bodu, Bord, Brigga, Chriz, Egg(a), Gassa, Grabu, Halm, Kapälla, Los, Matta, Moos, Sparr, Tiri, Treije, Wäg und Züü. Ein Problem stellt t Fäldertanne ‘ die Feldertannen (unklar, laut Gwp. keine Tannen mehr, aber im Gebiet Tanne) ’ (Ulrichen) dar, wo wohl ein Besitzername gemeint ist; der FaN F ELDER ist für das Wallis allerdings im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 536 f.) nicht belegt. Komplexere Konstruktionen sind ans Hofeldtbordt ‘ das Bord (Abhang, Böschung) beim hohen Feld ’ (1703, Visp), das Hoofeldbord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) beim hohen Feld ’ (1643, Lalden), der Litz Fäudbach ‘ das schattenhalb, nördlich gelegene Gebiet um den Fäldbach ’ (Binn), Ober Fäldbode ‘ der obere Teil des Boden beim Weiler Fäld (Feld) ’ (FLNK, Binn), Oberfäldhalte ‘ die Halden beim Gebiet ts Oberfäud (das obere Feld) ’ (FLNK, Gluringen), ts Oberfäudwasser ‘ die Wasserleitung für das Ober Fäld ’ (Blitzingen), Rarenfeldthu ᵕ rli ‘ der kleine Turm (ev. die kleine Tür) im Rarnerfeld ’ (1852, Raron), Raron Feldthürli ‘ die kleine Türe zum / im Rarner Feld ’ (1852, Niedergesteln) (wahrscheinlich identischer Ort zum gleichnamigen Beleg von Raron), der Unner Fäldkanaal ‘ der Kanal im Unterfeld ’ (Turtmann), Unnerfäldchriz ‘ das Kreuz im Unterfeld ’ (FLNK, Münster), Unnerfäldhalte ‘ die Halde beim unteren Feld ’ (FLNK, Gluringen), der Unnerfäldhubil ‘ der Hügel im Gebiet Unterfeld ’ (Erschmatt), Unnärfäldgrabu ‘ der Graben durch das Unterfeld ’ (Turtmann), ts Unnerfäldsch Bode ‘ der Boden beim Unnerfäld (Feld unterhalb des Dorfes) ’ (Reckingen) und andere. Ableitungen auf / - ERI / mit der Bedeutung ‘ Wasserleitung ’ (S ONDEREGGER 1958, 551) sind t Fälderri ‘ die Wasserleitung, die zum Fäld führt ’ , uf der Fälderri ‘ auf (oberhalb) der Wasserleitung, die zum Fäld führt ’ (beide Törbel), t Hofäldneri ‘ die Wasserleitung, die zum Hochfeld fliesst ’ (Brigerbad). Fäld 111 112 <?page no="322"?> Fäldnus Fäldnus ‘ die feldartige Gegend ’ (FLNK u. 1: 10000, Oberwald) erscheint auf SK als Feldnuss, auf LT als Feldnus. / - NUS / ist ein im Oberdeutschen verbreitetes Suffix für die hdt. Form / - NIS / (F LEISCHER / B ARZ 4 2012, 218 ff.). Historische Belege fehlen. Es handelt sich um ein heute leicht verbuschtes Gebiet auf ca. 1600 m. Am nächsten liegt eine Ableitung auf - NUS zum HL F ÄLD . Das Genus ist nicht eruierbar. Inhaltlich muss Feld ‘ Niederung, Ebene ’ (I D . 1, 806, Bed. 3) verstanden werden; das Suffix scheint hier eine konkrete Kollektivierung zu meinen ‘ die feldartige Gegend ’ . Faldum Faldúm ist der Name einer Alp in Ferden. Die historischen Belege sind: alpis de Veldommen (1539), an Veldt vmb (1656), an Faldun (1664), Feldummun (mehrfach) (1664), alpis Faldum (1665 u. später)). Ein weiterer Beleg in Erschmatt von 1683 hat Feldtúmmen Gradt ‘ der Faldumgrat ’ . Die heutige Lautform betont die zweite Silbe: Faldúm, was für einen ursprünglich romanischen Namen spricht. Zwar legen die Belege von 1539, 1656, 1664 und Erschmatt 1683 Feld nahe; dagegen spricht, dass dann die heutige Form ein betontes / ä/ enthalten müsste. F INSTERWALDER (1990, 683) kennt den Flurnamen Faldúm in R UM (Tirol) und führt ihn auf ein germanisch-romanisches Falda ‘ Falte ’ zurück, zusammen mit dem Suffix / - ÔNE / . Falda ist auch belegt in RN (2, 136) als ‘ Falte ’ mit Hinweis auf REW (3160) und FEW (3, 382), das S. 383 als Weiterentwicklung der Bedeutung ‘ unterer Teil einer Sache ’ hat, u. a. ‘ Bergabhang ’ . Dies wiederum passt zu einem latinisierten Ortsnamen Faldum ‘ Bergabhang ’ (B RUCKNER 1895, 44), auf den sich wohl K ÖBLER (2014, http: / / www.koeblergerhard.de/ ahd/ ahd_f.html, s. v. faldum) für das ahd. *faldum ‘ Hang ’ stützt. Es scheint also, dass in Faldúm ein ursprünglich romanischer Name auf der Grundlage von falda ‘ Falte ’ und einem Suffix wie / - ÔNE / > / - UM / in der Bedeutung ‘ Bergabhang ’ vorliegt. Mangels älterer Belege kann diese Hypothese nicht verifiziert werden. Ausser als Simplex tritt Faldúm in Ferden als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Alp, Bach, Grat, Grund, Löuwina, Matta, Pass, Stafel und Toor auf. Dazu kommen die komplexeren Fälle Faldumrothoren ‘ das Faldumrothorn ’ (Ferden) und Faldumäb(e)ritz ‘ der begraste Bergabhang bei der Faldumalp ’ (Ferden). Nur lateinisch belegt ist 1665 communem viam alpis faldum ‘ der gemeine (zur Gemeinde gehörende) Weg auf die Alp Faldum ’ (unklar, ob Appellativ oder Name). Für Erschmatt sind belegt das schon erwähnte Feldtúmmen Gradt (1683), Faldumpass und Faldumrothoru. Fäle Fäle f. ist zweimal belegt und vermutlich zu Fälwe ‘ Weide, Weidenstock ’ (I D . 1, 822) zu stellen. Die Belege sind ze Fäle ‘ bei den Weiden (Weidenbäumen) ’ (Bellwald), das historisch als 1824 und später als zú Fehlen, resp. zur Fählen, belegt ist, sowie als zun Felen ‘ bei den Weiden (Weidenbäumen) ’ (1335, Niederwald). Die Deutung ist unklar, passt aber besser zum HL F ÄLACH , als die Zuordnung zum HL F ÄLL , wie sie laut Beschreibung durch die Gwp. ( „ die Tiere gehäutet und die Kadaver in diese Felslöcher hinuntergeworfen “ ) vorgenommen wurde. Falete Falete ist als t Falete (Agarn (mit Erstbetonung), LT Falleten) und historisch in Oberems als jn den Falleten (1774) belegt; beide sind pluralisch. Es handelt sich wohl um die gleiche Flur in der Rottenebene, da unklar ist, ob der historische Beleg zu Oberems gehört. In historischen Belegen wie 1614 ist von canaperio, später auch cannaberiae ‘ Hanfacker ’ , 1727 von Kabisgarten ‘ Kohlgarten ’ die Rede. Die Endung / -eta/ , Plural / -ete/ kann sowohl romanisch wie deutsch sein (S ONDEREGGER 1958, 482 ff.). J ACCARD (1906, 487) nimmt an, dass es sich um eine verdeutschte Form von frz. Vallettes oder Valettes handelt, eine feminine Form zu frz. vâlet ‘ kleines Tal ’ . FEW (14, 138) kennt ein afrz. valet ‘ vallon ’ ; der Typ Valletta mit dem Suffix / - ITTA / ist in RN (2, 361) häufig belegt. Die Deutung ist zwar durchaus möglich und meint dann vermutlich ein kleines Tal als Seitenarm des früher mäandrierenden Rottens; die inhaltlichen Beschreibungen als ‘ Hanfacker ’ und ‘ Kohlgarten ’ entsprechen dem jedoch kaum. M URET (1912, 16) stellt Falettes mit anlautendem / s/ zu Palettes, das laut FEW (7, 476 ff. s. v. pala schaufel) zu palette ‘ kleine Schaufel ’ (cf. J ACCARD 1906, 327) gehört. Dann wäre eher eine kleine Ebene gemeint. Zusätzlich ist schon der älteste Beleg von 1472 in Agarn deutsch; er stammt aus dem Pfarrarchiv in Ernen und bezieht sich auf eine Busse des Vizedominus Hans Perrini, von der der Zehnden Goms u. a. das Besitztum in Agarn erhielt (P HILIPP K ALBERMATTER , p. c.). Eine deutsche Herkunft müsste sich auf Fall (I D . 1, 734 ff.) beziehen, das mit einem kollektiven / -ete/ etwa die Deutung ‘ das Gefälle eines Gewässers ’ (gemeint ist laut SK ein Gewässer von Mühlackern (Milachru) her) meinen würde. Da es keinen älteren Beleg gibt, kann die Frage nicht entschieden werden. Fäli (FaN) Fäli (FaN) ist nur zweimal belegt: ts Fälisch Achru ‘ bei den Äckern der Familie Felder ’ und ts Fälisch Hüs ‘ das Haus der Familie Felder ’ (beide Unterems). Die histori- 113 114 Fäli (FaN) <?page no="323"?> schen Belege zeigen einen gekürzten FaN Feldi / Feldi zu Felder, wie er bei solchen FaN üblich ist. Der FaN wird in der Beschreibung von ts Fälisch Hüs erwähnt, kommt aber sonst in den üblichen Quellen nicht vor; ein Christian Felder ist jedoch in der Personennamendatenbank des FGA (Nr. 12776) enthalten. Falke Falke ist nur als Bestimmungswort in drei Belegen bezeugt: der Falkbodo ‘ der Falk-Boden (unklar, ob Vogel oder Gras) ’ (Visperterminen, FLNK Falkbode), Falkenfriedhof ‘ der Friedhof für die Falken ’ (SK, Ulrichen), wobei sich die Flur auf ca. 2380 m befindet und wahrscheinlich eher zu der Chalchefrithof ‘ der Friedhof bei den kalkhaltigen Stellen ’ (Ulrichen) zu stellen ist, und die Valkmatta ‘ die Wiese beim Ort, wo es Falken hat ’ (1660, Naters). Laut dem Dokument befindet sich die Wiese im Weiler Geimen oberhalb Naters. Zunächst ist damit wohl der schwdt. Tiername Falch m. ahd. falk(o), mhd. valke ‘ Falke ’ (I D . 1, 797; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 274) gemeint. G RICHTING (1998) kennt das Wort nicht. Zur Bedeutung der Falken für die Walliser Jagd siehe S CHEURER (2000, 92). Weiter ist auch schwdt. Falche n m. ‘ fahle dürre Gräser, bes. an Waldrainen ’ (I D . 1, 798) zu berücksichtigen. I D . vermutet, dass beide Bezeichnungen auf das Adjektiv falch ‘ falb, hellbraun ’ (I D . 1, 797) zurückzuführen sind. Die Überschneidung mit Chalch ‘ Kalk ’ (I D . 3, 229) lässt sich aus der Bodenbeschaffenheit erklären; SK ist im Allgemeinen nicht immer unproblematisch. BENB (1, 1, 108 f. s. v. Falke(n)) ist unsicher in Bezug auf die Herleitung. Es kann sich schliesslich um einen FaN handeln, der im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 522 f.) mit den Formen Falck, Falk und Falke gut belegt ist, aber nicht für das Wallis, vgl. aber N OTI (1975, 15), der als FaN 1536 Falke erwähnt. Eine sichere Deutung ist nicht möglich. Fall Fall m., auch Fell n. ist zu schwdt. Fall, F ā l m., ahd. fal, mhd. val m. wie nhd. ‘ das Fallen ’ , im Berggelände eine ‘ abfallende Wand im Gestein ’ , auch Fall eines Baches oder Flusses oder ‘ terrassenförmiges Gelände ’ , in FlN auch als Bezeichnung von Örtlichkeiten ‘ wo etwas herunterfällt ’ und wdt. Fall ‘ Fall, Absturz, Sachlage ’ (I D . 1, 734 ff.; B ENB 1, 1, 111; G RICHTING 1998, 76; Z IMMERMANN 1968, 104; Z INSLI 1946, 126, 212, 317 f.) zu stellen. Die Motivation der rund 100 Flurnamen ist nicht immer klar feststellbar. Überschneidungen mit Falle f. ‘ die Falle ’ sind möglich. Das Simplex ist als der Fall ‘ steil abfallende Felsen ’ (Salgesch; nicht bei M ATHIER 2015) nur einmal belegt; häufiger ist ts Fell ‘ das Gefäll (steile Wiese) ’ (Täsch), zum Fell ‘ beim steilen Abhang ’ , Fell ‘ der steile Abhang ’ (Blatten), historisch zum Fell ‘ beim Fell (unklar, mangels Kontext) ’ (1588, Eggerberg) und am Fell ‘ am Felsabhang (? ) ’ (1680, St. Niklaus). Die Belege mit dem Neutrum stellen wohl ein Kollektivum dar. Eine seltsame Form ist an den Felli ‘ der steile Abhang ’ (1807, Mörel), das als Maskulinum konstruiert ist, was sonst bei dieser Form nicht möglich ist. Unsicher ist, ob vff dij Fellji ‘ auf den Ort, wo man fällt ’ (1489, Mühlebach) ein feminines Simplex ist oder eine feminine Ableitung. Einen sicheren Plural stellt t Fele ‘ die Fälle (steiles Gelände mit Wasserfall) ’ (Reckingen; FLNK Fäle) dar. Attributive Adjektive zum HL in zweigliedrigen Konstruktionen sind: zum Ersten Fall ‘ der erste Fall (unklar) ’ (Mund), der Hoch Fall ‘ der hohe Fall (senkrechte Felswand, vgl. R. G RICHTING 1993, Blatt 7, Nr. 5), ts Inner und ts Uister Fell ‘ der innere (taleinwärts liegende) und der äussere (talauswärts liegende) steile Abfall ’ (Blatten), zum Lengu Fell ‘ beim langen steilen Abhang ’ (Staldenried), bim Niwwufall ‘ beim (Wasser-)fall der neuen Wasserleitung ’ (Ried-Brig), der Ober Fell ‘ das obere Gebiet mit einem (Wasser-)fall ’ (Saas-Balen, maskulin! ), ts Oberfäll ‘ das Oberfäll (FLNK Uberfäll ‘ oberhalb des Felsabhangs ’ ? ) ’ (Naters), ts Uberfäll ‘ das jenseits gelegene steile Stück / Feld (laut FLNK Uberfäld, Gegenstück zum Weiler Fäld? ) ’ (Törbel), ts Unner Fell ‘ das untere Gebiet mit einem (Wasser-)Fall ’ (Saas-Balen, Neutrum). Vorangestellte Genitive sind selten: der Brägjerrufall ‘ der Wasserfall der Wasserleitung, die zum Brägji führt ’ (Niedergesteln), der Chummerufall ‘ der Wasserfall der Chummerra (Wasserleituntg in die Chumma (Mulde)) ’ (Raron). In beiden Flurnamen sind Wasserleitungen betroffen. Als Grundwort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita vor allem als der Wasserfall ‘ der Wasserfall (des jeweiligen Baches) ’ u. a. in Zwischbergen und sechs weiteren Gemeinden (J ORDAN (2006, 279 und 296 kennt Wassärfall zweimal, meint aber an beiden Stellen den gleichen Wasserfall). Weitere Belege sind der Eschilfall ‘ der Fels, über den verendende Maultiere gestürzt wurden (laut Gwp.) ’ (Ergisch) (wohl vergleichbar mit Märufelli), Gibjerifall ‘ der Fall (wohl Wasserfall) der Gibjeri (Wasserleitung Wasserleitung aus dem Gibji) ’ (Ried- Brig) und ts Gugerfell ‘ der steile Abhang im Gebiet Guger ’ (Stalden). der Pfoisfall ‘ der (Wasser-)Fall beim Gebiet Pfois (Quelle / Brunnen) ’ (Leukerbad, auch bei R. G RICHTING 1993, Blatt 13, Nr. 13 u. Blatt 14, Nr. 14). Komplexere Konstruktionen sind etwa dr Chleiloiwinbachfall ‘ die Felswand / der Wasserfall des kleinen Baches in der Loiwina ’ (Blatten), der Längulöüwinufall ‘ die Fallstelle der Lawine im langen Lawinengraben ’ (Gampel), der Märetschuwasserfall ‘ der Wasserfall zwi- Falke 115 116 <?page no="324"?> schen den Märetschi-Seen (Sumpfgebiet) ’ (Leuk), das Obere Eischtbachfell ‘ der obere Teil des Eistbaches (Wasserfall, steile Stelle? ), ts Wiiss Stockfell ‘ der weisse Felsenabfall? ’ (Stalden) und weitere. Als Bestimmungswort verbindet sich das HL (als Fall oder Fell) mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Acher, Bach, Bodu, Egg(a), Flüö, Gletscher, Grabu, Gufer, Löuwina, Matta, Tschugge, Wald und Zug. Komplexer sind etwa: Fallflüeachär ‘ der Acker bei der Fallflüe (fallende Fluh) ’ (Leuk), der Fallflüeschleif ‘ der Schleif über die Fallflüe (steil abfallende Fluh) ’ (Leuk), z Fellacherschür ‘ bei der Scheuer am Fellacher ’ (1751, Bürchen), der Hinnerscht Fallgrabe ‘ der hinterste Graben mit einem Fall (senkrechtes Felsstück) ’ (Obergesteln) und andere. Einen seltsamen Sonderfall bietet Fällhäuser (SK, Ausserbinn), das sich nur auf SK befindet. Eine Deutung ist nicht möglich. Wohl ein Pflanzenname liegt vor in ts Faluchrüt ‘ Pflanzenname für Arnica Montana (Arnika) (I D . 3, 899), dt. auch Berg-Wohlverlei ’ (Täsch; bei L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1118 als A RNICA MONTANA belegt). Hingegen ist wohl der Faluwald ‘ der Wald beim Fall (steiles Gelände? ) ’ (St. Niklaus) zum HL F ALL zu stellen; die Gwp. sagt, er sei zuunterst „ in denu Fälu “ , wobei dieser Flurname nicht vorkommt. Die Ableitung Felli f. ‘ das Fallen, die durch Sturmwind oder andere Naturgewalt herbeigeführte Verheerung im Walde; gefährliche Stelle auf den Alpen, wo das Vieh leicht fällt ’ (I D . 1, 761) handelt es sich um eine Abstraktbildung auf - ÎN (S ONDEREGGER 1958, 497) zum Verb fallen, ahd. fallî f. fellîna für ‘ Felsabsätze ’ . Belegt ist t Feli ‘ das von der Lawine gefällte Holz ’ (Kippel). Plurale sind ine Felinu ‘ in den steilen Gebieten (Gwp. meint „ Holzschlaggebiete “ ) ’ (Saas-Grund) und ine Felinu ‘ in den steilen Abhängen ’ (Zeneggen), wo sich auch in der undren Fellelun ‘ im unteren Teil des steilen Abhangs ’ (1703, Zeneggen) findet, wohl eine Diminutivbildung. Dreimal ist das Grundwort im Kompositum belegt: t Märafelli ‘ der Ort, wo Mähren (Pferde) hinunterfallen ’ (Törbel), t Märufelli (Embd) und Märufelli (Zeneggen), wobei die Belege aus Törbel und Zeneggen den gleichen Ort meinen. Als Bestimmungswort findet Felli sich in t Fellischlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung, wo Lawinen fallen können ’ (Grengiols) und Fellÿwasserleitung ‘ die Wasserleitung mit einem Gefälle? ’ (1847, Binn). Von Verben abgeleitete Bildungen sind: der Falländ Bach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (Blatten), ts Gfalle Holz ‘ das gefallene Holz (wohl einzelne Bäume, bei Sturm oder Schnee umgefallen) ’ (Oberwald), der Gfallt Wald ‘ der abschüssige Wald ’ (Ried-Brig), t Verfalle Lamme ‘ der mit gefallenen Felsen gefüllte Graben ’ (Reckingen), im Zerfalnen Stadel ‘ im zerfallenen Stadel ’ (1738, Birgisch) und z Fallen Gaden ‘ beim verfallenen Gaden (Stall) (? ) ’ (1549, Niederwald). Nicht immer klar ist die Unterscheidung zum HL F ÄLE , das zu Fälach ‘ Weidebaum ’ gestellt wurde. Falle Falle f., ist zu schwdt. Falle n f., Dim. Fälleli, ahd. falla, mhd. valle f., ‘ Falltüre, Klappe ’ , und wdt. Falla, Fallä (Goms), Fallu ‘ Mäusefalle, Hinterhalt ’ (I D . 1, 747 ff; G RICH- TING 1999, 76) zu stellen. Die alten Tierfallen hatten eine Falltüre, während die häufigen Bärfallen in den Namen auf ehemalige Fallgruben weisen. In FlN auch für Mensch und Tier steile, gefährliche Geländestellen (I D . 1, 747 ff.; B ENB 1, 1, 112). Das Simplex ist als zer Fallen (1637, Ausserberg), t Fallä ‘ die Fallen ’ (Gampel) und in der Fallen (1701, Bratsch; identisch mit dem Beleg in Gampel) belegt; in Gampel schwankt der Name zwischen Singular und Plural. Die Simplizia geben nicht an, in Bezug worauf sich hier eine Falle befindet. Mit attributiven Adjektiven sind belegt: t Alti Fallu ‘ die alte Falle ’ (Oberems), sowie zen Obren Fallen (1784, Gampel) und au ᵕ f den u ᵕ ndren Fallen (1784 u. später, Gampel). Auch hier fehlen weitere Angaben zu den Fallen. Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit mehreren Tiernamen verbunden: di Bärufalla ‘ die Falle für Bären ’ (Ried-Brig), di Bärufallu ‘ die Falle für Bären ’ (Niedergesteln, Saas-Balen, Saas-Fee), Bärufalle ‘ die Fallen für Bären ’ (FLNK u. LT, Ferden; SK Bärenfällen), dazu die Kurzformen ts Bärfel ‘ die Bärenfalle (aber ntr.) ’ (Oberwald), jm Berfell ‘ in der Bärenfalle (aber ntr.) ’ (Obergesteln), weiter zer Chalberfallu ‘ bei der gefährlichen Stelle (Falle) für Kälber ’ (Blatten), t Maaderfalla ‘ die Marderfalle ’ (Eggerberg), Maaderfalla ‘ die Marderfalle ’ (FLNK, Ausserberg), zer Marderuallun ‘ bei der Marderfalle ’ (1301, Mörel). Zweimal belegt ist der Typ Chnebelfalla ‘ die Knebelfalle (Falle mit Rundhölzern für Gemsen) ’ (Randa) und t Knebilfalle ‘ die Knebelfallen (Fallen mit Rundhölzern für Gemsen) ’ (Visperterminen). Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita zusammen mit folgenden Grundwörtern auf: Schleif, Tschugge und Wald. Unklar ist t Fallucheera ‘ die Kehren bei den Fallen / des Weges zur Faldumalp (unsicher) ’ - es handelt sich um Kehren in einem steilen Weg zur Faldumalp, wo sowohl Fall (im Sinn von fallen), wie auch Falle f. oder gar eine sonst nicht belegte Form von Faldum (> Fallu) vorliegen kann. Komplexere Konstruktionen finden sich vor allem mit dem Typ Bärufalla mit den Grundwörtern Grabu, Stapfa, Treich, Tritt, Wäg und Wang. Dazu kommt (den) hintern Berfelwald ‘ (den) hinteren Berfelwald ’ (1850, Obergesteln) zu Berfel ‘ Bärenfalle ’ . 117 118 Falle <?page no="325"?> Faller (FaN) Faller (FaN) ist nur einmal als jn Fallero Bou ͦ mgarten ‘ im Baumgarten der Familie Faller ’ (1599, Baltschieder) belegt. Fallero ist ein Genitiv Plural für ‘ die Familie Faller / die Leute des Faller ’ . Dieser FaN ist nicht belegt, es gibt aber den FaN Bärenfaller (AAWB 22), von dem aus ein einfacherer FaN Faller abgeleitet sein könnte. Fallon Fallon ist 1353 als ou fallon in Leukerbad belegt. Der Text lautet: „ ou fallon apud boez supra aquam de dale (ou fallon bei Leukerbad über dem Bach Dala) “ . Die Konstruktion deutet auf ein romanisches Lexem; am ehesten ist wohl vallon gemeint, sodass der Name ‘ im kleinen Tal ’ ist. vallon ist in FEW (14, 138) belegt. Das bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 20) belegte Valo als „ pente de terre (Bodenabhang) “ ist nicht auszuschliessen; es fehlt aber das auslautende / -n/ . Fällsch Fällsch Adj. ist nur belegt in ts Fällsch Lowwili ‘ das falsche (täuschende) kleine Rutschgebiet ’ (Simplon), von Gwp. als ‘ Lawine, die nicht gesehen wird, bis sie über den Felsen springt ’ gedeutet. Fällsch ist zu schwdt. Adj. falsch ‘ falsch, unrichtig ’ , mhd. vals(sch) (I D . 1, 815 f.) zu stellen; bei J ORDAN (1985, 160) für Simplon als ‘ unaufrichtig, hintersinnig ’ wiedergegeben. Die Form mit / ä/ ist bei G RICHTING (1998, 76) sonst nur für Zermatt erwähnt; I D . kennt sie nur für Appenzell. Faltginen Faltginen ist 1739 in Greich als aúff den Faltginen belegt. Die Schreibung verdeckt ein gesprochenes Faltjini ‘ die kleinen Falten ’ . hierzu gehören wohl auch t Falltini (Gampel) und Falti (FLNK, Saas-Balen). Sie sind zu schwdt. Falt, Fald m., mhd. falt wie nhd. ‘ Falte in einem Kleid ’ und wdt. Faalt ‘ Falte ’ (I D . 1, 817; G RICHTING 1998, 75), in FlN für ein mit Spalten und Rissen zerklüftetes Gelände zu stellen. Fälwig Fälwig ‘ falbfarben ’ ist nur einmal belegt in ts Fälwig Egg (Brigerbad), eine helle, schwach bewachsene, steile Felswand. Es ist zum schwdt. Adj. falw ‘ blassgelb, verblichen ’ , mhd. fal(w) ‘ bleich, entfärbt, verwelkt ’ (I D . 1, 822) zu stellen; die adjektivische / - IG / -Ableitung hat die Bedeutung ‘ Schattierung in der Art der Farbe falw ’ . Fang Fang m. ist zu schwdt. Fang m. ‘ Einfriedung, eingehegtes Stück Land, Wiese, Weinberg ’ (I D 1, 855) zu stellen (cf. HLL B I , I N ). Im Kompositum der Kiisfang (Niedergesteln), auch der Kisfang (Niedergesteln), ist jedoch eine Bachverbauung zu verstehen, die den vom Bach mitgeführten Kies auffängt; der Name scheint aus dem Hochdeutschen entlehnt. Belegt ist 1653 in Leuk jn Fange ‘ im Fang (eingehegtes Stück Land) ’ , wobei hier auch das synonyme I(n)fang gemeint sein kann. In Fiesch ist 1638 im Feng belegt. Wiler hat ts Feng und t Fengmatte ‘ die Wiesen beim eingehegten Stück Land ’ . Das sonst unbelegte Neutrum deutet auf ein Kollektivum hin: ‘ die eingehegten Stücke Land ’ . In Fiesch ist das Genus unklar. Das Verhältnis zu ts Fa (Zwischbergen), historisch 1461 als jn Fan, ist unklar (cf. HL F A ). Der Typ Bifang ist auf schwdt. Bîfang Pl. Bifäng ‘ Einzäunung; ein von Furchen oder Zaun umgebenes, mit Bäumen besetztes, meist als Wiese benutztes Stück Land ’ , ahd. b ī fang, mhd. bifanc zurückzuführen. Die phonetisch verkürzte Form Bifig erscheint im Walliserdeutschen sehr häufig (I D . 1, 856; LUNB 1, 1, 188 f.). Von den zwölf belegten Namen ist das Simplex im Singular als der Bifang (FLNK, Oberems), historisch als Bifang (1297, Lalden), Biuanc (1302, Mund) und Jmbifeng (1560, Steg, unsichere Lesart) belegt. Der Plural ist als di Bifäng (Gampel, Guttet) bezeugt. Nur historisch findet sich an den Byvyngue (1337, Bratsch). Einmal erscheint der Diminutiv Plural di Bifängjini ‘ die kleinen eingehegten Stücke Land ’ (Ergisch; FLNK hat Bifängji). Unsicher sind die Belege aus Unterems: in dem Biuanc (1306), ol Biwanc (1328), ou Biwant (1328, Leuk). Der romanische Artikel ol/ ou dürfte zum dt. Bifang gesetzt worden sein; ob der Ersatz von {f} durch {u}, resp. {w} eine stimmhafte Aussprache meint oder bloss eine Variante ist, bleibt unklar. Ein attributives Adjektiv ist in jm Niwen Bifang ‘ im neuen eingehegten Stück Land ’ (1516, Ergisch) belegt. Zweimal finden sich vorangestellte Genitive: Follins Byfang ‘ das eingehegte Stück Land beim Folli ’ (1516, Ergisch) und in Peter Hischiers Bifang ‘ das eingehegte Stück Land des Peter Hischier ’ (1682, Oberems). Der Genitiv Follins lässt sich wohl zum belegten ts Folli (Ergisch) stellen (cf. HL F OLLA ); der FaN Hischier ist für Oberems gut belegt (AWWB 125). Bifig m. ist als lautlich reduzierte Form (historisch auch Bifing) häufiger als die volle Form Bifang. Daraus abgeleitet ist im Wallis der FaN Biffiger (AWWB 32). Der Namenstyp fehlt im Bezirk Leuk. Die ältesten Belege zeigen grafische Unsicherheiten: 1292 wird in Visp apud Bynynguen ‘ beim eingehegten Stück Land ’ notiert, 1300 in Bürchen Bifingue ‘ das eingehegte Stück Land, 1301 in Eischoll ze dien Biuinguen ‘ bei den eingehegten Stücken Land ’ und apud Biuingue ‘ beim eingehegten Stück Land ’ , sowie in Saas-Balen jn dem Bifinge und in Mörel jn dem Bifingue, 1303 in Raron Faller (FaN) 119 120 <?page no="326"?> Biuyng und im gleichen Jahr in Ausserberg in dem Biuingue. Umstritten sind also die Schreibung von {f} vs. {u} und des Auslauts {ge} vs. {gue}. Die jeweils zweiten Schreibungen entsprechen eher der romanischen Tradition, die ersten der deutschen. Lebend belegt ist am häufigsten das Simplex im Singular der Bifig (Binn und zwölf weitere Gemeinden), manchmal als im / em / ufum Bifig. FLNK hat in Termen Biffig, in Staldenried und Kippel Bifig. Historisch kommen sehr unterschiedliche Schreibungen vor (siehe schon oben). Flektierte Formen wie de Byvingen (1336, Birgisch) und apud Bynynguen (1292, Visp, eventuell verlesen zu Byuynguen) können zu Bifing (Singular) gestellt werden. Einige wenige Gemeinden haben die Pluralform t Bifega (Blitzingen), di Bifige (Bellwald, Mund) als Feminin Singular reanalysiert; unklar ist, ob dies Grundstücke der Familie Biffiger sind. Im Fall von t Bifega (Fieschertal) ist unklar, ob ein Singular oder ein Plural vorliegt. Die übrigen Belege wie di Bifiga (Hohtenn und fünf weitere Gemeinden), historisch auch in den Bivingen (1388, Törbel) zeigen jedoch den Plural an. Seltsam ist das zweimal belegte ze Bifigu ‘ bei den eingehegten Stücken Landes ’ (Eischoll, Zeneggen), das auch den Wohnort der Familie Biffiger meinen kann. Mit attributiven Adjektiven ist das HL wie folgt konstruiert: der Inner Biffig ‘ das innere eingehegte Stück Land ’ (Eisten; 1866, Steg), das Klein Bifiglin ‘ das kleine eingehegte Stück Land ’ (1645, Simplon), ze den Nideren Bifingen ‘ bei den unteren eingehegten Stücken Land ’ (1309, Zeneggen), der Ober Bifig ‘ der obere Teil des Gebietes Bifig (eingehegtes Stück Land) ’ (Kippel, Unterbäch), t Obre Bifige ‘ die oberen eingehegten Stücke Land ’ (Münster), der Under und der Ober Biffig ‘ das untere und das obere eingehegte Stück Land ’ (1756, Betten), t Under Bifig ‘ die untere Bifig (das eingehegte Stück Land) ’ (Kippel, hier Fem. Sg.! ), t Unner Bifega ‘ das untere eingehegte Stück Land ’ (Blitzingen), t Unnere Bifige ‘ der untere Teil des Gebietes Bifige (die eingehegten Stücke Landes) ’ (Münster), in (lat.: ) inferiori (unter) Bifingen ‘ in den unteren eingehegten Stücken Land ’ (1354, Ulrichen), der Unner Bifig ‘ der untere Teil des Gebietes Bifig (das eingehegte Stück Land) ’ (Eisten), der Üsser Bifig ‘ der talauswärts liegende Teil des Weilers Bifig (das eingehegte Stück Land) ’ (Eisten). Zweigliedrige Komposita mit dem Grundwort Bifig sind selten: der Birchibifig ‘ das eingehegte Stück Wiese im Bereich Birchi (Birkengehölz) ’ (Obergesteln), Soppenbifing ‘ das eingehegte Stück Land, auf dem Soppen (Bocksbart) wächst ’ (1309, Törbel). Komplexer ist der Ho(f)stetterbifig ‘ das eingehegte Stück Land im Bereich Hostette (Hofstatt) ’ (Obergesteln), wo wohl ein ursprünglicher Genitiv ‘ der Leute von Hofstetten ’ vorliegt. Als Bestimmungswort ist das HL Bifig mit den Grundwörtern Acher, Alpa, Bord, Brunnu, Egg(a), Färich, Flüö, Kapälla, Matta, Schiir, Schleif, Spiss, Suon, Wald und Wier verbunden. Komplexer ist dr Bifigegguschleif ‘ der Schleif im Gebiet Bifigeggu (die Ecke im Bereich Bifig (das eingehegte Stück Land)) ’ (Kippel). Eine Ableitung auf / - ER / ist in di Bifigertola ‘ die Mulde im Gebiet Bifiga (das eingehegte Stück Land) ’ (Mund) vertreten; es geht wohl auf einen alten Genitiv Plural zurück. Eine Ableitung auf / - ERRI / , die Wasserleitungen kennzeichnet, ist in die Biffigerri ‘ die Wasserleitung, die zum Gebiet Bifig (das eingezäunte Stück Land) führt ’ (1597, Eisten) und Bifigerri ‘ die Wasserleitung, die zum Bifig (das eingehegte Stück Land) führt ’ (1759, Simplon) vertreten. I(n)fang m. ist zu schwdt. Infang m. ‘ Einhegung, eingehegtes Stück Land, Wiese, Weinberg ’ (I D . 1, 855) zu stellen. Die gut 20 Belege weisen die Singularformen der Einfang (1824, Bellwald), der Ifang (Bitsch und weitere acht Gemeinden), (im/ am) Jnfang (1304, Stalden und weitere sechs historische Belege), der Jnvang (1308, Saas-Balen), den Plural t Ifeng (Glis) und die Diminutive ts Ifangji (FLNK Eischoll, Unterbäch) und ts Ifengji (Mund, Täsch) auf. Fännä Fännä ‘ Frau ’ ist lebend in di Boonufännä und ts Boonufännugässi (beide Leuk) belegt. Zu Grunde liegt frpr. bonna fèna ‘ bonne-femme ’ (G PSR 2, 492 s. v. bonne-femme). Historisch gehört hieher auch in den Sonnenfenden (1757, Leuk); unklar ist dabei, ob der Name wirklich als Sonnenfenden oder doch als Bonnenfenden zu lesen ist; dann wäre der Name identisch mit den Boonufännä. Das Kompositum bezeichnet eine Hebamme, wird aber ebenfalls für eine Pflanze (Distel; vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1140 - 1152 mit verschiedenen Pflanzen, die als C ARDUUS , C IRSIUM und E CHINOPS mit mehreren Unterarten und weiteren Pflanzen genannt werden) verwendet und kommt auch sonst als Flurname vor. Die genaue Motivation für einen Rebberg ist unklar. Fanöüschi Fanöüschi n. ist als ts Fanöüschi (Leuk, FLNK Fanöischi; LT Vanoischi) belegt. Die ältesten Dokumente haben 1563 in Fanussji, im gleichen Jahr in Vanusy, 1582 jn der Fanus, 1685 in Fanausche, im gleichen Jahr y Fanausche, 1784 in Fanausi, 1751 im Fanauschi und 1865 im Fannaúschi. Der Wechsel des zweiten Vokals (/ u/ vs. / öü/ vs. / au/ usw.) entspricht der Palatalisierung von / ou/ zu / öü/ , der Verhochdeutschung von / ou/ zu / au/ und in den 121 122 Fanöüschi <?page no="327"?> Belegen von 1563 und 1582 einer Vereinfachung von / ou/ zu / u/ . Inhaltlich handelt es sich um den Illgraben. Seltsamerweise ist auch schon in den ältesten Belegen ein / s/ oder / š / enthalten; diese zwei Konsonanten werden im Kontext eines deutschen Diminutivs als / ji/ umgedeutet. Zugleich ist die Betonung auf der ersten Silbe, was bei einem Diphthong in der zweiten Silbe mindestens problematisch ist. Wenn der Beleg von 1582 jn der Fanus als Ausgangspunkt dient, dann sind alle Belege mit einem Diminutiv davon abgeleitet; dieser Diminutiv scheint dt. zu sein, der Stamm jedoch romanisch. Vermutlich ist das HL zu fani (got.) schlamm (FEW 15, 2, 108) zu stellen. Die genaue Ableitung bleibt allerdings unsicher. Färdi (PN) Färdi (PN) ist nur in ts Färdiwaldji ‘ der kleine Wald des Färdi (Ferdinand) ’ (Ergisch) und ts Tamborfärdisch Intjeier ‘ der Eintuer (kleiner Stall) des Ferdinand, der Tambour ist ’ (Hohtenn) belegt. Beim Beleg aus Ergisch sagt Gwp., dass der kleine Wald einst einem Ferdinand gehört habe. Färdi ist zu Ferdi ‘ männl. Eigenn. Ferdinand ’ (I D . 1, 995) zu stellen. Färich Färich m. ‘ Pferch ’ ist zu schwdt. Pfärrich, Pfäärich, Fäärich, Fäderich, Pfärch, Färrig, Ferig u. ä. m./ n., Pl. unverändert und Fääriche n u. ä., ahd. parrih, mhd. pferrich m., ‘ eingefriedigter Platz, Pferch ’ und wdt. Färich, Färig (Saastal), Färrich (Lötschtal und Rarner Schattenberge), Ferich (Leuker Berge) ‘ Pferch, Gehege ’ (I D . 5, 1174 ff.; G RICHTING 1998, 76; R ÜBEL 1950, 110) zu stellen. In Grächen, St. Niklaus, Randa und Täsch ist auch ‘ Viehstall auf der Alpe ’ (SDS 7, 246) gemeint. Das Simplex erscheint im Singular in verschiedenen Formen: der Fääderich ‘ der Pferch ’ (Münster), em Färech ‘ im Pferch ’ (Bellwald), der Färich ‘ der Pferch ’ (Eyholz und sechs weitere Belege), im Färich ‘ im Färich ’ und andere Präpositionen (Goppisberg und drei weitere Belege), Färrich ‘ der Pferch ’ (Ausserberg, Eggerberg, Ried- Brig) und der Färig (Saas Almagell, zwei Belege). Historisch ist jm Ferrich (1688, Zeneggen und vier weitere, teilweise andere Präpositionen) belegt. Unklar ist in Unterbäch 1649 am Ferek, wo entweder ‘ am Pferch ’ oder ein Kompositum mit Egg(a) gemeint ist. Der Plural des Simplex ist ebenfalls unterschiedlich geformt: ts Färrchu ‘ bei den Pferchen ’ (Mund), t Färicha ‘ die Pferche ’ (Erschmatt, FLNK Zermatt), Färiche ‘ die Pferche ’ (Oberwald), Ze Färichu ‘ bei den Pferchen ’ (Eisten, Täsch) (Eisten hat LT u. FLNK Ze Färigu), t Färiga ‘ die Pferche ’ (Saas Almagell, Saas Grund), Ze Färigu ‘ bei den Pferchen ’ (Eisten, Saas Balen), t Färricha ‘ die Pferche ’ (Ausserberg, Simplon (SK Feriche)), Ze Färrichu ‘ bei den Pferchen ’ (Eischoll und vier weitere), ob de Färrichu ‘ oberhalb der Pferche ’ (Raron), Zen Ferrihen ‘ bei den Pferchen ’ (Blatten). Historisch sind belegt: die Ferracha (1528, Ernen; 1537 an den Ferricha), jn den Ferrichen (1653 u. später, Bister). Diminutive im Singular sind das Ferrichlin ‘ der kleine Pferch ’ (1677, Oberems) und Färrichi ‘ der kleine Pferch ’ (FLNK, Niederwald). Plurale des Diminutivs: t Färichjini ‘ die kleinen Pferche ’ (Visperterminen), t Färrichjini ‘ die kleinen Pferche ’ (Raron), in den Ferrichÿnen ‘ in den kleinen Pferchen ’ (1764, Naters; im gleichen Jahr die Ferrichini). Mit attributiven Adjektiven erscheint das HL wie folgt: der Alt Färich ‘ der alte Pferch ’ (Varen), zum Alten Ferrig ‘ zum alten Pferch ’ (1852, Saas-Almagell), zen Alte Färigu ‘ bei den alten Pferchen ’ (Saas-Grund), zen Alte Färrichjinu ‘ bei den alten Pferchen ’ (Niedergesteln), t Altu Färicha ‘ die alten Pferche ’ (Leuk, Leukerbad), der Aut Färich ‘ der alte Pferch ’ (Mühlebach), der Gross Färich ‘ der grosse Pferch ’ (Törbel), zenn Inndrä Färrihen ‘ bei den inneren (taleinwärts liegenden) Pferchen (Blatten), der Niib Färich ‘ der neue Pferch ’ (Varen), der Ober Färich ‘ der obere Pferch ’ (Steg), in Steinino Ferrich ‘ im steinernen Pferch ’ (1718, Baltschieder), vber denn Steinninen Fa ᵉ rrich ‘ über den steinernen Pferch ’ (1548, Saas-Balen), der Stenofärich ‘ der steinerne Pferch ’ (Visperterminen, 1576 Steinin Ferrich) (Steno liesse sich als gekürzte Form nach Brandstetters Gesetz verstehen, wenn der Name als Kompositum genommen wird), im Teiffen Ferrich ‘ im tiefen Pferch ’ (1584, Binn), zen Uisträ Färrichen ‘ bei den äusseren (talauswärts liegenden) Pferchen ’ (Blatten), ts Vergiischtig Färigi ‘ der kleine neidische Pferch (Motivation unklar) ’ (Saas-Almagell). Belege mit vorangestellten Genitiven sind: der Grunder Färig ‘ der Pferch der Leute von Saas-Grund ’ (Saas- Grund), ts Holzisch Färricha ‘ die Pferche der Familie Holzer ’ (Naters), zer Lidnerru Ferrich ‘ beim Pferch der Leute von Liden (oberhalb Tatz) ’ (Niedergesteln) (Genus Feminin erklärt sich aus Hofstatt), ts Meier Heimsch Färrich ‘ der Pferch des Meiers Heimen (PN) ’ (Blatten), Merjerrufärricha ‘ die Pferche der Leute von Mörel ’ (Naters), der Nanserfärich ‘ der Pferch der Alpe Nanz ’ (Visperterminen), der Pfannerfärich ‘ der Pferch des Pfanders (der das entlaufene Vieh pfändete) ’ (Blitzingen), der Borterfärrich ‘ der Pferch der Familie Borter ’ (Naters), der Reckiger Färich ‘ der Pferch der Reckinger (auf Ulrichener Boden) ’ (Ulrichen), ts Riedufärich ‘ der Pferch der Leute vom Ried / der Familie Rieder ’ (Grächen), Zschampigo Ferichs ‘ des Pferchs der Alpe der Familie Tschampen ’ (1714, Binn), Stoffels Ferrich ‘ der Pferch des Stoffel / der Familie Stoffel ’ (1672 u. später, Törbel), Stoffols Ferrich ‘ der Pferch des Stoffel / der Familie Färdi (PN) 123 124 <?page no="328"?> Stoffel ’ (1672 u. später, Embd) (die beiden Belege bezeichnen wohl die gleiche Flur), ts Taafidsch Färrich ‘ der Pferch des David (PN) ’ (Ferden), im Vischperfärich ‘ im Pferch der Leute von Visp (im Nanztal) ’ (Visperterminen). Die Namen im Nanztal beziehen sich auf Tärbinernanz und Vispernanz. Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort beziehen sich häufig auf die Tiere für die Pferche: die Gaalgifärricha ‘ die Pferche beim Gaaltgi (Alpe für die jungen Ziegen, die noch nicht geworfen haben) ’ (Baltschieder), der Geissfärich ‘ der Pferch für die Ziegen ’ (Embd, Randa; Plural in Naters), der Gitzifärich ‘ der Pferch für die jungen Ziegen ’ (Ried Mörel), der Chalberfärich ‘ der Pferch für die Kälber ’ (Bratsch, Mund, Törbel und historisch Raron), ts Muttschfärrich ‘ der Pferch der ungehörnten Ziege ’ (Raron; formal ist ts Muttsch ein Genitiv! ), jm Rosferrich ‘ im Pferch für die Pferde ’ (1664, Oberems), der Schaaffufärich ‘ der Pferch für die Schafe ’ (Visperterminen, zwei Belege), der Schaffärich ‘ der Pferch für die Schafe ’ (Ernen, Salgesch, Plural Bratsch), der Stüedfärrich ‘ der Pferch für die Stuten ’ (Ausserberg), Vühfehrich ‘ der Pferch für das Vieh ’ (1839, Bellwald), jm Wolffärich ‘ im Pferch, der vor Wölfen schützte ’ (1488 u. später, Naters). Ob in der Fuggsfärrich ‘ der Pferch im Gebiet mit Füchsen / der Familie Fux ’ (Oberems) die Besitzer oder die bedrohenden Tiere gemeint sind, ist unklar. Die meisten zweigliedrigen Komposita weisen im Bestimmungswort auf eine nahegelegene Flur hin: di Bifigfäricha ‘ die Pferche auf der Alpe Bifiga (eingezäunte Stück Wiesen) ’ (Törbel), der Brandjifärich ‘ der Pferch im kleinen brandgerodeten Gebiet (Brandj) ’ (Visperterminen), Eggufärich ‘ der Pferch bei den Eggachra ’ (Eischoll), di Guggifärriha ‘ die Pferche auf der Alp Guggina ’ (Blatten) und andere mehr. Einige wenige Komposita enthalten Pflanzennamen: Blüemufärrich ‘ der Pferch mit Blumen ’ (Birgisch, ev. sind Heublumen gemeint), der Griffolfärrich ‘ der Pferch am Ort, wo Preiselbeeren wachsen ’ (Törbel), ze Heimefärichu ‘ bei den Pferchen der Familie Heimen / des Heimo / wo es Heimine (Guter Heinrich (Chenopodium bonus-henricus)) hat ’ (Embd; unklar, welche Deutung gilt), t Stockfäricha ‘ die Pferche im Stock (bestocktes Gebiet) ’ (Steg; nur wenn ‘ Stock ’ als Baumstock verstanden wird). Auf das Material der Pferche bezieht sich der Steifärich ‘ der Pferch aus Stein ’ (Ried-Mörel), dazu kommen Steifärrich (Ried-Brig), ts Steifärichji (Visperterminen), t Steifärricha (Glis), bim Steinigefärich (Oberwald; unsicher, ob ein Adjektiv vorliegt) und ze Steinefärigu (Eisten), sowie die schon genannten Adjektivbildungen mit Steinin ‘ steinig ’ . In allen Fällen sind Pferche aus Stein gemeint, während andere Pferche dauernd oder temporär aus Holzzäunen bestehen. Drei Namen sind besonders: der Boozufärich ‘ der Pferch mit Gespenstern ’ (Bürchen), Bsetzfärich ‘ der Pferch, der bei der Alpauffahrt (Bsetzi) gebraucht wird ’ (FLNK, Unterbäch) und der Nachtfärich ‘ der Nacht- Pferch (Pferch für das Vieh in der Nacht) ’ (Oberems). Komplexere Konstruktionen sind der Borertschuggufärrich ‘ der Pferch bei den Borertschugge (Felsen mit Bohrlöchern) ’ (Hohtenn), der Drispitzfärich ‘ der Pferch mit dem Dreispitz (dreieckige Mauer gegen Lawinen) ’ (Visperterminen), t Forsaasfäricha ‘ die Pferche bei der Vorsass (Voralpe) ’ (Blatten), t Hofattfärricha ‘ die Pferche beim hohen Felsband ’ (Mund), der Lochreeftufärrich ‘ der Pferch beim steilen Abhang zum Loch ’ (Hohtenn) und weitere. Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Acher, Fad, Flüö, Gassa, Gletscher, Güet, Gufer, Hitta, Hooru, Licka, Löuwina, Matta, Müra, Pletscha, Schiir, Stafel, Stutz, Tschugge, Wäg und Wald. Einen Beleg für das HL im Genitiv bietet ts Fäärigsch Müüru ‘ die Mauer des Pferchs ’ (Saas-Almagell). Komplexere Fälle sind: der Färiwaldstafol ‘ der (Alp-) Stafel im Färiwald (Wald bei ze Färiche (bei den Pferchen)) ’ (Eischoll) und Zwischfärichflienu ‘ die Flühe zwischen den Pferchen ’ (Randa). Unklar ist Zen Gampinen der Ferrich Susta dem Treichweg (1787) in Leuk. Susta ist laut P H . K ALBERMATTER (p. c.) eine Fehllesung für juxta ‘ neben ’ , also ‘ der Pferch neben dem Treichweg ’ . Abgeleitet ist der FaN Ferricher (cf. HL F ERCHER ), zu dem Ferrihers Bidemlin ‘ der kleine Boden der Familie Fercher ’ (1425, Eggerberg) zu stellen ist. Farn Farn ‘ Farn ’ ist zu schwdt. Farn m./ n., Pl. ebenso, ahd. farn, farm, mhd. varm, varn ‘ Farn ’ , ‘ Farnkraut, verschiedene Spezies, oft als grobe Streue verwendet ’ (I D . 1, 1017 f.) zu stellen; im Oberwallis meist als Faare (C. S CHMID 1969, 190; bei G RICHTING (1998) fehlt das Wort), deswegen ist im Einzelfall auch eine Ableitung zum Verb fare ‘ fahren ’ (cf. HL F AHR ) möglich. Inhaltlich ist wichtig, dass Farn eine Nutzpflanze als Streu und eine Heilpflanze gegen Hexenschuss und Ischias (C. S CHMID 1969, 190) war. Das Simplex ist nur im Plural mit einem Adjektiv belegt: t Obru und t Undru Fare ‘ der obere und der untere Teil des Gebietes mit Farn ’ (Simplon). Sonst ist Faar- Bestimmungswort, am häufigsten zu Acher (Gampel, Hohtenn, Leuk, Niedergesteln, Steg), einmal historisch Farenhaltÿ ‘ die kleine Halde beim Farn ’ (1774, Naters); komplexer ist der Faarachercheer ‘ die Strassenkehre beim Farnacker ’ (Steg). 125 126 Farn <?page no="329"?> Als Ableitung auf / - I / (wohl älter / - AHI / , siehe BENB 1, 1, 119) kommt Faarni ‘ das Gebiet mit Farn ’ (Fieschertal) vor. Produktiver ist die Feminin-Ableitung auf / - ERA / (ahd. / - ARRA / (I D . 1, 1019; S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) in Farnera ‘ Ort, wo Farnkraut in grösserer Menge gedeiht ’ , das als Simplex in Binn, Fieschertal, Grengiols und St. Niklaus belegt ist; historisch findet es sich als in der Varnaron (1399, Birgisch). Als Bestimmungswort tritt es als Farner auf: ts Farnerstäfulti ‘ der kleine Stafel bei der Farnere (Gebiet mit Farn) ’ und der Farner Graben ‘ der Graben beim Gebiet mit Farn ’ (1842, Turtmann). Unklar ist ts Farialp (Visperterminen). Wenn ts Artikel ist, passt er nicht zu Alp, das sonst immer feminin ist. Wenn ts ein Artikel im Genitiv ist, wäre Fari als PN oder Übername zu interpretieren ‘ die Alpe des Fari ’ ; Fari wäre dann ‘ jemand, der fährt ’ (I D . 1, 902); allerdings würde man dann einen Genitiv *ts Farisch Alp erwarten. Ein Konstruktion vom Typ ts Alp fare ‘ auf die Alp fahren (ziehen) ’ ist nicht möglich - sie erklärt weder die Stellung von Alp, noch die Form Fari. Z IMMERMANN (1968, 71) stellt t Farialp (Feminin! ) zu mhd. farn ‘ Farn ’ . Woher das neutrale Genus des Belegs von M. S. stammt, ist unklar. Fary Fary ist in zwei Formen vertreten; einmal als in d Fary ‘ die Fary (unsicher) ’ (1737, Albinen) und drei Mal als in den Fa ᵉ rys Sa ᵉ uinen ‘ die Sefinen (Juniperus sabina) beim Pferch / des Färy ’ (1550, Hohtenn; 1550 u. später, Niedergesteln; 1550, Steg), die sich wahrscheinlich in Niedergesteln befanden. Im zweiten Fall handelt es sich um ein maskulines Nomen, das wohl zu schwdt. Pfärrich ‘ Pferch ’ und wdt. Färich, Färig (Saastal), Färrich (Schattenberge), Ferich (Leuker Berge) ‘ Pferch, Gehege ’ (I D . 5, 1174; G RICHTING 1998, 76) zu stellen ist (cf. HL F ÄRICH ). Nicht auszuschliessen ist allerdings auch ein PN Färy. Im ersten Fall liegt ein feminines Fary in Albinen vor. Als romanisches Etymon ist es auch in Albinen nicht belegt. Eine Deutung ist aber auch sonst hier nicht möglich, da Fari im I D . (1, 902) nur als Maskulin oder Neutrum vorkommt und auch keine Deutung vorliegt, die passen würde. Ein dort erwähntes Ferig f. ‘ Waarentransport ’ wird auf S TALDER zurückgeführt, der allerdings in seinem Werk (1812, 364) das Wort nicht als Feminin und nur für das Schaffhausische angibt. Ob Fary trotz Feminin auch zum Beleg Pfärrich m. zu stellen ist, bleibt unklar. Fäsil Fäsil wird von I D . zu schwdt. F ă sel m. ‘ junges Vieh, junge Zucht, besonders von der selben Mutter, von Schafen, Ziegen, Schweinen; mageres, nicht zur Mastung bestimmtes Kleinvieh ’ bzw. Alpe für Schmalvieh oder junges Vieh, allgemein ‘ Zuchttier ’ , ahd. fasal, mhd. vasel m. ‘ männliches Zuchttier ’ und n. ‘ Nachkommenschaft ’ (I D . 1, 1055 f.) gestellt. R ÜBEL (1950, 113) kennt nur Faselschwii als Handelswort von ausserhalb des Wallis. Das HL kommt primär in Gampel vor und ist vermutlich ein romanisches Wort; der älteste Beleg von 1353 hat in alpibus de la vesla für die heutige Fäsilalpu (Gampel). M EYER (1914, 66) kennt vacivile. Es ist wohl zu FEW (14, 107 ff. s. v. vac ī vus leer) zu stellen. B OSSARD / C HAVAN (2006, 244) kennen das Etymon als Veisivi etc. und sagen dazu: „ au sens de bétail qui n ’ a pas encore porté [in der Bedetung von Vieh, das noch nicht getragen hat] “ . Die Alp in Gampel dürfte also auf deutsch in etwa Chalberalp oder ähnlich heissen. Ob das dt. Fasel zu einem rom. Bezugswort zu stellen ist, weiss I D . nicht, jedoch erwähnt es in der Anmerkung (I D . 1, 1056) eine sonst nicht belegte Fäsel-Alpe (Kanton Glarus) als „ eine Alp für Schmalvieh oder junges Vieh “ . Das HL tritt nur als Bestimmungswort in Fäsilalpu ‘ die Alpe Fäsil ’ (FLNK, Gampel) mit t Oberi und t Undri Fäsilalpu (Gampel), Obär und der Unner Fäsilstafil (Gampel), der Fäsilwald (Gampel) und historisch dem Fäsellzu ᵕ n nach ‘ dem Fäselzaun folgend ’ (1670, Gampel). Nicht hieher, sondern zum HL F ESCHIL gehört Fäselgrat (LT, Erschmatt), der sich oberhalb der Fäschillju (Bach bei Feschel vorbei) befindet. Ganz unsicher ist das 1720 in Gampel belegte jn der Fisilen. Zwar kennt I D . (1, 1074 f.) zwei Lemmata ‘ Hülsenfrüchte ’ und ‘ Rute ’ dazu, aber keines von beiden ist im Wallis bekannt; aus dem Beleg lässt sich im Weiteren nicht ablesen, ob eines der beiden gemeint ist. Eine Kurzform zu Fäsel liegt kaum vor, sodass eine Deutung nicht möglich ist. Fasnacht Fasnacht m. ist wohl zu schwdt. Fasnacht f., mhd. vastnaht, vas(e)naht (I D . 1, 947; I D . 4, 645 ff.) zu stellen. Was jedoch auffällt, ist das Genus Maskulin bei den zwei belegten Simplizia im Singular der Fasnacht (Fieschertal) und au ᵕ fem Fasnacht (1824, Bellwald). C. S CHMID (1968, 218) kennt für Bellwald allerdings nur den Brauch des Fasnachtsballs und des danach stattfindenden Fastnachtstischs. Das Nomen besteht laut K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 279 f.) aus dem sicheren zweiten Bestandteil Nacht, während die Herkunft des ersten Teils des Namens Fas unklar ist. G R W B (3, 1353 ff.) hat nur Fastnacht und interpretiert es als die „ letzte derb ausgenossene fresszeit vor dem beginn der faste “ . G RICHTING (1998) kennt das Wort nicht. Im Beleg t Fasnachtschnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land (Benennung nach Fasnacht ist unklar) ’ (Ernen) nennt Gwp. ein Partizip <verfasnachtet> und deutet es Fary 127 128 <?page no="330"?> als <verfestet>. I D . (4, 654 s. v. fasnachte n ) kennt nur ‘ die Fasnacht begehen ’ und ‘ (i)n der Fasnachtszeit grössere Gesellschaften abhalten ’ . Für die beiden Simplizia im Singular mit dem Genus maskulin ist eine Deutung schwierig; wir geben deswegen nur ‘ der Fasnacht ’ ohne weitere Erklärung. Die übrigen Belege kennen Fasnacht nur als Bestimmungswort. Das häufigste davon ist der Fasnachtbiel ‘ der Fasnachtshügel ’ (Törbel) und historisch auffum Fasnachtbiel (1695, Ausserberg), im Fasnachtbiel (1774, Raron), am Fasnachtbiell (1693, Unterbäch), sowie das gleichbedeutende Fasnachthubel (FLNK, Obergesteln). In Törbel sagt Gwp. „ An <fasnachten> spielte man hier den <Wilden Mann> “ ; der „ Wilde Mann “ ist eine Art Sündenbock, der die Sünden und Untaten der Dorfeinwohner büssen muss. In Glis ist 1849 das Fasnach Feürlÿ ‘ das kleine Fasnachtfeuer ’ belegt; offenbar wurde hier das Fasnachtfeuer entzündet. 1659 ist in Glis Fasnacht Drähen (unklar) belegt. Fassnachtgassen ‘ die Fasnachtsgasse ’ (1685, Oberems) und t Fasnachtschnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land für die Fasnacht ’ (Ernen) sind die weiteren Belege. Bei Biel, Hubel und Fiir (Feuer) sind Orte gemeint, wo das Fasnachtfeuer (I D . 1, 947 s. v. Fasnachtfür) brannte oder wo ein Fasnachtsspiel stattfand. www.ortsnamen.ch belegt mehrere Fasnacht im Kanton Zürich als „ Kulturland “ ; das könnte auch für die Fasnachtschnitta gelten. Die in Oberems erwähnte Fassnachtgassen diente wohl einem Fasnachtsbrauch, der nicht näher beschrieben ist. Zum Thema vgl. S. C HAPPAZ -W IRTHNER (1995). Fassig Fassig ist viermal als t Wasserfassig ‘ die Wasserfassung ’ (Grengiols, Oberwald, Simplon, Zwischbergen) und in der mit / - ER / abgeleiteten Form Fasser in Fasserwald ‘ der Wald, wo man Wasser fasste ’ (LT, Biel) und der Fasserwaud ‘ der Wald, wo Wasser gefasst wurde ’ (Ritzingen, LT Fasserwald, FLNK Fasserwaud mit / l/ -Vokalisierung) belegt. Das HL ist zum schwdt. Fassig f. wie nhd. ‘ Fassung ’ hier Fassungsstelle des Wassers, Hauptfassung am Bach, / - IG / -Ableitung zum Verb schwdt. fasse n (I D . 1, 1058 ff.) zu stellen. Es handelt sich um eine Angleichung des hdt. Wasserfassung an das Wdt. Fasser ist zwar im I D . (1, 1062) belegt, aber in anderer Bedeutung. G RICHTING (1998, 76) kennt nur das Verb fasse, fassä (Goms), fassu ‘ einfüllen, fassen, begreifen ’ , wobei die letzte Deutung hier nicht einschlägig ist. Fätsch Fätsch n. ist lebend in ts Fätsch (Ergisch, auch FLNK und LT) belegt; statt Ergisch könnten laut historischen Belegen auch Ober- oder Unterems in Frage kommen. Nur von FLNK ist in Turtmann Fätsch und der Diminutiv ts Fätschi belegt, den aber FLNK auch für Unterems angibt. Nur historisch kommt Fetsch 1860 für Unterems vor. Die Belege liegen alle um Unterems herum und meinen wohl eine glatte, steile Wiese. Sie sind vermutlich zu schwdt. Fatsch, Fätsch (I D . 1, 1140) zu stellen, wobei die Deutung ‘ glatte, steile Wiese ’ so in I D . nicht vorkommt. I D . vermutet aber auch, dass Fäsch (cf. HL F ÄÄSCH ) vorliegt, sodass die Form hier nach Z INSLI (1946, 318, aber unsicher) eigentlich nur ‘ dichtes Gras ’ bedeuten würde. Eine Herleitung zu lat. FASCIA ‘ Binde ’ (FEW 3, 423 ff., bes. 425 ‘ Streifen Land ’ ) ist nicht auszuschliessen. Lebend kommt weiter in Betten Balifetscha (FLNK) vor. Bei Bali handelt es sich wohl um einen PN oder FaN (cf. HL B ALI (F A N)); Fetscha selbst könnte ein Plural ntr. oder ein (re-analysierter) Singular fem. sein. Der Name gilt heute für ein Waldgebiet; SK zeigt aber an der gleichen Stelle keinen Wald, sodass von einer glatten, steilen Wiese des Bali ausgegangen werden kann. Als Bestimmungswort kommt das HL nur 1621 in Ergisch als jm Fetschakerr ‘ im Acker beim Gebiet Fätsch (steile, glatte Wiese) ’ vor. Das in Ergisch ab 1621 erwähnte die Fetscherrun (1783 die Fetscherj) und das 1698 in Oberems belegte die Fetscheren meint in beiden Fällen eine Wasserleitung (Ableitung auf / - ERI / für Wasserleitungen), die vermutlich mit der 1801 in Unterems erwähnten Fescheru ᵕ (cf. HL F ÄÄSCH ) identisch ist. Es handelt sich um eine Wasserleitung zur Bewässerung des Fätsch oder Fätschi. Fatter Fatter ist nur in der Holzfatterlitschuggu ‘ der Fels des Holzväterchens (unklar, siehe Holzmüeterlitschuggu (Gampel)) ’ (Gampel) belegt. Das HL F ATTER ist zu schwdt. V ă ter m., Dim. V ă terli, Vätterli, Pl. Vättere n wesentlich wie nhd. ‘ leiblicher Vater ’ und im religiösen Sinn ‘ Gott ’ und wdt. Vatter, Vattr (Lötschtal) Vattär ‘ Vater ’ (I D . 1, 1126 f.; G RICHTING 1998, 219) zu stellen. I D . (4, 593) kennt Holzmüeterli als ‘ mythisches Wesen, Waldweiblein ’ . In Gampel wurden wohl zwei Felsen mit einem mythischen Paar Holzfätterli und Holzmüeterli verbunden und als metaphorische Namen betrachtet. Feck Feck ist als Simplex nur in Ergisch belegt und zwar 1337 als jn den Veche, 1345 wiederum jn den Veche und jn de Venche, 1355 als in Veche. Als Bestimmungswort erscheint es 1700 als im Feckboden (Bister); ob hier das gleiche Etymon vorliegt, ist sehr unsicher. Der erste Beleg Veche oder Venche könnte zum lat. V Ĭ CIA wicke (FEW 14, 413) gestellt werden und wäre dann aus dem Frankoprovenzalischen ins Deutsche übernom- 129 130 Feck <?page no="331"?> men worden. Wie L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 322 - 330) nachweisen, kommen verschiedene Wicken in der Schweiz vor. Ein deutscher Beleg zu diesem Flurnamen ist nicht zu finden. im Feckboden ist 1700 in Bister belegt. Während das Grundwort Boden (cf. HL Bodu) gut belegt ist, kann Feck als Bestimmungswort nicht bestimmt werden. I D . (1, 728) zu Fecke n ‘ Fittig, Flügel ’ und I D . (1, 731) Fëcker II ‘ Gauner, Landstreicher ’ kommen wohl beide nicht in Frage. Die Deutung bleibt deswegen unsicher. Fee (Schaf) Fee (Schaf) ist vor allem im Gemeindenamen Saas-Fee vertreten. Er ist auf spätlateinisch F Ē TA ‘ Mutterschaf ’ zurückzuführen und bedeutet in der Mehrzahl ‘ Schafweide ’ (FEW 3, 486a; G PSR 7, 216 f.). Volksetymologisch wird der Name oft als hdt. ‘ Fee ’ gedeutet; das lautgleiche Fee (Vieh) muss davon ebenfalls getrennt werden. Ausser im Gemeindenamen Saas-Fee kommt der Flurname als Grundwort nicht vor. In den ältesten Belegen erscheint der Name einfach als Vee (1304 u. später, Saas- Fee). In zweigliedrigen Komposita erscheint Fee als Bestimmungswort zusammen mit folgenden Grundwörtern: Blatta, Chi, Chopf, Gletscher, Joch und Wasser. In Saas- Grund kommen komplexere Konstruktionen vor: Feechi Kapällu ‘ die Kapelle beim Kinn (Schlucht), das Richtung Saas-Fee liegt ’ (FLNK, Saas-Grund), Ober und Unner Feechi ‘ der obere und der untere Teil des Kinns (Schlucht), das Richtung Saas-Fee liegt ’ (FLNK, Saas-Grund). Vermutlich gehört auch der Beleg Feegassu (FLNK, Saas- Grund) eher zum HL F EE (S CHAF ) als zum HL F EE (V IEH ) und meint dann ‘ die Gasse nach Saas Fee ’ ; es wurden in der Datenbank beide Deutungen hingeschrieben. Einen Genitiv findet man als Verro in (lat. quarterium) Verro ‘ der Viertel der Leute von Saas-Fee ’ (1553 u. später, Saas-Fee), im lebenden t Feeru Vischpu ‘ die Vispe (Fluss) vom Feegletscher herunter ’ (Saas-Fee; LT Feevispa, FLNK Feevischpa) und ts Feeruchi ‘ das Kinn (Schlucht) der Feeru-Vispe ’ (Saas-Fee). Das HL F EE (S CHAF ) ist ursprünglich frpr., wird aber heute als deutsches Etymon verwendet und ist deswegen nicht rot eingefärbt. Fee (Vieh) Fee (Vieh) kommt unter Vich ‘ Vieh ’ (I D . 1, 647), bei G RICHTING (1998, 219) als Vee ‘ Vieh ’ und bei R ÜBEL (1950, 49) als f ē (vereinfacht) vor. Dialektal ist langes / e: / belegt, das hdt. Vieh kommt in älteren Belegen ebenso wie hyperkorrektes Vüch vor. Das lautlich gleiche Fee (Schaf) ist für Saas-Fee und Saas-Grund belegt (cf. HL F EE (S CHAF )), das auf spätlateinisches F Ē TA ‘ Mutterschaf ’ zurückzuführen ist); es muss von Fee (Vieh) getrennt werden. Als Grundwort kommt das HL nur in der Komposition ts Salmufee (Ausserberg) vor, wo es aber unsicher ist; ein Bezug zum Fischnamen Salm (I D . 7, 866) liegt nicht vor. Mit Adjektiven ist belegt: an den Obren und an den Vndren Vieweiden ‘ an den Oberen und an den Unteren Vieweiden ’ (1473 und 1477, Visperterminen; im zweiten Fall vereinfacht) und aús dem Vnder Fieweir ‘ aus den unteren Vieh-Weier ’ (1703, Staldenried). Als Bestimmungswort (in verschiedenen Schreibweisen) ist es in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Blatta, Chi, Färich, Gassa, Stäga, Tschugge, Weid und Wier verbunden; vermutlich gehört aber Feegassu (FLNK, Saas-Grund) nicht hieher, sondern zum HL F EE (S CHAF ) als ‘ Gasse nach Saas-Fee ’ . Komplexere Formen sind an Lochmattero Vüchtreyen ‘ an den Viehwegen der Familie Lochmatter ’ (1758, Visperterminen), an den Obren Vieweiden ‘ an den oberen Weiden für das Vieh ’ (1473, Visperterminen), an den Vndren Vÿeweÿden ‘ an den unteren Weiden für das Vieh ’ (1477, Raron), aús dem Vnder Fieweir ‘ aus dem unteren Weiher für das Vieh ’ (1703, Staldenried) belegt. Feele Feele ist nur belegt in Feelewasserleita (FLNK, Ausserbinn). Eine sichere Deutung ist nicht möglich. Am nächstliegenden wäre der sonst im Oberwallis als Fälach ‘ Weide ’ (I D . 1, 842 s. v. Fëlwe) belegte Baum- oder Pflanzenname, der aber ein offenes / ää/ erwarten lassen würde und nicht / ee/ . Ob ein verdeckter Diminutiv zu schwdt. Vich ‘ Vieh ’ , wdt. Vee ‘ Vieh ’ (I D . 1, 617; G RICHTING 1998, 219; vgl. auch R ÜBEL 1950, 49) vorliegt, ist unklar; die / e/ - Qualität würde dann zwar stimmen, die Endung / -le/ dagegen ist sonst nicht belegt. Allerdings ist 1847 in Binn die Fellÿwasserleitung belegt, vermutlich die gleiche Wasserleitung, obwohl Binn sich weiter im Tal befindet als die kleine Gemeinde Ausserbinn, die heute zur Gemeinde Ernen gehört. Die Deutung ist deswegen unsicher. Feer Feer ist nur in Zwischbergen belegt. Das Simplex kommt historisch seit 1391 als an Ver vor, wobei die Schreibweisen sich ändern; die jüngeren Belege zeigen deutlich einen Langvokal (1697 an Fehr, 1755 Feer). Historisch sind weiter am Obren Fehr (1656 u. später) und Feermatton (1650 u. später, dann als Feermatta und Fehrmatten) belegt. Lebend kommen der Feerbärg und der Feergrabu vor. Die Namen deuten darauf hin, dass sich am Feerbärg ein Grundstück ts Feer befand. Die lebenden Belege zeigen ein geschlossenes, langes / e: / , das für einige Dialekte auch beim schwdt. fer(r), Adj. und Adv. ‘ fern, weit, ursprünglich rein räumlich ’ , ahd. vër, mhd. vërre ‘ fern, weit ’ (I D . 1, 912 f.) angegeben wird. Gemeint wäre Fee (Schaf) 131 132 <?page no="332"?> dann ‘ das abgelegene Grundstück ’ (cf. HL F ÄÄRE ). Allerdings hat G RICHTING (1998, 75) mit fääre, fäärä (Goms), fäärn (Lötschtal), fääru ‘ letztes Jahr ’ durchwegs langes / ää/ , sodass ein Beleg hierzu scheitern muss. J ORDAN (2006, 250 f.) nennt Feerbärg und Feer, sowie Feerwäg, Feergrabu und Feerschtägi, gibt aber keine Deutung dafür. Eine Deutung von O LIVIERI (1965, 158 s. v. Fèra; er führt es auf lat. FERIA zurück) kommt kaum in Frage; ob ein auf lat. FERRUM ‘ Eisen ’ zurückzuführendes Lemma fêr (LSI 2, 422 f.) zu berücksichtigen ist, bleibt sehr fraglich. Insgesamt ist die Deutung deswegen unklar. Nicht hieher, sondern zum Gemeindenamen Saas-Fee gehört Feer Vischpu ‘ die Vispe (Fluss) aus Saas-Fee ’ (FLNK, Saas-Grund) (cf. HL F EE (S CHAF )). Fegnes Fegnes kommt zweimal vor: ol Fegnes (1338, Salgesch) und ol Fegnez (1338, Leukerbad). Der erste Beleg weist en la perrosery ol fegnes auf. Der Flurname ist zu lat. FENUM heu, frz. foin (FEW 3, 455 ff.; G PSR 7, 593 ss.; H AFNER 1950, 75 - 77) zu stellen. Die belegte Form ist ein Plural und dürfte eine Pflanze bezeichnen. Am nächsten scheint das in G PSR (3, 601) erwähnte P HALARIS ARUNDINACEA ‘ Rohr- Glanzgras ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1534) zu sein, doch kommen auch andere Pflanzen in Frage. Wir geben den Namen deswegen als ‘ Heupflanzen ’ wieder. Fei Fei ist nur belegt in der Feiwald ‘ der Buchenwald ’ (Zwischbergen). J ORDAN (2006, 361) kennt neben dem Simplex Feiwaald auch Feiwaaldschtaaf u l. Der Wald befindet sich im Zwischbergental in einem Abhang auf rund 1650 m. Vermutlich liegt eine it. dialektale Form des Typs fay ‘ Buche ’ oder ‘ Buchenwald ’ (AIS 578, Nr. 114 Coppomorelli; O LIVIERI 2 1961; 223; 1965, 158; D EVOTO / O LI 2020, 822 s. v. faggio) zu Grunde. Feiwald ist also ‘ der Buchenwald ’ . Feist Feist ist ein attributiv verwendetes Adjektiv, das zu schwdt. Adj. feiss, feisst, ahd. feiz(i)t, mhd. veiz(e)t, allgm. ‘ fett ’ und wdt. feist ‘ fett ’ , in FlN in Hinsicht auf Pflanzenwuchs, Gras, Heu ‘ grasreiches, gedüngtes Land ’ (I D . 1, 1071 f.; G RICHTING 1998, 77; Z INSLI 1984, 564) zu stellen ist. Es ist nur in das feist Bidemgÿ ‘ der kleine, fette Boden ’ (1678, Martisberg) und jn dien veysten Matton ‘ in den fetten Wiesen ’ (1304, Törbel) belegt. Feitieru Feithieren, dial. Feitieru, Weiler der Gemeinde Leuk, liegt am linken Rottenufer, zwischen der Ausmündung des Illgrabens und dem Dorf Agarn (G EOGRAPHISCHES L EXIKON DER S CHWEIZ 2, 84). Die ältesten Belege für den Weiler haben 1338 ey foetyers, 1405 eys fuetiers (unsicher), 1412 eis fetyérs, 1428 eys feytyers, 1436 eys feityers usw. Erst 1593 wird ein dt. zum Feittier und vom Feÿtier verwendet. Die heutige Form ist 1788 als zen Feÿtieren, also einem Dativ Plural, belegt. Am ehesten liegt eine Ableitung auf / - ARIU ( M )/ - ARIA / zum frz. FAÎTE vor (G PSR 7, 120 s. v. faîtier mit Verweis auf FEW 15, 2, 129), wohl zu verstehen als ‘ das Bauen eines Hauses ’ oder ähnlich; als Name des Weilers wohl einfach ‘ bei den Häusern ’ . Das Wort ist auch im Deutschen früh entlehnt als feitiure ‘ Gestalt, Ausrüstung ’ (aus lat. FACTURA ) (L EXER 3, 50). Neben dem Weilernamen sind belegt: Oberfeitieru ‘ der obere Teil von Feithieren ’ (FLNK, Leuk), Unnerfeitieru ‘ der untere Teil von Feithieren ’ (FLNK, Leuk). Als Bestimmungswort kommt das HL mit Acher, Gassa und Matta vor. Komplexer sind ts Gross und ts Chlei Feitierugässi ‘ die grosse und die kleine kleine Gasse nach Feithieren (von Leuk aus) ’ (Leuk). Eine Kurzform findet sich in der Feierwald ‘ der Wald oberhalb Feithieren / der Leute von Feithieren ’ (Leuk), der bei FLNK als Feiruwald erscheint. Allerdings kann hier auch frpr. fao (vereinfacht) ‘ Buche ’ (FEW 3, 371 s. v. fagus buche; G PSR 7, 150 ff.) vertreten sein, das entrundet und zu Feithieren gestellt wurde. Feldmatter (FaN) Feldmatter (FaN) ist ein FaN, der in (terram) veltmattero ‘ (das Gebiet) der Feldmatter ’ (1478, Mund) vorkommt. J OSSEN (1986, 134; 1989, 73) erwähnt unter Nr. 42 Feldmatter als ausgestorbenen FaN für Mund. Felgarron Felgarron f. ist nur historisch in Glis belegt: 1338 ze Felgarron, 1392 zen Velgaren, 1398 zen Velgaron, 1406 zen Felgarren. Es ist zu schwdt. Fëlg e f., ahd. felga, mhd. felge, wie nhd. ‘ Felge; eines der krummen Holzstücke des Radkreises ’ , mit denominativer Suffixbildung ahd. / - AR- RA / , schwdt. / - ERE ( N )/ (I D . 1, 810; S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) zu stellen. URNB (1, 1023) gibt als Benennungsmotiv die Geländeform an. Allerdings verweist schon I D . (1, 808) auf das Verb falge n ‘ den Boden auflockern (insbesondere bei der Dreizelgenwirtschaft) ’ und G RICHTING (1998, 76) kennt für die Rarner Schattenberge falgu ‘ bewässern ’ . Es käme also auch eine Tätigkeit oder ein Werkzeug im Bereich der Bodenlockerung in Betracht. Eine Erweiterung mit dem Suffix / - ING / zeigen zwei Belege von 1320 zen Velguerryngen und zen Velguerrunguen; gemeint sind hier wohl die Bewohner. Als Bestimmungswort erscheint der Name in Glis 1320 Velgerrogazzon und Velgerryngazza, also die Gasse nach dem Ort in der Form einer Felge. 133 134 Felgarron <?page no="333"?> Feliitzi (PN) Feliitzi (PN) ist nur belegt in der Feliitzihubil (Raron). Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe, was einen PN vom Typ Felicia, Felicitas oder Felicius nahelegt. Feliizi ist eine Kurzform dazu (vgl. I D . 3, 1567 zu Litzi III, das auf Felicitas zurückgeführt wird). Felik Felik kommt nur in Felikhorn (it. Punta Felik) und Felikjoch vor, die als Feligshore und Feligsjoch (beide Zermatt, auch 1: 10000 mit {x} für {gs}) auf den PN Felix umgedeutet werden. Der Gipfel befindet sich laut LT auf der italienischen Seite. Dort ist auch ein Felikgletscher notiert, unterhalb des Felikhorns. Z INSLI (1984, 436 und 501) notiert die Namen s. v. Feligg für Gressoney und verweist S. 501 auf eine Sage, wonach hier früher eine Stadt Felick gestanden habe, die im Gletschereis verschwunden sei. LSI (2, 415 s. v. felécc ‘ Farn, Adlerfarn ’ ) gibt nahe Varianten, doch ist diese Deutung für einen Viertausender sehr unsicher. Insgesamt bleibt die Deutung darum unklar. Felis Felis ist nur einmal 1791 in Guttet als in Felismatten belegt. Die Schreibung des historischen Belegs ist nicht eindeutig lesbar; M. S. notiert in Klammern Selismatten. Wenn die erste Lesart stimmt, ist eventuell eine Variante von schwdt. Viole n und wdt. Viili, Viäli (Goms), Veili (Lötschtal) (I D . 1, 633 f.; G RICHTING 1998, 231)) gemeint, also ‘ die Veilchenwiese ’ . Möglicherweise ist aber auch der PN Felix (I D . 1, 772) oder der FaN Feliser (AWWB 94) vertreten, also ‘ die Wiese des Felix / der Familie Feliser ’ . Die Deutung ist in jedem Fall unsicher. Zur alternativen Lesart Selismatten gibt es keine naheliegende Deutung. Feliser (FaN) Feliser (FaN) ist der FaN Feliser, Felliser, Fellisen, Felison, Felyson, vom Vornamen Felisa, Feliz abgeleitet (AWWB 94); auch W. M EYER (1991, 97 ff.) erwähnt den FaN Feliser für Turtmann. Belegt ist der Name 1608 als Zen Feleseren ‘ bei der Familie Feliser ’ (Turtmann), sowie als Genitiv Plural der Feliseren Weid ‘ die Weide der Familie Feliser ’ (1734, Agarn; 1734, Leuk). Feller (FaN) Feller (FaN) ist ein FaN, der für Ausserberg alt belegt ist (AWWB 94). Im Beleg in Fellero Walt (1548, Ausserberg) ist darum wohl der FaN Feller gemeint. Ausserberg kennt im Übrigen keinen Flurnamen Fell, zu dem Bewohner gemeint sein könnten. Fels Fels ist zu schwdt. Felse(n), ahd. felis m. neben felisa f., mhd. vels(e) ‘ Fels, Felswand ’ (I D . 1, 814; Z INSLI 1946, 318) zu stellen. Wie schon BENB (1, 1, 126) feststellt, ist das Wort im Namenschatz kaum erhalten. Die wenigen Belege unterstreichen das; einige davon stammen aus der alpinistischen Namengebung. Das Simplex erscheint nur in der präpositionalen Form Uber de Felsu üss ‘ über den Felsen hinaus ’ (Saas- Almagell, Strassenstück auf die Alpe). Als Grundwort wird Fels in Kinfelsen ‘ Felsen beim Kinn (Schlucht) ’ (Randa), Russufelsen ‘ Felsen bei Russu (rom. für ‘ Bach ‘ ) ’ (Varen) und St. Barbara Felsen ‘ Felsen bei St. Barbara (Kapelle auf dem Weg nach Leukerbad) ’ (Leuk) verwendet. Als Bestimmungswort wird es zu Band, Chopf, Chinn (hier als Körperteil ‘ Kinn ’ ), Grat, Horu und dem dazu gehörenden Felshoruband verwendet. Einen Sonderfall stellt Felsenkirche (LT, Raron) dar, das die heutige in den Felsen gebaute Kirche meint, als Gegensatz zur alten Kirche auf dem Hügel, genannt di Burg. Felscher Felscher n. ist nur im Bezirk Östlich-Raron belegt. Lebend erscheint das HL als ts Felscher (Ried-Mörel), Felscher (SK, Mörel) (beide im gleichen Gebiet) und ts Felser (Bister, FLNK Felscher). Nur historisch belegt ist im Felscher (1646, Filet), lokalisiert beim Gifrisch (Filet, Grenze zu Bister) und im Nydren Felschor (1449, Ried- Mörel). Die ältesten Belege in Ried-Mörel sind 1388 apud Velschore, 1446 jm Felsor, 1449 im Velschor, 1449 im Velscher, 1474 jm Felschor. Die ältesten Belege zeigen also / o/ in der neben- oder unbetonten Silbe. Fest ist auch das betonte / e/ , auch wenn ein Beleg von 1422 für Mörel das Fo ᵉ lscher hat, was seinerseits zu den älteren frpr. Belegen passen würde (siehe unten). Trotz ts Felser (Bister) enthält das HL von Anfang an / š / ; in Bister liegt wohl eine nachträgliche Deutung zu Fels vor. BENB (1, 1, 113 s. v. Faltsche, Fältsche) übernimmt die Deutung von H UBSCHMIED (1940, 16 f.), der rom. filice „ Farn(kraut) “ auf der Stufe *fel(d) žə annimmt. Allerdings fehlt Felscher als n. in den Belegen. H AFNER (1955, 170) hat *F ILICARIA als Ausgangspunkt, das nach ihm im Afrprov. Feugeri (1237 als Feugeri belegt) ergibt; B OSSARD / C HAVAN (2006, 84) nennen eine Reihe von Flurnamen s. v. Fégière, aber - soweit erkennbar - keine Form, die direkt mit Felscher n. verbunden sein könnte. Wenn die Hypothese von H UB- SCHMIED stimmt, müsste / l/ in Felscher erhalten geblieben sein. Die Deutung bleibt aber unklar, da H UBSCHMIED kein Neutrum annimmt. Feliitzi (PN) 135 136 <?page no="334"?> Fen Fen ist zu frz. foin, patois fin ‘ Heu ’ (G PSR 7, 593ss.) zu stellen. Sicher ist diese Deutung für das 1611 in Albinen belegte eys Fen=Merrÿ. Weniger sicher ist es 1302 in Mund für supra Fen Akere, wo auch ein dt. Fenn II ‘ Sumpf ’ (I D . 1, 833) gemeint sein kann, das I D . aber nur noch als Flurnamen in der östlichen Schweiz kennt. Fengiu Fengiu ist nur belegt in zúm Fengiu Schirli (1712, Termen). Die Lesung Fengiu wurde von P H . K ALBERMATTER (p. c.) bestätigt. Es dürfte sich um eine palatalisierte Form mit Umlaut zum Nomen Fangele, Pfangola, Pfangila (I D . 1, 859), das von I D . zum Nomen Fang (I D . 1, 852 f.) im Sinn von „ die geronnene Milchmasse im Alpkessel od. der käsichte Teil der geronnen Milch “ gestellt wird. Wenn diese Deutung stimmt, wäre die kleine Scheuer für den Käse bestimmt gewesen, was allerdings gegen die Feststellung von V. S CHMID (2003, 75) spricht, wonach der Käse immer im Keller gelagert wurde. Wenn jedoch Fang nach Bedeutung 4 des I D . als „ eingefriedigtes Land “ verstanden würde, wäre die kleine Scheuer in einem solchen Fang zu verstehen. Diese Deutung ist zwar sachlich eher zutreffend, kann sich aber nicht auf die Ausführungen von I D . stützen. Formal könnte Fengiu auch ein Adjektiv sein, doch ist es nirgends so belegt. Fenner Fenner m. ‘ Fähnrich ’ ist zu schwdt. Fänner, Venner, Fänder m., mhd fenre, fener aus ahd. fanari, ‘ Fähnrich, Fahnenträger ’ im Wallis auch Vorsteher eines Zendens (Bezirks), wdt. Fenner, Fennär (Goms), Fänndr oder Fennr (Lötschtal), Fännr, Fännär ‘ Fähnrich ’ (I D . 1, 831; G RICHTING 1998, 77) zu stellen. Zum Fenner aus Staldenried siehe B RIGGER (2013, 341 ff.). In den Quellen ist das HL nicht als FaN, nur als Funktionsbezeichnung erwähnt; es kann aber als Übername oder Funktionsname für eine Familie gebraucht worden sein. Belegt ist das HL entweder als Bestimmungswort oder im vorangestellten Genitiv. Als Bestimmungswort ist es in dr Fenderbobem ‘ der Boden des Fähnrichs / der Familie Fenner ’ (Wiler), der Fenderhubel ‘ der Hügel des Fähnrichs / der Familie Fenner ’ (Kippel, laut Gwp. veraltet) und t Fennermatta ‘ die Wiese des Fähnrichs / der Familie Fenner ’ (Ried-Brig) belegt. Vorangestellte Genitive sind: in des Fenders Ried ‘ im Ried des Fähnrichs ’ (1770, Turtmann), ts Fendersch Waldmatta ‘ die Wiese des Fähnrichts / der Familie Fenner beim Wald ’ (Ferden), ts Fennersch Fach ‘ das eingehegte Stück Weinberg des Fenners (laut Gwp. Funktionsbezeichnung) ’ (Staldenried), ts Fennersch Hüs ‘ das Haus des Fähnrichs / der Familie Fenner ’ (Eyholz), ts Fennersch Schiir und Stall ‘ Scheuer und Stall des Fähndrichs (Staldenriedner Fenner) ’ (Staldenried). Eine erweiterte Form ist ts Fennerfrantsch Bärg ‘ der Berg des Franz Fenner / des Fähnrichs Franz ’ (Selkingen). Fenolz Fenolz ‘ beim Fenchel ’ ist nur 1363 in Albinen als osfenolz belegt. os ist ein agglutinierter Artikel zum Flurnamen fenolz. M. S. ist nicht sicher, ob der Flurname zu Albinen gehört. Das HL ist zu frz. fenouil m., älter fenol, fenoil, spätlat. FEN Ŭ C Ŭ LU ‘ Fenchel ’ (T AGMANN 1946, 53; FEW 3, 454; G PSR 7, 284s.) zu stellen. Gemeint ist wohl ein Stück Land, auf dem Fenchel wuchs. Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 970) kommt Fenchel auch im Wallis vor, aber nur in tieferen Lagen. Fenster Fenster ist nur belegt in ts Chessifänschter ‘ das Fenster (des Wasserstollens) beim Chessigrabu ’ (Stalden) und die Pfeischtermatte ‘ die Fensterwiesen (unklar) ’ (Niedergesteln). Es ist zu schwdt. Fenster, Fënster, Feister n., mhd. venster, entlehnt aus lat. FENESTRA , wie nhd. ‘ Fenster, Luke, Öffnung ’ und wdt. Pfeischter, Pfeischtr (Lötschtal), Pfeischtär ‘ Fenster ’ (G RICHTING 1998, 151) zu stellen. Neben dem [f]im Anlaut erscheint häufig [pf]- (SDS 2, 129; I D . 1, 871 f.). Zum [n] vor Reibelaut (Staubsches Gesetz) siehe SDS (2, 129) und R ÜBEL (1950, 6). SDS (2, 130) zeigt, dass im Oberwallis auch die Lautung Fänschter entweder auf Grund des Einflusses des Hdt. oder als weniger lokale Lautung erscheint. Die Motivation für Pfeischtermatte ist unklar, jedoch könnte hier auch ein Artikel / t/ assimiliert worden sein, so dass ursprünglich ‘ die fetten (feisten) Wiesen (unsicher) ’ gemeint ist. Fentnera Fentnera f., Pl. ist in Bratsch als p ’ Fentnera, auch Fäntnära (FLNK u. LT) belegt; die Form ist ein Plural, wie die flektierte Form va du Fentneru ‘ von den Grundstücken des Fenners ’ zeigt. Die historischen Belege in den Vendien (1621), im Fentner (1701), im Fendner (1738) legen das schwdt. Fenner ‘ Fähnrich ’ , wdt. Fenner, Fännär (Goms), Fänndr oder Fennr (Lötschtal), Fännr, Fännär ‘ Fähnrich ’ (I D . 1, 831; G RICHTING 1998, 77) nahe (cf. HL F ENNER ). Die Form in der Mehrzahl ist wohl mit einer / -( ER ) A / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) gebildet mit der Deutung ‘ das Grundstück des Fähnrichs ’ . Feraasche Feraasche ist in Salgesch (FLNK) belegt; M ATHIER (2015, 80) hat Feraaschä. T AGMANN (M S ., 13 ff.) gibt Feraschen und vermutet ein afrkpr. * FERADZO , das auf eine Grundform * FERRATICUM ‘ grünes Futtergetreide ’ zurückzuführen 137 138 Feraasche <?page no="335"?> sei (Literatur bei T AGMANN ). M ATHIER (2015, 44) vermutet zunächst ein lat. Adjektiv FERAX mit einem Suffix / - ATI- CUM / ‘ fruchtbar, ergiebig ’ , referiert dann aber auch T AG- MANN . B OSSARD / C HAVAN (2006, 264 f.) geben für die Namen Ferrage und Ferrajoz mehrere Deutungen, darunter auch die angeführten. Alle schliessen einen Zusammenhang mit lat. FERRUM ‘ Eisen ’ aus. Die historischen Belege weisen einen Typ ou feraio (1347), ou ferraio (1351) und einen Typ on ferrachoz (1346), on ferraut (1365) (beide wohl mit ou), eys ferragioz (1494) auf. Die konkurrierenden Schreibungen entsprechen wohl unterschiedlichen Wiedergaben des stimmhaften / dz/ . Die Deutung von T AGMANN dürfte zutreffen. Fercher (FaN) Fercher (FaN) ist ein Familienname, der in Mund belegt ist (NWWB 1, 101; E. J OSSEN 1989, 57 f.). J OSSEN gibt als ältere Formen Ferricher und Verricher an. Der FaN ist nach ihm auf den Weiler ts Ferrchu zurückzuführen. Belegt ist Ferrihers Bidemlin ‘ der kleine Boden der Familie Fercher ’ (1425, Eggerberg). Ferden Ferden, dial. Fäärda, ist zunächst der Ortsname der Gemeinde Ferden im Lötschental. Die erstbelegte Form für Ferden aus dem 14. Jahrhundert ist Verdan. Der Name setzt sich aus dem Adjektiv vert ‘ grün ’ (< lat. V Ĭ R Ĭ DIS (FEW 14, 507ss.)) und dem Suffix / - Ā NUM / zusammen (K RISTOL ET AL . 2005, 350 f.). Dieser Namentyp ist in der Westschweiz weit verbreitet (J ACCARD 1906, 499). S TUDER (1896, 104) führt den Namen auf lat. VIRIDARIUM ‘ Baum- oder Krautgarten ’ zurück, was so nicht haltbar ist. Als Substantiv bezeichnet verdan ‘ unreife Trauben ’ , ‘ spät reifende, lang grün bleibende Hanfsorte ’ , eine ‘ Birnensorte ’ aber auch ‘ Wiese ’ . Das genaue Benennungsmotiv für Ferden im Lötschental kann nicht bestimmt werden (K RISTOL ET AL . 2005, 350 f.). Neben dem Gemeindenamen gibt es eine ganze Reihe von weiteren Namen. Mit attributiven Adjektiven ist das Grundwort belegt in ts Ober Färda ‘ der obere Teil des Färda (Alpe) ’ (Ferden; SK Oberferden, LT Obers Färda, FLNK Ober Färda) ’ und ts Under Färda ‘ der untere Teil des Färda (Alpe) ’ (Ferden; SK Unterferden, LT Unders Färda, FLNK Under Färda). Ähnlich konstruiert sind ts Ober Färdariäd ‘ der obere Teil des Riedes bei Ferden ’ (Ferden), t Ober Färdasuän ‘ die obere Wasserleitung nach Ferden ’ (Kippel), die Obren Ferden Sun ‘ die obere Wasserleitung nach Ferden ’ (1616 u. später, Ferden), Oberferdengletscher ‘ der Gletscher oberhalb der Alpe Obers Färda ’ (LT u. SK, Ferden; FLNK Ober Färdangletscher), Oberfärdarothoren ‘ das Oberfärdarothoren (Gipfelname, LT Ferdenrothorn, das Rothorn oberhalb der Alpe Ober Färda) ’ (Ferden), ts Under Färdaried ‘ der untere Teil des Riedes bei Ferden ’ (Ferden), t Under Färdasuän ‘ die untere Wasserleitung nach Ferden ’ (Kippel), (lat.: jnferiorem ‘ die untere ’ ) Ferden Su ᵕ n ‘ die untere Wasserleitung nach Ferden ’ (1616, Ferden). Noch komplexer ist t Inder Ferdanbachegga ‘ die innere Ecke am Ferdenbach ’ (Kippel). Als Bestimmungswort tritt der Gemeindename in zweigliedrigen Konstruktionen zu folgenden Grundwörtern: Bach, Chumma, Egg(a), Fura, Gletscher, Pass, Ried, Suon, Wald und Wang. Teilweise sind diese Komposita getrennt geschrieben. Komplexere Formen sind: Färdarothorn ‘ das Ferdenrothorn (Gipfelname, benannt nach der Alpe Färda) ’ (FLNK, Ferden; SK Ferden Rothorn, LT Ferdenrothorn), ts Ferdurothoru ‘ das Ferdurothoru (Gipfelname, LT Ferdenrothorn, das Rothorn oberhalb Ferden, nach der Gesteinsfarbe benannt) ’ (Leukerbad; FLNK Färdurothoru), der Ferdan Fùren Weidt ‘ die Weide bei der Furche der Gemeinde Ferden ’ (1669, Ferden), t Färdanbachweidä ‘ die Weiden bei der Mündung des Färdanbachs in die Lonza ’ (Ferden), Färdariedbord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) beim Färdaried (Ferdenried) ’ (FLNK, Ferden), in den Ferden=Riedhalten ‘ in den Halden beim Ried bei Ferden ’ (1767 u. später, Ferden), t Färdariedsuän ‘ die Wasserleitung, die vom / zum Ferdenried (Ried bei Ferden) fliesst ’ (Ferden). Die Belege zeigen, dass der Gemeindename im ganzen Gemeindegebiet, nicht nur in der zentralen Siedlung, verwendet wurde und wird. Ferien Ferien ist nur einmal belegt in Feriendorf Fiesch ‘ das Feriendorf Fiesch ’ (LT, Fiesch). Der heutige Name ist Sport Resort Fiesch. Es handelt sich um ein Resort mit Gruppen-Unterkünften. Das HL ist zum Pl. Ferien ‘ Ferien, Urlaub ’ zu stellen, das nicht als dialektal gilt (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 287). Ferrey Ferrey f. ist nur historisch in Albinen belegt: 1648 ÿ Fero, 1743 in die Ferreÿ. Aus den Belegen folgt, dass es sich ursprünglich um ein frpr. Wort handelt, das später eingedeutscht als Ferrey oder Ferri (so im Register der Gemeinde) verwendet wird. Unklar ist, ob das heutige Pfäri (FLNK, Albinen; M ATHIEU 2006, 13, Nr. 24), das von uns als ‘ die Pfarrei ’ wiedergegeben wurde, mit dem historischen Beleg verwandt ist. Albinen wurde erst 1737 eigenständige Pfarrei; Pfäri könnte daher auch ‘ das Pfarreigut ’ sein. Wenn aber das anlautende / pf/ als Agglutination zu Färi zu stellen wäre, liegt der traditionelle frpr. Name Ferrey (Ferri) vor. Eine überzeugende Deutung (weder frpr. noch dt.) kann nicht gegeben werden. Fercher (FaN) 139 140 <?page no="336"?> Fersin Fersin ist nur in uf Fersiin (Ferden) belegt. LT hat uf Fersyn, SK Ufersin und Fersin. Die Notation ist etwas verwirrlich, da der lebende Name auf der letzten Silbe betont ist; vermutlich liegt ein vor oder für sîn zu Grunde. Wie LT und 1: 10000 zeigen, scheint Uf Fersiin an den Restigrat anzuschliessen. Die in der Beschreibung erwähnte Restialp befindet sich laut LT deutlich tiefer auf rund 2098 m, während Uf Fersiin auf rund 2600 m liegt. Es liegt also wohl ein Kompositum für / vor + sii(n) vor, das hier räumlich zu verstehen ist: ‘ auf der für / vorseienden Stelle ’ . Konstruktionen dieses Typs sind unter vor-s ī n und für-s ī n (I D . 7, 1044) mit weiteren Verweisen auf Bd. 1 des I D . verzeichnet. Feschil Feschil, auch Fäschil ist der Name eines Dorfes (Feschel) und - mit einer Ableitung auf - JA , resp. - JU - eines Baches im Bezirk Leuk. K RISTOL ET AL . (2005, 424) führen die ältesten frpr. Namenformen vom Typ Veselly auf ein Adj. (terra) *veselia zurück, das vom lat. PN V ESELIUS abgeleitet sein könnte (S CHULZE 1991 [1904], 256, 445). Der Name würde also ‘ Besitz des Veselius ’ bedeuten. Das Simplex im Singular ist als Feschil nur für den Gemeindenamen Feschel belegt. Die ältesten Belege sind 1267 apud ueselli, 1300 de vesil, 1322 de veselly usw. Historisch erscheint 1707 in Feschel und Erschmatt alpis Fessol; der Text weist aber nicht auf Feschel, sondern auf die Fäsilalpu von Gampel hin. Als Grundwort fehlt das HL. Als Bestimmungswort findet es sich mit den Grundwörtern Rüüs und Wäg. Häufiger ist die Ableitung t Feschilju ‘ der Feschel- Bach ’ (Erschmatt, Feschel) und t Fäschilju ‘ der Feschel- Bach ’ (Leuk). Historisch erscheint es 1563 als Fesilla, resp. Feschilla, 1747 die Vexilen (alle Erschmatt). In Feschel ist es 1593 als in gulam vexilia ’ et flu ᵕ u ᵕ iu ᵕ m illius ‘ in der Schlucht des Feschelbaches und in diesem Bach selbst ’ (Feschel) belegt. Mit attributiven Adjektiven ist belegt t Kchleini Feschilju ‘ der kleine Feschel-Bach ’ (Feschel) und - als Diminutiv - das Klein Veschillj ‘ der kleine Feschel-Bach ’ (1592, Erschmatt). Als Grundwort fehlt die Ableitung; als Bestimmungswort kommt sie mit den Grundwörtern Loch, Wald, Wang und Wasser vor. Ein Genitiv Singular ist in bey der Veshien Brigen ‘ bei der Brücke über die Feschilja ’ (1870, Feschel) belegt. Das Adjektiv Veschier (aus dem Genitiv Plural Veschierro) mit einer Palatalisierung von / l/ zu / j/ findet sich in an Veschierro Matten (1629) und die Veschier Matten (1670), beide in Feschel. Das Verhältnis zum HL F ÄSIL ist unklar. Feschti Feschti ist zu schwdt. Festi f. ‘ Festung, Burg ’ , mhd. veste (I D . 1, 1120) zu stellen; als Flurname wird es auch für burgähnliche Geländeformen verwendet (BENB 1, 1, 132). In vielen Fällen ist der zweite, metaphorische Gebrauch des HL belegt; nur selten erscheint der erste. Das Simplex Feschti kommt in zwei Verwendungsformen vor: für schwer zugängliche, burgähnliche Geländeformen in Randa, Saas-Almagell, Saas-Fee und St. Niklaus und für die Ruine einer Burg in Niedergesteln, wo die geläufige Form als Pfeschti mit assimiliertem Artikel notiert ist. Namennester sind vorhanden in Randa, wo neben Feschti auch Feschtiflie, Feschtigletscher, Feschtigraad, Feschtijoch und Festi Kin Lücke belegt sind, alle unterhalb des Dom (Gipfelname). In St. Niklaus sind neben Feschti belegt: Feschtelwäng, Feschtihoru und Läz Feschti ‘ die linke Feschti (burgähnliches Gelände) ’ . In Niedergesteln sind bei der Feschti auch Feschtiloch und Feschti Weidgy erwähnt. Nur als Bestimmungswort kommt das Lemma vor in Feschtirigg und Feschtuwägji (beide Gampel). G RICHTING (1998) erwähnt das Lemma nicht. Fetschi Fetschi ist nur einmal in dr Fetschitschuggu (Hohtenn) belegt. Laut Gwp. handelt es sich um <fecci>, einen Aufseher beim Strassenbau, der sich oft auf diesem Felsen aufgehalten habe. Es handelt sich vermutlich um einen italienischen FaN. Der FaN Vetsch (laut F AMI- LIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ , 3, 1898) ist alt nur in Grabs (SG) belegt; S TRICKER in W ERDENBERGER NB (Bd. 7, 644) führt es auf Bonifatius zurück. Ob ein Herkunfts- oder Übername zum Flurnamen Fätsch (Ergisch, cf. HL F ÄTSCH ) vorliegt, ist unsicher, aber nicht unmöglich. Dennoch ist nach der Gwp. wohl ein italienischer FaN anzunehmen. Fid Fid f. ‘ Scheide ’ ist nur belegt in ze Fidlechru üs ‘ bei den engen Durchgängen (Arschlöchern) hinaus ’ (Saas-Almagell) und der Fidlich ‘ das Hinterteil (Geröllberg) ’ (Täsch). In beiden Fällen ist ein metaphorischer Gebrauch gemeint. I D . stellt das HL zu schwdt. F ŭ d, Fut f. ‘ Scheide ’ (I D . 1, 682) und zum Kompositum schwdt. Füdloch, Fütloch n., Pl. Füdlecher, Dim. Füdleni ‘ Arschloch ’ ; wdt. Fittle, Fittlä (Goms), Fittla (Vispertal), Fittluch (Lötschtal), Fittlo ‘ Hinterteil ’ (I D . 3, 1023; G RICHTING 1998, 79). Ein weiterer Beleg ist unter Fitla (HL F ITLA ) zu finden. Fiechterru Fiechterru f. ‘ Quelle ’ (Niedergesteln) ist eine / - ERRU / -Ableitung (sonst auch / - ERRA / ) zum schwd. Adjektiv fücht, 141 142 Fiechterru <?page no="337"?> auch füecht ‘ feucht ’ und wdt. fiecht, fiächt ‘ feucht ’ (I D . 1, 669; G RICHTING 1998, 77) oder einem Abstraktum davon. Die Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 f. zu schwdt. / - ERE / ) meint etwas, das es am Ort mehrfach gibt; hier also Feuchtigkeit oder Wasser. Für ‘ Quelle ’ wird sonst das HL B RUNNU verwendet. Der FaN Fiechter (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 1, 547) ist alt bekannt in den Kantonen Basel- Land und Bern belegt, im Oberwallis ist er jedoch nicht bekannt. Fiel Fiel m. ist als Simplex sowohl in Bister, wie in Grengiols belegt, wobei die gleiche Flur gemeint ist. Historisch ist 1710 in Mörel bÿm Fiel Schirlin ‘ bei der kleinen Scheuer im Gebiet Fiel ’ belegt; vermutlich wieder für die gleiche Flur. am Füelspitz ‘ am spitzen Grundstück im Gebiet Fiel ’ (1740, Bister) enthält eine hyperkorrekte Rundung. Eine Deutung ist schwierig; am nächsten liegt ein romanisches Etymon mit einem / l/ wie in viol ‘ sentier (Pfad) ’ (FEW 14, 372 s. v. v ĭ a weg) vor. Fieli Fieli ist einer der zahlreichen Varianten der Ausdrücke für das Veilchen; bei G RICHTING (1998, 231) als Viili, Viäli, Veili belegt. Meist anlautend mit / f/ gesprochen. Entlehnt aus lat. VÍOLA , ahd. v ī ola, mhd. víole f., víole m., schwdt. v ī oli, v ī eli u. ä. ‘ Veilchen ’ (I D . 1, 633 f.; W IPF 1910, 38, 77, 104, 131). Im klassischen Latein wird der Name VÍOLA nicht nur für Märzveilchen, sondern auch für andere Pflanzen verwendet (M ARZELL 4, 1155 ff.). L AUBER / W AG- NER / G YGAX ( 5 2014. 396 - 405) kennen mehrere Veilchen, von denen die meisten auch für das Wallis belegt sind. Das Simplex erscheint als Im Fiolÿ (1749, Naters, 1843: Fieli). Eine Ableitung Filatten (Mund, erster Beleg 1399 als Violeton, 1838 Filatten) und Fielatte (Visperterminen), sowie der historische Beleg Violletten (1631, Stalden) bezeichnen wohl frz. oder ital. Diminutive. Das in Visperterminen historische belegte Weÿellatten (1570) ist wohl eine hyperkorrekte Umsetzung von Fielatte. Als Bestimmungswort ist Fieli in Filyi Garten ‘ Veilchen Garten ’ (1804, Obergesteln), ts Fielobidumji ‘ der kleine Boden mit Veilchen ’ (Embd), Fillolmatta ‘ Veilchenwiese ’ (1305, Zeneggen) und Fielubodme ‘ die Böden mit Veilchen ’ (Bürchen) belegt. Ganz unsicher jedoch ist t Füolweida (Zeneggen) - wenn Füolini laut Gwp. wirklich ‘ Veilchen ’ sind, läge hier eine rekonstruierte Form vor, die sonst nicht belegt ist. Bei Filimatten (Steg) liegt eigentlich entrundetes Fili ‘ junges Pferd, Fohlen ’ (I D . 1, 795; G RICHTING 1998, 78) näher. Bei Filbode (Zermatt) hat FLNK Vieliboden ‘ Veilchenboden ’ . Sehr unsicher ist schliesslich Violuhoru (Törbel), Violenhorn (Unterbäch), beide für den gleichen Gipfel - sonst gibt es keinen Beleg für Viola ‘ Veilchen ’ ; aber der Bezug auf das Musikinstrument Viola wirkt noch seltsamer, kann aber nicht ausgeschlossen werden; der Vorname Viola kommt kaum in Frage. Fies Fies f. ist als t Fiess (Leukerbad; LT Fiess, SK Füss, FLNK Pfiess) belegt, die historischen Belege zeigen ein rom. Etymon 1353 eys fuez, 1356 eys fuez, 1439 eis fiez, 1652 in die Fües, 1750 in die Füs, 1767 in d=Fües. 1439 ist in Leukerbad eis fiez juxta furnum de fyez dokumentiert. Historisch ist in dFiess 1783 in Albinen belegt. Lebend belegt ist t Fiessalmei ‘ die Allmein (gemeinsamer Besitz) bei der Voralpe Fiess ’ (Leukerbad). R. G RICHTING (1993, Blatt 4 Nr. 11 und 12) weist Pfiess und Pfiessallmey auf. M URET notiert 1881 in Leukerbad in Fí ̩ ę s ə und sagt, es handle sich um Mayens. Der Flurname ist ursprünglich zum lat. F Ŏ CU herd, feuer (FEW 3, 651; G PSR 7, 350 ss.; H AFNER 1950, 112) zu stellen, hier wohl als Plural. Der Beleg juxta furnum de Fyez, zeigt, dass hier ein Ofen vorhanden war. Es ist unklar, ob es sich um einen Köhlerofen oder einen Erzofen handelte. Später scheint der Name aber zum wdt. Füess, Fuäss (Lötschtal) Füöss, Pl. Fiess ‘ Fuss, Füsse ’ (G RICHTING 1998, 82) gestellt worden zu sein. Die Formen mit anlautendem / pf/ haben den Artikel / di/ assimiliert zu Pfiess ‘ die Füsse ’ . Fiesch Fiesch ist ursprünglich ein vordeutscher Siedlungsname (G AUCHAT 1907, 5; Z INSLI 1976, 100), der vermutlich aus lat. VICUS ‘ Gehöfte, Weiler, Dorf ’ (S TUDER 1896, 267; J ACCARD 1906, 168; G UEX 1938, 362; B RUCKNER 1945, 75) abgeleitet ist. Das ursprünglich lat. Schluss-[s], das in den romanischen Formen wegfällt, entwickelt sich im Oberwallis zu [sch]: Wious 1225, uiox 1233, vyes 1256, vies 1356, viesche 1435, viesch 1469, fiesch 1700 (S CHMID 1951, 53 f.; K RISTOL ET AL . 2005, 354). Rom. v wurde von der deutschsprachigen Bevölkerung als f übernommen (B ESSE 1997, 287). Ob zwischen dem Oberwalliser Siedlungsnamen und dem Flussnamen Vièze im Val d ’ Illiez ein Zusammenhang besteht, ist unklar (W ERLEN 1991, 245). Als Simplex im Singular ist nur Fiesch belegt. Dazu gehören auch Fieschertal (cf. Gemeindename Fieschertal) und das neuere Feriendorf Fiesch (LT u. FLNK, Fiesch). Nur einmal tritt Fiesch als Bestimmungswort in der Wiesch=Acker ‘ (unklar) der Acker, der zu Fiesch gehört / Richtung Fiesch liegt ’ (1836, Lax; 1844 Vieschacker) auf. Sonst tritt als Bestimmungswort das Adjektiv Fiescher, resp. der Genitiv Plural Fiescher ‘ der Leute von Fiesch ’ auf. Grundwörter mit zweigliedrigen Komposita sind: Alpa, Bach, Bodu, Brigga, Gletscher, Graat, Hooru, Joch, Rieba, Stafel, Mad, Twirgi, Wald und Wiiss. Fiel 143 144 <?page no="338"?> Komplexere Konstruktionen sind Chlii Fiescherhore ‘ das kleine Fiescherhorn (Gipfel neben dem Grossen Fiescherhorn (Gipfelname)) ’ (Fieschertal), ts Gross Fiescherhore ‘ das Grosse Fiescherhorn (Gipfelname, Gipfel, der zum Fieschertal gehört) ’ (Fieschertal), ts Hinner Fiescherhore ‘ das hintere Fiescherhorn (Gipfelname, Gipfel, der zum Fieschertal gehört) ’ (Fieschertal), Walliser Fiescherfirn ‘ der Walliser Fiescherfirn (beim Kleinen und Grossen Grünhorn) ’ (Fieschertal), Walliser Fiescherhörner ‘ die Walliser Fiescherhörner (Gipfelgruppe, im Unterschied zu den Grindelwaldner Fiescherhörnern) ’ (Fieschertal). Eine Ableitung auf / - ERI / f. für Wasserleitungen ist t Fiescheri ‘ die Wasserleitung nach Fiesch ’ (Fiesch). Figascian Figascian ist als Monte Figascian auf LT (Binn) auf der italienischen Seite belegt. Der Name auf der dt. Seite lautet Albrunhorn. LSI (2, 449) verweist unter figascia auf fogascia (488), das als ‘ Fladen ’ und ähnlich verstanden wird. Wenn diese Deutung stimmt, würde sich der Bergname auf die Form beziehen. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Namen nicht. Die Deutung ist insgesamt unsicher. Fige Fige ist 1581 in Salgesch belegt als im Fige (? ) mit unklarer Lesung; es handelt sich um ein Stück Wiese. T AGMANN (Ms.) und M ATHIER (2015) kennen es nicht. Die deutsche Präposition legt ein alemannisches Wort nahe, dessen Nominativ Fig(? ) lauten müsste; das Genus wäre maskulin oder neutrum. I D . (1, 688) kennt neben der Lesart ‘ Feige ’ u. a. ‘ Feigwarze ’ und lat. STERCUS ‘ Mist, Dünger ’ , aber das Etymon ist feminin. Die unsichere Lesart macht deswegen eine Deutung unmöglich. Figel Figel ist als Diminutiv im Figuti ‘ im kleinen Alpgebiet ’ (Steinhaus; LT Figulti, SK Figgelti) und im historischen Figeltÿ (1718, Ernen), Figilti (1718, Mühlebach), die beide die noch lebend erwähnte Flur von Steinhaus meinen, belegt. Hierzu gehört auch der Figuwaud ‘ der Wald beim Figuti ’ (Steinhaus). Formen mit / u/ enthalten die / l/ - Vokalisierung des unteren Goms. Unklar ist t Figja ‘ der kleine Alphang ’ (Bellwald) - es kann sich um einen femininen Singular oder um einen Plural handeln. In St. Niklaus schliesslich gibt es ts Figelchi ‘ das kleine, unbedeutende Kinn (Schlucht) ’ . Figel m. ist als ‘ unbedeutende Sache, Kleinigkeit ’ (I D . 1, 689) belegt. Die erste Deutung als ‘ harter, zusammengeballter Kot ’ dürfte kaum zutreffen und ist für das Wallis nicht bezeugt. R ÜBEL (1950, 114, Fn. 1) kennt Figler als ‘ Schweinestall ’ und leitet ihn nach L UCHSINGER von lat. VIGILARIUM ‘ Wachthaus ’ ab. I D . (1, 689 s. v. Figler) gibt ‘ Schweinestall ’ für das Wallis, und führt es zurück auf lat. VIGILIA ‘ Wache ’ . Der Zusammenhang der Lemmata Figel und Figler ist aber unklar. Figgeri Figgeri f. ist nur in Reckingen bekannt; es handelt sich eine hochgelegene Alpe mit Hinner Figgeri und Voder Figgeri (beide FLNK, Reckingen; LT Figgeri). Die Form ist so nicht in I D . (1, 715) erfasst; ob eine Ableitung zum Verb figge n ‘ reiben, unruhig hin und her rutschen ’ (I D . 1, 713 f.) vorliegt, ist unklar. Die beim HL F IGGERSCHA angenommene Beziehung zu FaN Fidginer (AWWB, 95) ist hier unsicher, aber nicht auszuschliessen; deswegen in Klammer in der Datenbank ‘ die Alpe der Familie Fidginer ’ . Das in RN (2, 691) belegte Figgerí (mit Endbetonung) ist fraglich. Insgesamt ist eine Deutung nur schwer möglich. Figgerscha Figgerscha ist in Binn als Figgerscha (FLNK, LT) und Figgerschen (SK) belegt. Lebend sind belegt t Hinner und t Voder Figgerscha (Binn). Alle Belege befinden sich im Binntal beim Zusammenfluss von Binna und Lengbach. / - SCHA / - SCHU / -Ableitungen beziehen sich häufig auf FaN, deren Gut sie bezeichnen. Hier kommt der FaN Fidginer (AWWB, 95) in Frage, also ‘ das Gut der Familie Fidginer ’ . Die Deutung ist aber unsicher. Figiller Figiller m. ist nur einmal historisch 1779 in Naters als bim Figiller belegt. Es ist zu schwdt. Figler m. ‘ Schweinestall vor allem auf den Alpen ’ , ‘ Schlafgemach der Hirten in einem Teil des obern Raumes unter dem Dach der Sennhütten ’ , auch ‘ Schutzhütte für Hirten und Schafe ’ (I D . 1, 689) zu stellen. R ÜBEL (1905, 114) kennt es als Figler ‘ Schweinestall ’ , weist aber darauf hin, dass W IPF (1910, 76 f.) nur ‘ kleiner Stall ’ angibt (in einem Kapitel zur stimmlosen Form / f/ zu lat. v). Die Herkunft zu rom. F Ǒ C Ā RIS ‘ zum Herd gehörig ’ und ‘ Herd ’ nach REW 3398 und RN (2, 143) setzt voraus, dass das / i/ aus einer Entrundung von / ü/ stammt. FEW (3, 648 ff.) zu f ǒ c ā ris kennt keine Formen mit / ü/ , G PSR (7, 893 ss. s. v. foyer) ebenfalls nicht. Wenn hingegen das Wort von lat. VIGILIA ‘ Wache ’ , resp. nach L UCHSINGER laut R ÜBEL (1950, 114) von lat. VIGILIARIUM ‘ Wachthaus ’ abzuleiten ist, muss nicht auf die Entrundung zurückgegriffen werden. BENB (1, 1, 136) glaubt an eine lombardisch-rätoromanische Herkunft von Figler, nennt aber das Wallis nicht explizit. Die Verbreitung im Wallis (Goms und Visperterminen) würde lombardisch-rätoromanische Herkunft nicht ausschliessen. Problematisch ist aber in jedem Fall die Form 145 146 Figiller <?page no="339"?> mit / g/ , die auf eine sehr frühe Übernahme aus dem Romanischen schliessen lässt. Insgesamt bleibt nur die Annahme, dass Figler und das historisch belegte Figiller romanischen Ursprungs sind (cf. HL F IGEL ). Figina Figina ist der Name einer Alpe in Zwischbergen und auch der dort stehenden Hütten. Dazu gesellen sich ts Figinuwaldgi ‘ der kleine Wald unterhalb der Figina ’ und der Figistäg ‘ der Steg über die Doveria unterhalb der Figina ’ (alle Zwischbergen). Nur historisch ist 1479 Letz Figina ‘ die jenseitige Figina ’ (Simplon) belegt. J ORDAN (2006, 260 ff.) kennt Lätzi Figina, Figischtägi, Figiwäg, Figiwaalg j i, Figina und Undri Figina. Als italienischen Namen der Figina gibt er Walína, Walínä an, das wohl von valle ‘ Tal ’ abgeleitet ist. Nach dieser Alpe Figinen in Ruden (Gondo) wurde eine inzwischen ausgestorbene Familie Fidginer, Figginer, Figgener, Filgener, Fitgener benannt (AWWB 95; J ORDAN 2006, 262). Eine Deutung von Figina ist kaum möglich. O LIVIERI ( 2 1961; 228; 1965, 160) vermutet zwar, dass Figino zu lat. *F AGE Ĭ NUS zum Nomen FAGUS ‘ Buche ’ zu stellen wäre; das würde zum Buchenwald (Búochuwaald) im Zwischbergental passen (bei J ORDAN 2006, 322), der sich allerdings weit von der Figina entfernt befindet. Der Name ist deswegen fraglich. Fiifi Fiifi n. ist nur als ts Fiifi ‘ die Fünf ’ (Salgesch) belegt. M ATHIER (2015, 141) kennt es als Fiifi. Es handelt sich um die Substantivierung zum schwdt. Zahlwort fü(n)f, füüf, fööif ‘ fünf ’ und zu wdt. füf, ffiifi (Lötschtal), füüfi ‘ fünf ’ (I D . 1, 852; G RICHTING 1998, 82). Die Lautform entspricht einem entrundeten / ü/ , das als Umlaut vor folgendem / i/ gebildet wurde. Inhaltlich liegt wohl eine Benennung eines umgekehrten römischen V (fünf) für die Runsen am Pfybärg vor. Fiir (Feier) Fiir ‘ Feier ’ ist nur im Kontext Fiirabend ‘ Feierabend ’ belegt, das zu schwdt. Fir-, F ĭ r-, Füürabend m. ‘ Ruhezeit nach Vollendung der gewöhnlichen Tagesarbeit oder eines bestimmten grösseren Werkes ’ und ‘ Abend vor einem Festtag ’ zu stellen ist. Laut I D . beruht Füür- ‘ Feuer ’ auf dem Anzünden des Feuers zur Bereitung der Abendmahlzeit; es handelt sich aber wohl um eine volksetymologische Umdeutung des Namens, der zu ‘ Feier ’ zu stellen ist. Wdt. Fiirabe, Fiiraabäd (Goms), Fieraabund (Vispertäler), Fiäraabmd (Lötschtal), Fiirabund ‘ Feierabend ’ bringt keinen näheren Aufschluss, da die Entrundung zum Zusammenfall von ‘ Feuer ’ und ‘ Feier ’ führt (I D . 1, 36; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 284; G RICHTING 1998, 78). Fiirabend kommt in drei Belegen vor: der Virabendo ‘ der Feierabend ’ (1391, Visperterminen), t Fierabundweid ‘ die Feierabendweide (Weide, auf die das Vieh abends (zur Feierabendszeit) getrieben wird) ’ und ts Fierabundloch ‘ die Höhlung bei der Fierabundweid ’ (beide Saas Almagell). Der Beleg Virabendo aus Visperterminen ist früher als die Belege bei K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 284); er kann keine Entrundung aufweisen, ist also explizit zu vir ‘ Feier ’ zu stellen. Vermutlich handelt es sich um eine Weide, auf der das Vieh abends weidete. Fiir (Feuer) Fiir (Feuer) n. ist zu schwdt. Füür, F ī r n., ahd. fiur, mhd. viur, vi(u)wer ‘ Feuer ’ und wdt. Fiir ‘ Feuer ’ (I D . 1, 940 ff.M; G RICHTING 1998, 78) zu stellen. Das Simplex kommt nicht vor. Als Grundwort ist nur Fägfiir ‘ Fegfeuer ’ (FLNK, Lax) belegt. Wie K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 283) ausführen, ist das Wort als Lehnübersetzung zum lat. PURGATORIUM zu verstehen, dem Ort, wo die weniger beschwerten Sünder vor ihrer Aufnahme in den Himmel verweilen mussten. Der Name kommt sonst nur als Fäck- oder Fägfüür im SZNB (2012, 2, 294) vor und bezeichnet einen steilen Aufstieg, der wohl auch in Lax eine Rolle spielt (cf. HL F ÄG ). Als Bestimmungswort kommt das HL in den Belegen Fiirgrabu ‘ der Feuergraben (wohl wegen der schwarzen Erde ’ (FLNK, Stalden) und der Fiirgrabo ‘ der Feuergraben (wohl wegen der schwarzen Erde) ’ (Törbel) vor; beide bezeichnen den gleichen Graben. Das in Visp 1617 belegte nebent dem Fürgasselti ‘ neben der kleinen Feuergasse ’ meint wohl eine Gasse, die für die Feuerwehr frei bleibt. Unklar ist schliesslich eine Ableitung Fiirär in Blatten zem Fiirärplatz ‘ beim Feierplatz (oder Feurer-Platz) ’ . Laut Beschreibung handelt es sich um eine Feierstelle für Freudenfeuer bei Festen, im ganzen Land sichtbar. Der Doppelsinn von Fiirär ‘ Feirer oder Feurer ’ ist wohl gewollt; die Beschreibung geht aber von Fiirär ‘ Feurer ’ aus, sodass der Beleg hier eingeordnet wird. Fiischter - Finschter Fiischter - Finschter finster ’ ist zu nhd. ‘ finster, dunkel ’ , ahd. finstar, mhd. vinster zu stellen. Zu den Walliser Orten mit n-Schwund und Dehnung (sog. Staubsches Gesetz) siehe R ÜBEL (1950, 6) und SDS (2, 126), davon abgeleitete substantivierte Formen m. und f. für ‘ Dunkelheit, Finsternis ’ . Wdt. ist finschter, fiischter (Saastal), fiischtr (Lötschtal), fiischtär ‘ finster ’ belegt (I D . 1, 873; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 296; G RICHTING 1998, 78). Inhaltlich sind meist Fluren oder Gebiete gemeint, die im Schatten liegen und wenig besonnt sind. Von den rund 60 Belegen sind die meisten attributive Adjektive zu verschiedenen Grundwörtern wie Äbnet, Figina 147 148 <?page no="340"?> Bellwald, Bode, Cheer, Chrache, Fäld, Folla, Grabe, Hitta, Hof, Lamma, Schleif, Schlüecht, Schlüche, Stafel, Taal, Tiri, Tola, Twära, Wald und Wildi. Einen Sonderfall bilden die Gipfelnamen Finsteraarhorn und Finsteraarrothorn, die beide nach der finsteren Aare (im Unterschied zur lauteren Aare) benannt sind. Eine Ableitung auf / - I / ist in Finstri (Zermatt) und Pfischteri (Mörel) belegt; der Name wird als ‘ finsteres Gebiet ’ gedeutet. Eine Ableitung auf -( L ) IG m. ist Finschterlig (Reckingen), hier als ‘ finstere Stelle ’ gedeutet. Sie erscheint auch als Bestimmungswort in Finschterligchäle ‘ die Felsrinne bei der finsteren Stelle ’ und Finschterligtwära ‘ die Querrinne bei der finsteren Stelle ’ (beide Reckingen). Fileemon (PN) Fileemon (PN) ist zum PN Philemon zu stellen. Gemeint ist hier wohl Philemon Abgottspon (1891 - 1986), Staldenried (nach freundlicher Auskunft der Familie). Der Beleg lautet Unner ts Fileemonsch Hüs ‘ unter dem Haus des Filemon ’ (Staldenried). Filet Filet ist der Name einer Gemeinde an der Einmündung des Gifrischbaches in den Rotten; sie ist heute Teil von Mörel-Filet. Der Gemeindename in älteren Texten ist Gifris / Gifrisch (cf. HL G IFRISCH ). Die ältesten Formen weisen auf einen romanischen Ortsnamen Villetta / Villete hin, der sich als / - ITTA / -Ableitung zu VILLA ‘ Landhaus, Landgut, Gehöft ’ als ‘ kleines Gehöft, kleines Landgut ’ (K RISTOL ET AL ., 2005, 355) verstehen lässt. Die Übernahme des rom. v als ahd. f ist im Oberwallis üblich (B ESSE 1997, 733). Neben dem Simplex als Gemeindenamen finden sich mehrere Konstruktionen mit attributiven Adjektiven: ts Inner Filet ‘ das innere Filet ’ , ts Ober Filet ‘ das obere Filet ’ und - nur historisch, aber undatiert - die vndere Fillette ‘ das untere Filet ’ . Hierzu sind dann als komplexere Konstruktionen belegt: die Philetwasserleiten ‘ die Wasserleite nach Filet ’ (1756, Filet), ob der Mittleren Filetwasserleiten ‘ oberhalb der mittleren Wasserleite nach Filet ’ (1823, Filet), (lat.: superior) die Obere Vilat Wasserleita ‘ die obere Wasserleite nach Filet ’ (1438, Filet), aus der Vndren Filetwasserleiten ‘ aus der unteren Wasserleitung nach Filet ’ (1650, Filet). Als Bestimmungswort ist das HL in jm Filetacher ‘ im Acker, der zu Filet (Gemeindename) gehört ’ (1735 u. später, Filet) vertreten. Eine Ableitung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 531 ff.) zeigen der Fileterstafel ‘ der Stafel der Leute von Filet ’ (Filet) und der Filetterchäller ‘ der (Käse-)Keller der Leute von Filet) ’ (Bister). Filipp (PN) Filipp (PN) ist zum männlichen PN Philipp (I D . 1, 779) zu stellen. Es ist einmal als vorangestellter Genitiv Singular belegt: ts Filippsch Hüs ‘ das Haus des Philipp ’ (Grengiols). Wie die Beschreibung der Gwp. angibt, ist dieses Haus inzwischen verschwunden. Fillalaio Fillalaio ist nur historisch 1353 in Leukerbad als ou fillalaio belegt. M EYER (1914, 164) kennt das Wort als filiolajo und stellt es zu lat. FILIOLATICU , dessen Deutung er S. 91 als vinea ‘ Rebberg ’ gibt. Laut FEW (3, 519 ff.) bedeutet filiolus im Galloromanischen ‘ Patenkind ’ . ou fillolajo wäre dann als ‘ beim Gut der Patenkinder ’ zu deuten (cf. HL F ILLOLASCHO ); ob ein Rebberg gemeint war, bleibt unklar. Fillar Fillar ist der Name der Alpe Fillar im Gebiet der Walsersiedlung Macugnaca (Z INSLI 1984, 301, ohne Namendeutung). Danach sind das Grosse und Kleine Fillarhorn (ts Gross und ts Chlei Fillaarhore), sowie ts Filaarjoch benannt (alle Zermatt; LT hat Grosses und Kleines Fillarhorn, LT und SK Fillarjoch). O LIVIERI (1965, 371) stellt Villàr zu piem. villàre ‘ kleines, dörfliches Haus ’ . Bezogen auf eine Alpe dürfte entweder die Deutung ‘ Alphütte ’ oder ein Besitzername zutreffen. Fillolascho Fillolascho ist nur einmal belegt in ou fillolascho (1602, Albinen). Wie unter dem HL L ASCHE erklärt, leitet M EYER (1914, 91) den Namen von lat. FILIOLU mit dem Suffix / - ATICU / ab. Laut FEW (3, 519 ff.) bedeutet filiolus im Gallormanischen ‘ Patenkind ’ . ou fillolascho wäre dann als ‘ beim Gut der Patenkinder ’ zu deuten (cf. HL F ILLA- LAJO ). Fillund Fillund ist nur einmal belegt in Fillundgrüeba ‘ die zu füllende Grube (Abfallgrube) ’ (Täsch, FLNK). Partizip Präsens des Verbums fülle n (I D . 1, 793), resp. fille, fillä (Goms), filln (Lötschtal), fillu ‘ füllen, essen ’ (G RICHTING 1998, 78; die zweite Deutung ist hier nicht einschlägig). Das Gelände ist heute überbaut, war es aber zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht. Fine Fine ist zu lat. F Ī NIS ‘ Ende, Grenze, Grundstück ’ auch ‘ ein unmittelbar beim Dorf gelegenes Grundstück ’ (G PSR 7, 461 ff.; REW 3315; FEW 3, 560, B OSSARD / C HAVAN 2006, 143) zu stellen. Allerdings sind nicht alle Belege klar: In Salgesch ist 1646 en la fin damun ‘ die obere Zelg ’ belegt. 149 150 Fine <?page no="341"?> Die andern Belege in Salgesch sind jedoch lateinisch: jn fine superiori (1580, 1643) und jn fine inferiori (1580, 1621, 1643). T AGMANN (Ms., 140 f.) weist auf den lebenden Namen Undri Zell (von M ATHIER 2015, 121 zu Zelg gestellt) hin, den er für die dt. Übersetzung von in fine inferiori hält; deswegen wurde oben die Übersetzung Zelg gewählt. Es scheint, dass in Salgesch ein rom. Name fin als Repräsentant von lat. F Ī NIS existierte, der später als dt. Zelg übersetzt wurde. Ähnlich der lat. Beleg jn plano fine (1535, Inden), später frpr. als in plangnafing (1689) und im planafing (1720) belegt, der ein Kompositum aus lat. PLANU und lat. F Ī NIS ist ‘ die ebene Zelg ’ . Die Übersetzung als ‘ Zelg ’ folgt der Deutung in Salgesch. Finel Finel ist zu lat. FENILE , Plural FENILES , frz. fenil, schwdt. Finel ‘ Heustock, kleiner Schuppen zur Aufbewahrung von Streu und Heu ’ , ‘ einzeln stehende Alphütte auf Vorweide ’ (I D . 1, 838; J UD 1973, 369 f.) zu stellen. Z IM- MERMANN (1968, 32 f.) kennt den Weilernamen Finilu und davon abgeleitete Namen, lehnt aber das Appellativ ab, das auch G RICHTING (1998) nicht aufführt. Die über 30 belegten Namen weisen jedoch darauf hin, dass das HL weit verbreitet war, vor allem in den Bezirken Visp und Westlich-Raron, während die andern nur je einen Beleg aufweisen. Das Simplex tritt im Singular selten auf. Sicher ist nur: der Finäl ‘ der Finäl (Heuschober) ’ (Ferden), eine Flur etwas unterhalb der Faldumalp. Etwa unklarer sind Findlu oder Finilu (Eisten), laut historischem Beleg von 1311 der Name einer Alpe Finillen (was auf einen Plural hindeutet), die sich wohl im Gebiet des Weilers Finilu (Staldenried) befindet; die Grenzziehung ist hier nicht immer klar. Die Simplicia im Plural sind häufiger, wobei der Plural manchmal nur an den historischen Belegen erkennbar ist: t Finile ‘ die Heuschober ’ (Unterbäch), Finellen (1306) und später Ze Vinillen (1467 u. später) ‘ bei den Heuschobern ’ (Staldenried; gleiche Belege auch Visperterminen), Finilu ‘ bei den Heuschobern ’ (FLNK, Staldenried; historisch als Finellen). Vermutlich auch ein Plural ist das in Zermatt zweimal belegte ts Finndle ‘ bei den Heuschobern ’ . Die Form mit dem unorganischen / d/ erklärt sich entweder aus der De-Nasalisierung von / n/ vor / l/ oder aus dem fakultativen wdt. / nd/ -> / nn/ (finne vs. finde ‘ finden ’ ). Letzteres kann auch eine Re-Analyse des historischen ze Finellon (1400, Zermatt) sein, das volksetymologisch zum Verb finde gestellt wurde. Ein Diminutiv im Singular ist das historisch 1617 belegt z Finlinj ‘ beim kleinen Heuschober ’ (Münster); es ist der einzige Beleg im Bezirk Goms. Mit attributiven Adjektiven finden sich nur Oberfilinu und ts Unner Filinu ‘ bei den Oberen und bei den Unteren Heuschobern ’ (Staldenried), beides Teile von Filinu, einem Weiler von Staldenried. Als Grundwort findet sich das HL nur gerade in einem historischen Beleg von 1311 in Alpe Finellen ‘ auf der Alpe Finilu (bei den Heuschobern) ’ , wozu SK Finnelenalp (beide Eisten) beiträgt. Diese Alpe gehört - wie oben schon gesagt - wohl auch zu Staldenried. Als Bestimmungswort verbindet sich das HL zu zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Acher, Alpa, Bach, Bäärg, Bodu, Gletscher, Hubel, Matta, Schiir, See, Suon, Tal und Wäg. Komplexer sind au ᵕ s der Finiler Wasserleuthen (1801) ‘ aus der Wasserleitung, die an Finilen (Heuschober) vorbeiführt ’ (1801, Visperterminen) und Undri Finilmatte ‘ die untere Wiese beim Weiler Finil (Heuschober) ’ (Unterbäch). Eine Ableitung auf / - ERI / für Wasserleitungen zeigt sich in t Finileri ‘ die Wasserleitung nach Finilu (bei den Heuschobern) ’ (Staldenried), t Finnileri ‘ die Wasserleitung nach Finilu (bei den Heuschobern) ’ (Eisten), Niw Finnileri ‘ die neue Wasserleitung zur Alpe Finnelen ’ (FLNK, Eisten). Aus der Karte lässt sich schliessen, dass die so benannten Wasserleitungen teilweise identisch sind. Die Verteilung und die Form der Namen legt die Vermutung nahe, dass die Herkunft der Namen aus dem Frankoprovenzalischen nicht mehr erkannt wurde; an ihre Stelle trat in einigen Fällen die volksetymologische Herleitung aus schwdt. finde n ‘ finden ’ und wdt. finne, finnä (Goms), finnu ‘ finden ’ (I D . 1, 847 f.; G RICHTING 1998, 78 (mit der Entwicklung / nd/ -> / nn/ )), die rein lautlich bedingt ist. Finger Finger m. ‘ der Finger ’ ist zu schwdt. Finger wie nhd. ‘ das Glied der Hand ’ und wdt. Finger, Fingr (Lötschental), Fingär ‘ Finger ’ (I D . 1, 861 f.; G RICHTING 1998, 78) zu stellen. Als FlN erwähnt BENB (1, 1, 141) das Lemma Finger u. a. für einen Gipfel mit fünf fingerartigen Spitzen. Belegt ist es lebend als ufem Finger ‘ auf dem Finger ’ (Bitsch). Die übrigen Belege sind historisch: vf dem Finger (1664 u. später, Ried-Mörel), Fingerschleif ‘ der (Holz-)Schleif bei auf dem Finger ’ (1775 u. später, Bitsch), Fingerwaldt ‘ der Wald bei auf dem Finger ’ (1637, Ried-Mörel). Vermutlich handelt es sich um den gleichen Ort, da Bitsch und Ried- Mörel aneinander grenzen. Laut Beschreibung befindet sich dort ein „ leicht vorstehender Rücken “ , der wie ein Finger aussieht. Finel 151 152 <?page no="342"?> Finnig (PN) Finnig (PN) ist nur 1731 in Unterbäch als in den Finnig Matten ‘ in den Wiesen der Leute von Finel ’ belegt. Nahe liegt ein PN mit der Kollektivendung / - IG / . Unterbäch kennt den Flurnamen Finile zu Finel ‘ Heuschober ’ (I D . 1, 838) (cf. HL F INEL ), der vielleicht als Herkunft diente. Nicht auszuschliessen ist die Herkunft von Finnu (hdt. Finnen, cf. HL F INNU ), einem Weiler von Eggerberg. Etwas weiter hergeholt ist der FaN Winschen (AWWB 196), der u. a. in Eischoll unter dem FaN Schauben vertreten war; auch bei G ATTLEN (2006, 86) wird 1536 ein Schauben erwähnt. Der FaN Winschen geht laut AWWB auf den Vornamen Vincentius zurück (cf. HL F INTSCHEN ). Bei Finnig würde aber inlautendes / š / fehlen, sodass diese Herleitung wenig sinnvoll ist. Finnu Finnu ist ein Weiler von Eggerberg auf ca. 1400 m. Die ältesten Belege sind 1301 ab Fugnona, 1306 apud Fv ́ nnv ́ na, 1307 Funnuna, 1390 Fu ᵉ non, 1422 de Fúnnen, 1457 Fûnnon, 1457 Funnon, 1478 Fünnon usw. Nur 1425 wird Finnon erwähnt, doch dürfte dieses Dokument eine Kopie sein. Insgesamt ist deutlich, dass ursprünglich ein / u/ oder / ü/ in der betonten Silbe vorhanden war. Die Belege deuten auf ein rom. fontana ‘ Quelle, Brunnen ’ (FEW 3, 696) und frpr. fontan-na ‘ Quelle ’ (G PSR 7, 659 ss.) hin. Die Entwicklung zu Finnu beinhaltet die Entrundung von / ü/ > / i/ und die (optionale) Entwicklung von / nd/ > / nn/ . Das Simplex ist auch in Mund als Fúnnon (1449) mit späteren Veränderungen belegt. Mit attributiven Adjektiven sind belegt t Obru und t Undru Finnublatte ‘ die oberen und die unteren Felsplatten beim Weiler Finnen ’ (Eggerberg, Mund). Die meisten Belege enthalten das HL als Bestimmungswort; mit zweigliedrigen Komposita sind das folgende Grundwörter Alpa, Bach, Biel, Blatta, Grabu und Wäg. Komplexer sind Grabo Finnubach ‘ der Graben, durch den der Finnenbach fliesst ’ (EK, Eggerberg), Ober Finnublattu Wäg ‘ der Weg zu / von den oberen Finnenblatten (Felsplatten beim Weiler Finnen) ’ (EK, Eggerberg). Eine noch komplexere Konstruktion weist der Finnubachgrabo ‘ der Wassergraben, durch den der Finnenbach fliesst ’ (LT Eschilgrabu) auf. Ebenfalls hieher gehört den Fÿnnen Bach ‘ der Bach, der beim Weiler Finnen durchfliesst ’ (1603, Baltschieder; Akkusativ konstruktionsbedingt). Ein Genitiv Plural ist 1521 in Mund als Fünnero ‘ der Leute von Finnen ’ belegt, es handelt sich um einen Alpweg, der bis nach Finnen geht. Ein alter Genitiv liegt wohl vor in t Findneräbine ‘ die Abhänge, die den Leuten von Finnen (Weiler von Eggerberg) gehören ’ (Eggerberg) und Findner Giteiluwälder ‘ die Wälder, die den Geteilen von Finnen gehören ’ (FLNK, Eggerberg). Dieser Genitiv ist deutlicher sichtbar in Finderro Chilchu Wäg ‘ der Kirchweg der Leute von Finnu ’ (EK, Eggerberg) und Finnero Härte Weiden ‘ die harten Weiden der Leute von Finnen (Weiler von Eggerberg) ’ (1788, Mund). Fintschen (FaN) Fintschen (FaN) ist ein FaN, auch Finschen, Vintschen, Vinschen oder Winschen geschrieben, abgeleitet von Vincenz (AWWB 234). Der Name erscheint als Besitzer- oder Nutzername in Fintschú Biell ‘ der Hügel der Familie Fintschen ’ (1727, Betten), von dem Fintschengút ‘ vom Gut der Familie Fintschen ’ (1748, Mörel) und in Hauptman Vintschen Hanffachren ‘ in den Hanfäckern des Hauptmanns Fintschen ’ (1605, Leuk). Belege mit der kollektiven / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural sind Fintschigen ‘ die Alpe der Familie Fintschen ’ (1720, Ernen), Fintzschigo Sentu ᵕ m ‘ das Senntum der Familie Fintschen ’ (1673, Bitsch), in Fintschigo Senthum ‘ im Senntum der Familie Fintschen ’ (1581, Binn) und in Fintschigú Staafell ‘ im Stafel der Familie Fintschen ’ (1692, Filet). Vermutlich gehören auch die Belege Vieschigen Matt (1629, Binn) und Füeschigen Senthu ᵕ mb (1655 u. später; Binn) hieher. Es handelt sich bei den Diphthongen um Wirkungen des Staubschen Gesetzes, die / n/ vor Reibelaut ersetzen. Die Zuordnung zum Siedlungsnamen Fiesch ist hier unzutreffend. Firbis Firbis (das HL mit einfachem / s/ ist nicht belegt) ist nur in Visperterminen als im Firbiss bezeugt. Laut Beschreibung handelt es sich um einen Garten, der als <läicha> (cf. HL L ÄICHA ), also als Sumpfgebiet bezeichnet wird . Ein historischer Beleg von 1629 hat vffum fürnüss; dieser Name findet sich bei den Bizinen von Ober- und Unterstalden (die Weiler gehören heute noch zu Visperterminen, vgl. Z IMMERMANN 1968, 77 und 112). I D . (1, 1020) kennt das ungerundete Firniess ‘ Firniss ’ , das zwar schon mhd. als firn ī s (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 297) belegt, aber kaum in einem Flurnamen zu finden ist. Eine Trennung in das Präfix fir ‘ vor ’ und ein Nomen Biss ‘ Biss ’ ergibt keinen erkennbaren Sinn. W IPF (1910) kennt den Namen weder lebend noch historisch; auch Z IMMERMANN (1968) hat keinen Eintrag. Das HL muss deswegen ungedeutet bleiben. Firelu Firelu f. ist nur einmal in Saas-Almagell als t Firelu ‘ die kleine Furche ’ belegt. Die Flur liegt westlich von Saas- Almagell auf ca. 1700 m. Am nächstliegenden ist eine entrundete Form zum HL F URA ‘ Furche ’ (I D . 1, 935 ff.; 153 154 Firelu <?page no="343"?> G RICHTING 1998, 82) anzunehmen. Auffällig ist die Endung / u/ , die üblicherweise / a/ heissen müsste (R ÜBEL 1950, 9 f.), es sei denn, dass eine oblique Form generalisiert wurde. Firly Firlÿ ist 1744 in Ritzingen belegt und das Fasnacht Feürlÿ 1849 in Glis. Beide Namen sind zu schwdt. Füür allg. wie nhd. ‘ Feuer ’ , ahd. fiur, mhd. viur und wdt. Fiir ‘ Feuer ’ (I D . 1, 940; G RICHTING 1998, 78) zu stellen. Der erste Beleg meint wohl einen Ort, wo ein kleines Feuer brannte. Der zweite Beleg meint den Ort, wo das Fasnachtsfeuer, das in vielen Kantonen am ersten Sonntag der Fastenzeit üblich war (I D . 1, 947), entzündet wurde; der Diminutiv bezieht sich auf eine kleine Stelle. Zu Fiir cf. HL F IIR (F EUER ). Firn Firn m. wird in der deutschen Schweiz primär verwendet, um ein vorjähriges Schneefeld am Rande eines Gletschers zu kennzeichnen. Es ist zum Adj. firn, ahd. firni, mhd. virne ‘ vorjährig ’ , dazu Substantiv schwdt. Firn, Fire(n) m. ‘ vorjähriger Schnee, Altschnee oder -eis ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 297; I D . 1, 1020; Z INSLI 1984, 564) zu stellen. G RICHTING (1998) kennt den Ausdruck nicht. Belegt ist das HL in rund 20 Namen, wobei ein Simplex fehlt. Die Entwicklung von Firn zu Fire ist zu berücksichtigen. Mit dem Grundwort erscheinen in zweigliedrigen Komposita Ahnen Firn ‘ der Firn des Aanugletschers ’ (SK, Blatten), Eggfirn ‘ der Firn beim Eggstock ’ (LT, Oberwald), Grossfirn ‘ der Grossfirn (oberster Teil des Rhonegletschers) ’ (LT, Oberwald), Lötschen Firn ‘ der Firn des Langgletschers ’ (Blatten; der Name ist wohl nicht mehr bekannt), der Rhonefirn ‘ der Firn des Rhonegletschers ’ (Oberwald) (heute sind dort nur Grossfirn und Eggfirn belegt). Komplexer sind: Grieeggfirn ‘ der Firn beim Grünegg (grüne Ecke) ’ (FLNK, Fieschertal, LT Grüneggfirn, 1: 10000 Grieegggletscher), Gross Aletschfirn ‘ das Firnfeld des Grossen Aletschgletschers westlich vom Konkordiaplatz ’ (Fieschertal, LT Grosser Aletschfirn), Jungfraufirn ‘ der Firn südlich unterhalb der Jungfrau (Gipfelname) ’ (Fieschertal), Kranzbergfirn ‘ der Firn unterhalb des Kranzberg ’ (LT, Fieschertal; FLNK Kranzbärgfirn), Oberaletschfirn ‘ der Firn (Schneefeld) oberhalb des Oberaletschgletschers ’ (Naters; LT, SK, und FLNK), Walliser Fiescherfirn (FLNK, LT und SK, Fieschertal). Als Bestimmungswort findet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Gartu, Hooru und Meidu. Komplexer sind ts Ober und ts Unner Firrehore ‘ das obere und das untere Firnhorn ’ (Reckingen), sowie Firehorelicka ‘ Fusspass beim Firehorn (Firnhorn) ’ (Münster; LT Firehornlicke), der Firnegaartebach ‘ der Bach im Gebiet Firnegaarte ’ (Fiesch) - der Name bezieht sich nicht auf den vorjährigen Schnee, sondern auf ‘ Garten mit letztjährigem Gras ’ (Bedeutung 4 in I D . 1, 1020), dazu auch Firnegaarte (Fiesch). Unklar ist Firnun Meidon (1300, Oberems); das HL M EIDU ‘ Heuschober ’ (cf. HL M EIDU ) ist als Heuschober zu deuten; Firnun Meidon könnte dann den Heuschober mit letztjährigem Heu meinen. Firscht Firscht ist als Namennest in Ausserberg als t Firscht ‘ der First ’ (Ausserberg), der Fürstbiel ‘ der Hügel bei der First ’ (1760, Ausserberg), auffum Fürstboden ‘ auf dem Boden bei der First ’ (1735, Ausserberg) und die Fürstwasserleiten ‘ die Wasserleitung zum Gebiet First ’ (1735, Ausserberg) belegt. In Ulrichen ist 1545 an den Fürst Schluchen ‘ an der Schlucht bei der First ’ bezeugt. Das HL ist zu schwdt. First m. ‘ Bergrücken, hingezogene Anhöhe ’ , mhd. virst, sonst f. ‘ Dachgiebel, First ’ und wdt. Firscht w. ‘ First ’ (Z INSLI 1946, 57 f. u. 318; I D . 1, 1023 f; G RICHTING 1998, 78.) zu stellen. Im Fall von Ausserberg handelt es sich laut Beschreibung um unproduktiven, schlechten Boden; das Gelände sei beidseitg abfallend wie ein Dach. Ausgegangen wird also von der Bedeutung ‘ Dachgiebel, First ’ . In Ulrichen sagt das Dokument nicht genau, wie das hyperkorrekte Fürst zu verstehen ist. Der Adelstitel Fürst ist in beiden Fällen darum nicht gegeben. Fisch Fisch m. ‘ Fisch ’ ist zu schwdt. und wdt. Fisch, Pl. Fische, ahd. fisc, mhd. visch m. (I D . 1, 1098 ff.; G RICHTING 1998, 78) zu stellen. Die Ableitung Fischer ‘ jemand, der fischt ’ kann, wie Fisch selbst, auch ein FaN sein, worauf schon das I D . bei den Ortsnamen mit Fisch hinweist. Als Simplex kommt nur die feminine Ableitung t Fischerra (Baltschieder) vor; die so bezeichnete Flur befindet sich in der Ebene des Rotten und ist auf den Karten nicht als Teich oder Bach zu erkennen. S ONDEREGGER (1958, 479) führt den Flurnamen Fischeren auf den FaN Fisch zurück; das Suffix ist lat. / - ÂRIA / , ahd. / - ARRA / . In den meisten Belegen ist Fisch Bestimmungswort zu folgenden Grundwörtern: Biel, Brigga, Grabu, Moos, Pletscha und Zucht. Zum Fischbiäl (Wiler) gesellen sich t Fischbiältreichi ‘ die Tränkestelle beim Fischbiel ’ und t Fischbiälweidä ‘ die Weiden beim Fischbiel ’ (beide Wiler). Diese drei Namen enthalten Fisch als Metapher für die Form des Hügels. Die Ableitung Fischer ist in ts Fischerhüüsi ‘ das kleine Haus der Fischer ’ und ts Fischerseewji ‘ der kleine See der Fischer ’ (beide Leuk) enthalten; hier geht es tatsächlich um die Fischerei. Einen starken Genitiv weist Fischerschbiel ‘ der Hügel der Familie Fischer ’ (Ausserberg) auf, ein Weiler des Dorfes, der sich am besten mit dem FaN Firly 155 156 <?page no="344"?> Fischer deuten lässt. Der FaN Fischer ist im Register der HRBS bezeugt. Fischi Fischi n. ist üblicherweise ein Hohlmass, wird hier aber auch als Flächenmass für einen Acker verwendet, der ein Fischel Korn gibt. Es ist zu schwdt. Fischelin, Fischel, Fischi n. ‘ grosses Getreidemass ’ und wdt. Fischi ‘ Hohlmass ’ (I D . 1, 1109; G RICHTING 1998, 78) zu stellen. Das Simplex in dem Fÿschÿ n. ist 1791 in Ritzingen belegt; in Eggerberg erscheinen Fischi f. und t Fischini ‘ die Äcker von der Grösse eines Fischi ’ ; EK hat in Eggerberg an einem andern Ort Fischi (ohne Genus). Naters hat 1560 das mittlest Fischi ‘ der mittlere Acker für ein Fischi Korn ’ . Turtmann weist t Halbfischini ‘ die Äcker, die ein halbes Fischi umfassen ’ und t Stägifischini ‘ die Äcker von der Grösse eines Fischi beim kleinen Steg (über den Rotten) ’ auf. Unsicher ist in der Fischieren (1683, Turtmann). Fisi Fisi ist nur in uf Fisi ‘ auf Fisi ’ (Wiler) belegt. Nach der Beschreibung hätten Lötscher den Flurnamen aus dem Bernischen übernommen, wo sie heuen gingen. BENB (1, 1, 145) stellt den Flurnamen nach H UBSCHMIED zu altroman. *vesin < lat. V Ī C Ī NUS ‘ Nachbar ’ mit der Bedeutung ‘ benachbarter Berg, Beiberg ’ (H UBSCHMIED 1940, 17; REW 9312). Kaum hieher gehört das in K RISTOL ET AL . (2006, 358) besprochene Fisibach (AG), dessen erster Teil von Fusibach und anderen Formen stammt und entrundet ist. Fitla Fitla ‘ Hinterteil ’ ist zu wdt. Fittle, Fittlä (Goms), Fittla (Saastal), Fittluch (Lötschtal), Fittlo ‘ Hinterteil, Mut ’ (G RICHTING 1998, 79; die zweite Bedeutung ist nicht gemeint) zu stellen, nach I D . zu analysieren als zusammengesetzt aus Fud (1, 682) und Loch (3, 1023, s. v. Füdloch). Das Lemma kommt nur einmal vor in dr Fitluzeicher ‘ Fläche, die einer Person gleicht, die ihr Hinterteil zeigt ’ (Raron), hier wohl metaphorisch für ein Gelände, das einem Hinterteil gleicht. Flab Flab f. ‘ Flieger-Abwehr ’ ist einmal belegt in bim Flablager ‘ beim Lager der Fliegerabwehr (Flab) ’ (Gluringen). Es handelt sich um eine Truppenunterkunft, ursprünglich jene der Flieger-Abwehrtruppen, deren Abkürzung Flab (A MMON ET AL . 2016, 239) hier verwendet wird. Fläck Fläck m. ist zu schwdt. Flëck(e n ) m., Dim. Flëckli, ‘ Flicken, Lappen, Stück ’ , in FlN ‘ Ort, Platz, Stelle ’ auch Ortschaft, Weiler bei einem Dorf, ahd. flec, mhd. vlëck und wdt. Fläkke, Fläkkä (Goms), Fläkka (Mattertal), Fläkku (Saastal), Fläkkn (Lötschtal), Fläkku m. ‘ Fleck ’ (I D . 1, 1188 f.; G RICHTING 1998, 79) zu stellen. In den meisten Fällen ist in unserem Gebiet an ein Stück Land, eine Wiese z. B., zu denken und nicht an eine Ortschaft, auch wenn das Land heute überbaut ist. Selten kann auch ein andersfarbiger Fels gemeint sein. Das Simplex im Singular der Fläcke ‘ der Flecken ’ (Grengiols, Selkingen), der Flekko ‘ der Flecken ’ (1304, Staldenried) ist selten belegt; die Beschreibung ein Stück Mattland … genant aúf dem Flecken (1850, Selkingen) zeigt sehr klar, dass es sich um ein Stück Land handelt. Das gilt auch für den Plural des Simplex t Fläcke ‘ die Flecken ’ (Bitsch, Mund), inn Fläckun ‘ in den Flecken ’ (Blatten), die Flecken ‘ die Flecken ’ (1624, Ried-Brig), bei den Flecken (1725, Naters (vermutlich eher Bitsch)) und dem vermutlichen Plural Fläckä (FLNK, St. Niklaus). Der Diminutiv Singular ts Fläckji ‘ der kleine Flecken ’ (Grächen) ist isoliert, ebenso der Diminutiv Plural in den Fleckinen ‘ in den kleinen Flecken ’ (1736 Guttet; 1704 als in den Fleckhenen). Mit attributiven Adjektiven finden sich apud [beim] Spitzen Fleken ‘ beim spitzen Flecken ’ (1388, Simplon), Sýnwelle Flecko ‘ der runde Flecken ’ (1400, Termen), der Wiiss Fläcku ‘ der weisse Flecken ’ (Gampel; ein Fels ist gemeint), Wisse Flecko ‘ der weisse Flecken ’ (1389, Simplon) (genannt wird hier nur terram ‘ das Land, das weisser Flecken genannt wird ’ ). Einen vorangestellten Genitiv des Besitzers oder Nutzers enthält Tultzins Flecko ‘ der Flecken des Tultzin ’ (1401, Simplon), wobei der PN Tultzin sonst nicht belegt ist. Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind t Aarbfläcke ‘ die Flecken mit Arven ’ (Randa), dr Bachfläckn ‘ der Flecken beim (Tänn-)Bach ’ (Wiler), Burken Fleko ‘ der Flecken beim Weiler Burgen ’ (1306, Törbel), Rosfleko ‘ der Flecken für die Pferde ’ (1436, Bellwald), der Rossflecko ‘ der Flecken für die Pferde ’ (1549, Ernen) und das schlecht erkennbare Rosflecquen (2. Hälfte 13. Jh.; Mund) (frühere Belege: 12? ? in Rofflecguen; 1320 in Roslecquen, unsicher). In allen Belegen mit Ross kann auch Roosse ‘ Röstplatz für Flachs und Hanf ’ gemeint sein; da die Belege aber alle kurz notiert sind, wurde diese Möglichkeit weggelassen. Ein einziger Beleg enthält das HL als Bestimmungswort: zem Fleckstein ‘ beim Fleckstein ’ (1487, Lax). Im Kontext ist von frustum terrae ‘ Stück Land ’ die Rede. Fläder Fläder ist nur als Bestimmungswort belegt in dr Fläderbobm ‘ der Boden mit Fläder ’ (Kippel) und zum Flederloch 157 158 Fläder <?page no="345"?> ‘ beim Flederloch ’ (Embd). Das schwdt. Fläder m. ‘ altes, baufälliges hölzernes Haus mit sehr niedrigem, breitem Dach ’ (I D . 1, 1170) kann kaum gemeint sein, da es laut I D . nur im Kanton Zürich verwendet wird. Auch Fläder, Fleder für ‘ Kuhfladen ’ wird im Oberwallis nicht gebraucht (SDS 8, 33). Ob das Verb flattern wie in Fledermaus zu Grunde liegt, ist sehr unsicher (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 301). Das Bestimmungswort bleibt darum ungedeutet. Flaggs Flaggs m. ‘ Flachs ’ ist zu schwdt. Flachs, Flax m. ‘ Kulturpflanze ’ (L INUM USITATISSIMUM und Verwandte; vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 442 ff.) zu stellen; Flachsere f. ist eine ‘ Flachspflanzung ’ oder ‘ der darin wachsende Flachs selber ’ (I D . 1, 1165). Das HL tritt nur als Bestimmungswort auf. Neben der Flaggsacher ‘ der Acker mit Flachs ’ (Binn) ist der Typ t Flaggseie ‘ die Aue mit Flachs ’ (Ulrichen), in der Flaxeien ‘ in der Aue mit Flachs ’ (1741, Ritzingen), in der Flax=Eÿen ‘ in der Aue mit Flachs ’ (1850, Münster) belegt. Dazu kommt apud Flacxgarten ‘ beim Garten mit Flachs ’ (1388 u. später, Termen), der Flaggsgaartu ‘ der Garten mit Flachs ’ (St. Niklaus) und dazu der Flaggsgaartuwald ‘ der Wald beim Garten mit Flachs ’ (St. Niklaus). Schliesslich sind wohl zur Ableitung Flachsera auf / - ERA / (Stellenbezeichnung, vgl. S ONDER- EGGER 1958, 471 ff.) die Komposita t Flaggsermatta ‘ die Wiese bei der Flachspflanzung ’ (Termen) und jn der Flaxermatten ‘ bei der Wiese bei der Flachspflanzung ’ (1656 u. später, Ried-Brig) belegt. Flas Flas m. ist so nur in 1523 in Grächen als der Flas belegt; die Lesung ist unsicher. Es handelt sich um ein Stück Wiese im Waldgin ‘ im kleinen Wald ’ . L EXER (2, 385) nennt unter dem Stichwort vlahs ‘ Flachs ’ als Nebenform Flas ‘ Flachs ’ . Die Deutung ist sehr unsicher, aber die einzige (cf. HL F LAGGS ). Flasche Flasche ist in Albinen belegt als in t Flasche; FLNK hat Flasche, LT ebenfalls. M ATHIEU (2006, 39) gibt Pflaschä, wohl mit agglutiniertem Artikel, und dazu Pflaschähaaltu ‘ die Halde oberhalb der Flasche ’ . Die historischen Belege sind 1333 eys plazetes, 1353 eys plassetes usw. Der erste Beleg mit anlautendem / f/ erscheint erst 1638 als eÿ flaschette, 1650 dann als eÿ flaschete. Laut M URET (1912, 19), der diesen Namen erwähnt, ist anlautendes / f/ aus / sp/ entstanden; die Bedeutung wäre dann ‘ auf den Plätzen, Ebenen ’ (FEW 9, 37 ff. s. v. platea; M EYER 1914, 165). Vermutlich ebenfalls hieher gehört Pflaschete (FLNK, Albinen), das M ATHIEU (2006, 13) als Pflaschätä kennt. Auch hier scheint der Artikel agglutiniert zu sein und die Herleitung verlangt ein lat. / - ITTU / ‘ die kleinen Plätze, Ebenen ’ . Die beiden Namen bezeichnen unterschiedliche Fluren. Das in Agarn 1819 belegte in den Flaschigen Matten dürfte zum FaN Plaschy (AWWB 196) zu stellen sein, wobei das anlautende / f/ nach M URET (1912, 19) aus einem vorhergehenden / s/ (z. B. eys ‘ bei den ’ ) zu erklären wäre. Flät flät Adj. ‘ sauber, rein ’ ist nur belegt in Flätweng (FLNK, Münster). Es ist zum schwdt. Adj. flät und wdt. fläät, fleet ‘ sauber, rein ’ (I D . 1, 1227; G RICHTING 1998, 79) zu stellen und meint hier ‘ die sauberen Grasabhänge (ohne Hindernisse, heute allerdings bebuscht) ’ . Flätsch - Fletsch Flätsch - Fletsch: die beiden Lemmata unterscheiden sich im Vokalismus. In Simplon sind Flätschhoru, Flätschhorugletscher und Flätschhorujoch (auch: Fletschjoch) mit offenem / ä/ realisiert. In Saas-Balen hat das gleiche Fletschhoru ein geschlossenes / e/ ; die weiter belegten Fletschhorugletscher (Saas Grund), Fletschhorubach (Saas-Grund), Fletschhornhütte (Eisten) sind nicht phonetisch notiert, sodass die Vokalqualität unklar bleibt. Laut R ÜBEL (1950, 1) und SDS (1, 73 f.) unterscheiden sich Simplon mit offener bis überoffener und Saastal mit geschlossener Qualität in der Aussprache des Umlautes von mhd. â; das entspricht Flätsch vs. Fletsch, die beide gekürzt sind. In Glis gibt es ein Fletschbodi (mit / e/ ) und in Saas-Almagell einen nur historisch belegten Fletzfad ‘ nasses Grasband ’ (1852). Flätsch gehört zu schwdt. Flatsch, Flätsch, Pflatsch, Flatz m. ‘ Ausguss ’ , ‘ Regenguss ’ , ‘ von Schnee, soviel, als auf ein Mal vom Himmel fällt ’ , zu ahd. flaz ‘ flach ’ , in FlN in der Grundvorstellung der ‘ Ausdehnung in die Breite ’ (I D . 1, 1233). Das Flätschhorn ist dann ‘ das breite Horn ’ . Fletz dagegen ist wohl zu Flöz (cf. HL F LÖZ ‘ nasse Stelle ’ zu I D . 1, 1240) zu stellen. Wohl auch zu Flätsch mit einer / - GER / -Ableitung zu flätsche n (I D . 1, 1234) und der Bedeutung ‘ nasser Fleck ’ ist Flättschgereia ‘ die nasse Aue ’ (Blitzingen) zu stellen. Flawo Flawo f. ist nur einmal belegt: aúff der Flawo (1639, Bitsch). Der Nominativ müsste Flawa f. heissen. Vegleichbare Namen Fleuben (<flöbach) und Flä führt H AM- MER (1973, 53 f.) auf ahd. flouwen, mhd. vlöuwen ‘ spülen, waschen ’ zurück. Der erste Name ist ein Bachname, den er als ‘ Bach, der das Ufer oder die Umgebung auswäscht, unterspült ’ deutet. Flä führt er auf ahd. flewen als Nebenform zu flouwen zurück. Belegt ist ahd. flawjan, mhd. vlæjen (L EXER 2, 385) ‘ waschen ’ und G R W B (3, 1738) Flaggs 159 160 <?page no="346"?> flauwen ‘ waschen ’ . Obwohl so nicht belegt, dürfte Flawa, resp. Flawo die Stelle sein, wo gewaschen wird. Fleeck Fleeck ist in vier Namen als Bestimmungswort belegt. Z INSLI stellt ein Fleeckloch (Saley) zu schwdt. fleecke(n), flööcke(n), Faktitivbildung zu ‘ fliehen ’ , mhd. vloehen, ‘ fliehen, flüchten, in Sicherheit bringen ’ (Z INSLI 1984, 235 und 245; I D . 1, 1160 ff.). I D . (1, 1161) zählt neben den genannten Bedeutunsvarianten auch eine weitere auf: „ statt flössen, flötzen netzen? “ (Kursive von IW), vermutet aber einen andern Zusammenhang, der zu ahd. flewen ‘ waschen, wallen ’ führen würde. Belegt sind Ober und Unter Fleeckbode ‘ der obere und untere Boden, wo sich das Wasser sammelt ’ (Grengiols), der Fleeckfad ‘ das Grasband beim Fleeck (? ) ’ (Saas-Almagell, nahe beim Mattmark-Stausee) und Ze Fleecksteine ‘ bei den Fleeck-Steinen ’ (Zermatt), heute mehrere grosse Steine im Wald. Die Deutung ist in jedem Fall unsicher; es kann sich um zwei verschiedene Lemmata mit den Bedeutungen ‘ Ort, wo man etwas / jemand / sich in Sicherheit bringt ’ und ‘ Ort, wo Wasser zusammenfliesst ’ handeln. Fleeger Fleeger m. ist zweimal als der Fleeger und zum Fleeger (Randa) notiert. M. S. schreibt zweimal Fleek ə r. FLNK hat auch Fleeker, meint aber wohl eine Affrikata an Stelle des einfachen velaren Verschlusslautes. Auf LT steht Fleeker. Der zweite Beleg des Flurnamens liegt ziemlich nahe beim ersten. Es scheint sich aber dennoch um zwei verschiedene Fluren zu handeln. Vermutlich sind die beiden Namen als Entrundungen zu einem Verb fl ȫ che n (I D . 1, 1160 ff.) zu stellen, das in der Anmerkung als Kausativ zu fliehen gestellt wird. Die Form Flöker (I D . 1, 1162) ist ein Nomen agentis, während das sonst nicht belegte Fleeger wohl einen Ort meint, vor dem man fliehen muss. Das Verb ist veraltet (siehe VON G REYERZ / B IETENHARD 1976, 114), meint hier als Stellenbezeichnung aber einen steilen, abgelegenen Ort. Fleersch (PN) Fleersch (PN) ist nur belegt in ts Fleersch Üowenner ‘ die Magerwiesen der Familie Bumann aus Saas-Fee mit dem Beinamen Fleer (ev. zu ts Fliersch) ’ (Saas-Almagell). Es handelt sich um einen Genitiv Singular. Die Deutung bezieht sich auf eine Bemerkung der Gwp., die eine Familie Bumann mit dem Beinamen <ts fliersch> aus Saas-Fee vermutet, die in Saas-Almagell Boden besass. Fleig - Flug Fleig (< Flöüg) und Flug sind zum Verb fliegen, ahd. fliogan, mhd. vliegen ‘ fliegen ’ zu stellen. Flug m., in gleicher Bedeutung wie nhd., ahd. flug, mhd. vluc, ist ein Verbalabstraktum zu fliegen, Fleiger m. ‘ Flieger ’ ein Nomen agentis (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 302; I D . 1, 1177 ff.). G RICHTING (1998, 79) kennt das Verb wdt. fleige, fleigä (Goms), fleign (Lötschtal, fleigu ‘ fliegen, durchfliegen ’ . Belegt ist die Ableitung Fleiger (Greich) für einen Dorfteil von Greich über einem Steilhang; hierzu ist auch in den Fleiger Ritzen ‘ in den Ritzen (Grasbändern) beim Fleiger ’ (1677, Greich) zu stellen. Die Lage des Fleiger über einem Steilhang erweckt den Eindruck einer fliegenden Siedlung. Der Fleigeture ‘ Fliegenturm, der fliegende Turm ’ (Ulrichen) ist wohl ein Felsturm, der zu fliegen scheint und kaum ein Turm mit Fliegen. Flugplatz ist für Ulrichen und Raron belegt; es handelt sich um (frühere) militärische Flugplätze. Fleisch Fleisch ist nach BENB (1, 1, 148 s. v. Flisch - Flisch) zu schwdt. Fl ī se f. ‘ Erdschlipf, Runse ’ (I D . 1, 1204) zu stellen, das volksetymologisch zu ‘ Fleisch ’ umgedeutet worden sei. Im Oberwallis kommt das HL nur als Bestimmungswort vor, hauptsächlich als der Fleischwang (Bratsch, Gampel (zwei Belege), Glis, Niedergesteln) mit den komplexeren der Fleischwangbodu ‘ der Boden beim Fleischwang (Grasabhang beim Erdschlipf) ’ (Gampel), t Fleischwangschipfu ‘ der überhängende Fels beim Fleischwang (Grasabhang beim Erdschlipf) ’ (Niedergesteln), der Fooder und der Inner Fleischwang ‘ der vordere und der innere Teil des Fleischwang (Grasabhang beim Erdschlipf) ’ (Niedergesteln), im Plural als t Fleischweng ‘ die Grasabhänge beim Erdschlipf ’ (Ferden, Simplon) mit den komplexeren t Obru und t Undru Fleischweng ‘ die oberen und die unteren Teile der Grasabhänge beim Erdschlipf ’ (Ferden). Weiter sind belegt Fleischbrunnu ‘ die Quelle / der Brunnen beim Grasabhang beim Erdschlipf ’ (Simplon) und t Fleischgruäbä (Blatten), das auch Fleeschgruäbä ‘ die Grube bei der Wasserstelle ’ genannt wird; hier wäre Fleesch ‘ Wasserstelle ’ zu Fleisch umgedeutet worden. Das lautliche Hauptproblem aller Deutungen besteht in der Entwicklung von Flinsch im Staubschen Gesetz (Ersatzdehnung nach n-Schwund vor Frikativ). Laut R ÜBEL (1950, 6) müsste daraus eine Form Fliisch entstehen (cf. HL P FLIISCH ). Fleisch setzt ein *Flensch oder *Flänsch heraus, das aber so nicht belegt ist. Die Hypothese einer volksetymologischen Umdeutung zu Fleisch stellt deswegen die letztlich verbleibende Möglichkeit der Deutung dar. Mindestens die Gwp. von Gampel denkt an das 161 162 Fleisch <?page no="347"?> hdt. Fleisch, wenn gesagt wird, dass hier gelegentlich Vieh abstürze. Flesch Flesch m., n. ist die entrundete Form von schwdt. Flösch m., im Wallis auch n., mhd. vl ō z, ‘ Zisterne, zur Aufnahme von Regenwasser bestimmte Grube, besonders auf den Alpen zum Tränken des Viehs angebracht ’ und ‘ Teich, kleiner See ’ , mhd. vl ō z ‘ Fluss, Strom ’ (I D . 1, 1224). Die Bedeutungsangabe des I D . muss verallgemeinert werden: eine Wasserstelle für das Vieh, meist auf der Alp (vgl. URNB 1, 1052 ff. und die dort angegebenen Namen und Verweise); im Einzelfall kann es sich um einen Tümpel oder Teich handeln, der austrocknen kann. In den Deutungen wird aber durchwegs „ Wasserstelle “ verwendet; in manchen Fällen ist aber einfach auch nur sumpfiges Gebiet gemeint. Von den über 80 Belegstellen stammen die meisten aus den Bezirken Goms, Östlich-Raron und Brig. Westlich davon ist Flesch sehr selten. Sehr häufig ist das Simplex Flesch, im Plural Flesche; häufig sind auch die Diminutive Fleschi und Fleschji, selten die Plurale Fleschini. Adjektivische Bildungen sind Schwarz Flesch (Bitsch, Ried-Mörel) und Wiiss Flesch (Bitsch), sowie Obere und Unnere Flesche (Bitsch, Münster, Ritzingen; Bitsch, Geschinen, Münster, Fiesch). Als Grundwort verbindet Flesch sich mit dem Bestimmungswort Stock (Felsstock, in Blitzingen und Selkingen, der gleiche Ort). In allen andern Fällen ist Flesch Bestimmungswort zu einer Reihe von Grundwörtern: Bach, Bodu, Cheer, Gadu, Gletscher, Grüeba, Egg(a), Haalta, Hooru, Matta, Putz, See, Tola, Ture, Twära, Wäg, Wald und Wang. Sonderfälle sind der historische Beleg Z ’ Flaschen Gaden (1707, Lax), wo eine hyperkorrekte Form Flaschen statt Fleschen gebildet wurde, und t Pflesche (Simplon), wo vermutlich ein Artikel agglutiniert wurde, sodass anlautend pfentstand. Schliesslich wird in Blatten für Fleeschgruäbä alternativ Fleischgruäbä notiert, wohl eine sekundäre Motivierung für das nicht mehr verstandene Fleesch (cf. HL F LEISCH ). Fleseta Fleseta kommt nur vor in supra saxo de la fleseta (1439, Leukerbad). Nach M URET (1912) kann im Wallis anlautendes plzu flwerden. Das nächstliegende Etymon wäre * PLAXUS ‘ geflochten ’ (FEW 9, 54 f.) mit einer / - ETA / - Ableitung (< / - ITTA / , mit diminutiver Bedeutung), die meist als ‘ Hecke, Hag ’ übersetzt werden muss; B OSSARD / C HAVAN (2006, 138) geben Plait, Plex, Pley mit der Deutung ‘ haie, clôture (Hecke, Zaun) ’ . Die Umschreibung ist aber nicht sicher. Flig Flig ist nur einmal als Bestimmungswort belegt in ts Fligstafolti (Unterbäch). Ohne weiteren Kontext ist eine Deutung nicht möglich; die Sippe Fliege, fliegen usw. ist im Wallis als Fleiga, fleige (G RICHTING 1998, 79) (cf. HL F LEIG - F LUG ) vertreten; andere Anknüpfungspunkte fehlen bisher. Flintsch Flintsch m. ist nur in der Flintsch und ts Flintschgräbji (beide Binn, zweites FLNK) belegt. Laut Gwp. handelt es sich um einen ziemlich ebenen Stafel der Alpe Tschampige. I D . (1, 1204 s. v. Flinse n f.) ist sehr unsicher und verweist auf verschiedene mögliche Deutungen. G R W B (3, 1801) nennt Flins m. ‘ Silex, Feuerstein, Kiesel ’ . I D . nimmt eine Variante mit n-Tilgung und Ersatz-Dehnung (Staubsches Gesetz) zu Fliisch m. an, die aber im Goms fehlt (R ÜBEL 1950, 6 und Fn. 1). Z INSLI (1946, 318) kennt „ Erdrutschhang “ (Glarus), verweist aber sonst auf den Eintrag bei I D . Am nächstliegenden ist wohl Flins m., etwa in der Bedeutung ‘ Abhang ’ (so Z INSLI 1946, 318) mit der typischen Entwicklung von / ns/ zu / ntsch/ . Floo Floo ist als ts Floogässi (Gampel) ‘ die Gasse, die so klein ist wie ein Floh ’ belegt. Das HL ist zu schwdt. Fl ō h m. wie nhd. ‘ Floh ’ , mhd. vl ō ch, vl ō hier im übertragenen Sinne für ‘ klein ’ oder auch ‘ eng ’ und wdt. Floo ‘ Floh ’ (I D . 1, 1183 f.; G RICHTING 1998, 80) zu stellen. Flor Flor ‘ Gartenblumen ’ ist zu Flor (I D . 1, 1206) ‘ Gartenblumen ’ zu stellen. In Brig gibt es zwei Belege, die Flor als Bestimmungswort haben: Flurgarto (1355, Brig) und Slorgarto (1399, Brig), letzteres könnte auch Florgarto gelesen werden (das anlautende / s/ ist lang und verfügt über einen kleinen Haken, der auch zu einem / f/ gehören könnte). Flur ist vermutlich in Brig um 1355 mit einem Diphthong / ue/ oder / uo/ belegt, doch ist diese Lesung nicht sicher. An beiden Stellen liegt aber die Deutung des HL als ‘ Gartenblume ’ und des Kompositums als ‘ Blumengarten ’ nahe. Floret Floret ist historisch 1388 in Ried-Brig (genauer in Brey) als Floret, 1723 im Floret belegt. R. P FAMMATTER kennt es lebend als Florett ‘ kleiner Stall mit angrenzender Wiese ’ . Der frühe erste Beleg lässt sich auf mhd. fl ō re ‘ Blume, Blüte ’ (L EXER 2, 2, 412) mit einer urspr. / - ITTA / -Ableitung (G PSR 7, 541 ff. s. v. fleurette) zurückführen. Die Deutung wäre dann wohl ‘ das kleine Gebiet mit Blumen ’ . Flesch 163 164 <?page no="348"?> Flori Flori hat wohl verschiedene Deutungen. Es ist regelmässig bezeugt als in prato flori (Oberems), erstmals 1345. In einem Beleg von 1424 steht cui vulgariter dicitur pratum flory seu Bl ů mmatta ‘ die in der Volkssprache pratum flory oder Bluemmatta genannt wird ’ . Das gilt dann wohl auch für den Beleg 1473 in Varen: in prato florÿ. Es bleibt jedoch unsicher, ob hier eine latinisierte Form oder eine patois-Form vorliegt. M EYER (1914, 90) kennt zwar Florey, will es aber auf den PN Flori-hari (nicht so bei F ÖR- STEMANN 1, 511, wo nur F LOR belegt ist, das F ÖRSTEMANN auf lat. FLOS , FLORIS gründet) zurückführen, was im Fall der Belege kaum stimmen kann. Vermutlich ist eine Rückführung auf lat. FLOS , FLORIS sinnvoll. Unklar ist der Florigrabu (Inden); am Ort selbst gibt es keinen weiteren Beleg für Flori, es könnte sich aber um den FaN Florey (NWWB 102 f.) handeln, der im angrenzenden Randogne belegt war. Sicher ein PN Flori ist in ts Florisch Egga ‘ die Ecke des Flori ’ (Fieschertal) enthalten; wohl eine Kurzform zum PN Florian. Das I D . kennt die Form so nicht, verweist aber (Id. 1, 1207) unter Fluri auf Florian. Flottu Flottu ist nur in Salgesch belegt, historisch 1927 als im Flottenschleif, lebend als der Flottuwald (Salgesch, auch LT u. FLNK; SK Flottenwald). Es handelt sich um einen Wald nördlich von Salgesch auf ca. 1400 m. T AGMANN (1946, 24; Ms., 20) weiss nicht, woher Flottu stammt. M ATHIER (2015, 34) stellt es zu frz. flotter ‘ flössen ’ (FEW 15, 2, 147 ff. s. v. *flot- (anfrk.) ‘ das fluten, strömen, treiben ’ ). In den angrenzenen frpr. Patois ist flottage ‘ Flösserei ’ zu flotter ‘ flössen ’ belegt (G ERSTER 1927 s. v. f ɫ ot ā ‘ faire flotter du bois ’ und f ɫ ot ā zo ‘ Flottage ’ ). Diese Deutung würde auch dem nur historisch vertretenen Flottenschleif ‘ Holzschleif für das Flössen des Holzes ’ entsprechen. Die Deutung als ‘ Flösswald ’ dürfte näherliegen als andere. Die bei M ATHIER gegebenen Flurnamen leysier und lysier werden am entsprechenden Ort aufgeführt. Flöz Flöz ist nur einmal belegt in ts Fletschbodi (Glis) mit geschlossenem / e/ . Die entrundete Form Fletsch ist darum zu schwdt. Flöz ‘ nasse Stelle im Boden, wo immer Feuchtigkeit durchsickert ’ (I D . 1, 1240) zu stellen; sie fehlt bei G RICHTING (1998). Zusammen mit Bodi ‘ Boden (Diminutiv) ’ ergibt sich die Deutung ‘ der nasse, kleine Boden ’ . Da die Koordinaten (jedoch Angabe Sibelweng, das zu den HLL S INWEL und W ANG gestellt ist) fehlen, ist unklar, wo sich die Flur befindet. Flucht Flucht kommt nur in Fluchthoru (Saas-Almagell; LT u. SK Fluchthorn, FLNK Fluchthoru) und Fluchtpass (Saas-Almagell, LT und FLNK Fluchtpass) vor. Obwohl das I D . das Lemma unter Flucht f. als ‘ Kluft, Schlucht ’ (I D . 1, 1166) kennt, kommt diese Bedeutung kaum in Frage, da sie nur für den Kanton Appenzell belegt ist (APNB 2, 1, 554; auch Z INSLI 1945, 90). G RICHTING (1998) kennt das Lemma nicht. Im SAC Jahrbuch (1866, 333) weist J. J. W EILENMANN auf die jägersprachliche Bedeutung von „ Fluchtspitze “ als „ Rückzugsmöglichkeiten der gejagten Gemsen “ hin; diese Deutung gilt allerdings primär für das Fluchthorn in der Silvretta-Gruppe, nicht für das in Saas-Almagell. Auffallend ist, dass Flucht im Oberwalliser Ortsnamenwortschatz sonst nicht vorkommt. Da die Namengebung nicht bekannt ist, werden die Namen von Berg und Pass nicht gedeutet. Flüdtt Flüdtt ist nur einmal belegt in die Flüdtt (1607, Zwischbergen). In J ORDAN (2006) ist der Name nicht aufgeführt. Ob es sich um einen Singular Feminin oder um einen Plural handelt, ist unklar; ebenso ist unsicher, ob der Vokal / ü/ als sekundär gerundet betrachtet werden muss oder nicht. Der Flurname bezieht sich laut Dokument auf die Alpjen. Eine Deutung ist jedoch nicht möglich. Fluggsch (FaN) Fluggsch (FaN) kommt nur als Bestimmungswort in vier Namen vor, von denen drei vermutlich den gleichen Ort bezeichnen: Fluggscheriiti ‘ das gerodete Gebiet der Familie Fluggsch ’ (Raron, Niedergesteln), nur historisch belegt ist Flugsch Ritti (1825, Steg). Weiter weg - unterhalb von St. German - befindet sich t Fluggschunegga ‘ die Ecke der Familie Fluggsch ’ . Der Registerbeleg hat hier Flutscheneggen (Reben). Die Formen legen einen PN oder FaN Fluggsch nahe. Belege dafür finden sich bisher jedoch nicht, dennoch wird die Deutung als richtig angenommen. Flüö Flüö ‘ Fluh, Felswand ’ ist zu schwdt. Flueh, Fluech, Flue f., Pl. Flüe, Fluhe, Dat. Pl. Flüene n ‘ Felsabsturz, Felswand ’ , vereinzelt noch als Appellativ lebendig, ahd. fluoch, fluoh, mhd. vluo (I D . 1, 1184 f.; Z INSLI 1984, 564) und wdt. Flüe, Fluä (Lötschtal), Flüö, Flüo ‘ Fluh, Fels ’ (G RICHTING 1998, 80) zu stellen. In den Deutungen wird ‘ Fluh ’ verwendet (vgl. A MMON ET AL . 2016, 239). Das Lemma kommt in rund 890 Fällen vor; vom einfachen Simplex Flüe bis zum komplexen in der unteren Warpflüe Wildin ‘ in der unteren Wildi (unfruchtbares Gebiet) bei der Wartfluh ’ (1821, Mund). Die Formen- 165 166 Flüö <?page no="349"?> bildung zeigt drei unterschiedliche Prozesse: zum einen Palalatalisierung zu Flüö, die aber in Lötschental und Simplon unterbleibt (Typ: Fluä), zum zweiten Umlaut mit anschliessender Entrundung (Typ: Flie), zum dritten die Bildung des Diminutivs, meist mit gleichzeitigem Umlaut; hier interessiert vor allem die Tilgung des Hiatus, da Flüe vokalisch auslautet: Flieji, Flieli, Fliegi, Flietgi und Flieti sind belegt; Plurale werden meistens mit der Endung / -ni/ gebildet (z. B. Fliejini). Die 1723 in Naters bezeugte Wasserfuhr das Fluerli wird 1760 das Flieherli genannt; da Flur sonst im Dialekt nicht existiert, muss hier eine Diminutivableitung auf / - ERLI / angenommen werden (zur Problematik insgesamt siehe die Diminutivbildungen in SDS 3, 155 f.). Nur selten belegt ist die Kollektivbildung Gflie ‘ das Geflüh ’ (Oberwald) und der dazu gehörige Diminutiv Gflieli (Obergesteln). Das Simplex Flüö f. im Singular tritt etwa fünfundzwanzig Mal auf, häufig mit einer Präposition, meistens uf der Flüö, aber auch unner der Flüö (nicht zu verwechseln mit t Unner Flüö ‘ die untere Fluh ’ ). Das gilt auch für den Plural Flie f., der rund zwanzig Fälle aufweist; die Präposition mit Dativ führt zu Flienu, etwa in unner du Flienu (Täsch), in Bratsch sogar zu Flielu, insgesamt rund zehn Belege. Von den Diminutiven ist vor allem der Typ Flieli häufig (rund zwölf Belege), die andern kommen nur vereinzelt vor; Plurale sind selten, etwa Fliejini (Mund). Häufig sind Konstruktionen mit attributiven Adjektiven und Flüö / Flie; besonderes hervor sticht die rund fünfzig Mal belegte Kombination mit Ho / Hee ‘ hoch ’ wie in t Hoflüe ‘ die hohe Fluh ’ , deren wohl bekannteste die Kapelle Ze Heeju Flienu ‘ bei den hohen Flühen ’ (Bitsch, Ried-Mörel) zwischen Bitsch und Mörel ist. Weitere häufig bezeugte Adjektive sind die Farbnamen Wiiss ‘ weiss ’ (38 Belege), Rot (16 Belege), Schwarz (10 Belege) und Blau (3 Belege). Weitere Adjektive sind Leng / Läng ‘ lang ’ (gut 20 Belege), Grooss (8 Belege), Spitz (8 Belege), Beesch ‘ böse (im Sinn von steil) ’ (4 Belege) und einmal Blind, wobei hier nicht nur Konstruktionen mit Simplizia vertreten sind, sondern auch komplexere, wie etwa der Länguflüerüüs ‘ die Wasserleitung, die an der langen Fluh vorbeifliesst ’ (Niedergesteln). Die relativen Angaben Ober und Unner sind ebenfalls häufig, aber auch bei komplexeren Namen vorkommend; weitere solche Angaben sind vereinzelt belegt. Eine besonders interessante Form zeigen t Wasigu Flie ‘ die Flühe mit Wasen (Grasbewuchs) ’ (Saas-Fee) oder t Wasmig Flüe ‘ die Fluh mit Wasen (Grasbewuchs) ’ (Staldenried), die ein Adjektiv auf / - IG / vom Nomen Wase ‘ mit Gras bewachsener Boden ’ (cf. HL W ASE ) aufweisen; auch t Chrütiguflüö ‘ die Fluh mit Krautbewuchs ’ (Eisten) kennt ein solches Adjektiv zum Nomen Chrüt ‘ Kraut ’ , t Holzige Flie ‘ die Flühe mit Holz (Wald) ’ (Randa) eines zu Holz und t Miesig Flüe ‘ die mit Moos bewachsene Fluh ’ (Täsch) eines zu Mies ‘ Moos ’ . Auch t Sunnigu Flie ‘ die besonnten Flühe ’ (Randa) gehört hieher. Ein Partizip als attributives Adjektiv findet sich in di Gspalte Flüe ‘ die gespaltene Fluh ’ (Oberwald und weitere fünf Belege) und in an der Knakten Flu ᵕ h (1895, Embd), wo wohl ein Partizip Passiv von ggnage ‘ nagen ’ (G RICHTING 1998, 90) vorliegt. Ein besonderer Fall ist zer Gellondon Flu ᵉ ‘ bei der jähen, steilen Fluh ’ (1374, Stalden) zum Partizip gellend ‘ jäh, schroff, nackt ’ (I D . 2, 209). Als Grundwort kann Flüe mit vielen anderen Nomina auftreten. Ein besonders häufiger Typ ist Wandflüe ‘ die Fluh, die wie eine Wand aussieht ’ (rund 50 Belege) - hier ist das Namenmotiv die Ähnlichkeit einer senkrechten Fluh mit einer Wand (URNB 1, 1099 zum Typ Wandflue). Eine ähnliche Doppelbenennung ist uf der Tschuggflüo ‘ auf der Felsenfluh ’ (Naters), wo in Tschugge ‘ Felsen ’ und ‘ Fluh ’ kombiniert sind, ohne dass klar ist, ob es sich um einen Felsen bei einer Fluh handelt oder um eine Fluh, die wie ein Felsblock aussieht. Tiernamen sind als Bestimmungswort in Adlerflüo (Turtmann) und dem gleichbedeutenden Aariflüo (Eisten), resp. Aruflüe (Zermatt) belegt. Unsicher ist bei Eihoruflüe ‘ Eichhornfluh ’ (Hohtenn), ob wirklich das Eichhörnchen gemeint ist. di Geissinuflüo ‘ die Fluh mit Ziegen ’ (Mund), Gemsfluh (St. Niklaus) sprechen für sich; Graageflüe ‘ die Fluh mit Dohlen / Raben ’ (Oberwald) bezieht sich wohl auf Bergdohlen, die um die Fluh kreisen, während t Hüwweneflie ‘ die Fluh bei den Hüwwene (Eulen) ’ (Oberwald) auf einen anderen Flurnamen mit Tiermotivation Bezug nimmt. Bockflüe ‘ die Fluh, wo Böcke weiden ’ (Zwischbergen und andere) kann sich auf irgendwelche männlichen Weidetiere beziehen. Ob Bärufluä ‘ Bärenfluh ’ (Ferden) etwas mit dem Tier oder seiner Form zu tun hat, ist unklar. Das Gleiche gilt für t Schwiiflüo ‘ die Schweinefluh ’ (Naters). Und bi der Taksuflüo ‘ bei der Fluh, wo es Dachse hat ’ (Glis) verweist auf eine sonst selten erwähnte Tierart. Auch Baum- und Pflanzennamen sind als Bestimmungswörter geläufig: t Aarbflüä ‘ die Fluh mit Arven ’ (Steg) (auch als Adjektiv beÿ der Arfinen Fluho ‘ bei der Fluh mit Arven ’ (1753, Bister)), t Aspflüo ‘ die Fluh mit Espen ’ (Mund) (auch als Adjektiv t Aspini Flüo ‘ die Fluh mit Espen ’ (Oberems)), t Hasolflüe ‘ die Fluh mit Haselstauden ’ (Eisten), Heimiflüe (die Fluh mit Gutem Heinrich) (Gampel), t Chrüterflüe ‘ die Fluh mit Kraut ’ (Zermatt), die Lerchflu ᵉ o ‘ die Fluh mit Lärchen ’ (1776, Naters), Mälböumflüe ‘ die Fluh beim Weiler Mälböum (Mehlbaum) ’ (Naters) - etwas irreführend, da der Weiler nach dem Baum heisst, nicht die Fluh; die Bürchflien ‘ die Flühe mit Birken ’ (1558, Zeneggen), auch als Adjektiv di Bir- Flüö 167 168 <?page no="350"?> chini Flüo ‘ die Fluh mit Birken ’ (Ergisch), ts (e)Ramschflüö ‘ bei der Fluh mit Löwenzahn ’ (Eisten) und das nur einmal belegte in den Waldflühen ‘ in den Flühen beim Wald ’ (1837, Mund) und Wurzflüe ‘ die Fluh beim Wurzwald (Ergisch). Das Material der Fluh spielt eine Rolle bei zer Giltfluä ‘ bei der Fluh mit Giltstein (Ofenstein) ’ (Blatten und öfter), auch als Giltsteinflúo (1785, Naters); vermutlich gehört auch Ofeflue ‘ Fluh mit Ofenstein ’ (Simplon) hieher. Material nennt auch Chriiduflüe ‘ die Fluh aus Kreide ’ (Salgesch und öfter), Chalchuflüe ‘ Fluh aus Kalk ’ (St. Niklaus) und biner Tufflüe ‘ bei der Fluh aus Tuffstein ’ (Oberwald); unsicher dagegen ist t Straalflie ‘ die Flühe mit Bergkristallen ’ (Zwischbergen). In einer Reihe von Namen sind Besitzer- oder Nutzer genannt: Eggerschflüo ‘ die Fluh der Familie Egger / des Egger ’ (Birgisch), etwas unklar ist Hergotts Fluo ‘ die Fluh des Herrgott ’ (1693, Gampel) - ob hier an Gott gedacht ist oder nur ein Übername vorliegt, bleibt unsicher. Clawieflúh (Varen) verweist auf die Besitzer namens Clavien oder Clavioz, Lambers Flue (Ried-Brig) auf einen Lambert (PN), t Nigguflüo ‘ die Fluh des Niggi / der Familie Niggi (Nikolaus) ’ (Embd) auf einen Niggi oder ähnlich, Nägerschflieji ‘ die kleine Fluh des Näger (PN) ’ (Mund) auf einen Näger und aúff Bergersch Flúo (1748, Steg) auf einen FaN Berger. t Pfaffuflüo (Mund) heisst nach einer FaN Pfaffen (und nicht nach dem Pfarrherr). t Schalbetterflüe (Zermatt) enthält den FaN Schallbetter und in ts Siithofischflüo (Birgisch) ist vermutlich ein FaN Hofer versteckt, die Siithofi genannt wurde. Im Fall der St. Germanerflüe (Raron) sind die Einwohner von St. German bei Raron gemeint. Mehrfach erwähnt ist Wengerschfl ů (1548, Turtmann), wo entweder der FaN Wenger oder der gleichlautende Herkunftsname (von den Wengen) gemeint sein kann. Im Fall der Wängerschflüo (Ergisch) zeigen historische Belege, dass ein romanischer Familienname (Wangyer) zu Grunde liegt, der wohl später deutsch interpretiert wurde. In Zimmermasch Flieji ‘ die kleine Fluh des Zimmermanns / der Familie Zimmermann ’ (Glis) bleibt unklar, ob es sich um einen Berufs- oder Familiennamen handelt. Vermutlich die Form der Fluh spielt eine Rolle in t Kruchtuluflue ‘ die Fluh in der Form eines Fasnachtsgebäcks ’ (Simplon), wo das frpr. Lehnwort Chruchtela ‘ Fasnachtsgebäck ’ auf die Form verweist. Ähnlich ist Chroonuflüe ‘ die Fluh mit einer Bekrönung ’ (Ausserberg) zu verstehen. Bei einer grossen Zahl weiterer Namen mit Flüö als Grundwort ist das Bestimmungswort die Benennung einer nahegelegenen Flur, eines Gletschers, eines Sees oder eines Weilers. Sie im Einzelnen aufzuzählen, ist hier nicht möglich. Besonders auffällig ist der Name t Waartflüe ‘ die Fluh mit Aussicht ’ (Randa), mit Assimilation zu t Waarbflie ‘ die Flühe mit Aussicht ’ (Mund) - Waart ist hier als Aussichtspunkt zu verstehen, von dem aus man eine gute Aussicht über die Gegend hat. Ein anderer Typ mit einem Adverb ist Obfluh (St. Niklaus), also das Gebiet oberhalb einer Fluh (kommt auch in Obflie (1764, Obergesteln) und in der Ableitung Obfliejer (Naters) vor). In einigen Fällen ist die Motivation für die Bestimmungswörter nur schlecht erkennbar. Das gilt insbesondere für die Namen, die in lateinischer Form als SAXUM überliefert sind und ein nachgestelltes Bestimmungswort enthalten wie etwa a saxo de laz Paryz (1490, Varen), das vermutlich zum lat. PARIET - ‘ Wand ’ gestellt werden kann, also etwa der Wandfluh entspricht. Nicht in jedem Fall ist sicher, dass SAXUM hier ein Namensbestandteil ist; es kann sich auch einfach um ein lateinisches Appellativ handeln; dabei ist zu bedenken, dass die lateinische Form SAXUM im Patois etwa scex oder sei lauten müsste. Neben den zweigliedrigen Konstruktionen mit Flüö als Grundwort gibt es mehrgliedrige Konstruktionen, die zusätzlich modifiziert sein können. Ein komplexes Beispiel dafür ist t Voorder Holzig Flüe ‘ die vordere Fluh mit Holz (Wald) ’ (Täsch) oder bis au ᵕ f des Kolplatzes Flu ᵕ h ‘ bis auf die Fluh beim Kohlplatz ’ (Obergesteln). Als Bestimmungswort kommt Flüö in zweigliedrigen Konstruktionen mit den Grundwörtern Acher, Alp, Bach, Balm, Bodu, Brigga, Cheer, Fad, Gartu, Gletscher, Güed, Gufu, Hitta, Hooru, Hubel, Hüs, Kapälla, Läger, Sand, Schleif, Spitz, Stadel, Ture, Wald, Wang, Wasser, Wäg und Weid vor. Darüber hinaus gibt es einige komplexere Fälle, in denen Flüe entweder Bestimmungswort oder Grundwort eines Kompositums ist, das selbst Bestimmungswort sein kann: der Fooder Mässflüegrabu ‘ der vordere Graben bei der Mässflüe (Fluh beim Ort, wo der Milchertrag gemessen wurde ’ (Hohtenn), der Lengflüegletscher ‘ der Gletscher bei der langen Fluh ’ (Täsch) oder t Lenguflüoüowender ‘ die Magerwiesen bei der langen Fluh ’ (Saas- Balen). Fluss Fluss ist nur im hdt. Fluss Wiese (1927, Salgesch) belegt. Vermutlich eine hdt. Übersetzung, da weder Fluss noch Wiese sonst vorkommen. Fluss ist zu schwdt. Fluss m. ‘ Quelle, Flut ’ , ahd. fluz, mhd. vluz ‘ Fluss, Guss ’ (I D . 1, 1215 f.; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 307) zu stellen. Fne Fnè ‘ Ort, wo man Heu gewinnt ’ ist nach G AVUZZI (1895, 264) ein piemontesisches Verb, das er als „ Soleggiare il feno, Rivoltare il fieno nei prati “ ( ‘ das Heu der Sonne aussetzen, das Heu auf den Wiesen wenden ’ ) deutet, eine 169 170 Fne <?page no="351"?> verbale Ableitung von lat. FENUM ‘ Heu ’ , vermutlich FENARE ‘ heuen ’ , zu dem wohl ein adjektivisch-nominales FENARI- UM ‘ Ort wo man Heu gewinnt ’ (Prof. B RUNO M ORETTI , p. c.) gebildet wurde. Der AIS 1389 kennt das Verb fnè für ‘ rivoltare il fieno ’ nicht, was auf eine ältere Form hindeutet. Belegt sind Passo Fnè ‘ der Fnepass ’ und Pizzo Fnè ‘ die Fnespitze ’ (Zwischbergen) beide auch bei J ORDAN (2006, 293, ohne Deutung). Auf LT findet sich auch Fneseen ‘ die Seen bei Fnè ’ , die bei J ORDAN (2006, 293) Erschtä See, Zweitä See, Drittä See und Viertä See heissen; der Gesamtname ist Ze Seewe (ebenfalls bei J ORDAN 2006, 293) und unter HL S EE . Der LT-Beleg Fneseen ist in der Datenbank nicht erfasst. Fochja Fochja f. ist als t Fochja (Bellwald) belegt. Es handelt sich um eine / - LA / -Ableitung (mit späterer Palatalisierung) als Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 517 ff.). Die Ableitung ist zu mhd. vohe ‘ Fuchs ’ (L EXER 3, 432) zu stellen, also ‘ der Ort mit Füchsen ’ ; im Schweizerdeutschen wird sonst eher Fuchs, im Wdt. Fuggs ‘ Fuchs ’ (I D . 1, 655 ff.; G RICHTING 1998, 82) verwendet; die Ableitung ist in I D . und G RICHTING (1998) nicht verzeichnet. Foggleri Foggleri f. ‘ die Feuerstelle ’ ist nur zweimal belegt in t Foggleri ‘ das Gebiet, das einer Feuerstelle gleicht ’ (Blitzingen) und jn der Fogleren ‘ im Gebiet, das einer Feuerstelle gleicht ’ (1648, Bister). Das HL ist zum schwdt. Foglere f. ‘ Vertiefung in der Erde für das Feuer unter dem Käsekessel, Feuerherd in der Sennhütte ’ (I D . 1, 699) zu stellen; belegt ist es nur für das Berner Oberland. I D . leitet es von it. focolare mit deutscher Endung ab. AIS (5, 931) weist in Domodossola fogl ā r, in Antronapiana fugl ā r auf. Das Lehnwort wurde im deutschsprachigen Alpenraum erstbetont und die Endung an das Deutsche angepasst. Foggu Foggu ist unklar. Das Fogguhoru (auf LK Foggenhorn) ist ein Gipfel auf 2569 m zwischen Gredetschtal und Blatten (Naters), der für Mund, Birgisch und Naters belegt ist. In Ausserberg sind belegt: Im Fochen Akre (1309) und ts Foggunboord. In Ergisch gibt es eine Foggumattu. In Frage kommt ein Name wie Focco (F OERSTEMANN 1, 546); 1773 ist in Bürchen von einem Josephi Focken die Rede; es scheint sich hier um einen FaN zu handeln; allerdings ist die Form nicht klar. Die Belege vom Typ Foche liessen sich auf mhd. vohe ‘ Fuchs, Füchsin ’ (L EXER 3, 432) (cf. HL F OCHJA ) zurückführen; das Lexem ist aber sonst im Oberwallis mit möglicher Ausnahme von Fochja nicht belegt. Folla Folla f. ‘ Trichter ’ ist zu schwdt. Folle n f. ‘ trichterartiges Gefäss, durch welches die frischgemolkene Milch geseiht wird ’ (I D . 1, 786), wdt. Folla, Follä (Goms), Follu ‘ Blechtrichter ’ (G RICHTING 1998, 80) zu stellen; in FlN übertragen als ‘ trichterförmige Vertiefung ’ (Z INSLI 1946, 318). Laut E GLI (1982, 292) gehört Folla f. den schweizerdt. Bergmundarten an; seine Etymologie ist nicht geklärt. In der Datenbank normalerweise als ‘ trichterförmiges Gebiet ’ bezeichnet; die Funktion des Siebes ist eventuell beim Folligrabo (Mund), Foljigrabe (Ulrichen) mitgemeint. Das Simplex im Singular erscheint als Folla (Fiesch, Ferden), Pfolla (Eyholz, Zwischbergen) mit agglutiniertem Artikel, aber in beiden Fällen nach Präposition als van der Follu ‘ vom trichterförmigen Gebiet ’ , inner Folle ‘ im trichterförmigen Gebiet ’ (Martisberg, Münster, Selkingen), historisch als in der Follen (1637 Ritzingen; 1850, Biel), zer Follon (1346, Turtmann, 1785 als ob der Follen). Unsicher ist das 1363 in Oberems belegte zer Wollon; es gehört aber am ehesten hieher. Der Plural erscheint nur einmal 1736 auff den Follen (Gampel). Ein Diminutiv im Singular ist Folli n. (Ergisch, Oberems) und historisch 1742 im Folli (Ausserberg), sowie ts Foli (Zermatt) und ts Folji (Blitzingen). Mit einem attributiven Adjektiv ist 1796 in Ergisch im Finsteren Folli belegt. Ganz unsicher ist ein Beleg von 1448 in Zermatt in superiori Vyolun ‘ im oberen trichterförmigen Gebiet ’ , wo rein lautlich auch ein Zusammenhang mit dem Pflanzennamen Vi ō la ‘ Veilchen ’ (I D . 1, 633 f., im Wallis als V ī li) bestehen könnte. Einmal ist das HL als vorangestellter Genitiv Follins Byfang ‘ das eingehegte Stück Land im Bereich Folli ’ (1516, Ergisch) bezeugt; vermutlich handelt es sich um einen Genitiv zum Lokalnamen Folli (Ergisch); ein FaN ist kaum gemeint. Die übrigen Belegen enthalten das HL als Bestimmungswort, in einigen Fällen wohl als ehemaligen schwachen Genitiv (Follen) mit folgenden Grundwörten in zweigliedrigen Komposita: Bach, Bodu, Brigga, Chäschera, Grabu, Hooru, Matta, Steg, Stutz, Tschugge, Wald und Weid. Komplexer ist Follutschuggukapälli ‘ die kleine Kapelle auf dem Follutschuggu (Fels in der Form eines Trichters) ’ (Oberems). In einigen dieser Fälle kann der Bezug auf das Wort Fole m., f. ‘ Zuchthengst, Stute ’ (I D . 1, 785 f.) vorhanden sein, etwa bei t Folluweide ‘ die Weiden für den Zuchthengst / die Weiden beim trichterförmigen Gebiet ’ (Oberems). Folletsch (FaN) Folletsch (FaN) ist nur einmal belegt in ts Fouetschäbmet ‘ das ebene Land des Follet ’ (Bellwald, mit / l/ -Vokalisierung). Der Beleg sieht aus wie ein Genitiv eines FaN oder Fochja 171 172 <?page no="352"?> PN; auf der 1: 10 ’ 000 steht allerdings Volleggsch. I D . (1, 786) notiert nach Stalder Vollez „ Schnellkugel, womit die Kinder spielen “ , hält es aber für eine Fehlschreibung für Bolley. Inhaltlich kann aber Vollez, auch wenn es richtig wäre, für den Namen nicht in Frage kommen. Wir gehen deswegen von einem FaN oder PN Follet aus. In der Form Vollet ist der FaN im Register der HRBS belegt. Folljeret Folljeret ist ein Flurname in Leukerbad, der zwei Mal an nahe beieinander liegenden Orten belegt ist; dazu kommen Komposita mit den Grundwörtern Hubel, Stafel und Tritt. Das Lemma ist romanisch und zu lat. FOLIUM > feuilleret ‘ Laubbäume ’ , gebildet aus frz. feuille ‘ Blatt ’ sowie / - ARIU ( M )/ und / - Ĭ TTU ( M )/ (G PSR 7, 373; FEW 3, 678a; B OSSARD / C HAVAN 2006, 168) zu stellen; allerdings sind heute in diesem Gebiet nur Nadelbäume zu erkennen (vgl. auch R. G RICHTING (1993) Folljirät auf Blatt 14, Nr. 37 und Blatt 21 u. 22, mit den zusätzlichen Namen Folljiräthaltä ‘ die Halden bei der Alpe Folljirät ’ und Folljiräthubil ‘ der Hügel bei der Alpe Folljirät ’ ). Folong Folong, auch Pfolong ist wohl zu lat. FULLONEM > frz. foulon m., wdt. Follong m. ‘ Walkerei, Walkmühle ’ (M ATHIER 2015, 75) stellen. Im rom. Wallis ist es noch als Appellativ lebendig (T AGMANN 1946, 67). Belegt sind im Folong (Salgesch), jm Follong (1673, Varen), Folong Brücke (1880 ca., Salgesch), Pfolong (Leukerbad, FLNK Pfolung; auch bei R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 66)). Fon Fon ist unklar, nur in t Fonegga (Bellwald) belegt. Bei der Aufnahme ist als seltenere Form Honegge ‘ hohe Ecke ’ erwähnt. Ein Zusammenhang mit der Präposition von ist unwahrscheinlich; dialektal wird va ‘ von ’ verwendet. Die seltenere Form Honegge gehört zum HL H EE ( HOOCH , HEEJ ). Fondo Fondo ist nur in Porteia di Fondo (Zwischbergen) belegt. Porteia ist der Ausdruck für das Tirli ‘ Übergang im Grenzzaun ’ (vgl. J ORDAN 2006, 403 ff.). Fondo ist zu it. fondo < lat. * F Ŭ NDUS ‘ Grund, Boden, Grundstück ’ (REW 3585; D EVOTO / O LI 2020, 883), hier als ‘ das Zauntor im Grund ’ zu stellen. Zum it. di Fondo vgl. auch das HL D FONND . Fons Fons erscheint einerseits als lat. FONTEM ‘ Quelle ’ und anderseits als frpr. fons ‘ Quelle ’ . Die lat. Form ist belegt als ad Fontem (1333 u. später, Albinen), ad Fontem Molendini de Schudanne ‘ beim Mühlenbach bei der warmen Quelle (Schudanne) ’ (1821, Varen) [gemeint ist wohl ein Bach zu einer Mühle beim Ort, der Schudanne heisst], ad fontem Rodani ‘ beim Wasser des Rotten ’ (1698, Leuk). Die lat. Belege deuten darauf hin, dass hier ein Appellativ und kein Flurname vorliegt. Anders bei den romanischen Belegen mit Fons (FEW 3, 695 s. v. fons quelle; G PSR 7, 667 s. v. Fonts). Belegt sind eys fonz (1353 u. später, Leukerbad; der Beleg von 1743 hat späteres im Fontanej zu lat. FONTANA , cf. HL F ONTANA ), eis fonz (1357 u. später, Oberems), heys fonz (1351, Salgesch) und mit einem Adjektiv ol bon fons ‘ bei der guten Quelle ’ (1338, Leukerbad). Fontana Fontana f. ‘ Quelle ’ ist zu lat. FONTANA f. ‘ Quelle ’ zu stellen (G PSR 7, 659a ff.). Im westlichen Bezirk Leuk tritt als Simplex in t Fontangna ‘ bei der Quelle ’ (Albinen; FLNK Fontangla, bei M ATHIEU 2006, 13 als Pfontangla mit agglutiniertem Artikel) auf; die historischen Belege zeigen, dass der Flurname ab 1681 in die Fontanna mit deutschem Artikel verwendet wird. Zu einer Ableitung mit Kollektivsuffix / - Ī LE / > afrkpr. *fontani ‘ Ort, wo kleine Wasseradern aus dem Boden treten ’ (G PSR 7, 659 ff.; REW 3426, T AGMANN Ms., 28) sind die Simplizia t Pfonteni ‘ die kleinen Quellen ’ (Salgesch; M ATHIER 2015, 122), ts Pfunntani ‘ die kleine Quelle ’ (Leuk) und ts Pfuntuni ‘ die kleine Quelle ’ (Leukerbad; R. G RICHTING 1993, Blatt 9, Nr. 60) zu stellen. Eine Diminutivform Fontaneta oder Fontanette ‘ kleine Quelle ’ ist mit - Ĭ TTA -Suffix gebildet und kommt vor in a la Fontaneta ‘ bei der kleinen Quelle ’ (1353, Varen), im Fontenett ‘ bei der kleinen Quelle ’ (1781, Ergisch), Pfontanette ‘ die kleinen Quellen ’ (Salgesch; historisch auch im Singular; in dieser Form nicht bei M ATHIER 2015), ts Pfuntinett ‘ die kleine Quelle ’ (Ergisch). Komplexere Belege sind: Fontenetgraben ‘ der Graben bei der kleinen Quelle ’ (1821, Ergisch), der Fontanette Wasser Fu ᵕ hr ‘ die Wasserleitung bei der Fontanette ’ (1494 u. später, Salgesch; bei M ATHIER 2015, 123 als Pfonteniwasserleitu), im Pfuntany Gässi ‘ in der kleinen Gasse bei der kleinen Quelle ’ (1756, Leuk). Fonteen (FaN) Fonteen (FaN) ist laut Gwp. zum frz. FaN Fontaine zu stellen. Der FaN ist nur belegt in ts Fonteengüed ‘ das Gut der Familie Fontaine ’ (Niedergesteln; FLNK Fontegüet). Der FaN ist im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 567) belegt, meist als FaN aus der westlichen Schweiz und Frankreich; für Nax (VS) ist der einzige FaN aus Frankreich von 1896 bezeugt. 173 174 Fonteen (FaN) <?page no="353"?> Fontine Fontine ist 1677 - 1679 in Zwischbergen als die Fontine belegt. Details fehlen. Zwar kennt man den Käsenamen Fontina (Aostatal), doch ist wohl an eine Ableitung von fonte ‘ Quelle ’ zu denken, also ‘ die kleinen Quellen ’ (vgl. auch O LIVIERI 2 1961, 231, 1965, 162, der aber keine Belege auf / i/ kennt). Foolini Foolini ist als t Foolini (Naters; FLNK Foolini) belegt. Es handelt sich um einen Plural des Diminutivs. Die Flur liegt oberhalb des Dorfes Naters, auf SK in einem weitgehend unbebauten Gebiet, heute bewaldet zwischen zwei Strassenstücken der Strasse nach Blatten und Birgisch. Eine naheliegende ‘ kleine Fohlenweide ’ kann nicht ausgeschlossen werden. Das hdt. Fohlen ist allerdings im Oberwallis als Fili n. ‘ Fülli ’ (G RICHTING 1998, 78) bekannt. Schwdt. Fole m./ f. ‘ Beschäler, Stute, Fohlen ’ , gespalten in m. und w., habe für das geschlechtsreife, erwachsene Tier verwendet werden können (I D . 1, 785 f.), doch hält I D . selbst diese Angabe für unsicher. BENB (1, 1, 153) stellt einfaches Fol- (mit langem / oo/ ) zu Fall, was aber im Oberwallis (keine Verdumpfung von altlangem â zu ô) nicht möglich ist. Der mögliche Anschluss an schwdt. Folle n ‘ trichterartiges (hölzernes) Gefäss, durch welches die frischgemolkene Milch geseiht wird ’ und wdt. Folla, Follä (Goms), Follu ‘ Blechtrichter ’ (I D . 1, 786; G RICHTING 1998, 80) ist zwar inhaltlich möglich (cf. HL F OLLA ); die Abfolge / oll/ wird jedoch im Oberwallis nicht gelängt. Insgesamt bleibt die Deutung also unsicher; am ehesten ist doch die Deutung als ‘ Fohlenweide ’ am sichersten. For For m. ist nur einmal belegt im Beleg ad cristam Du for de Varona (1556, Varen). M EYER (1914, 164) führt es auf lat. F Ŭ RNUM ‘‘ Ofen ’ zurück. Laut G PSR (7, 797ss. s. v. Four, als Ortsname ab 802s.) und B OSSARD / C HAVAN (2006, 225) ist der Typ als Orts- und Flurname sehr verbreitet; im Deutschen wird dafür das HL O FU verwendet. Vergleichbar ist etwa der Ofubiel (Naters). Forge Forge f. ‘ Gabel, Pass, (im Plural auch: ) Galgen ’ ist zum lat. FURCAS ‘ Gabel, Abzweigung ’ (G PSR 7, 2, 812 - 816 s. v. Fourche, B OSSARD / C HAVAN 2006, 203; T AGMANN 1946, 75 f.) zu stellen. Das Simplex erscheint in einigen Belegen als de laz Forchez (1490, Salgesch), eÿs Forÿes (1540, Leuk; 1592 als dÿs Forches). Komposita sind: Forches Ueÿes (1460, Leuk), Forches Veyes (1460, Agarn), wohl ‘ der alte Pass, der alte Galgen ’ . Forgenmarch (1728, Leuk; 1723 forzenmarch) dürfte dann die March (Grenze) beim Galgen sein. Fortsethubil (Salgesch, FLNK auch Fortschethubil) hat Belege von 1556 ad cristam deÿs forche und 1592 la cresta deis force, also ‘ der Hügel mit dem Galgen ’ (T AGMANN 1946, 76), ist aber eventuell zu frpr. for(t) š eta ‘ kleine Gabel ’ zu stellen (vgl. HL F URGGA ). Unklar ist der Beleg jn zinniere jn forcheri (1725, Albinen); es handelt sich vermutlich um zwei Namen. Der erste ist zum lebenden Beleg Tschingere (cf. HL T SCHINGERE ), einem Weiler von Albinen, zu stellen. forcheri ist nicht lebend belegt, ist aber wohl eine Ableitung zu Forge. Forner (FaN) Forner (FaN) ist zum FaN Daforna, da Forna zu stellen. Die Familie wanderte im 15. Jh. aus Italien ins Goms ein (AWWB 73). Belegt sind in Forners Bode ‘ im Boden der Familie Forner ’ (1629) und in Forners Spitz ‘ im spitz zulaufenden Grundstück der Familie Forner ’ (1594), beide in Fiesch. Forni (FaN) Forni (FaN) ist lebend bei FLNK als Pforni und bei M ATHIEU (2006, 25) ebenfalls als Pforni belegt. Die belegten Formen nehmen den agglutinierten Artikel auf. Die historischen Belege haben 1617 eÿs fornÿr, 1644 ÿ fournÿ und 1689 ÿ forni. Sollte ein rom. Appellativ vorliegen, ist es zu four ‘ Ofen ’ (G PSR 7, 797 ss.) zu stellen Es gehört hier aber wohl zum FaN Forni, Forny (NWWB 1, 105) und meint ein Grundstück, das einer Familie Forni gehörte. Hierzu gehört auch das weiter entfernte ts Forniwaldij ‘ der kleine Wald der Familie Forny ’ (Niedergesteln). Forst Forst m. ist zu schwdt. Forst m. (f.), ahd. forst, mhd. forst, vor(e)st m., f., ‘ Wald, bes. Bannwald, Fronwald ’ , nur in FlN erhalten, (I D . 1, 1024) zu stellen. Das HL scheint nur im Goms vorzukommen; zwei Belege in St. Niklaus und Raron sind vom Hdt. beeinflusst; G RICHTING (1998) kennt das HL nicht. Das HL ist als Simplex im Singular in der Forscht ‘ der Forst ’ (Biel, FLNK Forscht; Fiesch, FLNK Forscht; Ritzingen) belegt. Komplexer sind das Forst Thürlÿ ‘ die kleine Tür beim Forst ’ (Biel), Forstwald ‘ der Forstwald (erster Teil heisst schon ‘ Wald ‘ , unverstanden? ) ’ (LT und FLNK, Fiesch), bim Forschtbrunnestubji ‘ bei der kleinen Brunnenstube (Reservoir) beim Forst ’ (Ritzingen). Hdt. beeinflusst sind Forscht- und Jägerhitta ‘ die Hütte für die Förster und Jäger ’ (FLNK, Raron) und t Üfforschtung ‘ das Aufforstungsgebiet ’ (St. Niklaus). Fontine 175 176 <?page no="354"?> Fort Fort ist nur auf SK als Fort (Zwischbergen) oberhalb der Doveria erwähnt. Das Fort in der früher Gondo genannten Gemeinde ist eine ehemalig geheime Festungsanlage, die der Verteidigung strategisch wichtiger Geländepunkte diente. Das Wort stammt aus dem Französischen fort ‘ fest, stark ’ < lat. FORTIS . Heute wird es als Festungsmuseum Fort Gondo (Zwischbergen) weiterverwendet. Foscha Foscha ist lebend belegt als Pfoscha ‘ der Graben ’ (Salgesch), das zu lat. FOSSATUM > frpr. fo š á m. ‘ Graben ’ (T AGMANN Ms. 31; G PSR 7, 733 ss. s. v. fosse) zu stellen ist. Historisch ist schon 1631 au Foscha erwähnt; spätere Belege haben jn Foscha. Auch M ATHIER (2015, 81) notiert den Namen Pfoscha, ohne auf T AGMANN Bezug zu nehmen. Der Anlaut zeigt den assimilierten femininen Artikel. Nur historisch ist der Foscha Graben (1880 ca. Salgesch) belegt, den auch M ATHIER (2015, 81) als Pfoschagrabu erwähnt. Four Four ist nur 1438 in Leukerbad als juxta furnum de fyez belegt. Der Name ist latinisiert als furnum, das laut FEW (3, 902 ff. s. v. f ŭ rnus ofen; G PSR 7, 797 ss.) als ‘ Ofen ’ zu verstehen ist. Allerdings ist auch fyez ‘ Ofen ’ , sodass hier offenbar ein Appellativ (furnum) und ein Flurname (fyez) mit gleicher Deutung zusammentreffen; ob das lat. Appellativ FURNUM überhaupt ein Flurname ist, sei dahingestellt. Zu four vgl. auch HL F OR . Fouz Fouz ist nur 1337 in Salgesch als eys fouz belegt; die Rede ist von einem Stück Feld und einem Weinberg. Es ist zu lat. FAGUS buche (FEW 3, 371; B OSSARD / C HAVAN 2006, 169) sowie zu fao ‘ Buche ’ (G PSR 7, 150 ss.) zu stellen. Der Plural legt nahe, dass es sich um ein Gebiet mit mehreren Buchen handelte. Fracto Fracto ist nur historisch 1346 in Bratsch als jn saxo fracto ‘ beim gespaltenen Stein ’ belegt. Die Form ist lat.; FRACTO ist ein Partizip Praeteriti im Dativ zu FRANG Ě RE ‘ brechen ’ (FEW 3, 752 ff. s. v. frang ě re brechen). JN SAXO FRACTO ist eine lateinische Übersetzung; es ist unklar, ob hier ein Flurname oder ein Appellativ vorliegt. Francin Francin erscheint im Beleg Profrantsching (Salgesch), das frühere Belege vom Typ pra Francin (1651) aufweist. Weitere Belege sind Pranfranzing Wasser Fu ᵕ hr (1880 ca.) und Prafranzing Matten (1880 ca.) Der letzte Beleg zeigt, dass Pra ‘ Wiese ’ nicht mehr verstanden und deswegen das gleichbedeutende Matten angefügt wurde. Frantsching entspricht der alemannischen Aussprache mit inlautendem / tsch/ und auslautendem / - ING / für den PN Francin. M ATHIER (2015, 115 f.) fügt Profrantschinggillu ‘ der Tümpel bei Profrantsching ’ , Profrantschingwäg und Profrantschingwasserleitu hinzu. Er stellt den Namen zu pra < lat. PRATUM ‘ Wiese ’ und zu lat. FRAXINUS > frantsching ‘ Esche ’ . Allerdings ist ‘ Esche ’ in den Patois frano geworden, sodass die Ableitung nicht überzeugt. Es liegt hingegen ein PN oder FaN Francin vor, der in dieser Form jedoch sonst nicht belegt ist. Der Wechsel von Pra zu Pro lässt sich nicht aus dem Frpr. erklären; zwar weisen die Unterwalliser Patois pro ‘ Wiese ’ auf; ein direkter Einfluss kann aber räumlich ausgeschlossen werden. Eine Erklärung dafür fehlt gegenwärtig. Frannos Frannos ist historisch 1355 als eys frannos (Leukerbad) belegt. Es ist nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 171) als Plural zu lat. FRAXINUS ‘ Esche ’ zu stellen: ‘ bei den Eschen ’ . ts Frassji ‘ das kleine Eschengehölz ’ (Albinen) erscheint in den ältesten historischen Belegen also ou fraschyer (1333) und ov fraschier (1433), also mit einem Kollektivsuffix lat. / - ÂRIA / (S ONDEREGGER 1958, 471 f.) als ‘ die Stelle, wo Eschen wachsen ’ . Ab 1650 erscheint die Form vereinfacht als frassier; die heutige Form ist eine hybride Diminutivform mit dem romanischen Stamm und der deutschen Diminutivendung [-ji]. Vgl. auch das HL F RANO . Frano Frano m. ist Lokalname für einen felsigen Steilhang, nach W IPF zu it. frana f. ‘ Absturz, Felsspalt, Bergsturz, Erdrutsch ’ (W IPF 1910, 25; Z IMMERMANN 1968, 34 f.) zu stellen. Ein italienisches Lehnwort, schon 1310 als frano belegt, ist jedoch unwahrscheinlich. Naheliegender ist pat. frano ‘ Esche ’ (B RIDEL 1866, 171; M EYER 1914, 164; T AGMANN 1946, 26) zu lat. FRAXINU . Das Simplex kommt in Visperterminen zweimal vor, einmal davon als Alpname auf 2029 m (wo Eschen wachsen können). Einmal ist es historisch in Eyholz als Name eines Teils eines Weinbergs erwähnt (1310). In Visperterminen ist es weiter Bestimmungswort zu Wasserleita und Wägji. In Mund erscheint es in Franenbu ᵉ le (1453) ‘ der Hügel mit Eschen / des Frano ’ ; hier und beim Simplex könnte auch ein PN Frano vorliegen, der in Visperterminen 1221 (de manso Franonis ‘ des Hauses von Frano ’ ) belegt ist. Fränschä Fränschä ist belegt als t Fränschä (Leukerbad; LT u. FLNK Fränschä). R. G RICHTING (1993, Blatt 25, Nr. 12 und Blatt 26, Nr. 16) hat ebenfalls Fränschä. Es handelt sich sicher um einen Plural. Vermutlich ist er zum frz. frange, frpr. 177 178 Fränschä <?page no="355"?> fri ̩ ndz ə ‘ Franse ’ (G PSR 7, 926) zu stellen. Das Gebiet ist wohl metaphorisch danach benannt. Wie I D . (1, 1310 s. v. Franse) feststellt, wir das Wort schon mhd. als franze, franse wohl aus dem frz. frange entlehnt. In Leukerbad ist aber direkte Übernahme aus dem früheren frpr. Patois möglich. Franziskus (PN) Franziskus (PN) ist ein mänlicher PN mit Kurzformen Franz, Franzel, Fränzel, Dim. Franzli, Franzji, nasalisiert und diphthongiert Fräisi oder Fräischi (I D . 1, 1311; Z IM- MERMANN 1968, 123). Der PN kommt in acht Belegen vor (zwei dieser Belege gehören zusammen), meist als vorangestellter Genitiv, was wegen des Auslauts in Franz aber nicht immer klar ist: ts Fennerfrantsch Bärg ‘ der Berg des Franz Fenner / des Fähnrichs Franz ’ (Selkingen), ts Kaarlifrantsch Chriz ‘ das Kreuz des Franz, Sohn des Karl (Imsand) ’ (Ulrichen), z Fransch Weidu ‘ die Weide des Franz ’ (FLNK, Gampel), Frantz=Stadel (1740, Gampel, 1701 des Fratz Stadel). Wohl ein Diminutiv liegt vor in der Franzischggigirbel ‘ der Steilhang des Franziskus ’ (Reckingen). Die restlichen Belege zeigen die Wirkung des Staubschen Gesetzes: der Fräisibodo ‘ der Boden des Franz ’ (Visperterminen) und der Freissugrabu, resp. der Freissigrabu ‘ der Graben des Franz ’ (Ergisch). Franzoos Franzoos ist nur belegt in der Franzoosutschuggo ‘ der Franzosenfelsen ’ (Eggerberg). Der Kommentar „ hier soll ein Franzose zu Tode hinuntergeworfen worden sein, als er Rinder holen wollte “ bezieht sich auf die französische Eroberung des Wallis (1798), das später als Département du Simplon zeitweise (1810 - 1813) zu Frankreich gehörte. Das HL ist zu schwdt. Franzós m. wie nhd. ‘ Franzose ’ (I D . 1, 1312) zu stellen. Frecke Frecke ist nur einmal in Freckeloch (FLNK, Ernen) belegt. Es handelt sich um eine Flur am Rotten im Wald, wohl eine Vertiefung. Das HL ist in dieser Form in den Wörterbüchern nicht aufgeführt; auch ein FaN ist nicht belegt. Am nächsten liegend scheint eine Nominalform zu schwdt. ver(r)recke n ‘ verenden, krepieren ’ und wdt. verekke, värekkä (Goms), verrikku (Vispertäler), vrekkn (Lötschtal), värrikku ‘ verreckken, verenden ’ (I D . 6, 810; G RICHTING 1998, 226) zu sein, also das Loch, wo Tiere verenden oder verendete Tiere hingebracht wurden. Freichi Freichi f. ‘ die Alpe des Frank ’ kommt nur in Binn und Mühebach vor. In Binn ist t Freichi 1532 als die Frenchi, 1551 jn der Freÿnchi, 1553 jn der Frenchi usw. belegt. Der älteste Beleg mit getilgtem / n/ jhn der Freiche stammt von 1757. Mühlebach weist 1530 in der Freinchi auf. Binn hat 1655 Freüchÿ, einen Beleg mit hyperkorrekter Rundung; 1737 wird die Alp in Claúsigen Freÿche genannt. 1714 kommt ZSchampigen Freÿchÿ dazu. Binn hat schliesslich einen lebenden Namen ts Freichimatt ‘ die Mähweise oberhalb der Alp Freichi ’ . Z INSLI (1984, 250) kennt in Agaro den Alpnamen Freehi und meint S. 259, er sei vielleicht kontaminiert aus Uf der Heehi. Das ist kaum möglich; der Name entspricht lautlich dem Staubschen Gesetz in den Südwalser Dialekten (vgl. SDS 2, 101 f. ‘ tränken ’ , vor allem für Macugnaga und Pomatt), ist also identisch mit Freichi. Die Belege legen eine / - I / -Ableitung, entweder von einem PN Frank, dem Besitzer oder Nutzer der Alpe, oder vom Adjektiv frank mit Umlaut und späterem Staubschem Gesetz vor Velarfrikativ nahe. I D . (1, 1309) kennt frank als ‘ frei, ungebunden, sicher, selbständig ’ . BENB (1, 1, 160) kennt Frank und die Form Frauch und stellt sie zum PN Franc, Franko (F ÖRSTEMANN 1, 515) oder den FaN Frank. NWNB (1, 608 f.) belegt Franckh Eeg und Francken Eeg, ohne nähere Angaben. Es handelt sich aber vermutlich um einen PN. Die Angaben deuten insgesamt auf einen PN mit einer Ableitung auf / - I / hin. Frene (PN) Frene (PN) ist zum weiblichen Taufnamen Ver ē ne (I D . 1, 915 ff.) zu stellen. Der PN erscheint nur als Erstglied in Frenenacherlin ‘ der kleine Acker der Verena ’ (1602, Ritzingen), Frenebärg ‘ der Berg (hochgelegenes Gebiet), der einer Verena gehörte ’ (Selkingen), Frenunmattun ‘ die Wiese der Verena ’ (1273, Birgisch) und Vrenuhüs ‘ das Haus der Verena ’ (FLNK, Zermatt; nicht in J ULEN ET AL . (1995) enthalten). Ob im Einzelfall an die Hl. V ERENA zu denken ist, bleibt unsicher. Frengyoz Frengyoz ist nur belegt in juxta saxum de la frengyoz (1527, Ergisch). Die Konstruktion legt nahe, dass saxum zum Namen gehört, aber latinisiert ist (entweder übersetzt aus dt. Fels / Stein / Fluh, oder frpr. scex oder ähnlich, das in Ergisch jedoch sonst nicht belegt ist). Frengyoz lässt sich am ehesten als eine Ableitung mit dem vermutlichen Suffix / - ATORIU ( M )/ zu frêne ‘ Esche ’ (FEW 3, 771 s. v. fraxinus; B OSSARD / C HAVAN 2006, 171) erklären, also etwa ‘ Eschengehölz ’ . Frescha Frescha m., auch Freschen m. ‘ Frosch ’ ist zu schwdt. Frösch bzw. Fresch m./ f. ‘ Frosch ’ , mhd. vrosch, Pl. vrösche, wdt. Frescha f. ‘ Frosch ’ (I D . 1, 1333 f.; W IPF 1910, 90) zu Franziskus (PN) 179 180 <?page no="356"?> stellen. Während W IPF (1910, 90) das Genus als feminin notiert, weisen die Flurnamen nur das Genus maskulin auf. Laut I D . (1, 1334) und G R W B (4, 250) ist das Wort schon im Mhd. teilweise ein schwaches Maskulinum frosce; das / e/ in Frescha muss auf die Entrundung von / ö/ zurückgehen, welches für das Schweizerdeutsche gut bezeugt ist. Belegt sind der Frescha (Randa), dr Freschen (Blatten), äm Freschen (Wiler) und in Randa zusätzlich Freschhalta ‘ die Halde beim Frescha ’ . Die Motivation ist unklar: es kann sich um ein Gebiet mit Fröschen handeln, oder auch um eines, das Fröschen gleicht. Fresur Fresur ist nur einmal in Leuk in ey Fresur Magning (1566) belegt. Es handelt sich um einen frpr. Ausdruck; Magning ist ein FaN oder PN vom Typ Magnin, das in der Datenbank dem FaN Grand (AWWB 112) zugewiesen wird. Fresur selbst ist nicht belegt. Zwar kennt G PSR (7, 2, 977) Fressure als ‘ Innereien von Schlachttieren ’ ; das Wort ist jedoch französisch und kommt kaum in Frage. Möglich wäre die Entwicklung von / p/ nach / s/ zu / f/ (M URET 1912), sodass ein sonst unbelegtes *Presur vorliegen könnte. Das frz. pressoir ‘ Kelter ’ , vgl. FEW (9, 368 f. s. v. PRESS Ō RIUS ) kommt kaum in Frage, da G IGNOUX (1902, 33 u. 62) das Wort nur für St. Maurice kennt; sonst ist lat. * TORCULUM das durchgängig im Patois gebrauchte Lexem (vgl. auch E GLI 1982, 329 s. v. dri ǝ l ‘ Kelter ’ ). Insgesamt lässt sich also keine sichere Deutung geben. Frewiiri Frewiiri kommt nur in Albinen vor; es hat alemannischen Erstakzent, aber ein langes / i: / in der zweiten, nicht akzentuierten Silbe, was auf ein frpr. Lemma hinweist. Bei M ATHIEU (2006, 21) ist es als Pfräwiiri belegt, wohl mit agglutiniertem Artikel. Laut M URET (1912, 17 [61]) ist das anlautende / f/ aus / p/ entstanden. Grundlage ist demnach lat. PRESBYTERUM ‘ Priester, Gen. Pl. ’ (cf. FEW 9, 357 ff. s. v. presbyter priester), also ‘ das Gut der Priester, das Kirchengut ’ . Freyd Freyd ist nur in Freÿd Luscha (1500, Fiesch) belegt. Ein sonst nicht belegtes Adj. freÿd ist in der Form vreide ‘ abtrünnig, flüchtig, geflohen; mutig, kühn ’ (L EXER 3, 495) belegt; im I D . (1, 1273 f.) ist es als freidig erwähnt, aber wohl falsch zu freudig gestellt; die Anmerkung erwähnt vreide für das Mhd. Im Kontext von Luscha (cf. HL L USCHA ) kann es sich wohl nur um ‘ steil ’ handeln, also ‘ ein steiles, winkelförmiges Stück Land ’ . Eine Herleitung aus Freide zu lat. FRIGIDUS ‘ kalt ’ (Z INSLI 1984, 477 und 505) ist wohl unwahrscheinlich. Frichgynen Frichgynen ist nur 1744 in Eischoll als zen Frichgÿnen belegt. Die Lesung ist nach M. S. unsicher. Es handelt sich laut Dokument um ein Stück Wiese. Eine Deutung zu Frucht ‘ Getreide ’ (I D . 1, 1272) ist deswegen kaum möglich, auch wenn sich eine Form Frichgÿnen als Diminutiv zu Frucht rechtfertigen liesse, weil dann die Flur als ager ‘ Acker ’ statt pratum ‘ Wiese ’ bezeichnet würde. G RICHTING (1998, 81) kennt im Übrigen Frucht nicht; das für ‘ Getreide ’ verwendete Wort ist Chire oder Chore ‘ Korn ’ (G RICHTING 1998, 49 und 52). Deswegen ist eine Deutung nicht möglich. Frid Frid m. ist ein HL, das zum schwdt. Fr ĭ de n m., mhd. ‘ Sicherung kultivierter Grundstücke gegen Schädigung durch Vieh; Einfriedung, eingehegter Raum, Bezirk ’ , Synonym Efrid, Feldfrid (I D . 1, 1279 f.; R ÜBEL 1950, 108) zu stellen ist. In neueren Namen wie z. B. Bärgfridu ‘ Bergfrieden ’ steht es für ‘ Frieden ’ (I D . 1, 1276 ff.); das I D . zählt die beiden Deutungen unter einem Eintrag auf. Die Bedeutung in Ortsnamen ist nicht immer klar bestimmbar (I D . 1, 1281). Friedhof m., mhd. vr ī thof, ahd. fr ī thof, bedeutete ursprünglich ‘ Vorhof, eingefriedetes Grundstück ’ zu ahd. fr ī ten ‘ hegen ’ , got. freidjan ‘ schonen ’ , der Name hätte sich eigentlich zu nhd. Freithof entwickeln sollen, das Wort ist jedoch als Bezeichnung des Kirchhofs an Friede angeglichen worden durch das Verständnis als ‘ Immunitätsland ’ , auf das die öffentlichen Beamten kein Eingriffsrecht hatten (I D . 2, 1027; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 318). G RICHTING (1998, 81) unterscheidet Fride, Fridä (Goms), Fridn (Lötschental), Fridu ‘ Frieden ’ und Fridhof, Friidhof ‘ Friedhof ’ . Möglicherweise ist die Form Friden ein Genitiv zu einem PN Frid(i) (abgeleitet von einem der Namen unter Frith bei F ÖRSTEMANN 1, 526 ff.). Das HL ist als Simplex nur in der Frid (Ernen), auch Alpe Frid, bezeugt. SK hat auf dem Fritt und zeigt mehrere Alphütten, während sich heute dort eine grosse Stallung befindet. Vermutlich dürfte eine frühere Einfriedung den Namen gegeben haben (erster Beleg 1592 jm Fridt). Ebenfalls wohl ein Simplex ist Friden (1749, Simplon Dorf), das als Variante zu die Laúbhalten bezeichnet wird (cf. J ORDAN 2006, 29 s. v. Frido), der auch Frid als Variante aufführt. Als Grundwort ist das HL nur in Bärgfridu (FLNK, Täsch) belegt; der Name stammt laut Gwp. von einem Wohnhaus Bergfrieden. Als Bestimmungswort tritt das HL im Typ Friithof ‘ Friedhof ’ auf. Lebend ist belegt: bim Friithof ‘ beim Friedhof ’ (Stalden), zem Friithof ‘ beim Friedhof ’ (Blatten) und 181 182 Frid <?page no="357"?> historisch am Frÿdhoff ‘ am Friedhof ’ (1740, Raron). Lateinisch erscheint dagegen retro cemiterium ‘ hinter dem Friedhof ’ (1507, Ernen), subtus Cemiterium ‘ unter dem Friedhof ’ (1573, Münster), subtus Cimiterium ‘ unter dem Friedhof ’ (1425, Fiesch) und in Cimisterio ‘ im Friedhof ’ (1280 (ca.), Raron). Komplexere Formen sind zem Änglischi Friithof ‘ beim englischen Friedhof ’ (FLNK, Blatten), laut Gwp. ein Dorfteil mit einem Gedenkstein an verschollene Engländer (frühe Bergsteiger), der Bätzlärfriithof ‘ die Mulde im Bereich der Bätzla, die einem Friedhof gleicht ’ (Kippel), der Chalchefriithof ‘ der Friedhof bei den kalkhaltigen Stellen ’ (Ulrichen, laut Gwp. Begräbnisort eines protestantischen Sennen), Falken Friedhof (1596, Ulrichen; auch SK), wohl identisch mit Chalchefriithof, und der Heidufriithof ‘ der Friedhof der Heiden (der vorgeschichtlichen Bevölkerung) ’ (Saas-Almagell). In Unterbäch ist 1544 in den Fridenmatten ‘ in den Wiesen des Frid(i) ’ belegt, wo wohl ein Besitzername vorliegt (vgl. HLL F RIDING (PN) und F RIDLEN (PN)). Friding (PN) Friding (PN) ist zweimal in Glis als zen Fridigen ‘ bei den Leuten des Frido ’ (1392) und Fridigs Boden ‘ der Boden der Leute des Frido ’ (1569) belegt. In Mund ist Friding ‘ das Gut der Leute des Frido ’ (1392) belegt. F ÖRSTEMANN (1, 528) weist den Namen Frido nach. Ob der PN auch zum FaN Freido zu stellen ist, der im 14. Jh. in Glis und Naters vorkommt, jedoch inzwischen erloschen ist (J OSSEN 2000, 80 und I MESCH 1908, 97), bleibt unsicher. Die Belege deuten insgesamt auf ein Besitztum in Gamsen hin. Fridlen (PN) Fridlen (PN) ist nur in der Fridlen Acker (1640, Ried- Mörel) belegt. Es liegt wohl ein schwacher Genitiv Singular zu einem PN oder FaN Fridl(i) vor (I D . 1, 1285 gibt Friderich und Fridolin als mögliche Vollnamen an; cf. aber auch HLL F RID und F RIDING (PN)); Fridli und Fridlin sind im Register der HRBS belegt. Frii Frii Adj. ‘ frei ’ ist zum Adj. fr ī ‘ frei ’ , ahd. fr ī , mhd. vr ī ˙ und wdt. frii ‘ frei ’ (I D . 1, 1256 ff.; G RICHTING 1998, 81) zu stellen. Belege mit frei sind entweder an das Hdt. angepasst oder enthalten die sog. Hiatusdiphthongierung, die für das Wallis nicht belegt ist. Das attributive Adjektiv ist in t friiu Stüde ‘ die freien Stauden ’ (Unterbäch) belegt; laut Gwp. sei ein Angeklagter mit kleinerem Vergehen, der bis hieher gelangte, frei gelassen worden. Als Bestimmungswort ist frii in t Friiblatte ‘ die freiliegenden Felsplatten ’ (St. Niklaus) und t Friiweng ‘ die freiliegenden Grasabhänge ’ (Randa) belegt. im Frÿgericht ‘ im Freigericht ’ (1742 u. später, Simplon) meint das Freigericht Waldernubärg (Walderoberg) (A RNOLD 2 1984 (1947), 236 ff.), das als ältestes Freigericht im Oberwallis gilt. Freigerichte gehörten den Einwohnern, waren vom Zehndenrichter unabhängig und übten auch die höhere Gerichtsbarkeit aus. Die Abstraktbildung t Friiheit ‘ die Freiheit ’ (I D . 1, 1265 ff.) bedeutet in den Flurnamen eine frei liegende Stelle, eine steile Felswand: t Friiheit ‘ die senkrechte Felswand ’ (Visperterminen), t Gämschfriiheit ‘ die frei liegende Felswand für die Gämsen ’ mit Obri Friiheit und Undri Friiheit ‘ die obere und die untere frei liegende Felswand ’ (alle Leukerbad) (letztere zwei auch bei R. G RICHTING 1993, Karte 5 Nrn. 5 und 6). Friiand (FaN) Friiand (FaN) ist zum FaN Friand, Fryand, Name einer alten Familie aus der Gegend von Gampel (NWWB 1, 107) zu stellen. Belegt ist es in t Friiandweidu ‘ die Weiden der Familie Friand ’ (Gampel). Frily (PN) Frily (PN) ist einerseits als FaN Frily (AWWB 100; M EYER 1923, 286) belegt (vom Vornamen Friedrich abgeleitet), auf der andern Seite ist ts Friili eine Alpe in Oberems, um die herum sich ein Namennest mit Friilihoru, Friilijoch, Friilistafil, Friilitelli und Friiliwang gebildet hat (alle Oberems). Zun Friligen ist 1686 als Alpname in Turtmann belegt; es kann sich um die Alpe der Familie Frily handeln. Davon weit entfernt ist domum Frilicho (1746, Randa) ‘ das Haus der Friliche ’ , das ebenfalls auf einen FaN hinweist. Vermutlich gehörte die Alpe Friili einer Familie Frily. Eine Ableitung vom Adjektiv frî ‘ frei ’ hingegen ist unwahrscheinlich. Frischig Frischig m. ist nur in ufem Frischig (Bellwald, Koordinaten fehlen) belegt. Gwp. erklärt, dass <frischig> ein <geheiltes> [kastriertes] männliches Schaf sei. Das passt zu schwdt. Frischi(n)g, Frischli(n)g m. ‘ junger, verschnittener Widder ’ und ‘ junges Schwein oder Schaf, als Lehensabgabe an die Grundherrschaft ’ , ahd. (auch friuscing) ‘ Opfertier ’ , weil man zu Opfern junge Tiere wählte, mhd. vrisching ‘ junges Lamm oder Schwein ’ (I D . 1, 1332; R ÜBEL 1950, 102). Die Umschreibung „ Breite Wiese am Ende der „ Sorgeri ““ weist leider auch keine Koordinaten auf, doch handelt es sich klarerweise um eine Wiese. Zu denken ist also an eine Wiese für verschnittene Widder. Frissyng (PN) Frissyng (PN) ist nur historisch 1320 in Naters belegt als Frissingscilla, auch zweimal als Fryssyngscilla (beide im Friding (PN) 183 184 <?page no="358"?> gleichen Jahr). Fryssings ist ein PN im Genitiv, wobei entweder der PN Frieso oder Friso (F ÖRSTEMANN 1, 525) oder die Leute des Frieso oder Friso gemeint sein können. Zu Chilla vgl. HL T SCHILL . Frist Frist f. ist nur 1851 in Selkingen als die Frist erwähnt. Es handelt sich um einen Teil der gemeinen Alpe von Selkingen. I D . (1, 1335) kennt eine Deutung als ‘ Ruhe, Sicherheit, Zuflucht, Aufenthalt (für eine gewisse Zeit) ’ , ohne Näheres dazu zu sagen. Vermutlich liegt eher eine Motivation im Verb înfristen ‘ einzäunen, einfriedigen ’ (I D 1, 1336) vor, also das eingezäunte Land auf der Alpe. Fritag t Fritaga, dr Fritag (Glis) und Fritagmatta (1398, Glis) sind auf den ersten Blick zu schwdt. Frî-Tag und wdt. Frittag, Friitag ‘ Freitag ’ (I D . 12, 849 ff.; G RICHTING 1998, 81) zu stellen. Auf der Karte 1: 10000 steht jedoch Am Fritgag, was eher eine vereinfachte Form zu Frid-hag ‘ Einfriedigung, Grenzzaun ’ (I D . 2, 1009) nahelegt. 1320 ist in Brig ein Matheus Fridtach belegt; doch fehlt der Name sonst. Da alle historischen Beleg Fritag enthalten, bleibt die Deutung unsicher. Frohennun Frohennun ist nur 1383 in Glis belegt als Frohennun Acher. Es handelt sich vermutlich um einen Besitzernamen im Genitiv, der so allerdings nicht belegt ist. Möglicherweise liegt ein verschriebener Name zu Frouw (Zerfrauwen ist in AWWB 99 belegt) vor. Die Deutung ist aber unsicher; das HL wird deswegen auch nicht als PN bezeichnet. Froles Froles ist nur einmal in Albinen 1685 als in die Froles belegt. Die Flur befindet sich laut Beleg en schiniere (in Tschingeren), wo M ATHIEU (2006, 19) jedoch den Beleg nicht kennt. Es handelt sich um ein frpr. Wort, das aber unklar ist. Das Verb frz. frôler ‘ jmdn. / etw. leich berühren ’ ist im G PSR (7. 1036 ss.) zwar aufgeführt, kann aber für einen Ortsnamen nicht beigezogen werden. Fromaal Fromaal mit Endbetonung ist in Ulrichen als ts Fromaal belegt. SK hat Fraumahl, FLNK Fröüwmal. Beide nehmen offenbar ein erstes Glied Fröuw ‘ Frau ’ an. Die ältesten Belege haben 1349 an dem Fromare, 1354 an dem Frodmare, 1410 am Fromar, 1418 in dem Fromar. Das auslautende / l/ erscheint erst ab 1625; 1686 ist Am Frouwmahl belegt. Diese sekundäre Deutung ‘ Frauenmahl ’ beruht wohl auf einer romanischen Wurzel, deren genaue Beschaffenheit sich uns entzieht. 1498 ist formar o ᵉ yun ‘ die Aue beim Fromaal ’ (Ulrichen) belegt. Das Schwanken zwischen fromar und formar ist vergleichbar mit der Entwicklung von frz. fromage aus lat. FORMATICUM ‘ Käse ’ . Da sich aber die Flur als Fröuwmal im ebenen Gebiet des Rottens im Tal befindet, ist ein Zusammenhang mit der Käseherstellung oder -aufbewahrung kaum sinnvoll. Zwar erwähnt der älteste Beleg hier eine Hütte (casale), aber alle andern Belege erwähnen diese Hütte nicht mehr, wohl aber die Siedlung, die heute in der Nähe zum Loch heisst. Eine Deutung ist nicht möglich. Froment Froment m. ‘ Weizen ’ ist zu frz. froment m., lat. FRUMENTUM ‘ Getreide, Weizen ’ (FEW 3, 828; G PSR 7, 2, 1050) zu stellen. Das HL kommt einmal 1651 in Salgesch als Champ du froment ‘ Weizenfeld ’ vor (allerdings bezeichnen B OSSARD / C HAVAN (2006, 144) Champ Froment von Saint-Oyens (VD) als „ patronyme “ , was in Salgesch kaum zutrifft); dazu ist belegt eys Fromenteres (1440, Varen), das aus FRUMENTUM und dem Suffix / - ARIA / entstanden ist und ein Weizenfeld bezeichnet (G PSR 7, 2, 1054; B OSSARD / C HAVAN 2006, 144). Fromier Fromier ist nur belegt in ol fromier (1346, Feschel). Am nächstliegenden ist die Bedeutung ‘ Ameisenhaufen ’ (FEW 3, 720 s. v. form ī ca ameise, bes. S. 720 unter II.; G PSR 7, 2, 833 s. v. fourmi ‘ Ameise ’ und 7, 2, 838 s. v. fourmiliére ‘ Ameisenhaufen ’ ). Die Ableitung geschah wohl mit dem kollektiven Suffix / - ARIU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288). Fron Fron ‘ Herr ’ , als Adj. fron zu ahd. frô, mhd. vr ō n ‘ was den Herrn (geistlichen oder weltlichen) betrifft, ihm gehört; heilig, herrschaftlich, öffentlich ’ (I D . 1, 1301). Im Einzelfall ist es schwierig zu entscheiden, ob das Nomen oder ein Adjektiv vorliegt. Die weibliche Form Fröu ‘ Frau ’ (cf. HL F RÖU ) wird gesondert behandelt. In den Flurnamen scheint Fron im Sinne von ‘ Frondienst ’ nicht gemeint zu sein. Das HL tritt nur als Bestimmungswort auf, wobei es entweder das auslautende / n/ verliert und zu Froo wird oder als Fron, resp. bei folgendem Labial als From erscheint. Das Bestimmungswort tritt mit folgenden Grundwörtern auf: Bach, Bärg, Bord, Brunnu, Haalta und Matta. Einen Sonderfall stellen Fronibiel ‘ der Hügel des Herrn ’ und Fronibielställi ‘ der kleine Stall beim Hügel des Herrn ’ (beide Birgisch) dar, die laut historischen Belegen auf einen schwachen Genitiv Fronen ‘ Frauen ’ zurückgehen könnten - lautlich lässt sich das aber nicht mehr erken- 185 186 Fron <?page no="359"?> nen. Zum Beleg Frosiil ‘ Gebiet, das aussieht wie ein Seil, das beim Frondienst verwendet wurde ’ (Münster) vgl. HL S EIL . Mehrgliedrige Komposita sind Fromattubrigga ‘ die Brücke über den Kelchbach bei der Fromatta ’ (Naters), Fromattuchriz ‘ das Kreuz / die Wegkreuzung bei der Fromatta ’ (Unterbäch), wobei Fromatta wohl ‘ die Wiese des Herrn ’ meint, Fronbachsita ‘ die (Tal-)Seite, durch die der Fronbach fliesst ’ (Ried-Brig), Fronwingarto ‘ der Weingarten des Herrn ’ (Raron; 1309 u. später) und Frowingartten ‘ der Weingarten des Herrn ’ (1587, Visp), wobei auch hier nirgends klar ist, welcher Herr genau gemeint ist. Frontier Frontier ist zweimal historisch belegt: ol Frantyer (1337, Bratsch) [kann auch als ol Frontyer gelesen werden] und im Frontier (1696, Feschel). Der ältere Beleg zeigt klar ein romanisches Wort, der jüngere hat eine deutsche Präposition. Es handelt sich um eine maskuline / - ARIU ( M )/ - Ableitung zum Nomen front (FEW 3, 821) in der Bedeutung ‘ Rand des Ackers (wo der Pflug gewendet wird) ’ . Fröu Fröu f. ‘ Frau ’ ist zu schwdt. Frau, ahd. frouwa, mhd. vrouwe f. ‘ Herrin ’ , und wdt. Froww, Frowwi, Fröww (Goms), Fröü (Saastal), Froiw (Lötschtal), Fröji oder Fröüiwi f. ‘ Frau ’ zu stellen; laut I D . bezieht sich dieses HL in Flurnamen oft auf die heilige Jungfrau, seltener auf die Ehefrau (I D . 1, 1241 in Ortsnamen bes. 1244 ff.; G RICHTING 1998, 81). Im Wallis sind die Lautungen -oww, -ouw, -öuw und -oib (R ÜBEL 1950, 4 und SDS 1, 120 und 122) möglich. In der älteren Sprache werden nur adlige Frauen so bezeichnet; Ehefrauen werden Husfrouw ‘ Hausfrau ’ genannt. Der Alltagsausdruck ist W ī b ‘ Weib ’ (I D . 15, 138 ff.) Der Wechsel von Weib zu Frau findet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt. Diese Wortgeschichte erklärt, warum es häufig nicht möglich ist, die genaue Deutung von Frau zu erkennen. Das HL erscheint zunächst in der Formel ob Vnser Lieben Frauwenn ‘ ob (dem Bildstock oder der Kapelle) Unserer Lieben Frau (Maria) ’ (1602, Gluringen) und verkürzt in bÿ Unser Frowen ‘ bei / hinter / ob Unserer Frau (Kapelle oder Bildstock der hl. Maria) (1582, Ritzingen; 1592 hünder Vnser Frouwen; 1602 ob Vnser Frauwen). Ein festes Kompositum ist der Gipfelname t Jungfröü ‘ die Jungfrau ’ (Fieschertal). Der Gipfelname soll nach BENB (1, 2, 385; mit Zitat M ÜLLER (1952, 58)) nach der Alp Jungfrauenberg in Wengen benannt worden sein. Dazu gehören der Jungfröügletscher, Jungfröüjoch (Station der Jungfraubahn), Jungfraufirn (FLNK) und - laut LT - Wengen Jungfrau ‘ die Wengen Jungfrau (Gipfelname, Vorgipfel der Jungfrau, Wengen ist Dorfname) (alle Fieschertal). Das inzwischen abgebrannte Hotel Jungfrau (Fiesch; FLNK Alt Hotel Jungfröw) bezieht sich auf den Gipfelnamen. t Jungfröüblattu ‘ die Felsplatte der Jungfrau (unklar, welche Bedeutung) ’ (Saas-Balen) und der Jungkfrauwen Weg ‘ der Weg der Jungfrauen (wegen fehlendem Kontext unklar) ’ (Saas) beziehen sich nicht auf den Gipfelnamen, sind aber sonst unklar. Die meisten Belege weisen das HL als Bestimmungswort auf, wobei nicht entschieden werden kann, ob es sich um einen Genitiv handelt oder um das Erstglied der Komposition. Die Grundwörter sind Brunnu, Chrache, Gassa, Haalta, Matta, Platz, Schleif, Stafel, Stapf und Wang. Dazu kommt das komplexere der Frowen Wingarto ‘ der Weingarten der Herrin / der Familie Frauen ’ (1437, Niedergesteln). Der FaN der Frauen usw. ist in AWWB (99 f.) belegt (cf. HL F ROUWER (F A N)). Der komplexeste Beleg ist Michel Denen Haus Frauwen Gu ͦ dt ‘ das Gut der Hausfrau (Ehefrau) von Michel Dehnen (wohl: Michael Thenen) ’ (1605, Embd). Frouwer (FaN) Frouwer und der Frauen sind als FaNN (AWWB 99) belegt, vor allem für das Goms. Hierzu gehört wohl auch ts Fröuwestäfelti ‘ der kleine Stafel der Familie Fröuw ’ (Grengiols). Der Beleg Frouers Boden (1305, Niedergesteln) gehört mit Frauwengassen (erstmals 1702) und Fraúwen Matten (erstmals 1437), sowie Frowun Wingarto (1437) zu einem dieser FaNN in Niedergesteln. Keiner der Belege scheint mit der Heiligen Jungfrau Maria in Beziehung zu stehen, sodass der FaN näher liegt. Es kann aber natürlich auch eine der Bedeutungen von Frau als Muttergottes, als Herrin oder Hausherrin gemeint sein (cf. HL F RÖU ). Frowigen (FaN) der Frowigen ist 1472 in Oberwald ein Genitiv Plural im Beleg der Frowigen Luss ‘ das Los (zugeteiltes Land) der Familie Frow(ig) ’ . Es handelt sich um eine kollektive / - IG / -Ableitung, wohl zum FaN der Frauen (AWWB 99). Eine etwas andere Form ist 1563 als agrum vocatum Frouwligen ‘ der Acker, der der Frouwligen genannt wird ’ (Mund) belegt. Auch hier liegt ein Genitiv Plural einer kollektiven / - IG / -Ableitung vor, aber eher zum PN Frouwlîn ‘ Fräulein ’ . J OSSEN (1989, 81) belegt für Mund auch den FaN Zerfrauen (cf. HL F ROUWER ), der diesem Flurnamen zu Grunde liegen kann. Früe Früe Adj. ‘ früh ’ ist zu schwdt. Adj. früeh, früech wesentlich wie nhd. ‘ früh, früher als erwartet, als normalerwei- Frontier 187 188 <?page no="360"?> se eintretend, früh im Jahre ’ und wdt. frie, früö, friä ‘ früh ’ (I D . 1, 1292 ff.; G RICHTING 1998, 81) zu stellen. Das Adj. ist belegt in dr Friä Biäl ‘ der frühe Hügel (wohl: früh blühend) ’ (Steg) und dr Friä Wang ‘ der frühe Grasabhang (wohl: frühe Schneeschmelze) ’ (Blatten, zweimal, einmal am linken, einmal am rechten Talhang) (vgl. LUNB 1, 1, 299). Wohl aus dem hdt. Frühstück stammen die zwei Belege der Früestuckplatz ‘ der Platz, auf dem man das Frühstück einnimmt ’ (Randa, 3484 m) und der Früestucksplatz ‘ der Platz, auf dem man das Frühstück einnimmt ’ (Leukerbad, 2902 m). Es handelt sich um hochgelegene Stellen, auf denen die Berggänger ein Frühstück einnehmen. I D . (10, 1818) kennt Früestuck ebenso wie G RICHTING (1998, 81). Unsicher ist der Beleg die Fru ᵉ gillen (1630); es handelt sich um den abgegangenen Alpennamen Friela, der im Ortsregister HRBS erwähnt ist. Ob der Name ‘ die früh apere Alpe ’ bedeutet, ist unklar. Fruendion Fruendion ist 1383 in Termen als super der Fru ᵉ ndion, 12? ? in Ried-Brig als supra pratum Fruendillo, 1320 Fruendila belegt. Es dürfte sich um den gleichen Ort handeln, der als ‘ die Wiese des Fründilo ’ betrachtet werden kann. BENB (1, 1, 171 f.) stellt Fründe zu lat. FRONS ‘ Stirne ’ (REW 3532; FEW 3, 819) im Sinn von ‘ Felsenfront, -wand ’ und lehnt die Deutung von H UBSCHMIED (1940, 6) ab, der von einer Lehnübersetzung aus kelt. *en karantobos mit Bezug auf *karants ‘ Freund ’ ausgeht. Die Deutung von BENB stimmt nicht mit der Umschreibung als pratum ‘ Wiese ’ überein; die Deutung von H UB- SCHMIED setzt eine keltische Form voraus, die nicht belegt ist. Der älteste Beleg in Ried-Brig als pratum Fruendillo verweist jedoch auf einen PN Friuntili (cf. F ÖRSTEMANN 1, 540). Es handelt sich also wohl um einen Besitzernamen, wie er als Genitiv im ältesten Beleg erscheint. Die späteren Belege Fruendila und Fru ᵉ ndion nehmen diese Benennung auf, da sie kaum mehr durchschaubar war. Früm Früm ‘ Pflaume ’ ist zu schwdt. Pfl ū m f., wdt. Fr ū m(m)e, Früm(m)e, Früüm(m)e, Früümmu f., im Lötschental auch Pfluima, ahd. pfr ū ma, pfl ū mo, ‘ Pflaume, Frucht des Pflaumenbaums ’ (I D . 5, 1247; SDS 6, 165; G RICHTING 1998, 81) zu stellen, der Frumbaum ‘ Pflaumenbaum ’ (I D . 4, 1237) ist der Baum, der die Frucht trägt. Das Lemma ist nur als Bestimmungswort belegt: in dien Frvnboumen ‘ in den Pflaumenbäumen ’ (1309, Visperterminen), im Früümböum ‘ beim Pflaumenbaum ’ (Raron), zum Frumbaum ‘ zum Pflaumenbaum ’ (1751, 1816, Ausserberg). In Embd gibt es ein Namennest mit Frümacher ‘ Acker bei den Pflaumenbäumen ’ , Frümschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Frümacher ’ , Frümstadol ‘ der Stadel beim Frümacher ’ und - nur historisch - jn der Frummattun (1300, 1307). Weiter sind belegt im Frümbode ‘ im Boden mit Pflaumenbäumen ’ (Ulrichen), an dem Frvmakere ‘ an dem Acker bei den Pflaumenbäumen ’ (1310, Grächen) und das komplexe ob der Fraúmbaúm Schÿr ‘ oberhalb der Scheuer beim Pflaumenbaum ’ (1724, Raron). Pflaumenbäume treten wild und kultiviert auf (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 290 als P RUNUS INSITITIA ). Frummätz Frummätz ist nur als t Frummätzmattä ‘ die Wiesen des Frumhold ’ (Gampel) belegt. Die ältesten Belege haben 1346 jn der Frumuls Matton, 1693 in Frometschmatten, 1693 im Fromoltsch Matten, 1744 Frumatzmatten, 1827 in den Frommetsch Matten. Das auslautende / s/ dürfte auf einen Genitiv zurückgehen, doch ist es wohl als Teil des Namens aufgefasst worden. Frumolt ist bei F ÖRSTEMANN (1, 546) belegt. Fruschier Fruschier ist nur in der Fruschiergrabu ‘ der Schmuggler- Graben ’ (Zwischbergen) belegt. Laut J ORDAN (2006, 312; 1985, 161) ist fruschièru die mundartliche Form für ‘ schmuggeln ’ (J ORDAN 2006, 312). Prof. B. M ORETTI (p. c.) weist auf das norditalienische sfros / fros ‘ Schmuggel ’ (aus it. frodo zu lat. FRAUDARE ) hin, das im RID (1, 340) s. v. CONTRABBANDO und den damit verbundenen Ableitungen dokumentiert ist, etwa sfrosirée ‘ Schmuggler ’ (Viganello); vgl. auch LSI (4, 879 s. v. sfròs). I D . (10, 1) hat sfrosiere n ‘ schmuggeln ’ (für Bosco-Gurin) und verweist auf piemont. sfrosè ‘ schmuggeln ’ . Frutt Frutt f. ‘ Felsabsturz ’ kommt im Wallis nur im Goms vor und bezeichnet ‘ tiefere und breitere Einschnitte an der Oberfläche des Bodens, Felsabstürze, Bacheinschnitte Schutthalden, zerrissene Bergreviere u. ä. ’ (I D . 1, 1339 f.; Z INSLI 1946, 318). Das Lemma ist ein Lehnwort aus alpinlomb. froda, fruda, gallorom. *fruta, kelt. *frutus ‘ Sturzbach auf felsigem Untergrund, Wasserfall ’ . Als Appellativ kommt der Name in schweizerdeutschen Mundarten nicht mehr vor (W ASER 2003, 237 ff.). Das Simplex Frutt ist für die Gemeinden Biel, Binn, Gluringen, Obergesteln, Oberwald, Reckingen, Ulrichen und Selkingen belegt. In Oberwald sind auch zwei Diminutive Fruttelti erfasst. Die relative Lage bezeichnen t Ober Frutt und t Unner Frutt (Obergesteln). Komposita mit Frutt als Bestimmungswort sind Fruttbieu, Fruttegg, Fruttstafu, Fruttwäg, Fruttwang / Fruttwäng und Fruttwase. Komplexer sind der Hinner Fruttwang und der Voder Fruttwang (Oberwald). Welche 189 190 Frutt <?page no="361"?> Bedeutung von Frutt im Einzelfall gemeint ist, muss aus der lokalen Situation erschlossen werden. Füess Füess m. ‘ Fuss ’ ist zu schwdt. Fuess m. ‘ Fuss als Körperteil ’ auch ‘ Masseinheit ’ , ahd. fuoz, mhd. vuoz und wdt. Füess, Fuäss (Lötschental), Füöss ‘ Fuss ’ (I D . 1, 1085 ff.; G RICHTING 1998, 82) zu stellen. Als Simplex ist nur belegt unner dum Füös ‘ unter dem Fuss ’ (Naters; gemeint sind t Füoshoru ‘ die Fusshörner ’ ). Hierzu gehören t Füesheerner ‘ die Fusshörner ’ (Gebirgename, FLNK, Naters; LT und SK Fusshörner), Füeshorubiwak ‘ das Fusshörnerbiwak ’ (FLNK, Naters; LT Fusshornbiwak), ts Füösläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh bei den Fusshörnern ’ (Naters) und das Gross Füesshoru ‘ das Grosse Fusshorn ’ (Gipfelname, FLNK, Naters; LT Gross Fusshorn). Auch zu Naters, aber nicht hieher, gehört der Füöswäg ‘ der Weg, den man zu Fuss benützt ’ beim Weiler Geimen (Naters). Der Typ Füoswäg ‘ Fussweg ’ kommt als Füesswäg auch in Eischoll und Steinhaus, als am Füeswägi ‘ beim kleinen Fussweg ’ in Obergesteln vor. Historisch ist er wie folgt belegt: beÿm Fuosweg (1734, Gampel), beÿ dem Fúosweg (1782, Steg), beim Fúosweg (1589, Varen). Komplexer sind Amerfusweg ‘ der Fussweg zum Gebiet Ammeren (bei den Sauerkirschen) ’ (1644, Blitzingen) und t Füeswägmatta ‘ die Wiese am Fussweg ’ (Staldenried). I D . (15, 823) kennt schwdt. Fuesswäg m. auch als Benützungsrecht für einen Weg. der Füeswang ‘ der Grasabhang in der Form eines Fusses ’ (Leukerbad) ist auch bei R. G RICHTING (1993, Blatt 16, Nr. 15 als Fuesswang) belegt. t Firfüessjini ‘ die kleinen Vorderfüsse ’ (Raron) ist eine wohl metaphorische Kennzeichnung einer Flur bei Raron. Es ist zu schwdt. Fürfuess m. ‘ vorderer Teil des Fusses ’ (I D . 1, 1090) zu stellen. Zwei Belege mit Füesballplatz (Oberwald, Varen) zeigen eine komplexe Konstruktion, die einen Platz für die Sportart Fussball (Füesball) benennt. Füeter Füeter n. ‘ Futter ’ ist zu schwdt. Füeter n., Dim. Füeterli, ‘ Nahrung, Viehfutter ’ , ahd. fuotar, mhd. vuoter und wdt. Füeter, Füätär (Goms), Füöter (Saastal), Fuätr (Lötschtal), Füötär ‘ Tierfutter ’ (übrige Bedeutungsangaben sind nicht hilfreich) (I D . 1, 1136 f.; G RICHTING 1998, 82) zu stellen. Belegt ist nur t Füeterlische ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras, das als Futter verwendet wird ’ (Ulrichen). Zur Lischa als Futter für Pferde und Schafe siehe R ÜBEL (1950, 69). Füf Füf ‘ fünf ’ ist ein Zahlwort und zu schwdt. fü(n)f, mhd. vünf, ahd. funf, wie nhd. ‘ fünf ’ und wdt. füf, fiifi (Lötschtal), füüfi ‘ fünf ’ (I D . 1, 852 f.; G RICHTING 1998, 82) zu stellen. Lautlich gesehen geht füüf im Oberwallis auf ein Grundform funf zurück, ausser im untersten Teil, der fiif (> fünf) hat (SDS 2, 125). Belegt sind ze Füf Stupfu ‘ bei den fünf Schritten ’ (Stalden), t Füf Turma ‘ die fünf Türme (Felstürme am Stockhorn ’ (Baltschieder), ts Füfugüod ‘ das Gut der fünf Geteilen ’ (Unterems), der Füüfilärch ‘ die Lärche, wo sommers um fünf Uhr der Schatten lag ’ (Blitzingen). Eine andere Zahl vertritt zum Wärterhüs 15 ‘ beim Wärterhaus (der BLS) fünfzehn ’ (Raron); hier ist 15 als Fufzä ‘ fünfzehn ’ zu lesen und meint die Nummer des Wärterhauses. Die kurze Lesart fufzä ist wohl auf das Brandstettersche Gesetz (Kürzung von ersten Langvokalen in mehrsilbigen Konstruktionen) zurückzuführen. Fuggs Fuggs m. bezeichnet zum einen das Tier, zum andern den FaN Fux (AWWB 102), auch Fuchs oder Leporis geschrieben. Der Tiername ist zu schwdt. Fuchs, Fux m., Pl. Fügsch, Dim. Fügschi, mhd. vuhs, ahd. fuhs ‘ das Raubtier (Fuchs) ’ und wdt. Fuggs, Pl. Figgsch ‘ Fuchs ’ (I D . 1, 655 ff; G RICHTING 1998, 82) zu stellen; in FlNN als Hinweis auf Örtlichkeiten, wo solche Tiere vorkommen. Der FaN ist laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 613) in der Form Fux vor allem in Visp, den Vispertälern, aber auch in Filet belegt. Die Unterscheidung von FaN Fux oder Fuchs und dem Tiernamen ist nicht immer möglich, sodass die Belege hier zusammengenommen werden. Als Simplex ist das HL weder im Singular, noch im Plural vertreten. In den meisten Fällen tritt das HL in verschiedenen Formen als Bestimmungswort auf. Sicher das Tier ist gemeint, wenn das HL als umgelauteter und entrundeter Plural erscheint wie in im Figgschegufer ‘ im Steingebiet mit Fuchslöchern ’ (Münster), ts Figgschegufer ‘ das Steingebiet mit Fuchslöchern ’ (Münster), t Figschlecher ‘ die Fuchslöcher (Gebiet mit Fuchshöhlen) ’ (Visperterminen). Hingegen ist der häufig vorkommende Typ Fuggshüs (Eisten, Feschel, Grächen, Hohtenn, Stalden, Törbel, Visperterminen), auch Fuggshüüs (Zeneggen), Fuggshaus (17? ? , Bitsch), Fuhshuss (1599 u. später, Ausserberg), bim Fu ᵕ xhau ᵕ s (1650, Brigerbad) wohl als Ort zu verstehen, bei dem man Füchse anlockte (durch Luder), um sie zu fangen oder zu schiessen (G R W B 4, 347 s. v. Fuchshütte), es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass hier ein Haus der Familie Fux gemeint ist. Der Typ ts Fuggsloch ‘ das Fuchsloch (Höhle mit Füchsen) ’ (Unterbäch), ts Fuggsuloch (das Loch mit Füchsen (Fuchshöhlen) ’ (St. Niklaus, Täsch), im Füess 191 192 <?page no="362"?> Plural t Fuggslecher ‘ die Fuchslöcher (Fuchshöhlen) ’ (Ergisch, Wiler), t Fuggslicher ‘ die Löcher (Höhlen) der Füchse ’ (Kippel) und ze Fuggsulechru ‘ bei den Fuchsenlöchern (Fuchshöhlen) ’ (Saas-Grund) sind auf die Höhlen der Tiere zu beziehen. t Fuggsrichti ‘ die Falle für den Fuchs ’ (Naters) bezieht sich klar auf das Tier. Neben den hier aufgeführten Flurnamen kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Äbi, Balma, Biina, Biel, Bodu, Brunnu, Chitt, Egg(a), Flüö, Färich, Ggampanjia, Grabu, Grüeba, Gufer, Haalta, Matta, Platz, Pletscha, Schleif, Schluocht, Stall, Stei, Tritt, Ture, Wang und Wil. Komplexere Belege sind u. a. ts Ober und ts Unner Fuggshüüswägji ‘ der obere und der untere kleine Weg zum Fuchshaus (vermutlich Hütte für die Fuchsjagd) ’ (Gampel), aúsm Fuxwiller=Brunnen ‘ die Quelle / der Brunnen beim Fuchswiler (wohl Fuggswiler in der Datenbank Nr. 6556) ’ (Fiesch), t Fuggswasserleita ‘ die Wasserleitung im Gebiet mit Füchsen (unklar, da kein Flurname Fuggs vorhanden / FaN Fux ist möglich) ’ (Fieschertal) und andere mehr. Der Diminutiv kann sowohl ein kleines Tier wie in t Fuggsjichillcha ‘ die Kirche des kleinen Fuchses (Fels, der wie eine Kirche aussieht) ’ , wie auch eine Koseform des FaN sein t Fuggsjihaaltu ‘ die Halde der Familie Fux / mit kleinen Füchsen ’ (Leukerbad, auch bei R. G RICHTING 1993, Blatt 7, Nr. 25 und Blatt 11, Nr. 35). Als vorangestellter Genitiv sind belegt: ts Fuggsch Acher ‘ der Acker der Familie Fux ’ (Randa) und ts Fuggsch Stutz ‘ die steil ansteigende Stelle der Familie Fux ’ (Randa). Eine Ableitung findet sich in der Fuggser (Raron; LT Fuggser), einer Wiese, die entweder der Familie Fux gehört, oder wo es Füchse hat. I D . (1, 659) kennt zwar das Wort Fuchser, aber nur als ‘ Jagdhund für Füchse ’ (Innerschweiz) oder übertragen als ‘ Mädchenjäger ’ (Appenzell und Luzern). Als Flurname ist die Ableitung belegt (z. B. BENB 1, 1, 172 f; W ERDENBERGER NB 2, 159 f., wo als Deutung ‘ Ort, wo sich Füchse aufzuhalten pflegen ’ gegeben wird). Es handelt sich um eine Ableitung auf / - ER / als denominativer Stellenbezeichnung (S ONDER- EGGER 1958, 541 ff.), wo als Beispiel Füchseler ‘ Ort, wo Füchse sich aufhalten ’ (543) gegeben wird. Eine zweite Ableitung ist das feminine die Fuxerro (1444, Grächen), wo es sich um eine feminine / - ERRA / (auch / - ERRU / )-Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 f.) handelt, die ebenfalls eine grosse Menge bezeichnet ‘ der Ort, wo es viele Füchse hat ’ . Eine dritte Ableitung ist belegt als in Fúgsigen Gietren ‘ in den Gütern der Familie Fux (mit / - IG / -Kollektiv) ’ (Mörel), wo ein Genitiv Plural eines Kollektivs auf / - IG / - (S ONDEREGGER 1958, 503 ff.) vorliegt, das hier auf den FaN zu beziehen ist. Fund Fund ist nur belegt in Fundoyia ‘ die Fund-Aue / die Aue im Grund ’ (1319, Lalden). Das lat. FUNDUS ‘ Boden, Grund ’ ist in den historischen Daten seit der Mitte des 13. Jahrhunderts geläufig. In Lalden ist im gleichen Dokument 1319 pratum meum cui dicitur Fundo Marta (Marca? ) erwähnt; es scheint also, dass das aus dem Lateinischen entlehnte Fund auch in Fundoyia verwendet wird. BENB (1, 1, 174) vermutet jedoch, dass es sich um Neurodungen (zum Verb finden) handelt; der Beleg aus dem 15. Jahrhundert in Ligerz und Twann an dem Fund dürfte aber auf eine romanische Grundlage zurückgehen (FEW 3, 869 ff. s. v. fu ᵕ ndus ‘ Boden, Grund ’ ). Funnti Funnti ist nur als ts Funti ‘ die kleine Quelle ’ in Zwischbergen (FLNK Funti) belegt. Bei J ORDAN (2006, 334) ist es aufgeführt; er führt es auf it. fonte ‘ Quelle ’ (D EVOTO / O LI 2020, 885) zurück. Da im It. das Genus Neutrum nicht existiert, muss eine wdt. Ableitung auf / - I / mit neutralem Genus und der Deutung ‘ klein ’ angenommen werden. Fuor Fuor f. ist zu schwdt. Fuer f. - meist ohne Palatalisierung - ‘ Beförderung von Waren und Personen auf der Achse oder zu Wasser, Fahrt ’ und wdt. Füer, Fuär (Lötschtal) Füör ‘ Fuhrladung ’ zu stellen (I D . 1, 970 f.; Grichting 1998, 81). Der einzige Beleg mit dem HL als Bestimmungswort ist die Fúergassa ‘ die Fuhr-Gasse (vermutlich für die Warenfuhr) ’ (1746, Bellwald). Alle andern Belege enthalten Wasserfuer (I D . 1, 974) als ‘ eine Wasserleitung, teils aus an- und ineinander geschobenen Röhren oder Känneln, teils als Kanal erstellt, um z. B. Wiesen zu bewässern ’ (I D . 1, 974). Belegt sind die Gemeine Wasserfuohr ‘ die Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ (1666, Varen), ŭ nter der Gippi Wasserfuhr ‘ unter der Wasserleitung vom / zum Gippi (Gebiet mit Alpenrosensträuchern? ) (1849, Nater), wo Gwp. den Familiennamen Gischig vermutet, der Fontanette Wasserfuhr ‘ die Wasserleitung bei den Fontanette (kleine Quellen) ’ (1880 ca., Salgesch), wo frühere Beleg aqueductum dyz fontanetaz (1494) haben, die Fontani Wasser F ŭ hr ‘ die Wasserleitung bei der kleinen Quelle ’ (1880 ca., Salgesch), Pfrantir Wasserfuhr ‘ die Wasserleitung im Gebiet Pfrantieri ’ (1898, Feschel), Prafrancin Wasserfuhr ‘ die Wasserleitung zur Wiese des Franzin ’ (1880 ca., Salgesch; bei M ATHIER 2015, 116 Profrantsching Wasserleite), Salgescher Wasserfuhr ‘ (Genitiv konstruktionsbedingt: die Wasserleitung von Salgesch ’ (1927 Salgesch; so nicht bei M ATHIER 2015) und schliesslich die Wasserfuhr Rieben ‘ die Wasserleitung von / zu der Riebe ’ (1860, Mund). Die 193 194 Fuor <?page no="363"?> Belege zeigen, dass Wasserfuhr kein lebender Flurname ist und im westlichen Bezirk Leuk als schriftliche Übersetzung von aqueductum dient; dialektal geläufig ist Wasserleita. Fuossen (FaN) Fuossen (FaN) ist zum FaN Fussen aus Ems (AWWB 102) zu stellen und nur einmal belegt in Fuossen Huss ‘ das Haus der Familie Fussen ’ (1705, Oberems). Fura Fura ‘ Furche ’ ist zu schwdt. Fur(r)e n f., Dim. Füreli, Fürli ‘ Furche, Einschnitt in der Oberfläche des Erdbodens ’ zu stellen, in FlN kann es ‘ Rinne, Hang, Erdkamm, auch Abhang ’ bedeuten, ahd. furuh, mhd. furch, forch, wdt. Fura, Furä, Furcha, Furu ‘ Furche (Ackergrenze) ’ (I D . 1, 935, 937; Z INSLI 1984, 565 und 1946, 135 f., 318 f.; G RICHTING 1998, 82 und schon W IPF 1910, 98 u. passim). Das Lemma kommt in etwa 250 Belegen vor. Im Einzelfall ist ein Zusammenhang von Fura mit Ackerbau heute unklar; es ist aber daran zu denken, dass kleinräumiger Ackerbau noch in hohen Lagen (bis 2000 m) üblich war. Das Simplex im Singular Fura, resp. Fure oder Furu kommt in etwa vierzig Fällen vor, wobei die obliquen Fälle vom Typ vff der Furen und in den Furen nicht immer sicher zwischen Singular und Plural unterscheiden; wenn der Artikel fehlt, bleibt die Numeruszuweisung unklar. Das Simplex im Plural Fure ist auch etwa rund vierzig Mal belegt. Ein Diminutiv im Singular Furi kommt in fünf Belegen vor, der Plural Furini sieben Mal. Dreimal ist Pfura mit assimiliertem Artikel belegt (Birgisch, Eyholz, Raron). Mit attributiven Adjektiven findet sich vor allem der Typ t Hofura ‘ die hohe Furche ’ (auch Heeji Furu) in verschiedenen Varianten rund zwanzig Mal. Relative Ortsangaben bilden Änner Fura, Hinner Fure, Inder Fura, Ober Fura, Uister Fura, Unner Fura und Voder Fura. Dieser Typ ist besonders im Lötschental häufig, wo noch die Dorfnamen Chipel (Kippel), Färdan (Ferden) und Wilär (Wiler) hinzukommen. t Uistru Chipelfurä ‘ die äusseren (talauswärts liegenden) Furchen von Kippel ’ (Kippel) ist ein Beispiel für diese Konstruktion. Weitere Adjektive sind Chrumm Fura, Grosse Fura, Leng Fura / Lang Fura und Wildi Fura. Besonders zu notieren ist t Läze Fure ‘ die links liegenden, sonnabgewandten Furchen ’ (Fieschertal) mit einem selten verwendeten Adjektiv. Nur einmal kommt ein Zahlwort vor: zun Drÿ Furen ‘ bei den drei Furchen ’ (1598, Stalden). Fura als Grundwort verbindet sich meistens mit einem Bestimmungswort, das eine naheliegende Flur oder einen Besitzer / Nutzer bezeichnet. Vermutliche Besitzer sind Albres Fura ‘ unter der Furche (des) Albres (PN) ’ (1361, Gampel), t Bauzifure ‘ die Furche des Balthasar ’ (Ritzingen), in der Bieliger Furen ‘ in der Furche der Leute von Biel ’ (1756), t Hurrisch Fura ‘ die Furche der Familie Hurris ’ (Kippel), t Leiggerfure ‘ die Furchen der Familie Leigger (? ) ’ (Eischoll), in der Maxschen Fúrren ‘ in der Furche der Familie Maxen ’ (1756, Biel), zer Meýers Furun ‘ bei der Furche des Meiers / der Familie Meier ’ (Ausserberg), an Schrötter Fúren (1784, Gampel). Häufiger sind die Namen nahegelegener Fluren wie Aalegfura ‘ die Furche bei der Aalegin ’ (Blatten), t Moosfura ‘ die Furche beim Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Betten) und viele andere. Etwas seltsam ist dabei das mehrfach belegte Thenfuhren ‘ die Furche bei der Tenne ’ (so 1609 für Niedergesteln), das auch in Raron, Leuk und Turtmann belegt ist, aber immer im Zusammenhang mit der alten Landstrasse. Komplexere Konstruktionen wie t Wiichelmattfura ‘ die Furche beim Weiler Wiichelmatte (Winkelmatte) ’ (Zermatt) oder d Lerch Achers Furen ‘ die Furche beim Lerchacher (Acker bei den Lärchen) ’ (1576, Bürchen) sind selten. Fura als Bestimmungswort ist mit den Grundwörtern Acher, Biel, Bodu, Cheer, Chnubel, Egg(a), Färich, Gassa, Grabu, Haalta, Hee (hooch, heej), Rüüs, Sand, Schleif, Spitz, Stadel, Stäg, Stutz, Tschugge, Üowand, Wald, Wasser (Bach) und Wier verbunden. Besonders auffällig ist der Typ Furmatta ‘ die Matte (Wiese) bei der Furche ’ , der u. a. in Grächen, Naters, Simplon, Turtmann belegt ist. Komplexere Konstruktionen sind Furuburgertum ‘ das Eigentum der Burger beim Gebiet Fure ’ (Eggerberg) und t Furuwasserleita ‘ die Wasserleite, die von / zu der Fura führt ’ (Grengiols) und weitere. In Einzelfällen kann Furi auch eine Kurzform des FaN Furrer sein (cf. HL F URRER (F A N)). Furgga Furgga, auch Furka f. ist zu schwdt. Furke n zu stellen und zwar zu Bedeutung 7 ‘ Name vieler grosser und kleiner Pässe, welche tief eingeschnitten zwischen hohen Bergen liegen ’ , ahd. furcha, furkula, mhd. furke, aus lat. F Ǔ RCA f. bzw. F URCULA f. ‘ Gabel, Engpass ’ . Im Walserdeutschen bedeutet der Name noch halbappellativisch ‘ Bergeinschnitt, Pass ’ (REW 3593; I D . 1, 1012 f.; Z INSLI 1946, 319 und 1984, 565). Die Deutungen beziehen sich im Allgemeinen auf ‘ Pass ’ ; vor allem die Diminutive scheinen aber auch einfach ein hügeliges Weidegebiet zu bezeichnen. Die rom. Namen vom Typ Forclaz, Forclettaz (B OSSARD / C HAVAN 2006, 256; T AGMANN 1946, 66) gehen auf das gleiche lat. FURCULA ‘ kleine Gabel ’ zurück. Das frpr. for (t) š eta ‘ kleine Gabel ’ , gebildet aus lat. FURCA ‘ Gabel ’ und lat. Diminutivsuffix / - ITTA / , ist im Mittel- und Oberwallis Fuossen (FaN) 195 196 <?page no="364"?> ein Fachwort der Rebbearbeitung und bedeutet ‘ Einzelstockverjüngung ’ (E GLI 1982, 183 und 295). Diese Deutung könnte bei Fortsethubil ‘ die Hügel bei der kleinen Gabelung ’ (Varen; FLNK Fortschethubil) gemeint sein; vgl. aber auch HL F ORGE . Die romanischen und die entlehnten deutschen Formen werden hier gemeinsam behandelt. Da nur ein Beleg für Forca vorliegt, wird auch dieser hier aufgeführt. Obwohl das HL F URGGA < lat. FURCA gut belegt ist, erscheint als kürzeste Form das maskuline der Furg (Törbel), das von Gwp. als ‘ <Kehle> am Bach ’ beschrieben wird, also einen kleinen Einschnitt darstellt. Maskulin sind auch ufem Furgg (Blitzingen), das als ‘ unbedeutende Wölbung ’ beschrieben wird, und der Furgg (Zermatt), der sich am Furggbach befindet; SK zeigt, dass das Gebiet am unteren Ende eines Moränengebietes liegt, wo sich heute Seilbahnstationen befinden. Ein Furg (FLNK, Birgisch) ist bezüglich Genus nicht spezifiziert; es befindet sich heute oberhalb der Strasse von Birgisch nach Mund in einem bebuschten Gebiet. Ein auf den ersten Blick feminines Fu ᵕ rg (1853) meint wohl eine Wasserleitung, die von einer Flur Furg her oder zu ihr hin fliesst. Maskulines Furg lässt sich als (falsche) Rückbildung eines als Plural verstandenen Furgga ‘ die Pässe ’ verstehen. Häufiger ist das Simplex Singular des Feminins als auf der Furcko ‘ auf der Furgge (Pass) ’ (1760, Eisten; 1760 Grächen), an Furckon ‘ an der Furgge (Pass) ’ (1440, Mörel), ab Fu ᵕ rckon ‘ von der Furgge (Pass) ’ (1400, Naters), super Furckon ‘ über der Furgge (Pass und Alpe) ’ (1348 u. später, Simplon), t Furgga ‘ die Furgge (Pass) ’ (Zwischbergen), Furgge ‘ die Furgge (Pass und Alpe) ’ (Grengiols), Furggen ‘ die Furgge (Pass) ’ (SK, Grengiols), t Furggu ‘ die Furgge (Pass) ’ (Erschmatt), Furggu ‘ Furggen (Alpsiedlung auf Alpe Furggu) ’ (LT u. FLNK, Saas-Almagell), Pfurka ‘ die (Rieder-)Furgge ’ (Ried-Mörel; SK Furke). Einige dieser Simplizia können auch Plurale sein. Diminutive im Singular sind: ts Furggelti ‘ der kleine Pass ’ (Goppisberg; LT Münster), Furggeltin ‘ der kleine Pass ’ ((LT, Blatten; FLNK Furggelti), ts Furggilti ‘ der kleine Pass ’ (Oberems), ts Furggje ‘ der kleine Pass ’ (Zermatt, zweimal), Furgji ‘ der kleine Pass ’ (LT, Zermatt), Furggulti ‘ der kleine Pass ’ (LT, Bellwald; FLNK Furgguti), ts Furgguti ‘ der kleine Pass ’ (FLNK, Blitzingen; LT Furggelti), ts Furgguti ‘ der kleine Pass ’ (Fieschertal), vff das Furgli ‘ auf den kleinen Pass ’ (1657, Obergesteln), ts Furguti ‘ der kleine Pass ’ (Binn; LT Furggulti; SK Furggelti; FLNK Furgguti; mehrfach). Die sicheren Plurale dagegen sind selten: t Furggini ‘ die kleinen Pässe ’ (Eisten). Das seltsame t Furggje ‘ das Gebiet mit Pässen bei Saas-Fee ’ (Saas-Fee) scheint eine / - LA / -Ableitung zum Simplex zu sein (S ONDEREGGER 1958, 517 ff.) und nicht ein Plural des Diminutivs. Attributive Adjektive in zweigliedrigen Konstruktionen sind wie folgt belegt: t Chleinu Furgge die kleinen Furggen (hier Felsspitzen) ’ (Eisten; Grächen; FLNK an beiden Orten, Chleinu Furgge), als Gegenstück gehören dazu di Grossu Furgge ‘ die Grossen Furggen (hier Felsspitzen) ’ (Eisten, Grächen; FLNK an beiden Orten Grossu Furgge), ts Ober und ts Unner Furguti ‘ der obere und der untere Teil des kleinen Passes (Alpweide) ’ (Bellwald), t Obere und t Unnere Furggeltini ‘ die oberen und die unteren kleinen Pässe ’ (Münster), auf der Unteren Furgen ‘ auf dem unteren Pass ’ (1833, Eisten; 1833, Grächen). Vorangestellte Genitive sind Almagäller Furggu ‘ die Furgge (Pass) auf dem Gebiet von Almagell ’ (FLNK, Saas- Almagell), Grunner Furggu ‘ die Furgga (Pass) der Leute von (Saas)-Grund ’ (FLNK, Saas-Almagell), das Jeger Furggilti ‘ die kleine Furgge (Pass) der Jäger / der Familie Jäger ’ (Ried-Brig), Mandlischfurggu ‘ die Furgge (Pass) des Mandli (kleiner Mann, daneben Mannlihorn (auf LT Schwarzhorn)) ’ (Ferden). Mit dem HL als Grundwort finden sich vor allem Komposita mit naheliegenden Flurnamen oder Furggen, über die bestimmte Tiere gehen können: Chummefurgge ‘ die Furgge (Pass) beim Chummehore oberhalb der Alpe Chumme (Mulden) ’ (Mühlebach), t Eschilfurgga ‘ die Furgge (Pass), die wie ein Esel aussieht / über die ein Esel gehen kann ’ (Zwischbergen), di Gitzifurgga ‘ die Furgge (Pass) der kleinen Ziegen ’ (Ferden), di Gitzifurggu ‘ die Furgge (Pass) der kleinen Ziegen ’ (Leukerbad), von der Kúmmen Fúrg ‘ von der Furgge (Pass) bei der Chumma (Mulde) ’ (1826, Ernen), die Loúbfúrggen ‘ die Furgge (Pass) beim Laub ’ (1650 (ca.), Ried-Brig), ts Mattufurgg ‘ bei der Furgg(e) (Durchgang) bei der Alpe Matte (Wiesen) ’ (Raron; FLNK Mattufurggu), ts Mattufurggilti ‘ die kleine Furgge (Durchgang) bei der Alp Matte (Wiesen) ’ (Raron), t Mattufurggu ‘ die Furggu (Pass) oberhalb der Alpe Matte (Wiesen) ’ (Niedergesteln; gleicher Ort wie Raron), t Mittulfurgge ‘ die mittlere Furgge (Pass) ’ (Grächen), t Reschtifurgga ‘ die Furgge (Pass) oberhalb der Alp Resti (Raststelle) beim Restirothorn ’ (Ferden), t Ritzfurgge ‘ die Furgge (Pass) zwischen Ritzgletscher und Merezenbachgletscher; resp. Ritzhörner und Ritzberge ’ (Münster, Ulrichen; FLNK Ritzifurgge (Münster), Ritzfurgge (Ulrichen); gleicher Ort), t Schildfurgga ‘ die Schildfurgga (Pass zwischen Schilthorn und Gärsthorn) ’ (Mund), di Tellifurgga ‘ die Furgge (Pass) oberhalb des Telli (kleines Tal) ’ (Ferden), Wilerfurg ‘ die Wilerfurg (unklar, ob hier mit Furg einfach ein Übergang gemeint ist (sonst Furt); heute Steg über Wilerbach) ’ (Blitzingen). Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Alpa, Bach, Chi, Egg(a), Gletscher, Graat, Haalta, Hooru, Matta, Pass, Plangg, Sattel, Stalde, Tunnel, Wald und Wang. Seltsam 197 198 Furgga <?page no="365"?> ist das Namennest zu Furgguböüm (Ried-Brig) mit Furggubäumbach (LT; FLNK Furgguböümbach), Furgguböümgletscher, Furgguböümhoru und Furgguböümlicka (alle auch, anders geschrieben bei LT, SK und FLNK). Es handelt sich um eine Alpe auf über 2000 m, wo es keine Bäume gibt. Der älteste Beleg von 1457 hat an Furkunbun. Vermutlich handelt es sich um eine romanische Fügung. Die Endung bun wird ab 1593 als Böüm interpretiert; man hat sie vermutlich nicht mehr deuten können. Komplexere Konstruktionen sind, neben den genannten: Gross und Chli Furkahore ‘ das grosse und das kleine Furkahorn ’ (Oberwald), ts Furggwanghoru ‘ das Horn bei den Furggweng ’ und ts Furggwangjoch ‘ das Joch (Fusspass) beim Furggwanghorn ’ (beide Oberems und St. Niklaus). Eine sonst nicht belegte Form ist der Furrgetsch (Zermatt), dessen ältester Beleg von 1448 jm Furkecz lautet. Die Endung kann entweder zum HL E TZ ‘ Atzung (des Viehs) ’ passen, oder eine Ableitung auf / - ETSCH / sein (K LEIBER 1992); für Letzteres spricht die maskuline Form. Romanisches Forcletta ist nur in Pointe de la Forcletta (Oberems) vertreten, dem frz. Namen des Hirsihorn. Forcletta ist auch der frz. Name von ts Furggilti (Oberems). Italienisches Forca ‘ Pass ’ findet sich nur in Forca Aurona (Ried-Brig), dem it. Namen der Furggubäumlicke; der Name Aurona bezieht sich auf den Bach im it. Tal (cf. HL A URONA ). Furmulä Furmulä ist nur in Zwischbergen als t Furmulä (LT Furmule) und der Furmulugraad (LT Furmulegrat) belegt. J ORDAN (2006) kennt Furmulä, Furmuluegg, Furmulutolä (alle S. 359) und Furmulugraat (S. 241 u. 360), aber alle ohne Deutung. Zu Grunde liegt it. formèla, furmèla ‘ Käseform ’ (LSI 2004, 2, 524); es handelt sich um eine metaphorische Bezeichnung der Gegend. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Flurnamen nicht. Furnel Furnel ist belegt in an den Furneltschuggen ‘ an den Furnelfelsen ’ (1634, Zwischbergen) und in einer andern Form als ad summitatem lochiarum furnetti ‘ beim Gifpel der Lochiae (unklar) Furnetti ’ (1642, Zwischbergen). Vermutlich ist Furnel zu it. fórn, fórno, furn, fórm m. aus lat. FURNUS ‘ Ofen, Herd, Feuerstelle ’ (LSI 2, 528; D EVOTO / O LI 2020, 890 s. v. forno) zu stellen. Furnetti würde die davon abgeleitete Form fornetti (P ETRINI 1997, 75) meinen. In FlN werden sie zur Bezeichnung von ‘ Talsenke, Mulde, Felsgebirge ’ (P ETRINI 1993, 99) und allgemein für ‘ warme, der Sonne ausgesetzte Orte ’ (REW 3451; B OSSARD / C HAVAN 2006, 225) verwendet, ähnlich wie das HL O FU . Furni (PN) Furni ist laut Gwp. ein Personenname im Beleg der Furniwäg (Glis). In Frage kämen der frz. FaN Fourny oder die lateinische Übersetzung de Furno (Zumofen). Beide sind im Register HRBS aufgeführt; Zumofen erscheint ebenfalls in AWWB (302, auch als de Furno), wo auch Dufour (AWWB 83) belegt ist. Eine sichere Zuordnung ist auf Grund des Beleges jedoch nicht möglich. Furrer (FaN) Furrer (FaN) ist ein im Oberwallis verbreiteter Familienname (AWWB 101). Er kommt nur als Bestimmungswort vor, manchmal im Genitiv Singular: des Furers Brùnnen (1610, Ried-Mörel), ts Furerschhüs ‘ das Haus der Familie Furrer ’ (Visperterminen, Weiler), in Fúrersmatten (1831, Eischoll), ins Furrenboden ‘ in den Boden der Familie Furrer ’ (Ritzingen). Manchmal auch im Plural: der Furrero Wingarto ‘ der Weingarten der Furrer ’ (1305, Visp), syluam Fúrrero ‘ der Wald der Furrer ’ (1688, Staldenried), in Furrero Schÿr ‘ in der Scheuer der Furrer ’ (1637, Bürchen), siluam dictorum Furrero ‘ der Wald der obgenannten Furrer ’ (1477, Bürchen). Von einem I -Diminutiv des reduzierten Stammes Furrwerden Belege auf Furri n. gebildet. Dazu gehören: t Pfuritschugge ‘ die Felsen der Familie Furrer ’ (Birgisch), Furri Hütte ‘ die Hütte des Art Furrer (Hotelbesitzer) ’ (Martisberg) und dazu die Genitive ts Furisch Paragga ‘ die Baracke der Familie Furrer ’ (Baltschieder), Furrisch Weid ‘ die Weide der Familie Furrer ’ (Saas-Balen), Furrisch Bachtelu ‘ die Wasserrinne der Familie Furrer ’ (Saas-Grund). Furt Furt, im Lötschental Firt m. ‘ Furt ’ , ist zu schwdt. Furt m. und f. ‘ fahrbarer Durchgang durch einen Zaun; Bach-, Flussübergang; Rinnsal, Bett eines Flusses oder Baches; Wassergraben in Feldern und Wiesen, mhd. furt m./ f. ‘ Furt, Flussbett; Bann, Weg ’ (I D . 1, 1043 f.) zu stellen. Die Form Firt scheint aus einer vorderen gerundeten Form Fürt (wohl Plural) entstanden und auf den Singular übertragen worden zu sein. Das Simplex ist als der Furt (Grengiols; wohl Übergang am Holegrabe), an dem Furte (1306, Törbel) und zem Firt ‘ bei der Furt (wohl Übergang über die Gisentella (Bach)) ’ (FLNK, Blatten) belegt. Blitzingen kennt die alte Wasserfurt (1681), mit der femininen Form des Hochdeutschen. Alle andern Belege stammen aus dem Lötschental. In Blatten sind es ts Firtchin, t Firtschiirä, dr Firtstäg, dr Firtwald, t Firtwannä, sowie der Mittluscht, der Obruscht und der Undrusch Firt (alle im gleichen Bereich in Furmulä 199 200 <?page no="366"?> Blatten). In Wiler kommen t Obrun Firtbletschä und t Undru Firtbletschä ‘ die oberen und die unteren Ebenen bei der Firt (wohl Übergang über den Milibach) ’ hinzu. Furz Furz ist zum schwdt. Verb furze n ‘ furzähnliche Töne von sich geben ’ und wdt. furze, furzä (Goms), furzu ‘ furzen ’ (I D . 1, 1047; G RICHTING 1998, 82) zu stellen. Das HL ist nur einmal belegt als Furzbach ‘ der Bach, der furzende Töne hören lässt (? ) ’ (Zeneggen). Es handelt sich um einen steilen Bach, der von Zeneggen hinunter in die Vispa fliesst. Füül Füül ‘ faul ’ ist zum schwdt. Adj. f ū l, ahd. v ū l, mhd. f ū l ‘ faul, morsch, stinkend ’ , in FlNN ‘ verwittertes Gestein, verwitterter Felsen, stehende Gewässer ’ und wdt. fül, fuil (Lötschental), füül ‘ morsch, untätig ’ (I D . 1, 786 ff., G RICH- TING 1998, 82) zu stellen. Als attributives Adjektiv kommt das HL mit den folgenden Bezugswörtern in zweigliedrigen Konstruktionen vor: bim Füle Ture ‘ beim faulen (Fels-)Turm (Fels mit faulem Gestein) ’ (Grengiols), bim Füle Ture ‘ beim faulen (Fels-)Turm (Fels mit faulem Gestein) ’ (Martisberg) (die beiden Namen sind räumlich weit getrennt), unnerem Füüle Ture ‘ unter dem faulen (Fels-)Turm (Fels mit faulem Gestein) ’ (Binn), bim Füüle Ture ‘ beim faulen Turm (Felsturm mit faulem Gestein) ’ (Fiesch) (identisch mit dem Namen in Martisberg), Fül Böum ‘ der Faulbaum (F RANGULUS ALNUS ) ’ (Münster) (cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 296). Unklar ist der Bachname die Fula, der 1563 neben der Fesilla in Erschmatt belegt ist; 1563 wird der Bach auch hdt. die Faula genannt. In Leuk ist sie lebend als t Füülu ‘ die Walkmühle? ’ belegt. Es handelt sich vermutlich um ein romanisches Lemma, das nicht zum HL F ÜÜL ‘ faul ’ zu stellen ist, sondern zu einem romanischen HL. In Frage kommt foule ‘ Walkmühle ’ (G PSR 7, 783), das häufig als Flurname erscheint und auch als Bachname (für eine Mühle) Verwendung findet. B OSSARD / C HAVAN (2006, 224) beschreiben foule als ‘ local où s ’ exerçait le foulage ’ (Ort, wo das Walken ausgeübt wurde). Ob das Quartier von Visp, das als t Füüla benannt ist, auf den französischen Ausdruck für eine Walkmühle zurückgeht, ist unsicher. Zu den Walken im Wallis siehe W. B ELLWALD (2011, 93 ff.); für Visp ist keine erwähnt. 201 202 Füül <?page no="367"?> G (siehe auch C und K) G(e)rit G(e)rit ist zu schwdt. Ge-rüt ‘ gerodetes Gebiet ’ (I D . 6, 1805) zu stellen, mit entrundetem Vokal und r-Vorschlag (e). Es kommt nur vor in di Geriitschluächt ‘ die Geländeeinbuchtung beim gerodeten Gebiet ’ (Blatten). G … brich G … brich ist 1547 in G … brich(? )lammen (Binn) belegt. Die Lesung ist unsicher, darum keine Deutung. Gaa Gaa V. ‘ gehen ’ ist Infinitiv des Verbums schwdt. gan ‘ gehen ’ und wdt. gaa, goo (Saastal) ‘ gehen ’ (I D . 2, 322; G RICHTING 1998, 83). In den Orts- und Flurnamen ist es insgesamt viermal belegt, davon dreimal als Partizip Präsens, zusammen mit dem HL D URCH : der Dirrgänd Fat ‘ der durchgehende Felspfad ’ (Simplon), der Durchgeend (e)Ritz ‘ der durchgehende Ritz (Spalte im Fels) ’ und der Durchgeend (e)Ritzgrabu ‘ der Graben beim durchgehenden Ritz ’ (beide Niedergesteln). Anders zu deuten ist der Heiter Tirrgäne ‘ der heitere (helle) Durchgang ’ (Reckingen). I D . stellt gääne zu Um-g ǟ ne n f. ‘ magerer Heubezirk am Talbhange ’ (2, 326, für das Wallis belegt) und vermutet eine Nebenform zu umg ǟ nd (I D . 2, 16). Der Beleg in Reckingen ist allerdings maskulin, was die Nähe zu ‘ Durchgang ’ aber eher bestätigt. Zur Formenvielfalt des Verbums gân im Mhd. vgl. P AUL ( 25 2007, 276 ff.) und im Schwdt. vgl. SDS (3, 56 ff. und die dort angegebene Literatur). Gaaggu Gaaggu ‘ Rabe, Krähe, Bergdohle ’ ist zu wdt. Gaaggu, schwdt. Gaagg, Gaago m. (I D . 2, 164; G RICHTING 1998, 87 s. v. Ggaagge, Gaaggä (Goms) oder Gragggä, Ggääggu (Saastal), Ggaggn (Lötschtal), Ggaaggu ‘ Rabe, Krähe ’ (dritte Bedeutung hier ohne Relevanz)) zu stellen. Das Wort ist eine lautmalerische Bezeichnung für Rabenvögel als Ableitung zum Verb schwdt. gaagge n ‘ mit rauher Stimme schreien, krächzen, wie z. B. Raben, Elstern, Dohlen ’ (I D . 2, 164). Auch BENB (1, 2, 5 f.) verzeichnet das Lemma, ohne eine Erklärung. Als Simplex im Plural ist nur Zen Gagen ‘ bei den Dohlen / Raben ’ (1694, Eischoll) erwähnt. Gaaggu kommt sonst nur als Bestimmungswort vor. Die Grundwörter sind Färich, Höupt, Läger, Loch, Pliderra, Stei, Stüde, Wald, Wasser und Weid. Die Deutung ist im Einzelnen sehr unklar. Im Fall von Gaggenweid (1840, Leuk) ist auch an schwdt. Gagg ‘ Kot ’ (Id. 2, 165) oder eine aus dem romanischen cacare ‘ kacken ’ entlehnte Form zu denken (FEW 2, 16ss.), also ‘ die Weide mit Kot ’ . Ein Übername scheint bei in Gäägisch Grappu ‘ bei den Murmeltierbauten des Gäägi (Übername? ) ’ vorhanden zu sein (cf. auch HL G RAPPA ). Gääi Gääi ist ein Adj., das zu schwdt. g ā ch, gäch, gäj ‘ sich mit ungestümer Schnelligkeit bewegend, rasch oder plötzlich eintretend ’ (ahd. g ā hi, mhd. gaehe, g ā ch, g ā ‘ schnell, ungestüm ’ ), hier in der Bedeutung ‘ steil abfallend oder ansteigend ’ als Bezeichnung für eine sehr steile Wiese und wdt. gaa, gee ‘ plötzlich, überraschend, jähzornig ’ (I D . 2, 99 ff.; G RICHTING 1998, 83) zu stellen ist. URNB (3, 720) kennt Gäch Tod und deutet es als ‘ [s]ehr steile Felswand ’ . Der Beleg der Gäitood ‘ der jähe Tod (wohl: Steilheit des Geländes) ’ (Reckingen) ist auch bei Jagdverein Mässersee Binn (2018, 27) verzeichnet (Gäi Tod), auch dort mit dem Hinweis auf I D . (2, 99 ff.), aber mit der Deutung ‘ Herzinfarkt ’ . Gwp. sagt zu Reckingen: „ Entweder wegen der Steilheit des Geländes oder es sei hier jemand eines jähen Todes gestorben? “ . Beide Deutungen treffen zu, doch ist metaphorisch generell eher die Steilheit des Geländes zu verstehen. Gaajini Gaajini pl. ist als lebender Name nur als di Gaajini (Oberems; FLNK Gaajini) belegt. Auf 1: 10000 ist die Flur als Gajini notiert. Die historischen Belege notieren seit 1474 Caynon, 1676 zen Gaÿnen, 1680 zun Gaÿnen, 1707 zen Caienen usw. Hierzu gehört auch der historische Beleg das Caÿe Gessin ‘ die kleine Gasse vom / zum Gebiet Caino (unklar) ’ (1716, Oberems). Die heutige diminutive Form Gaajini scheint auf eine ältere Form Caynon usw. zurückzugehen. Diese könnte sich auf * CANIA hündin (FEW 2, 183 ff.; G PSR 3, 569 ss. s. v. chienne) zurückführen lassen; eine direkte Ableitung bleibt aber unsicher, weil anlautendes / g/ auf eine frühe Übernahme verweist (cf. Gampel), die hier problematisch ist. Der genaue Zusammenhang bleibt unklar. Hingegen hat I D . (2, 199) unter Gaja den Beleg ‘ Baumwanze (cimex baccarum), Käfer, Wurm ’ und verweist auf das Wallis mit der Alternative Gâji. Formal entspricht der Beleg der Form, inhaltlich ist sie aber problematisch. G(e)rit 203 204 <?page no="368"?> Gaaldi Gaaldi n. ist einerseits der Name eines Kanals in der Rottenebene als ts Galdi (Hohtenn) und ts Gaaldi (Steg), der früher Bietschi (cf. HL B IETSCH ) hiess. In Steg sind historisch 1412 Galden Graben und ab 1438 Galdingrabo belegt. 1556 ist der Altt Galdin Grabo (Steg) bezeugt. 1686 und später ist auff der Galdinen (Steg) belegt. Auch Niedergesteln hat 1438 Galdyngrabu und im gleichen Jahr Galdinon; gemeint ist wohl der gleiche Wasserlauf in der Rottenebene. In Leuk findet sich 1580 ad Caldaria (zum lat. CALDARIA kochkessel (FEW 2, 75 ff.), hier wohl in der Bedeutung ‘ Warmbad, warmes Wasser ’ ). Ob es gleichbedeutend mit auff der Galdinen (Steg), Galdinon (Hohtenn) und di Gaaldinu (Leuk) ist, das 1203 u. später als Caldana und ähnlich erscheint, wobei meist ein Drittel von Leuk gemeint ist, bleibt unklar. Manchmal ist aber auch von einem Fluss Caldana (z. B. 1346 iuxta aquam Caldane ‘ beim Wasser (Bach) Caldana ’ ) die Rede. Der Anlaut / g-/ verweist auf eine frühe Übernahme aus dem lat. CAL Ī DU ‘ warm ’ (FEW 2, 87 ff.). Das Drittel Gaaldinu (Leuk) hat seinen Namen wohl von einem Bach mit warmem Wasser erhalten, während das HL Gaaldi wahrscheinlich auf das wärmere Wasser des Kanals in der Rottenebene Bezug hat. Gaalt Gaalt Adj. ‘ milchlos ’ ist ein schwzdt. Adj. galt, wdt. gaalt ‘ milchlos ’ und dient in erster Linie zur Bezeichnung von Kühen und Ziegen, die keine Milch geben (I D . 2, 236; G RICHTING 1998, 83). Das Wort kann aber auch unangebaute, brach liegende Äcker bezeichnen oder übertragen werden auf versiegende Quellen, Brunnen (BENB 1, 2, 11). Es wird bei Flurnamen normalerweise als ‘ unfruchtbar ’ wiedergegeben. Das Adjektiv erscheint attributiv in der Gaalt Acher ‘ der unfruchtbare Acker ’ (Ergisch), di Gaalt Ägerta ‘ das unfruchtbare Brachland ’ (Törbel), t Gaalte Ritze ‘ die unfruchtbaren Ritze (Grasbänder) ’ (Binn), ts Gaalt Gufer ‘ das unfruchtbare Steingeröll ’ (Baltschieder), di Gaalti Matta ‘ die unfruchtbare Wiese ’ (Raron; FLNK, Gaaltumatte), die Gaalti Matta ‘ die unfruchtbare Wiese ’ (1631, Turtmann), di Gaaltun Bletsche ‘ die unfruchtbare, nicht genutzte Bletschä (Ebene) ’ (Ferden), di Gaaltu Schroote ‘ die unfruchtbaren Geländeeinschnitte ’ (Täsch), di Gaaltu Weng ‘ die unfruchtbaren Grasabhänge ’ (Kippel), der Galt Acher ‘ der unfruchtbare Acker ’ (1541, Bürchen), im Galten Aker ‘ im unfruchtbaren Acker ’ (1841, Ried-Brig), Galter Acher ‘ der unfruchtbare Acker ’ (1675, Turtmann), am Galten Haker (1337, Bratsch; 1701 in den Galten Ackhern), Galti Riifu ‘ der unfruchtbare Abhang ’ (FLNK, Bratsch) und Galt Rufi ‘ das unfruchtbare Rutschgebiet ’ (FLNK, Ausserberg). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bodu, Ägerta, Biel, Chi, Eie, Erb und Matta. Substantiviert wird das HL als Simplex in di Gaalta ‘ das unfruchtbare Gebiet ’ (Ausserberg) verwendet. Der Diminutiv ist belegt als ts Gaalgi ‘ die kleine Alpe für das Galtvieh ’ (Zwischbergen; LT Galki, SK Galgi); dazu kommt di Gaalgilicka ‘ die Lücke (Fusspass) oberhalb des Gaalgi ’ (Zwischbergen; LT Galkilücke, FLNK Galgilicka). In Baltschieder gibt es zwar den einfachen Diminutiv nicht, dafür ein Namennest mit ts Gaalgibord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) der kleinen Alpe für das Galtvieh ’ , di Gaalgichumma ‘ die Chumma für das Galtvieh ’ (LT und FLNK Galkichumma, SK Galkichumme), di Gaalgifärricha ‘ die Pferche beim Gaalgi (kleine Alpe für das Galtvieh) ’ , ts Gaalgigufer ‘ das Steingeröll im Gebiet für das Galtvieh ’ , di Gaalgiparagga ‘ die Baracke (einer Firma) im Gaalgi (Alpe für das Galtvieh) ’ , di Gaalgispitza ‘ die spitz zulaufenden Weiden beim Gaalgi (Alpe für das Galtvieh) ’ . Ein vorangestellter Genitiv einer anderen Diminutivableitung ist ts Gaaltschisch Wengji ‘ der kleine Grasabhang für die junge Ziege, die noch nicht geworfen hat ’ (Täsch) wenn Galtschi sich, wie bei R ÜBEL (1950, 91) genannt, in Täsch auf ‘ die junge Ziege, die noch nicht geworfen hat ’ bezieht (vgl. auch I D . 2, 237 s. v. Galteli, wo auch Galtschi belegt ist). Eine feminine Ableitung auf / - INA / mit der Assimilation von / t/ zu / ck/ ist Galkina ‘ das Gebiet für das Galtvieh / das unfruchtbare Gebiet ’ (Fieschertal), wozu sich t Ober und t Unner Gaalckina ‘ der obere und der untere Teil der Gaalkina ’ , der Gaalckinegletscher ‘ der Gletscher oberhalb der Gaalckina ’ (beide Fieschertal) gesellen. Eine zweite feminine Ableitung ist Gallgeru ‘ das unfruchtbare Gebiet (Weiler von Eisten) ’ (Eisten; auch di Gallgera; LT u. FLNK Galgera, SK Galgeren). Die historischen Belege haben schon 1299 u. 1300 Galgerrun, 1304 Galgerra usw. Hierzu gesellen sich t Ober und t Unner Gallgera ‘ die obere und die untere Galgerra ’ (Eisten), sowie das historisch belegte Untern Galgetirli ‘ die untere (Zaun-)Türe auf der Gallgera ’ (1833, Eisten) und weiter ts Gallgerheejili ‘ die kleine Höhe, von der aus man die Gallgera sieht ’ , di Gallgersunna ‘ das sonnseitig gelegene Gebiet bei der Galgerra ’ und der Gallgerwald ‘ der Wald unterhalb der Gallgera ’ (alle Eisten). Die Zuordnung dieser Ableitung zum HL G AALT ist nicht sicher, weil alle Belege den Typ Galgerra aufweisen; es ist dann zu erklären, wie aus / t/ hier / g/ werden kann. Zu vermuten ist eine / - ERRA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.), eine Stellenbezeichnung, die wohl von einem Gaalgi oder ähnlich abgeleitet wurde. An einen Galge 205 206 Gaalt <?page no="369"?> (I D . 3, 230) in irgendeiner Form kann man bei der Höhe und der geringen Besiedlung kaum denken. Ganz ähnlich lässt sich die maskuline Ableitung dr Galgginär (Kippel) erklären, das laut FLNK mit / ck/ auszusprechen ist; es handelt sich um eine maskuline Form, die der femininen Gaalckina entspricht. Ableitungen mit Umlaut zu / e/ sind belegt 1712 als in der Geltti (Eischoll), di Geltinä (Gampel), t Geltini (Bratsch, Feschel), di Geltjini (Raron). Die ersten zwei Belege sind Feminina, der eine auf / - I / , der zweite ein Plural von / - INA / ; die andern beiden sind Diminutive im Plural. Dazu kommt ein Gmeinne Geltin ‘ die Weide für das Galtvieh, die der Gemeinde gehört ’ (1784, Erschmatt) Inhaltlich geht es um Gebiete, die wenig fruchtbar sind, oder um Gebiete als Weide für das Galtvieh. Eine adjektivische / - IG / -Ableitung findet sich als di Galgig Flüe ‘ die unfruchtbare Fluh ’ (St. Niklaus) und historisch 1693 als Galgigen Fluo (Törbel); anders zu deuten ist das gleichzeitige Galginen Fluo (Embd, Törbel), wo wohl ein Adjektiv zum Diminutiv Galgi vorliegt. Gaalzeri t Gaalzeri ist nur in Geschinen als Weideebene in der Alpe „ Trützi “ belegt. Vermutlich handelt es sich um die Weide der galten Ziegen (Ziegen, die noch nicht geworfen haben) oder Rinder. I D . (2, 296) kennt Galz ‘ verschnittenes Schwein ’ m., älter auch f. Wahrscheinlicher ist aber das von I D . (2, 236) erwähnte galt ‘ keine Milch gebend ’ , das auch bei R ÜBEL (1950, 91) genannt wird (cf. HL G AALT ). Die etwas ungewöhnliche Lautung Gaalz erklärt sich wohl aus der Fügung Gaalts Vee ‘ keine Milch gebendes Vieh ’ . Die Ableitung auf / - ERI / ist eine Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 551 f.). Gäändu Gäändu ist nur in Ubergändu ‘ übergehend ’ in ts Ubergändu Stei ‘ beim übergehenden Stein ’ (Mund) belegt. Es handelt sich um ein Partizip Präsens zum schwdt. Verb überg ā n ‘ übergehen ’ (I D . 2, 10), wdt. ubergaa (G RICHTING 1998, 204), hier wohl zu verstehen als ‘ sehr gross ’ . Gaar Gaar f. ‘ Bahnhof ’ ist zum frz. gare f. ‘ Bahnhof ’ zu stellen (G RICHTING 1998, 83 s. v. Gaar). Dieses HL ist zu unterscheiden von Kaaru ‘ Ecke ’ , das manchmal auch im Plural als Gaare erscheint, und auf frpr. karo < lat. QUADRU ‘ place, côté, extremité ’ zurückgeht (T AGMANN 1946, 29; cf. HL K AARU ). Sichere Belege sind: Gaar ‘ Bahnhof ’ (Stalden), Unner der Gar ‘ unter dem Bahnhof ’ (Stalden), di Gaarmatte ‘ die Wiesen beim Bahnhof ’ (Turtmann), di Gaarstraass ‘ die Strasse zum Bahnhof ’ (Turtmann), Gampilgaar ‘ der Bahnhof von Gampel ’ (Niedergesteln). Problematisch ist uf di Gaar (Salgesch), das von M A- THIER (2015, 90) zu frz. la gare gestellt wird. Das kontrastiert auffällig mit der Lage der Flur: es handelt sich um ein Rebgebiet, das vom Bahnhof aus in etwa 500 m Entfernung liegt. Eher käme dann frpr. k ā r > lat. QUARTUS ‘ Viertel ’ (M EYER 1914, 87) in Frage; das Gleiche gilt für Varnergaar (FLNK, Varen), das sich neben Gaar in Salgesch befindet. Ähnlich unklar ist Gaar (Ergisch) auf rund 1420 m, bei der Kurve einer Alpstrasse, die man eventuell metaphorisch als Gaar ‘ Bahnhof ’ benannt haben könnte. Die Gaarmatta (Eisten) gehört kaum hieher; die Gwp. spricht von <gaarole>, womit er wohl A RC- TOSTAPHYLOS UVA - URSI ‘ Immergrüne Bärentraube ’ (siehe unten) meint (cf. HL G ARLE ). Ebenfalls nicht hieher gehören Gaaristett (Ferden), das nicht zugeordnet werden kann, und Gaarloib (Blatten); letzteres gehört zum Pflanzennamen Garlob ‘ Bärentraube ’ (I D . 10, 1353 und L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 704 s. v. A RCTOSTAPHYLOS ALPINA ). Gäärber (FaN) Gäärber (FaN) ist zum FaN Gerber, auch Gerwer zu stellen, bezeugt im Bezirk Brig als alte, ausgestorbene Familie (AWWB 109), aber auch zur Berufsbezeichnung Gerber ‘ der Gerber ’ . Der klarste Beleg enthält einen Genitiv Singular ts Gäärbersch Hüs ‘ das Haus der Familie Gerber / des Gerbers ’ (Visperterminen). Ebenfalls einen Genitiv Singular findet man in Gerwers Stall ‘ der Stall der Familie Gerber / des Gerbers ’ (1580, St. Niklaus). Weniger klar sind die Bestimmungswörter in der Gärberplatz ‘ der Platz der Familie Gerber / des Gerbers ’ (Bister), ts Gärberschiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Gerber / des Gerbers ’ (Bister) und t Gärberschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung der Familie Gerber / des Gerbers ’ (wobei hier auch der Pflanzenname Gärwerra ‘ Veratrum album, Weisser Germer ’ gemeint sein könnte (cf. HL G ÄRWER- RA )). Auch die Gerber Lischa (1803, Ernen) ‘ das Gebiet mit Lischgras der Familie Gerber / des Gerbers ’ gehört wohl hieher; es könnte aber auch zur Lischa bei der Gerberei gestellt werden (die 1791 als Gerbe belegt ist). Gäärbi Gäärbi ‘ Gerberei ’ ist zu schwzdt. Gärbi, Gärwi f. ‘ Gerbe, Gerberei ’ (I D . 2, 448) und wdt. Gäärbi f. (G RICHTING 1998, 83) zu stellen. Es ist eine Ableitung zum Verb gerben ‘ Tierhäute zu Leder verarbeiten ’ , ahd. gar(a)wen, mhd. ger(e)wen (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 350). Die meisten der rund 30 Belege weisen das Simplex Gäärwi / Gäärbi auf, historisch in verschiedenen Schreib- Gaalzeri 207 208 <?page no="370"?> weisen wie Gerbe, Gerby, Gerwe, Gerwi usw. Manchmal ist das Lemma mit einer Präposition wie ob, in, zu, unter usw. versehen. In Leuk und Varen ist die Adjektiv-Verbindung Wiissgäärbi ‘ Weissgerberei ’ belegt; der Weissgerber stellt helles, feines Leder her. Im Fall von Undri Wiissgäärbi ‘ der untere Teil der Weissgerberei ’ ist wohl nur ein Teil eines Grundstückes mit dem Namen Wissgäärbi gemeint. Unklar bleibt der Beleg Leegerb (1927, Eischoll): vermutlich dürfte es sich um ein läges Erb ‘ liegendes, sanft geneigtes Erb(gebiet) ’ handeln (zu läg vgl. I D . 3, 1166). Auch Geerber (Zermatt) ist unklar, da der Name auf ca. 2700 m vorkommt; es kann sich um eine Ableitung zu Goorb handeln (cf. HL G OORB ). Gäärlich Gäärlich ist nur als im Gäärlich (Bürchen, LT und FLNK Gärlich) belegt. G ATTLEN (2007) nennt den Namen nicht. Es muss sich um eine Komposition aus den beiden Bestandteilen Gäär und Lich handeln, wobei das Genus mask. oder ntr. aus dem zweiten Bestandteil folgt. Der erste Teil Gäär lässt sich am ehesten zu G ē r(e n ) ‘ Speer ’ (I D . 2, 400 ff.), ev. in der Bedeutung 6 ‘ spitzer Streifen Landes, dreiwinkliger Acker ’ - mehrfach auch in Orts- und Flurnamen (cf. HL G EER ) - stellen. Der zweite Teil gehört zu Lauch II ‘ Lauchgewächs ’ (I D . 3, 2006), das im Beleg Chnopflich (I D . 3, 754) als Lich belegt ist. Das engl. garlic ‘ Knoblauch ’ (nach O NIONS 1966, 390 und 522) ist parallel gebaut und lässt sich auf g ā r ‘ Speer ’ und le ā c ‘ Lauchgewächs ’ (zu leek) zurückführen. Welches Lauchgewächs mit Gäärlich genau gemeint ist, bleibt unklar. Gemeint ist aber ein Ort, wo es viele Lauchgewächse dieses Typs gab oder gibt (cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1278 ff. s. v. A LLIUM und Unterarten). Gaarsche Gaarsche ist nur als di Gaarsche (Leukerbad; LT Garschen, FLNK Gaarschä) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 13 und Blatt 22, Nr. 25) kennt es als Garschä. Historisch ist es 1718 als in Garge belegt. Es handelt sich um einen Plural. Langes / a: / ist im Oberwallis vor r+Kons belegt. Vermutlich liegt ein rom. Etymon vor, dessen Deutung aber umstritten ist. FEW (4, 54 ff. s. v. GARG - (schallwort)) stellt es zu einem Schallwort ohne Etymologie mit der Bedeutung ‘ Kehle, Schlund ’ . G PSR (5, 1086 s. v. dzèrdzé ̩ ) kennt die Schreibform gargé, die hier wohl am nächsten liegt und einen Fachterminus aus der Böttcherei bedeutet: Kimme ( ‘ Kerbe in den Fassdauben, durch die der Fassboden gehalten wird ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 491)). Die Bezeichnung ist deswegen metaphorisch: die Wiesen, die von der Form her an Gaarsche (Kerben in der Daube) erinnern. Gäärscht Gäärscht f. dürfte in den meisten Fällen zu schwdt. Gërste n ‘ Gerste ’ (I D . 2, 430), wdt. Gäärschta, Gäärschtä (Goms), Gäärschtu ‘ Gerste ’ (G RICHTING 1998, 83) zur Pflanze H ORDEUM VULGARE oder einer andern Gerstenart (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1478 ff.) zu stellen sein. Das gilt insbesondere zu allen Ableitungen auf / - ERRA / , / - ERNA / (zur Ableitung auf / - ERRA / vgl. S ONDEREGGER 1958, 471 ff. u. bes. S. 475; / - ERNA / ist dort nicht belegt). In einigen Fällen (vor allem über der Baumgrenze) muss wohl auch an schwdt. Gerst ‘ A STRANTIA MAIOR , Grosse Strenze, Meisterwurz ’ , ahd. geres, gers, Doldengewächs mit handförmig geteilten, lang gestielten Grundblättern und kurz gestielten, meist dreiteiligen Stengelblättern (I D . 2, 404; BENB 2, 24; M ARZELL 1, 505 f.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 950) gedacht werden. Allerdings belegt I D . die Form Gerst nur gerade für das bernische Saanen. Für das Wallis ist jedoch Gäruscht im Lötschental belegt. Ein Simplex des Plurals di Gärschte (Ausserberg) ist unklar; die Beschreibung spricht von ‘ Gerste ’ , doch könnte auch der Pflanzenname für A STRANTIA MAIOR gemeint sein. Sehr unklar ist jm Gersters (1628, Turtmann), wo ein Genitiv zu einem FaN Gerster (cf. HL G ERSTER (F A N) nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Die attributiven Adjektive zum Grundwort in ts Ober Gärescht und ts Unner Gärescht (beide Ried-Brig) lassen sich eher als A STRANTIA MAIOR verstehen, da die gemeinte Alp auf ca. 2200 - 2700 m liegt. Ebenfalls unsicher sind die Belege zu t Gäärschteheerner ‘ die Gerstenhörner ’ , ts Hinner Gärschtehore, ts Mittlescht Gärschtehore und t Gäärschtelicke ‘ die Lücke zwischen den Gerstenhörnern ’ (alle Oberwald), die ihren Namen von Gärsten auf der Berner Oberländer Seite haben (BENB 1, 2, 24 ist unsicher, ob hier ‘ Meisterwurz ’ vorliegt oder gar Vordeutsches, aber ohne Erklärung). Auch in Mund ist ein Gäärschthoru ‘ Gerstenhorn ’ belegt, auch hier unklar, ob es sich um Gerste als HORDEUM oder als ‘ Meisterwurz ’ handelt. Die Belege mit dem HL als Bestimmungswort werden zu den Grundwörtern Acher, Blatta, Bodu, Haalta, Schiir, Schluocht, Tschugge und Wald zu Komposita verbunden; die meisten davon werden zu HORDEUM , einige aber auch zu ‘ Meisterwurz ’ zu stellen sein. Weitaus die meisten Belege sind jedoch Ableitungen zu Gäärscht ‘ Gerste ’ auf / - ERNA / und / - ERRA / (historisch flektiert auch / - ERRON / ) und meinen den Ort, wo Gerste angebaut oder angepflanzt wurde. Sie kommen in allen Bezirken vor. Einige Belege enthalten Gäärschterna oder ähnlich als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Alpa, Tunnel und Wald. 209 210 Gäärscht <?page no="371"?> Gääschi Gääschi n. ‘ kleines, schlechtes Haus ’ ist zu schwdt. Gäschi n. ‘ Hüttchen, kleines, schlechtes Haus ’ , zu rom. casa ‘ Haus ’ und zu wdt. Ggääscha w., Gääschernu (Saastal), Ggeeschin (Lötschental), Ggääschi s. ‘ Gebäude (armseliges o. grosses) ’ (I D . 2, 479; RN 2, 412, Z IMMERMANN 1968, 35; URNB 1, 129; G RICHTING 1998, 87) zu stellen. Wie Z INSLI (1984, 566) ausführt, liesse sich nach A. S CHORTA auch it. cascina ‘ Hütte ’ als Quelle ansehen. URNB (2, 12) nimmt cascina auch für Göschenen an, identisch mit der Oberwalliser Gemeinde Geschinen. Auffällig ist jedoch der lange Vokal des HL G ÄÄSCHI . Das Simplex ist im Singular belegt als ts Gääschi ‘ das kleine, schlechte Haus ’ (Ausserbinn, Grengiols) und ts Geeschi ‘ das kleine, schlechte Haus ’ (Ergisch). Ein Diminutiv des Simplex liegt in Geschili ‘ das kleine, schlechte Haus ’ (1680, Zwischbergen) vor. Einen vorgestellten Genitiv weist ts Dräjerlisch Ggääschi ‘ das kleine, schlechte Haus des Drehers (Drechslers) ’ (EK, Mund) auf. Als Grundwort erscheint das HL in ts Bättelgäschi ‘ das kleine, armselige Haus ’ (Randa) und in Brandgescho (1760, Grächen), di Brandgääscha (Eisten, Stalden), wohl in den letzten drei Fällen die gleiche Flur für ‘ das kleine, schlechte Haus beim brandversehrten Platz ’ . Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Gassa, Schleif, Tschugge und Wald. Ein Adjektiv auf / - ER / (wohl früherer Genitiv) ist in Geescher Trog ‘ der Trog beim kleinen, schlechten Haus ’ (1753, Filet) vertreten. Gab Gab, auch Gaab n. ‘ Geschenk ’ ist belegt in Gaabacher ‘ (unklar) der als Geschenk erhaltene Acker ’ (1623, Grächen) und die Morgengab ‘ das Brautgeschenk (Liegenschaft in Naters) ’ (1849, Naters). Das Lemma ist zu schwdt. G ā b f. ‘ freiwilliges Geschenk ’ (I D . 2, 52) zu stellen. G RICHTING (1998) kennt das Nomen nicht. In beiden Belegen fehlen weitere Hinweise; der zweite Name scheint eher hdt. zu sein (cf. K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 635 s. v. Morgengabe). Gäb Gäb ‘ der Ort, wo etwas (hier: Salz) gegeben wird ’ . Bei den Namen finden sich drei Typen von Ableitungen zum Verb gë(ben) ‘ geben, austeilen ’ (I D . 2, 71 ff.): Gäb n., Gäba / Gäbu f. und Gäbi f. (BENB 1, 2, 1), die mit Salz verbunden werden zu Salzgäb, Salzgäba und Salzgäbi f. ‘ Stelle, wo man dem weidenden Vieh Salz zu lecken gibt ’ (I D . 7, 889; RN 2, 478). In Einzelfällen ist Salzgäbe als Plural zu verstehen; Salzgäbi n. vertritt einen Diminutiv im Singular. Von den 57 Belegen für den Namen ist nur Alpliggäbi ‘ die (Salz-)Gebe der Alpe Alpligu ’ (Ferden, FLNK) anders konstruiert; gemeint ist aber auch hier eine Salzgebe. Einen Sonderfall bietet der Sauzgäbu (Blitzingen), dem vor der / l/ -Vokalisierung Salzgäbel zu Grunde liegt. SK hat Salzgeben, LT Salzgäbul, FLNK Salzgäbu. Es scheint, dass Gäbel in Anlehnung an Gäbe verwendet wurde. BENB (1, 2, 2) stellt Gäbel m. inhaltlich zu Gabel; das dürfte für den Namen in Blitzingen kaum zutreffen. Das endungslose Salzgäb n. ist vor allem im unteren Goms und im Bezirk Östlich-Raron vertreten; der Typ Salzgäbi im oberen Goms und der Typ Salzgäba in den unteren Bezirken des Oberwallis; Ergisch hat die dort übliche Endung / u/ für / a/ : Salzgäbu. Die historischen und hochdeutschen Flurnamen enthalten typischerweise ein schliessendes / -n/ . Attributive Adjektive sind im Kleinen Saltzgebb (1706, Mörel), t Ober und t Unner Salzgäba (Unterbäch), ts Mittlescht Salzgäb, ts Oberscht Salzgäb und ts Unnerscht Salzgäb (alle Binn) belegt; das Genus Neutrum meint hier ein Kollektiv. Komplexere Formen sind ab dem Saltzgeb Eggero ‘ vom Salzgeb der Eggeralpe / der Familie Egger ’ (1574, Binn), der Saltzgebboden (1343, Törbel), der Salzgäbchnubel (Mörel, auch LT und FLNK), der Salzgäberwald (Eggerberg), wobei hier auch der FaN Salzgeber gemeint sein kann, die (laut AWWB 239) bis ins 18. Jahrhundert im Wallis bekannt war (aber nach dem F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1572) noch in Raron (VS) heimatberechtigt ist), und t Salzgäbrufina (Grengiols). Noch komplexer ist t Sauzgäbuwasserleita ‘ die Wasserleitung zum Sauzgäbu ’ (Blitzingen; mit / l/ -Vokalisierung). Gabi Gabi n. ist der Name eines Weilers an der Simplonstrasse zwischen Simplon und Gondo. Es ist als ts Gabi und Zentraala Gabi ‘ die Kraftwerkzentrale (bei) Gabi ’ (beide Simplon-Dorf) belegt. Gestellt wird der Name aber üblicherweise zu lat. CAVEA ‘ Höhlung, Käfig ’ zur Bezeichnung von Örtlichkeiten in Vertiefungen (cf. H UBSCHMIED 1940, 17; BENB 2, 2; REW 1789; FEW 2, 552). Das neutrale Geschlecht ist wohl durch die Endung auf / - I / bedingt, die als Diminutiv verstanden wird. J ORDAN (2006, 160) verzeichnet Gabi, gibt aber als Deutung it. al gabio ‘ in den Felsen, im Gestein ’ oder von den zwei Flüssen, die sich hier ‘ gabeln ’ . Die älteren Gwpp. hätten hierzu auch ts Gschtei verwendet. Er erwähnt daher (S. 195) als Variante zu Gschteinärbrigga auch Gabibrigga. Die Zentraala Gabi ist bei J ORDAN (2006, 182) nur beiläufig als Zentraala unter Nr. 81 Unnärs Chi erwähnt. Gääschi 211 212 <?page no="372"?> Gabla Gabla ‘ Gabel ’ ist zu schwdt. Gable n , mhd. gabel(e) ‘ Gabel ’ , zur Bezeichnung von Verzweigungen von Wegen, Bachläufen, gabelförmig eingeschnittenen Bergpässen oder Doppelgipfeln und wdt. Gabla, Gabblä (Goms), Gafela, Gaabla (Mattertal), Gablu (Saastal), Gabollu, Gablu ‘ Essgabel, Heugabel, Ast (verzweigt), Traggestell ’ (I D . 2, 57 f; B ENB 1, 2, 2; G RICHTING 1998, 84) zu stellen. Das Simplex Gabla kommt nur in di Gabla ‘ die Gabel (Felseinschitt am Dom) ’ (Randa) vor. Abgeleitet sind der Gäbu ‘ der Gäbel, wohl Wegverzweigung bei Bellwald ’ eine vokalisierte / - EL / -Ableitung (dazu I D . 2, 65 ‘ Name eines Rindes mit gegen einander stehenden Hornspitzen oder aufwärts gehenden Hörnern ’ , hier aber wohl auf die Wegverzweigung verweisend), und äm Gäbi ‘ in der kleinen Gabel (Wegverzweigung, Dorfteil von Wiler) ’ ; die Form ist analog zum Achi ‘ kleiner Acker ’ mit Weglassung von / - EL / und angefügtem Suffix / - I / . Unklar ist der historische Beleg Gablenstutz (1772, Oberwald), wohl ein steiler Anstieg bei einer Wegverzweigung. Alle andern Belege enthalten Gabel als Bestimmungswort zu Hoore / Hooru ‘ Horn ’ , also Doppelgipfel in Fieschertal, Eisten, St. Niklaus und Zermatt. Bei letzterem sind Ober, Unter und Mittel vertreten, desgleichen als Grundwörter zusätzlich Gletscher und Joch. Gabletaz Gabletaz ist nur im historischen Beleg die Gabletaz (1540, Feschel) belegt. Die Schreibweise legt einen romanischen Namen im Plural nahe; anlautendes / g-/ deutet auf einen relativ alten Namen, sonst wäre er zu [tsch- / ts-] verschoben. Zu denken ist an eine Ableitung auf / - ITTA / zum öfter belegten CABLO < CATABULU < KATABOLE das niederwerfen (FEW 2, 483 ff., bes. 2. S. 484) hier ‘ Schleif ’ , also ‘ der kleine Schleif ’ . Das Seltsame an dem Beleg ist, dass es sich um einen ältere Form handelt, die jünger als tsablo ‘ Schleif ’ (T AGMANN 1946, 65) belegt ist. Die Form könnte dann nur historisch verstanden werden. Gadron Gadron ist nur einmal belegt: in plan gadron ‘ die ebene Fläche des Gadron (unklar, ev. Planzadrong ‘ die ebene, gerodete Wiese ’ ) / die Ebene des Zadrong (FaN oder PN) ’ (1659, Albinen). Während plan ‘ ebenes Gelände ’ klar ist, kann gadron zu cadre ‘ Rahmen ’ oder dem dazu gehörenden Diminutiv cadret (G PSR 3, 25 ss.) gestellt werden, die beide allerdings nie als Flurnamen erscheinen und vermutlich aus dem Französischen entlehnt wurden. Ein FaN Gadron ist nicht belegt; dennoch wird die Deutung auf einen solchen FaN oder PN bezogen. Gadu Gadu m. ‘ Gaden ’ ist zu schwdt. Gadem, Gaden, wdt. Gade m. ‘ geringes, besonders der Ökonomie dienendes Gebäude, Nebengebäude, Viehstall, Scheune, bes. auf Bergen und Weiden ’ , auch ‘ Heuschober ’ ; ahd. gadum, -am, mhd. gaden, (Pl. gaden und gademer, gadmer) ‘ Haus von nur einem Gemach; Gemach, Kammer; hochgelegener Verschlag; Stockwerk ’ (I D . 2, 114 ff; W ASER 1996, 1, 310; G RICHTING 1998, 84) zu stellen. Während G RICHTING ‘ Wirtschaftgebäude, Stall ’ angibt, kennt R ÜBEL (1950, 37) Gade als ‘ Stall ’ nur für das obere Goms, notiert aber in der Fn. 37 Gade m., Gädi n. ‘ Stall ’ für das ganze Goms und Gädi n. als pejorativen Ausdruck in Visp und Umgebung, ähnlich V. S CHMID (2003, 99). Das stimmt mit der Verteilung der Namen überein: von den rund 160 Belegen mit Gadu sind rund 100 für das Goms belegt und rund 30 im Bezirk Visp. Auf der andern Seite ist der Bezirk Leuk mit nur zwei Belegen Gadu (Oberems) vertreten, die erst noch sehr atypisch als Wasserleitungen bezeichnet werden. Formal sind Singulare vom Typ Gade / Gado / Gadu und der schriftsprachlichen Form Gaden vertreten, während die Plurale meist ein -maufweisen wie Gadme / Gadmu, mit Assimilation Gabme, dazu ein zweimal belegtes Gädmere (Dat. Pl.) (Niederwald, Steinhaus). Der Typ Gädi n., Pl. Gädini kommt nur im Bezirk Visp vor. Im Goms und Östlich-Raron ist ein Diminutiv Gädumji n. mit mehreren historischen Varianten bezeugt. Simplizia sind selten, als Gade n. (Ulrichen) und beÿm Gaden (1817, Binn), Gaden (1531, Münster) und Gadu (Oberems, St. Niklaus) für den Singular belegt, va Gabme (Selkingen), ze Gabme (Blitzingen), di Gadme (Zermatt) und weitere Belege für den Plural; auffällig ist hier der Plural zen Gedmaren (1546, Lax). Diminutive wie Gädemji (Greich), des Gädemjesch-Weng ‘ die Grasabhänge beim kleinen Gaden ’ (1840, Selkingen), bÿm Gedemgÿ (1650, Biel), zúm Gedimgy (1699, Betten), zum Gedumgi (1696, Grengiols) sind fast nur historisch belegt; Plurale wie ze dien Gedemlynon ‘ bei den kleinen Gaden ’ (1306, Törbel) und zún Gademlin (1643, Selkingen) sind nur historisch belegt und zeigen im Fall von Törbel, dass die Geltung von Gadem wohl weiter reichte als heute. Einige attributive Adjektive mit dem HL Gade sind: der Alt Gade (Greich), beÿm Alten Gaden (1849, Bellwald), t Altu Gadme (Ried-Brig), zu Drii Gädinu ‘ bei den drei Gaden ’ (St. Niklaus), Hoongabm ‘ die hohen Gaden ’ (Blatten), zum Mittlen Gadmen ‘ beim mittleren Gaden ’ (1503, Niederwald), zem Nidren Gaden ‘ beim niederen (unteren) Gaden ’ (1531, Binn) und weitere, bim Niwwe Gade ‘ beim neuen Gaden ’ (Steinhaus) und weitere, Obergabme ‘ die oberen Gaden ’ (Ulrichen), der Ober Gade (Ulrichen) und weitere, bim Oberschte Gade ‘ beim obersten Gaden ’ (Ulrichen), t Obre Gadme ‘ die oberen Gaden ’ (Ernen), 213 214 Gadu <?page no="373"?> bim Unnerschte Gade ‘ beim untersten Gaden ’ (Ulrichen), t Unnre Gadme ‘ die unteren Gaden ’ (Ernen) und ts Zweigädine ‘ bei den zwei kleinen Gaden ’ (Ernen). Eine besondere Präposition weisen auf: vnterm Gaden ‘ unter dem Gaden ’ (1761, Fiesch) und zwÿschen Gadmen ‘ zwischen den Gaden ’ (1500, Fiesch). Mit Partizipia sind belegt bim Brochne Gade ‘ beim gebrochenen (zerstörten) Gaden ’ (Ritzingen) und das unklare z Fallen Gaden ‘ beim verfallenen Gaden (? ) ’ (1549, Niederwald). Sehr zahlreich sind Belege mit dem Grundwort Gade und einem vorangestellten schwachen oder starken Genitiv eines PN oder FaN, wobei nicht alle Fälle sicher sind. ts Ägersch Gade ‘ der Gaden der Familie Äger ’ (Ritzingen), z Ammensgaden ‘ der Gaden des Ammans (hier wohl Funktion) ’ (1592, Ritzingen), ts Angesegädi ‘ der kleine Gaden der Agnes / der Familie Angese ’ (Ernen), ts Brunnuniggisch Gädi ‘ der kleine Gaden des Nikolaus Brunner ’ (Randa), Choligu Gado ‘ der Gaden des Koller / der Familie Koller ’ (mit / - IG / -Kollektiv) (Eggerberg), ts Eppisch Gädi ‘ der kleine Gaden des Eppi / der Familie Eppi ’ (Randa) und viele andere, die unter dem HL des Namens verzeichnet sind. Bei den eigentlichen Komposita sind die Namen von Tieren, die im Stall untergebracht waren, sehr selten vertreten: Chalbergädi ‘ der kleine Gaden für die Kälber ’ (Zermatt), der Geissigade ‘ der Gaden für die Ziegen ’ (Greich), zer Gey`zso Gadme ‘ beim Gaden für die Ziegen ’ (1331, Mörel; mit einem formalen Genitiv) und ts Rossgädi ‘ der kleine Gaden für die Pferde ’ (Randa). Häufig sind lokale Kontextangaben, welche die Lage eines Gadens näher bestimmen; sie können als eigentliche Komposita oder mit vorangestelltem Genitiv erscheinen, wie ts Bäärgisch Gädi ‘ der kleine Gaden der Alpe Bärgji ’ (Randa), der Bordgade ‘ der Gaden beim Bord (Abhang, Böschung) ’ (Greich), ts Brunnugädi ‘ der kleine Gaden bei den Quellen / Brunnen ’ (Randa), Fleschegade ‘ der Gaden im Flesch (Wasserstelle) ’ (Fiesch), Hautegade ‘ der Gaden bei der Halde ’ (Selkingen; mit / l/ -Vokalisierung), beim Lehn Gaden ‘ beim Gaden, der sich im Gebiet Lehn befindet ’ (1701, Fieschertal), t Löwwigadme ‘ die Gaden beim Rutschgebiet ’ (Reckingen) und viele andere. Komplexere Fälle sind etwa t Obere Löuegabme ‘ die oberen Gaden beim Rutschgebiet ’ (Reckingen), der Santiglaisgade ‘ der Gaden beim St. Nikolaus (unklar) ’ (Ulrichen), bim Unnere Rigggade ‘ beim unteren Gaden im Gebiet Rigg (Rücken) ’ (Reckingen). Schwierig zu deuten ist der Beleg an den Treÿen Niv Gedmero (1540, Embd), vermutlich zu verstehen als ‘ an den Treien (Viehweglein) bei den neuen Gaden ’ . Eine eigene Kategorie bilden die Jahreszeitangaben: Summergädi ‘ der kleine Gaden für den Sommer ’ (Zermatt) und t Wintergadme ‘ die Gaden für den Winter ’ (St. Niklaus), ts Wintergadmu ‘ bei den Gaden für den Winter ’ (Embd). Mehrfach belegt ist auch der Typ Steigade ‘ der Gaden aus Stein ’ in Blitzingen, Naters, Oberwald und Ulrichen für Ställe aus Stein, während normalerweise eher Holz verwendet wurde. Manche Komposita bieten Deutungsprobleme, so etwa ts Schilfgädi ‘ der kleinen Gaden beim Schilf ’ (St. Niklaus), wo unklar ist, ob es sich hier einfach um einen Schilfbestand handelte oder eine Gegend namens Schilf gemeint ist, der Schlettergade (1436, Bellwald; 1568, Ernen; 1777 Niederwald), wo unklar ist, was Schletter (cf. HL S CHLATT ) sein soll: ein Pflanze oder etwas Verlottertes? Beide Deutungen sind möglich. ts Teerbjergädi ‘ der kleine Gaden der Leute von Törbel ’ (Binn) gibt nur dann einen Sinn, wenn irgendwelche Leute aus dem weit entfernten Törbel im Binntal einen Gaden besassen - wir haben jedoch keine diesbezüglichen Informationen. Schwierig ist auch das zwei Mal belegte ts Magadi (Geschinen; SK Magadin, LT Magady), im Magadin (1721, Münster; spätere Formen: 1749 Im Agadin, 1775 ob dem Magendÿ). Ob die Trennung in Mah / Mad- ‘ Mähwiese ’ und Gadi ‘ kleiner Gaden ’ dem Namen gerecht wird, bleibt unklar. Kaum in Frage kommt der Stamm ahd. magad ‘ Mädchen, Magd ’ . Als Bestimmungswort kommt das HL G ADU in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Balma, Biel, Flüö, Moos, Rüüs, Statt, Stutz und Wald. Komplexere Fälle sind etwa ts Meiersch Gade unnerm Wäg ‘ der Gaden des Meier (wohl Funktionsbezeichnung) unter dem Weg ’ (Mühlebach) ’ , ts Baläggschgadewasser ‘ das Wasser für den Gaden des Balägg (PN) / Balet (PN) ’ (Blitzingen). Gafene Gafene f. ist ein romanisches Lehnwort zu lat. CAPANNA ‘ Hütte ’ (FEW 2, 244; M EYER 1914, 161 s. v. capannas), dessen / f/ auf das stimmhafte / v/ zurückgeht; der Anlaut ist vor der Verschiebung von / k/ zu / ts/ übernommen worden. Der FaN Zengaffinen wird lat. als de Cabanis ‘ bei den Hütten ’ wiedergegeben (AWWB 49), was die Deutung bestätigt. Das Simplex ist belegt als di Gafene ‘ die Hütten ’ (St. Niklaus), ts Gafene ‘ bei den Hütten ’ (Obergesteln), dy Gaffyna ‘ die Hütte ’ (1477, Stalden), di Gafina ‘ die Hütte ’ (Staldenried), di Gafine ‘ die Hütten ’ (Visperterminen), di Gafine ‘ die Hütten ’ (Unterbäch), zen Gauenon ‘ bei den Hütten ’ (1345, Unterems), zer Gaffanun ‘ bei der Hütte ’ (1435, Zermatt). Die ältesten Belege sind 1304 gafanam (Stalden), 1304 gafannam meam (Grächen), beide mit der Bedeutung ‘ Hütte ’ , wobei der zweite Beleg auch lateinisch gemeint sein kann. Gafene 215 216 <?page no="374"?> Als Bestimmungswort wird das HL meist gekürzt zu Gafe, Gafen oder Gaffi. In zweigliedrigen Komposita sind folgende Grundwörter erwähnt: Acher, Bach, Biel, Haalta, Matta, Tiri, Wäg und Wald. Das ganze HL erscheint in ts Gafinuwägji ‘ der kleine Weg von / zu der Hütte (Gafina) ’ (Staldenried). Komplexer ist der Gafenmattuwald ‘ der Wald bei der Wiese beim Gafenbach ’ (Kippel). Ein Adjektiv auf / - ER / , das auch ein alter Genitiv Plural sein kann, ist belegt in aussm Gaffener Wald ‘ aus dem Wald der Familie Zengaffinen ’ (1716, Ulrichen, mit Varianten Gaffiner und Caffener). In Ulrichen ist das HL G AFENE sonst nicht belegt. Gaff Gaff kommt einmal als Bestimmungswort in di Gaffegga ‘ die Ausblicks-Ecke ’ (Wiler) vor. Es ist zu schwdt. und wdt. gaffe, gaffä (Goms, Lötschental), gaffu ‘ gaffen, herumschauen ’ (G RICHTING 1998, 84; I D . 2, 127 in Bedeutung 2) zu stellen. Der zweite Beleg ist das Grundwort Gäff in der Habergäff (Gampel). Beschrieben wird der Ort als ‘ spitzer Fels ’ ; Gäff wird von I D . (2, 127) als Ableitung zu gaffe n ‘ gaffen ’ betrachtet; hier könnte es sich um eine Bildung ‘ von wo aus man den Hafer sieht ’ handeln. Gafner (FaN) Gafner (FaN) ist nur in di Gafnerschmatte ‘ die Wiese der Familie Gafner ’ (Turtmann, auch LT; FLNK Gafnermattu) belegt. Laut Gwp. kam der FaN Gafner früher in Turtmann vor. Er ist unter de Cabanis, Zengaffinen, de Chabanis, Gafiner ( ‘ von den Hütten ’ ) in AWWB (49) belegt. Der FaN erscheint in mehreren Schreibweisen, teilweise bei den gleichen Individuen, und ist seit dem 14. Jahrhundert im Bezirk Leuk belegt. Die Wiese liegt heute im Gebiet des ehemaligen Flugplatzes. Gaillard (FaN) Gaillard (FaN) ist der FaN Gaillard, Gaillardi, Gaillardy, Familie aus Orsières, seit 1395 bekannt (AWWB 102). Belegt ist der Gaiarlärch ‘ die Lärche des Försters Elie Gaillard ’ (Ried-Brig). E LIE G AILLARD (1906 - 1964) war zuletzt Kantonsförster (1962 - 1964) des Kantons Wallis (Daten nach der kurzen Todesnachricht im Nouvelliste du Rhone vom 31. Mai 1964, S. 23). Die Burgerschaft von Ganter benannte den Gaiarlärch am 2. Oktober 1961 nach dem damaligen eidgenössischen stellvertretenden Forstinspektor, wie die Zeitung Confédéré in ihrer Ausgabe vom 4. Oktober 1961 (Nr. 116, S. 2) berichtete (Dank an Kantonsarchivar A LAIN D UBOIS für diese Informationen). Gälach Gälach m. / n. ist in Visperterminen als im Gälach belegt. Die historischen Belege haben 1310 zem Gelleke (sonst nicht belegt), 1587 zum Gelloch, 1604 zum Gelloch, 1619 zum Gelach. G R W B (5, 2841 s. v. Gelache) sieht darin ein Grenzzeichen an einem Grenzbaum oder ein so abgegrenztes Waldstück. Das Wort lässt sich zu schwdt. L ā ch ‘ Einschnitt, Grenzstein ’ (I D . 3, 398 ff. mit weiteren Bedeutungsangaben) stellen. Neben dem Simplex sind belegt: die Gälacheri ‘ die Wasserleitung zum Gälach ’ und historisch die Gelloch Wasserleÿtten ‘ die Wasserleitung zum Gälach ’ (1587 u. später, Visperterminen). Die Betonung der Erstsilbe in ‘ Gälacheri stellt die angegebene Herleitung in Frage, da ein Präfix [ge-/ gi-] normalerweise unbetont ist. Eine Alternative wäre das substantivierte Adjektiv gël w -acht ‘ gelblich ’ (I D . 2, 294), das aber nur schlecht zu den historischen Belegen passt. Die Deutung bleibt deswegen unklar. Galachtru Galachtru f. ist laut T AGMANN (1946, 7 f.) zu lat. * CALASTRA ‘ Schleuse, Rückhaltebecken ’ zu stellen, woraus in den frpr. Patois der Gegend Galachtru wurde; die Entwicklung von / st/ zu / xt/ ist gut bezeugt. Galachtru ist in Inden (FLNK) belegt; in Salgesch ist ca. 1880 von Pachjen Galachtren die Rede. Pachje ist Weideland (M ATHIER 2015, 88; cf. HL P ACHJE ), gemeint ist also wohl das Weideland bei der Galachtru. Gälb Gälb ist als attributives Adjektiv zu schwdt. gälw, gälb, mhd. gël, gëlwes ‘ gelb ’ und wdt. gälb, gäww (Goms), gälu (Vispertäler), gälw ‘ gelb ’ (I D . 2, 291; BENB 1, 2, 8; URNB 1, 1279; G RICHTING 1998, 84) zu stellen. Die Form gäww gilt nur für das / l/ -vokalisierende untere Goms. Belegt sind di Gälbu Achra ‘ die gelben Äcker ’ (Filet), Gälbe Totz ‘ der gelbe (Fels-)Block ’ (FLNK, Salgesch, im Pfynwald); LT Gelber Totz) (M ATHIER 2015, 136 kennt ihn als Gälbe Totz) und ein zweiter Beleg Gälbe Totz ‘ der gelbe (Fels-)Block (FLNK, bei M ATHIER 2015 nicht erfasst) ’ (Salgesch, bei den Rysche), di Gälu Heeji ‘ die gelbe Höhe ’ (Glis), ts Gälu Höit ‘ das gelbe Haupt (gelblicher Felskopf) ’ (Oberems), der Gälw Dräck ‘ der fahlgelbe Dreck (herausgespülte Lehmerde) ’ (Leuk), di Gälwu Bänner ‘ die fahlgelben (Fels-)Bänder ’ (Leuk), in der Gelún Schlüocht ‘ in der gelben Geländeeinbuchtung ’ (1708, Visperterminen). Als Kompositum notiert ist der Gäluschleif ‘ der gelbe Schleif ’ (Glis). Gwp. sagt, dass sich hier gelber Tuffstein befinde. 217 218 Gälb <?page no="375"?> Gale Gale m. ist zu schwdt. Gale n m. ‘ begraster Bergrücken zwischen zwei Taleinschnitten oberhalb der Waldregion; darauf liegende Alpen ’ , Galm ‘ Gipfel, Rücken eines Berges, bes. zulaufender ’ (I D . 2, 203, 233), beides zu kelt. *kalmis ‘ Bergweide ’ (RN 2, 64; BENB 2, 10; URNB 1, 1192) zu stellen; bei G RICHTING (1998) fehlt der Name. Das auslautende / m/ in Galm wird meist getilgt, nur selten erscheint Galum (1683, Erschmatt) (vgl. aber HL G ALM ). Bei Ableitungen wie ts Gälumji (Simplon) wird das / m/ wieder gesetzt, aber nicht in allen Fällen. Im Gebiet mit / l/ -Vokalisierung ist Gaumi neben Galmi zu finden (z. B. Bellwald). Das HL kommt in etwa 160 Namen vor. Einige Belege Gälmer (Obergesteln, Ulrichen) gehören wohl zum Pflanzennamen (Weisser) Germer (V ERATRUM ALBUM ) (cf. HL G ÄRWERRA ). Das Simplex im Singular tritt als der Galan (1557, Naters), der Gale (Binn und weitere acht Gemeinden, vor allem im Goms), aúff dem Galen (1675, Biel), auff dem Galen (1675 u. später, Ritzingen), vffem Galen (1607/ 08 u. später, Mühlebach), der Galun (1550 u. später, Oberwald), Galm (Grengiols, SK; Guttet; 1535 u. später, Feschel), Galn (Blatten), der Galo (Baltschieder, Eisten, Glis, Naters, Visperterminen), vffem Galo (1508 u. später, Termen), der Galu (Raron, Saas.Almagell, Saas-Balen, Saas- Fee, St. Niklaus, Simplon, Visperterminen, Zwischbergen), Galum (1683 u. später, Erschmatt) auf. Das Simplex im Plural ist kaum belegt: di Galma (Gampel, 1424 am Galen), die Galma (1393, Termen; 1449, Zermatt), in den Galmen (1469, Mund), Galmen (Saas-Almagell, LT). Der Diminutiv weist im Singular folgende Formen auf: ts Gälemji ‘ der kleine Galen ’ (Glis), ts Gali ‘ der kleine Galen ’ (Zwischbergen), ts Gäli ‘ der kleine Galen ’ (Ulrichen), üfem Gäli ‘ auf dem kleinen Galen ’ (Obergesteln), ts Gälumji ‘ der kleine Galen ’ (Ried-Brig, Simplon). Die Typen Galmi und Gaumi sind nicht als Simplizia belegt; sie kommen nur als Bestimmungswörter vor. Der Plural ist belegt als Gälemjini ‘ die kleinen Galen ’ (Biel), t Gälemjini ‘ die kleinen Galen (Reckingen), t Gälmjini (Biel, Niedergesteln). Mit dem Präfix Firfinden sich zwei Belege: der Firgale ‘ der vordere Teil des Galen (begraster Bergrücken) ’ (Binn, Niederwald). Attributive Adjektive zum HL G ALE finden sich wie folgt: t Foodrun und t Indrun Gälumjini ‘ die vorderen und die inneren kleinen Galen (begraste Bergrücken) ’ (Niedergesteln), au ᵕ f den Gemeinen Galen ‘ auf den Galen (begraster Bergrücken), der der Gemeinde gehört ’ (1462 u. später, Ulrichen), ts Ober Gali ‘ der obere Teil des kleinen Galen ’ (Binn), der Ober und der Unner Galu ‘ der obere und der untere Galen (begraster Bergrücken) ’ (Täsch), im Obru Galum ‘ im oberen Teil des Galen (begraster Bergrücken) ’ (Guttet), dr Rot Galln ‘ der rote Galen (begraster Bergrücken) ’ (Blatten), der Still Gale ‘ der windstille begraste Bergrücken ’ (Ulrichen). Die im Folgenden vorangestellten Genitive gelten heute auch als Adjektive: Ärnergale ‘ der Galen (begraster Begrücken), der sich oberhalb Ernen befindet ’ (LT u. SK, Ernen), Binnergale ‘ der Galen (begraster Bergrücken), der zu Binn gehört ’ (LT u. FLNK, Binn), der Geschenergale ‘ der begraster Bergrücken von Geschinen ’ (Geschinen), Gestler Galen ‘ der Galen (begraster Bergrücken) oberhalb Obergesteln (nur auf SK) ’ (Obergesteln), Üerlichergale ‘ der Galen (begraster Bergrücken), der zu Ulrichen gehört ’ (LT, FLNK, Üerlicher Gale; SK Ulricher Galen). Einen anderen Typ stellt ts Heejischgaln ‘ der Galen (begraster Bergrücken) bei der Heeju Fluä (hohe Fluh) ’ (Blatten). Als Grundwort kommt das HL G ALE in zweigliedrigen Komposita nur selten vor: ts Chleingali ‘ der kleine Galen (begraster Bergrücken) ’ (Visperterminen), der Schaafgale ‘ der Galen (begraster Bergrücken) für die Schafe ’ (Binn), ts Schaafgälemji ‘ der kleinen Galen (begraster Bergrücken) für die Schafe ’ (Glis), Schilfgalen ‘ der Schilfgalen (SK; LT, FLNK und M. S. haben Schilfgädi ‘ der kleine Stall im Schilf ’ ) ’ (St. Niklaus), der Sickeregale ‘ der Galen (begraster Bergrücken) bei der Alpe Sick ’ (Grengiols; formal ein Genitiv einer Ableitung auf / er/ ) und der Sälfgalu ‘ der Sälfgalen (LT Säldgalu) (begraster Berghang mit Salbei? ) ’ (St. Niklaus). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Alpa, Bäärg, Blatta, Bodu, Bord, Brunnu, Chella, Chriz, Egg(a), Färich, Gand, Gletscher, Graat, Hooru, Hitta, Joch, Licka, Matta, Pass, Sattel, Schluocht, Schniida, See, Sita, Stafel, Stei, Stock, Stutz, Tal, Tiri, Wald und Wang. Komplexere Bildungen sind der Galebrunnestafu ‘ der Alpstafel beim Galebrunne (Quelle / Brunnen auf dem Galen) ’ (Ritzingen), Galebrunnewäg ‘ der Weg zur Alp Galebrunne (Quelle / Brunnen auf dem Galen) ’ (Biel), Galmihorehitte ‘ die Galmihornhütte (Skiclub Münster, unterhalb des Galmihorns) ’ (FLNK, Münster; LT Galmihornhütte), ts Hinner Galmihore (Reckingen), ts Hinner Gaumihore ‘ das hintere Galmihorn ’ (Bellwald), das auf LT Hint. Galmihorn heisst, und andere. Eine Ableitung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) als Stellenbezeichnung liegt wohl in der Gellmer ‘ das Gebiet mit den kleinen Grasrücken (unsicher, ob zu Galm) ’ (Staldenried) und im bernischen Gelmer (BENB 1, 2, 10 s. v. Gälmer) vor, das in t Hinnere Gälmerheerner ‘ die hinteren Gälmerhörner ’ (Oberwald) vorkommt. Andere Gälmer-Belege (Obergesteln, Ulrichen) beziehen sich auf die Pflanze (Weisser) Germer (V ERATRUM ( ALBUM ) etc., L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1262) (cf. HL G ÄRWERRA ). Gale 219 220 <?page no="376"?> Galengg Galengg f. ist nur in di Galengg (Leukerbad, LT u. FLNK Galäng) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 12, Nummer 16) kennt das HL im Kompositum Galängschlüüchu, sowie unter Nr. 15 vodri Galäng, unter Nr. 17 grossi Galäng und unter Nr. 18 chleyni Galäng. Zwar nennt FEW (17, 473 s. v. WALA ‘ gut ’ ) eine Reihe von einschlägigen Wörtern, z. B. galin ‘ galant ’ , und G PSR (3, 40 s. v. câlin) kennt ein entsprechendes Adjektiv (mit Verweis auf FEW 2, 92 f.), aber keines davon kann sinnvollerweise als Flurname verwendet werden. Der Name bleibt so ungedeutet. Galerii Galerii f., mit Endbetonung, ist zu hdt. Galerie (G R W B 4, 1163 ff.) und wdt. Galerii f. ‘ Laufgang, Ausstellungsraum ’ (G RICHTING 1998, 84) zu stellen. G R W B und G RICHTING kennen das HL nicht für ‘ Halbtunnel an einem Berghang mit fensterartigen Öffnungen an einer Seite ’ (A MMON ET AL ., 2016, 260). BENB (1, 2, 7) kennt nur einen Beleg für einen in die Felsen gesprengten Höhlenweg, URNB (1, 1193) hat zwei Belege, einen davon militärisch. Die Belege lassen sich in drei Kategorien aufteilen: die Galerien (Tunnels und Halbtunnels) der Simplonstrasse (gegen den Schnee), die Galerien (Tunnels und Halbtunnels) der Lötschbergbahn (BLS) und vereinzelt eine Galerie der heutigen Matterhorn-Gotthard-Bahn bei Embd. Zur Simplonstrasse gehören t Alt Galerii ‘ die alte Galerie ’ (Simplon), t Joseffgalerii ‘ die Galerie (Tunnel) mit der Statue des Heiligen Josef ’ (Simplon), t Kaschtulgalerii ‘ die Galerie (Tunnel) beim Chaschtulti (Gebiet, das wie eine Burg aussieht) ’ (Simplon), t Wintergalerii ‘ die Wintergalerie (Strassentunnel, der nur im Winter befahren wurde) ’ (Simplon), t Wassergalerii ‘ die Galerie (Strassentunnel mit Öffnungen) unterhalb des Gebietes Chaalt Wasser ’ (Ried-Brig). J ORDAN (2006, 18) kennt Joosefgalärii, Fiischtärgalärii, (167) Chaschtulgalärii, Galäriischtäg (fehlt bei VSNB). Die Galerien entlang der Simplonstrasse sind seit 1970 mehrfach verändert worden, sodass die alten Namen nicht mehr in jedem Fall gelten. Die Tunnels und Halbtunnels der Lötschbergbahn sind wie folgt vertreten: Schluichgrabengalerie ‘ die Galerie (Tunnel) beim schluchtartigen Graben ’ (LT, Ferden), Blattgalerie ‘ die Galerie (Tunnel mit fensterartigen Öffnungen) im Gebiet Blatt (Felsplatten, Kollektiv) ’ (Steg, LT und FLNK), Bubichopfgalerie ‘ die Galerie (Tunnel mit fensterartigen Öffnungen) im Gebiet Bubichopf (unklar) ’ (Steg, LT und FLNK), Rotloiwigalerie ‘ die (Tunnel)Galerie unterhalb des roten Lawinenzuges ’ (LT, Steg; FLNK Rot Löiwigalerie), Schintigalerie ‘ die Galerie (Tunnel) der Lötschbergbahn bei der Schinti ’ (LT und FLNK, Steg), Stockgalerie ‘ die Eisenbahngalerie (Tunnel) unterhalb des Stock (Alpe, bestocktes Gebiet) ’ (LT und FLNK, Steg). Nur einmal belegt ist Galerie ‘ die (frühere) Galerie (Tunnel) der Matterhorn-Gotthard-Bahn (frühere Visp- Zermatt-Bahn) ’ (FLNK, Embd). Galfra Galfra f. ist der Name einer Alpe auf dem Gebiet der Laxeralp, mit / l/ -Vokalisierung Gaufra. Neben dem Simplex sind auch t Ober und t Unner Gaufra (Lax) belegt. Weiter oben befindet sich ts Gauferbord (Lax), das auf SK als Galvernbord (Betten zugeordnet) erscheint. Die Karte 1: 10000 hat Galfera und Galferbort. Die Endung / - ERA / (S ONDEREGGER 1958, 471 f.) deutet auf eine Ableitung von Galf hin, das seinerseits auf ein keltische Wurzel vom Typ galba ‘ fett, dick ’ (D ELAMARRE 2008, 174) hinweist; also ‘ die fette (fruchtbare) Alpe ’ . Diese Deutung ist allerdings sehr spekulativ, da keine historischen Belege vorliegen. Galge Galge m. ‘ der Galgen ’ ist zu schwdt. Galge(n), ahd. galgo, galga, mhd. galge ‘ Galgen ’ zu stellen und bezeichnet in FlNN in der Regel Orte, wo sich früher eine Richtstätte befand (I D . 2, 230 f.; BENB 2, 8; URNB 1, 1193; kein Eintrag bei G RICHTING 1998) oder allgemeiner ‘ Gestell, woran etwas aufgehängt werden kann ’ (B RUCKNER 1945, 156). Das Simplex Galge oder Galgu ist in Ernen, Obergesteln, Oberwald, Simplon, St. Niklaus und Visp belegt. Am klarsten ist der Galgen von Ernen, wo noch die Originalsäulen des Galgens erhalten sind. In Ernen wird der Hügel mit dem Galgen der Gaugehubu genannt und der Weg dorthin Gaugewäg. Zu Visp gibt es eine Erwähnung von I. M ENGIS -I MHASLY (2005, 110 f.), dass die Kindsmörderin G ULI -B ABI 1824 auf dem Martiniplatz gehängt worden sei (Dank an P H . K ALBERMATTER , p. c.). In Zermatt gibt es di Galgegga, heute überbaut, wo früher ein Galgen gestanden haben soll. In Leuk gibt es ts Galguwaldji ‘ der kleine Wald beim Galgen ’ , wo früher der Galgen des Zendens Leuk stand. Ob der Galguhubol ‘ der Hügel mit dem Galgen ’ (Eggerberg, beim Weiler Finnu) tatsächlich einmal als Richtstätte diente, ist unbekannt. Ganz unsicher ist das auf über 2200 m gelegene Galgestääfelti ‘ der kleine Stafel mit einem Galgen ’ (Ulrichen), wo unklar ist, ob sich Galge auf einen Fels oder ein Werkzeug bezieht. Unsicher ist auch Galgilicka ‘ die Lücke (Fusspass) beim Galgi ’ (Zwischbergen), zu der es alternativ di Galilicka ‘ die Lücke (Fusspass) oberhalb des Gali (kleiner begraster Bergrücken) beim Galihoru ’ (Zwischbergen) gibt; Galgi dürfte hier ein Diminutiv zu Gale ‘ begraster Bergrücken ’ sein (cf. HL G ALE ). Unklar ist die Bildung der Galginär (Wiler), der als „ Pfad in Felsen, Grasfläche “ beschrieben wird. Der Name kann sich kaum auf Galge beziehen; eine Deutung würde 221 222 Galge <?page no="377"?> ein Kompositum aus galt + chin + er geben ‘ ein Ort, der wegen eines Kinns (Schlucht) keine Milch gibt, unfruchtbar ist ’ . Diese Deutung ist sehr unsicher (cf. HL G AALT ). Galicio Galicio ist nur 1355 in Albinen als ou galicio belegt. Es handelt sich wohl um frz. calice ‘ Kelch ’ (G PSR 3, 46), das in den patois älter als galiso oder gallicho erscheint. Laut G PSR (l. c.) handelt es sich um eine Entlehnung aus dem Lateinischen (FEW 2, 94 f. s. v. CALIX kelch). Das Motiv für den Namen ist metaphorisch; das Gelände gleicht einem Kelch (cf. HL C HELCH ). Gall Gall ist ein unklares HL, das zu schwdt. Galle n f. zu stellen ist (I D . 2, 204) und in Stalden wohl die Bedeutung 4.a) ‘ Niere im Mineralreiche, eine in einen Felsen eingesprengte, fremde, harte Steinart ’ oder etwas Ähnliches bezeichnet. I D . ist sich über die Herkunft des HL nicht sicher. Belegt ist das HL nur in Stalden als der Ober und der Unner Galgstei ‘ der Obere und der Untere Galgenstein / Gallstein ’ , sowie der Gallgsteischleif ‘ der Schleif beim Galgstei (Galgenstein? ) ’ . Seltsam ist, dass der Name das Genus Maskulin hat, was nicht zu Gschtei ‘ Gestein ’ passen würde. Offenbar nehmen einige an, dass der Name Galg-Stei heissen würde, also einen Galgen meine. Soweit belegt, ist ein Galgen in Stalden nicht erkennbar; darum sind die drei Flurnamen dem HL G ALL zugewiesen, das eine der Gwpp. auch als Gallstei erwähnt. Weitere Belege sind unter den HLL G ALE oder G ALM erwähnt. Galländ Galländ ist ein Partizip Präsens, das im I D . als gëllend ‘ steil, jäh ’ (I D . 2, 209) und bei G RICHTING (1998, 85) als wdt. gellend, gelländ (Goms), gällund (Saastal), galländ (Lötschtal), gellund ‘ blank und hart ’ verzeichnet ist; diese letztere Deutung scheint auf das Nomen Iisch ( ‘ Eis ’ ) bezogen. Belegt sind: cer gallendun Flue ‘ bei der jähen, steilen Fluh ’ (1252, Törbel), gellendor Flue ‘ die jähe, steile Fluh) (1245 u. später, Stalden) und ts galländ Loch ‘ das jähe, steile Loch ’ (Wiler). Weiterführend cf. HL G ÄLLI . Gälli Gälli ‘ Steilheit ’ und gäli ‘ steil ’ sind belegt in Gällitola ‘ Mulde beim steilen Hang ’ und Gälliwang ‘ Grasabhang beim steilen Hang ’ (beide Grächen), in Gälischegga (Simplon) (LT, FLNK Gäli Egga), sowie in den historischen Belegen gellendor Flue (1245, Stalden), resp. cer guellendun Flue ‘ bei der jähen, steilen Fluh ’ (Stalden, 13. Jh.) und cer gallendun Flue ‘ bei der jähen, steilen Fluh ’ (1252, Törbel). Zu Grunde liegt den Belegen das Adjektiv oder Partizip gëllig, gälig (I D . 2, 209 f.), resp. gëllend, in der Bedeutung ‘ jäh, steil ’ (cf. HL G ALLÄND ). Beide sind abgeleitet vom Verb gelle n (I D . 2, 207) ‘ durchdringend rufen, schreien ’ , das als Adjektiv oder Partizip auch einfach ‘ hell, grell ’ oder - von Felsen und Abhängen - ‘ steil, jäh ’ bedeuten kann. Bei der Gälischegga ist der lebende Beleg als / - ISCH / -Ableitung konstruiert, nicht jedoch bei LT und FLNK, wo ein Adjektiv gäl angenommen wird; hier könnte der Gedanke an das Farbwort GÄLW ‘ gelb ’ mitspielen (cf. HL G ÄLB ). Gallina Gallina kommt in zwei sehr verschiedenen Namen vor. der Pizo Gallina (Oberwald) ist ein Grenzgipfel zum Tessin (LT Pizzo Gallina, FLNK Pizzo Gallina, Piz Gallino) (vgl. P ETRINI 1993, 101 s. v. gallina). Das HL ist zu lat. GALLINA , it. gallina ‘ Henne ’ , meist zur Bezeichnung einer wild lebenden Hühnerart (Birkhenne, Auerhenne, kaum jedoch das Schneehuhn; cf. RN 2, 159; REW 3661, FEW 4, 38) zu stellen. Der zweite Beleg ist unklar: LT hat Gallenalp, SK Gaden A(lp) (beide Saas-Fee). Vermutlich sind diese Benennungen zum höher gelegenen Galu ‘ begraster Bergrücken ’ zu stellen (cf. HL G ALE ). Galm Galm lässt sich zu Galm ‘ Gipfel, Rücken eines Berges ’ (I D . 2, 233) stellen. Alternativ kommt Gale n (I D . 2, 203) in Frage (vgl. HL G ALE ). Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor und zwar als auff der Gallf ŭ ren ‘ auf der Furche auf dem Galen (begraster Gipfel) ’ (1683, Martisberg), und dem Typ Galläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh auf der Alpe Galn (begraster Bergabhang) ’ (FLNK, Blatten; SK Galleger) mit den attributiven Adjektiven Obruscht, Mittluscht und Undruscht Galläger (Blatten) und ts Ober und ts Unner Galläger ‘ die obere und die untere Lagerstätte des Viehs beim Galm (begraster Bergrücken) ’ (Naters). Vermutlich ist es zu Gale zu stellen (cf. HL G ALE ). Galopyn Galopyn ist nur 1361 in Leukerbad als ou Galopyn ‘ beim Galopyn ’ belegt. G PSR (7, 70) kennt den Ausdruck Galopin, der bei P IERREHUMBERT als Galåpin ‘ ungehobelter Bursche ’ erscheint. Diese Deutung erscheint als sehr unwahrscheinlich. Das Dokument besagt, dass es sich um ein Stück Land mit einer Scheuer handelt, das beim Galopyn liege. Eine Deutung ist nicht möglich. Gämi Gämi n. ist nur in Greich als ts Gämi ‘ die kleine Hütte (unsicher) ’ belegt. BENB (1, 2, 13 s. v. Gammen) vermutet ein alpines Reliktwort mit der Bedeutung ‘ Erdhütte ’ , das Galicio 223 224 <?page no="378"?> auch in schwdt. Gämmeli n. ‘ kleine Scheune oder Hütte auf den Weiden der Niederungen, worin etwas Stroh und das Vieh untergebracht wird ’ (Appenzell), ‘ Vorstall bei den Alphütten ’ (Berner Oberland) (I D . 2, 299) belegt ist. Die Vereinfachung der Geminate / mm/ zu / m/ ist in Greich möglich (vgl. SDS 2, 188). Ob auch der Alpname Gamilti ‘ die Alpe mit der kleinen Hütte (unsicher) ’ (1680, Zwischbergen), 1751 auch Gammelti, hieher gehört, ist unklar. In Zwischbergen sind italienische Flurnamen möglich, doch ist keine Deutung für Gamilti erkennbar. Gampel Gampel, dial. Gampil, ist der Name der früher selbständigen Gemeinde Gampel (heute Gampel-Bratsch). Der Ort liegt auf der Westseite der Lonza und auf der Nordseite des Rottentals; die Lonza bildet zugleich die Bezirksgrenze. Die ältesten Belege sind 1238 Champilz und Champiz, 1244 Champilz, 1288 Champilz, 1300 Champiz, 1303 Gampil, 1305 Campiz usw. Der heutige Ortschaftsname Gampel lässt sich auf lat. CAMPUS ‘ Feld ’ zurückführen (J ACCARD 1906, 182; G UEX 1938, 362; 1976, 185). Allerdings lassen sich mit der von J ACCARD vorgeschlagenen Form camp ĕ llu die historischen Formen und die heutige Mundartlautung mit / -i-/ (Champi(l)z / Gampil) nicht befriedigend erklären; das / -i-/ in der Endsilbe ist allerdings nach R ÜBEL (1950, 8) hier normal für hdt. / - EL / . K RISTOL ET AL . (2005, 377) vermuten zwar, dass Gampel deswegen auf lat. * CAMP - Ī LE ‘ in Wiese umgewandeltes Feld, das im Vorjahr gepflügt wurde ’ (G PSR 3, 294), eine Ableitung zu lat. CAMPUS , zurückgehe; das kann aber auch eine Fehldeutung sein. Die ältesten Belege haben ein auslautendes / -z/ , was einen Plural auf / -s/ nahelegt. Die Form mit anlautendem / g-/ legt eine Übernahme vor der jüngerem Entwicklung zu einem velaren Reibelaut oder einer velaren Affrikata nahe. Neben dem Gemeindenamen ist Nidergampil ‘ Niedergampel ’ (Bratsch, LT Niedergampel, SK Nieder Gampel) belegt, heute ein Teil von Gampel-Bratsch. Die historischen Belege von 1306 zer Niderun Gampuel, 1337 apud Champilz Inferiorem, 1346 apud Champilz Inferiorem, erst 1649 Nidergampell zeigen die nahe Verwandtschaft mit Gampel; desgleichen das kaum belegte Ober … Gampell (1667, Bratsch; 1578 de Superiori Gampil). 1649 ist zum Midtren Gampill (Bratsch) belegt, es dürfte sich aber um eine Verschreibung von Niedergampel handeln. Die komplexere Form in der Nider Gampell Zelg ‘ in der Zelg von Niedergampel ’ (1752, Bratsch; 1755 im Nidergampellzelgi) (cf. HL Z ELG ) ist nur historisch belegt. In Gampel selbst erscheint 1757 u. später im Gampellgrúnd ‘ im Grund von Gampel ’ , wobei Grund vermutlich einen Teil der Rottenebene meint. Hierzu gehört auch in Superiori Gampelgrundt ‘ im oberen Grund von Gampel ’ (1720, Gampel). der Gampilwäg ‘ der Weg von / nach Gampel ’ (Gampel; FLNK Gampjerwäg) meint einen Weg von Jeizinen (Weiler von Gampel) nach Gampel. Eine Brücke, die auf das Gebiet von Gampel führte, ist wohl in Zur Gampel Brüggen ‘ bei der Brücke (über den Rotten) nach Gampel ’ (1685, Turtmann) gemeint. Ebenfalls eine Ableitung zu lat. CAMPUS ‘ Feld ’ findet sich in Gampinu (Leuk; SK Gampenen; LT Gampinen; FLNK Gampinu). Die ältesten Belege sind champagnes (1267), deys champagnes (1322), zen Gampinen (1527), zum Gampinen (1537) usw. Sie deuten darauf hin, dass der romanischen Name champagnes dialektal einem älteren dt. Gampinu entspricht. Nach FEW (2, 152) ist champagne zu lat. CAMPANIA ‘ Gefilde ’ zu stellen; G PSR verweist unter dem Lemma champagne (3, 292) auf diese Fundstelle. Es handelt sich um einen kleinen Weiler von Leuk auf der linken Rottenseite mit einigen wenigen Häusern. Als Bestimmungswort verbindet es sich mit Brigga, Los und Matta. Einen unklaren Fall weist Staldenried in einem historischen Beleg von 1389 auf: in der Gampyerrun. Vermutlich handelt es sich um eine / - ERRA / -Ableitung (S ON- DEREGGER 1958, 471 f.), hier eventuell zu einem Besitztum eines Bürgers von Gampel; der Name wäre dann zu deuten als ‘ das Besitztum des Gampjers ’ . Diese Deutung ist aber vorläufig. Zu weiteren Flurnamen zu lat. CAMPUS cf. die HLL C AMPUS , C HAMP und Z A . Gampisch Gampisch ist zunächst in Simplon als Gammpisch und der Gammpischer Chnubul ‘ der Hügel im Gebiet Gampisch ’ belegt. J ORDAN (2006, 34 ff.) kennt neben Gampisch Gampischärbodu, Gampischwasu, Gampischärschtaaf u l, Gampischärhub u l, Gampischärgrabu, Gampischärtreijo. Der Name ist zu lat. CAMPUS ‘ Feld ’ mit dem Augmentativsuffix / - ACEU / ‘ grosses Feld ’ (RN 2, 66; BENB 1, 2, 14) zu stellen. Dazu gehört auch Campetsch (1651, Glis). In Bürchen sind Belege ohne / m/ vorhanden: Gapetsch (FLNK, Bürchen; SK Capetsch). G ATTLEN (2007, 492 ff.) erwähnt die Kapelle auf dem Capetsch, ohne aber eine Deutung zu geben. Gapetschkapälli ‘ die kleine Kapelle (des Hl. Sebastian) auf Gapetsch ’ (FLNK, Bürchen) und Gapetschwald ‘ der Wald beim Gebiet Gapetsch ’ (FLNK, Bürchen) sind in der Datenbank des VSNB belegt. Eine Form ohne / m/ ist auch bei RN (2, 66) erwähnt; sie wird auf die gleiche Ableitung zurückgeführt. Das anlautende / g-/ deutet auf eine frühe Übernahme hin (cf. HL G AMPEL ). Gamuschelli Gamuschelli n. ist der Name einer Alpe, die als Gamuschelli, sowie ts Ober und ts Unner Gamuschelli (Zwisch- 225 226 Gamuschelli <?page no="379"?> bergen) belegt ist. J ORDAN (2006, 333) kennt Ggamuschélligrabu und S. 336 Ggamuschélli, Unnärs und Obärs Ggamuschélli und Ggamuschéllihooru. Der Name ist zu it. camòscio m. ‘ Gämse (Rupicapra rupicapra) ’ , spätlat. CA- MOX , - OCIS (D EVOTO / O LI 2020, 244) mit / - ELLA / -Suffix zu stellen; also zu übersetzen als ‘ Gebiet mit Gämsen ’ . Das Gamuschellihoru (Zwischbergen; LT Camoschellahorn (sic! )) ist ein Berggipfel oberhalb der Alpe. Gamussetta Gamussetta ist nur einmal belegt als di Gamussetta (Zwischbergen, LT Camusseta). J ORDAN (2006, 340) kennt zwei Ggamussétta und einen Ggamusséttugrabu. Wie 1: 10000 zeigt, ist Camussetta ein grösseres Gebiet, das dem erstgenannten Ggamussetta bei J ORDAN entspricht. Sein zweites Ggamussetta auf 1560 m. scheint in der Datenbank nicht belegt zu sein. SK Gammen gehört wohl nicht hieher, lässt sich aber sonst nicht zuordnen. Das HL ist wohl zu it. camòscio m. ‘ Gämse (Rupicapra rupicapra) ’ , spätlat. CAMOX , - OCIS (D EVOTO / O LI 2020, 344) mit / - ETTA / -Suffix zu stellen. Mit abweichender Ableitung P ETRINI (1993, 84), der camoss zu einer Wurzel * KAMOSSO / * KAMUSSO stellt, das in verschiedenen piemontesischen Dialekten vertreten sei. Vgl. auch camóss ‘ Gämse ’ in LSI (1, 610 f.). Deutung ‘ das Gebiet mit Gämsen ’ . Gamuuna Gamuuna ist der Name einer Alp auf italienischer Seite (LK Alpe di Camona) von Zwischbergen. Lebend belegt ist der Gamuunagrabe ‘ der Graben von der Alpe Camona herunter ’ (Zwischbergen). Historisch erscheint 1759 [der] Alppen Camona. J ORDAN (2006, 338) kennt Ggamúnugassa, Ggamúnuegg und S. 340 Ggamúnugrabu. Am nächstliegenden kommt dem Namen laut RN (2, 64) die Nebenform * CAMANNA zum gut belegten CAPANNA ‘ Hütte ’ (REW 1624, FEW 2, 244) mit Formen wie chamona (Unterengadin) und camona (Surselva). Gand Gand n., seltener f., ‘ Geröllhalde ’ ist zu schwzdt. Gand n., m., f., Pl. Gänder, Gender, assimiliert Genner ‘ Schuttfeld, Geröllhalde, Masse von Felsstücken und Steinen im Hochgebirge, bes. von Gletschern verschoben; dem Steinschlag, Bergstürzen ausgesetzte, von Steinen oder Felstrümmern bedeckte Gegend ’ , Lehnwort aus mlat. bzw. rom. ganda, gonda, gonna ‘ Schuttmasse, Steingeröll, Moräne ’ zu vorröm. *ganda ‘ Geröllhalde, Steinhaufen ’ (I D . 2, 33; RN 2, 159; BENB 2, 15; URNB 1, 1202) zu stellen. Die Belege wurden generell als ‘ Geröllhalde ’ gedeutet, auch wenn im Einzelfall ebene Flächen mit Steinen gemeint sein können. Das HL kommt im ganzen Oberwallis vor, aber vor allem in den Bezirken Brig, Goms und Visp. Leuk und Östlich Raron weisen je nur einen Beleg auf. Das Simplex im Singular Feminin di Gand ist in Geschinen, Münster, Obergesteln, Oberwald, Reckingen belegt, das Neutrum ts Gand in Binn, Fieschertal und Naters. Das Neutrum kann, wie in anderen Fällen, ein Kollektivum sein. Das Simplex im Plural ist als Gender in Mund, Mühlebach, Wiler und Zermatt belegt, als Genner in Eisten, Randa und Simplon. Die lautliche Entwicklung von inlautendem / nd/ zu / nn/ ist im Oberwallis gut belegt (SDS 2, 119, 121). Attributive Adjektive zum HL finden sich in ts Lägu Gand ‘ das ebene Geröllgebiet ’ , t Läzun Genner ‘ die Geröllhalden auf der Schattenseite ’ (Randa), t Ober Gand ‘ die obere Geröllhalde ’ (Reckingen), t Unner Gand ‘ die untere Geröllhalde ’ (Reckingen), der Undren Gand … nach ‘ der unteren Geröllhalde nach ’ (1480, Oberwald), t Wiiss Gand ‘ die weisse Geröllhalde ’ (Oberwald). Als Grundwort erscheint das HL in zweisilbigen Komposita: ts Bleickungand ‘ die Geröllhalde bei den Bleicke (nackte Stellen im Gelände) ’ (Blatten), ts Brüchergand ‘ die Geröllhalde mit Erika (Heidegebüsch) ’ (Fieschertal), ts Drieschtgand ‘ die Geröllhalde beim Gebiet Driest (unfruchtbares Gebiet) ’ (Naters), ts Erlgand ‘ die Geröllhalde beim Gebiet Erl (Erlen) ’ (Blatten), t Galegand ‘ die Geröllhalde beim Gale ’ (Geschinen; LT und FLNK haben Balegand; in Geschinen ist Bale nicht belegt), ts Gläisiggand ‘ die Geröllhalde der Gläisigalpe (Alpe der Familie Gläisen) ’ (Binn), Rossgand ‘ die Geröllhalde für die Pferde ’ (Geschinen), ts Schuälgand ‘ die Geröllhalde, die dem Schulfonds gehörte ’ (Blatten), di Tännärgender ‘ die Geröllhalden im Gebiet Tänn (Tenne) ’ (Wiler), ts Wichugand ‘ die Geröllhalde beim Winkel (Weiler von Fieschteral) ’ (Fieschertal, l-Vokalisierungsgebiet). Komplexere Konstruktionen sind: ts Chiämadgand ‘ die Geröllhalde beim Weiler Kühmad ’ (Blatten), ts Unnerbärggand ‘ die Geröllhalde beim Unterberg ’ (Fieschertal) und ts Obfliejergand ‘ die Geröllhalde beim Gebiet Obflie (oberhalb der Flühe) ’ (Naters). Das HL ist als Bestimmungswort mit folgenden Grundwörtern verbunden: Baan, Balma, Bodu, Egg(a), Flüö, Grabu, Gufer, Hee, Hitta, Hooru und Stafel. Komplexere Konstruktionen sind t Aarbgandegga ‘ die Gandegga (Ecke mit Geröll) im Gebiet Aarb (Arve) ’ (Zermatt), Gandeggbahn ‘ die Seilbahn von der Lauchernalp auf die Gandegg ’ (Wiler), Gandegghütte ‘ die bewartete Hütte auf der Gandegga (Ecke mit Geröllhalde) ’ (Zermatt), di Gandhorehitte ‘ die zwei Militärhütten beim Gandhorn (Gipfelname) oberhalb der Alpe Gand (Geröllhalde) ’ (Binn) und t Hinndru und t Voodru Gandfet ‘ die hinteren und die vorderen Grasbänder in der Geröllhalde ’ (Randa). Gamussetta 227 228 <?page no="380"?> Gandolff (PN) Gandolff (PN) ist in Leuk als jm Gandolff (1602) belegt. Weitere Schreibweisen sind 1668 ihm Gandefil, 1671 jm Gandoff, 1675 im Gandtoffell (2 Belege), 1687 jm Gandoffil, 1696 jm Gandolff, 1711 im Gandolff, 1720 in Gandolff. Es handelt sich um einen PN Gandolf, der bei F ÖRSTEMANN (1, 595) als Gandulf oder Gandolf belegt ist. Gang Gang m. ist zu schwdt. Gang m., Abstraktbildung zu gehen, bergschwdt. ‘ Durchgang in unwegsamer Umgebung, Felspfad ’ und wdt. Gang m. ‘ Gang, Durchgang ’ (I D . 2, 339; G RICHTING 1998, 84; BENB 2, 17; URNB 1, 1219) zu stellen. Das Simplex ist nur im Diminutiv als ts Ganggi (Zwischbergen) belegt; J ORDAN (2009, 311) kennt es als Gganggi und führt es auf lat. CANTHUS ‘ Rand, Ecke, Winkel ’ zurück und nicht auf das dt. Gang. Eine direkte lateinischen Entlehnung ist kaum anzunehmen; it. canto erscheint bei P ETRINI (1993, 86) als cant (mit mehreren Varianten). Falls diese Herleitung richtig ist, wäre ein it. dialektales cant mit einem dt. Diminutivsuffix verbunden worden. Das ist zwar nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich. Die dt. Herleitung von Gang ist lautlich besser begründet; inhaltlich besteht kein grosser Unterschied. Mit attributiven Adjektiven kommen vor der Hinner Gang ‘ der hintere Gang (Felsdurchgang) ’ (Oberwald), der Lägund Gang ‘ der ebene Durchgang ’ (Täsch), der Mittlescht Gang ‘ der mittlere Gang (Felsdurchgang) ’ (Fieschertal, Oberwald), der Mittloscht Gang ‘ der mittlere Gang (Fussweg im Fels) ’ (Naters), der Mittluscht Gang ‘ der mittlere Gang (Felsdurchgang) ’ (Raron, Täsch), der Oberscht Gang ‘ der oberste Gang (Felsdurchgang) ’ (Fieschertal), der Obruscht Gang ‘ der oberste Gang (Felsdurchgang) ’ (Raron, Täsch), der Undruscht Gang ‘ der unterste Gang (Felsdurchgang) ’ (Raron), der Unnerscht Gang ‘ der unterste Gang (Felsdurchgang) ’ (Fieschertal), der Unnruscht Gang ‘ der unterste Gang (Felsdurchgang) ’ (Täsch). Als Grundwort kommt das HL wie folgt vor: dr Biälgang ‘ der Durchgang im Gebiet Biel (Hügel) ’ (Ferden), dr Fliälingang ‘ der Durchgang in der kleinen Fluh ’ (Ferden), dr Loihärgang ‘ der Felspfad zur Laucheren (Gebiet mit Mulden / mit Lauchgewächsen) ’ (Ferden; FLNK Loichärgang), der Spaziergang ‘ der Spaziergang (zu den Leitern) ’ (Leukerbad; auch bei R. G RICHTING 1993, Blatt 9, Nr. 37 und Blatt 23, Nr. 16), der Umgang ‘ der Umgang (Prozession) ’ (Grächen, FLNK Umgang). Ein Problem stellt der Weilername Fürgangen, dial. ts Firgange dar, der zur Gemeinde Bellwald gehört. Die ältesten Belege sind 1304 apud Furgangen ‘ (lat. apud) bei Fürgangen ’ , 1488 ze Furgangen ‘ bei Fürgangen ’ , 1508 de Furgangen ‘ (lat. de) von Fürgangen ’ , 1531 de Firgangen (lat. de) ‘ von Fürgangen ’ . Die naheliegende Deutung ‘ beim Ort, zu dem man vorwärts geht ’ ist wohl falsch. Zu Grunde liegt wohl ein zusammengesetzter PN zu Gang (F ÖRSTEMANN 1, 596) und Fara (F ÖRSTEMANN 1, 496) ‘ beim Gut des Fergang ’ . In W. R UPPEN (1979, 342) werden zwei ältere Formen Wrgangen und Wurgangeren (beide 1293) erwähnt, die von J. G REMAUD gesammelt worden seien. Es ist uns nicht gelungen, diese Stelle zu verifizieren. Ganntu Ganntu m. ist nur in Zwischbergen belegt, wo es neben der Ganntu historisch auch der Vsser und der Jnder Gandten (beide 1678) gibt. J ORDAN (2006, 323) kennt Ggántu und führt es nach der Literatur auf lat. CANTHUS ‘ Rand, Ecke ’ zurück. Ein direkter Einfluss des Lateinischen kann ausgeschlossen werden; it. canto ‘ Ecke ’ (D EVOTO / O LI 2020, 355 s. v. canto 2 ) ist eher möglich (vgl. AIS 875, wo das flektierte kantu ŋ im angrenzenden italienischen Dialekt vorkommt; Zwischbergen kennt solche Namen). Wahrscheinlicher scheint eine maskuline Form von Gand ‘ Schuttfeld, Geröllhalde ’ (I D . 2, 336, wo die Ableitung von it. canto abgelehnt wird), die allerdings zweisilbig ist (vgl. HL G AND , wo sich nur einsilbige Simplizia des Singulars finden); die italienische Form könnte die Zweisilbigkeit beeinflusst haben. Gans Gans ist nur historisch belegt. In Raron wird 1281 ad Games notiert, es folgen 1303 am Gams, 1307 am Gams, 1307 an dem Gams, 1309 am Gams, 1327 an das Gans, 1396 am Gans. Nach dem Beleg von 1327 liegt ein ntr. Substantiv vor. In Eyholz ist 1258 Gans belegt, das sich in longo prato befindet. Letzteres ist als t Lengmatta (Eyholz) belegt, aber die Situation vor der SK ist unbekannt. Vermutlich ist die Situation in Eyholz zum Dorf Gamsen zu stellen (cf. HL G AMSU ), hingegen scheinen die Belege in Raron eher auf lat. CAMPUS oder CAMPOS ‘ Feld ’ (FEW 2, 156 ff. s. v. CAMPUS feld; G PSR 3, 289 ss.; W ERDENBERGER N B 4 (2017, 172 Gams (Grabs) zu camps) zurückzuführen zu sein; das Genus Neutrum würde sich aus dem deutschen Genus erklären und die Form Gans als Assimilation von / m/ an / s/ . Gansnerrin (PN) Gansnerrin (PN) kommt nur einmal vor: Gansnerrin Wyngarto (1320, Naters). Vermutlich steckt darin eine Femininableitung zum FaN Gansner, der 1348 in Unterems als Ganssner belegt ist. Das Verhältnis zum häufigeren FaN Gasser (AWWB 105), auch Gasner und de Vico 229 230 Gansnerrin (PN) <?page no="381"?> ist unklar. Ebenfalls jenes zum Flurnamen an den Gansererun (Ausserberg), das wohl auch zum FaN Gasner gehört. Das ebenfalls belegte Gans (Raron) ist wohl eine assimilierte Form von Gams > campus ‘ Feld ’ (cf. HL G ANS ). Das Tier Gans war im Wallis kaum bekannt und kommt deswegen nicht in Frage. Ganter Ganter ist der Name einer Gemeinde und eines früher dauernd besiedelten Tales zwischen Schallberg und Berisal (P H . K ALBERMATTER www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008225/ 2005-05-12/ [10.08.2020IW]). Die ältesten Belege sind: 1279 Gantour, 1306 Ganthura (wohl latinisiert), 1344 Gantor, 1355 Gantor, 1386 Gantora (wohl latinisiert), 1389 Gantor usw. Der erste Beleg mit Ganter erscheint 1456. I MESCH / P ERRIG (1943, 4) vermuten einen Zusammenhang zu Gand ‘ Geröllhalde, Geschiebefläche, Steinhaufen ’ (Z INSLI 1984, 566). {o} in der Ableitungssilbe scheint eher eine traditionelle Schreibung zu sein; vermutlich liegt eine Ableitung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) als männliche Stellenbezeichnung mit der Bedeutung ‘ Ort mit Geröllhalde ’ vor. Das manchmal erwähnte neutrale Genus scheint zur Langform ts Gantertal mit weggelassenem Grundwort zu gehören. Neben Ganter sind belegt: Obergantor ‘ die Alpe Oberganter (heisst auch Rosswald) ’ (1391 u. später, Termen). Als Bestimmungswort erscheint das HL zusammen mit Bach, Brigga, Tal und Wald. Komplexer sind Alti Ganterbrigga ‘ die alte Brücke über den Ganterbach ’ (FLNK, Ried-Brig) und Niwwi Ganterbrigga ‘ die neue Brücke über den Ganterbach ’ (FLNK, Ried-Brig). Gantersch Gantersch ist nur in ts Gantersch Egg ‘ die Ecke der (Familie) Ganter ’ (Grengiols) belegt. Da einerseits ein FaN Ganter hier nicht belegt ist und anderseits kaum der Name Ganter in Ried-Brig gemeint sein kann, wird das Lemma gesondert angeführt. Familiennamen wie Gander, Ganter und ähnliche (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 1, 625 f.) sind für die deutsche Schweiz belegt, nicht aber für das Oberwallis. Mangels weiteren Belegen kann keine sichere Deutung gegeben werden. Gänu (PN) Gänu (PN) ist nur belegt als der Gänu(d)sfad ‘ der enge Durchgang, der Weideplatz des Gänu (PN) ’ (Täsch, auch FLNK) und der Gänusfadwald ‘ der Wald oberhalb des Gänusfad (enger Durchgang, Weideplatz des Gänu (PN)) ’ (Täsch). Gänu kann Personen- oder Beiname sein. Erwähnt sind PNN unter G AN bei F ÖRSTEMANN (1, 593 f.) und beim gleichen Autor unter G EN (1, 627 f.). Möglich ist aber auch das von I D . (2, 236) erwähnte Um-G ǟ ne n ‘ magerer Heubezirk am Talabhange ’ aus dem Wallis. I D . stellt es zu umgänd (I D . 2, 16), das wie folgt bestimmt ist: ‘ abseits liegendes, wenig sorgfältig bewirtschaftetes und darum wertloseres Besitztum ’ (Ringgenberg, Kt. Bern). Das [-s] deutet jedoch einen Genitiv an, der auf einen Personen- oder Beinamen hinweist. Hinzu kommt, dass G ǟ nen nur mit langem Tonvokal belegt ist, während der Beleg in Täsch kurzen Tonvokal hat, der so in der Literatur nicht belegt ist. Gappi (PN) Gappi (PN) ist als Gappisdrÿt, auch Za ᵉ gppis Tritt (1444, Obergesteln) belegt. Die Form legt einen PN Gappi nahe, der als Kurzbzw. Koseform zu Kaspar (I D . 2, 388 s. v. Gäppi) gedeutet werden kann. Gappistritt ist dann der Tritt, der dem Gappi gehört. Schwieriger sind drei lebende Belege in Zwischbergen: der Gappjigrabu, der Gappjigraad, di Gappjitola. Das Simplex fehlt. LT schreibt immer Cappji, SK hat nur das Simplex Gabji, scheint also an das sonst belegte ts Gabi (Simplon) zu denken (cf. HL G ABI ), das auf ein romanisches * CAVEA ‘ Höhlung, Käfig ’ (FEW 2, 552) zurückgeführt wird. Auslautendes / -ji/ ist normalerweise ein palatalisiertes Diminutivsuffix (/ - LI / ). Als Ausgangspunkt ergibt sich also Gapp + li, wobei der Stamm Gapp vermutlich auf it. capo ‘ Kopf, Führer, Spitze ’ (LSI 1, 662 s. v. capp) zurückgeht, also etwa als ‘ kleine Spitze ’ zu deuten ist. J ORDAN (2006, 389) kennt Ggaapji, Ggaapjihooru, Ggaapjigraat, Ggaapjitola, Gaapjigrabu, die auf dem Kartenausschnitt auf S. 499 als Capjigrat und Capjitola verzeichnet sind. Der ursprünglich wohl piemontesischlombardische Flurname kann nicht zu einem PN gestellt werden. Gappil Gappil n. kommt als ts Gappil (Törbel) vor, die ältesten Belege sind 1463 Capill, 1519 das Gappil. In Zeneggen ist 1306 an dem Gappli belegt. In Stalden sind 1710 im Gappilgraben und 1300 u. später Gappelmatta bezeugt. In Zeneggen ist 1306 jn der Gappelmatten belegt und in Törbel der Gappiltschuggo. Das URNB weist Gapil (Gurtnellen), bei welchem im Erstbeleg / -m-/ erhalten ist (um 1522 gampil, gampill, gamppill), lat. CAMPUS mit diminutivem Ableitungssuffix / - ELLU / (cf. URNB 1, 1222 f.; B OS- SARD / C HAVAN 2006, 143), genauer also * CAMPELLU ‘ kleines Feld ’ zu. Dagegen spricht jedoch, dass auch die ältesten Belege im Saastal kein / -m-/ aufweisen. Eine klarere Möglichkeit stellen schwdt. Gable ‘ Gabel ’ (I D . 2, 57 f.) und wdt. Gabla, Gabblä (Goms), Gafela, Gaabla (Mattertal), Gablu (Saastal), Gabollu, Gablu ‘ Essgabel, Heugabel, Ast (verzweigt) ’ , Traggestell ’ (G RICHTING 1998, 84) dar, wobei jedoch das Genus Neutrum des Namens ein Ganter 231 232 <?page no="382"?> Problem darstellt; die Belege sind sonst feminin. Das gilt nicht für den historischen diminutiven Beleg von 1306 an dem Gappli (Zeneggen), das als ‘ an der kleinen Gabel ’ verstanden werden kann. Der lebende zentrale Beleg ts Gappil (Törbel) muss dann als eine Stellenbezeichnung gedeutet werden: ‘ das gabelförmige Gebiet ’ . Garaasch Garaasch f. ist einmal belegt in ts Kaarlisch Garaasch ‘ die Autowerkstätte des Karlen (FaN) ’ und zum Lehnwort Garage aus dem frz. le garage zu stellen. In der Bedeutung ‘ Autowerkstätte ’ ist das HL in der Schweiz geläufig (A MMON et al., 2016, 261). Bei Kaarli handelt es sich wohl um den FaN Karlen (AWWB 50). Gäribil ts Gäribil n. ist eine heute weitgehend verwaldete Weide auf ca. 1670 m. in Zwischbergen. Erstmals belegt ist sie 1463 als Geribil, das dort als sepes seu limites „ Zäune oder Grenzen “ bezeichnet wird, was auf eine Einzäunung hinweist. Dazu kommt der Gäribilgrabu ‘ der Graben beim Gäribil ’ . J ORDAN (2006, 361) erwähnt weiter där Gäribiliwäg ‘ der Weg zum Gäribil ’ . Am gleichen Ort zitiert er Pfarrer J OLLER , der Gribel schreibt. SK hat Griebel. Die beiden deuten den Anlaut des Namens als Präfix ge-, was kollektiven Sinn ergibt und das Genus Neutrum rechtfertigt. RN (2, 421) stellt Gribel (Ausserferrara) zu Grube; da aber der älteste Beleg (Geribil) keinen gerundeten Vokal enthält, kann diese Deutung nicht herbeigezogen werden. I D . (6, 48) kennt Ribel als „ Scheuerwisch “ mit weiteren Bedeutungen, die sich aber kaum als Flurnamen eignen. Das einmal verzeichnete Gribel m. ‘ träger Mensch ’ (I D . 2, 688) kommt ebenfalls kaum in Frage. Z INSLI (1984, 228) erwägt für den Alpnamen Ribe nach H UBSCHMIED (1938, 77) eine Anlehnung an bair. Reiben f. ‘ Kehre ’ , das dieser von ahd. *wriba ‘ Abweichung eines Weges, einer Gasse, eines Flusses von der geraden Richtung ’ ableitet. Ob diese Deutung zutrifft oder ob das Wort zum Verbum r ī be n ‘ reiben ’ (I D . 6, 53) und dem davon abgeleiteten Rîbi ‘ Reibe ’ (I D . 6, 65) zu stellen ist und in welcher Bedeutung, bleibt unklar. Garle Garle ist bei S TEBLER (1928, 80) in Törbel für die Mehlbeere (A RCTOSTAPHYLOS UVA - URSI ) belegt. Der Pflanzenname könnte in Gaarmatta (Eisten) vertreten sein; Gwp. spricht von <gaarole>, die hier wachsen, und meint wohl Mehlbeeren (allgemein Bärentraube genannt). (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 704 haben als deutsche Namen dafür Bärentraube und Immergrüne Bärentraube). Garrjer Garrjer f. ist zu frz. la carrière ‘ der Steinbruch ’ (FEW 2, 1400 s. v. quadrus ‘ viereck ’ , davon abgeleitet carrière) zu stellen. Belegt ist das HL als di Garrier ‘ der Steinbruch ’ (Baltschieder), di Garrjer ‘ der (alte) Steinbruch ’ (Brigerbad), di Garrjer ‘ der Steinbruch (für Dachplatten) ’ (Eisten), di Garrier ‘ der (alte) Steinbruch ’ (Lalden; heute Reben, auf SK keine Reben erkennbar), di Garrier ‘ der Steinbruch ’ (Raron), di Garjer ‘ die Steinbrücke ’ (Salgesch; nicht bei M ATHIER 2015; die Deutung nach der Beschreibung), di Garier ‘ der (alte) Steinbruch ’ (Varen). Garson Garson ‘ im Garson (unklar, ev. Alpe eines jungen Dieners) ’ ist nur 1594 in Niederwald als jn Garson belegt; die Rede ist von einer Alpe. Zwar ist garson ‘ Knabe ’ (G PSR 8, 106a ss. s. v. garçon) als frpr. Form belegt; in Niederwald (Goms) gibt es jedoch im Allgemeinen keine derartigen Belege aus dem Frpr. Jedoch weist GrWb (4, 1427 s. v. Garzen) ein mhd. Garzun nach, das hier zu Grunde liegen könnte. R ÜBEL (1950, 79) kennt die Benennung im Übrigen für das Alppersonal nicht. Garter (FaN) Garter (FaN) ist zum FaN Garter zu stellen. Der Name ist unter Im Garten im Register der HRBS belegt; der Name der Familie Gärtner (AWWB 134) ist nicht einschlägig, da er erst um 1700 in Monthey belegt ist, aus Ulm herkommt und die Familie sich später J ARDINIER nennt. Er kommt zweimal als vorangestellter Genitiv Singular vor: beÿ Garters Hau ᵕ s ‘ beim Haus der Familie Garter ’ (1836, Greich), vff Garters Matten ‘ auf der Wiese der Familie Garter ’ (1537, Ernen) und einmal mit einem schwachen Genitiv der Gaartubodu ‘ der Boden der Familie Garten ’ (Betten). FLNK hat Garterbodu; der älteste Beleg jn Garterro Boden (1527) zeigt einen klaren Genitiv Plural zu Garter. Gartu Gartu ‘ Garten ’ ist zu schwdt. Garte n m., n., wdt. Gaarte, Gaartä (Goms), Gaarta (Mattertal), Gaartn (Lötschtal), Gaartu m. ‘ Garten ’ , ‘ mit Zaun, Hag, Weidengeflecht eingefangener Platz, auch im offenen Feld, worin man Flachs, Hanf, Kartoffeln zieht; wodurch er sich vom Ackerland unterscheidet, Pflanzland ’ , ‘ das in unmittelbarer Nähe neben der Wohnung gelegene, eingezäunte und besser gedüngte (Wies-) Land ’ , ahd. gart, garto, mhd. garte (I D . 2, 432 f.; G RICHTING 1998, 83) zu stellen; neben den genannten Bedeutungen kann Garten auch einfach ebenes, fruchtbares Land bedeuten. Das Lemma kommt in rund 500 Namen vor. Simplizia sind dabei sehr selten und meistens im Plural Gaarte, mit Umlaut Gäärte, 233 234 Gartu <?page no="383"?> häufig aber mit dem erweiterten Plural Gaartna, Gaartne. Nur zweimal belegt ist ts Gaard n., vermutlich als Kollektiv (Grengiols, Naters). Die Simplizia sind oft mit Präpositionen wie zen ‘ zu den ’ , bim ‘ beim ’ , im oder ine ‘ in den ’ verbunden. Diminutive im Singular und Plural sind häufig und variieren: ts Gaartni ‘ der kleine Garten ’ (Fiesch), di Gaartini ‘ die kleinen Gärten ’ (Embd, Staldenried), di Gäärtjini ‘ die kleinen Gärten ’ (Baltschieder, Binn, Brigerbad (mit zen), Eggerberg, Gampel, Hohtenn, Steg), ts Gärtli ‘ der kleine Garten ’ (Ferden), historisch als Gertginen ‘ die kleinen Gärten ’ (1623, Visperteminen). Adjektivische Fügungen sind mehrfach der Aalt Gaarte ‘ der alte Garten ’ (Grengiols) oder in dyen Alten Garten ‘ in den alten Gärten ’ (1448, Zermatt). Weitere sind Chli Garte ‘ der kleine Garten ’ (FLNK, Oberwald), in den Gemeinen Gärten ‘ in den Gärten, die der Gemeinde gehören ’ (1911, Reckingen), der Grie Gaartu ‘ der grüne Garten ’ (Randa), Grosse Garte ‘ der grosse Garten ’ (FLNK, Oberwald), am Lengen Garten ‘ am langen Garten ’ (1532, Fieschertal), t Nassu Gäärtu ‘ die nassen Gärten ’ (Gampel), zen Nidren Garttun ‘ zu den niederen (unteren) Gärten ’ (Saas-Balen), zen Nüwen Gartten ‘ zu den neuen Gärten ’ (1554, Ried-Brig), ts Ober Gaart ‘ die oberen Gärten ’ (Grengiols) und ts Unner Gaart ‘ die unteren Gärten ’ (Grengiols) - zitiert ist immer nur ein Beleg von mehreren. Nur einmal kommt ein Zahlwort vor: ze Drii Gäärtjinu ‘ zu den drei kleinen Gärten ’ (Staldenried). Selten sind auch attributiv gebrauchte Partizipia wie im Eingescheieten Garten ‘ im eingezäunten Garten ’ (1770, Termen) und der Hangend Gaarte ‘ der steile (hängende) Garten ’ (Grengiols). In Komposita ist das HL als Grundwort sehr häufig; besonderes prominent sind Komposita mit der Pflanze, die im Garten vorkommt: Böümgaartu (auch Baumgarten, Bongaartu, Boimgäärtu usw. im Singular und Plural, auch mit Diminutiven) ‘ Baumgarten ’ , Chabis- oder Chabusgaartu (auch Kabis- oder Kabus-) ‘ Kohlgarten ’ , Chrütgaartu ‘ Krautgarten, Gemüsegarten ’ , Flaggsgaartu ‘ Flachsgarten ’ , Hanfgaartu (auch Haif-, Häif-, Höüf-, Hamf-, Hanef-) ‘ Hanfgarten ’ , Safrangaartu (auch Saffer-, Saffrant-) ‘ Safrangarten ’ , Wäärchgaartu ‘ Garten mit Werg (Flachs, Hanf) ’ und - sehr häufig - Wiigaarte (auch Wiin-, Weinusw.) ‘ Weingarten ’ . Letzteres wird auch an Orten verwendet, wo es heute keine Weingärten mehr hat, oder an Orten, wo Weingärten unmöglich sind, so etwa ts Wiingaartu und der Wiingaartugletscher (Täsch), beide auf über 3000 m. Hier ist wohl metaphorisch die Geländebeschaffenheit gemeint. Einen Sonderfall stellt der Heim-Garten dar, meist in der Form Hengart oder Hängert; hier ist - nach I D . (2, 434 f.) - ein ‘ Ort der Zusammenkunft ’ , ‘ Platz unter Linden oder andern Bäumen, wo die Bekannten am Sonntag unter Bänken zusammensassen ’ , ‘ Belustigungsplatz ’ gemeint; die ursprüngliche Bedeutung wäre ‘ abgegrenzter Raum innerhalb mehrer Heimstätten ’ . Für das Wdt. gibt G RICH- TING (1998, 106, s. v. Hengert, Hängärt) nur noch ‘ Gespräch, Geschwätz, Gesprächsstoff ’ und das Verb hengerte ‘ plaudern, liebäugeln ’ . In den Flurnamen sind häufig zentrale Plätze in den Dörfern und danach auch Dorfteile gemeint. Die Bedeutung des Kompositums ist so idiomatisch geworden; sie lässt sich nicht mehr auf Heim und Garten zurückführen. Ein weiterer, anders gelagerter Spezialfall ist Pflanzgaartu ‘ Grundstück im Wald mit neu gepflanzten Bäumen ’ , ‘ Baumschule ’ (TGNB 2, 2, 428 s. v. Pflanzgarte). Doppeldeutig ist schliesslich der Typ Raafgaartu. Naheliegend für das Bestimmungswort wäre eigentlich R ā f (I D . 6, 634), resp. Rafen (I D . 6, 13) ‘ weisse Rübe ’ , oder Choolrafa ‘ Rübkohl ’ (G RICHTING 1998, 52). Es scheint aber, dass historische Belege und auch die Gewährsleute eher an den Ranft ‘ Rand ’ (I D . 6, 1059 f.) denken, der mit n-Schwund und Ersatzdehnung (Staubsches Gesetz) als Raaferscheint. Entsprechend kann es sich um den ‘ Garten mit Rübkohl, Rüben ’ handeln oder den ‘ Garten am Abhang ’ . Selten sind Blumennamen wie in der Filyi Garten ‘ der Veilchengarten ’ (1804, Obergesteln) und dr Nägiligaartu ‘ der Nelkengarten ’ (Hohtenn). Nicht immer ganz klar ist Tiergaartu oder Tiergäärtu ‘ Tiergarten ’ (Blatten, Naters, Reckingen); es ist wohl nicht immer zu schwdt. Tiergarte n 1. ‘ Schindanger ’ , 2. ‘ Wildpark, dgl. früher fast jede Burg besass ’ (I D . 2, 439) zu stellen; in Naters ist damit wohl ein hochgelegenes Gebiet gemeint, wo es viele Gemsen hat. In Brig sind zwei historische Belege überliefert: Flurgarto (1355, Brig) und Slorgarto (1399, Brig). Der zweite Beleg kann auch als Florgarto gelesen werden, der erste ist unsicher. Zu vermuten ist darum als Name Florgarto (mit Flor für ‘ Blumen ’ ), also der ‘ Blumengarten ’ . Komposita-artig sind Besitzer- oder Nutzernamen wie in Agttun Garttun ‘ im Garten der Familie Agten ’ (1595, Betten). Hier ist der Familienname im Genitiv gesetzt; diese Genitive lassen sich aber wie auch sonst nicht immer von Bestimmungwörtern oder Adjektiven unterscheiden. Weitere solche Fälle sind (Auswahl): zu Balisgarten ‘ der Garten des Bali / der Familie Bali ’ (1776, Unterbäch), wo unklar ist, ob es sich um einen Beinamen oder eine hypokoristische Form zum FaN Balet handelt, Bosgoltzgarto (1304, Visp), wo ein sonst nicht belegter PN Bosgolt erscheint. Unklar ist im Guriner Garten ‘ im Garten der Familie Gurin ’ (1787, Münster) - ohne weitere Informationen ist unklar, ob es sich hier um jemand aus der Gemeinde Bosco-Gurin (Tessin, Walsergemeinde) handelt (man vgl. den Namen Lamparter ‘ Person aus der Lombardei ’ ), oder um jemand, der den Namen Gurin als Gartu 235 236 <?page no="384"?> Beiname oder Familienname führte. Bei ts Heersch Gaartu (Niedergesteln) ist der Garten des Pfarrers (oder hier Priors) gemeint. in Karlen Garten (Zeneggen) ist doppeldeutig: ‘ im Garten des Karl / der Familie Karlen ’ . im Heinegaarte ‘ im Garten des Heinrich / der Familie Heinen ’ (Ulrichen) ist ebenfalls mehrdeutig. Ziemlich sicher ein Familienname ist jedoch in Minnigsgarten ‘ der Garten der Familie Minnig ’ (1673, Brig) enthalten. Anders wieder in Thomisch Garten ‘ im Garten des Thomas / der Familie Thomi ’ (1700, Mühlebach). Nur sehr selten ist ein nachgestellter Genitiv wie in sub horto Escherro ‘ unter dem Garten der Familie Escher ’ (1624, Baltschieder). Das lateinische Wort hortus ‘ Garten ’ braucht hier nicht ein Flurname zu sein; Escherro ist ein Genitiv Plural, der einen FaN wie Escher oder Imesch als Basis hat. Nicht selten sind Bestimmungswörter, die selbst Flurnamen sind oder lokal naheliegende Gebiete bezeichnen. So sind die Bielgäärtu ‘ Gärten beim Biel (Hügel) ’ (Zeneggen) nach einem Biel benannt, die Bietschgäärtu ‘ Gärten beim Bietschi ’ (Raron) nach dem Bietschbach, die Biinugäärtjjini ‘ die kleinen Gärten bei der Biinu (Pflanzplatz) ’ nach einer Biinu usw. Weitere derartige Bestimmungswörter sind Bode, Brunnu, Chriiz, Driell (Traubenpresse), Eril (Erlen), Flüe, Furu (Furche), Giessi (Wassertümpel), Hell (Hölle), Hubil, Mili (Mühle), Mischi (sumpfige Stelle), Mos, Ofu, Ried, Riti (gerodetes Gebiet), Saflisch, Zuba ‘ Wasserfuhr ’ und andere. Viele dieser Möglichkeiten gelten auch für die Komposita wie Böumgaartu und Wiingaartu, die im Einzelnen in der Datenbank verzeichnet sind. Hier nur zwei Beispiele für komplexe Bildungen: Brugger Bongarten ‘ der Baumgarten der Familie Brügger / Brigger ’ (Turtmann) und Sratwyngarto ‘ der Weingarten beim Schratt (Felsspalten) ’ (1327 Naters). Als Bestimmungswort tritt das HL mit seinen Varianten deutlich seltener auf. Grundwörter sind Acher, Gassa, Lowwi (Rutschgebiet), Matta, Schleif, Stüde, Stuck, Wäg, Wald und andere. Öfter kommt Gartstatt oder Gartstette (Bürchen, Ernen, Münster, Visperterminen) vor, das eine Stelle bezeichnet, die als Garten geeignet ist (vgl. I D . 11, 1727). Zu diesen einfachen Komposita können auch komplexere gebildet werden: Pfarriigaartustraas ‘ die Strasse vom / zum Pfarreigarten ’ (Visp), Schlüöchtgartweide ‘ die Weiden beim Schlüöchtgarte (Garten bei der Geländeeinbuchtung) ’ (Unterbäch) oder der Trútschardigen Weingarten ‘ der Weingarten der Familie Trutschard ’ (Leuk), die im 16. Jahrhundert belegt ist. Ableitungen zu Gaartu sind kaum belegt. In Mund und in Birgisch heissen Wasserleiten Gärggeri ‘ Wasserleite, die bei den Gärten vorbeifliesst ’ . Unsicher ist eine Ableitung auf / - EL / in Gärtelbodi ‘ der kleine Boden beim kleinen Garten / der gertelförmige kleine Boden ’ (Mund) und dem nur historisch belegten Gertilwasserleita (1391, Mund), wo unklar ist, ob Gartu oder Gertel zu Grunde liegt. Da letzteres aber sonst in den Namen fehlt, kann hier wohl eine seltene / - EL / -Ableitung zu Gartu angenommen werden, hier vermutlich mit diminutiver Bedeutung. Garun Garun ist nur historisch 1235 als in der Garun ‘ beim gerüsteten Gut ’ (Münster) belegt. Es handelt sich um ein feminines Nomen im Dativ. Der Flurname dürfte zum mhd. garwe ‘ Zubereitung, Zurüstung; Kleidung, bes. die priesterliche ’ zu stellen sein (L EXER 1, 892), hier wohl einfach als ‘ gerüstetes Gut ’ zu verstehen, also ein gepflegtes Gut. Garusch Garusch ist nur als im Garusch (Varen) belegt. Historisch wird dem Namen ou carro (1351) (cf. HL K AARU ) zugewiesen. Vermutlich wird im lebenden Namen ein früheres / z/ ausgesprochen, das als Carroz ‘ [c]oin de terre, angle, parcelle de terrain ’ (Ecke, Geländeparzelle) aufgeführt ist (B OSSARD / C HAVAN 2006, 104) und auf lat. QUADRARE und QUADROS zurückgeführt wird (M EYER 1914, 170; T AGMANN 1946, 29). Gäruscht Gäruscht ist nur in der Gäruschtschleif ‘ der Schleif im Gebiet, wo es Gäruscht (Meisterwurz) hat ’ (Gampel) belegt. Laut M ARZELL (3, 646) wird die Bezeichnung im Lötschental für den Meisterwurz verwendet (B ELLWALD 1956, 85; B LOETZER 1986, 309). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 986) kennen den Meisterwurz als P EUCEDANUM OSTRUTHIUM , der ursprünglich alpin belegt ist. I D . (2, 404) kennt dafür Gërrisch und (16, 1730) Gërisch-. Der Schleif ist hier nach der Pflanze benannt. Gärwerra Gärwerra und seine Varianten Gärwela und Gärwola sind zu schwdt. Gërmere n , Gërwere ‘ V ERATRUM ALBUM , Weisser Germer ’ oder ‘ Weisse bzw. Schwarze Nieswurz; Herbstzeitlose ’ (I D . 2, 418; M ARZELL 4, 1015 f.) zu stellen. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1262) kennen V ERATRUM ALBUM ‘ Gemeiner Germer ’ . Nieswurz ist bei ihnen nur als H EL- LEBORUS ORIENTALIS (S. 100) belegt, die übrigen Formen sind nicht alpin. Hierher gehört nach A. B ELLWALD (1956, 86 Gemernä ‘ Veratrum album ’ ) auch der Beleg ts Geemernä (Ferden). Als Simplex ist im Plural belegt di Gärwole (Eisten), di Gäärwele (Saas-Almagell), di Gäärwerre (Eischoll), ts Geemernä (Ferden) und historisch Zer Gerwerren (1304, 237 238 Gärwerra <?page no="385"?> Raron). Diminutive sind ts Gäärwerli (Grächen, Mund) und im Plural di Gärwilini (Saas-Almagell). Ein Namennest bildet sich in Bürchen um den Weiler Ze Gäärwerru, der unklar ist - handelt es sich wirklich um den Pflanzennamen oder doch um eine Siedlung ‘ bei den Gerbern ’ als Berufsname oder als FaN - auch die ältesten Belege sind mehrdeutig (ca. 1280 van den Guerweren)? Zu diesem Weilernamen zu stellen sind di Gäärwermatte, die Gerwersuohn (1781), der Gärwerwaald, die Gerwerwasserleÿtu ᵕ n (1547); auch Gerber Dorff (1685, Bürchen) gehört wohl hieher. ts Gäärwerrutoli ‘ die kleine Mulde mit Weissem Germer ( VERATRUM ALBUM ) ’ (Randa) hingegen ist klar mit dem Pflanzennamen verbunden, ebenso der Gärberruwald (Niedergesteln). Etwas unklar bleibt di Gäruwase ‘ die Wiesen mit Weissem Germer ’ (Mund), das 1819 als Gernwasen erscheint, in Anlehnung an gääre ‘ gern ’ ; möglicherweise könnte aber auch an Gere n ‘ spitzer Streifen Landes ’ (I D . 2, 401, Bed. 6; cf. HL G EER ) gedacht werden. Einen Sonderfall bilden mehrere Belege für der Gälmer (Obergesteln) und ts Gälmer (Ulrichen), das nicht ein Plural zum HL G ALE ist, sondern laut Gwp. Unkraut meint, das bei Ziegen Brechreiz verursacht. Es gehört auch zu Gërmere n (wohl V ERATRUM ALBUM ). In Ulrichen bildet sich um Gälmer auch ts Hinner Gälmer, der Gälmerstafel, Gälmerbärge (FLNK) und an Gelmers Boden (16? ? (ca.)). Es handelt sich hier um ein Gebiet im Ägenetal, das wohl auch als Alpe diente, aber sicher kein Gale ist, während das bernische Gebiet Gelmer (LT, BENB 1, 2, 10 Gälmer; wo eine Ableitung zu Galm angenommen und die Deutung auf Gërmere n abgelehnt wird) namengebend für t Hinnere Gälmerheerner (Oberwald) sind. In Obergesteln finden sich zwei Belege, das schon genannte der Gälmer im Talboden und der Plural ine Gälmer, wo laut Gwp. keine <gälmer> (Pflanzen) wachsen; die Höhenlage (1811 m) und der Bewuchs deuten aber auch nicht auf einen Gale hin. Historisch tritt nur das maskuline jm Gälmer (1673 u. später) auf, sodass wohl die Pflanze V ERATRUM ALBUM gemeint ist. Unbestimmt bleibt ein Beleg von 1472 das Gelmer-Bort ‘ das Bord (Abhang, Böschung) mit V ERATRUM ALBUM ’ (Obergesteln). Gasa Gasa f. ist nur zweimal in Gagranda (Zwischbergen; LT Cagranda, SK Cagrandä) belegt; einerseits ist ein grosses, allerdings nicht mehr benutztes Haus und anderseits ist eine Alpe gemeint. J ORDAN (2006, 392) listet neben Ggagranda auch Ggasa Granda, Ggagraanda auf. Der Flurname ist ein Kompositum aus lat./ it. CASA ‘ Hütte, Haus ’ und dem Adj. lat. GRANDIS , it. grande ‘ gross ’ (RN 2, 8; REW 1728, FEW 2; D EVOTO / O LI 2020, 382 s. v. casa). Das dialektale ca ‘ Haus ’ ist in LSI (1, 551 ss.) belegt. Gasel Gasel f. ist einerseits 1356 in Ried-Mörel als Gaselmatta ‘ die Hauswiese ’ belegt. Vermutlich gehört das HL zu lat. CASALE ‘ zum Haus gehörig ’ (BENB 1, 2, 28). Anderseits ist der Gaselwäg ‘ der Weg bei der Villa Cassel ’ (Ried-Mörel) belegt, das nicht hieher gehört, sondern zum HL C ASSEL (FaN) zu stellen ist. Gaseten Gaseten ist nur in einem historischen Beleg von 1586 als die Gaseten ‘ die kleinen Häuser / die kleinen Teile von Getreidescheuern / wo Gras wächst ’ (unklar) belegt. Das Dokument spricht davon, dass die Leute gemeint sind, die diesseits der Turtmänna am Ort, der die Gaseten genannt wird, wohnen. Das spricht für den östlichen Teil von Turtmann. Ein romanischer Name müsste zum Etymon lat. CASA ‘ Hütte ’ (FEW 2, 449 ff., wohl mit dem Suffix / - ITTA / / / - ITTU / ) oder zu lat. CAPSU mit dem Suffix / - ITTU / (cf. G PSR 3, 520 s. v. chesset ‘ Teil einer Getreidescheuer ’ ) gestellt werden; beide sind allerdings in der Westschweiz nur selten belegt. Möglich ist auch ein Zusammenhang mit Grasatmi (1424), Grasseten (1752) und in den Graseten (1817) zum lebenden Beleg di Grasete, die deutlich östlich von Turtmann liegen. Ob die Ableitung von Gras, die hier vorliegt, eine Verdeutlichung des nicht mehr verstandenen Gaseten darstellt, ist unklar. Gasner (FaN) Gasner (FaN) ist als Gasner, Gasser, de Vico belegt Er betrifft mehrere Familien des Oberwallis, aber ohne bekannten Zusammenhang (AWWB 105). Das Simplex des FaN ist in Unterems als Zen Gasneru (auch LT Ze Gasneru) belegt; die ältesten Belege von 1636 u. später haben Zen Gasnern und verwandte Formen. Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ kennt sie jedoch nicht. In Unterems sind weiter Gaasneru Eggu ‘ die Ecke der Familie Gasner ’ , Gassnero Gu ᵉ tter ‘ die Güter der Familie Gasner ’ (1560, Unterems), Gasneruhalte ‘ die Halden bei Ze Gasneru (bei der Familie Gasner) ’ , in den Gasner Matten ‘ in der Wiese der Familie Gasner ’ belegt. Dazu kommen Oberems ts Gaasalpji ‘ die kleine Alpe der Familie Gasner (laut Gwp.) ’ und der Gaasuwald ‘ der Wald beim Gasalpij (kleine Alpe der Familie Gasner) ’ . In Ergisch ist 1707 z Gasen Schirlÿ ‘ die kleine Scheuer der Familie Gasner ’ belegt. In Salgesch ist 1494 von magna Gasnerraz die Rede: es handelt sich um ein Grundstück in campo duran (Tschangerang) und es lässt sich als ‘ der grosse Besitz der Familie Gasner ’ verstehen. Es bleiben zwei Belege aus Grengiols: t Gaasematta ‘ die Wiese der Familie Gasner ’ und der Gaasewald ‘ der Wald der Familie Gasner ’ . Beide befinden sich beim Gasa 239 240 <?page no="386"?> Gasiwald (LT, FLNK) und etwas tiefer bei der Gasematta (LT, FLNK). Die nächstliegende Deutung bezieht sich auf den FaN Gasner; eine romanische Grundlage ist hier sehr unwahrscheinlich. Unklar ist weiter Gansererun (1643, Ausserberg, mit weiteren Versionen, aber alle mit / n/ vor dem / s/ ). Es dürfte sich wohl um ein Stück Land handeln, das der Familie Gasner gehörte (cf. aber HL G ANSNERRIN PN). Gassa Gassa f. ‘ Gasse ’ ist zu schwdt. Gass f. ‘ Gasse, Durchgang zwischen Häuserreihen (oder sonstige Erhöhungen), gepflastert oder nicht ’ , 1) wie nhd. 2a) ‘ mit Rasen bewachsener Feldweg ’ 2b) ‘ tief ausgewaschener Weg, alter Hohlweg ’ (I D . 2, 449 f.) zu stellen. Die wdt. Form Gassa, Gassu ist zweisilbig (G RICHTING 1998, 84) Daraus abgeleitet sind die FaN Gasner und Gasser, in latinisierter Form de Vico (cf. AWWB 105), sowie An der Gassen; es ist nicht immer klar, ob ein Familienname vorliegt oder nicht. Die Belege sind deswegen zusammengenommen. Den lateinischen Appellativen strata ‘ Strasse ’ , via ‘ Weg, Strasse ’ und vicus ‘ Dorf, Gasse ’ entsprechen die deutschen Ausdrücke Gassa, Straass und Wäg und deren Diminutive. Im Allgemeinen ist Straass eher gebraucht für die grosse Landstrasse (lat. VIA REGIA ) und, in neuerer Zeit, für die breiten Strassen in grösseren Gemeinden, sowie für neuere Strassenverbindungen zwischen dem Tal und Bergdörfern. Gassen sind dagegen meist kleinere, manchmal gepflasterte, manchmal eingezäunte oder mit Einfriedungen versehene Verbindungswege zwischen oder innerhalb von Gemeinden oder Dorfteilen. Wege sind häufig schmaler, weniger breit und weniger ausgebaut als Gassen oder gar Strassen. Im Einzelfall können aber die Bezeichnungen auch ausgetauscht werden. Das Simplex Gassa ist meist verbunden mit einer Präposition wie In, Zu, Unner, Ob mit einer obliquen Form im Singular oder Plural (was in der geschriebenen Form nicht immer unterscheidbar ist, wenn der Artikel fehlt); einen Sonderfall stellt Zwisched Gasse ‘ zwischen den Gassen ’ (Ulrichen) für ein Gebiet zwischen zwei Gassen dar. Als Diminutiv tritt Gässi auf, daneben Gässilti, Gässji mit den schriftsprachlichen Äquivalenten Gessin, Gessiltin oder Gässelte. Plurale des Diminutivs fehlen. Adjektivische Konstruktionen mit Gassa als Grundwort sind das häufige Alt Gassa ‘ alte Gasse ’ , sowie Gmeine Gasse ‘ Gasse, die der Gemeinde gehört ’ , zem Grossu n Gässi (Raron), Engi Gassa, Holi Gassa ‘ Hohle Gasse (Gasse, die in einer Höhlung oder Einbuchtung verläuft) ’ , Lengi Gassa, Ober Gassa, Undri oder Unner Gassa, Teiff Gassa ‘ tiefe Gasse ’ , Voder Gassa ‘ vordere Gasse ’ und Wiit Gassa ‘ weite Gasse ’ (die Belege sind typisiert). Sehr häufig sind Konstruktionen mit Gassa oder Gässi als Grundwort und Ortsbezeichnungen als Bestimmungswort, die angeben, woher bzw. wohin eine Gasse führt. Öfter kommen vor Alpgassa oder Aupgassa ‘ der Weg zur Alpe ’ , Bärggassa ‘ der Weg auf das bergwärts gelegene Gebiet ’ , Bielgassa ‘ der Weg zum Hügel ’ , Bingassa ‘ der Weg zur Bina (Pflanzplatz), Chrizgassa ‘ Kreuzgasse ’ , wobei hier eine Gassenkreuzung ebenso gemeint sein kann, wie eine Gasse bei einem Weg- oder anderem Kreuz, Erilgassa ‘ die Gasse zu / bei den Erlen ’ , Geissgassa ‘ die Gasse, durch die man die Ziegen treibt ’ , Hergassa ‘ die Gasse, an der der Pfarrher wohnt ’ , Miligassa ‘ Gasse von / zu der Mühle ’ , Spitaal- oder Spittelgassa ‘ Gasse vom / zum Spital / Spittel ’ , Treichgassa ‘ Gasse, die zur Tränkstelle führt ’ und viele andere mehr. Nicht ganz einfach sind Staaldgassa und Stutzgassa; sowohl Staald-, als auch Stutz bezeichnen steile An- oder Abstiege. Wenn es sich um sogenannte Kopulativkomposita handelt, dann ist die Gasse selbst so ein Stalden oder ein Stutz; wenn nicht, dann führt sie zu einem Stalden oder einem Stutz. Auf Grund der Angaben und auf der Karte lässt sich hier meist nichts Genaueres sagen. Selten sind adjektivische Erweiterungen wie ts Chlei Feitierugässi und ts Groos Feitierugässi (beide Leuk) ‘ das kleine und das grosse Gässchen nach Feithieren (Ortsteil von Leuk) ’ . Geradezu ein Gegensatz scheint zunächst die Alten Junggassen (1653, St. Niklaus) zu sein, doch ist hier die Alte Gasse zur Alpe Jungen gemeint. Einen seltenen Fall mit nachgestelltem Genitiv (wenn wir richtig sehen) ist zer Gassen Rubiltin (1633, Martisberg) ‘ zur Gasse des kleinen Rubi ’ , wobei Rubi wohl ein PN oder ein FaN ist. Seltener ist Gassa als Bestimmungswort. Belegt sind etwa Gassenmatte (1543, 1679 Birgisch) ‘ die Wiese bei der Gasse ’ , in den Gasso Achra ‘ in den Äckern (bei) der Gasse ’ (1744, Erschmatt), Gassunachra ‘ die Äcker im Gebiet Gassun ’ (Blatten), Gassu Bodu ‘ der Boden beim Dorfteil zer Gassu ’ (Leukerbad) oder das Gassewägi ‘ kleiner Weg zum Gebiet Gasse ’ (Oberwald). Etwas unklar ist Gassen Schnitten (Bister) ‘ die Streifen Landes bei der Gasse ’ . Auch in Oberwald ist belegt Gasseteil ‘ das der Famile (an der) Gassen zugeteilte Gebiet ’ ; hier ist also vermutlich ein FaN vertreten. In Gassero Ledi, Gassero Halta, Gassero Wier (alle Ried-Brig) sind die Einwohner der Gassa, eines Dorfteils von Ried-Brig, gemeint; ähnlich ist wohl Gasseraloch (Ried-Brig) zu werten. Bei Gassero Wald (Stalden) könnte ein FaN Gasser vorliegen, ebenso in Gasserwaaldji (Naters). Gässi als ‘ enger Durchgang im Gebirge ’ ist in Gässijoch und Gässispitz (beide Oberems und St. Niklaus) vertreten. Nur einmal ist ein vorangestellter Genitiv vom Typ Gassigo (Eischoll) zu finden, der Beleg ist sonst latei- 241 242 Gassa <?page no="387"?> nisch: Alpem gassigo ‘ die Alpe der Leute von Gassen / der Familie Gassen ’ . Gasseling Gasseling ist als lebender Beleg für Albinen von FLNK aufgeführt. M ATHIEU (2006, 41) kennt es als Ggasseling. Vermutlich gehören auch historische Belege von 1657 au Cahseling und 1697 im Casselin dazu, die zum HL C AS- SELIN und zum FaN G ASNER gestellt werden. Auffallend ist, das anlautendes / k/ hier nicht zum sonstigen / sch/ oder ähnlich wurde. Das spricht eher gegen ein romanische Herkunft, sodass der FaN Gasner (cf. HL G ASNER (F A N)) wohl auch hier als Besitzername eines kleinen Gutes zu verstehen ist. Gasser (FaN) Gasser (FaN) ist der FaN Gasser, auch Gasner, de Vico, etc. und benennt mehrere Familien des Oberwallis (AWWB 105). Gasser kann auch Herkunftsname zu Gassa ‘ die Gasse ’ sein. Das gilt etwa zu den Belegen in Cumulo Gassero ‘ auf dem Hügel der Leute vom Ortsteil Gassa / der Familie Gasser ’ (1709, Ried-Brig), in Gassero Halten ‘ in der Halde der Leute vom Ortsteil Gassa / der Familie Gasser ’ (1679 (ca.), Ried-Brig), apud Gassaro Ledin ‘ bei der Ledi (Aufladestelle) der Leute vom Ortsteil Gassa / der Familie Gasser ’ (1393, Ried-Brig), Gassero Wÿer ‘ der Weiher der Leute vom Ortsteil Gassa / der Familie Gasser ’ (1716, Ried-Brig), die alle zum HL G ASSA gestellt sind. Auch in Gassero Walt ‘ im Wald der Familie Gasser / der Leute von der Gassa ’ (1761, Naters; 1685, Stalden) gehört hieher. In allen Fällen liegt ein vorangestellter schwacher Genitiv Plural vor. Einen starken Genitiv Singular findet man in Gassers Stadoll ‘ der Stadel der Familie Gasser ’ (1743, Gampel) und in Gassners Matten ‘ in der Wiese der Familie Gasser ’ (1762, Turtmann). Einen schwachen Genitiv Plural hat Gassern Bau ᵕ mgarten ‘ der Baumgarten der Familie Gasser ’ (1862, Naters). Eine / - ERE / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) findet sich in Zen Gassneren ‘ bei den Gütern der Familie Gasser ’ (1685, Oberems). Gast Gast m ist zu schwdt. Gast m. ‘ Gast ’ , amhd. gast (I D . 2, 483 f.) zu stellen; bei G RICHTING (1998) findet sich kein Eintrag. Sicher hierzu gehören der Gaschthof und historisch 1452 Gasthus, 1609 Gasthuss in Simplon-Dorf; die beiden Namen gehören wohl zum gleichen Gasthaus. Die Namen Gast-Matten (1868, Feschel) und Gastmettilti (1544 u. später, Brig) gehören wahrscheinlich zu Gast als Fremdling, dem eine Wiese oder eine kleine Mähwiese gehörte. Gaster Gaster ist nur als im Gaschterlin (Blatten) belegt. Es handelt sich um den Teil der Alpe Aana auf ca. 2240 m. Soweit erkennbar, befindet sich dort kein Gebäude. Dennoch scheint es zu schwdt. Gast(e)re n f. ‘ enger, mit Balken eingefasster Verschlag auf dem Heuboden, unter dem Dach, über dem Melkgang einer Alpensennhütte, wo die Hirten ihr Notlager haben ’ (I D . 2, 486; BENB 1, 2, 31) zu stellen zu sein, hier aber wohl metaphorisch. Ob der Flurname zu lat. * CASTRONO / CASTRONA , wie das H UB- SCHMIED (1940, 17 f.) annimmt, zu stellen ist, bleibt unsicher. Alternativ wäre lat. CASTRUM (FEW 2, 476 ff. s. v. CASTRUM festung) zu berücksichtigen, eventuell in der Pluralform CASTRA ‘ Lager ’ . Im Lötschental sind zwar jüngere romanische Namen selten, ein Lehnappellativ ist aber durchaus möglich. Gasu Gasu ist als lebender Name nur in Gasuried ‘ Gasenried (Weiler von St. Niklaus) ’ (St. Niklaus) belegt. Gasu / Gasen ist die verdeutschte Form von St. Niklaus (Zaniglaas), dessen älteste Form Chouson heisst. K RISTOL ET AL . (2005, 793 f.) gehen davon aus, dass die ursprünglich romanische Form Chouson ab dem 13. Jhdt. langsam vom Patrozinium der Kirche von St. Nikolaus abgelöst wird. Die ältere Form Gasu / Gasen ist offenbar vor der Entwicklung von / g/ > / tz/ im Oberwallis übernommen worden. Die Autoren gehen generell von einem PN Calidius (S CHULZE 1991, 138 u. ö.) aus, der üblicherweise zu Calidionis entwickelt worden wäre. Das setzt voraus, dass die altfranzösische Vokalisierung von / l/ durchgeführt worden ist, was zu einem / a/ in Gasen führte; die Entwicklung von / d/ > / s/ wäre dann sekundär zu erklären. Zu einer Diskussion siehe den Gemeindenamen St. Niklaus. Gatjen (FaN) Gatjen (FaN) ist nur belegt in von der u ᵕ ntern Gatjen Alpe (1851, Brig). Gatjen lässt sich zum FaN Göttier, Gattier et al. (Register der HRBS) stellen und würde dann ‘ die Alpe der Familie Gattier ’ heissen (cf. HL G ETTJA ). Der FaN Gattlen (AWWB 106) wäre nur mit der Palatalisierung (/ l/ > / j/ ) möglich; er ist für Brig nicht belegt. Gattalf Gattalf ist zu lat. * CATABULUM (Nebenform zu lat. CATABULA ) ‘ Niederwerfen, Windbruch, Holzschneise ’ > altrom. *cad ā vel > (mit Lautsubstitution und Lautverschiebung d>t), altalem. *Gattafel, schwdt. Gattafel u. ä. (BENB 1, 2, 32 f.) zu stellen. Dieses Lehnappellativ (nach G LATTHARD 1977) lässt sich am ehesten durch das sonst gebräuchliche Schleif übersetzen. Das Lexem erscheint als Simplex im Singular in verschiedenen Formen als Gatauel (1342, Gasseling 243 244 <?page no="388"?> Bister), Gattalfen (1327 u. später, Naters), Gatolfo (1301 u. später, Raron), der Gattafel (Eyholz), zem Gatlof (1444, Ergisch), am Gattloff (1624, Eischoll), an den Gottafell (1601, Niederwald). Als Simplex im Plural erscheinen jn dÿe Gattlaffa (1587, Betten), di Gotthälffe (Unterbäch; 1396 als Gattalflin), in den Gothelfen (1552 u. später, Naters). Die Formen mit Gott sind wohl fromme Interpretationen des nicht mehr verstandenen Gattafel. Unklar, aber vermutlich auch hieher gehören ts Gatloch (Filet) und im Gattloch (1751, Eischoll), die eventuell durch das Lexem Loch mitbeeinflusst wurden. Sie könnten aber auch zu Ch ā t ‘ Kot; Exkrement von Menschen und Tieren; Kehricht, Schmutz, Unrat ’ (I D . 3, 557) gestellt werden. Bei G RICHTING (1998) ist das Lexem so nicht belegt. Als Bestimmungswort tritt das Lexem Gattlaf in ähnlichen Formen zu den Grundwörtern Acher, Grabo, Egga, Wald und Wasserleita auf. Gattloch und Gattlucht (der Gattluchtwald (Ried-Brig)) sind auch hier vertreten; sie werden zu Gattalf gestellt, auch wenn andere Lexeme mitspielen können. Einen Sonderfall stellt der Genitiv Plural Gatalverro Kromo (1320, Naters, mehrere Varianten) dar: ‘ die eingezäunte Wiese der Leute von Gattalfen ’ , also eine Herkunftsangabe im Genitiv Plural. Gattlen (FaN) Gattlen (FaN) ist zum FaN Gattlen, Gattelen, Cattlun, Catlo, Catlen, Cattlen zu stellen, eine alte Familie von Bürchen und Raron, seit dem 15. Jh. bekannt (AWWB 106). Die Belege enthalten den FaN im Genitiv: ts Gattlusch Balmu ‘ der überhängende Felsen der Familie Gattlen ’ (Hohtenn) und ts Gattlusch Stadol ‘ der Stadel der Familie Gattlen ’ (Stalden). Einen schwachen Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung zeigen: Gattligo Wald ‘ der Wald der Familie Gattlen ’ (1557, Zeneggen, später andere Formen) und Gatligen Gietji ‘ das kleine Gut der Familie Gattlen ’ (Stalden). Komposita sind ts Gattlugeesch ‘ das Geesch der Familie Gattlen ’ (Raron, oberhalb dem Weiler Geesch) und dr Gattluwang ‘ der Grasabhang der Familie Gattlen ’ (Raron). Unklar bleibt di Gattlafet ‘ die Grasbänder der Familie Gattlen ’ (Törbel), das u. U. auch zum HL G ATTALF ‘ (Holz-)Schleif ’ gestellt werden kann. Gattlo Gattlo ist nur in ts Gattlo (Eischoll) und ts Gattliloch (Grächen) belegt. Der erste Beleg könnte zum FaN Gattlen (cf. HL G ATTLEN (F A N)) gehören, doch sprechen dagegen die Belege von 1396 Zem Gatlane (Eischoll) und 1780 im Gatloss (wobei unklar ist, ob die historischen Belege zum lebenden Namen gehören). Der zweite Beleg ist Gattliloch (Grächen), wohl ein Diminutiv zu Gattlo. Ob ausser dem FaN Gattlen das ältere Gattalf < CATABU- LUM (cf. HL G ATTALF ) eine Rolle spielt, ist fraglich, aber nicht ausgeschlossen. Gattu Gattu ist an zwei Orten belegt: als Name einer Alpe im Lötschental (Kippel und Wiler) mit einem Namennest und isoliert im Kompositum ts Gattuvolch in Niedergesteln. Das Simplex Gattu (Kippel) und die Gattunalpa (Wiler) benennen eine langgezogene Alpe im Gebiet der Gemeinden Kippel und Wiler auf der linken Seite des Lötschentals. Dazu gehören die Komposita ts Gattun Brunnä, ts Gattundmandli, Gattustafel, Gattustapfa, Gattuwald und - komplexer - der Ober Gattustafel und der Under Gattustafel. Eine Deutung von Gattu ist schwer möglich, da alle in Frage kommenden deutschen Wörter, etwa das Verb gatte n ‘ ordnen ’ (I D . 2, 494) oder ‘ passen, paaren ’ (G R W B 4, 1494) und das davon abgeleitete Gatte ‘ zusammen passender Mensch ’ , keine erkennbare Motivation des Namens beinhalten. Auch das rom. cattus ‘ Katze ’ (FEW 2, 515) ist lautlich möglich und könnte auch semantisch (junge Murmeltiere) (cf. HL C HATZA ) passen, würde aber eine frühe Übername (vgl. etwa Gampel) aus dem Romanischen bedeuten. Der Beleg ts Gattuvolch (Niedergesteln) ist zum Grundwort Volch wie in Mannuvolch ‘ die Männer ’ gebildet: es benennt eine felsige Formation oberhalb von Niedergesteln. Der Name findet seine nächste Entsprechung im Ausdruck Gattenvolk der Imkerei - gemeint ist hier ein Bienenvolk mit einer Königin und den Drohnen, mit denen sie sich fortpflanzen wird (Beleg nach www. npz-ev.de/ wp-verein/ npz-geschichte / [14.08.2020IW]); der Ausdruck scheint nur im Norden Deutschlands verwendet worden zu sein. Wenn der Name aus diesem Bereich stammt, wäre er wohl metaphorisch zu verstehen - vielleicht der Weg, der sich so durch den Felsen windet wie eine Bienenkönigin mit den Drohnen fliegt (? ). Weiter gibt es den Beleg Noolevolch, Noolävolch (Goms), Nooluvolch ‘ Narren, Dumme ’ (G RICHTING 1998, 145). Auch hier ist die Deutung unklar, vgl. aber Noll II ‘ einfältiger, blödsinniger Kerl, Narr ’ (I D . 4, 716; im Wallis mit Dehnung). Ob eine der Deutungen zutrifft, kann nicht entschieden werden. Gauen Gauen ist nur einmal belegt in Gauen Wingarto (1310, Niedergesteln). Die Schreibung dürfte für Gaven oder Gafen stehen; die Form scheint ein schwacher Genitiv zu sein, eventuell zu einem PN, möglicherweise eine Kurzform zum FaN Zen Gaffinen (AWWB 49, lat. de Cabanis ‘ von den Hütten ’ ). Da die Deutung unsicher ist, wurde auf den Hinweis auf einen FaN verzichtet. 245 246 Gauen <?page no="389"?> Gauerchin Gauerchin ist nur 1353 in Albinen als au gauerchin belegt. M. S. ist bei der Lesung nicht ganz sicher. Wie P H . K ALBERMATTER (p. c.) mitteilt, kann an Stelle von Gauerchin auch Ganerchin oder Gaverchin gelesen werden. Normalerweise würde ein Name mit anlautendem cain den frpr. Patois, die im 14. Jahrhundert in Albinen gesprochen wurden, mit tsa- oder tschawiedergegeben werden. Es ist allerdings möglich, dass ein anlautendes quaals gaerscheint. Eine Deutung ist jedoch nicht möglich, da einerseits die Lesung unklar ist, und anderseits kein Anknüpfungspunkt gefunden werden konnte. Gaune Gaune Adj. ist nur 1817 in Mund als der Gaúne Acher ‘ der umstrittene Acker ’ belegt. Die Lesung ist nicht ganz sicher. Im Kontext wird der Flurname aúff dem Úndren Kreiz mit einem hyperkorrekten / ei/ geschrieben, sodass auch angenommen werden kann, dass Gaúne verändert wurde. Hdt. Gau wird lokal zu einem langen [u: ] oder [u: w] zu stellen sein. Da ein folgendes [n] im zweiten Fall eher unwahrscheinlich ist, bleibt als Möglichkeit gu: ne. Das ist zwar als Verb im I D . (2, 234) als g ǖ ne n ‘ heulen; sich laut beklagen, sich beschweren; streiten, zanken ’ belegt; die adjektivische Form dazu jedoch fehlt. Die Deutung als ‘ umstrittener Acker ’ ist aber zumindest wahrscheinlich. Gaussere Gaussere f. ist nur einmal 1801 in Eisten als u ᵕ nter der Gau ᵕ sseren belegt. Der Name ist in dieser Form nicht dialektal. Der Diphthong / au/ geht entweder auf ein langes / u: / zurück (das seinerseits im Walliserdeutschen aber zu / ü: / palatalisiert worden wäre), oder es handelt sich um ein Produkt des Staubschen Gesetzes, was zu einer Form *Ganserre führen würde. Das Tier Gans ist zwar im alpinen Raum unbekannt, es gibt aber den FaN Gasner, auch Gasser, latinisiert auch de Vico (AWWB 105), der vielleicht auch 1348 als Ganssner in Unterems belegt ist. Zu diesem Namen könnte später ein sonst nirgends belegtes Gausser entstanden sein. Gaussere wäre dann das Gebiet, das dem Ganssner gehört. Die Endung auf / - ERRA / (S ONDEREGGER 1958, 471 ff., bes. 478 ff.) für „ Besitz oder Wohnsitz des Trägers des betreffenden FaN “ ist gut bekannt. Dennoch bleibt die Deutung sehr spekulativ. Ein Zusammenhang mit dem alten Namen Gasen von St. Niklaus ist schon von der Lage von Eisten her kaum anzunehmen. Gavanon Gavanon ist 1337 in Bratsch als zen Gavanon ‘ bei den Hütten ’ belegt; es liegt bei Ängersch (apud ancheres), wie das Dokument sagt. Die Präposition zen ‘ bei den ’ ist deutsch, das HL ist dt. Gafene ‘ Hütten ’ (cf. HL G AFENE ). Dieses wiederum wird auf lat. CAPANNAS ‘ Hütten ’ zurückgeführt. Es sind hier also eine deutsche Präposition und ein deutsches Lehnwort involviert, das auf eine lat. Grundlage zurückgeht. Die Falschlesung Guvanon muss durch Gavanon ersetzt werden (P H . K ALBERMATTER , p. c.). Geburt Geburt f. ist zweimal historisch in Blatten (Lötschen) als in der Gebyrd (1616) und in der Gebúrtt (1646) belegt. In beiden Fällen handelt es sich um ein Stück Wiese. Vermutlich geht es um eine Form G e -bürt (I D . 4, 1352), die nach I D . (4, 1531) auf Ge-bür 2 zurückzuführen ist und meint „ was sich gebührt, Schuldigkeit, Pflicht “ . Diese Deutung ist für einen Flurnamen eher ungewöhnlich; gemeint ist wohl ‘ das gebührliche Gebiet ’ , also das Gebiet, das jemandem gebührt oder zukommt. Hdt. Geburt (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 338) trifft nicht zu. Gedersch Gedersch ist ein starker Genitiv, der nur in Törbel als Zangedersch ‘ das Gebiet des heiligen Joder (wohl St. Joder Patrozinium von Törbel) ’ (Törbel, FLNK Zangeedersch) und Zangeedersch Bord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) bei Zangeedersch (wohl Sankt Joder, Patrozinium von Törbel) ’ (Törbel) belegt ist. Gwpp. nennen den gleichen Ort der Stotzund Brand ‘ das steile Gelände, das brandgerodet wurde ’ (Törbel). In Törbel ist 1542 die Kapellen Sant Jodren erwähnt, die unter dem HL J ODER (PN) belegt ist. Das HL Z ANGEDERSCH oder Z ANGEEDERSCH besteht aus der Verbindung von Sankt ‘ heilig ’ und Geeder (< Joder < Theodor), wobei das / g/ aus einer Assimilation von auslautendem / t/ und anlautendem / j/ entstanden ist. Das betonte / e/ dürfte aus einer Entrundung eines älteren / ö/ entstanden sein. Zu J ODER vgl. I D . (3, 11 f.), wo auch ein / ö/ belegt ist. Die Motivation für den Namen für eine hochgelegene Flur (ca. 2110 m) ist unklar, doch sind in Zermatt unter dem Namen Theodul mehrere hochgelegene Orte benannt (cf. HL T HEODUL (PN)) und der Heiligenname Joder wird oft als Personenname verwendet (cf. HL J ODER (PN)). Geduirne Geduirne ist nur 1309 in Niedergesteln als ze dem Gedv ᵢ rne ‘ bei dem Dorngestrüpp ’ belegt. Es ist zum Kollektiv Gedörn ‘ Dorngestrüpp ’ (I D . 13, 1645) zu stellen, wo auf mhd. gedürne verwiesen wird. G RICHTING (1998, Gauerchin 247 248 <?page no="390"?> 59) kennt nur die einfache Form Doore, Doorä (Goms), Doora (Mattertal), Doorn (Lötschtal), Dooru ‘ Dorn ’ (cf. HL D OORE ). Geedla Geedla ist belegt als zer Geedla (Täsch; LT Zer Geedla, FLNK Gedla) ‘ bei der Geedla ’ . Der Beleg ist auffällig, weil sonst in diesem Gebiet postkonsonantisches / l/ palatalisiert wird (also Geedla -> Geedja) und weil üblicherweise Feminina auf [-a] im Obliquus hier als [-u] erscheinen. Inhaltlich handelt sich um eine Hütte auf etwa 1640 m. Eine Deutung ist nicht möglich; ein Zusammenhang mit dem HL G ETTJA ist kaum gegeben, aber nicht auszuschliessen. Ob der Flurname zu godle n , gödle n ‘ schwanken, bes. von einer Flüssigkeit in einem bewegten Gefäss; kollern ’ (I D . 2, 122) zu stellen ist, ist unklar. Wenn ja, würde dann hier eine Hütte gemeint sein, deren Boden schwankend ist. Geengionen (PN) Geengionen (PN) ist nur einmal 1547 in Mund als super der Geengionen (? ) Hechin vnder der Badtwasserleÿtten ‘ über der Höhe der Leute des Gengel unter der Badwasserleite ’ belegt. Bei der Badtwasserleÿtten handelt es sich wohl um di Badneri (2) (Nr. 20512), wo sich auch eine Heeji ‘ Höhe ’ befindet. I D . (2, 362 s. v. Gangel) stellt das Wort zum PN Wolfgang und enthält auch Formen wie Gäng und Gengel. Geengionen könnte dann eine Form zu einem PN oder Beinamen Gengel, im Genitiv Plural Geengionen sein, zu verstehen als ‘ die Höhe der Leute des Gengel ’ . Diese Deutung ist aber sehr spekulativ. Geenu Geenu ist zu Geenubiel ‘ am steilen Hügel ’ (FLNK, Bürchen) zu stellen. LT zeigt den Namen südlich von Wüer auf etwa 1370 m Höhe. Geenu ist ein Adjektiv, das zu schwdt. gach (I D . 2, 99 ff. Bed. 4 ‘ steil abfallend oder ansteigend ’ ) und wdt. gää, gee ‘ steil ’ (G RICHTING 1998, 83) zu stellen ist. Die historischen Belege zeigen am, an dem und auf dem, also jeweils mit Dativ, sodass ‘ am steilen Hügel ’ die zutreffende Deutung ist. Geer Geer m. f. n. ‘ spitzer Streifen Landes ’ ist zu schwdt. Ger(e n ) ‘ spitzer Streifen Landes, in einem spitzen Winkel verlaufendes Grundstück, dreiwinkliger Acker ’ , zu amhd. g ē r(e) ‘ Wurfspiess, keilförmiges Stück, Schloss, Saum ’ (I D . 2, 400 f. (Bed. 6); BENB 1, 1, 44; URNB 1, 1284) zu stellen. Das HL fehlt im Bezirk Leuk. Das HL stellt einige Rätsel. Es kommt als Simplex im Singular ts Geer (Münster, Reckingen) vor; das Neutrum ist hier wohl ein Kollektiv wie in ts Ta ‘ der Tannenwald ’ . Als sicheres Maskulinum erscheint es in der Geere (Fieschertal, Niederwald, Oberwald, Ritzingen, Selkingen und Steinhaus). Unklar, ob ein Plural vorliegt, sind di Geere (Simplon, Randa). Es gibt weiter der Geero (Stalden) und der Geeru (Saas-Almagell, Unterbäch). Die historischen Belege sind mehrdeutig: Gehren (1816, Ernen), das aber auch Gerlinon (1469), im Geren (1531) und im Gehrÿn (1816) hat. in Geren (1568, Ausserberg) lässt kein Genus erkennen. Eine ganze Reihe historischer Belege hat Gero (1491, Biel; 1388, Mund; 1289, Staldenried; 1393 Termen; 1435 u. später, Zermatt). jm Geru (1304, Visperterminen) ist deutlich maskulin. Eine Reihe von Belegen zeigt den Diminutiv Singular ts Geeri ‘ der kleine spitze Streifen Landes ’ (Bellwald, Fieschertal. St. Niklaus (mehrfach), Zwischbergen) und einmal als Gehri (Eggerberg). Nicht hieher gehört ts Geri (Unterbäch) mit betonter Zweitsilbe und kurzem / e/ ; es ist wohl zum HL G RII zu stellen. am Gerli (1372, Biel) ist ebenfalls Diminutiv Singular. Der Plural des Diminutivs ist belegt als in den Gerinen (1629, Baltschieder) und di Gerlini (Visperterminen), resp. di Geerlini (Törbel). Attributive Adjektive zum HL finden sich in ts Ober Geer ‘ der obere spitze Streifen Landes ’ (Reckingen), im Obren Gern (1593, Fieschertal), ts Unner Geer (Reckingen), im Vndren Gern (1593, Fieschertal), im Vndren Geerÿ (1637, Fieschertal). Als Grundwort in Komposita kommt das HL nicht vor. Als Bestimmungswort bildet es vor allem in Oberwald und Fieschertal grössere Namennester. In Fieschertal ist dieses Nest um das Simplex der Geere gruppiert, zu dem es der Hinner und der Voder Geerbach, sowie der Geerstäg gibt. im Obren Gern (1592 u. später) und im Vndren Gern (1593) gehören wohl auch hierzu. Ein zweites Simplex ts Geeri ist an einem andern Ort; hierzu ist historisch im Vndren Geerÿ (1637) belegt. In Oberwald ist das Namennest mit der Siedlung Geere am Anfang des Geeretal verbunden. Der Name des Gerental (Oberwald), das historisch als Agerental (ab 1397 bis 1764) belegt ist (bestätigt von P H . K ALBERMATTER (p. c.)) und die Alpe Ageren, die 1548 als in Alpe Agerun (Oberwald) belegt ist, aber ab 1864 als Gerenalp erscheint, deuten auf einen Wechsel hin. Dieser Wechsel ist nicht erklärt; am ehesten dürfte der Anlaut / a/ als Präposition ‘ an ’ verstanden und abgetrennt worden sein (cf. HL A GER ). Das Namennest umfasst bim Geerechäller ‘ beim (Käse-)Keller der Gerenalpe ’ , der Geeregletscher ‘ der Gerengletscher unterhalb des Gerenhorns ’ , ts Geerehore ‘ das Gerenhorn (Gipfelname) benannt nach der Gerenalpe ’ , ts Geereloch ‘ das Loch (Schlucht) des Gerenwassers (Bach aus dem Gerental) ’ , Geerepass (FLNK) ‘ der Gerenpass (LT Östlicher Gerenpass) ’ , Geere Schattehalb 249 250 Geer <?page no="391"?> (FLNK) ‘ die Schattenseite des Gerentals ’ , Geeretal ‘ das Gerental ’ , Gerenweg ‘ der Weg von / nach Geren (spitzer Streifen Landes) ’ (1736), ts Geerewasser ‘ Bach im Gerental ’ , der Geernerwald ‘ der Wald beim Geere(wasser) ’ , ts Ober und ts Unner Geeredorf ‘ das obere und das untere Dorf im Gerental ’ , der Öschtlich und der Weschtlich Geerepass ‘ der östliche und der westliche Gerenpass ’ . Ausgangspunkt des Namennestes scheint die Kleinsiedlung Geere zu sein, die auch Geeredorf heisst. Weitere Grundwörter zum HL sind: Alpa, Bäärg, Bodu, Grabu, Hubel, Matta, Spitz, Stutz, Wald und Wasser. Komplexer ist die Gerwasserleita ‘ die Wasserleitung vom / zum Geer ’ (1783, Bitsch). Schwierig zu erklären ist im Geerig (Obergesteln). Es könnte sich hier um den PN oder FaN Gerung, auch Gerig (cf. HL G ERUNG ) oder um eine kollektive / - IG / -Ableitung zum HL G EER handeln. Letzteres ist allerdings eher unwahrscheinlich, da es um ebene Wiesen im Talboden des Rotten geht. Geesch Geesch ist der Name eines Weilers Geesch bei Raron und Niedergesteln. Zwar ist zu Geesch ein Beleg von 1616 am Geschin gestellt, doch handelt es sich hier um einen Weinberg bei St. German auf der Ostseite von Raron, nicht auf der Westseite. Hingegen scheinen einige historische Belege, die heute dem Weiler Giäsch (Steg- Hohtenn) zugeschrieben werden, zu Geesch zu gehören. So haben die ältesten Belege 1301 an dem Gues und 1302 am Ges, was eher auf Geesch hindeutet. Dagegen ist 1309 Giezo zu Giäsch zu stellen. Der Beleg apud Guers (1320) erwähnt eine Wasserleitung, die hieher führt - das passt zu beiden Weilern. Neben dem Simplex Geesch sind belegt: ts Gattlugeesch ‘ das Geesch der Familie Gattlen ’ (oberhalb Geesch selbst gelegen), Go ᵉ schgassa ‘ die Gasse nach Geesch ’ (1437, Niedergesteln), der Geeschtschuggo ‘ der Felsen bei Geesch ’ (Raron), am Endren Ge ʃ s ‘ am jenseitigen Geesch (Weiler von Niedergesteln) ’ (Niedergesteln), am Mittlen Gösch ‘ am mittleren Geesch (Weiler von Niedergesteln) ’ (1830, Niedergesteln), am Obern Gesch ‘ am oberen Geesch ’ (1799, Raron; 1661 u. später, Niedergesteln), ts Ober Geesch ‘ das obere Geesch ’ (Niedergesteln, zweimal), ts Unner Geesch ‘ das untere Geesch ’ (Niedergesteln). Vermutlich liegt dem Namen rom. CASA ‘ Hütte ’ (FEW 2, 449 f.) zu Grunde, wobei die Entwicklung von betontem / a/ zu / ee/ erklärungsbedürftig bleibt; vgl. auch Gäschi ‘ Hüttchen; kleines, schlechtes Haus ’ (I D . 2, 479) und HL G ÄSCHI . Geezi Geezi ist nur als der Geeziacher ‘ der Acker des Geezi ’ (Randa) belegt. Gwp. sagt, <geezi> sei vielleicht ein Übername. Als solcher ist er entrundet entweder zu Götz II (I D . 2, 582) oder zu Pankratius (I D . 2, 573) zu stellen. Der Acker befindet sich auf rund 1800 m. ü. M.; auf SK ist er im waldfreien Gebiet; heute ist der Ort überbuscht. Das HL G EEZI ist auf VSNB violett eingefärbt, weil vermutlich, aber nicht sicher ein PN vorliegt. Gef Gef m./ n. ist zu schwdt. Verb gaffe n ‘ schauen, zuschauen ’ und dem wdt. gaffe, gaffä (Goms, Lötschental), gaffu ‘ gaffen, herumschauen ’ (I D . 2, 127, mit Ableitung Gäff; G RICHTING 1998, 84) zu stellen, und meint wohl einfach ‘ Aussicht ’ . Es ist für Guttet und Feschel 1810 als auf dem sogenanten Hochen Gef belegt (cf. HL G AFF ). Geheimnus Das HL ist als Keimnussji ‘ der kleine Bildstock mit den Darstellungen der (Rosenkranz-)Geheimnisse ’ (FLNK, Salgesch) nur einmal und im Diminutiv belegt. I D . (2, 1281) kennt das Wort Geheimnus, aber nicht in der hier vorliegenden Bedeutung. M ATHIER (2015, 71) beschreibt den Bildstock und sagt, dass es sich beim Bildstock um Darstellungen der Rosenkranzgeheimnisse handle. Er gibt als weitere Aussprachen Kimbussji und Kimnussji. Wie G R W B (5, 2360, s. v. Geheimnis n., f.) ausführt, wird das Wort von Luther in religiöser Sprache für das griech. Mysterion, lat. M YSTERIUM verwendet. Die Rosenkranzgeheimnisse betreffen insgesamt fünfzehn (heute: zwanzig) Glaubensereignisse, die in das Ave Maria eingefügt werden und sich traditionell in den freudenreichen, den schmerzhaften und den glorreichen Rosenkranz gliedern. Papst Johannes Paul II. fügte 2002 den lichtreichen Rosenkranz hinzu. Gehüt Gehüt ist nur 1744 als Reckiger Gehüt ‘ die Hut von Reckingen ’ belegt. Das Dokument spricht von einem Stück Land zwischen dem Kúhethall (Chietal) und dem Reckiger Gehüt. Zu stellen ist der Flurname wohl zu schwdt. G e hüet n., wohl zu verstehen als ‘ wo das Vieh von Reckingen gehütet wurde ’ . Das machmal hdt. verwendet Hut, schwdt. Huet II als ‘ Teil einer Gemeinde ’ (I D . 2, 1793, Bed. 5) liegt ebenso nahe wie Bedeutung 4. ‘ [d]ie Herde der Gemeinde ’ (für das Wallis bezeugt). Geimmu Geimmu (Naters) ist der Name eines Weilers im Natischerberg, er wird lebend mit der Präposition ze (phonetisch ts) verwendet, die fest ist, in den historischen Geesch 251 252 <?page no="392"?> Belegen ohne Präposition. Historisch ist der Ort um 1207 als Goimuna, 1327 in dy`n Gu ᵛ mun, 1343 ab Gommo, 1399 apud Goy`mon benannt. Später wird der Name entrundet zu Geim- (ab 1526 Geymon). Die ältesten Belege deuten auf einen romanischen Namen, der zu *gaumjan (FEW, 16, 26) zu stellen ist und wohl einfach ‘ Schaum, Gischt ’ meint. Der Weilername bedeutet dann ‘ Ort, wo die Bäche zusammenfliessen ’ (Kelchbach und Bruchji). Deutungsversuche mit dem dt. Stamm Gaum-, ursprünglich wohl das Verb ahd. goumen ‘ hüten, sorgen für ’ (I D . 2, 299 ff.) - sind kaum zutreffend, da eine Entrundung nach der Palatalisierung hätte stattfinden müssen. I D . (2, 301) verweist auf einen Flurnamen Gaumberg im Saanenland, der aber im BENB nicht verzeichnet und daher auch nicht gedeutet worden ist. Neben dem HL als Bestimmungswort sind die folgenden Grundwörter in zweigliedrigen Komposita belegt: Blatt, Gufer, Hooru und Matta (alle Naters). Die Ableitung Jm Geiminer (1665) in Raron ist - anders als andere Bildungen - nicht direkt auf den Weilernamen zurückzuführen. Es könnte sich aber um einen Herkunftsnamen handeln (das Grundstück der Familie aus Geimen). Hinweise darauf sind allerdings nicht belegt. Geisantli Geisantli n. ist nur als ts Geisantli (Leukerbad, FLNK Geissantli) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 24, Blatt 10, Nr. 47 und Blatt 11, Nr. 42) kennt es als Geyssantli. Laut Gwp. handelt es sich früher um Äcker, heute erlegen und überbaut; auf SK befindet sich dieses Gebiet deutlich ausserhalb des damaligen Dorfes. Wenn der Name ein Kompositum ist, kann der erste Teil als Bestimmungswort zu Geiss ‘ Ziege ’ (I D . 2, 454) gestellt werden; der zweite Teil Antli als Diminutiv lässt sich als Grundwort zum PN Anna (I D . 1, 260) oder zum PN Anton (I D . 1, 350) stellen. ts Geisantli wäre dann ‘ der Acker der Ziegen-Anna oder des Ziegen-Anton ’ . Inhaltlich beschreibt R ÜBEL (1950, 96) den Vorgang detailliert; der Geisshirt, der vom Gemeinderat gewählt wurde, führte die Ziegen aus dem Dorf auf die Weide und wieder zurück. Er erhielt dafür von den Ziegenhaltern zu essen. Die vorgeschlagene Deutung gilt nur für ein Kompositum. Für eine Deutung als Einheit liegt kein Anknüpfungspunkt vor. Geischi Geischi n. ist in Unterbäch als ts Geischi, in Blatten als zem Geischin und di Geischischiirä ‘ die Scheuern bei zem Geischin ’ belegt. Obwohl sich zum HL G EISS ein Diminutiv ts Geischi bilden liesse, ist dieses nirgends belegt. In Unterbäch wird in einer Quelle von 1655 jm Gänsy angenommen. I D . (2, 369 s. v. Gans) führt zwar aus, dass Gänse im Gebirge unbekannt waren, zitiert danach aber eine Reihe von Belegen, die zeigen, dass von Gänsen (z. B. auch Schneegans) früher die Rede gewesen sei. SDS (2, 133) zeigt, dass das Wort im Wallis zwar bekannt war (ausser in den Vispertälern), aber nicht dem Staubschen Gesetz (Vokalisierung von n vor einem Reibelaut) unterliegt. Die Form aus Unterbäch könnte also durchaus auch hyperkorrekt sein. Dennoch bleibt die nächstliegende Annahme eine vokalisierte Form Geisch- ‘ Gans ’ mit Verschiebung von / s/ zu / š / , die hier in einem kleinen Gebiet (Unterbäch, Blatten) erhalten geblieben ist. Geislig Geislig f. ist nur als zer Geislig ‘ bei der Kapelle mit der Geisselungszene Jesu ’ (Visperterminen) belegt. Gemeint ist eine Kapelle mit der Darstellung der Geisselungsszene Jesu (Mt 27,26; Joh 19, 1). Das HL ist zu schwdt. Geislig f. ‘ Geisselung, Auspeitschen ’ (I D . 2, 465 f.; G R W B 5, 2622) zu stellen. Geiss Geiss f. ‘ Ziege ’ ist zu schwdt. Geiss f. ‘ Ziege ’ , wdt. Geiss f. (I D . 2, 454 f; URNB 1, 1278; BENB 2, 37; G RICHTING 1998, 85; R ÜBEL 1950, 92) zu stellen. R ÜBEL weist darauf hin, dass Geiss sowohl Gattungsbezeichnung wie Name für eine Mutterziege ist. Ziegen gelten als gewandte Klettertiere, die auf den Alpen sich selbst überlassen werden können. BENB (1, 2, 37) sagt, dass das HL auch „ Bezeichnungen von steilem, wenig ertragreichem Gelände “ meinen kann. Im Wallis spielt Geiss für ‘ Gans ’ (Staubsches Gesetz) keine grosse Rolle (nach SDS 2, 133 Gans: Gänse); Ausnahmen davon sind vermutlich für das HL G EISCHI anzunehmen. Das HL erscheint in rund 150 Namen. Das Simplex t Geiss ‘ Gebiet, das aussieht wie eine Ziege ’ (Binn) ist nur einmal belegt. Einen Genitiv Plural zeigt zer Gey`zso Gadme ‘ beim Gaden (Stall) für die Ziegen ’ (1331, Mörel). Unklar ist beÿ der Geissenen Flúo ‘ bei der Fluh für die Ziegen ’ (1774 (? ), Eggerberg) und dem ähnlichen di Geissinuflüo ‘ die Fluh für die Ziegen ’ (Mund). Es liesse sich zu Geissin ‘ weibliche Ziege ’ (I D . 2, 465) im Genitiv stellen und wäre dann eine Ableitung auf / - I / f. (S ONDEREGGER 1958, 488 ff.) im Genitiv Plural. Einen Sonderfall stellt der Pflanzenname di Geisleitre ‘ wo Geissleitern wachsen ’ (Zeneggen) dar. Gemeint ist wohl das Wald-Weidenröschen (E PILOBIUM ANGUSTIFOLIUM , vgl. M ARZELL 2, 220 und L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 562)). Das sonst gut belegte ts Geissufäld ‘ das Feld für die Ziegen ’ ist laut Gwp. nach dem Bewuchs mit ‘ Geissraafe ’ (S EMPERVIVUM TECTORUM , Dach-Hauswurz, vgl. L AUBER / 253 254 Geiss <?page no="393"?> W AGNER / G YGAX 5 2014, 170) benannt. In anderen Fällen ist es das Feld, auf dem die Ziegen weiden. In weitaus den meisten Fällen ist Geiss Bestimmungswort, meist in zweigliedrigen Komposita. Die Grundwörter sind Acher, Balma, Bäärg, Blatta, Bodu, Chrache, Chromu, Egg(a), Eie, Fad, Fäld, Färich, Gadu, Gassa, Grabu, Graat, Haalta, Hitta, Hooru, Läger, Lamma, Licka, Loch, Matta, Mad, Nälli, Pletscha, Rigg, Schiir, Spitz, Stafel, Stäga, Stall, Strich, Stutz, Tossu, Treije, Trifft, Tritt, Tschugge, Ture, Wäg, Weid und Zunga. In den meisten Fällen kann Geiss ‘ Ziege ’ wörtlich verstanden werden; beim Typ Geissacher ‘ der Acker mit geringem Ertrag ’ ist wohl einfach ein wenig fruchtbarer Acker gemeint. Beim Typ Geisshooru kann ein Bachlauf (geformt wie ein Ziegenhorn) oder ein Gipfelname gemeint sein. Komplexere Konstruktionen sind belegt: ts Chleingeisssänntumji ‘ das kleine Senntum für die Geissen (Ziegen) ’ (Visperterminen), der Gross und der Chlein Geisstein ‘ der grosse und der kleine Stein für die Geissen (Ziegen) ’ (Kippel), die Geiseiuläicha ‘ der Kanal / das Sumpfgebiet bei der Geiseia (Aue für die Ziegen) ’ (Baltschieder), t Geisfadlamme ‘ der Graben beim Felsband für die Ziegen ’ (Münster), t Indri und t Obri Geisbalmu ‘ der innere und der obere Teil des Gebietes beim überhängenden Felsen für die Ziegen ’ (Ausserberg) und andere mehr. ts Geisnieri (Zeneggen) und Geissnierigrabu (FLNK, Zeneggen) zeigen eine Ableitung im Diminutiv, wobei das Ableitungssuffix unklar ist; normalerweise sind Ableitungen auf / - IER -/ romanischen Ursprungs, was jedoch beim Stamm Geisskaum angenommen werden kann. Gedeutet wird es hier als ‘ kleiner Ort, wo Ziegen weideten ’ , aber ohne nähere Analyse der Bildungsform. Der Satzname Wasch di Geiss Zämuleend ‘ wo sie die Ziegen zusammenlassen ’ (Staldenried) benennt wohl den Ort, wo die Ziegen des Dorfes zu einer Herde vereinigt wurden, die auf die Alp getrieben wurde. Geli (FaN) Geli (FaN) ist nur belegt in ts Gelisch Eielti ‘ die kleine Aue der Familie Geli (Gely) ’ (Baltschieder). Es handelt sich um einen Genitiv zum FaN Geli, der in NWWB (1, 116) und im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 644) seit 1850 für Baltschieder verzeichnet ist, vorher in Naters. Der Name lebt heute in der Schreibweise Gely in Baltschieder weiter. Gemeinde Gemeinde ist historisch belegt als der Gemeindeacker ‘ der Acker, der der Gemeinde gehört ’ (1862, Eggerberg), der Gemeindewald ‘ der Wald, der der Gemeinde gehört ’ (1831, Goppisberg), vor der Gmeindt Ha ŭ s ‘ das Haus der Gemeinde ’ (1652, Oberems; 1745 als vnder dem Gmein Haus). Die Schreibung Gemeinde ist hochdt., Gmeindt ist eine der Schreibungen der älteren Urkundensprache. Die politischen Gemeinden entstehen erst während der Helvetik (www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010261/ 2013-04-05; [24.3.2020IW]), wozu wohl die ersten zwei Belege passen. Der dritte ist älter und meint das Haus der Burger der Gemeinde. Für das HL G MEI ( N ) wird normalerweise die Übersetzung ‘ der Gemeinde gehörend ’ verwendet; es handelt sich aber meist auch um das lat. COMM Ū NIS ‘ allgemein, der Allgemeinheit gehörend ’ (cf. FEW 2, 961 ff. s. v. COMM Ū NIS allgemein; gemeinsam). Gemmi Gemmi ist einerseits die ältere Form zum lat. CAMMINUS ‘ Weg ’ , das frpr. als chymyng und frz. CHEMIN erscheint (BENB 1, 2, 41), aber unsicher ist; (vgl. weiter FEW 2, 144 ff. s. v. CAMM Ī NUS (gall.) weg; G PSR 3, 479 ss. s. v. chemin). Keine Schwierigkeit bedeutet der Name des Gemmi-Passes in Leukerbad als t Gemmi (Leukerbad, auch FLNK) - allerdings ist unklar, warum das Genus hier feminin ist (das lat. Ausgangswort ist maskulin). Für einen älteren, wohl verstümmelten Namen cf. HL C UR- MILZ . Weiter erscheinen Gemmipass (LT und FLNK), Gemmi-Pass (SK) und der Gemmiwäg ‘ der Weg über die Gemmi ’ (Leukerbad, auch FLNK). Anderseits ist in Randa historisch im 17. Jahrhundert zum Gemmÿ belegt. Das maskuline oder neutrale Genus führt zu Gamme n ‘ Erdhütte, Schutzhütte ’ (I D . 2, 299 mit anderer Herleitung, BENB 1, 2, 13 f.), hier wohl als Diminutiv ‘ bei der kleinen Schutzhütte ’ . Gemscha Gemscha ‘ die Gämse ’ f. ist zu schwdt. Gams f., Gëmschi n., wdt. Gemscha, Gämschi (Goms), Gämscha (Lötschental), Gämschu f. ‘ Gämse ’ , mhd. gams, ahd. gamissa (I D . 2, 321; G RICHTING 1998, 86) zu stellen. Die Benennung geht vermutlich auf das spätlateinische camox ‘ Gämse ’ zurück (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 330; FEW 2, 148). Auch hieher gehört der frühere Gemeindename Gamsu (amtlich Gamsen) mit seinen Flurnamen. Der Ort ist heute Teil der Gemeinde Brig-Glis. Das Simplex im Singular ist nur einmal belegt als t Gams ‘ die Gams ’ (Fieschertal), laut Gwp. Gärten im Talgrund von Fieschertal, wo es kaum Gämsen hat. Es ist zu überlegen, ob hier das lat. CAMPUS ‘ Feld ’ vorliegt, vgl. HL G ANS . Der frühere Dorfname Gamsu ‘ Gamsen ’ (Glis) erscheint 1233 als Gamosun, 1301 als Gamsun und so weiter; der Beleg aus der 2. Hälfte des 13. Jh. apud Chamoson ist romanisch. Da die Gemeinde in der Rottenebene liegt, ist namengebend wohl der Bach Gamsa (Glis, Geli (FaN) 255 256 <?page no="394"?> Visperterminen, hier auch als Wasserleitung aus der Gamsa), der aus dem Nanztal in den Rotten fliesst. In Glis bildet sich ein Namennest mit der Gamsnergrund ‘ der Grund bei Gamsen ’ , ts Gamsuchi ‘ das Kinn (Schlucht) der Gamsa ’ , ts Gamsusand ‘ das Sandgebiet der Gamsa (Bach aus dem Nanztal) ’ (mehrere Belege), bim Gamsustäg ‘ beim Steg (über den Rotten) bei Gamsen ’ , Gamsner Eÿen Werk ‘ das Werk in den Auen von Gamsen / der Leute von Gamsen ’ (1851), in den Gamsner Driesten ‘ in den Driesten, die zu Gamsen gehören ’ (1849), Gamswasserleytta ‘ die Wasserleitung, die nach Gamsen fliesst ’ (1521). In Visperterminen ist ebenfalls ein Namennest zur Gamsa belegt: neben Gamsa selbst kommen vor der Gamsugletscher ‘ der Gamsagletscher (Gletscher, aus dem die Gamsa entspringt) ’ , Gamsenkhünn ‘ das Kinn (Schlucht) der Gamsa ’ (1700), di Gamsuschreeji ‘ der Wasserfall der Gamsa ’ , Gamserthal (SK) ‘ Gamsertal (SK) ist der Name auf SK für das Nanztal, durch das die Gamsa fliesst ’ (Glis), Gamserchopf ‘ der Felskopf oberhalb des Gamsgletschers ’ (FLNK; auch Eisten der Gamserchopf). In Visp ist die Gambsen Wasserleÿtten ‘ die Wasserleitung aus der Gamsa ’ (1530) belegt. Brigerbad kennt 1673 aúff dem Gambsensandt ‘ auf dem Sandgebiet der Gamsa ’ . In den meisten anderen Fällen ist das HL G EMSCHA in zweigliedrigen Komposita verbunden mit folgenden Grundwörtern Alpa, Bäärg, Blatta, Fad, Faggs, Flüö, Haalta, Hooru, Land, Licka, Ritz, Schiir, Schluocht, Spitz, Stafel, Tiri, Wäg, Wart und Wang. Komplexer sind di Gämschfriheit ‘ die frei liegende Felswand für die Gämsen ’ (Leukerbad), und ts Ober und ts Unner Gämschalpji ‘ der obere und der untere Teil der kleine Gämsalpe ’ (Guttet). Ein Diminutiv im Genitiv ist in ts Gämscherlisch Biel ‘ der Hügel der kleinen Gämse ’ (Mund) enthalten. Der Ort befindet sich auf ca. 2450 m, sodass kaum an einen Besitzernamen zu denken ist. In einigen wenigen Fällen kann auch an das lat. CAMPUS ‘ Feld ’ gedacht werden (cf. HL G ANS ). Gendarme Gendarme m. frz. ‘ Gratturm, Felsnadel ’ . eigentlich ‘ bewaffneter Person ’ . Der Ausdruck wird im Alpinismus für eine Felsformation gebraucht. Belegt sind drei verschiedene Grand Gendarme ‘ grosser Gratturm ’ : einer in Saas- Fee (Nebengipfel des Dom), zwei in Zermatt (Nebengipfel des Ober Gabelhorn, Nebengipfel der Dent Blanche). Die Belege stammen von LT; nur in Saas-Fee ist Gross Schandarm (FLNK) bezeugt. Cf. HL S CHANDARM . Gendraux (FaN) Gendraux (FaN) ist laut Gwp. ein FaN, der in di Tschändruweida ‘ die Weide der Familie Gendraux ’ (FLNK Tschänrusch Weida) (Grächen) belegt ist; der Name wird als <tschändro> umschrieben. Eine Suche im F AMILIEN- NAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 646) ergibt nur den FaN Gendroz, der für zwei Orte im Kanton Waadt gilt; die Schreibform Gendraux ist jedoch für Frankreich belegt. Soweit ersichtlich, gibt es den FaN heute in Grächen nicht mehr (NWWB 2, Index). Gendri Gendri ist nur als ufen Gendri (Ferden; LT und FLNK Gender) belegt. Es ist ein Plural zum HL G AND ‘ Schuttfeld, Geröllhalde ’ , wo für das Wallis auch ein Plural Gänder belegt ist (I D . 2, 336 f.). Die Realisierung eines / e/ vor Nasal ist im Lötschental nach SDS (1, 35 - 37) üblich. Zu Gand siehe auch Z INSLI (1946, 319). General General ist nur belegt in General Henri Guisanweg ‘ der Weg zur Erinnerung an General Henri Guisan (1874 - 1960) ’ (FLNK, Saas-Fee). Henri Guisan (1874 - 1960) war während des zweiten Weltkrieges General der Schweizer Armee, die nur in Kriegszeiten einen General hat (vgl. hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 019083/ 2020-02-10 [29.1.2021IW]). Gengere Gengere ist nur als Bestimmungswort in Gengereweng (Binn) belegt. Gwp. erwähnt „ drei verschiedene Weidgänge “ , stellt es also wohl zu Gang. Der geschlossene Vokal / e/ ist in Binn vor Nasalkonsonanten gut belegt (SDS 1, 35 - 38). Die Ableitung auf / - ERE / findet sich allerdings sonst nicht. Am ehesten kommt es als Genus Feminin in Frage (vgl. S ONDEREGGER 1958, 471 f.), wohl mit kollektiver Bedeutung ‘ wo es mehrere Gänge hat ’ . Das Kompositum ist dann als ‘ Grasabhang mit mehreren Gängen ’ zu deuten. Gengill Gengill ist nur einmal historisch 1664 in Ausserberg als Gengill Matten ‘ die Wiese beim Gengill (unklar) / des Wolfgang (unsicher) ’ belegt. Das Dokument sagt, dass sich die Wiese in der Tisterren (heute ein Ortsteil von Ausserberg, genannt Dischtera) befindet. SK zeigt, dass die Matte früher nicht überbaut war. Es kann sich um den unter Gangel ‘ Wolfgang ’ (I D . 2, 362) aufgeführten FaN Gengel (cf. HL G EENGIONEN ) handeln, doch ist dieser sonst nicht belegt, sodass wohl eher der PN anzunehmen ist. Beide Deutungen sind aber unklar, sodass der PN oder FaN im VSNB nicht ausgezeichnet wird. 257 258 Gengill <?page no="395"?> Geni (PN) Geni (PN) kommt nur einmal als Geni Eggilti ‘ die kleine Ecke des Eugen ’ (EK, Eggerberg) vor. Das HL ist als G ē ni ‘ Eugen, Eugenie ’ (I D . 2, 237) belegt, wobei die feminine Form nur für Unterwalden bezeugt ist. Genille (PN) Genille (PN) ist nur einmal in Zeneggen 1663 als im Gennille (? ) Achren ‘ beim Acker des Jenillo ’ belegt. Die Lesung ist unklar. Ebenso unklar ist der Flurname. In den Wörterbüchern ist er nicht verzeichnet. Möglich ist ein PN Jenillo, also ‘ beim Acker des Jenillo ’ , vgl. hierzu AWWB (134), wo der FaN Jenelten auch als Genelten oder Genilten geschrieben wird; AWWB führt den FaN auf die Vornamen Johann oder Jenilto zurück. Gennet Gennet m. / n. ist in Zwischbergen als jm Gennedt (1623), jm Gennet (1649), jm Jennet (1649) und jm Gennet (1673) belegt. J ORDAN (2006) kennt den Flurnamen nicht. Eine Deutung zu wdt. Jenne, Jenno, Jenna ‘ Treber von Weintrauben ’ (I D . 3, 45) verbietet sich; in Zwischbergen wachsen keine Weintrauben. Eine Deutung ist aber auch sonst nicht möglich. Ein it. Flurname findet keine Erklärung (cf. O LIVIERI 2 1961; 1965). Gensch Gensch f. ‘ Gämse ’ kommt als Simplex nur in Biel (VS) als Name einer Alpe vor, wo es auch als Bestimmungswort zu Schluocht, Tosse und Wäg belegt ist. In Grengiols gibt es den Plural des Diminutivs Genschini. Vermutlich handelt es sich um eine assimilierte Form (/ m/ > / n/ vor / š / ) von Gemsch ‘ Gämse ’ zu Gensch. Georg (PN) Georg (PN) ist ein PN oder der Heiligenname Georg, der nach I D . (2, 51) in verschiedenen Formen wie Jörg, Jerig usw. erscheint; belegt ist auch der FaN Jergen (AWWB 134), auch Jerjen, Joergyen, Joergen, Gergen, Gergien, Gerger, Georgii geschrieben. Bei uns sind belegt St. Georgÿ ‘ (die Kapelle) des Heiligen Georg ’ (1698, Zermatt, wohl eine Kapelle? ), ts Gjerigi ‘ das Gut des Georg / der Familie Jergen ’ (LT Gierji, FLNK Gerjie, Grengiols; 1847 im Gerjen), Georgien Mos ‘ das sumpfige Gebiet des Georg / der Familie Jergen ’ (1398, Termen), beÿ Görigsbaúm ‘ beim Baum des Georg / der Familie Jergen ’ . Die von M. S. notierte Form Gjerigi (Grengiols) stimmt mit FLNK Gerje nicht überein; vermutlich ist das kollektive / - IG / -Suffix als Verstärkung vermerkt, das in Gerje fehlt. Gepsa Gepsa f. ist zu wdt. Gepsa, Gepsä (Goms), Gebsu (Saastal) und schwdt. Gepse n f. ‘ Gefäss, Zuber, Milchbecken (rund, flach, zur Rahmgewinnung) ’ zu stellen, in FlN übertragen auf muldenartige Bodenformen (I D . 2, 393 f; BENB 1, 2, 43; G RICHTING 1998, 86). Belegt ist es als Simplex Gepsä ‘ die Mulde ’ (FNLK, Bratsch) und im Kompositum Gepsebinna ‘ das Pflanzland in der Mulde ’ (Grengiols). Geralcha du Geralcha f. erscheint 1303 in Visp als Name einer Wiese. Der zweite Teil Alcha liesse sich zwar zu schwdt. Salche n , auch Alche ‘ sumpfige, aus Thon bestehende Wiese, Gras von saurem, nicht entwässertem Boden ’ usw. (I D . 7, 844 f.) stellen, doch wäre dann anlautendes Gerunerklärt. Schon 1279 ist eine Wiese erwähnt, die Gerertcha genannt wird. Vermutlich handelt es sich um den gleichen Namen, der aber in beiden Fällen unklar ist. Gerängol Gerängol ist nur einmal als Gerängol (EK, Eggerberg; LT kennt es nicht) belegt; das Genus ist nicht klar, aber vermutlich liegt ein Kollektiv vor. I D . (2, 780) kennt Granggel, Gränggel und gibt als erste Deutung ‘ verkümmertes, geringfügiges, verwachsenes Ding, von Pflanzen, Menschen, Tieren ’ . Dann wäre die Deutung: ‘ der Ort, wo es viele verkümmerte Bäume hat ’ . Alternativ kann eine Kollektivableitung zu Rängg fem. ‘ ein tiefer und langer Durchschnitt zwischen zween sich gegen einander senkenden Bergen ’ (nach S TALDER ) (I D . 6, 1121) angesetzt werden. Das Simplex wird laut Anmerkung mehrfach in Flurnamen gebraucht; die Deutungen seien wohl häufig nur aus den Lokalnamen abstrahiert. LUNB (1, 2, 773 ff.) kennt den Flurnamen Rängg ‘ Einsattelung im Bergkamm, Passübergang, Rank ’ (nach H UBSCHMIED 1940, 41 für Rengg). Für unser Gebiet würde nur die erste Bedeutung als Kollektiv zutreffen: der Ort, wo es viele Einsattelungen hat. Gegen beide Deutungen spricht im Übrigen die Fortis / gg/ , die I D . in beiden Fällen setzt. Gerber Gerber m. ist nur in Zermatt als der Geerber belegt; als Plural wird die Geerber angegeben. J ULEN ET AL . (1995, 222) haben die Gerber und die Gerbertola. Das erste wird als „ Auffallender Einschnitt oder Garten “ , das zweite als „ Mulde, Vertiefung …“ angegeben. Laut Eintrag spricht Josef Lauber davon, dass die Gegend seinerzeit „ Goortschugge “ hiess. Alle drei Namen sind in J ULEN ET AL . (1995, 50) erwähnt. Die Höhenangabe auf LT von ca. 2700 m spricht gegen einen Garten. Näher liegend ist wohl schwdt. Gërmere n ‘ weisse Nieswurz ’ (I D . 2, 418; Geni (PN) 259 260 <?page no="396"?> V ERATRUM ALBUM (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1262)) (cf. HL G ÄRWERRA ). Die Form mit / b/ kommt laut I D . vor. Gerdil Gerdil ist 1509 in Varen als Gerdil ‘ die Gärten ’ belegt; in Salgesch erscheint es 1337 als eys Gerdyz, 1494 eys Gerdys und in weiteren Formen. Zulezt ist es 1664 als ÿ Gerdÿ in Salgesch bezeugt. B OSSARD / C HAVAN (2006, 150) behandeln Gerdil und Zerdil (VS) als ‘ verger, jardin ’ , etymologisch als Kreuzung von germ. * GARD ‘ Garten ’ und lat. CORTILE ‘ Garten ’ . G PSR (8, 290) verweist unter Gerdil auf Jordil, das allerdings am 28. 1. 2021 [Endredaktion des Textes] noch nicht erschienen ist. Der Text der Dokumente von Salgesch weist darauf hin, dass es sich um einen Weinberg und / oder eine Wiese handelt, was zur Bedeutung ‘ Garten ’ passt, das ursprünglich auch für ein eingezäuntes Gebiet verwendet wurde (cf. HL G ARTU ). Gerertcha Gerertcha ist 1279 in Visp als Name einer Wiese belegt. 1303 ist eine Wiese als du Geralcha erwähnt. Vermutlich handelt es sich um den gleichen Namen, der aber unklar bleibt. Zum möglichen Zusammenhang mit Salche n (I D . 7, 844 f.) vgl. HL G ERALCHA . Geretun Geretun ist nur als Zer Geretun (1680, Täsch) belegt. Der Flurname ist wohl zu einem Grundwort Gereta f. zu stellen. In dieser Form ist das Grundwort nicht belegt, da aber unklar ist, auf welchem Vokal der Akzent liegt, kommen zwei Quellen in Frage: schwdt. Gerte f. (I D . 2, 440). für das Wallis nur m. ‘ Rute, Zaungeflecht ’ belegt, kommt als f. kaum in Frage oder schwdt. Gr ē t (I D . 2, 824), ein weiblicher Taufname, der auch als Appellativ für „ gemeine Bauernfrau, Bauerndirne, od. Weibsperson überhaupt “ betrachtet wird. Da im Beleg keine Betonung angegeben wird, ist eine Deutung nicht möglich. Gerit Gerit f. ist nur einmal als di Gerit ‘ das Wärterhäuschen ’ (Randa) belegt. Es handelt sich um eine Entlehnung aus frz. la guérite ‘ das Wärterhäuschen ’ (FEW 17, 526: „ petit bâtiment destiné à abriter les agents des chemin de fer en service “ ). Vermutlich stand hier ein Wärterhäuschen der damaligen Brig-Visp-Zermatt-Bahn (heute Matterhorn- Gotthard-Bahn) vor dem Bergsturz von 1991, nach dem die Bahnlinie verschoben wurde. German (PN) German (PN) ist primär als Sankt German (Dorfteil von Raron) belegt. Das Dorf ist nach dem Kirchenpatron (ursprünglich 9. Jahrhundert) benannt. Die ältesten Belege weisen lateinisches de Sancto Germano (1280, 1301) oder apud Sanctum Germanum (1385) auf. Der Name wird auf der letzten Silbe betont, was zur Kurzform Maan führt. Belegt sind neben dem Namen des Dorfteils St. Germanerflüe ‘ die Fluh bei St. German (FLNK u. LT, Raron) und di Zäntgermaanerstrass ‘ die Strasse nach St. German (von der Rottenebene aus) ’ (Raron). Die Kurzform Maan ist als t Maanerra ‘ die Wasserleitung nach St. German) (Ausserberg, Raron) belegt. In Ausserberg sind weiter t Maanerrubiela ‘ die Hügel bei der nach St. German führenden Wasserleitung ’ und t Manerrumatte ‘ die Wiesen der Leute von St. German ’ (1774 u. später, Ausserberg) belegt. P H . K ALBERMATTER (p. c.) weist darauf hin, dass mit St. German auch die Église de St. Germain in Savièse gemeint sein kann. Die vorher unbekannte Erwähnung von 1221 ist nach ihm jedoch auf St. German bei Raron zurückzuführen. Gerold (FaN) Gerold (FaN) ist ein FaN, auch Gerolt oder Gerolti geschrieben und auf den Taufnahmen Gerold zurückzuführen. Es handelt sich um eine alte Familie von Simpeln, die im 16. Jh. auch Zweige nach Brig und Mörel abgab (AWWB 108 f.). Der Name kommt nur in historischen Belegen im Genitiv vor, manchmal mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural: in Geroldigo Ebnet ‘ im ebenen Land der Familie Gerold / der Leute des Gerold ’ (1725, Naters), an Geroldo Äbnet ‘ am ebenen Land der Gerolde ’ (1611, Bitsch), wobei spätere Belege in Geroldigo Ebnet (1653; 1763) oder in Gerolds Ebnet (1651) haben, Geroldigo Riedt ‘ das Ried der Familie Gerold / der Leute des Gerold ’ (1659, Betten). Beim letzten Beleg zu Geroldigo Hisren ‘ bei den Häusern der Familie Gerold / der Leute des Gerold ’ (1638, Bitsch) weisen spätere Einträge die Formen zúo Görligen Hüsren (1724) und Gerligo Hÿschrun (1742) auf; diese Kurzformen sind sonst nicht belegt. Wir stellen sie hier trotzdem zu Gerold, auch wenn der Kurzname sonst nicht belegt ist. Gerster (FaN) Gerster (FaN) ist zum FaN Gerster (AWWB 109) zu stellen, der im Bezirk Visp nachgewiesen ist. Der einzige Beleg ist jn Gersters Alpen (1628, Visperterminen). Unsicher ist, ob der Beleg an der Gerstarin (1398, Mund) hieher gehört (zum FaN Gerster in Mund siehe J OSSEN 1989, 73) oder doch zum HL G ÄÄRSCHT ‘ Gerste ’ . Gertschen (FaN) Gertschen (FaN) ist der FaN Gertschen, ein wohl vom PN Gerhard abgeleiteter Name, einer sehr alten Familie von Naters und von Ulrichen, später auch von anderen Orten 261 262 Gertschen (FaN) <?page no="397"?> im Goms (AWWB 109). Die Form mit / -en/ ist ein schwacher Genitiv; der FaN Gertsch / Gerz ist für das Berner Oberland im BENB (1, 2, 47) als Kurzform Gerzo aus Gerhard gedeutet. Das Simplex ist als Gertsch (1700, Zeneggen) belegt; der Kontext macht klar, dass es sich um einen Weingarten handelt. Vermutlich ist ein Besitzername gemeint. Schwieriger ist di Gertscha (Visperterminen), wozu es einen unsicheren historischen Beleg zum Gertzet (1587) gibt. Die Gwp. scheint eine Herkunft vom Appellativ Gert ‘ Gerte, Rute, Zweig ’ (I D . 2, 440) anzunehmen; die Endung - SCHA könnte dann ein Kollektiv sein ‘ wo es viele Gerten (Ruten) hat ’ . Da ein HL G ERT sonst nicht belegt ist, kann aber auch eine Herkunft aus dem FaN Gertschen nicht ausgeschlossen werden. Einen vorangestellten Genitiv zeigt in Gertschen Lehn ‘ im Lehen der Familie Gertschen ’ (1636) (Oberems). Die dialektale Form Gertschi ist in t Geertschibiine ‘ der Pflanzplatz der Familie Gertschen ’ (Münster) und dem daneben liegenden der Geertschistäg ‘ der Steg (über den Münstiger Bach) der Familie Gertschen ’ (Münster) vertreten. Komposita mit anderen Grundwörtern sind ts Geertschelammulti ‘ die kleine Schlucht der Familie Gertschen ’ (Selkingen) und der Geertschustei ‘ der Stein der Familie Gertschen ’ (FLNK und LT haben allerdings Gerzustei). Eine Reihe von Belegen weist eine kollektive / - IG / - Ableitung auf: in der Gertschigen Eÿa ‘ in der Eie (Aue) der Familie Gertschen ’ (1711, Münster), ts Geertschigalpji ‘ die kleine Alpe der Familie Gertschen ’ (Unterbäch), wozu es die näheren Bestimmungen ts Ober und Unner Geertschigalpji (Unterbäch), sowie di Geertschigtola ‘ die Mulde der Familie Gertschen ’ (Unterbäch) gibt. In Unterbäch ist 1546 ein Hans Gerschun erwähnt, der einen Perschun Acher besitzt. Vermutlich handelt es sich hier um einen Verschreiber für Gerschun Acher; der FaN würde dann auch die noch lebenden Namen mit Gertschen erklären; in der Datenbank VSNB ist Perschun Acher als einziger Name zu einem sonst nicht belegten HL P ERSCHUN gestellt. Gerung (FaN) Gerung (FaN) ist ein PN oder FaN, der 1331 für Termen zweimal belegt ist: Gervngs und Gervngsgazzvn. Die Genitive legen einen Besitzernamen nahe. 1677 - 1679 ist in Zwischbergen des Gerungs Werra ‘ die Wärra der Familie Gerung ’ bezeugt; wiederum ist der Genitiv ein Hinweis auf den Namen des Besitzers. Ob der 1744 für Simplon belegte Gerong Gill Graben, resp. Geronggillgraben hieher gehört, ist unklar. Der Schreiber scheint Gerong und Gill im ersten Fall als zwei Namen anzusehen, im zweiten Fall als einen Namen Geronggill, der auch als Diminutiv verstanden werden kann. Der FaN Gerung wird schon für das 14. Jahrhundert angenommen (AWWB 108 s. v. Gerig); eine später eingewanderte Familie Gerig erhielt 1823 das Burgerrecht von Fiesch, kann hier aber aus zeitlichen Gründen nicht gemeint sein. Gerüny Gerüny ist nur belegt in die Obren Gerünÿ (1604) und jnn die Vnndren Gerünÿ (1604), beide in Eggerberg. Es handelt sich entweder um einen Plural zum HL G RII , das zu Rune ‘ umgehauene, umherliegende Baumstämme ’ (cf. HL G RII ) zu stellen ist, oder um eine Zirkumfigierung mit G ( I ) - I zum gleichen Stamm. Die Deutung ist in beiden Fällen: ‘ das obere und untere Gebiet mit umherliegenden Baumstämmen ’ . Gerwetsch Gerwetsch m. ist nur als der Gerwetsch (Zermatt, auch LT und 1: 10000) belegt. In J ULEN ET AL . (1995) fehlt der Name. Gwp. gibt an, dass es sich nicht um einen alten Namen handle. K LEIBER (1992) weist auf ein Suffix / - ETSCH / (< lat. / - ACEU / ) hin, das hier zu einem Verb gërwe n , wohl ‘ das Gras am Boden abmähen oder abätzen ’ (I D . 2, 448), zu mhd. gërwen ‘ zubereiten ’ zu stellen ist. Das geschlossene / e/ ist laut SDS (1, 31 f.) auch im Mattertal üblich. Gemeint wäre dann das Gebiet, das das Gras zum Mähen oder Abätzen hat. Geschina Geschina f. ist dial. als Geschene ‘ Geschinen ’ der Name einer Gemeinde im Goms und liegt auch der Gemeinde Göschenen (dial. Geschene, Kt. Uri) (URNB 2, 6 ff.) zu Grunde. Es wird auf it. cascina f. ‘ Sennhütte, Alphütte, Meierei, Viehweide, Käserei ’ zu lat. CAPSUM ‘ Wagenkasten, Behälter für Tiere ’ , dazu Nebenform * CAPSEUM (G AU- CHAT 1906, 348 f; RNB 2, 77; Z INSLI 1977, 76; S CHMID 1980, 176; BENB 1, 2, 84 f.; URNB 2, 12; K RISTOL ET AL . 2005, 384 f.) zurückgeführt. Das Simplex im Singular ist als Geschene (Geschinen), di Geschina (Brig, Glis), Geschina (1518, Binn; hier als edificium ‘ Gebäude ’ erwähnt), in der Geschinen (1782, Naters) belegt. Zur Gemeinde Geschinen gehört eine Reihe von weiteren Namen: ts Geschenerfäld ‘ das Feld unterhalb von Geschinen ’ (Geschinen), (lat.: pontem de) Go ᵉ schinen ‘ bei der Brücke von Geschinen ’ (1562, Geschinen), in Geschineralp ‘ in der Alp der Leute von Geschinen ’ (1571, Geschinen), jn Geschiner Ba ᵉ rg ‘ im Gebiet des Berges (Alp) von Geschinen ’ (1571, Geschinen), Geschinerbach ‘ der zur Gemeinde Geschinen gehörende Bach ’ (FLNK u. LT, Geschinen), der Geschenergale ‘ der Galen (begraster Gerung (FaN) 263 264 <?page no="398"?> Bergrücken) von Geschinen ’ (Geschinen), der Geschenerstock ‘ der Felsstock (Gipfel) bei Geschinen (FLNK u. LT Geschinerstock) ’ (Geschinen; Ulrichen), Geschinersee ‘ der See bei Geschinen (im Rottental) ’ (FLNK, Geschinen). In Ulrichen ist 1669 in den Gäschinen Halten ‘ in den Halden bei Geschinen ’ belegt. Ulrichen liegt östlich von Geschinen. Unklar ist ein historischer Beleg von 1843 in Binn im Gesch. Der Text lokalisiert zwar den Ort in Ausserbinn, aber dort ist der Name nicht bekannt. Es könnte sich jedoch um ts Gäschi (Ausserbinn) handeln, das dem HL G ÄÄSCHI zugeordnet ist. Die Belege zu Geesch (Niedergesteln, Raron) bilden ein eigenes HL G EESCH . Gespan Gespan ist nur 1307 in Törbel als ze dem Gespan belegt. Vermutlich liegt dem Namen das schwd. Gespan ‘ Lattenzaun ’ (I D . 10, 242 ff., Bed. 3.) zu Grunde, als Flurname bekannt (I D . 10, 244, aber ohne Erwähnung des Oberwallis). Die Deutungen sind jedoch sehr verschieden. SZNB (2, 488 s. v. Gspaa) nimmt ein spätes Neutrum zu Span (I D . 10, 279 ff.) an und deutet es als ‘ Ort, um den gestritten wurde ’ . LUNB (1, 2, 989 s. v. Span) stellt den Namen Spän (in Spänegg) als Plural zu ‘ Holzspan ’ (I D . 10, 228 ff.) und das Spansguet zu Span, G(e)span ‘ Gefährte, Gefährtin, Ehepartner(in) ’ (I D . 10, 293 ff.). Die von uns angenommene Deutung scheint sich besser auf den historischen Beleg zu beziehen, als die hier aufgeführten Deutungen, die natürlich im Einzelfall durchaus gelten können. Gesteln Gesteln ist eine schriftsprachliche Form, die vor allem in den Gemeindenamen Obergesteln (heute Obergoms) und Niedergesteln zu finden ist. Die dialektale Form für Obergesteln fehlt, jene zu Niedergesteln ist Geschtillu. Die historischen Belege zu den beiden Gemeindenamen sind nicht gleich: Obergesteln wird 1309 de Castellione genannt, ebenso 1322 und 1333 und in späteren Belegen, sofern nicht ein Gestilen (1347) erscheint. Es ist also zu lat./ rom. CASTELLIONE ( M ), Dim. zu mlat. CASTELLUM ‘ befestigtes Lager, Burg ’ (G UEX 1976, 185; W ERLEN 1991, 246) zu stellen. Niedergesteln dagegen erscheint im ersten Beleg zwischen 1179 und 1184 als Chastellon, 1189 - 1203 Chastellun, 1219 Chastelan und erst 1224 u. später als Castellione. Hier ist also zunächst die frpr. Form erwähnt, bevor das lat. CASTELLIONE ( M ) erscheint. Das Interessante daran ist, dass die Namen beider Gemeinden heute mit einem anlautenden / g/ , ursprünglich / k/ als Lehnappellativ (dazu G LATTHARD 1977, 281 f.) ausgesprochen werden. Diese Entlehnung ist sicher älter als das inlautende / š / von Niedergesteln, sodass mindestens zeitweise eine frpr. und eine ‘ deutsche ’ Form nebeneinander existierten. Während sich in Niedergesteln tatsächlich Ruinen einer Burg befinden, gilt das für Obergesteln nicht. Ebenfalls als Simplex erscheint Gäschtilju (Leuk), das als „ Felsplatten, dahinter Wiese “ beschrieben ist, also eine Felsformation wie für eine Burg aufweist. Hierzu gehört Gäschtiluheechi ‘ die Höhe beim Gebiet Gäschtilju ’ (Leuk), wo das HL als Bestimmungswort erscheint. Die Lautung mit / ä/ an Stelle von / e/ ist für Leuk nicht ungewöhnlich. Als Bestimmungswort erscheint das Geschtill in Niedergesteln zusammen mit den Grundwörtern Brigga, Grund und Matta, wobei die Gestelnbrüken auch in einem Dokument von 1852 aus Steg belegt ist. In Obergesteln ist das HL als Gestill, Gesteler und Gestler belegt, wobei die letzteren zwei wohl ursprüngliche Genitive Plural sind, die als Adjektiv verwendet werden (S ONDEREGGER 1958, 526 ff.). Sie treten zusammen mit den Grundwörtern Gale, Grimsel, Licka, Matta und Wäg auf. Komplexer ist Geschtjier Riedbärg (FLNK, Niedergesteln; auch LT), ein Teil eines Riedbärgwald benannten Gebietes auf der linken Rottenseite, der zu Niedergesteln gehört. Eine / - ER -/ Ableitung als Stellenbezeichnung (S ONDER- EGGER 1958, 541 ff.) findet sich in der Geschtiller ‘ der Ort, der wie eine Burg aussieht ’ (Visperterminen, FNLK Geschtiler). Ein komplexes Adjektiv erscheint in Obergesteler Wald ‘ der Wald, der zu Obergesteln gehört ’ (SK, Obergesteln). Ebenfalls ein Adjektiv ist in das Gestolen Wengi ‘ der kleine Grasabhang bei Gesteln (unklar, kaum PP gestolen) ’ (1752, Simplon) belegt. Die unklare Form könnte je nach Betonung auch ein Partizip Perfekt gestolen enthalten, das ist jedoch unwahrscheinlich. Ein Genitiv Plural ist in Gestillero Stadel ‘ der Stadel der Leute von Gesteln (unklar, welches Gesteln gemeint ist) ’ (Törbel) belegt. Nur auf LT ist Ruine Gestelnburg erwähnt, eine Burgruine, im 13. Jahrhundert erbaut von den Freiherren von Turn-Gestelnburg, die sich oberhalb von Niedergesteln befindet. Gestenlen Gestenlen ist nur 1704 in Oberems als z Gestenlen Gessin ‘ die kleine Gasse nach Gestelen ’ belegt. Es ist wohl eine kleine Gasse in Richtung Gestelen gemeint, doch ist die Flur nicht in Oberems verzeichnet. Das erste / n/ scheint eine schriftsprachliche Ergänzung zu Gestelen zu sein. Geteilen Geteilen heissen die Mitglieder einer Geteilschaft ‘ Gesamtheit der Teilhaber an einem gemeinsmaen Besitz 265 266 Geteilen <?page no="399"?> (zB. Alp, Wald, Bewässerungsanlage), Korporation, Genossenschaft ’ (I D . 12, 1567). G RICHTING (1998, 86) kennt für die Teilhaber den Ausdruck Geteile, Geteilä (Goms), Giteila (Mattertal), Giteilu ‘ Geteile, Genossenschafter ’ und für die Organisation Geteilschaft, Giteilschaft ‘ Geteilschaft, Genossenschaft ’ . Belegt ist das HL in Findner Giteiluwälder ‘ die Wälder, die den Geteilen von Finnen gehören ’ (FLNK, Eggerberg) und in Bÿndero Getheillen Walt ‘ der Wald der Geteilen von der Biina (Pflanzplatz) / der Geteilen-Wald beim Gut der Leute Biner ’ (St. Niklaus). Zu Bÿndero cf. HL B IINA , zu Biner cf. AWWB (131 s. v. Inderbinen); das Geschlecht Biner war u. a. im Nikolaital ansässig. Getschel Getschel m. ist nur einmal als der Getschel (Fiesch) belegt. Gwp. erwähnt en Getschleta als ‘ ungeringes Gebiet ’ , das sonst aber nicht belegt ist. Auffällig ist, dass hier die / l/ - Vokalisierung nicht notiert wird, wohl aber beim nicht allzu weit entfernten der Ggezu (cf. HL G GEZU ), dessen Beschreibung aber nicht mit Getschel übereinstimmt. Ein Anschluss an die im I D . (2, 558) unter Gätsch, Getsch ‘ Kot ’ belegten Etyma liegt nach der Beschreibung kaum vor. Auch schwdt. Gätsch m. ‘ Felserhebung; steiler Felshang; Absturz ’ (I D . 2, 559; Z INSLI 1945, 319) verbietet sich wohl wegen der Qualität des / ä/ ; im Übrigen ist der Name nur für den Kanton Uri belegt; vgl. dazu Geschtwiler in URNB (3, 1016 ff.). Die Autoren ziehen dafür einen PN G ōȝȝ o (siehe dort) heran. Da unsere historischen Belege aus dem 19. Jahrhundert stammen, ist auch unklar, ob eine Entrundung (/ ö/ > / e/ ) vorliegt. In allen Fällen liegt aber keine / - EL / -Erweiterung (wie auch beim HL G GEZU ) vor. Vgl. jedoch das Verb götscheln ‘ eine flüssigkeit plätschernd umrühren ’ (G R W B 8, 1017), das von der Bedeutung her zwar kaum zutrifft, formal aber mit Entrundung passen würde. Die Deutung ist insgesamt aber nicht möglich. Gettier (FaN) Gettier (FaN) ist ein FaN, der unter Gottier (AWWB 112), resp. Göttier (NWWB 1, 124) mit mehreren Schreibvarianten, darunter auch Gettjer, verzeichnet ist. Belegt sind Gettiers Wald ‘ der Wald der Familie Gettier ’ (1764, Bister) und ts Gettjisch Hüs ‘ das Haus der Familie Gettier ’ (Bister, FLNK Gettjerhiischi). Gettja Gettja ist ein Alpname, der in t Ober, t Mittel und t Unner Gettja (alle Glis) belegt ist; auf LT heisst die Alpe Geiggja, auf SK Geitje. Ein historischer Beleg von 1677 in Glis hat jn der Göttien. Es handelt sich um eine palatalisierte feminine / - LA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 517), gebildet zum FaN Göttier (cf. HL G ETTIER , NWWB 1, 124). Die Form Geiggja entspricht der Velarisierung von / t/ vor / j/ , wie z. B. in Gringji aus Grund+ji. Die Grundform Gettel erscheint in der Gettelgrabo ‘ der Graben bei der Gettja ’ und di Gettelheeji ‘ die Anhöhe bei der Gettja ’ (beide Glis). Ob sie zum FaN Göttier zu stellen sind, ist unklar. Vermutlich sind auch sie ursprünglich eher zu Gotla zu stellen (cf. HL G OTLA ). Geuerod Geuerod m. ist ein historischer Beleg in Agarn, der 1369 als ou geuerod erscheint; die Lesung ist unsicher und kann auch ou generod heissen. 1524 ist ov generod belegt. Ob das 1589 belegte zen Gerrigen hieher gehört, ist unsicher. Es könnte sich um den FaN Gindroz (AAWB 110), der auch Gener o. ä. geschrieben wird, handeln. In den Daten des VSNB sind 1308 in Gampel ein Anthonius Gener und 1448 in Zermatt terra heredum Johannis Generi ‘ das Land der Erben des Johannes Gener ’ erwähnt. Der Beleg Gerrigen wäre dann ein Genitiv Plural zu einer / - IG / -Ableitung: Generig > Gerrig ‘ die Familie Gener ’ . Als Deutung ergibt sich dann ‘ das Land der Familie Gener ’ . Geutscha Geutscha f. kommt nur in Ernen und Steinhaus vor. Es weist die dort übliche / l/ -Vokalisierung auf. So hat FLNK Geltscha (Nr. 6043). Belegt ist es in t Geutscha (Ernen), die als ‘ erlegene Äcker, hügelig ’ auf ca. 1219 m bezeichnet wird. Ein zweites t Geutscha (Ernen, FLNK Geltscha) befindet sich auf 2308 m und ist eine Ebene mit hartem Boden auf der Wasserscheide Mühlebach und Rappental. t Geutsche (Steinhaus) ist ein Plural und meint ein „ enges Tälchen, zuoberst in der “ Figulaup ” auf ca. 2250 m. Historisch ist in Ernen 1803 únder den Gelschen Achren und im gleichen Jahr hinter den Geltzen Achren belegt. Vermutlich liegt hier ein umgelautetes Nomen auf / - SCHA / - SCHU / zum einfachen Adjektiv galt im Sinn von ‘ unangebaut, brach, von Äckern ’ (I D . 2, 236, für das Wallis bezeugt unter Bed. 3) zu Grunde. Geutscha ist dann einfach unbebautes, braches Land. In den historischen Belegen aus Ernen (1803) wird ein Adjektiv mit gleicher Bedeutung verwendet, das auch formal (Geltschen, Geltzen) zum Nomen Achren passt. Geützi Geützi ist nur 1620 in Unterbäch als der Geütziacher ‘ der Acker mit schwerer Arbeit ’ belegt, der sich im Gebiet des Freigerichtes Holz (Z ENHÄUSERN 1998) befand. Die Deutung ist unklar, weil die Schreibung / eü/ unsicher ist. Wir gehen davon aus, dass eine hyperkorrekte Rundung des zweiten Elementes zu schwdt. Geize n ‘ Pflugsterz, Handhabe zur Führung des Pfluges; Krummholz ’ (I D . 2, 576) zu Getschel 267 268 <?page no="400"?> Grunde liegt. Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. Im Oberwallis wurde aber wenig mit dem Pflug gearbeitet, sodass eher die Bedeutung ‘ Krummholz ’ oder, wie I D . auch ausführt, ‘ schwere Arbeit … verrichten ’ vorliegt. Geweten Geweten ist nur 1551 in Zermatt als vff die Geweten belegt, vermutlich ein Singular Feminin. Laut Dokument befindet sich die Flur bei einem alten Weg dorthin. Da eine Angabe der Betonung fehlt, kann sowohl Erstbetonung (Géweten), wie Zweitbetonung (Gewéten) gemeint sein. Im ersten Fall würde ein Suffix / - ETE ( N )/ (S ONDER- EGGER 1958, 482) anzunehmen sein, das zu einem HL G IW (wohl zu Güw ‘ Gipfel ’ (I D . 2, 566), aber in I D . nur für Graubünden belegt) zu stellen ist. Zu deuten wäre das als ‘ das Gebiet mit Felszacken ’ . Im zweiten Fall liegt eine Bildung zu Ge-wëtt (I D . 16, 2230 ff.) vor, wohl in der Bedeutung 3 b) ‘ schwer zugängliche, unwegsame Stelle, auch abgelegenes, einsames Gebiet übh. ’ . Die historische Beschreibung lässt beide Deutungen zu. Gey Gey ‘ gehegter Wald ’ ist nur einmal 1887 in Binn als im „ Gey “ belegt. Die Schreibweise ist unsicher. Am nächsten kommt dem HL I D . (2, 851 s. v. G e -hei II), das auf mhd. hei(e) ‘ Hegung, gehegter Wald ’ zurückgeführt wird und das in Flurnamen vorkommt. Es ist als Hei(e) (BENB 1, 2, 218 f.) mit der Variante Ghei belegt mit Hinweis auf die Stelle im Idiotikon. Die Schreibung Gey zeigt, dass der Name nicht mehr gedeutet werden konnte. Geyns Geyns ist nur einmal belegt in Geynsmetdum (1265, Ernen), das sich auf einen clericus Willermus de Geynsmetdum bezieht. Gans ist für Ernen (WS 29) im SDS (2, 133) belegt und der Diphthong Geyns findet sich in I D . (2, 372) in der Anmerkung zum Artikel Gans in Zürich für das 13. und 14. Jahrhundert aufgeführt, hier als Vorstufe zum sog. Staubschen Gesetz, das im Wallis sonst aber nur ab dem späten 15. Jahrhundert belegt ist. Der zweite Teil des Namens (Medtum) könnte einen Dativ Plural von Mettla enthalten. Es kann sich also um Gansmettlen handeln, also ‘ Weiden für Gänse ’ . Geiss (Id. 2, 454 ff.) kommt wegen des inlautenden / n/ kaum in Frage. Ein PN Geyn im Genitiv Singular ist nicht unmöglich, da F ÖR- STEMANN (1, 570 f. s. v. Gain) einige Namen aufzählt. Er kann aber keine Deutung geben. Gfaard Gfaard ist zu schwdt. Gf ā r (I D . 1, 878) ‘ Risiko, Gefahr ’ zu stellen. Der einzige Beleg ts Eggisch Gfaard (Visperterminen) meint eine gefahrenreiche Stelle eines Schleifes bei einer kleinen Ecke. Das auslautende / d/ findet sich schon im mhd. gevaerde, das allerdings nur ‘ Hinterlist, Betrug ’ meint; die Entwicklung zu ‘ Gefahr, Risiko ’ geschieht später (G R W B 4, 2061 ff.). Gfell Gfell n. ‘ das Gefälle, steiler Abhang ’ ist zu schwdt. und wdt. Gfell, G(e)fäll n. ‘ steiler, steiniger Abhang, Trümmerhalde; Abteilung der Alpweide, welche gedüngt, ev. gemäht und darum eingezäunt wird, bes. der zunächst um die Sennhütte gelegene, ebene Platz; Weideplatz mit Sennhütte; Neigung (Strasse, Wasserleitung) ’ , ahd. gafelli, mhd. gevelle, Kollektivbildung zu Fall ‘ Gefälle, Wasserfall ’ , ‘ Abhang, Felsabsturz ’ (I D . 1, 745 f.; URNB 1, 967 f.; G RICHTING 1998, 86) zu stellen. Obwohl es eine Kollektivableitung zu Fall ist, wird es hier als eigenständiges HL behandelt. Gfell kommt als Simplex zehnmal vor als Gfell (FLNK, Eggerberg), ts Gfell (Eggerberg, Münster, Simplon), näbem Gfell (Ferden; FLNK Gfell), ts Gfeu (Blitzingen), dazu historisch das G ’ fell (1816, Bitsch), das Gfell (1861, Glis; 1790, Ried-Brig; 1554 u. später, Simplon, wobei hier wohl ein steiler Bach, eine steile Wasserleitung gemeint ist). Dazu kommen in Fieschertal ts Ober und ts Unner Gfell und in Geschinen ts Hinner und ts Voder Gfell. In Simplon ist Gfelwasserleitten (1759) belegt. Zwar gibt es dort auch ein Gfell; die historischen Belege deuten das aber als Bachname. Der Fellgraben (1761, Simplon) wird als Alternative zum Gúgilli genannt, das sich auf dem Gebiet von Zwischbergen befindet. Es könnte sich also um ein eigenständiges HL F ELL handeln, doch kommt ein solches sonst nie vor, sodass wir es zu Gfell stellen. ts Gfellerbächi ‘ der kleine Bach beim Gfell / der Familie Gfeller ’ (Oberwald) ist wohl von Gfell abzuleiten und meint den Ort, bei dem sich das Bächlein befindet. Der FaN Gfeller ist aber im Oberwallis nicht belegt. Ggaffe Ggaffe ‘ Kaffee ’ ist zu schwdt. Kaff ē , Kaffi, Kafi, Gaff ē , Gaffi m., n. ‘ Kaffee ’ (I D . 3, 154 f.) zu stellen. Falls die beiden Belege, die hierzu gehören, anlautende Fortis haben, geht das Lemma wohl auf die frz. Aussprache von café zurück, nicht auf die sonst verbreitete deutsche von Kaffee. Belegt sind der Ggaffestafu ‘ der Stafel, bei dessen Bau Kaffee getrunken wurde ’ (laut Gwp.) (Binn) und der Kaffesee ‘ der Kaffee-See ’ (Ferden), laut Gwp. der See, aus dem die Hirten Wasser für den Kaffee holten (cf. HL K AFFEE ). In beiden Fällen gibt es keine Hinweise auf andere Erklärungen, die aber ihrerseits einfach aus den Namen heraus erfolgt sein können. 269 270 Ggaffe <?page no="401"?> Ggalaabri Ggalaabri ist unklar. Es kommt an drei Orten in jeweils leicht unterschiedlicher Weise vor: Ggaláabri n. (Mörel), Gálaberr n. (Zwischbergen), Ggaláabri n. (Oberems) und Kalaabrikapälli ‘ die kleine Kapelle beim Kalaabri ’ (Oberems). Aus den Schreibweisen wird nicht klar, ob (a) der Anlaut die Affrikata / kch-/ oder die Fortis / gg-/ vertritt und (b) wo sich der Akzent befindet - in Mörel und Oberems offenbar auf der zweiten Silbe, in Zwischbergen auf der ersten (bei fehlender Länge der zweiten Silbe). Auch ist die Endung in Zwischbergen anders als in Mörel und Oberems. Der Name sieht zwar romanisch aus; die geografische Verteilung weist aber auf eine ältere Form. Mindestens in Oberems ist ein Verweis auf FEW (2, 51 s. v. *calabra schneehuhn) nicht ausgeschlossen. Ein Zusammenhang mit dem italienischen Namen Calabria ‘ Kalabrien ’ mit den frpr. Gegenstücken kalabrè (G PSR 3, 41) und kalabr(e) (G PSR 3, 41) (beide aber sehr unsicher) ist ebenfalls möglich. Galaberr (Zwischbergen) scheint anders motiviert zu sein, befinden sich dort doch das Galihorn und die Galilicka; Gwp. spricht von Alpenrosensträuchern. R ÜBEL (1950, 54) erwähnt solche Benennungen aber nicht, sodass ihre Herleitung zumindest zweifelhaft bleibt. Insgesamt bleiben aber alle Fälle unklar. Ggampanja Ggampanja ist als t Fuggsggampanja ‘ der Landsitz der Familie Fux ’ (Visp, FLNK Fux Campagna) belegt. Es handelt sich heute um ein Wohnheim für schwerbehinderte Menschen. Das Grundstück gehörte früher dem Schriftsteller Adolf Fux (1901 - 1974) (https: / / www.adolffux.com/ die-stiftung/ sein-leben/ [21.05.2021; IW]), wonach es benannt ist. Laut M. S. hiess der Ort auch Eimatt ‘ die Mähwiese in der Aue ’ . Ggamping Ggamping ist nur belegt in der Ggampingplatz ‘ der Campingplatz ’ (Ulrichen). Das HL ist zu nhd. Camping ‘ Zelten, Lagern ’ , Partizip des englischen Verbs to camp ‘ im Freien lagern ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 167) zu stellen. Hier mit / a/ statt / ae/ ausgesprochen. Ggapager Ggapager ist nur als di Ggapagermatta ‘ die Wiese des Gapager ’ (Zwischbergen) belegt. Betont ist die zweite Silbe. J ORDAN (2006, 366)) kennt den Flurnamen als Uissri und Indri Kappagärmatta und fügt unter Uissri Brigga als Variante Kapaagärbrigga hinzu. In der Beschreibung ist von Etzweiden die Rede. Da sich kein entsprechendes Wort auf deutsch oder alpinlombardisch finden lässt, wird ein (nicht belegter) PN angesetzt. Ob es sich überhaupt um einen gemischt deutsch-alpinlombardischen Flurnamen handelt, ist unklar. Ggapänz Ggapänz m. ist nur belegt als der Gappänz (Zwischbergen), auf der zweiten Silbe betont. FLNK und LT haben Kapänz, wobei unklar ist, ob anlautend eine velare Fortis oder eine Affrikata erscheint. J ORDAN (2006, 392) führt Kapänz m. an und erklärt ihn als Bergbach. Es handelt sich um einen Bach, der aus dem Tschawinersee zum Wairasee und von dort in den (relativ neuen) Stausee bei Sera fliesst. 1764 heisst der Bach capens. SK zeigt, dass die oberen Seen (Tschawina und Waira) schon vorhanden waren, nennt den Bach aber Possettabach, der von der Alpe Possetta (heute Pussetta) herunterfliesst. Als Bachname ist Ggapänz m. sehr ungewöhnlich: die meisten anderen kleinen Gewässer haben Genus femininum oder sind mit Bach zusammengesetzt. Eine Deutung ist auch nach O LIVIERI ( 2 1961; 1965) nicht möglich. Ggardott Ggardott m. ‘ das kleine Gebiet mit Disteln ’ ist nur einmal belegt als der Ggardott (Zwischbergen). J ORDAN (2006, 288) kennt es als Kardót m. Es handelt sich um ein Stück Wald bei einem Sumpfgebiet mit einem kleinen See im Gebiet Alpje. Am nächstliegenden ist it. cardo ‘ Distel ’ (D EVOTO / O LI 2020, 371); es kann ein diminutives Suffix / - OTTU / vorliegen: ‘ das kleine Gebiet mit Disteln ’ . Ggarneera Ggarneera ist der Name eines Alpweidehanges in Zwischbergen, auf LT Carnera. Dazu gehören der Ggarneeragrat (1: 10000 Carneragrat), Passo Ggarneera (FLNK Garneerapass, LT Passo Carnera). Nur historisch belegt ist Laggi Carnera (1622, Zwischbergen), wobei wohl Seen (it. laghi) gemeint sind; neben der Alpe befinden sich drei Seen, die heute Ze Seewu heissen (so 1: 10000). J ORDAN (2006, 300) kennt Gaarneerä (auch Garneerusiita), Ggarneeruegg, Ggarneerutrittji, Ggarneerugrat und Ggarneerupass. Carnera könnte nach RN (2, 79 mit Carneras für Trin) zu lat. CARDUUS , CARDONE ‘ Distel ’ mit dem Suffix / - ARIA / passen, also ‘ das Gebiet mit Disteln ’ . Eine weitere Alpe Garnera zusammen mit Garnerabach, Garneragletscher, Garnerajoch und Garneratal ist in Gaschurn (Vorarlberg) belegt (V OGT 1973, 180); eine Deutung wird dort nicht gegeben. Auch Z INSLI (1984, 388) kennt Ggarneera für Alagna, gibt aber keine Deutung. Ggasäärna Ggasäärna ist nur belegt als t Alt Ggasäärna ‘ die alte Kaserne ’ (Simplon, FLNK Alti Kasärnu, LT und SK Alte Ggalaabri 271 272 <?page no="402"?> Kaserne). J ORDAN (2006, 17) kennt es als Alti Ggasäärna (früher Remise, heute Ausstellungsraum). Das HL ist zu nhd. Kaserne ‘ Gebäude(komplex) zur ständigen Unterbringung von Soldaten ’ , wdt. Kasäärna, Kasäärnä (Goms), Ggasäärnu, Kasäärnu f. ‘ Kaserne, Haus (gross, unschön) ’ . Lehnwort (< 17. Jh.) aus dem frz. caserne, Ableitung zu mlat. CASA ‘ Haus ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 478; G RICHTING 1998, 121) zu stellen (cf. HL C ASERMETTA ). Ggaschinal Ggaschinal m. ist nur belegt als der Ggaschinal ‘ das zur Hütte gehörende Gebiet ’ (Zwischbergen; FLNK Gaschinal, LT Caschinal) mit Erstbetonung. J ORDAN (2006, 304) kennt Ggaschináll mit Endbetonung. Er leitet es vorsichtig von it. cascina ‘ Bauernhof ’ ab. P ETRINI (1993, 87) kennt u. a. Ableitung cassinal aus dem Bleniotal neben anderen Ableitungen. O LIVIERI ( 2 1961, 151; 1965, 117 s. v. Cascina) nennt ähnliche Formen; D EVOTO / O LI (2020, 383) verweisen auf cascinale als Ableitung von cascina. J ORDAN (2006, 304) erwähnt als Gegenstück wdt. Gääscha ‘ kleines minderwertiges Haus, Hütte ’ (vgl. G RICHTING 1998, 87). Das HL dürfte ein Gebiet meinen, das zu einer Hütte gehört. Ggätsch Ggätsch ist nur einmal belegt in ts Gätschhittji ‘ die kleine (Alp-)Hütte im Morast ’ (Ried-Mörel). Zu stellen zu wdt. Gätsch ‘ Morast, Kot ’ und Ggättsch, Ggettsch (Mattertal), Ggatsch ‘ Morast bei Regenwetter ’ (I D . 2, 558, G RICHTING 1998, 87). Das ähnliche HL G GETSCH muss wohl davon getrennt werden. Ggeiti Ggeiti ‘ kleine Schaukel ’ ist in Eisten zweimal belegt, als Name einer Alpe (Ggeiti, n.; 1: 10000 und FLNK Geiti) und eines Weges zu dieser Alpe (Ggeitiwäg, m.). Auch der Beleg Geiti (Eisten, SK Geitji) ist zu Geita f. ‘ Schaukel, Wippe ’ (I D . 2, 505 s. v. Geite n ; G RICHTING 1998, 88 s. v. Ggeita ‘ Schaukel, Wippe ’ (mit Varianten, nicht zitiert, da sehr vielfältig)) zu stellen; die Motivation ist die Geländeform. Es handelt sich um einen Diminutiv zu diesem Wort. SZNB (1, 350) kennt den Namen Geitenberg, lehnt aber eine Rückführung auf Geite(n) ab, weil das Lemma nur im Wallis belegt ist. Das gilt für die Belege in Eisten natürlich nicht. Ggetsch Ggetsch ist belegt in t Getschhaaute ‘ die steile Halde ’ (Gluringen, Ritzingen) und t Getschhauteije ‘ die Au unter der steilen Halde ’ (Ritzingen), beide mit / l/ -Vokalisierung. Zu stellen ist es wohl zu schwdt. Gätsch m. ‘ Felserhebung; steiler Felshang; Absturz ’ (I D . 2, 559; Z INSLI 1945, 319). Möglich ist auch das ähnliche HL G GÄTSCH , dann wäre die Deutung ‘ Halde oberhalb des Morastes ’ (was nur der Beschreibung für Ritzingen entspräche). Ggezu Ggezu m. ist nur einmal als dr Ggezu(l) (Fiesch) belegt; die Endung ist vokalisiert aus / - EL / . Wie auch das nahegelegene Getschel m. (cf. HL G ETSCHEL ) lässt sich der Name nicht deuten; die Beschreibung der beiden ist weiter unterschiedlich: Geezu wird als geringes, Getschel als ungeringes Gebiet bezeichnet. Ob es sich zu den HLL G GÄTSCH und G GETSCH stellen lässt, ist unklar, ebenso wie beim HL G ETSCHEL . Ggiissi Ggiissi n. ist ein Verbalabstraktum zu schwdt. günse n , güsse, g ī sse ‘ einen schrillen, durchdringenden Schrei ausstossen, gellen ’ , wdt. ggiisse, ggiissä, ggi(i)ssu ‘ kreischen, weinen, schreien ’ (I D . 2, 375 f.; G RICHTING 1998, 88). Laut Gwp. ist ts Giissi (Grengiols) ein Ort, wo es einen Brunnen gibt, der einen quiekenden Ton von sich gibt. Die Bildung ufe Gisju (Täsch) ist unklar. Es handelt sich um einen Dativ Plural zu Gisla, das ein offenes / i/ hat und darum kaum zu ggiisse zu stellen ist; auch ein langes, geschlossenes / i/ wie in Gîsel ‘ Geisel ’ ist unwahrscheinlich; I D . (2, 467) sagt jedoch, es gebe auch eine Kurzform Giso und deren feminine Ableitung Gisela, die in Ortsnamen belegt seien. BENB (1, 2, 60) meint, es könne sich beim einfachen Gisla auch um eine elliptische Form für Gisel(a)matte handeln. Beim vorliegenden Beleg handelt es sich laut Gwp. um eine felsige Weide auf rund 2130 m., die als Plural gekennzeichnet ist. Deswegen ist die Ableitung von einem femininen PN zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich. Gginter Gginter ist unklar, könnte aber zum PN oder FaN Gunter, resp. Guntern gestellt werden. Alle Belege befinden sich in Obergesteln. Zentrum ist die Kleinsiedlung Gintrige. Als nächstliegende Hypothese kann man von einem PN Gunter oder FaN Guntern (AWWB 120 f.) ausgehen, mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung und anschliessend entrundetem Umlaut ‘ die Siedlung der Leute von Gunter / der Familie Guntern ’ . Das wird unterstützt vom ältesten Beleg zu Gintermos ‘ der sumpfige Boden bei Gintrige ’ : vom Gunterrmos (1480). Gginter wird als Bestimmungswort mit folgenden Grundwörtern kombiniert: Blätz, Bode, Egg, Grabe, Los, Moos und Stutz. Ggipfja Ggipfia Pl. ist nur belegt in di Ggipfia (Eggerberg). Es handelt sich um eine entrundete und palatalisierte Plu- 273 274 Ggipfja <?page no="403"?> ralform zum Singular Güpf, das in I D . (2, 390 s. v. Gupf) als ‘ oberster, rundlicher Teil ’ und bei Z INSLI (1946, 323) als ‘ rundlicher Berggipfel ’ belegt ist. Ein Zusammenhang mit Gipfel ist inhaltlich möglich, aber wenig wahrscheinlich. Ggorl Ggorl ist nur belegt in t Ggorlega (Blitzingen; FLNK Gorlegga). Zwar kennt G R W B (8, 967) Gorl als ‘ umsponnenes Besatzgarn ’ und Görlein als ‘ Zuckerwurz, SIUM SISARUM L. ’ , ersteres schwdt. nicht, letzteres als Girgel (I D . 2, 417) belegt. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 964) kennen nur S IUM LATIFOLIUM (kaum verbreitet) und das ähnliche B ERULA ERECTA unter S IUM . G R W B gibt unter Görlein an, dass diese Pflanze früher in Süddeutschland angebaut wurde. Beide kommen für eine Deutung kaum in Frage. Das Lexem bleibt unklar. Die Ecke (Egga) befindet sich laut LT auf rund 1400 m, was eine Deutung erschwert. Ggotschlete Ggotschlete Pl. ist nur in Brigerbad als di Ggotschlete belegt. Es handelt sich um ein steiles Wald- oder Buschstück oberhalb der BLS-Strecke. Die Ableitung auf / - ETE / (Plural) ist zu / - ETE / (wdt. / - ETA / ) (S ONDEREGGER 1958, 482) zu stellen und bezeichnet die Menge oder das Ergebnis einer Tätigkeit. Weder I D ., noch G RICHTING (1998) kennen jedoch das zugrunde liegende Verb ggotschle n . Der Flurname ist darum nicht deutbar. Ggrettu Ggrettu kommt nur in Ggrettubiinelti ‘ der kleine Pflanzplatz der Familie Crettaz ’ (Brigerbad) vor. Laut Gwp. handelt es sich um eine Form des FaN Crettaz (AWWB 71). Ob die in Glis 1859 belegte Grettenmatte ‘ die Wiese der Familie Crettaz / der Greta ’ zum FaN Crettaz oder zum PN Greta zu stellen ist, kann nicht entschieden werden. Ggrupasch Ggrupasch m. ist nur in der Grupásch (Zwischbergen) belegt. J ORDAN (2006, 313) kennt es als Gropásch (auch Gru(m)pasch) einen ‘ exponierten, fast unheimlich drohenden Felskopf ’ . Als Herkunft vermutet er italienische Mundart. P ETRINI (1993, 95 s. v. cropp) nimmt eine Deutung als ‘ Vorgebirge, Anhöhe ’ (so auch O LIVIERI 2 1961, 271 s. v. Groppe; 1965, 142 s. v. Croppo) an. Das pejorative Suffix / - ACCIO / ergibt dann eine Deutung als ‘ wüster Bergrücken ’ . Ggschoss Ggschoss ist nur belegt in ts Ggschosstrei (Selkingen). Gwp. vermutet einen „ Treien durch Gemsgebiet “ , meint also, dass es sich um einen Viehweg in Gebiet handelt, wo Gemsen geschossen wurden. Auffällig ist das Genus Neutrum. ts Trei könnte nach der üblichen Lesart für Neutra als eine Art Kollektiv ‘ wo es viele Viehwege hat ’ verstanden werden, doch gibt es dafür sonst keinen Beleg. Ggschoss selbst ist am ehesten zu Sch ō ss (I D . 4, 1451 ff.) zu stellen, dessen eine Deutung als 3b) „ Einsenkung des Erdbodens “ (I D . 4, 1459) am nächsten liegt. Anlautendes / Ge-/ lässt sich als Kollektiv verstehen. Insgesamt wäre dann der Name als ‘ Viehwege im eingesenkten Boden ’ zu verstehen. Ggüüsi Ggüüsi ist laut Gwp. ein Übername für einen Knaben (Arthur Marti), der vom Ggüüsiture ‘ Felsturm des Ggüüsi ’ (Reckingen) herunterfiel; Ggüüsi sei der Übername des Knaben gewesen. Eine unabhängige Bestätigung dafür fehlt. Ggwär Ggwär ist nur als ts Gwärholz ‘ das quer verlaufende Holz (Wald) ’ (Reckingen, auch FLNK) belegt. Das eigentliche Wort in I D . (14, 1852 f.) ist twër ch ‘ quer, schief, schräg); vgl. dazu auch G R W B (13, 2335), wo angenommen wird, dass sich quer aus twer entwickelt habe. Die Form mit gwer ist in Reckingen schon im 16. Jahrhundert belegt, muss also eine frühe Form von / tw/ > / gw/ sein. Ghaar Das Adjektiv ghaar kommt nur in die Ghaari Eggu (Hohtenn) vor; leider fehlen die Koordinaten. Es ist wohl zu schwdt. Haar in Bed. 4 ‘ ungehöriger Bestandteil, Hindernis ’ (I D . 2, 1504) und das geläufigere hârig ‘ unangenehm, widrig, schwierig ’ (I D . 2, 1511) zu stellen und meint dann eine wenig fruchtbare Ecke. Ghängil Ghängil ist lebend nur in Unterbäch als im Ghängil ‘ im steilen Gelände ’ belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um sehr steile Weiden. Zu stellen ist der Name zu einer Kollektivableitung mit Umlaut auf / G ( I )- IL / zum Verb schwdt. hange n Bed. 2. ‘ (abwärts) geneigt sein ’ und wdt. hange, hangä (Goms, Lötschtal), hangu ‘ hängen ’ (I D . 2, 1442; G RICHTING 1998, 104). Ghiacciao Ghiacciaio ist nur in Ghiacciario del Pizzo Rotondo ‘ der Gletscher des Pizzo Rotondo (LT für Rotondogletscher) ’ (Oberwald) belegt. Es handelt sich um die it. Form; der Ggorl 275 276 <?page no="404"?> Name ist zu it. ghiacciaio m. ‘ Gletscher ’ (D EVOTO / O LI 2020, 947) zu stellen. Gi Gi n. ist nur in Saas-Almagell belegt: ts Gi und di Gifett ‘ die Grasbänder beim Gi ’ . LT und SK haben Giw; die Karte 1: 10000 Gy. Die phonetische Notation zeigt ein halblanges, offenes / i/ . Der Name ist sonst nicht belegt. Wenn Giw von LT stimmt, kann der Name zum HL G IWW gestellt werden. Hierzu ist G ÜW m. ‘ Gipfel ’ (Id. 2, 566) zu bedenken, mit Verweis auf güwe n , das seinerseits auf mhd. gewen, giwen ‘ gähnen ’ zurückgeführt wird (G R W B 4, 1539 f. s. v. gäuen; G RICHTING 1998, 85 s. v. geine; W IPF 1910, 96 notiert für Visperterminen als Partizip giginu). Gi wäre dann ein Ort, an dem man (vor Staunen) den Mund aufreisst. Giätrich Giätrich m. / n. ist belegt in Ufem Giätrich ‘ auf dem Giätrich ’ (Wiler). Der Name setzt sich wohl aus dem Nomen Güet ‘ Gut ’ (entrundet zu Giät) und einem Ableitungssuffix / - RICH / zusammen, dessen Bedeutung unklar ist (I D . 6, 167 kennt Feldrich und deutet es als volksetymologische Umdeutung zu Färrich ‘ Pferch ’ ); die Literatur zu / - RICH / ist nicht klar. Zu vermuten ist, dass Giätrich einfach ein ummauertes Gut meint. Darauf deutet die Bemerkung der Gwp. „ eine Ringmauer auf drei Seiten und Reste einer Hofstatt “ hin. Gibel Gibel m. ist zu schwdt. Gibel m., wdt. Gib(e)l, Gibäl (Goms), Gibul (Mattertal), Gibel (Saastal), Gibil ‘ Giebel ’ , ‘ Dachgiebel ’ , in Namen ‘ giebelförmiges Gelände; Gipfel, oberster Teil eines Hügels, spitziger Hügel, Berghöhe ’ , ahd. gibil, mhd. gibel (I D . 2, 97 f; BENB 2, 49 f; URNB 1, 1293; G RICHTING 1998, 94) zu stellen. Das HL kommt in rund 70 Namen vor. Die Formen Gibja, Gibji u. ä. sind palatalisiert aus Gibel (gibla > gibja; gibli > gibji), wobei wohl im Fall des femininen Singulars eine Re-Analyse des Plurals zum Singular stattgefunden hat. Das Simplex erscheint im Singular primär als (der) Gibel (FLNK, Grengiols; Fiesch), der Gibil (Embd), der Gibu (Lax), uf(em) Gibu (Bellwald) (beide mit / l/ -Vokalisierung) und der Gibul (Grächen). Nur historisch sind belegt: am Gibel (1530, Binn; 1803, Ernen, 1599, Stalden), an den Gebell (1594, Fieschertal; unsicher), an Gÿbell (1562, Zeneggen), im Gibell (1739, Guttet), am Gibell (1401, Naters, 1540 jn den Giblen seu Gibÿen). Im Plural kommt das HL als (di) Gibja (FLNK Birgisch, Eggerberg, FLNK Ernen), di Gibje (Zermatt), Gibla (1392, Birgisch), an den Gibÿen (1542, Termen) und jn den Giblen (1540, Naters) vor. Der Diminutiv Singular erscheint als ts Gibji (Ried- Brig), ts Gibli (Kippel, FLNK Gibli), ts Gibulti (Grächen, auch FLNK); der Diminutiv Plural als in den Gibeltinen (1801, Birgisch), in den Gibinen (1809, Birgisch, unsicher) und di Gibultini (Naters, FLNK Gibultini). Mit attributiven Adjektiven sind belegt: ts Chlei Gibelti (Grengiols), t Unnergibja (Törbel), am Vndren Gibilti (1636, Grächen), am Fodren Gibill (1644, Grächen). Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Acher, Bodu, Brunnu, Egg(a), Grabu, Hooru, Loch, Matta, Piische, Riife, Schluocht, Tschugge, Wäg, Wang und Wanna. Unklar sind di Gibeggu (Hohtenn) und der Gibgaartu (Hohtenn), die wohl eine Kurzform des HL enthalten. Eine Ableitung auf / - ERI / für Wasserleitungen ist in Gibjeri ‘ die Wasserleitung, die am Gibji (kleiner Giebel) vorbeifliesst ’ (FLNK, Ried-Brig; Termen, auch FLNK und LT) belegt; es handelt sich um eine Wasserleitung auf dem Rosswald. Vermutlich hierzu gehören auch Gibjerifall (Ried-Brig) und Gibjeriwäg (FLNK Ried-Brig; LT Gibjeriweg). Die Wasserleitung ist rund 10 km lang, sodass die beiden Flurnamen durchaus zur Wasserleitung gehören können. Gibiet Gibiet n. ‘ Gebiet ’ kommt nur in Saas-Almagell als di Gipieti vor, mit Akzent auf dem zweiten Teil des Diphthongs der zweiten Silbe. Laut Gwp. handelt es sich um Grundstücke, die zum <chrütu> ‘ Kraut sammeln ’ ausgelost würden, auf ca. 2600 m. Zu unterscheiden ist es vom HL Gibjet n. (mit Erstbetonung). Gibirg Gibirg und Birg sind zu schwdt. (Ge)Birg n., kollektiv zu Berg wie nhd. ‘ Gebirge ’ , ‘ Berg(e); gebirgiges Gebiet, Bergland; Bergweide ’ (I D . 4, 1572; RN 2, 413) zu stellen. Beide kommen nur selten vor. Als Simplex ist vielleicht zum Bürg (1645, Blatten) zu interpretieren, doch ist der Beleg unklar. Adjektivische Bildungen sind ts Hogibirg ‘ das hohe gebirgige Gebiet ’ (Naters), ufum Rotgibirg ‘ auf dem roten gebirgigen Gebiet ’ (Ferden) und ts Wiis Gibirg ‘ das weisse gebirgige Gebiet ’ (Zwischbergen). Birg kommt nur in Birghoren ‘ Gipfel im gebirgigen Gebiet ’ und Birgsattel ‘ Sattel beim Birghorn ’ (beide Blatten) vor. Gibjet Gibjet kommt in Ergisch als Simplex ts Gibjet (1: 10000 Gibjet) vor; dazu sind die Komposita Jm Gibbiet Gartun (1634), Im Gebiedbach (1768), In der Gibietfúren (1706), In der Gibietmatten (1633 u. ö.) und di Gibjettbedu ‘ die Böden im Bereich Gibjet ’ zu stellen. Die historischen Schreibweisen zeigen, dass die Schreiber an das dt. Wort 277 278 Gibjet <?page no="405"?> Gebiet dachten. M. S. hat in Gibjettbedu den Akzent auf der ersten Silbe notiert; das Wort kann deswegen nicht zu Ge ’ biet (mit Akzent auf der zweiten Silbe) gehören. Die ältesten historischen Belege stammen aus dem 16. Jahrhundert; eine Palatalisierung verbietet sich aber, weil einerseits alle Belege schon ein / j/ aufweisen und weil anderseits der Erstakzent den Anschluss an eine / G ( I )/ -Ableitung mit kollektivem Sinn zu Blatt nicht zulässt. Wahrscheinlicher ist eine romanische Wurzel, die allerdings unklar ist. Das HL bleibt deswegen ungedeutet. Gibsten (FaN) Gibsten (FaN), auch Guibsten ist ein FaN, der eine seit dem 14. Jh. bekannte Familie von Münster (AWWB 109) benennt. Belegt ist er an vier Orten: ts Gibschturiedgi ‘ das kleine Ried der Familie Gibsten ’ (Betten), Gibsten Acker ‘ der Acker der Familie Gibsten ’ (1802,Martisberg), Gÿbsten Acher ‘ der Acker der Familie Gibsten ’ (1824, Bellwald) und vermutlich ob Gytzpons Mattun ‘ ob der Wiese der Familie Gibsten ’ (1379, Ulrichen); dieser Beleg ist auch in AWWB 109 zitiert, wo er zum gleichen FaN gestellt wird. Gibyel Gibyel ist nur 1397 für Feschel als zen Gibyel belegt. Es handelt sich um einen Plural. Das schliesst eigentlich ein Präfix GI aus, das als Singular Neutrum konstruiert würde. Um 1397 kann auch die Entrundung (Bühel > Biel) noch nicht vorliegen. Die Entwicklung / l/ > / i, j/ (Palatalisierung des / l/ ) scheint im Wort Gibja u. ä. ‘ die Giebel ’ erst im 16. Jahrhundert einzutreten (der Beleg von 1540 jn den Giblen seu Gibÿen (Naters) ist wohl der früheste). Auffällig ist weiter, dass der Name mit / l/ endet. Trotz allem scheint Gibel ‘ giebelförmiges Gelände ’ (I D . 2, 97 f.; G RICHTING 1998, 94) (cf. HL G IBEL ) gemeint zu sein, also ‘ bei den giebelförmigen Felsen ’ . Erstaunlicherweise hat G PSR (8, 201 s. v. gébè ̩ ł ‘ Jatte en bois, avec couvercle [Holzschale mit Deckel] ’ ) ein Wort, das als quibil usw. auf das alem. Chübel ‘ Kübel ’ (Id. 3, 110) zurückgeführt werden kann. Dieses HL könnte also auch gemeint sein. Giesch Giesch, auch Giäsch, ist ein Weiler in der heutigen Gemeinde Steg-Hohtenn. Die meisten damit gebildeten Namen befinden sich in den Gemeinden Hohtenn und Niedergesteln. Giäsch ist 1301 als an dem Gues belegt, 1302 am Ges, 1306 am Ges, 1309 Giezo, 1320 Guers (im Kontext ist eine Wasserleitung erwähnt, die hieher führt), 1347 am Gu ᵉ s, 1387 apud Gu ᵛ s, 1389 am G ů es usw., die heutige Form erscheint erstmals 1522 als am Giesch. Diese Formen sind insgesamt sehr unklar; jene auf Ges könnten auch zum Weiler Geesch (cf. HL G EESCH ) bei Niedergesteln und Raron gehören. Geht man von den Formen mit einem / u/ aus, dürfte Gues in etwa die Ausgangsform sein. Dabei ist aber unklar, ob ein Diphthong / üe/ vorliegt oder eine romanische Schreibung für / e/ , die später diphthongiert zu / ie/ wurde. Ursprüngliches / s/ erscheint später als / š / . Leider findet sich hierzu kein historischer Beleg. Giezo (1309) hingegen legt ein Nomen wie Giesse n ‘ Wasserfall, Bachstrudel ’ (I D . 2, 470) nahe, was allerdings von der Lage her sehr unwahrscheinlich ist. Giez ist in G PSR (8, 319) als ‘ Chalet (aber unsicher) ’ zitiert, sodass auch dieses romanische Etymone möglich wäre. Als Bestimmungswort tritt das HL G IESCH zunächst zusammen mit den folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita auf: Gassa, Haalta, Matta, Schnitta und Suon. Schwierig ist hier in den Gÿeschmatten (1584, Ergisch). Da im Dokument zuerst Zubermatten ‘ die Wiesen mit einer Wasserfassung ’ steht, könnte in diesem Fall das mhd. gie ʒ e ‘ fliessendes wasser, schmaler u. tiefer flussarm, bach ’ (L EXER 1, 1011) gemeint sein. Komplexer sind t Alti Gieschsüe ‘ die alte Wasserleitung nach Giesch ’ (Hohtenn, Niedergesteln), di Gieschsüeabschlacht ‘ die Stelle, wo die Giesch-Suon (Wasserleitung nach Giesch) abgeleitet wird ’ (Hohtenn) und das seltsame Tatz-Giesch Süe (FLNK, Niedergesteln), eine Wasserleitung, die vom Jolital über Tatz (Weiler von Niedergesteln) nach Giesch (Weiler von Hohtenn) führt und laut www.bisses.ch [besucht am 11. 04. 2019] heute weitgehend in Rohrleitungen fliesst. Eine Form Giescher (ursprünglich ein Genitiv Plural, heute Adjektiv (cf. S ONDEREGGER 1958, 526 ff.); teilweise zusammengeschrieben) kommt mit folgenden Grundwörtern in zweisilbigen Komposita vor: Brunnu, Eie, Schnitta und Weid. Von diesen Belegen ist ein Genitiv Singular bemerkenswert: ts Gieschersch Weidu ‘ die Weiden des Mannes aus Giesch (Weiler von Hohtenn) ’ (Hohtenn). Eine seltsame Ableitung im Plural, vermutlich auf / - ERRA / (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.). tritt in Zen Gieschierun (1687, Niedergesteln) auf. Man kann hierin einen Plural zum einfachen Flurnamen Giesch sehen: ‘ bei den Orten, die den Leuten von Giesch (Weiler von Hohtenn) gehören ’ . Hierzu gibt es Giescherrungrund ‘ im Grund der Leute von Giesch ’ (Niedergesteln) (Grund ist hier die Rottenebene) und Giescheruacher ‘ die Äcker der Leute von Giesch (Weiler von Hohtenn) ’ (FLNK, Niedergesteln). Aus den Belegen geht hervor, dass die Leute des Weilers Giesch Besitztümer in der Rottenebene hatten. Gibsten (FaN) 279 280 <?page no="406"?> Giesse Giesse f. ist zu schwdt. Giesse n m. oder f., ahd. giezo, mhd. giesse ‘ Wasserfall, Bachstrudel, Sturzbach, Stromschnelle; Seitenarm eines Flusses, Stelle mit stehendem oder nur schwach fliessendem Wasser ’ (I D . 2, 470 f.; RN 2, 416; BENB 1, 2, 52; URNB 1, 1296) zu stellen. Die komplexe Bedeutungsangabe macht klar, dass sowohl fliessende, als auch stehende Gewässer gemeint sein können. Dabei wird öfters ein Plural verwendet, der eher stehende oder schwach fliessende Gewässer meint. Lebende Belege des Simplex im Singular sind der Giessu ‘ der Giessen ’ (Saas-Grund), Giessu ‘ der Giessen ’ (FLNK, Saas-Balen; FLNK, Turtmann), wobei die Flur in Turtmann in der Rottenebene liegt. an den Giessen (1562, Geschinen), am Giessen (1603, Münster), Giessen (1509 u. später, Brigerbad; hier ripa ‘ Fluss, Bach ’ genannt), in dem Giesen (15? ? , Reckingen), jnter den Giessen ‘ zwischen den Giessen ’ (1303, Visp; spätere Belege haben der Gy`esso ‘ der Giessen ’ , lat. fossatum aque ‘ der Wassergraben ’ ), die Giessen (1828, Saas-Almagell; als „ das Wasser “ bezeichnet), die Giessen (1817 Agarn, lat. fossale ‘ der Kanal ’ ) lassen sich nicht genau deuten. Einige der Belege können auch Plural sein. Sicher ein Plural ist t Giesse ‘ die Giessen (Weiler von Binn) ’ , wo vielleicht der Englischbach gemeint ist. di Giesse (Visperterminen) ist ein Alpgebiet auf rund 2100 m mit Wasser. in den Giesen (1762, Oberwald) meint ein Gebiet in Unterwasser. Diminutive im Singular sind ts Giessi (Biel; FLNK Giessi), das ein Dorfteil bei einer Wasserleitung ist, ts Giessi (Obergesteln; FLNK Giessi) mit einer Quelle laut Gwp., ts Giessi ‘ Kanal ’ (Gampel), ev. auch Gross Grabu. Mit attributiven Adjektiven kommen vor: communem Güessen ‘ (lat. communem) der Giessen (Bach), der der Gemeinde gehört ’ (1599, Baltschieder), an den G ’ meinen Giessen ‘ an den Giessen (Graben), der der Gemeinde gehört ’ (1733, Turtmann), communem Güessenn ‘ (lat. communem) der Giessen (Bach), der der Gemeinde gehört ’ (1616, Visp). Nur Badtgiessen ‘ der Giessen (Graben) beim Brigerbad ’ (1571 u. später, Brigerbad) enthält das Grundwort. Alle anderen weisen das HL als Bestimmungswort auf: Acher, Balma, Egg(a), Gartu, Loch und Los. Unsicher ist Gýsen Ecka ‘ die Egga des Gisen ’ (1399, Ried-Brig). Wegen des fehlenden Diphthongs / ie/ kommt Giesse kaum in Frage; am ehesten ist an einen FaN Gischig oder ähnlich zu denken (AWWB 111). Ein ursprünglicher Genitiv Plural, heute eine als Adjektiv verstandene Ableitung auf / - ER / , ist in ts Giessersand ‘ das Sandgebiet beim Weiler Giesse ’ (Binn) zu finden. Giety Giety, auch Gietaz ist ursprünglich ein Patois-Wort, das mit anlautendem / g/ im Bezirk Leuk übernommen wurde. Die ältesten Belege sind 1338 la giety, 1339 l ’ agÿetÿ, 1346 la giety, 1353 lagiety (alle Albinen), also Belege ohne und mit Agglutination des / a/ des femininen Artikels la. Zu vermuten ist etwa die Bedeutung ‘ Voralpe ’ (cf. B OS- SARD / C HAVAN 2006, 243 zu Gite, Giète usw. und G PSR 8, 335 ss., vor allem 5 o Noms de lieux). Dazu gehört wohl auch de la gietiz (1527, Ergisch). Belegt sind neben Giety auch en la gieti damun ‘ in der oberen Voralpe ’ (1660, 1662 Albinen) und jn pede de la Gietetaz (1548, Albinen; 1631 in pede de la Giettÿ) ‘ am Fuss der Voralpe ’ . Gieteta ist in Albinen seit 1444 belegt; es handelt sich wohl um einen Diminutiv. Auch in Turtmann ist 1497/ 98 ein Gietetaz erwähnt, ist hier aber ein Beiname eines Anthonius Ogier. Eine Mischform weisen in der Obren Gietten (1708 u. später, Albinen) und in der Vndren Güetten (1682, Albinen) auf, deren ältere Formen jn superiori Gieti (1662) und in inferiori Gieti (1644) belegt sind. Da keine lebende Form überliefert ist, bleibt unklar, ob das anlautende grein schriftlich war, oder doch als / ʒ / ausgesprochen wurde. Gifft Gifft ist nur einmal belegt in ts Giffthittli ‘ die kleine Gifthütte ’ (Zermatt). Die Gwp. meint, dass sich Gift auf ‘ Alkohol ’ bezieht. J ULEN ET AL . (1995, 223) bezeichnen es jedoch als „ Souvenirladen, wo sich Engländer kleine Geschenke (gift) kaufen konnten “ . Die Website http: / / www.zermattportal.de/ zermattlexikon/ g/ gifthittli/ [21.04.2015IW] spricht von einem Gipfel, auf dem sich ein Souvenirshop befunden habe. Beide Erklärungen gehen auf das engl. Gift (das auch noch in dt. Mitgift steckt) zurück, also ‘ das Gegebene ’ . Eine Entscheidung zwischen Gift als ‘ poison ’ und Gift als ‘ Gabe, Schenkung ’ kann auf Grund des Namens nicht getroffen werden (vgl. I D . 2, 134 s. v. Gift), doch dürfte die zweite Deutung sinnvoller sein. Gifi Gifi f. ‘ Spalte ’ ist zu schwdt. Gif(f)e n f. ‘ Spalte ’ zu stellen, das von schwdt. g ī fe n , giffe n , gif(f)ele n ‘ bersten, voneinander klaffen ’ (I D . 2, 129f) abgeleitet ist. Das Simplex Gifi kommt in Münster und Reckingen vor; in Münster auch mit Präposition uf der Gifi; aus der Karte lässt sich schliessen, dass es um das gleiche Gebiet in beiden Gemeinden geht. In Geschinen ist yff der Gÿffi (1587) belegt. In Münster wird zwischen der Ober und der Unner Gifi ‘ der obere und der untere Teil der Gifi ’ unterschieden; historisch ist auch in der vodrigen Gÿffy (1678) 281 282 Gifi <?page no="407"?> belegt. Als Grundwort ist Gifi mit Bädel (Münster) verbunden. Häufiger ist es Bestimmungswort zu den Grundwörtern Biine, Egge, Grabe, Loch und Schlüecht, immer in Münster und Reckingen. Gifrisch Gifrisch n. ist der Name eines Weilers von Filet, heute zur Gemeinde Mörel-Filet gehörend. Die ältesten Belege sind 11? ? Cheurilz, 1250 Chivriz, 1301 Gyfris. Die heutige Form Gifrisch ist erstmals 1488 belegt. Schon J ACCARD (1906, 187) führt das HL auf caprilia ‘ Ziegenstall ’ (J AC- CARD 1906, 187) zurück. Die Endung legt einen Plural *caprilias ‘ die Ziegenställe ’ nahe (vgl. S CHMID 1951, 53). Gifris ist 1468 auch für Grengiols belegt; die Lokalisierung „ iuxta pontem ripe “ (neben der Brücke über den Fluss (Rotten)) deutet aber auf den heutigen Weiler hin. Attributive Adjektive sind belegt für Nider Gifrisch (1679), im Obren Gifrisch (1646, 1649), im Vndren Gifrisch (1399 (lat.), 1697), alle in Filet. Weiter sind eine Reihe von Komposita mit dem HL als Bestimmungswort belegt: Gifrischbach (Bister, Filet, Mörel) und Gifrischgrabe (Bister, Filet), Gifritschbrücke (sic, auch andere! ) (1818, Filet), Gifritschrúfina ‘ das Rutschgebiet bei Gifrisch ’ (1617, Filet; auch andere Schreibweisen im gleichen Jahr), der Gifritschstalden ‘ der Abhang bei Gifrisch ’ (1406, 1818 Filet) und der Giffris Zenden ‘ das Gebiet für den Zehnten in Gifrisch (Teil von Filet) ’ (1573, Filet) (laut P H . K ALBERMATTER (p. c.) handelt es sich hier um den Zehnten, der von den Leuten von Gifrisch an das Hospital der Johanniter auf dem Simplon entrichtet wurde). Giger (FaN) Giger (FaN) und Ableitungen davon sind zu schwdt. Giger m. ‘ Geigenspieler ’ zu stellen; als FaN ist er seit dem 13. Jh. belegt. Er bezeichnet in Flurnamen den Besitz einer Familie Giger (BENB 1, 2, 53; I D . 2, 151). Obwohl der Name heute im Oberwallis nicht mehr belegt ist, lässt er sich in den Daten des VSNB in einem Dokument aus Feschel (1400, Petrus Giger de Vesil) nachweisen. 1768 wird Josephi Jmhoff alias Giger in Binn erwähnt; Giger ist hier wohl ein Beiname für jemand, der die Geige spielt. Unklar ist die Verwendung des Simplex Giger als Flurname in Naters (1636, Gÿger), Obergesteln (1765, der Giger), Oberwald (erstmals 1687, Aúff dem Gÿger) und Ried-Brig (1726, Giger). Neben der möglichen Verwendung als FaN kann hier auch ein Ort gemeint sein, wo die Geige gespielt wird, oder einer, der einer Geige gleicht. In den übrigen Belegen ist Giger Bestimmungswort und zwar zuerst im Genitiv Singular: Gigers Holz (1388 als Holz Gýgarro ‘ der Wald der Familie Giger ’ , Ried- Mörel), ts Gigersch Schiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Giger ’ (Randa), dann auch im Kompositum: Güger Schiirli (1832, Blitzingen), der Giigerstei ‘ der Stein (Fels) der Familie Giger ’ (Blitzingen), das obere Gügerstücklein ‘ das ober kleine Landstück der Familie Giger ’ (1832, Blitzingen, hochdeutsch) und Giiger Weidgi ‘ die kleine Weide der Familie Giger ’ (FLNK, Ernen). Eine Ableitung auf / - I / zum Stamm Giig-, das Ganze im Genitiv, findet sich in ts Giigisch Hitta ‘ die Hütte der Familie Giger ’ (Filet) und ts Giigisch Stafil ‘ der Stafel der Familie Giger ’ (Gampel). Von dieser Konstruktion ist wohl das HL G IIGI zu trennen. Eine Ableitung auf / - I ( N )/ zu Giger ist in der Giigeribodo (Visperterminen) zu finden; vermutlich handelt es sich um ein feminines Giigeri ‘ Geigerin (eine Frau mit dem Namen Giger, eine Frau, die Geige spielt) ’ . Eine weitere Ableitung auf / - ERRA / - ERRU / oder ein Genitiv Plural ist belegt als jn der Gigerren ‘ am Ort, der der Familie Giger gehört (? ) ’ (1815, Guttet). Der isolierte Beleg lässt keinen Schluss zu, welche der beiden Konstruktionen zutrifft. Generell kann Giger auch ein Beiname sein, oder aus einer Tätigkeit als Geigenspieler stammen. Giigela Giigela f. ist als t Giigela ‘ der Hügel ’ (Binn) und Gigele ‘ die Hügel (Plural) ’ (Blitzingen) belegt. Die Form di Gigula ‘ der Hügel ’ (Naters) gehört ebenfalls hieher. Beide sind wohl wie Gigli (BENB 1, 2, 54) zum HL G UGEL / G ÜGEL (I D . 2, 155 u. 159) zu stellen. Anders als dieses bildet es für Binn und Naters ein Feminin (vgl. die Variante Gugla unter dem HL G UGEL ), in Blitzingen könnte ein Plural vorliegen. Ein Zusammenhang mit Gîge n ‘ Geige ’ (I D . 2, 148) liegt kaum vor. Giigi Giigi n. ist von der Bildung her ein Diminutiv; das lange / i: / zeigt die wahrscheinliche Herkunft von Gîge n ‘ Geige ’ (I D . 2, 148 f.) an. Eine Entrundung aus Güggi ‘ Aussichtspunkt ’ (I D . 2, 198; NWNB 2, 861 ff. s. v. Gigi mit Bezug auf Gugel, hier als ‘ rundliche Anhöhe ’ verstanden) kann nicht nachgewiesen werden, ist aber nicht auszuschliessen (vgl. HL G UGGINA und HL G UGGI , beide mit kurzem Haupttonvokal). Neben den historisch belegten im Giggi (1836, Glis) und am Gÿgÿ (1730, Blatten) ist lebend nur ts Giigi ‘ die kleine Geige (metaphorisch) ’ (Oberems; SK Gigialp, LT Gigi, FLNK Giigi) belegt, laut Beschreibung eine kleine, geringe Alpe. In allen Fällen dürfte eine Ähnlichkeit von Instrument und Gegend gemeint sein. Zum lebenden Beleg in Oberems gesellt sich ein ganzes Namennest mit Giigi der Ober Stafil, ts Giigi der Mittilstafil, ts Giigi der Unner Stafil, die Gigii Matte (1842), der Gifrisch 283 284 <?page no="408"?> Giigigraad, ts Giigihorli, der Giigischleif, ts Giigitagfäld, der Inner und der Vooder Giigiwald (alle Oberems). Giir Giir m. ‘ Geier, Adler ’ ist zu schwdt. G ī r m., mhd. g ī r ‘ Geier, speziell Lämmergeier, meist aber jeder grosse Raubvogel, bes. Adler (Steinadler) ’ und wdt. Giiri n. ‘ Geier ’ (I D . 2, 405; BENB 1, 2, 57 f; URNB 1, 1276 f; G RICHTING 1998, 94) zu stellen. Die Form bei G RICHTING ist ein Diminutiv. Es ist zweimal als Bestimmungswort belegt: ts Giirenäscht ‘ das Adlernest ’ (Ulrichen), wo es eine Felswand mit einem Adlernest benennt, und der Gireschnabu ‘ der Geierschnabel ’ (Gluringen), einer metaphorischen Benennung einer Felsnase, die wie ein Geierschnabel aussieht. Die genaue Zuordnung zu Adler oder Geier ist im Einzelnen unklar; W IPF (1910, 35) gibt dialektal G ī r und übersetzt es als „ Geier “ . Giisä Giisä Pl. ist belegt in di Giisä (Zwischbergen, LT und FLNK Gise). J ORDAN (2006, 297) hat es als Ggiisä; er geht von einem italienischen Ortsnamen aus. Die alpinlombardische Form gissa ‘ sehr steiler Abhang ’ (Fusio) (LSI 2, 716) würde das bestätigen. Weiter verweist BENB (1, 2, 59 s. v. Gis-) auf H UBSCHMIED (1946, 18 f.), der Gisen, Gysen (uf der Gise) auf eine frpr. Form *dyisa < lat. * JACITA ‘ Vorsass ’ zurückführt; B OSSARD / C HAVAN (2006, 243 s. v. Gite) stimmen ihm zu. Diese Deutung stimmt wohl inhaltlich, doch ist in Zwischbergen ein alpinlombardisch / piemontesisches Etymon zu erwarten. Ein gerundetes HL ist in I D . (2, 477) als Güsi ‘ daher brausender Wasserstrom, -Flut, Überschwemmung, Wolkenbruch ’ (für Graubünden und Schwyz) belegt. Diese Deutung liegt nicht nahe, da die Flur auf rund 2070 m in wasserloser Umgebung liegt. Insgesamt kann keine sichere Deutung gegeben werden. di Giisleri ‘ die leicht gefrorene Wasserleitung (unsicher) ’ (Mund, LT Gisleri) ist eine / - ERI / -Ableitung für Wasserleitungen zu einem HL G ISEL (mit / - EL / -Erweiterung) oder entrundet zu Güsel. Die Deutungen in I D . (2, 467 s. v. G ī sel ‘ Geisel, Bürge ’ 2, 468 s. v. Gisler ‘ Schuldeneintreiber ’ ) kommen für eine Wasserleitung kaum in Frage. Hingegen könnte G ī sel ‘ die dünne, leicht zerfallende erste Eiskruste beim Gefrieren des Wassers ’ (I D . 2, 468; RN 2, 417 mit Verweis auf I D .) bei einer Wasserleitung eine Rolle spielen. Wenn eine Entrundung vorliegt, dann könnte am ehesten eine Ableitung zu G ÜSI (s. oben) in Frage kommen. Giischi Giischi ist ein schwer zu deutendes Lemma. Das Simplex kommt als Giischi (Bratsch), historisch auch als in den Gischinen (1784) vor, das auch wohl hyperkorrekt als in den Güsinen (1740, Bratsch) belegt ist. 1850 ist in Bratsch in den Gischen bezeugt. Als Kompositum gibt es auch Gischimatten (Bratsch). Mit Präposition ist es belegt in Zer Giischu (Weiler von Staldenried); dazu stellt sich der Giischunacher ‘ der Acker bei Zer Giischu ’ (Staldenried). In Binn gibt es ein Namennest mit Giischihore, Giischijoch und Giischigletscher - das Simplex ist nicht belegt. Eine Ableitung auf / - ERI / , vermutlich für eine Wasserleite, ist Gischerÿ (1835, Baltschieder). Ein Zusammenhang mit dem FaN Gischig (AWWB 111) ist unklar; vermutlich liegt dem FaN jedoch eine / - ING / -Ableitung zu einem PN Giso (oder ähnlich) zu Grunde (F ÖRSTEMANN 1, 644). Giischi dagegen scheint am ehesten zu Güschi ‘ Sache von geringem Wert ’ (I D . 2, 482) zu passen; es würde dann kleine Siedlungen oder Gebiete ohne viel Wert meinen. Das Lexem ist allerdings sonst nicht belegt. BENB (1, 2, 59 s. v. Gis-) führt Gisi auf den PN Giso zurück. Im Oberwalliser Kontext wäre damit wieder der FaN Gischig betroffen. Giletsche Giletsche Pl. ist nur einmal belegt in t Giletsche (Ried- Mörel, LT und FLNK Giletsche). Weder M. S., noch FLNK notieren die Betonung. Im Goms würde aber ein anlautendes Präfix GI assimiliert, sodass von einem Stamm Giletscha ausgegangen werden muss. Da historische Belege fehlen, ist unklar, ob eine Entrundung (/ ü/ > / i/ ) vorliegt. Das nächstliegende HL G ILLA ‘ Wasserlache, Weiher ’ (G RICHTING 1998, 94; I D . 2, 222 s. v. Gülle n )) fehlt als Flurname im Goms und hätte hier geminiertes / ll/ . Am Ort des Namens sind im Übrigen weder Wasserlachen noch Weiher zu erkennen; auch die Beschreibung erwähnt keine. Der Name bleibt deswegen ungedeutet. Gili (PN) Gili (PN) ist entweder zum FaN Gilgen oder zu einem PN wie Ägidius (I D . 2, 213 s. v. Gill), Gillian (I D . 2, 213 s. v. Gillian) oder Wilhelm (so Gwp. für ts Gililärch (Blitzingen)) zu stellen. Die historischen Belege legen aber auch den Kontext zum Pflanzennamen Ilie ‘ Lilie ’ (I D . 1, 179) nahe (cf. HL G ILLJO ). Die FaNN Gilg, Gilgen und Gilgien sind aber im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 664 f.) nicht für das Wallis erwähnt. Belegt sind: des Gilyen Acker ‘ der Acker der Familie Gilgen / des Gilg ’ (1573 - 1644, Münster), des Gilyen Stadell ‘ der Stadel der Familie Gilgen / des Gilg ’ (1573 - 1644, Münster), Gilibort ‘ das Bord (Abhang, Böschung) des Ägidius / der Familie Gilgen (? ) ’ (1626, Ulrichen), ts Gililärch ‘ bei der Lärche mit Lilien / des Wilhelm ’ (Blitzingen), laut Gwp. ist Gili hier der Kurzname für Wilhelm. 285 286 Gili (PN) <?page no="409"?> Der Name Gýlio (1392, Visp) ist zum HL G ILLJO gestellt (siehe dort). Gilla Gilla f. ist zum schwdt. Gülle n f. ‘ Wasserlache, Tümpel ’ und wdt. Gilla, Gillä (Goms), Gillu ‘ Wasserlache, Weiher ’ (I D . 2, 222; G RICHTING 1998, 94) zu stellen. In den Deutungen wird es als ‘ Tümpel ’ wiedergegeben, wobei die Wasseransammlung auch temporär sein kann (Schmelzwasser, Wässerwasser). Der Name kommt knapp 40 mal, aber nur in den Bezirken Visp, Westlich-Raron und Leuk vor; in den Bezirken Goms, Östlich-Raron und Brig fehlen Belege. Das Simplex im Singular (manchmal Plural, nicht immer zu unterscheiden) erscheint als di Gile ‘ der Tümpel ’ (Saas-Almagell, zwei Belege), ob der Gillen ‘ ob dem Tümpel ’ (1591 u. später, Ausserberg), beÿ der Gillen ‘ beim Tümpel ’ (1670, Raron), zer Gillen ‘ beim Tümpel ’ (1677, Turtmann), di Gillu ‘ der Tümpel ’ (Ergisch), zer Gillu ‘ beim Tümpel ’ (Oberems, Varen), ob der Gillun ‘ ob dem Tümpel ’ (1691, Baltschieder), in der Gillun ‘ im Tümpel ’ (Blatten, zweimal). Ein sicherer Plural ist inn Gillun ‘ in den Tümpeln ’ (Blatten). Mit attributivem Adjektiv sind belegt: t Schwarzi Gillu ‘ der schwarze Tümpel ’ (Salgesch) und t Waarem Gilla ‘ der warme Tümpel (Tümpel mit warmem Wasser) ’ (Ferden). Vorangestellte Genitive sind belegt in bei Kúonen Gillen ‘ beim Tümpel der Familie Kuonen / des Kuoni ’ (1720 u. später, Niedergesteln; 1852, Steg) und zen Maxinen Gillen ‘ bei den Tümpeln der Familie Maxen ’ (1664 u. später, Leuk). Als Grundwort ist das HL in folgenden zweigliedrigen Komposita belegt: Baggilla ‘ der Tümpel zum Baden ’ (FLNK, Niedergesteln), t Eichgillu ‘ der Tümpel beim Eichji (kleines Gebiet mit Eichen) ’ (Hohtenn, Steg; die beiden Namen bezeichnen den gleichen Ort), t Martschinagillu ‘ der Tümpel im Sumpfland (? ) ’ (Leuk), t Rossgillu ‘ der Tümpel für die Pferde ’ (Leuk), ts Sandgilli ‘ der kleine Tümpel im Sandgebiet ’ (Ausserberg), t Schaafgillu ‘ der Tümpel für die Schafe ’ (Salgesch, auch bei M ATHIER 2015, 137 erwähnt), t Schwiigillu ‘ der Tümpel für die Schweine / der schmutzige Tümpel ’ (Albinen), Spirgilla ‘ der Tümpel für die Schwalben ’ (LT, Ausserberg; FLNK Spirgila). Komplexer sind Sant Gilli Biel ‘ der Hügel beim kleinen Tümpel im Gebiet Sand ’ (1729 u. später, Ausserberg; 1743, Raron) und Sandgillenruns ‘ der Wasserlauf aus / zu dem Tümpel im Gebiet Sand ’ (Ausserberg). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor Gassa, Egg(a), Haalta, Matta, Schiir und Stüde. Giller Giller n. ist nur belegt in ts Eichgiller (Raron). Da der Explorator häufig das phonetische Zeichen / k/ (velare Fortis) für das phonetischen Zeichen / kx/ (velare Affrikata) gebraucht hat, dürfte das Lexem Chiller n. ‘ enge, tiefe, wilde Schlucht ’ (I D . 3, 206 s. v. Chille) gemeint sein. Auf der Karte lässt sich nicht erkennen, ob im Eichenwald eine derartige Schlucht liegt. Gillian (PN) Gillian (PN) m. ist als Variante zu einem PN, vermutlich Julian, zu stellen (I D . 2, 213). Belegt ist der Name nur in der Genitivkonstruktion ob der Gillien Schÿr ‘ ob der Scheuer des Gillian (PN) ’ (1682, Lalden). Gillious (FaN) Gillious (FaN) ist nur für Agarn ab 1433 bis 1580 als eys Gillious belegt. M EYER (1914, 67, 165) deutet Guilla (Gilla) als germanischen Personennamen. Der FaN Gillioz (AWWB 110) ist dort für Martinach bis Siders belegt. Wahrscheinlich handelt es sich beim Flurnamen um ein Besitztum der Familie Gillioz. Gilljo Gilljo m. ist als der Gilljo (Visperterminen) belegt. Dazu kommen ts Gilljuwaldji ‘ der kleine Wald beim Gilljo ’ und di Gilljuwasserleite ‘ die Wasserleitung zum Gilljo ’ (beide Visperterminen). 1590 ist in Visperterminen dem Gilgiu ᵕ m belegt. W IPF (1910, 100) führt n ɛ Gilju ‘ in den Lilien ’ auf lilja > jilia > gilja zurück; wenn das stimmt, müsste eine Rekonstruktion des Dativ Plural als Nominativ Singular des Maskulins vorliegen. Auch Z IMMERMANN (1968, 52) führt Giljuachra auf ‘ Lilie ’ zurück und verweist auf I D . und W IPF (1910). Der Beleg von 1590 spricht von einem Acker; das maskuline Genus könnte daher kommen, so dass ‘ der Acker bei den Lilien ’ vorliegt. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1252 ff.) zeigen, dass Liliengewächse verschiedenster Art im Wallis vorkommen. Die Schriftform Gilgiu ᵕ m kommt dem dialektalen Gilge n (I D . 1, 179 s. v. Ilie) nahe. In Visp erscheint 1392 Gýlio, woraus folgt, dass eine Entrundung ausgeschlossen ist. Gwp. nimmt für der Gilljo eine Deutung ‘ Gewinnung von Giltstein ’ an, was eine sekundäre Erklärung auf Grund der lautlichen Ähnlichkeit ist. Es gibt 1646 u. später in Visperterminen eine Giltgruoben, doch lag diese Grube laut Text von 1690 beim Beiterbach, der weit südlicher ist als der Gilljo. Ob ein PN, ev. zu Ägidius (cf. HL G ILI ) vorliegt, lässt sich aus den Belegen nicht erschliessen. Die Deutung ‘ bei den Lilien ’ von W IPF scheint insgesamt am zutreffendsten. Gilla 287 288 <?page no="410"?> Gillo Gillo m. ist für Brigerbad (im Gillo) und Lalden (der Gillo) belegt; es handelt sich aber um den gleichen Ort. Bei beiden Belegen wird Wert darauf gelegt, dass es sich um einen trockenen Ort handelt. das Genus m. wird von R ÜBEL (1950, 87) explizit angegeben, in I D . (2, 222 s. v. Gülle n ) fehlt diese Angabe. Trotz der inhaltlichen Bestimmung dürfte eine maskuline Form dieses Wortes vorliegen; mindestens in Brigerbad wird als Beschreibung „ Mulde, Wiese “ gegeben - es kann sich also um eine Mulde handeln, in der sich Wasser ansammelt. Andere Deutungen liegen nicht vor. Gilt Gilt, auch Gült n. ist nicht immer eindeutig. Entweder ist es zu schwdt. Giltstei n , wdt. Giltschtei ‘ Giltstein, Speckstein, Ofenstein ’ (I D . 11, 822; G RICHTING 1998, 94), in den Belegen z. T. verkürzt zu Giltzu stellen, oder mit entrundetem Vokal zu schwdt. Gült, Pl. -e n f. ‘ Grundzins, jährliche Leistung, Rente ’ , ‘ Schuldverschreibung auf Grundstücke; Hypothekschein, Wertschrift auf Unterpfand von Haus und Land, die sich verzinst ’ , ‘ Abgabe, Steuer ’ , ‘ Schuld ’ , mhd. gülte ‘ Schuld, Zahlung, Einkommen, Rente, Zins ’ (I D . 2, 285 ff.; cf. auch HL G ÜLDT ). Zu Gült gehört wohl ts Gilt (Wiler), eine Wiese, deren Ertrag in einem Essen für die Armen bestand. Ebenfalls hierzu gehört wohl nach dem alten Gult ‘ nach der alten Schuldverschreibung ’ (1785, Unterems) und im Neüwen Gult ‘ in der neuen Schuldverschreibung ’ (1784, Turtmann); es dürfte sich hier um Grundstücke (petia prati) handeln, auf denen eine Gult (Schuldlast) bestand. Falsch ist der Beleg Stadt Gilt (1818, Raron), wo nach P H . K ALBERMATTER (p. c.) ein Schuldzins für die Flur Stadt (cf. HL S TATT ) gemeint ist. Die lateinische Umschreibung Ager seruicij von Giltacher (1587, Grächen) legt eine Deutung von Acker, der mit einer Gült belegt ist, nahe. Ähnliches gilt wohl auch von di Giltachra (Embd), Gilt Acher (1754, Ried-Brig) und ts Giltacherli (Raron). Unsicher sind Gilt=Matte (1864, Steg) und in den Giltschnitten (1826, Steg), wo Gült vorliegen kann, desgleichen in der Giltmatten (1789, Leuk). Hingegen sind die Belege von 1389 Gylmatta, 1398 Guilmatton, 1523 Gillmatta, 1535 die Gülmattvn usw. (Turtmann) vermutlich zum PN Gill (Ägidius, vgl. I D . 2, 213) zu stellen; eine Entrundung wäre 1389 nicht möglich. Die anderen Belege sind eher zu Giltstein ‘ Ofenstein ’ zu stellen. Gilt in diesem Sinn tritt nur als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Bodu (unsicher), Flüö, Grabu, Grüeba, Miina, Ofu, Stei und Wang, sowie komplexeren Bildungen wie Giltsteinmiina ‘ die Mine, wo Gilststein abgebaut wurde ’ (Wiler) und ts Giltsteiwägi ‘ der kleine Weg zur Stelle mit Giltstein (Ofenstein) ’ (Grengiols). Soweit erkennbar, sind weder Gilt noch Gult, Gült (> Gilt) sonst als Flurnamen belegt. Ein Adjektiv auf / - IN / ist in die Gildtsteinini Gruben ‘ die giltsteinhaltige Grube ’ (1682, Zeneggen) enthalten. Unter dem HL G ÜLDT ist ein einziger Beleg das Ewig Güldt (1728, Zeneggen) erfasst, der zu Gült im Sinne von ‘ Grundzins ’ zu stellen ist. Ginals Ginals n. ist wohl auf die Weiterentwicklung von lat. CANALES ‘ Rinnen ’ vor der Sibilantisierung (siehe Zinal im Val d ’ Anniviers) zurückzuführen (vgl. G PSR 3, 493 ss. s. v. chenal). Das Simplex Ginals ist vor allem für Unterbäch belegt, das schon für 1286 Guinals aufweist; gemeint ist wohl das ganze Ginalstal. Die übrigen Erwähnungen in Bürchen, Eischoll und Ergisch beziehen sich auf das gleiche Tal. Ebenso die Verwendung als Bestimmungswort: Ginalshoru (Ergisch), Ginalspass (Embd, Pass ins Ginalstal), Ginalswald (Unterbäch) und Ginalswasserleita. Auf der SK sind neben dem Ginanzthal die Obere Ginanzalp und der Ginanzsee für Unterbäch verzeichnet; diese Nebenform orientiert sich u. U. am Nanztal (Gamsen), sind aber wohl ein falsch verstandenes Ginals. Gineten (PN) Gineten (PN) ist nur belegt als Gineten Schnitten (1576, Eischoll). Laut Dokument handelt es sich um zwei Stücke Land, das eine als Wiese, das andere als Acker. Gineten dürfte hier ein PN im Genitiv sein: ‘ das ausgeschnittene Stück Land des Ginet / der Ginet ’ . I D . (2, 327) kennt zwar ein Verb geine n mit der Nebenform gine n ‘ gähnen, klaffen ’ , doch kommt ein Partizip zu diesem Verb kaum in Frage. Belegt sind der FaN Ginet (de.namespedia.com/ details/ ginet[19.01.2022; IW) und der PN Ginette (de.wikipedia.org/ wiki/ Ginette[19.01.2022; IW). Ob sie, wie der Beleg von 1576 nahelegt, mit / g/ gesprochen werden, ist vor allem beim PN Ginette (wohl zu Genoveva) kaum gegeben. Ginntig Ginntig ist nur in Leuk als di Ginntig belegt. Wie SK zeigt, ist der Ort früher ausserhalb von Leuk angesiedelt. Beschrieben wird der Name als ‘ Strasse vom „ Bahnhof “ hinunter zum Café Alpenrösli ’ . Beim „ Bahnhof “ handelt es sich um die frühere Haltestelle der Bahn nach Leukerbad. Belegt ist der Name 1337 als eys quintyns. 1583 ist der Name verdeutscht als jn der Gintting belegt, wobei 1669 und 1751 jeweils ein maskuliner Name erscheint. Der Name muss aus dem Lat. entlehnt sein, bevor die Entwicklung zu / ts/ oder / t ž / stattgefunden hat. Vermutlich handelt es sich um einen PN oder FaN Quintin (AWWB 204), den ursprünglichen Besitzer des Grund- 289 290 Ginntig <?page no="411"?> stücks. Auslautendes / - ING / entspricht der Nasalierung des Namens. Ginoltz (PN) Ginoltz (PN) ist nur 1560 in Turtmann als Gÿnoltzmatten ‘ die Wiese des Ginolt ’ belegt. Der Personenname Ginolt ist zur frz. Form Guinault zu stellen, die ihrerseits auf Winevold oder ähnlich (F ÖRSTEMANN 1, 1498) zurückgeführt werden kann. Dass hier eine französische Form angenommen wird, hängt mit Turtmann zusammen, das auch sonst frz. oder frpr. Belege aufweist. Gintschu (PN) Gintschu (PN) tritt zweimal als Bestimmungswort auf in ts Gintschufuru (Ried-Mörel) und an Gÿntschi Schúren (1584, Ried-Mörel). In beiden Fällen handelt es sich um einen PN oder FaN. I D . kennt Günz (2, 387) als Koseform zu Günther, aber nur für Basel; dennoch würde der historische Beleg von 1574 zu ͦ Gÿntschi fúren dafür sprechen. BENB (1, 2, 155) nimmt den althochdeutschen PN Gunzo (F ÖRSTEMANN 1, 696) als möglich an. Ein Flurname ts Guntsi (Termen) hat historische Belege Gunzo (ab 1320), doch scheint das kein PN zu sein (cf. HL G UNZI ). Eine Ableitung zu lat. CONCHA ‘ Muschel, Mulde ’ (BENB 1, 2, 155) ist eher unwahrscheinlich, da zunächst ein Umlaut mit anschliessender Entrundung angenommen werden müsste; da kein Beleg vor 1500 vorliegt, kann hierzu nichts Sicheres gesagt werden. Das Lemma bleibt unklar; es dürfte sich aber um einen PN oder FaN handeln, der im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ so nicht belegt ist. Gionta (FaN) Gionta (FaN) ist nur in der Giontacheer ‘ der Cheer (Kurve der Grimselstrasse), benannt nach einem Ingenieur (Chionta, Ghionda? ) ’ (Oberwald). Auf der Karte 1: 10000 heisst er Tschinotticheer. Wie K. A ERNI (p. c., inzwischen verstorben) auf Grund eines Artikels im W ALLISER B OTEN (23. 4. 1995, S. 9) mitteilte, wurden die Kurven der Grimselstrasse auf der Walliser Seite den „ verdiente[n] Staatsdiener[n] “ gewidmet. Der Ingenieur, der in den 70er Jahren, also rund zwanzig Jahre früher und vor dem Neubau der Strasse für diese Kurve, erwähnt wurde, ist uns nicht näher bekannt. Der Name Tschinotti ist ebenfalls nicht bekannt. Beide FaN sind im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ nicht vertreten. Gipfel Gipfel m., hier als Berggipfel, ist zu schwdt. Gipfel m. wie nhd., als Name und Appellativ eher zum modernen, vom Tourismus geprägten Wortschatz gehörend (I D . 2, 390; URNB 1, 1299 f.), gestellt. Belegt sind der Grenzgipfel, der Oschtgipfel und der Weschtgipfel (alle Zermatt, erster in Monte Rosa-Gruppe, die andern im Liskamm), Mittelgipfel (FLNK, LT Leukerbad) ‘ der mittlere Gipfel des Wildstrubel ’ , der Hoiptgipfil, der Nordgipfil und der Südgipfil (alle Gipfel des Diablons, Oberems). Das HL stammt nicht aus dem Dialekt, sondern ist alpinistisch bedingt. Gipiisch Gipiisch ist nur als Gipiischbode ‘ der Boden mit kleinwüchsigen Tannen, Tannenreisern (Kollektiv) ’ (FLNK, Ausserberg) belegt. Das HL ist ein Kollektiv, das zu schwzdt. B ǖ sch ‘ junger Nadelholzbaum, bes. abgehauene junge Tanne ’ und wdt. Piischa (f.), Piischä (Goms), Piischn (Lötschental), Piischi oder Piischu ‘ Busch, Tännchen, Reiser, (Handvoll), Haarfrisur ’ (I D . 4, 17; G RICHTING 1998, 152)) zu stellen ist; die kollektive Form Gipiisch ist nicht erfasst. Es handelt sich um eine entrundete Form mit dem Präfix GI - und dem Akzent auf dem lexikalischen Kern, hier Piisch. Gippen Gippen f. ist nur als die Gippen (1554, Eggerberg) belegt. Gemeint ist wohl die Alpenrose (I D . 3, 55 s. v. Juppe), obwohl R ÜBEL (1950, 54) Gippi nur für das oberste Goms kennt. Wenn die Deutung stimmt, würde sie eine ältere Bezeichnung für die Alpenrose (R HODODENDRON FERRUGI- NEUM , cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 706) auch für Eggerberg bezeugen. Gips Gips ist nur zweimal belegt: zum Altu Gipsofu ‘ beim alten Gipsofen ’ und di Gipsfabrick ‘ die Gipsfabrik ’ (beide Leuk). Es handelt sich um eine frühere Gipsfabrik in Pfin, die auf der Karte 1 : 10000 als Alter Gypsofen und Gypsfabrik belegt sind. Das HL ist zu schwdt. Gips, Jips, Jeps m. ‘ Gips ’ (I D . 3, 56), spätahd., mhd. gips n. > lat. GYPSIUM < gr. GYPSOS (BENB 1, 1, 58) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. Girbi Girbi n. ‘ Worb (Sense) ’ ist zu schwdt. Gürbe n ‘ Krummholz ’ und wdt. Girbi ‘ Worb (Sense) ’ (I D . 2, 415; G RICHTING 1998, 95) zu stellen. Belegt ist es in die Girbigräben ‘ die krummen Gräben ’ (1838, Zwischbergen). Die Motivation dürfte die krumme Form des Grabens betreffen. Ob der Franzischiggigirbel ‘ der trockene Steilhang des Franziskus ’ (Reckingen) hieher gehört, ist nicht ganz klar. Die Gwp. sagt, <en girbel> sei „ ein trockener Steilhang, nur in nassen Jahren guter Ertrag “ . Es könnte als Ableitung auf / - EL / zum entrundeten Gürbe n angenommen werden; doch passt keine Deutung. Dennoch wird Girbel hier als ‘ Steilhang ’ wiedergegeben; es kann sich dabei um eine Metapher ( ‘ krummes Gelände ’ ) handeln. Ginoltz (PN) 291 292 <?page no="412"?> Giretsch Giretsch m. (auch f.) ‘ Eberesche ’ ist zu schwdt. Gürgitsch und Varianten, wdt. Giretsch, Girntsch (Lötschental), Girätsch m. ‘ gemeine Eberesche, Vogelbeerbaum, Sorbus aucuparia ’ (I D . 2, 417; G RICHTING 1998, 95) zu stellen. Als Flurname erscheint es primär im Goms und vereinzelt in anderen Bezirken (cf. auch HLL G IRMSCH und G IRNTSCH ). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 278 s. v. S ORBUS AUCUPA- RIA , Vogelbeerbaum) weisen den Baum für die ganze Schweiz nach. Das Simplex im Singular ist belegt als Giretsche m. ‘ die Eberesche ’ (FLNK, Bellwald; hist. Belege zeigen Singular), t Giritsche f. ‘ die Eberesche ’ (Biel), am Gÿretschen ‘ bei der Eberesche ’ (1594, Ritzingen). Das Simplex im Plural ist belegt als di Giritscha ‘ die Ebereschen ’ (Grengiols), di Giretsche ‘ die Ebereschen ’ (St. Niklaus). Diminutive im Singular sind das Gÿretschÿ ‘ das kleine Gebiet mit Ebereschen ’ (1550, Obergesteln), ts Giretschi ‘ das kleine Gebiet mit Ebereschen ’ (Oberwald) und das unklare am Hirgeschji oder am Girgeschji ‘ beim kleinen Gebiet mit Ebereschen ’ (1855, Staldenried). Als Bestimmungswort ist das HL mit folgenden Grundwörtern verbunden: Steg, Stüde und Wald. Girmsch Girmsch ist nur als ts Girmschä ‘ bei den Ebereschen / Vogelbeerbäumen ’ (Ferden) belegt. Das HL ist zu Gürmsch ‘ Vogelbeerbaum ’ (I D . 2, 419) zu stellen. B ELL- WALD (1956, 90) nennt Girntschber ‘ Vogelbeere (Eberesche) ’ und B LOETZER (1986, 309) Grimpsch ‘ Eberesche ’ . Auch Gwp. sagt, dass der Ort von „ den Büschen her benannt “ sei. Vermutlich sind eher Ebereschenbüsche gemeint. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 278 s. v. S ORBUS AUCUPARIA , Vogelbeerbaum) weisen den Baum für die ganze Schweiz nach (cf. HLL G IRETSCH und G IRNTSCH ). Girntsch Girntsch ist nur in Blatten als ts Girntschä ‘ bei den Ebereschen ’ belegt. Das HL ist zu schwdt. Gürgitsch ‘ Eberesche, Sorbus aucuparia ’ und wdt. u. a. Girntsch (Lötschtal) zu stellen (I D . 2, 417; G RICHTING 1998, 95; M ARZELL 4, 406, bes. 416; B ELLWALD 1956, 90; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 278; cf. HLL G IRETSCH und G IRMSCH ). Giron Giron ist 1352 in Leukerbad als ov giron und im gleichen Jahr in Erschmatt (unsicher) als ou giron belegt; gemeint ist wohl derselbe Ort. 1358 hat Turtmann Giron. Unklar ist der Anlaut; M EYER (1914, 61) nimmt an, dass / g/ im Anlaut durchwegs wie vor / o/ , / u/ und / r/ ausgesprochen wurde. Ob eine spätere Entwicklung zu einem Frikativ oder einer Affrikata möglich war, ist unklar. B RIDEL (1866, 75 s. v. Chillon) hat Tsiron, Chiron für ‘ einen kleinen Heuhaufen auf dem Feld ’ , allerdings nur für die Waadt. G PSR (7, 332 s. v. giron 1) gibt als Bedeutung 7 für Savièse ‘ extremité, coin de terrain [Endpunkt, Geländeecke] ’ , das wohl zutrifft. Modernes frz. giron m. ‘ Schoss ’ kommt kaum in Frage. Girtil Girtil m. ist nur 1761 in Simplon als der Girtil ‘ der Gürtel ’ belegt. Es ist zu schwdt. Gürtel, wdt. Girtl, Girtul (Mattertal), Gurt (Saastal), Girtil m. ‘ Gürtel ’ zu stellen (I D . 2, 446; BENB 1, 2, 162; G RICHTING 1998, 95). In Flurnamen zur Bezeichnung schmaler Grundstücke. Gischig (FaN) Gischig (FaN) ist ein Familienname (auch Gyschig, Gisching, Gising, Gissing, Gysing (AWWB 111)), vor allem aus dem Bezirk Brig. Der Name kommt fast immer im Genitiv vorangestellt vor; nur einmal als Bestimmungswort in Giischigbodo ‘ der Boden der Familie Gischig ’ (Naters). Der älteste Beleg Gisingo Matten ‘ die Wiese der Leute des Gisi ’ (Glis) zeigt die Herkunft: eine / - ING / - Kollektivableitung zu einem Personennamen, hier wohl die Kurzform Gisi. Neben Giischigsch Bodi ‘ der Boden der Familie Gischig ’ in Eggerberg gibt es in Ausserberg ein Namennest mit Giischigschachra, Giischigsch Eggi, Giischigsch Hüs (1703) und Gischigsmatten (1765). Gisel Gisel m. ist nur belegt in der Gisel (1489, Greich), laut Dokument ein Acker. BENB (1, 2, 59 f.) bringt das HL mit dem schwdt. G ī sel m. ‘ Bürge, Geldschuldner ’ (I D . 2, 467) in Beziehung, sofern nicht ein PN Gisel (F ÖRSTEMANN 1, 649) vorliegt. Welche Deutung hier zutrifft, bleibt unklar. Gisentella Gisentella ist ein Bachname in Blatten, wobei Gisentella auf LT erscheint, SK hat nur Tellibach. Der Dorfteil ts Gisentell liegt westlich davon und hat keinen direkten Kontakt mit dem Bach. im Gisentellin ist am östlichen Dorfausgang bei der Einmündung der Gisentella in die Lonza belegt. Die historischen Belege sind: 1396 ze Gisiltil, 1443 das Gysental, 1616 die Giessen Tella, 1638 die Gisentellen, 1654 die Gisentella, 1661 die Gissenthällen usw. Die Schreibung Giessen von 1616 ist wohl verhochdeutscht; es gibt sonst keinen Hinweis auf einen Diphthong / ie/ . Der älteste Beleg deutet vielmehr auf einen PN Gisel oder ähnlich (vgl. F ÖRSTEMANN 1, 649 s. v. Gisal), der später als Genitiv Gisen belegt ist. Ob im zweiten Teil des Namens eine Ableitung zum HL T AL vorliegt, ist unklar, 293 294 Gisentella <?page no="413"?> doch hat F ÖRSTEMANN (1, 399 ff. s. v. Dala) auch hierzu PNN wie Tello oder Dalia aufgeführt. Die nächstliegende Hypothese ist also wohl, dass ursprünglich ein Besitzername vom Typ Gisiltel vorhanden war, von dem analog Gisentella, Gisentellin und Gisentell abgeleitet wurden. Gitsch Gitsch m. ‘ rundlicher Hügel ’ ist zu schwdt. G ŭ tsch, Gütsch m. ‘ kleine, rundliche Erhebung, Felskopf; Felsspitze, Gipfel, Bergvorsprung ’ < rom. *kukutsjo, spätlat. CUCUTIUM ‘ Haube, Kapuze ’ (I D . 2,563; Z INSLI 1945, 323; URNB 2, 127 f.) zu stellen. Bei G RICHTING (1998, 88) ist nur Gitsch, Gischtär ‘ Kleinarbeit der Hausfrau ’ belegt (cf. I D 2, 562), was als Flurname nicht in Frage kommt. auf der Gitschen (1774, Fiesch) enthält ein feminines Gitsche, das am ehesten zu G ū tsche ‘ Ruhebett ’ (I D . 2, 563) gestellt werden kann und dann wohl eine Geländeform meint. Auch als Genitiv Singular kann bei Gitsch Stadolti (1774, Mörel) analysiert werden; dann wäre ein PN Git (z. B. zu Ägidius (I D . 1, 131)) anzusetzen. Die übrigen Belege enthalten Gitsch (Wiler, Ferden) und den Diminutiv Plural Gitschini (Naters). Schwieriger ist ts Gittschä (Kippel), wo nach einer Präposition ze ein Plural steht, der sowohl mask. Gitsch ‘ rundlicher Hügel ’ wie auch f. Gittschä ‘ Ruhebett ’ sein kann; die andern Gitsch im Lötschental sprechen eher für Gitsch ‘ rundlicher Hügel ’ . Eine / - ER / -Ableitung (wohl Stellenbezeichnung nach S ONDEREGGER 1958, 541) als Gitscher ‘ Ort mit runden Hügeln ’ (FLNK, Erschmatt) ist historisch 1736 als an dem Gitzier belegt, was auf eine frühere Form Gitschler, mit / l/ -Palatalisierung für das Suffix / - LER / , mit gleicher Bedeutung wie / - ER / hindeutet. Gitschuipjutt Gitschuipjutt ist Part. Perf. des schwdt. Verbs tschûpe n , wdt. tschüppe, tschüggene oder tschüppänä (Goms), tschüppu (Saastal), tschuipu (Lötschtal), tschüüpu ‘ beim Schopf packen, an den Haaren ziehen, auch zerzausen ’ (I D . 14, 1773; G RICHTING 1998, 201), hier bezogen auf eine Lärche mit mindestens zwölf Spitzen und in dem Sinne ‘ zerzaust ’ aussehend. J ORDAN (2006, 151) kennt den Namen als Gitschuipjutä Läärch und beschreibt ihn als Riesenlärche; Gwpp. seien der Ansicht, früher sei hier eine zusammengewachsene Lärchengruppe gewesen. In Simplon ist mhd. û durch / ui/ vertreten. Gitschung Gitschung, auch Getschung kommt als Lemma in Täsch und Zermatt vor: ts Gitschung, auch Getschung, Getschunghorn (auf SK) und di Gitschungheeji ‘ die Gitschunghöhe ’ . In Zermatt ist im Getschong (nur Register) belegt; J ULEN ET AL . (1995, 222) geben für Getschong ‘ Zerklüfteter Felskopf ’ ; die Autoren erwähnen S. 179 zwei Getschong, von denen eines S. 132, D 42, N. 8 und das andere auf S. 157, E 29, Nr. 6 und S. 160, E 35, Nr. 1 belegt sind. Der Gipfel mit diesem Namen in Täsch befindet sich auf 2862 m Höhe. Der Name kann sich in Täsch auch auf die darunter liegende Alpe beziehen. Es scheint sich um ein Kollektivum mit Präfix / GI -/ GE -/ zu handeln. Das Simplex wäre dann Tschung. I D . kennt mehrere Tschungg, aber ohne Motivation für den Namen. Am ehesten wäre Tschongge (I D . 14, 1751) oder Tschunggo (E GLI 1962, 50) zu beachten, doch meint das Wort meistens eine grosse Traube. G RICHTING (1998, 201 s. v. Tschunggu) gibt ‘ Klumpen (Erde), Mann (grosser) ’ . Gitschung liesse sich dann etwa als ‘ Menge, Klumpen ’ oder ähnlich verstehen, wohl also ein Gipfel, der aus Steinblöcken besteht. Für Zermatt geben J ULEN ET AL . (1995, 222) die Deutung ‘ Zerklüfteter Felskopf ’ ohne Hinweis auf eine Herleitung; die Deutung entspricht in etwa der Umschreibung einer Gegend mit Steinblöcken. Gitwirrgi Gitwirrgi f. ist nur als di Gitwirrgi (Törbel) belegt. Der Name bezieht sich auf minderwertiges Gebiet zwischen Törbel und Embd, am steilen Abhang zum Mattertal. Es handelt sich um ein kollektives Zirkumfix / G( I )- I )/ . Es wird als Getwirgi (I D . 14, 1832) für das Wallis mit Verweis auf Getwingi (I D . 14, 1825) erwähnt, mit der Bedeutung ‘ enges Tal ’ (Z INSLI 1946, 317); es ist zu Twirgi ‘ steil ansteigender, gewundener Fußpfad in den Alpen, auch dessen Umgebung ’ für das Berner Oberland (I D . 14, 1832) gestellt. Im Beleg aus Törbel ist wohl der steile, unfruchbare Hang hinunter zum Mattertal gemeint, also der Abhang zum engen Tal. Gitzi Gitzi n. ‘ Zicklein, kleine Geiss ’ ist zu schwdt. Gitzi n., wdt. Gizz, Gizzi, Gizzini ‘ Zicklein ’ , ahd. chizzi, mhd. kiz, kitze (I D . 2, 577 f.; URNB 1, 1300 f.; G RICHTING 1998, 95) zu stellen; die Benennung ist auch bei R ÜBEL (1950, 91) belegt. Das HL tritt nur als Bestimmungswort auf. Die Grundwörter geben meistens den Ort an, wo sich die kleinen Ziegen aufhalten. Es sind: Bäärg, Bletz, Brunnu, Chi, Fääsch, Fad, Färich, Furgga, Graat, Loch, Pfad, Schipfa, Schluocht, Sprung, Stafel, Stelli, Tanna, Totz, Tschugge, Wald, Wang, Wanna und Weid. Komplexer sind der Hinnerscht, der Mittlescht und der Vorderscht Gitzibärg ‘ der hinterste, der mittlere und der vordere Teil der Alpe für die kleinen Ziegen ’ (Münster). Giwillin Giwillin ist nur einmal 1560 mit einer unsicheren Lesart als jm Giwillin (Feschel) belegt. Die Lesung ist wohl jm Gitsch 295 296 <?page no="414"?> Siwillin (P H . K ALBERMATTER , p. c.), also ein Diminutiv, der zum HL S INWEL ‘ rund ’ zu stellen ist. Gemeint ist also ‘ die kleine, runde Wiese ’ . Giww Giww n. ist wohl zu Güw ‘ Gipfel ’ (I D . 2, 566) zu stellen, ist aber dort nur für Graubünden und als maskulin belegt. Das Neutrum könnte ein Kollektivum sein; belegt ist es als ts Giww (Visperterminen). In Saas-Almagell ist es als Giw (LT, FLNK) und als Gy (1: 10000) bezeugt. In beiden Fällen ist ‘ Gipfel ’ nicht zutreffend; es handelt sich um ‘ Felszacken ’ , wie im Beleg ts Gäligiww ‘ das Gebiet mit Felszacken bei den kleinen Galen ’ (Randa) gesagt wird. In Ried-Brig ist der Giwwer belegt, historisch schon 1391 als am Gu ͦ wer, 1399 jm Gu ᵕ wer, laut Beschreibung ein begraster Rücken. 1700 ist hier weiter ob der Giwerschir ‘ ob der Scheuer beim Giwwer ’ bezeugt. In Eyholz sind ebenfalls der Giwwer, 1648 am Güwer, belegt. Hinzu kommt dort die Giwergassen ‘ die Gasse vom / zum Giwwer ’ (1551). Und in Visperterminen ist 1569 zem Giewer ‘ beim Giwwer ’ bezeugt. Die maskuline / - ER / - Ableitung ist wohl eine Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 541), also etwa ‘ der Ort mit Felszacken ’ oder ähnlich. Cf. HL G I . Glaabinu Glaabinu ist der Name einer Alp oberhalb von Leukerbad (R. G RICHTING 1993, Blatt 11, Nr. 7 und weitere). Dazu gehören Komposita mit Alp, Flüe, Grabu und Weidji als Grundwörtern. T AGMANN (1946, 78 f.) führt es auf eine Kontamination von * CLAP ‘ tas de pierres dans les champs ’ (FEW 2, 735) und * LAB Ī NA ‘ Lawine ’ zurück. Die Entwicklung von intervokalischem -wzu -b-, die sich aus den ältesten Belegen wie Clawyna (1338, Salgesch) ergibt, ist für den Dialekt typisch. Weniger klar ist der Beleg (k)lappinu (Leukerbad, Beleg so von M. S. notiert), der westlich des Dorfes liegt (Nr. 14 auf Blatt 5 von R. G RICHTING 1993, der Glappinu notiert). Der Vokal der Haupttonsilbe ist nicht lang und der ihm folgende Konsonant ist vermutlich eine gelängte Fortis. Mangels historischer Quellen ist nicht einmal sicher, ob es sich um einen romanischen oder deutschen Namen handelt. Kaum hieher gehört schliesslich ts Glaabetschir, bei R. G RICHTING (1993 Nr. 25 auf Blatt 9) als Glabitschier notiert, nördlich des Dorfes (Endung auf - ARIA / - ARIU ( M )? ). Gläärch Gläärch n. ist ein Kollektiv zu schwdt. Lärche n. ‘ Lärche ’ , ahd. larihha, mhd. larche und wdt. Läärch, Leerch ‘ Lärche ’ (I D . 3, 1380; G RICHTING 1998, 124) in der Bedeutung ‘ Lärchenwald ’ . Es ist belegt in ts Gläärch (Glis) und ts Glärch (Ried-Brig) (cf. HL L ERCH ). Die Präfigierung von G ( I ) für Kollektiva ist üblich; vor / l/ wird der Vokal getilgt; eine Assimilation unterbleibt. Glabiu (FaN) Glabiu ist nur in Priischuglabiu (Varen; FLNK Priischuglaabiu) belegt. T AGMANN (1946, 76 f.) deutet den Namen als Priischu ‘ (Privatgebiet) der Familie Clavioz (ausgesprochen klavyo) ’ (AWWB 62); der Name ist im F AMI- LIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 357) als alteingesessen für Varen vermerkt. Die Entwicklung von / v/ zu / b/ ist in diesem Gebiet belegt (SDS 1, 159 zu WS 2 und 4, allerdings nicht zu WS 3 (Varen)). Glacier Glacier ist nur einmal belegt in den Belegen 1344 alpem dou glacièi und 1345 alpis dou glassier, resp. alpem dol glacier (alle Oberems). Zu Grunde liegt glacier ‘ Gletscher ’ (G PSR 8, 349 ss.; FEW 4, 139 ss. s. v. GLACIES ‘ Eis ’ ), also ‘ die Gletscheralp ’ . Da die Belege einen romanischen Namen vermuten lassen, werden sie nicht unter dem HL G LET- SCHER aufgeführt. Gläf Gläf n. ist von der Gwp. für Turtmann als „ Felsform ähnlich einem offenen Maul “ bestimmt worden. Gwp. stellt es also zu schwdt. Läff, für das Wallis auch G e -läff ‘ Maul des Rindviehs; Grob oder verächtlich vom Munde des Menschen ’ und wdt. Ggläff, Glääf (Lötschtal) ‘ Maul, Mund, Spalte ’ (I D . 3, 1110; G RICHTING 1998, 88). Ein historischer Beleg von 1333 hat allerdings in Cleuis, also ein romanisches Wort, das zum HL C LEVES gestellt wird. M EYER (1914, 162) und T AGMANN (1946, 11) stellen es ebenfalls zu Clives ‘ Halde, Abhang ’ . Die Um-Interpretation durch Gwp. führt zum Flurnamen Gläf; ob der romanische Flurname jedoch ursprünglich ist, liegt zwar nahe, ist aber nicht sicher, liegen doch zwischen den beiden Belegen rund 650 Jahre. Glaiwina Glaiwina f. kommt zwar als di Glaiwina (Blatten, Wiler; LT und FLNK Glaiwina) vor, gemeint ist aber in beiden Fällen die gleiche Flur in der Weritzalpe auf rund 2170 m. Der Name ist ein Kollektiv auf GI - (synkopiert) mit Umlautentrundung zum einfachen HL L ÖUWINA , hier als ‘ das Rutschgebiet ’ zu verstehen. Gländer Gländer ‘ Geländer ’ ist zu schwdt. Glande f. (I D . 2, 631) ‘ Geländer ’ zu stellen, doch nennt I D . das Wort als unbestätigt und stellt es zu hdt. Geländer; in I D . (3, 1483) kennt es aber G ’ länderlatt(e n ) ‘ Latte, sofern sie zu Zäunen verwendet wird ’ . G RICHTING (1998, 89) kennt Ggländer, 297 298 Gländer <?page no="415"?> Ggländr (Lötschental), Ggländär ‘ Geländer, Zaun ’ . In FlN wird es meist zur Bezeichnung eines geländerartigen Felsens, eines senkrechten Felsbandes, das aussieht wie ein Geländer, gebraucht. Als Simplex ist der Diminutiv Plural Gländerlini ‘ die kleinen Geländer ’ (Ritzingen) als Alpname belegt, benannt nach den Felsen dort. Bei der Gländercheer (Zeneggen) ist wohl eine Strassenkurve mit einem Geländer gemeint. Als Bestimmungswort erscheint es in der Glännderbode ‘ der Boden oberhalb eines geländerartigen Felsens ’ und dazu di Glännderbodehitta ‘ die (Alp-)Hütte auf dem Geländerboden (Alpname) ’ (beide Ritzingen). Glapin Glapin ist nur 1494 in Salgesch als eys glapin ‘ beim Steingeröll ’ belegt. Die Form ist unklar, da sie eigentlich auch im Plural (mit / s/ ) stehen müsste. Das Etymon ist wohl zu KLAPPA (vorrömisch) flacher stein (FEW 2, 735 ff.) zu stellen, obwohl die genaue Form nicht zitiert ist. Glaret Glaret, auch Glarey ist zu lat. GLAREA ‘ Kies ’ zu stellen (FEW 4. 149; M EYER 1914, 40, 164; B OSSARD / C HAVAN 2006, 62). Belegt sind: jn Glaret ‘ in Glaret (Sandgebiet / Kiesgebiet) ’ (1391, Agarn), ov Juglaret ‘ in Glaret (Sandgebiet / Kiesgebiet) ’ (1405 und später, Agarn) (vermutlich verlesen für jn Glaret), Glarey ‘ Glarey (im Sandgebiet / Kiesgebiet) ’ (1327 u. später, Leuk; mit verschiedenen Schreibweisen, wobei in Glar (1532 u. passim) wohl eine eingedeutschte Schreibweise darstellt), es Glarez ‘ es Glarez (im Sandgebiet / Kiesgebiet) ’ (1354, Inden), Glaretum Rhodani ‘ (lat.: Glaretum Rodani) das Sandgebiet / Kiesgebiet des Rotten ’ (1649, Leuk), les Glarez de Leuca ‘ les Glarez (im Sandgebiet / Kiesgebiet) von Leuk (1343, Leuk), aúf Belzers Glareto seu Sand ‘ am Ort Glaret (Sandgebiet / Kiesgebiet) der Familie Belzer ’ (1751, Raron), wo die Übersetzung ‘ Sand ’ für das lat. GLARETUM gegeben wird. Glaret und seine Varianten entsprechen also dem deutschen ts Sand n.(cf. HL S AND ). Glarie Glarie ist nur 1484 in einem Dokument enthalten, in dem vom Ursprung der Raspille die Rede ist. Wie unter dem HL D ONTANA berichtet wurde, ist hier Autannaz (T AG- MANN 1941, 51) gemeint. Glarie ist laut T AGMANN (1946, 30 f.) auf Glarey zurückzuführen doch ist dies unwahrscheinlich. Wir vermuten, dass es sich hier eher um einen Gletscher (glacier) gehandelt hat (FEW 4, 139 ff. s. v. GLACIES eis). Dann wäre die Lesung Glarie wohl zu Glacie zu korrigieren (cf. HL G LACIER ). Glas Glas ‘ Glas ’ ist zu schwdt. Glas n. hier ‘ Glas als (harter, durchsichtiger) Stoff ’ und wdt. Glas ‘ Glas ’ (I D . 2, 643 f.; G RICHTING 1998, 95) zu stellen. Das Lemma kommt dreimal als Bestimmungswort vor: Zer Glashitten (1585, Raron), die Glasshütten (1659, Turtmann), bi der Glas Schmitten (1687, Niedergesteln). Die Glashütte-Namen bieten wirtschaftsgeschichtliche Hinweise auf die frühere Glasherstellung (BENB 1, 1, 62 f.; B ADER 1973, 46); der Typ Glasschmitta ist in den üblichen Wörterbüchern nicht erwähnt, kann als Glasschmiede aber im Internet, etwa für das Schlössli in Ins (Kanton Bern) (www. schloessli-ins.ch[19.01.2022; IW]), als Name von Glas bearbeitenden Unternehmungen gefunden werden. Glaser (FaN) Glaser (FaN) ist als FaN weder in den Wappenbüchern, noch in anderen Quellen belegt, jedoch kommt Glaser als Berufsbezeichnung vor, die auch als Beiname Verwendung gefunden haben mag. So ist Glaser als Beiname eines Johann Josef Holzer 1810 in den Personennamen des FGA und mehrfach im Register zu den HRBS erwähnt. Belegt sind als vorangestellt Genitive des Glasers Acker ‘ der Acker des Glasers (wohl Berufsbezeichnung) ’ (1684, Ernen), z Glasersch Tosso ‘ der Fels / der steile Anstieg der Familie Glaser ’ (FLNK, Bitsch). Komposita sind: die Glasärbalma ‘ der überhängende Felsen des Glasers / der Familie Glaser ’ (Blatten), dr Glasersprang ‘ der Ort der Familie Glaser, wo das Holz Risse bekam ’ (Steg), in dem Glaser Wald ‘ im Wald der Familie Glaser / des Glasers (Beruf) ’ (1861, Glis). Ob jeweils ein FaN oder eine Berufsbezeichnung gemeint ist, kann nicht entschieden werden, doch ist der FaN in den Wappenbüchern nicht verzeichnet. Glassis (FaN) Glassis (FaN) ist nur 1749 in Leuk als in Glassismatten ‘ in den Wiesen der Familie de Clavibus ’ belegt. Es scheint, dass sich hinter Glassis der FaN de Clavibus etc. versteckt, der in AWWB (62) auf einen Ortsnamen Cla, westlich von Leukerbad, zurückgeführt wird (cf. HL G LABIU (F A N)). Unter anderen wird dort ein Johann de Clas erwähnt. Zu frz. glacis ‘ Abhang ’ gehört der Name daher nicht. Glatt Glatt ist zum schwdt. Adj. glatt ‘ eben, steil (Fels, Wang); ohne Steine (Weide, Heuland) ’ zu stellen (I D . 2, 652 f.; BENB 1, 2, 63 f.; URNB 1, 1301; G RICHTING 1998, 89); je nach Kontext können auch Bedeutungen wie ‘ glänzend ’ oder ‘ schlüpfrig ’ gemeint sein. Das Adjektiv kommt Glapin 299 300 <?page no="416"?> meistens in adjektivischen Bildungen oder als Bestimmungswort vor und wird in historischen Belegen auch mit {d} oder {dt} geschrieben. Grundwörter dazu sind Egg(g)a, Fääsch, Hooru, Schleif, Schmitta, Schnitta, Wang, Wase und Zug. Als Bestimmungswort ist glatt endungslos, als attributives Adjektiv hat es Endungen. Eine Abtraktbildung auf / - A / (Gletta) oder auf / - I / (zu ahd. / - Î N / ) Glätti, Gletti ‘ Glätte; glatte Hangfläche, ebene Stelle in Abhängen ’ ist mehrfach als Simplex belegt (Hohtenn, Mund, Visp) und einmal als Genitiv (oder Adjektiv? ) in Gletten Remy ‘ die glatte dunkle Stelle ’ (1774 Eggerberg), sowie als Bestimmungswort in Glättigrat ‘ Grat oberhalb der Gletta ’ (Mund) belegt. Zu Glätti f. siehe I D . (2, 654) und Z INSLI (1946, 132 u. 320). Schwierigkeiten bietet die Deutung von in der Gladschmitten ‘ in der glatten Schmiede ’ (1809, Turtmann), wo unklar ist, worauf sich glatt bezieht. Der Registerbeleg zeigt Glasschmitten, was zum Beleg in Niedergesteln passen würde (cf. HL G LAS ); dann wäre das HL G LATT hier falsch. Glawen (FaN) Glawen (FaN), auch Glawien, ist wohl der FaN Clavien (AWWB 68; T AGMANN 1946, 69). Belegt sind Glawien ‘ das Eigentum der Familie Clavien ’ (1671, Varen und Salgesch), Glawenstrich ‘ das langgezogene Stück Land der Familie Clavien ’ (1815, Guttet) und der Glawigen Wasserleiten ‘ die Wasserleitung der Familie Clavien ’ (1722, Leuk) mit der kollektiven / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural. Gleiber Gleiber ist nur in di Gleiberäbi ‘ der Abhang mit Alpenrosen ’ (St. Niklaus) zu finden. Laut Gwp. ist Gleiber der Name für Alpenrosen. R ÜBEL (1950, 34) erwähnt für St. Niklaus den Ausdruck Gleiberstude für die Alpenrose; SDS (6, 120) erwähnt den Namen aber für St. Niklaus (WS 19) nicht, sondern das bekanntere Hienerlöüb. Bei Gleiber handelt sich um eine Ableitung mit dem Zirkumfix / G( E )- ER / zu Loub ‘ Laub ’ , umgelautet und entrundet. Gleif Gleif Adj. ‘ schief, schräg ’ wird zunächst als ts Gleif ‘ das schiefe Gebiet ’ (Raron), dann als in den Gleifu ‘ in den schrägen, schiefen Gebieten ’ (1735, Eggerberg) erwähnt. In Kippel ist t Hogleifa ‘ die hohe schräge Spitze ’ (Gipfelname) belegt, in Niedergesteln der gleiche Gipfel als t Hogleiffu. Das Adj. ist zu amhd. gleif n. ‘ schief, schräg ’ zur Bezeichnung von abschüssigem Gelände (I D . 2, 639; BENB 1, 2, 66) zu stellen, der Gipfelname ist bei W ERLEN (2008, 595) kurz diskutiert. Gleit Gleit ‘ Maultier ’ kommt nur vor in in der Gleidtfuren (1745 u. später, Selkingen). W IPF (1910, 124) kennt das Lemma als ‘ Maultier ’ , ebenso G RICHTING (1998, 89, s. v. Ggleit); I D . (3, 1490) nennt zwar drei mögliche einschlägige Bedeutungen: ‘ Gespann, Saumross ’ , ‘ Holzrutschbahn ’ , ‘ Weideplatz auf den Bergen ’ , ähnlich Z INSLI (1945, 319), aber die Walliser Quellen deuten auf ‘ Maultier ’ . Es handelt sich also um eine Furche für Maultiere, wohl eine Maultierweide. Gletscher Gletscher ist zu schwdt. Gletscher, wdt. Gletscher, Glätschär m. ‘ Gletscher, Eis, Eisfläche ’ , aus lat. * GLACI Ā RIUM , Weiterbildung zu lat. GLACIES ‘ Eis ’ (I D . 2, 65 f.; BENB 1, 2, 65 f.; URNB 1, 1306; G RICHTING 1998, 95) zu stellen. Der Orts- und Flurname Gletsch ist wohl eine Rückbildung aus Gletscher und nicht direkt aus lat. GLACIES abzuleiten. Das Lemma kommt in rund 280 Namen vor. Rückgebildetes Gletsch ist belegt für Oberwald (Verzweigung von Furka- und Grimselstrasse, alte Bahnstation und Hotel) und der Gletschbode (Oberwald), historisch als alpem an Gletschmattun / an Gletzmattun (1394, Oberwald), Vndergletz (1388 u. später, Oberwald), ze Vnderglecz (1480, Obergesteln), Ober vndt Nider Gletsch (1580, Oberwald), Vndergletsch (1543, Ritzingen) und Gletsch Alpen (1803, Gluringen). Die historischen Belege zeigen, dass Gletsch ursprünglich eine Alpe war, die erst später durch den Bau eines Hotels zu einer saisonalen Siedlung wurde. Gletscher ist als Simplex der Gletscher (Betten, Ried- Mörel) für den Grossen Aletschgletscher und historisch als Alpname Gletscher (1531 u. später, Blatten) für die heutige Gletscheralp (Blatten) belegt. Eine attributive Partizipbildung liegt mit dem Typ der Hangend Gletscher ‘ der steil abfallende Gletscher ’ (Saas- Almagell, Selkingen, Wiler) vor; zu hangend vgl. I D . (2, 1441 f.) und HL H ANGEND . Erweitert ist belegt: das Hangende Gletscher Joch ‘ das Joch beim Hangenden Gletscher ’ (Saas-Almagell). Ein attributives Adjektiv findet sich in der Schmal Gletscher ‘ der schmale, kleine Gletscher ’ (Randa). Weitaus die meisten Fälle sind mehrgliedrige Komposita mit Gletscher als Grundwort. Die Bestimmungswörter benennen Gipfel (z. B. Balfringletscher (Eisten, Saas-Balen)), entspringende Flüsse und Bäche (z. B. Gamsugletscher ‘ der Gletscher, aus dem die Gamsa entspringt ’ (Visperterminen)), Täler (z. B. der Inder Talgletscher ‘ der Gletscher beim inneren (taleinwärts liegenden) Tal ’ (Blatten), Alpen (z. B. Aletschgletscher (Bitsch, Ried-Mörel)), Siedlungen (z. B. der Feegletscher (Saas-Fee)), Grenzen (z. B. der Grenzgletscher (Zermatt)), Farben (z. B. der 301 302 Gletscher <?page no="417"?> Schwarzgletscher (Leukerbad)), Personen (z. B. der Stüdergletscher ‘ der Studergletscher ’ (indirekt über das Studerhorn, nach einem Berner Geologen Studer (W ERLEN 2008, 580) (Bellwald, Fieschertal)) und andere mehr. Die Bestimmungswörter können dabei mehrgliedrig sein, sodass Namen wie der Steghorugletscher ‘ der Gletscher unter dem Steghorn ’ (Leukerbad), der Holzzigjigletschter ‘ der Gletscher beim Holzzigji ’ (St. Niklaus) und viele andere entstehen. Bei der Namengebung ist nicht immer klar, woher der Name stammt - so liegt etwa der Schwarzbärggletscher (Saas-Almagell) unter dem Schwarzbärghoru (Saas-Almagell), das aber seinerseits nach der Alpe der Schwarz Bärg (Saas-Almagell) benannt ist, um die herum weitere Namen mit Schwarzbärg liegen. Nur dreimal kommt der Diminutiv Gletscherli vor in ts Fallgletscherli ‘ der kleine Gletscher, wo die Fall-Löübina losbricht ’ (Saas-Fee), Schmalgletscherli (Randa, nur FLNK, sonst der Schmal Gletscher) und ts Wannegletscherli ‘ der kleine Gletscher beim Kleinen Wannenhorn ’ (Fieschertal). Seltener sind Komposita mit Gletscher als Bestimmungswort. Ein Namennest findet sich in Blatten, wo neben dem schon erwähnten Simplex Gletscher auch Gletscheralp, Gletschärfluä, Gletschärgrund, Gletschärspitza, Gletschärstafel, Gletschärtor (heute ist das Gletschertor deutlich weiter oben), Gletschärtossen und Gletschärweng belegt sind. An andern Orten kommen die Grundwörter Alpa, Bahn (Seilbahn), Blick (Aussichtspunkt auf den Aletschgletscher), Bodu, Cheer, Grotte, Gufer, Hooru, Hubel, Joch, Matta, Saass, See, Stuba (heute Restaurant beim Märjelensee), Sturz, Uowand, Wasser (Bach) und Wang vor. Eine Besonderheit ist der Gletscherlehrpfad (Saas-Fee) bei der Gletschergrotta (heute Restaurant, Saas-Fee). Besonders auffällig ist der Gletscherhoregletscher ‘ der Gletscher beim Gletscherhorn ’ (Fieschertal). Komplexere Bildungen sind möglich, wie z. B. Griesgletscherpass ‘ der Pass beim Griessgletscher ’ (Reckingen). Eine Ableitung auf -( ER ) NA ist belegt in di Gletscherna (Simplon) mit der Beschreibung „ wurde einst vom „ Homattugletscher “ überschwemmt “ . Das Suffix wird normalerweise für Kollektive verwendet; hier dürfte es etwa ‘ von Gletscherstücken versaart ’ heissen. Einige der Gletschernamen bezeichnen Stellen, wo heute auf den Karten und Luftaufnahmen nur noch Moränen zu erkennen sind; hier wirkt sich der Rückzug der Gletscher in den letzten fünfzig Jahren auch auf die Namenkunde aus. Gleywiiss (PN) Gleywi (PN) ist nur in dem 1596 in Münster als Gleywiss Acher ‘ der Acker des Clewi ’ belegten bezeugt. Clewi ist eine entrundete Kurzform zu Chlaus (I D . 3, 687), wo ähnliche Formen aufgezählt sind. Gemeint sein kann auch ein Angehöriger der Familie Clausen oder Glaisen (AWWB 62), deren Namen sich wiederum vom PN Chlaus / Klaus herleiten lassen (cf. HL N IKOLAUS ). Gliich Gliich ‘ gleich ’ kommt zweimal vor in der Üsgliichbecke ‘ das Ausgleichbecken ’ (Ernen, FLNK Üsglichsbecki), wo das seltsame Genus Maskulin erstaunt, und Ausgleichsbecken Mattsand (LT, St. Niklaus). Das HL ist eine Übersetzung des hdt. Ausgleich(becken). Zum Fugen-/ s/ im zweiten Beleg siehe allgemein D UDEN -G RAMMATIK ( 7 2005, 723). Gemeint ist ein Speicherbecken bei Wasserkraftwerken (de.wikipedia.org/ wiki/ Ausgleichsbecken[6. 7. 2018iw]). Gliir Gliir ist in Simplon in di Gliirfet und in t Obru und t Undru Gliirfet belegt. Die drei Namen finden sich auch in J ORDAN (2006, 268), der keine Deutung angibt. Das HL ist vermutlich zu Gliir ‘ Siebenschläfer, glis myoxus ’ (I D . 2, 640) zu stellen. Das Grundwort wird zum HL F AD ‘ Grasband ’ gestellt, die Flurnamen bedeuten also ‘ die Grasbänder mit Siebenschläfern ’ . In Leuk ist der Gliirlischleif ‘ der (Holz-)Schleif, wo es Gliirli (Siebenschläfer) hat ’ bezeugt. Gliissi Gliissi kommt in di Gliissitwära ‘ das quer verlaufende Gebiet mit Silbermantel ’ zu schwdt. (Grindelwald) Gl ī ssi ‘ A LCHEMILLA ALPINA , Alpenpflanze (Rosenblütler) mit fünfbis siebenzähligen, auf der Unterseite seidig behaarten Blättern und kleinen grünlichen, unscheinbaren Blüten ’ zu gl ī sse n ‘ glänzen ’ , nach den auf der Unterseite seidig gehaarten, silbrig glänzenden Blättern (M ARZELL 1, 173; I D . 2, 648; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 268 ff. s. v. A LCHEMILLA ). Zum gleichen Verb zu stellen ist zer Gliissfluä ‘ bei der gleissenden Fluh ’ (Blatten), hier aber wohl nicht zum Pflanzennamen. Glimme Glimme oder Glymen ist ein PN oder FaN, der als Climens unter dem FaN Clemenz (AWWB 63) aufgelistet ist; in einem Dokument von ca. 1520 in Visperterminen ist ein Theodul Clÿmen von Gspon erwähnt. Die Belege sind entsprechend dem HL C LEMENZ (F A N) zugewiesen. Im Fall der Vermutung der Gwp. von Steinhaus für Glimmebieu und Glimmestadu (beide mit / l/ -Vokalisierung), bei Glim- Gleywiiss (PN) 303 304 <?page no="418"?> me handle es sich um einen scheinenden Stein, ähnlich wie Perlmutt, kann es sich wohl nur um eine sekundäre Ableitung zum Verb glimmen ‘ schwach leuchten ’ (G R W B 8, 86) und glimme n ‘ nhd. glimmen ’ (I D . 2, 624) handeln, eine Deutung für den nicht mehr bekannten PN oder FaN. Glimundri Glimundri kommt nur als FLNK-Beleg in Albinen vor. Bei M ATHIEU (2006, 57 u. 59) ist es als Gliimundrii belegt. Es handelt sich um ein steiles Gut, das heute bewaldet ist. Historische Belege fehlen. Vermutlich liegt ein frpr. HL vor; eine vorsichtige Deutung würde ein Kompositum oder eine Fügung aus Clou > Glüü (cf. HL C LOU ) mit Entrundung zu Glii- und einem FaN annehmen; am ehesten käme hier Mudry (NWWB 2, 159) in Frage, das allerdings in der Form Mundri nicht mehr klar zu erkennen ist. Die Deutung wäre dann ‘ eingefriedetes Gut der Familie Mudry ’ , wobei die Fotos von M ATHIEU (2006) hierzu in eine andere Richtung weisen, ohne dass der Flurname deswegen geklärt würde. Glingu Glingu ist einerseits als di Glingge (St. Niklaus) und anderseits als der Glingustäg ‘ der Steg über das Glinguwasser ’ (Fieschertal) und ts Glinguwasser ‘ der klingende (tosende) Bach ’ (Fieschertal, auch FLNK; LT Glingulwasser; Namen wohl mit / l/ -Vokalisierung) belegt. Der Flurname aus St. Niklaus ist problematisch: Gwp. sagt, di Glinge sei ein unterstes Gütchen vom „ Riedji “ , leicht ansteigend. Der Name ist auf der Karte jedoch deutlich höher, nicht mehr im Riedji belegt; der Unterschied beträgt rund 400 m. Während der Glingustäg und ts Glinguwasser sich klar auf einen Bach in Fieschertal beziehen, der ins Wysswasser mündet, ist der Flurname in St. Niklaus unbestimmt. Glingu ist zu schwdt. Chlinge n , Gling(g)e f. 1) ‘ tiefe Stelle in fliessendem Gewässer ’ , 2) ‘ Schlucht, Tobel ’ , [ … ] 4) Hügel zwischen zwei an seinem unteren Ende zusammenlaufenden Schluchten ’ , ahd. klingo m., klinga f., mhd. klinge ‘ rauschender Bergbach,. Schlucht; Quellwasser, Gebirgsbach ’ (I D . 3, 657; Z INSLI 1945, 327; BENB 1, 2, 66) zu stellen. Die Flurnamen bezeichnen einerseits einen Bach, anderseits eine klingenartige Lage eines Gütchens, wenn der Beschreibung von Gwp. gefolgt wird. Glis Der Kern der ehemals selbständigen Gemeinde Glis liegt auf der linken Talseite leicht erhöht über der Talsohle auf rund 684 m ü. M. um die Wallfahrtskirche ‘ Unserer Lieben Frau auf dem Glisacker ’ herum, die an der Stelle einer frühchristlichen Saalkirche aus dem 5. Jahrhundert steht (D ESCOEUDRES / S AROTT 1986); dazu kommen eine Reihe von Weilern wie Ze Hiischru, Holzji und Gamsen. Der Name Glis (älteste Belege 1230 Glisa, 1252 apud Glisam, 1279 Glisa usw.) wird zurückgeführt auf kirchenlateinisch ecclesia ‘ Kirche, Pfarrkirche ’ ; dieser Worttyp ist nach G PSR (6, 161) in den Diözesen Sitten und Genf verbreitet, während die restliche Romandie den Typ moutier > lat. MONASTERIUM aufweist, was nach K RISTOL ET AL . auf norditalienischen Einfluss hinweise (J ACCARD 1906, 191; O ETTLI 1945, 133; R ÜBEL 1950, 133; W ERLEN 1991, 246, n. 59; K RISTOL ET AL . 2005, 187). Am 01.10.1972 fusionierte Glis mit Brig, sowie Gamsen und Brigerbad heutigen politischen Gemeinde Brig-Glis. Neben dem früheren Gemeindenamen Glis kommt das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bäärg, Hooru, Matta und Wald. Komplexer sind: t Obru und t Undru Glismatte ‘ die oberen und die unteren Wiesen, die zu Glis gehören ’ (Glis). Das HL tritt im Genitiv Plural der Ableitung auf / - ER / einmal auf: Glyserro Wuor ‘ die Wasserleitung der Leute von Glis ’ (1349, Glis). Formal gleich ist der komplexere Beleg in den neu ᵕ en Gliser Gru ᵕ ndbieleÿen ‘ in den neuen Auen in den Grundbielen (Hügeln im Grund) von Glis ’ (1858, Glis), der aber meist als Adjektiv verstanden wird. Eine Ableitung auf / - ERI / für Wasserleitungen (S ONDER- EGGER 1958, 558 kennt Wasserleitungen bei diesem Typ nicht) ist 1397 als Glisarin, 1680 die Gliseri belegt. Komplexer kommen vor t Ober und t Unner Gliseri ‘ die obere und die untere Wasserleitung nach Glis ’ (Glis). Ein Diminutiv findet sich in einem historischen Dokument von 1679 aus Simplon ds Glÿserli ‘ das kleine Grundstück von Glis ’ , im Text als Etzweid ‘ Viehweide ’ bezeichnet. Glischer Glischer m. ist lebend in Simplon und historisch 1634 in Zwischbergen belegt, historisch zuerst in der Form Glu ͦ ser (1392 u. später, Simplon), was Entrundung und Schibilantisierung nahelegt. jm Grossen Glüscher (1609, Simplon) und das Klein Glüscher (1609, Simplon), sowie lebend der Glischergrabu ‘ der Graben beim Glischer ’ (Simplon) bilden ein kleines Namennest. Am nächstliegenden ist Lüsch ‘ Öffnung im Dach ’ (R ÜBEL 1950, 44; I D . 3, 1461 f.). Die belegte Form der Glischer legt eine / G( E )- ER / -Zirkumfigierung als Stellenbezeichnung nahe: ‘ der Ort, wo es eine Öffnung im Dach gab ’ . Glob Glob ist nur in ts Globwaldji ‘ der kleine Wald des Glob / der kleinen runden Erhöhung (unklar) ’ (Feschel) belegt. 305 306 Glob <?page no="419"?> BENB (1, 2 67) hat unter Globnur Globlisacherli und meint: „ Vielleicht Besitzerübername Globli zu Chloben von Menschen und Tieren mit gedungenem Körperbau (I D . 3, 619) oder Dim. zum PN Nikolaus “ . Möglich ist auch frz. globe (G PSR 8, 368), das allerdings als Flurname nur für Yverdon (Waadt) als petite éminence arrondie ‘ kleine, runde Erhöhung ’ belegt ist. Das Fehlen historischer Belege macht die Deutung unklar. Es werden darum beide Deutungen angeführt. Gloden (PN) Gloden (PN) ist nur einmal belegt in des Gloden Driesta ‘ das unfruchtbare Gebiet des Glod (PN) ’ (1714, Glis). Es handelt sich um den Genitiv eines PN, vermutlich zum frz. ausgesprochenen Claude (I D . 2, 604 s. v. Gladi). Der PN Claudius ist verschiedentlich belegt, so 1578 in Erschmatt, 1603 in Mund und 1622 in Betten, ist also im Wallis durchaus geläufig. Die Form Glodo für Claudius findet sich im Register der HRBS. Cf. HL G LOOD (PN). Glogg Glogg ist nur belegt in di Glogghiischer ‘ die Glogg- Häuser ’ (Kippel) sowie den dazu gehörenden ts Ober Glogghuis und ts Under Glogghuis (beide Kippel); auch I. B ELLWALD ( 2 2007, 922) kennt den Flurnamen. Laut Beschreibung handelt es sich um Wiesen. Das Ober Glogghuis wird als ‘ Pfrundwiese ’ bezeichnet. Vermutlich ist Glogg zu schwdt. Glogge ‘ Glocke ’ (I D . 2, 1609; cf. HL G LOGGA ) zu stellen; ein Zusammenhang mit kirchlichem Eigentum ist nicht auzuschliessen. Hingegen ist wohl schwdt. Glogge(n)h ū s ‘ Glockenstube im Turm ’ (I D . 2, 1710), mit bildlicher Übertragung auf Gipfelformen (BENB 1, 2, 67 f.) kaum anzuwenden; allerdings ist das Gelände heute wegen Unwetterschäden gesichert und in seiner früheren Form nicht mehr erkennbar. Glogga Glogga f. ‘ Glocke “ ist zu schwdt. Glogge n , wdt. Glogga f. ‘ Glocke, Kirchenglocke, Kuhglocke; Hausglocke ’ , auch in zahlreichen Pflanzennamen (I D . 2, 609 ff.; G RICHTING 1998, 89) zu stellen; als Benennungsmotiv kommt auch glockenförmig gerundetes Gelände in Frage (LUNB 1, 1, 340). Das HL ist belegt als di Glogga ‘ die Glocke ’ (Ausserberg), wohl benannt nach der Geländeform. Als Bestimmungswort kommt das HL in Gloggeäri (FLNK, Münster) vor; ein historischer Beleg von 1721 hat das Gloggner Ehrrÿ, wo sich Gloggner zu schwdt. Gloggner ‘ Glöckner ’ (I D . 2, 612) stellen lässt, also ‘ das Ährenfeld des Glöckners ’ (unsicher). Glood (PN) Glood f. ist der Name eines Dorfteils von Gampel als di Glood. Laut Gwp. hiess der Erbauer und Bewohner des ersten Hauses in diesem Dorfteil Claude (I D . 2, 604 s. v. Gladi mit Verweis auf I D . 2, 696 s. v. Glodi, Anmerkung); da ein FaN Claude im Wallis nicht belegt ist, dürfte es sich um einen PN handeln (cf. HL G LODEN (PN)). Die feminine Form ist die Bezeichnung der Gegend. Gloosil Gloosil ist nur als ts Gloosil (Ergisch, FLNK; auf 1: 10000 Glosil) belegt. Laut Beschreibung enthält die Flur Wald und Felsen. Das anlautende / g-/ lässt auf eine romanische Form schliessen; es ist wohl zu frz. closeau ‘ enclos, petit enclos ’ (eingezäuntes Grundstück) zu stellen, das älter als closel belegt ist (G PSR 4, 130, bes. 4 o Noms de lieux). Die heutige Situation legt eher ein bewaldetes Stück Land nahe; laut SK ist jedoch diese Stelle nicht bewaldet und könnte als Wiese genutzt worden sein. Glotto Glotto ist nur 1580 in Guttet als zum Glotto ‘ zum Tümpel ’ belegt. Die Präposition lässt eher an ein dt. Etymon denken als an etwas Romanisches. Es dürfte sich um schwdt. Glutte ‘ Tümpel ’ handeln, das für das Wallis belegt ist (I D . 2, 655; bei G RICHTING 1998 nicht belegt). Die Senkung von / u/ zu / o/ kann aus dem Dialekt erklärt werden. Das rom. klot ‘ Loch ’ (T AGMANN 1946, 17, mit Verweis auf M URET und REW 4717 * KLOTTON ‘ Graben, Loch, Wölbung ’ ) kommt eher nicht in Frage, da die Endung nicht übereinstimmt. Glotz Glotz ist zunächst einfach eine substantivische Ableitung zum Verbum lotze n ‘ scharf sehen, schauen, gucken ’ (I D . 3, 1568). Der technische Gebrauch beim Hausbau (I D . 3, 1568 s. v. G e -lotz ‘ Guckfensterchen ’ usw.) scheint bei den hier belegten Namen keine Rolle zu spielen (cf. auch V. S CHMID 2003, 104). In Martisberg ist lebend ts Klotzwasser, das laut Gwp. nach dem „„ Klotz “ … zur Verteilung des „ Deischwassers “ zwischen Lax und Martisberg “ benannt war. Das nur historisch 1849 belegte Glotzgräblein (Martisberg) dürfte nach diesem „ Klotz “ benannt sein. In Ried-Brig ist 1399 im Glotzboden belegt, wohl ein Boden mit Aussicht. t Chlotzjileitig ‘ die Leitung beim Chlotzji ’ (Leuk) ist schwer zu deuten. Naheliegend wäre statt dem HL G LOTZ das Lexem Chlotzji ‘ der kleine Klotz, der kleine Klumpen ’ (I D . 3, 707). Die Gwp. spricht von einem Fussweg, der sehr steil sei - leider fehlen die Koordinaten, sodass auch die Karte nicht weiter hilft. Das Grundwort Leitig ‘ Leitung ’ würde normalerweise eine Wasserleitung erwarten Gloden (PN) 307 308 <?page no="420"?> lassen; davon ist aber nicht die Rede; ob eine Art ‘ Schleif für kleine (Baum-)klötze ’ gemeint ist, bleibt offen. Nur historisch belegt sind in Varen Glotzette (1742), bzw. in die Glotscheten (1800). Wir stellen es zum frz. clochette, patois klòtsèta ‘ kleine Glocke ’ (cf. HL G LOTZETTE ). Glotzette Glotzette f. ist in Albinen 1741 als in d. Glotzette und 1800 in die Glotscheten belegt. Es ist wohl nicht zu Glotz (cf. HL G LOTZ ) zu stellen, sondern zum romanischen clochette und seiner Patois-Form klòtsèta ‘ kleine Glocke ’ (G PSR 4, 118). Als Flurname gibt G PSR (4, 119) nur einen Beleg an für einen Fels, der wie eine kleine Glocke aussieht. Der historische Beleg für Albinen enthält keinen Hinweis auf die genaue Bedeutung. Ob ein Pflanzenname (G PSR 4, 119) vorliegt, kann nicht gesagt werden. Glu Glu ist die deutsche Schreibweise (neben Glü), die zum HL C LOU zu stellen ist, das auch bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 125) als Clos, Clou usw. zu finden ist. Die Belege sind unter dem HL C LOU aufgeführt. Gluringen Gluringen, dial. Glüürige, ist ein Siedlungsname gebildet aus dem Patronymikalsuffix / - INGUN / (> / - INGEN / > -/ IGEN / ) und dem althochdeutschen PN Gluro (F ÖRSTEMANN 1, 658) in der Bedeutung ‘ bei den Gefolgsleuten des Gluro ’ (K RISTOL ET AL . 2005, 393); der Beleg ist zum Dorfnamen Gluringen gestellt. Zur Fehlinterpretation der / - INGEN / - Namen in diesem Gebiet siehe u. a. Blitzingen. Das Dorf gehörte zwischenzeitlich zur Gemeinde Gluringen-Reckingen, heute zur Gemeinde Goms. Neben dem Siedlungsnamen ist eine Ableitung auf / - ER / (früher wohl ein Genitiv Plural auf / - ERRO / (S ONDER- EGGER 1958, 526)) mit folgenden Grundwörtern belegt: Bodu, Fäld, Matta, Riti, Stafel und Stiige. Glut Glut ‘ Glut ’ , dialektal eigentlich Glüöt (I D . 2, 655), ist nur im Kompositum Rhoneglut (Raron) belegt. Benannt ist so der Sportplatz des FC Raron am Ufer des Rotten (Rhone). Das Lemma kann sich auf die Sonnenglut, wie metaphorisch auch auf die glühende Art des Spielens beziehen. Zwei Interviewpartner, die früher beim Verein spielten, konnten sich an das Benennungsmotiv nicht erinnern. Glutte Glutte f., auch m. ‘ Tümpel, Pfütze ’ ist zu schwdt. Glutte n f., m. ‘ Ansammlung von Wasser, kleiner Teich, Lache, Tümpel ’ und wdt. Gglutte (Zermatt), Ggluttu (Saastal), Gluttn (Lötschental) ‘ Pfütze, Rinnsal, (schmutziges) Seelein ’ (I D . 2, 655; BENB 2, 71; RNB 2, 418; J UD 1945/ 46, 57; G RICHTING 1998, 90; s. v. Glungga) zu stellen. Die maskuline Form ist wie bei Gumpe n (I D . 2, 315 f.) alternativ möglich. Das Simplex ist im Singular als di Glutta ‘ die Pfütze ’ (Stalden) und der Gluttu ‘ die Pfütze, die Quelle ’ (Täsch, Zwischbergen) belegt. Im Plural finden sich Glutte ‘ die Pfützen ’ (FLNK, Bürchen), di Glutte ‘ die Pfützen ’ (Martisberg) und in den Glu ᵕ tten (1806, Visperterminen) ‘ im Gebiet mit Pfützen ’ . Ein Diminutiv im Plural ist in zen Gluttlinu ‘ bei den kleinen Pfützen ’ (Ferden) bezeugt. Ein vorangestellter Genitiv zum HL kommt in zr Jungis Gluttun ‘ des Jungi (PN) Teich ’ (1460, Bürchen) (cf. HL J UNG ) vor. Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita wie folgt belegt: dr Buäbunglutten ‘ der Tümpel für die Buben ’ (Ferden), Hannigglutto ‘ der Wassertümpel beim Hannig (Alpe) ’ (Grächen), der Schaafglutta ‘ der Tümpel für die Schafe ’ (Randa), ts Schäreglutte ‘ beim Tümpel beim Schutzunterstand ’ (Grengiols), wozu auch das komplexere Schäreglutteweng ‘ die Grasabhänge beim ts Schäreglutte (der Tümpel beim Schutzunterstand) ’ (Grengiols) gehört. Der einzige Beleg mit dem HL als Bestimmungswort ist der Gluttwang ‘ der Grasabhang bei zum Gluttu (zur Pfütze, zur Quelle) ’ (Täsch). Eine eher ungewöhnlich Ableitung ist di Glutsjera ‘ das Gebiet mit Pfützen ’ (Visperterminen). Es scheint, dass hier ein leicht verändertes Grundwort Gluts mit einer gut belegten / - ERA / -Ableitung für kollektive Stellenbezeichnungen (S ONDEREGGER 1958, 471 f.) vorliegt. Wie I D . (2, 636 s. v. Glunsch) anmerkt, ist die Wortsippe lautmalerisch und Belege mit / s/ kommen vor. Glüüding Glüüding kommt vor als Glüüding (Varen; FLNK Glüding) und meint ein Dorfquartier von Varen. Historisch erscheint der Name 1687 in d Cludeng. Wenn der erste Teil Glüü zum HL C LOU ‘ eingefriedetes Stück Land ’ gestellt wird, könnte -ding auch zu Doyen (G PSR 5, 924 ss., besonders 4 o Noms de lieux p. 925) gestellt werden. Es würde sich dann um ‘ das eingefriedete Gut des Din ’ (Ältester, ev. FaN) handeln. Glüüdri Glüüdri ist als Glüüdri (Varen, FLNK Glüdrü) belegt. Es bezeichnet einen Wald. Vermutlich ist der Flurname zu den zwei frpr. Wörtern clos (G PSR 4, 128 ss.) und dru (G PSR 5, 990 ss.) zu stellen und meint etwa ‘ das fette eingefriedete Gut ’ . 309 310 Glüüdri <?page no="421"?> Gluwi (PN) Gluwi (PN) kommt nur in Grächen als ts Gluwischji vor. Ein romanisches Glu (cf. HL CLOU ) mit einem nicht deutbaren Wischji lässt sich in diesem Dorf nicht annehmen. Hingegen dürfte der PN Clovis in der dial. Form als ‘ das kleine Gut des Clovis ’ gemeint sein. Clovis ist seinerseits eine französische Form von Chlodowich (Ludwig) (F ÖRSTEMANN 1, 855) Es handelt sich also um das kleine Gut eines Clovis. Gmach Gmach n. ‘ Gemach ’ ist zu schwdt. G(e)-mach n. ‘ Gebäude, Haus ’ , bes. ‘ Gebäude in den Voralpen, welches Wohnung und Stallung oder Scheune zusammenfasst ’ , ‘ kleiner Stafel in den Weiden und auf Bergen ’ (I D . 4, 17; URNB 1, 1279) und wdt. Ggmach ‘ Baute, Alphütte, Zimmer ’ (G RICHTING 1998, 90) zu stellen. In den Belegen ist nicht immer klar, ob es sich um Alphütten oder andere Gebäude handelt. Bei V. S CHMID (2003) ist die Bezeichnung nicht erwähnt. Belegt sind: zen Gemachen ‘ bei den Gebäuden ’ (1418, Binn), hinder den Gmachen ‘ hinter den Gebäuden ’ (1755, Niedergesteln), ts Lengu Gmachu ‘ bei den langen Gebäuden ’ (Randa) (heute wohl nur noch Wiesen); jn den Besen Gmechen ‘ in den bösen Gebäuden ’ (1615, Raron) und ts Schinere Pmache ‘ bei den Alphütten der Schiner-Alpe ’ (Binn) mit anlautender Assimilation von / gm/ zu / pm/ ; LT und FLNK haben Schineregmach. Der isolierte Beleg von 1839 in Martisberg beÿm Gmachÿ Stadel ‘ beim Stadel beim kleinen Gemach ’ ist der einzige mit einem Diminutiv Gmachy als Bestimmungswort. Gmei(n) Das Adjektiv gmei(n) ‘ allgemein, gemeinsam ’ (I D . 4, 299 ff.) und das Nomen G(e)mein(d) f. ‘ Gemeinde, Dorfschaft ’ , ahd. gameinida, mhd. gemeinde ‘ Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, Grundeigentum einer Gemeinde ’ (I D . 4, 301 f; BENB 1, 2, 39 f; URNB 1, 1279 f.) gehen beide als Lehnübertragungen auf lat. COMMUNIS , resp. COMMUNITAS zurück. G RICHTING (1998, 90) kennt das Adjektiv ggmein, ggmei ‘ gemeinsam, öffentlich ’ und das Nomen Ggmeind, Ggmei ‘ Gemeinde ’ . Politische Gemeinden im heutigen Sinn sind im Allgemeinen nicht gemeint; wir übersetzen das Adjektiv aber als ‘ Gut (etc.), das der Gemeinde gehört ’ . gmei(n) bezieht sich dabei generell auf gemeinsamen Besitz (im Unterschied zum Privatbesitz) von Geteilschaften und anderen Formen von institutionellen Gruppen (vgl. auch das sogenannte Gmeiwärch (I D . 16, 1228 ff.)). G(e)mein(d) kommt weniger häufig vor, ist aber lautlich kaum vom Adjektiv zu unterscheiden. Assimilationen vom Typ gmei(n) -> pmei(n) sind bei lebenden Namen häufig. Auffallend ist, dass viele lateinische Formulierungen mit communis vorkommen; in solchen Fällen ist unklar, ob es sich wirklich um Flurnamen oder doch um Appellative handelt. Im westlichen Bezirk Leuk kann aber auch ein verdeckter Patois-Name gemeint sein. Ein Beispiel für beides ist etwa der 1653 in Leuk erwähnte cabulum commune ‘ der (Holz-)Schleif, der der Gemeinde gehört ’ . Beide Wörter sind in der zitierten Form klar lateinisch. cabulum wird in unseren Quellen als chablo, chabloz, auch als di Tschaable (Leuk) erwähnt. Zu communis siehe den Artikel commun (G PSR 4, 198). Das HL erscheint durchwegs entweder als attributives Adjektiv oder als Bestimmungswort in einem Kompositum, wo die Unterscheidung von Adjektiv und Nomen schwierig ist. Als attributives Adjektiv ist die geschriebene Form gemein (mit oder ohne Endung) etwa in die Gemein Alpen ‘ die Alpe, die der Gemeinde gehört ’ (1774 (? ), Eggerberg), das Gemein Len ‘ das Lehen, das der Gemeinde gehört ’ (1490, Ergisch), das Gemeýn Sant ‘ das Sandgebiet, das der Gemeinde gehört ’ (1400, Raron) und vielen anderen belegt. Die Grundwörter sind: Abschlacht, Acher, Ägerta, Alpa, Bad, Bäärg, Biel, Biina, Brand, Brunnu, Eie, Fäld, Gale, Gaalt, Gartu, Gassa, Giesse, Grund (lat. FUNDUS ), Gufer, Güet, Lee, Löuwina, Matta, Moos, Platz, Rüüs, Schleif, Schluocht, See, Sita, Stafel, Straas, Stüde, Teil, Treije, Ture, Wald, Wase, Wäg, Wang, Weri, Wärch (Wasserleitung), Wild und Wuer. Komplexere Bildungen mit gemein enthalten Abrüüs, Bachtela ‘ die Bachrinne ’ , Bachwasserleita, Bannwald, Dorfrüüs ‘ der Dorfwasserlauf ’ , Holzschleif, Landstrass, Leeschgraben ‘ der Abwassergraben ’ , Riedgassen, Sallwald ‘ der Wald beim Sall ’ , Talwäg, Treichwäg ‘ der Tränkweg ’ , Wagenleisen ‘ die Wagenspur ’ , Wasserabschlacht, Wasserfuor, Wasserleita, Zettwasserleita ‘ die Wasserleitung mit Zettwasser ’ . Die Schreibungen können wechseln; von selbst verständliche Kombinationen wurden nicht mit einer Deutung versehen. Lateinische Ausdrücke wie communem viam ecclesie ‘ der Kirchweg, der der Gemeinde gehört ’ (1431, Niedergesteln) sind hier nicht erfasst. Lebendes Gmei ist belegt als di Gmei Loiwina ‘ das Rutschgebiet, das der Gemeinde gehört / die gemeinsamen Lawinenzüge ’ (Ferden), der Gmei Stafel ‘ der Stafel, der der Gemeinde gehört ’ (Zwischbergen), di Gmeinu Sunna ‘ die Sonnseite, die der Gemeinde gehört ’ (Eisten). Die Assimilation zu Pmei ist belegt in di Pmeine Wasma ‘ die Wiesen, die der Gemeinde gehören ’ (Törbel), der Pmei Bode ‘ der Boden, der der Gemeinde gehört ’ (Ernen), t Pmei Eie ‘ die Aue, die der Gemeinde gehört ’ (Obergesteln) und weitere mit den Grundwörtern Eie, Matta, Sand, Stuck, Wang und Weid. Komplexer ist di Gluwi (PN) 311 312 <?page no="422"?> Pmei Wasserleita ‘ die Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ (Niederwald). Einen Sonderfall bilden drei Flurnamen, die auf den ersten Blick nicht zu diesem HL zu gehören scheinen: ts Meiland ‘ das Land, das der Gemeinde gehört ’ (Ried-Brig), ein Stück Land im Steinutal auf über 2100 m, t Meinumatta ‘ die Wiese, die der Gemeinde gehört ’ (Mund), eine Voralpe von Mund, auf LT Meinimatte. Stärker verkürzt ist Mewäg ‘ der Weg, der der Gemeinde gehört ’ (Ernen); es handelt sich um einen Weg von Niederernen Richtung Unner Holz. In allen drei Fällen ist der Anlaut zu / m/ vereinfacht; im Fall von Ernen wird auch der Diphthong zu / e/ reduziert. Ein Zusammenhang mit dem in Ernen belegten HL M ENI existiert nicht. Wenn communis oder eine flektierte Form davon gesetzt wird, steht es meist hinter dem Bezugsnomen. Das gilt vor allem bei romanischen Nomina wie in sub crista communi ‘ unter dem Hügel, der der Gemeinde gehört ’ (1494, Varen), eÿs lex communes ‘ bei den Felsen, die der Gemeinde gehören ’ (1573, Varen), lo bez commune ‘ die Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ (1345, Albinen), in platea comunali ‘ auf dem Platz, der der Gemeinde gehört ’ (1453, Albinen; 1581 als in platea communi) und andere. Nur einmal kommt ein vorangestellter Genitiv im Plural vor: Nanzero Gmeinen Walt ‘ der gemeinsame Wald der Leute von Nanz (Alpe) ’ (1659, Glis). Bei den Komposita wird als Kriterium die Zusammenschreibung genommen, auch bei phonetisch notierten Belegen. Zwischen Adjektiv und Nomen kann nicht immer unterschieden werden. Die Belege sind: beÿ dem Gemeinhaus ‘ beim Gemeindehaus ’ (1764, Mund), der Gemeinwald ‘ der Wald, der der Gemeinde gehört ’ (1850, Oberwald), di Gmei(n)alpa ‘ die Alpe, die der Gemeinde gehört ’ (Zwischbergen, 2 Belege), der Gmeiacher ‘ der Acker, der der Gemeinde gehört ’ (Hohtenn), di Gmeiacherlini ‘ die kleinen Äcker, die der Gemeinde gehören ’ (Turtmann), Gmeiachär ‘ die Äcker, die der Gemeinde gehören ’ (Bratsch), Gmeibärg ‘ der Berg (Alp) der Gemeinde (Ernen) ’ (FLNK, Ernen), bim Gmeihüs ‘ beim Haus der Gemeinde ’ (Albinen), Gmeimatta ‘ die Wiese, die der Gemeinde gehört ’ (FLNK, Niederwald), di Gmeimattu ‘ die Wiese, die der Gemeinde gehört ’ (FLNK, Agarn), aúff dem Gmeinbiell ‘ auf dem Hügel, der der Gemeinde gehört ’ (1683, Bürchen), der Gmeinbrunu ‘ die Quelle, die der Gemeinde gehört ’ (Saas-Balen), Gmeindmatta ‘ die Wiese, die der Gemeinde gehört ’ (FLNK, Kippel), bim Gmeindstadel ‘ beim Stadel, der der Gemeinde gehört ’ (1737, Albinen), in der Gmeindtmatten ‘ in der Wiese, die der Gemeinde gehört ’ (1685, Oberems), Gmeinewaud ‘ der Wald, der der Gemeinde gehört ’ (FLNK, Ernen), zur Gmeinhuss ‘ zum Haus der Gemeinde ’ (1682, Unterems; feminin? ), der Gmeintschuggu ‘ der Fels, der der Gemeinde gehört ’ (Gampel), Gmeisand ‘ das Sandgebiet, das der Gemeinde gehört ’ (FLNK, Stalden), zem Gmeistadel ‘ beim Stadel, der der Gemeinde gehört ’ (Ferden), der Gmeiwald ‘ der Wald, der der Gemeinde gehört ’ (Gampel), der Gmeiwang ‘ der Grasabhang, der der Gemeinde gehört ’ (Gampel), Gmeiweid ‘ die Weide, die der Gemeinde gehört ’ (FLNK, Inden), di Pmeinbiine ‘ die Pflanzplätze, die der Gemeinde gehören ’ (Brigerbad, Hohtenn), di Pmeind(e)räbe ‘ die Reben, die der Gemeinde gehören ’ (Brigerbad); di Pmeiräbe ‘ die Reben, die der Gemeinde gehören ’ (Stalden), di Pmeindgassa ‘ die Gasse, die der Gemeinde gehört ’ (Glis), di Pmeinegga ‘ die gemeinsame Ecke (Grenze zwischen den Gemeinden) ’ (Ried-Brig, Termen), di Pmeiwäga ‘ die Wege, die der Gemeinde gehören ’ (Ried-Brig, Termen). Komplexere Belege sind der Alt Gmeinacher ‘ der alte Acker, der der Gemeinde (Eischoll) gehörte ’ (Niedergesteln), der Alte Gemeinacker ‘ der alte Acker, der der Gemeinde gehörte ’ (1870, Feschel), t Egger Pmeiräbe ‘ die Gemeindereben der Leute von Zeneggen ’ (Stalden), di Foodri und t Indri Gmeindbiinu ‘ der vordere und der innere Pflanzplatz, der der Gemeinde gehört ’ (Niedergesteln), t Ännerscht, t Mittlescht und t Voderscht Pmeimatta ‘ die am weitesten jenseits gelegene, die mittlere und die vordere Wiese, die der Gemeinde gehörte ’ (Niederwald) und weitere derartige Belege. Die lateinischen Namen werden nicht unter einem eigenen Eintrag aufgeführt, sofern es sich nicht um erkennbare Patois-Namen handelt. Gnade Gnade ist nur in aúf Gnadenberg ‘ auf dem Gnadenberg ’ (1843, Fiesch) belegt. 1367 heisst es in prato dominarum sanctimonialium montis gratiae de Viesch ‘ auf der Wiese der heiligmässigen Frauen vom Gnadenberg in Fiesch ’ . Es scheint also, dass der Gnadenberg ursprünglich ein klösterliches Gut war. Auf dem Gnadenberg gibt es eine Kapelle (cf. hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002687/ 2017-06-04 [29.01.2021; IW]), wo das ursprünglich in Ernen angesiedelte Augustinerinnenkloster Gnadenberg (1339 in Ernen gegründet, 1383 nach Fiesch verlagt, 1489 aufgehoben) und die Kapelle des hl. Augustinus erwähnt werden. Gnad (I D . 2, 695 f.) und Gnade (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 365) weisen auf den christlichen Gebrauch des Wortes hin, der hier eine Rolle spielt. Gnappen Gnappen ist nur einmal als unsichere Lesung in Gnappengärtli (1796, Ried-Brig) belegt, alternativ auch als Guappengärtli (cf. HL G UAPPEN ). Ob das Lemma zur Wortfamilie Gnapp (I D . 2, 666 f.) zu stellen ist, bleibt 313 314 Gnappen <?page no="423"?> unklar; keine der dort aufgeführten Bedeutungen hat eine erkennbare Motivation für einen kleinen Garten. Gnippe Gnippe ist zunächst im Beleg t Nippa f. (Fiesch) vertreten, der 1411 u. später als an der Gnippen erscheint. Beim lebenden Beleg wurde anlautendes / g-/ als Artikel t(i) ‘ die ’ verstanden. Es ist wohl zu schwdt. Gn ī p f. ‘ Wiegemesser ’ zu stellen, mhd. gnippe (I D . 2, 669). In Fiesch handelt es sich um die Form des Grundstücks, genau so wie im Beleg t Gniepumattu ‘ die Wiese in der Form eines Wiegenmessers (unklar) ’ (Varen). Die in LUNB (1, 1, 345, s. v. Gnipere) erwähnten Bergrücken oder Vorsprünge sind im Oberwallis nicht belegt. Gochti Gochti n. ist nur in Leukerbad als ts Gochti belegt (auch FLNK). R. G RICHTING (1993) kennt es auf Blatt 9, Nr. 41, Blatt 10, Nr. 22 und Blatt 11, Nr. 44. SK zeigt es oberhalb des Dorfes Leukerbad. Heute ist es Teil des Dorfes. Der historische Beleg hat Zer Gassen seu gochtÿ, woraus zu schliessen ist, dass das HL frpr. sein muss. Die häufigen Flurnamen Côte usw. (B OSSARD / C HAVAN 2006, 21) werden dort auf lat. COSTA zurückgeführt (FEW 2, 1245 ff. s. v. COSTA rippe; G PSR 4, 354 ss. s. v. côte). Die Belege weisen auf eine später als Diminutiv interpretierte Form hin, etwa mit der Bedeutung ‘ Abhang ’ . G PSR ist sich über die genaue Deutung nicht sicher (cf. G PSR 4, 345 in Anmerkung). Zur Lautung mit / ch/ cf. HL G RECHTA . Göchtscherra Die Go ᵉ chtscherra wird 1591 in Visperterminen als Name eines Weinberges erwähnt. Es handelt sich vermutlich um eine hyperkorrekte Schreibung zu Gächt + Scherra. I D . (2, 109) kennt Gacht (Name von Bergschluchten) als Ableitung von gäch ‘ steil ’ (allerdings nur für Appenzell und Toggenburg). Scherra lässt sich zum Verb schërre n ‘ scharren, hacken ’ (I D . 8, 1140) stellen. Die Deutung wäre dann ‘ das steile Stück umzuhackendes Land ’ . Das inlautende / t/ kann aber auch ein Übergangslaut sein. Eine Deutung mit der Ableitung auf / - ERRA / ist wegen des / sch/ kaum möglich. Godel Godel n. und Godela f. sind nicht leicht zu fassen. Es gibt ein Godel m. (nach S TALDER 2. Aufl. n.), das laut I D . 2, 122 fünf Bedeutungen hat: ‘ 1) geräumiges, aber kunstlos gebautes, halb verfallenes Gebäude, 2) altes, lotteriges Hausgerät, bes. Bettgestell 3) schlechtes Fuhrwerk 4) schlechtes Messer 5) Schwanken, Zittern, Schütteln. ’ Keine der Bedeutungen wird für das Wallis angegeben, hingegen jedoch wohl das Verb godle n (I D . 2. 122), bei R ÜBEL (1950, 115) als godlu belegt für das behagliche Plätschern der Schweine mit ihren Rüsseln im Schweinetrank. Für dieses Verb nimmt I D . Schallnachahmung an; für die nominalen Formen wird keine Herleitung gegeben. Gemeinsam ist den nominalen Bedeutungen (mit Ausnahme von 5)) etwas Schlechtes, schlecht Brauchbares. Ein Gebäude scheint bei den einzelnen Belegen nicht gemeint zu sein; darum könnte etwa ‘ unfruchtbares Land ’ als Bedeutung angenommen werden; das widerspricht aber einzelnen Angaben der Gwpp. In den historischen Belegen tritt Gottlon oder Gotlon auf; das würde eine Femininform auf - LA voraussetzen; in welchem Verhältnis diese zu Gettla, Gettja steht, ist unklar. Das Simplex Godel n. ist belegt in Binn (1418 das codal), Blitzingen (1767 im Goddell), Geschinen (ts Godel), Greich (FLNK Godel), Münster (im Godel), Reckingen (ts Godel) und als am G ŭ dol in Niedergesteln. Godela f. kommt in Ernen (1342, Godella) und Mühlebach (t Godela) vor. Das Zentrum beider Formen ist also das Goms. Als Bestimmungswort kommt Godel mit den Grundwörtern Egge und Haalta vor. di Godilweide (Niedergesteln) könnten zu am G ŭ dol (1856, Niedergesteln) passen. Wohl kaum hieher gehört der Gudelhano (1347, Eggerberg) mit einer unsicheren Lesung; es könnte sich hier auch um den Gugel-Hane ‘ Haushahn, Auerhahn ’ (I D . 2, 1307) handeln. Wieweit die sonst undeutbare Form Gottlor (1531, Ernen, mit unsicherer Lesung ev. zu Gattlor) hieher passt, bleibt unklar. Goggaardu Goggardu ist nur als ze Goggaardu (Ergisch) erwähnt. Als Alternative hat M. S. ze Poggaardu notiert. Es handelt sich um steile Wiesen auf rund 900 m. Wenn der Name Goggardu lautet, ist er wohl zu frz. cocarde ‘ Hahnenkamm ’ zu stellen (G PSR 4, 137 s. s. v. cocarde; FEW 2, 857 ff. s. v. k ǒ k-, bes. S. 860; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 513). Die zweite Form Poggardu ist sonst nicht belegt; es kann sich um eine veränderte Form (/ G / -> / P / ) handeln, da das ursprüngliche Motiv nicht mehr erkennbar war. Goggwäärgi Goggwäärgi ‘ Zwerg ’ ist zu wdt. Ggoggwäärgi n. ‘ Zwerg ’ , mhd. twerc, querh m., n., ahd. twerg n. zu stellen. Die Form Goggwäärgi ist eine Weiterentwicklung von amhd. ge-twerc. Das Wort kann zur Bezeichnung von etwas sehr Kleinem verwendet werden; in FlN können auch Zwerge gemeint sein (G RICHTING 1998, 90; K LUGE / Seebold 25 2011, 1019). Das Lemma kommt zweimal im Diminutiv Plural Gotwäärgjini / Gitwaargjini ‘ die kleinen Zwerge (Äcker) ’ (Gampel) vor. Als Bestimmungswort erscheint 1760 in Martisberg Getwergihaus ‘ das Zwergenhaus, das kleine Haus ’ , der Goggwäärgiture ‘ der Zwergenturm, der Gnippe 315 316 <?page no="424"?> (Fels-)Turm, der von Zwergen gemacht wurde ’ (Fiesch) und di Gotzwärgblattu ‘ die Felsplatten der Zwerge ’ (Hohtenn) ( „ Zwerge “ bezieht sich auf kleine Fuss-Spuren). Gognet Gognet ist nur 1361 in Gampel als Zen Gognet belegt; laut Text befindet sich die Flur in einem Wald (lat.: IN NEMORE ). Es dürfte sich trotz des deutschen Zen ‘ bei den ’ um einen romanischen Beleg handeln (cf. T AGMANN 1946, 61 s. v. Cougni und B OSSARD / C HAVAN 2006, 105 s. v. Cugnet NE), der sich zu lat. C Ŭ N Ĕ US ‘ Keil ’ (FEW 2, 1530 ff.) stellen lässt mit der Bedeutung ‘ bei den abgelegenen und kleinen Stücken Land ’ . Göiggu Göiggu ist nur als Göiggu ‘ das Gerät für das Kälbertränken (hier metaphorisch: das Gebiet, das so aussieht) ’ (FLNK, Ausserberg) belegt. Die Flur befindet sich auf rund 1800 m im Baltschiedertal. Es handelt sich um ein Maskulinum; eine / l/ -Vokalisierung ist aber hier nicht möglich. Vermutlich liegt Gaugge n ‘ vorderer, keilförmiger Teil eines Holzgeschirres, aus welchem man den jungen Kälbern zu saugen gibt ’ (I D . 2, 170) zu Grunde, das auch R ÜBEL (1950, 36) als ‘ Gauggen ’ für das Lötschental erwähnt. Das Gelände im Baltschiedertal ist metaphorisch nach diesem Gerät benannt. Gol Gol wird vom I D . (2, 216) s. v. Gool, Goll als ‘ grober Steinschutt, Steingeröll ’ gedeutet; Z INSLI (1945, 320) kennt es S. 119 als „ übergandetes “ (versaartes) Stück Land, S. 162 als Steingeröll. Schon H ELEN P ROBST (1937) unterscheidet die verschiedenen Lemmata wie Gol, Gold, Goletta usw. Obwohl Gold ‘ Gold ’ ursprünglich ein germanisches Farbwort ist (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 366), wird es häufig euphemistisch für Gool-Bäche (Schuttbäche) verwendet. Die Herkunft wird entweder nach J. H UBSCHMIED als aus spätgall. *kowlo-n oder aus einem romanischen Stamm (J. J UD in der Besprechung der Dissertation von H. P ROBST in Vox Romanica 3 (1938, 334 - 336)) erklärt. Romanischer Herkunft sind sicher die verschiedenen Formen von Gol (Gollji, Golljet, Goletta usw.), die sich entweder zum lat. GULA ‘ Kehle ’ (cf. HL G ULA ) oder zum germ. * GOLYA ‘ Tümpel ’ stellen lassen (T AGMANN 1946, 8 f. und 18). Das Simplex im Singular ist nicht belegt. Nicht sicher ist der Diminutiv Singular ts Gollti ‘ das kleine Gebiet mit Steingeröll ’ (Täsch). Ob ts Ober und ts Unner Goli (Oberems) hieher gehören oder romanischen Ursprungs sind, lässt sich nicht entscheiden; es handelt sich um eine frühere Alpe im Turtmanntal, wo beides möglich ist. In Grengiols findet sich der Golebiel ‘ der Hügel mit dem Steingeröll ’ , der einzige Fall mit dem Simplex als Bestimmungswort. Im deutschsprachigen Wallis kommt sonst primär die Ableitung Goler m. / n. vor: am Goler (1454, Grengiols), ts Goler (Raron), jm Goler (1539 u. später, wohl n., Bürchen), jm Goler (1518, Zeneggen; ein Beleg von 1302 im Galere gehört nach P H . K ALBERMATTER (p. c.) hieher), jm Goler (1456, Ausserberg), dr Golär (Blatten, Ferden). Der Typ Goler ist in www.ortsnamen.ch für Hochwald (SO) als FaN und als Flurname für Valens (SG) belegt; sonst fehlen Hinweise. Es handelt sich wohl um eine / - ER / - Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) als Stellenbezeichnung, wobei die neutrale Form ein Kollektiv darstellt, zu verstehen als ‘ Gebiet mit Steingeröll ’ . Die Belege von Raron, Bürchen, Zeneggen und Ausserberg beziehen sich vermutlich auf den früheren Weiler Goler auf der linken Talseite, wozu ts Läz Goler ‘ das linke Goler ’ (Raron) und der Läz Goler ‘ der linke Goler ’ (Bürchen) belegt sind, die verdeutlichen, dass hier die linke Talflanke gemeint ist. Auch die übrigen Belege meinen wohl einfach ‘ Steingeröll ’ . Als Bestimmungswort kommt Goler zusammen mit Grabu, Matta, Rufina und Wald vor; komplexer ist der Läz Golerschleif ‘ der Schleif, der zum Läz Goler (linkes Goler) führt ’ (Raron). Laut A RNOLD (1984 [1947], 255) ist in Goolehittu und di Goolulecher der FaN Golen (cf. HL G OLEN (F A N)) vertreten. Einen Genitiv Plural findet man 1479 in Bürchen, wo in aqueductu dictorum Golerro ‘ bei der Wasserleitung der genannten Leute von Goler ’ erwähnt ist. Es handelt sich hier wohl um die Bewohner des Weilers Goler im Gebiet Raron-Bürchen. 1712 wird diese Wasserleitung selbst als die Golerun ‘ die Wasserleitung zum Goler ’ (Bürchen) erwähnt. Anders t Goueri ‘ die Wiese mit dem Steingeröll ’ (Gluringen, mit / l/ -Vokalisierung), die historisch 1684 auch als Hagigen Golera ‘ die Wiese mit dem Steingeröll der Familie Hagi ’ (Gluringen) belegt ist: hier handelt es sich um ein Stück Land. Ob di Golderna (Naters) und aúff der Golderÿ (1764, Biel), sowie vff der Goldernen (1570 u. später, Gluringen, 1762 au ᵕ f der Golderÿ) hieher zu stellen sind, ist unsicher (cf. HL G OLD ). Die Typen Golm und Gollmu sind unter HL G OLLMU behandelt. Im westlichen Teil des Bezirkes Leuk sind romanische Belege (cf. HL G OLLIE ) vorhanden. Einfaches Gola ist in en la Gola Pollet (1326, Leuk) und in Gula Pollet (1357, Agarn) belegt, wo Gola wohl ‘ Tümpel ’ heisst; Pollet dürfte ein PN sein. en la Golly ‘ beim Tümpel ’ (1400, Turtmann) und Gollij (1435, Salgesch oder Varen) meint wohl ebenso ein Gewässer wie Gollia de Stroples (1484) und Gollia de Estrobles (1542), die beide nach T AGMANN (1946, 3) einen Bach vom Trublenstock her meinen. di 317 318 Gol <?page no="425"?> Gollje ‘ (unklar) sumpfiges Gelände (? ) ’ (Leukerbad, auch bei R. G RICHTING 1993, Blatt 21, Nr. 4 und Blatt 22, Nr. 2) weisen keine Gewässer auf. Eine / - ETA / -Ableitung findet sich in jn den Colletten (1704, Oberems), dann ad Cristam de Coleta ‘ beim Hügel mit dem kleinen Durchgang ’ (1794, Salgesch; 1721, Varen, als Golleta). via de la Goletta (1489, Albinen) und Golleten=Weg (1794, Albinen) meinen wohl wieder einen Weg zum Tümpel. Eine Reihe weiterer Belege sind: in den Goleten (1522, Unterems), en la Goletta (1526, Salgesch), en la Goletta (1590, Leuk), via de la Golleta (1490, Guttet), en laz Golletaz (1526 u. später, Varen; 1692 als in di Gollÿe), Kúmmen Goletta ‘ die Chumma (Mulde) beim kleinen Tümpel ’ (1804, Leuk; 1804, Salgesch). Einen nur teilweise durchsichtigen Beleg gibt im Pradekole (Varen), wo sicher rom. PRATU ‘ Wiese ’ vorhanden ist; der zweite Teil kann den Genitiv de Gole enthalten, der als Bach oder Tümpel zu deuten wäre. Insgesamt ist geht das HL G OL auf verschiedene Herkunftswörter zurück, die sich im Einzelnen nur schwer unterscheiden lassen. Gold Gold n. ist zu schwdt. Gold n. ‘ Gold, AURUM ’ und wdt. Gold ‘ Gold ’ zu stellen. Die Namen beziehen sich selten auf das Vorkommen des Edelmetalls. Meist wird damit eine gut besonnte oder gegen Sonnenuntergang geneigte Stelle bezeichnet (I D . 2, 224 f.; G RICHTING 1998, 95; BENB 1, 2, 77 f.; URNB 2, 1). Oft liegt aber auch volksetymologische Umdeutung eines ursprünglichen Namens mit schwdt. Gol ‘ Schutt, Geschiebe ’ in Gold vor, besonders etwa bei Gold-Bächen (I D . 2, 225; Z INSLI 1945, 320; BENB 1, 2, 76 und 77 f.; URNB 2, 1). Unklar ist das einzige Simplex im Singular zer Guld (Wiler). Zwar kennt auch I D . (2, 224) die ältere Form Guld, aber mit dem Genus maskulin, nicht feminin. Weiter kennt nur das Lötschtal das Adjektiv guldi in di Guldi Suän (Kippel, zwei Belege), di Guldisuän (Wiler), di Guldinu Siänä (Ferden; FLNK Goldini Suon); B ELLWALD / W ÜRTH (2006) erwähnen den Namen nicht. Die genannten Wasserleitungen, resp. die mit ihnen bewässerten Felder, lassen sich nicht alle auf den Flurnamen zer Guld zurückführen. Eine gemeinsame Deutung liesse sich durch einen Pflanzennamen geben. I D . (3, 892 s. v. Guldichrut) erwähnt den gemeinen Gamander. Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2104, 814) kommt T EUCRUM MONTANUM (Berg-Gamander) in Frage. Dann ist di Guld der Ort mit Berg-Gamander und die Wasserleitungen sind von diesem Kraut begleitet. Es kann sich aber auch um die Sonnseite handeln. Das HL G OLD , im unteren Goms Goud, tritt sonst primär als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita zu den folgenden Grundwörtern auf: Bach, Bodu, Brunnu, Biel, Fad, Fääsch, Loch, Miina, Schmitta und Wang auf. Eine Ableitung Goldery ist in Biel (1764) und Gluringen (1570 u. später) erwähnt. Es handelt sich um eine / - ERI / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 551) als Stellenbezeichnung. Die historischen Belege lassen keine Aussage darüber zu, ob es sich um den gleichen Ort handelt. Eine zweite Ableitung di Golderna (Naters) meint ebenfalls eine Stellenbezeichnung; unklar ist bei beiden Ableitungen, ob Gol ‘ Steingeröll ’ gemeint ist. Golen (FaN) Golen (FaN) ist ein FaN, der laut A RNOLD (1984 [1947], 255) um 1525 zu den Burgern von Simplon zählte. Nach ihm erinnert die „ Goluhüttu “ daran. Belegt sind Goolehittu ‘ die (Alp-)Hütte der Familie Golen ’ und di Goolulecher ‘ die Löcher (Einsenkungen) der Familie Golen ’ (beide Simplon). Die beiden Flurnamen sind auch bei J ORDAN (2006, 158) mit Hinweis auf den FaN Golen belegt. Goliat Goliat ist zu Goliath (PN) zu stellen, dem biblischen Riesen, der von David mit der Steinschleuder erschlagen wird (1 Sam, Kap. 17). Der Beleg der Riisugoliatgrind ‘ der Kopf des Riesen Goliat ’ (Leukerbad) erscheint als grosser Felskopf in der Gemmiwand. R. G RICHTING (1993) kennt den Ort als Goliath (Blatt 7, Nr. 6 und Sonderbild). Goliiri Goliiri n. ‘ couloir ’ ist mehrfach in Salgesch und einmal in Leukerbad belegt. Laut T AGMANN (Ms., 37 f.) ist es als / - ARIA / -Ableitung von lat. COLARE ‘ fliessen ’ zu verstehen, mit der Bedeutung „ Runse, Couloir in steilem Gelände “ (vgl. auch B OSSARD / C HAVAN 2006, 246 s. v. Coluire mit Verweis auf Couloir). M ATHIER (2015, 48 f.) leitet es dagegen von lat. COLYRUS ‘ Haselnussstrauch ’ ab und versteht darunter ein Gebiet mit vielen Haselnuss-Stauden. B OSSARD / C HAVAN (2006, 178) kennen für den Haselstrauch nur Typen wie Coudre oder Coudri, was die Deutung von M ATHIER als unplausibel aussehen lässt. Neben dem Simplex ist belegt (lat. Cabulum) de la Coliery ‘ der Goliiri-Schleif ’ (1494, Salgesch), Cliues de la Coliri ‘ der Goliiri-Hang ’ (1619, Salgesch), Goliiriwäg ‘ der Weg von / zu der Goliiri ’ . Unklar ist noch Jn la Coliriwaz (1579, Salgesch); vermutlich ist ein doppeltes Suffix vorhanden. Goliiriwald ‘ der Wald beim Goliri (Runse, steiles Coulior) ’ (Leukerbad) ist an diesem Ort isoliert. Er befindet sich auf ca. 2000 m. Die Beschreibung sagt, hier sei ein „ komischer “ Hauptakzent vorhanden. Betont ist die erste Silbe; erwartet würde die zweite. R. G RICHTING (1993) kennt es nicht. Gold 319 320 <?page no="426"?> Gollie Gollie ‘ Tümpel ’ ist nach T AGMANN (1946, 8s.) zum germ. * GOLYA zu stellen (cf. FEW 16, 99s. s. v. * GULLJA ‘ Pfütze ’ ). Die Belege wurden teilweise schon unter dem HL G OL behandelt; sie befinden sich alle in Bezirk Leuk. Es gibt eine Reihe weitere Namen mit dem HL G OL , die nicht mit Gollie und seinen Varianten verwechselt werden sollten. 1400 ist in Turtmann en la golly (auch: de la goll ỳ ) belegt, in Leuk 1591 ouz Golliet (wohl Plural), in Leukerbad di Gollje, in Salgesch 1553 ouz dyz golliet und 1435 aquae dictae gollij. Dieses Simplex ist als Grundwort in en la gola pollet (1326, Leuk), gollia des stroples (1484, Salgesch), gollia de estrobles (1542, Varen) vertreten; letztere bezeichnen wohl den Bach tropla (T AGMANN 1946, 3 mit dokumentarischen Belegen zu stroble). Nur einmal belegt ist ein Bestimmungswort in im pradekole (1837, Varen) ‘ bei der Wiese mit dem kleinen Tümpel / Bach ’ . Eine Ableitung auf / - ETTA / (< / - ITTA / ) mit Diminutiv- Bedeutung (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) enthalten de la goletta (1489 u . später, Albinen), de la golleta (1490, Guttet), en la goletta (1590, Leuk), jn den Colleten (1704, Oberems), en la goletta (1526 u. später, Salgesch), in den Goleten (1522, Unterems), en laz golletaz (1526 u. später, Varen) (mit der Variante in die gollÿe 1692). Der Typ erscheint auch in Komposita als Bestimmungswort: uia goleta´ ‘ der Weg zum Tümpel ’ (1490, Albinen), Gollete=Weg (1794, Leuk), kúmmen Goletta ‘ die Kumme (Mulde) beim Tümpel ’ (1804, Leuk; gleich in Salgesch), ad cristam de goleta ‘ beim Grat mit dem Tümpel ’ (1794, Salgesch, gleich in Varen). Gollmu Gollmu ist der Name einer Alpe in Goppisberg, erstmals 1343 erwähnt als alpem de Golmun ‘ die Alpe von Golmen ’ . Dazu gehört auch ts Gollmuegg ‘ die Ecke bei der Alpe Gollmu ’ (Goppisberg). Die nächstliegende Erklärung wäre das dem lat. CULMEN ‘ Gipfel ’ , ‘ Maiensäss, Bergwiesen, Berg, Bergübergang ’ entsprechende Lexem, das laut RN rom. auch mit gesenktem Vokal als colm belegt ist (I D . 2, 233; RN 2, 120; Z INSLI 1945, 329; BENB 1, 2, 533; URNB 2, 102 f.). Die Form mit anlautendem / g/ würde direkt aus dem Romanischen entlehnt worden sein; die Zweisilbigkeit (im Unterschied zum sonst belegten schwdt. Kulm oder Gulm) müsste aus einer Pluralform (Typ CULMINA ) stammen. Das 1602 in Gluringen belegte vf der Golmeren lässt sich dann als zum Feminin uminterpretierte Ableitung mit dem kollektiven Lehnsuffix lat. / - ARIA / , ahd. / - ARR Ā / , schwdt. / - ERE ( N )/ in der Bedeutung ‘ Ort, Stelle, mit vielen Gipfeln ’ (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) deuten. ufum Kull(u)m ‘ auf dem Kulm ’ (Simplon) verdeckt die anlautende Affrikata, die wohl auch bei J ORDAN (2006, 26 s. v. Kulm) gemeint ist. Goltsch (PN) Goltsch (PN) kommt nur in zwei Belegen aus Ferden vor: ts Goltsch(e)riäd ‘ das Ried des Gold ’ und di Goltsch(e)riädlitzi ‘ die Schattenseite beim Ried des Gold ’ Die historischen Belege zum ersten Flurnamen wie Z Goldts Riedt (1628) weisen auf einen PN oder FaN Gold im Genitiv Singular hin. Es kann sich dabei um eine Kurzform zu Goldo / Golda (F ÖRSTEMANN 1, 663) handeln. In unseren Daten ist sie sonst nicht belegt. Gom Gom ist zunächst ein Bestimmungswort in einem Beleg von 1768 aus der Gomhalto (Zeneggen). Am nächstliegenden dürfte das rom. Lehnwort Gomma < comba < cumba ‘ Tal, Schlucht ’ (T AGMANN 1946, 14; I D . 2, 390 s. v. Kum) sein, sofern nicht eine Fehlschreibung vorliegt. Gomma findet sich auch in Albinen bei den Namen in di Gomme ‘ bei den Einbuchtungen ’ und Gommeletschleif ‘ der (Holz-)Schleif bei den kleinen Einbuchtungen ’ wieder, das wohl auf eine Ableitung mit der diminutiven Suffixkombination / - ELL - ITTA / zurückgeht. Das HL G OM- MER (nicht in der Bedeutung: ‘ zum Goms gehörig ’ ) kann zum Teil hieher gehören (cf. HL G OMMER ). Gomarting Gomarting ist in Varen belegt. Die historischen Belege Commomarting (1728 u. später) deuten auf das älter bezeugte Comba Marting ‘ die Mulde des Martin ’ (1544 u. später, Varen) hin (cf. HL M AARTIN (PN)). Gommer Gommer n. ist hier primär nicht als ‘ zum Goms gehörend ’ zu verstehen, sondern als HL, das verschiedene Bedeutungen haben kann. Als Simplex kommt ts Gommer, auch ts Gummer (Turtmann) vor; dazu gehören in Turtmann t Gommer Haaltjini ‘ die kleinen Halden beim Gommer ’ , die auch Gummerhaaltjini heissen. Zu Grunde liegt wohl ein rom. Lehnwort Gomme < comba, das kollektiven Charakter hat: eine neutrale / - ER / -Ableitung zu Gomme / Gumme ‘ Einbuchtung, Schlucht, Tal ’ (cf. HL G OM ). Unklar ist Gommergraben (1856, Martisberg). Hier könnte das Adjektiv Gommer im Sinn von ‘ zum Goms gehörig ’ vorliegen, da Martisberg beim Deischberg, der Grenze des Goms, liegt. Anders bei den Belegen Gommermatta (1609, Simplon) und Gommershus (1540, Termen), wo ein FaN Gommer oder ein Herkunftsname ‘ aus dem Goms ’ gemeint sein kann. Schon 1304 ist in Baltschieder Gommerro Hofstatt ‘ die Hofstatt der Leute des Gommer ’ belegt, wo wiederum ein FaN oder eine Herkunftsbezeichnung gemeint sein können. Ein FaN ist in den Quellen nicht belegt; ein 321 322 Gommer <?page no="427"?> Herkunftsname erscheint deswegen als plausibelste Annahme. Insgesamt sind vor allem die Belege aus Turtmann schwierig, weil nicht klar ist, ob ein / o/ oder ein / u/ in der betonten Silbe vorliegt und welchen Sinn das neutrale Genus hat. W. M EYER (1991, 205) notiert zwar, die Familie Michlig aus dem Goms habe im Gommer gewohnt, doch erwähnt er nicht, dass die Namengebung sich auf das Goms bezieht. Im übrigen ist der älteste Beleg von 1604 in Turtmann älter, als die 1722 erwähnte Marie Michlig von Fiesch (W. M EYER 1991, 205). Goms Goms (frz. Conches), heute der östlichste Bezirk des Oberwallis und neu (ab 1.1.2017) Name von dreizehn früheren Ortschaften mit Münster als grösster Gemeinde, wird in der Forschung zu lat. CONCHA ‘ Muschelschale, Näpfchen ’ , hier in der übertragenen Bedeutung ‘ (Tal-) Mulde ’ gestellt (Z IMMERLI 1899, 87; G UEX 1938, 363; B OS- SARD / C HAVAN 2006, 34; K RISTOL ET AL . 2005, 629). Allerdings dürfte der deutsche Name Goms eher auf lat. C Ŭ MBA ‘ Talkessel; Trog ’ (FEW 2, 1524 f.; G PSR 4, 171, Nr. 6 o Noms de lieux) zurückgehen; die Form Goms und das Adjektiv Gommer (cf. HL G OMMER ) deuten darauf hin. Die Bezeichnung wurde wohl schon früh aus dem Lat. entlehnt (cf. Gampel); das Lehnappellativ Chumma (cf. HL C HUMMA ) wurde aus den alemannischen Dialekten übernommen. Der Name Goms bezeichnete zunächst die ehemalige Gemeinde Münster; als Talschaftsbezeichnung gilt er seit dem 15. Jh. Unter dem Namen Obergoms fusionierten am 01.01.2009 die drei ehemaligen Gemeinden und heutigen Ortschaften Ulrichen, Obergesteln, Oberwald. Alternierend für Goms wurde die Talschaft auch mit Bezug auf den Deischberg (in volksetymologischer Latinisierung Mons Dei) lat. a Monte Dei superius (1301 usw.) und dt. von Deisch uf (1487) genannt. Die ältesten Belege sind ab 1211 vertreten, wobei die Latinisierung Gomesia eine Rolle spielt, die 1879 zur Etymologisierung von lat. COMES (Graf) führt, das sich in Grafschaft wiederfindet (cf. HL G RAFSCHAFT ). Die übrigen Schreibweisen wie Conches (1344, 1392), Consches (1375, 1418), Comexii (latinisiert, 1403) usw. weisen auf die lat. Form CONCHA hin; erst 1514 erscheint Goms als Bezirksname, aber die Formen Consches usw. sind weiterhin belegt. Gondo Gondo ist der heutige Name des grössten Ortsteils von Zwischbergen (amtlicher Gemeindename), früher in älteren Texten auch Rudu (Ruden) genannt. Der Name ist nicht sicher gedeutet. J ACCARD (1906, 193) stellt ihn einerseits zu it. gonda ‘ vase à boire ’ , anderseits zu bündnerromanisch ganda ‘ Geröllhalde, Steinhaufen; Erdrutsch ’ (RN 2, 159), was laut K RISTOL ET AL . (2005, 995 f.) nicht zutreffen kann, da ganda feminin ist. K RISTOL ET AL . (2005, 995 f.) denken an eine Herleitung aus canthus ‘ Rand, Ecke ’ , einem Wort, welches im Bündnerromanischen in der Bedeutung ‘ Stutz, steiles Wegstück ’ , ‘ vorspringende, abschüssige Kante im Gelände, Hügelkamm, Anhöhe ’ weiterlebt und auch galloromanisch belegt ist (vgl. RN 2, 72; FEW 2, 227). Dagegen spricht, dass Gondo im piemontesisch-lombardischen Dialektgebiet liegt. O LIVIE- RI ( 2 1961, 263 s. v. gonte) kennt auch ein Gondo als germ. PN. P ETRINI (1993, 86 s. v. cant) nennt aber keinen derartigen Namen mit einem / o/ in der betonten Silbe. Neben Gondo (Zwischbergen) nennt FLNK Gondo-Ruden, also mit dem alternativen Namen des Ortsteils. Das Grundwort kommt auch in Dogana Gondo (LT, Zwischbergen) vor, Name der Zollstelle an der italienischen Grenze. Als Bestimmungswort kommt das HL in di Gonndoschlucht ‘ die Schlucht (der Doveria) bei Gondo ’ (Zwischbergen) vor; eine steile Schlucht, die erst durch die Ingenieure und Arbeiter Napoleons begehbar gemacht wurde (A RNOLD 1984 [1947], 173 ff.). Gone Gone m. ‘ Schöpfgefäss, muldenförmige Bodenform ’ ist zu schwdt. Goon m., Dim. Gooni, wdt. Goone n. ‘ Wasserschöpfgefäss (oval, langer Griff) ’ (I D . 2, 330; G RICHTING 1998, 95; BENB 1, 2, 82) zu stellen, toponomastisch auf eine muldenförmige Bodenform übertragen. Das Simplex des Diminutivs Goonerli ‘ kleine muldenförmige Alp ’ (Oberwald), auch Goneri (LT) ‘ Bach, der von der kleinen, muldenförmigen Alp herfliesst ’ verbindet sich als Bestimmungswort mit den Grundwörtern Gletscher, Licka, Stafel, Tal und Wasser und bildet als komplexere Namen ts Hinner Goonerli, ts Mittel Goonerli und Gonerlistafel, sowie der Hinner Goonerlistafel, der Voder Goonerlistafel (alle Oberwald). Die übrigen Belege sind mit Varianten von Gone als Bestimmungswort verbunden: zu einer Gon Müly ‘ bei einer Mühle mit einem Wasserschöpfgefäss ’ (1591, Visp), der Gonebäärg ‘ das bergwärts gelegene, muldenförmige Gebiet ’ (Blitzingen, mit unsicheren historischen Belegen), Goniberg (1686, Ritzingen; gleicher Beleg auch in Blitzingen), Gonnenberg (1847, Bellwald, unsichere Lesung), beÿ der Gonschlu ᵕ cht ‘ bei der muldenförmigen Schlucht ’ (1790, Obergesteln) und der Goonustei ‘ der Stein, der einem Schöpfgefäss gleicht ’ (Albinen). Gontor Gontor ist als im Gontor (Varen) ‘ Grenze des Feldes ’ belegt; Koordinaten fehlen. Historische Belege sind: 1375 eys contors und 1502 (unsicher) jm Contour. G PSR (4, 270 s.) gibt als erste Deutung ‘ Tournant d ’ une route, d ’ un Goms 323 324 <?page no="428"?> chemin ’ (Kurve einer Strasse, eines Weges) und führt eine Reihe von Noms de lieux auf, die meisten aus der Waadt. B OSSARD / C HAVAN (2006, 101) haben Contors etc. und deuten es als ‘ Extremité d ’ un champ, limite; mais aussi contour ’ ( ‘ das Ende eines Feldes, Grenze, aber auch Kontur ’ ). Die historischen Belege deuten auf ein Feld oder einen Weinberg hin. Gonzo (PN) Gonzo (PN) ist 1320 in Zwischbergen als Ackername belegt. Das Dokument erwähnt aber ganz zu Anfang den Namen Henricus Gonzo und seine Frau Agnes Gonza. Henricus Gonzo wird noch einmal kurz vor dem Ackernamen erwähnt. Es handelt sich also um einen FaN, der in Zwischbergen vorhanden war, aber in den Wappenbüchern fehlt. Es ist unklar, ob es sich um das it. gonzo ‘ Einfaltspinsel, Gimpel ’ (D EVOTO / O LI 2020, 976 s. v. gonzo) handelt oder um eine Kurzform zum PN-Stamm GUNDI: Gunzo, Gonzo (F ÖRSTEMANN 1, 696). Da Zwischbergen um 1320 sicher zweisprachig (deutscher / italienischer Dialekt) war, ist beides möglich. Goobe (FaN) Goobe (FaN) ist als Plural in Grächen lebend als di Goobe belegt. Hinzugefügt ist, dass das Verb goobu ‘ Garben haufenweise aufstellen ’ heisse; das sei jedoch in Grächen nicht gemacht worden. Der einzige Beleg für ein wdt. gopu findet sich in E GLI (1982, 278) für ‘ schwanken ’ von einem Weinfass, belegt für Brigerbad; es dürfte identisch sein mit g ō pe n ‘ spielen, schäkern, sich im Scherz herumbalgen ’ (I D . 2, 388), kommt aber als Motivation für den Namen nicht in Frage. In Grächen sind weiter der Goobuwald ‘ der Wald beim Gebiet Goobe ’ und historisch Gobenmatta ‘ die Wiese des Goben ’ (1307) belegt. In Staldenried findet sich in Goben Rittÿ ‘ im gerodeten Gebiet des Goben ’ (1543), das bei SK als Goppenrüti belegt ist. in Gobonrittÿ (1543, Visperterminen) meint vermutlich die gleiche Flur. Da in Staldenried 1371 Johanni Goben und 1432 Johannis Martini Goben, in Stalden 1477 dicti Goben erwähnt sind, dürfte es sich um einen FaN handeln. Das gilt wohl auch für das in Törbel 1252 belegte Gobignon, das eine kollektive / - IG / - Ableitung zu Goben darstellt, und das ebenfalls für Törbel im 13. Jh. belegte Gobingo ‘ der Leute des Goben ’ . Insgesamt handelt es sich bei Goobe um einen FaN, der vielleicht als Herkunftsname verstanden weden kann; dazu helfen aber unsere Belege nicht weiter. Ein Zusammenhang zu Goubing (T AGMANN 1946, 82, mit Verweis auf M EYER (1914, 67 u. 140, der einen germanischen Eigennamen zum Stamm Gubannimmt), ist nicht wahrscheinlich. Goofu Goofu Pl. ‘ die Kinder ’ ist nur belegt in der Goofustutz ‘ die steil ansteigende Stelle für die Kinder (laut Gwp. Schlittelhang für Kinder) ’ (Unterbäch). Das HL ist zu schwdt. G ō f ‘ Kind ’ und wdt. Goofa, Goofä (Goms), Goofu w. ‘ Kind ’ (I D . 2, 130; G RICHTING 1998, 95) zu stellen. Das Wort gilt allgemein als eher pejorativ und wird fast nur im Plural verwendet. G RICHTING nennt als Deutung auch ‘ Strohbündel ’ , was hier jedoch keinen Sinn ergibt. Goopjini di Goopjini Dim. Pl. ist in Visperterminen belegt. Die Gwpp. verweisen auf goopu ‘ mit dem Stuhl schaukeln ’ , das zu g ō pe n ‘ spielen, schäkern, sich im Scherz herumbalgen ’ (I D . 2, 388) zu stellen ist. Die Gwpp. scheinen das steile Gelände als schaukelnd zu deuten, also ‘ das steile Gelände, auf dem geschaukelt wird ’ . Ob eine Beziehung zu Goobe (cf. HL G OOBE ) besteht, ist unklar. Goorb Goorb n., Goorbe f. ist zu spätlat. *curbu (lat. CURVU ‘ gekrümmt ’ ), patois korbo, auch korb (G PSR 4, 428 ff.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 101) zu stellen, in FlN zur Bezeichnung von einer gekrümmten Fläche, also von Senken oder Hügeln; in der Datenbank wird es als ‘ ansteigender Hang ’ wiedergegeben, obwohl das kaum immer sachgerecht ist. Das Lexem findet sich häufig in den Bezirken Goms, Brig, Visp und Westlich-Raron, kann also wohl keine Entlehnung aus dem frpr. Patois sein, sondern ist älter; darauf weist auch das anlautende / g-/ hin. BENB (1, 2, 83) kennt Gorpeli in Boltigen, ist aber in der Deutung unsicher. Hingegen stellt BENB (1, 2, 158) Gurbe / Gürbe zu vlat. * CURBU , kann dort aber den Umlaut nicht erklären. Im Fall Goorb bleibt auch der Vokal / o/ schwierig; eine Herleitung von corbis ‘ Korb ’ wäre also auch möglich. Das Simplex Goorb n. ist in Binn, Reckingen, Simplon und Ulrichen, als Gorb in Mund und Baltschieder, als Dativ im Gorpe in Naters und Zeneggen belegt, in Blatten als Goorpä n.; das Neutrum könnte in all diesen Fällen auch eine Kollektivbedeutung haben, da sonst Goorbe f. in Raron und Niedergesteln (historisch beide Male als Gorba f.) erscheint. Als Diminutive sind Goorbji (Eggerberg, Simplon, Randa), Goorpi (Lax, Fiesch) Goorpji (Ernen) und Gorbji (Mühlebach) und auf den Gorpinen (1744, Visperterminen) belegt. Als Bestimmungswort tritt Goorb oder ein Diminutiv zusammen mit Bach, Egg(a), Hubel, Rüüs, Stafel, Schiir, Stüde, Tosse, Tschugge, Wald, Wasser und Wasserleita auf. Als Ableitung auf / - ER / (ursprünglich ein Genitiv Plural) ist Goorber belegt, als Simplex Goorbärlini (Kippel), meist jedoch als Bestimmungswort zusammen mit Loch, Wäg und Wald. Als weitere Ableitung 325 326 Goorb <?page no="429"?> (auf / - ERRI / ) ist belegt Gorperry ‘ Wasserleite zum Gorp ’ (1762, Simplon) und Goorperri (Eggerberg) ‘ Wasserleite zum Goorbji ’ mit der Gorperischepfi ‘ Schöpfstelle der Gorperi aus dem Baltschiederbach ’ (Eggerberg). Unklar erscheinen die Belege zu Corbey Wasserleite (Albinen), die nur historisch belegt sind und als Corbe (1708), Corbeÿ (1782) und Gorbe (1783) erscheinen; es könnte sich hier um frpr. korbo ‘ Kurve ’ , eventuell mit einem Suffix wie / - ARIU ( M )/ (kollektiv; B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) handeln (cf. HL G ORWEI ). Mindestens in Goorperwald (Eyholz) und Gorpers Haus (1844, Eyholz) ist schliesslich auch der FaN Gorper (u. a. im Register der HRBS) gemeint. Vermutlich nicht hieher gehören entrundete Formen vom Typ Gerber (Bürchen, Ernen, Zermatt); sie sind unter den HLL G ÄÄRBER (F A N), G ÄRWERRA und G ERBER aufgeführt. Goorete Goorete f. ist nur einmal in Oberwald als t Goorete belegt. Die Bildung ist zur Ableitung / - ETA / (im Goms / - ETE / ) (S ONDEREGGER 1958, 482), das eine gewisse Menge oder das Ergebnis einer Tätigkeit bezeichnen, deverbal oder denominal. Beim HL kommt das Verb gore n ‘ grübeln, stören, wühlen ’ (I D . 2, 408) in Frage. I D . bezieht sich einerseits auf ahd. gor ‘ Mist, Dünger, Kot ’ (so noch G R W B 8, 960 s. v. Gor n.) oder auf ein romanisches gor ‘ Wasserlache, natürlicher Weiher, kleiner See ’ (B RIDEL 1866, 183; G PSR 8, 449 s. v. gòr), das von G PSR auf spät-lateinisches gu ᵕ rgu ‘ Kehle ’ zurückgeführt wird. Die Deutungen sind spekulativ; es bleibt aber das Verbum gore im Walliserdeutschen (R ÜBEL 1950, 115 als ‘ Wühlen in der Erde (von Schweinen) ’ ), das hier als Ausgangspunkt dient. Problematisch bleibt allerdings die Länge (laut SDS 2, 21 f. wird vor / r/ nicht gedehnt, wohl aber vor / n/ im Wort Fahne (SDS 2, 24)). Die Deutung wäre dann ‘ das durchwühlte Gebiet (unsicher) ’ . Goorner Goorner ist zu vallis oder alpis *corn ā ria ‘ Felsental, -alp ’ , Ableitung aus lat. C Ŏ RNU ‘ Horn, Felskopf ’ (REW 2240; FEW 2, 1191 f.; RN 2, 107 f.; BENB 1, 2, 83) zu stellen. Als Simplex erscheint dreimal das Diminutiv Goornerli (Zermatt, Ulrichen) resp. Goonerli (historisch 1469 Jm Gornerlin, Oberwald). Das Lexem ist als Bestimmungswort verbunden mit Alpa, Gletscher, Graat, Gorsch (gorge), Hooru, Licka, Stafel, Tal, Wald und Wasser. Eine Rückbildung Gorni ‘ das kleine Horn ’ ist in Leukerbad zu finden, dazu die romanische Komposition Planggorni ‘ die Ebene mit dem kleinen Horn ’ (Goorni könnte auch eine direkte Ableitung zu lat. CORNU sein). Ableitungen sind auf / - ERI / in Gorneri ‘ Wasserleite vom Gifrischbach in das Goornerli ’ (Filet) und auf / - ERA / in Goornera ‘ der Bach von der Goorner-Alpe her ’ (Zermatt). Der historische Beleg Ober Gornügel (Leukerbad) ist zu CORNICULU zu stellen (siehe Gurnigel in BENB 1, 2, 161 f. nach H UB- SCHMIED 1940, 19 zu * CORNICULUM ). Goorpatt Goorpatt n. ist nur belegt als ts Goorpatt, der Goorpattbach und ts Goorpattwasser, sowie Gorpatwald (FLNK), (alle Eischoll). Namengebend ist eine steinige Alpe auf ca. 2250 m, von der ein Bach Richtung Eischoll herunterfliesst; neben dem Bach liegt der Gorpatwald. Vermutlich liegt ein romanisches Wort curbatum oder ähnlich zum Stamm CU ᵕ RVUS ‘ krumm, gebogen ’ vor (FEW 2, 1589 ff.; G PSR 4, 633 ff. s. v. courbet). Die alemannische Erstbetonung und das Genus Neutrum (wohl als Kollektivum) zeigen, dass das HL in den Dialekt von Eischoll intergriert wurde. Gooschi Gooschi n. ist zweimal belegt: im Gooschi ‘ im kleinen Gebiet, aus dem viel Wasser kommt ’ (Zeneggen) und der Go ᵉ schen (1544, Unterbäch). Ob es sich um das gleiche HL handelt, bleibt unklar. In Zeneggen sind Reben gemeint, in Unterbäch ist von einer Weide (pascua) die Rede. Die Form Gooschi kann ein Diminutiv auf / - I / sein (SDS 3, 156, III). URNB (1, 88) führt Gossalp auf ahd. g ōʒ ‘ Erguss, Ausströmen, Flüssigkeit ’ zurück, das nhd. als Gosse f. ‘ Gebiet, aus dem viel Wasser kommt ’ erscheint (zur Literatur siehe dort). der Go ᵉ schen erinnert zwar an den FaN Göschen, deren bekanntester Vertreter G EORG J OA- CHIM G ÖSCHEN (1752 - 1828), der Gründer des gleichnamigen Verlags in Leipzig (gegr. 1785), war (vgl. N EUE D EUTSCHE B IOGRAPHIE 6, 1964, 541 - 543); in der Schweiz ist der FaN nicht bekannt. Ein Zusammenhang zwischen dem FaN und dem Flurnamen besteht nicht. Goppertza Goppertza ‘ das Gut des Goppert ’ ist 1399 in Glis belegt; ein Grundstück beim Grindbiel heisst so. Es handelt sich wohl um das Suffix, das später als / - SCHA / - SCHU / ‘ das Gut von X ’ belegt ist. Dazu wäre ein PN Goppert (< Godbert oder Gotbert aus Goadpert (F ÖRSTEMANN 1, 661 u. 279)) zu stellen. Goppisch (PN) Goppisch (PN) ist ein Genitiv, wohl zu einem PN, der im Gemeindenamen mit dem Grundwort Berg und dem ahd. PN *Cobbilo, *Coppilo, Diminutiv zu den Kurznamen Cobbo, Coppo (F ÖRSTEMANN 1, 371) gebildet ist. Als Grundform kann *Cobbilinsberg, *Coppilinsberg (cf. Beleg goplinsperg 1291) ‘ Berg des *Cobbilo, *Coppilo ’ angesetzt werden (K RISTOL ET AL ., 2005, 396 f.). Goorete 327 328 <?page no="430"?> Die meisten Belege finden sich in Goppisberg, dazu in Filet und Mörel. Diese Belege verwenden den Gemeindenamen Goppischbärg, wobei die ältesten Belege 1200 Goplisberg, 1291 Goplinsberg, 1314 Goplisberg usw. enthalten. Entsprechend gibt es eine Reihe von Belegen mit Gopler: t Goplerlicka ‘ die Lücke von Gopplisberg ’ bezeichnet einen Übergang von der Gopplisberger Alp zu Bettmeralp. Gopplerlickawäg ‘ der Weg zur Gopplerlicka ’ (FLNK, Goppisberg) meint den Weg dorthin. Goppisbergeralp ‘ das Alpgebiet der Leut von Goppisberg ’ (LT, Goppisberg; SK Goppisbergalp) ist der Name der Alpe der Leute von Goppisberg. Sie heisst 1770 Gopillero … almeniam ‘ die Allmend der Leute von Goppisberg ’ (Goppisberg) und später (1809) in alpibus de Goppileren ‘ auf der Alpe der Leute von Goppisberg ’ ; 1839 in der Gorpiler Alpe. 1778 ist in Goppilleren Alpmatten ‘ in der Wiese der Alpe der Leute von Goppisberg ’ erwähnt. Filet und Mörel kennen 1746 beim Goplerweg ‘ beim Weg nach Goppisberg ’ . Filet nennt 1818 beÿm alten Gobbiler Kirchweg ‘ beim alten Kirchweg der Leute von Goppisberg ’ . ts Goppistein ‘ der Stein des Goppi (zu Goppenstein) ’ (Ferden) meint heute das südliche Portal des Lötschbergtunnels; die ältesten Beleeg reichen bis 1357 Coppensteyn und 1396 ze Goppenstein zurück. Ob Goopischchi ‘ das Kinn (Schlucht) des Goopi (PN) ’ (Ausserberg) zum gleichen PN gehört, ist unsicher, da es ein langes / o: / enthält. Da aber keine historischen Belege vorhanden sind, wird der Name hier zum gleichen HL gestellt. Goppu Goppu f. ist lebend in zer Goppu (Leukerbad) belegt (vgl. R. G RICHTING 1993, Blatt 9, Nr. 52). SK kennt Goppen als Kleinsiedlung ausserhalb des Dorfes. In Stalden sind t Ober und t Unner Goppuriti ‘ das obere und das untere gerodete Gebiet des Goben ’ belegt, vermutlich zum FaN Goben (cf. HL G OOBE (F A N)) zu stellen. Goppenstein (Gampel) und Goppistein (Ferden) - beide für den heutigen Bahnhof am Südende des Lötschbergtunnels - gehören wohl zu einem PN Goppi. Goppu selbst bleibt unsicher; der einzige historische Beleg Zer Copon (1703) gibt aber einen schwachen Hinweis auf frpr. Herkunft, da es sich zum lat. CUPPA ‘ Becher ’ (FEW 2, 1553) stellen liesse; das Lexem ist in schwdt. Goppe n ‘ eine der vier Farben im Tarokspiel ’ (I D . 2, 389) für das Wallis bezeugt, das von I D . auf it. coppa ‘ Becher ’ zurückgeführt wird; G PSR (4, 406 ss.) erwähnt frpr. kò ͎ pa ebenfalls als Tarokfarbe unter 7 o , jedoch nicht als Lokalname. G PSR (4, 405 ss., s. v. coupe) kennt jedoch die Deutung ‘ Holz schlagen ’ , die auch von B OSSARD / C HAVAN (2006, 165) für den Flurnamen Coupéé ‘ alter Platz für geschlagenes Holz ’ angenommen wird. Für Leukerbad dürfte also ein frpr. Name für eine Rodung angenommen werden. Gorete Gorete pl. ist belegt als di Gorete (Oberems, FLNK Gorete) und beschrieben als Dorfteil und Wiese. Historisch ist es 1677 als in den Korenten, 1686 in den Goreggÿnen, 1687 in den Goreten, 1707 in den Coretten, 1735 in den Gorrutu, 1742 in den Gorrito, 1744 in den Garreten belegt. Die Belege weisen - mit einer Ausnahme - das betonte Gorauf; das Suffix kann dt. / - ETA / (pl. / - ETE / ) oder rom. / - ATA / (beide S ONDEREGGER 1958, 482 ff.) sein. Der Stamm kann sowohl nominal wie verbal sein. Anlautendes / g/ weist im Allgemeinen eher auf einen romanischen Stamm hin. Am ehesten käme hier frz. goret, patois gòrè ‘ junges männliches Schwein, Milchschwein ’ (G PSR 8, 456) in Frage, hier wohl in der sonst nicht belegten Bedeutung ‘ Schweineweide ’ . Gorper (FaN) Gorper (FaN) ist nur 1730 in Lalden als in Niclas Gorpers Stand ‘ im Stand (ebenes Gebiet mit Aussicht) des Nikolaus Gorper ’ belegt. Der FaN ist im Register von HRBS als Gorper und jm Gorb belegt. Es ist unklar, ob diese Konstruktion einen Flurnamen bezeugt oder rein appellativ ist, also nur den FaN meint. Gorron (FaN) Gorron (FaN) ist historisch belegt in Salgesch. 1338 jn campis gorron, 1362 in campo gorron, 1439 en changoron, 1648 en Champgorron usw. Es handelt sich um einen FaN Gorro, der in den Minutaren des Kapitelarchivs und den Dokumenten, die von G REMAUD herausgegeben wurden, als Stephanus Gorro, Sohn des Johannes von Leuk, im 13./ 14. Jahrhundert mehrfach vorkommt. Der Name meint also ‘ das Feld der Familie Gorron ’ . Gorsch Gorsch f. ist nur in Zermatt als di Gorsch, alternativ auch als di Goornergorsch belegt. Es handelt sich um eine Schlucht des Baches, der Goornera (cf. HL G OORNER ) genannt wird und aus dem Gornergletscher fliesst. Gorsch ist die deutsche Form für frz. la gorge ‘ die Schlucht ’ . Gortet Gortet ist in einem nicht datierten Dokument aus Zwischbergen als Übersetzung einer Alpe Bodini oder Gortet belegt. Der Name ist eine diminutive Ableitung zu it. corte ‘ Hof ’ (D EVOTO / O LI 2020, 561) hier wohl auch ‘ Stafel einer Alpe ’ : ‘ der kleine Stafel ’ (P ETRINI 1993, 93 mit 329 330 Gortet <?page no="431"?> verschiedenen Ableitungen in Tessiner Dialekten). Zur Herleitung siehe auch das HL C OR . Gorwei Gorwei n. ist in Varen als ts Gorwei und in Albinen als in Gorwe (FLNK Gorwei) belegt; M ATHIEU (2006, 13) kennt es als Ggorwei. Die historischen Belege in Albinen (13. Jh. eis corbeiz; 1664 en corbè) schwanken zwischen einem Plural und einem Singular; alle Belege sind sicher romanisch. Sie sind vermutlich zum frz. courbet, alt-frpr. corbet ‘ leicht rundlich, gerundet ’ (G PSR 4, 433 ff.) zu stellen. G PSR (4, 435) gibt als Ortsnamen den Typ aux Champs Corbet ‘ bei den rundlichen Wiesen ’ an, meist als Adjektiv. In unseren Belegen, soweit erkennbar, ist jedoch ein substantiviertes Adjektiv gemeint. In Albinen ist mit en Corbereÿe (1644; 1759 in Corbereÿe) eine Erweiterung angegeben, die wohl auf eine Suffixkombination mit kollektivem / - ARIA / und / - ETA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) zurückgeht. In Varen kommt weiter vor di Gorweichummu ‘ die Chumma (Mulde) beim Gebiet Gorwei ’ . Der Beleg die Corbe=Wasserleüthen (1708, Albinen; 1782 die Corbeÿ Wasserleiten; 1783 die Gorbe Wasserleite) ‘ die Wasserleitung vom / zum Gebiet Gorwei (rundliche Stelle) ’ gehört ebenfalls hieher. M ATHIEU (2006, 25) kennt für Albinen auch Obers und Unners Ggorwey, die sonst nicht belegt sind. Göry Göry ist ein unklares HL. Belegt sind einerseits ein feminines aúf der Gori (1839, Gluringen), anderseits ein neutrales ts Gori (Ausserberg) und zwei Belege, die maskulin oder neutral sein können: im Gören (1667, Blatten) und jm Vndren Görÿ (1647, Fiesch). BENB (1, 2, 159 s. v. Gure / Gore) führt die Belege auf schwdt. Gurre n , Gorre n f. mhd. gurre f. ‘ schlechte Stute, altes, schlechtes Pferd ’ (I D . 2, 409) zurück, meint jedoch, dass es sich einfach um ein „ schlechtes Ackerlandstück “ (nicht eine Stutenweide) gehandelt habe. Diese Deutung würde nur für ein feminines Gure / Gore zutreffen, also höchstens für den Beleg in Gluringen. Zu Göri nennt URNB (2, 687) Görimättelti und vermutet einen PN Georg oder Gregor dahinter. Möglicherweise sind die beiden Belege im Gören (1667, Blatten) und im Vndren Görÿ (1647, Fiesch) hyperkorrekte Schreibungen für Geer ‘ spitzes Stück Land ’ (cf. HL G EER ), doch weist keine der beiden Gemeinden einen solchen Flurnamen auf. In Blatten könnte auch im Gerin (LT Geryn) gemeint sein, das zum HL G RII zu stellen ist. Das in Ausserberg belegte ts Gori befindet sich heute an einer Kurve der Strasse zum Dorf; auf SK sieht man hier einfach einen Abhang zum Rottental hinunter. Ob eine Ableitung zum schwdt. Verb gore ‘ grübeln, stören, wühlen ’ , wdt. ggore, goorä (Goms), gooru (Mattertal), goorun (Lötschtal), ggoru ‘ wühlen, stochern, Nase bohren ’ (I D . 2, 408; G RICHTING 1998, 91) gemeint ist, bleibt unsicher. Goscht Goschte (Ausserberg) und Goschtelti (Ulrichen) sind wohl ursprünglich entlehnt aus dem rom. COSTA (hier: ‘ Abhang ’ ). Auch BENB (1, 2, 85 f.) stellt Gostzu lat. COSTA ‘ Seite, Rippe ’ ; die belegte Form Gostel wird als abgeleitet mit dem Suffix / - ELLU ( M )/ (REW 2279, FEW 2, 1245) betrachtet. Das Wort sei vielfach ins romanische Namengut eingegangen und benenne die Hanglage. Die beiden vereinzelten Belege im Oberwallis können als Spuren des historisch für den Bezirk Leuk gut bezeugten Coster gesehen werden (cf. HL C OSTA ). Gosso Gosso ist nur belegt in im Gosso Ried (1784, Ferden), wobei die Lesung unsicher ist. Es kann sich um einen Genitiv eines PN Gozzo (F ÖRSTEMANN 1, 611) oder einer Nebenform zu Giesse n ‘ Seitenarm, Nebenfluss ’ (I D . 2, 407) handeln. Im zweiten Fall wäre wohl ein sumpfiges Gebiet gemeint. Beide Deutungen sind unsicher. Gotla Gotla kommt vor als Gotla (1388, Ried Brig) und davon abgeleitet Gotillwäg (1399 Ried-Brig). Es dürfte verwandt sein mit Gettja (Glis) und Geiggja (Glis), die sich auf eine Entrundung (/ ö/ > / e/ ) nach Umlaut zurückführen lassen. Rein lautlich kann eine feminine Ableitung Gotla ‘ weiblicher Täufling, auch Taufpatin ’ (G R W B 8, 1016 s. v. Götlein) nicht ausgeschlossen werden. Allerdings ist die Normalform des Wortes für die Taufpatin im Wallis Gotta oder Gottu (I D . 2, 523; G RICHTING 1998, 95), für das Patenkind ist jedoch auch Götteli (I D . 2, 531) belegt, während G RICHTING (1998, 95) nur Gottechind, Gottächind (Goms), Gettichind kennt. Der Zusammenhang mit einem Flurnamen ist schwer herzustellen. Ob sich, wie bei Gettja ein Zusammenhang mit dem FaN Gettjer herstellen lässt, bleibt unklar. Kommt hinzu, dass die frühen Belege für Gotla vermutlich älter als der FaN sind und das Herkommen der Familie Gettjer (die Leute von der Gotla) kennzeichnen. Der umgekehrte Fall (Benennung des Gutes nach dem Besitzer) ist auch möglich, aber unwahrscheinlich. Gott Gott m. ist zu schwdt. und wdt. Gott ‘ Gott ’ (I D . 2, 507 ff.; G RICHTING 1998, 95) zu stellen. Das HL kommt im Genitiv Hergots Fluo ‘ die Fluh des Herrgott ’ (1693, Gampel) und Gorwei 331 332 <?page no="432"?> ts Hergotsch Fliäwaldji ‘ der kleine Wald bei der Fluh des Herrgott ’ (Gampel) vor. Die übrigen vier Belege enthalten den Typ Müetergottes ‘ die Muttergottes, die Gottesmutter Maria ’ , die unter dem HL M ÜETER behandelt sind. Gotta Gotta ‘ kleine Quelle, kleiner Bach ’ ist in Albinen (FLNK; M ATHIEU 2006, 319) belegt. T AGMANN (1946, 4) stellt es zum romanischen Gotta ‘ kleine Quelle, kleiner Bach ’ (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 45; zu lat. GUTTA ‘ Tropfen ’ ). Der FaN Gottet (NWWB 1, 124) ist zwar in Albinen bezeugt, kommt aber kaum in Frage. Gotti Gotti ist zunächst nur belegt in di Gottissweng ‘ die Grasabhänge des Gotti ’ (Kippel). I D . (2, 527 s. v. Götti) gibt zwar eine Form Gottu ‘ männlicher Taufpate ’ für das Wallis an, doch findet sich schon bei W IPF (1910, 33 u. 123) nur Getti (mit entrundetem Umlaut). Näher liegt wohl eine Namensform - etwa zu Gottfried (I D . 2, 527 s. v. Gotti), die jedoch so nicht für das Wallis bezeugt ist. In Albinen ist Gotta (FLNK) belegt. Zwar gibt es dort einen FaN Gottet (NWWB 1, 124), der aber kaum in Frage kommt. Ohne historische Zeugnisse ist aber auch unklar, ob ein romanischer Name Gotta ‘ kleine Quelle, kleiner Bach ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 45; zu lat. GUTTA ‘ Tropfen ’ ) gemeint ist, wie T AGMANN (1946, 4) explizit für diesen Namen in Albinen annimmt (cf. HL G OTTA ). Gottlor Gottlor ist nur einmal 1531 in Ernen als Gottlor belegt. Die Lesung ist unsicher, als Alternative liest M. S. auch Gattlor. Im Dokument ist die Rede von einem Fussweg, der bis zum Gottlor / Gattlor führt. Die nächstliegende Deutung würde statt dessen Gattolf zum HL G ATTALF ‘ Schleif ’ lesen. Göttschell Göttschell ist nur 1824 in Bellwald als im Göttschell als Acker im Basper belegt. Es handelt sich wohl um eine hyperkorrekte Form zu Getschel (cf. HL G ETSCHEL ). Die Herleitung ist unsicher; am ehesten könnte eine Stellenbezeichnung auf / - EL / (S ONDEREGGER 1958, 513 f.) zu schwdt. Gätsch, Getsch ‘ Kot, Unrat ’ und wdt. Ggättsch, Ggettsch (Mattertal), Ggattsch ‘ Morast bei Regenwetter ’ (I D . 2, 558; G RICHTING 1998, 87) gemeint sein, also ‘ der Ort mit Morast ’ . Die hyperkorrekte Schreibung (/ ö/ für / e/ ) würde sich aus der verhochdeutschten Form erklären. Götzi (PN) Götzi ist nur historisch belegt: 1594 in Lax als z ů Go ᵉ tzi See und 1768 in Martisberg als ob dem Götzensee. Vermutlich bezeichnen die beiden den gleichen kleinen See im Bereich Laxeralp und Martisbergeralp (benachbarte Alpen). Es handelt sich wohl um den PN Götzi (I D . 2, 582 s. v. Götz II; BENB 1, 2, 87), der hier schriftlich nicht entrundet wurde. Goubler Goubler ist nur 1749 in Leuk als im Goubler belegt. Es handelt sich um einen Acker im Bräntjong, einem Weiler mit grossem Wiesen- und Ackerfeld, wo heute die Satellitenstationen stehen. Die Schreibung ist unklar: handelt es sich um einen Diphthong / ou/ oder um ein / u: / ? Der FaN Gubler, wohl eine Ableitung zu Gubel ‘ Hügel ’ (I D . 2, 98), ist im Oberwallis nicht belegt (NWWB 2; F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 729 f.). Auch Gubel selbst kommt im Oberwallis nicht vor (Z INSLI 1946, 322). T AGMANN (1946, 82) verweist auf Goubing, auch Gubing, einen Turm aus dem 12. Jahrhundert in Siders, auf einem Hügel mit Weingärten. M EYER (1914, 67, 140 und 165) stellt den Namen Gubin (PN) zu einem ahd. Stamm g ū b- (nach F ÖRSTEMANN , wo die Suche jedoch vergeblich ist). Wenn M EYER recht hat, dann wäre Goubler eine / - LER / - Ableitung zu diesem Stamm (vgl. S ONDEREGGER 1958, 531 ff., sofern es sich um eine schweizerdeutsche Ableitung handelt); eine Deutung ist dennoch nicht möglich. Göüch Göüch m. ist zu schwdt. Gouch m. ‘ Kuckuck; Bastard; Tor, Narr ’ , mhd. gouch, wdt. Göüch, Gööch (Goms), Goich (Lötschtal), Dim. Göichji, heute nur noch in der Bedeutung ‘ Dummkopf, Narr ’ , meist in der Zusammensetzung schwdt. Gouchheit, Gouchet f. ‘ Heide, auf der der Kuckuck ruft ’ (cf. auch HL H EID 2; I D . 2, 103 ff.; BENB 1, 2, 89 f.; G RICHTING 1998, 96). BENB (1, 2, 89 f.) unterscheidet zwischen einfachem Gouch 1 als ‘ Kuckuck ’ und Gouch- 2 wie oben. Als Grundwort erscheint das HL nur in zwei Ableitungen: di Geichi ‘ der Ort, wo der Kuckuck ruft ’ (Simplon) mit Entrundung. I D . (2, 106) kennt Gauche n f. nur noch als Ortsname für das Untertoggenburg; www.ortsnamen.ch gibt den Hofnamen de Gauche m. für Kirchberg (SG) mit Maskulinum, das vermutlich auf ‘ Hof ’ zurückzuführen ist; die historischen Belege zeigen jedoch keine / I / -Ableitung wie Geichi. Diese (S ONDEREGGER 1958, 493) bezeichnet wohl eine Stelle mit Kuckucksrufen. Die zweite Ableitung ist Göüchete (LT und FNLK) mit den näheren Bestimmungen t Obere Göüchete und t Unnere Göüchete (alle Münster, Plurale) zu einem Singular Göüchete ‘ Ort, wo es Kuckucks gibt ’ . Zur Ableitung 333 334 Göüch <?page no="433"?> vgl. S ONDEREGGER (1958, 482). Angesichts des sonst dominierenden Typs Göüchheit könnte aber auch einfach eine Abschwächung des Plurals Göüchheite vorliegen; darauf deuten einige historische Belege im folgenden Typ Göüchheit hin. In unseren Belegen dominiert di Göüchheit (Bister und zehn weitere Gemeinden) und di Göuchheit (Binn und fünf weitere Gemeinden), sowie eine Reihe von historischen Belegen: vff der Gåcheÿtt (1564, Steinhaus), die Gauchheit (1699, Brig; 1608, Simplon), jm (sic! ) der Gouket (1301, Mund; 1759 in der Gauchheit), der Gochheit Acher ‘ der Acker bei der Gauchheit (Heide, auf der der Kuckuck ruft) ’ (1493, Grengiols), in der Gouchet (1390, Glis; 1389 zer Goucheýt), jn der Gouchhait (1626, St. Niklaus; 1674 in der Gaúchet), Gouchheit (1448, Ried- Brig; 1540 di Gouchet), jn der Gu ᵛ kheit (1305, Baltschieder), in der Gu ᵕ cheit (1529, Fiesch). Dazu kommen einige komplexere Belege: aus der Oberen Gauchheit (1768, Zeneggen), zer Obren Gaúchheit (1711, Eischoll), in der Undren Gauchhet (1721, Eischoll). Als Bestimmungswort ist das HL weiter belegt: jn den Gau ᵕ chen Reben ‘ in den Reben, wo es Kuckucks hat ’ (1673, Raron; 1683 jn den Gaùchreben), der Gauchweg ‘ der Weg, wo der Kuckuck ruft (? ) ’ (1658, Raron), der Göüchtschuggu ‘ der Fels des Narren ’ (Täsch) und an den Guoch Buelen ‘ an den Kuckucks-Hügeln ’ (sofern ‘ guoch ’ für gouch; die Lesung ‘ guoch ’ ist bestätigt) ’ (1309, Niedergesteln). Die historisch frühen Belege zeigen, dass der Namenstyp Göüchheit alt ist; die historisch mehrfach belegten Verschleifungen, dass er vermutlich nicht mehr verstanden wurde. Gouchhart (PN) Gouchhart (PN) ist wohl ein PN, der nur in ze Go ᵛ chhartz Húse ‘ beim Haus des Gouchhart ’ (1382, Filet) belegt ist. Der PN steht im Genitiv zum Stamm HARDU, ahd. hart (F ÖRSTEMANN 1, 749 f.), wo der PN jedoch nicht belegt ist. Der erste Teil ist wohl zu Gauch ‘ Tor, Narr ’ (I D . 2, 103) zu stellen, das älter auch ‘ Kuckuck ’ bedeutet (G R W B 4, 1524 ff.). Der PN Gouchhart ist jedoch insgesamt sonst nicht belegt. Graafji Graafji n. ist nur einmal belegt in ts Graafji (Filet). Es ist zu schwdt. Ranft (I D . 6, 1049 ff.) zu stellen; die Form erklärt sich aus einem Präfix G ( E )-, der Vokalisierung des / n/ vor Reibelaut (Staubsches Gesetz, hier mit Dehnung), und dem Diminutiv-Suffix / - LI / , hier als / - JI / . Die Deutung ist nach Z INSLI (1945, 332) ‘ Felsrand, -absturz; Abhang ’ , hier ‘ kleiner Abhang ’ (cf. HL R ANFT ). Graag Graag ist verschieden zu deuten. Das Simplex Graag kommt historisch in Naters (1452; 1755) und als Diminutiv im Gra ᵉ gy (1676) vor; lebendig belegt ist es als Bitschergraagi ‘ das Graagi im Gebiet Bitschji ’ (Naters); der lebende Beleg gehört aber wohl als Diminutiv zum HL G RAAT . Dazu gehört Graagschblatta ‘ die Felsplatte beim Graat ’ (Naters; der Name liegt gleich oberhalb des Bitschergraagj). Ein weiteres Gragg (Ried-Mörel) verzeichnet LT; dazu gehört am gleichen Ort ts Graagi (Bitsch). Laut URNB (2, 39, s. v. Graggen) wäre eine Zuordnung zu schwdt., Gr ā gg f., m., wdt. Ggaagge ‘ Krähe ’ (I D . 2, 725; G RICHTING 1998, 87) anzunehmen, doch zeigt G RICHTING klar, dass - ausser im Goms - die Lautung Gaagge f. (mit wechselndem Auslaut) ist; der Vogel ist übrigens im Allgemeinen die (Berg)Dohle. Lautlich besser würde Grag ‘ Gemeine Bartflechte (Usnea barb.) ’ (I D . 4, 715, s. v. Rag) passen, das aber von URNB für Uri abgelehnt wird; hingegen kommt es für die Natischer und Bitscher Belege nach M ARZELL (4, 927 ff. s. v. U SNEA FLORIDA ) und I D . in Frage; L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014) kennen es so nicht, da es sich um eine Flechte handelt. Eine dritte Möglichkeit ist Ge-râggi n. ‘ verkrüppeltes Geschöpf ’ (I D . 6, 767), das aber wohl nur für di Graaggini ‘ die verkrüppelten Bäume ’ (Visperterminen) in Frage kommt. Die Graageflüe ‘ Fels mit Dohlen ’ (Oberwald) und aúff dem Graggen Biell ‘ auf dem Hügel, wo es Dohlen hat ’ (1779, Mund) sind wohl mit dem Vogelnamen gebildet. Unklar dagegen ist im Gragengraben ‘ im Graben mit Dohlen (? ) ’ (1847, Ernen). Graat Graat m. ist zu schwdt. Gr ā t, wdt. Graat, Dim. Greetji, Pl. Gräät, Greet ‘ länglicher, schmaler Bergrücken; der Höhenbereich im Bergland ’ , mhd. gr ā t ‘ Fischgräte, Rückgrat, Bergrücken ’ (I D . 2, 820 f.; Z INSLI 1945, 321; BENB 1, 2, 100 f.; URNB 2, 43 f.; G RICHTING 1998, 96) zu stellen. Es wird als Ableitung zum Adj. schwdt. grad, wdt. ggrad, ggärad, mhd. gerat, -de ‘ gerade ’ im Gegensatz zu krumm (I D . 4, 497; RN 2, 415; BENB 1, 2, 94; G RICHTING 1998, 91) verstanden. Das HL kommt in rund 230 Namen vor; teilweise geht es wohl auf den Alpinismus zurück. Das HL ist als Simplex der Graad (Geschinen, Naters, Ried-Brig, Ritzingen, St. Niklaus), ufem Graad (Ferden), an den Grad (1681, Blitzingen), in den Grad (1542, Biel), Grat (FLNK, LT Bürchen; FLNK, Lax; FLNK, St. Niklaus; FLNK, Bürchen) belegt. Das Simplex meint einen auffälligen Felsrücken, der im Allgemeinen zu einem Gipfel führt. Plurale des Simplex sind nicht bekannt. Diminutive finden sich im Singular als ts Gräätgi (Fieschertal) und ts Greetji (Törbel; FLNK, Unterbäch). Gouchhart (PN) 335 336 <?page no="434"?> Belege mit Graagi sind unter dem HL G RAAG aufgezählt. Ein Plural fehlt. Mit attributiven Adjektiven oder Partizipien kommen vor: ts Inner Graatgi ‘ der innere kleine Grat ’ (Naters), ts Chlei Greetji ‘ der kleine Grat (beim Ginalshorn) ’ (Ergisch), der Lägund Graad ‘ der leicht ansteigende Grat ’ (Baltschieder, Eisten, Mund), auf dem Mittlern Graetli ‘ auf dem mittleren kleinen Grat ’ (1896, Geschinen), dr Ober Graad ‘ der obere Grat (Faldumgrat) ’ (Ferden), der Bellgisch Graad ‘ der Belgische Grat (benannt nach dem Erstbesteiger, König Albert I. von Belgien) ’ (Simplon), der Rot Graad ‘ der rote Grat (Felsgrat beim Triftjigletscher) ’ (Zermatt), der Rot Graad ‘ der rote Grat (Grat am Alphubel, LT und FLNK Rotgrat, SK Rothengrat) ’ (Täsch), ts (e)Rot Greetji ‘ der kleine rote Grat (bei den Leiterspitzen) ’ (Randa), der Schwarz Graad ‘ der schwarze (Farbe des Gesteins) Grat ’ (Randa), der Schwarz Graad ‘ der schwarze Grat (zwischen Spitzi Flue und Fluehorn) ’ (Zermatt), dr Under Graad ‘ der untere Grat (Faldumgrat) ’ (Ferden), der Wiiss Graad ‘ der weisse Grat (zwischen Turtmannspitze und Burgihorn (beides Gipfelnamen)) ’ (Oberems, auch ein weisser Grat bei der Bella Tola), der Wiiss Graad ‘ der weisse (Fels-)Grat ’ (Zermatt), der Wiiss Graad ‘ der weisse (Fels-)Grat beim Ochsehorn (2912 m) ’ (Staldenried) und t Wiissu Greet ‘ die weissen (Fels-)Gräte ’ (Täsch). Selten sind vorangestellte Genitive: Nägelisch Graad ‘ der Grat mit Nelken / der Familie Nägeli ’ (Ernen), ts Nägelisch Gräätli ‘ der kleine Grat der Familie Nägeli / mit Nelken ’ (Oberwald), in Brunnero Gradt ‘ der Grat der Familie Brunner / der Leute von Brunnen ’ (1756, Betten), der Tiifelsgraad ‘ der Teufelsgrat (beim Täschhorn) ’ (Randa, Täsch) und dr Tiifelsgraad ‘ der Teufelsgrat (zwischen Breithorn und Breitlauihorn) ’ (Baltschieder, LT Tyfelsgrat, FLNK Tiifilsgrat; Blatten). Einige Bestimmungswörter auf / - ER / können ältere Genitiv sein: der Fieschergraad ‘ der Grat zum Fiescherhorn ’ (Fieschertal), der Goornergraad ‘ der Goorner Grat (Grat oberhalb des Goornerli ‘ kleine Felsalp ‘ ) ’ (Zermatt), ts Hienergreetji ‘ der kleine Grat mit (Wald-)Hühnern ’ (Unterbäch), Hühnergrat ‘ der Grat, wo es Hühner hat (SK, wohl hochdt. Form für Henna) ’ (Unterbäch, wohl identisch mit dem Hienergreetji), in den Matter Gradt ‘ (unklar) der Grat bei den Wiesen / der Familie Matter ’ (1756, Betten), Bättmergrat ‘ der Grat beim Bettmerhron (hier östlich) ’ (FLNK, Lax), Bettmergrat ‘ der Grat beim Bettmerhorn (hier östlich) ’ (LT, Fiesch; FLNK Bättmergrat), der Bobmergraad ‘ der Bodmergrat, der zum Bodmerhorn oberhalb von Bodme (die Böden) führt ’ (FLNK, Simplon, auch bei J ORDAN (2006, 108 und 135 als Botmärgraat), Stn. Bettmergrat ‘ die Station der Seilbahn auf dem Bettmergrat am Bettmerhorn (hier westlich) ’ (LT, Betten), Walchergrat ‘ der Walkergrat (unklare Motivation) ’ (LT und FLNK, Fieschertal), an den Indren Wÿlergradt ‘ der (innere) Wilergrat ’ (1654, Kippel). Sehr gross ist die Zahl der Namen mit dem HL als Grundwort. Die Bestimmungswörter beziehen sich entweder auf einen darüber liegenden Gipfel oder auf ein darunter liegendes Gebiet. So ist Aletschgrat ‘ der Grat zum Aletschhorn ’ (FLNK, Naters) durch den Gipfelnamen bestimmt, der aber seinerseits wohl auf einen Namen eines Alpgebietes (Aletschi) zurückgeht. dr Aanungraad ‘ der Grat oberhalb des Aanugletschers ’ (Blatten) bezieht sich direkt auf den Aanugletscher, der seinen Namen aber von der Aana, einem Alpgebiet bezieht. Noch komplexer ist etwa Aargrat ‘ der Grat oberhalb des Gebietes der Aare ’ (LT, Obergesteln), der seinen Namen wohl von der bernischen Seite mit dem Gebiet der Aare erhalten hat. Im Fall von der Eifischgraad ‘ der Grat gegen das Eifischtal (Val d ’ Anniviers) ’ (Oberems) dient der deutsche Name des benachbarten Tales als Namengeber. Bei dr Faldumgraad ‘ der Faldumgrat ’ (Ferden) dient der Alpname Faldum als Ausgangspunkt. Bei der Feschtigraad ‘ der Grat bei der Festi ’ (Randa), einem Grat beim Dom (Gipfelname), dient das Gebiet Feschti (Randa) als Namengeber. Ähnlich lassen sich sehr viele der zweigliedrigen Namen deuten. In einigen Fällen werden romanische Namen als Bestimmungswörter verwendet: der Furmulugraad ‘ der Grat oberhalb der Furmulä (Gebiet, das aussieht wie Käseformen) ’ (Zwischbergen), der Ggarneeragraad ‘ der Grat oberhalb des Gebietes Carnera (Gebiet mit Disteln? ) ’ (Zwischbergen, FLNK Garneeragrat), der Gorwätschgraad ‘ der Gorwätschgrat ’ (Leuk, LT Gorwetschgrat, SK Corbetschgrat, FLNK Gorwätschgrat), das vermutlich zu lat. CORVUS ‘ Rabe ’ und dem pejorativen Suffix / - ACEU / zu stellen ist, hier wohl als ‘ Rabenberg ’ zu verstehen. Anders verhält es sich mit Namen, die eine Eigenschaft des Grates kennzeichnen, etwa die Lage der Mittelgraad ‘ der Mittelgrat (zum Nollenhorn) ’ (Saas-Almagell), der Nordgraad ‘ der im Norden (des Weisshorns) liegende Grat ’ (Randa), der Oschtgraad ‘ der Ostgrat (des Allalinhorns) ’ (Saas-Almagell). die Farbe Schwarzgrat ‘ der schwarze Grat ’ (LT und FLNK, Inden), Schwarzgrätji ‘ der kleine schwarze Grat ’ (Leukerbad), Wissgrat ‘ der weisse (Fels-)Grat ’ (LT u. FLNK, Täsch), oder die Form der Zackugrat ‘ der Grat mit (Fels-)Zacken (auch R. G RICHTING 1993, Blatt 16, Nr. 2 u. Blatt 17, Nr. 2) ’ (Leukerbad). Nur selten kommt ein FaN vor wie in der Düübigrad ‘ der Grat zum Dübihorn (LT) ’ (Baltschieder) und ts Düübigreetji ‘ der kleine Grat zum Dübihorn ’ (Raron), die beide nach D R . H EINRICH A LBERT D ÜBI (1848 - 1942) benannt sind, der u. a. das SAC Jahrbuch (1891 - 1923) herausgegeben hat. 337 338 Graat <?page no="435"?> Unklar ist dagegen Walchergrat (LT u. FLNK, Fieschertal), ein Grat zum Walcherhorn (Fieschertal), das vermutlich auf einen FaN Walcher oder Walker zurückgeht (und nicht, wie F R . J. H UGI (1830, 108 f.) meint, auf Walliser). Manche Namen sind schwer deutbar: der Trinugraad ‘ der (Fels-)Grat der Triine (PN) ’ (Termen) befindet sich auf rund 2630 m beim Saflischpass. Welche Katharina hier gemeint ist, bleibt unklar. Ob der Trolerengrat ‘ der Grat, wo man trolen (stürzen) kann / der Grat, wo es Trollblumen hat ’ (Ausserberg) sich zu einem Blumennamen stellen lässt, oder doch eher zum darunter liegenden Troolund Grabe ‘ der Graben, wo man trolen (stürzen) kann ’ (Ausserberg) ist unsicher; näher liegt das Zweite. Komplexere Formen bilden sich, wenn das Bestimmungswort selbst schon mehrgliedrig ist. Das gilt etwa für Weissmies Nordgrad ‘ der Nordgrat des Weissmies (Gipfelname) ’ (FLNK, Saas-Grund), der Öugschtbordgrad ‘ der Grat oberhalb dem Öugschtbord (Bord (Abhang, Böschung), das erst im August bestossen wurde) ’ (Unterbäch), der Öugschtchummegraad ‘ der Grat oberhalb der Öugschtchumma (Augustmulde) ’ (Grengiols), der Eischolalpgraad ‘ der Grat auf der Alpe von Eischoll ’ (Eischoll) und andere mehr. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Alpa, Äbi, Gassa, Hooru, Pigger, Schleif und Schluocht. Dabei sind vor allem Verbindungen mit Schluocht häufig. Sie sind auch komplexer belegt mit der Graadschliechtgigrabu ‘ der Graben bei der kleinen Geländeeinbuchtung vom Grat herunter ’ (Zwischbergen; FLNK Gratschliechtgigrabu). Einen Sonderfall stellt Greetiguteiffi ‘ die Tiefe zwischen den Gräten ’ (Randa) vor, wo der Plural einer kollektiven Ableitung auf / - IG / zum HL vorliegt. Graaw Graaw ist ein Farbadjektiv zu schwdt. graw, grau, wdt. graaw, graab (Leuk, Leukerberge), mhd. gr ā , -wes, ‘ grau, schimmelig ’ (I D . 2, 830 f.; BENB 1, 2, 101 f.; URNB 2, 61; G RICHTING 1998, 96). Das HL kommt in rund 35 Belegen vor. Gemeint ist in den meisten Fällen die Gesteinsfarbe. Als Simplex erscheint es nicht; typischerweise ist es attributives Adjektiv oder Bestimmungswort zu einem Grundwort. Als attributives Adjektiv mit unflektierten und flektierten Formen kommt es vor mit den Grundwörtern (HLL): Bäärg, Blatta, Bord, Brigga, Bodu, Doore, Driest, Egg(a), Flüö, Gufer, Hooru, Stei, Stelli und Wang, wobei neben dem HL auch Graab (westlicher Bezirk Leuk) und Grau bezeugt sind. Als Bestimmungswort kommt es mit folgenden Grundwörtern (HLL) vor: Bord, Flüö, Hüs, Stelli und Tola. Komplexere Fälle sind selten: di Grawhorulicka ‘ die Lücke (Fusspass) beim Grauhorn ’ (Zwischbergen) und einmal nur historisch 1893 in Visp als Graubergwald (zum Beleg ts Graww Bärgji, LT Graubärg). Es handelt sich hier um einen Wald oberhalb des Rottentales, dessen Gestein grau gefärbt ist. Grab Grab n. ist zu schwdt., wdt. Grab n. ‘ Grab ’ (BENB 1, 2, 92; I D . 2, 677 f.; G RICHTING 1998, 96) zu stellen. Wie G R W B (8, 1476) feststellt, ist Grab n. im Deutschen nur in der Bedeutung ‘ Totengrab ’ belegt; auch BENB (1, 2, 92) spricht von prähistorischen Gräbern oder längst verlassenen Bestattungsstellen. Z INSLI (1984, 507) deutet Greber als Totengrab. Das Simplex im Singular Grab ist nur als ts Grab (Betten) belegt; die Beschreibung legt nahe, dass Gwp. an Graben m. denkt und nicht an ein Totengrab. Das Simplex im Plural Greber tritt als di Greber (Gampel, Simplon), sowie als Uf de Greber (Binn), Hinner de Greber (Ulrichen, FLNK hat Unner de Grebere) und in Grebrin (Ferden) auf, wobei letzteres wohl identisch ist mit Greber in Gampel. Aus den Beschreibungen ist zu vermuten, dass meist ein Gebiet gemeint ist, das wie eine Grabstätte aussieht. Als Grundwort findet sich ts Hännugrab ‘ das Hennengrab ’ (Niedergesteln) und t Heidugreber ‘ die Heidengräber ’ (Randa); letzteres ist als die Grabstätte einer vorgeschichtlichen Bevölkerung zu verstehen; ersteres ist vermutlich eine verhüllende Form Hännugrab zu Heidugrab. Als Bestimmungswort ist Grab / Greber mehrfach belegt: t Greberegga ‘ die Ecke am Ort, der Gräbern gleicht (? ) ’ (Betten), ts Greeberland ‘ das Land, das einer Grabstätte gleicht ’ (Varen, unklar), die Grebermatta ‘ die Wiese beim Gebiet in Grebrin ’ (Ferden), die Greberweidä ‘ die Weiden beim Gebiet Greber ’ (Gampel) und aus der Gräber Wasserleitten ‘ aus der Wasserleite vom / zum Gebiet Greber ’ (1759, Simplon). Zu Greber in Gampel gehören auch Näst dem Alten Gräber Steg ‘ beim alten Steg (über die Lonza) bei Greber ’ (1851, Steg) und Gräbersteg ‘ der Steg (über die Lonza) bei Greber ’ (1866, Steg). Als FaN ist nur Graber in Hohtenn belegt, 1924 aus Grossdietwil (Luzern) eingebürgert. Der gleiche FaN liegt aber wohl schon früher vor (cf. HL G RABER (FaN)). Die FaN Grab und Greber (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 693 und 704) sind hingegen im Oberwallis nicht belegt. Graaw 339 340 <?page no="436"?> Graber (FaN) Graber(FaN) ist viermal belegt, vermutlich der FaN Graber, für den aber sonst keine Belege zu finden sind. Eine Herkunftsbezeichnung ‘ die Leute vom Graben ’ ist auch möglich, weniger ein Nomen agentis Graber (I D . 3, 685). Zwei Genitive im Singular sind: z Grabers Huss ‘ das Haus der Familie Graber ’ (1557, Mund), ein schwieriger Beleg, da als Besitzer Jacobus Gu ͦ ttheÿl genannt wird (ob Graber ein Beiname dazu ist, bleibt unklar), und Grabers Haus ‘ das Haus der Familie Graber ’ (1699, Turtmann). Genitive Plural findet man in Graberro Stadoll ‘ der Stadel der Familie Graber ’ (1593, Visperterminen) und hinder Graberen Wartbiel ‘ hinter dem Hügel mit Aussicht der Familie Graber ’ (1735, Fiesch). Als FaN ist nur Graber in Hohtenn belegt, 1924 aus Grossdietwil (Luzern) eingebürgert. Dieser FaN kann aber die älteren Belege nicht erklären, sodass anzunehmen ist, dass Graber als FaN schon vorher existierte. Grabu Grabu m. ‘ der Graben ’ ist zu schwdt. Grabe n , wdt. Grabe, Grabu m. ‘ Graben; natürlich oder künstliche Vertiefung des Bodens; tiefe, wilde Runse, mit oder ohne reissendes Wasser, Bergschlucht, Fortsetzung eines Krachen, länger und weniger tief als ein Tobel ’ , ahd. grabo, mhd. grabe (I D . 2, 678 f.; BENB 1, 2, 92 f.; URNB 2, 29; G RICHTING 1998, 96) zu stellen. Das HL kommt in rund 990 Namen vor. Das Simplex im Singular ist als der Grabe (Ausserbinn, Blitzingen, Reckingen), bim Grabe ‘ beim Graben ’ (Niederwald) und mehrfach historisch belegt, wo es aber meist als Graben (z. B. 1469 u. später, Ernen) (auch in anderen Schreibweisen und häufig) erscheint. Im Lötschental ist zem Grabem ‘ beim Graben ’ (Wiler) belegt. der Grabo (Eggerberg, Eisten, Naters und andere), zum Grabo (Termen), der Grabu (Mörel, Saas-Balen, Saas-Fee und andere), im Grabu (Goppisberg) sind weitere Belege. Das Simplex im Plural erscheint als di Gräbe (Grächen, Saas-Balen, Saas-Grund, Zermatt), di Gräbu (Ausserberg, Gampel), historisch auch als jn den Greben (1795, Saas- Fee), zen Greberen (1548, Bürchen), zwischen den Grebnen ‘ zwischen den Gräben ’ (1676, Mund). Im Diminutiv Singular sind belegt: vss dem Gra e bgin ‘ aus dem kleinen Graben ’ (1584, Eisten), im Gräbji (Täsch), ts Gräbji (Randa), in Gräbmi ‘ auf dem kleinen Graben ’ (Ferden), das Greblin ‘ der kleine Graben ’ (1519, Törbel), das Greby ‘ der kleine Graben ’ (1760, Martisberg). Der Diminutiv Plural ist sehr selten: di Gräbini (Saas- Almagell, zweimal). In zweigliedrigen Konstruktionen mit attributiven Adjektiven, sehr selten mit Partizipien, erscheinen: der Alt Grabu ‘ der alte Graben ’ (St. Niklaus), im Alten Graben ‘ im alten Graben ’ (1790, Ergisch), dr Breit Grabem ‘ der breite Graben ’ (Blatten), Chlei Grabu ‘ der kleine Graben ’ (FLNK, Albinen), Erscht Grabu ‘ der erste Graben ’ (FLNK, Birgisch), bim Erschtu Gräbji ‘ beim ersten kleinen Graben ’ (Visperterminen), der Farner Graben ‘ der Graben von Varen ’ (1842, Turtmann), Gemeinen Graben ‘ der Graben, der der Gemeinde gehört ’ (1611, Visperterminen), Grosse Grabu ‘ der grosse Graben ’ (FLNK, Greich), der Gross Grabe ‘ der grosse Graben ’ (Grengiols und fünf weitere Gemeinden), (lat.: interiorem) Graben ‘ der innere Graben ’ (1427, Visp), der Leid Grabe ‘ der hässliche Graben ’ (Geschinen, Ritzingen), der Leid Grabo ‘ der hässliche Graben ’ (Mund), der Leng Grabo ‘ der lange Graben (hier Holzschleif) ’ (Eisten), ts Nass Gräbji ‘ der nasse, kleine Graben ’ (Hohtenn), der Ober Grabu ‘ der obere Graben ’ (Salgesch), di Beeschu Gräbu ‘ die bösen Gräben ’ (Glis), di Beeschun Gräbem ‘ die bösen Gräben ’ (Blatten), di Beeschu Gräbu ‘ die bösen Gräben ’ (Glis), di Beeschun Gräbem ‘ die bösen Gräben ’ (Blatten), im Bösen Graben ‘ im bösen Graben ’ (1740 u. später, Ausserberg), vnder dem Bösen Graben ‘ unter dem bösen Graben ’ (1646, Geschinen), der Blaaw Grabo ‘ der blaue Graben ’ (Baltschieder), der Breit Grabem ‘ der breite Graben ’ (Blatten), ts (e)Rot Gräbji ‘ der kleine rote Graben ’ (Simplon), der (e)Rot Grabu ‘ der rote Graben ’ (Gampel) und weitere vier Namen mit Rot, der Schrijund Grabu ‘ der Graben, durch den das Wasser herunterströmt ’ (Zwischbergen), der Schwarz Grabe ‘ der schwarze Graben ’ (Greich) und weitere sechzehn Belege mit Schwarz, dr Steinig Grabem ‘ der Graben mit Steinen ’ (Ferden, Kippel), in Steinigen Gräbu ‘ in den Gräben mit Steinen ’ (FLNK, Ferden), Stiichund Grabu ‘ der stinkende Graben ’ (FLNK, Oberems), der Teiff Grabo ‘ der tiefe Graben ’ (Raron) und vierzehn weitere Belege mit Teiff, der Toib Grabu ‘ der ertragsarme Graben ’ (Leukerbad), Troolund Grabo ‘ der Graben, wo man hinunterrollen (stürzen) kann ’ (FLNK, Ausserberg; FLNK, Baltschieder), der Tschäb Grabem ‘ der schiefe Graben ’ (Ferden), der Under Grabu ‘ der untere Graben (Wasserleitung von der Raspille nach Osten) ’ (Salgesch), der Verloru Grabo ‘ der verlorene Graben ’ (Naters), der Wälsch Grabo ‘ der welsche Graben ’ (Raron), der Wiiss Grabo ‘ der weisse Graben ’ (Mund) und sieben weitere Belege mit Wiiss ‘ weiss ’ , Zweit Grabu ‘ der zweite Graben ’ (FLNK, Birgisch). Einige historisch belegte Adjektive sind hier nicht aufgeführt. Komplexere Konstruktionen sind etwa Aeusser Holzgraben ‘ der äussere Holzgraben (Graben zum Weiler Holz hinunter) ’ (SK, Glis), der Altt Galdin Grabo ‘ der alte Graben des Gaaldi (warmes Wasser) ’ (1556, Steg), der Fooder Bächigrabo ‘ der vordere Teil des Bächigrabens ’ (Steg), der Fooder Mitteleggigrabu ‘ der vordere Teil des Grabens bei der mittleren Ecke ’ (Hohtenn) und weitere fünf Belege mit Fooder, sowie sechs mit Voder, den Gmeinen Leeschgraben ‘ den Abwassergraben, der der Gemein- 341 342 Grabu <?page no="437"?> de gehört (Akkusativ konstruktionsbedingt) ’ (1573, Eyholz), der Gross Brenndugrabu ‘ der grosse Graben bei Brend ’ (Zwischbergen), der Hinner Brugrabe ‘ der Graben beim hintern Bru (Quelle / Brunnen (Kollektiv)) ’ (Oberwald) und drei weitere Belege mit Hinner, der Hinnerscht Fallgrabe ‘ der hinterste Graben mit einem Fall (senkrechtes Felsstück) ’ (Obergesteln), Hoosandtgraben ‘ der Graben beim hohen Sandgebiet ’ (1593, Niedergesteln) und vier weitere mit Hoo ‘ hoch ’ , der Inder Steinig Grabem ‘ der innere Teil des steinigen Grabens ’ (Ferden, Kippel), Inner Blattgrabo ‘ der Graben unterhalb des inneren (taleinwärts liegenden) Blatt (Felsplatten, Kollektiv) ’ (Mund) und weitere zehn Belege mit Inner, Längleessärgrabu ‘ der Graben (Kanal) bei den durch das Los zugeteilten langen Grundstücken in der Rottenebene ’ (FLNK, Turtmann), der Mittlescht Fallgrabe ‘ der mittlere Graben mit einem Fall (senkrechtes Felsstück) ’ (Obergesteln), der Nassleerchgrabo ‘ der nasse Graben im Lärchengehölz ’ (Visperterminen), der Ober Teiff Grabu ‘ der obere tiefe Graben ’ (Saas- Almagell), der Beeschtrittgrabo ‘ der Graben beim bösen Tritt ’ (Visperterminen), der Breit Wanggrabu ‘ der Graben oberhalb des breiten Wangs (Grasabhang) ’ (Zwischbergen), der Breitlöübgrabo ‘ der Graben beim breiten Laub ’ (Mund), Rot Löiwigrabu ‘ der rote Lawinengraben ’ (FLNK, Steg), der Dirreggrabu ‘ der Graben bei der Dirregga (dürre Ecke) ’ (Zwischbergen), der Uister Steinig Grabem ‘ der äussere Teil des steinigen Grabens ’ (Ferden, Kippel), der Unner Schlüöchgrabu ‘ der untere Teil des Grabens bei der Geländeeinbuchtung ’ (Saas-Almagell) und drei weitere mit Unner, der Üsser Chällgrabo ‘ der äussere Graben in der Kehle (Geländeeinschnitt) ’ (Mund) und weitere fünf Namen mit Üsser; einige weitere historische Namen wurden nicht aufgeführt. Mit besonderen Präposition sind belegt Ennent dem Graben ‘ jenseits des Grabens ’ (1688, Visperterminen) und Zwischund den Gräbu ‘ zwischen den Gräben ’ (Hohtenn). Vorangestellte Genitive benennen entweder Besitzer/ Nutzer oder den Ort, wo sich der Graben befindet. Nicht eingeschlossen sind hier getrennt geschriebene Komposita mit Fugen-s. ts Haslisch Grabu ‘ der Graben des Hasli (wohl FaN Imhasly) ’ (Saas-Balen), ts Horenmaasch Grabem ‘ der Graben der Familie Horenmann ’ (Kippel, aber eher ts Horenmaarchsch Grabem ‘ der Graben bei der Grenze zwischen altem und heutigem Stafel der Hockenalp beim Horn ’ ), ts Häärzisch Grabu ‘ der Graben im kleinen Gebiet mit Herzform ’ (Saas-Balen), Iischigsch Grabe ‘ der Graben beim Gebiet Iischig (wo es Eis hat) ’ (Grengiols), Coffengraben ‘ der Graben des Coffen (PN / FaN) ’ (1383, Glis), ts Lengi Wangsch Grabem ‘ der Graben beim langen Grasabhang ’ (Blatten), Maartischgrabem ‘ der Graben des Martin / der Familie Marti ’ (Ferden), Märitz Graben ‘ der Graben des Moritz ’ (1549, Ernen), jn Michels Graben ‘ im Graben des Michael ’ (1628, Gampel), ts Moritsch Grabe ‘ der Graben des Moritz ’ (Binn), dr Mätzungrabem ‘ der Graben der Mätza (unklar) ’ (Blatten), des Ofenmannsgraben ‘ der Graben des Ofenmannes (Gebiet, wo der Ofensetzer Ofensteine holte) ’ (1774, Naters), Peters Graben ‘ der Graben des Peter ’ (1866, Baltschieder), ts Bleetzersch Grabem ‘ der Graben der Familie Blötzer ’ (Ferden), ts Briggersch Grabo ‘ der Graben der Familie Brigger ’ (Eisten), ts (e)Räggisch Grabu ‘ der Graben des Tannenspechts oder Arvenhähers ’ (Eisten), tsch Schwalbungräbji ‘ der kleine Graben mit (Berg-)Schwalben ’ (Hohtenn, Steg), der Tschäppischgrabu ‘ der Graben des Tschäppi ’ (Gampel), der Wingerschgrabun ‘ der Graben beim Winger (unklar) ’ (Eisten), der Äntschgrabo ‘ der Graben beim Äntsch (Alpe des Enzo? ) ’ (Glis, Visperterminen), Vsseren Gwechten Graben ‘ der äussere Graben bei der Wächte (Schneeverwehung) ’ (1497, Obergesteln). Belege auf - ER , die alten Genitiven entsprechen, sind Gommergraben ‘ der Graben der Leute vom Goms / der Familie Gommer ’ (1856, Martisberg), am Grosen Briger Graben ‘ am grossen Graben der Leute von Brig ’ (1860), Jtalienergraben ‘ der Italienergraben (der Graben, der von Italienern gebaut wurde? ) ’ (1857, Glis). Einige andere Namen auf / - ER / sind anders zu deuten. Als Grundwort erscheint das HL sehr häufig in zweigliedrigen Komposita, wobei das Bestimmungswort bei vertikalen Gräben meistens einen FlN angibt, der das Gebiet am Anfang oder Ende des Grabens oder dazwischen benennt. Bei horizontalen Gräben (Wasserleitungen, Kanäle) gibt es auch Ortsnamen oder Eigenschaften der Gräben. Von den vielen Belegen dieser Typen werden hier nur wenige lebende aufgeführt: der Amjugrabo ‘ der Graben zur Ambja hinunter ’ (Termen; FLNK Amjigrabo), der Amosigrabu ‘ der Graben zum Amosi hinunter ’ (Ergisch, FLNK Amoosigrabu), der Aargrabu ‘ der Graben, der von der Ara (zu pflügendes Land) herunterführt ’ (Visp), der Eggergrabe ‘ der Graben zwischen den Ecken ’ (Oberwald), Eijegräbji ‘ der kleine Graben oberhalb der Eie (Auer) ’ (FLNK, Niederwald), der Feergrabu ‘ der Graben beim Feerberg ’ (Zwischbergen), Flintschgräbji ‘ der kleine Graben beim Flintsch (Abhang) ’ (FLNK, Binn), der Folligrabo ‘ der Graben bei den Follini (kleine trichterförmige Gebiete) ’ (Mund). Sicher der spektakulärste ist der Illgrabu ‘ der Ill-Graben (Graben des Ill-Baches vom Illi herunter) ’ (Leuk). Dazu kommen sehr viele andere Namen. Der Graben als Grenze erscheint im Typ Marchgrabe ‘ Grenzgraben ’ : der Marchgrabe ‘ der Graben, der die Grenze zwischen Binn und Ausserbinn bildet ’ (Binn) und rund zwanzig weiter Namen dieses Typs zeigen, dass Gräben sich als Grenzen eigneten. Grabu 343 344 <?page no="438"?> Die Beschaffenheit von Gräben (ausser den schon erwähnten Farbnamen) findet sich in der Chalchgrabu ‘ der Graben mit kalkhaltigem Gestein ’ (Simplon). In einer Reihe von Namen erscheinen Gemeinde- und Weilernamen als Bestimmungsworte: ts Albinergräbji ‘ der kleine Graben des Albiners (Einwohner von Albinen) ’ (Steg; laut Beschreibung sei hier ein Albiner verunglückt), Emsgraben ‘ der Emsgraben (Graben des Emsbaches) ’ (LT, Agarn), Finnengraben ‘ der Graben von Finnen (Weiler von Eggerberg) herunter ’ (Mund), der Gifrischgrabe ‘ der Graben nach Gifrisch (Ziegenstall) hinunter ’ (Bister, Filet), der Holzgrabu ‘ der Graben beim Holz (Wald) ’ (Glis, hier wohl zum Weiler Holz; sonst auch einfach Wald), Kapällugrabe ‘ der Graben beim Gebiet Zer Kapällu ’ (Embd) und andere mehr. Komposita mit Tiernamen sind nicht leicht deutbar: dr Fuggsgrabu ‘ der Fuchsgraben (der Graben, wo es Füchse hat) ’ (Hohtenn, Naters, Niedergesteln), Kalbergraben ‘ der Graben im Gebiet, wo die Kälber weiden ’ (1539, Ergisch), Krottengraben ‘ der Graben mit Kröten ’ (1850 u. später, Glis) und vor allem Wolfgrabu ‘ der Wolfgraben ’ (FLNK, Oberems) und Wolfgräbji ‘ der kleine Graben, wo es Wölfe hatte ’ (FLNK, Termen). Ob in der Munigrabu ‘ der Muni- Graben (der Graben, der einem Stier gleicht) ’ (Leukerbad) tatsächlich ein Stier gemeint ist, bleibt unsicher. Einige Komposita weisen Pflanzennamen als Bestimmungswörter auf: t Erlgräbem ‘ die Gräben mit Erlen ’ (Blatten), der Haselgrabo ‘ der Graben, der zur Haselmatta (Wiese bei den Haselstauden) führt ’ (Glis), der Hasilgrabu ‘ der Gaben beim Hasil (Gebiet, wo es Haselstauden hat) ’ (Hohtenn, Niedergesteln), Hasolgrabo ‘ der Graben beim Gebiet, wo es Haselstauden hat ’ (FLNK, Staldenried) und weitere, der Leertschigrabo ‘ der Graben beim Lärchenwald ’ (Visperterminen), Massoltergrabu ‘ der Graben beim Ahorngehölz ’ (FLNK u. LT, Gampel), Masholter Grabu ‘ der Graben beim Ahorngehölk ’ (1654 u. später, Mörel), Nussböumgrabo ‘ der Graben beim Nussbau ’ (FLNK, Grächen), Wohl metaphorisch, also übertragend gebraucht, sind der Eschelgrabo ‘ der Graben beim Gebiet Esel (Gelände, das wie ein Esel aussieht) ’ (Glis, Mund, Staldenried), den Fischgraben ‘ der Graben mit Fischen / von der Form eines Fisches ’ (1824, Obergesteln; Akkusativ konstruktionsbedingt), der Chammergrabu ‘ der Graben, der wie eine Kammer aussieht ’ (Visp) und andere mehr. Vermutlich eine metaphorische Bedeutung, verbunden mit einer inhaltlichen Bedeutung ist in der Tintegrabu ‘ der tintenschwarze Graben ’ (Geschinen) enthalten, ein Name, der schon 1753 als im Dintengraben ‘ im tintenschwarzen Graben ’ (Münster) überliefert ist. Funktionsbestimmungen drückt das Bestimmungswort vor allem im Typ Leeschgrabe ‘ Entleerungsgraben ’ aus, der als der Leeschgrabu (Hohtenn, Saas-Grund), Leschgrabu (FLNK, Niedergesteln), (lat.: communem ‘ gemeinsam, der Gemeinde gehörend ’ ) Leschgraben (1714, Lalden), den Leschgraben (1690, Stalden; Akkusativ konstruktionsbedingt), Löschgraben (1609 u. später, Baltschieder; 16? ? , Eggerberg; 1860, Eyholz; 1749, Visp), Lösgraben (1727, Turtmann; 1751 Löschgraben) belegt ist. Dazu kommen komplexere Konstruktionen wie Sage=Löschgraben ‘ der Entleerungsgraben bei der Sägerei ’ (1827, Visp), Auslösch=graben ‘ der Abwassergraben ’ (1733, Turtmann), den Gmeinen Leeschgraben (1573, Visp; Akkusativ konstruktionsbedingt). Inhaltlich hierzu gehört auch am Abzu ᵕ gs Graben ‘ am Graben, mit dem das Wasser abgezogen wird (wohl Entwässerungsgraben) ’ (1872, Eyholz). Einen Sonderfall stellen Komposita dar, deren Erstglied einen PN oder FaN enthalten: Albrechtgigrabe ‘ der Graben der Familie Albrecht ’ (FLNK, Oberwald), ts Antograbu ‘ der Graben des Anton ’ (Visperterminen; FLNK Zantograbo), der Florigrabu ‘ der Flori-Graben (FaN Florey? ) ’ (Inden), an den Geronggillgraben ‘ der Graben der Familie Gerung (unklar) ’ (1744, Simplon; Präposition mit Akkusativ konstruktionsbedingt), den Ku ᵕ nndtschi Grabu ᵕ n ‘ der Graben beim kleinen Gut des Kunz (PN) ’ (1634, Stalden, Akkusativ konstruktionsbedingt), Stückigrabo ‘ der Graben der Familie Stucky / beim abgeteilten Stück Land ’ (FLNK, Ried-Brig; LT Stückigrabe). Ein Missverständnis scheint bei Metallgraben (SK, Hohtenn) vorzuliegen, wo es nicht um Metall geht, sondern um einen Graben, der nach Mittal hinunter führt, wie FLNK Mittalgrabe (Hohtenn) nahelegt. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Flurnamen, die hier aus Platzgründen nicht behandelt werden können. Komplexere Namen sind verbreitet, so der Finnubachgrabo ‘ der Wassergraben, durch den der Finnenbach fliesst (auf Karte Eschilgrabu) ’ (Mund), der Fooder Bächibachgrabu ‘ der vordere Teil des Bächigraben ’ (Steg), der Fooder Niggelinnggrabu ‘ der vordere Graben auf der Alpe Niggeling (Familie Nicolin / Niggeli), der Fooder Sänntumgrabe ‘ der vordere Graben vom Senntum herunter ’ (Ergisch), der Nussböumgrabo ‘ der Graben beim Nussbaum ’ (FLNK, Grächen), und viele andere. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit Acher, Bord, Gassa, Graat, Gufer, Hooru, Land, Lischa, Loch, Matta, Roor, Schiir, Schluocht, Sunna, Stüde, Wang, Wald, Wäg und Wasser vor. Der komplexeste Beleg ist wohl der Graadschliechtgigrabu ‘ der Graben bei der kleinen Geländeeinbuchtung vom Grat herunter ’ (Zwischbergen; FLNK Gratschliechtgigrabu), laut Karte ein Graben, der vom Graatschliechtgi hinunter zum Grossen Wasser führt. 345 346 Grabu <?page no="439"?> Grächen Grächen orientiert sich an der amtlichen Schreibung des Gemeindenamens Grächen, das dial. Greechu ‘ Grächen ’ (Bezirk Visp) heisst. Ein zweiter Gemeindename zum gleichen HL ist Gräich, amtl. Greich (Bezirk Östlich- Raron). Beide sind zu galloromanisch * GRAN Ĭ CA ‘ Scheune, Kornspeicher ’ , spätlat. auch ‘ Meierei, Bauernhof ’ , daraus das ahd. Lehnappellativ *grencha ‘ Scheune ’ (cf. REW 3845; FEW 4, 225 f.; BENB 1, 2, 102 f.; SONB 1, 319 f.; K RISTOL ET AL . 2005, 402) zu stellen. Ein romanisches Lehnappellativ (G LATTHARD 1977, 288 ff.) ist nicht direkt im Oberwallis aus dem Romanischen entlehnt, sondern in den alemannischen Dialekten vor der Einwanderung ins Oberwallis übernommen. Der ursprüngliche Vokal wurde teilweise vor Nasal zu / e/ gehoben, woraus sich die Formen vom Typ Grecherklären. Die Wirkung des sog. Staubschen Gesetzes (Vokaldehnung oder Diphthongierung an Stelle des / n/ , auch vor velarem Reibelaut) erklärt Belege wie Gräich (Greich) oder ts Gräächi ‘ die kleine Kornscheuer ’ (Ried-Brig); bei diesem Beleg wurde der Name der Scheuer auf das Gebiet übertragen; eine Scheuer existiert nicht. Die ältesten Belege sind 1279 Greneche (Greich), 1300 Grenkunboden (Bürchen), 1301 apud Grenekun (Grächen), 1301 de Grenekun (Grächen), 1303 apud Grenekin (Grächen). Sichere Belege ohne / -n-/ sind 1426 de Grechon (Grächen), 1463 Grech (Greich), daneben sind aber die Formen mit / -n-/ durchaus erhalten. Unklar ist der Beleg von 1210 Willermi de Grachan. Das Dokument stammt aus Turtmann, ist ein Original und die Lesung ist Grachan (Dank an C HANTAL A MMANN und P H . K ALBERMATTER ). Eine Form ohne inlautendes -nfür *G RAN Ĭ CA ist um 1210 nicht möglich. Daraus folgt, dass es sich nicht um eine frühe Form von Grächen handelt; eine genaue Deutung ist jedoch nicht möglich. Ein Diphthong ist erstmals 1583 als Zengreichen (Reckingen) belegt, 1624 als Greich (Greich), 1585 Gra ᵉ inch (Greich), 1626 Greicher Achren (Mörel) und später. Die Entwicklung scheint also von Grenekun über Grenchun zu Grechun und später zu Greich und ähnliche Formen gelaufen zu sein. Das HL kommt in rund neunzig Namen vor. In Einzelfällen kann auch das Substantiv Grëch ‘ Alphütte mit Stall und Stube ’ (I D . 2, 701) oder eine Form von grëch ‘ fertig ’ (I D . 2, 699) vorliegen. Das Simplex im Singular ist im Gemeindenamen Gräich ‘ Greich ’ belegt; ein erweiterter Singular ist t Gräiche ‘ der Kornspeicher ’ (Selkingen). Unklar ist Grencha (Ernen), wo der Kontext fehlt. Im Dativ steht zer Greechu ‘ beim Kornspeicher ’ (Grächen, bei Niedergrächen). Vermutlich ein Plural ist im Gemeindenamen Grechu ‘ Grächen ’ (Grächen), in ze Gräiche ‘ bei den Kornspeichern ’ (Lax), t Gräiche ‘ die Kornspeicher ’ (Reckingen) und di Greechnä ‘ die Kornspeicher ’ (Gampel; 1723 zun Grenchen, 1736 zen Grechnen) belegt. Auch zen Greüchen ‘ bei den Kornspeichern ’ (1789, Binn; 1835 in den Greichen) gehört hieher. Diminutive des Simplex im Singular sind im Graichelte ‘ beim kleinen Kornspeicher ’ (1816, Ernen), ts Gräichji ‘ der kleine Kornspeicher ’ (Bister), ts Gräichuti ‘ der kleine Kornspeicher ’ (Steinhaus; mit / l/ -Vokalisierung), ts Greechi ‘ der kleine Kornspeicher ’ (Eisten), ts Greechilti ‘ der kleine Kornspeicher ’ (Hohtenn), jm Grenchelti ‘ im kleinen Kornspeicher ’ (1616, Münster), zem Grenchiltin ‘ beim kleinen Kornspeicher ’ (1477, Bürchen) und einige weitere. Plurale fehlen. Mit attributiven Adjektiven finden sich: zer Mitlen Grenchen ‘ beim mittleren Kornspeicher ’ (1521, Täsch), zer Mittlen Grächen ‘ beim mittleren Kornspeicher ’ (16? ? , Randa), zer Neuwen Grenchen ‘ zum neuen Kornspeicher ’ (1616, Mund), zun Neüwen Greüchen ‘ bei den neuen Kornspeichern ’ (1778, Binn), ts Niwwe Gräiche ‘ bei den neuen Kornspeichern ’ (Grengiols), ze Niwwu Greechu ‘ bei den neuen Kornspeichern ’ (Bürchen), zu ᵕ der Niwen Grechen ‘ beim neuen Kornspeicher ’ (1634 u. später, Raron) und zun Obren Grenchun ‘ bei den oberen Kornspeichern ’ (1536 u. später, Gampel). Vorangestellte Genitive sind selten: bÿ Abign Grenchenn ‘ beim Kornspeicher der Familie Abig ’ (1570, Greich, auch andere Lesarten für Abign möglich), bi Aspero Grenchi ‘ beim kleinen Kornspeicher der Familie Asper ’ (1521, Täsch), zu ᵉ Eggeren Grechun ‘ beim Kornspeicher der Leute von Eggen (Weiler von Eggerberg) ’ (Mund), z Heimen Grenchen ‘ der Kornspeicher des Heimen (PN) ’ (1521, Täsch), ts Mutzungreechu ‘ beim Kornspeicher des Mutz / beim kleinen Kornspeicher ’ (Törbel; Mutz ist unklar). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL wie folgt belegt: Füülegrächu ‘ der faule Kornspeicher (historisch belegt, aber unklar) ’ (Mund), zem Lerchgrenchiltin ‘ beim kleinen Kornspeicher beim Lerch (Lärchenwald) ’ (1544, Unterbäch), Niedergrächen ‘ Niedergrächen ’ (Grächen), Dschaaff=Grencha ‘ der Kornspeicher für die Schafe (im Kontext ist von Pferch die Rede: der Schafpferch) ’ (1582, Mund), ze Schwiingreechu ‘ bei den Kornspeicher bei den Schweinen / den geringen Kornspeichern ’ (Staldenried; Schwiin ist doppeldeutig), der Schwÿngrechen ‘ der Kornspeicher bei den Schweinen / der geringe Kornspeicher ’ (1581, Visp), tsch Steingräächu ‘ beim Kornspeicher / Wohnhaus aus Stein ’ (Birgisch), in der Steingrechen ‘ im Kornspeicher aus Stein ’ (1544 u. später, Eggerberg), zer Steingrenchen ‘ im Kornspeicher aus Stein ’ (1703, Raron), bÿ der Stein Grechun ‘ beim Kornspeicher aus Stein ’ (1557 u. später, Visp), in der Steingrechen ‘ der Kornspeicher aus Stein / das Wohnhaus Grächen 347 348 <?page no="440"?> aus Stein ’ (1675 u. später, Turtmann), zer Steingreechu ‘ beim Kornspeicher aus Stein ’ (Gampel), Steÿngräncha ‘ der Kornspeicher aus Stein ’ (1583, Mund). Zweimal belegt ist die Studgrenchen ‘ der Kornspeicher mit einem Pfosten ’ (1515, Grächen; 1525, Stalden), wo vermutlich Stud ‘ Pfosten ’ und nicht Stüda ‘ Staude ’ gemeint ist (cf. HL S TUTT ). Die Komposita legen nahe, dass mit dem HL manchmal auch Pferche gemeint sein können. Die normalen Scheuern waren aus Holz (cf. HL S CHIIR ), deswegen wurde der Steinbau gesondert betont. Komplexer ist Brunmatgrenchon ‘ die Scheuer bei der Brunnmatte (Wiese mit Quelle / Brunnen) ’ (1388, Täsch). Als Bestimmungswort tritt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita auf: Acher, Biel, Bodu, Egg(a), Grabu, Loch, Matta, Schiir, Tschugge und Wald. Komplexer sind der Grechbielspitz ‘ das spitze Waldstück beim Gräächbiel (Hügel, der zu Grächen gehört) ’ (St. Niklaus), Grecheggenschleiff ‘ der Schleif bei der Greechegga (Ecke bei der Grecha (Kornspeicher)) ’ (1729, Ausserberg), di Grechmattutolu ‘ die Mulde bei der Wiese mit dem Kornspeicher ’ (Guttet), der Obere Grechboden ‘ der obere Boden mit dem Kornspeicher ’ (Mund), der Ober und der Unner Greechtschuggu ‘ der obere und der unter Fels beim Kornspeicher ’ (Bratsch). Eine Reihe von Namen enthalten die Ableitung Gräicher zum Dorfnamen Gräich, ursprünglich ein Genitiv Plural, heute meist als Adjektiv verstanden: Greichero Almein ‘ die Allmein (gemeinsames Gebiet) (1677) der Leute von Greich ’ , Greicheralp ‘ die Alpe der Leute von Greich ’ , Gräicher Alpmatte ‘ die Wiesen auf der Greicher Alp ’ , ob dem Greicher Kirchweg ‘ oberhalb des Kirchweges der Leute von Greich ’ (1863), an den Greincher Matten ‘ an den Wiesen der Leute von Greich ’ (1634), vnder Grenckero Stafell ‘ unter dem Stafel der Leute von Greich ’ (1679), t Gräicherstüde ‘ die Stauden bei Greich ’ , Greichertal ‘ das Tal bei Greich ’ , Greicherachra ‘ die Äcker, die zu Greich gehören ’ , Greicherwald ‘ der zu Greich gehörende Wald ’ (alle Greich). Weitere solche Konstruktionen: Grecher Weg ‘ der Weg nach Grächen ’ (1646, Grächen), únter dem Grecher Weeg ‘ unter dem Weg nach Grächen ’ (1802, Embd), in den Greicher Achren ‘ in den zu Greich gehörenden / Richtung Greich liegenden Äckern ’ (1626, Mörel), Greicherwäg ‘ der Weg von / nach Greich ’ (Mörel), in den Grencher Achren ‘ in den Äckern, die zu Greich gehören / Richtung Greich liegen ’ (1590, Ried- Mörel). Einen gemischtsprachigen Beleg hat (lat.: in inferiori aqueductu) Grencharro ‘ in der unteren Wasserleitung der Leute von Grächen ’ (1388, Grächen). In den Belegen sind Grächen und Greich nicht immer klar zu trennen. Graden Graden ist nur 1576 in Bürchen als an die Graden Dorna belegt. Es handelt sich wohl um einen Verschreiber zu Grawen ‘ grauen ’ , das in Bürchen (FLNK u. LT Grawi Dorne) und auch historisch 1737 als zen Grawen Dornen, 1745 als in den Grawen Dornen und 1885 in den Craven Dornen belegt ist. SK zeigt, dass die Flur früher unbebaut war; heute stehen dort vereinzelt Gebäude. Graf (FaN) Graf (FaN) kann sowohl zu schwdt. Graf m. ‘ Graf, vornehmer, reicher Herr ’ (I D . 2, 707; BENB 2, 94 f.), wie zum FaN Graf oder Graven (AWWB 115) gestellt werden. Schwdt. Gr ā ve f. ‘ Bergabhang, wo Rutschungen von Erde und Steinen stattfinden ’ (< vorröm. *grava ‘ Kies ’ ) (I D . 2, 708; Z INSLI 1945, 321; FEW 4, 254 ff.; BENB 2, 94; URNB 2, 38 f.; RN 2, 165) ist im I D . und bei Z INSLI nur für Graubünden belegt; G RICHTING (1998, 97) kennt nur das aus dem Frz. entlehnte Grawjer ‘ Kies ’ , sodass dieses Wort ausser Betracht fällt. Das HL kommt in rund einem Dutzend Belegen entweder als vorangestellter Genitiv oder als Bestimmungswort vor. Graffigo in Graffigo vnd Helnero Restin ‘ die Resti (Rastplatz) der Leute des Graf / der Familie Graf und der Familie Heldner ’ (1625, Lalden) ist kein Simplex, sondern durch den Text als Genitiv Plural einer kollektiven / - IG / -Ableitung zu Graf erwiesen. Einen sicheren Genitiv zeigt Jans Graphún Eÿa ‘ die Aue des Jan Graven ’ (1545, Visperterminen). Schwierig zu deuten ist der Name Gravenanne ‘ des Grafen Anne ’ (Grengiols), der Anlass zu einer Sage über eine Gräfin Anna (G UNTERN 1963, 91) gegeben hat. Klar ist der Genitiv auch in ts Grawisch Bodu ‘ der Boden der Familie Graven / des Grauen ’ (Betten), wo die Endung / -isch/ eher auf einen FaN deutet. Ob es sich in den folgenden Fällen um ein Kompositum mit Grafen als Bestimmungswort oder als vorangestellten Genitiv handelt, bleibt unsicher: in Graffenachern ‘ in den Äckern der Familie Graven ’ (1619, Agarn), Grafenbiel ‘ der Hügel des Grafen ’ (1634, Ausserberg; 1753 Naters), jn Graffenboden ‘ im Boden der Familie Graven ’ (1702, Unterems), auf Graffen Boden ‘ auf dem Boden der Familie Graven ’ (1744, Oberems; 1761 z Graffsboden), die Graffuheehi ‘ die Anhöhe des Grafen (wohl FaN) ’ (Leuk), der Grafuwald ‘ der Wald der Familie Graven ’ (Glis), im Grafen Zel ‘ in der Zelge des Grafen ’ (1835, Leuk), dazu auch di Graffitselch ‘ die Zelg der Familie Graven ’ (Agarn, mit hist. Belegen in Graffen Zelg). In Visp hat FLNK Gräfibiel ‘ der Hügel der Gräfin ’ , der historisch zwischen Cristam contisse (1471), und der Grawÿun Buel (1576) schwankt, was einen Adelstitel nahelegt. Unklar ist Gräfboden (Saas-Balen, nach LT und FLNK), das auch als Unter und Ober Grefbodu 349 350 Graf (FaN) <?page no="441"?> (Saas-Balen) belegt ist. Gräf / Gref mit Umlaut bleibt unklar. Der FaN ist normalerweise Graven (AWWB 115) geschrieben, doch kommen auch Belege mit Graffo, Grafen usw. vor. Graff Graff f., auch Graft (FLNK), ist als Simplex di Graff (Täsch) belegt, mit der Erklärung <weri>, also Abwehrbaute, Sperre für die Rinder, hier wohl eine gegrabene Sperre. Es handelt sich um eine feminine / T / -Ableitung (Verbalabstraktum nach S ONDEREGGER (1958, 556) zum Verb graben, vgl. auch G R W B 8, 1732 f. s. v. Graft: „ das wort graft bezeichnet sowohl das ergebnis als auch den vorgang der grabarbeit “ ) (cf. HL G RAFFT ). Grafft Grafft f. ist einmal belegt in t Murmundugrafft ‘ der Ort, wo man nach Murmeltieren gräbt (oder grub) ’ (Eisten). Es handelt sich um eine feminine / T / -Ableitung (Verbalabstraktum nach S ONDEREGGER (1958, 556), vgl. auch G R W B 8, 1732 f. s. v. Graft: „ das wort graft bezeichnet sowohl das ergebnis als auch den vorgang der grabarbeit “ ). Eine andere Ableitung führt im Lötschental zu Grappa (cf. HL G RAPPA ); (cf. auch HL G RAFF ). Grafschaft Grafschaft f. ist ein Gemeindename, der die früheren Gemeinden Biel, Ritzingen und Selkingen umfasste, die sich inzwischen mit Münster und anderen Orten zur Gemeinde Goms zusammengeschlossen haben (http: / / www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 050195/ 2017-01-16[IW]). Grafschaft ist die traditionelle Bezeichnung einer Landschaft, die vom Walibach bei Selkingen bis zum Reckingerbach reichte und deren Zentrum Biel war. Das Gebiet war 1237 durch Schenkung des Boso de Granges, Bischof von Sitten und letzter Spross der alten Grafenfamilie de Granges (auch von Gradetsch genannt) in bischöflichen Besitz gekommen und besass bis 1799 eine eigenständige Blutgerichtsbarkeit (K RISTOL ET AL ., 2005, 403). Zum Suffix / - SCHAFT / vgl. F LEISCHER / B ARZ ( 4 2012 , 221 ff.). Der älteste uns vorliegende Beleg von 1344 spricht von Comitatus, den Bischof Guichard gekauft hat. Woher Comitatus und Grafschaft stammen, ist unklar (zur Diskussion vgl. N OTI 1975 und HL G OMS zur Deutung). Dialektal zeichnet sich dieses Gebiet mit dem unteren Goms durch eine / l/ - Vokalisierung zu / -u/ aus (SDS 2, 147, 149 u. 150), die sonst im Oberwallis inexistent ist (vgl. auch R ÜBEL 1950, 13 f.). Gräischä Gräischä f. ist nur belegt in t Ängräischä und t Ängräischtschuggen ‘ die Felsen bei der Ängräischä ’ (beide Wiler). Auszugehen ist vom Adjektiv äng ‘ eng ’ und einem Nomen, das bei G RICHTING (1998, 96) als Gräischa, Greischa (Saastal), Gräwwscha (Schattenberge), Graischu ‘ Gesichtsausdruck (grinsender) ’ belegt ist. I D . (2, 782 ff.) verweist auf ein Stichwort Grans und nimmt für Flurnamen die Deutung ‘ schnabelförmig vorspringende Berghöhe ’ an. Zu vermuten ist aber eher die Ableitung Gränse n II ‘ Maul von Menschen und Vieh ’ (Id. 2, 784). Das Staubsche Gesetz würde zur Form Gräischa führen. Wenn diese Deutung stimmt, ist t Ängräischa ‘ die enge maulförmige Stelle ’ . Gram Gram f. ist belegt in die Gramere (Raron; M. S. notiert auch Grammere), das zu wdt. Gramme n , Grammä (Goms), Gramme und Gramma (Mattertal), Grammu m. ‘ Queckweizen; Gartenunkraut ’ (Id. 2, 732; Marzell 1, 145 ff. (bes. 151); G RICHTING 1998, 96) zu stellen ist; laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1472) handelt es sich um E LYMUS REPENS ‘ Kriechende Quecke ’ , früher auch A GROPYRON RE- PENS genannt. Bei der / - ERE / -Ableitung (< / - ERRA / ) handelt es sich um ein Grundstück, wo es viele dieser Pflanzen hat (S ONDEREGGER 1958, 471 f.). Belegt ist nur di Gramere ‘ die Wiese mit viel Elymus repens ’ (Raron). Grammeling Grammeling ist in Albinen von FLNK und LT erwähnt. M ATHIEU (2006, 15) kennt es als Ggrammeling. Historisch ist der Name 1337 als ol cramelin und 1359 als ou cramelin belegt. Es handelt sich um einen frpr. maskulinen Namen; die nasale Endung erscheint im Deutschen als / - ING / . Gemeint ist wohl eine doppelte Diminutiv- Ableitung auf / - ELLU / und / - INU / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) zu gramon ‘ Quecke ’ (G PSR 8, 610 ss.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1472 s. v. E LYMUS REPENS und weitere, bei M ARZELL 1, 145 ff. als A GRIOPYRUM REPENS ), also ‘ das kleine Gebiet mit Quecken ’ . Grämmpu Grämmpu ist nur belegt in ts Grämmputoli ‘ die kleine gekrümmt Mulde / die kleine Mulde mit Steingeröll ’ (Simplon). J ORDAN (2006, 168) kennt daneben auch Ggrämpunegg und Ggrämpuschpitz, die bei M. S. fehlen. Weder I D . noch G RICHTING kennen das HL in dieser Form. Die Form mit anlautendem [gr-] legt ein romanisch basiertes Nomen als Ausgangspunkt nahe. Ob die anfrk. Basis *kramp ‘ gekrümmt, Krampf ’ (FEW 16, 353 ff.) zu Grunde liegt, die im Hochdeutschen zu Krampe ‘ Türhaken, Klammer ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 537) geführt hat, Graff 351 352 <?page no="442"?> ist unklar. Das bei G RICHTING (1998, 91) belegte Ggramper, Grampär ‘ Geleisearbeiter ’ ist vermutlich vom Gebrauch eines frz. crampon ‘ Krampe ’ motiviert; vgl. auch das Verb grampe n ‘ Kies unter die Schwellen, Schienen der Eisenbahn klopfen ’ (I D . 6, 936, s. v. rampen, Bed. 2). Im Kontext des Flurnamens ts Grämmputoli kann Grämmpu sowohl ‘ gekrümmtes Gebiet ’ wie ‘ Steingeröll ’ heissen. Da der Ausgangspunkt romanisch ist, wird das HL auf VSNB rot eingefärbt. Grampieu Grampieu ist die lokale Ausspracheform im Binntal mit / l/ -Vokalisierung für das italienische Crampiolo. Der Pizzo Crampiolo ist nach dem Weiler Crampiolo im Val Dévero benannt. Der Name ist zweimal belegt für ts Grampieuhore und der Grampieupass. Die italienische Form liesse sich auf Gran Piolo zurückführen (Grosser Holzblock zu piolo (D EVOTO / O LI 2020, 1610)). O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Flurnamen nicht. Gran Gran ist ein mehrdeutiges Adjektiv oder Nomen. Zunächst ist es als Adjektiv wohl romanisch zu grand, grande ‘ gross ’ (M EYER 1914, 106; G PSR 8, 612 ss.) zu stellen; hierzu sind zu rechnen u gran clu ‘ im grossen eingefriedeten Gebiet ’ (1698, Salgesch, zu lat. in magno clauso), in Grantschang ‘ beim grossen Acker ’ (1676, Varen), eventuell en grano lambane ‘ bei grossen (Stück Land) des Lambaner (FaN) ’ (Varen), wobei hier grano auch etwas anderes, z. B. Scheuer, bedeuten kann. Die deutschen Belege mit Gran sind nicht sehr klar. Es scheint, dass lat. GRANUM ‘ Korn ’ (vgl. G RICHTING 1998, 96 s. v. Grani) gemeint ist. Da sind vor allem der Granacher ‘ der Acker mit Körnern ’ (1578, Binn; 1568, Ernen; Fiesch) und di Granachra ‘ die Kornäcker ’ (Ried-Brig) gemeint. Ebenfalls hieher gehört das Gran Acherli ‘ der kleine Acker mit Körnern ’ (1803, Ernen). Weiter sind im Obern (1758) und im Vndren Granacker (1712, Fiesch) belegt. Auch hieher sind wohl in der Gram Matten ‘ in der Wiese mit Unkraut / Körnern ’ (1679 (ca.), Termen) und die Granmatta ‘ Wiese mit dem Unkraut / mit Körnern ’ (1536 u. später, Ried-Brig) zu stellen; in beiden Fällen kann aber auch schwdt. Grammen ‘ Queckweizen, triticum rep. ’ (wobei L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1482 ff. diesen Weizen nicht kennen) oder wdt. Gramme, Grammä (Goms), Gramme / Gramma (Mattertal), Grammu ‘ Gartenunkraut ’ (I D . 2, 732; G RICHTING 1998, 96) gemeint sein. Da nur einige der Belege zum frz. grand, grande gehören, wird das HL im VSNB nicht rot gekennzeichnet. Granatu Granatu ist nur einmal in der Handgranatustand ‘ der Handgranaten-Stand ’ (Salgesch) belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um einen Armee-Schiessplatz in der „ Unner Eiu “ (auf der linken Seite des Rotten). Auf der Karte sind keine Spuren davon zu erkennen, auch M A- THIER (2015) kennt den Flurnamen nicht. Grand (FaN) Grand (FaN) ist zum FaN Grand, Grandis, seit dem 13. Jh. bekannt, v. a. in Sitten, Hérens und Leuk (AWWB 113) zu stellen. Hierzu gehören: die Grantscheiä ‘ die Auen der Familie Grand ’ (Steg) und jhn der Grandigen Güedtlein ‘ beim kleinen Gut der Familie Grand / der Leute des Grand ’ (1664, Leuk) mit der kollektiven / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural. Das Adjektiv grand ist zu lat. GRANDIS ‘ gross ’ (FEW 4, 219) zu stellen. Das Adjektiv ist auch als Eigenschaftswort in Namen vertreten (cf. HL G RANDE ). Der FaN Magnin (AWWB 158) ist zu lat. MAGNUS ‘ gross ’ (FEW 6, 1, 43 ff.) zu stellen und wird historisch auch für den FaN Grand verwendet. Wir führen deswegen die Belege auch hier auf und verweisen unter M AGNIN (F A N) auf den Artikel G RAND (F A N). Die Belege sind Cabulum Mangein (sic! ) ‘ der Schleif der Familie Magnin ’ (1721, Varen), ol clous eys magnyus ‘ im umzäunten Gut im Gebiet der Familie Magnin (Grand) ’ (1345, Ergisch), ey Fresur Magning ‘ im Fresur (unklar) des Magnin / der Familie Magnin ’ (1566, Leuk), jn Mangins Clau ᵕ ss ‘ im eingefriedeten Gebiet des Magnin / der Familie Magnin ’ (1638, Agarn), in Magnins=Claús / in Manings Claúss ‘ im eingefriedeten Gebiet des Magnin / der Familie Magnin ’ (beide 1709, Leuk). Wieweit hier statt Magnin auch Grand gemeint ist, bleibt unklar. Grande Grande ‘ gross ’ Adj. ist zum Adj. lat. GRANDIS , it. grande ‘ gross ’ und frz. grand ‘ gross ’ (RN 2, 8; REW 3842, FEW 4, 219 f.) zu stellen. Die italienische Form ist in Punta Valgrande ‘ die Spitze des Grosstales ’ (Zwischbergen) belegt; der Name wurde wohl von Italien aus gegeben. In Zwischbergen ist weiter zweimal belegt Cagranda ‘ das grosse Haus ’ , der Name von zwei Alpen (auf LT als Cagranda erfasst und zum HL G ASA gestellt). Zu it. grande ‘ gross ’ vgl. D EVOTO / O LI (2020, 983 f.) Eine französische Form des Adjektivs m. ist erfasst in Grand Gendarme ‘ grosser Gratturm ’ , das einmal in Saas- Fee (Nebengipfel des Dom), und zweimal in Zermatt (Nebengipfel des Ober Gabelhorn, Nebengipfel der Dent Blanche) belegt ist. In der Sprache des Alpinismus ist 353 354 Grande <?page no="443"?> ein Gendarm ein ‘ Gratturm ’ , eine ‘ Felsnadel ’ (cf. HL G ENDARME ). Grandulphoz Grandulphoz kommt nur 1538 in Agarn als ov Grandulphoz vor. Die Schreibung ist unklar, am ehesten könnte es sich um einen PN oder FaN Grandulfo handeln. Der FaN ist im Franzöischen als Grandolphe, im Italienischen als Grandolfo bekannt (www.geneaservice.com/ genealogielink2/ GR.htm[20.01.2022; IW]), im Wallis sind sie dagegen ohne Beleg. Bei F ÖRSTEMANN (1, 665) ist nur das / -n-/ -lose Gradulph m. Varianten belegt; Randulf ohne anlautendes / g-/ erscheint in F ÖRSTEMANN (1, 1247). Eine Deutung ist darum nur bedingt möglich. Grangen Grangen ist nur belegt in im Grangenstutz ‘ die steil ansteigende Stelle des Grang (? ) ’ (1791, Ernen). Es scheint sich am ehesten um einen PN oder FaN im Genitiv zu handeln. Zwar sind Grange, Granges und Granger (NWWB 1, 126) belegt; es handelt sich aber um FaNN aus dem frankophonen Wallis, die wohl als [gr- ʃ ] ausgesprochen würden. Ein Zusammenhang mit dem galloromanischen * GRAN Ĭ CA ‘ Scheune, Kornspeicher ’ ist kaum möglich, da der Beleg aus dem 18. Jahrhundert stammt und die Form Grächen normalerweise ein betontes / ä/ enthält. Auch ein Anschluss an den Stamm G RANGG ‘ unfruchtbarer, steiler Abhang ’ (I D . 2, 780, nur für die Lenk (BE) belegt) ist eher unwahrscheinlich, da Grangen keine Fortis enthält; der Name wäre weiter seltsam, bezeichnet doch schon Stutz einen steilen Abhang. Insgesamt ist die Deutung deswegen unsicher. Gränggil Gränggil ist nur als di Gränggilbedu ‘ die Böden mit verkümmerten Tannen ’ (Leukerbad) zu stellen. Das HL ist zu Granggel, Gränggel ‘ verkümmertes, geringfügiges, schwächliches, verwachsenes Ding, von Pflanzen, Menschen, Tieren ’ (I D . 2, 780) zu stellen. R. G RICHTING (1993) kennt es als Gränggilbädu (Blatt 19, Nr. 7; Blatt 20, Nr. 4) auf der Maijing-Alpe. Grangia Grangia f. ist ein spätlateinisches Wort, das zu * GRAN Ĭ CA ‘ Scheune, Kornspeicher ’ , spätlat. auch ‘ Meierei, Bauernhof ’ (cf. REW 3845; FEW 4, 225 f.; BENB 1, 2, 102 f.; SONB 1, 319 f.) zu stellen ist. Es kommt in prope Grangiam ‘ bei der Scheuer ’ (1733, Albinen) und Grangia Halterron ‘ (lat.: grangia) die Scheuer der Familie Halter / der Leute an der Halde ’ (12? ? , Naters) vor. Eine frz. oder frpr. Form ist les / eys granges ‘ bei den Scheuern ’ (1328 u. später, Agarn), granges / es granges / eys granges ‘ bei den Scheuern ’ (1267 u. später, Leuk), in grangys / eys granges / eÿ granges ‘ bei den Scheuern ’ (1560 u. später, Albinen). G PSR (8, 630 ss. s. v. grange) führt eine Reihe von Ortsamen dazu auf (636). Die davon abgeleiteten Formen sind gesondert unter dem HL G RÄ- CHEN erwähnt. Die diminutive Form Granschetta ‘ die kleine Scheuer ’ (G PSR 8, 642 s. v. grangette) ist belegt als di Grantscheta ‘ die kleine Scheuer ’ (Albinen; FLNK Granscheta), auch bei M ATHIEU (2006, 31 u. 33) als Granschäta und dort (14) als frz. grangette ‘ kleine Scheune ’ gedeutet, Grantschite ‘ die kleine Scheuer ’ (Leukerbad; FLNK Granschetä, LT Granscheten), auch bei R. G RICHTING (1993) als Grantschitä (u. a. Blatt 5, Nr. 29). Eine ältere Form zeigt ol clos de la grangeta ‘ beim eingefriedeten Gut bei der kleinen Scheuer ’ (1337, Agarn). Als Kompositum ist belegt Granschetugrabu ‘ der Graben durch die Grantschite ’ (FLNK, Leukerbad), ein Graben durch das Gebiet Grantschite oberhalb des Dorfes Leukerbad, auch bei R. G RICHTING (1993, Blatt 6, Nr. 24 und Blatt 10, Nr. 3, als Grantschätugrabu). Gräni Gräni ist belegt in di Gränibalma ‘ das dünne, magere Gebiet beim überhängenden Felsen (unklar) ’ (Zwischbergen, auch FLNK; LT Gränibalme). J ORDAN (2006, 201) kennt Gräänibalma, Undri und Obri Gräänibalma. Während das Grundwort Balma ‘ überhängender Fels ’ (cf. HL B ALMA ) bekannt ist, kann Gräni nur schwer zugewiesen werden, da schon die Sprache unklar ist. Weil nur der lebende Beleg aufgeführt wird, ist am ehesten I D . (6, 893 s. v. ram) anzunehmen, von dem im Oberwallis ran ‘ dünn, schlank, schmächtig, hager ’ belegt ist. Eine kollektive Nominalisierung Gräni wäre dann ‘ das dünne, magere Gebiet beim überhängenden Felsen ’ . O LIVIERI (1965, 139) verweist unter Grana auf Crana, wo steile Anhöhen gemeint wären. Vgl. hierzu auch créna (LSI 2, 79), das allgemein ‘ Einschnitt, Kluft ’ meint, was unwahrscheinlich ist. Der FaN Gräni ist nur für den Kanton Luzern (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 695) belegt. Das HL bleibt deswegen ungedeutet. Gränntsch Gränntsch ‘ die schnabelförmige Berghöhe ’ ist dreimal belegt: der Gräntsch (Simplon), der Gräntsch (Steg), ts Gräntsch (St. Niklaus). Das neutrale Genus im Fall von St. Niklaus deutet auf eine Kollektivum hin. J ORDAN (2006, 95) kennt Ggräntsch für Simplon. I D . (2, 782 f. s. v. Grans) kennt die Bedeutung 6. ‘ schnabelförmig vorspringende Berghöhe ’ als Flurname. Die Lautentwicklung von Grans zu Gräntsch (Umlaut und Verschiebung von / s/ zu / sch/ ) Grandulphoz 355 356 <?page no="444"?> findet sich auch sonst. Das in BENB (1, 2, 98) erwähnte Gräntschel m. wird auf lat. * GRANICELLU (zu lat. * GRANICA ‘ Scheune ’ ) zurückgeführt; für unsere Belege trifft es nicht zu. Grappa Grappa f. ist als HL nur im Lötschental belegt. Es handelt sich vermutlich um eine nominale Ableitung auf -( E ) TA zum Verb grabe n ‘ (aus)graben ’ (I D . 2, 683); in einer Bemerkung steht dort „ Bed. 2 entlehnt vom ‘ Graben ’ (ausgraben) der Murmeltiere in ihrem Baue “ . (Bed. 2: ‘ einen Kiltgänger im Hause der Geliebten belagern und ausheben ’ ). Die vermutete Form *G RAB - E - TA entwickelt sich im Lötschental nach der Tilgung des ersten Vokals der Ableitung zu Grapta und diese mit Assimilation des / t/ an das vorausgehende / p/ zu Grappa ‘ die ausgegrabene Stelle; die Murmeltiergrabstelle ’ . Das Grundwort Grappa ist mit einem attributiven Adjektiv vertreten in t Sandigun Grappä ‘ die sandigen Murmeltiergrabstellen ’ (Blatten) und im Kompositum di Plonnjärgrappa ‘ die Murmeltiergrabstelle des Jägers Apollonius ’ (Ferden). Mit einem Genitiv konstruiert ist in Gäägisch Grappu ‘ bei der Murmeltiergrabstelle des Gäägi (Übername? ) ’ , W. B ELLWALD (p. c.) vermutet jedoch, dass es sich um eine stehende Redewendung handelt und nicht um einen Lokalnamen. Als Bestimmungswort ist das HL vertreten in di Grappustucklini ‘ die kleinen abgeteilten Stücke Land bei der Murmeltiergrabstelle ’ . Gräppi Gräppi n. ist nur in Leukerbad belegt: der Gräppistutz. Es handelt sich um eine steile Stelle im Gemmiweg, bei der man Gräppini ‘ Klettereisen ’ benötigt, vgl. I D . (2, 787, s. v. Grapple, mit Gräppi für das Wallis); vgl. auch G RICHTING (1998, 91 s. v. Ggräppi ‘ Steigeisen ’ ); die erste Angabe ‘ Traubenkamm ’ kommt klarerweise nicht in Frage. Gras Gras n. ‘ Gras ’ ist zu schwdt. Gras n. ‘ Gras, Weide für das Vieh; Unkraut auf dem Acker ’ (I D . 2, 792 f.) zu stellen; G RICHTING (1998) kennt das Nomen nicht. Belegt ist das Simplex ts Gras (Ried-Brig) und dazu Grasgrabo (FLNK, Ried-Brig). Wohl romanisch ist dagegen di Grasete (Turtmann; FLNK Grasätä) und di Grasetulecher ‘ die Löcher bei der Grasete ’ (Turtmann), die das Patoiswort Grassetta (B RIDEL 1866, 187) für die Pflanze P INGUICULA VULGARIS (Gemeines Fettblatt) (vgl. auch L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 944) enthalten. Eine dt. Ableitung Grasete ist im I D . nicht belegt. Grässäte Grässäte ist der lebende Beleg für historisches Gresiten, das 1776 in Bratsch als im Gresit und 1779 in die Gresiten am gleichen Ort belegt ist. Albinen hat 1732 in die Gressetta; FLNK fügt Grässäte hinzu; M ATHIEU (2006, 31) hat Ggrässätä. Ein Bezug zu graisse ‘ Fett ’ (G PSR 8, 601 ss.) ist zwar lautlich möglich, ergibt aber keinen Sinn. Das dt. Verb gräsen ‘ schaudern, frösteln ’ ist vor allem im Nieder- und Mitteldeutschen gebräuchlich, kommt also nicht in Frage (G R W B 8, 1959). Hingegen dürfte das unter dem HL G RAS behandelte Grasete (Turtmann) hieher gehören, das dort zu Grassetta (B RIDEL 1866, 187) für die Pflanze P IN- GUICULA VULGARIS (Gemeines Fettblatt) (vgl. auch L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 944) gestellt ist. Grauben Grauben ist nur 1710 in Selkingen als in den Grauben belegt. Vermutlich liegt eine falsche Diphthongierung zum hdt. Grube, dial. Grüöba ‘ Grube ’ (zu I D . 2, 292 f. s. v. Grueb und G RICHTING 1998, 98 s. v. Grüeba, Grüäbä (Goms), Grüebu (Saastal) Gruäba (Lötschtal, Grüöbu ‘ Grube ’ ) vor, also ‘ in den Gruben ’ , das als t Grüebe (Selkingen; 1623 jn den Grúoben) belegt ist. Graui Graui ist nur belegt in Sas Dulgraui ‘ der Bockfels ’ (1678, Zwischbergen). Während Sas zu it. Sasso ‘ Fels ’ zu stellen ist und Dul einen agglutinierten Artikel mit der it. Präposition de darstellt, muss Graui ein dialektales it. Nomen sein. Das Ganze wird auf lat. als FOSSAM ‘ Graben ’ bezeichnet. Am nächstliegenden scheint piemontesisch Crava (O LIVIERI 1965, 140) zu liegen, das mit Metathese aus capra ‘ Ziege ’ entstanden wäre (cf. AIS 1079 zu den Nrn. 116 u. Umgebung); O LIVIERI ( 2 1961, 201 s. v. cravarezza) verweist auf lat. CAPRARIUS ‘ Ziegenhirt ’ . Es könnte aber auch einfach it. capro ‘ (Ziegen)bock ’ (D EVOTO / O LI 2020, 365) gemeint sein, darum ‘ der Bockfels ’ . Ein Zusammenhang zu dt. Graw ‘ Grau ’ liegt kaum vor, da der Name klarerweise italienisch, resp. piemontesisch oder lombardisch ist. Grawier Grawier ‘ Kies ’ ist wdt. Grawjer n. ‘ Kies, Schotter ’ , Lehnwort aus frz. gravier > kelt. * GRAVA ‘ Kies ’ (cf. REW 3851; FEW 4, 254 f.; G RICHTING 1998, 97). Es ist nur belegt in ts Grawierloch ‘ das Loch, wo Kies / Schotter gewonnen wurde ’ (Selkingen) mit den dazu gehörenden FLNK- Belegen ts Ober und ts Unner Grawierloch. Grechta Grechta erscheint in unserem Gebiet lebend nur im Bezirk Leuk und dort wohl als Reflex eines frpr. Lexems. 357 358 Grechta <?page no="445"?> Es entspricht lat. CRISTA , CRESTA ‘ Kamm, Grat ’ , in welcher Form es auch in den Urkunden in den Bezirken Brig und Visp erwähnt wird. Neben Grechta und Crista kommen auch Cresta und Cretta vor; einmalig ist Gretta Zat (Varen). G PSR (4, 532b ss.) gibt die Formen an und erwähnt unter 3 o die Bedeutung „ Arète de montagne, sommet; monticule, renflement, avancée; aussi pente escarpée [Bergkrete, Gipfel, kleiner Berg, Buckel, Vorbau; auch steiler Hang] “ . Die bei Z INSLI (1984, 501 Fn. 208) erwähnten Formen dürften wohl eher aus den Umgebungsdialekten des Walserdeutschen übernommen worden sein. Die dt. Übersetzung der lateinischen Formen ist nicht immer klar; meistens trifft wdt. Biel ‘ Hügel ’ zu. Von den rund 40 Belegen sind mehrere appellativ. Wir geben zunächst die Formen von crista: als Simplex ist es in Bratsch (1337 u. später) belegt, wohl nur appellativ. Unsicher ist 1474 Cristam Duozge (Varen); ob Duozge überhaupt zum Namen gehört, ist unklar. Der Plural ad Cristas (12? ? u. später, Naters) kann ebenfalls appellativ sein. Ganz unsicher ist schliesslich der in Salgesch als en Crestinan (1346), in Cristinam (1353) belegte Name, der später als en Chrichtinam (1579) und schliesslich als jn Critenon (1708) erscheint. M ATHIER (2015, 100) belegt in Salgesch ein Grichtinaheechi, das die beiden Lexeme Grechta ‘ Kamm, Hügel ’ und Heechi ‘ Höhe ’ verbindet, die im Wesentlichen gleichbedeutend sind; vermutlich handelt es sich bei Cristinam um einen Diminutiv (eine Ableitung aus einem PN Cristina ist möglich, aber eher unwahrscheinlich). Cristyn ist weiter in Leuk als ol cristyn belegt. Das maskuline Genus ist auch bei B OS- SARD / C HAVAN (2006, 28) als Crêt zu Crête belegt. Das auslautende / - IN / muss laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 28s.) auf das Suffix / - INU ( M )/ zurückzuführen sein; zu deuten ist dann das Ganze als ‘ beim kleinen Hügel ’ . Crista wird auch mit (meist nachgestellten) Adjektiven verwendet, wie Crista Communi ‘ (unter) dem Hügel, der der Gemeinde gehört ’ (1494, Varen), ad Cristam Plangnaz ‘ beim Hügel mit einer Ebene ’ (1580 u. später, Salgesch), das wohl dem lebenden Grechtaplangna entspricht (siehe unten) und das historisch erstmals 1357 belegte ad Cristam Saracenam (Salgesch), das zuletzt 1651 als en la Cretta Serrasina belegt ist, also ‘ beim Hügel des Saracenus ’ (wobei unklar ist, ob Saracenus ein PN oder ein Verschreiber für Salgesch ist). Häufiger sind aber nachgestellte Genitive, entweder ohne Artikel oder mit. Ohne Artikel findet man: Crista Bertholdi ‘ der Hügel des Berchtold (PN oder FaN) ’ (13. Jh. u. später, Ergisch), retro Cristam Hartmans ‘ hinter dem Hügel des Hartmann (PN oder FaN) ’ (1429, Visperterminen), supra Cristam Marie ‘ auf dem Hügel der Maria ’ (13. Jh. u. später, Ergisch), iuxta Cristam Pastorum ‘ beim Hügel der Hirten ’ (12? ? u. später, Termen), jn Crista Rodulfi ‘ auf dem Hügel des Rudolf (PN oder FaN) ’ (1337, Leuk). Mit Artikel kommen vor: in Crista de Dorbons ‘ auf dem Hügel von Dorbu (Weiler von Albinen) ’ (1358, Albinen), Willermus de Crista de Jndes ‘ Wilhelm am Bühl von Inden ’ (1328, Inden), wobei de Crista dem FaN Ambühl entsprechen kann, in Crista eis Alamanz ‘ der Hügel der Deutschen ’ (13. Jh., Ergisch; später auch deys Alamanz und 1453 sogar latinisiert in Crista Alamanorum), de Crista de Varona ‘ vom Hügel von Varen ’ (1241, Varen). Vermutlich verschrieben ist jn Crista don Clov ‘ der Hügel beim eingefriedeten Gut ’ (1602, Albinen), wo dov Clov erwartet würde. 1484 ist in Varen in Christa dou Svon belegt; wenn nicht ein Verschreiber vorliegt, wird hier Svon ‘ Suone, Wasserleitung ’ als romanisches Wort betrachtet (vgl. aber HL S UON ). Einige Belege weisen den Akkusativ Cristam auf: retro Cristam de Albignon ‘ hinter dem Hügel von Albinen ’ (1361, Albinen), vltra Cristam de Hoers ‘ jenseits des Hügel von Erschmatt ’ (1352, Erschmatt), Cristam de Goleta ‘ der Hügel von Goleta ’ (1794, Salgesch), Cristam de Golleta (1721, Varen) (zu Golleta vgl. T AGMANN 1946, 18 mit der Angabe ‘ petit couloir, vallon ’ ), supra Cristam de Vespia ‘ über dem Hügel von Visp ’ (1351, Visp), ultra Cristam de Hoers ‘ jenseits des Hügels von Erschmatt ’ (1352, Erschmatt), apud Cristam dol Marchande ‘ beim Hügel der Frau Marchand (? ) ’ (1319, Leuk; eine Bearbeiterin stellt Marchande zum HL M ARISSE ; diese Deutung ist u. E. unzutreffend). Auch Plurale sind belegt: juxta Cristas dy Milliere ‘ bei den Hügeln beim Hirsefeld ’ (1563, Leukerbad). Ein unsicherer Beleg ist zwischen 1473 und 1515 in Varen dokumentiert: 1473 Cristam de Nolarses, 1483 Cristam de Monlarses, 1485 Cristam des Nouos Larses, 1509 Cristam campi tassonores (? ) und 1515 Cristam de Molarsis. Die Schreibweisen sind unklar, doch das auch sonst belegte Monlarses (1484, Varen) deutet auf ‘ Berg mit Lärchen ’ hin. Seltsam ist der Beleg in Crista dov ba deys Clananes (1479, Salgesch) - es handelt sich hier wohl um einen Hügel, der unterhalb von Clananes (wohl ein Verschreiber für Chauanes ‘ Hütten? ) liegt. Eine besondere Präposition findet sich in sub Crista ultra Torrentem (12? ? , Mund). Cresta kommt als Simplex im Singular in a la Cresta ‘ auf dem Hügel ’ (1357, Leukerbad) vor; ob das dem späteren Grächtu (FLNK) entspricht, ist unklar. In Leuk ist 1407 ad lapidem dov Crest ‘ beim Felsen zum Hügel ’ belegt, ein sonst fehlendes Maskulinum, das bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 28) auch lebend erscheint. Sicher Italienisch ist Cresta di Saas ‘ die Krete von Saas ’ (FLNK u. LT, Saas-Almagell). Ältere frpr. Formen sind Cresta Muscatella (1671, Leuk), la Cresta Plana ‘ der ebene Grat / der Hügel mit einer Ebene (siehe Grechtaplangna) ’ (1591, Leuk) und en la Cresta Roz ‘ beim felsigen Hügel ’ (1436 u. später, Leuk) (sofern Roz < roche ‘ Felsen ’ (FEW 10, Grechta 359 360 <?page no="446"?> 435)). Zu diesem Beleg gehört wohl auch das sonst schwer erklärbare jm Grechterud (1776, Leuk), das 1582 in la Gredtero, 1719 in der Grecht(r)eten, 1723 jn der Grechdito (? ), 1738 im Crechtrus und 1742 im Crechterud belegt ist; der seltsame Genuswechsel nach 1738 kann aber auch auf einen andern Namen verweisen. Einem älteren retro Cristam (1333, Albinen; 1508 retro Cristas) steht 1708 das halb-deutsche Hinder die Cresta ‘ hinter dem Hügel ’ (Albinen) entgegen; vermutlich gehört auch das seit 1600 belegte la Chrechta, Grechtam und sur la Cretta, deutsch auch hin die Creta (1783), alle in Albinen belegt, hieher. Ob es sich immer um den gleichen Ort handelt, ist unklar. Grechta entsteht aus cresta durch die Entwicklung von / st/ zu / xt/ (M URET 1912, 22 f.; T AGMANN 1946, 12 f.; an beiden Stellen auch die Alternative Cretta(z)). Die Qualität von / e/ kann als / ä/ offen sein. Belegt sind Grechten (1610 u. später, Leuk), das auch als FLNK Grächtu erscheint. zum Grechten (1742, Leukerbad) ist maskulin; am gleichen Ort kommt aber auch Grächtu (FLNK; R. G RICH- TING 1993, Blatt 7 Nr. 28, Blatt 10 Nr. 27 und Blatt 11 Nr. 37) vor. In Agarn ist das ab 1338 belegte jn Crista schon 1358 als eys Crestanyos erwähnt, 1545 heisst es eys Crestes und erst 1595 zen Grechten, 1687 zun Crechtun. Mit Adjektiven sind belegt: Obergerächtu und Unndergerächtu ‘ der obere und der untere Teil von Grächtu ’ (Leuk), sowie zen Undren Crechten ‘ beim unteren Teil von Grechten ’ (1657, Agarn), wohl die gleiche Flur wie der Beleg in Leuk. Unsicher ist in Salgesch 1579 jn Lagra Crechta ‘ auf dem grossen Hügel ’ , das auch Petra Custodis ‘ der Fels des Hüters ’ genannt werde; hier kann ein Fels gemeint sein, von dem aus ein Feldhüter die bebauten Weinberge beobachten konnte. Vermutlich ebenfalls zu einem Adjektiv gehört di Planiggrächti ‘ der ebene Grat / der Hügel mit einer Ebene ’ (Varen), eine Alpe, die auf SK Planigrechten, auf LT Planigrächti und bei FLNK Planiggrächti genannt wird; der erste Teil geht wohl auf eine Substantiv-Bildung zu planne ‘ eben ’ zurück (T AGMANN 1946, 19). Als Bestimmungswort kommt Grechta mehrfach vor. Mit R -Vorschlag in di Gerächtuachra ‘ die Äcker bei Obergrächten (Hügel), der Gerächtuwald ‘ der Wald oberhalb Grächtu (dt. Hügel) ’ (Leuk). Dann Grechtaplangna ‘ der ebene Hügel ’ (Salgesch; M ATHIER 2015, 126 als Grechtuplangnä), Grechtaplangnahubil ‘ der Hügel im Gebiet Grechtaplangna (Hügel mit einer Ebene) ’ (Salgesch; so nicht bei M ATHIER 2015), der Grächtschabluhubil ‘ der Hügel beim Schleif der Grächta (Grat, Krete) ’ (Leuk), der Grächtuwäg ‘ der Weg von / zu der Grächtu (dt. Hügel) ’ (Leuk). Vermutlich eine Ableitung liegt in en Grechtenan (1628, Salgesch) vor, das zum früher belegten in Cristinam (1353, Salgesch) gehört, also vermutlich ein Diminutiv. Cretta ist nach T AGMANN (1946, 12 f.) die am häufigsten belegte Form. In unseren Daten kommt sie historisch in Varen als de la Cretta (1664; 1514 als de dicta crista) vor. de la Cretta (1664, Salgesch) meint die gleiche Flur wie in Varen. Der Beleg von 1721 a Gretta Zat ‘ die hügelige Weide ’ (Varen) enthält wohl Gretta als feminines Adjektiv und Zat ‘ Weide, Alpe ’ (T AGMANN 1946, 46). Den gleichen Namen weist Cretta Chat (1640) in Salgesch auf; dieser Name wird auch Muschichat (wohl zu Muschkat ‘ Muscat (Pflanze) ’ (T AGMANN 1946, 97) zu stellen) bei der Eie der Leute von Salgesch genannt. Vermutlich ist dieser letzte Name identisch mit den Namen ad Christam Mouscatella (1664, Salgesch; 1671 cretta Muscatella) und ad Cristam Muscatelle (1664, Varen; 1721 a la Gretta de Muscatel) (E GLI 1982, 23 für die Rebe und den Wein); die beiden Gemeinden haben hier eine Grenze gemeinsam, die 1671 Bichel ‘ Bühl, Hügel ’ genannt wird, der sich in Tschudanen (heute Tschüdangna ‘ warme Quelle ’ ) befindet. In Varen ist weiter 1680 v Pradelcretta ‘ bei der Hügel-Wiese ’ (1699 falsch getrennt in prad el cretta) belegt. Bis auf die Namen mit Grechta - Grächtu sind die Belege primär historisch. Gredetsch Gredetsch ist der Name des Tales, durch das der Mundbach vom Gredetschgletscher her fliesst, hauptsächlich auf dem Gebiet der früheren Gemeinden Mund und Birgisch. Die ältesten Belege sind: 1391 in Gredetz (Mund); 1423 in alpe de Gredecz (Birgisch); 1463 jn alpe de Gredetz (Mund). Die Form mit auslautendem / tsch/ erscheint erstmals 1527 als Gredetzsch (Mund für Gredetschtal), 1548 als Gredesch (Birgisch). Jünger sind die Formen Gradetz (1634, Birgisch und Mund) und Gradesch (1861, Mund). Neben dem nur historisch belegten Simplex kommt Gredetsch als Bestimmungswort zu Gletscher, Hore, Joch, Licka, Tal und Wald vor. Nur lateinisch belegt ist nouum aqaeductum de Gredetsch ‘ die neue Wasserleitung von Gredetsch ’ (1658, Mund). SK hat Gredetschod. Mundbach; geläufig ist heute nur noch Mundbach. Gradetsch ist laut J ACCARD (1906, 198), AWWB (113 f.), M EYER (1914, 164) und B ESSE (1997, 155) auch das dt. Exonym für Granges, das heute zu Siders gehört. Es ist 1269 als Gradetsch, Gradensche belegt; die Familie de Granges wird auch von Gradetsch genannt. Da Granges auf lat. * GRANICA zurückzuführen ist, kann Gradetsch kein direkter Nachfolger sein; auch B ESSE (1997, 155) gibt keine Deutung, nimmt aber an, dass es sich um einen [s]-Namen handelt, also um „ vorgermanische Namen, 361 362 Gredetsch <?page no="447"?> die in der deutschen Doppelform bis heute das romanische Final-s bewahrt haben “ (B ESSE 1997, 738 f.). Allerdings ist Gradetz als Exonym für Granges Jahrhunderte vor den Gradetz-Formen für Gredetsch belegt; es könnte sich also auch um eine nachträgliche Deutung des Schreibers handeln. Was deutschsprachige Deutungen betrifft, denkt J OSSEN (1989, 151) an dt. gerade. Die Endung bleibt dadurch unerklärt. Eine andere Deutung bezieht sich auf Grêd ‘ breite Stufe längs eines Gebäudes ’ (I D . 2, 704), das aus lat. GRADUS ins mhd. grêde ‘ Treppe, Leiter, Stufe, Podest, Abschnitt ’ übernommen sein soll. Hier ist einerseits die Länge von / ê/ problematisch (Gredetsch hat immer Kurzvokal in der betonten Silbe), und anderseits stellt sich die Frage der Ableitung. / - ACEU / , das von K LEIBER (1992) als Quelle des Lehnmorphems / - ETSCH / identifiziert wurde, könnte als Kollektiv- oder Augmentativsuffix verstanden werden: also eine ‘ Mehrzahl von Stufen ’ oder ‘ grosse Stufen ’ . Diese sehr spekulative Deutung setzt aber eine doppelte Entlehnung aus dem Lateinischen voraus. Insgesamt findet sich keine wirklich überzeugende Deutung. Gredig (FaN) Gredig (FaN) ist ein Familienname, der in NWWB (1, 126) für Fiesch und Birgisch erwähnt ist. Als Simplex im Singular erscheint jm Gredig ‘ im Stück Land der Familie Gredig ’ (1660, Greich) und im Plural in den Gredigen ‘ in den Stücken Land der Familie Gredig ’ (1536, Naters). In Martisberg ist 1648 in Gredigo Acheren ‘ im Acker der Familie Gredig ’ und 1840 der Úntere Gredig Acker ‘ der untere Acker der Familie Gredig ’ erwähnt. In Birgisch erscheint ts Grediggibrachi ‘ das kleine Stück Brachland der Familie Gredig ’ und in Brig der Genitiv Singular Gredischbodo ‘ der Boden der Familie Gredig ’ . Während alle diese Belege wohl den FaN Gredig enthalten, ist der Beleg Gredi=Biel ‘ der gerade Hügel ’ (1832, Lax; FLNK Gredibiel) unsicher; auch hier kann der FaN enthalten sein, doch ist er nicht belegt. In diesem Fall wäre wohl an das Adj schwdt. gerad, wdt. ggredi, ggäredi ‘ gerade; Gegensatz zu krumm ’ (I D . 6, 497 f.; BENB 1, 2, 94; G RICHTING 1998, 91) zu denken. Ob der FaN Gredig daraus abgeleitet ist, bleibt unsicher. Das F AMILIENNAMEN- BUCH DER S CHWEIZ (2, 705) verzeichnet den FaN u. a. für Fiesch und Birgisch. Grediz Grediz ist so nur in Salgesch belegt: 1353 eys Grediz, 1366 ey`s Gredyezs, 1466 eys Gredis ‘ bei den kreidehaltigen Stücken Land (? ) ’ . Es handelt sich um einen Plural, der in der Literatur nicht behandelt ist. Am nächsten käme wohl eine ältere Form apr. greda zum lat. CR Ē TA ‘ Kreide ’ (FEW 2,1330), das aus dem Germanischen entlehnt wurde. Intervokalisches / d/ < / t/ ist allerdings normalerweise geschwunden (cf. G PSR 4, 501 ss. s. v. craie), sodass die Deutung sehr problematisch ist. In der Deutung gibt Sch[ülé] an, dass Savièse den Typ ékri ̩ da aus dem Deutschen entlehnt habe; dann wäre Grediz in Salgesch eine romanisierte Form zum dialektalen Chr ī de n II ‘ Kreide ’ (I D . 3, 787). Greef Greef ist nur belegt in der Greefzug (St. Niklaus; auf LT Grefzug), sowie der Ober und der Unner Grefbodu (Saas- Balen; auf LT Gräfbodu). Die Notationen des Vokals sind unklar: eine ist lang (aber nicht auf LT), die andern zwei sind kurz, auf LT jedoch / ä/ statt / e/ . Am nächstliegenden scheint eine Kollektivableitung G(e)-räff zum Grundwort schwdt. Rëff I ‘ Tragreff ’ und wdt. Rääff, Räff ‘ Traggestell für Käse ’ (I D . 6, 644; G RICHTING 1998, 158; die zweite Bedeutung ist nicht relevant) zuzutreffen. Als Motivation dient vermutlich die Ähnlichkeit der Flur mit dem Tragreff. Die Unsicherheit bei der Notation des Vokals hängt wohl mit der bei R ÜBEL (1950, 1 f.) behandelten Unsicherheit im Bereich des Umlautes von mhd. â und des mhd. ë zusammen. Greeji Greeji ist nur belegt in Greeji (Zwischbergen, LT Greji). J ORDAN (2006, 302) kennt es als Gré m., notiert aber als Variante auch Greeji. Er nennt den Ort: „ extrem steile Felskehle “ ; es handelt sich tatsächlich um eine felsige, steile Stelle. Die Diminutivendung auf [-ji] ist deutsch; der Stamm Gree lässt sich laut I D . nicht deuten. O LIVIERI (1965, 140) kennt Crè, führt es nach S ALVIONI auf lat. * CARRALE ‘ strada carregiabile (fahrbare Strasse) ’ zurück, was hier nach der Beschreibung sicher nicht der Fall ist. Falls der Name des Grabens als Ganzer deutsch sein soll, wäre er wohl mit Entrundung (/ ö/ > [e]) und Palatalisierung zu G e -röll ‘ Steingeröll ’ (I D . 6, 880) zu stellen; das I D . gibt an der Stelle W IPF (1910, 107) an, die karell ‘ Geröll ’ notiert. führt dabei aus, dass in Visperterminen ein / -ar-/ an Stelle des einfachen / -r-/ ausgesprochen wird. Ganz unsicher ist allerdings die Entwicklung von / ll/ vor / ji/ ; normalerweise ist eine Reduktion zu Greeji nicht möglich. Das HL kann deswegen weder dt., noch piemontesisch gedeutet werden. Greetschu Greetschu ist zunächst in Hohtenn als der Greetschuhubil und di Greetschumatte belegt. Hohtenn kennt kein Simplex Greetschu. Historisch sind die Belege Gretschenmatten (1775, Niedergesteln), in der Gretschen Matten (1716, Agarn) und die Gretschen Matten (1712, Leuk) belegt. Letzteres könnte zu Grechten (< lat. CRISTA ‘ Hügel ’ ) Gredig (FaN) 363 364 <?page no="448"?> gestellt werden (das Register hat Grechtmatten), doch ist die Beleglage sehr unsicher. Für Hohtenn ist diese Herleitung kaum haltbar, da es keine ursprünglichen Patois- Namen kennt und der betonte Vokal lang ist. Schwdt. G(e)rätsch n. ‘ Vorgangs-, Schallbezeichnung; Brechen des Hanfes und das dabei entstehende Geräusch; Geschwätz ’ usw. und wdt. Ggrätsch, Grrätsch (Lötschtal) ‘ Geschwätz, Lärm der Ratsche ’ (I D . 6, 1846 f.; G RICHTING 1998, 91) trifft wegen des / ä/ ebensowenig zu, wie die Entrundung von Röötsche n ‘ Rothaarige(r) ’ (I D . 6, 1854), die zwar formal passen würde, aber inhaltlich nicht sinnvoll ist. Zu vermuten ist deswegen wohl ein PN, dessen genaue Ausgestaltung jedoch unklar ist. Gregor (PN) Gregor (PN) ist ein PN zu Gregorius (I D . 2, 723 f.). Er ist in ts Gregoorisch Grund ‘ der Grund des Gregor (PN) ’ (Brigerbad, heute laut Gwp. veraltet und ts Perrigsch Grund genannt) und ts Volkegregorsch Weid ‘ die Weide des Gregor Volken (einstiger Besitzer) ’ (Grengiols) belegt. Greli (FaN) Greli (FaN) ist nur historisch belegt als Grelisbodo ‘ der Boden der Familie Greli ’ (Brig). Die Belege stammen von 1744 unter Greilisboden, 1758 in Grelisch Boden und 1850 im Grelisboden. Der FaN Greli, eine Nebenform zum FaN Groely (AWWB 117), gelangte aus dem Formazzatal zunächst nach Brig und dann nach Sitten. Gren Gren ist 1412 historisch in Steg als Grenmatta belegt; der Schreiber hat gren und matta getrennt und zitiert den Namen ohne Artikel bei der Grenzbeschreibung. BENB (1, 2, 102) verweist unter Gren auf Grän (BENB 1, 2, 96). Dort wird auf Gréina und seine Ableitungen verwiesen (RN 2, 715). Da in Steg eine Ableitung zu einer bündnerromanischen oder tessinischen Form eher unwahrscheinlich ist, müsste hier wohl ein lat.-rom. Etymon angesetzt werden; in Frage kommt granum ‘ Korn ’ (FEW 4, 227 ff.; G PSR 8, 591 ss. s. v. grain), wobei die genaue Deutung unklar ist. Traditionell wächst auf einer Matta Gras, nicht Korn. Darum ist ‘ die Kornwiese ’ als Deutung unsicher. Grengiols Grengiols, dial. Gränglsch, ist der Name einer Gemeinde im Bezirk Östlich-Raron, links des Rotten. Der Name wird entsprechend den ältesten Belegen zu lat. AD GRA- NARIÓLAS ‘ kleine Speicher ’ , Dim. zu lat. GRANARIUM ‘ Speicher ’ (J ACCARD 1906, 201; G UEX 1938, 363; 1976 2 , 186; R ÜBEL 1950, 133; K RISTOL ET AL ., 2005, 410) gestellt. G RICHTING (1998, 96) verzeichnet ihn als Gränglsch, Grängälsch (Goms), Grängulsch (Mattertal), Grängilsch. Neben dem Gemeindenamen, der auch in die Greniolsbrúgga ‘ die Brücke bei Grengiols ’ (1539, Grengiols) belegt ist, kommt ein Genitiv Plural als in Greniaro Geschnitt ‘ im Geschnitt (Gemeindegebiet) der Leute von Grengiols ’ (1645, Grengiols; gemeint ist ein Wald) vor. Ein Adjektiv Grängjer / Grengjer ist belegt in der Grengjerturu ‘ der Turm am Weg nach Grengiols ’ (Betten), Grengierweg ‘ der Weg nach Grengiols ’ (1818, Filet) und der Grängjerwäg ‘ der Weg nach Grengiols ’ (Betten). Die Aussprache von / ä/ vor / n/ als / e/ ist im Oberwallis möglich (vgl. SDS 1, 36). Grenien (PN) Grenien (PN) ist nur 1481 in Naters als in Grenien Acher belegt. Es scheint sich um einen Genitiv zu einem PN Greni zu handeln, wobei der PN eher auf eine Frau als auf einen Mann verweist; möglich wäre auch ein Beiname oder FaN Greni (bei F ÖRSTEMANN 1, 665 ist Grani belegt, aber unsicher). Zu deuten wäre also ‘ im Acker des / der Greni (PN) (unklar) ’ . Grenze Grenze f. ist zu schwdt. Grënze n f. ‘ Grenze ’ (I D . 2, 785) zu stellen. Als Grundwort kommt nur die Lötsch=Grentzen (1796, Erschmatt) vor. Gemeint ist hier wohl die Grenze zum Lötschental, deren Verlauf beim Faldumrothorn unsicher ist. Sonst kommt das HL nur als Bestimmungswort Grenz in Grenzstein (1869), wohl zwischen Münster und Geschinen (cf. HL M ARCH ) , sowie als der Grenzgipfel, der Grenzgletscher und der Grenzsattel (alle Zermatt) vor. Die drei Namen bezeichnen Gipfel, Gletscher und Sattel in der Mone Rosa-Gruppe an der Grenze zu Italien. Das HL ist nicht dialektal. Greppon Greppon ‘ Fels ’ ist nur in Varen 1716 als im Greppon und 1730 als im Creppon belegt. Der Flurname gehört zu Creppon, auch Greppon ‘ Fels ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 246), die es auf ein vorlat. *crepp zurückführen. Gress (PN) Gress (PN) ist nur 1392 in Visp als Gressacgin ‘ der kleine Acker des Gress ’ belegt. Gelegentlich wird der FaN Gretz oder Grätz (AWWB 115) auch Gres genannt (z. B. 1776 in Zwischbergen eine verstorbene Anna ‘ Catharina ’ Gres). Ob diese Familie auch in Visp begütert war, ist unsicher. Wir geben deswegen nur den PN Gress an. 365 366 Gress (PN) <?page no="449"?> Greta (PN) Greta (PN) ist der PN Greta, eine Kurzform zu Margareta (I D . 2, 824 f; BENB 1, 2, 104). Zu diesem PN gehören Komposita mit dem PN als Bestimmungswort oder einem vorangestellten Genitiv: z Greten Acher ‘ der Acker der Greta ’ (1545, Ritzingen), jn Gretun Matten ‘ in den Wiesen der Greta (Margareta) ’ (1645 u. später, Unterbäch), jn Greden Matten ‘ in den Wiesen der Greta ’ (1726 u. später, Guttet; der Beleg von 1726 hat jn Gredo Matten, was an einen starken Genitiv denken lässt), Grettenmatte ‘ die Wiese der Greta ’ (1859, Glis) ist zusammengesetzt. Zweimal schliesslich ist in Wiler dr Greetuschleif ‘ der Schleif der Greta ’ und underm Greetuschleif ‘ unter dem Schleif der Greta ’ belegt. Der zweite Name befindet sich weiter unten als der erste. Ob Gretawäsch ‘ der Waschplatz der Greta (unsicher) ’ (Zwischbergen) hieher gehört, ist unklar. Die beschriebene Sage, wonach dort eine von zwei Schwestern gewaschen habe, genügt als Deutung kaum. Sicher nicht hieher gehört Gretta Zat (Varen), das zum HL G RECHTA zu stellen ist. Gretilen (PN) Gretilen (PN) ‘ der Gretli ’ ist belegt in im Gretilen Weingarten ‘ im Weingarten der Gretli ’ (1755, Raron). Es handelt sich um einen Genitiv zu Gretli (I D . 2, 824 s. v. Gret), einem weiblichen Taufnamen. Im Beleg bezeichnet es wohl eine frühere Besitzerin des Weingartens. Gretz Gretz ist nur als ts Tangrets ‘ das Gebüsch im Tannengehölz ’ (Glis, FLNK Tangretz) belegt. Es ist zu schwdt. G(e)gretz n. ‘ allerlei Ruten und Stauden, dorniges, rauhes Strauchwerk; dürres Tannreisig ’ und wdt. Grezza, Grezzä (Goms), Gräzzu, Grezzu ‘ Zweig (dürrer), Rute ’ (I D . 2, 836; G RICHTING 1998, 97) zu stellen. Gribeliir Gribeliir ist als Gribeliir ‘ der Ort, wo sich ein Sieb befand ’ (Leukerbad; FNLK Gribeliir) mit Erstbetonung belegt; die Endsilbe ist lang und nebenbetont. 1358 erscheint ou cribler, ebenso 1467, die beide ein ältere Form zeigen. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 55 und Blatt 19, Nr. 28) kennt es als Gribälier. Der Flurname ist wohl von frz. crible ‘ Sieb ’ (FEW 2, 1334; G PSR 4, 556 s. v. cribleire ‘ Sieb ’ mit unsicherer Deutung im Einzelnen) und dem Ableitungssuffix / - ARIA / oder / - AT Ō RIA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288), hier wohl zu verstehen als ‘ Ort, wo sich ein Sieb befand ’ zu verstehen. Als Flurname ist das Etymon sonst nicht bekannt. Gribieren Gribieren f. ist 1706 in Turtmann als der Gribieren (Genitiv ist konstruktionsbedingt) belegt. Der Name kann nicht zugeordnet werden. Einerseits deutet die Endung / - IERE / auf ein frz. Fremdwort hin, andererseits ist unklar, ob es sich um eine Entrundung (/ ü/ > / i/ ) handelt. Die Form kann deswegen nicht gedeutet werden. Gricht Gricht n. ist zu schwdt. Ge-richt, G ’ richt n. ‘ Gericht ’ zu stellen. I D . (6, 3245 ff.) unterscheidet eine Ableitung zu richten ‘ Balkengerüst, Gerippe eines Neubaus; Einfassung einer Tür; Falle zum Fangen von Mäusen, Murmeltieren, Vögeln, Hasen ’ , so z. B. schwdt. Hase n gericht nur als Lokalname ‘ Ort, wo man den Hasen richtete (Fallen stellte) ’ (I D . 6, 356) oder als Rechtswort ‘ Recht, Gerechtigkeit; Handhabung des Rechts; Rechtsverfahren; Gerichtsstätte ’ , H ō chgricht ‘ peinliches Gericht (Verfahren, Gerichtshof); hohe Gerichtsbarkeit; Bezirk, in dem eine einheitliche Blutgerichtsbarkeit besteht; Richtstätte, Galgen ’ , Fr ī gricht ‘ aus Freien bestehender Gerichtshof für Freie; als Name eines Territoriums (= Freiamt) ’ (I D . 6, 325 f., 345, 350). Die zweite Bedeutung ist in sieben von acht Fällen gemeint. Am häufigsten ist der Typ ts Hogericht ‘ das Hoch-Gericht (Galgen) ’ (Unterbäch), beÿm Hogericht ‘ beim Hochgericht ’ (1736, Leuk), ts Hogricht ‘ das Hochgericht (wo Verbrecher hingerichtet wurden) ’ (Mörel). Nur historisch ist belegt im Frÿgericht ‘ im Freigericht (Walderoberg) ’ (1742, Simplon) und in Vlricherro Alt Gericht ‘ beim alten Gericht der Leute des Ulrich ’ (1657, Ausserberg). Als Bestimmungswort ist das HL belegt in an dem Gerichtsbanck ‘ der Ort, wo sich die Gerichtsbank (auf der das Gericht Platz nahm) befand ’ (1699 u. später, Steg) und am Gricht Banch ‘ der Ort, wo sich die Gerichtsbank (auf der das Gericht Platz nahm) befand ’ (1528, Ernen). ts Hasegricht ‘ der Ort, wo man den Hasen Fallen stellte ’ (Ritzingen) ist der einzige Fall mit der ersten Bedeutung von Gricht. Grichtina Grichtina f., ist nur einmal in Grichtinaheechi (FLNK, Salgesch) belegt. M ATHIER (2015, 100) stellt es zu rom. CRISTA ‘ Kamm, Hügel ’ , das im westlichen Bezirk Leuk normalerweise als Grechta erscheint (cf. HL G RECHTA ). G PSR (4, 532bff.) kennt jedoch keinen einzigen Beleg mit / i/ . In unserer Datenbank ist aber in Salgesch ein Name bekannt, der 1346 als en crestinan, 1353 in cristinam, 1494 en cristinan, 1579 en crichtinam, 1674 in Chrittinant und 1708 jn Crittenon belegt ist. Es handelt sich hier wohl um Greta (PN) 367 368 <?page no="450"?> eine Diminutivableitung mit / - INA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) von CRISTA , die vermutlich auch die Form mit Grichtina mit / i/ in der betonten Silbe bestimmt. Das nicht mehr verstandene Grichtina ‘ kleine Anhöhe ’ wird durch Heeji ‘ Höhe ’ verdoppelt. Ein PN zu Christina ist kaum gemeint (I D . 4, 760 s. v. N ī na). Grie Grie, auch grien Adj., ist zu schwdt gruen, grüen, wdt. mehrheitlich entrundet grie, griän ‘ grün ’ , auch ‘ frisch ’ (im Gegensatz zu ‘ dürr ’ ) (I D . 2, 749; G RICHTING 1998, 97) zu stellen. In Einzelfällen kann auch Grien ‘ Kies ’ (I D . 2, 747 f.) gemeint sein, doch ist dieses Lemma im Oberwallis sonst nicht belegt. Das Farbwort erscheint in etwas über 25 Fällen. Das Adjektiv ist zunächst attributiv flektiert oder unflektiert belegt. Gemeint ist meistens die Farbe, im Gegensatz zur Umgebung. Hierzu gehören etwa ts Grie Bidi ‘ der kleine, grüne Boden ’ (Glis), ts Grie Chummelti ‘ die kleine grüne Chumma (Mulde) ’ (Mund), der Grie Schleif ‘ der grüne (Holz-)Schleif ’ (Leuk), der Grie Wald ‘ der grüne Wald ’ (Visperterminen), der Grien Blätz ‘ das grüne kleine Stück Land ’ (Saas-Fee), der Grien Tschuggu ‘ der grüne Felsen ’ (Saas-Balen) und andere mehr. Als Bestimmungswort kommt das HL vor in ts Grieegg ‘ die grüne Ecke (Felsgrat) ’ (Fieschertal), wozu ein Namennest mit Grieeggfirn (FLNK), der Grieegggletscher, ts Grieegghore, t Griehorelicka, ts Griehorli, ts Gross Griehore, Klein Grünhornlücke (LT), Chlii Griehorelicka (FLNK), ts Chlii Griehore (alle Fieschertal) im Bereich des Konkordiaplatzes gehört. Weiter Belege sind etwa Grielöb ‘ das grüne Laub ’ (Reckingen), t Grielöwene ‘ der grüne Lawinenzug ’ (Reckingen) und Grielöuwenelöb ‘ das Laub beim grünen Rutschgebiet ’ (FLNK, Reckingen) und andere mehr. Substantiviert erscheint di Griänn ‘ die grüne Stelle ’ (Wiler), wobei die Angabe ‘ Jägerdurchgang ’ auch an das sonst im Oberwallis nicht belegte Grien ‘ Sand, Geröll ’ denken lässt (I D . 2, 747), ähnlich wie in Grüe ‘ beim Grün, beim Sand, Geröll ’ (1715, Fiesch; unklar). Sonst ist eine Substantivierung di Grieni ‘ die grüne Stelle ’ (Mund, Saas- Almagell Täsch) oder di Griäna (Wiler) belegt. Einen Plural zur Ableitung auf - IG weist di Grieniga ‘ die grünfarbenen Stellen ’ (Simplon) auf, wo J ORDAN (2006, 152) von einem aufgelichteten Bergwald spricht, während Gwp. von grünen Parzellen mit ‘ Ggaarluberr ’ (Bärentraube; vermutlich A RCTOSTAPHYLOS ALPINA , vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 704) redet. Griebier (FaN) Griebier (FaN) ist nur 1638 in Bitsch als Griebieroholtz Schleif belegt. Es geht um einen Genitiv Plural zu einem FaN, der laut AWWB (119 s. v. Gruber) auch in Mörel im 15. Jahrhundert mit den Schreibweisen Gruebier, Griebier, Grubler und Grübler belegt war. Hierzu ist Griebieroholz Schleif ‘ der Holzschleif der Familie Griebier ’ zu stellen. Gries Gries n. ist zu schwdt. Gries, ahd. grioz, mhd. griez n. ‘ grobkörniger Sand, Kies; Geschiebe, angeschwemmte Schuttmasse, Sandbank ’ (I D . 2, 801 f.; Z INSLI 1945, 321; BENB 1, 2, 105 f.; URNB 2, 63 f.) zu stellen; das bei G RICHTING (1998, 97) erwähnte wdt. Gries, Griäs ‘ Gries, Krankheit ’ gehört nicht hieher. Gries (FLNK) ist als Simplex in Ulrichen belegt, vermutlich als Name einer Alpe, mit einem Namennest, das der Griesgletscher, ts Grieshore, der Griespass, Griessee (FLNK u. LT), Griesstäg (1756) und t Griesweng umfasst. Nur historisch belegt ist Zgryess (1549, Niederwald), das als zu Gries oder das Gries gelesen werden kann; der Ort ist nicht mit Gries in Ulrichen identisch. Die meisten Belege weisen Gries als Bestimmungswort auf, mit einem Namennest in Bellwald (der Griesbach, t Grieschumma, ts Griesgufer, der Grieswang), daneben sind Acher, Bach, Chumma, Satz, Tola und Tschugge belegt. Komplexer ist Griesgletscherpass (LT, Reckingen), der zum Umfeld der Alpe Gries in Ulrichen gehört. Eine adjektivische / - IG / -Ableitung findet sich in der Griesig Aker ‘ der Acker mit Steingeröll ’ (1860, Ried-Brig). Eine substantivische Ableitung auf / - ERNA / - ERNU (mit dem kollektiven Suffix / - ERNA / ‘ Ort, Stelle, mit viel Gries ’ findet sich in di Griessera (LT hat Griesserna), der Griessernugletscher und ts Griessernuhoru (Simplon), die zusammen gehören. J ORDAN (2006) hat Grièssärna, Undri Grièssärna, Alti Grièssärna, Obri Grièssärna (105f), Grièssärnurand (105), Grièssärnuhooru, Grièssärnugletschär (107) und Grièssärnuwasser (102), weist also mehr Flurnamen auf, als die Datei des VSNB kennt. Grii Grii n., im Lötschental Griin (mit vokalischem Vorschlag des / r/ Ge ’ riin), ist eine Kollektivbildung mit G ( I )zu einem Stamm Rune (cf. HL R ONE ) in der Bedeutung ‘ umgehauene, umherliegende Baumstämme ’ (I D . 4, 1015, LUNB 1, 361). Z INSLI (1984, 168) hat Gri(i) für Pomatt; er hält es für ungedeutet, sieht aber als Möglichkeit Grien ‘ Kies ’ (S. 224) und lehnt eine Herleitung von grien ‘ grün ’ ab. Das gilt auch für unser Gebiet, da eine Monophthongierung, gerade in Simplizia, nicht anzunehmen ist (in Komposita könnte allerdings das sog. Brandstettersche Gesetz der Kürzung von Langvokalen und Diphthongen in mehrsilbigen Wörtern eine Rolle spielen). Das Lemma kommt als Simplex ts Gri in Binn, Fiescher- 369 370 Grii <?page no="451"?> tal, Saas-Balen (mit leichtem Vorschlag vor / r/ ) und Simplon vor, als Griin (auf LT Geryn geschrieben) in Blatten (mit einem Bildstock). Vermutlich gehört auch ts Geri (Unterbäch) mit Betonung der zweiten Silbe und kurzem / e/ hieher (und nicht zum HL G EER ); hierzu gehören auch ts Ober Geri und ts Unner Geri (beide mit Zweitbetonung, Unterbäch). Bildungen mit Adjektiven sind Hinner Gri, Vorder Gri (Binn), Ober Gri (Simplon, J ORDAN 2006, 129 kennt neben Ggärí auch Innärs Gärí mit der Variante Obärs Ggärí (alle mit Betonung des / i/ )), sowie Inder Geriin, Ober Geriin, Uister Geriin in Blatten. Als Bestimmungswort erscheint das Lexem mit Eggi, Tschugge, Wald und Zü. In Blatten umfasst ein Namennest neben den Simplizia und den Bildungen mit Adjektiv auch Gerinärn, Gerin Baann, Grin Blatten (1845, Blatten), Gerinbobm, Griinloiwina, Gerinschiirä, Gerinstein, Gerintschuggn, Griinweidä, sowie Geringasse (1870, Blatten). Die Belege sind hier verkürzt zitiert. Griibil Griibil m. ist wohl zu schwdt. Grübel m. ‘ Hacke, Picke ’ (I D . 2, 691) zu stellen; G RICHTING (1998, 97) kennt allerdings nur das Verb grible ‘ herumwühlen, grübeln ’ , sodass auch ‘ das Ausgegrübelte ’ gelten kann. Belegt ist es nur in der Griibil ‘ die Hacke, das Ausgegrübelte ’ (Zeneggen), wobei der Beleg von 1687 in den Griebginen ‘ in den kleinen Gruben ’ nicht hieher gehört, sondern zu Grüeba ‘ Grube ’ zu stellen ist, und die Grübelalpe ‘ die Alpe, die wie eine Hacke / wie Ausgegrübeltes aussieht ’ (1795, Unterems). Formen mit Griebil gehören zum HL G RÜEBA . Griidu Griidu ist nur in Ergisch als di Griidu belegt. Historisch ist es 1745 als zer Gridú bezeugt. Die Form ist etwas seltsam. Das anlautene / g/ führt eigentlich auf ein romanisches Etymon zurück, das aber so nicht existiert (vgl. G PSR 4, 501 s. v. craie, das aber in der Anmerkung auf S. 502 von Sch[ülé] auf Savièse mit einer deutschen Herkunft verweist). Auf der andern Seite ist schwdt. Chride n und wdt. Chriida, Chriidä (Goms), Chriidu ‘ Kreide ’ (I D . 3, 787; G RICHTING 1998, 53) mit anlautendem / g/ nicht belegt. Es handelt sich also wohl um eine an das Französische angelehnte Form. Der Anlaut weist auf eine französische Form hin, das inlautende / d/ auf eine deutsche Form (cf. HL C HRIIDA ). Griifel Griifel ‘ Preiselbeere ’ ist zu schwdt. Gr ī fle n , wdt. Griifle, Greeflä (Lötschtal) f. ‘ Preiselbeere; vaccinium vitis-idaea ’ (I D . 2, 722; RN 2, 419; J UD 1945/ 46, 42 f.; BENB 1, 2, 106; G RICHTING 1998, 97; M ARZELL 4, 974; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 708) zu stellen. Es tritt nur als Bestimmungswort auf. Grundwörter sind Brunnu, Färich, Fäsch, Egg(a), Schluocht und Tschugge. Zweimal sind Komposita mit Adjektiven versehen: Üsser und Inner Griifelfäsch (Baltschieder) und Obru und Undru Griifileggini (Oberems). Als Motivation wird für gewöhnlich das Vorkommen von Preisel- und anderen Beeren angegeben. M ARZELL führt den Namen auf das Werkzeug (Riffel, siehe G R W B 14, 956) zurück, mit dem die Beeren abgestreift werden. Griinisch Griinisch ist nur belegt in ts Griinisch Sand (Saas-Balen). Es handelt sich um einen Genitiv Singular. Das Wort ist bei J ORDAN (1985, 162) für Simplon als Griina ‘ feuchter Bodennebel ’ erwähnt. I D . (2, 745) kennt das Adjektiv grinn u. a. vom Wetter als ‘ grau, kalt ’ und stellt es zu grimm. I D . (2, 749) erwähnt weiter das synonyme gr ǖ n und zitiert ‘ ein grüner Luft ’ als „ schneidend kalter Wind “ . Mit der im Wallis üblichen Entrundung würde sich daraus Griini ableiten lassen. Gwp. erwähnt, dass am so genannten Ort „ Kalter Talwind “ wehe. Vermutlich ist mit Griinisch ein solcher Wind gemeint. Grimsel Grimsel f. ist nicht nur als Passname belegt, sondern auch für zwei grössere Alpgebiete südlich davon. Die Belege sind Grimsel (1428 u. später, Oberwald) und Grimsle (1514 u. später, Obergesteln), wobei die historischen Belege teilweise gleich sind und meistens den Passnamen meinen. t Hinner Grimsle (Oberwald) meint den zu Oberwald gehörenden Teil der Grimsel-Alpe, t Voder Grimsle den zu Obergesteln gehörenden Teil. Entsprechend gibt es Oberwaldergrimsle (FLNK, Oberwald; LT Oberwalder Grimsle) und Geschler Grimsle (FLNK, Obergesteln; LT Gestler Grimsle). Als Bestimmungswort erscheint das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita Bodu, Chäller, Pass und Spittel. Komplexere Konstruktionen sind: der Alt Grimselwäg ‘ der alte Weg auf die Grimsel ’ (Oberwald) (die Alpe ist gemeint), di Grimselpassheeji ‘ die Höhe des Grimselpasses ’ (Oberwald) (höchste Stelle der Pass-Strasse), das Obere Grimselboden=Bort ‘ das obere Bord (Abhang, Böschung) des Grimselbodens ’ (1846, Obergesteln) und der Oberwalder Grimselbode ‘ der auf Oberwalder Gebiet gelegene Boden im Gebiet Grimsle ’ (Oberwald). Eine Erklärung muss davon ausgehen, dass primär ein Alpname vorliegt, der auf den Pass ausgedehnt wurde. Die ältesten Belege sind 1428 apud consches in domo grimsle, 1434 apud consches in domo grimsle (beide Münster); sie zeigen eine Form mit / i/ , sodass keine Griibil 371 372 <?page no="452"?> Entrundung vorliegen kann. 1428 wird auch eine Kirche der Heiligen Jungfrau Maria erwähnt. Es ist davon auszugehen, dass das Haus Grimsel sich im 15. Jahrhundert in Münster befand, das damals die einzige Pfarrei im Goms war (N OTI 1982, 9 - 11; P H . K ALBERMATTER p. c.); der genaue Bezug zu Grimsel ist nicht bekannt. Die späteren Belege erwähnen 1514 by dem Berg Grimslen (Oberwald), wobei der Pass gemeint ist. 1567 wird eine Allpenn genampt Grümbslenn erwähnt, wo die Leute von Törbel, welche die Alpe Ober Aar bestiessen, durchfahren durften; das / ü/ in dieser Form ist eine hyperkorrekte Rundung. BENB (1, 2, 107 f.) diskutiert den Passnamen Grimsel auf Grund der Literatur, hält ihn aber für ungeklärt. Vorgeschlagen wird eine deutsche Deutung, die vom Alpennamen Grimmi ausgeht, der auch von I D . (2, 764) zusammen mit Grimsel s. v. Grimme n ‘ Zähneknirschen, Wut, Grimm ’ erwähnt wird. Unklar bleibt, ob sich der Name in Grim + sel oder Grims + el segmentieren lässt. G R W B (9, 368) kennt ein Verb grimsen ‘ jammern, schreiend klagen ’ und stellt es zu ahd. grimmisôn ‘ wüten, toben; wütend, grimmig sein ’ . Eine deverbative Ableitung auf / - ELA / - ELE / als Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 519) ist deswegen nicht ausgeschlossen: ‘ der Ort, wo man jammert ’ ; die Deutung wäre dann an jene von I D . (2, 764) anzuschliessen. Die Annahme einer romanischen Bildung mit dem Hinweis auf Grimisuat (am Hang zwischen St. Léonard und Sion; dt. Grimseln) bringt laut K RISTOL ET AL . (2006, 413) keine Klarheit, da auch dieser Name nicht gedeutet werden kann. Für weitere Erklärungsversuche wird auf die zitierte Literatur verwiesen. Grind Grind ist zu schwdt., wdt. Grind m. zu stellen, in der Geländebezeichnung ‘ Felskopf, -kuppe, -vorsprung, isolierter, kleiner Felsen, kegelförmige Bodenerhebung, hervorragende, steile Bergspitze; Sandbank ’ , eigentlich ‘ Ausschlag auf dem Kopfe, eine harte Kruste bildend; knorrige, borkige Wucherung, Missbildung an Bäumen, am alten Holz der Rebstöcke; Flachsseide; Kopf (am tierischen und menschlichen Körper) ’ (I D . 2, 759 f.; Z INSLI 1945, 321; BENB 1, 2, 108 f.; URNB 2, 68; G RICHTING 1998, 97). Das Lemma ist lautlich identisch mit der entrundeten Form von Gründ (cf. HL G RUND ), vor allem beim Typ Grindji ‘ kleiner (Tal-)Grund ’ . Sichere Fälle von Grind sind selten: Riisugoliatgrind ‘ der (Fels-)Kopf, der aussieht wie der Riese Goliath ’ (Leukerbad). Weniger sicher sind mehrere Belege Grindbiel (assimiliert auch: Grimbiel) ‘ Hügel, der wie ein Kopf aussieht ’ (Brig, Eggerberg, Ernen, Glis, Simplon), die sowohl zu Grind wie zu Grund gehören können. Wir stellen sie hier zu Grind, weil die ältest erreichbaren Belege schon ein / i/ aufweisen, so Grimpuel (1279, Glis), Grimpuel (1304, Simplon), Grintbu ᵉ l (1399, Glis), Grind Bu ᵉ l (1453, Ernen); die Entrundung von / ü/ zu / i/ wäre normalerweise erst im 16. Jahrhundert zu erwarten. Dass spätere Belege auch ein / ü/ aufweisen, kann als hyperkorrekte Schreibung verstanden werden. In Ausserberg ist di Grinda ‘ die (Fels-)köpfe ’ belegt, doch ist schon 1483 neben an den Grinden auch an den Gründen belegt; später werden an den Grunden (1528), in den Grindun (1529) erwähnt - es ist deswegen nicht klar, ob der Name zum HL G RIND oder zum HL G RUND zu stellen ist; Grinda kann eine Um-Interpretation sein. Für Brig-Glis finden sich nebeneinander Grundbiel wie Grindbiel. Beide sind schon vor 1500 so belegt. Leider ist das Gebiet heute so überbaut, dass das frühere Gelände sich nicht mehr genau identifizieren lässt; die Siegfriedkarte zeigt jedenfalls mehrere Hügel im Bereich des Gliser Grundes, so dass wohl mehr als ein Geländename angenommen werden muss. Grindel Grindel ‘ Bergrücken ’ , ist nur auf SK für Hohtenn im Gipfelnamen Grindelspitzen ‘ die Felsspitzen, die einen Bergrücken bilden ’ belegt, für die schon SK auch Kistenhorn angibt, das auf den Karten heute Chistehorn (LT), resp. Chistuhorn (1: 10000) heisst. SK hat auch Grindel (Blatten) für eine Flur, die heute als Chrindällun belegt ist (vgl. HL C HRINNA - C HRINNU ). Das HL kommt auch in BENB (1, 2, 109 s. v. Grindel) vor; dort wird es zu Grendel, Grindel (I D . 2, 757 ff.) gestellt, das eigentlich als ‘ Riegel, Querriegel, bes. Schlagbaum, Pfahlwerk ’ definiert ist, sich aber in Flurnamen nicht unter einer Bedeutung vereinigen lässt. BENB (1, 2, 110) resümiert die Deutung von H UBSCHMIED , ohne ihr zuzustimmen, und referiert Autoren, die auch ‘ Bergrücken ’ darunter verstehen. Wichtig ist, dass nur SK dieses HL kennt; die neueren Aufnahmen sind unter HL C HRINNA - C HRINNU dargelegt. Grippe Grippe f. ist der entrundete Plural zu Gruppa ‘ Hinterteil, Kreuz der Pferde, auch des Rindviehs ’ (I D . 2, 791; G R W B 11, 2472 s. v. Kruppe) (cf. HL G RUPPA ) und kaum zu schwdt. G(e)ripp(i) n. wie nhd. ‘ Gerippe, Skelett ’ , ‘ Gerippe eines Holzbaues ’ , ‘ Rippenstück ’ (I D . 6, 1194 f.) bzw. T ō te(n)g(e)ripp n. ‘ Totengerippe ’ (I D . 6, 1195) zu stellen, obwohl die Gwp. meint, dass an dieser Stelle Totengebeine gefunden worden sein sollen oder dass die Pestkranken dorthin ausquartiert sein sollen. Der Name ist eher zum Singular Totgruppen (1391, Ried-Brig) zu stellen. In Visperterminen ist neben di Todgrippe auch ts Todgrippuwierli ‘ der kleine Weiher beim Gebiet Todgrip- 373 374 Grippe <?page no="453"?> pe ’ belegt. Die Flur Todgrippe (so auch 1: 10000) befindet sich auf halber Höhe zwischen Niederhäusern und Visperterminen und ist als ‘ das dem Hinterteil von Pferden gleichende Gelände, das steil ist (? ) ’ zu deuten. Tod bezieht sich hier wohl auf die Steilheit des Geländes. Gris Gris n. ‘ Holzbahn, Holzschleif (? ) ’ ist schwierig zu deuten. Sichere Belege finden sich nur in ts Niww Gris ‘ der neue Holzschleif ’ (Ulrichen), ts Unnergris ‘ das Gebiet unter dem Holzschleif ’ (Grengiols) und der Unnergrisgrabe ‘ der Graben zum Unnergris hinunter ’ (Grengiols). Unsicher ist der historische Beleg Grýzbach ‘ der Bach beim Holzschleif ’ (1325, Ernen). Die phonetischen Schreibungen zeigen ein geschlossenes, kurzes / i/ . Das anlautende / g/ kann aus einer Vorsilbe / g(e)-/ entstanden sein. I D . kennt sowohl für Gris wie für Ris und Ge-Ris verschiedene Einträge. Wie der Name ts Niww Gris deutlich macht, handelt es sich um eine von Menschen gemachte Einrichtung. Am ehesten kommt deswegen die Deutung Ris ‘ Holzbahn, Holzschleif ’ in Frage (I D . 4, 1357), verbunden mit dem kollektiven Präfix / g(e)-/ . Grisch Grisch ist zu Gr ī sch n., wdt. Ggrischl, Ggärischil n. ‘ Geröllhalde ’ ; ‘ schmale Bodensenkung, Rille ’ (cf. I D . 2, 815; G RICHTING 1998, 92) zu stellen. Das einfache Grisch ist in Saas-Almagell vertreten, und ein Genitiv des PN Grischen in Grischen Acherlin (1479, Bürchen). Der FaN Grischig (eine kollektive / - IG / -Ableitung zu Grisch) ist zwar nirgends als FaN belegt, doch deuten die Namen auf Weiler hin, in denen Leute siedelten, die zum Namen gehörten. Das Simplex kommt meistens im Plural vor: t Grischiga ‘ der Ort, der den Grischig gehört ’ (Unterbäch, Bürchen), auch Zen Grischigen (Agarn). In Unterbäch werden auch die Obru und die Undru Grischiga unterschieden, in Agarn ist Grischigu als Bestimmungswort in Grischiguschleif ‘ der Schleif der Familie Grischig ’ vertreten. In Reckingen ist ein Grischigegg vertreten, also eine ‘ Ecke der Familie Grischig ’ . Von den historischen Belegen zien Grissinguen (1300, Eischoll) und zen Grissingen (1309, wohl zu Unterbäch) gehört der zweite zu Unterbäch (G. Z ENHÄUSERN , p. c.). Ob der FaN de Grésy (AWWB 1116), der auch als Gryssie und ähnlich erscheint, dabei eine Rolle spielt, ist unklar. Z ENHÄUSERN (1998, 229) vermutet einen Zusammenhang für Unterbäch, ist aber nicht sicher. Grischen Grischen ist nur historisch 1479 in Bürchen in Grischen Acherlin belegt; der Name wird laut Dokument als Alternative zu das Birch verwendet. G ATTLEN (2007, 34 f.) kennt in Birch Riische, wo 1479 auch ein Haus erwähnt ist; G ATTLEN bezieht sich auf das gleiche Dokument. Grischen Acherlin enthält ein kollektives (g(i)-) und ist als ‘ der kleine Acker im Gebiet Riische ’ zu verstehen. Das HL G RISCH kann aber auch als Nominalisierung zu gris ‘ grau ’ und wdt. griisch (Mattertal) ‘ grau, gräulich ’ (I D . 1, 799 f.; G RICHTING 1998, 97) gestellt werden, sodass die Bedeutung ‘ der kleine Acker des Grauhaarigen ’ gegeben wäre. Grischetu Grischetu ist in Varen als Simplex Griischetu und einmal als Bestimmungswort in Griischetugrabu belegt. T AG- MANN , Ms. 40, kennt es auch für Salgesch. Er stellt die Belege zu afkp. *krwizéta ‘ croisette ’ , also ‘ beim kleinen Kreuz ’ (cf. G PSR 4, 598 ff., FEW 1, 2, 1376 zu croisette). Das inlautende (-sch-) bezeichnet nach ihm eine spätere Entwicklung. Crisetta ist die historische Form (belegt 1610 als Criseta in Leukerbad und Crisetta (1580 u. später) in Salgesch) zu Griischetu. Grisig Grisig kommt nur vor in Grisigpass (Naters), Grisiglicka (Mund) und Grisighoru (Naters), hier phonetisch als Geriisighoru notiert, wohl mit Uminterpretation des r- Vorschlags. Es scheint, dass hier eine Kollektivbildung mit dem Zirkumfix / GI - IG / zu Ris II ‘ Schutthalde ’ (I D . 6, 1356) gemeint ist, also etwa Horn, Pass und Lücke in einem Felsschuttgebiet. Alternativ könnte eine adjektivische / - IG / -Ableitung zu Ge-Ris ‘ Schutthalde ’ (I D . 6, 1362) vorliegen. Gritschia Gritschia ist zu it. grigio Adj. ‘ grau ’ (D EVOTO / O LI 1991, 859) zu stellen. Es kommt nur im Gipfelnamen Teschta Gritschia ‘ grauer Gipfel ’ (3479 m) in Zermatt, Grenze zu Italien, vor, wo es auf der Internet-Karte als Testa Grigia und auch als Tête Grise erscheint. O LIVIERI (1965, 339) kennt den Namen, führt aber dt. Graushaupt an, das Z INSLI (1984, 441) als Groabhopt (mit Varianten) benennt; Z INSLI führt es auf ahd. grâo, grâwe (Plural) ‘ grau ’ zurück (G R W B 8, 2071 s. v. grau). Gritta Gritta f. ‘ die Beinspreizung, die Geländegabelung ’ ist zu schwdt., Gritte n f. ‘ die gespreizte Stellung der Beine; Zwischenraum zwischen den gespreizten Beinen, wie der Winkel von zwei Ästen ’ und wdt. Grittu, Ggritta, Grittärnu ‘ Beinspreizung ’ (I D . 2, 827; G RICHTING 1998, 98) zu stellen. Die Ableitung schwdt., wdt. Grittele n f. ‘ die Stelle, von der die Beine am menschlichen Körper aus- Gris 375 376 <?page no="454"?> gehen, der Schritt ’ , auch ‘ die gespreizte Stellung der Beine selbst ’ , ‘ die Stelle, wo ein Baumstamm oder Ast sich in zwei spaltet, gabelt ’ (I D . 2, 826 f.) hier bezogen auf die Geländeform als Geländegabelung, ist häufiger vertreten. Das Simplex ist nur im Plural als di Gritte ‘ die Geländegabelungen ’ (Visperterminen) vertreten. Dazu gehört di Grittmatte ‘ die Wiese beim Gebiet Gritte ’ (Visperterminen). Das Simplex der Ableitung Grittele n ist vertreten als Grittle (Blitzingen) und t Grittele (Geschinen, Reckingen), historisch auch als Grittella (1399, Ried-Brig). In Reckingen werden t Voder und t Hinner Grittele unterschieden. Dazu kommen Komposita mit dem HL als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Bodu, Egg(a), Grabu, See, Tschugge und Zug. Die Umschreibung als ‘ Geländegabelung ’ nimmt den Vergleich mit gespreizten Beinen auf. Blosses Grit kommt als Bestimmungswort in fünf Belegen vor: zen Gryd Ouen ‘ bei den gespreizten Auen ’ (1339, Glis), die Gritflu ᵉ ‘ die gespaltene Fluh ’ (1405, Glis), Gritflu ᵉ ‘ die gespaltene Fluh ’ (1401, Naters), ts Griitfäsch ‘ das gespreizte Grasband ’ (Baltschieder) und die Grÿdt Tschúggen ‘ die gespaltenen Felsen ’ (1569 und später, Glis). Sofern die Belege nach 1500 erscheinen, kann auch Grit < Ge-rüt ‘ gerodete Fläche ’ in Frage kommen. Gritti Gritti ist nur belegt in der Grittistutz ‘ die steil ansteigende Stelle des Gritti ’ (Fieschertal). Laut Gwp. handelt es sich um den Beinamen Gritti des früheren Besitzers. Formal entspricht das HL dem schwdt. Ge-rüti ‘ gerodetes Gebiet ’ (I D . 6, 1816). Es kann aber auch zu schwdt. Gritte n ‘ gespreizte Stellung der Beine ’ und wdt. Grittu , Ggritta, Gritterna (Matteral), Gritta (Saastal), Grittärnu ‘ Beinspreizung ’ (I D . 2, 828; G RICHTING 1998, 98) in Verbindung gebracht werden. Aus dem Beleg kann das Genus nicht erschlossen werden. Gritze Gritze f. Pl. ist nur in Glis als di Gritze Pl. belegt. Wie SK zeigt, handelt es sich um ein Stück Land ohne Bebauung oberhalb von Glis. Die Gwp. ist sich offenbar nicht sicher, sagt sie doch fragend: „ zäh zu mähen? “ Die Zuordnung zum I D . ist unklar. Es kennt Gritze n f., n. ‘ dürres Reisig; kleiner Zweig; junger Keim ’ (2, 836) und Grütze n ‘ etwas Kleines, Unscheinbares, z. B. ein Häuschen, eine verkrüppelte Tanne ’ (2, 840). G RICHTING (1998, 97) kennt wdt. Grezza, Grezzä (Goms), Gräzzu (Leuk), Grezzu ‘ Zweig (dürrer), Rute ’ . Das HL G RETZ ‘ Gebüsch ’ kommt jedoch vor und zwar in Glis als ts Tangretz ‘ das Gebüsch im Tannengehölz ’ . Gritze scheint deswegen eher zu Grütze n zu stellen zu sein in der Bedeutung ‘ das kleine Stück Land ’ . Griwi Griwi ist nur einmal 1624 in Raron als auff die Grÿwÿ belegt. TGNB (2, 2, 449 s. v. Reuetaal) sagt, der Name Reuetaal werde für Terrassen grösserer Flusstäler verwendet, deutet den Namen als ‘ Jammertal ’ und lehnt die Interpretation von K RISTOL ET AL . (2005, 372, s. v. Reuenthal) ab, die den Ortsnamen auf den PN Riuwo zurückführen. In Griwi müsste man ein Präfix (g(i)-) annehmen, was einen PN ausschliesst. Der Stamm wäre dann schwdt. R ǖ w ‘ Reue ’ (I D . 6, 1876). G RICHTING (1998, 93) kennt einerseits ein Verb ggrüwwe (mit Varianten) ‘ reuig werden ’ und anderseits (163) riwwe (mit Varianten) ‘ reuen ’ . Griwi lässt sich dann als feminine Ableitung mit Präfix (g(i)-) interpretieren und meint in etwa ‘ das Stück Land, das einen reut ’ . Grob Grob n. ist in ts Grob (Törbel) belegt, wo es auch ts Ober und ts Unner Grob ‘ das obere und das untere Grob ’ gibt. Nur historisch belegt ist apud Grobun (1301, Eischoll). In den Wörterbüchern ist grob ‘ grob ’ nur als Adj. vertreten (I D . 2, 688; G RICHTING 1998, 98). In Törbel ist Grob ein Nomen mit neutralem Genus, was wohl kollektiv als ‘ das grobe Gebiet ’ zu deuten ist. Der in der deutschen Schweiz weit verbreitete FaN Grob (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 714 ff.) ist für das Wallis nicht belegt. Grogrü Grogrü n. ‘ der grosse Graben ’ ist nur belegt in ts Grogrü (Varen). Historische Belege fehlen; es handelt sich aber wohl um eine ursprünglich romanische Konstruktion: ein attributives Adjektiv gros ‘ gross, dick ’ (M EYER 1914, 56; T AGMANN 1946, 10) zu einem Nomen Grü ‘ Graben ’ (< frpr. crou ‘ creux, fosse ’ (T AGMANN 1945, 15) ist als Grüü n. ‘ Graben ’ in Leukerbad belegt (vgl. auch R. G RICHTING 1993, Blatt 9, Nr. 9 und Blatt 14, Nr. 33 als Grü) (cf. HL G RÜÜ ). Gromels (PN) Gromels (PN) ist nur 1430 belegt als Gromels Matta ‘ die Wiese des Gromel ’ (Leuk); der Beleg ist unsicher und könnte auch zu Steg gehören. Gromels ist ein Genitiv Singular zu einem PN Gromel, der sonst für unser Gebiet nicht belegt ist. Gröös Gröös m. ist zweimal belegt als Gröös und der Gröös (beide Zwischbergen). J ORDAN (2006, 298) kennt Ggröös und die bei uns nicht belegte Ggröössiita ‘ die Gröös- 377 378 Gröös <?page no="455"?> Seite ’ , die früher (bis 1950) gemäht wurde. Es ist zu crös ‘ Höhle ’ zu stellen (P ETRINI 1993, 95 s. v. crös), das seinerseits auf kelt. * KROSU ‘ Höhle ’ zurückgeführt wird und auch zu frz. creux ‘ ausgehöhlt; Höhlung ’ zu stellen ist. Wie J ORDAN (2006, 298) schreibt, handelt es sich um einen Graben, dessen Wasser über eine gewaltige Felswand in die Gondoschlucht hinabfällt. Grooss Grooss ‘ gross ’ Adj. ist zu schwdt., wdt. gr ō ss ‘ gross ’ , mhd. gr ō z, öfters als attributives Adjektiv im Gegensatz zu klein (I D . 2, 803 f.; BENB 1, 2, 116; G RICHTING 1998, 9) zu stellen. Das HL kommt in rund 380 Namen vor. In den meisten Belegen ist es attributives Adjektiv, manchmal flektiert. Der häufigste Typ ist der Gross Stei oder di Grossu Steina mit über 40 Belegen, wobei auch komplexere Bildungen wie di Grosssteihaalta ‘ die Halde beim Gross-Stein (Weiler von Hegdorn) ’ (Naters) oder di Grosssteiüowenner ‘ die Magerwiesen im Gebiet mit grossen Steinen ’ (Embd) vorkommen. Weitere häufig belegte Substantive sind Acher (19 Belege), Hooru (18 Belege), Matta (15 Belege), Wang (15 Belege), Grabu und Gufer (je 12 Belege) und Schluocht (10 Belege). Weitere sind: Ab, Äbi, Alaliin, Alpa, Altana, Arsch, Bann, Biel, Bietsch, Biina, Binn, Blatta, Bleicka, Bodu, Brunnu, Bäärg, Chaschtel, Chella, Cheer, Chumma, Costergium, Crosum, Dili, Egg(a), Eie, Esch, Flüö, Furgga, Fura, Färich, Gartu, Gasner (FaN), Glischer, Grund, Gufer, Haalta, Höupt, Hilla, Hitta, Hooru, Hubel, Huwwez, Kanaal, Kapälla, Lamma, Läicha, Lerch, Licka, Los, Lischa, Löüb, Löuwina, Läger, Müra, Mitt-, Moos, Müra, Pletscha, Putz, Räbe, Rigg, Riss n., Ritz, Rufina, Rüüs, Saass, Schandarm, Schild, Schiir, Schleif, Schnitta, Schnüär, Schuss - Schutz, Schwung, See, Stadel, Stafel, Stall, Stelli, Stock, Strich, Stüde, Tola, Triel, Trog, Ture, Twära, Tunnel, Wald, Wang, Wanna, Wasser, Weid, Wickert, Wier, Wiescht, Wild und Zälg. Auch hier gibt es komplexe Formen, auf die nur hingewiesen wird. Einen besonderen Fall bilden die Gipfelnamen, wo oft einem Simplex ein Groos- und ein Chlei- / Chliigegenüberstehen, z. B. Huwetz, der Gross Huwez, der Chlei Huwez (alle Termen); ähnliches gilt von Gletschernamen. Einen zweiten Sonderfall stellen Baumnamen dar wie zum Grossu Leerch ‘ bei der grossen Lärche ’ (Staldenried), zem Grossen Eesch ‘ bei der grossen Esche ’ (Kippel, Wiler), beÿm Grossen Núsbaúm (1663, Eggerberg) und andere. Die elliptisch gebrauchten Simplexbildungen (Grossen, Grossu, Grossa u. ä.) bezeichnen in der Regel Wasserleiten, ausgenommen Grossen (1548, Visp), welches dem historischen Beleg nach (vnum cum dimidio sectorio prati situm sub villa vespie cui (dicitur) in der grossen) entweder eine Wiese oder eine Aue meinte. Beim Beleg ts Grossmeiersch Hüs (Baltschieder) handelt es um das Haus des Grossmeiers (Amtsbezeichnung, kaum FaN). Bei der Grossmüeterrigg ‘ der Rücken der Grossmutter ’ (Oberwald) ist wohl ein Felsrücken gemeint, der so gektümmt ist, wie der Rücken einer alten Frau. In komplexeren Fällen wie z. B. di Gross Ahoruschlüocht ‘ die grosse Geländeeinbuchtung beim Ahorn ’ (Glis) bezieht sich das attributive Adjektiv normalerweise auf das Grundwort; im genannten Fall gibt es auch t Chlei Ahoruschlüocht ‘ die kleine Geländeeinbuchtung beim Ahorn ’ (Glis). Zum FaN Grossen cf. HL G ROSSEN (F A N). Grossen (FaN) Grossen (FaN) ist zum FaN Grossen, alte, ausgestorbene Familie des Bezirks Westlich-Raron (AWWB 118) zu stellen. Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor. Das Simplex ist in ts Grossu(n) Gässi ‘ die kleine Gasse, in der die Familie Grossen wohnte ’ (Raron) belegt. Hierzu gehört auch ts Grossuhüs ‘ das Haus der Familie Grossen ’ (Glis). Eine kollektive / - IG / -Ableitung im vorangestellten Genitiv Plural erscheint in jn Grossigo Achren ‘ in den Äckern der Familie Grossen ’ (1644, Ausserberg), in Grossigo Kromun Acher ‘ im Acker beim Kromen (eingezäuntes Stücke Wiese) der Familie Grossen) (1628, Ausserberg), in Grossigo Baumgarten ‘ im Baumgarten der Familie Grossen ’ (1635, Naters) und in Grossigo Haús ‘ im Haus der Familie Grossen ’ (1761, Bitsch). Unklar bleibt der Beleg in Grossilen Boden ‘ im Boden der Familie Grossil ’ (1772, Birgisch). Ein FaN Grossilten ist 1449 in Naters belegt, ebenso 1449 Gro ᵉ ssiltingen, wobei hier wohl ein Gut der Familie Grossilten gemeint ist. Da wir sonst über keine Belege verfügen, wird Grossil unter Vorbehalt zu Grossen gestellt. Grotte (rom.) Grotte ‘ Grasflecken ’ ist als frpr. Name nur belegt in t Kchrotte ‘ die Grotte ’ (Albinen; FLNK Chrotte); M ATHIER (2006, 17) kennt es als Krotte; LT hat sowohl Krotte wie Chrotte. Die historischen Belege zeigen 1540 eÿs crochte, 1602 ÿ crotte, ebenso 1662, danach Krotte und Grotte. Der älteste Beleg legt ein lat. CR Ŭ STA ‘ Kruste ’ (FEW 2, 1371; G PSR 4, 614 s. v. croûte) nahe; es liegt ein Plural vor. Ein Beleg von 1731 hat grotte ‘ Grotten ’ , doch passt das nicht zum ältesten Beleg. G PSR gibt an der angegebenen Stelle u. a. auch Bed. 7. 1. „ Corniche herbeuse au milieu d ’ une parois de roches (VMaréc[ottes], Finh[aut]), petit morceau de pré ou de champ au milieu de rochers (Finh [aut]) “ , also etwa dt. ‘ Grasflecken ’ . Ein Bezug zu la grotte Grooss 379 380 <?page no="456"?> ‘ die Grotte ’ liegt nicht vor (trotz B OSSARD / C HAVAN 2006, 38). Grotte Grotte f., auch Grotta ‘ Grotte ’ ist weder im I D . noch bei G RICHTING (1998) verzeichnet. Es gehört zum hdt. Grotte f. ‘ Grotte, Felsenhöhle von geringer Tiefe ’ (< it. grotta nach K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 377). Belegt sind bi der Grotte ‘ bei der Grotte ’ (Oberwald), wo eine Statue der in Lourdes erschienenen Jungfrau Maria in einer Grotte aufgestellt ist, t Grotte ‘ die Grotte ’ (Reckingen) mit gleicher Motivation, Eisgrotte ‘ Eisgrotte (künstliche Grotte im Gletschereis beim Hotel Belvedere) ’ (LT, Oberwald) und di Gletschergrotta ‘ die Grotte im Gletscher (früher Eishöhle bei einem Restaurant) ’ (Saas-Fee, LT Gletschergrotte). Grotze Grotze m. ist zu schwdt. Grotze n f. ‘ junge Tanne, unregelmässig gewachsene, kleine, verkrüppelte, abgestorbene, dürre Tanne; wilde Tanne mit vielen Ästen; Wettertanne; Rottanne; wilder, gesträuchartiger Baum ’ (I D . 2, 837; BENB 1, 2, 117; URNB 2, 73) zu stellen. Das Genus scheint im Oberwallis Maskulin zu sein; so gibt C. S CHMID (1968, 175) als älteren Plural Grotzna m. G RICHTING (1998, 92) erwähnt wdt. Ggrozz, Ggrozzä (Goms), Ggrozza (Mattertal), Ggrozzn (Lötschtal) als Maskulin ‘ Baum (verkümmerter), Holzstück (kleines) ’ (weitere Bedeutung nicht einschlägig). Das Simplex erscheint nur im Plural t Groze ‘ die kleinen Bäumchen ’ (Münster, Reckingen). Einen Diminutiv weist ts Grozji ‘ das kleine Gebiet mit kleinen Bäumchen ’ (Grächen) auf. Als Grundwort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita Mittelgrotza (FLNK, Randa; LT Mittelgrotzen), wozu die beiden Namen der Gross Mittelgrotza und der Chlei Mittelgrotza gehören, zwei Felsen im Gebiet Mittelgrotza, das nur ganz schwach bewaldet und im Wesentlichen eine Schafweide ist. bis an den Mittelgrotzen (1653, Visperterminen) ist nur historisch belegt, aber sicher maskulin. Unsicher ist der Beleg t Nesselgruze (Ulrichen, FLNK hat Nesselgroze), das einen Wald kleiner Bäumchen beim Gebiet Nessel meint. Sehr unsicher ist der Beleg Grútzingo Halbhu ᵉ ba ‘ die Halbhube der Leute vom Grutz / des Grutz ’ (1328, Visp); es handelt sich um einen Genitiv Plural des kollektiven / - ING / -Suffixes, also entweder einen Herkunftsnamen oder einem FaN. Da z. B. in Visperterminen 1412 Grutz für ‘ Kreuz ’ vorkommt, kann auch letzteres gemeint sein. I D . (2, 839 ff.) kennt mehrere Lemmata Grütz und Grützen, die aber kaum in Frage kommen. Gröüchu Gröüchu ist nur belegt in ts Gröüchuschiirli (Raron). Während das Grundwort Schiirli ‘ die kleine Scheuer ’ leicht deutbar ist, bietet Gröüchu Schwierigkeiten. Es scheint sich um ein seltenes starkes Partizip Passiv eines sonst schwachen Verbums röüche, röüchä (Goms), röichu (Mattertal), roichun (Lötschtal), röüchu ‘ rauchen, Dampf entsenden ’ (G RICHTING 1998, 164), resp. rauche n ‘ Rauch entwickeln, von sich geben ’ (I D . 4, 99) zu handeln, das sich zusammen mit Schiirli als ‘ die vom Rauch geschwärzte kleine Scheuer ’ deuten lässt. Laut Gwp. befinden sich heute dort Reben; LT zeigt dort heute einen kleinen Platz mit einem Gebäude. Grüeba Grüeba ‘ Grube ’ f. ist zu schwdt. Grueb (e) f. wdt Grüeba, Grüäba (Goms), Grüebu (Saastal), Gruäba (Lötschental), Grüöbu ‘ Grube, Graben, Mulde, Abgrund, Vertiefung, Delle; Bodenvertiefung, kesselförmige Talerweiterung, Mulde ’ (I D . 2, 692 f. (Bed. 6); Z INSLI 1945, 321; BENB 1, 2, 120; URNB 2, 74 f.; G RICHTING 1998, 98) zu stellen. Das Lemma kommt in rund 200 Namen vor. Die Formenbildung ist komplex, weil Palatalisierung (von / ue/ zu / üe/ , mit unterschiedlicher Realisierung) und Umlaut mit Entrundung (von / üe/ zu / ie/ mit unterschiedlicher Realisierung) eine Rolle spielen. Vereinfacht steht dem Singular Grüeba der Plural Grüebe, den diminutiven Singularen Grüebi und Griebji die Plurale Grüebini und Griebjini entgegen. Historisch sind auch Gruoba und Gruoben für das Simplex belegt. Eine Ableitung auf - LA mit Palatalisierung von / l/ liegt in Griebja, Plural Griebje vor. Diese Ableitung hat kollektiven Charakter ( ‘ das Gebiet mit Gruben ’ ), ebenso wie ts Grüeb n. (Grengiols, Leukerbad). Die Zahl der Simplizia ist hoch - rund die Hälfte aller Belege; häufig sind sie mit Präpositionen wie in und uf verbunden. Singulär ist der Grüebu m. (Ergisch). Attributive Adjektive zu Grüeba sind die Giltsteinini Gruben ‘ die giltsteinhaltige Grube ’ (1682, Zeneggen), t Hinner Grüebe (Geschinen), t Indrun Gruäbä (Blatten), Mittelgrüebe (Geschinen), der Mittluschte Grüebu (Ergisch), t Obru Grüebe (Täsch, Zeneggen), der Obruschte Grüebu (Ergisch), jn der Tieffen Gru ͦ ben (1581, Ferden), t Uistrun Gruäbä ‘ die äusseren Gruben ’ (Blatten), t Undru Grüobe (Täsch, Zeneggen), t Voder Grüebe (Geschinen, Münster), die Wilde Gruben (1716/ 17, Glis). Die meisten Adjektive sind relative Lagebezeichnungen. Ein Partizip Präsens enthält Fillundgrüeba ‘ die zu füllende Grube (Abwasser) ’ (Täsch, FLNK): Als Grundwort ist Grüeba mit seinen Varianten verbunden mit Tiernamen - entweder als Falle (Wolfgrüeba) oder als Lebensraum (zer Hasengrubun (1638, Stalden- 381 382 Grüeba <?page no="457"?> ried)). Neben Wolfgrüeba mit elf Nennungen und mit Erweiterungen wie bis zuo der althun Wollffgruobu ᵕ n (1588, Staldenried) kommen vor: die Bärugrüeba ‘ die Bärengrube ’ (Visp), in den Fúx Grúben (1770 u. früher, Naters) und t Schlangugrüeba (Täsch, Zermatt). Sehr häufig ist eine Gruppe von Bezeichnungen mit Materialien, die aus einer Grube stammen: Cholgrüebe ‘ die Gruben, wo Kohle gebrannt wurde ’ (Oberwald und mehrfach), ehemalige Erzgruben (LT, Grengiols), in der Gildgru ᵕ ben ‘ in der Grube mit Giltstein (Ofenstein)) (1729, Visp, mehrfach auch lebendig), t Iisegrüebe ‘ die Eisengruben ’ (Binn), t Kalchgrüebe ‘ die Kalk-Gruben ’ (Oberwald), t Leimgruäbä ‘ die Lehmgruben ’ (Blatten, ähnlich Grächen und Salgesch), Mineraliengrube (Binn, Grube im Lengtal), Ofegrüebe ‘ Grube mit Ofenstein (Giltstein) ’ (Oberwald und mehrfach), t Sandgrüebe ‘ die Grube mit Sand / beim Sand ’ (Biel und öfters), vff der Silber Ertz Gru ᵕ ben ‘ auf der Silbererz-Grube ’ (1586, Naters), t Straalgruäba ‘ die Grube mit Bergkristall ’ (Ferden) und Talggrüeba ‘ die Grube mit nasser, weicher Erde ’ (Stalden, FLNK). Während Fleeschgruäbä ‘ die Gruben mit Wasserstellen ’ (Blatten) hierzu gehören kann, ist Fleischgruäbä (Blatten) am gleichen Ort wohl eine Umdeutung des nicht mehr verstandenen Fleesch (cf. HL F LESCH ). Komplexere Formen weist etwa di Griebjini der Unner Stafil ‘ der untere Stafel der Alpe Griebjini (kleine Gruben) ’ (Oberems) auf; sie sind selten, auch jene vom Typ t Lengbachgrüeba ‘ die (Mineralien-)Grube am Lengbach ’ (Binn). Grüeba als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita vom Typ der Gruäbustutz ‘ der Anstieg / Abhang bei Gruäbä (Gruben) ’ (Blatten) sind eher selten belegt. Grundwörter mit verschiedenen Varianten von Grüeba sind Acher, Bach, Bodu, Cheer, Egg(a), Gassa, Gletscher, Hooru, Lerch, Matta, Schleif, Schluocht, Schnitta, See, Stadel, Stutz, Tal, Tola, Wald und Wasser. Komplexere Konstruktionen sind Grüobchalbärspitz ‘ die spitz zulaufende Weide für die Kälber beim Weiler Grüobu (Gruben) ’ (Oberems), ts Grüobtagfäld ‘ die Weide tagsüber der Alpe Grüob ’ (Ergisch, Oberems), dr Chollgruebuschleif ‘ der Schleif bei der Chollgruebu (Kohlengrube) ’ (Kippel) und die Gru ᵕ ebwasserleita ‘ die Wasserleite von / zu der Grube ’ (1653, Raron). Grüeber (FaN) Grüeber (FaN) ist zum FaN Gruber (schwzd. Grueber, entrundet Grieber) zu stellen, einer der ältesten Familien des Nikolaitales, die auch in Lötschen und Steg verbreitet war (AWWB 119). Vier Belege zeigen einen vorangestellten starken Genitiv: Gruäberschloch ‘ das Loch der Familie Gruber ’ (Wiler), Grubers Wasserleite ‘ die Wasserleitung der Familie Gruber ’ (1604 u. später, Visperterminen), ts Grüebersch Wasu ‘ der Wasen der Familie Gruber ’ (Törbel) und ts Grüebersch Wildi ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Gruber ’ (Goppisberg). Ein Beleg ist ein Kompositum mit dem FaN als Bestimmungswort: Gru ͦ bermatta ‘ die Wiese der Familie Gruber ’ (1406, Turtmann). Statt des FaN kann auch ein Herkunftsname zum HL G RÜEBA ‘ Grube ’ gemeint sein. Grüese Grüese ist in di Grüese (Ausserberg, auch LT und FLNK) belegt. Unklar ist, ob es sich um einen Singular oder einen Plural handelt. Der Name ist zu Gruese n (I D . 2, 813; RN 2, 421) zu stellen, hier wohl einfach in der Bedeutung ‘ kurzes, dichtes Gras ’ . Es erscheint aber auch in einer Ableitungsform auf / - ERRA / (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) lebend als Grüäsmärrä (Steg, auch FLNK), hier wohl Plural. Die historischen Belege haben 1705 in der Gruoseren, 1742 in den Gruesnerren usw.; / m/ erscheint erst in den heutigen Formen. Auf SK ist an der Stelle ein unbebautes Gebiet zu sehen, auf dem viel junges, grünes Gras wuchs. Beide Flurnamen gehen laut I D . (2, 813) auf ahd. gruoen, mhd. grüjen ‘ grünen ’ mit / - N / -Ableitung zurück. Grüess Grüess m. ‘ Gruss ’ ist zu schwdt. Gruess m., wdt. Grüess, Gruäss, Grüoss m. ‘ Gruss ’ (I D . 2, 812; G RICHTING 1998, 66) zu stellen. Das HL kommt hauptsächlich als Englisch Grüess ‘ der Gruss des Engels ’ , das sich auf L K 1, 28 bezieht, wo der Engel Gabriel Maria begrüsst; dieser Vers ist zugleich der erste Teil des Ave Maria (I D 1, 335; G RICHTING 1998, 66), das traditionell beim Läuten des Angelus gebetet wurde. Der FlN kommt in Baltschieder, Binn, Bürchen, Glis und Visp vor. Mit Ausnahme von Visp befinden oder befanden sich dort Kapellen oder Bildstöcke. Vereinzelt ist der Beleg der Grüesstadil ‘ der Gruss- Stadel ’ (Agarn), bei dem sich ein Kreuz befand, das durch das Abnehmen des Hutes gegrüsst worden sei (laut Gwp.). Unsicher ist der Beleg zúm Neúen Grús ‘ beim neuen Gruss ’ (1717, Embd), wo unter Umständen ein anderes HL (z. B. Rüüs) vorliegt, doch kann aus dem einzelnen Beleg nichts Weiteres geschlossen werden. Grumela Grumela f., auch Grummela, kommt als Simplex in Grengiols und Ausserbinn vor; erwähnt ist es auch für Ernen als Grummellen (1531), vermutlich identisch mit dem Beleg in Grengiols, wo es auch als Bestimmungswort in der Form Grumele / Grummele zu Schluocht und Grüeber (FaN) 383 384 <?page no="458"?> Wald vorkommt. G RICHTING (1998, 98) kennt Grummälu für die Leuker Berge als ‘ Brotrest ’ und bestätigt damit I D . (2, 734, s. v. Grummele n ). Vermutlich ist die Form des Brotrestes für den Flurnamen verantwortlich. Den ähnlichen Namen Grumel führt NWNB (2, 945) auf ein lat. GRUMUS ‘ Erdhaufen, Hügel ’ mit dem Suffix / - ELLU / - ELLA / zurück. Im Goms dürfte eine romanische Ableitung dieses Typs eher unwahrscheinlich sein. Ob die Andeutung im I D ., Grummele n auf Krume zurückzuführen, als Erklärung taugt, sei dahingestellt. Grumpul Grumpul ist zweimal als Bestimmungswort in di Grumpulheeji ‘ die Höhe mit (Stein-)Gerümpel ’ und di Grumpulsetz ‘ die Felsabsätze mit (Stein-)Gerümpel ’ (beide Saas-Balen) belegt. Das HL ist zu schwdt. G(e)rümpel (wohl zur Bedeutung 3) ‘ Unordnung, Durcheinander; durcheinandergeworfener, alter, verlegener Hausrat, Werkzeug; Plunder, Trödelkram ’ , mhd. gerümpel n. (I D . 6, 943 ff.) zu stellen, hier wohl als ‘ (Stein-)Gerümpel ’ zu verstehen. G RICHTING (1998, 92 s. v. Ggrumpl, Ggrumpäl (Goms), Ggrumpul (Mattertal), Ggärumpil) kennt nur ‘ Lärm, Krach ’ . Gwp. spricht von „ allerlei wertloses Zeug (Abfall) “ . Grund Grund m. ist zu schwdt., wdt. Grund m., Pl. wdt. Grind auf die Landschaft bezogen ‘ Talgrund, -sohle, Niederung, Ebene ’ , auch ‘ Boden ’ (I D . 2, 772 f.; Z INSLI 1946, 321; BENB 1, 2, 122 f.; URNB 2, 84 f.; G RICHTING 1998, 98) zu stellen. Es ist in rund 180 Flurnamen belegt. Das Simplex im Singular erscheint als Grund ‘ der Grund ’ (FLNK u. LT, Blatten; LT, Gampel; FLNK, Raron), der Grund (Glis; Ried-Brig; Täsch, FLNK u. LT Grund), im Grund ‘ im Grund ’ (Blitzingen, Niederwald, Saas-Grund, Wiler), im Grund ‘ im Grund (wohl Wohnort des Peter Schröter) ’ (1576, Agarn), jm Grundt ‘ im Grund ’ (1631 u. später, Stalden; 1733, Turtmann) und andere. Unsicher ist die historisch belegte Schreibung Grun (1692, Ulrichen). Eine halb latinisierte Form ist in de Grunde ‘ vom Grund ’ (1391, Naters) belegt, wo ein dt. Grund mit einem lat. Ablativ verbunden wurde. Der Plural des Simplex ist sehr selten belegt: di Grind ‘ die Gründe ’ (Saas-Grund; FLNK ine Grinu), Gründen ‘ die Gründe ’ (SK, Baltschieder), in den Grinden (1703, Ausserberg), vgl. aber hierzu auch HL G RIND . Die frühere Gemeinde Gründen (gespr. Grinda) war bis 1922 selbständig und wurde dann zu Ausserberg überführt (P H . K ALBERMATTER in https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 00330 4/ 2007-6-26/ [26.05.2021; IW]). Die Gemeinde lag auf dem Gebiet von Baltschieder, wurde aber Ausserberg zugeteilt. In verschiedenen Formen vertreten ist der Singular des Diminutivs: ts Grindji ‘ der kleine Grund ’ (Gampel, Oberems, St. Niklaus, Stalden (zweimal), Staldenried), im Grindji (FLNK, Zeneggen), im Gringji ‘ im kleinen Grund ’ (Brig), ts Grinndji (Embd), ts Gringji (Ried-Brig), jm Grinnÿ (1829, Leukerbad), das Grundgi (1512 u. später, Visp), ts Grundle (Blitzingen). Die Formen erklären sich aus vier phonologischen Prozessen: Entrundung / ü/ > / i/ , Assimilation / nd/ > / nn/ , Palatalisierung / l/ > / j/ , Assimilation / nd/ vor / j/ > / ŋ / vor / j/ . Plurale des Diminutivs sind: jn den Grindginen (1620, Visperterminen), di Grindjini (Täsch, zweimal), Mit attributiven Adjektiven finden sich: jm Alten Grundt ‘ im alten Grund ’ (1573, Eyholz), der Änner Grund ‘ der jenseitige Grund ’ (Baltschieder), der Gross Grund (Baltschieder, Lalden, Visp), in den Nidern Grv ᵢ nde (1306, Lalden; Konstruktion unklar), der Nider Grund (Niedergesteln, Raron), im Neiwen Gru ᵕ ndt ‘ im neuen Grund ’ (1677, Raron), Obergrund (FLNK, Steg; 1789 (? ) im Oberen Grund), sampt dem Vsseren Grindgi ‘ samt dem äusseren kleinen Grund ’ (1706, Stalden), der Wiiss Grund (Brigerbad), im Wilden Grúnd (1824, Gampel), im Wilden Grúndt (1705, Glis), ts Wilt Grindji (Turtmann, FLNK Wildgrund, 1398 Viltengrund). wild ist normalerweise ‘ unbebaut ’ oder ‘ unfruchtbar ’ . Vorangestellte Genitive kennzeichnen meist den Besitzer: in Bilgischero Grund ‘ im (Tal-)Grund der Familie Bilgischer ’ (1716, Visp), in Dichtilen Grúndt ‘ im Grund der Familie Benedikt ’ (1716, Visp), in Eychero Grundt ‘ im Grund der Leute vom Eich / der Familie Eicher ’ (1714, Lalden), in Eÿschlerro Grund ‘ im Grund der Leute von Eischoll ’ (1651, Eischoll; 1651, Niedergesteln), ts Emilsch Grund ‘ der Grund des Emil ’ (Baltschieder), der Gamsnergrund ‘ der Grund bei Gamsen ’ , Giescherrungrund ‘ der Grund der Leute von Giesch ’ (Niedergesteln, ev. ist Gäsch gemeint), ts Gregoorisch Grund ‘ der Grund des Gregor (heute ts Perrigsch Grund) ’ (Brigerbad), der Gurtugrund ‘ der Grund der Familie de Courten ’ (Vispk), der Jesuitergrund ‘ der Grund des Ordens der Jesuiten ’ (Glis), in Kronügsgrund ‘ im Grund der Familie Kronig ’ (1599, Baltschieder), in Kúmmers Grúndt ‘ im Grund der Familie Kummer ’ (1697, Baltschieder), beÿ Maffien Grund ‘ beim Grund der Familie Maffien ’ (1667, Baltschieder), ts Manngisch Grund ‘ der Grund der Familie Mangisch ’ (Visperterminen), der Mariluwis Grund ‘ der Grund der Marielouise ’ (Baltschieder), der Massonigrund ‘ der Grund der Familie Massoni ’ (Baltschieder), Michligo Grund ‘ der Grund der Familie Michlig / der Leute des Michel ’ (1629, Baltschieder), ts Perrigsch Grund ‘ der Grund der Familie Perrig ’ (Brigerbad), der Petersgrund ‘ der Grund des Peter ’ (Visp), ts (e)Rubisch Grund ‘ der Grund der Familie Rubi ’ (Baltschieder), der Schniidrigungrund ‘ der Grund beim 385 386 Grund <?page no="459"?> Weiler Schnidrigu (bei der Familie Schnidrig) ’ (Niedergesteln), in Schuomachrigo Grund ‘ îm Grund der Familie Schumacher / der Leute des Schuhmachers ’ (1564, Eyholz; 1643, Raron), in Triegerro Grúndt ‘ im Grund der Familie Zen Triegen ’ (Niedergesteln), des Truffers Gru ᵕ ndt ‘ das Gebiet im Talgrund der Familie Truffer ’ (1562, Brigerbad), Waaltschungrund ‘ der Grund des Waaltschun (unklar) ’ (Hohtenn), dr Waldsch Grund ‘ der Grund (Talboden) der Familie Walden / Waldin ’ (Niedergesteln). Einige Konstruktionen auf / - ER / , die auf einen Genitiv Plural / - ERO / zurückgehen, werden (sofern noch nicht erwähnt) nachgetragen: im Balziedergrúndt ‘ im Grund von Baltschieder ’ (1709, Baltschieder), der Chritsergrund ‘ der Grund (Grundstück im Talboden) der Familie Kreuzer ’ (Visp), der Eischlergrund ‘ der Grund der Leute von Eischoll (füherer Besitz? ) ’ (Brigerbad), der Leiggergrund ‘ der Grund der Leute von Leuk (südlich des Rotten) ’ (Leuk), Schallengru ᵕ nd ‘ der Grund der Familie Schaller ’ (1860, Eyholz), im Stegergrúnd ‘ im Grund (wohl Rottenebene) der Leute von Steg ’ (1707 u. später, Steg). Bei den zahlreichen Belegen zum HL G RUND als Grundwort sind zunächst Pflanzen erwähnt: der Birchugrund ‘ der (Tal-)Grund mit Birken ’ (Raron, FLNK Birchugrund), der Chleegrund ‘ der Talboden, wo Klee wächst ’ (Brigerbad, zweimal), Eschigrund ‘ der Grund (Rottenebene) mit Eschen) ’ (Baltschieder), der Faggsugrund ‘ der Grund (Talboden) mit Borstengras ’ (Brigerband), jm Massotero Grundt ‘ im Grund der Leute vom Ahorngehölz ’ (1570, Baltschieder; 1599 jn Massolters Gründgÿ), des Rohren Grúndts ‘ der Grund (Ebene) beim Röhricht ’ (1681, Steg), der Stüdugrund ‘ der Grund (Talboden) mit Stauden ’ (Brigebad). Viele andere Belege beziehen sich auf nahegelegene Fluren: der Bielgrund ‘ der Grund beim Biel (Hügel) ’ (Glis), der Chrizigrund ‘ das Grundstück im Talboden beim kleinen Kreuz (wohl Weiler zum Kreuz) ’ (Lalden), der Faldumgrund ‘ der Grund (beim Faldumbach) der Faldumalp ’ (Ferden), im Gampellgrúnd ‘ im Grund von Gampel ’ (1757 u. später, Gampel), jm Göstilgrundt ‘ im Grund von (Nieder-)Gesteln ’ (1625 - 1678, Niedergesteln, 1696 u. später im Gestillgrúndt), der Gletschärgrund ‘ der Grund (ebene Fläche) der Gletscheralp ’ (Blatten), der Litternagrund ‘ der Grund im Gebiet mit Schwemmsand (heute überbaut) ’ (Visp), der Radgrund ‘ der Grund beim Gebiet Rad (radförmiges Gebiet, in Brigerbad) ’ (Lalden, FLNK Radgrund) und andere mehr. Komplexere Konstruktionen sind Bilder Aker Gru ᵕ nd ‘ der Grund beim Bilder-Acker ’ (Brigerbad), der Büüchhüsgrund ‘ der Teil des Talgrundes, wo das Waschhaus stand ’ (Brigerbad), in superiori Gampelgrundt ‘ im oberen Grund von Gampel ’ (1720, Gampel), der Taleiugrund ‘ der Grund (Rottenebene) bei der Taleia (Aue beim Tal) ’ (Baltschieder), im únteren Túrtig Grúnd ‘ im unteren Turtiggrund (Rottenebene bei Turtig) ’ (1803, Niedergesteln). Das HL tritt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Alpa, Bäärg, Biel, Brigga, Egg(a), Eie, Fura, Gassa, Matta, Ritz, Sand, Satz, See, Sol, Stalde, Stapfa, Stei, Viertel und Wald. Komplexer sind: der Fooder und der Inner Grindjiwald ‘ der vordere und der innere Teil des Waldes unter der Alpe Grindji (kleiner Grund) ’ (Oberems), ts Grindji der Unner Stafil ‘ der untere Stafel der Alpe Grindji (kleiner Grund) ’ (Oberems), Grindji Oberstafel ‘ der Oberstafel der Alpe Grindji (kleiner Grund) ’ (FLNK u. LT, Oberems), ts Grindjtagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Grindji (kleiner Grund) ’ (Oberems), der Gross(grund)kanal ‘ der Kanal im grossen Grund (Rottenebene) ’ (Raron), der Grossgrundkanal ‘ der Kanal im grossen Grund ’ (Visp, FLNK Grossgrundkanal), der Grundacherwald ‘ der Wald beim Grundacher (Acker im Grund) ’ (1745, Eyholz), Grumpillmatton ‘ die Wiese beim Grundbiel (Hügel im Grund) ’ (1399, Glis) (es scheint sich hier um eine Erstbetonung mit Verkürzung des Nebentons zu Grundbüel (im Dokument erwähnt) zu handeln; eine Entrundung im strengen Sinn ist 1399 noch nicht zu erwarten), im Gru ᵕ nd zu ᵕ m Badt ‘ im Talgrund beim Brigerbad ’ (1669, Brigerbad). Eine Ableitung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 525 ff.) findet sich in agros Gründerro ‘ den Äckern der Leute vom Grund ’ (1615, Visperterminen), Grunderro Wasserleiton ‘ die Wasserleitung der Leute vom Grund ’ (1715, Termen), Grunder Färig ‘ der Pferch der Leute von Saas- Grund ’ (FLNK, Saas Grund) ’ , der Gruneru Biz ‘ das kleine Stück Alpe der Leute von Saas Grund ’ (Saas-Almagell), Grunneru Hitte ‘ die (Alp-)Hütten der Leute aus Saas- Grund ’ (Saas-Almagell), Grunneru Stafel ‘ der Stafel der Leute von (Saas)-Grund ’ (Saas-Almagell). Die Formen sind Genitive im Plural; nur der Beleg Grunder kann auch als Adjektiv gedeutet werden. Einen Diminutiv hierzu weist jm Grúnderli ‘ im kleinen Grund ’ (1679 (ca.), Glis) auf, wobei unklar ist, ob ein Diminutiv auf / - ERLI / vorliegt oder eine Diminutiv zu Grunder. Der Kontext gibt darüber keine Auskunft. Gruonach (FaN) Gruonach (FaN) ist ein FaN , der historisch in Mund belegt ist (J OSSEN 1989, 74 als Grunach (Gruonach)). Der einzige Beleg lautet jn sorte Gru ͦ nacho ‘ im Los der Familie Gruonach ’ (1463, Mund); in sorte ist lateinisch. Gruonach (FaN) 387 388 <?page no="460"?> Gruonz (FaN) Gruonz (FaN) ist ein FaN, der in zu ᵕ Gru ᵕ onzen Haús ‘ beim Haus der Familie Gruonz / des Gruonz ’ (1736, Naters) und Grüenzuhüs ‘ das Haus der Familie Gruonz / des Gruonz ’ (Birgisch) im Genitiv belegt ist. Der Name ist sonst nicht dokumentiert, auch nicht bei J OSSEN (1986). Es kann sich auch um einen PN handeln, der so nicht belegt ist. Grüper Grüper ist laut Gwp. der Übername einer Familie Michlig, weil sie immer im Dorf wohnte. Das HL ist zu schwdt. Grûper (wörtlich: ‘ Kauernder ’ , aber auch ‘ Zwergbohne ’ ) zum schwdt. Verb grûpe n ‘ kauern ’ (I D . 2, 798 ff.) und zu wdt. Ggrüpper, Ggrüppär (Goms), Gruippär (Lötschental) (wörtlich: ‘ Kauernder ’ , aber auch ‘ Buschbohne ’ ) zum Verb ggrüppe ‘ kauern, sitzen (auf den Fersen) ’ (G RICHTING 1998, 92) zu stellen; die Bohnen heissen auch Hockere (I D . 2, 1125 mit Verweis auf Grûper). Das Motiv ist, dass jemand wie eine Buschbohne (P HASEOLUS VULGARIS ) an Ort bleibt (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 318; als „ Garten- Bohne “ bezeichnet). Gruppa Gruppa f. kann einerseits zu Gruppe n ‘ Hinterteil, Kreuz der Pferde, auch des Rindviehs ’ (I D . 2, 791; G R W B 11, 2472 s. v. Kruppe), anderseits zu Ggruppa, Gruppu ‘ Gruppe, Hüfte ’ (ersteres aus frz. groupe (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 378)) (G RICHTING 1998, 92) gestellt werden; die beiden Wörter sind homophon. I D . kennt Gruppe im Sinn von frz. groupe und Kruppe nicht. Belegt ist das Simplex die Gruppa (1587, Grächen) und lebend als ts Gruppji (Grächen), vermutlich die gleiche Flur. Gwp. vermutet <eine Gruppe von Ställen>. Diese Deutung ist angesichts des Alters des Namens unwahrscheinlich; gemeint ist einfach eine Flur, die dem Rücken oder Hinterteil eines Pferdes gleicht. Weiter ist in Ried-Brig 1763 u. später auf den Grúppen belegt; lebend sind di Gruppini belegt. Auch hier dürfte es sich um die gleiche Flur handeln. Gemeint ist eine leicht ansteigende Flur, die dem Hinterteil von Pferden gleicht. Unklarer ist das schon 1391 in Ried-Brig belegte Totgruppen, das aus dem Adjektiv tot und dem HL G RUPPA besteht (cf. aber HL G RIPPE ). Gruppul Gruppul n. ist nur als ts Gruppul (Zwischbergen) belegt. J ORDAN (2006, 349) kennt Ggrúpp u l und Ggrúpp u lsiitä ‘ Steiler Waldweidehang, der vom Ggrúppul zum Schreebachgrabu hinabfällt ’ , ohne eine Erklärung zu geben. Vermutlich ist der Name zum Lemma Gruppe n ‘ Hinterteil, Kreuz der Pferde, auch des Rindviehs ’ (Id. 2, 791, cf. HL G RUPPA ) zu stellen, mit einer neutralen / - UL / -Ableitung mit kollektiver Bedeutung, hier metaphorisch zu verstehen als ‘ die den Hinterteilen von Pferden gleichenden Geländestücke ’ . Grüü Grüü n. ‘ Graben ’ ist in ts Grüü (Leukerbad) belegt. Obwohl historische Belege fehlen, lässt es sich auf frpr. crou ‘ creux, fosse ’ (T AGMANN 1946, 15; G PSR 4, 542 ss. s. v. 2. creux) zurückführen. Der Name ist als Grü auch bei G RICHTING (1993, Blatt 9 Nr. 9, Blatt 14 Nr. 33) verzeichnet. Vgl. auch Grogrü n. ‘ der grosse Graben ’ (Varen). Gruuni Gruuni ist als ts Gruuni ‘ die kleine Einbuchtung, Mulde ’ (Leukerbad, FLNK Gruni) und der Gruunibodu ‘ der Boden bei der kleinen Einbuchtung, Mulde ’ (Leukerbad) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 26 und Blatt 10, Nr. 45) kennt es als Gruni. Der Ort wird beschrieben als Wiesen und Äcker, die heute zum Teil überbaut sind. Historische Belege fehlen. / u: / kann nur als gelängtes, ursprünglich kurzes / u/ verstanden werden, sonst müsste es palatalisiert werden. Vermutlich handelt es sich um eine Patois- Form zu frz. creux ‘ Einbuchtung, Mulde ’ (G PSR 4, 542 ss.) mit einer dt. diminutiven Endung auf - I (vgl. SDS 3, 155) und einem hiatustilgenden / n/ . Grüüsch Grüüsch n. ist nur einmal in Obergesteln belegt. Lautlich müsste ein schwdt. Gr ū sch zu Grunde liegen; wobei unklar ist, ob der Anlaut ein / g(i)/ -Präfix ist oder nicht. Das Genus Neutrum legt einen Kollektivbegriff nahe. Zum Namenstyp schwdt. Gr ī sch n. ‘ Geschiebe, Geröll (halde); schmale, schroffe Bodensenkung, Rinne ’ (I D . 2, 815; URNB 2, 94) lässt sich der Name kaum stellen, es sei denn, eine ungerundete Form Gr ū sch würde als Ausgangsform angesetzt, was laut I D . nicht der Fall ist. Eine Ableitung zu Rùsch ‘ Rausch ’ (I D . 6, 1472) in seinen verschiedenen Bedeutungen ist inhaltlich schwierig; zu Alp- R ū sch ‘ Alpenrose ’ (I D . 6, 1475) lässt es sich kaum stellen; vielleicht liegt ein anderer Pflanzenname (Typ: Rausch (beere) (G R W B 14, 305 und L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 710 als V ACCINIUM ULIGINOSUM )) vor; M ARZELL (3, 958 f.) weist auf Rausch als ‘ niedriges Gebüsch ’ hin). Dennoch bleibt der Name unklar. RN (2, 716) führt den Ortsnamen Grüsch auf lat. CRUX zurück, was hier kaum der Fall sein kann; die Deutung von Grüsch (RN 2, 421) auf schwdt. Grüsch ‘ Kleie, Abfall von Holz, Holzstücke ’ zu I D . (2, 817) spielt wohl auch keine Rolle. Der Hinweis auf G e -rüst (I D . 6, 1540 f. in RN 2, 421) ist ebenfalls nicht hilfreich. 389 390 Grüüsch <?page no="461"?> Gsägnet Gsägnet ist als attributves Part. Perf. zu schwdt. sëgne n , insbes. g e -sëgnet ‘ benedictus ’ und wdt. gsägne, gsägnä (Goms), gsägnu, auch sägne, sägnä (Goms), sägnu ‘ segnen ’ (I D . 7, 456 ff.; G RICHTING 1998, 98 und 167) zu stellen. Belegt ist es in bim Ksägnete Brunne ‘ bei der gesegneten Quelle / dem gesegneten Brunnen ’ (Binn), ts Gsägnut Brunnji ‘ die kleine gesegnete Quelle / der kleine gesegnete Brunnen ’ (Saas-Almagell), zem Gsegnute Brunne ‘ bei der gesegneten Quelle / beim gesegneten Brunnen ’ (Zermatt) und zer Gsägnutu Tannu ‘ bei der gesegneten Tanne ’ (Gampel). In drei dieser Fälle hat laut Beschreibung ein Priester die Quelle oder die Tanne gesegnet. Im vierten Fall wird eine Quelle als der Gesundheit dienend bezeichnet. Gsatzt Gsatzt ist nur als der Gsatzt Wald ‘ der gesetzte Wald ’ (Varen) belegt. Die Beschreibung sagt, dass hier Bäumchen gesetzt wurden. Das Attribut ist ein Part. Perf. mit Rückumlaut zu schwd. setze n und wdt. sezze, sezzä (Goms), sezzn (Lötschtal), sezzu ‘ setzen (sich), senken ’ (I D . 7, 1604 ff.; G RICHTING 1998, 188)). G RICHTING kennt den Rückumlaut nicht, vgl. aber W IPF (1910, 151). Gscheft Gscheft n. ist nur als ts Gscheft (Hohtenn) belegt. Es ist wohl als Kollektiv-Ableitung mit / G(e)/ - und Umlaut zu Schaft, resp. Schaftele n ‘ Schachtelhalm ’ (I D . 7, 398) zu stellen (vgl. SZNB 2, 487). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 50 ff. s. v. E QUISETUM ) führen eine Reihe von Schachtelhalm-Arten für die ganze Schweiz an; welches genau für Hohtenn gilt, ist unklar. Laut Gwp. handelt es sich bei ts Gscheft um einen schlechten Boden. Schachtelhalme wachsen nur auf feuchten Böden. Der Pflanzenname ist sonst als Chatzeschwanz ‘ Katzenschwanz ’ im Oberwallis (z. B. Lax, B IELANDER 1948, 100) bekannt, jedoch nicht als Flurname. Gscheigil Gscheigil n. ist nur in Raron als ts Gscheigil belegt. FLNK hat Gsteigil. Die Form von FLNK ist wohl zu Steigle n (I D . 10, 1518) zu stellen, das nur in Namen vorkommt. Die Form Gsteigil, resp. Gscheigil ist ein Kollektiv mit einem / g(i)/ - Präfix. Gemeint ist dann ein steiles Gebiet. Die phonetische Form von M. S. ist direkt nicht deutbar; die FLNK- Form hingegen gibt eine Motivation für den Namen. Gscheinät Gscheinät n. ist nur in Kippel als ts Gscheinät belegt. LT hat aber Gsteinät. Es handelt sich um eine Allmein auf der linken Seite der Lonza, die hier viel Steingeröll aufweist. Vermutlich ist deswegen das Kollektiv ts Gsteinät ‘ das Steingeröll ’ gemeint, eine Ableitung von Stein auf - ÄT (S ONDEREGGER 1958, 524 zu ahd. - ÔDI , - ÔTI ), vgl. Steinet (I D . 11, 933), das auch G e -steinet für Guggisberg (BE) enthält. Die Form von M. S. ist entweder verhört oder verschrieben oder vereinfacht. Gschetter Gschetter ist nur 1772 in Ritzingen als im Gschetter belegt. Das HL ist nirgends belegt. Nächstliegend ist I D . (8, 1497) G e -schätter ‘ Geräusch eines Wagens, bei einem Gewitter ’ , das jedoch kaum zum Flurnamen passt. Eine Entrundung aus Schotter, resp. Schötter ‘ Schüttelfrost ’ (I D . 8, 1529) ist sehr unwahrscheinlich. Das HL kann deswegen nicht gedeutet werden. Gschiip Gschiip n. ist nur als ts Gschiip (Gampel) belegt. Die Beschreibung sagt, es handle sich um Wald, zuunterst seien steile <chrachä> ‘ Krachen ’ (Schluchten). Es handelt sich um ein Kollektiv zum Adjektiv und Adverb g e -sch ī b (I D . 8, 37) und zum Nomen Schîbe n ‘ Scheibe ’ (I D . 7, 38 ff.). I D . (7, 51) gibt eine Reihe von Flurnamen an, doch ist keine mit der Form Gschiip belegt. Die Deutung ‘ das Gebiet, das einer Scheibe gleicht ’ ist sehr unsicher. LT zeigt jedoch eine kleine Lichtung im Wald, die als Scheibe gedeutet werden kann. Gschitzji Gschitzji n. ist als ts Gschitzji (Ergisch) belegt; laut dem historischen Beleg von 1745 handelt es sich um eine Alpe. Wegen der Beschreibung „ Hier lauerte man den Gemsen auf “ wird der kollektive (Präfix / g(i)-/ ) Name als Diminutiv zum entrundeten Schitzu ‘ Schütze ’ gestellt, genauer zu schwdt. G e -schütz ‘ das Schiessen ’ (I D . 8, 1742), hier wohl eher als ‘ der kleine Schiessplatz ’ . Diese Deutung ist allerdings unsicher; es könnte sich auch um eine vergleichbare Bildung zum HL S CHUTZ ‘ Schutzdach, -stall, -hütte, -mauer auf höhern Alpen für das Weidevieh ’ (I D . 8, 1751; G RICHTING 1998 kennt das Wort in dieser Bedeutung nicht) handeln, also etwa ‘ der kleine Schutz für das Weidevieh ’ . Diese Deutung ist allerdings unsicher, da I D . das Wort als „ nicht echt ma. [mundartlich] “ bezeichnet. Weiter hat Ergisch auch zwei historische Belege (Nr. 45934 in der Datenbank), den ersten von 1616 als im Zschitsch, den zweiten von 1744 als Schitzgÿ, das explizit als eines von drei Staffoltinen (kleine Alp-Stafel) bezeichnet wird. Vermutlich meint mindestens der zweite Beleg von 1744 den gleichen Ort wie das HL G SCHITZJI . Schitzgÿ wurde zum HL S CHITZU ‘ Schütze ’ gestellt. Gsägnet 391 392 <?page no="462"?> Gschpa Gschpa n. ‘ das Gespann ’ ist nur in ts Hogschpa (Saas-Fee) belegt. I D . (10, 242 ff.) kennt G e -span in mehreren Bedeutungen und zählt in der Anmerkung auch mehrere Flurnamen auf. RN (2, 416) kennt Gespann als ‘ Lattenzaun ’ mit Bezug auf I D . (10, 243, Bed. 3a) für Obersaxen), genereller ist von Holzkonstruktionen die Rede, die auch V. S CHMID (2003, 107) für den Hausbau kennt. R ÜBEL (1950, 106) weist das Wort jedoch auch für die Spannweite von Raubvögeln nach. An nächstliegenden dürfte die Bedeutung Lattenzaun sein. Laut Gwp. handelt es sich um eine Allmein zwischen Privatgütern, die vermutlich durch Zäune getrennt waren. www.ortsnamen.ch verweist auf einen weiteren Flurnamen dieses Typs in Meiringen (BE), doch hat BENB (1, 2, 125 f.) keinen Eintrag dazu. Das Simplex Span ist gesondert behandelt (cf. HL S PAN ). Gschpaalte Gschpaalte ‘ gespalten ’ ist ein Partizip Passiv zu schwdt. spalte n , Part. g ’ spalte n , g ’ spaltet, wdt. spaalte, spaaltu ‘ spalten, durchspalten, einen tiefen Einschnitt machen ’ (I D . 10, 210 f.; G RICHTING 1998, 176). Es kommt nur als attributives Partizip vor. Belegt ist es in di Gspalte Flüe ‘ die gespaltene Fluh ’ (Oberwald), di Gspaaltu Flüe ‘ die gespaltene Fluh ’ (St. Niklaus), zer Gspaaltnu Flüe ‘ bei der gespaltenen Fluh ’ (Niedergesteln) und zer Gspaaltnu Fluä ‘ bei der gespaltenen Fluh ’ (Ferden), zen Gespaltnen Platten ‘ bei den gespaltenen Felsplatten ’ (1540, Embd), auf den Gespaltenen Stein (1869, Stalden, Törbel (gleiches Dokument)), zum Gespaltenen Stein (1618, Niedergesteln), an den Gespaltnen Tschuggen ‘ an den gespaltenen Fels ’ (1768, Zeneggen). Zwei Belege weisen eine lateinische Form apud saxum fissum ‘ beim gespaltenen Stein ’ (1668, Reckingen) und jn saxo fracto ‘ beim gespaltenen Stein ’ (1346, Bratsch) auf; im ersten Fall dürfte es sich um eine Übersetzung aus dem Deutschen handeln, im zweiten Fall ist unklar, ob ein romanischer oder ein deutscher Name vorliegt. Zum Nomen cf. HL S PALT . Gschpänscht Gschpänscht ist nur in Gschpänscht Schleif ‘ der Schleif mit einem Gespenst ’ (FLNK, Bister) belegt. Das HL ist zu schwdt. G(e)spänst n. (auf Spalte I D . 10, 373 ‘ schreckhafte Geistererscheinung ’ , ahd. (gi)spanst f., mhd. gespanst, (ge)spenst f. und wdt. Gschpeischt, Gschpäischt (Leuk) ‘ Gespenst, Tausendsassa, Schlingel ’ (I D . 10, 371 ff.; G RICH- TING 1998, 99). Die Formen mit erhaltenem / n/ sind laut R ÜBEL (1950, 6) im Goms und teilweise Östlich-Raron normal; Bister befindet sich im Bezirk Östlich-Raron. Gschpässli Gschpässli ‘ der Spassmacher ’ ist zu schwdt. Spaß II (I D . 10, 509) und wdt. Gschpass ‘ Spass ’ (G RICHTING 1998, 99) mit der Ableitung Späßli ‘ Spasser ’ (I D . 10, 520) zu stellen. Belegt ist es nur in ts Gschpässliloch ‘ die Höhlung, in der der Gschpässli ‘ Spassmacher ’ Dachplatten brechen wollte ’ (Obergesteln, so die Gwp. zu einem Mann namens Imwinkelried). Gschpo Gschpo n. ist als Weilername von Staldenried ds Gschpõ belegt. Die ältesten Belege haben 1237 Guechebon, 1301 Guechebon, 1304 Gechebon, 1304 Gechebonere, 1311 Geschebon, 1341 Gethsbon, 1346 Ghecpon, 1354 Getzbon, 1368 Getchsbon, 1372 Gettsbon usw. Ab 1543 kommt die fromme Form Gotzbon auf, die noch in den FaNN Abgottspon und Gottsponer weiterlebt. Die einfachere Form FaN Gsponer leitet sich vom Weilernamen Gschpõ (LT u. SK Gspon) ab. Die heutige Form enthält nur eine betonte Silbe; wo die Betonung bei den ältest belegten Formen lag, ist unklar. Es scheint, dass die heutige Form analog zu einem Präfix mit / g(i)-/ gebildet wurde. Z IMMERMANN (1968, 17 f.) lehnt H UBSCHMIEDS (1938, 105) Erklärung ab, der Gspon auf kelt. *wespa ‘ Futter, Alpweide ’ mit einem Erstsilbenakzent zurückführt. RN (2, 416) weist ein unbelegtes Gspon für Davos auf, das auf das dt. Gespann ‘ Lattenzaun ’ zurückgeführt wird; gleiches gilt für das in Quarten (SG) belegte Gschpoo (E. G LASER , p. c.). Diese Deutung trifft auf das HL in Staldenried nicht zu, da die ältesten Belege auf einen keltisch-romanischen Namen hinweisen und da es im Oberwallis keine Verdumpfung von ahd. â zu / o: / gibt. Insgesamt kann zwar keine gute Deutung von Gschpo angegeben werden, doch ist die Deutung von H UBSCHMIED relativ am nächsten. Neben dem Weilernamen ist ein Genitiv Plural in syluam Gottsbonero ‘ der Wald der Familie Gottsponer ’ (1688, Staldenried) belegt, wobei die Form eher den FaN meint als den Namen der Einwohner des Weilers. Als Bestimmungswort erscheint das HL in di Gschpoflüe ‘ die Fluh unterhalb von Gspon (Weiler von Staldenried) ’ , die Wÿs Gotzbonfl ů ‘ die weisse Fluh unterhalb von Gspon (Weiler von Staldenried) ’ (beide Staldenried), t Gschpontelli ‘ das kleine Tal bei Gspon (Staldenried? ) (LT Gspontälli, FLNK Gspontelli) ‘ (Visperterminen). M. S. setzt den femininen Artikel im Singular; vermutlich weil die Beschreibung „ Grosse Mulde “ angibt. Eine Ableitung auf / - ERI / für Wasserleitungen ist in di Gschpooneri ‘ die Wasserleitung nach Gspon ’ (Eisten, Staldenried) belegt, die streckenweise mit der Finileri ‘ Wasserleitung nach Finile (Alpe) ’ zusammengeht. 393 394 Gschpo <?page no="463"?> Gschtipf Gschtipf n. ist ein Kollektiv zu schwdt. Stupf und wdt. Stupf Stüpf, Stipf(i) m., n., hier ‘ Dorn, Distel, harter Grashalm ’ (I D . 11, 1173 f.; G RICHTING 1998, 182). Belegt ist das HL als ts Gschtipf (Glis, Oberwald), Gstipf (FLNK, Ritzingen), ts Gstipf (Zermatt), jm Gstipff (1651 u. später, Brig) und, mit falscher Rundung von gesenktem / i/ zu / e/ , im Gstöpf (1844, Eyholz). Gemeint ist jeweils ein Gebiet mit Disteln und Dornen. Gschträll Gschträll n. ‘ der hart zu bearbeitende Boden ’ ist zu schwdt. G e -sträll ‘ schlecht zu bearbeitendes Land ’ (für Davos belegt) und G e -strüel, G e -striel n. ‘ unangebaute, steile Bergwiese, die gewöhnlich nur alle zwei Jahre abgemäht wird ’ (Kanton Uri nach S TALDER ) ’ (I D . 11, 2231; I D . 11, 2234) zu stellen. Belegt sind ts Gschträll (Obergesteln), das als ‘ harter, steiniger Boden ’ auf beiden Seiten des Gsteinibachs (LT Cheerbach) bezeichnet wird, und Gstriel (FLNK), auch ts Ggschtrieu (Selkingen, mit / l/ - Vokalisierung), laut Beschreibung geringer Boden zwischen „ Rotten “ und „ Biine “ , schattenhalb. I D . verweist unter G e -sträll auch auf G e -strüel, G e -striel, ohne dass die Beziehung formal klar wäre. Als Grundbedeutung nimmt I D . jeweils ‘ Abfall ’ an. Gsees Gsees n. ‘ Gesäss ’ (LT Gsäss) ist nur in Zermatt als ts Gsees belegt. Es ist wohl zu schwdt. G(e)sä ̂ ss ‘ Sitzteil des Körpers, Hinterer ’ (I D . 7, 1375, Bed. 4a)) zu stellen und metaphorisch zu verstehen: die Gegend, die aussieht wie ein Gesäss. J ULEN ET AL . (1995, 225) geben für ds Gsees die Deutung „ Sumpfige Stelle, Röhricht “ . Neben ds Gsees kennt J ULEN ET AL . (1995, 181) auch di Gseestole und ds Gseestünnel, wobei sich letzteres laut Fotografie (B 17) der dort befindlichen Durchgangsstrasse von Zermatt nach Furi befindet. Ob die Deutung zutrifft, kann aus den Karten nicht eruiert werden; heute befindet sich die so genannte Stelle mitten im Wald. Gsell Gsell ist nur belegt in Gsellischchinn ‘ der Abhang (Chinn) des Jünglings (Dorfteil von Blatten) ’ (Blatten) und der Gselluboich ‘ der Gesellenbank ’ (Turtmann). Das Wort ist zu schwdt. G e sell m. vermutlich zur Bedeutung 2. b) α ) ‘ lediger Bursche, Jüngling ’ (auch Diminutiv), ahd. gisell(i)o, mhd. geselle und wdt. Gsell ‘ Bub, Junggeselle, Kerl ’ (I D . 7, 715 ff.; G RICHTING 1998, 100) zu stellen. Im Beleg Gselluboich ‘ die Gesellenbank ’ ist wohl eher an das Verbum g e -selle n (I D . 7, 729) ‘ gesellen, vereinigen ’ zu denken; hier gesellten sich die Leute, um einen Schwatz zu halten, wie auch die Beschreibung „ wo man sich früher zu einem <Schwatz> zusammenfand “ andeutet. Die Bank bestand aus einer kleinen Mauer. Gsponer (FaN) Gsponer (FaN) ist zum FaN Gspon, Gsponer zu stellen, einer Variante zu Abgottspon, Gottsponer, sehr alte Familie, die ihren Namen vom jetzt Gspon genannten Weiler der Gemeinde Staldenried herleitet (AWWB 1 f.). In zwei Belegen steht Gsponer als Bestimmungswort: di Gschpoonermatta ‘ die Wiese der Familie Gsponer ’ (Staldenried), ts Gschpoonerschiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Gsponer ’ (Raron). Ein Genitiv der rückgebildeten Form Gschpooni ist in ts Gspoonisch Gädi ‘ der kleine Gaden der Familie Gsponer ’ (Randa) zu sehen. Der historische Beleg ob Gytzpons Mattun ‘ oberhalb der Wiese der Familie Gibsten ’ (1379, Ulrichen) wurde nach AWWB (109) zum HL G IBSTEN gestellt. Guader Guader m. ist nur in Eischoll als der Gwaadru ‘ das quadratische Grundstück ’ (Eischoll, FLNK Gwaadru) belegt. Hinzu kommen die historischen Belege der Guaderacher ‘ der Acker im Gebiet Gwaadru (quadratisches Grundstück) ’ (1618, Eischoll) und am Gewaderenbord ‘ am Bord (Abhang, Böschung) beim Gebiet Gwaadru (quadratisches Grundstück) ’ (1784, Eischoll). Das HL ist zu schwdt. Quadre n ‘ quadratisches Grundstück ’ (I D . 5, 1296) und RN (276 s. v. QUADRUS mit Verweis auf REW 6921 und FEW 2, 1400) zu stellen. Die Aussprache mit / gw/ deutet auf eine lateinisches Wort mit deutscher Aussprache, aber offenbar ohne Affrikata / kx/ hin. Guarrdajola Guarrdajola ‘ der kleine Beobachtungsort ’ ist nur in di Guarrdajola (Zwischbergen. FLNK, LT Guardajola) belegt. J ORDAN (2006, 302) kennt es als Guardajóla und stellt es zu it. guardare ‘ beobachten ’ (D EVOTO / O LI 2020, 998). Es handelt sich wohl um eine Ableitung zu guarda < wardon ‘ beobachten ’ (germ., REW 9509) mit dem Suffix / -( I ) OLA / , das vermutlich diminutiv ist, darum ‘ der kleine Beobachtungsort ’ . Gubi Gubi ist dreimal in unterschiedlichen Formen belegt: Gubi-Wald (St. Niklaus), Gubulti (FLNK, Grächen), das allerdings bei M. S. als ts Gibulti ‘ der kleine Giebel (giebelförmiges Gelände) ’ (Grächen, Nr. 19583) erscheint, und vff den Gubien (1519, Ernen), das wohl als FLNK Gibja (zum HL G IBEL ‘ Giebel ’ ) belegt ist. Für Gubi gibt BENB (1, 2, 128) lat. * CUBIUM ‘ Lagerstätte des Viehs ’ (REW 2355; RN 2, 119) als Wort an, das einst als rom. Lehnappellativ im obersten Aareraum lebendig Gschtipf 395 396 <?page no="464"?> gewesen sei (G LATTHARD 1977, 293). In Frage kommt hier nur der Beleg Gubi-Wald aus St. Niklaus. Die übrigen Belege erklären sich aus den Angaben dazu. Gudoblisch Gudoblisch ist nur 1709 in Albinen als in Gudoblisch belegt; eine alternative Lesart von M. S. hat Budoblisch. Der späte Beleg kann durchaus auf frpr. Herkunft hinweisen, doch ist der Flurname nicht deutbar. Guebzerro (FaN) Guebzerro (FaN) ist nur belegt in sub agro Guebzerro ‘ unter dem Acker der Leute des Gebser ’ (1302, Zeneggen). Guebzerro ist sicher ein Genitiv Plural zu Guebzer; der Anlaut / gu-/ findet sich um 1300 auch etwa in Salzguebon ‘ von der Salzgebe ’ (1280, Unterbäch). Der FaN Gebzer oder ähnlich ist jedoch in unseren Daten nicht belegt. Güege Güege m. ‘ Käfer ’ ist zu schwdt. Guege n , wdt. Güege, Güegä (Goms), Güega (Mattertal), Guägn (Lötschtal), Güögu, Güägu ‘ Käfer, Wurm ’ (I D . 2, 160; G RICHTING 1998, 101) zu stellen. BENB (1, 2, 129) nennt ohne Kommentar zwei Namen zu diesem HL. Das HL ist nur als Bestimmungswort belegt und kommt wie folgt vor: Gúegi Matú ‘ die Wiese mit Käfern ’ (1738, Bitsch), di Guegnmatta ‘ die Wiese mit Käfern ’ (Kippel), dr Guegnmattuwald ‘ der Wald bei der Wiese mit Käfern ’ (Kippel), di Güogufet ‘ die Grasbänder mit Käfern ’ (Eisten), Güegeschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung mit Käfern / die einem Käfer gleicht ’ (FLNK, Obergesteln). Die Motivation der Flurnamen ist nicht ganz klar. Entweder ist gemeint, dass es am so genannten Ort viele Käfer hat oder dass der Ort einem Käfer gleicht oder dass die Arbeit dort durch störende Käfer erschwert wird. Guerrymez Guerrymez ist 1328 in Ergisch mehrfach belegt: ou Guerrymey und ol Guerrymez (drei Belege). Es handelt sich um einen frpr. Namen (ev. zu frz. guerre < germ. *werra, vgl. FEW 17, 567 ff.; G PSR 8, 966 ss.), dessen Deutung jedoch unklar ist. Guerses Guerses ist nur einmal in la dent de guerses (1435, Albinen) belegt. Im Dokument ist die Rede von einer Grenze, die im Westen oberhalb der Dala und unterhalb von la dent de guerses verläuft. Es handelt sich wohl um eine Felsspitze, aber Guerses lässt sich nicht deuten. Zwar nennt J ACCARD (1906, 295) Guerce (Sépey) und Guercet (Martigny-Ville), an beiden Stellen wird ein Sumpf erwähnt, aber er gibt keine Deutung. G PSR (7, 476) erwähnt Guercet ohne Deutung. Ob jeweils der Flurname Guerses gemeint ist, bleibt ebenfalls unklar. Guesel Guesel ist nur 1389 in Ried-Brig als Gu ᵉ selmatta ‘ die Wiese mit Abfall ’ belegt. Das HL ist zu schwdt. G ǚ sel m., n. ‘ Durcheinander; allerlei leichte Abfälle ’ und wdt. Ggusl, Ggüsl, Ggüsl (Goms), Ggusul (Mattertal), Ggisl (Saastal), Kusil (Leuker Berge), Ggusil ‘ Abfall (gemischter) ’ (I D . 2, 473, 476 f.; G RICHTING 1998, 93) zu stellen. Güet Güet n. ‘ Gut ’ ist zu schwdt. Guet, wdt. Güet, Guäd n. ‘ Gut; Grundbesitz, Grundstück, Bauerngut ’ (I D . 2, 546; G RICH- TING 1998, 101) zu stellen. Das HL kommt in rund 140 Belegen vor. Das Simplex im Singular tritt nur einmal auf als ts Güod ‘ das Gut ’ (Brigerbad). Ein Diminutiv im Singular Gjetji ‘ kleines Gut ’ ist rund sieben Mal belegt: ts Gietji (Bitsch, Glis (mit 2 Belegen), Leuk (mit 2 Belegen), Stalden) und - mit Assimilation - im Gietgi (Greich). Mit einem attributiven Adjektiv sind vertreten: jm Alten Gútt (1694, Staldenried), ts Alt Güod (Eisten), ts Ennerscht Güod ‘ das am weitesten entfernte Gut ’ (Saas- Fee), die Gemeine Gütter ‘ die der Gemeinde gehörenden Güter ’ (1796, Feschel), ts Niw Güed ‘ das neue Gut ’ (Gampel und rund zehn weitere Belege mit formaler Variation), ts Ober Güed ‘ das obere Gut ’ (Fiesch und weitere acht Belege mit formaler Variation), Bluttigx Gu ͦ t ‘ das kahle Gut ’ (1507, Ulrichen), das Wylt Gu ͦ dt ‘ das wilde (unfruchtbare) Gut ’ (1620, St. Niklaus), ts Üsser Güod ‘ das äussere Gut ’ (Eggerberg (2 Belege) und zem Ausren Juott (Guott? ) (1695, Eisten; unsichere Lesung). Komplexer ist etwa ts Unner Niwwgüod ‘ das untere neue Gut ’ (Turtmann). Vorangestellte Genitive sind sehr häufig und bezeichnen meistens den Besitzer mit einem PN oder FaN, manchmal auch die Bewohner eines Ortes, so etwa in Ahornerro Gu ᵉ ter ‘ die Güter der Leute vom Ahorn (Weiler) ’ (1383, Naters). Einige Belege für PN oder FaN sind Elsen Gietgi ‘ das kleine Gut der Elsa ’ (1712, Bitsch), Fintschengút ‘ das Gut der Familie Fintschen ’ (1748, Mörel), in Fúgsigen Gietren ‘ in den Gütern der Familie Fux ’ (1645, Mörel) (mit der kollektiven / - IG / -Ableitung), Gassnero Gu ᵉ tter ‘ die Güter der Familie Gasser / der Leute von Zen Gassneru ’ (1560, Unterems), Gattligen Gietji ‘ das kleine Gut der Familie Gattlen ’ (1857, Stalden) (mit der kollektiven / - IG / -Ableitung), Huotters Gúoth ‘ das Gut der Familie Hutter ’ (Ried-Brig) und viele weitere. ts Jesuitergüod ‘ das Gut der Jesuiten ’ (Glis) bezeichnet einen 397 398 Güet <?page no="465"?> Orden, wobei Jesuiter wohl ein Genitiv Plural zum Sing. Jesuit ist. In ts Doktersch Güed ‘ das Gut des Dr. med. Adolf Bayard ’ (Agarn) ist eine Berufsbezeichnung enthalten. Nur selten werden solche Genitive erweitert wie in des Schriber Nellen Alpgut ‘ das Alpgut des Schreibers Nellen ’ (1741, Greich), wo eine Amtsbezeichnung zum FaN und eine Spezifikation zu Alpgut zu finden sind, oder die lateinisch-deutsche Mischform mit nachgestelltem PN: possessio Jacobi Suetzsch ‘ das Gut des Jakob Sueth ’ (1391, Zwischbergen). Der komplexeste Fall ist Michel Denen Haus Frauwen Gu ͦ dt ‘ das Gut der Hausfrau (Ehefrau) von Michel Thenen ’ (1605, Embd). Zweigliedrige Komposita mit Güet als Grundwort sind sehr häufig. Als Bestimmungswort kann auch hier ein FaN erscheinen wie in ts Alletgüed ‘ das Gut der Familie Allet ’ (Leuk), Antilljugüet ‘ das Gut der Familie Antille / des Antille ’ (Guttet), ts Fonteengüed ‘ das Gut der Familie Fontaine ’ (Niedergesteln), vf Huoberÿ Gu ᵕ ot ‘ auf dem Gut der Huberin ’ (1644, Betten), ein seltener Fall einer femininen Ableitung zu einem FaN. ts Malergietji ‘ das kleine Gut der Familie Maler ’ (Grengiols) enthält laut Gwp. einen Beinamen ts Malersch der Familie Zenzünen. Doppeldeutig ist ts Müotergüod ‘ das Gut der Mutter / des Mutter ’ (Eisten) wo entweder ein ‘ Besitztum von der Seite der Mutter ’ oder der FaN Mutter gemeint sein kann. ts Riedmattergüod ‘ das Gut der Familie Riedmatten ’ (Bitsch) enthält einen alten Genitiv Plural zum FaN Riedmatten, obwohl auch ein Herkunftsname ( ‘ Leute von der Riedmatte ’ ) vorliegen könnte. Einen Firmennamen enthält ts Lonzagüod ‘ das Gut, das der Lonza (Lonza-Werk in Visp) gehört ’ (Baltschieder) - gemeint ist hier nicht der namengebende Fluss Lonza. Unsicher ist ts Pröusugüed ‘ das Gut der Prejsini (Zuname der Familie Loretan) ’ (Leuk); diese Deutung geht auf Gwp. zurück, da die namengebenden Preise sich weiter westlich befinden. Die Rundung zu Pröüsu ist wohl der sekundären Interpretation als ‘ Preussen ’ geschuldet; es liegt aber ein ursprünglicher patois-Ausdruck Preises vor (cf. HL P REISES ). Eine zweite, oft belegte Gruppe enthält Ausdrücke für Kirche, Kapelle, Pfarrei usw. und deutet auf Güter in Kirchenbesitz: das Kaplaneigút (1853, Stalden), Caplaneÿ Gúoth (1803, Ernen), ts Chappelegüed (Geschinen, Saas- Almagell), im Kirchengut (1741, Ausserberg), ts Chilchugüed (Raron), ts Chiuchegüed (Bellwald, Ernen, Fieschertal), Heeregüet (Grengiols), ts Pfargüed (Zwischbergen), unnerm Pfariigüed (Münster), ts Pfrüemdgüed ‘ das Gut, dessen Ertrag dem Pfründer zu Gute kommt ’ (Staldenried). Zu dieser Gruppe ist auch zu zählen das Spital=Gu ᵕ t (1854, Glis), das Spitaalgúot (1651 u. später, Brig), Spittell Gúot (1680, Zwischbergen), wobei Spital als eine Art von Fürsorgeeinrichtung (auch für Alte, Arme und Behinderte) zu verstehen ist. Wohl ebenfalls hierzu ist ts Ampelu Gietji ‘ das kleine Gut für die Ampel (Kirchenlicht) ’ (Glis) zu stellen, dessen Ertrag für den Unterhalt des Kirchenlichtes verwendet wurde. Eine dritte Gruppe enthält lokale Bestimmungswörter wie ob dem Flueligut ‘ oberhalb des Gutes bei der kleinen Fluh ’ (1850, Obergesteln), die Ferrich Gieter ‘ die Güter beim Pferch ’ (1624, Eischoll), Jm Len Gu ᵕ t ‘ im Gut beim Lehn / im Gut, das als Lehen gegeben wurde ’ (1602, Brig), ts Pfigüed ‘ das Gut im Pfynwald ’ (Leuk), im Steingút ‘ im Gut mit Steinen / bei den Steinen ’ (1826, Niedergesteln), Dohlengütter ‘ die Güter bei der Tola (Mulde) ’ (1860, Unterems) und weitere. Ein komplexer Fall ist t Wildi unner dum Güed ‘ die Wildi (unfruchtbares Gebiet) unter dem Gut ’ (Brigerbad). Eine gesonderte Gruppe sind Namen mit Chöüf ‘ Kauf ’ , resp. Köüft ‘ gekauft ’ : im Kaufgut (1816, Raron; 1821, Eischoll), ts Chöüfgüed (Hohtenn, Unterbäch), ts Köüft Güed (Törbel), die ein gekauftes Gut (wohl im Unterschied zu einem ererbten Gut) meinen. Ein komplexerer Fall ist hier t Chöüfgüed(e)räbe ‘ die Reben beim gekauften / verkauften Gut ’ (Hohtenn). Einen Sonderfall bildet schliesslich ts Füfugüod ‘ das Gut, das fünf Besitzern gehört ’ (Unterems). Als Bestimmungswort erscheint das HL nur in Gieterbahnhof ‘ der Güterbahnhof entlang dem Rotten ’ (Naters), wobei hier natürlich bewegliche Güter gemeint sind. Wohl zum Adjektiv güet ‘ gut ’ gehört Guetkinn (Gurtkinn? ) ‘ das gute Chi (Schlucht) ’ (1857, Termen), wobei die Lesung unsicher ist. 1858 ist in Naters Gúoth-Wingÿ und Gu ᵉ oth-Wengi belegt; wir vermuten eine Umdeutung des heute belegten di Gotwingge (Naters) zum HL T WING- GE . Güetaafel Güetaafel, mit / l/ -Vokalisierung Güetafu ist als Simplex in Niederwald belegt; dazu kommen Guetafelschlüecht (Fiesch) und Güetafelschlüecht (Niederwald). Vermutlich handelt es sich um eine Uminterpretation zu Gattafel ‘ (Holz-)Schleif ’ aus lat. * CATABULUM (Nebenform zu lat. CATABULA ) ‘ Niederwerfen, Windbruch, Holzschneise ’ > altrom. *cad ā vel > (mit Lautsubstitution und Lautverschiebung d>t) altalem. *Gattafel, schwdt. Gattafel u. ä. (BENB 1, 2, 32 f.). In Niederwald ist historisch Gottafell (1601) belegt (cf. HL G ATTAFEL ). Ob Gurtaffele (1792, Ernen) hieher gehört, ist unklar. Gufer Gufer n. ‘ Steingeröll ’ ist zu (Berg-)schwdt. Gufer, wdt. Ggufer n., m. ‘ Geröll, Schutt aus Kies, Erde und Steinen, als Produkt von Überschwemmungen, Verwitterung, Güetaafel 399 400 <?page no="466"?> Felsstürzen, bes. an wilden Bergabhängen; (Gletscher-) Moräne ’ (I D . 2, 132; G RICHTING 1998, 92) zu stellen. In den Ortsnamen ist, soweit überhaupt erkennbar, das Genus Neutrum, während I D . als Genus Maskulin und Neutrum angibt. Z INSLI (1945, 322) gibt ebenfalls beides an, desgleichen URNB (2, 99) und BENB (1, 2, 133 f.). Zu vermuten ist, dass Gufer m. im Oberwallis einen einzelnen, meist kleinen Stein meint, während Gufer n. ein Kollektiv ist, das hier als ‘ Steingeröll ’ gedeutet wird. Wenn in den Beschreibungen der Namen nichts anderes steht, ist diese Deutung gegeben; im Einzelfall kann es sich aber um grössere Steine handeln, ähnlich wie beim HL S TEI . Zur Komplexität des Ausdrucks siehe auch Z INSLI (1945, 156 u. passim). Lautlich auffällig ist die seltsame Form di Guifrä (Ferden), vermutlich ein Fem. Sg., die langes, geschlossenes / u: / voraussetzt, das sonst nie für Gufer belegt ist; vermutlich gehört diese Form und die zu ihr gehörenden der Guiferwald und di Guiferweid (beide Ferden) zum HL G ÜÜFRA ‘ Abgrund ’ . Das HL G UFER ist in rund 190 Namen belegt. Das Simplex ts Gufer, auch als im Gufer, ist rund zwanzig Mal belegt. Das Simplex Guferli ‘ kleines Gebiet mit Steingeröll ’ vierzehn Mal. Eine unsichere Lesung ist 1664 für Filet mit in den Gufer(linen? ) ‘ in den kleinen Gebieten mit Steingeröll ’ belegt; sonst fehlen Plurale durchwegs. Attributive Adjektive zu Gufer sind vor allem ts Blaaw Gufer ‘ das blaue Steingeröll ’ (Zermatt), ts Graaw Gufer ‘ das graue Steingeröll ’ (vier Belege), ts Grie Gufer ‘ das grüne Steingeröll ’ (Oberwald), ts Grooss Gufer ‘ das grosse Gebiet mit Steingeröll ’ (etwa zehn Belege), ts Rosaatgufer ‘ das rosarote Steingeröll ’ (Grächen), ts Rot Gufer ‘ das rote Steingeröll ’ (acht Belege), einmal im Plural ze Rote Gufru ‘ bei den roten Steinen ’ (Saas-Almagell) und ts Wiiss Gufer ‘ das weisse Steingeröll ’ (vier Belege), also Farbe des Gesteins und Grösse. Daneben gibt es relative Lagen ts Üsser Gufer ‘ das äussere Steingeröll ’ und ts Inner Gufer ‘ das innere Steingeröll ’ (beide Saas-Balen), ts Hogufer ‘ das hochgelegene Steingeröll ’ (Ernen, Grengiols) (unsicher ist 1469 in Ernen an tho Gu ᵕ ffer, das aber zum lebenden Beleg passt). Weitere sind etwa ts Gaalt Gufer ‘ das unfruchtbare Gebiet mit Steingeröll ’ (Baltschieder), zem Lenggufer ‘ beim langen Gebiet mit Steingeröll ’ (Kippel) und ts Lägund Gufer ‘ das eben verlaufende Gestein ’ (Grächen), ein Partizip Präsens also. Historisch belegt ist 1562 jm Gmeinen Gufer ‘ im Steingeröll der Gemeinde ’ (Brig). Auf einen alten Genitiv Plural geht Geimergufer ‘ das Steingeröll bei Geimen (Weiler von Naters) ’ (Naters) zurück, der heute als Adjektiv verstanden wird. Vorangestellte Genitive kommen vor, sind aber schwer zu deuten: Lau(b)scherrenguffer (1506, Saas-Almagell) enthält wohl einen Genitiv Plural, der sich auf einen FaN oder einen Herkunftsnamen Laub beziehen kann. zu ͦ Lerchisgufer (1469, Ernen) hat einen Genitiv Singular zum Nomen Lerchi ‘ das kleine Gebiet mit Lärchen ’ . Wanigo Guffer (1782, Mund) hat einen Genitiv Plural, der sich auf einen PN Wani/ Wano oder auf den Flurnamen Wanni beziehen kann. Da es daneben in Birgisch ein Wannigufer gibt, könnte aber auch ‘ das Steingeröll bei der Wanne ’ gemeint sein. Komplexer ist ts Bäärtschuwiisisch Gufer ‘ das Steingeröll des Alois Bäärtschi ’ (Randa). Gufer ist als Grundwort sehr häufig. Die Bestimmungswörter beziehen sich meistens auf ein grösseres Gebiet wie ts Fliägufer ‘ das Steingeröll bei den Flühen ’ (Blatten), das sich neben einer Reihe weiterer Namen mit Fliä ‘ Flühe ’ befindet. Einige sind schwerer zu deuten, so das Abc-Gufer oder Abetzegufer (Saas-Almagell), das wohl aussieht wie die Abc-Tafel eines Schülers (genauere Hinweise fehlen). Manchmal sind in den Bestimmungswörtern Pflanzen erwähnt, wie in ts Dischtelgufer ‘ das Steingeröll mit Disteln ’ (Zermatt), oder Tiere wie in im Figgschegufer ‘ im Steingeröll mit Füchsen ’ (Münster) und ts Fuggsgufer ‘ das Steingeröll mit Füchsen / der Familie Fux ’ (Eisten), wobei wie immer auch ein FaN gemeint sein kann. Das Gaalgigufer ‘ das Steingeröll beim Gaalgi (unfruchtbares Gebiet) ’ (Baltschieder) hat ein Bestimmungswort, das von einem Adjektiv abgeleitet ist. ts Fiirholzgufer ‘ das Steingeröll beim Gebiet vor dem Holz (Waldsaum) ’ (Saas-Fee) bezieht sich auf ein Für-Holz, also eine Stelle zu Beginn des Waldes und nicht auf das Feuerholz. In einigen Fällen ist die Deutung nicht klar: ts Ofugufer (Naters) kann sowohl ein Steingeröll mit Ofensteinen, wie einen Stein in der Form eines Ofensteins meinen. Und ts Rindergufer ‘ das Steingeröll, in dem die Rinder weiden ’ (Blatten) (auf ca. 2480 m) kann eine Alpweide für Rinder meinen, braucht es aber nicht. Ganz unsicher ist das zweimal belegte, aber sich am gleichen Ort befindliche Santigufer (Eyholz, Visp). Während sonst Santi sonst nur für Santigläis u. ä. verwendet wird, kann das hier kaum zutreffen; zu vermuten ist eher eine Ableitung zu Sand ‘ Sandgebiet ’ : ‘ das sandige Steingeröll ’ - aber das ist eine unsichere Hypothese. Es gibt eine Reihe weiterer Konstruktionen, die hier nicht besprochen werden können. Einen Sonderfall stellt ts Zwäregufere ‘ bei den quer laufenden Steingeröllen ’ (Reckingen) dar - es handelt sich um einen Plural Gufere, der mit zwär ‘ quer, schief ’ (I D . 15, 1825 s. v. twër ch ) verbunden ist. Komplexere Bildungen sind eher selten, etwa ts Ober und ts Unner Reschtigufer ‘ der obere und der untere Teil des Steingerölls bei der Resti (Raststelle) ’ (Oberems) oder ts Gwautshabergufer ‘ das Steingeröll, das der Gewalts- 401 402 Gufer <?page no="467"?> haber (heute: Gemeindepräsident) nutzen durfte ’ (Ritzingen). Selten und etwas unerwartet ist Gufer im vorangestellten Genitiv wie in ts Guferschmatte ‘ die Wiese beim Steingeröll ’ (Gluringen, Reckingen, Saas-Almagell) - es kann sich dabei kaum um einen PN oder FaN handeln (es finden sich dafür keine Belege), sondern offenbar um einen Genitiv eines Flurnamens. Weniger häufig als als Grundwort ist Gufer als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita. Die Grundwörter sind Acher, Balm, Biina, Bodu, Egg(a), Graat, Lamma, Matta, Schiir, Schnitta, Tiri, Tola, Tschugge, Wald, Wang und Weid. Eine Ableitung mit dem kollektiven Präfix GI kommt als Gigufer in Oberems, Ried-Brig und Zwischbergen vor, wobei das Simplex nur in Zwischbergen belegt ist (J OR- DAN 2006, 184 kennt Ggúfär und S. 290 als Variante zu Ggärisch auch Ggufär; weiter hat er Ggúfärbalma, Ggúfärbodu, Ggúfärmättulti und Ggúfärschtälli) (Register S. 530). Grossgigufer ‘ das grosse Gebiet mit Steingeröll ’ ist in Zwischbergen belegt (auch bei J ORDAN 2006, 316 Groossgiggúfär). In Ried-Brig ist ts (e)Rot Gigufer ‘ das rote Steingeröll ’ belegt. Oberhalb von Brig kann Gi-Gufer zu Gufer assimiliert werden, nach Tilgung des Vokals, sodass nicht zwischen der kollektiven Bedeutung der Ableitung und dem Simplex unterschieden werden kann. J ORDAN (2006, 284) kennt Ggúfär und Gigguffär, Ggúfär und Ggúfärschtälli (J ORDAN 2006, 351), Ggufärbalma (J OR- DAN 2006, 186), Ggúfärbodu (J ORDAN 2006, 89) und Ggúfärmätt u lti (J ORDAN 2006, 205). Es zeigt, sich auch hier, dass Gufer als ‘ Steingeröll ’ eine weite Verbreitung hat. Das Adjektiv gufrig ‘ zum Steingeröll gehörig, steinig ’ kommt zweimal in Randa vor: die Gufrig Balma ‘ der überhängende Fels mit Steingeröll unterhalb ’ und ts Gufrig Zigji ‘ der kleine Zug (Schleif) mit Steingeröll ’ . Gufu Gufu f. ‘ Nadel, Stecknadel ’ ist nur einmal belegt in der Gufuwang ‘ der Grasabhang in der Form einer Nadel ’ (Ergisch). Das Nomen ist zu schwdt. Gufe (I D . 2, 607 s. v. Glufe) und wdt. Ggufa, Ggufä (Goms), Ggufu ‘ Nadel ’ (G RICHTING 1998, 92) zu stellen. Das viel häufiger vorkommende HL G UFER ‘ Steingeröll ’ kommt aus lautlichen und inhaltlichen Gründen nicht in Frage. Gugel Gugel m. ist zu schwdt. Gugel m. ‘ eine Art Kappe, Kapuze ’ , aufs Gelände übertragen ‘ Hügel, runder Gipfel ’ , mhd. gugele, gugel, kugel, aus mlat. CUCULLA , lat. CUCULLUS (I D . 2, 155 f.; BENB 1, 2, 134) zu stellen. In unseren Belegen kommt das HL auch als Gugul m. (Ried-Mörel) und als Gugla f. in den Bezirken Visp und Westlich- Raron vor. Im Bezirk Goms ist zweimal Gugen belegt; ob das zum gleichen HL gehört, ist unklar. In den Bezirken Brig und Leuk fehlt es gänzlich. Das Simplex im Singular ist in uffem Gugel nur in Mörel belegt. Ried-Mörel dagegen hat ein Simplex Gugul, um das sich eine Reihe von weiteren Namen wie das Diminutiv ts Gugulti, dann Änner Gugul, Chlei Gugul (1714), Ober Gugul, Unner Gugul, Gugel Wasserleita (1660 u. später), Gugul Brunnu (1779), Gugulgrabu, Gugulmatta (1697/ 98 u. später) und das unklare Helgugul ‘ der Höllenhügel / der helle Hügel ’ (1451, bei t Underbächi) scharen. Der feminine Typ Gugla ist in St. Niklaus, Visperterminen und Zermatt belegt, der Typ Gugle (unklar, ob Singular oder Plural) in Saas-Fee, Saas-Grund und Steg, die Form di Guglu in Saas-Balen. Der historische Beleg an der Gugelun (1304, Stalden) ist ebenfalls feminin. Isoliert ist der Diminutiv das Weis Cuggeltÿ ‘ der kleine weisse Hügel ’ (1815, Saas-Fee). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist das HL belegt in dass Gu ͦ gelwegeltÿ ‘ der kleine Weg zum Hügel ’ (1810, Saas-Grund), das Gúgelwegji ‘ der kleine Weg zum Hügel ’ (1875, Saas-Almagell), ts Gugolschiirli ‘ die kleine Scheuer beim Hügel ’ (Eisten), sowie den zwei unklaren beÿm Gu ᵕ genkreüz ‘ beim Kreuz auf dem Hügel ’ (1831, Oberwald) und beÿ der Gùgen Múren ‘ bei der Mauer beim Hügel / der schlechten Mauer ’ (1804, Obergesteln), das auch zu Goger-Mürli ‘ schlechte kleine Mauer ’ (I D . 4, 382) gestellt werden könnte. Unklar ist auch das Gúgelhaút ‘ der runde Hügel (wörtlich: das Haupt mit einer Kapuze) ’ (1975). Das neutrale Genus weist eher auf das HL H ÖUPT (Haupt) als auf das HL H ÜET (Kopfbedeckung) hin. Guger Guger ist nur in Stalden belegt und zwar als ts Gugerfell, der Gugerwald, der Gugerzug und - historisch - Gu ᵕ gerschleiff (undatiert). Das Simplex Guger ist nicht belegt; es fehlt so auch in I D . Am nächsten kommt dem HL wohl Gugel, das 1304 in Stalden als an der Gugelun belegt ist; vgl. dazu I D . (2, 155, s. v. Gugel II, Bed. 2 ‘ Hügel ’ ) und HL G UGEL . Gugger Gugger ist mehrdeutig. Es bezieht sich entweder auf den Ruf des Kuckucks, zu schwdt. Gugger, wdt. Ggugger, Gguggüüs, Gugguis, Gguggär ‘ Kuckuck ’ (I D . 2, 184 f.; G RICHTING 1998, 92) oder auf eine deverbative / - ER / -Ableitung zu gugge n ‘ sehen, schauen ’ (I D . 2, 182); obwohl das Verb selbst nicht belegt scheint, weist der FlN-Typ Guggi / Guggina auf Ableitungen vom Stamm gugg- ‘ sehen ’ hin. Der FaN Gugger ist für Mund (J OSSEN 1989, Gufu 403 404 <?page no="468"?> 74) belegt. Gugger ist auch Pflanzenname, wie weit das bei den FlNN eine Rolle spielt, ist unklar. Gugger ist dreimal als Simplex (Gluringen, Ritzingen, Oberems) belegt. In drei Fällen liegt eine Konstruktion mit Genitiv vor: Guggersch Egga (Eggerberg) und Guggersch Stei (Simplon-Dorf, zwei Belege). Beide Fälle sehen wie Besitzernamen im Genitiv aus. Es könnte sich hier aber auch um den Kuckuck selbst handeln, der sich an der Egga oder am Stein hören lässt. Wohl der FaN liegt in Guggers Matta (1548, Mund) vor. In allen andern Fällen ist Gugger Bestimmungswort zu Grundwörtern: Bärg, Blatt, Chessi, Egg, Hubel, Matta, Stein, Wäg, Wald, Wasen und Weid. Nicht deuten lässt sich an den Guggen Metz (1852 Niedergesteln), hier sind gleich beide Namensbestandteile rätselhaft. Guggi Guggi ist zu schwdt. G ŭ ggi n. ‘ Loch, Guckloch, Öffnung oder Lücke in einer Wand; Name aussichtsreicher Anhöhen ’ (I D . 2, 190 f.) zu stellen. Das HL kommt im heutigen Walliserdeutschen nur in Flurnamen vor. Einige der Belege des HL als Bestimmungswort sind zum Alpnamen Guggina (cf. HL G UGGINA ) zu stellen. Beide gehören zum Verb gu ᵕ gge n II ‘ schauen, sehen ’ (I D . 2, 190). Das Simplex tritt im Singular als ts Guggi ‘ der Ort mit Aussicht ’ (Eggerberg, Naters), historisch an Guggi (1542, Mund) auf. Als Plural des Simplex finden sich di Guggini ‘ die Orte mit Aussicht ’ (St. Niklaus) und ze Gugginu ‘ bei den Orten mit Aussicht ’ (Oberems). Nur einmal erscheint die Form Ggugis Alpa (153? , Törbel), wo auch ein Besitzername gemeint sein kann; der Beleg ist unklar montis et alpis dicte Gguggis Alpa; verstanden werden kann er sowohl als ‘ die erwähnte Alpe Guggi ’ , als auch als ‘ die erwähnte Alpe des Guggi ’ . In allen andern Fällen tritt das HL als Bestimmungswort auf, das sich meist auf einen Alpnamen Guggina bezieht. Nicht zu diesen Fällen gehören der Guggitschuggo ‘ der Fels, von dem man eine gute Aussicht hat ’ (Törbel) und der Guggigrabo ‘ der Graben beim Guggitschuggo ’ (Törbel), wo kein lebendes Guggi vorhanden ist. der Guggibiel ‘ der Hügel mit Aussicht ’ (Zermatt) ist bei FLNK als Guggubiel belegt, also ‘ der Hügel des Kuckuck ’ , wenn nicht eine oblique Form von Guggi ‘ Aussicht ’ gemeint ist. Auch in Blatten ist di Gugguschluächt ‘ die Geländeeinbuchtung des Kuckuck ’ belegt, doch ist wohl auch hier die Guggina Bezugsgrösse, wie LT und FLNK bezeugen. Die weiteren Grundwörter sind Bäärg, Blatta, Chromu, Egg(a), Färich, Flüö, Grabu, Holz, Schluocht, See, Stafel, Teiff, Tiri, Tola und Wald. Für Ableitungen cf. HLL G UGGILI und G UGGINA . Guggili Guggili n. ‘ die kleine aussichtsreiche Anhöhe ’ ist in Glis, Simplon und Zwischbergen belegt, wobei die Belege in Simplon und Zwischbergen den gleichen Ort meinen. Dazu gibt es der Guggiligrabu, der Guggiligraad, ts Guggilihoru, der Guggilistaful und der Guggiliwäg (alle Zwischbergen; einige davon auch LT, SK und FLNK). J ORDAN (2006, 245 f.) kennt Ggúggili, Unnärs Ggúggili, Ggúggiliegga, Undrä Ggúggilischtaaful, Obärs Ggúggili, Obrä Ggúggilischtaaful, Ggúggilihooru, Ggúggililicka, Ggúggiligraat und Ggúggiliwäg, also etwas mehr als von M. S. notiert. Es handelt sich um einen Diminutiv zu schwdt. G ŭ ggi n. ‘ Loch, Guckloch, Öffnung oder Lücke in einer Wand; Name aussichtsreicher Anhöhen ’ (I D . 2, 190 f.), hier zu verstehen als ‘ kleine aussichtsreiche Anhöhe ’ . Die Flur in Glis befindet sich auf rund 1470 m im Nesseltal. Die andern Namen bilden ein Nest um die Flur Guggili in Zwischbergen (1443 m). Cf. HL G UGGI . Guggina Guggina f. ist eine feminine / - INA / -Ableitung zum schwdt. Verb g ŭ gge(n) II ‘ sehen, schauen ’ (I D . 2, 182), also ‘ der Ort mit Ausschau ’ . Das Simplex ist als Guggina (FLNK, Blatten; Zwischbergen), di Guggina (Bürchen, LT u. FLNK Guggine; Ferden; Kippel; Simplon) belegt; J ORDAN (2006, 90 u. 244) kennt den Namen als Gguggina, S. 90 auch Undri Gguggina. In Bürchen und Simplon sind t Ober und t Unner Guggina belegt. In Blatten kommt das HL als Bestimmungswort Gugginmit den Grundwörtern Alpa, Bäärg, Blatta, Burscht, Mad und Pletscha vor. Es ist nicht auszuschliessen, dass Gugginzum einfachen HL G UGGI zu stellen ist, doch kann das in Blatten belegte Guggina als Bestimmungswort ohne weiteres in einer Kurzform auftreten. Der SDS (5, 8 und 118) weist für zwar für das Oberwallis das Verb gugge nicht auf, die Namen deuten aber darauf hin, dass das Verb früher durchaus geläufig war. Guggsa Guggsa f. ‘ Schneetreiben ’ ist zu schwdt. Gux m., Guxi n., Guchs, Guggse n f., wdt. Guggsa, Guggsä (Goms), Guggscha (Goms), Guggsu f. ‘ Windstoss, scharf-kalter, plötzlich hereinbrechender, heftiger, oft ganz lokaler, rasch verlaufender, höchst gefährlicher Schneesturm, bes. im Alpenlande ’ , ‘ Schneelage, Masse gefallenen oder zugewehten Schnees (I D . 2, 571; G RICHTING 1998, 101) zu stellen. Das HL ist nur belegt in ts Gugsuschiirli ‘ die kleine Scheuer mit Schneetreiben (im Winter) ’ (Eischoll). Gugwer Gugwer ist nur 1425 in Visp belegt als ein Stück Land, das Gúgwer genannt wird. Das HL ist in I D . so nicht auf- 405 406 Gugwer <?page no="469"?> geführt; es fehlt auch im G R W B und bei L EXER . Ob der zweite Teil des HL zu Wer II ‘ Wehr ’ (I D . 16, 902 ff.) zu stellen ist, bleibt unklar; das sonst geltende HL ist Weri, das jedoch als Bestimmungswort auch in der Form Wer auftritt. Der erste Teil Gug liesse sich mit Vorsicht zu schwdt. Gueg, wdt. Güege, Güegä (Goms), Güega (Mattertal), Güego (Schattenberge), Guägn (Lötschental), Güögu, Güägu ‘ Käfer, Wurm ’ (I D . 2, 160 f.; G RICHTING 1996, 101) stellen, wenn eine verhochdeutschte Form angenommen wird. Die Deutung wäre dann etwa ‘ die Wehr gegen Würmer ’ ; diese Deutung ist aber sehr unsicher. Guisan Guisan ist nur belegt in General Guisanweg ‘ der Weg zur Erinnerung an General Henri Guisan (1874 - 1960) ’ (FLNK, Saas-Fee). Henri Guisan (1874 - 1960) war während des zweiten Weltkrieges General der Schweizer Armee, die nur in Kriegszeiten einen General hat. Gukanon Gukanon f. ist nur einmal historisch 1396 in Unterbäch als an der Gukanon belegt. Es liegt eine / - ANA / -Ableitung zum Verb g ŭ gge(n) II ‘ sehen ’ (I D . 2, 182 f.) vor, also ‘ am Ort mit Aussicht ’ (cf. HL G UGGINA als / - INA / -Ableitung). G. Z ENHÄUSERN (p. c.) vermutet, dass der Name identisch sei mit G UGGINA in Bürchen. Gula Gula f. ist zu lat. G Ŭ LA ‘ Kehle ’ (FEW 4, 307 ff.) zu stellen, ebenso die diminutive Form Goletta (T AGMANN 1946, 18), die wir unter dem HL G OL behandeln. Als Flurname bezeichnet Goula etc. ‘ couloir, passage étroit, col de montagne, parfois gorge ’ (B OSSARD / C HAVAN (2006, 35)) einen engen Durchgang oder eine Schlucht; die Autoren stellen auch Collette hieher. Belegt ist lebend Gulä (FLNK, Albinen; auch bei M ATHIEU (2006, 35, Nr. 12) und auf LT), wo es sich einfach um einen Abhang zu handeln scheint. Ebenfalls in Albinen sind 1508 en la Cula und 1548 en laz Culaz belegt; vermutlich handelt es sich um die gleiche Flur bei Dorben. In Agarn ist 1357 in Gula Pollet ‘ im engen Durchgang mit kleinen Hühnern / der Familie Pollet ’ belegt, desgleichen in Leuk 1326 als en Gola Pollet und 1544 jn Gulaz Pollet, ebenfalls in Leuk 1355 u. später Golam Dale ‘ die Dala-Schlucht ’ (auch Gulam) und in Feschel 1593 in Gulam Vexilia ’ ‘ in der Schlucht der Feschilju (Bach) ’ . Gulantze Gulantze ist eine historische belegte Form aus Turtmann, über die sonst nichts bekannt ist. In Varen und Salgesch bezeichnet Gulantschi einen Bach und das an ihn grenzende Wiesen- und Rebgebiet (nach T AGMANN , Ms. 43). T AGMANN gibt keine Erklärung, verweist aber auf Patois- Formen von Mollens (i kulántse, i kolantse) und Miège (i kolántse). Der älteste Beleg von Golantschu (Ergisch) ist ebenfalls culanches; es handelt sich also wohl um den gleichen Namen. M ATHIER (2015, 120) leitet es von lat. GULA und dem Suffix / - ACEA / ab. Diese Ableitung erklärt den überall belegten Konsonanten / n/ nicht; zu vermuten ist also ein Suffix wie / - ANCA / (RN 2, 1028); als Stamm kommt neben lat. GULA auch lat. COLUM ‘ Seihgefäss ’ oder das dazu gehörende Verb COLARE in Frage (T AGMANN 1946, 15 f.). Motivation wäre die enge Schlucht, durch die der Bach fliesst. Neben dem heute belegten Gulantschi (Varen, Salgesch) gibt es den Gulantschigrabu (Varen, Salgesch) und die Gulantschibriggu (Varen); nur historisch ist Gulantschi Egg (1927, Salgesch) belegt. Älter ist Crous de Culanches (1345, Salgesch als Erstbeleg); Crous ist frpr. für frz. creux ‘ Graben, Schlucht ’ (cf. HL C ROUS ); es handelt sich also um die romanische Form für Gulantschigrabu. Dass nicht nur der Bachname vorliegt, zeigt in der Gulantzen (1733, Turtmann). In Ergisch gibt es t Golantschu, auch die Obri und die Undri Golantschu. Ein historischer Beleg in Ergisch aus dem 13. Jh. hat deis culanches, also die gleiche Form wie das HL G ULANTZE . Gulder Gulder kommt nur in Grengiols vor, wobei unklar ist, ob Gulder die Grundform ist, oder die Ableitung Guldernä den Ausgangspunkt bildet und die Belege ts Guldersand und der Gulderwald davon abgeleitet sind. Das in der gleichen Gegend belegte di Gilldernä (Grengiols) gehört hierzu; es deutet darauf hin, dass ein umgelautetes / ü/ zu einem / i/ entrundet wurde. Ausgehend von Goldere n ‘ Türkenbund (L ILIUM MARTAGON ) ’ (I D . 2, 226) lässt sich Guldernä als ‘ der Ort mit Türkenbund ’ verstehen; vgl. hierzu L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1260) und M AR- ZELL (2, 1300 ff.). Die Ableitung auf / - ERNA / (wie in Blackerna (Törbel) usw.) meint ein Kollektivum für Pflanzen; hier also ‘ der Ort mit Türkenbund ’ . Die Hebung von / o/ zu / u/ in Gold vs. Guld ist gut belegt (I D . 2, 224). Auch der entrundete Umlaut in Gilldernä ist dann verständlich. Die beiden Namen mit Gulderweisen eine Rückbildung zu Guldernä auf. Ein Ausgangspunkt von Guld / Gold, der in Guldernä den ‘ Ort mit Gold ’ annimmt, ist zwar nicht ausgeschlossen, erklärt aber die seltsame Form Gulder nicht. Güldt Güldt n. ist nur einmal belegt in das Ewig Güldt ‘ die ewige Abgabe ’ (1728, Zeneggen) und ist dort die Übersetzung von lat. PERPETUI REDDITUS ‘ die ewige Einnahme ’ Guisan 407 408 <?page no="470"?> (Genitiv konstruktionsbedingt). Es ist zu schwdt. Gült f. ‘ Grundzins, jährliche Leistung, Rente ’ , ‘ Schuldverschreibung auf Grundstücke; Hypothekschein, Wertschrift auf Unterpfand von Haus und Land, die sich verzinst ’ , ‘ Abgabe, Steuer ’ , ‘ Schuld ’ , mhd. gülte ‘ Schuld, Zahlung, Einkommen, Rente, Zins ’ (Id. 2, 285 ff.) zu stellen (cf. HL G ILT ). Guliner (FaN) Guliner (FaN) kommt nur in Guliners Hütten ‘ die (Alp-) Hütte der Familie Guliner ’ (1649, Simplon) vor. Es handelt sich um einen Familiennamen, der im Register zu HRBS belegt ist. Gummja Gummja f. ist im Wesentlichen in Brigerbad belegt als t Gummja; dazu kommen t Inner Gummja ‘ die innere Gummja ’ und der Gummjurüüs ‘ der Wasserlauf / die Wasserleitung von / zu der Gummja ’ . Historisch ist 1612 die Gummÿnen belegt. Ob das 1716 in Ergisch belegte im Gúmmoli, 1743 im Gúmmely hieher gehört, bleibt unklar. Die Form selbst scheint eine / - LA / -Ableitung (S ONDER- EGGER 1958, 517 ff.) mit Palatalisierung zum Lemma Gumm zu sein, das I D . (3, 290 s. v. Kum) als Alternative zu Chumme n nennt und zu rom. comba ‘ kleines Tal, Bergschlucht ’ (G PSR 4, 171 ss.) stellt. Anlautendes / g-/ statt / ch-/ würde eine ältere Entlehnung bedeuten (vgl. auch BENB 1, 2, 142 ff. s. v. Gumm-/ Chumm-). Gumpen Gumpen ist nur historisch in Törbel 1351 als supra Gumpen Stu ᵉ le und 1570 als Zgumben Stull belegt. Während Stull ‘ Stuhl ’ hier wohl als Flurname gelten kann (URNB 3, 543 s. v. Stuhl), ist Gumpen ein Genitiv zum schwzdt. Nomen Gump m. ‘ Sprung ’ und zu wdt. Ggump ‘ Sprung ’ (I D . 2, 311; G RICHTING 1998, 93; die dort angegebene zweite Bedeutung ist nicht einschlägig). Gemeint ist also das ebene Land, das sich für einen Sprung eignet. Lebendig erscheint das HL als attributives Adjektiv in di Gumpigi Blattu ‘ die Felsplatte, von der man herunterspringen kann ’ (Bratsch, auch FLNK), zu schwdt. gumpe n und wdt. ggumpe, ggumpä (Goms), ggumpu ‘ springen, hüpfen ’ ) ’ (I D . 2, 312; G RICHTING 1998, 93). Die Beschreibung sagt: “ Hier sind <boozugschichtjini> [kleine Gespenstergeschichten] lokalisiert. ” Diese Beschreibung scheint das Gumpen vor Angst oder Erschrecken vor den Gespenstern zu deuten. Das Adjektiv ist zu gumpig ‘ hüpfend, unruhig, springlustig, wolgemut, munter ’ (I D . 2, 315) zu stellen. Gumper Gumper ist nur in Gumperwald (LT u. FLNK, Mund) belegt. Gumper ist bis 1798 die Bezeichnung für einen Teil des Bezirkes Brig. Mund war bis 1798 Gumper dieses Bezirkes. I D . (2, 317) erwähnt es und zitiert S IGISMUND F URRER (1850) „ Der Centen Brig ist militärisch in 8 Gumper eingeteilt, welche die Natur durch Vertiefungen bezeichnet. “ I D . gibt deswegen als Herkunft frz. combe ‘ Schlucht ’ (FEW 2, 1524 f. s. v. C Ŭ MBA (gall.) talkessel; trog; G PSR (4, 171 s. s. v. combe).) Diese Deutung ist sehr unsicher, weil sie das auslautende / - ER / von Gumper nicht erklären kann. G PSR (4, 174) kennt ein combière, das 1733 als Combery in Nendaz belegt ist (wohl eine kollektive Ableitung auf / - ARIA / nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 288), die S. 34 auch Combire aufführen). Das feminine Genus von Gumper ist durch einen historischen Beleg von 1608 gesichert: „ in der Gumper ab Mundt “ . Wenn die Deutung stimmen sollte, ist Gumper also von einer Ableitung auf / - ARIA / von comba zu deuten: die Vertiefungen. Gumpitsch (FaN) Gumpitsch (FaN) ist nur in der Gumpitschbode ‘ der Boden der Familie Gumpitsch ’ (Ernen) belegt. Die Gwp. sagt, dass dieses Land einer Familie Gumpitsch gehörte, die vor kurzem erst ausgestorben sei. AWWB (120) kennt eine Familie Gumpisch, Gumpost, Familie von Ausserbinn, die sich später nach Lax, Martisberg, Niederernen und Steinhaus verbreitete. Gunli Gunli n. ist historisch als das Gu ᵕ nli (1606, Zwischbergen) und das Gümli (1603, Simplon) belegt; J ORDAN (2006) kennt den Flurnamen nicht. Es handelt sich wohl um den gleichen Namen, der zu Gumm ‘ wellenförmig gekrümmte Bodenfläche ’ (I D . 3, 290) zu stellen ist (üblicher ist HL C HUMMA ); die Form ist ein Diminutiv. Andere Deutungen sind möglich, aber nicht wahrscheinlich. Gunngger Gunngger ist nur einmal belegt in di Gunnggertola ‘ die Gungger-Mulde ’ (Zwischbergen). J ORDAN (2006, 381) kennt sie als Ggunggärtolä. Gwp: „ Das Vieh springe hier übermütig herum? “ . Vermutlich ist hier das Verbum ggumpe ‘ springen, hüpfen ’ (G RICHTING 1998, 93) gemeint, was lautlich nicht zutrifft. Gunggel ‘ etwas Baumelndes ’ (I D . 2, 367 ff.) und mehrere Ableitungen davon kommen kaum in Frage, da die Wortfamilie nie für das Oberwallis belegt ist. Näher liegt wohl Gungg (BENB 1, 2, 152), das auf lat. CONCHA ‘ Muschel ’ zurückgeführt wird (siehe schon H UBSCHMIED (1940, 19 f.), in Ortsnamen als ‘ Talmulde ’ ). Gungger ist eine Stellenbezeichnung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.). Das Ganze wäre dann eine 409 410 Gunngger <?page no="471"?> doppelte Bezeichnung für ‘ Mulde ’ , beruhend auf einem nicht mehr verstandenen Gungg. Gunnse (PN) Gunnse (PN) ist nur als ts Gunnsebord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) des Gunz (PN) ’ (Binn) belegt. Der Flurname ist auf rund 2100 m belegt, befindet sich also auf Alphöhe. Zwar ist im Register zu den HRBS der FaN Guntzet erwähnt, doch unterscheidet dieser sich vom HL G UNNSE . Ob der Kurzname Günz (I D . 2, 387 zu Günther) gemeint ist, bleibt ebenfalls unklar. Dennoch ist anzunehmen, dass hier ein PN Gunnse vorliegt, der als Genitiv zu interpretieren ist. Günscheren Günscheren kommt nur 1630 in Niedergesteln als zen Günscheren vor. Laut Dokument handelt es sich um einen Acker, der auch Rubis Acker genannt wird. Es handelt sich um einen Dativ Plural einer / - ERE / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) zum Verb schwdt. günse n ‘ einen schrillen, durchdringenden Schrei ausstossen, gellen ’ , wdt. ggisse, giissä (Goms), ggissu (Saastal), ggiissu ‘ kreischen, weinen, schreien ’ (I D . 2, 375; G RICHTING 1998, 88). Gemeint ist wohl ein Acker, der mühsam zu bearbeiten ist und deswegen ‘ bei den Schreien ’ heisst. Günscheren ist eine verhochdeutschte Form zum dialektalen Ggiissere. Gunt Gunt ist nur in der Guntstüol (Stalden) belegt. Während Stüol (cf. HL S TÜEL ) als Geländeformation metaphorisch zu verstehen ist, bleibt Gunt unklar. Es ist vermutlich frz. und kann entweder zu compte ‘ Rechnung, Handlung oder Resultat des Rechnens ’ (G PSR 4, 225 ss.) oder zu conte ‘ Erzählung von tatsächlichen oder erdachten Geschichten ’ gestellt werden; beide erscheinen im Patois als konto und können im Deutschen als Gunt auftreten. Da I D . (3, 376 f.) nur Kunte n ‘ Rechnung; Märchen ’ kennt, die beide auf frz. compte und conte zurückzuführen sind, lässt sich eine eindeutige Deutung nicht geben; es werden deswegen beide angeführt: ‘ der Rechnungsstuhl / der Erzählstuhl (Stuhl ist metaphorisch) ’ . Wahrscheinlicher ist die zweite Deutung. Günten Günten ist nur 1688 in Albinen als in der Günten belegt. Alternative Lesung ist Güeten. Da anschliessend noch ein Flurname folgt, muss es sich hier um ein grösseres Gebiet handeln. M ATHIEU (2006) kennt den Flurnamen nicht. G RICHTING (1998, 88) kennt Gginta, Ggintä (Goms), Gginte (Saastal), Ggintu ‘ Laune, Unart ’ , das auch I D . (2, 384 s. v. Günte n ) aufführt. Es dürfte aber wohl eher Gunte n II ‘ kleiner See, Wasserlache ’ (I D . 1, 384) gemeint sein, obwohl dieses Wort für das Oberwallis sonst nicht belegt ist, also ‘ bei der Wasserlache ’ . Die alternative Lesung kommt kaum in Frage. Guntern (FaN) Guntern (FaN) ist zum FaN Guntren bzw. Guntern, Gunteren, Gunterii, Gunter, vom Taufnamen Gunter abgeleiteter FaN zu stellen, einer alten Familie in Goms (AWWB 120 f.). Der FaN erscheint in fünf Belegen: Gúntren … Bünden ‘ der Pflanzplatz der Familie Guntern ’ (1543, Geschinen), Gu ᵕ ntren Moriz Matte ‘ die Wiese des Moritz Guntern ’ (1832, Geschinen), Gunternwald ‘ der Wald der Familie Guntern ’ (Eggerberg), dess Herr Guntren Creutz ‘ oberhalb des Kreuzes des Herrn Guntern (FaN) ’ (Münster) (Herr ist vermutlich ein Pfarrherr) und der schwache Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung in Gunthrigen Lochÿ ‘ im kleinen Loch der Familie Guntern / der Leute des Gunter ’ (Mühlebach). Unsicher ist der Weilername ts Gintrige ‘ bei der Familie Guntern / den Leuten des Gunter ’ (Obergesteln). Lautlich kann es sich aber um die entrundete Form des umgelauteten Güntrigo handeln (cf. HL G GINTER ). Gunzi Gunzi n. ist nur belegt in Termen als ts Gunzi und der Gunzigrabu ‘ der Graben zum Gunzi hinunter ’ . Die historischen Belege haben 1320 Gunzo, 1320 Gonzo, 1374 der Guntzo, 1383 Gunczo, 1383 Guntzo, 1540 der Guntzen. Es handelt sich bei der lebenden Form wohl um einen Diminutiv zu einem ursprünglich maskulinen Gunzo, den Namen eines Ackers. I D . (2, 387) verweist unter Gunze (nach S TALDER im luzernischen Gäu) auf Gunten II ‘ Wasseransammlung, Teich, Lache, Tümpel ’ (I D . 2, 384). Das sonst unbelegte Wort würde also einen Tümpel oder etwas Ähnliches benennen. SK zeigt an diesem Ort den schon erwähnten Gunzigrabo, der am Gunzi vorbeiführt, sodass die Motivation des sonst unerklärten HL gegeben ist. Als Deutung ergibt sich wohl ‘ der kleine Tümpel ’ . Heute führen am Ort eine Wasserleitung und ein Bach vorbei. Güot Güot ist das Adj. schwdt. guet, wdt. güet, guätä, guät ‘ gut; von brauchbarer, erwünschter, trefflicher Beschaffenheit ’ (I D . 2, 535 ff.; G RICHTING 1998, 101). Es kommt nur in drei Belegen vor: der Guet Hais ‘ der gute Hans ’ (Zwischbergen), das auch als Guet Hais auf 1: 10000 erscheint und bei J ORDAN (2006, 259) als Guotä Haisch belegt ist. Eine Deutung ist literal möglich: der Gute Hans ist gemeint. Es könnte sich auch um eine Umbenennung Gunnse (PN) 411 412 <?page no="472"?> für die Pflanze Guter Heinrich (C HENOPODIUM BONUS - HENRI- CUS ; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 594) handeln; die Pflanze ist in der ganzen Schweiz bezeugt. Weiter sind jn der Gu ͦ ten Halton ‘ in der guten Halde ’ (Oberems) und jn den Gútten Bitzlinen ‘ in den guten (d. h. ertragreichen) kleinen Stücken Land ’ (1741, Turtmann) belegt. Die zwei letzteren Namen meinen mit güot ertragreiche Güter. Güp Güp n. ist nur als ts Güp (Visperterminen, auch FLNK und LT) belegt. Laut LT und 1: 10000 handelt es sich um ein Gebiet bestehend im Wesentlichen aus Wald. Die Beschreibung gibt ‘ Föhrenwald <Anhöhe> ’ und ‘ <chrachen> Sattel ’ . Zwar kennt Z INSLI (1946, 323) Gupp-, doch ist dieser Eintrag für unseren Namen unsicher; / ü/ müsste aus einem langen / u: / gebildet werden; ein solcher Beleg fehlt. Eine Deutung ist nicht möglich. Gupei Gupei ist nur in Plángupei (Leukerbad) belegt, das wohl ein Kompositum aus plan + gupei darstellt. R. G RICHTING (1993, Blatt 14, Nr. 36 und Blatt 21, Nr. 15) kennt Plangupey. Gupey könnte am ehesten mit goupi ‘ kleiner Fuchs, Fuchswelpe ’ (B RIDEL 1860, 185; FEW 14, 644 s. v. VU ᵕ LP Ē CU ᵕ LA ) identifiziert werden; die Belege unter G PSR (8, 516 ss. s. v. goupil und [goupillière]) sind jedoch unklar. FEW (14, 644) bringt aber eine Reihe von Belegen zu goupil und gupille, sodass die Deutung von Gupei als ‘ kleiner Wolf ’ nicht falsch zu sein scheint. Gupisch (PN) Gupisch (PN) ist eine nur einmal belegte Genitivform zu einem PN Gupi in ts Gupisch Stei ‘ der Stein des Gupi ’ (Saas-Balen). Guppi ist belegt (cf. HL G UPPA ), doch kommt es hier wohl nicht in Frage. Der PN Gupi kommt sonst nicht vor. Gwp. will allerdings Guppi zu lat. CUPPA ‘ Becher ’ stellen, doch ist der Genitiv ts Gupisch ‘ des Gupi ’ dafür ungeeignet. Guppa Guppa f. ‘ die Kuppe, der Berggipfel ’ ist zu schwdt. Guppe n f. ‘ Kuppe; Berggipfel ’ (I D . 2, 389 (mit etwas anderer Bedeutung); Z INSLI 1945, 323; BENB 1, 2, 156) zu stellen; der Diminutiv Guppi gehört dazu. Es handelt sich ursprünglich wohl um ein rom. Wort zu cuppa ‘ Becher ’ (RN 2, 122 f.), doch äussern sich K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 550) dagegen, weil lat. CUPPA ‘ Becher ’ inhaltlich nicht passe. Das hdt. Kuppe erscheint auf LT und in der Literatur. Es ist für drei Gipfelnamen belegt: t Sengkchuppa ‘ die Felskuppe beim Seng (Alpgebiet Senggi unter dem Rossbodengletscher) ’ (Simplon, LT Senggchuppa, FLNK Sengchuppa), t Signalkchuppa ‘ die Signalkuppa (Gipfelname, LT Signalkuppe, it. Punta Gnifetti) (Zermatt) (benannt nach VON W ELDEN 1824, 36) und t Wällekuppe ‘ die Wellenkuppe (Gipfelname, benannt nach C ONWAY (1879)) ’ (Zermatt). Die Form Kuppe ist nicht dialektal. Das Simplex Guppi n. findet sich lebend in Grächen mit der Bedeutung ‘ kleine Rücken (in einer Weide) ’ . Historisch ist es 1753 in Embd als im Gupgi (1778 aúf úm Guppi) und 1711 in St. Niklaus als das Guppi belegt. Nur einmal belegt ist das HL als Bestimmungswort in ts Guppuhaani (Täsch), vermutlich zu verstehen als ein Fels, der aussieht wie ein Hahn mit einer Guppe (rundliche Erhebung, die einem Hahnenkamm gleicht); da auch Hupphani (cf. HL H UPP ) und Wupphani (cf. HL W UPP ) belegt sind, dürfte es sich um eine Variante der gleichen Konstruktion handeln, die nicht mehr verstanden wurde. Guriner (FaN) Guriner (FaN) ist nur 1787 historisch in Münster als im Guriner Garten belegt. Die Konstruktion sieht wie ein Adjektiv aus, dürfte aber auf einen alten Genitiv zurückzuführen sein (S ONDEREGGER 1958, 526 ff.), also ‘ der Garten der Leute von Gurin ’ . Bekannt ist, dass Walser aus Bosco-Gurin im Wallis arbeiteten. Solche Arbeiter konnten auch in Münster gearbeitet haben, doch ist der Familienname nicht belegt; es dürfte sich usprünglich um den Beinamen ‘ der Leute aus Gurin ’ handeln. Gurlet Gurlet ist als ts Gurlet ‘ beim kleinen Hof ’ (Leukerbad, FLNK Gurlet) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 45) kennt es als Gurlät. Laut Beschreibung handelt es sich um einen Quartiernamen. Historische Belege sind nicht bekannt. Es lässt sich am ehesten zu frz. cour ‘ Hof ’ (G PSR 4, 421; zu lat. C Ō RTE < lat. COHORTE nach FEW 2, 849) stellen, doch ist die Ableitung - LET sonst nicht bekannt. Da historische Belege fehlen, lässt sich eine Doppelableitung (z. B. auf / - ELLA / und / - ITTA / ; B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) ‘ der kleine Hof ’ annehmen. Der Artikel ts kann einerseits n. sein, anderseits auch einfach für die Präposition ze ‘ bei ’ stehen (I D . 14, 4 ff.). Da schon SK das Quartier zeigt (aber nicht benennt), ist wohl ein Teil des Dorfes gemeint, wo sich ein Hof befand. Zur Deutung von Hof cf. HL H OF . Gurru Gurru m. ist als dr Gurru (Hohtenn), der Gurru (Steg) und 1860 in Steg als die Gúrren Gasse belegt. Die beiden lebenden Belege beziehen sich auf denselben Rebberg bei Hohtenn. Der älteste Beleg für Hohtenn hat 1303 413 414 Gurru <?page no="473"?> corro. E GLI (1982, 25) weist darauf hin, dass der Ausdruck Rotgurra bekannt ist und wohl auf gura, goru als regfrz. Bezeichnung der Rebsorte Goron zurückgeht (G PSR 8, 477). Der Flurname Gurru lässt sich wohl darauf zurückführen. Der historische Beleg Gúrren Gasse lässt sich als ‘ Weg zum Gurru ’ deuten. Gürschet Gürschet ist 1675 in Albinen als in die Gürschet belegt. M ATHIEU (2006) kennt den Namen nicht. Es kann sich um den Diminutiv courgette zu courge ‘ Kürbis ’ (G PSR 4, 436; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 202 s. v. C UCURBITA PEPO und C UCURBITA MAXIMA ) handeln. Da das Gewächs aber aus Amerika stammt, ist eine so frühe Erwähnung (1675) eher unwahrscheinlich. Eine andere Deutung bietet sich aber nicht an. Gurtaffele Gurtaffele ist nur 1792 in Ernen belegt als im Gúrtaffele. Am ehesten liegt eine Verballhornung zum HL G ATTALF ‘ (Holz)-Schleif ’ aus lat. CATABOLUM vor, der in verschiedenen Formen im Oberwallis vertreten ist. Dazu passt allerdings die erste Silbe Gúrnicht. Zum frz. cour, frpr. cor ‘ Hof ’ (< lat. COHORTEM ) (G PSR 4, 421 ss.) kann aber der Flurname kaum gestellt werden. Hingegen weist BENB (1, 2, 33) darauf hin, dass im Berndeutschen Formen mit / r/ wie hier in Ernen nicht ausgeschlossen sind. Deswegen ist die Deutung zum HL G ATTALF gut möglich, aber nicht sicher. Gurten (FaN) Gurten (FaN) gehört vermutlich zum Familiennamen de Courten (AWWB 70 f.). Belegt sind starke Genitive im Singular di Gurtschachra ‘ die Äcker des Gurt / der Familie de Courten ’ (Ergisch), jn Gurtz Blatt ‘ auf der Felsplatte des Gurt / der Familie de Courten ’ (1637, Raron) und schwache im Singular oder Plural enet Cu ᵕ rten Ku ᵕ mmen ‘ jenseits der Mulde des Gurt / der Familie Courten ’ (1645, Glis; 1680 Gurtigo Kúmmen), der Gurtugrund ‘ der Grund der Familie de Courten ’ (Visp) und Gurtuhof ‘ der Hof der Familie de Courten ’ (FLNK, Turtmann). Unklar ist t Gurtelamme ‘ die Lamme (Felsenkluft) der Familie Gurten ’ (Oberwald); üblicherweise gehörten solche Lammen keiner Besitzerfamilie. Ob Gurt ‘ Gürtel ’ (I D . 2, 444 f.; G RICHTING 1998, 101; BENB 1, 2, 162) hier eine Rolle spielt, ist unklar. Gurtett Gur ’ tett n. ist in Zwischbergen belegt und zwar historisch 1764 als Curtet (der Beleg von 1642 al curtr de l ’ aqua ist wohl anders zu verstehen). Lebend sind ts Ober und ts Unner Gurtett (Zwischbergen) belegt, auf 1: 10000 und LT als Curtett. J ORDAN (2006, 393) kennt Unnärs und Obärs Ggurtétt und meint vorsichtig, es könne it. curto ‘ kurz ’ herangezogen werden. Es handelt sich um it. CORTE (LSI 2, 40) ‘ stazione sull ’ alpe ’ zu mittellat. COHORTE mit der Ableitungssilbe / - ITTU / , hier in der Bedeutung ‘ kleine Alpe ’ (B RUNO M ORETTI , p. c.) Gurti Gurti ist der FLNK-Beleg (Greich) zu einem Namen, der 1738 als in der Gúrtino und 1753 únder den Courtinen belegt ist; es handelt sich um eine Flur auf ca. 1170 m. In Betten kommt Gurtinen (LT) vor, auf ca. 2870 m. Der Erstbeleg in Greich legt eine feminine Form Gurtina nahe, wozu der FLNK-Beleg Gurti eine Rückbildung (Genus unklar) darstellt. Die frz. Schreibweise Courtinen legt die Vermutung nahe, dass der Schreiber einen französischen Namen annahm. Der Beleg in Betten liegt so hoch, dass eine französische Herleitung sehr schwierig ist. Neben dem schwdt. Gurte n f. ‘ Gürtel ’ (Id. 2, 445) kommt auch frz. courtine ‘ Hof ’ (G PSR 4, 460) in Frage (vgl. BENB 1, 2, 163 s. v. Gurtene). Diese Deutung gilt aber wohl nur für die Flur in Greich, nicht jene in Betten, die von uns als ‘ (Fels-)Gürtel ’ im Plural wiedergegeben wird. Gurtrug Gurtrug ist nur einmal 1391 in Bürchen als Gúrtrug belegt. Die Lesung ist unsicher, gemeint ist ein Weide (pascuam). G ATTLEN (2007) erwähnt den Namen nicht. Eine Deutung ist nicht möglich. Gurung Gurung m. ‘ unbebautes Stück Land ’ ist nur in der Gurúng (Zwischbergen, FLNK Gurung) belegt. J ORDAN (2006, 297) kennt Ggurung als Variante zu Bodini (bei uns nicht belegt); er nennt es an dieser Stelle italienisch; es beziehe sich auf „ die flankierenden Felswände “ . Ggurung ist auch auf S. 308 erwähnt, dort als „ [b]ewaldete Felskopfebene “ . Dieser Flurname ist identisch mit unserem Beleg, während sich die erstgenannte Variante im Zwischbergental, nicht bei Gondo befindet. Das HL scheint eine Mischung eines dt. Kollektivpräfixes (hier als / gu-/ , allerdings ohne neutrales Genus) und dem sonst im Lombardischen (O LI- VIERI 2 1961, 475), im Piemont (O LIVIERI 1965, 297) und im Tessin (P ETRINI 1994, 75) gut belegten ronco zu sein, das mehrere Bedeutungen haben kann, im Allgemeinen aber eher ein aufgelassenes Gut (z. B. alter Weinberg, galte Wiese) meint. Wir deuten es hier als ‘ unbebautes Stück Land ’ . Gürut Gürut ist nur einmal in Albinen belegt. 1435 ist de plan griod bezeugt, 1568 au plan gyronz (unsicher), 1611 en Gürschet 415 416 <?page no="474"?> plang gürut, 1643 en plangirou. Der erste Teil des Flurnamens enthält plan ‘ ebene Fläche ’ ; der zweite Teil ist unklar, da die Schreibungen griod / gyronz / gürut und girou keine klare Zuordnung ergeben. Das am Anfang geschriebene / g/ ist wohl als Verschlusslaut zu lesen. Das nur einmal belegte / ü/ dürfte eine hyperkorrekte Schreibung für / i/ sein. Der Auslaut lässt sich nicht sicher bestimmen. Am nächstliegenden ist ein PN oder FaN Giroud (AWWB 110, zurückgeführt auf den PN Gerold) anzunehmen, also ‘ die ebene Fläche des Giroud ’ . Güsaat Güsaat ist nur als ts Güsaat (Leukerbad; LT und FLNK Güsat) belegt. Die phonetische Transkription von M. S. hat Erstbetonung mit halblangem Vokal und ein langes, nebenbetontes / a: / in der zweiten Silbe. R. G RICHTING (1993, Blatt 24, Nr. 12 und Blatt 3, Nr. 15) kennt es als Güsat. Beschrieben ist es als Steingeröll; es befindet sich bei der Strasse von Leukerbad nach Inden unterhalb von Birchen. Historisch sind 1696 im Cusat, 1732 im Kusat, 1747 im Cusat belegt. Das / ü/ im lebenden Beleg deutet auf einen langen Vokal hin. Unklar ist das lange / a: / in der Endsilbe, das auf eine ursprüngliche Betonung dieses Teiles verweist. Weiter ist unklar, ob ein Name im Neutrum oder ob die Präposition ze vorliegt; die historischen Formen im Cusat deuten auf ein Neutrum hin. B OSSARD / C HAVAN (2006, 287) kennen ein diminutives Ableitungssuffix auf / - ATTU ( M )/ , das aber selten sei und als / - AT / erscheint. Es liesse sich eine nicht belegte Ableitung zu frz. côte (G PSR 4, 354, 10 o Noms de lieux) mit der Deutung ‘ der kleine Abhang ’ herstellen; der Diminutiv hätte dann zur neutralen Form geführt. Gusi Gusi n. ‘ Schwein ’ ist nur in Filet belegt als t Gusini (Filet), eine Hütte auf der Tunetschalp. Historisch erscheinen im Gúsiboden (1748) und des Gúsiwaldts (1748, Genitiv aus Konstruktionsgründen). Das HL ist zu Gusi ‘ Schwein ’ (I D . 2, 472) zu stellen; es meint wohl die Alpe für die Schweine. R ÜBEL (1950, 111 f.) kennt den Ausdruck nicht, aber I D . zitiert für das Wallis Gûschi. Ob das HL auf den Lockruf für Schweine zurückgeht, wie I D . vermutet, oder auf das frz. cochon ‘ Schwein ’ , ist unklar. In Filet ist aber eher an die erste Möglichkeit zu denken. Gusle Gusle ist nur in Grengiols als ze Gussle (FLNK, Ze Gusle) und der Gusleschleif belegt. Das Simplex ze Gusle ‘ bei den Gusle ’ zeigt einen Plural im Obliquus; das Nomen im Singular ist Gusle / Gusla. Die zugehörigen historischen Belege sind: 1379 parochie de Gu ᵉ zoli und 1493 zer Gusslun. Der Beleg von 1379 ist sehr unsicher; er stammt aus einem Vertrag zwischen den Gemeinden oberhalb des Deischberges und einer Gemeinde, die im Dokument Gu ᵉ zoli genannt wird, mit den Gemeinden von Matarelle (Val d ’ Ossola). G REMAUD (6, Nr. 2294) notiert Grengoli, zitiert aber eine Kopie von Pfarrer F ERDINAND S CHMID . Der Notar scheint den Namen der Gemeinde Grengiols nicht verstanden zu haben; dennoch ist die Schreibung sehr unklar. Der zweite Beleg meint wohl die hier liegende Flur. Das Kompositum der Gusleschleif ‘ der (Holz-) Schleif, der zum Gebiet Gusle hinunterführt ’ (Grengiols), bezieht sich auf den einfachen Namen. Eine Deutung ist schwierig. I D . (2, 451 ff.) kennt mehrere Wörter mit Gusel, aber nur wenige mit Genus Femininum, mit drei verschiedenen Bedeutungen (I D . 2, 475), nämlich 1. weibliches Schwein, 2. unreinliche Weibsperson und 3. Rute, Peitsche - keines davon für das Wallis belegt. Vermutlich hat der Name etwas mit Gusel ‘ Durcheinander, Gewirr, Gemisch; Abfälle ’ (I D . 2, 473, Bed. 2 u.ff.) zu tun, doch weisen die Belege durchgängig Genus Maskulinum auf; nur für die Bedeutung ‘ geringe Waare, bes. kurzer, schlechter Hanf oder Getreidehalm ’ gibt S TALDER ein Femininum aus dem Kanton Zürich an. Die Deutung bleibt deswegen unklar. Güssu Güssu ist nur in ts Güssubiel (Grächen) belegt; 1646 erscheint am Gúsenbiell. Laut Beschreibung handelt es sich um eine „ Art Plateau, darunter Abhang “ . Während Biel sicher ‘ Hügel ’ meint, kann in ‘ des Güssen Hügel ’ ein PN oder ein Beiname Güssu vertreten sein. Indirekt gibt I D . (2, 468 s. v. Giess) die Form G ǖ ss ‘ Giesser ’ als Übername in Zürich. Dass aber eine / ü/ -Form im Oberwallis nicht geläufig ist, zeigt u. a. H OTZENKÖCHERLE (1986 [1961] Abb. 19, S. 55); sie müsste im Übrigen im Oberwallis entrundet sein. Die holländische PN-Form Gus / Guus für Augustjin und der österreichische Flussname Gusen (auf dt. Guss zurückgeführt) spielen keine Rolle. Die Deutung bleibt insofern unsicher. Gustav (PN) Gustav (PN) ist ein PN, der in I D . (2, 494 s. v. Gust) unter 2. erwähnt ist. Die Kurzform Guschti wird dort ebenfalls aufgeführt, beide jedoch nicht für das Oberwallis. Belegt sind ts Gustavsch Alpji ‘ die kleine Alpe des Gustav ’ (Visperterminen; nach Gwp. Gustav Heinzmann) und dr Guschtiwang ‘ der Grasabhang des Gustav ’ (Wiler; laut Gwp. von Gustav Rieder gekauft). Gutheil (FaN) Gutheil (FaN) ist zum FaN Guttheil, alte, erloschene Familie von Eggerberg (AWWB 121) zu stellen. 417 418 Gutheil (FaN) <?page no="475"?> Das HL ist als Simplex Guteil ‘ das Gut der Familie Gutheil ’ (FLNK, Birgisch) belegt. Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort: Gutheils Boden (1774, Eggerberg) und silvam Guttheiligo ‘ der Wald der Familie Gutheil ’ (1746, Eggerberg) (schwacher Genitiv Plural der kollektiven / - IG / - Ableitung). In Naters ist 1763 beim Gûttheilhaús ‘ beim Haus der Familie Gutheil ’ belegt. Guttet Guttet ist als Gutett belegt. Die Gemeinde liegt auf rund 1336 m auf dem Nordhang des Rottentales in sonnigem Gebiet und umfasst neben der Hauptgemeinde auch die Weiler Grächmatten und Wiler. Der ehemalige Gemeinde- und heutige Ortschaftsname Guttet lässt sich auf frpr. gotta ‘ Tropfen ’ (< lat. GUTTA ) mit dem Dim.-Suffix / - ETTA / (lat. / - ITTA / ) in der Bedeutung ‘ Ort am Bächlein, an der kleinen Quelle ’ zurückführen (J ACCARD 1906, 206; G UEX 1938, 364; 1976 2 , 188; B OSSARD / C HAVAN 2006, 45; K RISTOL ET AL . 2005, 424; G PSR 7, 541ss,. bes. 545 7 o Noms de lieux). Am 01.10.2000 fusionierten die beiden ehemaligen Gemeinden Guttet und Feschel zur Gemeinde Guttet-Feschel. Neben dem Ortschaftsnamen ist mit dem HL 1520 jn Guttetmatten (Guttet) belegt. Die übrigen Belege sind der Gutnerwäg ‘ der Weg nach / von Guttet ’ (Leuk), ts Guttnerläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh auf der Alpe Tschärmilonga in Richtung Guttet ’ (Albinen; bei M ATHIEU 2006, 59 als Guttetläger) und ts Guttneralputirli ‘ die kleine Türe auf dem Weg zur Alpe der Leute von Guttet ’ (Albinen; M ATHIEU 2006, 59 hat Zum Tirrli und Z Albiner Tirrli). Da auf der Karte Guggerhubel und bei M ATHIEU (2006, 59) Guggerhubil steht, kann sich M. S. entweder verhört haben, oder Gugger ist eine falsch verstandene Form von Guttner, weil der Hügel zwischen Albinen und Guttet liegt. Die adjektivische Form Guttner geht ursprünglich wohl auf einen Genitiv Plural zurück (vgl. S ONDEREGGER 1958, 526 ff.). Guttiere Guttiere ist nur 1737 in Varen als jn die Guttiere belegt. Es handelt sich um frz. Gouttière ‘ Fente ou trou dans une toiture, par lesquels l ’ eau de pluie ou de fonte s ’ infiltre dans un bâtiment etc. [Ritze oder Loch in einem Dach, durch welche das Regen- oder Quellwasser in ein Gebäude eindringen kann] ’ (G PSR 8, 548 ss.), wobei der historische Beleg wohl eine Bewässerung eines Weinbergs meint. Güüchte Güüchte ist als di Güüchte (Leukerbad) belegt. R. G RICH- TING (1993, Blatt 13, Nr. 31; Blatt 14, Nr. 38; Blatt 21, Nr. 11 und Blatt 22, Nr. 11) kennt es als Güchtä. Historische Belege fehlen. Vermutlich ist es aber ein frpr. Patois- Ausdruck, der wohl zu lat. C Ŏ STA rippe (FEW 2, 1245 ff.; G PSR 4, 349 ss.) zu stellen ist (B OSSARD / C HAVAN 2006, 21). Die Form Güüchte ist ein Plural mit Palatalisierung und der Entwicklung von / st/ zu / xt/ , zu verstehen etwa als ‘ der Hang ’ . Güüfra Güüfra f. bildet zwei Namennester in Hohtenn und Raron. In Hohtenn ist das Simplex Güfre (LT, wohl Plural) belegt, dazu kommen t Ändrun, t Foodrun und t Indrun Güfre ‘ die jenseitigen, die vorderen und die inneren Güfre ’ (die zwei letzteren auch FLNK und 1: 10000), alle östlich von Ladu, sowie der Güüferacher (auch Güferachra auf 1: 10000), der sich aber deutlich tiefer bei Giesch befindet. In Raron ist di Güüfra (auch FLNK) belegt, dazu kommen in der Jndren Guffren (1667), in der Obren Guffren (1661 u. später), in der Úndren Guffren (1682). Vereinzelt ist in Bürchen di Güüfermatte ‘ die Wiesen bei der Güüfra ’ . Alle Belege befinden sich im Bezirk Westlich-Raron. Vermutlich auch hieher gehört di Guifrä (Ferden) und die dazu gehörenden dr Guiferwald (Ferden) und di Guiferweid (Ferden); diese Belege sind auch unter HL G UFER erwähnt. Das HL ähnelt zwar dem HL G UFER , hat aber einen langen Vokal, der im Dialekt zu / ü: / palatalisiert, im Lötschental zu / ui/ diphthongisiert wird, und das Genus Feminin. Am nächsten käme dem HL ein von M EYER (1914, 165) notiertes historisches gouvra, das er S. 99 als „ Strudel, Schlund “ deutet. T AGMANN (1946, 17) notiert es als Gourres und deutet es als ‘ gouffre, précipice ’ (Schlund, Abgrund). Guure Guure m./ n. ist nur belegt in in dem Guure (Mund), laut dem Dokument ein Acker, der sich dort befindet, wo man Bungda ‘ Pflanzland ’ sagt (so das Dokument). I D . (2, 409) kennt ein G ū r m. ‘ frischer Kot des Rindviehs ’ , das auch bei G R W B (9, 1053 ff. s. v. Guhr, Gühr) als ‘ Gärung ’ erwähnt ist. Man kann deswegen in dem Guure als ‘ im Mist (unsicher) ’ deuten. Güwinnji Güwinnji n. ist nur belegt in Varen als ts Güwinnji. Auf LT heisst der Ort auf der Varner Alpe Couvinir; der Name ist in dieser Form sonst nicht belegt. M EYER (1914, 79 u. 163) notiert für einen Flurnamen in Barnosa k ū vin ĕ i (vereinfacht), das er auf C Ū P Ī NA + ELLUM zurückführt, das seinerseits wohl zu lat. C Ū PA ‘ Kufe ’ (FEW 2, 1548 ff.) zu stellen wäre. Eine andere Lösung schlägt T AGMANN (1946, 74) für kw ĩ n ‘ coin, Ecke ’ vor. Güwinnji hat dann eine walliserdeutsche Diminutivendung zu einem ur- Guttet 419 420 <?page no="476"?> sprünglich frpr. Wort und meint wohl ‘ die kleine Ecke ’ . Das würde der heutigen Lage mit einer kleinen Lichtung in einem Wald entsprechen. Guyfart Guÿfart erscheint nur einmal 1602 in Albinen als ÿ guÿfart. Laut Text befindet sich das Stück Land im Bereich Syngieres (heute Tschingere). Eine Zuordnung ist nicht zu finden; der Name bleibt unklar. Guywetten Guywetten ist nur im Beleg Larsy Guywetten (1804, Unterems) belegt. Larsy ist das frpr. Wort für ‘ Lärche ’ oder ‘ Lärchenwald ’ . Guywetten scheint ein nachgestellter Genitiv eines PN oder eines FlN zu sein. Das in Zermatt belegte vff die Geweten (1551) ist lautlich ähnlich, lässt aber selbst keine Deutung zu. Gwächta Gwächta ‘ Wächte, Schneeverwehung ’ ist zu schwdt. Wächte n , wdt. Gwäächta, Gweechta, Gweechtu, Zwäächte f. ‘ zusammengeblasener Schneehaufe, überhängende(r) Schneekante, -grat ’ (I D . 15, 418 ff.; G RICHTING 1998, 101; Z INSLI 1945, 64, 340) zu stellen; Z INSLI sieht darin eine deverbale Ableitung zu wehen. Das Präfix ist in unserem Gebiet entweder / g(e)-/ oder / z(e)-/ . Als Simplex kommt die Gwächta in Binn, als Zwäächta in Steinhaus vor. Beide Orte liegen im Talgrund (der Binna, resp. des Rotten), sind also nicht typische Schneewächten; es können sich dort aber im Winter Schneehaufen bilden. Möglich ist in Steinhaus auch der Einfluss des Adjektivs wääch ‘ schön, gut ’ (I D . 15, 1031), aber die Wortbildung deutet nicht darauf hin. In Binn werden die Ober und die Unner Gwächta unterschieden und es kommt der Gwächtewaud hinzu, der oberhalb der Gwächta liegt. Das Gwächteegg ‘ Ecke bei der Schneeverwehung ’ in Binn ist eine Alpweide auf über 2100 m, weit entfernt von der Gwächta. Die Hei Zwäächte, resp. Heji Zwächte ‘ hohe Wächte ’ ist ein Grat, der zu Münster und zu Reckingen gehört. Das Adjektiv hoch tritt auch in Ho Gwechta (Randa), resp. Hochen Gwechten (Embd) auf. Randa kennt weiter die Chaschtelgwechta ‘ die Schneewächte beim Chastel (Gipfelname) ’ . Nur historisch ist belegt den vsseren Gwechten Graben (Obergesteln), wo unklar ist, ob es sich um den ‘ äusseren Graben bei der Wächte ’ oder den ‘ Graben bei der äusseren Wächte ’ handelt. Gwalthaber Gwalthaber m. ‘ der Gewalthaber ’ ist zu schwdt. G(e)walt (s)haber ‘ Seckelmeister, Vorsteher einer Gemeinde, Gemeindepräsident ’ (I D . 2, 927) zu stellen. Rein formal handelt es sich um ein Kompositum zu Gewalt und dem Verbum haben, das zu Haber nominalisiert wurde. Wie E. J OSSEN (1989, 38) ausführt, entspricht das Amt des Gwalthabers in etwa dem später so genannten Gemeindepräsidenten. Belegt sind: Gwalthaber Eÿe ‘ die Aue des Gewalthabers ’ (1832, Geschinen) (wohl eine Aue, deren Ertrag dem Gewalthaber zukam) und ts Gwautshabergufer ‘ das Gebiet mit Steingeröll, das der Gewaltshaber (Gemeindevorsteher) nutzen durfte ’ (Ritzingen, mit / l/ - Vokalisierung). Gwarrna Gwarrna ist der Plural von Gwaru (beide Ergisch), dazu auch Ober Gwaru und Gwarugässi (Ergisch) Die historischen Belege legen ein frpr. lo carro, lo quarro nahe, das von M EYER (1914, 170) auf quadro ‘ Dorfecke ’ zurückgeführt wird (vgl. auch T AGMANN 1946, 29 mit weiteren Hinweisen). Die Lage spricht in Ergisch eher für eine quadratischen Ebene als für ein Dorfquartier. Zu vergleichen ist das HL K AARU (Albinen, Salgesch). Gwätt Gwätt ist nur in Täsch als ts Gwätt belegt. Gwp. sagt, es handle sich um eine Felsecke, wie bei einem Holzbau. Es ist also auf das schwdt. und wdt. G e -wëtt n., Ggwätt n. ‘ kreuzweise aufeinander gelegte, eingeschnittene und verankerte Balken ’ und ‘ Eckgefüge (der Wandbalken) ’ (I D . 2, 1264; I D . 3, 753; G RICHTING 1998, 93; V. S CHMID 2003, 108) zurückzuführen. Im Flurnamen ist eine metaphorische Deutung anzunehmen. Gynchet Gynchet ist 1406 in Albinen als lo gynchet belegt; 1751 erscheint in die Günschete. Es ist zu wdt. Ggintschet, Ggintschät (Leuker Berge) ‘ Türklinke ’ (G RICHTING 1998, 88) zu stellen, das seinerseits wohl auf VIK (anord.) schlupfwinkel (FEW 17, 428; G PSR 8, 995 ss. s. v. GUICHET ) mit der Bedeutung ‘ Schlupfwinkel ’ oder ‘ kleine Türe ’ zurückgeht. Das dt. Günschete (1751) enthält eine Ableitung auf / - ETA / (S ONDEREGGER 1958, 482 ff.), das eine gewisse Menge oder ein Ergebnis von Tätigkeiten meint, aber hier wohl eine Umsetzung des frpr. gynchet bedeutet, das wohl auch in Guntzet ‘ Volet, contrevent, guichet (Alpes) [Laden, Fensterladen, Schalter] ’ (B RIDEL 1866, 196) belegt ist. Die genaue Deutung ist unklar. Gyoch Gyoch ist nur 1352 als ov gyoch ‘ beim Hühnersedel ’ in Leukerbad belegt. Es dürfte zu J Ŭ K (anfrk.) hühnerstange (FEW 16, 287 ff.) zu stellen sein; das dt. Joh (M EYER 1914, 165, wozu er allerdings S. 96 Hühnersedel stellt, mit wohl falscher Etymologie) ist wohl unzutreffend. Ob das lebende Gochti (Leukerbad, SK Cochti, FLNK Gochti) ‘ der 421 422 Gyoch <?page no="477"?> Abhang ’ (R. G RICHTING 1993 Blatt 9, Nr. 41, Blatt 10, Nr. 22 und Blatt 11, Nr. 44: Gochti) hieher zu stellen ist, bleibt unklar. Es müsste eine dt. Diminutiv-Endung [-ti] angenommen werden, was nicht undenkbar, aber sehr unwahrscheinlich ist. Gyrar Gyrar wird laut Dokument von 1407 ein Bach in Leukerbad genannt. R. G RICHTING (1993, Blatt 15, Nr. 8) kennt Schirardemüru ‘ die Mauer des Girardet / der Familie Girardet ’ . Als FaN ist Girardet zum PN Giraldus oder Geraldus (AWWB 110, NWW 2, 100) belegt. Wie FEW (4, 138 s. v. Girard) anmerkt, kann auch ein Pflanzenname Girardina oder ähnlich gemeint sein; am ehesten B AR- BAREA VULGARIA ‘ Gemeine Winterkresse ’ (L AUBER / W AG- NER / G YGAX 5 2014, 476). Der Bach wäre dann nach der Pflanze benannt worden, die an seinem Ufer wuchs. Der Beleg Schirardemüru ist jünger und meint eine Staumauer, die von einem Charles Girardet veranlasst wurde, der bei der Bahn Loèche - Loèche les Bains, die damals noch existierte, federführend war ( E - MAIL von A. D UBOIS , Alt- Kantonsarchivar, vom 8. Juni 2021). Gyrardi (FaN) Gyrardi (FaN) kommt nur einmal vor in in campo Gyrardi (1368, Varen). Gemeint ist der FaN oder PN Girard (AWWB 110). Ein Teil der Belege beim HL G YRAR gehören wohl hieher. Gysun (PN) Gysun (PN) ist nur 1388 in Mund als pratum gýsun ‘ die Matte des Gysun ’ belegt. Es scheint sich um einen PN zu handeln, der als Giso (F ÖRSTEMANN 1, 644) sehr häufig erscheint. In den historischen Belegen gibt es für Törbel 1356 terram petri filij Johannis Gyson. Der PN oder FaN muss also bekannt gewesen sein. Gyrar 423 424 <?page no="478"?> H Haaggo Haaggo m. ist zu schwdt. H ā gge n bzw. ō m., ahd. h ā co, h ā go, mhd. h ā ke(n) ‘ Haken, gekrümmter Bestandteil ’ , in FlNN für Grundstücke von hakenförmiger Gestalt oder auch für vorspringende Berge und wdt. Haagge, Haaggä (Goms), Haaggu ‘ Haken ’ (I D . 2, 1089 ff. bes. 1091; G RICH- TING 1998, 102) zu stellen. Belegt sind der Haaggo ‘ der Haken (metaphorisch) ’ (Brigerbad) und der Haaggo ‘ der Haken (metaphorisch) ’ (Unterbäch). In beiden Fällen liegt wohl ein Grundstück von hakenförmiger Gestalt vor. Hääl Hääl Adj., im westlichen Teil auch heel, ist zu schwdt. hääl, ahd. h ā li, mhd. haele ‘ schlüpfrig, glatt ’ von einem Abhang, einem Weg u. ä. (I D . 2, 1131 f.; Z INSLI 1984, 569) zu stellen. Das Adjektiv kommt normalerweise als Attribut vor, manchmal flektiert, manchmal unverändert. Im Gebiet mit / l/ -Vokalisierung als hääu. Von den Grundwörtern sind vor allem die HLL Blatta ‘ (Fels) platte ’ (14 Belege) und Wang ‘ Grasabhang ’ (12 Belege) betroffen. Die übrigen sind Biina, Chessi, Lamma, Mad, Matta, Stei, Wäg und Wild. Komplexere Bildungen sind t Innru und t Üsseru Heelu Weng ‘ die inneren und die äusseren glatten Grasabhänge ’ (Saas-Almagell), t Ober und t Under Häl Blatta ‘ der obere und der untere Teil der glatten Felsplattte ’ (Birgisch) und apud Nidren Helvn Blatton ‘ bei der niederen (unteren) glatten Felsplatte ’ (1345, Naters). Ein substantiviertes Partizip Präsens ist ts Haallunda ‘ das Fallende ’ (Naters), ein schräg abfallendes felsiges Weidegebiet. Die Form ist so sonst nicht belegt; ob sie sich als Rückumlaut zu Hääl verstehen lässt, ist unsicher. Möglich wäre auch eine Bildung zum Verb halle n ‘ schief sein ’ (I D . 2, 1128), das von I D . vorsichtig zum HL H AALTA gestellt wird. Die Länge des Vokals spricht u. E. eher dagegen, sodass es hier nur aufgeführt wird. Nur einmal belegt ist die Substantivbildung Hääli ‘ die glatte, schlüpfrige Stelle ’ (FLNK, Münster), das von der Form her in I D . (2, 1133) aufgeführt ist, aber in etwas anderer Bedeutung. Es handelt sich um eine Nominalisierung, welche eine glatte Stelle betrifft. Nicht in Frage hingegen kommt aus inhaltlichen Gründen das bei G RICH- TING (1998, 102) belegte Hääli, Heelin, Heeli ‘ Kette (Trächa, Kesselaufhängung) ’ (in I D . 2, 1134 s. v. Häl, auf ahd. háhila zurückgeführt). Haalta Haalta f. ‘ Halde ’ ist zu schwdt. Halde n f. bzw. Halte n ‘ Abdachung, Abhang eines Hügels, Berges, Berglehne ’ , ahd. halda, mhd. halde ‘ Bergabhang ’ , wdt. Haalta ‘ Halde, Abhang ’ (I D . 2, 1174 ff.; G RICHTING 1998, 102; Z INSLI 1946, 323 und 1984, 569) zu stellen. Die meisten Walliser Belege weisen die Fortis / -t-/ auf. Im Oberwallis wird der Vokal / a/ vor / lt/ gelängt; deswegen ist das HL H AALTA . Die Endung des Singulars im Nominativ ist ə im Goms, -a in den meisten Bezirken, -u im westlichen Bezirk Leuk. Der Nominativ Plural endet meistens auf ə oder -e; im Lötschental -ä (zum Paradigma siehe R ÜBEL 1950, 9 f.) Im Goms ist darum nicht immer zwischen Singular und Plural zu entscheiden; in historischen Belegen sind oblique Formen vom Typ Halden ebenfalls mehrdeutig; entscheiden kann dort jedoch der Artikel (Typ an der Halden vs. an den Halden). Das HL kommt in rund 570 Namen vor. Das Simplex Haalta ist im Singular und Plural häufig belegt: Im Singular rund 45 mal (darunter auch die Belege Haauta mit / l/ -Vokalisierung im unteren Goms), im Plural rund 35 mal (mit einigen Unsicherheiten in beiden Fällen). Die häufigen Plurale haben wohl eine Art Kollektivbedeutung. Diminutive sind im Singural selten: Haaldi, Haltgi, Halti, Haaltji; häufiger im Plural als Haldienen, Haljini, Haltinen, Haaltjini, Haltlein, Haltlin und Halty. Eine lautliche Besonderheit ist in Halji ‘ die kleine Halde ’ (FLNK, Blitzingen) und Haljini ‘ die kleinen Halden ’ (Greich, Mörel, Ried-Mörel) zu finden, das zum Nomen Hale zu stellen ist (vgl. BENB 1, 2, 191 mit Verweis auf I D . 2, 1176 f.), das sonst im Oberwallis fehlt. Attributive Adjektive sind vor allem Ober und Unter in t Obru Haalte ‘ die oberen Halden ’ (Ausserberg, Filet, Gampel Naters, Täsch, Turtmann, Zwischbergen; teilweise mit anderen Endungen oder Diminutiv) und t Undru Haalte ‘ die unteren Halden ’ (Ausserberg, Binn, Bister, Filet, Gampel, Naters, Niederwald, Turtmann, Unterems, mit ähnlichen Varianten). Mehrfach belegt ist Läz ‘ nordseitig, unbesonnt ’ in t Läz Halta (Bürchen, Niederwald, Raron, Unterbäch) und historisch in der Letzen Halten (1770, Termen; 1697, Fiesch); das Gegenstück ist ein Kompositum t Sunnuhalte ‘ die besonnten, auf der Sonnseite liegenden Halden ’ (Feschel und Diminutiv in Täsch). t Leidu Haaltä ‘ die unschönen (steilen) Halden ’ (Gampel) beziehen sich auf die Steilheit, ebenso wie die Böse Halten ‘ die böse Halde ’ (1765, Binn). Leng 425 426 Haalta <?page no="479"?> ‘ lang ’ in in der Lengen Halten ‘ in der langen Halde ’ (1629, Bitsch) und Lenghaute ‘ die lange Halde ’ (FLNK, Selkingen) bezieht sich auf die Ausdehnung, während t Hee Halte ‘ die hohe Halde ’ (Obergesteln, Zermatt) und t Hohauta ‘ die hohe Halde ’ (Bellwald und historisch Filet, Mörel, Ried-Brig) entweder die hohe Lage oder die Ausdehnung auf der Höhe meinen. Dazu kommen weitere Adjektivbildungen. Vorangestellte Genitive wie Gassero Halten ‘ in der Halde der Leute vom Ortsteil Gassa / der Familie Gasser ’ (1679, Ried-Brig), in Hoffersch Haltgy ‘ in der kleinen Halde der Familie Hofer ’ (1764, Visperterminen), ts Jakobsch Haaltu ‘ die Halde des Hl. Jakob (Kapelle) ’ (Erschmatt), Jannenhalta ‘ die Halde des Jann ’ (1555, Ausserberg), oder einfach PN oder FaN wie in t Häisi Haalta ‘ die Halde des Hans ’ (Eyholz), Hüeberhauta ‘ die Halde der Familie Huber ’ (Steinhaus), di Zanpärtlameehaaltu ‘ die Halde, die man erst am Tag des Hl. Bartholomäus (24. August) beweiden durfte ’ sind eher selten; in manchen Fällen wie dem mehrfach belegten t Fuggshaaltu ‘ die Halde der Familie Fuchs / wo es Füchse hat ’ (Leuk u. a.) ist unklar, ob es sich um das Tier oder den FaN Fux handelt. Zweigliedrige Komposita mit Haalta als Grundwort sind sehr häufig. Sie reichen von Bestimmungswörtern mit Gemeinde- oder Weilernamen wie Eischollhaalte, Gieschhalte ‘ Halde unter dem Weiler Giesch ’ (Hohtenn), Naterschhalta oder Badhalte (zu Brigerbad) über solche, die andere Fluren benennen, wie etwa t Mosshaalte ‘ die Halden beim Gebiet Moos (feuchtes Gebiet) ’ (Randa) oder t Ordhaauta ‘ die Halde beim Gebiet im Ord ’ (Steinhaus) und viele andere. Tiernamen kommen vor: Freschhalta ‘ die Halde beim Gebiet Frescha (Frosch) ’ (Randa), di Geishaaltä ‘ die Halden für die Geissen (Ziegen) (Wiler, ähnlich Eischoll, Glis), die Gembshalta ‘ die Halde mit Gemsen ’ (1755, Simplon), in der Kalberhalten ‘ in der Halde, wo Kälber weiden ’ (1711, Oberems), die Múrmúndenhalte ‘ die Halde mit Murmeltieren ’ (1519, Visperterminen), di Tierhaalte ‘ die Halde mit (Wild-)Tieren ’ (Bürchen, als Diminutiv auch Unterbäch) (Tier sind im Allgemeinen Gemsen und andere jagdbare Wildtiere), Wolfuhaalte ‘ die Halde mit Wölfen / des Wolf (PN) ’ (Bürchen) mit unklarer Deutung: es kann sich auch um einen PN handeln. Bei t Schwiihaalte ‘ die Halden für die Schweine ’ (Staldenried) ist unklar, ob wirklich ein Tiername vorliegt oder doch eine Form von schw ī ne n ‘ schwinden, abnehmen ’ (I D . 9, 1910 ff.) vorliegt. Auch Baum- und Pflanzennamen sind belegt: t Aamadhalta ‘ die Halde mit Emd (Spätheu) ’ (Ausserberg), jn Eychhalten ‘ in der Halde bei den Eichen ’ (1642 u. später, Raron), t Erlhaalte ‘ die Halden bei den Erlen ’ (Eisten), t Eschhaalte ‘ die Halde bei den Eschen ’ (Obergesteln), die Gäärschthaalte ‘ die Halden beim Gäärschthoru, benannt nach Gerstenanbaustelle ’ (Mund), t Heimmuhalta ‘ die Halde mit Gutem Heinrich (Pflanzenname) ’ (Birgisch), t Klepfihaalta ‘ die Halde mit Leimkraut (Silene vulgaris) ’ (Naters), t Schwärtoluhaalta ‘ die Halde mit Schwertlilien ’ (Visperterminen), ts Tahaaltä ‘ bei den Halden mit Tannen ’ (Kippel) und andere. Neben den zweigliedrigen Komposita gibt es auch mehrgliedrige, wie z. B. in der Steinhau ᵕ shalten ‘ in der Halde beim Steinhaus ’ (1801, Unterems), Teelacherhalte ‘ die Halde bei den Teelachra (Äcker bei den Dählen) ’ (Oberems), t Jungholzhaalte ‘ die Halden beim Jungholz (Jungwald) ’ (Reckingen) und andere. Komplexere enthalten auch attributive Adjektive wie t Leid(i) Wätterhaaltu ‘ die unschöne (steile) Halde, die dem Wetter ausgesetzt ist ’ (Gampel); der Name kann allerdings auch gelesen werden als ‘ die Halde, die dem unschönen Wetter ausgesetzt ist ’ . Als Bestimmungswort ist Haalta in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Acher, Bodu, Egg(a), Gassa, Grabu, Lerch, Matta, Rüüs, Schiir, Suon, Trog, Tschugge, Wäg, Wald, Wasser, Weid, Wild und Zug belegt. Auch hier gibt es komplexere Formen wie t Hautewasserleita ‘ die Wasserleite zur Halde ’ (Niederwald, ähnlich Bratsch, Randa), doch sind sie selten. Eine auffällige Form ist das Partizip Präsens in Haldende Acher ‘ der Acker, der eine Halde ist (steiler Acker) ’ (1398, Münster) und an der Haldenden Mattun ‘ an der abschüssigen Wiese ’ (1467 u. später, Naters). Es ist zum schwdt. Verb halde n ‘ sich neigen, abschüssig sein ’ (I D . 2, 1176) zu stellen, ist aber lebend nicht belegt. Hääper Hääper ist zu schwdt. Ërdbeer, Hërdbeer, Ërpperi, Ëpp ě ri, Hëpp ē ri n. u. ä. mit Assimilation des inlautenden [db] > [pp], in dem aus ‘ Erde ’ und ‘ Beere ’ zusammengesetzten Namen, ahd. ërdberi, mhd. ërtber ‘ Walderdbeere ’ (I D . 4, 1463 f.; G RICHTING 1998, 102 s. v. Hääper) zu stellen. Die Pflanze ist F RAGARIA VESCA ‘ Wald-Erdbeere ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 266). Belegt ist nur das Bestimmungswort: der Häperschleif ‘ der Erdbeer-Schleif (durch den Wald mit Erdbeeren) ’ (Ried-Mörel), t Häärpereggu ‘ die Ecke mit Walderdbeeren ’ (Leukerbad) (auch bei R. G RICHTING (1993) als Härpäräggu (Blatt 11, Nr. 15)) und ts Häärperschleiffji ‘ der kleine Schleif im Gebiet, wo Erdbeeren wachsen ’ (Gampel). Häärd Häärd m. ‘ Erde, Boden, Ackerland ’ ist zu schwdt. Hërd m., ahd. herd, mhd. hert ‘ Erde, Boden, Ackerland ’ und wdt. Häärd ‘ Erde ’ (I D 2, 1597 ff.; G RICHTING 1998, 102) zu stellen. Das gleichlautende Häärd ‘ Herd, Ofen ’ (G RICH- TING 1998, 102) ist in Flurnamen kaum vertreten. Hääper 427 428 <?page no="480"?> Das Simplex im Singular ist belegt als der Häärd (Simplon, Zwischbergen), mit Präpositionen im Häärd (Leukerbad) und ufem Häärd (Ferden). Unklar ist in Mund ein feminines t Häärd, als „ Rutschgebiet “ bezeichnet; soweit erkennbar, gibt es sonst kein feminines Häärd. Ein Diminutiv ist einmal als ts Häärtji (Saas- Balen) bezeugt. Attributive Adjektive zum HL sind häufig. Am meisten ist der Typ der Root Häärd ‘ die rote Erde ’ (zehn Belege) und ts (e)Rot Häärdji (Gampel, Steg) belegt, einmal im Plural als ze Rote Häärdu (Raron). im Schwarzu Häärd findet sich vier Mal, ts Wiis Häärd drei Mal und der Blauhärd (Zermatt) einmal. Scheenu Härd ‘ die schöne Erde ’ (FLNK, Bürchen) ist der einzige Name mit einer Wertung. Ein einziger Beleg mit dem HL als Grundwort ist Weissenwasser=herden (1833, Lax), das vermutlich wohl eher als Wisswasserleita ‘ die Wasserleitung aus dem Wisswasser ’ zu lesen ist. Als Bestimmungswort in zweisilbigen Komposita ist das HL mit folgenden Grundwörtern kombiniert: Bord, Cheer, Egg(a), Grabu, Hitta, Hooru, Putz, Steg und Wang. Komplexere Formen sind t Oberscht, t Mittluscht und t Unnerscht Häärdhitta ‘ die oberste, mittlere und unterste Alphütte auf dem Häärd (Erdboden, Alpe) ’ (Filet). Von Häärd gibt es eine Adjektivableitung häärdig zum schwdt. Adj. herdig ‘ irden, Erde an sich habend, reich an fruchtbarer Erde ’ (I D . 2, 1602). Belegt sind der Häärdig Bärg ‘ die Alp oberhalb dem häärdige (erdreichen) Wiesenabhang ’ (Münster), t Häärdig Lamme ‘ die Schlucht mit Erde ’ (Münster), der Häärdigrabo ‘ der Graben mit Erde ’ (Naters; das Adjektiv ist assimiliert), dr Häärdig Stutz ‘ der Abhang mit Erde ’ (Blatten), der Häärdig Wang ‘ der Grasabhang mit Erde ’ (Münster), t Härdig Egga ‘ die Ecke mit Erde ’ (Ferden), t Härdig Eggu ‘ die Ecke, bei der die Erde hervorkommt, mit wenig Bewuchs ’ (Steg). Eine nominale Ableitung auf das kollektive Suffix / - ERNA / ist Häärderna, Häärdernu ‘ wo es viel Erde hat ’ (Niedergesteln, Ried-Mörel, St. Niklaus, Staldenried, Törbel), das unbewachsene Wege oder Erschlipfe bezeichnen kann. Komplexer sind Häärdernu Bord ‘ das graslose Bord (Abhang), wo die Erde hervorkommt ’ (Törbel) und Häärdernuwäg ‘ der Weg durch die Häärderna (Erdschlipf, vegetationslos) ’ (Staldenried). zu Rotu Häärdernu ‘ bei den unbewachsenen Gebieten mit roter Erde ’ (Täsch) ist komplexer. Eine zweite nominale Ableitung ist t Häärderi ‘ das unbewachsene Gebiet mit Erde ’ (zweimal in Blitzingen), und weiter t Häärdärrä ‘ der unbewachsene Weg mit Erde ’ (Wiler) und Härdera ‘ das unbewachsene Gebiet mit Erde ’ (FLNK, Grächen), die sich zu schwdt. Herdere n f. u. ä., Kollektivbildung auf lat. / - ÂRIA / , in der Bedeutung ‘ vegetationslose Fläche, Erdschlipf ’ (I D 2, 1601; Z INSLI 1984, 570; S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) stellen lassen. In Kippel kommt zweimal t Rot Häärdärra ‘ das unbewachsene Gebiet mit roter Erde ’ hinzu. Im Kompositum t Geishäärderi ‘ der unbewachsene Weg mit Erde für die Ziegen ’ (Oberwald) ist ein Ziegenpfad gemeint, auf dem nichts wächst. Häärde Häärde Pl. ist nur in t Hinnere und t Vodre Häärde (Bellwald), sowie in t Woluhäärde (Hohtenn) belegt. Die Angabe von C. S CHMID (1969, 136) als ‘ Felle ’ zu Herde n „ gelidertes oder gebeiztes Schaf- oder Ziegenfell “ (I D . 2, 1602) ist kaum zutreffend und ist in I D . nur für Glarus und Graubünden belegt. Zum HL H ÄÄRD ‘ Erde ’ ist kein Plural bekannt. Hingegen könnte ein Plural zu Hard f. ‘ Gemeintrift, Wald ’ (I D . 2, 1595 f.) gemeint sein, doch ist dieses Etymon sehr unklar. Aus der Beschreibung folgen karge Gegenden, die relativ wenig Bewuchs aufweisen. Die vorne und hinten gelegenen Häärde dürften also schwach bewachsene Stücke Landes im Vorfeld des Fieschergletschers sein. Der Beleg t Woluhäärde (Hohtenn) befindet sich unterhalb der BLS-Geleise in Hohtenn und meint wohl einen schattigen Wald. Wolu dürfte sich (anders als die Gemeindenamen Wohlen (K RISTOL ET AL ., 2006, 974 f.)) auf des Verb wole n ‘ sich wohlfühlen ’ (I D . 15, 1368) beziehen: ‘ der Wald, wo man sich wohlfühlt ’ . Hääremji Hääremji n. ist zweimal als Bestimmungswort in ts Häremjischliechtgi ‘ die kleine Geländeeinbuchtung, die einem Wiesel gleicht ’ (Reckingen) vertreten. Das Lemma entspricht dem schwzd. Hermeli, Hermli bzw. Hermji, Heremli, Herumji, Ermli n., das allgemein für ein Tier aus dem Wieselgeschlecht sowohl für das grosse als auch für das kleine Wiesel gebraucht wird, mhd. harm, Dim. hermelin (I D . 2, 1607 f.). Hier ist es wohl metaphorisch für die Form der Einbuchtung gebraucht. Haarz Haarz n. ist zu Harz n. ‘ Harz ’ (I D . 2, 1654), mhd. harz n./ m. zu stellen. Im Wdt. wird für Tannenharz oder für Harz allgemein Bäch, Päch n. und für Lärchenharz Leertschene, Leetschene, Leetscherne u. ä. verwendet (SDS 6, 130 u. 131; I D . 3, 1387 f.). Das HL ist in G RICHTING nicht belegt; es ist wenig gebräuchlich. Das HL kommt nur als Bestimmungswort in Komposita vor. Belegt sind der Haarzbodu und der Haarzboduwald (beide Leukerbad), bi der Haarzbrenni ‘ bei der Stelle, wo Harz gebrannt wurde ’ (Ried-Brig), der Haarzbrennerwald ‘ der Wald, wo Harz gebrannt wurde ’ (Niedergesteln) und schliesslich der Haarzepfeltschuggen ‘ der 429 430 Haarz <?page no="481"?> Fels mit Arvenfrüchten ’ (Blatten); laut I D . (1, 382 s. v. Harz-epfeli) sind damit die Früchte der Arve (P INUS CEMBRA ; vgl. dazu L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 86) gemeint. Häärz Häärz n. ‘ Herz ’ ist zu schwdt. Herz n., Pl. Herz, wie nhd. ‘ Teil des menschlichen Körpers und Organ des leiblichen Lebens ’ , wdt. Häärz ‘ Herz ’ (I D . 2, 1657; G RICHTING 1998, 103) zu stellen. Laut Gwpp. wird es in FlN häufig zur Bezeichnung von herzförmigen Geländeformen gebraucht. Z INSLI schliesst für den Namen Häärz in Pomatt eine Anlehnung an einen früheren Namen mit Härd ‘ Erde ’ nicht aus (Z INSLI 1984, 222). Als Simplex ist nur der Diminutiv ts Härzji ‘ das kleine Gebiet in Herzform ’ (Leukerbad) belegt, das auch in R. G RICHTING (2003, Blatt 11 Nr. 8 und Blatt 21 Nr. 7) erwähnt ist, zusammen mit dem Häärzjigrabu ‘ Graben vom Härzji herunter ’ . In Saas-Almagell sind ts Erscht und ts Tsweit Häärzi ‘ das erste und das zweite kleine Gebiet in Herzform ’ belegt. Einen vorangestellten Genitiv zeigt ts Häärzisch Grabu ‘ der Graben im kleinen Gebiet in Herzenform ’ (Saas- Balen), wobei der Genitiv hier wohl einfach das Stück Land meint. Ob in vnder Hertzen Fad ‘ unter dem Grasband in Herzform ’ (1699, St. Niklaus) ein schwacher Genitiv oder ein Kompositum vorliegt, lässt sich nicht entscheiden. Einen Sonderfall meint ts Härzjesuchchriz ‘ das Kreuz des Herzens Jesu ’ (Eischoll), an dem eine Figur von Jesus mit dem offenen Herzen zu sehen war. In Gampel ist einerseits der Häärzwald ‘ der Wald in der Form eines Herzens ’ belegt, anderseits aber t Herzritine ‘ die gerodeten Gebiete in Herzform ’ mit einem geschlossenen / e/ , was auch auf einen PN Herzo oder ähnlich (F ÖRSTEMANN 1, 814 kennt nur Herzlib und Herzrad, die er aber beide versuchsweise zu lat. COR ‘ Herz ’ stellt) hinweisen würde. In Agarn ist ts Häärtswaldji ‘ der kleine Wald in der Form eines Herzens ’ belegt. Haarze Haarze bildet in Obergesteln ein Namennest zusammen mit Bode, Grabe, Schlüecht und Site. Das Lexem kommt nur als Bestimmungswort vor; vermutlich ist Haarzesite der Ausgangspunkt für die andern Namen. Auf der interaktiven LT sind Harzedegge (auch FLNK) und Harzeschlüecht (auch FLNK) belegt. Ob der Name mit Harz (I D . 2, 1654) zusammenhängt, ist unklar (cf. HL H ARZ ); im Walliserdeutschen ist Harz kaum geläufig, doch W IPF (1910, 41) kennt es gedehnt als ‘ Harz, Pech ’ . Die Form würde in Obergesteln als ‘ das Gebiet mit Harz, Pech ’ ergeben, wobei die Form Haarze sehr ungewöhnlich wäre. Daher bleibt der Flurname ungedeutet. Hab Hab f. ‘ die Handhabe ’ ist zu schwdt. Hab f. ‘ Halt, Festigkeit ’ und ‘ Handhabe, Griff; auch Stelle, wo man sich halten kann ’ (I D . 2, 865) zu stellen; G RICHTING (1998, 103) hat nur das feminine Haba, Habä (Goms), Habu ‘ Griff ’ . Das Simplex t Hab ‘ Stelle, wo man sich halten kann ’ ist in Hohtenn belegt, wo es auch der Habgrabu ‘ der Graben bei der Hab ’ und t Hablicher ‘ die Löcher bei der Hab ’ gibt. Ein weiteres Kompositum bildet t Habschlüöcht ‘ die Geländeeinbuchtung, die Steine im Wasser zurückhält ’ (Eischoll). Haber Haber m. ‘ Hafer ’ ist zu schwdt. H ă ber m., AVENA SATIVA , ahd. habaro, mhd. haber, habere ‘ Hafer ’ m. und wdt. Haber, Habr (Lötschental), Habär m. ‘ Hafer ’ (I D . 2, 930 ff.; G RICHTING 1998, 103) zu stellen. Als Simplex kommt das HL ebenso wenig vor wie als Grundwort. Belegt sind ausser Ableitungen - nur Konstruktionen mit dem HL als Bestimmungswort. Die Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind: Acher, Ägerta, Cheer, Egg(a), Gaff, Gassa, Tänn, Wald und Weid. Unter diesen Belegen befindet sich auch in den Haferachern ‘ in den Äckern, auf denen Hafer angebaut wurde ’ (1772, Ried-Brig), die einzige Form mit Hafer, das laut K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 384) erst in nhd. Zeit aus dem Niederdeutschen eingedrungen ist. Komplexere Konstruktionen sind: Habärachärstei ‘ der Stein beim Haberacher (Acker, auf dem Hafer angebaut wurde) ’ (FLNK Bratsch; FLNK Erschmatt), Haber Acker Schleiff ‘ der (Holz-)Schleif beim Haberacker ’ (18? ? , Binn), der Haberachigrabo ‘ der Graben beim kleinen Acker, auf dem Hafer angebaut wurde ’ (FLNK, Baltschieder). Unklare Fälle sind: Haberhursum (1320, Visperterminen) (vgl. HL H URS ) und im Haberor (Goppisberg) (vgl. HL O R ). In beiden Fällen bleiben die Namen ungedeutet. Als vorangestellter Genitiv kommt das HL in Habersch Tee ‘ die Tenne des Haber ’ (FLNK, Mund) vor. Ein historische Beleg von 1613 hat vff Habers Then. Es scheint, dass Haber hier einen PN oder FaN meint, doch ist ein solcher in den Quellen nicht belegt und auch bei J OSSEN (1986; 1989) nicht erwähnt. Die Ableitung t Habere (Eischoll) ist schon 1463 als zen Habrerron belegt. Es handelt sich um eine / - ERRA / -Ableitung, die eine grosse Menge meint (S ONDEREGGER 1958, 471 f.); der Beleg erscheint auch 1717 als zen Obren Habrerrún ‘ bei den oberen Haberfeldern ’ . Ähnlich ist t Habrärra (Wiler) und t Hafnerra (Ausserberg) und zen Häärz 431 432 <?page no="482"?> Habreren (1742, Raron) zu deuten. Das 1701 in Ried-Brig belegte in der Heberen (unsichere Lesart, vielleicht Hebeten) weist einen sonst nicht belegten Umlaut auf. Habi (PN) Habi (PN) ist nur belegt in z Habisch Schir ‘ die Scheuer des Habi (PN) ’ (1682, Greich). Der Genitiv Singular legt einen Personennamen des Besitzers nahe. Es kann sich um einen Übernamen handeln, da sich kein FaN Habi, Haber oder ähnlich in den Quellen findet. Habkerra Habkerra ist zu schwdt. Habich, Häbich m., von ahd. hapuch, habuh, habech m., mhd habech, habich ‘ Greifvogel, Habicht, Hühnerhabicht ’ zu stellen. Beim -t im Deutschen handelt es sich um eine Sekundärbildung (I D . 2, 936 ff.). Mit dem Kollektivsuffix / - ERE ( N )/ werden ‘ Orte, wo sich Habichte aufhalten ’ bezeichnet (BENB 1, 2, 174 s. v. Habkern). Belegt sind Hapkarra ‘ der Ort, wo sich Habichte aufhalten ’ (1448, Glis; 1569 Habkerra), die Habcherra ‘ der Ort, wo sich Habichte aufhalten ’ (1460 u. später, Ried- Brig), Chabcherra ‘ der Ort, wo sich Habichte aufhalten ’ (1540, Visperterminen; unsichere Lesung, könnte auch Habherra heissen). Da sich der Gliser Beleg im Nanztal befindet, könnte der Visperterminer Beleg die gleiche Flur bezeichnen. Lebende Belege fehlen. Hack Hack ist zu Hack m. ‘ Schnitt, Einschnitt ’ oder zum Verb hacken ‘ das Erdreich von Kulturland mit der Hacke auflockern ’ oder auch ‘ Holz mit dem Gertel hacken, die gefällten Tannen von den Ästen reinigen ’ (I D . 2, 1112) zu stellen. G RICHTING (1998, 103) kennt das Verb hakke, hakkä (Goms), hakku ‘ spalten, hacken ’ und das Nomen Hakktozz ‘ Holzstock (zum Holzspalten) ’ . Belegt ist das HL nur einmal als Simplex in dem Hacken ‘ im gehackten Gebiet ’ (1773, Ausserberg), wo im Kontext in spinis ‘ bei den Dornen ’ steht; es handelt sich also wohl um ein Stück Land, das aus den Dornen herausgehackt wurde. Als Bestimmungswort kommt ts Hackbodi ‘ der kleine Boden, der mit der Hacke gerodet wurde (? ) ’ (Ried-Brig, früher Alpe, heute Wald) und das dazu gehörende der Hackbodiwald ‘ der Wald beim Hackbodi ’ (Ried-Brig) vor. Dreimal belegt ist ts Hackiise (Gluringen), im Hackiise (Münster) und - nur historisch - im Hackÿsen (1785 u. später, Obergesteln). I D . (1, 540) kennt Hackiise als ‘ breites Eisen mit Holzgriff, um Fleisch, Ampfer udgl. zu hacken ’ für Graubünden. Laut R ÜBEL (1950, 53) wird mit dem Hackeisen das Stroh auf einem Holzblock zerkleinert, um Streue zu gewinnen. Die drei Belege meinen wohl einen Ort, der mit dem Hackeisen gerodet wurde, oder ein Gelände, das einem Hackeisen ähnlich ist. Zwei Belege enthalten ein Partizip Perfekt des Verbs hacken: der Kackot Wald ‘ der gehackte Wald ’ (Eisten) und ts Ghackutt Waldji ‘ der kleine gehackte Wald ’ (Randa). In beiden Fällen wurden hier in grösserem Ausmass Bäume gefällt. Hackber Hackber n. ist nur als ts Hackber (Ried-Brig; FLNK und LT Hackber) belegt, eine Alpe unterhalb dem Weiler Wase. Gwp. gibt eine Deutung: „ Rodung jährlich nötig “ . Ein Zusammenhang mit dem Verb hacke n ‘ hacken ’ (I D . 2, 1112) ist jedoch unklar. Hingegen erwähnt I D . (4, 1614 s. v. Hackbart) u. a. für das Wallis einen Pflanzennamen Davalls Segge, C AREX DAVALLIANA (L AUBER / W AGNER / G YGAX , 5 2014, 1384). Dieser dürfte für die Alpe namengebend gewesen sein, auch wenn der Name heute mit abgeschwächtem zweitem Glied erscheint. Historisch ist ein Beleg von 1809 vorhanden, wobei die zitierte Form Hakler auch als Hakber gelesen werden kann (P H . K AL- BERMATTER , p. c.). Hädi Hädi ist nur in t Hädini (Bratsch, auch FLNK; LT hat Hädi) belegt. Es handelt sich um einen Plural; die Form auf LT ist in Bezug auf den Numerus unklar. Auf der Seite www.ortsnamen.ch ist Hädi ‘ Steiler, stotziger Wald ’ (Glarus Süd (Diesbach)) und ts Chlause Hädi ‘ Wald, früher Kulturland ’ (gleicher Ort) belegt. In Bratsch ist der Name jedoch nicht auf einen Wald bezogen. Im Anschluss an mhd. hatele ‘ Ziege ’ L EXER (1, 1195) ist in I D . (2, 1767 s. v. Hattle n ) erwähnt, doch kennt R ÜBEL (1950, 89 ff.) den Ausdruck nicht. Hädi, Pl. Hädini liesse sich zu Häder oder Hader stellen (vgl. ts Maali, t Maalini zum hdt. Maler). H ă der ‘ Streit, Zank ’ (I D . 2, 981) ist belegt, doch fehlt der Eintrag bei G RICHTING (1998). Und dort ist wdt. Häder, Häderli ‘ Spitzbube, Lausbube ’ erwähnt (103), aber nur für Zermatt und das Mattertal. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Hafe Hafe ist zu schwdt. H ă fe n m., Dim. Häfeli, Häfi, mhd. hafen, haven ‘ Topf, Hafen, Kübel ’ (I D . 2, 1006 ff., G RICH- TING 1998, 103) zu stellen. Die hierzu gehörigen Flurnamen sind allerdings sehr unsicher. Das Diminutiv Häfi ‘ der kleine Hafen, die kleine Mulde ’ (Fieschertal) ist das einzige Simplex (zur Bedeutung ‘ Mulde ’ siehe TGNB 2.2, 261 s.v Hafe 1). Als Bestimmungswort ist Haffnereggen (1554, Leuk) und Haffner Eggen (1554, Unterems) belegt. Es handelt sich um das gleiche Grundstück. Haffner ist hier vermutlich zur Berufsbezeichnung Hafner m. (I D . 2, 433 434 Hafe <?page no="483"?> 1017) zu stellen; als FaN ist es im Oberwallis nicht bezeugt; es kann aber auch eine Ableitung zu Hafnerra ‘ der Ort, wo Hafer wächst ’ vorliegen. Unklar ist der Beleg Z Haffun Gassun (1545, Raron) ‘ des Hafen Gasse ’ , wo ein PN vorliegen kann. Und sehr unsicher ist In Ha ’ fisch Matten (1765, Ausserberg, weitere Belege 1757 Ha ’ limatten, 1759), wo der Genitiv ebenfalls einen PN anzeigt; dabei ist unklar, welcher PN genau gemeint ist. Der Strich hinter dem / a/ könnte auch einen Diphthong Häfi meinen. Dennoch bleibt die Deutung unklar. Hag Hag m. ist zu schwdt. Hag, Pl. Häg, auch Heg m. ‘ Hecke, Zaun ’ , ‘ zunächst grüne Hecke, besonders von Haselstauden, Holunder, Hagebuchen, Tannen und Weissdorn, dann auch künstlicher Zaun aus Pfählen und Stangen ’ , ahd. hag, hac, mhd hac, hages, hagen m./ n., Pl. hage, hege, heger (I D . 2, 1065 ff.; nicht bei G RICHTING 1998) zu stellen. Das HL H EGI ist gesondert behandelt (cf. HL H EGI ); es handelt sich um eine Abstraktbildung zum Verbum hegen ‘ pflegen, bewahren ’ ; im Einzelfall ist die Zuordnung aber unsicher. Das HL kommt nur in den Bezirken Goms, Östlich- Raron, Brig und Visp vor. Das Simplex ist belegt als am Hag (1589, Mörel) und im Plural t Heg ‘ die Zäune, die eingezäunten Gebiete ’ (Simplon). Die oblique Form ist ze Hegu ‘ bei den Hägen (Zäunen) ’ (Mund) und zen Hegen (1383 u. 1488, Naters), andere Präpositionen haben in den Hegen (1637, Bitsch) und ob den Hegen (1609, Ulrichen). Unsicher ist das Simplex ts Haag n. (Eisten). I D . kennt kein neutrales Genus; vielleicht wurde hier lokales Zereanalysiert als neutraler Artikel. im Hagÿ (1824, Bellwald) und t Hagini ‘ die kleinen Zäune ’ (St. Niklaus) sind Diminutive, das erste im Singular, das zweite im Plural. Hag als Grundwort ist in drei Fällen vertreten: vff der Reschti Hagg ‘ auf dem Zaun bei der Resti (Raststelle) ’ (1593, Fiesch), beÿ dem Schien Haag ‘ beim Zaun aus Stecken ’ (1745, Oberwald) und Bistmeren Bachschwerehag ‘ der Zaun bei der Bachwehre von Bister ’ (1753, Bister) vertreten. Die übrigen Fälle haben Hag - Heg als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Acher, Blatta, Gassa, Hubel, Matta, Statt, Tschugge und Wald. Hettmatten in Termen ist wohl durch die Auflösung einer Assimilation entstanden Hegmatten > Hepmatten > Hettmatten. Unsicher ist der Hagihubol (Eggerberg), der laut Gwp. zu einem FaN Hagi (wohl Hagen) zu stellen sei; ts Hagi ‘ der Herr Hagen ’ wäre dann die dialektale Namenlautung. Das HL Z Ü ‘ Zaun ’ ist im Übrigen geläufiger und im ganzen Oberwallis vertreten. Einen Sonderfall bildet Hagscheitji (FLNK, Naters), das sonst als ts Hagstettji ‘ die kleine Stette (Hofstatt) mit dem Zaun ’ belegt ist. Scheitji ist Diminutiv und würde entweder zur Scheidestelle für Schafe passen, was jedoch nicht bei der geringen Höhe (969 m) der Fall zu sein scheint, oder zu einer Grenze (Scheide), die durch einen Zaun angezeigt ist. Letzteres ist schwierig nachzuweisen, heute befindet sich die Flur überbaut beim Weiler Hegdorn (Gemeinde Naters). Hagen (FaN) Hagen (FaN) ist ein alter FaN, ursprünglich aus Gluringen (AWWB 129, NWWB 1984, 2, 107). Von den verschiedenen Belegen gehören wohl nur wenige hieher: der Hagigen Golera ‘ die Golera der Familie Hagen / der Leute des Hagen ’ (1684, Gluringen), ts Hageloch ‘ das Loch der Familie Hagen ’ (Oberwald), ts Hagu Räbe ‘ die Reben der Familie Hagen ’ (Brigerbad), auf der Haagscheggen ‘ auf der Ecke der Famlie Hagen ’ (1526 u. später, Naters) Hagen Aker ‘ der Acker der Familie Hagen / des Hagen ’ (1307, Grächen), Hagenmattun ‘ die Wiese der Familie Hagen / die eingezäunte Wiese ’ (1301, Grächen), Hagnen Aker ‘ der Acker des Hagen / der Familie Hagen ’ (1301, Unterbäch). Vermutlich auch zum FaN Hagen gehört der Hagihubol ‘ der Hügel der Familie Hagi (laut Gwp; Kurzform für Hagen? ) ’ (Eggerberg). In den übrigen Fällen liegt wohl das Appellativ Hag ‘ Hecke, Zaun ’ (I D . 2, 1065 ff.) vor (cf. HL H AG ). Häggs Häggs ‘ Hexe ’ ist nur als Bestimmungswort belegt in der Häggsucheer ‘ der Kehr mit den Hexen (Wegkehre, wo es Hexen hatte) ’ (Ergisch), t Häggsuflüo ‘ die Fluh mit Spuren der Hexe ’ (Naters), ts Häggsuheejili ‘ die kleine Höhe, wo es Hexen hat ’ (Eisten), der Häggsuplatz ‘ der Hexenplatz (heute überbaut, bei SK noch freies Feld) ’ (Leuk) und dr Häggsunzand ‘ der Zahn (Fels) einer Hexe ’ (Blatten). Die Belege sind zu schwdt. Hex f. ‘ Unholdin ’ , ahd. hazissa, hagzussa, mhd. hecse ‘ Hexe ’ f. und wdt. Häx f. ‘ Hexe, Frau (böse, ungepflegte) ’ (I D . 2, 1825 ff; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 414 f.; G RICHTING 1998, 104) zu stellen. Inwiefern ein Zusammenhang mit dem weit verbreiteten Glauben an Hexen besteht, ist unklar (vgl. http: / / hls-dhsdss.ch/ de/ articles/ 011450/ 2014-10-16[09.09.2020; IW]; Artikel von U LRICH P FISTER und K ATHRIN U TZ -T REMP zum Hexenwesen in Europa). Halb Halb ‘ halb ’ ist zum Adj. ahd. halb, mhd. halp ‘ zur Hälfte ’ und wdt. halb ‘ halb ’ (I D . 2, 1161 ff.; G RICHTING 1998, 103) zu stellen. Das Adjektiv wird entweder als attributives Adjektiv - manchmal flektiert - geschrieben, oder als Bestimmungswort. Hag 435 436 <?page no="484"?> Als attributives Adjektiv erscheint es als im Halben Mamat (1698, Unterbäch), aúffm Halben Mittag (1720, Unterbäch; FLNK Halmitag), bim Halben Tag (1758, Zeneggen), aúffm Halben Tag (1637 u. später, Unterbäch), im Halben Vüerthell (1668, Filet), ts Halb Mad (Eyholz, Grächen), im Halb Mamatt (1652 u. später, Guttet), z Halb Ma Matt (1825, St. Niklaus), yn dem Halb Math (1815, Guttet), der Halb Tag (Bürchen, Stalden, Törbel), der Halb Stall ‘ der halbe Stall (Hälften gehörten verschiedenen Eigentümern) ’ (Simplon), t Halbu Meder (Brigerbad) und Halp Werch (1310, Steg). Es handelt sich wohl in den meisten Fällen um eine Arbeit, die jemand in einem halben Tag erledigen kann, oder um ein Besitztum, das den halben Teil betraf. Das Grundwort Halb ist nur belegt in va Schattehalb ‘ von der Schattenseite ’ (Obergesteln), Schattehalb ‘ die Schattenseite ’ (FLNK, Oberwald, dreifach) und - komplexer - Geere Schattehalb ‘ die Schattenseite des Gerentals ’ (FLNK, Oberwald). Hier erscheint Halb als adverbiale Substantivierung. Zweigliedrige Komposita mit Halb als Bestimmungswort sind der Halbacher (1383, Glis), t Halbfischini ‘ die Äcker, die ein halbes Fischi gross sind ’ (Turtmann), im Halbheer ‘ (unklar, ev. minderwertiges Land) ’ (Bitsch, FLNK, Halbheeru), Halbh ů ba ‘ die Halbhube ’ (1453, Visperterminen), im Halblehn (1771, Fiesch), ts Halbmad (Eisten, Ried-Mörel), t Halbsucht ‘ die Halbzucht (Hälfte des Ertrages? ) ’ (Grächen, historisch 1691 als in der Halbzúcht), Halbta ᵉ tz ‘ die halben Tatzen (unklar) ’ (1426, Visp), (lat.: ) subtus Halbwege ‘ unter dem halben Weg ’ (1333, Naters), der Halbwärd ‘ (wohl) Halbwerk; das Werk, das man in einem halben Tag erledigen kann ’ (Raron, historisch als Halbwerk), jn der Halbzucht (1532, Lax), die Halbzucht (1470, Brig), Halbcz ů cht (1400 u. später, Ried- Brig), Halbzucht (1272 u. später, Visp), in der Halbzucht (1747, Naters), Halpzvckt (1344, Mund) - diese Belege meinen wohl ‘ die halbe Zucht (Ertrag eines Grundstücks) als Halbpacht ’ . Der Name ist sonst nirgends in dieser Deutung belegt. Komplexer sind Grútzingo Halbhu ᵉ ba ‘ die Halbhube der Leute vom Grutz / des Grutz (unklar) ’ (1328, Visp), das Nyder Halbhubyde ‘ die untere kleine Halbhube ’ (1349, Niederwald), der Halbbastei ‘ der Stein auf halber Höhe des Bannwaldes ’ (Randa), Halbelfijoch ‘ das Joch (Fusspass), über dem die Sonne um halb elf sichtbar ist (? ) ’ (Binn), im Halbmamat ‘ in der Mähwiese, die ein Mann an einem halben Tag mähen kann ’ (1822, Oberems), dazu auch das Halbmammat (1539, Mörel) und daz Halbmanmat (1368, Staldenried). Eine Substantivierung ist in t Halba ‘ die Halbe (wohl nur kleines Gut? ) ’ (Greich) belegt; es kann sich eventuell auch um ein Gut auf halbem Weg in die Alpe handeln. Eine Ableitung auf / - ERI / (Wasserleitung) ist in t Halbstaaleri ‘ die Wasserleitung für das Gebiet Halb Stall ’ (Simplon) enthalten (vgl. Halb Stall (Simplon)). Hälf Hälf f. ist zu schwdt. Halfe f., wdt. Hälffa, Hälf)ä (Goms), Helffu (Leukerberge), Hälffu f. ‘ Hagebutte ’ (I D . 2, 1192; G RICHTING 1998, 103; B ELLWALD 1956, 90) zu stellen. Die Früchte wurden früher auch als Schweinefutter verwendet. Sie gehören wohl zur Pflanze R OSA CANINA (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 236). Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor: zer Helfstuden ‘ bei der Hagebuttenstaude ’ (1354, Ulrichen), der Hälftschugge ‘ der Felsen bei den Hagebutten ’ (Birgisch; Kleinsiedlung) und aúff dem Helfftschúggen ‘ auf dem Felsen bei den Hagebutten ’ (1702, Mund), wobei diese zwei Belege wohl den gleichen Ort meinen. Häli (PN) Häli (PN) ‘ Wilhelm ’ ist in ts Hälisch Sand ‘ das Sandgebiet des Häli ’ (St. Niklaus) belegt. Gwp. nennt als Eigentümer einen Wilhelm (wohl Vorname). Mit langem / ä: / ist in Mund ts Häälisch Brand ‘ das brandgerodete Gebiet des Hääli ’ belegt. BENB (1, 2,185 f. s. v. hääl-) erwähnt Hälis- und vermutet einen PN, der jedoch „ schwer zu belegen “ ist. I D . (15, 1325 s. v. Wilhelm) gibt nur Kurzform zu Willi etc., kennt aber unter Helm (2, 1204) auch den PN Helm, jedoch nicht die hier angeführte Form. G RICHTING (1998) gibt keinen Hinweis. Halm Halm m. ist zu schwdt. Halm, m. ‘ Gras- oder Getreidehalm ’ (I D . 2, 1200 ff.) zu stellen; G RICHTING (1998, 103) kennt Hale, Halä (Goms), Hala (Mattertal), Halo (Schattenberge), Halm (Lötschtal), Halum, Halu (Leuker Berge) ‘ Halm ’ . Das Simplex kommt nur als Bestimmungswort in zwei sehr unsicheren Belegen vor: jn den Halenmatten ‘ in den Wiesen, die früher zum Getreidebau genutzt wurde ’ (1651, Raron) und t Halumatte ‘ die Wiese, die früher zum Getreidebau genutzt wurde (Ortsteil von Saas-Fee). Beide könnten auch zum HL H AALTA ‘ Halde ’ gestellt werden, das laut BENB (1, 2, 188 - 191) auch als Hale vorkommt; im Oberwallis scheint die Form ohne / d/ oder / t/ jedoch selten belegt zu sein. Der häufigste Fall des HL wird mit dem Suffix / - ERA / (S ONDEREGGER 1958, 551) als Halmera f. gebildet; das Wort bezeichnet nach I D . (2, 1202) entweder ein ‘ Ackerfeld, das nur Halme trägt ’ oder ein ‘ Stück Land, welches bisher zu Getreidebau benutzt, nun zu Wiese umgearbeitet wird ’ . Wir geben es wieder als ‘ das ehemalige Getreidefeld ’ , was nicht immer genau den Angaben der Gwpp. entspricht. 437 438 Halm <?page no="485"?> Das Simplex im Singular ist als t Halmera ‘ ehemaliges Getreidefeld ’ (Grächen und vier weitere), t Halmere (Unterbäch, Plural), in der Halmeren (1803, Eischoll und drei weitere), jn der Halmeron (1505, Grengiols), t Hallmeru (Saas-Balen), t Halmerre (Törbel, Plural) belegt. Nur einmal findet sich ein Diminutiv jm Halmerlin (1634, Unterbäch). Ein attributives Adjektiv findet sich nur in jn den Obren Halmeren ‘ im oberen ehemaligen Getreidefeld ’ (1680, Unterbäch). Vorangestellte Genitive zum HL sind: in der Jrmenzen Hallmeren ‘ im ehemaligen Getreidefeld bei Irmenze ’ (1825, St. Niklaus) (sofern Irmenze PN ist) und Lienhärto Halmera ‘ das ehemalige Getreidefeld des Lienhard ’ (1581, Unterbäch). Als Grundwort bildet das HL folgende zweigliedrigen Komposita in der Dorffhalmere (1659 u. später, Törbel; 1702, Embd), t Fäldhallmere ‘ das ehemalige Getreidefeld beim Gebiet Feld (Weiler von Törbel) ’ (Törbel) und in der Hofhalmeren (1743, Törbel). Als Bestimmungswort ist das HL in Halmerachra ‘ die Äcker im ehemaligen Getreidefeld ’ (FLNK, Eischoll) und Halmerstukyng ‘ das kleine abgeteilte Stück Land im ehemaligen Getreidefeld ’ (1320 u. später, Ried-Brig, zuletzt 1383 Halmerstukin). Ein unsicherer Beleg ist t Hällmine ‘ das Gebiet mit Grashalmen ’ (Törbel). Es handelt sich wohl um eine / - I / - Ableitung zum HL H ALM . Bürchen hat darüber der Hellminungrad (FLNK Helminigrat) mit / e/ und stellt es wohl zu Helm (cf. HL H ELMI ); der Name Hällmine von Törbel scheint aber ursprünglicher zu sein. Auffällig ist weiter, dass der Typ Halmera mit der Ausnahme von Ried-Brig (1320) nur in den Bezirken Visp und Westlich-Raron vorkommt. Die sicheren Belege konzentrieren sich auf die Vispertäler und die Rarner Schattenberge (Bürchen, Eischoll, Unterbäch). Hals Hals ‘ Hals ’ ist zu schwdt. Hals m. wie nhd. ‘ Hals ’ als Körperteil und wdt. Hals, Haals (Lötschtal) ‘ Hals ’ (I D . 2, 1206 ff.; G RICHTING 1998, 103) zu stellen. In der Toponomastik werden schmale, lange Anhöhen, gratartige Hügel und Einschnitte ‘ Hals ’ genannt (Z INSLI 1946, 61, 216, 323). Im Beleg ts Halsiisu ‘ das Halseisen ’ (Mund) ist allerdings wohl der Ort gemeint, an dem sich der Schandpfahl mit dem Eisen befand, das um den Hals der bescholtenen Person gelegt wurde (I D . 1, 540). Das Simplex der Hals (Niedergesteln) ist nur einmal belegt; inhaltlich wird es als ‘ spitze Felskrete ’ bezeichnet. Zem Haals ist der Name eines Gutes in Blatten; das lange / a/ wird von G RICHTING (1998, 103) für das Lötschental bestätigt. Unklar ist das mehrfach belegte Halse, mit / l/ -Vokalisierung Hause (Binn), das wohl eher eine Ableitung Halsa im Plural darstellt; ein echter Plural müsste Häls lauten. I D . (2, 1210) kennt Halse n als ‘ um den Hals gehenden Strick ’ (für Pferde oder Vieh). Es ist möglich, dass schmale Landstücke so benannt wurden. Belegt ist Halse historisch in Simplon (erstmals 1292), und 1393 in Ried-Brig (wohl identisch mit dem Gebiet in Simplon); ob der bei J ORDAN (2006, 257) als Hals erwähnte Flurname damit identisch ist, kann nicht sicher gesagt werden. In Binn (mit / l/ -Vokalisierung, nicht historisch) sind neben dem Simplex t Obre und t Unnre Hause, der Hausesee und 1714 die Halsen Wega ‘ die Wege beim Halsen ’ belegt. Diminutive im Singular sind ts Halsji (Ausserbinn) und ts Halsi (St. Niklaus). Ein Diminutiv im Plural ist t Hallsini (Stalden). In Blatten bildet sich um den Namen zem Haals ein Nest mit Haalsbord, Haalsmattä und Haalsschiirä (zweimal). In Wiler findet sich Haalsmaad ‘ die Mähweise beim Hals ’ , wobei wohl die Form des Grundstücks gemeint ist. Halter (FaN) Halter (FaN) ist entweder der FaN Halter oder eine Herkunftsangabe zu Halta ‘ Halde ’ . AWWB (10) kennt Anderhalden, auch Halter. Die Belege für beide Namen sind jünger als der Beleg sub grangia Halterron iuxta terram Johannis de Halton ‘ unter der Scheuer der Leute von der Halde beim Gebiet des Johannes von der Halde ’ (12? ? , Naters), wo ganz klar ist, dass Halterron ein Genitiv Plural zu Halta ist, das sich im PN Johannes de Halton wiederfindet. Vermutlich ist Halterron hier noch ein Herkunftsname: ‘ die Leute von / an der Halde ’ . Ähnlich zu verstehen ist Halteron Birche ‘ im Gebiet mit Birken der Leute an der Halde / der Familie Halter ’ (1445, Naters). Anders der lebende Beleg ts Halterschhüs ‘ das Haus der Familie Halter ’ (St. Niklaus), wo wohl ein FaN vorliegt. AWWB verweist unter Halter (122), einem FaN, der erst im 20. Jahrhundert eingebürgert wurde, auf AWWB (10). Hammer Hammer ist zu schwdt. Hammer m., ahd. hamar, mhd. hamer wie nhd. ‘ Hammer, Hammerwerk ’ und wdt. Hammer, Hammr (Lötschtal), Hammär ‘ Hammer ’ (I D 2, 1272 ff; K LUGE / S EEBOLD 25 2002, 390; G RICHTING 1998, 103) zu stellen. BENB (1, 2, 196 f.) vermutet neben Hammerschmitte ‘ Hammerschiede ’ vor allem PNN. Das Simplex im Singular der Hammer ‘ der Hammer (kleiner Gipfel, vielleicht nach der Form) ’ (Ulrichen) ist eine kleine Erhebung, die wohl nach der Form des Felsens als ‘ Hammer ’ benannt wurde. Hierzu gehören t Hammerlamme ‘ die Schlucht beim Hammer (kleiner Hals 439 440 <?page no="486"?> Gipfel) ’ und t Hammerweng ‘ die Grasabhänge unterhalb des Hammer (kleiner Gipfel) ’ (beide Ulrichen). Zwei Belege bezeichnen die Hammerschmiede: inferius der Hamerschmitten ‘ unter der Hammerschmiede ’ (1764, Brig) und t Hammerschmittu ‘ die Hammerschmiede ’ (Leuk). Die übrigen Belege können entweder ein Grundstück bei einem Hammerwerk oder einen Besitzer namens Hammer bezeichnen: der Hameracher ‘ der Acker beim Hammer / des Hammer (PN) ’ (1620, Münster), jm Hamer Ackerlin ‘ im kleinen Acker beim Hammer / des Hammer (PN) ’ (1686, Geschinen), in der Hammerlischa ‘ im sumpfigen Boden mit Riedgras beim Hammer / des Hammer (PN) ’ (1832, Geschinen), der Hamerstuck ‘ das Stück Land beim Hammer / des Hammer (PN) ’ (1679 - 1702, Münster), der grosse Hammerstúck ‘ das grosse Stück Land beim Hammer / des Hammer (PN) ’ (1786, Münster) und an den Hammer Tschu ᵕ ggen ‘ an den Fels des Hammer (PN) / beim Hammer ’ mit unsicherer Lesung (M. S. notiert auch Kammer, Kummer). Hand Hand ist nur in der Handgranatustand ‘ der Handgranaten-Stand ’ (Salgesch) belegt. Zu einer näheren Beschreibung cf. HL G RANATU . Hand ist zu schwdt. Hand f. ‘ Hand ’ und wdt. Hand f. ‘ Hand ’ (I D . 2, 1378; G RICHTING 1998, 103) zu stellen. Eine Handgranate ist eine „ kleinere, mit der Hand geworfene Granate “ (G R W B 10, 391). Hanf Hanf m. ‘ Hanf ’ ist zu schwdt. Hanf, Hamf, Hampf, Häf, Hauf, Haüf m., Pl. Häuf, ahd. hanaf, hanif, mhd. hanef, han(i)f m. wie nhd. ‘ Hanf, ‘ Hanfpflanzung ’ (I D . 2, 1437 ff.; G R W B 10, 431 ff.) zu stellen. Zum Schwund des -nvor Spirans siehe SDS (2, 130/ 131 (Staubsches Gesetz)); zu den Formen R ÜBEL (1950, 6). In FlN wird es zur Bezeichnung von Örtlichkeiten mit Hanfanbau oder von Stellen, wo Hanf geröstet wurde (cf. auch HL W ÄÄRCH ) verwendet. Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor. Belege finden sich in allen Oberwalliser Bezirken, doch erwähnt G RICHTING (1998) das HL nicht. Die Formen des HL sind Häif (Betten, Bitsch, Eggerberg), Haif (Bürchen, Eggerberg), Hamf oder Hampf (Blitzingen, Gluringen, Mühlebach, Reckingen, St. Niklaus), Hanef (1275, Münster), Hanf im ganzen Oberwallis, meist historisch, Heif (FLNK, Ried-Mörel), Höüf (Bürchen, St. Niklaus). Verbunden ist das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita: Acher, Biel, Cheer, Gartu, Matta und Ort, wobei die Typen Gartu, Ort und Acher überwiegen. Komplexer sind ts Hampfartegade ‘ der Gade (Stall) beim Hanfgarten ’ (Reckingen; 1601 z Hamffgartten Gadenn), die Hanffgarten Studen ‘ die Stauden beim Hanfgarten ’ (1747, Niederwald), Hanfgartwasserleite ‘ die Wasserleitung beim Hanfgarten ’ (St. Niklaus) und im Obren Hafforth ‘ im oberen Hanfort (Hanfgarten) ’ (1747, Visperterminen). Isoliert ist in Hauptman Vintschen Hanffachren ‘ im Acker des Hauptmanns Fintschen, wo Hanf angebaut wurde ’ (1605, Leuk). Unklar sind die Belege von 1599 jn der Hanfferschluocht und 1761 an d ’ Hanferschlúcht (beide in Bitsch), das 1790 als Hanffschlúcht belegt ist. Eine Ableitung auf / - ER / ist sonst nicht belegt; G R W B (10, 434) kennt Hänfer als ‘ Hanfbereiter ’ , doch fehlt diese Ableitung im I D . Ob es sich um eine Vereinfachung von Hanf-Ort handelt, bleibt unklar. Ebenfalls unsicher ist Hanften Biellen (1742, Oberems). Es kann sich um einen Genitiv zu einem sonst nicht belegten Namen Hanft, oder um eine verschriebene Form Hanfbiel handeln. Hang Hang m. ‘ Hang ’ ist vom intransitiven Verb hange n ‘ aufgehängt sein, schweben, abwärts geneigt sein ’ , mhd. hangen (I D . 2, 1441 f.; G RICHTING 1998, 104, nur allgemein) abgeleitet, das selbst als Partizip Präsens hangend belegt ist. In FlNN in der Bedeutung ‘ abwärts geneigt sein ’ , zum Teil auch für überhängende Felspartien oder auch für ‘ Ort, wo viel Gelände steil abfällt ’ (S ONDEREGGER 1958, 484) verwendet. Hängela, Hängele f. ist eine Weiterbildung mit dem femininen Suffix / - ELE / zum Verb schwdt. hange n und bezeichnet in FlN eine ‘ überhängende Stelle ’ (S ONDEREGGER 1958, 519). Der FlN Handegg kommt auch im Berner Oberland vor und wird bereits von G ATSCHET (1868, 504) als ‘ hangende Egg ’ gedeutet (BENB 1, 2, 198). Das Simplex Hang ist nur einmal belegt: im Hang (1808, Bitsch). Ein Diminutiv Hangi n. ‘ der kleine Hang ’ ist ebenfalls in Bitsch und in Ried-Mörel belegt. In Bitsch kommt als Kompositum der Hangigrabu ‘ der Graben beim kleinen Hang ’ vor. Hang als Grundwort in Komposita ist nur dreimal belegt in Woufhang ‘ Wolfhang ’ (Ernen) und komplexer in Schweiggmattuhang ‘ der Hang bei der Schweigmatte ’ (Zermatt). Nicht zu deuten ist Dithang (1528, Mörel). Das Partizip hangend ‘ hängend, steil ’ wird mit lautlichen Varianten als attributives Adjektiv knapp zwanzig Mal verwendet, zusammen mit den Grundwörtern Acher, Egga, Fad, Gartu, Gassa, Gletscher, Hubel, Lerch, Löüb (und Plural Leiber), Matta, Stäg und Wase. Dazu kommt der Typ Handegg(a) ‘ hängende Ecke ’ in Münster und 441 442 Hang <?page no="487"?> Zermatt. In Münster kommt Handegbachtele ‘ die Wasserrinne im Bereich Handegg (hangendes Eck) ’ hinzu. Das substantivierte Partizip ts Hangenda ‘ das Hängende ’ (Bellwald) kommt nur einmal vor. Der Typ Hängela, auch Hangolu und weitere Varianten, kommt als Simplex rund zehn Mal in Binn, Goppisberg, Grengiols, Fiesch, Fieschertal, Filet, Niederwald, Ernen, Oberwald und Ulrichen vor, also vorwiegend im östlichen Teil mit den Bezirken Goms und Östlich- Raron. Historische Schreibungen sind in der Hengeln (1843, Binn) und die Hengilla (1539, Naters). Als Bestimmungswort finden sich Hanngolugrabo ‘ der Graben bei der hängenden Stelle ’ und Hanngolumatta ‘ die Wiese bei der hängenden Stelle ’ (beide Törbel, letzteres auch in Visperterminen), sowie Hängelutossu ‘ der Fels bei der Hängela ’ (Goppisberg). Einen Sonderfall stellt Hängebrigga ‘ die Hängebrücke (über das Vorfeld des Aletschgletschers) ’ (Naters, FLNK) dar. Es handelt sich um einen sehr jungen Namen, der das hochdeutsche Lexem lautlich in die Mundart umwandelt. Hangar Hangar ‘ Flugzeughalle ’ ist nur in Ulrichen als Gebäude beim Flugplatz bezeugt. Das Wort stammt aus dem Französischen hangard m. ‘ Lagerschuppen, Flugzeughalle ’ , das im 20. Jahrhundert ins Deutsche entlehnt wurde. Ursprünglich aus altwestfränkisch Haim-Gard entlehnt, das Heim-Garten entspricht, mit einer anderen Bedeutungsentwicklung (K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 392)). Hänk Hänk ‘ das Gehängte ’ ist nur belegt in t Haichflüe ‘ die hangende Fluh ’ (Hohtenn); die Lautform entspricht der Diphthongierung nach n-Schwund vor einem velaren Reibelaut (Staubsches Gesetz). Die Deutung geht davon aus, dass Haich ein Verbalabstraktum des transitiven Verbs hënke n ‘ aufhängen ’ (I D . 2, 1455) ist; die Trennung gegenüber dem sonst verwendeten hangend, das vom intransitiven Verb hange n (I D . 2, 1441 f.) abgeleitet ist, bleibt hier unsicher (vgl. auch dt. hangen vs. hängen). In Blatten ist Haichsch Pfad belegt, das u. U. hieher gehören könnte. Da es sich aber um einen vorangestellten Genitiv handelt, gehen wir von einer Kurzform des PN Heinrich aus (cf. HL H EINRICH (PN)). Hannig Hannig n., m. ist umstritten. Wichtig ist, dass es mehrfach belegt ist: zunächst historisch als Hannig in Eisten (1760; vermutlich identisch mit Grächen), dann als ts Hannig in Embd, als ufum Hannig in Grächen, als ts Hanig in Saas-Fee und ts Hannig in Saas-Grund (nicht am gleichen Ort), als ts Hannig in Törbel, als dr Hannig (Wiler) und - nur historisch - als das Hannig (1539) in Zeneggen (wohl identisch mit jenem in Törbel). Soweit erkennbar, handelt es sich um Alpen. Die ältesten Belege weisen für Törbel die Form ze Handingen (1304, 1307, 1310) auf; das gleiche gilt für an dem Handingbuele (1304, Törbel) und weitere Belege für 1304 und 1308. Auch für Grächen ist 1304 Handingen notiert. Spätere historische Belege (nach 1500) weisen immer die Form Hannig auf. Die - allerdings optionale - Entwicklung von / nd/ zu / nn/ in den Deutschwalliser Dialekten ist bekannt; auszugehen ist also von einer Form Hand-ing. Das anlautende ze der historischen Quellen erklärt wohl das seltsame Genus Neutrum fast aller Belege (ausser in Wiler): es handelt sich wohl um eine Re-Interpretation von ze ‘ bei, zu ’ zum neutralen Artikel ts ‘ das ’ - das Suffix / - ING / ist nämlich sonst immer maskulin. I D . (2, 1392) gibt als besondere Bedeutung von Z ’ Hand ga ‘ zum sog. Abendsitz gehen ’ für das Wallis. Das Suffix / - ING / ist zwar meistens ein Kollektiv-Suffix zu einem PN oder FaN, es kann aber, laut S ONDEREGGER (1958, 506) „ in singularischen Stellenbezeichnungen aus Appellativen “ erscheinen. ts Hannig wäre dann der ‘ Ort, wo man sich zum Abendsitz (auf der Alpe) trifft ’ . Dieser Deutung widersprechen alle sonst vorliegenden: Das S CHWEIZER L EXIKON (3, 326) führt den Namen auf mhd. hangen ‘ abwärts geneigt sein ’ zurück, was auf die Lage verweisen soll. M EYER (1930, 24) sieht als mögliches Benennungsmotiv die Form des Berges, die an einen Hahn, ahd. hano, erinnern soll. Weiter wurde Hannig als Zusammensetzung von ‘ Hahn ’ und ‘ Egg ’ verstanden, also als ‘ Stelle, wo die Birkhähne zur Balz anzutreten pflegen ’ (S CHNYDRIG 1952, 45). Auch eine Rückführung des Verbalabstraktums auf das Verb schwdt. hande n , im Wallis hanne, hannu, für ‘ in die Nähe ( ’ zur Hand ‘ ) herbeischaffen, einsammeln von Heu, Streu und Holz ’ (I D . 2, 1400; S CHNYDRIG 1952, 45; G RICHTING 1998, 1, 104 und 1, 113) ergibt wenig Sinn. Der Bildungstyp mit / - ING / als Personen- oder Ortsbewohnernamen (S ONDEREGGER 1958, 503 f.) führt zur Annahme von Taufnamen wie Hannes, Hannis, Hanni ‘ Johannes ’ oder von diesem abgeleitete FaN Hanen, Hanis, Haanen oder zum zusammengesetzten Taufnamen Hanneich, Hanneigg, entstanden aus ‘ Hans Heinrich ’ (N OTI 1975, 16; I D . 2, 1311). Die frühen Belege mit inlautendem / nd/ sprechen aber dagegen. Hannig tritt in Komposita als Bestimmungswort zu folgenden Grundwörtern auf: Äbi, Alp, Alpa, Biel, Bodu, Brunne, Egga, Glutte, Heeji, Licka, Schiir, Schluocht, Stei, Tirli, Tschugge, Wäg, Wald und Wasser. Komplexer sind Ober und Unner Hanighaaltji (Saas-Balen). Ganz unsicher ist der vereinzelte historische Beleg Hannischfädt (1738 Grächen, auch Stalden zugeschrie- Hangar 443 444 <?page no="488"?> ben), das als Grundwort Fad, Pl. Fed ‘ Felsdurchgang, felsiger Weideplatz ’ enthält, und als Bestimmungswort wohl einen Genitiv Singular zur Kurzform Hanni eines PN wie Johannes; es gehört also streng genommen nicht zum Lemma Hannig, wenn dieses wie vorliegend gedeutet wird. Hans (PN) Hans ist zum Taufnamen Hans (< Johannes) mit seinen zahlreichen abgeleiteten Formen (I D . 2, 1468) zu stellen. Als FaN ist es 1435 in Fieschertal belegt: Anna filia Janen Hansen ‘ Anna, die Tocher des Jan Hansen ’ . Der PN kann dem Staubschen Gesetz (n-Schwund mit Ersatzdiphthongierung) zu Heis- / Hais- oder Heisch- / Haischunterliegen, wobei die Belege zu Heispil < Han-spil ‘ der Balzplatz der (Auer-)Hähne ’ nicht hieher gehören. Hans kommt in rund dreissig Namen vor. Als Simplex sind Diminutive belegt: jm Hannsi ‘ im Gebiet des Hansi ’ (1653, Lalden) und im Hänzli ‘ im Gebiet des Hänzli ’ (Ulrichen) mit der Erweiterung die Hensli Lischa ‘ die Lische (Sumpfgebiet mit Lischgras) des Hänzli ’ (1740, Ulrichen). Mit einem attributiven Adjektiv findet sich nur der Guet Hais ‘ der gute Hans ’ (Zwischbergen), wobei die Motivation hier unklar ist (cf. HL G ÜOT ). Als Grundwort ist ein Diminutiv Plural belegt: Nigguhäisini ‘ das Gebiet der Familie des Johannes Niggen (Nikolaus) ’ (Eggerberg). Hans kommt im vorangestellten Genitiv (stark oder schwach) vor: ts Häischalpji ‘ die kleine Alpe des Hans ’ (Visperterminen), Häischbiele ‘ die Hügel des Hans ’ (Termen), ts Hanschbedu ‘ die Böden des Hans ’ (Ergisch), zúo Hanschen Hüsli ‘ beim kleinen Haus des Hans ’ (1803, Ernen), Hanschewäg ‘ der Weg des Hans ’ (FLNK, Ausserbinn), im Hansen Ried ‘ im Ried des Hans ’ (1828, Betten), auf dem Heisen Bielty ‘ auf dem kleinen Hügel des Hans ’ (1780, Selkingen), am Heisenweg ‘ am Weg des Hans ’ (1816, Ernen), ob dem Heissenweg ‘ ob dem Weg des Hans ’ (1847, Steinhaus; FLNK: Heisswäg; trotzdem kaum zum Adj. heiss), Niggenhansch Fach ‘ der Rebenbesitz (Fach) des Hans Niggen (Nikolaus) ’ (Staldenried), ts Spiicherhansch Wald ‘ der Wald des Hans Spycher ’ (Saas-Balen). Unklar bleibt Kirihanselöübe ‘ die Lauben des Kirihans ’ (Ulrichen), wobei Kiri wohl ein Zuname ist. Zum Häischalpji als Bestimmungsform ist ein Namennest mit den Grundwörtern Schleif, Wäg, Zug und Wasserleita (alle Visperterminen) belegt. Hans ist als Teil eines PN im Genitiv belegt in ts Hanns Baiartsch Weidu ‘ die Weide des Hans Bayard ’ (Leuk) und zu Hans Schmidts Achren ‘ bei den Äckern des Hans Schmid ’ (1697, Oberems; frühere Formen ohne Genitiv). Ein Diminutiv als Bestimmungswort findet sich in der Haisibodo ‘ der Boden des Hansi ’ (Zeneggen), im „ Haisiboden “ ‘ im Boden des Hansi ’ (1890, Stalden), t Häisihaalta ‘ die Halde des Hansi ’ (Eyholz), t Hansieie ‘ die Aue des Hansi ’ (Ulrichen) und Heisigietji ‘ das kleine Gut des Hansi ’ (Embd). Der komplexe Beleg in Hans Alpu ᵕ nwald ‘ im Wald des Hans bei der Alpe ’ (1688, Grächen) ist unklar; man könnte ihn auch als ‘ im Wald der Alpe des Hans ’ deuten. Hanu Hanu m. ‘ Hahn ’ ist zu schwdt. Han(e n ) m., ahd. han(o), mhd. hane, wie nhd. ‘ Haushahn, Hahn ’ und wdt. Hane, Hanä (Goms), Hana (Zermatt), Hano (Schattenberge), Hanu ‘ Hahn ’ (I D . 2, 1305; G RICHTING 1998, 104)) zu stellen, in FlNN meist Orte mit Auer- oder Birkhähnen. Das Simplex im Singular tritt als der Hane ‘ der Hahn ’ (Binn, Münster), der Hanon ‘ der Hahn ’ (1520, Staldenried), bim Hanu ‘ beim Hahn ’ (Bitsch, Ried-Brig, gleicher Ort), der Hanu ‘ der Hahn ’ (St. Niklaus) auf. Gemeint ist jeweils entweder ein Ort, wo Hähne vorkommen, oder ein Ort in einem Gelände, das einem Hahn gleicht (URNB 2, 144). Als Grundwort ist das HL wie folgt belegt: Gudelhano ‘ (unklar, ev. Gugelhano ‘ Haushahn ’ ) (1347, Eggerberg), ts Guppuhani ‘ der kleine Hahn mit der Kuppe ’ (Täsch), der Hupphane ‘ der Hahn mit dem Federbusch ’ (Bellwald), t Hupphane ‘ die Hähne mit dem Federbusch) (Zermatt), dr Hupphan ‘ der Hahn mit dem Federbusch ’ (Kippel), ts Hupphani ‘ der kleine Hahn mit dem Federbusch ’ (Eyholz, Visp). In all diesen Fällen kann es sich auch um einen Ort handeln, wo ein solcher Hahn sein Balzspiel aufführt. In Kippel kommt dazu t Huppphannschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Hupphann ’ und - historisch - im Obren Huphan ‘ der obere Hupp-Hahn ’ (1769, Kippel). Einen anderen Typ zeigt ts Wupphani ‘ der kleine Hahn mit Schopf ’ (Binn, Grengiols). Gupp, Hupp und Wupp scheinen Varianten der Benennung des Vogelschopfes zu sein. Weitaus die meisten Belege mit dem HL als Bestimmungwort gehören zum Typ Hanspil ‘ der Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ . Ohne Staubsches Gesetz erscheinen die Formen Han-, Hand-, Hanen- und Hansch. Die Konstruktion unterliegt dem Staubschen Gesetz, das hier über die Wortgrenze geht: der erste Teil erscheint dann in den Formen Haich-, Haisch-, Hais-, Häüsch-, Häusch-, Heisch- und Höüsch-, wobei die / s/ und / sch/ jeweils dem zweiten Teil Spil ‘ Spiel ’ zuzurechnen sind. Teilweise wird aber das zweite Element zu Biel ‘ Hügel ’ umgedeutet, und es entstehen Formen wie ts Haisch Biel (Gampel), wörtlich ‘ des Hans Hügel ’ , vermutlich aber ‘ der Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ . In 445 446 Hanu <?page no="489"?> solchen Fällen wird der erste Teil als PN Hans, mit Staubschem Gesetz Haisch usw. analysiert. In zwei Fällen wird ein Diminituv gebildet: t Hanschbieutini ‘ die kleinen Orte, wo die Hähne ihre Balzspiele aufführen ’ (Bellwald, mit / l/ -Vokalisierung) und t Hanspiutini ‘ die kleinen Orte, wo die Hähne ihre Balzspiele aufführen ’ (Ritzingen, mit / l/ -Vokalisierung). Alle diese Formen dürften zu Hanspil zu rechnen sein. Für das Wallis belegt I D . den Namen Haispiel für Kippel und Hahnspiel für Binn, Glurigen und Selkingen (I D . 10, 116 f., bes. 136; Z INSLI 1984, 569). Der Typ Hanspil erscheint auch erweitert in der Haichspilwang ‘ der Grasabhang beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Blatten), Haischbilbletscha ‘ die Bletscha (Ebene)beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Ferden), der Haischbielbodu ‘ der Boden beim Ort, wo die Hähne ihre Balzspiele aufführen ’ (Simplon), das Heischbielläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (1833, Eisten; 1833 Grächen), t Haischpiilbletscha ‘ die Ebene beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Kippel), ts Haispiilbord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Kippel), an die Hansspielsu ᵕ n ‘ an die Wasserleitung beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (1632, Kippel), t Hannspieuschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Selkingen, mit / l/ -Vokalisierung), Hanschpiustafu ‘ der Stafel beim Ort, wo die Auerhähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Selkingen. mit / l/ -Vokalisierung), t Höüschbieläbi ‘ der Abhang beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführten ’ (St. Niklaus), ts Höüschbielbord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführten ’ (Randa), ts Höüschbielgufer ‘ das Steingeröll unter dem Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Randa), ts Höüschbielwasser ‘ die Wasserleitung beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Randa). Mit Ober und Unner kommen Haispiil (Blatten), Hannspil (Reckingen), Hanspiu (Selkingen, mit / l/ -Vokalisierung), Höüschbiel (Randa) vor, der Plural ist in t Obru und t Unnru Häischbiele (Termen) belegt. Weitere Grundwörter zum HL H ANU in zweigliedrigen Komposita sind: Gadu, Gassa, Eie, Fad, Gufer, Hüs, Moos, Schleif, Viertel und Wald. Schwer zu deuten ist das dreimal belegte der Hanufiärtil (Gampel), der Hanufiertil (Hohtenn) und Hanuviertil (Eischoll), wo jedesmal ein Dorfteil gemeint ist, laut Gwp. jener, wo Hähne gehalten werden. Es scheint, dass diese Benennung für ein Dorfviertel gedacht ist, das bäuerlicher ist, als etwa der Heerufiärtil ‘ der Viertel des Dorfes, wo der Pfarrherr wohnt ’ (Gampel). Nur eine komplexere Form ist belegt: uf Haneggschbieu ‘ auf dem Hügel der zur Hanegg gehört ’ (Bellwald, mit / l/ -Vokalisierung), wobei sonst in der Nähe t Honegge ‘ die hohen Ecken ’ (Bellwald) belegt sind; es kann sich also auch um eine Fehldeutung handeln. Unsicher ist weiter das nur einmal belegte bins Hanen Haúss ‘ beim Haus der Familie Hahn / des Hahns ’ (1763, Simplon), wo vermutlich nicht das Tier, sondern ein PN oder FaN Han gemeint ist; jedenfalls ist schon 1366 in Ritzingen terram Johannis Hanen ‘ das Grundstück des Hans Hahn ’ erwähnt. Hardana Hardana kommt 1297 und 1315 in Visp als Hardana und 1315 in Visperterminen als Hardane (Genitiv) vor. 1297 heisst es zudem „ citra quod vulgariter dicitur Hardana “ . Daraus folgt, dass Hardana als volkssprachlich empfunden wird, obwohl es 1315 in einer lateinischen Genitivform Verwendung findet. / - ANA / ist ein feminines Suffix (cf. A LTANA ), das so bei S ONDEREGGER (1958) nicht verzeichnet ist. I D . (2, 1595 f.) kennt Hard I ‘ Wald ’ (vgl. auch BENB 1, 2, 205 f. s. v. Hard) und Hard II ‘ Silberweide, S ALIX ALBA ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 410). Beide sind im Wdt. nicht belegt; am ehesten kann es sich generell um eine Stellenbezeichnung für eine Baumpflanzung handeln. Harrnisch (FaN) Harrnisch (FaN) ist zu schwdt. Harnisch m., mhd. harnasch, harnisch vom afrz. harnais ‘ Rüstung ’ (I D . 2, 1609 ff., bes. 1612) zu stellen; bei G RICHTING (1998) fehlt es. Das HL bezeichnet in FlN harnischpflichtige Güter. Die Panzer- oder Harnischsteuer, die auf Gütern haftete, ist die ‘ Verpflichtung eine Waffenrüstung zu unterhalten, bzw. ihre Ablösung durch Geld ’ (I D . 11, 1340). Für die Namengebung könnten auch die Geländeform sowie der FaN H ARNISCH zur Bestimmung des Grundbesitzers in Betracht kommen (BENB 1, 2, 208). Belegt sind an Harnischbiel (1670) ‘ der Hügel der Familie Harnisch ’ (Zeneggen), der Harrnischbiel ‘ der Hügel der Familie Harnisch ’ (Visperterminen), t Harnischfet ‘ die Grasbänder der Familie Harnisch ’ und t Harrnischheeji ‘ die Höhe der Familie Harnisch ’ (Visp). Der FaN Harnisch ist zwar heute in Brig-Glis belegt, fehlt aber historisch (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 781 kennt es primär als bernisch aus Wahlern (BE)). Hartmann (PN) Hartmann (PN) ist entweder ein PN oder ein FaN. AWWB (122) kennt den FaN Hartmann und leitet ihn vom PN Hartman (F ÖRSTEMANN 1, 609) ab. Belegt sind Hartmanschgassa ‘ die Gasse der Familie Hartmann ’ (FLNK, Ernen), Hartmans Bÿel ‘ der Hügel des Hartmann (PN oder FaN) ’ (1553 u. später, Visperterminen). Dort ist Hardana 447 448 <?page no="490"?> auch die lateinische Form retro Cristam Hartmans ‘ hinter dem Hügel des Hartmann ’ (1429, Visperterminen) belegt, der die gleiche Flur meint. Hase Hase m. ist zu schwdt. Has, Hase n wie nhd. ‘ Hase ’ und wdt. Hase, Hasä (Goms), Hasa (Mattertal), Haso (Rarner Schattenberge), Hasn (Lötschental), Hasu ‘ Hase ’ (I D . 2, 2664 ff.; G RICHTING 1998, 104) zu stellen. SDS (2, 13) zeigt vereinzelt Längen des Vokals im Bezirk Leuk und in den Vispertälern. Teilweise sind vom HL abgeleitete FaN Hass, Hasen, Hassen, Hasen, Haasen, Haas, Hazo, Haso, Hasso (NWWB 2, 109) gemeint, sie kommen meist im Genitiv vor, wobei in Komposita ein schwacher Genitiv nicht vom Tiernamen unterschieden werden kann. In FlN bezeichnet der Name Örtlichkeiten, wo sich Hasen aufhalten, oder wo Hasen Fallen gestellt wurden. In einigen Fällen ist nicht klar, ob es sich um Haselstauden handelt und nicht um Tiere. In den rund 30 Namenbelegen kommt das HL nie als Simplex oder als Grundwort vor. Vorangestellte Genitive sind Hasigo Haus ‘ das Haus der Leute des Hasen / der Familie Hasen ’ (1727, Brig), Hassens Egerda ‘ das Brachland der Familie Has ’ (1448, Zermatt). Das HL kommt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bodu, Egg(a), Fääsch, Gricht, Grüeba, Haalta, Hee (hooch, heej), Lee, Loch, Matta, Tal, Tola, Trong, Ture, Wald, Wang und Wanna. Komplexer sind der Hasuheejischleif ‘ der Schleif bei der Hasenhöhe ’ (Visp), t Hasusteiachra ‘ die Äcker im Gebiet Hasenstein (steiniges Gebiet mit Hasen? ) ’ (Hohtenn), der Hasusteischleif ‘ der Schleif hinunter zu den Hasusteiachra (Äcker beim Hasenstein) ’ (Hohtennn), der Hasutalschleif ‘ der Schleif beim Hasental (aber LT: Haslischleif, FLNK Haselschleif ‘ Schleif bei den Haselstauden ’ ) und im Undren Hasen Eggi ‘ im unteren Teil der Hasenecke ’ (1767? , Ried-Mörel). Hasel Hasel n. ist als Kollektiv zu schwdt. Hasle f. ‘ Haselnuss- Strauch ’ und wdt. Hasla, Haslä, Haslu f. ‘ Haselstaude ’ , ahd. hasal, hasel f., mhd. hasel, allgm. ‘ Haselnussstrauch ’ (I D . 2, 1675 ff.; G RICHTING 1998, 104) zu stellen. Botanisch lautet der Name C ORYLUS AVELLÁNA (dt. Haselstrauch) (L AUBER / W AGNER 5 2014, 210), dialektal wird sie aber Haselstüda ‘ Haselstaude ’ (Mund) genannt; in der Datenbank des VSNB erscheint deswegen dieser Name. Die Verwendung des Neutrums für Kollektiva ist auch bei anderen Pflanzennamen gegeben (z. B. ts Ta ‘ die Tannen ’ ). Hasel ist in rund 120 Namen belegt. Das Simplex Hasel, auch Hasil, Hasol oder Hasul, im / l/ -Vokalisierungsgebiet (unteres Goms) Hasu (nicht zu verwechseln mit Hase ‘ Hase ’ ) ist rund zwanzig Mal belegt. Haslä n. (Kippel) nur ein Mal, der Plural t Haslä (Gampel) ist auch nur ein Mal belegt. Zwei Belege Asle (beide 1320, Termen, Zwischbergen) sind vermutlich ohne anlautendes / h/ geschrieben worden. Belege mit attributivem Adjektiv sind selten: ts Hohasol ‘ das hohe Gebiet, wo es Haselstauden hat ’ (Eggerberg), im Letzen Hasol ‘ im nordseitig gelegenen Gebiet, wo es Haselstauden hat ’ (1681 u. später, Bürchen; 1800, Unterbäch), ts Ober Hasil (Hohtenn), ts Ober Hasol (Embd; 1744, Gampel) und ts Unner Hasil (Hohtenn). Wohl eine Ortsangabe enthält Undrem Hasel ‘ unter dem Gebiet, wo es Haselstauden hat ’ (1741, Blitzingen). Das HL ist häufig belegt als Bestimmungswort zu den folgenden Grundwörtern: Acher, Ägerta, Balma, Bodu, Bord, Egg(a), Fad, Flüö, Fura, Gassa, Grabu, Haalta, Lee, Löuwina, Matta, Pletscha, Rand, Ripp, Schleif, Stadel, Stüde, Stutz, Tschugge, Twära, Wald, Wasser, Wäg und Weid. Fast immer handelt es sich um eine Flur in der Nähe eines Gebietes mit Haselstauden; in wenigen Einzelfällen könnte auch das HL H ASE gemeint sein. Komplexere Konstruktionen sind selten, so am Undren Hasol Ackren ‘ am unteren Acker beim Hasel / am Acker beim unteren Hasel ’ (1655, Bürchen) und Klaarahaselbodo ‘ der Boden mit Haselstauden der Klara ’ (Glis), wobei unklar ist, welche Klara gemeint ist. Ein Diminutiv Haselti ‘ das kleine Gebiet mit Haselstauden ’ ist in Termen und 1756 in Betten belegt. Hasli, auf den ersten Blick ein Diminutiv, sind Flurnamen, die mit der ahd. Endung / - AHI / gebildet wurden, und sie bezeichnen einen Ort, in dem Haselstauden in grosser Menge vorkommen (I D . 2, 1675 ff.). Das Simplex ist fünf Mal belegt, allein drei Namen in Fieschertal, die übrigen in Bellwald und Ernen - regional also sehr eingeschränkt auf das untere Goms. In Betten ist auch Haslifure ‘ die Furchen beim Hasli ’ belegt. Hingegen sind ts Haslisch Egga (Randa) und ts Haslisch Grabu (Saas- Balen) Namen eines Besitzers Hasli im Genitiv (entweder Hasler oder Imhasly, vgl. unten). Kollektive Bedeutung gilt weiter für Haslere (Eggerberg) mit dem Suffix / - ERE / , das auf das lat. Kollektivsuffix / - ÂRIA / zurückgeht (S ONDEREGGER 1958, 471 f.). In einigen Fällen kann nicht unterschieden werden, ob dem Namen ein Appellativ oder ein abgeleiteter FaN, wie Hasler (AWWB 122) oder Imhasly, zu Grunde liegt (cf. HL H ASLER (F A N)). Nur einmal belegt ist die kollektive Ableitung t Hasela ‘ das Gebiet, wo es viele Haselstauden hat ’ (Mühlebach). In Hasleri ‘ die Wasserleitung vom / zum Hasel ’ liegt eine Ableitung auf / - ERI / für Wasserleitungen vor, die in 449 450 Hasel <?page no="491"?> Embd, Ried-Brig, Termen und Zeneggen nur historisch belegt sind. Hasler (FaN) Hasler (FaN) ist zum FaN Hasler (AWWB 122) oder Imhasly (AWWB 129) zu stellen. Belegt sind an der Haslerleisi ‘ an der Wagenleise der Familie Hasler ’ (Agarn) und t Haslärweidu ‘ die Weiden der Familie Hasler ’ (Gampel). Unsicherer sind t Haslerachra ‘ die Äcker bei den Haselstauden / der Familie Hasler / Imhasly ’ (Blatten, laut Gwp. Hasler), Haslerrippe ‘ die Hasler Felsrippe am Aletschhorn, wohl FaN ’ (LT u. FLNK, Fieschertal), der Haslerwald ‘ der Wald der Familie Imhasly ’ (Fieschertal, laut Gwp. Imhasly), Haslerweidä ‘ die Weiden der Familie Hasler / Imhasly ’ (FLNK, Blatten). Es ist unklar, ob in den Flurnamen mit dem Bestimmungswort Hasler der FaN oder ein Herkunftsname ‘ bei den Haselstauden ’ vorliegt. Soweit Angaben der Gwpp. vorliegen, scheint eher der FaN gemeint zu sein. Hauffen Hauffen ist nur belegt in Múrmannigo Haúffen ‘ der Haufen (Heu, Korn? ) der Familie Murmann ’ (1652, Brig). Das hier hochdeutsch geschriebene HL gehört zu schwdt. H ū fe n m., ahd. h ū fo, mhd. h ū fo allgm. wie nhd. ‘ Haufen, grosser, unregelmässig aufgeschichteter Haufe Heu oder Grummet ’ (I D . 2, 1043 ff.; S ONDEREGGER 1958, 255); G RICHTING (1998, 111 s. v. Hüüffe mit Varianten) gibt als Beispiel di Chooruhüüfna ‘ die Kornhaufen ’ . Als FlN ist das HL sonst nicht belegt. Hausmann (FaN) Hausmann (FaN) ist wohl ein FaN. Er kommt vor in beÿ Haussmanns Hau ᵕ s (1674, Oberems), in Haussmansmatten (1678, Agarn) und jn Hausmanssmatten (1703, Leuk). Der FaN ist überliefert in der Datei zu Personennamen des FGA Brig. Im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 792) ist er jedoch für das Wallis nicht belegt. Hauts Hauts ist nur 1688 in Staldenried belegt als in syluula uocata in der Haúts. Die lateinische Form syluula ‘ kleiner Wald ’ legt ein HL zum Typ How ‘ Hau ’ , wohl Howata ‘ der Holzschlag ’ nahe. Allerdings ist das Genus Feminin mit der Endung [-ts] nicht erklärt. Zu Holz kann der Flurname nicht gestellt werden, da Staldenried keine / l/ - Vokalisierung kennt. Insgesamt bleibt der Beleg deswegen unklar. Hee (hooch, heej) Hee (hooch, heej) Adj. ‘ hoch ’ ist zu schwdt. h ō ch, ahd. h ō h, mhd. h ō ch, h ō ‘ hoch, gross, stark ’ , räumlich ‘ in vertikaler Erstreckung ’ und wdt. hoo ‘ hoch ’ , aber auch heegscht, heescht (Goms) ‘ höchst ’ (I D . 2, 972 ff.; G RICHTING 1998, 104 u. 108) zu stellen. Das HL tritt in Kurzform ohne und mit (später entrundetem) Umlaut he(e), ho(o) auf, das auslautende / ch/ erscheint auch als / j/ oder / h/ , seltener ist auch eine kontrahierte Form hon- < *hohenalpe belegt. Zur Komplexität der Formen vgl. Karte SDS (2, 91 (hoch)); sie zeigt, dass der grösste Teil des Oberwallis eine Form h ē y (SDS) aufweist. Brig, Gamsen, Simplon und Visp haben hooch, der westliche Bezirk Leuk hooh und an mehreren Orten sind beide Formen möglich. Daraus folgt auch die Komplexität der belegten Formen. Das HL kommt in über 800 Namen vor. Davon sind der grössere Teil Namen, die das HL als Adjektiv enthalten, wobei zu unterscheiden ist zwischen einem attributiven Adjektiv wie in ze Heeje Flienu ‘ bei den hohen Flühen ’ (Bitsch; Felsen mit einer Wallfahrtskapelle) und Komposita mit dem Adjektiv als Bestimmungswort vom Typ ts Hogufer ‘ das hohe Gebiet mit Steinen ’ (Grengiols). Attributive Adjektive sind ts He Chriz ‘ das hohe Kreuz ’ (Leuk), dr He (e)Raift ‘ der hohe Ranft ’ (Wiler), der Hee Biel ‘ der hohe Hügel ’ (Raron), t Hee Brigga ‘ die hohe Brücke ’ (Simplon und weitere), t Hee Flue ‘ die hohe Fluh ’ (Blatten) und viele weitere. Auch historische Belege gehören hieher: an den Höchen Biell ‘ an den hohen Hügel ’ (1619 u. später, Ulrichen), der „ hohen Fuhr “ entlang ‘ der hohen Furche entlang ’ (1653 u. später, Ulrichen), vff die Ho ᵉ chi Schl ů cht ‘ auf die hohe Geländeeinbuchtung ’ (1653 u. später, Ulrichen) und andere mehr, die häufig eine gerundete, ans Hochdeutsche angelehnte Form des Adjektivs aufweisen. Einige Belege enthalten eine Form vom Typ heej: Heji Bärg ‘ der hohe Berg ’ (FLNK, Oberwald), Heju Birche ‘ die hohen Birken ’ (FLNK, Eggerberg), Heji Zwächte ‘ die hohe Wächte (Schneeverwehung, Schneegrat) ’ (FLNK, LT Reckingen) und andere, wozu auch historische Belege wie beÿ dem Heÿen Haús ‘ beim hohen Haus ’ (1842, Fiesch) gehören. Der Typ hoo ist belegt in dr Ho Chaschler ‘ der hohe Kastler (unklar, ob von castellarius oder Stellenbezeichnung auf / - ER / ) ’ (Bürchen), die Hoche Aspen ‘ die hohe Espe ’ (1669, Leuk), Ho Edle ‘ die hohe Erle ’ (Grächen) und andere. Historische Belege sind hier häufiger: bey der Hochen Birchen ‘ bei der hohen Birke ’ (1666, Lalden), im Hochen Boden ‘ im hohen Boden ’ (1701, Termen), beÿ dem Hochen Scheirlin ‘ bei der hohen kleinen Scheuer ’ (1724 u. später, Naters), an der Hoyun Haltun ‘ an der hohen Halde ’ (1449, Zermat) und andere. Einmal wird ein Superlativ verwendet: die Höchste Wandflue ‘ die höchste Fluh, die wie eine Wand aussieht ’ (1658, Baltschieder). Zahlreicher sind die Komposita mit dem HL als Bestimmungswort, meist Ho oder Hoo, seltener He. Die Hasler (FaN) 451 452 <?page no="492"?> häufigsten Typen sind t Hofluä (Wiler), t Hoflüe (Hohtenn), t Hoflüo (Saas-Balen), alle ‘ die hohe Flüe ’ , rund 55 mal belegt, darunter auch komplexe Formen wie Hoflüerüüs ‘ die Wasserleitung, die bei der hohen Fluh vorbeiführt ’ (FLNK, Niedergesteln), dazu kommen Formen von Hoegga und Honegga ‘ die hohe Ecke ’ und Hobiel ‘ der hohe Hügel ’ . Häufig belegt, auch in komplexen Formen, ist ts Hote ‘ die hohe Tenne ’ (Bratsch), auch als Hote ‘ Hohtenn ’ (Dorfname Hohtenn) in rund 30 Fällen. Ähnlich ts Hosand ‘ das hohe Sandgebiet ’ (Niedergesteln) mit 28 auch komplexeren Belegen. t Holowina ‘ das hohe Rutschgebiet ’ (Glis) ist in dieser und anderen Formen etwa 25 mal vertreten. Auffällig ist der Typ ts Holiecht ‘ das hohe Licht ’ (Simplon), der meist eine hochgelegene Ebene mit guter Aussicht meint; er ist etwas über 20 Mal vertreten. I D . (3, 1053 f.) kennt als Bedeutung 3) ‘ Bergkamm ’ und Z INSLI (1975, 53 f.) beschreibt dessen Verbreitung. Eine ganze Reihe von Grundwörtern sind weiter vertreten, wobei ts Holäärch ‘ der hohe Lärchenwald ’ (Eisten und neun weitere) auffällt, während sonst Baumnamen mit attributivem Adjektiv erscheinen. Komplexere Fälle sind meist zu einem dieser Komposita gebildet: Hotschugguwäg ‘ der Weg vom / zum Hotschuggu (hoher Fels) ’ (FLNK, Randa), Howaldtschuggu ‘ der Fels beim hohen Wald ’ (FLNK, Saas-Grund), der Howanggletscher ‘ der Hohwanggletscher (nach den Howäng unterhalb des Gletschers) ’ (Zermatt) und viele andere mehr. Nominal erscheint das Adjektivabstraktum schwdt. Höchi f., im Wallis H ē ji, H ē chi f., Pl. Hööchene, bzw. H ē jine, mhd. hoehe ‘ Höhe, An-, Berghöhe, Berggipfel ’ und wdt. Heeji, Heehi, Heechi ‘ Höhe, Anhöhe ’ , im Lötschental mit auslautendem / n/ (I D . 2, 979; G RICHTING 1998, 104). Das Simplex erscheint als aúff der Heche ‘ auf der Höhe ’ (1744, Geschinen; 1725, Turtmann), Hechen (1305, Gampel, 1495 uffen der Ho ᵉ gy; 1670 die Heÿ), vff der Ho ᵉ chin (1576, Gluringen; 1593 vff der Höchÿ, 1602 uf der Hechÿ) und weitere historische Belege, t Heehi ‘ die Höhe ’ (Leuk, Varen), üf der Heeji ‘ auf der Höhe ’ (Oberwald und weitere), t Heeji (Oberwald und weitere), under der Heejin ‘ unter der Höhe ’ (Blatten), uf der Heejin ‘ auf der Höhe ’ (FLNK, Blatten), aúff der Höche ‘ auf der Höhe ’ (1824 u. später, Bellwald; 1696, Oberems), vff der Höchgÿ ‘ auf der Höhe ’ (1675, Bitsch), an der Höchgÿ ‘ an der Höhe ’ (1618, Mörel; 1634 an der Höche), die Höchi ‘ die Höhe ’ (1700, Eggerberg; Ernen und Binn mit weiteren Formen) und aúff der Höhe ‘ auf der Höhe ’ (1775, Bratsch). Der Plural des Simplex ist sehr selten: t Heejene ‘ die Höhen ’ (St. Niklaus), t Heejini ‘ die Höhen ’ (Bratsch), zu Heejinu ‘ bei den Höhen ’ (Randa). Mit attributiven Adjektiven erscheint das Adjektivabstraktum als di Gälu Heeji ‘ die gelbe Höhe ’ (Glis), unnder de Chaaltu Heejinu ‘ unter den kalten Anhöhen ’ (Naters), Mitlisten Hochÿ ‘ die mittlere Höhe ’ (1754, Obergesteln), t Ober Heeji ‘ die obere Höhe ’ (Ausserbinn und drei historische Belege), t (e)Rot Heeji ‘ die rote Höhe ’ (Birgisch), t Schwarz Heeji ‘ die schwarze Höhe ’ (Mund, Visperterminen), t Unner Heeji ‘ die untere Höhe ’ (Ausserbinn), aúff der Vndren Hechÿ ‘ auf der unteren Höhe ’ (1743, Selkingen), uf der Untere Heeji ‘ auf der unteren Höhe ’ (Niederwald), aúf der Forderen Höchi ‘ auf der vorderen Höhe ’ (1793, Münster). Vorangestellte Genitive sind selten: ts Geisfads Heeji ‘ die Höhe beim Felsband für die Ziegen ’ (Saas-Almagell, mit komplexem Genitiv), der Geengionen Hechin ‘ die Höhe der Geengionen (unklar) ’ (1547, Mund), ts Illasch Heeji ‘ die Höhe, wo die Schafe zur Weide zugelassen wurden ’ (Saas-Fee), Kumberro Hoy`e ‘ die Höhe der Leute von der Chumma (Mulde) ’ (1300 Raron), t Ludwigsheeji ‘ die Ludwigshöhe (Grenzgipfel des Monte Rosa, benannt von Ludwig von Welden nach sich selbst als Erstbesteiger) ’ (Zermatt) und ts Läntsch Heeji ‘ die Höhe des Lenz (laut Gwp. PN Lorenz) ’ (Randa). Als Grundwort ist das Adjektivabstraktum des HL häufig in zweigliedrigen Komposita als Grundwort vertreten. Die meisten Bestimmungswörter beziehen sich auf eine nahegelegene Flur, so etwa die Gettelheeji (Glis), die bei der Gettja oder Geiggja liegt, di Gästiluheehi ‘ die Höhe bei der Gästilju ’ (Leuk), t Hanigheeji ‘ die Anhöhe beim Hannig (Alpe) ’ (Saas-Fee), t Mascheriheechi ‘ die Höhe beim Mascheri / Macherel (FaN) ’ (Leukerbad), Mateeji ‘ die Höhe bei der Mähwiese ’ (Eggerberg) und weitere. Nicht immer ist aber eine solche Flur erkennbar; etwa in Meerheeji ‘ die grosse Höhe / die Höhe mit viel Wasser ’ (Eggerberg) ist unklar, ob mit Meer ‘ viel Wasser ’ oder einfach ‘ mehr ’ gemeint ist, im Umfeld von t Nässelheeji ‘ die Anhöhe mit Nesseln ’ (St. Niklaus) ist kein Flurname zu Nessel zu finden, und t Jegerheeji ‘ die Anhöhe für Jäger ’ (Eisten) meint einen Ort, an dem die Jäger auf das Wild warten, ähnlich wie t Hasuheeji ‘ die Hasen- Höhe ’ (Visperterminen) als Standort für Jäger beschrieben wird. Hingegen ist di Gärschteruheeji ‘ die Höhe oberhalb der Gärschtera (Ort, wo Gerste angepflanzt wurde) ’ (Visperterminen) als Gebiet Gärstere (Visperterminen) belegt, während t Harrnischheeji ‘ die Höhe der Familie Harnisch ’ (Glis) meint und ts Häggsuheejili ‘ die kleine Höhe, wo es Hexen hat ’ (Eisten) den Ort mit Hexen. Neben den zweigliedrigen Komposita gibt es komplexere Konstruktionen wie di Grimselpassheeji ‘ die Höhe des Grimselpasses ’ (Oberwald), der Hasuheejischleif ‘ der Schleif bei der Hasenhöhe ’ (Visp), t Ober Wässerheeji ‘ der obere Teil der bewässerten Höhe ’ (Randa), die Blindthall Höhi ‘ die Höhe im Blindtal ’ (1550, Naters), di Brunn- 453 454 Hee (hooch, heej) <?page no="493"?> tschugguheeji ‘ die Höhe bei den Brunntschugge (Felsen mit Quelle / Brunnen) (Randa) und andere. Einen Genitiv findet man nur in ts Heejischgalln ‘ der Galen (begraster Bergrücken) bei der Heeju Fliä ’ (Blatten) belegt. Ein Personenname liegt entgegen der Form nicht vor, sondern eine Angabe der Lage des Galen bei der Heeju Fluä ‘ hohe Fluh ’ (Blatten). Das Adjektivabstraktum des HL tritt nur selten als Bestimmungswort auf und zwar zu folgenden Grundwörtern: Braache, Chnubel, Egg(a), Grabu, Wäg, Wald und Weid. Einen Sonderfall bildet das mehrfach belegte Äbehee (FLNK, Ernen), ts Äbehee (Fieschertal), ts Äbehe (Steinhaus) - es handelt sich um eine hochgelegene Ebene, wobei Äbe ‘ die ebene Fläche ’ und Hee ‘ hoch ’ wohl ein Koordinationskompositum bilden: etwas, was zugleich eben und hochgelegen ist. Bei der Lemmatisierung sind gelegentlich Falschzuschreibungen vorgekommen, insbesondere beim Typ Hostett ‘ Hofstatt ’ , der zum HL H OF gehört, und nicht zum HL H EE ( HOOCH , HEEJ ). Sie wurden, soweit erkennbar, korrigiert. Heejisch Heejisch ist nur in ts Heejischgalln (Blatten) belegt. Die Bearbeiterin nimmt einen PN an, doch scheint es sich von der Höhe (2426 m) und der Nachbarschaft her eher um einen Genitiv zu einem Gebirgsnamen Heji Flüe (so LT) zu handeln, also einen Genitiv zu einem Nomen Heeji ‘ die Höhe ’ . Das HL ist zu schwdt. Höchi f. ‘ An-, Berghöhe ’ und wdt. Heeji, Heehi, Heechin oder Heejin (Lötschtal), Heechi ‘ Höhe, Anhöhe ’ (I D . 2, 979; G RICHTING 1998, 104) zu stellen. Galln gehört zum HL G ALE . Heer Heer, auch Herr ist zu schwdt. Hêr m., Dim. Herri, H ē reli, Herrli, ahd. h ē rro, h ē r ō ro, mhd, herre, h ē rre ‘ Herr ’ , wie nhd. ‘ Herr ’ , wdt. Heer ‘ Herr, Pfarrer, Geistlicher, Gast ’ (I D . 2, 1527; G RICHTING 1998, 105) zu stellen. In den meisten Fällen kommt das HL nur als Genitiv (Singular oder Plural) oder als Bestimmungswort in Komposita vor. Ausnahme ist im Halbheer ‘ im Halbherrn ’ (Bitsch), wo Heer als Grundwort belegt ist. Obwohl I D . (2, 1531) das Wort für jemand kennt, der ‘ sich das Ansehen eines Herrn gibt ’ , ist diese Deutung kaum zutreffend. Auf der Karte 1: 10000 steht Halbheera, FLNK hat Halbheeru, beides wohl Plurale. Insgesamt bleibt unklar, was genau gemeint ist. In den meisten Fällen ist mit dem Bestimmungswort Heer entweder ein geistlicher Herr (resp. das zugehörige Amt), meist der Pfarrer, eine vornehme Familie, ein Unternehmer oder das, was heute Gast, früher Tourist oder Fremder genannt wurde, gemeint. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg sind solche Gäste oder Touristen im Allgemeinen wohlhabende Personen. In einigen Fällen lässt sich nicht entscheiden, welcher Typ genau gemeint ist. In einigen wenigen Fällen wird deutlich gemacht, um wen es sich handelt: Domherruhof ‘ der Hof der Domherren ’ (Naters) bezieht sich auf die Domherren des Bistums, Bärgheerehüs ‘ das Haus der Bergherren ’ (Binn, Grengiols) auf die Besitzer eines Bergwerks, ts Pfarheersch Alpa ‘ die Alpe des Pfarrherrn ’ (Naters, FLNK Pfarherrualpa) auf den Pfarrer, der Raatsheerustutz (Leukerbad) auf einen steilen Anstieg, den die Ratsherren (heute wohl Gemeinderäte) haben bauen lassen. Eine seltene Ausnahme ist dess Herr Guntren Creutz ‘ das Kreuz des Herrn Guntern ’ (1745, Münster), wo ein Mitglied der Familie Guntern (AWWB 120 f.) als Herr bezeichnet wird. In allen andern Fällen sind Heer oder eine Variante davon Bestimmungswort eines zweigliedrigen Kompositums. Die Grundwörter sind Acher, Balma, Biel, Chumma, Eie, Viertel, Gartu, Gassa, Güed, Hüs, Matta, Müra, Räb-, Sand, Sita, Stadel, Stafel, Stall, Straas, Stuck, Wäg und Wald. Wichtig ist hier Heerewäg (FLNK, Fieschertal) und Herrewäg (FLNK, Fiesch), wo ein Weg der Gäste oder Touristen gemeint ist (die beiden Namen beziehen sich auf den gleichen Weg). Komplexere Formen sind etwa der Herchummegraad ‘ der Grat oberhalb der Chumme (Mulde) des (Pfarr-)Herrn ’ (Reckingen), t Herimattuwageleisu ‘ die Wagenspur bei der Herrenwiese ’ (Turtmann) und ts Heersch Holzmeis ‘ der Holzhau des (Pfarr-)Herrn ’ (Mund). Unklar sind alle Belege zum zweimal vorkommenden Alpnamen Hermettje, der in Visperterminen und Zermatt belegt ist. Es scheint sich um einen Plural zu handeln, der sich in die Bestandteile Herr und Mettja (cf. HL M ETTLA / M ETTJA ) zerlegen lässt, ohne dass damit klar wäre, worum es geht. In Visperterminen begegnet weiter der Hermetschuggen (1653); das Grundwort ist sicher Tschuggen (Fels), aber das Bestimmungswort ist unklar und kann sich sowohl auf Hermettje, wie auf Herme (zum PN Hermann) beziehen. Wie immer man sich entscheidet, eine klare Deutung ist nicht gegeben. Der Eintrag zu Hermettju in J ULEN ET AL . (1995, 226) „ Kleine Alpwiesen oder fette Alpwiesen um die Ställe herum “ führt nicht weiter. Heescha Heescha f. ist nur in Embd als t Heescha belegt. Die historischen Beleg haben 1539 an der Hewsch ŭ n, 1540 an der Heuschenn, 1544 an der Howschun, 1783 an der Hersche (Hevsche)). Die Belege aus dem 16. Jahrhundert machen deutlich, dass es sich um eine / - SCHA / - SCHU / - Ableitung zum HL H EWW ‘ Heu ’ handelt und nicht um Heejisch 455 456 <?page no="494"?> eine Ableitung zum HL H EE ( HOCH , HEEJ ) ‘ hoch ’ . Gemeint ist also ein Gut mit Heu. Heffti Heffti ist zweimal belegt: t Huntshefti (Eisten) und dÿ Hundheffti (1498, Grächen). Es dürfte sich um die gleiche Flur handeln, da Eisten und Grächen direkt aneinander grenzen. Laut dem lebenden Beleg geht es um einen ‘ Schaftreio ’ , wo die Jäger die Hunde an die Leine anbanden. Es handelt sich um ein Abstraktum auf / - I / (S ONDEREGGER 1958, 497 ff.) zum Verb hefte n ‘ etwas befestigen, festmachen, ver-, an-binden ’ (I D . 2, 1060 f.), resp. Heft, Hefti (I D . 2, 1064 f., aber mit anderer Bedeutung) zu stellen. G RICHTING (1998, 105) hat als Verb hefte, heftä (Goms), heftu ‘ anbinden, zusammenbinden ’ und als Nomen Hefti f. (Schattenberge, Leuker Berge) ‘ Messerschaft ’ , das hier kaum einschlägig ist. Das HL kommt nur als Grundwort mit dem Bestimmungswort Hunts (Genitiv) und Hund (Akkusativ) vor: ‘ der Ort, wo die (Jagd-)Hunde angebunden wurden ’ . Hegge Hegge kommt in dieser Form nicht vor; es ist als Bestimmungswort Hag oder Heg zum Grundwort Doore ‘ Dorn ’ belegt und bezieht sich auf schwdt. Hegge n ‘ die Frucht des Hagedorns oder Weissdorns ’ , Pl. Heggeni (I D . 2, 1098) und auf Hage n dorn ‘ Name verschiedener Dornsträucher ’ mhd. hagendorn. Hegge n dorn, Heggidorn ‘ sowohl Weisswie Schwarzdorn ’ (I D . 13, 1634 f.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 , 2014, 286 ff.) kennen sowohl Weissdorn (mehrere Formen von C RATAEGUS ) wie Schwarzdorn (P RUNUS SPINOSA ). Belegt ist das Bestimmungswort in am Haadorn (1745, Niedergesteln), im Hadooru ‘ im Hagdorn ’ (Eischoll), undern Haggdoorni ‘ im unteren kleinen Hagedorn ’ (Wiler), Hegdore (FLNK, Bellwald), Hegdorn (1844, Fieschertal), im Heggdooru ‘ im Hegdorn ’ (Weiler bei Naters). Komplexer sind dr Haggdoorichrumm ‘ die eingezäunte Wiese beim kleinen Gebiet Hagedorn ’ (Wiler), dr Haggodristäg ‘ der Steg (über den Chummerbach) im Gebiet des kleinen Hagedorn ’ , sowie Hegdoruhalta ‘ die Halde beim Weiler Hegdoru (Schwarz- oder Weissdorn) ’ (Naters). Mit dem ursprünglichen Genitiv Plural, der als Adjektiv reanalysiert wurde, sind belegt: die Hegdorner Gassen (1774, Naters; 1851 die Hegdorn Gasse), t Hegdorner Biela ‘ der Hügel beim Weiler Hegdorn ’ (Naters), ts Hegdorner Schrattji ‘ die kleine Felskluft beim Weiler Hegdorn (Naters). Dreimal belegt ist der Hegdorner Wald ‘ der Wald beim Hegdorn ’ (Bitsch, Naters, Ried-Mörel), wobei unklar ist, ob es sich um den gleichen Wald oder von einander verschiedene handelt. Eine Ableitung für Wasserleitungen auf / - ERI / zeigt Hegdorneri ‘ die Wasserleitung von / nach Hegdorn ’ (FLNK, Naters). Zu mehr Informationen cf. HL D OORE . Hegi Hegi ist zu schwdt. Hegi, Hägi f. ‘ Gehege, Einzäunung, umzäunter Ort ’ , mhd. hege, ahd. hegi f. ‘ Einhegung ’ (I D . 2, 1084) zu stellen. Das Verhältnis zu Hag ‘ Zaun ’ (cf. HL H AG ) und dessen Plural Heg ist problematisch. I D . trennt die beiden Lemmata; K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 402 s. v. hegen) sehen das Verb hegen als Faktitivum zu Hag mit der Bedeutung ‘ pflegen, bewahren ’ und Hege als Verbalabstraktum. Wir trennen hier HL H EGI vom HL H AG , wo aber auch die Belege mit Heg besprochen sind. Im Einzelfall ist die Zuordnung aber unsicher. Das Simplex Hegi ist an vier Orten belegt (Betten, Gluringen, Reckingen und Naters); einmal historisch unsicher als Fegin oder Hegin (1641, Bitsch); ein gleichlautender Beleg (1641, Naters) aus einem andern Archiv hat nur Hegin. Der Heggwald (Betten) ist auf der Karte 1: 10000 als Hegiwald (liegt bei der Hegi) verzeichnet; der Name wird jedoch unter HL H AG aufgeführt. zu ᵕ r Hegiballmen ‘ beim überhängenden Fels im Gebiet Hegi ’ (1817, Eisten) ist der sicherste Beleg für ein Bestimmungswort Hegi. Unsicher sind: die Hegesplatten (1543, Stalden), wo Heges ein Genitiv zu sein scheint, der zu einem PN gebildet wurde; allerdings ist der PN sonst nicht bekannt. Und Heger (Eggerberg) scheint eine Art Pferch oder ummauertes Gebiet zu sein, mit der Bedeutung ‘ das eingezäunte Gebiet ’ . Die / - ER / -Stellenbezeichnung (S ON- DEREGGER 1958, 541) ist sonst in diesem Kontext nicht belegt. Heguissem Heguissem ist nur 1300 in Raron als Heguissem Bodemen belegt. Das Dokument besagt, dass Peter Bungdere de Heguissem Bodeme der Hema, welche das Dokument ausstellen liess, etwas schuldet. Kurz darauf wird in einem Dokument von 1305 der gleiche Petrus genannt, der ein Besitztum am Enguelser Bodme besitzt, 1306 wird a Petro Bu ỳ ndere super Hengelserbodeme erwähnt. 1401 schliesslich erscheint in einem Dokument iuxta pratum … vocatum Engilsboden. Die drei letzten Dokumente sind unter dem Eintrag Enguelser Bodme aufgeführt. Es ist zu vermuten, dass auch Heguissem zu dieser Reihe gehört und als ‘ der Boden des Engels / der Leute des Engel (? ) ’ zu deuten ist. Allerdings ist unter HL Ä NGEL ausgeführt, dass der FaN Engel im Oberwallis nicht belegt ist und vermutlich zu einem FaN Engillier oder einem PN Engilla zu stellen ist. Die Ableitung ist aber sehr unsicher. 457 458 Heguissem <?page no="495"?> Heich Heich, auch Heicher ist inhaltlich nicht ganz einfach zu deuten. Grundlage ist das schwdt. Verb hënke n , heiche n ‘ hängen, hangen lassen ’ , ahd. und mhd. henken ‘ hängen ’ und ‘ kreuzigen ’ und wdt. heiche, heichä (Goms, heichn (Lötschtal), heichu ‘ hängen ’ und das dazu gehörende Heichi ‘ Hängeeinrichtung (Wäsche) ’ (I D . 2, 1455 ff.; K LU- GE / S EEBOLD 25 2011, 393 und 410; G RICHTING 1998, 105). Belegt sind t Heich (Blatten, 2 mal), wobei unklar ist, ob es sich um Singular oder Plural handelt; vermutlich ist ein Plural zu Hang ‘ Abhang ’ (I D . 2, 1439, ohne Heich- Belege) gemeint. Weiter t Heichi ‘ der Abhang ’ (Naters) zu Henki, Heichi (I D . 2, 1465), obwohl diese Deutung dort nicht zu finden ist. ts Pheich (Stalden) und di Pheichi (Randa) sind zu B e -Hënk (I D . 2, 1454), resp. Be-Hënki (I D . 2, 1466) zu stellen, wohl in beiden Fällen auch als ‘ Abhang ’ . Unklarer ist Heicher ‘ Henker ’ (I D . 2, 1463) in t Heicherschliecht ‘ die Geländeeinbuchtungen des Henkers ’ (Gluringen) und t Heichertola ‘ die Mulde des Henkers ’ (Täsch). Hier kann die Amtsbezeichnung des Henkers als Nutzers oder Besitzers des betreffenden Gebietes gemeint sein. BENB (1, 2, 238) listet das Lemma unter Henkauf, bleibt aber bei den Deutungsvorgaben des I D ., obwohl sie in den Fällen d Geeshäichi ‘ die Geisshenke ’ und d Rosshänkchi ‘ die Pferdehenke ’ kaum zutreffen; auch hier, wie in Hänkchi überhaupt, liegt wohl die Bedeutung ‘ Abhang ’ vor. Heid 1 Heid 1 m. ‘ Heide, Ungläubiger ’ ist zu schwdt. Heid m. im Allgemeinen wie nhd. ‘ Heide ’ , doch mehr eingeschränkt auf ‘ die als wild gedachte Bevölkerung der vorhistorischen bzw. vorchristlichen Zeit ’ , Dim. Heiti und wdt. Heid ‘ Heide, Ungläubiger ’ (I D . 2, 985 f.; G RICHTING 1998, 105) zu stellen. Das Wort in den Flurnamen bezeichnet meist Örtlichkeiten, an die sich Sagen von einer untergegangenen Bevölkerung knüpfen. Bekannt, wenn auch nicht in Flurnamen, sind Heiduhüss, Heidustadol, Heidustuba, von V. S CHMID (2003, 233) jeweils als ‘ altes Haus ’ , ‘ alter Stadel ’ , ‘ alte Stube ’ gedeutet. In einigen Fällen ist der Einfluss von Heid 2 f. ‘ die Heide ’ nicht auszuschliessen. Zentral für das Simplex ist die Form der Heido (Visperterminen) für eine Wasserleitung aus dem Nanztal nach Visperterminen und seinen Voralpen. Das Simplex ist zweimal belegt, dazu kommen der Unner Heido und - nur historisch - der Ober Heido (1715). Weitere historische Belege sind die Heiden Wasserleitton (1519; schon 1305 als dv ᵢ Heydenschv ᵢ Wasserleyta) und jm Heÿden Wasser (1611). Der Beleg von 1305 zeigt, dass der Ausgangspunkt das Adjektiv heidnisch war; es meint eine vorgeschichtliche Bevölkerung, die diese Wasserleitung gebaut hat. Erst später dürfte die Wasserleitung mit dem Wein ‘ Heida ’ in Verbindung gebracht worden sein. Sonst tritt Heid als Bestimmungswort auf. Die Grundwörter sind: Biel, Egg(a), Grab, Hitta, Hubel, Müra, Stadel und Wang. Komplexer sind der Heidufriithof ‘ der Friedhof der Heiden ’ (Saas-Almagell) und das unklare zere Heidunsunflüe (1305, Raron), das laut späterem Heydonschonflu ᵉ (1401) einfach das Adjektiv Heidnisch enthält und nicht, wie zunächst angenommen, eine Suon bezeichnet. Die Adjektivbildung Heidnisch kommt attributiv vor in der Heidnischbiel ‘ der heidnische Hügel (wo die vorgeschichtliche Bevölkerung wohnte) ’ (Ergisch, Grengiols, Raron), Heidnisch Chilcha ‘ Gebiet, das wie eine Kirche der Heiden aussieht ’ (St. Niklaus), der Heidnisch Hubil ‘ der heidnische Hügel (wo die vorgeschichtliche Bevölkerung wohnte) ’ (Turtmann) und der Heidnisch Tossu ‘ der heidnische Felsblock (wo die vorgeschichtliche Bevölkerung wohnte) ’ (Grächen). Heid 2 Heid 2 f. ‘ die Heide ’ ist zu schwdt. Heid f. ‘ das weite, offene Feld, im Gegensatz zur geschlossenen, engern Gemarkung des Dorfes ’ , mhd. heide ‘ unbebautes Land ’ , auch ‘ Name verschiedener, auf Heiden wachsender Pflanzen bzw. deren Frucht ’ . Schwdt. Heidli, Heiti, Hiti n., Pl. Heiti, Heitini, Heite, im Wallis teilweise f., ‘ Heidelbeere ’ (I D . 2, 988f) sind Kurzformen, die von Heid-ber ‘ gem. Heidelbeere ’ ausgehen, gespr. Heit-ber auch Heidber(i), Heipp ē r, Heib ē r, Heupp ē r u. ä., ahd. heid-beri, mhd. heit-ber, wdt. Heitta, Heipper (Vispertäler), Heitberr (Lötschental), Heippär (I D . 4, 1465 f.; G RICHTING 1998, 105). Das Simplex des HL im Singular oder Plural ist nicht belegt; es fehlt auch bei G RICHTING (1998, 105). Als Grundwort erscheint das HL vor allem im Typ Göüchheit (vgl. HL G ÖÜCH ), der 26 Mal belegt ist. Nur einmal ist belegt Löibheit ‘ die Heide mit Laub ’ (Visperterminen) mit den Spezifikationen t Ober Löübheit und t Unner Löübheit ‘ der obere und der untere Teil der Heide mit Laub ’ (Visperterminen). Ebenfalls nur als Obri und Undri Friiheit ‘ die obere und die untere freie Heide ’ (Leukerbad) (bei R. G RICHTING 1993, Blatt 5 Nr. 5 und 6 als obri und undri Frieheyt). I D . (1, 236) nennt in einer Anmerkung Fr ī heit als ‘ freier Platz ’ , ohne allerdings auf das HL H EID Bezug zu nehmen, würde also eher die Ableitung auf - HEIT annehmen; wir vermuten eher ein Kompositum aus frii ‘ frei ’ und Heid ‘ Heide ’ . Ableitungen, deren Sinn nicht immer klar ist, sind: t Heidig f. und dazu t Heidig Schlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung bei der Heidig ’ (Oberwald). LUNB (1, 419) kann Heidig f. auf Grund historischer Belege von den Adjektiven gehit ī n und geheitig ableiten, die zu G(e)heid, G(e) Heich 459 460 <?page no="496"?> heit n., einem Kollektivum zu Heid, gebildet sind, und erklärt den Namen als ‘ mit Heidekraut bewachsen, unbebaut, wildbewachsen ’ . Diese Herleitung lässt sich für Oberwald kaum nachvollziehen, da t Heidig als „ Alpweide, früher Stafel, ebener Boden “ beschrieben wird. Die feminine / - IG / -Form lässt sich meist von Verben ableiten; in unserem Fall wäre ein Verb heide n oder heite n als Grundlage anzunehmen; letzteres ist in I D . (2, 990) als ‘ Heidelbeeren lesen ’ für das Wallis belegt. t Heidig lässt sich dann als ‘ Ort, wo man Heidelbeeren lesen kann ’ deuten. Schwierig ist auch ts Heidelji (Oberems). Da die Flur auf über 2000 m liegt, kann es sich nicht Heidel ‘ Fennich- Hirse ’ (I D . 2, 990) handeln, die in solchen Höhen nicht wächst (vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1536 s. v. S ETARIA VIRIDIS und folgende). Es kann sich aber um einen doppelten Diminutiv zu Heid 2 handeln ‘ die kleine Heide ’ . Wohl zu Heitta ‘ Heidbelbeere ’ ist die Ableitung im Heitigen ‘ im Gebiet mit Heidelbeersträuchern ’ (Blatten) zu stellen, zu dem sich t Heitigrufina ‘ das Rutschgebiet oberhalb des Heitigen (Gebiet mit Heidelbeersträuchern) ’ und t Heitigtola die Mulde unterhalb des Heitigen (Gebiet mit Heidelbeersträuchern) ’ (beide Blatten) gesellen. Wohl auch zu Heitta ‘ Heidelbeere ’ ist der in Zermatt 1448 als in die Ho ᵉ yte und 1449 in dye Heyte ‘ in das Gebiet mit Heidelbeersträuchern ’ überlieferte Flurname zu stellen; die Lesung ist jedoch 1448 unsicher (es müsste sich hier um eine frühe hyperkorrekte Form handeln). Ähnlich zu verstehen ist wohl t Heitä ‘ die Heidelbeersträucher ’ (Wiler). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist das HL nur vertreten mit Mad und Matta, wozu sich t Ober und t Under Heitmatta (Ferden), sowie t Heitmattungaarten ‘ die Gärten unterhalb der Heitmatta ‘ Wiese mit Heidelbeersträuchern ’’ gesellen. Auch hier ist aber nicht sicher, ob nicht Heitta ‘ Heidelbeere ’ an Stelle von Heid ‘ Heide ’ zu setzen ist. Verschiedene Varianten von Heitta ‘ Heidelbeere ’ sind Bestimmungswörter zu folgenden Grundwörtern: Bodu, Biel, Fad, Pletscha, Schiir, Schleif, Tola und Wald. In Einzelfällen ist unklar, ob nicht doch H EID 1 ‘ der Heide ’ vorliegt. So wird 1525 der Heitbiel (Simplon) übersetzt als ad Cacumen paganorum ‘ beim Biel der Heiden ’ - der Autor versteht also Heit hier durchaus im Sinn von pagani ‘ die Heiden ’ . Komplexer ist di Drii Heitbobma ‘ die drei Böden mit Heidelbeersträuchern ’ (Saas-Almagell, LT Heitbodme). Hier kann Heit wiederum als HL H EID 2 ‘ die Heide ’ verstanden werden. Heil Heil ist nur lebend als ts Heilbad ‘ das Heilbad ’ (Leukerbad), bei R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 10 und Blatt 22, Nr. 21) als Heylbad belegt. Die Beschreibung sagt, es handle sich um ein Gütchen, das vor 1700 ein Bad gehabt habe. In Oberwald ist 1830 eine Wiese erwähnt, die sich in den Matten der Seelenheilstúck befinde. Die beiden Belege gehören nicht zum gleichen HL: einerseits ist das Heilbad wohl ein Bad, wo man geheilt werden kann. Es gehört also zum Verb schwdt. heile n wie nhd. und wdt. heile, heilä (Goms), heilu ‘ kastrieren, heilen ’ (I D . 2, 1145; G RICHTING 1998, 105), wobei die Bedeutung ‘ kastrieren ’ hier nicht einschlägig ist. Dagegen ist das Seelenheil das Heil der Seele, also ein Nomen zu schwdt. Heil n. wie nhd. (I D . 2, 1144; keine Erwähnung bei G RICHTING 1998). Vermutlich ist das Stúck hier die Wiese, aus deren Ertrag die Stiftung für das Seelenheil geäufnet wurde. Heilbold (PN) Heilbold (PN) ist ein Personnenname, der nur in Steinhaus vorkommt. 1439 ist supra Heilbolden ‘ oberhalb (der Alpe des) Heilbold ’ (Original C 3) belegt; eine Kopie von 1570 (C 9) hat Heilboden. 1475 ist zem vndren Helbolden und durch den Helbolden jn belegt. Und 1485 ist Helboden Torren ‘ der Turm des Heilbold (PN) ’ belegt. Die Lesungen wurden von P H . K ALBERMATTER (p. c.) überprüft. Trotz der Variation muss Heilbold (PN) (F ÖRSTEMANN 1, 727) als ursprünglicher Besitzer- oder Nutzername angenommen werden. Heilig Heilig ist ein Adj., das zu schwdt. heilig, ahd. heil ī g, mhd. heilec, heilic wie nhd. ‘ heilig ’ (I D . 2, 1148; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 405) zu stellen ist; G RICHTING (1998) erwähnt es nicht. Das attributive Adjektiv wird in mehreren Belegen zum Typ ts Heilig Chriz ‘ das Heilige Kreuz ’ (Grengiols), auch ts Heiligchriz (Binn) (beide am gleichen Ort, der auf LT Heiligkreuz heisst und eine Kapelle hat, die dem hl. Kreuz gewidmet ist). In Obergesteln wird ein historischer Beleg von 1740 erwähnt, der einen Joannes Biderbosten uon Obergesteln úon dem Heiligen Creütz nennt. In Oberwald wird 1687 ein Heiligtum (Kapelle) Sancta ’ Crucis [lat.: vom Heiligen Kreuz] genannt, 1704 ist die Rede von einem Garten, der sich am Ort beÿm Heiligen Kreiz befinde. Seltsamerweise wird die Kapelle im Historischen Lexikon der Schweiz (https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002696/ 2017-01-05 [09.04.2020; IW]) nur für 1710 als erbaut genannt. Laut P H . K ALBERMATTEN (p. c.) existierte eine Kapelle dieses Namens schon vorher (die heutige Kapelle stammt von 1710). 461 462 Heilig <?page no="497"?> Weiter liegen beÿm h. Niclaús ‘ beim heiligen Nikolaus ’ (beim Heiligen Nikolaus (unklar, wohl ein Bildstock)) (1754, Mund) und beÿ dem heilligen Nicolai ‘ beim heiligen Nikolaus (1717, Kapelle) ’ (Obergesteln) vor. Heim Heim n. ‘ Heim ’ ist zu schwdt. Heim n. ‘ Heimat, Heimatort, Ort, wo man das Bürgerrecht geniesst, Vaterhaus ’ auch ‘ Wohnort ’ und ‘ Besitz an Haus und Hof, Heimwesen ’ (I D . 2, 1276 f.; G RICHTING 1998 kennt das HL so nicht) zu stellen. Das HL tritt nie als Simplex auf. Als Grundwort ist es belegt in ts Chinderheim ‘ das Kinderheim (Jugendherberge) ’ (Ergisch; es könnte sich um das nahegelegene Restaurant Waldesruh handeln), ts Jägerheim ‘ das Heim (Hütte) der Jäger (Alpstafel) ’ (Bister), St. Josefsheim (das St. Josefsheim (heute Oberwalliser Alters-, Pflege- und Behindertenheim)) (Leuk) und das unsichere die Thall Heim ‘ die Talheim (unsicher) ’ (1628, Ausserberg), wo das Genus Feminin erstaunt. Als unsicheres Bestimmungswort erscheint das HL in Heistette (Blitzingen) und Heistettewald (Blitzingen) - es ist unklar, ob hier das Adjektiv hee (hoch, heej) vorliegt. Das zweimal belegte die Heymwasserleÿtta (1540 u. später, Glis) und aus dem Heim Wasserleütli (1763, Ried-Brig) meint sicher eine Wasserleitung; es ist aber unklar, wie Heim hier zu verstehen ist. Alle andern Namen gehören zu den Hängert / Hengert-Namen, mit Reduktion des Diphthongs und Übergang von [-m] zu [-n]. Sie bedeuten heute ‘ Zusammenkunft ’ und ‘ Ort der Zusammenkunft ’ , die ursprüngliche Grundbedeutung war wohl ‘ abgegrenzter Raum innerhalb mehrerer Heimstätten ’ (I D . 4, 434 f.) (vgl. auch HL G ARTU , wo einzelne Namen aufgeführt sind). Einige Namen auf die HLL H EIME (PN) und H EIMINA können hieher gehören. Siehe auch FaN H EN- GARTNER und PN H EIME . Heime (PN) Heime (PN) ist ein Personen- oder Familienname (laut AWWB 122 f. zunächst de Ayent oder Aymonis, später Heimen oder Aymo (AWWB 122 f.)), möglicherweise auch zum männlichen PN Haimo oder Haimold. Das Simplex mit Präposition Z Heimme ‘ zu Heimen (Haus? ) ’ (Zermatt) ist wohl als ‘ zum Haus des Heimen (PN) ’ zu verstehen. Sonst ist Heime (PN) als vorangestelltes Heimis / Heimisch ‘ des Heimen (PN) ’ zusammen mit Färich (Embd), Egga (Blatten), Gartu (Saas-Balen, Eisten), Hüs (St. Niklaus) und erweitert als ts Meier Heimsch Färich ‘ der Pferch des Meiers Heim(en) ’ (Blatten) zu finden; in Saas-Balen tritt auch ein eigentliches Namennest mit Himmisch auf, das wohl lautlich an Himmel angelehnt ist, aber den gleichen Ort wie Heimisch bezeichnet: Himmischgaartu, ts ober Himmischgaartu ‘ zum oberen Teil von Heimischgarten ’ , t Himmischgaarturächti ‘ die Rechte an Boden, die den Leuten von Heimischgarten zustehen ’ , t Himmischgaartuüowenner ‘ die schlechten Wiesen bei Heimischgarten ’ . Einfaches Heime(n) ist als Genitiv vertreten in Ze Heimefärichu ‘ bei den Pferchen der Familien Heimen ’ (Embd, Gwp. denkt aber an Pflanzennamen Heimina), z Heimen Grenchen ‘ des Heimen Kornspeicher ’ (1521, Täsch), die Heimen Haús Schnitten ‘ die langgezogenen Wiesenstücke beim Haus des Heimen ’ (1852, Hohtenn), in Heu ᵕ mu ᵕ Matta ‘ in der Wiese der Familie Heimen / des Heimo (1840, Hohtenn, mit hyperkorrekter Rundung des Diphthongs) und t Heimuachra ‘ die Äcker der Familie Heimen ’ (Ergisch) (der Pflanzenname Heimina ‘ Guter Heinrich ’ ist hier eher unwahrscheinlich). Einen Sonderfall stellt die Heimschine Flu ᵉ o ‘ die Fluh der Familie Heimen ’ , wo aus dem Familiennamen ein Adjektiv gebildet wird; auch hier ist ein Bezug zum HL H EIMINA unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (cf. HL H EIMINA ). Heimina Heimina ‘ Guter Heinrich (C HENOPODIUM BONUS - HENRICUS ) ’ ist zum schwdt. Pflanzennamen Heimele f., wdt. Heimina, Heiminä, Heimini, Heiminu ‘ Ampfer, Guter Heinrich ’ (I D . 2, 1284; G RICHTING 1998, 105; M ARZELL 1, 936 ff. und L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2104, 594) zu stellen. Das Simplex kommt nur im Plural Heimene (St. Niklaus), resp. Heimine (Grächen) vor. In allen andern Belegen ist das Lemma entweder ein vorangestellter Genitiv oder Bestimmungswort, häufig in der Kurzform Heimi. Genitive sind dyen Heyminon Balmen ‘ die überhängenden Felsen mit Gutem Heinrich ’ (1443, Zermatt), die Heÿminen Ballmen (1697, Eisten) und Heimmun Matta ‘ die Wiese mit Gutem Heinrich ’ (1538, Niedergesteln, unsichere Lesung). Unklar ist ze Heimefärichu ‘ bei den Pferchen der Familie Heimen / des Heimo / wo es Heimina (Guter Heinrich) hat ’ (Embd). Gwp. nennt als Motivation den Pflanzennamen; aber auch der PN kann gemeint sein. Die volle Form Heiminu wird mit Fäsch, Matta und Schlüecht gebraucht, die Kurzform Heimi mit Flüö, Blatta, Bode, Wald und Wang. In Gampel findet sich ein Namennest mit Heimiflüe, Heimifliäeggu, Heimifliäschleiffji, Heimifliätschuggä und Heimifliäwald. Komplexer sind der Inner und der Üsser Heimiwang (Saas-Almagell). Unsicher ist schliesslich der Beleg Hemminecelen (1289, Mund), das sich als Heiminu Chäla ‘ die Felsrinne mit Heimina (Guter Heinrich) ’ deuten lässt. Unsicher bleiben FlNN mit den HLL H EIM und H EIME (PN). Heim 463 464 <?page no="498"?> Heimlich Heimlich Adj. ist zu schwdt. heimlich, mhd. heim(e)lich, ‘ geheim, heimisch, vertraut, verborgen ’ und wdt. heimli, heimlich ‘ heimlich, heimatlich ’ (I D . 2, 1287 f.; G RICHTING 1998, 105) zu stellen. Belegt ist es nur in zer Heimlichu Chilchun ‘ bei der heimlichen Kirche (Gelände, das wie eine Kirche aussieht) ’ (Ferden). Laut Beschreibung ist hier ein Grasband zwischen Moränen gemeint. Heinchil Heinchil ist nur einmal 1609 als der Heinchil (Ried-Brig) belegt. Es handelt sich wohl um eine Schreibform zu schwdt. Heichel m. ‘ Henkel ’ , ‘ Tragriemen einer auf dem Rücken getragenen Milchbutt ’ und wdt. Henkl, Henkäl (Goms), Henkul (Mattertal), Henkel (Saastal), Hänkil ‘ Tragbogen am Eimer ’ (I D . 2, 1455; G RICHTING 1998, 106). Die hier vorliegende Form ist formal eine Mischung von Staubschem Gesetz (ohne / n/ ) und schriftlichem Henkel (mit / n)) übertragen vom Aussehen eines Henkels auf einen Acker. Heinrich (PN) Heinrich (PN) und seine zahlreichen Kurz- und Nebenformen sind zum Taufnamen Heinrich (I D . 1313 ff.) zu stellen. Zu FaN wie Heinen, Heinricher, Heinzen, Heinzmann siehe AWWB (123). Unsicher ist Heizenaup ‘ Alp der Familie Heinen ’ (FLNK, Mühlebach, mit / l/ -Vokalisierung; LT Heizenalp) und das schwer zu deutende die Alpenn jn Heinitzen Alp Lerch ‘ die Alpen in Heinitzen, die Alpe Lärch ’ (1539, Mühlebach), wo auch Heinze n ‘ Holzgestell, Heuschober ’ (I D . 2, 1477) gemeint sein kann. Das HL ist nur als vorangestellter Genitiv belegt. Starke Genitiv sind: Häichsch Pfad ‘ der Pfad des Heinrich ’ (Blatten), z Heindrichershús ‘ das Haus der Familie Heindricher ’ (1660, Visp), Heindrichs Böúmgarten ‘ der Baumgarten des Heinrich ’ (1760 u. später, Stalden), Heinisbach ‘ der Bach des Heini ’ (1379, Reckingen; 1379, Ulrichen; 1349 u. später, Geschinen), Heinischzimmere ‘ vom Wald der Familie Heinrich ’ (Grengiols) und ts Heinrichersch Hüs ‘ das Haus der Familie Heinricher ’ (Lalden, vgl. Visp). Schwache Genitive sind: im Heinegaarte ‘ Garten der Familie Heinen ’ (Ulrichen), beÿ Heinen Schir ‘ bei der Scheuer des Heinrich / der Familie Heinen ’ (1817, Binn), t Heineschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung der Familie Heinen ’ (Lax), Heinigehitte ‘ die Hütte der Familie Heinen ’ (Grengiols), ts Heinige Schiir ‘ die Scheuer der Familie Heinen ’ (Grengiols), Heinigo Acher ‘ der Acker der Familie Heinen / der Leute des Heinrich ’ (1554, Bürchen), Heinigobiel ‘ der Hügel der Familie Heinen ’ (Ausserberg), Heinigochumma ‘ die Chumma (Mulde) der Familie Heinen ’ (Ausserberg), in Héinigen Schluocht ‘ in der Geländeeinbuchtung der Familie Heinen ’ (1760 u. früher, Ausserberg), zu ᵕ Heinrichero Hau ᵕ s ‘ beim Haus der Familie Heinrich ’ (1651, Eggerberg), bei Heintzigo Stadel ‘ beim Stadel der Familie Heinzen ’ (1752, Ried-Brig), ts Heinzebieuti ‘ der kleinen Hügel der Familie Heinzen ’ (Gluringen, mit / l/ -Vokalisierung), t Heinziturna ‘ die Türme der Familie Heinzi (Übername) ’ (Blitzingen), jn Heyno Acher ‘ im Acker der Familie Heinen ’ (1678, Eggerberg) und Hinder Heinigo Biel ‘ hinter dem Hügel der Familie Heinen ’ (1682, Bürchen). Als komplexer Name ist belegt: ts Heineggsilisch Kaschlaa ‘ das Gelände des Auxilius Heinen, das wie ein Kastlan aussieht ’ (Grengiols). Nicht aufgeführt sind hier die zum Pflanzennamen G UTER H EINRICH gerechneten Flurnamen (cf. HL H EIMINA ). Heinzmann (FaN) Heinzmann (FaN) ist zum Familiennamen Heinzmann zu stellen, der historisch auch als Heintzmann erscheint und vom Taufnamen Heinz oder Heinrich abgeleitet ist (AWWB 123). Belegt sind in Hentzmansmatten ‘ in der Wiese der Familie Heinzmann ’ (1638, Leuk) und Heynczmans Matta ‘ die Wiese der Familie Heinzmann ’ (1472, Agarn; 1483 prato Henczman). Heiss Heiss Adj. ist zum schwdt. Adj. heiss wie nhd. und wdt. heiss ‘ heiss, warm ’ (I D . 2, 1686; G RICHTING 1998, 105) zu stellen. Es ist nur zweimal historisch belegt: dem Heisen Bach ‘ dem heissen (= warmen) Bach ’ (1719, Leukerbad; Dativ konstruktionsbedingt) und ob dem Heisen Brúnqúelle ‘ oberhalb der heissen Brunnenquelle ’ (1719, Leukerbad; frühere Belege von 1471 und 1481 haben lat. super fonte calido ‘ oberhalb der warmen Quelle ’ und juxta fontem callidum ‘ bei der warmen Quelle ’ ). Der Dativ mask. im Beleg von 1719 ist unklar. R. G RICHTING (1993) kennt die Namen nicht. Heiter Heiter Adj. ist zum schwdt. Adj. heiter ‘ hell ’ , ‘ von freier Aussicht auf Bergeshöhe ’ , in FlNN auf lichte oder aussichtsreiche Stellen verweisend und zu wdt. heiter, heitr (Lötschental), heitär ‘ hell, fröhlich ’ (I D . 2, 1768 ff.; G RICH- TING 1998, 105) zu stellen. Als attributives Adjektiv ist das HL in der Heiter Tirggäne ‘ der helle Durchgang ’ (Reckingen) zu stellen. Das Adjektivabstraktum Heiteri f. ‘ Helle ’ , ‘ schwindlige Stelle ’ und wdt. Heitri ‘ Helligkeit, Morgenlicht ’ (I D . 2, 1770 f.; G RICHTING 1998, 105) ist belegt in die Heitri ‘ die helle Stelle ’ (1809, Ried-Brig). Das in Leuk 1789 belegte im Heÿtier ist wohl frpr., kann aber nicht sicher zugeordnet werden; die Quelle ist ein Kopialbuch, also kaum original. Am ehesten würde aitaire ‘ Hilfe, Unterstützung ’ (G PSR 1, 234; FEW 24, 164 s. v. 465 466 Heiter <?page no="499"?> adjutorium) hieher passen, das am ehesten mit dem HL L EHN zu vergleichen ist. Zu übersetzen wäre es dann als das ‘ Lehngut ’ . Heitrich Heitrich m. ist nur einmal in Ried-Brig als der Heitrich belegt. I D . (2, 991) kennt Heiderich, ist sich aber unklar, zu welchem Pflanzennamen es zu stellen ist. Gwp. meint, es handle sich um ein Heidelbeergebiet. Die Höhe (rund 2000 m) kann für mehrere der angegebenen Pflanzen in Frage kommen. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 546) verzeichnen unter R APHANUS RAPHANISTRUM ‘ Acker-Rettich ’ den Ausdruck Hederich. Ob es sich um diese oder eine andere Pflanze handelt, lässt sich aus dem Flurnamen nicht schliessen. Heldner (FaN) Heldner (FaN) ist ein alter Oberwalliser FaN, auch Heldener, Heltner, ursprünglich Hellner, Helner geschrieben (AWWB 123). Der FaN tritt meist im Genitiv Singular oder Genitiv Plural auf, so in Helners Acher (1699, Zeneggen), in Helners Walt (1696, Eyholz), verbunden mit einem Vornamen in im Brand Jodro Helners ‘ im brangerodeten Gebiet des Joder (Theodul) Heldner ’ (1758, Visperterminen), Jodro Helners Hütten ‘ die (Alp-)Hütte des Joder (Theodul) Heldner ’ (1750, Visperterminen). Ohne erkennbares Suffix ist der Heldnerwald ‘ der Wald der Familie Heldner ’ (Glis), während wohl ein Genitiv Plural im Beleg siluam Helnerrn ‘ der Wald der Familie Heldner ’ (1690, Lalden) vorliegt. Ebenfalls Genitiv Plural findet sich in Helnero Restin Valdt ‘ der Wald bei der Reschti (Rastplatz) der Familie Heldner ’ (1625, Lalden), ts Heldrehiischinu ‘ bei den Häusern der Familie Heldner ’ (Dorfteil von Brigerbad) und in ts Heldnerru Schiir ‘ bei der Scheuer der Familie Heldner ’ (Mund) (vgl. hierzu J OSSEN 1989, 75). Nicht ganz sicher hieher gehört t Heldnitschuggä ‘ die Felsen der Familie Heldner ’ (Steg), wo wohl eine Diminutivform von Heldner auf / - I / zum abgekürzten Stamm Heldngebildet wurde, eine gängige Kurzform von Familiennamen. Helfer Helfer m. ist nur historisch 1826 in beÿ den Vierzehn Noth=helferen (Ritzingen) belegt. Es handelt sich um vierzehn Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert, die als Helfer in der Not angerufen wurden. In Ritzingen befindet sich eine Kapelle, erbaut 1717, die ihnen geweiht ist. Das HL ist zu schwdt. Helfer m., wesentlich wie nhd. (I D . 2, 1195) und am gleichen Ort schwdt. Nôthelfer wie nhd., wo die vierzehn Nothelfer der kath. Kirche erwähnt werden. Helg Helg ist zweimal belegt, einmal als Plural t Helgine (Blitzingen), das von Gwp. als Steilhang bezeichnet wird, der so steil sei, „ wie man ein Bild aufhänge “ , einmal als Bestimmungswort t Helgischlüecht (Selkingen); die beiden Fluren liegen weit auseinander. Am nächstliegenden und der Gwp. entsprechend ist das schwdt. Helg, Helge n m./ f., Dim. Helgli, Helgeli im Wallis Helggi, Pl. Helge n , ‘ sowohl gedrucktes als gezeichnetes oder gemaltes Bild, zunächst Heiligenbild ’ auch ‘ Heiliger ’ (I D . 2, 1199 f.), bei G RICHTING (1998, 105) als Helgu, Helgo ‘ Heiligenbild ’ . Die Deutung überzeugt nicht ganz; in beiden Fällen könnte auch ein Diminutiv zu Haalta ‘ Halde ’ mit Umlaut und der Assimilation von [t] zu [g] vor palatalisiertem [-ji] (< [-li]) gegeben sein, also ‘ die kleine Halde ’ . Diese Deutung passt eher zu einem Flurnamen, setzt aber eine Kürzung des betonten Vokals voraus, die wiederum nach dem sog. Brandstetterschen Gesetz (Kürzung von Langvokal in mehrsilbigen Wörtern) möglich ist. Beide Deutungen sind aber unsicher. Hell (heiter) Hell (heiter) ist ein Adjektiv, das in die Helen Ba ᵉ chtelle ‘ die helle Wasserrinne ’ (1519, Visperterminen) belegt ist. Die weiteren Belege sind an der Hell ŭ n Matten ‘ an der hellen Wiese ’ (1647, Visperterminen) und der Hellunmattunbrunnu ‘ die Quelle / der Brunnen bei der hellen Wiese ’ (Niedergesteln). In beiden Fällen kann auch Hell als Hölle gemeint sein (cf. HL H ELL (H ÖLLE )). Formal sind die beiden nicht unterscheidbar. Statt dem Adj. hell kann auch das Adj. schwdt. heiter und wdt. heiter, heiträ ‘ hell, fröhlich ’ (I D . 2, 1139; G RICHTING 1998, 105)) (cf. HL H EITER ) gebraucht werden. Hell (Hölle) Hell f. ‘ Hölle ’ ist zu schwdt. Hell f., ahd. hella f. ‘ Hölle ’ , in Lokalnamen teils zur Bezeichnung ‘ für schauerliche Örtlichkeiten, Schluchten, Abgründe ’ , teils für ‘ tief gelegene Örtlichkeiten ’ , teils für ‘ unfruchtbare, mühsam zu bearbeitende Grundstücke bzw. Heimwesen ’ und wdt. Hell f. ‘ Hölle ’ (I D . 2, 1136 ff.; G RICHTING 1998, 105) zu stellen. Eine Unterscheidung zu den beiden HLL H ELL ( HEITER ) und H ÄÄL ‘ glatt ’ ist nicht immer möglich. Das Simplex im Singular t Hell ‘ die Hölle ’ (Bister und zwölf weitere) ist gut belegt, dazu kommen in der Hella ‘ in der Hölle ’ (1388 u. später, Brig; 1330 Naters), sowie der historische Beleg in der Höll (1806, Obergesteln). Nur in Varen ist Häll (FLNK) belegt, das gleich daneben in Salgesch als t Hell erscheint; hierzu kommen Hellcheer ‘ der Kehr (Strassenkehre) im Gebiet Hell (Hölle) ’ (FLNK, Salgesch), Hellchummu ‘ die Chumma (Kumme) im Gebiet Hell (Hölle) ’ (FLNK, Salgesch) und Hellwasserleitu ‘ die Heitrich 467 468 <?page no="500"?> Wasserleitung hinunter zum Gebiet Hell (Hölle) ’ (FLNK, Salgesch). M ATHIER (2015, 67) kennt weiter Hellwägji ‘ der kleine Weg zum Gebiet Hell (Hölle) ’ . Er weist im Übrigen darauf hin, dass das Gebiet 1642 En Enfer ‘ in der Hölle ’ geheissen habe, was von T AGMANN (Ms., 45) bestätigt wird. In Salgesch und Varen wird das HL für eine heisses, sonniges Gebiet in den Reben verwendet, während es sonst eher für unfruchtbare, steile Gebiete steht. Besitzernamen sind selten: t Jossehell ‘ die Hölle der Familie Jossen ’ (Oberwald) (AAWB 136) und ts Simisch Hell ‘ die Hölle des Simon ’ (Glis). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist das HL im Typ t Hellmatta ‘ die Höllwiese ’ (Brig), sowie 1392 in der Helmatta (Glis), 1634 die Helmatten (Birgisch) und apud Hellon Matten (1389, Ried-Brig) vertreten. Die übrigen Grundwörter sind Acher, Bach, Bodu, Gartu, Gassa, Gugel, Rufina, Schleif, Stei und Ture. Die Belege zu Wang gehören u. E. durchwegs zum HL H ÄÄL ‘ glatt ’ . Eine Ableitung t Helena (St. Niklaus) ist im Register als Höllenen ‘ die Höllische ’ notiert; es handelt sich um einen Weiler von St. Niklaus, wobei die / - ENA / -Ableitung (wie in Rufina und Löuwina) unklar ist. Der Beleg uf der Helleschi ‘ auf der Höllischen (unfruchtbares Land mit Geröll) ’ (Bellwald) lässt sich als nominalisiertes Adjektiv zu Hell (Höll) verstehen; gemeint ist eine steile Halde mit Geröll (cf. HL H ELLELA ). Die Ableitung auf / - ERE / wie in in der Helleren (1531, Ernen), t Hellera und der Hellerwald (beide Grengiols) passt eher zum Adjektiv Hell (heiter) in der Bedeutung: ‘ helle Stelle ’ . Ganz unklar ist die Stelle juxta diz hellion Wanch (1497, Ergisch). Es ist unsicher, ob juxta diz ‘ daneben ’ heissen soll und danach ein Ausdruck ‘ der helle (glatte, schlüpfrige) Wang (Grasabhang) ’ folgt; dann wäre die Stelle zum HL H ÄÄL zu stellen. Hellela Hellela ist lebendig in Zeneggen belegt. Die ältesten Belege haben de Hellolon (1280), ab der Huollene (1306), de Hellolun (1316), de Hellolun (1440), in der Hellalon (1477) usw. Mit Ausnahme des Beleges von 1306 (Lesung bestätigt) ist der Name anfänglich Hellola. Es scheint sich um eine Ableitung vermutlich zum Nomen Hell ‘ Hölle ’ (I D . 2, 1136 ff., Z INSLI 1946, 324, zum Problem generell auch BENB 1, 2, 235 f.), kaum zum Adjektiv hëll (I D . 2, 1139), das primär ‘ hell tönend ’ meint. Die Ableitung auf -( U / A ) LA ist nach S ONDEREGGER (1958, 517) als Stellenbezeichung zu verstehen, hier also als ‘ Gebiet, steil wie eine Hölle ’ . In Zeneggen ist neben Hellela belegt: t Mittloscht Hellela, t Ober Hellela, t Unner Hellela, historisch auch de Niderun Hellolun ‘ von der niederen (unteren) Hellela ’ (1301 u. später, Zeneggen), dazu Hellelasee ‘ der See bei der (Oberen) Hellela ’ . In Bürchen sind angrenzend an das Gebiet der Helloluwald und - nur historisch - Hellolen Weg (1547, Bürchen) belegt. In St. Niklaus ist 1684 und 1695 an der Hellelun belegt, in Grächen 1706 an der Hellelún. Der Typ scheint also mehrfach belegt, müsste aber wohl zum HL H ELL ‘ Hölle ’ gestellt werden. Helmi Helmi n. ist einerseits als Genitiv in Häumischbode ‘ der Boden des Hälmi ’ (Fieschertal, mit / l/ -Vokalisierung) und Helmischwaldt ‘ der Wald des Helmi ’ (1772, Bellwald) enthalten. Beide weisen eine Kurzform eines PN auf, wohl Helmut. Beim lebenden Namen in Fieschertal meint Gwp., es handle sich um „ lange Halme wie Korn “ ; er denkt also eher an das HL H ALM (siehe oben). Der Plural ist in der Helminungrad ‘ der Grat oberhalb der Helmine ’ (Bürchen, FLNK Helminigrat) vertreten. Allerdings liegt auf dem Gebiet von Törbel eine Flur t Hälmine (Törbel, LT Hälmine). Es ist zum HL H ALM gestellt und meint (laut Gwp.) „ Spärliches <hälmiges> Gras “ . Auffällig ist die Lautung: während Törbel ein / ä/ aufweist, hat Bürchen ein / e/ . Es scheint, dass Bürchen sich an das HL H ELMI zu Helm (I D . 2, 1204) hält, Törbel den Namen aber zu Halm ‘ Grashalm ’ (I D . 2, 1200) stellt. Der Grat ist nach der darunterliegenden Flur benannt, sodass die Deutung von Törbel näher liegt. Helsen Helsen m., dial. Helse ist der Name eines Gipfels, der auf LT als Helsenhorn (3272 m, Grengiols) erscheint; ein Gipfel an der Grenze zu Italien. Der Name ist im Wallis in der Bedeutung ‘ fest schliessender Deckel eines hölzernen Gefässes, z. B. eines Milchgefässes ’ (I D . 2, 1214; G RICHTING 1998, 106) bekannt; der Gipfel ist wohl metaphorisch nach seiner Ähnlichkeit zum Gegenstand benannt. S CHMUTZ / H AAS vermuten [s]-Suffixbildung zu hehlen ‘ verbergen ’ (S ENSLERDEUTSCHES W ÖRTERBUCH , 260). Zum Gipfelnamen bildet sich ein Namennest mit der Helse (Grengiols, SK hat Helsen), ts Helsehore (Grengiols), der Helsegletscher (Grengiols, SK Helsen Gletscher), der Helsewald (Grengiols), der Vorhelse ‘ der Gipfel vor dem Helsen ’ (Grengiols, LT und FLNK Vorderhelse). Helse (1485, Steinhaus) meint kaum das gleiche Gebiet, sondern ein zweites, das mit / l/ -Vokalisierung als der Heusewang (Ernen) und der Hinner Heusewang (Mühelbach), ohne / l/ -Vokalisierung als der Helsewang (Mühlebach; 1439 u. später, Steinhaus) erscheint. Das Gebiet befindet sich auf ca. 2600 m beim Chummehorn (Mühlebach). Historisch sind weiter im Saastal 1506 zem Helso und in Zwischbergen 1838 Helsen belegt, was auf eine weitere Verbreitung der Metapher hindeutet. 469 470 Helsen <?page no="501"?> Hemma (PN) Hemma (PN) ist nur in Hemmungazzun ‘ die Gasse der Hemma (PN) ’ (1307, Eischoll) belegt. Es handelt sich um einen Genitiv Hemmun, der zu Hemma (I D . 2, 1275) zu stellen ist. Das ebenfalls belegte Hemme, auch Hemmi (I D . 2, 1276), das zu Wilhelm gestellt wird, kann hier ausgeschlossen werden, da der Genitiv Singular Hemmun auf eine weibliche Form weist. Hengartner (FaN) Hengartner (FaN) ist zum FaN Hengartner, Amhengard, Am Hengart, de la Place, de Platea, a Platea (AWWB 197 f.) zu stellen. Er ist abgeleitet vom Kompositum Heim-Garten, das als Hengert oder Hengart u. a. auch einen Platz bezeichnen kann. Der FaN ist vier Mal belegt, davon drei Mal in Ritzingen: Hengerter Gade ‘ der Gaden der Familie Hengartner ’ (1648 u. später), unter Hengertner Garten ‘ unter dem Garten der Familie Hengartner ’ (1783) und Hengertersch Legÿ ‘ die Legi (wohl Zaun) der Familie Hengartner). In Visp findet sich 1545 Hengarterro Berg ‘ das bergwärts liegende Gebiet der Familie Hengartner ’ . Statt des FaN kann hier mit dem Genitiv Plural auch ein Herkunftsname ‘ die Leute vom Hengart ’ gemeint sein. Henna Henna ist zu schwdt. Henne n f., ahd. henin, henna, mhd. henne, wie nhd. ‘ Henne ’ f., alte Femininbildung zu Hahn, wdt. Henna, Hennä (Goms), Hänna (Mattertal), Hänu (Saastal), Hännu ‘ Henne ’ (I D . 2, 1311 f.; G RICHTING 1998, 106) zu stellen. BENB (1, 2, 239) nimmt eine früher allgemeine Verbreitung an. In Flurnamen als möglicher Verweis auf ‘ vormalige Lieblingsorte des Auerhahns ’ (I D . 2, 1312) oder anderer Hühner. Möglich sind auch metaphorische Verwendungen. Das Simplex im Singular ist als t Hänna ‘ die Henne (wo es Hühner hatte / das Stück Land, das wie eine Henne aussieht) ’ (Eisten) belegt. Es ist unklar, ob metaphorisch das Aussehen des Stückes Land gemeint ist, oder ob es hier Hühner hatte. In den übrigen Fällen ist das HL als Bestimmungswort belegt. Sofern die Grundwörter Acher, Bodu, Matta, Tola und Wald erscheinen, sind wohl Orte gemeint, auf denen sich Hühner aufhalten. Anders ist es mit ts Hännugrab ‘ das Hennegrab (unklar: der Ort, wo Hühner gegraben haben ’ (Niedergesteln), ts Hännutrittji ‘ der kleine Hennentritt ’ (Agarn), wo eine Wegkreuzung gemeint ist, die wie ein Hahnentritt aussieht, t Hennenäschter ‘ die Nester der Hühner (Gebiet, das aussieht wie Hühnernester) ’ (Oberwald), dr Hennuhubel ‘ der Hügel, auf dem sich Hühner aufhielten ’ (Blatten), ts Hennusädel ‘ (wörtlich) die Sitzstange für die Hühner (als Metapher: das Gebiet, das so steil ist wie ein Hühnersedel) ’ (Naters), Hühnergrat ‘ der Grat, wo es Hühner hatte (SK, wohl hochdt. Form für Henna) ’ (SK, Unterbäch). Die Deutung der Namen ist nicht einfach; häufiger sind Flurnamen zum HL H ANU ‘ Hahn ’ , wo u. a. das Kompositum Hanspil ‘ der Ort, wo die Hähne spielen ’ belegt ist (cf. HL H ANU ). Hennebique (FaN) Hennebique (FaN) ist ein FaN. Der Hennebique-Kanal (FLNK, Bitsch) wurde 1898 vom Wehr Mörel bis zum Massaboden in Bitsch gebaut, aber inzwischen stillgelegt. Es handelt sich um einen Zuführungskanal aus Eisenbeton, der nach seinem Erbauer François Hennebique benannt wurde. Nach ihm ist auch die Hennebique-Arena (FLNK, Bitsch) benannt, ein Sportplatz, der 2008 eröffnet wurde. Es handelt sich vermutlich um den bekannten Ingenieur François Hennebique (1842 - 1921) (vgl. de/ wikipedi/ org/ wiki/ François-Hennebique[17.09.2020; IW]), der das Arbeiten mit Eisenbzw. Stahlbeton förderte. Henning (FaN) Henning (FaN) ist vermutlich der FaN Henning. Belegt ist er nur 1634 für Birgisch als die Henninga ‘ das Gut des Henning (FaN) ’ . Für Naters ist der FaN Henning 1374 belegt: Willermus Hennings de Ruschanon (KapA Sitten, R 4, S. 5). Der FaN ist zum PN Johannes (I D . 2, 1311) zu stellen. Henzen (FaN) Henzen (FaN) ist der FaN Henzen (AWWB 123), der vor allem im Lötschental belegt ist. Der einzige Beleg ist ts Hänzi Wannu ‘ die Wanne der Familie Henzen ’ (Wiler). Herbrigg Herbrigg ‘ Herberge ’ ist zu schwdt. Heerbërg, Herb(e)rig, Herbig u. ä. f. wie nhd. ‘ Unterkunftsort für Fremde, Gasthaus, Herberge ’ , ahd. heribërga, mhd. herbërge f. (I D . 4, 1566 ff.) zu stellen. In Lokalnamen ist es als ‘ Höhle ’ zu verstehen (Z INSLI 1946, 71 und 324), wo jemand unterstehen kann. Nicht auszuschliessen ist, dass das auslautende Brigg als ‘ Brücke ’ verstanden wurde. Auch das anlautende Herkann umgedeutet werden (siehe unten). Das Simplex erscheint im Singular als Herbrig (Gampel, St. Niklaus, Zermatt), auch umgedeutet zu ‘ Brücke ’ wie in in ponte qui vocatur Herbrúgga (1466, Ritzingen) und beÿ der Her Brÿgen (1774, Biel), im Plural als Zen Herbriggen (1429, Baltschieder, 1444 Obergesteln). Mit einem attributiven Genitiv sind belegt t Hinner Herbrig ‘ der hintere Teil des Weilers Herbriggen ’ und t Vooder Herbrig ‘ der vordere Teil des Weilers Herrbriggen ’ (beide St. Niklaus), sowie t Kalt Herbrigge ‘ die kalten Herber- Hemma (PN) 471 472 <?page no="502"?> gen ’ (Münster), wo vermutlich ein nicht gut geschützter Unterstand in einer Höhlung gemeint ist. Interessant ist ein vorangestellter Genitiv mit einem Grundwort in der Hebrigschfad (St. Niklaus), resp. der Herbrigschfad (FLNK, St. Niklaus); gemeint ist hier der Weiler Herbrigg (heute LT Herbriggen). Des Weiteren ist das Lemma Bestimmungswort zu Acher, Flüö, Grat und Matta. Auffällig ist schliesslich t Hellbrigachra (Zeneggen; schon 1662 am Helbergacher), wo entweder eine Dissimilation (/ r/ > / l/ ) vorliegt oder eine Uminterpretation von Herzu Hell. Das anlautende Her- (in Herrbrigg) kann ebenfalls umgedeutet werden zu Heer ‘ Pfarrer ’ (etwa in Gampel, wo als Kommentar steht: „ Der Geistliche geht hier durch bei der Alpsegnung “ ); vermutlich liegt aber hier eine Höhle. Herbst Herbst ist in Bratsch 1732 auff den Herbsto belegt, lebend als t Herbschtu Matte ‘ die Wiese, die bis im Herbst genutzt wurde ’ (Bratsch; LT Herbstumatte, FLNK Herbstumattä), wohl die gleiche Flur, und in Oberems als der Herbschtwang ‘ der Grasabhang, der im Herbst als Weide gebraucht wurde ’ (FLNK Herbschtwang). Zu stellen ist das HL zu schwdt. Herbst m. wie nhd. und wdt. Herbscht ‘ Herbst ’ (I D . 4, 1593 f.; G RICHTING 1998, 106). Die Form in Bratsch enthält einen alten Genitiv oder Dativ. Herder (FaN) Herder (FaN) ist der FaN Herder, auch Amherd, Am Herd, am Hert, de Terra, vom ursprünglichen Wohnort der Familie am Herd in Zwischbergen abgeleitet (NWWB, 1, 18 f.). Belegt sind die folgenden Genitive: die Herderen Brendt ‘ die brandgerodeten Gebiete der Familie Herder (Am Herd) ’ (1816, Zwischbergen), Herdero Weng ‘ die Grasabhänge der Familie Herder / der Leute vom Herd ’ (1753 u. später, Simplon), ts Häärdersch Wang ‘ der Grasabhang der Familie alias Herder (laut Gwp. wohnhaft Zer Härderuu) ’ (Niedergesteln). Zweimal belegt ist das Kompositum au ᵕ ff die Herderhöhe ‘ auf die Höhe der Familie Herder / der Leute vom Herd ’ (1825, Grächen und St. Niklaus). Weiter kommt das Herder Metlein ‘ die kleine Wiese der Familie Herder / der Leute vom Herd ’ (1770, Termen) vor. Hérens Hérens ist nur belegt in Col d ’ Hérens ‘ der Pass, der ins Tal von Hérens (Ering) führt ’ (Zermatt), einem Übergang von Zermatt ins Eringertal. Die Bedeutung von frz. Hérens, dt. Ering, früherer Name von St. Martin, ist unklar. S TUDER (1896, 99) führt den Namen auf kelt. eïre ‘ Schnee, Eis ’ zurück. Dem Namentypus könnte ein Personenname gebildet mit dem patronymischen Suffix / - ENS / , deutsch / - INGEN / , (G ATSCHET 1867, 201 f.; J ACCARD 1906, 208; K RISTOL ET AL ., 2005, 784) zu Grunde liegen. Eine klare Deutung liegt jedoch nicht vor. Hermann (FaN) Hermann (FaN) ist ein FaN in Albinen (F AMILIENNAMEN- BUCH DER S CHWEIZ 1989, 2, 814) und dort heute noch vertreten. Belegt ist t Hermaweid ‘ die Weide der Familie Hermann ’ (Albinen). Hert Hert Adj. ‘ hart ’ ist zu schwdt. Adj. hert, mhd. hart, hert(e), ahd. harti, herti, wesentlich wie nhd., in Lokalnamen zur Bezeichnung von hartem, rauen Boden, und wdt. hert, härt ‘ hart ’ (I D . 2, 1641 ff.; G RICHTING 1998, 106) zu stellen. Das Adjektiv erscheint als Attribut in folgenden Belegen: t Hertu Weide ‘ die harten Weiden ’ (Eggerberg), der Hert Wang ‘ der harte Grasabhang ’ (Fieschertal), auf den Harten Matten ‘ auf den harten Wiesen ’ (1816, Bratsch) und zusätzlich mit einem vorangestellten Genitiv Finnero Härte Weiden ‘ die harten Weiden der Leute von Finnen (Weiler von Eggerberg) ’ (1788, Mund). Ein Kompositum mit dem HL als Bestimmungswort ist die Hertmatta ‘ die harte Wiese ’ (1489, Greich). Die Abstraktbildung aúff der Härtÿ ‘ auf dem harten Gebiet ’ (1658 u. später, Geschinen), t Herti ‘ das harte Gebiet ’ (Selkingen) und das Bestimmungswort im Kompositum aúffúm Hertibiel ‘ auf dem Hügel bei der Herti ’ (1689, Raron) sind auf schwdt. Herti f. zurückzuführen. Es benennt die ‘ harte Beschaffenheit des Bodens; konkret Grundstück von solcher Beschaffenheit, besonders häufig Allmeindland ’ (I D . 2, 1647). G RICHTING (1998, 106) kennt es nur als ‘ Härte, Herzlosigkeit ’ . Heww Heww n. ‘ Heu ’ ist zu schwdt. Heu(w), Höw, H ē w, Hew, im Allgemeinen wie nhd. ‘ Heu, doch nur das aus dem ersten Graswuchs des Jahres gewonnene Dürrfutter, im Gegensatz zum Spätheu ’ und wdt. Heww (Goms), Heib (Leuker Berge), Heiw ‘ Heu ’ (I D . 2, 1815 f.; G RICHTING 1998, 106) zu stellen. Zur genaueren Verbreitung der Formen siehe R ÜBEL (1950, 4). Als Simplex ist mit attributivem Adjektiv nur tse Aalte Hewwu ‘ bei der alten Heuernte ’ (Bitsch) belegt; spät gemähtes Heu ist gemeint. Das HL kommt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Balma, Fääsch, Flüö, Mad, Matta, Schiir und Schleif. Der Typ Heimad ‘ die Mähwiese mit Heu ’ (Binn, Fiesch) ist nicht zu verwechseln mit dem Nomen Heimat. 473 474 Heww <?page no="503"?> Komplexere Belege sind: jhn Glaúsigen Heiwmat ‘ in der Mähwiese mit Heu der Familie Clausen (Nikolaus) ’ (1757, Binn), in Schinero Heüwmat ‘ in der Mähwiese mit Heu der Familie Schiner ’ (1657 u. später, Binn), der Hewstettewase ‘ die Wiese, die als Heustatt (wo man Heu gewann) diente ’ (Geschinen), im Lengen Heiwmatt ‘ in der langen Mähwiese mit Heu ’ (1631, Binn), t Meidhewwmatte ‘ die Heuwiesen im Gebiet Meiden (Heuschober) ’ (Oberems), jm Obren Heuwmat und das Vnder Heuwmatt ‘ in der oberen und unteren Mähwiese mit Heu ’ (1601, Binn) und di Blüomatthewwmatte ‘ die Heuwiesen bei der Alpe Blüomatt ’ (Oberems). Eine Ableitung auf / - ERE / (S ONDEREGGER 1958, 551) als Stellenbezeichnung ist in zen Heweren ‘ bei den Heuwiesen ’ belegt. Eine Ableitung auf / - ERI / (S ONDEREGGER 1958, 551 f.) ist t Heubaumeri ‘ (unklar) die Rinne im Gebiet eines überhängenden Felsens, der zum Aufbewahren des Heus diente ’ (Gluringen, mit / l/ -Vokalisierung, LT u. FLNK Hewbalmeri). Heyman (FaN) Heyman (FaN) ist nur 1347 in Naters als Heymanbu ᵉ l ‘ der Hügel des Heyman ’ und 1450 an Heymans Büel ‘ am Hügel des Heyman ’ belegt. AWWB (123) führt nur Heinmann auf und verweist auf Steiner (AWWB 250), eine Familie, die in Naters erloschen sei. Ein Martin Steynier, Kaplan in Binn im 15. Jahrhundert, wird auch Heinmann genannt. Die Nähe zum FaN Heynen in Naters verleitet zur Annahme, dass in beiden Fällen der gleiche FaN vorliegt (cf. HL H EYNEN (F A N)). Heynen (FaN) Heynen (FaN) ist historisch 1527 in Naters als dem Heynen Bu ᵉ l ‘ der Hügel des Heynen (FaN) ’ belegt. Heynen ist zum FaN Heynen, urkundlich auch Heinen, Henrici, Im Heinen, der vom altdt. Männernamen Heinrich oder der Kurzform Heino > Heine abgeleitet ist (AWWB 123), zu stellen. Ob das HL identisch ist mit Heyman (cf. HL H EYMAN (F A N)) ist unklar. Immerhin befindet sich die Flur, die hier belegt ist, beim Aletschi, während die Flur von 1347 u. später nicht genau benannt ist. Besitzer ist aber 1437 ein Johannes an der Schilla, die sich beim Dorf Naters befand (heute di Tschill). Heynlich Heynlich ist nur in zer Heynlichen Studen (1463, Niedergesteln) belegt. Es kann sich entweder um ein Adjektiv handeln, das nicht belegt ist, oder um einen Genitiv Singular, also einen PN. Beide Fälle sind sonst nicht bekannt; eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Heysherro (PN) Heysherro ist ein PN, wohl im Genitiv Plural, belegt in Heysherro Haus (1604, Embd). Die Schreibweise lässt keine sichere Deutung zu. Ein FaN Heiss ist im Register HRBS belegt, doch kann es sich auch um eine Form des PN Hans mit Staubschem Gesetz (Heis, Heischi (I D . 2, 1468)) handeln. Die Deutung wäre dann ‘ das Haus der Leute des Heiss / des Hans ’ . Hibsch Hibsch Adj. ‘ hübsch ’ ist zu schwdt. hübsch wie nhd., mhd. hübesch und wdt. hibsch ‘ schön, hübsch, viel ’ (I D . 2, 964 ff.; G RICHTING 1998, 106) zu stellen. Das HL tritt in 20 Namen auf, allgemein als attributives Adjektiv, in zwei Fällen auch in Komposita als Bestimmungswort. Die Grundwörter der attributiven Verwendung, meist unflektiert, selten flektiert, sind Acher, Balma, Biel, Bodu, Brunnu, Egg(a), Fad, Hooru, Tschugge, Wäg, Wang und Weid. Als Komposita finden sich ts Hibschhoru ‘ das Hübschhorn (Gipfelname ‘ das schöne Horn ‘ ) ’ (Simplon; LT, SK und FLNK Hübschhorn) und Hübschgletscher ‘ der Hübschgletscher am Hübschhorn ’ (LT, Simplon). Rund sechs Mal häufiger ist das gleich bedeutende HL S CHE ‘ schön; (auch) viel ’ . Hiena Hiena ‘ diesseits, auf dieser Seite ’ ist zweimal belegt, in t Hiener Egga ‘ die diesseitige Ecke ’ (Birgisch) und in ze Hinige Mattu ‘ zu den diesseitigen Wiesen ’ Visperterminen ’ . Es ist zu wdt. hienâ ‘ diesseits, auf dieser Seite ’ (I D . 2, 1354 und 4, 638; G RICHTING 1998, 106) zu stellen. Das Wort ist aus hie und nâch gebildet, im ersten Fall als Adjektiv, im zweiten Fall als / - IG / -Ableitung mit der Bedeutung ‘ diesseitig ’ (hinig hat auch die Bedeutung ‘ heute Abend, heute Nacht ’ (I D . 2, 1363), das ist wohl nicht gemeint). Hiener Hiener n. ‘ Hühner ’ ist der formale Plural zu schwdt. Huen, Hue n. ‘ Huhn ’ , Plural meist Hüener, Hüender, Dim. Hüen(d)li, Hüeli, Hienki und ähnlich, ahd. und mhd. huon, auch ‘ wildes Federvieh, besonders Schneehuhn, Rebhuhn ’ (I D . 2, 1370 f.); G RICHTING (1998, 106) kennt s. v. Hienkja m. Varianten nur die Bedeutung ‘ Küken ’ . BENB (1, 2, 310) unterscheidet im Wesentlichen Haushuhn von Birkhuhn, Schnee- oder Auerhuhn. Das HL ist nur als Bestimmungswort belegt. Das häufigste Grundwort ist das HL Sedel ‘ Sitzstange für Geflügel ’ , das als Kompositum Hienersädel auch ‘ Hühnerstall ’ heissen kann (I D . 7, 298). In den meisten Fällen ist es der Name einer Alpe; es scheint sich um eine Heyman (FaN) 475 476 <?page no="504"?> Mikrotoponym zu handeln, das für Alpen verwendbar ist. Der Typ kommt in Blitzingen, Ernen, Fiesch, Fieschertal, Kippel, Münster, Niederwald, Stalden, Staldenried und Visperterminen (mit das Ober Hu ᵉ ndersedel) vor. Zwei Belege beziehen sich wohl auf die Kargheit des Bodens, wie er bei offenen Hühnerwiesen typisch ist: t Hienerbib(m)jini ‘ die kleinen Böden der Hühner ’ (Zermatt), der Hienerbode ‘ der Hühnerboden (wegen der Kargheit des Bodens) ’ (Oberwald). Die übrigen Belege scheinen Biotope für Wildhühner zu sein: der Hienerstutz ‘ das steil ansteigende Gebiet mit (Birk-)Hühnern ’ (Ausserbinn), der Hienertosse ‘ der Hühnerfels (Fels mit (Wald-)Hühnern (? ) ’ (Obergesteln), t Hienerfet ‘ die Grasbänder mit (Wald-)Hühnern ’ (Glis), ts Hienerläger ‘ die Lagerstelle mit (Birk-)Hühnern ’ (St. Niklaus), der Hienerchnubel ‘ der Hügel mit (Schnee-) Hühnern ’ (Zermatt), ts Hienergreetji ‘ der kleine Grat mit (Wald-)Hühnern ’ (Unterbäch), t Hiänertola ‘ die Mulde mit (Wald-)Hühnern (? ) ’ (Ferden), Hiener Schipfe ‘ der Unterschlupf für (Wald-)Hühner ’ (Eggerberg). Welche Art von Wildhuhn jeweils gemeint ist, bleibt unsicher. Anders zu verstehen ist t Hienerrichti ‘ die Falle für die (Stein-)Hühner ’ (Saas-Balen) und vermutlich metaphorisch zu deuten ist Hienerloch ‘ das Hühnerloch (metaphorisch: ein Loch so klein wie ein Eingang zum Hühnerstall) ’ (Oberwald). Hiescho Hiescho ist 1718 in Turtmann als jn der Hiescho (unklar) belegt. Die Konstruktion macht feminines Genus klar. Die Lesung ist nicht sicher, aber M. S. gibt keine Alternative an. Der Flurname kann nicht gedeutet werden. Hieti Hieti f. ist nur historisch 1663 in Saas-Balen als an d. Hieti ‘ am Weideland ’ belegt. M. S. ist nicht sicher und schreibt in Klammer auch (Hirti? ). Das erste ist eine deverbative Bildung mit / - I / -Suffix (S ONDEREGGER 1958, 497) zu ahd. huoten, mhd. hüeten, entrundet hietu ‘ hüten ’ , in Lokalnamen ‘ Weideplatz, Viehhütplatz ’ (I D . 2, 1794; Z IMMER- MANN 1968, 68 und 138). Das bei G RICHTING (1998, 107) erwähnte Hieti, Hiäti ‘ Hütezeitraum ’ kommt nur formal, nicht inhaltlich in Frage. Das zweite wäre eine vergleichbare deverbative Ableitung zum Verb schwdt. hirte n ‘ das Vieh zur Weide treiben und hüten ’ und wdt. hirte, hirtä (Goms), hirtu ‘ Vieh besorgen ’ (I D . 2, 1650; G RICHTING 1998, 108), resp. schwdt. Hirti ‘ Füttern, Fütterung ’ und wdt. Hirti ‘ Futtermenge ’ (I D . 2, 1652; G RICHTING 1998, 108; cf. HL H IRT ). Im Prinzip kommen beide Flurnamen in Frage, die eine stärker ‘ Weideland ’ betreffend, die andere eher ‘ Futtermenge ’ . Hiisel Hiisel ist nur belegt in t Hiiseldoorna (Niedergesteln). Während das Grundwort im Plural Doorna ‘ die Dornsträucher ’ kein Problem darstellt, ist das HL H IISEL unklar. Historische Belege fehlen. Wdt. ist das HL auch nicht als Diminutiv zu Hüüs ‘ Haus ’ zu verstehen, das Hiischi oder ähnlich heissen müsste. Die eventuelle Deutung ‘ Dornsträucher, bei denen man seine Notdurft verrichten kann ’ orientiert sich am Wort Hüüs, zu dem eine Ableitung Hiisel ‘ Abtritt ’ gebildet werden kann (I D . 2, 1703, bes. 5 b)). Hild(e)brand (FaN) Hild(e)brand (FaN) ist ein von einem alten PN abgeleiteter FaN Hildebrand (NWWB 2, 112) oder Hildbrand (NWWB 1, 131 f.) (siehe auch AWWB 62, 108, 125), die letztlich auf den germanischen Namen Hildibrand (F ÖRS- TEMANN 1, 825) zurückzuführen sind. Die meisten Belege enthalten einen Genitiv auf / -s/ : Hilprands Biela ‘ der Hügel des Hiltbrand / der Familie Hiltbrand ’ (1570 u. später, Brig), Hilprandts Bu ᵉ la ‘ der Hügel des Hiltbrand / der Familie Hiltbrand ’ (1630, Ried- Brig), an Hiltprands Bu ᵉ len ‘ am Hügel des Hiltbrand / der Familie Hiltbrand ’ (1564, Glis), jn Hilbransboden ‘ im Boden des Hildebrand (PN oder FaN) ’ (1636, Eischoll). Einen lat. Genitiv enthält das 1312 belegte in Orto Hiltebrendi (Törbel). Wenn bei Orto ein anlautendes / h-/ fehlt, ist das insgesamt lateinisch und meint ‘ im Garten des Hiltbrand (PN oder FaN) ’ . Hilf Hilf kommt nur als Mariiahilf (Naters) und der Hilfbrand (Törbel) vor. In beiden Fällen wird auf eine Kapelle, resp. auf einen Bildstock verwiesen, der zu Mariahilf gehört. Mariahilf ist eine der weitest verbreiteten Verehrungen der Mutter Jesu. Die beiden Flurnamen zeigen Spuren davon. Hilf ist zu schwdt. Hilf und wdt. Hilf ‘ Hilfe ’ (I D . 2, 1196; G RICHTING 1998, 107) bzw. zum Verb schwdt. hëlfen und wdt. hälfe, hälfä (Goms), hälfn (Lötschtal), hälfu ‘ helfen ’ (I D . 2, 1192 f.; G RICHTING 1998, 103) zu stellen. Es ist hier wohl der Imperativ von hëlfe n gemeint, nicht das Nomen. Inhaltlich ist gemeint, dass Maria, die Mutter Gottes, durch die Fürbitte bei ihrem Sohn und damit der Dreifaltigkeit Hilfe für Menschen in Not erbitten kann. Hilfbrand meint dagegen ein durch Feuer zerstörter Wald, wo man früher bei einer Bildstockkapelle betete. Hilgiger (PN) Hilgiger (PN) ist nur 1366 in Blitzingen als in Hilgigersbeche belegt; am nächsten kommt dem Namen Hildigar und Verwandte (F ÖRSTEMANN 1, 828). Ebenfalls in Blitzingen, allerdings auch zum angrenzenden Selkingen ist 477 478 Hilgiger (PN) <?page no="505"?> lebend der Hilperschbach bezeugt (cf. HL H ILPER (PN)); es dürfte sich um den gleichen Bach und sein Umfeld handeln. Hili Hili f. ‘ die Höhle ’ ist zu schwdt. Hüli f., mhd. hüle, ahd. huli ‘ Höhle ’ und wdt. Hili ‘ Höhle ’ (I D . 2, 1160 f.; G RICHTING 1998, 104, s. v. Heeli) zu stellen. Das HL ist zweimal als Diminutiv belegt: im Hili ‘ in der kleinen Höhle ’ (1844, Naters) und im Hillili ‘ in der kleinen Höhle ’ (1726, Bitsch). Vermutlich handelt es sich um die gleiche Flur. dr Heeliritz ‘ der Ritz (begraster Bergabhang), der eine Höhle (Mulde) bildet ’ (Blatten), ts Inder und ts Uister Heeliwengli ‘ der innere und der äussere kleine Grasabhang bei der Höhle ’ (Ferden), sowie dr Heeliwengligrabem ‘ der Graben beim kleinen Grasabhang bei der Höhle ’ (Ferden) lassen sich zum gleichbedeutenden Heeli ‘ Höhle ’ stellen und gehören wohl nicht zum HL H ELL (H ÖLLE ) oder zum HL H ÄÄL . Die Form Heeli für ‘ Höhle ’ (mit Entrundung / ö/ < / e/ ) wird jedoch nicht gesondert behandelt. Hilla Hilla ist der Name eines hochgelegenen Alpgebietes in Grengiols, das zu einem Namennest mit Grossi und Chleini Hilla, Hillegletscher, Hillegrat und Hillehorn gehört. Am nächsten liegt schwdt. Hulle n f. ‘ sanfte Einsenkung, Vertiefung des Bodens ’ (I D . 2, 1159), das allerdings hier zunächst umgelautet und dann entrundet worden wäre. Da historische Belege gänzlich fehlen, lässt sich keine klare Deutung geben. Eine Zuordnung zu Hüli ‘ kleine Höhle ’ (I D . 2, 1160) ist - nach Entrundung - nicht unmöglich, erklärt aber die Geminierung von / l/ nicht. Hilp (PN) Hilp (PN) kommt nur vor in under Hilpen Stadol ‘ unter dem Stadel des Hilp ’ (1740, Bürchen). Gemeint ist wohl ein Beiname ‘ der Hinkende ’ zum Verb hülpe n ‘ hinken ’ (I D . 2, 1205), resp. hilpe ‘ hinken ’ (G RICHTING 1998, 107). Es könnte sich aber auch um einen Kurznamen zu Hilper(t) handeln (cf. HL H ILPER (PN)). Hilper (PN) Hilper (PN) ist ein männlicher Rufname, in ausführlicher Form schon bei F ÖRSTEMANN (1, 669 s. v. Hilpert) erwähnt; im Oberwallis ist der Name Hiltprant (oder ähnlich) belegt. Das HL tritt nur als Bestimmungswort im Genitiv auf: Hilpersbach (1549, Gluringen), Hillgerschbechgin (1580, Niederwald; 1808 Hilbersbach), der Hilperschbach (Blitzingen) und ts Hiuperschbächi (Selkingen, mit / l/ - Vokalisierung) - es scheint sich überall um den gleichen Bach des Hilper zu handeln (cf. auch HL H ILGIGER (PN)). In Bellwald ist weiter im Hilpersspitz belegt; gemeint ist hier wohl ein spitz zulaufendes Grundstück des Hilpert (PN). Hilse Hilse ist nur einmal als Bestimmungswort belegt in t Hilseschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung mit Hilsen (unklar) ’ (Grengiols). Das Lemma ist unklar; das hdt. Wort Hülse ist wdt. als Hiltscha, Hiltschu ‘ Hülse, Schale ’ belegt (G RICHTING 1998, 107), auch I D . (2, 1215 f.) kennt Hülsche und verweist nur historisch auf Belege vom Typ Hülse. G R W B (10, 1900) nennt unter Hüls die Stechpalme (I LEX AQUIFOLIUM ), die allerdings im Wallis selten ist (L AUBER / W AGNER / G YGAX , 5 2014, 948). Aus sachlichen und lautlichen Gründen lässt sich deswegen die Rückführung auf Hülse kaum halten. Bessere Erklärungen fehlen. Hilt Hilt ist unklar. L EXER (1, 1282) kennt Hilt ‘ Streit ’ , aber im Mhd. nur noch in Namen gebräuchlich. Schwdt. Hilte f. ‘ Kröte ’ (I D . 2, 1243) ist unsicher und nur für den Kanton St. Gallen belegt. Das Lemma kommt zweimal vor in ts Hiltegg und der Hiltgrabe (beide Obergesteln). Eher ist Hilt als ‘ Streit ’ möglich, aber keiner überzeugt; historische Belege fehlen. Himmel dr Himu ‘ der Himmel ’ (Biel) ist ein Ortsteil von Biel. Es ist zu schwdt. Himmel m. wie nhd. ‘ Himmelsgewölbe, Firmament ’ und wdt. Himml, Himmäl (Goms), Himmul (Mattertal), Himmil ‘ Himmel ’ (I D . 2, 1290 ff.; G RICHTING 1998, 107) zu stellen. Der zweite Beleg t Chimmelbeim ‘ die Himmel-Bäume (Bäume, die weit oben stehen) ’ (Saas-Almagell) ist unsicher; der Explorator hat wohl die Verbindung des Artikels mit dem Anlaut / h/ als velaren Reibelaut gehört. Die / l/ -Vokalisierung in Himu entspricht dem Dialekt von Biel und dem unteren Goms (SDS 2, 150 u. 188), die Vereinfachung von geminiertem / mm/ zu / m/ ist in Betten und Lax belegt. Himpi Himpi ‘ Himbeere ’ ist zu schwdt. Hindber, Himp ĕ ri, Himb ē ri f. u. w., Kurzformen Himpi, Hinte n , Hinti, Himti, ahd. hint-beri, mhd. hint-ber wie nhd. ‘ Himbeere ’ und wdt. Himper, Himpi (Goms), Himperr (Lötschen), Himpär (Leuk) (I D . 4, 1467; G RICHTING 1998, 107) zu stellen. Zu den verschiedenen Benennungen siehe SDS (6, 140 T und 142). Belegt sind t Hinnte ‘ die Himbeer(sträucher) ’ (Oberwald) und der Himpiplatz ‘ der Platz mit Himbeeren ’ (Biel). Hili 479 480 <?page no="506"?> Hinder Hinder, auch hinner ‘ hinter ’ ist zu schwdt. hinder, Präposition mit Dativ und Akkusativ, wie nhd. ‘ hinter ’ , auch Adjektiv hinter und wdt. hinner, hinder, hindr (Lötschental), hinnär ‘ hinter ’ , auch Adjektiv hinner (I D . 2, 1413 ff.; G RICHTING 1998, 107) zu stellen. Die präpositionale Form ist vom Adjektiv zu unterscheiden. Das HL kommt in rund 270 Namen vor. Die Formen mit / -nn-/ lassen sich auf die optionale Entwicklung (/ -nd-/ > / -nn-/ ) im Walliserdeutschen zurückführen. Die Präposition tritt in den Formen hinder und hinner auf: Hinner dum Biel ‘ hinter dem Hügel ’ (Grächen), Hinder der Biele ‘ hinter den Hügeln ’ (Fieschertal), Hinder den Biellen ‘ hinter den Hügeln ’ (1749 u. später, Bellwald), Hinner dum Bietschi ‘ hinter dem Bietschi (Bietschbach) ’ (Raron), Hinner der Chilcha ‘ hinter der Kirche ’ (Oberwald), Hinder der Chilchun ‘ hinter der Kirche ’ (Kippel) und viele andere mehr. Lateinisch wird retro ‘ hinter ’ verwendet, etwa in retro ecclesiam ‘ hinter der Kirche ’ (1594, Fiesch; 1615, Grächen; 1577 u. später, Münster; 1685, Salgesch), aber auch retro cristam ‘ hinter dem Hügel ’ (1333 u. später, Albinen), retro der Burg ‘ hinter der Burg ’ (1540, Ried-Brig), retro dem Nidern Wiere ‘ hinter dem unteren Wasserlauf ’ (1307, Törbel) und andere. Sie zeigen, dass eine lateinische Präposition auch mit einem deutschen Flurnamen möglich ist. Das attributive Adjektiv wird flektiert oder unflektiert als hinder oder hinner verwendet und ist das Gegenstück zu foder / vorder. Beispiele sind etwa t Hinder Jegin ‘ die hintere Jegin (Jagdgebiet, Felsbänder) ’ (Blatten), am Hindren Acher ‘ am hinteren Acker ’ (1731, Stalden), t Hindru Bobme ‘ die hinteren Böden ’ (St. Niklaus), t Hindru Sunnini ‘ die hinteren, kleinen sonnseitig gelegenen Grundstücke ’ (Visperterminen) und komplexere wie t Hindri Burgmattuntola ‘ der hintere Teil der Mulde bei der Burgmatte (Wiese bei der Burg) ’ (Raron), ts Hinder Faflärdischligen ‘ der hintere Teil des Gebietes mit Disteln bei der Fafleralp ’ (Blatten), t Hinner Aleliimoreenu ‘ die hintere Allalinmoräne ’ (Saas-Almagell), der Hinner Chigletscher ‘ der hintere Gletscher im Gebiet Kinn (Schlucht) ’ (Randa) und viele andere mehr. Ein superlativisches Adjektiv ist belegt in t Hinnerscht Blattschlüche ‘ der hinterste Schlauch unterhalb des Gebietes Blatt (Felsplatte) ’ (Münster), t Hinnerscht Bruchbärglamme ‘ das hinterste steile Felstobel am Bruchberg ’ (Münster), der Hinnerscht Chromme ‘ die hinterste eingezäunte Alpweide ’ (Mühlebach), ts Hinnerscht Stäfuti ‘ der hinterste kleine Stafel ’ (Binn) und andere mehr. Häufig sind hier mehrere Vorkommen, von denen eines das hinterste ist. Auffällig sind weiter Adverbial-Konstruktionen mit zwei Richtungsangaben wie va Hinnerab ‘ von hinten unten (Gebiet, das von Bratsch aus gesehen unten an einer Hinterseite liegt) ’ (Bratsch, Gampel), Hinneri ‘ Hinten drin ’ (EK, Eggerberg), Hinnerüf ‘ hinten oben (Dorfteil von Raron am Hang) ’ (Raron). Ein unklarer Beleg ist an dem Henderbesren (1320, Binn). Eine mögliche Deutung wäre ‘ an dem hinteren verbesserten Grundstück ’ . Die Form Hender für Hinder ist sonst aber nie belegt, sodass unklar bleibt, was damit gemeint ist. Ebenfalls unklar ist der Beleg under die Hiender Balmen (1652, Zwischbergen). Vermutlich hat der Schreiber einfach ‘ der hintere überhängende Fels ’ gemeint; rein grafisch könnte aber auch das Nomen Hiender ‘ Hühner ’ gemeint sein, also ein überhängender Fels für Hühner. Das Wort selbst wird eher für Wildhühner verwendet. In Zwischbergen ist das Wort aber so nicht belegt. Hinnse Hinnse ist als Plural t Hinnse (Törbel) belegt. Dazu kommt Hinschriz (FLNK, Grengiols), wohl als Hinsch- Ritz zu lesen. I D . (2, 1475) kennt ein Adj. hünsch, vom dem ein Nomen Hüntsch abgeleitet ist, zur Bezeichnung verschiedener Krankheiten mit Geschwulstbildung, aber auch als Hintschchrut ‘ A MARA DULCIS , Je länger je lieber ’ (I D . 3, 895), das gegen diese Krankheiten verwendet wird. Das bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1004) ewähnte L ONICERA CAPRIFOLIUM , das auch als Jelängerjelieber bezeichnet wird, kommt laut Karte im Oberwallis nicht vor. Beide sind darum als Motivation unsicher. In Hinschriz könnte sich der Genitiv eines Kurznamens wie Hinz ‘ Heinrich ’ (GrWb 10, 1546) verbergen; bei t Hinnse ist das nicht ausgeschlossen; eine bessere Deutung fehlt bisher. Hirili (FaN) Hirili (FaN) und die Form Hirrli sind zum FaN Hirili, Hiri u. ä., zu stellen, der im Register HRBS und in der Datenbank des FGA in Brig-Glis für das 17 Jahrhundert belegt ist und vermutlich einen Diminutiv zum HL H OORU darstellt; bei E. J OSSEN (1986 und 1988) ist der FaN für Mund nicht bezeugt. Das Simplex ist im Genitiv belegt als ts Hirrlisch ‘ das Gebiet der Familie Hirili ’ (Mund); als vorangestellter Genitiv erscheint es in ts Hirrlisch Weid ‘ die Weide der Familie Hirili ’ (Ferden) und ts Hirrlisch Weidji ‘ die kleine Weide der Familie Hirili ’ (Gampel); die beiden Belege befinden sich an der gleichen Stelle oberhalb von Goppenstein. In Ried-Brig ist ts Hilisch Hüs ‘ das Haus der Familie Hirili ’ belegt, wobei historische Belege von 1750 z Hirischhús haben und FLNK ebenfalls Hirischhüs. 481 482 Hirili (FaN) <?page no="507"?> Hirlymann (FaN) Hirlymann (FaN) ist nur einmal in Hirlymans Drieschta ‘ die Driesta der Familie Hirlymann ’ (Mund) belegt. Es handelt sich um die entrundete Form zum FaN Hürlimann. In Mund ist der historisch belegte FaN Hirlymann inzwischen ausgestorben (J OSSEN 1989, 75). Der FaN ist zum Diminutiv Hirli ‘ kleines Horn ’ (I D . 2, 1615 ff. s. v. Horn) (cf. H IRILI (F A N)) zu stellen. Hirmi Hirmi f. ‘ Raststelle ’ ist zu schwdt. Hirmi, G ’ hirmi, Kirmi f., Synonym schwdt. Lüwi f., ‘ Rast; Ort, wo man auszuruhen pflegt, Ruheplätzchen, z. B. ein Stein am Wege, auf dem man seine Last abstellen kann; besonders an Bergpfaden angebrachte Vorrichtung zum Ausruhen, Ruhebank, oft, um zugleich als Schutz gegen Unwetter zu dienen ’ (I D . 2, 1608 und I D . 3, 1545 f.; G RICHTING 1998, 108 s. v. hirme) zu stellen. Zur räumlichen Sprachverteilung hirme, ghirme, erhirme und li(i)we, liibe, erliwwe, erliibe im Wallis siehe SDS 4, 113 und 114. (cf. HL L IWWI ). Hirmi kommt in etwa zwanzig Namen vor; fast alle befinden sich in den Bezirken Goms, Östlich-Raron und Brig; nur einer in Ausserberg (Westlich-Raron). Das Simplex erscheint im Singular als Hirmi (Ausserberg, Greich, Naters) oder als Ghirmi (auch Kirmi geschrieben), mit einem kollektiven / G ( I )-/ -Präfix (Blitzingen, Reckingen). Plurale sind Hirminen (1445, Ulrichen) und zen Hirminon (1492, Mühlebach). Diminutiv im Plural ist t Hirmini (Münster). Attributive Adjektive sind belegt in t Ober Kirmi und t Unner Kirmi, die zur ebenfalls belegten Kirmi (alle Reckingen) gehören. Als Grundwort erscheint das Lemma in di Bättelhirmi ‘ der armselige Ort, wo man ausruhen (hirmen) kann ’ (Naters) und t Waldkirmi ‘ der Ruheplatz im Wald ’ (Fieschertal). Als Bestimmungswort verbindet sich Hirmi mit Biel, Grabe, Stei, Sedel und Tanna. Hirrscht Hirrscht f. ist in Naters, genauer im Natischerberg, belegt als in der Hirrscht (1802) und in der Hirsch (1859). Das HL ist wohl zu schwdt. Hurst f., Pl. Hürst, mhd. hurst f. ‘ Strauch, Busch, Gebüsch ’ , auch ‘ Forst, Wald ’ (I D . 2, 1640 f., BENB 1, 2, 326) zu stellen. Das / i/ lässt sich als Entrundung zu / ü/ sehen, wobei der Umlaut / ü/ entweder beim Singular Hürst (I D . 2, 1641), regulär beim Plural oder auch beim Kollektiv G e -hürst ‘ Gesträuch, Gestrüpp ’ (I D . 2, 1641) erscheint. Die Form Hirrsch weist wohl eine einfachere Schreibweise, ev. in Anlehnung an den Hirsch, auf, obwohl fem. die Hind e (I D . 2, 1410) gilt (beide fehlen bei G RICHTING 1998). Hirsch Hirsch m. ‘ der Hirsch ’ ist zu schwdt. Hirsch m., Pl. Hirsche n , wie nhd. ‘ Hirsch ’ , älter Hirz, mhd. hirz, ahd. hir(z)u (I D . 2, 1662 ff., K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 418) zu stellen. Das Simplex erscheint als der Hirrsch, auch der Hisch ‘ der Hirsch ’ (Saas-Fee, FLNK Hirsch). Die Motivation ist unklar; die Flur befindet sich am Rande von Saas-Fee, heute teilweise überbaut; die dort verlaufende Strasse heisst Hirschstrasse. Der Plural des Diminutivs erscheint in t Hirrschjini ‘ die kleinen Hirsche ’ . Vermutlich handelt es sich aber nicht um den Tiernamen, sondern um den unter dem HL Hirrscht behandelte, zu Hurst gehörenden Flurnamen. Die lautliche Ähnlichkeit von Hirsch und Hirscht (< Hürst) hat zur Uminterpretation geführt. Das HL erscheint in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Bett, Blatta, Egg(a) und Gassa. Älteres Hirz ist belegt in der Hirtsbieu ‘ der Hügel, wo es Hirsche gibt ’ (Selkingen, mit / l/ -Vokalisierung). Letzteres wird zwar von der Gwp. zu Hirt ‘ Hirte ’ gestellt: „ Hier habe man gut hüten müssen, damit das Vieh hier nicht ins <Tal> hinunterfalle “ , die lautliche Form dagegen passt eher zu Hirz (> Hirsch). Historische Belege fehlen, sodass nicht entschieden werden kann, welche Deutung zutrifft. Hirsi Hirsi ist nur einmal belegt in ts Hirsihoru (LT Hirsihorn). Der deutsche Name ist wohl zu Hirz-Horn ‘ Hirschhorn, Geweih des Hirsches ’ (I D . 2, 1621) zu stellen; der Gipfel gleicht einem Hirschgeweih (zweigipflig). Das frz. Exonym des 3076 m. hohen Gipfels lautet Pointe de la Forcletta, von lat. FURCULA , also ‘ kleine Gabel, Engpass ’ (G PSR 7, 686 und 700 f.; Z INSLI 1946, 319; B OSSARD / C HAVAN 2006, 256). Hirt Hirt m. ist zu schwdt. Hirt m., ahd. hirt(i), herte, mhd. hirt (e), speziell ‘ auf der Alp derjenige, der das Vieh zu besorgen, aus- und einzutreiben und zu melken hat ’ und wdt. Hirt ‘ Hirt, Meisterhirt ’ (I D . 2, 1647 f.; G RICHTING 1998, 108) zu stellen. Als Grundwort kommt es nur in der Beuhirt ‘ wo der Bellwalder Hirt hirtet ’ (Bellwald, mit / l/ -Vokalisierung, FLNK Bellhirt), bim Steihirt ‘ beim Steinhirt (Steinmann) ’ (Binn) und der Steihirt ‘ der Steinhirt (Steinmann) ’ (Ernen) vor. Letztere zwei sind Steinhaufen, die als Wegzeichen dienen. Als vorangestellter Genitiv kommt das HL in ts Hirteschlaaf ‘ der Ort, wo die Hirten ein Mittagsschläfchen machen ’ (Bellwald) vor. Als Bestimmungswort findet sich das HL zusammen mit den Grundwörtern Biel, Stei und Wang. Hirlymann (FaN) 483 484 <?page no="508"?> Im Plural ist das Bestimmungswort wie folgt belegt: jn das Hirten Bödemlin ‘ in den kleinen Boden, wo gehirtet wird (? ) ’ (1629, Ried-Brig), t Hirtuhuisini ‘ die kleinen Häuser (Schutzsteine) für die Hirten ’ (Ferden). Eine Ableitung Hirti f. (I D . 2, 1652) als Abstraktbildung zum Verb hirte n kommt in Hirtibode ‘ der Boden, wo das Vieh gehirtet wird ’ (Oberwald) vor. Eine Ableitung auf / - ER / (R ÜBEL 1950, 49) als Nomen agentis ist in der Hirtertossu ‘ der Felsblock, der wie ein Hirt aussieht / wo sich gut hirten lässt (nach Gwp.) ’ (Simplon) belegt. Hischier (FaN) Hischier (FaN) ist zum FaN Hischier, auch Hissier, Hysiers, Zen Hischern zu stellen (AWWB 125). Die Form des Namens legt einen Ausgangspunkt Häusler/ Hüsler > Hischier nahe; die sonst nicht erklärbare Endung enthält eine Palatalisierung [l > j]. Als Simplex ist im Plural belegt t Hiischiere ‘ das Gebiet der Familie Hischier ’ (Turtmann, FLNK Hischärä). Als Alternative dazu gilt Hiischieru Riti ‘ das gerodete Land der Familie Hischier ’ (Turtmann). Vorangestellte starke Genitive zeigen: z Hÿschiershuss ‘ das Haus der Familie Hischier ’ (1690, Oberems), zu Thomo Hischiers Hauss ‘ beim Haus des Thomas Hischier ’ (1687, Unterems) und in Peter Hischiers Bifang ‘ im eingezäunten Stück Wiese des Peter Hischier ’ (1682, Oberems). Vermutlich auch hieher zu stellen ist zen Hyschieren ‘ bei der Alpe der Familie Hischier ’ (1707 u. später, Turtmann); ein Beleg von 1739 hat Zenhüseren ‘ bei den Häusern ’ , was die oben erfolgte Zuordnung bestätigt. Auch der Alpname Zu ᵕ n Hüschern (1686 u. später, Oberems) gehört in diesen Bereich. Hist Hist f. ist dreimal belegt: zer Hyst (1349, Niederwald), vff den Histen (1480, Obergesteln) und der Hischgaarte (Blitzingen), wobei hier eine Assimilation von / t/ und / g/ vorausgesetzt wird. Das schwdt. Hist(e n ) ‘ Vorrichtung zum Trocknen von Getreide im Freien oder im Stall; Gestell, Gerüst ’ ist im I D . und SDS für das Wallis nicht belegt (I D . 2, 1764 f.; SDS 7, 240); H UBER (1944, 59) findet letzte Spuren der Sache im Lötschental und im Goms, aber keine Benennung Hist. Der Flurname kann erklärt werden, wenn man annimmt, dass das HL H IST historisch belegt ist und als ‘ Ort, der wie eine Histe aussieht ’ , im Fall des lebenden Hischgaarte ‘ umzäuntes Gebiet von der Form einer Histe ’ verstanden wird. Hitt Hitt n. ist vor allem in Blitzingen als ts Hitt, sowie au ᵕ f dem oberen Hütt (1832) und auf dem untern Hütt (1832) (alle Blitzingen) belegt. Das neutrale Genus legt ein Kollektiv nahe; es wäre zu G e hütt „ verächtlich für Hütte “ (I D . 2, 1780) zu stellen, das allerdings für das Wallis nicht belegt ist; Hitt ist im I D . und bei G RICHTING (1998) sonst unbekannt. Das feminine in der Hidt (1736, Selkingen) lässt sich, ebenso wie das Bestimmungswort in t Hittmattä (Steg) zum HL H ITTA ‘ Hütte ’ (cf. HL H ITTA ) stellen. Hitta Hitta ist zu schwdt. Hütte n f., ahd. hutta, mhd. hütte f., allgemein wie nhd. ‘ Hütte, selbständiges Gebäude ’ und ‘ Alp-, Sennhütte, Käserei ’ (I D . 2, 1781) und wdt. Hitta, Hittä (Goms), Hittu (G RICHTING 1998, 108) zu stellen. Inhaltlich handelt es sich in den meisten Fällen um eine Alphütte, die je nach Standort sehr einfach oder besser ausgebaut sein kann. Der zweite, sehr verbreitete Typ sind Schutzhütten des SAC (Schweizer Alpenclub) oder privater Organisationen; die modernsten dieser Hütten sind „ bewartet “ und weisen hohen Komfort auf, andere dagegen sind sehr einfach und dienen nur dem Schutz. Eine dritte Gruppe stellen Militärbaracken dar, die meist im Zweiten Weltkrieg gebaut wurden und heute auch zivilen Zwecken dienen. In einigen wenigen Fällen wird Hitta - Hittu auch für ein Gebiet verwendet, wo es heute keine Hütte gibt - es ist unklar, ob dort je eine Hütte stand oder ob eine metaphorische Bezeichnung verwendet wurde (ähnlich wie Sall, cf. HL S ALL ). Diminutive wie Hittji, Hittelti, Higgi sind als Simplizia nicht vertreten, kommen aber in den folgend aufgeführten Konstruktionen ab und zu vor. Formal sind Simplizia im Singular oder Plural meist mit einer Präposition wie Zer oder Zen (Plural) vertreten, aber es gibt auch einfach Simplizia wie t Hitte ‘ die Hütten ’ (Simplon). Mit attributiven Adjektiven gebildet ist der häufige Typ t Niw Hitta ‘ die neue Hütte ’ (z. B. Grengiols), eher selten dagegen tsen Aalte Hittu ‘ bei den alten Hütten ’ (Saas-Almagell). Andere Adjektive sind selten wie ts Fiischter Hittji ‘ die kleine, finstere Hütte ’ (Visperterminen). Zahladjektive sind in t Erscht Hitta ‘ die erste Hütte ’ (Steinhaus), biner Zweite Hitte ‘ bei der zweiten Hütte ’ (Steinhaus) vertreten. In einigen Fällen ist auch eine Partizipform als Attribut belegt: die Gebrochne Hitten ‘ die zerstörte Hütte ’ (1730, Ried-Brig) oder di Zerkitu Hittjini ‘ die zerfallenen kleinen (Alp-)Hütten ’ (Zwischbergen). Konstruktionen mit Hitta - Hittu oder einer Diminutivform als Grundwort sind häufig. Die Bestimmungswörter beziehen sich vor allem auf die Alpe, zu der eine 485 486 Hitta <?page no="509"?> Hütte gehört, wie z. B. die Boduhitta ‘ die Alp-Hütte der Alpe Nidrostu Bodo ’ (Visperterminen). Daneben sind häufig Besitzer- oder Nutzernamen vertreten, wie Venetz Hütta (1562, Mund) mit dem FaN Venetz oder Grunerru Hitte ‘ die Alphütten der Leute von Saas-Grund ’ (Saas- Almagell). Besitzernamen sind auch sonst belegt, etwa in ts Kämpfe Higgi ‘ die kleine Hütte der Familie Kämpfen ’ (Obergesteln); am ausführlichsten ist hier Jodro Helners Hütten ‘ die Hütte des Joder (Theodul) Heldner ’ (1750, Visperterminen). Eine Firma (Alusuisse Chippis) ist der Urheber und Besitzer von t Aleminjuhitta ‘ die Hütte beim Illsee, die von der Alusuisse Chippis erstellt worden war ’ (Leuk) (die Firma existiert heute so nicht mehr). Häufig sind die Hütten, in denen der Milchertrag während der Alpzeit gemessen wurde, benannt als Mässhitta ‘ die Hütte, in der die Milch gemessen wurde ’ (z. B. Binn, Greich, Varen). Prominent sind die Schutzhütten, die nach einem Alpinisten oder Geldgeber benannt sind wie t Solve(i)hitta ‘ die Solvayhütte ’ (Zermatt) am Matterhorn nach dem Gönner Ernest Solvay. Ähnlich sind di Topaalihitta ‘ die Hütte im Andenken an Dr. Topali ’ (St. Niklaus) und andere zu deuten. Gerade die Schutzhütten des SAC tragen aber Namen der nächstliegenden Gipfel, wie etwa t Finschteraarhorehitta ‘ die SAC-Hütte beim Finsteraarhorn ’ (Fieschertal). Auch Besitzer einer Hütte werden genannt, etwa ts Alfrigisch Hitta ‘ die Hütte des Alfred (Diminutiv) ’ (Betten). Einen Sonderfall stellt Furri Hütte (Martisberg) dar: gemeint ist ein Restaurant, das dem Unternehmer Art Furrer gehört. Komplexere Namen tragen eine Reihe weiterer Hütten, etwa die Wildhüterhütte (Ferden) oder die Forscht- und Jägerhitta (Raron). Wohl einen etwas anderen Hüttentyp vertreten die Belege Zer Glashitten (1585 Raron), und die Glasshütten (1659, Turtmann), die auf Glasherstellung hinweisen, die es vermutlich auch im Oberwallis gab. Als Bestimmungswort fällt Hitta fast vollständig aus. Neben der Hitgigrabo ‘ der Graben bei der kleinen Hütte ’ (Termen) und der Hittebode ‘ der Boden bei den Hütten (Hauptsiedlung von Martisberg) ’ sind noch Hittuwald (Mund, Simplon), sowie Hittenweg ‘ Hüttenweg ’ (1786, Greich) vertreten. Hittaw Hittaw ist nur belegt in der Hittawgraad ‘ der Hittaw- Grat ’ (Saas-Fee). Laut Gewährspersonen soll der Name aus den Initialen einer Bergsteigergruppe, die den Grat bei schlechtem Wetter bestiegen hat, zusammengesetzt sein. Verwiesen wird auf den Führertarif. Eine Nachricht an die Gemeinde Saas-Fee blieb leider ohne Ergebnis, sodass die Initialen nicht bekannt und gedeutet sind. Hittel (PN) Hittel (PN) ist nur einmal als t Hittelbobme ‘ die Böden des Hittel (Christian), unsicher) ’ (Glis) zu stellen. Hittel ist als Koseform des Namens Christian (I D . 2, 1771) für Schwarzenburg (BE) und Graubünden bezeugt; für das Oberwallis fehlt aber eine Angabe. Hitti Hitti ist nur belegt in Hittihaús (1748, Greich). I D . (2, 1771) kennt Hitti als ‘ Kosenamen für Christian ’ , belegt es so aber nur für Graubünden (cf. HL H ITTEL ). Falls eine Entrundung anzunehmen ist, müsste Hitti wohl zum HL H ITTA ‘ Hütte ’ gestellt werden, wo Hitti als Diminutiv vorkommt. G R W B (13, 1787 s. f. Pförtchen) hat einen einzigen Beleg Hüttenhaus aus einem Gedicht von R Ü- CKERT ; die Bildung ist also möglich, aber eher ungewöhnlich. In Greich gibt es weiter einen Weiler Ze Hittu ‘ bei den Hütten ’ ; der Beleg könnte sich also auch darauf beziehen (cf. HL H ITTA ). Alle Deutungen sind aber spekulativ. Hitz Hitz ‘ Hitze ’ ist zu schwdt. Hitz ‘ Hitze ’ (I D . 2, 1833), wdt. Hizz ‘ Hitze ’ (G RICHTING 1998, 108) zu stellen. Dieses Simplex kommt allerdings nur als Bestimmungswort vor. Die Ableitungen Hitzi und Hitzeri (beide I D . 2, 1844) bezeichnen Stellen, wo das Vieh während der Mittagspause zu lagern pflegt. Gleiche Bedeutung scheinen die weiteren Ableitungen Ze Hitzmerru (Raron) und Hitzerne (FLNK, Eischoll, historisch 1784 in der Hitzerú) zu haben. Mit attributivem Adjektiv ist belegt t Alt Hitzi ‘ die alte Stelle, wo das Vieh in der Mittagshitze lagerte ’ (Visperterminen). Zum Grundwort Hitzeri findet sich Brahitzeri ‘ die russige Stelle, wo das Vieh in der Mittagshitze lagerte ’ (Eggerberg, Mund) und Zer Schaafhitzärrun ‘ bei der Stelle, wo die Schafe in der Mittagshitze lagerten ’ (Blatten). Als Bestimmungswort steht Hitz bei Bode, Flüö, Matta und Stuck; ein vermutlich zum Genitiv zu stellendes Hitzen / Hitzun findet sich mit Acher, Matta und Schlüecht. Ob hier gegebenenfalls ein FaN Hitz vorliegt, kann nicht entschieden werden. Der FaN Hitz ist im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 835) nur für die deutsche Schweiz vertreten, nicht aber für das Wallis. Ein PN Hizo ist jedoch bei F ÖRSTEMANN (1, 847) erwähnt. Hob Hob ist nur als Bestimmungswort als der Hobacher (Bellwald, Ernen, Gluringen, Lax, Mühlebach, Selkingen; überall auch FLNK) belegt, also ausschliesslich im unteren Goms, mit frühesten historischen Belegen aus dem 17. Jh. Den historisch schon im 14. Jh. belegten FlN Hittaw 487 488 <?page no="510"?> Hofacher (1315 u. später, Lax; 1375 u. später, Ernen) gibt es lebend nur noch in Binn. Cf. HL H OF . Zu vermuten ist, dass sich Hofacher in diesen Gemeinden zu Hobacher entwickelt hat. C. S CHMID (1968, 207, Anm. 7) kennt Hobacher für Bellwald. Wie S. A GTEN (p. c.) mitteilt, findet sich Hobacher in der jüngeren Generation auch in Grengiols (sonst der Hofacher), das bezirksmässig zu Östlich- Raron gehört. Zu Hobacher siehe auch BENB (1, 2, 260), das für das Berndeutsche die Herleitung von Huob ablehnt, welches lebend im unteren Goms nur als ts Windhüebi (Fiesch) belegt ist. Die Palatalisierung (/ uo/ > / üö/ u. ähnlich) würde zu *Hüebacher führen, das nirgends belegt ist. Zu vermuten ist eine Entwicklung von / f/ > / b/ , eine Entwicklung, die sich breitflächiger etwa bei Hebi (< Hefi ‘ Hefe ’ (I D . 2, 944 u. 1019) zeigt, wobei hier die Form mit / b/ dialektal neben / f/ steht. Hock Hock m. ist ein vom Verb hocken ‘ sitzen ’ abgeleitetes Substantiv Hock ‘ Sitzplatz ’ , auch ‘ Haufen ’ und wdt. Hokk ‘ Hock, Versammlung ’ (I D . 2, 1120 ff.; G RICHTING 1998, 108)), in FlN ‘ eine Erhebung, die auf dem Gelände aufhockt ’ (Z INSLI 1946, 324; Z INSLI 1984, 571). Im Lötschental wird es ohne Affrikata mit Aspiration (SDS 2, 95 f.) gesprochen. Das Lemma kommt nur einmal historisch als Simplex Hokken (1305 u. später, Kippel) vor (heute Hockenalp); sonst ist es Bestimmungswort. Um die Hockenalp (FLNK Hockualpa) in Kippel bildet sich ein Namennest mit Gross und Chlei Hogguhoren, Hoggungufer, Hogguchriizli, Hoggunfura, Hoggunpfeder, Hoggusattlegi und einer Hoggungassa im Dorf selbst. Auch Ferden und Wiler haben solche Namen: Hockuchriz (FLNK, LT Ferden), t Hoggusattlegi ‘ die Sattellegi auf der Hockunalp ’ (Ferden, FLNK Hockusattlegi) und Hockuhorn (FLNK, Wiler). Das Hockenhorn - Hogguhoren ist ein Grenzgipfel zwischen Bern und Wallis (BENB 1, 2, 265, mit Verweis auf das GLS 2, 569), der auf einem Granitsockel ‘ aufhockt ’ . Wahrscheinlicher ist jedoch die Benennung nach der darunter liegenden Hockenalp. Ein zweites Namennest findet sich in Binn mit Hockmatta, Hockmatter Aupa, Hockmatteseewji, Hockbode, Ober und Unner Hockbode. Hockmatta, t Hockmatta (Ernen, Grengiols, auch FL unt FLNK; SK Hockmatti). Weiter vervollständigen Hockmattewasserleita (1851, Grengiols), im Hockbodu (Bürchen), jm Hocken Bord (Ausserberg), bim Hockerstadu(l) (Ernen), bim Hoggstei (Naters) und t Obru und t Undru Hoggumätteltini (Mund) das Bild. Inwieweit jeweils von einem Höcker oder einem Aufhocken auf einer Fläche gesprochen werden kann, lässt sich nicht sicher sagen. Die unterschiedlichen Notationen (/ ck/ vs. / gg/ ) sind teilweise wohl einem Transkriptionsversehen geschuldet. Hoerhwel Hoerhwel ist im Originaldokument aus am Nuzboume durch Hoerhwel (1338, Unterems) ersetzt, wobei am nicht durchgestrichen ist, also auch weiterhin gilt; das lässt sich als Hinweis auf einen als deutsch empfundenen Ortsnamen deuten. Am genannten Ort befinden sich ein Stück Land mit einem Speicher (lat. RASCARDUM ). Auffällig ist, dass nach Hoerhwel sub via ecclesie steht. Es muss sich um den Kirchweg nach Leuk gehandelt haben, zu dem Unterems kirchlich bis 1728 gehörte. Die Schreibung ist unklar, ebenso die Deutung. Hof Hof m. ist ein mehrdeutiges HL, zu schwdt. Hof m., Pl. Höfe, ahd. und mhd. hof m., ‘ Bauerngut, Bauernhof ’ , Grundbedeutung ‘ umschlossener Platz, Raum ’ , ‘ Besitzung eines Grundherrn, als Inbegriff der Güter, welche direkt oder indirekt dazu gehören ’ , ‘ Residenz eines Vornehmen ’ , ‘ grösseres, einen innern, offenen Hof umschliessendes Gebäude ’ , ‘ von Gebäuden rings umschlossener oder eingefriedigter Platz ’ , ‘ Platz zunächst um die Sennhütte, zum Melken der Kühe und Platz, wo Dünger und Kehricht abgelagert werden ’ und wdt. Hof ‘ Hof ’ (I D . 2, 1020 ff.; G RICHTING 1998, 108) zu stellen. BENB (1, 2, 168) schränkt Hof auf „ Bauerngut, Kleinsiedlung im Gegensatz zum Dorf “ ein, wobei nicht immer klar ist, ob ein Bauerngut oder ein Teil eines Dorfes gemeint ist. In den Daten des Oberwalliser Namenbuches treten verschiedene Bedeutungen auf - vom Bauernhof über den Friedhof zum Bahnhof. Das Simplex im Singular tritt als der Hof (Fiesch, Fieschertal, Reckingen, Täsch, Zermatt, Zwischbergen), im Hof ‘ im Hof ’ (Baltschieder, Binn, Törbel, Niedergesteln), der Hoff (Naters), im Hoff (Ulrichen, Visperterminen) und Z ’ Hof ‘ beim Hof ’ (FLNK, Ernen) auf, dazu kommen historische Belege wie am Houe (1368 u. später, Brig), jm Hove (1304, St. Niklaus) und andere. Meistens sind hier Dorfteile oder Dorfplätze gemeint, seltener frei stehende Bauerngüter. Der Plural des Simplex ist selten als t Hofe ‘ die Höfe ’ (Grächen, Stalden), oder umgelautet und entrundet als t Hef (Hohtenn, Saas-Balen) bezeugt, auch historisch als die Höff (1685, Eischoll), resp. Heff (1711, Eischoll). Der Diminutiv ist im Singular belegt als ts Hoffji ‘ der kleine Hof ’ (Brig), ts Hofji ‘ der kleine Hof ’ (Ausserbinn, Obergesteln, Visp). Im Plural kommen vor: t Hofjini ‘ die kleinen Höfe ’ (Eggerberg) und ine Hofinu ‘ in den kleinen Höfen ’ (Goppisberg). Latinisiert erscheint der Typ zum lat. CURIA ‘ Hof ’ in jn Curijs ‘ im Hof ’ (1443, Zermatt), Curia Leucae ‘ der Hof von Leuk ’ (1210 u. später, Leuk), pratum de Curia ‘ die Wiese beim Hof ’ (1328 u. später, Inden), in Curjis ‘ im 489 490 Hof <?page no="511"?> Hof ’ (1715, Stalden) und anderen. Wieweit romanische Formen wie únder den Courtinen ‘ unter den Höfen ’ (1753, Guttet) hier einzuordnen sind, ist unklar. Auch das HL C OR (als Cor, Cors, Cort geschrieben) ist hierzu zu vergleichen. Mit attributiven Adjektiven findet sich das HL in Änglischhof ‘ der Hof der Engel, der Engländer (unsicher) ’ (Turtmann), der Fiischter Hof ‘ der finstere Hof ’ (Kippel, Dorfteil), im Grosen Hof (1673 u. später, Raron), am Nydren Hof ‘ am unteren Hof ’ (1429, Baltschieder), der Ober Hof ‘ der obere Hof ’ (Binn, Ulrichen), im Obren Hoff (1677 - 1679 u. später, Zwischbergen), Ober Hof ‘ der obere Hof ’ (FLNK, Täsch), z Under Höffen ‘ bei den unteren Höfen ’ (1679, Visp), der Unner Hof ‘ der untere Hof ’ (Binn, Ulrichen), zúm Undren Hoff ‘ beim unteren Hof ’ (1726, Zwischbergen), Unner Hof ‘ der untere Hof ’ (FLNK, Täsch) und Wit Hof ‘ der weite Hof ’ (1470, Visp). Mit vorangestellten Genitiven sind belegt: im Balmersch Hof ‘ im Hof der Familie Balmer ’ (1855, Turtmann), ts Chinigsch Hof ‘ der Hof der Familie König ’ (Bister), Domherruhof ‘ der Hof der Domherren (Haus am Dorfplatz in Naters) ’ (FLNK, Naters), ts Majoorsch Hof ‘ der Hof des Majors (Meier) (nach Meier Franz von Abondance, der 1404 einen Blockbau an ein bestehendes Gebäude anbauen liess) ’ (Leuk), im Sterren Hoff ‘ im Hof der Familie Sterren ’ (1743, Termen), Styerlingo Hoff ‘ der Hof der Familie Stierli ’ (1391, Glis), z Valischhof ‘ der Hof des Wali (Valentin? ) ’ (FLNK, Bratsch). Als Grundwort erscheint das HL vor allem im Typ Baanhof m. ‘ Bahnhof ’ . Von den rund achtzehn Belegen meinen die meisten einen bestehenden Bahnhof, meist der heutigen Matterhorn-Gotthard-Bahn; einige wenige (Leukerbad, Inden) einen früheren, und ein einziger (Visperterminen) einen metaphorisch benannten Ort, wo drei Schleife zusammenkommen; hierzu gibt es dann auch der Baanhofzug ‘ die Hangrinne, die sich zum Bahnhof hinunterzieht ’ (Visperterminen). Dazu kommen der Alt Baanhof ‘ der alte Bahnhof (das Gebiet, wo der erste Bahnhof von Brig stand) ’ (Brig), di Baanhofstrass ‘ der Weg entlang des Rottens beim Bahnhof ’ (Leuk), Gieterbahnhof ‘ der Güterbahnhof entlang dem Rotten (auf Briger Gebiet) ’ (FLNK, Naters), Obri Bahnhofstrass ‘ das Gebiet der oberen Bahnhofstrasse ’ (FLNK, Visp) und Undri Bahnhofstrass ‘ das Gebiet der unteren Bahnhofstrasse ’ (FLNK, Visp). Ein zweiter verbreiteter Typ ist zem Friithof ‘ beim Friedhof ’ (Blatten) (cf. HL F RID ). Weitere zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind: der Birkuhof ‘ der Bauernhof mit Birken ’ (FLNK, Raron), der Gaschthof ‘ der Gasthof (Dorfteil von Simplon-Dorf) ’ (Simplon), der Grüperhoff ‘ der Hof der Familie Michlig, die immer im Dorf wohnte ’ (Naters) zum HL G RÜPER , Gurtuhof ‘ der Hof der Familie Gurten / de Courten ’ (FLNK, Turtmann), ts Mätzuhoff ‘ des Mätzen Hof (heute: Märzuhof, unklar) ’ (Ried-Mörel; FLNK Märzuhof), t Mischtheff ‘ die Misthöfe ’ (Hohtenn) (Lagerstelle für den Dünger), zen Mischtheffin ‘ bei den Misthöfen ’ (FLNK, Blatten) (Lagerstelle für den Dünger), im Salzhof ‘ beim Salzhof (Hof, in dem Salz gelagert wurde) ’ (Brig, heute zerstört und Vorplatz der Pfarrkirche). Als Bestimmungswort erscheint das HL vor allem im Typ Hofstatt ‘ Hofstatt ’ , meist eine inzwischen verlassene kleine Siedlung oder Wüstung, häufig auch nur als Hostatt oder Hostett. R ÜBEL (1950, 68) beschreibt als Hoschtatt „ die nahe der Wohnstätte liegende Hausmatte “ , doch scheint der Name auch einfach Wohnstätten, die inzwischen verlassen wurden, bezeichnet zu haben; zur weiteren Deutung vgl. I D . (11, 1728 ff.) und G RICHTING (1998, 108) s. v. Hofschtatt, Hoschtatt ‘ Fundament, Fundamentruine, Hofstatt ’ . Zur regionalen Differnzierung vgl. auch SDS (6, 92). Die zahlreichen Bildungen enthalten neben den genannten Typen auch t Ho(f)steggjini ‘ die kleinen Hofstätte ’ (Mund), der Ho(f)stettler ‘ das Gebiet mit Hofstätten ’ (Visperterminen), t Hoffstetjini ‘ die kleinen Hofstätten ’ (Grengiols), ze Hoffstettu ‘ bei den Hofstätten ’ (Birgisch), t Hofstedjini ‘ die kleinen Hofstätten ’ (Ergisch) und viele andere mehr; dazu kommen komplexe Formen wie der Ho(f)stetterbifig ‘ das eingezäunte Stück Wiese im Bereich Hofstette (Hofstatt) ’ (Obergesteln), der Hofstettwald ‘ der Wald oberhalb der Hofstätte ’ (Birgisch), ts Ho(f)stettwasser ‘ die Wasserleitung für z Hofstette (bei den Hofstätten) ’ (Blitzingen) und weitere. Komplexere Bildungen sind ts Hinner Ho(f)stette ‘ bei den hinteren Hofstätten ’ (Obergesteln), die Hofstatt der Pottmer ‘ (wohl: ) die Hofstatt der Leute vom Boden) ’ (1826, Obergesteln), die Walchenhoffstatt ‘ die Hofstatt der Welschen ’ (1838, Reckingen) und andere. Verbreitet sind auch die Typen Hofacher ‘ Acker beim Hof ’ , im unteren Goms als der Hobacher (Bellwald, Ernen, Gluringen, Lax, Mühlebach, Selkingen) mit einer sonst nicht bezeugten Entwicklung / f/ -> / b/ seit dem 17. Jahrhundert (cf. HL H OB ), und Hofmatta ‘ Wiese beim Hof ’ beide mit etwas unter dreissig Belegen (C. S CHMID 1968, 207, Fn. 7 erwähnt im Hobacher). Hinzu kommen als Grundwörter Brunnu, Leess, Lischa, Müra, Räb-, Schnitta, Wald, Wasser und Wasserleita. Auch hier gibt es komplexe Belege wie das Kleÿn Hofacherlin ‘ der kleine Acker beim Hof ’ (1603, Gluringen), an dyen Nydren Hoffmatten ‘ an den unteren Wiesen beim Hof ’ (1435, Zermatt), t Obru und t Unnru Hofleesser ‘ die oberen und die unteren durch das Los zugeteilten Grundstücke beim Hof ’ (Baltschieder), Scheidhofstadel ‘ der Stadel beim Scheidhof ’ (1825, Naters), ts Siithofischflüo ‘ die Fluh der Familie Hofer, die ts Siithofisch genannt wurde ’ Hof 491 492 <?page no="512"?> (Birgisch) und schliesslich die seltsamen Gommerro Hofstat ‘ die Hofstatt der Familie Gommer / der Leute aus dem Goms ’ (1304, Baltschieder) und Zúmerkindo Hofstetlinon ‘ die kleine Hofstätte der Familie Zumerkind / Zunerkind (unsicher) ’ (1396, Unterbäch). In beiden liegt ein Genitiv Plural vor, der schwierig zu deuten ist. In Baltschieder kann sich Gommero wohl sowohl als auf einen FaN, als auch auf Leute aus dem Goms beziehen, in Unterbäch ist die Lesung unklar und es bleibt unklar, wie Zúmerkindo - Zunerkindo eigentlich aufzuteilen ist. Hofer (FaN) Hofer (FaN) ist ein Familienname, meist jedoch Imhof (AWWB 129), im Oberwallis verbreitet. In einigen Fällen kann auch ein Herkunftsname ‘ die Leute / Bewohner vom Hof ’ gemeint sein (I D . 2, 1039). Das scheinbare Simplex Hoferen (1588 u. später, Binn) ist ein Genitiv Plural; gemeint ist eine Familie Hofer, die u. U. im Weiler im Hof ansässig war. Sichere vorangestellte starke Genitive im Singular sind z Hofersch Tschuggu ‘ der Fels der Familie Hofer ’ (FLNK, Törbel), in Hoffersch Haltgÿ ‘ in der kleinen Halde der Familie Hofer ’ (1764, Visperterminen), beÿ Hoferslegi ‘ beim Zaundurchgang der Familie Hofer ’ (1667, Reckingen). Vorangestellte schwache Genitive im Plural sind: ab Hofferen Heüwmatt ‘ von der Heuwiese / Heimat der Familie Hofer ’ (1655, Binn), in Hoffero Kin ‘ in der Schlucht der Bewohner von Hof / der Familie Hofer ’ (Stalden), Hoffero … Waldt ‘ im Wald der Familie Hofer / der Bewohner von Hof ’ (1688, Stalden), Hoferebinne ‘ der Pflanzplatz der Familie Hofer / der Leute vom Hof ’ (Bister), ab Hofferen Mederen ‘ ab den Mähwiesen der Leute vom Hof / der Familie Hofer ’ (1655, Binn), in Hoffero Sentu ᵕ mb ‘ im Senntum der Familie Hofer / der Leute vom Hof ’ (1653, Binn), in Hofero Alpen ‘ in der Alpe der Familie Hofer / der Leute vom Hof ’ (1528, Saas-Grund). Komposita mit Hofer als Bestimmungswort finden sich mit folgenden Grundwörtern: Alpa, Matta und Wald. Unsicher ist das Simplex dr Hofär (Kippel), beschrieben als „ Steilhang, Wiese “ . Zwar kennen G R W B (10, 1664) und I D . (2, 1042) das HL als ‘ Buckel ’ , doch ist der Typ sonst im Wallis nicht belegt. Höffi (PN) Höffi (PN) ist nur als jn Höffis Matten ‘ in den Matten des Höffi (Rufname zu Imhof? ) ’ (1658, Raron) belegt. Es handelt sich um einen Genitiv Singular, vermutlich eines Übernamens zu Imhof oder ähnlich (cf. HL H OFER ). Hol Hol Adj. ‘ hohl ’ ist zu schwdt. hol, h ŏ l, h ō l ‘ hohl ’ , ahd. und mhd. hol, wdt. hol, hool (Lötschental) ‘ hohl ’ zu stellen (I D . 2, 1155 f.; G RICHTING 1998, 108). Das Adjektiv ist unflektiert und flektiert als Attribut zu den Grundwörtern Acher, Biel, Bord, Böüm, Flüö, Gassa, Grabu, Eich, Lerch, Matta, Stei, Treije, Trifft, Tschugge, Schluocht und Wäg belegt. Komplexere Formen sind Holesteigletscher ‘ der Gletscher oberhalb des Holustei (Stafel, mit einer Höhle als Unterkunft für Schäfer) ’ (Oberems), t Holewäggassa ‘ die Gasse durch das Gebiet Holewäg (hohler Weg) ’ (Grengiols), der Holubrunnubodu ‘ der Boden bei der Quelle / dem Brunnen, die aus einer Höhlung fliessen ’ (Saas-Fee) und andere. Eine partizipiale Form erscheint in jm Holenden Brunnen ‘ in den Quellen / Brunnen aus Höhlungen (? ) ’ (1471, Zermatt). Es ist die einzige belegte Form zu einem Verb hole n ‘ hohl werden, hohl machen, hohl sein ’ (I D . 2, 1156). Die substantivierte Form t Hola ‘ die Höhlung ’ (Grengiols) kommt dreimal in Grengiols vor, ist sonst aber nicht belegt (I D . 2, 1156 s. v. Hole f. ‘ Einsenkung, Höhlung, Hohlweg, enge, tiefe Gasse, besonders an einem Abhang ’ ). Der Diminutiv ts Holi ‘ die kleine Höhlung ’ (Bister) kommt auch in Holiboden ‘ der Boden mit einer Höhlung ’ (nur SK, auch Holebode, Grengiols) vor. I D . (2, 1155) erwähnt Holi als n. unter H ŏ l, H ō l n. ‘ Höhle, Bergungsort, Lagerstätte wilder Tiere ’ . Holi (FaN) Holi (FaN) ist nur als Holischbode ‘ der Boden des Holi / der Familie Holi ’ (Grengiols, auch FLNK) belegt. Es handelt sich um eine fast ebene Wiese. Holisch ist ein Genitiv zu einem FaN oder zu einer Kurzform eines PN oder Beinamens. Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 852) kennt den FaN Holi nur für Linden (BE). Der Name ist sonst nicht belegt. Hollandia Hollandia ist einmal belegt in t Holandiahitta ‘ die Hollandiahütte ’ (Blatten), eine Schutzhütte bei der Lötschenlücke im Besitz des SAC Bern. Hollandia ist eine Latinisierung von Holland (Niederlande), weil der Niederländische Alpenverein den Bau der Hütte 1931 finanziell unterstützt hatte (http: / / www.hollandiahuette. ch/ infos/ geschichte/ ) [23. 04. 2015; IW]. Holter - Holler Holter m., auch Holler m. ist zu schwdt. Holder, Holler m., Holdere f. ‘ Holunder, S AMBUCUS NIGRA und S AMBUCUS RACE- MOSA ’ , häufig zusammengesetzter Name: Holderbaum, -staude(n), -stock. Holunder m. verkürzt Holder, ahd. 493 494 Holter - Holler <?page no="513"?> holuntar, hol(d)er, mhd. holunter, holunder (I D . 2, 1184 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 108) kennt nur Hollerber (mit Varianten) ‘ Holunderbeere ’ . L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1000) kennen S AMBUCUS NIGRA und RACEMOSA ; S AM- BUCUS EBULUS kommt dagegen im Wallis nur sehr beschränkt vor. Der Typ Massholder für ‘ Feld- und Spitzahorn ’ wird unter dem HL M ASSHOLTER gesondert behandelt, der Typ Räckholder ‘ gem. Wachholder ’ (J UNIPERUS COMMUNIS , J UNI- PERUS SABINA ), mhd. reckolter, reckholter (I D . 2, 1188 f.) unter dem HL R ÄCKHOLDER . Das Simplex im Singular erscheint als Holder (1709, Saastal), zum Holler (Eisten; FLNK, Saas-Balen). Diese Belege sind maskulin; sie sind wohl als ‘ bei den Holunderstauden ’ zu deuten. Ein Diminutiv im Singular ist im Hollerli (Goppisberg); gemeint ist ein Dorfteil der Gemeinde, wo es Holunderstauden hat (laut Gwp.). zem Holdertin ‘ beim kleinen Gebiet mit Holunderstauden ’ (1299, Raron) ist wohl auch ein Diminutiv. Verbreiteter ist eine / - ERA / - ERNA / -Ableitung (der erste Typ bei S ONDEREGGER 1958, 471; der zweite Typ ist im Oberwallis verbreitet, vgl. Dischterna), eine Stellenbezeichung für Holunderstauden. Die Belege sind zir Holderen ‘ beim Gebiet mit Holundderstauden ’ (1700, Zermatt), uf de Holderne ‘ auf dem Gebiet mit Holunderstauden ’ (Grengiols), t Holderne ‘ das Gebiet mit Holunderstauden ’ (Niedergesteln), auff der Holdernen ‘ auf dem Gebiet mit Holunderstauden ’ (1710, Mörel), ze den Holdernen ‘ bei den Gebieten mit Holunderstauden ’ (1300, Unterbäch), Hollere (LT) und Houere ‘ die Holunderstauden ’ (Steinhaus, mit / l/ -Vokalisierung), z Holleren ‘ bei den Holunderstauden ’ (1648, Biel). Ein Genitiv Plural ist in Holdernerro Hv ᵢ sern ‘ bei den Häusern der Leute bei den Holunderstauden ’ (1307, Saas- Fee) belegt. Alle andern Fälle enthalten das HL als Bestimmungswort. In zweigliedrigen Komposita sind folgende Grundwörter belegt: Acher, Allmei, Biel, Gassa, Matta, Loch, Schluocht, Strich, Stüde, Ture, Wäg und Zug. Komplex ist ein Namennest der Hollerborstutz, der Hollerbortrog, der Hollerborwald (SK u. FLNK, Hollerbordwald) (alle St. Niklaus). Zu vermuten ist, dass in allen drei Namen Hollerbort ‘ das Bord (Abhang, Böschung) mit Holunderstauden ’ vorliegt. Holz Holz ‘ Holz ’ ist zu schwdt. Holz n., Pl. Hölzer, Dim. Hölzli, in der Bedeutung ‘ Wald ’ und ‘ Holz als Stoff, Bau-, Brennmaterial; Baumstamm, Balken, Block ’ (I D . 2, 1246 ff.), sowie zu wdt. Holz, Diminutiv Holzji, Pl. Helzer ‘ Holz ’ (G RICHTING 1998, 108) zu stellen. Als Flurname wird das Simplex Holz, Dim. Holzji, auch Holzi und Pl. Holze zur Benennung eines Waldes oder einer kleinen Siedlung im Wald verwendet, häufig verbunden mit Präpositionen wie im Holz, zum Holz. Insgesamt sind es etwa 50 Belege mit diesem Namen (eingeschlossen die Formen mit Houz, Houzji mit / l/ -Vokalisierung im unteren Goms). Hinzu kommen relative Lagen, die mit attributiven Adjektiven ausgedrückt werden: ts Änner Holz / Holzji (Glis, Visp), im Kleinen Holz (1839, Glis), ts Hinder / Hinner Holz (Glis, Visp, Ried-Brig, alle historisch), ts Inder Holz (Wiler), ts Ober Holz / Holzji (mehrfach), ts Uister Holz (Wiler), ts Unner Holz / Holzji (mehrfach). Nur einmal kommt bim Füüle Houzji (Ritzingen) vor (wohl ein Waldteil mit Faulholz) und einmal das Partizip ts Gfalle Holz ‘ das gefallene / gefällte Holz ’ (Oberwald), wo es wohl um einen Holzschlag geht. Einen seltenen Plural bietet z Wäle Helzru ‘ bei den feuchten Hölzern (Waldgebiet) ’ (Visperterminen). Der Übergang von den attributiven Bildungen zu den Komposita mit Holz als Grundwort ist, wie üblich, fliessend, vor allem bei adjektivischen Bestimmungswörtern. ts Grüeholz ‘ das grüne Holz ’ (Martisberg) hat ein palatalisiertes Grüe (vgl. I D . 2, 741 s. v. gruen). Das Gwärholz (Reckingen) geht vermutlich auf twër ch ‘ quer, schräg ’ (I D . 14, 1825 zurück, also der quer verlaufende Wald. ts Schmalholz (Steg) ist ein schmaler, kleiner Wald. Verbreitet ist die Verbindung Jungholz als Bezeichnung für einen Jungwald (I D . 2, 1251 f.), wobei der Name an Orten haftet, wo schon lange kein Jungwald mehr steht. Nicht adjektivisch sind die Typen Baholz ‘ Bannwald ’ (I D . 2, 1256) und Eiholz ‘ Eichenwald, Wald mit Eichen ’ (I D . 2, 1249) - nur selten ist jedoch im Vorderglied die Eie (Aue) vertreten. Ein blosses Präfix Firist in Firholz, Pl. Firhelzer, auch Furholz vorhanden; gemeint ist normalerweise das Gebiet vor dem Holz, also der Waldsaum (I D . 2, 1250 s. v. Vor-, Fürholz). Das Bachholz ‘ das Holz zum Backen ’ (Hohtenn) enthält den Zweck des geschlagenen Holzes. Das Guggiholz (Simplon) benennt den Wald oberhalb der Alpe Guggina (Aussichtsstelle); das (e)Riätholz (Kippel) den Wald oberhalb Chiipelriäd. Das Kestenholz (1539, Naters) meint einen Kastanienwald, ebenso Cheschtiholz (Filet); das Lerchenholz (1852, Hohten) einen Wald mit Lärchen. Locholtz (1301, Naters) und Lochholz (Termen) bezeichnen einen Wald in einer Mulde oder Höhlung. Jm Mu ᵉ liholts (1490, Ried-Brig) und das Mûliholcz (1505, Simplon) benennen einen Wald bei einer Mühle. Schindelholz (Termen und 1601, Naters) wird ein Wald genannt, aus dem Schindeln gewonnen werden (I D . 2, 1260). Etwas irreführend ist wohl Täholz (Eischoll, Turtmann): es geht hier nicht um Tannen, sondern um Ze Tännu, einen Weiler mit romanischem Tendona als erstbelegtem Namen. Mehrfach kommt das Teilholz Holz 495 496 <?page no="514"?> ‘ Wald, aus dem das Holz für die Geteilen stammt ’ (St. Niklaus, Visperterminen) vor (vgl. auch I D . 2, 1262 mit einer etwas anderen Erklärung). Zweigliedrige Bestimmungswörter finden sich in Milisteiholz (1470, Fiesch; 1593, Bellwald; 1580, Niederwald), das wohl einen Wald bei einem Ort namens Milistei ‘ Mühlstein ’ meint. Vorangestellte Genitive zu Holz sind vertreten in Gigers Holz (Erstbeleg 1388: Holz Gýgarro, Ried-Mörel) ‘ der Wald der Familie Giger ’ , wo vermutlich ein FaN gemeint ist und nicht die Berufsbezeichnung für einen Geiger, und ts Borisch Holz (Ried-Brig) mit einem Personennamen Bori, dessen Herkunft unklar ist. ts Pfaffuholz (Ergisch) enthält wahrscheinlich den FaN Pfaffen. Ursprünglich ist ein Genitiv Plural belegt in mehreren Namen mit Eiholzer, etwa Eyholzer Wald (17? ? , Eÿholtzero Wald, Eyholz), wo entweder ein Ort Eiholz oder der FaN Eiholzer vertreten ist (manchmal unentscheidbar). Unklar ist Kammeroholtz (1715, Ernen), wo vermutlich ein FaN Kammer gemeint ist (und nicht, wie I D . 2, 1253 formuliert, ein Wald, der einer bischöflichen oder fürstlichen ‘ Kammer ’ gehört). Erweitert ist die Konstruktion in Brunneren Eÿholtz ‘ das Eich-Holz der Familie Brunner ’ (1747, Mörel). Als Bestimmungswort ist Holz zusammen mit Acher, Bodu, Egg(a), Eie, Gassa, Grabe, Hee (hoch, heej), Hitta, Hooru, Hubel, Kapälla, Matta, Meiss, Rigg, Schlag, Schleif, Schluocht, Schwelli, Spitz, Stafel, Steg, Suon, Tola, Tschugge, Ture, Wäg, Wald, Wang, Wanna, Weid und Zug vertreten. Die Komposita Baholz, Eiholz und Jungholz kommen ebenfalls als Bestimmungswörter vor - es entstehen so Namen mit bis drei und vier Komponenten wie Eýcholcz Wasserleýta (1408, Bitsch), Jungholzwaldji (Naters) und Baholzgassa (Simplon). Nur als Bestimmungskonstruktion findet sich Liechtholz ‘ Lichtholz, Kienspan ’ (G RICHTING 1998, 127) in Liechtholzegga ‘ die Ecke, wo es Lichtholz (Kienspan) hat ’ (Zwischbergen). Komplexere Bestimmungswörter wie Holzmeis ‘ Holzhau ’ sind belegt z. B. in Holzmeisschleif und Holzmeisswald (beide Gampel); es gibt da auch einen vorangestellten Genitiv ts Heersch Holzmeis ‘ der Holzschlag des Herrn (Pfarrherrn) ’ (Mund). Ähnlich ist der Genitiv Plural bei einem Holzschleif: Griebieroholz Schleif (1638, Bitsch) meint den ‘ Holzschleif der Leute in den Grüebini (kleine Gruben) ’ . Manche dieser komplexeren Konstruktionen können mit Adjektiven wie Aalt, Grooss, Gmein, Hinder, Chlei, Ober, Under usw. verbunden werden, sodass Namen wie der Unner Holztschuggu (St. Niklaus) oder dr Ober Loosholzbodu (Leuk) entstehen können; Loosholz ist das den Geteilen zustehende Holz, resp. der Ort, wo es geschlagen oder verteilt wird. Die Ableitung Holzer, Dim. Holzerli meint entweder jemand, der im Holz arbeitet, oder den FaN Holzer (AAWB 126), der auch zu Holzi gekürzt werden kann. Im Einzelfall lässt sich nicht immer entscheiden, was gemeint ist. Prominent ist Houzer etwa in Binn mit Houzerehiischere ‘ bei den Häusern der Holzer ’ , Houzerspitz / Holzerspitz ‘ Felsspitze ob der Alpe Holzere ’ und weiteren. Zwar ist Holzer als FaN in Binn heute nicht belegt, doch legt die Parallele zu Schmidige und Schinere nahe, dass ein solcher FaN früher vertreten war. Neben Holzer kommen auch Eyholzer und Imholz als FaN vor; auch hier ist nicht immer klar, ob der FaN gemeint ist oder nicht. Zwei adjektivische Ableitungen zu Holz auf / - ÎN / und auf / - IG / sind belegt und in Namen vertreten: der Holzi Fat ‘ der Weideplatz in den Felsen mit Holz (Wald) ’ (Simplon) und der Holzig Fad (Randa, St. Niklaus, Täsch) mit ähnlicher Bedeutung. In beiden Fällen ist gemeint, dass der Fad mit Bäumen bestanden ist. Weitere Komposita mit diesen Adjektiven sind etwa tsem Holzini Chriiz ‘ zum hölzernen Kreuz ’ (Ferden) oder zer Holtzinen Hitten ‘ zu der Hütte aus Holz ’ (Simplon). Ein Paar von Namen besonderer Art bilden der Holzmüeterlitschuggu und der Holzfatterlitschuggu (beide Gampel). Es geht um zwei Felsblöcke, die vermutlich wie ein Paar von mythischen Waldwesen betrachtet wurden (vgl. I D . 4, 593 zu Holzmueter). Holzer (FaN) Holzer (FaN) ist ein FaN, der in den Urkunden auch Holtzer, Holtzers, Holczer, Holcers geschrieben wird (AWWB 126), im Gebiet mit l-Vokalisierung ist auch Houzer notiert. Als Simplex kommt nur die Ableitung Holzere (1685, Binn) in einer Aufzählung der Alpen im Binntal vor; gemeint ist hier die Alpe der Familie Holzer / Houzer, also ein Genitiv Plural zu Holzer. Dazu bildet sich ein Namennest in Binn und Ernen: von Holltzeren Börtren ‘ von den Börtern (Abhang, Böschung) der Familie Holzer ’ (1714, Binn), ts Houzere Hiischi ‘ das kleine Haus der Familie Holzer ’ (Binn), in Holtzero Sentumb ‘ im Senntum der Familie Holzer ’ (1625 u. später, Binn), Zouderhiischere ‘ zu der Holder Häusern ’ (Binn, LT Holzerhiischere), ze Holtzern Hÿsren ‘ bei den Häusern der Familie Holzer ’ (1527, Ernen), Houzerestadu ‘ der Stadel der Familie Holzer ’ (FLNK, Ernen) und - etwas entfernter - bim Houzerestadu(l) ‘ beim Stadel der Familie Holzer ’ (Mühlebach). Zu beachten ist, dass hier Holzero auch ‘ die Leute vom Holz ’ meinen kann; der Einfachheit halber wird jeweils ‘ Familie Holzer ’ gesetzt. Ein vorangestellter starker Genitiv Singular findet sich in Holtzers Hus ‘ das Haus der Familie Holzer ’ (1455, 497 498 Holzer (FaN) <?page no="515"?> Niedergesteln), Holtzers Schirlin ‘ die kleine Scheuer der Familie Holzer ’ (1701, Termen), ts Holzisch Färricha ‘ die Pferche der Familie Holzer ’ (Naters) mit der umgangssprachlichen / I / -Ableitung Holzi n. zu Holzer. Ein Genitiv Plural findet sich in Holtzero Hütten ‘ die Hütte der Familie Holzer ’ (1628, Martisberg). In Komposita ist Holzer als Bestimmungswort belegt: in der Holtzermatten ‘ in der Wiese der Familie Holzer ’ (1693 u. später, Raron), der Holzerwald ‘ der Wald der Familie Holzer ’ (Ried-Mörel) und das komplexere Holzerhüsmatte ‘ die Wiese beim Haus der Familie Holzer ’ (FLNK, Reckingen). In Eggerberg finden sich Holzi Eggini ‘ die kleinen Ecken der Familie Holzer ’ und der Holzihubol ‘ der Hügel der Familie Holzer ’ , sowie Holzinubiel ‘ der Hügel der Familie Holzer ’ (FLNK); da für den Holzihubol die Koordinaten fehlen, ist unklar, ob die beiden Namen den gleichen Ort bezeichnen. Hooru Hooru ‘ Horn ’ ist eines der geläufigsten Lemmata. Es ist zu schwdt. Horn, Hore n n., Pl. Horn, Hörner, Hore n , Dim. Hörnli, Höreli bzw. Hüreli, Hörle, Horli, Hürli allgm. ‘ Horn auf dem Kopf der Tiere, bes. des Hornviehs ’ und ‘ Horn als Stoff ’ (I D . 2, 1615 ff.) zu stellen. In geografischen Namen wird Horn zunächst für ‘ schroffe, meist kahle, scharf emporragende, z. B. aus einem Gebirgszuge sich abhebende Felsspitze, doch auch eine mit Grün bekleidete Pyramide oder ähnliche Bergform; hornartiger Vorsprung an Bergabhängen, Ausläufer einer Bergkette ’ verwendet; in unserem Gebiet bezeichnet es den Berggipfel, vgl. auch wdt. Hoore, Hoorä (Goms), Hoorn (Lötschtal), Hooru ‘ Horn, Berg (Matterhorn Z[ermatt]), Beule ’ (I D . 2, 1618; Z INSLI 1984, 571 und 1946, 22 ff.; G RICHTING 1998, 109). Diminutive bezeichnen meist nicht Gipfel, sondern ‘ kleinere Felsspitzen oder spitz zulaufende Felsbrocken auf Alpen und Ähnliches ’ . Ganz generell ist zu sagen, dass Gipfel relativ spät benannt wurden; erst die alpinistische und touristische Nutzung der Gipfel führte zu einer dichteren Namengebung, und ab und zu auch zu Unsicherheiten, die etwa im Vergleich von SK und heutiger LK zu finden sind. Weiter ist die Nomenklatur der Landestopografie in diesem Bereich besonders konfliktreich, da die höchsten Gipfel zumeist in einer hochsprachlichen Form notiert werden, die weniger prominenten Gipfel hingegen in einer dialektalen Form (W ERLEN 2008, 581). Als Simplex ist Hooru selten belegt; der bekannteste Fall ist das Hoore in Zermatt (sonst Matterhorn) - hier zeigt sich, dass speziellere Benennungen häufig erst eingeführt wurden, wenn die Differenzierung aus Gründen der alpinistischen Nutzung nötig wurde. Andere Simplizia benennen Felshöcker auf einer Alp wie ts Horen (Kippel) oder ts Horu (Saas-Almagell), um nur zwei zu nennen. Diminutive im Singular sind ts Hori (Naters) (wohl nach der Form des Gebietes), ts Hireli (Ulrichen) ‘ kleines Horn auf der Alpe Tellere ’ , ts Hirli (Binn) ‘ kleine Felskuppe auf der Schapleralpe ’ , ts Hirrlin (Blatten) ‘ kleiner Felszacken ’ , ts Horli (Fieschertal) ‘ kleiner Berggipfel (beim Eggishorn) ’ . Besonders interessant ist ts Hirrli (Zermatt), das als Hörnli in Hörnlihütte und Hörnligrat erscheint. Plurale wie Hirrlini (Ried-Mörel) ‘ hügelige Wiese ’ , Horlini (Mund) ‘ Felszacken ’ sind auch vertreten. In einigen wenigen Fällen sind Präpositionen wie Hinner dum Horu ‘ hinter dem Horn ’ (Saas-Almagell) und Unnerm Horu ‘ unter dem Horn ’ (St. Niklaus) vertreten. Fast unüberschaubar ist Hooru als Grundwort von Gipfelnamen vertreten. Die Gruppe der adjektivischen Attribute ist - wie häufig - nur schwer von den Komposita mit Adjektiven zu unterscheiden. Hierzu gehören Breithore (mehrfach), Glatt Horu (Simplon), Graw Hore / Graw Horli (Münster, Grengiols, Zwischbergen), Griehorli (Fieschertal), Hei Hore (Oberwald), Hibsch Horu (Ried- Brig, Simplon), Rothore (mehrfach), Schwarzhore (mehrfach), Spitzhoru (mehrfach), Wiishoru (mehrfach). Manche dieser Bildungen können erweitert werden, z. B. Zinalrothoru (Täsch, Randa). Einen Sonderfall stellt ts Liwänd Horen ‘ Gipfel, auf dem man ausruhen kann ’ (Blatten) dar, mit einem Partizip Präsens zum Verb liwwe ‘ ausruhen ’ . Auffällig auch die Dri Horlini (Saas-Almagell), eine dreigipflige Gruppe. Eine doppeldeutige syntaktische Konstruktion bilden Gipfelnamen, die ursprünglich auf einen Genitiv Plural zurückgehen, heute aber als Zugehörigkeitsadjektive interpretiert werden wie Almagällerhoru / Amigällerhoru (Saas-Almagell), Bättmerhore (Betten), Bitscherhoru (Naters, zum Bitschji), Fiescherhorli (Fiesch), Eggerhore (Ausserbinn) und andere, darunter das Matterhorn (Zermatt). Eher zum Typ der Zusammenrückung gehören die Konstruktionen mit einem Gemeinde- oder Weilernamen und Hooru, wie Äärgischhoru ‘ Ergischhorn ’ (Ergisch, Eischoll), Ämshoru ‘ Emshorn ’ (Agarn), Glishoru ‘ Glishorn ’ (Glis), Täschhoru ‘ Täschhorn ’ (Randa, Täsch) und Wilerhoru ‘ Wilerhorn ’ (Niedergesteln, zu Wiler (Lötschental)). Im weiteren Sinn gehören dann alle Konstruktionen dazu, bei denen eine unter dem Gipfel liegende Alpe, ein Weiler oder eine sonstige Flur den Gipfel spezifiziert. Drei nahe beieiander liegende Gipfel mögen als Beispiel ausreichen Bietschhoru (nach dem Bietschtal benannt) (Baltschieder, Blatten, Raron), Jegihoru (nach der Jegi ‘ Jagdgebiet ’ benannt) (Baltschieder, Niedergesteln), Jolihoru (nach dem Jolital benannt) (Niedergesteln). Manche dieser Namen sind durchsichtig, manche nicht, wie z. B. Alelliihoru / Allalinhorn (Saas- Hooru 499 500 <?page no="516"?> Almagell), das nach einer selbst unklar benannten Alpe Allalin benannt ist. Keinen Gipfelnamen meint Trubhoori in Ergisch; es ist nach einem Blasinstrument aus Horn, das Schaf- und Ziegenhirten mit sich tragen, benannt (I D . 2, 1624). Das Hirsihoru (Oberems) ist wohl nach dem Hirschhorn ‘ Hirschgeweih ’ benannt (I D . 2, 1621), die beiden Gipfel gleichen einem solchen Geweih. Eine Sondergruppe bilden die Hooru-Namen mit Personennamen (wozu Näheres bei W ERLEN 2008, 579 f. gesagt ist): Agassizhorn (Fieschertal), Dübihorn (Raron), Ulrichshorn (Saas-Fee, St. Niklaus) und andere. Solche Benennungen sind heute in der Schweiz unüblich. Manchmal werden die Komposita weiter modifiziert mit Paaren wie Grooss / Chlii, Inner / Üsser, Foder / Hinner usw. So gibt es das Chlei Aletschhoru (Naters), das Grooss und das Chlii Fiescherhore (Fieschertal), das Inner und das Üsser Barrhoru (St. Niklaus, Oberems). Auch komplexe Bestimmungswörter zu Hooru sind belegt, wie Finschteraarhore ‘ das Horn über dem Finsteraargletscher ’ (Bellwald), Finschteraar Rothore ‘ das rote Horn über dem Finsteraargletscher ’ (Bellwald), Mattwaldhoru ‘ Horn oberhalb der Alpe Mattwald ’ (Visperterminen) oder Grienbärghoru ‘ Gipfel oberhalb Grienbärg ’ (Saas-Almagell). Zu solchen Konstruktionen können auch adjektivische Bestimmungen gestellt werden, wie etwa in ts Gross Driiegghore ‘ das grosse Dreieckhorn ’ (Betten). Hooru als Bestimmungswort ist deutlich weniger vertreten. Zum Simplex Hireli gibt es Hirelisee und Hirelistock (alle Ulrichen), zum Hiri den Hiribode (Obergesteln), zum Hori Horiläger (Ferden), Horischnuär (Blatten), Horisuän (Blatten) und Horiwang (Kippel). Horebode (Ulrichen), Horegletscher (Zermatt), Horelamme (Ulrichen), Horengufer und Horenpfeed (beide Ferden) sind weitere Bildungen, wozu die Konstruktonen mit Horu wie in Horualpa, Horufat, Horulicka, Horumatta, Horuschlüocht, Horustafel, Horutal und Horuwäg kommen. Komplexere Bildungen können weitere Bestandteile enthalten: der Horuschlüochtstafil (Oberems) und der Horumattewald (Mund) sind zwei Beispiele dafür. Einen Sonderfall bilden Konstruktionen mit frpr. oder it. Bestandteilen wie Torrenthoru (Guttet, Leukerbad), Nuseyhorn (Varen), Leeshoru (Leukerbad), Aubrunhoru (Binn, zu Albrun) und Wairuhoru (Zwischbergen), die meist auf bestehende Orts- oder Flurnamen zurückgehen. Hooschtiu Hooschtiu f. ist nur in der Hooschtiunacher ‘ der Acker, auf dem Korn für die Hostien angebaut wurde ’ (Leuk; FLNK Hoschtiuachär) belegt. Das HL ist in I D . nicht enthalten, G RICHTING (1998, 108) hat wdt. Hooschtia, Hooschgä (Goms), Hooschtiu ‘ Hostie ’ . Zu unterscheiden ist es von Hoschtiiugrabo ‘ der Graben bei der hohen Stiia (Schweinekoben) ’ (Baltschieder) (cf. HL S TIIA ). K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 427) definieren Hostie als ‘ geweihte Oblate in der katholischen Messe ’ und führen es auf lat. HOSTIA ‘ Opfertier, Sühneopfer ’ zurück. Hopfen Hopfen m. ist historisch 1574 im Saastal als jn den Hopfen belegt. In Oberems erscheint 1722 jn den Hopfeten, wobei die Lesung auch hoffeten sein könnte; die / - ETE / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 482 ff.) bezeichnet eine gewisse Menge. Das HL ist zu schwdt. Hopfe n m., ahd. hopfo, mhd. hopfe zu stellen; ‘ Hopfen ’ ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Hanfgewächse (I D . 2, 1492; K LUGE / S EE- BOLD 25 2011, 424). G RICHTING (1998) kennt es nicht. BENB (1, 2, 288) bringt unter Hopfen eine Reihe von Belegen auf / - ERE / (< / - ARIA / ), aus denen es schliesst, dass Hopfenpflanzungen in älterer Zeit von grösserer Bedeutung waren; unsere zwei Belege zeigen, dass dies für das Oberwallis kaum der Fall war. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 216) weisen nach, dass H UMULUS LUPULUS (Hopfen) in der ganzen Schweiz verbreitet ist. B IELANDER (1985, 179) erwähnt wiuti Hopfe ‘ wilder Hopfen ’ (mit / l/ -Vokalisierung) für Lax. Hopschil Hopschil m. ‘ Frosch ’ ist zu schwdt. Hopschel m. und wdt. Hopschel, Hoschpl (Goms), Hopschul (Vispertäler), Hopschol (Rarner Schattenberge), Hoschpool (Leuk), Hopschil ‘ Frosch ’ zu stellen (I D . 2, 1495; SDS 6, 249; G RICHTING 1998; 109). Belegt ist das HL nur als Bestimmungswort in ts Hobschelhaaltji ‘ die kleine Halde mit Fröschen ’ (Randa), ts Hopschelbrunnji ‘ die kleine Quelle / der kleine Brunnen mit Fröschen ’ (Saas-Balen), t Hopschilwängjini ‘ die kleinen Grasabhänge mit Fröschen ’ (Raron). Unsicher ist t Hobsche (Simplon; LT Hopsche), der Hobschulsee (Simplon; LT Hopschusee; SK Hopschensee) und Hopschugrabe ‘ Graben von Hopsche hinunter ins Tafernatal ’ (LT, FLNK Simplon). J ORDAN (2006, 25) erwähnt neben Hopschä und Hopschusee auch Hopschuschtaaful ‘ Stafel der Alp Hopschä ’ und Hopschumattä ‘ Wiese bei der Alp Hopschä ’ (alle Simplon). Er erwägt den Plural von Hopschul ‘ Frosch ’ als Quelle. Das Hauptproblem dieser Deutung ist das fehlende / l/ in t Hobsche / t Hobschä und dem Bestimmungswort Hopschu. Wie I D . (2, 1495) mit dem Verweis auf Hopsel (2, 1494) indirekt andeutet, ist Hopschel auf die Interjektion hops (ebda.) oder das Nomen Hops m. (ebda.) zurückzuführen; ein / l/ -loses Hopschu / Hopsche wäre dann als Rückbildung möglich. Alternativ ist HL F RESCHA ‘ der Frosch ’ zu vergleichen. 501 502 Hopschil <?page no="517"?> Horb Horb ist zu schwdt. Horb, Horw nur noch als Ortsname für ursprünglich sumpfige Gegenden, mhd. hor, -wes, ahd. horo, horaw n. ‘ Kot, Sumpf ’ (I D . 2, 1592 f.) zu stellen. In zusammengesetzter Form mit dem HL L ÖUWINA als Zweitglied für ‘ Schlammlawine, Erdbruch ’ (I D . 3, 1539 ff.; Z INSLI 1984, 571). Belegt ist mit einer Ausnahme nur der Typ Horlöuwina in verschiedenen Ausprägungen: t Harlowena ‘ die Schlammlawine ’ (Täsch; FLNK Harlobana) und dazu der Harlowenuzug ‘ der Schlammlawinenzug / der Zug bei der Harlowena ’ , t Horlobena ‘ die Schlammlawine (heute überbaut) ’ (Zermatt), t Horloiwina ‘ die Schlammlawine ’ (Kippel, auch FLNK), uf dr Horloiwinu ‘ auf der Schlammlawine (Dorfteil von Wiler ’ (Wiler, auch FLNK), uf der Hoorloiwinu ‘ auf der Schlammlawine ’ (Ferden), an der Horolowinon ‘ an der Schlammlawine ’ (1390 u. später, Glis), apud Horlowinon ‘ bei der Schlammlawine ’ (1388, Embd), in der Horlowwinon ‘ in der Schlammlawine ’ (1399, Ried-Brig), der Horlowinen ‘ der Schlammlawine ’ (Genitiv konstruktionsbedingt) ’ (1653, Visperterminen), aúff der Horlauwinen ‘ auf der Schlammlawine ’ (1738 u. später, Staldenried), zer Horlöübinu ‘ bei der Schlammlawine (Dorfteil von Saas-Grund) ’ (Saas-Grund, auch FLNK; SK Horlauenen). Ganz isoliert ist t Horoiw ‘ die Schlamm-Aue ’ (Blatten, auch FLNK) und das dazu gehörende in Haúraú Zúnen ‘ im Zaun bei der Horoiw ’ (1803, Blatten) mit einer dt. Diphthongierung. Ein komplexerer Fall ist t Horloiwingräbem ‘ die Gräben mit Schlammlawinen ’ (Blatten; FLNK Horloiwingräbm, LT Horloibingräben). Horenmann (FaN) Horenmann (FaN) ist nur in ts Horenmaasch Grabem ‘ der Graben der Familie Hornmann ’ (Kippel) belegt. Es handelt sich um einen vorangestellten Genitiv. Ein FaN Horenmann oder eine Variante davon ist für das Oberwallis nicht belegt, vgl. aber den ähnlichen FaN Hirlyman für Mund. Eine Nachfrage bei I GNAZ B ELLWALD durch W ERNER B ELLWALD (p. c.) ergab, dass er den Namen als ts Horenmaarchsch Grabem kennt. Horen ‘ Horn ’ ist der Name einer Erhebung oberhalb der Hockenalp. Die March ‘ Grenze ’ betreffe vermutlich die Grenze zwischen dem alten und dem heutigen Hockenstafel. Name und Deutung erscheinen so etwas plausibler als die von M. S. notierte Variante, die einen FaN nahelegt. Horga Horga f. ist der historisch bezeugte Name einer Alpe oder eines Baches auf dem Gebiet der Gemeinden Baltschieder und Eggerberg. Das Simplex erscheint als Horga (1424, Eggerberg) und Horga (1424 u. später, Baltschieder). Der älteste Beleg in Baltschieder von 1381 hat Herga (de riuolo cui dicitur Herga ‘ vom kleinen Bach, der Herga heisst ’ ). In späteren Dokumenten wird Horga (1437, zweimal) als Graben (a fosso) bezeichnet, der die Grenze einer Alpe Breitwang bilde, die sich im Baltschiedertal befinde. In Baltschieder sind weiter belegt: die Horgawasserleiten ‘ die Wasserleitung von der Horga ’ (1381), die laut Kontext „ ad montem exteriorem “ (nach Ausserberg) führt, und in den Horgengraben ‘ in den Graben Horga ’ (1657). URNB (2, 252) und K RISTOL ET AL . (2005, 453) stellen Horgen zu Hor, ahd. horo, horwes ‘ Schmutz, Schlamm, Mist, Kot ’ (K ÖBLER 4 1993, 234) oder zu einem davon abgeleiteten Adjektiv ahd. horawig ‘ sumpfig ’ . Diese Deutung kann auch für Horga herangezogen werden; unerklärt bleibt dabei aber die Form Herga (1381). Wenn sie wirklich alt belegt ist, kann keine Entrundung angenommen werden; eine Deutung findet sich dann nicht. Hornie Hornie ist nur einmal 1413 in Agarn als eýs Hornie belegt, zu dem laut Dokument ein Weg der Leute vom Dorf führt. Der Kontext legt ein romanisches Wort im Plural nahe. Das nächstliegende Wort wäre Orgna (B RIDEL 1866, 14) ‘ un certain nombre de rangs de ceps dans une vigne [eine bestimmte Anzahl von Reihen von Rebstöcken in einem Weinberg] ’ . Diese Deutung ist jedoch sehr unsicher. Hose Hose f. ist zu schwdt. Hose n f., Dim. Hös(e)li ‘ Strumpf ohne Fuss ’ in der lebenden Sprache nur Plural ‘ Beinkleid ’ und wdt. Hosa, Hosä (Goms), Hose (Saastal), Hosu ‘ Hose ’ (I D . 2, 1688 f.; G RICHTING 1998, 109) zu stellen. Es ist nur belegt in der Hosunträger ‘ der Hosenträger (metaphorisch für ein Stück Wiese) ’ (Mund). Laut I D . (14, 577) bezeichnen Hosenträger übertragen ein ‘ schmales, längliches Grundstück ’ . Hosennen (FaN) Hosennen (FaN) ist ein Familienname, zunächst belegt für Törbel (AWWB 126; vgl. auch F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 860)). Er tritt im Genitiv Plural einer kollektiven / - IG / -Bildung dreimal als Hosenigo resp. Hosenigen ‘ der Leute des Hosennen ’ auf: silvam Hosenigo ‘ der Wald (lateinisch) der Familie Hosennen ’ (1731, Zeneggen), Hosenigo Eggen ‘ die Ecke der Familie Hosennen ’ (1687, Zeneggen) und Hosenigen Matten ‘ die Wiese der Familie Hosennen ’ (1721, Zeneggen). Die Gemeinde Zeneggen grenzt an Törbel, wo der FaN beheimatet ist. Horb 503 504 <?page no="518"?> Hosi Hosi ist als Bestimmungswort in Hosicheer (FLNK, Ausserberg) und der Hosischleif (Ausserberg) belegt. Es ist wohl zu Hose n ‘ Hosen ’ (I D . 2, 1688 f.; cf. HL H OSE ) zu stellen. Laut G RICHTING (1998, 109 s. v. Hosa, Hosä (Goms), Hose (Saastal), Hosu) ist Hosi der Diminutiv davon. Die Motivation ist unklar; bezeichnet könnte aber eine enge Stelle sein. Eine zweite Form ist als Bestimmungswort in Hoslisee (FLNK, Leukerbad) vertreten. LT kennt den See als Maijingsee (am unteren Ende des Maijingschleif). R. G RICHTING (1993, Blatt 21, Nr. 17) nennt den See Hoslisee. I D . (2, 1698) kennt das HL in verschiedenen Bedeutungen, von denen aber keine für das Oberwallis belegt ist. Ein Diminutiv Hosli zu Hosa ‘ Hose ’ ist laut R ÜBEL (1950, 13) nicht zu erwarten, da diminutives / li/ - ausser im Lötschental - überall zu / ji/ geworden ist. Die Motivation bleibt deswegen unklar. Hospital Hospital ist nur einmal belegt als retro closo hospitali ‘ hinter dem eingefriedeten Gut des Spitals ’ (1351, Salgesch). Die Gemeinde Salgesch verfügte früh über ein Spital, das vom Johanniterorden betrieben wurde. Das lat. HOSPITALIS ‘ gastfreundlich, gastlich ’ ist zum Nomen HOSPITALE ‘ Herberge ’ (REW 4187; FEW 4, 493 ss.) und zu HOSPITIUM ‘ gastliches Haus, Herberge, Unterkunft ’ (FEW 4, 499, cf. HL H OSPIZ ) zu stellen. Der geläufige wdt. Ausdruck dafür ist Spittel oder Spital (cf. HL S PITTEL - S PITAL ). Ob das lat. Zitat ein Appellativ oder einen Flurnamen meint, ist unklar. Hospiz Hospiz n. ist nur einmal belegt als ts Hóspiz ‘ das Hospiz (christliche Herberge) ’ (Simplon). Es handelt sich um das Gebäude der Chorherren vom Grossen St. Bernhard auf dem Simplon. J ORDAN (2006, 31) kennt es als Hooschpiz und dazu Hooschpizmatta ‘ die Wiese beim Hospiz ’ . Hospiz ist eine mit Hospital verwandte Form aus lat. HOSPI- TIUM n. ‘ Gastfreundschaft ’ , ‘ die christliche Herbergen meint ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 427). Hotel Hotel n. ist entlehnt aus frz. hôtel m. < lat. HOSPITALE n. ‘ Wirtshaus mit Gastzimmer ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 427). Das Simplex im Singular erscheint als bim Hotel ‘ beim Hotel (Riederalp) ’ (Ried-Mörel), zum Hotel ‘ beim Hotel im Älpji ’ (Saas-Almagell), pipem Hotäll ‘ beim Hotel (auf der Fafleralp) ’ (Blatten). Mit Appositionen erscheinen Hotel Belalp (FLNK, LT u. SK, Naters), Hotel Hüetegg ‘ das Hotel Hüetegg (bei der Hüetegga (Ecke, die aussieht wie ein Hut)) ’ (Eisten), ts Hotel Jungfrau ‘ das Hotel Jungfrau (heute Brandruine) ’ (Fiesch), ts Hotel Mattmark ‘ das Hotel Mattmark (eig. Hotel der Alpe Murmeltierberg) ’ (Saas-Almagell; heute abgerissen, wäre im Stausee Mattmark), Hotel Riffelberg ‘ das Hotel Riffelberg ’ (LT u. SK, Zermatt). Ein attributives Adjektiv findet sich in bim Altu Hotel ‘ bei alten Hotel ’ (Oberems). Das Grundwort ist in ts Torrenthotel ‘ das Torrenthotel (Hotel unter dem Torrenthorn) ’ (Albinen) und ts Tüübuhotel ‘ das Hotel auf der Gemmi ’ (Leukerbad) enthalten. Als Bestimmungswort kommt das HL nur in t Hotelmattu ‘ die Wiese beim Hotel (Hotel Susten) ’ (Leuk) vor. Hottigen Hottigen ist auf der SK (18, 13, Blatt 500 von 1891) verschrieben für den FlN Rotigu (Oberems), Alpe der Familie Roten, im Turtmanntal. Auf der späteren SK (17, 16, Blatt 487 von 1892) steht der Name richtig. Hotz (FaN) Hotz (FaN), Genitiv Hotsch, ist zum FaN Hotz zu stellen, der in Naters im 17. Jh. auftaucht, in dieser Ortschaft mittlerweilen jedoch ausgestorben ist (J OSSEN 2000, 81). Belegt ist es in Hotschplatz, FLNK Hotzplatz ‘ der Platz der Familie Hotz ’ (Naters). Höu Höu ‘ Hau ’ ist zu schwdt. Hauw, Hau, Pl. Häu ‘ Hieb, Holzschlag in einem Walde, der Ort, bzw. der betreffende Teil eines Waldes, wo Holz gehauen worden ist oder werden soll; so besonders in Gemeindewaldungen, wo das Abholzen in bestimmter Kehrfolge stattfindet, und wo der Ertrag unter die nutzungsberechtigten Bürger verteilt wird ’ , siehe auch Hau(w)wald (I D . 2, 1801 und I D . 15, 1484) zu stellen. G RICHTING (1998, 110) kennt nur das Verb howwe, höwwä (Goms), howwu, hoiwu (Lötschental), höüwu ‘ hauen, schlagen, umhacken (Acker) ’ . Das HL ist in rund 70 Flurnamen belegt. Das Simplex kommt nur in Zusammenhang mit Adjektiven und Zahlwörtern vor: der Erscht Höu ‘ der erste (Holz-)Hau ’ , der Niw Höu ‘ der neue (Holz-)Hau ’ , der Zweit Höu ‘ der zweit (Holz-)Hau ’ (alle Grengiols). Dazu kommen am gleichen Ort ts Salihöu ‘ der (Holz-)Hau unterhalb der Alpe Sali (Salweide) ’ , der Schärthöu ‘ der (Holz-)Hau im Gebiet der Schäärtegga (Ecke mit Felsscharten) ’ . Das vereinzelte Genus Neutrum in Salihöu könnte eine falsche Deutung als ‘ Heu ’ enthalten. Als Grundwort erscheint das HL nur einmal in ts Steigöuwwe Egg ‘ die Ecke beim Ort, wo man Steine gehauen hat ’ (Obergesteln), wo Gwp. davon spricht, dass man dort Granitsteine für die Türpfosten der Häuser gebrochen 505 506 Höu <?page no="519"?> habe. Hier liegt wohl G(e)houwe zu Grunde, das so im I D . nicht belegt ist. Der einfache Typ Höu findet sich weiter in einigen Komposita: Hauwacher ‘ der Acker beim (Holz-)Hau ’ (1755, Eischoll) (sofern nicht der umgestochene Acker gemeint ist), Howacker ‘ der Acker beim (Holz-)Hau ’ (16? ? , Unterbäch), t Höüweggini ‘ die kleinen Ecken beim (Holz-)Hau ’ (Saas-Almagell; Gwp. meint ‘ kleine Äcker ’ , was nicht zur Lautung passt), an die Howländer ‘ (unklar) an die Landstücke mit (Holz-)Hau ’ (1737, Bürchen), der Höuwald ‘ der Wald beim (Holz-)Hau ’ (Filet), an der Hoúwmatton ‘ an der Wiese beim (Holz-)Hau ’ (1585, Grächen). Häufiger sind die Typen Howata oder Howwete (BENB 1, 2, 297; I D . kennt die Ableitung so nicht). Auszugehen ist von einer / - ATA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 482 ff., bes. 484, wo er ‘ Ausbau, Rodung ’ angibt). Die von uns gewählte Deutung ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau ’ schliesst enger an das Verb howwe ‘ hauen ’ an, meint aber dasselbe: Land, das durch das Hauen von Holz gewonnen wurde, also gerodetes Land. Der Typ tritt im Singular als Howata ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1299 u. später, Stalden; 1393, Termen), dú Howata ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1303, Visp), t Howwetu ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (Hohtenn). Unsicher ist in Houwatun ‘ im Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1300, Baltschieder), doch ist hier der Singular wahrscheinlich. Häufiger ist das Simplex im Plural: in den Haúweten ‘ in den Gebieten mit (Holz-)Hau ’ (1644, Grächen; 1770, Raron; 1721, Zeneggen; 1671 in den Hauwetginen), t Hoibete ‘ die Gebiete mit (Holz-)Hau ’ (Bratsch), Houwette ‘ die Gebiete mit (Holz-)Hau ’ (1584, Eisten), t Höüwete ‘ die Gebiete mit (Holz-)Hau ’ (Saas-Almagell), Höüwette ‘ die Gebiete mit (Holz-)Hau ’ (FLNK, Saas-Grund), an den Howetten ‘ an den Gebieten mit (Holz-)Hau ’ (15? ? , Reckingen), t Howwete ‘ die Gebiete mit (Holz-)Hau ’ (Eggerberg und zehn weitere Gemeinden, Zermatt zweimal). Der Diminutiv des Simplex im Singular ist belegt als ts Höuwetgi ‘ das kleine Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (Fieschertal), im Houwetÿ ‘ im kleinen Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1679 u. später, Fiesch), ts Howwetggi ‘ das kleine Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (Zwischbergen; FLNK Howwetji) [die beiden / g/ stehen für eine Fortis] und ts Howwetji ‘ das kleine Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (Visperterminen). Der Plural des Simplex im Diminutiv erscheint als in den Howetienen ‘ in den kleinen Gebieten mit (Holz-)Hau ’ (1705, Ried-Brig), t Howwetgini ‘ die kleinen Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (Termen) und t Howwetjini ‘ die kleinen Gebiete mit (Holz-)Hau ’ (Hohtenn). Mit attributiven Adjektiven kommt das abgeleitete HL in zweigliedrigen Konstruktionen wie folgt vor: in der Chaltun Howatun ‘ im kalten Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1521, Täsch), an der Lengen Houwetten ‘ am langen Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1570), dv ᵢ Lenge Ho ᵛ wata ‘ das lange Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1310, Baltschieder), in den Lengen Howetun ‘ im langen Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1528, Saas-Almagell), ts Ober Howwetji ‘ das obere kleine Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (Visperterminen), Wildt Hou ᵕ wetten ‘ das wilde Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1621, St. Niklaus), die Wilten Hou ᵕ weten ‘ die wilden Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1540, Embd), ein Wylti Havetun ‘ ein wildes Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1628, Visperterminen; 1640 Vilde Hauueta) und Wylt Howeten ‘ das wilde Gebiet mit (Holz-)Hau ’ (1634, Eisten). Vorangestellte Genitive sind: ts Borisch Howwetu ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau des Bori (PN) ’ (Niedergesteln), an den Merschen Howaton ‘ an den Gebieten mit (Holz-)Hau der Familie Mersch / Merschen ’ (1469, Mund), in Schmidts Hoúwetten ‘ im Gebiet mit (Holz-)Hau der Familie Schmidt / des Schmieds ’ (1615, Raron), Wierelandz Ho ᵛ wate ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau des Wiereland (PN) ’ (1310, Visperterminen). Als Grundwort ist der Ableitungstyp vertreten in Bechun Owata ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau bei den Bächen ’ (1306, Ausserberg), (sub) der Erilho ᵛ watun ‘ (unter) dem Gebiet mit (Holz-)Hau beim Eril (Gebiet mit Erlen) ’ (1391, Stalden), t Sallhowwete ‘ das Gebiet mit (Holz-)Hau beim Sall (saalartiges Gelände) ’ (Eisten). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Bodu, Egg(a), Matta, Meigge, Schleif, Stapfa und Wald. Vermutlich gehört auch der unter HL H AUTS belegte Flurname in Staldenried hieher. Höupt Höupt ‘ Haupt ’ ist zu schwdt. Haupt, Hopt, Haut, Haup, H ō p, Hopp, Pl. Höpter, Höper, Dim. Höptli, Häutli, Häupli, Höpli ‘ Haupt ’ , mhd. houbet, ahd. houbit zu stellen; zum Wdt. siehe Höt, Hoid (Lötschtal), Höüt ‘ Kopf, Rind ’ (G RICHTING 1998, 109). Nhd. jetzt weitgehend durch ‘ Kopf ’ ersetzt; zur Verbreitung der Worttypen ‘ Kopf ’ und ‘ Haupt ’ im Schweizerdeutschen siehe SDS (4, 1, 2 und 4). In FlN ‘ runde Erhebung, besonders der Gipfel im Gegensatz zum Fuss des Berges ’ , das Präfix Hauptauch ‘ erst, wichtigst, oberst ’ (I D . 2, 1495 ff.; Z INSLI 1946, 51 und 324; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 399). In den Flurnamen ist zu unterscheiden zwischen Höupt als ‘ Erhebung ’ oder ‘ Gipfel ’ , Höupt als Zählwort für Rinder und dem modifizierenden Affix Haupt-, das entsprechend immer nur in Ableitungen auftreten kann; in einigen Fällen ist unklar, welche der Verwendungen vorliegt (z. B. Hou ᵕ ptstaffell (1469, Ernen), wo im Prinzip ‘ der Stafel bei der Erhebung ’ , ‘ der Rinderstafel ’ oder ‘ der wichtigste Stafel ’ gemeint sein kann; die lat. Übersetzung capitali stafel hilft dabei nicht weiter). Höupt 507 508 <?page no="520"?> Das Simplex Höupt ‘ rundliche Erhebung, Felskopf ’ ist in Randa, St. Niklaus und Zermatt (mehrfach) belegt; in Randa und Zermatt finden sich auch Komposita, welche die verschiedenen Höupt voneinander unterscheiden: ts Aalterhöüt ‘ der Felskopf im Gebiet Alter ’ (bei J ULEN ET AL . (1995, 210) als „ Runde Erhebung auf einem Bergrücken “ gedeutet), ts Gaaguhöüt ‘ der Felskopf beim Gebiet Gaaggu (Dohlen) ’ (bei J ULEN ET AL . (1995, 221) als „ Runde Erhebung oder Gipfel …“ gedeutet) und (unklar auf der SK) Triftelhaupt (bei J ULEN ET AL . (1995, 248) als Triftjuhöüd notiert und als „ Runde Erhebung …“ gedeutet) (alle drei Zermatt) und Gross und Chli Haupt (Randa), beide beim Höupt. Eine Adjektivbildung ist ts Gälu Höit ‘ das gelbe Haupt (gelblicher Felskopf) ’ (Oberems). Unklar sind Sandhöüt ‘ Sandhaupt (wohl Felskopf im Sandgebiet) ’ (Binn), ts Chaschtelhöüt (Saas-Fee), wohl eine Kombination von zwei Metaphern ‘ der Felsblock, der wie ein Schloss aussieht ’ , und Sant Johannshöüpt ‘ das Haupt des hl. Johannes des Täufers ’ (Naters) - Herodes liess laut Mt 14, 10 Johannes den Täufer enthaupten. Unklar ist, ob es hier einen Bildstock mit diesem Motiv gab, oder ob ein Felsblock so benannt ist. Die weiteren Belege enthalten Höupt vermutlich fast durchgängig in der Bedeutung ‘ wichtigst ’ - der Typ Höuptwasserleita ‘ die wichtigste Wasserleitung ’ (nach E ICHENBERGER 1940, 61; B ELLWALD / W ÜRTH 2006, PASSIM ) kommt er in Betten, Eggerberg, Fieschertal, Geschinen, Gluringen, Münster und Reckingen vor; in Bister ist die obre Hauptwasserleiten (1685) belegt. Wieweit Höüptwasser ‘ das wichtigste Wasser (Bach) ’ (Mühlebach), Haubtwasser ‘ das wichtigste Wasser (Bach) ’ (1760, Saas-Grund) und Höüptrüüs ‘ der wichtigste Wasserlauf ’ (Salgesch) inhaltlich das Gleiche bezeichnen wie Höuptwasserleita, ist unklar. Der Hoitgipfil ‘ Hauptgipel der Diablons ’ (Oberems) ist wohl aus dem Hochdeutschen entlehnt, hingegen sind die Hauptmeni ‘ die Aufladestelle für die Rinder / der wichtigste Aufladestelle ’ (1684, Gluringen), zum Houpthuss ‘ zum Haupthaus ’ (1580, Leuk), t Höütstatt ‘ die Stätte für die Rinder / die wichtigste Stätte ’ (Blitzingen) wie der schon erwähnte Hou ᵕ ptstaffell (1469, Ernen) mehrdeutig. Höuptma Höuptma ‘ Hauptmann ’ ist zu schwdt. Hauptme (I D . 4, 260 f.) zu stellen. Im Wallis ist der Titel Landeshauptmann für das Amt des Stellvertreters des Bischofs als Landesherrn und als Haupt der Zehnden (P H . K ALBERMAT- TER , https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 010254/ 2008-11-11 [21.09.2020; IW]) verwendet worden, daneben sind aber auch politische, militärische und andere Funktionen im Sinn von ‘ Anführer, Erster unter seinesgleichen ’ , ahd. houbitman, mhd. houbetman (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 399) gemeint. Als FaN scheint das Lemma im Wallis nicht belegt zu sein, wohl aber als Funktionsbezeichnung (vgl. Hauptmann im Register der HRBS). In den Namen kommt Höuptma, Höuptme, Höuptmi oder Hauptmann nur als Bestimmungswort im Genitiv vor; bei phonetisch notierten Belegen wird oft zum Typ Höupma assimiliert. Von den dreizehn Belegen sind die meisten wohl Funktionsnamen; manchmal wird der FaN des Hauptmanns genannt (z. B. in Hauptman Vintschen Hanffachren (1605, Leuk)). Die Grundwörter sind: Acher, Biel, Bodu, Egg(a), Fäld, Hüs, Schnitta, Schiir, Stafel und Wang. Einen Sonderfall stellt bi Höüpmatisch ‘ beim Tisch des Hauptmanns ’ (Mund) dar, wo eine Metapher für eine Felsplatte gemeint ist, die aussieht wie die Tischplatte, die einem Hauptmann gehört. Die komplexeste Bildung ist der schon zitierte ‘ Hanfacker des Hauptmanns Vintschen ’ in Leuk. Höüri Höüri ‘ Schreier, Nachteule ’ ist zu schwdt. Hauri m. ‘ Schreier ’ und Hauri n. ‘ Nachteule, Waldkauz ’ (I D . 2, 1519 f.) zu stellen. Im Wallis bezeichnet Höürer, Höörär (Goms), Hoiri (Lötschtal), Höüri ein ‘ Grossmaul ’ , einen ‘ Aufbauscher ’ (G RICHTING 1998, 109), laut Angaben der Gwpp. war z. B. der Besitzer von ts Hoirisch Weid in Ferden ein streitbarer Mann. Belegt ist das Simplex ts Höüri (Ausserberg), laut Beschreibung eine „ Kanzel “ , was eher zum Verb haure n ‘ laute Rufe ausstossen ’ (I D . 2, 1519) passt. Die übrigen Belege haben Höüri als Bestimmungswort: t Hoiriweid (auch: ts Hoirisch Weid) ‘ die Weide des Grossmauls ’ (Ferden), t Höüriweidu ‘ die Weide der Familie Roth mit dem Beinamen <ts Höüri> ’ (Gampel) und der Höüristei ‘ der Stein des Höüri ’ (Eisten); hier ist wohl auch eine Standfläche für einen Älpler gemeint, der sich laut äussert; das I D . erwähnt das Singen des Kuhreiens, das aber vermutlich im oberen Wallis nicht üblich war. Houz Houz ist als eys hovz (1326, Leuk) und eys hoz (1337, Leuk) belegt.Vermutlich liegt das HL O LZ , das zu frz. ail ‘ Knoblauch, Lauch ’ gestellt wurde, zu Grunde. In Houz liegt die Vokalisierung von / l/ vor, die in Olz nicht notiert wurde. Zur Deutung siehe HL O LZ (< frz. ail), hier als wilde Pflanzen in einem Weinberg zu verstehen. Die Schreibung mit {ou} entspricht der im frühen Französischen üblichen Vokalisierung von / l/ . Hubel Hubel m. ‘ Hügel ’ ist zu schwdt. Hubel m., Dim. Hübeli, Hibeli, Hübelti, Hubelti u. ä. ‘ Hügel, Anhöhe ’ auch ‘ kleine, runde Erderhöhung ’ (Z INSLI 1984, 571 und 1946, 324) und 509 510 Hubel <?page no="521"?> wdt. Hubl, Hubäl (Goms), Hubul (Vispertäler), Hubol (Schattenberge), Hubil ‘ Hügel ’ zu stellen. I D . leitete es vom Verb ‘ heben ’ ab, Wurzel *hub- (I D . 2, 948 f.; G RICH- TING 1998, 110). Die Verteilung der Auslaute der Maskulina auf / -il/ -ol/ ist bei R ÜBEL (1950, 7 f.) behandelt. Zur Verschärfung vor / l/ zu Hupla usw. vgl. R ÜBEL (1950, 14). Das HL ist in rund 270 Namen belegt. Das Simplex im Singular erscheint als dr Hubel oder ufem Hubel in 28 Belegen, als dr Hubil oder ufem Hubil in 11 Belegen, als dr Hubol oder ufem Hubol in 6 Belegen, als dr Hubu oder ufem Hubu in 9 Belegen (nur im unteren Goms mit / l/ - Vokalisierung). Das Simplex im Plural ist t Hubla (fünf Belege), t Huble (vier Belege), ts Huplu ‘ bei den Hügeln ’ (Termen), t Huppla (Naters), uf de Huple (Bellwald) und an den Hublen (1542 u. später, Mund) - hier sind meist hügelige Gebiete gemeint. Der Diminutiv im Singular ist als Hubelti (Zermatt; 1868 Feschel), ts Hubilti (Hohtenn, auch Hubelti), ts Hubolti (Ausserberg, Visperterminen), ts Hubulti (St. Niklaus, Zwischbergen; 1757, Simplon) bezeugt. Im Plural kommen t Hibultini (Simplon, mit entrundetem Plural nach Umlaut), t Hubeltini (Täsch), t Huboltini (Eggerberg, zwei Belege) und t Hupplini (Naters) vor - auch hier sind Gebiete mit vielen kleinen Hügeln gemeint. Die Präposition hinner ‘ hinter ’ kommt in hinner t Hubla ‘ hinter den Hügeln ’ (Varen) vor; Akkusativ an Stelle des Dativs ist für Varen auch sonst belegt. Mit attributiven Adjektiven oder Partizipien erscheint das HL wie folgt: der Gross Hubel ‘ der grosse Hügel ’ (St. Niklaus; 1720, Blitzingen), der Gstochi Hubel ‘ der steil ansteigende Hügel ’ (Blatten, Wiler), au ᵕ f dem Hangenden Hubel ‘ auf dem hängenden (steilen) Hügel ’ (1778, Bratsch), der Heidnisch Hubil ‘ der heidnische Hügel (wo die vorgeschichtliche Bevölkerung wohnte) ’ (Turtmann), der Chlei Hubel ‘ der kleine Hügel ’ (St. Niklaus), am Nydren Hubel ‘ am niederen (unteren) Hügel ’ (1448 u. später, Zermatt), der Ober Hubel (Ulrichen, Raron (Hubil), Eggerberg (Hubol)), der Rot Hubil ‘ der rote Hügel ’ (Albinen), beim Runden Hubel (1842, Oberwald), ts Schwarz Hubulti ‘ der kleine schwarze Hügel ’ (Zwischbergen), der Dirr Hubil / Hubol ‘ der dürre (trockene) Hügel ’ (Niedergesteln, Raron), der Unner Hubel (Ulrichen; 1448, Zermatt; Raron (Hubil), Eggerberg (Hubol)), ts Wiiss Hubulti ‘ der kleine weisse Hügel ’ (Zwischbergen); hieher ist - sofern ein Name vorliegt - auch das lat. super planum Collem ‘ auf dem ebenen Hügel ’ (1640, Salgesch) zu stellen, wobei unklar ist, ob lat. COLLIS hier identisch ist mit dem aus lat. CRISTA entwickelten HL G RECHTA . Vorangestellte Genitive des Besitzers oder Nutzers sind: der Heeruhubil ‘ der Hügel des Herrn Pfarrer ’ (Gampel, zwei Belege), ts Mantschetsch Hubil ‘ der Hügel der Familie Mayenzet ’ (Leukerbad), ts Opmisch Hubil ‘ der Hügel des Opmi (PN) ’ (Bratsch), das wohl zum PN Otmar zu stellen ist, ts Bitschisch Hubil ‘ der Hügel der Familie Bitschin ’ (Steg), auf Rotigen Hublen ‘ auf dem Hügel der Familie Roten ’ (1826, Raron und Ausserberg) und ts Stäffisch Hubol ‘ der Hügel des Stefan / der Familie Steffen ’ (Eisten). Nachgestellt ist das halb in Latein gehaltene in tumulo Näffigo ‘ auf dem Hügel der Familie Näffen ’ (1641, Ried- Brig) mit der kollektiven / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural. Häufig sind zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort. Eine erste, kleine Gruppe weisen Besitzer- oder Nutzernamen im Nominativ auf: der Feliizihubel ‘ der Hügel der Felicia / des Felicius ’ (Raron), der Fenderhubel ‘ der Hügel des Fähnrichs ’ (Kippel), wo unklar ist, ob es sich um eine Funktion oder den Inhaber der Funktion handelt, der Hagihubol ‘ der Hügel der Familie Hagi (laut Gwp.; Kurzform für Hagen? ) ’ (Eggerberg), der Holzihubol ‘ der Hügel der Familie Holzer ’ (Eggerberg), auf dem Hútterhúbel ‘ auf dem Hubel der Familie Hüeter / der (Flur-)Hüter ’ (Varen), t Jaagihubla ‘ die Hügel der Familie Jaaggi / des Jaaggi (PN Jakob) ’ (Bratsch), der Konsulubel ‘ der Hügel mit dem Haus der Familie Konsul (laut Gwp) ’ (Obergesteln), der Meierhubel ‘ der Hügel der Familie Meier / des Meiers ’ (Wiler), der Milljihubol ‘ der Hügel der Familie Miller ’ (Eggerberg), ts Nanserhubolti ‘ der kleine Hügel der Nanzer (unklar, ob FaN oder Geteilen der Alpe Nanz) ’ (Visperterminen), der ‘ Perischuhubil ‘ der Perischuhügel (im Pfynwald) (wohl zum FaN Perruchoud) ’ (Salgesch, Name mit Erstbetonung! ), Schitzuhubil ‘ der Hügel der Schützen (unsicher, ob der Schützengilde gehörend) ’ (Ergisch), der Wickerthubel ‘ der Hügel im Gebiet Wickert (PN Wighart) ’ (Glis), wo Wickert wohl nur noch als das Gebiet Wickert verstanden wird, Ängländerhubil ‘ der Hügel des Engländers (nach M ATHIER 2015, 133 ein Hügel, auf dem ein Engländer ein Haus zu bauen versuchte) ’ (Salgesch) und Zirrehubu ‘ der Hügel der Familie Zirren ’ (Fiesch). Je nach Deutung ist ein blosses Präfix in der Fiirhubil ‘ der Vor-Hügel / der Hügel mit Feuer ’ (Ergisch) vorhanden. Wenn das Präfix Vor - Fir gemeint ist, handelt es sich nicht um ein Kompositum, sondern um eine Präfixbildung. Wenn Fiir ‘ Feuer ’ gemeint ist, entsteht ein Deutungsproblem (wie es Gwp. anspricht: ein Feuer als Zeichen in Kriegszeiten). Bei den vielen weiteren Komposita sind meistens nahegelegene Flurnamen vertreten. Beispiele dafür sind: Finilhubel ‘ der Hügel beim Gebiet Finile (Heuschober) ’ (Unterbäch), t Flüehubla ‘ die Hügel auf der Flüe-Alp ’ (Leukerbad), Getwinghubil ‘ der Hügel bei Getwing ’ (Bratsch), der Gletscherhubil ‘ der Hügel am Märetschigletscher ’ (Agarn) und viele andere. Anders zu verstehen sind: Heidehubu (Ernen), der Heiduhubel (Brig), der Hei- Hubel 511 512 <?page no="522"?> duhubil (Unterems), wo Heide (wie in Heidehüs ‘ Heidenhaus ’ ) auf eine vorgeschichtliche Besiedlung verweist; das bekannteste Beispiel ist der Heidnischbiel (Raron). der Gaugehubu (Ernen) und Galguhubol (Eggerberg) verweisen - im Fall von Ernen stehen die Galgensäulen noch - auf eine frühere Richtstätte. Das Gegenteil sind Hügel mit religiösen Bauten wie Kapälluhubil ‘ der Hügel mit der Kapelle ’ (Salgesch) und der Chrizhubil ‘ der Hügel mit dem Kreuz (Jungmannschaftskreuz) ’ (Turtmann), Ein dritter Typ hat mit Tieren zu tun: der Gläckhubol ‘ der Hügel mit der Leckstelle für das Vieh ’ (Niedergesteln), der Guggerhubel (mit Varianten) ‘ der Hügel, wo man den Kuckuck hört ’ (Ausserberg, Blatten, Kippel, Varen), der Hennuhubel ‘ der Hügel, wo sich Hühner aufhielten ’ (Blatten), wobei Auer- oder Rebhühner gemeint sein können, ob dem Schlangen Húbell ‘ oberhalb des Hügels mit Schlangen ’ (1824, Bellwald). Bei den nahegelegenen Flurnamen sind eine Reihe von ursprünglichen Patois-Namen mit dem dt. Hubel interessant: Foljerethubel ‘ der Hügel unterhalb des Gebietes Foljeret ’ (Leukerbad), der Grächtschabluhubil ‘ der Hügel beim Schleif der Grächta (Grat, Krete) ’ (Leuk) (mit einem zusammengesetzten romanischen Namen), Laljethubil ‘ der Hügel im Gebiet Laljet ’ (Albinen), Muskatellhubel ‘ der Hügel, wo die Muskatellrebe wächst ’ (1728 u. später, Leuk und Varen), der Märetschuhubil ‘ der Hügel bei der Määretschu (Sumpfgebiet) ’ (Hohtenn), der Pflantschanghubil ‘ der Hügel beim Gebiet Pflantschang (ebenes Feld) ’ (Varen), der Tschachtuhubil ‘ der Hügel bei den Tschachten (Felsstücke) ’ (Varen), Duduhubil ‘ der Hügel im Gebiet Dude (Pfrundgut) ’ (Varen), der Tüübuhubil ‘ der Hügel auf der Tüübu ’ (Leukerbad) (wir nehmen an, dass Tüübu romanisch ist). Für die Deutung der Patois-Namen siehe die entsprechenden HLL. Ein Kompositum ist besonders schwierig zu deuten: hier werden die beiden HLL H UBEL und B IEL kombiniert zum Typ der Bielhubel (mit Varianten) (Eischoll, Ergisch, Eyholz, Glis, Hohtenn); es scheint, dass hier ein Hubel in einem grösseren Gebiet gemeint ist, das Biel heisst - beide HLL sind ja generell als Hügel zu verstehen. Seltsam ist der Gipfelname der Alphubel (Saas-Fee, Täsch) - ein Viertausender, der wohl wegen seiner Form als Hubel bezeichnet wird. Alphubelgletscher (Täsch) und Alphubeljoch (Saas-Fee, Täsch) sind danach benannt. Mehrgliedrige Komposita sind etwa der Fooder und der Inner Weiduhubil ‘ der vordere und der innere Hügel bei der Weide ’ (Gampel), der Hängerthubil ‘ der Hügel mit / bei dem Heim-Garten ’ (Niedergesteln), der Chalberweidhubil ‘ der Hübel im Gebiet Chalberweid (Weide für die Kälber) (Erschmatt), der Liechtbielhubol ‘ der Hügel im Bereich von Liechtbiel (heller Hügel) ’ (Stalden) und viele andere. Ein noch komplexerer Name ist Bielä bim Chrizhubil ‘ die Hügel beim Kreuzhubel ’ (Turtmann). Schwierig zu deuten ist dr Waldbruäderhubel ‘ der Hügel, der wie ein Waldbruder aussieht (unklar) ’ (Kippel). Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bach, Flüö, Gassa, Gartu, Gletscher, Gufer, Hee (hoch, heej), Matta, Schiir, Schnitta, Tschugge, Wäg, Wald, Wang und Weid. Nur einmal belegt ist t Hublete ‘ das Gebiet mit den vielen Hügeln ’ (Unterbäch), das eine kollektive feminine / - ETE / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 482 ff.) enthält. Huber (FaN) Huber (FaN) ist zum FaN Huober, Huber, Hueber, heute Hüeber (AWWB 127) zu stellen. Er kommt zumeist im Genitiv Singular auf -s vor: Hu ᵕ bers Hu ᵕ smatta ‘ die Hauswiese der Familie Huber ’ (1633, Martisberg), Hüebersböümgartu ‘ der Baumgarten der Familie Huber ’ (Naters, FLNK), das Húobers Ackerli ‘ der kleine Acker der Familie Huber ’ (1793, Termen), Hu ͦ bersmatta ‘ die Wiese der Familie Huber ’ (1306 u. später, Törbel), an Hubers Wasen ‘ am Grasstück der Familie Huber ’ (1519 u. später, Törbel). Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Bestimmungswort sind: jm Huoberboden ‘ im Boden der Familie Huber ’ (Betten), Hüeberhauta ‘ die Halde der Familie Huber ’ (Steinhaus FLNK, mit / l/ -Vokalisierung). Eine vermutlich feminine Ableitung auf -( ER ) I ist belegt in vf Huoberÿ Gu ᵕ ot ‘ auf dem Gut der Frau Huber ’ (1644, Betten). Möglich ist jeweils auch eine Funktionsbezeichnung: Huber ist jemand, der eine Hube (siehe Hueb (I D . 2, 957 f.) und Hueber (I D . 2, 962 f.)) bewirtschaftet. Zu Huben im Oberwallis siehe G ATTLEN (2007, 320 für Bürchen); eine der Bedeutungen von lat. MANSUS ist ‘ Hube ’ (D U C ANGE 5, 230a s. v. MANSUS ). Hubert (PN) Hubert (PN) ist als dr Hubert (Kippel; FLNK Zum Hubärt) belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um einen Bildstock (Dank an W. B ELLWALD , p. c.). Er befindet sich im Chipelwald auf der Nordseite des Tales. Der heilige Hubert ist Patron der Jäger und Jagdhunde (D UDEN FaN 2000, 337). Hüet (Kopfbedeckung) Hüet m. ist zu wdt. Huet, Hüet, Hüot m., ahd. und mhd. huot m. ‘ Kopfbedeckung ’ zu stellen, wobei nicht immer klar von Hüet ‘ Obhut ’ f. unterschieden werden kann (I D . 2, 1783, K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 432; G RICHTING 1998, 110). Sicher eine Kopfbedeckung ist im historischen Beleg ze dem Hv ͦ te (erstmals 1301, Eisten) gemeint. Dazu gibt es ein Namennest in Eisten mit Hüotegga, Hüotlowwina, Hüotrufina, Hüotschipfa, Hüotegga und dem Hotel Hüet- 513 514 Hüet (Kopfbedeckung) <?page no="523"?> egg. Auch zur Bedeutung ‘ Hut (Kopfbedeckung) ’ gehört der historische Beleg Hu ᵕ ot (o. J., Saas-Fee), unsicher ist Hu ͦ t (1496, Saastal), ebenso der obere Hu ᵕ ottacher (1824, Bellwald). Auch jn den obren Hut Bodmon (1516, Ulrichen) ist unklar, aber es scheint, dass sich das Maskulinum auf Hut bezieht (als Dorfteil wäre Hut Feminin). Bodmon ist hier vermutlich ein Genitiv - dem Sinn nach wäre also ‘ der oberste Teil des Gebietes Boden ’ anzunehmen, was aber dem Genus widerspricht. Guggelhaut in Saas-Almagell wurde sehr wahrscheinlich hyperkorrekt vom schwdt. Guggelhuet ‘ hoher, spitzer Rundhut ’ abgeleitet (I D . 2, 1786). Hüet Hüet f., im Lötschental auch Huet, ist zu schwdt. Huet f. wie nhd. ‘ Obhut ’ , ‘ Hüterdienst eines Hirten ’ (I D . 2, 1793) oder als Ableitung zu Verb hüete n ‘ hüten ’ (I D . 2, 1794) zu stellen; das bei G RICHTING (1998. 110) als Hüöt für die Rarner Schattenberge belegte Wort ‘ Herde ’ spielt kaum eine Rolle. Im Einzelfall kann die Deutung sich ändern: von einer Gruppe von Tieren über die Wildhut zur Wacht (z. B. über die Reben). Bei den Bestimmungswörtern lässt sich nicht immer klar abgrenzen, ob Huet m. ‘ Kopfbedeckung ’ oder Huet f. ‘ Hut (des Viehs) ’ gemeint ist. Der Diminutiv Huäti n. ‘ der kleine Hüteplatz ’ (Wiler) ist der einzige Simplex-Beleg. Als Bestimmungswort ist hierzu Huätitschuggen ‘ der Fels beim kleinen Hüteplatz ’ (Wiler) belegt. Hüet ist als Grundwort nur einmal in t Twiderhüet ‘ die Hut für die Widder ’ (Binn) belegt. Als Bestimmungswort kommt Hüet vor mit den Grundwörtern Acher und Biel. Mehrfach belegt ist der Typ Huothüüs ‘ Huthaus ’ (1709, Ausserberg; 1549 u. später, Leuk; 1568 u. später, Salgesch). Dazu führt G R W B (10, 1990) s. v. Huthaus ‘ Haus für die Wache ’ , bairisch auch ‘ Wohnhäuschen, das die Gemeinde ihrem Hirten überlässt ’ aus. In unserem Kontext könnte das Haus auch den Flurhütern überlassen worden sein, doch gibt es dafür keine Zeugnisse. Der vorangestellte starke Genitiv Huedsmat ‘ die Mähwiese beim Gebiet, wo Vieh gehütet wurde ’ (1786, Naters) ist singulär; ob die Deutung stimmt, ist nicht klar. Die Form Huätu ‘ das Gebiet, wo das Vieh gehütet wurde ’ ist so in I D . nicht belegt, entspricht aber wohl dem ahd. huota (G RAFF 4, 803); sie kommt als Bestimmungswort in mehreren Komposita in Blatten vor: Huetufluä ‘ die Fluh beim Gebiet, wo das Vieh gehütet wurde ’ (mehrfach), Huätuschluächt ‘ die Geländeeinbuchtung beim Gebiet, wo das Vieh gehütet wurde ’ , Huätufluäschiir ‘ die Scheuer bei der Huetufluä ’ . Eine / - ER / -Ableitung Hüeter ‘ Hirt, Hüter ’ (I D . 2, 1797) meint appellativisch den Flurhüter, den Rebhüter oder den Wildhüter, kann aber auch als Familienname verstanden werden (cf. HL H ÜETER (F A N)). Ein ganzes Namennest bildet sich um das Hüeterhüsi ‘ das kleine Haus des Hüters ’ (Visperterminen) mit den Namen Hüetertschuggu ‘ der Felsblock beim Hüeterhüsi ’ (Visp), Hüetertschugguschleif ‘ der Schleif vom Hüetertschuggu herunter ’ (Visp), Hüetertschuggerschleif ‘ der Schleif vom Hüetertschuggu herunter ’ (Eyholz). Gemeint ist hier das Häuschen, das der Hüeter (Aufseher über die Wasserleitung) bewohnte (vgl. hierzu die Schilderung von F. G. S TEBLER (1901, 40 ff.) zum Hioterhüsi ‘ das kleine Haus des Hüters ’ in Visperterminen). Bei dem von Hüet abgeleiteten Namen Hüeter m. ‘ Hirt, Rebhüter ’ (I D . 2, 1797) kann nicht immer klar vom FaN Hutter urkundlich auch Huter, Huoter, Huters, Huoters, Hütters unterschieden werden (AWWB 127). Daneben kommen vor die Grundwörter Hubil ‘ der Hügel, von dem aus die (Flur-)Hüter Wache hielten ’ (Leuk, Salgesch), Egga und Stei. Eine komplexe, verhochdeutschte Form ist belegt als Wildhüterhütte ‘ die Hütte für die Wildhüter ’ (Ferden). Hüeter (FaN) Hüeter (FaN) ist zum FaN Huter, Hutter, Huoter, Huters, Huoters, Hütters (AWWB 127) zu stellen, wobei auch das Appellativ schwdt. Hüeter m. für ‘ Hirt ’ oder ‘ Rebhüter ’ gemeint sein kann (I D . 2, 1797) (cf. HL H ÜET ). Das Simplex ist im Genitiv ts Hüotersch ‘ das Gut der Familie Hüeter / des Hüters ’ (Visperterminen) vertreten - die nähere Bezeichnung (Hüs, Güet) ist erspart worden. Weitere starke Genitiv sind Huotters Gúoth ‘ das Gut der Familie Hüeter ’ (1684, Ried-Brig), z Hu ᵕ tters Hau ᵕ s ‘ das Haus der Familie Hüeter ’ (1594 u. später, Eggerberg), Hüotersch Biel ‘ der Hügel der Familie Hüeter ’ (Naters) und - komplexer - ts Steihüotisch Drieschta ‘ die Driesta (unfruchtbares Gebiet) der Familie Hüeter beim (Grenz-) Stein ’ (Mund) und ts Steihüotisch Hüs in der Drieschtu ‘ das Haus der Familie Hüeter beim (Grenz-)Stein in der Driesta (unfruchtbares Gebiet) ’ (Mund). Ein schwacher Genitiv Plural ist einmal belegt: (lat.: antiquum domum) Huetrigo ‘ das alte Haus der Familie Hüeter ’ (1730, Lalden). In den andern Fällen ist Hüeter ein Bestimmungswort, das - wie ausgeführt - auch einen Flurhüter oder Ähnliches bezeichnen kann: in d Hutermatten ‘ in die Wiese der Familie Hüeter ’ (1688, Guttet), aúf dem Hútterhubil ‘ auf dem Hügel der Familie Hüeter / der (Flur-)Hüter ’ (1834, Varen), ts Hüoterhüsi ‘ das kleine Haus der Familie Hüeter / des Hüters ’ (Visperterminen), t Hüotertschugge Hüet 515 516 <?page no="524"?> ‘ die Felsen beim Hüeterhüsi ’ (Visperterminen, Eyholz), der Hüoterwald ‘ der Wald der Familie Hüeter ’ (Eggerberg). In Visperterminen ist wohl eher der Aufseher über die Wasserleitung gemeint (cf. HL H ÜET ). Alternativen sind ts Hüetersch Weiderli ‘ die kleine Weide der Familie Hüeter ’ und ts Hüeteregguweiderli ‘ die kleine Weide bei der Hüetereggu (Ecke der Familie Hüeter) ’ (beide Niedergesteln). Huff Huff f. ‘ die Hüfte ’ ist zu schwdt. Huff f. ‘ Hüfte ’ und wdt. Huft ‘ Hüfte ’ (I D . 2, 1052; G RICHTING 1998, 110) zu stellen. R ÜBEL (1950, 19) hat Hufbei ‘ Hüftbein (bei den Kühen) ’ , bestätigt also die Form ohne die / t/ -Endung. Belegt ist der Diminutiv Hufji als Bestimmungswort in Hufjigrat ‘ der Grat, der einer kleinen Hüfte gleicht ’ (Niedergesteln, Raron). Hug (FaN) Hug (FaN) ist zum FaN Hug zu stellen, in den Quellen auch Hugs, Hugz, Hux geschrieben, der vom PN Hugo abgeleitet ist (AWWB, 126). Das Simplex ist belegt in im Hug ‘ im (Gebiet der Familie) Hug ’ (1818, Raron). Eine allein stehender Genitiv Plural der kollektiven / - ING / -Ableitung ist Hugingo ‘ der (Wein-)Berg der Leute des Hug / der Familie Hug ’ (1254, Naters). Vorangestellte starke Genitive sind: Hügschbiinna ‘ das Pflanzland der Familie Hug ’ (Naters) (Gwp. gibt Hutter, aber die historischen Belege haben Hug), ze Hugs Hvse ‘ beim Haus der Familie Hug ’ (1305 u. später, Staldenried), in Húgs Lamen ‘ in der Felskluft der Familie Hug ’ (1815, Ernen), Hugsmatta ‘ die Wiese des Hug / der Familie Hug ’ (1306, Eisten). Komplexer ist Harhugxmatta ‘ die Wiese des Herrn (? ) Hug ’ (1436, Steinhaus); hier ist unsicher, ob es sich um einen Namen (Harhug) oder zwei und, wenn ja, welche handelt. Zwei Belege enthalten Hüg als Bestimmungswort: die Hügmatten ‘ die Wiese der Familie Hug ’ (1679, Ried-Brig) und ts Hügsand ‘ das Sandgebiet der Familie Hug ’ (Glis). Die Formen mit {ü} erklären sich aus der Anwendung der Palatalisierung auf das lange / u: / des Namens. Hugo (PN) Hugo (PN) ist zum PN oder gleichlautenden FaN Hugo (AWWB, 126) zu stellen. Belegt ist es drei Mal: Hu ᵕ go=Gu ᵕ t ‘ das Gut der Familie Hugo / des Hugo ’ (1801, Unterems; 1835: Hugungut), Hugomatte ‘ die Wiese der Familie Hugo / des Hugo ’ (1811, Guttet), der Hüügustei ‘ der Stein der Familie Hugo / des Hugo ’ (Erschmatt). Die Form Hüügu entspricht der Palatalisierung von / u: / zu / ü: / . Huitbrächt (PN) Huitbrächt (PN) ist ein PN, der in Blatten zusammen mit dem Suffix / - SCHA / - SCHU / (Gut, Eigentum des Huitbrächt) verwendet wird. Die Belege sind t Huiprächtscha (mit Assimilation), t Huitbrächtscha und t Huitprächtschuschiir ‘ die Scheuer bei der Huitbrächtscha (Gut des Huitbrächt) ’ (alle Blatten). Der Stamm des Namens ist vermutlich Beracht (F ÖRSTEMANN 1, 281), der erste Teil Huit kann zu Hut (F ÖRSTEMANN 1, 921) gestellt werden, doch muss angenommen werden, dass die ursprünglich germanischen Namen im Lötschental in einer verkürzten Form überliefert wurden. Humbrecht (PN) Humbrecht (PN) ist ein PN, der in Humbrechtz Gaden ‘ der Gaden des Humbrecht ’ (1495, Ernen) und Humbrechschun ‘ das Gut des Humbrecht ’ (1299, Staldenried), einer / - SCHA / - SCHU / -Ableitung, belegt ist. Der PN ist bei F ÖRS- TEMANN (1, 928) als Variante zu Huncbert erwähnt. Hund Hund ist zu schwdt. Hund m., Pl. Hünd m., nhd. ‘ Hund ’ (I D . 2, 1421 f., in FlN Hinweis auf langgestreckte Anhöhen siehe I D . 2, 1429) oder Appellativ Hund als pejoratives Element ‘ schlecht zugängliches Gelände, unfruchtbarer Boden ’ (TGNB 2, 2, 308 ff.) zu stellen. Das Tier Hund ist nur in wenigen Belegen gemeint. G RICHTING (1998, 110) kennt Hund, Hind (Plural) ‘ Hund ’ . Das Simplex ufum Hund ‘ auf dem Hund ’ (Staldenried) bezeichnet einen steilen Geröllhang, beidseitig abfallend. Ein Simplex im Diminutiv ist ts Hindji (auch Hingji) ‘ der kleine Hund ’ (Eisten), ein Felsvorsprung (Schipfa), der wie ein Hundekopf aussehe (Gwp.). Sonst kommt das HL nur als Bestimmungswort vor. Der häufigste Typ ist dabei t Hundschipfa (Eggerberg und andere Gemeinden) mit verschiedenen Formen (vgl. HL S CHIPFA ) und der allgemeinen Bedeutung ‘ hervorragender Fels, der an einen Hundekopf erinnert ’ . BENB (1, 2, 315 ff.) betont den pejorativen Charakter der Verbindung. Weitere Grundwörter sind Bodu, Haalta und Heffti. der Hundesprung ‘ Felsen, der so hoch ist, wie ein Hund springt (? ) ’ liegt in Filet. In den Belegen t Huntshefti (Eisten) und dÿ Hundheffti (Grächen), die sich wohl am gleichen Ort befinden, ist wohl gemeint, dass dort (Jagd-)Hunde angeheftet (an die Leine angebunden) wurden, weil der Ort so steil war. Seltsam ist das mehrfach belegte Hunckellen (1396 u. später, Mühlebach), Hu ᵕ ngköllen (1618, Ernen), die gleiche Alpe. Der Flurname lässt sich als Hund und Chella analysieren, ohne dass die Deutung klar ist. Ob der FaN Hunkeler (vor allem im Kanton Luzern belegt, vgl. 517 518 Hund <?page no="525"?> F AMILIENBUCH DER S CHWEIZ 2, 884 f.) hier eine Rolle spielt, ist sehr unsicher; der FaN ist im Oberwallis nicht belegt. E. W ASER (LUNB) und M. H. G RAF (I D .) führen den FaN auf einen Flurnamen Hunkele bei Ruswil (LU) zurück. Wie die historischen Belege bei K ÜNG (1990), J. L. B RANDSTETTER (1919) und Z IHLMANN (1984) zeigen, ist die Deutung unklar: einerseits wird auf Hund und gellen ‘ durchdringend tönen, rufen, schreien, heulen ’ (K ÜNG 1990, 81 nach I D . 2, 208) verwiesen, anderseits auf Chelle (unklare Angabe, aber wohl zu Chële n (I D . 3, 198) zu stellen; so bei Z IHLMANN (1984, 206)). In allen Fällen handelt es sich aber nicht um eine Alpe, sondern um tieferliegende Fluren auf ca. 770 m. Komplexer sind t Obru und t Undru Hundschepfe (Visperterminen), t Obru und t Unndru Huntschipfe (Staldenried) und das historische Boden Hu ᵕ ntschuffin ‘ der Boden beim unangenehmen überhängenden Felsen ’ (1402, Termen). Hundert Hundert n. ist als Zahlwort schwdt. hundert (I D . 2, 1436) erfasst. G RICHTING (1998, 110) kennt es als wdt. hunnert, hundrt (Lötschtal), hunnärt ‘ hundert ’ mit der optionalen Entwicklung / -nd-/ -> / -nn-/ . Belegt sind der Hunnertjeerige ‘ der Hundertjährige ’ (Oberems), ein Fels, der aussieht wie ein vom Alter gebeugter Mann, also metaphorisch, und di Drihundertchleetrigu ‘ die dreihundert Klafter grossen Lose im Talgrund ’ (Leuk) (laut Gwp.). Chleetrig scheint ein Adjektiv zu wdt. Chlaafter, Chlaaftr (Lötschtal), Klaaftär ‘ Längenmass, Flächenmass, Raummass ’ (G RICHTING 1998, 49) zu sein, vgl. g e -chläfterig ‘ ein Klafter haltend, messend ’ (I D . 3, 635), das allerdings nur für Zürich belegt ist (cf. HL C HLEETRIGU ). Hunger Hunger ist entweder zu schwdt. Hunger m. wie nhd. ‘ Begierde nach Speisen ’ , in FlN für ‘ unfruchtbare, unwirtliche Gegenden ’ (I D . 2, 1448 f.) zu stellen oder zu einem FaN Hunger, der im Register zu den HRBS mehrfach vertreten ist und für Mund (1619; 1663) und Naters (1657) auch in den historischen Belegen vorkommt. Bei G RICHTING (1998, 110) ist Hunger, Hungr (Lötschtal), Hungär ‘ Hunger ’ belegt, aber ohne Hinweis auf Lokalnamen. Als einfache Ableitung ist belegt t Hungeru ‘ die Alpweide Hungeru ’ (Oberems), die als ‘ geringe Weide, schlechtes Gras ’ umschrieben wird - Hunger wird also im Sinn einer unfruchtbaren Alpweide verstanden. Im gleichen Turtmanntal ist eine Diminutivbildung ts Hungerli ‘ die Alpe Hungerli ’ (Oberems, historisch auch Turtmann) belegt. Um diesen Namen herum ist ein Namennest entstanden mit Hungerligletscher, Hungerligraad, Hungerlihorli, Hungerlitelli, Hungerli der Oberstafil, Hungerli der Mittilstafil, Hungerli der Unnerstafil und dem komplexen Namen Bossigu Hungerli Unner Stafel (cf. hierzu HL B OSSIGU ). Auf Grund der Belege lässt sich nicht entscheiden, ob Hunger ‘ unfruchtbare Alpe ’ oder Hunger, resp. Hungerli als FaN zu Grunde liegt. Weitere Belege finden sich als Hungerbärg in Obergesteln und Oberwald, als Hungerbiel in Eisten. Zu Oberwald gibt es zwar eine Erklärung, die Hunger auf Ungarn zurückführt, doch scheint sie eher volksetymologisch zu sein. Vermutlich sind auch hier unfruchtbare Alpweiden oder Hügel gemeint. Hunpen Hunpen kommt nur einmal vor im historischen Beleg 1300 - 1330 in Münster, wo ein Gebiet Hunpenbùnda genannt wird. Während Bùnda zum HL B IINA ‘ Pflanzplatz ’ zu stellen ist, bleibt Hunpen unklar. Ob ein verkürzter PN z. B. zu Humbert vorliegt (F ÖRSTEMANN 1, 931), ist sehr unsicher, aber angesichts des Genitiv auf / -en/ des HL nicht unwahrscheinlich. Hunziker (FaN) Hunziker (FaN) ist nur dreimal belegt: t Hunzikerbrigga ‘ die Brücke des Herrn Hunziker ’ (Stalden), ts Hunzikersch Platz ‘ der Platz des Herrn Hunziker ’ (Stalden) und ts Hunzikersch Schleif ‘ der Schleif des Herrn Hunziker ’ (Stalden). Um 1913 wurde in Brig eine Firma zur Fabrikation von Tunnelsteinen für die Auskleidung des Simplontunnels gebaut; Inhaber dieser Firma war ein Hans Hunziker (https: / / hls-dhs-dass.ch/ de/ articles/ 0295 51/ 2008-01-16; [14.04.2020; IW]), der u. U. auch in Stalden tätig war. Zum FaN Hunziker vgl. Hunziker (httsp: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 020447/ 2008-01-16[14.04.2020; IW]) und F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 885 ff.) ohne Hinweis auf den FaN im Wallis. Huob Huob f. ‘ Hube ’ ist zu schwdt. Hueb f., ahd. huoba, mhd. huobe ‘ Stück Land von gewisser Grösse, Hufe ’ , ursprünglich ‘ ein Lehengut, von bestimmter Grösse ’ , jetzt ‘ teils einen Weiler, teils einen einzelnen Bauernhof ’ bezeichnend. Die Hufe ist nicht ein äusseres Mass, sie bezeichnet eine wirtschaftliche Grösse ‘ etwa was zur Ernährung einer Familie hinreicht ’ (I D . 2, 957 ff., K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 428). Ausführlicheres zu Hufe als Rechtsbegriff siehe HRG (1978, 2, 248 f.). Der FaN Huober / Huber ist davon abgeleitet (cf. HL H UBER (F A N)). Möglich ist jeweils auch eine Funktionsbezeichnung: Huber ist jemand, der eine Hube (siehe Hueb (I D . 2, 957 f.) und Hueber (I D . 2, 962 f.)), bewirtschaftet. Zu Huben im Oberwallis siehe G ATTLEN (2007, 320 für Bürchen); eine der Bedeutungen von lat. MANSUS ist ‘ Hube ’ (D U C ANGE 5, 230a s. v. MANSUS ). Hundert 519 520 <?page no="526"?> Belegt ist das Simplex im Singular als Huba (1251, Stalden; da das / u/ nicht modifiziert ist, kann auch Hüba ‘ Haube ’ gemeint sein), Hube (1300, Lalden; auch Hüba ‘ Haube ’ kann gemeint sein), t Hüeb ‘ die Hube ’ (Selkingen; historisch schon 1593 als in der H ů b), in der H ů b (1573, Glis), t Hüob (Mund). Genitive Plural zeigen Balmerro H ů ba ‘ die Hube der Leute von Saas-Balen ’ (1390, Saas-Balen) und Grútzingo Halbhu ᵉ ba ‘ die Halbhube der Leute vom Grutz / des Grutz (unklar) (1328, Visp) mit der Erweiterung Halb zu Huob. Halbhube ist weiter in Halbh ů ba (1453, Visperterminen) und dem Diminutiv das Nyder Halbhu ᵉ byde ‘ die untere kleine Halbhube ’ (1349, Niederwald) belegt. Als Grundwort kommt das HL weiter vor in Winth ů ba ‘ die Hube, die dem Wind ausgesetzt ist ’ (1355 u. später, Ernen) und ts Windhüebi ‘ die kleine Hube, die dem Wind ausgesetzt ist ’ (Fiesch). Als Bestimmungswort findet sich das HL zusammen mit Acher, Biel, Matta und dem Kompositum Wasserleita (auch als Suon bezeichnet) Eine Ableitung vffem H ů ber (1599, Zeneggen) kann entweder zum FaN Huber oder zu einer Stellenbezeichnung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 525 f.) ‘ der Ort, wo eine Hube ist ’ , gestellt werden. Huote Huote ist zweimal belegt: in Eisten als Halpzhuote (1320), in Erschmatt in zen Huoten Riten (1365). Der erste Beleg enthält wohl ein Neutrum Huote n., das sonst so nicht belegt ist. Es ist zu schwdt. Huet II ‘ Obhut ’ (I D . 2, 1793 f.) zu stellen, ein Neutrum ist allerdings im I D . nur für G e hüet ‘ die Herde der Gemeinde ’ (I D . 2, 1794) belegt. Zu verstehen ist die Stelle als ‘ das Stück Land für eine Herde für einen halben Tag ’ . Im zweiten Beleg ist zen Huoten Riten ein Plural mit dem Grundwort Riten, das für ‘ Kuh, die nicht mehr trächtig wird ’ (I D . 6, 1663) gebraucht wird; es ist zu verstehen als ‘ beim Ort, wo die nicht mehr trächtig werdenden Kühe gehütet werden ’ . Huoten ist als Partizip zu schwdt. hüete n ‘ hüten ’ und wdt. hiete, hiätä (Goms), hietu (Vispertäler), hietn (Lötschental), hiätu ‘ hüten ’ (I D . 2, 1794; G RICHTING 1998, 107) zu stellen. Hüotmacher (FaN) Hüotmacher (FaN) ist zum im Oberwallis inzwischen ausgestorbenen FaN Hüotmacher zu stellen, wie Gwp. angibt. Belegt ist im Register zu den HRSB mehrfach der Beruf eines Hutmachers, als FaN ist der Ausdruck jedoch nicht bezeugt. Belegt ist nur ts Hüotmacherchi ‘ das Kinn (Graben) der Familie Hutmacher ’ (Naters; FLNK u. LT Hüetmacherchi). Hüpoltru (PN) Hüpoltru (PN) ist nur als der Hüpoltrucheer ‘ der Kehr / die Kehre des Hutbold (PN) (unklar) ’ (Niedergesteln; FLNK Hüpoltercheera) belegt. Es scheint sich um einen PN zu handeln, der am nächsten an F ÖRSTEMANN (1, 234) Hutpald oder Hutpold (1, 921) erinnert. Ob der Name als PN oder als Beiname gebräuchlich war, ist unklar. Hupp Hupp ist zu schwdt. Hupp(e n ) m. ‘ buschige Quaste ’ und Huppi n. ‘ kleiner Federbusch auf dem Kopfe von Hühnern ’ , ‘ aufgerichtete Haarbüschel ’ , ‘ Tier mit einem Busch auf dem Kopfe ’ zu stellen; die meisten Bedeutungen sind für das Wallis nicht belegt. In FlN als Hinweis auf eine Erhebung bzw. rundliche Bodenform (I D . 2, 1486 f.). Die Grundform Huppist eine Intensivbildung zur Wurzel des Verbs heben, also zu *hub- (I D . 2, 1487). Auch BENB (1, 2, 324) verweist auf diese Stelle. Als Simplex erscheinen der Huppo (Mund), ts Huppi (Ausserberg, Unterbäch (historisch, 1636), Raron) und der Plural t Huppä (Wiler, zwei verschiedene Orte), wohl alle als Erhebung oder rundliche Bodenform zu verstehen. Nur einmal ist Huppä Grundwort in Weritzhuppä ‘ die Erhebungen beim Weritzstafel ’ (Wiler). Als Bestimmungswort ist vor allem der Typ Hupphane ‘ Hahn mit Busch auf dem Kopf ’ , auch Hupphani ‘ der kleine Hahn mit Busch auf dem Kopf ’ (vgl. auch I D . 2, 1374 Huppihuen) vertreten in Bellwald, Eyholz, Kippel, Visp und Zermatt; in Kippel auch Ober Hupphann - vermutlich überall ein Ort, wo solche Hähne ihren Balzplatz hatten. Kippel hat auch t Huphanschluächt ‘ Geländeeinbuchtung beim Huphann ’ . Weiter kommt Huppuchnubel ‘ runde Erhebung bei den Huppä ’ (Wiler, zweimal) vor. Die restlichen Belege Hüpbiel (1544, Eggerberg), Hipbiel (1600 u. ö., Visp) und Hippbodo ‘ der Boden mit einer rundlichen Form ’ (Ausserberg) sind unklare Varianten mit Umlaut oder Entrundung. Seltsam ist das Partizip Präsens in Ausserberg für aúffum Huppenden Biell (1630) und in den Huppenden Eggen (1700, später Huppen), die eine Deutung von ‘ sich rundend ’ zulassen. Sie können zum Verb huppe n III ‘ hüpfen ’ (I D . 2, 1487) gestellt werden. Hupts Hupts ist nur in Huptshubel ‘ der Haupt-Hügel ’ belegt (1838, Leuk). Es handelt sich um einen Genitiv Singular in einer hyperkorrekten Form (Hupt < Haupt < Houpt). 1810 ist in Feschel von der alten Huptmarch belegt; es ist unklar, ob hier ‘ Haupt ’ (I D . 2, 1495) oder ‘ Huet ’ (I D . 2, 1791 s. v. Huet II, Bed. 5 ‘ Abteilung einer Gemeinde ’ ) gemeint sind. In Leuk dagegen liegt sicher eine hyperkorrekte Form vor. 521 522 Hupts <?page no="527"?> Hürde Hürde f. ist nur 1303 in Eyholz als Hv ᵢ rde belegt. Es ist zu schwdt. Hurd f., Pl. Hurte n , mhd. hurt, nhd. ‘ Hürde ’ , ‘ Flechtwerk aus Ruten ’ zu stellen. Als FlN sind Bedeutungen wie ‘ Zaun ’ , ‘ Gattertür am Zaun ’ , ‘ eine zur Zeit des Weidgangs eingezäunte Waldwiese ’ (I D . 2, 1603) ewähnt. Im Text ist vom ganzen Besitz an Land in diesem Gebiet die Rede. Aus dem Kontext ergibt sich eine genaue Deutung nicht, deswegen wird einfach ‘ Hürde ’ gesetzt. Hurris (FaN) Hurris (FaN) ist ein inzwischen ausgestorbener FaN aus Lötschen ( VON R OTEN 1991, 113 und Fn. 21). Der Name kommt in zwei Belegen als vorangestellter Genitiv vor: under Hurrisch Bord ‘ unter dem Bord der Familie Hurris ’ (Blatten) und t Hurrisch Fura ‘ die Furche der Familie Hurris ’ (Kippel). Hurs Hurs ist ein unklares HL, das nur in Haberhursum (1320, Visperterminen) belegt ist. Der Kontext spricht von einem Weinberg, der oberhalb der Strasse nach Visperterminen liegt. Die Stelle im Dokument wurde von P HILIPP K ALBERMATTER (p. c.) überprüft. Der erste Bestandteil des Namens ist Haber ‘ Hafer ’ ; Hursum dagegen ist unklar. Das HL wurde ursprünglich zu Hüs ‘ Haus ’ gestellt, doch gibt auch das keinen guten Sinn. Hüs Hüs n. ‘ Haus ’ , im unteren Oberwallis auch Hüüs, im Lötschental und Simplon Huis, ist zu schwdt. H ū s, n., Pl. Hüü š er, H īš er, Hüüser, Dim. H ū si, Hüüsi, Hü(ü)sli, H ū sli wie nhd. ‘ Haus ’ (I D . 2, 1700 ff.; G RICHTING 1998, 110) zu stellen. In FlNN kann Hüs auch eine Klein-Siedlung meinen, aber nicht wie im bekannten Dativ Plural -hûsen (TGNB 2, 2, 311). Als erstarrte Dat. Pl.-Formen treten mehrere Zen Hischren ‘ bei den Häusern ’ usw. auf, die Kleinsiedlungen mit mehrern Häusern meinen. In einigen Fällen kann der Name an eine ehemalige Siedlung (Wüstung) erinnern, oder einfach eine metaphorische Benennung eines Geländes sein. Von den rund 640 Flurnamen mit Hüs weisen wenige sichere Belege des Simplex im Singular auf: beÿm Ha ŭ se ‘ beim Haus ’ (1817, Binn), bim Hüs ‘ beim Haus ’ (Ausserbinn), im Ha ŭ s (1824, Bellwald) und vnder dem Haús ‘ unter dem Haus ’ (1708, Steg), alle mit einer Präposition; dazu kommen Diminutive bim Hiischi (Oberwald) und im Hiischi (Hohtenn). Ein Plural des Diminutivs ist t Hiischjini ‘ die kleinen Häuser ’ (Grengiols), auch t Hiischini (Hohtenn). Häufiger ist der schon erwähnte Dativ Plural auf / - ERE ( N )/ , meist mit der Präposition ze(n). Der älteste dieser Belege stammt von 1302 in Unterbäch: zen Huisuren. Die übrigen rund zehn Belege verteilen sich über das ganze Oberwallis. Einen Sonderfall bilden in der Hischieren (1714, Ergisch) und zen Hischieren (1711, Unterems), die sich auf einen FaN H ISCHIER beziehen, der vermutlich eine palatalisierte -/ LER / -Ableitung zu Hüs ist (vgl. HL H ISCHIER (F A N) und die FaNN Hüsler und Häusler ausserhalb des Wallis). Ein Dativ Plural des Diminutivs ist als zu Hischinu ‘ bei den kleinen Häusern ’ (Randa, Staldenried, Zwischbergen) belegt. Mit attributiven Adjektiven ist das HL mehrfach verbunden: rund zehn Mal kommt Aalt ‘ alt ’ vor in z ŭ m Alten Hüss (1592, Bürchen) oder im Plural (seltener) beÿ den Alten Häusern (1834, Obergesteln). Das Gegenstück zum Niwwu Hüs (Eisten) ist auch etwa zehn Mal belegt. Zem Nidren Huss (1545, Ernen), auch als Kompositum z Niderhiischru ‘ bei den unteren Häusern ’ (Visperterminen) ist mehrfach belegt, ebenso ts Ober Hüsi ‘ das obere kleine Haus ’ (Birgisch), auch als ts Ober Hiischeru ‘ bei den oberen Häusern ’ (Randa), und zum Undru Hüs ‘ bei unteren Haus ’ (Eisten). Etwas aus der Reihe tanzt únter den Haússern ‘ unter den Häusern ’ (1847, Staldenried), wo die Präposition an Stelle einer Lokaladjektivs steht. Ebenfalls lokal, aber seltener, sind zum Änndru Hüs ‘ beim jenseitigen Haus ’ (Staldenried) und zum Üssru Hüs ‘ beim äusseren Haus ’ (Eisten). Dreimal belegt ist der Typus zum Hochen Haus (1705, Eisten), vermutlich ist die hohe Lage gemeint. Einen Sonderfall stellt ts Leng Huis ‘ das lange Haus ’ (Simplon) dar, das sonst auch nach seinem Erbauer Barralhuis ‘ das Haus des Pater Barral ’ heisst. Als Farbadjektiv ist mehrfach ts Wiiss Hüüs ‘ das weisse Haus ’ (Eyholz) belegt, das sich auf die auffällige Farbe bezieht (man denke daran, dass die üblichen Holzhäuser nicht gestrichen waren, sondern die braune Holzfarbe aufwiesen). im Rotu Hüüsi ‘ im kleinen roten Haus ’ (Visperterminen) kann die Farbe meinen; laut Beschreibung steht aber das Haus nicht mehr. Unsicher ist auch Grawuhüs ‘ beim grauen Haus ’ (FLNK, Zermatt), wo unter Umständen auch ein FaN vorliegen könnte. Nur einmal erscheint ein Partizip als Attribut: bÿ dem Gebrochnen Haús ‘ beim gebrochenen (zerstörten) Haus ’ (1679 u. später, Simplon). Viele Belege weisen vorangestellte Genitive zum Grundwort Hüs auf; es handelt sich hier um PN oder FaN, die Besitzer oder Nutzer kennzeichnen. Einige Beispiele, zuerst mit dem Genitiv Singular: ts Aadriasch Huisin ‘ das kleine Haus des Adrian ’ (Kippel), ts Bongaartersch Hüüs ‘ das Haus der Familie Baumgartner ’ (Ausserberg), ts Doktorsch Huis ‘ das (Ferien-)Haus des Doktor Daniele Pometta ’ (Kippel), das auch ts Pomettasch Huis heisst, ts Fälisch Hüüs ‘ das Haus der Familie Felder ’ (Unterems). Dann Genitive Plural: in Grossigo Haús ‘ im Hürde 523 524 <?page no="528"?> Haus der Familie Grossen ’ (1761, Bitsch), ze Holdernerro Hv ᵢ sern ‘ bei den Häusern der Leute vom Holderbaum ’ (1307, Saas-Fee), Schmidige Hiischere ‘ bei den Häusern der Familie Schmid / der Leute des Schmieds ’ (Ortsteil von Binn), zu Simundigen Hÿsren (1587, Agarn) und manche anderen. Gelegentlich sind auch PN und FaN angegeben: zu Thomo Hischiers Hauss ‘ beim Haus des Thomas Hischier ’ (1687, Unterems), bin ts Christenägsch Hüs ‘ beim Haus des Christian Eggs ’ (Ritzingen), wobei der Genitiv hier unklar ist. In vielen Fällen sind die PN und FaN einfache Erstglieder eines Kompositums mit dem HL H ÜS als Grundwort: ts Eimhüüs ‘ das Haus der Familie Eim ’ (Hohtenn, FLNK hat Zeimhüs), beim Gûttheilhaús ‘ beim Haus der Familie Guttheil ’ (1763, Naters), ts Illtehüs ‘ das Haus des Illte (? ) ’ (Grengiols, FLNK hat Ziltehüs), Zantuhüs ‘ das Haus des Anton (unsicher) ’ (Eischoll, hist. Belege sind unklar) und andere. Manchmal können sowohl im Genitiv wie auch in Komposita Bezeichnungen von Behörden oder Berufen erscheinen, etwa sechs Belege zum Schitzuhüs ‘ zum Schützenhaus ’ (Unterbäch), dann Bärgheerehüs ‘ das Haus der Bergwerksbesitzer ’ (Grengiols), auf der Gmeind Haus ‘ auf dem Haus der Gemeinde ’ (1740, Bratsch), auch als ts Pmeihüs ‘ das Haus der Gemeinde (Stalden), beide mehrfach vertreten, ts (e)Raathüs ‘ das Rathaus ’ (Leuk), ts Grossmeiersch Hüs ‘ das Haus des Grossmeiers ’ (Grächen), ts Amuhüs ‘ das Haus des Ammans ’ (Stalden), wozu auch zu Antsmans Haus ‘ beim Haus des Ammanns ’ (1636 u. später, Oberems u. Unterems) gehört, t Hirtuhuisini ‘ die kleinen Häuser der Hirten ’ (Ferden): grosse Steine, die den Hirten als Schirm dienten, zum Wärterhüs ‘ zum Wärterhaus ’ (Raron, gemeint ist das Haus des Bahnwärters, heute obsolet), wozu teilweise wohl auch tsum Wachthüüsi ‘ zum kleinen Wachthaus ’ (Baltschieder) und andere zu zählen sind, die als Bahnwärterhäuschen fungierten, heute aber verschwunden oder umgewidmet sind. Nur wenige Belege enthalten Tiernamen, wobei das zwölf Mal auftretenden Fuggshüs ‘ das Haus der Familie Fux / das Haus, wo Füchse angelockt wurden ’ (Hohtenn) vermutlich meistens die zweite Bedeutung hatte: eine Hütte, in der ein Köder für Füchse ausgelegt wurde, um die Tiere zu fangen und zu töten. Das Tierchatzuhiischi ‘ das kleine Tierkatzenhaus ’ (Eyholz) hingegen war ein Unterschlupf, wohl für den Luchs. zem Maadrihuis ‘ zum Haus mit einer Marderfalle ’ (Blatten) heisst ein Haus, das eine Marderfalle beherbergte. Z Hennen Haus ‘ das Haus des Hennen ’ (Visperterminen) enthält vermutlich den Genitiv einer Kurzform Henn zum PN Johannes, und nicht den Tiernamen für das Huhn. Manchmal gibt das Bestimmungswort die Verwendung des Hauses an. Prominent dafür ist ts Bachhüs ‘ das Backhaus ’ (Staldenried), das insgesamt rund fünfzehn Mal vorkommt; weniger häufig sind zum Badhüs ‘ zum Badhaus ’ (Brigerbad), zum Büüchhüüs ‘ zum Waschhaus ’ (Hohtenn) und ts Buicherhuis ‘ das Waschhaus ’ (Ferden, Kippel), daz Offenhus ‘ das Ofenhaus ’ (1402, Mund), Saaguhüs ‘ das Haus mit der Sägerei ’ (Erschmatt), Schiesshús ‘ das Schiess-Haus ’ (1749 u. später, Ernen), bim Schüelhüs ‘ beim Schulhaus ’ (Staldenried und drei weitere Belege). Im weiteren Sinn gehören hierzu auch ts Maschiinuhüsi ‘ das kleine Maschinenhaus (des Elektrizitätswerks) ’ (Visperterminen), ts Radio Rottu Hüsi ‘ das kleine (Sende-) Haus des Regionalradios Radio Rottu ’ (Visperterminen) und Turbinuhüs ‘ das Turbinenhaus ’ (Unterbäch). Rund fünfzehn Mal kommt der Typ ts Steihüs ‘ das Haus aus Stein ’ (Oberems) vor; offenbar waren Steinhäuser in einer Gegend mit Holzhäusern auffällig; beim Weiler Steinhaus (heute Ernen) wurde daraus ein Siedlungsname. Etwas anders zu deuten ist ts Stundhüs ‘ das Stund-Haus ’ (Visperterminen), das eine Wegstunde (zu Fuss) von Visp weg liegt. Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita kommt das HL vor allem im Typ t Hüüsmatta ‘ die Haus-Wiese ’ (Brigerbad) vor, der in verschiedenen Varianten und häufig nur historisch über fünfzig Belege aufweist. Daneben sind als Grundwörter nur belegt: Acher und Egg(a). Komplexere Formen sind selten. Als Beispiele seien aufgeführt: Hüsachercheer ‘ der Cheer (Strassenkehre) beim Hausacker ’ (Törbel), der Huismattubiel ‘ der Hügel bei der Hauswiese ’ (Simplon), t Huismattuschiir ‘ die Scheuer bei der Hauswiese ’ (Ferden), H ŭ bers H ŭ smatta ‘ die Hausmatte der Familie Huber ’ (1633, Martisberg) und t Niderhischerachra ‘ die Äcker, die zum Weiler Niederhischer (Niederhäusern) gehören ’ (Visperterminen). Besonders schön ist schliesslich zem Vndrun Oberhus ‘ beim unteren Oberhaus ’ (1545, Bürchen), dem zem Obren Oberhuss (1576, Bürchen) entspricht. Zwar kommt das lat. DOMUS ‘ Haus ’ mit seinen Formen sehr häufig vor, jedoch kaum in Flurnamen, meist als Appellativ. Ein besonderer Fall scheint aber das 1428 als in domo grimsle und 1434 als domo grimsle (Münster) belegte ‘ Grimsel-Haus ’ zu sein, das hier latinisiert ist. P H . K ALBERMATTER (p. c.) kennt ein solches Grimsal-Hüs in Münster, ohne aber den Zusammenhang mit dem Namen Grimsel (cf. HL G RIMSEL ) erklären zu können. Hutz Hutz m. ist zum schwdt. Hutz m. ‘ Anlauf zum Sprung ’ , laut Z INSLI (1984, 571) auf FlN übertragen ‘ das, wo hinaufgesprungen werden muss ’ oder ‘ was jäh anspringt im Gelände ’ . Für das Oberwallis könnte auch die Bedeutung ‘ etwas Zerzaustes, Struppiges ’ als Benennungsmotiv für 525 526 Hutz <?page no="529"?> die Wildheit des Geländes in Frage kommen (I D . 2, 1837; Z INSLI 1984, 571; URNB 2, 315). Gedeutet wird es vorsichtig als ‘ Abhang (? ) ’ . Belegt sind der Hutz (Ried-Brig) auf ca. 2160 m, das Hutzgin (1489, Mühlebach), retro Hutzgý ‘ hinter dem Hutzji ’ (1372, Biel), unnerm Hutz ‘ unter dem Hutz ’ (Ried-Mörel) und Hutzilgraben ‘ der Hutzelgraben ’ (1448 u. später, Termen). Dieser historische Beleg enthält eine / - IL / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 513) als Stellenbezeichnung. Die in G R W B (10, 2000 s. v. Hutz) aufgeführten Belege zu ‘ Bauer, Tropf ’ gehören nicht hieher. Hüügi (FaN) Hüügi (FaN) ‘ Hugi ’ ist nur belegt in der Hügisattu ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Finsteraarhorn ’ (Fieschertal). Der Sattel ist nach dem Solothurner Naturwissenschafter und Alpenforscher F RANZ J OSEF H UGI (1796 - 1855) benannt (S CHWEIZER L EXIKON 1992, 3, 501); nach ihm sind auch die Hugihörner benannt (E. D ESOR 1844, 161 f.). Hüüser (FaN) Hüüser ist zum FaN Hauser (AWWB 127 s. v. Huser) zu stellen. Es ist nur einmal belegt in ts Hüüserhüs ‘ das Haus der Familie Hauser ’ (Ried-Mörel). Hüwwe Hüwwe ‘ Uhu, Eule ’ ist zu schwdt. Huw, H ū we n , H ū e, H ū i, H ū , Hou m., Pl. H ū e(w)e n , Houe n , Tiername ‘ Uhu ’ aber auch ‘ Eule ’ , ahd. h ū wo, mhd. h ū wo, hiuwe, haw (I D . 1, 23 und 2, 1822 f.) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) fehlt es. Das Lemma ist dreimal als Simplex Huwen belegt in Bellwald (1824, im Hu ᵕ wen), Mund (1569, am Huwenn, mit späteren Belegen) und Naters (1527, jm Huwen, mit späterem Beleg), jeweils wohl zu lesen als ‘ am Ort, wo es Eulen / Uhu hat ’ . Zweimal ist das Lemma Bestimmungswort: t Huwwuchrache ‘ die Krachen mit Eulen / Uhu ’ (Ausserberg) und der Hüwwebode ‘ der Boden mit Eulen / Uhu ’ (Mühlebach). Einmal ist ein Plural Bestimmungswort: ts Huwwinäscht ‘ das Nest der Eulen ’ (Randa), einmal ein Diminutiv der Hüwibodu ‘ der Boden mit Eulen / Uhu ’ (Saas-Balen). Eine Ableitung auf / - ENE / als Stellensuffix ist belegt in t Hüwwene ‘ der Ort, wo es Eulen / Uhu hat ’ (Oberwald) und im Kompositum t Hüwweneflie ‘ die Flühe bei der Hüwwene (Ort, wo es Eulen / Uhu hat) ’ (Oberwald). Huwwez Huwwez m. ist an zwei Orten belegt. In Filet ist der Name Huwetz (FLNK) der Name eines Gipfels, der auch als der Gross Huwez und der Chlei Huwez (beide Filet, Termen) - beide Teilgipfel des Huwetz - belegt ist. In Wiler im Lötschental wird der früher Huiwitzen ausgesprochene Namen, neu Howitsen genannt, das anlautende ho wird von den Gewährspersonen als ‘ hoch ’ interpretiert, für den zweiten Namenteil Witsen gibt es jedoch keine sinnvolle Deutung. Es handelt sich um einen Felskopf auf ca. 2300 m. Zu der Howitzen (Blatten, Wiler) gibt es auch dr Huiwitzgraad ‘ der Grat oberhalb des Howitzen ’ (Blatten), resp. Howitzgrat (LT) oder Howitzengrat (FLNK) (beide Wiler). Der Grat führt zum Bietschhorn. Ob ein Zusammenhang zu Hobitzu (Baltschieder) besteht, das wohl den Plural zu Putz ‘ Tümpel ’ (cf. HL P UTZ ) enthält, ist unklar, doch deuten die Beschreibungen nicht auf einen Tümpel hin. Die ältere Aussprache mit der Lötschentaler Version der Palatalisierung von mhd. û > ui würde zu den Huwwets-Namen von Termen und Filet passen, und das nächstliegende Benennungsmotiv wäre der schwdt. Tiername Huw, H ū we n m. ‘ Uhu, Eule ’ , ahd. h ū wo (I D . 2, 1822 f.), unerklärt bleibt jedoch die nicht als Suffix belegte Endung / - ETS / (/ - ETZ / ) (W ERLEN 2008, 588). Hüügi (FaN) 527 528 <?page no="530"?> I (siehe auch J) Ialzstren Ialzstren ist ein behelfsmässiges HL zu zwei Belegen von 12? ? und der zweiten Hälfte des 13. Jh. in Naters: an der Ials Strenalton und an der Ialzstren Alton. Alton selbst stellen wir zum HL A LTANA , welches von lat. ALTUS ‘ hoch ’ abgeleitet wurde. Ein Zusammenhang mit dem Adjektiv alt ist kaum gegeben. Ialz Stren, resp. Ialzstren lässt sich nicht deuten. Zusätzlich hat P H . K ALBERMATTER einen Beleg aus dem Minutar A 12, S. 9 hinzugefügt, der den fast gleichen Text anderialz Strenalton enthält. Stren ‘ Strähne, Flechte von Haaren, Flachs etc. ’ (L EXER 2, 1, 1230) ist belegt, auch in I D . (11, 2286 s. v. Strëne n ) als ‘ Garnsträhne ’ . Soweit erkennbar, kommt dieses Wort jedoch nicht als Flurname vor. Der erste Teil Ialz ist nirgends belegt. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Alton scheint ein nachgestelltes Adjektiv zu sein, weil es eine feminine Dativendung [-on] enthält. Ibju Ibju kommt lebend nur in der Ibjufad (Randa) vor. Vermutlich handelt es sich um ein Kompositum mit dem Wort übel ‘ übel, schlecht ’ , das auch in den Ubbjen Vatt ‘ der üble Felspfad ’ (Täsch) (cf. HL U BBJEN ) und in jm Ibgenn Satt (1560, Täsch) belegt ist und hier einfach ‘ der schlechte Felspfad ’ meint. Die historischen Belege von 1560 beziehen sich auf die Gemeindegrenze von Täsch und Zermatt; der lebende Beleg liegt jedoch in Randa, knapp an der Grenze zu Täsch, also auf der nördlichen Seite von Täsch. Ibri Ibri kommt nur in Ibrigkapälli ‘ die kleine Kapelle beim Weiler Ibri (Neubruch) ’ (FLNK, Bürchen) vor. G ATTLEN (2007, 45 ff.) zählt Ibri zu den Weilern von Bürchen; er führt es auf Grund der historischen Schreibweisen zu N ǚ w-, Neu-Bruch (I D . 5, 375) zurück, also dem neu aufgebrochenen Land. Die heutige Form ist ohne anlautendes / n/ schon seit dem 16. Jahrhundert belegt. Dies zusammen mit der Entrundung führt zum heutigen Ibri. Ifil Ifil ist als der Ifil (Turtmann) belegt, hinzu kommen der Ifilbodu ‘ der Boden beim Ifil ’ und t Ifilwassärleitu ‘ die Wasserleitung zum Ifil ’ (alle Turtmann). In Eischoll heisst die gleiche Flur ts Ifil und der anschliessende Wald Ifilwald (FLNK, Eischoll). In Ergisch ist historisch jm Jfill (1643) bezeugt, dazu kommen der Ifilwald (LT, FLNK Ergisch), der Ober und der Unner Ifilwald (beide Ergisch) und Jfelweid (1880, Ergisch). Diese Namen betreffen alle etwa dasselbe Gebiet im Grenzbereich von Eischoll, Ergisch und Turtmann. In Ergisch und Turtmann sagen zwei Gwpp., dass Ifilju den Goldregen bezeichne. Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 298) würde es sich um L ABURNUM ALPINUM (Alpen-Goldregen) handeln, doch finden sich für eine solche Bezeichnung keine unabhängigen Belege. M ARZELL (2, 1131 f.) kennt nur L ABURNUM ANAGYROIDES ‘ Gemeiner Goldregen ’ ; die nächstliegenden Belege vom Typ ighel führt er auf Italienisch zurück. Die Quelle (REW 2821) enthält keine Hinweise auf Ifil oder Ifilju. Nur in Raron ist im Bietschtal ts Ifilchi belegt. Hier kommt die Pflanze ‘ Goldregen ’ kaum in Frage, da die Flur sich auf 2325 m befindet. Das in I D . (1, 612 f.) belegte Iwe(n) f., Iw m. ‘ Eibe, T AXUS BACCATA ’ kann für Raron wegen der Höhenlage nicht einschlägig sein. Die in I D . (1, 327 s. v. Infelen ‘ Mitra, Bischofshut ’ ) belegte Form ī fele passt lautlich; man könnte sich vorstellen, dass im Fall von Raron die Form der Schlucht gemeint sein kann. Das Wort ist aber sonst laut I D . im Wallis nicht belegt und das feminine Genus fehlt im Fall von Eischoll, Ergisch und Turtmann. Eine sichere Deutung ist darum nicht möglich. Iggschene Iggschene f. ist nur einmal in Selkingen belegt (SK Igschenen, LT Igschene, FLNK Igschene). Der Ort auf LT ist deutlich westlicher und höher als die Flur im VSNB. Zum Namen findet sich jedoch weder in I D ., noch bei G RICHTING (1998) eine mögliche Deutung. Ihangel Ihangel ist als im Ihangel (Ulrichen) belegt. Historisch erscheint 1702 im Jnhangel. Vermutlich auch hieher gehört das 1716 belegte, unsichere der in Tangoll (Ulrichen), jetzt unter HL T ANGOLL notiert, hieher, wobei im Dokument selbst anlautendes / t/ überschrieben und deswegen unklar ist. Die Deutung ist unklar. I D . (2, 1442) kennt Inhang ‘ (streitige) Ansprache, Forderung ’ ; die Ableitung auf / - EL / (S ONDEREGGER 1958, 513 ff.) ist eine Stellenbezeichnung. Daraus liesse sich der Name als ‘ umstrittenes Gebiet ’ verstehen. Die Beschreibung „ Wiesen, sehr steil und mühsam zu mähen “ spielt dabei kaum eine Rolle, wenn es hier ursprünglich um ein umstrittenes Gebiet ging. Die unsichere Lesung des Namens von 529 530 Ihangel <?page no="531"?> 1716 lässt sich aus dem sonst nicht belegten Namen erklären. Ii Ii n. ist nur einmal in Raron als ts Ii belegt. Die Flur befindet sich auf ca. 1150 m im Tal des Bietschbach. Es gibt zwei Deutungen: entweder erinnert die Flur an den Buchstaben / i/ , oder es handelt sich um eine substantivierte Kurzform zu în ‘ Innen ’ . Beide Deutungen sind aber sehr unsicher, darum wird nur ‘ das I (Buchstabe? ) ’ als Deutung im VSNB angegeben. Iibrichti Iibrichti f. ist als Iibrich f. und Iibri f. (cf. HL I BRI ) zu schwdt. N ǚ w-, Neubruch (I D . 5, 375) zu stellen. Das anfängliche / n/ und die Entrundung führen zur modernen Form. Belegt ist das Simplex als t Iibri ‘ das neu aufgebrochene Land ’ (Unterbäch) und t Iibri ‘ das neu aufgebrochene Land ’ (Bürchen) mit den dort belegten historischen Namen (cf. G ATTLEN 2007, 45). Ein Plural ist 1742 in Bürchen als zwischen den Ÿ brichen belegt. Historisch ist 1719 in Raron in der Jbricht bezeugt. t Iibrichti ‘ der Einbruch des Wassers in das umliegende Land ’ (Ried-Mörel, auch FLNK) ist wohl eher zu În-Bruch ‘ Einbruch (des Wassers in das umliegende Land) ’ (I D . 5, 371) zu stellen; die feminine Form auf -( T ) I (S ONDEREGGER 1958, 497 ff.) gehört zu einem schwach verstandenen Verb. In Bürchen sind weiter t Obri und t Unndri Iibri ‘ das obere und das untere neu aufgebrochene Land ’ belegt. Das historisch von 1857 in Bürchen belegte in der Jbrichtole meint eine Mulde beim Iibri. Iifer Iifer n. ist als Simplex nur in Zwischbergen als das Ÿ fer (1546) belegt. Im Kontext wird es als lat. ALMENIAM bezeichnet, also ein der Gemeinde gehörendes Stück Land. Die nächstliegende Deutung wäre ‘ das Eibengebiet ’ , zu Iwe n ‘ Eibe ’ (I D . 1, 612). Das Suffix / - ER / ist (nach S ONDEREGGER 1958, 525 ff.) zwar normalerweise maskulin, doch dürfte hier die kollektive Bedeutung des Neutrums mitspielen. Die übrigen Belege stammen aus der Verbindung von în und fer (für / vor) und meinen den Typ Inverschlacht f. ‘ ein Stück Land mit einer Einhegung / einem Damm ’ (cf. HL S CHLACHT ), resp. dem zugehörigen Iwärschlachtji ‘ das kleine Stück Land mit einer Einhegung / einem Damm ’ (Bratsch). Die Form Iiferschlacht (Raron) erklärt sich aus der Ersatzdehnung für / n/ vor Gleitlaut (Staubsches Gesetz). Die übrigen Belege finden sich unter dem HL S CHLACHT . Iima Iima m. ist nur als der Iima (Randa) und t Chaschteliima (Randa) belegt. Laut Gwp. ist <iima> ‘ Durchgang durch Felsen ’ . Vermutlich liegt eine abgeleitete Bedeutung zu einem starken Maskulinum în-man ‘ der eingesessene, in einem gemeindeverbande begüterte ’ (L EXER 1, 1437) vor, die es so im Walliserdeutschen nicht mehr gibt. Die Deutung betrifft dann einen Menschen, der durch einen engen Durchgang geht. Im zweiten Fall liegt wohl ein spät interpretiertes Feminin oder ein Plural vor; es handelt sich um einen engen Felsdurchgang beim Gipfelnamen Grossus und Chleis Chaschtel ‘ der grosse und der kleine Felskopf, der einer Burg gleicht ’ . Iisch Iisch ‘ Eis ’ ist zu schwdt. Is, Isch, wdt. Iisch n. ‘ Eis ’ , Adj. iischig ‘ vereist ’ , Iischerna, -ru f. ‘ Eisgebiet ’ zu stellen; die Namen bezeichnen meist schattige Geländestellen, an denen im Frühling noch lange Schnee und Eis verbleibt (I D . 1, 534; BENB 1, 2, 355 f.; G RICHTING 1998, 114). Da Eis normalerweise ein Massennomen ohne Pluralbildung ist, müssen Plurale wie Iischer als ‘ Stellen mit Eis ’ und ähnlich gedeutet werden. Das Simplex ist nur belegt in uf t Iisch ‘ auf die Eis ’ (Törbel), mit dem ungewohnten Genus Femininum, das wohl von einem ersparten Grundwort wie Alpa oder ähnlich stammt. Zweimal belegt ist der Plural t Iischer ‘ Stellen mit Eis, Gebiet mit Eiszapfen ’ (Ferden, Simplon). Eine Bildung mit attributivem Adjektiv ist ts Leng Iisch ‘ das lange Gebiet, wo es Eis hat ’ (Eisten). Als Grundwort kommt Iisch nur in Ippiniisch ‘ das immer wieder auftretende Eis / das Eis in den Alpenrosen ’ (Binn), wobei die Deutung sehr unsicher ist (cf. HL I PPIN ). Ein Genitiv Singular ist in Iischigsch Grabu ‘ der Graben beim Gebiet Ischig (wo es Eis hat) ’ (Grengiols); das dazu gehörende Gebiet ist nur als ts Ober Iischig ‘ der obere Teil des Iischig (Gebiet, wo es Eis hat) ’ (Grengiols) belegt. Die übrigen Belege haben Iisch als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Bode, Fäld, Flüö, Grabe, Lamma, Lowwina, Platz, Wäg und Wang. Nur einmal belegt ist erweitertes Iische in ts Iischefäud ‘ das vereiste Feld ’ . Nur mit dem hochdeutschen Eis ist die Eisgrotte (Oberwald) belegt - eine künstliche Grotte im Rhonegletscher. Komplexer ist der Iischboditschuggo ‘ der Fels beim kleinen Eisboden ’ (Grächen). Iise Iise n. ‘ Eisen ’ ist zu schwdt. Ise(n), wdt. Iise, Iisn (Lötschental), Iisu n. ‘ Eisen ’ (I D . 1, 536 f.; G RICHTING 1998, 114) zu stellen. Ii 531 532 <?page no="532"?> Als Grundwort erscheint das HL dreimal im Typ Hackiise ‘ Hackeisen ’ (Gluringen; Münster; 1758 u. später, Obergesteln) (vgl. I D . 1, 540 und HL H ACK ). Nur einmal belegt ist ts Halsiisu ‘ das Halseisen ’ (Mund) (vgl. I D . 1, 540 s. v. Hals-Ise n ‘ eiserne, an einer Kette befestigte Cravatte, auch der damit versehene Schandpfahl ’ ). Laut Gwp. scheint es am betreffenden Ort einen Schandpfahl gehabt zu haben. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita vor mit den folgenden Grundwörtern: Brigga, Brunnu, Grüeba, Wang und Wegg. Komplexer sind Iisebadwäg ‘ der Weg zum Eisenbad (unklar) ’ (FLNK, Ernen), der Iisebrunneschleif ‘ der Schleif bei der eisenhaltigen Quelle ’ (Ernen). Unsicher sind zwei Fälle: Eisebode (Ausserbinn), wo Gwp. sagt, hier habe man einst Eisen ausgebeutet. R ÜEGG ET AL . (2017) erwähnen die Fundstelle nicht. Und in Martisberg ist 1840 ein Garten im Eisenboden erwähnt. Er ist wohl zum lebend belegten im Meisebode ‘ im Meiseboden (vermutlich Meise als Tragreff, metaphorisch) ’ (Martisberg) zu stellen. Eine falsche Abtrennung des / m/ könnte den Namen erklären. Gesprochenes Eise ist jedoch eine dialektal unmögliche Form für Iise und Iisu. Denkbar ist aber eine Genitivform des PN Eisi / Eise (I D . 1, 532 s. v. Eisa), einer Kurzform zu Elisabeth, der allerdings sonst nicht belegt ist. Iisla Iisla f. und Insel f. sind zu schwdt. Insle, Ī sel, Eisel f., wdt. Isla f., Insel m. ‘ Insel ’ , mhd. insel(e) zu lat. INSULA zu stellen. Es handelt sich um eine Alternative zum sonst als Eie (Aue) (cf. HL E IE ) bezeichneten Gebiet. Es meint nicht primär ein von Gewässern ganz oder dreiseitig umgebenes, sondern auch ein von zwei Bächen eingerahmtes Gelände oder oft eine trockene Stelle im Sumpfgebiet (I D . 1,346; BENB 2, 348 f.). Der Typ mit erhaltenem / n/ ist als der Innsel (Oberwald), t Innsel (Saas-Almagell), der Insil (Turtmann), der Insol (Niedergesteln) und lat. Jnsuúla (1583, Mörel) belegt. Es meint normalerweise ein Stück Land, das bei Überschwemmungen aus dem Wasser ragte. Die Formen ohne / n/ sind t Isla (Binn, Fieschertal), t Risla (Fieschertal, wohl agglutiniertes / r/ aus in der Isla), t Iisle (Biel), Issle (FLNK, Münster), Isle (FLNK, Oberwald), aúf der Islen (1696, Reckingen), t Hinnere Issle (Münster), t Vodere Isle (Münster), Voderi Issle (Reckingen), Hinneri Issle (Reckingen) und ts Isslebord (Münster) belegt. Auch hier handelt es sich normalerweise um Landstücke, die bei Überschwemmungen trocken bleiben. Das Kompositum Isslebord (Münster) meint eine Überschüttung durch Lawinen in den Isle (so Gwp.). Auffallend ist, dass der Typ ohne / n/ nur im Goms erscheint. Die Ausnahme ist Jselschleifen (1881, Eischoll), der aber unklar ist. Der Typ mit / n/ dagegen ist in den meisten Bezirken (ausser Brig) vertreten, wenn auch selten. Iiter (PN) Iiter (PN) ist nur in ts Iitersch Hüüs ‘ das Haus des Iter ’ (Oberems) belegt; historisch auch als Zittersch Hau ᵕ s mit falscher Anbindung des Artikels im Genitiv. Die Konstruktion legt einen FaN, PN oder Übernamen Iiter nahe. Das Fehlen weiterer Belege erschwert die Deutung (cf. HL I TTER ). Illi Illi oder Ill ist ein ursprünglich romanisches Etymon, das zu lat. INSULA ‘ Eie, Insel ’ zu stellen ist. Fast alle Belege gehören zu Leuk und Agarn. Die ältesten, sicheren Belege sind Ylly (1335, Agarn), Torrentis de Illi (1338 u. später), Leuk), Aque de Ylly (1343, Agarn), torrentis Aque de Ylly (1343, Agarn), lo Crous de Illy (1335 u. später, Agarn; 1346 u. später, Leuk). Unsicher ist Illia (1721 u. später, Varen). Neben diesen romanischen Belegen sind ts Illti ‘ der Bereich am Illbach ’ (Leuk) und eine Reihe von Illals Bestimmungswort belegt: Illalpu ‘ die Alpe auf Ill ’ (FLNK, Leuk), ts Illaarb ‘ das Arvengehölz auf der Ill- Alpe ’ (Leuk), Illbach ‘ der Bach, der von der Ill-Alp herunterfliesst ’ (LT, Leuk), der Illgrabu ‘ der Graben des Ill-Bachs ’ (Leuk), ts Illhoru ‘ das Illhoru (Leuk, Gipfelname, LT Illhorn, benannt nach der Illalp), ts Illoch ‘ das Loch im Illgraben ’ (Leuk), der Illpass ‘ der Ill-Pass ’ (Pass von der Ill-Alp nach Chandolin), der Illsee ‘ der Illsee (Stausee auf der Ill-Alpe) ’ (Leuk), t Illtätz ‘ die (Fels-) blöcke auf der unteren Ill-Alpe ’ (Leuk), ts Illwasser ‘ der Bach vom Illsee herunter ’ (Leuk), der Ill-Wäg ‘ der Weg auf die Ill-Alp ’ (Leuk). Dazu kommen t Mittler Illalp ‘ die mittlere Ill-Alp ’ (Leuk) und ts Mitluschtuscht Illti ‘ die mitllere Illti (kleine Ill-Alpe) ’ (Leuk). Weiter kommen als komplexere Bildungen hinzu: t Illgrabubriggu ‘ die Brücke über den Illgraben ’ (Leuk) und in aqueductu der Jll ‘ in der Wasserleitung für die Ill-Alpe ’ (1696, Leuk), sowie t Obri und t Undri Illalpu ‘ die obere und die untere Ill- Alpe ’ (Leuk). t Niwwi Illwassertleitig ‘ die neue Wasserleitung aus dem Illbach ’ ist noch komplexer und meint die neue Wasserfuhr aus dem Stollen von Oberems her. Eine französische Bildung mit einem dt. Flurnamen ist Pas de l ’ Illsee ‘ der Ill-See-Pass ’ (LT, Leuk). Vom Tal aus bestimmt der mächtige Ill-Graben die linke Talseite; namengebend ist aber das darüber liegende wasserreiche Alpgebiet, das seinen Namen auf das romanische île (< INSULA ) (FEW 4, 728 ff.) zurückführt. 533 534 Illi <?page no="533"?> Illjete Illjete ist als t Illjete ‘ die kleinen Auen (Inseln) ’ (Salgesch) belegt. Historische Belege von 1526 weisen eÿs jlletij und eÿs jllioti auf, wobei der letztere Beleg die Flur als insulam ‘ Insel ’ benennt (FEW 4, 728 ff. s. v. ī nsula insel). Es handelt sich also um ein ursprünglich frpr. Wort für das dt. Aue oder Eye, ein von Wasser umgebenes Stück Land. B OSSARD / C HAVAN (2006, 105) kennen dafür den Flurnamen Ilette. Es handelt sich dabei um eine Diminutivableitung auf lat. / - ITTA / (> frz. -ette). M ATHIER (2015, 105) kennt es als Tillietä, trennt also den agglutinierten Artikel nicht ab und kommt deswegen zu unzutreffenden Deutungen (aus lat. TILIA ‘ Linde ’ oder schwzd. Tuele n (I D . 12, 1706 ff.)) mit Umlaut und Entrundung zu Tille, was schon rein lautlich schwierig ist. Der Beleg von 1579 mit yn yete (cf. HL Y ETE ) ist wohl verschrieben für die gleiche Flur. Cf. weiter das HL J LLIOS . Illte Illte ist belegt in ts Illtehüs ‘ das Haus des Illte (? ) ’ (Grengiols). Von der Konstruktion her liegt ein PN oder FaN vor, der aber sonst nicht bezeugt ist. FLNK hat Ziltehüs mit agglutiniertem Artikel, aber am gleichen Ort. Möglich wäre auch der Tiername Iltis, der in I D . (1, 179) als Illedis mit mehreren Varianten gelistet ist, allerdings keines ohne auslautendes / -s/ . G RICHTING (1998) kennt den Tiernamen nicht, sodass er wohl nicht zutrifft. Ilum Ilum m. ist als der Ilum (Turtmann, FLNK Ilum) belegt; so heisst der östliche Dorfteil von Turtmann. Der maskuline Name ist zu schwdt. Ilm, Ilme, Elme, Olme, Ulme f. ‘ gemeine Ulme, ULMUS CAMPESTRIS ’ , mhd. ëlme (I D . 1, 193), hier mit Sprossvokal in der Lautung Ilum zu stellen, meint dann aber wohl ‘ den Ort mit Ulmen ’ . L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 214) kennen U LMUS GLABRA ‘ Berg- Ulme ’ und U LMUS MINOR ‘ Feld-Ulme ’ . Beide sind im Wallis verbreitet. Der Ausdruck U LMUS CAMPESTRIS bezieht sich wohl auf U LMUS MINOR . Imbiederland (FaN) Im Biederland (Bellwald) ist nur einmal bezeugt. Es handelt sich hier wohl um den FaN Imbiederland, Imbiderland, Bielander, Inbiederland, Familie des Bezirks Goms, die im 16. Jh. in Bellwald und im 17. Jh. in Niederwald vorkommt und sich nach Lax, Brig, Sitten u. a. O. verbreitete (AWWB 128). Wenn die historischen Belege (1436 Bu ᵉ lerland, 1545 am Bielerland) stimmen, muss das Bestimmungswort ursprünglich Bieler heissen, also das ‘ Land am Hügel ’ ; was zur Namenform Bielander passt; diese ist auch in Biellerlandt (1725, Niederwald) belegt. Bieder (mit Diphthong / ie/ ) ist im I D . so nicht nachgewiesen; das hdt. bieder, schwdt. bider (< mhd. biderbe) (I D . 13, 1412; G R W B 1, 1810 ff.) bezieht sich normalerweise nur auf Personen und enthält keinen Diphthong. Die Umdeutung zu im Biederland hängt aber wohl mit der Bedeutung des Adjektiv bider zusammen. Imbis Imbis ist nur 1304 in Stalden als eis ymbis belegt. Die Rede ist von einem Acker, dessen Name in der Volkssprache so heisse. Da der Flurname mit einem romanischen eis verbunden ist, stellt sich die Frage, ob in Stalden um 1300 noch romanische Flurnamen zu finden sind. Das ist kaum der Fall - die meisten Belege vor 1300 enthalten, soweit erkennbar, deutsche oder eingedeutschte Flurnamen, romanische Artikel wie eis und ou (und ihre Varianten) kommen nicht vor. Laut P H . K ALBERMATTER handelt es beim Aussteller mit Petrus de Luceria um jemand, der sonst nur im deutschen Bereich tätig war. Zu Imbis lässt sich keine rom. Deutung finden; das schwdt. Imbiss ‘ Essen, Mahlzeit ’ (I D . 1, 236 f.) kommt kaum in Frage, auch nicht Imb ‘ Bienenschwarm und -stock ’ und Imbe ‘ Biene ’ (I D . 1, 233 f.). Wdt. ist nur Biji ‘ Biene ’ (G RICHTING 1998, 37) belegt. Letzlich kann der Flurname also nicht gedeutet werden. Imi Imi ist mit zwei Ausnahmen nur in einem Namennest in Hohtenn vertreten, dessen Zentrum durch den Plural des Simplex t Imine (Hohtenn) bestimmt ist. Ein Anschluss an das Wort für Biene oder Bienenschwarm (I D . 1, 234) liegt kaum vor, da Imi in dieser Bedeutung im Wallis nicht vorkommt (es gibt nur einen Hinweis darauf beim Stichwort Impereiki ‘ Räucherwerk ’ (G RICHTING 1998, 114)), sonst ist nur Biji, Biini (G RICHTING 1998, 37) belegt). Das Lemma ist wohl eher zu … Immi I, etwa auch Simmi, dim. Immeli n. u. a. ‘ für Milch, ¾ Mass (W) ’ ; zu mhd. im ī (n) n., aus lat.-gr. HEMINA ‘ Hälfte ’ (I D . 1, 223) zu stellen; C. S CHMID 1969, 180 kennt es als Wort für ein Hohlmass (ca. 1/ 2 Liter). Imine wären dann eine Alp mit einem relativ geringen Ertrag. Die Komposita erfassen in Hohtenn Imialpji, Imistafel, Imitreichi, Imitschugge, Imiwald, Imiwäg, Imiwägli. Komplexer ist ts Imigerusee ‘ zum See der Leute von Imine ’ mit einem Genitiv Plural. In Steg ist 1860 ins obere Jmmi Wegli belegt; gemeint ist das gleiche Gebiet in Hohtenn, wie in den vorigen Belegen. Zwei Belege befinden sich an anderen Orten: in Immi Matten (1777, Ergisch), von uns gedeutet als ‘ in der Wiese, die den Ertrag eines Immi liefert ’ (unsicher). In Grengiols ist belegt Timmischlüecht; angenommen wird ein agglutinierter Femininartikel (also t Immischlüecht), aber auch so ist die Deutung ‘ die Geländeeinbuchtung beim Immi ’ sehr unsicher. Illjete 535 536 <?page no="534"?> Immpul Immpul n. ist nur belegt in Ried-Mörel, wo neben ts Immpul auch ts Immpulti, Ober und Unner Impel (FLNK) vorkommen. Karte 1: 10000 kennt ebenfalls Impel. Die historischen Belege sind unklar: 1610 von Jmpiel vff, 1697 zúm Windtbiel, oder zúm Jmpill, 1708 zúm Jmpill, 1757 zúm Jmpell, 1777 auf dem ÿmpell. Die zwei Belege Jmpiel (1610) und Windtbiel (1697) stellen vermutlich volksetymologische Deutungen mit Biel ‘ Hügel ’ und Wind dar. Mangels historisch sicherer Belege kann keine Deutung gegeben werden. In In ist als Präposition (z. B. iner Meni ‘ im Gebiet, wo eine Last aufgeladen werden kann ’ (Ritzingen) ’ nicht gesondert belegt, hingegen wird es im Typ Infang ‘ eingezäuntes Stück Land ’ (Id. 1, 855) erfasst. Häufiger sind die synonymen Bifang und Bifig. Zu den Flurnamen cf. HL F ANG . Das HL ist auch in Inwelbi ‘ an der Einwölbung ’ (1627 u. später, Fiesch), t Iwelbi ‘ das Gebiet, das wie eine Einwölbung aussieht ’ (Eisten) und der Obrun Jnwo e lbi ‘ der oberen Teil des Gebietes, das wie eine Einwölbung aussieht ’ (1584, Eisten; Dativ ist konstruktionsbedingt) vertreten (cf. HL W ELBI ). Weiter erscheint es im Typ Ilass (< In-lass ‘ Ilass, wo die Tiere zur Weide zugelassen werden ’ ), der auch als Millas mit agglutiniertem / m/ (von im oder am) erscheint (cf. HL L ASS , wo die Belege aufgeführt sind). Das Genus des Flurnamens schwankt zwischen Maskulin und Neutrum. Ebenfalls hierzu gehört Intiejer (wörtlich: Ein-tuer; ein Sommerstall) das unter dem HL T IEJER näher bestimmt ist. Inalbon (FaN) Inalbon (FaN) ist nur einmal als Inalbowald ‘ der Wald der Familie Inalbon ’ (FLNK, Stalden) belegt. Der FaN ist altbelegt als Inalbon (AWWB 130 f.), wobei der Familienname auf Alba (Weiler zwischen Visp und Bürchen) zurückgeführt wird. Der FaN ist im Wallis weit verbreitet. Der Flurname Inalbowald bezeichnet einen Wald, der einer Familie Inalbon gehört(e). Inferior Inferior ist lat. ‘ unter ’ und gehört eigentlich nicht zu den Flurnamen. In zwei Fällen kann das Wort jedoch einen frpr. Namen modifizieren: de jnferiori Rionda ‘ die untere runde Erhebung ’ (Leuk, 1280 u. später) und ad jnferiorem Challetum ‘ bei der unteren Alp(hütte) ’ (Albinen, 1552), wobei Challetum eine Latinisierung des frpr. chalet darstellt (G PSR 3, 270 ss.). Inner Inner Adj. ‘ inner ’ ist zu schwdt. inner, inder, wdt. inner, innär ‘ innen, inner; einwärts gelegen ’ im Gegensatz zu usser (I D . 1, 295; LUNB 1,1,491; G RICHTING 1998, 115) zu stellen. In FlN meist in der Bedeutung taleinwärts oder -aufwärts, wobei es auf das Tal (z. B. Lötschtal) und den Benennungsort ankommt. In einigen Fällen ist inner die assimilierte Form von in + der, z. B. inner Eggu ‘ in der Ecke ’ (Goppisberg); manchmal lässt sich nicht entscheiden, ob das HL INNER oder die Präposition in + der gemeint ist. Typischerweise weisen Namen mit dem Adjektiv vor diesem einen Artikel auf, während die Konstruktionen mit in + der den Artikel schon enthalten. Mit dem Adjektiv sind rund 280 Namen gebildet. Die geläufige Form ist Inner m./ n.m, Innri f. (selten), der Plural ist Innre, Innru und der Obliquus davon; der Gegensatz ist als Üsser, Üssre, Üssru belegt. Im Lötschtal und auch sonst ist häufig die Form Inder m./ n., Indri f., Indrä pl. und Indru obliquus ‘ inner ’ belegt; sie steht im Gegensatz zu Uister ‘ ausser ’ und seinen Formen. Selten sind Superlative vom Typ Indruscht u. Inndroscht m. / n., Indruschti f. und Innrusch n. Die mit dem Adjektiv verbundenen Grundwörter und ihre Zusammensetzungen sind in eigenen Kapiteln behandelt. Ein unklares Kompositum ist der Inärschtei ‘ der innere Stein ’ (St. Niklaus). Unklar ist inner dum Meidhooru (Oberems), das von FLNK als hinner dum Meidhoru ‘ hinter dem Meidhorn ’ benannt wird. Beide Benennungen lassen sich rechtfertigen. Innu Innu ist die dialektale Form des Gemeindenamens Inden (LT und SK); sie weist die typische Entwicklung / nd/ > / nn/ auf (cf. anner vs. ander). Die ältesten Formen sind: 1225 (ca.) Indes, 1227 Jndes, 1242 Indes, 1266 Indes. Der Name ist - mit Ausnahme von 1320 und 1351-1365 Hyndes - immer so geschrieben, wobei der Anfangslaut unterschiedlich (I, J, Y) sein kann. Der früheste Beleg mit dem heutigen Inden stammt von 1667; die Gemeinde war im 16. und 17. Jahrhundert zweisprachig. Sie befindet sich im Dalatal zwischen Leuk und Leukerbad. Der Gemeindename Inden ist bisher nicht sicher gedeutet. Laut K RISTOL ET AL . (2005, 460) weisen die historischen Belege Indes auf einen afrp. fem. Pl. hin. Der Name könnte möglicherweise zu einer frpr. Form wie linda ‘ bande de toile ’ ( „ Leinenstreifen “ ; Gemeinde Mase) und linda ‘ champ étroit ’ ( „ schmales Feld “ ; Gemeinde Grône) gestellt werden; in Nendaz (P RAZ 1995, 337) findet sich eine entsprechende Form înda ‘ long band de terrain dans le sens de pente ’ ( „ langer, abfälliger Geländestrei- 537 538 Innu <?page no="535"?> fen “ ) (G PSR , unpubliziertes Material). Das anlautende L wäre dann als Artikel aufgefasst und abgetrennt worden. Der Name würde somit ‘ schmale Felder, lange, schmale Ackerstreifen ’ bedeuten und ursprünglich einen FlN bezeichnen. Sicher ist, dass die ältesten Belege einen romanischen Namen aufweisen. 1328 ist historisch ein Willermus de Crista de Jndes belegt. Anders als der Bearbeiter M. S., der hier eine Crista de Jndes sieht, ist vermutlich ein Willermus de Crista gemeint, der aus Jndes stammte oder dort wohnte. Crista ist hier wohl ein Herkunftsort, da FaN im 14. Jahrhundert nicht sicher sind. Laut AWWB (8) wird Crista auch für die FaN Ambiel oder Ambüel verwendet, von denen einer für Leukerbad (Nachbargemeinde von Inden) belegt ist. Ippin Ippin ist nur belegt in ts Ippiniisch (Binn), wozu die Gwp. meint, es handle sich um zwei Gräben, die zusammenmünden und im Winter in der alten Strasse stark vereist waren. Die Deutung geht davon aus, dass Iisch ‘ Eis ’ als Grundwort erscheint. Gwp. meint, es handle sich um ‘ eppe ’ (G RICHTING 1998, 27 appa, äppä (Goms), appu (Saastal) ‘ vermutlich, etwa ’ (vgl. I D . 1, 590)). Wenn überhaupt, liegt wohl eher etwann „ irgend wann, einst “ zu Grunde (I D . 1, 594). Das mögliche Ippi, Gippä (Goms), Jippi ‘ Alpenrose ’ (G RICHTING 1998, 115) würde laut R ÜBEL (1950, 54) passen, sodass eher ‘ Eis in den Alpenrosen ’ möglich wäre. Beide Deutungen sind sehr problematisch. Iri Iri ist nur in ts Irisch Eie ‘ die Aue des Iri ’ (Oberwald) belegt. Vermutlich handelt es sich um den Genitiv eines PN. Der historische Beleg von 1725 hat ins Zÿnnisch Eÿa ‘ in des Zinni Aue ’ . FLNK nennt Zirischeije. Die Belege sind unklar; es handelt sich wohl um einen Bei- oder Übernamen. Irmänze Irmänze f. ‘ das Gut der Irmenza ’ ist nur in St. Niklaus belegt. t Irmänze ist ein Plural, der ein nördlich von St. Niklaus gelegenes Gebiet mit einem Haus bezeichnet. Vermutlich liegt hier ein alter PN Irmenza vor; bei F ÖRS- TEMANN (1, 475) sind eine Reihe von Frauennamen belegt, die hier in Frage kommen können. t Obru Irmänze ‘ der obere Teil der Irmänze ’ (St. Niklaus) ist ebenso belegt wie ts Irmänzusand ‘ das Sandgebiet bei Irmänze ’ und der Irrmäntzwald ‘ der Wald oberhalb von Irmänze ’ (beide St. Niklaus). Nur historisch erscheint in der Jrmenzen Hallmeren ‘ im ehemaligen Getreideland in der Irmänze ’ (1825, St. Niklaus). Irr Irr ist nur 1748 in Ergisch als Irr Acher ‘ der vom Weg abgelegene Acker ’ belegt. Das Adjektiv ist zu irr ‘ irre ’ (I D . 1, 408) zu stellen. BENB (1, 2, 355) nennt schwzd. ‘ bestritten, von Sachen; irreführend ’ und verweist auf I D . (1, 410), wo ein Zitat von Josua Maaler zu irrig steht: ‘ Irrige Ort, avia loca ’ . Zu verstehen wäre dann Irr Acher als ein vom Weg abgelegener Acker. Irrgili Irrgili n. ist der Name einer Alpe in Zwischbergen. Neben dem Simplex finden sich ts Ober und ts Unner Irrgili, sowie der Irrgiligrabu ‘ Graben, der vom Irrgili herunterführt ’ . Das Irrgilihoru ist nach der Alpe benannt; auf der Karte 1: 10000 heisst es, vermutlich verschrieben, Irigilihorn. SK nennt das Horn Grigelhorn und die Alpe Grigel. J ORDAN (2006, 388) kennt die Alpe als Irgili und gibt als ältesten Beleg O RGLIOLA (1447) nach A RNOLD (1968 (1947), 22 ff.), der in Klammer Jrgeli angibt. In der Datenbank sind 1461 eine Alpe Oryola und 1642 Eriola erwähnt; zu letzterer heisst es, die Italiener nennten sie la Gurua (cf. HL E RIOLA ). Die verschiedenen Namen machen die Deutung schwierig. Wenn A RNOLD recht hat, wäre die ältest erreichbare Form wohl italienisch oder lombardischpiemontesisch. O LIVIERI ( 2 1961, 391; 1965, 246) kennt ein lautlich vergleichbares Oriòlo und Oriòla (bei V ILLANOVA D ’ A STI ), führt die Namen aber auf den PN Aureola zurück, der für Irrgili kaum in Frage kommt. Im Übrigen ist es sehr schwierig, die Bemerkung von 1642, die Italiener nennten die Alpe la Gurua, mit A RNOLDS Analyse in Übereinstimmung zu bringen. Der heutige Name Irrgili sieht aus wie ein Diminutiv von Irge oder Irgel. Zwar kennt TGNB (2, 3, 320) Irgel als Ort, wo ein Gebäude mit einem Erker steht, zu I D . (1, 448 f.) Erggel, Ärgel, Irgel ‘ Erker ’ , doch dürfte diese Zuordnung kaum sinnvoll sein. M ARZELL (3, 958 ff. s. v. V ACCINIUM ULIGINOSUM ) kennt als Pflanzenname Irgelbeere (sp. 966), den er als verderbt zu Jägerbeere stellt. Beide Namen kommen in der deutschen Schweiz nicht vor; die Pflanze ist aber als Pfluderberi oder Schgutzlä im Oberwallis bekannt. Die lautliche Entwicklung von Oriola über Eriola zu Irrgili (und den Varianten der SK) lässt sich nur schwer nachvollziehen. Der Anlaut kann als Entrundung von / o/ zu / e/ verstanden werden. Die spätere Hebung zu / i/ entspricht der generellen Hebung mittlerer Vokale romanischer Namen zu hohen Vokalen. Die Entwicklung von / j/ zu / g/ kann als Entstimmlichung verstanden werden, ist aber sonst eher umgekehrt (vgl. Georg -> Jörg) belegt. Die Abschwächung der Nebensilbe zu / - ILI / entspricht den Nebensilbenverhältnisse im Dialekt von Zwischbergen. Eine deutsche Deutung des Namens wür- Ippin 539 540 <?page no="536"?> de sich dann erübrigen; es handelt sich um eine Adaptation des piemontesischen Namens Oriola, der sich laut P ETRINI (1, 110) zu einer Ableitung zu it. oro ‘ Bord, Grat, Erhebung ’ stellen lässt; er zitiert u. a. orell und orello für das Maggia- und Bedrettotal. Die von A RNOLD als la Gurua erwähnte it. Bezeichnung für die Alpe würde vermutlich auf it. CURVA ‘ die Kurve ’ zurückzuführen sein (D EVOTO / O LI 2020, 598 s. v. curva). Irsetten Irsetten ist nur einmal belegt: vff Irsetten (1637, Betten). Es handelt sich um einen Dativ Singular, wobei (a) die Betonung unklar ist, und (b) sich keine direkte Beziehung zu bekannten Lemmata findet. Ischinu Ischinu ist belegt in der Ischinugrabu (Leuk); der Name erscheint bei LT als Üschinengraben. Zu Grund liegt wohl das gleiche Lemma wie bei Oeschinen (BENB 1, 4, 107), das nach H UBSCHMIED aus gallorom. *( ALPIS ) OUKS Ī NA ‘ hohe Alp, Oberalp ’ erklärt wird und das im Alemannischen zu Öschi / Üschi geführt hat. Isel Isel ist nur 1881 in Eischoll als Jselschleifen belegt. Vermutlich ist ‘ der Schleif bei der Isel (wohl: Aue, aber unklar) ’ gemeint. Isel ist die N -lose Form von lat. INSULA ‘ Aue ’ , zu der oder an der vorbei ein (Holz-)Schleif führt. Cf. HL I ISLA . Isenmann (FaN) Isenmann (FaN) ist nur einmal belegt in ts Iisenmasch Schiir ‘ die Scheuer der Familie Isenmann ’ (Kippel). Der FaN Isenmann, auch Ysenmann, Yseman, Yseman, Eisenmann, ist eine seit Anfang des 15. Jh. in Goms bekannte Familie (AWWB 132). Eine zweite Familie des gleichen Namens wanderte im 17. Jahrh. ins Goms ein. In Kippel kann es sich auch um einen Beinamen handeln. Issertinen Issertinen ist nur einmal 1552 in Ernen als an Issertinen belegt. Es handelt sich vermutlich um einen Akkusativ; der Flurname ist aber sonst nicht belegt oder bekannt und bleibt deswegen ungedeutet. Italiener Italiener, Adj., ist eine / - ER / -Ableitung zum Ländernamen Italien. Das HL ist zweimal belegt in Italienergrabo ‘ der Graben der Italiener (wohl: von Italienern gegraben) ’ (1857, Glis) und der Taljenerwäg (FLNK Italienerwäg, Saas-Balen) ‘ der Weg der Italiener (italienische Wanderarbeiter beim Stollenbau) ’ . Generell waren italienische Wanderarbeiter im 19. Jahrhundert im Wallis bei allen grösseren Stollen- und Tunnelarbeiten tätig, aber auch schon vorher waren sie im Baubereich und Transportbereich vertreten. Itter Itter ist nur belegt in t Itterschliecht (Selkingen). Die nächstliegende Interpretation ist ein Plural zu Üter ‘ Euter ’ (I D . 1, 606. s. v. Uter, bei G RICHTING 1998, 217 Ütter), also die ‘ Geländeeinbuchtung, die Eutern gleicht ’ . Die Form Itter ist allerdings bisher sonst für Flurnamen nicht belegt. Wieweit das HL I ITER eine Rolle spielt, ist unklar. Itum Itum ist nur belegt in der Iitumwang ‘ der Grasabhang beim Grundstück ’ (Ausserberg). Am nächstliegenden ist der substantivische Gebrauch von ī tem (I D . 1, 601 f.; G RICHTING 1998, 116, der diesen Gebrauch jedoch nicht kennt). Wie I D . in der Anmerkung sagt, ist der rechtssprachliche Gebrauch von ITEM (lat. für ‘ ebenso ’ , Kennzeichnung von Kapiteln) auch auf die entsprechenden Grundstücke angewandt worden. In den historischen Daten des VSNB wird ITEM seit 1280 sehr häufig gebraucht. Ob in Ausserberg dieser Gebrauch überlebt hat, ist unklar. 541 542 Itum <?page no="537"?> J (siehe auch I) Jaaggi (FaN) Jaaggi (FaN) ist auf eine Kurzform des Taufnamens Jakob zurückzuführen, wie in schwd. J ā gg (mit verschiedenen weiteren Formen) (I D . 3, 24); es ist auch als Familienname Jaggi belegt, im Wallis altes Geschlecht des Lötschentals, das dort seit dem 15. Jh. bekannt ist (AWWB 133). Der Name ist weiter im BENB (1, 2, 361 f.) dokumentiert. Jagg wird im Wallis aber auch euphemistisch für den Teufel (I D . 3, 24, Bed. 3 b)) gebraucht. Auch G RICHTING (1998, 118) kennt Jaagi, Ggjaagi als ‘ Teufel, vorwitziges Kind, Schlingel ’ . Im Einzelfall ist nicht entscheidbar, ob in den FlNN ein FaN, ein PN oder eine übertragene Bedeutung vorliegt. Ein eigentliches Simplex liegt nur in t Jaaggeni (Blitzingen) vor, wo die Gwp. einen Pflanzennamen nahelegt; zu vermuten ist aber der Plural ‘ Grundstücke des Jaaggi (als PN oder FaN) ’ . Unklar ist der Beleg zen Jaggen Anthonien (1499, Unterbäch), wo vermutlich ein Genitiv Singular vorliegt, etwa ‘ zu den (Grundstücken) des Jakob Anthenien ’ . Ein flektiertes Simplex im Genitiv scheint in den Belegen t Jaggische ‘ die Reben des Jakob ’ (Leuk) und in der Fordren Jaggisen, sowie der Indren Jaggisen (1688, Turtmann) vorzuliegen, sofern die letzten beiden nicht auf eine / - SCHA / - SCHU / -Ableitung zurückgehen, was dann ‘ Grundstück des Jaggi ’ bedeuten würde. In allen andern Fällen ist Jaaggi oder Jaaggisch ein Bestimmungswort zu Grundwörten wie Chrumm, Dili, Egga, Eie, Gade, Hubel, Loch, und Trog. Jäägli (PN) Jäägli (PN) ist die Kurzform Jäägli als Diminutiv zum PN Jakob, der als J ā gg ‘ Jakob ’ mit mehreren dialektalen Formen (I D . 3, 24 f.; URNB 2, 699) vertreten ist. Belegt ist nur der Jääglibode ‘ der Boden der Familie Jäägli / des Jakob ’ (Binn), der laut Gwp. Teil der Schinnerealpe ist. Während Jäägli (PN) nicht belegt ist, sind mehrere damit verwandte FaNN belegt wie Jäger, Jaggi und Jäggi (AWWB 133), wovon die letzten zwei vermutlich auf den PN Jakob zurückgehen. Jaakob (PN) Jaakob (PN) ist ein PN oder FaN Jakob und der Heiligenname Sankt Jakob, nach dem Apostel, der als Patron der Aussätzigen verehrt wurde, ebenfalls Patron der Sennen (I D . 3, 32 f.; URNB 2, 329). Der PN erscheint als vorangestellter starker Genitiv: ts Jakobsch Acher (Lalden), ts Jakobsch Haaltu ‘ die Halde bei der Kapelle des Hl. Jakob ’ (Erschmatt), Jaakobsch Stadel (Bister), beÿ Jacobs Stadell (1697, Staldenried), ts Jakobsch Trog (Täsch), sowie die komplexen Formen jn Jacob Walkers Riet ‘ im Ried des Jacob Walker ’ (1659, Betten) und possessio Jacobi Suetsch ‘ das Gut des Jakob Suet ’ 1391, Zwischbergen). Einen schwachen Genitiv enthält zen Jaggen Anthonien ‘ zu den Gütern des Jakob Anthenien ’ (1499, Unterbäch). Ein Bestimmungswort ist in t Jaagobjisunna ‘ das sonnseitig gelegene Gut des kleinen Jakob ’ (Visperterminen) enthalten; der Lemma-Ansatz müsste wohl richtig heissen t Jaakobjisunna. Eine Reihe von Belegen sind mit Sankt oder Zant versehen, beziehen sich also explizit auf den Hl. Jakob: Sankt Jakob (FLNK, Blitzingen), auch ts Zantjaggob (Blitzingen) (nach Gwp. stand hier früher eine Kapelle des Hl. Jakob), St. Jakob (FLNK, Fiesch), auch Zantjakob (Fieschertal), (laut Gwp. stand hier früher ein Bildstock des Hl. Jakob), bim Zantjakob (Mühlebach) (laut Gwp. stand hier früher ein Bildstock des Hl. Jakob). Der komplexeste Name ist Capella ’ S. S. Anna ’ et Jacobi ‘ die Kapelle der heiligen Anna und des heiligen Jakobus ’ (1672, Zwischbergen), die laut Gwp. heute noch steht. Jäger Jäger, auch Jeger ‘ Jäger ’ ist zu schwdt. Jäger, Jeger, wdt. Jeger, Jägr m. ‘ Jäger ’ (I D . 3, 20; G RICHTING 1998, 119) zu stellen. Im Einzelfall kann auch der FaN Jäger (AWWB 133) gemeint sein. Das Lemma kommt nur als Bestimmungswort in Komposita vor; im Beleg ts Jegeruhüüs ‘ das Haus der Familie Jeger / Jäger ’ (Turtmann) liegt ein auch historisch belegter Familienname im Genitiv Plural vor (W. M EYER 1991, 122 ff.). In allen anderen, rund fünfzehn Fällen scheint primär die Funktionsbezeichnung Jäger gemeint zu sein. Besonders klar ist das im Fall ts Jägerchriz ‘ das Kreuz zum Gedenken an die verunglückten Jäger ’ (Varen, Inden), wo ein Kreuz an eine Gruppe von Jägern erinnert, die am 19. Dezember 1839 in einer Lawine starben (R. G RICHTING 1993, Blatt 1). Die Grundwörter sind Bodu, Furgga, Gadu, Heim, Heji, Hitta, Hooru, Joch, Müüra, Stafel, Stei, Stutz und Wang. FaN sind am ehesten bei Gade, Müüra und Stutz möglich, aber nicht sicher. Jaaggi (FaN) 543 544 <?page no="538"?> Jagoll (PN) Jagoll (PN) ist nur historisch 1683 und später als in der Jagollmatten (Turtmann) belegt. Der Flurname gehört zu einem PN, der in I D . (3, 25) unter J ā gg mit verschiedenen Formen ‘ Taufname, Jakob ’ belegt ist, also ‘ die Wiese des Jagoll (Jakob) ’ . Ob der PN oder der FaN Jaggi oder ähnlich vorliegt (cf. HL J AAGGI ), ist unklar. Jagt Jagt f. ist nur in t Jagtlamma ‘ die Runse für die Jagd ’ (Bellwald) belegt. Das HL ist seltsamerweise in I D . (3, 19) nur als Jaget m. ‘ Jagd ’ , bei G RICHTING (1998, 118) als wdt. Jagt f. ‘ Jagd ’ belegt. K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 453) kennen es als Abstraktum zum Verb jagen. Laut Gwp. schiessen die Jäger hier das Wild, das sie dorthin getrieben haben (gemeint sind wohl Gemsen). Jahr Jahr n. ist zunächst zu schwdt. J ā r, wdt. Jaar ‘ Jahr ’ n. wie nhd. ‘ Kalender-, Rechnungs-, Lebensjahr ’ (I D . 3, 56 ff.; G RICHTING 1998, 118) zu stellen; daraus abgeleitet ist wdt. -jeerig ‘ -jährig ’ . Nur das Adjektiv ist als Grundwort in der Hunnertjeerige ‘ der Fels, der wie ein vom Alter gebeugter Mann aussieht ’ (Oberems) belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL nur in zwei Komposita vor: Jahrzit ‘ Jahrzeit ’ und Jahrzahl ‘ Jahreszahl ’ . ts Jahrzit ‘ das Jahrzeit ’ erscheint als einfacher Ausdruck in Bellwald und Ulrichen; vermutlich mussten hier Abgaben für ein Jahrzeit (Gedenken an den Tod eines Menschen) geleistet werden. der Jahrzeit Acker ‘ der Acker, der für eine Jahrzeit (Gedenktag des Todes des Stifters) diente ’ (1592 u. später, Ritzingen), im Jahrzeitacher ‘ im Acker, der für eine Jahrzeit (Gedenktag des Todes des Stifters) diente ’ (1824, Bellwald), t Jahrzitmatte ‘ die Jahrzeit-Wiese (Eigentum einer Bruderschaft zur Unterstützung von Jahrzeiten (Jahrestag eines Todes)) ’ (Mund), der Jahrzeitstúck ‘ das abgeteilte Stück Land, dessen Ertrag für Jahrzeiten (Gedenkmesse für Todestage) gebraucht wurde ’ (1772, Obergesteln), in den Jahrzeitteilen ‘ in den Teilen (Parzellen), deren Ertrag für das Jahrzeit verwendet wird ’ (1697, Lalden). t Ober und t Unner Jarzal ‘ der obere und der untere Teil mit dem Stein als Gemeindemarch mit eingemeisselter Jahrzahl ’ (Stalden), sowie Ober und Unner Jaarzalwald ‘ der obere und der untere Wald beim Jahrzahl ’ (FLNK, Stalden) sind mit einem attributiven Adjektiv gebildet. Jaless Jaless (Albinen) m. / n. ist auch als Jales (FLNK, LT und M ATHIEU 2006, 45) belegt. Historische Belege fehlen. Die Flur befindet sich auf etwas über 2000 m auf der Torrentalp. Vermutlich ein rom. Etymon, jedoch unklar. Insbesondere ist nicht klar, wie anlautendes / j/ und auslautendes / s/ zu sprechen sind. Es liesse sich zu tsál ę t (T AGMANN 1946, 44s.) stellen, doch ist kein Gebäude erkennbar. Das HL bleibt deswegen ungedeutet. Jan (PN) Jan (PN) ist eine Kurzform des PN Johannes (I D . 3, 29 f.) und kommt auch als Jani und Jaun vor; ein FaN Jani ist mit sehr vielen Schreibvarianten belegt (AWWB 133). Der Kurzname erscheint im Genitiv Singular auf / -s / -sch/ in folgenden Belegen: ts J--sch Chällär ‘ der Keller des Jan ’ (Gampel), Jans Graphún Eÿa ‘ die Aue des Jan Graven ’ (1545, Visperterminen), Jau ᵕ ns Schluocht ‘ die Geländeeinbuchtung des Jan ’ (1588), der Jauschbiel ‘ der Hügel des Jan ’ und der Jauschbodo ‘ der Boden des Jan (beide Ausserberg); in den letzten zwei wirkt das Staubsche Gesetz (Ersatzdiphthongierung mit / n/ -Schwund). Ein starker Genitiv zur Kurzform Janni ist jn Jannis Boden ‘ im Boden des Jan ’ (1545, Unterbäch) belegt, wobei hier auch der FaN Jani gemeint sein kann. Der Kurzname Jan ist in den historischen Belegen als PN im Übrigen sehr häufig. Der schwache Genitiv Jannen kommt in Jannun Huss ‘ das Haus des Jan ’ (1575, Visperterminen), Jannen Gaszyn ‘ die Gasse des Jan ’ (1329, Mund) und Jannenhalta ‘ die Halde des Jan ’ (1555, Ausserberg) vor. Ein schwacher Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung ist Jannigo Gut ‘ das Gut der Leute des Janni ’ (1809, Täsch), wobei hier wiederum auch ein FaN Jani zu Grunde liegen kann. Jan Jan m. ist zu schwdt. J ā n, J ā , J ō m., Pl. Jän, Jö, J ā ne(n) ‘ schmaler Streifen Landes, Stück eines Ackers, Weinberges, einer Wiese ’ , mhd. j ā n ‘ Reihe gemähten Grases, geschnittenen Getreides ’ (I D . 3, 43 ff.) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. Belegt ist das Simplex als im Jaa ‘ im Streifen Ackerland ’ (St. Niklaus), in den Jahn (Akkkusativ konstruktionsbedingt) ‘ in den Streifen Ackerland ’ (1739, Unterbäch), am Jan ‘ am Streifen Ackerland ’ (1530, Binn). Mit attributivem Adjektiv ist bezeugt im Obren Jaan ‘ im oberen Streifen Ackerland ’ (1739, Eischoll). Wohl mit einem PN Perret (< Peter, Pierre) als Bestimmungswort ist der Bäretsja ‘ der Streifen Ackerland des Perret (PN) ’ (Ausserberg; FLNK Bärezia) belegt. 545 546 Jan <?page no="539"?> Jäne Jäne, auch Jänne ist wohl zum PN Johannes (I D . 3, 29 ff.; BENB 1, 2, 365) zu stellen. Belegt ist das HL nur als Bestimmungswort in ts Jänneerb ‘ das Erbe (geerbtes Gut) des Johannes ’ (Steinhaus), ts Jänefäud ‘ das Feld des Johannes ’ (Ernen; FLNK Jännefäud), Jännugassu ‘ die Gasse zum Jännuhüs (Haus der Familie Jenelten / des Jänno) (FLNK, Ergisch) und Jännuhüs ‘ das Haus der Familie Jenelten / des Jänno ’ (Ergisch). Jännu, Jänna (Mattertal) ‘ Treber ’ (G RICHTING 1998, 118) dürfte hingegen nicht namengebend gewesen sein. Jäniltigu Jäniltigu ist der Name einer Alpe im Turtmanntal (Oberems). Es handelt sich vermutlich um eine kollektive / - IG / -Ableitung im Dativ zum FaN Jenelten (AWWB 134), benennt also ‘ die Alpe der Familie Jenelten / der Leute des Jenelten ’ . Neben den Bildungen ze Jäniltigu der Unner Stafil und Jäniltigu Oberstafil findet sich die Ableitung Jäniltiger ‘ zu Jäniltigu gehörend ’ in Jäniltiger (e)Ritze, Jäniltiger Oberstafil, Jäniltigerwald und Jäniltigertagfäld (alle Oberems). Als Kurzform Jänno erscheint der gleiche FaN Jenelten eventuell auch in Jännuhüs (Ergisch), das hier zum HL J ÄNE gestellt wurde. Jänisch Jänisch ist ein Genitiv zu den Kurznamen Jan, Jäni (cf. HL J AN (PN)) und belegt in ts Jänisch Hüs ‘ das Haus des Jäni ’ (Staldenried), wobei die historischen Belege auf Jan hinweisen, und ts Jänischtschuggo ‘ der Felsen des Jäni ’ . Jäntsch (FaN) Jäntsch FaN ist zum FaN Jentsch, Jensch, früher Jennen und Jennisch, vom Taufnamen Johann abgeleitet, alte Familie des Bezirks Goms, seit dem 15. Jh,. in Steinhaus bekannt (AWWB 134), zu stellen. Belegt sind Jäntschbode ‘ der Boden der Familie Jäntsch ’ (FLNK, Geschinen) und der Jäntschwald ‘ der Wald der Familie Jäntsch / des Jäntsch ’ (Grengiols). Jänzina Jänzina ist zu schwdt. Jënzene n , wdt. Jänzina, Jeizina, Jänzinu f. ‘ Gentiana lutea, Enzian ’ (I D . 3, 52; G RICHTING 1998, 118; M ARZELL 2, 626 f.) zu stellen. Als Simplex ist belegt t Jännzina ‘ das Gebiet mit Enzianwurzeln ’ (Simplon). J ORDAN (2006, 191 f.) kennt Jänzina, Obri und Undri Jänzina, Jänzinugräbu, Jänzinutola und Jänzinutschuggu. Von den verschiedenen Pflanzen mit dem Namen G EN- TIANA (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 742-756) kommen die meisten auch im Oberwallis vor, doch gehört gerade G ENTIANA LUTEA ‘ Gelber Enzian) nicht dazu. Welche Unterart genau gemeint ist, wird aus den Bemerkungen nicht klar. Die andern Belege kennen das HL als Bestimmungswort: der Jänzibodo ‘ der Boden mit Enzianwurzeln ’ (Eisten, Glis) und t Jänzibobme ‘ die Böden mit Enzianwurzeln ’ (Saas-Balen). Jättscha Jättscha ist nur einmal belegt in t Jättscha (Zwischbergen, LT Jätscha). J ORDAN (2006, 262) stellt es zu lat. IACIUM ‘ Lagerplatz ’ . Z INSLI (1946, 325) verzeichnet diese Etymologie unter dem Flurnamen Jatz, Jätz. RN (2, 63) stellt ein in Andeer belegtes Jätscha zu * CALIA ‘ Staude ’ (REW 1771). Beide Deutungen können zutreffen, jedoch scheint ein Läger hier eher nicht gegeben zu sein; darum wird ‘ das Gebiet mit Stauden (unsicher) ’ vorgezogen, obwohl es nur in Andeer belegt ist. Jatz Jatz m. ist zu schwdt. Jatz, Jätz n. (m., f.), Pl. Jatzi ‘ ebener Lagerplatz in den Alpen, mähbarer Grasfleck ’ , Lehnwort aus lat. * IACIUM zu IACÊRE , eig. ‘ Ort, wo das Vieh lagert ’ (Z INSLI 1945, 325) zu stellen. Das Simplex ist als der Jatz (Randa, Täsch) ‘ der Lagerplatz für das Vieh ’ und (lat. sub) den Jacz ‘ unter dem Lagerplatz für das Vieh ’ (1449, Zermatt) belegt. Hierzu gehören auch jn der Jaczmatton (1495, Niedergesteln) mit unklarer Lokalisierung. In Randa sind lebend t Jatzrufine ‘ die Rutschgebiete beim Jatz (Lageplatz für das Vieh) ’ belegt, sie befinden sich nördlich des Jatz. Ob die Belege zu Jazzi hieher zu stellen sind, ist unsicher, der Name lässt sich aber als Diminutiv verstehen. Belegt sind ts Jatzihoru, t Jatziweng (Saas-Almagell; LT Jazziwang), Jatzilicku (FLNK, Saas-Almagell; LT: Jatzilücke), Südlich Jatzihoru (FLNK, Saas-Almagell), Ziima di Jazzi (Zermatt; LT und SK Cima di Jazzi). Jatzel Jatzel m./ n. ist nur 1471 in Obergesteln als vffem Jatzel ‘ auf dem Jatzel ’ belegt. Vermutlich ist es eine / - EL / - Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 513) als Stellenbezeichung zu Jatz. Z INSLI (1946, 325) gibt Jatz, Jätz n. (m., f.), Pl. Jatzi ‘ ebener Lagerplatz in den Alpen, mähbarer Grasfleck ’ , Lehnwort aus lat. * IACIUM zu IACÊRE , eig. ‘ Ort, wo das Vieh lagert ’ (cf. HL J ATZ ). Aus dem Kontext ergibt sich nichts Genaueres. Je Je ist nur in den Belegen ts Jematte ‘ bei der jenseitigen Wiese ’ (Reckingen) und in Jematten ‘ im Gebiet der jenseitigen Wiese ’ (1899, Münster) belegt. Es handelt sich um eine jenseitige (auf der andern Seite des Rotten Jäne 547 548 <?page no="540"?> liegende) Wiese. Zu stellen ist das HL zu ëne ‘ jenseits, drüben ’ (I D . 1, 266), vgl. auch jëne r (I D . 3, 45). Die Assimilation von / n/ zu / m/ , die hier vorauszusetzen ist (Jenmatte > Jematte), findet sich in den Belegen nicht ausgedrückt. Jeel (PN) Jeel (PN) ist eine konstruierte Form zu mehreren unklaren Belegen, die wohl zu einem PN wie J ē li (I D . 3, 40, zu Daniel) gehören. Belege sind der Jelubodo ‘ der Boden des Jeel ’ (Mund), Yelen Matta ‘ die Wiese des Jeel ’ (1527, Raron) und zu ᵕ o Jÿelen Stadoll ‘ beim Stadel des Jeel ’ (1636 u. später, Eischoll). Zum HL J OLEN zu stellen sind Belege mit Jeli in Niedergesteln. Unsicher ist ein Beleg von 1598 in Salgesch ÿelae. Der Text spricht von einem Acker. Die geschriebene Form legt ein Femininum nahe, es müsste sich dann um den Genitiv eines Frauennamens Yela handeln: ‘ der Acker der Jeela ’ . Ebenfalls unklar ist ts Änneriel (Leukerbad), das sich in änner ‘ jenseitig ’ und Iel trennen lässt, also ‘ das jenseitig gelegene Grundstück des Jeel (PN) ’ . Die Flur zeigen Blatt 4, Nr. 21 und Blatt 5, Nr. 22 in R. G RICHTING (1993). Da in Leukerbad sonst kein Iel belegt ist, bleibt der Name unklar (cf. aber HL N IELE mit deglutiniertem Iele). Jegi Jegi ‘ Jagdgebiet, Felsbänder ’ ist zu schwdt. Jägi f. ‘ Jagd ’ (I D . 3,21) zu stellen; in Flurnamen mit der Bedeutung ‘ Jagdgebiet, Felsbänder ’ (BENB 1, 2, 363). Wird im Oberwallis fast durchgängig mit / e/ notiert. Der Eintrag Jegi ‘ Menge (gross) ’ (G RICHTING 1998, 119) gehört wohl nicht hieher. Das Simplex Jegi ‘ Jagdgebiet ’ ist in Baltschieder, Naters, Raron und Saas-Balen belegt, historisch auch in Fieschertal als Jegÿ (1675); mit auslautendem / n/ Jegin in Blatten, wo auch der Plural in Jeginun ‘ in den Jagdgebieten ’ belegt ist. Mit attributiven Adjektiven sind belegt t Foder Jegin und t Hinder Jegin (Blatten), t Inner Jegi (Naters), t Innri Jegi (Raron) und t Üüser Jegi (Naters), t Üssri Jegi (Raron). Mit einem Präfix AN wird t Ajegi ‘ An-Jagdgebiet ’ (Stalden) gebildet. Zweimal ist Jegi Grundwort: t Bietschjägi ‘ das Jagdgebiet im Bietschtal ’ (Raron, nur SK) und t Iolijegi ‘ das Jagdgebiet im Jolital ’ (Niedergesteln, auch LT Jegi). Alle andern Belege enthalten Jegi als Bestimmungswort, häufig um eine Jegi herum, wo sich in Baltschieder, Blatten, Niedergesteln, Raron, Saas-Almagell und Saas- Grund Namennester gebildet haben. Die Grundwörter sind Bach, Balma, Biel, Bodu, Brunnu, Chi, Chnubel, Gletscher, Graat, Hooru, Rand, Sand, Stutz, Tal, Tola, Tritt, Ture und Wang. Komplexere Bildungen sind Ober und Unner Jegibiel (Raron), Fooder und Ober Jegitritt (Niedergesteln) sowie das nur auf der SK belegte Jägithierweidli ‘ die kleine Tierweide (Weide für Gemsen) im Bereich Jägi ’ (Baltschieder) am Jägihorn, auch Jegihorn geschrieben (3078 m ü. M.). Jeitziner (FaN) Der FaN Jeitziner ist nur einmal belegt als ts Ieizinärsch Huis ‘ das Haus der Familie Jeitziner ’ (Ferden). Es handelt sich um eine kleine Siedlung bei Goppenstein auf 1398 m. Der Familienname Jeitziner ist für Ferden belegt und laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 921) alt. Der Name in der Form Jeiziner ist in Raron eingebürgert. Vermutlich handelt es sich in beiden Fällen um einen Herkunftsnamen von Jeizinen (HL J EIZINU ) oder Jeizil (HL J EIZIL ); letzteres befindet sich im Bereich Steg, ersteres auf einer tieferen Anhöhe oberhalb Gampel. Jeizil Jeizil ist der Name eines Gebietes in der Gemeinde Steg auf der linken Seite der Lonzaschlucht. Das Lemma tritt auch als Bestimmungswort eines Namennestes mit Jeizilalpji, Jeizilbrunnji, Jeizileggi, Yo ᵉ ytzelgraben (1470) und Jeiziltrittji (alle Steg) auf. Dieser historische Beleg deutet auf eine Rundung des betonten Vokals hin, aber auch dafür findet sich keine sinnvolle Deutung. Der Zusammenhang mit dem Weiler Jeizinen von Gampel (ältester Beleg: 1332, Iolzana) könnte nur dann nachgewiesen werden, wenn Jeizinen Rechte in diesem Gebiet gehabt hätte (wozu bislang Hinweise fehlen) (cf. HL J EIZINU ). Die Kurzform Jeizi (wie in Jeizibärg) wäre dann mit dem Suffix / - IL / für Personennamen (S ONDEREGGER 1958, 513) verbunden worden; die Deutung wäre ‘ das Besitztum der Jeiziner ’ . Diese Deutung ist aber sehr unsicher. Der FaN Jeiziner, der im Lötschental auftritt (cf. HL J EIZINER (F A N)) könnte sich auf Jeizil beziehen. Jeizinu Jeizinu ist der Name eines Weilers von Gampel. Die ältesten Belege sind 1332 Iolzana, 1333 Jouzana, 1337 Jolzana - vermutlich romanisch, zum Teil mit der romanischen Vokalisierung von / l/ vor Konsonant zu / u/ . Zwei von J ACCARD (1906, 212) erwähnte frühere Belege nach G REMAUD (2, Nr. 826) stammen aus einer Kopie aus dem 17. Jahrhundert (Quelle ist „ KapA Sitten, Min. B 122, 88r. “ , laut freundlicher Mitteilung von P H . K ALBERMATTER ), sie enthalten den Namen in Warnerius filius Anselmi de Jouczana (einmal mit verlesenem / n/ ). 1363 findet sich mit Chonczana ein Hinweis auf eine romanische Aus- 549 550 Jeizinu <?page no="541"?> sprache des anlautenden / j/ (und eventuell verschriebenem / on/ statt / ou/ ). Der erste Beleg mit einem / e/ in der Hauptsilbe stammt von 1400 de Jetzanon. 1433 erscheint letztmals die Rundung: Joyczina. Ab 1621 treten dann die ‘ deutschen ’ Formen vom Typ Jeitzinen auf. Die Belegreihe muss von Jolzana über Jouzana mit späterer Vorverlegung des Akzentes auf die erste Silbe, Abschwächung der zweiten Silbe und Entrundung der betonten Silbe zu Jeizinu führen. Während diese Entwicklung durchschaubar ist, bleibt unklar, welches die Bestandteile von Jolzana sind. Am ehesten ist auszugehen von Jolz + ana. Das Suffix / - ANA / ist für Bäche und Wasserleitungen belegt (Saltana ‘ Saltina ’ (1349, Glis), Altana ‘ Wasserleite Altine ’ (1392, Naters)). 1346 wird von octauam partem aque de Jolzana ( ‘ der achte Teil des Wassers der Jolzana ’ ) geschrieben; daraus lässt sich schliessen, dass der Bachname Jolzana der Siedlung den Namen Jeizinen gegeben hat; er heisst heute nur noch der Bach. Für Jolz haben wir allerdings keine Deutung. Ob es einen Zusammenhang zu Jeizil (cf. HL J EIZIL ) gibt, ist unklar. Jen Jen ist eine Kurzform zum Vornamen Johannes (I D . 3, 29 f.), in den historischen Belegen meist als Genitiv Jennen oder Kollektivableitung Jennig zu finden. Lässt sich wohl zum FaN Jensch, Jentsch, auch Jennen und Jennisch stellen (AWWB 234). Die lautliche Abgrenzung zu Jänno und ähnlichen Namen ist nicht immer klar, da / e/ vor / n/ auch offen erscheint. Im Einzelfall sind deswegen die Belege auch unter den HLL J ENNIG (F A N), J ÄNE , J ÄNTSCH (F A N) zu finden. Das HL J EN kommt nie als eigenständiger Name vor, sondern entweder als vorangestellter Genitiv Jennen in zú Jennen Haus ‘ beim Haus der Familie Jennen / des Jennen ’ (1697, Visperterminen), Jennen Alpen ‘ die Alpe der Familie Jennen / des Jennen ’ (1681, Blitzingen), Jennen Bru ᵕ nnen ‘ bei der Quelle / beim Brunnen der Familie Jennen ’ (1887, Reckingen), ts Jenestäfelti ‘ der kleine Stafel der Familie Jennen / des Jennen ’ (Münster) sowie dem mehrfach belegten Jennenmatten (1592 u. ö., Bürchen; 1652, Ried-Brig). Ähnlich gebildet sind Jenauputi ‘ die kleine Alp des Jennen / der Familie Jennen ’ (Bellwald, mit / l/ -Vokalisierung) und dazu ts Jenaupuwasser ‘ die Wasserleitung der Jenalpe ’ (Bellwald). Die kollektive Form Jennig (FaN) ist vertreten in Jennigo Senthumb ‘ das Senntum der Familie Jennen / der Leute des Jennen ’ (1576 u. ö., Binn) und in Jennigenkeller ‘ der (Käse-)Keller der Familie Jennen / der Leute des Jennen ’ (SK, Binn). Vgl. auch HL J ENNIG (F A N). Jennig (FaN) Jennig (FaN) ist belegt in Jennige Sentum ‘ das Senntum der Familie Jennen / der Leute des Jennen ’ (1576 u. später, Binn), Jennigenkeller ‘ der (Käse-)Keller der Alp der Familie Jennen / der Leute des Jennen ’ (SK, Binn) und Jännigärwaldji ‘ der kleine Wald der Familie Jennen / der Leute des Jennen ’ (FLNK, Ergisch). Der FaN ist zu Jani, Jenini, auch Jannini, Jennini, Jannen, Janer (AWWB 133 und 134) zu stellen; diese Familie wird als aus Leuk stammend bezeichnet, dürfte also nur für den Beleg aus Ergisch verantwortlich sein. NWWB unterscheidet Jani (2, 120 f.) und Jenini (2, 121); ersteres wird auf Januarius zurückgeführt, letzteres auf Johannes. Jennig ist eine kollektive / - IG / -Form zum PN Johannes, war also wohl verbreiteter als in AWWB und NWWB 2 aufgeführt. Jerjen (FaN) Jerjen (FaN) ist zum FaN Jerjen (AWWB 134) mit mehreren Schreibvarianten zu stellen. Der FaN ist dreimal belegt, immer als Bestimmungswort: auf der Jergeneggen ‘ auf der Ecke der Familie Jerjen / des Jörg ’ (1842, Ausserberg) (frühere Formen ab 1735 mit Jergyen), ts Jerjehüs ‘ das Haus der Familie Jerjen ’ (Grengiols) und der Jerjestutz ‘ der steile Aufstieg der Familie Jerjen / des Jörg ’ (Blitzingen). Statt des FaN Jerjen kann auch der PN Jörg und ähnlich (zu Georg) gemeint sein (I D . 2, 51 s. v. Georg). Jesuiter Jesuiter m. ist ein ursprünglicher Genitiv Plural zum Singular Jesuit ‘ Angehöriger der Societas Jesu (Jesuitenorden) ’ (I D . 3, 71), im Oberwallis kein pejorativer Ausdruck. Die beiden Belege Jesuitergrund ‘ der Grund der Jesuiten ’ (Glis) und Jesuitergüod ‘ das Gut der Jesuiten (auf dem Rohrberg) ’ beziehen sich auf den Besitz der Jesuiten, die in Brig das Kollegium Spiritus Sanctus führten (G UNTERN 2003, 377 f.). Zu den Gütern des Kollegiums siehe C ARLEN (2006) und zur Jesuiten-Kapelle auf dem Rohrberg M ARTONE (2007, 53-56), der darlegt, dass der Jesuitenpater Alois Arnold (1803-1865) das von ihm geerbte Gut den Jesuiten von Brig vermachte. Jesus Jesus ist die lateinische und deutsche Form des Namens von Jesus von Nazareth und ist zu schwdt. Jesus ‘ Jesus, Name des Heilands ’ , auch als Ausruf bei Gefahr (I D . 3, 71 ff.; G R W B 10, 2313; G RICHTING 1998, 119 s. v. jesses! (nur als Ausruf)) zu stellen. Der Name tritt in zwei Belegen auf: ts Härzjesuchriz ‘ das Herz-Jesu-Kreuz (wohl Jesusstatue mit Herz) ’ (Eischoll) und der Namejesustritt ‘ der Name-Jesus-Tritt ’ (Glis), ein gefährlicher Durchgang. Der erste Beleg nimmt Bezug auf die Verehrung des Jen 551 552 <?page no="542"?> Herzens Jesu, die in einem Hochfest (Sonntag nach Fronleichnam) und jeweils am ersten Freitag des Monats begangen wird (cf. HL H ÄÄRZ ). Der zweite Beleg ist unsicher: ob hier die Verehrung des Namens Jesus eine Rolle spielt, oder ob ein kurzes Notgebet oder gar ein Fluch gemeint ist, bleibt unklar. Jeuseri Jeuseri ist in Embd (FLNK) belegt. LT hat Jüöisieri. Es handelt sich laut Karte um eine Wasserleitung aus dem Embdbach, die mit der Ableitung / - ERI / verbunden ist. Eine Deutung ist schwierig: es scheint sich um eine Form des Staubschen Gesetzes zu handeln: die Tilgung von / n/ vor / s/ wird mit Ersatzdehnung verbunden. Der Ausgangspunkt dazu scheint Juon oder ähnlich zu sein, also eine Form von Juon (FaN) (AWWB 138). Wenn das stimmt, ist ursprünglich eine Wasserleitung der Familie Juon gemeint (cf. HL J UON (F A N)). Jgnaz (PN) Jgnaz (PN) ist zum Vornamen Ignaz bzw. Ignatius zu stellen und wird dialektal im Oberwallis häufig nur Naz genannt, vgl. N ā z ‘ Ignaz ’ (I D . 4, 885). Belegt ist der Vorname nur in t Nazleenärlägi ‘ die Lägi (hier wohl: Ruhestätte) des Jgnaz Lehner ’ (Kippel). Laut Gwp. wurde hier Jgnaz Lehner von einem Baum erschlagen. Jillo (PN) Jillo (PN) ist ein PN, wobei die Endung einen schwachen Genitiv enthält. Der Name ist unklar; Jilli ist die Koseform eines PN Julius oder Ägidius (I D . 3, 40); anlautendes / j/ kann auf / g/ zurückgehen oder umgekehrt. Belegt ist es als in Jÿllo Leedÿ ‘ der Aufladeplatz des Jillo ’ (Blitzingen). Jippi Jipii, auch Gippi n. ‘ Alpenrose ’ ist zu bergschwdt. Juppen, Jüppe n , Jippe n , Gippe n , Ipe n f.; Juppi n., wdt. Jippi, Gippä; -ppini; n. ‘ Alpenrose ’ (I D . 3, 53 f.; BENB 1, 2, 57; G RICHTING 1998, 119) zu stellen. Juppe gilt als sog. rom. Reliktwort (gall. juppos ‘ Wacholder ’ (RN 2, 180)), das ursprünglich den Wacholder bezeichnete, dann aber auch auf die Alpenrose übertragen wurde (J UD 1945/ 46, 72, URNB 2, 342 f.). Wie R ÜBEL (1950, 54) ausführt, sind Jippi und Gippi zwei der vielfachen Bezeichnungen für die Alpenrose im Walliserdeutschen. Das Simplex ist als im Gippi ‘ im Gebiet mit Alpenrosensträuchern ’ (1632, Visp) belegt, wobei unklar ist, ob der Beleg wirklich zu Visp zu stellen ist. Komposita mit dem HL als Bestimmungswort sind Gippichäle ‘ die Felsrinne mit Alpenrosen (unterhalb Gippichumme) ’ (FLNK, Reckingen), das auch als t Jippichumme ‘ die Chumme (Mulde) mit Alpenrosensträuchern ’ (LT u. FLNK Gippichumme, Reckingen) belegt ist. der Jippiwang ‘ der Grasabhang mit Alpenrosensträuchern ’ (FLNK Gippiwang, Reckingen) befindet sich unter der Gippichumme. In Naters ist 1849 Gippi Wasserfu ͦ r ‘ die Wasserleitung vom / zum Gippi ’ belegt. Vermutlich eine kollektive / - IG / -Ableitung liegt in der Gippigwang ‘ der Grasabhang mit Alpenrosensträuchern ’ (Ritzingen) vor. Wohl anders zu deuten ist der Beleg Gippisch (1399, Glis). Eine Entrundung ist so früh nicht möglich. Es muss sich also um einen PN oder FaN im Genitiv handeln: ‘ das Gut des Gippi / der Familie Gippi ’ . Der Name ist jedoch in dieser Form nicht belegt. Jlliaca Jlliaca ist eine latinisierte Benennung des Val d ’ Illiez, die in einigen Texten auch für das Lötschtal (inklusive Lonzaschlucht) Verwendung findet. Belegt ist es u. a. 1668 in Gampel als jn Valle Jlliacâ l. d. Zmittahl. Gemeint ist Mittal in der Lonzaschlucht (cf. HLL M ITT - und T AL ). Jllios Jllios ist in Salgesch 1526 als deys ylliotz, im gleichen Jahr als eys ylliotz, 1564 als yssilliotz, 1594 als eys Jllios und 1643 als Eys Jllios belegt. Es handelt sich immer um den Plural von lat. INSULA ‘ Insel, Aue ’ (FEW 4, 728 ff. s. v. Ī NSULA insel). Cf. HLL I LL und I LLJETTE . Jmholz (FaN) Jmholz (FaN) ist nur historisch in Ausserberg als Jmholzergarten ‘ der Garten der Familie Jmholz ’ belegt. Der FaN Imholz ist im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 895) im Wesentlichen für die Kantone St. Gallen und Uri belegt. Im Wallis dagegen ist nur Holzer (AWWB 90 f.) bezeugt.; vom Typ her sind FaNN mit der Präposition Jm im Oberwallis aber mehrfach nachgewiesen; historisch erscheint hier {j} für sonstiges {i}. Jmmen Jmmen ist zweimal belegt: der Jmmen Biell (1545, Ernen) und vff den Jmmen Büell (1593, Mühlebach), es handelt sich aber vermutlich um den gleichen Hügel. Jmmen ist wohl ein schwacher Genitiv Singular. Er lässt sich zu Imb ‘ Bienenstock, Bienenschwarm ’ (I D . 1, 233 f.; BENB 1, 2, 343) stellen; das Wort ist allerdings für das Oberwallis kaum belegt (ausser vielleicht Impereiki ‘ Räucherwerk ’ (G RICHTING 1998, 114), das wohl auf Imbe-Reiki ‘ Bienen- Ausräucherung ’ zurückgeht). Wahrscheinlicher ist jedoch ein PN im Genitiv für den einstigen Besitzer: ahd. Immo (häufig, auch in St. Gallen, F OERSTEMANN 1, 949; nach BENB 1, 2, 343). 553 554 Jmmen <?page no="543"?> Jmner Jmner ist einmal belegt: Jmner Wyngarton im Kontext vineam que vocatur Jmner Wyngarton (1299, Visp). Es handelt sich also klarerweise um einen Weinberg, der mit einem Wort als Genitiv Plural oder als Adjektiv zu verstehen ist; der Stamm ist allerdings unklar. Wie unter HL J MMEN aufgeführt, ist ein Bezug zu Imb ‘ Bienenschwarm, Bienenstock ’ (I D . 1, 233 f.) eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Auch der dort aufgeführte PN Immo kommt in Frage, ist aber im Namenschatz des Oberwallis sonst unbekannt. Ein Verschreiber zu (der) Inner Wyngarton ‘ der innere Weingarten ’ ist zwar möglich, aber sonst so nicht belegt. Jnsch Jnsch ist nur einmal belegt in Jnschgraben (1852, Glis). Da keine weiteren Belege vorliegen, ist unklar, worauf sich Jnsch bezieht. Das in BENB (1, 1, 74) belegte dr Inschberg kommt kaum in Frage, da es urkundlich Meinhartsperg genannt wird. Jnsch könnte aber eine hyperkorrekte Form (auf Grund des Staubschen Gesetzes) zu Iisch ‘ Eis ’ sein (vgl. HL I ISCH ). Dann wäre der Name als ‘ Graben mit Eis ’ zu deuten. Beweisen lässt sich dies nicht. Jnsulia Jnsulia ist nur einmal 1610 in einem nicht sicher Leukerbad zuzuordnenden Dokument als in Jns ŭ lia Presiarum erwähnt. Jnsulia ist ein unsicherer Genitiv Plural (lat. insularum, hier wohl als Nominativ Plural aufgefasst), der zusammen mit Presiarum als ‘ die eingezäunten Auen ’ verstanden werden kann. Diese Auen befanden sich wohl im Gebiet des Rottens bei Leuk. Die Deutung ist aber sehr unsicher. Jntre Jntre ‘ zwischen ’ wird nur einmal verwendet in Jntre dou Thorren ‘ zwischen zwei Bächen ’ (1610, Leukerbad). Dou muss hier als ‘ zwei ’ verstanden werden; T AGMANN (1946, 63) weist auf die maskuline Form dou im Gegensatz zur femininen Form dauwe hin. Die Präposition lautet sonst entre (T AGMANN 1946, 62); die Schreibung Jntre kann durch lat. INTER mitbedingt sein. Joch Joch ist zu schwdt. Joch n. in toponomastischem Sinn ‘ Gipfel eines Hochgebirges, hoher, frei aufragender Fels; Einsattelung eines Bergrückens ’ amhd. joh, joch (I D . 3, 6 f; B ENB 1, 2, 371 f.; Z INSLI 1946, 325) zu stellen. Der einzige Beleg des Simplex ist ov Joch (1407, Leuk), das von M EYER (1914, 96) zu lat. I Ŭ GU ‘ Joch ’ gestellt wird und als žŏ k (vereinfacht) notiert wird. Der Name ist hier frpr., wie der Artikel ov beweist. In zwei Fällen liegen Iu ᵛ chtmatta (1448 + 1445, Visperterminen) und der Jochtwald (Ried-Brig) vor. Der erste Beleg ist wohl zu Juch (I D . 3, 8), das nur als Flurname belegt ist und wohl ein Flächenmass meinte, zu stellen, beim zweiten ist unklar, was genau gemeint ist (auch LT hat Jochtwald). Alle übrigen Belege (rund 130) enthalten das HL als Grundwort und meinen mit Joch ‘ Einsattelung eines Berges ’ . Die Bestimmungswörter beziehen sich auf Berg-, Gletscher- und Gemeindenamen, die hier im Einzelnen nicht aufzuführen sind, aber an ihrem Ort verzeichnet werden. Adjektive wie Ober und Unner nennen die relative Lage des Jochs. Selten ist die zusätzliche Nennung einer Hütte, wie in t Oberaarjochhitta ‘ die (Schutz-)Hütte des SAC beim Oberaarjoch ’ und anderer. Vermutlich ist das HL in diesem Sinn relativ spät in Zusammenhang mit der Benennung von Gipfeln und Gletschern zustande gekommen. Joder (PN) Joder (PN) ist PN bzw. der Name des Heiligen Theodor (auch Theodul) (um 400 n. Chr.), des Landespatrons des Kantons Wallis, in der Kurzform Joder (I D . 3, 11 f.). Joder erscheint in etwa zwanzig Namen. Sant Joder bezieht sich sicher auf den Landespatron, die anderen auf Personen, die Joder als PN tragen; als FaN ist Joder nicht belegt, trotz entsprechender Bemerkungen in Ulrichen, wo die Garbely früher Joder geheissen haben sollen. Als Bestimmungswort erscheint Jodere (Goms) oder Jodru mit folgenden Grundwörtern: Acher, Brunnu, Hooru, Loch, Schiir, Stock, Stutz, Tossu und Wald. Einmal ist ein Diminutiv im Genitiv belegt: ts Joderlisch Wald ‘ der Wald des kleinen Joder ’ (Übername einer Burgerfamilie) (Saas-Almagell). Kombinationen mit anderen Namen liegen vor in jn Arnoldtz Jodrenn Mamatt ‘ in der Mähwiese des Joder Arnold ’ (1580, St. Niklaus), im Brandt Jodro Helners ‘ im brandgerodeten Gebiet des Joder Heldner ’ (1758, Visperterminen) und Jodro Helners Hütten ‘ die (Alp-)Hütte des Joder Heldner ’ (1750, Visperterminen). Die Verbindung Sant Joder ist belegt in Kappellen Sant Jodren ‘ die Kapelle des Hl. Theodul ’ (1542, Törbel), ann Sannt Jodren Lüschen ‘ am Gebiet mit Sumpfgras des Hl. Theodul ’ (1602, Geschinen), z Sant Jodrumacher ‘ der Acker des Hl. Theodul ’ (1695, Ausserberg) und Sanktjodernquell ‘ die Quelle des Hl. Theodul ’ (Unterbäch). Der Zusammenhang mit dem Hl. Theodul ist nicht überall direkt erkennbar. Joff (PN) Joff (PN) ist vor allem in Bürchen belegt; dazu kommen zwei Belege in Ausserberg und Niedergesteln. In Bür- Jmner 555 556 <?page no="544"?> chen ist zentral Joofe (FLNK); die historischen Belege hierzu haben Zen Joffen (1548) oder Zen Jofen (1642), beide auch später, wohl als zu den Joffen zu verstehen. Weiter sind belegt: zem Jofacher ‘ beim Acker des Joff ’ (1471, Bürchen: 1652 u. später, jm Jooff Acher), aúff Joff Biel ‘ auf dem Hügel des Joff ’ (1702 u. später, Bürchen), die Jopfmatten ‘ die Wiesen des Joff ’ (1620, Bürchen, unsicher), die Jofwasserleÿten ‘ die Wasserleitung des Joff ’ (1547, Bürchen; 1578 als Zÿoffswasser ‘ das Wasser des Joff ’ , 1763 die Joff Wasserleiten). G ATTLEN (2007, 47) kennt Jofe als älteres Gehöft von Bürchen. Unklar sind der Beleg von dem Joffwasser (1645, Niedergesteln). Im Kontext ist wohl vom Wässerwasser aus dem Joffwasser die Rede, das man vom frühen Morgen bis zur Jolen (wohl: bis die Sonne bei der Joli ist) brauchen kann; da Niedergesteln über den Rotten an den Hang unter Bürchen reicht, gibt es einen lokalen Zusammenhang. In Ausserberg ist von einem Weinberg die Rede, der im Joffÿ (1755, Ausserberg) liegt. Er scheint mit dem Eintrag Jof (1306, Raron) verbindbar zu sein, der auch als Weinberg bezeichnet wird. Insgesamt gibt es wohl Jofe in Bürchen und Jof, resp. Joffÿ in Raron / Niedergesteln. Am ehesten dürfte der Name eine Kurzform sein, doch ist unklar, zu welcher Grundform; F ÖRSTEMANN (1, 316) erwähnt das germanische Gautfred mit Varianten, das dem Kurznamen Joff als Vorlage hätte dienen können. Im I D . (2, 132) ist Göffi zu Gottfried erwähnt, jedoch nur für das Gebiet am Zürichsee. Anlautendes G kann zu J werden, vgl. etwa Jörg < Georg. Weitere Belege für Joof oder Joff finden sich jedoch nicht. Johann (PN) Johann (PN) ist einerseits ein PN in üf ts Johannsch Bode ‘ auf dem Boden des Johann ’ (Münster). Die übrigen Belege betreffen den Heiligen Johannes (hier unklar, ob Johannes der Täufer oder Johannes der Evangelist gemeint ist): Sant Johannshöüpt ‘ das Haupt des heiligen Johannes des Täufers (unklar, vgl. Mt 14, 1-12; es handelt sich wohl nicht um einen Bildstock) ’ (FLNK, Naters); ts Santjohansch Litzi ‘ der Schattenhang des Heiligen Johannes (Motivation unklar) ’ (Zermatt) und St. Johannslitzi (LT, Zermatt) benennen die gleiche Flur, sind aber unklar. Nicht sehr klar ist auch der Beleg von 1374 in Unterbäch: agrvm cui dicitur engillyer Johannis Bu ᵉ lins ‘ der Acker, der Engillyer genannt wird, der dem Johann Bu ᵉ lin gehört ’ . Zum Namen Johannes vgl. G R W B (10, 2333). Jolen Jolen, auch Ioli oder Ieli ist primär im Jolital (Niedergesteln) belegt. Die älteste Namenform tritt auf als zer Huiolun (1299) und für den Bach Huy`ola (1303), Húyola (1306). Ab 1396 ist eine Alpe Yolun belegt und 1408, 1437 und 1438 für den Bach Yola, der aus dem Jolital nach Niedergesteln fliesst. Auf LT heisst die Alpe Joli, das Tal Jolital und der Bach Jolibach - er fliesst vom Joligletscher unterhalb des Jolihorns bis hinunter nach Niedergesteln, wo er heute in einen Kanal mündet. Weitere Belege mit Joli sind Jolialpu ‘ die Jolialpe ’ (FLNK), t Jolieggu ‘ die Ecke bei der Jolialpe ’ , t Jolijegi ‘ die Jegi (Jagdgebiet, Felsbänder) im Jolital), die Jolen Studen ‘ die Stauden (wohl im Jolital) ’ (1820), die Jolilicka ‘ die Jolilücke (zwischen Wilerhorn und Gletscherhorn; SK Ijollilücke; SK hat auch Ijolligletscher usw.), Jolen Alpen Wald ‘ der Wald bei der Joli-Alpe ’ (alle Belege bis hieher in Niedergesteln). Die Formen in Niedergesteln sind wohl vordeutsch. Die ältest belegten Formen vom Typ deutet A. K RISTOL (p. c.) vorsichtig zu lat. * VIOLA ‘ kleiner Weg, Pfad ’ , der vor allem in Südfrankreich, aber auch in Norditalien auftritt (FEW 14, 372-3). B OSSARD / C HAVAN (2006, 204) kennen mehrere Diminutive wie Vion, Vionnet, Viette neben dem Simplex Vi, Vy. Eine Ableitung * VIOLA fehlt hier zwar, kann aber vordeutsch durchaus vorhanden gewesen sein. Die Namenform Ieli (entrundet aus Iöli) kommt als ts Ielisand ‘ das Sandgebiet beim Jolibach (in der Rottenebene) ’ , t Ielistelli ‘ der Ort, wo das Vieh gestellt wird, bei der Jolialpe ’ , der Ieliwäg ‘ der Weg in die Alpe Joli ’ und t Obri und t Undri Ielumättju ‘ die obere und die untere Mettle der Jolialpe ’ vor. Isoliert ist in der Jolen (1648, Visp), das sich laut Dokument in der Vnndren Alben befindet, also am Berghang westlich von Visp, und der Ielubodu (Mund; FLNK Jielubodu), das sich oberhalb Mund beim Gredetschtal befindet. Im Fall von Mund lässt sich an einen PN J ē li ‘ Daniel ’ (cf. I D . 3, 40) denken, der aber für das Wallis nicht belegt ist. Für Jolen gibt es zwar einen Hinweis auf Joli ‘ Veilchen ’ (I D . 3, 40), das aus Viole ‘ Veilchen ’ entstanden sei, doch die Belege stammen aus dem Kanton Graubünden. Auch hier ist wohl eher ein PN im Genitiv gemeint. Insgesamt lassen sich die verschiedenen Flurnamen nur unsicher deuten. Jood Jood ist nur belegt in t Joodlamme ‘ das Jood-Felstobel ’ (Reckingen). Das HL gehört wohl zu Jot (G R W B 10, 2337), das einerseits den Namen des Buchstabens / j/ und anderseits eine Kleinigkeit bedeutet. Die Motivation ist unklar: die Lamme kann aussehen wie ein Jot oder klein sein wie ein Jot oder jemandem gehören, dessen Übername Jood ist. Mit dem chemischen Element Jod (K LUGE / S EEBOLD , 25 2011, 457) besteht kein Zusammenhang. 557 558 Jood <?page no="545"?> Joopi Joopi n. ‘ Eule, Kauz ’ ist zunächst zu wdt. Joopi n. ‘ Eule, Kauz ’ (I D . 3, 53; G RICHTING 1998, 119) zu stellen. Es kann sich aber auch um die Kurzform eines PN handeln. In Mund ist t Joopitola ‘ die Mulde des Joopi ’ belegt, wo Joopi nach Gwp. den Beinamen des früheren Eigentümers darstellt. In Bellwald hat FLNK Joopi Weid ‘ die Weide des Joopi ’ . Vermutlich liegt auch hier ein Beiname oder die Kurzform eines PN vor und nicht die Bedeutung ‘ Eule, Kauz ’ . Joos (PN) Joos (PN) ist unklar. uf Josch / uf Joscht (M. S. notiert beides) ‘ auf (dem Gebiet) des Jost / der Familie Jost ’ (Zermatt, FLNK Joscht, SK Jost) und t Joosche ‘ der Wald der Familie Jost / des Jost ’ (Eisten) sind belegt. Beide Namen sehen aus, als ob sie einen FaN oder PN Joos oder Joosch enthalten. Ähnlich sind die PNN oder FaNN Joosi (PN), Jossen (FaN) und Jost (FaN). Es handelt sich wohl um eine Kurzform zu Josef (I D . 3, 76) oder zum FaN Jost (AWWB 136), der seinerseits auch ein PN Jost sein kann. Joosi (PN) Joosi (PN) ist als eine Kurzform wie J ō s, Joss, J ō si, Jöschi zum PN Joseph, Josef (I D . 3, 76) zu stellen. Der FaN Josi ist im Oberwallis nicht belegt; das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 931) kennt Josi nur für das Berner Oberland. Drei Belege weisen einen vorangestellten Genitiv auf: ts Joosisch Azig ‘ die Futterweide des Josef ’ (Selkingen), z Josisch Loch ‘ das Loch des Josef ’ (Randa), ts Bobmerjosisch Chrumjini ‘ die krummen kleinen Landstücke des Bodmer Josef ’ (St. Niklaus). Vermutlich gehört auch das Kompositum Joslibode ‘ der Boden des kleinen Josef ’ (Ulrichen) hieher. Jordan (FaN) Jordan (FaN) ist ein bekannter Oberwalliser Familienname, zum Vornamen Jordan, Jordanus, Jordani (AWWB 135), bis heute in Zwischbergen und Simplon belegt. Er kommt in drei Flurnamen vor: ts Joorduhitgi ‘ die kleine (Alp-)hütte der Familie Jordan ’ (Simplon), Jordans Blatton ‘ die Felsplatte der Familie Jordan ’ (1402, Simplon) und mit dem Genitiv Plural einer kollektiven / - IG / -Ableitung als ts Joordigu Huis ‘ das Haus der Familie Jordan ’ (Zwischbergen). Jorigo Jorigo kommt nur in Mund 1675 als sÿluam Jorigo vor. Es handelt sich um einen Genitiv Plural mit der kollektiven / - IG / -Ableitung zu Jörg: ‘ die Leute des Jörg ’ . I D . (2, 51) führt den PN unter Georg auf. Die in Albinen 1408 als Joria, resp. Joriae benannte Frau weist wohl die feminine Form des einfachen Namens auf, aber es liegt kein Flurname vor. Joscht (PN) Joscht (PN) ist ein geläufiger PN oder FaN, der zu schwdt. J ō s, J ō st aus Jodokus (I D . 3, 74 f.) zu stellen ist. Der Name kommt auch als FaN Jost, Yost (AWWB 136, 298) vor. Als abgeleitetes Simplex ist nur Jostÿ (1753 u. später, Oberems) belegt; wohl ein Diminutiv zu einem Gut der Familie Jost. Ein Kompositum mit diesem Grundwort ist Trisine Joschtji ‘ das Steingeröll beim Josti ’ (Oberems). Der Beleg ts Josch See (Obergesteln, FLNK Joschtsee, LT Jostsee) enthält nach Ausweis von FLNK und LT den Genitiv des FaN Jost. In den andern Fällen ist Jost Bestimmungswort zu den Grundwörtern Alpa, Bach, Biel, Bodu, Chnubel, Chromu, Hüs, Egg(a), Eie, Matta, Schnitta, Wald und - komplexer - Wiingarto. Im Fall von Joschtbiel (FLNK, Bürchen) ist an eine zerstörte Kapelle des Hl. Jodok zu denken (laut G ATTLEN 2007, 48). Eine abgeleitete Kollektivform auf / - IG / ist in der Jostigen Eie ‘ in der Aue der Familie Jost ’ (1721, Obergesteln) belegt. Josef (PN) Josef (PN) ist als der Name des Heiligen Joseph (I D . 3, 76) belegt, vgl. auch dort die Dialektformen. Es handelt sich wohl immer um den Ziehvater von Jesus. Belegt sind nur Flurnamen mit dem Heiligen: ts Jopsch Kapälli ‘ die kleine Kapelle des Hl. Josef (Jop als Kurzform des Namens) ’ (Saas-Fee; FLNK z Jobsch Kapälli; LT und SK St. Joseph) (eine kleine Kapelle auf dem alten Weg von Saas-Grund nach Saas-Fee), t Joseffgalerii ‘ die Galerie (Tunnel) mit der Statue des Heiligen Josef ’ (Simplon; 1: 10000 Sanktjosefgallerie, SK Josefsgallerie) (die Galerie ist heute mit der neuen Galerie zusammengebaut), Sant Josef ‘ der heilige Josef (weder Bild noch Kapelle, unklar, Teil des Weilers Hegdorn ’ (FLNK, Naters), ts Sant Joosopsch Kapälli ‘ die kleine Kapelle des Hl. Josef ’ (Visperterminen; FLNK Z ’ Josefsch Chapoli) (die Kapelle befindet sich auf der Karte westlich vom eingetragenen Flurnamen), ts Sant Josopsch Kapälliwägji ‘ der kleine Weg bei der St. Josefs-Kapelle vorbei ’ (Visperterminen) (der Weg umrundet die Kapelle etwas südlicher), St. Josefsheim ‘ das St. Josefsheim (heute Oberwalliser Alters-, Pflege- und Behindertenheim) (LT u. FLNK, Leuk) (auf LT ist auch das frühere Schloss von Werra aufgeführt; SK kennt nur Schloss Werra), ts Zant Joseffkapälli ‘ die kleine Kapelle des Hl. Josef ’ (Saas-Grund; LT und SK St. Joseph, FLNK Z ’ Josefsch Kapälli) (befindet sich auf dem Weg vom Talgrund der Saaser Vispe zum Weiler Zer Engi). Joopi 559 560 <?page no="546"?> Jossen (FaN) Jossen (FaN) ist der Name einer Familie, die ursprünglich aus Naters stammte, sich aber später weiter verbreitete (AWWB 136). Der FaN ist in fünf Belegen vertreten: Jossuhüs ‘ das Haus der Familie Jossen ’ (Birgisch), ein Weiler von Birgisch, in Jossen Boden ‘ im Boden der Familie Jossen ’ (1804, Birgisch), ts Josewägi ‘ der kleine Weg der Familie Jossen ’ (FLNK, Ernen), ein unklarer Beleg, da auch eine Kurzform eines PN Josef oder ähnlich vorliegen kann (cf. HL J OSEF (PN)), t Jossehell ‘ die Hölle der Familie Jossen ’ (Oberwald). Eine kollektive / - IG / - Ableitung im Genitiv Plural ist vertreten in Jossigo Hütta ‘ die (Alp-)Hütte der Familie Jossen ’ (1562, Naters). Jotsch (PN) Jotsch (PN) kommt als PN in ts Jotschisch Schiir ‘ die Scheuer des Jotschi ’ (Niedergesteln) vor. Vermutlich ist die Form Jotschi eine Kurzform zum PN Joder (I D . 3, 11), die ihrerseits auf den PN Theodor oder Theodul (erster Bischof des Wallis und heutiger Landespatron) zurückgeht. Jouch Jouch m. ist nur historisch in Glis 1460 der Jouch und 1580 der Joùch belegt. Es wird als Stück Land, 1580 auch als Gu ͦ t bezeichnet. I D . (3, 5) kennt Jauch als ‘ Jubelruf ’ , was kaum in Frage kommt. Sinnvoller ist Juch (I D . 3, 8; BENB 1, 2, 377 f.), das nach I D . nur als Flurname belegt ist. Nach BENB (1, 2, 377 f.) ist es zu mhd. jiuch ‘ Joch Landes, eigentlich soviel Land, als ein Joch Rinder an einem Tag umzuackern vermag ’ zu stellen (cf. L EXER 1, 1481). Die Schreibweise mit Diphthong kann auch einfach die Länge des Vokals abbilden, cf. HL J OCH . Jrkenen Jrkenen ist nur 1819 in Blitzingen belegt als in der Jrkenen. Es handelt sich um ein Femininum. Formal nahe liegend ist das Nomen Irch n. ‘ feines, weiss gegerbtes Leder ’ (G R W B 10, 2154), doch lässt sich davon ein Flurname nur schlecht ableiten; das Nomen ist im Übrigen im I D . (1, 434) in der Anmerkung zwar erwähnt, hat aber keinen eigenen Eintrag. Ob das Adjektiv urchen ‘ rein, unvermischt, unverfälscht; echt, ursprünglich, urwüchsig ’ (I D . 1, 434 ff.) eine Rolle spielt, bleibt unklar; es würde einen Umlaut und anschliessende Entrundung voraussetzen. Die genaue Deutung des Flurnamens bleibt deswegen unklar; die Einreihung unter / j/ ist nur dem historischen Beleg zu verdanken. Jsolae Jsolae ist nur 1703 in Leuk belegt. Der Beleg spricht von aque et communi aqueductu Jsolae ‘ der Bach und die der Gemeinde gehörende Wasserleite Jsolae ’ (Leuk). Jsolae ist als Genitiv zu lat. INSULA ‘ Aue ’ (FEW 4, 728 ff. s. v. ī nsula insel) zu stellen. Gemeint ist hier also eine Wasserleitung, die zur Eie führt. Nähere Angaben zu dieser Wasserleitung fehlen. Ju Ju ist nur historisch 1402 in Mörel als zem Jubüel belegt. Das HL ist wohl zu Juch (I D . 3, 8) zu stellen, das nur als Flurname vertreten ist. I D . stellt es vorsichtig zu jiuch ‘ Joch Landes ’ (L EXER 1, 1481) und Juchart im Sinne eines Flächenmasses. Jubüel wäre dann ein Hügel, der eine Juchart umfasst. Eine Ableitung zum PN Jun ist kaum gegeben. Jucherta Jucherta f. ist zu schwdt. J ū cherte n , J ū ferte n f. ‘ Juchart; eig. soviel ein Joch Rinder an einem Tag umzuackern vermag ’ (I D . 3, 8 f.; BENB 1, 2, 379 ff.) zu stellen. Das HL kommt nur historisch in Münster vor: 1445 an der Juchertun, ab 1605 erscheint es als Plural an den Jucherten. 1603 kommt an der Oberen Júcherten und im gleichen Jahr die Vnner Júcherta vor. Zu weiteren Belegen cf. HL J ÜÜFERTA . Jud Jud ‘ Jude ’ ist mehrfach belegt, aber wohl in zwei Bedeutungen: zum einen zu schwdt. Jud m. ‘ Israelit ’ oder im übertragenen Sinne für ein teuer gekauftes oder ein schwer bebaubares, wenig Nutzen abwerfendes Stück Land (I D . 3, 12; BENB 1, 2, 382 f.), zum andern auch als FaN Jud. Er ist zwar in den zugänglichen Quellen nicht belegt, liegt aber wohl aber in Münster z Judige ‘ bei der Familie Jud / der Leute des Jud ’ zu Grunde. Hierzu sind dann auch bim Judestafel ‘ beim Stafel der Leute von Judigen ’ (Münster) und Judechäller ‘ der (Käse-)Keller der Leute von Judigen ’ (Münster) zu stellen. Juden ist der Übername für die Einwohner von Obergesteln und von Visperterminen. In Obergesteln ist ein Judenmatten (1742) belegt, ein Zusammenhang lässt sich kaum belegen; P H . K ALBERMATTER (p. c.) nimmt eine Verlesung von M. S. für in den Matten an. Ein Teil der Leute von Visperterminen war früher nach Naters kirchgenössig, wo es eine Judugassa ‘ Judengasse ’ gibt - wie weit hier ein Zusammenhang besteht, ist unklar; diese Deutung wird aber vertreten. Belege für ein Simplex sind selten: im Jud (Ritzingen) und der Plural t Jude ‘ die Juden ’ (Raron). Die weiteren Belege haben Jude als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Balma, Chircha - Chilcha, Matta, Rüüs, Stock, Viertel und Wäg. Vor allem die Dorfteile (Viertel, Stock) und die Bezeichnungen Gassa und Wäg können einer- 561 562 Jud <?page no="547"?> seits als frühere Wohnstätten von Juden (cf. Judengasse (G R W B 10, 2354), Judenviertel (G R W B 10, 2358)) verstanden werden, anderseits kann mit dem BW Jude ein Stereotyp der Juden als negativ gesehener oder armer Personen gemeint sein. Im Einzelfall kann Jude auch für einen jüdischen Besitzer oder Nutzer stehen. Jufete Jufete f. ist nur als FLNK-Beleg in Bürchen belegt. Da aber in Bürchen historisch 1529 das Juffertgin ‘ die kleine Jucharte (Land, das ein Joch Rinder an einem Tag umackern kann) ’ erscheint, wird es sich hier um eine vereinfachte Form zu schwdt. J ū cherte n , J ū ferte n f. ‘ Juchart; eig. soviel ein Joch Rinder an einem Tag umzuackern vermag ’ (I D . 3, 8 f.) handeln (cf. HL J ÜÜFERTA ). Jüggi (PN) Jüggi (PN) n. ist in Ried-Mörel belegt, vermutlich ein Diminutiv zu einem PN oder FaN Jugg, der 1644 als am Juggig erscheint. / - IG / ist hier wohl das Kollektivsuffix für ‘ die Leute des Jugg ’ , die Besitzer der Flur. In Fieschertal sind Jügibach und Jügimatta belegt, wobei unklar ist, ob der Bach nach der Wiese benannt ist oder umgekehrt. Der Jüggibach ist auch für Fiesch bezeugt. Historisch ist 1603 in Ritzingen vnder Ju ͦ ggen Gaden ‘ unter dem Gaden des Jugg ’ belegt. Das I D . kennt Ge-jugg ‘ Alpendohle ’ (3, 29), allerdings nur für Obersaxen (GR); es ist darum wohl kaum hieher zu stellen. Unter Ab-Juck (I D . 1, 37.) ‘ Absatz eines Felsens, Gebirges ’ wird vermutet, es gebe eine generelle Bedeutung ‘ anspringende, steile Höhe ’ , die in Flurnamen verwendet werde. Ob das hier zutrifft, ist fraglich. G RICHTING (1998, 119) nennt Juggu ‘ Käserinde ’ , aber nur für Leuk und die Leukerberge. Juidas Juidas ist nur in Blatten als dr Juidas belegt. Der Flurname ist auch auf LT und und bei FLNK erwähnt. Laut Beschreibung handelt es sich um eine Ebene voll Steinhaufen mit einem Unterschlupf für Arbeiter beim Bereiten von Ofensteinen auf über 2200 m. Nach I D . (3, 14) handelt es sich um den Namen Judas des ungetreuen Jüngers Jesu (z. B. Mt 26, 47 ff. und Mt 27, 3 ff.). Die Motivation des Flurnamens bleibt aber unklar. www. ortsnamen.ch belegt den Namen nur nach I D . (3, 14) für einen Turm in Winterthur. Juizer Juizer m. ist zu schwdt. J ū chz, J ū chzer, wdt. Jüzz, Juiz m. und Jüzzer, Juizer (Lötschental), Jüzzär ‘ Jauchzer, Freudenschrei, Jubelruf ’ , in FlN meist Örtlichkleiten, an denen man Freudenrufe ausstösst (I D . 3, 10; BENB 1, 2, 388; G RICHTING 1998, 119) zu stellen. Belegt sind: der Jüützer (Hohtenn), wobei die Bemerkung „ Hier habe man den Franzosen gejauchzt “ unklar ist; es kann sich fast nur um die Truppen Napoleons handeln, die im Oberwallis als feindlich betrachtet wurden. Weiter ist ts Jüzeggilti ‘ die kleine Ecke für das Jutzen ’ (Visperterminen) belegt, während die übrigen Nennungen Juitzer als Bestimmungswort haben: t Juitzärblatta ‘ die Felsplatte der Juizär (wörtlich Jauchzer, hier Alpenruf) ’ . Dazu kommen t Inndri und t Uistri Juizärblatta ‘ die taleinwärts liegende und die talauswärts liegende Felsplatte der Juizär ’ (alle Blatten). In Simplon ist der Juizertschuggu ‘ der Felsblock, wo die Hirten jauchzten ’ belegt (J ORDAN 2006, 99). Das von J ORDAN erwähnte Juizärfluä (J ORDAN 2006, 188) ist bei uns nicht notiert. Das Jüzeggilti liegt im Nanztal auf ca. 2000 m und muss, laut Gwp., dem Jauchzen gedient haben. Julier (FaN) Julier (FaN) - ausgesprochen Schüülier - ist der FaN Julier oder Jullier, der seit dem 14. Jh. in Varen nachgewiesen ist (AWWB 137). Der Genitiv ts Schüüliersch Chollplatz ‘ der Platz, wo ein Herr Julier Kohle gebrannt hat ’ (Gampel) geht sicher darauf zurück. Unklarer ist der Schüülischleif ‘ der Schleif der Familie Julier ’ (Visp), wo ein Kurzform Schüüli zum FaN Julier oder zum PN Jules belegt ist. Jülius (PN) Bin ts Jüliusch Stadel ‘ beim Stadel des Julius ’ (Münster) ist zu einem PN Julius (I D . 3, 40 s. v. Julie (2.) zu stellen. Auch der Registerbeleg bin Jllis Stadel (I D . 3, 40) gehört zum gleichen PN. Julles Julles ist nur 1718 in Leukerbad als in Julles belegt. Ältere Belege fehlen. Das HL scheint zu lat. J Ŭ NG Ŭ LA jochriemen (FEW 5, 72 ff.) zu stellen zu sein. Die Form Julles gehört wohl zu einem Plural. Vermutlich ist damit das Stück Land gemeint, das mit Jochriemen beackert werden konnte; im unteren Deutschwallis war Pflügen möglich. Jullio (FaN) Jullio (FaN) ist als FaN in einem Dokument von 1367 in Agarn als Nycolodus Juillo belegt. Daraus erklärt sich auch der Name eis Juyllous ‘ das Gut der Familie Jullio ’ (1308, Agarn, mit späteren Varianten), ebenso viam deys Jullions (oder Jullious, unsichere Lesung, später auch Jellyons) ‘ der Weg der Familie Jullio ’ (1353, Unterems). Vermutlich nach dem PN Julius gebildet. Es kann aber auch zum FaN Julier (AWWB 137) gestellt werden (cf. HL J ULIER (F A N)). Jufete 563 564 <?page no="548"?> Jung Jung Adj. ist zunächst zu schwdt., wdt. jung ‘ jung; neu ’ zu stellen (I D . 3, 46; BENB 1, 2, 384 f.; G RICHTING 1998, 119). Davon gebildet sind Jungen (FaN) und Jungsten (FaN) (beide AWWB 138). Das Kompositum Jungfrau / Jungfröü meint entweder die Jungfrau Maria oder den Berg Jungfrau oder das frühere Hotel Jungfrau oder eine Dienstmagd (G RICHTING 1998, 119). Die Komposita Jungholz / Junkholz und Jungwald bezeichnen meist eine ehemalige Rodung oder einen Aufwuchs, eine Aufforstung. Wieweit die im Walliserdeutschen gut belegte Bedeutung ‘ Kind; Jungtier ’ von Jüngi, Jungilti, Jungi (G RICHTING 1998, 119) auch als Übername eine Rolle spielt, ist unsicher. Die in St. Niklaus belegte Alpe Jungu weist älteste Belege auf wie de Jongun (1354), in alpe Jongaro (1388), in villa de Jongen (1388), was ein älteres Jong voraussetzt, das ev. zu lat. JUNCUS ‘ Binse ’ , frz. jonc gestellt werden kann, aber volksetymologisch dann als jung verstanden wurde; möglich ist aber auch ein PN Jongo oder ähnlich. J ACCARD (1906, 215) listet Jungenbach (St. Niklaus) unter Jogne auf und stellt es zum gleichen kelt. Etymon wie Jona (laut G REULE 2014, 253 zu kelt. *ioun ā f. ‘ richtiger Weg ’ ); L EBEL 1956, 168, zitiert ein Fonte Jocosa (Aude) „ la fontaine qui sourd dans les joncs “ ). Ob der Bachname oder der Name der Siedlung älter ist, kann auf Grund unserer Daten nicht entschieden werden. Jung kann schliesslich auch im Gegensatz zu Alt stehen (etwa Jungstafel vs. Altstafel (beide Obergesteln)). Das Simplex kommt einmal als Jungu (St. Niklaus) vor (zur Deutung siehe oben) und einmal als der Jungschten ‘ das Gut der Familie Jungsten ’ (Blatten). Als vorangestellter Genitiv Plural einer kollektiven / - IG / -Ableitung kommt Jungigo ‘ der Leute des Jungen / der Familie Jungen ’ in Bürchen vor (1603 terram Júngigo; 1547 z ů Ju ᵕ ngingun Stadol). Ein Genitiv Singular ist belegt in ts Jungschti Schleif ‘ der (Holz-)Schleif nach Jungsten hinunter ’ und ts Jungschti Stein ‘ der Fels oberhalb von Jungsten ’ (beide Blatten); davon gibt es auch eine kollektive / - IG / -Ableitung: Jungstigo Wasma ‘ die Wiesen der Familie Jungsten / der Leute des Jungsten ’ (1726, Törbel). Ein Genitiv Singular anderen Typs zeigt zr Jungis Gluttun ‘ zum Teich des Jungi ’ (1460, Ried-Mörel), wohl eine Kurzform zum FaN Jungen; ähnlich ist Jüngimatta ‘ die Wiese des Jüngi ’ (Bitsch) zu verstehen; die Bedeutung ‘ Kind ’ ist eher nicht gemeint. Als attributives Adjektiv, resp. Bestimmungswort findet man Jung mit den Lemmata Grat, Holz, Hüs, Lerch, Stafel, Räb-, Wald und Zug. Der Typ Jungholz (Jungwald) ist allein etwa fünfzehn Mal belegt; dazu kommen Komposita mit Acher, Bode, Halta, Matta, Wald, Wasser und Wäg. Das gleichbedeutende Jungwald ist sechs Mal belegt. Komplexere Formen wie der Jungstafelwald ‘ der Wald beim junge Stafel ’ (Zwischbergen) sind möglich, aber selten. In St. Niklaus gibt es ein Namennest um die Alpe Jungu herum mit Alt Junggassen ‘ die alte Gasse zur Alpe Jungen ’ (1653), Jungbach, Jungenalp, Junggletscher, Junghaalta, Jungpass, Jungtal, Jungtaljoch und Jungubärg; dazu gehören auch Jungpass und Jungtaljoch in Oberems - identisch mit den gleichnamigen Örtlichkeiten in St. Niklaus. Ein weiteres Namennest ist zum Gipfelnamen Jungfrau zu finden: Jungfröüjoch, Jungfröügletscher, Jungfraufirn, Wengen Jungfrau; auch das frühere Hotel Jungfrau (1856 erbaut, 1972 abgebrannt) auf dem Weg zum Eggishorn. Nicht deutbar sind mangels Kontext der Jungfrauwenweg (1540, Saastal) und t Jungfröüblattu ‘ die Felsplatte der Jungfrau ’ (Saas-Balen). Insgesamt sind eine Reihe von Elemeten mit Jung vertreten, die nur teilweise zum Adj. jung gehören. Junigo Junigo ist nur einmal belegt in Júnigo Alpgi ‘ die kleine Alpe der Familie Juon ’ . Die Form ist eine kollektive / - IG / - Ableitung im Genitiv Plural zu einem FaN oder PN Juon, der auf Johannes zurückgeführt wird (AWWB 138). Junker Junker m. ‘ Junker ’ ist zu schwdt. Jungherr, Junker mit Verhärtung von ng zu nk, ‘ Junker, junger Herr von Adel ’ (I D . 3, 49 f.; BENB 1, 2, 385 f.) zu stellen. Das HL erscheint nur als Bestimmungswort in Komposita. Zentral ist dabei die Gemeinde Naters mit neun der 15 belegten Namen, die meisten allerdings nur historisch belegt. Zu unterscheiden ist hier der Jungkerhof ‘ der Junkerhof ’ , Name des Gebäudes, in dem sich heute die Gemeindeverwaltung befindet, und des angrenzenden Dorfteils, von der Jungkerbiel ‘ der Hügel des Junkers ’ , östlich des alten Dorfes oberhalb des Gebietes Wingartu ‘ Weingarten ’ . Weiter sind belegt in den Júncker Achren ‘ in den Junker-Ächern ’ (laut Beleg von 1729 apud vineas ‘ bei den Weingärten ’ , Naters), ob dem Juncker Gutt ‘ oberhalb des Junker-Gutes ’ (1760, Naters), beÿ dem Juncker Turen ‘ beim Turm im Gebiet des Junkerbiels ’ (wohl Felsturm) (1666, Naters), im Júnckerhaltÿ ‘ in der kleinen Halde des Junkers ’ (1764, Naters), in des Junckers Boden ‘ im Boden des Junkers ’ (1679, Naters) und im Obren Jùnckerboden (1678, Naters), sowie in dem Vndren Jùnckerboden (1678, Naters). Weitere Belege an anderen Orten: Júnkerbad ‘ das Bad der Junker (auch Werra-Bad genannt) ’ (1719, Leukerbad), ts Junkerhüs ‘ das Haus des Junkers ’ (laut Gwp. ein Meier- 565 566 Junker <?page no="549"?> Haus) (Täsch) und der Junkerstei ‘ der Stein des Junkers ’ (Täsch), t Junkerschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung des Junkers ’ (Ernen), sowie der Junkertschuggo ‘ der Fels des Junkers ’ (Baltschieder, Eggerberg), wohl gleicher Ort auf der Gemeindegrenze. Junker war die Bezeichnung von adelsähnlichen Familien, aber nicht FaN im engeren Sinn. Juon (FaN) Juon (FaN) ist zum FaN Juon, auch Juong, Juno, Juen, Juons zu stellen. Unter diesem Namen, der von Johannes abgeleitet wird, besteht eine Familie in Törbel seit dem 15. Jh. (AWWB 138). Der FaN ist zweimal belegt: z Júns Haus ‘ das Haus des Juon / der Familie Juon ’ (1705, Bürchen) und Ju ͦ ns Walt ‘ der Wald des Juon / der Familie Juon ’ (1545, Bürchen); cf. HL J EUSERI . Jussane Jussane ist nur einmal 1657 in Albinen als im Jussane belegt. Es ist unklar, ob der Flurname ursrpünglich frpr. oder dt. ist. Für eine frpr. Herkunft spricht jedoch der Flurname Oussannaz (B OSSARD / C HAVAN 2006, 240) oder Zozanna (T AGMANN 1946, 51), der auf lat. * AUGUSTANA ‘ Alpweide im August ’ zurückgeführt wird. Die Schreibung ist nicht eindeutig; der Anlaut könnte als / j/ oder / ž / gelesen werden. Eine deutsche Deutung liegt nicht vor. Der Beleg von 1675 enthält jedoch eine deutsche Präposition; Albinen ist zu dieser Zeit primär deutschsprachig, kann aber Patois-Belege aufweisen. Jüüferta Jüüferta f. ist in Ausserberg als t Jüüferta (zweimal), auch historisch als an / auf der Juferten (1696, 1766) belegt. Historisch sind weiter jn der Juferdon (1521, Mund) und in der Jufferden (1539, Törbel; Lesung ist unsicher) belegt. Dazu kommt der Diminutiv das Juffertgin (1529, Bürchen). Die lebende Form enthält eine Palatalisierung. Der Name ist zu schwdt. J ū cherte n , J ū ferte n f. ‘ Juchart; eig. soviel ein Joch Rinder an einem Tag umzuackern vermag ’ (I D . 3, 8 f.) zu stellen. Zu weiteren Belegen cf. HL J UCHERTEN . Juon (FaN) 567 568 <?page no="550"?> Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch (VSNB) Band 3: Flurnamen K - R Herausgegeben von Iwar Werlen unter Mitarbeit von Anne-Lore Bregy, René Pfammater und Gabriele Schmid und Valentin Abgottspon, Claude Beauge, Werner Bellwald, Milda Christen, Martin Clausen, Gabriela Fuchs, Dominique Knuchel, Gisèle Pannatier und Stefan Würth sowie mit zwei Beiträgen von Philipp Kalbermatter <?page no="551"?> Umschlagabbildung: Bearbeitete Version der Abbildung „ Gemeinden des Kantons Wallis “ von Tschubby (https: / / de.wikipedia.org/ wiki/ Kanton_Wallis#/ media/ Datei: Karte_Gemeinden_des_ Kantons_Wallis_farbig_2021.png), CC BY-SA 4.0 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Das Gesamtprojekt des Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuchs wurde gefördert durch die Walliser Delegation der Loterie Romande, im Kanton Wallis durch das Erziehungsdepartement und die Dienststellen für Kultur und Hochschulwesen, die Stadtgemeinde Brig sowie anonyme Spender. Prof. em. Dr. Iwar Werlen Wangenhubelstrasse 5 3173 Oberwangen bei Bern SCHWEIZ DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381116225 © 2024 · Iwar Werlen Das Werk ist eine Open Access-Publikation. Es wird unter der Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen | CC BY-SA 4.0 (https: / / creativecommons.org/ licenses/ by-sa/ 4.0/ ) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, solange Sie die/ den ursprünglichen Autor/ innen und die Quelle ordentlich nennen, einen Link zur Creative Commons-Lizenz anfügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Werk enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der am Material vermerkten Legende nichts anderes ergibt. In diesen Fällen ist für die oben genannten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. 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KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISBN 978-3-381-11621-8 (Print) ISBN 978-3-381-11622-5 (ePDF) ISBN 978-3-381-11623-2 (ePub) Bestellbar im Bundle mit den Bänden 1 bis 4 unter ISBN 978-3-381-10831-2 <?page no="552"?> Inhalt K (siehe auch C und G) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 L . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 M . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161 N . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283 O . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311 P (siehe auch B) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 Q . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 411 R . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 413 Verbunden mit dieser Publikation ist eine Datenbank der einzelnen Orts- und Flurnamen. Zusätzlich sind darin die folgenden Informationen hinterlegt: Gemeinde, Kennzahl, Umschrift des jeweiligen Namens, Kartenangaben, geographische Höhe und geographische Länge und Breite, Hauptlemma und Lemma, zusätzliche Angaben; dazu kommen geographische Lage und Höhe, Beschreibung, lebende Belege und historische Angaben mit der Jahreszahl und einem Zitat mit den historischen Belegen der Namen. Das alles ist natürlich nur vorhanden, wenn die Namen lebend sind; wenn nur historische Belege vorhanden sind, werden nur sie dargestellt. Die Installations- und Systemdateien für die Datenbank können Sie unter diesem Link herunterladen: https: / / files.narr.digital/ 9783381108312/ Datenbank.zip. <?page no="554"?> K (siehe auch C und G) Kaal Kaal ‘ kahl ’ ist nur belegt in di Kaalhalte ‘ die kahle Halde (ohne Bäume) ’ (Stalden). Laut Gwp. ein kahler Abhang, der früher bewaldet war. I D . (3, 192 s. v. chal) kennt das Wort nur in der Redensart das ist chal [niedrig, unedel] von im für Basel-Stadt. Siehe auch G R W B (11, 27 ff.). Obwohl das HL nicht dialektal zu sein scheint, gibt es keinen Hinweis auf ein anderes Wort. Kaaru Kaaru ‘ Ecke, Teil ’ , auch Name von Dorfquartieren, ist zu frpr. karo < lat. Q UADRU (T AGMANN 1946, 29; G PSR 3, 112ss.) zu stellen, wozu nach M ATHIER (2015, 60) auch Salgesch Kaaru gehört. In Salgesch ist es historisch als eys quarros (1339 u. später) belegt. Auch in Kaaru (Albinen; auch bei M ATHIEU 2006, 13)) gehört hieher, das 1352 u. später ebenfalls als eys quarros belegt ist. Turtmann hat 1328 lo quarro und 1338 deys Karos. In Salgesch ist 1644 Ey Carro Superiori ‘ im oberen Teil ’ belegt. di Gaare ‘ die Gaare (Gärten, Stücke Land) ’ (Agarn) und di Gaarustraass ‘ die Strasse in die Gaare (Gärten, Stücke Land) ’ (Agarn) sind ebenfalls hieher zu stellen, wie auch di Gaare (Leuk) und Obri Gaarä (FLNK, Leuk). Unklar bleiben uf di Gaar (Salgesch) und Varnergaar (FLNK, Varen). Beide Belege sind östlich von Salgesch und weit vom Bahnhof (gare) von Salgesch entfernt (M ATHIER 2015, 90 stellt es hieher). Es handelt sich vermutlich um eine feminine Ableitung quadra, die auch bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 104) als Carre ‘ Ecke, Teil einer Parzelle ’ belegt ist. Kaffee Kaffee m. ist nur in dr Kaffesee ‘ der Kaffee-See (laut Gwp. holten Hirten dort Wasser für Kaffee) ’ (Ferden) belegt. I D . (3, 154 s. v. Kaffe) kennt das HL, wo auch dialektale Varianten wie Ggaffe (cf. HL G GAFFE ) (wohl zu frz. café) vertreten sind. Kaiser (FaN) Kaiser (FaN), auch Keiser, ist zum FaN Kaiser zu stellen. Der FaN ist im Register zu den HRBS und für Zwischbergen in den Quellen (1634 Simone Keiser, 1675 Christian Keiser, 1697 Antonius Keiser usw.) gut belegt. Eine Diminutivableitung Keyserlin ‘ das kleine Gebiet der Familie Keyser ’ (1392, Ried-Brig) ist der einzige Simplexbeleg. Hierzu ist auch die Keisermatten ‘ die Wiesen der Familie Kaiser ’ (1723, Ried-Brig) zu stellen. Ein starker Genitiv auf / -s/ findet sich in in Keisers Halten ‘ in der Halde der Familie Keiser ’ (1845, Blatten). Es kann sich hier auch um einen Übernamen handeln. Die andern Flurnamen gruppieren sich in Mund: Kaiseracher ‘ der Acker der Familie Kaiser ’ , Kaiserstadel ‘ der Stadel der Familie Kaiser ’ , di Kaisertola ‘ die Mulde der Familie Kaiser ’ . J OSSEN (1989, 76) erwähnt den Namen, der aus Zwischbergen nach Mund kam. In Zwischbergen erscheint der FaN als Keisrigo, einem schwachen Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung: in Keisrigo Boden ‘ im Boden der Familie Keiser ’ (1660 u. später) und in Keisrigo Wildÿ ‘ in der Wildi (unfruchtbares Gebiet) der Familie Keiser ’ (1673). Zu Chäiserstüol cf. HL K AISER . Kaiser Kaiser, abgeleitet von der Amtsbezeichnung, findet sich nur in Chäiserstuol ‘ Kaiserstuhl, hier Felskanzel mit Aussicht ’ (Ried-Brig) (I D . 11, 306, auch K RISTOL ET AL . 2005, 472, G R W B 11, 46). Es handelt sich um eine metaphorische Bezeichnung, hier einer Felskanzel. Kal Kal ist nur historisch 1574 in Ernen als der Kalacher belegt. Für das Saastal wird 1821 zú Kalmatten angegeben. In Saas-Fee hat FLNK Chalmattu; historisch ist ab 1836 als zú Kalmatten belegt. 1844 wird ein Peter S ŭ persaxo erwähnt, 1821 in Saastal ein Franz S ŭ persaxo, beide scheinen an Kalmatten gewohnt zu haben oder begütert gewesen zu sein. LT ist gespalten: einerseits heisst die Gegend Chalbermatten, anderseits ist etwas westlicher Ober Chalmattu erwähnt. 1: 10000 unterscheidet am gleichen Ort Ober- und Unner Chalmattu. Daraus lässt sich wohl folgern, dass Chalmattu eine Assimilation von / b/ und / m/ aufweist, also aus Chalbmattu folgt. Schwieriger ist Kalacher, da Kälber normalerweise nicht auf Äckern weideten. Es ist eher wahrscheinlich, dass Kal hier schwdt. Challe n ‘ Glockenschwengel; Klöppel ’ und wdt. Challe, Challä (Goms), Challn (Lötschtal), Challu ‘ Glockenköppel ’ (I D . 3, 194; G RICHTING 1998, 47; R ÜBEL 1950, 120) meint, wobei wohl metaphorisch die Form des Grundstückes bezeichnet wird. Das HL K AAL ist hier kaum gemeint. Kalbermatter (FaN) Kalbermatter (FaN) ist zum FaN Kalbermatter, auch Kalbermatten (AWWB 140) zu stellen, der im ganzen Oberwallis verbreitet war; der Name ist auch belegt bei W. 1 2 Kalbermatter (FaN) <?page no="555"?> M EYER (1991, 153 ff.) für Turtmann. Der FaN ist nur im Genitiv Singular ts Chalbermattisch Ledi ‘ die Aufladestelle der Familie Kalbermatten / Kalbermatter ’ (FLNK, Visperterminen) und im Genitiv Plural in pratulum Kalbermattero ‘ die kleine Wiese der Familie Kalbermatter ’ (1722, Eischoll) und Kalbermattero Alpÿ ‘ die kleine Alpe der Familie Kalbermatter ’ (1687, Ergisch; 1687 Turtmann) belegt. Kalpetran Kalpetran ‘ der felsige Fussweg (? ) ’ ist der Name eines Ortsteils von Embd und befindet sich an der Mattervispa. Der Name ist endbetont, also romanisch. M. S. notierte Kalvutra und Kalfutra, wobei unklar ist, ob der Anlaut bei ihm eine Affrikata / kx/ oder eine Fortis / gg/ darstellt. Historisch erscheint 1304 Galpotram, 1305 Galpotran, 1307 Galpatran, 1388 Galpertran usw. Ein Genitiv Plural der Burger des Ortes erscheint 1301 in Embd als an dien Galpotrammerro Akern ‘ an den Äckern der Leute von Kalpetran ’ . Belegt ist weiter Kalpetraner Wasserleita ‘ die Wasserleitung der Leute von Kalpetran ’ (FLNK, Embd). Eine Deutung des Weilernamens gibt es bisher nicht. Da der Name dreisilbig mit Endbetonung ist, muss ein romanisches (oder gallo-romanisches) Kompositum oder Nomen mit Adjektiv vorliegen, was zu den Namen Gasen, Randa und dem alten Pratobornum (Praborgne) für Zermatt passt. Ob ein lat. CALLIS ‘ Fussweg ’ (FEW 2, 98) und lat. P Ě TRA ‘ Stein, Fels ’ (FEW 8, 313) zu Grunde liegen, also ‘ felsiger Fussweg ’ , ist unklar, da ältere historische Belege fehlen. Kamil (PN) Kamil (PN) ist nur belegt in ts Kamilsch Bildji ‘ das kleine Bild Kamils ’ (Gampel). Laut Gwp. handelte es sich um ein Bildchen eines verunglückten Knaben. Der PN Kamil ist als Kamill in AWWB (167 s. v. Meichtry) erwähnt. Es handelt sich um die deutsche Schreibweise des frz. Vornamen Camille für Männer. Im Übrigen erwähnt J ORDAN (2006) die in der Datenbank nicht belegten Namen Kamilsch Chriiz ‘ das Kreuz des Kamil ’ (224, mit der Bemerkung, dass dort 1910 Kamil Kluser abstürzte), Kamilsch Läärch (323, mit der Bemerkung, dass dort ein Mann namens Kamil verunglückt sein solle), Kamilsch Mat (84, mit der Bemerkung, dass diese Mähwiesenparzelle früher Camille Arnold (1901 - 1990) gehörte) und Kamilsch Úawand (87, mit der Bemerkung, dass ein früherer Besitzer där Kamil war). Die beiden letzteren Namen gehören zu Simplon, die ersten zwei zu Zwischbergen. Kammer (FaN) Kammer (FaN) ist 1715 in Ernen als Kammeroholtz ‘ das Holz (Wald) der Familie Kammer ’ und 1716 in Visp als Kamero Waldt ‘ der Wald der Familie Kammer ’ belegt. Kamero, resp. Kammero ist ein Genitiv Plural, der für Besitzer oder Nutzer, hier eines Waldes, steht. Der FaN Kammer kommt im Register zu den HRBS vor. Kammer Kammer ist ein komplexes HL. Kammer f., schwdt. Chammer (I D . 3, 248 ff.), im wdt. Chammra, Chammru f. ‘ Kammer ’ (G RICHTING 1998, 47; V. S CHMID 2003, 68) meint zunächst ein ‘ Schlafgemach, jedes zimmerähnliche i. d. R. unheizbare Nebengemach ’ , in Flurnamen aber wohl häufig eine kammerähnliche Geländeformation (TGNB 2, 2, 118). Belegt ist ein Simplex im Plural t Kammrä ‘ die Kammern ’ (Gampel), wo auf der Karte keine Gebäude zu erkennen sind, weiter uf Grosschammrun ‘ auf den grossen Kammern ’ (Blatten), ebenfalls ohne Gebäude. Als Bestimmungswort kommt das HL vor in der Chammergrabu ‘ der Kammergraben ’ , der als Holzschleif bezeichnet wird; auch hier ist kein Gebäude zu sehen. 1391 ist in Glis Kamersleýf belegt (die Lesung Kremersleyf kann wohl ausgeschlossen werden), ob hier ein FaN Kammer vorliegt, ist unklar. In Törbel findet sich lebend ze Chämmbrinu ‘ bei den Kammern ’ , benannt wohl nach den Stadeln, die es hier gibt. Dazu gesellt sich der Chämbricheer ‘ der Cheer (Kurve der Strasse) bei ze Chämbrinu ’ . Mehr Schwierigkeiten bietet ts Chammer mit neutralem Geschlecht (Naters). Es kann sich um ein neutrales Kollektiv handeln; hier fliessen in einem wohl kammerartigen Graben der Kelchbach und andere Bäche zusammen. 1445 heisst einer dieser Bäche Kamberbach ‘ der Bach beim Chammer ’ und 1736 ist an den wilden Kamer Knubel ‘ an den wilden Hügel im Chammer ’ (Naters) belegt. Vermutlich ein FaN ist in Kammers Sand ‘ das Sandgebiet der Familie Kammer ’ (1860, Eyholz) belegt. Der FaN Kammer ist mehrfach im Register der HBRS bezeugt (cf. HL K AMMER (F A N)). Kämpfen (FaN) Kämpfen (FaN) (AWWB 141), bis heute lebendig, tritt in der Form Chempfe / Chempfu und als Chempfigo (Gen. Plur. mit / - IG / -Ableitung) auf. Die Genitivform ts Chempfe ‘ des Kämpfen ’ ist als Plural ‘ die Leute des Kämpfen ’ zu verstehen. Belegt ist es in ts Chempfe ‘ das Gut der Familie Kämpfen ’ (Ernen), mit einem Genitiv ts Chempfe Hitgi ‘ die kleine Hütte der Familie Kämpfen ’ (Obergesteln, FLNK Kämpfe Higgi), auf Kempfen Bielen ‘ auf dem Hügel der Familie Kämpfen ’ (1772, Naters), mit einem Genitiv Plural Kempfigo Wald ‘ der Wald der Kalpetran 3 4 <?page no="556"?> Familie Kämpfen ’ (1716/ 17, Glis) und zusammengesetzt als der Kämpfigwald ‘ der Wald der Familie Kämpfen ’ (Randa). Kanaal Kan ’ aal ist zu hdt. Kanal (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 458) und schwdt. Kanal m. wie nhd. ‘ Kanal, künstlich angelegter Wasserlauf, Wasserleitung ’ zu verstehen. G RICHTING (1998, 121) kennt wdt. Kanaal ‘ Wasserlauf (künstlicher) ’ . Die historisch belegten canalem bzw. canalis (Inden und Salgesch) gehen auf lat. CAN Ā LIS ‘ Kanal, künstlich angelegter Wasserlauf ’ zurück ( CAN Ā LIS m./ f., eine Substantivierung von lat. CAN Ā LIS ‘ rohrförmig ’ , zu lat. CANNA f. ‘ kleines Rohr, Schilf ’ FEW 2, 168 ff.). Belegt sind: ad Canalem (1356, Inden) und ad Canalem (1337, Salgesch; später jn Canali). Vermutlich handelt es sich hier um eine Wasserleitung. der Kanaal (Leuk) ist zweimal belegt: zum einen meint der Name den Abflusskanal des Kraftwerkes Millachru (Agarn), zum andern ist der Wasserkanal durch den Pfynwald zur Alusuisse in Chippis gemeint. Die Firma existiert in dieser Form nicht mehr. Bei der Kanaal ‘ Wassergraben vom Brigerbad her ’ (Lalden) handelt es sich um einen Entwässerungsgraben in der Rottenebene. Als Grundwort erscheint das HL in folgenden zweigliedrigen Zusammensetzungen: Hennebique-Kanal (FLNK, Bitsch; benannt nach dem Erbauer François Hennebique), Muttkanal ‘ der Kanal bei ts Mutt (flaches Stück Land) ’ (FLNK, Niedergesteln), dr Nordkanaal ‘ der im Norden (der Rottenebene) verlaufende Entwässerungskanal ’ (Raron; FLNK Nordkanal), der Schipferkanaal ‘ der Kanal beim Gebiet Schipfer ’ (Raron), Tüüchkanal ‘ der Kanal beim Tüüch ’ (FLNK, Bratsch). Komplexer sind: der Gross(grund)kanaal (Raron, LT und FLNK Grossgrundkanal) ‘ der Kanal im grossen Grund (Talebene des Rotten) ’ (Raron), der Grossgrundkanal ‘ der Kanal im grossen Grund ’ (Visp) [die beiden Namen betreffen den gleichen Kanal], der Unner Fälkanaal ‘ der Kanal durch das untere Feld ’ (Turtmann; FLNK Unnärfäldkanal), Wannumosskanal ‘ der Kanal durch das Wannumoss (sumpfiges Land bei der Wanna (Mulde)) ’ (Niedergesteln). Als Bestimmungswort erscheint das HL nur in Zusammenhang mit Brigga ‘ Brücke ’ . Belegt sind di Kanalbrigga ‘ die Brücke über den Kanal (des Kraftwerkes Mörel) ’ (Grengiols) und ts Unner Kanalbriggi ‘ die untere kleine Brücke über den Kanal ’ (Baltschieder). Das HL bezieht sich in der Rottenebene vor allem auf Kanäle, die zur Entwässerung dienten. Kanndere Kanndere ist als t Kchandere, vadu Chandere (Agarn, FLNK Channerä) belegt. FLNK und die flektierte Form legen ein Chandere nahe; die anlautende Form mit / kch/ ist offenbar nur durch eine Assimilation des anlautenden Artikels entstanden. Die historischen Formen sind 1308 choudanna, 1380 eys choudanyers, 1338 eys chandaneys, 1334 eys chaudan ỳ ers(? ), 1355 eys chandaneuz, 1358 eys chandanyers, 1364 eis chaldonyers. Sie beziehen sich auf chaudanne ‘ warme Quelle ’ , vgl. B OSSARD / C HAVAN (2006, 48). Die belegte Form Chandere legt jedoch eher Chintre etc. nahe, das laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 109) auf lat. CANCERE ‘ der Zaun, das Absperrgitter ’ (G PSR 3, 581) zurückgeht. Darum wird als Deutung ‘ das Grenzgebiet ’ gegeben. Als Kompositum mit dem HL als Bestimmungswort kommen der Cenderacker (1693) und im Kander Acker (1694) (beide Agarn) vor; gemeint ist wohl der Grenzacker. Kanoona Kanoona f. ist nur in ts Kanoonuroor ‘ das Kanonenrohr (steile Ski-Abfahrt) ’ (Blatten; Saas-Fee) belegt. Zu stellen ist es zu schwdt. Kanone n f. wie nhd. ‘ Kanone ’ und wdt. Kanoona, Kanoonä (Goms) ‘ Kanone ’ (I D . 3, 309; G RICHTING 1998, 120). Die Anwendung von ‘ Kanonenrohr ’ auf eine steile Ski-Abfahrt ist metaphorisch. Kantiina Kantiina f. ist in zwei verschiedenen Formen übernommen: eine mit anlautendem / g/ und eine mit anlautender Affrikata / kx/ . Als ze Gantinu ‘ bei der Kantine ’ (Naters) bezeichnet es einen Dorfteil, in dem sich beim Bau des Simplontunnels (1898 - 1905; 1912 - 1921) die Arbeiterkantinen befanden. Vermutlich ist es direkt aus it. cantina ‘ Keller, Weinschenke ’ in der übertragenen Bedeutung ‘ Speiseraum ’ übernommen (s. unten). In Oberwald ist der Kantiinecheer ‘ die Kurve der Furkastrasse bei der (Arbeiter-)Kantine ’ und der gleiche Name für ‘ die Kurve der Grimselstrasse bei der (zerstörten) Kantine ’ belegt. Letztere wurde um 1890 von einer Lawine verschüttet. Auf der Karte 1: 10000 sind beide Orte als Kantiniercheer belegt. Kantine ist laut K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 471) aus dem frz. cantine ‘ Soldatenschenke, Weinkeller ’ übernommen und verallgemeinert; es wurde aus dem it. cantina entlehnt. Die Ableitung Kantinier ist wohl aus dem Frz. cantinier ‘ Kantinenwirt ’ übernommen. Die Strassen wurden in der Zwischenzeit umgebaut; die Kurvennamen gibt es amtlich so nicht mehr. Kapaa Kapaa n. ist als ts Kapáá (Naters; FLNK Kapaa) auf ca. 1900 m (Alpwiesen) belegt. Historisch kommt 1736 im Kapaag vor. Gwp. meint, es handle sich um “ Kap(l)aa ” ; 5 6 Kapaa <?page no="557"?> bei den Alpwiesen handle es sich um das Eigentum des früheren Kaplans Bammatter. Der Anlaut ist unsicher, da M. S. {k} auch für die Affrikata [kx] schreibt. Nimmt man die historische Form im Kapaag ernst, dann liegt wohl ein Kollektivum zu wdt. belegten Paagg ‘ Brei (nass, aus Erdreich) ’ (G RICHTING 1998, 149) vor; der gleiche Stamm erscheint als pakk (FEW 7, 475 mit mehreren Verweisen auf frpr. pakot ‘ boue ’ (Schlamm), ebenso B RIDEL 1866, 274 s. v. pakot). Kapaag wäre dann ‘ das schlammige Gebiet ’ , mit einem romanischen Stamm und einem deutschen Kollektivsuffix. Stellt man sich auf den Standpunkt, dass der historische Beleg unsicher ist, lässt sich der Name nicht deuten. Das würde auch die volksetymologische Umdeutung durch die Gwp. erklären. Kapälla Kapälla f. ist zu schwdt. Chappel en f., wdt. Kapälla, Kapällä, Chappla, Dim. Kapälli, Kapällu f. ‘ Kapelle ’ (I D . 3, 382 f.; G RICHTING 1998, 121) zu stellen. Formal ist zu unterscheiden zwischen der lat. Form C APELLA , der verdeutschten Form Capellen, der dialektalen Form Chappla oder Chapplu und der zweitbetonten Form Ka ’ pälla, die an hdt. Kapelle angelehnt ist. Capella und die deutschen Formen beziehen sich ursprünglich auf ein Gebäude, in dem ein Umhang des Hl. Martin von Tours als Reliquie aufbewahrt wurde (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 472). Diminutive sind Ka ’ pälli und Chapelti. Inhaltlich sind damit nicht nur kleine Kapellen gemeint, sondern manchmal auch Bildstöcke mit Heiligenbildern oder Kruzifixen. In einigen wenigen Fällen werden damit Geländeformationen bezeichnet, die an Kapellen erinnern. In lateinischen Texten erscheint auch der Terminus Sacellum ‘ kleines Heiligtum, Kapelle ’ . Das HL kommt in rund 200 Namen vor. Das Simplex Kapälla / Kapälle / Kapällu ist zusammen mit Capellen, Chapällu, Chapolu, Chapulu und Chaplu rund dreissig Mal im ganzen Gebiet belegt, häufig mit Präpositionen wie bi, hinner, mit, ob, unner, zer verbunden, womit meist der Bezirk um die Kapelle herum gemeint ist. Simplizia im Diminutiv sind seltener: Kapälli ist sieben Mal belegt, zum Chappeli einmal in Randa, obem Chapelti und unnerem Chapelti je einmal in Münster. Attributive Adjektive sind selten, am häufigsten ist t Aalt Chappla (Wiler), zer Aaltu Chappelu (Saas-Balen), zer Aaltu Chappolu (Visperterminen) und einmal Latein: infra Capellam antiquam ‘ unter der alten Kapelle ’ (1739, Zeneggen). Weitere Adjektive: zum Chleinu Kapäli ‘ zum kleinen Kapellchen ’ (Saas-Balen), im Grosen Capellÿ ‘ in der grossen kleinen Kapelle ’ (1768, Leuk), vnder dem kleinen Capeltÿ (1756 u. später, Ritzingen), únder der Niwen Kapellen (1692, Oberwald), zur Nÿwen Capellen (1753, Ausserberg), Rot Kapälli ‘ die kleine rote Kapelle ’ (Gampel) und tsch Schreejend Chappelti ‘ die kleine Kapelle, bei der es stark zieht ’ (Ferden). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist Kapälla mit seinen Varianten sehr häufig. Das geläufigste Muster ist die Angabe des Ortes der Kapelle, sei das eine Alp, ein Dorfteil, ein Weiler, ein Wald oder eine andere Flur. Beispiele dafür: Albukapälli ‘ die kleine Kapelle auf der Alba ’ (Visp), t Bleickukapälla ‘ die Alpe in den Bleiken ’ (Simplon), Gsteikapälli ‘ die kleine Kapelle im Gestein ’ (Mund), Hiischerkapälla ‘ die Kapelle beim Weiler Ze Hiischru (Zenhäusern) ’ (Bürchen; bei G ATTLEN 2007 so nicht bekannt), ts Saagikapälli ‘ die kleine Kapelle (Bildstock) bei der Säge ’ (Zwischbergen), Waldkapälla ‘ die Kapelle im Wald ’ (Visperterminen) und viele andere. Ein zweites, selteneres Muster ist die Angabe der Heiligen, denen die Kapelle geweiht ist: St. Annakapälla ‘ die Kapelle der Hl. Anna ’ (Raron), ts Sant Joosopsch Kapälli ‘ die kleine Kapelle des Hl. Josef ’ (Visperterminen), ts Jopsch Kapälli ‘ die kleine Kapelle des Hl. Josef ’ (Saas-Fee). Dieses Muster kann alternativ ersetzt werden durch einen nachgestellten Genitiv: die Kappellen Sant Jodren ‘ die Kapelle des Hl. Theodul (Landespatron) ’ (1542, Törbel) oder - lateinisch - capella ‘ S. S. Anna ’ et Jacobj ‘ die Kapelle der Hll. Anna und Jakob ’ (1672, Zwischbergen). Komplexere Konstruktionen entstehen, wenn der Bezugsort einen mehrgliedrigen Namen hat, wie in t Oberwaldchapla ‘ die Kapelle im oberen Wald ’ (Wiler), zer Riätholzchaplun ‘ bei der Kapelle beim Rietholz ’ (Kippel) oder ts Scheitwägunkapälli ‘ die kleine Kapelle beim Scheideweg ’ (Hohtenn). Als Bestimmungswort ist Kapälla mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita verbunden: Acher, Bäärg, Biel, Bodu, Egg(a), Eie, Gartu, Güed, Hubel, Lischa, Matta, Schleif, Schluocht, Spiicher, Stuck, Tschugge, Viertel, Wald, Wang und Wäg. Nur einmal kommt hier eine Ableitung auf / - ER / vor, eine Stellenbezeichnung: t Kappelermatta ‘ die zur Kapelle (St. Anna) gehörende Wiese ’ (Raron). Auch hier sind komplexere Formen möglich, aber nur eine ist belegt: der Aalt Chappoluwäg ‘ der Weg bei der alten Kapelle vorbei ’ (Visperterminen). Kapetschiiner Kapetschiiner ist nur als bim Kapetschiinerbrunne ‘ bei der Kapuzinerquelle ’ (Ulrichen) belegt. Das HL ist zu schwdt. Kapuziner, wdt. Ggapputschiner, Ggappäschinär (Goms), Kappeschiner, Chappuschinär (Leuk), Ggapputschinär m. ‘ Kapuziner ’ oder Pflanzenname ‘ Kapuzinerle, Bach- Kapuziner, Geum rivale, Bach-Nelkenwurz ’ (I D . 3, 402 f.; Kapälla 7 8 <?page no="558"?> G RICHTING 1998, 87) zu stellen. G EUM RIVALE (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2011, 246) kommt in der ganzen Schweiz vor und ist auch subalpin und alpin nachgewiesen. Der Pflanzenname dürfte hier einschlägiger sein als der Orden der Kapuziner, der in Ulrichen keine Niederlassung hatte. Kapil Kapil ist nur historisch 1747 in Staldenried als im Kapilacher ‘ im Kapellen-Acker ’ belegt. Vermutlich liegt eine Schreibform zum HL K APÄLLA ‘ Kapelle ’ vor, das dialektal auch als Chappel (I D . 3, 382 f. s. v. Chappel) erscheinen kann. Kapitol Kapitol n. ist nur als ts Kapitol (Visperterminen, auch FLNK, LT Kapittol) belegt. G RICHTING (1998, 121) kennt Kapittl, Kapittäl (Goms), Kappittul (Mattertal), Kappittil ‘ Kapitel, Vorwürfe ’ . Der Akzent liegt überall auf der zweiten Silbe. Wie die historischen Belege von 1569 ds Cappittell und 1572 aúffm Capitell zeigen, ist der Auslaut ein unbetonter Vokal. Da es sich um ein Neutrum handelt, tritt die Regel der Vokalharmonie mit / i/ nach R ÜBEL (1950, 7) nicht ein. Die Deutung ist schwierig. I D (3, 399 f. s. v. Kapitel) und G R W B (2, 606 s. v. Capitel) unterscheiden den Teil eines Buches von der geistlichen Bedeutung. Ersteres kommt kaum in Frage, das zweite wäre als Besitztum des (Dom-)Kapitels in Sitten zu verstehen; damit stimmt überein, dass der Ort im Mittelalter dem Domkapitel abgabepflichtig war (G RICHTING in http: / / www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002820,2014-12-27 [21.09.2020; IW]). RN (2, 74) kennt CAPITELLUM ‘ Köpfchen ’ (REW 1637, FEW 2, 257) für einen ‘ Bildstock ’ , der in Visperterminen jedoch nicht belegt ist. Die Deutung als “ Vorwürfe ” kommt kaum in Frage. Insgesamt bleibt sie aber unsicher. Weiter ist das HL als Bestimmungswort in der Kapitolcheer ‘ der Cheer beim Kapitol (Wegkehre beim Gebiet Kapitel) ’ (Visperterminen, auch FLNK) belegt; die Motivation dafür ist unbekannt. Kaplaa Ka ’ plaa m. ‘ Kaplan ’ ist zu wdt. Kaplaa m. ‘ Kaplan ’ , mhd. kapellân (aus lat. CAPELLANUS ‘ Hilfsgeistlicher ’ ) zu stellen. Davon abgeleitet ist Kaplanii f. ‘ Kaplanei ’ zu mhd. kaplânîe; zur Bezeichnung von Gütern, die dem Unterhalt des Kaplans und der Kaplanei dienten (BENB 1, 2, 419; LUNB 1, 1, 506; G RICHTING 1998, 121). Das HL erscheint als vorangestellter starker Genitiv Singular in ts Kaplaasch Eie ‘ die Aue des Kaplans, die der Kaplanei gehörte ’ (Münster). Als Bestimmungswort Ka ’ plaa ist es belegt in di Kaplaahüsmatte ‘ die Wiese beim Haus des Kaplans ’ (Münster) und t Kaplaamärweri ‘ der Acker des Kaplans / der Kaplanei ’ (Münster). Das Simplex der Ableitung Kaplanii ist 1691 in Raron als in der Kaplanÿ ‘ im Gut, das zur Kaplanei gehört ’ belegt. Dazu ist die Ableitung auch als Bestimmungswort belegt: Kaplaneigút ‘ das Gut, das der Kaplanei gehört ’ (1853, Stalden), nebet dem Caplaneÿ Gúoth ‘ neben dem Gut, das der Kaplanei gehört ’ (1803, Ernen), in den Kaplaneÿ Reben ‘ in den Reben, die der Kaplanei gehören ’ (1838, Visp), di Kaplaniimattu ‘ die Wiese, die der Kaplanei gehören ’ (Leuk) und t Chaplaniischiir ‘ die Scheuer, die der Kaplanei gehört ’ (Kippel). Karf Karf ist nur 1642 in Zwischbergen als an den Karf belegt. Das Genus ist maskulin. Es scheint, dass der Flurname zu einem Pflanzennamen C ARUM CARVI ‘ Kümmel ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 980; G R W B 11, 207 s. v. Karbe) zu stellen ist. G R W B gibt an der Stelle mehrere Belege aus den nordischen und südlichen Ländern an. K LUGE / S EE- BOLD ( 25 2011, 474 s. v. Karbe) nehmen eine Entlehnung aus mlat. CARE ( I ) UM an, das auf arab. kar ā wij ā ‘ Kümmel ’ zurückgehe. Die maskuline Form entspricht dem frz. le carvi ‘ Echter Kümmel ’ . Ob diese Herleitung stimmt, ist unklar. Sie kann sowohl aus dem Italienischen wie aus dem Deutschen stammen. Für Zwischbergen kommen beide Sprachen in Frage. Karisier Karisier kommt nur einmal vor in der Karisiertstei ‘ der Stein der Liebespärchen ’ und ist zum Verb schwdt. karessiere(n), karisiere(n) ‘ schön tun, den Hof machen, (lieb)kosen; um ein Mädchen werben und es abends besuchen; eine Liebschaft unterhalten, verliebten Umgang haben, Buhlschaft treiben, z. T. auch im unzüchtigen Sinn ’ (I D . 3, 428; G RICHTING 1998, 121) zu stellen; übernommen aus dem frz. caresser ‘ zärtlich berühren ’ (FEW 2, 439 ff. zu lat. CARUS teuer). Karl (PN) Karl (PN) ist einerseits wohl zum PN Karl (I D . 3, 460 ff.) zu stellen, anderseits auch zu den FaN Carlen oder Karlen (beide AWWB 50). Belegt ist als Simplex ts Kaarli ‘ der Ort, wo ein Karl Seiler 1847 hinunterfiel ’ (Simplon). J ORDAN (2006, 1872) kennt den Ort und berichtet auch den Unfall eines Karl Seiler 1847. Weiter nennt er di Kaarligalärii, die an der Stelle 1958 - 1961 gebaut worden sei. Heute ist sie mit der Siitibrunnugalärii zusammengebaut. Ein vorangestellter Genitiv ist in ts Kaarlisch Garaasch ‘ die Autowerkstätte des Karlen (FaN) ’ (Stalden) erwähnt; früher habe der Ort Chimatta ‘ die Wiese beim Kinn 9 10 Karl (PN) <?page no="559"?> (Schlucht) ’ geheissen. Heute befindet sich dort die Rallye Garage. Komplex ist der vorangestellte Genitiv in ts Kaarlifrantsch Chriz ‘ das Kreuz des Franz, Sohn des Karl (Imsand) ’ (Ulrichen). Es handelt sich um ein Erinnerungskreuz an einen Mann namens Franz Imsand, dessen Vater Karl geheissen habe (so die Beschreibung). Sicher ein PN-Beleg liegt vor in Karl Böschweg (FLNK, Saas-Fee), der zur Erinnerung an Karl Bösch, Ingenieur (1914 - 1992), benannt wurde (cf. HL B ÖSCH (F A N)). Als Bestimmungswort erscheint das HL in Karliblätze ‘ die kleinen Stücke Land, die dem Karl / der Familie Karlen gehören ’ (Ried-Brig) und der Ggaarlowang ‘ der Grasabhang des Karl / der Familie Carlen ’ (Birgisch). In beiden Fällen ist nicht klar, ob ein PN oder ein FaN vorliegt. Karlen (FaN) Karlen (FaN) ist der FaN Carlen oder Karlen, zum Taufnamen Karl gebildet und unterschiedlich geschrieben (AWWB 50, 141). Im Einzelfall kann aber auch der PN Karl gemeint sein (cf. HL K ARL (PN)). Karlen kommt als Erstglied vor in in Karlen Garten ‘ im Garten der Familie Karlen / des Karl ’ (1700, Zeneggen), der Kaarlustafil ‘ der Stafel der Familie Karlen ’ (Oberems) und Karleegga ‘ die Ecke der Familie Karlen ’ (FLNK, Lax). Die kollektive Ableitung auf / - IG / im Genitiv Plural Carligo / Karligo ‘ der Leute des Karl ’ ist belegt als terram Karligo ‘ der Boden der Familie Karlen ’ (1656, Zeneggen) und an Carligo Waltt ‘ am Wald der Familie Karlen ’ (1628, Grächen). Die Formen Karlen Hau ᵕ s (1661) und vnder Carligo Haus (1682) ‘ das Haus der Familie Karlen ’ sind für Mund belegt; der FaN ist auch in J OSSEN (1989, 72) als ausgestorben erwähnt. Kaschlaa Nur in Grengiols befinden sich die Kaschlää (gespr. ‘ kcha ’ schlää ’ ) Pl.; Sg. ist Kaschlaa (gespr. ‘ kcha ’ schlaa ’ ) des Auxilius Heynen und daneben die Kaschläärischä ‘ Geröllhalden neben den Kaschlää ’ . Lautlich lässt sich der Name zu Kastlan (cf. HL K ASTLAN ) stellen; am ehesten kann ein metaphorischer Gebrauch ( ‘ aussehen wie ein Kastlan ’ ) vorliegen. Kastlan Das Lemma Kastlan (gespr. Chascht ’ laa) ist in Flurnamen nur als Bestimmungswort belegt; es ist zu wdt. Kastellán, Kastlan m. ‘ Burgvogt; höherer Beamter, spez. Oberhaupt und Richter eines Zehndens bzw. einer Gemeinde ’ (I D . 3, 535; siehe auch Ph. K ALBERMATTER , Rechtshistorische Begriffe s. v. Kastlan) zu stellen. Dazu gehören die historischen Belege Castlans Acher (St. Niklaus) und Castlans Biel (Visperterminen), sowie ts Chaschlaasch Brannd (Stalden) und t Kaschtlaweid (Leukerbad). Das Lemma ist verwandt mit anderen Ableitungen zu lat. CASTELLUM (FEW 2, 468). Kastor Kastor, dial. auch Kaschtor, ist einer der beiden Gipfel, die nach den Dioskuren oder Zwillingen Castor (4223 m) und Pollux (4092 m) von Domherr J OSEF A NTON B ERCHTOLD (1780 - 1859, Mitarbeiter an der D UFOUR -Karte) so benannt wurden. Schreibweise auf LT ist Castor. Der italienische Name ist Punta Castore (LT). Katharina (PN) Katharina (PN) ist nur in Tsangkatriine Bode ‘ der Boden, der zum Altargut der Heiligen Katharina gehörte (zum Altar der Hl. Katharina vgl. W. R UPPEN (1979, 28 ff.)) ’ (Ernen); FLNK St. Katrinebode). Der Name der Heiligen ist als Katar ī ne (I D . 3, 560 f.) mit dialektalen Varianten verzeichnet; der Text nimmt Bezug auf den Altar der hl. Katharina. Kaufmann (FaN) Kaufmann (FaN) ist nur belegt als Choifmasch Chumma ‘ die Chumma (Mulde) des Kaufmanns / der Familie Kaufmann ’ (Ferden). Es ist unklar, ob hier ein FaN oder eine Berufsbezeichnung vorliegt. Der starke Genitiv würde für beide gelten. Die Mulde befindet sich auf rund 2500 m auf der Kummenalp. Wenn der FaN Kaufmann vorliegt, dürfte eher ein bernischer Name gemeint sein; im Wallis selbst ist Kaufmann als FaN nur für eine Person in Leuk auf Grund unsicherer Verhältnisse belegt (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 959). Kauften Kauften ist nur 1769 in Leuk als des Kauften Bodens ‘ des gekauften Bodens ’ (Genitiv konstruktionsbedingt) belegt. Der hier gemeinte Boden wurde gekauft, nicht vererbt. Das Partizip Perfekt ist zu schwdt. chaufe n ‘ kaufen ’ und wdt. chöüffe, chöüffä (Goms), choiffn (Lötschtal), chöüffu od. choiffu ‘ kaufen, einkaufen ’ (I D . 3, 170; G RICHTING 1998, 52) zu stellen. Das sonst zu erwartende / g(e)-/ wird hier assimiliert. Kech Kech ist zu schwdt. chëch, chäch, käch ‘ lebenskräftig, -frisch, rüstig ’ , von Sachen z. T. in den Begriff des Ausserordentlichen, Gewaltigen übergehend, mhd. quëc ‘ lebendig, frisch, fest ’ und wdt. chäch, käch ‘ kräftig, gesund ’ (I D . 3, 120; G RICHTING 1998, 46) zu stellen. Es ist belegt in dr Chächbrunn ‘ die lebendige Quelle / der lebendige Brunnen ’ (Kippel), sowie zem Kechbrunnen ‘ beim der lebendigen Quelle / dem lebendigen Brunnen ’ (1382, Karlen (FaN) 11 12 <?page no="560"?> Ulrichen) und bÿm Kechgraben ‘ beim lebendigen Graben ’ (1543 u. später, Ulrichen). Zu Kechbrunne(n) > mhd. quëcbrunne eig. ‘ lebendiger Quell ’ vgl. I D . (5, 687 f.). Khoreten Khoreten ist nur einmal belegt 1759 in Simplon als in den Khoreten. Es handelt sich um einen Dativ Plural, der auf dial. (- ETA ) auslautet. Letzteres ist laut S ONDEREGGER (1958, 524) zu / - ETA / (< / ÔDI / ÔTI / ) zu stellen. Gemeint ist wohl ein Ort, an dem Korn (Getreide) angebaut wurde, vgl. schwdt. Chorn ‘ Korn, Getreide ’ und wdt. Choore, Choorä (Goms), Choorn (Lötschental), Chooru ‘ Korn, Getreide ’ (I D . 3, 469 f.; G RICHTING 1998, 52). Kiechler (FaN) Kiechler (FaN) ist nur 1549 in Selkingen als Kiechlers Boden ‘ der Boden der Familie Kiechler ’ belegt. Der FaN ist als Kiechler (NWWB 2, 127) im 16. Jhdt. im Zehnden Goms bekannt. Kienzner (FaN) Kienzner (FaN) ist zu FaN Kienzner zu stellen. Das heutige Zienzihiischinu ‘ bei den Häusern des Zienzi ’ (Mund) wird historisch z Kienzenheisren ‘ bei den Häusern des Kienzi ’ (1638, Mund) genannt. J OSSEN (1989, 76) erwähnt den FaN Kienzner für Mund. t Chienzleri ‘ die Wasserleitung der Familie Kienzner ’ (Mund) wird historisch aqueductum Kuenzinerro ‘ die Wasserleitung der Familie Kienzner ’ (1344) genannt. Dem FaN liegt demnach ein umgelautetes und entrundetes Kuonz (zu Kuonrad) zu Grunde (I D . 3, 379 f.). Kilchenmann (FaN) Kilchenmann (FaN) ist nur als starker Genitiv Singular belegt in ob Kilchenmanns Huss ‘ ob dem Haus des Kilchenmannes / der Familie Kilchenmann ’ (1615, Grächen). Der FaN kann in dieser Form nicht nachgewiesen werden; es existiert aber ein FaN Zurkirchen (AWWB 303). Kilometer Kilometer m. ist nur als bim Kilometerstei ‘ beim Kilometerstein ’ (Oberwald) belegt. Die Flur weist heute keinen Stein mehr auf. Sie liegt südwestlich von Oberwald: von der Kirche in Oberwald bis hieher sei es genau einen Kilometer weit gewesen. Das HL ist zum hdt. Kilometer m. (K LUGE / S EEBOLD 25 2011 s. v. kilo-) zu stellen; Masseinheit, die 1000 m entspricht. Kind Kind ist als Simplex nicht belegt. Als Diminutiv erscheint nur Chingjunu (St. Niklaus, FLNK Chingene) und laut M. S. auch Kinndjini. Laut Beschreibung handelt es sich um Steinhaufen zwischen Wiesen. Dieser Name ist wohl nicht zu Kind, resp. schwdt. Chind und wdt. Chind (I D . 3, 336; G RICHTING 1998, 48) zu stellen, sondern als Diminutiv zu schwdt. Chinn ‘ Spalte im Erdreich oder Fels ’ , wdt. Chi ‘ Schlucht, Felsgrund ’ (I D . 3, 320; G RICHTING 1998, 48; cf. HL C HI ) zu stellen. Hingegen gehören ts Chinderheim ‘ das Kinderheim ’ (Turtmann), t Kimmbetti ‘ die Kindbette ’ (Niederwald), der Chindobiel ‘ der Hügel der Kinder ’ (Ausserberg, auch FLNK und LT) und t Kchinnumatta ‘ die Wiese der Kinder ’ (Grächen, auch FLNK), historisch 1304 als der Kyndo Matta mit einem Genitiv Plural, zum HL K IND . Ebenfalls Genitiv Plural ist der Kindo Acher ‘ der Acker der Kinder ’ (1527, Ried-Mörel). Die Belege mit Chindo / Kindo bezeichnen ursprünglich Erbstücke der Kinder des vorherigen Besitzers. Anlautendes / k/ in lebenden Namen ist als agglutinierter Artikel im Plural zu verstehen. t Kimmbetti meint einen Bildstock, wobei wohl auf das Kindbett (Schwangerschaft) der Muttergottes Maria Bezug genommen wird. Kinderen Kinderen ist nur einmal belegt in beÿ der Kinderen Schür ‘ bei der Scheuer der Kinder (? ) ’ (1775, Binn). Ob hier wirklich ein Genitiv Plural des Nomens Kind (schwdt. Chind (I D . 3, 336; G RICHTING 1998, 48)) vorliegt, ist unklar (cf. HL K IND ). Es könnte sich auch um eine verhochdeutschte, wohl falsch verstandene Form zum HL C HI ‘ Schlucht ’ handeln, das in Ausserbinn als ts Chinneschiir ‘ die Scheuer beim (Binne-)Kinn (Schlucht der Binna) ’ vorkommt. Kinting Kinting ist nur 1712 in Leuk als in der Kinting ‘ im Gut des Quintin ’ belegt. Es handelt sich vermutlich um di Ginntig (cf. HL G INNTIG ), die auf einen früheren PN vom Typ Quintin zurückgeführt wird. Der Name ist ursprünglich wohl lateinisch. Kipp Kipp f. ist sicher nur in Mühlebach als Kipp (FLNK) und ob der Kipp (FLNK) erwähnt. Es könnte sich um das hdt. Wort Kippe ‘ künstlich aufgeschüttete Halde ’ handeln, das aber dialektal nicht belegt ist; die Karten zeigen an der Stelle einen künstlichen Abhang. Der Beleg t Chippfet (Täsch) lässt sich sowohl als Chipf + Fet, wie auch als Chipp + Fet analysieren (cf. HL C HIPF ); eine Assimilation zu Chid/ t + Fet liegt wohl nicht vor. Bei der Deutung gehen wir von Chipf + Fet aus, also ‘ die Grasbänder bei der Kipfe ’ . 13 14 Kipp <?page no="561"?> Kippel Kippel, dial. Chiipel ist zunächst der Name einer der Gemeinden des Lötschentals. Historisch ist es 1320 als Kybuel, 1437 Kypill (zweimal), 1440 Kypil, 1440 Kÿpill, 1445 Kipu ᵕ l, 1482 Kippil usw. belegt. 1508 gibt es apud Kupuell, das eine falsche Entrundung im ersten Teil und eine Deutung zu Büel ‘ Hügel ’ im zweiten Teil annimmt. Die ältesten Belege machen klar, dass eine Entrundung (/ ü/ > / i/ ) nicht möglich ist, da das / i/ schon im 14. Jahrhundert vorhanden ist; die Entrundung erscheint sonst erst um 1500. Der wechselnde Vokal im zweiten Teil wird gelegentlich auf Büel zurückgeführt, was nur bei einer Erstbetonung mit Abschwächung des zweiten Teils zur Endung -bil möglich wäre. Laut K RISTOL ET AL . (2004, 481) ist eine romanische Herkunft des Namens, wie sie z. B. bei S TUDER (1896, 141) zu finden ist, der den Namen zu lat. CAPELLA ‘ Kapelle ’ stellt, unwahrscheinlich. Eine Herkunft von hd. Küppel, Kippel m. ‘ Berg, Hügel ’ (G R W B 11, 2771 und 2775 s. v. Kuppe) (nach K RISTOL ET AL ., 2004, 481) ist kaum möglich, da die Form im Schweizerdeutschen Gupf (I D . 2, 390) heissen würde. Nicht haltbar ist die Annahme, dass anlautendes / k/ vorhanden gewesen sei; auch in anderen Fällen ist heutiges dialektales / ch/ schriftlich als / k/ realisiert worden, z. B. Kiematt ‘ Kühmatt ’ (1662, Blatten), das heute Chiämad ausgesprochen wird. Lautlich würde eine Ableitung auf / - EL / - IL / (S ONDER- EGGER 1958, 523) als Stellenbezeichnung zum Nomen Ch ī b ‘ Zorn, Wetteifer, Zank, Streit ’ (I D . 3, 105 f.), also etwa ‘ der Ort, um den es Streit gibt ’ , passen (was auch das sonst undeutbare lange / i: / erklären wurde), aber das Nomen ist sonst für das Oberwallis nicht belegt (vgl. aber HL S TRIT ). Insgesamt ist so für den Gemeindenamen keine Deutung möglich. Neben dem Gemeindenamen tritt das HL nur als Bestimmungswort auf, in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern Chumma, Egg(a), Fura, Ried und Wald. Komplexer sind ts Inder und ts Uister Chiipelriäd ‘ das innere (taleinwärts liegende) und das äussere (talauswärts liegende) Ried bei Kippel ’ , nur historisch auch im Obren Kippellried ‘ im oberen Ried bei Kippel ’ (1715), Indru und t Uistru Chiipelfurä ‘ die inneren (taleinwärts liegenden) und die äusseren (talauswärts liegenden) Furchen von Kippel ’ , in den Kipelriedhalten ‘ in den Halden beim Ried bei Kippel ’ (1855 u. später), in Innern Kippelriedhalten ‘ in der Halde beim inneren Ried bei Kippel ’ (1870 (oder davor)) und Chiipelwaldwäg ‘ der Weg durch den Kippelwald ’ (FLNK) (alle Kippel). Kiri Kiri ist nur einmal belegt in Kirihanselöübe ‘ die Lauben des Kirihans ’ (Ulrichen), eine Alpweide. Vermutlich liegt ein assimilierter Artikel / di/ vor, sodass sich Chiri ergibt, das entweder ein Kurzname oder ein Übername eines Mannes ist, der mit Vornamen Hans hiess. Chiri lässt sich zu Chorn ‘ Korn, Getreide ’ (I D . 3, 469) (vgl. Chire, Kiru (Leuker Berge), Chiri (Schattenberge, Leukerberge) ‘ Obstkern, Weizenkorn ’ (G RICHTING 1998, 49)) stellen; ein PN oder FaN dazu ist jedoch nicht belegt. Kitzen Kitzen ist nur belegt in Kitzenboden (1411, Ausserberg) und zwar zum PN Hans Gertzen a dem Kitzenboden ‘ Hans Gertschen a(b) dem Kitzenboden ’ . Es handelt sich vermutlich um eine verschriebene oder verlesene Form von Ritzenboden zum Weilernamen Ritzubodo ‘ der Boden bei den Ritzen (Grasbändern) ’ , der seit 1306 in Ausserberg und Raron belegt ist. Klaa Klaa f. ist nur in Leukerbad belegt. t Klaa ist eine langgestreckte Wiesenzone (vgl. R. G RICHTING 1993, Blatt 2, Nrn. 7, 18, 19, Blatt 3, Nrn. 3, 9, 16), durch die der Klaagrabu (FLNK) zieht; der Glaagrabu ist die etwas irreführende Form unter Nr. 40162, wo LT Glaagraben und SK Claagraben haben. Unterschieden werden t Ober und t Unner Klaa. Historisch erscheint das HL 1358: eys clax, 1367: deyc clas, 1437: eys claa, 1628: in d Claa. Gedeutet wäre der Name am ehesten zu lat. CLARU ‘ klar ’ zu stellen (M EYER 1914, 113; G PSR (4, 84ss. s. v. clair)) und meint dann etwa ‘ die Lichtung ’ (vgl. im Deutschen HL P LUTT ). Klaara (PN) Klaara (PN) ist in Klaarahaselbodo ‘ der Boden mit Haselstauden der Klara ’ (Glis) belegt. Es handelt sich um den PN Klara (I D . 3, 685 s. v. Chl ā re). Unklar ist, ob es sich um eine (frühere) Besitzerin handelt. Klachten Klachten ‘ abgegrenzt ’ ist nur 1338 in zer klachten Wason (Täsch) belegt. Es handelt sich um ein Partizip Perfekt zum Verb lâche n ‘ im Wald die Grenzzeichen aufsuchen und auffrischen ’ (I D . 3, 1001). Die seltsame Form ‘ bei der abgegrenzten Wiese ’ lässt sich eventuell durch die Formulierung apud zer klachten Wason erklären; der Schreiber hat zunächst das lat. APUD , dann das gleich bedeutende dt. zer gewählt, was auf ein fehlendes Verständnis des Namens hindeutet. Klägen Klägen ist nur belegt in in den Steinklägen (1788, Unterbäch). Laut D R . G REGOR Z ENHÄUSERN (p. c.), der in Unterbäch wohnt, handelt es sich um Steinschläge in Ginals, wofür jedoch Belege fehlen. Alternativ könnte Klägen zu wdt. Chlakk ‘ Spalte, Riss ’ (G RICHTING 1998, 49) und Kippel 15 16 <?page no="562"?> schwdt. Chlack, Chläck, Pl. Chleck (neben -ä-) m. ‘ Spalte, Riss, Ritze, in Holz, Gestein, Gemäuer, Erdreich, Eis und Firn ’ , ( … ) ‘ Erdschrunde, kleines Bergtal, Einschnitt, Bachbett, Schlucht, Tobel ’ , mhd. klac (I D . 3, 639 f.) zu stellen sein. Klarei Klarei ist nur einmal belegt als Klarei (Salgesch, auch FLNK). Die Beschreibung sagt, es handle sich um einen Dorfteil im Osten. M ATHIER (2015, 68) kennt den Namen. Er zitiert hierzu T AGMANN (1946, 30), der den Namen auf lat. GLAREA ‘ Kies ’ (FEW 4, 149; cf. HL G LARET ) und das Kollektivsuffix / - ETU / zurückführt und es als ‘ Gebiet mit viel Kies, kieshaltiges Gebiet ’ bezeichnet. B OSSARD / C HA- VAN (2006, 62) erwähnen u. a. Glarey als ‘ [s]ol graveleux ’ . Der Anlaut von Klarei wird als Fortis / k/ ausgesprochen, nicht als Affrikata. Klause Klause ist nur einmal als Grundwort in Baltschieder Klause SAC (Baltschieder) vertreten. Es handelt sich um eine SAC-Hütte auf dem Gebiet der Gemeinde Baltschieder auf 2783 m ü. M. Das HL ist wohl zu Klause (G R W B 11, 1035 f.) zu stellen und meint eine ‘ [v]erschlossene, schwer zugängliche, enge behausung ’ . Klufner Klufner m. ist nur einmal 1860 in Steg als zúm Klúfner belegt. Es handelt sich um eine männliche Stellenbezeichnung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) zum Nomen Chl ŏ be n ‘ Geräte zum Einklemmen, Festhalten, -Haken, Verpflöcken ’ (I D . 3, 617 f.), das von I D . für das Wallis auch als Chl ŏ fe n verzeichnet wird, also ‘ der Ort, wo man Geräte zum Einklemmen gewinnt ’ . G RICHTING (1998, 50) kennt es als Chlofe, Chlofo (Schattenberge), Chlofn (Lötschtal), Chlofu ‘ Kloben (Türzapfen), Kastriergerät, Riegel ’ ; (vgl. auch V. S CHMID 2003, 77 f. zu Chlobo und Chlofo beim Hausbau). Das / u/ kann auch aus Chluppe n ‘ Geräte zum Festklemmen, Kneipen; Klammer ’ stammen (I D . 3, 666 ff.). Klummerte Klummerte ist nur als t Klummerte (Inden; FLNK u. LT Klummärte) belegt. Die Form ist wohl ein Plural. Das anlautende / k/ ist als Affrikata / k χ / notiert. Der Anlaut könnte deswegen auch einen agglutinierten Artikel enthalten. Das offene / ä/ der zweiten Silbe kann einen jüngeren Dialektstand notieren als das / ə / von M. S. Es bleibt unklar, ob das zu Grunde liegende HL dt. oder frpr. ist. Am nächstliegenden ist Chlummere (Thun, BENB 1, 2, 478), wo das Wort nach H UBSCHMIED auf lat. COLUMBARIUM ‘ Taubenschlag, Friedhof mit Asche-Urnen ’ zurückgeführt wird (die Lage macht allerdings heute diese Herleitung schwer erklärbar). Diese Deutung verbietet sich in Inden allerdings aus zwei Gründen: zum einen befindet sich t Klummerte laut LT ausserhalb eines bewohnten Gebietes, zum andern enthält es ein / t/ , das im zitierten Namen nicht enthalten ist und auch nicht erklärt werden könnte. Eine frpr. Deutung ist schwierig, da clos in Clos Martin ‘ eingefriedetes Gut (des Martin) ’ (G PSR 4, 128 ss.) in Inden als Glüü erscheint. Die Entwicklung von Martin zu -merte, resp. -märte ist eher unwahrscheinlich; in Salgesch wird t Bismerting auf aqueductum dou martini ‘ die Wasserleitung des Martin ’ zurückgeführt; hier ist klar, dass aus Martin das frpr. Marting wird. Beide Deutungen müssen also zurückgewiesen werden; der Name bleibt so ungedeutet. Kluschite Kluschite ist als Kluschite ‘ die Glockenblumen ’ (Leukerbad; SK und LT Kluscheten; FNLK Kluschitä) belegt. Historisch ist es 1695 als in die Kluschette bezeugt. R. G RICHTING (1993, Blatt 2, Nr. 16 und Blatt 3, N4. 4) kennt es als Kluschitä, dazu noch Kluschitubodu (Blatt 2, Nr. 17). Das anlautende / k/ ist wohl als Fortis / k/ zu lesen, nicht als Lenis / g/ . Am nächstliegenden dürfte das frz. clochette ‘ kleine Glocke ’ (G PSR 4, 118 ss.) sein, in seiner botanischen Bedeutung als ‘ Glockenblume ’ (unter 4°); vgl. hierzu die verschiedenen Pflanzen unter dem Namen C AMPANULA (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1030 - 1040). Kluser (FaN) Kluser (FaN) ist lebend nur als der Chlüüserbodo ‘ der Boden der Familie Kluser ’ (Ried-Brig) belegt. Historisch erscheint er 1746 in Simplon als in Klúsero Boden ‘ der Boden der Leute von Klusen ’ / der Familie Kluser. Der FaN ist als Kluser (AWWB 141) für den Bezirk Brig belegt und auch als Zenklusen bekannt. Knakten Knakten ‘ abgenagt ’ kommt nur einmal vor in an der Knakten Flu ᵕ h (1895, Embd). Es handelt sich wohl um ein attributiv verwendetes Partizip Passiv zum schwdt. Verb g e -nage n ‘ abnagen ’ (I D . 4, 695 f.). Deuten lässt sich der Name als ‘ Fluh, die abgenagt aussieht (wie ein abgenagter Knochen? ) ’ . Die Schreibung Knakten lässt sich aus der Fortisierung von an- und inlautendem / g/ zu / k/ erklären. Knecht (FaN) Knecht (FaN) ist in den meisten Belegen wohl als FaN zu sehen. In den Quellen erscheint der FaN Knecht mehrfach, so 1400 Johann Knecht, 1690 Antonius Knecht (beide Eischoll) und 1683 Anthony Knecht (Raron). Von den 17 18 Knecht (FaN) <?page no="563"?> Namenbelegen stammen drei aus Eischoll: 1648 in Knechtsachren ‘ in den Äckern der Familie Knecht ’ , 1740 die Obrun Knechtsmatten ‘ die oberen Wiesen der Familie Knecht ’ , 1697 ob Knechts Treien ‘ oberhalb der Viehwege der Familie Knecht ’ . Für Niedergesteln ist 1685 in Knechtigo Halten ‘ in der Halde der Familie Knecht ’ mit dem Genitiv Plural der / - IG / -Ableitung bezeugt. Der einzige lebende Beleg ist Chnächtschmatta ‘ die Wiese der Familie Knecht / des Knechtes ’ (Blatten). In diesem Beleg könnte auch eine der Deutungen von Chnëcht ‘ Knecht; junger Bursche ’ (I D . 3, 720 ff.) gemeint sein. Knoden Knoden ist nur historisch in am Knodenlandt (1707 u. später, Ausserberg) und am Knodenland (1803, Raron) belegt. Es handelt sich um die gleiche Flur. Knoden ist zu schwdt. Chnode n ‘ Knoten; Gelenkknoten ’ usw. (I D . 3, 734) und wdt. Chnode, Chnodä (Goms), Chnoda (Mattertal), Chnodo (Schattenberge), Chnodn (Lötschtal), Chnodu m. ‘ Knöchel (Fussgelenk) ’ (G RICHTING 1998, 51) zu stellen. BENB (1, 2, 481) kennt ein historisches Knoden und verweist auf die Stelle im I D . www.ortsnamen.ch kennt für Kirchberg (SG) den Flurnamen im Chnode. Vermutlich liegt eine metaphorische Deutung vor: ‘ das Land, das wie ein Knoden (Knöchel) aussieht ’ . Knou Knou ist nur belegt in t Knouhitta (Steinhaus mit / l/ - Vokalisierung, auch FLNK; LT Chnollhitta). Es handelt sich um eine Assimilation des anlautenden Artikels zum Nomen Chnolle, verbunden mit der / l/ -Vokalisierung, also eine (Alp-)Hütte bei einem Knollen, einem Erdklumpen. Zu schwdt. Chnolle ‘ Knollen, Klumpen; Erdscholle, etc. ’ und wdt. Chnolle, Chnollä (Goms), Chnolla (Mattertal), Chnolln (Lötschtal), Chnollu ‘ Knolle ’ (I D . 3, 740; G RICHTING 1998, 51). Koch (FaN) Koch (FaN) ist in ts Chochbielti ‘ der kleine Hügel der Familie Koch / eines Koch ’ (Glis) und der Chochbieltischleif ‘ der (Holz-)Schleif beim Chochbielti (kleiner Hügel der Familie Koch) ’ (Glis) belegt. Der FaN scheint nicht belegt, doch ist im Register zu den HRBS der FaN Kechli, Köchli usw. belegt. Es kann aber auch eine Berufsbezeichnung vorliegen. Der FaN oder die Berusbezeichnung sind zu schwdt. Choch ‘ Koch ’ und wdt. Choch, Chooch (Lötschtal) ‘ Koch ’ (I D . 3, 124 f.; G RICHTING 1998, 52) zu stellen. Kocher Kocher, auch Chocher ist nur in Birgisch belegt. Zentral ist der Name ts Chocherli ‘ die kleine heisse Stelle ’ (Birgisch, FLNK Chocherli). Es handelt sich um ein Diminutiv zu einer Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 541). Als Bestimmungswort ist es mit folgenden Grundwörtern verbunden: t Kocherachini ‘ die kleinen Äcker beim Chocherli ’ (Birgisch), das Kochergässlein ‘ die kleine Gasse vom / zum Gebiet Chocherli ’ (1802, Birgisch), Chochertola ‘ die Mulde im Chocherwald (Wald oberhalb des Chocherli) ’ (FLNK, Birgisch), ts Chocherturrli ‘ der kleine Turm (Vermessungspunkt) im Chocherwald (beim Chocherli) ’ (Birgisch), Chocherwald ‘ der Wald oberhalb des Chocherli ’ (Birgisch). Die Beschreibung nennt das Chocherli ‘ im Sommer sehr heiss ’ . Das verbindet schwdt. choche ‘ kochen, sieden ’ und wdt. choche, chochä (Goms), chochun (Lötschental), chochu ‘ kochen ’ (I D . 3, 126 f., G RICHTING 1998, 52) im Sinn von ‘ heiss sein ’ mit den übrigen Belegen. Kolben Kolben ist dreimal belegt. Einmal als Cholbini (FLNK, Termen), das vermutlich identisch ist mit auf den Kolbenen (1730, Ried-Brig). Als Bestimmungswort erscheint es 1824 in Bellwald in au ᵕ f dem Kolben Platz. Letzteres dürfte der sonst Cholplatz ‘ Platz, wo Kohle gebrannt wurde ’ genannte Platz sein. Die ersten zwei Belege könnten sich auf einen Pflanzennamen beziehen, wobei unklar ist, auf welche Pflanze genau. Cholbe(n) werden im Schweizerdeutschen aufgrund ihrer Blütenform zum einen der Schlaf-Mohn (P APAVER SOMNIFERUM ), aber auch die Kohldistel (C IRSIUM OLERACEUM ) genannt; weitere Pflanzen zählt I D . auf (M ARZELLL 1, 583 ff.; 3, 561 ff.; I D . 3, 225 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 , 2014, 152 s. v. P APAVER SOMNIFERUM und 1148 s. v. C IRSIUM OLERACEUM machen allerdings klar, dass die beiden Pflanzen im Oberwallis nicht vorkommen; jedoch sind andere, ähnlich benannte, dort bekannt). In der Literatur zu den Pflanzen im Oberwallis fehlt jedoch Cholbe. G RICHTING (1998, 52 s. v. Cholbe) kennt nur den Motorkolben, sodass die Deutung unsicher ist. Kollegium Kollegium n. ist zu schwdt., wdt. Kollegium n. ‘ Lateinschule der älteren Zeit; Mittelschule ’ und wdt. Kollegium ‘ Gymnasium ’ (I D . 3, 211; G RICHTING 1998, 122) zu stellen. Es ist nur in Brig belegt und allgemein der geläufige Name des Kollegiums Spiritus Sanctus an diesem Ort. Anlautendes / k/ wird hier normalerweise als Affrikata ausgesprochen, manchmal auch nur aspiriert, aber nie als Fortis ohne Hauchlaut. Kolwir Kolwir kommt in einem Dokument von 1304 als Jm Kolwirgarten (1304, Visp und Lalden) vor. M. S. hat ein- Knoden 19 20 <?page no="564"?> mal Kolwin notiert (Lalden), einmal Kolwir (Visp); die Nachprüfung durch P H . K ALBERMATTER (p. c.) ergab Kolwirgarten. Der Kontext legt zwar Wingarten nahe, aber dann bliebe Kolunerklärt. Kolwir kann nicht gedeutet werden; am nächstliegenden wäre Kolbwurz (G R W B 11, 1612), das hier wohl als ‘ zwiebelartiger Knollen ’ zu umschreiben wäre. Da jedoch eine direkte Bestätigung fehlt, kann eine Deutung nicht gegeben werden. Komabara Komabara ist nur als Komabara (Salgesch, FLNK Gomabara) mit Erstbetonung und Nebenbetonung auf der dritten Silbe belegt. M ATHIER (2015, 46) kennt Gomabara und führt es auf gallorom. *cumba ‘ Tal, Schlucht ’ und ein unklares zweites Element zurück, das er als Adjektiv interpretiert. Es scheint aber, dass das zweite Element frz. barre, patois bara ‘ Zaun, Deich, Damm ’ ist (G PSR 3, 262; B OSSARD / C HAVAN 2006, 136 s. v. Barre mit der Bemerkung, im Wallis sei mit barre frz. digue ‘ Deich, Damm ’ gemeint). Die Bedeutung wäre dann ‘ das Tal mit dem Damm ’ . Es handelt sich um einen Graben im Waldgebiet Brinju nördlich des Dorfes Salgesch. Kon Kon ist nur 1638 in Grengiols als im Kon (Kor? ) belegt. Im Dokument wird die Flur als pasturagjium ‘ Weide ’ bezeichnet. Am nächstliegenden wäre das HL C HOORE ‘ Korn ’ . Da aber das HL unsicher ist, weitere Angaben fehlen und das Dokument keine näheren Informationen gibt, lässt das HL sich nicht sicher deuten. Kongkordia Kongkordia ‘ Konkordia ’ ist das Bestimmungswort für das nach der Place de le Concorde in Paris benannte Firnfeld (Kongkordiaplatz (Fieschertal)), wo sich die Ströme des Grossen Aletsch- und Jungfraufirns, des Ewig Schnee Felds und des Grünhornfirns vereinigen und von wo der Grosse Aletschgletscher ausgeht (GLS 1, 584). Konrad (PN) Konrad PN ist nur 1356 in Grengiols als am Ku ͦ nrat Schleyff ‘ am Schleif des Konrad (PN) ’ belegt. Das HL ist zu schwd. Kuen(e)rat ‘ Konrad ’ (I D . 3, 335) zu stellen. Der PN geht zurück auf Conrad et al. (F ÖRSTEMANN 1, 373). Konsul Konsul ist nur belegt in der Konsulhubel ‘ der Hügel mit dem Haus der Familie Konsul ’ (Oberwald). Dies folgt aus der Angabe der Gwp. Unsere Quellen erwähnen den FaN Konsul nicht. Wie P H . K ALBERMATTER (2008, 339) ausführt, sind jedoch in den historischen Quellen die Ausdrücke “ consules ” , “ gunsel ” , “ procuratores ” und “ sindici ” vertreten, um lokale Amtsinhaber (Gewalthaber) zu bezeichnen. Es ist deswegen unklar, ob hier noch eine Spur dieser Amtsbezeichnung vorhanden ist, oder ob ein Übername vorliegt. Kopli Kopli f. ist nur einmal in di Kopli (Ried-Brig; FLNK Kobli) belegt. In den historischen Belegen erscheint der Name auch als n. (1707 u. 1770), sonst als f. Das Grundstück befindet sich unterhalb des Weilers Schlüecht (Ried-Brig) in relativ ebenem Gelände. Historisch ist 1700 u. später ein Hanffeld dort erwähnt, 1790 ist von Matten die Rede. Der Name scheint eine feminine Ableitung oder (historisch) ein Diminutiv zu einem wohl ital. coppa ‘ Becher ’ zu sein, einer Farbe im Tarockspiel, das im Wallis verbreitet war, vgl. Goppe n (I D . 2, 389). Eine Ableitung vom Verb g ō pe n ‘ spielen, schäkern ’ (I D . 2, 388) ist ebenfalls möglich, wobei der Vokal dann ein langes / o: / wäre. Beide Deutungen sind sehr unsicher. Ein Anschluss an den PN Goppi (wie in Goppisberg, Goppenstein u. HL G OPPISCH ) ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Kopüür Koppür f. ist nur in Simplon als di Kópüür belegt, wobei / k/ für eine anlautende Affrikata / k χ / steht. LT hat Cupür, 1: 10000 Kopür. J ORDAN (2006, 30) kennt Ggópüür. Er verweist auf F AVRE , der 1876 in einem französischen Text coupure schreibt. Es handelt sich um frz. coupure in der Bedeutung “ grévasse dans une montagne ” (Spalte im Berg) (FEW 2, 871 s. v. c ŏ l ă phus; G PSR 4, 421 s. v. coupure). Korjobsch Korjobsch ist nur belegt im Genitiv ts Korjobsch Fet ‘ die Grasbänder der Familie mit dem Beinamen Korjob ’ (Saas-Almagell). Laut Gwp. handle es sich um den Beinamen ts Koriersch einer Almageller Familie; der Beiname dürfte auf das frz. courrier ‘ Post(bote) ’ (FEW 2, 1565 ff. s. v. c ŭ rr ĕ re laufen; G PSR 4, 444) zurückgehen. Der Flurname und die Angabe der Gwp. für Saas-Almagell stimmen aber nicht zusammen; am ehesten ist eine Verkürzung aus courrier und Jakob (I D . 3, 32) zu erkennen. Aus den zur Verfügung stehenden Angaben lässt sich jedoch der Beiname nicht rekonstruieren. Kotynguen Kotynguen ist ein Plural, der nur in Glis 1320 belegt ist, und zwar als in dien Kotynguen, resp. in dyen K(/ h? )otynguen. Die Schreibung / gu/ ist auch sonst im Dokument für / g/ vorhanden. Der Stamm kann zum PN Goda ‘ Guter ’ (F ÖRSTEMANN 1, 659) gestellt werden; der Name wäre dann zu übersetzen als ‘ die Güter der Leute des Goda ’ . Diese Deutung ist jedoch sehr unsicher. 21 22 Kotynguen <?page no="565"?> Kraegen Kraegen ist nur 1527 in Ulrichen als Zen Kra ᵉ gen, 1567 als Zen Kraogenn belegt. Es handelt sich um einen Teil des Ulricher Blasen. Zu Grunde liegt wohl Chrage n ‘ Hals, Schlund, Gurgel ’ (I D . 3, 789 ff.), das als ‘ enge Stelle ’ (BENB 1, 2, 498 f.) verstanden werden kann, also ‘ bei den engen Stellen ’ . Der Hinweis an der zitierten Stelle auf Z INSLI (1946, 323) verweist nicht auf Chrage(n), das nicht behandelt ist, sondern auf Gurgel. Kram Kram ist 1395 in Naters als Kramgassa ‘ die Kram-Gasse (Gasse, wo man einkauft) ’ und 1577 als superius der Kramgassen ‘ oberhalb der Kramgasse ’ belegt. Ebenfalls hierzu gehört in der Kremmer Matten ‘ in der Wiese des Krämers / der Familie Krämer ’ (1807, Ergisch). Der FaN Kremer ist im Register zu den HRBS belegt, ebenso Krämer als Berufsbezeichnung am gleichen Ort. Das HL ist zu schwdt. Chram m. ‘ Krambude, Krämerware ’ , mhd. kr ā m(e) (I D . 3, 809; BENB 1, 2, 501 f.) zu stellen; Chramgasse ‘ Gasse mit Kramladen ’ (I D . 2, 452) hat einen eigenen Eintrag. Kraphen (FaN) Krapphingo ist 1305 in Kraphhingo Hv ᵢ sern (1305, Stalden) und, kürzer, als Kraphenstadel (1391, Stalden) belegt. Im ersten Beleg sind die Leute des Krappho mit einem / - ING / - Suffix gemeint, im zweiten wohl einfach die Familie. Laut P H . K ALBERMATTER (p. c.) ist der FaN Kraphen in einem Beleg von 1396 in Raron bezeugt, wo ein Johannes, Sohn des Matheus Kraphen von Stalden erwähnt ist. Es ist also davon auszugehen, dass Kraphen ein FaN (wohl aus Stalden) ist. AWWB stellt den Namen zum FaN Graven (AWWB 115) und situiert ihn vor allem in Eyholz. Kre Kre ist nur in Krewaldt ‘ Krähenwald ’ (1597, Eisten) und Krewaldt ‘ Krähenwald ’ (1695, Staldenried) belegt. Es handelt sich wohl um den gleichen Wald, da die beiden Gemeinden aneinander grenzen. Kre ist hier zum Vogelnamen Chrääja (Krähe) zu stellen, das unter schwdt. Chräje n ‘ Krähe ’ und wdt. Chrääja, Chrääjä (Goms), Chreeja ‘ Krähe ’ (I D . 3, 803 f.; G RICHTING 1998, 52) belegt ist. Gemeint ist dann ein Wald mit Krähen. Krebs Krebs ist nur als Bestimmungswort belegt und zwar zu Krebzbrunne ‘ die Quelle / der Brunnen mit Krebsen ’ (1309, Raron), Krepsbrunno ‘ die Quelle / der Brunnen mit Krebsen ’ (1304, Visp), Krepzbrunnen ‘ die Quelle / der Brunnen mit Krebsen ’ (1308, Baltschieder) und Krezpzbuinda ‘ der Pflanzplatz mit Krebsen (Krezpzbuinda ist wohl verschrieben aus Krepz-) ’ (1305, Raron). Spätere Belege mit Krebs sind nicht bekannt. Das HL ist zu schwdt. Chrëbs ‘ das Tier (Krebs) ’ und wdt. Chräbs, Chrebs ‘ Krebs ’ (I D . 3, 781; G RICHTING 1998, 53) zu stellen. Als FaN ist Krebs im Oberwallis nicht belegt. Kreinznelen Kreinznelen ist nur 1804 in Bratsch als in den Kreinznelen belegt. Es handelt sich laut Dokument um ein Stück Garten (eingehegtes Stück Land) in Niedergampel (das damals zur Gemeinde Bratsch gehörte). Da die Lesung unsicher ist, könnte der Name zu einem anderen Beleg von 1774 gestellt werden, der ebenfalls in Niedergampel als jn den Creütz Reben ‘ in den Reben beim Kreuz (unklar) ’ belegt ist (vgl. Nr. 42921). Ob diese Deutung stimmt, ist unklar. Kreis Kreis m. ist nur 1794 in Steg als im Kreis belegt. Laut Dokument handelt es sich um ein Stück Wiese im Stegergrund, das im Kreis genannt werde. Der nächstliegende Beleg ist schwdt. Chreis m. ‘ Kreis ’ (I D . 3,852), allerdings kennt G RICHTING (1998) das Wort nicht, während W IPF (1910, 78 und 121) Chreis aufweist. Ob Ge-reis ‘ Herrichtung ’ (I D . 6, 1297 ff.) in einer seiner Bedeutungen hier zutrifft, bleibt unsicher, da der Kontext unklar ist. Laut TGNB (2, 2, 341 s. v. Kreis) bezeichnen solche Flurnamen den Besitzer eines Grundstücks. Im Wallis ist der FaN jedoch nicht belegt. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Kres Kres ist nur 1308 in Eischoll als Kresaker ‘ der Acker mit Kresse (L EPIDIUM SATIVUM ) ’ belegt. Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 532) handelt es sich wohl eher um L EPIDIUM CAMPESTRE ‘ Feld-Kresse ’ , die in der ganzen Schweiz belegt ist und wohl auch etwas höher wächst. Das HL ist als schwdt. Chresse n ‘ Brunnenkresse, auch Gartenkresse ’ belegt (I D . 3, 852); bei G RICHTING (1998) fehlt es. Hingegen erwähnt es B IELANDER (1985 [1948], 100) als Chresche. Kreuzer (FaN) Kreuzer (FaN) ist zum FaN Kreuzer, auch Kreutzer, Chritzer und weiteren Varianten zu stellen (AWWB 142). Belegt sind: Creútzero Feld ‘ das Feld der Familie Kreuzer ’ (1652, Eyholz), Cricero Geblet ‘ die Felsplatten (Kollektiv) der Familie Kreuzer ’ (1693, Raron), der Beleg von 1693 ist auch in Ausserberg belegt, wo weiter in Creützern Geblet ‘ die Felsplatten (Kollektiv) der Familie Kreuzer ’ (1780) steht, in Krizero Tschill ‘ in der Tschill (unklar) der Familie Kreuzer ’ (1716, Visp), der Chritsergrund ‘ der Kraegen 23 24 <?page no="566"?> Grund (Grundstück im Talboden) der Familie Kreuzer ’ (Visp, heute Areal der Lonza AG), Chrizerhalte ‘ die Halde der Familie Kreuzer ’ (FLNK, Eischoll), t Chrizerhaaltjini ‘ die kleinen Halden der Familie Kreuzer ’ (Visperterminen), in Chrützeri Matten ‘ in den Wiesen der Frau Kreuzer ’ (1748, Ausserberg; 1806 als in der Kreútzerin Matten). Vermutlich liegt überall der FaN Kreuzer vor; im letzten Beleg könnte auch die Wasserleite / Suon der Familie Kreuzer gemeint sein. Kriffon Kriffon f. ist nur 1389 in Lalden als Zer Kriffon belegt. Es handelt sich um eine Wiese. Das Wort ist klarerweise feminin, sodass wohl nur schwdt. Griffe n ‘ Rind oder Kuh von dunkler Farbe oder mit weissen Streifen, Flecken an den Seiten des Bauches ’ (vereinfacht; auch für das Oberwallis belegt; I D . 2, 719) anzunehmen ist. Ein Anklang an den Gr ī ff ‘ Greif ’ (I D . 2, 709) ist kaum gemeint, da dieses Nomen maskulin ist. Zu Grunde liegt aber wohl das Verb gr ī ffe n ‘ greifen ’ (I D . 2, 713). Kristall Kristall n. ist zu hdt. Kristall, schwdt. Christall ‘ Kristall, Bergkristall ’ (I D . 3, 868 f.) zu stellen. Belegt ist es 1602 in Simplon als das Kristall, ein Gut (in weiterem Kontext als predium bezeichnet; Dank an P H . K ALBERMATTER , p. c.) jenseits des Krummbaches in Simplon. Ungewöhnlich ist das Genus Neutrum für ein Wort, das normalerweise nur als maskulin erscheint. Ein Kollektiv, wie sonst bei neutralen Nomina, ist wohl nicht gemeint. Die Benennung nach einem Kristall ist sehr ungewöhnlich. Eine alternative Deutung kann jedoch ausgeschlossen werden. 25 26 Kristall <?page no="567"?> L Laa Laa ‘ lassen ’ ist der Infintiv eines Verbs, das im Beleg wasch di Geiss zämuleend ‘ der Ort, wo sie die Ziegen zusammenlassen (vermutlich die Bildung der Ziegenherde vor dem Alpauftrieb) ’ (Staldenried) vorkommt. Der Ort befindet sich heute im Wald bei einem Kreuz; unweit davon ist ein Sportplatz zu sehen. Gwp. sagt, dass im Frühjahr die Ziegen erstmals an diesem Ort <zusammengelassen> wurden; als Datum wird der 25. Juni angegeben. Das Verb ist zu schwdt. l ā n , l ō n , wdt. la, laa ‘ lassen ’ , im Beleg präfigiert mit wdt. zämu, schwdt. z(e) sämme n - ‘ zusammen ’ zur Bezeichnung einer Flur, wo die Ziegen im Frühjahr erstmals ‘ zusammengelassen ’ werden (I D . 3, 1393ff, 1412; G RICHTING 1998, 124). Vgl. auch HL Z ÄMU . Laag Laag f. ist nur einmal historisch in Brig als Zer Laag (1537 u. später) belegt; es wird als Haus mit Stall und Speicher bezeichnet. Der Hausname geht wohl auf eine der Bedeutungen von schwdt. L ā ch, L ā g m., f., n. ‘ Einschnitt; Kerbe, Scharte ’ , mhd. l ā che(ne) f. ‘ Einschnitt, Grenzzeichen ’ und wdt. Laag ‘ Lage, Schicht ’ (I D . 3, 998 ff.; G RICHTING 1998, 124) zurück. Das alternative Lag II ‘ Lage ’ (I D . 3, 1163; wohl auch G RICHTING ) kommt kaum in Frage, da es nach G R W B (12, 58 f. s. v. Lage) ein mittel- und niederdeutsches Wort war. Vermutlich liegt ein Besitz vor, der als Grenze diente oder in einem Geländeeinschnitt lag: ‘ beim Geländeeinschnitt / beim Grenzzeichen ’ . Laagil Lagil, auch Lagel oder Lagol ist nur als die Lagelmatten ‘ die Wiese in der Form eines Lagels (Weinfässchen) ’ (1790, Embd), t Lagolmatte ‘ die Wiesen in der Form eines Lagels (Weinfässchen) ’ (Törbel; FLNK Lagolmatte) und der Laagiltotz ‘ der (Fels-)Block, der einem Lagel (Weinfässchen) gleicht ’ (Oberems) belegt. Das HL ist schwdt. L ā gel n., L ō gel m., n., f., wdt. L ā gel, L ā gil, L ā gol: L ā gel n. ‘ Gefäss für den Weintransport mit Maultieren, Weinfass (oval) ’ (I D . 3, 1167 ff; E GLI 1982, 211, 273; G RICHTING 1998, 124), zur Bezeichnung von etwas (Felskopf, Wiese), das von der Form her aussieht wie ein L ā gel. Laalu Laalu ist die lokale Aussprache des Gemeindenamens Lalden. R ÜBEL (1950, 131) führt den Namen Lalden nach einem Vorschlag von H UBSCHMIED auf kelt. *loudon ‘ Blei ’ zurück, ihm folgen Z IMMERMANN (1968, 19) und W ERLEN (1991, 248) (K RISTOL ET AL . 2005, 503). Diesen Erklärungsversuch lehnt K RISTOL ab. Nach ihm müsste ein * LOUDON das intervokalische / d/ spätestens im 10. Jh. verlieren; die walliserdeutschen Mundarten würden es aber als / t/ erhalten (vgl. Rotten vs. Rhone). K RISTOL nimmt deswegen ein Etymon *laldona oder *laldonia an, das vor der französischen / l/ -Vokalisierung übernommen worden wäre. Das Suffix / - ONA / findet sich im Wallis häufig in Flussnamen (z. B. Massona für die spätere Massa). Zu *Lald-ona ist jedoch kein alteuropäischer oder keltischer Gewässernamenstamm bekannt, der zur Erklärung dienen könnte. Die ältesten Belege für den Gemeindenamen sind 1218 Laudona, 1220 Laongne, 1224 Laudona (so auch 1240 und 1246), 1250 (ca.) Laodonam, 1267 - 1276 Laudona, 1276 Laudun, 1277 Lauduna, 1277 Laudona usw. Der erste Beleg mit der heutigen Form Lalden erscheint 1438. Danach wechseln sich Formen mit / ud/ und Formen mit / ld/ ab. Erst ab 1547 erscheinen nur noch Formen mit / ld/ . Daraus folgt, dass zunächst eine gallo-romanische Form Laudona notiert wurde, wobei nach R HEIN- FELDER ( 4 1968, 235) die / l/ -Vokalisierung im Vordergrund stand, die zu einer Form *Laldona führt, die nicht belegt ist. Der gallo-romanischen Form steht ein späteres Lalden (und ähnlich) entgegen. Die älteste Form muss deswegen Laldona gelautet haben. Dazu gibt es, wie oben ausgeführt, keine überzeugende Deutung. Die heutige Form Laalu ‘ Lalden ’ erklärt sich aus ähnlichen Formen von Staalu ‘ Stalden ’ . Neben dem Dorfnamen ist das HL zunächst als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern belegt: Blatta, Eie, Steg und Stei. Komplexer ist die Lalen Blatten Matta ‘ die Wiese bei den Richtung Lalden liegenden Felsplatten ’ (1820, Eggerberg). Ein Adjektiv oder Genitiv Plural auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 526) ist belegt in Laudunerro Gu ᵉ t ‘ das Gut der Leute von Lalden ’ (1304, Baltschieder), Laudunerro Leen ‘ das Lehen der Leute von Lalden ’ (1305, Baltschieder), Laudunerro Wasserleyta ‘ die Wasserleitung der Leute von Lalden ’ (1320 u. später, mit verschiedenen Formen, Lalden) und Laldnerbrigga ‘ die Brücke (über den Rotten) nach Lalden ’ (FLNK, Eyholz). Komplexer ist der Laaldnerru Brigguwald ‘ der Wald für die Brücke von Lalden (oberhalb Rohrberg) ’ (Glis). Vermutlich handelt es sich Laa 27 28 <?page no="568"?> um einen Wald, dessen Holz für die Brücke bei Eyholz über den Rotten nach Lalden verwendet wurde. Eine Ableitung auf / - ERI / meint primär die Wasserleitung nach Lalden, sekundär dort liegende Güter: t Laaldnerri ‘ die Wasserleitung nach Lalden ’ (Eggerberg), t Laaldnerri ‘ Wiesen an der Wasserleitung nach Lalden ’ (Eggerberg) (beide auch historisch), aúff der Laldnerin ‘ auf dem Gut bei der Wasserleitung nach Lalden ’ (1678, Baltschieder), die Ladneri ‘ die Wasserleitung nach Lalden ’ (1548, Eyholz, wohl Verschreiber statt Laldneri), die Laldnerin (1570 u. später, Lalden), Obri und Undri Laldneri ‘ die obere und die untere Wasserleitung nach Lalden ’ (EK, Eggerberg), Laldneri Bodi ‘ der kleine Boden bei der Wasserleitung nach Lalden ’ (EK, Eggerberg) und Laldneri Toli ‘ die kleine Mulde bei der Wasserleitung nach Lalden ’ (EK, Eggerberg). Auffällig ist, dass viele Namen nach Eggerberg und Baltschieder gehören, wo die Wasserleitung nach Lalden durchführt. Auch Eyholz und Visp sind mehrfach vertreten. Das Dorf selbst liegt am Rand der Rottenebene, die von Visp und Eyholz dominiert war. Laas Laas ist nur einmal als Femininum t Forlaas (Baltschieder) belegt und als ‘ Schafweide ’ bezeichnet. Die Koordinaten fehlen. Der Flurname ist undurchsichtig, auch wenn die Bestandteile for ‘ vor ’ und Laas f. ‘ das Lassen (? ) ’ mehr oder weniger klar sind, bis auf das Genus von Laas. Das sonst belegte Vorsass ‘ Voralpe ’ (R ÜBEL 1950, 80 für das Lötschtal) ist hier nicht einschlägig. Eventuell wurden jedoch hier die Schafe hinausgelassen. Das Kompositum der Ladundurchlaas ‘ der Durchlass (Unterführung der Lötschbergbahnstrecke) unterhalb des Weilers Ladu ’ (Hohtenn) ist nur einmal belegt. Durchlaas ist ein Verbalabstraktum zum Verb durchlassen; es ist so in I D . nicht belegt, doch zeigt der Eintrag Chrüz-Durch-Lass ‘ Durchgang durch eine Hecke …’ (I D . 3, 1393), dass das HL bekannt war (vgl. auch G R W B 2, 1638 s. v. Durchlasz). Läbä Läbä ist nur in Blatten (FLNK) als Leitläbä belegt. Läbä selbst ist zum Nomen schwdt. Läbe n ‘ Leben ’ und wdt. Läbe, Läbä (Goms und Lötschtal), Läbu ‘ Leben ’ (I D . 3, 967; G RICHTING 1998, 124) zu stellen. Der erste Bestandteil Leit ist zum Adj. leid ‘ schwierig, unangenehm ’ (cf. HL L EID ) zu stellen. Der Flurname bezieht sich also darauf, dass am Ort das Leben schwierig und unangenehm war (oder ist). Labarry Labarry ist nur 1494 in Salgesch als en labarry ‘ beim kleinen Damm ’ belegt. Es handelt sich um einen Weinberg und eine Weinpresse. Vermutlich liegt ein agglutinierter Artikel la zu einem Nomen barry vor. Es ist wohl zu frz. barre zu stellen (G PSR 2, 262 s.; M EYER 1914, 159 s. v. barra). Wie B OSSARD / C HAVAN (2006, 136 s. v. Barre) ausführen, wird der Name im Wallis für la digue ‘ der Deich, der Damm ’ verwendet. Die Form in Salgesch dürfte eine diminutive Ableitung sein. Läber Läber ist nur als ts Läberbrunnji ‘ die kleine Quelle / der kleine Brunnen aus Mergelgestein (? ) / mit Leberblümchen (? ) / in der Form einer Leber ’ (Mund) belegt. Die Zuweisung ist unklar. Einerseits ist schwdt. Lëber, Lëbere (n) f. als Bedeutung 4 ‘ Mergel, Mergelschicht, -Ader im Gestein (Molasse, Sandstein) ’ belegt (I D . 3, 975 f.), doch ist diese Bedeutung nur in Luzern, Thurgau und Zürich genannt, dazu wohl der Leberberg für den Jura. Bedeutung 5 nennt den Odermennig (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 242 s. v. A GRIMONIA EUPATORIA ). Nicht erwähnt wird im Artikel das Leberblümchen (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 114 s. v. H EPATICA NOBILIS ). Für beide Pflanzen sind allerdings keine Bezeichnungen im Oberwallis belegt. Schliesslich kann auch die Form der Leber für die Quelle ausschlaggebend gewesen sein, obwohl auch hier keine weiteren Belege vorliegen. Letztlich bleibt die Deutung darum unklar. Läbni Läbni f.ist nur einmal in Oberwald als uf der Läbni belegt. Als Beschreibung steht “ Ebene im Wald bei dem Strassentunnel ” . Wenn Läbni zu Äbni ‘ Ebene ’ zu stellen ist, muss der Anlaut l erklärt werden. I D . (1, 46 s. v. Ebni) gibt neben ‘ Ebene ’ auch das Kompositum H ō lebni ‘ Unterlage auf der Vorderachse des Wagens ’ (allerdings nur für das solothurnische Thal belegt). Anlautendes l könnte also durch falsche Abtrennung gedeutet werden. Eine Ableitung zu Lëbe n ‘ Leben ’ (I D . 3, 967) liegt nicht vor. Labolet Labolet kommt 1556 in Varen als en labolet und seit 1602 in Albinen als in Labolet vor, wobei die ältesten Belege 1602 y labelett und 1638 en labelet haben, was auf romanische Herkunft schliessen lässt. Im Fall von Varen ist als erster Name y dude (cf. HL D UUDE ) erwähnt, das auch en labolet heisse. Der Beleg in Varen meint ein Gebiet, das heute Weingarten ist, aber noch auf der SK von 1882 - 84 als Ackerland erscheint. Der Name in Albinen meint überall einen Acker. Eine Deutung ist schwierig, weil nicht klar ist, ob der Anlaut ein agglu- 29 30 Labolet <?page no="569"?> tinierter Artikel la ist oder nicht und ob bolet oder belet zu lesen ist. Im 16. und 17. Jahrhundert kann auch auslautendes / t/ gesprochen worden sein oder nicht. Der Name lässt sich deswegen nicht deuten. Labrelyn Labrelyn ist 1468 in Albinen als en labrelyn belegt. M. S. ist nicht sicher und notiert auch labielyn. Die Flur befindet sich laut Beleg in Signieres, das heute als Tschingere bekannt ist, eine Siedlung in Albinen (M A- THIEU 2006, 19). Die nächstliegende Deutung wäre das bei T AGMANN (1946, 40) belegte Aprili, das er als eine agglutinierte Form von laz praly, später laz prely, erklärt. Er führt es auf lat. * PRATALIA , eine derivierte Form von PRATU zurück. Labrelyn hätte dann eine agglutinierte Form des Artikels mit brely (< prely) verbunden und wäre als ‘ die Wiese ’ zu deuten. Lächa Lächa f. ‘ Lache ’ ist zu schwdt. Lache n , wdt. Lächa f. ‘ Boden (feuchter) ’ (I D . 3, 1004 f.; G RICHTING 1998, 124) zu stellen. Es handelt sich um Grundstücke in der Rottenebene, die feucht waren. Das Simplex ist zweimal belegt: t Lächa (Brigerbad) und Lächu (FLNK, Bratsch). Einen Besitzernamen im Genitiv Singular weist ts Stupfsch Lächa ‘ die Lache (feuchter Boden) der Familie Stupf ’ (Brigerbad) auf. Nach einer daneben liegenden Wannu ‘ Wanne ’ sind t Wannuleche ‘ die feuchten Böden bei der Wanne ’ (Niedergesteln) benannt. Lachen Lachen n. ist nur in das Tischlachen ‘ das Tischtuch ’ (1500, Fiesch) belegt. Gemeint ist ein kleines Stück Land, das so gross ist wie ein Tischtuch. Das HL ist zu schwdt. Lache n n. ‘ Leintuch, Laken, meist nur in Zusammensetzung; weit ausgedehnte Fläche, bes. Bodenfläche ’ , mhd. lachen, ahd. lahhan (I D . 3, 1004) zu stellen; bei G RICHTING (1998) ist das HL nicht belegt. Lächschanschi Lächschanschi n. ist nur in Leukerbad belegt. Historische Belege fehlen. Bei R. G RICHTING (1993, Blatt 10, Nr. 32 s. v. Blächschansche) ist ein anlautendes / b/ notiert, das bei M. S. fehlt. Wenn wdt. Lächa, Lachu ‘ Saastal ’ , Lachu ‘ Boden (feuchter) ’ (I D . 3, 1003; G RICHTING 1998, 124) als erstes Glied angenommen wird, dann würde Schanschi ‘ des Johannes ’ ein Genitiv zu einem PN Schan ‘ Johannes ’ sein; der Name wäre also als ‘ der feuchte Boden des Johannes ’ zu deuten. R. G RICHTING (1993) nimmt als ersten Teil schwdt. Blëch ‘ Blech ’ (I D . 5, 6) an; der zweite Teil lässt sich dann kaum als Genitiv eines PN deuten. Läck Läck, auch Gläck n. ist zu schwdt. Lëck m., n. ‘ Salz, oder ein Gemisch von Salz, Kleie, Hafer usw. für das Stallvieh ’ , kollektiv Gläck (I D . 3, 1244 f.; R ÜBEL 1950, 54) zu stellen. In Flurnamen sind meistens Stellen gemeint, an denen dem Vieh, vor allen den Schafen und Ziegen, Salz gegeben wird. Dieses Salz kann sich auch im Boden selbst befinden. Läck selbst ist nur einmal als Bestimmungswort belegt in der Läckgrabo ‘ der Graben bei der Leckstelle für das Vieh ’ (Naters). Gläck n. ist nur als Bestimmungswort belegt in der Gläckbiel ‘ der Hügel mit der Leckstelle für das Vieh ’ (Raron) und der Gläckhubel ‘ der Hügel mit der Leckstelle für das Vieh ’ (Niedergesteln). Läcki f. ist ein Verbalabstraktum auf / - I / (S ONDEREGGER 1958, 497) zum Verb lëcke n ‘ (Salz) lecken ’ (I D . 3, 1246 u. 1249; URNB 2, 528 ff.) und ist als Simplex belegt in Saas- Almagell (vierfach) und Saas-Balen. In Oberwald sind attributive Adjektive hinzugefügt: t Ober Läcki (LT Oberi Lecki), t Unner Läcki (LT Underi Lecki) und t Niw Läcki ‘ die neue Leckstelle für das Vieh ’ , dazu gesellen sich dort ts Gross Läckihore und ts Chli Läckihore, beide an der Grenze zu Uri. In Raron heisst das Verbalabstraktum Gläcki f. (I D . 3, 1249); es tritt als Obruschti Gläcki und als Undri Gläcki, sowie mit dem vorangestellten FaN ts Blantschisch Gläcki ‘ die (Salz-)leckstelle der Familie Blantschen ’ auf. Ein Diminutiv ts Läckerli ‘ die kleine Leckstelle für das Vieh ’ (Ergisch) ist nur einmal belegt. Die Ableitung t Läckerna ‘ die Leckstelle für das Vieh ’ (Eisten) mit dem Suffix / - ERNA / bezeichnet die Bodenbeschaffenheit zum Salz-Lecken. Lad Lad n. ‘ die beladene Alpe ’ ist mehrfach im Goms belegt, teilweise als Latt geschrieben; im Singular Neutrum. Im I D . (3, 1057) ist nur (Chäs-)Lad n. ‘ Käsepresse ’ verzeichnet, allerdings nicht für das Wallis belegt und mit unklarer Zuordnung zu Lad f. ‘ Behälter ’ . R ÜBEL (1950, 43) kennt Unnerlat n. für die Unterlage, welche Schindeln oder Steinplatten des Daches trägt; das Wort zeigt aber wohl nur, dass ein Lat n. gebildet werden kann. Da es sich um Alpnamen handelt, ist ein Zusammenhang mit dem Verb lade n ‘ die Alpe laden, befahren ’ (Id. 3 m 1059, Bed. 4 b.) am wahrscheinlichsten, also etwa zu bestimmen als ‘ das Beladene, die beladene Alpe ’ ; die übrigen Bedeutungen sind wohl kaum einschlägig. Der Name ist sonst in der Literatur nicht belegt. Das Simplex ist in der Form ts Lad und üf Lade in Ulrichen belegt, in Ritzingen nur historisch jm Ladt (1637). In Ulrichen bildet sich ein Namennest mit t Lad- Labrelyn 31 32 <?page no="570"?> fääsche ‘ das Grasband bei der Alpe Lad ’ , der Ladstafel ‘ der Stafel der Alpe Lad ’ , t Ladabeweid ‘ die Abendweide der Alpe Lad ’ , der Ladstäg ‘ der Steg über die Ägene auf der Alpe Lad ’ und t Ladstägabeweide ‘ die Abendweiden beim Ladstäg (Steg über den Bach Ägene auf der Alpe Lad) ’ . Die Form Latt ist auch in Ulrichen belegt, weiter in Selkingen, auch hier als Alpname, und Blitzingen, wo ts Ober und ts Unner Latt (Blitzingen) am gleichen Ort hinzukommen; hier könnte es sich um Voralpen handeln. Unsicher ist bine Latte ‘ bei den Latten ’ (Niederwald), wo die historischen Belege im Latt (1573) haben; da der lebende Beleg im Dorf liegt, muss wohl wie Lattenstúck (1806, Ulrichen) und die übrigen Latte das HL L ATTUN vorliegen. Läder Läder ‘ Leder ’ ist zu schwdt., wdt. Läder n. ‘ Leder ’ (I D . 3, 1072 f.; G RICHTING 1998, 125) zu stellen. Belegt ist es nur in t Läderacherlini ‘ die Wiesen, die schwer zu schneiden sind ’ (Hohtenn) und der Läderma ‘ der Ledermann ’ (Fieschertal), eine Alpweide mit dunklen Felspartien. Hierzu kennt I D . (4, 267) Lëder-Männli (Zürcher Oberland) und verweist auf Lëder-Chnëcht (I D . 3, 725) ‘ Lederstück an der Peitschenschlinge, an dem man [ … ] die Schmitze befestigt ’ (ebenfalls Zürcher Oberland). Laedermann und Lädermann kommen auch als FaN vor (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1057 f.), aber nicht für das Wallis. Die beiden Belege verwenden Läder metaphorisch. Ladi Ladi f. ist nur als t Chääsladi ‘ der Ort, wo man den Käse auf den Schlitten lud ’ (Zwischbergen). Gwp. sagt, dass bis hieher der Alpkäse (Bestimmungswort Chääs) getragen und dann auf den Schlitten verladen wurde. Das HL ist zum schwdt. Verb lade n ‘ eine Last aufladen (hier: Käse) ’ und wdt. lade, ladä (Goms), ladn (Lötschtal), ladu ‘ laden ’ (I D . 3, 1052; G RICHTING 1998, 124 f.) als Verbalabstraktum auf / - I / zu stellen (S ONDEREGGER 1958, 497 ff.). Verwandt ist mit Umlaut schwdt. Ledi f. ‘ Ladeplatz; Ort, wo man Lasten aufnimmt; eine ansteigende Gegend ’ , mhd. lede f. (I D . 3, 1074 ff.; E GLI 1982, 220 u. HL L EDI ). Lädi Lädi ist als t Lädimatta ‘ die Wiese beim Brett / bei den Brettern (Brücke aus Brettern) ’ (Bitsch) und der Lädiwang ‘ der Grasabhang mit einem Brett ’ (Zwischbergen) belegt. An beiden Stellen handelt es sich um eine Brücke aus Brettern (Massaschlucht) oder eine Passierhilfe aus einem Brett (Zwischbergen). J ORDAN (2006, 261) kennt diesen Beleg als Lädiwang und ewähnt das Holzbrett zur Überwindung der Passage. Das HL ist zu wdt. Lädi (Diminutiv) zu Lade, Ladä (Goms), Lada (Zermatt), Ladn (Lötschtal, Lädi o. Ladu ‘ Brett, Verkaufladen ’ (G RICHTING 1998, 125) zu stellen; I D . (3, 1064 s. v. Lade n ‘ 2. Brett ’ ) gehört wohl dazu, erwähnt ist dort u. a. für das Wallis Lado, Ladu. Ladu Ladu ist zunächst der Name eines Weilers von Hohtenn auf 1372 m, auf SK Laden, der auch ts Ladundorf ‘ das Dorf Laden ’ (Hohtenn) genannt wird. Die ältesten Belege sind: 1301 Laduna, 1302 apud Ladonam, 1387 apud Ladona, 1396 de Ladon, ab dem 16. Jahrhundert steht Ladun und Laden. Die Herkunft dürfte romanisch sein; darauf deutet schon das ursprünglich keltische Suffix / - ONA / hin (T AGMANN 1946, 31 f., 90), wobei Ladu eventuell zum lat. LATUS ‘ breit ’ zu stellen ist (FEW 5, 203). Der Name wäre dann etwa ‘ Breitdorf ’ . Darum herum gibt es ein eigentliches Namennest mit Ladumatte ‘ die Wiesen beim Weiler Laden ’ , t Ladusüe ‘ die Wasserleitung nach dem Weiler Laden ’ , der Laduwald ‘ der Wald oberhalb des Weilers Laden ’ , t Laduweide ‘ die Weiden beim Weiler Laden ’ mit der Ober Laduwald und der Unner Laduwald. der Ladundurchlass ist eine Unterführung der Lötschbergbahnstrecke unterhalb von Ladu. In Niedergesteln findet sich wieder t Ladusüe ‘ die Wasserleitung zum Weiler Laden ’ und weiter mit de Ladusüechänju ‘ bei den Känneln der Wasserleitung nach Laden ’ . Unsicher ist t Ladunblatte ‘ die Felsplatten, die wie Laden (Bretter) aussehen ’ (Hohtenn) - die Felsen befinden sich weit vom Weiler Laden entfernt und der Weg, der dort verläuft, führt nicht nach Laden. Zu vermuten ist deswegen der Bezug zum schwdt. Lade, wdt. Ladu, Lado ‘ Balken, Brett ’ (I D . 3, 1064; G RICHTING 1998, 125). Hierzu gehören wohl auch t Laduntola ‘ die Mulde, die wie ein Brett aussieht ’ (Eggerberg) und Ladun (1557, Lalden). Laffe Laffe f. ist nur einmal belegt als ts Laffilti ‘ das kleine Schulterstück ’ (Niedergesteln; auch FLNK). Es handelt sich um ein Diminutiv zu schwdt. Laff f., m., sonst Laffe n f., wdt. Laffe, Laffu ‘ Schulterblatt, -stück, oberer Teil des Vorderschenkels von (geschlachteten) Tieren, bes. Kühen, Schweinen, auch Pferden ’ (I D . 3, 1107 f.; R ÜBEL 1950, 18, 119), hier auf die Geländeform übertragen. Laffnetz Laffnetz ist nur historisch belegt: Laffnetz (1600, Zwischbergen; 1680 Laffetschgi) und in Alpe de Lafenetzer (1393, Saas-Almagell). RN (2, 728) kennt Lavétscha, Name einer Geröllhalde bei Scuol, und führt sie vorsichtig auf lat. LAPIDEUS 33 34 Laffnetz <?page no="571"?> ‘ steinern ’ zurück, das dank eines Suffixvertauschs mit / - ICEA / entstanden sei. Die Deutung ist zweifelhaft. I D . (11, 844 s. v. Lavezstei n ) führt Lavez auf it. laveggio zurück und gibt als mailändischen Namen Lave ž (vgl. auch AIS 5, 958 Legende zu laveggio) an. Das HL kann in unseren Belegen deswegen als Lehnwort aus dem italienischen Sprachbereich für den Giltstein oder Speckstein genommen werden; O LIVIERI ( 2 1961; 1965) verzeichnet den Namen nicht. Ähnlich ist zwar der Name der Rebsorte Lafnitscha, Lafnetscha, Lafnescha, Laffetschu, Lafnetschga f.: weisse Rebsorte, im östlichen Teil des Deutschwalliser Weinbaugebietes heimisch (E GLI 1982, 17, 22; G RICHTING 1998, 125). E GLI (1982, 22) nennt die Etymologie dunkel; seine Vermutung bezieht sich auf it. (la) vernaccia, das vor allem im südtirolischen Vernatsch weiterlebt. Die beiden Belege als Flurnamen beziehen sich allerdings nicht auf den Weinbau; die Orte liegen deutlich zu hoch dafür. Lafranggi (FaN) Lafranggi (FaN) ‘ Lafranchi ’ ist nur einmal belegt in ts Lafranggiloch (Niedergesteln). Es handelt sich um den FaN Lafranchi oder ähnlich, der im Gebiet Schnidrigu in Niedergesteln eine Grube betrieb. Laut Gwp. stand diese Grube im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnlinie durch das Oberwallis (1878 vollendet, damals durch die Compagnie du Simplon, später betrieben durch die Jura-Simplon-Bahn, ab 1902 die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB)). Genaueres über den Unternehmer ist uns bisher nicht bekannt. Läg Läg und davon abgeleitete Varianten sind zum schwdt. Adj. läg, l ē g ‘ liegend, sanft geneigt, fast eben, flach, von Dächern, Treppen; Gras, Getreide (am Boden liegend) ’ , mhd. laege ‘ niedrig, flach ’ zu stellen; daraus schwdt. Läg, wdt. Lägi f. ‘ (schiefe) Ebene ’ und schwdt., wdt. glegnen und lägend ‘ flach liegend, eben ’ , daraus das Substantiv schwdt. Lägendi, wdt. Lägni, Lägendi (Goms), Lägi (Lötschtal), Lägundi f. ‘ ebenes Land, Ebene ’ (I D . 3, 1166, Z INSLI 1945, 329; G RICHTING 1998, 125) gestellt werden. Die Ableitungen Lägi (Raron, Wiler) und Lägni (Binn, Steinhaus, Oberwald) sind als Simplizia belegt, der historische Beleg Lägen (erstmals 1649, Ernen) ist laut FLNK zu Lägni zu stellen. Als Grundwort ist das HL als di Bellwaldlägi ‘ die Ebene der Familie Bellwald ’ (Blatten), t Cholerlägi ‘ die Lägi (Ebene) im Cholerwald, wo Kohle gebrannt wurde ’ (Hohtenn), t Eigelägni ‘ das ebene Grundstück, das Eigengut ist ’ (Grengiols), t Rooslägi ‘ die ebene Roosse (Röstplatz für Hanf und Flachs) ’ (Wiler), t Schindellägi ‘ der Ort, wo man Schindeln lagerte (? ) ’ (Kippel), di Trischtälläginä ‘ die Ebenen beim Heustock ’ (Wiler), di Tschorrillägi ‘ die Ebene bei den Tschorrini (kleine Felsen) ’ (Ferden) belegt. Einen Sonderfall stellt t Nazleenerlägi (Kippel) dar: der Eigenname Ignaz Lehner bezieht sich auf jemand, der dort verunfallt ist. Lägni ist als Grundwort nur mit Eige (Grengiols) (siehe oben) und in die obren Bru ᵕ nnen Lägnÿ ‘ das ebene Land bei den oberen Brunnen / Quellen ’ (1610, Ried-Mörel) vertreten. Attributive Adjektive zum komplexen HL sind etwa t Mittluscht, t Obruscht und t Undruscht Horilägi ‘ der mittlere, der obere und der untere Teil der Ebene beim Horn ’ (Ferden), t Ober und t Under Bellwaldlägi ‘ der obere und der untere Teil der Ebene der Familie Bellwald ’ (Blatten), t Ober und t Under Chrindällägi ‘ der obere und der untere Teil der Ebene in der Chrindällun (Ritze, Spalte) ’ (Blatten). Als Bestimmungswort tritt Lägi in Lägiacher (Hohtenn) auf. Das Adjektiv Läg erscheint als Bestimmungswort in Läghoru / Läghorn (Niedergesteln, Steg; Gipfel auf rund 2877 m; auf LT auch Inners und Üssers Läghorn). Als flektiertes Adjektiv kommt es in ts Lägu Gand ‘ der ebene Platz mit Felsgeröll ’ (Randa) und t Lägun Achra ‘ die ebenen Äcker ’ (Blatten) vor. Das Partizip Präsens Lägund (historisch auch Legend) wird als Attribut häufig verwendet, mit Nomina wie Biel, Bodu, Gang, Graat, Gufer, Matta, Moos, Schleif, Tschugge, Treije, Wäg, Wald und Wasser (hier: Bach). Das Partizip Perfekt Glegnen ist als Glegnen Wald ‘ der eben gelegene Wald ’ (1525, Stalden) und als G ’ legnen Waldt ‘ der eben gelegene Wald ’ (1525, Grächen) belegt. Lager Lager n. kommt in zwei Belegen vor, einmal als bim Flablager ‘ beim Lager der Fliegerabwehr (Flab) ’ (Gluringen) und mid de Lagerhiischru ‘ bei den Lagerhäusern (der SBB) ’ (Brig). Im ersten Fall ist ein Lager für die Angehörigen der Fliegerabwehr gemeint; im zweiten Fall ein Lager für die Güter, die von der Bahn transportiert werden. Zu Lager insgesamt vgl. G R W B (12, 63 ff.). Das dialektale Wort ist Läger (G RICHTING 1998, 125) ‘ Ruheplatz (Vieh) ’ ; seine Bedeutungen sind hier jedoch nicht gemeint (cf. HL L ÄGER ). Läger Läger ‘ Lagerstätte für das Vieh ’ ist zu schwdt., wdt. Läger n. ‘ Lagerstelle für das Vieh im Stalle oder im Freien ’ , mhd. lëger n. ‘ Lager (u. a. der Tiere) ’ , dazu kollektiv G(e) läger und wdt. Läger, Lägr (Lötschtal), Lägär ‘ Ruheplatz (Vieh) ’ (I D . 3, 1169 ff.; Z INSLI 1945, 329; G RICHTING 1998, 125) zu stellen. Das Lemma kommt in rund 150 Flurnamen vor. Es bezeichnet ebene Flächen, meist auf den Alpen, die den Tieren Platz zum Sich-Hinlegen bieten, in Lafranggi (FaN) 35 36 <?page no="572"?> wenigen Fällen sind auch Wildtiere gemeint. Im Einzelfall ist damit aber auch einfach eine ebene Fläche bezeichnet, die als Läger geeignet ist. Das Simplex Läger kommt rund fünfzigmal vor, meist im Singular, selten im Plural. Sehr selten ist ein Diminutiv Lägerli belegt, das nie als Simplex, wohl aber in Komposita vorkommt wie in ts Schlegillägerli ‘ die kleine Lagerstätte für das Vieh bei den Schlegeln (Schlaghämmer der Wasserleitung) ’ (Törbel). Mit attributiven Adjektiven verbundene Konstruktionen sind Aut Läger (Blitzingen, mit / l/ -Vokalisierung), ts Erscht Läger (Ergisch), ts Erschtuscht Läger (Ergisch), ts Grie Läger ‘ die grüne Lagerstätte für das Vieh ’ (Ausserberg), ts Gross Läger (Betten und andere), ts Hinner Läger (Fieschertal, Binn), ts Holäger (Visperterminen), ts Mittluscht Läger (Ergisch), ts Ober Läger (Leukerbad und andere), ts (e)Rot Läger (Naters), ts Stotzund Läger ‘ die steile Lagerstätte für das Vieh ’ (Törbel), ts Under Läger (Ferden und andere) und ts Voder Läger (Binn, Fieschertal). Vorherrschend sind relative Lagebezeichnungen. Bei den Komposita mit Läger als Grundwort sind zunächst die Kategorien der Tiere für das Läger zu nennen: ts Chalberläger ‘ die Lagerstätte für die Kälber ’ (Naters, Staldenried), ts Chieläger ‘ die Lagerstätte für die Kühe ’ (Ulrichen), ts Geisläger ‘ die Lagerstätte für die Ziegen ’ (Ried-Mörel, Eyholz), ts Hienerläger ‘ die Lagerstätte für die (Birk-)Hühner ’ (St. Niklaus), ts Oggsoläger ‘ die Lagerstätte für die Ochsen ’ (Visperterminen), ts Rinnerläger ‘ die Lagerstätte für die Rinder ’ (Filet und andere), ts Schaafläger ‘ die Lagerstätte für die Schafe ’ (Blatten und andere), ts Schaafuläger ‘ die Lagerstätte für die Schafe (Plural) ’ (Mund), ts Stiärläger ‘ die Lagerstätte für die Stier(kälber) ’ (Blatten). Unklar ist das in Oberems und Ergisch vorkommende Gaagguläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh mit Krähen / Raben ’ . Das Bestimmungswort Ggaagge (u. Varianten; G RICHTING 1998, 87) bezieht sich normalerweise auf Krähen, Raben oder Bergdohlen; der Zusammenhang mit Läger bleibt unbestimmt. Die zweite, häufig belegte Gruppe benennt die Alpe oder Flur, zu der das Läger gehört: ts Egguläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh bei der Ecke ’ (Ried-Mörel), t Flüeläger ‘ die Lagerstätten für das Vieh auf der Flüe- Alp ’ (Leukerbad), ts Füosläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh bei den Fusshörnern ’ (Naters), Galläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh bei der Alpe Galn (Galen) ’ (Blatten) und viele weitere derartige. Komplexere Formen sind selten: ts Indruscht Dischligläger ‘ die innerste Lagerstätte für das Vieh der Alpe Distligen (wo es Disteln hat) ’ (Blatten) oder im Undru Stockwaldläger ‘ in der unteren Lagerstätte für das Vieh im Stockwald ’ (Niedergesteln). Als Bestimmungswort kommt Läger sehr selten vor, etwa in Lägerflühe ‘ die Flühe bei der Lagerstätte für das Vieh ’ (1772, Fieschertal; ähnlich 1584, Steinhaus) und das komplexere Holägerwald ‘ der Wald beim Holäger (hochgelegene Lagerstätte für das Vieh) ’ (Naters). Zwei Sonderfälle: in Saas-Balen ist Lägert (FLNK) belegt. Zwar kennt I D . (3, 1171) Lägeret, Lägret, Legert mit zwei Bedeutungen ‘ Wiege ’ , ‘ Felsbank ’ (nur im Walserort Alagna), doch dürfte hier dennoch das Gleiche wie bei Läger gemeint sein. Das zweite Problem: in Blitzingen ist Autleger (mit einem neutralen / e/ und / l/ -Vokalisierung) belegt; allerdings kennt FLNK Aut Läger ‘ die alte Lagerstätte ’ sodass hier von einer Notationsunsicherheit ausgegangen werden kann. Laggii Laggii mit Zweitbetonung bildet ein Namennest auf dem Gebiet von Simplon, Zwischbergen und Saas Grund. Unklar ist zunächst, ob der Bachname Laggina, auch Lagginbach, oder der Alpname Laggin (auf LK Üssre Laggin) im Laggintal, das auch selbst Laggii (Zwischbergen) heisst, primär sind. Ein weiteres Laggin (FLNK, Saas-Grund) befindet sich auf einem Vorgipfel des Lagginhorns, das in Saas-Grund auch Lagwiihoru und das dazu gehörende Joch Laggwiijoch heisst, vermutlich in Anlehnung an die Schreibform Laquinhorn der SK. J OR- DAN (2006, 209 ff.) führt eine ganze Reihe von Namen zum HL auf, die er unter Laggi - Laggintal versammelt: Laggii, Laggiina, Laggiinärschtraass, Laggiihooru, Laggiijoch, Laggiigletschär, S. 94 und S. 247 Laggiina, ohne genauere Bestimmung. Die ältesten Belege sind 1354 de Laquinescha, 1388 apud Laquineschon, 1389 de Laquineschon. Vermutlich ist damit der Bach gemeint. 1723 heisst dieser Bach dann torrentem seu aquam vocatam Laqquinum ‘ der Bach oder das Wasser, das Laqquinum genannt wird ’ , wohl eine Latinisierung des Namens. Zu vermuten ist eine Ableitung von lat. AQUA mit agglutiniertem Artikel und einer Suffixverbindung / - IN - ESCA / oder ähnlich. Das Verhältnis dieses Namens zum ebenfalls in Simplon früh belegten de Laqu ᵉ sson (1348), de Lachneschon (1399) und späterem Lagnisch (1577, 1764) ist sehr unklar. Es dürfte sich aber immer um eine ursprünglich lat. Form zu AQUA handeln. Die weiteren Formen enthalten die Bestimmungsform des HL neben Bach, Biwak, Gletscher, Hooru, Joch und Tal. Komplexer ist Lagginhorngletscher ‘ der Gletscher unterhalb des Lagginhorns ’ (LT, Saas-Grund). Unklar bleibt der Flussname Lyestinaschi (cf. HL L YESTINASCHI ) von 1296, der von den Historikern zu Laggina gestellt wird. Es müsste sich um eine verballhornte Form handeln, doch ist sie nicht analysierbar. 37 38 Laggii <?page no="573"?> Läggs (PN) Läggs (PN) ist nur in t Läägsinmatta ‘ die Wiese des Läggsi (Lazarus oder Alexander) ’ (Wiler) belegt. Ältere Namen sind laut Gwp. in Romanmatta und Rootpeetermatta belegt; es handle sich um die früheren Besitzer. Zu stellen ist Läägsin zu Läggi ‘ Lazarus oder Alexander ’ (I D . 3, 1231). Lago Lago ist it. für dt. See (D EVOTO / O LI 2020, 1183). Belegt ist 1622 in Zwischbergen der Laggi Carnera; der deutsche Artikel hat einen Genitiv Plural. Wenn das richtig ist, sind wohl die Seen gemeint, die heute als Ze Seewu (Zwischbergen; LT ze Seewe) und bei J ORDAN (2006, 293) als Seewä belegt sind. Die Ggarneera (cf. HL G GARNEERA ) befindet sich auf der Karte von swisstopo zwar östlich davon, die ältere Angabe dürfte aber trotzdem stimmen. Lagra Lagra ist wohl ein Adjektiv mit vorangehendem Artikel, das nur 1759 in Salgesch als jn Lagra Grechta ‘ beim grossen Hügel ’ belegt ist. Ein alternativer Name ist, laut Dokument, Petra Custodis ‘ der Wächterstein ’ . Lagra ist zu la gran zu stellen, meint also ‘ der / die grosse ’ (G PSR 8, 612 ss. s. v. grand). Lagrächtu Lagrächtu enthält den agglutinierten Artikel la fem. und das Nomen Grächtu ‘ Kamm, Hügel ’ (cf. HL G RECHTA ), das auf lat. CR Ĭ STA kamm, frz. crête (FEW 2, 1351 ff.; G PSR 4, 532 ss.) zurückgeht. Es kommt in Leuk vor, als Lagrächte ‘ der Hügel ’ (FLNK; auf 1: 10000 Lagrechten) und den lebenden Belegen t Laggerächtu Leesser ‘ die durch das Los zugeteilten Güter in Lagrächte ’ und t Laggerächtumattu ‘ die Wiese bei Lagrächte ’ . Läicha Läicha ist die aus dem HL L ANCHEN sich ergebende Form mit n-Tilgung und Ersatzdehnung, resp. -diphthongierung vor Velar (Staubsches Gesetz). Die Belege sind im Wesentlichen auf Baltschieder und Brigerbad beschränkt. Letzteres hat t Läicha als Name eines Kanals und Baltschieder weist mehrere Namen auf wie di Geiseiuläicha ‘ der Kanal / das Sumpfgebiet bei der Geiseia (Aue für die Geissen? ) ’ , zer Rotu Läicha ‘ beim roten Kanal, Sumpfgebiet ’ , die Schwarze Leiche (1843, Baltschieder) und t Windspaltläicha ‘ das Sumpfgebiet, das den Wind spaltet ’ . Unklar sind historische Belege von 1599 (die Leüschon) und 1833 (in der Leischu ᵕ n), die wohl zum HL L EISCHA gehören. Die sicheren Belege in Brigerbad und Baltschieder bezeichnen Sumpfgebiete oder Kanäle im früheren Schwemmland des Rottens. Das lautlich ähnliche HL L ÖÜCHA hat eine andere Bedeutung. Lalamant Lalamant ist nur im 13. Jhdt. in Ergisch belegt als pratum a lalamant. Während PRATUM ‘ Wiese ’ hier wohl appellativisch ist, kann a lalamant zu allemand (G PSR 1, 281) gestellt werden, also ‘ die Wiese des Deutschen ’ . Die belegte Form enthält den agglutinierten Artikel. Der Beleg ist verwandt oder identisch mit Nr. 42187 Crista des Alamanz (Ergisch), das jedoch statt PRATUM CRISTA enthält. Laljet Laljet ist in Albinen belegt (auch bei M ATHIEU 2006, 13, 15), zusammen mit Laljethubel ‘ der Hügel im Gebiet Laljet ’ , der auch bei M ATHIEU (2006, 25) belegt ist. M ATHIEU (2006, 15) kennt weiter Laljettlittni / Laljetligni, die sich an einem andern Ort als Laljet befinden und auf S. 25 erwähnt er Unnärs Laljet und Laljetweid, die auch auf S. 26 erwähnt ist. Die ältesten Belege haben en Lallet (1548), en Lalett (1602) und ÿ Laliett (1602). Die Präpositionen zeigen, dass es sich um einen frpr. Namen handelt. Man muss wohl annehmen, dass das anlautende / l/ als Agglutination dem Artikel la entspricht. Das Grundwort ist eine Ableitung von lat. ALLIUM ‘ Knoblauch ’ , wobei auch eines der anderen Lauchgewächse gemeint sein kann, etwa der Ross-Lauch (A LLIUM OLERACEUM ; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1278 - 1286 nennen mehrere A LLIUM und 170 - 180 mehrere S EDUM ), oder ein Gewächs wie der Scharfe Mauerpfeffer (S EDUM ACRE ). B OSSARD / C HAVAN (2006, 82) weisen darauf hin, dass Toponyme wie Allère(s) und Alliets von ALLIUM abgeleitet sind. Möglich ist aber auch eine Ableitung zu pat. alyi ‘ Mehlbeerbaum (S ORBUS ARIA ) ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 82; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 278 - 280 nennen mehrere S ORBUS ). Die überlieferte Form in Albinen deutet auf ein Diminutiv auf / - ITTA / hin, ohne dass sicher ist, um welche Pflanze es sich handelt. Die bei M ATHIEU (2006, 15) erwähnten Laljetlittni und Lajetligni sind wohl doppelte Diminutive auf / - ITTA / und / - INA / . Lalusex Lalusex ist einmal belegt in subtus lalusex darnesý (1365, Salgesch). darnesý enthält einen Genitiv d ’ und Arneschie, das zum Bachnamen Larnessi (M ATHIER 2015, 52 f. gibt zu Larnässi keine befriedigende Deutung) zu stellen ist. Bei lalusex ist wohl der feminine Artikel la abzutrennen; zu lusex gibt es jedoch auch keine Erklärung. Lautlich wäre in Salgesch am nächsten t Lüschei, das 1589 als a Lusche erscheint. Von der Lage her ist das jedoch unwahrscheinlich, da die Larnessi in den Russu mündet, der deutlich östlicher als der Bach Lüschei ist. Hingegen würde sich eine Deutung ergeben, wenn sex in lalusex zu lat. SAXUM felsen (FEW 11, 258 ff.) und lu zu lat. Läggs (PN) 39 40 <?page no="574"?> L Ū PUS wolf (FEW 5, 657 ff.) zu stellen ist: der Wolfsfelsen. Aber diese Deutung ist sehr spekulativ; sie wird deswegen nicht berücksichtigt. Lambane Der Beleg en grano Lambane (1598, Varen) ist unklar; P H . K ALBERMATTER und Dr. G. Z ENHÄUSERN lesen en grang lambane, sie deuten grang entweder als grand ‘ gross ’ oder als grange ‘ Scheuer ’ ; Lambane ist auch ihrer Ansicht nach unsicher. Auch Lamony (1751, Albinen), erstmals 1648 als en Lambani, 1721 dann als en Lammonÿ, 1734 als in Lamanÿ belegt, ist unklar. Lambaner (FaN) ist ein alter FaN (AWWB 144, 100 s. v. Frily, 146 s. v. Lauber), der in Leukerbad vertreten war. Belegt ist er als in Campo Lambaner ‘ im Feld der Familie Lambaner ’ (1351, Varen). Die beiden Hauptlemmata, unter denen dieser FaN erscheint, sind die beiden FaNN Frily und Graven (AWWB 100 und 115). Lambien (FaN) Lambien (FaN) ist vertreten in Lamjen Acher ‘ der Acker der Familie Lambien ’ (1791, Mund) und in Lamgisacher ‘ beim Acker der Familie Lamgi ’ . Ebenfalls hieher gehört Agnyg Boden ‘ der Boden der Leute des Agnus (Lambien) ’ (1388, Termen). Der FaN ist zu Lambien zu stellen (AWWB 145). Die historisch belegte Form Lamgis kann als Lamjis gelesen werden, es lässt sich somit zum FaN Lambien stellen. Bei Agnyg Boden von 1388 in Termen handelt es sich um die latinisierte Form des FaN, der volksetymologisch zu Agni ‘ des Lammes ’ gestellt wird (AWWB 145). Lambrigger (FaN) Lambrigger (FaN) ist zum FaN Lambrigger, historisch auch Lantbrucken, de Lanbrucun, ze Lambriecun, de Lanbrucun, de Lamprucun zu stellen. Die nach dem Weiler Lambriggen in Fieschertal benannte Familie des Bezirkes Goms (AWWB 145) hat als einzigen Beleg 1555 in Fiesch de alpe Lampriggero ‘ von der Alpe der Familie Lambrigger ’ . Dieser Genitiv Plural kann deswegen sowohl den FaN, wie die Einwohner des Weilers Lambrigga ‘ die Brücke über die Lamm (Schlucht) ’ meinen. Lami Lami ist nur belegt in ts Lami Rootsch Tritt ‘ der Tritt des lahmen Rot(en) ’ (Ferden). Es handelt sich um ein Adjektiv schwdt. lam ‘ lahm ’ und wdt. lam, laam (Lötschtal), lamm ‘ lahm ’ (I D . 3, 1263; G RICHTING 1998, 125) im Genitiv, also um einen Übernamen, entweder zum FaN Roten oder zu einer Person, die als ‘ Roter ’ bezeichnet wurde und z. B. rotes Haar hatte. Lamm Lamm n., Pl. Lammer (R ÜBEL 1950, 101) ist zu schwdt. Lamb, Lamm n., wdt. Lamm, Dim. Lammji, Lämmer n. ‘ Lamm ’ , mhd. lamp, -es (I D . 3, 1271; G RICHTING 1998, 125) zu stellen. Der unumgelautete Plural Lammer, auch Lamber ist in den Flurnamen häufiger als das umgelautete Lämmer. Das HL kommt in Flurnamen nur als Bestimmungswort vor. Als Typ dominiert Lammerbodu ‘ der Boden für die Lämmer ’ (Eischoll, Glis, Ried-Brig, Termen), Lammjibodo (Visperterminen) und der Lämmerbodu (Leuk), in Glis sind zusätzlich ts Ober und ts Unner Lammerbodi ‘ der obere und der untere kleine Boden für die Lämmer ’ belegt. In Täsch gibt es der Lammerwang ‘ der Grasabhang für die Lämmer ’ ; der Ober Lammerwang und der Unner Lammerwang. t Lammjimatta ‘ die Wiese für die Lämmer ’ (Termen) und der Plural t Lammjimatte ‘ die Wiesen für die Lämmer ’ (Niedergesteln) sind je einmal belegt. Isoliert ist der Lammergrabo ‘ der Graben für die Lämmer ’ (Eggerberg). Es handelt sich um ein felsiges Gebiet, in dem wohl Lämmer weiden können; an anderen Orten wird der erste Teil eher zu Lamma ‘ Schlucht ’ gestellt. Ähnlich ist der Lammertschuggu ‘ der Felsen für die Lämmer ’ (Saas Fee) zu verstehen. Schwieriger ist Lämmerenalp (LT), resp. Lämmeraalpu in Leukerbad: hier ist die Ableitung Lämmera auf / - ERA / (S ONDEREGGER 1958, 471 ff. zu lat. / - ÂRIA / ) mit der Bedeutung ‘ wo es viele Lämmer hat ’ bezeugt (cf. HL L ÄMMERA ). Lamma Lamma f. ‘ Schlucht, Runse, Felstobel ’ , ist zu schwdt. Lamm, wdt. L ā me n f., Lammi n. ‘ vom Wasser ausgehöhlte und durchströmte Felsenkluft, enger Durchpass eines Baches oder Flusses, Tobel; tiefe Runse in Gletschern; abschüssiger, glatter (durch Gletscherschliff polierter) Felsabhang, der in ein Gewässer abfällt ’ (I D . 3, 1266; Z INSLI 1945, 329) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. Die Herkunft ist umstritten (BENB 1, 3, 23). S CHMELLER ( 2 1872, 1470) zitiert Lam als Ortsname im Bairischen mit slavischen Quellen, sodass die geläufigen Etymologien für das Höchstalemannische problematisch sind. Eine eigene Deutung können wir angesichts der schwierigen Situation nicht geben. Für die einzelnen Namen geben wir ‘ Felstobel ’ , ‘ Runse ’ , ‘ Abhang ’ , ‘ Felsabhang ’ und ähnliche; im Einzelfall ist nicht genau zu entscheiden, was als Lamma bezeichnet wird; sofern vorhanden, sind auch die Beschreibungen der Namen beizuziehen. Im Bezirk Leuk fehlt das HL vollständig; in Westlich-Raron ist es nur in Hohtenn belegt. Das Simplex erscheint im Singular als t Lamma (Grengiols und weitere drei Gemeinden), t Lamme (Fiesch und weitere drei Gemeinden) und t Lamu (Saas Balen). Im 41 42 Lamma <?page no="575"?> Plural stehen die Simplizia als t Lame (St. Niklaus, Zermatt), t Lamme (Ried-Brig), vff den Lammen (1549, Binn), jn den Lamen (1415 u. später, Obergesteln). Ein einziger Beleg liegt für den Diminutiv im Plural vor: unner de Lammeltini (Oberwald). Mit attributiven Adjektiven sind belegt: ts Eng Lammelti ‘ das enge kleine Felstobel ’ (Oberwald), ts Finschter Lammuti ‘ das kleine, finstere Felstobel ’ (Bellwald, mit / l/ -Vokalisierung), t Gross Lamme ‘ die grosse Lamme (Schlucht) ’ (Oberwald), t Hääl Lamme ‘ das glatte, schlüpfrige Felstobel ’ (Münster), t Häärdig Lamme ‘ das Felstobel mit Erde ’ (Münster), t Hei Lamme ‘ das hohe Felstobel (LT Holamme) ’ (Reckingen), t Nass Lamme ‘ das nasse Felstobel ’ (Reckingen), t (e)Root Lamme ‘ die rote Lamme (Felstobel, nach der Gesteinsfarbe; LT Rotlamme) ’ (Ulrichen), t Rüüch Lamme ‘ das rauhe Felstobel ’ (Münster), t Schpät Lamme ‘ die späte Runse (wohl spät reifendes Gras) ’ (Ulrichen), t Steinig Lamme ‘ das steile Felstobel mit Steinen ’ (Münster), Steinig Lammelti ‘ das kleine Felstobel mit Steinen ’ (FLNK, Ulrichen), t Teif Lamma ‘ das tiefe Felstobel ’ (Bellwald), t Verfalle Lamme ‘ der mit gefallenen Felsen gefüllte Graben ’ (Reckingen), t Wiit Lamme ‘ die weite Schlucht ’ (Münster) und t Wit Lamma ‘ die weite Schlucht ’ (Fieschertal). Unklar ist der historische Beleg die Vorlamina ‘ das Gebiet vor der kleinen Lamme (Schlucht)? ’ (1548, Obergesteln). Auffallend ist, dass die relativen Ortsangaben (vorder, hinter usw.) bei diesen Konstruktionen fehlen. Vorangestellte Genitive sind t Engguschlamma ‘ die Runse des Engels / der Familie Engel (unsicher) ’ (Fieschertal), in Húgs Lamen ‘ das Felsentobel des Hug / der Familie Hug ’ (1815, Ernen) und das Wallisers Lamen ‘ das Felstobel, das der Familie Walliser / Walser gehörte ’ (1516, Ulrichen; FLNK Walserlamme). Komposita mit FaN sind: t Broglilamma ‘ der brüchige Felsabhang der Familie Brogli ’ (Bellwald), ts Geertschelammuti ‘ die kleine Lamme (Felstobel) der Familie Gertschen ’ (Selkingen), t Gurtelamme ‘ das Felstobel der Familie Courten (? , unsicher) ’ (Oberwald). Einen PN enthält auch Tsantanne Lammelti ‘ die kleine Lamme (Felsabhang) der Heiligen Anna ’ (laut Gwp. jedoch weder Statue, noch Bild, noch Bildstock) ’ (Oberwald). Eine Reihe von Komposita sind mit Tiernamen gebildet: Chalberlamme ‘ die Lamme (Felstobel) für die Kälber ’ (FLNK, Oberwald), t Geislamma ‘ das Felstobel für die Ziegen ’ (Bellwald), ts Geislammuti ‘ die kleine Lamme (Felstobel) für die Ziegen ’ (Selkingen, mit / l/ - Vokalisierung), t Guggerlamme ‘ die Lamme (Felstobel) beim Guggerbärg (Alp, wo man den Kuckuck hört) ’ (Münster), t Murmetlamma ‘ die Lamme (Schlucht) mit Murmeltieren ’ (Fieschertal) und ts Schaaflammelti ‘ der kleine Graben für die Schafe ’ (Geschinen). Baumnamen finden sich in Aschpi Lamma ‘ die Lamme (Felstobel) beim Aspi (Ort, wo es Espen hat) ’ (Bellwald) und ts Talammelti ‘ die kleinen Schlucht beim Tannengehölz ’ (Reckingen). Hierzu ist auch das komplexere t Sandbletterlamme ‘ der Graben mit Sandblättern (laut Gwp. Sandblachte (Huflattich; T USSILAGO FARFARA ) ’ (Münster) (cf. W AGNER / L AUBER / G YGAX 5 2014, 1114) zu stellen, das den Bewuchs der Lamme benennt. Der Inhalt der Lamme ist weiter Gegenstand bei t Guferlamme ‘ das Felstobel mit Steinen ’ (Oberwald). Isolierte Fügungen sind t Zelamma ‘ bei der Lamme (Schlucht) ’ (Fieschertal), t Jagtlamma ‘ die Runse für die Jagd ’ (Bellwald), t Joodlamme ‘ die Lamme (Felstobel), die einem Jot gleicht / die klein wie ein Jot ist ’ (Reckingen) und ts Tangerelammuti ‘ die kleine Schlucht bei Tangre (unklar) ’ (Fieschertal). Die meisten Komposita bezeichnen naheliegende Fluren, so etwa t Blatgilamme ‘ der Graben unterhalb der kleinen Blatten (Felsplatte) ’ (Münster), t Brudellamme ‘ das Felstobel vom Brudelhorn herunter ’ (Münster), Hammerlamme ‘ die Lamme (Felstobel) unterhalb des Hammer (kleiner Gipfel, ca. 2700 m) ’ (FLNK u. LT, Ulrichen), Horelamme ‘ die Lamme (Felstobel) unter dem Horn (hier: Blashorn) ’ (Ulrichen) und viele andere mehr. Komplexere Konstruktionen sind t Foder und t Hinner Chalberlamme ‘ die vordere und die hintere Runse für die Kälber ’ (Oberwald), t Hinnerscht, t Mittlerscht und t Vorderscht Bruchbäärglamme ‘ das hinterste, mittlere und vorderste Felstobel am Bruchberg ’ (Münster), t Hinner und t Voder Spisslamme ‘ die hintere und die vordere Lamme (Felstobel) bei den Spissbärge ’ (Münster) und andere mehr. Als Grundwort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Brigga, Chi, Chrüt, Grabu, Hooru, Matta, Sand, Tschugge, Wald, Wang und das zusammengesetzte Wasserleita. Komplexere Formen sind: ts Alt Lamischchelli ‘ die kleine Kelle (kellenförmiges Gebiet) bei der alten Lamme (Schlucht) (ev. Übername ts Aalt Lami ’ ‘ der alte Lahme ’ ) (Oberwald), der Steilammugrabo ‘ der Graben bei der Steinlamma (Felstobel mit Steinen) ’ (Naters) und andere. Lämmera Lämmera ist der Name einer Alpe in Leukerbad westlich der Gemmi (R. G RICHTING 1993, Blatt 26). Um den Alpnamen herum bildet sich ein Namennest mit Lämmerablatte, Lämmerabodu, Lämmerachumme, Lämmeradalu ‘ die Dala aus der Alpe Lämmera ’ , Lämmeragletscher, Lämmeragraad / Lämmeragreed, Lämmerahittu (SAC- Hütte der Sektion Angenstein), Lämmerahoru, Lämmerajoch (am Wildstrubel, auch für Lenk (BE) bezeugt), ts Lämmerasand, Lämmerasee und Lämmeratal. Der äl- Lämmera 43 44 <?page no="576"?> teste Beleg stammt von 1361 apud Lemmera ‘ bei der Lämmera ’ . Obwohl Leukerbad selbst bis ins 16. Jahrhundert romanisch war, liegt kaum eine direkte romanische Quelle vor. Die / - ERA / -Ableitung ist entweder eine Stellen- oder eine Kollektivbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 471 f.). Als Grundwörter kommen Lamm n. ‘ Lamm ’ (I D . 3, 1271) und Lamm f. ‘ Felsabsturz ’ , (I D . 3, 1266) in Frage (vgl. BENB 1, 3, 21 ff.). Bedeutungsmässig lassen sich beide Herleitungen rechtfertigen: es kann sich um eine Schafalpe handeln, oder um ein vom Gletscher ausgeschliffenes Tal. Lautlich ist der Umlaut beim Plural Lämmer von Lamm n. zu erwarten, sodass wir von der Bedeutung ‘ Alpe für Lämmer, für Schafe ’ ausgehen. Dafür spricht auch, dass sich gleich daneben eine Chalberweidji ‘ kleine Weide für die Kälber ’ befindet (laut R. G RICHTING 1993, Bl. 26, Nr. 10). Lampert (PN) Lampert (PN) ist ein PN oder, aber unsicher, ein FaN. Zwar kennt AWWB (146) einen FaN Lampert, Lambert für eine Familie ursprünglich aus Vorarlberg stammend und im Wallis um 1800 verbreitet. Die älteren Belege sind aber eher auf einen PN Lambert oder Lampert aus Land-pert (F ÖRSTEMANN 1, 1005) zurückzuführen. Das Simplex ist im Diminutiv Singular historisch 1670 in Gampel als jm Lambertgi ‘ im kleinen Gebiet des Lambert (PN) ’ belegt. Im Diminutiv Plural erscheinen lebend t Lampertjini ‘ die kleinen Gebiete des Lambert (PN) ’ (Gampel, FLNK Lambertjini); vermutlich handelt es sich um das gleiche Gebiet im Rottengrund. Ein vorangestellter Genitiv im Singular erscheint in Lambers Flue ‘ die Fluh des Lambert (PN) ’ (1399, Ried- Brig) und in Lampertschaker ‘ der Acker der Familie Lampert ’ (1818, Filet; 1837 im Lambortsacker). Laut dem Beleg von 1818 dürfte es sich um die Flur Lampitsch Acher (Grengiols) am Rotten handeln. Diese veränderte Form Lampitsch (FLNK, Grengiols) kommt zusammen mit ts Lampitsch Acher ‘ der Acker der Familie Lampert / des Lampert ’ (Grengiols, zweimal belegt) vor; ein derartiger Flurname befindet sich in der Nähe des einfachen Lampitsch, der andere westlich von Grengiols am Rotten. ts Lampertal ‘ das Tal des Lampert (PN) / der Lämmer ’ (Eggerberg) ist unklar, da der Flurname sowohl als Lamper-Tal, wie als Lampert-Tal verstanden werden kann. Lampon Lampon (1776, Varen) ist wie folgt belegt: 1241 Lampum (so auch bei G REMAUD 1, 359), 1375 ou Lampon, 1714 im Lampong ist wohl romanisch; der Name ist auch unter dem HL L AMBERT (F A N) behandelt. Varen weist weiter der Landböüm und ts Landböümgässi auf, die vermutlich auf das gleiche Etymon zurückgehen, aber später wohl umgedeutet wurden (vgl. I D . 4, 1241 siehe unten). Die nächstliegende Form findet sich bei B RIDEL (1866, 219) als Lampé, Lappé ‘ Rumex alpinus, Alpenampfer ’ oder für andere Ampferarten, dt. auch Blacke (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 688 ff.) genannt. Wenn die Herleitung stimmen sollte, müsste die Endung durch eine andere Ableitung (z. B. auf - ONE ( M )) (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) erklärt werden. Das in I D . (4, 1241) belegte Lande n -Baum ‘ Deichselstange ’ kommt für eine Deutung nicht in Frage. Lamunierä Lamunierä pl. ist nur in Agarn als t Lamunierä belegt. Die historischen Belege sind: 1536 zer Lambanyeres, 1631 zer Lammennieri, 1729 in der Lammoniere, 1801 in die Obern Lammeniere, 1803 in die Laminiere. W ULF M ÜLLER (p. c.) nimmt an, dass hier der feminine Artikel la und meunière ‘ Müllerin ’ < moulin ‘ Mühle ’ , im romanischen Wallis verbreitetes Appelativ für ‘ Mühlen- oder Sägekanal ’ (E ICHENBERGER 1940, 65) verbunden sind. Wie T AG- MANN (1946, 66) ausführt, besass jedes Dorf früher eine Mühle; die Wiesen am Mühlenbach gehörten dem múnir ‘ Müller ’ . Lamunierä ist dann die Weiterführung des älteren ‘ das Gebiet am Mühlekanal ’ . Läna Läna f. ‘ Lehne ’ ist zu schwdt. Lëne(n), wdt. Lääna, Läänä (Goms) Läänu (Saastal), Länn (Lötschtal), Leenu f. ‘ Lehne, Geländer, Schranke, z. B. an einer Bank oder Treppe, an einer Brücke ’ , mhd. lëne (I D . 3, 1283; G RICHTING 1998, 124) zu stellen; S ONDEREGGER (1958, 245) nimmt für FlN zusätzlich die Deutung ‘ Abhang ’ an. Die Zuordnung der Belege zu den beiden Lemmata Läna f. ‘ Lehne ’ , Leeni f. ‘ Lehne ’ und Lee ‘ Lehen ’ n. ist bei Bestimmungswörtern und im Plural nicht immer eindeutig. Das HL kommt rund zwanzig Mal vor. In einigen Belegen verstehen die Gwpp. Läna oder Läno als ‘ Zaun ’ (z. B. Stalden, Visperterminen). Das Simplex ist im Singular als zer Länu ‘ bei der Lehne (Zaun, Geländer) ’ (Visperterminen) belegt, häufiger ist der Plural t Läänä ‘ die Lehnen (Wiesen am Abhang bei Gampel) ’ (Gampel; FLNK Leenä), t Läne ‘ die Lehnen (Zaun, Geländer) ’ (Eisten, Saas Almagell), ts Länu ‘ bei den Lehnen (Zäune, Geländer) ’ (Stalden, Törbel), t Leenä ‘ die Lehnen (Wiesen mit Zäunen, Geländer gegen die Lonza) ’ (Steg), t Leene ‘ die Lehnen beim Abhang ’ (Agarn), sowie mehrfach mit Präpositionen: jn die Lenen ‘ in die Abhänge ’ (1656, Birgisch), in den Lenen ‘ in den Lehnen (Abhänge) ’ (1672, Brig), an dien Lehnen (1391, Simplon), in den Lehnen (1685, Naters; 1330 allerdings zen Len, was auch als ‘ Lehen ’ verstanden werden kann), 45 46 Läna <?page no="577"?> (lat. apud (bei)) Lenen ‘ bei den Lehnen (Zaun, Geländer) ’ (1399, Baltschieder). Mit einem attributiven Adjektiv findet sich jn den Nidren Lenen ‘ in den niederen (unteren) Lehnen ’ (1522, Steg) und jn Úndren Lehnen (1768 u. später, Steg); beide beziehen sich wohl auf t Leenä (Steg). Das HL kommt in einigen wenigen Fällen auch als Bestimmungswort mit den Grundwörtern Matta, Rigg und Wald vor. Land Land n. ist zu schwdt., Land n. ‘ der ertragfähige Boden, Acker-, Heuland … ; Grund; das weite, offene, flache, tiefe Land (bes. im Gegensatz zu den Bergen (eig. das für den Ackerbau günstige Land)); Tal, Niederung; im Allgem. wie nhd. als politischer bzw. geografischer Begriff, bes. das eigene Land ’ , ahd., mhd. lant und wdt. Land ‘ Land, Region, Erdreich ’ (I D . 3, 1297 ff.; G RICHTING 1998, 125; URNB 2, 494 ff.; LUNB 1, 1, 588 ff.) zu stellen. Was genau das HL bedeutet, erschliesst sich häufig nur aus dem Kompositum. Das Simplex kommt als Land (FLNK, Zwischbergen) nur einmal vor; es ist auch bei J ORDAN (2006, 284) als ‘ Wiesen- und Weidemulde ’ belegt; er unterscheidet Obärs und Unnärs Land, die als ts Ober und ts Unner Land ‘ das obere und das untere Land ’ (Zwischbergen) belegt sind. Andere Konstruktionen mit attributiven Adjektiven sind das Vnder Landt (16? ? , St. Niklaus) und ts Unner Land (Randa). Mit vorangestellten Genitiven sind belegt: der Manno Land ‘ das Land der Mannen ’ (1540, Embd), ts Maartisch Land ‘ das Land des Martin / der Familie Marti ’ (Eggerberg), ze Wernhersland ‘ beim Land des Werner ’ (1305, Visp), am Willums Land ‘ das Land des Willum / Willem ’ (1548 u. später, Eggerberg), ts Wirmschland ‘ das Land des Wirm ’ (ev. identisch mit Willums Land) (Eggerberg), Zerikun Land ‘ das Land der Erika ’ (1300, Baltschieder). Komplexer sind: an Martig Land Rúss ‘ die Wasserfuhr beim Land der Familie Martig ’ (1785, Eggerberg), Als Grundwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita wie folgt vor: im Biederland (Bellwald, FLNK Biederland), ein FaN Im Biederland, der früher wohl Bielerland ‘ das Land beim Hügel ’ hiess und als FaN auch für Bielander verantwortlich ist. Hierzu gehört auch Biellerlandt (1725, Niederwald). ts Birrmoland ‘ das Land bei der Böschung ’ (Visperterminen) ist unklar. ts Chabesland ‘ das (flache) Landstück, wo Kohl angebaut wurde ’ (Selkingen), Äbuland ‘ das ebene Land ’ (FLNK, Bürchen), ts Gemschland ‘ das Gebiet mit (vielen) Gemsen ’ (Niederwald), Grabuland ‘ das Land am Graben (Kanal) ’ (FLNK, Niedergesteln), ts Greeberland ‘ das Land bei den Gräbern (Land beim Friedhof) ’ (Varen), am Knodenland ‘ das Land, das wie ein Knoden (Knöchel) aussieht ’ (1707 u. später, Ausserberg; 1803, Raron), ts Liesland ‘ das Liesland (unklar) ’ (Oberwald), ts Meiland ‘ das Land, das der Gemeinde gehört ’ (Ried-Brig), ts Niiwland ‘ das neue Land (erst spät kultiviert) ’ (Fieschertal), Niwland ‘ das neue (neugewonnene) Land (zwischen Rotten und Ägene) ’ (FLNK, Ulrichen), jm Rossland ‘ im Land für die Pferde ’ (1564, Ausserberg), Schelbland ‘ das schiefe Land ’ (1358, Visperterminen), das Straffelland ‘ das Land mit Heuschrecken (unklar) ’ (1527, Fiesch), ts Straffuland ‘ das Land mit Heuschrecken (unklar) ’ (Mühlebach), im Wisland ‘ im weissen Land (unsicher, aber kaum Wiesland, da “ Wiese ” im Wallis nicht geläufig (LT) ’ (Visp). Wisland ist sehr unsicher: phonetisch deutet ein offenes / i/ nicht auf ‘ weiss ’ ; inhaltlich handelt es sich um Wald (schon auf SK). Möglicherweise liegt eine Umdeutung zu Wisla ‘ Wiesel ’ (I D . 16, 240 s. v. Wisel; G RICHTING 1998, 240) oder gar zu Wiso / Wischo ‘ Gerichtsdiener ’ (cf. HL W ISCHO ) vor. Wohl ein Plural liegt vor in die Howländer ‘ (unklar) die Landstücke mit (Holz-)Hau ’ (Bürchen). Komplexere Konstruktionen sind: der Lieslandgraad ‘ der Grat beim Liesland (unklar) ’ (Oberwald), ts Niwwland Oscht ‘ das neue Land Ost ’ und ts Niwwland Wescht ‘ das neue Land West ’ (beide Ulrichen), Wirmschlandtschuggo ‘ der Felsen beim Wirmschland (unklar, vgl. Nr. 14892) ’ (FLNK, EK Eggerberg). Als Bestimmungswort kommt das HL vor allem im Typ Landstraass ‘ Landstrasse ’ vor, dem Namen der Hauptstrasse durch das Land Wallis von Sitten bis Oberwald. Belegt ist es als an der Landstras ‘ an der Landstrasse (Strasse durch das Wallis, via regia) ’ (1741, Geschinen und drei weiteren Gemeinden in verschiedenen Formen), dazu kommen t Aalti Landstraass ‘ die alte Landstrasse (Strasse durch das Land Wallis, auch via regia) ’ (Niedergesteln) und drei historische Belege, bei der Gmeinen Landstrass ‘ die Landstrasse beim (Briger-) Bad, die allen gemeinsam gehört ’ (1673, Brigerbad), Vnder der Neüwen Landstrass ‘ unter der neuen Landstrasse (Strasse durch das Wallis, auch via regia) ’ (1684, Agarn), Unner der Landstraass ‘ unter der Landstrasse (neue Kantonsstrasse) ’ (Agarn). Ein zweiter Typ ist Landbord (FLNK, Niedergesteln), ts Landpord (Bratsch, Gampel, Hohtenn) und der Landbordgrabu ‘ der Graben (Kanal) beim Landbord ’ (Gampel). Wörtlich meint der Typ wohl ‘ die Böschung aus Erde ’ , gemeint ist aber die Eindämmung des Rotten mit einer Böschung, wobei Land einerseits das Material, anderseits auch das Land Wallis sein kann, das dieses Bord errichtet hat. Diese Bedeutung (Land Wallis) ist auch belegt in Landbrigga ‘ die Landbrücke (d. h. die Brücke, über die die Landstrasse verlief ’ (Visp), ze Lantbruggen (1407, Nieder- Land 47 48 <?page no="578"?> wald), ze Lantbrucken (1356, Fiesch), de (von) Landt Muren ‘ von der Landmauer (unklar, wohl Landmauer bei Gamsen gemeint) ’ (Mund), t Aalt Landmüüra ‘ die alte Landmauer (Mauer quer durch das Tal bei Gamsen; heute restaurierte Überreste) ’ (Glis), die Landwo ᵉ ry ‘ die Wehre des Landes (gemeint ist wohl die Landmüüra bei Gamsen) ’ (1538 u. später, Glis). Es bleibt der Beleg u ᵕ nder dem Landtboden ‘ unter dem Landboden (unklar) ’ (1775, Staldenried). Komplexer ist in Owlandschboden ‘ im Boden Eilands / der Magerwiese ’ (1779, Staldenried), wo unklar ist, ob Owland zum Typ Üewand ‘ Magerwiese ’ zu stellen ist, ob ein FaN oder PN vorliegt (der allerdings nicht belegt ist). Komplexer ist Driländerschtei ‘ der Stein, an dem drei Länder zusammenstossen (gemeint ist ein Grenzstein der drei Gemeinden Eggerberg, Baltschieder und Lalden) ’ (EK, Eggerberg). Unklar ist der Beleg dr Ländinär (Wiler). Es handelt sich laut SK um ein Gebiet zwischen Kippel und Wiler, das heute mit einer Strasse erschlossen ist. Am ehesten dürfte eine Ableitung mit Umlaut auf - ÎN aus Land mit einer weiteren Ableitung mit der Stellenbezeichnung / - ÄR / (< / - ER / ) gemeint sein, die etwa ‘ der Ort des Landes ’ meint (vgl. S ONDEREGGER 1958, 488 ff., 541). Ein Adjektiv auf / - IG / (S ONDEREGGER , 1958, 487) liegt in der Landig Tschuggo ‘ der von Land (Erde) umgebene Fels ’ (Staldenried) vor. Landboim der Landboim ‘ Landbaum ’ ist lebendig in Ergisch und Varen (der Landböüm) belegt; die beiden Benennungen liegen an weit entfernten Stellen. Weiter kommen t Landboimstüde ‘ das Gebiet mit Stauden beim Landboim ’ (Ergisch) und ts Landböümgässi ‘ die kleine Gasse vom / zum Gebiet Landböüm (Lampon) ’ (Varen) vor. Die naheliegende Deutung eines Kompositums Land + Baum ist kaum zutreffend; I D . (4, 1241) kennt Lande n baum nur für ‘ Deichselstange ’ oder ‘ Doppeldeichsel ’ , beides trifft hier nicht zu. Die historischen Belege in Ergisch weisen auf eine frpr. Form ou lanpon oder lampon hin; deutsch ist auch von zem Bu ᵉ l ‘ beim Hügel ’ die Rede. Varen hat schon 1242 in campo Lampum, 1375 ou lampon; laut den Dokumenten muss es sich um einen Weingarten handeln. Nahe liegt also eine Re-Interpretation des nicht mehr verstandenen Lampon zu Land-Baum. Die Deutung von Lampon (cf. HL L AMPON ) ist jedoch unklar. Lang (PN) Lang (PN) ist nur als ts Langsch ‘ des Langs Rebberg ’ (Visperterminen) belegt. Es handelt sich um einen Teil des Rebberges von Visperterminen. Die Konstruktion mit einem alten Genitiv legt einen PN oder FaN nahe. Da aber der FaN Lang nicht belegt ist, dürfte ein Übername vorliegen. Länges Länges, auch Lenges m., ist der Name einer Alp in Oberwald; lebend ist sie als t Lenges(alp), zusammen mit der Lengesbach (Oberwald), Lengeschäller ‘ der (Käse-)Keller der Lengesalpe ’ (FLNK, Oberwald) und t Lengestraas ‘ die Strasse zur Lengesalpe ’ belegt. SK hat Längis Alp, LT Lenges und Lengisbach, 1: 10000 Lenges und Lengesbach. Obergesteln erwähnt die gleiche Alp 1472 als Lengos, 1550 jm Langos, 1717 Länges. Biel nennt eine oberhalb des Dorfes liegende Flur ts Lengels, hat aber 1649 u. später im Lengoss und verwandte Formen. APNB (2, 2, 1131) kennt Langes als Kurzform zu *Langes [hof] und interpretiert es als genitivisch-elliptischen Hofnamen zum einem Beinamen Lang. Im Oberwallis würde man einen Genitiv Lengsch oder Längsch erwarten; der FaN Lengen kommt nicht in Frage, da er im Goms fehlt. Ob eine Bildung zu langlecht (mit Formen auf längschilocht) ‘ länglich ’ vorliegt (I D . 3, 1335), die nicht mehr durchschaut wurde, ist unklar. Insgesamt kann keine sichere Deutung gegeben werden. Langgse Langgse ‘ Frühling ’ ist zu schwdt. Lang(g)si, Lanzig, Lanzi wdt. Lang(g)se, Lang(g)si m. ‘ Frühling ’ , ahd. langiz, langez, mhd. langez, lenz zu stellen. Sprachgeografisch hat schon R ÜBEL (1950, 72) festgestellt, dass Goms und Östlich-Raron Langgse verwenden, weiter unten gilt der Typ Üstag ‘ Austag ’ (cf. HL Ü SSTAG ). G RICHTING (1998, 125) kennt wdt. Langsä, auch Langsi, ‘ Frühling ’ , beide nur für das Goms und verweist auf den Eintrag Ü SSTAG . Wenn die Analyse der Flurnamen für das Lemma richtig ist, muss der Typ Langgse / Langsi / Lanzi früher im ganzen Untersuchungsgebiet verwendet worden sein. Das Lemma bezeichnet in FlN Stellen, die im Frühjahr besonders genutzt werden oder die aufgrund ihrer gut besonnten Lage im Frühjahr früh beweidet oder bestellt werden können (I D . 3, 1339; URNB 2, 497, 499 f.). Als Simplex ist der Diminutiv Plural t Langsini ‘ die Gebiete, die schon im Frühling genutzt werden können ’ (Eggerberg), historisch Jn den Lantzinen (auch Lanxsinen) (1614, Zeneggen) belegt; einmal mit einem Adjektiv Zen Afftren Lantzinen (1629, Visperterminen). Häufig sind Ableitungen vom Typ Langcinerra (Embd, Raron, Stalden, Törbel) oder Langsera (Bürchen, Gampel, Grächen), in Gampel auch als in den obren Lanxern (1827). Das Ableitungssuffix ist das stellenbezeichnende / - ERRA / ; es wird entweder an die erweiterte Lemmaform Langsin- oder direkt an Langgseangefügt. 49 50 Langgse <?page no="579"?> In den übrigen Fällen ist Langgse Bestimmungswort zu Acher, Bodo, Hitta, Gaarte, Matta und Stadel und meint dann eine Flur, die schon im Frühling genutzt werden kann, oder ein Gebäude bei einer derartigen Flur. Lapp Lapp ist in vier Belegen erwähnt: der Lappbrunno (Ried- Brig, Termen), in beiden Fällen auch Latbrunno, wobei die beiden Namen den gleichen Bach bezeichnen, historisch als Latwang (1629, Ried-Brig; mit Lapwang als rekonstruiertem Namen) und mit einer Ableitung zer Lapperna (Täsch). Der Lappbrunno ist ein Bach, der auf der Karte 1: 10000 Lagbrunnu genannt wird. Die drei Formen Lapp / Lat / Lag können durch Assimilationen von Lat oder Lag an das folgende Brunnu entstehen; das gilt auch für Latwang oder Lapwang. Schwdt. Lab und wdt. Laab, Lab (Mattertal), Chaaslob (Leuker Berge) und Lob ‘ Lab ’ (I D . 3, 952; G RICHTING 1998, 124) lässt sich für die Farbe der Quelle und des Grasabhangs anführen. Zu Lad und Lag findet sich bei G RICHTING (1998) kein Eintrag. Der Kurzvokal in Lappbrunno und Lapwang lässt sich durch Einwirkung des sog. B RANDSTETTER schen Gesetzes (Kürzung von Langvokalen in Komposita) erklären. Die Ableitung zer Lapperna mit dem Suffix / - ERNA / ist schwierig. Das Suffix wird normalerweise für Kollektive von Pflanzen oder der Bodenbeschaffenheit verwendet. Es liesse sich dann als Boden betrachten, der die Farbe des Labs hat. Diese Deutung ist allerdings problematisch. Das in Sevelen (SG) belegte Lap (W ERDENBERGER NB 2, 299) wird dort nicht gedeutet. Laproe Laproe ist 1233 oder 1234 belegt als (illi) de Laproe ‘ die Leute von Laproe ’ (Raron). Aus dem Kontext erhellt, dass es sich um die Bietschalpe handelt, an der ein Minister Mattheus und (illi) de Laproe Rechte haben. Laut P H . K ALBERMATTER (p. c., e-mail v. 5. 1. 2022) handelt es sich um eine Verschreibung für de Lapide (zum Stein). Die Frage der Deutung ist bei der neuen Lesung klarer. Cf. HL S TEI und zum Stei (Raron). Larbarez Larbarez ist historisch in Salgesch belegt und zwar 1353 als larbareyr, 1544 als de larbarez und 1570 en larbarij. Die erste Erwähnung meint einen Vldricus de larbareyr; es kann sich also um einen FaN oder eine Herkunftsbezeichnung handeln; eine FaN ist jedoch nicht belegt. 1544 ist ein Weinberg gemeint, 1570 ein Weinberg und eine Weinpresse. Vermutlich liegt in allen Fällen ein agglutinierter Artikell / l/ zu einem Flurnamen Arbarey vor (B OSSARD / C HAVAN 2006, 173) ‘ Silber- oder Weisspappel ’ (FEW 24, 294 ff. s. v. alb ā ris weiss; G PSR 1, 566 s. v. Arbarey; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 426 s. v. P OPULUS ALBA ). Larchi Larchi ist 1628 in Albinen als jm Larchi, im gleichen Jahr auch als en Larsch ŭ la belegt. Wie der zweite Beleg deutlich macht, handelt es sich um einen frpr. Namen. Die kürzere Form Larchi ist mit (T AGMANN 1946, 26) zu l ā r žį ‘ Lärche ’ zu stellen. Die längere Form ist wohl eine diminutive Ableitung auf / - ICULA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) zum gleichen Etymon: ‘ das kleine Lärchengehölz ’ . Largelet Largelet ist nur 1710 in Albinen als im Largelet ‘ bei der kleinen Lärche / beim kleinen Lärchengehölz ’ belegt. Die Lesung ist laut M. S. unsicher. Es dürfte sich um eine Diminutiv-Ableitung auf / - ELLU ( M )/ und / - ITTU ( M )/ zu frpr. large (T AGMANN 1946, 26) ‘ die kleine Lärche / das kleine Lärchengehölz ’ handeln. Largnyon Largnyon ist 1408 in Turtmann als pratum de largnyon belegt. Es handelt sich wohl um einen frpr. Flurnamen. Der Artikel ist hier vermutlich agglutiniert; zu Grunde liegt wohl das unter frz. arène ‘ Sandgebiet ’ oder arenel (G PSR 1, 594 s.) erwähnte Wort, das hier ein diminutives Suffix / - IONE ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) erhalten hat ‘ (die Wiese) beim kleinen Sandgebiet ’ . Einzelne Belege enthalten das sonst betonte / è/ nicht. Largus Largus Adj. m. ist nur im 13. Jh. und mehrfach 1328 in Ergisch als in largis ripis ‘ bei den langen Ufern ’ belegt. Diese lateinische Form ist ein Ablativ von larga ripa. Largus ist laut FEW (5, 182 ff.) zu lat. LARGUS reichlich, freigebig zu stellen, das auch lang oder breit meinen kann. Ob im vorliegenden Fall ein Appellativ oder ein Flurname vorliegt, ist unklar. Vgl. aber hierzu das als Breitmatten übersetzte in largis pratis aus Turtmann (Nr. 39414 der Datenbank). Lari Lari n. ist nur in Naters belegt als das Larÿ (1658, Naters; auch vnder dem Lary), das 1658 als aqua ’ ductum ‘ Wasserleitung ’ bezeichnet wird. FLNK hat Lariwasser ‘ die Wasserleitung vom Lari her ’ . J ACCARD (1906, 223) kennt Larri und ähnliche Schreibweisen als ‘ Heide, unbebautes Land ’ , die auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 22) als ‘ steiles Land, häufig unkultiviert ’ angeben. Bei der Etymologie verweisen B OSSARD / C HAVAN auf ein lat. * LATERICIUS ‘ Sei- Lapp 51 52 <?page no="580"?> tenflanke ’ , während J ACCARD es auf anfrk. lâri ‘ unbebaute Gegend ’ (FEW 16, 445) zurückführt. Die erste Hypothese würde eine junge Entlehnung mit getilgtem intervokalischem / t/ annehmen. Die zweite Hypothese setzt eine Entlehnung aus dem Altniederfränkischen ins Romanische voraus. Die späte Überlieferung im 17. Jahrhundert lässt jedoch keine sichere Deutung zu, auch nicht in Bezug auf die etymologischen Erklärungen. Kommt hinzu, dass es sich deutlich um eine Wasserleitung handelt. Larnessi Larnessi, laut FLNK auch Larnässi, ist der Name eines Baches in Salgesch, der historisch auch ohne anlautendes / l/ als Arneschie (cf. HL A RNESCHIE ) belegt ist. T AGMANN M S . (48 f. s. v. Larnesse) hält nur die Endung lat. / - Ĭ SCA / , afrpr. *-ést š i (geschrieben -eschi), später -é ŝ i, -é ŝə für sicher und kann sich nicht entscheiden, ob der Stamm Larn- oder Arnist; er überprüft einige Vorschläge anderer Autoren, insbesondere einen Gewässernamen auf *arn, ohne jedoch einen sicheren Schluss zu ziehen. M ATHIER (2015, 52) ist ebenfalls unsicher, bezieht sich aber auf eine Quelle von 1303 mit ad aquam de la Ressi (G REMAUD 3, Nr. 1193, 70); es handelt sich wohl um den Bach, der unter Ressie behandelt ist (cf. HL R ESSIE ). Er erklärt Ressi im Anschluss an M EYER (1914, 170) aus lat. * RADICEA > ressy; M EYER gibt keine Bedeutungsangabe. M ATHIER selbst plädiert für eine deverbale Ableitung aus lat. RESECARE ‘ schneiden, abschneiden, trennen ’ , was sich angesichts der klaren Belege für den Stamm nicht halten lässt. Der Bachname ist als Bestimmungswort in ou chang de Larnessi (1649, Salgesch) ‘ beim Feld der Larnessi ’ , ov Mulyn de Larnechy (1494, Salgesch) ‘ zur Mühle (an) der Larnessi ’ , saxum de Lerneschi (1353, Salgesch) ‘ der Stein bei der Larnessi ’ , der Larnese Ru ᵕ s (1880 (ca.), Salgesch) ‘ der Bachlauf der Larnessi ’ und ob “ Larneze ” Quelle (1927, Salgesch) ‘ oberhalb der Quelle der Larnessi ’ enthalten. Eine sichere Deutung des Bachnamens ist nicht möglich. Larnua Larnua ist 1561 in Varen als de larnuua belegt; die Schreibung kann verzerrt sein, da es sich um eine spätere Kopie handelt. Der Name wird im Text für eine Wasserleitung oder einen Bach verwendet. Unklar ist, ob der Anfang einen agglutinierten Artikel enthält. G. P ANNATIER (p. c.) vermutet, dass la nuua ‘ die Neue ’ ein substantiviertes feminines Adjektiv (z. B. G ERSTER 1927, 53; FEW 7, 210 ff. s. v. n ǒ vus neu) ist und dass / r/ hier nur als falsche Erweiterung steht. Dies passt gut zum dt. Niiwa oder Niba (cf. HL NI ( I ) W ), das für Wasserleiten verwendet wird. Larseler Larseler ist nach M EYER (1914, 159) auf argilla, argillarium, argilletum ‘ Ton (Erde) ’ mit agglutiniertem Artikel zurückzuführen. Auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 58 s. v. Argile) führen eine Reihe von Lokalnamen dazu auf und weisen darauf hin, dass der Artikel agglutiniert werden kann. G PSR (1, 605) nennt den Typ (l)arsele unter Argill(i)ez. Die Belege sind nicht zahlreich: 1429 a larseler (Albinen). Ergisch hat im 13. Jh. in esserto de larseler mit späteren Varianten wie larzelei (1320) oder larseleyr (1328). Varen weist 1664 den Namen le termine de Larselleÿ ‘ die Grenze beim Ton (Erde) ’ auf und Salgesch hat im gleichen Jahr le termino de larsolei und le termine de larsolleÿ. Es handelt sich wohl um die gleiche Flur wie in Varen mit dem gleichen Namen. Larseler entspricht am ehesten dem dt. Namen Leim ‘ Lehm ’ . Larsi Larsi ist zunächst eine frpr. Form, die zu lat. LARIX , LARICEM , frpr. l ā r ž e, l āž e, l āžį ‘ Lärche ’ zur Bezeichnung eines Lärchenwaldes oder einer Lärchenplantage zu stellen ist, ein typischer FlN für das Wallis und die Waadtländer Voralpen (B OSSARD / C HAVAN 2006, 184; T AGMANN 1946, 26). Die Formen auf Leertschi und Lärtschi lassen sich auf it. larice ‘ Lärche ’ zurückführen (cf. I D . 3,1387 s. v. Lörtschine(n) etc.). Belegt ist das Simplex in verschiedenen Formen als ts Larschi (Inden), Laarsche (Salgesch, bei M ATHIER (2015, 114) als Laarschä), historisch als eys Larses (13. Jh. u. später, Ergisch), eÿ Larsez (1581, Albinen) und Larsy (1361, Gampel). Seltsam sind zwei Belege aus dem Jahre 1484 in Varen: deys Monlarses ‘ bei der Alpe mit Lärchen ’ und deus (? ) Nouos Larses ‘ bei den neuen Lärchen ’ - es ist unklar, ob der Schreiber die Namen verstanden hat oder nicht. Auch aus Varen stammt Mont Larges (1843), das zu Monlarses ‘ bei der Alpe mit Lärchen ’ passt. Ebenfalls unklar ist in prato de la larsy ‘ auf der Wiese beim Lärchenwald ’ (1344, Oberems). in prato kann hier einfach ein Appellativ ‘ auf einer Wiese, die Larsy genannt wird ’ sein. Ein attributives Adjektiv zum HL enthält ts Holaarssi ‘ der hohe Lärchenwald ’ (Birgisch) mit Betonung der zweiten Silbe. Als nachgestelltes Bestimmungswort tritt das HL in au clos dou lasey (sic! ) ‘ im eingefriedeten Gut beim Lärchenwald ’ (1361 u. später, Salgesch) und ou clou du largi ‘ im eingefriedeten Gebiet beim Lärchenwald ’ (1353 u. später, Salgesch) auf, die vermutlich beide den gleichen Ort meinen. Als vorangestelltes Bestimmungswort ist in Inden das Namennest Larschitrittji, Larschiwäg und Larschiwald neben Larschi belegt; hier bietet jedoch der 53 54 Larsi <?page no="581"?> historische Beleg ou paz de laschyrina (1566, Inden) ein Problem. Der gleiche historische Beleg findet sich auch für Leuk und für Salgesch, hier ow paz de la Schyrina (1566), wo das anlautende la als Adjektiv interpretiert wird, wobei der Beleg für Salgesch original ist, die beiden andern stammen aus einem Kopialbuch aus Leuk. Dennoch findet sich kein Beleg für Schyrina (cf. HL L ASCHY- RINA ). In allen drei Belegen ist die Endung unklar; es müsste sich um eine Ableitung von La(r)schi handeln, also etwa ein kollektives / - ARIA / , gefolgt von einem diminutiven / - INA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287f) mit der Bedeutung ‘ der kleine Lärchenwald ’ , das sonst nicht belegt ist. Weiter sind Lärtschigrabu (Zwischbergen) und Leertschiacherlini, sowie Leertschigrabo (beide Visperterminen) belegt. Als Ableitungen lassen sich Larsilli (1242, Erschmatt) auf / - ELLU ( M )/ und Larseleir (1328, Turtmann), wohl auf / - ELLU ( M )/ mit / - ARIU ( M )/ deuten (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287 f.) Unklar sind zwei weitere Belege: Larzeschengtzÿ (1566, Leuk) - wohl ein Bach - und Larsy Guywetten (1804, Unterems). Ob im ersten Beleg überhaupt das HL vorhanden ist, kann nicht entschieden werden. Im zweiten Fall ist Guywetten am ehesten ein nachgestellter Genitiv eines PN oder eines FlN. Lartins Lartins ist nur 1796 in Varen als in die Lartins belegt. Es handelt sich um eine Wiese. Der Name ist frz. oder frpr. Vermutlich ist der Artikel agglutiniert; der zu Grunde liegende Name wäre Arty (G PSR 2, 27), das schwierig zu erklären ist. Vermutlich ist die Argot-Bedeutung ‘ Brot ’ hier nicht einschlägig. Letztlich fehlt deswegen eine Deutung. Lasa Lasa ist nur 1490 in Varen als lasa dÿs chargiour belegt; der Beleg stammt laut P H . K ALBERMATTER (p. c.) aus einer späteren Kopie, wohl des 18. Jahrhunderts. G. P ANNATIER (p. c.) vermutet zwar, dass es sich um la tsâ ‘ Alpweide von wenig Wert ’ handelt, wobei der feminine Artikel la agglutiniert wurde (vgl. auch T AGMANN 1946, 57 mit der Aussprache sa ŋ für CAMPU ‘ Feld ’ ). Allerdings weist auch T AGMANN (1946, 56) darauf hin, dass das Part. Perf. glacée als la ł á š ya ‘ der / die / das Gefrorene ’ (vgl. G PSR 8, 348) belegt ist. Ein entsprechender Beleg von 1490 jedoch ist unter Nr. 51237 (Salgesch) als Casa dys chargiour belegt; es handelt sich um ein Verlesen von lasa, das im gleichen Jahr in Varen belegt ist. Diese Meinung vertritt auch P H . K ALBERMATTER (p. c.), der von einer Falsch-Schreibung ausgeht. Zu chargiour cf. HL C HARGIOURS . Lasche Lasche ist belegt in Praadelasche (Albinen) und historisch 1602 ou Fillolascho, ebenfalls in Albinen. Die älteren Belege für Praadelasche sind 1628 aux prade l ’ ascia; 1677 en pra de lassa; 1727 im pra de lassa. M ATHIEU (2006, 11) deutet Pra ‘ Wiese ’ richtig, hingegen Lasche als frz. hache ‘ Beil, Axt ’ , was kaum zutrifft; vielmehr ist von lat. LARICE ‘ Lärche ’ auszugehen, das in den Patois als l ā r ž e, l āž e erscheint (T AGMANN 1946, 26); es geht also um die ‘ Wiese bei den Lärchen ’ . Der Beleg ou fillolascho scheint dagegen zu Filiacio und filiolagio (M EYER 1914, 91) zu stellen zu sein; M EYER sieht darin eine / - ATICU / -Ableitung zu lat. FILIOLU . Laut FEW (3, 519 ff.) bezeichnet dieser Diminutiv im Galloromanischen die Patenkinder. M EYER gibt keinen weiteren Hinweis auf eine Deutung. / - ATICU / ist eine Stellenbezeichnung; der Name könnte dann als ‘ Gut der Patenkinder ’ bestimmt werden, hat also mit Lasche als frz. hache nichts zu tun. Laschyrina Laschyrina ist nur einmal in ou paz de laschyrina ‘ der Saumpass gegen Abend ’ (1566, Leuk) belegt (zu weiteren unsicheren Belegen vgl. auch HL L ARSI ). la ist wohl ein agglutinierter femininer Artikel. G. P ANNATIER (p. c.) stellt das HL zu frz. sereine (FEW 11, 508 ff. s. v. s ĕ r ē nus heiter, hell). Am ehesten käme dann serayne ‘ Abend ’ (FEW 11, 509) in Frage; es kann sich also um den Saumpass gegen Abend (Westen) handeln. Diese Deutung ist aber sehr unsicher. Läser Läser m. ist laut R ÜBEL (1950, 22) der Blättermagen bei den Wiederkäuern. Dasselbe gibt die Gwp. an. I D . (3, 1419) gibt es als Bedeutung 5 ‘ der Psalter, einer der Mägen des Rindviehs ’ für das Berner Simmental an. G RICHTING (1998, 126) hat Läser, Läsär ‘ Leser, Kuhmagen ’ . Der Flurname ist metaphorisch: unzugänglich wie ein Blättermagen ist das Gebiet. Lass Lass m. ist zu schwdt. L ā ss, Las m., n. ‘ eine kleine Wasserleite, wodurch das Wasser z. B. auf die Wiesen geführt wird; nackte, gerade hinunterführende Rinne an einem Bergabhang; Spalte, Riss, der z. B. in Folge von Regenwetter an einem Abhang entsteht ’ (I D . 3, 1388 f.) zu stellen. Es kommt nur in der Hee Üüslass ‘ der hohe Auslass (Wasserfall) ’ (Eggerberg) vor. Das HL ist bei B ELLWALD / W ÜRTH (2006) nicht verzeichnet; I D . (3, 1392) kennt Us-L[ass], aber in anderer Bedeutung. Ilass ist als In-lass ‘ Einlass ’ zu verstehen, wie historische Belege wie im Jnlas (1424, Stalden) zeigen (I D . 3, 1392 s. v. In-L[ass]). Es ist belegt als der Ilass (St. Niklaus), Lartins 55 56 <?page no="582"?> im Ilaass (Zeneggen), der Illaas (Eischoll), ts Illaas (Unterbäch), Illas (FLNK, Stalden), ts Illaass (Ausserberg), auffm Jnlas (1706, Baltschieder). Komplexer sind Illasbrigga ‘ die Brücke (über die Mattervispe) beim Gebiet Ilass (wo die Tiere zur Weide zugelassen werden) ’ . (FLNK, Stalden), t Illassheeji ‘ die Höhe beim Ilass, wo die Tiere zur Weide zugelassen wurden ’ (Stalden), Illaswaldt ‘ der Wald beim Ilass (wo die Tiere zur Weide zugelassen wurden) ’ (1754, Baltschieder), Illaswäg ‘ der Weg von / nach Ilass (wo die Tiere zur Weide zugelassen werden) ’ (FLNK, Stalden). Einen Genitiv Singular findet man in ts Illasch Heeji ‘ die Höhe beim Ilass, wo die Schafe zur Weide zugelassen wurden ’ (Saas Fee). An mehreren Stellen ist mit der falschen Agglutination des / m/ (von im oder am) ein ts Millassi ‘ der kleine Ilass, wo die Tiere zur Weide zugelassen wurden ’ (Stalden), hierzu auch der Millaszug ‘ der Holzzug beim Ilass (wo die Tiere zur Weide zugelassen wurden) ’ (Stalden) und hinter den Millas Tschu ᵕ gen ‘ hinter den Felsen beim Ilass (wo die Tiere zur Weide zugelassen wurden) ’ (1895, Embd) entstanden. Lasseling PN) Lasseling (PN) n. ist in Inden lebend als ts Lasseling belegt. Dazu gesellen sich ts Ober und ts Unner Lasseling. Der älteste Beleg ist 1338 ol Clos de Lazelin ‘ das eingefriedete Gut des Lacelin ’ . Lasseling dürfte aus dem PN entstanden sein. In Albinen hat FLNK Lassali, das bei M ATHIEU (2006, 41) als Lässäli belegt ist. Soweit erkennbar, handelt es sich um einen Abhang mit einer Wiese. Es kann der PN Lacelin zu Grunde liegen; da historische Angaben aber fehlen, ist diese Annahme schwierig zu sichern. Lasserres Lasserres ist nur 1353 in Albinen als lasserres ‘ bei der Sägerei ’ belegt. Wenn la einen femininen Artikel meint, ist s ě rra säge (FEW 11, 524) naheliegend. Latesa Latesa ist 1439 in Leukerbad als jn Latesa belegt. Unklar ist, ob der Anlaut als Artikel zum Nomen Tesa ‘ Mess- Stab; frz. toise ’ (D U C ANGE s. v. Tesa) gestellt wird oder nicht; der Flurname wäre im positiven Fall dann eine metaphorische Grösse, die der frz. toise entspricht. Sofern der Artikel als agglutiniert betrachtet wird, könnte aber auch der unter HL T IISCHE erwähnte Flurname in Leukerbad hieher gestellt werden. Eine Deutung ist jedoch in jedem Fall unsicher. Lator Lator enthält einen Artikel, zu verstehen ist der Beleg pra de lator (1433, Inden) als pra de la tor. M EYER (1914, 173) kennt tor für lat. TURRE ‘ Turm ’ . Wie unter HL T URE aufgeführt, kann auch ein Fels oder ein steiles Gelände Turm heissen. Gemeint ist ‘ die Wiese beim Turm ’ . Latra Latra kommt nur vor im Beleg in piero so latra (1702, Salgesch). so ist hier wohl als sous ‘ unter ’ zu verstehen. latra ist zwar unter âtre (G PSR 2, 84) als ‘ emplacement où on fait le feu [Ort, wo man Feuer macht] ’ erwähnt, wenn der Artikel als agglutiniert verstanden wird. T AGMANN (1946, 7) kennt nur kalatra als ‘ Schleuse ’ . so kann also entweder sous heissen oder falsch für anlautendes / ka-/ stehen. Der Flurname wäre dann ‘ der Stein bei der Schleuse ’ . Latschet Latschet n. ist nur als ts Latschet (Inden, auch FLNK und LT) belegt. Wenn es sich um ein rom. Etymon handelt, kommt ladasca zecke (FEW 5, 127 f.) in Frage, hier versehen mit einem Suffix / - ITTA / ; das Neutrum deutet auf ein Kollektivum hin. Die Deutung wäre dann ‘ der Ort, wo es viele kleine Zecken hat ’ . Wenn es sich um einen dt. Namen handelt, wäre eine Kollektivableitung auf / - ET / (< ahd. / -ôdi/ -ôti/ nach S ONDEREGGER 1958, 524 ff.) zum (allerdings nur im Ostoberdeutschen belegten) Latsche ‘ Legföhre ’ (G R W B 12, 278 s. v. Latsche 5); K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 561) ‘ Ort, wo es viele Legföhren hat ’ . Diese zweite Deutung ist aber unwahrscheinlich. Lätt Lätt m. ‘ fette Tonerde, tonartiger Mergel, Lehm ’ ist nur in Täsch als der Lätt ‘ der Lehmboden ’ belegt. Es ist zu schwdt. Lëtt m. ‘ fette Tonerde, tonartiger Mergel, Lehm ’ , mhd. lëtte und wdt. Lätt ‘ Lehm ’ (I D . 3, 1488 f.; G RICHTING 1998, 126) zu stellen. Weitaus häufiger ist der Typ Leim (cf. HL L EIM (L EHM )). Latta (rom.) Latta (rom.) kommt nur in Varen 1587 in drei Dokumenten als la latta, de la latta und juxta latta vor. Der feminine Artikel la weist auf ein romanisches Wort hin. FEW (23, 6 ff. s. v. latte) verzeichnet u. a. S. 7 latta für das Aostatal; auch G ERSTER (1927, 47) hat in Montana lata für frz. latte. Dieses wird weder in FEW, noch bei K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 561) zum dt. Latte (cf. HL L ATTA ) gestellt, sodass es hier getrennt zum romanischen Wortschatz gerechnet wird. Gemeint ist hier wohl ein Zaun, der die Gemeinden Varen und Leukerbad trennt. 57 58 Latta (rom.) <?page no="583"?> Latta Latta f. ‘ Latte ’ ist zu schwdt. Latte(n) f., Pl. unver., Dim. Lättli, Lattji ‘ hochaufgeschossener, sehr dünner Baum mit wenig Ästen ’ , ‘ vierkantige oder auch nur auf einer Seite abgeflachte, seltener ganz runde Holzstange zu verschiedenem Gebrauch ’ , mhd. latte, wdt. Latta, Lattä (Goms), Lattu f. ‘ Latte ’ (I D . 3, 1482 f.; G RICHTING 1998, 126) zu stellen. Von den verschiedenen Bedeutungen sind in den Namen wohl einerseits Zaunlatten zu verstehen, die etwas abgrenzen, anderseits auch lange, hochaufgeschossene Bäume. BENB (1, 3, 58 f.), LUNB (1, 1, 604) und URNB (2, 503) beziehen sich auf die gleiche Stelle im I D ., sind aber im Detail unsicher. Verbreitet ist vor allem in den Bezirken Goms und Östlich-Raron der Typ bine Latte ‘ bei den Latten ’ (Niederwald), beÿ den Latten (1667 u. später, Münster); hier sind wohl einfach Zäune aus Latten gemeint. Belegt ist der Typ auch in Ernen, Oberwald, Ried-Mörel und Steinhaus. Ähnlich ist an den Latton (1478, Törbel). In Bratsch gibt es ein ganzes Namennest um zen Latten (1621) herum: in den Lattenackhern (1694), Lattmattä (FLNK; schon 1859 Lattmatte), das Latten Strichgi ‘ der kleine Strich bei zen Latten ’ (1784), ts Lattuwaldji ‘ der kleine Wald bei Zen Latten ’ (alle Bratsch). Die übrigen Belege haben Latta als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Biina, Matta und Schleif. Vor allem das letzte Kompositum scheint auf lange, hochaufgeschossene Bäume Bezug zu nehmen: Lattschleif (Stalden), Lattuschleif (Kippel, Leuk) und Latuschleif (Wiler) weisen diesen Typ auf, ohne dass in den Orten auch ein einfaches Latten vorkommt. Lattel Lattel ist nur belegt in ts Lattelhoru und Vorder Latelhorn (beide Saas Almagell). Das Lattelhoru heisst it. Punta di Saas, das Vorder Latelhorn ist neben dem Passo di Camposecco. Da nur zwei Belege vorliegen, ist eine Deutung von Lattel nur schwer möglich. Die it. Namen führen auch nicht weiter. Ein Anschluss von Lattel an Latta ‘ Holzstange ’ (I D . 3, 1482 ff.) ist nicht auszuschliessen; eine / - EL / -Ableitung ist jedoch nicht belegt. Lauber (FaN) Lauber (FaN), dial. Löüber ist ein FaN, auch Im Laub, zer Lauben, Lober, Loubert geschrieben, eine alte Familie von Brig, die aus Simpeln stammt, wo sie im 14. Jh. den Namen im Laub trug. Familien gleichen Namens sind für das Nikolaital, Leuk und andere Orte belegt (AWWB 146). Der FaN kann einerseits vom HL Löüb n. ‘ Laub ’ (G RICHTING 1998, 129), anderseits auch von Löüba ‘ Laube, Empore ’ (G RICHTING 1998, 129) abgeleitet sein. Im Einzelfall ist nicht immer klar zu entscheiden, ob der FaN oder das HL L ÖÜB ‘ Laub ’ gemeint ist. Das Simplex ts Loiber n. (Ergisch) steht wohl für den FaN, da auch Jm Lau ᵕ bersacker (1703, Ergisch) und in Loubers Bongarten (1648, Ergisch) ‘ im Baumgarten der Familie Lauber ’ belegt sind; gleiches gilt für Bratsch Löibersch Acher. Ein Simplex im Diminutiv ist für Visp als Löüberli (FLNK) belegt, historisch 1716 als das Lauberli, also wohl ‘ das kleine Grundstück der Familie Lauber ’ . Klare Genitive sind weiter Laúbersacher ‘ der Acker der Familie Lauber ’ (1735, St. Niklaus) und Laubers Eggen (1719, Saastal, Eisten). Weitere Komposita mit Lauber als Bestimmungswort sind: im Laúber Gietli ‘ im kleinen Gut der Familie Lauber ’ (1706, Bister), in den Laúberhaltinen ‘ in den kleinen Halden der Familie Lauber ’ (1775, Bister) und vermutlich auch ts Löüberschirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Lauber ’ (Bister, obwohl Gwp. den FaN Lauber für Bister nicht kennt), ts Löüberwägji ‘ der kleine Weg der Familie Lauber ’ (Visperterminen), Lauberstafel ‘ der Stafel der Familie Lauber ’ (laut SK und historisch 1700, Visperterminen) und der Löüberstafel ‘ der Stafel der Familie Lauber ’ (Glis); letztere zwei bezeichnen den gleichen Stafel. Vermutlich ist der Beleg uf Löübernisch ‘ auf dem Gut der Familie Lauber ’ (Martisberg) auf einen Genitiv zum FaN Lauber zurückzuführen, wobei die einfache Genitiv- Endung (ts Löubersch) durch eine erweiterte Form mit / n/ ersetzt wurde. Laubi Laubi ist nur 1845 in Blatten als im Laubirein ‘ der Abhang bei der Loibi (Rutschgebiet) ’ belegt. Es handelt sich um eine Verhochdeutschung von Loibi (< HL L ÖU- WINA ) und Rein ( ‘ Abhang ’ , zu hdt. Rain). Laubscher (FaN) Laubscher (FaN) ist nur 1506 in Saas Almagell im Beleg dem Lau(b)scherrenguffer ‘ dem Steingeröll der Familie Laubscher ’ belegt. Es scheint sich um einen FaN Laubscher zu handeln, doch ist dieser im Wallis sonst nicht belegt; im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1074 f.) ist der Name zwar für den nördlichen Kanton Bern, nicht aber für das Wallis belegt. Es könnte sich aber auch um ein Steingeröll beim Gebiet Im Löüb auf rund 2000 m handeln. Beim sonst nicht belegten Adjektiv Laubscher kann es sich um einen Herkunfts- oder Besitzernamen handeln: ‘ die Leute aus im Laub ’ . Beide Deutungen sind unsicher. Latta 59 60 <?page no="584"?> Lauentsche Lauentsche ‘ Erdrutsch, Rutschgebiet ’ kommt nur in Albinen vor, 1678 als in die Lauentschen und 1680 als in die Lauentsche. Es ist zu lat. LAB Ī NA erdrutsch (FEW 5, 101) zu stellen; nicht zu verwechseln ist es mit avalanche (G PSR 2, 129 s.). Das dt. Lowwi, Lowwina (cf. HL L ÖÜWINA ) geht ebenfalls auf das lat. LAB Ī NA zurück; es wurde schon früh entlehnt. Der Flurname in Albinen ist aber direkt aus dem Frpr. übernommen. Laueunta Laueunta ist nur 1341 in Salgesch erwähnt als de laueunta. Die Lesung ist nicht sicher. Es geht offenbar um eine Grenze, die bis zur petram grassam ‘ der dicke Fels ’ von laueunta von Salgesch geht. Möglich ist, dass ein femininer Artikel l ’ oder la an ein Nomen aueunta oder ueunta agglutiniert wurde. Trotzdem bleibt der Beleg ungedeutet. Laug Laug ist nur in in der La ŭ gmatten (1852, St. Niklaus) belegt. Ob es sich um das früher belegte La ŭ bmatten (1620, St. Niklaus) handelt, ist unklar. Dieses wäre zum HL L ÖÜB zu stellen; Laug ist hingegen sonst nicht belegt. Lauiour Lauiour ‘ der Ort, wo die Wäsche gewaschen wurde ’ ist 1281 in Varen belegt. Spätere Belege haben 1664 en lauieur und 1706 in d Lavien. Der Name ist wohl zu lat. LAVARE ‘ waschen ’ (FEW 5, 213 ff.) zu stellen. Wie B OSSARD / C HAVAN (2006, 50 s. v. Laviau, Lavioret) ausführen, handelt es sich um einen Ort oder ein Gebäude, wo die Wäsche gewaschen wurde. Laupas Jm Laupas Kinn ist nur 1658 in Raron für Turtig belegt. Während Kinn als Chi ‘ Schlucht ’ bekannt ist, bleibt Laupas unklar. Ein Genitiv ist an dieser Stelle nach einer Präposition unsicher. Der FaN Lauber (AWWB 146) ist zwar so belegt, hier aber wohl nicht gemeint. Für die Deutung im VSNB wurde auf das HL L ÖÜB zurückgegriffen, doch ist die Form Laupas sonst nicht bezeugt. Laurentzen (PN) Laurentzen (PN) ist nur belegt als des Laurentzen Acker ‘ der Acker des Laurenz ’ (1573 - 1644, Münster). Das HL ist ein Genitiv zu Laurenz (I D . 3, 1365), einem PN oder der FaN Lorenz, alte Familie des Bezirks Visp, die seit dem 15. Jh. in Embd und seit dem 17. Jh. in Törbel bekannt ist (AWWB 152). Da der FaN im Goms nicht belegt ist, liegt wohl ein PN vor. Lauw Lauw ‘ lauwarm ’ Adj. ist zu schwdt. läw, läuw, wdt. leew ‘ lauwarm ’ (I D . 3, 1538; G RICHTING 1998, 126) zu stellen. Es ist nur belegt in im Lauw Waser ‘ im lauwarmen Wasser ’ (1711, Mörel). Gemeint ist wohl eine Wasserleitung mit lauem Wasser. Lavanchy Lavanchy ‘ Erdrutsch, Lawine ’ ist einerseits historisch 1328 in Leukerbad als lo lauanch ỳ walbot et la lauenchi dou vel und inter lo lauanchier belegt, anderseits in Ergisch ebenfalls 1328 als la lavanchi Walbor et la lavanchi dol vel und inter duos lavenches. Es handelt sich offensichtlich um die gleichen zwei Fluren; genauere Überprüfungen wie das Vorkommen von Ortsnamen wie Walbor zeigen, dass Ergisch gemeint ist, nicht Leukerbad (P H . K ALBERMATTER , p. c.). Die Namen stammen alle aus dem lat. LABINA < LABINCA ‘ Erdrutsch; Lawine ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 248). Auffällig ist, dass das Genus (lo vs. la) in Leukerbad ändert, was aber auch ein Lesefehler sein kann. Die Ableitung lauanchier ‘ das Rutschgebiet ’ lässt sich vermutlich auf das kollektive Suffix / - ARIU ( M )/ zurückführen (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288). Hingegen scheint lavenches in Ergisch auf einem Plural zu beruhen. Lavien Lavien ist nur 1671 als die Lavien ‘ das Rutschgebiet ’ (Leuk) belegt. Im Kontext ist von der Russfluo die Rede. Der Artikel ist deutsch; der Beleg ist vermutlich eine Kopie. Das HL ist wohl zu lat. LAB Ī NA erdrutsch (FEW 5, 101) zu stellen; die Form ist im Wdt. auch als Lawiina (G RICHTING 1998, 129 s. v. Lowwena) belegt. Unklar ist, ob das HL eine hdt. Form sein soll, was das auslautende / -n/ nahelegt. Lax Laggsch, geschrieben Lax, ist zu lat. LACUS in der Grundbedeutung ‘ trogartige Vertiefung ’ (FEW V, 126) bzw. ‘ See, Tümpel, Teich ’ mit Bezug auf die Geländemulde unterhalb des Dorfes im Bereich des heutigen Bahnhofs, die anscheinend in jüngerer Zeit trockengelegt worden ist (K RISTOL ET AL . (005, 515) zu stellen (cf. Lax bei den Gemeindenamen). Als Bestimmungswort kommt das HL nur in Lagxbach ‘ der Bach, der zu Lax gehört ’ (1483, Lax), Lagsbach ‘ der Bach, der zu Lax gehört / nach Lax fliesst ’ (1633 u. später, Martisberg) und Laxgraben (SK, Martisberg) vor. Lagger ist ein Adjektiv, in einigen Fällen auch ein ursprünglicher Genitiv Plural. Es kommt wie folgt vor: t Laggerwiissa ‘ die weisse Wasserleitung nach Lax ’ (Fiesch), am Lagger Stalden ‘ am steilen Abhang von 61 62 Lax <?page no="585"?> Lax / der Leute von Lax ’ (1529 u. später), Laggeralpa ‘ die Alpe der Leute von Lax ’ (FLNK, Lax), Laggerputz ‘ der Tümpel auf der Laxeralp ’ (FLNK, Lax), Laggerstafel ‘ der Stafel der Leute von Lax (auf der Laxer-Alp) ’ (FLNK, Lax), Laggerwald ‘ der zu Lax gehörende Wald ’ (FLNK, Lax), in Laggeren Rÿtenen ‘ in den gerodeten Gebieten der Leute von Lax ’ (1746, Martisberg) und das lat. aqueductum Laggero ‘ die Wasserleitung der Leute von Lax ’ (1487, Lax). Ebenfalls eine / - ER / -Ableitung ist in Laxer vorhanden: Laxerwald ‘ der Wald, der den Leuten von Lax gehört ’ (LT und SK, Lax), Laxeralp ‘ die Alpe der Leute von Lax ’ (LT und SK, Lax), Laxerstafel ‘ der Stafel der Laxeralpe ’ (LT, Lax) und die Laxer Weiden ‘ die Weiden, die zu Lax gehören ’ (1849, Martisberg). Als Wasserleitungsnamen finden sich t Laggera (Fieschertal) und t Laggeri (Fiesch), vermutlich die gleiche Wasserleitung zur Bewässerung von Lax. Wohl zum FaN Lagger, der laut AWWB (144) im Goms beheimatet war, aber nicht in Lax, sind der Laggipetschibrunne ‘ die Quelle, der Brunnen des Peter Lagger ’ (Reckingen) und ts Martilaggersch Balma ‘ der überhängende Fels des Martin Lagger ’ (Naters) zu stellen. Läz Läz Adj. ‘ verkehrt, falsch ’ ist zu schwdt. Adj. lëtz ‘ verkehrt ’ und wdt. läzz ‘ falsch, unrecht, verletzend ’ (I D . 3, 1549 ff.; G RICHTING 1998, 126) zu stellen. In FlNN ist es meist als ‘ schattseitig ’ , manchmal als ‘ links ’ zu verstehen, vgl. auch schwdt. Lëtzi f.: ‘ Nordseite, Schattenseite ’ (I D . 3, 1555). Von den rund 50 Flurnamen enthalten die meisten das Adjektiv als flektiertes oder unflektiertes Attribut. Zu unterscheiden ist die Schreibform Letz mit den Grundwörtern Acher, Bodu, Haalta, Hasel, Matta und Wang von der gesprochenen Form Läz / Lätz. Die Grundwörter sind Acher, Ägerta, Blatta, Burg, Egg (a), Feschti, Figina, Fura, Gand, Gole, Haalta, Hasel, Lüege, Matta, Satz, Schnitta, Sita, Sinwel, Stäga, Wald, Wang und Zwinge. Komplexer sind etwa t Läz Brunnigbletscha ‘ die schattseitige Ebene beim Gebiet mit Quellen / Brunnen ’ (Blatten), der Läz Golerschleif ‘ der Schleif, der zum Läz Goler (schattseitiges Goler) führt ’ (Raron), der Läz Torembach ‘ das Gebiet links des Dornbaches ’ (Ferden), ts Läz Üsserbi ‘ das schattseitige Ausserbinn ’ (Ausserbinn), im Läzu Wiingäärtji ‘ im schattseitig gelegenen kleinen Weingarten ’ (Visperterminen) und weitere. Nur einmal belegt ist eine neutrale Substantivierung ts Lätza ‘ die Schattseite ’ (Oberems). Das HL kommt in allen Oberwalliser Bezirken vor. Lechi Lechi ist nur 1337 in Inden als en lechi belegt. Im Dokument wurde ein ursprüngliches / o/ in lochi durch / e/ (vermutlich Bleistift) ersetzt. Im zweiten Eintrag ist en lochi erhalten. Beides bestätigt von P H . K ALBERMATTER (p. c.). Vermutlich liegt also der Flurname en lochi vor (cf. HL L OCHI ). Lechuet Lechuet ist historisch in Salgesch erwähnt, 1346 als en lescuet, 1494 als en lechu ᵛ et. Es handelt sich um ein Stück Land. Die Schreibweisen sind leider nicht ganz klar. Der Anlaut könnte deswegen einen Artikel le darstellen, dem ein scuet oder chuet (vereinfacht) folgt. Es könnte zu lat. CAUDA schwanz (FEW 2, 521 ff.) gestellt werden. B OSSARD / C HAVAN (2006, 102 s. v. Cua) beziehen sich auf die Benennung für ein ‘ langgezogenes Stück Land ’ . Bei dieser Deutung müsste die Endung auf / - ET / erklärt werden, die auf diminutives / - ITTU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) hinweist, also ‘ ein kleines langgezogenes Stück Land ’ . Ledi Ledi f. ist zu schwdt. Ledi f. hier: ‘ Ladeplatz; Ort, wo man Lasten aufnimmt; eine ansteigende Gegend ’ , mhd. lede f. (I D . 3, 1074 ff.; E GLI 1982, 220) zu stellen, ein Verbalabstraktum auf / - I / (S ONDEREGGER 1958, 499) zu lade n ‘ laden, beladen ’ (I D . 3, 1059 f.). Es handelt sich im Allgemeinen um Orte, an denen Lasten auf- oder abgeladen werden können. Manchmal sind das aber auch einfach ebene Plätze. Wie BENB (1, 3, 69) ausführt, kann Ledi auch mit Legi (cf. HL L EGI ) verwechselt werden. Das Simplex tritt vor allem im Singular, häufig mit Präpositionen wie an oder in auf; Anderledi (AWWB 10) ist auch FaN (hier jedoch nicht belegt): t Ledi (Binn, Eyholz, Glis, Lax, Reckingen, Ried-Brig, Saas Grund), uf der Ledi (Törbel), Ledi (FLNK, Termen), an der Ledin (1399, Naters; 1530, Ernen), an dÿ Ledin (1521, Mund) und in der Ledi (1724, Mühlebach). Der Plural des Simplex ist seltener: t Ledine (Ried-Brig) und in dyen Ledinnen (1320, Glis). Mit attributiven Adjektiven findet man au ᵕ f der Wilden Ledi (1845, Glis), t Wilt Ledi (Termen). Wild heisst hier ‘ unfruchtbar, ungenutzt ’ . Vorangestellte Genitive sind Gassaro Ledin ‘ die Ledi (Ladestelle) der Leute vom Ortsteil Gassa / der Familie Gasser ’ (1393, Ried-Brig), in Jÿllo Leedÿ ‘ in der Ledi (Ladestelle) des Jillo ’ (1680, Blitzingen), wobei Jÿllo einen schwachen Genitiv aufweist, ts Chalbermattisch Ledi ‘ die Ledi (Ladestelle) der Familie Kalbermatten ’ (Visperterminen; FLNK Z Chalbermattersch Ledi), in Colten Ledin ‘ die Ledi (Ladestelle) des Colten (PN oder FaN) ’ (1299, Ried-Brig), in Martigo Ledi ‘ in der Ledi (Ladestelle) der Läz 63 64 <?page no="586"?> Familie Martig ’ (1725, Ried-Brig), an der Troger Ledi ‘ an der Ledi (Ladestelle) der Familie Troger ’ (1645 (ca.), Termen), in der Trogers Ledÿ ‘ in der Ledi (Ladestelle) der Familie Troger ’ (1700, Ried-Brig). Als Grundwort erscheint das HL wie folgt: t Sattelledi (Ried-Brig, Termen), wohl ursprünglich Sattellegi (cf. HL L EGI ); die beiden Flurnamen bezeichnen die gleiche Flur, die Schuttel Ledin ‘ die Schuttel-Ledi (Ladestelle) ’ (1388, Ried-Brig), wo Schuttel unklar ist; di Dooruledi ‘ die Ledi (Ladestelle) bei den Dooru (Dornen) ’ (Ried-Brig). Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Gassa, Scheid, Schleif, Schluocht, Ture und Wald. Komplexer ist Mitlesten Ledischlucht ‘ die mittlere Geländeeinbuchtung bei der Ledi (Ladestelle) ’ (1547 u. später, Reckingen). Auffällig ist, dass der Name nur in den Bezirken Goms, Brig und Visp erscheint. Lee Lee n. ‘ Lehen ’ ist zu schwdt. Lehe(n), Lee(n) n. ‘ Pacht, Lehen, Lehensvertrag; Lehenhof; Pfarrpfründe ’ , mhd. l ē hen (I D . 3, 1236 f.) zu stellen. Die beiden HLL L EENI f. und L ÄNA f. sind vor allem im Dativ Plural (Lenen) schwer von Lee n. zu unterscheiden. Zum Lehenswesen vgl. den Artikel Lehen von B. A NDENMATTEN im HLS (https: / / hlsdhs-dss-ch/ de/ articles/ 008972/ 2008-01-21/ [06.07.2020; IW]). Das Simplex im Singular erscheint als Lee, oft mit Präpositionen wie im Lee in rund 20 Belegen im ganzen Oberwallis. Historische Belege mit Lehen, Lehn, Leen oder Len sind teilweise unsicher. So ist in Turtmann 1592 in den Lehnen belegt, 1632 dagegen jm Lehen. Der Erstbeleg könnte auch zu Leeni oder Läna gestellt werden. In Eischoll ist 1624 am Lehn belegt, aber FLNK hat Leene, was wiederum zu Leeni oder Läna gestellt werden kann. Saas Fee hat 1592 jn dem Lehnen und 1603 in den Leene; es kann durchaus sein, dass hier der lebend als t Leeni belegte Name gemeint ist. Wohl verschrieben ist jm Lan ‘ im Lehen ’ (1793, Unterems). Plurale des Simplex sind nicht sicher belegt. Attributive Adjektive zum Grundwort Lee sind wie folgt belegt: das Gemein Leen ‘ das Lehen, das der Gemeinde gehört ’ (1490, Ergisch), im Hintern Lehn ‘ im hinteren Lehen ’ (1817, Bellwald), z Innerscht Lee ‘ das innerste Lehen ’ (FLNK, Saas Balen), ts Ober Lee ‘ das obere Lehen ’ (Bellwald, Saas Almagell; 1573, Münster), ts Unner Lee ‘ das untere Lehen ’ (Bellwald, Saas Almagell) und z Unnerscht Lee ‘ das unterste Lehen ’ (FLNK, Saas Balen), also zumeist relative Lagebezeichnungen. Vorangestellte Genitive sind: Ahornerro Len ‘ das Lehen der Leute vom Ahorn (Weiler von Naters) ’ (1383, Naters), im Ärner Lehn ‘ im Lehen der Leute von Ernen ’ (1813, Ernen), de Brungners Lene ‘ vom Lehen der Familie Brunner (? ) ’ (1301, Bürchen, mit einer Form Lene im Ablativ / Dativ), in Gertschen Lehn ‘ im Lehen der Familie Gertschen ’ (1636, Oberems), Kumberro Leen ‘ das Lehen der Leute von der Chumme (Mulde) / der Familie Kummer ’ (1307, Bürchen), Laudunerro Leen ‘ das Lehen der Leute von Lalden ’ (1305, Baltschieder), Milebacher Lee ‘ das Lehen von Mühlebach / der Leute von Mühlebach ’ (FLNK, Mühlebach), Phafenlen ‘ das Lehen des Pfarrers / der Familie Pfaffen ’ (1300, Raron), feudum Salten ‘ das Lehen des Salten (Weibels) ’ (1454, Raron, nachgestellt wegen lat. feudum), Tazero Len ‘ das Lehen der Leute von Tatz ’ (1302, Steg), Wichers Len ‘ das Lehen des Wicher (PN Wighart) ’ (1314, Mörel; 1344: Wyckerleen), Wigrello Len ‘ das Lehen der Leute vom Wigler ’ (1347, Hohtenn), der Zuberro Leen ‘ das Lehen der Familie Zuber ’ (1304, Törbel). Als Grundwort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita. Bestimmungswörter sind Baumnamen wie in ts Birchle ‘ das Lehen bei der Flur Birch (Birkengehölz) ’ (Bellwald) (nach Gwp. wachsen hier allerdings Eschen), ts Hasellehn ‘ das Lehen im Gebiet Hasel (wo es Haselsträucher hat ’ (Ferden), ts Hasillee ‘ das Lehen beim Gebiet, wo es Haselsträucher hat (LT hat falsch Hasenlehn) ’ (Raron), Hasulee ‘ (unklar, ob Hasenlehen oder Hasellehen) ’ (FLNK, Ausserberg, aber 1654 jm Hasollehn). Auch Tiernamen sind belegt: ts Bärulee ‘ das Lehen, wo es Bären hatte (G RICHTING 1993, Blatt 11, Nr. 6 u. ö. hat Bäruley) ’ (Leukerbad) - die Form G RICHTING s orientiert sich wohl am hdt. Verb leihen - , ts Schaafle ‘ das Lehen für die Schafe ’ (Binn). Wohl bestimmte Rechtsbegriffe finden sich in im Halblehn ‘ im Halblehen ’ (1771, Fiesch) (zu Halblehen ‘ zeitlich eingeschränktes Lehen, meist auf 9 Jahre ’ vgl. G R W B 10, 208) und am Manlhenn ‘ am Mannlehen ’ (1585 u. später, Münster) und zem Manlech ‘ beim Manlehen ’ (1471, Münster) (dazu I D . 3, 1238 ‘ nur im Mannesstamm vererbliches Lehen ’ ). In den übrigen Belegen sind meistens naheliegende Flurnamen vertreten, wie in au ᵕ f dem Alpenlehn ‘ auf dem Alpenlehen ’ (1821, Blitzingen), an dem Brunlene ‘ an dem Lehen bei der Quelle / dem Brunnen ’ (1303, Raron), ts Gasslee ‘ das Lehen bei zu Gassen ’ (Bellwald) und weitere. Unsicher sind in den Waiglehenen ‘ in den Waiglehen ’ (1856, Bürchen) und t Wengerle ‘ die Lehen bei den Grasabhängen / die Lehen der Familie Wenger ’ (Törbel). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita findet sich das HL zusammen mit den Grundwörtern Acher, Bach, Brunnu, Chäschera, Egg(a), Eie, Fach, Gadu, Gassa, Grabu, Güot, Haalta, Matta, Sand, Schiir, Schlund, Strich, Tschugge, Wald, Wasser, Weid und Wild. Vermutlich verschrieben ist die Lanhn=Gassen ‘ die Gasse vom / zum Lehen ’ (1793, Unterems). 65 66 Lee <?page no="587"?> Eine schwierig zu erklärende Form ist Leenera ‘ das Gebiet, das der Familie Lehner gehört / die Wasserleitung beim Lehen ’ (FLNK, Mühlebach). Es kann sich um eine feminine Ableitung zum FaN Lehner handeln, dann wäre ‘ das Gebiet der Familie Lehner ’ zutreffend; es gibt allerdings diesen FaN in Mühlebach nicht. Oder es handelt sich um eine / - ERA / -Ableitung für Wasserleitungen. Dann handelt es sich vermutlich um einen lokalen Namen für eine sonst Trusera (Ernen) genannte Wasserleitung. Der in Zermatt belegte Flurname Z Leenisch (Dorfteil von Zermatt) dürfte auf den FaN Lehner zurückgehen. Das unter Lee belegte en len sert (1333, Albinen) gehört nicht hieher, sondern zum rom. HL E SSERT . Leeji Leeji n. ist nur in Visperterminen als ts Leeji, sowie als ts Ober und ts Unner Leeji belegt. Die Flur ist auf 1: 10000 als Leeji verzeichnet. Es handelt sich um ein Diminutiv zum Substantiv Lehen ‘ Lehn ’ (W IPF 1910, 123; cf. HL L EE ), also ‘ das kleine Lehen ’ , kaum zu Lei(m) ‘ Lehm ’ (Z IM- MERMANN 1968, 121), wie der lange Stammvokal zeigt. Leemänglu Leemänglu ist zweimal belegt: t Leemänglä (unklar) (Leukerbad) und der Leemänglugrabu ‘ der Graben bei der Leemänglu ’ (Leukerbad). Beide sind auch bei R. G RICH- TING (1993) belegt: Lemänglä (Blatt 15, Nr. 13 und Blatt 16, Nr. 9) und Lemänglugrabu (Blatt 16, Nr. 6). Der Akzent ist jeweils auf der ersten Silbe, sodass unklar ist, ob es sich um ein dt. oder rom. Wort handelt, ob der Name ein Kompositum ist und wie er zu gliedern wäre. Da historische Belege fehlen, kann keine Deutung gegeben werden. Leeni Leeni f. ‘ Lehne ’ ist wohl zum schwdt. Lëne n f. ‘ Lehne ’ (I D . 3, 1283) zu stellen. Seltsam daran ist das geschlossene / e/ auch im oberen Teil des Oberwallis, wo eigentlich ein offenes / ä/ (wie in Läna) zu erwarten wäre. Allerdings ist der Vokal im zugrundeliegenden Verb lëne n ‘ lehnen ’ problematisch (P AUL 25 2007, 91 kennt linen und lënen). Zu vermuten ist, dass nachfolgendes / i/ zu einem gehobenen / e/ führte, während nachfolgendes / a/ (wie in Läna) ein gesenktes / ä/ zur Folge hatte. Leeni ‘ Lehne ’ ist sicher bezeugt in Grengiols, wo es auch t Inner Leeni und t Ober Leeni gibt. Die Grengjer Formen machen deutlich, dass / e/ angesetzt werden muss, liegt doch die Gemeinde im Gebiet, das hier sonst / ä/ hat. Die übrigen Gemeinden sind: Grächen, wo es ein Diminutiv im Plural t Leenini gibt; die Gwp. meint zwar, diese Flur sei früher <verlehnt> worden, doch dürfte diese Erklärung eher sekundär sein. Der Leenibach führt zu den Leenini hinunter; in Saas Fee gibt es eine Leeni (wohl schon 1393 als Lene belegt), zu der auch t Inner und t Üsser Leeni gehören; eine Üsser Leeni ist auch für Saas Balen belegt - es handelt sich aber um die gleiche Flur wie in Saas Fee. Der Leenistäg ‘ Leni-Steg ’ (Saas Grund) überquert die Vispe bei der Leeni. Zeneggen hat ebenfalls eine Leeni und dazu t Inner Leeni. In allen Fällen scheint Leeni eine leicht geneigte ‘ (Berg-)Lehne ’ zu sein. Leeonii (PN) Leeonii (PN) f. ‘ Leonie ’ ist nur einmal in Gampel als ts Schgüüserleeoni belegt, der auch Schgüüserwaldji heisse. Leeonii ist wohl der Name einer Frau, die entweder im betreffenden kleinen Wald den Schgüüser ‘ Durchfall ’ (G RICHTING 1998, 170) bekam (cf. HL S CHGUISER ) und dort ihre Notdurft verrichtete, oder die als unstete Frau herumwanderte (G RICHTING 1998, 170 s. v. Schggüüsa). Der PN Leonie ist nicht in I D . enthalten, vgl. D UDEN TB 4, 138: Leonie ist ein aus dem Frz. übernommener weibl. Vorname und eine Bildung zum männlichen Vornamen Léon (Leo). Leere Leere Vb. ‘ lehren, lernen ’ ist nur einmal belegt im ursprünglich wohl hdt. Gletscherlehrpfad (FLNK, Saas Fee). G RICHTING (1998, 126, s. v. leere mit Varianten) kennt das Verb als ‘ lehren, lernen ’ , ebenso I D . (3, 1367). Das Kompositum Lehrpfad hingegen ist nicht aufgeführt, aber im G ROSSEN W ÖRTERBUCH DER DEUTSCHEN S PRACHE (Mannheim 3 1999, Bd. 5, 2391) erwähnt. Ein Gletscherlehrpfad vermittelt Wissen über Gletscher. Leeri Leeri f., auch Leera f., ist als zunächst umgelautete und dann entrundete Form zu schwdt. L ō re n f. ‘ ein Haufe zusammengelesener Steine, z. B. auf der Alp ’ , ‘ mit Steinen oder Steingeschiebe erfülltes oder verschüttetes Gelände, steiniges Land ’ (I D . 3, 1374; zur Herkunft des Wortes cf. TGNB 2, 2, 369) zu stellen. Darauf deuten die ältesten historischen Belege hin: in Visp ist 1278 in dien Loren und 1383 dv ᵢ Lo ᵉ r bezeugt, in Filet 1382 vf dien Lo ᵉ ren und in Fieschertal 1482 jn den Lo ᵉ ren. Die historische Form bey der Leeri ‘ beim steinigen Gebiet ’ (1808, Bister) wird durch die lebenden t Ober Leeri ‘ der obere Teil des steinigen Gebietes ’ und t Unner Leeri ‘ der untere Teil des steinigen Gebietes ’ (beide Bister) ergänzt; die feminine I -Form ist der Umlautung und Entrundung förderlich. Die ebenfalls feminine Form auf / - A / ist als t Leera ‘ das steinige Gebiet ’ (Fiesch) Leeji 67 68 <?page no="588"?> bezeugt, dazu kommen jn den obren Leren ‘ in den oberen steinigen Gebieten ’ (1541, Fiesch), die Lergassa (1643, Fiesch; schon 1541 als Loergassen) und an dÿ Lo ᵉ rwasserleytton ‘ an die Wasserleitung vom / zum steinigen Gebiet ’ (1500 u. später, Fiesch). In Mund ist Ze Leeru ‘ bei den steinigen Gebieten ’ (FLNK) belegt, das historisch ab 1448 als Lo ᵉ rmatta ‘ die Wiese beim steinigen Gebiet ’ erscheint. t Obru Leere ‘ die oberen steinigen Gebiete ’ und t Undru Leere ‘ die unteren steinigen Gebiete ’ (beide Mund) sind am Ort Ze Leeru belegt. Historisch gibt es hier auch an die Lerenwasserleita ‘ an die Wasserleitung von / zu den steinigen Gebieten ’ (1785, Mund). im Lerbrunnen ‘ die Quelle / der Brunnen im steinigen Gebiet ’ (1553, Grächen) ist nicht ganz klar - es handelt sich wohl um ein wasserführendes Gebiet mit vielen Steinen. Ganz unsicher ist Leerschiir ‘ die Scheuer beim steinigen Gebiet ’ (FLNK, Geschinen); da hier kein Simplex bezeugt ist, bleibt die Deutung unsicher. Im Beleg Lory (1301, Mund) ist unklar, ob eine Diminutivform zu Lor vorliegt (also ein früher Beleg für Ze Leeru), oder ein PN Lory (Lorenz). Es ist gegenwärtig zum HL L OORI gestellt, wo sich auch weitere gerundete Belege finden, die zu Leeri gehören könnten. Leeschi Leeschi f. ist zu schwdt. Lösi ‘ eine Lache Flüssigkeit ’ (I D . 3, 1445) und wdt. Leeschi f. ‘ Wasserguss, Regenguss ’ (G RICHTING 1998, 126) zu stellen (cf. auch HL L ESCH ). Beide gehören zum Verb schwdt. löse n ‘ ausleeren ’ und wdt. leesche, leeschä (Goms), leeschn (Lötschental), leeschu ‘ leeren, ausschütten ’ (I D . 3, 1442; G RICHTING 1998, 1236). Das Nomen ist in t Leeschine ‘ Wasserfälle über die Bachverbauungen ’ (Visperterminen) als “ Wasserfälle ” und in t Sandleeschi ‘ die Wasserfassung (der Lonza AG) im Sandgebiet ’ als “ Wasserfassung ” belegt. Leess Leess f. ist in Leukerbad und Varen historisch belegt: 1328 es leýz, 1355 deys loez (beide Leukerbad), 1473 eys les, 1581 de la Lees (Varen). In Leukerbad und Inden ist es belegt als Lees. Es handelt sich sicher um einen romanischen Namen. Nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 249) kommt am ehesten Lex mit den Varianten Lé, Li, Ly und der Bedeutung ‘ paroi rocheuse, dalle ’ (dt. etwa Blatten) in Frage. Darauf weist auch T AGMANN (1946, 46) für l ẅ é ̣ i (Miège) hin, der sich auf J ACCARD (1906, 231) bezieht, aber dessen Deutung von dt. Lei ‘ Fels ’ (so auch bei M EYER 1914, 166) zurückweist. Der Name wird von ihm nach REW 5094c auf kelt. *loce ‘ terrain en pente ’ zurückgeführt; B OSSARD / C HAVAN (2006) schlagen kelt. *lake ‘ Felsplatte ’ vor. FEW (5, 132 f.) zu kelt. *lake ‘ Steinplatte ’ und FEW (5, 399 f.) zu kelt. *l ō ke ‘ glatter Hang ’ lassen vermuten, dass eher die Bedeutung ‘ Felsplatte ’ vorliegt. Die Photo von R. G RICHTING (1993, Blatt 2) zeigt einen begrünten Felshang; es kann auf Grund des Realbefundes nicht zwischen den Bedeutungen entschieden werden. Das auslautende / s/ in Leess deutet auf einen romanischen Plural hin. Unklar ist Praales (Leukerbad); der Ort befindet sich bei Leess, die erste Silbe ist auf lat. PRATU ‘ Wiese ’ zurückzuführen; es würde sich also um ‘ die zur Leess gehörende Wiese ’ handeln. Leess ist weiter als Bestimmungswort in Leeshalte (Leukerbad, Varen), Leesherner (Inden) und Leeshoru (Leukerbad) enthalten. Der Varner Name bezieht sich im Übrigen auf einen anderen Ort, sodass mindestens zwei Flurnamen Leess zu unterscheiden sind. R. G RICH- TING (1993, Blatt 2) zählt als weitere Namen auf: Lees- Chrächu, Leestotz ‘ der Felsklotz bei Leess ’ und Leeswaldji; sie sind in der Datenbank nicht vorhanden. Leet Leet ist nur von FLNK für Albinen belegt. M ATHIEU (2006, 29) kennt es als Leet. In d Leet liegt also ein Feminin vor; historische Belege fehlen. Es ist wohl mit B OSSARD / C HAVAN (2006, 249) zu Lette, Letton zu stellen: ‘ bande de gazon au-dessus ou entre des rochers, surtout Valais et Alpes, étym.: inconnue ’ - also Grasstreifen oberhalb oder zwischen Felsen; die Etymologie ist unbekannt. Leeti Leeti f. ist ein steiles Felsgebiet in Grengiols. Danach ist das Leetihore benannt, ebenso der Leetibode (bei Grengiols). Der Name ist wohl über die Ableitung lötig (I D . 3, 1502) ‘ völlig, baar, lauter ’ als / - ÎN / -Abstraktum zu Lôt gebildet mit der Bedeutung ‘ leeres Gebiet, Gebiet ohne Bewuchs ’ . Die von G RICHTING (1998, 126) für Leeti angegebene Bedeutung ‘ Rausch ’ erklärt sich aus der übertragenen Bedeutung des Verbums leete ‘ löten, saufen ’ . Während hier das vollständige Betrunkensein gemeint ist, wird im Lokalnamen auf die Nacktheit, das vollständige Fehlen von Bewuchs hingewiesen. Leetitschier Leetitschier ist in Leukerbad (FLNK Letitscher; LT Letitschier), seltener auch als Letetschier belegt. Hinzu kommen der Leetetschiergrabu ‘ der Graben bei Letitschier ’ (Leukerbad) und - nur historisch - im Oberen Letischier (sic! ) (1817, Leukerbad). R. G RICHTING (1993) kennt Letitscher (Blatt 5, Nr. 31 und Blatt 6, Nr. 25) und Letitschergrabu (Blatt 6, Nr. 26 und Blatt 10, Nr. 6). Die ältesten zwei Belege stammen von 1749 mit im Letizier und 1795 in Letet Zier. Vermutlich liegt ein romanischer Name vor; die späten Belege (erst 1749) verunmöglichen eine Deutung. 69 70 Leetitschier <?page no="589"?> Leetschi Leetschi n. ist der Kurzname für Personen aus dem Lötschtal. Belegt sind ts Leetschisch Weidu ‘ die Weiden des Lötschtalers ’ (Hohtenn), ts Leetschisch Wildi ‘ das unfruchtbare Gebiet des Lötschtalers ’ (Hohtenn) und 1820 des Lötschis Matta ‘ die Wiese des Lötschtalers ’ (Eggerberg) mit / ö/ anstelle des entrundeten / e/ . Leetzine Leetzine ist nur von FLNK für Oberwald als Leetzine ‘ die schlecht besonnten Halden ’ belegt. Der Name scheint ein Plural zu sein; es handelt sich um ein steiles Wald- und Wiesengebiet entlang des Eggergrabens südlich von Oberwald. Der Name passt am ehesten zum HL L ITZI und meint dann u. a. die schlecht besonnte Halde (I D . 3, 1566). Die Leetzine befinden sich auf der linken Seite des Rotten, sind steil und schlecht besonnt. Der Wechsel von / i/ und / e: / ist nicht unmöglich, aber schlecht belegt. Kaum infrage kommt eine Deutung zum HL L ÄTZ . Lefful Lefful ‘ Löffel ’ m. ist zu schwdt. Löffel, wdt. Leffel, Leffu o. Leffäl (Goms), Lefful (Mattertal), Leffl (Lötschtal), Leffil m. ‘ Löffel ’ , in FlNN mit Bezug auf die löffelähnliche Form des Geländes (I D . 3, 1152 ff.; LUNB 1, 1, 637 f.; G RICHTING 1998, 126) zu stellen. Belegt ist ein Namennest um das Löffelhorn (Münster), dial. ts Leffelhore (Geschinen) herum, wo sich t Leffje ‘ die Löffel (Felszacken beim Löffelhorn (Gipfelname)) ’ (Münster), der Leffelgraad ‘ der Löffelgrat (LT Löffeltätsch (vgl. Nr. 46349) beim Löffelhorn (Gipfelname) ’ (Geschinen), Löffeltätsch ‘ der Löffeltätsch (FLNK Leffeltätsch), Fleck beim Löffelhorn (Gipfelname) ’ (Geschinen) befinden. Das Simplex erscheint als dr Leffel ‘ der Löffel (SK Im Löffel) (Gebiet von der Form eines Löffels) ’ (Ferden) mit dem zugehörigen dr Leffelwäg ‘ der Weg zum Gebiet Löffel ’ (Ferden). Mit einem attributiven Adjektiv ist nur belegt zum Silberne Leffel ‘ zum silbernen Löffel (Mulde mit weissem Gestein) ’ (Zermatt). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Blatte, Brunnu, Char und Ture. Die Motivation ist normalerweise das Aussehen des Gebietes oder des Berges wie ein Löffel, also ein metaphorischer Gebrauch. Leger (FaN) Leger ist historisch belegt als Legerro (1356, Visp), ein Genitiv Plural zu einem FaN Leger oder zu einer Herkunftsbezeichnung zu Legi (cf. HL L EGI ) und lebend in ts Legerhaaltji ‘ die kleine Halde der Familie Leger / bei den Leuten von der Legi ’ (Randa). Leger ist als FaN in unseren Quellen nicht belegt, kommt aber in der französischen Form Léger (NWWB 1, 153) im Unterwallis vor. Historisch ist zwar nicht sicher zu unterscheiden zwischen Leger und Läger ‘ Liegestelle für das Vieh ’ ; im Fall von Legerro schliesst der Kontext Läger allerdings aus, da sich das Grundstück im heutigen Grund (Brig-Glis) befand, der im 14. Jahrhundert unter ständiger Überschwemmungsgefahr stand und sich nicht als Läger ‘ Lagestelle für Vieh ’ eignete. Legi Legi f. ist zu schwdt., wdt. Legi ‘ Lage, Schicht; primitive Verzäunung auf Viehweiden, bestehend aus sammt den Wurzeln und Ästen ausgehobenen Tannen oder sehr starken Latten, die schief, treppenartig übereinander gelegt werden; ein Zaunübergang aus treppenartig übereinander angebrachten Latten, Stangen oder Brettern; Sperrvorrichtung (bzw. gesperrter Durchgang) in einem Weidezaun, einer Hecke oder Mauer, bes. für Fuhrwerke oder Tiere, bestehend aus je einem mehrfach durchbohrten Seitenpfosten und 3 - 5 in jene Bohrlöcher passenden, verschiebbaren Stangen, die man am Schluss der Weidezeit ganz wegnimmt, um den Winterweg offen zu halten; Querstange über eine Strasse oder einen Weg; Lagerplatz, Ort, wo etwas abgelegt wird ’ (I D . 3, 1196 f.; LUNB 1,1, 615) zu stellen. R ÜBEL (1950, 111) erwähnt Legi als schmalen Durchgang für die Schafe bei der Schafscheide. Das HL bedeutet normalerweise einen Zaun oder einen Zaundurchgang oder -übergang. In wenigen Fällen scheint es andere Bedeutungen zum Verb legge, leggä (Goms), leggn, leggu ‘ legen ’ (G RICHTING 1998, 126; s. a. BENB 1, 3, 67 ff. s. v. Legi) zu vertreten. Das Simplex im Singular ist als mit der Legi ‘ bei der Legi (Zaun, Zaundurchgang) ’ (Randa), zer Legi ‘ Zaun, Zaundurchgang ’ (Niedergesteln), Legi ‘ Zaun Zaundurchgang ’ (FLNK, Münster; FLNK, Reckingen; FLNK, Ulrichen), historisch als bey der Legi ‘ bei der Legi (Zaun, Zaundurchgang) ’ (1804, Oberwald) und beÿ der Legi ‘ bei der Legi (Zaun, Zaundurchgang) ’ (1697 u. später, Selkingen) belegt. Der Plural des Simplex erscheint als bine Legene ‘ bei den Leginen (Zaundurchgänge) ’ (Obergesteln) und t Legine ‘ die Leginen (laut Gwp. Weiden, erlegene Äcker; heute teilweise bewaldet) ’ (Unterbäch, FLNK Legine), wo eventuell auch eine wohl gelegene Fläche gemeint sein kann. Attributive Adjektive, auch Numeralia, finden sich in bey der Ersten Legi ‘ bei der ersten Legi (Zaun, Zaundurchgang) ’ (1678, Münster), bey der Obren Legi ‘ bei der oberen Legi (Zaun, Zaundurchgang) ’ (1676, Münster), die Wiesten Legi ‘ die wüste, öde Legi (Zaun, Zaundurch- Leetschi 71 72 <?page no="590"?> gang) ’ (1766 u. später, Münster). di Breit Lägin ‘ die breite Ebene ’ (Blatten) weist ein offnes / ä/ und lässt sich zu Lägi ‘ ebene, flache Lage ’ (I D . 3, 1167) stellen. Mit einem vorangestellten Genitiv erscheinen gegent Hengertesch Legi ‘ bei der Legi (Zaundurchgang) der Familie Hengartner ’ (1720, Ritzingen), beÿ Hoferslegi ‘ bei der Legi (Zaun) der Familie Hofer ’ (1667, Reckingen), bey der Bachers Legi ‘ bei der Legi (Zaundurchgang) der Familie Bacher ’ (1805, Ritzingen), ts Bielersch Legi ‘ mit einer Legi (Zaun) abgetrennte Wiese der Familie Bieler ’ (Obergesteln), bey der Tscheinen Legy ‘ bei der Legi (Zaundurchgang) der Familie Tscheinen ’ (1752, Selkingen), beÿ Willisch Legÿ ‘ bei der Legi (Zaundurchgang) der Familie Willisch ’ (1749, Niederwald). Unklar ist der Beleg beÿ Wille Leginen (1821, Reckingen), wo Wille sich entweder auf Wiler oder auf eine Person namens Willi beziehen kann; formal ist jedoch kein Genitiv erkennbar. Als Grundwort kommt das HL vor allem beim Typ Sattellegi vor. BENB (1, 3, 68) kennt die Kombination zwar, gibt aber keine Deutung. www.ortsnamen.ch kennt (besucht am 21. 6. 2018 von IW) drei Vorkommen von Sattellegi (alle in Bichelsee-Balterswil TG) und gibt zwei Deutungen: ‘ Ort, wo der Sattel (beim Ausruhen) abgelegt wurde ’ oder ‘ Sattelförmiger Übergang über Weidzaun ’ (in TGNB nicht belegt, soweit erkennbar). Der Typ erscheint als Sattelleguyn (1320 u. später, Termen), in der Sattelleginn (1581, Visp), die Sattollegin (1657, Baltschieder), Sattollo e gi (1583, Eggerberg), t Satlegi (Kippel), t Sattolegi (Bürchen, Unterbäch), t Sattulegi (Bellwald), in der Sattelleguyn (1320 u. später, Zwischbergen), sowie erweitert als t Ober und t Under Satlegi ‘ der obere und der untere Teil der Sattellegi ’ . Mit attributiven Adjektiven ist in der Obern Satellegÿ (1548, Brig), die Ober Sattellegin (1563, Eggerberg), im Kontext als saxum ‘ Fels ’ benannt, und t Ober und t Under Sattlegi ‘ der obere und der untere Teil der Sattellegi ’ (Ferden) belegt. Die Belege lassen keine klare Deutung zu. Der unter dem HL Satelledi aufgeführte Beleg von 1397 in der Satellegin (Ried-Brig) zeigt, dass dieser Beleg zu einem sonst unbekannten Sattellegi gehört (wobei schon BENB 1, 3, 69 auf die Vertauschung von Legi und Ledi hinweist). t Hoggusattlegi ‘ die Sattlegi auf der Hockunalp ’ (Ferden, Kippel) (auf 1: 10000 nur Sattlegi) meint wohl einen Zaunübergang auf der Hockenalp. 1656 ist in Reckingen beÿ der Ku ᵕ mmen Legi belegt; hierzu sind biner Erschte Chummelegi, t Zweit Chummelegi und biner Dritt Chummelegi (alle Reckingen) bezeugt; der historische und die lebenden Belege zeigen, dass es drei Legine (Zaundurchgänge) gab, die dem Vieh den Durchgang verboten. Heute sei keine <legi> mehr vorhanden. Nur in Ulrichen ist biner Söumlegi und in der Söumlegi, historisch ab 1573 und später bey der Saumlegi belegt. Die Belege finden sich in der Nähe der Söüme ‘ streifenförmige Stücke Wiesen in der Talebene des Rottens ’ (Ulrichen) und meinen Zäune oder Zaundurchgänge bei den Söüme. t Wolflegi (St. Niklaus) ist unklar. Gwp. sagt, es handle sich um ein ebenes Plätzchen unter einem Felsen, wo wohl ein Wolf erlegt worden war. Vermutlich handelt es sich eher um einen Zaun gegen Wölfe. di Baanlägin (Blatten) meint eine ebene Fläche beim Wyssried-Baan, also dem Banngebiet von Wyssried. Zu Lägin vgl. oben (I D . 3, 1167). Lehmann (FaN) Lehmann (FaN) ist einerseits Appellativ (Lëche n -Mâ nn ‘ Lehenmann, Pächter ’ I D . 2, 266) und anderseits FaN. Belege für den FaN fehlen zwar in AWWB und anderen Sammlungen, doch ist im Einzelfall nicht zu entscheiden, was vorliegt; in Münster und Ritzingen war laut Gwp. ts Leemisch ‘ die Leute des Lehensmannes ’ ein Beiname einer Familie. Das Lemma kommt nur als Bestimmungswort im Genitiv vor, entweder in der Vollform Lehnmanns (so in Lehnmans Eggen (1759, Biel) oder in Kurzformen wie t Leemischeige ‘ die Eigengüter der Familie Lehmann ’ (Binn), ts Leemeschgade ‘ der Gaden der Familie Lehmann ’ (Niederwald) und ts Leemasch Hüüs ‘ das Haus der Familie Lehmann ’ (Eggerberg). Mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung ist belegt Lemannigo Wald (1668, Stalden), also der ‘ Wald der Leute des Lehenmannes ’ . Weitere Grundwörter sind Stadol und das Kompositum Löubegg. Lehner (FaN) Lehner (FaN) ist der FaN Lehner, Lener, Imlehn. Die Familie ist in neun Gemeinden eingebürgert (AWWB 148). Belegt ist einerseits t Nazleenärlägi ‘ der Ort, wo Jgnaz Lehner niederlag ’ (Kippel), der dort laut Gwp. von einem Baum erschlagen wurde. In Zermatt ist der Genitiv ts Leenisch ‘ der Ort, wo die Lehner wohnten ’ belegt, ein Dorfteil von Zermatt. Leeni ist die dialektale Kurzform von Lehner. Unklar ist Leenera (FLNK, Mühlebach), eine / - ERA / -Ableitung, die sowohl als ‘ das Gebiet beim Lehen ’ wie als ‘ das Gebiet der Familie Lehner ’ gedeutet werden kann. Leid Leid ‘ hässlich, unansehnlich ’ , Adj., ist zum schwdt. und wdt. Adj. leid ‘ missgestaltet, hässlich, übel aussehend, schwächlich, wenig ertragreich; gering, unansehnlich, schlecht; übel; widerwärtig, misslich ’ , mhd. leit ‘ betrü- 73 74 Leid <?page no="591"?> bend, unlieb, widerwärtig, verhasst, böse ’ (I D . 3, 1079 ff.; G RICHTING 1998, 126) zu stellen. Das Adj. kommt in flektierter und unflektierter Form nur in attributiver Stellung zu den Grundwörtern Ägerta, Bach, Chapf, Egg(a), Grabu, Haalta, Matta, Stalde, Tritt, Tschugge, Wang und Weid vor. Komplexere Grundwörter sind Bachtela, Tänbach, Wätterhaalta und Morgundbrootji. Eine komplexe Konstruktion enthält Arnolcz Leitwang ‘ der hässliche Grasabhang des Arnold ’ (1380 u. später, Termen). Unklar ist der Beleg Leitläbä (FLNK, Blatten), das sich als ‘ der Ort mit dem schwierigen, unangenehmen Leben ’ deuten lässt. leid bezieht sich meistens auf eine schwierig zu bearbeitende, steile oder gefährliche Stelle. Im Alltag kann das Adjektiv auch einfach eine pejorative Steigerung sein (ä leidä Göüch ‘ ein fürchterlicher Narr ’ ). Leigetschu Leigetschu kommt nur in Eischoll als Beleg der FLNK vor. In Eischoll ist weiter t Leiggerfure ‘ die Furchen der Familie Leiggener ’ belegt; der FaN Leigginer ist 1567 für Eischoll bezeugt. Leigetschu liesse sich dann als eine / - SCHA / - SCHU -/ Ableitung zum FaN Leiggener mit der Bedeutung ‘ das Gut der Familie Leiggener ’ deuten. Allerdings würde die Vereinfachung von / gg/ zu blossem / g/ dadurch nicht erklärt. Das Endungs-/ t/ kann durch den Übergang zum Ableitungssuffix / - SCHA / - SCHU / zu Stande kommen. Leigg Leigg, hdt. Leuk (SK, LT) oder Leuk Stadt (1: 10000) ist der Hauptort des gleichnamigen Bezirkes. Nicht damit zu verwechseln ist der Weiler Leiggere (Ausserberg) (cf. HL L EIGGERN ), von welchem der FaN Leiggener abgeleitet ist. Der Ort befindet sich auf der nördlichen Talseite oberhalb des Rottens auf einem leicht ansteigenden Plateau. Zur Gemeinde gehören auch mehrere südlich des Rottens gelegene Weiler, darunter Susten, wo sich die Bahnstation befindet. Seit 2013 verband sich Leuk mit der früher selbständigen Gemeinde Erschmatt. Die latinisierte Form Leuca des deutschen Namens Leuk, dialektal Leigg, frz. Loèche, wird erstmals 515 in der Gründungsurkunde des Klosters St-Maurice erwähnt. Der Name wäre so der älteste belegte Ortsname des heutigen Oberwallis, allerdings ist die Urkunde von 515 nur in späteren Abschriften aus dem 12., 14. und 18. Jahrhundert überliefert (A MMANN 1983, 119). In den frühen Urkunden aus dem 12. Jahrhundert lesen wir Formen wie Leuca, Leuce, Leucam und Luchiam. Zu Grunde liegt diesen latinisierten Schreibformen ein ursprünglich keltisches Wort *leucos mit der Bedeutung ‘ hell, glänzend, weiss ’ (D ELAMARRE 2003, 200). K RISTOL ET AL . (2005, 531) haben die wechselhafte Geschichte der Deutung des Namens zusammengestellt. Klar ist, dass der Name vordeutsch sein muss; die meisten Autoren inkl. der Autorin M ARIA B ESSE schliessen sich dem Argument an, dass Leuk auf ein kelt. *leucos zurückzuführen ist. K RISTOL (2005, 531) weist allerdings darauf hin, dass die frz. und frpr. Formen wie Loêche, [lwitsi] (Montana) und [l ɛ tsi] (Val d ’ Anniviers) sich nicht auf *leucos, sondern auf *leucca zurückführen liessen. Begründet wird dies mit der Lautgeschichte des Lateinischen. W. M ÜLLER (p. c.) ist weiter der Meinung, dass die diphthongischen Lautungen wie Loêche und [lwitsi] sich nur durch eine Metathese erklären lassen, welche - anders als das vorausgesetzte *leuca - den betonten Vokal auf die zweite Stelle gesetzt hätten. Auch M ÜLLER ist der Meinung, dass ein Gewässername zu Grunde liegt. Während aber die meisten Autoren die Dala als Ausgangspunkt nehmen (sie fliesst in einer tiefen Schlucht an Leuk vorbei), nimmt er einen Bach an, der bei St. Martischbrunnu ‘ die Quelle des Hl. Martin ’ entspringt. Insgesamt ist der Ortsname also unsicher. Die deutsche Form Leigg muss eigentlich aus einer gerundeten Form Loigg entstanden sein, die nicht im Wallis, wohl aber ausserhalb 1417 als Loigg, 1419 als Löygg bezeugt sind. Im Wallis ist Leig erst 1669 bei Stockalper belegt. Später, also etwa 1671, erscheinen Leügg, Leügk, 1673 Leück usw. Die dialektale Form Leigg hat, im Unterschied zu den hdt. Formen keine Affrikata, sondern eine Fortis (notiert als - {gg}). Bis heute ist deswegen die dialektale Aussprache [leik], die hdt. aber [l ɔɩ kx]. Neben dem Ortsnamen gibt es eine Reihe von Flurnamen. Das vordeutsche Leuca erscheint 1255 im Zusammenhang mit einem FaN de Curia ‘ im Hof ’ (AWWB 129) als de Leuca ‘ von Leuk ’ und 1343 in les glarez de leuca ‘ les Glarez (im Sandgebiet / Kiesgebiet) von Leuk ’ . In Agarn ist seit 1543 zer Briggen Leuce ‘ bei der Brücke von Leuk ’ belegt; die späteren Belege (1669 und 1725) erwähnen aber Leuce ‘ von Leuk ’ nicht. Das hdt. Leuk ist nur in Stn. Leuk ‘ die Station (Bahnhof) der SBB ’ (Leuk, LT) erwähnt. Sonst ist der Ortsname vor allem als Genitiv Plural oder Adjektiv in der Form Leigger ‘ der Leute von Leuk ’ (S ONDEREGGER 1958, 526 ff.), manchmal auch Leiggeru erwähnt. Die Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind: Fäld, Brigga, Grabu, Grund, Kapälla und Matta. Komplexere Formen sind: den Alten Leigger Kehr ‘ der alte Leuker Kehr (Wegkehre der Strasse nach Leuk) ’ (1840, Leuk), der Leiggerburgerwald ‘ der Wald, der den Burgern von Leuk gehört ’ (Agarn), ts Niw Leiggerfäld ‘ das neue Feld der Leute von Leuk ’ (Leuk). Nur lateinisch belegt ist infra pontes Leuca ‘ unterhalb der Brücken von Leuk (unklar, ob Name) ’ (1607): gemeint sind mit dem Leigetschu 75 76 <?page no="592"?> Plural wohl die Brücken über die Dala, den Rotten und östlich davon führende Brücken (dank an H. R. A MMANN für die Auskunft). Eine seltsame Verhochdeutschung ist in Leucker Preussen (1761, Salgesch) und Leucker Preissen (1761, Varen) zu finden, die vermutlich beide auf frpr. Preises ‘ das / die Lehen ’ zurückgehen (B OSSARD / C HAVAN 2006, 129 s. v. Prise). Eine andere Ableitung auf / - ERA / - ERU / kennzeichnet Wasserleitungen: t Leiggere ‘ die Wasserleitungen, die von Unterems zum Leukergrund führen ’ (Unterems), aqua ’ ductum vocatum die Alten oder Leiggero ‘ die Wasserleite, die man die Alte oder jene der Leute von Leuk nennt ’ (1746, Leuk), Alti Leiggeru ‘ die alte Wasserleitung zum Leukergrund ’ (Ergisch), Ober Leiggeru ‘ die obere (Druck)Wasserleitung nach Leuk ’ (Unterems). Ganz unklar ist Leiggeru (FLNK, Turtmann), das vermutlich eine Wasserleitung im Rottental von Turtmann ins Leukerfeld kennzeichnet. Leiggener (FaN) Leiggener (FaN) ist ein FaN, auch Leigginer (AWWB 148), der vom Weiler Leiggere (Ausserberg) abgeleitet wird. Belegt ist er nur in ts Leigginerschiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Leiggener ’ (Niedergesteln). Ebenfalls zu diesem FaN wird t Leiggerfure (Eischoll) gestellt, obwohl dort nicht von Leiggener die Rede ist (cf. HL L EIGGERN ). Leiggern Leiggern, dial. a Leikru ist zunächst ein Weiler von Ausserberg. Die ältesten Belege haben 1280 (ca.) ab Leucrun, 1299 ab Lov ᵢ gerun, 1301 ab Leucrun, 1304 de Loevcrun, 1306 in Loevcrun, 1378 de Leucrun, 1381 ab Loucron usw. Erst 1548 ist erstmals ein entrundetes Leÿgerun belegt. Ausgangspunkt ist deswegen ein gerundetes Leuggra oder ähnlich. Eine deutsche Wurzel ist nicht bekannt. Der Name scheint eine Ableitung zum Etymon zu sein, das in Leuk (dial. Leigg) steckt und normalerweise auf kelt. leucos ‘ klar, glänzend ’ (D ELAMAR- RE 2003, 200) zurückgeführt wird; der Autor gibt u. a. Leucaro als Toponym an. Versuchsweise liesse es sich als ‘ die Glänzende ’ deuten. Neben dem Weilernamen selbst sind in Ausserberg belegt: t Leiggeralpa ‘ die Alpe der Leute von Leiggern ’ (Ausserberg), an Leigon Berenfad ‘ das Grasband mit Bären bei Leiggern ’ (1688, Ausserberg), in Leigginero Mure ‘ (die Wasserleitung) zur Mauer von Leiggern / der Familie Leiggener ’ (1703, Ausserberg). Das nur bei FLNK belegte Leiggeru Mettja ‘ die Mettle der Leute von Leiggern ’ (Ausserberg) enthält ebenfalls einen Genitiv, der auch zum FaN Leiggener gehören kann. Dieser FaN bezieht sich auf die Herkunft aus Leiggern (AWWB 148). In Raron ist 1656 jn Leigginero Biel ‘ auf dem Hügel der Bewohner von Leiggern / der Familie Leiggener ’ belegt. Gampel hat 1744 jn den Leiggeren, was als Teil von Obergampel (vermutlich als Gegenstück zu Niedergampel) bezeichnet wird. Lebendig ist hier t Leiggernäschä belegt, ein Stück Land mit Lischgras westlich von Gampel in der Rottenebene; die Endung Näschä (cf. HL N ÄSCHÄ ) lässt sich nicht erklären. Ob es sich um die gleiche Flur handelt, ist unklar. t Leiggerfure ‘ die Furchen der Familie Leiggener ’ (Eischoll) lassen sich nicht direkt mit dem Weilernamen in Verbindung bringen. Als Deutung wird hier der FaN genommen. Leim (Lehm) Leim m. ‘ Lehm ’ ist zu schwdt. Leim, wdt. Leim, Lein, Lei m. ‘ Lehm ’ , mhd. leim(e) (I D . 3, 1267; G RICHTING 1998, 126) zu stellen; jünger ist die hd. Bezeichnung Lehm, die bei G RICHTING (1998, 126) auch verzeichnet ist. Lehm wurde sowohl als Baustoff, wie auch zu medizinischen Zwecken verwendet. Lehmige Böden eignen sich aber schlecht für Gras- und Getreidebau. Gebiete mit viel Lehmboden heissen oft einfach der Leim oder die Leime; gemeint sind also lehmige Böden, manchmal auch eigentliche Lehmgruben. Das Simplex Lei oder Leim, im Plural Leima ist im ganzen Gebiet weit verbreitet. In einem Fall erscheint ts Leimm (Staldenried): es ist unklar, ob hier die Präposition tse ‘ zu ’ oder das Neutrum vorliegt; in letzterem Fall wäre wohl ein Kollektiv gemeint. Von Leim gibt es eine Ableitung Leimmer(r)a, auch Leemera (entspricht etwa Leimere n ‘ Lehmgrube ’ (I D . 3, 1268)), eigentlich eine Stellenangabe ‘ wo es Lehm hat ’ ; manchmal ist es explizit eine Lehmgrube, manchmal einfach ein Lehmboden - das ist nicht immer zu entscheiden. Der Typ kommt etwa zehn Mal vor, einmal als Diminutiv Leimerli (Lax). In Komposita ist Leim immer Bestimmungswort. Am häufigsten ist mit rund zehn Belegen Leimegga ‘ die Ecke mit lehmigem Boden ’ . Mehrfach ist auch Leimgrabo ‘ der Graben mit lehmigem Boden ’ belegt. Weitere Grundwörter sind Acher, Bach, Blatta, Gassa, Grabu, Grüeba, Halta, Matta, Schleif, Schlüecht, See, Sita, Stein und Tola (mehrfach). Eine adjektivische / - IG / -Ableitung Leimig ist belegt in bey dem Leimigen Bild ‘ bei dem Bild(stock) aus Lehm ’ (1823, Betten), beÿm Leimigen Stutz ‘ beim steilen Anstieg mit Lehmboden ’ (1758, Greich) und zu ᵕ Leimigo Weg (1639, Greich), wo unklar ist, ob ein Adjektiv ( ‘ zum lehmigen Weg ’ ) oder eine Herkunftsangabe ( ‘ der Weg der Leute vom Lehm ’ ) gemeint ist. Eine unsichere Ableitung ist jm Leynden Beke ‘ im Gebiet des lehmigen (? ) Baches ’ (1300, Törbel), das wohl zum Verb leine n ‘ Lehm graben ’ (I D . 3, 1268) zu stellen ist, 77 78 Leim (Lehm) <?page no="593"?> aber wohl in der Bedeutung ‘ Lehm führen ’ . Vermutlich führte der Bach Lehm, wenn er mehr Wasser hatte als üblich. Nur einmal belegt ist die Ableitung Leimina im Beleg in der Leiminen ‘ im lehmigen Gebiet ’ (1753, Ried-Brig); es handelt sich hier um ein Ableitungssuffix, dessen Herkunft unklar ist. Leisa Leisa f. ‘ Spur, Geleise ’ ist zu schwdt. Leis, G ’ leis n., Leise n , Leisse n , wdt. Leissa (Mattertal), Leis (Saastal), Leisu (Lötschtal) Leisi f. ‘ Spur, (auch Schleifspur), Feldweg; Geleise; Wagenbreite; rechtlich festgesetzte Wegbreite zum Durchpass eines Wagens ’ , mhd. leise, ‘ befahrbarer Feldweg ’ zu stellen (I D . 3, 1420 f.; G RICHTING 1998, 127). Vgl. auch Wage n -G e leis (I D . 3, 1421). Bei den Belegen sind der Typ Leisi f. ‘ Weg, Feldweg ’ (nur in Agarn und Leuk) und der Typ Waguleisa ‘ befahrbarer Feldweg ’ (Niedergesteln, Raron und Turtmann) zu unterscheiden. Zu Leisi finden sich Haslerleisi ‘ der Weg des Herrn Hasler ’ (Agarn), Rongguleisi ‘ der Weg beim Gebiet Ronggu ’ , Seroleisi ‘ der Weg zum Sero ’ , und t Mittleri, t Obri und t Undri Heteeluleisi ‘ der mittlere / obere / untere Weg bei den hohen Dählen (Föhren) ’ (alle Leuk). Der Typ Waguleisa / Waguleisu ‘ befahrbarer Feldweg ’ tritt in Raron und - nur historisch - Turtmann an der Wagenleisen ‘ beim befahrbaren Feldweg ’ (1738 u. später) auf. Komplexer sind di Blagerruwaguleisa ‘ der befahrbare Feldweg zur Blagerra (minderwertiges Land) ’ (Raron), t Eigässiwaguleisa ‘ der befahrbare Feldweg zum Eigässi (kleine Gasse in der Eie (Aue)) ’ (Turtmann), die Eryll Wagenleise ‘ der befahrbare Feldweg im Gebiet Eril (Erlen) ’ (1736 u. später, Turtmann), die Gmeine Wagenleisen ‘ der befahrbare Feldweg, der der Gemeinde gehört ’ (1683, Turtmann), t Herimattuwaguleisu ‘ der befahrbare Feldweg bei der Herrenwiese ’ (Turtmann), t Mittilwaguleise ‘ der mittlere befahrbare Feldweg ’ (Raron), t Niwgüödwaguleisu ‘ der befahrbare Feldweg zum neuen Gut ’ (Turtmann), t Schlussilwaguleisu ‘ der befahrbare Feldweg zum Gebiet Schlussil (Schlüssel) ’ (Turtmann), di Turtigwaguleisu ‘ der befahrbare Feldweg zum Weiler Turtig ’ (Niedergesteln). Ein sehr unsicherer Beleg ist zer Leisnierrun, das auch als Linsnierrun gelesen werden kann, 1489 in Raron belegt. Bildungen mit / - ERRA / (S ONDEREGGER 1958, 471 f.) können Orte bezeichnen, an denen eine Pflanze häufig wächst; hier wäre das wohl die Linse, also ein ‘ Gebiet mit vielen Linsen ’ . Wenn die Deutung stimmt, müsste der Name zum HL L INSEN (mit Staubschem Gesetz) gestellt werden. Das HL L EISA ‘ Spur, Geleise ’ bietet hingegen zu diesem Flurnamen mehr Schwierigkeiten. Leischa Leischa f. kommt in rund zwanzig Namen vor. Das HL ist zwar bei Z INSLI (1984, 103, 112 und 605 (Karte 7)) als Leischu zusammen mit Leisu aufgeführt, doch gibt er keine Bedeutung an. Auch BENB (1, 3, 81 f. s. v. Leische) hat keine sichere Deutung und lehnt die Gleichsetzung mit Leisu ab. RN (2, 567) führt Laischa in Malans auf einen FaN oder PN Laisch, Leysch zurück und kennt leischen als Adjektiv ‘ glatt, schlüpfrig ’ zum lat. LENIS (RN 2, 187); beide Stellen führen kaum weiter. ZGNB (3, 188) erklärt Leischen aus Lei-isch ‘ einem Laien (Nicht-Geistlichen) gehörend ’ , was in unserem Kontext nicht zutreffen kann. C. S CHMID (1969, 186 Fn. 67) kennt Leischete als niedergetretenes Gras. Und zum Flurnamen Leischä (Gampel) gibt eine Gwp. die Erklärung <leischuchti rustig> “ wenn das Gras dem Boden nach geht ” , also etwa niedergetreten ist. Ähnlich eine Gwp. aus Visperterminen: <a leischa> “ Spur, wenn man durch stehendes Gras oder durch liegendes Heu geht ” . Den Zusammenhang dieser Deutungen zum Verb leische n (Id. 3, 1458) ‘ schleppen, rutschen ’ ist unklar. S TALDER (1812, 166) kennt das Verb als Leischen, leitschen und sagt dazu: “ ziehen, schleppen; uneigentlich mit einer Weibsperson unanständig schäkern (Saan) ” ; er erwähnt auch Leitschete ‘ zerwühlte Sachen ’ . Die ältesten historischen Belege haben bi der Leýchvn (1304, Törbel), Leyscha (1388, Termen; 1388, Törbel) und super der Leyschun (1390, Törbel). Damit ist auch klar, dass keine ursprünglich gerundete Form (Typ: Leuscha) zu Grunde liegt und dass eine Herleitung von Leisa ‘ Spur, Weg ’ kaum begründet werden kann. Leischa ist am ehesten zum Verb leische n zu stellen; die Deutung von Leischete als ‘ niedergetretenes Gras ’ weist darauf hin, dass etwas Schweres das Gras niederdrückte. Eine indirekte Deutung gibt der historische Beleg von 1552 in Binn: die Leymscha. Der Autor schliesst den ihm unbekannten Namen an das Wort Leim für Lehm an; diese Deutung muss wohl als volksetymologisch bezeichnet werden. Eine genaue Deutung steht jedoch aus. Der unsichere Beleg zen Holöuschen ‘ bei den hohen Leischen ’ (1717, Glis; 1717 Visperterminen) wurde von der Bearbeiterin zum HL L ISCHA gestellt, doch weist die hyperkorrekte Form Löuschen eher auf Leischen hin. Ebenfalls zu Leischa ist wohl der zweite Beleg in der Leÿschen ‘ in der Leischa ’ von 1542 in Mund zu stellen - hier ist von einem Acker die Rede; der erste gehört jedoch zu Lischa; hier spricht der Text von einer Viehweide. Zwölf Mal ist das Simplex Leischa belegt, im Obliquus meist als in / an der Leischu; zwischen Singular und Plural lässt sich nicht sicher unterscheiden. In Hohtenn kommt eine erweiterte Form in der Leischinu vor, und in Niedergesteln t Leischini, vermutlich mit diminutiver Leisa 79 80 <?page no="594"?> Bedeutung. Der Singular des Diminutivs erscheint in Naters als ts Leischi (historisch 1586 Leischa), in Ausserberg zweimal als ts Leischji (FLNK Leischi). Inner Leischu (Visperterminen) enthält assimiliertes in der und nicht das Adj. inner. Unsicher ist auch Holeischu ‘ die hohe Leische ’ , das im einzigen Beleg von 1717 zen Holöuschen aufweist; zu vermuten ist eine Hyperkorrektur, die zu einer falschen Rundung führt. Das einzige Kompositum mit Leischa als Grundwort ist t Chüeleische (Täsch), das im Kommentar als ‘ Moräne, Schafweide ’ bezeichnet wird; dennoch darf angenommen werden, dass hier auch Kühe weideten. Als Bestimmungswort kommt das HL vor in der Leischacher (Randa), t Leischuachra ‘ die Äcker bei der Leischina ’ (Hohtenn), Leischbode (Fieschertal) und historisch beÿ dem Leischen Thirlin ‘ bei der kleinen Türe bei der Leische ’ (1695, Eggerberg). Leischier Leischier ist als Leischier (Leukerbad; LT Leischier; bei R. G RICHTING (Blatt 9, Nr. 1 und Blatt 21, Nr. 20) als Leyscher) und ts Leischier (Varen; FLNK Leischer) belegt. Historisch sind lo lesyer (1361, Leukerbad) und ou lesier (1346, Varen; 1722 im Leischer) belegt. T AGMANN (1946, 24) kennt Leischier für Varen und schlägt vor, es auf li ž y ē ̜ r ‘ ein (Kiesel-)Stein ’ zurückzuführen (cf. HL L ESIER für Salgesch), erwähnt aber auch andere, seiner Ansicht nach falsche Deutungen. Leita Leita f. ist zu schwdt. Leiti f., wdt. Leita, -ä, -u f. ‘ Leitung; Wasserleitung, Wasserrinne; Runse; Waldweg ’ , mhd. leite ‘ Leitung, Führung; Weg, auf dem gefahren wird ’ (I D . 3, 1494 f.; URNB 2, 539 ff.; G RICHTING 1998, 127 s. v. leite, leitn (Lötschental), leitu ‘ lenken, führen ’ , 237 s. v. Wasserleita, Wasserleitä (Goms), Wasserleitu ‘ Wasserrinne ’ ) zu stellen. Von den über 400 Belegen enthalten mit wenigen Ausnahmen alle den Typ Wasserleita (I D . 3, 1496; G RICHTING 1998, 237). Es handelt sich dabei um künstliche Bewässerungskanäle, die unter den Namen Suon für das Wallis bekannt geworden sind (cf. B ELLWALD / W ÜRTH 2006). In den historischen Belegen wird statt Wasserleita häufig das lateinische aquaeductus ‘ Wasserleitung ’ gebraucht; nicht immer ist dann klar, ob es sich um einen Flurnamen oder um ein blosses Appellativ handelt. Im westlichen Bezirk Leuk kommt hinzu, dass nicht sicher ist, ob und wenn ja, ab wann ein Name deutsch verwendet wird. Ein Beispiel für die Komplexität zeigt etwa ein Beleg von 1328 aus Turtmann: supra nouum aqueductum de la tortemagny - also ‘ über der neuen Wasserleitung aus der Turtmänna ’ . 1616 steht für die vermutlich gleiche Wasserleitung nur Niwen, also ‘ die Neue (Wasserleitung) ’ . Es ist davon auszugehen, dass letzteres der deutsche Name ist, während der erste Beleg wahrscheinlich nur als Appellativ zu verstehen ist. Das Simplex im Singular steht als Wasserleita (FLNK, Saas Fee), t Wasserleita (Ausserberg), zer Wasserleite (Bellwald, Fieschertal), uf der Wasserleite (Binn), unner der Wasserleite (Binn) und in einigen historischen Belegen, darunter z Wasserleitten ‘ bei der Wasserleitung ’ (1620 u. später, St. Niklaus). Die Präpositionen zeigen an, dass es sich um Fluren bei und um die Wasserleiten herum handelt. Die Form Wasserleitu ist in uf der Wasserleitu (Stalden), zer Wasserleitu (Randa) belegt. zer Wasserleitung ‘ bei der Wasserleitung ’ findet sich in Ferden, wo aber 1665 zúr Wasserleúten steht, also nicht die heutige / - UNG / -Form. Noch seltsamer ist am gleichen Ort die Wasserleúten Súon (1665, Ferden), wo offenbar Suon (die Bezeichnung in Teilen von Westlich-Raron) als Name für eine Wasserleitung aufgefasst wird. Wohl ein Verschreiber liegt vor in Thwasserletta ‘ die Wasserleitung ’ (1573, Ausserbinn), die als villagium ‘ kleine Siedlung ’ bezeichnet wird. Ein Plural ist in t Wasserleite ‘ die Wasserleitungen ’ (Niedergesteln) belegt, wobei eine heute nicht mehr bewohnte Kleinsiedlung gemeint ist. In Raron ist unner de Wasserleitu ‘ unter den Wasserleitungen ’ belegt. Historisch sind auff den Wasserleiten (1741, Guttet), zwischen den Wasserleiten (1753, Fiesch) und an den Wasserleÿtton (1478, Mund) bezeugt, auch hier wieder mit Fluren bei Wasserleitungen. Das Diminutiv ist im Singular nur in zum Wasserleitji ‘ bei der kleinen Wasserleitung ’ (Hohtenn) vertreten. Attributive Adjektive zum HL können hier wegen ihrer Anzahl nur als Typen behandelt werden: uf der Altu Wasserleitu ‘ auf der alten Wasserleitung ’ (Stalden). Fast alle dieser rund zehn Belege heissen entweder Aalti (FLNK, Ergisch) oder sind lateinisch als subtus antiquum aqueductum ‘ unter der alten Wasserleitung ’ (1400, Termen) oder de aqueductu ueteri ‘ (das Wasser) der alten Wasserleitung ’ (1322, Unterems; 1825 die Alten) belegt. Nur eines ist ein Diminutiv ts Alt Wasserleitji ‘ die alte kleine Wasserleitung ’ (Visperterminen). Auch der Typ dy Gemeynun Wasserleytun ‘ die Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ (1351, Törbel) kommt in den neun Belegen meistens lateinisch als communem aqueductum ‘ die Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ (1488, Kippel) oder ähnlich vor. di Grossi Wasserleitu ‘ die grosse Wasserleitung ’ (Hohtenn, Salgesch) ist auch als sub magno aquaductu ‘ unter der grossen Wasserleitung ’ (1540, Ernen) und die Gross Wasserleÿtta ‘ die grosse Wasserleitung ’ (1570, St. Niklaus) historisch belegt. die Höchen Wasserleitten ‘ die hohen Wasserleitungen ’ (1695, Zermatt) kommt ähnlich auch in Gluringen in Reckingen 81 82 Leita <?page no="595"?> vor. das Klein Wasserleittlin ‘ die kleine Wasserleitung ’ (1575, Steg) findet sich nur einmal. die Mitleste Wasserleiten ‘ die mittlere Wasserleitung ’ (1691, Guttet) und der Mittlen Wasserleyten ‘ (das Wasser aus) der mittleren Wasserleite ’ (1553 u. später, Visperterminen) ist neben andern auch lateinisch als subtus aqueductum medium ‘ unter der mittleren Wasserleitung ’ (1279, Glis) belegt. Ein seltsames Durcheinander findet sich als Mittla Suon ‘ die mittlere Wasserleitung ’ (LT, Ausserberg), wo die historischen Belege medius … aqueductus ‘ die mittlere Wasserleitung ’ (1483 u. später, Ausserberg) haben. t Niiwi Wasserleitu ‘ die neue Wasserleitung ’ (Varen) ist nur lebend belegt. In Leuk kommt Niiwi Wasserleitu (FLNK, Leuk) lebend vor, wozu aber der historische Beleg aqua ’ ductum noua ‘ der neuen Wasserleitung ’ (1530, Leuk) zu stellen ist. In Biel ist 1643 ein lateinischer Beleg zu sehen, 1733 ist aber ob der Niwen Wasserleiten ‘ oberhalb der neuen Wasserleitung ’ bezeugt. Von den rund zehn Belegen sind mehr als die Hälfte nur lateinisch überliefert. Ähnliches gilt für Ober Wasserleite ‘ die obere Wasserleitung ’ (FLNK, Biel) und t Oberu Wasserleitu ‘ die obere Wasserleitung ’ (Saas Almagell), das meist lateinisch als ab aqeductu superiori ‘ von der oberen Wasserleitung ’ (1322, Guttet) oder ähnlich belegt ist. Ein Diminutiv findet sich in ts Ober Wasserleitji ‘ die obere kleine Wasserleitung ’ (Gampel, Visperterminen). die Oberste Wasserleiten ‘ die oberste Wasserleitung ’ (1810, Feschel und Guttet) ist schon 1322 lateinisch für Guttet belegt. Zweimal kommt die Bess Wasserleÿtten ‘ die böse Wasserleitung ’ (1569 u. später, Visperterminen), resp. die Bösschwasserleiten ‘ die böse Wasserleitung ’ (1550, Naters) vor. Nicht ganz klar ist die Rechtun Waszerley`tun ‘ die rechte Wasserleitung ’ (1334, Törbel), aber der Kontext gibt darüber keine Auskunft. Der Typ t Unneru Wasserleitu ‘ die untere Wasserleitung ’ (Saas Almagell) tritt lateinisch als subtus inferiori aqueductu (1548, Törbel, aber auch deutsch als bey der Untern Wasserleiten ‘ bei der unteren Wasserleitung ’ (1896 u. später, Feschel) oder gar nur als die Undren ‘ die untere (Wasserleitung) ’ (1743, Ausserberg) auf. Auch hier gibt es zwei Diminutive ts Unner Wasserleitji ‘ die untere kleine Wasserleitung ’ (Gampel, Visperterminen). Vorangestellte Genitive sind: der Glawigen Wasserleiten ‘ die Wasserleitung der Familie Clavien ’ (1722, Leuk), vff Grubers Wasserleÿtta ‘ auf der Wasserleitung der Familie Gruber ’ (1604 u. später, Visperterminen), Grunderro Wasserleiton ‘ die Wasserleitung der Leute vom Grund (vermutlich Grund im Gantertal) ’ (1400, Termen), Kalpetraner Wasserleita ‘ die Wasserleitung der Leute von Kalpetran ’ (FLNK, Embd), Kromisch Wasserleitten ‘ die Wasserleitung des Kromi / beim Kromji (kleines eingezäuntes Stück Wiese) ’ (1634, Naters), Laudunerro Wasserleyta ‘ die Wasserleitung der Leute von Lalden ’ (1312, Lalden; früher und später andere Bezeichnungen), aqueductum Laggero ‘ die Wasserleitung der Leute von Lax ’ (1487, Lax), aqua ’ ductum vocatum … Leiggero ‘ die Wasserleitung, die man jene der Leute von Leuk nennt ’ (1746, Leuk), t Lüegjerruwasserleitu ‘ die Wasserleitung, die an der Lüogju (Aussichtsstelle) vorbeiführt ’ (Niedergesteln), die Martisberger Wasserleütten ‘ die Wasserleitung von / nach Martisberg ’ (1683, Martisberg), aqueductum petri ‘ bei der Wasserleitung des Peter ’ (1579, Salgesch), Bo ᵉ tsch Wasserleytaz ‘ die Wasserleitung des Peter (PN) ’ (1551, Zermatt), ts Brunnjisch Wasserleitu ‘ die Wasserleitung der kleinen Quelle / des kleinen Brunnen (unklar) ’ (Saas Almagel), wo auch eine umgangssprachliche Form des FaN Brunner vorliegen kann, aqueductus Rodani ‘ die Wasserleitung vom / zum Rotten ’ (1320, Leuk), Sewero Wasserleytun ‘ die Wasserleitung der Familie Sewer ’ (1448, Zermatt), t Stägerru Wasserleitu ‘ die Wasserleitung der Leute von Steg ’ (Niedergesteln), aqueductum Dale ‘ die Wasserleitung aus der Dala ’ (1534, Salgesch) (Dale [eig. Dalae] ist ein Genitiv zu Dala), die Deischerwasserleita ‘ die Wasserleitung nach Deisch (Mist) ’ (Grengiols), Zupgiss aqueductum ‘ die Wasserleitung von der kleinen Wasserfassung her ’ (1584, Reckingen; 15? ? des Zugbis Wasserleiten), t Ärgischerwasserleitu ‘ die Wasserleitung für das Territorium Ergisch, von der “ Turtmänna ” her ’ (FLNK, Ergisch). Ein Teil der / - ER / - Ableitungen lassen sich auch als Adjektive lesen. Die meisten betreffen Eigentümer oder Nutzer, einige wenige nahe gelegene Fluren. Die Zahl der mehrgliedrigen Komposita mit dem Typ Wasserleita ist sehr hoch. Mehrfach belegt ist vor allem Hauptwasserleita ‘ die wichtigste Wasserleitung ’ , das in dieser und anderen Formen rund zehn Mal, allerdings nur historisch belegt ist, u. a. in Betten, Eggerberg, Fieschertal, Geschinen, Gluringen, Münster, Niederwald und Reckingen, also im Goms und in Östlich-Raron. Es ist unklar, ob hier wirklich ein Name vorliegt, oder einfach die wichtigste Wasserleitung gemeint ist. Die meisten anderen Konstruktionen geben den Ausgangs- oder Zielort der Wasserleitung an, manchmal auch eine Flur, an der die Wasserleitung vorbeiführt. Für die Einzelbelege sei auf die entsprechenden HLL verwiesen. Auch komplexere Fälle sind zahlreich. So gibt es z. B. dÿ Obre Bietzwasserleitta ‘ die obere Bietschwasserleitung ’ (1420, Ausserberg), in inferiori aqueductu Grencharro ‘ in der unteren Wasserleitung der Leute von Grächen ’ (1388, Grächen), die Grosacherwasserleiten ‘ die Wasserleitung vom / zum Grossen Acker ’ (1666, Eyholz), t Chüonubodowasserleita ‘ die Wasserleitung vom / zum Boden der Familie Kuonen ’ (Glis) und viele andere mehr. Seltsam ist di Biwässrigswasserleita ‘ die Bewässerungs- Leita 83 84 <?page no="596"?> wasserleitung (ca. 1950, vom Rotten her) ’ (Brigerbad), welche die Funktion der Wasserleitung im Bestimmungswort betont. unter der Riziger Dorfwasserleite ‘ unter der Dorfwasserleitung von Ritzingen ’ (1857) nennt nicht nur den Ort, sondern auch das Ziel der Wasserleitung. Auf die weiteren Konstruktionen wird aus Platzgründen nicht eingegangen. Sehr selten ist Wasserleita ein Bestimmungswort- Kompositum. Die Grundwörter sind: Bodu, Suon (sic! ) und Wald. Neben diesem Typ gibt es eine Ableitung Leitig f. ‘ Leitung ’ auf / - IG / , das dem hdt. / - UNG / entspricht. Die Belege sind di Truckleitig ‘ die Druckleitung (für das Wasser) zum Kraftwerk “ Milachru ”’ (Turtmann) und t Chlotzjileitig ‘ die Leitung beim Chlotzji (unklar) ’ (Leuk), t Niiwi Illwasserleitig ‘ die neue Wasserleitung aus dem Illbach ’ (Leuk). Unklar ist die Segmentation in ts Leitigufer ‘ das Steingeröll mit der Leitung (wohl Leitung der Seilbahn auf das Gibidum? ) ’ und der Leitiguferschleif ‘ der Schleif hinunter zum Leitigufer ’ (beide Eyholz). Hier kann sowohl Leitig + Gufer, wie das sonst nicht belegt Leiti + Gufer analysiert werden. Leiter Leiter, auch Leitra f. ist zu schwdt. Leitere(n) und wdt. Leitra, Leiträ (Goms), Leitru f. ‘ Leiter; Name von leiterähnlichen Gegenständen ’ , in Flurnamen ‘ leiterähnliches Gebilde, das als Stegersatz zur Querung von Bächen dient oder in Bergen den Durchstieg durch steiles Gelände erleichtert ’ (I D . 3, 1497; URNB 2, 542 ff.; G RICHTING 1998, 126) zu stellen. Als Simplex im Singular ist belegt t Leitere ‘ die Alpe, die einer Leiter gleicht ’ (Reckingen). Das Simplex im Plural erscheint als t Leiträ ‘ die Leitern (steiler Weg und Hang) ’ (Gampel), Leiträ ‘ die Leitern (von Leukerbad nach Albinen) ’ (FLNK, Leukerbad; R. G RICHTING (1993, Blatt 24, Nr. 5); 1: 10000 Leitern, LT Albinenleitern), t Leitre ‘ die Leitern (steiler Weg) ’ (Bratsch, Koordinaten fehlen), t Leitre ‘ die Leitern von Varen (steiler Weg) ’ (Varen). Das Simplex Singular im Diminutiv ist belegt als ts Leiterli ‘ die kleine Leiter (laut Gwp. war dort früher eine Leiter) ’ (Randa), Leiterli ‘ die kleine Leiter ’ (FLNK, Eischoll; Motivation unklar), ts Leiterli ‘ die kleine Leiter (Tritte durch den Felsen) ’ (Leukerbad, auch 1: 10000; R. G RICHTING (1993, Blatt 26 Nr. 4; Blatt 4, Nr. 13 ist bei uns nicht belegt), Als Grundwort findet sich das HL mit Ortsbezeichnungen: Albinerleitre ‘ die Leitern von Leukerbad nach Albinen ’ (FLNK, Leukerbad; LT und SK Albinenleitern), die Badner Leÿtren ‘ die über den Felshang führenden Leitern auf dem Weg nach Leukerbad ’ (1660, Albinen), Varnerleitre ‘ die Varner Leitern (steiler Weg) ’ (FLNK, Leuk; LT Varner Leitern). Singulär belegt ist di Geisleitre ‘ wo Geissleitern wachsen (Pflanzenname, wohl E PILOBIUM ANGUSTIFOLIUM (Wald-Weidenröschen) ’ (Zeneggen). Den Pflanzennamen belegen I D . (3, 1498) und M ARZELL (2, 220); vgl. auch L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 562). Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Bäärg, Grabu, Spitz und Wäg. Komplexer ist t Leiterbachtele ‘ die Wasserrinnen beim Leiterberg ’ (Münster). Im Einzelnen ist die Motivation des HL unklar, soweit nicht feste Leitern gemeint sind. Leitsch Leitsch ist nur belegt in der Leitschwaso (Eyholz). Der Kommentar von Gwp. legt nahe, dass Leitsch zum Verb leite n ‘ leiten ’ (I D . 3, 1491, G RICHTING 1998, 127) zu stellen ist. Allerdings erklärt dies die Form Leitsch nicht, die auch zum Verb leitsche n ‘ schleppen ’ (I D . 3, 1536) gestellt werden könnte. Inhaltlich ist ‘ die (das Wasser) führenden Rasenstücke ’ sinnvoll, aber die Deutung scheint sekundär zu sein, um dem Namen einen Sinn zu geben. Die Annahme eines PN im Genitiv ist möglich, wird aber durch keine weiteren Angaben gestützt. Lemeschon Lemeschon ist nur 1252 in Embd als citra uillam de Lemeschon belegt, was sich als ‘ beim Dorf Lemeschon ’ verstehen lässt. Der Name ist unklar. Vermutlich steht er im Dativ; es könnte sich auch um eine romanische Form handeln. Eine Deutung ist mangels weiterer Hinweise nicht möglich. Lena (PN) Lena (PN) f. ist wohl eine Kurzform zu Magdalena oder Helene (I D . 3, 1283, s. v. L ē ne). Es kommt vor in ts Leenuhüs ‘ das Haus der Lena ’ (Niedergesteln), z Lenenhau ᵕ ss ‘ das Haus der Lena ’ (1733, Eischoll) und beÿ Leni Brúnnen ‘ bei der Quelle / dem Brunnen der Leni ’ (1807, Mörel). Auch hieher gehört die 1527 in Unterems erwähnte Lenae Querreÿ ‘ (das Land) der Lena Querrey ’ (Genitiv ist konstruktionsbedingt). In einigen Fällen könnte aber auch eine Ableitung zu Lee n. ‘ Lehn ’ vorliegen. Lendi Lendi ist sicher nur im Namen t Pfaffelendi (Lax) belegt. Der erste Teil betrifft den FaN Pfaffen. Das Grundwort Lendi hingegen ist unklar. Laut Beschreibung und Karte handelt es sich um ein steiles Gelände am rechten Ufer des Rottens, der dort eine tief eingeschnittene Schlucht 85 86 Lendi <?page no="597"?> gebildet hat. Das Lemma ist wohl eine feminine Ableitung auf / - I / zu Land, vermutlich eine Art Kollektiv: ‘ das Stück Land ’ . URNB (2, 545 f.) interpretiert Lende als “ Stelle, wo man Flössholz aus dem Bach holte ” (mit Verweis auf I D . 3, 1309 f., 1311); in unserem Fall angesichts der Topografie eher unwahrscheinlich. Auch die anderen Bedeutungsangaben s. v. Ländi II (I D . 3, 1311) beziehen sich auf “ Landungsplatz ” und kommen deswegen kaum in Frage. Wieweit die zwei Belege für Abenlende (1304 Eischoll; 1307 Bürchen) als ‘ im Westen liegendes Land ’ zu verstehen sind oder als ‘ abgelegenes Gebiet ’ (cf. HL A BEND ), ist unklar. Lendine Lendine ist der Plural eines Feminins und zweimal belegt: t Lendine (Baltschieder; EK) und Lendine (EK, Eggerberg). Die beiden Belege befinden sich auf etwa der gleichen Höhe, aber deutlich voneinander entfernt. Der Beleg für Baltschieder ist nördlicher und im Gebiet Galkichumma, der Beleg für Eggerberg befindet sich am Hosehiligrabo am Rothorn. Beide Belege bezeichnen Gebiete, die so hoch liegen, dass ein Bezug zu Ländi ‘ Landungsplatz ’ (I D . 3, 1311) ausgeschlossen ist. Lautlich würde zwar Lendi, im Plural Lendene n ‘ die Lendengegend ’ (I D . 3, 1314) passen, aber inhaltlich lässt sich kaum ein Zusammenhang herstellen, auch nicht zu den abgeleiteten Formen wie ‘ starker Körperbau ’ . Insgesamt bleibt der Name unklar. Leng Leng ‘ lang ’ Adj. ist zu schwdt. lang, ‘ räumlich: lang; hochgewachsen; dünn, kraftlos ’ , mhd. lanc, langes, Nebenform lenge und wdt. leng, läng ‘ lang ’ (I D . 3, 1321 ff.; G RICHTING 1998, 127) zu stellen. leng bezeichnet in Namen grundsätzlich die räumliche Eigenschaft (Ausdehnung) eines Grundstücks oder einer Geländepartie, selten ist damit der zeitliche Aspekt (Dauer) gemeint, z. B. bei Längu Schnee (Niedergesteln, St. Niklaus), Leng Iisch (Eisten) (vgl. URNB 2, 497). Schriftlich erscheint das Adjektiv auch als lang; lautlich ist zwischen leng und läng zu unterscheiden (vgl. SDS 1, 35 zu eng); generell überwiegt / e/ , ausser im mittleren Oberwallis. Das HL kommt in rund 380 Namen vor. Die meisten Belege enthalten ein flektiertes oder unflektiertes attributives Adjektiv zu nominalen Grundwörtern im Singular oder Plural, die im Folgenden in ihrer HL-Form angegeben sind: Acher, Äbi, Äbnet, Ägerta, Balma, Biel, Biina, Bleicka, Bodu, Bord, Brand, Brigga, Chännel, Cheer, Chumma, Egg(a), Eie, Erb, Erle, Fach, Fad, Fäld, Fall, Fääsch, Flüö, Fura, Gadu, Gartu, Gassa, Gletscher, Grabu, Gufer, Haalta, Hitta, Höu, Hüs, Iisch, Lischa, Luscha, Los, Mad, March, Matta, Mischi, Moos, Müra, Mutt, Ort, Rieba, Rischinu, Riti, Ritz, Sand, Schiir, Schleif, Schluocht, Schlüche, Schnee, Schnitta, Schnüär, Seich, See, Sita, Söüm, Stafel, Stapfa, Stei, Strich, Strick, Stuck, Stüde, Tal, Teiff, Tranner, Treije, Tschugge, Wang, Wasser, Weid, Wild und Zett. Die beiden weitaus häufigsten sind dabei Matta (über 50 Belege) und Acher (über 40 Belege). Komplexere Konstruktionen enthalten entweder zwei attributive Adjektive wie t Chlei Leng Flüe ‘ die kleine lange Fluh ’ (Täsch; LT Chli Längflue; FLNK Chlei Lengflüe), Längi Ängschti Chumma ‘ die lange engste Chumma (Mulde) / die lange Chumma (Mulde) der Familie Engscher ’ (Raron; wenn Ängschti als Adjektiv gesehen wird), in den Vnderen Langen Rieben (1731, Visperterminen), in den Vnderen Langen Achren (1607, Visperterminen), t Unner Leng Matta (Mund) und andere, oder wenn das Grundwort schon selbst ein Kompositum ist, wie in Langen Matten Maúer ‘ die Mauer bei der langen Wiese ’ (1866, Steg), der [Gen.] Langen Wandflúh ‘ die lange Fluh, die wie eine Wand aussieht ’ (1834, Varen), t Längi Leerchbletschu ‘ die lange Bletschu (Ebene) mit Lärchen ’ (Niedergesteln) und andere mehr. Das Adjektiv tritt auch als Erstglied in Komposita auf: Längegg ‘ die lange Ecke ’ (FLNK, Birgisch), Langgassen ‘ die lange Gasse ’ (1816, Oberems), t Längimatta ‘ die lange Wiese ’ (Turtmann), Längseewji ‘ der lange kleine See ’ (Oberems; LT Meidsee), Längwald ‘ der lange Wald ’ (LT, Naters), Lengacher ‘ der lange Acker ’ (FLNK, Ausserbinn und weitere Gemeinden), ts Lengbord ‘ das lange Bord (Abhang, Böschung) ’ (Blatten; LT Lengs Bord; FLNK Leng Bord), ts Lengärggi ‘ der kleine lange Garten ’ (Ried- Brig), zem Lenggufer ‘ beim langen (langgestreckten) Steingeröll ’ (Kippel), Lenghaute ‘ die lange Halde ’ (FLNK, Selkingen), ts Lengmaad ‘ die lange Mähwiese ’ (Ferden), t Lengmatta ‘ die lange Wiese ’ (Eyholz und weitere Gemeinden), ts Lengtal ‘ das lange Tal (auch der Name von Tal und Heiligkeuz) ’ (Grengiols) und weitere mehr. Auch hier gibt es komplexere Konstruktionen wie der Lengacherschleif ‘ der (Holz-)Schleif beim Lengacher (langer Acker) ’ (Eyholz, Visp), t Lengbachgrüeba ‘ die Mineraliengrube am langen Bach ’ (Binn), Lengflüebärg ‘ der Berg (Alpe) bei der langen Fluh ’ (FLNK, Randa), der Lengflüegletscher ‘ der Gletscher bei der langen Fluh ’ (Täsch; LT Längfluegletscher, SK Langenfluh Gletscher), Lengmooswäg ‘ der Weg am Lengmoos (langes sumpfiges Gelände) vorbei ’ (FLNK Ried-Mörel; LT Lengmoosweg) und andere mehr. Entgegen den Erwartungen ist aber t Lengeschtrass (Oberwald) nicht eine lange Strasse, sondern die ‘ Strasse zur Alpe Lenges ’ (cf. HL L ÄNGES ). Eine seltene Form stellt der vorangestellte Genitiv in ts Lengi Wangsch Grabem, ts Lengi Wangsch Loib und ts Lengi Wangsch Läger (alle Blatten) dar, wobei Graben, Laub und Läger zur Voralpe Lenge Wang gehören. Lendine 87 88 <?page no="598"?> Als Simplex erscheinen Formen zu schwdt. Längi f. ‘ Länge (räumlich und zeitlich) ’ und wdt. Lengi, Längi ‘ Länge, Zeitraum ’ (I D . 3, 1337; G RICHTING 1998, 127), das eine / - I / -Ableitung zum Adjektiv enthält (S ONDEREGGER 1958, 495); im Kontext der Flurnamen ist die räumliche Länge gemeint. Belegt sind ein Plural t Lengine (Filet) ‘ die langen Grundstücke ’ und zwei Diminutive ts Lengji ‘ der kleine lange Wiesenstreifen ’ (beide Mund). Nur einmal belegt ist dr Lengigen Wildi ‘ die Wildi der Familie Lengen ’ (Simplon), das zum FaN Lengen zu stellen ist; das ebenfalls belegte Lengilla (Varen) (cf. HL L ENGGILA ) kann auch eine weibliche Form des FaN Lengen darstellen. Einen eigenartigen Fall stellen Uiflengun (Blatten) und das zweimal in Gampel belegte Üflängä dar. Beide enthalten die ursprüngliche Präposition uif (Lötschental) und üf ‘ auf ’ und eine Ableitung des HL, vermutlich auf Länga ‘ das langgestreckte Grundstück ’ (vgl. S ONDEREGGER 1958, 511, der diese Fälle als feminine JÔ -Bildungen bezeichnet, wobei germ. ô im ahd. als a erscheint). In Blatten findet sich ein Namennest mit t Uiflenguschiirä ‘ die Scheuern im Gebiet Uiflengun (auf dem langgestreckten Stück Land) ’ und dr Uiflenguwald ‘ der Wald oberhalb der Uiflengun (langgezogenes Stück Land) ’ ; nur historisch ist 1669 beÿ dem Vfflengenhaús ‘ beim Haus bei Uiflengun ’ belegt. Lengen (FaN) Lengen (FaN) ist ein FaN, auch Längen, Langen und Varianten (AWWB 148). Er ist belegt in ts Lengusch Weidu ‘ die Weide der Familie Lengen ’ (Hohtenn) und dr Lengigen Wildi ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Lengen ’ (1759, Simplon) mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung. Die unter HL L ENGGILA aufgeführten Flurnamen können zu einer weiblichen Form von Lengen gehören. Lenggila Lenggila kommt lebend in Ausserberg als t Lenggila vor; es ist dort auch historisch 1694 als an der Lengilenmatten, 1796 Lengillo Matta beelegt. Der Beleg von 1796 deutet auf einen Genitiv; im Register der HRBS ist unter Lengen (FaN) auch Lengilla für eine Frau erwähnt; es kann sich hier also um das Besitztum einer Frau Lengen handeln. I D . (3, 1336) kennt Länggele n als ‘ Birnsorte, Langbirne, beliebtes Dörrobst ’ , doch ist es unüblich, dass Wiesen nach einer Birnensorte benannt werden. Gwp. dagegen scheint an das HL G ILLA ‘ Pfütze ’ zu denken: “ Daneben Pfütze ” . Dagegen spricht die Betonung (Akzent auf der ersten Silbe) und das Vorkommen von / l/ an Stelle von / ll/ . Ein anderer historischer Beleg von 1722 in Varen ist als petiam vineae Varonae in d Lengilla bezeugt. Ein weiblicher FaN zu Lengen ist die wahrscheinlichste Deutung. Lengnon Lengnon ist nur belegt in zen Lengnon Alnon (1320, Termen). Es liegt wohl ein Dativ Plural zu mhd. lanc ‘ lang ’ (I D . 3, 1321) vor. Da Alnon wohl zu lat. ALNUS ‘ Erle ’ zu stellen ist, ergibt sich ‘ bei den langen Erlen ’ (cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 210 ff. s. v. A LNUS mit Unterarten). Lenz (PN) Lenz (PN) ist ein PN, der zu Lorenz oder Leonhard zu stellen ist (I D . 3, 1346 s. v. Lenz). Während Lentz Stadell ‘ (beim) Stadel des Lentz ’ (1648, Betten) einen Genitiv enthält, weist in der Lenzi Matten ‘ auf der Wiese des Lenz ’ (Unterems) wohl ein Diminutiv auf. ts Läntsch Heehi ‘ die Höhe des Lenz ’ (Randa) enthält wie ts Läntsch Bildtanna ‘ die Bildtanne des Lenz ’ (Birgisch) einen Genitiv. Die lebenden Belege zeigen ein offenes / ä/ , während die historischen ein / e/ aufweisen; die Aussprache wird gleich sein. Das homografe Lenz ‘ Frühling ’ (G R W B 12, 753 ff.) kommt im Oberwallis nicht vor (cf. HL L ANGGSE ). Lenz Lenz m. ist ein Gipfelname. Sir William Conway benannte den Südlenz (J ULEN 1951, 32) so. Das Bennenungsmotiv ist unbekannt, vermutlich aber zu Lenz ‘ Frühling ’ (G R W B 12, 752 ff.) zu stellen. Der Gipfel ist auch als Lenzspitze (LT Saas-Fee; SK West-Lenzspitze) bekannt. der Südlännz (Saas Fee) und ts Lännzjoch ‘ das Lenzjoch (Joch zwischen Dom und Felsspitze) ’ sind die lebenden Belege in Saas Fee. Randa hat ts Lenzjoch und der Südlenz. Lenz ist als Wort für ‘ Frühling ’ im Oberwallis sonst nicht belegt. Leo (PN) Leo (PN) ist nur einmal belegt in ts Leosch Schiirli ‘ die kleine Scheuer des Leo ’ (Ried-Mörel). Laut Gwp. von 1973 handelt es sich um Leo Minnig, der Nälluleosch genannt wurde. Es handelt sich in der Vollform um den PN Leopold, der in anderer Form als L ē pold in I D . (3, 1352) belegt ist, oder den selteneren Leonhard, im I D . (3, 1286 s. v. Lienert). Leoone Leeone ist als Monte Leoone ‘ der Monte Leoone ’ (Zwischbergen; SK und FLNK Monte Leone) und ts Montiljoone ‘ das Monte Leone (Restaurant/ Hotel auf der Passhöhe) ’ (Simplon) belegt. Das Wort lehnt sich zwar an it. leone m. ‘ Löwe ’ an, doch S T . V ASSERE (p. c.) geht davon aus, dass 89 90 Leoone <?page no="599"?> einfach Montilione oder Monteleone ‘ grosser Berg ’ gemeint ist. Lepollti (PN) Lepollti (PN) ist ein Diminutiv zum PN Leopold (I D . 3, 1352 s. v. L ē pold). Belegt ist der PN in t Lepolltitanne ‘ die Tannen des Leopold (keine Tannen mehr, aber im Gebiet Tanne) ’ (Ulrichen). Die Diminutivform auf / - I / ist für Männer geläufig; um welche Person es sich handelt(e), wird nicht gesagt. Laut Gwp. befindet sich dort keine Tanne. Es scheint aber, dass sich mehrere Fluren im Gebiet Tanne (FLNK Ulrichen) befinden, die auf Besitzernamen zurückgehen (t Baarbitanne ‘ die Tannen der Barbi (Barbara) ’ , t Fäldertanne ‘ die Feldertanne ’ (wobei Felder nicht näher bestimmt ist), Ulrichen). Der Beleg weist keinen Genitiv auf, sondern bildet ein Kompositum mit Lepollti als Bestimmungswort. Lerbinen Lerbinen ist nur 1714 in Lalden als in der Lerbinen belegt. In Klammer notiert der Explorator Kerbinen (? ), er ist also nicht sicher. Es handelt sich vermutlich um ein Feminin im Dativ Singular, doch ist das zu Grunde liegende Wort nicht zu erkennen. Im lateinischen Text ist von einem petiam fundi syluestris ‘ ein Stück eines Waldgutes ’ die Rede, doch führt auch diese Stelle nicht zu einer Deutung. Lerch Lerch m., auch Lärch m. ‘ Lärche ’ ist zu schwdt. Lärch m., n., f. Lärche(n), L ē rch(en), Lorche(n), Lörche(n)), wdt. Lercha, Lerchä ( G oms), Leerchu ‘ Lärche, Larix europea; Lärchenholz ’ , als ON ‘ Ort, wo viele Lärchen stehen oder standen ’ , mhd. larche (I D . 3, 1380; G RICHTING 1998, 127) zu stellen. Da bei flektierten Formen wie am / im Lärch nicht unterschieden werden kann, ob es sich um ein Maskulinum (einzelne Lärche) oder ein Neutrum (Lärchengehölz) handelt, wird normalerweise Lärchengehölz oder Lärchenwald angenommen. Die Bäume stehen im Allgemeinen vereinzelt, nicht sehr dicht, im Unterschied zu Tannen, sodass sich Lärchengehölz eher anbietet. Wenn jedoch explizit von Lärchwald die Rede ist, wird auch die Umschreibung ‘ Wald mit Lärchen ’ oder ‘ Lärchenwald ’ gewählt. In einigen Fällen geben die Gwpp. an, dass sich keine Bäume am Ort Lärch befinden; auf Grund dieser Angaben muss angenommen werden, dass sich früher dort oder in der Umgebung Lärchen befanden. Lautlich enthält das ursprüngliche Lehnwort (aus lat. LARIX ) im oberen Teil des Oberwallis bis zur Grenze zwischen den Bezirken Brig und Visp ein offenes / ä: / , weiter unten / e: / (vgl. SDS 1, 31 f. zu Lärche Sg.Pl.). Geschrieben erscheint das HL jedoch immer als Lerch oder ähnlich. Sicher neutral ist das Simplex im Singular als ts Lärch (Binn 2 Belege; Blitzingen; Mühlebach), das Lerch (1469, Ernen), ts Leerch (Ausserberg und drei weitere Gemeinden), ts Lerch (Inden) und ts Lerchä (Blatten; Dativ: im Lerchä). Sicher maskulin ist der Lärch (Eggerberg). Unklar sind die FLNK- oder LT-Belege ohne Artikel: Lärch (Binn; Randa, Reckingen), Lärche (Reckingen, wohl Plural), Leerch (FLNK, Randa). Unklar sind, wie gesagt, Belege wie am Lerch (1509, Turtmann), beim Leerch (1744, Staldenried), bim Lärch (Gluringen), hinder em Lerch (Blatten), im Lärch (Bellwald), im Lerch (1693 u. später, Gampel), zum Lärch (Baltschieder), zem Lerch (1542, Mund) und weitere Belege, wozu auch die ältesten Belege wie Lerhc (1301, Bürchen), de Lerke (1309, St. Niklaus), Lerke (1342, Grächen) und weitere gehören. Gelegentlich zeigen die historischen Belegreihen Varianten wie am Lerche (1396, Raron) und jn den Lerchen (1695, Raron). Eigentliche Plurale des Simplex sind selten: ine Lärche ‘ in den Lärchen ’ (Bellwald; LT Lärcha), in den Lerchen (1665, Greich; 1699, Ried-Mörel; 1740, Selkingen) und vereinzelt historische Belege. Der Beleg supra Laricem (Lerch) ‘ oberhalb des Lärchengehölzes ’ (1655, Salgesch) ist latinisiert; ob er tatsächlich ein ursprünglich frpr. Larze enthielt, ist unklar. Attributive Adjektive (auch Partizipien und Zahlwörter) sind: der Alt Lärch ‘ die alte Lärche ’ (Zwischbergen), zem Gibranndi Lärch ‘ bei der verbrannten Lärche ’ (Blatten), der Gitschuipjut Lärch ‘ die zerzauste Lärche ’ (Simplon), zum Grossu Leerch ‘ bei der grossen Lärche ’ (Staldenried), dr Hangänd Leerch ‘ das hängende (steile) Gebiet mit Lärchen ’ (Blatten), ts Hinner Lärch ‘ der hintere Teil des Weilers Lärch ’ (Blitzingen), ts Hinner Lärch ‘ das hintere Lärchengehölz (Alpe von Lax) ’ (Lax) mit dem dazu gehörenden Hinnerlärchcheer ‘ der Kehr (Wegkehre) bei der Alpe Hinner Lärch (hinteres Lärchengehölz) ’ (FLNK, Lax), Hool Lärch ‘ die hohle Lärche ’ (FLNK, Obergesteln) (aber eventuell Umdeutung von ‘ der hohe Lärchenwald ’ ), der Typ Holeerch ‘ der hohe Lärchenwald ’ (Törbel und acht weitere Gemeinden), Jungellärcha ‘ das Alpgebiet mit jungen Lärchen ’ (FLNK, Grengiols), t Junglärcha ‘ das Gebiet mit jungen Lärchen ’ (Ried-Brig), der Chrumm Lärch ‘ die krumme Lärche ’ (Ried-Mörel), das Nijderlerch ‘ das untere Lärchengehölz ’ (1489 u. später, Mühlebach), der Ober Lärch ‘ der obere Teil des Lärchengehölzes ’ (Mühlebach), ts Ober Leerch ‘ der obere Teil des Lärchengehölzes ’ (Randa, Weiler), jm Oberlerch ‘ im oberen Lärchengehölz ’ (1652, Grächen), am Obren Lerch ‘ am oberen Lärchengehölz ’ (1676, St. Niklaus), im Rechten Lerche ‘ bei der rechten (sonnseitigen) Lärche ’ (1401, Naters), ze Rote Leerchu ‘ bei den roten Lepollti (PN) 91 92 <?page no="600"?> Lärchen ’ (Raron), ze Drii Leerchu ‘ bei den drei Lärchen ’ (Gampel), zen Dri Lerchen ‘ bei den drei Lärchen ’ (1700, Visperterminen), zun Dryn Lerchen ‘ bei den drei Lärchen ’ (1462 u. später, Ulrichen), ts Drilärchu ‘ bei den drei Lärchen ’ (Glis) und dazu gehörend di Drilärchnerrischa ‘ die Riische (Steingeröll) beim Gebiet zu den drei Lärchen ’ (Glis), der Unner Lärch ‘ der untere Teil des Lärchengehölzes ’ (Mühlebach), ts Unner Leerch ‘ der untere Teil des Lärchengehölzes ’ (Randa; ähnlich FLNK Unterbäch), bi de Zwelf Läärche ‘ bei den zwölf Lärchen ’ (Geschinen). Selten sind vorangestellte Genitive zum HL: Luczen Lerch ‘ das Lärchengehölz des Lutz ’ (1401, Naters) (das Adjektiv lützel ‘ klein ’ (I D . 3, 1570) kommt aus lautlichen Gründen nicht in Frage), ts Bobmer Lärch ‘ das Gebiet Lärch (Lärche) bei Bodmen ’ (Blitzingen), wobei die / - ER / - Form ursprünglich wohl ein Genitiv Plural war, ts Bodumasch Lärch ‘ die Lärche des Bodenmann / der Familie Bodenmann ’ (Simplon) (Gwp. gibt eine Entstehungsgeschichte mit einem Fuhrmann namens Bodenmann), in Büschen Lerch ‘ im Gebiet mit kleinen Lärchen ’ (1813, Ernen), wenn Büschen ein Genitiv Plural zu B ǖ sch ‘ junger Nadelbaum ’ (I D . 4, 1768) ist, ts Wiligerlärch ‘ das Gebiet Lärch (Lärchengehölz) bei Wiler (Weiler von Blitzingen) ’ (Blitzigen), wobei Wiliger ein Genitiv Plural der kollektiven Ableitung / - IG / mit der Bedeutung ‘ die Leute von Wiler ’ ist. Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind mit du Erschleerchu ‘ bei den Lärchen von Ersch (matt) ’ (Guttet) (wobei Ersch hier wohl eine Alpe von Erschmatt meint), der Füüfilärch ‘ die Lärche, wo sommers um fünf der Schatten lag ’ (Blitzingen), der Gaiarlärch ‘ die Lärche des Herrn Gaillard (Kantonsförster) ’ (Ried-Brig), ts Gililärch ‘ die Lärche mit Lilien / des Wilhelm ’ (Blitzingen) (Gili ist laut Gwp. ‘ Wilhelm ’ ; die historischen Belege vom Typ Gilgen-Lerch legen eher die Lesart ‘ Lilie ’ oder den FaN Gilgen nahe), Gr ů ben Lerch ‘ die Lärche bei der Grube ’ (1608 u. später, Ulrichen), bim Chrizinuleerch ‘ bei der Lärche mit den Kreuzen (wo man Kreuze machen kann) ’ (Guttet), t Chrizleercha ‘ die Lärchen, in die man ein Kreuz machte ’ (Gampel), t Krizlärcha ‘ die Lärchen bei der Wegkreuzung ’ (Simplon), der Bildjileerch ‘ die Lärche mit dem kleinen Bild (Kruzifix) ’ (Oberems), der Bleschilärch ‘ die Lärche bei der ebenen Fläche ’ (Mund) (Gwp. verweist auf eine Sage mit einer Kuh namens Bleschi ‘ die kleine Blässe ’ (vgl. I D . 5, 161 für den Kuhnamen) cf. HL B LESCHU ), dr Büchelärch (Mühlebach) (laut Gwp. eine Scheune; historische Belege weisen aber auf Pische < B ǖ schen ‘ junger Nadelbaum ’ (I D . 4, 1768) hin), zum Reschlerch ‘ bei der dürren Lärche ’ (Guttet) (wohl zu resch < rösch ‘ dürr ’ ; hier wegen Unsicherheit nicht als attributives Adjektiv betrachtet), Ritlärch ‘ das Lärchengehölz im gerodeten Gebiet ’ (FLNK, LT Binn), Schattlerchen ‘ die Lärchen im Schatten ’ (1869, Münster) (der Beleg ist unsicher; 1582 steht bÿ den Schottlerchen und könnte zu schottlächt ‘ unordentliches, wirres Haar habend ’ (I D . 8, 1529) gestellt werden, also die ‘ struppige Lärche ’ wie die folgenden), t Schottlärche ‘ die struppigen Lärchen ’ (Geschinen, Ulrichen), der Tifellärch ‘ die Lärche des Teufels (grosse Lärche) ’ (Baltschieder), ts Toggulärchji ‘ der kleine Wald mit alten Lärchen ’ (Grächen), der Tonileerch ‘ die Lärche mit einer Statue des Heiligen Anton ’ (Wiler), bim Tubellärch ‘ beim Lärchenbaum, der einem Holzpflock gleich ’ (Geschinen), der Tüübelärch ‘ die Lärche, die einer Taube gleicht (unklar) ’ (Ulrichen) und t Zeiselärche ‘ die Lärchen, die wie gerupfte Wolle aussehen ’ (Reckingen). Komplexer sind unter anderen jn Heinitzen Alp Lerch ‘ die Lärche der Alpe der Familie Heinzen (? ) ’ (1539, Mühlebach) (die Alpe heisst lebend t Heizenaup (mit / l/ -Vokalisierung); da keine historischen Belege vorliegen, ist der Bezug zur Familie Heinzen unklar), der Ober und der Unner Ritlärch ‘ das obere und das untere gerodete Gebiet mit Lärchen ’ (Binn). Neben den eigentlichen Diminutiven gibt es eine Ableitung ts Lärchi (Naters), im Lärchi (Obergesteln), im Lerkinn (1679 (ca.), Birgisch), die vermutlich alle zu Lerch-ahi ‘ das Lärchengehölz ’ zu stellen sind (vgl. S ON- DEREGGER 1958, 466). Vermutlich sind auch bim Lärchistadul ‘ beim Stadel beim Wald mit Lärchen ’ (Ried- Mörel), aúf Lerchibiell ‘ auf dem Hügel beim Lärchengehölz ’ (1765, Stalden) und Mattlärchi ‘ die Lärchen bei der Mähwiese ’ (FLNK, Oberwald) mit der Mattlärchibode ‘ der Boden beim Mattlärchi (Gebiet mit Lärchen bei der Matt) ’ (Oberwald) hieher zu stellen. Ob Lerchisgufer ‘ das Steingeröll bei den Lärchen ’ (1469, Ernen) hieher gehört, ist unsicher; ein möglicher PN Lerchi ist jedoch nicht belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL Lerch mit den Grundwörtern Acher, Bach, Bäärg, Bodu, Cheer, Dorf, Egg (a), Eie, Flüö, Fura, Gassa, Grächen, Haalta, Hee (hoochheej), Matta, Pletscha, Schleif, Stafel, Tola, Wäg, Wald, Wang, Wasser, Weid und den komplexeren Bachtola und Wasserleita vor. Andere komplexe Konstruktionen sind: der Nassleerchgrabo ‘ der nasse Graben im Lärchengehölz ’ (Visperterminen), der Ober und der Under Lärchepobem ‘ der obere und der untere Boden, wo es Lärchen hat ’ (Blatten) und andere mehr. Am komplexesten ist der Vierleerchewangschlüche ‘ die Schlucht beim Grasabhang bei den vier Lärchen ’ (Oberwald). 93 94 Lerch <?page no="601"?> Lerjen (FaN) Lerjen ist zum FaN Lerjen, auch Lergen, Lergien, Hilarii zu stellen Der Name wurde zum Taufnamen Hilarius gebildet (AWWB 148 f.). Die lautlich erfassten Namen weisen den offenen Vokal / ä/ auf; schriftlich dagegen ist auch {e} zu finden. Als Simplex eines Diminutivs erscheint ts Läärji ‘ das Gebiet der Familie Lerjen ’ (Stalden). In allen anderen Fällen liegt ein vorangestellter Genitiv oder ein Bestimmungswort vor. Der Genitiv Singular ist belegt in ts Lärjisch Weid ‘ die Weide der Familie Lerjen ’ (Fiesch), wobei die Gwp. unsicher ist und auch ts Lärchisch Weid ‘ die Weide bei den Lärchen ’ (Fiesch) angibt, weil es den FaN Lerjen in Fiesch nicht gebe; es könne sich aber um eine Form des PN Hilarius handeln. Ein schwacher Genitiv Plural kommt vor in Lerginen Brúngi ‘ die kleine Quelle / der kleine Brunnen der Familie Lerjen ’ (1678, Eggerberg), Lerienmatta ‘ die Wiese der Familie Lerjen ’ (1371 u. später, Staldenried), jn Lerÿenachren ‘ im Acker der Familie Lerjen ’ (1624, Eischoll, früher Lergigo Acher). Weiter ist der schwache Genitiv Plural der kollektiven / - IG / - Ableitung zu sehen in z Lergigen Huss ‘ das Haus der Familie Lerjen ’ (1589 u. später, Baltschieder), Lergigo Stadel ‘ der Stadel der Familie Lergjen ’ (1548, Baltschieder), ts Läärjigublad ‘ die Felsplatten (kollektiv) der Familie Lerjen ’ (Raron, auch FLNK). Die übrigen Belege sind ts Läärjebord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) der Familie Lerjen ’ (Grengiols, unsichere Gwp., eher ‘ Lärchebord ’ ), ts Läärimattu ‘ die Wiese der Familie Jerjen ’ (Visperterminen), wobei das anlautende ts sowohl ein Genitiv ‘ des Lääri ’ wie eine Präposition ze ‘ bei der Läärimattu ’ sein kann. ts Lääri Huis ‘ das Haus der Familie Lerjen ’ (Kippel) ist eine Zusammensetzung. Die Unsicherheiten zwischen Lerjen und Läärch in Fiesch und Grengiols haben mit dem Fehlen des FaN zu tun; vermutlich gehen sie aber auf den PN Hilarius zurück und nicht auf das HL L ERCH ‘ Lärche ’ . Lersch Lersch ist nur als im Lersch (1737, Selkingen) belegt. Der Flurname ist in dieser Form nirgends sonst belegt. Eine Deutung ist nicht möglich. Lerwant Lerwant ist nur 1320 in Termen belegt als Lerwant. Laut Text handelt es sich um eine Wiese. Eine Anlehnung an Wand IV (I D . 16, 397) wie in Uewand ‘ Magerwiese ’ ist nicht ausgeschlossen, aber der erste Teil Ler (ev. zu l ǟ r ‘ leer ’ (I D . 3, 1363)) wird dadurch nicht erklärt. Lesch Lesch, auch Leesch, ist zum Verb schwdt. löse n ‘ ausschütten, leeren ’ (I D . 3, 1440 f.), wdt. leesche, leeschu ‘ leeren, ausschütten ’ (G RICHTING 1998, 126) zu stellen. Der vorwiegende Typ Leeschgrabu ‘ der Entleerungsgraben ’ ist zu Löschgrabe(n) ‘ Graben, welche in sumpfigen Ebenen ausgestochen werden, um das Wasser abzuziehen ’ (I D . 2, 682) zu stellen. Historisch ist es als Löschgraben fünf Mal belegt, als Leschgraben drei Mal, lebend als der Leeschgrabu (Saas Grund), dr Leeschgrabu (Hohtenn) und Leschgrabu (FLNK, Niedergesteln). Komplexer sind den gemeinen Leeschgraben ‘ der Entleerungsgraben, der der Gemeinde gehört ’ (1573, Eyholz) und dem Sage=Löschgraben ‘ dem Entleerungsgraben bei der Sägerei ’ (1827, Visp). Mit einem Präfixverb uslöse (I D . 3, 1443) ist in die Auslösche ‘ die Entleerungsstelle ’ (1720, Gampel; 1744 die gmeine Ausleschi) vertreten; davon gebildet ist Auslösch=Graben ‘ der Entleerungsgraben ’ (1733, Turtmann). Lescheler Lescheler ‘ die Treppe ’ kommt nur in Albinen vor, 1345 als ol crous de lescheler und 1435 als Aymonis de lescheler. Es ist nicht ganz klar, ob es um eine Flur oder eine Herkunftsbezeichnung geht. Auch ist unklar, ob das anlautende / l/ ein agglutinierter maskuliner Artikel ist oder nicht. Ein Lescheller ist in G PSR (6, 673) als historischer Name (1398) belegt; er ist zu frz. escalier ‘ Treppe ’ (G PSR 6, 672 s.; FEW 11, 270 f. zu lat. SCALARIUM treppe) zu stellen. Leschery Leschery ist in Albinen belegt, 1516 als en leschery und 1581 als ad portam de leschersez. Ob die beiden Belege den gleichen Ort meinen, ist sehr zweifelhaft. Der Beleg von 1516 lässt sich zu *lisca (vorröm.) lische (FEW 5, 372) stellen, wozu B OSSARD / C HAVAN (2006, 73) die Reihe Lèches etc. aufführen, die sie als Zeichen eines nassen Bodens betrachten. Unter den Ableitungen führt FEW (5, 372) u. a. lechere ‘ marais, étang ’ (Sumpf, Teich) auf. Schwieriger ist der zweite Beleg leschersez. Das lat. porta kann auch eine Türe in einem Zaun sein, als Zugang zu einem Grundstück. Es dürfte zu ètsèrts ǝ ‘ [p]assage difficile dans les rochers; chemin escarpé ’ (schwieriger Durchgang in den Felsen; steiler Weg) (G PSR 6, 945) zu stellen zu sein, mit agglutiniertem Artikel. Gemeint ist hier also die Türe, die zu einem steilen Weg führt. Leschili Leschili ist nur 1733 in Leukerbad als im Leschili belegt. Vermutlich handelt es sich ursprünglich um einen romanischen Namen, dessen Endung wohl zum Diminutiv / - ILI / verdeutscht wurde. Zu Grund liegt vermutlich das Lerjen (FaN) 95 96 <?page no="602"?> bei T AGMANN (1946, 10) belegte Lauchelet, Lèchelette, das er auf Luissel ‘ kleiner See ’ zurückführt (B OSSARD / C HAVAN 2006, 52 s. v. Luissel). Leseret Leseret ist 1514 in Varen als dou Leseret belegt. Unter dem HL E SSERT ‘ Rodung ’ ist der Flurname in Leukerbad im gleichen Jahr und im gleichen Dokument als dou Leseret belegt, wobei unsicher ist, ob wirklich Leukerbad oder doch Varen gemeint ist. Jedenfalls ist hier Essert ‘ Rodung ’ mit agglutiniertem Artikel gemeint (cf. M EYER 1914, 164 s. v. EXARTUM ) und die unter HL E SSERT angegebene Literatur. Lesier Lesier ist in Salgesch historisch belegt: 1353 lesser, 1361 eys lesiers, 1362 en lesier, 1376 on lesier (wohl ou zu lesen), 1485 eys les (unsicherer Beleg), 1494 eys lisier, 1576 ou lissier, 1579 ov lysier. T AGMANN (1946, 24) kennt Leischier für Varen und schlägt vor, es auf li ž y ē ̜ r ‘ ein (Kiesel-) Stein ’ zurückzuführen (cf. HL L EISCHIER ), erwähnt aber auch andere, seiner Ansicht nach falsche Deutungen. Die Schreibungen in Salgesch können u. U. auch zu anderen HLL gehören. Lespitel Lespitel ist nur 1654 in Salgesch als en lespitel belegt; es handelt sich um einen Acker. Der Beleg enthält wohl einen agglutinierten Artikel / l/ und espitel. Letzteres ist zu lat. H Ŏ SP Ĭ TALIS gastfreundlich (FEW 4, 493 ff., wo einige Formen mit espitel erwähnt sind) zu stellen, hier wohl als ‘ beim Spital, dem Spital zugehörig ’ . Die späte Erwähnung könnte auch dt. Spital, Spittel (I D . 10, 604) mitmeinen. Lestalda Lestalda ist nur im 14. Jahrhundert in Inden belegt als Name eines Baches: iuxta torrentem de Lestalda. Der Name des Baches muss romanisch sein; es ist aber unklar, ob der Anlaut einen Artikel enthält, und wenn ja, welchen. Ein Zusammenhang mit dem HL S TALDE besteht kaum. Lestnit Lestnit ist nur mit einem agglutinierten Artikel im Beleg von 1605 in Leuk als en l ’ estnit alias zum Getwing zu verstehen. Getwing ist deutlich östlicher als Leuk. Der Beleg bleibt unklar. Lestra Lestra ist nur einmal belegt in ou Mulyn de Lestra ‘ in der Mühle am Weg ’ (1345, Leuk). Falls der Artikel agglutiniert ist, gehört der Beleg zu Estra ‘ Weg, Strasse ’ (G PSR 6, 862a, s. v. Etraz). Lestreyt Lestreyt ist ca. 1350 in Bratsch, genauer Niedergampel, als aletreyt, 1361 u. später als lestreyt belegt. Es scheint sich um eine Siedlung zu handeln, die in der Nähe von Niedergampel lag. Da eines der Dokumente einen Weinberg erwähnt (1440), dürfte sich die Siedlung auf der Nordseite des Rottentales befunden haben. Es scheint sich um lat. STRICTUS ‘ eng ’ gehandelt zu haben (FEW 12, 298 ff. s. v. strictus eng; M EYER 1914, 172) und meint wohl einen engen, eingezwängten Ort. Lestyn Lestyn ist nur einmal 1474 in Ergisch als das Lestyn belegt. Der Artikel weist auf ein deutsches Wort als Diminutiv hin. Nächstliegend ist das substantivierte Adjektiv lest ‘ letzt ’ , wdt. letscht ‘ letzt ’ (I D . 3, 1467; G RICH- TING 1998, 127), zu verstehen als ‘ das letzte kleine Gut ’ . Letst Letst, Adj., ist nur 1774 in Eggerberg als die Dritte únd Letste Schnarre ‘ die dritte und letzte Felskante ’ belegt. Es handelt sich um das Adj. schwdt. letst, wdt. letscht wie nhd. ‘ letzt ’ , ahd. lessist, mhd. lest, hier als FlN im räumlichen Sinn (I D . 3, 1467 f.; G RICHTING 1998, 127). Leutrinen Leutrinen ist 1683 als Leütrünon in Martisberg für eine Alpe verwendet, die 1443 im Alemannischen als an Leytrinun bezeichnet wird. Es handelt sich bei der HL- Form um eine hyperkorrekte Rundung. Vermutlich der gleiche Name liegt 1364 in Lax vor, wo von Leytrellun, 1413 vz Leytrella und 1573 an Leittrinen die Rede ist. In Fiesch erscheint schon 1231 der Name einer Alpe, die Leytrun genannt wird. Die nächstliegende Form ist schwdt. Leitere n ‘ Leiter ’ und wdt. Leitra, Leiträ (Goms), Leitru ‘ Leiter ’ (I D . 3, 1497; G RICHTING 1998, 127). Der Autor des I D . sagt: “‘ Leitere n , Leiterli ’ als Name gewisser schwieriger Durchgänge im Gebirge beruht darauf, dass den von einer Felsenpartie unterbrochenen Weg früher eine wirkliche Leiter vermittelte, die später durch Verbesserung des Weges überflüssig wurde ” . Ob hier eine solche Motivation vorliegt, ist unklar. Der Name kann als ‘ bei den Leitern ’ verstanden werden; die Form Leytrellun und ähnlich wird dann als leiterähnliches Gelände verstanden. Lex Lex f. ist nur als la lex (1359, Oberems) und eÿs lex comunes (1473, Varen) belegt. Laut B OSSARD / C HAVAN 97 98 Lex <?page no="603"?> (2006, 249) bedeutet das HL ‘ paroi rocheuse (Felsenwand) ’ . Sie führen es auf kelt. *lake ‘ Felsplatte ’ zurück. In Oberems ist deswegen eine Felswand gemeint. Der Beleg in Varen weist einen Plural auf; die Deutung wäre dann ‘ die Felsen, die der Gemeinde gehören ’ . Leyen Leyen geht wohl auf verschiedene Quellen zurück. Es ist zunächst 1300 in Törbel jm Leynden Beke ‘ im lehmigen (? ) Bach ’ belegt. Man kann diesen Bach dem in Törbel bezeugten der Schreejund Bach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ gegenüberstellen, wobei unklar ist, ob Leynd zu Leim ‘ Lehm ’ , zu legge ‘ legen ’ oder zu ligge ‘ liegen ’ zu stellen ist. Der Beleg Leynmad (1442, Brig) wird als lat. PRATUM ‘ Wiese ’ bezeichnet. Wahrscheinlich ist Leyn hier zu Leim ‘ Lehm ’ (I D . 3, 1267) zu stellen (cf. HL L EIM ), also ‘ die Mähwiese im Lehmgebiet ’ . Der Beleg jn Leyentals (1454) ist im Text als der Ort bezeugt, wo eine Besitzung longynalz sich befindet. Letzteres ist ziemlich sicher eine romanische Form zu LONGU CANALE ‘ der lange Bach ’ ; Leyentals dürfte also das Lengtal meinen, das in Grengiols lebend gut belegt ist. 1621 ist in Bratsch jn den leingen Achren ‘ in den langen Äckern ’ belegt, also eine vergleichbare Form von leng. In allen Fällen sind aber alternative Deutungen möglich. Leyz Leyz ist nur 1360 als la seynti leyz ‘ der breite Pfad ’ (Leuk) belegt. Leyz ist eine Form zu lat. LATUS breit (FEW 5, 203 f.). Lichre Lichre ‘ Löcher ’ kommt in Ze Lichre (Oberwald) vor. Es handelt sich um einen Dativ Plural mit Entrundung von / ü/ zu / i/ , wie I D . (3, 1016) mit dem Plural Lücher nachweist. G RICHTING (1998, 129) hat Lichr als Plural nur für das Lötschtal; diese Annahme ist wohl für den FlN nicht gerechtfertigt. Cf. HL L OCH . Licka Licka f. ‘ Lücke ’ ist zu schwdt. Lucke n , Lücke n , Licke n und wdt. Likka, Likkä (Goms) Likku f. ‘ Lücke; bes. als Durchfahrt auf Viehweiden; Einsenkung, Lücke in Bergzügen ’ , mhd. lücke, lucke (I D . 3, 1255 f.; G RICHTING 1998, 128) zu stellen. Die rund 120 Namenbelege meinen meistens Lücken in hochgelegenen Bergzügen. In einigen Fällen ist die Notation von M. S. als Ligge oder ähnlich unsicher; als Beispiel ist t Sattelligga (Blatten) zu nennen, wo FLNK Sattellicka notiert: ‘ die Lücke (Fusspass) beim Sattelhorn ’ . Als Simplex im Singular sind belegt: üf der Licke ‘ auf der Lücke ’ (Mulde mit Steilhang) ’ , zer Luykkun bei der Lücke ‘ wohl Durchgang für das Vieh? ) ’ (1309, Reckingen), Lika ‘ die Lücke (Teil des Weilers Eggu von Eggerberg) ’ (Eggerberg). Im Plural kommen vor: bi de Licke ‘ bei den Lücken (heute keine Lücken erkennbar, früher vielleicht Durchgang (? ) ’ (Gluringen), t Liggä ‘ die Lücken ’ (unsicher, Ferden), t Ligge ‘ die Lücken (wohl falsche Transkription) ’ (Mund, FLNK u. LT, Licke), t Liigge ‘ die Gräben ’ (Niedergesteln, unsicher, ob richtig notiert). Es ist auffällig, dass die Simplizia im Allgemeinen keine Fusspässe oder Durchgänge im Hochgebirge meinen; es ist deswegen unklar, welche Deutung hier genau vorliegt. Mit attributiven Adjektiven sind belegt: di Grossi Liicka ‘ die grosse Lücke ’ (Niedergesteln; LT Grossi Lyka, FLNK Grossi Liika, MS di Groossi Liika) - der Beleg ist unklar, die Transkriptionen schwanken, gemeint ist ein Graben, t Ober und t Unner Licke ‘ die obere (Fusspass zwischen Wasenhorn und Vord. Galmihorn, auf LT auch Bieligerlicke) und die untere Lücke (Fusspass zwischen Bieligertal und Bächigletscher) ’ (Biel; letztere auch Gluringen), t Rot Licka ‘ die rote Lücke ((1: 10000 Roti Licka), rotes Gestein im Gegensatz zur Schwarz Licka) ’ (Wiler), t Schwarz Licka ‘ die schwarze Lücke ((1: 10000 Schwarzi Licka), schwarzes Gestein im Gegensatz zur Rot Licka) ’ (Wiler). Vorangestellte Gemeinde- und Flurnamen auf / - ER / (ursprüngliche Genitive Plural) enthalten: Gestlerlicke ‘ die Gestlerlücke (Fusspass) (FLNK Geschlerlicke) (wohl von bernischem Gebiet aus die Lücke von Obergesteln) ’ (Obergesteln), t Gopplerlicka ‘ die Lücke von Goppisberg ’ (Goppisberg), Baltschiederlicka ‘ die Lücke (Fusspass) zwischen Gredetschgletscher und Baltschiedergletscher ’ (Mund; unsicher, ob Baltschieder hier einfach Gemeindename oder ursprünglicher Genitiv), Bieligerlicke ‘ die Lücke der Gemeinde Biel (auch Obere Licke (obere Lücke) genannt ’ (Biel), di Boorterlicku ‘ die Lücke beim Borterhorn oberhalb des Bortertälli (nach der Familie Borter benannt) ’ (Oberems). Als Grundwort kommt das HL mit sehr vielen Bestimmungswörtern in zweigliedrigen Komposita vor. Die meisten beziehen sich auf die Lage der Lücke als Fusspass oder Durchgang zwischen Gipfeln, Gletschern, Tälern. Dazu gehören u. a. t Färichlicka ‘ die Lücke (Fusspass) beim Färichhorn (Gipfelname) ’ (Eisten, St. Niklaus), di Gaalgilicka ‘ die Lücke (Fusspass) oberhalb des Gaalgi ’ (Zwischbergen), Galgilicka ‘ die Lücke beim Galihorn (Gipfelname) ’ (FLNK, Zwischbergen, südlich des Horns), di Galilicka ‘ die Lücke beim Galihorn (Gipfelname) ’ (Zwischbergen, nördlich des Horns) - diese Namen zeigen, dass die Gwpp. sich über die Lage der einzelnen Lücken nicht immer klar sind; das gilt etwa auch für Leyen 99 100 <?page no="604"?> t Magulicka ‘ die Lücke (Fusspass) beim Magehorn (Gipfelname) ’ (Simplon, Visperterminen), die sich laut Karte neben dem Bistinepass befindet, auf der nördlichen Seite des Magehorn, während LT die Magelicke südlich davon lokalisiert. Weiter nördlich davon befinden sich Nanzlicke ‘ die Lücke (Fusspass) vom Simplonpass ins Nanztal ’ (LT, Visperterminen), Inneri Nanzlicke ‘ die innere Lücke (Fusspass) vom Simplonpass ins Nanztal ’ (Simplon, SK Inner Nanzlücke; FLNK, Visperterminen Inner Nanzlicka) und t Üsser Nanzlicka ‘ die äussere Lücke (Fusspass) vom Simplonpass ins Nanztal ’ (Visperterminen, SK Aeusser Nanzlücke, LT Üsseri Nanzlicke, FLNK Üsser Nanzlicka). In andern Fällen sind sich die Gwpp. nicht einig, wie ein Fusspass heisst: t Elselicka (Fiesch) heisst auf SK Elsilücke, in Ried-Mörel t Elsulicka, in Betten t Elsigelicke, alle beziehen sich auf einen Fusspass zwischen Bettmerhorn und Fiescherhorli. Die einen denken dabei offenbar an den PN Elsa, die andern an den FaN Elsig. Manchmal spielen einfach lautliche Besonderheiten eine Rolle: t Galmilicke ‘ die Lücke (Fusspass) zwischen dem Hinteren Galmihorn und dem Oberaarrothorn ’ (Münster) heisst in Bellwald und Fieschertal (beide mit / l/ -Vokalisierung) t Gaumilicka. Bei der t Leetschlicka ‘ die Lötschenlücke ’ (Blatten), LT Lötschenlücke (Fieschertal) ist das Bestimmungswort ein Talname; die Lücke befindet sich zwischen dem Grossen Aletschfirn und dem Langgletscher. Wenige Komposita enthalten Tiernamen: Geisslicka ‘ die Lücke (Fusspass) nördlich des Geisshorn (Gipfelname) ’ (Naters), t Gemschlicka ‘ die Lücke für die Gemsen (LT Gemschlicke) ’ (Bellwald, Fieschertal), t Schaaflicka ‘ die Lücke (Durchgang) für die Schafe ’ (Grengiols). Einen Sonderfall bilden Zahlwörter und Zeitangaben: t Elfilicku ‘ die Lücke, aus der im Winter um 11 Uhr die Sonne scheint ’ (Salgesch) (auch M ATHIER 2015, 141), t Mittaglicku ‘ die Mittaglücke (Berglücke im Süden, von Leuk aus gesehen; dort scheint im Winter die Sonne um 12 Uhr) ’ (Leuk), di Zäänilicku ‘ die Zehn-Uhr- Lücke (Berglücke im Süden, von Leuk aus gesehen; dort scheint im Winter die Sonne um 10 Uhr) ’ (Leuk), Zänilicku ‘ die Lücke, durch die im Winter die Sonne um 10 Uhr scheint (FLNK, etwas westlich LT Zehnerlücke) ’ (Salgesch; fehlt bei M ATHIER 2015) - alle Belege betreffen den südlich der Gemeinden Leuk und Salgesch gelegenen Gorwätschgraad, durch dessen Lücken die Wintersonne scheint. Ein sonst wenig auftretender Fall ist die Benennung von Berner Seite her: so ist t Triebseelicke ‘ die Lücke (Fusspass) von der Grimsel zum Triebtenseewi (Berner Gebiet; LT Triebtenseelicke) ’ (Obergesteln) nach einem See im Berner Gebiet benannt und t Gäärschtelicke ‘ die Lücke zwischen den Gärstenhörnern ’ (Oberwald) ist nach den Gärstenhörnern benannt (BENB 1, 2, 24 f.) Komplexere Fälle enthalten entweder ein Bestimmungskompositum wie z. B. Firehorelicke (FLNK, Münster, LT Firehornlicke) ‘ die Firehornlicka (Fusspass) beim Firehorn (Firnhorn) ’ (Münster), t Furgguböümlicka ‘ die Lücke (Pass, it. Forca d ’ Aurona) beim Furgguböumhore ’ (Ried-Brig) oder ein attributives Adjektiv wie in zer Indru Chrindällickun ‘ bei der inneren (taleinwärts liegenden) Lücke (Fusspasss) bei der Chrindällun (Ritze, Spalte) ’ (Blatten) und Chlii Griehorelicka ‘ die Lücke (Fusspass) beim Kleinen Grünhorn ’ (Fieschertal) und andere mehr. Als anderes Grundwort ist nur Wäg in Gopplerlickawäg ‘ der Weg zur Gopplerlicka (Lücke der Leute von Goppisberg) ’ (FLNK, Goppisberg) belegt. Licstes Licstes ist nur 1549 u. später in Salgesch als eys licstes deys pasquier ‘ die Borde mit Weideland ’ belegt. 1643 ist alternativ auch von eÿs licstro de pasquier die Rede. Es handelt sich wohl um das gleiche HL wie Listes, das später als Lichte(n) erscheint (cf. HL L ISTES und M EYER (1914, 166)). Lid Lid ist nur 1554 in Zeneggen als am Lidboden ‘ der Boden, der einem Deckel gleicht ’ belegt. Das HL ist wohl zu Lid ‘ Deckel ’ (I D . 3, 1088; bei G R W B 12, 982 s. v. Lied n. ‘ deckel ’ ) zu stellen. In I D . wird als Synonym auch Helse II (I D . 2, 1214) angegeben. Liderongge t Liderongge Pl. ist in Inden belegt. Das Grundwort könnte Rongg ‘ Einfang auf der Allmende, Wiese im Wald ’ (I D . 6, 1129; T AGMANN 1946, 33 als “ terrain défriché, lieu esserte ” ) sein. Das Bestimmungswort kann entrundet sein und eine Präposition de für den Genitiv enthalten. Das nächstliegende Wort ist nach T AGMANN (1946, 46) Lui, Lué < * L Ŏ CE ‘ terrain en pente ’ (REW 5094c). Das Ergebnis wäre etwa ‘ der steile Teil des gerodeten Landes ’ . Diese Deutung ist allerdings sehr spekulativ. Lidu ts Lidu ‘ das Liden, beim Liden ’ ist ein Weiler von Niedergesteln mit einem ausgedehnten Namennest, das auch die frühere Alpnutzung zeigt. Dazu gehören an Ober Liden (1687, Niedergesteln), an Nidren Liden, bzw. am vndren Liden (1522, Niedergesteln), zer Lidunblattu ‘ bei der Felsplatte im Bereich des Weilers Liden ’ und - jünger - Lidublattutunnel ‘ der (Eisenbahn-)Tunnel im Gebiet Lidublatt (Felsplatten beim Weiler Liden) ’ , t Lidunkapällu ‘ die Kapelle im Weiler Lidu (Liden) ’ , t Liduliwwi ‘ die Liwwi (Raststelle) bei Lidu (Weiler von Niedergesteln) ’ , ts Lidusieli ‘ die kleine Wasserleitung nach Liden ’ , ts Li- 101 102 Lidu <?page no="605"?> duwägji ‘ der kleine Weg von / nach dem Weiler Lidu ’ , der Liduwald ‘ der Wald oberhalb des Weilers Lidu ’ und die komplexeren t Altu Liduräbe ‘ die alten Reben von Liden ’ und t Schiirmattu im Lidu ‘ die Wiese bei der Scheuer im Weiler Lidu ’ . Auf den Alpen kommen hinzu zer Lidnerru Ferrich ‘ beim Pferch der Leute von Liden (oberhalb Tatz) ’ und das heute zu Hohtenn gehörende ts Lidnersch Weidu ‘ die Weide der Leute von Liden (auf dem Spilbielalpji) ’ (Hohtenn). Das Genus von Lidu ist entweder n. oder m. Die ältesten Belege sind 1438 an dem Lidden, 1522 am Liden, 1575 am Liden, 1703 am Lidu ᵕ n etc. Es ist unklar, ob ein deutscher oder romanischer Name vorliegt. URNB (2, 938 f.) kennt einen Namen Lidplanggen oder Libplanggen, ist aber unsicher, ob überhaupt Lid vorliegt, würde es dann zu Lid n. ‘ Deckel ’ (I D . 3, 1087 f.) stellen. Das deckt sich nicht mit der zweisilbigen Struktur von Lidu. Romanisch könnte das Wort zum germanischen Lehnwort LÎSTA ‘ leiste, rand ’ (FEW 16, 469 ff.) gestellt werden - hier wohl als ‘ Streifen Land ’ , doch müsste die Entwicklung von / st/ zu / d/ erklärt werden. M EYER (1914, 166) gibt Listes als Schreibung im 13. Jahrhundert, im Bezirk Leuk ist die übernommene Form Lichte cf. HL L ISTES . Eine Entlehnung ohne / s/ kommt nur auf Grund der dialektalen Entwicklung im Spätmittelalter in Frage; dafür lassen sich keine Belege in Niedergesteln finden. Letztlich kann der Name nicht gedeutet werden. Lieben Lieben ist ein Adjektiv im Dativ, das nur im Beleg ob Vnser Lieben Frauwenn ‘ ob (dem Bildstock oder der Kapelle) unserer lieben Frau (Maria) ’ (1602, Gluringen) belegt ist. Unsere (liebe) Frau als Name der hl. Jungfrau Maria ist nach I D . (1, 1242, 1d)) belegt. Eine Kapelle ist in Gluringen nicht erwähnt; vermutlich handelt es sich um einen Bildstock oder ein Stück Land, das ihr gewidmet war. Liebig (FaN) Liebig (FaN) kann eine kollektive Ableitung auf / - IG / zum FaN Liebo oder Lieben sein, die laut AWWB (252) ursprünglich für den FaN Streler verwendet wurde. Das Lemma ist nur belegt in Liebig Garttlÿ ‘ der kleine Garten der Familie Lieben ’ in Brig (1708). Liecht Liecht n. ist einerseits zum Adj. liecht ‘ hell ’ (I D . 3, 1055) und anderseits zu schwdt. Ho(ch)liecht n. ‘ Himmel um den Zenit; die Höhe des Himmels, der helle über und an den Bergkämmen von der Tiefe des Tals aus sichtbare Sonnenglanz bzw. die betr. Luftschicht; Morgendämmerung; Bergkamm, -Grat; Horizont, Gesichtskreis ’ und wdt. ds Hoo Liecht ‘ Himmel ’ (I D . 3, 1053 f.; G RICHTING 1998, 127; Z INSLI 1946, 324; Z INSLI 1975, 53 ff.) zu stellen. Belegt ist der Typ ts Holiecht ‘ das hohe Licht (Aussichtspunkt) ’ (Münster und vierzehn weitere Gemeinden, teilweise historisch), dazu ts Hinner und ts Voder Holiecht ‘ der hintere und der vordere Teil des hohen Lichtes ’ (Geschinen), ts Ober Holiecht ‘ der obere Teil des Holiecht (hohes Licht) ’ (Simplon) und das komplexe Holiecht mit folgenden Grundwörtern Brunnu, Gletscher, Pass, Tschugge und Wäg. Im zweiten Fall kommt das Adjektiv als Bestimmungswort zum Grundwort Biel ‘ Hügel ’ vor: ts Liechtbiel ‘ der helle Hügel ’ (Stalden), dazu mehrere historische Belege. Der Typ Liechtbiel erscheint weiter mit den Grundwörtern Hubel, Rufina, Schleif und Wäg. Nur einmal belegt ist die Liechteggen ‘ die Licht-Ecke ’ (1764, Zwischbergen), wo auch zweimal t Liechtholzegga ‘ die Ecke mit Lichtholz (Kienspan) ’ erscheint. Hier ist wohl an Liechtholz ‘ Kienspan ’ (G RICHTING 1998, 127) zu denken, also an eine Ecke mit Holz, das leicht angezündet werden konnte und lang brannte. Typischerweise war dies das Holz von Dählen (Kiefern). Liele Liel n. ist als Simplex in Brigerbad endungslos belegt. Es handelt sich um ein Kollektivum zu Liela, das zu schwdt. Niele n , Liele n wdt. Niela, Niälju f. ‘ C LEMATIS VITALBA , Echte Waldrebe ’ , ahd. liela, liola, mhd. liel(e), alemannisch dissimiliert zu Niele, daraus degluttiniert Iele (I D . 3, 1260; I D . 4, 715; M ARZELL 1, 1046 f.; G RICHTING 1998, 144) zu stellen ist. Zur Pflanze vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 118 s. v. C LEMATIS VITALBA ) mit Verbreitung in der ganzen Schweiz. Neben dem Simplex kommt Liel als Bestimmungswort in Lielflu ᵕ ‘ die Fluh mit Echten Waldreben ’ (1586, Naters), Lielgraben (1525, Brigerbad), wohl beim Liel gelegener Graben, und Liel Reben (1902, Hohtenn, unsichere Lesung und unsichere Deutung) vor. Der Typ Niela ist nur belegt im Diminutiv Plural t Nieltini ‘ das kleine Gebiet mit Echten Waldreben ’ (Mund). Lienhärto (PN) Lienhärto ist ein schwacher Genitiv zum PN Lienhard ‘ Leonhard ’ (I D . 3, 1286 s. v. Lienert). Es ist nur einmal belegt in Lienhärto Halmera ‘ das ehemalige Getreideland des Lienhard ’ (1581, Unterbäch). Bei F ÖRSTEMANN (1, 1053) ist Lienhard bezeugt. Lies Lies ist nur belegt in ts Liesland (FLNK u. LT Liessland) und der Lieslandgraad ‘ der Grat beim Liesland ’ (beide Oberwald). Weder I D . noch G RICHTING (1998) kennen Lieben 103 104 <?page no="606"?> Lies(s). Ein Anschluss an Lischa ‘ Sumpfgras ’ (I D . 3, 1459 s. v. L ī sch; G RICHTING 1998 , 128 s. v. Lischa) ist nicht unmöglich, wenn unter Lies eine Form von C AREX CUR- VULA ‘ Gewöhnliche Krumm-Segge ’ oder ähnlich (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1386) gemeint ist. Allerdings ist im Wallis üblicherweise nur Lischa belegt; Lies mit Diphthong (so von M. S. notiert) ist sonst unbelegt; das zeigen auch J ACCARD (1906, 228) und J UD (1945 - 46, 60). G R W B (12, 1019) kennt Liese f. in drei Bedeutungen, doch keiner der Einträge trifft zu. Auch ein Anschluss an mhd. liesen (L EXER 1, 1913) zu verliesen ‘ verlieren ’ ist nicht gegeben. Nicht ganz auszuschliessen ist eine Form von Linse (I D . 3, 1343) mit der Deutung ‘ ein Stück Land, das so gross ist wie eine Linse ’ , das dem Staubschen Gesetz unterliegen würde; allerdings hat R ÜBEL (1950, 6) ausgeführt, dass das Goms hier dem Staubschen Gesetz nicht folgt. Daraus ist zu schliessen, dass eine Deutung für das HL nicht möglich ist. Lietja Lietja ist eine assimilierte Form zu Liegja ‘ der Aussichtspunkt ’ (cf. HL L ÜEGE und das dort belegte Liedji ‘ der kleine Aussichtspunkt ’ (Naters) mit den historischen Belegen). Es ist nur einmal belegt als t Lietja ‘ der Ort mit Aussicht ’ (Grengiols) mit der / - LA / - JA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 517). Die volks-etymologische Umdeutung zu Lied ‘ Lied ’ ist nicht zutreffend. Liffinen Liffinen ist ein Dativ und nur einmal 1653 in Ulrichen belegt als die Alpa der Herren von Liffinen. Es handelt sich um die heutige Leventina, früher Livinen oder Livinental genannt, das sich im Kanton Tessin befindet. Wer genau die Herren dieses Tals sind, wird aus dem Text nicht klar. Lift Lift m. ist belegt in Märwiglift ‘ der Skilift am Määrwig (mürbes Gestein) vorbei ’ (FLNK, Wiler), Unnerratlift ‘ der Skilift am Unnerat (Gebiet mit Futter fürs Vieh) vorbei ’ (FLNK, Bürchen) und bim Aute Schiglift ‘ beim alten Skilift ’ (Ernen, mit / l/ -Vokalisierung). Das HL ist zum hdt. Lift m. (cf. K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 578) zu stellen, hier zur Bezeichnung von Skiliften. Lifti Lifti ist nur 1874 in Steg als den Liftigraben ‘ der Graben beim Ort mit Luftzug ’ (Akkusativ ist konstruktionsbedingt) belegt. Lifti ist zu schwdt. lüfte n , und wdt. lifte, liftä, liftn (Lötschental), liftu ‘ lüften, versteigern, aufheben ’ (I D . 3, 1161; G RICHTING 1998, 127) zu stellen. Die Substantivierung ist ein Verbalabstraktum auf / - I / (S ON- DEREGGER 1958, 497 ff.). In FlN wird das HL zur Bezeichnung eines Ortes verwendet, wo ein Luftzug oder Wind vorherrscht. Liger Liger ist nur in im Altliger ‘ in der alten Lagerstätte (für das Vieh) ’ (Münster, auch FLNK) belegt; die Flur befindet sich nicht auf der Alp, sondern auf ca. 1460 m Höhe zwischen Münster und Geschinen. Das HL ist zu schwdt. G e -Liger ‘ Lagerstätte ’ (cf. I D . 3, 1215) zu stellen, hier wohl ohne das Präfix (ge-), vgl. auch Liger ‘ Lagerplatz ’ und Chüe-Liger ‘ Lagerplatz der Kühe ’ (beide I D . 3, 1215). Ligg Ligg n., Liggi f. ist zum Verb schwdt. lige n , ligge n , und wdt. ligge, liggä (Goms), liggn (Lötschental), liggu wie nhd. ‘ liegen; von Tieren, liegen, sich niederlegen, im Wallis wird das Wort an einigen Orten nur von Tieren gebraucht; von gemähtem, zum Dörren bestimmtem Gras, Getreide ’ (I D . 3, 1204 ff.; G RICHTING 1998, 127) zu stellen. Als Simplex kommt nur Liggi ‘ der Liegeplatz für die Kühe ’ (FLNK u. LT, Saas Almagell) vor. Hierzu gehören auch t Erschtu, di Zweitu und di Drittu Liggi ‘ der erste, der zweite und der dritte Liegeplatz für die Kühe ’ (Saas Almagell). In Blatten sind ts Foder und ts Hinder Ligg ‘ der vordere und der hintere Liegeplatz ’ belegt. Eine unklare Form ist di Bälliggjini ‘ die kleinen Liegeplätze beim Bäll (aber 987 m) / für die Schafe (Bänz) (? ) ’ und im Ligbodo ‘ der Boden, wo das Vieh liegt ’ (1895, Eggerberg; 1478, Naters). Der Beleg Ligbodo Tag (Eggerberg) ist vermutlich falsch gelesen: der Beleg besagt, dass am Tag aus dem Viertel des morgendlichen Wassers der Ligboden gewässert wird (aber der Text ist unklar). Vom Verb abgeleitet sind die Partizipien Präsens: únter den Ligenden Blatten ‘ unter den liegenden (horizontalen) Felssplatten ’ (1829, Guttet) und die wol ligend Matta ‘ die gut gelegene Wiese ’ (1577, Ried-Brig). Ligner Ligner ist nur 1361 in Gampel (Jeizinen) als in der Ligner Matta ‘ in der Ligner Wiese ’ belegt. Ligner ist weder als FaN, noch als PN belegt; da das Dokument von 1361 stammt, ist eine Entrundung nicht möglich. Zur Bildung - NER vgl. S ONDEREGGER (1958, 525 ff.). Der Flurname könnte auch zu den HLL L IGER und L IGG gestellt werden, doch ist eine Bildung mit - NER dort nicht bekannt. Die Deutung bleibt deswegen unklar. Ligsch Ligsch kommt nur einmal vor in üf ts Ligsch Äbmetgi (Münster). Ligg liesse sich zum Adjektiv lugg (Id. 3, 1232 ff.) stellen, dann in der Bedeutung ‘ ein wenig, klein ’ 105 106 Ligsch <?page no="607"?> (I D . 3, 1235), doch müsste die Form *üf ts ligge Äbmetgi heissen. Alternativ wäre an einen Genitiv eines PN Ligg(i) zu denken, der allerdings nicht belegt ist. Die HLL L IGER und L IGG kommen bei einem Genitiv auf {sch} kaum in Frage. Die Deutung bleibt deswegen unsicher. Lihetsch (PN) Lihetsch (PN) ‘ des Lichert ’ ist nur 1857 in Gampel als Lihetschboden ‘ der Boden des Lichert ’ und t Liihetschmattä ‘ die Wiesen des Lichert ’ (Gampel) belegt. Der historische Beleg von 1749 enthält jn Lichertzmatten; spätere Formen zeigen, dass der Name nicht mehr präsent war. Vermutlich liegt jedoch ein Genitiv eines PN Lichert zu Grunde, der wohl auf den alten Personennamen Liuchart (F ÖRSTEMANN 1, 750) zurückzuführen ist. Liibji Liibji ‘ Leibchen ’ findet sich nur in Randa mit dem Zentrum t Liibjini und den Namen Liibjiwäg (FLNK), der Liibjitritt, sowie der Ober und der Unner Liibjiboda ‘ der untere und der obere Boden bei den Liibjini ’ . Das HL lässt sich zu Liibji ‘ Leibchen ’ (G RICHTING 1998, 127) stellen; am ehesten käme die Form der Moräne als Motivation in Frage, wie A. B RANTSCHEN (p. c.) ausführt, der in Randa aufgewachsen ist und über die dortigen Orts- und Flurnamen gearbeitet hat. Der Bezug zu Lîbi n g ‘ Dicke z. B. einer Wand, einer Röhre ’ (I D . 3, 980) (hdt. Leibung, vgl. G R W B 12, 609) trifft kaum zu; I D . erwähnt nur Zürich und verweist auf die bautechnische Bedeutung. Liich Liich ‘ Leiche ’ ist zu schwdt. L ī ch (n.) f. ‘ Leib, menschlicher Körper; Leiche; Leichenbegängnis ’ und wdt. Liich ‘ Leiche ’ (I D . 3, 1013 ff.; G RICHTING 1998, 128) zu stellen. Belegt ist das Lemma nur als Bestimmungswort in zwei Belegen. Das Kompositum schwdt. Liche(n)brëtt ist ein ‘ Brett, auf das die Leiche gelegt und das nachher, bemalt, im Freien als Denkmal aufgestellt wurde ’ , bezeichnet in FlNN aber v. a. in Übertragung ‘ glatte Wände und Platten ’ (I D . 5, 903; Z INSLI 1945, 125 nimmt explizit auf Zermatt Bezug). Belegt ist t Liichubretter ‘ die Leichenbretter ’ (Zermatt). Vermutlich gehört auch Liichflie ‘ die Flühe mit Leichen ’ (Birgisch) hieher; die mögliche Deutung durch schwdt. L ĭ che(n) koll. ‘ Leberkraut ’ (I D . 3, 1016) ist sehr unwahrscheinlich, da das Nomen nur für Werdenberg, Kt. St. Gallen, belegt ist. Es handelt sich um eine Flechte, die bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014) nicht belegt ist. Liiri Liiri n. ist als ts Liiri ‘ das schlechte Wässerwasser ’ (Ried- Brig) im Gantertal belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um eine Wässerwasserleitung. Am nächstliegenden ist eine entrundete Form zu Lüre n ‘ wässriger Wein, schlechte Brühe ’ (I D . 3, 1378), hier wohl als Wässerwasser zu verstehen. I D . gibt keine Belege aus dem Oberwallis und führt das Wort auf lat. LORA ‘ Tresterwein ’ zurück (L ORA ist bei D U C ANGE 5, 141c belegt als Potionis mellitae genus ‘ eine Art Getränk mit Honig gesüsst ’ ). Ob diese Herleitung stimmt, ist unklar. Lilie Lilie ‘ Lilie ’ ist zu schwdt. Ilie ‘ weisse Lilie ’ und weitere Pflanzennamen (I D . 1, 173 f.). bzw. Lilie n m. ‘ Lilie; Bergveilchen bzw. gesporntes Veilchen ’ , f. ‘ Frühlingsenzian ’ (I D . 3, 1260) zu stellen. Die Deutung ist unsicher; von der Verbreitung her kommt am ehesten die Weisse Trichterlilie (Paradisea liliastrum, vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1264) in Frage. Belegt ist es in Lilien Acher ‘ der Acker bei den Lilien ’ (1788, Betten). Sehr unsicher ist t Eilimatte ‘ die Wiese bei der kleinen Aue / wo lilienartige Blumen wachsen (unklar) ’ (Ausserberg). Zwar verzeichnet I D . (1, 173 f.) die Form Eile für Herzogenbuchsee (Bern), doch fehlen Belege für das Wallis. Limmi Limmi f. ist zu schwdt. Limmi (Lummi, Lümmi) f. Dim. Limmetli ‘ Einschnitt, Kerbe, Einsattelung an einem Felsrücken, einer Bergkette usw.; Pass zwischen Felszacken; kesselförmige Vertiefung oder eine kleine Ebene zwischen den mit Gras bewachsenen Bergen; Einsenkung des Bodens, Schlucht, Talmulde; Einbiegung in einer Fläche ’ (I D . 3, 1270; BENB 1, 3, 107; URNB 2, 552 f.; Z INSLI 1945, 330) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. Belegt ist das HL als in der Lÿmin ‘ in der Talmulde? ’ (1711, Ausserberg). Alle anderen Belege finden sich in Oberwald: Sidellimmi ‘ Einkerbung, die wie eine Sitzgelegenheit aussieht ’ (auf LK jedoch Sidelini; nordöstlich Sidelhorn), t Ober und t Unner Triftlimmi ‘ der obere und der untere Teil der Einkerbung oberhalb der Trift im bernischen Gadmental ’ und der Limistock ‘ der Limistock (Gipfelname; Grenzgipfel zwischen Bern und Wallis, BENB 1, 3, 107) ’ . Limmil Limmil ist nur als der Limmilbode (Visperterminen) belegt. Gwp. stellt den Flurnamen zu <a limmil>: ein im Verhältnis seines Alters grossgewachsener junger Bursche. G RICHTING (1998, 128) kennt Limmel, Limmäl (Goms), Limmul (Zermatt), Limml (Lötschtal), Limmil ‘ Mann (grosser, gewalttätiger) ’ . Das ist zweifellos als entrundete Form zum schwdt. Lümmel m. ‘ wie nhd. ’ (I D . 3, 1270) zu stellen. Diese Deutung ist kaum nachzuvollziehen. Die Alternative wäre eine Deutung zu Lihetsch (PN) 107 108 <?page no="608"?> Lummi, wdt. auch Limmi (I D . 3, 1270; Z INSLI 1946, 81 und 330), wobei letzterer vor allem von einer kleinen Mulde, einer kleinen Vertiefung in der Wiese spricht. Allerdings fehlt eine Form auf / - IL / , das als maskuline Stellenbezeichnung zu verstehen wäre (vgl. S ONDEREGGER 1958, 513). Bei der Deutung im VSNB (Datenbank) wurden beide Lesungen verwendet, obwohl keine von beiden überzeugt. Lind Lind, resp. linn Adj. ist zum Adjektiv lind (lint, linn) ‘ weich; locker, vom Regen durchfeuchtet ’ (I D . 3, 1315 ff.; BENB 1, 3, 108; G RICHTING 1998, 128) zu stellen. Die Belege sind nicht immer vom teilweise homophonen Baumnamen Linde ‘ die Linde (Tilia platyphyllos, Tilia cordata) ’ (cf. HL L INDE ) zu unterscheiden. Die Entwicklung von / -nd-/ zu / -nn-/ einerseits, die Fortisierung von / -nd/ zu / -nt/ anderseits führen zum Nebeneinander von Linn und Lint (cf. G RICHTING 1998, 128, der neben dem Adjektiv lind ‘ weich ’ , auch das Verb linne, lintä (Goms), linde, lindä (Lötschental), lintu ‘ einweichen, aufweichen, prügeln ’ kennt; auch I D . (3, 1317) kennt das Verb als linde n ). Das HL erscheint in einer substantivierten Form ts Lind ‘ das weiche, wässrige Gebiet ’ (Glis, Visperterminen), ts Lint ‘ das weiche, wässrige Gebiet ’ (Naters) und als jm Lind (1479, Ried-Brig; 1604, Lindj), das in I D . so fehlt. In Eyholz ist 1545 das Lÿndt belegt, an dem vorbei eine Wasserleitung führt; es handelt sich wohl um den Ort in Glis und Visperterminen. der Lindwald ‘ der Wald im weichen, wässrigen Gebiet ’ (Glis, Visperterminen) meint den gleichen Ort, dr Lindwald ‘ der Wald im weichen, wässrigen Gebiet ’ (Hohtenn, Steg) bezeichnet ebenfalls einen solchen Wald. Hinzu kommt in Visperterminen t Lindhitta ‘ die Hütte im Lindwald ’ . In Hohtenn findet sich t Lindwaldbletschu ‘ die Bletscha (Ebene) im Lindwald (Wald im weichen, wässrigen Gebiet) ’ , in Steg dr Lindschlüüchu ‘ die Schlucht beim Lindwald (Wald im weichen, wässrigen Gebiet) ’ . Das HL erscheint als attributives Adjektiv oder als Bestimmungswort in t Linnuachra ‘ die Äcker im weichen, wässrigen Gebiet ’ (Gwp. denkt an Linden (Bäume) ’ (Visp), der Lin(d) Bodu ‘ der weiche Boden ’ (Saas-Balen), ts Lindbächi ‘ der kleine Bach aus dem weichen, wässrigen Gebiet ’ (Oberwald), in Münster als ts Linnebächi (FLNK u. LT, Linnebächi), in Ulrichen als ts Linnebächi ‘ der kleine Bach aus dem weichen, wässrigen Gebiet ’ (die Namen in Münster und Ulrichen bezeichnen den gleichen Bach), in dem Lindberg (1540, Visperterminen) mit unklarer Bedeutung, ‘ im Berg im weichen, wässrigen Gebiet ’ , (Berg ist im allgemeinen ein höher liegendes Gebiet, könnte also auch ‘ Berg oberhalb von Linden ’ sein), ts Lind Bärgji ‘ der kleine, mit Linden bestandene Berg / der kleine Berg mit einem weichen (linden) Boden (Naters) ’ - ein unklarer Name, der auch als Blindbärgji belegt ist, wohl benannt nach dem Blindtal daneben - , t Lindflüe ‘ die Fluh im weichen, wässrigen Gebiet ’ (Täsch), obwohl Gwp. sagt, es sei nicht weicher Boden, die Lindpletschen ‘ die Ebene im weichen, wässrigen Gebiet / die Ebene mit Linden ’ (1860, Steg) und t Linn Bina ‘ der Pflanzplatz im weichen, wässrigen Gebiet ’ . Die genaue Bedeutung von lind als ‘ weich, feucht, locker, wässrig ’ bleibt häufig unklar. Lautlich kann auch eine Assimilation zu Limeintreten. Linde Linde f., auch Linda, ist zu schwdt. Linde n f. ‘ Linde ’ (I D . 3, 1319 f.) zu stellen; in G RICHTING (1998) fehlt ein Eintrag dazu. Wie I D . ausführt, handelt es sich um zwei Formen der Linde (T ILIA PLATYPHYLLOS , T ILIA C ORDATA nach L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 448), die meist als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen auftreten. Das HL kann mit dem gleichlautenden HL L IND (Adj.) verwechselt werden, sodass die Deutungen unsicher sind. Sicher hierzu gehören zer Linnu ‘ bei der Linde (Ortsteil von Naters) ’ (Naters; FLNK bi der Linna), zer Lindu ‘ bei der Linde ’ (Baltschieder, heute keine Linde mehr), t Lindä ‘ die Linde ’ (Gampel), heute galte (aufgelassene) Äcker, zer Linnu ‘ bei der Linde ’ (Ergisch), zwischen Turtmann und Ergisch liegende Flur. Ein Beleg von 1570 in Visp hat vnder der Linden ‘ unter der Linde ’ . Bei lateinischen Belegen vom Typ sub tilia ‘ unter der Linde ’ lässt sich nicht sagen, ob wirklich ein Name vorliegt; sie wurden deswegen gestrichen. Auch die Belege zen Linden (1669, Naters), Linden- Sleýfe (1383, Glis; in anderem Dokument Lunden Sleyffen), der Linduwäg ‘ der Weg an der Flur zur Linde vorbei ’ (Gampel) (es handelt sich um den Weg nach Jeizinen, der am Ort t Lindä (siehe oben Gampel) vorbeiführt), der historische Beleg von 1615 vnder der Linden ‘ unter der Linde (Niedergesteln) ’ (1615, Niedergesteln) und vff den Linden (1564 u. später, Ausserberg) gehören hierzu. Unsicher ist ts Linni (Mund; 1564 zur Lindun (? )), wo der historische Beleg auf eine Linde hinweist. Die übrigen Belege sind eher zum Adjektiv lind (cf. HL L IND ) zu stellen. Linett Linett ist nur bei FLNK für Albinen belegt. Bei M ATHIEU (2006, 41 und 43) ist es als Linet / Linethaaltu belegt. Vermutlich ist es zu lat. L Ī NUM flachs (FEW 5, 367 ff.) zu stellen; belegt sind die Bedeutungen ‘ Leinsamen ’ oder ‘ Hänfling ’ (so FEW 5, 368 f.); in unserem Kontext ist wohl einfach ein früheres Feld mit Flachs gemeint. 109 110 Linett <?page no="609"?> Linggu Linggu ist ein attributiv verwendetes Adjektiv im Beleg t Linggu Fäld ‘ die linken Felder ’ (Mund), das schon 1509 apud (lat.: bei) den Linggen Velden und 1850 als in dem Linken Feld belegt ist. Das HL ist zu schwdt. lingg ‘ link ’ , ‘ verkehrt, rückwärts liegend ’ , mhd. linc, lënc und wdt. lingg ‘ links, linkisch, faul ’ (I D . 3, 1340 f.; G RICHTING 1998, 128) zu stellen und meint nicht primär links, wie Gwp. meint, sondern eher ‘ mit wenig Ertrag ’ . Lingjele Lingjele kommt als in Lingjele (Albinen, FLNK u. LT Lingele) vor. M ATHIEU (2006, 43) kennt es als Lingelä, S. 45 als Lingälä; in beiden (identischen) Fällen oberhalb der Baumgrenze. Eine Deutung zu Lignière(s) als ‘ Parzelle mit Leinen ’ nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 148) kommt auf dieser Höhe nicht in Frage. Da historische Belege fehlen, lässt sich der Name nicht deuten. Ob er romanisch oder deutsch ist, lässt sich nicht eruieren, doch weisen die Belege auf ein romanisches Wort hin. Lingwuru Lingwuru ist zweimal belegt: als ts Lingwuru (Ried-Brig) und der Linngwurm (Visperterminen). Zum ersten Beleg liegen auch historische Belege vor: 1349 Lynt Wurm, 1354 zem Lyngwu ͦ erme, 1389 de Lincwurme, 1390 apud Lincwu ͦ rme, 1394 de Lincwurme usw. Der älteste Beleg legt einen Bezug zu Lindwurm nahe. Ob daraus die Sage, dass hier ein Drache hauste, entstanden ist, bleibt unklar, ist aber wahrscheinlich. Die seltsame Entwicklung von / nt/ zu / ng/ , sonst nur im westlichen Mittelland (SDS 2, 119 ff.) oder bei der Assimilation von / nd/ zu / ng/ vor Velarhalbkonsonant (Typ: Gringji für Grindji (< Gründ+ li ‘ kleiner Grund ’ )) belegt, lässt sich eventuell mit dem Einfluss des wdt. Adjektivs leng, läng ‘ lang ’ (G RICHTING 1998, 127) erklären. Die Vokalisierung von / rm/ zu / ru/ ist laut SDS (2, 143 s. v. Darm) im Oberwallis üblich; bei G RICHTING (1998, 241) ist auch Wurum ‘ Wurm ’ belegt, entgegen den Bemerkungen in SDS (2, 143). Es kann also angenommen werden, dass Lingwuru ursprünglich auf Lindwurm zurückgeht. Wie K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 579 s. v. Lindwurm) ausführen, handelt es sich dabei um eine im 18. Jahrhundert wieder eingeführte, ursprünglich mhd. Form, die letztlich eine verdeutlichende Komposition zu anord. linnr ‘ Schlange, Drache ’ und dt. Wurm (hier auch als Schlange und Drache) darstellt. W ERLEN (1991, 231) referiert einige Erklärungsversuche, ohne die ältesten Belege zu berücksichtigen. Das gleiche Motiv ist auch in Visperterminen zu erkennen, wo Gwp. sagt, dass die Alpweide, die so benannt ist, die Form einer <chäderna>, eines Wurmes, habe. Linnju Linnju ist nur als t Linnju ‘ die Linie (Wasserleitung nach Chippis) ’ (Salgesch) belegt. Beschrieben ist es als “ Wasserkanal nach Chippis ” . M ATHIER (2015) kennt den Namen nicht. G RICHTING (1998, 128) kennt wdt. Linja, Lingä (Goms), Lingju ‘ Linie ’ . I D . hat (3, 1285; gedruckt 1895) nur Linne n mit der Bedeutung ‘ Linie ’ (1. Bedeutung). Da sich Chippis (damals noch mit Aluminiumfabrik) im frz. Mittelwallis befindet, dürfte sich der Name auf eine unterirdische Wasserführung dorthin beziehen. Die Leitung kommt wohl aus dem Pfynwald und der Flurname dürfte frpr. oder frz. sein (cf. FEW 5, 350 ff. s. v. ligne schnur; linie). Linsen Linsen ist nur als Bestimmungswort in Linsenacher ‘ Acker, auf dem Linsen angebaut werden ’ (1547 - 1552, Binn) vertreten (vgl. I D . 3, 1343 s. v. Linsen). die zugehörige Pflanze ist unter L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 332) als L ENS CULINARIS ‘ Linse ’ verzeichnet. Wahrscheinlich gehört hierzu auch die Ableitung Linsmerra oder Linsinerra (cf. HL L INSMERA ). Linsmera Linsmerra ist in Visp 1309 vertreten, in Raron 1424 Linsmera (mit unsicherer Lesart). Dazu kommt t Liisnera (Lalden) mit einem historischen Beleg Linsinerra (1306). Zu vermuten ist eine / - ERRA / -Ableitung zum Pflanzennamen Linse n ‘ Linse ’ (I D . 3, 1343 f.) mit der Bedeutung ‘ Ort mit vielen Linsen ’ (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.). Passend hierzu der Beleg Linsenacher (1547 - 1552, Binn) (cf. HL L INSEN ). Lippa Lippa f. ist schwierig zu deuten. Belegt ist das Simplex in Eggerberg und Mund, wo es die gleiche Voralpe bezeichnet; in Raron ist 1733 an der Lypen als Alpe verzeichnet. Ausgehend vom Lippbodo ‘ der flache (liegende) Boden ’ finden sich t Lipboduachra und t Lipbodomatte. Hier scheint sich aus Lig + Bodo > Lipbodo gebildet zu haben; alle drei Namen wären deswegen zu lige n ‘ liegen ’ (I D . 3, 1203 ff.; G RICHTING 1998, 127 s. v. ligge (mit Varianten)) zu stellen, wobei die genaue Deutung fraglich ist. Hingegen sind der Alpenname und das 1774 in Eggerberg bezeugte Lüppenmarch ‘ die Grenze der Alpe Lippa ’ wohl eher zum hdt. Lüppe f. ‘ Salbe, zusammenziehender Saft, auch Lab ’ (G R W B 12, 1312) zu stellen, das auf ein ahd. luppi, mhd. lüppe, luppe ‘ Gift ’ (L EXER 1, 1988) zurückzuführen ist. Zu vergleichen ist das endungslose Lupp n. ‘ Lab ’ (I D . 3, 996). Im Kontext der Alpwirtschaft kann hier ein Bezug zur Käseherstellung eine Rolle spielen. Da der Linggu 111 112 <?page no="610"?> Alpname unklar bleibt, wird in VSNB (Datenbank) jeweils ‘ die Alpe Lippa (unklar) ’ als Deutung gegeben. Das ebenfalls in Eggerberg belegte Lippetscha (1859 auch in den Lippertschen) scheint zum Pflanzennamen Luppertschen ‘ Eisenhut ’ (I D . 3, 1353; M ARZELL 1, 105 s. v. A CONITUM N APELLUS ; vgl. auch L AUBER / W AGNER / G YGAX 52014, 104) zu stellen zu sein (cf. HL L IPPETSCHA ), der seinerseits auf das schon erwähnte ahd. luppi, mhd. lüppe ‘ Gift ’ zurückzuführen ist; der Eisenhut ist giftig. Lippert (PN) Lippert (PN) ist nur 1542 in Mund als Lipertz Matta und im gleichen Jahr als an Lüpertzmatten ‘ die Wiese des Lippert (PN) ’ belegt. Beide enthalten den PN Lippert im Genitiv, der wohl auf den PN Liutpert (F ÖRSTEMANN 1, 1936) zurückzuführen ist. Belegt ist der PN nicht, hingegen dürfte der Beleg unter Nr. 14913 in den Lippertschen (1859, Eggerberg), das als Pflanzenname gedeutet wurde, unter Umständen ‘ das Gut des Lippert ’ meinen; diese Deutung ist jedoch unklar. Lippetscha Lippetscha f. ‘ Eisenhut ’ ist zu schwdt. Luppertsche n , Lupritsche n , Lubritschen, Lubscheten, Laubritsche n f. ‘ Eisenhut, A CONITUM N APELLUS , Echter Sturmhut ’ (I D . 3, 1353; M ARZELL 1, 98 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 104 als Blauer Eisenhut) zu stellen. Das HL ist nur in Eggerberg als t Lippetscha belegt (1859 in den Lippertschen) und bildet zusammen mit t Inner Lippetscha und t Üsser Lippetscha ein kleines Namennest. I D . und M ARZELL führt es auf ahd. luppi ‘ Gift ’ zurück; die Pflanze ist giftig. Lippi (PN) Lippi (PN) ist nur in ts Lippisch Chrizji ‘ das kleine Kreuz des Lippi (PN) ’ (Grächen) belegt. Laut Gwp. handelt es sich um ein Kreuz an einem Baum zur Erinnerung an einen Mann namens <lippi>, der hier verunglückte. Zu stellen ist das HL zum PN Lipp, auch Lippi ‘ Philipp ’ (I D . 3, 1352). Lire Lire ‘ der kieshaltige Boden ’ ist nur 1737 in Varen als in die De Lire belegt. Das Notat ist sehr unklar, weil De Lire ein Genitiv ist, was aber mit in die nicht übereinstimmt. Lire lässt sich laut FEW (4, 149) zu lat. GLAREA ‘ Kies ’ stellen. Auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 62) kennen Gleyre, Glère, Glière, Lière usw. mit der Bedeutung ‘ sol graveleux, assez souvent en bordure de rivières (alluvions) ’ (kieshaltiger Boden, häufig am Ufer von Flüssen (Schwemmgebiet). Das ist wohl auch in Varen so zu verstehen, wo ein kleiner Weinberg auf einem Gebiet mit kieshaltigem Boden gemeint ist. Lireta Lireta ‘ das kleine kieshaltige Gebiet ’ ist nur einmal in Albinen als t Lireta belegt (FLNK Lireta). M ATHIEU (2006, 31) kennt Liiretä. Die Flur befindet sich in Unnerdietu. Der Flurname ist wohl als diminutive / - ITTA / -Ableitung (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) zum gleichen Etymon wie Lire (cf. HL L IRE ) zu stellen. B OSSARD / C HAVAN (2006, 62) kennen neben Gleyre auch Lyérette, das ‘ [s]ol graveleux ’ (kieshaltiger Boden) bedeutet. Das schwdt. Lirete n ‘ einfältige, faule Weibsperson ’ (I D . 3, 1371) kommt nicht in Frage. Lirschi Lirschi ist nur in der Lirschigrabu (Albinen) belegt; FLNK hat Liirschigrabu, ebenso M ATHIEU (2006, 33). M ATHIEU (2006, 13) kennt auch Liirschibriggu, eine Brücke über den Lirschigrabu. Das Simplex ist bei M ATHIEU (2006, 31) als Liirschi belegt. Die Endung -schi deutet auf einem Diminutiv hin, doch ist das zentrale Nomen nicht klar. J ACCARD (1906, 247) kennt Lyre und stellt es vorsichtig zu l ’ Ire ‘ l ’ Aire ’ mit agglutiniertem Artikel. Die hybride Form mit einem frpr. Nomen und einem wdt. Suffix ist sehr spekulativ und lässt sich nicht sicher deuten. Lis Lis ist einerseits der Name des Lyskamms oder Liskamms, eines Gebirgszuges südlich von Zermatt. Z INSLI (1984, 422 s. v. Liisu) gibt den Bachnamen an (auf LT Lyso), der durch das Tal von Gressoney (Italien) fliesst. Der Kamm wurde danach benannt. Ähnlich ts Lisjoch (Zermatt) am Ende des Lyskamms, das einen Übergang zum Lystal benennt. Zum andern ist Lismatta (1305, Gampel; 1320, Visperterminen) zweimal belegt. Das Bestimmungswort kann sich nicht auf den Bachnamen beziehen. Es scheint, dass hier l ī s ‘ langsam, mild, unpässlich, leise ’ (I D . 3, 1422) vorliegt, das - auf eine Wiese angewandt - in etwa eine wenig fruchtbare Wiese meint. Lischa Lischa f. ‘ Schilf, Riedgras; sumpfiger Boden ’ ist zu schwdt. L ī sch, Liesch n. f., wdt. Lischa, Lischä (Goms), Lischu f. ‘ Schilf, Riedgras; geringeres, gröberes, auf nassem Boden wachsendes Gras, als Futter für Pferde und Schafe, bes. bei Futtermangel, benützt; langes, über Felsabhänge herunterhängendes Gras; langes Waldgras zu Streue; kurzes, dichtes Riedgras zur Streue und Füllung von Betten verwendet; Segge; Binse; Schilfrohr; sumpfiges, mit L ī sch bewachsenes Grundstück, Moor ’ , ahd. lisca, mhd. lische (I D . 3, 1459; G RICHTING 1998, 128) zu stellen. Das HL wird auf ein vorromanisches *lisca zurückgeführt (FEW 5, 372, J UD 1945/ 46, 60), das sich 113 114 Lischa <?page no="611"?> auch im Namengut der Westschweiz wiederfindet (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 73 s. v. Lèches). Das HL ist in rund 100 Namen belegt. Das Simplex tritt im Singular als Lischa (zwölf Belege), im Plural als Lische (zwölf Belege), im Obliquus inn Lischun ‘ im sumpfigen Boden mit Riedgras ’ (Blatten) und historisch als Lischen (1684, Fieschertal; 1752, Zwischbergen) auf. Gemeint sein kann in beiden Fällen entweder der sumpfige Boden, auf dem Riedgras oder Schilf wächst, oder diese Pflanzen selbst, die auf feuchten Böden wachsen. Dass Lische ‘ Riedgras ’ als Futter (vor allem für Pferde und Schafe) beliebt waren, führt R ÜBEL (1950, 69) aus. Mit attributiven Adjektiven erscheinen: t Foder Lischa ‘ der vordere Teil des sumpfigen Bodens mit Riedgras ’ (Fiesch), die Gross Lischa ‘ der grosse, sumpfige Boden mit Riedgras ’ (Kippel; 1832, Geschinen), die Heylische ‘ der hohe sumpfige Boden mit Riedgras ’ (1681, Blitzingen), t Hinner Lischa ‘ der hintere Teil des sumpfigen Bodens mit Riedgras ’ (Fiesch; 1707, Lax), t Indru Lische ‘ die inneren (taleinwärts liegenden) sumpfigen Böden mit Riedgras ’ (Törbel), in den Lengen Lischen ‘ bei den langen sumpfigen Böden mit Riedgras ’ (1778, Ulrichen), in den Obren Lÿschen ‘ in den oberen sumpfigen Böden mit Riedgras ’ (1537, Fiesch), die Vierschretzÿs Lischa ‘ der viereckige sumpfige Boden mit Riedgras ’ (1788, Ulrichen), Vodru Lische ‘ die vorderen (talauswärts liegenden) sumpfigen Böden mit Riedgras ’ (Törbel). Als Grundwort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita. Im Bestimmungswort werden Nutzer oder Besitzer erwähnt: die Gerber Lischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras der Familie Gerber / des Gerbers ’ (1803, Ernen), die Hensli Lischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras des Hensli (im Gebiet Hänzli) ’ (1740, Ulrichen), die Murman Lischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras der Familie Murmann ’ (1803, Ernen), die Schiner Lÿscha ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras der Familie Schiner ’ (1697, Ulrichen), das Úrselenlischÿ ‘ der kleine sumpfige Boden mit Riedgras der Ursula ’ (1806, Ulrichen; unsicher). Wohl nur eine Lageangabe ist in Ulricher Lische ‘ der zu Ulrichen gehörende Boden mit Riedgras ’ (1830, Ulrichen) zu sehen. Eine zweite Gruppe gibt an, wo sich die Lischa befindet: t Eggerlische ‘ die sumpfigen Böden mit Riedgras bei der Egga (Weiler) ’ (Naters), t Kappelelische ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras bei der Kapelle ’ (Ulrichen, auch FLNK), t Moserlische ‘ die sumpfigen Böden mit Riedgras beim Weiler Moss ’ (Naters), die Melbaúmlischa ‘ der sumpfige Boden mit Riegras beim Weiler Mälbböum ’ (1764, Naters), Sannt Jodren Lüschenn ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras beim Hl. Theodul ’ (1602, Geschinen) (nach P H . K ALBERMATTER (p. c.) wurde um 1446 hier eine Kapelle des Hl. Theodul erwähnt), t Seelische ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras beim See (in der Rottenebene) ’ (Oberwald). Nur vereinzelt sind die Tiere erwähnt, denen die Lische verfüttert wurde: t Schaaflischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras für die Schafe ’ (Binn) oder der Zweck des Riedgrases: t Füeterlische ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras, das als Futter diente ’ (Ulrichen). In mehreren Fällen wird eine benachbarte Flur angegeben: die Graben Lischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras beim Graben ’ (1832, Geschinen), in der Hammerlischa ‘ im sumpfigen Boden mit Riedgras beim Hammer (werk? ) ’ (1832, Geschinen), jm Hofflischi ‘ im kleinen sumpfigen Boden mit Riedgras beim Hof ’ (1671 u. später, Ulrichen), in den Knúbellischen ‘ in den sumpfigen Böden mit Riedgras im hügeligen Gebiet ’ (1789, Naters), t Chrapflischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras bei den Krapfen (Felszacken) ’ (Naters) und einige weitere. Auch komplexere Bildungen sind vertreten, so di Brundmadlischä ‘ die sumpfigen Böden bei der Brunnmatta ’ (Blatten) Schratwasserlischa ‘ der sumpfige Boden beim Schrattwasser ’ (1824, Ulrichen) und die Gross Hofflischa ‘ der grosse sumpfige Boden mit Riedgras beim Hof ’ (1603, Münster). Selten tritt Lischa als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita auf; die Grundwörter sind Acher, Biel, Bodu, Bord, Chnubel, Gassa, Haalta, Hitta, Schleif, Wald und Weid. Komplexer ist das Trio der Obroscht Lischbodo ‘ der oberste sumpfige Boden mit Riedgras ’ , der Mittloscht Lischbodo ‘ der mittleste sumpfige Boden mit Riedgras ’ und der Undroscht Lischbodo ‘ der unterste sumpfige Boden mit Riedgras ’ (alle Törbel). Mehrere Ableitungen zu Lischa sind belegt; die erste (nach S ONDEREGGER 1958, 471 f.) ist / - ERA / , im Plural / - ERE / in t Lischere ‘ das Gebiet mit viel Riedgras ’ (Turtmann), wobei in Agarn 1758 in dú Lischerú ‘ am Ort mit viel Riedgras ’ belegt ist, während 1407 de Leschiery steht, also die romanische Form; ob es sich um eine Übersetzungspaar handelt, oder einfach eine Anpassung an das Deutsche, sei dahingestellt. In Gampel ist eine andere Ableitung belegt: t Lischernu ‘ das Gebiet mit viel Riedgras ’ , das 1305 Lissera genannt wird; hier wird das Suffix / - ERNA / (Ort, wo es viele Pflanzen des Typs hat, der im Nomen erwähnt wird) verwendet (das von S ONDEREGGER 1958 nicht erwähnt wird). Ein Adjektiv scheint in der Lÿchin Acher ‘ der Acker mit sumpfigem Boden ’ (1548, Eggerberg) vorzuliegen. Lischi ist aber auch Diminutiv und Ausgangspunkt für die Formen in den Lischÿnen ‘ in den kleinen sumpfigen Böden mit Riedgras ’ (1834, Ergisch) und Lischiner ‘ das Gebiet mit sumpfigem Boden mit Riedgras ’ (1769, Raron), sowie t Lischinerru ‘ das Gebiet mit kleinen sumpfigen Lischa 115 116 <?page no="612"?> Böden mit Riedgras ’ (Hohtenn); das Suffix ist hier / - ERRA / - ERRU / (wie oben / - ERA / ). In den Ableitungen auf (- ERA / und / - ERNA / sind wohl die Pflanzen gemeint, von denen es dort viele hat, und nicht so sehr der sumpfige Boden. Lischeliir Lischeliir n. ist als ts Lischeliir ‘ das Gebiet mit Riedgras (Lische) ’ (Leukerbad, LT Lischilir, FLNK Lischelir) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 7, Nr. 24, Blatt 9, Nr. 56, Blatt 10, Nr. 21 und Blatt 11, Nr. 39) kennt es als Lischälier. Historisch ist es 1670 als jm Liselier, 1690 jm Lisilir, 1749 im Lihsilir, 1754 in d Lischiere (Acker) bezeugt. Die Flur liegt im Norden von Leukerbad, oberhalb der Talstation der Luftseilbahn auf die Gemmi. Auf SK ist die Flur im Gebiet der Allmend. G. P ANNATIER (p. c.) sieht den Namen am ehesten als Wiedergabe des Types Léchaire, Léchire ‘ Gebiet, das von einer Art von Carex (Segge) besiedelt wurde ’ , meist feucht; abgeleitet wurde es nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 52) vom vorröm. *lisca lische (FEW 5, 372 ff.). Die Endung ist wohl auf eine Abfolge von zwei Suffixen / - ELLU ( M )/ und / - ARIU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287 f.) zurückzuführen. Das Genus Neutrum entspricht vermutlich einem Kollektiv. Lisiers Lisiers kommt historisch 1430 und 1432 in Leuk als eys lisiers, eÿ lisier und lisies (sic! ) vor. In allen drei Fällen ist es zusammen mit littes / lichtes aufgeführt. T AGMANN (1946, 24 f.) kennt den Typ als Leischier (Salgesch), zitiert aber auch einen Beleg von 1459 ou lisyer in Salgesch. Leider kann er dazu keine überzeugende Deutung bringen. Er schlägt vor, einen in Miège und Mollens verbreiteten Typ le lí ž y ę ̄ re ‘ petits cailloux ’ als Ausgangspunkt zu nehmen für eine Gegend, die mit solchen kleinen Kieseln bedeckt war. Ob HL L ISIR ‘ Grenze, Waldrand ’ zu vergleichen ist, bleibt unklar. Insgesamt ist die Deutung unklar. Lisir Lisir ist nur 1783 in Albinen als die Lisir belegt; es handelt sich um eine Allmende. Es geht um die lokale Form von frz. lisière, wohl in der Bedeutung ‘ Grenze, Waldrand ’ , das nach FEW (5, 312 f. s. v. licium aufzug am gewebe) zur kollektiven Ableitung licaria ‘ Grenze, Waldrand ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) zu stellen ist (cf. HL L ISIERS ). Lismer Lismer ist nur in t Lismerstüde (Naters) belegt. I D . kennt schwdt. Lismer m. ‘ männliche Person, die sich mit Stricken abgibt ’ , ‘ Stricker, Pullover, Arbeiter (langsamer) ’ (I D . 3, 1425; G RICHTING 1998, 128), auch FaN (I D . 3, 1425; BENB 1, 3, 121). Die Motivation des Flurnamens ist unklar. Lissen Lissen ist zunächst 1824 in Bellwald als in Lissen Weid belegt. Die artikellose Form lässt an einen PN im Genitiv denken. Das Register der HRBS verzeichnet s. v. Luyso auch Lisson, doch stammt der FaN aus Martinach. Das HL L ISCHA ‘ Lischengras ’ kennt nur Belege um 1300 mit / ss/ statt / sch/ ; man kann sich aber eine verhochdeutschte Form Lissen vorstellen; dann wäre der Name als ‘ in der Weide mit Lischengras ’ zu deuten. Der zweite Beleg ist die Ableitung Lissil oder Lischtil in t Lissiltole (Visperterminen, FLNK Lischtiltola). Während das Grundwort zum HL T OLA ‘ Mulde ’ zu stellen ist, bleibt das Bestimmungswort unklar. Das gilt auch für die Form der Flurnamenkommission. Weder I D ., noch G RICHTING (1998) helfen weiter. Inhaltlich scheint die Gwp. an das HL L ISCHA zu denken, betont dann aber den trockenen Weideboden, was gegen die Deutung spricht. Z IMMER- MANN (1968, 69) hingegen stellt Lischiltola (sic! ) in Visperterminen zum HL L ISCHA und deutet ‘ Mulde mit Gras, welches das Vieh nicht gerne frisst ’ . Listes Listes, auch Lichtu ist laut M EYER (1914, 166) zu lat. LISTA ‘ Leiste, Rand ’ zu stellen (FEW 16, 469 - 472). / st/ wird im Patois zu / xt/ . Die Deutung ist am ehesten ‘ Bord ’ . Als Simplex im Singular ist t Lischtu (Ergisch; FLNK Lischtu, LT Liste) belegt, das jedoch in den historischen Belegen seit 1616 im Plural als Lischten erscheint; später sind der Singular und ein Diminutiv belegt. Die Form mit / s/ erscheint als es Listes (1354, Inden). Die Form mit / xt/ im Plural ist belegt als t Lichte (Leukerbad, R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 47 und Blatt 10, Nr. 38, beide als Lichtä), t Lichte (Leuk), y Lichte (1580 u. später, Salgesch). Eine deutsch interpretierte Form kennt Bratsch 1346 als an der Liston ‘ am Bord ’ . Mit atttributiven Adjektiven sind t Obru und t Undru Lichte ‘ das obere und das untere Bord ’ (Leuk) belegt. Einen nachgestellten Genitiv enthalten Belege aus dem 14. Jahrhundert für Albinen li Lista Salteri ‘ das Bord des Försters ’ (1320 heisst der gleiche Ort la lista psalteri ‘ das Bord des Psalteriums ’ - offenbar eine fromme Umdeutung des älteren Namens). Unklar ist der 1333 belegte Name eys listes lyebor ‘ beim Bord der Burga ’ (Albinen), dessen Genitiv vermutlich einen femininen PN, etwa Burga, enthält (cf. HL L YEBOR ). Ebenfalls einen Genitiv - hier mit Präposition - enthält in listis de cabulo ‘ am Bord des Schleifes ’ (13. Jh., Ergisch; später eys listes dol chablo und ähnlich). Vermutlich ein Adjektiv steht in eys plangnes lystes ‘ in den ebenen Borden ’ (1543) an erster Stelle. Als Bestimmungswort ist das HL in im Listacher ‘ am Acker beim Bord ’ (1621, Bratsch), der Lichtucheer ‘ der 117 118 Listes <?page no="613"?> Kehr im Bereich Lichte (Kehre des Weges nach Lichten) ’ (Leuk) und Lichtugrabu ‘ der Graben nach Lichten ’ (Leukerbad, R. G RICHTING (1993, Blatt 10, Nr. 17); LT Lichtengraben) vertreten. Zu vgl. ist HL L ICSTES . Literscha Literscha f. ist nur belegt in t Literscha ‘ die helle Stelle ’ (Binn). Der Flurname ist zum Adjektiv schwdt. l ū ter ‘ hell, klar, durchsichtig, rein ’ und wdt. lütter, lüttär (Goms), luitr (Lötschental), lüüter ‘ dünnflüssig, hell ’ (I D . 3, 1513 ff.; G RICHTING 1998, 130) mit einer / - SCHA / - SCHU / - Ableitung zu stellen, die hier mit Umlaut eine Stellenbezeichnung enthält: ‘ die helle Stelle ’ , also eine Lichtung. Litsch Litsch ‘ der Leute ’ ist ein Genitiv Singular zu schwdt. L ǖ t, wdt. Lit n. ‘ Leute ’ (I D . 3, 1516, G RICHTING 1998, 128). Die Belege t Litschchumme ‘ die Chumme (Mulde) der Leute ’ (Reckingen) ist als Gegensatz zu t Herchumme ‘ die Chumme (Mulde) des Pfarr-Herrn ’ (Reckingen) zu verstehen, die beide zu einer Alpe Chumme unter dem Chummehorn (2754 m) gehören. der Litschchummegrabe (Reckingen) ist ein Graben von der Litschchumme herunter. Ebenfalls hieher gehören Litschchummeegg und Litschchummeloch (beide FLNK, Reckingen). Litta Litta f. ist zu wdt. Litta f. zu ahd. letto, ledto, amd. leddo, mhd. lette ‘ Tonerde; Schwemmsand (feiner) ’ (S CHMID 1969, 84, n.4; G RICHTING 1998, 128) zu stellen. Das gedruckte I D . enthält das HL nicht, es ist jedoch im Zusatzmaterial enthalten (H.-P. S CHIFFERLE , p. c.). Das Simplex im Singular ist als t Litta ‘ das Gebiet mit Schwemmsand ’ (Brigerbad) belegt. Im Plural erscheint es als t Litte ‘ die Gebiete mit Schwemmsand ’ (Salgesch, FLNK Litte), das M ATHIER (2015, 104) als Littä kennt; die dort als Beleg angegebene Stelle des I D . (3, 1488) kennt nur Lëtt; das gilt im Übrigen auch für Z IMMERMANN (1968, 36) unter dem Namen Litterna für Visp. Nicht ganz sicher ist der Beleg Salzlütten ‘ das Sandgebiet (Litta) mit Salz ’ (1510, Visperterminen). Eine Ableitung auf / - ERA / - ERU / (bei S ONDEREGGER 1958, 471 ff. zu lat. / - ÂRIA / , ahd. / - ARRA / gestellt) findet sich in die Littera ‘ das Gebiet mit Schwemmsand ’ (1632 u. später, Raron), die Littera ‘ das Gebiet mit Schwemmsand ’ (1632 Bürchen, das Stück Land befindet sich aber bei Raron), auf der Literú ‘ auf dem Gebiet mit Schwemmsand ’ (1803, Niedergesteln), vff den Litteren ‘ auf den Gebieten mit Schwemmsand ’ (1653 u. später, Visp). Eine Ableitung auf / - ERNA / , das als Kollektiv die Bodenbeschaffenheit benennt, ist der Litternagrund ‘ der Grund im Gebiet mit Schwemmsand (heute überbaut) ’ (Visp). Das HL L ITTY gehört als Diminutiv hieher, wurde aber aus Sicherheitsgründen gesondert aufgeführt. Litty Litty kommt nur 1734 in Biel als aufm Littý (? ) vor; die Lesung ist unsicher. Anzunehmen ist, dass es sich um ein Diminutiv handelt und zwar zu Litta, Littä (Goms), Littu ‘ Schwemmsand (feiner) ’ (G RICHTING 1998, 128). I D . kennt das Stichwort nicht, erwähnt es aber in Bd. 9, 2054 passim im Zusammenhang mit schwarzem Wasser, das mit feinem Schlamm (Litta) durchsetzt sei (nach Dekan J. S CHALLER (1880 - 1954, Ehrenbürger von Leuk laut H.-P. S CHIFFERLE , p. c.)). J UD (1947, 75) vermutet, dass hier ein ossolan. Lehnwort lita ‘ Schlamm ’ vorliegt; s. auch C. S CHMID (1969, 84) und laut H.-P. S CHIFFERLE (p. c.). Das Littý ist also wohl ein kleines Gebiet mit Schwemmsand (cf. HL L ITTA ). Litzi Litzi f., ‘ Schattenseite, Nordseite ’ ist zu schwdt. Litzi f. hier ‘ Schatten-, Nordseite eines Berges, Hügels ’ , auch ‘ schattige Wiese, Schattenplatz, Stück Feld, das die Sonne nur kümmerlich bescheint, gegen die Morgenseite gekehrte Halde, ein Stück Land in einer abschüssigen Ecke ’ (I D . 3, 1566 f.; Z INSLI 1945, 330) zu stellen; G RICHTING (1998, 129) kennt es als Lizzin (Lötschental) und Lizzi (Leuker Berge) als ‘ Mulde ’ , synonym zum HL L ÖÜCHA . Es ist wohl als feminine Nominalbildung zum Adjektiv lätz (cf. HL L ÄZ ) zu stellen. Das HL kommt in rund 45 Namen vor, allerdings nicht im Bezirk Leuk, für den G RICHTING Lizzi explizit angibt. Weitaus die meisten Belege betreffen das Simplex im Singular, entweder als t Litzi ‘ der Schattenhang ’ (Bitsch und zwölf weitere Belege) oder iner Litzi (Unterbäch) oder historisch in der Litzi (1703 u. später, Embd und andere) oder beÿ der Litzi (1809, Raron). Hdt. in der Litze (1744, Fiesch; 1832 Saas Almagell) ist nur zweimal belegt. Der Plural des Simplex findet sich nur in t Litzine ‘ die Schattenhänge ’ (Zermatt). Mit attributiven Adjektiven zum HL finden sich: t Ober und t Unner Litzi ‘ der obere und der untere Teil des Schattenhangs ’ (Ried-Brig) und in der Obern Litzi ‘ im oberen Schattenhang ’ (1841, Eisten). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL wie folgt belegt: t Aarblitzi ‘ der Schattenhang mit Arven ’ (St. Niklaus), t Arschlitzi ‘ die Litzi (Schattenhang) beim Arsch ’ (Randa), t Asperlitzi ‘ der Schatthang beim Asp (Gebiet mit Espen) ’ (Eisten), di Brandlitzi ‘ der Schattenhang beim brandgerodeten Gebiet ’ (Eisten), t Siwwilitzi ‘ der Schattenhang bei der Alpe Siwine ’ (Eisten). Dazu kommen komplexere Formen wie di Goltscherriädlitzi ‘ der Schattenhang beim Ried des Gold (PN) ’ Literscha 119 120 <?page no="614"?> (Ferden), t Ober und t Unner Brandlitzi ‘ der obere und der untere Teil des Schattenhang bei den kleinen Bränden (brandgerodete Gebiete) ’ (St. Niklaus), t Santjohansch Litzi ‘ der Schattenhang des Heiligen Johannes (Motivation unklar) ’ (Zermatt, auch LT St. Johanneslitzi) und Schreinlibächji Litzi ‘ der Schattenhang des kleinen Baches mit einem Wasserfall ’ (1818, Staldenried). Als Bestimmungswort erscheint das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bach, Bodu und Mischi. Ein sonst nicht belegtes litz Adj. ‘ schatthalb, schattseitig ’ ist wohl in Litzenacke ‘ der schatthalb liegende Nacken ’ (LT, FLNK Binn), Litzeturbe ‘ der Schatthang in Turbe ’ (Binn) und der Litz Fäudbach ‘ das schattenhalb, nördlich gelegene Gebiet um den Fäldbach ’ (Binn), bezeugt. Liu Liu ist nur in t Liumatta ‘ die geliehene Wiese ’ (Naters; FLNK Liematta) belegt. Eine ältere Form (1687 und 1796) hat in Lÿen Matten. Das Gebiet ist heute überbaut; auf SK ist es noch als Wiese erkennbar. Das HL dürfte zum Verb l ī he n ‘ leihen ’ (I D . 3, 1241) und zum Nomen Lihen, auch Lie ‘ das Lehen ’ (I D . 3, 1243) zu stellen sein, meint also eine Wiese, die als Lehen zur Verfügung gestellt wurde. Liwwi Liwwi f. und Varianten gehören zu schwdt. Lüwi, wdt. Liwwi, Liiwi f. ‘ Ruhepause, Ruheplatz ’ (I D . 2, 1545 f.; G RICHTING 1998, 128) oder ‘ Strecke Weges, die man mit einer Bürde ohne zu rasten machen kann, Weg von einem Ruheplatz zum anderen ’ (schwdt. Lüwi(-Platz), I D . 2, 1608 f. unter Hirmi, G ’ hirmi, Kirmi) zum Verb schwdt. lüüw(w)e n , leuwe n , lüje n , lüüe n , leu(j)e n ‘ während und nach der der Arbeit ruhen ’ (I D . 3, 1545). Das Verb liwwe (G RICHTING 1998, 128) ist im westlichen Walliserdeutschen verbreitet; sein Gegenstück hirme oder ghirme (G RICHTING 1998, 108) im östlichen (SDS 4, 113). Liwwi kommt als Liibi (Leukerbad), Liiwi (Wiler, Gampel), Liiwin (Blatten, Ferden), auf der Liuuen (1729, Ausserberg) und Liwwi (Eisten) vor. Attributive Adjekte erscheinen in Obru Liwwi und Unner Liwwi (beide Eisten). Vorangestellte Genitive sind belegt für Binersch Liwwi (Grächen), Valetisch Liwwi (Eisten) und Steinhúsers Lÿwillgi (erstmals 1670, Gampel). Nähere Bestimmungen enthalten: Lidulliwi (Niedergesteln) und Tatzliwwi (Niedergesteln). Als Bestimmungswort findet man Liwwi in Liwwigrabo (Eisten), Liiwingrabem (Ferden), Liwwihaaltji (Oberems), Liwwistei (Embd) und Liiberstei (Leukerbad). Komplexer sind dr Inner Liwwigrabo und dr Üsser Liwwigrabo (beide Eisten). Eine Partizipialbildung ts Liiwänd Horen ‘ das Horn, auf dem man ausruhen kann ’ (LT Liwends Horn, Blatten) kommt nur einmal vor. LLB LLB ist nur in Leuk als zer LLB belegt. Die Abkürzung meint Leuk-Leukerbad-Bahn. Der Flurname benennt den früheren Bahnhof dieser Bahn in Leuk, die schon seit 1967 durch einen Busverkehr ersetzt wurde. Die Benennung war 1973, als der Name aufgenommen wurde, noch lebendig. Lob Lob n. ist nur in der Chaaslobbodu ‘ der Boden, der die trübe Farbe von Chaaslob (Käselab) hat ’ (Ergisch, FLNK Chaslobbodu), der Chaaslobputz ‘ der Tümpel mit trübem Wasser (Farbe des Käselabs) ’ (Ritzingen) und der Chaaslobstei ‘ der Stein mit trüber Farbe ’ (Täsch) belegt. Das HL ist zu schwdt. Lab, wdt. Chaaslab, Chaasloib, Chaaslob, schwdt. Chäslab n. ‘ (Käse-)Lab; Stoff, den man der Milch zusetzt, um sie zum Zweck der Bereitung von Käse gerinnen zu machen; Salzwasser, Lauge ’ (I D . 3, 952; G RICHTING 1998, 46) zu stellen; hier wohl zu Bezeichnung der laugenartigen, trüben Färbung des Wassers bzw. des Bodens und des Steins. Das HL ist dreimal in Chaaslob vertreten, das unter den HLL C HÄS und L OB aufgeführt ist. Loch Loch n. ‘ Loch, Höhle, Vertiefung, Geländeeinbuchtung ’ ist zu schwdt. Loch, wdt. Loch, Looch n., Pl. schwdt. Löcher, wdt. Lecher, Licher als FlN zu Bezeichnung von Vertiefungen im Erdboden, Höhlen, Berglücken, Schluchten, mhd. loch, ahd. loh ‘ Verschluss, Versteck, Höhle, Öffnung ’ (I D . 3, 1016ff, bes. 1020 f.; LUNB 1, 1, 630 ff.; G RICHTING 1998, 129) zu stellen. Daraus abgeleitet findet sich auch der FaN Locher (cf. HL L OCHER (F A N)). In einigen Fällen ist die Zuweisung zum HL L OO ‘ Wald ’ möglich. Das HL kommt in rund 400 Flurnamen vor. Die genaue Deutung als Höhle, Durchgang, Vertiefung, Graben, Schlucht usw. kann meist nur bei genauer Ortskenntnis gegeben werden. Einige wenige Belege sind zum Verbum loche n ‘ ein Loch (Löcher) machen ’ und wdt. loche, lochä (Goms), lochru oder lochu ‘ lochen ’ (I D . 3, 1041; G RICHTING 1998, 129) zu stellen; I D . weist darauf hin, dass Zusammensetzungen wie dür ch -loche n üblich sind. Häufig ist das Simplex im Singular Loch mit rund 50 Belegen im ganzen Oberwallis, teilweise mit Präpositionen wie im Loch. Der Plural des Simplex ist Lecher (6 Belege), die flektierte Form Lechru (3 Belege) und die ältere Pluralform Licher (2 Belege). Unklar ist die 121 122 Loch <?page no="615"?> Form Lochre (Stalden, Staldenried), Lochrä (Stalden), die auch als / - ERE / -Ableitung mit kollektivem Sinn gedeutet werden kann (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.). Ähnlich ist t Luchre ‘ die Löcher ’ (Eischoll, Zermatt) unsicher; es kann sich um einen Plural zu Luch ‘ Loch ’ handeln oder um die genannte Ableitung. Das Diminutiv des HL ist Lochi ‘ das kleine Loch ’ mit rund 10 Belegen, vor allem im Goms, (wobei Lochi in Inden und Leukerbad auch ein romanisches HL sein kann, cf. HL L OCHI ). Nur einmal belegt ist t Lochini ‘ die kleinen Löcher ’ (Fiesch). Das HL kommt selten mit attributiven Adjektiven vor: ds Beesch Loch ‘ das böse Loch ’ (Saas Almagell), ts Chaalt Loch ‘ das kalte Loch ’ (Gampel), zum Chaaltu Loch ‘ beim kalten Loch ’ (St. Niklaus), ts Waarum Loch ‘ das warme Loch ’ (Leukerbad), ts Grie Loch ‘ das grüne Loch ’ (St. Niklaus), ts Ober Loch ‘ das obere Loch ’ (Ernen, Zeneggen), t Obru Licher ‘ die oberen Löcher ’ (Ferden), t Obru Lochre ‘ die oberen Löcher (Staldenried), ts Root Loch ‘ das rote Loch ’ (Fieschertal), t Roote Lecher ‘ die roten Löcher ’ (Betten), t Rootu Lecher ‘ die roten Löcher ’ (Ried-Mörel), ts Schwarz Loch ‘ das schwarze Loch ’ (Gächen, Naters, Raron), ze Schwarze Lechru ‘ bei den schwarzen Löchern ’ (Eisten), ts Unner Loch ‘ das untere Loch ’ (Ernen), ts Wiiss Loch ‘ das weisse Loch ’ (Ferden). Attributive Partizipia sind vertreten in ts Galländ Loch ‘ das jähe, steile Loch ’ (Wiler), das Stinckende Loch ‘ das stinkende Loch ’ (1483, Ausserberg), Sturund Loch ‘ das sturm (schwindlig) machende Loch ’ (Grächen). Vorangestellte starke Genitive mit Besitzer- oder Nutzernamen kommen vor: ts (e)Rüoffsch Loch ‘ das Loch des Ruof / der Familie Ruof ’ (Törbel), ts Büümisch Lecher ‘ die Löcher der Familie Bumann ’ (Randa), Gruäbärschloch ‘ das Loch der Familie Gruber ’ (Wiler), z Josisch Loch ‘ das Loch des Josef ’ (Randa), ts Müetersch Loch ‘ das Loch der Mutter / der Familie Mutter ’ (Leuk), ts Murisch Loch ‘ das Loch des Moritz ’ (Zermatt), ts Ofumannjisch Loch ‘ die Höhle des kleinen Ofenmannes (der dort die Giltsteine holt) ’ (Selkingen), ts Paatisch Loch ‘ das Loch des Paati (PN) ’ (Varen), ts Turandsch Loch ‘ das Loch des Turand / der Familie Turand ’ (Ferden), ts Wachmeischtersch Loch ‘ das Loch des Wachtmeisters ’ (Grächen). Schwache derartige Genitive im Singular sind: ts Bielantuloch ‘ das Loch der Familie Bielander ’ (Saas Fee), Elsuloch ‘ das Loch der Elsa ’ (Simplon), ts Stiinuloch ‘ das Loch der Stine (Christine) ’ (Naters), bei des Thomo Loch ‘ beim Loch des Thomas ’ (1766, Simplon). Nur einmal belegt ist der schwache Genitiv eines FaN mit kollektivem / - IG / - Suffix im Plural: in Gunthrigen Lochÿ ‘ im kleinen Loch der Familie Guntern ’ (1733, Mühlebach). Und auch unveränderte Bestimmungswörter als FaN sind belegt: ts Jaaggiloch ‘ das Joch der Familie mit dem Beinamen Jaaggi (Jakob) ’ (Selkingen), ts Lafranggiloch ‘ das Loch (Grube) des Unternehmers Lafranchi ’ (Niedergesteln), ts Ofemanjiloch ‘ die Höhle des kleinen Ofenmannes (der dort die Giltsteine holt) ’ (Blitzingen) und ts Schüemacherloch ‘ das Loch des Schuhmachers / der Familie Schumacher ’ (Staldenried). Als Grundwort tritt Loch mit vielen Bestimmungswörtern in zweigliedrigen Komposita auf. Eine erste Gruppe sind Tiernamen: Chatzuloch ‘ das Katzenloch ’ (Bratsch u. andere) und t Chatzulecher ‘ die Katzenlöcher ’ (Eisten) und andere (total 10 Belege), wobei hier enge Durchgänge gemeint sind, ts Fuggsuloch ‘ das Fuchsloch ’ (Täsch u. andere) und t Fuggslecher ‘ die Fuchsenlöcher ’ (Wiler und andere) (total 8 Belege) - gemeint sind meistens Höhlen für Füchse, manchmal auch Fuchsfallen. Der Typ Bäruloch ‘ Bärenloch ’ (Leuk u. andere) ist fünf Mal belegt; ob der Typ Mutzloch ‘ das Mutzloch ’ (Bitsch, Ried-Mörel, Naters) auch hieher gehört (Mutz wird manchmal für Bär gebraucht), ist unklar. Mehrfach belegt ist mit Varianten ze Murgundlechru ‘ bei den Löchern der Murmeltiere ’ (Saas Almagell) und zem Murmdloch ‘ beim Murmeltierloch ’ (Wiler). Dreimal belegt ist Geisloch ‘ das Loch für die Ziegen ’ (Gluringen und zweimal Ferden), wobei meist ein Unterschlupf für die Ziegen gemeint ist. di Taggsulecher ‘ die Dachslöcher ’ (Simplon) und das 1540 in Embd belegte hinder den Thaxen Lochren ‘ hinter den Dachslöchern ’ bezeichnen wohl Dachsbauten, während t Wouflecher ‘ die Wolflöcher ’ (Bellwald, Binn; beide mit / l/ -Vokalisierung) eher Fallen für die Wölfe meinen. Vereinzelt sind weiter: im Haseloch ‘ im Hasenloch ’ (Bellwald) (Hasen leben im Unterschied zu Karnickeln nicht in Röhren! ) und Hienerloch ‘ das Hühner-Loch ’ (FLNK, Oberwald), dessen Deutung unklar ist. Gaagguloch ‘ die Höhle für die Raben / Krähen ’ (Saas Grund) ist schwierig; der Ort liegt auf über 2600 m. und könnte der Schlafplatz von Bergdohlen sein. Ein sagenhaftes Tier ist in ts Naaterloch ‘ das Loch der Natter (Drachen) ’ (Naters) vertreten; es bildet den Hintergrund für eine volkstümliche Erklärung des Ortsnamens Naters. Negativ erscheinen auch Menschen, so in den vier Belegen für Diebuloch ‘ das Diebenloch ’ (Emdb, Ried-Brig, St. Niklaus, Täsch); gemeint ist hier ein Versteck für Diebe. In eine ähnliche Richtung gehen ts Mirderloch ‘ das Mörderloch ’ (Glis) und Mörderloch (1680, Ulrichen). Körperteile des Menschen werden meist metaphorisch verwendet: ze Fidlechru üs ‘ bei den engen Durchgängen (Arschlöchern) hinaus ’ , t Nasulecher ‘ die Nasenlöcher ’ (Raron), inne Nasulechru ‘ in den Nasenlöchern ’ (Glis). Hierzu gehört auch das nicht mehr analysierte Fitle ‘ Hinterteil ’ (< Fud + Loch) in der Fitluzeicher ‘ der Ort, der den Arsch zeigt ’ (Raron). Loch 123 124 <?page no="616"?> Eine kleine Gruppe von Namen verweist auf das, was sich im Loch befindet: ts Straalloch ‘ das Loch mit Bergkristallen ’ (Birgisch und andere), t Goldlechär ‘ die Goldlöcher (bei der Goldmine) ’ (Gampel, auch Unterbäch, aber hier vielleicht nur metaphorisch), ts Grawierloch ‘ das Loch mit Kies ’ (Selkingen), ts Äruloch ‘ das Loch mit Erz (unsicher) ’ (Baltschieder), ts Tuftloch ‘ das Loch mit Tuffstein ’ (Birgisch). Einige Bachnamen verweisen auf eine Schlucht: ts Bietschiloch ‘ das Loch (Schlucht) des Bietschi (Bietschbach) ’ (Raron), ts Daaluloch ‘ das Loch (Schlucht) der Dala (Bach) ’ (Inden), Daluloch (FLNK, Leuk), ts Fäschiljuloch ‘ das Loch (Schlucht) der Fäsilju (Bach) ’ (Leuk). Sehr viele Komposita verweisen auf Flurnamen, bei denen ein Loch liegt, so z. B. ts Aanuloch ‘ das Loch im Felsen bei der Aana (Alp bei Blatten) ’ (Blatten), ts Engiloch ‘ das Loch bei der Engi ’ (Simplon), Erbjiloch ‘ das Loch beim Erbji (kleines Erbe) ’ (Embd) und viele andere mehr. Einige Sonderfälle lassen sich nur schlecht deuten: ts Rulipuliloch (Glis, Leuk) enthält ein wohl lautmalerisches Ruli-Puli; ein englisches Gegenstück roly-poly (mit mehreren Bedeutungen) ist belegt; ob es eine Rolle spielt, ist unklar. Ähnlich ist ts Poliloch (Mund), wo es jedoch auch ts Poli gibt, das als kleiner Hügel (zu Bohl) verstanden werden kann. ts Gommerloch (Eischoll) ist zwar durchschaubar, doch ist nicht klar, worauf Gommer sich hier genau bezieht; ein Bezug zum Goms ist geografisch schwer vorstellbar. Auch das erstmals 1655 in Embd belegte zum Flederloch ‘ beim Flederloch ’ ist unklar; ob ein Anklang an Fledermaus vorliegt, sei dahingestellt. Der Name das Schvaichel Loch (1852, Hohtenn und Steg) ist mit dem Schweichel Loch (1852, Niedergesteln) wohl identisch; das sog. Staubsche Gesetz legt eine Ausgangsform Schwänkel oder Schwängel nahe. Weitere Sonderfälle finden sich auch bei komplexeren Bildungen: im Búobenbergloch ‘ im Bubenbergloch ’ (1709, Fieschertal), das zu einer Voralpe Büebebärg gehört; ob hier Buben das Vieh hüteten, lässt sich nicht eruieren. Weiter ist eine komplexe Form ts Mässflüäloch ‘ das Loch bei der Mäss- Flüe (Fluh beim Gebiet, wo der Milchertrag gemessen wurde) ’ (Steg) belegt. Unklar ist weiter Freckeloch (FLNK, Ernen), dem wohl eine nominale Form des Verbs verrecken zu Grunde liegt: also das Loch, an dem Tiere verenden oder wo verendete Tiere hingebracht wurden. Loch als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist vor allem in den Typen Lochacher ‘ der Acker im Loch ’ (Singular acht Belege, Plural drei Belege), Lochmatta ‘ Wiese im Loch ’ (11 Belege, 1 Diminutiv) und Lochwald ‘ Wald im Loch ’ (7 Belege) vertreten. Dazu kommen die Grundwörter Äbni, Blatta, Bodu, Egg(a), Flüö, Grabu, Haalta, Holz, Pletscha, Ried, Steg, Tschugge, Wang, Wasser, Weid, Wäg und Zug. Eine Reihe von attributiven Adjektiven der Lage sind in der Ober Lochbodo (Visperterminen), der Ober Lochfad (Randa), der Ober Lochwald (Ergisch), der Unner Lochfad (Randa), der Unner Lochwald (Ergisch), der Voder Locherwang (Oberwald) und anderen vertreten. In dr Wiisslochtritt ‘ die Felsstufe beim Wissloch ’ (Ferden) wird ein attributives Adjektiv im Bezugsflurnamen übernommen. Noch komplexer sind Konstruktionen wie der Miischulochbrand ‘ die durch Brand gerodete Stelle mit Mäuselöchern ’ (Betten) oder t Murmdlochweidä ‘ die Weiden beim Loch der Murmeltiere ’ (Wiler). Ableitungen zum Verb lochen enthalten zúm Dirlochen Stein ‘ beim durchlochten Stein ’ (1653, Ulrichen), beÿ den drÿlochigen Steinen ‘ bei den Durchlöcherten Steinen ’ (1678, Zwischbergen; 1713 beÿ den Dirlochrigen Steinen), die erste Form scheint eine Umdeutung zu drii ‘ drei ’ zu enthalten, lässt sich aber auch als Schreibfehler deuten, und der Durchglochet Stei ‘ der Stein mit einem Loch ’ (Ernen). Auch hierher gehört wohl ts Dirrlacherhoru ‘ das Dirrlacherhorn ’ (Grächen, FLNK Durlochhorn, SK Durchlochhorn). Die dialektale Form scheint eine Weiterentwicklung zum sonst belegten Durlochhoru zu sein; siehe aber auch das HL D URCH zu einer anderen Interpretation. Unsicher ist der seltsame Beleg bÿ dem Zingen Lochten Stein (1675, Biel), wo vermutlich zum eingelochten Stein gemeint ist. Lochelletaz Lochelletaz ist nur 1568 in Albinen als en Lochelletaz ‘ bei der kleinen Pflanzung ’ belegt. Am nächsten kommt diesem Namen das von B OSSARD / C HAVAN (2006, 150) als Lochettaz mit agglutiniertem Artikel zu ǒ lca (gall.) pflügbares land (FEW 7, 339 ff.) gestellte Etymon. Lochelletaz hätte aber zusätzlich eine diminutive Ableitung auf / - ICELLA / und / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) erfahren. Als Deutung geben die Autoren ‘ [p]lantage ’ (Pflanzung, wohl auch Garten). Locher (FaN) Locher (FaN) gehört zum FaN Locher, einer alten Familie des Bezirks Leuk (AWWB 152). Der Name erscheint meist als vorangestellter Genitiv: jn Lochers Acher ‘ im Acker der Familie Locher ’ (1701, Gampel), auff Lochers Biell ‘ auf dem Hügel der Familie Locher ’ , jn Peter Lochers Egerden ‘ im Brachland des Peter Locher ’ (1540, Erschmatt und Feschel). Ein Genitiv Plural ist belegt in auf Lochero Biel ‘ auf dem Hügel der Familie Locher ’ (1828, Raron). Als Bestimmungswort in einem Kompositum kommt vor: ts Locheralpji ‘ die kleine Alpe der Familie Locher ’ (Ergisch). 125 126 Locher (FaN) <?page no="617"?> Lochi Lochi ist in Leukerbad (nach P H . K ALBERMATTER p. c. aber in Inden) 1346 als en Lochi und in Inden 1535 als en Lochy belegt. Lechi (Nr. 42606) ist vermutlich nachträglich durch eine Bleistiftkorrektur aus en lochi gebildet worden. Auf der gleichen Seite findet sich noch einmal en lochi in Inden. Die Konstruktion zeigt, dass der Flurname romanisch sein muss. M EYER (1914, 103; 168) kennt Lochi als Name eines Dorfviertels und führt es auf O ᵕ lca ‘ pflügbares Land ’ (FEW 7, 399) mit assimiliertem Artikel zurück. Eine Herleitung vom dt. Loch ‘ Loch, Höhle, Einbuchtung ’ ist zeitlich und vom Kontext her unwahrscheinlich. Lochmatter (FaN) Lochmatter (FaN) ist belegt als der Lochmatterschandarm ‘ der Gratturm (Gendarm), der von Franz Lochmatter (1878 - 1933) als erstem bestiegen wurde ’ (Randa), in der Lochmatter Schl ŭ cht ‘ in der Geländeeinbuchtung der Familie Lochmatter ’ (1841, Oberwald) und an Lochmattero Vüchtreÿen ‘ an den Viehwegen der Familie Lochmatter ’ (1785, Visperterminen). Der letzte Beleg enthält einen Genitiv Plural. Der FaN Lochmatter ist in AWWB (152) nachgewiesen, ursprünglich eine Familie aus Zermatt und St. Niklaus. Loegeressy Loegeressy ist nur 1337 in Ergisch als en la loegeressy ‘ im Gebiet mit Wölfen (unsicher) ’ belegt. Es könnte sich um die gleiche Bildung wie im HL L UEGERESSI handeln, das allerdings früher belegt ist. Möglich ist auch eine Bildung mit auslautendem Parasitlaut zu lat. L Ŭ PUS wolf (FEW 5, 457 ff.); M EYER (1914, 61) ist in dieser Hinsicht sehr unklar. Da es sich um ein Dokument aus dem 14. Jahrhundert handelt, wäre ein Parasitlaut sehr früh. Das Ableitungssuffix wäre / - ARICIA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 289) und ist als ‘ im Gebiet mit Wölfen ’ zu deuten. Loegyn Loegyn n. ist eine historische Form, die 1303 zunächst als Lv ͦ gelun, 1310 Lv ͦ gelon, 1452 Lo ᵉ ygyn und 1709 am Lunglÿ (alle Visperterminen) und 1452 in Glis als Lo ᵉ ygyn erscheint; gemeint ist die gleiche Flur. Zu stellen ist es zum Abstraktum Luegi ‘ Ort des Sehens, Ort mit schöner Aussicht ’ (I D . 3, 1230). Dazu kommt zweimal der Beleg Lo ᵉ gyngrabo ‘ der Graben bei der Luegi ’ (1452, Glis, Visperterminen), der sich wiederum auf den gleichen Graben bezieht. Zu vergl. ist das HL L ÜEGE . Loet Loet ist nur einmal 1351 als Loet domini Martini ‘ die Galerie (metaphorische Bezeichnung einer Weide eines Herrn Martin) ’ in Oberems belegt. Im Dokument ist von einer Weide die Rede, die so heisst. M EYER (1910, 166) führt loet (auch loyet) auf LAUBJA - ITTUM zurück. Vgl. FEW (16, 446 ff. s. v. laubja (anfrk.) laube; hier insbesondere p. 448 f.) ‘ Galerie ’ , vermutlich als metaphorische Bezeichnung der Weide eines Herrn Martin. Loez Loez ist ab dem 13. Jhrdt. in Ergisch als eis loez belegt. Während die meisten Belege diese oder eine ähnliche Form haben, ist 1328 auch eys lez belegt. Die historischen Belege setzen eys loez meistens oberhalb von lo pisiour und zwischen zwei Bächen an. Anders sind die beiden Belege von 1270 in Leuk als de la laes (wo sich ein casamentum ‘ Gebäude ’ befindet) und 1544 de lez in Pfyn zu verstehen. Zum ersten scheint das von B OSSARD / C HAVAN (2006, 249) als Loex erwähnte Lemma zu gehören, das zu kelt. *loke ‘ glatter Abhang ’ zu stellen ist (FEW 5, 399 f. s. v. *l ō ke (gall.) glatter abhang); zum zweiten eher das als Lé und Lex belegte Lemma auf der gleichen Seite, das zu kelt. *lake ‘ Steinplatte ’ (FEW 5, 132 f. s. v. * LAKE (gall.) steinplatte) zu stellen ist. Bei B OSSARD / C HAVAN (2006) sind zwar die beiden Herleitungen nicht belegt, doch lassen sie sich zu FEW stellen. Die Belege loez, lez und laes gehören vermutlich nicht zusammen, wie FEW zeigt. Vgl. auch HL L EX . Loggien Loggien ist 1673 in Zwischbergen als in den Loggien belegt. Die Form ist klarerweise ein Plural. Das im Text erwähnte Úwand ‘ Magerwiese ’ (I D . 16, 397) und der Register-Eintrag legen den lebenden Namen Loggä (J OR- DAN 2006, 286) nahe, der sonst bei uns nicht belegt ist. O LIVIERI (1965, 199 f.) kennt ein it. La Loggia, ohne die Deutung klar zu machen. Der lebende Name Loggä spricht dagegen, da sonst Lotscha entstehen müsste. Diese Situation lässt den Namen ungedeutet. Lommelii Lommelii (mit Endbetonung) ist in Albinen belegt; M A- THIEU (2006, 13) kennt es als Lommälii. Historisch erscheint es 1716 und 1735 als in Lommani. Die Endbetonung ist im Wdt. nur bei romanischen Lehnwörtern und davon abgeleitenen Suffixen möglich. Der Wechsel von / l/ im lebenden Beleg und / n/ in den historischen Belegen lässt sich nicht erklären. Ob im Anlaut das Adjektiv long ‘ lang ’ steckt, ist unklar. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Lompera Lompera ist als t Lompera (Leukerbad, LT u. FLNK Lompera) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 11, Blatt 10, Lochi 127 128 <?page no="618"?> Nr. 50, Blatt 14, Nr. 39 und Blatt 22, Nr. 23) kennt es als Lompära. Die Flur (Wiesen) befindet sich südlich von Leukerbad und ist heute mit einem asphaltierten Strässchen erschlossen. Auf SK ist die Flur im flachen Gebiet oberhalb des Dorfes zu sehen. Historische Belege fehlen. Ohne solche Belege ist davon auszugehen, dass der erste Teil des Flurnamens wohl longue ‘ lang ’ meint. Der zweite Teil bleibt unsicher, am ehesten ist wohl Patois perra ‘ Stein ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 64 s. v. Perrey) anzunehmen. Der Name wäre dann etwa ‘ das lange Grundstück mit Steinen ’ . Long Long ‘ lang ’ Adj. wird aus dem lat. Adj. L Ǒ NGUS abgeleitet (FEW 5, 406 ff; M EYER 1914, 170 s. v. PRATU LONGU ). Normalerweise ist es nachgestellt, wie in Tschalong ‘ auf dem langen Acker ’ (Salgesch), das 1338 als jn compo longo (sic! ) und 1341 jn campo longo belegt ist, 1346 als chanlon (vgl. auch M ATHIER 2015, 101). In zwei anderen Fällen ist es jedoch vorgestellt: in via dou lonc essert ‘ auf dem Weg zur langen Rodung ’ (1298, Leukerbad) und im long pra ‘ auf der langen Wiese ’ (1675, Albinen). Unsicher ist der Beleg en longuerron ‘ beim langgezogenen Stück Land ’ (1363, Albinen). Die geschriebene Form longuerron enthält wohl ein / u/ , um die Sibilantisierung des vorausgehenden Konsonaten zu verhindern. Vermutlich liegt eine frpr. Suffixkombination von kollektivem / - ARIU ( M )/ und diminutivem / - ONE ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287s.) vor. Longynalz Longynalz ist 1454 in Grengiols belegt; es handelt sich um das rom. LONGU CANALE ‘ der lange Bach ’ und entspricht wohl dem heutigen Lengtal. In Albinen ist 1501 und 1552 torrentem de laz logynaz erwähnt. Es handelt sich um einen Bach, der vermutlich ebenfalls zu rom. LONGU CANALE zu stellen ist, wobei die Form einen Plural impliziert. Vgl. dazu Chenal (G PSR 3, 493 ss.) mit den älteren Formen. Zu LONGU vgl. FEW (5, 406 ff. s. v. l ŏ ngus). Lonion Lonion ist nur einmal 1672 in Brig als Lonion Matta belegt. Das Dokument sagt, dass sich die Wiese vltra Rhodanum in den Lenen befunden habe. Diese Angabe ist sehr problematisch: das Gebiet vltra Rhodanum ‘ jenseits des Rottens ’ gehörte nicht zu Brig, sondern zu Naters. Lonion ist dann wohl der Name des Besitzers dieser Wiese, wobei unklar ist, ob es sich hier um einen PN oder einen FaN handelt (cf. HL L UNGIUN ). Lontsche Lontsche ist ein attributives Adjektiv im Namen Lontschetschüümu (Albinen). M ATHIEU (2006, 55) kennt den Flurnamen als Lontschätschüümu. M ATHIEU (2006, 10) deutet den Namen als zusammengesetzt aus frpr. longe (cf. T AGMANN 1946, 60) und frpr. tsouma (G PSR 4, 5 s. v. chôme) verstanden als langer ‘ Ort, wo sich die Tiere - im Schatten - ausruhen ’ . Lonza Lonza (dial. Loonza) ist der Name des Lötschentaler Talflusses, der die Rhone-Ebene zwischen Gampel und Steg durchquert und in den Rotten fliesst. Der Name des Lonza-Werks in Visp leitet sich vom ersten Werk am gleichnamigen Fluss ab. Die ältesten Belege für den Flussnamen sind 1304 Lodentza und 1307 Lodenza. Der erste Beleg mit Lonz ist Lonzmatta (1368, Gampel), der erste sichere kurze Beleg für den Fluss ist Lonzen (1616, Wiler). G UEX (1976, 178) nimmt nach H UBSCHMIED (1938, 56) eine Ableitung von kelt. loudon ‘ Blei ’ zu *Loudantia ‘ Bleibach ’ als Ausgangspunkt an, die sowohl zu Lonza wie zu Lötschen führen soll. Es ist allerdings schwer zu verstehen, warum hier Blei eine Rolle spielt (auch wenn es im Lötschental Bleigruben gegeben hat); K RISTOL (2020, p. c.) nimmt an, dass Lötschen auf Leuccina ‘ rivière claire, brillante [heller, glänzender Bach] ’ zurückgeht. Die historischen Belege aus dem 14. Jahrhundert deuten jedoch auf eine andere Herkunft für den Flussnamen hin. Intervokalisches / d/ schwindet im Romanischen (siehe Sierre vs. Siders); die Oberwalliser Namen weisen aber häufig eine ältere Form auf, sodass die Herleitung von K RISTOL sehr spekulativ ist. Bessere Lösungen liegen aber bisher nicht vor. Das Simplex Lonza (auch Lonzu) für den Fluss ist in allen Gemeinden des Lötschentales und in Gampel und Steg belegt. Als Bestimmungswort kommt der Flussname mit Matta, Weri, Heerner, Schiir, Sand, Stäg und Boden vor; eine Erweiterung ist das historisch belegte die alte Lontzen Werri ‘ die alte Wehrbaute gegen die Lonza ’ (1730, Gampel). Der Firmenname Lonza findet sich in Lonzastraass (Visp), Lonzagüöd (Baltschieder) und vermutlich auch in Lonza Biwouack ‘ Lonza-Biwak ’ (Zermatt; 2001 durch Lawine zerstört). Loo Loo n. ist zu schwdt. L ō m., n., Lö f., Dim. Lööli ‘ Wald, Wäldchen, Waldparzelle ’ , mhd. l ō ch, (l ō hes) m., n. ‘ Gebüsch, Wald, Gehölz ’ (I D . 3, 951) zu stellen und findet sich meist nur in Flurnamen. Soweit das Genus erkennbar ist, erscheint Loo im Oberwallis meistens als Neu- 129 130 Loo <?page no="619"?> trum. Die Zuweisung der Belege zu den HLL L OO und L OCH ist - etwa bei den Komposita der Typen Lomatta und Lochmatta - nicht immer eindeutig. Das Simplex ist als ts Loo ‘ das Loo (Wald) ’ (Ausserbinn, Eischoll und Ernen) belegt, dazu historisch als in Lo (1748, Leuk), vfen Loh (1663, Ried-Mörel), am Loo (1443, Ergisch) und mit Anfügung eines unorganischen / n/ in jm Lohn (1647, Binn) und am Lohn (1785, Steg). Ein Plural ist nicht belegt. Nur einmal erscheint ein Diminutiv Singular an das Loelin ‘ an das kleine Loo (Wald) ’ (1315 u. später, Visperterminen); der lebende Beleg t Loojini ‘ die kleinen Wälder ’ (Eischoll) (nicht weit vom Loon entfernt) sind wohl als Plural des Diminutivs zu verstehen und nicht zu Looji (Mattertal) ‘ Notunterkunft, Dachlukarne, Guckloch, Dachzimmer ’ (G RICHTING 1998, 129) zu stellen zu sein. Einen vorangestellten Genitiv findet man nur im Beleg Wolfs Lowatte ‘ der sumpfige (feuchte) Wald des Wolf ’ (1301, Unterbäch); die Lesung Lowatte ist bestätigt. Als Grundwort in Komposita fehlt das HL, es ist aber als Bestimmungswort zusammen mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita belegt: Acher, Chriz, Flüö, Mad, Matta, Spitz, Stei und Wäg. Komplexere Formen sind vor allem zum Typ Lomad / Lomatta belegt: t Lomatthaaltu ‘ die Halde beim Weiler Lomattu ’ (Saas Fee) und t Lomattgassu ‘ die Gasse von / nach Lomattu (Wiese am Wald, Ortsteil von Saas Fee) ’ (Saas Fee), an den Lomatruns ‘ an den Runs (Wasserlauf) bei der Lomatta (Wiese beim Wald) ’ (1741, Eischoll), aber auch dÿe Lowasserleytten ‘ die Wasserleitung vom / zum Loo (Wald) ’ (1585 u. später, Ernen) und dÿe Obrun Loowasserleyttu ᵕ n ‘ die obere Wasserleitung vom / zum Loo (Wald) ’ (1585, Ernen) und weitere. Looje Looje ist der Name eines Dorfdrittels von Leuk und belegt als t Looje und t Loojä. Die historischen Belege zeigen schon 1337 einen Übersetzungstext: jn tercio Lobji siue de la loy ‘ im Drittel Lobji oder de la loy ’ . Das lateinische Lobia geht auf LAUBJA (anfrk.) laube (FEW 16, 446 ff.) zurück, was schon M EYER (1914, 166) annimmt. B OSSARD / C HAVAN (2006, 52) weisen diese Deutung zurück und favorisieren die Deutung von H UBSCHMIED (1938, 55), der die Lautung auf kelt. lokwa ‘ See ’ zurückführt. Im Fall des Leuker Namens spricht aber die lateinische Form Lobia für die Herkunft von LAUBJA . Das gilt auch für die Realprobe: es ist nicht anzunehmen, dass sich in diesem Drittel von Leuk ein See befand (cf. HLL L OY und L OYES ). Loori (PN) Loori (PN) ‘ Lorenz ’ ist zu wdt. Loori, Lori als Kurzform zu PN Lorenz, Laurenz, Laurentius (I D . 3, 1365 f.) zu stellen. Das Lemma kommt zweimal als Simplex vor: ts Loori ‘ das Lori ’ (Grengiols) und Lory (1201, Mund) - in diesen beiden Fällen ist die Zuordnung zu einem PN nicht sicher; L ō re n ‘ Steinhaufe ’ (I D . 3, 1374) ist zwar als Flurname belegt (URNB 2, 590, mit Hinweis auf vorrömische Herkunft), aber nicht für das Wallis; ein Diminutiv auf / - I / ist nicht belegt. Ebenso mehrdeutig ist in der Loorschluocht ‘ in der Geländeeinbuchtung beim Loor / des Loori ’ (1640, Fiesch), während der Loriacher ‘ der Acker des Lorenz ’ (Martisberg, Ergisch) zum PN zu stellen ist. Sicher hieher gehören die Genitive Singular ts Loorisch Brand ‘ das brandgerodete Gebiet des Lori ’ (Grengiols), ts Lorisch Stafol ‘ der Stafel des Lori ’ (Mund) und Lorischerb ‘ das geerbte Gut des Lori ’ (Ausserberg), sowie der Plural agrum Loriggero ‘ der Acker der Leute des Lori ’ (1759, Eischoll) und sub spicarijs Lorigo ‘ unter den Speichern der Leute des Lori ’ (1637, Raron). Die kollektive / - IG / -Ableitung ist aus vielen anderen Fällen bekannt. Loot Loot ist zweimal am gleichen Ort belegt als im Loot (Oberwald, Obergesteln, auch FLNK). Gemeint sind leicht ansteigende Äcker, Weiden und Wiesen. Dazu ist auch beÿm Lothgaden ‘ beim Gaden im Looth ’ (1772, Oberwald), auch unter dem Ladgaden (1795, Oberwald) zu stellen. Die Deutung unter L ō t, L ō d n. ‘ Lötmasse, bestimmtes Gewicht ’ (I D . 3, 1500) ist kaum zielführend. Das B ERNDEUTSCHE W ÖRTERBUCH ( VON G REYERZ / B IETENHARD 1976, 194) kennt Lod n. als ‘ gedrehte Papiertüte, dann überhaupt Papiersack zum Einpacken der Ware ’ . Beide Deutungen sind unklar. Das Gleiche gilt für G RICHTING (1998, 129 s. v. Loot ‘ Senkblei ’ ). Ein Zusammenhang mit dem biblischen Personennamen Lot (Gen 11, 27 - 31) ist möglich, aber sehr unsicher. Die Deutungen zu Lad (I D . 3, 1057 f.) im Sinn von Käsladen und Laden führen nicht weiter. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Loraccio Loraccio ist nur in Punta Loraccio (Saas-Almagell) belegt, einem Grenzgipfel zu Italien auf 3237 m. Da sich weiter unten die Alpe Loraccio befindet, stammt der Bergname wohl daher. Eine Deutung ist nicht möglich; ein FaN jedoch nicht ausgeschlossen. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) erwähnt den Flurnamen nicht. Loranco Loranco ist nur in Pizzo di Loranco (Saas Almagell) auf 3362 m Höhe belegt, das dafür auch den Namen Mittelrück (1: 10000 Mittelrigg) kennt. O LIVIERI ( 2 1961; 456) verweist auf Ranco, ohne einen Hinweis zu geben. Auch D EVOTO / O LI enthalten das HL nicht. Eine Deutung ist nicht möglich. Looje 131 132 <?page no="620"?> Lorizen Lorizen ist 1708 in Fiesch belegt. Es handelt sich um den Namen einer Wasserleitung: die Lorizen. Ob ein Zusammenhang mit dem in Fiesch belegten Loorschluocht (1640) besteht, ist unklar; Lorizen liesse sich dann als ‘ Wasserleitung vom / zum Loor(i) ’ verstehen (cf. HL L OORI ). Ob ein Zusammenhang zum PN Laurenz, auch Lori und Loro (I D . 3, 1365) besteht, ist unklar; das feminine Genus lässt sich allerdings auf die Wasserleitung zurückführen. Ohne zusätzliche Belege bleiben die Deutungen aber unklar. Lormet Lormet ist nur einmal 1729 in Albinen als im Lormet ‘ am Ort, wo es kleine Ulmen hat ’ belegt. Es handelt sich vermutlich um das frpr. Ormet ‘ die kleine Ulme ’ mit agglutiniertem Artikel (B OSSARD / C HAVAN 2006, 174). 1729 wird es in Albinen mit der dt. Präposition mit Artikel im verwendet. Lorschelet Lorschelet ist in Albinen (FLNK) belegt; M ATHIEU (2006, 13) kennt es als Lorschulet. Die historischen Belege sind: 1543 en Lorselet, 1728 im Lorschelet, 1829 jn Losselet. Vermutlich ist der Artikel agglutiniert worden; es handelt sich wohl um eine Ableitung l ’ orgelette ‘ das kleine Gerstenfeld ’ , die allerdings so nicht belegt ist (cf. FEW, 4, 481s.); zu den Suffixen vgl. / - ELLA / und / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Los Los n., Pl. Leesser ist zu schwdt. L ō s, L ō ss, Pl. Lös(s)er, L ō s n. als FlN ‘ der einem zufallende Anteil: a) derjenige, den der einzelne Bürger bei Holzverteilungen aus dem Gemeindewald erhält (Loosholz), b) derjenige am Gemeindeland, wo das Gemeindegut in Löser aufgeteilt ist, c) einzelnes, abgegrenztes Fischereirecht bzw. der Bezirk, auf welchen es sich bezieht ’ und wdt. Looss, Loos (Lötschental) ‘ Los, Grundstück ’ (I D . 3, 1426 f.; G RICHTING 1998, 129) zu stellen. Die meisten der etwas über 60 Namen bezeichnen Grundstücke im Rottengebiet, die erst nach den ersten zwei Korrektionen des Flusses (ab 1863) verfügbar waren. Das Hauptgebiet der Namen bezieht sich dabei auf die unteren drei Bezirke Visp, Westlich-Raron und Leuk. Das Simplex ist im Singular nur einmal historisch belegt: jm Los ‘ im Los ’ (1703, Ausserberg). Es muss sich um ein Grundstück gehandelt haben, das den Burgern gehörte und durch das Los zugeteilt wurde. Sonst ist das HL nur im Plural belegt: t Leessär (FLNK, Bratsch), t Leesser (Niedergesteln), t Lesser ‘ die Lösser (Gemeindewiese an der Lonza) ’ (Kippel), t Lesser (Lalden; FLNK Leesser). In allen Fällen sind Grundstücke gemeint, die ursprünglich zum Burgerlos gehörten, später auch Privateigentum wurden. Nur einen Beleg für einen Diminutiv im Plural findet man in t Loossjini ‘ die kleinen Lose ’ (Guttet), das sich auf ca. 1520 m oberhalb von Guttet befindet; hier wurden wohl früher Teile der Lichtung als Ackerland unter den Burgern ausgelost. Mit attributiven Adjektiven finden sich: t Altu Leesser ‘ die alten Lose (Boden für Nutzer, die durch das Los bestimmt wurden) ’ (Steg), t Chleinu Leesser ‘ die kleinen Lose (Grundstücke, die ausgelost wurden, im Talgrund) ’ (Leuk), di Grossu Leesser ‘ die grossen Lose (durch Los zugeteilte Grundstücke) ’ (Leuk), t Längu Leesser ‘ die langen Lose (durch das Los zugeteilte Grundstücke in der Rottenebene) ’ (Turtmann), die Neuen Löser ‘ die neuen Lose (durch das Los zugeteilte Grundstücke) ’ (1818, Gampel), t Niwwu Leesser ‘ die neuen Lose (durch das Los zugeteilte Grundstücke) ’ (Raron), t Obru Leesser ‘ die oberen Lose (durch das Los zugeteilte Grundstücke) ’ (Hohtenn), t Obruschtu Leesser ‘ die obersten Lose (durch das Los zugeteilte Grundstücke) ’ (Steg; heute Fabrikareal). Vorangestellte Genitive der Nutzer oder Besitzer sind: Hohtener Lösser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke der Leute von Hohtenn ’ (1852, Steg), Seyterrun Los ‘ das Los der Leute von Seit (ehemaliger Weiler von Selkingen) ’ (1394, Selkingen), Selgigerrun … Los ‘ das Los der Leute von Selkingen ’ (1394, Selkingen), Stegers Los ‘ das ausgeloste Stück Land der Familie Steger ’ (1394, Biel), Weltschen Walthers Los ‘ das ausgeloste Gebiet des Walther Welschen ’ (1394, Gluringen). Laut dem Dokument aus Selkingen ist Los die Übersetzung von lat. PARS ‘ Teil ’ ; es handelt sich also wohl um einen Teil (Los) der Burgergemeinde. Als Grundwort kommt das HL sehr häufig vor. Zu unterscheiden ist dort der Singular vom Plural. Zunächst werden Singulare in zweigliedrigen Komposita belegt: ts (e)Riifloosi ‘ das kleine zugeloste Stück Land beim Abhang ’ (Gampel), schon 1824 belegt, also kein Grundstück, das erst nach 1863 zugeteilt wurde; ts Eiulos ‘ das Los (zugeteiltes Stück Land) in der Aue ’ (Glis), laut Gwp. kein Burgerlos, Üsserloos ‘ das äussere durch das Los zugeteilte Stück Land ’ (FLNK, Visp; heute Industriegebiet), sowie die komplexeren ts Unner Eiulos ‘ das untere Los (durch das Los zugeteiltes Grundstück) in der Aue ’ (Glis) und dem Plural in den Neu ᵕ en Eÿenloosen ‘ in den neuen zugeteilten Gebieten in der Aue ’ (1857, Glis). Viel häufiger sind die Belege mit dem Plural Leesser: Altleesser ‘ die alten Grundstücke, die durch das Los zugeteilt wurden ’ (FLNK, Hohtenn), di Blagerruleesser ‘ die (Burger-)Lose im Bereich der Blagerra (minderwertiges 133 134 Los <?page no="621"?> Land) ’ (Raron), di Brigguleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke bei der Brücke ’ (Niedergesteln), di Burgerlesser ‘ die Losgebiete, die den Burgern gehören ’ (Baltschieder, zweimal), Burgerleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke, die den Burgern gehören ’ (FLNK, Salgesch; auch bei M ATHIER 2015, 126), t Eiuleesser ‘ die zugeteilten Grundstücke bei der Aue ’ (Gampel, Steg, Turtmann, Visp), t Fäldleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Gebiete im Feld ’ (Gampel, Steg), di Gampinuleesser ‘ die Lose (durch das Los zugeteilten Grundstücke) beim Weiler Gampinu ’ (Leuk), di Giessuleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke im Bereich Giessen (Bach, Sumpfgebiet) ’ (Turtmann), t Hofleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke beim Weiler Hof ’ (Baltschieder), t Laggerächtu Leesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke bei Lagrächte (la grächtu ‘ Hügel ’ ) ’ (Leuk), Mittel Eyen=Löser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke in der mittleren Eie (Aue) ’ (1927, Salgesch), t Mosleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke im Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Hohtenn, Steg), t Muttileesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke im flachen Land ’ (Steg), Ober Eyen=Löser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücek in der oberen Eie (Aue) ’ (1927, Salgesch), di Pletschuleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke in der Pletscha (Ebene) ’ (Baltschieder), t Schitzuleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke bei den Schützen ’ (Steg), di Tännuleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke bei Tännu ’ (Turtmann), t Weidleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Gebiet, wo das Vieh weiden konnte (heute teilweise Lonza) ’ (Visp). Komplexer sind Grossi Burgerleesser ‘ die grossen Losgrundstücke der Burger ’ (LT, Gampel), t Hosandleesser ‘ die Lose (Grundstücke, die durch Los zugeteilt wurden) im Hoosand (hohes Sandgebiet) ’ (Niedergesteln), t Kalchofuleesser ‘ die Lösser (durch das Los zugeteiltes Grundstück) beim Kalkofen ’ (Gampel), di Brüederschaftsleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstüeck der Bruderschaft ’ (Gampel), di Turtigeiuleesser ‘ die durch das Los zugeteilten Grundstücke im Gebiet der Aue bei Turtig (Ortsteil von Raron) ’ (Niedergesteln), t Ubermäleesser ‘ die Lose (durch das Los zugeteilte Grundstücke, die jenseits liegen (unsicher)) ’ (Gampel), t Undru Hofleesser ‘ der untere Teil der durch das Los zugeteilten Grundstücke beim Weiler Hof ’ (Baltschieder), t Wannumosleeser ‘ die Lose (durch das Los zugeteilte Grundstücke) im Wannumoss (feuchtes Gebiet bei der Wanne (Mulde)) ’ (Niedergesteln), t Wereiuleesser ‘ die Lose (durch das Los zugeteilte Grundstücke) bei der Aue beim Wehr (gegen die Vispe) ’ (Visp). Komposita mit anderen Grundwörtern sind sehr selten: Längleessärgrabu ‘ der Graben (Kanal) bei den durch das Los zugeteilten langen Grundstücken in der Rottenebene ’ (Turtmann) und der Ober Loosholzbodu ‘ der obere Teil des Bodens, wo man Losholz lagerte ’ (Leuk). Nicht zu dieser Deutung gehört das einmal belegte Suffix / - LOS / ‘ nicht habend ’ (I D . 3, 1427) in Namenlosä ‘ der / die Namenlose ’ (FLNK, Wiler); ein Gipfel ohne Namen. Losel Losel ist in Salgesch in verschiedenen Formen belegt, von denen nicht ganz klar ist, ob sie zusammen gehören. Die historischen Belege sind: 1353 luysellum, 1358 ou losel, 1367 e ỳ s losezs, 1594 ou lusel, 1594 ouz losel, 1644 ey luschel, 1644 eys louschÿ, 1644 eÿs louscheÿ, 1658 en lousse. Es scheint, dass einige der Belege zum HL L ÜSCHEI gehören (cf. HL L ÜSCHEI und M ATHIER (2015, 109)). Losel würde zu T AGMANN (1946, 10) gehören, ist aber ziemlich unsicher und nimmt unter Gros Lac ‘ grosser See ’ eine Etymologie von H UBSCHMIED auf, die unseres Erachtens für Losel nicht direkt anwendbar ist. Es ist davon auszugehen, dass Losel ‘ kleiner Bergsee ’ zwar zu kelt. lokw ā ‘ See ’ zu stellen ist, wie das H UBSCHMIED will, dass aber die belegten Namen Weiterbildungen sind. Zumindest deuten die Belege mit / - EL / Fragen an; sie könnten zum diminutiven Suffix / - ELLU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) gehören. Loter der Loter ‘ der Loter (unklar; laut Gwp. Quelle und Sumpfmulde) ’ (Bellwald) ist zu schwdt. Lotter m. zu stellen, hier als FlN in der Grundbedeutung des ‘ Unfesten, Lockeren ’ , zum Verb schwdt. lottere, wdt. lottere, lottärä, lottru ‘ wackeln, klappern ’ (I D . 3, 15; URNB 2, 594; G RICHTING 1998, 129). Lötschen Lötschen ist die hdt. Form, die normalerweise mit dem Namen Lötschental (LT) oder Lötschenthal (SK) verbunden ist, das aber im lokalen Dialekt Leetschtal heisst. Die dial. Kurzform wäre Leetschn. Die ältesten Belege sind: 1233 de Lyche, 1254 de Liech, 1278 de Liesc (zweimal), 1282 de Liech usw.). Aber schon 1300 ist de Lechun vertreten und 1303 in Lochen, im gleichen Jahr fan Loechun. 1305 ist in valle Loechen belegt. Es überwiegen aber die Namen vom Typ Lÿech und ähnlich. Erst (ca.) 1470 ist wieder von Lo ᵉ tschen die Rede. 1501 erscheint Letschen, ebenso 1503. Erst spät erscheint eine Gleichsetzung mit dem Val d ’ Illiez um 1643 in Valle Jlliacensi, ähnlich 1663. Der Name ist zunächst romanisch, wohl mit keltischer Wurzel: de Lyche, de Liech sind vermutlich auf ein romanisches Etymon vom Typ *lie(s)c zurück zuführen, das aber nicht belegt ist. Möglicherweise könnte ein kelt. Losel 135 136 <?page no="622"?> leucos, leucet(i)o ‘ klar, glänzend ’ (D ELAMARRE 2003, 200) zugrunde liegen, welches ursprünglich den Fluss bezeichnet hätte (und wohl auch dem Namen Leuk zu Grunde liegt) (cf. dazu auch A. K RISTOL (p. c. 2020)). Die deutschen Einwanderer übernehmen den Namen als Lechun oder Loechun oder Lo ᵉ tschen. Später wird dieser Name entrundet zum heutigen Leetschun. Die Benennung Vallis Illiacensis scheint eine spätere Parallelisierung zum Val d ’ Illiez zu sein, die Lötschen selbst nicht betrifft. Der Talname ist etwas seltsam, wenn man überlegt, dass (vielleicht mit Ausnahme von Ferden und vielleicht Kippel) die Dorf- und Weilernamen weitestgehend deutsch sind wie Blatten, Wiler und Ried. Es könnte also sein, dass der Talname von unten her dem Lauf der Lonza folgte. Mit einem attributiven Adjektiv ist 1730 belegt des Obren Lötschen ‘ das obere Lötschtal ’ , vermutlich das besiedelte Gebiet des Lötschtales. Die übrigen Namen enthalten das HL als Bestimmungswort, entweder als Leetsch- oder als Lötsch-. Belegt sind Verbindungen von Leetsch mit Band (Leukerbad; auch bei R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 5 als Leetschbändär)), Bäärg, Licka und Pass. Mit Lötschen sind verbunden Firn (SK), Grenze, Lücke (Licka), Tal, also verhochdeutschte Formen und dann komplexere Formen wie Lötschbergtunnel und Lötschepasshütte. Einen Genitiv Plural enthält Lötscheren Binnen ‘ der Pflanzplatz der Leute von Lötschen ’ (1773, Gampel). Der Lötschberg, um das nachzutragen, ist ein Passübergang zwischen dem Berner Oberland und dem Lötschtal. Lottscha Lottscha f. ist zweimal als Lottschabella ‘ der schöne Aussichtspunkt ’ (Zwischbergen, LT Locciabella) belegt. J ORDAN (2006, 302) führt die beiden Namen ebenfalls als Lottschabella auf. Beim ersten stellt er die Vermutung auf, dass sich der Name aus it. loccia ‘ Gebäude ’ und bella ‘ schön ’ ableiten lasse. Während das eine einen grossen Waldabhang kennzeichnet, ist das andere ein steiler Graben. Zu Grunde liegend sind wohl it. loggia (das stimmlos wiedergegeben wird) und bella. Da es sich bei loggia, das sonst Gebäude oder Teil davon ist, nicht um ein Gebäude handeln kann, wurde es metaphorisch als ‘ Aussichtspunkt ’ wiedergegeben. Löüb Löüb n., Pl. Leiber, selten Löüber ‘ Laub ’ ist zu schwdt. Laub, wdt. Löüb, Löb, Loib ‘ Laub ’ n., Pl. unveränderlich oder Läuber, wdt. Leiber ‘ einzelnes Blatt der Laubbäume und Sträucher ’ , kollektiv wie nhd. ‘ Laub von Holzpflanzen ’ , mhd. loup, -bes (I D . 3, 954 ff.; G RICHTING 1998, 129) zu stellen. Z INSLI (1984, 573, s. v. Laub) kennt das HL für die Südwalser und gibt als weitere Bedeutung ‘ Anteil, welchen ein Gut an dem Genuss des Waldes hat ’ , was in unseren Daten wohl nicht zutrifft. Hingegen gibt BENB (1, 3, 155 - 158) eine Deutung, die auch für unser Gebiet weitgehend gilt: “ Namen mit Loub bezeichnen Standorte von Laubgehölzen, auch im Alpenraum über der Baumgrenze, wo sich der Name meist auf die Grünerle (Alnetum / Alnus viridis oder Betula viridis) bezieht ” (158). ts Wiiss Löüb ‘ das Weisslaub ’ ist nach S TEBLER (1927, 67) der Name von S ALIX L APPONUM (ssp. H ELVETICA ), der Schweizer Weide (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 422). ts Süürlöüb ‘ das saure Laub ’ (Ried-Brig) bezieht sich laut Beschreibung auf eine saure Pflanze; in Frage kommt der Sauerampfer (R UMEX ACETOSA oder R UMEX ACETOSELLA ; vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 684 ff.), der mehrfach als Süür bezeichnet wird (I D . 7, 1282; M ARZELL 3, 1497). Das HL fehlt im Bezirk Leuk, ist aber in allen andern Bezirken belegt. Das Simplex im Singular ist als ts Löüb ‘ das Laub ’ etwa ein Dutzend Mal belegt, dazu kommen in dem Laub (1681, Niederwald) und ts Loib (Blatten, Simplon). Im Plural ist das Simplex als t Leiber vier Mal belegt, dazu kommen in den Leübren (1626, Ulrichen), die Löüber (1610, Mühlebach) und t Löüb(e)re (Zermatt, ohne Entrundung! ). Als Diminutiv des Singulars findet sich ts Löübji (Binn, zweimal), im Löüpi (Grengiols), im Plural t Löbjini (Reckingen, FLNK Löübjini). Bildungen mit attributiven Adjektiven: das schon erwähnte ts Wiiss Löüb ist rund ein Dutzend Mal belegt, historisch auch als das Weis Laúb (1774, Eggerberg), einmal als Diminituv Wiiss Löübji (Baltschieder). Daneben sind belegt ts Breit Loib (Simplon, zwei Mal), ts Breit Löüb (Baltschieder), ts Grielöb ‘ das grüne Laub (eventuell: das Laub mit Kies) ’ (Reckingen), ts Gross Loib (Wiler), ts Holoib ‘ das hohe Laub ’ (Ferden), ts Ober Löb (Reckingen), jm Obren Laúb (1679 u. später, Simplon), ts Süürlöüb ‘ das saure Laub (z. B. Sauerampfer oder saurer Boden) ’ (Ried-Brig), ts Unner Löb (Reckingen) und im Undren Laúb (1679, Simplon). Ein attributives Partizip findet sich in ts Hangänd Loib ‘ das hängende (steile) Laub ’ (Wiler) mit den Varianten t Hangändu Leiber ‘ die hängenden (steilen) Gebiete mit Laub ’ (Blatten), ts Hangend Löüb (Binn), ts Hangund Löüb (Raron) und die verkürzte Form ts Hangelöb (Reckingen). Vorangestellte Genitive zum HL sind selten: Lengi Wangsch Loib ‘ das Laub beim langen Grasabhang ’ (Blatten) und Stafflero Wÿslaúb ‘ das Weisslaub (Name für S ALIX L APPONUM ) der Leute vom Stafel ’ (1726, Mund). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita finden sich eher selten Namen von naheliegenden Fluren wie 137 138 Löüb <?page no="623"?> ts Äbilöüb ‘ das Laub beim Abhang ’ (Reckingen), ts Bochtelöb ‘ das Laub bei der Bochte (Bottich) ’ (Reckingen), Mettellöub ‘ das Laub bei der Mettle ’ (Münster), ts Sattellöup ‘ das Laub beim Sattel ’ (Münster), t Sattelleiber ‘ die Gebiet mit Laub beim Sattel ’ (Baltschieder), die Schrikleiber ‘ die Gebiete mit Laub bei der Alpe Schrigg ’ (1629, Ried-Brig), ts Seelöüb ‘ das Laub unterhalb der Seemettja ’ (St. Niklaus), t Stockleiber ‘ die Gebiet mit Laub beim Stock ’ (Steg). Unsicher ist ts Gaarloib ‘ das Laub mit Mehlbeerstauden ’ (Blatten), das wohl zum Pflanzennamen Garle oder Garlob ‘ Mehlbeere ’ zu stellen ist (cf. HL G ARLE ). Ebenfalls unsicher ist ts Schnitzlöüb ‘ das Laub, das als Futter geschnitten wird ’ (St. Niklaus) (cf. HL S CHNIZ ). Komplexere Bildungen sind Grielöuwenelöb ‘ das Laub beim Rutschgebiet mit Kies ’ (FLNK, Reckingen). t Obru Sattelleiber ‘ die oberen Gebiete mit Laub beim Sattel ’ (Baltschieder), t Undru Sattelleiber ‘ die unteren Gebiete mit Laub beim Sattel ’ (Baltschieder). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita findet sich Löüb mit folgenden Grundwörtern: Acher, Alpa, Bach, Bodu, Blatta, Egg(a), Fad, Furgga, Gartu, Grabu, Haalta, Heid 2, Hüs, Matta, Ort, Ranft, Schiir, Stadel, Stafel, Stei, Stüde, Tola, Tschugge, Wäg, Wald, Wang, Weid und Wild. In mehreren Fällen ist das HL hier als Löüber vertreten, das entweder ein Adjektiv oder der FaN Lauber sein kann; manchmal kann hier nicht entschieden werden, was vorliegt. So ist etwa ts Löüberwägji ‘ der kleine Weg der Familie Lauber (? ) ’ wohl zum FaN zu stellen und kaum als Herkunftsname zu verstehen; es handelte sich um den Kirchenweg von Rüspeck (im Nanztal! ) nach Naters, wohin dieses Gebiet kirchengenössig war (Dank an P H . K ALBERMATTER (p. c.) für die Auskunft). Vielleicht auch zum FaN gehört der seltsame Name uf Löübernisch ‘ auf dem Gut der Familie Lauber ’ (Martisberg) - es scheint sich um einen Genitiv des Besitzers zu handeln, wobei die Langform Löübernisch (statt Löübersch) ungewohnt ist. In einem Fall liegt ein vorangestellter Genitiv vor: Leemisch Löübegg ‘ die Ecke mit Laub der Familie Lehmann / des Lehensmannes ’ (Geschinen). Komplexere Formen sind etwa: Löübbachwald ‘ der Wald, bei dem der Laubbach durchfliesst ’ (Bürchen), der Mässloibgrabu ‘ der Graben beim Mässloib (Laub, wo Milch gemessen wurde? ) ’ (Simplon; auch bei J ORDAN (2006, 85 und 95; gleicher Graben)), der Unner Löübfad ‘ das untere Grasband im Laub ’ (Eisten), t Unner Löübheid ‘ die untere Heide beim Laub / mit Laub ’ (Visperterminen), der Üsser Löubbach ‘ der äussere (talauswärts liegende) Laubbach ’ (Saas Almagell). Auch zum Wiisslöüb gibt es komplexere Formen: dr Wissloibwang ‘ der Grasabhang beim Weisslaub (Name von S ALIX L APPONUM ) ’ (Blatten), das Wissloubeggiltin ‘ die kleine Ecke beim Weisslaub (Name von S ALIX L APPONUM ) ’ (1457 u. später, Ried-Brig) und andere. Zwei verschiedene Adjektivableitung erscheinen in t Löübigu Bobme ‘ die Böden mit Laub ’ (Saas Balen), resp. t Löübinubodme ‘ die Böden mit Laub ’ (Saas Grund) - es handelt sich um die gleiche so benannte Flur. Eine seltene Ableitung auf ahd. - AHI (S ONDEREGGER 1958, 466 ff.) ist t Löüppa ‘ das Gebiet mit viel Laub ’ (Törbel). Neben der Unsicherheit bei Löüber als FaN Lauber, ist auch die Zuordnung der Belege zu Löüb ‘ Laub ’ oder zu Löube ‘ Laube ’ (cf. HL L ÖÜBE ) nicht immer klar. Und in einigen Fällen kann Löüb auch zum HL L ÖUWINA gehören, wo dieses HL mit / b/ realisiert wird, etwa im Bezirk Visp. So erscheint in Saas Almagell di Breitu Löübinu ‘ die breiten Rutschgebiete ’ mit einem historischen Beleg von 1528 ‘ an die Breitten Lowinen ’ . Hier dürfte es sich also um ein Rutschgebiet und nicht um ein Laub-Gebiet handeln. Löube Löübe, auch Löuba ist zu schwdt. Laube n , wdt. Löüba, Löübä (Goms), Löiba (Mattertal), Loiba (Lötschtal), Löibu (Saastal und Leuker Berge) f., Dim. schwdt. Läub(e)li, wdt. Laubelti ‘ leicht und luftig gebauter, meist nach einer oder mehreren Seiten offener, auf den andern mit Brettern eingewandeter Raum, als selbständiges Gebäude, untergeordnetes Gemach in einem (Wohn-)Gebäude bzw. an ein solches angebaut, meist neben, vor oder über den eigentlichen, solider gebauten Wohnräumen befindlich und als Zugang oder zur Unterbringung von allerlei Geräten und Vorräten verwendet.; Halle, Vorhalle, Hausflur; Gemach, Räumlichkeit im Wohnhaus, auch in Scheune, Stall und Schuppen zur Unterbringung z. B. von Heu; Dachboden; Vor-Haus oft zu einem grösseren Treppenhaus (Treppenlaube) oder zu einer hölzernen Galerie oder einem Balkon erweitert; Bogengang an der Seite eines Marktes oder einer Strasse; Schützenhaus ’ , ahd. louba, mhd. loube (I D . 3, 962 ff.; G RICHTING 1998, 129) zu stellen. Das Wort, eine Ableitung zu Laub, bezeichnet zunächst ein Schutzdach aus Laub, dann verschiedene leichte Vorbauten zum Schutz vor Witterung (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 562; G R W B 12, 290; LUNB 1, 1, 606; V. S CHMID 2003, 129 f.). In FlNN auch übertragen auf laubenartige Geländestellen (URNB 2, 506). Von den Belegen sind die historischen zer Lovbun (1304 u. später, Stalden) und zer Loubun (1504, Zermatt) klar zu diesem HL zu stellen. Die Diminutive im Plural ts Löubutini ‘ bei den kleinen Lauben ’ (Blitzingen) und uf de Löubutine ‘ auf den kleinen Lauben ’ (Niederwald) bezeichnen Geländeformen, die laubenartig aussehen. Löube 139 140 <?page no="624"?> Das Grundwort ist vor allem im Typ Schitzulöüba ‘ die Schützenlaube ’ vertreten - es handelt sich um ein Haus, von dem aus (früher) geschossen wurde. Belegt sind t Schitzulöüba (Raron), t Schitzulöübu (Leuk), Schitzulöübu (FLNK, Oberems; FLNK, Salgesch), t Schitzuloibu (Turtmann). Historisch ist auch hinder der Schützenlauben ‘ hinter der Schützenlaube ’ (1747 u. später, Leuk) bezeugt. t Aalti und t Niiwi Schitzulöübu ‘ die alte und die neue Schützenlaube ’ (Salgesch) steht neben dem historisch belegten hinter den Alten Schützen Lauben ‘ hinter den alten Schützenlauben ’ (1869, Feschel). Nur einmal belegt ist Kirihanselöübe ‘ die Lauben des Kirihans ’ , wo wohl eine Geländeformation auf der Alpe gemeint ist; der PN ist vermutlich ein Beiname. Unklar ist im Loiburaaft ‘ im Abhang mit Rutschgebiet ’ (Saas Almagell), wo vermutlich das HL L ÖÜWINA gemeint ist, weist doch Saas Almagell auch der Heloibizug ‘ der hohe Lawinenzug ’ auf. Die Deutung mit dem HL L ÖUBE ist zwar formal zutreffend, inhaltlich aber nicht. Löücha Löücha ‘ Mulde ’ ist zu schwdt. Lauch, wdt. Loucha, Löücha f. ‘ Name von Bergübergängen, meist durch die Lücke eines Felsgrates, Berglücke; wellenförmiges Terrain im Gebirge ’ , zum Sg. des Prät. von ahd. l ū hhan ‘ schliessen ’ (I D . 3, 1006; Z INSLI 1945, 329), resp. ‘ Mulde ’ (G RICHTING 1998, 129, der auch Laicha, Intimrin, Lizzin (alle Lötschental) und Laichu, Lizzi in gleicher Bedeutung angibt (vgl. HL L AICHA und HL L ITZI ), zu stellen. Die feminine Form Löücha geht wohl auf eine reanalysierte Pluralform zu Löüch zurück. In einigen Fällen kann auch schwdt. Lauch m. ‘ Name verschiedener Lauchgewächse, die in den Alpen wild wachsende Abart des Schnittlauchs ’ (I D . 3, 1006; M ARZELL 1, 209; G RICHTING 1998, 175 s. v. Schnittlöib, Schnittlöüf, Schnittloich, Schnittlöich) gemeint sein. Das Simplex t Löücha ‘ Mulde ’ ist nur in Täsch belegt. Ein Diminutiv kommt zusammen mit einem Attribut als ts Warem Löüchli ‘ die warme kleine Mulde ’ (Zermatt) vor. Als Kompositum mit dem HL als Grundwort ist Schnittlöich ‘ Schnittlauch ’ (Bratsch) - hier ist vermutlich ein Gebiet gemeint, in dem Schnittlauch wuchs. Als Bestimmungwort ist das HL in dyen Lovckgartvn ‘ den Lauchgarten ’ (1333, Naters) vertreten, hier ist vermutlich ein Garten mit Lauchgewächsen gemeint. Am verbreitetsten ist eine / - ERRA / -Ableitung t Loichärra. Neben der bekannten, verhochdeutschten Form für die Lauchernalp oberhalb von Wiler, die heute touristisch genutzt wird, gibt es zweimal Loihärra (Ferden) und einmal Löichere (Bratsch). In allen diesen Fällen ist unklar, ob es sich um eine Mehrzahl von Mulden oder um Lauchgewächse (vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1278 ff. mit den verschiedenen Arten von A LLIUM ) handelt; das Suffix / - ERRA / (S ONDEREGGER 1958, 471 f.) kann kollektive Bedeutung für Sachen und Pflanzen haben, sodass beide Deutungen möglich sind. In t Under Loihärra (Wiler) tritt ein attributives Adjektiv zur Ableitung hinzu. Die Ableitung ist weiter als Bestimmungswort mit den Grundwörtern Alpa, Bach, Gang, Graat, Hitta, Spitz, Wald und Wäg verbunden. Komplexere Formen entstehen durch attributive Adjektive wie Obrä und Undrä Loicheruwäg ‘ der obere / untere Weg in das Gebiet Loicheru ’ (FLNK, Erschmatt). Löucka Löucka ‘ wellenförmiges Terrain im Gebirge ’ ist als Simplex und im komplexen Namen t Gross Löuckeschlüecht ‘ die grosse Geländeeinbuchtung bei der Löucka ’ (beide Blitzingen) belegt; die Form t Löuggeri (Selkingen) mit einer / - ERI / -Ableitung könnte vielleicht dazu gestellt werden; sie enthält aber eine Fortis an Stelle der Affrikata und ist wohl eher eine Stellenbezeichnung ‘ der Ort, wo Lauch wächst ’ . Löucka könnte als Intensivbildung zum HL L ÖUCHA (schwdt. Lauch, wdt. Loucha, Löücha f. ‘ Name von Bergübergängen, meist durch die Lücke eines Felsgrates, Berglücke; wellenförmiges Terrain im Gebirge ’ , zum Sg. des Prät. von ahd. l ū hhan ‘ schliessen ’ (I D . 3, 1006; Z INSLI 1945, 329) oder zu schwdt. Lauch m. ‘ Name verschiedener Lauchgewächse, die in den Alpen wild wachsende Abart des Schnittlauchs ’ (I D . 3, 1006; M ARZELL 1, 209; G RICHTING 1998, 175; cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1278 - 1286 mit mehreren Unterarten von A LLIUM ) gestellt werden. Beide Deutungen sind aber vorsichtig zu werten, weil das Nebeneinander von Reibelaut, Fortis und Affrikata schwierig zu erklären ist. Löüf Löüf m. ‘ Lauf ’ ist zu schwdt. Lauf, wdt. Luff, Loif, Löüf m., wie nhd. ‘ Lauf ’ , ahd. (h)louf, mhd. louf zu stellen. Das HL bezeichnet in FlN Stellen, wo jemand oder etwas läuft, in Bewegung ist oder speziell einen Durchgang für das Wild oder einen Geländeausläufer (I D . 3, 1111 ff.; LUNB 1, 1, 614). Das HL kommt nur einmal als Simplex im Lauff (1814, Simplon) vor; laut Beschreibung ein Stück Wiese, sodass unklar ist, wie Lauf hier zu deuten ist. Weiter ist belegt der Rosslöüf ‘ der Pferdelauf ’ (Binn). I D . (3, 1118) gibt als Bedeutungen ‘ Wettlauf von Pferden, Pferderennbahn, Wegmass = Stadium ’ . Von diesen drei ist am ehesten das Wegmass als Motivation anzunehmen; alternativ kommt das so nicht belegte ‘ Wiese, die dem Auslauf von Pferden dient ’ in Frage. Ableitungen mit dem Präfix UM sind Im Umloif ‘ im Umlauf ’ (Blatten) und t Umlöüffjini ‘ die kleinen Umläufe ’ 141 142 Löüf <?page no="625"?> (Eggerberg). I D . (3, 1114) gibt für Umlauf mehrere Bedeutungen, G R W B (23, 998 ff.) dazu einige mehr, G RICH- TING (1998, 209 s. v. Umlöüf) als zweite Bedeutung ‘ Umweg (schlechter L[ötschental]) ’ , dessen Deutung hier übernommen wird. Die Namen mit Lufu sind unter HL L UFU zu finden (cf. HL L UFU ). Löuwina Löuwina f. ‘ Rutschgebiet ’ mit verschiedenen Varianten ist zu schwdt. Lauwele n f. ‘ etwas (über einen Abhang) in die Tiefe gleitendes, stürzendes, von Massen von Erde, Schnee, Eis, Steinen usw.; Erd-, Schneerutsch, -sturz, bes. im Bergland und Hochgebirge ’ , ahd. lewina aus dem rom. vglat. rätorom. lavi(n)na, tess. luvina (neben slavina) (I D . 3, 1539 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 129) nennt als Formen neben Lowwena auch Lawiina, Löwännä, Lowwuna, Lobena, Löübinu, Loiwina, Löibinu, Lowwi oder Loiwinu und gibt als Deutung ‘ Lawine ’ . K LUGE / S EEBOLD ( 25 2012, 564) betont, dass älteres Laue, Lauene ‘ Wildbach, Bergsturz ’ in den oberdeutschen Mundarten weiterlebe. Auch Z INSLI (1946, 329) nennt als Deutungen “ Rüfen-, Lawinenhang ” , “ Rinnen ” und “ Schuttkegel ” . In den Flurnamen sind meistens Rinnen und Hänge gemeint, wo Schnee- und Erdrutsche möglich sind; in den Deutungen wird deswegen generell ‘ Rutschgebiet ’ gegeben. Dabei ist zu bedenken, dass das HL auch Siedlungen benennt (etwa t Lowwina als Dorfteil von Ried-Brig). Wenn jedoch von Grabu oder Zug die Rede ist, sind Lawinengräben und -züge gemeint. Die verschiedenen Formen gehen auf die Behandlung von -ouwim Walliserdeutschen zurück (vgl. R ÜBEL 1950, 4 u. SDS 1, 120 u. 122); geschriebene Belege weisen auch {auw} auf. Die betonte Silbe ist normalerweise die erste Silbe; in Namen, die nhd. beeinflusst sind, kann auch die zweite Silbe betont sein (Typ: La ’ vi: na). Das Verhältnis der kürzeren Form Löuwi / Lowwi usw. zur längeren Löuwina / Lowwina usw. kann hier nicht diskutiert werden; zu vermuten ist, dass die kürzere Form älter und gängiger ist, die längere dagegen schriftsprachlich beeinflusst wurde. Das HL ist in rund 390 Namen belegt. Wie schwierig die Zuweisung zu einer Namenform ist, zeigen exemplarisch die historischen Belege in Mörel: 1247 Loynon, 1400 Lowinon, 1440 Lowynon, 1440 Lowyne (Genitiv! ), 1558 die Louwinon, 1668 vff der Lauwenen, 1663 aúf der Loúwinen, 1684 aúff der Laúwinen, 1747 aúff der Lowinen usw. Das HL ist häufig als Simplex im Singular oder Plural belegt. Als Formen finden sich: Lauwenen (1715, Selkingen; 1744 Niederwald), Lauwinen (1698, Steg; Mörel und Geschinen mit wechselnden Schreibungen), t Lobena (Täsch), zer Lobenu (Zermatt), uf dr Loibinu (Ferden), zi Loiwinun (Blatten), t Loiwinä (Kippel), Louwinen (1549; Ernen), in der Lowinen (1531, Binn), Lobana (Täsch), Lowinon (1383 u. später, Glis), an der Lowinen (1719, Unterbäch), t Lowwene (Täsch), t Lowwine (Raron und andere), t Löuena (Fieschertal und andere), t Löuwena (Fiesch), t Löuwene (Münster und andere), t Löuwina (Bellwald und andere), uf der Löwwene (Reckingen), ze Löibinu (Saas Grund und andere), t Löüwina (Ried-Mörel; LT Läubina). Hingegen ist die Kurzform Lowwi (Eischoll, hist. auch Lauwi) als Simplex nur einmal belegt. Diminutive im Singular des Simplex sind jedoch nur zu dieser Kurzform belegt: Lauili (FLNK, Niedergesteln), im Lowwili (Stalden), ts Lowwili (Eggerberg, Simplon), ts Löueli (Fiesch, FLNK Löuweli, SK Lauweli). Attributive Adjektive zum HL sind vor allem vom Typ Ho(ch) in Holowina (Glis) in rund einem Dutzend Belegen, wobei meist ein hoch gelegener Lawinenzug gemeint ist. Daneben finden sich in den Alten Louwinen ‘ in den alten Rutschgebieten ’ (1560, Naters), ts Fälsch Lowwili ‘ das falsche (täuschende) kleine Rutschgebiet ’ (Simplon), Grielöuwene ‘ der grüne Lawinenzug ’ (Reckingen), t Indru Loiwinä ‘ die inneren Rutschgebiete ’ (Kippel), t Längi Löüwinu ‘ der lange Lawinenzug ’ (Gampel), an der Lengen Lowinen ‘ am langen Lawinenzug ’ (St. Niklaus), t Mittelloiwinä ‘ der mittlere Lawinenzug ’ (Blatten), t Ober Löuena ‘ das obere Rutschgebie ’ (Blitzingen und sieben andere), t Breit Löuena ‘ das breite Rutschgebiet ’ (Bellwald und drei andere), t Rot Lowwina ‘ das rote Rutschgebiet ’ (Eisten und fünf andere), Schmallowina ‘ das schmale Rutschgebiet ’ (Simplon und andere), die Schwarz Lowina ‘ das schwarze Rutschgebiet ’ (1498 u. später, Eisten), die Diirlouwinen ‘ das dürre (trockene) Rutschgebiet ’ (1552, Binn), in der Tou ᵛ ffun Lowinon ‘ im tiefen Rutschgebiet ’ (1400 Glis; 1388, Ried-Brig), t Uistru Loiwinä ‘ die äusseren Rutschgebiete ’ (Kippel), t Unner Löuena ‘ das untere Rutschgebiet ’ (Blitzingen und sechs andere), Wysun Louwina ‘ das weisse Rutschgebiet ’ (1323 u. später, Fieschertal und Fiesch). Mit attributiven Zahlwörtern erscheinen t Erscht, di Zweit und di Dritt Lowwina (alle Visperterminen) mit einer motivierenden Erzählung. Ein attributives Partizip ist belegt in t Schriijund Lowwina ‘ das wasserfallartige Rutschgebiet ’ (Zwischbergen), das zum HL S CHRÄÄJE - S CHREEJE zu stellen ist. Einen vorangestellten Genitiv findet man in ts Schwärisch Löüwina ‘ das Rutschgebiet der Familie Schwery ’ (Ried-Mörel); sonst liegen keine derartigen Konstruktionen vor. Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit anderen Lemmata belegt; am häufigsten ist t Harlowena ‘ die Schlammlawine ’ (Täsch), zer Horlöübinu ‘ bei der Schlammlawine ’ (Saas Grund) und weitere Belege, die Löuwina 143 144 <?page no="626"?> das HL H ORB ‘ Schlamm ’ aufweisen. In anderen Belegen kennzeichnen die Bestimmungswörter Bäume wie Aarblöüwinu ‘ der Lawinenzug bei den Arven ’ (Gampel), t Birchlöuene ‘ das Rutschgebiet im Bereich Birch ’ (Ritzingen), t Eschlowwi ‘ der Lawinenzug bei den Eschen ’ (Raron), iuxta der Hassolowinon ‘ neben dem Rutschgebiet bei den Haselstauden ’ (1374 u. später, Glis, 1400, Ried-Brig). Weitere HL sind: t Alplowi ‘ der Lawinenzug bei der Alp ’ (Raron), uf der Faldúmloibinu ‘ auf dem Rutschgebiet des Faldumbaches ’ (Ferden), Griinloiwina ‘ das Rutschgebiet beim Grin (wo umgehauene Baumstämme herumliegen) ’ (Blatten), t Iischlowwina ‘ das Rutschgebiet mit Eis ’ (Zwischbergen), die Kaarlowwena ‘ das Rutschgebiet beim Chaar (wohl: Karstgebiet) ’ (Randa), t Cheerlöuene ‘ das Rutschgebiet am Cheerbach ’ (Obergesteln) und viele andere. Schwierig sind mehrere Namen vom Typ t Mäslowwi (Mund), t Mäslowwina (Eisten, Staldenried), wo das HL M ÄSS unklar ist; es wurde hier als Ort, wo Milch gemessen wurde, umschrieben; verschiedene Mäslöüb wurden zum HL L ÖÜB ‘ Laub ’ gestellt, gehören aber wohl hieher (z. B. Saas Almagell); das Problem der Zuweisung von Löüb zu Lowwina ist vor allem dort vorhanden, wo letzteres als Löubina oder ähnlich erscheint. Komplexere Konstruktionen sind etwa: t Hinner Hosandlöüwi ‘ der Lawinenzug beim hinteren Hosand (hohes Sandgebiet) ’ (Ulrichen), t Hinner Grie Löwwene ‘ der hintere grüne Lawinenzug ’ (Reckingen), t Üsser Steilowwina ‘ das äussere Rutschgebiet mit Steinen ’ (Eisten). Häufig sind Komposita mit dem HL und seinen Varianten als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Acher, Bach, Bann, Biel, Bodu, Bord, Damm, Cheer, Egg(a), Fall, Flüö, Gadu, Gartu, Grabu, Haalta, Hooru, Matta, Mad, Räb-, Schiir, Schleif, Schluocht, Schlund, Schwung, Stock, Strich, Stutz, Suon, Tschugge, Verbüwung, Wald, Wang, Wanna, Wasser, Weid, Weri, Wild, Zü und Zug. Auch hier sind komplexere Bildungen leicht möglich: dr Gross Loiwin Bach ‘ der grosse Loiwinbach (Bach aus der Loiwina) ’ (Blatten), der Hinner Löwwischleif ‘ der hinter Schleif bei der Löuwene ’ (Reckingen), der Holöuenewang ‘ der Grashang beim hohen Lawinenzug ’ (Fieschertal), dr Chleilowinbachfall ‘ die Felswand / der Wasserfall des kleinen Baches in der Loiwina ’ (Blatten), t Horloiwingräbem ‘ die Gräben bei der Schlammlawine ’ (Blatten), der Ober Längulöüwinubodu ‘ der obere Teil des Bodens beim langen Lawinenzug ’ (Gampel), Breitlauihorn (Baltschieder) und Breitlauijoch (Baltschieder) und weitere mehr Eine seltene Appositionsform ist Kapällu ze Löübinu ‘ die Kapelle beim Weiler Ze Löubinu (beim Rutschgebiet) ’ (Saas Grund). Schwierig zu deuten ist t Löwiggene (Geschinen, LT Löuwiggene, FLNK Löuwieggene). Zu vermuten ist wohl, dass sich die Form aus Löwwi ‘ Erdrutsch ’ und Wieggi ‘ Erdlawine ’ gebildet hat, wobei das sog. B RANDSTETTERsche Gesetz die Verkürzung zu Wiggene erklärt. Keine gute Erklärung gibt es für den Beleg die Allowina (1547, Simplon), die im Kontext it. als fossale ‘ Graben ’ bezeichnet wird. Lowers Lowers ist vermutlich zu zwei sehr unterschiedlichen Quellen zu stellen. Im Beleg an Lowers Eggen (1623, Stalden) ist wohl ein PN oder FaN im Genitiv zum Flurnamen Lowi ‘ Rutschgebiet ’ gemeint; der volle Name ist als Lauwiner (AAWB 146) bekannt. Hingegen sind die Belege In Closo Lowers (1509, Agarn und Leuk), y Loveret (1594, Agarn), ov Loveres (1406, Salgesch) und ol Crous Loueres (1337, Agarn) wohl alle zu Loveresse (J ACCARD 1906, 242) zu stellen, das von T AGMANN (1946, 72) auf * LUPARICIA zurückgeführt wird, eine Ableitung von LUPU + - ARICIA ‘ endroit, où il y a des loups [Gebiet, wo es Wölfe hat] ’ , siehe auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 197). Lowesch Lowesch ist nur 1835 in Leuk als Lowesch Graaben belegt. Das Dokument stammt aus Turtmann; es ist nicht sicher, dass es sich um einen Namen aus Leuk handelt. Die Form legt jedoch eine frpr. Form Loèche oder Louèche für Leuk nahe. Der Graben wäre dann ein Kanal, der für die Leuker Bürger gebaut wurde. Es gibt in Gampel dr Landbordgrabu ‘ der Graben (Kanal) beim Landbord (Böschung aus Erde am Rotten) ’ , der - laut Beschreibung - für die Leuker Burgerlose gebaut wurde, damit Gampel sich kirchlich von Leuk lostrennen konnte. Dieser Graben ist wohl in Bratsch (Niedergampel) als der Leiggerbrabu ‘ der Graben der Leuker Bürger ’ bekannt (ohne Koordinaten), der sich beim Landbord befunden habe; der Name benennt einen Dammweg am rechten Rottenufer. Da die erste Rottenkorrektion erst 1863 - 64 stattfand, kann Lowesch Graaben sich auf einen Bewässerungskanal von Leuk beziehen. Loy Loy ist nur einmal im Singular 1328 in Ergisch als en loy dol chablo ‘ bei der Wasserlache des Schleifs ’ und zweimal als Plural es Loyes ‘ bei den Wasserlachen ’ (1320, Unterems; 1351 - 1365, Oberems) belegt. Zu stellen ist es laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 52) zu Loye, Louye, Loyetta ‘ flaque d ’ eau ’ , das nach H UBSCHMIED (1938, 54 f.) zu kelt. *lokwa ‘ See ’ zu stellen ist (vgl. D ELAMARRE 2003, 206 s. v. locu ‘ lac ’ ). Die Deutung zu laubja (anfrk.) ‘ laube ’ (FEW 16, 446 ff.), die auch von M EYER (1914, 166) angenommen wird, lehnen B OSSARD / C HAVAN (2006, 52) ab. Die Realprobe spricht aber eher für die Herkunft aus L AUBJA . 145 146 Loy <?page no="627"?> Lucen Lucen ist ein HL, das vermutlich aus mehreren Quellen stammt. Das Simplex zer Lúken (1743, Eggerberg) ist wohl zu schwdt. Lucke n ‘ Lücke ’ (I D . 3, 1255) (cf. HL L ICKA ) zu stellen; was für eine Lücke gemeint ist, geht aus der Quelle nicht hervor. Das Kompositum die Wolfflucen ‘ die Lücken, in denen Wölfe leben ’ (1552, Grengiols) ist wohl auch hier anzuschliessen, wohl vergleichbar mit dem belegten t Wouflecher ‘ die Wolflöcher ’ (Bellwald, Binn, beide mit / l/ -Vokalisierung). Der Beleg Luczen Lerch ‘ die Lärche des Lutz ’ (1401) enthält wohl einen PN Lutz (I D . 3, 1559) zum PN Ludwig, auch als FaN, der als Lutz im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1138 f.) für einen grossen Teil der Schweiz, nicht aber für das Wallis, belegt ist. Lüchren Lüchren ‘ Löcher ’ kommt vor in Niederwald: in den Lüchren (1529) und in den Lúcheren (1763). Der Flurname ist zu Loch zu stellen (cf. HL L OCH ). Ebenfalls hierzu gehört die Lu ᵉ cherflu ᵉ ‘ die Fluh mit Löchern ’ (1519, Törbel). Luck Luck ist ein unsicheres HL, das 1300 als jn dien Lukern belegt ist. Ein zweiter Beleg von 1399 in Naters hat in der Lueckmaton. Am nächsten kommt dem HL schwdt. Loch und wdt. Loch, Looch (Lötschtal) ‘ Loch, Vertiefung, Gefängnis ’ (I D . 3, 1016 ff.; G RICHTING 1998, 129) (cf. HLL L OCH und L ÜCHREN ). Die Formen mit / u/ und / k/ sind auch sonst historisch belegt (z. B. apud Katzenlukern (1299, Eisten s. v. Chatzulecher)). Die Bedeutung von Loch ist jeweils von Kontext abhängig. Ludi (PN) Ludi (PN) kommt nur in i Ludischweid ‘ in der Weide des Ludi ’ (Wiler) vor. Der FaN Ludi oder ähnlich ist im Oberwallis nicht geläufig; im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1127) ist er bodenständig nur für die Lenk und Meiringen (beide Kanton Bern) belegt. Vermutlich liegt der PN Ludi als Kurzform zu Ludwig vor (I D . 3, 1102; s. auch LUNB 1, 640 f.). Ludwig (PN) Der Personenname Ludwig erscheint einerseits in im Lúdwischgi ‘ im kleinen Gebiet des Ludwig ’ (1688, Grächen) und anderseits in t Ludwigsheeji ‘ die Ludwigshöhe (Grenzgipfel des Monte Rosa, benannt von Ludwig von Welden nach sich als Erstbesteiger) ’ (Zermatt) (vgl. VON W ELDEN 1824, 36; er spricht von seinem Namenspatron). Der FaN Ludwig ist laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1127 f.) an mehreren Orten in der Schweiz belegt, nicht aber im Wallis. Lüege Lüege ‘ schauen ’ ist ein Verb, das zu schwdt. luege n ‘ schauen, ansehen, betrachten ’ , mhd. luogen ‘ aufmerksam (aus dem Versteck luege, hervor? ) blicken ’ , wdt. lüege, lüegä (Goms), lüoge, lüegu (Mattertal), luägä (Lötschtal), lüöge (Saastal), lüogu oder lüägu ‘ schauen ’ (I D . 3, 1221 ff.; G RICHTING 1998, 130) zu stellen ist; es ist weit verbreitet (BENB 1, 3, 176 ff. mit Verweisen). In FlNN wird es in unseren Daten nicht in der Form Lueg, sondern vor allem in nominalen Ableitungen wie Lüegja - Liegja f. ‘ Aussichtsstelle ’ , die sich auf Luog-il-a (Stellenbezeichung nach S ONDEREGGER 1958, 517) mit anschliessender Palatalisierung des / l/ zu / j/ zurückführen lassen, gebraucht; in Komposita kann deswegen auch der Typ Lüegilerscheinen. Während die lebenden Belege palatalisierte oder umgelautete und später entrundete Diphthonge aufweisen, sind historisch Belege mit altem luogebenso zu finden wie schriftlich hdt. Formen vom Typ lug-. Umlaut und Entrundung ist dabei in den östlichen Bezirken Goms, Östlich-Raron und Brig vorherrschend; sonst der unumgelautete Typ mit Palatalisierung. Das HL kommt in etwa 60 Namen vor, wobei sich vor allem Namennester in Hohtenn, Niedergesteln und Steg herauskristallisieren. Das Simplex im Singular Liegja ‘ Aussichtsstelle ’ ist in Betten, Niederwald und Steinhaus bezeugt. Lüägju (Steg), Lüegja (Törbel), Lüegju (Niedergesteln), Lüogju (Oberems) und - historisch - in der Lu ᵕ ogien (1667, Unterbäch), in der Luegiun (1703, Raron) sind unumgelautete Formen. In Oberwald sind zwei Formen belegt: auf der Luegern (1718) und au ᵕ f der Lu ᵕ egenen (1824); unklar ist, ob die Form mit / r/ so ausgesprochen wurde; es ist, soweit erkennbar, die einzige. In Geschinen hat die SK Auf Lugen, das sonst nicht belegt ist. Ferden hat gar drei Formen: 1658 aúff der Lüeglen, 1832 Lu ᵕ ggien, 1850 Luogiun. Der Plural des Simplex ist als Liegje in Ried-Brig und Simplon belegt, als Lüogje in Bratsch (aber historisch mit mehrheitlich Singular-Belegen). Diminutive im Singular sind ts Liedji (Naters, laut historischen Belegen Liegia; vermutlich liegt beim lebenden Beleg eine Rückumbildung zu einem vermuteten *Lied ‘ Lied ’ vor), ts Lüegelti (Zermatt), ts Lüegji (Ausserberg) und ufum Lüögji (Zeneggen). Mit attributiven Adjektiven finden sich t Läz Liegja ‘ der schattseitige Teil der Aussichtsstelle ’ (Simplon) und an der Vndren Lu ͦ gÿon ‘ an der unteren Aussichtsstelle ’ (1497, Zermatt). Die übrigen Belege enthalten das HL meist in der Form Liegil oder Lüegil als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita. In einigen Fällen ist auch ein Diminutiv wie Lüegilti o. ä. vertreten. Die Grundwörter Lucen 147 148 <?page no="628"?> sind Bach, Biel, Bodu, Chi, Gassa, Egg(a), Hee (hooch, heej), Loch, Matta, Meiss, Räb-, Stei, Tschugge, Wäg, Wand und Wang. Einen Sonderfall bildet t Leilegga ‘ die Ecke bei der Aussichtsstelle ’ (Ried-Brig), historisch als Lüegel Egge belegt ist; es ist der einzige Fall mit der Tilgung des inlautenden / g/ ; es kann nur vermutet werden, dass die im Mhd. weit verbreitete Kontraktion / eg ǝ / zu / ei/ vorliegt (P AUL 25 2007, 137). Einen komplexen Fall bildet der historische Beleg von 1519 Beren Luog Tschuggen (Visperterminen), der wohl als ‘ Fels, von dem aus man Bären sehen kann ’ zu verstehen ist; andere Deutungen sind aber auch möglich. Eine Ableitung auf / - ERRA / für Wasserleitungen stellt t Lüegjerru ‘ die Wasserleitung von / zur Lüegju ’ (Hohtenn) dar, die auch mit Süe ‘ Suon ’ und Wasserleitu ‘ Wasserleitung ’ als Grundwörtern auftritt. Hierzu passt auch das historische Luoggÿrus ‘ die Wasserleitung von / zu der kleinen Aussichtsstelle ’ (1712, Oberems). Zu weiteren historischen Belegen vgl. HL L OEGYN . Luegeressi Luegeressi ist nur historisch in Leuk belegt, 1273 la luegeressi, 1346 en la luegeressi, 1524 en laz lugeressy. In allen drei Belegen ist ein Weinberg in diesem Gebiet genannt. Es handelt sich um eine Ableitung auf / - ARICIA / (vgl. T AGMANN 1946, 72 s. v. L OVERESCHI < *L UPARICIA ‘ der Ort, wo es Wölfe hatte ’ ; B OSSARD / C HAVAN 2006, 289). Das dazu gehörende Nomen ist in unserem Fall Lueg, dessen Auslaut nicht zu lupa ‘ Wölfin ’ passt; zwar kennt FEW (5, 482 s. v. lynx luchs) das Wort für das Tier aus dem Lateinisch-Griechischen, aber nur als Lehnwort. Dt. Luchs (FEW 16, 486) käme auch in Frage mit der mfrz. Form luche. Wir gehen davon aus, dass la luegeresse ‘ das Gebiet, in dem es Luchse / Wölfinnen gab ’ heisst, wobei wahrscheinlich auch das Wort für lupa ‘ Wölfin ’ eine Rolle spielt. Luf Luf ist nur 1766 in Zwischbergen als Sass de Luf ‘ der Wolfsstein ’ belegt. Luf ist dialektal als lupo ‘ Wolf ’ (LSI 3, 216 s. v. lüv; D EVOTO / O LI 2020, 1248 s. v. lupo) aufgeführt. Luft Luft ist nur in beim Lúfftkenel ‘ beim Kännel in der Luft ’ (1782, Mund) belegt. Es ist zu schwdt. Luft m. und wdt. Luft, Luftji f. hier ‘ Luftzug, -strömung, Wind ’ (I D . 3, 1157 ff.; G RICHTING 1998, 130) zu stellen. Vermutlich ist hier ein (Holz-)Kännel gemeint, der an senkrechten Felsen befestigt war. Lufu Lufu n. ist der ungedeutete Name einer Kleinsiedlung bei Niedergesteln. Belegt sind weiter ts Oberlufu (Niedergesteln) und das halb lateinische jn Jnferiori [unteren] Lufu ‘ im unteren Lufen ’ (1572, Niedergesteln). Als Komposita sind belegt t Lufualmei ‘ die Allmende bei (Ober-) Lufen ’ (Niedergesteln) und t Lufusüe ‘ die Wasserleite nach Lufen ’ (Niedergesteln). Historisch ist am Lúfen (1698 u. später, Eischoll), am obren Lúffen (1691, Eischoll) und t Lufusüe ‘ die Wasserleite nach Lufen ’ (Eischoll) belegt. Auch Raron kennt am Luffen (1741 u. später). Alle diese Belege betreffen das gleiche Gebiet auf der Nordseite des Rhonetales oberhalb von Niedergesteln, unterhalb von Eischoll. Isolierter sind zwei weitere Komposita: ts Luffu Stei (Törbel) und bis an den Luffonstein (1489, Mühlebach). Ob sie zum gleichen Lemma gehören, ist unklar. Die Deutung von Lufu ist sehr unsicher. Lautlich würde die alemannische Form des Präteritums des starken Verbums loufen ‘ laufen ’ (7. Ablautreihe) luffen lauten (P AUL 25 2007, 258), doch dürfte eine solche Form kaum für die Deutung in Frage kommen, trotz Lüff m ‘ in der Eile ’ (I D . 3, 1156), das entrundet zu Liff wird und für das Wallis belegt ist. I D . (2, 1254) kennt Luffenholz ‘ Art Balken oder Bretter, beim Häuserbau gebraucht ’ ohne weitere Angaben. Anders verhält es sich mit dem in Hérémence belegten louwa ‘ Wölfin ’ (FEW 5, 457 ff. s. v. l ŭ pus wolf), das hier überlebt haben könnte. Lufu wäre dann ein Ort, wo Wölfe lebten. Eine sichere Deutung kann jedoch nicht gegeben werden. Lugener Lugener ist nur belegt in der Lugenergrabe (Ulrichen) mit geschlossenem / u ̩ / . Auch wenn es sich um den FaN Luggen (AWWB 155; cf. HL L UGGEN (F A N)) handelt, wäre mindestens die Ortsangabe (in F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1134) nur für Ried-Brig und Termen belegt) sehr ungewöhnlich. AWWB (155) erwähnt aber eine nicht näher bekannte Familie in der Luggen, die hier eine Rolle spielen könnte. Die Deutung bleibt aber unsicher. Luggen (FaN) Luggen (FaN) ist ein FaN, der im AWWB auf de Lucca zurückgeführt wird, eine Familie am Brigerberg, die um 1520 aus Mailand eingewandert sein soll (AWWB 155). Vermutlich stammt aber der FaN eher von einem PN Ludwig. Belegt sind: der Lúggen Acker ‘ der Acker der Familie Luggen ’ (1793, Termen), an des Lúggen Bielti ‘ am kleinen Hügel der Familie Luggen ’ (1673, Ried-Brig), vnder Lugigo oder Eckertigo Haus ‘ unter dem Haus der Familie Luggen oder der Familie Eckert ’ (1742), ts Lü- 149 150 Luggen (FaN) <?page no="629"?> gisch Wildi ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Luggen ’ (Bitsch); es könnte hier auch ein PN Lukas gemeint sein. Wieweit das HL L UGENER hierher zu stellen ist, bleibt unsicher. Luggien Luggien ist nur historisch belegt. In Unterems erscheint 1798 in der Luggien. In Steg ist 1834 die Rede von zu ᵕ r Lu ᵕ ggienmau ᵕ ren ‘ bis zur Luggienmauer ’ . Und in Bratsch ist 1740 auf der Lúggien=Wasserleüthen ‘ auf der Luggien- Wasserleitung ’ belegt. Alle drei Belege stammen aus verhochdeutschten Texten und gehen vermutlich auf das sonst belegte Lüegja - Liegja ‘ Aussichtsstelle ’ zurück (cf. HL L ÜEGE ), das in Bratsch und Steg belegt ist. In Unterems ist das Lemma jedoch isoliert, dürfte sich aber von den andern Gemeinden nicht unterscheiden. Lugi Lugi f. ‘ Lüge ’ kommt nur einmal vor in ts Lugibächi ‘ der kleine Bach, der täuschend wenig Wasser führt ’ (Oberwald). Das HL ist zu schwdt. und wdt. Lugi ‘ Lüge ’ (I D . 3, 1219; G RICHTING 1998, 130) zu stellen. Luig Luig ist nur 1769 in Leuk als Luigacher Wäglein ‘ der kleine Weg zum Lueg-Acher ’ belegt. Während Acher und Wäglein wohl Gegenstücke zu Acher ‘ Acker ’ und Wägji ‘ kleiner Weg ’ sind, ist Luig unklar. Vermutlich liegt aber das Nomen Lueg ‘ Name von aussichtsreichen Orten ’ (vgl. HL L ÜEGE ) oder Lüeg, Lüog ‘ Pflege ’ (I D . 3, 1221; G RICHTING 1998, 130) zu Grunde. Die Form Luig ist allerdings für diese Gegend seltsam. Dennoch ist weder ein frpr., noch gar ein bairisches Etymon gemeint. Lukas (PN) Lukas (PN) ist ein PN (I D . 3, 1253), der nur in der Form ts Lükasch Binnelti ‘ der kleine Pflanzplatz des Lukas ’ (Grengiols) belegt ist. Laut Gwp. hiess ein früherer Besitzer des Gutes so. Lumasch Lumasch ist belegt als der Lumásch (Zwischbergen; FLNK Lumaschg). J ORDAN (2006, 340) kennt Lumáschg. Auf LT heisst der Grenzberg P.[izzo] L ’ Omasca, auf 1: 10000 Lumaschg, auf SK P zo l ’ Omo (wohl verhört? ). Unklar ist nicht nur der Name, sondern auch das anlautende / l/ als agglutinierter Artikel. In der Kletter-Literatur erscheint der Gipfelname nach LT als Pizzo L ’ Omasca. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt weder Lumaschg, noch Omasca. Eine Deutung ist darum nicht möglich. Lunggi Lunggi n. ist in Turtmann als ts Lunggi, die gleiche Flur in Eischoll als Lunggi (SK; 1717 am Lungi) belegt. ts Lunggi (Ergisch) liegt an einem andern Ort, es heisst auch Unner Alber. Historisch ist belegt Lungÿweg (1694, Turtmann) und lebend Lunggiwassärleitu ‘ die Wasserleitung zum Lunggi ’ (FLNK, Turtmann). Die historischen Belege zu Lunggi sind 1607 in den Lungginen, 1653 jm Lunskin, 1677 jm Lunggÿn, 1684 vom Lungÿ, 1690 am Lunggÿ usw. Ausser dem wohl verschriebenen Beleg von 1653 entsprechen alle dem lebenden Lunggi. Am nächstliegenden ist entweder ein Diminutiv zu schwdt. Lungge f. ‘ Lunge ’ und wdt. Lunga, Lunggä (Goms), Lunga, Lunggu ‘ Lunge ’ (I D . 3, 1342; G RICHTING 1998, 130) oder ein Diminutiv zu Lung ‘ Achsnagel, Pflock ’ (siehe unten) anzunehmen. URNB (2, 615) kennt ein historisches Lungi (Realp) und sieht als Motiv für Lungen-Namen die Steilheit (Anstrengung beim Aufwärtsgehen) oder ev. auch die Form des jeweiligen Geländeabschnitts; die Autoren schliessen einen Pflanzennamen nicht aus. BENB (1, 3, 183., s. v. Lung(e)) ist differenzierter und sieht u. a. schwdt. Lung ‘ Achsnagel, Pflock ’ (I D . 3, 1296 s. v. Lunn, als Lung auch für das Wallis belegt), schwdt. Lungge(n) ‘ Lunge ’ oder einen Pflanzennamen mit Lun(g)e(n). Pflanzennamen dieses Typs sind in unseren Daten nicht belegt. Die Deutung der belegten Namen deutet eher auf eine Herkunft von Lunge her, verbunden mit der Anstrengung, dorthin zu gelangen. Luniung Luniung ist nur 1654 in Naters als die L ŭ ni ŭ ngmatta ‘ die Wiese des Luniung ’ belegt. Vermutlich handelt es sich um einen Besitzer, vgl. HL L ONION . Dort ist die Flur Brig zugeordnet, was aber vermutlich unzutreffend ist. Naters ist gemeint, das auch hier erscheint. Der PN ist sonst nicht belegt. Ein Nomen Union (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 942) ist hier kaum gegeben. Lüntschi Lüntschi ist als ts Lüntschi ‘ das kleine, längliche Grundstück ’ (Inden, Salgesch) und ts Lunntschi ‘ das kleine, längliche Grundstück ’ (Leuk, FLNK Lüntschi) belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL nur in Lüntschicheer ‘ der Kehr (Strassenkehre) beim Lüntschi ’ (Inden, FLNK) vor. An allen drei Orten liegt die Flur nahe beim Ortskern. Historische Belege für das Simplex sind vor allem in Leuk und Salgesch gegeben. Leuk hat 1669 im Lúchtschi als Acker, 1677 und 1682 einen Garten im Lutschi, 1709 Luggien 151 152 <?page no="630"?> einen Garten und Weinberg jm Luntschi, 1717 ist wieder ein Garten im Luntschi belegt, 1733 ein Garten im Luschi, 1736 ein Weinberg im Lunzi und 1746 ein Weinberg im Fontanei vel [oder] Lunzi. In Salgesch ist 1730 ein Weinberg im Lunzi, 1767 ein Stück Wiese im Luntschi und 1795 ebenfalls eine Wiese im Lúntschi belegt. M ATHIER (2015, 32) gibt weitere historische Belege für Salgesch an: 1777 in Luschny (ohne Spezifikation), 1838 eine Wiese en Lutschy, 1845 im Lutschy anstossend an du Lutsche-Wasserleite und 1871 Lunschy Reben. Er führt Lüntschi in Salgesch auf lat. L Ŏ NGUS zurück und schildert den Flurnamen als Wasserleitung, die allerdings nur einmal erwähnt ist und wohl durch das gleichnamige Gebiet führte. Die heutige Form Lüntschi dürfte auf Grund der Palatalisierung eine Rundung des Vordervokals enthalten. Vermutlich ist das / n/ in älteren Belegen nur als nasaler Vokal wahrgenommen und deswegen nicht immer geschrieben worden. Dass lat. L Ŏ NGUS vorliegt, zeigen u. a. FEW (5, 406 ff.), M EYER (1914, 166) und T AGMANN (1946, 58); eine zu / u/ gehobene Form ist nach M ATHIER möglich und auch belegt (G ERSTER 1927, 48 für Montana). Dass die deutsche Form überall neutral erscheint, legt die Annahme nahe, dass auslautendes - TSCHI als Diminutiv verstanden wurde (vgl. SDS 3, 158 zum Diminutiv -(d/ t) schi). Ursprünglich scheint eher ein substantiviertes feminines Adjektiv zu Grunde zu liegen. Lüoji Lüoji ist nur belegt in t Lüojini und ze Lüojutschuggu (beide Staldenried). Z IMMERMANN (1968, 43 f.) kennt Lüoje für Staldenried und Törbel und stellt es zum Verb löje, liwe ‘ während oder nach der Arbeit ausruhen ’ (I D . 3, 1545). In unserer Datei weist Törbel Lüegja auf (cf. HL L ÜEGE ), ist also zu lüege ‘ schauen ’ zu stellen. Die Verbform liwe ‘ ausruhen ’ ist im unteren Deutschwallis zwar bekannt, für eine Form Lüoje müsste aber *L UOJE vorausgesetzt werden, was unwahrscheinlich ist. Im Fall von t Lüojini ist eher eine frühere Form Lüogjini anzusetzen ‘ die Orte mit schöner Aussicht ’ . Weniger klar ist ze Lüjotschuggu, aber auch hier nehmen wir eine ursprüngliche Form Lüogja an, die etwas mit der Aussicht zu tun hat (zu luege n ‘ sehen, schauen ’ (I D . 3, 1221)). Lurdes Lurdes ‘ Lourdes ’ ist nur einmal belegt in zum Lurdesstei ‘ beim Lourdes-Stein ’ (Saas Almagell). Ob sich dort eine Lourdes-Grotte oder eine Marienstatue befindet, ist unklar. Der Name Lourdes nimmt Bezug auf einen französischen Wallfahrtsort, wo 1858 Bernadette Soubirou Marien-Erscheinungen gesehen haben soll. Lurman (FaN) Lurman (FaN) ist nur 1527 in Ried-Mörel als Lurmans Acher ‘ der Acker der Familie Lurman ’ belegt. Der FaN Lurmann kommt nicht in den Wappenbüchern vor, ist aber im Register zu den HRBS als Lurman, Lurmann usw. mehrfach belegt. Lurtier Lurtier ‘ der Ort mit Nesseln ’ ist in Varen seit 1473 als en Lurtÿer belegt. Spätere Belege weichen etwas davon ab: 1491 eys de luères, 1559 de Lurtÿe (kurz zuvor en Lurtia), 1559 de Lurthier, 1559 gen Lurtier. Die letzten zwei Belege stammen aus einem Kopialbuch, sind also wohl jünger als die Jahrzahl angibt. Es handelt sich wohl um eine Ableitung auf / - ARIUM / zu lat. URTICA ‘ Brennessel ’ mit agglutiniertem Artikel l ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 80; FEW 14, 66 ff. s. v. Ŭ RT Ī CA nessel). Lurtingo (PN) Lurtingo (PN) ist nur belegt in apud Lurtingo Hùsser ‘ bei den Häusern der Leute des Lurto ’ (1342, Ernen). Es handelt sich wohl um einen schwachen Genitiv Plural einer kollektiven / - ING / -Ableitung zu einem PN Lurto oder ähnlich, der jedoch nicht belegt ist, auch nicht bei F ÖRSTEMANN . Lüs Lüs ist nur in ts Lüschrüt ‘ das Läuse-Kraut ’ (Täsch; auch 1: 10000 und FLNK Lüs Chrüt) belegt. Es ist zu schwdt. Lüszur Bezeichnung von Pflanzen, welche besonders gegen die Läuse der Haustiere angewendet werden (Sumpfläuskraut, Weisser Germer, Niesswurz, Läuserittersporn, Haarmoos, blauer Eisenhut) (I D . 3, 900; M ARZELL 1, 181 ff., 307ff, 3, 595 ff., 963 ff., 4, 1015 ff.; B ELLWALD 1956, 86) zu stellen. Genauer ist wohl P EDICULARIS VERTICILLATA ‘ Quirlblättriges Läusekrat ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 934) gemeint. Lusane Lusane ist nur 1685 in Albinen als in Lusane belegt. Es handelt sich um ein Stück Wiese, das sich laut Dokument im Gebiet des heutigen Tschingere (1294 signieres) befand. Da ältere historische Belege fehlen, ist eine Deutung nicht möglich. Luscha Luscha f. ist 1500 in Fiesch als Freÿd Luscha und im gleichen Jahr als das Leng Luschilty belegt. Es handelt sich wohl um das im I D . (3, 1461 f.) belegte Lüsch in der Bedeutung 2 b) unter Gibel (I D . 2, 97) als ‘ winkelförmiger Einschnitt ’ , ‘ Heueinwurf ’ (V. S CHMID 2003, 128 s. v. Lisch). R ÜBEL (1950, 44) merkt in Fn. 5 an, dass er das Nomen nur 153 154 Luscha <?page no="631"?> in Zeneggen mit weiblichem Genus vorgefunden habe. Formal ist das Nomen entrundet, was um 1500 in der Schreibung noch kaum erscheint. Die beiden Belege meinen wohl ein winkelförmiges Stück Land; im zweiten Fall langgezogen im Diminutiv. Zu Freyd vgl. HL F REYD . Lüschei Lüschei f. ist als t Lüschei (Salgesch) belegt. Die ältesten Belege haben 1589 a Lusche, 1628 ÿs Lusches, 1644 Ey Luschey. M ATHIER (2015, 109 f.) hat 1644 Ey Loschey und Ey Luschey usw. Er führt den Namen auf lat. * LACUSCELLUS ‘ kleiner See ’ zurück und bezieht sich dabei u. a. auf T AGMANN (1946, 10). Laut SK mäandrierte der Rotten in diesem Gebiet; er konnte auch einen Tümpel hinterlassen haben. Das feminine Genus erscheint bei M ATHIER erstmals 1845 in die Luschey. Ob dabei lautlich die Endung Ey für ‘ Aue ’ eine Rolle spielte, ist unklar. Luss Luss m. ‘ Los ’ ist zu schwdt. Luss m. ‘ durch das Los bestimmter Anteil an Grund und Boden; Flächenmass (1/ 3 Juchart) ’ (I D . 3, 1455) zu stellen. BENB (1, 3, 187 - 193) weist auch auf Luus ‘ Laus ’ und Luuss ‘ Ausschau halten ’ hin; in unseren Daten wären diese Lemmata palatalisiert zu / üü/ ; sie kommen deswegen nicht in Frage. Als alternative Form ist Los, Pl. Leesser verbreiteter (cf. HL L OS ). Geografisch auffällig ist, dass fast alle Belege aus dem Bezirk Goms stammen. Ausserhalb des Goms sind nur die Belege t Lusse ‘ die durch das Los bestimmten Anteile an Grund und Boden ’ (Randa) und der Luss ‘ der durch das Los bestimmte Anteil an Grund und Boden ’ (Zwischbergen); J ORDAN (2006, 222 und 230) kennt den Bachnamen Luss und seine Umgebung; gleichnamiges Luss auf S. 294 befindet sich an einem andern Ort und ist ziemlich sicher Luss zuzuschreiben (was auch J ORDAN (2006, 230 und 294) angibt). Im Goms weit verbreitet ist das Simplex der Luss (Bellwald, Ernen, Fiesch, Fieschertal, Geschinen), nur Ulrichen kennt das Feminin t Luss (aber 1467 am Luss). Dazu passt, dass Blitzingen t Lussa kennt (aber 1366 in den Lusse). Diese feminine Form scheint eine Rückbildung aus dem Plural t Lusse zu sein, der in Ausserbinn, Binn, Biel, Obergesteln, Oberwald und Reckingen vorkommt; in Reckingen jedoch als Singular des Feminins interpretiert wird. Historische Belege Lussen (Plural) finden sich in Geschinen, Ritzingen und Selkingen. Münster hat 1411 den Plural in dien Lussun. Zwei verschiedene Diminutive sind ts Lussji (Blitzingen) und das Lussli (1766, Oberwald). Attributive Adjektive weisen auf: t Ännre Lusse ‘ die jenseits gelegenen Lose ’ (Binn), der Gros Lu ᵕ s (1795, Oberwald), im Oberen Lu ᵕ ss (1832, Geschinen), den u ᵕ ntren Lu ᵕ s (Geschinen), t Vodre Lusse (Binn). Wohl ein ursprünglicher Genitiv eines FaN oder ein Lokalname liegt vor in im Taffiner Lúss (Oberwald); ähnlich ist wohl auch der Beleg der Frowigen Luss (1472, Oberwald) zum FaN Frauen (AWWB 99) zu beurteilen. Als Grundwort kommt Luss vor in der Brúnnen Lús ‘ das durch das Los zugeteilte Gebiet mit Quellen / Brunnen ’ (1754, Obergesteln) und in den Brúnnen Lússen (1718, Oberwald), sowie ts Ginterlus ‘ das durch das Los zugeteilte Gebiet beim Weiler Gintrigen ’ (Obergesteln); ob das Genus Neutrum vorliegt, ist unklar; es könnte sich auch um die Präposition ze handeln. Als Bestimmungswort kommt Luss in Lusenschnitta (1532, Fiesch) und im Lúsboden (1754, Fieschertal) vor. Wohl anders zu erklären sind die folgenden Namen: In Varen ist 1587 juxta saxa dÿ Luss belegt; vermutlich liegt hier ein frpr. Wort für frz. lac ‘ See ’ vor (T AGMANN 1946, 10), zu übersetzen also etwa als ‘ Seefluh ’ . Die Form Lusi n. (St. Niklaus) dürfte eher zum Nomen L ū si ‘ (altertümliche) Lampe ’ (I D . 3, 1456) zu stellen sein; gemeint ist wohl die Form des Geländes (heute bewaldet). Sehr unklar ist der Beleg im Laúsacker (1820, Bürchen); es liegt kaum das Lemma hdt. Laus vor, sondern eher eine hyperkorrekte Schreibung von Lusacher. Hier könnte das Lemma Luss gemeint sein; da weitere Kontexte fehlen, lässt sich das nicht entscheiden. Lutschen (PN) Lutschen (PN) ist vermutlich ein Genitiv zu einem PN oder FaN wie Lutz, der im Verzeichnis der Personennamen des FGA in Brig mehrfach belegt ist. Lutschen kommt zweimal vor in Lutschen Húss ‘ das Haus des Lutz ’ (1555, Visperterminen) und in aúf Lútschen Eggen ‘ auf der Ecke des Lutz ’ (1685, Raron). Letzterer Beleg könnte identisch sein mit Fluggschunegga ‘ die Ecke der Familie Fluggsch ’ (Raron) (cf. HL F LUGGSCH ). Lutsunner Lutsunner, ist nur belegt in Mund als ts Lutsunner; die Betonung liegt auf der zweiten Silbe. Der Artikel ist entweder neutrales ts ‘ das ’ oder die Präposition ze ‘ zu, bei ’ . Der Ort wird als ‘ Schafweide ’ beschrieben und befindet sich auf rund 2600 m unter dem Hofathoru im Gredetschtal. Der Name lässt sich kaum deuten. Die nächstliegende Annahme ist, dass ein Nomen wie Weid ‘ Weide ’ oder ähnlich erspart wurde. Der Name wäre dann aus lutz + unner zusammengesetzt; Lutz (I D . 3, 1569 zu Ludwig) ist als PN nur in Lutschen (Visperterminen) (cf. HL L UTSCHEN (PN)) belegt; es könnte sich also um die ‘ untere Weide des Lutz ’ handeln, doch ist das unsicher. Lüschei 155 156 <?page no="632"?> Lutte Lutte f ist nur 1390 in Termen auf dem Rosswald als in der Lvtte belegt. Dort muss sich, laut Dokument, auch ein Haus befunden haben. Eine erneute Lesung ergibt Lotte. / u/ müsste eigentlich einen Akzent oder eine Kennzeichnung eines Diphthongs enthalten haben; beides fehlt. I D . (3, 1512) kennt eine Nebenform Lutte n ‘ Kotlache, sumpfige Stelle ’ für Zürcher Oberland und Weinland und führt es fragend auf it. loto, luto ‘ Schlamm, Kot ’ zurück. Es handelt sich um ein älteres italienisches Wort (D EVOTO / O LI 2020, 1239 s. v. loto, 1250 s. v. luto). Im Italienischen ist das Wort maskulin; der Genuswechsel bleibt unklar. G R W B (12, 1209) kennt Lotte f. primär aus dem Bergbau als Kanal oder Röhre, um der Grube Luft zum Atmen zuzuführen oder Wasser abzuleiten; weitere Deutungen kommen kaum in Frage; auch dieser Beleg aus dem Bergbau ist unsicher. Es ist aber möglich, dass es auf dem Rosswald im 14. Jahrhundert Bergbau gab (vgl. R ÜEGG ET AL . 2017, 69 - 81 mit späteren Zeugnissen). Lüübe Lüübe ist als in t Lüübe (Albinen) belegt; M ATHIEU (2006, 13) hat Lüübä / In d Lüübä. Die ältesten Belege zeigen en la Luua (1640), en la Louwa (1653), in die Luwa (1685) usw. Es handelt sich um ein romanisches Etymon, das wohl zu lat. L Ŭ PUS ‘ Wolf ’ zu stellen ist (FEW 5, 457s.), also ‘ bei den Wölfinnen ’ . Die Entwicklung von / w/ zu / b/ ist in Albinen gut belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL in Lüübuwäg ‘ der Weg in die Lüübe (Wölfinnen) ’ vor (FLNK, Albinen). Lüüs Lüüs kommt in zwei Belegen als Bestimmungswort vor: t Lüüsegga (Törbel) und der Lüüstschuggo (Visperterminen), einmal auch in der Lötschentaler Lautung als Luisbiel (Blatten). I D . hat schwdt. L ū ss f. ‘ Lauer ’ , und l ū ss(e), l ū sse(n) ahd. l ū z ē n, mhd. l ū ssen ‘ lauern ’ (I D . 3, 1455). Die Deutung ‘ Lauer, lauern ’ setzt Jagd voraus, primär ist Lüüs aber wohl einfach als ‘ Ausschau ’ , ‘ Ausschau halten ’ zu verstehen: ‘ die Ecke, von der man Ausschau hält ’ , ‘ der Fels, von dem man Ausschau hält ’ , ‘ der Hügel, von dem man Ausschau hält ’ . Unklar ist der Lüüsett (Bellwald). Es könnte sich um eine / - ET / -Ableitung handeln (S ONDEREGGER 1958, 485 für maskuline Bildungen) mit der Deutung ‘ der Ort, von dem man Ausschau hält ’ . C. S CHMID (1969) erwähnt den Namen nicht. Lüüsga Lüüsga ‘ der Ort, an dem man auflauert ’ ist der Name einer Alpe in Naters. Der Name ist zum schwdt. lûsse n ‘ lauern ’ (I D . 3, 1455; G R W B 12, 363 s. v. lauszen) zu stellen. Es handelt sich um eine Nominalisierung zu einem in I D . nicht belegten lüüsge; hingegen ist schwdt. blinzge n (I D . 5, 126) und wdt. blinzge, blinzgä (Goms), blinzgu ‘ blinzeln ’ (G RICHTING 1998, 39) gut belegt. In Naters sind um den Namen der Alpe weiter belegt: Lüsgengrat ‘ der Grat oberhalb der Alpe Lüüsga ’ (SK, Naters), Lüsgersee ‘ der See auf der Alpe Lüüsga ’ (FLNK, Naters; 1: 10000 Lüsgasee) und Lüsgeru Scheenu Biel ‘ auf dem schönen Hügel der Leute von der Alpe Lüüsga ’ (FLNK, Naters; LT uf Lüsgeru Schenu Biel). In Glis ist der Lüüsgerwald ‘ der Wald beim Ort, wo man auflauert ’ (Glis; LT Lusgerwald ) belegt. Lüüter Lüüter ‘ lauter ’ wird als Adj. verwendet; es ist zu schwdt. l ū ter, wdt. lütter, lüttär (goms), luitr (Lötschtal), lüütär ‘ hell, klar, durchsichtig, durchscheinend ’ , von Grundstücken ‘ offen, nicht eingezäunt; freiliegend ’ , von Stellen im Gebirge, wo der Blick ungehindert in die Ferne und in die Tiefe geht ‘ schwindlig; beängstigend ’ , mhd. l ū ter (I D . 3, 1513 ff.; G RICHTING 1998, 130) zu stellen. Das Adjektiv wird in folgenden Konstruktionen verwendet: der Lüterbrunno ‘ die Quelle / der Brunnen mit lauterem Wasser ’ (Mund), der Lüüter Bodu ‘ der lautere (freiliegende) Boden ’ (Leukerbad), der Lüüter Cheer ‘ der lautere (helle) Kehr ’ (Blitzingen, Hohtenn) (gemeint ist eine Kurve mit weitem Ausblick), t Lüüter Flüo ‘ die lautere (freiliegende) Fluh ’ (Naters) (eine Fluh mit weiter Aussicht), der Lüüterwang ‘ der lautere (freiliegende) Grasabhang ’ (Naters, mehrfach). Die Bemerkung “ gefährlich ” beim Lüüterwang neben der Lüüter Flüo bezieht sich auf den Blick in die Tiefe, der beängstigend ist. Lux (PN) Lux (PN) ist nur 1607 als jn L ŭ x Boden ‘ im Boden des Lux ’ und 1655 ab ihrem Luxboden ‘ ab ihrem (d. h. ihnen gehörigen) Luxboden ’ (Binn) belegt. Lux ist eine Kurzform zum PN Lukas (I D . 3, 1254 f.) mit häufiger historischer Erwähnung von Lux. Lychen Lÿchen ist nur einmal als in den Lÿchen (1759, Bitsch) belegt. Aus dem Kontext und dem zusätzlich genannten die Lizÿ ‘ Schattenseite, Nordseite ’ (cf. HL L ITZI ) liesse sich am ehesten eine entrundete Form des Plurals zum HL L OCH , auch Luch ‘ Loch, Höhlung ’ (I D . 3, 1016 f.) annehmen, doch ist dieses HL im Plural sonst in der Form t Licher (Ferden) u. ä. vertreten. Eine sichere Deutung ist nicht möglich. Das Fremdwort Lichen ‘ Flechte ’ ist hier kaum gemeint. 157 158 Lychen <?page no="633"?> Lye Lye ist 1337 in Turtmann als zer Lye ‘ beim Ahorn ’ belegt. Oberems hat 1697 in den Lÿne, wobei M. S. auch Lÿen für möglich hält, also ‘ bei den Ahornen ’ . Beide Belege weisen deutsche Präpositionen auf. I D . (3, 1285) kennt dafür nur Lie n ‘ Spitzahorn (acer platanoides) ’ . L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 550) kennen die Pflanze für die ganze Schweiz, allerdings im Wallis nur selten, wo A CER CAMPESTRE und A CER PSEUDOPLATANUS häufiger sind. Ob allerdings die glarnerische Form Lie n hiefür herangezogen werden kann, bleibt unklar. Eventuell ist ein rom. lie (vermutlich zu leuga (kelt.) ‘ Meile ’ anzunehmen, oder gar ein lie, liez (S UTER , Noms de lieux de Suisse romande s. v. Liaisettes et al. zu glaise (Lehm, Ton)). Insgesamt bleiben die Namen unsicher. Lyebor Lyebor ist nur einmal 1333 in Albinen belegt als eys listes lyebor. Zu listes cf. HL L ISTES . lyebor wird von W. M ÜLLER (p. c.) als femininer Name interpretiert; Bor ist als PN Burga oder ähnlich zu verstehen. eys listes lyebor heisst dann ‘ das Bord der Burga ’ . Lyestinaschi Lyestinaschi ist nur 1269 als aqua (wohl: Bach) bezeichnet. Im gleichen Dokument wird auch Forcla de Conches (also wahrscheinlich: die Furka von Goms) genannt; das Dokument bezieht sich aber auf das ganze Wallis. Es ist bei G REMAUD (2, 139 f., Nr. 751) abgedruckt und enthält die Statuten, die vom Bischof und von den Bürgern von Sitten erlassen wurden. Auf S. 140 wird festgelegt, dass niemand als Gesellschafter von Händlern auftreten solle, von der Säule des Grossen St. Bernhard und von Octans (Ottans) aufwärts und vom Bach, der Lyestinaschi heisst, und von der Furka von Goms abwärts, noch irgendwoher aus dem Gebiet innerhalb der Herrschaft und dem Bezirk des Herrn Bischofs. Der Bach Lyestinaschi dient also hier der Abgrenzung des Herrschaftsgebietes des Bischofs. Wie J ORDAN (2006, 194) unter Gschtei ausführt, ist der it. Name dieses Ortes Lattinasca. Hier mündet die Laggina in die Doveria. J ORDAN (2006, 210 s. v. Laggiina) gibt die älteren Namen (Laquesson, Lagnesson) dieses Flusses, der “ die natürliche Grenze zur Lombardei ” gewesen sei. P H . K ALBERMATTER (p. c.) nimmt - auch deswegen - an, dass es sich bei Lyestinaschi um eine Verballhornung des älteren Bachnamens Laquesson handle. Wie diese Verballhornung zu Stande kam, entzieht sich unserer Kenntnis. Lye 159 160 <?page no="634"?> M Ma Ma ‘ Mann ’ m. ist zu schwdt. M ā n, M ā m., Dat. Sg. M ā ne, Pl. Männer, Menner, Manne n im Allgemeinen wie nhd. ‘ Mann ’ und wdt. Ma, Mangi (Goms) ‘ Mann ’ (I D . 4, 239 ff.; G RICHTING 1998, 131) zu stellen. Im Walliserdeutschen ist der Vokal kurz, darum das HL M A . Das schliessende / n/ erscheint in Diminutiven und (teilweise) obliquen Formen. Das Simplex Singular kommt nur im Diminutiv mim Mandji ‘ beim kleinen Steinmann ’ (Zwischbergen), ts Männli ‘ der kleine Steinmann ’ (Ulrichen) vor. Die Verwendung ist eine Kurzform ohne Stei n , das sonst gesetzt wird. Der Diminutiv Plural t Mandlini ‘ die kleinen Männer (die wie Steinmänner aussehen) ’ (Kippel) und t Männlini ‘ die stufenartigen kleinen Ebenen ’ (Steinhaus) erinnert an die Steinmännchen. Mit einem attributiven Adjektiv finden sich der Rot Ma ‘ der rote Mann (Fels, der einem Mann gleicht) ’ (Oberems) und - mit Zahlwort - bine Dri Mannlini ‘ bei den drei kleinen Steinmännern ’ (Gluringen) und ze Dri Manlini ‘ bei den drei kleinen Steinmännern ’ (Biel). Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita wie folgt belegt: ts Gattunmandli ‘ der kleine Mann (Fels) auf der Alpe Gattun ’ (Kippel), dr Läderma ‘ der Ledermann (Alpweide mit dunklen Felspartien) ’ (Fieschertal, wohl metaphorisch, kaum in der Bedeutung ‘ Lederstück an der Peitschenschlinge ’ (I D . 3, 725 mit Verweis auf 4, 267)), Spilman ‘ der Spielmann(acker) (unklar) ’ (1320, Ried-Brig, kaum FaN (beim Register HRBS ist aber ein Spillmann aus Zug erwähnt), eher ‘ Musikant, Schauspieler ’ , vgl. I D . 4, 279), zem Steimandli ‘ beim kleinen Steinmann ’ (Fiesch), Steimannjini ‘ die kleinen Steinmänner ’ (FLNK, Unterbäch), zem Steinmandli ‘ beim kleinen Steinmann ’ (Blatten). Das Steinmannli n. ist ein ‘ pyramidenförmig geschichteter Steinhaufen, der als Wegweiser auf den Schneefeldern der Alpenpässe dient ’ , Syn. Steinhirt, und es wurde ‘ als Zeichen der Besteigung einer Bergspitze von Bergsteigern, Touristen errichtet ’ (I D . 4, 280; I D . 2, 1649). In einigen Fällen kann auch eine Felsformation so heissen. Nicht verzeichnet sind hier FaN mit dem Grundwort Mann wie Achermann (FaN) und viele weitere. Komplexer ist ts Oigschtchummunmandli ‘ der kleine Steinmann in der Oigschtchumma (Mulde, die erst im August bestossen wird) ’ (Blatten, FLNK Oigschtchummunmandlin). Als Bestimmungswort kommt das HL vor allem im Typ Mamatt ‘ Mann-Mahd ’ vor. Es ist aus der Verkürzung des Wortes Mann und dem Grundwort Matt entstanden und bezeichnet eine Wiesenfläche, die ein Mann an einem Tag zu mähen vermag, dies sind im Wallis je nach Gelände 800 bis 900 Klafter (I D . 4, 73 f.; J ULEN ET AL . 1995, 233). Belegt sind jm Mamadt ‘ in der Mähwiese, die ein Mann in einem Tag mähen kann ’ (1653, St. Niklaus) und weitere fünf historische Belege, lebend ts Mamatt ‘ die Mähwiese, die ein Mann in einem Tag mähen kann ’ (Ausserberg, Zermatt). Nur einmal belegt ist jm Momat (1731, Brigerbad). Komplexer ist im Halb Mamatt ‘ in der Mähwiese, die ein Mann in einem halben Tag mähen kann ’ (1652 u. später, Guttet) und weitere fünf historisch belegte Gemeinden. Mit einem Adjektiv erscheint Affter Manmad ‘ die hintere Mähwiese, die ein Mann an einem Tag mähen kann ’ (1443, Zermatt). Vorangestellte Genitive zeigen jn Arnoldtz Jodrenn Mamatt ‘ in der Mähwiese des Joder Arnold, die ein Mann an einem Tag mähen kann ’ (1580, St. Niklaus), des Sippisch Momat ‘ die Mähwiese des Sippi / der Familie Sippen, die ein Mann an einem Tag mähen kann ’ (1761, Simplon), Struben Manmatt ‘ die Mähwiese der Familie Struben, die ein Mann an einem Tag mähen kann ’ (1495, Zermatt). Weiter tritt das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita auf: Acher, Bodu, Horu und Lee. Letzteres ist in I D . (3, 1238) als Mann(s)lehen n. mit der Bedeutung ‘ nur im Mannsstamm vererbliches Lehen ’ verzeichnet; C ARLEN (1967, 31) sagt, dass im Goms mit freies Mannlehen ein Lehen gegen eine Dienstleistung, nicht gegen Jahreszins gemeint war. Komplexere Konstruktionen sind der Mannliboderigg ‘ der Rücken oberhalb des Mannliboden (Boden mit Steinmann) ’ (Reckingen), Mannlibodenrügg ‘ der Rücken oberhalb des Mannliboden (Boden, wo ein Steinmann stand) ’ (SK, Ritzingen), die beiden Namen kennzeichen den gleichen Felsrücken, und das Drei=Männlein=Bord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) mit drei Steinmännern ’ (1596, Ulrichen), Drimännelibode ‘ der Boden oberhalb des Drimännelibord (Bord, wo drei Steinmänner standen) ’ (Obergesteln) und ts Drimännelibord ‘ das Bord (Abhang, Böschung), wo sich drei Steinmänner befanden ’ (Obergesteln). In einer weiteren Reihe von Belegen tritt das HL im vorangestellten Genitiv auf: Mandlischfurggu ‘ die Furgga (Pass) des Mandli (kleiner Mann, daneben Mannlihorn (auf LT Schwarzhorn)) ’ (Ferden), ts Manndjisch Matt ‘ die 161 162 Ma <?page no="635"?> Mähweise des kleinen Mannes (auch PN zu Hermann oder ähnlich`? ) ’ (Eggerberg), ts Mannotoli ‘ die kleine Mulde für die Mannen ’ (Ausserberg, laut Gwp. eine Schafweide im Baltschiedertal), zer Manstreichi ‘ bei der Tränke des Manz (PN) / des Mannes (? ) ’ (Kippel, unklar ob PN oder Genitiv von Ma), Mannuland ‘ das Land der Mannen ’ (FLNK, Embd; 1540 der Manno Land), die Manseggen ‘ die Ecke des Mannes ’ (1554 u. später, Visp; 1394 die Menschecca, wohl ein Adjektiv zu ahd. mennisk ‘ menschlich, männlich ’ ), Komplexere Genitive sind ts Chleinu Masch Weri ‘ des kleinen Mannes Wehrmauer (unklar, wer mit kleiner Mann gemeint ist; die Wehrmauer befindet sich am Glishorn; der “ Grossgraben ” heisst auf der Karte “ Holzgraben ” ) ’ (Glis), des Richen Mans Waldt ‘ der Wald des reichen Mannes ’ (1731, Zeneggen), Spilmansmattun ‘ die Matte des Spielmanns (Musikant) ’ (1310, Visperterminen), ts Spillmasch Brunn ‘ die Quelle / der Brunnen des Spielmanns (Musikant) ’ (Blatten), sowie eine Reihe von Genitiven des Typs Hauptmann, wo es sich um einen politischen Amtsträger, im Militär den Führer einer Kompanie oder einfach einen FaN handeln kann: in Haubt Mansacker ‘ im Acker des Hauptmanns / der Familie Hauptmann ’ (1703, Ried-Brig), des Haubtmanns Eggen ‘ die Ecke des Hauptmanns / der Familie Hauptmann ’ (1668, Brig), ts Höüpmasch Bodu ‘ des Hauptmanns Boden ’ (Stalden), ts Höüpmaschtäfuti ‘ der kleine Stafel des Hauptmanns / der Familie Hauptmann ’ (Fieschertal; falls Genitiv ist eine Assimilation der Endung anzunehmen), Höüpmesch Wang ‘ der Grasabhang des Hauptmanns / der Familie Hauptmann ’ (Binn), ohne Genitiv ist wohl bi Höüpmatisch ‘ beim Tisch des Hauptmanns (wohl metaphorisch: Felsplatte) ’ (Mund) zu analysieren. Ebenfalls mehrfach kommt der Typ Ofuma ‘ Ofenmann ’ vor: Ofumannjisch Loch ‘ die Höhle des kleinen Ofenmannes (der dort die Giltsteine holt) ’ (FLNK, Selkingen), des Ofenmansgraben ‘ der Graben des Ofenmannes (Gebiet, wo der Ofensetzer Ofensteine holte) ’ (1774, Naters), ohne Genitiv schliesslich ts Ofemannjiloch ‘ das Loch (Höhle) des kleinen Ofenmannes (der dort die Giltsteine holt) ’ (Blitzingen). Die wohl zum HL M A (genauer Mann-lîch ‘ das Bild des Menschen ’ ) zu stellenden Mälig, Mannlich, Aliich sind unter den HLL M ÄLIG und A LIICHJI gedeutet. Unklar ist Manschaal (FLNK, Erschmatt). Ob hier überhaupt ein Kompositum mit dem HL Ma vorliegt, ist unklar; darum wird das HL M ANSCHAAL gesondert behandelt. Mää Mää ist zum Verb schwdt. mä(i)je n , m ē (i)je n , maihe n , määhe n , määe n , wie nhd. ‘ mähen ’ , ahd. m ā jan, mhd. määjen, im Unterschied zu ‘ grasen ’ und wdt. määje, määjä (Goms), määju (Zermatt), meejen (Lötschtal), meeju ‘ mähen ’ (I D . 4, 135 f.; G RICHTING 1998, 131) zu stellen. Belegt ist es als t Määmatta ‘ die Mäh-Wiese (Wiese, die gemäht wurde) ’ (Baltschieder), Mee-Matta ‘ die Wiese, die gemäht wurde ’ (EK, Mund) und t Ubermäleesser ‘ die jenseits liegenden durch das Los zugeteilten Stücke Land, die gemäht wurden ’ (Gampel). Maader Maader m. ‘ Marder ’ ist zu wdt. Maader m., Maarder m., Maadri n., ahd. mardar, allgemein wie nhd. ‘ Marder ’ (G RICHTING 1998, 131; I D . 4, 395; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 601) zu stellen. Laut Gewährspersonen hatte die Familie Jossen in Mund den Beinamen t Maadrini. Mader kommt im Wallis auch als FaN vor (G REMAUD VS, 8, 402), allerdings für das untere Wallis (erwähnt ist Hérens). Das Simplex erscheint als ts Maader ‘ das Gebiet mit Mardern ’ (Ergisch). In ts Madrisch Drieschta ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Jossen mit dem Beinamen t Maadrini ’ (Mund) erscheint ein starker Genitiv. In allen anderen Fällen ist Maader Bestimmungswort zu den Grundwörtern Bodu, Falle, Hüs, Schleif und Weid. In Einzelfall lässt sich nicht immer entscheiden, ob das Tier oder ein FaN gemeint ist. Maal Maal n. ist als Flurname zu schwdt. M ā l n., ‘ Mal, Zeichen, Merkmal, Grenzmal ’ (I D . 4, 143; BENB 1, 3, 214) zu stellen; die Bedeutung ‘ Mahlzeit ’ oder ähnlich liegt kaum vor. G RICHTING (1998, 131) kennt nur Maalin (Lötschtal), Mali als ‘ Zeichnung ’ ; das von ihm ebenfalls erwähnte Maal, Meeli ‘ Mahl, Speise ’ (G RICHTING 1998, 131) spielt, wie erwähnt, kaum eine Rolle. Das Simplex ist im Singular nur historisch als im Mall ‘ beim Grenzzeichen ’ (1663 u. später, Bürchen; 1687 u. später, Zeneggen; in beiden auch Maal) belegt. Das Grundwort kommt zunächst im Typ Denkmal vor: bim Denkmal ‘ beim Denkmal (der Schlacht von Ulrichen) ’ (Obergesteln), bim Denkmal ‘ beim Denkmal (an vier verunglückte Soldaten) ’ (Grengiols), ts Dänkmaal ‘ das Denkmal (an die Schlacht bei Pfyn) ’ (Leuk), auf LT Pfyndenkmal, FLNK Pfydänkmal ‘ das Denkmal an die Schlacht bei Pfyn ’ (Leuk), bim Schawedenkmal ‘ bei Denkmal für den Flieger G. Chavez (1887 - 1910) ’ (Ried-Brig). Mit vorangestelltem Genitiv ts Tindelsch Denkmal ‘ das Denkmal für Tyndall (John Tyndall (1820 - 1893), irischer Physiker und Alpinist) ’ (Naters) (cf. HL D ENK -). Vermutlich der Familienname Theiler liegt in ts Ober und ts Under Teilärmaal ‘ das obere und das untere Grenzzeichen der Familie Theiler ’ (Ferden) vor. Allerdings ist die Familie im Lötschental sonst nicht erwähnt, Mää 163 164 <?page no="636"?> sodass auch das Merkzeichen einer Aufteilung gemeint sein kann. Unsicher ist ts (e)Rittmaal (Eisten, Saas-Balen) mit ts Ober (e)Rittmaal (Eisten), Unner Rittmaal (FLNK, Saas-Balen), Rittmalschleif (FLNK, Saas-Balen), ts Rittmaalsch Brunnu ‘ die Quelle / der Brunnen im Gebiet Rittmal ’ (Saas-Balen). BENB (1, 3, 214) kennt den Namen für Saanen, gibt aber keine Deutung von Ritt. Da Saanen nicht im Entrundungsgebiet liegt (vgl. SDS 1, 55 s. v.), liegt kaum Rigg ‘ Rücken ’ vor. Darum ist das in Unterbäch belegte ts (e)Riggmaal (Unterbäch) und Riggmalwald (FLNK, Unterbäch) kaum zu Rigg, sondern wohl auch zu Ritt ‘ Erdrutschgebiet ’ zu stellen (vgl. HL R ITT ); die Form Rigg kann als ‘ falsche ’ Wiederherstellung eines assimilierten Rippmaal (< Rittmaal) oder als volksetymologische Umdeutung verstanden werden. Im Allgemeinen heisst Rittmal dann einfach ‘ das Zeichen eines Erdrutsches ’ und nicht die in Saas-Balen erwähnte Sage von drei Rittern, die hier ein <Mahl> gehalten hätten. Maalesse Maalesse ‘ das Sumpfgebiet ’ ist nur als t Maalesse (Varen) belegt. Die Beschreibung sagt, es handle sich um einen teilweise überbauten Garten. Der Registerbelegt gibt Maressen an. Letzteres würde zum frz. marais ‘ Morast, Sumpf ’ passen, das laut FEW (15, 519 ff. s. v. marisk (anfrk.) sumpf) zu einem ursprünglich germanischen Wort zu stellen ist. Der Wechsel von / r/ zu / l/ (Liquidenwechsel) ist möglich, aber nur über das Register dokumentiert. B OSSARD / C HAVAN (2006, 74) verweisen s. v. Marais darauf; in Varen liegt wohl ein Plural vor. Das bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 134) erwähnte Malessert kommt kaum in Frage, da dort alle Belege ein auslautendes / r/ enthalten. Maarful Maarful m., ist zu schwdt. Marfel m. ‘ Marmor ’ und ‘ kleine (Glas)kugel zum Spielen, Marbel ’ , mhd. *marwel, sowie wdt. Maarfl m. Varianten ‘ Murmel, Kügelchen ’ (I D . 4, 399; G RICHTING 1998, 131) zu stellen. Belegt ist als Kollektivum ts Maarfi ‘ das Gebiet mit kugelförmigen Hügeln ’ (Bellwald; LT und FLNK Marfi). Als Bestimmungswort findet das HL sich in ts Maarfulbodi ‘ der kleine Boden, wo man mit Murmeln spielen kann ’ (Zwischbergen) und im historisch belegten zu ᵕ m Marfillenstein ‘ zum Marmelstein (Stein aus Marmor) ’ (1642, Zwischbergen), sowie Marfulplatzji ‘ der kleine Platz, wo man mit Murmeln spielen kann ’ (Birgisch). Maarisse Maarisse pl. ist die lebende Form; sie kommt in Leukerbad als t Obri und t Undri Marisse vor; R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 19 und Blatt 10, Nr. 34) kennt die Namen. Das Gebiet ist heute überbaut, daneben befinden sich aber klar erkennbare Sumpfgebiete. Die historischen Belege in Mareschjis (1610) und v Maresse (1680) verweisen auf frpr. Herkunft. Zu stellen ist das HL zu afrpr. *maré > le mares > les mares, les maret ‘ sumpfiges Land ’ , Pl. Maarisse aus afrz. maresche oder maresse ‘ Sumpf ’ (M URET , Bulletin G PSR 1912, 3, 53 und 69). Der Name kommt als Appellativ im Wallis weiterhin vor, in der Region Leuk hat er vor seiner Übernahme ins Alemannische den für das romanische Wallis typischen Lautwandel / -sc-/ > / *-st š -/ > / -s-/ mitgemacht. Neben den Flurnamen in Leukerbad sind als Simplizia belegt: t Mare ‘ die Sumpfgebiete ’ (Salgesch; T AGMANN Ms. 64 - 66; M ATHIER 2015, 104 s. v. Marä, mit teilweise anderen historischen Belegen), historisch seit 1281 es Mares (Leuk, später auch andere Formen), 1337 eys Maresches (Leuk), Marässe (FLNK, Varen). Lebend kommt es vor in t Marina ‘ in den Sumpfgebieten ’ (Albinen, M ATHIEU 2006, 38 f.); die Betonung auf der ersten Silbe zeigt, dass es sich um einen Plural zum Singular t Mare handelt. Ein nachgestelltes Nomen mit Präposition de zeigt in Marechjis de Finioz ‘ in den Sumpfgebieten von Pfyn ’ (1563, Leuk). Nachgestelltes HL mit Präposition dagegen haben v Clou dÿ Marest ‘ im umzäunten Gebiet mit Sumpf ’ (1681, Salgesch) und in Pede dou Mares ‘ am Fuss des Sumpfgebietes ’ (1353 u. später, Salgesch). Als Bestimmungswort findet sich das HL in Marenweg ‘ der Weg von / zu den Maren (Sumpfgebiet) ’ (1660, Leuk), der Marigrabu ‘ der Graben beim Sumpfgebiet ’ (Salgesch; M ATHIER 2015, 104 kennt den Namen). Insgesamt ist nicht immer sicher, ob der Flurname tatsächlich zum HL gehört. HL M AALESSE ist mit dem HL verwandt. Määrjela Määrjela f. ist zu zwei verschiedenen Quellen zu stellen. Unproblematisch ist der Beleg Zantmärjelebieu ‘ der Hügel der Heiligen Maria ’ (Binn, SK Marienbiel, LT Zantmärjelebiel, FLNK Santmärielebiel), wo der PN Maria als Märjele erscheint. Schwieriger ist der Flurname Määrjela. Es gibt in Betten, Fieschertal und Lax drei verschiedene Orte, die Määrjela heissen; dazu kommt historisch Martisberg, wo 1736 Märielen und 1747 die Meriela belegt sind. Für Fieschertal gibt es früheste Beleg von 1510 jm Mergilan, 1593 die ku ͦ len Ma ᵉ rgilen, 16? ? , Merielen; ein Beleg von 1595 betrifft eine Wasserleitung, die schon 1592 als die Ma ᵉ rgill Wasserleitten, 1689 die Meriell Wasserleÿtten (Fieschertal) erscheint. Fraglich ist, ob das / g/ in den frühesten Belegen eine blosse Schreibvariante ist (inlautendes / j/ wird im Alemannischen häufig als / g/ ge- 165 166 Määrjela <?page no="637"?> schrieben (P AUL 25 2207, 40)), oder ob es als ursprünglich anzusetzen ist. Letzteres nimmt G UEX (1976, 63) an, der laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 63 s. v. Murgier) Määrjela auf frpr. murgère < lat. MURICARIUM ‘ tas de pierres ’ zurückführt. Dagegen gibt es zwei Einwände: zum einen ist die Gegend im östlichen Oberwallis kaum direkt mit den späteren frpr. Patois im Kontakt gewesen; zum andern haben schon die frühesten Belege klarerweise ein / e/ oder / ä/ ; vor allem das überoffene / ä/ , das heute in allen Namen vorhanden ist, lässt sich nur schwer aus dem vorgeschlagenen Etymon erklären. Die Form des Namens findet sich seltsamerweise als Peter-Märje(la)n (I D . 4, 356) in der Bedeutung ‘ Trompete blasen, spec. am Feste des hl. Valentin ’ mit dem Hinweis, es handle sich um eine Neckerei auf die Bewohner des Goms. Zurückgeführt wird der Name auf den PN Maria. Trotz der lautlichen Ähnlichkeit scheint aber diese Deutung eher unwahrscheinlich zu sein. Ob es sich um eine Ableitung zum HL M ÄÄRE ‘ Mähre, Stute ’ handelt, ist unklar. In Frage käme ein Diminutiv vom Typ ‘ das Füllen ’ und Määrjela wäre dann etwa ‘ die Füllen-Weide ’ . Diese Deutung ist jedoch sehr spekulativ, weswegen wir Määrjela nicht zum HL M ÄÄRA stellen. Dennoch liegt hier die nächstliegende Deutung vor. Neben den Simplizia und der Wasserleitung sind belegt: Märjelesee ‘ der See bei der Märjela ’ (Fieschertal), der Märjelewang ‘ der Grasabhang bei der Märjela ’ (Fieschertal), Märjelewäg ‘ der Weg von / zur Määrjela ’ (FLNK, Betten) und Märjeluwäg ‘ der Weg von / zur Märjela ’ (Ried-Mörel). Auf der heutigen LT sind neu die Namen Märjelenseen und Märjelen-Stausee (Fieschertal; früher Vordersee) vertreten. Maartig (FaN) Maartig (FaN) ist zum FaN Martig (AWWB 161) zu stellen. Das HL kommt vor als starker vorangestellter Genitiv Singular in ts Martigsch Acher ‘ der Acker der Familie Martig ’ (Eggerberg) und als schwacher Genitiv Plural: z Martigo Haúss ‘ das Haus der Familie Martig ’ (1615, Ausserberg), in Martigo Ledi ‘ am Ladeplatz der Familie Martig ’ (1725, Ried-Brig) und in Martigo Wald ‘ der Wald der Familie Martig ’ (Glis) im Genitiv Plural. Die übrigen Belege sind Komposita mit Maartig als Bestimmungswort: der Maartigwald ‘ der Wald der Familie Martig ’ (Eggerberg, Eyholz) und t Maartigweidu ‘ die Weiden der Familie Martig ’ (Gampel). Nur Maartisch ist in ts Maartisch Land ‘ das Land des Martins / der Familie Martin ’ belegt; der historische Beleg von 1785 hat Martigs Landt. Und der Beleg von 1785 hat an Martig Land Rúss ‘ an der Wasserfuhr beim Land der Familie Martig ’ (1785, Eggerberg). Maartin (PN) Maartin (PN), auch Maarti ist zum Taufnamen Martin oder zu FaN Marti, Marty, im romanischen Wallis Martin (AWWB 161) zu stellen. In einigen Fällen ist auch der Heilige Martin gemeint. Der FaN Martig (AWWB 161) ist wohl eine kollektive / - IG / -Ableitung zu Maartin, doch ist ihr ein eigenes HL zugewiesen worden. Da auslautendes / n/ (ausser im Lötschental) getilgt wird, erscheint die Form häufig als Maarti. Romanische Namen können auch Marting aufweisen. In lat. Texten wird Martini im Genitiv Singular gebraucht. Das Simplex Martin ist nur 1566 in Mund als jm Martin ‘ im Gut des Martin / der Familie Marti(n) ’ belegt. Vermutlich gehört aber auch Marting ‘ das Gut des Martin / der Familie Martin ’ (Zwischbergen) hierzu. Ein Genitiv des Singulars ist in Martis ‘ im Gut des Martin ’ (1691, Turtmann) belegt. Unklar ist der Plural t Marte (Inden), das u. U. auch zu frz. marteau ‘ Hammer ’ (FEW 6, 1, 308 s. v. marc ŭ lus hammer) gestellt werden könnte; da historische Belege fehlen, bleibt das Spekulation. Der Plural t Maartine ‘ die Gebiete des Martin / der Familie Martin ’ (Baltschieder) gehört hieher, wie auch Martinon ‘ die Alpe des Martin / der Familie Martin ’ (1424, Eggerberg). Vorangestellte Genitive vom Typ Martis oder Martisch sind häufig: Maartischegga (Wiler), Maartischeiu (Turtmann), Maartischerb (Ergisch), Maartischgrabem (Ferden), Martins Brúnnen (1860, Steg), z Martins Mettiltin (1570, Lalden), ts Maartisch Arsch (Binn), ts Martisch Bach (Visperterminen), ts Martischbiäl (Kippel), ts Martischbiel (Ried-Mörel), ts Martischbrunnu (Betten), ts Martisch Chumma (Simplon), t Martischegga (Bister, Grengiols), d Martisch Erb (1682, Turtmann), ts Martisch Hitta (Lax), ts Martisch Land (Eggerberg), in Martischmatten (1676, Binn), ts Martisch Matte (Grengiols), Martischpletschu (FLNK, Hohtenn), ts Martisch Wasu (Betten), in Martis Feldt (1722, Ernen), Martiswald (1298 u. später, Saastal; 1527, Stalden; 1309, Eisten). Der Gemeindename Martischbärg (Martisberg) versammelt ein Namennest um sich: in alpe illorum de Martis ‘ auf der Alpe derer von Martisberg ’ (1648, Martisberg), Martisbergeralp, Martisbergero Ort, Martissberger Wasserleütten ‘ die Wasserleitung von Martisberg ’ , t Martischbärgeri ‘ die Wasserleitung von Martisberg ’ (Fiesch), Martisbergeren ‘ die Wasserleitung von Martisberg ’ (1580, Lax). Einen Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung hat zuo Martingo Milin ‘ bei der Mühle der Familie Martin ’ (1525, Baltschieder). Der FaN ohne Genitiv ist selten: dr Martibiäl ‘ der Hügel des Martin ’ (Ferden), Martibiel ‘ der Hügel des Martin ’ (Kippel), t Maartischipfa ‘ der Unterschlupf bei der Alpe des Martin ’ (Baltschieder). Maartig (FaN) 167 168 <?page no="638"?> Komplexer sind Amman Martis-Boden ‘ der Boden des Ammanns Marti ’ (1780, Biel), ts Martilaggersch Balma ‘ der überhängende Fels des Martin Lagger ’ (Naters), t Maartibiälsiänä ‘ die Wasserleitungen, die vom Hügel des Martin her führen ’ (Ferden). Bei den ursprünglich romanischen Namen ist der PN nachgestellt: lo bez domini Martini ‘ die Wasserleitung des Herrn Martin ’ (1353, Salgesch), t Bismerting ‘ die Wasserleitung des Herrn Martin ’ (Salgesch), ov clous Martin ‘ das eingefriedete Gut des Martin ’ (1440 u. später, Varen), en laz combaz Martyn ‘ in den Mulden des Martin ’ (1544 u. später, Varen), später Gomarting (Varen), in t Glümarte ‘ das eingefriedete Gut des Martin ’ (Salgesch, vgl. auch M ATHIER (2015, 108) zu Glümarting), ov lomarting ‘ beim Gut des Martin ’ (1579, Salgesch), wobei lo wohl ein Artikel ist, der als solcher nicht mehr erkannt wurde. Eine Ableitung auf / - IÈRE / (< lat. ARIA ) enthält t Martiniere ‘ das Gut des Martin ’ (Salgesch, vgl. auch M ATHIER (20015, 119)) und in d ’ Martiniere (1707, Varen) mit gleicher Bedeutung. Die Belege den Heiligen Martin betreffend sind: Sanct Martini Platz ‘ der Platz vor der Kirche des Hl. Martin ’ (Visp), jm Zanemartiÿ ‘ beim Heiligen Martin ’ (1829, Salgesch), Zanmaartisch Bletschu ‘ die Ebene des Hl. Martin ’ (Steg), Zant Maartisch Brunnu ‘ die Quelle / der Brunnen des Hl. Martin ’ (Leuk) und Zant Martisch Brunne ‘ die Quelle / der Brunnen des Hl. Martin ’ (Oberwald). Soweit Heiligtümer nicht belegt sind, spielen wohl ältere Bildstöcke eine Rolle. Im Fall von Zanmaartisch Bletschu liegt wohl eine fromme Überlieferung für das heutige Martischpletschu (FLNK, Hohtenn) (G. I MBODEN , p. c.) vor. Määrwig Määrwig ‘ mürbes Gestein ’ m. ist als Gipfelname (Wiler) Zentrum eines Namennestes mit Määrwiggletscher, Määrwiggrat, Määrwiglicka und Määrwiglift (Skilift); LT kennt Märwig als Ausgangspunkt des Skiliftes. Auf bernischer Seite ist ein Märbegg belegt (BENB 1, 3, 225 f. s. v. Märb). Die Wiler Form scheint eine maskuline / - IG / - Ableitung zum Adj. schwdt. marw, ahd. marawi, mhd. mar(-wes) ‘ mürbe, zart, fein, weich ’ , wdt. määrw, määrb ‘ weich, frisch ’ (G RICHTING 1998, 132) zu sein; in FlN im übertragenen Sinn für die Beschaffenheit des Gesteins (I D . 4, 430; H UBSCHMIED 1940, 40) gebraucht. Die Berner Form Märbegg f. ist dagegen ein Kompositum mit dem Grundwort Egg. Ob eine der beiden Formen als Grundlage für die andere dient, ist unklar, doch spricht das unterschiedliche Genus dagegen (s. auch BENB 1, 3, 226). Mabiljong (FaN) Mabiljong (FaN) ist in Albinen als Mabiljong (auch FLNK und LT) belegt. M ATHIEU (2006, 31) enthält den Namen Mabiljong. Er ist zum FaN Mabillard, urkundlich auch Mabillon, Mabyly, Mabillyn, Mabilliard, Mabilar, Mabillar, abgeleitet vom PN Mabilia, Mabilie (AWWB 156) zu stellen und als ‘ das Gut der Familie Mabillon ’ zu deuten. Mabillarsa Mabillarsa ist nur einmal 1346 in Salgesch als Wiese ‘ das Grundstück der Familie Mabillard ’ erwähnt. Es handelt sich um eine Wiese der Familie Mabillard (AWWB 156), die im angrenzenden unteren Teil des Wallis belegt ist (vgl. auch M EYER 1914, 167 s. v. eys mabillars) und HL M ABILJONG . Die Endung - SA scheint der dt. / - SCHA / - SCHU / ‘ das Grundstück des X ’ zu entsprechen. Macherel (FaN) Macherel (FaN) ist als Mascherel (1340 u. später, Agarn) belegt. Es kommt weiter als en Macherel (1492, Leuk) und apud (lat. bei) Macherel (1353, Albinen), sowie in SK Mascherel Wald (Leukerbad cf. HL M ASCHERI ) vor. In allen Fällen dürfte es sich um den FaN M ACHEREL (AWWB 164) handeln; cf. HL M ASCHERI für weitere Hinweise. Mack Mack ist nur zweimal in Bürchen belegt: 1632 als Z ’ Mack, 1774 als zu Mak (wobei laut M. S. die Lesung unsicher ist, Madt ist eine weitere Möglichkeit). Im ersten Dokument ist als Lage jm Muracher angegeben, das als ts Mürächru heute ein Weiler von Bürchen ist (vgl. dazu G ATTLEN 2007, 50 ff.). Es dürfte sich um die Agglutination des / m/ von zum an Acke m., auch Äcken ‘ (Bed 2.) ‘ kleine Erhöhung des Bodens auf einem Wege, holperig ’’ (I D . 1, 164) handeln. Die Wiese wurde als holprig bezeichnet. Macugnaga Macugnaga ist der Name einer Walser-Siedlung auf der südlichen Seite des Monte-Moro-Passes. Bisher wurde der Ortsname Macugnaga, deutsch Makaná, nicht gedeutet (Z INSLI 1984, 86 f., urkundliche Belege siehe bei Z INSLI 1984, 293). Die Leute aus Macugnaga werden von der Saaser Bevölkerung Magunär genannt. Belegt ist nur t Magunärufet ‘ die Felsbänder der Leute von Macugnaga / Richtung Macugnaga ’ (Saas-Almagell). Magunäru ist ein Genitiv Plural und meint entweder die Leute von Macugnaga oder ein Gebiet in Richtung von Macugnaga. Eine Deutung des Ortsnamens ist nicht möglich. Mad Mad, ts ‘ das Mähen, das zu Mähende ’ (in den Deutungen ‘ Mähwiese ’ ) ist zu schwdt. Mad n., mit Auslautverhär- 169 170 Mad <?page no="639"?> tung Mat(t), besonders im 2. Glied von FlN, Pl. Mäder, Meder ‘ Boden, wo das Gras gemäht und gedörrt wird, im Gegensatz zur Weide, wo man es abweiden lässt, aber auch im Gegensatz zum eigentlichen, kultivierten Wiesland, Wiesenfläche ’ , mhd. m ă d, mit kurzem a, das oft sekundär gedehnt wird, Mad und Heu(w)mad ‘ magere, des Jahrs nur einmal gemähte, nie gedüngte Wiese an den untersten Bergabhängen ’ zu stellen. Mad ist auch Name eines Flächenmasses (I D . 4, 71 ff.; Z INSLI 1984, 575; S ONDEREGGER 1958, 241). G RICHTING (1998, 132) kennt nur Mad, Mada (Mattertal), Maad f. ‘ die Mahd ’ , aber nicht das Neutrum; W IPF (1910, 109) nennt Mado m. ‘ Mahd, Schwade ’ neben Matta ‘ Wiese ’ . Als Bestimmungswort ist Mad nicht klar von Matt(a) zu unterscheiden; wenn klarerweise ein Beleg mit Matta zu finden ist, wird das Kompositum zu Matta gestellt, vgl. t Wiichelmattfura (Zermatt) zum Dorfteil ts Wiichelmattu ‘ bei der Winkelwiese ’ ; wenn hingegen Mad belegt ist, wird das Kompositum zu Mad gestellt, vgl. Blüomattbach zu Blüomatt ‘ die blühende Mähwiese ’ (Oberems). R ÜBEL (1950, 66) kennt weiter zwar Mattland, scheint es aber nur als Matta ‘ Wiese ’ zu verstehen. Das HL kommt in gut 300 Namen vor. Das Simplex im Singular ist als üfem Mad ‘ auf der Mähwiese ’ (Obergesteln), in ts Mad ‘ in die Mähwiese ’ (Simplon), ts Matt (Bitsch und rund fünzehn weitere Gemeinden, einige auch historisch, die meisten im Goms, dazu Östlich-Raron, Brig und Visp) belegt. Der Plural des Simplex ist als t Meder (Bitsch und vier weitere, zwei historisch), zun Medero (1731, Unterems) belegt. Die Form Mäder ist als Simplex nicht belegt, kommt aber in Komposita (Baltschieder, Ried-Brig) vor. Das hyperkorrekte die Möder (1684, Ried-Mörel) ist einmal bezeugt. Ein Diminutiv im Singular ist ts Medji ‘ die kleine Mähwiese ’ (St. Niklaus, zwei Belege). Vermutlich ein Diminutiv im Plural ist in in den Mädinen ‘ in den kleinen Mähwiesen ’ (1869, Feschel) belegt. Attributive Adjektive zum HL sind: am Andrun Matt ‘ an der andern / jenseitigen Mähwiese ’ (1550, Bitsch), wo Andrun auch verschrieben für Ändrun stehen kann, ts Ärenschtlich Matt ‘ die ernstliche, gefährliche Mähwiese ’ (Binn), Alte Meder ‘ die alten Mähwiesen ’ (1714, Binn), an dem Alten Mad ‘ an der alten Mähwiese ’ (1368, Fiesch), ts Beesch Mad ‘ die böse Mähwiese ’ (Ausserbinn), die Beeschun Meder ‘ die bösen Mähwiesen ’ (Blatten, zwei Belege), in Bösmat ‘ in der bösen Mähwiese ’ (1790, Binn), ts Churz Mad ‘ die kurze Mähwiese ’ (Simplon), ts Din Mad ‘ die dünne Mähwiese ’ (Wiler), am Dirren Madt ‘ an der dürren Mähwiese ’ (1686 u. später, Blatten), di Dirrun Meder ‘ die dürren Mähwiesen ’ (Blatten), di Driiu Meder ‘ die Mähwiese, die von drei Männern bis Mittag gemäht werden können ’ (Simplon, nach Gwp.), im Gmeinen Metje ‘ in der kleinen Mähwiese mit Viehfutter, die der Gemeinde gehört ’ (1781, Binn; Metje wird als depascuationem (etwa: Etzmad) bezeichnet und gehört darum zu Mad! ), ts Hääumatt ‘ die glatte, schlüpfrige Mähwiese ’ (Blitzingen, drei Belege), ts Halbmad ‘ die halbe Mähwiese ’ (Ried-Mörel und sechs weitere, teilweise mit Varianten), wohl zu verstehen als die Hälfte der Mad gedeutet als Mass, ts Homatt ‘ die hohe Mähwiese ’ (Grengiols), ts Inner Mad ‘ die innere Mähwiese ’ (Mund, Saas-Balen, Törbel), uf Längschmatt ‘ auf der langen Mähwiese ’ (Grengiols), ts Lengmad ‘ die lange Mähwiese ’ (Ferden), Niedermatt ‘ die untere Mähwiese ’ (1849 u. später, Eggerberg), ts Obermatt ‘ die obere Mähwiese ’ (Fiesch, Münster, Randa, Termen) und Ober Matt (1699, Ausserberg), tsch Spät Matt ‘ in der späten Mähwies (Mähwiese, die spät grün wird) ’ (Birgisch), ts Unner Matt ‘ die untere Mähwiese ’ (Münster, Termen), ts Üsser Matt ‘ die äussere Mähwiese ’ (Mund, Saas-Balen), Vordermatt ‘ die vordere Mähwiese ’ (LT Münster, FLNK Vodermatt), Wild Maad ‘ die wilde Mähwiese ’ (FLNK, Kippel), ts Wilt Maad ‘ die wilde Mähwiese ’ (Wiler) und ts Wilt Mad ‘ die wilde Mähwiese ’ (Unterbäch). Vorangestellte Genitive von Besitzern oder Nutzern sind: Bodmeren Mat ‘ die Mähwiese der Familie Bodmer / der Leute vom Boden ’ (1714, Binn), ab Bobmeren Mädren ‘ die Mähwiesen der Leute von Bodmen / der Familie Bodmer ’ (1655, Binn), Vieschigen Matt ‘ die Mähwiese der Familie Fintschen ’ (1629, Binn) (trotz der seltsamen Schreibweise, die sich auf das Staubsche Gesetz zurückführen lässt; Fintschigo ist belegt für das Senntum), im Húedsmat ‘ die Mähwiese beim Gebiet, wo das Vieh gehütet wurde ’ (1786, Naters; ein PN oder FaN Hued ist nicht bekannt), ts Mangisch Matt ‘ die Mähwiese der Familie Mangisch ’ (Mund), ts Mandjisch Matt ‘ die Mähwiese des kleinen Mannes (auch PN zu Hermann oder ähnlich? ) ’ (Eggerberg), ts Richulschmat ‘ die Mähwiese des Richolt ’ (Steinhaus), Rÿcholtzmatt ‘ die Mähwiese des Richolt ’ (1528, Fiesch), Stäffisch Mad ‘ die Mähwiese des Stefan / der Familie Steffen ’ (Blatten), Tschampematt ‘ die Mähwiese der Familie Tschampen ’ (Grengiols), Tschampigen Matt ‘ die Mähwiese der Familie Tschampen ’ (1629, Binn), ts Turianig Matt ‘ die Mähwiese des Turian / der Leute des Turian ’ (Baltschieder) und ts Walkerschmatt ‘ die Mähwiese der Familie Walker ’ (St. Niklaus). Als Grundwort verbindet sich das HL vor allem mit dem Typ Mamatt n., im Wallis ein Mass von 800 - 900 Klafter, ‘ Wiesenfläche, die ein Mann an einem Tag zu mähen vermag ’ (I D . 4, 71ff). Neben dem Simplex jm Mamadt (1653, St. Niklaus), das Mamat (1742, Simplon), aúf Mamat (1803 u. später, Eisten), jm Mamath (1761, Unterems; 1721 im Manat (unsicher)), ts Mamatt (Aus- Mad 171 172 <?page no="640"?> serberg, Zermatt), im Mamatt (1696, Zeneggen) und im Mamat (1736 u. später, Staldenried) erscheint auch der Typ Halbmamat ‘ die Mähwiese, die ein Mann an einem halben Tag mähen kann ’ in im Halbmamat (1652 u. später Guttet; 1822, Oberems), z Halb Ma Matt (1852, St. Niklaus), das Halbmammat (1539, Mörel) und daz Halbmanmat (1368, Staldenried). Komplexere Formen hierzu sind Affter Manmad ‘ die hintere Mähwiese, die ein Mann am Tag mähen kann ’ (1443, Zermatt), jn Arnoldtz Jodrenn Mamatt ‘ die Mähwiese des Joder Arnold, die von einem Mann an einem Tag gemäht werden kann ’ (1580, St. Niklaus) und Struben Mamatt ‘ die Mähwiese der Familie Struben, die ein Mann in einem Tag mähen kann ’ (1495, Zermatt). Ein zweiter Typ ist ts Heimad ‘ die Mähwiese mit Heu ’ (Binn), im Heimad ‘ in der Mähwiese mit Heu ’ (Binn), im Heimat ‘ in der Mähwiese mit Heu ’ (Fieschertal), t Heiwmeder ‘ die Mähwiesen mit Heu ’ (Binn), also Mähwisen, aus denen Heu gewonnen wird. Dazu gehören auch jhn Glaúsigen Heiwmat ‘ in der Mähwiese mit Heu der Familie Clausen (Nikolaus) ’ (1757, Binn), ab Hofferen Heüwmatt ‘ von der Mähwiese mit Heu der Familie Hofer ’ (1655, Binn), im Lengen Heÿwmatt ‘ in der langen Mähwiese mit Heu ’ (1631, Binn). jm Obren Heuwmatt ‘ in der oberen Mähwiese mit Heu ’ (1601, Binn) und in Schinero Heüwmat ‘ in der Mähwiese mit Heu der Familie Schiner ’ (1657 u. späte, Binn). Der Typ ist stark in Binn vertreten. Vermutlich ist der ebenfalls häufig belegte Typ Etzmad ‘ Mähwiese mit Viehfutter ’ ähnlich zu deuten: ts Etzmad (Grengiols), das Etzmatt (1529 u. später, Binn), im Etzmatt (1529, Lax). Verwandt ist wohl ts Chrütmatt ‘ die Mähwiese mit Kraut ’ (Baltschieder), das auch in ts Chrütmatt (Raron), das Crutmatt (1527, Naters), im Crutmatt (1797, Ausserberg) und jm Krautmat (1661, Niedergesteln) belegt ist. im Blüematt ‘ die Mähwiese mit Heublumen ’ (Hohtenn) und Blüomatt (Oberems) mit frühen Belegen für lat. oder rom. a prato flori und komplexeren Formen wie der Blüomattbach, di Blüomatthewmatte, ts Blüomatttagfäld, ts Blüomattelli und Blüomattwald (alle Oberems) beziehen sich auf das HL B LÜEMU , das als ‘ Heublumen ’ zu verstehen ist (vgl. R ÜBEL 1950, 51). Nur zwei Belege weisen auf den Typ Vormad n. hin, den I D . (4, 73) deutet als die Wiese, auf der beim Mähen der Anfang zu machen ist. Ob diese zeitliche Dimension stimmt, ist unklar. Belegt sind: im Fürmat ‘ die vorn liegende Mähwiese ’ (1829, Ulrichen) und ts Vormatt (Binn) ‘ die vorn liegende Mähwiese ’ . Weitere Pflanzennamen als Bestimmungswörter finden sich in ts Edelmaad ‘ die Mähwiese bei den Erlen ’ (Kippel), aúf dem Erelmad ‘ auf der Mähwiese bei den Erlen ’ (1841, Kippel), ts Stockmaad ‘ die Mähwiese mit (Baum-)Stöcken ’ (Blatten). Etwas unsicher sind t Roosmeder ‘ die Mähwiesen mit Roosse (Röstplätze für Hanf und Flachs) / für die Rösser (Pferde) ’ und an dem Rosmad ‘ an der Mähwiese für die Pferde ’ (Blatten) - an beiden Orten können sowohl Röstplätze wie Pferde gemeint sein. Tiernamen sind aber selten: Chiämad ‘ die Mähwiese für die Kühe ’ (Blatten) mit einer ganzen Reihe von komplexeren Belegen: t Chiämadfurä, ts Chiämadgand, t Chiämadhaltä, uff dr Chiämadheejin, t Chieämadmattä, t Chiämadschiirä, dr Chiämadwald, Chiemattweng (alle Blatten), dazu Chiemattbodo (Unterbäch), Chiemattbord (Naters, Saas-Balen), ts Chiemattflüo und ts Chiemattsand (Baltschieder) und der Chiemattbodu (Niedergesteln), sowie di Geismeder ‘ die Mähwiesen für die Ziegen ’ (Blatten) und dazu di Geismadschiir ‘ die Scheuer bei den Mähwiesen für die Ziegen ’ (Blatten). Nur indirekt gehört hieher Geistricheleetzmad ‘ die Mähwiese mit Viehfutter, die so gross ist wie eine Ziegenschelle ’ (Grengiols), die auch Schlänggeetzmad ‘ der schmale Streifen von Etzmad (Mähwiese mit Viehfutter) ’ genannt wird. Wohl als Begünstigte wird die Kirche in im Kirchenmath ‘ in der Mähwiese, die der Kirche gehört ’ (1827, Blatten) erwähnt. Eine Reihe weiterer Belege bezieht sich auf nahegelegene Fluren, auf die wir hier nicht eingehen. Besondere Belege stellen dar: ts Erscht Tschampematt, ts Zweit Tschampematt und ts Dritt Tschampematt ‘ die erste, zweite und dritte Mähwiese der Alpe Tschampigen / der Familie Tschampen ’ (alle Grengiols). Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Acher, Alpa, Bach, Bärg, Chrache, Fad, Fura, Gadu, Grabu, Egg(a), Hee (hoch, heej), Hitta, Sand, Schluocht, Tola, Wäg, Wald, Wang, Weid und Wasser. Die Form ts Magadi ‘ der kleine Gaden bei der Mähwiese ’ (Geschinen) und im Magadin ‘ im kleinen Gaden bei der Mähwiese ’ geht auf die Verbindung von Mad und Gadu ‘ Gaden ’ zurück, hier als Diminutiv, der vermutlich einen Heuschober meint. Der Name Mattmark (heute Stausee) und die meisten damit verbundenen Namen gehem wohl auf ein älteres Muntmar ‘ Murmeltierberg ’ zurück. Davon zu unterscheiden ist Mattmarkbrigga ‘ die Brücke zum Werk der Mattmark AG ’ (Stalden), die nach der Firma benannt ist. Unter den zahlreichen komplexeren Formen stechen t Mattwasserleitu ‘ die Wasserleitung bis zur Mähwiese ’ (St. Niklaus) und ts Mattwasserleitgji ‘ die kleine Wasserleitung nach zer Mattu (zur Wiese) ’ (Eisten) hervor, wobei letztere auch zum HL M ATTA gehören kann. Zu f. Zermatt vgl. das HL Z ERMATT . Mader (FaN) Mader (FaN) ist entweder zu einem FaN Mader (1392 in St. Niklaus belegt) oder als Herkunftsname zum HL M AD 173 174 Mader (FaN) <?page no="641"?> ‘ Mähwiese ’ zu stellen. Belegt ist es in Grächen als in quarterio Madero ‘ im Viertel der Leute von Mad ’ (1676). Ähnlich ist ein Beleg von 1736 in quarterio Madero (St. Niklaus), der zum Namen t Mattmatte gestellt wird, also einen Herkunftsnamen meint. Die beiden Gemeinden Grächen und St. Niklaus grenzen aneinander, ob der Herkunftsname den gleichen Ort meint, lässt sich nicht entscheiden. Der FaN Mader ist auch unter dem HL M AADER erwähnt. Madleen (PN) Madleen f. ist ein weiblicher Personenname; es wird von I D . (4, 118) zu Magdalena, Dim. Meeni gestellt. Belegt sind: t Madleenerschnitte ‘ die ausgeschnittenen Stücke Land der Magdalena ’ (Ergisch), der Madleenibodu ‘ der Boden der Madeleine ’ (Leuk; frz. Pleine Madeleine) und t Meenimattu ‘ die Wiese der kleinen Magdalena ’ (Ergisch), sofern nicht zu Meeni (cf. HL M EENI ) zu stellen. Maffien (FaN) Maffien ist ein im Wallis inzwischen erloschener FaN Maffien (G REMAUD VS, 8, 347) von Visp. Der Name ist 1667 in Baltschieder in beÿ Maffien Grúndt ‘ beim Grund der Familie Maffien ’ erwähnt. Mageran (FaN) Mageran ist zum FaN Mageran zu stellen, der in Leuk seit dem 14. Jh. vorkommt, der Name ist im Wallis inzwischen erloschen (AWWB 157 f.). t Magerannipletschu ‘ die Ebene der Familie Mageran ’ (Hohtenn, Steg) war wohl eine Besitzung der Familie. Magg Magg ist nur einmal belegt in der Maggstafu ‘ der Magg- Stafel ’ (Binn). Laut Gwp. heisst der gleiche Ort auch Steihitta oder Schmitterstaful. Ebenfalls laut Gwp. enthält Magg den FaN Maggi (nach dem Hersteller der gleichnamigen Fertigsuppe). Diese Deutung ist kaum zutreffend; am ehesten könnte ein PN oder FaN zu Max vorliegen. AWWB (165) kennt den FaN Maxen, doch ist er in Binn nicht belegt. Da weitere Belege fehlen, kann keine Entscheidung getroffen werden. Magu Magu ist nur belegt in Maguhoru ‘ Magenhorn ’ und Magulicka ‘ Magenlücke ’ (beide je Simplon und Visperterminen). J ORDAN (2006, 37) enthält Magulicka und Maguhooru (für Simplon) und erklärt Letzteres aus der Form eines Magens. Auch laut Gwp. sehe das Horn aus wie ein Magen. Das Lemma wäre also zu schwdt. Mage n m., wie nhd. ‘ Magen ’ und wdt. Mage, Magä (Goms), Maga (Mattertal), Magn (Lötschtal), Magu ‘ Magen ’ zu stellen (I D . 4, 99; G RICHTING 1998, 132). TGNB schliesst in FlN einen Bezug zu ‘ Lab, womit die Sennen die Milch gerinnen machen, eigentlich der Kälbermagen, woraus das Lab bereitet wird ’ nicht aus (I D . 4, 96 ff.; TGNB 2, 2, 375). Ein Anschluss an M ā g ‘ Verwandter ’ (I D . 4, 96) ist lautlich möglich, es fehlt aber die Motivation. Mage im Sinn von ‘ Mohn ’ (G R W B 12, 1435) trifft wohl auch nicht zu. S TUDER (1896, 161) leitet Mage von mlat. MAGISCA , it. magesse ‘ der im Mai bestellte Neubruchacker ’ ab, was bei dem über 2000 Höhenmeter liegenden Gipfel keinen Sinn ergibt und was auch aus lautlichen Gründen zu verwerfen ist. Vollständig überzeugen kann keiner der Vorschläge. Mäische Mäische f. kommt dreimal als Bestimmungswort vor, einmal in t Mäischumatte ‘ die Wiese für die jungen Rinder ’ (Betten), einmal historisch die Mensch Eggon ‘ die Ecke für die jungen Rinder ’ (1473, Visperterminen) und - aber unklar - ebenfalls historisch Manschegga (1544, Saastal), wo aber auch Ma ‘ der Mann ’ vorliegen könnte. Das Lemma ist zu schwdt. Manse n , Mänse n f., wdt. Meische n , Mäntsche n f., Dim. Meischi, Meischelti ‘ Rind vor oder seltener während der ersten Trächtigkeit, wobei nicht der Umstand, ob das Rind trächtig sei oder nicht, sondern die Altersstufe als geeignetster Zeitpunkt der ersten Trächtigkeit das wesentliche Moment bildet ’ , im Wallis auch ‘ junge Kuh nach dem ersten Kalben ’ zu stellen. Da die Wortfamilie bis in den Norden Deutschlands, zumindest in der Bedeutung ‘ Kuh ’ , vertreten ist, ist eine direkte Entlehnung aus it. manzo ‘ Rind ’ auszuschliessen, beiden Sprachen liegt mlat. MANSUETUS ‘ gezähmt, an den Pflug gewöhnt ’ zugrunde (I D . 4, 334 f.; R ÜBEL 1950, 24). Zur Auflösung von / -n-/ vor dentalem Reibelaut und Ersatzdiphthongierung im Walliser Deutschen siehe R ÜBEL (1950, 6); der Vorgang ist als Staubsches Gesetz bekannt. Maisons Maisons ist nur in Varen 1714 als schu les maison und 1728 als schu les maisons belegt. schu ist zu su ‘ oberhalb ’ (cf. HL S CHU ) zu stellen. Frz. maison f. ‘ Haus ’ ist laut FEW (6, 1, 234 ff.) zu lat. MANSIO ‘ aufenthalt, unterkunft ’ zu stellen, das im Patois von Montana als m ī ̩ žųɳ erscheint, hier also frz. geschrieben wird. Insgesamt entsteht dann ‘ oberhalb der Häuser ’ (Weinberg). Mäl Mäl n. ist zu schwdt. Mël(w), Me(e)l n. ‘ Getreidemehl ’ , ahd. mëlo, mhd. mel(wes) und im übertragenen Sinne ‘ mehlartige Stoffe wie z. B. Staub, mehlartig zerbröckelte Erde ’ und wdt. Mäll, Määl (Lötschtal) ‘ Mehl ’ (I D . 4, 217 f.; G RICHTING 1998, 132) zu stellen. Belegt ist das HL nur als Madleen (PN) 175 176 <?page no="642"?> Bestimmungswort, am häufigsten zu Mëlwböüm m. Der Name bezeichnet sowohl den weissen Elsbeerbaum, dessen Frucht sauer, aber im überreifen Zustand geniessbar ist, als auch die Eberesche oder die Vogelbeere mit ihren orange- oder scharlachroten Beeren, die für den Menschen roh ungiftig, jedoch ungeniessbar sind (I D . 4, 1242; I D . 1, 568; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 278 ff.). Belegt sind am Melboum (1624, Bürchen), an den Melbon et de Melbu ᵛ me usque … ‘ an den Mehlbaum und vom Mehlbaum bis …’ (1302, Stalden), ts Mälböüm ‘ das Mehlbaum (Weiler am Natischerberg) ’ (Naters, FLNK Mälböüm, LT Mehlbaum, SK Ober und Unter Mehlbaum), Dazu kommen folgende Grundwörter zu Mehlbaum: Acher, Biina, Egg(a), Flüö, Grabu, Lischa, Rieba, Schräaje - Schreeje und Wald, wobei die meisten sich auf Naters, also den Weiler Mehlbaum, beziehen. Ab dem 14. Jh. kommt Mehlbaum im Wallis auch als FaN vor, dieser ist inzwischen erloschen (AWWB 167). Weniger häufig ist Mël(w)ber(i) f. belegt, der Name verschiedener mehliger Beeren der Eberesche, lat. SORBUS (I D . 4, 1469; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 278 s. v. S ORBUS AUCUPARIA ): 1768 in Stalden als beÿm Melberbaúm ‘ beim Mehlbeerbaum ’ und t Mälbertschugge ‘ die Felsen mit Mehlbeerstauden ’ (Eisten). Die weiteren Belege enthalten Mälbiela ‘ der Hügel mit mehlartiger Beschaffenheit ’ (FLNK, Bürchen), die Mehleggen ‘ die mehlfarbene Ecke ’ (1772, Fieschertal), Meleggen ‘ die mehlfarbene Ecke ’ (1772, Bellwald) (wohl gleicher Flurname der beiden), auf der Melfluh ‘ unklar, ob Mehl oder mälch gemeint ist ’ (1577, Stalden), die Melmatta ‘ die Wiese beim Weiler Mehlbaum (? ) ’ (1634 u. später, Naters) und Mältschuggji ‘ der kleine Fels (unklar, ob Mehl oder mälch) ’ (FLNK, Embd). Einige Belege gehören wohl auch zum HL M ÄLCH (s. dort). Maläi Maläi ist nur 1837 als im Maläi (Ulrichen) belegt. Es handelt sich um ein Stück Land. Es geht um ein Diminutiv, wohl zu schwdt. Male n ‘ Tasche ’ und wdt. Mala, Malu (Leuker Berger) ‘ Vorratsack (lederner), Hirtentasche, Brottasche ’ (I D . 4, 168; G RICHTING 1998, 132), als ‘ das Stück Land, das einer kleinen Tasche gleicht ’ . Ob der Auslaut - ÄI zum HL E IE ‘ die Aue ’ zu stellen ist, kann nicht entschieden werden, da das Dokument hierzu keine Angaben enthält. Malaschier (PN) Malaschier (PN) ist nur 1297 in Visp als Malaschiers Buve belegt. Während Malaschier hier ziemlich sicher ein PN ist (die Form ist ein Genitiv), kann Buve entweder zu Buw ‘ bebautes Land ’ oder zu Buw ‘ Gebäude ’ stehen. Im Dokument ist vltra aquam que dicitur vespia ‘ jenseits des Flusses, der Vispe genannt wird ’ belegt. Zu Malaschier findet sich jedoch kein Beleg. Dass es sich um einen PN handelt, wird aus dem Dokument abgeleitet. Malavez Malavez ist nur 1494 in Salgesch als en malavez notiert. Es handelt sich um eine Wiese und einen Weinberg neben der Gemeindestrasse. Der Name scheint inkonsequent geschrieben zu sein. Zum femininen mala ‘ schlecht ’ passt vez (zu ve ‘ Kalb ’ nach B RIDEL 1866, 402) nicht, das im Frz. maskulin ist. Deswegen ist wohl voz zu lesen, das dem bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 36) belegten Malavaux ‘ schlechtes (i. e. enges) Tälchen ’ entspricht. Mälch Mälch geht auf das Adj. schwdt. mälch, mhd. mëlk, ‘ Milch gebend, den Milchertrag förderndes Viehfutter, ertragreich; dem Gedeihen milchreicher Futterkräuter günstig ’ oder auf das Verb schwdt. mälche n ‘ melken ’ zurück, ahd. melchan, Nomen agentis Melker (I D . 4, 193 f., 195 ff.; Z INSLI 1984, 575). Die Substantivbildungen Mälch f., Pl. Mälcha, Mälche, Mälchär sind vom Adjektiv mälch abgeleitet (I D . 4, 195); im Kontext der Flurnamen sind aber meist ertragreiche, Milch fördernde Alpweiden gemeint. Das gilt auch für die oblique Form Mälchju zur palatalisierten / - LA / -Ableitung Mälchja ‘ die ertragreiche Weide ’ . mälch Adj., ‘ Milch liefernd, milchfördern ’ , mälche, mälchä (Goms), mälchn (Lötschtal), mälchu ‘ melken ’ (G RICHTING 1998, 132) sind als Adjektiv und Verb im Walliserdeutschen belegt. Das Adjektiv kommt allein nicht vor. Eine Substantivierung auf / - A / im Singular ist in Mälcha ‘ die ertragreiche Alpweide ’ (Ried-Mörel) belegt. Ein Plural Mälchä (Grengiols), Mälche (Betten, Mund, Täsch), Mäuche (Binn, mit / l/ -Vokalisierung), historisch jn den Melchen (1444, Obergesteln) kommt häufiger vor - er wird für ertragreiche Alpweiden verwendet (das Gegenstück sind die mit Galt ‘ unfruchtbar ’ gebildeten Namen, cf. HL G AALT ). Ein Diminutiv Mälchini ‘ die kleinen ertragreichen Alpweiden ’ (Birgisch) ist nur einmal belegt; das homophone Mälchini ‘ Beeren einer nicht näher bekannten Staude ’ ist unter HL M ÄLGI näher behandelt. Als Grundwort ist Mälch nur einmal belegt in zer Wiissun Eerschtmälchun (Kippel). Eerschtmälcha ist laut R ÜBEL (1950, 24) die Bezeichnung für ein weibliches Tier, das zum ersten Mal geworfen hat (sonst auch Mäntscha, Meischa, Ersterli). Als Toponym kann hier nur ein Gebiet gemeint sein, das einem solchen Tier ähnlich sieht. Mälch tritt als attributives Adjektiv oder Bestimmungswort mehrfach auf. Mehrfach belegt ist der Typ Mälchbode ‘ ertragreicher Boden ’ (Singular, auch Plural); 177 178 Mälch <?page no="643"?> der abgeleitete Typ Mälchärbode ist doppeldeutig. Mälchär kann sich auf den Mëlcher ‘ Melker ’ (I D . 4, 197) beziehen, meint dann den Boden des Melkers, oder dann flektiert den melken Boden ‘ der ertragreiche Boden ’ ; diese Deutung wird bevorzugt, da nirgends Angaben zum Melkvorgang zu finden sind. In anderen Fällen bezieht sich das Kompositum auf eine nahegelegene ertragreiche Alpweide wie in Mälchgrat ‘ der Grat bei der Mälcha ’ (Mund) oder Mälchgrabu ‘ der Graben von Mälch herunter ’ (Simplon), wozu dann auch der historische Beleg Melllowinen ‘ das Rutschgebiet bei Mälch ’ (1755, Simplon) gehört. In einigen Fällen ist wohl der Ort gemeint, wo gemolken wurde, so in Mälchflüe (Randa) oder Mäuchstatt (Binn, mit / l/ -Vokalisierung), die in Ober und Unner aufgeteilt ist. Auch Mäuchplatz (Biel, mit / l/ -Vokalisierung) ist wohl hieher zu stellen; die Angabe “ Sammelplatz für das ‘ Losholz ’” legt aber eher die Deutung ‘ reichlich fliessend, gewinnbringend ’ nahe. In einigen Fällen ist unklar, wie Mäl(ch) zu deuten ist, so in t Mälachini ‘ die kleinen Äcker im fruchtbaren Gebiet ’ (Naters), wo unklar ist, ob nicht ein anderes Lemma anzunehmen wäre. Dazu gehört auch das Mälacherchi ‘ die Schlucht beim Mälacher ’ (Naters). Nur metaphorisch kann der Mällchstüol ‘ der Melkstuhl ’ (Naters) gemeint sein - ein Gebiet, das einem Melkstuhl gleicht. Der Mälchjugletscher (LT Mellichgletscher) (Täsch) ist der Gletscher oberhalb der Mälche. Die Form legt die Ableitung Mälchja nahe (siehe oben), die aber sonst nicht belegt ist. Die Form Mellich und Mellichgletscher bei LT muss beim HL M ÄLLICH miteinbezogen werden. Ein letzter Beleg ist sehr unsicher: Melkers G ů tt (1616, Visp), wo eher der PN Melchior (I D . 4, 98; cf. HL M ELCHIOR (PN)) gemeint ist als die Bezeichnung Melker. Maler Maler n. ‘ Maler ’ ist dreimal belegt. Das Simplex als jm Maler (1572, Erschmatt); das Bestimmungswort zweimal in ts Malergietji ‘ das kleine Gut der Familie Zenzünen, die Maler genannt wurde ’ (Grengiols, nach Gwp.) und ts Malärsch Huis ‘ das Haus des Malers Albert Nyfeler (1893 - 1969) ’ (Kippel) (dank an W. B ELLWALD , p. c.). Im Fall des Kunstmalers Nyfeler ist das Nomen Maler zum Verb malen zu stellen. Die beiden andern Fälle können auch zu Maler ‘ Mühlknappe; wer Getreide zum Mahlen in die Mühle gibt ’ (I D . 4, 169), bzw. zur Stellenbezeichnung ‘ wo gemahlen wird ’ gestellt werden. Mäler Mäler ist nur als der Mäler ‘ die wilden Apfelbäume ’ (Feschel; FLNK Mälär) belegt. Historisch erscheint 1560 jn Meler, 1572 jm Maler, 1713 im Meler, 1775 in den Melleru, 1870 im Mäler. Trotz der deutschen Präposition ist ein frpr. mélai ‘ pommier sauvage ’ (wilder Apfelbaum) gemeint (B OSSARD / C HAVAN 2006, 155; FEW 6, 1, 122 s. v. m ā lum apfel). B OSSARD / C HAVAN (2006, 288) nehmen ein Suffix / - ARIU ( M )/ für die Ortsnamen Mellère und Méllire an (anders als A EBISCHER ). Maletrez Maletrez ist nur 1579 in Salgesch als jn Maletrez ‘ das schlechte (i. e. mühsam zu bewirtschaftende? ) enge Gebiet ’ belegt. Trotz der Präposition jn handelt es sich wohl um einen frpr. Namen. Das Dokument erwähnt Weinberg und Wiese im Gebiet, das so heisst. Es liegt wohl eine Kombination von mal ‘ schlecht ’ und etrez ‘ enges Gebiet ’ vor (FEW 12, 298 ff. s. v. strictus eng; G PSR 4, 929 ss s. v. étroit, das auch als Substantiv erscheinen kann, p. 930, cf. auch B OSSARD / C HAVAN 2006, 35). Mälgi Mälgi f. ist zu schwdt. Melge f. ‘ weisser oder gemeiner Gänsefuss ’ und ‘ guter Heinrich ’ (I D . 4, 212) oder zu Mël(w)ber(i) ‘ 2. Beere mehrerer Arten der Eberesche ’ (I D . 4, 1469) zu stellen. Belegt sind zer Melchstuden (1564 und später, Guttet). Feschel hat 1810 Melkien Stauden (das so auch in Guttet belegt ist). Lebendig ist t Melchstüde ‘ die Stauden mit Mällchiä (hier wohl Preiselbeeren, unklar) ’ (Gamsen) belegt, sie befinden sich oberhalb von Jeizinen. Weiter ist belegt: t Mälgitetz ‘ die Fels(blöcke) mit Mehlbeeren ’ (Steg) und t Määlgitetz ‘ die Fels(blöche) mit Mehlbeeren ’ (Hohtenn) - die beiden Fluren befinden sich am gleichen Ort. Die Bestimmung der Beeren ist nicht ganz einfach. In den Dörfern der Südrampe werden hohe Sträucher mit roten Beeren wdt. Mä(ä)lggini, Mälchini Pl. genannt (P ETER K ALBERMATTER , p. c.). Es handelt sich um Mehlbeerbäume mit essbaren Mehlbeeren, die ihren Namen ihrem mehlartigen Nebengeschmack verdanken (I D . 4, 222 f., 1242 und 1469; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 480) Aber I NDERMITTE (1980, 246) nennt in Steg Beeren “ ähnlich den Heidelbeeren, zum Essen ” . Aus den Belegen wird deswegen nicht klar, welche Beeren genau gemeint sind. Mälig Mälig gehört zu einer Reihe von Varianten wie Mällich, Mallich, Mällig, Mällisch, die als Steinhirt oder Steinmann bezeichnet werden: ‘ ein als Wahrzeichen auf Berghöhen aufgeschichteter Steinhaufen ’ (I D . 2, 1647). I D . verzeichnet es als Mellig m. und führt es nach M. T SCHEINEN auf Mëlw ‘ Mehl ’ zurück mit der Begründung, der Steinhirt erscheine oft ‘ wie mit einem mehlartigen Staub überzogen, der sich besonders an kalkhaltigen Steinen als Verwitterungsprodukt bildet ’ (I D . 4, 223). Zu vermuten ist vielmehr eine Verwandtschaft mit Maler 179 180 <?page no="644"?> dem auch ausserhalb des Wallis belegten Männlichen (BENB 1, 3, 223), das dort allerdings wohl zu Unrecht nach G ATSCHET auf Mann(s)lehe(n) ‘ nur im Mannesstamme vererbliches Lehen ’ zurückgeführt wird. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die verschiedenen Formen sich auf ahd. manlîha ‘ statua, figura humana: Menschenbild ’ (G RAFF 1836, 2, 118), mhd. manlîch ‘ das dem Menschen Gleiche, sein Bild ’ (L EXER 1, 2033) zurückführen lassen; die Bedeutung wird verengt auf die Steinmänner als Bilder des Menschen und später einfach auf Steine als Teil dieser Bilder. Die Form Mällich lässt sich durch Assimilation von / n/ an das folgende / l/ erklären, die Form Mällig oder Mälig zusätzlich durch eine Analogie zu Adjektiven auf / - IG / . Dabei können Umdeutungen des Namens zu ‘ mehlig ’ eine Rolle spielen. Im Lötschental kommt eine unassimilierte und nicht umgelautete Form im Mannlich ‘ im Mannlich ’ und hinderim Mannlich ‘ hinter dem Mannlich (Gebiet mit Steinen) ’ (Blatten) vor; assimiliert, aber nicht umgelautet ist Mallich (n., wohl ‘ Gebiet mit Steinen ’ ) in Niedergesteln und teilweise in Hohtenn (auf LK). Die Schreibform im Mellich (1723, Naters) und Mellichen (nur LK) (Täsch) sind wohl auch hierzu zu stellen. Das Genus schwankt zwischen Maskulin und Neutrum. Ein Plural ist t Mälliga ‘ grosse, schwarze Steine ’ (Saas-Grund), ein zweiter di zwei Mällicha ‘ die zwei Steinmänner ’ (Embd). Ebenfalls Plural hat tse Mäligu ‘ bei den Steinmännern ’ (Saas-Almagell). Ganz unklar ist ein Beleg Mellingen (1626, Oberwald), das vermutlich eine Alpe bezeichnet und verhochdeutscht ist (der Ortsname Mellingen (AG) ist anders zu erklären, vgl. K RISTOL ET AL . 2005, 587). Bildungen mit Adjektiven sind ts Ober Mallich und ts Unner Mällich (sic! ) (Hohtenn, die Variation geht wohl auf die Landeskarte zurück). Als Grundwort ist Mällig belegt in der Einumällig ‘ der eine Steinmann (im Gegensatz zu den zwei Mällicha) ’ (Embd) und dazu wird auch noch t Einumällichbletscha ‘ die Ebene bei dem Einumällich ’ gebildet. Embd weist auch den Schalbeggimällich ‘ der Mällich beim kleinen Schalbet ’ und den Torumällich ‘ der Mällich beim Gebiet Tore ’ auf. Weitere Bildungen sind der Chummimällich ‘ der Steinman auf den Chummini (kleine Kummen) ’ (Embd), ts Breitu Fatsch Mälig ‘ der Mällig des breiten Fads (breites Grasband) ’ (Saas-Fee) (gemeint ist ein Mällig genannter Felskopf, der sich über dem breiten Fad befindet). Als Bestimmungswort wird Mällig teilweise zu Mäli gekürzt: Mälieggu ‘ die Ecke mit dem Steinmann ’ (Saas- Almagell), Mälizug ‘ Graben mit Steingeröll ’ (Staldenried), ts Melisand ‘ das Sandgebiet am Melibach ’ (Täsch); es ist aber auch in anderen Formen belegt: Mällich Riischu ‘ das Steingeröll beim Mällich ’ (Hohtenn), Mellichbach (auch Mälchbach) ‘ der Bach von der Alpe Mellichen herunter ’ (Täsch), Mälligagletscher ‘ der Gletscher oberhalb der Mälliga (Steinmänner) ’ (Saas-Grund), ts Mällischhoru ‘ das Mällischhorn (Gipfelname, auf der SK Mellichhorn) ’ (Niedergesteln). Unklar ist der Beleg t Mäuchsteina (Fiesch), die sich wohl auf Mällich (mit / l/ -Vokalisierung und Synkope) zurückführen lassen. Unklar sind weiter zum Mälachji ‘ das Signal ’ (Staldenried) und Ritzumälachji ‘ das kleine Signal auf den Ritzen (begraste Bergabhänge ’ (FLNK, Staldenried). Das Signal dürfte hier eine Form des Steinmanns sein. Es scheint aber auch eine Anlehnung an das HL A CHER vorzuliegen, obwohl die Angabe der Höhe von über 2500 m einen solchen ausschliesst. Insgesamt ist die Rückführung von Mällich et al. auf man-lîha zwar ungewöhnlich, aber sinnvoller als die andern erwähnten Deutungen. Ob das mehrfach belegte HL A LIICHJI hieher gehört, ist zu diskutieren. Malinam Malinam ist nur 1749 in Leuk als in Malinam belegt. Die Rede ist von einer Weide. Malinam ist wohl eine lateinische Form, doch kennen die üblichen Wörterbücher das Wort nicht. D U C ANGE erwähnt Malina für die “ Flut ” (als Gegensatz zur “ Ebbe ” ) des Meeres, was für Leuk keinen Sinn macht. Falls ein Verschreiber / Verleser für lat. MOLINUM ‘ Mühle ’ vorliegt (vgl. FEW 6, 3, 37 s. v. molinum mühle), würde das Feminin wohl aus dem wdt. Mili ‘ Mühle ’ übernommen worden sein. Die Deutung hängt von der falschen Lesart ab, wäre dann aber als ‘ bei der Mühle ’ zu verstehen. Malische Malische f., pl. ‘ Sumpfgebiet ’ ist belegt in p ’ Malische (Greich) und Malischugrabe ‘ der Graben bei den Malischen ’ (Greich). Der Flurname ist heute erstbetont; die ältesten Belege zeigen Marischen (1489 u später), was auf ein rom. Lehnwort maresch < fränk. MARISK ‘ Sumpf ’ (T AGMANN 1946, 9; M EYER 1914, 167) schliessen lässt. Der Wechsel von / r/ zu / l/ lässt sich in den historischen Belegen (alle mit / r/ ) nicht nachvollziehen, ist aber geläufig. Romanische Namen im Gebiet sind zwar selten, aber nicht unmöglich (cf. HLL F ILET , G IFRISCH ). Malle Malle ist nur zweimal in Münster als im Malle belegt. Dazu kommt ein historischer Beleg von 1795 in Male Spiz ‘ im spitz zulaufenden Gebiet beim Malle ’ . Die Fluren für die beiden lebenden Namen befinden sich links und rechts des Rottens oberhalb Münster. In Münster ist 1585 u. später auch am Manlhenn ‘ das im Mannesstamm vererbliche Lehen ’ belegt, das sich laut dem Beleg von 1610 bei der Möritzmatten (wohl heutige Merezenmatte) 181 182 Malle <?page no="645"?> befand, also in der Nähe eines der beiden Malle. Es ist deswegen nicht auszuschliessen, dass Mannlehn sich zu Malle entwickelte; allerdings kann auch die umgekehrte Entwicklung mit einer volksetymologischen Deutung stattgefunden haben; lautlich passt die Entwicklung nur schlecht, da Malle erstbetont mit einem kurzen, unbetonten Schwa in der Zweitsilbe ist. Das in I D . (4, 168) als Male und G RICHTING (1998, 132) als Mala, Malu (Leuker Berge) belegte feminine Nomen ‘ Vorratsack (lederner), Hirtentasche, Brottasche ’ kommt kaum in Frage, da Malle m. oder n. ist und ein inhaltlicher Zusammenhang nur schwer hergestellt werden kann. Deswegen ist eine Deutung unsicher. Malus Malus lat. Adj. ‘ schlecht, unfruchtbar ’ erscheint in unterschiedlichen Belegen. Das Simplex ist 1443 in Unterems belegt als aqueductum de malo communi und aqueductum mali communis. Es handelt sich also um eine Wasserleitung, die der Gemeinde gehört; die beiden Konstruktionen behandeln aber malo resp. mali wie ein Substantiv. Es könnte sein, dass das 1837 belegte der Gemeine Abrus (Unterems) gemeint ist. Abrus (< Ab-Runs) ist im I D . (6, 1150) so nicht belegt; es fehlt bei B ELLWALD / W ÜRTH (2006), könnte aber einfach ‘ Abwasser ’ heissen. Gemeint wäre dann mit malus communis ‘ das gemeine Abwasser ’ . Als attributives Adjektiv erscheint das HL einmal in in malo prato (1634, Zeneggen), das 1666 in der Bösen Matten genannt wird; der erste Beleg ist also eine lateinische Übersetzung. Anders ist der Beleg malacort (1337 u. später, Turtmann) zu erklären, das 1356 als ad malam curiam ‘ beim schlechten Hof ’ übersetzt wird. Etymologisch liegt Cor vor, das zu lat. COHORTE gestellt wird, hier in der Bedeutung ‘ landwirtschaftliches Gut ’ , also ‘ der schlechte Hof ’ . Mandelu Mandelu ist nur in ts Mandeluwaldji ‘ der kleine Wald in Mandelform (unklar) ’ (Gampel) belegt. Der Name bezeichnet eine steile Flur auf etwas über 1100 m; Mandelbäume sind dort nicht möglich (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 288 s. v. P RUNUS DULCIS ). Die Beschreibung nennt den Wald <tel>-wald, also eine Waldung mit Dählen; ein Telwald (Gampel; LT Telwald, FLNK Teelwald) ist in diesem Gebiet belegt. Der Zusammenhang des Flurnamens damit ist jedoch nicht klar; ob Mandelu das Wort für D ÄHLE enthält, bleibt unsicher. Mander (PN) Mander (PN) ist nur 1567 in Betten als Manders Kumbun ‘ die Chumma (Mulde) des Mander ’ belegt. Es handelt sich wohl um eine Kurzform zu einem PN. Belegt ist im Korpus nur Reimander (1676, Zwischbergen), das kaum herangezogen werden kann. F ÖRSTEMANN (1, 1093 f.) kennt einen Stamm M AND , der hier einschlägig sein könnte. I D . (1, 216) verweist auf Amändel als Kurzform zu Amandus. Mangel Mangel ist nur einmal als Simplex in der Mangel (Obergesteln) und, davon abgeleitet, als ts Mangelschliechtji ‘ die kleine Geländeeinbuchtung beim Mangel ’ (Obergesteln) belegt. Da Mangel als Flurname in der deutschen Schweiz nicht vorkommt, lässt sich eine falsche Trennung aus im Angel annehmen, das im Register belegt ist. Als historischer Beleg würde dann das unter dem HL A NGEL aufgeführte Am Angel (1714, Obergesteln) zu dieser Flur gehören. Angel ist im BENB (1, 1, 31) nach I D . (1, 326) ‘ Ecke, Winkel ’ gedeutet (cf. HL A NGEL ). Mangelsch (FaN) Mangelsch ist zum FaN Mangold, auch als Manegoldi, Manegold belegt, der vom Taufnamen Manegoldus abgeleitet ist (AWWB 159), zu stellen. Formal handelt es sich um einen Genitiv, der hier wohl als Plural zu verstehen ist. Belegt sind: Mangelsch ‘ das Gut der Familie Mangold ’ (Betten) und Mangulschbode ‘ der Boden der Familie Mangold ’ (Martisberg). Manggipa Manggipa, auch Mancapan, Mankupan, Mangepan oder Manggepan ist eine Burgruine auf einem Felsen oberhalb von Mörel auf dem Gebiet von Ried-Mörel (heute Riederalp). Die Feste ist zu Beginn des 12. Jh. durch die Herren von Gradetsch erbaut, im 13. Jh. durch die Grafen von Mörel erneuert und wahrscheinlich um 1260 von Peter II. von Savoien zerstört worden. In der älteren Walliser Geschichtsschreibung wird der Name auf it. mange pane ‘ Brotesser ’ zurückgeführt, der Name kann jedoch nicht sicher gedeutet werden (R UPPEN 1991, 231 f. und 264 f.; B LONDEL 1954, 175 - 182). Der lebende Name hat Erstbetonung, was gegen die italienische Deutung spricht; auch würde it. mange mit einem / dž / ausgesprochen, was in den deutschen Formen fehlt. Die Lage ist auf den Karten nicht immer klar; eine Burgruine wird auf LT auf rund 1108 m angegeben. Eine Deutung ist nicht sicher. Historische Belege von 1356 und 1579 sprechen von bonis (Güter) und agri (Acker, Genitiv konstruktionsbedingt), sodass der Name der Burg wohl auch das Land in deren Umfeld meinte. AWWB (159) gibt einen FaN von Mangepan an, welche die Burg errichtet haben soll; die Angaben sind aber sehr unsicher. Malus 183 184 <?page no="646"?> Mangisch (FaN) Mangisch (FaN) ist zum alten, aus Betten und Visperterminen stammenden FaN Mangisch (AWWB 159) zu stellen; für Mund ist er bei J OSSEN (1989, 77) erwähnt. Belegt sind: ts Manngisch Grund ‘ der Grund der Familie Mangisch ’ (Visperterminen), Mangisch Matt ‘ die Mähwiese der Familie Mangisch ’ (Mund) und ts Mangisch Ried ‘ das Ried (gerodetes Gebiet) der Familie Mangisch ’ (Betten). Z IMMERMANN (1968, 97) zitiert S ONDEREGGER (1958, 264 u. 434) für den FaN Magnus mit Metathese. AWWB (159) gibt keine Deutung; es ist aber eher zu einem Diminutiv Mangi ‘ des kleinen Mannes ’ auszugehen, der hier mit einem Genitiv verbunden wird, als von einer Metathese von magnus ‘ gross ’ zu mangus. Mani (PN) Mani (PN) ist wohl die Kurzform eines PN wie Mánuel (I D . 4, 295 zu Emanuel, Germann oder Hermann) oder zu einem FaN zu stellen; das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1159) kennt den FaN Mani allerdings im Wesentlichen nur für Zwieselberg im Kanton Bern. Das HL ist dreimal belegt: Manibode ‘ der Boden des Mani / der Familie Mani ’ (Binn), z Manisstadel ‘ beim Stadel des Mani ’ (1564, Guttet) und z Manigen Haus ‘ das Haus der Leute des Mani / der Familie Mani ’ (1726, Unterems) mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung. Mänig (FaN) Mänig (FaN) ist als FaN (AWWB 159, auch Menig) belegt. In den Ortsnamen erscheint aúf Mänigeggÿ (1694, Bister) und auf der Mänig Eggen (1723, Bister); bezeichnet ist damit eine Ecke (Felsrücken), die der Familie Mänig gehörte. Weiter der Mänigbode ‘ Boden der Familie Mänig ’ in Grengiols und von Männigen Guott ‘ vom Gut der Familie Mänig ’ (1709, Filet). Örtlich sind die Namen alle im Bereich Grengiols, Bister und Filet angesiedelt. Manjo Manjo ist nur belegt in Pne di Manjo (Oberwald) oder Poncione di Manjo (FLNK, Oberwald, auch LT, Gipfelname, 2910 m.). Manjo bezieht sich auf einen Weilernamen Manió und Alpe di Manió auf Tessiner Seite, wonach der Berg benannt wurde. Eine Deutung ist in LSI nicht erwähnt; ob Magno zum PN Magnus (O LIVIERI 2 1961; 318) oder zu magnus (O LIVIERI 1965, 206) zu stellen ist und mit welchem Sinn, bleibt unklar. Mannig (FaN) Mannig (FaN) ist nur belegt in der Mannigjichnubel ‘ der Hügel der Familie (Klein-)Mann ’ (Glis). Belegt ist der FaN Kleinmann (AWWB 141); er gilt allerdings als erloschen. Die Form Mannigji ‘ des kleinen Mannes ’ ist eine kollektive / - IG / -Ableitung zu Mann im Diminutiv, setzt also vermutlich Klein in den Diminutiv um. Ob der Name heute noch auf den FaN Bezug nimmt oder einfach eine erweitere Diminutivform zu Mann darstellt, lässt sich nicht entscheiden. Wenn ja, wäre der FaN M ANGISCH (cf. HL M ANGISCH (F A N)) gleichbedeutend. Mannin Mannin ist nur 1677 in Albinen als ÿ mannin belegt. Das Register hat Mannji (Acker), stellt also den Namen zum wdt. Diminutiv Mannji ‘ der kleine Mann ’ (G RICHTING 1998, 131); auch M ATHIEU (2006, 17) kennt Mannji. Diese Deutung ist eine Um-Interpretation, da der historische Beleg mit ÿ mannin eine frpr. Form hat. Deswegen könnte der FaN Magnin (AWWB 158., ev. auch als Grand, AWWB 113) hier vertreten sein; gemeint wären dann die Äcker der Familie Magnin. Manschaal Manschaal ist nur einmal in Erschmatt (FLNK) belegt. Es handelt sich um einen Teil des Fäselgrat auf rund 2560 m. Aus dem Beleg geht nicht hervor, ob es sich (a) um ein deutsches Kompositum oder (b) um ein frpr. oder romanisches Wort oder Kompositum handelt. Auch ist die Akzentstelle nicht wiedergegeben. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Mantel (rom.) Mantel m. ist belegt in campum dol mantel (1250, Leuk) und jn campo dou mantel (1338, Salgesch) - die späteren Belege wie au schan du mantel (1594) oder 1822 im Tan de Mantey sind teilweise etwas verstümmelt. Die Herleitung aus den beiden möglichen Etyma MANT Ē LUM ‘ hand-, tischtuch ’ (FEW 6, 1, 267 ff.) und MANTUS ‘ kurzer Mantel ’ (FEW 6, 1, 272 ff.) ist aus inhaltlichen Gründen schwierig; eher in Frage kommt ein PN oder FaN Mantel, der im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1160) belegt ist, allerdings nicht für das Wallis. Die Konstruktion wäre also zu lesen als ‘ das Feld des Mantel ’ . Mantel Mantel m. ‘ Mantel ’ ist nur einmal in ts Tolemäntuti ‘ der kleine Mantel mit einer Mulde ’ (Binn) belegt. Es ist wohl zu schwdt. Mantel m., Dim. Mänteli wie nhd. und wdt. Mantl, Mantäl (Goms), Mantul (Vispertäler), Mantol (Schattenberge), Mantil ‘ Mantel ’ (I D . 4, 340 ff.; G RICHTING 1998, 133) zu stellen. Gwp. meint, hier habe das Gebüsch um eine freie Mulde herum wie ein Mantel gewirkt. Mit einem Pflanzennamen wie dem belegten Frauemänteli (I D . 4, 342; M ARZELL 1, 174 ff. s. v. Alchemilla vulgaris) steht der Flurname zwar kaum in Verbindung. Die unter A LCHEMILLA versammelten Pflanzenarten in L AUBER / W AG- 185 186 Mantel <?page no="647"?> NER / G YGAX ( 5 2014, 268 - 274) kommen jedoch im Oberwallis zum grössten Teil vor (die Unterart VULGARIS ist dort nicht erwähnt). Von daher ist eine Deutung als Pflanzenname nicht auszuschliessen. Manuel (PN) Manuel (PN) ist nur belegt in ts Manuelschtola ‘ die Mulde des Manuel ’ (Baltschieder). Der PN ist zu Manuel, Emanuel (I D . 4, 295) zu stellen. Manye Manye kommt nur in Glummanÿe (1685, Varen) vor. Der Anlaut Glu ist zum HL C LOU zu stellen (cf. HL C LOU ). Die Form Manye gehört zu lat. MANICA ärmel (FEW 6, 1, 206 ff.), das laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 103) zu patois mandze gehört und ein Stück Land mit länglicher Form meint, die an einen Ärmel erinnert. Glummanye wäre dann ein ‘ längliches, eingezäuntes Stück Land ’ . Manz (PN) Manz (PN) ist zum PN Manz, Kurzform zu Amantius (I D . 4, 346) oder zum FaN Manz auch Mans, Mancs, Mancz, Mantz (AWWB 159) zu stellen. Belegt sind: im Mantz ‘ im Gut des Manz / der Familie Manz ’ (1393 u. später, Grengiols), Mantzers Matta ‘ die Wiese der Familie Manz / des Manz ’ (1531, Binn), in Manschigo ‘ im Gebiet der Familie Manz ’ (1756, Betten) mit dem Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung. Unklar ist, ob zer Mannstreichi ‘ bei der Tränke der Familie Manz / des Mannes ’ (Kippel) hieher zu stellen ist. I. B ELLWALD ( 2 2007) erwähnt den FaN in seiner Familienchronik von Kippel nicht. Das spricht allerdings nicht dagegen, dass ein Manz hier eine Tränke besessen hätte. Die Deutung als Mann bereitet dagegen Schwierigkeiten, wenn Treichi als Tränke verstanden wird: dann wäre gemeint, dass Menschen am betreffenden Ort trinken würden. Diese Deutung entspricht nicht dem sonstigen Gebrauch von Treichi als Ort, wo das Vieh getränkt wird. Mänz Mänz ist 1866 in Niedergesteln als von der Menzen belegt. Es handelt sich wohl um eine Grenzbeschreibung; von der Menzen ist als Dativ Singular eines Feminins zu verstehen. Die nächstliegende Deutung ist ein Vorname, der als Menz f. ‘ Clementia, Emerentia, Clementine ’ (I D . 4, 346) belegt ist, also einen weiblichen Vornamen meint. Der zweite Beleg ist der Tittermänz (Niedergesteln, auch FLNK). Die Flur befindet sich auf rund 1700 m in einem Gebiet mit Gebüsch und Felsen. Ein nicht näher benannter Zufluss zum Seebach entspringt dort. Sofern es sich überhaupt um ein Kompositum handelt, wäre Mänz ein Maskulinum im Singular. Eine Deutung dafür lässt sich weder als Kompositum, noch als Simplex finden. Maocschy Maocschy ist für Täsch als jm Maocschi belegt und undatiert. Aus dem Kontext geht nur hervor, dass es sich ein Maskulinum oder Neutrum handelt. Die Endung -schy legt einen Diminutiv nahe. Die Kombination / ao/ ist sonst in den Orts- und Flurnamen nicht belegt. Das HL ist deswegen nicht deutbar. Maquen Maquen ist nur 1305 in Raron als Maquen Aker ‘ der Acker der Verwandten ’ belegt. Am nächstliegenden ist schwdt. Mag ‘ Verwandter ’ (I D . 4, 96), sodass die Bedeutung ‘ der Acker der Verwandten ’ gegeben ist. Geschrieben ist Maquen auf französische Art mit der Vermeidung von / g/ als / š / vor / e/ . Marani (FaN) Marani (FaN) ist in Punta Marani, dt. Schwarzhorn (LT, Binn) belegt. Die Spitze wurde nach dem it. Bergsteiger Lorenzo Marani (1855 - 1933) benannt, der als Führer Riccardo Gerla auf den Berg führte. Die Information stammt aus verschiedenen Internetquellen (z. B. www. sac-cas.ch/ huetten-und-touren/ sac-tourenportal/ schwa rzhorn-punta-marani-1744/ berg-und-alpinwandern/ [26.01.2021; IW]). Der dt. Name bezieht sich auf die dunkle Farbe des Gesteins. March March f. ist zu schwdt. March f., Pl. Marche n auch unverändert, ahd. marca, mhd. marke, march ‘ Zeichen, speziell Grenzzeichen, wie Marksteine, Gräben, Mauern oder Hecken; Grenzgebiet, Flur- oder Landesgrenze allgemein ’ und ‘ abgegrenztes Gebiet, besonders einer Mark- oder Dorfgenossenschaft ’ (I D . 4, 388 f.) zu setzen. G RICHTING (1998, 131) hat Maarch, Maarchstei ‘ Grenzstein, Markstein ’ mit der Dehnung vor / r+Kons/ . Letzteres kennt auch I D . als March-, Marg(g)stein oder -ste n m. im Sinne von Stein in bearbeitetem Zustand ‘ gesetzter Stein, Grenzstein ’ (I D . 11, 774 f., 853 ff.). Das Simplex t March ist mehrfach belegt, wobei die Nennung in Bürchen, Törbel und Unterbäch den gleichen Gipfel bezeichnet, der den Grenzpunkt der drei Gemeinden bildet. Die fünf weiteren Belege in Fieschertal, Glis, Grengiols, Reckingen und Mund benennen andere Grenzverläufe. Mit attributiven Adjektiven findet sich Heeji March ‘ der hohe Grenzstein ’ (Agarn, Turtmann), beÿ der Höchen March (1781 u. später, Turtmann) und an der Lengen March ‘ an der langen Grenzlinie ’ (1703, Ausserberg). Manuel (PN) 187 188 <?page no="648"?> Als Grundwort ist March in zweigliedrigen Komposita belegt in in der Dorffmarch ‘ in der March (Grenzgebiet) des Dorfes ’ (1589, Niedergesteln), Forgenmarch ‘ die March (Grenze) bei der Forge (wohl: Gabel, Galgen) ’ (1728, Leuk, 1723 under der Forzenmarch), die Lüppenmarch ‘ die March (Grenze) bei der Alpe Lippa ’ (1774, Eggerberg), auf die Rosmarchen (unklar, ob Roossen (Röstplatz für Hanf und Flachs) oder Ross(matte) (Pferdeweide) gemeint), (1732, Visperterminen). Als Bestimmungswort tritt das HL vor allem mit dem HL G RABU (rund 25 Belege) auf; ein Marchgrabu bildet eine Grenze zwischen zwei Gemeinden, Alpen oder Eigentümern. Ähnlich sind Komposita mit den Grundwörtern zu den HLL Bodu, Licka, Schleif, Schluocht, Wang und Wäg zu verstehen. Anders der Marchstei ‘ Grenzstein zwischen Täsch und Zermatt ’ . Hierzu gehört auch bim Drimarchstei ‘ der Grenzstein der drei Gemeinden Bürchen, Törbel und Zeneggen ’ , wobei I D . (11, 855) von einem dreieckigen Marchstein (der Kantone Bern, Solothurn und Baselland) spricht. Unklar ist die Rolle von Tschugge ‘ Fels ’ , der in den komplexeren Konstruktionen Obärmarchtschuggu und Unnärmarchtschuggu (beide Gampel) belegt ist. Vermutlich sind hier der obere und der untere Marchtschuggu gemeint, wo die March (Grenze) zwischen Gampel und Bratsch (früher zwei Gemeinden, heute nur noch eine Gemeinde) durchging. Weitere komplexe Bildungen sind etwa der Inner und der Üsser Marchgrabo ‘ der innere und der äussere Graben, die eine March (Grenze) zwischen den (damals noch getrennten) Burgerschaften von Glis und Brig bilden ’ (Glis) und Marchschliechtgibode ‘ der Boden bei der kleinen Geländeeinbuchtung mit der March (Grenze) ’ (Reckingen). Einen Sonderfall stellt der Name Mattmark (Saas- Almagell) dar. Er erscheint in den ältesten Belegen wie folgt: 1300 Mundmar, 1395 in alpe de montmar, 1475 de monte marino wulgariter jn Montmar, 1511 Montmarch, 1539 am Mundmarg, 1562 jn Muntmar, 1763 die Matmargalpen, 1852 in Matmark. Diese Reihe zeigt, dass ursprünglich ein romanisches Kompositum vorliegt, das wohl die lat. Lemmata MONTEM ‘ Berg ’ und MUREM (eig. ‘ Maus ’ , hier aber wohl) ‘ Murmeltier ’ (nach T AGMANN 1946, 52) enthielt, also der Name ‘ Murmeltierberg ’ für eine Alpe. Erst ab dem 16. Jahrhundert findet eine deutsche Umdeutung statt: Mund wird zu Matt, mar zu Mark, wohl in Anlehnung an das HL M ARCH . Wie SK zeigt, befindet sich auf dieser Alp ein kleiner See, der später mithilfe einer Staumauer zum Stausee Mattmark wurde; das alte Hotel Mattmark (Saas-Almagell) befindet sich heute in diesem See, der als Stausee Mattmark (Saas- Almagell) belegt ist. Die Mattmarkbrigga ‘ die Brücke zum Werk der Mattmark AG ’ (Stalden) jedoch ist nach der Firma benannt, die dort ein Kraftwerk betreibt. Der Name muss heute als Kompositum aus Matt ‘ Mähwiese ’ und Mark ‘ Grenzzeichen ’ verstanden werden, obwohl das keinen vernünftigen Sinn ergibt. Marchande Marchande kommt zunächst im Beleg apud Cristam dol Marchande (1319, Leuk) vor. Vermutlich ist die Form trotz der Endung maskulin, worauf der Artikel hinweist. Ob ein FaN / PN oder die Berufsbezeichnung vorliegt, ist unklar. Das HL ist als marchand in FEW (6, 2, 6) verzeichnet und kommt als Marchandt im Register der HRBS vor, allerdings viel später. Die Deutung ist ‘ beim Hügel des Händlers / des Marchand (FaN/ PN) ’ . Vermutlich gehört auch eys Marchanz ‘ bei den Händlern / bei der Familie Marchand ’ (1355, Agarn) hieher; die alternative Lesung marchauz ist wohl nicht richtig. Marchis Marchis ist nur 1358 in Leuk als eys rees marchis ‘ bei den Sumpfgräben ’ belegt. Nach P H . K ALBERMATTER (p. c.) kann auch marachis gelesen werden. In beiden Fällen ist entweder ein PN oder FaN Marchi gemeint (cf. HL M ARCHY ) oder das HL M ARSCHEN ‘ Sumpf ’ zu marisk (anfrk.) sumpf (FEW 16, 519). Als Deutung wird ‘ Sumpf ’ angenommen, weil supra crossum Rodani ‘ oberhalb der Vertiefung des Rotten ’ zu lesen ist; laut D U C ANGE (2, 627a) ist crossum zu crosum zu stellen, das sich als ‘ Vertiefung ’ wiedergeben lässt; zu rees ist wohl raye ‘ Furche, Graben ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 104) anzunehmen, sodass am ehesten ‘ bei den Sumpfgräben ’ zu verstehen ist. M EYER (1914, 170) stellt rees allerdings zu lat. REGE und meint damit einerseits eine Flur, anderseits den FaN Rey. Letztlich bleibt damit die Frage nach der Deutung offen. Marchy Marchy ist nur belegt in pratum Marchy (1510 u. später, Agarn). Die Konstruktion legt einen PN oder FaN nahe: ‘ die Wiese des Marchy ’ . Der Name ist sonst nicht belegt; es geht aus der Konstruktion nicht hervor, ob es sich um eine latinisierte Form (dann wäre Marchy zum PN Marcus zu stellen) handelt oder nicht. Marcon Marcon ‘ bei den Grenzsteinen ’ ist 1740 in Inden als in Marcon belegt. Da das Dorf noch Jndes genannt wird, ist unklar, ob es sich bei in Marcon um einen deutschen oder einen romanischen Flurnamen handelt. Deutsch käme wohl schwdt. March ‘ Grenzstein, Grenze ’ und wdt. Maarch ‘ Grenzstein, Markstein ’ (I D . 4, 388; G RICHTING 1998, 131) in Frage; die Endung würde dann einen Plural 189 190 Marcon <?page no="649"?> meinen und wäre als ‘ bei den Grenzsteinen ’ zu deuten. Ein romanischer Flurname würde auf lat. MARCUS schmiedehammer (FEW 6, 1, 319 f.) zurückgehen, vgl. G ERSTER (1927, 49 s. v. mark ųɳ ‘ pièce de bois qu ’ on met sur les raisins quand on les presse (Stück Holz, das man beim Pressen auf die Trauben legt) ’ ). Dieser Terminus scheint sich in der Terminologie des Weinbaus (E GLI 1982, 297 f.) erhalten zu haben, ist aber in der Toponomastik kaum vorhanden. Hinzu kommt, dass in Inden selbst kein Weinbau betrieben wurde. Die Deutung geht deswegen vom deutschen Wort aus. Märe Märe f., auch Mära ist zu schwdt. Märch f., in der lebenden Mundart durchgängig Mä(ä)re n ‘ Mähre, Stute ’ , ahd. mer(i)ha, mhd. mehre (I D . 4, 394) zu stellen; bei G RICHTING (1998, 131) hat Määra, Mära ‘ Mähre, Stute ’ sowohl Länge wie Kürze. Unklar ist, warum in den lebenden Belegen von Naters und Ried-Brig ein Typ Mera (mit geschlossenem / e/ ) belegt ist, während sonst lebend ein offenes Mära - Märu erscheint. Das widerspricht eigentlich allen sonst belegten Verteilungen. Das Simplex ist als Mera (Naters) belegt, wo es mit der Merichnubel und der Meritritt ein Namennest bildet. Die Flur liegt direkt an der Massaschlucht in felsigem Gebiet; eine Stutenweide kommt kaum in Frage, eher das Aussehen eines Felsen. Als Plural erscheint t Mere in Ried- Brig auf rund 2000 m im Steinutal; hier könnte eine Stutenweide gemeint sein. Mera ist 1839 auch für Termen belegt, ohne nähere Angaben. Der Typ t Mära ‘ die Mährenweide ’ (Baltschieder, Stalden) ist zweimal belegt; ein Plural findet sich nicht. die Jnder Mera ‘ die innere Mährenweide ’ (1543, Staldenried) weist ein attributives Adjektiv auf. Das HL erscheint als Bestimmungswort vor allem in t Märafelli (Törbel), t Märufelli (Oberems, Zeneggen), wo es auch t Obri und t Undri Märufelli gibt. Historisch kennt auch Embd 1895 an der Oberen Merofelli. Überall sind Stellen gemeint, an denen Stuten hinunterfallen können. Die übrigen Belege sind historisch und nicht immer einfach zu deuten: der Mehre Acher (1792, Ernen) und die Mehre Weith (1792, Ernen) sind wohl ein Acker und in der Nähe die ‘ Mährenweide ’ . an den Meren Bak ‘ an den Mähren-Bach ’ (1306, Saas-Balen), die Mehrebinen ‘ die Pflanzplätze bei der Mährenweide ’ (1755, Gampel) und zúr Mehren Schnitte ‘ bei dem abgeschnittenen Stück der Mährenweide (unsicher) ’ (1839, Eisten) sind weitere Belege. Es ist möglich, dass hier auch mehrere verschiedene HLL vorliegen, doch gibt es keinen Hinweis darauf in den Wörterbüchern. Unklar ist, ob das HL M ÄÄRJELA als Ableitung hieher zu stellen ist (cf. HL M ÄÄRJELA ). Märetschu - Märetschi Märetschu - Märetschi lässt sich aus afrpr. marést š i < *marisca f. ‘ Sumpfland ’ ableiten, das wie frz. marais auf fränkisch *marisk m., mit Suffix-Ersatz / - ISCA / , zurückgeführt werden kann (J ACCARD 1906, 258; M URET 1912, 53; freundliche Mitteilung von W ULF M ÜLLER vom 14.03.2007). Es wird hier als eigenes Lemma behandelt, da seine Verwandtschaft mit Mare und seinen Varianten (cf. HL M AARISSE ) nicht mehr direkt durchschaubar ist. Das Zentrum des Namens liegt in Agarn und Leuk: in beiden Gemeinden liegen Alpe, Seen, Bach und eine Siedlung Meretschi (LT, Leuk) und Märetschuviertil (Agarn), beide am Märetschibach (Leuk, Agarn), auch Märetschubach (Leuk). Zentral ist dabei die Alpe Märetschu (Agarn), (auch Leuk). Für Agarn sind weiter belegt Märetschichar ‘ Mulde auf der Alpe Märetschi ’ , Märetschigletscher, der Märetschugrabu, am Märetschugrabu, der Ober und der Unner Märetschisee und ts Unner Märetschi. Nur historisch belegt ist lateinisch in monte Meretschen ‘ auf der Alpe Meretschi ’ (1809, Agarn). Für Leuk ist neben den schon erwähnten Namen belegt: Märetschiarb ‘ die Arven auf der Alpe Märetschi ’ , Meretschihorn (LT und SK), Märetschimatte, Märetschiritza, Märetschisattil, Märetschiwald, Märetschuwasserfall, der Ober Märetschistafil, der Ober und der Unner Märetschusee, die Obri und die Unner Märetschialpu. Isoliert ist in Ergisch pratum dol marech ‘ die Wiese beim Sumpfgebiet ’ (1328). In Hohtenn gibt es Märetschu (FLNK, LT) und dazu der Määretschuhubil, der Määretschugrabu und t Märetschuweide. Nur 1798 ist in Eischoll Jn Meretzhalten belegt; hier kann auch ein PN Meret im Genitiv vorliegen (I D . 4, 375). In Niedergesteln findet sich 1852 die Meritschen, ohne näheren Kontext. Die Belege im Bezirk Westlich-Raron (Eischoll, Hohtenn und Niedergesteln) können nicht aus dem direkten Kontakt mit Patois-Sprechern stammen, im Unterschied zu Agarn und Leuk. Sie müssen, wenn die Herleitung überhaupt zutrifft, früh ins Walliserdeutsche übernommen worden sein. Marflosa Marflosa ist wie folgt belegt: 1551 die Marflosa, 1598 Marfloosa, 1607 die Marbflosa, 1680 Marlosam flumen. Es handelt sich um einen Bachnamen; laut Eintrag um den heutigen Alpjerbach (J ORDAN 2006, 276 kennt den Namen als Alpjärwassär; gibt aber die verschiedenen historischen Benennungen an). Dieser Bach stammt aus verschiedenen Quellen und fliesst an verschiedenen Orten Märe 191 192 <?page no="650"?> vorbei in die Doveria. Die Schreibungen variieren; eine Deutung ist nicht möglich. Margel Margel n. ‘ Margel ’ ist zu schwdt. Märgel m. ‘ Mergel ’ (I D . 4, 403) zu stellen. K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 616) geben für mhd. mergel eine Entlehnung aus mlat. MARGILA an, das seinerseits wohl auf ein keltisches Wort zurückgeht. Belegt ist es als ts Maargu (Binn) (1: 10000 Margul); das Neutrum bezeichnet wohl ein Kollektiv, also ‘ sandiger Boden ’ . In Betten ist ts Mergelstei ‘ das Gut im Gebiet, wo es zu Stein verhärteten Mergel hat ’ belegt; Margelstein findet sich in G R W B (12, 2092) als ‘ zu einem Stein verhärteter Mergel ’ . Auch hier gibt das Genus ein Kollektiv an. Als kleines Namennest kommen t Margelsteisita ‘ der steile Abhang beim Gut Margelstein ’ und ts Margelsteiwägi ‘ der kleine Weg zum Gut Margelstein ’ (beide Betten) hinzu. Margellon ist nur 1487 in Lax belegt. Der Text lautet: in der Lowinon de Margellon; die Konstruktion enthält ein lateinisches de, was normalerweise einen Ablativ verlangt. Es ist unklar, ob Margellon ein solcher Ablativ ist, oder den Dativ von Margella ‘ Mergel ’ meint, also ein Rutschgebiet aus Mergel. Es kann sich aber auch um eine Form von Märjela (cf. HL M ÄRJELA ) handeln. 1633 ist in Martisberg von zwei Wasserleitungen die Rede, von der die zweite ihn der Mergillen gefasst wird. Vermutlich handelt es sich hier nicht um das HL M ARGEL , sondern um eine geschriebene Form von Märjela (cf. HL M ÄRJELA ). Margrettun (PN) Margrettun (PN) ist ein Genitiv Singular zum Frauennamen Margar ē ta, Márgr ē t (I D . 4, 402), der erstmals 1613 in Visp als Margrettvn Matta ‘ die Wiese der Margaretha ’ belegt ist. Der gleiche Vorname findet sich in Rifugio Regina Marguerita CAI ‘ die Schutzhütte der Königin Margherita CAI ’ , die auf den Karten auch als Capanna ‘ Hütte ’ erscheint. Gemeint ist die Gattin Margherita (1851 - 1926) des it. Königs, die durch eine Spende die Hütte ermöglichte. Maria (PN) Maria (PN) ist ein PN, der zunächst zur Mutter Jesu gehört; weiter wird er als PN Maria, Marja, Marji, Mar ī , Maja und Kurzformen wie Marjeli, Märjeli, Marili, Majeli u.ä verwendet (I D . 4, 354 ff.). In den Flurnamen erscheint es wie folgt: Cristam Marie ‘ der Hügel der Maria ’ (13. Jh. u. später, Ergisch), wo die Belege supra Cristam Marie de Argessa (1328, Ergisch) (mit Abweichungen) haben. Der Beleg ist als ‘ auf dem Hügel der (hl.) Maria von Ergisch ’ zu verstehen. Die übrigen Belege sind sehr unterschiedlich: Maria am Wäg (FLNK, Randa) ist der Name eines früheren Hotels, das heute als Lager- und Kurhaus dient. 1814 ist in Stalden ein Maria Matten genannt, mit unklarer Deutung. In Bellwald hat FLNK Maria zum Schnee (FLNK, Bellwald, auf rund 2000 m), das aber bei S CHMID (1968) fehlt. In Naters erscheint Mariiahilf als Name einer Kapelle oberhalb des Dorfes (zur Mariahilf-Verehrung cf. HL H ILF ). In Oberems ist ein ts Mariahoru ‘ Marienhorn ’ belegt, in Ergisch ein Mariiuhoru ‘ Marienhorn ’ ; die beiden Gipfel sind aber nicht am gleichen Ort; ob sie überhaupt nach Maria, der Mutter Gottes, benannt wurden, ist unklar. Anders ist Tschanta Maria Flüe (FLNK, Albinen) zu verstehen (M ATHIER 2006, 45 (Nr. 9)): es handelt sich um eine Fluh auf ca. 2200 m, die wohl nach Maria, der Mutter Gottes, benannt wurde. Ganz anders lässt sich ts Marjibaabisch Chieli (Hohtenn) verstehen: es handelt sich um einen Felsblock, der nach einer Frau von Hohtenn benannt wurde: ‘ die kleine Kuh (Felsblock) der Maria Barbara (PN) ’ . Marielouise (PN) Mariluwi f. ist zu Marielouise, einem weiblichen PN zu stellen, der so nicht in I D . aufgeführt ist. Der Name ist nur belegt in dr Mariluwis Grund ‘ der Grund der Marielouise ’ (Baltschieder), eine Wiese in der Rottenebene. Es handelt sich um den Namen der (früheren) Besitzerin. Marjunne Marjunne ist nur in t Marjunne (Varen, LT Marjunne) belegt und benennt ein Gebiet mit Reben, das allerdings auf SK noch ohne Reben erscheint. Ob es sich um einen frpr. Flurnamen handelt, ist unklar. Er wird deswegen nicht als frpr. gekennzeichnet. Historische Belege fehlen; eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Markus (PN) Markus (PN), it. Marco, ist zum PN Markus (I D . 4, 407) zu stellen. Belegt sind San Marco ‘ San Marco (heute Pfarrei Sankt Markus, auch Gebiet an der Landesgrenze zu Italien bei Gondo ’ (FLNK, Zwischbergen; SK St. Marco, LT S. Marco) und ts Maarkusch Acher ‘ der Acker des Markus (? ) / an der Grenze (March) ’ (Ergisch). Der lebende Beleg legt einen Genitiv von Markus nahe, die historischen Belege sind unklar: 1398 Marken Acker, 1453 zum Marchon Aker, 1510 (? ) zem Marchenacher, 1555 zum Marken Achers (mit einem Genitiv, der eher an March orientiert ist), 1580 zu ᵕ Marcken Achers, 1630 (ca.) Zs Marckun Acher usw.: der PN Markus erscheint relativ spät; vorher scheint eher March gemeint zu sein, also ‘ der Acker an der Grenze ’ . 193 194 Markus (PN) <?page no="651"?> Marolf (FaN) Marolf (FaN) tritt nur einmal im Genitiv Marolfsmatta (1307, Raron) auf. Zum FaN Marolf siehe G REMAUD (5, 188), wo ein Petrus, Sohn des Willelmus Marolf, als Zeuge in einem Akt von 1360 verzeichnet ist. Im F AMILIEN- NAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1170) ist M AROLF als FaN primär für den Kanton Bern (Erlach, Finsterhennen, Müntschemier und Walperswil) verzeichnet; das Wallis ist hier nicht vertreten. Maroli Maroli ist nur historisch in Salgesch belegt und bezeichnet einen Weinberg (lat. VINEA ). Die Formen sind: 1413 ov Marroley`, 1699 jm Maroli, 1790 Marlè, 1802 im Marrli, 1880 (ca.) im Marrelÿ. Der älteste Beleg legt einen frpr. Namen nahe. Er gehört wohl zum Pflanzennamen M AR- RUBIUM VULGARE (dt. Gemeiner Andorn), der laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 818) auch im Wallis belegt war. Vgl. FEW (6, 1, 377 ff. s. v. M ARR Ŭ BIUM ), wo u. a. Belege zu marroil usw. gegeben werden. Marschen Marschen ist nur historisch als Marschen Strase ‘ die Strasse in die Martsche ’ (1880, Salgesch) belegt. in t Maartsche (Salgesch) ist ab 1494 als eys marches und ähnlich belegt; Maartschä ist so in M ATHIER (2015, 97) zitiert, der es zu frz. marche ‘ Grenzland ’ stellt, während T AGMANN (Ms., 71) Martschen notiert, das er vorsichtig zu afrprov. *mart š é(s), einer Entsprechung zu frz. marchais ‘ marchais, mare ’ stellt. In Leuk ist ein neutrales ts Maartschi belegt, das schon 1650 und auch später als jm Martschi erscheint. J ACCARD (1906, 257) stellt Namen des Typs Marche einerseits zum frz. marche ‘ Grenzland ’ und anderseits auch zum frz. marèche ‘ Sumpfland ’ . Hieher dürfte wohl auch die Ableitung t Martschinagillu ‘ der Tümpel im Sumpfland ’ (Leuk) passen. Insgesamt lässt sich die Bedeutung der Namen nicht sicher fassen. Märt Märt ist nur als Bestimmungswort belegt. Es ist zu schwdt. Märkt, Märet, Märit, Märt, Mart m., Pl. Märite n , Märt allgemein wie nhd. ‘ Markt, Marktplatz ’ , mhd. mark(e)t, merket und wdt. Märt ‘ Markt, Handel ’ (I D . 4, 409 ff. und 5, 261; G RICHTING 1998, 133) zu stellen. Am häufigsten ist der Märtplatz ‘ der Marktplatz ’ (Brig, Naters, Stalden, Turtmann, Visp) belegt, also jener Platz, auf dem der Markt stattfand. Heute ist dieser Platz teilweise überbaut. t Märätmatta (Kippel) ist eine Wiese für den Markt, während t Märtmatta (Visp) den gleichen Ort wie der Märtplatz meint; der Märtwendschleif ‘ der Schleif bei der Wende zum Markt ’ (Visp) ist unklar, da die Koordinaten fehlen. In Kippel ist zer Märätmattstapfu ‘ die Stapfe (Zaunübergang) bei der Marktmatte ’ belegt, doch sagt Gwp., es handle sich um die Einmündung der Kirchstrasse in die Talstrasse; die Benennung sei veraltet. Nur historisch belegt ist 1427 in Bitsch Mertweg ‘ der Weg zum Markt ’ , der auch Brigerweg heisst. Marta (PN) Marta (PN) ist ein weiblicher Taufname Marta, Marte (I D . 4, 425). Es sind nur zwei historische Belege überliefert. Sicher ist z Martún Acher ‘ der Acker der Marta ’ mit einem Genitiv (1736, Ergisch). Unklar dagegen der Beleg von 1319 in Lalden fundo Marta (Marca? ). Es handelt sich um eine Wiese, die lat. FUNDUS ‘ Gut, Boden ’ genannt wird. Da Marta als PN eigentlich einen Genitiv aufweisen müsste (Martae od. Marte) ist unklar, ob es sich wirklich um einen PN handelt. Marca ist als Lesart ({c} ist {t} sehr ähnlich) möglich, müsste aber ebenfalls im Genitiv stehen. Der Beleg ist darum unsicher. Martereryr Martereryr ‘ beim Friedhof ’ ist in Ergisch wie folgt belegt: ol martereryr (1328, zweimal), 1453 in martirio, 1510 (? ) jn martirio, 1535 in martirio. Der erste Beleg ist romanisch und kann eine erweiterte Ableitung auf / - ARIU ( M )/ (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 288) aufweisen, die späteren sind wohl an das Lateinische angelehnt. Zu stellen ist der Name zu lat. * MARTYRETUM ‘ Friedhof ’ (vgl. griech. martyr märtyrer (FEW 6, 1, 394 ff. und besonders die Bemerkungen zu martyretum S. 396; B OSSARD / C HAVAN 2006, 228)). Laut letzteren Autoren schwankt die Endung sehr. Die an das Lateinische angelehnten Formen beziehen sich eher auf lat. MARTYRIUM märtyrergrab, märtyrertum (FEW 6, 1, 397 ff.) Marunglii Marunglii ist lebend als im Marunglii (Albinen) belegt. M ATHIEU (2006, 17 und 19) kennt es als Marungglii. Historisch ist es 1602 als v maroglir (mit Varianten), 1611 als ouz marugli, 1659 als im Marugi, 1675 als ou marugli usw. belegt. Das inlautende / n/ erscheint erstmals 1831. Historisch ist 1794 in Leuk im Marigli und 1694 ebenfalls in Leuk im Maring erwähnt. Das ersterwähnte Marigli dürfte mit dem in Albinen belegten Marunglii identisch sein, sollte doch dort laut Dokument Kalk gebrannt werden. Hingegen ist im Maring laut Beleg ein Garten, der sich in Leuk befindet. Ersteres lässt sich am ehesten zu *marr- (vorröm.) stein (FEW 6, 1, 368 ff.) stellen; falls [-gl-] in den Belegen ursprünglich als mouilliertes / l/ zu verstehen wäre. In FEW ist marre einmal für Couze (Dordogne) als ‘ calcaire ’ belegt. Die Marolf (FaN) 195 196 <?page no="652"?> Herleitung ist aber so unsicher, dass eine Deutung nicht möglich ist. Märweri Märweri f. ist nur in Münster belegt: in der Merwereiu ‘ in der Aue beim (gemeinsam bearbeiteten) Acker ’ (1750, Münster) und t Kaplaamärweri ‘ der (gemeinsam bearbeitete) Acker des Kaplans ’ (Münster). Der Name ist wohl eine Ableitung auf / - ERI / zum Verb märwen (I D . 4, 429) ‘ sich verbinden, sich vereinigen ’ , verwendet für ein gemeinsames Ackern eines Ackers (vgl. G ’ märber, I D . 4, 429). Das HL ist sonst nicht belegt. Marx (PN) Marx (PN) ‘ des Markus ’ ist als Genitiv zum PN Markus (I D . 4, 407) zu stellen, im Wallis auch als Familienname Marx (AWWB 163) belegt. In Flurnamen wird der Genitiv des Besitzers oder Nutzers vorangestellt: Marggsch Halta ‘ die Halde des Markus / der Familie Marx ’ (Kippel), Zmargs Stadel ‘ der Stadel des Markus / der Familie Marx ’ (1692, Mörel), das Marx=Mättelti ‘ die kleine Wiese des Markus / der Familie Marx ’ (1762, Termen), beÿ Marx Stadel ‘ beim Stadel des Markus / der Familie Marx ’ (Greich). Auch t Maartschweng ‘ die Grasabhänge des Markus / der Familie Marx ’ (Bellwald) gehört hieher, nach Ausweis der historischen Belege von 1824: Margx Wengen. Mascheri (FaN) Mascheri (FaN) m. ist in Leukerbad belegt. Laut Gwp. sei jedoch das anlautende / m/ agglutiniert; der Name werde Ascheri geschrieben. Als Aschere ist er bei R. G RICHTING (1993, Blatt 11, Nr. 10) belegt, weiter sind dort Ascherebodu (Blatt 11, Nr. 17) und Ascherehoru (Blatt 11, Nr. 11) genannt, teilweise auch auf andern Blättern. Ascherehoru (FLNK, Leukerbad) steht in der Datenbank des VSNB. Neben im Mascheri (mit Erstbetonung) sind in Leukerbad belegt: t Mascheriheechi ‘ die Höhe beim Mascheri ’ , der Mascheri Bodu ‘ der Boden im Gebiet Mascheri ’ . SK hat Mascherel Wald gleich daneben. In Guttet ist historisch Mascheresweyd (1670) belegt. Wenn der Name Mascheri original ist, dann ist er wohl zum rom. FaN Masserey, Masserelli, Mascherel (AWWB 164) zu stellen. M EYER (1914, 167) führt für das Einfischtal den FaN Masarei auf Macherel zurück; J ACCARD (1906, 248) hat Macherel für den Ortsnamen Masserey und den Weilernamen Mâcherey, beide im romanischen Wallis. Mascheri dürfte also ein FaN sein. Mäscherne Mäscherne ist wohl zu schwdt. Maschele n , Mäschele n , Meschele n , Mäsch, Mäsche n , Mäschel, Meschel f. ‘ weiblicher Hanf ’ (I D . 4. 502) mit dem fem. Suffix / - ERNA / zu stellen, das als Kollektiv eine Menge von Pflanzen meint (cf. Blackerna ‘ Ort, wo es viele Blacken hat ’ ). Das HL ist wohl aus dem lat. MASC Ŭ LUS ‘ männlich, männchen ’ (FEW 6, 1, 425 ff.) in der Bedeutung Weibliche Hanfpflanze übernommen. Belegt ist nur der Plural t Mäscherne ‘ die weiblichen Hanfpflanzen ’ (Leukerbad) und der Mäschernugrabu ‘ der Graben bei den Mäscherne ’ (Leukerbad), der auch bei R. G RICHTING (1993, Blatt 21, Nr. 3) als Mäschärnugrabu erscheint. Vermutlich auch hieher gehört zuo Mäschginen ‘ bei den kleinen weiblichen Hanfpflanzen ’ (1663, Bratsch), das das HL ohne das Suffix / - ERNA / aufweist. Zum Vorkommen der Pflanze cf. HL H ANF . Maschi (FaN) Maschi (FaN) ist nur belegt in Maschihuis ‘ das Haus der Familie Masen ’ (Simplon). Nach A RNOLD (1984 [1947], 235, 256) und J ORDAN (2006, 57) ist es zum FaN Masen zu stellen, der später zu Maschen (erstmals 1561) wird; historische Belege mit Magen (1384, 1669) lehnen sich eventuell an Mage ‘ Verwandter ’ (G R W B 12, 1435) an. Ein früher Beleg in Camascha (1357) ist wohl eine italienische Übersetzung von Maschihuis. Maschiinu Maschiinu f., oblique Form, ist belegt in ts Maschiinuhüsi ‘ das kleine Maschinenhaus (des Elektrizitätswerks) ’ (Visperterminen). Das HL ist zu schwdt. Maschine n f. ‘ Maschine, mechanische Einrichtung ’ und wdt. Maschiina, Maschiinu ‘ Maschine ’ zu stellen, entlehnt aus frz. machine f., dieses aus lat. M Ā CHINA (I D . 4, 502; G RICHTING 1998, 133; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 604). Mascht Mascht m. ist nur als bim Maschtu Vieri ‘ bei Masten Vier ’ (Saas-Fee; LT Maste 4) belegt. Gemeint ist eine Haltestelle der Seilbahn auf das Fels-Chin. Zu stellen ist Mascht zu nhd. ‘ Segelbaum ’ , ahd. und mhd. mast (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 606); die Bedeutung als Mast einer Seilbahn ist eine Adaptation der alten Belege. G RICHTING (1998, 133) hat wdt. Mascht (w. u. m.) ‘ Mast, Elektromast ’ . Mäss Mäss n. ‘ das Mass ’ ist zu schwdt. Mës(s) n. ‘ Mass, bes. Längen-, Hohlmass, Messgerät ’ , den Verben mësen und mëssen ‘ messen ’ und wdt. Määss, Maass ‘ Ausmass ’ , resp. mässe, mässä (Goms), mässn (Lötschental), mässu ‘ messen ’ (I D . 4, 450 ff.; I D . 4, 456 ff.; G RICHTING 1998, 133) zu stellen. In Alpengebieten bezeichnen die Namen meist Stellen, die mit der Milchmessung in Zusammenhang standen; an den Mess-Tagen wurde der Milchertrag der 197 198 Mäss <?page no="653"?> Kühe gemessen und damit bestimmt, wie gross der Anteil der Besitzer am Alpnutzen ist. Als Grundwort kommt das HL nur im Kontext ts Wiichilmäs (Niedergesteln) und historisch als das Wichelmes (1832, Blitzingen), im Wichelmes (1846, Selingen), Winkelmäs (1860, Mund) vor. Es ist zu Winkelmass (I D . 4, 456) zu stellen, wobei Winkel dem sog. Staubschen Gesetz unterliegt und zu Wiichel o. ä. wird (G RICHTING 1998, 239). Die Benennung ist metaphorisch für die Form des Geländes. Typischerweise erscheint das HL jedoch als Bestimmungswort, meist in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Biel, Brunnu, Chumma, Etz, Flüö, Grabe, Hitta, Matta, Stafel, Tola, Wang und Weid. Hier ist meistens Mäss im Sinn von ‘ Ort der Messung des Milchertrags der Kühe ’ zu verstehen. Sicher anders ist Mess Stein (1880 (ca.), Salgesch), wo ein ‘ Vermessungsstein ’ gemeint ist. Unsicher ist t Mäszig ‘ die Mess-Züge ’ (Unterbäch), wo laut Gwp. “ Lawinenzüge mit Lawinenverbauung ” gemeint sind; hier könnte eine Messung der Lawinentätigkeit gemeint sein (unklar); ähnlich ist der Mässtschuggu ‘ der Fels, dessen Bewegungen gemessen werden (nach Gwp.) ’ (St. Niklaus) zu verstehen. In Blatten ist dr Äswang belegt, der auch als dr Mäswang ‘ der Grasabhang, wo der Milchertrag der Kühe gemessen wurde ’ benannt ist. Wahrscheinlich ist, dass der erste Name durch Abtrennung von / m/ aus dem zweiten entstanden ist. Ein Problem stellen das mehrfach belegte t Mäslowwi (Mund), t Mässlowwina (Eisten, Staldenried) und die komplexeren der Mäslowwigrabo (Mund, Staldenried), der Mäslowitritt (Mund), der Mäslowwizug (Staldenried) dar. Das HL L ÖUWINA meint normalerweise einfach ein Rutschgebiet; es kann - wie in Staldenried - auch ein Stafel einer Alpe sein. Darum dürfte, trotz aller Bedenken, auch hier generell von einem Rutschgebiet die Rede sein, bei dem der Milchertrag der Kühe gemessen wurde. Ebenfalls schwierig ist t Mässleiber ‘ die Gebiet mit Laub bei der Mässflue ’ (Steg), ein Plural, zu dem es der Mässloibgrabu (Simplon), der Mäslöübgrabu (Saas-Almagell), der Mäslöübrigg ‘ der Rücken beim Mäslöübgrabu ’ (Saas- Almagell) gibt. Es scheint, als sei hier ein Pflanzenname Mässlöüb vorhanden, doch findet sich in der verfügbaren Literatur kein derartiger Hinweis. Und der Plural Leiber (Steg) deutet nicht auf eine Vereinfachung von Mässlowwi hin. Mit attributiven Adjektiven finden sich mehrere Komposita: t Alt Mässhitta (Grengiols) und Niwi Mässhitta (LT, Grengiols), t Erscht, di Zweit und Dritti Mässhitta (alle Ried-Mörel), der Chli und der Gross Mäswang ‘ der kleine und der grosse Grasabhang, wo der Milchertrag der Kühe gemessen wurde ’ (Münster) und viele andere. Noch komplexer ist etwa der Fooder Mässflüegrabu ‘ der vordere Graben bei der Mässfluh (Fluh beim Ort, wo der Milchertrag der Kühe gemessen wird) ’ (Hohtenn) und andere. Eine / - ERA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) findet sich in t Mässera (Grengiols) und Mässere (FLNK, Binn), historisch wohl auch in Dmesseru ‘ die Mässera ’ (1692, Filet) und meint ‘ der Ort, wo der Milchertrag der Kühe gemessen wurde ’ . Der Name in Grengiols bezeichnet eine Wiese, die sich auf rund 1750 m befindet, der Name in Binn eine Alpe auf etwa 2000 m. Zu letzterer gibt es eine Reihe von Komposita wie t Mässeraupa ‘ die Alpe Mässer ’ (mit / l/ -Vokalisierung), der Mässerbach ‘ der Bach, der aus der Mässeralp herunterfliesst ’ (Binn), Mässerchäller ‘ der (Käse-)Keller der Mässeralp) ’ (FLNK, Binn), ts Mässerseewji ‘ der kleine See auf der Mässeralp ’ (Binn). Grengiols kennt der Mässerestäg ‘ die Brücke über den Mässerebach ’ , der sich bei der Mässera befindet; unklar ist, ob der hier erwähnte Mässerebach (auf SK als Messerbach) identisch ist mit dem Saflischbach. Hingegen ist der Mässerwald (Bister, Grengiols) - identischer Ort - zwischen Bister und Grengiols weit entfernt von jedem anderen namengebenden Ort. In den meisten Fällen dürfte also der Flurname auf den Ort zurückzuführen sein, wo der Milchertrag der Kühe bei der Alpung gemessen wurde; manche der Benennungen sind so aber nicht deutbar. Massa Massa ist der Name des Baches, der vom Grossen Aletschgletscher zum Rotten hinunterfliesst und dabei das Massachi, eine tiefe Schlucht, ausgewaschen hat. Heute ist der Bach im Gebiet Gebidum gestaut; das Wasser wird im Kraftwerk Bitsch zur Stromproduktion durch Turbinen verwendet. Im Bereich des Stausees gibt es heute einen Klettersteig mit Hängebrücke. Die ältesten Belege für den Bachnamen sind 1235 Masona, 1255 Massona, 1287 Massona, 1301 la Massonna. Es liegt also wohl ein romanischer Bachname auf / - ONA / vor, der für Bäche und Flüsse typisch ist. J ACCARD (1906, 264) schlägt gall. *mass- ‘ schön ’ und -ona ‘ Fluss, Quelle ’ vor. G UEX (1938, 358; 1976, 178 f.) hingegen beruft sich auf H UBSCHMIED und leitet den Namen vom Stamm mag > lat. MAGNUS ‘ gross ’ ab. Massa, ursprünglich *Magsa, soll ‘ die Starke, die Mächtige ’ bezeichnen, wobei damit nicht der Fluss selber, sondern die Gottheit des Flusses gemeint ist. Da in der Walliser Belegreihe ein Hinweis auf ein früheres / -g-/ im Namen fehlt, bleibt diese Herleitung spekulativ (W ERLEN 1991, 249). Einfacher wäre die Hypothese, lat. MASSA ‘ die Masse ’ (FEW 6, 1, 441 ff.) als Grundwort zu nehmen; die Massa bringt während der Schneeschmelze nicht nur viel Wasser, sondern auch Massa 199 200 <?page no="654"?> tonnenweise Sand mit sich, der für die Fruchtbarkeit des Talgrundes zwischen Bitsch und Naters (im Massaboden) sorgte. Das Simplex Massa ist belegt in Naters, Ried- Mörel und Bitsch. Als Bestimmungswort tritt es zusammen mit Bodo, Bord, Brigga, Chi, Egg(a), Schlüecht, Wäg und Wasserleita auf. Ein Sonderfall ist das für Ried-Mörel belegte Massa-Wasserteilung (1660); es handelt sich vermutlich nicht um einen Namen, sondern ein Appellativ. Adjektivische Bildungen sind der Obere und der Untere Massabodo und die Obere und Untere Massegga. Rätselhaft sind drei Belege, die unmittelbar wohl nicht mit der Massa zu tun haben können: An der Maseggen (1679, Birgisch), An der Maseggen (1425, Mund) und Massenbrúck (1732, Mörel). Während der letzte Beleg etwas mit der Bezirksgrenze zwischen Brig und Westlich-Raron zu tun haben könnte, sind die beiden ersten schwer zu erklären; in Mund könnte es sich auch um einen FaN handeln, in Birgisch dagegen ist der Ort (beim Safrangarten) zu weit von der Massa weg. Was aber sonst für ein Namenmotiv vorliegt, ist unklar. Massholter Massholter ist zu schwdt. Massholder(e n ) f., ahd. mazzoltar, mazzaltra, mhd. massalter, massolter ‘ Berg-, Feldahorn ’ (I D . 2, 1187) zu stellen. Als Flurname kommt das HL im Neutrum als Kollektiv oder im Plural vor. Feminine Formen fehlten. Die Simplizia ts Massolter und ts Massholter ‘ das Ahorngehölz ’ kommen sieben Mal vor. Zweimal sind die Plurale ze Massoltru ‘ bei den Ahornen ’ (Oberems, Unterems) belegt. Die unter A CER genannten Baumarten sind bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 550) belegt, die meisten kommen auch im Wallis vor. Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita kommt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern vor: Egg(a), Grabu, Grund, Riische und Stock. Einzelne Bemerkungen der Gwpp. (z. B. ‘ Eichenart ’ (Ausserberg)) zeigen, dass nicht immer klar ist, welche Baumart gemeint ist. Das lat. arbusculum carpineum (1592, Leuk und Salgesch) - eigentlich ‘ das Hagebuchenbäumchen ’ - wird mit Massholterstock übersetzt. Massoni (FaN) Massoni (FaN) ist zum FaN Massoni zu stellen, der nicht mehr belegt ist. Er kommt vor in der Massonibitz ‘ das kleine Stück Land der Familie Massoni ’ und der Massonigrund ‘ der Grund der Familie Massoni ’ (beide Baltschieder), Laut Gwp. zum zweiten Eintrag war der Besitzer aus Visp; das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1182) kennt den aus Italien stammenden Namen nur für den Kt. Glarus; für Visp liegt keine Einbürgerung vor. Matarooni Matarooni ist nur belegt in Tschiima Matarooni (Zwischbergen), einem Gipfel, der laut LT Cima Mattaroni (2236 m) heisst. Vermutlich liegt ein italienischer FaN vor, doch ist diese Deutung unklar. Der Gipfel liegt nach VSNB noch auf Schweizer Territorium; auf der Karte ist er aber als Grenzgipfel eingezeichnet. J ORDAN (2006, 296) verzeichnet ihn als Tschima Mattaróni, ohne Deutung. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) hat hierzu keinen Eintrag. Mathieu (FaN) Mathieu (PN) ist nur in t Mattjubedu ‘ die Böden der Familie Mathieu ’ (Unterems, FLNK Mattjibedu) belegt. Dass es sich hier um einen FaN handelt, legen die historischen Belege von 1839 Mathieu Boden und 1846 Mathj ŭ Boden nahe. Der FaN Mathieu ist in AWWB (164 f.) belegt; die Familie stammte ursprünglich aus Albinen und breitete sich später im Oberwallis aus. Mathilde (PN) Mathilde (PN) ist nur als Mathildespitze ‘ die Spitze (Felsspitze) der Mathilde (Gipfelname, unklar, zwischen Jungfrau und Jungfraujoch) ’ (LT, Fieschertal) auf 3554 m (Höhenangaben unterschiedlich) belegt (vgl. W ERLEN 2008, 604). Es ist nicht bekannt, von wem dieser Name warum gegeben wurde. Matta Matta (Matte im Goms, Mattu im Bezirk Leuk) ist das am häufigsten (rund 2500 Belege) verwendete Lemma. Es ist zu schwdt. Matte f., Pl. Matte n , Dim. Mattli, Mätt(e)li ‘ ebene Grasfläche, Wiese, bes. im Talgrunde, die das Heu für den Winter liefert, daher dem Viehtrieb nicht geöffnet wird, auch Bergwiese, im Flachland Wiese überhaupt ’ , mhd. mate und wdt. Matta, Mattä (Goms), Mattu ‘ Wiese ’ (I D . 4, 548; G RICHTING 1998, 133) zu stellen. R ÜBEL (1950, 66) führt bei der Besprechung der Bodennutzung aus, dass Matta “ als eng umgrenzter Nutzungsbegriff ” verwendet wird: “ eine im Privatbesitz bewirtschaftete Grasfläche, die gemäht wird und deren Ertrag Viehfutter für den Winter liefert ” . Sobald das Gras jedoch vom Vieh abgeätzt wird, wird die Matte zur Weide (auch Etzweide). Wird eine Matte bebaut, kann sie auch Acker genannt werden, genau so, wie ein erlegener Acker wiederum zur Matte werden kann; Gwpp. sprechen dann von ‘ gezierten Äckern ’ (zu ziere siehe G RICHTING 1998, 246). Formal tritt Matta als Simplex Matta f., Pl. Matte recht selten auf. Diminutive sind Matti n., Pl. Mattini, Mattji n., Pl. Mattjini, Mattelti n., Pl. Matteltini, Mättji n., Pl. Mättjini, Mättelti n., Pl. Mätteltini, Mettji n., Pl. Mettjini, Mettelti n., Pl. Metteltini, wobei im Einzelfall die Nebenvokale variieren können. Aber auch hier sind Simplizia 201 202 Matta <?page no="655"?> eher selten. Plurale und Singulare wechseln generell ab - Plurale bezeichnen im Allgemeinen eher grössere Flächen. Als Präposition tritt häufig in der / in den auf; gemeint ist dann das Gebiet, wo sich die Wiesen befinden. Verwechslungen mit den Typen Mad n. und Mettle - Mettja f. sind in Einzelfällen möglich; der FaN und Zugehörigkeitsname Matter kann zu Matta ebenso wie zu Mad gehören. Die weitaus meisten Belege von Matta enthalten dieses als Grundwort. Dazu gibt es einige häufig auftretende Kombinationen: Hüsmatta (nach R ÜBEL 1950, 68) und Hofmatta sind nahe beim Haus gelegene, bewässerte Wiesen, Kirchmatta und Kapällumatta gehören meist zum Kirchen-, resp. Kapellengut, ebenso wie Spittelmatta zum Gut eines Spitals. Bewässerungseinrichtungen prägen die Trogmatta, die Brunnenmatta, die Chänelmatta, während die Lage bei einem Kreuz oder einer Wegkreuzung die Chrizmatta kennzeichnen. Zu diesen Komposita stellt sich eine lange Reihe von weiteren, die etwa die Besitzer oder Nutzer nennen (z. B. Diezigmatten ‘ die Wiese der Familie Diezig ’ (Ried-Brig)), darunter auch die Alusuisse in Chippis, die t Aleminjummattu ‘ die Aluminium-Wiese (Wiese der Alusuisse in Chippis) ’ (Leuk) besass, die Lage (z. B. Milimatta ‘ die Wiese bei der Mühle ’ (Bellwald u. ö.), die Weidetiere (Chiematta ‘ Wiese für die Kühe ’ (Mund) oder Chalbermatta ‘ Wiese für die Kälber ’ (Mund)). Doppeldeutig ist Rossmatta ‘ Wiese für die Pferde ’ (Mund) vs. Roosmatta ‘ Wiese mit Röstplatz für Hanf und Flachs ’ (Ried-Mörel). Was auf den Wiesen wächst, findet sich in Lischmatta ‘ Wiese mit Lischgras ’ (Fiesch) oder Dischtulmatta ‘ Wiese mit Disteln ’ (Ried-Brig). Viele Wiesen werden nach ihrer Lage bei einem Weiler oder einer andern Siedlung benannt (z. B. Ladumatte (Hohtenn) beim Weiler Ladu). Eine Rolle spielen auch Lagen beim Wald wie in Waldmatta ‘ Wiese beim Wald ’ (Visperterminen), Holzmatta ‘ Wiese beim Holz (Wald) ’ (Blatten), Loomatta ‘ Wiese beim Loo (Wald) ’ (Eischoll) oder bei Bäumen (Eschmatta ‘ Wiese bei den Eschen ’ , Teelmattu ‘ Wiese bei den Dählen ’ , Eichmatta ‘ Wiese bei den Eichen ’ , Haselmatta ‘ Wiese bei den Haselstauden ’ , Tammatta ‘ Wiese bei den Tannen ’ ), aber auch bei Schluchten (Chimatta ‘ Wiese beim Kinn (Schlucht) ’ (Stalden), Ecken (Eggumatte ‘ die Wiesen bei der Ecke ’ (Zeneggen)) oder Felsen (Tschugge) Tschuggmatta ‘ die Wiese bei den Felsen ’ (Zwischbergen)). Unklar ist manchmal, ob die Beschaffenheit oder die Lage gemeint ist, etwa bei Steimatta ‘ die Wiese mit Steinen / bei den Felsen ’ (Ausserbinn). Und in einigen Fällen ist ein metaphorischer Gebrauch wahrscheinlich: die Wiese sieht aus wie ein Giebel (Gibelmatta (Visp)), wie eine Geige (Gigimatta (Oberems, wohl nach Alpe Giigi) oder wie eine Ahle (Allesenmatten (Raron)), sofern es sich nicht um einen PN handelt. Neben den Komposita im engeren Sinn gibt es Attributbildungen, die auch zu Adjektiv-Nomen-Komposita werden können. Wir finden Lengi Matta ‘ lange Wiese ’ Zwischbergen, Churzi Mattu ‘ kurze Wiese ’ (Ergisch), Beeschi Matte ‘ böse (schwer zu bearbeitende) Wiesen ’ (Steg), Gaalti Matta ‘ die brach liegende, unfruchtbare Wiese ’ (Turtmann), Leidi Mattä ‘ unschöne, unfruchtbare Wiesen ’ (Bratsch); neben Adjektiven auch andere Attribute wie Stotzundi Mattu ‘ steile Wiese ’ (Ergisch). Unklar ist jn der Affreton Matton (1345, Gampel), wo wahrscheinlich eine Form von AFTER ‘ hinten ’ erscheint (also: ‘ in der hinteren Wiese ’ ). Komposita dieser Art sind: Lengmatta (Mund), Breitmatta (St. Niklaus) und andere, die oft nicht fest zu sein scheinen. Weiterbildungen zu Komposita sind eher selten: so kennt Wiler den Namen t Nidrun Mattuschiirä ‘ die niederen (tiefer liegenden) Scheuern bei den Wiesen ’ . Hier werden einige Scheuern, die im Gebiet der niederen Wiesen stehen, näher bezeichnet. Die Koordinatensysteme der Höhe ober - nider, ober - unter, der Lage im Tal vorder - hinter und auch mittlerwerden, wie üblich, häufig verwendet; Beispiele finden sich in der Datenbank. Selten ist Matta- (auch endungslos als Matt-, oft mit Madverwechselbar) als Bestimmungswort. Neben dem Typ Mattachra ‘ die Äcker bei der Wiese ’ ist prominent die Fügung Mattwald ‘ Wald bei einer Wiese, bei einer Mähwiese ’ und sie ist doppeldeutig (zu Matta oder zu Mad); im Fall des Gipfelnamens Mattwaldhoru (Visperterminen) ‘ erbt ’ der Gipfel den Namen von der Mattwaldalp (Eisten), die ihreseits vom Mattwald her benannt ist. Unklar ist der Gemeindename Zermatt: die Fügung deutet auf ein Femininum (also Matta) und nicht auf ein Neutrum (also Mad) hin; das stimmt mit dem älteren, romanischen Name Praborgne überein, der lat. PRATUM ‘ Wiese ’ enthält. Matterhorn, Mattertal und die Matter Vispe sind vom Gemeindenamen abgeleitet. Die Vielfalt der Namen ist so gross, dass eine Reihe von Einzelbelegen nicht gedeutet werden kann. Näheres dazu findet sich in den Artikeln zu den verwendeten Lemmata. Besonders zu erwähnen ist der Typ Allmatte (Agarn, Leuk, Leukerbad), der wohl Allzu zum frpr. aulne ‘ Erle ’ enthält (cf. HL A LL ). Matter (FaN) Matter (FaN) ist zum FaN Matter, Mattere (AWWB 165) zu stellen; für Mund erwähnt ihn J OSSEN (1989, 77). Belegt sind durchwegs Genitive: (lat.: decima) Mattero ‘ der zehnte Teil der Familie Matter ’ (1393, Mund), Matteren Schleif ‘ der Schleif der Familie Matter ’ (1731, Leuk), Matterogwald ‘ das waldige Gebüsch der Familie Matter ’ (1890, Täsch, wobei Gwald zu Mattero gesetzt ist und Matter (FaN) 203 204 <?page no="656"?> wohl zusätzlich kollektiv ist), Mattero Schleif ‘ der Schleif der Familie Matter ’ (1742, Ried-Mörel) und Matters Eÿa ‘ die Aue der Familie Matter ’ (1531, Brigerbad). Matthäus (PN) Matthäus (PN) ist der Personenname Matthäus, schwdt. auch Matt ē , oder der FaN Mathieu, Mathiodi, Matheodi, Mathiud, Mathiou (I D . 4, 551 f.; AWWB 164). Nicht immer ist das HL zu unterscheiden vom PN Matthias. In Ergisch könnte der FaN Mathieu gemeint sein. Das HL ist nur als Genitiv oder Bestimmungswort belegt: in prato Mathei ‘ (lat.: ) in der Wiese des Matthäus ’ (1351, Agarn), die Mathien Bine ‘ der Pflanzplatz des Matthäus / Matthias ’ (1861, Lalden), die Matjen Matten ‘ die Wiesen des Matthäus / Matthias ’ (1794, Ried-Brig), in Mattiu Acker ‘ im Acker des Matthäus / der Familie Mathieu ’ (1798, Ergisch), t Mattjuntschugge ‘ die Felsen des Matthäus / Matthias ’ (Törbel), ts Mattjusch Sand ‘ das Sandgebiet des Matthäus / Matthias ’ (Baltschieder). Matthias (PN) Matthias (PN) ist zum Taufnamen Matthias, schwdt. auch Matt ī s, oder zu dem wahrscheinlich von diesem abgeleiteten Walliser FaN Mathier, Mathie, Mathieri (AWWB 164; I D . 4, 553 f.) zu stellen. Der PN ist belegt in das … Mathias Stücklein ‘ das kleine Stück Land des Matthias (PN) ’ (1832, Geschinen), Mathesbodun ‘ der Boden des Matthes (Matthias, Matthäus) ’ (1532, Raron), an des Mathes Eggen ‘ an der Ecke des Matthes (Matthias, Matthäus) ’ (1758, Münster). Der FaN findet sich in der Matjerschleif ‘ der Schleif der Familie Mathier ’ (Visp). Mattig (FaN) Mattig (FaN) ist zum FaN Mattig (AWWB 165) zu stellen, der laut AWWB auch als Mattisch belegt ist, hinter dem auch ein PN wie Matthias oder Matthäus stehen kann (cf. HL M ATTHÄUS (PN) und HL M ATTHIAS (PN)). Belegt sind als allein stehende Genitive Mattigsch ‘ das Gut der Familie Mattig ’ (EK, Eggerberg) und ts Mattigjisch ‘ das Gut der Familie Mattig ’ (Bister), wobei der Diminutiv eine übliche Alltagsform für FaN darstellt. Weitere vorangestellte Genitive auf / - IG / sind Mattjigoschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung der Familie Mattig / der Leute des Matti ’ (Ausserberg), der Mattjiguwald ‘ der Wald der Familie Mattli (zu Matthias, Matthäus) ’ (Raron), vff Mattügo Tschuggen ‘ auf dem Felsen der Familie Mattig / der Leute des Matti ’ (1599, Baltschieder). 1675 ist in Biel der Mattiger Briggen und 1678 beÿ der Mattliger Briggen belegt. Hier sind vermutlich die Einwohner oder Besitzer des Weilers t Bieligermatte in Biel gemeint. Mattji (PN) Mattji (PN) tritt nur ein Mal im Beleg ts Mattjisch Hitta ‘ die Hütte (heute Hofstatt) des Mattji ’ (Naters) auf. Laut Gwp. handelt es sich um eine Hofstatt (also Ort, wo eine Hütte gebaut werden könnte), aber ohne Hütte. Es ist unklar, ob hier ein Kurzname zu einem Vornamen wie Matthias vorliegt, oder ein Familienname zu Matter oder ähnlich. Das Diminutivsuffix / - JI / wäre dann an den reduzierten Stamm Mattangefügt worden. Eine ebenfalls mögliche Diminutivbildung zum HL M ATTA ist nicht auszuschliessen, aber in der vorliegenden Genitivkonstruktion eher unwahrscheinlich. Mattlis (FaN) Mattlis (FaN) ist ein alter, erloschener FaN Matlis, Mattlis, Mattli (AWWB 165), vermutlich im Genitiv. Belegt ist er in Mattlis Hüs ‘ das Haus der Familie Mattli ’ (1711, Ulrichen), in Mattlis Boden ‘ im Boden der Familie Mattli ’ (1679, Ernen) und in Mattlis Feld ‘ im Feld der Familie Mattli ’ (1679 (ca.), Ernen). Mättwa Mättwa f. ist einmal belegt als ine Mättwu ‘ in den zu mähenden Wiesen ’ (Visperterminen, FLNK und LT Mättwe). Laut Beschreibung handelt es sich um einen Alpstafel der Alpe Visperanz im Nanztal. Der Beleg enthält einen Plural. Z IMMERMANN (1968, 67) führt den Namen auf eine Grundform *matt-i-wa ‘ zu mähende Wiese ’ im Gegensatz zur Weide zurück. Die von ihm zitierte Quelle (S TEINHAUSER , W ALTER (1952), Germanische Graswirtschaft und deutsche Wortgeographie. In: Zeitschrift für Mundartforschung 20, S. 83) enthält auf der angegebenen Seite vergleichbare Formen, nicht aber die hier vorausgesetzte *matt-i-wa. Dennoch dürfte die Deutung zutreffen. Mätza Mätza f. ist unklar. Zwar kennt I D . (4, 613) ein Mätze f. in der Bedeutung ‘ weibliches Tier ’ , als Flurname kann dieses Wort jedoch kaum gebraucht werden. Das Simplex Mätza ist in Bellwald belegt, historisch erscheint Jn der Mazen (1702, Steg), weiter ist ein Diminutiv im Plural Mätzini in Gampel dokumentiert. Als Bestimmungswort findet sich ts Mätsuhof (Ried- Mörel), wohl zu lesen als des Mätzen Hof, vermutlich liegt hier ein PN Mätz (eventuell zu Matthias) vor. Auf der Karte 1: 10000 steht jedoch Märzuhof, offenbar der heute geläufige Name, worauf sich wohl auch die Bemerkung der Gwp. bezieht, das Gelände sei im Frühling früh aper. Der Mätzungrabem (Blatten) ist ein Graben, das Bestimmungswort könnte auch ein Personenname sein, was aber bei einem Graben eher ungewöhnlich ist. 205 206 Mätza <?page no="657"?> Die Ableitung Mätzig (Bellwald), historisch 1824 Metzig ist schwierig zu deuten. Die / - IG / -Ableitung ist zwar normalerweise kollektiv, also in etwa ‘ die Leute des Mätz ’ ; da aber die Deutung von Mätz als PN unsicher ist, bleibt der Flurname insgesamt unklar. Die Flur befindet sich im Übrigen an einem andern Ort als Mätza (Bellwald). Maxen (FaN) Maxen (FaN) ist zum FaN Maxen zu stellen, in den Urkunden auch Magsen, Magxen, Magschen, Magscho, Magschon geschrieben (AWWB 165). Der FaN kommt in verschiedenen Formen als Bestimmungswort oder im Genitiv neun Mal vor. Belegt sind z Maxen Gadu ‘ der Gaden der Familie Maxen ’ (1741, Raron), in der Maxschen Fúrren ‘ in der Furche der Familie Maxen ’ (1756, Biel), z Magschen Stadel ‘ der Stadel der Familie Maxen ’ (1614, Bürchen). Ein / - I / -Ableitung zeigen zen Maxinen Gillen ‘ beim Tümpel der Familie Maxen ’ (1664 u. später, Leuk), Maxschinen Runs ‘ der Wasserlauf der Familie Maxen ’ (1689, Unterems), zu Maxschinen Huss ‘ beim Haus der Familie Maxen ’ (1697, Turtmann), Magschinen Matten ‘ die Wiesen der Familie Maxen ’ (1589, Leukerbad). Einen starken Genitiv weist ts Maggschisch Böüm ‘ der Baum der Familie Maxen ’ (Niedergesteln) auf, während apud Maxigo Hauss ‘ beim Haus der Familie Maxen ’ (1731, Unterems, früher andere Formen) die kollektive / - IG / - Ableitung im Genitiv Plural zeigt. Mayen Mayen, im Wdt. M ā ji, Maiji, Maiing n. ist zu rom. mayen ‘ Majensäss, Vorsäss ’ zu stellen; das Dim. mayentset wird laut T AGMANN (1946, 48 ff.) im deutschsprachigen Salgesch auch Mantschet ausgesprochen (cf. HL M AYENZET ). Nach dem FlN wurde später die dort ansässige Familie benannt (J ACCARD 1906, 268; M URET , Bulletin G PSR 1908, 27 ff.; R ÜBEL 1950, 81). In Leukerbad bildet Maing / Majing ein Namennest mit der Voralpe Majing als Zentrum: ts Maingbärgji, Majinggletscher, der Mainggrabu, ts Majinghoru, Majingalp, Majingsee und Unner Majing (R. G RICHTING 1993, Blatt 19 u. 20). Majinghoren und Majinglicka sind auch für Ferden belegt; es geht um das gleiche Horn, von der Lötschtaler Seite her. Majing als Simplex, aber an anderem Ort, ist auch für Inden belegt, ebenso für Albinen, wo es als Mayen auch historisch seit 1516 auftritt. In Salgesch wird 1927 Schallbetter Mayen ‘ die Voralpe der Familie Schallbetter ’ erwähnt. In Betten ist ts Maiji belegt; laut R ÜBEL (1950, 81) gilt diese Form eigentlich nur für den westlichen Bezirk Leuk; I D . (4,3) stellt es direkt zu Mai ‘ der Mai ’ und leitet es nicht aus dem rom. mayen ab. Mayenzet Mayenzet ist nach T AGMANN (1946, 48 f.) als Diminutiv zu Mayen ‘ Maiensäss ’ zu verstehen. Belegt ist der Name als eÿs Maÿnchet (1439 u. später, Salgesch), dov Maÿenchet (1413, Leuk), jünger als ts Mantschet (Leukerbad). In Leuk ist Mayentzets Pfaueret 1704 belegt, wohl mit dem FaN Mayentzet (AWWB 166). In Varen kommen vor: alpis dov Maienchet (1388), torrentem dou Majenzet (1388 u. später), de saxo Mayhenchet (1433 u. später) und t Mantschethaltu. In Leukerbad sind belegt der Mantschetgrabu und ts Mantschetsch Hubil. Letzteres enthält den FaN Mantschet (M URET 1908b, 23; AWWB 166) im Genitiv. Meceyr Meceyr ist nur 1320 in Leuk als Meceyr belegt. Laut Dokument handelt es sich um ein Feld (campo, Abl. Sg. konstruktionsbedingt). Es ist zu maceria gartenmauer (FEW 6, 1, 9) zu stellen. B OSSARD / C HAVAN (2006, 214 s. v. Mézières) stellen es zu lat. MACERIAS , das sie als “ murailles ” (Gemäuer) übersetzen, hier wohl als ummauertes Feld, Feld mit einem Gemäuer. Mechtral Mechtral ist 1310 in Steg als Mehcttals Matta ‘ die Wiese des Mechtral ’ belegt. Beim Mechtral (mistralis) handelt es sich um einen Beamten des Bischofs, der administrativpolizeiliche Befugnisse hatte (nach G. Z ENHÄUSERN (https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 008560/ 2014-09-25 [27. 04. 2020; IW]). Die Schreibung Mehcttals zeigt, dass der Schreiber unsicher war. Die Form Mechtral entspricht der Entwicklung von / st/ zu / xt/ in den frpr. Patois. Medel Medel m./ n. ist in Randa als zum Medel (LT und FLNK zum Medul) belegt, dazu kommen t Medelblatta ‘ die (Fels-)platte beim Medel ’ und ts Medelgufer (FLNK Medulgufer) ‘ das Steingeröll beim Medel ’ . Den gleichlautenden Gemeindenamen Medel (GR) erklären K RISTOL ET AL . (2005, 581) als ungeklärt; die dort angegebenen Deutungen aus lat. META , rom. MEIDA ‘ Heuschober ’ und lat. METALLUM ‘ Metall ’ würden zu einer Betonung auf der zweiten Silbe führen, was weder in Graubünden noch in Randa der Fall ist. Der Name bleibt daher unklar. Meer Meer ist entweder ein Adj. und zu schwdt. m ē r, wdt. meer ‘ gross, erwachsen ’ (I D . 4, 362; G RICHTING 1998, 134) oder zu Meer n. ‘ das Meer ’ zu stellen (I D . 4, 374), in dieser Bedeutung meist übertragen (TGNB 2, 2, 2007, 384 s. v. Meer und meer). Das HL ist nur als Bestimmungswort Maxen (FaN) 207 208 <?page no="658"?> belegt: im Meerackher ‘ im grossen Acker ’ (1696, Bratsch), im Meeracker ‘ im grossen Acker ’ (1854, Leukerbad), Meerheeji ‘ die grosse Höhe / die Höhe mit viel Wasser (wie ein Meer) ’ (FLNK, Eggerberg), Meerstei ‘ der grosse Stein ’ (FLNK, St. Niklaus), der Meer Ture ‘ der grosse (Fels-)Turm / der (Fels-)Turm beim Meer (grosse Geröllhalde) ’ (Ritzingen), Meerwang ‘ der grosse Grasabhang / der Grasabhang beim Meer (grosse Geröllhalde) ’ (FLNK, Gluringen). Die letzten zwei Namen liegen nahe beieinander, bei einem grossen Geröllhang, der u. U. metaphorisch als Meer bezeichnet wird. Eine Überschneidung mit dem HL Märe kann in historischen Belegen mit Mera und gesprochenem Meri auftreten (cf. HL M ÄRE ). Meetu Meetu ‘ Heuschober ’ ist primär in Ergisch als zer Meetu ‘ beim Heuschober ’ belegt, wozu der Meetschleif ‘ der Schleif bei der Meetu (Heuschober) ’ , ts Meetukapälli ‘ die Kapelle der Alpe Meetu ’ , der Meetutschuggu ‘ der Felsen unterhalb der Meetu (Heuschober) ’ , t Meetuwaldjini ‘ die kleinen Wälder bei der Meetu (Heuschober) ’ zu stellen sind. Weiter sind belegt 1363 in Gampel de la Meyta ‘ vom Heuschober ’ (Herkunftsname eines Warnerius) und tse Meeteru ‘ bei den Heuschobern ’ (Unterems). Zu stellen sind die Belege zu lat. M Ē TA f. > mea, meya ‘ kegel- oder pyramidenförmige Figur, Heuschober ’ > afrpr. *meides ‘ (bei den) Heuhaufen ’ (H UBSCHMIED 1938, 129 Anmerkung 4; J ACCARD 1906, 267 f.; M EYER 1914, 71; Z INSLI 1984, 349; FEW 6, 2, 52 ff. s. v. m ē ta heuschober; spitzsäule). Dazu cf. HL M EIDU . Megams Megams ist nur 1289 in Visp als am Megams belegt; das Genus kann maskulin oder neutral sein. Der Name lässt sich nicht deuten. Megetschen (FaN) Megetschen (FaN) ist nur in Naters 1674 als siluam Megetschigo ‘ der Wald der Familie Megetschen ’ belegt. Megetschigo ist ein Genitiv Plural zu einer kollektiven / - IG / -Ableitung. Der FaN ist als Magenschen mit mehreren Varianten (AWWB 157) für den Bezirk Brig erwähnt. Auch J OSSEN (2000, 80) erwähnt den FaN Megetschen, Megentschen, Magenschen, Mägentschen für Naters. Megge Megge ist zunächst lebend als Simplex Plural t Megge (Oberwald) belegt. Ähnlich, aber mit offenem / ä/ , erscheint 1836 aúf de Mäggen (Fiesch). Die drei übrigen Belege sind historisch: 1300 - 1330 sub Meggen Botme ‘ unter dem Boden des Megge ’ , Meggen Rúty ‘ die Riti (gerodetes Gebiet) des Megge ’ (1414, Ernen) und Mecken Halta ‘ die Halde des Megge ’ (1391, Naters). Während diese drei Belege einen vorangestellten Genitiv eines PN Mecco (F ÖRSTEMANN 1, 1122) oder eines (ausgestorbenen) FaN Mecho (I MESCH 1908, 96) zeigen, sind die beiden Simplizia im Plural unklar. Nimmt man nicht, wie E RIKA W ASER für den luzernischen Siedlungsnamen Meggen eine Agglutination des Artikels an (was im Plural sehr schwierig wäre) (LUNB 3, 607 ff., mit einer Darstellung der Geschichte der Deutungen), bleibt die Deutung unsicher. I D . verzeichnet zwar mehrere Einträge zu einem Schallwort mägge n ‘ meckern von Ziegen ’ und Me 1 gge n ‘ Kosename der Ziege ’ (I D . 4, 106 u. 122 für das Berner Mittelland), doch findet sich in R ÜBEL (1950) kein Hinweis auf eine derartige Bezeichnung von Ziegen oder Schafen oder deren Lautgebung. Megi Megi n. ist zweimal in Ried-Brig als ts Megi ‘ die Alpe, die man mag ’ (im Sinn von ‘ gern haben ’ oder von ‘ ersteigen ’ ) belegt. Das HL ist in dieser Form in der Literatur nicht belegt. Es scheint sich um eine diminutive Nominalbildung zum schwdt. Verb möge n ‘ kräftig, gesund sein; vermögen, können; Lust, Neigung haben zu, gerne wollen; sollen, müssen ’ und wdt. mege, megä (Goms), megu (Vispertäler), megn (Lötschtal), mägu ‘ mögen, wünschen, lieben, betrübt sein ’ (I D . 4, 107 ff.; G RICHTING 1998, 134) zu handeln. Die Deutung ist deswegen unsicher. Meidu Meidu ‘ Heuschober ’ ist einerseits eine Alpsiedlung im Turtmanntal, anderseits die Bezeichnung einer Alpe im gleichen Tal, wo sich ein Namennest mit etwas über zwanzig komplexeren Namen befindet. In Embd ist uf de Meidu ‘ auf den Meiden (Heuschobern) ’ belegt; dazu kommt ts Meidubächji ‘ der kleine Bach, der an den Meidu vorbeifliesst ’ . H UBSCHMIED führt Meidu auf lat. M Ē T Ā S ‘ kegel- oder pyramidenförmige Figur, Heuschober ’ > afrpr. *meides ‘ (bei den) Heuhaufen ’ zurück (H UBSCHMIED 1938, 129 Anmerkung 4; J ACCARD 1906, 267 f.; M EYER 1914, 71; Z INSLI 1984, 349; FEW 6, 2, 52 ff. s. v. m ē ta heuschober; spitzsäule; cf. HL M EETU ). Später ersetzt M EYER seine ursprüngliche Deutung mit der Begründung, dass der Ort Meiden der Treffpunkt alter Handelswege war und somit Pferde an Ort waren, es soll sogar eine Schmiede gegeben haben. M EYER (1923, 285) führt den Namen neu auf mhd. meiden ‘ Zelter, Pferd ’ (L EXER 1, 2071) zurück. Die historischen Belege (u. a. 1345, alpem de la Meyda) sprechen dagegen; die Deutung von H UBSCHMIED u. a. ist vorzuziehen. Das erwähnte Namennest umfasst einen frühen Beleg Firnun Meidon ‘ der Firn von Meiden ’ (1300, Oberems), 209 210 Meidu <?page no="659"?> den Beleg alpem de la Meyda ‘ die Alpe Meiden ’ (1345, Oberems), noua meya ‘ das neue Meiden ’ (1358, Oberems), Meidlin ‘ das kleine Meiden ’ (1572, Oberems), dann Meidbach, Meidhewwmatte ‘ die Heumatten von Meiden ’ , Meidhooru (dazu inner dum Meidhooru und unner dum Meidhooru), Meidlowwi, Meidpass, Meidreefte ‘ die Meidhänge ’ , Meidsee, Meidspitz, Meidtälli (mit Fooder und Inner Meidtelli), Meidwang, Meidzänd sowie Meid Mittilstafil und Meid Oberstafil. Meie Meie m. ‘ Mai, Blume ’ ist zu schwdt. Mai(e n ) m., vorwiegend mit zweisilbiger Form, Monatsname ‘ Mai ’ auch ‘ junges Grün, frische Weide ’ , besonders im Plural auch einzelne Blumen, mhd. meie und wdt. Meija f. mit Varianten ‘ Blume ’ (I D . 4, 1 ff.; G RICHTING 1998, 134)) zu stellen. Maji, Mai u n. ‘ Voralp; Bergweide im untern Revier, wo das Vieh im Frühling weidet, bevor das obere Revier bezogen werden kann, und im Spätsommer, nachdem jenes verlassen werden musste ’ (I D . 4, 1 ff. bes. 8; I D . 1, 195). Wie R ÜBEL (1950, 81) zeigt, ist der Typ Maji ‘ Mayen ’ nur im Bezirk Leuk gängig (s. unten). Meie als Terminus für die Voralpe ist nicht belegt. Deswegen ist Meie schwierig zu deuten. In Oberwald gibt es der Meiebach und der Meiewang und in Obergesteln Meyenbach (1480; 1850 Maÿenbach). Der Bach fliesst aus dem Totensee auf der Grimsel entlang dem Meiewang. Gwp. meint, es habe hier viele Alpenrosen. Meie wäre hier als ‘ Blumen ’ zu deuten. In Binn gibt es Meili (so LT, SK und FLNK), im Meili (1418 u. später), ts Unner Meili ‘ der untere Teil des Meili ’ , am Obren Meÿli (1530; auch Ernen zugeschrieben) und Meilischbach ‘ der Bach aus dem Gebiet Meili ’ . Das Gebiet befindet sich auf über 1950 m, ist aber kaum eine Voralpe, sondern wohl einfach ein kleines Gebiet mit Blumen. Ein weiteres Simplex ist belegt in am Meÿen ‘ am Ort mit Blumen ’ (1570, Ried-Mörel). Ein Diminutiv das Meÿiltin (1668, Goppisberg) könnte ein kleiner Ort mit Blumen sein. In Filet ist im Meÿenbortt ‘ im Bord (Abhang, Böschung) mit Blumen ’ (1657) belegt. Und in Grengiols ts Meiefäld ‘ das Feld mit Blumen ’ . Meiuputzji ‘ der kleine Tümpel mit Blumen / der im Mai Wasser führt ’ (Greich) befindet sich hoch über dem Bettmersee und ist unklar. Alle bisherigen Namen stammen aus den Bezirken Goms und Östlich-Raron. Ganz aus dem Rahmen fällt Meije (FLNK, Leukerbad), das so bei R. G RICHTING (1993) nicht belegt ist; er kennt nur Majing (Karte 20), das zum HL M AYEN ‘ Voralpe, Maisensäss ’ zu stellen ist. Sollte aber Meije so richtig sein, müsste es wohl als ‘ Gebiet mit Blumen ’ verstanden werden. Meier Meier ‘ Meier ’ ist entweder zum FaN Meier oder zur Funktion Meier m. ‘ Meier, Oberaufseher, Bewirtschafter, Pächter, Dorfvorsteher ’ , ahd. meior, meiur, meiger, mhd. mei(g)er (I D . 4, 11 f.; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 612) zu stellen. Das Simplex Meier ist nur einmal in Raron belegt; vermutlich gehörte das Grundstück dem Meier. Einen vorangestellten Genitiv im Singular findet man in ts Meiersch Boimgartu ‘ der Baumgarten der Familie Meier ’ (Turtmann), ts Meiersch Gade ‘ der Gaden des Meiers ’ (Mühlebach), ts Meiersch Gade unnerm Wäg ‘ der Gaden des Meiers unter dem Weg ’ (Mühlebach), ts Meiersch Müüre ‘ die Mauer des Meiers ’ (Ulrichen), zer Meýers Furun ‘ bei der Furche des Meiers ’ (1548, Ausserberg), sowie t Meierischbäch ‘ die Bäche im Gebiet der Alp der Familie Meier ’ (Grengiols). Das erweiterte ts Grossmeiersch Hüs ‘ das Haus des Grossmeiers ’ (Grächen) gehört auch hierzu. In zwei Fällen wird der Name des Meiers genannt: ts Meier Heimsch Färrich ‘ der Pferch des Meiers Heimen (PN) ’ (Blatten) und des Meÿers Werlen Matten ‘ die Wiesen des Meiers Werlen ’ (1677, Raron). Ein Genitiv Plural findet sich in Meierestafel ‘ der Stafel der Familie Meier ’ (Grengiols), der bei LT und FLNK Meirischstafel heisst. in Meyrer Ried ‘ im Ried der Familie Meier ’ (1754, Turtmann) enthält ebenfalls einen alten Genitiv. Als Bestimmungswort findet sich Meier in der Meierhubel ‘ der Hügel der Familie Meier ’ (Wiler), in der Meÿer Matten ‘ in der Wiese des Meiers ’ (1698, Gampel), der Meiertschugga ‘ der Felsblock des Meiers ’ (Randa) und in der Weiterbildung der Meierhaaltwald ‘ der Wald bei der Halde des Meiers ’ (Randa). Die Ableitung Meiertum ist nur einmal in Mörel belegt und bezeichnet Besitztum des Meiers. Eine lateinische Form pratum Maioris ‘ die Wiese des Meiers ’ (1392, Leuk) nennt wohl die Funktion. Vom gleichen lat. MAJOR ist ts Majoorsch Hof ‘ der Hof des Majors ’ (Leuk) abzuleiten; laut G. C ARLEN ET AL . (1975, 144 f. s. Nr. 114) bezieht sich Mayorshof auf den Meier Franz von Abondance (P H . K ALBERMATTER , p. c.), der 1505 einen Blockbau an ein bestehendes Gebäude anbauen liess. Vermutlich auch zu Meier gehören zwei Belege auff der Meÿri Biel ‘ auf dem Biel der Meierin ’ (1689, Raron), wo Meÿri auch das Meiertum meinen könnte, und der Meirobach ‘ die Wasserleite der Familie Meier / vom oder zum Gebiet der Meier ’ (1531, Ernen). Meigge Meigge ist ein gut belegtes und dennoch schwer deutbares Lemma. Die Grundform ist Meigga f.; sie kommt so nur in Eischoll vor (LT hat Meigge), in Gampel als Meiggu Meie 211 212 <?page no="660"?> (und 1337 jn der Meycon) und in Oberems Zer Meiggu. Der Plural ist schon 1306 in Raron als an dien Meycun vertreten, wo 1280 ein Meycon belegt ist - die älteste dokumentierte Form. Diese und andere frühe Formen zeigen, dass Meigga auch historisch die Ausgangsform ist; diese Form ist vor allem mit Bezirk Leuk vertreten. Viel häufiger als das einfache Meigga ist die Ableitung Meiggera, die erstmals 1301 in Zermatt als zer Meiggerrun belegt ist. Das Suffix ist / - ERRA / (S ONDEREGGER 1958, 471 f. führt es auf lat. / - ÂRIA / , ahd. / - ARRA / zurück), das sich auf Sachen oder Personen beziehen kann. Bei Sachen geht es um eine grosse Menge davon (z. B. Dischtlerra ‘ wo es viele Disteln hat ’ ), bei Personen um Besitz oder Wohnsitz. Im Wallis kann / - ERRA / auch für Wasserleitungen verwendet werden. Kaum belegt ist Meiggeri (Biel), das historisch Zer Meiggerun (1372) aufweist, also die / - ERRA / - Ableitung. G ATSCHET (1867a, 29 f.) deutet Meigern im Saastal mit ‘ Sitz des Meyers und Pächters ’ . Diese Etymologie wurde auch von M EYER (1930, 26) übernommen. Richtig ist, dass mhd. ab und zu {g} für {j} schreibt (P AUL 25 2007, 144 f.), doch wird es nicht so ausgesprochen; Familienname und Funktion sind in den Daten als Meier oder Meyer belegt. BENB (1, 3, 261 f.) stellt den Namen zu mlat. MEDIETARIA ‘ Halbpachthof, befristete Pacht für die Hälfte der Ernte ’ , frz. métayage, it. mezzadria. Die lautliche Entwicklung des frpr. Lehnworts *meitera zu meiggera wird mit jener von einzelnen Diminutiven im Walliserdeutschen, z. B. Blattji zu Blaggje, Meitji zu Meiggji, verglichen (FEW 6, 1, 606 ff. s. v. m ě d ĭě t ā s mitte; hälfte kennt keine Formen mit - GG -). Diese Deutung übersieht, dass (a) die Entwicklung zu einem velaren / g/ oder / gg/ erst nach der Palatalisierung von / l/ zu / j/ eintreten kann und dass (b) für Meigga eine Form *meit+ja (wie bei Meiggja ‘ Mädchen ’ (I D . 4, 76 f., G RICHTING 1998, 134) vorausgesetzt wäre - die Form ist aber nicht belegt; Meyta (13. Jh., Ergisch) ist zu m ē ta ‘ Heustadel ’ (M EYER 1914, 71) zu stellen. Ein Namentyp, der einschlägig ist, wäre das zum HL L ÜÖG zu stellende Liegja < Luegila; das erstmals 1502 für Simplon belegt ist, also sicher zu spät für die Berner Etymologie. Frühere Belege sind nur im HL M ETTLA - M ETTJA von 1343 in Törbel mit zen Mettyon belegt; wenn diese Deutung stimmt, wäre die Palatalisierung von / la/ zu / ja/ in die Mitte des 14. Jahrhunderts anzusetzen. Ob das weiterführt, ist unklar. Weiter kennen alle Oberwalliser Bezirke den Namenstyp, was eine frankoprovenzalische Grundlage unwahrscheinlich macht. Die vorgeschlagenen Erklärungen überzeugen nicht, eine bessere Deutung liegt aber nicht vor. In den Namen wird deshalb Meigge nicht weiter gedeutet. Neben dem schon erwähnten Simplex Meigga und dem Obliquus Meiggu sind die Ableitungen Meiggera und Meiggeru mehrfach erwähnt, so in Binn, Bürchen, Eggerberg, Embd, Grächen, Glis, Lax, Martisberg, Randa, Ritzingen, Saas-Almagell, St. Niklaus, Unterbäch, Visperterminen und Zermatt; dazu kommen Meiggerli in Saas-Balen, Unterbäch und Visperterminen. Mit adjektivischen Bildungen werden Obere und Untere Meiggu, Obere und Untere Meiggera mehrfach unterschieden. Nur einmal ist di Mittlescht Meiggera (Binn) belegt. Meigg-, resp. Meiggererscheinen als Bestimmungswort zu Aliichji, Alpa, Bach, Bletscha, Bord, Chi, Egg(a), Hooru, Grabu, Sand, Schipfa, Stäg, Stapfu, Suon, Tal, Tiri, Wäg, Wald und Wang. Komplexere Konstruktionen sind der Ober und der Unner Meiggertätsch ‘ der ober und der untere Fleck der Alpe Meiggeru ’ (Visperterminen) und der Ober und der Unner Meiggustafil ‘ der obere und der untere Stafel der Alpe Meiggu ’ (Gampel). Aus der Übersicht erhellt, dass Meigga und Meiggera vor allem als Namen von Voralpen, Alpen und Weiden verwendet werden; ob es sich dabei um eine Geländeform, den Bewuchs mit einer Pflanze oder etwas Anderes gehandelt hat, ist im gegenwärtigen Stand der Untersuchung nicht entscheidbar. Meilen Meilen ist ein Dativ Plural, der nur in zen Meilon (1345, Bratsch) belegt ist. Die deutsche Präposition zen ‘ bei den ’ legt zwar ein deutsches HL nahe, doch könnte auch ein älteres romanisches Etymon eine Rolle spielen. Die Endung [-on] ist deutsch, wenn man von Meilausgeht. Ein deutsches HL mit einer sinnvollen Bedeutung existiert jedoch nicht (vgl. I D . 4, 354 ff. für Maria, das im Oberwallis zwar als Maji bekannt ist, aber keine Formen mit / l/ aufweist). Einen Zusammenhang mit lat. MILIUM hirse (FEW 6, 2, 83 ff.) weist mfr. meil auf, das aber sonst kaum belegt ist. Eine unsichere Deutung wäre also ‘ bei den Hirs(ackern) ’ . Meisch Meisch ist nur einmal belegt in ts Meisch Fure ‘ die Furchen des Meisch ’ (Bellwald). Zwei historische Belege von 1848 schreiben vnder der Meistfúren, bzw. zu Meistfúren. Der letztgenannte Beleg legt eine Präposition ze ‘ bei ’ nahe; der lebende Beleg kann auch mit dem Genitiv ‘ des Meisch Furche ’ gelesen werden; dann läge ein PN vor. Das ist allerdings unsicher. Ob der Beleg die Meisten Deffin (1540, Stalden) hieher gehört, ist unklar (cf. HL M EIST ). Der Monatsname Mei ‘ Mai ’ im Genitiv wäre möglich (I D . 4,1), dann wäre eine im Mai bebaute Furche gemeint; allerdings passen dann die historischen Belege schlecht. Der Typ Mense ‘ Kuh mit einem ersten Kalb ’ (I D . 4, 334 s. v. Manse n ) kommt kaum in Frage, da laut 213 214 Meisch <?page no="661"?> R ÜBEL (1950, 6) in Bellwad das sog. Staubsche Gesetz unterbleibt; die Form ist Mäntscha (C. S CHMID 1968, 117). Die Deutung ist deswegen unsicher. Meischter Meischter m. ‘ Meister ’ ist zu schwdt. Meister m. wie nhd. ‘ Bezeichnung für Angehörige verschiedener gelehrter Berufsarten ’ , ‘ Handwerkmeister im allg. ’ , ‘ Titel gewisser Beamter, Aufseher Leiter ’ , ‘ Dienstherr, Arbeitsgeber ’ , auch FaN (I D . 4, 511 f.; G RICHTING 1998, 134) zu stellen. Der Name ist dreimal im vorangestellten Genitiv Singular belegt: ts Meischterschbode ‘ der Boden des Meisters / der Familie Meister ’ (Ernen), ts Meischters Fad ‘ das Grasband des Meisters / der Familie Meister ’ (Randa), Meischterschwang ‘ der Grasabhang des Meisters / der Familie Meister ’ (Zermatt). Ob hier ein FaN oder ein Titel vorliegt, ist schwierig zu deuten; der FaN Meister ist in den Quellen nicht belegt, kommt aber als Berufsbezeichnung im Register der HRBS häufig vor. Als Kompositum erscheint das HL in ts Wachmeischtersch Loch ‘ das Loch des Wachtmeisters ’ (Grächen) wobei hier ein militärisches Amt gemeint ist (I D . 4, 532). Meise Meise bildet ein Namennest um den Weilernamen Z Meise ‘ bei den Meisen ’ (Grächen), mit dem Adjektiv Vooder Meisu (Grächen) und dem Diminutiv t Meisini ‘ die kleinen Meisen ’ , sowie den historisch belegten Meisbrunno (1304, Grächen), Meysmatta (1307, Grächen) und zúm Meisistein (1647, Grächen). In Martisberg ist im Meisebode belegt. Die Deutung ist unklar; es kommt am ehesten Meise f. ‘ Tragreff ’ (I D . 4, 465) in Frage, vielleicht auch metaphorisch: Gelände, das wie ein Tragreff aussieht. Der Vogelname Meise f., ahd. meisa, mhd. meise, meist für Finkenmeise, aber auch für Kohl- und Blaumeise (I D . 4, 465 f.) ist möglich, aber eher unwahrscheinlich. In Martisberg ist 1840 auch im Eisenboden belegt, vermutlich eine falsche Trennung zu im Meisebode. Meiss Meiss ‘ (Holz-)Schlag ’ ist zu schwdt. Meis(s) m., ‘ Einschlag der Axt in einen Baum, den man fällen will ’ , mhd. meiss ‘ Einschnitt ’ , Verb meissen ‘ hauen, schneiden ’ (I D . 4, 465). Holzmeis(s) bedeutet wie Holzhauw ‘ Holzschlag, Ort und Recht desselben ’ , mit Meisshauw wird im Wallis das Recht bezeichnet ‘ mit der Axt oder dem Gertel in den Wald zu gehen [und dort Holz zu schlagen] ’ (I D . 2, 1803; BWG 1890, 1, 176 f.). G RICHTING (1998, 134) kennt Meiss als ‘ Heustockteil (abgeschnittener ’ ); das Verb dazu ist meisse ‘ Heu schneiden (aus Heustock) ’ , dazu dient der Meissel. Der Typ Holz-Meiss ‘ Holzschlag ’ ist am verbreitesten. 1300 ist Holzmeize (Bürchen) und 1619 Holzmeiss (Feschel) belegt, lebend Holzmeiss (Eggerberg), ein ganzes Namennest um t Holzmeissä ‘ die Holzschläge ’ (Gampel) mit den Grundwörtern Blatta, Treija, Schleif, Tritt und Wald. Komplexer ist ts Heersch Holzmeiss ‘ der Holzschlag des Pfarrherrn ’ (Mund). Eine andere Deutung hat das HL in der Lüegilmeis (Niedergesteln) - ein ausgemeisseltes Stück Fels für die Stegerwasserleitung beim Lüegil ‘ Aussichtsstelle ’ . Unklar sind zwei Belege an dye Meisun Engin (1509, Ried-Mörel) und an die Meyscun Engyn (1305, Törbel) - vermutlich kann das als eine ausgemeisselte enge Stelle verstanden werden. Ein Partizip Präsens des Verbums meisse findet sich in zem meyssenden Stein ‘ der Stein, mit dem man meissen kann ’ (1412, Visperterminen). Die Bedeutung des Verbums bei I D . (4, 465) als ‘ hauen, schneiden ’ ist dabei unklar. Meist Meist ist nur 1540 in Stalden in die Meisten Deffin belegt. Es ist wohl zum nhd. Adj. meist, Superlativ zu viel (I D . 4, 511) zu stellen, kommt aber sonst nicht vor. Deffin wird alternativ zu Teiffi ‘ Tiefe ’ gestellt, meist als Partizip zu einem Verb meisse n ‘ Heu schroten ’ ((I D . 4, 465; G RICHTING 1998, 134 mit Varianten). Diese Deutung ist ebenso unsicher wie die Deutung von Deffin, das auch zu Defin ‘ Grenze ’ (FEW 3, 558 mit finir “ limiter ” ) gestellt werden kann. Melchior (PN) Melchior (PN) ist als Melchi ‘ Melchior ’ belegt in ts Melchiloch (Oberwald) und Melchis Matten (1776, Mund). Weitere Formen sind Melchers Bodo ‘ der Boden des Melchior ’ (1593, Ried-Brig) und Melchers Brannd ‘ das brandgerodete Gebiet des Melchior ’ (1667, Zeneggen). Ebenfalls hieher gehört Melkenbiel ‘ der Hügel des Melchior ’ (Wiler). Alle Formen sind zum PN Melcher, Melchi Kurzform bzw. Diminutiv des PN Melchior (I D . 4, 198) zu stellen. Melchuz (PN) Melchuz (PN), auch Meklyz ist 1570 in Eischoll erwähnt; in beiden Fällen wird Ruhus als Bezugsnomen gesetzt. Aus dem Kontext geht hervor, dass es sich um einen Bach (torrentem) handelt. Es geht also um den Runs (Wasserlauf) des Melchuz oder Meklyz. Welcher PN darunter zu verstehen ist, bleibt unklar. Mellir Mellir ist nur 1697 in Albinen als im Mellir belegt. FLNK hat lebendes Mälir, das auch in M ATHIEU (2006, 15) so erscheint. Frpr. Méllire ist bei B OSSARD / C HAVAN (2006, Meischter 215 216 <?page no="662"?> 155) erwähnt. Sie stellen es zum spätlat. MELUM ‘ Apfel ’ , ursprünglich MALUM , das im Patois zu mélai wird und mit dem Kollektivsuffix / - ARIU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) zusammen ‘ die Wildapfelbäume ’ meint. Das offene / ä/ bei FLNK und M ATHIEU entspricht einer Tendenz der deutschen Dialekte im westlichen Bezirk Leuk. Meng Meng ist belegt in Mengis n. (Salgesch) und historisch auch in Maimbiis (1664), Maimbys (1664) und Mengbis (1721) in Varen. Es ist zu lat. MEDIANU > aprov. meja(n) > afrpr. mein ‘ in der Mitte befindlich ’ zu stellen. *mein bis bezeichnet die zwischen der Varnerwasserleitu und dem Bismerting verlaufende mittlere Wasserleitung (H AFNER 1955, 71 - 73; T AGMANN Ms., 62 f.; M ATHIER 2015, 42). Meni Meni f. ist zu schwdt. Menni, Meeni f., das mehrere Bedeutungen aufweist, von denen für das Wallis die Bed. 1 ‘ Gespann, Fuhrwerk mit Zugtieren, meist je zwei Stücke Hornvieh, auch Pferde ’ belegt ist, zu stellen (I D . 4, 298 f.). In Flurnamen des Oberwallis, ist das HL als Simplex vor allem im Bezirk Goms vertreten und meint dort ein Grundstück, das sich an einem Weg befindet, der als Fussweg oder Durchgangsweg gilt; statt dem Simplex Meni wird auch das Kompositum Mennwëg als ‘ Fuhrweg ’ verwendet (I D . 15, 835). Im G R W B (12, 1464) ist das Verb als mähnen, auch als mehnen (12, 1870) aufgeführt. Es wird zu ahd. men(n)an aus manjan, mhd. men(n)en gestellt und gilt als ein aus dem Lat. übernommenes Lehnwort zu vlat. MINARE ‘ führen ’ . Schwdt. bedeutet mene(n) beim Pflügen oder Fahren das Vieh antreiben und führen. In Gebirgsgegenden bezeichnet das Verb vor allem das Führen von Holz, Ernte oder Mist auf einem Schlitten (I D . 4, 296; G RICHTING 1998, 134). Die Deutung als ‘ Platz, Stelle, wo eine Last auf das Fuhrwerk, bes. den Schlitten, geladen werden kann ’ ist nicht für das Wallis belegt und wird deswegen nicht aufgeführt. Dank an P H . K ALBERMATTER (p. c.), vor allem für das Simplex des Bezirkes Goms. Das Simplex im Singular erscheint als inner Meni ‘ im Gebiet beim Weg mit Meni-Recht ’ (Ritzingen), unner der Meni ‘ unter dem Gebiet beim Weg mit Meni-Recht ’ (Reckingen) und mehrfach historisch an der Menÿ (1596, Münster), bei der Mehni (1932, Gluringen; 1550 u. später, Reckingen; 1669, Ulrichen), jn der Meni (1685, Ernen) sowie die Rechte Mehnin (1662, Geschinen) (wobei hier wohl rechts im Gegensatz zu links gemeint ist). Mit attributiven Adjektiven sind belegt t Mittler Meni (Geschinen), t Ober und t Unner Meni (Geschinen; FLNK, Ernen). Als Grundwort erscheint das HL in in die Hauptmeni (1684, Gluringen) und die Längacker=Meni (1896, Münster). Als Bestimmungswort ist das HL vor allem im Typ Menwäg vertreten (vgl. Mennwëg (I D . 15, 835)): Menewegue (1300, Törbel), Menniwäg (EK, Eggerberg; EK, Mund), Menweg (1643, Biel; 1304 u. später, Lalden; 1573, Münster; 1433 u. später, Obergesteln; 1414, Simplon; 1314 u. später, Visperterminen; 1448 u. später, Zermatt), am Menweg (1544, Unterbäch) und der Plural die Mendwega (1655 u. später, Termen; 1374 Menweg). Daneben kommt 1357 in Turtmann Mengarten vor. Die Deutung ‘ der Garten im Gebiet am Weg mit Meni-Recht ’ ist unklar; die Lesung ist aber bestätigt. Merdesson Merdesson ist in Agarn seit 1280 als Merdesson belegt; gemeint ist nach Ausweis der Belege in Agarn eine Wasserleitung. SK Merdesson, das hier fälschlicherweise hinzugenommen wurde, befindet sich auf dem Gebiet von Chandolin (T AGMANN 1946, 44). In Varen ist 1473 von einer Alpe de Merdeson die Rede. Und in Leuk ist 1710 die obere, der Gemeinde gehörende Wasserleitung de Merdesson belegt. Nach T AGMANN (1946, 44 f.) bezieht sich Merdechon auf eine Ableitung zur frpr. Patois-Form mé ͅ rda, nämlich zur Ableitung mit / ASS + ON / mit der Bedeutung ‘ morastiger, schlammiger Bach oder Boden ’ ; diese Deutung kennt schon M EYER (1914, 99 und 167). L EBEL (1956, 163) führt den Namen jedoch auf *Merdantione mit einem keltisch-lateinischen Suffix / - ANTI / - ENTI / zurück. Da sich in unseren Belegen keine Nasalierungen finden, dürfte die Ableitung von T AGMANN sinnvoller sein. Merel Merel ist nur 1832 in Feschel als im Merel belegt. Die Lesung ist unsicher. Vermutlich dürfte eine Agglutination von Präposition und Artikel im an ein Erel ‘ Erle ’ gemeint sein, sodass die Deutung ‘ im Gebiet mit Erlen ’ ist. Der späte Beleg macht eine Deutung mit einem frpr. Namen unnötig. Merguerda Merguerda ist 1358 in Bratsch (Ängersch) belegt. Die Schreibung ist korrigiert; das / u/ ist nachträglich über den Namen gesetzt. Die Flur befindet sich bei der Via publica, also dem Weg der Gemeinde. Das HL könnte zu Margarita (FEW 6, 1, 323 ff. s. v. margar ī ta perle) in der PN-Form Margarita oder in einer der abgeleiteten Formen als Blumenname Margerite zu stellen sein. Genaueres lässt sich nicht sagen, doch handelt es sich wohl um einen romanischen PN. 217 218 Merguerda <?page no="663"?> Merje Merje ist der Name einer Kleinsiedlung bei Stalden, historisch schon 1213 als Morgi erwähnt (Belege unter Gemeindename Staalu (Stalden)). Die Bedeutung des als Fluss- und Flurnamen weit verbreiteten Worttyps war in der Forschung lange umstritten. H UBSCHMIED (1938a, 139 ff.) gefolgt von Z IMMERMANN (1968, 20 f.), führt den Namen auf ein kelt. Etymon *morg ā ‘ Grenze ’ zurück, das mit lat. MARGO ‘ Rand ’ und germ. marka verwandt sein soll, mit der Begründung, dass viele Flüsse im Lauf der Geschichte Grenzen bildeten. Mehrere von H UBSCHMIED als Begründung seines Vorschlags aufgeführten Grenzen sind jedoch jünger als die entsprechenden Gewässernamen. Die neuere Forschung postuliert eine Zurückführung der Namen auf den weit verbreiteten keltischen Worttyp *morg ā ‘ Sumpf, Sumpfbach ’ , was auch erklären würde, warum diese Namen nicht nur Flüsse oder Bäche, sondern auch Fluren bezeichnen können (P OKORNY 1948/ 49, 264 f.; G REULE 1973, 208; K RISTOL ET AL . 2005, 849). Die frühere Namenform des heutigen Stalden war Morgi / Morgia. (vgl. auch L. E. I SELIN (1894 - 1897, 37 - 42). Das HL ist für Stalden belegt als Merje, dann auch als t Obru Merje, t Undru Merje und Mittul Merje. Weiter sind belegt in der Merchienachren ‘ bei den Äckern beim Weiler Merjen ’ (1716, Stalden), t Merrjubrigga ‘ die Brücke beim Weiler Merjen ’ und t Niww Merrjubrigga ‘ die neue Brücke beim Weiler Merjen ’ (beide Stalden). Nur historisch belegt ist für Törbel ob den Mittelsten Merÿen (1869), wohl identisch mit Mittul Merje (Stalden), da Stalden und Törbel direkt aneinander grenzen. Zum gleichen Etymon wird auch der Gemeindename Mörel gestellt, cf. HL M ÖREL . Merle Merle f. ‘ Amsel ’ ist zu schwdt. Merle f., ‘ Schwarzdrossel, Amsel ’ , frz. merle m. aus lat. MERULA (I D . 4, 417) zu stellen. Das gilt vor allem für die Belege Zer Merlen ‘ bei der Amsel ’ (1637, Leuk), Zenn Merlien ‘ bei den Amseln ’ (1337, Bratsch), in der Mehrlen Acher ‘ beim Acker mit Amseln ’ (1676, Leuk; FLNK hat Märacher, was eher zu Mära ‘ Pferd, weibliches Ross ’ passen würde), jn Merlen Achers ‘ im Acker mit Amseln ’ (1519 u. später, Guttet). Schwieriger ist zu interpretieren ts Merle (Betten), wo eher eine falsche Abtrennung von tsem Erle ‘ bei der Erle ’ vorliegt (cf. HL M EREL ). Unklar sind die Mehrlin (1661, Oberwald) und am obren Mo ᵉ rlyn (1437, Binn; 1734 als Ma ᵉ rli). Hier könnte ein Diminutiv vorliegen, wobei unsicher ist, ob in Binn vor 1500 wirklich eine Rundung vorliegt, die später zu / ä/ entrundet wurde. Insgesamt bleiben die Belege unsicher. Merrer Merrer m. ist eine unsichere Lesart des historischen Beleges von 1836 in Eisten: zum Merrer. Der gleiche Beleg wird unter Erl ‘ das Gebiet mit Erlen (LT Erl) ’ aufgeführt. Dieser Name erscheint neben den Formen Erl und Erill auch 1690 zum Örill, 1704 zum Mörel, 1736 im Merill usw., sodass die Form zum Merrer wohl ursprünglich zum Merrel zu lesen ist; anlautendes / m/ wird aus einer Agglutination erklärt und der Name meint dann einfach ‘ das Gebiet mit Erlen ’ (cf. HL M EREL ). Die Schreibweisen deuten darauf hin, dass der Name nicht mehr durchsichtig war. Merrgasch Merrgasch ist als ts Merrgasch (Oberems; FLNK Mergasch) belegt. LT hat über den Mergasch, laut Beschreibung ein steiler Durchgang in einer Felswand zwischen “ Brunegg- ” und “ Turtmanngletscher ” auf einer Höhe von rund 3400 m. SK benennt den Brunegg-Gletscher als Turtmanngletscher. Wie der Passname über den Mergasch sagt, wird der Felsrücken als der Mergasch benannt; mit maskulinem Genus. Dagegen scheint der Flurname ts Merrgasch ein Neutrum zu sein, das ein Kollektivum meint. Es gibt weiter einen FaN Merga, der im Tessin (Monte Cassano) beheimatet ist (F AMILIEN- NAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1222). Er könnte theoretisch in ts Merrgasch ‘ das Gebiet der Familie Merga ’ vorhanden sein. Es ist aber nicht bekannt, dass irgend jemand aus dieser Familie - etwa als Bergsteiger - in diesem Gebiet gewirkt hätte. Möglich wäre aber auch ein Übername, der aber ebenfalls nicht belegt ist. Ein frz. oder frpr. Name ist nicht ausgeschlossen, ist aber ebenfalls nicht belegt. Der Name kann deswegen nicht gedeutet werden. Merri Merri ist nur 1611 in Albinen als eys Fen=Merrÿ ‘ beim Heu des Merri (unklar) ’ belegt. Fen (cf. HL F EN ) ist hier wohl zu frz. foin, patois fin ‘ Heu ’ (G PSR 6, 593 ss.) zu stellen. Merrÿ wird von J ACCARD (1906, 271 s. v. les Mérils, les Méris) zum Verb “ regarder ” (= pat. meri, mirâ (B RIDEL 1860, 245)) gestellt. B OSSARD / C HAVAN (2006, 30) führen Namen wie Méribé auf “ mirer ” (< lat. MIRARE ) zurück. A-L. B REGY (p. c.) nimmt einen PN oder FaN an, allerdings ohne Belege. Die Datenlage ist daher sehr unsicher, eine Deutung ist nicht möglich. Merschen (FaN) Merschen (FaN) ist nur 1469 belegt als an den Merschen Howaton ‘ beim Gebiet mit (Holz-)Hau der Familie Mersch / Merschen ’ (Mund). Es handelt sich wohl um einen vereinfachten FaN, der sich zu Maritz (AWWB 161) und den davon abgeleiteten Formen stellen lässt, die Merje 219 220 <?page no="664"?> auf den Namen Mauritius zurückgehen. Voraussetzung wären eine Synkope (Mörisch > Mörsch) und Entrundung (Mörsch > Mersch); beide sind um 1500 durchaus möglich. Merst Merst kommt nur einmal 1514 in Varen als Saxum dou Merst vor; er wird als in pede dou leseret ‘ am Fuss der Rodung ’ angenommen. Der Flurname muss romanisch sein, kann aber nicht zugeordnet werden. Er erhält deswegen keine Deutung. Meryond (PN) Meryond (PN) m. ist nur einmal 1328 belegt in do meryond (Unterems). Im Dokument ist die Rede von einem Stück Land, das sich über dem Gut do meryond befindet. Aus dem Dokument wird nicht ganz klar, ob es sich um einen PN oder einen Flurnamen handelt. Zwar gibt es mehrere Flurnamen vom Typ Rionda (cf. HL R IONDA ), doch liegt in Meryond eher ein PN vor. 1412 ist ein Johannes Meryon (Ried-Mörel) belegt; ob der Name identisch ist mit Meryond, ist wahrscheinlich, aber nicht sicher. Meschigo (FaN) Meschigo (FaN) ist nur 1676 in Zwischbergen als Meschigo G ŭ tt ‘ das Gut der Familie Mesch (Escher) ’ belegt. Meschigo ist ein Genitiv Plural zu einer kollektiven / - IG / -Ableitung. Wie J ORDAN (2006, 271 s. v. Esch) ausführt, wurde das Gebiet auch Zum Esch genannt; der dazugehörige FaN sei Escher gewesen. Zum Esch ist 1682 als prati Zum Esch ‘ die Wiese zum Esch ’ belegt. Die falsche Abtrennung von Zum Esch zu Mesch ist nicht ungewöhnlich. Zu Escher vgl. AWWB (89). Meschler (FaN) Meschler (FaN) ist ein seit dem 14. Jh. bekannter Familienname von Leuk und Turtmann (AWWB 168). Die lebenden Belege aus Leuk weisen die Form Mäschler auf; es gibt dort ein Namennest ausgehend von den historischen Belegen Jm Meschler ‘ im (Maiensäss der Familie) Meschler ’ (erstmals 1637, Leuk), lebend als ts Ober Mäschler und ts Unner Mäschler, also der obere und der untere Teil der Voralpe. Weitere Namen sind ts Mäschlerhoru (Gipfelname, auch Meretschihorn), Mäschlärwald ‘ der Wald oberhalb des Meschler ’ (FLNK), Mäschlertotz ‘ Fels oberhalb des Meschler ’ , der Mäschlerwäg ‘ Alpweg in die Mäschleralpe ’ und das Mäschlerzugji ‘ kleiner Wassergraben vom Mäschler herunter ’ , sowie der Obere und der Unnere Mäschlerwald, die bei LT als Obermeschlerwald und Untermeschlerwald, resp. bei FLNK als Obermäschlärwald und Unnermäschlärwald erscheinen. W. M EYER (1991, 164) vermutet, dass der FaN Meschler vom Lokalnamen “ Im Meschler ” abgeleitet sind. Die Frage lässt sich nicht entscheiden; die historischen Belege stammen alle aus dem 17. Jahrhundert, als der FaN schon bekannt war. Weit von Leuk entfernt findet sich aúf Meschlers Eggen (1764, Bister), das sich vermutlich auf den gleichen FaN im Genitiv bezieht; der Name wird hier sonst nicht erwähnt. Meschti Meschti f. ist nur einmal belegt in t(p) Meschtilecher ‘ die Löcher, wo man mästen kann ’ (Brigerbad). Das HL ist wohl zu schwdt. Masti, Mästi f. ‘ Mast von Schweinen usw. ’ auch ‘ Kuh, Stier, die auf der Mast sind ’ (I D . 4, 510, R ÜBEL 1950, 34) zu stellen. Meseins (FaN) Meseins (FaN) ist 1467 in Ulrichen als Zen Meseins erwähnt. Nach P H . K ALBERMATTER (p. c.) ist 1374 in Geschinen (GA Geschinen D 1b) super Humberto Mesans de Consches erwähnt; in späteren Dokumenten aus dem Goms erscheint dieser FaN nochmals, neben den FaN Metzis, Metzun und dem Kollektiv Metzingo. Consches ist der ältere Name für das heutige Münster. Zu vermuten ist, dass Zen Meseins ‘ bei den Mesans (FaN) ’ , ev. ‘ den Metzis (FaN) ’ meint. Metall Metall n. ist nur zweimal als Bestimmungswort belegt: Metallgraben ‘ der Graben mit Metall (wohl ein Verschreiber für den Graben nach Mittal hinunter) ’ (SK, Hohtenn) und an den Vooderen Metall Graben ‘ an den vorderen Graben mit Metall (wohl ein Verschreiber für den Graben nach Mittal hinunter) ’ (1860, Steg). Das HL ist wohl nicht zu schwdt. Metall n. wie nhd., ‘ doch meist eingeschränkt auf Legierungen, wie Nickel, Neusilber, Messing u. ä. ’ (I D . 4, 555) zu stellen, sondern zum FlN Mittal (cf. HLL T AL und M IT -). Metry (FaN) Der FaN Metry kommt in t Meetrihaaltu ‘ die Halde der Familie Metry ’ (Leuk) vor. Metry, auch Métry und Mettri geschrieben, ist der Name einer Familie, die ursprünglich aus Albinen stammte und die sich später nach Leuk verzweigte (AWWB 168). Metten Metten Adj. ‘ mittler ’ ist auf Grund der lateinischen Konstruktion im Beleg von 1414 in Steg “ de mediis montibus ” für den lebenden Namen dr Mättunbärg ‘ der mittlere Berg ’ zu deuten; Bäärg meint hier, wie auch sonst häufig, ein bergwärts liegendes Gebiet (hier im Tal der Lonza). ts Mättunbärgläger ‘ die Lagerstätte im Bereich 221 222 Metten <?page no="665"?> des mittleren Berges ’ (Steg) gehört dazu. Sehr unsicher ist ts Mättimoss ‘ das mittlere Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Naters), das 1818 als Metten Moss belegt ist. Ob Metten mit dem HL M ETTLE - M ETTJA zusammenhängt, ist unklar. Mettires Mettires ist nur einmal 1242 in Erschmatt als apud Mettires belegt. Während apud ‘ bei ’ eine lat. Präposition ist, muss Mettires wohl ein frpr. Patois-Wort sein. Es ist vermutlich zum lat. M Ĕ DI Ĕ TAS hälfte, mitte (FEW 6, 1, 606 ff.) zu stellen (vgl. insbesondere FEW 6, 1, 610), obwohl kein direkter Beleg vorliegt. Gemeint ist die Hälfte des Ertrages, die abgegeben werden soll. Mettle - Mettja Mettle f., in unseren Dialekten häufig auch Mettja f. und weiteren Varianten, ist zu schwdt. Mettle n f. ‘ kleineres, urbar gemachtes, auf zwei oder drei Seiten von Wald umgebenes und darum meist schattiges, feuchtes und wenig ertragfähiges Stück Land ’ , heute nur noch in Namen von Allmenden oder anderen Örtlichkeiten (I D . 4, 558; Z INSLI 1984, 576) zu stellen. Laut S ONDEREGGER (1958, 68) ist der Name ein substantiviertes Adj. oder elliptischer Gebrauch des ahd. Adj. mëtal / mittil ‘ mittlerer ’ . Diese Deutung ist allerdings umstritten. LUNB (1, 2, 669) fasst die Diskussion zusammen und kommt zum Schluss, dass Weideland gemeint, aber ein Wechsel zum nahestehenden Matte ‘ Wiese, Mattland ’ nicht auszuschliessen sei. Die Umschreibung ‘ Mettle - Mettja ’ in der Datenbank trägt dieser Unsicherheit Rechnung. Lautlich interessiert die Frage, ab wann die sog. Palatalisierung / l/ > / j/ (R ÜBEL 1950, 13) in den schriftlichen Daten erscheint. Der älteste Beleg erscheint in Visp 1292 als apud Metelun ‘ bei der Mettle ’ . 1304 ist in Zeneggen ze dien Mettelon ‘ bei den Mettlen ’ erwähnt. 1305 hat Stalden ze der Mettelun ‘ bei der Mettle ’ . 1306 wird für Eisten dv ᵢ Mettela ‘ die Mettle ’ belegt; im gleichen Jahr haben Steg in der Metlun und Eischoll Mettla ‘ die Mettle ’ . Diese Belege zeigen, dass um 1300 keine Palatalisierung belegt ist. Die ersten Belege mit Palatalisierung sind 1343 zen Mettÿon ‘ bei den Metteln ’ (Törbel, noch 1311 zen Mettellon), 1359 Mettye ‘ die Mettle (unklar ob Sg. oder Pl.) ’ (Grächen), gefolgt von 1361 in den Metyen ‘ in den Mettlen ’ (Gampel) und 1369 in den Mettyon ‘ in den Mettlen ’ (Feschel). Diese Belege zeigen, dass um 1350 die Palatalisierung in den Belegen fassbar wird. Beim Schreiben kann an Stelle von {j} auch {g} gesetzt werden. Diese Schreibung erscheint im 16. Jahrhundert: 1531 de Metgen ‘ von der Mettle ’ (Bellwald), 1565 Zen Mettgien ‘ bei den Mettlen ’ (Visperterminen), 1595 an der Mettgien ‘ an der Mettle ’ (Zeneggen). Die Schreibung ist zweideutig: zwar ist bekannt, dass schon das Mhd. {g} für {j} schrieb (P AUL 25 2007, 144), doch weist das Walliserdeutsche eine lautliche Entwicklung eines Dentalkonsonanten vor / j/ zu / g/ auf (vgl. Meiggji aus Meitji ‘ Mädchen ’ ). Dies kann zu Formen wie in der Meggen ‘ in der Mettle ’ (1854, Oberwald) oder in der Meggien ‘ in der Mettle ’ (1839, Bellwald) führen. Es scheint, dass diese Form in einzelnen Orten zum Zusammenfall mit dem Wort Meitja ‘ Mädchen ’ führte; so lassen sich etwa t Meigja ‘ die Mettle ’ (Blitzingen), ts Meitje ‘ das Gebiet Mettle / bei den Mettlen ’ (Bellwald), zer Meitju ‘ bei der Mettle ’ (St. Niklaus) erklären. Unklar sind die Formen mit / ä/ in Eggerberg, Gampel, Hohtenn und Niedergesteln. Da sie auch lautlich so erscheinen (z. B. t Mättjä (Gampel) liegt wohl einfach eine lautliche Angleichung an die Reflexe von germ. ë oder Sekundärumlaut vor. Insgesamt zeigt die Formenvielfalt, dass die Namennutzer den Namen zwar noch verwenden, aber ihn nicht mehr mit einem Appellativ in Verbindung bringen. Inhaltlich geben zwei Belege klar an, dass es sich bei Mettle - Mettja um eine Weide (für Tiere) handelt: depascuare per dij Metthye Jn ‘ weiden durch die Mettle hinein ’ (1485, Steinhaus), supra depascuationem sitam in Bundolo l. v. im Gmeinen Metje ‘ oberhalb der Etzweide im Binntal am Ort, der im Gmeinen Metje (in der kleinen Mettle, die der Gemeinde gehört) heisst ’ (1781, Binn). Während das einfache lat. pascua ‘ Weide ’ häufig vorkommt, ist das davon abgeleitete depascuare ‘ abweiden ’ , resp. depascuatio ‘ die Etzweide ’ sehr selten. Das Simplex im Singular weist verschiedene Formen auf: in der Mättgien (1599, Eggerberg), Medty`a (1435, Bitsch), t Meggja (Simplon; mit der Bemerkung: “ Auch “ Mettja ”” ), t Megja (Eisten; FLNK Mettja), t Meigja (Blitzingen; FLNK Meiggja), zer Meitju ‘ bei der Mettle (Weiler) ’ (St. Niklaus; FLNK Zermeitju), apud Metelun ‘ bei der Mettle ’ (1292, Visp), an der Metgien (1688, Grächen; 1359 Mettye), Metle (1388, Grächen; 1390 Metla), jn der Metlon (1346, Ulrichen), in der Metlun (1306, Steg), ze der Mettelun (1305, Stalden), Zmettgien (1568, Ernen), dij Metthye ‘ die Mettle (unklar, ob Sg. od. Pl.) ’ (1485, Steinhaus), auff d ’ Mettien ‘ auf die Mettle (unklar, ob Sg. od. Pl.) ’ (1685, Unterems), die Mettele (1308, Visperterminen, bis 1470 Singular, 1565 Zen Mettgien ‘ bei den Mettlen ’ ), t Mettja (Ausserberg und vier weitere Gemeinden), t Mettje ‘ die Mettle ’ (Eischoll, mehrere Belege; Naters), Zer Mettyon ‘ bei der Mettle ’ (1410 u. später, Zermatt), t Mettju (Ergisch), zer Mettju (Täsch), die Mettÿa (1542, Mund; auch in der Mettÿen) und Zmettien ‘ bei der Mettle ’ (1687 u. später, Fieschertal). Das Simplex im Plural ist ebenfalls häufig: t Mättjä ‘ die Mettlen ’ (Gampel), ts Mättju ‘ bei den Mettlen ’ (Hohtenn), inne Meigge (Ulrichen), ts Meitje ‘ bei den Mettlen ’ (Bell- Mettires 223 224 <?page no="666"?> wald), in den Mettgiún ‘ in den Mettlen ’ (1699 u. später, Oberwald), in den Mettgien ‘ in den Mettlen ’ (1663 u. später, Selkingen), in dien Metion ‘ in den Mettlen ’ (1411, Münster), in den Metlen (1797, Wiler), zen Metellon ‘ bei den Mettlen ’ (1311 u. später, Törbel), t Mettgje (Zwischbergen), in den Mettien ‘ in den Mettlen ’ (1775, Erschmatt), jn den Mettien (1754, Steg), in den Mettigen ‘ in den Mettlen ’ (1726 u. später, Ulrichen), in den Mettyon (1369, Feschel), t Mettja (Zeneggen, laut hist. teilweise Plural), t Mettje (Binn, mehrfach), Mettje (LT, Bratsch) und t Mettje (Unterbäch, Visp). Das Diminutiv im Singular ist nur in ts Mettji ‘ die kleine Mettle ’ (Binn) belegt, der Plural gar nicht. Attributive Adjektive zum HL sind selten: in den Kleÿnen Mettÿen ‘ in den kleinen Mettlen ’ (1582, Ergisch), im Gemeinen Metje ‘ in der kleinen Mettle, die der Gemeinde gehört ’ (1781, Binn), Inner und Üsser Mettju ‘ die innere (taleinwärts liegende) und die äussere (talauswärts liegende) Mettle ’ (FLNK, Täsch), t Obru und t Undru Mettje ‘ der obere und der untere Teil der Mettlen ’ (Bratsch). Der Genitiv ist nur einmal vorangestellt: Leiggeru Mettja ‘ die Mettle der Leute von Leiggern ’ (FLNK, Ausserberg). Unsicher ist der Beleg Geynsmetdum ‘ die Mettlen der Gänse ’ (1265, Ernen) (cf. HL G EYNS ). Komposita mit dem HL als Grundwort sind selten: Chiemettlä ‘ die Mettle für die Kühe ’ (FLNK, Blatten), die Hermettja ‘ die Mettle des Herrn ’ (1486 (ca.), Visperterminen), ts Herrmettje ‘ bei der Mettle des Herrn ’ (Zermatt), t Obru und t Undru Herrmettje ‘ die oberen und die unteren Mettlen des Herrn ’ (Visperterminen), Alp Hermetje (LT, Zermatt) und Tärbinernanz Hermettje ‘ die Mettle des Herrn auf der Alpe Tärbinernanz (Nanztal) ’ (Visperterminen). Der Typ Herrmettja kommt nur in Visperterminen und Zermatt vor und bezeichnet eine Alp oder Teile davon. Ob tatsächlich eine Komposition von Herr und Mettle vorliegt, ist unklar. Welche Art von Herr (Pfarrherr, Grundherr) gemeint ist, bleibt unsicher. Weiter sind belegt: t Seemettja ‘ die Mettle beim See ’ (St. Niklaus), t Steimätje ‘ die Mettle mit Steinen ’ (Törbel). Komplexer sind t Obri und t Undri Ielumättju ‘ die obere und die untere Mettle bei der Alpe Joli / Jeli ’ (Niedergesteln). Auch hieher kann Eggeltinen Zmeittien ‘ die kleinen Ecken Zmeittjen (bei der Mettle) ’ (1772, Fieschertal), wobei Zmettjen historisch für Fieschertal 1687 u. später belegt ist. Als Bestimmungswort kommt das HL (häufig in der Form Mettel oder Mettil) mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bäärg, Bodu, Brigga, Färich, Fad, Gletscher, Graat, Grabu, Gufer, Hooru, Licka, Löüb, Löuwina, Matta, Sand, Schleif, Stafel, Stei, Trog, Wäg, Wald, Wasser und Zug. Komplexer sind: der Innder Chiämettlun Bopem ‘ der innere (taleinwärts liegende) Boden bei der Chiemettlu (Kühmettle) ’ (Blatten) und der Uister Chiämettlun Bopem ‘ der äussere (talauswärts liegende) Boden bei der Chiemettlu (Kühmettle) ’ (Blatten). Metz (FaN) Metz (FaN) ist ein Familienname, der in der Datenbank 1659 und 1677 für Täsch bezeugt ist. Metz / Mätz f. kann jedoch auch eine Kurzform eines weiblichen Vornamens (wohl Mechthild) sein (I D . 4, 611 f.). Das Lemma kommt in vier Belegen vor: aúf z Metzisch Biel ‘ auf dem Hügel der Familie Metz ’ (1791, Mund), z Metzun Gaden ‘ der Gaden der Metza / der Familie Metz ’ (1559, Ried-Mörel), ts Mättsisch Matta (Zwischbergen, auf Karte 1: 10000 Mätzischmatta) kann sowohl ein FaN Mätz(i), wie die Kurzform Mätzi zum PN Matthias oder die Kurzform Mätzi zum PN Mechthild sein; ohne weitere Angaben kann hier nicht entschieden werden. Ganz unklar ist an den Guggen Metz (1852, Niedergesteln), wo aber ein FaN kaum möglich ist. Unsicher auch das mehrfach belegte Zwischend den grossen Metzg Zugen vnd dem kleinen Metz Zuggen (1593, Feschel) und Varianten, wo noch nicht einmal klar ist, ob Metz oder Metzg steht, und ob überhaupt ein FaN oder PN vorliegt oder nicht. Metzg Metzg ist zu schwdt. Metzg f., mhd. metzje, metzige ‘ Fleischbank, Schlachthaus ’ zu stellen. Die Ableitung auf / - ER / ist entweder die Berufsbezeichnung Metzger m. allgemein ‘ Fleischer, Schlächter ’ , oder ein FaN (I D . 4, 623 f.; I D . 4, 627 f.). TGNB (2, 2, 388): “ in FlN bezeichnet METZG den Ort bei einem Schlachthaus ” . Insgesamt kommt das HL in sechs Belegen vor. Das Simplex Metzg (Feschel) wird für eine Flur gebraucht, wo keine Schlachtstätte in der Nähe ist - die Gwp. spricht von Schlachten in der Franzosenzeit (nach 1798), doch ist diese Angabe vermutlich eher volksetymologisch. Historisch erscheint Metzg in zwischend den grossen Metzg Zugen vnd dem kleinen Metz Zuggen (1593, Feschel), also ‘ zwischen dem grossen Metzg-Tschuggen und dem kleinen Metzg-Tschuggen ’ (Feschel), wobei Felsen (Tschuggen) gemeint sind, die sich bei der Metzg befinden (cf. HL M ETZ (F A N), wo die gleichen Flurnamen als unsicher gelten). In Leukerbad ist t Metzgweide ‘ die Weide, wo man schlachtete ’ belegt; Gwp. sagt, hier seien Pferde geschlachtet worden, weil man nicht gesehen werden wollte. Die beiden restlichen Belege enthalten die / - ER / -Ableitung im schwachen Genitiv Plural: z Metzgerro Hau ᵕ s 225 226 Metzg <?page no="667"?> ‘ das Haus der Familie Metzger ’ (1659, Zwischbergen) und Metzgerru Bodu ‘ der Boden der Familie Metzger ’ (Simplon), wo vermutlich der FaN Metzger gemeint ist, der im Register HRBS für Simplon und Zwischbergen mehrfach genannt wird. Miarzji Miarzji n. ist als ts Miarzji (mit Erstbetonung) (Randa) belegt und bezeichnet eine Wasserleitung, die vom Dorfbach (Randa) ausgehend t Eggini und t Lusse bewässert, laut Gwp.; 2019 von A. B RANTSCHEN (p. c.) bestätigt. Es handelt sich sicher um ein Diminutiv; der Stamm Miarz ist allerdings nur in Steinerne Miarz am Wölkerkogl (Maria Lankowitz, Österreich) belegt, eine Marienstatue auf einem aus Stein gebauten Sockel aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vermutlich handelt es sich hier um eine Form des Namens Maria (zu den schweizerischen Formen siehe I D . 4, 354 ff., wo nichts Entsprechendes zu finden ist). Insgesamt muss der Name ungedeutet bleiben. Michael (PN) Michael (PN) und die Formen Michel, Michil, Michol und Michul sind zum Heiligen- und Taufnamen Michael, Michel zu stellen (I D . 4, 59 f.). Die Familiennamen Michel und Michlig, Michals (1383), Michalius (1389), Michaels (1480), Michahelis, Michaelis, Michel(s), Michling (1502) sind vom Taufnamen Michael abgeleitet (AWWB 169 f.; cf. HL M ICHLIG (FaN)). Nicht auszuschliessen ist, dass einige, vor allem attributive Adjektive, zum mhd. michel ‘ gross ’ (L EXER 1, 2131) gehören. Das gilt für die Belege jn den Michil Achnen (? ) Achren (? ) (1628, Bürchen, mit Leseunsicherheit) ‘ in den grossen Äckern / in den Äckern Michaels ’ , vff dem Michel Bu ᵉ l ‘ auf dem grossen Hügel / auf dem Hügel des Michael ’ (1477, Bürchen) und der Michol Acher ‘ der grosse Acker / der Acker des Michael ’ (1793, Termen). In den drei Fällen liegt kein Genitiv eines PN vor, sodass eher an das Adjektiv zu denken ist; der PN kann aber nicht ausgeschlossen werden. Das HL ist als Simplex im Singular 1391 als Mÿchel (Stalden) belegt; es handelt sich gemäss Kontext um ein Stück Land, wobei unklar ist, worauf sich der Name stützt. Die meisten Belege enthalten den PN im Genitiv: t Michaelsbrigga (Stalden) ‘ die Brücke des Hl. Michael ’ (Stalden), (lat.: molendinum Michaelis) ‘ die Mühle des Michael ’ (12? ? , Naters), Michälschweng ‘ die Grasabhänge des Michael ’ (Kippel), jn Michels Graben ‘ im Graben des Michael ’ (1628, Gampel), Michels Hÿtta ‘ die (Alp-)Hütte des Michael ’ (1550, Obergesteln), an Michelsweng ‘ an den Grasabhängen des Michael ’ (1825, Ferden), ts Micholsch Brand ‘ das brandgerodete Gebiet des Michael ’ (Stalden), ts Micholsch Wäng ‘ die Grasabhänge des Michael ’ (Stalden), Michols Hitta ‘ die (Alp-)Hütte des Michael ’ (1550, Oberwald), ts Michulsch Brennd ‘ die brandgeoreten Gebiete Michaels ’ (Zwischbergen), ts Michutisch Eie ‘ die Aue des kleinen Michael ’ (Ritzingen; Micheltisch als Beiname einer Familie) und Sant Michelsch Brunne ‘ die Quelle / der Brunnen des Hl. Michael ’ (Münster). Einen komplexeren Fall zeigt Michel Denen Haus Frauwen Gu ͦ dt ‘ das Gut der Hausfrau (Ehefrau) von Michel Denen (wohl: Michael Thenen) ’ (1605, Embd). Eine Ableitung t Michilju ‘ das Gut des Michael ’ und t Undri Michilju ‘ der untere Teil des Gutes des Michael ’ (beide Turtmann) entspricht einer femininen - LA Ableitung in Stellenbezeichnungen (S ONDEREGGER 1958, 517, mit einem Verweis auf PN S. 517 unten). Michi Michi ist nur als der Michibach ‘ der Bach des Michael / der Bach beim kleinen Moor ’ (Binn, auch FLNK, 1: 10000 und SK) belegt. Laut Gwp. kommt der Bach aus den Spisse herunter. Auf LT heisst der gleiche Bach Mischibach, früher Michibach. Da das HL Mischi ‘ das kleine Moor ’ weitaus häufiger ist als Michi, dürfte wohl Mischibach gegeben sein. Allerdings ist ts Mischi ‘ das kleine Moor ’ (Binn, auch FLNK und LT) im Einzugsbereich des Lenge Bach, während der Michibach / Mischibach deutlich östlich davon fliesst. Es bleibt unklar, ob einfach eine Verwechselung von / x/ und / š / vorliegt, ob die Bäche verwechselt wurden, oder ob tatsächlich ein Name Michibach ‘ der Bach des Michael ’ vorliegt, der zum PN Michael (I D . 4, 59) zu stellen wäre. Es werden in VSNB darum zwei Deutungen angegeben. Michlig (FaN) Michlig (FaN) ist zum FaN Michlig, Michals (1383), Michalius (1389), Michaels (1480), Michahelis, Michaelis, Michel(s), Michling (1502) zu stellen, der vom Taufnamen Michael abgeleitet ist (AWWB 170). Die Bildung mit dem kollektiven / - IG / -Suffix zeigt, dass die Familie des Michel gemeint ist. Der FaN kommt als vorangestellter starker Genitiv in ts Michligsch Platz ‘ der Platz der Familie Michlig ’ (Ausserbinn) vor. Ein schwacher Genitiv Plural erscheint in Michligo Valdÿn ‘ der kleine Wald der Familie Michlig ’ (1674, Naters) und Michligo Grund ‘ der Grund der Familie Michlig ’ (1629, Baltschieder). Zusammensetzungen mit Michlig als Bestimmungswort sind der Michligbode ‘ der Boden der Familie Michlig ’ (Ernen) und t Michligschroota ‘ der Dorfteil (Geländeeinschnitt) der Familie Michlig ’ (Ernen). Zum Vornamen cf. HL M ICHAEL (PN). Miarzji 227 228 <?page no="668"?> Mieless Mieless m. ist als der Mieless (Leukerbad), als Mieläs bei R. G RICHTING (1993, Blatt 5, Nr. 4, Blatt 6, Nr. 8, Blatt 7, Nr. 3) belegt. Historische Belege fehlen. Eine vorsichtige Deutung des frpr. Namens würde anlautendes Mie zu Mi ‘ halb, in der Mitte ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 98) und einem Plural auf / -s/ zu Lex ‘ Fels, felsiger Abhang ’ etc. (J ACCARD 1906, 231) stellen. Die Deutung wäre dann entweder ‘ der halbe Felsen ’ oder ‘ Felsen in der Mitte ’ . Der Flurname bezieht sich auf eine Schafweide inmitten von Felsen. Mies - Miesch Mies - Miesch ‘ Moos ’ ist zu schwdt. Mies, Miesch n./ m. ‘ Moos, auch von einzelnen Flechtenarten allgm. ’ , ahd. mios, mhd. mies n./ m. (I D . 4, 467; C. S CHMID 1969, 139 u. 162; SDS 8, 45 2 ) zu stellen. Auch als Adjektiv gebildet durch Suffixableitung auf / - IG / : miesig, mieschig ‘ moosig ’ (S TALDER 1994, 447; C. S CHMID 1969, 162). Das Simplex kommt allein nicht vor, aber es ist zusammen mit dem Artikel in ts Wis Mies ‘ das weisse Moos ’ (Saas-Almagell, LT und Saas-Grund haben Weissmies), der gleiche Gipfel heisst in Simplon ts Wiismiesch, belegt; das Gegenstück dazu wird ts Schwarzmies ‘ das schwarze Moos ’ (Saas-Grund, auch laut LT) genannt, ein Nebengipfel zum Weissmies. Im gleichen Umfeld finden sich der Wiismieschgletscher (Simplon), Weissmies Nordgrat (Saas-Grund, FLNK), t Wissmieshittu ‘ die Hütte beim Weissmies ’ (Saas-Grund, laut LT und FLNK Weissmieshütte) und der Wismiessattul ‘ der Sattel beim Weissmies ’ (Zwischbergen). Nicht in diesem Gebiet ist belegt t Miesbobme ‘ die Böden mit Miesch / Moos ’ (Randa). In den übrigen Fällen wird das Adjektiv mieschig ‘ moosig ’ verwendet: Mieschigäbi ‘ der Abhang mit Moos ’ (St. Niklaus, FLNK), der Miäsig Bode (Gampel), der Miesig Bodu (Bratsch) und Mieschigbode ‘ der Boden mit Moos ’ (Oberwald, FLNK), t Miesig Flüe ‘ die Fluh mit Moos ’ (Täsch), Miesygun Flue ‘ die Fluh mit Moos ’ (1302, Mund) und ts Miesig Tossji ‘ der kleine Stein mit Moos ’ (St. Niklaus). Mieta Mieta f. ist ein Pflanzenname, der aus Wërmuet (I D . 16, 1508 f., im Wallis als Wärmieta) zurückgebildet erscheint. Belegt sind t Wässermieta (Blitzingen), wobei die Beschreibung von Minze als ‘ Wermutkraut ’ spricht. Es handelt sich wohl um A RTEMISIA ABSINTHIUM (Echter Wermut, L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1108) oder um M ENTHA AQUATICA (Wasser-Minze, L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 850). Beide Pflanzen erwähnt etwa auch C. S CHMID (1969, 189) für Bellwald als Heilpflanzen. In Grächen ist t Mietubobmetole ‘ die Mulden bei den Mietuböden (wohl Pflanzenname) ’ belegt. Ob hier die gleichen zwei Pflanzenarten gemeint sind, ist unklar. Miggi (PN) Miggi (PN) ist nur belegt als der Miggibodo ‘ der Boden des Miggi (laut Karte auch Niggil) ’ (Visperterminen). Miggi, Migg(e)li n. ist eine Kurzform verschiedener Taufnamen wie Maria, Emil oder Remigius (I D . 4, 122; 4, 123; 6, 900). Das auf LT ebenfalls belegte Niggilbode ist unter Nigg für den Taufnamen Nikolaus (I D . 4, 705) belegt. Da im Wallis Niggil und seine Formen deutlich häufiger sind, dürfte trotz der Aufnahme als Miggibodo die Form Niggilbodo vorliegen (cf. HL N IKOLAUS (PN)). Miina Miina f. ‘ Mine ’ ist ein Lehnwort aus dem Hdt. Mine f. ‘ Mine, Erzgrube ’ (G R W B 12, 2235 ff., Bed. 3.). Belegt ist das Grundwort in Komposita wie folgt: Bliimina ‘ die Bleimine ’ (Ferden, SK Bleimine, LT Ehemalige Bleimine), t Cholmiina ‘ die Mine, aus der Kohle gewonnen wurde ’ (Ferden), di Giltmiina ‘ die Mine, in der Giltstein abgebaut wurde ’ (Wiler), Giltsteinmiina ‘ die Mine, in der Giltstein abgebaut wurde ’ (FLNK, Wiler), zer Goldmiinu ‘ bei der Goldmine ’ (Gampel). Als Bestimmungswort erscheint das HL in der Miinugrad ‘ der Grat mit der (Erz-)Mine ’ (Oberems) und der Minubodu ‘ der Boden bei der (Gold-)Mine ’ (Zwischbergen). Vermutlich zum PN Minna gehört Minnunmatta ‘ die Wiese der Minna (? , unklar) ’ (1305, Grächen). Milacher (FaN) Milacher (FaN) ist zum FaN Mülacher, Zmilacher (AWWB 177) mit weiteren Varianten zu stellen. Sicher belegt ist er nur in Milachersch Wanng ‘ der Grasabhang der Familie Mühlacker ’ (Ergisch). Milch Milch f. ist zu schwdt. Milch f. und wdt. Milch f. wie nhd. allgemein (I D . 4, 198; G RICHTING 1998, 135) zu stellen. In Gewässernamen bezeichnet Milch schäumiges und weissliches Wasser, für Weideplätze deutet der Name auf milchförderndes Futterkraut hin (BENB 1, 3, 290). Das Lemma kommt nur als Bestimmungswort vor. Milchbach ‘ der Bach, der weisslich schäumt ’ (Birgisch, Naters) und Hinner und Vorder Miuchbach ‘ der hintere und der vordere weiss schäumende Bach ’ (Ernen, mit / l/ - Vokalisierung), sowie an den Milchbachgraben (1758, Birgisch) vertreten den Typ des weisslichen Wassers, Milchritz ‘ der mit milchfördernden Gräsern bewachsene Grasabhang ’ (Blatten) und t Milchbletschu ‘ die Ebene mit 229 230 Milch <?page no="669"?> milchfördernden Gräsern ’ (Eischoll) den Typ mit milchförderndem Futterkraut. Mili Mili f. ‘ die Mühle ’ ist zu wdt. Mili f., ahd. mul ī , mulin, mhd. mül(e) ‘ Mühle ’ , Lehnwort aus lat. MOL Ī NAE zu noch älterem lat. MOLA ‘ Mühlstein ’ (I D . 4, 187 f.; I D . 11, 850 ff., FlN bes. 852; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 638; G RICHTING 1998, 135) zu stellen. Die zahlreichen Walliser Mili-Namen (rund 290 Flurnamen mit dem HL M ILI ) betreffen auch Sägemühlen; nicht alle können jedoch mit Mühlen in Zusammenhang gebracht werden. LUNB (1996, 1, 2, 691 ff.) vermutet deswegen, dass es früher in abgelegenen Orten viele kleinere Mahlvorrichtungen gab. Daneben ist auch die metaphorische Namengebung möglich: etwas, das aussieht wie eine Mühle oder wie ein Mühlstein, kann den Namen erhalten. Das Simplex ist im Singular meistens als Zer Mili ‘ bei der Mühle ’ (Albinen und 15 weitere) belegt; dazu kommen t Mili ‘ die Mühle ’ (Simplon und drei weitere), biner Mili ‘ bei der Mühle ’ (Bellwald, Bister und Niederwald) und einmal uf der Mili (Niedergesteln). Historisch sind belegt: zer Mv ᵢ lin (1307 u. später, Staldenried), zer Mulin (1383 u. später, Glis), an der Mili (1529 u. später, Ernen), bÿ der Mÿli (1573, Münster), bis zu ᵕ der Millin ‘ bis zu der Mühle ’ (1638, Bitsch), aúff der Milli ‘ auf der Mühle ’ (1738, Mund), zer Mu ᵉ li (1743, Raron). Hdt. Mühle (SK, Ried- Mörel) ist eine verhochdeutschte Form auf der SK. Lateinisches ad molendinum ‘ bis zur Mühle ’ (1622, Eischoll) ist so oder ähnlich mehrfach belegt, meint aber vermutlich nicht einen Namen, sondern ein Appellativ. Wohl nicht zu Mili ‘ Mühle ’ , sondern zum frpr. Muling ‘ Mühle ’ gehören dov mulyn (1494, Salgesch) und de muling ‘ von der Mühle ’ (1581, Varen). Im westlichen Bezirk Leuk ist nicht immer klar, welches der beiden HLL vorliegt. Das Simplex im Plural ist sehr selten belegt: t Miline ‘ die Mühlen ’ (Baltschieder, Simplon, Zwischbergen), zem Milinon ‘ bei den Mühlen ’ (1505, Stalden), ze Milinu ‘ bei den Mühlen ’ (Törbel), beÿ den Millinen ‘ bei den Mühlen ’ (1786, Gampel). Diminutive erscheinen kaum: ts Milti ‘ die kleine Mühle ’ (Turtmann), Milyij ‘ die kleine Mühle ’ (1648, Leuk, aber unsicher, kann auch zum HL M ILLE ‘ Hirse ’ gehören). Attributive Adjektive zum HL sind ebenfalls belegt: zer Altun Mili ‘ zu der alten Mühle ’ (Embd), by der Bösen Mili ‘ bei der bösen Mühle ’ (1674, Niederwald), zen Jndren Milinen ‘ bei den inneren (taleinwärts liegenden) Mühlen ’ (1773, Gampel), ze der Niderun Muili ‘ bei der niederen (unteren) Mühle ’ (1309, Törbel), Ober Mili ‘ die obere Mühle ’ (FLNK, Bellwald), t Obri Mili ‘ die obere Mühle ’ (Gampel, Leuk), beÿ der Stinckenden Milli ‘ bei der stinkenden Mühle ’ (1778, Raron), t Undri Mili ‘ die untere Mühle ’ (Gampel), de molendino inferiori ‘ bei der unteren Mühle ’ (1353, Salgesch, unsicher, ob Name vorliegt). Genitive des Besitzers oder Nutzers, im Lateinischen nach-, sonst vorgestellt, sind selten: zuo Martingo Milin ‘ bei der Mühle der Leute des Martin / der Familie Martin ’ (1525, Baltschieder), der Gmeindt Mühle ‘ die Mühle, die der Gemeinde gehört ’ (1765, Turtmann), supra molendinum Michaelis ‘ oberhalb der Mühle des Michael ’ (12? ? , Naters), z Tambursch Mili ‘ die Mühle des Tambours ’ (FLNK, Staldenried), laut Karten wohl nur metaphorisch. Ein besonderer Fall scheint zer Mili Milti ‘ bei der Mühle der Familie Miller ’ (EK, Eggerberg) zu sein, während dort sonst nur das einfache t Mili ‘ die Mühle ’ belegt ist. Das HL ist als Grundwort in zweigliedrigen Komposita wie folgt vertreten: Bäckmili (FLNK, Leuk) ‘ die Mühle für das zu Backende ’ , Gon Müly ‘ die Mühle mit einem Wasserschöpfgefäss ’ (1591, Visp), zer Schibemilli ‘ bei der Mühle bei der Scheibe (Schützenscheibe? ) ’ (1728, Grengiols), zúr Schiben Mÿlle ‘ bei der Mühle bei der Scheibe (Schützenscheibe? ) ’ (1681 u. später, Leuk), in der Schùdangnen Mihle ‘ in der Mühle in der Schüdangna (warme Quelle) ’ (1793, Leuk; 1791, Salgesch). Einen Sonderfall stellt t Barmili (Visperterminen, LT Parmili), Name eines Weilers von Visperterminen, dar. Die ältesten Belege sind 1307 berMüllen, 1328 Bermúlin, 1343 Bernmùlin, Bermùlen usw., erstmals 1453 Barmúllin, 1566 wieder Bermulin, 1553 Bermili, 1555 an der Bermilin usw. Der Name ist auch in Visp (1591, an der Barmyli) und Stalden (1622, subtus der Bermülin) belegt; gemeint ist jeweils wohl der gleiche Ort. Z IMMERMANN (1968, 26 f.) gibt drei vorsichtige Deutungen: (a) eine Ableitung zu Balma / Barma auf / - ELLA / , mit Beibehaltung der romanischen Betonung und späterer Umdeutung zu Mühle, (b) ein FaN Bär / Ber, der inzwischen in Visperterminen ausgestorben, aber belegt ist, also ‘ die Mühle der Familie Bär ’ , (c) eine Ableitung aus dem dt. Berme ‘ Abhang ’ (I D . 4, 1596) zu frz. berme ‘ Wallabsatz ’ mit Diminutiv (würde aber eine Betonungsverschiebung voraussetzen). Die ältesten Belege deuten alle auf ein Kompositum mit dem Grundwort Mulin ‘ Mühle ’ , auch wenn es laut Gwp. im Weiler keine Mühle gibt. Zu erklären bleiben dann das Bestimmungswort Ber- / Bar- und die seltsame Betonung der zweiten Silbe in Bar ’ mili; W IPF (1910, 21) sagt aber hierzu “ bei substantivischen Kompositen sind es vorzüglich die Lokalnamen, welche den Starkton auf dem zweiten Namen tragen ” und gibt als ein Beispiel Barmíli. Sie nimmt also eine normale Betonung von Lokalnamen an. Gegen eine Ableitung von Barma sprechen die frühen Belege mit Ber- und das Fehlen von Barma ausserhalb des westlichen Bezirkes Leuk im Oberwallis. Eine Deutung auf Grund des Weinbaus scheint möglich: danach wäre das Erstglied Ber ‘ Beere, Weinbeere ’ (E GLI 1982, Mili 231 232 <?page no="670"?> 45 f.) und di Bermili ‘ die Beerenmühle, die Weinpresse ’ . Letzteres ist allerdings nicht belegt, sodass der Weilername unklar bleibt. Als Bestimmungswort tritt das HL vor allem in drei Typen auf: im Singular der Millacher ‘ der Mühlenacker ’ , im Plural t Milachra / t Milachru ‘ die Mühlenäcker ’ an mehreren Orten im Oberwallis. Seltsam ist, dass ts Millachru ‘ bei den Mühlenackern ’ (Stalden), ein Weiler im Vispertal zwischen Visp und Stalden, schon sehr früh mit einem / i/ statt / ü/ erscheint: 1297 Milleakern, 13. Jh., Milascar, 1304 Milleakern (zweimal), 1306 Milleakern, 1320 Milasquer und erst 1346 Mulakren. Das deutet darauf hin, dass hier nicht von einer Mühle die Rede ist, sondern vom Getreide ‘ Hirse ’ , das auf lat. MILIUM und frz. mil, millet (FEW 6, 2, 83 ff.) beruht (cf. HL M ILLE ). Erst später wird das nicht mehr verstandene Mille auf ‘ Mühle ’ bezogen. Das gilt allerdings wohl nur für jene Namen, die früh als Milleaker belegt sind, neben den schon genannten auch 1250 Millaschar (u. später, Eggerberg; heute ts Müülachru) und 1306 Milleakren (Törbel, wohl gleicher Ort wie Stalden). Der zweite Typ ist der Milibach ‘ der Mühlenbach ’ , rund 45 Mal auch mit komplexeren Namen im ganzen Oberwallis belegt; die frühere Gemeinde Milibach (Mühlebach, heute Ernen) ist nur der bekannteste dieser Fälle. Wie auch sonst kann die Umgebung des Baches selbst auch der Milibach heissen. Ein dritter Typ betrifft ebenfalls rund 40 Belege t Milimatta ‘ die Wiese bei der Mühle ’ (z. B. Mund). Weitere Grundwörter in zweigliedrigen Komposita zum HL M ILI (in Komposita auch Mill) sind: Bodu, Bord, Brigga, Egg(a), Eie, Eige, Gartu, Gassa, Grabu, Gufer, Haalta, Holz, Hooru, Hüs, Mettla-Mettja, Pletscha, Rüüs, Schluocht, Schlüche, Söüm, Stalde, Statt, Stei, Stutz, Steg, Tschugge, Ture, Wäg, Wald, Wase, Wasser, Wier und Wuer. Komplexere Bildungen sind t Under Milinegga ‘ die untere Ecke bei der Mühle ’ (Blatten), der Milisteigletscher ‘ der Gletscher oberhalb der Alpe Milistei (Mühlstein) ’ (Oberwald), der Miligaartgrabo ‘ der Graben beim Mühlengarten ’ (Grächen), der Milibachgletscher ‘ der Gletscher, aus dem der Mühlenbach entspringt ’ (Wiler) und andere mehr. Genitive zeigen das frühe Mulimbachquers Boden ‘ der Boden der Leute von Mühlebach (? ) ’ (1237 u. später, Stalden), Milineggers Haús ‘ das Haus der Leute von der Mühlenecke ’ (1703, Ried-Mörel) und ts Milibachsch Brunne ‘ die Quelle (Brunnen) des Mühlebachs ’ (Bister), wobei eine Wasserfassung gemeint ist. Die Ableitung Milacheri - belegt als Inner und Üsser Milacheri (FLNK, Stalden) und historisch als Millacherri (1595, Stalden) - bezeichnet eine Wasserleitung nach dem Weiler ts Milachru (Stalden). Der Ableitungstyp für Wasserleitungen auf / - ERI / ist gut belegt. Der FaN Mülacher, Zmilacher ist auch ein alter Walliserfamilienname, der vom Ortsnamen abgeleitet ist (AWWB 177), es kann nicht immer eindeutig zwischen Orts- und Familienname unterschieden werden (cf. HL M ILACHER (F A N)). Zu der Terminologie der Bauernmühle im Wallis siehe S TÄHELI (1951). Militeer Militeer n. ist zum schwdt. Kollektivum Militeer n. wie nhd. Militär; allgemein, weniger volkstümlich als Dienst (I D . 13, 792). Entlehnt aus frz. militaire m. ‘ hoher Offizier ’ , zu lat. M Ī LIT Ā RIS ‘ soldatisch, den Kriegsdienst betreffend ’ , zu lat. MILES m. ‘ Soldat ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 622) zu stellen. Belegt ist das HL nur als Bestimmungswort. Die Belege sind: t Militeerbaragge ‘ die Militärbaracke ’ (Geschinen), t Militeerbaragge ‘ die Militärbaracken ’ (Oberwald), Militeerhitte ‘ die Hütten des Militärs ’ (FLNK, Termen), (der) Militeerwäg ‘ der Weg, den das Militär baute ’ (FLNK Ausserbinn, Oberwald, Saas-Almagell, Visperterminen), Militärweg ‘ der Weg, den das Militär baute ’ (LT, Täsch; FLNK Militeerwäg) und 36er Militeerweg ‘ der Weg, der im 2. Weltkrieg vom Gebirgsbataillon 36 gebaut wurde ’ (FLNK, Termen). Mille Mille ‘ Hirse ’ ist wohl zu lat. MILIUM ‘ Hirse ’ (FEW 6, 2, 83 f.), vermutlich in der Ableitung frz. millet zu stellen. J ACCARD (1906, 275) kennt Millière für das frz. Wallis als Hirsefeld, B OSSARD / C HAVAN (2006, 147) zitieren es als ‘ champ de millet ’ . In unseren Belegen erscheint es früh in der Form Mille, die später offenbar als entrundetes Mili ‘ Mühle ’ verstanden wird; die Entrundung ist erst für das Ende des 15. Jahrhunderts belegt. Sichere Zeugnisse sind 1309 Millebv ᵢ nda ‘ der Pflanzplatz mit Hirse ’ (Visp) und frühe Belege für ts Milachru (Stalden): 1297 apud Milleakern ‘ bei den Hirseäckern ’ , 13. Jh. apud Milascar ‘ beim Hirseacker ’ , 1304 apud Milleakern ‘ bei den Hirseäckern ’ usw. Erst 1364 erscheint Mulakren ‘ die Äcker bei der Mühle ’ . Auch in Törbel ist 1306 apud Milleakren ‘ bei den Hirseäckern ’ belegt, aber im gleichen Jahr steht auch super Múlinakere ‘ oberhalb des Mühlenackers ’ . In Ausserberg steht 1307 apud Milakern ‘ bei den Hirseäckern ’ ; 1396 jedoch an dem Múllachren ‘ am Mühlenacker ’ . Unsicher ist das 1369 in Feschel belegte in der Myllon Bydunn ‘ bei der Hirse-Bünde ’ (Feschel). Miller Miller ist zu schwdt. Müller m., Berufsname wie nhd. allg., mhd. mülnaere, ahd. mulinari, aus mlat. MOLINARIUS , dazu die feminine Form Mulera (I D . 4, 184 ff.) zu stellen. Miller, Müller ist aber auch ein verbreiteter FaN (AWWB 233 234 Miller <?page no="671"?> 178). Im Einzelfall ist unklar, ob Beruf oder FaN gemeint sind. Das HL kommt in etwa 25 Namen vor. Das Simplex tritt als Miller (Eggerberg) und 1824 Aúf Miller (Reckingen) auf. Vermutlich ist hier jeweils ein Gut des Müllers oder der Familie Müller gemeint. Wohl ein Genitiv Plural liegt in terram Millerrun ‘ das Land der Familie Müller ’ (1704, Zeneggen) vor; ein Genitiv Singular zur Ableitung Millera ist unwahrscheinlich, jedoch nicht ausgeschlossen. Als Bestimmungswort ist Miller zusammen mit Acher, Biina, Egga, Wäg und Wald belegt. Ein vorangestellter Genitiv Plural Millers oder Millersch ist belegt mit den Grundwörtern Acher, Arsch, Bach, Eischt, Hüs, Schiir und Stei. Da sowohl die Berufsbezeichnung wie der FaN Personen bezeichnen, können in jedem Fall beide gemeint sein. Einmal ist ein Genitiv Plural belegt in Millern Acher (1880, Hohtenn). Die Ableitung Millerra bezeichnet einen Ort oder ein Stück Land, das dem Müller oder der Familie Müller gehörte (zum Suffix / - ERRA / < lat. / - ÂRIA / siehe S ONDER- EGGER 1958, 471 f.). Es kommt schon 1356 in Törbel als Mullerra vor und ist als t Millere (Unterbäch) und t Millerra (Mund) belegt. Eine Ausnahme bildet Zer Millere (Grengiols), das an einer Wasserleite liegt, die den Namen Milleri, auch Millerwasserleita trägt und die aus dem Milibach ‘ Mühlebach ’ stammt, der hier namengebend ist. Entprechend ist der Millerwald hier nach Zer Millere (alle Grengiols) benannt, also letztlich auch nach dem Milibach. Die Ableitung Millji n. ist in Eggerberg als Kurzname für den FaN Miller / Müller belegt in der Milljihubol ‘ der Hügel der Familie Miller ’ (Eggerberg). Wohl auch hieher gehört zer Mili Milti ‘ bei der milden (Stelle) der Familie Miller ’ (EK, Eggerberg). Wieweit statt Mili und Miller auch das HL M ILLE ‘ Hirse ’ betroffen ist, wird dort diskutiert. Milliere Milliere ist als t Milljere (Leuk, Salgesch) belegt. Die beiden Nennungen beziehen sich auf das gleiche Gut (LT Millieren). Wie M ATHIER (2015, 139) ausführt, wurde hier wohl früher Hirse angebaut, also ‘ bei den Hirsefeldern ’ . Er stellt es zum lat. MILIUM > frz. mil m. ‘ die Hirse ’ , davon abgeleitet miliere ‘ Hirsefeld ’ (FEW 6, 2, 84; G ENDRON 2003, 226). Weiter ist 1333 in Turtmann eys millieres ‘ bei den Hirsefeldern ’ belegt. 1794 ist in Leuk in clevis ubi dicitur eÿs millieres ‘ in den Abhängen, die in den Hirsefeldern benannt werden ’ bezeugt. Leukerbad schliesslich hat 1563 cristas dy milliere ‘ bei den Hügeln beim Hirsefeld ’ . Milljoon Milljoon ist zweimal belegt: der Milljoonocheer ‘ der Millionen-Cheer (teure Kurve der Nufenenstrasse) ’ (Ulrichen) und Millionucheer ‘ der Cheer (Strassenkehre), der sehr teuer war ’ (Leukerbad) (R. G RICHTING 1993, Blatt 23, Nr. 14 und Blatt 24, Nr. 6 haben Millionuchehr). Zu Grunde liegt das schwdt. Zahlenwort Million f. wie nhd. (I D . 4, 171; in anderer Bedeutung; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 623). Es wird hier als Bestimmungswort im Plural verwendet. Der Name ist auf den kostspieligen Strassenbau zurückzuführen. Milljüt Milljüt n. ist in Leukerbad als ts Milljüt und in Inden als ts Miljüt belegt. Dazu kommt Ober Miljüt (FLNK, Inden). Alle drei Belege befinden sich ungefähr am gleichen Ort. Rom. Millot ist eine / - OTTU ( M )/ -Ableitung von MILIUM ‘ Hirse ’ (FEW 6/ 2, 83b, mit Dank an W ULF M ÜLLER ; B OSSARD / C HAVAN 2006, 287), die im Dialekt zu Milljut und anschliessend mit Palatalisierung zu Milljüt wurde, wohl in der Bedeutung ‘ Gebiet mit Hirse ’ . In Frage kommen P ANICUM MILIACEUM ‘ Echte Hirse ’ und E CHINOCHLOA CRUS - GALLI ‘ Hühnerhirse ’ (beide L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1532 mit weiteren Unterarten) vgl. auch HLL M ILLE und M ILLIERE , wo die gleichen Pflanzenarten gemeint sind. Milloch Milloch ist nur belegt in einem Beleg von 1293 für Inden: apud Milloch. Zeitlich und örtlich ist die Deutung ‘ Mühlenloch ’ nicht möglich; es handelt sich wohl um einen rom. Namen. Er gehört zu lat. MILIUM hirse (FEW 6, 2, 83 ff., bes. S. 83); cf. HLL M ILLE , M ILLIERE und M ILLJÜT . Milon Milon ist zum Gipfelnamen Teet de Milo (frz. Tête de Milon) (Oberems) zu stellen. Der Gipfel findet sich neben einer Crête de Milon und einem Col de Milon (ausserhalb des Oberwallis, im Val d ’ Anniviers bei Zinal). Es scheint sich um eine Ableitung zum lat. MUT Ŭ LUS kragstein (FEW 6, 3, 307 ff.) zu handeln, das häufig auch einfach als tas ‘ Haufen ’ oder tas de foin ‘ Heuhaufen ’ bezeichnet wird; B RIDEL (1866, 244) notiert es als Melhon, Millon ‘ Moëllon (Bruchstein) ’ , bei M EYER (1910) findet sich das Stichwort nicht. Zu vermuten ist, dass es sich um eine vereinfachte Form des frpr. Wortes handelt. Milt Milt ‘ milde ’ Adj. ist zu schwdt. milt, im Allgemeinen wie nhd. ‘ freigebig, nicht rauh (von Wegen) ’ , mhd. milde, milte (I D . 4, 215), in FlN für sanfte Gefälle. Zu dieser Deutung passt einigermassen der Miltstockh ‘ der sanft abfallende Stock ’ (1550, Obergesteln). In den lebenden Milliere 235 236 <?page no="672"?> Belegen der Miltsack und der Miltsackgrabe (beide Oberwald) könnte eine entrundete Form zum Mül-sack ‘ Mühlensack ’ mit Übergangskonsonant / t/ zu Grunde liegen - es handelte sich wörtlich um den Sack, in dem das Getreide zur Mühle gebracht wurde, laut I D . (7, 629) ein starker und mit hübscher Malerei versehener Sack. Diese Deutung bleibt aber vorläufig. Mindele Mindele f., ist als Zer Mindele (Grengiols) und Ze Mindle (FLNK, Grengiols) belegt. Historisch erscheint es 1569 als zer Mÿndolún. Der Name bezeichnet ebene Wiesen, zum Teil etwas feucht bis sumpfig, beim Weiler Hockmatta. Am nächstliegenden ist an eine feminine / - LA / -Ableitung zum Nomen Mund mit Umlaut und anschliessender Entrundung zu denken (S ONDEREGGER 1958, 517), das eine Stellenbezeichnung beinhaltet. Laut I D . (4, 322 s. v. Munda) ist unter Mundi n. im Wallis eine Kuh oder Ziege mit weissem Maul zu verstehen. R ÜBEL (1950, 90) nennt Mundi für Ziegen mit einem weissen Schlaps auch an der Nase. Zer Mindele wäre dann als ‘ bei der Weide für die Kühe oder Ziegen mit einem weissen Maul ’ zu verstehen. Der Flurname ist so sonst nicht belegt. Minder Minder ist nur zweimal historisch belegt als im Mindren Holtz ‘ (vermutlich Agglutination des Artikels, eigentlich: ) im inneren Holz (Wald) ’ (1712, Oberems) und vnder dem Mindren Thossen ‘ unter dem kleineren Felsen ’ (1582, Münster). Während der Beleg aus Oberems vermutlich zu inner ‘ innerer ’ zu stellen ist, muss der zweite Beleg aus Münster zum schwdt. Adj. minder allgemein wie nhd., in FlN ‘ räumlich kleiner, ökonomisch geringer, minderwertiger, schlechter ’ , mhd. minre, minner, ahd. minniro und wdt. minner, mindr (Lötschtal), minnär ‘ kleiner ’ (I D . 4, 320 f.; G RICHTING 1998, 135) gestellt werden. Mineral Mineral ist einerseits in Mineraliengrube (LT, Binn) und anderseits in Mineralquella (FLNK, Termen) und Mineralquelle (SK, Binn) belegt. Zu stellen sind alle drei zu hdt. Mineral n., entlehnt aus mlat. ( AES ) MINERALE ‘ Erzgestein ’ n., einer Ableitung aus mlat. MINARIUM n. ‘ Grubenerz, Erzgrube ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 625). Im ersten Beleg geht es um Erze, in den zwei anderen um Wasser, das Spuren von Mineralien enthält. Minge Minge m. ist in Reckingen als der Minge (auch auf 1: 10000 und bei FLNK als Minge) auf einer Höhe von 1764 m belegt. Dazu gehört der Mingeblätz ‘ das kleine Stück Land im Gebiet Minge ’ (Reckingen). Nur historisch belegt sind Myngenberg (1379, Reckingen; ? , Münster; 1379, Ulrichen), wohl die gleiche Gegend, und Myngenbach (1445, Ulrichen). Da schon die ältesten Belege ein / i/ aufweisen, muss die Grundform Minge sein. Das in I D . (4, 329) belegte minge ‘ Ausruf der Verneinung ’ wird dort auf das Oberitalienische zurückgeführt; es ist nur für den Kanton Uri belegt und klärt den Flurnamen nicht, der so ungedeutet bleibt. Minnche Minnche Pl. ist nur einmal belegt in t Minnche ‘ die Mönche (verschnittene Hengste) ’ (Binn). Es ist wohl zu schwdt. Münch m. ‘ (verschnittenes) männliches Tier ’ (I D . 4, 318) zu stellen und meint vor allem kastrierte Hengste. Das HL scheint jedoch in dieser Bedeutung in den walliserdeutschen Dialekten nicht geläufig gewesen zu sein. Andere Deutungen (G R W B 12, 2487 ff.) treffen kaum zu. Minnig (FaN) Minnig (FaN) ist ein FaN, der als Minnig, Mynnyng, Minnich, Minning, Minnix, Menik, Mönich verschriftet wird. Der Name wird von von Mönch < lat. M ONACHUS abgeleitet (AWWB 171). Der FaN ist als Simplex Minnig (1631, Binn) für eine Alpe belegt. Sonst kommt er nur historisch als vorangestellter Genitiv oder als Bestimmungswort vor: z Minnigs Huss ‘ Das Haus der Familie Minnig ’ (1570, Betten), Minnigs Boden ‘ der Boden der Familie Minnig ’ (1536, Filet), bÿ Minnigs Gaden (1576, Gluringen) ‘ beim Gaden (Stall) der Familie Minnig ’ , Minnigsgarten ‘ der Garten der Familie Minnig ’ (1673, Brig), z Minnigo Hittenn ‘ die Hütte der Familie Minnig ’ (1571, Greich), Minnigohaús ‘ das Haus der Familie Minnig ’ (1666, Ried-Mörel). Eine Diminutivableitung Minniggi ‘ der Mann namens Minnig ’ ist in ts Minnigisch Azig ‘ das Weideland der Familie Minnig ’ und ts Minniggisch Haaute ‘ die Halde der Familie Minnig ’ (beide Selkingen, letzteres mit / l/ - Vokalisierung) vertreten. Mintuniere Mintuniere f., Plural, ‘ die Alpweiden ’ ist der Name einer Alpe in Leukerbad (vgl. auch R. G RICHTING 1993, Blatt 4, Nr. 7 und Blatt 6, Nr. 9 als Mintunierä). Dazu kommt Mintunierutotz ‘ der (Fels-)Totz oberhalb von Mintuniere ’ (FLNK, Leukerbad) (vgl. auch R. G RICHTING 1993, Blatt 4, Nr. 5, Blatt 5, Nr. 3 und Blatt 6, Nr. 7 als Mintunierätotz). Es dürfte sich um eine umgelautete und entrundete Form zu muntáña ‘ Weide auf der Alpe mit einem Chalet ’ (T AGMANN 1946, 44; vgl. auch FEW 6, 3, 100 ff. s. v. *montanea ‘ Gebirge ’ ) handeln, mit einer Ableitung, wohl auf / - ARIA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 30 s. v. Montaneire). 237 238 Mintuniere <?page no="673"?> Mirg Mirg ist einerseits als Bestimmungswort in einer Reihe von Flurnamen in Staldenried belegt: an dem Mûrkakere (1309, Staldenried), daz Mûrkbort (1309, Staldenried), Murkgraben (1398, Staldenried), Mirgweÿer (1681 u. später, Staldenried). Dazu kommt eine Ableitung Murkilla (1320 u. später, Termen). Die frühen Belege mit / u/ weisen auf eine Entrundung hin, die wir auch beim HL M IRGGA nachweisen können. Die Belege aus Staldenried gehören wohl alle zum Flurnamen t Mirgga (Staldenried) (cf. HL M IRGGA ), die Z IMMERMANN (1968, 21) zu kelt. *morga stellt; unter dem HL M IRGGA lehnen wir diese Herleitung ab und schlagen das gut belegte Mirgga ‘ waagrechtes Stück Land ’ als Ausgangspunkt vor. Die Ableitung auf / - ILLA / (S ONDER- EGGER 1958, 517 f.; die dt. Ableitung ist aber nicht sicher) Murkilla (Termen) ercheint auch als Murquilla und Murquilli und ist nur für das 14. Jahrhundert belegt. Mangels weiterer Belege lässt sie sich nicht deuten; M. S. selbst ist nicht sicher und hat sie auch als Zusammensetzung unter K ILLA angesetzt, was unseres Erachtens unsinnig bleibt. I D . (3, 206 s. v. Chille n II. ‘ enge, tiefe, wilde Schlucht ’ ) will das Wort von Chinn ‘ Schlucht ’ ableiten, was dann etwa ‘ die Mauerschlucht ’ ergeben würde. Das entspricht aber nicht der durchgehenden Kennzeichnung des Flurnamens als frustum terre ‘ ein Stück Land ’ . Der Name bleibt darum ungedeutet. Mirgga Mirgga ist ein schwer zu deutender Flurname. Die ältesten Belege legen ein Murcka (1398, Staldenried) nahe, also mit einem / u/ -Laut, der später zu / ü/ umgelautet und dann zu / i/ entrundet wurde. R ÜBEL (1950, 39) kennt Mirgge für Zermatt und das Lötschental als Ausdruck für die “ waagrechten Wandbalken ” und verweist u. a. auf das I D . (4, 406). Z IMMERMANN (1968, 21) stellt Mirgga in Staldenried als Ableitung zu kelt. *morga ‘ Grenze, Steinwall, Hang, Steingeröll ’ (cf. H UBSCHMIED 1938, 139 ff.; zu denken ist eher an ‘ Sumpf, Sumpfbach ’ ), diese Zuordnung ist jedoch sehr unsicher (A EBISCHER 1971, 23; P O- KORNY 1948/ 49, 264 ff.). Sie ist eher bei Mörel und Merje angebracht. Belegt ist - mit einer Ausnahme - nur das Simplex. Lebend ist es als t Mirgga (Blitzingen, Ernen, Mund, Staldenried), iner Mirgge (Niederwald), historisch als dÿ Murgga (1500 u. später, Fiesch), an / in den Mirggen (1573 u. später, Gluringen), an der Mirggen (1625, Ritzingen), an der Mürgen / Müngen (? ) (1547, Reckingen; unsicher Lesung), auff der Mürgen (1735, Visperterminen). Das einzige Kompositum ist z Mirggen Achren ‘ bei den Äckern der Mirgga ’ (1675, Ergisch). Die Verteilung lässt an eine toponomastische Verwendung von Mirgge ‘ waagrechte Balken ’ (R ÜBEL 1950, 39) denken, also etwa an ‘ waagrechtes Stück Land ’ . Vermutlich besteht für Staldenried ein Zusammenhang mit dem unter dem HL M IRG behandelten Namen; für den Beleg Murkilla (Termen) ist der Zusammenhang unklar. Miribel Miribel, auch Meribel, ist nur in Varen als de plano de Miribel (1433), de plano de Meribel (1473, 1474) ‘ die Ebene mit schönem Ausblick ’ belegt. T AGMANN (1946, 47) führt den Namen auf ein Äquivalent zu frz. bellevue zurück, hier bestehend aus dem Imperativ von miry ę ‘ schauen, betrachten ’ und dem Adjektiv b ẹ i < BELLU ‘ schön ’ . B OSSARD / C HAVAN (2006, 30 s. v. Méribé) weisen auf die älteren Formen vom Typ Miribel hin. Mischabel Mischabel ist als Simplex für ein Bergmassiv (Randa, Saas-Fee; LT und FLNK) belegt. der Mischabelgraad (Täsch) ist als Grenzgrat zwischen Saas-Fee und Täsch bezeugt. t Mischabelhittu ‘ die Mischabelhütte ’ (Saas-Fee; FLNK Mischabelhitta; LT Mischabelhütten AAC Zürich) ist eine Hütte des Akademischen Alpenclubs Zürich im Gebiet von Saas Fee auf 3329 m. Das in Saas-Fee und Täsch belegte ts Mischaabeljoch / ts Mischabeljoch (LT Biwak Mischabeljoch SAC, FLNK Biwak Mischabeljoch SAC, Mischabeljoch) meint ein kleines Biwak zwischen Täschhorn und Alphubel. Der Name Mischabel erscheint 1835 auf einer von W ÖRL herausgegebenen Schweizerkarte (Die Karte der Schweiz, 1835/ 36) als Mischabel-Hörner und bezeichnet den mächtigen, Saas und Zermatt trennenden Gebirgszug. Ob die Bergkette schon früher so benannt wurde, ist nicht eindeutig nachweisbar. Im 19. Jh. wurde behauptet, dass der Name sarazenischen Ursprungs sei (G ATSCHET 1867, 40) und auf arabisch muschbil oder muschabil zurückzuführen sei, was ‘ Löwin mit ihren Jungen ’ bedeuten soll (J ULEN 1951, 32 ff.). G ATSCHET (1880, 407) schreibt, dass die Übersetzung für ‘ montagne mezze alle valli ’ , deutsch Mettenhörner lauten sollte. In Zermatt gibt es zwar ein Mettelhorn, die Form Mettenhorn ist jedoch nicht belegt (W ERLEN 2008, 589). I D . (8, 22) setzt für den Namen ein Etymon (Mist)-schappla auch -schabla f. an und erklärt es mit ‘ Furken, Mistgabel ’ . I SELIN (1894 - 1897, 131) führt den Namen auf ein Walserwort von Alagna missobla f. ‘ Dreizack ’ oder ‘ dreizinkige Gabel ’ zurück. Nach R ÜBEL (1950, 52) kommt aber im Wallis nur die Form Mistgabla vor. J ULEN (1951, 34 ff.) sieht im Namen eine ‘ sprachliche Missbildung ’ : Mischabel soll aus ursprünglich ‘ mittlere ’ (vgl. mitsch in G RICHTING 1998, 136) und ‘ Gabel ’ entstanden sein, zur Begründung seiner Deutung gibt er einen einzigen Beleg mit der Lautung Mirg 239 240 <?page no="674"?> Mitsgabel aus C HARLES -L OUIS DE B ONS ’ ‘ Topographie du Canton du Valais ’ an. Diese Namenform ist aber wahrscheinlich durch einen Druckfehler entstanden. Nach heutigem Stand der Forschung kann der Name nicht befriedigend erklärt werden (W ERLEN 2008, 589), doch ist die Deutung über Mistschabla (I D . 8, 22) wahrscheinlich, da ein solches Gerät (Schaber für den Mist) für die Bauern wichtig war. Mischi Mischi n. ‘ das kleine Moor ’ , (wörtlich: ) ‘ das kleine Moos ’ wird von Z IMMERMANN zu mhd. mies ‘ Moos ’ mit Palatalisierung von [s] zu [ š ] und Monophthongierung (Z IM- MERMANN 1968, 69) gestellt. BENB (1, 3, 328) gibt jedoch eine Form Mus ‘ Moos (im Sinn von ‘ feuchte Stelle ’ ) ’ , betrachtet sie aber als historisch älter als Moos (BENB 1, 2, 331 mit Verweis auf K ULLY 1997). Mischi (< Müschi) wäre dann eine ältere Form mit späterer Entrundung und Diminutivendung. URNB (2, 826) kennt Müsche f. (1568, Gurtnellen), ist aber unsicher und interpretiert es als ‘ Ort, wo etwas gemischt wird oder sich etwas mischt ’ . Es liegt nur ein Beleg mit dem Genus feminin vor, so dass die Aussagekraft beschränkt ist. Das Simplex Mischi kommt lebend in zehn Gemeinden vor, historisch im Mischi (1864, Unterbäch), und ist auch als ts Mischji (Niederwald, Reckingen), das Mischÿ (1865, Hohtenn) und das Mÿschgÿ (1628, Martisberg; 1849 Mischÿ) belegt; isoliert ist das Misij (1551, Bürchen). Der Plural ist Mischini (Bratsch, Termen, Törbel, Visperterminen). Sehr selten taucht ein Plural in den Mischren (1770 u. später, Termen) und die Mischer (1725, Gluringen) auf. Das HL im Genitiv findet sich 1673 in Zwischbergen als in des Mischis Acker ‘ im Acker beim kleinen Moor ’ (bei J ORDAN 2006 nicht belegt). Ein FaN Mischi oder ein PN Mischi, die beide in Frage kommen, sind jedoch nicht belegt. Mit attributiven Adjektiven finden sich ts Leng Mischi ‘ das lange Moosgebiet ’ (Törbel), ts Litz Mischi ‘ das schattige kleine Moor ’ (Binn), ts Ober und ts Unner Mischi ‘ das obere und das untere kleine Moor ’ (Gluringen). Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Bach, Blatta, Bletz, Egg(a), Gartu, Läger, Schiir, Schluocht, Weid und Wäg. Komplexer sind t Mischischluachbrigga ‘ die Brücke über die Mischischlucht ’ (Zwischbergen) (J ORDAN 2006, 113 kennt Mischi (Simplon) und S. 324 Mischischluach und Mischischluachbrigga (Zwischbergen)) und der Ober Mischiwäg ‘ der Weg vom / zum oberen Mischi (Moorgebiet) ’ (Gluringen). Mischt Mischt m. ist nur zweimal belegt: t Mischtheff ‘ die Misthöfe ’ (Hohtenn) und zen Mitschhefnin ‘ bei den Misthöfen ’ (Blatten). In beiden Fällen sind Misthöfe ausserhalb des Dorfes gemeint, in denen die einzelnen Bauern u. a. den Mist des Viehs abladen. Das HL ist zu schwdt. Mist m. wie nhd. ‘ Mist, Gülle ’ und wdt. Mischt ‘ Mist ’ (I D . 4, 538; G RICHTING 1998, 136) zu stellen; G RICHTING erwähnt dort auch Mischthof ‘ Mistablage (ummauert) ’ . Der Misthof fasst unverdauliche Abfälle aus der Futterkrippe und andere Überreste aus Ställen (R ÜBEL 1950, 52). Missong Missong ist in Albinen als Missong (FLNK) und bei M ATHIEU (2006, 13) belegt, in Leukerbad als Missong (auch bei R. G RICHTING 1993, Blatt 5, Nr. 21 und weitere) und Missonggrabu (FLNK) ‘ der Graben bei Missong ’ ; R. G RICH- TING (1993) hat weiter Missongbalmu ‘ der überhängende Fels bei Missong ’ (Blatt 5, Nr. 20 und weitere). In Albinen ist weiter 1602 en Mÿssonette ‘ im kleinen Haus ’ belegt. Die Belege lassen sich auf die frpr. Entsprechung für frz. maison ‘ Haus ’ , Diminutivformen im 13. Jh.: mesoneta, meysoneta (T AGMANN 1946, 35; M EYER 1914, 167) zurückführen. Schwieriger ist y schuramischong (1709 u. später, Varen), wo wohl ein Kompositum von Mischong ‘ Haus ’ und Schura (< Jura ‘ Bergwald ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 161; FEW 5, 82), also ‘ der Bergwald beim Haus ’ , vorliegt. Mitleyt Mitleyt ‘ Mitleid ’ müsste eigentlich getrennt werden, kommt aber 1361 in Gampel als zen Mitleyt (? ) Brune ‘ bei den Mitleid-Brunnen / bei den Mitleid-Quellen ’ vor. Mitleid ist hier wohl als Compassio (wohl Mariae) zu verstehen, also das Mitleiden am Kreuzestod Jesu. Ob dies in der Form eines Compassio-Bildes geschah, kann nicht bestimmt werden. Die unsichere Lesart bezieht sich auf das erste / t/ , das untypisch klein geraten ist und auch als / c/ gelesen werden kann; das dann entstehende Micleyt ist jedoch nicht belegt. Mitt- Mitt- ‘ Mitte, mittel, mittler ’ ist zum schwdt. Adj. mitt und mittel wie nhd., ahd. mittil, mhd. mittel, Komparativ mittler, Superlativ mittlescht, mittloscht, mittluscht ‘ in der Mitte befindlich, mittler ’ , in FlN örtliche Bestimmung zu stellen. Auch substantivierte Formen für allgemein ‘ Mitte ’ wie schwdt. Mitti f. und Mittel n., Mitzi f. zum Adj. mittes, mhd. mittes, adv. Genitiv zu mitt mit auslautendem -t wie auch in iezt (I D . 4, 560 ff.; I D . 12, 1315) sind zu berücksichtigen. G RICHTING (1998, 136) unterscheidet das Nomen Mitti f. ‘ Mitte ’ , von der Partikel mitti ‘ mitten ’ und dem Adj. mittler, mittlär ‘ mittel, mittler ’ . 241 242 Mitt- <?page no="675"?> In den rund 350 Namenbelegen sind verschiedene Typen zu unterscheiden. Als Simplizia erscheinen im Singular die substantivierten Adjektive t Mittla ‘ die mittlere Wasserleitung ’ (Baltschieder, Raron, Visperterminen), historisch als die Mitla (1615 u. später, Ausserberg), mit Präposition Zer Mittlu ‘ bei der mittleren Wasserleitung (? ) ’ (Zermatt) oder ‘ die mittlere Alpe ’ (Wiler), im Plural t Mittle ‘ die mittleren Alpen ’ (Greich), historisch als an den Mittlen (1634, Goppisberg). Ein vermutlich maskulines zum Mittel (Betten), ts Mittle (Blitzingen, wohl Stafel gemeint) und gesteigertes der Mitletsch ‘ Stafel in der Mitte der Alpe Chietal ’ (Münster), sowie feminines t Mittloschta ‘ der mittlere Alpstafel ’ (Unterbäch) gehören ebenfalls zu den substantivierten Adjektiven. Der einzige Beleg zum Nomen Mitti f. ‘ Mitte ’ scheint in den Mittinen ‘ in den Mitten ’ (1808, Geimen) zu sein. Einfaches Mitttritt vor allem im Typ Mittal ‘ Mitte des Tales ’ (Gampel, Steg) und den darum herum liegenden Mittalbach, Mittalbodi, Mittalgrabu (Steg, Hohtenn; auch verschrieben als Metall Grabu) und anderen auf. ts Mittstuidu ‘ bei den mittleren Stauden ’ (Ferden) ist das einzige andere Beispiel. Weit verbreitet als Adjektiv oder erstes Kompositionsglied ist Mittel / Mittil / Mittol / Mittul und Mittu: es handelt sich hier meistens um mittlere Objekte, wobei vier Fälle zu unterscheiden sind: mittlere Teile von Siedlungen (Typ Mitteldorf / Mittildorf), zwischen zwei Objekten wie Bächen oder Gräben liegende Gebiete (Typ ts Mittelsand (Saas-Almagell)), mittlere Gebiet in einer vertikalen (vs. Ober- und Unter-) oder horizontalen (vs. Vorder- und Hinter-) Achse. Das als Beittelblatt (cf. HL B EITTEL ) gelesene Wort ist zu Mittelblatt zu stellen (P H . K ALBERMATTER , p. c.). Die Grundwörter zweigliedriger Komposita hierzu sind (ohne Differenzierung nach Typ): Äbi, Acher, Aletsch, Alaliin, Arb, Bach, Bäärg, Biina, Blatta, Bodu, Bord, Brand, Brei, Brunnu, Chriz, Dorf, Egg(a), Ems, Erb, Fad, Gadu, Geesch, Gettja, Gipfel, Gone, Grabu, Graat, Grotze, Grüeba, Grund, Hüs, Löuwina, Matta, Merje, Moräne, Rigg, Ripp, Ritz, Sand, Schiir, See, Stafel, Steg, Stazjo, Tal, Tritt, Tschugge, Tuff, Wäg, Wald, Wase, Wasser und Zug, sowie das zusammengesetzte Wasserleita. Komplexere Bildungen sind etwa ts Fooder Mittoleggi ‘ die vordere, kleine Mittel-Ecke ’ (Hohtenn), der Gross Mittelgrotza ‘ der grosse Fels im Gebiet Mittelgrotzen ’ (Randa), Hungerli der Mittilstafil ‘ der Mittelstafel der Alpe Hungerli ’ (Oberems) und viel andere mehr. Flektierte Formen des Adjektivs mittel sind seltener: zer Mitlen Grenchen ‘ beim mittleren Kornspeicher ’ (1521, Täsch) und zer Mittlen Grächen (16? ? , Randa), der Mittlebärg ‘ der mittlere Berg (Alpe) ’ (Binn), ts Mitlohüs ‘ das mittlere Haus ’ (Visperterminen), zum Mitlún Badún ‘ zum mittleren Teil des Brigerbades ’ (1581, Brigerbad), ts Mittlebord ‘ das mittlere Bord ’ (Blitzingen), ts Mittlegade ‘ beim mittleren Gaden (Stall) ’ (Grengiols), in den Mittlen Matten ‘ bei den mittleren Wiesen ’ (1589, Visp; 1617 u. später, Erschmatt), im Mittlen Turtig ‘ im mittleren Teil von Turtig (Dorfteil von Niedergesteln) ’ (1574 u. später, Raron), ts Mittluwierli ‘ der kleine Weiher an der Mittla (Wasserleitung) ’ (Visperterminen). Komparative (mittler) und Superlative (mittlescht) des Adjektivs sind sehr häufig; die Bedeutung ist meist jedoch auf ‘ in der Mitte liegend ’ beschränkt. Zu mittler finden sich die Grundwörter Bäärg, Chitt, Eie, Graat, Grüeba, Gufer, Hüs, Meni, Stafel, Treije, Wäg und Wil. Den häufigeren Fall bilden Konstruktionen mit dem Superlativ Mittlescht / Mittloscht / Mittluscht und den Grundwörtern Ägerde, Balma, Bärg, Birch, Bode, Bord, Brigga, Burg, Burgu, Chäla, Chi, Egg(a), Feesch, Furt, Grabe, Gang, Läger, Hellela, Ill, Matta, Meigga, Merje, Riti, Ritz, Schnitta, Schwand, See, Stafel, Treije, Tritt, Tumscha, Üüdri, Viertel, Waart und Wier. Komplexere Konstruktionen sind häufig, etwa t Mittluscht Stamppachwanna ‘ die mittlere Wanne (Mulde) beim Standbach ’ (Blatten), ts Mittluscht Schaafläger ‘ die mittlere Lagerstätte für die Schafe ’ (Blatten), der Mittloscht Lischbode ‘ der mittlere Boden in der Lischa (sumpfiges Gelände mit Lischgras) ’ (Törbel) und viele andere mehr. Bei einzelnen Konstruktionen ist es unsicher, wozu das HL Mittgerechnet wird: in der Fooder Mittoleggigrabu (Hohtenn) ist der vordere Graben bei der Mittelecke gemeint, in Mittelaletschbiwak SAC (Betten) die Hütte des SAC beim Mittelaletschgletscher, der sich zwischen Oberaletschgletscher und dem Grossen Aletschgletscher befindet. Ein vom adverbialen mittsch ‘ mitten ’ abgeleitetes Mittscha f. ‘ in der Mitte liegendes Gebiet ’ erscheint in die Mitscha (1645, Fiesch), die Mittscha (1664 u. später, Mörel), an der Mitzschen (1530, Ausserbinn u. Binn), ein gwissi Mitzschen (1659, Betten), vnder der grosen Mitzen (1666, Ried-Mörel). Ein verschriebener Name ist wohl zum Midtren Gampil (1649, Bratsch), wo vermutlich von Niedergampel die Rede ist, das heute zu Gampel-Bratsch gehört. Mittag Mittag ist zu schwdt. und wdt. Mittag m. ‘ Mittag als Tageszeit, als Mitte des Tages, als mittägliche Arbeitspause ’ und ‘ als Himmelsrichtung Süden ’ , ahd. mittitag, mhd. mitt(en) tac, mittach(e), mittertag zu stellen. Sowohl die Tageszeit, als auch die Himmelsrichtung Süden ist vom Standort aus zu beurteilen (I D . 12, 940 ff.; G RICHTING 1998, 136; Z INSLI 1946, 180). Die Bildung müsste eigentlich Mittag 243 244 <?page no="676"?> in die HL M ITT - und T AG getrennt werden, ist aber aus inhaltlichen Gründen hier zusammengenommen. Mittag wird in den Belegen häufig für die Himmelsrichtung Süden verwendet (Morgen für Osten, Abend für Westen und Mittnacht für Norden). So ist es wahrscheinlich auch in den beiden historischen Belegen im afftrun Mittag ‘ im hinteren Mittag (Dorfteil im Süden) ’ (1560, Brigerbad) und aúffem halben Mittag ‘ auf dem halb südlich gelegenen Gebiet (? ) ’ (1720, Unterbäch) zu verstehen. Ausser diesen zwei Belegen tritt Mittag nur als Bestimmungswort auf. Dabei ist ‘ Süden ’ vorherrschend bei der Bildung Mittaghoru / Mittaghorn ‘ südlich gelegener Gipfel ’ , das in Fieschertal, Mühlebach, Oberwald, Reckingen, Ulrichen, Blatten, Saas-Fee und Saas-Almagell belegt ist. Die Gipfel in Blatten und Ulrichen müssen von Berner Seite her so benannt worden sein. Weiter gibt es die Grundwörter Chapf, Licka, Bach, Blatta, Flüe und Schipfa, letztere laut Gwp. ein überhangender Fels, wo Hirten zu Mittag assen. Unklar ist der Mittaagpfad (Hohtenn) - auf der zweiten Silbe betont. Die Umschreibung “ Grasband ” deutet auf das Grundwort Fad hin; vielleicht wird dieses Band erst gegen Mittag von der Sonne beschienen? Ebenfalls nicht im Süden befindet sich heute der Mittagstadel (Zermatt), jetzt überbaut. Auf der SK liegt der Ort jedoch im Süden des Weilers Egg ausserhalb von Zermatt. Moeren Moeren ist nur 1560 in Geschinen als jn Mo ᵉ renbach und 1580 in Lax dem Mo ᵉ renbach vff nach belegt. Die Deutung ist unsicher: das HL kann sich auf M ō r I m. ‘ Mohr, Schwarzer ’ (I D . 4, 376), M ō r II f. ‘ unverschnittenes, weibliches Schwein ’ (I D . 4, 377; R ÜBEL 1950, 112 s. v. m ō re) und M ŏ s n. ‘ Moor, feuchtes, sumpfiges Land ’ (I D . 4, 469) beziehen; G RICHTING (1998, 137) kennt nur Moora, Moorä (Goms) ‘ Mutterschwein ’ (die zweite Deutung ist hier irrelevant). Da der Bach nicht lokalisiert werden kann, ist wohl am ehesten die Farbe ‘ schwarzer Bach ’ oder die Herkunft aus einem Moor ‘ Moorbach ’ anzunehmen. Der Zusammenhang mit einem Schwein dürfte deutlich geringer sein (vgl. R ÜBEL 1950, 111 ff.), wo von einer geringern Wichtigkeit der Schweinehaltung die Rede ist. Moli Moli n. ‘ kleine Kaulquappe ’ ist nur belegt in der Moliputz ‘ der Tümpel mit Kaulquappen ’ (Naters). Das HL ist zu schwdt. Mol, M ō l n., Pl. Molle n , Dim. Mööli, ‘ Name verschiedener Weichtiere; Kaulquappe von Fröschen und Kröten ’ (I D . 4, 172) zu stellen. Molybdän Molybdän ist nur in Molybdänwärch (FLKN, Baltschieder) belegt. Auf der früheren Karte 1: 25000 ist Ehem. Bergwerk notiert. Die Karte 1: 10000 hat am Ort einige Symbole für Gebäude, kennt aber keinen Namen. Die heutige LT zeigt dort einige Gebäude. Molybdän n., ist ein silberweisses Schwermetall, das am rund 2600 hoch gelegenen Bergwerk während der zwei Weltkriege von der Kriegsindustrie abgebaut wurde. Es diente vor allem zur Härtung von Stahl. In der Literatur wird das Molybdänwärch auch Roti Chumma genannt. Dieser Flurname ist jedoch laut LT, SK und FLNK weit vom Molybdänwärch entfernt. Der Flurname Molybdänwärch übernimmt die chemische Bezeichnung Molybdän und kombiniert ihn mit Wärch ‘ Werk ’ . Moming Moming ist ein Passname im Einfischtal, der auch in der Moming (Randa), sowie in Pointe Nord de Moming (LT, Randa) und Pointe Sud de Moming (LT, Randa) belegt ist. J ACCARD (1906, 281 s. v. Momaing, Moming) sieht darin Mont-Maing < MONTEM MAGNUM ‘ grosser Berg ’ , während M EYER (1930, 26) als Adjektiv lat. MINIUM > minii ‘ zinnoberrot ’ anführt. Weder magnus noch minium sind jedoch im Galloromanischen belegt (FEW 6, 1, 49 ff. und FEW 6, 2, 122). G UEX (1935, 434; 1976, 103) wiederum führt den Namen auf lat. MONS MEDIANUS ‘ mittlerer Berg, mittlere Alpe ’ zurück. W ULF M ÜLLER (p. c.) sieht die Entwicklung MEDIANUS > min im Material des G PSR kaum belegt (vgl. auch FEW 6, 1, 578 s. v. MEDIANUS ‘ in der mitte liegend ’ ). Eine Entscheidung für eine der Hypothesen ist mangels historischer Belege nicht möglich; inhaltlich scheint die Deutung von G UEX am sinnvollsten. Mönch Mönch m. ist zu schwdt. Münch, Mönch m. wie nhd. ‘ Mönch, Klosterbruder ’ , entlehnt aus mittellat. MONICUS m., auch in der Bedeutung ‘ verschnittenes Tier ’ zu stellen (I D . 4, 318; K LUGE / S EEBOLD 5 2011, 631). Der Mönch (Fieschertal) ist ein Berggipfel auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Wallis. Er galt lange nur als zweiter Gipfel des Eiger. Bevor er im 19. Jh. zu seinem jetzigen Namen kam, hiess er Innereiger, Hintereiger, Eigers Schneeberg, Eigers Breithorn, Jungfrauberg, Gross- Mönch und Weiss-Mönch (W ÄBER 1892 - 1893, 256; I D . 4, 318 f.). Einerseits soll der Berg nach einer Alpweide, die sich an seinem Fuss befindet, der Münchenalpe, wo früher Münche ‘ kastrierte Tiere, Wallache ’ sömmerten, benannt worden sein, anderseits wird eine in Bergnamen häufig belegbare Personifizierung, Mönch als analogisches Gegenstück zu Jungfrau, nicht ausgeschlossen (S ONDEREGGER 2 1977, 63; BENB 1, 3, 364 ff.; F ETZER / W ERLEN 245 246 Mönch <?page no="677"?> 2010, 89). Die Lautung ist erkennbar nicht dialektal. Das Wort selbst ist im Wallis nicht gebräuchlich, die Benennung geschah auf Berner Seite. Neben dem Gipfelnamen selbst kommen Mönchsjochhitta ‘ die Schutzhütte des SAC auf dem Mönchsjoch ’ (FLNK Fieschertal; LT Mönchsjochhütte), ts Ober und ts Unner Mönchsjoch ‘ das obere und das untere Joch (Fusspass) beim Mönch (Gipfelname, 4107 m) ’ (Fieschertal) vor. Mond Mond ist nur in historischen Belegen als Mondwaldt (1666, Zeneggen), Montwald (1391, Saastal), Montwaldt (1568, Saas-Balen), Montwalt (1348, Stalden), Mundwaldbak (1307 u. später, Eisten) und Montwaldwasserleiten ‘ die Wasserleitung vom / zum Montwald ’ (Staldenried) belegt. Es handelt sich, wie der Bearbeiter unter Nr. 18220 belegt, wohl um den heutigen Mattwald (Eisten), wie die historischen Nachweise unter Mattwaldbach (Nr. 33924) nachweisen. Darum ist Mond nicht zu schwdt. M ō n bzw. M ā n ‘ Mond, der Himmelkörper ’ , ahd. m ā no, mhd. m ā n(e) m./ f. (I D . 4, 234 f.) zu stellen, sondern wohl zum gleichen HL wie das Dorf Mund, also zu lat. MONTEM ‘ Berg ’ (FEW 6, 3, 84 ff. s. v. mons berg) (cf. HL M ONT ). Der Montwald ist also ursprünglich der Bergwald; erst später entstand daraus durch Umdeutung Mattwald. Das Gebiet heisst heute Mattwaldalpa, verstanden wohl zum Mattwaldhorn. Mondelli Mondelli ist ein Name von Weiler und Bach im Anzascatal (Italien). Er ist belegt in Mondelligletscher und der Mondellipass (beide Saas-Almagell). Der Pass ist benannt nach dem Passweg Richtung Mondelli; der Gletscher liegt daneben; ein Grenzgipfel heisst Pizzo Mondelli (in VSNB nicht belegt). Der Bach nennt sich Rio Mondelli. Ob der Name etwas mit mondéll (LSI, 3, 477) zu tun hat, bleibt unsicher. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Namen nicht. Z INSLI (1984, 336) kennt Mundjeije, ohne weitere Deutung; vermutlich einfach eine dialektale Form. Monetzs Monetzs ist nur 1581 in Albinen als eÿ monetzs belegt. Ein Blick auf eÿ larsez ‘ bei den Lärchen ’ in Albinen zeigt, dass eÿ monetzs ein alternativer Name ist. Ob ein FaN wie Monnay (AWWB 171, NWWB 1, 177)) oder Monnet (NWWB 1, 178) vorliegt, ist unklar; beide FaNN sind vor allem im Unterwallis belegt. Wenn ein FaN vorliegt, dann ist ‘ beim Gut der Familie Monnet / Monnay ’ gemeint. Eine andere Deutung ist unklar. Monlarses Monlarses kommt in Varen als deys Monlarses vor. Der Flurname findet sich auch in verschiedenen Versionen 1473 als Cristam de Nolarses, 1474 als Christam de Nolarsis, 1484 als ad Cristam de Molarses, 1485 als ad Cristam des Nouus Larses, 1509 als Cristam campi Tassonores und 1515 als Cristam de Molarsis. Larses ist laut FEW (5, 193) zu lat. LAR Ĭ X lärche zu stellen, vgl. auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 184) zu Larze, Larse, Large etc. ‘ Lärche ’ . Unklar bleibt Mon, das wohl eher zu Mont ‘ Berg ’ (zu lat. MONS berg vgl. FEW 6, 3, 84 ff.) zu stellen ist, als - wie der Beleg von 1485 nahelegt - zu Nouus (FEW 7, 210 ff. s. v. n ǒ vus neu). Der Beleg von 1509 enthält entweder einen ganz anderen Namen oder ist einfach missverstanden. Monlarses ist dann mit ‘ Berg mit Lärchen ’ zu übersetzen. Crista (cf. HL G RECHTA ) ist üblicherweise ‘ der Hügel ’ . Mont Mont m. steht für frpr. und frz. mont m. ‘ Berg, Hügel, Gebirge ’ , aus lat. MONS , MONTIS m. (FEW 6, 3, 84 ff.). Das Diminutiv ist Mountet (B OSSARD / C HAVAN 2006, 30). Belegt sind Mont Durand ‘ Gipfelname (deutsch Arbenhorn) beim Col Durand oberhalb des Glacier Durand (Val d ’ Anniviers) ’ (LT. Zermatt; cf. HL T URANT (PN)), Mont larges ‘ Lärchen-Alp ’ (1843, Varen). Genitive sind in Montis du Plan ‘ die Alpe du Plan (ebene Fläche) ’ (1585, Varen) und Montis Uechil (1388, Embd (unsichere Zuordnung)) belegt. Da im Dokument von 1388 Vispa im Genitiv als Uespe erscheint, bleibt der Bergname Uechil unsicher; es könnte sich zwar um den Typ Wichil ‘ Winkel ’ handeln, doch ist normalerweise die Vokalisierung von n vor Velar erst viel später sichtbar. Z IMMERMANN (1968, 124) gibt die ersten sicheren Belege erst im 17. Jahrhundert; in unserer Datenbank sind erste Formen ohne / n/ erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts belegt. Unklar ist En Montenwall (1643, Salgesch; im gleichen Jahr Eÿs Montevall); vermutlich liegt hier nicht Mont vor, sondern das auch lebend belegte Munta ‘ Steigung ’ (cf. HL M UNTA und M ATHIER (2015, 69 f.)); der Name wäre dann etwa ‘ die Steigung zum Tal ’ (HL W ALL ( ROM .) entspricht dem rom. Val ‘ Tal ’ oder aval ‘ Abhang ’ ). Als Diminutiv sind Col und Pointe du Mountet (LT, Zermatt) (dazu kommen Cabane und Glacier du Mountet auf der Seite von Zinal) belegt. Gemeint ist ein kleiner Berg (3839 m) beim Zinalrothorn. Monte Monte ist zu it. monte m. ‘ Berg, Hügel, Gebirge ’ aus lat. M Ō NS , MONTIS m. zu stellen (D EVOTO / O LI 2020, 1973). In den folgenden Belegen ist monte als ‘ Gipfel, Gebirge ’ zu verstehen: Monte Figascian (LT, Binn; dt. Albrunhorn), Mond 247 248 <?page no="678"?> Monte Leone (Zwischbergen), Monte Moro (Saas-Almagell), t Monte Roosa (Zermatt). Als ‘ Alpe ’ ist monte in t Muntschera und in Passo di Monscera (Zwischbergen) (cf. HL S CERA ) zu verstehen (P ETRINI 1993, 108). Als Name eines Hotels ist ts Montiljoone ‘ das Monte Leone ’ (Simplon; Restaurant / Hotel auf dem Simplonpass) belegt. Komplexere Formen sind der Montemorogletscher ‘ der Montemorogletscher beim Monte Moro (LT hat Tälliboden Gletscher) ’ (Saas-Almagell), dr Montemoropass ‘ der Pass beim Monte Moro (schwarzer Berg) nach Italien ’ (Saas-Almagell; FLNK Monte Moro Pass; SK Monte Moropass), dr Monteroosagletscher ‘ der Gletscher am Monte Rosa (Gebirgsmassiv) ’ (Zermattt; LT u. SK Monte Rosa Gletscher), t Monteroosahitta ‘ die Monte-Rosa-Hütte (SAC-Hütte, früher auch Bétemps-Hütte) ’ (Zermatt, LT Monte Rosahütte SAC). Bei den Bergen und Pässen ist durchwegs die Grenze zu Italien betroffen. Moor Moor ist mehrdeutig. Im Kontext des Oberwallis kann damit nicht hdt. Moor gemeint sein, dafür wird normalerweise Moos verwendet. Schwdt. M ō r, M ō re n f., Pl. M ō re n , Dim. Mööri, M ō ri, Möörli, mhd. m ō r(e) ‘ Sau, Zuchtsau ’ (I D . 4, 377 f.) ist laut R ÜBEL (1950, 112) nur unterhalb von Naters gebräuchlich. Laut Z IMMERMANN bezeichnet der Name Moracher im Vispertal ‘ Ackerland mit schwärzlicher Erde ’ (Z IMMERMANN 1968, 53); er stellt Morzu mhd. more ‘ schwarz ’ (L EXER 1, 2202 hat mor-gevar ‘ schwarz ’ ); zurück geht diese Farbbezeichung auf das Nomen M ō r ‘ Mohr, Schwarzer ’ (I D . 4, 376). Allerdings sind die Belege für Moracher möglicherweise zu Morach (auch Moracher) ‘ Morchel, Möhre ’ (I D . 4, 379 f.) zu stellen, wobei I D . (1, 65) die Form Moracher als Weiterentwicklung eines Lemmas Acher ‘ Apfel, Frucht ’ sieht und es nicht zu Acher ‘ Acker ’ stellt. Belegt ist das HL 1328 in Visp apud Morakeren und ts Morachru (Visperterminen), das schon 1305 als Morakern erscheint. Trotz Z IMMERMANN (1968, 53) liegt wohl Moracher (I D . 1, 65) zu Grunde, also ‘ beim Ort, wo Morcheln / Möhren wachsen ’ . t Moorechumme (Grengiols) ist unklar; am ehesten kommt das Adjektiv ‘ schwarz ’ in Frage; Moore als ‘ Mutterschwein ’ ist wegen der dialektgeografischen Verteilung nach R ÜBEL (1950, 112) unwahrscheinlich. Moorhalte ‘ die schwarze Halde ’ (Staldenried, FLNK) ist problematisch: sie befindet sich auf rund 2440 m und weist keinen sumpfigen Boden auf - am ehesten also die Farbe gemeint. t Moorgsteina ‘ die schwarzen Gesteine ’ (Saas-Grund). Hier scheint die Trennung Moor + Gsteina sinnvoller als das ursprünglich angenommene Moorg + Steina. ts Moorsch Hüs ‘ das Haus des Moor ’ (Bister) enthält einen PN oder FaN, der sich an Maurus (> Moor) anlehnen kann. 1669 ist in einem Dokument aus dem Lötschental (Ferden) ein Hans Moor belegt (historische Belege von VSNB); der FaN war also bekannt. Moos Moos n. ‘ Moor, sumpfiges Land ’ ist zu schwdt. M ŏ s, M ō s n., Pl. Möösren, ‘ Moor, feuchtes, sumpfiges Land, wo nur kurzes Streugras wächst ’ (I D . 4, 469, bei G RICHTING 1998 nicht belegt) zu stellen. An den meisten Orten des Oberwallis bleibt der Vokal kurz; in den Schreibungen erscheint deswegen häufig {Moss}. Als HL wird dennoch Moos gewählt, um die Deutung zu erleichtern. Das Simplex im Singular ist als Moos, Mos oder Moss über 50 Mal im ganzen Oberwallis belegt; der Plural hingegen ist nur einmal historisch in jn den Mösren (1648, Visp) und einmal lebend als zen Mosä ‘ bei den Moosen ’ (Ferden) bezeugt; ob hier der FaN Moos belegt ist, bleibt unsicher. Der Diminutiv Singular erscheint als Moosji (Eggerberg), im Mosi (Visperterminen), ts Mosji (Betten und fünf weitere), im Mosli (1854, Selkingen), ts Mossi (Grengiols), ts Mossje (Zermatt, mehrfach), ts Mossji (Bellwald und neun weitere), Mu ᵕ slin (1392, Termen), Mu ᵉ slin (1399, Ried-Brig) und Mu ͦ slin (1389, Brig). Die letzteren Formen zeigen eine Hebung (P AUL 25 2007, 97). Auch hier ist der Plural sehr selten; der einzige Beleg ist Moosjini (FLNK, Bratsch). Mit attributiven Adjektiven finden sich folgende Belege: ts Breit Moss (Leukerbad; 1410, Glis), jm Endren Mos ‘ im jenseitigen Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (1437, Binn), ts Fooder Moss (Niedergesteln), ts Fül Moss ‘ das faule Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Eisten, mit Varianten Naters, Visperterminen), Gemeyn Mos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet), das der Gemeinde gehört ’ (1408, Niedergesteln), ts Gross Moss (Ernen, Saas-Fee, Steg), im Hindren Moss (1530, Ernen), ts Hinner Mos (Münster, Hinner fällt meistens weg), ts Inner Moss ‘ das innere (diesseits des Galdikanals gelegene) Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Niedergesteln), das Klein Mosgÿ (1635, Ernen), dass Lägendt Moss ‘ das ebene Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (1683, Martisberg), ts Lägund Moos ‘ das ebene Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Betten), ts Leng Mos ‘ das lange Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Ried-Mörel), ts Ober Moos (Blatten und fünf weitere), ts Rot Moos ‘ das rote Moos (sumpfiges Gebiet) (Wiler), im Schwartzen Moos (1596 u. später, Münster, dazu drei weitere historische Belege in Ried-Mörel, Reckingen und Ulrichen), ts Under Moos (Blatten und sieben weitere mit Varianten), jm Vierschretzen Moos ‘ im viereckigen Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (1687 u. später, Oberwald), ts Voder Mos (Münster), jm Welchen Mos ‘ im feuchten Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (1631, Greich). Un- 249 250 Moos <?page no="679"?> klar ist der Beleg das Roetinges Mos (1307, Stalden); formal kann es sich um ein flektiertes Adjektiv einer Ableitung röting ‘ rötlich ’ handeln, die allerdings nicht belegt ist, oder um einen starken Genitiv ‘ des Röting ’ , wobei dieser Name zum FaN Roten (AWWB 218) gestellt werden könnte. Ebenfalls unsicher ist im Firmús (1792, Oberwald), das sich als Vor Moos analysieren lässt. Ein Adverb liegt wohl in Uber Moss ‘ das jenseits gelegene Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (Ernen) vor, das weit entfernt vom Dorf liegt. Komplexere Bildungen sind selten: ts Ober und ts Unner Fül Moss (Visperterminen), Vorder Mosshubu ‘ der vordere Teil des Hügels beim Moos (sumpfiges Gebiet) ’ (FLNK, Ernen) und der Ubermosswäg ‘ der Weg vom / zum Ubermoss (jenseits gelegenes sumpfiges Gebiet) ’ (FLNK, Ernen) sind Beispiele. Vorangestellte Genitive liegen sehr selten vor: Sippingo Mos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) der Leute des Sippen / der Familie Sippen ’ (1374, Termen) ist ein schwacher Genitiv Plural einer Kollektiv-Ableitung auf / - ING / . Einen alten Genitiv Plural zeigt das Steger Moos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) der Gemeinde Steg ’ (1852, Steg); er wird heute wohl eher als Adjektiv verstanden. Ähnlich verhält es sich mit Nessjermoss (FLNK, Ernen), wo vermutlich ein Moos bei einer Flur mit Nesseln gemeint ist, weniger sicher ein Moos, das einer Familie Nessjer gehört. Auch im Niderärnermoos ‘ im Moos (sumpfiges Gebiet) von Niederernen ’ (1815, Ernen) liegt ein alter Genitiv Plural vor. Unklar ist Georgien Mos ‘ das Moos des Georg ’ (1398, Termen), wo vermutlich der PN Georg enthalten ist, der aber auch als FaN Jergen oder ähnlich (AWWB 134) belegt ist. Als Grundwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita häufig mit einem Bestimmungswort vor, das eine nahegelegene Flur bezeichnet. Beispiele dafür sind ts Briggumos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) bei der Rottenbrücke ’ (Raron), ts Gadmemoos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet bei den Gaden (Ställe) ’ (FLNK, Blitzingen), Gintermos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) bei der Siedlung Gintrige ’ (FLNK, Obergesteln), ts Ritimoos ‘ das Moss (sumpfiges Gebiet) im gerodeten Gebiet ’ (Goppisberg), im Tellinmoos ‘ im Moos (sumpfiges Gebiet) im Tellin (kleines Tal) ’ (Blatten) und viele andere. Nicht immer ist jedoch die Motivation erkennbar: jm Fischmos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) mit Fischen ’ (1704 u. später, Oberwald) etwa ist unklar, ob es sich hier tatsächlich um Fische handelt, ts Hanumos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) mit (Auer)Hähnen ’ (Raron) liegt auf rund 2070 m, wo es keinen Wald für Auerhähne hat; vermutlich liegt also eine andere Motivation vor, aber das ist nicht sicher. Und die zwei Belege Zwiebelmos (1845, Raron) und ts Zibilunmoss (Niedergesteln), vermutlich die gleiche Flur, bezeichnen ein Gelände in der Rottenebene bei Raron, wo vermutlich keine Zwiebeln wuchsen - es kann sich hier um die Form des Geländes handeln, aber das ist sehr unsicher. Als Bestimmungswort kommt das HL mit den Grundwörtern Acher, Alpa, Bäärg, Biel, Biina, Bodu, Cheer, Egg (a), Eie, Eng, Flüö, Färich, Fura, Gadu, Gassa, Grabu, Haalta, Hubel, Los, Matta, Pletscha, Rufina, Sand, Schluocht, See, Stafel, Tola und Wald vor. Die meisten dieser Namen sind nur ein- oder zweimal belegt; am häufigsten ist der Typ Mosmatta ‘ die Wiese beim Moos (sumpfiges Gebiet) ’ mit etwa zehn Belegen. Komplexere Formen sind etwa ts Mosmattebächi ‘ der kleine Bach von der Alpe Mossmatte (Wiese beim sumpfigen Gebiet) herunter ’ (Münster), und der Wannumosskanal ‘ der Kanal durch das Wannumoss (sumpfiges Land bei der Wanna (Mulde)) ’ (FLNK, Niedergesteln). Eine adjektivische Ableitung mosig ‘ moorig, sumpfig ’ (I D . 4. 472) ist in t Mosighaalte ‘ die sumpfigen Halden ’ (Naters), eine andere Ableitung Mosin in in den Mosinen Bieltinen ‘ in den Hügeln im Bereich Moos ’ (1796, Naters) enthalten (wobei es sich im zweiten Fall um den Weiler Moos bei Naters handelt). Moräne Moräne f. ‘ Moräne ’ ist zum nhd. Moräne f. ‘ Gletscherablagerung ’ , entlehnt aus frz. moraine m., eigentlich ‘ Geröll ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2002, 634), wdt. Morääna, Moränä (Goms), Moreena (Saastal), Moränu ‘ Moräne ’ (G RICHTING 1998, 137) zu stellen. Das eigentlich fachsprachliche Wort wurde in den wdt. Wortschatz übernommen. Das Simplex ist in verschiedenen Formen im Singular belegt: t Mareena ‘ die Moräne ’ (Saas-Balen), t Moreena ‘ die Moräne ’ (Ferden, Zermatt), t Moräänu ‘ die Moräne ’ (Oberems); einmal erscheint ein Plural t Morääne ‘ die Moränen ’ (Oberems). Mit attributiven Adjektiven findet sich: t Mittelmoreena ‘ die Mittelmoräne ’ (Blatten), t Mittilmoräänu ‘ die Mittelmoräne ’ (Oberems). Komplexer sind t Hinner Aleliimoreenu ‘ die hintere Allelinmoräne ’ (Saas-Almagell), t Nordaleliinmoreenu ‘ die Nordmoräne des Allalingletschers ’ (Saas-Almagell), Vordere Allelinmoräne ‘ die Vordere Allelinmoräne ’ (LT, Saas-Almagell). Nur einmal erscheint das HL als Bestimmungswort in t Moränebucht ‘ die Einbuchtung im Gebiet der Moräne (des Rottengletschers) ’ (Oberwald). Moranginen Moranginen ist nur in Mörel 1775 als Moranginen und Morangien belegt. Es ist unklar, ob es sich überhaupt um einen walliserdeutschen Namen handelt. Das HL ist unklar. Moräne 251 252 <?page no="680"?> Mord Mord m. ist zu schwdt. Mord m. in der gleichen Bedeutung wie nhd. allgm., mhd. mort m./ n., ahd. mord m./ n. Verb morden; Nomen agentis: nhd. Mörder m., mhd. mordaere, im Wdt. auch mit Entrundung Mirder m. und wdt. Moord ‘ Mord ’ (I D . 4, 396 ff.; G RICHTING 1998, 137) zu stellen. Die Namengebung bezieht sich laut BENB (1, 3, 313 f.) häufig auf Orte, wo sich Mörder aufhielten, oder auf steile, gefährliche Orte oder schwer bebaubare Böden. mords, wohl ein ursprünglicher Genitiv, ‘ sehr, sehr gross ’ (so I D . 4, 396, Bed. 5) kann als Präfix verstärkend wirken. Das Lemma tritt in jedem Fall nur als Bestimmungswort auf: der Mordstei ‘ der Mordstein ’ (Saas-Balen), laut Gwp. wurden hier Kinder vom herabfallenden Stein erschlagen, ze Moordsteinu ‘ bei den Mordsteinen ’ (Törbel), wobei unklar ist, ob hier nicht verstärkendes mords ‘ sehr gross ’ vorliegt. Die übrigen Belege weisen Merder, Mirder und Mörder auf: di Merderpsetzi ‘ der ebene (gepflasterte? ) Mörderplatz ’ (St. Niklaus) mit unklarer Motivation, ts Mirderegg ‘ die Mörderecke ’ (Blitzingen), ein schwieriger Felsdurchgang für das Vieh, ts Mirderloch ‘ das Mörderloch ’ (Glis), ein enger Graben, wo sich Mörder verborgen haben sollen, t Mirderschipfa ‘ der Unterschlupf für Mörder ’ (Eggerberg), auch hier sollen sich Mörder verborgen haben, der Mirderstei ‘ der Mörderstein ’ (Salgesch), wo ein Mörder ein Kind erschlagen haben soll, Mörderloch ‘ das Mörderloch ’ (1680, Ulrichen), wo ein Überfall stattgefunden haben soll. In allen Fällen ist unklar, ob die Motivation aus dem Namen folgt; häufig dürfte einfach ein mögliches Versteck für Menschen mit bösen Absichten gemeint sein. Mörel Merl, als Gemeindename hdt. Mörel, ist der Hauptort des Bezirks Östlich-Raron; seit 2009 ist auch Filet Teil dieser Gemeinde (cf. HL F ILET ). Die historischen Belege (1203 Morio, 1203 de Morgi, 1207 de Morgi, 1219 de Morgia usw.) legen einen vordeutschen Siedlungsnamen nahe, der heute auf ein *morg ā ‘ Sumpf, Sumpfbach ’ zurückgeführt wird (K RISTOL ET AL ., 2005, 615 mit der Darstellung der Deutungen). Da Morgia auch sonst vorkommt (heute Merje bei Stalden, cf. HL M ERJE ), ist in den Texten manchmal von morgia superior die Rede. Der Dorfname Merl (< Mörel) erscheint erst 1539 und später als Meril oder Möril. Das / l/ scheint hier eine Art Re-Analyse des vorhergehenden / j/ < / g/ zu sein; die gut belegte Palatalisierung von / l/ zu / j/ wird hier rückgängig gemacht. Ein Beleg Meryerbach (1525) ‘ der Bach der Leute von Mörel ’ (Mörel) erscheint auch als in ripam de Morgia (1459) und in ripam dictorum Mergerro ‘ im Bach der schon genannten Leute von Mörel ’ (1459), de ripa Morgiensi (1460) und 1569 an Mo ᵉ rgero Bach ‘ am Bach der Leute von Mörel ’ . Es gibt einen Bach, der durch den grossen Graben und dann durch Mörel fliesst; er trägt aber auf den Karten keinen Namen; vermutlich ist dieser Bach gemeint. Weiter ist 1664 in den Morgien Breÿtten ‘ in den breiten Feldern von Mörel ’ erwähnt; der Flurname Breiten (heute ein Dorfteil) ist auch sonst erwähnt. 1617 ist von iuxta pontem Morgiae ‘ bei der Brücke von Mörel ’ erwähnt, eine Brücke östlich von Mörel im Gebiet Gifrisch. 1649 ist in silua Mergigo (Mörel) erwähnt, also ‘ im Wald der Leute von Mörel ’ . 1738 erscheint in Ried-Mörel ein am Mergig; es geht hier um ein Wasserrecht aus der Massa und das deutet darauf hin, dass der oder das Mergig eher nicht auf dem Boden von Mörel lag, sondern auf jenem von Ried-Mörel; die genaue Deutung ist unklar. t Merrjerbrunnjini ‘ die kleinen Quellen / Brunnen, die zu Mörel gehören (? ) ’ (Ried-Mörel) sind, laut Beschreibung, Zisternenbrunnen, von denen man nach Mörel hinuntersehe. Die Flur befindet sich auf dem Gebiet der (damaligen) Gemeinde Ried-Mörel. Vermutlich ebenfalls zu Mörel gehören Merjerrufärricha ‘ die Pferche der Leute von Mörel ’ (Naters), Pferche, in denen die Merjer ihre Tiere scheiden konnten; die Alp befindet sich im Bereich des Inneren Aletschi auf der Nordseite des Grossen Aletschgletschers. Ganz unklar sind folgende Belege: am Mörill (1761, Baltschieder); ohne nähere Angaben lässt sich hier nichts sagen. 1715 ist in Bürchen am Mörill belegt; im gleichen Jahr an den Mörill Tschuggen. Beide Belege (ausser Tschugge ‘ Fels ’ ) sind undeutbar. Auch das 1519 belegt zem Meril Wyer ‘ beim Weiher von Mörel / des Meril ’ (Visperterminen) ist nicht deutbar; ob hier eventuell ein PN vorliegt, ist sehr unsicher. Noch schwieriger scheint uns an der Moria Emdere (13. Jh., Embd) zu sein. Moria wird hier wie ein deutsches Wort mit Genus feminin behandelt. Das gleiche Wort erscheint als cermoria (1252, neben cergallendenunflue, Törbel) und cer moria (13. Jh., Stalden). Die Belege lassen sich nicht deuten. Morell (FaN) Morell, auch Morel (FaN) ist der Name einer ab dem 18. bis ins 20. Jh. im Lötschental ansässigen Familie, die ursprünglich aus dem Unterwallis stammte (B ELLWALD 2 2007, 514 f.). Belegt ist t Morellschweid ‘ die Weide der Familie Morell ’ (Kippel). Morenschi (FaN) Morenschi (FaN) ist in Leukerbad zweimal belegt: Morenschi im Dorf selbst, und ts Morenschi (FLNK und LT Morentschi) südlich des Dorfes im Gebiet Lees. R. G RICH- 253 254 Morenschi (FaN) <?page no="681"?> TING (1993) kennt es als Moräntschi, im Dorf auf Blatt 9, Nr. 50 und Blatt 10, Nr. 36, in Lees auf Blatt 2, Nr. 13. Historisch sind belegt: 1589 zer Mörentschi; 1719 in Morenschi, 1752 im Morency, wobei unklar ist, um welches Gebiet es sich genau handelt; das feminine Genus des Beleges von 1589 ist wohl dem Appellativ Mattu ‘ Wiese ’ zu verdanken. Der Name ist zum FaN Morency (mit weiteren Schreibweisen) zu stellen, einer seit dem 13. Jh. bekannten Familie des Bezirkes Leuk (AWWB 175 f.). Die Quelle nimmt allerdings an, dass der FaN vom Ort Morency bei Leukerbad stamme, was auf frz. in NWWB (2, 158 s. v. de Morency) wiederholt wird. Wenn diese Annahme stimmt, lässt sich Morenschi nicht vom FaN her deuten. M EYER (1910, 71, 168) führt den im 13. Jahrhundert als moren, morein notierten Flurnamen auf ahd. muor + ĕ nu zurück, was kaum stimmen kann. Morenschi lässt sich deswegen nicht deuten, ist hier aber wohl auf den FaN zurückzuführen. Morge Morge m. ‘ der Morgen ’ ist zu schwdt. Morge n m. wie nhd. allg. und wdt. Morge, Morgät (Goms), Morgn (Lötschtal), Mooru, Morgu oder Morgund ‘ Morgen ’ (I D . 4, 403 f.; G RICH- TING 1998, 137) zu stellen. Das HL ist nur als Bestimmungswort belegt. Am häufigsten ist t Morgeweid ‘ die Morgenweide ’ (Fieschertal), die Morgundweid ‘ die Morgenweide ’ (1852, Saas- Almagell), t Morrguweide ‘ die Morgenweiden ’ (Birgisch): alle sind zu verstehen als die Weide, auf die die Tiere morgens getrieben werden (I D . 15, 518; R ÜBEL 1960, 84 sagt, damit sei die für die Morgenmahlzeit des Viehs benötigte Weidefläche bezeichnet). Das gilt auch für der Morgundwang ‘ der Grasabhang, wo das Vieh morgens ist ’ (Visperterminen). in der Morgen Sunnen ‘ im Gebiet, das morgens von der Sonne beschienen wird ’ (1850, Staldenried) ist wohl nicht, wie in I D . (7, 1100) die morgendliche Sonne gemeint, sondern ein besonntes Stück Land. Unklar ist Morguwasser (Unterems). Es könnte sich um eine Wasserleitung handeln, die nur morgens fliesst. Zu Morgengab siehe das HL G AB . Komplexer ist ts Leid Morgundbrootji ‘ der hässliche kleine Ort, der für die Morgenmahlzeit des Viehs reicht ’ (Saas-Almagell). Morgudbroot ist nach R ÜBEL (1960, 84, Fn. 1) der Ausdruck für die für die Morgenmahlzeit des Viehs benötigte Weidefläche. Das Adjektiv leid (cf. HL L EID ) bezeichnet dann einen unangenehmen Ort. Morgieri Morgieri kommt nur 1539 und 1544 in Albinen als en la morgiery, resp. en laz morgieryz (? ) (mit unsicherer Lesung) ‘ beim Steinhaufen ’ vor. Das Stück Land befindet sich laut Dokument im Gebiet von Tschingere. Der Flurname scheint zu *m ū r ĭ carium steinhaufe (FEW 6, 3, 229; B RIDEL 1860, 254 s. v. Mordju) zu stellen zu sein, wobei die feminine Form wohl eine kollektive Ableitung auf / - ARIA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) darstellt. Mori Mori ist nur als t Mori ‘ das Gebiet mit Maulbeeren ’ (Salgesch, auch LT und FLNK) belegt. Die historischen Belege seit 1407 enthalten eÿs moriers, eys morys, ouz morÿ usw. M ATHIER (2015, 59) führt den Flurnamen mit T AGMANN (1946, 60) auf frpr. muri, frz. mûrier ‘ Maulbeere ’ zurück. Er führt teilweise andere historische Belege auf als die Datenbank. Moriego Moriego kommt nur vor im Beleg Moriego Schnitten (1645, Mörel). Es handelt sich wohl im einen latinisierten Genitiv Plural zu Morgia (Mörel) und meint ‘ die Schnitten (abgetrennte Stücke Landes) der Leute von Mörel ’ . Mörisch (FaN) Mörisch, Moerisch (FaN) ist ein ausgestorbener Walliser FaN (J OSSEN 2000, 81), auch im Register der HRBS als Merisch usw. erwähnt. Vermutlich ein erstarrter Genitiv Singular ‘ des Möri ’ (ev. zu M ō r ‘ Schwarzer ’ (I D . 4, 376)) oder zum PN Mauritius (I D . 4, 362)). Belegt ist der FaN zweimal, beide Belege 1794 in Naters: Mörisch Egeltin ‘ die kleine Ecke der Familie Mörisch ’ und Mörisch Eÿeltin ‘ die kleine Aue der Familie Mörisch ’ . Da die Pfarrkirche Naters dem Hl. Mauritius geweiht ist (vgl. Artikel Naters von A. R IVA : http: / / www.hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002665/ 2017-01-04[10.10.2020; IW]), dürfte es sich eher um den PN Mauritius handeln (cf. HL M ORITZ (PN)). Moritz (PN) Moritz (PN) ist ein PN, der im Wallis auch als Muri, Maurus erscheint oder zum FaN Maritz, früher auch Maris, Mauritz, Maurice, Mauricii, Mauritii, Moritzen, Mörizen, Meritzen, Meretzen, Meritz, Merytz, Meriz zu stellen ist. Neben Kloster und Gemeinde St. Maurice im Unterwallis, als Exonym auch Sankt Moritz, sind im Wallis verschiedene Stätten und Kirchen dem Hl. Mauritius, Führer der thebäischen Legion, die ihr Martyrium in St-Maurice im Wallis erlitten haben soll, gewidmet (AWWB 161; H ELVETIA S ACRA 4, 1, 1997, 281 - 494; I D . 4, 362). In Naters führt der St. Merez-Verein am Gedenktag (22. September) des Kirchenpatrons St. Mauritius einen Umzug des Vereins durch; gleiches gilt für Fronleichnam. Als Simplex ist nur die schwache Genitiv-Form Mereze ‘ des Moritz ’ (LT; Münster) für eine Alp belegt, an die sich Morge 255 256 <?page no="682"?> ein ganzes Namennest anlehnt: ts Merezebächji ‘ der kleine Bach von der Merezenalp herunter ’ (Münster), t Merezebachschiie ‘ die einer Zaunlatte gleichenden Felsen im Merezenbachtal ’ (Münster, Ulrichen), ts Merezebachseewji ‘ der kleine See des Merezenbachs ’ (Ulrichen), der Meretzebachgletscher ‘ der Gletscher, aus dem der Merezenbach entspringt ’ (Münster), t Merezematte ‘ die Wiese beim Merezenbach ’ (Münster) und Meretzen=Biene ‘ der Pflanzplatz des Moritz ’ (1879, Ulrichen). Wahrscheinlich ist der Alp-Name Merezen ‘ des Moritz ’ für die übrigen Namen verantwortlich. Einen vorangestellten starken Genitiv findet man in ts Moritsch Grabe ‘ der Graben des Moritz ’ (Binn), des Muris Acher ‘ der Acker des Moritz ’ (1711, Ried-Brig), ts Murisch Loch ‘ das Loch des Moritz ’ (Zermatt), z Murisch Schür ‘ die Scheuer des Moritz ’ (1643, St. Niklaus), Müüreschbode ‘ der Boden des Moritz ’ (Blitzingen) und das gemischtsprachige tz Murisch Claussli ‘ das kleine eingefriedete Gut des Moritz ’ (1663, Agarn). Eine unklare Form ist Märitz Graben ‘ der Graben des Moritz ’ (1549, Ernen), wo ein Genitiv oder ein blosses Bestimmungswort gemeint sein kann. Komplexere Formen sind Gu ᵕ ntren Moritz Matte ‘ die Wiese des Moritz Guntern ’ (1832, Geschinen; 1755 Möritzmatten), von der Mauren Zschampigen Abentweÿt ‘ von der Abendweide des Moritz Tschampen ’ (1714, Binn), Meritz Nellen Stadel ‘ der Stadel des Moritz Nellen ’ (1661, Biel) und zum Murihiischi ‘ zum Haus des Moritz ’ (Embd). Ursprünglich romanisch ist der Beleg sub saxo Sentýmarýz ‘ unter dem Fels des Heiligen Moritz ’ (1435, Albinen), wo wohl der Heilige der thebäischen Legion gemeint ist und nicht die Heilige Maria. Moro Moro Adj. ‘ schwarz ’ ist in Monte Moro ‘ der schwarze Berg ’ (Gipfelname, 2985 m.), Montemorogletscher (LT Tällibodengletscher) und dr Montemoropass (alle Saas-Almagell) belegt. Der Pass ist seit alters bekannt; vermutlich meinte Monte ‘ Berg ’ ursprünglich primär den Pass. Die Namengebung erfolgte wohl von heute italienischer Seite aus. Das Adjektiv moro hat zu verschiedenen Deutungen Anlass gegeben; VON W ELDEN (1824, 52) sagt: “ Man hat über die Benennung dieses Gebirgs mehrere Meinungen; nach einigen soll es seinen Namen von Ludwig Sforza, il Moro genannt, erhalten haben, der, nach dem er Novara verlassen musste, im September 1449 hier durch, nach der Schweiz zog. ” G ATSCHET (1880, 407) zieht neben ‘ schwarz ’ auch mlat. MORO ‘ Brombeerstrauch ’ oder das Simplex des lat. MURENA , MURENULA ‘ Steinhaufen ’ in Betracht. J ACCARD (1906, 286 f.) resümiert die bestehenden Deutungen, sagt dann aber, dass die ältesten Belege von Monti Molli sprechen und nimmt an, dass it. molle ‘ leicht ’ den leichten Übergang zum Wallis bilden. Z INSLI (1984, 311) gibt einige frühere Benennungen, lehnt aber J ACCARD s Deutung S. 334 ab und bezeichnet die Etymologie als “ umstritten ” . Die nächstliegende Deutung als ‘ schwarz ’ ist zwar unspektakulär, macht aber weniger Voraussetzungen als alle andern Vorschläge. Zu verstehen ist also Monte Moro als ‘ schwarzer Berg ’ . Morsez Morsez ist nur einmal 1242 in Erschmatt als es morsez belegt. Im Dokument handelt es sich um eine Flur oder einen Weiler, in dem ein Stück Feld erwähnt ist. Ob es mit FEW (6, 3, 143, bes. 144 unter 2)) zu lat. M Ŏ RSUS biss zu stellen ist, bleibt unsicher. Es würde dann etwa ‘ bei den (Land-)Stücken ’ bedeuten, da es deutlich einen Plural darstellt. Mösch (FaN) Mösch (FaN) ist wohl ein PN oder FaN. Belegt ist er zwei Mal, einmal im Genitiv Singular des Möschen Stall ‘ der Stall des Mösch ’ (1761, Simplon) und einmal im Genitiv Singular einer kollektiven / - IG / -Ableitung in Möschigen Haus ‘ im Haus des Mösch ’ (1760, Simplon). Der FaN ist im Wallis so nicht belegt, wohl aber ausserhalb des Kantons (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1255). Er lässt sich zu Mösch ‘ Messing ’ (I D . 4, 505) stellen (cf. HL M ÖSCH ). Vermutlich liegt aber eine Hyperkorrektion zu Mesch vor, einer falschen Abtrennung zum FaN Im Esch oder Zum Esch (AWWB 89, 129), die im Register HRBS belegt ist. In Simplon ist der FaN normalerweise Escher oder Zum Esch (AWWB 89). Mösch Mösch ist zu zwei unterschiedlichen Quellen zu stellen: einerseits schwdt. Mösch ‘ Messing ’ und wdt. Meesch (Lötschtal), Mesch (Goms) ‘ Messing ’ (I D . 4, 505; G RICHTING 1998, 134)) und anderseits zum schwdt. Adj. mäusch, im Wallis auch m ȫ sch für ‘ trockenfaules Obst, morsches Holz ’ (I D . 4, 503 f.). Die belegte Form m ȫ sch ist nur für die Bezirke Goms und Östlich-Raron möglich (R ÜBEL 1950, 3, Anm. 2). Belegt sind Zuem Mösch ‘ beim Mösch (wohl Messing) oder: beim schlechten Gebiet ’ (1680, Zwischbergen) und jm Möschacker ‘ im schlechten Acker (kaum: Messing) ’ (1640, Betten). Moser (FaN) Moser (FaN) m. kann entweder zum FaN Moser (AWWB 176) gestellt, als Herkunftsname ‘ die Leute im Moss ’ oder als Lokalisierung ‘ beim Moss ’ verstanden werden. Weil es auch FaN ist, wird es hier gesondert behandelt und nicht zum HL Moos gestellt. 257 258 Moser (FaN) <?page no="683"?> Moser kommt nur als vorangestellter Genitiv oder als Bestimmungswort vor. Genitive im Singular sind: aúff Mosersch Wilde ‘ auf dem unfruchtbaren Gebiet der Familie Moser ’ (1715, Eyholz), vf Mosers Eggen ‘ auf der Ecke der Familie Moser ’ (1627, St. Niklaus), beÿ Mosers Haús ‘ beim Haus der Familie Moser ’ (1746, Simplon), ts Mosisch Fad ‘ das Grasband der Familie Moser ’ (Randa) mit der typisch verkürzten Form Mosi n. für Moser m. Einen Genitiv Plural weist auf in Mosero Boden ‘ im Boden der Leute vom Moss / der Familie Moser ’ (1766, Simplon). In Simplon-Dorf heisst ein Dorfteil im Moss; es kann sich also auch um den Boden beim Dorfteil Moss handeln. In Naters findet sich ein eigentliches Namennest mit Fluren, die sich um den kleinen Weiler Moss befinden: t Moseralmei ‘ die Allmein (Burgergebiet) beim Weiler Moss ’ , t Moserblatte ‘ die Felsplatten beim Weiler Moss ’ , t Moserlische ‘ das Sumpfgebiet (mit Lischengras) beim Weiler Moss ’ , der Moserwald ‘ der Wald oberhalb des Weilers Moss ’ . FLNK hat Moserbiela ‘ die Hügel beim Weiler Moss ’ ; nur historisch belegt ist in der Moserhalton ‘ in der Halde der Familie Moser / beim Moss ’ (1399, Naters), wo unklar ist, ob der Weiler Moss gemeint ist. In Münster findet sich 1744 die Mosserbinna ‘ das Pflanzland der Familie Moser / beim Moss ’ ; vermutlich ist hier der lebende Name Moss für das Gebiet links des Rotten gemeint. Mott Mott m. kommt als im Aisser Moott ‘ im äusseren Mott (Morast) ’ (1725, Leuk) und lebend als ts Mottji ‘ der kleine Mott (Morast) ’ (Leukerbad, auch FLNK und LT) vor. R. G RICHTING (1993, Blatt 7, Nr. 16 und Blatt 10, Nr. 12) kennt es als Mottje. Das HL ist zu Mott (I D . 4, 568 mit Verweis auf G R W B 12, 2600 f.) zu stellen, hier wohl im Sinn von Morast. G R W B (12, 2600) kennt Mott m. ‘ schlamm, schwarze torfartige erde ’ und führt es auf frz. motte ‘ erdstück ’ zurück. Ob der Name aus dem Frz. stammt, ist unklar; die Belege in Leuk und Leukerbad sind sicher jünger. Mottiscia Mottiscia kommt nur vor in Punta Mottiscia (dt. Hillehorn (Grengiols)). Der Name ist auf italienischer Seite auch in Bocca di Mottiscia ‘ Pass Mottiscia ’ , Ghiaccaio Mottiscia ‘ Gletscher Mottiscia ’ , Conca Mottiscia ‘ Mulde Mottiscia ’ und Rio Mottiscia ‘ Mottisciabach ’ belegt. Der Flurname ist wohl von it. motta, pl. motte ‘ Hügel, Erhebung, Anhöhe, Erdhaufen ’ abgeleitet, die Herkunft ist jedoch umstritten (LSI 3, 515; P ETRINI 1993, 109). Mouenk Mouenk ist nur 1254 in Naters belegt. Gemeint sind Leute, deren Gut dem Aussteller des Dokumentes gehörte. Aus dem Dokument wird deutlich, dass sich das Gut bei Nr. 17594 Äbinegga (cf. HL Ä BI ), also dem Gut bei einer Egga bei einem Abhang befand. Mouenk ist jedoch nicht belegt und eine Deutung ist nicht möglich, da sich kein entsprechendes HL in der Nähe befindet. Mü Mü ist nur in ts Mübach ‘ beim Maultierbach ’ (Mühlebach; FLNK Mübach, LT Z ’ Mübach) belegt. Es handelt sich um einen Alpstafel am Milibach im Rappental, der bei Mühlebach in den Rotten mündet. Nahe liegt die Ableitung von Mübach aus Mülibach. Diese Deutung ist allerdings unwahrscheinlich, da Müli mit Entrundung zu Mili wird (cf. HL M ILI ). Da Mühlebach im / l/ -Vokalisierungsgebiet des unteren Goms liegt, dürfte Mü zu einem der beiden Belege für schwdt. Mul ‘ Maul ’ und Mul ‘ Maultier ’ und wdt. Mül, Müül ‘ Maul ’ und Mülti, Muilti (Lötschtal), Müülti ‘ Maultier ’ (I D . 4, 174 ff.; G RICHTING 1998, 138) zu stellen sein. Aus sachlichen Gründen ist wohl das ursprüngliche Maul ‘ Maultier ’ (< lat. MULUS , vgl. G R W B 12, 1795) anzusetzen, mit Palatalisierung, / l/ -Vokalisierung und Kürzung nach B RANDSTETTER s Gesetz (SDS 2, 79 f.). Müäme Müämu f. ist nur in der Müämu Schleif ‘ der Schleif der Müämu ’ (Gampel) und historisch 1527 in Naters als der M ŭ men Matta ‘ die Wiese der Muhme (hier wohl Tante) ’ belegt. Das HL ist zu schwdt. Mueme n , Muem f. ‘ Muhme, Tante ’ , mhd. muome ‘ Mutterschwester, weibliche Verwandte ’ und wdt. Müema, Müämä (Goms), Muäma (Lötschtal, Müöma ‘ Tante ’ (I D . 4, 230; G RICHTING 1998, 137) zu stellen. Das Wort ist zunächst als Mutterschwester zu verstehen, kann hier aber in der Bedeutung Tante generell verwendet werden (vgl. SDS 4, 133 f. für die ältere und jüngere Bezeichnung der Tante; zu Muhme vgl. G R W B 12, 2644 ff.). Much Much ist nur belegt in drei historischen Belegen aus Visperteminen: Myktroyen (1304), der Muchtreyo (1338), Muchtroyo (1338). Während Treiju ‘ Viehweg ’ klar ist, bleibt Much unsicher. Zwar kennt G R W B (12, 2603, s. v. much) eine Interjektion “ den laut des rindes malend ” und daraus ist ein baselstädtisches Mucheli (I D . 4, 64) für die Kuh belegt. Danach wäre der Name als ‘ der Viehweg der Muhenden ’ zu verstehen. Mott 259 260 <?page no="684"?> Müeter Müeter f. ‘ Mutter ’ ist zu schwdt. Mueter f., Pl. Müeter n , wie nhd. Mutter allg., wdt. Müetter, Müettär (Goms), Muättr (Lötschental), Müöttär ‘ Mutter ’ (I D . 4, 589 ff., G RICHTING 1998, 137) zu stellen. Manchmal kann auch der FaN Mutter (cf. HL M UTTER F A N) gemeint sein. Belegt ist ein vorangestellter Genitiv ts Müetersch Loch ‘ das Loch der Mutter / der Familie Mutter ’ (Leuk), eine kleine Mulde mit Reben. Wie gesagt, ist hier unklar, ob ein von der Mutter geerbtes Stück Land oder ein Stück Reben der Familie Mutter gemeint ist. In vier Fällen kommt der Typ Müettergottes ‘ Muttergottes, Gottesmutter Maria ’ vor: bi der Muottergottes ‘ beim Marienbild in einem Felsen ’ (Bitsch), zer Muetergottis ‘ bei der Marienstatue in einer Lärche, einem Bildstock ’ (Simplon), bi der Müettergottis ‘ bei der Marienstatue an einem Felsen ’ (Naters) und ts Müetergotestannestäfuti ‘ der kleien Stafel mit der Statue der Muttergottes (Maria) an einer Tanne ’ (Selkingen). Der Typ findet sich zwar mehrfach im I D ., hat jedoch keinen eigenen Eintrag. Zum Typ Grossmutter (I D . 4, 592) gehört der Grossmüeterrigg ‘ der Rücken der Grossmutter (gekrümmter Rücken? ) ’ (Oberwald). Hier ist wohl an den krummen Rücken einer alten Frau gedacht. Ein Paar bilden der Holzmüeterlitschuggu und der Holzfatterlitschuggu (beide Gampel), die je einen Felsen mit einer Ebene oben benennen. Ob hier eine mythische Figur Holzmüeterli ‘ Erdfräulein ’ (I D . 4, 593) vorliegt, ist unklar; zu Holzfatterli gibt es keinen Eintrag im I D . ts Müotergüod ‘ das Gut von der Mutter her / der Familie Mutter (? ) ’ (Eisten) meint am ehesten das von Mutterseite ererbte Gebiet (I D . 2, 550). Der FaN Mutter ist kaum anzunehmen. Müettergottes (Verweis) Müettergottes f. ist zu schwdt. Muetergottes f. ‘ Maria ’ (G R WB 12, 2816 f. und 2804 ff.; cf. auch I D . 2, 507) zu stellen. Zu den Belegen siehe die HLL G OTT und M ÜETER . Mugga Mugga f. ‘ Mücke ’ ist zu schwdt. Mugge n f., Muggi n. ‘ Mücke ’ allg. im Lötschental Miggli n. auch ‘ Fliege ’ , mhd. mucke und wdt. Mugga, Muggä (Goms), Muggu ‘ Mücke ’ (I D . 4, 127 ff.; G RICHTING 1998, 137) zu stellen. Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor. Belegt sind: der Mugguchnubel ‘ der Hügel mit Mücken (feuchtes Gebiet) ’ (Blatten), ts Muggunäscht ‘ das Mückennest (wo es viele Mücken hat) ’ (Albinen), ts Mugguseewji ‘ der kleine See mit Mücken ’ (Leuk) und t Muggutolu ‘ die Mulde mit Mücken (feuchtes Gebiet) ’ (Salgesch, auch bei M ATHIER (2006, 137)). Mücken zeigen feuchte Gebiete an. Mulda Mulda w., auch Müelta w., ist zu schwdt. Multe n , Muelte n f., Dim. Mueltli, Mueltji, Müeltli ‘ Mulde als Gefäss, ausgehöhlter Baumstamm als Wasserbehälter; hölzernes, offenes Gefäss ’ , ahd. muolt(e)ra, mulhtra, muolter, multa, mulde, mhd. mulde, mu(ol)ter und zu wdt. Müelta, Müölta, Müältä (Goms), Muälta (Lötschental), Müöltu ‘ Holzbecken (zum Brühen von Schweinen) ’ zu stellen. Es ist entlehnt aus lat. MULCTRA ‘ Melkfass ’ , zu lat. MULG Ē RE ‘ melken ’ . In FlN für ‘ muldenförmige Vertiefung des Erdbodens, Grube, Talabsenkung ’ (I D . 4, 215 f. und I D . 3, 420; Z INSLI 1946, 78). Belegt ist es einerseits in Gampel als t Müältä und historisch als in den Múltachren ‘ in den Müeltäckern ’ (1758), sowie der Alt Múltweg (1628) und Multweg (1822). In Hohtenn sind t Obru und t Undru Mültje (beide im Laduwald) bezeugt. Es handelt sich hier um Mulden im Laduwald. Mulgsüür Mulgsüür n. Der Flurname ist nur einmal in Raron als ts Mulgsüür belegt. Der Ort befindet sich auf 1895 m. über Meer in einem Seitental zum Bietschtal in felsigem Gebiet. Historische Belege fehlen. In der vorliegenden Form ist der Name nicht deutbar. Es könnten aber Mulche n ‘ das Gemolkene ’ (I D . 4, 207) und Sûr ‘ saure Molken ’ (I D . 7, 1281), resp. sur ‘ sauer ’ (I D . 7, 1274), gemeint sein: eine Weide, auf der die Molke sauer wird. Diese Deutung ist sehr unsicher. Muling Muling ‘ Mühle ’ ist zu afrpr. *mul ĭ ́ ƞ ‘ moulin ’ ‘ Mühle oder anderes, vom Wasser getriebenes Werk ’ < lat. MOLINUM , Dim. M ULINET , gebildet mit / - ITTU / -Suffix (FEW 6, 3, 37b; T AGMANN MS, o. A., 77 ff.) zu stellen. Lebend ist Muling in Salgesch zweimal belegt, einmal als nördlicher Dorfteil, einmal etwas höher gelegen. T AGMANN (Ms., 77 f.) gibt für 1353 ein lateinisches in Molendino als ältesten Beleg. M ATHIER (2015, 51) kennt es für den Dorfteil. Historisch sind die ältesten Belege in unserer Datenbank 1347 Amulyns, 1351 Mulin, 1358 Mulin usw. Neben dem Simplex kennt M ATHIER (2015, 5sf.) Mulingblattä, Mulingstrass, Mulingwasserleitu. In der Datenbank sind verzeichnet: Muling-Reben (1927, Salgesch), Mu ᵕ ling Strasse (1880 (ca.), Salgesch) und Mulingschleif ‘ der Schleif zum Gebiet Muling (Mühle) ’ (FLNK, Salgesch). Dazu kommt Ober Muling (1927, Salgesch). In Leuk findet sich ou Mulyn de Lestra ‘ bei der Mühle am Weg ’ (1345) (vgl. HL L ESTRA ). Ein älteres ou Moleng ‘ bei der Mühle ’ (1589, Albinen) ist wohl in Anlehnung an das Lateinische so geschrieben. 261 262 Muling <?page no="685"?> Nur einmal ist ts Mulinett ‘ die kleine Mühle ’ (Varen) belegt. Die lat. Form MOLENDINUM ‘ die Mühle ’ erscheint mehrfach: 1203 uinea Molendini ‘ der Weingarten bei der Mühle ’ (Leuk), 1356 de Molendino ‘ von der Mühle ’ (Leuk), ol clos de Molendino ‘ beim eingefriedeten Gut bei der Mühle ’ (1328 u. später, Leuk), und ad fontem molendini de Schudanne ‘ bei der Quelle der Mühle von Schudannen (warme Quelle) ’ (1821, Varen). Mully Mully ist nur historisch 1346 in Salgesch als de Mull ỳ de Rappilly belegt. Zu verstehen ist das als ‘ bei der Mühle von der Raspille ’ . Mully ist zu FEW (6, 3, 37 f. s. v. molinum mühle) zu stellen (vgl. HL M ULING ). Mummel Mummel m. Der Name kommt nur in Münster als der Mummel vor. Dazu ist unnerm Mummel (Name einer Alpweide in Münster) belegt. Weiter bezeugt sind der Mummelblätz ‘ das kleine Stück Land im Gebiet Mummel ’ und der Mummelbrunne ‘ die Quelle / der Brunnen unter dem Gebiet Mummel ’ (beide Münster). Zwar ist das HL im I D . (4, 227) und im G R W B (12, 2661) mehrfach belegt, aber keine der Bedeutungsangaben passt hieher. Am ehesten ist an eine metaphorische Übertragung aus Mummel ‘ derjenige, der den Sami-Chlaus darzustellen hat ’ (I D . 4, 227, Bed. 4), also etwa der Vermummte, zu denken. Der Zusammenhang mit einem Flurnamen bleibt allerdings unklar. Mun Mun ist nur belegt in t Muneiu ‘ die Munaue, die Aue am Berg (? ) ’ (Varen). SK zeigt recht gut, dass der heutige Dorfteil im 19. Jahrhundert noch ausserhalb des Dorfes lag. Die Lage an der Wasserleitung erklärt, dass von einer Aue (Eiu) die Rede ist. Mun selbst ist unklar. Wenn es sich um ein rom. Wort handelt, liesse es sich wohl auf mont ‘ Berg ’ zurückführen. Das dt. Wort Munni ‘ Zuchtstier, Bulle ’ (I D . 4, 316) ist im Wallis nicht bekannt; R ÜBEL (1950, 26) kennt zwar den Ausdruck Munibrand ‘ Brand nach dem Bespringen der Kuh durch den Stier ’ , doch fehlen genauere Angaben (cf. HL M UNI ). Von den beiden Deutungen ist eher die erste inhaltlich begründet: ‘ die Aue beim Berg ’ (wobei Berg einfach eine ansteigende Stelle sein kann). Mund Mund ist eine heute zu Naters gehörende, früher selbständige Gemeinde auf rund 1207 m (Dorfzentrum). Der Name geht auf rom. mont, lat. MONTE ( M ) ‘ Berg ’ zurück (J ACCARD 1906, 301). Schwdt. Bërg m., lat. MONS , bezeichnet im Wallis eine am Hang liegende Siedlungs- und Kulturlandschaft (A NDEREGG 1983, 13). K RISTOL ET AL . (2005, 628) stimmen J ACCARD zu. Die ältesten Belege sind 1250 - 1299 apud monz ‘ bei Mund ’ , 1259 de Munt ‘ von Mund ’ , 1289 de Month usw. In der älteren Überlieferung heisst der Ort meistens Mont, manchmal auch Munt und Mund. Um 1558 ist auch de monte Mundt ‘ vom Berg Mund ’ belegt, also eine doppelte Form. Die lateinische Form von 1716 super monte oris ‘ auf dem Berg des Mundes ’ enthält eine volksetymologische Umdeutung von Mund als ‘ Mund ’ (vgl. lat. OS , Gen. ORIS n. ‘ Mund ’ ). Mit attributivem Adjektiv findet sich nur Ob[er] Mund auf SK; heute heisst der Weiler Dichtuhüs. Das Bestimmungswort Mund erscheint zusammen mit folgenden Grundwörtern in zweisilbigen Komposita: Bach, Chi, Gassa, Stei und Wald. Komplexer ist der Mundbachbodo ‘ der (Tal-)Boden an der Mündung des Mundbaches in den Rotten ’ (Mund). Getrennt geschrieben ist die Mu ᵕ ndbach Byne ‘ der Pflanzplatz beim Mundbach ’ (1858, Glis). Eine präpositionale Fügung erscheint 1363 als Capelle de Mont ‘ die Kapelle (Genitiv konstruktionsbedingt) von Mund ’ (Mund). Ein Genitiv Plural ist belegt in Alpes Munderro ‘ die Alpen der Leute von Mund ’ (1527, Baltschieder; 1527, Mund). Als Adjektiv wird dagegen Munder ‘ zu Mund gehörig, nach Mund führend ’ wohl in folgenden Belegen verstanden: der Múnder Berg ‘ das bergwärts gelegene Gebeit von Mund ’ (1679 (ca.), Mund), Munder Chumma ‘ die zu Mund gehörende Chumma (Mulde) ’ (EK, Mund; FLNK Chumma), in der Mu ᵕ nderdriesten ‘ in der Driesten (unfruchtbares Gebiet) von Mund ’ (1840, Mund; 1850 Mu ᵕ nderdriesten (Plural), Munder Schtafel ‘ der Stafel der Leute von Mund ’ (EK, Mund), t Mundergassa ‘ die Gasse nach Mund ’ (Brigerbad). Komplexer ist Munder Mattwald ‘ der zu Mund gehörende Wald bei der Mähwiese ’ (EK, Mund). Mundereschi (FaN) Mundereschi (FaN) ist 1799 in Inden als in die M ’ undereschi belegt. Eine erste Deutung gibt AWWB (171), das den rom. FaN Monderessi (mit weiteren Formen) erwähnt. T AGMANN (1946, 66 f.) erwähnt Monderesse mit anderen Formen und führt es auf MOLINARIA ‘ meunière [= Müllerin] ’ zurück. Neben dieser romanischen Deutung, die in Inden wohl den FaN betreffen würde, gibt die Bearbeiterin den Hinweis, dass es in Inden auch den Flurnamen Unneräschi ‘ das untere kleine Gebiet mit Eschen / beim Saatfeld ’ gibt, wozu das HL E SCHE anzuführen ist. Die Schreibweise des Beleges von 1799 deutet eher auf die deutsche Deutung hin, doch ist der Mully 263 264 <?page no="686"?> Wechsel vom FaN zu einem Flurnamen durchaus möglich. Gemeint ist hier aber wohl der FaN. Muni Muni ist nur in der Munigrabu (Leukerbad) belegt (auch bei R. G RICHTING 1993, Blatt 11, Nr. 12). Ob es zu schwdt. Munni m. ‘ Zuchtstier, Bulle ’ und wdt. Muni ‘ Stier ’ (I D . 4, 316 f.; G RICHTING 1998, 138) zu stellen ist, bleibt unklar. Zwar sagt I D ., das Fehlen des HL im Wallis sei bemerkenswert, es ist aber bei R ÜBEL (1950, 26) als Munibrand ‘ Brand der Kuh nach dem Bespringen durch einen Stier ’ und bei G RICHTING belegt, muss also vorhanden gewesen sein. Ob in der Munigrabu ‘ der Graben, der einem Stier gleicht ’ wirklich dieses HL vorliegt, bleibt jedoch unsicher. Historische Belege fehlen, die Deutung ist deswegen unsicher. Muniers (FaN) Muniers (FaN) ist nur 1580 in Salgesch als vsque ad possessionem deÿs Muniers ‘ bis zum Besitz der Familie Munier ’ belegt. Munier ist zum FaN Monnier, Munier (AWWB 171, NWWB 1, 182 s. v. Mounir) zu stellen, die vor allem in Miège umd Mollens (beide westlich angrenzend an den Bezirk Leuk) belegt ist. Alternativ kann der Flurname auch als Berufsbezeichnung meunier ‘ Müller ’ dienen. Ein Flurname im engeren Sinn liegt nicht vor. Munig Munig ist nur zwei Mal belegt: der Munig und der Munig Staful (beide Simplon). Beim zweiten Beleg scheint Munig ein Adjektiv zu sein, was auf eine Adjektivableitung zu Munni ‘ Stier ’ (I D . 4, 316 f.) hindeutet. Das Wort ist im Wallis jedoch nicht üblich (siehe etwa R ÜBEL 1950, 172 s. v. Stier und HL M UNI ), obwohl es bei C. S CHMID (1969, 117) und G RICHTING (1998, 138) belegt ist. Es könnte sich also um eine junge Bildung mit einem Adjektiv munnig ‘ taurinus, stierbezogen ’ (I D . 4, 318) handeln. Der Munig wäre dann ein stierartiger Felsblock, bei dem sich der Munigstafel befindet. Munko Munko ist zweimal als Bestimmungswort in Raron (beide 1302) belegt: Muynkosl ů cht und Munko Sluohct. Das Grundwort ist Schluocht ‘ Geländeeinbuchtung ’ ; das Bestimmungswort ist unklar. Zwar kennt G R W B (12, 2895) munk als Adjektiv im Sinn von ‘ aufgetrieben, dick und breit ’ und Munk (G R W B 12, 2896) als Nomen ‘ finsterer Mensch, der nicht reden will ’ und auch I D . (4, 332 f.) erwähnt Mungg und Munggel, jedoch scheint keiner der Einträge sich für einen Flurnamen zu eignen. Wahrscheinlicher ist deswegen ein PN, der auch FaN sein kann (I D . 4, 332 erwähnt die Möglichkeit für den FaN einer Frau). Die Endung / -o/ würde jedoch einen Männernamen nahelegen, der sich entweder auf das Adjektiv im Sinn von ‘ dick ’ oder auf das Nomen im Sinn von ‘ Mensch, der nicht reden will ’ beziehen kann. Insgesamt bleibt aber Munko unklar. Münster Münster, dial. Minschter, ist zunächst der Gemeindename Münster (heute Goms) aus kirchenlat. M Ō NAST Ē R Ī UM > ahd. munistar, ursprünglich ‘ Einsiedelei ’ , später ‘ Kloster, Pfarrkirche ’ (K RISTOL ET AL . 2005, 629). Der ältere Name des Dorfteils westlich des Baches sei ursprünglich Goms, frz. Conches gewesen, der als Talname erhalten blieb (Z IMMERLI 1899, 87; G AUCHAT 1907, 6; K RISTOL ET AL . 2005, 629). Er lässt sich aus den Quellen nicht direkt nachweisen; belegt sind sowohl Conches / Goms wie Münster. Vermutlich erscheint dieser Dorfteil später als ‘ ennet ’ oder ‘ über Bach ’ (N OTI , 1982, 7; WB 1964, Nr. 2, 6). Neben dem Simplex ist ein Bestimmungswort Minschter mit den Grundwörtern Bäärg, Haalta, Joch und Matta in zweigliedrigen Komposita erhalten, wobei die Schreibweise in einigen Fällen auch ein attributives Adjektiv meinen kann. Das Adjektiv ist aber meist Minschtiger, das seinerseits auch als Genitiv Plural ‘ der Leute von Münster ’ verstanden werden kann. Belegt sind die Grundwörter Bach, Gletscher, Chitt und Tal. Komplexer sind ts Minschtiger Hosand ‘ der zu Münster gehörende Teil der Alpe Hohes Sandgebiet ’ (Ulrichen), der Minschtiger Hosandstafel ‘ der Stafel der Leute von Münster auf der Alpe Hosand (hohes Sandgebiet) ’ (Ulrichen) und der Minschtiger Rossbode ‘ der Rossboden (Alpe) im Münstiger Tal ’ (Münster). Munta Munta, historisch auch Monta ist lebend in Salgesch als t Munta belegt. T AGMANN (Ms., 73 ff.) stellt Monta in Salgesch und Varen zu afpr. *muntá ‘ Stutz, Aufstieg, steil ansteigendes Weg- und Geländestück ’ , *montée ist eine Ableitung von spätlat. * MONTARE auf / - ATA / (T AGMANN MS, o. A., 75 mit Bezug u. a. auf M EYER 1914, 168 und FEW 6, 3, 108). M ATHIER (2015, 69 ff.). kennt neben Munta auch Muntastadil und Muntastutz. Weiter sind belegt: in der Munta (1670, Leuk, aber unsicher), la Munta (1338, Varen; 1346 u. später Monta), Monte Strasse (1880 (ca.), Salgesch), in die Monta Sarqueni ‘ im Stutz von Salgesch ’ (1822, Salgesch). Einen Plural weist ein Weinberg jn comba dys montez ‘ in der Kumme bei den Abhängen ’ (1495, Salgesch) auf. T AGMANN (Ms., 79) kennt zwei Belege eys Muntes (1494) und eys Montez (1519, aber Kopie), die er vorsichtig hieher stellt; die Schreibweise mit / z/ passe nicht hieher. Die späte Verschriftung lässt jedoch diesen Schluss kaum zu. 265 266 Munta <?page no="687"?> Muntanji Muntanji n. erscheint nur in Montanji ‘ die kleine Alpe ’ (LT, Leukerbad), ts Hinner Muntanji ‘ die hintere kleine Alpe ’ (Leukerbad; FLNK, Hinner Montanji), ts Vooder Muntanji ‘ die vordere kleine Alpe ’ (Leukerbad; FLNK Voder Montanji). R. G RICHTING (1993) hat Blatt 16 zu Hinnärs Montanji und Blatt 17, Nr. 7 zum gleichen Namen. Es handelt sich um einen im Deutschen als Diminutiv begriffenen Namen zu einem lat. * MONTANEA (Ableitung zu MONTEM ‘ Berg ’ ). Im Patois hat montagne die gleiche Bedeutung wie frz. alpe, alpage, dt. ‘ Alpe, Alm f. ’ (G PSR 1, 312; T AGMANN 1946, 42 f. und 44 zu muntàña). Munter Munter m./ n. ist eine Kleinsiedlung von Eischoll auf 1367 m., und zugleich das Zentrum eines (vorwiegend historischen) Namensnestes mit jm Munterboden (1620), d Muntergassen (1572 u. später), in der Mu ᵕ nterhaltu ᵕ n (1665), t Muntersüo ‘ die Wasserleitung zum Gebiet Munter ’ und bi dem Múntertrog (1702 u. später) (alle Eischoll). Das HL erscheint im 14. Jh. als muntor und montor. Am ehesten könnte es zu einem lat. MONTEM ‘ Berg ’ gestellt werden, dann aber mit einem Suffix, etwa / - ORIU / (RN 2, 1033). Der Akzent würde bei der Germanisierung auf die erste Silbe verschoben. Mont wird in den frpr. Patois als ‘ Alpe ’ verstanden (T AGMANN 1946, 42), während Bärg im Oberwallis häufig einfach ein bergwärts gelegenes Gebiet meint. In Ausserberg ist zum Salmunter (1628) belegt, das sich zu den HLL S ALL und M UNTER stellen, aber trotzdem nicht deuten lässt, da der Beleg keinen weiteren Kontext enthält. Das schwdt. munter ‘ wach, gesund, recht, gehörig, wacker ’ (Id. 4, 344) kommt kaum in Frage; G RICHTING (1998) verzeichnet es für das Walliserdeutsche nicht. Muntinery (FaN) Muntinery (FaN) ist nur einmal 1494 in Salgesch als lyz Muntinery belegt, das laut Dokument eys Munte (vgl. HL M UNTA ) gelegen sei. Es dürfte sich um einen FaN Montani handeln, der der Weinberg gehört: ‘ das der Familie Montani gehörende Gut ’ (T AGMANN 1946, 50 f. mit der Herleitung aus lat. M ONTANARIUS ‘ Bergbewohner ’ ). Allerdings ist laut M ATHIER (2015, 69 f.) Munta als ‘ Stutz ’ zu lesen; die lautliche Übereinstimmung kann aber auch zufällig sein. Müolerra Müolerra ist zunächst der Name eines Weilers von Blatten bei Naters, der schon 1333 als an der M ů lerron belegt ist. Naters kennt weiter Müelerwasser ‘ die Wasserleitung, die an der Müolerra vorbeifliesst ’ (FLNK, Naters) und Erich-Hasul-Müelera ‘ (wohl) die Wasserleitung nach Erich, Hasel und Müolerra ’ (FLNK, Naters), wobei die drei Flurnamen Weiler von Blatten bei Naters benennen. t Müolera gibt es auch in Mund; die Gwp. sagt, hier fliesse das Bergwasser vorbei. In Glis ist 1862 in den Mu ᵕ oler Stu ᵕ den genannt, die auch in des Tÿrolers Driesten ‘ im unfruchtbaren Gebiet des Tirolers ’ heissen. Der lat. Beleg von 12? ? in Ried-Brig lautet apud Molerron, was wohl als ‘ das an der Mühle vorbeifliessende Wasser ’ zu verstehen ist; lat. MOLA ist als ‘ Mühle ’ zu verstehen. In Brig meint der damalige Bearbeiter zer Mûlren zu erkennen; eine neue Lesung von P H . K ALBERMATTER sieht darin loco vocato zer Núwen also ‘ am Ort, der zer Núwen heisst ’ - es dürfte sich um die Alpe Niwwa in Simplon handeln; der Beleg gehört also nicht hieher. Die Belege legen (mit Ausnahme des lat. M OLERRON ) eine / - ERRA / -Ableitung zu einem Nomen Muolnahe. Das Suffix / - ERRA / wird für Wasserleitungen, kollektiv auch für Pflanzen oder andere Dinge verwendet. Zu Muolfindet sich als nächstliegendes Wort G ’ müel n. als Variante zu G ’ müll ‘ kleiner mehlartiger Abfall ’ (I D . 4, 184 und 192). Die Deutung wäre dann entweder eine Wasserleitung, die an einem Ort vorbeiführt, wo sich solcher Abfall gebildet hat, oder ein Ort, an dem es viel von diesem Abfall gibt. Der Gliser Beleg meint dann einen Ort bei der Muolera, wo Stauden wachsen. Müra Müra f. ‘ Mauer ’ ist zu schwdt. M ū r, M ū re n , Pl. Müür, Müüre n , M ū re n f. allgemein für ‘ Mauer ’ auch ‘ Mauerwerk ’ , mhd. m ū r(e), miure, mür; im Lötschental und Simplongebiet mit Diphthong / ui/ für mhd. û Muira f. ‘ Mauer ’ und wdt. Müüra, Muira (Lötschental), Müüru ‘ Mauer ’ (I D . 4, 381; SDS 1, 106; G RICHTING 1998, 138; J ORDAN 2006, 27) zu stellen. I D . bemerkt, dass das HL in Orts- und Flurnamen “ besonders für Örtlichkeiten, wo früher römische Niederlassungen bestanden ” vorkomme. Das gilt für das Oberwallis kaum, da ursprünglich römische Bauten selten sind. URNB (2, 777) führt das HL unter Mauer an und bemerkt, dass neben alten Mauerstellen auch mauerähnliche Geländestellen (Felsformation, Steinhaufen) gemeint sein können; das genaue Namenmotiv lasse sich oft nicht mehr feststellen. Im Oberwallis ist das HL in rund 140 Namen vertreten. Neben Stützmauern, Grenzmauern, Wehrmauern, Mauern aus herumliegenden Steinen und Mauern, die Schafe und anderes Vieh von gefährlichen Stellen abhalten sollen, gibt es modernere Formen wie Staumauern und Lawinenverbauungen. Manchmal ist nur noch der Name zu finden. Eventuell ist auch der FaN Murmann (AWWB 179) hieher zu stellen ist. Das HL ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen MURUS ‘ Mauer ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 608) für den römischen Muntanji 267 268 <?page no="688"?> Hausbau mit Ziegeln. Hier ist nicht immer klar, ob ein Flurname vorliegt, etwa in murum villae Brigae ‘ die Stadtmauer von Brig ’ (1624, Brig) oder einfach ein lateinisches Appellativ. Das Simplex ist im Singular als vnder der Maúren (1824, Bellwald), der Mu ᵕ ren ‘ der Mauer ’ (1699, St. Niklaus), t Müüra ‘ die Mauer ’ (Blitzingen), ufer Müüra ‘ auf der Mauer (Quartiername, Wehrmauer) ’ (Visp), uf der Müüre ‘ auf der Mauer ’ (Fiesch), uf der Müüru ‘ auf der Mauer ’ (Zermatt), zer Müüru ‘ bei der Mauer ’ (Gampel, Zermatt) belegt. Der Plural des Simplex ist häufiger: beÿ den Muren ‘ bei den Mauern ’ (1828, Biel), bine Müüre ‘ bei den Mauern (Lawinenverbauungen) ’ (Obergesteln), bine Müüre ‘ bei den Mauern (aus ausgeschiedenen Steinen) ’ (Münster), binne Müüru ‘ bei den Mauern (Lawinenverbauungen) ’ (Ried-Brig), in den Muren (1644, Geschinen; 1642, Zermatt), jn dien Muron (1301, Mörel), ze Müüre ‘ bei den Mauern (Lawinenverbauungen) ’ (Oberwald), ze Müru ‘ bei den Mauern (Lawinenverbauungen) ’ (Eisten), zu Müru ‘ bei den Mauern (Lawinenverbauungen) ’ (Täsch (langes / üü/ ), Randa), t Müüre ‘ die Mauern (Stützmauern von Gärten) ’ (Saas-Balen) und t Müüre ‘ die Mauern (aus ausgeschiedenen Steinen) ’ (Ulrichen). Einen unklaren Fall stellt ein neutrales ts Muirä (Kippel, Blatten), auch historisch als das Mure (1767, Kippel) dar. Es kann sich um einen Genuswechsel zum Neutrum oder um ein Kollektivum handeln; Letzteres wählen wir in der Datenbank VSNB als Deutung: ‘ das Gebiet mit Mauern ’ . Das Diminutiv ist im Plural als Mürine ‘ die kleinen Mauern ’ (Zermatt), t Müürini ‘ die kleinen Mauern ’ (Staldenried und drei weitere), t Müürlini (LT Mürlini, FLNK, Muirlini, Zwischbergen) belegt; entrundet als t Miirlini ‘ die kleinen Mauern ’ (Hohtenn). Mit attributiven Adjektiven ist das HL vor allem mit lang, läng, leng (16 Mal) belegt, lebend in t Leng Müüra (Baltschieder), t Leng Müüre (Obergesteln, Reckingen) und weitere, als Plural inne Lenge Müüre ‘ in den langen Mauern ’ (Ulrichen), historisch beÿ der langen Mu ᵕ ren (1700, Varen) und weitere in verschiedenen Formen, darunter lat. a longo muro ‘ von der langen Mauer ’ (1356, Mörel; Kontext ist eine Balma). Weiter findet man die Alte Mauren ‘ die alte Mauer ’ (1683, Erschmatt), die Grosen Mauren (1675, Stalden), beÿ der Grossen Mauren (1779, Niederwald), die Gross Mu ᵕ ra (1633, Reckingen), bi der Grossen Múre (1672, Biel), ad murum magnum ‘ bei der grossen Mauer ’ (1304, Saas-Fee), ts Hee Müürli ‘ die hohe kleine Mauer ’ (Leuk, Ried-Mörel), ts Heeju Müru ‘ bei den hohen Maueren ’ (Randa), uf der Heejun Muiru ‘ auf der hohen Mauer ’ (Wiler), subtus der Ho ᵉ chen Muren ‘ unter der hohen Mauer ’ (1519, Törbel), Hohi Müre ‘ die hohen Mauern ’ (FLNK, Raron), die Hohu ᵕ n Múrún ‘ die hohe Mauer ’ (1646, Grächen), Chinesischi Müru ‘ die chinesische Mauer ’ (FLNK, Saas-Fee; LT Chinesische Mauer), beÿ der Krumen Múren ‘ bei der krummen Mauer ’ (1770, Oberwald), die Nüwe Mu ᵕ ren ‘ die neue Mauer ’ (173? , Glis; unsicher, ob Name, da anschliessend steht genempt die Matten Múren), di Beesch Muira ‘ die böse Mauer (einer Kapelle) ’ (Ferden), zer Beeschu Müüru ‘ bei der bösen Mauer (wohl steile Felsmauer) ’ (Oberems), t (e)Roti Müüru ‘ die rote Mauer (Fels im Weg auf die Gemmi) ’ (Leukerbad), die Runde Mauer ‘ die runde Mauer ’ (1896, Münster), au ᵕ ff der Wüschen Mau ᵕ ren ‘ auf der weissen Mauer ’ (Raron, unsicher), bine Zwei Müüre ‘ bei den zwei Mauern (Lawinenverbauungen) ’ (Obergesteln), ze Zwei Müüru ‘ bei den zwei Mauern (Strasse im Ganterwald zwischen zwei Mauern) ’ (Ried-Brig). di Trommüüra ‘ die Quermauer ’ (Visperterminen; 1701 u. später, Staldenried) enthält wohl das Adjektiv trom ‘ quer ’ (I D . 14, 1014) und nicht das Nomen Trom (I D . 14, 1002 ff.) Vorangestellte Genitive sind selten: ts Fäärigsch Müüru ‘ die Mauer beim Pferch ’ (Saas-Almagell), beÿ der Gùgen Múren ‘ bei der Gugen Mauer (unklar, ob Gugel gemeint ist oder Goger Mauer ‘ schlechte Mauer ’ (I D . 4, 382) ’ (1804, Obergesteln), in Leigginero Mure ‘ (die Wasserleitung zur) Mauer von Leiggern / der Familie Leiggener ’ (1703, Ausserberg), zu ᵕ r Lu ᵕ ggienmau ᵕ ren ‘ zur Mauer bei der Aussichtsstelle ’ (1834, Steg), ts Meiersch Müüre ‘ des Meiers Mauer ’ (Ulrichen) (Grenzmauer zwischen Alpen), murum villae Brigae ‘ die Stadtmauer von Brig ’ (1624, Brig; lat. Genitiv ist nachgestellt), t Saasermüüra ‘ die Saaser Mauer (laut Gwp. von Maurern aus dem Saastal erstellte Wehrmauer gegen den Rotten) ’ (Naters), vermutlich eine volksetymologische Umdeutung von Saasimüüra ‘ die (gesetzte? ) Mauer ’ (Baltschieder). Als Grundwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita zunächst als t Stöümüüre ‘ die Staumauer des Kraftwers Gries ’ (Ulrichen) und t Stöümüüru ‘ die Staumauer (des Illsee und des Obersee bei der Alpe Meretschi) ’ (Leuk, zwei Belege) vor; hier handelt es sich einfach um eine Übernahme von hdt. Staumauer. Den Ort benennen Alpenmauer ‘ die Mauer auf der Alpe ’ (1895, Embd), Alpu Müüra ‘ die Mauer auf der Alpe ’ (EK, Mund), zur Hirinmuren ‘ bei der Mauer beim kleinen Horn (unklar) ’ (15? ? , Reckingen), t Hofmuira ‘ die Hofmauer ’ (FLNK, Ferden), in dr Hofmuirun ‘ in der Hofmauer (Dorfteil von Blatten) ’ (Blatten) (vgl. HL H OF ), Krachen=Mauer ‘ die Mauer beim Chrachen (steiler Hang) (unklar) ’ (1843, Steg), die Matten Múren ‘ die Mauer bei der Wiese ’ (173? , Glis), zer Setzmüüru ‘ bei der Mauer in den Felsabsätzen (Schutzmauer für die Lötschberglinie) ’ (Niedergesteln), di Tallmuira ‘ die Talmauer (soweit erkennbar natürlicher Fels, der wie eine Mauer wirkt) ’ (Blatten), die Thallmau ᵕ ren ‘ die Talmauer ’ (1601, Mühle- 269 270 Müra <?page no="689"?> bach; 1607/ 08 das Thall Mührlin). Wahrscheinlich Besitzer oder Nutzer sind in ts Heermiirli ‘ die kleine Mauer des Herrn (unklar, welcher Herr) ’ (Eggerberg), ts Jägermüürli ‘ die kleine Mauer für die Jäger / der Familie Jäger ’ (Leuk) gemeint. Das Material scheint bei t Steckmüüra ‘ die Mauer mit Stöcken (Holzstöcken) ’ (Visp) vertreten zu sein. Ein Vergleich mit einem Stier liegt t Stiermüra ‘ die Mauer (Felsband), die einem Stier gleicht) ’ (Zermatt) vor. Die Form der Mauer ist in beÿ den Ringmaúren ‘ bei den Ringmauern ’ (1825, Binn), biner Ringmüüre ‘ bei der Ringmauer ’ (Obergesteln) und t Winkelmüüru ‘ die winkelförmige Mauer (Lawinenverbauung) ’ (Saas-Grund) enthalten. Eine volksetymologische Deutung der Erbauer ist in t Heidimüüra ‘ die Mauer der Heiden (von der vorgeschichtlichen Bevölkerung erbaut) ’ (Simplon) enthalten. Unklar ist auf der Wandelimúren ‘ auf der Mauer beim Wandeli (kleine Wanne / Greifvogel? ) ’ (1842, Oberwald). Komplexer sind t Alt Landmüüra ‘ die alte Landmauer (Mauer quer durch das Tal bei Gamsen, heute restaurierte Überreste) ’ (Glis) - eine sog. Letzi (vgl. S TEFFEN 2010), die wohl auch in Landt Muren (1675, Mund) gemeint ist, t Inner und t Uisser Tirrlimuira ‘ die innere und die äussere Mauer mit den kleinen Türen ’ (Zwischbergen) - gemeint ist eine Mauer mit einem Durchgang, welche die Schafe vom Weitergehen abhält - , und das seltsame Langen Matten Maúer ‘ die Mauer bei der langen Wiese ’ (1866, Steg), wo auch die lange Mauer bei der Wiese gemeint sein kann. t Naturschutzmüüra ‘ die Mauer, die das Naturschutzgebiet von der Alpe (Riederalp) trennt ’ (Ried-Mörel), lässt sich nur aus dem Naturschutzgebiet Riederalp erklären. t Obri und t Undri Bächimüüra (Gampel) ‘ die obere und die untere Mauer beim Gebiet Bächi ’ grenzte die Messweide ab, also die Weide, wo das Vieh an den Tagen weidete, an denen der Milchertrag gemessen wurde. Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Acher, Bild, Hooru, Matta, Schiir, Schnitta, Wasser und Zill (Ziel). Komplexer sind Muracherro Wasma ‘ die Wiesen der Leute vom Muracher ’ (1726, Törbel) und Mürächerkapälla ‘ die Kapelle im Ortsteil Mürächer (Maueräcker) ’ (FLNK, Bürchen). Die Form zer Miirlu ‘ bei der Mauer ’ (Niedergesteln) ist eine Ableitung auf - LA (fem. Stellenbezeichnung nach S ONDEREGGER 1958, 517 ff.) mit Entrundung. Eine kollektive Ableitung mit dem Präfix G ( I )- und Entrundung zeigt ts Gmiir ‘ das Gemäuer (Felssturz) ’ (Erschmatt). Muraille Muraille f. ‘ Festungs-, Burgmauer, hohe Mauer ’ ist zweimal belegt: eys murailles ‘ beim Gemäuer (im Weinberg) ’ (1266, Leuk: spätere Erwähnungen sind 1502 eys murallies, 1544 eys morallies, 1589 in den Morallen (Pergola), 1606 eÿs Morallies) und eys Muralles ‘ beim Gemäuer (im Weinberg) ’ (1354, Varen). B OSSARD / C HAVAN (2006, 214) kennen Murailles als Flurnamen; es ist auch in FEW (6, 3, 242 s. v. murus) belegt; zur Bildung auf / - AILLE / vgl. FEW (6, 3, 245). Die historischen Belege weisen im Übrigen eine Pluralform auf und sind daher dt. als ‘ Gemäuer ’ zu übersetzen. Muressi Muressi ist nur 1449 in Zermatt als Muressi belegt, wobei die Lesart unsicher ist. Es handelt sich um eine Flur apud Hermetyon ‘ bei der Hermetje ’ auf rund 2040 m. Es ist wohl ein romanisches Wort zu MURUS ‘ Mauer ’ , in FEW (6, 3, 240 ff.), auf S. 242 für murassy ‘ vieille masure [alte Bruchbude] ’ einfach als ‘ altes Gemäuer ’ zu deuten. Murmann (FaN) Murmann (FaN) ist der FaN Murmann, historisch auch Murman, Mormann, Mormant (AWWB 179), heute vor allem im Lötschental vertreten, früher auch im Goms und im Bezirk Brig. Belegt sind nur: die Murmann Lischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras der Familie Murmann ’ (1803, Ernen) und in Múrmannigo Haúffen ‘ im Haufen (Heu, Korn? ) der Familie Murmann ’ (1652, Brig) mit der kollektiven / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural. Murmete Murmete f. ‘ Murmeltier ’ ist zu schwdt. Múrmende n , Murwende n , Murme n te n , Murmuta u. ä. f. manchmal auch n., oft Dim. Murmetli, Murmeli, Murmelti ‘ Murmeltier ’ , mhd. mürmendin aus lat. MUREM MONTIS (I D . 4, 418 f.). G RICHTING (1998, 138) gibt Murmolta, Murmelta, für das Goms Murmätä, für Zermatt Murmenda, für Lötschental Murmda und für den westlichen Bezirk Leuk Murmundu. Eine ähnliche Verteilung zeigt der SDS (6, 260). K LUGE / S EE- BOLD ( 25 2011, 641) hält die Herleitung aus lat. MUREM MONTIS für eine sekundäre Deutung und gibt selbst eine allgemeine Herleitung aus einer Alpensprache. In den rund dreissig Flurnamen tritt das HL meistens als Bestimmungswort auf. In zwei Fällen könnte jedoch ein vorangestellter Genitiv vorliege: der Murmezbode ‘ der Boden mit Murmeltieren ’ und der Murmezwang ‘ der Grasabhang mit Murmeltieren ’ (beide Niederwald). Die Form Murmez erklärt sich aus Murmete und einem Genitiv-s, mit Tilgung des auslautenden / e/ : Murmet(e) +s. Muraille 271 272 <?page no="690"?> In allen anderen Fällen steht Murmete oder eine der Varianten des HL vor den Grundwörtern Balma, Bäärg, Biel, Bodu, Chumma, Grafft, Haalta, Lamma, Loch, Ritz, Stei, Tangel und Wang. Besonders auffällig sind die Varianten Murgund (Saas-Almagell) und Murmd (Wiler), wo Murmdloch, Murmdlochbiel und Murmdlochweidä ein kleines Namennest bilden. Muscatella Muscatella ist zu mlat. MUSCATELLUM VINUM , schwdt. Muschgeteller m. ‘ Traubensorte ’ , ‘ Würzwein ’ , der nach der Muskatnuss, afrz. noix muscat, benannt ist (I D . 4, 508; E GLI 1982, 23; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 642), zu stellen. Belegt ist der Name nur historisch; wahrscheinlich beziehen sich alle Belege auf den gleichen Hügel, der wie folgt belegt ist Cresta Muscatella (1671, Leuk), Christam Mouscatella (1664, Salgesch; 1671 Cretta Muscatella), ad Cristam Muscatelle (1664, Varen; 1671 Cretta Muscatella; 1721 a la gretta de muscatel), ad Cristam vocatam Muskateller (1526, Salgesch; 1526 ad cristam vocatam moscatella; 1644 ad Cristam Moscatellae), ad Cristam vocatam Muskateller (1562, Varen), von dem Musskatellhubel (1728, Varen), Muscatellhubell (1723, Leuk). Die Belege sprechen von einem Hügel, auf dem Muskateller Reben wachsen (oder gewachsen sind) und der als Grenzhügel zwischen Leuk, Salgesch und Varen diente, vermutlich im Gebiet Tschüdangna (cf. HL T SCHÜ- DANGNA ). Die Belege zeigen eine lateinische Variante mit CRISTA , eine frpr. Variante mit cretta und eine dt. Variante mit Hubel, das als Äquivalent zu cretta genommen wird. Muschi Muschi ist kaum ein HL. Belegt ist es in Muschichat (1640, Salgesch). Gemeint ist ein Hügel, auf dem Muschkat ‘ Muskat ’ (T AGMANN 1946, 97) wuchs, also die Rebe für den Muskatellerwein (cf. HL M USCATELLA ). Im Kontext wird vorher aber cretta Chat verwendet, das wohl auf ein feminines cretta (< lat. CRISTA ) und das frpr. Lexem Tsat ‘ Weide ’ (T AGMANN 1946, 46) zurückgeht, also eine ‘ hügelige Weide ’ . Es ist möglich, dass der Schreiber auch Muschichat fälschlicherweise zum Substantiv Chat < Tsat stellte. Muschur Muschur ist nur 1683 in Albinen als im Muschur belegt, wo sich laut Dokument ein Wald befindet. Ein deutscher Name liegt wegen der Endung kaum vor. FEW (19, 126) kennt eine Form des Mittelfranzösischen musur m. ‘ arbre qui produit les muses ’ (Baum, der die muses [Paradiesäpfel] trägt), zum arabischen Wort mauz banane. Es könnte sich um einen Apfelbaum handeln, der allerdings nur in tieferen Lagen vorkommt; laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 276) kommen in der Schweiz nur der Holz- Apfelbaum (wild) und der Kultur-Apfelbaum (kultiviert) vor. Der zweite Teil des HL kann sich auch auf gall. j ŭ ris bergwald (FEW 5, 82 ff.; T AGMANN 1946, 23) beziehen; dann wäre der erste Teil des Namens wohl zu mont ‘ Berg ’ (T AGMANN 1946, 79) zu stellen: der Bergwald. Im historischen Beleg ist allerdings der Nasal von mont nicht notiert. Müsig Müsig ‘ Musik ’ kommt nur einmal in Salgesch als Bestimmungswort in t Müsigtolu ‘ die Mulde mit Musik ’ (FLNK) vor. M ATHIER (2006, 111) schreibt “ Mulde in Form eines antiken Theaters ” . Da Müsig neben ‘ Musik ’ als Tonkunst auch ‘ Musikgesellschaft ’ (G RICHTING 1998, 138 s. v. Müüsig, Muisig (Lötschtental)) meint, kann auch die halbkreisförmige Aufstellung einer Blasmusik gemeint sein. I D . (4, 485 s. v. Músik) gibt nur die Deutungen ‘ Musik, Musikinstrument ’ , kennt hingegen ‘ Musikgesellschaft ’ nicht. Musirin Musirin kommt nur einmal 1301 in Naters vor: sub via cui dicitur Musirin. Vermutlich handelt es sich um die ‘ Mooserin ’ , den Weg nach Moos, einem Weiler von Naters auf dem Natischer Berg. Musot Musot ist nur 1703 für Salgesch als ad [bei] Musot erwähnt. J ACCARD (1906, 302) erwähnt den Namen für den Weiler Muzot von Veyras, kann aber die Herkunft nicht deuten. Am nächstliegenden wäre wohl das von FEW (6, 3, 246 ff.) behandelte m ū s araneus spitzmaus zu erwähnen, das im Mittelwallis etwa als mu ž e ͎ t (G ERSTER 1927, 52) erscheint. Eine Diminutivableitung auf / - OTTU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) ist nicht ausgeschlossen. Allerdings ist die Bedeutung ‘ (das Gebiet mit) kleiner Spitzmaus ’ kaum aussagekräftig. Musseling Musseling ‘ kleines Moos, sumpfiges Gebiet ’ ist zweimal in Leuk belegt: Musseling (1703 u. später) und t Musselingmatte ‘ die Wiese, die Musseling genannt wird ’ . Es handelt sich wohl um einen Diminutiv Mousselin zu Mousses (B OSSARD / C HAVAN 2006, 75), vermutlich identisch mit dem HL M OOS , aber hier auf romanischer Grundlage (zu frz. mousse). Musul Musul ist nur belegt in der Musulgrabu (Zwischbergen, auch FLNK). J ORDAN (2006, 235) kennt Muslä, Mus u legga und S. 234 Mus u lgrabu. S. 234 sagt er: “ Ein Mus u l ist ein 273 274 Musul <?page no="691"?> Maulkorb ” . Das nächstliegende Wort ist daher schwdt. Musel m., Muschel, Muschele n f. ‘ Maulkorb ’ , der dem Kalb umgebunden wird, damit es auf der Weide nicht an der Kuh saugen kann, frz. muselière, zu museau ‘ Schnauze ’ und wdt. Musl, Muschäl (Goms), Musul (Zermatt), Musil ‘ Maulkorb ’ (R ÜBEL 1950, 34; I D . 4, 483; G RICHTING 1998, 138). Die Motivation liegt vermutlich in der Gestalt des Grabens, der einem Musel gleicht. Mutenet Mutenet ist nur 1734 als Mutenet in Albinen belegt. Das Register kennt Mütenet (Wiese) und M ATHIEU (2006, 19) hat Mütunät. In der Datenbank ist es als lebender Name nicht enthalten. FEW (6, 3, 294 ff. s. v. m ŭ tt (vorröm.) bodenerhebung) kennt für Hérémence motána und motóna als Ableitungen und G ERSTER (1927, 52) kennt m ų t ē ̩ ‘ motte de terre ’ . Mutenet enthält eine diminutive Ableitung auf / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) und ist dann als ‘ die kleine Bodenerhebung ’ zu übersetzen. Mutt Mutt hat mehrere Bedeutungen. Der Flurname ts Mutt ‘ beim Mutt ’ ist im Oberwallis am häufigsten. Am bekanntesten ist der Weiler ts Mutt (Zermatt), auf LK Zmutt, SK Z ’ Mutt. 1410 ist hier von einem Petrus Mathei de Mutte ‘ Peter, des Matthäus von Mutt ’ die Rede, 1435 von einem Weg, der jn das Mút führt. Ein Blick auf die Karten zeigt, dass sich Zmutt auf einer Ebene befindet. Das gilt etwa auch für Raron, wo ts Mutt in der flachen Rottenebene liegt; heute ist dort teilweise die Rollpiste des Flugplatzes; ganz ähnlich ist ts Mutt (Gluringen) zwischen Bahnlinie und dem ehemaligen Flablager beim Rotten. Auch ts Mutt (Bister, Ried-Mörel) liegt auf einer nur leicht ansteigenden Ebene. Das alles spricht gegen die üblicherweise angenommene, wohl vorrömische Grundlage motta ‘ Erdhaufe ’ (Z INSLI 1984, 228; URNB 2, 830; RN 2, 213 ff.), die im Romanischen ‘ Hügel, Anhöhe, Kuppe ’ (RN 2, 213) bedeutet. FEW (6, 3, 294 s. v. mu ᵕ tt (vorröm.) Bodenerhebung) führt darauf frz. motte ‘ Klumpen, Erdscholle ’ zurück und B OSSARD / C HAVAN (2006, 32) kennen Mottaz, Motte(s) und Mottey ‘ kleine Anhöhe, kleiner Hügel ’ . M EYER (1914, 71) notiert eine Ableitung / - ETU / zu * M Ŏ TTA . Auch wenn lautlich ein enger Zusammenhang besteht, stellt sich inhaltlich die Frage, ob sich Mutt n. auf motta zurückführen lässt. Auch URNB (2, 830) ist nicht ganz sicher und weist auf Mutte f. ‘ flaches rundes Holzgefäss zum Speichern der Milch ’ (I D . 4, 577, G R W B 12, 2804) hin. Das neutrale Genus der meisten Oberwalliser Namen deutet auf ein Kollektivum hin. Das im Oberwallis sonst bekannte Wort ist die ‘ ungehörnte Ziege ’ , zu schwdt. Mutte n f. ‘ ungehörnte Ziege ’ (I D . 4, 570 f.; R ÜBEL 1950, 89 kennt Mutte, Mutti, Muts und Mutilgeiss für ‘ ungehörnte Ziege ’ ). Das zugrundeliegene Adjektiv mutt ‘ ungehörnt, abgestumpft ’ (I D . 4, 570) liesse sich mit der Bedeutung von ts Mutt als ‘ etwas Flaches, z. B. flaches Stück Land ’ verbinden. Eine dritte Deutung von Mutt nimmt LUNB (1, 2, 710; s. v. Mutt) im Kompositum Muthüf(f)li ‘ Brandhaufen ’ (I D . 2, 1048) zu mhd. mot n. ‘ torfartige Erde, Morast ’ an. Diese Deutung ist für die Flurnamen im Wallis nicht geläufig. Das Simplex im Singular ist als ts Mutt (Bitsch, Gluringen, Niedergesteln, Raron, Ried-Mörel, Zermatt) belegt, historisch als am Mutt (1593, Ritzingen). Ein möglicher Plural die Mutten (1634, Mund) ist unsicher und kann auch als Matten gelesen werden. Ein Diminutiv im Simplex ist ts Mutti ‘ das kleine flache Stück Land ’ (Bellwald) als Singular zum grösseren t Mutteni ‘ die flachen Stücke Land ’ (Bellwald). In Bellwald gehören t Muttschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung bei den Mutteni ’ und iner Muttschlüecht ‘ in der Geländeeinbuchtung unterhalb der Mutteni ’ , sowie ts Schafmutti ‘ das flache Stück Land für die Schafe ’ zum gleichen Namennest. Ein weiteres Diminutiv im Singular ist ts Mutji ‘ das kleine flache Stück Land ’ (Visperterminen, beschrieben als Alpe mit Hütte im “ Aftru Wald ” ), wozu sich drei neuere Belege Mutjitünnel (Visperterminen) ‘ der Tunnel (Wasserleitung) zum Mutji ’ gesellen; der Tunnel ersetzte die früheren Wasserleitungen. Weiter finden sich hier Muttjischleif, ts Muttjiwägji und der Muttjiwaso. Nur historisch ist hier belegt dü Mut Ecca (1448 + 1445, Visperterminen), die als alpem bezeichnet wird. Ried-Mörel hat 1582 am Múttgi und 1586 am Múttli. Blatten hat einen Diminutiv Plural t Muttini und dazu inn Muttinun ‘ bei den kleinen flachen Stücken Land ’ , wobei die Karte 1: 10000 Muttrinä notiert - eine sonst nicht belegte Form. Auch Bratsch hat Muttini ‘ die kleinen flachen Stücke Landes ’ . Attributive Adjektive sind selten: im Hindren Mútt ‘ im hinteren Mutt ’ (1773, Bitsch), ts Inner Mutt ‘ das innere Mutt ’ (Zermatt, Teil von Zmutt), jm Obrun Mutgi ‘ im oberen Muttli ’ (1599, Ried-Mörel), jm Vndrun Mutgi (1599, Ried-Mörel; 1710 im úndren Mútt), ts Üsser Mutt ‘ das äussere Mutt ’ (Zermatt, Teil von Zmutt). Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita nur belegt im schon erwähnten ts Schaafmutti (Bellwald). Komplexer ist an den obren Ebmu ᵕ tten ‘ an den oberen Ebmutten ’ (1494, Zermatt), das sich mangels Kontextes nicht deuten lässt. Als Bestimmungswort erscheint das HL mit den folgenden Grundwörtern: Bach, Brigga, Egg(a), Gartu, Gletscher, Graat, Haalta, Hooru, Kanaal, Licka, Los, Pass, Schleif, Schluocht, Tossu, Tunnel, Wäg, Wald, Wase und Wasser. Ein schwieriger Fall ist Z Muttentschuggen (LT, Mutenet 275 276 <?page no="692"?> Täsch; FLNK hat Muttlentschuggen). Es dürfte sich um ein Felsgebiet handeln, auf dem ungehörnte Ziegen gealpt wurden. Komplexere Formen sind etwa t Aalt Muttschiir ‘ die alte Scheuer bei Mutt ’ (Ried-Mörel), bi der Aaltu Muttschiir ‘ bei der alten Scheuer bei Mutt ’ (Bitsch), ts Chli und ts Gross Mutthore ‘ das Kleine und das Grosse Mutthorn (Gipfelname) ’ (Oberwald), dazu ts Stotzig Mutthore ‘ das steile Mutthorn ’ (Oberwald) und andere. Besonders selten ist Station Muttbach-Belvédère ‘ die Station (der früheren Furkabahn) beim Muttbach und dem Hotel Belvédère ’ (Oberwald). Eine Ableitung t Mutta f. ‘ die Mutta (Stafel der Alpe Schinnere) ’ (Binn) wird historisch 1629 das Motgi, 1652 Mu ᵕ dty, 1655 im Mutt genannt. Ebenfalls eine feminine Ableitung ist in die Mutgia (1598, Zwischbergen) belegt; mangels weiterer Angaben lässt sich diese Ableitung nicht deuten. Eine maskuline Ableitung der Leng Mutta ‘ der lange, vom Wässerwasser angeschwemmte Hügel ’ (Randa) scheint zum rom. motta zu gehören. Zu Mutte ‘ ungehörnte Ziege ’ gehört wohl ts Muttschfärrich ‘ der Pferch für die ungehörnte Ziege ’ (Raron) und eventuell auch das schon erwähnte Muttetosse ‘ der Felsgipfel, der einer ungehörnten Ziege gleicht ’ (LT, Zwischbergen). Eine Umdeutung hat wohl ts Müeterseeli ‘ der kleine See der Mutter ’ (Oberwald) erfahren; LT und FLNK haben Mutterseewji und in der Nähe ist t Mutterschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Mutt / der Familie Mutter ’ . Das HL M UTT ist deswegen unklar und nur in Einzelfällen zu deuten. Mutter (FaN) Mutter (FaN) ist ein FaN, der in AWWB (179) belegt ist. Zwei Flurnamen mit vorangesetztem starkem Genitiv weisen den FaN auf: ts Muttersch Gade ‘ der Gaden der Familie Mutter ’ (Ernen) und ts Muttersch Matta ‘ die Wiese der Familie Mutter ’ (Eyholz). Unsicher ist der Beleg der Mútter Acher ‘ der Acker der Familie Mutter / beim Gebiet Mutt ’ ; allerdings ist Mutt in Eischoll nicht belegt. Unsicher sind die Namen t Mutterschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Gebiet Mutt / der Familie Mutter ’ (Oberwald) und ts Müeterseeli, das bei LT und FLNK Mutterseewji ‘ kleiner See beim Gebiet Mutt / der Familie Mutter ’ (Oberwald) heisst. In Oberwald gibt es zwar den Bergnamen Mutteheerner ‘ Muttenhörner ’ , doch sind diese nach Mutten im Kanton Uri benannt (URNB 2, 830). Unklar ist auch ts Müetersch Loch ‘ das Loch der Familie Mutter ’ (Leuk), wo der vorangestellte Genitiv eher für einen FaN spricht. Sehr unsicher ist schliesslich ts Müotergüod (Eisten), wo laut Gwp. das HL M ÜETER ‘ Mutter ’ vertreten ist; der historische Beleg dazu von 1851 hat Mu ᵕ ttergu ᵕ t, was auch zum FaN Mutter gestellt werden könnte; der Diphthong im lebenden Beleg spricht aber eher für ‘ das Gut von der Mutter her ’ . Muttler Muttler ist nur in t Muttleräbi (Mund) belegt. Gwp. nennt Muttler jemand, der kurz geschoren ist; in der Beschreibung wird ‘ kurzes Gras ’ erwähnt. Historisch wird 1565 die Mutten Ebin genannt. I D . (4, 572) kennt muttle n II “ die Haare schlecht und zu nahe am Kopf scheren ” für das Wallis und verweist auf mutz (I D . 4, 615, Bed. 1 d) von Pflanzen, z. B. gemähte Wiese). Im Oberwallis wird weiter ein Tier mit keinen oder nur ganz gering ausgebildeten Hörnern Muttler m., Mutte f., Mutz m., Pl. Mutze n , und Muttilgeis f. genannt (R ÜBEL 1950, 17 und 89; I D . 4, 571 f.; I D . 4, 616; I D . 2, 463). Die genaue Bedeutung lässt sich kaum eruieren; am ehesten dürfte der Bezug auf das kurze Gras eine Rolle spielen. Mutz Mutz m. ist zu schwdt. Mutz m. ‘ etwas Kurzes, Stumpfes, Abgenütztes ’ von Menschen, Tieren und Sachen (I D . 4, 616 ff.) zu stellen, das seinerseits zum Adj. mutz ‘ abgestumpft, stumpf, kurz ’ (I D . 4, 615 ff.) gestellt werden kann. G RICHTING (1998, 139) kennt das Substantiv Muzz ‘ Apfelgehäuse, Socken, Stümpchen ’ und das Adjektiv muzz ‘ klein bemessen, fett ’ . BENB (1, 3, 406) verweist auf H UBSCHMIED (1940, 9), der am angegebenen Ort jedoch nur sagt, Mutz sei der Name zweier Alpen im Gebiet von Frutigen, “ beide auf einer stumpfen Erhebung, einem Begrücken ” . In den Oberwalliser Flurnamen kommt zunächst das Substantiv der Muz (Fiesch, Zwischbergen) vor. In Fiesch heisst der gleiche Ort auch der Muzwaud ‘ der Wald beim Muz ’ (mit / l/ -Vokalisierung). Häufiger und wohl auch älter ist eine feminine Form t Mutzä (Steg) - die historischen Belege geben als Singular Mutza (1300) und in der Mutzen (1698 u. später). Der Ort wird im Beleg als “ Sumpfgelände und Grasbüschel ” beschrieben. Auch Gampel hat 1305 ab der Mutzzun, also eine Form des Dativ Singular. Zwar kennt I D . (4, 621) ein feminines Mutze n für ‘ vulva ’ (weibliches Geschlechtsorgan), doch dürfte diese Bedeutung eher unwahrscheinlich sein. Die übrigen Fälle weisen Mutz(a) als Bestimmungswort auf, wobei im Einzelnen unklar ist, ob die maskuline oder feminine Form verwendet wird: ts Muzenarve ‘ die Arve des Mutzen / bei den kleinen Arven ’ (Grengiols) könnte einen PN im Genitiv enthalten; es kann sich aber auch um eine Alp mit kleinen Arven handeln. Das Mutzloch, auch Muzenloch ist historisch mehrfach in 277 278 Mutz <?page no="693"?> Bitsch (1684, 1755), Naters (1755) und Ried-Mörel (1684) belegt, ohne das näher angegeben wird, worum es sich handelt; BENB (1, 3, 405) kennt es für “ kleines Heimet am Wald, finster ” ; das scheint nach der Beschreibung in Bitsch, Naters und Ried-Mörel nicht der Fall zu sein, was aber den Namen nicht erklärt; ein Anklang an Mutze n ‘ vulva ’ ist unwahrscheinlich. In Niedergesteln ist 1303 von einer Muzunmattun die Rede. Lebendig ist schliesslich ts Mutzungreechu ‘ beim Kornspeicher des Mutzen / beim kleinen Kornspeicher ’ belegt. Mutz als Übername für ‘ kleiner, dicker Mensch ’ (BENB 1, 3, 406) ist möglich. In der Literatur zum Walliserdeutschen findet sich einerseits der Ausdruck mutzes Brot (W IPF 1910, 60; C. S CHMID 1968, 88, 210 f.) für ein Festtagsbrot aus Weizen, anderseits wird Mutz eine Kuh oder Ziege ohne oder mit nur kleinen Hörnern genannt (R ÜBEL 1950, 17, 89; C. S CHMID 1968, 118). Die genaue Deutung von Mutz oder Mutza in den FlN ist im Einzelfall schwierig. Müül Müül ‘ Maul ’ (falsche Übertragung aus mor / mur; nicht zum hdt. Maul) ist nur als Bestimmungswort verwendet und zwar nur im Typ Milber (Maulbeere) und im Typ Mülböum ‘ Maul(beer)baum ’ . Belegt sind Milberschleif ‘ der Schleif mit Milber (Maulbeeren) ’ (FLNK, Termen), bim Millberböüm ‘ beim Maulbeerbaum ’ (Visperterminen) mit der Bemerkung, dass hier bis vor wenigen Jahren ein <uralter> Maulbeerbaum stand. Weitere Belege sind Mülböum ‘ der Maul(beer)baum ’ (FLNK" Hohtenn), der historische Beleg Mulboumacher ‘ der Acker beim Maul (beer)baum ’ (1396, Niedergesteln) und t Müülböümachra ‘ die Äcker beim Maul(beer)baum ’ (Hohtenn). I D . (4,1469) kennt nur Mûlber ‘ Beere des weissen und schwarzen Maulbeerbaums ’ . G R W B kennt Maulbeere (12, 1798; dort auch zur Herkunft, sowie K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 609) und Maulbeerbaum (12, 1798 f.; früh nur als Mulbaum). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 216) kennen M ORUS ALBA und M ORUS NIGRA mit ihren Früchten. Müülti Müülti ‘ Maultier ’ n. ist nur einmal als der Müültigrabu ‘ der Maultier-Graben ’ (Naters) belegt. Gwp. sagt, dass hier wohl ein Maultier <erfallen> sei. Der Graben befindet sich auf rund 2250 m. Unklar ist ein zweiter Fall ts Müülachru (Eggerberg). Es wurde zu Müül ‘ Maultier ’ gestellt, weil der lebende Beleg ein langes / ü: / enthält, während das sonst belegte Milacher ‘ der Acker bei der Mühle ’ eine Entrundung aufweist. Die historischen Belege sind sehr unterschiedlich: schon frühe Belege wie z. B. 1250 (ca.) millaschar, 1347 ze Millakren haben / i/ , die meisten jedoch / u/ . Es scheint, dass Mulacher ein eigenständiger Dorfteil von Eggerberg war. P H . K ALBERMATTER (https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002663/ 2004-08-27; [01.05.2020; IW]) erwähnt den Weiler Mühlackern am Anfang seines Artikels. Ob dieser zu Müülti gehört, bleibt sehr unsicher; alternativ könnte er unter dem HL M ILI ‘ Mühle ’ erscheinen, allerdings ohne Entrundung. Sonst ist das HL zu schwdt. M ū l n., Dim. Mülti, M ū li ‘ Maultier ’ , mhd. m ū l aus lat. MULUS und wdt. Mülti, Muilti (Lötschtal), Müülti ‘ Maultier ’ (I D . 4, 184; G RICHTING 1998, 138) zu stellen. Das Synonym schwdt. Mûltier bzw. Müültier u. ä., ahd. m ū ltier, ist allgemein bekannt, jedoch weniger volkstümlich als die Diminutivformen zu M ū l (I D . 13, 1229 f.). Müür Müür n. ist dreimal belegt: zs Müür ‘ beim Mauerwerk ’ (Eisten), ts Müür ‘ beim Mauerwerk ’ (Stalden), ins Mur ‘ in das Gebiet des Mauerwerks ’ (1740, Staldenried). Im letzten Beleg ist von einer Wasserleitung die Rede, die auch ins Mur führt. Die beiden lebenden Belege sind unterschiedlich: der Beleg aus Stalden meint die Rebmauern am Ort, der Beleg aus Eisten meint wohl eher einen steilen Hang. Das Neutrum legt ein Kollektivum zu Müüra f. ‘ die Mauer ’ , wie schwdt. M ū r ‘ Mauer, Mauerwerk ’ und wdt. Müüra, Müürä (Goms), Muira (Lötschtal), Müüru ‘ Mauer ’ (I D . 4, 381; G RICHTING 1998, 138) nahe; vgl. auch HL M ÜRA . I D . gibt kein Neutrum an, zitiert aber einen Beleg von R UEF 1550 (Ein nüw und lustig spyl von der erschaffung Adams und Heva … ) ein m.(ur), was ein anderes Genus als möglich erweist. Möglich ist auch ein Kollektiv mit assimiliertem G ( I )wie in Gmiir ‘ Gemäuer ’ (Erschmatt) (vgl. auch I D . 4, 384 s. v. G e -mür als Flurname im Aargau). Müürer (FaN) Müürer (FaN) m. ist zu schwdt. Mûrer m., wdt. Müürer, Müürär im Lötschental Muirär m. Berufsbezeichnung ‘ Maurer ’ allgemein (I D . 4, 384; G RICHTING 1998, 138) zu stellen. Es handelt sich hier wohl auch um einen FaN; Murer ist im Register HRBS bezeugt. Das HL kommt nur vor in ts Müürersch Hiischi ‘ das kleine Haus des Maurers / der Familie Murer ’ (Gampel). Müüs Müüs ‘ Maus ’ ist nur als Bestimmungswort belegt. im Maus Eggeltÿ ‘ in der kleinen Ecke mit Mäusen ’ (1824, Bellwald) ist unsicher, da der eine Beleg die Formulierung im Haús oder Maús Eggeltÿ hat, der andere im Mús Eggeltÿ. Die Mehrheit entscheidet hier für Müüs. Weiter sind ts Müüsetellti ‘ das kleine Tal, das klein wie eine Maus ist ’ (Ulrichen; FLNK Miischetellti, SK Müsen Thal) und der Müüsostadol ‘ der Stadel mit Mäusen ’ (Unterbäch) Müül 279 280 <?page no="694"?> bezeugt. der Miischulochbrand ‘ die verbrannte / durch Brand gerodete Stelle mit Mäuselöchern ’ (Betten) enthält das HL im Plural mit Entrundung. Eine Spezifizierung enthält t Schärmüseweid ‘ die Weide mit Maulwurfhügeln ’ (Reckingen) und das historisch 1899 in Münster belegte Scherenmausi-Weid, das vermutlich die gleiche Flur bezeichnet wie der Beleg in Reckingen. Zu stellen ist das HL zu schwdt. M ū s ‘ Maus ’ f. und wdt. Müüs, Muis (Lötschtal), Müüss f. ‘ Maus ’ (I D . 4, 473 ff.; G RICHTING 1998, 138). Der Plural Miisch weist paradigmatisch die Entrundung und die Entwicklung von / s/ zu / š / auf, während der Singular typischerweise die Palatalisierung von / u: / zu / ü: / , resp. / ui/ zeigt. In FlN wird das HL im übertragenen Sinn oft für klein, winzig gebraucht. Der Tiername schwdt. Schärmüs f. ‘ Maulwurf ’ , resp. wdt. Schära (Schattenberge), Schärä (Goms) ‘ Maulwurf ’ (I D . 4, 479; G RICHTING 1998, 168) wird in FlN wohl für Orte, wo Maulwürfe vorkommen oder ihre Hügel hinterlassen, gebraucht. Myneta Myneta ist nur einmal 1328 in Ergisch als de la Myneta de Argessa belegt. Es handelt sich um einen Warnerus, dessen Beiname de la Myneta ist und der aus Argessa (Ergisch) kommt. Myneta lässt sich nicht deuten; DU C ANGE meint, es handle sich um eine Art Acker ( DU C ANGE 1883 - 1887, Bd. 5, Spalte 392c). Nach FEW (6, 2, 96 f. min-, bes. 97 s. v. minette) könnte es sich auch um einen Pflanzennamen wie E RIOPHORUM ‘ Wollgras ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1366) handeln. Die Ableitung würde dann dem diminutiven Suffix / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) entsprechen. Beide Deutungen sind sehr unsicher. Mytyn Mytyn ist nur 1361 in Gampel als in den Erce Mytyn belegt. Im Dokument sind Erce und Mytyn getrennt, sodass sie auch hier gesondert behandelt werden. Der Kontext zeigt, dass es sich um einen Dativ Plural des Gesamtnamens handelt, wobei nur Mytyn flektiert ist. Das im Kanton Schwyz belegte (die) Mythen (SZNB 3, 490; Singular) wird auf lat. META ‘ Heuschober ’ zurückgeführt, das üblicherweise im Wallis als Meidu (cf. HL M EIDU ) oder Meetu (cf. HL M EETU ) belegt ist. Die Deutung in SZNB als “ grossen, aufragenden Fels- oder Steinblöcken ” (Dativ Plural) würde dann eine Deutung von ‘ in den Erzgesteinblöcken ’ oder ähnlich ergeben. Diese Deutung ist jedoch sehr unsicher. 281 282 Mytyn <?page no="695"?> N Naater Naater ‘ Natter ’ Natter f. ‘ Schlange ’ (I D . 4, 849) ist nur einmal belegt in ts Naaterloch ‘ die Höhle der Natter (Drachen) ’ (Naters). Laut einer Volkssage hauste östlich des Dorfes Naters in einer Felsenhöhle ein Drache. Nachdem dieser von einem mutigen Mann besiegt worden war, soll die Natter dem Dorfe den Namen gegeben haben (G UNTERN 1979, 75); zum Dorfnamen siehe HL N ATERS ; zu historischen Belegen siehe HL N ATTER . Naaz (PN) Naaz (PN) m. ‘ Ignaz ’ ist zu schwdt. N ā z, N ā zi, der Kurzform des Personennamens Ignazius (I D . 4, 885; I D . 2, 676), zu stellen. Der PN ist zweimal belegt: in ts Naazuloch ‘ das Loch des Ignaz ’ (Dorfteil von Täsch) und ts Petternatsch Hiischi ‘ das kleine Haus des Peter Ignaz ’ (Embd). Cf. HL J GNAZ . Näbel Näbel ist zu schwdt. Nëbel m. wie nhd. ‘ Dunst, Nebel ’ , wdt. Näbl ‘ Nebel ’ (I D . 4, 631; G RICHTING 1998, 142) zu stellen. Es ist als Simplex der Nebel ‘ der Nebel ’ (1767, Grengiols) und als Bestimmungswort in Näbulloch ‘ das Nebelloch ’ (FLNK, Saas-Grund) belegt. Motivation ist wohl Nebelbildung (aus verschiedenen Gründen) am so genannten Ort. Näbund Näbund ist nur in Näbund dum Bach ‘ neben dem Bach ’ (Naters), Näbem Bach ‘ der Dorfteil neben dem Bach (der durch Zermatt fliesst) ’ , Näbem Gfell ‘ neben dem steilen Abhang ’ (Ferden) und Neben Acker ‘ der Ort neben dem Acker ’ (1854, Filet) belegt. Es ist zu schwdt. nëbe n wie nhd. Präp. ‘ neben ’ , in FlN ‘ bei, neben einer Stelle, an der Seite davon ’ und wdt. näbet, näbunt ‘ neben, daneben ’ (I D . 4, 633; G RICHTING 1998, 142) zu stellen. Nacht Nacht f. ist mehrfach belegt, aber nur als Bestimmungswort. t Nacht(e)richti ‘ der Weideplatz, der für die Nacht eingerichtet wird ’ (Baltschieder) und der zugehörige Nachtrichtigrabo ‘ der Graben beim Weideplatz, der für die Nacht eingerichtet wird ’ (FLNK, Baltschieder) weisen auf einen in der Nacht benutzten Weideplatz im Baltschiedertal hin. der Nachtfärich ‘ der Nach-Pferch (Pferch für das Vieh in der Nacht) ’ (Oberems, auch FLNK und 1: 10000) meint eine eingezäunte Weide für das Vieh in der Nacht. Gwp. meint, dass hier früher ein Lagerplatz für das Vieh gewesen sei, als man noch keine Stallungen hatte. t Nachttolini ‘ die kleinen Mulden für die Nacht (laut Gwp. lagerte hier nachts das Vieh) ’ (Visperterminen) dienten für die Nacht-Lagerung. der Nachtzug ‘ der Nacht-Zug (Stelle, wo in der Nacht Wasser abgeleitet werden konnte) ’ (Niedergesteln) meint eine Stelle, an der nachts das Wässerwasser <eingeschlagen> werden konnte. Der Flurname ist bei B ELLWALD / W ÜRTH (2006) nicht erwähnt. Das HL ist zu schwdt. ‘ Nacht ’ und wdt. Nacht ‘ Nacht ’ (I D . 643 ff.; G RICHTING 1998, 142)) zu stellen. Typischerweise sind alle Fälle für die Weidezeit bestimmt, nicht für den Winter. Nacke Nacke m. ist zu schwdt. Nacke n , Näcke n m. ‘ Nacken ’ auch ‘ runde Erhöhung des Bodens auf einem Wege ’ , mhd. nac, nacke, ahd. nac, naco ‘ Hinterhaupt, Nacken ’ zu stellen. G RICHTING (1998) kennt den Ausdruck nicht, auch nicht Äcke; Z INSLI meint, dass Äcke wohl zu Nacke zu stellen ist (I D . 1, 164 f.; I D . 4, 712 f.; SDS 4, 25 f.; Z INSLI 1946, 311). Im Oberwallis kommt nur Nacke vor. Gemeint sind Geländestellen, die einem oder mehreren Nacken gleichen. Im appellativen Wortschatz kommt Nacke nur beim Stier vor (R ÜBEL 1950, 18). Das Simplex im Singular ist nur als der Nacku ‘ der Nacken ’ (Saas-Balen, zweimal) bezeugt. Im Plural sind die Simplizia Nacke ‘ die Nacken ’ (FLNK, Binn; laut historischen Belegen Plural), t Nacke ‘ die Nacken ’ (Visperterminen, Zermatt) und bin(n)e Tnacke ‘ bei den Nacken ’ (Mühlebach) belegt. Das Diminutiv im Singular erscheint als Nakÿ ‘ der kleine Nacken ’ (1637 u. später, Ried-Brig), Nacki ‘ der kleine Nacken ’ (FLNK, Ulrichen), im Nacklin ‘ im kleinen Nacken ’ (1696 u. später, Oberems), ts Naggji ‘ der kleine Nacken ’ (Hohtenn). Mit einem attributiven Adjektiv ist nur t Sunnige Nacke ‘ die sonnseitigen Nacken ’ (Binn) belegt. Als Grundwort ist das HL nur in Litzenacke ‘ der schatthalb liegende Nacken ’ (LT u. FLNK, Binn) bezeugt. Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Acher, Biel, Biina, Bord, Loch, Platz, Spitz, Twära und Wald. Komplexer sind dr Ober und dr Unner Nackestafu ‘ der obere und der untere Stafel bei den Nacken ’ und t Obre und Naater 283 284 <?page no="696"?> t Unnre Nackebinne ‘ die oberen und die unteren Pflanzplätze bei den Nacken ’ (alle Binn). Nadel Nadel ist zu schwdt. N ā dle n ‘ Nadel, Nähnadel ’ , wdt. Naadla, Naadlu, in Bergnamen zur Bezeichnung nadelförmiger Felsspitzen, zu stellen (I D . 4, 666 f.; G RICHTING 1998, 140; Z INSLI 1946, 331). Das Simplex kommt nur einmal mit einem Adjektiv im Dativ historisch vor in vffún dirren Nadlen ‘ auf den dürren Nadeln ’ (1667, St. Niklaus) - aus dem Kontext lässt sich nicht erkennen, welche Deutung von Nadel vorliegt. Alle übrigen Belege haben Nadel als Bestimmungswort. ts Nadelhoru (Randa, Saas-Fee, St. Niklaus) - überall der gleiche Gipfel - mit Nadelgrat und Nadeljoch / Naduljoch bilden ein Namennest. Ein zweiter Nadelgrat (Saas-Balen) befindet sich beim Balfringletscher. In St. Niklaus gibt es einen Nadelstein ‘ Felsblock in Nadelform ’ . Ebenfalls ein Gipfelname ist das erweiterte Stecknadelhooru (Randa, St. Niklaus) mit dem Stecknadeljoch zum Kompositum Stecknadel (so nicht belegt in I D ., siehe aber G R W B 17, 1366). Einen Sonderfall bildet Nadelhús (1780, Reckingen), mit den Diminutiven Nadelhüsi (Münster) und Naadilhüüsini (Leukerbad), die zu schwdt. Nadelhüsi n. ‘ Nähnadelbüchschen ’ zu stellen sind; in FlN kann der Name ein Hinweis für Form, Grösse oder Bepflanzung des Geländes sein (I D . 2, 1719; URNB 2, 195). Ein dreigliedriges Kompositum ist Naadelhüüsiwald ‘ der Wald beim Nadelhüsi (heute nicht mehr bekannt) ’ (Eyholz). Näffen (FaN) Näfen, Neffen (FaN), hist. auch Nefen, Neven (AWWB 179), ist als in cumulo Näffigo ‘ auf dem Hügel der Familie Näfen ’ (1641, Ried Brig) belegt. Es handelt sich um einen Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung. Lat. CUMU- LUS lässt sich als Hubel ‘ Hügel ’ übersetzen. Nagel (FaN) Nagel (FaN) ist nur als Znagelschbalmen ‘ die Palmen (Stechpalmen) der Familie Nagel ’ (1681 u. später, Greich) und ts Nagulschbalma ‘ die Palmen (Stechpalmen) der Familie Nagel ’ (Ried-Mörel, auch FLNK) belegt. Es handelt sich nicht um Balma im Sinn von ‘ überhängender Fels ’ , sondern um Stechpalmen oder Wacholderstauden, die u. a. am Palmsonntag geweiht wurden (vgl. wdt. Balma, Balmä (Goms), Palma (Zermatt), Balmu ‘ Stechpalme ’ (G RICHTING 1998, 32)). Nagelsch ist hier ein Genitiv und zu einem FaN oder Beinamen Nagel zu stellen, der jedoch nicht belegt ist; im Register zu den HRBS ist Nagelschmied als Beruf erwähnt. Nagel Nagel m. ist nur einmal belegt als ts Nagelzigji ‘ der kleine Zug mit nagelartigem Fels ’ (St. Niklaus). Zug wird hier auch als Graben verstanden. Es ist zu schwdt. Nagel m. und wdt. Nagl, Nagäl (Goms), Nagul (Vispertal), Nagol (Schattenberge), Nagil ‘ Nagel ’ (I D . 4, 682 ff.; G RICHTING 1998, 142) zu stellen. Am ehesten ist ein nagelartiger Fels gemeint, ähnlich wie in Nagelflueh ‘ Nagelfluh ’ (I D . 1, 1186). Nägeli Nägeli n. kann entweder zur Pflanzennamen Nelke (z. B. D IANTHUS SYLVESTRIS , M ARZELL 1, 113 f.; I D . 4, 692; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 672) oder zum FaN Nägeli gestellt werden, wobei letzterer im Oberwallis nicht belegt ist, im Unterschied zum Kanton Bern (BENB 1, 4, 5 f.); wie das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1313) zeigt, ist der FaN in verschiedener Schreibweise auch im Osten und Nordwesten der Schweiz belegt. Die Formen vom Typ ze Nägilinu ‘ bei den Nelken (Rebengebiet) ’ (Visperterminen) und dr Nägiligaartu ‘ der Garten mit Nelken ’ enthalten den Pflanzennamen. Die Formen des Typs Nägelisch Graad ‘ der Grat mit Nelken ’ (Ernen), ts Nägelisch Gräätli ‘ der kleine Grat mit Nelken / der Familie Nägeli ’ (Oberwald), ts Nägilisch Brunnu ‘ die Quelle / der Brunnen des Nägeli ’ (Saas- Almagell) können den Pflanzennamen oder den FaN enthalten. Der Beleg in Oberwald ist in BENB (1, 4, 5 f.) für Guttannen belegt und meint dort wohl den FaN; S TUDER (1896, 179 f.) weist ihn jedoch den Pflanzennamen zu. Nager (FaN) Nager (FaN) auch In Ager geschrieben, war der Name einer alten, inzwischen erloschenen Familie aus dem Goms (AWWB 180), eventuell erhalten auch in Äger (cf. HL Ä GER ). Er kommt in vier Belegen vor: in den Nager Achren ‘ in den Äckern der Familie Nager ’ (1815, Ernen), t Nagereia ‘ die Aue der Familie Nager ’ (Fiesch), enet der Nageren Gaden ‘ jenseits des Gaden der Familie Nager ’ (1547 u. später, Reckingen) und mit Umlaut Nägerschflieji ‘ die kleine Fluh der Familie Näger ’ (Mund), wobei hier auch ein Übername vorliegen könnte; der FaN ist in J OSSEN (1986) nicht enthalten. Nais Nais ist als lo Nais (1242, Erschmatt) und mit Varianten lo Nex (13. Jh.), ol Neyz (1328) und ou Nay`z (1328) in Ergisch belegt. M EYER (1914, 22 u. öfter) übersetzt “ Nässe ” = “ Rösteplatz ” und im Register (168) “ Sumpfgebiet ” . FEW (7, 24 ff. s. v. *nasiare hanf rösten) führt u. a. für savoyisch naisiá ‘ chanvre roui [grösteter Hanf] ’ an, also die Bedeutung, die auch M EYER gibt. Das HL ist deswegen zu 285 286 Nais <?page no="697"?> einem Nomen zur Basis *nasiare ‘ Hanf rösten ’ zu stellen; als Deutung ergibt sich ‘ wo man Hanf röstet ’ . Nälli Nälli n. ist in drei Fällen wohl die dialektale Kurzform zum FaN Nellen (AWWB 181): Nälli Äbi ‘ der Abhang der Familie Nellen ’ (Eggerberg), Nällischleif ‘ der Schleif im Nälliwald (Wald der Familie Nellen) ’ (Bitsch) und Nälliwald ‘ der Wald der Familie Nellen ’ (Bitsch). Anders zu bewerten ist der Beleg ts Geissnälli (Grengiols). Der historische Beleg von 1505 hat Geisnella ‘ Ziegenhang ’ . Das Lemma ist wohl zu ahd. nëlla f. ‘ Gipfel, Spitze, Scheitel ’ , in FlN ‘ rundliche Erhöhung, Hang, runder Vorsprung, Berggipfel ’ (I D . 4, 715; BENB 1, 4, 7; Z INSLI 1946, 331) zu stellen und hier einfach als steiler Hang für die Ziegen zu verstehen. Name Name m. ist zu schwdt. Name n ‘ Name ’ , wdt. Name (I D . 4, 721; G RICHTING 1998, 142) zu stellen. Das HL kommt in zwei Belegen vor: der Namejesustritt ‘ der Name-Jesus- Tritt ’ (Glis), ein gefährlicher Durchgang, wobei unklar ist, ob hier auf die Verehrung des Namens Jesus, auf ein Notgebet oder gar einen Fluch Bezug genommen wird. Der zweite Beleg ist Namenlosä ‘ der / die Namenlose ’ (FLNK, Wiler), wohl ein kleiner Gipfel (2911 m), der keinen Namen hat. Zum Wort allgemein siehe G R W B (13, 338 f.). Das Genus geht aus dem Beleg nicht hervor. Namu Namu ist nur belegt in ts Namuloch (Mund). Das HL ist wohl zum 1819 belegten Ammenloch ‘ das Loch des Ammanns ’ zu stellen. Das anlautende / n/ dürfte eine volksetymologische Deutung nach schwdt. Name n ‘ Name ’ , wdt. Name (I D . 4, 721; G RICHTING 1998, 142; cf. HL N AME ) sein, da Amu ‘ Ammann ’ kaum mehr bekannt war (cf. HL A MMANN ). Nang Nang ist historisch ab 1672 in Salgesch belegt. 1672 wird ÿ pradelang erwähnt, 1692 en pra de nang, 1706 in pra denang, 1747 pradunang und 1778 in pra dy lang. Während pra < pratum ‘ Wiese ’ klar ist und das folgende de / dy eine Präposition darstellt, die dt. mit von wiederzugeben ist, bleibt unklar, ob die Flur zu lang oder zu nang zu stellen ist. Eine Deutung zu nang liegt vor in FEW (7, 7 s. v. *nantu- (gall.) tal), das auch als ruisseau ‘ Bach ’ belegt ist (cf. B OSSARD / C HAVAN 2006, 46 zu Nant ‘ [r]uisseau, torrent [Bach, Wildwasser] ’ ). Die Deutung ist deswegen ‘ die Wiese am Bach ’ . Statt ‘ Bach ’ kann hier auch ‘ Schlucht, Tal ’ verwendet werden. Eine Deutung zu lang liegt nicht vor. Nanz Nanz ist zum Lexem Nant, auch Nans und Nan zu stellen; es steht in der frz. Südwestschweiz für ‘ Waldbach, Bergstrom, Giessbach ’ , aus gall. *nantu ‘ Schlucht, Runse, Bachtobel ’ (G ATSCHET 1867, 69; S TUDER 1896, 180; B OSSARD / C HAVAN 1990, 46; Z IMMERMANN 1968, 18; G UEX 1938, 360 und 2 1976, 181; A EBISCHER 1971, 23). Zwischen dem FaN Nanzer (AWWB 180) und der Herkunftsbezeichnung kann nicht immer klar unterschieden werden. Die verkürzte Form Anz ist vier Mal in Visperterminen belegt. Die meisten Belege sind zum Tal der Gamsa zu stellen, das Nanztal genannt wird, wobei es wohl früher ein Dorf Nanz im Tal gegeben hat; heute ist Nanz auch der Name eines Dorfteils von Gamsen, das zu Brig-Glis gehört. Die Alpe Nanz gehört Geteilen von Visperterminen; sie wird deswegen auch Tärbinernanz genannt; eine verkürzte Form davon ist Täärbineranz; es gibt aber auch die Vischperanz ‘ die Alpe der Visper im Nanztal ’ (Visperterminen); historisch ist Anz (1682, Visperterminen) und in Valle Antz (im Nanztal) (1724, Visperterminen) belegt; hier wurde wohl das anlautende / n/ als Teil einer Präposition in verstanden und deswegen weggelassen. Der Übergang vom Simplonpass ins Nanztal sind die Nanzlicke ‘ die Lücken (Fusspässe) vom Simplonpass ins Nanztal ’ , wobei die Innere und Üssere Nanzlicka unterschieden werden (Simplon und Visperterminen). Zur Alpe Nanz gehören auch Nanserchäller ‘ der (Käse-)Keller der Alpe Nanz ’ , der Nanserfärich ‘ der Pferch der Alpe Nanz ’ , der lateinisch überlieferte Nanser Alpwäg (viam alpis Nanz; 1601, Visperterminen), das ebenfalls lateinische in pratis de Nancz ‘ bei den Wiesen von Nanz ’ (1341, Visperterminen), wobei hier unklar bleibt, ob es sich um die Alpe oder das Dorf Nanz handelt. Weiter wird eine Wasserleitung genannt, die im Text dv ᵢ Heydenschv ᵢ Wasserleyta de Nantz ‘ die Heidensche Wasserleitung von Nanz ’ (1305, Visperterminen) genannt wird; heute heisst sie Heido. Ein schwierig zu deutender Name ist ts Nanserhubolti ‘ der kleine Hügel der Nanzer ’ (Visperterminen), der sich nicht im Nanztal und nicht auf der Alpe Nanz befindet. Laut Gwp. nähmen die Geteilen von Nanz das reife Korn auf diesem Hügel als Zeichen für die Bestossung der Alpe Nanz; es könnte sich aber auch um einen Besitzernamen handeln. Komplexer sind Tärbinernanz Hermettje ‘ die Mettle des Herrn auf der Alpe Nanz der Leute von Visperterminen ’ und Tärbinernanz Stallig ‘ die Stallung auf der Alpe Nanz der Leute von Visperterminen ’ (beide FLNK, Visperterminen). Sonst ist Nanz 1454 in Grengiols belegt. Zu Glis (eig. Gamsen) gehören neben Nantz ‘ die Alpe Nanz ’ auch unter Nanzer Dörflein ‘ das kleine Dorf unterhalb des Nanztales (? ) ’ (1857, Glis) und Nanzero Gmeinen Walt ‘ der gemeinsame Wald der Leute von Nanz (Alpe) ’ (1659, Nälli 287 288 <?page no="698"?> Glis). Diese Gliser Belege sind alle im Zusammenhang mit dem Nanztal zu sehen. Wohl eher zum FaN sind zu stellen: Nanzerwald ‘ der Wald der Familie Nanzer ’ (FLNK, Birgisch), z Nantzero Hüssrenn ‘ bei den Häusern der Familie Nanzer / der Leute von Nanz ’ (1596, Brigerbad). Napoleon (PN) Napoleon (PN) ist eigentlich der Vorname von Napoleon Bonaparte, resp. Buonaparte (1769 - 1821). Belegt sind Napoleonsbrücke (Brig, LT und SK) und Napoleons Strasse (1849, Glis). Benannt sind die beiden nach ihm, obwohl er nicht persönlich dort anwesend war. Ende des 18. Jh. forderte Napoleon den Bau einer befestigten und befahrbaren Strasse durch das ganze Wallis und insbesondere über den Simplon, die Jahre später vollendet wurde (P. A RNOLD 1984 [1947], 154 - 190; VON D ESCHWANDEN 1997, 9 - 51; F LÜCKIGER -S EILER 1997, 53 - 90). Die beiden genannten Bauwerke gehören zur alten Simplonstrasse in Glis und Brig. Nappelti (PN) Nappelti (PN) ist nur in der Nappelticheer ‘ der Nappelti- Cheer (Wegkehre einer Strasse, benannt nach dem Beinamen einer Familie Eggs) ’ (Reckingen) belegt. Laut Gwp. Beiname einer Familie Eggs (AAWB 85) aus Reckingen. Ob eine Verballhornung zu Napoleon (cf. HL N APOLEON (PN)) vorliegt, ist unklar. Der Cheer befindet sich in der Blinnenstrasse, wo zwei Strassenstücke beim Bauen höhenmässig unterschiedlich waren. Nasa Nasa f. ‘ Nase ’ ist zu schwdt. Nase f. wie nhd., Dim. Nasi n., in FlN Name von ‘ scharf vorspringenden Berg- oder Felsgräten, Landzungen, u. ä. ’ und wdt. Nasa, Nasä (Goms), Nasu ‘ Nase ’ (I D . 4, 794 ff.; Z INSLI 1946, 331; G RICH- TING 1998, 143) zu stellen. Das Simplex ist im Singular als t Nasa ‘ die Nase (Felsvorsprung) ’ (Mund, Naters), inner Nase ‘ in der Nase (Felsvorsprung) ’ (Obergesteln), um t Nase ‘ um die Nase (Felsvorsprung), Alpe ’ (Ulrichen), zer Nasun ‘ bei der Nase (Felspvorsprung), Alpe ’ (1388, Oberwald; 1364 u. später, Ritzingen) belegt. Ein attributives Adjektiv findet sich in t Rot Nasa ‘ die rote (Fels-)Nase (LT Rote Nase, SK Rothe Nase) ’ (Zermatt). Einen vorangestellten Genitiv findet man in ts Bächersch Nasu ‘ die Felsnase der Familie Bächer / des Bäckers ’ (Bitsch). Bei den Bestimmungswörtern ist t Nasulecher ‘ die Nasenlöcher (Höhlen, die aussehen wie Nasenlöcher) ’ (Raron), inne Nasulechru ‘ in den Nasenlöchern (wohl Höhlenfelsen, die Nasenlöchern gleichen) ’ (Glis) und im Naslöcherwang ‘ im Grasabhang bei den Nasenlöchern ’ (1774 (? ), Eggerberg) belegt. Nur Einzelbelege sind der Nasewäg ‘ der Weg über die (Felsen-)Nase ’ (Geschinen, FLNK Nasewäg) und ts Nasibord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) mit der Nase (nasenförmiges Gelände) ’ (Bister). In allen Fällen sind metaphorische Bedeutungen (Felsnase, Höhlen) gemeint. Näschä Näschä ist nur in t Leiggernäschä (Gampel) belegt. Historisch erscheint der Name 1577 als jn der Leykernu ᵕ ssioz. Vermutlich handelt es sich nicht um ein eigenes HL, sondern um eine Ableitung zu Leigger, das sich aber kaum auf Leuk bezieht, sodern eher den FaN Leiggener enthält. Da aber der historische Beleg Nu ᵕ ssioz nicht mit Näschä übereinstimmt, ist eine Deutung nicht möglich. Näscht Näscht ist zu schwdt. Nëst n., Pl. Nëster, Dim. Nëstli, Nësti wie nhd., im eigentlichen Sinne ‘ Vogelnest ’ aber auch ‘ Lagerstätte anderer Tiere ’ , oder der Nestähnlichkeit wegen für ‘ verworrenes Gebüsch ’ (I D . 4, 836 ff.; BENB 1, 4, 12 f.; G RICHTING 1998, 143) zu stellen. Das Simplex Näscht (Eggerberg, Blatten) ist selten; die Motivation ist unklar. Als Grundwort kommt Näscht mit Vogelnamen vor wie Aarenäscht ‘ Adlernest ’ (Ulrichen), Giirenäscht ‘ Geiernest ’ (Ulrichen), Hennenäschter ‘ Hühnernester ’ (Oberwald), Huwwinäscht ‘ Eulennest ’ (Randa), Schwalbunäscht ‘ Schwalbennest ’ (Albinen), Vogolnäscht ‘ Vogelnest ’ (Embd) vor. Fliegende Insekten sind in Muggunäscht (Albinen) gemeint. Eine Erweiterung bildet Aarenäschtstafel ‘ Stafel beim Adlernest ’ (Ulrichen). Bei diesen Namen ist jeweils unklar, ob es sich tatsächlich um einen Nistplatz der Tiere handelt oder um eine Metapher. Als Bestimmungswort findet sich Näscht in den Verbindungen, Näschgufer / Näschtgufer, Näschmatta / Näschtmatta, Näschtalpa, Näschtbach, Näschtchinn, Näschtgletscher, Näschthoru, Näschtwald, Nesthorn und Nestmatta. Erweiterungen sind z. B. Näschthoruwang, Näschwaldbord, Näschwaldrigg und ts Chlein Näschthoren. Dieses und andere Namen mit Näscht in Blatten sind nach dem Gebiet Näscht unterhalb des Horns benannt. Sonst ist im Einzelnen unklar, worauf sich das Lemma Näscht bezieht. Näsi (PN) Näsi (PN) ist 1783 als in der Näsi Baumgarten ‘ im Baumgarten der Näsi (Agnes) ’ (Raron) belegt. Der zweite Beleg ist ts Nässisch Biel ‘ der Hügel der Nässi (Agnes) / bei einer nassen Stelle (? ) ’ . Während der erste Beleg eine 289 290 Näsi (PN) <?page no="699"?> diminutive Kurzform von N ē sa von Agnes ist (I D . 4, 804 u. HL N EESA (PN)), kann der zweite Beleg zum gleichen PN, aber auch zum Adj. nass (cf. HL N ASS ) gestellt werden. Nass Nass, Adj., ist zum schwdt. Adj. nass ‘ nass ’ (I D . 4, 791 f.) zu stellen. Es kommt nur als attributives Adjektiv vor; eine Substantivierung ist unter dem HL Netz dokumentiert. In attributiver Fügung mit unveränderter oder flektierter Form sind folgende Simplizia belegt: Bircha, Blatta, Bodu, Erle, Gartu, Gassa, Grabu, Lamma, Pletscha, Rufina, Schlüche, Schluocht, Stäga, Stei und Zug. Komplexer sind: der Nass Leerchgrabo ‘ der nasse Graben im Lärchengehölz ’ (Visperterminen), t Nass Trogschlüocht ‘ die nasse Geländeeinbuchtung in Trogform ’ (Glis), sowie t Nassu Brunnufet ‘ die nassen Felsbänder im Gebiet Brunne (Quelle / Brunnen) ’ und uf de Nassu Brunnufedu ‘ auf den nassen Felsbändern im Gebiet Brunne (Quellen / Brunnen) ’ (beide Saas-Balen). Nater (FaN) Nater, auch Natter, ist zum heute erloschenen FaN Nather (AWWB 181) zu stellen. Belegt ist er durchwegs im Genitiv Singular als Naters in Natersaker ‘ der Acker der Familie Nater ’ (1300, Steg), Naters Bleicha ‘ die Bleiche / nackte Stelle der Familie Nater ’ (1309, Niedergesteln), in Naters Matten ‘ in der Wiese der Familie Nater ’ (1684, Unterbäch), Naters Wang ‘ der Grasabhang der Familie Nater ’ (1702 u. später, Niedergesteln) und bÿ z Natters Schirli ‘ bei der kleinen Scheuer der Familie Nater ’ (1716, Ulrichen). Mit dem Dorfnamen Naters ist der FaN nicht verwandt. Naters Naters (dial. Naatersch) ist der Name der zweitgrössten Gemeinde des Bezirkes Brig, die sich von der Rottenebene (rund 673 m) bis zum Aletschhorn (4193 m) erstreckt; sie umfasst mehrere Weiler wie Hegdorn, Geimen, Mehlbaum, Rischinen und Blatten und heute auch die früheren Gemeinden Birgisch und Mund. Die ältesten Namenformen Nares (1018), Natres (1079), Natrensis (1131), Nares (1210), Narres (1222) legen eine romanische Form Narres und eine deutsche Form Natres, später Naters (erstmals 1519) nahe. Die früheren Deutungen mit kelt. nader, natri ‘ Schlange, Natter ’ , gebildet mit dem Adjektivsuffix / - ISC / , nhd. / - ISCH / , also ‘ ein mit Nattern besetzter Ort ’ (G ATSCHET 1867, 199 f.; S TUDER 1896, 180; J ACCARD 1906 303) oder lat. NÁRDUS STRICTA ‘ Borstgras ’ , schwdt. Nätsch (I D . 4, 877) sind aus lautlichen Gründen nicht haltbar (G ATSCHET 1867, 199 f.; S TUDER 1896, 180). H UBSCHMIED geht von einer Pluralform zu kelt. *(s)n ā tro ‘ Schutzhütte ’ aus. Diese Deutung ist spekulativ, da es für diese Form keinen Hinweis im Keltischen gibt (H UB- SCHMIED 1938, 115 f.; R ÜBEL 1950, 132; G UEX 1976 2 , 179; P OKORNY 1948/ 94, 256). A NREITER sieht als Benennungsmotiv die feuchte Bodenbeschaffenheit - der alte Dorfkern von Naters lag im Mündungstrichter des Kelchbaches - und leitet den Namen von einer indoeuropäischen Grundform *(s)notros ‘ nass ’ ab, Deutung, die nach heutigem Stand der Forschung am wahrscheinlichsten scheint (A NREITER 1996/ 1997, 100 f.; K RISTOL ET AL . 2005, 636). Die erwähnte Doppelform gleicht der Lautentwicklung von rom. Sierre und dt. Siders, wobei nicht ganz klar ist, warum in Naters (< *(s)natros) ein / -t-/ und in Siders (< *Sitrius) ein -/ d-/ erhalten blieb (W ERLEN 1991, 250; K RISTOL ET AL . 2005, 636). Das auslautende / s/ , bzw. / sch/ ist der Reflex eines lateinischen Schluss-/ s/ . Belegt ist neben dem Dorfnamen ts Naatersch ‘ in Naters ’ (Naters) historisch Z Naters Obdorf ‘ ob Dorf bei Naters (Gebiet oberhalb von Naters) ’ (1719 u. später, Naters) und Naterschhalta ‘ die Halde oberhalb von Naters ’ (FLNK, Naters). Die übrigen Belege weisen ein attributives Adjektiv oder einen Genitiv Plural Natischer auf: au ᵕ f dem Natisser Berg ‘ auf dem bergwärts gelegenen Gebiet der Gemeinde Naters ’ (1849, Naters; 1625 (lat.: ) in monte nathrensi), Nateser Feld ‘ das Feld von Naters ’ (1841, Naters; 1388 (lat.: ) in campo de Narres). In Glis ist 1859 Natischer Wald belegt (Glis), also ein Wald, der den Leuten (oder Burgern) von Naters gehörte. der Natischerwald ‘ der Wald, der den Leuten von Naters gehört ’ (Visperterminen; FLNK Natischer Wald) ist vermutlich der gleiche Wald unterhalb der Wyssi Flüe auf der Visperterminer Seite des Nanztales. Natter Natter f. ist 1712 u. später ist in Bürchen als Zen Natteren ‘ bei den Nattern ’ bezeugt. 1409 gibt es in Naters Zen Nattreron ‘ beim Gebiet mit vielen Nattern ’ . Beide sind zum schwdt. Tiernamen N ā tere n f., mhd. n ā ter(e), ahd. n ā t (a)ra, n ā ter wie nhd. ‘ Natter, Schlange ’ (I D . 4, 849; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 649 f.) zu stellen; G RICHTING (1998) kennt es nicht. Die Nattern gehören im Allgemeinen zu den ungiftigen Schlangen. In Naters liegt eine kollektive / - ERA / -Ableitung vor (S ONDEREGGER 1958, 471 f.). Zum lebenden Namen Naaterloch ‘ das Loch (Höhle) der Natter ’ (Naters) cf. HL N AATER . Natur Natur ist nur zweimal belegt als Teil des Kompositums Naturschutz. Gemeint ist der Verein Schweizerischer Naturschutz, der heute den Namen Pro Natura trägt. Die Belege sind: t Naturschutzhitta ‘ die Hütte des Schweize- Nass 291 292 <?page no="700"?> rischen Naturschutzes ’ und t Naturschutzmüüra ‘ die Mauer, die Naturschutzgebiet und Alpe trennt ’ (beide in Ried-Mörel). Neczen Neczen kommt nur in Neczenbùnda (1448 u. später, Zermatt) vor. Das Grundwort ist Biina ‘ Pflanzplatz ’ ; dazu kann Neczen ein schwacher Genitiv eines PN Necz(e) sein, der aber nicht belegt ist. Eine Zuweisung zu Netz ‘ nasse Stelle ’ ist eher unwahrscheinlich (cf. HL N ETZ ), es sei denn, es handle sich um einen feuchten Pflanzplatz. Beide Lösungen bleiben deswegen spekulativ. Neesa (PN) Neesa (PN) ‘ Agnes ’ ist zu schwdt. N ē sa, N ē se, N ē si, Nesa Kurzform des Frauennamens Agnes, N ē si auch ‘ verächtliche Bezeichnung von Frauenpersonen ’ und wdt. Neesa ‘ Frau (bösartige) ’ (I D . 4, 804 f.; Z INSLI 1984, 174 und 225; G RICHTING 1998, 143) zu stellen. Belegt sind Nesaker ‘ der Acker der Agnes ’ (1304, Stalden), in Nesen Acher ‘ im Acker der Agnes ’ (1665, Unterbäch), in den Nesu ᵕ n Matten ‘ in den Wiesen der Agnes ’ (1611 u. später, Unterbäch) und ts Neesuschiirli ‘ die kleine Scheuer der Agnes ’ (Eggerberg). Neesch Neesch ist in Albinen (FLNK) belegt und findet sich auch auf LT. M ATHIEU (2006, 31) kennt es als Neesch / Im Neesch, was ein Maskulinum oder Neutrum nahelegt. M EYER (1914, 163) legt natian zu Grunde, das als Naix oder Nes erscheint und als ‘ Sumpfgebiet ’ bezeichnet wird. Wie er S. 22 ausführt, handelt es sich um ein Gebiet, in dem Hanf und Flachs zum sog. Rösten ausgelegt wurden (cf. HL R OOSSE ). Neesch ist also ein Gebiet, wo Flachs und Hanf geröstet wurden (cf. HL N AIS ). Nellen (FaN) Nellen (FaN) ist der Name einer Familie, die ursprünglich aus dem Bezirk Goms kommt (AWWB 181). Er ist sechs Mal belegt: ob Meritz Nellen Stadell ‘ oberhalb des Stadels von Moritz Nellen ’ (1661, Biel), des Schriber Nellen Alpgut ‘ das Alpgut des Schreibers Nellen ’ (1741, Greich), im Nellenboden ‘ im Boden der Familie Nellen ’ (1856, Fiesch), ts Nällu Stadel ‘ der Stadel der Familie Nellen ’ (Glis), Näueacher ‘ der Acker der Familie Nellen ’ (Fieschertal), hier mit / l/ -Vokalisierung. Eine kollektive / - IG / -Ableitung findet sich in aúff Nelligen inferior ‘ auf dem unteren Gut der Familie Nellen ’ (1716). Vermutlich ebenfalls zum FaN Nellen gehören Nälli Äbi ‘ der Abhang der Familie Nellen ’ (Eggerberg), Nällischleif ‘ der Schleif im Nälliwald (Wald der Familie Nellen) ’ (Bitsch) und Nälliwald ‘ der Wald der Familie Nellen ’ (Bitsch). Nälli n. ist die dialektal rückgebildete Form des FaN Nellen. Nemus Nemus ist im 13. Jahrhundert in Oberems als nemus de cabana ‘ der Wald bei den Hütten (zen Gafinen) ’ belegt. Die lateinische Form von nemus ‘ Wald ’ legt ein Appellativ nahe, doch ist der Beleg nemus de cabana wohl eine Übersetzung eines frz. oder frpr. Namens. Nero Nero ist nur in der Piz Nero ‘ die schwarze Spitze ’ (Oberwald) belegt. LT hat Pizzo Nero (Gipfelname, 2904 m). Nach P ETRINI (1993, 110) ist es zu it. nero ‘ dunkel, schwarz ’ zu stellen (cf. D EVOTO / O LI 2020, 1413); gemeint ist wohl die dunkle Farbe des Berges. Die Benennung erfolgte von der Tessiner Seite her. Nessier (FaN) Nessier (FaN) ist der Name einer Familie, die ursprünglich aus dem Bezirk Goms kommt (AWWB 182). Sicher belegt ist der Name im Beleg Nessier=Biene ‘ der Pflanzplatz der Familie Nessier ’ (1879, Ulrichen). Doppeldeutig ist Nessjermoss (FLNK, Ernen), das sowohl ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) der Familie Nessjer ’ , wie ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) bei den Nessjere (wo es Nesseln hat) ’ meinen kann. Wahrscheinlicher ist wohl der FaN. Nessle Nessle f. ‘ Nessel ’ ist zum schwdt. Pflanzennamen Nessle f., im Wallis auch Nessje f. ‘ Brennnessel ’ und - laut G RICHTING - im westlichen Wallis Nässja, Nässju (I D . 4, 805 f.; G RICHTING 1998, 143) zu stellen. Im Gebiet mit / l/ - Vokalisierung auch Nessu. L AUBER / W AGNER G YGAX ( 5 2014, 218) nennen U RTICA DIOICA (Grosse Brennessel) und U RTICA URENS (Kleine Brennessel) als Formen. Nessel n. bezeichnet wie üblich das häufige Vorkommen der Pflanzen. Das HL kommt in rund siebzig Namen vor. Das Simplex im Singular Neutrum bezeichnet ein Kollektivum; ts Nessel ‘ das Gebiet mit Nesseln ’ (Ried- Mörel, Ulrichen) und ts Nässil (Ergisch) ist historisch auch als jm Nessell (1670, Münster) und im Nessel (1839, Termen) belegt. Als Alpname ist Nessel für Birgisch bezeugt. Der Plural des Femininums erscheint als ze Nässju ‘ bei den Nesseln ’ (Grächen, Hohtenn). Mit einem relativen Ortsadjektiv findet man ts Vooder Nässju ‘ der vordere Teil des Gebietes mit Nesseln ’ (Grächen) und ts Hinner Nässju ‘ der hintere Teil des Gebietes mit Nesseln ’ (Grächen), sowie historisch de exteriori Neseln ‘ vom äusseren Teil des Gebietes mit Nesseln ’ (1388, Grächen). Häufig kommt das HL N ESSEL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita vor. Die Grundwörter sind: 293 294 Nessle <?page no="701"?> Acher, Alpa, Bach, Bäärg, Beggi, Biina, Bodu, Grabu, Grotze, Hee (hooch, heej), Matta, Schleif, Schluocht, Schlüche, Schlund, Tal, Teif, Tola, Tschugge, Twära, Wäg, Wald, Wang und Wild. Komplexere Konstruktionen sind der Nesselschlichten Wald ‘ der Wald bei der Nesselschlüecht ’ (1846, Niederwald), ts Ober und ts Unner Nesseltal ‘ das obere und das untere Nesseltal (durch das der Nesselbach fliesst) ’ (Glis), t Obru und t Undru Nässjuwildine ‘ die oberen und die unteren wilden (unfruchtbaren) Gebiete bei Ze Nässju (bei den Nesseln) ’ (Hohtenn). Eine Ableitung mit / - ERA / (Stellenbezeichnung, vgl. S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) ist als t Nesjere ‘ die Gebiete, wo es Nesseln hat ’ (Bister), t Nessjere ‘ die Gebiete, wo es Nesseln hat ’ (Baltschieder), Nässjeru ‘ das Gebiet, wo es Nesseln hat (Ortsteil von Bürchen) ’ (Bürchen) belegt. Historisch erscheint schon 1306 an der Nezzelerrun (Eischoll, 1466 Necierron). 1679 ist in Feschel in den Nessieren ‘ in den Gebieten, wo es Nesseln hat ’ bezeugt. Komplexer sind t Obri Nässjerru ‘ der obere Teil des Gebietes, wo es Nesseln hat (Ortsteil von Bürchen) ’ und das 1575 belegte an der Vndru ᵕ n Nessÿeru ᵕ n (Bürchen). Einen anderen Ableitungstyp für Wasserleitungen auf / - ERRI / zeigt t Nessjerri ‘ die Wasserleitung durch die Alpe Nessel ’ (Birgisch, Naters). In zwei Fällen scheint der FaN Nessier (cf. Nessier FaN) belegt zu sein: Nessjermoss ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) der Familie Nessier / mit Nesseln ’ (Ernen) und Nessier=Biene ‘ der Pflanzplatz der Familie Nessier ’ (1879, Ulrichen) (cf. HL N ESSIER (F A N)). Netz Netz f. ‘ nasse Stelle ’ ist eine deverbale Bildung zu netzen. Im I D . ist nur Netzi II (4, 887) ‘ Feuchtigkeit ’ belegt, G R W B (13, 640 s. v. Netze) hat auch die Nebenform Netz ‘ Nässe ’ ; s. auch mhd. nezze (L EXER 2, 42 f.). G RICHTING (1998) kennt das Substantiv nicht. Das Nomen in dieser Form kommt im Oberwallis als Name nur im Lötschental vor. Als Simplex uf Netz ist es belegt für Wiler; dazu kommen Ableitungen mit Netz als Bestimmungswort: Netzbobem ‘ der Boden beim Netz ’ (Wiler), Netzstricha ‘ die Striche beim Netz ’ (Wiler) und ein zweites Nest, etwas östlich davon, aber ohne das Simplex: ts Netzbord ‘ das Bord bei der nassen Stelle ’ (Blatten), sowie Netzbordschiirä ‘ die Scheuern beim Netzbord ’ (Blatten), Netzbordsuän ‘ die Wasserleite, die am Netzbord vorbeiführt ’ (Blatten) und das nur historisch belegte auf dem äussern Netzunggrabeneggun ‘ auf der Ecke beim äusseren Netzgraben ’ (1772, Blatten). Ni(i)n Ni(i)n ‘ neun ’ ist zum schwdt. Zahlwort nüün, wdt. ni(i)n ‘ neun ’ , ahd. und mhd. niun, wdt. nin, niin, nii, niini ‘ neun ’ (I D . 4, 767; G RICHTING 1998, 144) zu stellen. Das HL ist nur belegt in der Ableitung der Nineninzger ‘ der Neunundneuziger ’ (Biel, Selkingen). Die Koordinaten legen zwei benachbarte Fusswege nahe, deren viele Kehren zum Namen führten (so Gwp. an beiden Orten). Cf. HL N INZG . Ni(i)w Ni(i)w Adj. ‘ neu ’ ist zu schwdt. Adj. nüüw, wdt. ni(i)w, in Albinen, Erschmatt, Bratsch, Leukerbad, Varen, Inden und Guttet-Feschel auch niib, wesentlich wie nhd. ‘ neu ’ , ahd. niuwi, mhd. n(i)uwe (I D . 4, 882; SDS 1, 156, 158 f.; G RICHTING 1998, 145) zu stellen; im SDS dominieren Formen mit kurzem Vokal; im unteren Oberwallis sind aber auch Langvokale zu finden. In schriftlichen Texten erscheinen die Schreibungen {nüw} und {neu}, in hyperkorrekten sogar {neiw} oder ähnlich. Substantivierte Formen wie Niwa / Niwu / Nibu oder Niwi kennzeichnen Alpen, Wasserleitungen und neu kultivierte Gebiete. Einige Namen sind nur lateinisch als nouum ‘ neu ’ belegt. Das HL kommt in rund 340 Namen vor, zumeist als attributives Adjektiv, weniger häufig in substantivierten Formen. Die attributiven Adjektive sind weitaus am häufigsten vertreten. Unter ihnen sind der Typ zer Niwe Schiir ‘ zu der neuen Scheuer ’ und seine Varianten mit insgesamt rund 40 Belegen im ganzen Oberwallis vertreten. Danach folgt t Niw Hitta ‘ die neue (Alp-)Hütte ’ in etwas über zwanzig Fällen. Die weiteren Grundwörter sind Wäg (19 Belege), Güet (17 Belege), Matta (15 Belege), Brigga (13 Belege), Hüs (11 Belege). Es folgen Stafel, Teil, Bodu, Biina, Bruch, Eie, Gadu, Alpa, Land, Stadel, Acher, Erb und viele weitere. Als wichtigstes Kompositum ist Wasserleita (mit Varianten) ‘ Wasserleitung ’ vertreten; Suon ist vier Mal belegt; in manchen historischen Belegen ist auch aqueductum (mit Varianten) ‘ Wasserleitung, Wasserfuhr ’ zu finden. Generell lässt sich sagen, dass entweder Gebäude wie Brücke, Haus, Gaden, Scheuer und Stadel, aber auch Wasserleitungen und neu kultivierte, erworbene oder gerodete Flächen wie Alpe, Aue, Boden, Brand, Bruch, Erbe, Land, Teil, Los usw. so benannt werden. In einem Fall heisst ein Gipfel Niwen (so auf LT), der benannt ist nach der Alpe Nibu (Bratsch, Erschmatt), um den herum ein Namennest Niiwungraad und Niiwunpass (beide Ferden), Alti Niibuhittu, Nibubedu mit dem Obrä und Unner Niibubodu, Niibuwäg (alle Bratsch), Niibuballmu, Niibubodu, Niibugrat, Niibuhittu, Niwenpass (alle Erschmatt) existiert - ein schönes Beispiel für die Benennung eines Gipfels und seiner Umgebung nach der darunter liegenden Alpe, deren Namen Nibu als Bestimmungswort zu Teilen der Alpe wie Bodu und Hittu erscheint. Netz 295 296 <?page no="702"?> Komplexere Bildungen sind möglich wie vnder der Neüwen Landstrass ‘ unter der neuen Landstrasse ’ (1684, Agarn), t Niwwärschegga (sic! ) ‘ die Ecke beim Niwwärch (neue Wasserleitung) ’ (Eisten), t Niiwbruchcheerlini ‘ die kleinen Kehren beim Neubruch ’ (Gampel) und andere mehr. Substantiviert erscheint zunächst der Typ t Niwwa f. als Bezeichnung für eine (damals) neue Wasserleitung (Ausserberg; 1593 u. später, Embd; Glis; Mund; Raron; 1703 u. später, Ried-Brig; Törbel; Visperterminen) oder eine neue Alpe (Naters, Simplon); flektiert ist zer Niwwu (Zermatt) als Alpname, der auch bei Bratsch und Erschmatt als Nibu vorliegt. Als die Niwe (ab 1548 zunächst Latein, später in Varianten, Eyholz) wird eine Wasserleitung bezeichnet; in Fiesch dagegen ist zer Niwe ‘ bei der Neuen ’ eine Alpe. Gelegentlich sind Kombinationen mit attributiven Adjektiven belegt wie t Alt Niwwa ‘ die alte Neue Wasserleitung ’ (Embd) oder t Inner Niwwu ‘ die innere neue Voralpe ’ (Visperterminen), der im gleichen Dorf t Ober Niwwa ‘ die obere neue Wasserleitung ’ und t Unner Niwwa ‘ die untere neue Wasserleitung ’ gegenüberstehen. Der Typ t Niwwi f. (Täsch, Zeneggen), bzw. t Niiwi (Saas-Balen, Saas-Grund) und das historische aúf der Niwi (1840, Stalden) benennen neu kultiviertes Land, auch Alpen; in einem Fall ist t Niwwi (Oberems) jedoch eine neue Wasserleitung. Die Ableitungen auf / - A / und auf / - I / können also sowohl Wasserleitungen wie neue Alpen oder neu kultiviertes Land benennen. Komplexere Formen mit einem Partizip finden sich in in der Nüwen ausgetheilten Eÿen ‘ in der neuen, zugeteilten Eie (Aue) ’ (1717, Turtmann) - es handelt sich hier um eine Aue im Eigentum der Gemeinde, die den Burgern zur Nutzung zugeteilt wurde. t Niwwgüodwaguleisu (Turtmann) ist ein befahrbarer Weg zum neuen Gut in der Rottenebene. Einen Sonderfall stellt ts Niww Wiisstor ‘ das Neue Weisstor ’ (Zermatt) dar, das auf LT als Neues Weisstor (SK Neu Weissthor) erscheint. Neu heisst es im Gegensatz zum Alt Wiisstoor (Zermatt) und zum Wisstoor (Saas- Fee), auch Schwarzbärgwiisstoor ‘ das Weisstor beim Schwarzberg ’ (Zermatt) genannt. In allen drei Fällen ist ein Pass gemeint: im letzten zwischen Saas-Fee und Zermatt, in den zwei ersten zwischen Zermatt und Italien. Nible Nible ‘ bei den Mispeln ’ ist laut FLNK ein Flurname nahe der Bahnlinie in Salgesch. M ATHIER (2015, 98) kennt ihn als Niblä. Er hat einen älteren historischen Beleg: 1494 en champo niblo, die Datenbank erwähnt 1751 in Niblo, 1800 in Niblo und 1806 im Nibli. Spätere Belege bei M ATHIER bringen keine weiteren wesentlichen Belege. Wenn der älteste Beleg stimmt, muss es sich um einen romanischen Namen handeln. M ATHIER führt ihn auf lat. M Ĕ SP Ĭ LUM ‘ Mispel, Mispelbaum ’ zurück, das aber schon ahd. als mespila, mhd. als mispel belegt ist (FEW 6, 2, 44 ff., bes. S. 45 zu unserem Beleg). B OSSARD / C HAVAN (2006, 158 s. v. Niplay et al.) führen den Flurnamen auf eine Dissimilation wegen des / p/ zurück. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 286) zeigen allerdings, dass Mespilus germanica ‘ echte Mispel ’ im Wallis kaum vorkommt. Es müsste sich also um eine volksetymologische Umdeutung handeln. Nicta Nicta ist nur 1809 in Salgesch belegt als jn ville nicta, wo ein Garten (petiam horti) liegen soll. Auffällig ist, dass noch 1809 ein lateinisch basierter Name eingeführt wird. Allerdings ist nicta eine unsichere Lesung; das lateinisch nächstliegende nictare ‘ mit den Augen zwinkern ’ passt hierzu jedoch kaum. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Nider Nider Adj. ‘ unter ’ ist zum schwdt. Adj. nider, ahd. nidar, mhd. nider, wie nhd. ‘ nieder, unten, abwärts, hinab, hinunter ’ , in FlN in Bezug auf Lage im Gegensatz zu ober und wdt. nider, nidr (Lötschental), nidär ‘ niedrig ’ (I D . 4, 670 f.; G RICHTING 1998, 143) zu stellen. Die Gemeindenamen Niedergesteln und Niederwald (vs. Obergesteln, Oberwald) zeigen den Gebrauch als ‘ unter ’ vs. ‘ ober ’ am deutlichsten. Die Deutung ‘ niedrig ’ ist dagegen sehr selten. Das HL kommt in rund 150 Namen vor. Als attributives Adjektiv erscheint das HL in flektierter und unflektierter Form zusammen mit folgenden HLL Äbnet, Acher, Alpa, Aar, Arsch, Arbe - Arva, Bach, Barlei, Biel, Biina, Bircha, Bodu, Burg (Burgu), Dili, Dorf, Egg(a), Eie, Ems, Flüö, Felscher, Gadu, Gartu, Getwing, Gifrisch, Gletscher, Grund, Hellela, Hof, Hubel, Hüs, Läna, Lerch, Mad, Matta, Mili, Ried, Riti, Rüüs, Ranft, Sall, Schlund, Stafel, Stalde, Tal, Wald, Wang, Wasser, Wier, Wil und Zälg. Komplexer sind ze den Nideren Bifingen ‘ bei den unteren eingehegten Stücken Land ’ (1309, Zeneggen), ze dem Nidern Klebodeme ‘ bei dem unteren Kleeboden ’ (1305, Stalden), das Nyder Halbhu ᵉ byde ‘ die untere kleine Halbhube ’ (1349, Niederwald), zer Nideren Wartflie ‘ bei der niederen (unteren) Wartflühe (Flühe mit Aussichtspunkt) ’ (1547 Mund; 1591 u. später Nider Warbflien), an der Nidrun O ᵕ gstkumbun ‘ am unteren Teil der Chumma (Mulde), die erst im August bestossen wurde ’ (1448, Zermatt), apud Nidren Helvn Blatten ‘ bei der niederen (unteren) glatten Felsplatte ’ (1345, Naters) und andere mehr. Eine sehr komplexe Form ist dr Fiischter Cheer im 297 298 Nider <?page no="703"?> Nidri Wald ‘ die finstere Kehre im niederen (unteren) Wald ’ (Wiler). Fast etwas Gegensätzliches ist im Beleg bim Obren Nidren Hüsli ‘ beim oberen niederen kleinen Haus ’ (1792, Ernen) zu sehen, wo wohl mehrere kleine Häuser einen Weiler bilden, der einen oberen und unteren Teil hat. Als Bestimmungswort tritt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita auf: Acher, Alpa, Bach, Dorf, Ernen, Gadu, Gampel, Grächen, Güot, Hüs, Ried, Matta, Stafel und Wald. Hier fallen vor allem die Komposita mit Gemeindenamen oder dem HL D ORF auf, die Gemeinden oder Teile von Gemeinden oder den unteren Teil des Dorfes meinen. Komplexere Formen sind hier in der Nidergampil Zelg ‘ in der Zelg von Niedergampel ’ (1752 u. später, Bratsch), t Niderhischerachra ‘ die Äcker, die zum Weiler Niderhischer (Niederhäusern) gehören ’ (Visperterminen), ts Niderstafubächi ‘ der kleine Bach im Gebiet des Niderstafel ’ (Selkingen), Nidertalstafel ‘ der Stafel oberhalb des Nidertal (unteres Tal) ’ (LT, Ulrichen), Niderwalderwäg ‘ der Weg durch den Niederwald / nach Niederwald ’ (FLNK, Bellwald) und andere mehr. Als vorangestellter Genitiv einer Ableitung der Bewohner auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 526) sind belegt in Niderriedero Boden ‘ im Boden der Leute von Niederried ’ (1678, Staldenried), ts Niderärnere Chäuere ‘ bei den (Käse-)Kellern der Leut von Niederernen ’ (Ernen), Niederärnerchäller ‘ der (Käse-)Keller der Leute von Niederernen ’ (LT, Mühlebach). Eine substantivierte Form ist in t Nidru ‘ die untere Alpe ’ (Feschel) belegt. Ebenfalls substantiviert erscheint der Superlativ als an der Nidresten ‘ an der untersten Alpe (im Nanztal) ’ (1578 u. später, Glis), t Nidroschta ‘ die unterste Alpe (im Nanztal) ’ (Visperterminen, SK Niedersten, LT Nidrista), wozu als Namennest gehören der Nidroschterbodo ‘ der Boden der Nidrosta (unterste Alpe) ’ , ts Nidroschterläger ‘ die Lagerstätte des Viehs der niedersten (untersten) Alpe ’ (Visperterminen), der Nidroschterwald ‘ der Wald bei der Nidrosta (unterste Alpe) ’ (Visperterminen). Niele Cf. HL L IELE . Niesch Niesch ‘ Gelecktrog ’ ist zu schwdt. Nüesch m., im Wallis entrundet Niesch m./ n. ‘ Rinne, Kännel, in dem man in den Alpen den Schafen das Salz gibt ’ , ahd. nuosk, mhd. nuosch und wdt. Niesch (Schattenberge), Niäsch ‘ Futtertrog, (länglicher Lecktrog) ’ (G RICHTING 1998, 144) zu stellen. Im Obergoms und im Lötschental wird der Gelecktrog Miesch m./ n. genannt (R ÜBEL 1950, 105 und 137; I D . 4, 836); letzteres ist nicht zu verwechseln mit Miesch n. ‘ Moos ’ . Das Simplex Niesch n. (in einigen Fällen kann ts Niesch als z(e) Niesch gelesen werden) ist belegt in Filet, Mund, Ried-Mörel und St. Niklaus. Die Diminutiv-Ableitung ist Nieschji (Ried-Mörel) oder (im Plural) Ze Nieschjinu (Steg, Täsch). Mit einem vorangestellten Genitiv ist belegt ts Brägisch Niäschji ‘ der kleine Gelecktrog der Familie Bregy ’ (Steg). Unklar ist die Bildung das Kniescherli (1658, Mund) - hier könnte eine Kollektivbildung mit dem Zirkumfix / G ( I )- ER / und dem Diminutiv / - LI / zu Giniesch-er-li ‘ der kleine Ort mit Gelecktrögen ’ führen. Nicht ganz klar ist Nieschgeren (1563, Mund), wo vermutlich der gleiche oder ein ähnlicher Name vorliegt. Die übrigen Belege weisen Niesch als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Acher, Bode, Bord, Brunne, Egga, Fad, Flüö, Matta und Wald auf. Komplexer sind t Nieschmattuheeji ‘ die Höhe bei der Nieschmatte ’ (Hohtenn) und die Nieschwasser Leytten ‘ die Wasserleite vom / zum Niesch ’ (16? ? , St. Niklaus). Nietschigen Nietschigen ist nur 1768 in Eischoll als in den Nietschigen belegt; laut M. S. ist jedoch die Lesart unsicher. Formen auf / - IGEN / beziehen sich zumeist auf den Dativ Plural einer kollektiven / - IG / -Ableitung. Es finden sich jedoch keine Belege zu Nietsch oder ähnlich. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Niger N IGER ist ein lat. Adj. mit der Bedeutung ‘ schwarz, schwärzlich, dunkelfarbig, düster ’ . Es ist auch in FEW (7, 129 ff. s. v. N Ĭ GER schwarz) belegt; H AFNER (1955, 126) kennt nigra als neiri. Es kommt nur in lo sapey nigrum (1346, Unterems) mit der Variante in nigro sapey (1358, Unterems) vor (hier maskulin). Da sapey die Tanne bezeichnet (cf. HL S APEY ) ist hier eine schwarze oder dunkle Tanne gemeint. Das ebenfalls belegte silva nigra ‘ der schwarze Wald ’ (1566, Salgesch) ist sicher lateinisch; die späte Form spricht dafür, dass hier ein Appellativ und kein Flurname gemeint war. Nigroll der Nigroll ist 1553 in Eggerberg belegt; die Lesung ist unsicher. Der Name lässt sich nicht deuten. Nikolaus (PN) Nikolaus (PN) bezieht sich auf den populären hl. Nikolaus von Myra (3./ 4. Jahrhundert n. Chr.), manchmal auch den hl. Bruder Niklaus von der Flüe (1417 - 1487). Davon abgeleitet sind in den Orts- und Flurnamen neben Nikolaus die Lemmata Clausen (FaN), Gläis (PN), Klaus (PN) (AWWB Niele 299 300 <?page no="704"?> 62) und diverse weitere Formen wie Nigg, Niggis, Niggli, Niggelis und der FaN Niggeli (AWWB 184). Häufig kommt als erster Teil des Namens Sankt oder eine seiner Varianten vor (cf. HL S ANT ). Im Einzelfall kann nicht immer zwischen Heiligennamen, PN und FaN unterschieden werden. Das I D . verzeichnet den Namen unter den Lemmata Chlaus (3, 687), Nigg (4, 705), Niklaus (4, 717), wobei im Einzelfall neben dem PN auch deonymische Bedeutungen wie ‘ Dummkopf ’ , ‘ verschlagener Kerl ’ , aber auch der am 6. Dezember herumziehende Samichlaus gemeint sind. Die Namen können sich auch auf Kirchen, Kapellen oder Bildstöcke des Heiligen oder von Bruder Klaus beziehen. Prominent ist der Gemeindename St. Niklaus (Zaniglaas), benannt nach dem Kirchenpatron. Der FaN Clausen (AAWB 62) tritt als Nutzername in Gláusigen Heiwmat ‘ die Heumad der Familie Clausen ’ (1757, Binn), in Claúsigen Freÿche ‘ in der Freichi (Alpe) der Familie Clausen ’ (1737, Binn) und in Claúsigen Senthum (1601, Binn und später) auf. Unklar ist Glausenberg (1344, Fiesch), wo vermutlich ein Berg (Alpe) eines Klaus gemeint ist. Der FaN Gläisen (AAWB 62) ist vertreten in Gleisen- Matten (1781, Steinhaus) und Gläisuschiir ‘ die Scheuer der Familie Gläisen ’ (Mörel). Mit einem kollektiven / - IG / - Suffix erscheinen ts Gläisig Oggsefäud ‘ das Ochsenfeld auf der Alpe der Familie Gläisen ’ (Binn), ts Gläisiggand ‘ das Steingeröll der Alpe der Familie Gläisen ’ (Binn) und der Gläisigstau ‘ der Stall auf der Alpe der Familie Gläisen ’ (Binn). Einen Genitiv Singular enthält ts Gläisisch Drieschtu ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Gläisen ’ (Mund). Vermutlich nur zum PN Gläis gehört in den Glaÿschwengen ‘ in den Grasabhängen des Gläis ’ (1824, Bellwald). Der PN Gläis ist vertreten in di Glaisbletscha ‘ die Ebene des Klaus ’ (Wiler); daneben gibt es eine Reihe von Namen mit Santiglais: im Santiglais ‘ in der Gegend des Heiligen Nikolaus ’ (Münster), wobei laut Gwp. ein Pfarreigut gemeint ist (auf der SK ist eine Kapelle oder ein Bildstock erkennbar; daneben steht St. Niklaus - es scheint hier also eine Namenmotivation zu geben, die auf eine Kapelle zurückgeht). Dazu sind der Ober Santiglais ‘ der obere Teil des Gebietes des St. Niklaus ’ und der Unner Santiglais ‘ der untere Teil des Gebietes des St. Niklaus ’ zu stellen. Santegläis ‘ das Gebiet des St. Niklaus ’ (Mühlebach) und Santigleis ‘ das Gebiet des St. Niklaus ’ (Binn) werden beide auf einen Bildstock des Heiligen zurückgeführt. In Oberwald gibt es den Zantigglaischeer ‘ die Kehr der Strasse bei der Kapelle des St. Nikolaus ’ und in Reckingen t Zantiglaisschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim St. Nikolaus ’ , wobei die Namenmotivation hier unklar ist, ebenso wie in der Santiglaisgade ‘ der Gaden beim St. Nikolaus ’ (Ulrichen). In Ritzingen ist historisch (erstmals 1592, letztmals 1834) beÿm St. Niclaus erwähnt, in Geschinen 1662 St: Niclaus und in Oberwald Zantnikolaus (LT hat St. Niklaus). In diesen Fällen ist wohl mit einer Kapelle oder einem Bildstock zu rechnen, ähnlich auch beim Saniklöis in Oberems mit der Sannikloisbodu und der Sannikloiswald (bei diesem Namen wird explizit eine Statue des Heiligen erwähnt). Weitere historische Belege nennen beÿm H. Niclaús (1754, Mund) und bei dem Heiligen Nicolai (1717, Obergesteln) - auch hier geht es um Kapellen oder Bildstöcke. Vornamen von Personen sind gemeint in ts Brunnuniggisch Gädi ‘ der Gaden des Nikolaus Brunner ’ (Randa), in Niclas Gorpers Stand ‘ im Stand von Nikolaus Gorper ’ (1730, Lalden), Niglas Weidlin ‘ die kleine Weide des Nikolaus ’ (1821, Kippel), ts Niggisch Äbi ‘ der Abhang des Nikolaus ’ (Visperterminen), sowie eine Reihe von Niggen/ Niggu mit Grundwörtern: Niggen Bÿnda ‘ der Pflanzplatz des Nikolaus ’ (1636, Baltschieder), in Niggen Halton ‘ in der Halde des Nikolaus ’ (1477, Bürchen), Niggenhansch Fach ‘ das Fach des Niggen Hans ’ (1836, Staldenried) (unklar, ob PN oder FaN), Niggen Thomen Scheÿr ‘ die Scheuer des Nikolaus Thomas ’ (1589, Saas- Balen) (unklar, ob PN oder FaN), Niggen Wingarto ‘ der Weingarten des Nikolaus ’ (1310, Stalden), der Niggistäg ‘ der Steg der Familie Jordan, die Niggi genannt wurde ’ (Zwischbergen), der Niggistei ‘ der Stein des Nikolaus ’ (Gluringen, unklar), t Nigguflüo ‘ die Fluh der Niggi ’ (Embd, wohl Übername), t Nigguhäisini ‘ das Gebiet der Familie des Johannes Niggen ’ (Eggerberg, unsicher) und t Niggumatte ‘ die Wiesen des Nikolaus ’ (Leuk). Unklar sind die Simplizia uf Nigge ‘ auf Niggen ’ (Bellwald) und in der Niggen ‘ im Gebiet der FaN Niggen ’ (1835, Fiesch), sofern in diesem Beleg tatsächlich etwas ausgelassen ist und der Niggen Genitiv Plural ist. Der FaN Niggeli oder ähnlich ist vertreten in ts Niggelematgi ‘ die kleine Wiese der Familie Niggeli ’ (Fieschertal) und Nigglisbodu ‘ der Boden des Nikolaus, der FaN Niggeli ’ (Zwischbergen). Vermutlich eher zu Nicolin zu stellen ist ein eigentlich Namennest in Ergisch mit dem Simplex Niggelingu ‘ die Alpe der Niggeli / Nicolin ’ (Ergisch) mit Niggelinglicku ‘ die Lücke (Fusspass) oberhalb der Niggelingalp ’ , ts Niggelinngtelli ‘ das kleine Tal bei der Niggelingalp ’ , ts inner Niggelinngtelli ‘ das taleinwärts liegende kleine Tal der Niggelingalp ’ , ts Niggelinngtagfäld ‘ die Tagwiese der Niggelingalp ’ , t Niggelinngwänng ‘ die Grasabhänge bei der Niggelingalp ’ , sowie die Alpstafel Niggelinngu der Mittluschtu ‘ der mittlere Stafel der Niggelingalp ’ und Niggelinngu der Obruschtu ‘ der oberste Stafel der Niggelingalp ’ . Weiter kommen vor der Inner Niggelinnggrabu und der Fooder Niggelinnggrabu, zwei Gräben auf der Niggelingalpe, der eine taleinwärts, der andere talauswärts, Niggeling und Niggelinglicka sind auch im angrenzenden Unterbäch 301 302 Nikolaus (PN) <?page no="705"?> belegt. Zu Niggeli gehört wohl auch Niggolingo Schür ‘ die Scheuer der Leute des Niggeli ’ (1652, Raron) mit der kollektiven / - IG / -Ableitung im Genitiv Plural. Explizit ist schliesslich der Hl. Bruder Klaus erwähnt in Brüederchlöis ‘ die Kapelle des Hl. Bruder Klaus ’ und Brüederchlöiswäg ‘ der Weg, der zur Kapelle des Hl. Bruder Klaus führt ’ (beide Ernen). Nur historisch belegt ist an Nu ᵕ ggun Matten ‘ an der Wiese des Nikolaus ’ (1611, Lax). Die Schreibform ist hyperkorrekt: das / i/ von Niggun wurde falsch als gerundetes / u ᵕ / geschrieben, weil die gesprochene Form fälschlicherweise als entrundet angenommen wurde. Einen Sonderfall stellt der Suwnigel ‘ schmutziger Mensch ’ (Naters), hier vermutlich verstanden als Gebiet, bei dessen Bearbeitung man sich beschmutzt. Das I D . (1, 150) stellt das Wort zu Igel, verweist aber auch auf S ū - Niggel ‘ Schweinekerl ’ (I D . 4, 105). Die in Naters vorliegende Form dürfte eher zu Niggel zu stellen sein, also zum HL N IKOLAUS gehören. Zu den in diesem Artikel erwähnten Familiennamen Clausen, Gläisen, Niggeli, Niggeling vgl. die Artikel in AWWB (62, 184), wo weitere Formen verzeichnet sind. Vgl. auch die HLL C LAUSEN (FaN), G LÄIS (PN) und K LAUS (PN). Nill Nill n. ist ein schwierig zu deutendes HL, das lebendig in Naters als ts Nill auf ca. 1880 m vorkommt. Dazu gehören auf dem Obern Nil (1765, Naters) und ts Nilltrittji ‘ der kleine Tritt beim Nill ’ (Naters). ts Nillti ‘ das kleine Nill ’ (Birgisch) liegt an einem andern Ort auf etwa 1200 m; die historischen Belege hierzu weisen durchwegs Nill auf. Das HL ist so nirgends belegt; am ehesten liesse sich eine Verwandtschaft mit Nolle ‘ rundlicher Berggipfel ’ denken; die Voraussetzungen dafür wären eine Hebung von / o/ zu / u/ , Umlaut zu / ü/ , anschliessende Entrundung zu / i/ und Endungslosigkeit als Kollektiv. BENB (1, 4, 41 s. v. Nille und 48 ff. s. v. Nolle(n)) vermutet eine ähnliche Entwicklung. Das Neutrum bezeichnet wohl ein Kollektivum: ‘ die Gegend mit Spitzen ’ . Ninzg Ninzg ‘ neunzig ’ ist zum schwdt. Zahlwort nüünzg, wdt. ni(i)nzg ‘ neunzig ’ (I D . 4, 770) zu stellen. Die Endung - ZIG zum Zahlwort neun gilt als Angabe einer Dekade (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 1010). Belegt ist nur die Ableitung der Nineninzger ‘ der Neunundneuziger ’ (Biel, Selkingen). Die Koordinaten legen zwei benachbarte Fusswege nahe, deren viele Kehren zum Namen führten (so Gwp. an beiden Orten). Es handelt sich um die Nominalisierung auf / - ER / zum Zahlwort (S ONDEREGGER , 1958, 547). Cf. HL N I ( I ) N . Noger Noger m. ist nur einmal in Ausserberg als der Noger belegt; LT hat ebenfalls Noger. Ein historischer Beleg von 1714 im gleichen Ort spricht von auf Noger; hier ist von einem Acker die Rede. G RICHTING (1998, 145) kennt ein sonst nicht belegtes Nogger, Noggi (Leuker Berge), Noggär ‘ Schwein ’ , das als Flurname kaum in Frage kommt. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Nolle Nolle ‘ Nollen ’ ist zu schwdt. Nolle n m. ‘ rundlicher Berggipfel, Fels, Bergvorsprung ’ , ahd. hnollo, hnol m., mhd. nol m. (I D . 4, 716; Z INSLI 1984, 576) zu stellen; bei G RICH- TING (1998) ist es nicht belegt. Nolle ist eine der Bezeichnungen für einen runden Fels oder Felsgipfel. Das Simplex kommt mehrfach vor als Nolla, Nolle, Nollo, Nolu und hdt. Nollen in Binn, Fieschertal, Randa, Oberwald, Lalden und Saas-Almagell. Ein Diminutiv ts Nollji ist in Münster belegt, in Reckingen historisch als tz Nolgy (1532). Als Grundwort kommt Nolle vor in Chietalnolle (Münster), der Wiisnolle (Fieschertal), der Wysse Nollen (Oberwald) sowie Ober und Under Chietalnolle (beide Münster). Als Bestimmungswort ist es belegt in Nolljitole (Münster), Nollugufer (Randa) und in einem Namennest in Saas-Almagell mit Noluhoru, Nolugletscher, Nolufet und Nolusitu. Da einfaches Nolu in Saas-lmagell auf den Karten als Nollen (SK, LT) erscheint, wird es hieher gestellt. 1: 10000 hat Nulluhorn und Nullugletscher für Nollenhorn und Nollengletscher (SK, LT); diese Lesart ist sonst nur in Obergesteln als t Nulljini (cf. HL N ULLJINI ) belegt. Noos Noos ist nur in der Nooswäg ‘ der Weg der kleinen Kälber ’ (Randa) belegt. Laut Gwp. handelt es sich um <noos> ‘ kleine Kälber ’ . R ÜBEL (S. 91, Fn. 4) kennt diese Bedeutung nicht für Randa, wohl aber für die Umgebung. Er verweist auf (I D . 4, 819 f.), wo die Bedeutung ‘ junges, noch nicht ausgewachsenes (hübsches) Rind ’ belegt ist, das wohl auch im Flurnamen vorkommt. Wdt. Noos, Noosji (Goms), Noossi (Saastal), Noossji ‘ Vieh (Rind, Schaf, Ziege ’ (G RICHTING 1998, 145) entspricht dem Flurnamen. Die sonst häufig belegte Deutung ‘ Schmalvieh ’ ist hier kaum gemeint. Noot Noot ‘ Not ’ f. ist zu schwdt. N ō t f., Pl. Nööt(en), allgemein wie nhd. ‘ Not, Nötigung, Zwang, Notwendigkeit, Dringlichkeit ’ , ahd. und mhd. n ō t (I D . 4, 854 ff.; G RICHTING 1998, 145 s. v. Noot) zu stellen. LUNB (2, 729) sieht darin “ Örtlichkeiten, die auf irgendeine Art mit Mangel oder Nill 303 304 <?page no="706"?> Schwierigkeiten behaftet waren ” ; BENB (1, 4, 51 ff.) nimmt diese Deutung auf; dort vorgeschlagenen Deutungen 2 und 3 sind für unser Gebiet nicht relevant. Das Simplex kommt als Nood (Ausserberg, Baltschieder) vor, wobei wohl der gleiche gefährliche Steilhang gemeint ist; auch die Konstruktionen mit relativen Lagebezeichnungen t Ober Nood und t Unner Nood (beide Baltschieder) gehören hierzu, wie vermutlich auch der Beleg von 1437 sub saxo zer Nodt ‘ unter dem Felsen Zur Not ’ (Baltschieder). Zwei weitere Belege gehören in andere Bereiche: der Nootspitaal ‘ das Not-Spital ’ (Eisten) soll eine Stelle bezeichnen, an der eine Frau in Not gebären musste. Und beÿ den Vierzehn Noth=Helferen (1726, Ritzingen) bezieht sich auf eine Kapelle in Ritzingen, die den Vierzehn Nothelfern (vierzehn Heilige aus dem 2. bis 4. Jahrhundert) geweiht ist. Nord Nord ist schwdt. zur Himmelsrichtung Norden m., ahd. nordan, mhd. norden ‘ Norden, im Norden gelegenes Gelände ’ I D . 4, 787) zu stellen. Frz. nord und it. nord haben die gleiche Bedeutung. Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor, im Frz. und It. nachgestellt. Belegt sind: der Nordend (sic! ) ‘ der nördliche Endgipfel des Monte Rosa ’ (Zermatt; nach L UDWIG VON W ELDEN 1824, 37 f. benannt), der Nordgipfil ‘ der Nordgipfel des Diablon ’ (Oberems), der Nordgraad ‘ der im Norden (des Weisshorns) liegende Grat ’ (Randa), der Nordkanaal ‘ der im Norden (der Rottenebene) verlaufende Entwässerungskanal ’ (Raron). Komplexer sind t Nordaleliinmoreenu ‘ die Nordmoräne des Allelingletschers (LT Vordere Allalinmoräne) ’ (Saas-Almagell), Pizzo Cingino Nord ‘ die Cingino-Spitze Nord (auch Jazzihorn) ’ (Saas-Almagell), Pointe Nord de Moming ‘ die Nordspitze des Moming ’ (LT, Randa) und Weissmies Nordgrad ‘ der Nordgrat des Weissmies (Gipfelname) ’ (LT, Saas-Grund). Eine Adjektivableitung ist in der Nördlich Teiffesattel ‘ der nördliche Sattel (Bergübergang) beim Tiefenstock (so LT) ’ (Oberwald) enthalten, der in den Kanton Uri führt. Nordmann (FaN) Nordmann (FaN) ist nur in der Nordmannstei ‘ der Stein des Herrn Nordmann (FaN) ’ (Grächen) belegt. Der Stein wurde anfangs des 20. Jh. nach einem Feriengast namens Nordmann aus Basel benannt, der 1896 erstmals nach Grächen kam, um den Geburtsort von Thomas Platter zu sehen, und sich später wiederholt dort aufhielt. Der FaN ist laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1336) in Basel aus Deutschland und Frankreich bekannt. Nosy Nosy ist nur 1355 in Agarn als de Walle Nosy belegt. A. - L. Breg vermutet, dass es sich um ts Fanöüschi (Leuk, FLNK Fanöischi) handelt, einen Teil des Illgrabens. Die historischen Belege zu Fanöüschi lauten jedoch 1563 Fanussji, 1563 Vanusy, 1582 in der Fanus, 1685 in Fanausche usw. Ein direkter Zusammenhang besteht also kaum. Hingegen kann de Walle Nosy eine Deutung von Fanöüschi sein, die Walle (Tal) und Nosy trennt. Da sich sonst keine derartigen Trennungen nachweisen lassen, ist die Deutung sehr unsicher. Nosy selbst scheint auf Noussey (T AGMANN 1946, 47, der es nach M URET als u + sei ‘ hin zum Fels (Alpe Sei) ’ deutet) zurückzugehen. Die Alpe befindet sich laut T AGMANN östlich der Raspille, im Bereich der Varneralp. Walle Nosy wäre dann ‘ das Tal bei der Alp Nusei ’ und Agarn nicht zutreffend, sondern entweder Leuk oder Varen (cf. HL N USEI ), was aber aus dem historischen Dokument nicht hervorgeht. Nova N OVA ‘ neu, die Neue ’ ist vom lat. Adj. NOVUS abzuleiten; Formen wie Nouel sind vom lat. Adj. NOVELLUS , NOVELLA , frz. nouveau, nouvelle, frpr. novò, novèla ‘ neu(e), jung(e) ’ , in FlN für landwirtschaftliche Nutzung neu erschlossenes Kulturland oder Neubauten (B OSSARD / C HAVAN 2006, 135; L AGGER 2010, 509) abgeleitet. Belegt ist Nova in Agarn 1543 la nova, wobei der Text von einer Wasserleitung spricht. Ein nachgestelltes Adjektiv ist 1783 für eine Wasserleitung in Albinen als bis nove ‘ die neue Wasserleitung ’ belegt. Nachgestelltes nouel ist 1352 für Leukerbad in in prato nouel ‘ auf der neuen Wiese ’ belegt. Beide Formen finden sich in Albinen: 1468 prati vocati nouel und 1488 in pratis nouys, sowie 1602 ou pranouel. 1552 wird eine Wasserleitung pratorum nouell ‘ zu den neuen Wiesen ’ erwähnt. Vermutlich stellt ou pranouel ‘ bei der neuen Wiese ’ den Namen dar; die andern Belege können auch als Appellative gelesen werden, sodass das Adjektiv nouel ‘ die Neue ’ den eigentlichen Namen bildete. Das für Termen belegte Noofia (FLNK) lässt sich zum Typ Noflen (BENB 1, 4, 42) stellen, einem Lehnwort aus lat. N Ŏ V Ā LE ‘ Brachfeld; Feld, welches nur jedes zweite Jahr bepflanzt wird; neu für die Kultur gewonnenes Land; Rodung ’ . Das Appellativ novale (1708, Visperterminen) oder agri novalis (1829, Leuk) findet sich mehrfach in den historischen Texten, ist also den Schreibern bekannt gewesen; als lateinisches Wort wird es jedoch kaum in Flurnamen gebraucht worden sein. Noyer Noyer m. ist belegt in ts Noojer ‘ beim Nussbaum ’ (Leukerbad, SK Noyer, LT Nojer), auch bei R. G RICHTING (1993, 305 306 Noyer <?page no="707"?> Blatt 24, Nr. 9 als Noyär), historisch 1361 als eys noyers, später jm Noyer, lo Noyer ‘ beim Nussbaum ’ (1320 u. später, Oberems) und als eys noierelles ‘ bei den kleinen Nussbäumen ’ (1543, Leuk). B OSSARD / C HAVAN (2006, 158 s. v. Noyer) verweisen auf lat. * NUCARIUS ‘ Nussbaum ’ (FEW 7, 224 ff.). Die Form in Leuk wurde mit dem Diminutiv-Suffix / - ELLU ( M )/ gebildet (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Nuer Nuer ist nur 1774 in Selkingen als im Nuer Acker ‘ im neuen Acker ’ belegt. Die Form scheint ein Adjektiv im Singular zu sein, die eigentlich auf / -n/ enden sollte: im Nüwen Acker. Diese Form ist schriftsprachlich zu schwdt. n ǖ w nhd. ‘ neu ’ und wdt. niww, niib (Leuker Berge), niiw ‘ neu ’ zu stellen (I D . 4, 883; G RICHTING 1998, 145; cf. HL N I ( I ) W ). Der in Selkingen ebenfalls belegte Name der Müracker ‘ der Acker mit Mauern ’ ist nicht auszuschliessen (cf. HL M ÜRA ), entspricht aber der Beleglage nicht. Nuescherro Nuescherro ist 1521 in siluam Nuescherro (Mund) belegt. Es handelt sich um einen Genitiv Plural einer Herkunftsangabe ‘ die Leute vom Weiler Niesch (Gelecktrog für Schafe) ’ . In einem Dokument von 1299 oder 1308 wird Johannes zem Nuesche ab Mont ‘ Johannes zum Niesch von Mund ’ erwähnt. Es handelt sich wohl um einen FaN, der als Nüesch im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1339) primär für Balgach (SG), aber auch für Huttwil (BE) erscheint. Niesch ist in Mund 1634 entrundet als Weilername belegt (cf. HL N IESCH ). Nufene Nufene ist die schwdt. Form zu Nufenenpass / Passo della Novena. Laut Z INSLI (1975, 68 f.) wurde der Pass nach einer neuangelegten Rodung benannt (cf. auch LSI 3, 600 s. v. Növéna). Belegt sind Nufenebach, Nufenestock, Nufene bim See und Alt Nufenepass (alle Ulrichen); lezterer befindet sich zwischen Nufene bim See und Nufenestock. Die Namen weisen darauf hin, dass der Passübergang vor der heutigen Strassenführung bekannt war. Die lombardische Bezeichnung des Passes ist aber wohl im Tessin gegeben worden; im Oberwallis ist nur die ans Deutsche angelehnte Form belegt. Nulljini t Nulljini ist nur in Obergesteln als Name einer Alpe belegt. Formal handelt es sich um einen Diminutiv Plural, der wohl zu Nolle n m. ‘ rundlicher Berggipfel, Fels, Bergvorsprung ’ (I D . 4, 716) zu stellen ist (cf. HL N OLLE ). Eine Ableitung zum Zahlwort Null im Sinn von kleinflächigem oder minderwertigem Land ist kaum gemeint. Nuntzen Nuntzen ist in den historischen Belegen jn der Nuntzen Eÿen ‘ die Aue des Nuntz ’ (1608) und jn der Nÿntzeÿen (1609, beide Ried-Brig) belegt. Der erste Beleg ist wohl ein schwacher Genitiv Singular, vermutlich zu einem PN. I D . (3, 1347, s. v. Lonzi) kennt Nunzi für den Nuntius (Gesandter, heute Gesandter des Papstes). Beim zweiten Beleg liegt wohl eine entrundete Form Nÿntz > Nüntz vor, die sonst nicht belegt ist. Nüschelät Nüschelät ‘ die neue Alphütte, der neue Stafel ’ ist nur als Nüschelät (Varen, auch LT und 1: 10000) belegt. Es befindet sich auf rund 2200 m auf der Varner Alp. Es dürfte sich um eine Verbindung des Adjektivs nü ‘ neu ’ (G ERSTER 1927, 53) mit einer leicht veränderten Form von frz. chalet, pat. tsalè ̩ (G PSR 3, 270 ss.), wohl in der Bedeutung 1° Alphütte, aber auch in der Bedeutung 5° Grasland um die Alphütte herum (G PSR 3, 271), also ‘ Stafel ’ , handeln. Die Form Nüschelät erklärt sich aus der Erstbetonung auf dem Adjektiv und der Reduktion des folgenden Wortes. Auslautendes / t/ findet sich in den historischen Belegen. Nusei Nusei ist nur belegt in Nuseyhorn (Varen). Es ist zu Ussey, Noussey zu stellen (T AGMANN 1946, 47), der ausführt, dass die deutsche Aussprache Nusei auf eine Agglutination von ye ͅ ̄ n u sei ‘ in den Fels ’ zurückgeht. Zu Grunde liegt der frpr. Bergname Sex, Sei < lat. SAXUM ‘ Fels, Felswand ’ (M URET 1926, 83; T AGMANN 1946, 47). Verwandt ist wohl das HL N OSY . Nussa Nussa f. ist zu wdt. Nussa ‘ Nuss ’ (G RICHTING 1998, 145, mit Varianten) und zu schwdt. Nuss f. ‘ Baumnuss ’ (I D . 4, 825) zu stellen. Das Simplex kommt als Diminutiv nur in ts Nussji ‘ das kleine Gebiet mit Nussbäumen ’ (Eggerberg) vor; zu vermuten ist, dass das sonst nicht belegte ts Nuss ‘ Gebiet mit Nussbäumen ’ analog zu anderen Baumnamen mit neutralem Genus (z. B. ts Ta) kollektive Bedeutung hat. Das gilt auch für das Kompositum Nussböüm ‘ Nussbaum ’ , das zu Nussbaum m. wie nhd. allg. (I D . 4, 1242) zu stellen ist. Als ts Nussböüm wird ein Gebiet mit Nussbäumen bezeichnet. Häufig lässt sich nicht entscheiden, ob maskulines oder neutrales Genus vorliegt. Sofern ein Artikel vorliegt, lässt sich das entscheiden: so sind sicher n. ts Nussböum ‘ das Gebiet mit Nussbäumen ’ (Betten), das Nùsbau ᵕ m ‘ das Gebiet mit Nussbäumen ’ (1549, Ernen), an das Nusbovm ‘ an das Gebiet mit Nussbäumen ’ (1393 u. später, Grengiols), unklar aber im Nu ᵕ sbau ᵕ m ‘ im Gebiet mit Nussbäumen ’ (1856, Fieschertal), Nu ᵕ sbau ᵕ m Nuer 307 308 <?page no="708"?> ‘ das Gebiet mit Nussbäumen ’ (1673, Brigerbad), zem Nusbo ᵛ me ‘ beim Nussbaum / beim Gebiet mit Nussbäumen ’ (1317, Mund; 1305, Stalden), zum Núsbaúm ‘ beim Nussbaum / beim Gebiet mit Nussbäumen ’ (1693, Raron), zem Nussbom (1453 u. später, Unterems), zem Nussbomb ‘ zum Nussbaum / zum Gebiet mit Nussbäumen ’ (1569, Visperterminen), zum Nussböüm ‘ beim Nussbaum / beim Gebiet mit Nussbäumen ’ (Bürchen). Unklar bleibt auch super Nuzpo ᵛ ma ‘ ob dem Nussbaum ’ (1200, Ried-Mörel). Zu diesem Kompositum gibt es komplexere Konstruktionen wie beÿm Grossen Núsbaúm ‘ beim grossen Nussbaum ’ (1663, Eggerberg), ts Ober Nussböüm ‘ das obere Gebiet mit Nussbäumen ’ (Grengiols) und Obers Nussböüm ‘ das obere Gebiet mit Nussbäumen ’ (Betten), im Obersten Núsbaúm ‘ im obersten Teil des Gebietes mit Nussbäumen ’ (1849, Goppisberg), ts Unner Nussböüm ‘ der untere Teil des Gebietes mit Nussbäumen ’ (Grengiols), an den Nusbòmbach ‘ an den Bach beim Nussbaum ’ (1434, Filet), Nussböumgrabo ‘ der Graben beim Nussbaum ’ (Grächen), t Nussböümbrigga ‘ die Brücke (über den Rotten) beim Gebiet mit Nussbäumen ’ (Grengiols) und t Nussböümwasserleita ‘ die Wasserleitung in das Gebiet mit Nussbäumen ’ (Grengiols). Sonst sind nur noch belegt: Nuss Bodme ‘ die Böden mit Nuss(bäumen) ’ (unsicher, da auf 1686 m) (EK, Baltschieder) und t Nussmattu ‘ die Wiese bei den Nussbäumen ’ (Ergisch). Nydo Nydo ist zweimal belegt. 1337 als aquam noui aqueductus de nydo ‘ das Wasser der neuen Wasserleitung von / zu Nydo ’ in Unterems. Der zweite Beleg stammt aus Oberems und erwähnt 1345 u. später eine alpis (Alpe) de nydo. Unsicher ist ein lat. N Ī DUS ‘ Nest ’ im Ablativ (wobei die Motivation sehr unklar ist) (FEW 7, 119 ss.); es liegt aber nach den Belegen und Daten ein romanischer Name vor. 309 310 Nydo <?page no="709"?> O Ob Ob ‘ oberhalb von ’ ist zu schwdt. und wdt. ob Präp. ‘ ob, oberhalb, über ’ (I D . 1, 58 ff.; G RICHTING 1998, 146) zu stellen. Die Präposition wird normalerweise mit dem Dativ konstruiert. In einigen Fällen wird das HL auch in einem Kompositum (z. B. der Obtschuggo ‘ der darüber liegende Fels ’ (Eischoll)) verwendet. Ganz selten sind erweiterte Adjektive. Als Präposition - teilweise mit unbetontem Artikel (obem) - erscheint das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bach, Bäärg, Biina, Burg, Chriz, Chircha - Chilcha, Dorf (mehrfach), Flüö, Gadu, Gartu, Gassa, Geer, Hag, Kapälla, Laalu, See, Spiicher, Straas, Stäga, Tiri, Trog, Wäg, Wald, Weid, Wüer, Zilla und Züü. Komplexer sind ob der Fäudkapäue ‘ ob der Feldkapelle (Kapelle im Ritzingerfeld) ’ (Ritzingen), obem Ginterstutz ‘ oberhalb der Stutzes (steil ansteigende Stelle) bei der Siedlung Gintrige ’ (Obergesteln), ob der Hollérstuden ‘ oberhalb der Holunderstaude ’ (1573 - 1644 u. später, Münster), ob em Chiuchwäg ‘ oberhalb des Kirchweges (der Gluringer und Ritzinger) ’ (Gluringen und Ritzingen; mit / l/ -Vokalisierung), ob der Wasserleiten ‘ oberhalb der Wasserleitung ’ (1669 u. später, Ulrichen), ob dum Ämsbach ‘ das Gebiet oberhalb des Emsbaches ’ (Agarn). Das HL entspricht lat. SUPERIUS wie in superius der Gassen ‘ ob der Gasse ’ (1726, Birgisch) mit einem Genitiv. Als Kompositum erscheinen Obfluh (St. Niklaus, SK), Obflie (1764, Obergesteln), t Obflieregga ‘ die Ecke beim Gebiet Obflie (oberhalb der Flühe) ’ (Naters), ts Obfliejergand ‘ die Geröllhalde beim Gebiet Obflie (oberhalb der Flühe) ’ (Naters, auch LT und FLNK), t Obfliejerspissa ‘ die Spissen im Gebiet Obflie (oberhalt der Flühe) ’ (Naters), der Obtschuggo ‘ der darüber liegende Fels ’ (Eischoll; FLNK Obtschuggo). Ein Adjektiv ist in apud Obnechtigen (1392, Ried-Brig) und Obnechtigen Beche ‘ beim Bach im Bereich Obnechtigen ’ (1390 u. später, Ried-Brig) belegt. I D . (1, 51) kennt Obenächtig ‘ obenerwähnt ’ und stellt es zu einem Adjektiv auf / - ÄCHTIG / , das zum Adjektiv auf / - OCHT / passt. (Der Verweis auf die Deutsche Grammatik von J ACOB G RIMM , (2, 285) ist wohl falsch; gemeint ist eher (2, 385), wo vom Suffix / - ACHTIG / die Rede ist). In den Belegen von 1390 u. später wird von einer oberhalb gelegenen Alpe gesprochen. Ober Ober Adj. ‘ ober ’ ist zum Adj. ober, ahd. obaro, mhd. ober, einem Komparativ zu ob zu stellen und bezeichnet in räumlichen Ortsbestimmungen eine ‘ obere, höher gelegene Stelle ’ (I D . 4, 51; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 663). Ober ist das Gegenstück zu Unner ‘ unter ’ , seltener Nider ‘ nieder ’ auf einer vertikalen Achse. Gemeindenamen wie Oberwald und Niederwald, Obergesteln und Niedergesteln, aber auch Oberdorf und Niderdorf, resp. Unnerdorf, sind Beispiele dafür. Oft kann auch eine Flur in einen oberen und unteren Teil aufgeteilt werden. In lateinischen Texten werden dann die Termini SUPERIOR und INFERIOR verwendet (nicht immer als Lokalnamen). Das HL erscheint in verschiedenen Formen in rund 1700 Belegen. Die weitaus meisten dieser Belege enthalten das attributive Adjektiv Ober, flektiert oder nicht flektiert. Einige Beispiele dafür: Obär Lagär ‘ die obere Lagerstätte für das Vieh ’ (FLNK, Bratsch), t Ober (e) Reschti ‘ der obere Teil der Reschti (Raststelle) ’ (Naters), t Ober Aara ‘ der obere Tiel der Ara (zu pflügendes Land) ’ (Vispeterterminen; FLNK Obri Aara), Obre Bodo ‘ der obere Boden ’ (FLNK, Birgisch), t Obri Balmu ‘ der obere Teil der alp Balmu (beim überhängenden Fels) ’ (Leukerbad), t Obru Äbnete ‘ die oberen ebenen Stücke Land ’ (Termen), im Obru Dorf ‘ im oberen Dorf ’ (Teil von Jeizinen), t Obrun Biäla ‘ die oberen Hügel ’ (Ferden; FLNK Obru Biela) und viele andere mehr, natürlich auch mit komplexeren Flurnamen wie ts Ober Banbodi ‘ der obere Teil des kleinen Bodens im Banngebiet ’ (Unterbäch), ts Ober Bahouz ‘ der obere Teil des Gebietes Bannholz (Bannwald), heute gerodet ’ (Blitzingen, mit / l/ -Vokalisierung), der Ober Lerchäbopem ‘ der obere Boden, wo es Lärchen hat ’ (Blatten) und t Obru Wicheriedjini ‘ der obere Teil der kleinen Riede beim Winkel ’ (Zeneggen), um nur einige zu nennen. In wenigen Fällen sind zwei attributive Adjektive belegt: únder der Althen Ober Riederÿ ‘ unter der alten Wasserleitung nach Oberried ’ (1684, Mörel; 1684 u. später, Ried-Mörel), in den Alten Obren Alpweg ‘ in den alten oberen Weg auf die Alpe (unklar, ob Name oder Appellativ) ’ (1755, Eisten). Einen seltenen Fall zeigt zem Vndrun Oberhus ‘ bei untern Teil des Oberhauses ’ (1545, Bürchen), wo wohl ein Teil einer Flur mit dem Namen Oberhus gemeint ist. Belege mit dem HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita sind etwa ts Oberbru ‘ der obere Teil des Gebietes mit Quellen / Brunnen (Ortsteil von Ob 311 312 <?page no="710"?> Eischoll) ’ (Eischoll), ts Oberbrunne ‘ zu Oberbrunne (der obere Teil des Gebietes mit Quellen / Brunnen) ’ (Selkingen), ts Oberchritz ‘ das obere Kreuz (Gelände in Kreuzform) ’ (Binn), ts Oberdorf ‘ das Oberdorf (Teil von Glis) ’ (Glis) und weitere rund 11 Belege vom gleichen Typ an verschiedenen Orten, Obereiu ‘ die obere Aue ’ (Turtmann; FLNK Obäreiju; LT Obereiu) und andere mehr, teilweise als Varianten zum attributiven Adjektiv Ober. Komplexere Fälle sind ts Oberaarhore ‘ das Oberaarhorn (Gipfelname, oberhalb des Oberaargletschers) ’ (Bellwald), ts Oberaarjoch ‘ das Oberaarjoch (südlich des Oberaarhorns) ’ (Bellwald), t Oberaarjochhitta ‘ die (Schutz-) Hütte des SAC beim Oberaarjoch ’ (Fieschertal), ts Oberaarrothore ‘ das Oberaarrothorn (Gipfelname, Gipfel mit rotem Felsen bei Oberaarhorn) ’ (Bellwald, Fieschertal, Münster), Oberaletschbach ‘ der Bach, der aus dem Oberaletschgletscher entspringt ’ (FLNK, Naters), Oberbordwald ‘ der Wald beim Ober Bord (Abhang, Böschung) ’ (Eyholz, Visp) und viele andere. Komplexere Konstruktionen sind vor allem im Turtmanntal belegt: Bitzu der Oberstafil ‘ der Oberstafel der Alpe Bitzu ’ (Oberems), Brändji der Oberstafil ‘ der Oberstafel der Alpe Brändji (kleines brandgerodetes Gebiet) ’ (Oberems), Gigi der Ober Stafil ‘ des Gigi (Alpname) der Oberstafel ’ (Oberems), Grindji Oberstafel ‘ der Oberstafel der Alpe Grindji (kleiner Grund), ’ Niggelingu der Obruschtu ‘ der oberste Stafel der Alpe Niggeling (Familie Nicolin / Niggeli) ’ (Ergisch) und andere mehr. Als Substantiv erscheinen Obera ‘ die obere Alpe ’ (FLNK, Bellwald), die Obere ‘ die obere Driest (unfruchtbares Gebiet) ’ (1849, Naters), dazu kommt ts Unner Obra ‘ der untere Teil des oberen Stafels der Wangalpe ’ (Ausserbinn). Der Superlativ ist zunächst wieder als attributives Adjektiv belegt: t Oberscht Bauma ‘ der oberste Stafel auf der Alpe Balma ’ (Binn), der Oberscht Bieu ‘ der zuoberst liegende Hügel (Alpe) ’ (Fieschertal), der Oberscht Boda ‘ der oberste Boden ’ (Randa), zúm Obresten Haus ‘ beim obersten Haus ’ (1674, St. Niklaus), ts Obroscht Birch ‘ das oberste (zuoberst gelegene) Birch (Birkengehölz) ’ (Bürchen), ts Obroschtoscht Schiirli ‘ die oberste kleine Scheuer ’ (Unterbäch), im Obroschtu Viertel ‘ im obersten Viertel (von Visperterminen) ’ (Visperterminen), Oberscht Trejo ‘ der oberste Viehweg ’ (EK, Mund), ts Obruscht Dorf ‘ das oberste Dorf (Inden) ’ (Inden), t Obruschtu Ritine ‘ die obersten gerodeten Gebiete ’ (Ergisch) und andere mehr. Substantiviert sind belegt t Oberschta ‘ die oberste Wasserleitung ’ (Grengiols), Oberschta ‘ die oberste Wasserleitung ’ (FLNK, Mund; FLNK, Naters), ts Oberschta ‘ das Oberste (Oberster Stafel der Wangalpe) ’ (Ausserbinn), t Obroschta ‘ die oberste Wasserleitung ’ (Birgisch) und ts Obroschta ‘ die oberste Alpe ’ (Visperterminen), resp. ‘ der oberste Stafel der Rinneralpu ’ (Unterbäch). Zu unterscheiden vom Adj. oben ist die Präposition ob ‘ oberhalb ’ (cf. HL OB ). Belegt ist mit zu ein Superlativ Zoberscht dem Dorf ‘ zuoberst im Dorf ’ (Reckingen). Obscha Obscha f., laut phonetischer Umschrift von M. S. mit langem Anlaut, ist als Flurname nur in den Rarner Schattenbergen (Bürchen, Eischoll, Unterbäch) bekannt: Vor allem in Bürchen, wo es ein Namennest mit t Obscha (schon 1296 Obschun), an der Obrun Obschun (1541 u. später), an der Vndren Obschen (1596 u. später), t Obschachra ‘ die Äcker bei der Obscha ’ , an der Obschgassen ‘ an der Gasse zur Obscha ’ (1701), an der Obschmatten ‘ an der Wiese bei der Obscha ’ (1614), únder dem Obschweg ‘ unter dem Weg von / zu der Obscha ’ (1751), Blatters Obschenacher ‘ der Obschacher der Familie Blatter ’ (1504 u. später) und Obscherro Walldt ‘ der Wald der Leute von der Obscha ’ (1578) gibt. Auch Unterbäch kennt t Obscha (schon 1396 an der Obschun) und dazu Obschacher (1544) und t Obschsüe ‘ die Wasserleitung zur Obscha ’ (FLNK). Eischoll hat einen historischen Beleg von 1434 Obscha, der vermutlich identisch ist mit Obscha in Unterbäch. In der Literatur wird das HL zu ahd. obasa, opasa, opisa, obisa f. ‘ Vorhalle, Vorraum, Vordach ’ , mhd. obese, obse f. ‘ Dachrinne, Dachtraufe ’ (M EYER 1930, 27; G ATTLEN 2007, 57 ff.; G R W B 13, 1117; L EXER 2, 136) gestellt. Die genaue Deutung als Flurname bleibt unsicher. Das Wort selbst ist G RICHTING (1998) nicht bekannt und auch sonst für das Oberwallis nicht belegt. Es handelt sich deswegen um ein Relikt mit unklarer Deutung. Observatorium Observatorium ist nur auf LT als Observatorium (Fieschertal) belegt. Auf LT ist es auch als Sphinx-Observatorium benannt. Es handelt sich um das Gebäude der Forschungsstation auf dem Jungfraujoch. Observatorium n. ‘ Beobachtungsstation ’ , zu lat. OBSERV Ā RE ‘ auf etwas achten ’ , wohl nach frz. observatoire (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 665). Ochs Ochs m., auch Oggs, ist zu schwdt. Ochs m., wie nhd., doch nicht recht volkstümlich, mhd. ohse, ahd. ohso, ‘ Ochse, kastrierter Stier ’ und wdt. Oggs ‘ Stier ’ (I D . 1, 76; G RICHTING 1998, 147) zu stellen. R ÜBEL (1950, 35) kennt den Ausdruck “ für das zuchtunfähig gemachte männliche Tier ” für das Goms und jenseits des Simplon; sonst würden andere Ausdrücke verwendet. In den Flurnamen ist Ochs m. verbreiteter; er kommt in allen Bezirken ausser Brig vor, am meisten in Visperterminen (Bezirk Visp). 313 314 Ochs <?page no="711"?> Das Simplex im Singular ist der Gipfelname Ochs (auch: Klein Fiescherhorn) (Fieschertal) auf der Kantonsgrenze zu Bern, wohl benannt nach dem Aussehen (BENB 1, 4, 83 ff.). In allen anderen Fällen ist das HL Bestimmungswort, neben Oggs auch Oggse, Oggso und Oggsu, zumeist in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Bodu, Chumma, Fäld, Hooru, Läger, Matta, Strich, Tal, Treich, Wang und Weid. Komplexere Fälle sind ts Gläisig Oggsefäud ‘ das Ochsenfeld der Gläisigalpe (Alpe der Familie Gläisen) ’ (Binn), vom Schertigen Oxenfelldt ‘ vom Ochsenfeld der Familie Schertig ’ (1714, Binn), der Hinner und der Voder Oggsefad ‘ das hintere und das vordere Felsband für die Ochsen ’ (Oberwald), t Oggsestrichtosse ‘ die Felsen beim Oggsestrich (langgezogenes Stück Land für den Ochsen) ’ (Grengiols). Offiner (FaN) Offiner (FaN) ist nur in Offiners Gütgÿ ‘ das kleine Gut der Familie Offner ’ (1782, Visperterminen) belegt. Das HL ist zum FaN Offner, Ofen, zum Ofen zu stellen, der in Visperterminen inzwischen ausgestorben ist (S TUDER -F REULER 1984, 280). AWWB 302 s. v. Zumofen listet den FaN auch als Zum Ofen auf, aber nicht für Visperterminen. Ofu Ofu ist zu schwdt. Ofe n , wdt. Ofe, Ofä (Goms), Ofa (Mattertal), Ofn (Lötschental), Ofo (Schattenberge), Ofu, m. ‘ Ofen ’ (I D . 1, 109 f.; G RICHTING 1998, 147) zu stellen. Z INSLI (1984, 577 mit Literaturangaben) schreibt unter Ofe(n): “ In der Namengebung meist auf Kalköfen bzw. deren Ruinen bezogen, aber auch auf Höhlen ” . In unserem Kontext sind auch metaphorische Benennungen möglich, also Felsen, die wie Öfen aussehen, oder die schwarze Farbe wie vom Rauch der Öfen aufweisen; an einigen Stellen kann auch ein warmes Gebiet (geschützt, unter Sonneneinstrahlung) gemeint sein. Auch Backöfen in Backhäusern können der Namengebung zu Grunde liegen (siehe C. S CHMID 1968, 87 zu Bellwald). Zum HL Ofu finden sich rund 190 Belege. Die Formbildung ist für den Plural und die Diminutive komplex: Plurale sind Ofna, Ofne und Efu, Diminutive im Singular Ofili, im Plural Ofini, Ofine, Ofili, Oflini, Ofulini und Eflini. Simplizia sind rund 35mal belegt. Ihre Deutung ist öfters unklar; in einigen Fällen liegt, wie gesagt, auch ein sehr warmer Ort vor. Attributive Adjektive zum HL Ofu und seinen Varianten sind eher selten: der He Ofo ‘ der hohe Ofen ’ (Fels in Ofenform? ) (Eisten), t Hinnere Ofne ‘ der hintere Teil der Öfen (Alp) ’ (Oberwald), Hochofen (Steg, laut SK, ev. Hochofen der Lonza bei Steg? ), t Obru Efu ‘ die oberen Öfen ’ (Baltschieder, Mund) und t Obru Ofulini ‘ die oberen kleinen Öfen ’ (Termen), t Undru Efu ‘ die unteren Öfen ’ (Baltschieder) und t Undru Ofulini (Termen) - meistens relative Lagebezeichnungen. Bei den Komposita mit Ofu als Grundwort dominiert der Typ Chalchofu ‘ Kalkofen ’ mit rund 90 Belegen im gesamten Oberwallis, einige davon mit Erweiterungen wie zum allten Kallchoffen (1623, Visperterminen), der Chalchofuschleif ‘ der Schleif beim Kalkofen ’ (Visp) und vielen anderen Belegen. Nur sechs Mal ist ein Bachofe ‘ Backofen ’ (Blitzingen und Varianten in Blatten, Ferden, Hohtenn, Randa, Wiler) belegt. Nur einmal findet sich im Giltofe ‘ bei der Stelle, wo Giltstein für Öfen ausgebeutet wurde ’ (Münster). in Schineren Offnen ‘ beim Ofen der Alpe der Familie Schiner ’ (1714, Binn) enthält einen Besitzernamen. Eine komplexere Form zum Altu Gipsofu ‘ zum alten Gipsofen (der früheren Gipsfabrik) ’ (Leuk) ist der einzige Beleg für einen Gipsofen. Ofu ist als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Acher, Blatta, Biel, Bord, Chnubel, Chrache, Flüe, Garte, Gletscher, Grabe, Grüeba, Gufer, Hore, Hüs, Lamma, Loch, Schiir, Schlüche, Spitz, Tal und Wang belegt. Ein Namennest bildet sich um Ofutal ‘ Ofental ’ (Saas-Almagell) mit Ofutalbach, Ofutalheeji, Ofutalhoru, Ofuntalpass und Ofuntalgletscher. Interessant sind auch die Namen Ofumannjisch Loch (Selkingen), ts Ofemanjiloch (Blitzingen), des Ofenmansgraben (Naters) - in allen Fällen ist der Ort gemeint, wo der Ofenmann (Ofensetzer) die Giltsteine für die Stubenöfen holte. Der Beleg t (e)Rüoduofuschipfa ‘ der Felsüberhang mit dem Ofen des Rüodu / der Felsüberhang des Rüodu Ofen ’ (Mund) ist uneindeutig: Ofu kann hier auch ein FaN sein (s. AWWB 302 s. v. Zumofen). Unklar ist die Ableitung Ofner (ursprünglich wohl ein Genitiv zu Ofu) in der Ofnerchrache, t Ofnerlamme, der Ofnerwang (alle Münster). Ein Simplex ist nicht belegt, sodass die Deutung unklar bleibt. Oggier (FaN) Oggier (FaN) ist der FaN Oggier, auch Otschier, Otschyer, Oetschier, Hogier, Otzier geschrieben (AWWB 187) und laut W. M EYER (1991, 209) im Bezirk Leuk belegt. Belegt sind: Ogier ‘ (in den Reben) der Familie Oggier ’ (1440 u. später, Varen). Die ältesten Belege haben 1440 eys ogier, 1589 ÿs oggier, 1649 eÿs Ogier, 1662 in die Ogiers usw. Der isolierte Beleg Jus Othschier (1767) ist wohl verschrieben aus Jns und basiert auf dem 1749 belegten in des Oggiers. jn Otschiersmatten ‘ in der Wiese der Familie Oggier ’ (1617, Niedergesteln) bezieht sich auf den gleichen FaN. Offiner (FaN) 315 316 <?page no="712"?> Ohri Ohri n. ist als im Ohri (1900, Binn) belegt. Es ist zu schwdt. Or, wdt. Oori, Dim. Oorli; Oore, -ini n. ‘ Ohr ’ (I D . 1, 412 f. bes. 414; G RICHTING 1998, 147) zu stellen. Es handelt sich um metaphorische Bezeichnung von Geländestellen, wie auch Chopf ‘ Kopf ’ und andere Körperteile. Oittzen Oittzen ist nur 1582 in Goppisberg als jn den Oittzen belegt. Die Lesung des Namens ist unsicher, wie eine Nachprüfung durch P H . K ALBERMATTER (p. c.) ergeben hat; insbesondere ist die Fortsetzung nach dem anfänglichen / oi/ problematisch. Als nächstliegende Form kommt ein noch gerundeter Beleg zum HL E ISCHT ‘ Schafstall ’ , der etwa 1304 in Eisten Oysten heisst. Eine Ableitung zum HL E TZ ‘ Weide ’ mit einem Diphthong / oi/ am Anfang ist nicht belegt; es gibt aber in Goppisberg den Namen Etzweid ‘ die Weide mit Viehfutter ’ . Beide Deutungen sind unsicher. Öl Öl ist nur 1795 in Agarn als in Öhlbaúm ‘ im Ölbaum (Olivenbaum) ’ belegt. Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2104, 900) ist der Ölbaum (Olea europaea) nur auf felsigen Hängen und kultiviert zu finden. Wenn es sich beim belegten im Öhlbaum tatsächlich um einen solchen Baum gehandelt haben sollte, ist dieser im Rottental doch sehr selten. Es kann sich aber auch um einen ähnlichen Baum handeln. Eine metaphorische Deutung ist nicht ausgeschlossen, aber nicht erkennbar. Ob eine Anspielung auf den Ölberg (Lk 22,39) vorliegt, ist unklar. Oleren Oleren ist nur 1527 in Turtmann als an der Oleren zum Tschuggen belegt. Weder in I D ., noch in G RICHTING (1998) findet sich ein Hinweis. Der historische Beleg gibt keine Deutung, die irgendwie auf eine ölhaltige Pflanze oder etwas Derartiges hinweist. Der Name bleibt deswegen ungedeutet. Oliverii (FaN) Oliverii (FaN) ist ein Genitiv zu einem FaN Olivier, der in Leuk und Varen inzwischen erloschen ist, geschrieben Olivier, Oliverii, Oliveri, Olivieri (AWWB 187). Belegt ist nur campum Oliverii ‘ das Feld der Familie Olivier ’ (1241 Varen). Ollme Ollme f. ‘ Ulme ’ (Betten) ist laut den historischen Belegen (1399, 1401, 1435 in Vlmon) zum Baumnamen Ulme zu stellen. Die frühen Belege stehen jedoch im Gegensatz zum dt. Baumnamen mhd. elmboum; die Form Ulme ist laut K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 940) erst im 15. Jhdt. aus dem lat. ULMUS entlehnt worden (auch I D . 1, 193). Lautlich würde Ollme eher dem romanischen olme, später orme entsprechen (FEW 14, 5), die historischen Belege liessen sich dann als Latinisierungen verstehen. Der Ortsname bezeichnet eine hochgelegene Alpe (2569 m). Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 214) ist jedoch die Berg-Ulme kollin-montan, also nur bis ca. 1000 m zu finden. Eine Deutung ‘ Ort, wo Ulmen wachsen ’ ist deswegen ausgeschlossen. Näher liegend wäre ein anderer Pflanzenname oder ein metaphorischer Ausdruck. I D . (1, 193) und G R W B (13, 1283) kennen Olm als Bezeichnung für den Molch. Dagegen sprechen aber die historischen Belege. Nach der Alpe wurde das Ollmehore (Betten), auch Ollmuhoru (Ried-Mörel), SK und LT Olmenhorn, 1: 10000 Olmehorn benannt, ein Gipfel mit 3314 m Höhe über dem Grossen Aletschgletscher. Olympia Olympia ist nur belegt in Olympiaplatz ‘ der Olympiaplatz ’ (Kippel). Der Platz liegt auf rund 2400 m. Vermutlich ist als Motivation an die Ähnlichkeit mit einem Ort für Olympische Skirennen gedacht. Olympia ist in Anlehnung an das griech. Olympos, den Götterberg, gebildet, zu dessen Ehren die Olympischen Spiele durchgeführt wurden. Olympiade - im Griechischen eigentlich die vier Jahre zwischen den Olympischen Spielen - wird als Benennung für diese verwendet (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 669 f.). Olz Olz ist nur 1266 als deys olz ‘ beim Bärlauch / bei den wilden Pflanzen im Weinberg ’ belegt; laut Dokument handelt es sich um einen Weinberg ( VINEA ). Es ist zu frz. ail ‘ Knoblauch, Lauch ’ zu stellen. G PSR (1, 217) nennt eine Reihe von Ortsnamen hierzu, etwa Auz und Aulx, die als / o/ ausgesprochen werden. Vgl. auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 82 s. v. Ail, Aulx). Sie verstehen es als Ail sauvage, genauer Bärlauch (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1284 s. v. A LLIUM URSINUM ). Laut G PSR (1, 218) kann das HL aber auch einfach wilde Pflanzen, auch in Weinbergen, bezeichnen. Omen (FaN) Omen (FaN) ist nur in hinder Elsa Omen Acher ‘ hinter dem Acker der Elsa Omen ’ (15? ? , Reckingen) belegt. Der Beleg aus dem 16. Jahrhundert bezieht sich auf einen Besitzernamen. Er kommt sonst nicht vor, liesse sich aber zu Öchi ‘ Oheim, mütterlicher Oheim ’ (I D . 1, 74) stellen (vgl. G R W B 13, 1198 ff.), wo auch Ohm belegt ist, (cf. HL O MLI (F A N)). Allerdings kennt SDS (4, 131) das 317 318 Omen (FaN) <?page no="713"?> Lexem Echi nur für die Walserorte, nicht für das Oberwallis. Wenn das HL hiervon abzuleiten ist, dann dürfte es sich um eine alte, nicht mehr lebendige Form handeln. Omli (FaN) Omli (FaN) ist nur ab 1548 in Reckingen als in Omlimatten ‘ in der Wiese der Familie Omli ’ belegt. Jüngere Dokumente von 1838 und 1842 haben Tomilimatten und Thomilimatten, da die ursrpünglich Form wohl nicht mehr verstanden wurde und der Name zu Thomas (als FaN Thomi, laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1840) ursprünglich nur im Kanton Bern verbreitet) gestellt wurde. Es handelt sich im historischen Beleg von 1548 um den gleichen FaN wie unter dem HL O MEN , der wohl zu O HM ‘ Onkel ’ (G R W B 13, 1198 ff.) zu stellen ist. Das Wort ist zwar im Wallis nicht bekannt (SDS 4, 131), dürfte aber als ältere Form, so noch bei einigen Walserorten, bekannt gewesen sein. Der FaN ist ein Diminutiv. Der FaN Omlin ist im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1254) für Sachseln und Sarnen im Kt. Obwalden belegt. Onz Onz ist nur 1335 in Agarn als eys onz belegt. Die Rede ist von einem Weingarten. Formal handelt es sich um einen Plural. Es kann sich fast nur um das Numerale lat. UNDECIM ‘ elf ’ handeln (FEW 14, 14 s. v. ŭ nd ĕ cim elf). Die nächstliegende Erklärung wäre, dass es sich um einen Weingarten handelt, der erst um elf Uhr Sonne hatte. Open Open ist nur in den Belegen Opental (FLNK, Kippel, zwei Belege), Oppemtal (FLNK Wiler, gleicher Ort wie ein Opental in Kippel), ts Opemtal (Blatten) und - etwas anders - ts Hoppuntal (Steg) belegt. Vermutlich handelt es sich um eine lexikalisierte präpositionale Konstruktion ob dem Tal (vgl. I D . 1, 68 f. s. v. ob; G RICHTING 1998, 146), die im Fall von Steg durch ein sonst unbelegtes Hoppun ersetzt wurde. Das in Ferden belegte ts Ottental erscheint auch als ts Opemtal, ist also gleich zu verstehen als ‘ ob dem Tal ’ . Alle Flurnamen benennen hochgelegene Orte (alle über 2500 m). Opfer Opfer n. ist nur einmal belegt in der Opfertschuggu (Täsch). I D . (1, 384) kennt das HL nur für das ‘ kirchliche Almosen ’ (I D . 1, 384). G R W B (14, 1293 ff.) kennt eine Reihe weiterer Bedeutungen als SACRIFICIUM etc. Vermutlich ist Opfertschuggu zu verstehen als ein Fels, auf dem man Opfer hätte darbringen können oder ein Felsen, dessen Besteigung ein Opfer darstellte, also metaphorische Benennungen. Beide Deutungen entsprechen aber nicht der Beschreibung “ Kleiner Felsen: Felsecke, unten steil, oben Weg hinein ins Tälchen ” . Opmi (PN) Opmi (PN) ist ein PN, nur belegt in ts Opmisch Hubil ‘ der Hügel des Opmi ’ (Bratsch). Es handelt sich um eine Kurzform des PN Otmar (I D . 1, 605) mit Assimilation des / t/ zu / p/ vor / m/ und der üblichen neutralen Kurzform auf / - I / für Männer; die Endung / sch/ kennzeichnet den Genitiv Singular. Or Or ist nur belegt in Goppisberg als im Haberor. Laut der phonetischen Umschrift ist das / o/ lang. Gwp. meint, der Name heisse ursprünglich im Haberort; vielleicht habe man hier den Maultieren Hafer gegeben. Diese Deutung versucht, den unverständlichen Namen durchsichtig zu machen. Soweit erkennbar, wächst an der Stelle heute kein Hafer; die Höhe von rund 1800 m lässt auch keinen erwarten. I D . (1, 412) gibt mehrere Deutungen von Or, doch kommt keine davon als Flurname in Frage. Da die Deutung unklar ist, bleibt auch die Segmentierung problematisch. G R W B (10, 86) kennt ein Haberrohr “ Hirtenpfeife, Schalmei ” , bezeichnet es aber als (damals) neues Wort im poetischen Kontext. Ob der Name ein HL R OHR aufweist (cf. HL R OHR ), ist sehr unsicher. Insgesamt ergibt sich keine Deutung. Oreletta Oreletta ist nur in Agarn belegt: 1349 Oreletta, 1495 pratum de Lorellieta, 1637 jn der Oriletten. Der Name dürfte zu lat. AURICULA oreille (FEW 25, 988 ss.) und frpr. orollhetta ‘ Petite oreille, oreillete ’ (B RIDEL 1866, 268) passen. B RIDEL erwähnt auch den Pflanzennamen A SARUM EUROPAEUM ‘ Europäische Haselwurz ’ , der allerdings nach L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 96) im Oberwallis nur im Simplongebiet wächst. Das Suffix entspricht diminutivem / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Es dürfte sich also, wenn die Herleitung stimmt, um einen metaphorischen Ausdruck handeln; das Stück Wiese würde dann einem kleinen Ohr gleichen. Orgelen Orgelen f. ist nur belegt in das Orgelen Lischlj ‘ der kleine sumpfige Boden mit Riedgras, dessen Ertrag der Orgel zu Gute kam ’ (1792, Ulrichen). Das HL ist zu schwdt. Orgele f. ‘ Orgel ’ (I D . 1, 447) und wdt. Oorgela (G RICHTING 1998, 147) zu stellen. Das URNB führt den Namen auf die erhöhte Lage des Grundstückes gleich der Kirchenempore mit Orgel zurück (URNB 2, 880). Im Fall von Ulrichen scheint das nicht zuzutreffen, da ein Lischlj kaum höher gelegen ist; vielmehr dürfte die Pfründe für die Orgel mit Omli (FaN) 319 320 <?page no="714"?> dem Ertrag des Lischlj beglichen worden sein. Etwas später ist Úrselenlischÿ (Ulrichen) belegt (cf. HL U RRSELE ). Die beiden sind wohl aus sprachgeografischen Gründen nicht zum “ Gerstenkorn am Lid ” (SDS 4, 53) zu stellen, da der Typ orgelet im Goms fehlt. Orgilischt Orgilischt m. ‘ der Organist ’ ist erwähnt in dr Orgilischtstuck ‘ das abgeteilte Stück Land des Organisten ’ . Das HL ist zu schwdt. Orgelist, Orgalist, Orgenlist m. ‘ Organist, Orgelspieler ’ , wdt. Oorgelischt, Organischt, Oorgälischt ‘ Organist ’ (I D . 1, 448; G RICHTING 1998, 147) zu stellen. Aus dem Beleg ist nicht zu ersehen, ob es sich um ein Stück Land für den jeweiligen Organisten oder für eine Person handelt, die als Organist bezeichnet wurde. Da aber Kippel auch dr Sigrischtustugg ‘ das abgeteilte Stück Land des Sigrists (Sakristans) ’ kennt, ist anzunehmen, dass es sich um den jeweiligen Funktionsinhaber handelt. Oriaccia Oriaccia ist nur in der Oriaschapass (Zwischbergen, auch FLNK; LT Passo di Oriaccia) belegt. Der Fusspass ist nach der Alpe di Oriaccia und dem Weiler Oriaccia (beide Italien) benannt. J ORDAN (2006, 395) kennt Oriaschgapass (Zwischbergen); die Gwpp. können den Namen jedoch nicht bestätigen. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Namen von Weiler, Pass und Alpe nicht. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Orme Orme m. kommt als eys ormes ‘ bei den Ulmen ’ (1355, Agarn; 1563 dys ormes), dÿss ormes ‘ bei den Ulmen ’ (1691, Leuk) und eys ormez ‘ bei den Ulmen ’ (1355, Turtmann) vor. Es ist zu frz. orme m. ‘ Ulme ’ , aus lat. Ŭ LMUS m. (f.) (FEW 14, 5 ff.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 174) zu stellen. Belegt sind nur Pluralformen. Ornavassu Ornavassu ist als Ornavasso der Name eines adligen Geschlechtes aus Oberitalien. Durch die Heirat mit Mathilde von Aosta, deren Familie seit 1249 das Vizedominat von Naters innehatte, wurde Jocelin von Ornavasso 1275 Viztum von Naters. Von den Aosta erbte er den wuchtigen Wohnturm in Naters (1899 in ein Schulhaus umgebaut) sowie Grund- und Herrschaftsrechte im Simplongebiet und im Goms. 1285 gingen Amt und Besitz an seinen Bruder Guido über und um 1300 an dessen Sohn Jocelin (nach B. Truffer: https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ artickles/ 023915/ 2009-10-27[18.12.2020; IW]). Der Ornavassuwäg (FLNK) in Naters erinnert an diese Familie. Zugleich ist der Ort Ornavasso im Valle d ’ Ossola eine alte Walsersiedlung, die von Naters aus besiedelt wurde. Ort Ort, Pl. Eerter n. ist zu schwdt. Ort, Pl. Ort, Örter, n. zu stellen, in FlN zur Bezeichnung einer rechtlichen Grenze oder eines äussersten Teils einer Stelle ‘ Ecke, Ende, Rand, Spitze ’ , mhd. ort n./ m., die Grundbedeutung war ‘ Spitze, Ecke ’ (Z INSLI 1984, 577; I D . 1, 480 ff., bes. 482; TGNB 2, 2, 420). In Komposita mit Pflanzennamen im Bestimmungswort sind wohl Gärten gemeint. Das Simplex erscheint in den Formen ts Oord (Saas- Almagell, Saas-Fee), am / äm / em Oord (Ausserberg, Ferden, Steinhaus, Zermatt), Ort (1399, Ried-Brig; 1396 Steg), das Ort (1305, Baltschieder; 1541 Bürchen), jm Ort (1436 u. später, Ernen; 1616 u. später, Raron) und jm Ortt (1507, Grächen). Soweit erkennbar, handelt es sich meist um abgelegene Stellen. Einen seltenen Plural t Orte (FLNK Orte) weist Gluringen auf, einen Plural des Diminutivs t Eertjini ‘ die kleinen Orte ’ (Bratsch); hierzu gehören die auf dem Gebiet von Gampel liegenden Eertjinitschuggä ‘ die Felsen bei den kleinen Orten ’ . Attributive Adjektive zum HL finden sich in das Bos o ᵉ rtt ‘ der böse Ort ’ (1527, Naters), vermutlich ein abgelegener, unfruchtbarer Platz, sowie am Fodren Ort ‘ am vorderen Ort ’ (1643, St. Niklaus), im Lengen Ohrt ‘ am langen Ort ’ (1791, Bellwald), ts Uister Ord ‘ der äussere Ort ’ (Ferden), am Undren Ort ‘ am unteren Ort ’ (1529, Binn) und an Fodren Ortt ‘ am vorderen Ort ’ (1577, Stalden). Vorangestellte Genitive zum HL sind: jn Bethen Ordt ‘ am Ort der Beth (PN) ’ (1565, Turtmann) und Martisbergero Orth ‘ der Ort der Leute von Martisberg ’ (1573, Martisberg). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita erscheint das HL primär im Typ Hanf-Ort ‘ Hanf-Garten ’ und zwar als t Häifeerter ‘ die Hanfgärten ’ (Eggerberg), Haifortji ‘ der kleine Hanfgarten ’ (Eggerberg), in den Hanfertren ‘ in den Hanfgärten ’ (1650, Bitsch), bÿ dem Hanffordt ‘ beim Hanfgarten ’ (1716, Visp), Heifort ‘ der Hanfgarten ’ (FLNK, Ried-Mörel). Hierzu gehört auch an den Wercho ᵉ rtern ‘ an den Orten (Gärten), wo Werch (Hanf und Flachs) gezogen wurde ’ (1542, Mund). Vermutlich ebenfalls eine Art Garten sind t Löübeertär ‘ die Laub-Orte (Gebiet, wo Laub gesammelt wurde? ) ’ (Bitsch). Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Bodu, Haalta, Matta und Stei. Komplexere Formen sind nicht belegt. Oschinu Oschinu ist eine Variante in einem Beleg von 1694 in Bratsch in den Aschinú vel Oschinú. Wie unter HL A SCHINU ausgeführt, legt die Konstruktion einen Plural nahe; es handelt sich um einen Teil eines Weingartens bei Getwing (Weiler von Bratsch). Es dürfte sich wohl um eine Diminutiv-Form des Baumnamens schwdt. Esch, 321 322 Oschinu <?page no="715"?> wdt. Escha, Eschä (Goms), Eescha (Lötschental), Esch ‘ Esche ’ handeln (I D . 1, 568; G RICHTING 1998, 73). Oscht Oscht ist zu Osten m. als Himmelsrichtung ‘ gegen Morgen, östlich ’ , ahd. ō stana, mhd. ō sten ā n zu stellen; es kommt im Namengut nur in jüngeren FlN vor. Die Kurzform Ost ist im Deutschen erst spätmittelhochdeutsch bezeugt (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 674). Die Himmelsrichtung ist jeweils vom Standpunkt des Benennenden aus zu sehen. Belegt ist es als ts Niwland Oscht ‘ das Neuland Ost ’ (Ulrichen; Koordinaten fehlen). Als Bestimmungswort erscheint es in der Oschtgipfel ‘ Gipfelname (4533 m), östlicher Punkt des Liskamms ’ (Zermatt), der Oschtgraad ‘ der Ost-Grat (des Allalinhorns) ’ (Saas-Almagell) und der Oschtviertil ‘ der östliche Viertel (Dorfteil von Agarn) ’ (Agarn). Als Adjektiv erscheint der Öschtlich Geerepass ‘ der östliche Geerenpass (LT Gerenpass; 1: 10000 Östlicher Gerenpass) ’ (Oberwald). Oskar (PN) Oskar (PN) kommt nur im Beleg z Osgisch Egg ‘ die Ecke des Oskar (PN) ’ (FLNK, Staldenried) vor. Es ist zu Osgi ‘ Oskar ’ (I D . 1, 570) zu stellen; im Beleg kommt es im Genitiv Singular vor. B RIGGGER (2017, 316) erwähnt den Vornamen als Osgisch für einen Grossvater. Otolfi (PN) Otolfi (PN) ist ein Genitiv Singular im Beleg in alpe Otolfi ‘ auf der Alpe des Otolf ’ (1232, Ried-Brig). Es handelt sich im einen PN. Bei F ÖRSTEMANN (1, 205) sind Namen dieses Typs als Otolf und ähnlich erwähnt. Ottafa Ottafa f. ist ein rom. Lehnwort zu lat. OCTAVA HORA (I D . 1, 604 s. v. Ottava; G RICHTING 1998, 148 s. v. Ottaafa, Ottafan (Mattertal), Ottaafu ‘ Hütezeit (Alpkühe, nachmittags), Ackerende (unten, Mattertal) ’ ). Der Name bezeichnet nach alter Zeitrechnung die achte Tagesstunde, also zwei Uhr nachmittags, der Zeitpunkt zu dem früher gemolken wurde. Später hat sich das Wort in der Walliser und Walser Mundarten östlich und westlich des Gotthards für die Melkzeiten am Nachmittag, die von Ort zu Ort unterschiedlich ausfallen können, durchgesetzt, aber auch für den eingepferchten Melkplatz oder den nach dem Melken benutzten Weideplatz (Z INSLI 1946, 184 f.; J UD 1945/ 46, 47 ff.; R ÜBEL 1950, 84). G ATTLEN (2007, 245 f.) gibt als Melkzeit zwischen 15 und 16 Uhr an. G RICHTING (1998, 148) spezifiziert für das Mattertal auch ‘ Ackerende ’ . Das Simplex Zer Ottafen ‘ bei der Stelle, wo nachmittags gemolken wurde ’ ist belegt in Bratsch, Erschmatt, Feschel und Guttet; ein Beleg von 1747 beÿ Ottaffen gilt für alle vier Gemeinden; zwei davon haben weitere Belege. Eine falsche Trennung führt zur Form Rotafen (Leuk); die historischen Belege zeigen 1544 u. später zer Ottafen, ab 1711 zum Rottafen, 1722 Zen Rottaffen. Letztere Namenform ist 1681 auch für Erschmatt, 1722 für Feschel belegt. Es handelt sich aber immer um den gleichen Ort. In Leuk gibt es weiter ts Oberrotafu ‘ der obere Teil von Rotafen ’ und ts Unnerrotafu ‘ der untere Teil von Rotafen ’ , sowie der Rotafuchanzil ‘ der Kanzel (m.), vorstehendes Gelände in Rotafen (Ottafen), das einer Kanzel gleicht ’ ; auch diese Namen bezeichnen in etwa den gleichen Ort. Das Simplex Otave (LT Ottafe) ist der Name einer Alpweide in Täsch. In Bitsch gibt es eine Ottovatola ‘ die Mulde bei der Abendweide ’ , die laut Gwp. auch Tabernaggel ‘ Tabernakel ’ heisst. In Brigerbad ist 1560 der Ottaffiertil belegt, also wohl der Teil des Dorfes im Westen (die Sonne steht zur Melkzeit westlich). Im Mattertal ist der Flurname nicht bekannt. Otto (PN) Otto ist nur in an der Ottenmatton ‘ an der Wiese des Otto (? ) ’ (1544, Unterbäch) belegt. Es handelt sich wohl um einen schwachen Genitiv des PN O TTO (cf. I D . 1, 606 s. v. Ötti; nur für Leerau), der jedoch schlecht belegt ist. Öüg Öüg n. kommt nur zweimal in Feschel und Guttet vor. In Feschel ist es als t Öügmattu belegt; dort ist auch die Rede davon, dass die Matte in Guttet Öügschtmatte heisse. In Guttet ist aber 1580 Augmatten belegt. Auf LT heisst die Wiese Teugmatte. Letzteres kann mit Agglutination des femininen Artikels erklärt werden. Der Name Öügschtmatte ist sonst nicht belegt, hingegen ist das HL Ö UGSCHT mehrfach erwähnt. Das HL Ö ÜG ist nur in diesem Kontext belegt und müsste metaphorisch erkärt werden: eine Wiese, die die Form eines Auges hat. Öugscht dagegen würde jene Wiese meinen, die erst im August bestossen wird. Die Sachlage ist aber so unklar, dass keine Deutung gegeben werden kann. Öugscht Öugscht ist ein HL, das zum Monatsnamen A UGUST zu stellen ist: schwdt. Augst, Augste m. Monatsname ‘ August ’ und wdt. Öugschte, Ögschte (Goms), Oigschtn (Lötschtal), Öügschtu ‘ August ’ (I D . 1, 153 f.; G RICHTING 1998, 148). Als FlN zur Benennung von Alpen und Weiden, die im August bestossen werden (RN 2, 380). Belegt sind rund 60 Flurnamen. Der anlautende Diphthong wird unterschiedlich geschrieben, neben dem hdt. Oscht 323 324 <?page no="716"?> Augst sind mehrere Diphthonge enthalten, die von R ÜBEL (1950, 3) behandelt wurden. Das Simplex ist als t Oigschtu (fem.! ) (Ergisch, FLNK Öigschtu) belegt. Die Beschreibung sagt, dass es sich um Wiesen und Äcker handle, die der Sonne abgekehrt und deswegen etwas später reif seien. Es handelt sich um ein Gebiet, dessen Gras erst im August gemäht wurde. Generell wurde das HL verwendet, um die Bestossung oder Nutzung eines Gebietes erst im August zu bezeichnen; die Deutung als ‘ Gebiet im Süden ’ scheint zwar ab und zu vorhanden gewesen zu sein, wurde aber in der Datenbank schliesslich nicht verwendet. Die historischen Belege enthalten alle / g/ , sind also nicht zu Awist oder ähnlich ‘ Schafstall ’ zu stellen. Eine Ausnahme könnte das in Naters 1697 belegte a ŭ f dem Augst Stall sein, das eventuell als ‘ Schafstall ’ zu deuten ist. Das HL tritt sonst nur als Bestimmungswort auf und ist verbunden mit den Grundwörtern Bord, Chumma, Matta, Stall, Tal, Tola, Wang und Weid. Häufig ist der Ausgangspunkt ein Bord oder eine Chumme, die als Alpe dient und erst im August bestossen wurde. Von diesen Namen ausgehend gibt es komplexere Konstruktionen, teilweise mit Adjektiven wie t Chleini Öügschtchumma und di Gross Öügschtchumma (beide Raron). Weiter können danach auch ts Öügschtchummuhoru (Raron), ts Öügschtchummtälli (Saas-Almagell) und weitere Bestandteile der Alpe benannt werden. Auffällig sind auch die Namen von Wasserleiten wie die Augst Borteri (1587 u. später, 1587 Ambolderi) ‘ die Wasserleitung vom / zum Öügschtbord (Bord, das erst im August bestossen wurde) ’ , Öügschtbortery (1768 u. später, Embd), Öügschtbordwasserleita ‘ die Wasserleitung vom Augstbord ’ (Zeneggen) und weitere. Oummli Oummli ist nur einmal in Reckingen 1632 im Oummli belegt. Der Name lässt sich unmittelbar nicht deuten. Am nächstliegenden ist wohl eine verlesene oder verschriebene Form im Ouwli ‘ bei der kleinen Aue ’ , wobei Aue sowohl eine kleines Stück Schwemmland, wie ein weibliches Schaf sein kann. Owlig (FaN) Owlig (FaN) ist zum FaN Owlig, Owling, Owlingz, Ouwling, Ouwlig, zen Owligen, Ovlig, Ovlinger, Aovling, Aulig zu stellen, einer alten, jetzt erloschene Familie des Oberwallis, die sich in mehrere Zweige teilte (AWWB 189). Sicher hierzu gehören zen Owillinguen ‘ bei den Leuten der Familie Owlig ’ (1320 u.später, Glis) und Owligo Wald ‘ der Wald der Familie Owlig ’ (1697 u. später, Glis). Weniger sicher sind die Belege der Offlich Bodu ‘ der Boden der Familie Owlig ’ (Ried-Mörel) mit historischen Belegen Offligo Boden (1636 u. später), sowie in Offligo Kummen ‘ in der Chumme (Mulde) der Familie Owlig ’ (1662 u. später, Ried-Mörel) und Ofligú Haús ‘ das Haus der Familie Owlig ’ (1679, Ried-Mörel). In diesen Belegen muss eine Entwicklung von / w/ zu / f/ angenommen werden, die möglich, aber nicht sicher ist. 325 326 Owlig (FaN) <?page no="717"?> P (siehe auch B) Paaji Paaji n. ist als lebender Name ts Paaji in Naters bezeugt; FLNK kennt den Flurnamen als Baji. der Paajichrachu ‘ der Chrache (Tobel) der Paajini (Welsche, hier Italiener? ) ’ (Zwischbergen) enthält das gleiche HL. Paaji, Baaji, Caaji (Leuker Berge) ‘ Welschwalliser ’ (G RICHTING 1998, 149; bei I D . 4, 1100 zu b ā je n ‘ unverständlich reden, kauderwelschen, plappern ’ und dem Plural Bâjini m. Bed. 2: ‘ Spitzname der Bewohner von Einfisch, Siders und andern französisch redenden Orten ’ ) ist belegt; das Benennungsmotiv in Naters und Zwischbergen scheint also ein Ort zu sein, der Menschen gehörte, die seltsam reden (also Welschwalliser und Italiener). Paalini Paalini ‘ die kleinen Schaufeln ’ ist ein Diminutiv Plural, der nur einmal belegt ist: di Paalini (Glis). Es handelt sich ursprünglich um mehrere kleine Äcker unterhalb des Weilers Holz (Glis) an der sog. Briggassa (Gasse nach Brig). Das HL ist isoliert und deswegen unklar. Am nächsten scheint eine Übernahme von lat. PALA ‘ Schaufel ’ aus dem Französischen (pale) oder Italienischen (pala) (cf. REW 6145, FEW 7, 476 und AIS 1427) zu sein. I D . (4, 1147) kennt P ā le(n) f. ‘ Schaufel mit bes. Bez. auf den breiten, flachen Teil derselben; Brotschaufel, womit der Teig in den Ofen geschoben wird; kleine, hölzerne Schaufel, womit der Ball geschlagen wird; Schaufel am Wasserrad; Ruderblatt ’ , doch ist das Wort praktisch nur für Graubünden belegt und wird auf das it. und rätorom. Wort pala ‘ Schaufel ’ zurückgeführt, das auch in RN 227 mehrfach erwähnt wird und dort als ‘ abschüssige Grasfläche, Weide ’ bezeichnet wird. Unser Wort scheint eher die kleine, flache Form der Äcker analog einer kleinen Schaufel zu bezeichnen. In jedem Fall ist es aber im Oberwallis isoliert, cf. aber HL P ALA . Paatisch (PN) Paatisch (PN) ist nur belegt in ts Paatisch Loch ‘ das Loch des Paati ’ (Varen). Es handelt sich wohl um den Genitiv der Kurzform eines PN wie z. B. Baptist (I D . 4, 1429). Paccot Paccot ist historisch seit 1346 als ol paccot ‘ beim Sumpf ’ in Leuk belegt. In Turtmann erscheint 1333 pons du paccot ‘ die Brücke beim Sumpf ’ . Das HL ist zu frpr. paccot m. ‘ Schlamm, Schmutz, Sumpf ’ (FEW 7, 475; B OSSARD / C HAVAN 2006, 75) zu stellen. Pachje Pachje ist als lebender Name di Pachje in Salgesch bezeugt. Die übrigen Belege sind historisch: in die obere Pachié (1767), Pachjen Brücke (ca. 1880), Pachjen Galachtren (ca. 1880) und die Pachjen … Strasse (ca. 1880). T AGMANN (Ms., 83 ff.) führt es auf spätlat. PASCUARIUM zurück; M ATHIER (2015, 88) stellt es s. v. Pachjä ebenfalls hierzu und deutet es als ‘ Weideland ’ (weitere Literatur bei den zitierten Autoren). Eine ältere Form findet sich beim HL P ASQUIER . Päggler Päggler ist als Päggler (Ergisch, FLNK und LT) belegt. Historisch erscheint 1634 jm Peckler, 1654 jm Pegler, 1742 im Begler und 1852 im Peckler. Das Register verzeichnet unter dem Namen Pägler ‘ Ödland, Weide, Eia, Moss ’ . Auf der Karte handelt es sich heute um ein etwas verbuschtes Stück Land. Die Form Päggler ist weder in I D ., noch in G RICHTING (1998) aufgeführt. Am nächsten kommt ihm der Eintrag Päggeta, Päkkätä (Goms), Päggluta (Mattertal), Päggleta (Schattenberge), Päggläta oder Päggäta, Päggläta (Leuk), Pägglätu ‘ Holzsplitter, Späne ’ (G RICHTING 1998, 149; E GLI 1982, 110 u. 126 f. kennt Pägglete als ‘ Holzabfälle ’ und stellt es versuchsweise zu baggle ‘ mit einem schlechten Messer an etwas herumschneiden ’ (I D . 4, 1073), (was kaum zutrifft). Es würde sich um eine kollektive / ETA / -Ableitung zum Stamm Pägghandeln (S ONDEREGGER 1958, 482 ff.). Das alternative Paagg ‘ Brei (nass, aus Erdreich), Teig ’ (G RICHTING 1998, 149) kommt kaum in Frage, da der Vokal lang ist, während das HL einen Kurzvokal enthält. Das HL bleibt deswegen in VSNB ungedeutet. Painasgga Painasgga erscheint in zwei Formen als Painasca ‘ die ebene Alpe ’ (Zwischbergen, SK Pajanasca Alp, LT Alpe Paianascia, FLNK Paianasca) und Pianasgga. J ORDAN (2006, 381) kennt sie als Pjanaschg, mit verschiedenen weiteren Varianten. Er vermutet eine Ableitung aus it. pianura ‘ Ebene ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1597), was wegen der Endung kaum zutreffen kann. Laut P ETRINI (1993, 112) liegt pian oder piano ‘ eben ’ zu Grunde, zu dem auch Ableitungen wie pianasc (Maggiatal) gehören, die unserem HL in der Form von J ORDAN entsprechen. Die alternative Form Painasgga oder Paianasca scheint eine deutsche Umformung von Pjanaschg zu sein, deren Bedeutung unklar ist. Paaji 327 328 <?page no="718"?> Pala Pala ist nur belegt in t Ober und t Unner Pala (Zwischbergen). J ORDAN (2006, 340) kennt die beiden Namen und stellt sie zu it. pala ‘ Schaufel ’ . Der Name wird dialektal in der alpinen Bergnamengebung auch zur Bezeichnung von Steilhängen oder von begrasten Abhängen gebraucht, die bis unter eine Felswand reichen (D EVOTO / O LI 2020, 1509 s. v. pala 2 ). Paläntu Paläntu ‘ Polenta, Gericht aus Mais ’ ist zu schwdt. Polënte n , wdt. Palänta, Poläntu, Paläntu f. ‘ Maiskörner, das daraus bereitete Mehl, Gericht, Brei aus Maismehl ’ (I D . 4, 1182; G RICHTING 1998, 149) zu stellen. Das HL ist nur belegt in der Paläntuplatz ‘ der Platz, wo man Polenta (Gericht aus Maismehl) kochte ’ (Gampel); der Platz befindet sich auf 1551 m ü. M. in einem Felsen mit kleinem Boden. Das it. Wort polenta geht ursprünglich auf lat. POLENTA ‘ Gerstengraupen ’ zurück (D EVOTO / O LI 2020, 1630). Palete Palete ist in Varen als di Pálete ‘ die kleine Schaufel ’ (wohl nach der Form des Grundstücks) belegt. Historisch erscheint 1649 in den Paleten, 1649 in den Palete, 1665 en Pallette, 1699 in die Palette, 1741 in die Paletten. Es ist zu fr. pala f., dim. palet(t)e ‘ Schaufel ’ (FEW 7, 476 ff.; B RIDEL 1866, 275 s. v. Paletta; B OSSARD / C HAVAN 2006, 18) zu stellen (cf.HL P AALINI ). Palionascha Palionascha ist nur 1461 in Zwischbergen als Palionascha belegt. Mangels näherer Angaben lässt sich der Name nicht deuten. Pallischji Pallischji n. ist nur einmal als ts Pállischji (Täsch, FLNK Palischji) belegt. Das HL ist sonst nicht belegt. Nahe dabei befindet sich das Plischi (FLNK), das in der Datenbank zu Pallischji gestellt wird, wohl aber zu schwdt. Lisch und wdt. Lischa, Lischä (Goms), Lischu ‘ Schilf, Riedgras ’ (I D . 3, 1459; G RICHTING 1998, 128) zu stellen ist, mit anlautendem P( E )-. Wie L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1384 - 1428 s. v. C AREX ) ausführen, ist diese botanische Oberart sehr weit und in unterschiedlichen Unterarten verbreitet. Pallischji dagegen ist nach BENB (1, 4, 173) zu Palesse, ein Rebstück bei Ligerz zu stellen, das in der Anmerkung auf lat. PALICIUM ‘ Holz-, Palisadenzaun ’ mit regulärer Entwicklung zu frpr. palesse zurückgeführt wird. Das HL P ALLISCHJI in Täsch ist wohl ein Diminutiv hierzu, also wohl zu deuten als ‘ der kleine Zaun ’ , obwohl in der Beschreibung kein Zaun erwähnt wird. Palma Palma f. ‘ Palme ’ wird an einigen Orten im Oberwallis für den Wacholder (J UNIPERUS COMMUNIS ) verwendet (M ARZELL 2, 1087 - er erwähnt Törbel und Lax; I D . 4, 1217 f.). Bei Belegen zum HL B ALMA kann Palma ‘ Palme ’ gemeint sein, etwa üf unner Baume ‘ auf dem Gebiet mit Palmen (Wacholder; J UNIPERUS COMMUNIS ) ’ (Blitzingen) (laut Gwp.). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 92) geben als Verbreitung die ganze Schweiz an. Palma wird als Gegenstück zum hdt. Palme verwendet! Panorama Panorama n. ist nur in Panoramabriggu ‘ Panoramabrücke ’ (Saas-Almagell) und Panoramawäg ‘ Panoramaweg ’ (Ernen) belegt. Auf der interaktiven Landeskarte ist Panorama auch für Naters belegt; es bezeichnet eine Flur direkt uterhalb der Strasse nach Blatten am Ausgang des Dorfes Naters. Das HL ist eine Neubildung aus dem Griechischen und meint heute im Deutschen ‘ Ausblick, Rundschau ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 680). Panter Panter kommt nur einmal in di Panterflüe (St. Niklaus) vor. Am nächstliegenden ist die Annahme, dass es sich um eine Fluh handelt, deren Form oder Farbe an einen Panther erinnert. Zum Lemma Panther siehe G R W B (13, 1424). Eine andere Deutung liegt nicht vor. Paradiis Paradiis n. ist nur als ts Paradiis ‘ das Paradies ’ (Wiler) belegt. Es ist zu schwdt. Parad ī s, Pared ī s n. ‘ Paradies ’ (im alttestamentarischen Sinn), in FlN zur Bezeichnung eines besonders schön gelegenen Ortes oder scherzhaft verhüllend für Orte in wilder, abgelegener Gegend (I D . 4, 1436 f.; URNB 2, 886 f.; LUNB 1, 2, 749 f.) zu stellen. Der Name ist erstbetont. G RICHTING (1998) kennt ihn nicht; hingegen weist G R W B (13,1453) das Wort auf; zur Herkunft siehe dort. Es handelt sich um Wiesen an der Lonza bei Wiler (Lötschen). Paragge Paragge f. ‘ Baracke ’ , auch Paragga ist zu schwdt. Baragg, Baragge f. ‘ Baracke, verächtliche Bezeichnung eines elenden, baufälligen Gebäudes; Soldatenunterkunft ’ , entlehnt aus frz. baraque ‘ Feldhütte ’ und it. baracca (I D . 4, 1437; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 90; G RICHTING 1998, 150) zu stellen. Das Simplex Paragge tritt in Binn auf, Paragga in Eisten. 329 330 Paragge <?page no="719"?> Einen vorangestellten Genitiv findet man in ts Furisch Paragga ‘ die Baracke der Familie Furrer ’ (Baltschieder). Als Grundwort in Komposita tritt das HL in Militeerbaragge ‘ Militärbaracke(n) ’ (Singular in Geschinen, Plural in Oberwald), Gaalgiparagga ‘ die Baracke (einer Firma) im Gaalgi ’ (Baltschieder) und Bärgparagga ‘ die Baracke am Berghang (früher Bleimine) ’ (Ferden) auf. Komplexer ist zer Indru Waldparaggu ‘ bei der Baracke im inneren (taleinwärts liegenden) Wald ’ (Steg). Als Bestimmungswort findet sich das HL in Baraggeschleif ‘ der (Holz-)Schleif bei der Baracke ’ (Lax) und Paragguwäg ‘ der Weg an den Baracken vorbei (? ) ’ (St. Niklaus). Pärätä (PN) Pärätä (PN) ‘ das Gebiet des Perrodus ’ ist nur in Leukerbad (FLNK) belegt und zwar unterhalb des Sportplatzes, R. G RICHTING hat Pärätä auf Blatt 10, Nr. 11 und zwar deutlich nordöstlich oberhalb des Sportplatzes. Trotz der unterschiedlichen Zuordnung handelt es sich wohl um ein grösseres Gebiet, das auf einen früheren Besitzer zurückgeht. Die Deutung ist identisch mit dem in Varen belegten Pärätu (cf. HL P ÄRÄTU ), also ‘ das Gebiet des Perrodus ’ . Der FaN ist in NWWB (1, 196) unter Perroud erwähnt. Pärätu (PN) Pärätu (PN) ‘ der Weinberg des Perrodus ’ , auch Bärätu, ist dreimal belegt: Bärätu (Varen, auch LT und FLNK), der Päretuwäg ‘ der Päretu-Weg ’ (Varen) und der Chlei Pärätuwäg ‘ der kleine Päretu-Weg ’ (Varen). Bärätu selbst ist der Flurname eines Weinbergs. Die historischen Belege haben ou perrotho (1589), jn die Perrotte (1661), Perrotto (1664), jm Perrothun (1667), in Perrotto (1679) usw. Später ändert der Vokal / o/ und wird entrundet; 1794 zu in Perretu. Die historischen Belege zeigen ein Maskulinum; der Beleg von 1661 ist offenbar als Plural gedacht. Es handelt sich entweder um einen PN Perrodus, der im 14. Jahrhundert im ganzen Oberwallis belegt ist (z. B. 1325 Perrodi de Turre, 1331 Perrodus de Turre (beide Niedergesteln), 1342 Perrodum filium Cristini (Albinen)), also ‘ der Weinberg des Perrodus ’ , oder um eine Ableitung von lat. PETRA ‘ Fels ’ (M EYER 1914, 169). B OSSARD / C HAVAN (2006, 64) führen eine ganze Reihe von Orts- und Flurnamen wie Perrey, Perres usw. auf, die zu petra zu stellen sind, doch ist keiner mit einem / t/ in der dritten Silbe dabei. Deswegen ist der PN Perrodus sinnvoller. Die Wege führen in das Gebiet des Perrodus. Der FaN ist unter Perroud (NWWB 1, 196) erwähnt. Pärgola Pärgola ‘ Weinlaube ’ ist zu lat. PERGULA f. ‘ Vorbau, Weinlaube ’ , it. pergola bzw. frpr. b ε rkla, daraus (w)dt. Pergola f. ‘ Vorbau, Laubengang ’ (< 17. Jh.) (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 693; E GLI 1982, 20, 299, 311 ff.; RN 2, 238) zu stellen. Für Branubergla (Salgesch) nimmt M ATHIER (2015, 115 s. v. Pranobergla) eine Zusammensetzung von Pra und dem FaN Berclaz an (AWWB 27) - so auch T AGMANN (Ms. 98 f.) - und bezieht den FaN auf das Appellativ Berkla ‘ Weinlaube, Reblaube, Rebspalier ’ . Der älteste Beleg hat pra de la Berclaz (1845), was eher auf das Appellativ verweist als auf einen FaN. Beide Hypothesen lassen sich mit einem Flurnamen verbinden. Die übrigen Belege beziehen sich auf das Lehnwort Pärgola in verschiedenen Schreibweisen: zen Berggellen (1572, Mörel), zvo Berkelle (1304, Lalden - im Kontext ist von vinee ‘ des Weinbergs ’ die Rede), dye Byell Bergolla ‘ die Weinlaube beim Hügel ’ (1620, Raron), tser Pärkolu ‘ bei der Weinlaube ’ (Visperterminen) und di Pärggolmatta ‘ die Wiese bei der Weinlaube ’ (Eggerberg). Der früheste Beleg von 1304 deutet darauf hin, dass das Lehnwort direkt aus dem Frpr. übernommen und nicht über das Hdt. entlehnt wurde. Pariiser Pariiser ist in ts Pariiserbodi ‘ der kleine Boden wie in Paris (unklar) ’ (Glis) belegt. Pariiser ist hier ein Adjektiv, kann aber auch als Nomen verwendet werden (I D . 4, 1445 mit vermutlich anderer Bedeutung). Laut Beschreibung handelt es sich um eine ebene Wiese zwischen “ Ännerholz ” und “ Holz ” . Auf SK befinden sich hier noch keine Gebäude; heute ist die Gegend überbaut. Das Benennungsmotiv könnte die Ebene sein. Pariser ist im Übrigen auch historisch 1927 unter Nr. 43165 Perischuhubil als ‘ Pariserhübel ’ aufgeführt, gehört aber wohl nur als Falsch-Schreibung zu diesem Flurnamen. Park Park m. ist als Grundwort zu der Steibockpark ‘ der Park mit Steinböcken ’ (Zermatt) - hier beschrieben als ‘ eingezäunter Felskopf ’ - und Tierpark ‘ der Tierpark (in Fiesch neben der Talstation der Luftseilbahn auf die Fiescheralp) ’ (LT, Fiesch) belegt. Als Bestimmungswort erscheint das HL zweimal in der Parkplatz ‘ der Parkplatz ’ (Grächen, Kippel). Während das Grundwort einen Park mit Tieren bezeichnet, ist das Bestimmungswort wohl vom Verb (ein Fahrzeug) parken abgeleitet. Vgl. Park und parken (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 684), die das Nomen aus frz. parc, das Verb aus neu-englisch to park ableiten. Pärätä (PN) 331 332 <?page no="720"?> Parniisa Parniisa f. ist nur als der Parnissachnubil ‘ der Hügel mit Parniise (Rebhühner, Steinhühner) ’ (Hohtenn) belegt. Das HL ist zu schwdt. Parn ī’ s (Pl. Parn ī ser) und wdt. Parniisa f. ‘ Steinhuhn; Rebhuhn ’ zu stellen. I D . führt es auf it. pernice, aus lat. PERDIX zurück (I D . 4, 1596 f.; G RICH- TING 1998, 150; D EVOTO / O LI 2020, 1581). Parnisch (PN) Parnisch (PN) ist nur belegt in in Parnisch Eÿen (1757, Agarn). Es handelt sich vermutlich um einen PN oder FaN im Genitiv: ‘ in der Aue des Parni / der Familie Parni ’ . Vermutlich handelt es sich aber um das 1711 belegte Perrini in in Perinis Eÿen ‘ in der Aue der Familie Perrin ’ (Agarn), cf. HL P ERINI (F A N). Pärrolji Pärrolji ist nur in Ausserberg als ts Pärrolji ‘ die kleine Perle; das kleine Gut der Familie Perren ’ belegt. Laut Gwp. seien dort früher Wohnhäuser gestanden, jetzt nur noch Wiesen und Scheunen. Es handelt sich um ein Diminutiv, vermutlich zu schwd. Bërli, auch Përle n ‘ Perle ’ und wdt. Päärla, Päärlä (Goms), Päärlu ‘ Perle ’ (I D . 4, 1592 f.; G RICHTING 1998, 149). Der Zwischenvokal / o/ verhindert die Dehnung des Stammvokals. Eine alternative Deutung würde das Diminutiv auf einen Besitzernamen zurückführen, etwa eine Form von Perren (NWWB 1, 192 ff.), wobei ein Diminutiv auf - LJI angenommen werden müsste. Da historische Belege fehlen und der Familienname für Ausserberg nicht belegt ist, kann keine Entscheidung getroffen werden. Parrot (FaN) Parrot (FaN) ist nur belegt in die Parrotspitza ‘ die Parrotspitze ’ . Es handelt sich um einen der Gipfel des Monte Rosa (4432 m), benannt von VON W ELDEN (1824, 36) nach J OHANNES F RIEDRICH W ILHELM P ARROT , einem deutschen Physiker und Arzt (1791 - 1841) (J ULEN 1951, 48; W ERLEN 2008, 559). Pärrti Pärrti n. ‘ Loch, Öffnung ’ ist nur als ts Pärrti und ts Unner Pärrti (beide Leuk) belegt. Die ältesten Belege sind 1405 ov Pertnix (Pertiox? , unsicher), 1543 ov Pertui, 1672 ou Pertuit, 1717 im Perthe. Auf LT ist Perti belegt. Der Name ist zu frz. pertuis m. ‘ Loch, Öffnung ’ zu lat. * PERTUSIARE ‘ durchstossen ’ (FEW 8, 285 ff.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 256) zu stellen. Parvus Parvus ‘ klein ’ ist nur in parui Zucky`n (? , Saastal) belegt; aus dem Dokument ist klar, dass es sich um einen Plural handelt.. Es geht um das lat. PARVUS ‘ klein ’ , also eine lateinische Übersetzung von chlei / chlii ‘ klein ’ . Das Nomen ist zum HL T SCHUGGE zu stellen: ‘ die kleinen Felsen ’ ; das Adjektiv parui kann kaum volkssprachlich sein, ist also ein gelehrtes Adjektiv. Paryz Paryz ist nur belegt in a saxo de laz paryz ‘ von der Fluh, die wie eine Wand aussieht ’ (Varen). saxum ist vermutlich ein Appellativ, hier als ‘ Fluh ’ übersetzt. la paryz gehört wohl zu lat. PARIES (Akkusativ: PARIETEM ) (cf. FEW 7, 652 f. s. v. paries wand). B OSSARD / C HAVAN (2006, 151) listen Flurnamen wie Parey, Paraz und Pare ‘ [p]aroi de rochers, sommet (Felswand, Gifpel) ’ auf. Das dt. Wandfluh entspricht diesem HL. Der Beleg ist auch unter Nr. 43165 Perischuhubil aufgeführt, gehört aber wohl nicht dorthin. Pas Pas ist zu frz. pas m. ‘ (enger, steiler) Durchgang, Übergang in den Bergen ’ , zu lat. PASSUS ‘ Schritt; Gangart des Pferdes, Fusspur; Durchgang; Stufe, Schwelle ’ (FEW 7, 736 ff.; B OSSARD / C HAVAN 1986, 256) zu stellen. Das HL ist dreimal belegt als der Padöböff ‘ der Pas de boeuf (Ochsenpass) ’ (Oberems), Pas d ’ Illsee ‘ der Illsee-Pass (LT), (Pass beim Illhorn Richtung Chandolin) ’ (Leuk) und historisch als ou paz de laschyrina ‘ der Saumpass gegen Abend (Westen) ’ (unsicher) (1566, Leuk). Ein pas ist im Gebirge nur ein Saumpass, kleiner als ein eigentlicher col ‘ Pass ’ . Päschäring Päschäring ist als lebender Beleg für Albinen nur bei M ATHIEU (2006, 13) bezeugt. Ein historischer Beleg jn Zeschering (1761) meint vermutlich den gleichen Ort. Beide Formen deuten auf romanischen Ursprung. Ohne weitere Belege lässt sich nichts Genaues sagen; am ehesten liegt eine Diminutiv-Ableitung auf lat. / - INA / zum Verb * PASSARE ‘ durchgehen ’ (FEW 7, 707 ff., bes. 715) vor, also etwa ‘ der kleine Durchgang ’ (vgl. B OSSARD / C HAVAN 2006, 138 s. v. Passière). Die Schreibform von 1761 ist entweder ein Lesefehler oder verschrieben. Päschta Päschta ist als di Päschta (Zwischbergen; SK Päste, LT und FLNK Pästa) belegt, eine Alpe im Laggintal. Daneben ist in der Datenbank auch der Päschtuwald ‘ der Wald bei der Päschta ’ genannt. J ORDAN (2006, 233 f.) kennt Päschta, Päschtusand, Päschtuschtäg, Innärs Päschtusand, Uissärs Päschtusand, Päschtugrabu, Päschtuwaald, Uissrä Päschtuwaald, Indru Päschtuwaald. Er vermutet italienische Herkunft, da die Alpe früher Italienern gehörte (J ORDAN 333 334 Päschta <?page no="721"?> 2006, 233). Das HL ist wohl zu it. pesta Pl. ‘ Spur ’ (cf. D EVOTO / O LI 2020, 1589) zu stellen, wohl in Bezug auf den Fussweg an der Laggina (Bach im Laggintal). Pasquier Pasquier ‘ Weideland ’ ist nur historisch erhalten und zu rom. Pa(s)quier u. ä., zu lat. PASCUUM ‘ Weide ’ (FEW 7, 704 ff.; B OSSARD / C HAVAN 1986, 140), resp. der Ableitung PASCUARIUM zu stellen. Das Simplex ist als ol pasquier (1335 u. später, Agarn und Salgesch), und ou pasquyer (1346, Varen) belegt. Glis hat 1279 de pascua, 1320 u. später dann pasquyer. In Salgesch sind weiter belegt 1630 ÿ pasquier jnferioribus ‘ in den unteren Weiden ’ und 1594 u. später eys licstes deys pasquier ‘ die langgezogenen Stücke Weideland ’ (cf. HLL P ACHJE und L ISTES ). Pass Pass ist zu schwdt. Pass m. wie nhd. ‘ Durchgang, Übergang (im Gebirge) ’ , aus mlat. PASSUS ‘ Engpass im Gebirge und in Wegen ’ (I D . 4, 1655 ff.; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 686; G RICHTING 1998, 150; URNB 2, 888 ff.) zu stellen Das HL kommt fast nur als Grundwort in rund 100 Belegen vor. Neben den bekannten Pässen Furgge (Furka), Gemmi, Gries, Grimsel, Nufenen und Simplon sind meist Übergänge von einem Tal in ein anderes gemeint. Die Namen beziehen sich auf den Ausgangs- oder Zielort oder auf naheliegende Fluren oder Gipfel. So gibt es der Adlerpass, der vom Mattertal ins Saastal führt, am Adlerhorn vorbei (Zermatt, Saas-Almagell), der Alaliinpass (Täsch) oder der Aleliinpass (Saas-Almagell) ebenfalls vom Mattertal ins Saastal am Allalinhorn vorbei und viele andere mehr. Solche Pässe sind Fusspässe im Hochgebirge, wie auch etwa der Fluchtpass beim Fluchthorn (Saas-Almagell). Manche der Pässe führen nach Italien, wie die verschiedenen Pässe in Zwischbergen: der Andollapass ‘ der Pass zur Andolla-Alpe ’ (Zwischbergen, LT Passo d ’ Andolla), der Oriaschapass ‘ der Pass zur Alpe von Oriaccia ’ (Zwischbergen. LT Passo di Oriaccia), der Potimmiapass ‘ der Pass bei der Alpe Pontimia (Zwischbergen) ’ (Zwischbergen, LT Passo di Pontimia), der Büsingpass ‘ der Pass zur Alpe Büsing ’ (Zwischbergen, LT Passo del Büsin), der Ragozzapass ‘ der Ragozza-Pass ’ (Zwischbergen; kleiner Pass noch auf Schweizer Seite bei der Bochetta Gattaschosa), der Russupass ‘ der Pass bei der Cima del Rosso ’ (Zwischbergen, LT Passo del Rosso), der Wallaropass ‘ der Pass nach Vallaro ’ (Zwischbergen, benannt nach der Kleinsiedlung Vallaro in Italien) ’ - nicht erfasst wurden hier weitere Pässe, die vom Zwischbergental in andere Oberwalliser Täler führen. Ausser den Pässen nach Italien gibt es einige in den Kanton Bern, neben dem Grimselpass (Oberwald) etwa der Gemmipass (Leukerbad) oder der Trützipass ‘ der Pass von der Alp Trützi über den Aargrat in den Kanton Bern ’ (Geschinen), den Kanton Uri, wie der Dammapass ‘ der Dammapass (Pass zwischen Dammastock und Rhonestock von Oberwald nach Uri) ’ (Oberwald) und der Mutpass ‘ der Mutpass (LT Muttpass) bei den Muttenhörnern (benannt nach Mutten im Kanton Uri) ’ (Oberwald) und den Kanton Tessin mit der Nufenepass ‘ der Nufenenpass ’ (Ulrichen) und der Ggornopass ‘ der Pass, der ins Val Corno (Horn) ’ (Ulrichen) führt. Als frpr. Element ist der Traguipass ‘ der Pass oberhalb der Alpe Tracuit (LT Col de Tracuit) ’ (Oberems) belegt. Fast überall lassen sich noch weitere Pässe aufführen. Neben den zweigliedrigen Komposita gibt es auch eine Reihe von komplexeren Konstruktionen: Alt Nufenepass ‘ der alte Nufenenpass (heutige Strasse ist nordöstlich davon) ’ (FLNK, Ulrichen), der Breithorepass ‘ der Pass unterhalb des Breithorns ’ (Zermatt), der Breithorupass ‘ der Pass beim Breithorn ’ (Simplon, Zwischbergen), Chaltwasserpass ‘ der Pass beim Kaltwassergletscher ’ (FLNK und LT, Ried-Brig; SK Kaltwasserpass), Chaschtlertellipass ‘ der Pass ins Chaschtlertelli (kleines Tal beim Chaschtler) ’ (FLNK u. LT, Niedergesteln) und viele andere mehr. Mit attributiven Adjektiven sind besonders der Öschtlich und der Weschtlich Geerepass ‘ der östliche und der westliche Gerenpass ’ (Oberwald) und Hinter Allalinpass ‘ der Pass über dem hinteren Allalingrat ’ (FLNK u. LT, Saas-Almagell) zu erwähnen. Speziell ist auch Waldesertapass ‘ beim Pass ins Val Deserta (Deserta- Tal in Italien) ’ (Binn). Nur ganz seltene Belege weisen das HL als Bestimmungswort auf: di Grimselpassheeji ‘ die Höhe des Grimselpasses ’ (Oberwald), Lötschepasshütte ‘ die bewartete Hütte auf dem Lötschenpass ’ (Ferden). Ein Diminutiv ist nur einmal belegt: ts Galupassji ‘ der kleine Pass oberhalb des Galenbergs (begraster Berghang) ’ (St. Niklaus). Neben dem HL P ASS werden auch die HLL F URGGA und J OCH häufig für Bergübergänge verwendet. It. ist das HL P ASSO , frz. HL P AS und C OL . Passeraub (FaN) Passeraub (FaN) ist nur belegt in ts Passeröitsch Acher ‘ der Acker der Familie Passeraub ’ (Erschmatt). Der FaN Passaraub, Passeraub ist als Familie von Erschmatt und Bratsch (AWWB 191) belegt. Passo Passo ist zu it. passo m. ‘ Pass, Übergang in den Bergen ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1547 s. v. passo 2 ) zu stellen (cf. HL P ASS ). Die belegten Namen befinden sich entweder auf der Grenze zum Kanton Tessin: Passo dei Sabbioni (LT, Pasquier 335 336 <?page no="722"?> Oberwald; FLNK Passo del Sabbioni), benannt nach einem Gebiet auf der Tessiner Seite (cf. HL S ABBIONI ), und den daneben liegenden Passo Superiore di Pesciora und Passo Inferiore di Pesciora (LT, Oberwald), die beide neben dem Pizzo Pesciora liegen (cf. HL P ESCIORA ), oder der Grenze zu Italien. In Binn sind belegt: Passo della Rossa ‘ Rotpass ’ (FLNK, LT) neben der Punta della Rossa ‘ Rothorn ’ (LT), Passo di Cornera (it. Name für Chriegalppass) neben dem Pizzo Cornera (dt. Gischihorn), beide wohl zu Corno ‘ Horn ’ (P ETRINI 1993, 92), Passo di Valdeserta ‘ der Pass hinüber zur Alpe di Valdeserta ’ . In Ried-Brig gibt es den Passo Terrarossa ‘ der Pass bei der roten Erde ’ , (LT), der beim Wasenhorn (it. Punta Terrarossa (LT) durchführt, der ‘ Spitze mit der roten Erde ’ . In Zwischbergen sind belegt Passo Alto ‘ der hohe Pass ’ (LT), Passo d ’ Avino ‘ der Pass von Avino ’ , ein Name auf it. Seite (cf. HL A VINO ), Passo del Rosso ‘ der Rosso-Pass) bei der Cima del Rosso ’ Passo di Monscera ‘ der Pass hinüber zur Alpe di Monscera ’ (LT; FLNK, Monscheerapass), Passo Fnè ‘ der Pass Fnè ’ (LT, auch J ORDAN 2006, 293) und Passo Ggarneera ‘ der Pass bei der Garneera ’ (Zwischbergen; FLNK, Garneerapass, auch J ORDAN 2006, 300) neben dem Monte Carnera (heute Monte Valgrande) oberhalb eines Gebietes Carnera (J ORDAN 2006, 300 Garneerä) (cf. HL G GARNEERA ). In Saas-Almagell sind belegt: Passo di Antigine (dt. Ofentalpass) beim Pizzo di Antigine (dt. Spechhorn), wohl nach einem Gebiet in Italien benannt, Passo di Camposecco, der sich oberhalb des Gletschers von Camposecco befindet, bei einem Gebiet Camposecco (cf. HLL C AMPO und S ECCO ) auf it. Gebiet, Passo di Cingino (dt. Jazzilücke) zwischen Pizzo Cingino Nord (dt. Jazzihorn) und Pizzo Cingino Sud, benannt nach der Alpe Cingino (cf. HL C INGINO ). In Zermatt ist Passo di Ventina Sud (LT) belegt, ebenso wie Passo di Ventina Nord (LT) (cf. HL V ENTINA ). Die Namengebung erfolgte teilweise von italienischer Seite her, teilweise wohl von den Kartografen. Das HL meint aber immer einen ‘ Pass, Übergang in den Bergen ’ . Pastor Pastor ‘ Hirte ’ ist nur 12? ? und 1320 in Termen als Cristam pastorum ‘ beim Hügel der Hirten ’ belegt. Vermutlich ist dies die lat. Übersetzung eines Namens, der auf deutsch jedoch nicht vorliegt. Pastours Pastours ‘ die Weiden ’ ist 1328 in Ergisch als eys Pastours und eys Postours belegt. In beiden Fällen scheint es sich um eine kleine Alpe (l ’ Alpeta) zu handeln. Der Beleg gehört zu lat. PAST Ū RA ‘ Weide ’ (FEW 7, 763), ist aber im FEW nicht verzeichnet. B OSSARD / C HAVAN (2006, 140) führen den ähnlichen Typ PASCUUM ‘ pâturage ’ (Paquier etc.) auf; am nächstliegenden könnte das von ihnen belegte Patier (VS) zum vorliegenden HL passen. Pater Pater ist als Paterwäg (FLNK, Ried-Brig; auch 1: 10000) im Tal der Taferna belegt. Es ist unklar, welche Patres (geistliche Ordensangehörige) hier gemeint sind; es gab in Brig die Jesuitenpatres und auf dem Simplon die Chorherren von St. Bernard. Paterwe Paterwe ist 1589 für Leuk im Beleg in pra paterwe (mit unsicherer Lesung) bezeugt. pra ist ‘ Wiese ’ . paterwe ist am ehesten zu putarwa ‘ schlechter Weg ’ (T AGMANN 1946, 64) zu stellen, das für Cordona belegt ist. T AGMANN führt es auf put, putta ‘ schlecht, hässlich ’ aus lat. PUTIDA und rwá ‘ Weg ’ (M EYER 1916, 171) zurück. Der Name ist also zu deuten als ‘ die Wiese beim schlechten Weg ’ . Patiänza Patiänza f. ‘ die Blacken (französisch: patience sauvage) ’ ist nur in di Patiänza (Glis) belegt, wo es Wiesen östlich des Weilers Holz bezeichnet. Dem HL liegt der französische Pflanzenname patience (sauvage) ‘ Blacke ’ (R UMEX OBTUSIFOLIUS , cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 290) im dialektalen Plural zu Grunde (FEW 5, 168 s. v. lapathium sauerampfer). Die Aussprache mit / t/ an Stelle des französischen / s/ ist wohl schriftsprachlich. Patiljott Patilljott n. (mit Endbetonung) ist der Name einer Flur in Visperterminen, wozu di Patiljottschugge ‘ die Felsen beim Gebiet Patiljott ’ und ts Patiljotwägji ‘ der kleine Weg durch das Gebiet Patiljott ’ gehören. Es dürfte sich um eine Weiterbildung auf / - OT / n. zu Patillu (cf. HL P ATILLU ) handeln; die Endbetonung deutet auf eine romanische Ableitung. E GLI (1982, 290 u. 309 ff.) notiert zwar keine derartige Ableitung; B OSSARD / C HAVAN (2006) erwähnen aber das Suffix / - OTTU ( M )/ mit einer diminutiven Bedeutung. Daraus lässt sich schliessen, dass der Name ungefähr ‘ das Gebiet, das aussieht wie ein kleines Trinkfass ’ bedeutet. Patillu Patillu f. ‘ Holzfässchen ’ ist zu schwdt. Batílle n , wdt. Batilla ‘ kleines Weingefäss, Holzfässchen, dergleichen die Fuhrleute und Säumer mit sich führen ’ , ‘ Trinkfässchen aus Holz ’ zu it bottiglia ‘ Flasche ’ (I D . 4, 1805; G RICHTING 1998, 32 f. und 150) zu stellen. Es ist belegt in ts Patilluloch ‘ das Loch, wo man das Trinkfässchen aus Holz füllen kann ’ oder ‘ das Loch, das einem Trinkfässchen aus Holz gleicht ’ (Stalden). 337 338 Patillu <?page no="723"?> Patrii Patríí ‘ Batterie ’ f. ist nur in di Patríí ‘ die Batterie ’ (Simplon) belegt. J ORDAN (2006, 119 f.) kennt Patrii und als Variante zu Unnärs Louwwigrabunegg auch Patriiv ͦ heer. Es handelt sich um den Dorfteil von Simplon beim Fletschorn im Südosten des Dorfes. Nach A RNOLD (1984 [1947], 154) hätten hier Österreicher 1815 unter dem General Bubna ihre Kanonen aufgestellt. Der Name ist zum urspr. frz. batterie (d ’ artillerie) ‘ Reihe der Geschütze ’ und dt. Batterie im gleichen Sinn (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 96) zu stellen. Patrull Patrull ist nur belegt in di Patrullaarba (Zermatt). Nach J ULEN ET AL . (1995, 210) bezieht sich der Name auf eine Arve, bei der eine französische Patrouille 1798 niedergemacht wurde. Patrull ist zu schwdt. Patroll, Patrulle(n), Patrulie(n) f. ‘ Patrouille ’ (I D . 4, 1807) zu stellen; G RICHTING (1998) kennt das Wort nicht. Inwieweit die Namensmotivation heute durch die Patrouille des Glaciers, einen Hochgebirgswettlauf der Schweizer Armee von Zermatt (bzw. Arolla) nach Verbier (www.pdg.ch[gs/ 04.10.10]) ersetzt ist, bleibt unklar. Patschi Patschi ist nur als di Patschini (Bitsch) und Patschiwald (FLNK, Bitsch; 1: 10000 Batschiwald) belegt. Das HL kommt sonst nicht vor. Es gehört am ehesten zu Patsch; Pätsch, Batsch m. ‘ Schall eines Schlages, Falles; klatschender Schlag, Fall, z. B. von einem flach ins Wasser fallenden Gegenstande ’ , ‘ breit geschlagene, formlose Masse, Klumpen, z. B. von Teig, Kot, Schnee, geronnenem Blut u. ä. ’ , ‘ Masse, Haufen, Menge ’ , ‘ Unterlage (unter Tragriemen, Kindbettchen), Lappen ’ (I D . 4, 1425). Der Plural Patschini weist wohl auf die dort wachsenden Lärchen hin; das HL ist aber so nicht belegt. Paueret Paueret ist nur einmal 1669 für Leuk als im Paueret belegt. Trotz der deutschen Präposition liegt ein frz. oder frpr. Name eines Ackers vor. Wenn / au/ als / o/ zu lesen ist, wäre zu vergleichen Boveret, das laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 187) mit dem Suffix / - ARICIU ( M )/ gebildet wurde und ‘ die Rinderweide ’ bedeutet. Paulus (PN) Paulus (PN) ist nur 1639 in Unterbäch als in Paulus Matten ‘ in der Wiese des Paulus ’ belegt. Der PN ist zu Paul(us) (I D . 4, 1157 f.) zu stellen. Pausset Pausset erscheint 1804 als beim Paússet in einem Beleg, der sowohl Leuk wie Salgesch zugeordnet ist. Es handelt sich wohl um eine Grenze zwischen den beiden Gemeinden. Der Name ist nicht ganz klar, da 1804 ein bestehendes / ou/ auch als hdt. / au/ geschrieben werden kann. T AGMANN (1946, 3) führt die verschiedenen bei ihm belegten Namen auf ein Verbalsubstantiv zu frz. pauser ‘ ausruhen ’ zurück. Eine maskuline Ableitung auf / - ITTU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) bezeichnet eine kleine Ruhestelle. Payno Payno ist nur 1745 als in Payno (Zwischbergen) belegt. Es handelt sich um das heute so geschriebene Paglino (Italien), so nach R. A RNOLD (p. c.), der eine Reihe von Notizen aus den Taufbüchern von Gondo hat: 1667 Palgino, 1694 loco Paglini, 1706 de Palino, 1708 ex Palyno, 1716 bis 1841 Paino (fünf Mal)). O LIVIERI ( 2 1961, 399) kennt Paìna und erwähnt it. paglia ‘ Stroh ’ ; O LIVIERI (1965, 250) stellt Pagliaro zu ‘ Bauten, die der Aufbewahrung von Stroh dienten ’ . D EVOTO / O LI (2020, 1508) haben it. paglia ‘ Stroh ’ . Ob die Deutung auch für Paglino, bzw. Payno, gilt, ist unklar. Pe Pe ist nur belegt in di Periebe (Unterbäch), mit der Betonung auf der zweiten Silbe. LT notiert ebenfalls Periebe, FLNK hat Parieba, offenbar ein Singular. Zu vermuten ist, dass sich der Name aus einem Präfix / BI -/ BE -/ , dem vokalischen Vorschlag zum anlautenden / r/ und dem HL R IEBA (cf. HL R IEBA ) gebildet hat. Bi-Rieba ist sonst nicht belegt, dürfte aber ein Kollektiv darstellen. Die Deutung von Rieba ist unklar (am ehesten ‘ geripptes Gelände ’ ). Pe ist hier also kein selbständiges HL, sondern vermutlich das Präfix / BE -/ BI -/ , wie beschrieben. Parieba (FLNK) ist eine Rekonstruktion des Singulars aus dem nicht mehr verstandenen pluralen Periebe. Pede Pede ist vermutlich zu lat. P Ē S , PEDIS fuss (FEW 8, 293 ff.) zu stellen; es kommt immer als in pede vor. Historisch ist es in vier Belegen bezeugt: in pede de la Giety ‘ am Fuss der Gieti (Voralpe (frpr.) ’ (1548 und 1631, Albinen), in pede dou mares ‘ am Fuss des Sumpfgebietes ’ (1353 u. später, Salgesch), in pede dov Perty ‘ am Fuss des Loches ’ (1495, Salgesch) und jn pede de la Pierra ‘ am Fuss des Felsens ’ (1579, Salgesch). in pede wurde hier wörtlich als ‘ am Fuss von ’ übersetzt, dürfte aber einfach ‘ unten ’ heissen. Die Form in pede ist etwas überraschend, vermutlich lateinisch, denn sonst würde pyá ‘ Fuss ’ (e. g. G ERSTER 1927, 58) oder ähnlich erwartet. Patrii 339 340 <?page no="724"?> Peetschig (PN) Peetschig (PN) ist nur in Peetschig ‘ das Stück Land des Peter ’ (Eggerberg) belegt, das historisch 1859 als im Petschig erscheint. Es dürfte sich zum PN oder FaN Peter oder seinem Diminutiv Peetschi, mit einer kollektiven / - IG / -Ableitung, stellen lassen. Während die Personen- und Familiennamen Peter (cf. HL P ETER (PN)) und Petrig (AWWB 194) mehrfach belegt sind, fehlt zwar Peetschig, muss aber wohl hierzu gestellt werden. Peisch Peisch ist nur als Bestimmungswort in Peischchumma (LT), t Obri und t Undri Peischchumma (alle Ausserberg) belegt. Historisch erscheint der Name 1729 auff der Peschkummen. Am nächsten kommt dem HL das Verb beiste n ‘ schwer, stossweise atmen, keuchen, stöhnen, ächzen, jammern ’ (I D . 4, 1793), wenn angenommen wird, dass das auslautende / t/ an das folgende / x/ assimiliert wurde. G RICHTING (1998, 152) kennt zwar das Verb nur als piischte, piischtä (Goms), biischtä (Lötschental), piischtu ‘ keuchen, seufzen, klagen ’ . I D . (4, 1793) nimmt jedoch an, dass der Vokal ein altes / ei/ sei, im Ablautverhältnis zu piischte. Zu verstehen wäre der Name dann als Chumme, deren Ersteigung einen keuchen lässt. Peleryn (PN) Peleryn (PN) ist nur einmal in la comba peleryn ‘ die Mulde des Peleryn ’ (1375, Varen) belegt. Es handelt sich um den PN Peleryn (W. M ÜLLER , p. c.), der aus lat. P Ĕ R Ĕ GR Ī NUS freund (FEW 8, 232 ff.) mit Liquidendissimilation abgeleitet wird. Pelline Pelline ist - zusammen mit Val ‘ Tal ’ - in den beiden nur auf LT belegten Col de Valpelline und Tête de Valpelline (beide Zermatt) belegt. Das Tal und die Gemeinde Valpelline liegen nördlich von Aosta. J ACCARD (1906, 487) führt den Namen auf lat. VALLIS PENNINA ‘ das Penninische Tal ’ zurück; lat. A LP Ē S P OEN Ī NAE ist der Name für die südlichen Alpen des Wallis, der MONS POEN Ī NUS ist der Grosse St. Bernhard, auf dem ein ursprünglich keltischer Berggott des gleichen Namens verehrt wurde (laut https/ / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 00852/ 2009-02/ 23/ [12.03.2019; IW]). Pelnea Pelnea ist nur 1544 in Leuk belegt als ad pelnea. Es handelt sich vermutlich um eine Falschschreibung zu lat. BALNEA ‘ Bad ’ , das sich auf Leukerbad bezieht. Pen Pen ist nur zweimal historisch belegt als Pen Akere (1302, Mund), wobei die Lesung unsicher ist und auch Fen heissen könnte, und 1527 in Naters als das Ben Mettilti. Die in I D . belegten Ben (4, 1288) (für ein Öl, das aus dem Meerrettichbaum (Moringa oleifera) gewonnen wurde) und P ē n ‘ Marter ’ (4, 1286) kommen kaum in Frage. Die Alternative Fen (für Fen Akere) könnte zu Fenn II ‘ Sumpfland ’ (I D . 1, 833) gestellt werden, von dem angenommen wird, dass es nur noch in Flurnamen vorkomme (cf. HL F EN ). Eine romanische Form für Fen ‘ Heu ’ ist eher unwahrscheinlich. Während die Deutung für Fen möglich ist, lässt sich für Ben Mettilti keine geben. Per Per ist eine Nebenform von HL B ERR ‘ Beere ’ und kommt wie folgt vor: Heiperfad ‘ das Felsband mit Heidelbeersträuchern ’ (FLNK, St. Niklaus), t Heiperpletschu ‘ die Pletschu (Ebene) mit Heidelbeersträuchern ’ (Ergisch), zer Heiperschiir ‘ bei der Scheuer mit Heidelbeersträuchern ’ (Visperterminen), der Heiperwald ‘ der Wald mit Heidelbeersträuchern ’ (Oberems, auch LT und FLNK) und mit attributivem Adjektiv der Wiiss Heitpertschuggu ‘ der weisse Heidelbeerfels ( ‘ weiss ’ bezieht sich laut G. I MBODEN (p. c.) auf den Fels, die ‘ weissen ’ Heidelbeeren der Gwp. sind unbekannt) ’ (Hohtenn), wo Gwp. sagt, dass die Heidelbeeren weiss bleiben, auch wenn sie reif seien. Heiper ist zu Heid-Ber(i) ‘ Heidelbeere ’ (I D . 4, 1465) zu stellen. G RICHTING (1998, 105) kennt ein Verb heippere, heippru (Vispertäler), heitu ‘ Heidelbeeren sammeln ’ , das Nomen allerdings nicht. Pera Pera ist nur 1369 in Salgesch als a la pera ‘ beim Felsen ’ belegt. Es ist wohl als Singular zu lat. PETRA ‘ Fels ’ zu stellen (M EYER 1914, 169; T AGMANN 1946, 21; B OSSARD / C HAVAN 2006, 64) (cf. HLL P ETRA und P IERRA ). Perini (FaN) Perini (FaN), auch Perrini ist der FaN Perren, auch Perrini usw. zum Taufnamen Perrinus (AWWB 176). Er ist belegt in in Perinis Eÿen (1711, Agarn) und in der Perrinigen Zelg ‘ in der Zelg der Familie Perrin ’ (1702, Agarn). Vermutlich gehört auch das HL P ARNISCH hieher. Pernig (FaN) Pernig (FaN) ist nur 1544 in Unterbäch als iuxta dem Pernigschleiff belegt. Während FaNN wie Perrig und Perren als Verschreiber in Frage kommen, scheint am nächstliegenden Bërnhart (I D . 4, 1597) gemeint zu sein, zu dem es auch Kurzformen, darunter Bërnig gibt, das allerdings nicht für das Wallis belegt ist. Alle drei 341 342 Pernig (FaN) <?page no="725"?> Deutungen sind unsicher, deswegen wird nur der FaN Pernig gegeben; der PN ist aber unsicher. Peroldo (FaN) Peroldo (FaN) erscheint 1549 als in Peroldo Kumben ‘ in der Chumma (Mulde) des Peroldus / der Familie Perroud ’ (Guttet). Peroldo ist hier wohl ein Genitiv Singular, obwohl es formal als Dativ oder Ablativ erscheint. Eine starke Form jn Perrols Kumma (1560) und eine verdeutschte, schwache Form jn Perrolten Kumben (1572) sind weitere Formen. Laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ sind Perron (2, 1392) und Perroud (2, 1393) im französischsprachigen Wallis belegt (vgl. auch NWWB 1, 196). Guttet gehört zum westlichen Bezirk Leuk, und war weit ins 16. Jahrhundert zweisprachig. Perren (FaN) Perren ist ein gut bezeugter FaN. Belegt sind ts Peremättelti ‘ die kleine Wiese der Familie Perren ’ (Grengiols), der Genitiv in Perischmatten ‘ in der Wiese der Familie Perren ’ (1745, Blitzingen) und in Perris Egerden ‘ das Brachland der Familie Perren / des Perri (Peter? ) ’ (1603, Steg). AWWB (192 f.) führt den FaN Perren, auch Perrin, Perrini, Perris, Perrisch usw., vermutlich zum Taufnamen Perrinus auf. Es handelt sich um eine noch bestehende Familie des Bezirks Goms, die seit dem 14. Jh. in Fiesch, im 16. Jh. auch in Bellwald und später auch an anderen Orten des Oberwallis bekannt ist. Perreri Perreri f. ist nur in Gampel 1355 als en la perrery ‘ im Geröll ’ belegt. G. P ANNATIER (p. c.) versteht es als pierrière, also zu p ě trarium ‘ Steinbruch ’ (FEW 8, 323), das u. a. als perrière belegt ist. Wie B OSSARD / C HAVAN (2006, 64) ausführen, werden Namen dieses Typs im Gebirge für Geröll (éboulis), im Flachland für einen Steinbruch (carrière) verwendet. In Gampel dürfte von der Lage her der erste Sinn gelten. Perrey Perrey ist belegt als ol perer ‘ beim Stein ’ (1337, Albinen; 1602 ÿ pereÿ), dou perer ‘ vom Stein ’ (1354, Leuk) und ol perrey ‘ beim Stein ’ (13. Jh., Turtmann). B OSSARD / C HAVAN (2006, 64) führen s. v. Perrey eine Reihe von Namen auf, die sie zu lat. P Ě TRA ‘ Stein, Fels ’ stellen (FEW 8, 313 ff.). Es handelt sich um Ableitungen von P Ě TRA , deren genaue Formen aus den Schreibungen nicht hervorgehen. Perri Perri ist zweimal belegt in im pra perri (1710, Leuk) und in praperri (1718, Leuk). Vermutlich ist der Name identisch mit dem lebendigen Propäri (cf. P ROPÄRI ), das 1716 als in properri, 1763 als im Properi erscheint. Es liegen wohl pra ‘ Wiese ’ und der PN Perri ‘ des Petrus ’ vor. Die Entwicklung zu pro (cf. HL P RA ) ist schwer zu erklären, kommt aber auch in Salgesch vor (Profrantsching). Perrig (FaN) Perrig (FaN) ist zum FaN Perrig, Perig, Perrini, Perini, Perring, Perrins zu stellen, der Name einer Familie des Bezirks Brig, wo sie seit dem 15. Jh. vorkommt und sich später auch nach Grengiols verbreitete (AWWB 193). Als Simplex im Diminutiv kommt Perrigji ‘ das kleine Gut der Familie Perrig ’ (Eyholz) vor. Im vorangestellten starken Genitiv Singular sind belegt: ts Periggsch Bodo ‘ der Boden der Familie Perrig ’ (Visperterminen), ts Perrigsch Grund ‘ der Grund der Familie Perrig ’ (Brigerbad), ts Perigsch Steibruch ‘ der Steinbruch der Familie Perrig ’ (Ried-Brig) und ts Pärrigsch Weidu ‘ die Weide der Familie Perrig ’ . Eine schwacher Genitiv Plural erscheint in Perrigo Acher ‘ der Acker der Familie Perrig ’ (1615, Leuk), terram Perrigo ‘ das Land / das Gut der Familie Perrig ’ (1547, Eyholz), Perrigo Valdt ‘ der Wald der Familie Perrig ’ (1625, Eyholz). Hierzu gehört auch in Perrigen Eÿen ‘ in der Aue der Familie Perrig ’ (1717, Leuk). Der FaN als Bestimmungswort in Komposita ist belegt in ts Perrigalpji ‘ die kleine Alpe der Familie Perrig ’ (Glis), di Perrigmatta ‘ die Wiese der Familie Perrig ’ (Ried-Brig) und an den Perrig Wald ‘ an den Wald der Familie Perrig ’ (1850, Glis; frühere Belege haben 1569 ad Perrigen Wa ᵉ ldt und 1669 in silua Perrigo). Perrliet Perrliet ‘ beim kleinen Felsgebiet ’ ist nur 1628 in Albinen als v perrliet belegt. Laut Dokument handelt es sich um einen Acker in Dorbu. Es ist unklar, ob das bei M ATHIEU (2006, 39) belegte Peterli hieher gehört; in der Datenbank der lebenden Namen ist es nicht belegt. Der belegte Name ist romanisch und kann zu lat. P Ě TRA stein, fels (FEW 8, 313 ff.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 64) gestellt werden. Der Name enthält wohl zwei diminutive Ableitungssuffixe: / - ELLA / und / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Perron Perron ist in Salgesch 1371 als prato perron belegt. Wie B OSSARD / C HAVAN (2006, 252) ausführen, ist bei Praz Perron an ein Patronym abgeleitet von Pierre zu denken: also ‘ die Wiese des Perron ’ ; die Bedeutung ‘ die Wiese mit einem Felsgipfel ’ wäre aber auch möglich. 1579 wird in Salgesch jn prato de la piera ‘ auf der Wiese mit dem Stein ’ erwähnt (cf. HL P IERRA ). T AGMANN (1946, 21) nennt p ī rra ‘ Stein ’ als frpr. Wort. Es ist unklar, ob die beiden Peroldo (FaN) 343 344 <?page no="726"?> Benennungen die gleiche Flur betreffen. Falls die erste Benennung einen PN enthält, dürften zwei verschiedene Fluren gemeint sein. Perrosery Perrosery ist nur 1351 in Salgesch als en la perrosery belegt. Zu Grund liegt eine Ableitung zu lat. P Ĕ TRA stein, fels (FEW 8, 313 ff.), vermutlich zu einem Adjektiv (cf. afrz. peirous ‘ plein de pierre ’ FEW 8, 318) und einer nominalen Ableitung auf / - ARIA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288), das wir hier als ‘ Steingeröll ’ wiedergeben (zum Ganzen vgl. auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 64) und HL P ERROSSET . Perrosset Perrosset ist seit dem 13. bis ins 14. Jahrhundert (1353) in Ergisch belegt. Wie B OSSARD / C HAVAN (2006, 64) ausführen, ist Perroset als Derivation zu lat. P Ě TRA ‘ Stein ’ zu verstehen. Es handelt sich wohl um eine Suffixkombination aus / - OSA + - ETA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288s.). / - OSA / bildet ein Adjektiv, / - ETA / ist kollektiv, also etwa ‘ das steinreiche Gebiet ’ . Der Beleg von 1353 mit peloset ersetzt / r/ durch / l/ ; offenbar versteht der Schreiber den Zusammenhang mit PETRA nicht. Perrotyers Perrotyers kommt nur einmal im Beleg eys plans perrotyers (Leuk, 1346) vor. Es scheint sich um eine / - ARIU ( M )/ - Ableitung (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) zum PN Perrod zu handeln, der in den Urkunden gut belegt ist, also etwa als ‘ in der Ebene, die den Leuten des Perrod gehört ’ . Unklar ist das Verhältnis zu perrotho (1589, Varen) (cf. HL P ÄRÄTU (PN)). Perruchoud (FaN) Der FaN Perruchoud ist in AWWB (194) vor allem für das Val d ’ Anniviers belegt. In Salgesch könnte dr Perischuhubil ‘ der Hügel der Familie Perruchoud ’ hieher gehören. Die Entrundung von / ü/ zu / i/ passt zur Aussprache des FaN. Die beiden historischen Beleg von 1490 a saxo de la parrÿz (HL P ARRYZ ) und Pariserhübel (cf. HL P ARIISER ) sind sehr unsicher. M ATHIER (2015, 138) kennt Perüschuhubil und meint, darin verberge sich das Etymon perrü < lat. P Ě TRA ‘ Stein ’ und übersetzt ‘ Hügel voller Steine ’ . Letztlich ist die Deutung unklar; ob die Familie Perruchoud im Gebiet von Pfyn Besitz hatte, bleibt unsicher. Perscho Perscho ist nur 1676 in Albinen als en perscho ‘ im dunklen Gebiet ’ belegt, das sich in Dorbu befindet. Die französische Präposition en deutet auf einen romanischen Namen. Eine Deutung ist jedoch schwierig. Am nächsten könnte wohl das in FEW (8, 277 s. v. p ě rsus dunkelfarbig) erwähnte, als pers, persa ‘ blau ’ (B RIDEL 1860, 286) im Frpr. häufige Wort gemeint sein, das hier substantiviert ist. Das HL P ERSCHUN (Eischoll) dagegen ist wohl verlesen für den FaN Gertschen, siehe dort. Perschun Perschun ist nur 1546 in Eischoll als Perschun Acher belegt. Im Kontext heisst es, dass das Grundstück im Norden an das Land des Thomas Brunner und des Hans Gerschun grenze. Es ist also vermutlich Gerschun zu lesen, das als FaN Gertschen (AAWB 109, wo es zum PN Gerhard gestellt wird) zu interpretieren ist. Falls keine Verlesung vorliegt, wäre ein PN oder FN Perschen anzunehmen (AWWB 29 s. v. Bertschen vom Taufnamen Berchtold). Das HL P ERSCHO in Albinen gehört wohl nicht hieher. Pertuis Pertuis ‘ Loch ’ wird von B OSSARD / C HAVAN (2006, 256) zu *p ĕ rt ū siare ‘ durchstossen ’ (FEW 8, 285 ff.) gestellt. Als weitere Formen werden von ihnen Perte m., Perté, Pertet erwähnt. Belegt sind im Pertit ‘ im Loch ’ (1691 u. später, Albinen), in pede doy perty ‘ am Fuss des Loches ’ (1494, Salgesch), das T AGMANN (Ms., 87 f.) zu pertuis ‘ Loch ’ stellt, zen Loch seu Pertuis (1398, Unterems), ol pertuys (1334 u. später, Salgesch) und in campo de pertusio ‘ im Feld mit dem Loch ’ (13. Jh. u. später, Unterems). Pescher Pescher ist nur einmal belegt: in die Peschereye ‘ in das Erbsenfeld ’ (1706, Salgesch). Die Trennung in Pescher und Eye ist unsicher; zu vermuten ist eher ein romanisches Etymon mit Suffixen. J ACCARD (1906, 342) kennt Pesières und Pezeyres ‘ Erbsenfeld ’ (vgl. auch B OSSARD / C HAVAN 2006, 147 s. v. Pesey); M EYER (1914, 169) kennt dafür im 13. Jh. peseriz. Wenn diese Herleitung stimmt, ist die Endung wohl nicht das HL E IE , sondern ein Suffix mit kollektiver Bedeutung, z. B. auf / - ETA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288). In Analogie zu Eie kann die Endung aber auch ausgestaltet worden sein. M ATHIER (2015) kennt den Beleg nicht. Ein Adjektiv mit Entrundung vom Typ beesch ‘ böse ’ ist kaum gemeint. Es ergibt sich dann die Deutung ‘ Erbsenfeld ’ . Pesciora Pesciora ist tessinisch zu pescia ‘ Rottanne ’ nach P ETRINI (1993, 112) zu stellen. Es handelt sich um eine Ableitung auf / - ORA / ; ihre genaue Deutung ist unklar (vgl. aber Pesciora in LSI 3, 846, wo als Bedeutung ‘ Equiseto, coda cavallina [Schachtelhalm] ’ angegeben wird; es handelt sich hier um einen Pflanzennamen vom Typ Schachtel- 345 346 Pesciora <?page no="727"?> halm vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 50 - 56). Pesciora ist eine Alpe im Bedretto-Tal, wo es weitere Flurnamen dazu gibt. Belegt sind Pizzo Pesciora ‘ die Pesciora-Spitze ’ (LT und FLNK, Oberwald), Passo Superiore di Pesciora ‘ der obere Pass nach Pesciora ’ (LT, Oberwald). Auch auf der Karte, aber nicht erfasst, ist Passo Inferiore di Pesciora ‘ der untere Pass nach Pesciora ’ (Oberwald). Pesper Pesper ist als Päschper (Ulrichen) und Pesper (1687, Obergesteln) belegt. Ausser dem Simplex gibt es v ͦ lricher Besper (1574, Ulrichen). In Ulrichen war eine Allmein im Sand des Rottenufers gemeint, in Obergesteln ist von einem Garten (hier meist Land, das mit Gemüse bepflanzt wurde) die Rede. Vermutlich ist Pesper mit Baschper zu verbinden, das auf lat. PASCUARIUM ‘ Weideland ’ zurückzuführen ist (cf. HL B ASCHPER ). Pesserill Pesserill ist 1543 in Albinen als eys pesserill und 1638 als v pesserill belegt. M EYER (1914, 169) stellt den Namen zu lat. PISARIU + / ILE / . FEW (8, 605 ff. s. v. p ĭ sum felderbse) kennt afr. und mfrz. pesiere ‘ champ planté de pois ’ , wozu die von M EYER zitierte Form eine diminutive Ableitung auf / - ILE / (oder / - ICULA / ) wäre, also ‘ das kleine Erbsenfeld ’ . W. M ÜLLER (p. c.) schlägt dagegen einen FaN Passer vor, der jedoch nicht belegt ist. M ATHIEU (2006, 13) kennt einen Flurnamen Päschäring unterhalb des Dorfes Albinen; es könnte sich um die gleiche Flur handeln. Die heutige Form ist sonst in der Datenbank nicht belegt. Peter (PN) Peter (PN) ist zum Namen des Hl. Petrus bzw. zum PN Peter, Dim. Peterli (I D . 4, 1840 f.) zu stellen. Peter kommt in rund 40 Namen vor, meistens in einem vorangestellten Genitiv oder als Kompositum mit einem Grundwort. Einen blossen Genitiv des Diminutivs bildet ts Peterlisch ‘ (das Gut) des kleinen Peter ’ (Bister), wozu sich historische Belege gesellen, die wohl die gleiche Flur meinen: des Petterlisch Gúth ‘ das Gut das kleinen Peter ’ (1831 u. später, Bister). Ein vorangestelltes Attribut findet sich in Zanpeter ‘ der Heilige Petrus ’ (Reckingen), wozu weiter Genitive belegt sind: Zanpeetersch Gaarte ‘ der Garten des Heiligen Petrus ’ (Oberwald), Sant Peters Matta ‘ die Wiese des Heiligen Petrus ’ (1573, Ulrichen), ts Sant Peetersch Fäld ‘ das Feld des Heiligen Petrus ’ (Saas-Fee), di Zantpeterschchilchu ‘ die Kirche des Heiligen Petrus ’ (Leuk, heute Feuerwehrlokal). Vorangestellte Genitive sind weiter: ts Peetersch Ballma ‘ der überhängende Fels des Peter ’ (Simplon), ts Peetersch Bodo ‘ der Boden des Peter ’ (Visperterminen), ts Peetersch Geis(e)rik ‘ der (Erd)-Rücken des Peter, wo die Ziegen weiden ’ (Saas-Almagell), ts Peetersch Üüfbruch ‘ das neu aufgebrochene Land des Peter ’ (Brigerbad), zu ᵕ o Petersacher ‘ beim Acker des Petrus ’ (1675, Raron) (der Beleg von 1617 zum Peter Lichss Acher ist wohl als ‘ beim Acker des Peterli ’ zu lesen), Peters Acherlin ‘ der kleine Acker des Peter ’ (1466, Mund), Peters Boden ‘ der Boden des Peter ’ (1448 u. später, Ried-Brig), dr Peetersgraad ‘ der Petersgrat ’ (Blatten; vgl. auch BENB 1, 4, 282 f.), Peters Graben ‘ der Graben des Peter ’ (1866, Baltschieder), der Petersgrund ‘ der Grund des Peter ’ (Visp), Peters Hús ‘ das Haus des Peter ’ (1689, Visperterminen), Peters Matta ‘ die Wiese des Peter ’ (1527, Naters; 1836, Feschel; 1836, Guttet), der Peterswang ‘ der Grasabhang des Peter ’ (Reckingen). Einen nachgestellten lateinischen Genitiv findet man in aqueductum Petri ‘ die Wasserleitung des Peter ’ (1579, Salgesch). Komplexere Namen mit Genitiven sind: ts Peterantenisch Üowand ‘ die Magerwiese des Peter Anthenien ’ (Saas-Almagell), in Peter Hischiers Bifang ‘ im eingezäunten Stück Wiese des Peter Hischier ’ (1682, Oberems), jn Peter Lochers Egerden ‘ im Brachland des Peter Locher ’ (1540, Erschmatt; 1540 - 1588 Feschel), ts Petternatsch Hiischi ‘ das kleine Haus des Peter-Ignaz ’ (Embd). Komposita mit Peter als Bestimmungswort finden sich zu folgenden Grundwörtern: Chumma, Gartu, Hitta, Rigg, Stutz und Teil. Dreimal kommt die Koseform Petschi ‘ der kleine Peter ’ vor, der auch für erwachsene Männer verwendet wird: der Laggipetschibrunne ‘ die Quelle / der Brunnen des Peter Lagger ’ (Reckingen), Peetschiwald ‘ der Wald des kleinen Peter ’ (Bitsch) und zúm Petschibrúnnen ‘ bei der Quelle / dem Brunnen des Peter ’ (Visperterminen). Unsicher ist t Rotpetermatta ‘ die Wiese des Peter Roth ’ (Wiler), wobei auch einfach der rote Peter (z. B. mit roten Haaren) gemeint sein kann. In den meisten Fällen geht es beim HL P ETER um Besitzernamen oder den Namen des Heiligen; in anderen Fällen ist die Motivation schwieriger. Petites Petites ist nur einmal in Varen 1652 als y petites clives ‘ bei den kleinen Abhängen ’ . Das Adjektiv petit, fem. petite ist zu *pett ī tus klein (FEW 8, 342 ff.) zu stellen. Wie der Artikel des FEW zeigt, ist / tt/ des maskulinen Adjektivs in den Patois des Wallis erhalten, vgl. auch G ERSTER (1927, 56). Peyer (FaN) Peyer (FaN) ist nur 1388 und 1391 in Glis als Peýrskrachen und Peýerskrachen ‘ der Chrachen (Tobel) der Familie Pesper 347 348 <?page no="728"?> Peyer ’ belegt. Ob ein FaN oder ein PN vorliegt, ist unklar. Der FaN oder PN Peyer ist sonst für diese Zeit nicht belegt. Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1401 f.) kennt den FaN für vor allem für die deutsche Schweiz, nicht aber für das Wallis. Pfääwi Pfääwi f. ‘ der Ort mit Pfauen ’ ist nur belegt in di Pfääwi (Filet) und Pfewi (SK, Mörel; bezeichnet den gleichen Ort). Das HL ist wohl zu Pfää(u)wi f. ‘ Pfauenweibchen ’ (I D . 5, 1205) oder zu Pfâwe n f. ‘ halb weisse und halb schwarze Ziege ’ (I D . 5, 1205) zu stellen. Die / - I / -Ableitung ist parallel zu den sonstigen Verbalnomina vom Typ Riti ‘ Ort, wo gerodet wurde ’ zu sehen, hier aber denominal. Die Motivation für den Namen ist unklar, vgl. aber den Gebrauch von Pfau bei Häusernamen (I D . 5, 1205). Der im 17. Jahrhundert in Sitten tätige M ICHAEL P FAU (C URIGER 1960, 13) stammte aus Schwaben; es kann sich also nicht um den Herkunftsort des FaN Pfau handeln. Pfad Pfad m. ist zu schwdt. Pfad m. ‘ Fussweg, Pfad ’ , n. ‘ gebahnter, nachher wieder verschwindender Pfad, Fährte; von Menschen gebahnter Pfad durch den Schnee; längs der Grenze einer Wiese mit einem Fuss ziehend das Gras niedertreten als Merkzeichen für den Mähder ’ (I D . 5, 1051 f.; Z INSLI 1963, 318 f.) zu stellen; I D . bezeichnet es “ in dieser Bed. und als Masc. nicht volkstümlich ” . Im Plural kann Pfeder auch einen agglutinierten Artikel zu Feder (Plural von Fad) enthalten. (cf. auch HL F AD ). In manchen Fällen ersetzt neueres Pfad älteres Fad (BENB 1, 1, 106 f.). Das Simplex kommt im Singular nicht vor. Im Plural ist nur di Pfeder ‘ die Grasbänder ’ (Hohtenn) belegt; Gwp. spricht von Grasbänder für Ziegen. Die Form ist deswegen zu Fad zu stellen. Mit attributiven Adjektiven erscheinen der Leng Pfad ‘ das lange Grasband ’ (Blatten) und ob dem Breiten Pfad ‘ oberhalb des breiten Pfades (wohl Grasband) ’ (1896, Stalden). Einen vorangesetzten Genitiv findet man in Haichsch Pfad ‘ der Pfad des Häich (Heinrich? ) ’ (Blatten), wohl ein Grasband beim Guggistafel. Als Grundwort erscheint das HL zunächst mit Tiernamen in zweigliedrigen Komposita: der Gitzipfad ‘ das Grasband für die kleinen Ziegen ’ (Hohtenn), Bärupfad ‘ der Pfad (wohl: Fad ‘ Grasband ’ ), wo es Bären hatte ’ (FLNK, Unterems), Daggspfad ‘ der Pfad der Dachse ’ (FLNK, Unterems) und das komplexere Steiwildpfad ‘ der Pfad für das Steinwild ’ (FLNK, Saas-Balen). Weitere Belege mit zweigliedrigen Komposita sind: t Ahorupfätter ‘ die Grasbänder mit Ahornen (laut Gwp. keine Ahorne) ’ (Feschel), t Hoggunpfeder ‘ die Grasbänder ob der Hockenalpe ’ (Kippel) und t Hoorenpfeed ‘ die Grasbänder im Gebiet Horn ’ (Ferden). Komplexer sind dr Honblattunpfad ‘ der Weg durch die hohe Felsplatte ’ (Blatten), der Mittaagpfad ‘ das Grasband, das mittags von der Sonne beschienen wird (? ) ’ (Hohtenn; FLNK Mittagpfad), dr Ober und dr Under Ramschtpfad ‘ der obere und der untere Teil des Grasbandes mit Löwenzahn ’ (Blatten). Eine klar andere Bedeutung hat Gletscherlehrpfad ‘ der Gletscher-Lehrpfad bei der Gletchergrotte ’ (FLNK, Saas- Fee). Diese Bildung stammt aus dem Hochdeutschen. Pfaffen (FaN) Pfaff (FaN), auch Pfaffen (FaN) ist bei etwa 35 Namen als Bestimmungswort belegt und zu schwdt. Pfaff m. Pl. Pfaffen, Dim. Pfäffli, Pfaffji wie nhd. ‘ Weltgeistlicher, Geistlicher überhaupt ’ in alter Zeit ohne verächtliche Nebenbedeutung (I D . 5, 1058 ff.) zu stellen. Daraus abgeleitet ist der FaN Pfaffen, Pfaffo, seit dem 16. Jh. bekannte Familie von Mund, die sich nach Brig verbreitete und in Naters vorkommt (AWWB 194; J OSSEN 1989, 63 f.)). Bei den einzelnen Belegen ist es nicht immer klar, ob sie auf den Familiennamen oder auf die Amtsbezeichnung, resp. ein Pfarrgut, zurückgehen; Belege vor 1500 dürften eher Amtsbezeichnungen sein; in jüngeren Namen wird auf den Pfarrer eher als Heer ‘ Herr ’ Bezug genommen. Danach kann auch der FaN eine Rolle spielen; in den Deutungen wurden immer beide Möglichkeiten angenommen, ausser bei der Lautung Pfaffigo / Pfaffigu, die ein kollektives / - IG / -Suffix im Genitiv Plural enthält und zum Familiennamen zu stellen ist. Die Form Pfaff (ohne Endung) kommt in Pfaffacher (Lalden), Pfaffmatte, Pfaffmatteschlüecht, Pfaffmattewäg (alle Selkingen) vor. Der Genitiv Pfaffen (resp. Pfaffu) ist am häufigsten belegt, zusammen mit den Grundwörtern Acher, Biel, Biina, Egg(a), Eie, Fäld, Flüe, Holz, Lee, Lendi, Matta, Mad, Rohr, Schiir, Schnitta und See. Komplexere Konstruktionen wie Pfaffuacherhubil ‘ der Hügel beim Acker des Pfarrers / der Familie Pfaffen ’ (Hohtenn) sind selten. Die Ableitung Gen. Pl. Pfaffigo / Pfaffigu ‘ der Familie Pfaffen / der Leute des Pfaffen ’ ist zweimal belegt in di Pfaffigu Haalte (Mund) und Pfaffigo Wildi (1664, Mund). Einen Sonderfall stellt der Name Pfaffuseewji (Leuk, auch FLNK) dar, der auf der LK Pfafforetsee, auf der Karte 1: 10 ’ 000 Pfaffaretsee benannt wird. Es scheint, dass hier ursprünglich ein romanischer Name mit einem assimilierten Artikel zur Wurzel faba ‘ Bohne ’ mit den vermuteten Suffixen / - ARIA / und / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287s.) vorliegt, also etwa ‘ kleiner Bohnengarten ’ , das uminterpretiert wurde zu Pfaffu (siehe FEW 3, 229 ff. 349 350 Pfaffen (FaN) <?page no="729"?> zu faba und G PSR 7, 1, 208 zu faveta ‘ Erbse ’ und 380 ff. zu fève). Pfallung Pfallung m./ n. ist nur 1714 in Leukerbad belegt. Es handelt sich wohl um den gleichen Namen wie das 1353 ebenfalls in Leukerbad belegte ou Fallon mit der Bedeutung ‘ im kleinen Tal ’ . Vermutlich ist es mit Pfolong (FLNK Pfolung, R. G RICHTING 1993, Blatt 9, Nr. 66) nicht identisch (cf. HL F OLONG ). Pfammatter (FaN) Pfammatter (FaN) ist ein FaN, der als Pfammatter, Phomatter seit dem 16. Jh. in Eischoll, Zeneggen, Mund und Törbel belegt ist. Die Familie verbreitete sich nach Visp, Brig u. a. O. (AWWB 194). Der Familienname ist dreimal belegt: das Pfanmatter Súonli ‘ die kleine Wasserleitung der Familie Pfammatter ’ (1738, Eischoll), ts Pfammatisch Saagu ‘ die Sägerei der Familie Pfammatter ’ (Oberems), Pfanmattersstapfen ‘ die Stapfe (Zaunüberstieg) der Familie Pfammatter ’ (1849, Steg). Der Genitiv ts Pfammatisch ‘ der Familie Pfammater ’ enthält die Kurzform des FaN Pfammatter. Pfand Pfand n. ist zu schwdt. Pfand n. Rechtswort, ‘ Gegenstand, womit eine Forderung sichergestellt wird ’ (I D . 5, 1135 ff.) zu stellen. Im Kontext der Viehwirtschaft des Wallis wird Vieh, das zu Unrecht auf einer Weide oder einer Alpe steht, vom Pfander auf eine Pfandmatte oder in einen Pfandstall geführt, wo es der Eigentümer gegen Entgelt auslösen kann (P HILIPP K ALBERMATTER , p. c.). Der Flurname Pfanderstein (Jenaz, GR) wird in RN (2, 465 f.) ähnlich erklärt; I D . (5, 1145 f.) kennt Pfander in diesem Sinn (als Bed. 2) aus dem Goms und aus GR. die Pfänder setzen kennt R ÜBEL (1950, 106) als “ ein vom Gemeinderat bestimmtes Datum [ … ], an dem die Gemeinatzung aufgehoben wird. ” Ab diesem Datum kann fremdes Vieh vom Pfander als Pfand genommen werden. Das Simplex Plural ist in di Pfenner ‘ die Pfänder ’ (Eggerberg) belegt; es handelt sich wohl um Pfandmatten. Das Simplex Pfand erscheint als Bestimmungswort zu Acher, Matta und Stadel. Die Pfand-Matta dient dem gepfändeten Vieh für die Atzung. Bei Acher und Stadel ist unklar, ob der Ertrag der Äcker dem Pfander gehört und ob der Stadel der Aufbewahrung solcher Erträge dient. Die Erweiterung Pfandu ist belegt in Pfanduräbe (Brigerbad); die genaue Deutung ist unklar. Die Erweiterung Pfandär in Pfanndärbletscha (Blatten) ist als Adjektiv zu verstehen: der Platz, auf dem “ gepfändert ” wird (wohl: Pfänder auslösen? ). In Unterbäch ist 1645 eine Pfammatten Su ᵕ on belegt, also eine ‘ Wasserleite, die von / zur Pfammatta führt ’ . Der FaN Pfammatter liegt hier kaum vor, obwohl in Eischoll 1738 das Pfanmatter Súonli belegt ist, vermutlich identisch mit der Wasserleite in Unterbäch. Pfander als Nomen agentis meint nach I D . (5, 1144 f.) Vögte, die die Einhaltung der Dorfordnung bewachen und Pfänder erheben können (Quelle aus Ulrichen); die Form kann aber auch ein Adjektiv, oder - in seltenen Fällen - ein PN oder ein FaN sein. Belegt ist Pfander als Bestimmungswort zu Gassa, Färich, Matta, Stei und Wäg. Im Fall von Gassa hat FLNK in Bürchen Fännerschgassa, während 1727 von Pfannersgassen die Rede ist. Hier könnte es sich um das HL F ENNER handeln (cf. HL F ENNER ). Während Färich und Matta wohl dem gepfändeten Vieh diente, ist der Pfanderwäg jener Weg, auf dem der Pfander gepfändetes Vieh zur Pfandmatte führte. Unklar ist Pfanderstei - es kann sich um den Grenzstein handeln, von dem aus ein Pfand genommen werden kann. Pfäniss Pfäniss kommt lebend als in Pfäniss (Albinen; FLNK Pfänis) vor. 1640 ist y foenis belegt. Die späteren Belege sind Fenis (1708), Fenes (1719), Fänis (1733) und Fennis (1759). Der älteste Beleg legt einen romanischen Namen nahe. M ATHIEU (2006, 31) kennt Pfänis und führt es als Pfänis (10) auf frz. fénice ‘ Scheune ’ zurück. G PSR (7, 282 s. s. v. Fenil) stellt den Plural Fenis dazu. Es handelt sich also um einen Plural zu fenile ‘ Scheune ’ . Pfannu Pfannu f. ‘ Pfanne ’ ist zu schwdt. Pfanne n und wdt. Pfanna, Pfannä (Goms), Pfannu ‘ Pfanne ’ f. (I D . 5, 1104 f.; G RICHTING 1998, 151) zu stellen. Belegt ist es in der Zusammensetzung schwdt. Pfannestil, mhd. phannestil m. Der Name des länglichen Gegenstandes wurde auf längliche Grundstücke und Höhenzüge übertragen (LUNB 1, 2, 752): dr Pfannustiil ‘ der Pfannenstiel (langgezogenes Stück Land) ’ (Kippel), der Pfannustill ‘ der Pfannenstiel (langgezogenes Stück Land) ’ (Ried-Brig) und ts Pfannustillgräbji ‘ der kleine Graben durch den Pfannenstiel ’ (Ried-Brig). Weiter kommt vor di Pfannustricha ‘ die langgezogenen Stücke Land, die wie eine Pfanne aussehen ’ (Blatten). Weitere Belege mit Pfannsind zum HL P FAND zu stellen. Pfarr- Pfarrbezieht sich entweder auf die Pfarrei wie in schwdt. Pfarr f., wdt. Pfarr ī f. ‘ Pfarre, Kirchspiel, Pfarrbezirk; Pfarrstelle; Pfarrkirche ’ , im Wdt. mit Zweitbetonung, oder auf schwdt. Pfarrer, wdt. Pfarrheer, Pfarrer, Pfarrär m. ‘ Pfarrer; geistlicher Inhaber einer Pfründe, der Pfallung 351 352 <?page no="730"?> sie aber nicht selbst versieht, sondern durch einen Lütpriester versehen lässt ’ (I D . 5, 1169 f.; I D . 5, 1174; G RICH- TING 1998, 151). Das HL kommt fast nur als Bestimmungswort vor. Der Typ Pfarrerscheint in ts Pfargued ‘ das Gut, das der Pfarrei gehört ’ (Zwischberen), ob dem Pfargarten ‘ ob dem Garten des Pfarrers / der Pfarrei ’ (1770, Simplon), der Pfarrwald ‘ der Wald, der dem Pfarrherrn gehörte ’ (Leuk; FLNK Pfarrheeruwald), Pfarrwald ‘ der Wald, der der Pfarrei / dem Pfarrer gehörte ’ (FLNK, Birgisch), der Pfarwald ‘ der Wald, der der Pfarrei gehörte ’ (Glis) und di Pfarrweidu ‘ die Weiden, die der Pfarrei gehören ’ (Leuk). Der Typ Pfarrii ist belegt in Pfarriigarte ‘ der Garten, der der Pfarrei gehört ’ (FLNK, Visp), unnerm Pfariigüed ‘ unter dem Gut, das der Pfarrei gehört ’ (Münster), di Pfariiräbe ‘ die Reben der Pfarrei ’ (Visp), Pfarriiräbe ‘ die Reben der Pfarrei ’ (FLNK, Salgesch), ts Pfariiüowand ‘ die Magerwiese, die der Pfarrei gehört ’ (Saas-Grund) und dem komplexeren di Pfariigartustraas ‘ die Strasse zum / beim Garten der Pfarrei ’ (Visp). Vorangestellter Genitiv ist: ts Pfarheersch Alpa ‘ die Alpe des Pfarrherrn ’ (Naters). Die Ableitung Pfäri (FLNK, Albinen) enthält weder Angaben zum Genus noch zur Betonung. Der Name bezeichnet in etwa den Platz der Kirche in Albinen, sodass an eine Ableitung aus Pfarrii ‘ Pfarrei ’ gedacht werden kann. Pfarschong Pfarschong ist nur als Pfarschong (Varen, auch LT und FLNK) belegt. Der Ort befindet sich oberhalb von Varen auf ca. 1800 m und wird als Alpweide und Wald beschrieben. Das Genus ist Maskulin oder Neutrum, nicht Feminin. Das nächstliegende Patois-Wort scheint frz. farçon, frpr. farchon zu sein (G PSR 7, 164 s.), das aber ein Küchenterminus zu dt. ‘ Farce, Füllung ’ ist. Das anlautende pflässt sich aus am ehesten aus dem lat. ad ‘ bei ’ erklären. Eine Deutung kann nur metaphorisch sein: ‘ der Ort, wo man eine Farce bekam ’ . Pfaueret Pfaueret ist nur historisch in Leuk bezeugt. Zwei Namen sind belegt: jm Pfaueret (1700, Leuk) mit den früheren Belegen 1545 jn Fawret, 1670 (ca.) jm Faúret, 1692 im Pfawaret, 1692 jm Pfaweret. 1704 ist Mayenzets Pfaueret belegt. Mayenzet ist hier ein FaN (T AGMANN 1946, 49.) Der Flurname gehört wohl zu Faverette ‘ das kleine Bohnenfeld ’ (cf. B OSSARD / C HAVAN 2006, 147; zu fève cf. G PSR 7, 380 ss.). Der Anlaut mit pfenthält einen agglutinierten Artikel mit der Assimilation von / t/ zu / p/ . Pfeiffer (FaN) Der FaN Pfeiffer bzw. Pfiffer ist im Register der HRBS mehrfach belegt. Es kann sich aber auch um die Funktionsbezeichnung Pfîffer ‘ Pfeifer ’ (I D . 5, 1081) handeln, der zu den Pfeifern und Tambouren gehörte, die an festlichen Tagen auftreten. Belegt ist nur die Form mit / i: / und zwar in drei vorangestellten Genitiven ts Pfiifersch Giblätt ‘ die Felsplatten (Kollektiv) der Familie Pfeiffer / Pfiffer / des Pfeifers ’ (Ausserberg), ts Pfiiferlisch Chlee ‘ das Klee (Gebiet mit Klee) des Pfifferli (Name des Pfeifenspielers Hans, laut Gwp.) ’ (Hohtenn) mit einem Diminituv und ts Pfiifisch Ballma ‘ der überhängende Fels des Pfeifers / der Familie Pfeiffer / Pfiffer ’ (St. Niklaus), mit der typischen Form auf / - I / n. und Tilgung der Endsilbe / - ER / . Als Bestimmungswort ist ts Pfifferschiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Pfeiffer / Pfiffer, des Pfeifenspielers ’ (Niedergesteln) belegt. Gwp. nennt einen “ Pfiffer-Christi ” , also wohl einen Christian, dessen FaN Pfiffer war oder der die Pfeife spielte. Pfeiru Pfeiru ist nur einmal in Leukerbad belegt; R. G RICHTING (1993) kennt Pfeyru (Blatt 9 Nr. 17; Blatt 10 Nr. 49) und Pfeyruschtutz (Blatt 9 Nr. 27). Historisch ist 1646 ÿ Feiro bezeugt, also ein frpr. Wort. In Frage kommt Feira ‘ Markt ’ oder Feiron ‘ kleiner Markt ’ (B RIDEL 1866, 169; FEW 3, 462 s. v. FERIA ‘ feiertag ’ ; zu frz. foire cf. G PSR 8, 605 ss). Der heutige Anlaut ist erklärbar aus dem agglutinierten Artikel, der sowohl Singular Feminin wie Plural sein kann. Der Name bezieht sich auf einen Ort nördlich ausserhalb des eigentlichen Dorfes Leukerbad (siehe vor allem SK von 1884); wenn die Deutung stimmt, müsste hier ein kleiner Markt stattgefunden haben. Pfenjen Pfenjen ist nur 1860 in Feschel als in den Pfenjen ‘ bei den Heuschobern ’ belegt. Am nächstliegenden wäre fenil ‘ Heuschober ’ (G PSR 8, 282 s.; fen ī le FEW 3, 457), hier im Plural mit agglutiniertem Artikel und Palatalisierung des / l/ . Eine Deutung zu einem deutschen HL ergibt sich nicht. Pfennigmann (FaN) Pfennigmann (FaN) ist als FaN nach den historischen Zeugnissen in ts Fennumanuhüs ‘ das Haus der Familie Pfennigmann ’ (Birgisch) belegt. Der älteste Beleg von 1651 hat domum Pfennigmannigo ‘ das Haus der Leute des Pfennigmann ’ . Der Weiler ist auch in AWWB (33, s. v. Birgisch) erwähnt. Bei J OSSEN (1989, 78) wird der FaN für das benachbarte Mund aufgeführt. Die heutige Form gibt den Namen vereinfacht wieder. 353 354 Pfennigmann (FaN) <?page no="731"?> Pfi Pfi ist lebend als ts Pfi ‘ Pfyn ’ (Leuk) belegt. Die traditionelle Deutung führt den Namen wie das thurgauische Pfyn auf lat. AD FINES ‘ bei der Grenze ’ zurück. Laut M URET (1908, 401) lässt die frz. Form Finges jedoch auf einen Besitzernamen Affianus oder Fidianus schliessen. Diese Deutung ist zwar weniger spektakulär als die übliche, entspricht dafür aber den historischen Belegen besser. Im Übrigen wäre es auch sehr seltsam gewesen, mitten im Pfynwald eine Grenze (die sonst überhaupt nicht belegt ist) zu sehen. Dass ein Nebeneinander von Finio und Pfin bestanden hat, zeigt ein Ehevertrag von 1693, in dem ein Joannis hofer de Fingio Pfin ‘ Hans Hofer von Fingio Pfin ’ erwähnt wird. Die ‘ romanische ’ und die ‘ deutsche ’ Form sind hier nebeneinander erwähnt; dass das Deutsche ein anlautendes / pf/ kennt, während das Romanische nur anlautendes / f/ aufweist, lässt sich durch Paare wie Fawret (1545, Leuk) und Pfaweret (1692, Leuk) (cf. HL P FAUERET ) nachweisen. Die romanischen Belege sind historisch: aqueductus de finio ‘ die Wasserleitung von Pfyn ’ (1361, Leukerbad, aber eigentlich in Leuk), eys preyses de finio ‘ in den Gütern von Pfyn ’ (1558, Leuk) (cf. HL P REUSSEN ), in marechjis de finioz ‘ in den Sumpfgebieten bei Pfyn ’ (1563, Leuk) und jn campis de fingoz ‘ bei den Feldern von Pfyn ’ (1578, Leuk). Als Grundwort erscheint Pfi in deutschen Belegen als jm Endren Pfin ‘ im jenseitigen Pfin ’ (1698, Leuk; zuvor apud fingio). Sonst ist Pfi nur als Bestimmungswort mit den HLL Acher, Bäärg, Dorf, Riische und Wald erwähnt. Komplexer sind der Ober Pfiiwald (Leuk) ‘ der obere Teil des Pfinwaldes ’ , der Unner Pfiwald ‘ der untere Teil des Pfinwaldes ’ (Leuk), in den Obren Pfinackern ‘ in den oberen Ackern im Pfin ’ (1749, Leuk), die Pfÿnwasserleiten ‘ die Wasserleitung nach Pfyn ’ (1645, Leuk; auch als aquaeductum de Pfin (1679)) und Pfydänkmal ‘ das Pfyndenkmal (Erinnerung an die Schlacht von Pfin (1799)) ’ (FLNK, Leuk; auch LT Pfyndenkmal). Pfister (FaN) Pfister m. ‘ Bäcker ’ ist nur einmal belegt in in der Pfisterhalten ‘ in der Halde der Familie Pfister / des Pfisters ’ (1744, Ulrichen) und zu schwd. Pfister (I D . 5, 1193 ff.) zu stellen. Die Berufsbezeichnung ist im Register der HRBS vertreten. Dennoch ist der Name unsicher: Einen Bäcker gab es vermutlich in Ulrichen nicht (zum Brotbacken im Goms siehe K REUZER 2 1976, 155; die Dörfer verfügten über ein Backhaus, das “ im Kehr ” von den verschiedenen Familien benutzt wurde). Aber auch der FaN Pfister ist nicht belegt. Es könnte sich alternativ auch um eine Schreibform zu t Fi(n)ster Halte ‘ die finstere Halde ’ handeln; allerdings ist der n-Schwund im Goms nicht belegt (R ÜBEL 1950, 6). In Ulrichen ist im Äginental der Name Finschterli ‘ das kleine finstere Gebiet ’ belegt; ob hier ein Zusammenhang besteht, ist unklar. Pflan Pflan, auch Flan(g) ist nach M URET (1912, 20) zu flan < plan ‘ eben, Ebene ’ zu stellen, wohl mit agglutiniertem Artikel Pflantschang ‘ ebenes Feld ’ (Varen, 1663: en flan chan) und der Pflantschanghubil ‘ der Hügel beim ebenen Feld ’ (Varen), sowie jn Flandtschang (1669, Varen), wohl die gleiche Flur. Ebenfalls in Varen ist ts Pflang ‘ die Ebene ’ und dazu der Pflangcheer ‘ die Strassenkehre beim Pflang (Ebene) ’ belegt. Nur einmal ist en Flan de Cliuingnÿ (1655, Varen) belegt, wo ebenfalls Flan ‘ Ebene ’ vorliegt. Pflangne Pflangne ist in Salgesch belegt; die ältesten Belege sind y flagnes. M ATHIER (2015, 93) führt den Namen direkt auf PLANU zurück, mit anlautender Affrikata, die weiter nicht erklärt wird. Wie schon T AGMANN (1946, 19) zeigt, muss wohl der Plural PLANA als Ausgangspunkt angenommen werden. Anlautendes p wird nach M URET (1912, 21 zu Flagnen in Salgesch) nach / s/ zu / f/ . Die Affrikate pf entsteht durch Agglutination des Artikels. Das anlautende im ist aus in mit Assimilation zu erklären: ‘ in den ebenen Gebieten ’ ; die Form Pflangne ist ursprünglich Dativ Plural. Pflano Pflano ist nur in Pflanuwinnje ‘ die ebenen Weinberge ’ (Varen; FLNK Pflanowinnje) und Pflanuwinnjewäg ‘ der Weg in die Pflanowinnje (ebene Weinberge) ’ (Varen) belegt. Die historischen Dokumente enthalten 1352 jn planis vineis, 1566 jn plane viniët, 1687 in flanduvinÿe usw. Die lebende Form enthält wohl einen assimilierten Artikel, der zu anlautend pfführt, während PLANUS im frpr. flaufweist (M URET 1912, 20). Zu vergleichen sind auch die HLL P FLAN und P FLANGNE . Pflantei Pflantei ist als im Pflantei (Salgesch) und historisch 1880 der Flantej R ŭ ss ‘ der Runs (Wasserleitung, Bach) beim Flantey ’ belegt. M ATHIER (2006, 79) kennt Pflantei und führt es auf das feminine Partizip plantata zurück (vgl. FEW 9, 20 ff. s. v. plantare pflanzen; B OSSARD / C HAVAN 2006, 154). Seine Annahme einer Entwicklung von / p/ > / pf/ ist wohl falsch, da sie im Deutschen nach H AAS (2000, 21) schon zwischen 550 und 650 n. Chr. durchgeführt worden war. Weiter stimmt eine feminine Form mit dem maskulinen Artikel des lebenden Belegs nicht überein. Pfi 355 356 <?page no="732"?> Wie H AFNER (1955, 20 f.) ausführt, sind jedoch im Walliser Patois von Montana nach G ERSTER die Formen des Maskulin und des Feminin beim Partizip zusammengefallen. Das würde erklären, warum hier auch eine maskuline Form auftaucht, obwohl das Partizip ursprünglich feminin war. Das vereinfacht anlautende Flantey erklärt sich im Übrigen wohl aus der Kombination mit vorausgehendem / s/ , wie M URET (1912, 18 ff.) ausführt. Bei den historischen Belegen fällt der Wechsel zwischen in plantatis (1353), eys plantes (1357 und spätere Varianten), ÿ planteis (1629), ÿ flante (1651), eys flantes (1685) und in der flantey (1789 und spätere Varianten) auf. Der Wechsel kann auch damit zu tun haben, dass nicht immer die gleichen Grundstücke gemeint sind. Pflantschu Pflantschu ist nur belegt in der Pflantschutrog ‘ der (Tränke-)Trog bei Pflantschu ’ (Oberems). Die namengebende Flur heisst bei FLNK Plantschu. Es handelt sich aber hierbei wohl um den FaN Blantschen (AWWB 35), der 1711 als z Blanschen Gassen und 1687 u. später als z Blantschen Trog (beide Oberems) belegt ist. Die Form Pflantschu dürfte eine Umdeutung zum Lexem Pflanz- ‘ Pflanze ’ darstellen. Pflanz- Pflanzist der Stamm eines Verbums pflanze n ‘ pflanzen, anpflanzen ’ (I D . 5, 1254), das “ weniger häufig und volkstümlich als speziellere Verben ” (z. B. sääje) sei; entsprechend fehlt es z. B. bei W IPF 1910, R ÜBEL 1950, C. S CHMID 1969 und G RICHTING 1998. Das HL erscheint in den Namen einerseits als Bestimmungswort im Typ Pflanzgaarte und anderseits als / - ETA / -Ableitung im Typ Pflanzeta / Flanzeta. Die Vereinfachung des Anlauts im zweiten Typ scheint alt zu sein; für das Verb ist schon ahd. flanzon ‘ pflanzen ’ belegt. Auch I D . erwähnt s. v. Pflanz (m. ‘ Pflanzung ’ ) (5, 1251 ff.) Formen mit anlautenden Fl-, ohne sie zu erklären; es wird auch nicht deutlich, wo das der Fall ist. Der Einfluss eines frpr. flantsete ‘ planchette, kleines Brett ’ ist unwahrscheinlich (siehe unten). Der Typ Pflanzgaarte meint in Flurnamen normalerweise eine ‘ Pflanzung mit Jungbäumen im Wald ’ ; G R W B (13, 1720) verzeichnet es als “ Garten, in welchem die Setzpflanzen aus Samen gezogen werden ” . Wie üblich ist Gaarte auch als Gaartä, Gaartu, Gaarto, manchmal ohne Kennzeichnung der Länge des Vokals, vertreten. Der Typ kommt vor in Baltschieder, Blatten, Blitzingen, Ergisch, Kippel, Leuk, Obergesteln und Visperterminen. Die Ableitung Pflanzeta / Flanzeta mit dem Suffix / - ETA / und der Bedeutung “ eine gewisse Menge ” (S ONDER- EGGER 1958, 482 ff.) ist zu schwdt. Pflanzeten (I D . 5, 1257) “ ein Stück Pflanzland für Gemüse udgl. [und dergleichen] ” zu stellen; in den Deutungen wird ‘ Anpflanzung ’ verwendet, da im Einzelfall unklar ist, was angepflanzt wurde. Der Typ Flanzeta ist deutlich älter als Pflanzeta, wie die ältesten Belege zeigen: Flanzata (1301, Raron), Flanzatta (1356, Mörel) in der Flanczaton (1399, Lalden), Flantzata (1470, Visperterminen). Lebende Belege hingegen haben durchwegs den Typ Pflanzeta: t Pflanzeta (Binn), di Pflanzeta (Lalden), t Pflanzete (Mörel), di Pflanzetä (Stalden) und di Pflanzetta (Visp); dazu kommen historische Belege. Z IMMERMANN (1968, 59), kennt den Namen Pflanzeta für Lalden, Stalden und Visp als “ Wies- und Ackerland in der Nähe einer Siedlung ” ; auch er leitet den Namen vom Verbum pflanze n mit der Ableitung / - ETA / her. Da im Oberwallis der Typ Pflanz-Blëtz nicht vertreten ist, muss Pflanzeta / Flanzeta als ältere Bildung angesehen werden. Eine direkte Entlehnung aus dem Romanischen kann ausgeschlossen werden, da die T - Verschiebung von plantata > (p)flanzeta vor dem 8. Jahrhundert stattfand. Weiter ist auffällig, dass der Typ im westlichen Bezirk Leuk fehlt, der sonst die klarsten frpr. Namen hat, weswegen eine Entlehnung unwahrscheinlich ist. Die Diminutivbildung das Flantzegin (1579, Niedergesteln) ist nur einmal belegt; sie kann analysiert werden als Flanzet(a) + gi(n), wobei das auslautende / a/ getilgt, und das t vor j (lautliche Realisierung von {g}) zu / g/ velarisiert wurde. Nur wenige andere Komposita sind belegt: Flantzmatta ‘ die Wiese, auf der etwas gepflanzt werden kann ’ (1332, Goppisberg; 1398, Simplon), des Flanzetbachs ‘ des Baches bei der Pflanzeten ’ (1642, Stalden; 1706 Pflanzetbach), am Pflanzetbach ‘ am Bach bei der Pflanzeten ’ (1606, Visperterminen; 1636 den Sedolbach seu Flantzetbach). P ETER J OSSEN (1979, 29) erwähnt für Lalden eine Pflanzetagasse und meint, ein Kastlan Flantzeter, dessen Name in der Burgerstube von Lalden erscheint, sei danach benannt worden. Ein FaN Pflanzeter ist im Register der HRBS erwähnt, erscheint aber nicht in den Wappenbüchern. Pfläschini Pfläschini ist nur in Visperterminen als t Pfläschini belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um eine frühere Tränke der Bodmer, um einen Brunnen. Südlich des Flurnamens befindet sich eine kleine Siedlung, die auf der Karte als t Bodma und näher als beeschi Bodma ‘ böse Böden ’ bezeichnet wird. Vermutlich liegt im HL ein agglutinierter Artikel vor, sodass der Flurname zu Fläsche II ‘ Flasche ’ (I D . (1, 121) zu stellen ist. Die diminutive Endung auf / - INI / ‘ die kleinen Flaschen ’ lässt sich zum Etymon Fläsche (SZNB 2, 320 ff.) stellen. Vermutlich ist also ‘ die kleinen Tränkestellen ’ gemeint. 357 358 Pfläschini <?page no="733"?> Pfliisch Pfliisch n. ist nur einmal belegt: ts Pfliisch ‘ das schiefrige Gebiet ’ (Raron). Historisch sind 1524 und 1545 z Blisy belegt. Laut dem Dokument befindet sich dieses Gut a parte Rodani ‘ auf der Seite des Rotten ’ . Da ts Pfliisch laut Karte auf 838 m rechts des Rotten liegt, z Blisy aber links, handelt es sich um zwei verschiedene Namen. ts Pfliisch enthält eine Assimilation des ursprünglichen kollektiven Artikels an das Wort Fl ī sch ‘ Flyschschiefer ’ (I D . 1, 1224). Gwp. spricht von <pfliisch> als Schiefer. Das historische z Blisy lässt sich unter Umständen als ‘ abgelautetes Diminutiv ’ zu Bleiss II (I D . 5, 154) stellen, das laut RN (44 ff.) zu *blese ‘ steile Grashalde ’ gehört. Die Deutung ist aber unsicher. Pfluder Pfluder ist nur in ts Pfluderschiirli ‘ die kleine Scheuer bei den Rauschbeeren ’ (Oberwald) belegt. Gwp. stellt es zu Pfluderberr (V ACCINIUM ULIGINOSUM ‘ Rauschbeere ’ , für Lax, Wallis bezeugt; M ARZELL 4, 953 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 710 weist es als Rauschbeere für den gesamten Alpenraum der Schweiz nach). Pfluder selbst ist wohl zu schwdt. Pfluder m. ‘ dickflüssige Masse (Strassenkot, halbflüssiger Schnee) ’ (I D . 5, 1219 f.; G RICHTING 1998, 151) zu stellen; die Motivation für den Pflanzennamen scheint der dickflüssige Inhalt der Beere zu sein. Pflüeg Pflüeg m. ‘ Pflug ’ ist zu schwdt. Pflueg, wdt. Pflüeg, Pflüäg, Pflüög m. ‘ Pflug ’ (I D . 5, 1243 ff.; G RICHTING 1998, 151) zu stellen. Das HL kommt nur zweimal als Bestimmungswort vor: jn den Pflu ͦ gachren (1633, Stalden) und im Pflúgacher (1695, Staldenried), beide wohl zu verstehen als ‘ Acker, den man pflügen kann ’ . In vielen Gebieten des Oberwallis war der Ackerbau mit dem Pflug unbekannt; hier wurde die Haue (cf. HL H ÖU ) verwendet. Pfois Pfois, in Leuk Pföüs, kommt je in Leuk und Leukerbad vor. Die ältesten Belege finden sich in Leuk: 1278 Fouz, 1544 deys Fongs, 1656 jn die Fons. Der Anlaut entsteht durch die Agglutination des femininen Artikels / t/ an das folgende / f/ ; zu Grunde liegt lat. FONTES ‘ Quelle, Brunnen ’ ; wobei das auslautende / s/ nach dem / n/ die Bedingung für die Vokalisierung von / n/ (Staubsches Gesetz) erfüllt; es entsteht t Fous und daraus mit Palatalisierung Pföüs, resp. Pfois. Das HL ist ein gutes Beispiel für eine alemannische Weiterentwicklung eines rom. Lexems. In Leukerbad sind weiter belegt: Pfoisfall ‘ der (Wasserfall) im Gebiet Pfois ’ und Pfoisgrabu ‘ der Graben im Gebiet Pfois ’ (auf LT Buljessgraben). Die Namen sind auch bei R. G RICHTING (1993) belegt und zwar Pfois auf Blatt 11, Nr. 24; Blatt 13, Nr. 15 und Blatt 14, Nr. 15, Pfoisfall auf Blatt 13, Nr. 13 und Blatt 14, Nr. 14, Pfoisgrabu auf Blatt 13, Nr. 14 und Blatt 14, Nr. 13. In Leuk sind neben Pföüs auch di Undri und di Obri Pföüs belegt; dazu kommt Pföüshaltu ‘ die Halde beim Gebiet Pföüs ’ . Pfoorness Pfoorness ist nur in Inden als t Pfoorness belegt. FLNK und LT haben Fornäss. 1837 ist in Fornes belegt. Es ist zu frz. fournaise f. ‘ Ofen ’ im übertragenen Sinne ‘ Feuer, Hitze, Glut ’ , in FlN für ‘ warme, der Hitze ausgesetzte Örtlichkeiten ’ (G PSR 7, 839 f. bes. 840) zu stellen. Das anlautende / pf-/ im Beleg von M. S. entspricht einem agglutinierten Feminin-Artikel. Pfraanowe Pfraanowe ‘ das neue Gebiet mit Eschen ’ ist als in Pfraanowe (Albinen, auch FLNK) belegt. M ATHIEU (2006, 17 und 19) kennt es als Pfraanowe und stellt es S. 11 zu frpr. fraano ‘ Esche ’ , wozu es auch nach T AGMANN (1946, 26) gehört. Dabei ist der Artikel / t/ an das folgende / f/ agglutiniert und assimiliert. Das zeigen auch die historischen Belege, die 1648 en franoué, 1698 in franve usw. haben. Allerdings ist die Endung wohl ein nachgestelltes Adjektiv zu lat. N Ǒ VUS neu (FEW 7, 210), wo u. a. afr. nove aufgeführt ist. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 898 s. v. Fraxinus excelsior) führen Eschen für die ganze Schweiz (ausser Höhenlagen) auf. Pfraje Pfraje ‘ in die Wiesen ’ ist nur in Varen als in t Pfraje (auch FLNK) belegt. Historisch erscheinen 1695 in die Fraÿe und 1707 en fraÿli. Anlautendes pfkommt durch die Agglutination des femininen Artikels zu Stande. T AG- MANN (1946, 36) erwähnt einen Flurnamen für Varen als üf im pfráiz ǝ , doch ist der Name in der Datenbank nicht vertreten, wohl maskulin und befindet sich in Cordona, während Pfraje sich deutlich tiefer und westlich von Varen befindet. Heute ist es teilweise überbaut. Hingegen kennt T AGMANN zum gleichen Etymon auch historisches eys prays und stellt es zu lat. PRATA ‘ Wiesen ’ . Anlautendes / f/ erklärt er aus dem von M URET (1912, 15) beschriebenen Prozess von / s/ + / p/ -> / f/ . in t Pfraje ist also als ‘ in die Wiesen ’ zu deuten. Pfrantieri Pfrantieri ist in Feschel als (t) Pfrantieri belegt. FLNK hat Pfrantier, ebenso LT. Die historischen Belege haben 1706 pranthier, 1736 in frangieri, 1738 und 1769 im Frantier. Der lebendige Beleg von M. S. bezieht sich wohl auf die in Pfranthier Kehrwasser (1878) belegte und als Pfrantir Pfliisch 359 360 <?page no="734"?> Wasserfuhr (1898) erwähnte Wasserleitung im Gebiet Pfrantier. Auf den Karten ist sie heute nicht mehr sichtbar, aber es scheint, dass mehrere Wasserfassungen in der Nähe durchliefen. Vermutlich dürfte die Ausgangsform frano ‘ Esche ’ (T AGMANN 1946, 26 mit Verweis auf FEW 3, 771 frax ĭ nus esche) mit agglutiniertem Artikel und dazu einer kollektiven / - ARIU ( M )/ oder -/ ARIA / -Ableitung (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) ‘ das Gebiet mit Eschen ’ sein. Pfriische Pfriische ist als di Pfriische (Turtmann; FLNK u. LT Pfriischu, 1: 10000 Pfrischen) belegt. Die Beschreibung ist ‘ Wiesen, Hang ’ ; auf LT sind kleine Gebäude zu sehen, vermutlich Landwirtschaftsbauten. Der belegte Name ist wohl ein Plural, FLNK u. LT können auch ein Singular sein. Ob der Anlaut einen assimilierten Artikel enthält (der dann wiederholt würde), ist unklar. Es scheint sich um ein frz. friche ‘ Brache, unbebautes Land ’ (FEW 17, 424 s. v. versch (mndl.) frisch) zu handeln. Dafür spricht das lange, geschlossene / i: / , während schwdt. Frischi ‘ Kälte ’ (I D . 1, 1332) ein offenes, kurzes / ĭ / enthält. Pfrüemd Pfrüemd f. ‘ Pfrund ’ , ist zu schwdt. Pfruend, wdt. Pfrüemd, Pfrüänd, Pfrüämd f. ‘ geistiges Amt, Pfarrstelle, eig. die dafür gestifteten oder ausgesetzten Einkünfte; Pfarrei ’ (I D . 5, 1284 ff.; G RICHTING 1998, 152) zu stellen. Im Oberwallis scheint durchwegs eine geistliche Pfründe gemeint zu sein, G RICHTING notiert nur ‘ Pfarrei ’ . In den Deutungen geben wir trotzdem an, dass die Erträge ‘ dem Pfründer ’ zu Gute kommen, auch wenn das meist die Pfarrei ist. Das HL erscheint in den FlNN nur als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Acher, Biina, Eie, Güet, Schiir, Wald und Weid. Der Beleg Pfundacher (1679, Lalden) ist wohl verschrieben für Pfrundacher. Pfullwe Pfullwe f. ist als di Pfullwe (Täsch; LT u. FLNK Pfulwe) und di Pfulwa (Zermatt; FLNK ze Pfulwu, LT Pfulwe) belegt. Die Karte zeigt, dass der Beleg aus Täsch einen Plural darstellt, der ein Gebiet westlich des Mellichbaches auf ca. 2500 m bezeichnet. Der Beleg aus Zermatt bezeichnet einen Berggipfel auf 3313 m. und darunter ein felsiges Gebiet, von dem aus vermutlich der Gipfel benannt wurde. J ULEN ET AL . (1995, 52 f. und 235 f.) kennt di Pfulwa und gibt dafür ‘ Mulde, Vertiefung zwischen zwei Gipfeln ’ und ds Pfulwugufer mit der Deutung ‘ Geröllhalde, Steingeröll ’ . BENB (1, 4, 304 f.) kennt einen Namen Pfulw-/ Pful(b) in Bellmund und Wilderswil. Es stellt ihn zu schwdt. Pfulw(en), Pfulbe(n) m. ‘ grosses Federkissen am Hauptende des Bettes, auf das das kleinere eigentliche Kopfkissen gelegt wird ’ , davon abgeleitet ‘ als Unterlage und Tragvorrichtung dienende Geräteteile, z. B. Stange an einem Pflug oder das bewegliche Tragholz auf der vorderen Achse eines Wagens, auf dem das Wagengestell ruht ’ , zu mhd. phulwe, pfülwe, pfulbe, pful swm./ n. ‘ Federkissen ’ < ahd. pfulwo swm., pfuluwîn stn. ‘ Kissen, Kopfkissen ’ , aus lat. PULVINUS , PULVINAR n. ‘ Polstersitz, Lagerstätte ’ (I D . 5, 1099 ff.). Als Motivation lässt sich am ehesten eine metaphorische Übertragung des HL auf die (hier gebirgige) Landschaft annehmen. Philpen Philpen, Adj., kommt nur einmal vor in zem philpen Steyne (1305, Niedergesteln). Das Adjektiv ist so sonst nicht belegt, kann aber als flektierte Form von be-hilbverstanden werden. Die Fortisierung von / b/ zu / p/ entspricht der lautlichen Realisierung. Diese Form ist wohl zum Adjektiv hilw / hilb (I D . 2, 1244 f.) oder zum Partizip be-hilt (I D . 2. 1245) zu stellen. Allerdings sind die Bedeutungsangaben für das Wallis ( ‘ bedeckt, überzogen ’ für das Wetter) schlecht mit Stein vereinbar. Die Bedeutungsangabe ‘ geschützt vor Zugluft, auch windstill, warm ’ usw. würde eher zutreffen, ist aber im I D . für das Wallis sonst nicht bezeugt. Piäneza Piäneza ist zu it. pianezza f. ‘ ebene Fläche, Ebene ’ zu piana ‘ eben ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1594) zu stellen. O LIVIERI ( 2 1961; 491; 1965, 263 f.) führt pianezza auf lat. PLANITIES ‘ Ebene ’ zurück. Alle Belege liegen in Zwischbergen. Das Simplex ist zweimal belegt als di Piäneza ‘ die Ebene ’ . Um das tiefer gelegene Piäneza finden sich auch der Piänäzgrabu ‘ der Graben bei der Piäneza ’ , der Piänäzstäg ‘ der Steg über das Gross Wasser bei der Piäneza ’ und der Piänäzwald ‘ der Wald bei der Piäneza ’ . Bei J ORDAN (2006, 537) finden sich im Register neben den genannten Belegen auch Pjänezuboort ‘ das Bord bei der Piäneza ’ , Pjänezugalerii ‘ die (Strassen-)Galerie bei der Piäneza ’ , Pjänezuheeji ‘ die Höhe bei der Piäneza ’ , Pjänezukapälli ‘ die Kapelle bei der Piäneza ’ und Pjänezuschtaful ‘ der Stafel der Piäneza ’ . Piär Piär ist nur in di Piärmatta ‘ (unklar) die Bier-Wiese (? ) ’ (Ferden) belegt. Die Wiese befindet sich auf rund 1900 m und erscheint bei FLNK als Biermatte. Das HL ist wohl zu schwzdt. Bier ‘ Bier ’ und wdt. Pier, Biär (Lötschtal), Bier (Saastal), Piär ‘ Bier ’ (I D . 4, 1504; G RICHTING 1998, 152) zu stellen. Unklar ist die Motivation: handelt es sich hier um eine Wiese, wo ein Bier getrunken wurde? Der PN Pierre ‘ Peter ’ spielt kaum eine Rolle. 361 362 Piär <?page no="735"?> Piaz Piaz ist zweimal als Bestimmungswort in Piazeggu und Piazgrabu (FLNK, Saas-Balen) belegt. Kommentare fehlen; vermutlich liegt ein it. piaz oder piazza ‘ Platz ’ (O LI- VIERI 2 1961, 420 f.; 1965, 265; D EVOTO / O LI 2020, 1599) vor. Die Motivation ist unklar; es muss sich um eine moderne Fügung handeln, da das Gebiet nicht direkt an Italien grenzt. Pier Pier ist nur in der Pralipieritotz ‘ der (Fels-)Block bei der Wiese mit dem Felsen ’ (Varen) belegt. Während pra zu lat. PRATUM ‘ Wiese ’ und Totz ‘ (Fels-)Block ’ klar sind, ist wohl li pieri zum HL P IER ‘ Stein, Fels ’ zu lat. P Ě TRA ‘ Fels ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 64) zu stellen. Der PN Pierre ‘ Peter ’ (I D . 4, 1505) ist nicht auszuschliessen, aber wohl nicht primär. li ist als Artikel laut M EYER (1914, 27) nicht klar. Pierra Pierra ‘ Fels, Stein ’ ist zu lat. P Ě TRA ‘ Fels, Stein ’ zu stellen. T AGMANN (1946, 21) nennt p ī rra als lokale Form des Patois von Miège. B OSSARD / C HAVAN (2006, 64) nennen Pierre, Pierraz, Piraz (VS). Das Lemma kommt als Grundwort vor in einer Reihe historischer Belege mit wechselnder Schreibweise in Salgesch: en la pera de la warda (1346), in petra de la warda (1353), en la pierra de la garda (1644) bis hin zu Pidolo=Varda (1831), zu deuten als ‘ Wachtstein ’ . In Varen sind belegt 1649 eys Pierre Zuinte und 1720 im Piero Schinte - das Bestimmungswort bleibt unklar. Wiederum in Salgesch ist 1702 in piero so latra belegt. Es könnte sich um eine unverstandene Verschreibung von kalátra ‘ Schleuse zum Regeln des Wässerwassers ’ (T AGMANN 1946, 7) handeln. Der Flurname wäre dann ‘ der Stein bei der Schleuse ’ . Als Bestimmungswort im Genitiv ist 1579 in Salgesch belegt: jn pede de la piera ‘ am Fuss des Felsens ’ , wobei jn pede lateinisch ist (FEW 8, 293 s. v. p ē s fuss zeigt durchwegs Formen mit -ie- und ähnlich). Die Schreibweise piera ist im 16. Jahrhundert nicht erstaunlich. Pieruwa Pieruwa ist als ts Pieruwa (Varen, auch LT und FLNK) belegt. Das Register hat Piruwa und Pierre; ob letzteres ein PN oder einfach ‘ Fels ’ ist, bleibt unklar. Es handelt sich um Wiesen und Weiden westlich des Dorfes Varen oberhalb der Weinberge. Der anlautende Artikel ist Neutrum. Der Flurname ist wohl eine Zusammensetzung aus lat. P Ě TRA stein fels (FEW 8, 313 ff.), frpr. pirra ‘ Fels ’ (G ERSTER 1927, 56) und lat. Ō VUM ‘ Ei ’ (vgl. G ERSTER 1927, 69 mit ū ̩ , das als ‘ vielli ’ (älter) bezeichnet wird). Ob die Deutung ‘ Fels, der wie ein Ei aussieht ’ zutrifft, ist unsicher; jedenfalls wäre der Flurname usprünglich frpr. Pigger Pigger kommt nur vor in der Graatpigger (Gampel). Das HL ist zu schwdt. Bigger II und wdt. Pigger, Piggär ‘ Mann (kleiner), Penis ’ (I D . 4, 1080 f.; G RICHTING 1998, 152) zu stellen, hier wohl von der Form her ‘ Penis des Grates (Felsgrat) ’ zu verstehen. Es handelt sich um einen Schmelzwassersee im Sommer. Ganz unsicher ist Piggumatta ‘ (unklar) die Piggu- Wiese ’ (FLNK, Grächen, auch auf LT). Der Name kann sich auf einen Beinamen beziehen; ohne nähere Hinweise ist eine Deutung unmöglich. Pigne Pigne ist nur in Oberems als Pigne de combavert zwischen Turtmanntal und Val d ’ Anniviers belegt. Es handelt sich wohl um den patois-Namen für das dt. Meidzänd ‘ die (Fels)Zähne bei Meiden ’ (Oberems). Pigne ist zu frz. le peigne ‘ der Kamm ’ zu stellen (FEW 8, 101 ff. s. v. P Ě CTEN , - INIS kamm). Was dt. Zänd ‘ Zähne ’ meint, kann hier als Kamm (der auch Zähne hat) verstanden werden. Piipji Piipji ‘ die kleine Pfeife ’ ist nur in Oberems belegt. Das Simplex benennt eine Alpe auf rund 2300 m. Darum herum sind belegt: Piipjigletscher, Piipjilicku, Piipjitelli, Piipjiwang. Pipistadil und Pipimatten (nur historisch seit 1809) befinden sich jedoch an einem klar anderen Ort in Oberems selbst. Unklar ist das Verhältnis zu di Pipe (Varen). In Oberems liegt vermutlich ein Diminutiv Piip+li > Piipji vor. Laut FEW (8, 465) könnte es zu lat. * P Ī PULA kleine Pfeife zu stellen sein. Motivation scheint die Form der Flur zu sein. Ein deutsches Lemma ist kaum gegeben. Piis Piis ist ein unklares HL, das einerseits in Albinen mit di Pjiss (M ATHIEU 2006, 31 und S. 11, wo es auf frpr. buol (bwil) als ‘ Teich, Wasserloch ’ zurückgeführt wird) und dem historischen Ripa Büsz (1602), anderseits in Eisten mit di Piise und der darunter liegenden di Piisbachtola belegt ist. Die Belege in Albinen sind sicher romanisch: 1602 ÿ buÿs, 1675 in die Bues, 1677 in die Buis (unsichere Lesung), 1680 in die Buis, 1688 in die Bües, 1704 in die Bÿs, 1708 in die Bÿes, 1730 ind Bÿss. Die ältesten Belege weisen auf ein frpr. Buez (T AGMANN 1946, 23 mit Verweis auf M EYER 1914, 160) aus *boscu ‘ Busch ’ (FEW 15, 1, 192 ff. s. v. *bosk- (germ.) ‘ Busch ’ ) hin. di Pjiss ist wohl ursprünglich ein Plural ‘ in den Büschen ’ und Ripa Büsz Piaz 363 364 <?page no="736"?> meint den Bach bei den Büschen. Hierzu sind auch die Belege en Riwa Bÿs (1650) und in Riua Bÿs (1703) zu stellen, die kaum zu frpr. bisse ‘ Wasserleitung ’ gehören. Die Deutung bei M ATHIEU (2006, 17 mit Verweis auf buil S. 11) ist wohl unzutreffend, da das auslautende / l/ in den Belegen nicht auftritt. di Piise in Eisten und das zugehörige Piisbachtola lassen sich nicht deuten. Eine romanische Grundform ist zwar nicht auszuschliessen, aber eher ungewöhnlich. Die beiden Namen werden deswegen ohne Deutung wiedergegeben. Piische Piische m. ist zu schwdt. Büsch, Büsche(n), Püsche(n) bzw. P ī sche(n) (W) m. ‘ junger Nadelholzbaum (bes. Tanne oder Föhre) bis etwa zu 6 m Höhe ’ (I D . 4, 1768 f.; G RICH- TING 1998, 152) zu stellen. Das Simplex ist im Singular als der Biischu (Simplon, Zwischbergen) und beim Pischen (Oberwald, SK, unsicher) belegt. Der Plural ist als t Piische (Oberwald, Ulrichen, Zwischbergen) und in den Pischen ‘ im Gebiet mit kleinen Nadelbäumen ’ (1717, Geschinen) bezeugt. Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita belegt in Bletschunpiischen ‘ die Nadelholzbäume bei den Bletschun (Ebenen) ’ (Blatten), di Giblipischen ‘ die Nadelholzbäume beim Gebiet Gibli (kleiner Giebel) ’ (Kippel), in Leerchpÿschen ‘ beim Gebiet mit kleinen Lärchen ’ (1624, Bürchen), t Mattun Piischen ‘ die kleinen Nadelholzbäume bei der Matte (Wiese) ’ (Blatten), ts Ruppupiischu ‘ bei den kleinen Nadelholzbäumen der Familie Ruppen ’ (Grächen), in den Tanpischen ‘ im Gebiet mit kleinen Tannen ’ (1840, Bellwald). Unsicher ist der Beleg der Piisschiwang ‘ der Grasabhang mit Büschen ’ (Leukerbad), wo keine Bäume, nur Büsche zu erkennen sind. R. G RICHTING (2003, Blatt 16, Nr. 14 Pieschiwang) geht von einem HL Pieschi aus, das sonst nirgends belegt ist; da sich unweit davon ts Taalersch Wang (bei G RICHTING Stahlärsch Wang) befindet, also der Grasabhang einer Person namens Taler oder Stahler, könnte Pieschi auch ein PN sein. Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita verbindet das HL sich mit den Grundwörtern Grabu und Wald. Pilantsch (PN) Pilantsch (PN) ist nur einmal belegt in im Pilantschacker ‘ im Acker des Pilant / der Familie Pilant ’ (1629, Ergisch), wobei auch Pilentschacker gelesen werden kann. Es handelt sich wohl um einen PN oder FaN im Genitiv. Zwar gibt es die FaNN Biland und Byland (F AMILIENNAMEN- BUCH DER S CHWEIZ , 1, 163 und 306). Die Bürgerorte befinden sich aber im Aargau, sodass der FaN kaum in Frage kommt. Pillet (FaN) Pillet ist als ts Pillet (Ergisch; FLNK Pillettji) belegt; die historischen Belege von 1710 u. später haben im Piletgÿ und im Pilletÿ. Laut T AGMANN (1946, 70) handelt es sich um den heute unbekannten FaN Pillet, der in mehreren Dokumenten belegt ist. NWWB (2, 175) kennt den FaN, weist ihn aber Aosta und Martigny zu. Pilottu Pilottu pl. ist nur als in de Pilottu ‘ in den Holzpfählen ’ (Ried-Brig) belegt. Gwp. fügt hinzu, dass es sich früher um eingerammte Holzpfähle als Lawinenverbauung gehandelt habe. <pilotte> seien ‘ Holzpfähle ’ , die oberhalb der Strasse auf die Alpe Resti standen. Es handelt sich um ein Fremdwort aus dem französischen le pilot ‘ der Grundpfahl ’ (vgl. FEW 5, 475 ff. s. v. p ī la pfeiler, bes. S. 475 s. v. pilot). Die Aussprache mit / tt/ ist vermutlich dem Schreibbild geschuldet; le pilote ‘ der Steuermann, der Pilot ’ ist nicht gemeint. Pinntärne Pinntärne ist in Visperterminen als di Pinntäärne (FLNK u. 1: 10000 Pintärne) belegt. Komplexer ist der Pinntäärnerwier ‘ der Weiher bei den Pintäärne ’ (Visperterminen); als Ableitung für eine Wasserleitung ist di Pinntäärneri ‘ die Wasserleitung von / zu den Pintäärne ’ (Visperterminen) belegt. Eine Deutung für das HL entfällt; es ist wohl identisch mit dem historisch belegten Binternon in Glis (cf. HL B INTERNON ). Eine Deutung ist jedoch nicht möglich. Pioda Pioda und das dt. geschriebene Pjooda sind als Pioda ‘ glatter Fels ’ (LT, Zwischbergen), in Preesa Pjooda ‘ das Haus beim glatten Felsen ’ (Zwischbergen) und Reál della Pjooda ‘ der Graben mit glatten Felsen ’ (Zwischbergen) belegt. Beide kennt auch J ORDAN (2006, 304). Er stellt sie zu it. pjoda ‘ Steinplatte ’ und real zu it. real ‘ Graben ’ . O LIVIERI (1965, 267) und P ETRINI (1993, 114 s. v. pioda ‘ lastra di pietra (Steinplatte) ’ ) nennen pioda einen dialektalen lombardischen und piemontesischen Ausdruck. In Ortsnamen wird es nach P ETRINI für glatte Felsen verwendet. Ein verdeutschter Beleg findet sich in Piodejoch (LT, Zermatt) im Monte Rosa-Gebiet zwischen Ludwigshöhe und Parrotspitze. Gemeint ist wohl ein Joch im glatten Fels. 365 366 Pioda <?page no="737"?> Pioltone Der Pizzo Pioltone (LT, Zwischbergen) ist ein Grenzgipfel, der sich südwestlich des Camoscellahorn (LT) / Camuschellihorn (1: 10000) befindet. Auf den Internetseiten werden die beiden Gipfel zusammen genannt; auf der Karte besteht ein Unterschied. Bei O LIVIERI ( 2 1961; 1965) findet sich keine Deutung. Pipe Pipe ist als di Pipe ‘ die Bach-Nelkenwurz ’ (Varen) belegt, ein Plural. 1346 ist von pipin die Rede, 1749 von in piba. In beiden Fällen ist ein Weinberg erwähnt. Es scheint sich hier um einen Pflanzennamen zu handeln (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 246 s. v. G EUM RIVALE ‘ Bach-Nelkenwurz ’ ) nach B RIDEL (1860, 294). Der Flurname ist sonst nicht belegt. Die Flur befindet sich direkt neben dem Gulantschi, einem Bach, der Varen und Salgesch trennt. Pisschür Pisschür ‘ Wasserfall ’ ist in Leukerbad als Simplex belegt, historisch als lo Pissiour (1328). Das Lemma ist zu p įš our etc. ‘ Wasserfall ’ zu stellen (T AGMANN 1946, 5). In Leukerbad kommt auch der Pisschürgrabu ‘ der Graben beim Wasserfall ’ vor. R. G RICHTING (1993) kennt neben Pischürgrabu (Blatt 4, Nr. 14, Blatt 5 Nr. 34 u. Blatt 6, Nr. 10), Pischürchrächu (Blatt 4, Nr. 3 u. Blatt 5, Nr. 2) und Pischürfall (Blatt 5, Nr. 24 u. Blatt 6, Nr. 14). Historisch hat Salgesch Pyssiour (1365 u. später) und Varen Plan Pischeur ‘ die Ebene beim Wasserfall ’ (1561), sowie sub saxo dov Pyssyour ‘ von der Fluh mit dem Wasserfall an ’ (1490). In Turtmann ist jm Pischier ‘ im Gebiet mit einem Wasserfall ’ (1653) mit einer Hütte belegt. In Ergisch findet sich die diminutive Ableitung ts Bischierli ‘ der kleine Wasserfall ’ ; die historischen Belege haben 1320 ol pissiour, 1328 lo pisiour usw., also eine ältere frz. oder frpr. Version. Pisung Pisung m. ist als der Pisúng (Zwischbergen) belegt, Name eines Grenzgipfels. J ORDAN (2006, 300) kennt ihn nur als Variante zu Wallgraand, das auf LT als Punta Valgrande (2865 m) belegt ist. SK hat Monte Carnera. In allen Fällen handelt es sich um einen Grenzgipfel zu Italien. Pisung stammt aus einem piemontesischen oder lombardischen Dialekt, ist aber sonst nicht bekannt. Die einschlägigen Wörterbücher und Verzeichnisse (O LIVIERI 2 1961; 1965, P ETRINI 1993) kennen keinen entsprechenden Beleg. Pitro Pitro kommt 1666 in Varen im Beleg in Chang Pitro vor. Es handelt sich jedoch nicht um ein Wort, sondern ist nach M EYER (1914, 79, 113) zu lat. CAMPESTRE ‘ zum Feld gehörend ’ zu stellen. Die Notation in zwei Wörtern verfälscht den Namen (cf. HL T SCHAMPIICHTRU ). Pitsch Pitsch ist nur als Bestimmungswort in Gampel als Pitschbalmu ‘ der überhängende Fels im Pitschwald ’ , der Pitschwald ‘ der Wald bei der Pitsche (die Form einer kleinen Hacke? ) / die Anhöhe ’ , der Ober und der Unner Pitschwäg ‘ der obere und der untere Weg im Gebiet Pitschwald ’ , sowie in Bratsch als der Pitschwald ‘ der Wald in der Form einer Pitsche (kleine Hacke? ) / die Anhöhe ’ belegt. Die beiden Wald-Namen beziehen sich auf den gleichen Wald. In Ausserberg kommt hinzu der Pitschibiel ‘ der Hügel der Familie Bitschin ’ , der zum FaN Bitschin (AWWB 33) zu stellen ist. Pitschi dagegen kann zu wdt. Pitsche(n) f. ‘ die kleine Spitze an der Spitzhacke ’ (I D . 4, 1933; E GLI (1982, 115, 131 f., 248 f.; G RICHTING 1998, 153) zurückgeführt werden. E GLI (1982, 132) gibt Pitscha als rom. mda. p ǝ ts ā ‘ Hacke ’ an; er führt als Bedeutung ‘ kleine Hacke ’ an. Pitsch kann aber auch auf das entrundete HL B ÜTSCH (BENB 1, 4, 769 ff.) zurückgehen, das als Lehnappellativ zum lat. PODIUM ‘ Erhöhung, Anhöhe ’ gedeutet wird. Die Deutung E GLIS scheint sinnvoller zu sein, da sich die Pitsche als Werkzeug des Rebbauern auch als Flurname eignet. Pizzo Pizzo ist zu it. Pizzo ‘ Spitze, Berggipfel ’ (D E V OTO / O LI 1990, 1420; RN 2, 246; URNB 2, 903) zu stellen. Die aufgeführten Gipfel befinden sich an der Grenze zum Kanton Tessin (Oberwald) und an der Grenze zu Italien (Binn, Saas-Almagell, Oberwald). Zu Oberwald gehört der Pizo Gallina ‘ die Spitze, die einem Huhn gleicht ’ . der Pizo Gallina (Oberwald) ist ein Grenzgipfel zum Tessin (LT Pizzo Gallina, FLNK Pizzo Gallina, Piz Gallino) (vgl. P ETRINI 1993, 101 s. v. gallina). Das HL ist zu lat. GALLINA , it. gallina ‘ Henne ’ , meist zur Bezeichnung einer wild lebenden Hühnerart (Birkhenne, Auerhenne, kaum jedoch das Schneehuhn; cf. RN 2, 159; REW 3661, FEW 4, 38) zu stellen. der Piz Nero (FLNK Pizzo Nero; LT Pizzo Nero) ‘ die schwarze Spitze (vom Tessin aus benannt) ’ ist ein Grenzgipfel vom Wallis zum Tessin. Piz Rotondo ‘ der Pizzo Rotondo (Spitz der Rundung) ’ (Oberwald, LT u. FLK Pizzo Rotondo) ist ein östlicher Grenzgipfel zwischen Wallis und Tessin; hierzu gesellt sich Ghiacciaio del Pizzo Rotondo ‘ der Gletscher des Pizzo Rotondo (LT für Rotondogletscher) ’ . Der Pizzo Pesciora (Oberwald, auch FLNK) ist ein Grenzgipfel östlich des Gerenhorns, benannt nach einem Gebiet mit Rottannen. Der Pizzo Cornera (it. Name des Gischihorns) ‘ die kleine Hornspitze ’ (LT, Binn) ist ein Grenzgipfel im Pioltone 367 368 <?page no="738"?> Süden des Binntals und nach einem Gebiet südlich des Horns benannt (Passo di Cornera, Guglie di Cornera). O LIVIERI ( 2 1961, 196) kennt Cornèra und sieht darin eine Ableitung zu lat. CORNUS . O LIVIERI (1965) kennt den Namen jedoch nicht. Der Pizzo Fnè ‘ die Spitze Fnè ’ befindet sich als Grenzgipfel neben dem Passo Fnè bei Zwischbergen zu Italien. Zu Fnè vgl. HL F NÈ . Zu Pizzo d ’ Avino ‘ die Spitze von Avino ’ (Zwischbergen) kennt J ORDAN (2006, 293) Pizzo dAwino. Avino ist der Name einer Piana d ’ Avino und des Lago d ’ Avino auf der italienischen Seite der Grenze. Der Name ist bei O LIVIERI (1965) nicht belegt; eine Deutung lässt sich deswegen nicht geben. Pizzo Straschugo ‘ die Spitze Straschugo ’ (Zwischbergen, LT und FLNK, Pizzo Straciugo) hat seinen Namen wohl von der Alpe Straciugo erhalten, eine Deutung fehlt aber bei O LIVIERI ( 2 1961; 1965). Pizzo d ’ Andolla (LT, Zwischbergen) ist ein Gipfel am Portjengrat, nach den Alpi di Andolla benannt. Der Pizzo Pioltone (Zwischbergen) ist ebenfalls ein Grenzgipfel zu Italien. O LIVIERI (1965) kennt den Namen nicht. Der Pizzo Cingino Nord (dt. Jazzihorn) (Saas-Almagell) und der in Italien liegende Pizzo Cingino Sud sind nach der Alpe Cingino benannt; O LIVIERI ( 2 1961; 1965) hat dafür keine Erklärung. Auch für den Pizzo di Loranco (Saas- Almagell; dt. Mittelrück), einen Grenzgipfel zwischen dem Saastal und Italien, findet sich keine Erklärung; bei O LIVIERI ( 2 1961; 1965) findet sich der Name nicht. Weiter ist der Pizzo Scarone (Saas-Almagell, dt. Kehrenrück) in der Cresta di Saas belegt, wo wir den FaN eines Bergsteigers vermuten. O LIVIERI ( 2 1961, 493; 1965, 316) stellt den Namen zu it. scara ‘ Treppe ’ und meint damit eine grosse Treppe. Die meisten dieser Gipfel sind von it. Seite aus benannt, weswegen eine Deutung jeweils schwierig ist. Plääna Plääna f. ‘ die Ebenen ’ ist nur belegt in di Plääna ‘ die Ebenen ’ (Glis, 1: 10000 Pläna), vermutlich einem Plural. Laut Beschreibung handelt es sich um mehrere kleine Ebenen. I D . (5, 104) kennt Pl ā n ‘ freier Platz, Ebene ’ (vgl. auch BENB 1, 4, 362 f.). Die dt. Form Plan und die frz. Form plaine lassen sich auf das mlat. PLÂNUM ‘ Ebene ’ zurückführen. Die genaue Herkunft des HL ist jedoch nicht klar. Der Umlaut ist im I D . mindestens für den Diminutiv belegt; dennoch sind sowohl dt. Plan wie frz. plaine als Quelle des Flurnamens möglich. Plagnez Plagnez, auch Plagney ‘ kleine Ebene ’ ist nur historisch belegt als ov plagmez (1444, Unterems; wohl verschrieben), plagney (1328, Turtmann), ol plagney (1337 u. später, Unterems), ov plagnyez (1523, Oberems), eis plagnuelz (13. Jh., Ergisch; 1320 playnes, 1328 plagne ỳ , eys plageys, eys plagnez, es plagn ỳ es usw.), eys blagnyz (1338, Varen) sowie die komplexen ou plagney de cabana (1328, Oberems), ol plagney de cabana (1328, Unterems). Trotz den verschiedenen Schreibweisen ist der Name nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 18) zu Plagne, Plaigne: ‘ petit plateau, terrain plat ou relativement plat, étym. lat. *plania ‘ terrain plat [ebenes Gelände] ’ zu stellen. Plagnoul Plagnoul ist nur 1328 als cabulum dou plagnoul (Ergisch) belegt. Ob sich hier eine Ableitung von *plania ebene (FEW 9, 18) verbirgt, ist unklar. Wenn dem so wäre, ist der Name als ‘ Schleif von / zu einer Ebene ’ zu verstehen. Doch das bleibt unklar. Plammis Plammis ist nur in Varen belegt; es handelt sich um einen hochgelegenen Teil der Varneralpe über der Baumgrenze (was eine Rückführung auf plambois (T AGMANN 1946, 23) ausschliesst). Die lebenden Belege Plammis und ts Unner Plammis werden ergänzt von historischen Belegen juxta saxa de plambis (1587) und juxta saxa de plangbis (1587). Es handelt sich also wohl um die Verbindung von plan und bis ‘ Bach, Wasserleite ’ (T AGMANN 1946, 5; G PSR 2, 387 ss. s. v. bief), also ‘ die ebene Fläche mit dem Bach ’ . HL P LAMMIS wird beibehalten, da die Konstruktion nicht durchsichtig ist. Plan Plan ist ein aus dem lat. Adj. PL Ā NU ‘ eben ’ (FEW 9, 27 ff.) stammendes Lemma, das entweder als rom. pla(n), plang oder als dt. Lehnwort Pl ā n (I D . 5, 104: Pl ā n m. ‘ freier Platz, Ebene ’ , auch als Gegensatz zur Alp für den ebenen Grund (Viehweiden, mhd. plan) gedeutet werden kann. In manchen Belegen ist das Lemma lateinisch; dann lässt sich nicht entscheiden, ob ein Appellativ oder ein Name vorliegt und zu welcher Sprache letzterer gehört. Das Adjektiv wird auch als Substantiv gebraucht, dazu kommen einige Ableitungen. Das Simplex ist als y plang (1610, Leukerbad; älterer Beleg 1356 im Plural eys plans, 1460 y planz) und in di Plang (Albinen, FLNK Plang) belegt; in Albinen ist das Genus unklar, haben doch historische Belege im plang (1717 u. später). Albinen hat auch Plaanu, das wohl auf die Ableitung PLANNA ‘ Ebene ’ (T AGMANN 1946, 19) zurückzuführen ist; die Ableitung Planju (Albinen, FLNK Planji) wird von FLNK als Diminutiv verstanden, ist aber wohl einfach eine phonetische Wiedergabe von Patois plangna, das zum HL P LANNA gehört. In Gampel bildet Plaa (als Simplex nicht belegt) ein Namennest mit Plaabodu, Ober Plabodu, Plamatta, Pla- 369 370 Plan <?page no="739"?> wäg, Plawald und Unner Plabodu. Da Gampel nicht zum ursprünglichen Patois-Gebiet im Bezirk Leuk gehört, kann sowohl rom. plan wie dt. Plaa (mit n-Schwund) Ausgangspunkt sein. Unsicher ist ebenfalls ts Plaaneggi ‘ die kleine Ecke bei der Ebene ’ (Ergisch) In den übrigen Gemeinden mit Patois-Einfluss erscheint plan oder plang als Adjektiv oder als Grundwort; im Einzelnen kann das nicht immer entschieden werden. Klare Fälle sind etwa in plano cudry ‘ im ebenen Gelände mit Haselnuss-Sträuchern ’ (1358, Albinen), plan du rafour ‘ ebenes Gelände beim Kalkofen ’ (1644, Varen) oder plan pischeur ‘ das ebene Gelände beim Wasserfall ’ (1561 Varen). Lateinische Fügungen wie jn plano campo ‘ auf dem ebenen Feld ’ (1338, Varen) oder jn planis vineis ‘ auf den ebenen Weingärten ’ (1352) enthalten offenbar ein Adj. plan- und sind nicht als Grundwörter zu deuten: ob es sich dabei um den Namen Pflantschang (Varen) handelt, lässt sich nicht entscheiden, obwohl das nahe liegt. Eine Reihe von Namen sind nur schwer zu deuten: so ist in Varen 1587 saxa de plangbis ‘ die Felsen bei Plangbis ’ belegt, wozu offenbar das lebende Plammis (Varen) gehört; sieht man sich den Ort auf der Karte an, erkennt man, dass ein Wasserlauf quer über diesen Teil der Varneralpe läuft und dass Plammis deswegen als ‘ ebenes Gelände mit einem Bach / einer Wasserleite ’ zu deuten ist (cf. HL P LAMMIS ). Schwierig oder unmöglich zu deutende Ableitungen wie Plaabitscher (Inden), Plampulet (Albinen), plan gadron (1656, Albinen) und weitere sind unter dem Bestimmungslemma aufgeführt; die jeweiligen HLL sind in der Datenbank aufgeführt. Ableitungen sind nicht immer leicht erkennbar. Planigy (Salgesch, SK) ist nach T AGMANN (1946, 19) zu PLANITIA ‘ pays de plaine (ebenes Gelände) ’ zu stellen. Bei unsicheren Fällen wird ein gesondertes HL erstellt, etwa HL P LANÜNUNG . Einen schwer zu interpretierenden Sonderfall bilden Konstruktionen mit nachgestelltem plan, wie in procuratores montis du plan ‘ die Alpvögte der Alp Plan ’ (1585, Varen) oder cabulum plan ‘ der Schleif bei der Ebene? ) (1721, Varen), der auch Trenchien plan ‘ die Ebene bei der Tränke? ’ (1721, Varen) heisst. Nicht belegt sind die Weiterentwicklungen zu pyàn, pyánna (T AGMANN 1946, 19) in den patois. Planet Planet ist zunächst historisch 1610 als ÿ planet und 1709 in Planet belegt. Es handelt sich um das HL P LAN ‘ Ebene ’ und eine Diminutiv-Ableitung auf / - ITTU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 18 und 287) und G. P ANNATIER (p. c.), also ‘ die kleine Ebene ’ . Die mögliche Zuordnung zu Planoz etc. ‘ Spitzahorn ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 171) ist unwahrscheinlich, da die Dokumente von agrum ‘ Acker ’ sprechen. Anders zu verstehen und auf der zweiten Silbe zu betonen ist das in Stalden und Visperterminen belegte Planeetuwäg (FLNK, Stalden) und Planetuwäg (FLNK, Visperterminen). Beide bezeichnen den gleichen ‘ Planeten-Weg ’ (von Visp bis Stalden mit Abbildungen der Planeten). Plangg Plangg n, Plangge f. ist zu schwdt. Plangg II, Plangge(n) f. ‘ lichter, holzfreier Raum in einer weitschichtigen Waldung; offen daliegende ( ’ helle ‘ ) Stelle eines Berges, mit Gras [ … ] bewachsen; langgestreckte, steil abfallende, bewachsene Fläche in Waldungen, zumeist aber zwischen nacktes Gestein eingebettet, oft fürs Vieh unzugänglich und daher fürs Wildheuen benutzt ’ , rätorom. plaunca, cf. frz. planche, mlat. PLANCHA , - IA (I D . 5, 119 f.; zu Namen siehe URNB 2, 904 s. v. Plangge mit Verweis auf Z INSLI (1946, 312) u. a.; SZNB 4,9 ff. s. v. Plangg). Während das HL in UR und SZ sehr häufig ist, sind im Oberwallis nur belegt Furkaplangge ‘ die steilen Halden auf dem Furkapass ’ (FLNK, Oberwald), ts Plangg ‘ das Gebiet mit steilen Wiesen ’ (Binn), di Plängge ‘ steile Wiesen ’ (Naters) und ts Plänggerli ‘ steile Wiese ’ (Oberwald, Grimselpass). Die beiden Namen in Oberwald sind wohl vom benachbarten Kanton Uri beeinflusst. Plangna Plangna ‘ Ebene, eben ’ ist entweder ein Substantiv zu lat. PL Ā NU oder ein feminines Adjektiv dazu, vgl. T AGMANN (1946, 19) “ Plana, Planne, pyanne, planne, terrain assez plat, étym. app. pat. la pya ŋ na, pyanna, la pla ŋ na ‘ la plaine ’” . Das HL kommt einmal als Plangna ‘ Ebene ’ (1488, Salgesch) vor. Der älteste Beleg hat eys planes (1488), der jüngste en la plangna (1544). Es ist unklar, ob sich die historischen Belege alle auf die gleiche Flur beziehen. In Salgesch ist 1580 ad cristam plangnaz ‘ beim Hügel mit der Ebene ’ belegt, das lebendig als Grechtaplangna und in Grechtaplangnahubil ‘ der Hügel im Gebiet Grechtaplangna ’ erscheint (cf. HL G RECHTA ); M ATHIER (2015, 126) kennt den Namen als Grechtuplangnä. die Plangna Veÿ ‘ die alte Ebene (unsicher) ’ (1689, Albinen), en la Plangnasin (1649, Inden) und eys plangnes listes ‘ in den ebenen Grasbändern (? ) ’ (1543, Leuk) sind schwierig zu deuten, enthalten aber das HL. Planna Planna ist in Varen 1659 als im Planna und im gleichen Jahr als jn di Planna belegt. Auch der erste Beleg lässt sich als Feminin deuten, wenn die anlautende Präposition assimiliert wurde. Gemeint ist ‘ die Ebene ’ (T AGMANN 1946, 19 s. v. Planne) zu lat. PL Ā NU . Planet 371 372 <?page no="740"?> Planngerwa Planngerwa ist nur belegt in ts Planngerwa (Varen). Die jungen historischen Belege sind 1703 in plaugunrun / plangnerun (unsichere Lesung) und 1727 plangna geraut. Es dürfte sich um ein Kompositum mit dem Erstglied Plan, Plangna ‘ Wiesland ’ (T AGMANN 1946, 19) handeln; das Zweitglied lässt sich verlässlich aus den drei Belegen nicht gewinnen. Am nächstliegenden scheint pat. rwá ‘ schlechter Weg ’ (T AGMANN 1945, 64 s. v. Rua) zu sein; die Form plánngerwà würde dann aus planng + rwa mit einem r-Vorschlag entstanden sein: ‘ das Wiesland beim schlechten Weg ’ . Wenn das zutrifft, dann dürften zwei weitere historische Belege hierzu zu stellen sein: 1589 y planno rua ‘ beim Wiesland beim schlechten Weg ’ und 1747 im plangierva ‘ im Wiesland beim schlechten Weg ’ . Der späte Beleg ist offensichtlich nicht mehr verstanden worden. Das HL P LANNGERWA wird hier beibehalten, weil die Deutung unsicher ist. Planniout Planniout ‘ die kleine Ebene ’ ist nur 1701 in Varen als jm Planniout belegt. Die Präposition jm kann assimiliert sein. Vermutlich liegt das von T AGMANN (1946, 19) beschriebene Planeoit vor, das laut M URET (1912) auf Planu + EOLU zurückzuführen wäre; M URET selbst spricht von / - IOLUS / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 187 haben diminutives / - EOLU ( M )/ ). Das auslautende / t/ wäre dann nicht gesprochen worden. Plans Plans ‘ ebene Flächen ’ ist der nur zweimal belegte Plural zu Plan, das zum lat. Adj. PL Ā NU zu stellen ist. In Varen ist 1369 eys plans belegt, in Leuk 1346 eys plans perrotyers (unsicher, ev. ‘ in der Ebene der Leute des Perrod ’ ). M EYER (1914, 169) stellt plans zu lat. PLANOS ‘ die ebenen Flächen ’ . Planself Planself, auch Blanself ist nur historisch für Baltschieder (1300: blanselpf, blanselphf, 1306: blanself) und Bürchen (1301: plansef (unsicher), 1302: in blanself) belegt. Der Name ist wohl identisch mit dem Ursprung von Plasselb (FR): plana silva ‘ ebener Wald ’ (K RISTOL ET AL ., 2005, 46, mit Verweis auf J ACCARD 1906, 350). Baltschieder und Bürchen sind im 14. Jahrhundert deutschsprachig; der Name war wohl nicht mehr durchsichtig. Darum wird er hier als HL beibehalten. Plantä Plantä ist die Form von FLNK und M ATHIEU (2006, 31), das auf S. 11 zu frpr. planta, frz. plantée ‘ Pflanzung ’ gestellt wird. Die historischen Formen haben 1602 Planthen, 1611 prato deÿ Blanten, 1628 aux Planten, 1646 en Planten, später in Plante. Die Endung ist schon in den ältesten Belegen verdeutscht. B OSSARD / C HAVAN (2006, 154) führen Planta(z), Plantaie und Plantèe auf. Es handelt sich um eine Pflanzung von jungen Reben, jungem Wald oder jungen Obstbäumen. Verwandt hiemit sind die unter dem HL P LANTAA und P FLANTEI aufgeführten Flurnamen. Plantaa Plantaa ist im Wallis bekannt als der Name des Platzes vor dem Regierungsgebäude in Sitten; der Name ist wohl auf lat. PLANTATA ‘ die Anpflanzung ’ zurückzuführen. Der gleiche Name kommt als Simplex in Leuk, Ulrichen und Varen vor, wobei Ulrichen - anders als die beiden andern Orte - sicher früher germanisiert war; es kann sich hier um eine Entlehnung handeln. In Leuk ist 1768 die kleine Planta und 1760 die undre Planta belegt. In Salgesch ist mit Pflantei, resp. Flantey wohl der gleiche Name in frpr. Form aufgenommen. Die historischen Belege weisen verschiedene Typen auf: 1353 in plantatis (latinisierte Form), danach 1357 u. später eys plantes, 1579 y plantes, 1628 ÿ planteis, 1710 in der planta und 1774 in planteÿ. M ATHIER (2015, 79) gibt Pflantei, reiht aber auch eys plantes (1494) hier ein. M URET (1912, 21) zitiert für Salgesch in Flantey. Als Kompositum ist ca. 1880 Flantej Ru ᵕ ss ‘ der Wasserlauf bei Flantei ’ belegt. Pflantei, Flantey, plantatis und eys plantes sind eng miteinander verwandt. Das geht zumindest auch aus T AGMANN (Ms., 18 f.) hervor, der Flantey auf älteres PLANTATAS zurückführt, das ursprünglich ‘ Neuanpflanzung, speziell von Reben ’ bedeutet habe, heute aber nur noch in Lokalnamen vorkomme. Vermutlich gehört hieher auch der hybride, ins Alemannische übernommene Typ Pflanzete / Flanzete (cf. HL P FLANZ ); eine mögliche Herleitung dieser Namen von frpr. plantse ‘ planche ’ muss jedoch auch in Rechnung gestellt werden (vgl. M URET 1912, 21 s. v. plantsètè). Planünung Planünung ist in Leukerbad und Inden belegt; es handelt sich aber um die gleiche Flur. In Leukerbad haben LT und FLNK Planinong. Historisch sind 1460 planenong und 1745 im úndren planenong belegt. In Inden hat FLNK ebenfalls Planinong. Historisch sind 1337 ol plagnanon und 1523 du planenon belegt. Anzunehmen ist ein Kompositum oder eine Ableitung zu lat. PL Ā NU ‘ eben ’ (T AG- MANN 1946, 18 f.). Am ehesten kommt eine Suffixkombination mit den Diminutivsuffixen lat. / - INU -/ und lat. / - ONE ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) ‘ die kleine Ebene ’ in Frage. Plaschy (FaN) Plaschy (FaN) ist der FaN Plaschy, auch Plaschi, de Plan, de Platen, Plaschin, Blasi geschrieben. AWWB führt den 373 374 Plaschy (FaN) <?page no="741"?> Namen auf den Ort Plan (jetzt Bodmen) bei Inden zurück. Die Familie kommt im 14. Jh. in Inden vor und verzweigte sich nach Leuk, Albinen, Leukerbad und Varen (AWWB 196). Der FaN ist nur in zwei eng verwandten Stellen belegt: 1733 sub rascardo Plaschi ‘ unter dem Stadel der Familie Plaschy ’ (Salgesch) und 1759 bei des Plaschis Stadel ‘ beim Stadel der Familie Plaschy ’ (Salgesch). Im romanischen Text ist der FaN nachgestellt, im deutschen im Genitiv vorangestellt. Plassete Plassete ist als di Plassete in Salgesch belegt. M ATHIER (2015, 85) kennt es als Plascheta. Nach ihm bezeichnet es den Platz zwischen Ober- und Unnerdorf im Zentrum des Dorfes. Der Namen ist zu lat. PLATEA strasse in einer stadt (FEW 9, 37 ff.) zu stellen, wohl als Diminutiv placette ‘ petite place dans une ville ’ (FEW 9, 39). Anzunehmen ist eine Diminutiv-Ableitung auf / - ITTA / (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 287). Weiter belegt ist sub aqueductu deys plassetes ‘ unterhalb der Wasserleitung bei den kleinen Plätzen ’ (1580, Albinen), das vermutlich sonst als Flasche belegt ist. Platea Platea kommt als Ortsname in Agarn 1407 apud plateam de ayert und in Albinen 1453 in platea comunali, 1581 in platea comuni vor. de Platea ist der lateinische Name für den dt. FaN Amhengart (AWWB 9). Platea ist auch der lateinische Ausdruck für den zentralen Platz im Dorf (vgl. T AGMANN 1946, 29). Das gilt auch für platea comunali ‘ der Gemeinde-Platz ’ , resp. platea communi ‘ der Gemeinde-Platz ’ . In allen Fällen liegt eine Latinisierung vor; der Patois-Ausdruck der Zeit ist laut M EYER (1910, 169) placy, plazzi, plazzau. Plateau Plateau ist als Simplex ts Blatto ‘ das Plateau (des Turtmanngletschers) ’ (Oberems) belegt. Die übrigen drei Belege stammen aus Zermatt: ts Plato Rosa ‘ das Plateau Rosa (wörtlich: Gletscherplateau) ’ (LT Plateau Rosa), ts Breithoreplato ‘ das Breithornplateau (Gletscherfläche unterhalb des Breithorns) ’ (SK und LT: Breithornplateau), Triftjiplateau ‘ das Triftjiplateau (Gletscherplateau oberhalb des Triftji ‘ kleine Alpweide ’ ) ’ (LT). J ULEN ET AL . (1995) und G RICHTING (1998) verzeichnen das HL nicht. Es ist zu hdt. Plateau n. ‘ Hochebene, Hochfläche ’ (< 19. Jh.), zuvor ‘ Aufsatzplatte, Tischaufsatz ’ (um 1800), Übernahme von gleichbed. frz. plateau, eig. ‘ Scheibe, flaches Stück, flacher Gegenstand ’ (afrz. platel), abgeleitet von afrz.-frz. plat ‘ flach ’ (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 710) zu stellen; im Kontext wird es nur für Gletscherflächen verwendet. Platz Platz m. ‘ Platz ’ ist zu schwdt. Platz, Blatz m. wie nhd. ‘ Platz (in Städten und Dörfern); freier Platz vor Häusern; Weideplatz; Stelle, Ort ’ , mhd. platz m. und wdt. Plazz ‘ Platz, Raum ’ (I D . 5, 254 ff.; G RICHTING 1998, 153) zu stellen. Die von Z INSLI (1984, 78) erwähnte Deutung von Platz als “ der Hauptort des Tales ” ist für das Oberwallis so nicht belegt. Das HL kommt aber in rund 130 Namen vor. Das Simplex im Singular der Platz, ufem Platz ‘ auf dem Platz ’ (Zermatt und weitere zehn lebende, sowie drei historische Belege) meint häufig den Dorfplatz, manchmal auch den Teil des Dorfes um diesen Platz herum. Das Diminutiv im Singular ist als das Platzgÿ (1636, Brigerbad, als Alternative steht Hängärtlÿ, cf. HL G ARTEN und HL H EIM ), ufum Platzji (Oberems), Platzji (Lax), Plazzji (Eggerberg) und uf dem Platzÿn (1707, Ried-Brig) belegt; auch hier sind meistens der Dorfplatz oder ein Teil des Dorfes gemeint. Der Plural des Diminutivs des Simplex ist nur in aúff den Platzgÿnen (1735, Törbel) belegt. Attributive Adjektive zum HL sind: ufem Chlein Platz ‘ auf dem kleinen Platz ’ (Kippel) und an den Gemeinen Blatz ‘ der Platz, der der Gemeinde gehört ’ (1485, Kippel). Vorangestellte Genitive sind selten: Hotschplatz ‘ der Platz der Familie Hotz ’ (Naters, FLNK Hotzplatz), ts Hunzikersch Platz ‘ der Platz, wo der Herr Hunziker Schiefer, Kalk und Giltsteine ausbeutete (Gwp.) ’ (Stalden), ts Michligsch Platz ‘ der Platz der Familie Michlig ’ (Ausserbinn), Sankt Martiniplatz ‘ der Platz vor der Kirche St. Martin ’ (FLNK, Visp), ufum Sebaschtiansplatz ‘ auf dem Platz bei der Kapelle des hl. Sebastian ’ (Brig), der Zeichnigsplatz ‘ der Platz, wo das Vieh gekennzeichnet wird ’ (Turtmann). Ein komplexer Fall ist ts Schülliersch Chollplatz ‘ der Platz, wo ein Mann namens Julier Kohle gebrannt hat ’ (Gampel). Von den zweigliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort ist primär der Typ der Chollplatz ‘ der Platz, wo Kohle gebrannt wurde ’ (Stalden) zu erwähnen, der (einschliesslich historischen Belegen, Diminutiven und / l/ -Vokalisierung zu Chou ‘ Kohle ’ ) rund 45 Mal belegt ist - es handelt sich durchwegs um Orte, an denen Holzkohle gebrannt wurde. Dazu kommen komplexe Formen wie ts Cholbrännerplatzji ‘ der kleine Platz für das Brennen von Kohle ’ (Oberems), der Ober Chouplatz und der Unner Chouplatz (beide Ausserbinn; Gwp. meint allerdings, es sei im unteren Kohlplatz Kalk gebrannt worden), sowie der Reckiger Cholplatz ‘ der Platz, wo die Leute von Reckingen Kohle gebrannt haben ’ (Ulrichen). Fünf Mal belegt ist der Märtplatz ‘ der Marktplatz ’ (Brig, Naters, Stalden, Turtmann, Visp), wozu in Visp noch der Chöüfplatz ‘ der Kaufplatz (Platz in der Visper Altstadt mit Läden) ’ (FLNK) kommt. der Dorfplatz ‘ der Dorfplatz ’ (Grächen, Naters, Reckingen, Termen) kommt vier Mal Plassete 375 376 <?page no="742"?> vor. Mit sportlichen oder spielerischen Tätigkeiten kommen vor: der Füesballplatz ‘ der Fussballplatz ’ (Oberwald, Varen), der Ischplatz ‘ der Platz mit Eis (Eisbahn) ’ (Grächen), zum Chegelplatz ‘ beim Kegelplatz (Platz, auf dem gekegelt wurde) ’ (Varen), Marfulplatzji ‘ der Platz, wo man mit Murmeln spielen kann ’ (Birgisch), Olympiaplatz ‘ der Olympiaplatz (unklar) ’ (Wiler) (auf 2400 m gelegen, wohl ein Ort für den Skirennsport bei Olympischen Spielen), dr Schwingplatz ‘ der Schwingplatz ’ (Ferden), der Sportplatz ‘ der Sportplatz ’ (Embd, Randa, Stalden). der Zältplatz ‘ der Zeltplatz (ebener Platz am Rhonegletscher, der aussieht wie ein Zeltplatz) ’ (Oberwald) ist - im Gegensatz zu der Ggampingplatz ‘ der Campingplatz ’ (Ulrichen) - gerade kein Zeltplatz, sondern sieht nur so aus. Mit dem Essen haben der Früestuckplatz ‘ der Platz, wo man das Frühstück eingenommen hat ’ (Randa) und der Früestucksplatz ‘ der Platz, wo man das Frühstück eingenommen hat ’ (Leukerbad) zu tun, beide Plätze liegen hoch auf dem Weg zu den Gipfeln. der Paläntuplatz ‘ der Platz, wo man Polenta (Gericht aus Maismehl) kochte ’ (Gampel) wurde beim Holzschlagen besucht. Mit dem Bergsteigen hat auch der Schlaafplatz ‘ der Platz zum Schlafen (für die Bergsteiger vor dem Bau der Mischabelhütte) ’ (Saas-Fee) zu tun. Gebäude, an denen ein Platz liegt, sind in Namen wie Chirchplatz ‘ der Kirchplatz ’ (FLNK, Zermatt), der Bildjiplatz ‘ der Platz mit einem kleinen Bild (Kreuz an einem Speicher) ’ (Visperterminen), der Schuelhuisplatz ‘ der Schulhausplatz (in Gondo) ’ (Zwischbergen), der Schüelhüsplatz ‘ der Schulhausplatz ’ (Brig), ufum Wäginerplatz ‘ der Platz beim Haus der Familie Wegener ’ (Brig), der Zollplatz ‘ der Platz beim Zollamt (in Gondo) ’ (Zwischbergen) belegt. Einen mythischen Sinn hat wohl t Seelunplatzjini ‘ die kleinen Plätze für die (Armen) Seelen ’ (Eggerberg), die sich wohl auf die Erzählungen von den Seelentagen (W ALLISER - S AGEN 1872, 211) beziehen. Einer Reihe weiterer Bestimmungswörter nennen nahegelegene Fluren, Pflanzen oder Tätigkeiten, auf die bei den einzelnen HLL eingegangen wird. Ausser den schon erwähnten Fällen gibt es nur einen komplexen Beleg: den alten Bleüwe Platz ‘ der Platz bei der alten Hanf- oder Flachsmühle ’ (1860, Glis). Als Bestimmungswort ist das HL mit nur zwei Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita belegt: Gassa und Matta. Dazu kommt das komplexe Platzwasserleiten ‘ die Wasserleitung vom / zum Platz ’ (1849, Martisberg). Plendoll Plendoll tritt dreimal auf: 1540 in Erschmatt als am Plendoll, 1866 in Feschel als im Plendel, und lebend als FLNK-Beleg in Ausserberg als Bländole (auch auf LT). Die Namen sind zu keinem bekannten Etymon zu stellen. In Erschmatt und Feschel könnten rom. Etyma eine Rolle spielen, in Ausserberg kaum. Eine Deutung ist nicht möglich. Pletscha Pletscha f. ist zu schwdt. Plätsche n , Pletsche n , wdt. Pletscha, Pletschä (Goms), Bletscha, Bletscherna, in Leuk und den Leukerbergen auch Plätschu f. ‘ Fläche (erhöhte, ebene), lange, kompakte Schicht (Eis, Gestein) ’ , ‘ breite, zusammenklebende Masse, besonders von Schnee; mehr oder weniger ausgedehnte Schneeschicht, Schneeflecken, die sich an schattigen Stellen bis in den Hochsommer hinein halten; grosse Schneeflocken ’ , zu afrpr. *platsji aus lat. PLATEA , frz. place (I D . 5, 232 f.; Z INSLI 1945, 313; G RICHTING 1998, 153; G LATTHARD 1977, 285 f.) zu stellen, einem Lehnappellativ. In unseren Belegen erscheint es auch mit anlautendem bl-; es wird in den Namen normalerweise als ‘ Ebene ’ gedeutet und meint im Allgemeinen eine ebene Fläche. Das HL kommt in allen Bezirken vor, ist aber in Westlich-Raron und Leuk besonders viel häufiger als in den oberen Bezirken, und ist in rund 120 Namen belegt. Das Simplex ist in den Formen Bletscha / Pletscha, Bletschä / Pletschä, Bletsche / Pletsche, Bletschu / Pletschu, Plätschu und weiteren Varianten wie Bletschen / Pletschen im ganzen Oberwallis rund vierzig Mal belegt. Darunter finden sich auch Plurale. Diminutive des Simplex sind selten: ts Bletschelti ‘ die kleine Ebene ’ (Birgisch) und im Plätschy (1740 u. früher, Bratsch) sind die einzigen sicheren Zeugen. Attributive Adjektive zum HL sind ebenfalls selten: ts Chlein Pletschilti ‘ die kleine Ebene ’ (Ergisch), t Chrumm Bletscha ‘ die krumme Ebene ’ (Blatten), t Faggsig Bletscha ‘ die ebene mit Borstengras ’ (Ferden), di Gaaltun Bletschä ‘ die unfruchtbare, nicht genutzte Ebene ’ (Ferden), di Gross Bletscha ‘ die grosse Ebene ’ (Wiler), Nassi Pletscha ‘ die nasse Ebene ’ (Bürchen, Raron; 1857, Törbel), zer Obren Pletschen ‘ bei der oberen Ebene ’ (1700, Ergisch), t Obrun Bletschä ‘ die oberen Ebenen ’ (Wiler), Spächten Bletschun ‘ die Ebene, von der man ausspähen kann ’ (Blatten) und t Undrun Bletschä ‘ die unteren Ebenen ’ (Wiler). Unklar ist t Süüripletschu ‘ die Ebene mit Sauerampfer ’ (Ergisch), wo Süüri wohl ein vom Adjektiv süür ‘ sauer ’ abgeleiteter Pflanzenname für saure Pflanzen wie Sauerampfer (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 684 - 692 zu R UMEX mit verschiedenen Unterarten) ist. Ein Partizip Präsens liegt in t Schreeiendun Bletschu ‘ die Ebene, durch die das Wasser herabströmt ’ (Ferden) vor. Besitzerangaben sind sehr selten. di Geenipletscha ‘ die Ebene des Eugen (Meichtry) ’ (Feschel), di Glaisbletscha ‘ die Ebene des Glais (Klaus) / der Familie Gäisen ’ (Wiler), 377 378 Pletscha <?page no="743"?> t Magerannipletschu ‘ die Ebene der Familie Mageran ’ (Hohtenn, Steg), t Schmidig Bletscha ‘ die Ebene der Familie Schmid / der Leute des Schmieds ’ (Kippel), Schmidigi Bletscha ‘ die Ebene der Familie Schmid / der Leute des Schmieds ’ (Ferden), di Trogerpletsche ‘ die Ebenen der Familie Troger / der Leute von der Alpe Trog ’ (Ergisch) ist uneindeutig - da der Trogstafel in der Nähe liegt, ist wohl an die Leute von der Alpe Trog zu denken. t Wolfrätschbletschä ‘ die Ebene des Wolfrat ’ bezieht sich ursprünglich auf einen PN Wolfrat, dessen Name aber zu einem Lokalnamen ts Wolfrätsch geworden ist. Unklar ist Zanmaartisch Bletschu (Hohtenn), die heute nur Martisch Pletschu heisst (G. I MBODEN , p. c.). Es scheint, dass hier ein Martin oder Marti ein Stück Land besass, das von einer frommen Überlieferung zum Gut des heiligen Martin wurde; ein Bildstock ist an der Stelle nicht feststellbar. Der grösste Teil der Belege umfasst zwei- und mehrgliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort. In einigen Fällen sind Pflanzennamen belegt, wie das schon erwähnte t Süüripletschu (Ergisch), dann t Aamatbletscha ‘ die Ebene mit dem Spätheu ’ (Törbel), di Bärnbletscha ‘ die Ebene, auf der es Bärenkraut hat (nach Gwp.) ’ (Blatten), di Bärupletschu ‘ die Ebene mit Bären / mit Bärenkraut (? ) ’ (Oberems), t Edelwiisbletscha ‘ die Ebene mit Edelweiss ’ (Ferden), auff den Eichpletschen ‘ auf den Ebenen mit Eichen ’ (1690, Turtmann), t Hasolpletscha ‘ die Ebene mit Haselsträuchern ’ (Bürchen), t Heiperpletschu ‘ die Ebene mit Heidelbeeren ’ (Ergisch), ts Leerchbletschi ‘ die kleine Ebene mit Lärchen ’ (Raron), die Lindpletschen ‘ die weiche Ebene / die Ebene mit Linden ’ (1860, Steg) sowie di Ober und Under Dischelbletscha ‘ die obere und die untere Ebene mit Disteln ’ (Ferden). Mehrfach belegt sind t Fuggsbletscha ‘ die Ebene mit Füchsen (ev. der Familie Fux) ’ (Ferden, Kippel, Törbel, Wiler), zer Roosbletschu ‘ bei der Ebene, wo Hanf und Flachs geröstet wurden ’ (Hohtenn, Niedergesteln), und di Bsetzpletschu (Ergisch), auch di Psetzbletschu (Oberems, Steg), Orte, wo man das Vieh am ersten Tag der Alpauffahrt weiden (oder stechen) liess. Mehrfach belegt sind auch t Stägbletscha ‘ die Ebene beim Steg ’ (Kippel, Wiler), während t Schtägnbletschun ‘ die Ebene bei den Treppenstufen ’ (Kippel) eine Wiese oberhalb eines treppenartigen Weges meint. Einen Sonderfall stellt Eÿbÿetschun ‘ die Ebene bei der Aue ’ (1588, Brigerbad) dar; es ist der einzige Fall, bei dem / l/ im Anlaut nach / p, b/ palatalisiert wird zu Bÿetschun. Weitere Komposita sind meist mit den Namen nahegelegener Fluren gebildet. Komplexere Konstruktionen sind etwa t Längi Leerchbletschu ‘ die lange Ebene mit Lärchen ’ (Niedergesteln), t Lindwaldbletschu ‘ die Ebene im Lindwald ’ (Hohtenn) und t Mittoleggipletschu ‘ die Ebene in der kleinen mittleren Ecke ’ (Hohtenn). Ein eigentliches Namennest gibt es bei Leuk, wo es einen Weiler Plätschu hat, zu dem sich die Namen di Plätscheiu ‘ die Aue beim Weiler Plätschu ’ , ts Gross und ts Chlei Plätschgässi ‘ das grosse und das kleine Gässchen zum Weiler Plätschu ’ , di Plätschmattu ‘ die Wiese beim Weiler Plätschu ’ , di Plätschgässimatte ‘ die Wiesen am Plätschgässi ’ und di Plätschustrass ‘ die Strasse zum Weiler Plätschu ’ gesellen. Nur historisch belegt sind Pletschgassen (1773, Leuk) und das Plätz=Gässi (1775), wo vermutlich ebenfalls Plätschu gemeint ist. Ein zweites Namennest bildet sich um den Alpnamen Zer Pletschu (Ergisch), wozu sich der Pletschbach, der Pletschwald, ts Pletschtagfäld ‘ das Tagfeld der Alpe Zer Pletschu ’ , ts Pletschtelli ‘ das kleine Tal bei der Alpe Zer Pletschu ’ , Pletschu der Mittluscht Stafil und Pletschu der Ober Stafil gesellen. Weitere Belege mit dem HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita sind mit folgenden Grundwörtern konstruiert: Chrumm, Hooru, Hüs, Los, Matta, Pische, Schiir, Stei, Rüüs, Wäg und Weid. Komplexere Fälle sind etwa dr Stockbletschuschleif ‘ der Schleif bei der Ebene mit Baumstöcken ’ (Kippel) und t Schtägnbletschuweidä ‘ die Weiden bei der Ebene bei den Treppenstufen ’ . Pliderra Pliderra ist nur einmal belegt in di Gaagupliderra (Naters). Es ist wohl zu Blüdere n , im Wallis Plidra ‘ grosser Kuhfladen ’ (I D . 5, 31) zu stellen; R ÜBEL (1950, 52) kennt Plid ǝ r ǝ ta für ‘ weichen, halbflüssigen Kot ’ des Viehs. Im Flurnamen scheint der Boden gemeint zu sein, der vom getrockneten Mist hart geworden ist. Gaaggu bezieht sich auf Bergdohlen oder Raben, die hier wohl Futter suchen. Pliisch Pliisch ist nur in ts Pliischi (Baltschieder) belegt; SK hat daneben Plischgraben (Baltschieder). Das neutrale Pliischi ist wohl ein Kollektivum zu schwdt. Pl ī sch f. ‘ weisse oder zittergrasartige Segge, Carex alba ’ , auch als Name von steilen Grashalden (I D . 5, 161), wobei I D . selbst auf den Pflanzennamen Liisch verweist (cf. HL L ISCHA ). Zu CAREX ALBA vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 2747). Das hieher gehörende HL ist jedoch nur für Flums und Quarten belegt. Auffällig ist weiter der lange betonte Vokal, der in Lischa fehlt. Das HL Bliisch f. ist zumindest für Ergisch romanisch; für Baltschieder wird ein romanisches HL schwerlich in Frage kommen. Die Deutung nach dem I D . ist deswegen wahrscheinlicher. Pliderra 379 380 <?page no="744"?> Plonnjär (PN) Plonnjär (PN) ist nur in di Plonnjärgrappa ‘ die Murmeltiergrabstelle des Apollonius (Name eines Jägers) ’ (Ferden) belegt, allerdings ohne Koordinaten. Es handelt sich um eine Stelle, wo Murmeltiere eingegraben waren. Sie wurde von einem Jäger namens Apollonius ausgebeutet, der dann an dieser Stelle verunglückte. Plutt Plutt Adj. ‘ bloss, bar, öd ’ ist zum schwdt. Adj. blutt ‘ weich, schlaff, von allerlei Stoffen; dünn, durchscheinend (Papier) ’ , ‘ bar, bloss, unbekleidet ’ , von Pflanzenteilen: ‘ kahl, leer ’ ; vom Erdboden: ‘ kahl, bes. Bergabhänge, Felswände; auch öd ’ , mhd. blut, blutter und wdt. plutt ‘ nackt ’ (I D . 5, 210 ff.; G RICHTING 1998, 154) zu stellen. Das Adjektiv selbst erscheint nur in di Plutti Eggu ‘ die nackte Ecke (früher abgebrannter Wald) ’ (Leuk). Eine entrundete / - I / -Ableitung Plitti f. (S ONDEREGGER 1958, 495) ist zu schwdt. Blütti f. ‘ Waldblösse, Waldlichtung ’ , wdt. Plitti, Plutti ‘ Waldlichtung, Dürregebiet ’ (I D . 5, 217 f.; G RICHTING 1998, 154) zu stellen. Belegt ist di Plitti ‘ Waldlichtung ’ (Betten, Simplon). Auch hieher gehört wohl in den Blutinu ‘ in den Waldlichtungen ’ (1869, Feschel), das zum nicht umgelauteten schwdt. Blutti ‘ Waldblösse, Waldlichtung ’ (I D . 5, 216) zu stellen ist. Als Bestimmungswort erscheint es in Blittischleif ‘ der Schleif im Blittiwald ’ und Blittiwald ‘ der Wald mit der Blitti (Lichtung) ’ . Vermutlich eine (maskuline? ) / - EL / -Ableitung (S ONDER- EGGER 1958, 513), die so in I D . fehlt, ist in Pluttelbalma ‘ die Höhle unter einer nackten Felswand (nach J ULEN ET AL . 1995, 236) ’ (Zermatt) belegt. Pluuisyn Pluuisyn oder Plunisyn ist 1433 in Leuk als pluuisyn resp. plunisyn ‘ das kleine karge Stück Land ’ belegt. T AGMANN (1946, 22) kennt pyeiyóu ž a, ply ę iyóu ž a, pyoyóu ž a, das er zu plyouyóu ž a, adj. f.; masc. plyouyóu ‘ pouilleux, -se ’ (Miège), fr. pouilleuse < lat. PEDUCULOSA ‘ pouilleuse, pauvre (terre) ’ stellt. Die Form in Leuk ist älter und zu FEW (8, 148 ff., s. v. p ĕ d ŭ c ŭ lus laus) mit der diminutiven Ableitung auf / - INU ( M )/ oder / - INA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) zu stellen. Aus der Schreibweise geht nicht klar hervor, ob es sich um eine maskuline oder eine feminine Form handelt. Pne Pne wird auf Karten als Abkürzung für it. poncione ‘ spitzer Berg ’ (P ETRINI 1993, 114 s. v. poncione und die dort angegebene Deutung) verwendet. Belegt ist die Abkürzung als Pne di Manjo (Oberwald) für den Gipfelnamen Poncione di Manio (FLNK, Oberwald; auch LT, 2910 m) auf der Grenze zum Kanton Tessin. Manio ist als Alpe di Manió und den Weiler Manió im Tessin belegt. Eine Deutung dafür ist bei P ETRINI (1993) nicht belegt; ob Magno zu magnus (OLIVIERI 2 1961, 318; 1965, 206) zu stellen ist und mit welchem Sinn, bleibt unklar (cf. HL M ANJO ). Pochin zer Altun Pochin ‘ bei der alten Poche ’ (Ferden) meint eine Erzwäscherei oberhalb von Goppenstein (zur Grube siehe R OSSI 1949, 347 ff.). Laut der Angabe bei M. S. liegt sie auf ca. 1600 m. LT benennt allerdings so einen kleinen Bach und hat eine Höhenangabe von 1783 m. Die Benennung des Baches scheint der Funktionsbenennung zu folgen. Formal ist das HL ein feminines Verbalabstraktum auf / - I / zum Verb poche n / boche n ‘ poltern, sich lärmend gebärden ’ (I D . 4, 969). Das Nomen ist so sonst für das Walliserdeutsche nicht belegt, stammt aber aus der Sprache der Eisengewinnung, wo Pochwerk (G R W B 13, 1964) und andere geläufiger sind. Pochon Pochon ist nur 1292 in Agarn als lou (sic! ) pochon belegt; aus dem Kontext geht hervor, dass nicht weit enfernt davon auch die Wiese dicti Petri dou pocho lag. Hier wird wohl einfach auf ein Stück Land referiert, das dem Petrus gehörte (AWWB 198); der FaN Pochon ist jedoch nur für St. Maurice erwähnt. Ob dieser FaN oder die Zugehörigkeit zu FEW (16, 638 ff. s. v. *pokka (anfrk.) tasche) für die Benennung gilt, ist unklar. Poczos eys Poczos ist laut Dokument 1395 in Susten belegt. G REMAUD (6, 434) zitiert es ohne weitere Angaben. Es lässt sich wohl zu lat. PAUSARE ruhen (FEW 8, 60 ff.) stellen, wobei der Name einen Plural enthält. Vermutlich ist ein Ort gemeint, wo man sich ausruht. Poge Poge m. ist nur als der Poge (Zermatt; FLNK Pooge) belegt. Beschrieben wird die Flur als ‘ Felskopf mit wenigen Äckerlein ’ auf ca. 1815 m. Es ist wohl zu schwdt. Boge n ‘ Bogen ’ und wdt. Boge, Bogä (Goms), Boga (Zermatt), Bogn (Lötschtal), Bogu ‘ Bogen ’ zu stellen (I D . 4, 1060 ff.; G RICHTING 1998, 40). BENB (1, 4, 459 f.) kennt wie andere Namenbücher das HL. Die Deutung ist vielfältig, ein Felskopf mit Äckern ist allerdings nicht darunter. Der Flurname kann aber als Biegung aufwärts, statt abwärts bei einer Einsattelung im Gelände, wie BENB an der genannten Stelle formuliert, verstanden werden. Der fortisierte Anlaut ist im Wdt. gängig. 381 382 Poge <?page no="745"?> Poils (PN) Poils (PN) ist 1301 als Poils Bahctalun ‘ die Wasserrine des Poil ’ und 1551 als Peils Bodun ‘ der Boden des Peil ’ (beide Bürchen) belegt. Es handelt sich um einen Genitiv Singular, vermutlich zu einem PN Poil, der nach 1500 entrundet als Peil erscheint. Die naheliegende Vermutung, es handle sich um den PN Paul, eventuell in einer romanischen Aussprache, die zu / oi/ und / ei/ führt, bleibt mangels Alternativen als einzige übrig; vgl. I D . (4, 1157) zum PN Paul(us). Pointe Pointe f. ‘ Spitze, Gipfel ’ wird auf LT von einer Reihe von Gipfeln verwendet. Belegt sind Pointe de la Forcletta ‘ die Spitze beim kleinen Pass ’ (dt. LT Hirsihorn) ’ (LT, Oberems), Pointe de Zinal ‘ der Gipfel von Zinal ’ (LT, Zermatt), Pointe du Mountet ‘ der Gipfel beim kleinen Berg ’ (LT, Zermatt), Pointe Nord und Pointe Sud de Moming ‘ die Nord- und die Südspitze von Moming ’ (LT, Randa) (auf der neuesten Karte von swisstopo ist an Stelle von Pointe der Name Crête vertreten). Frz. pointe ist zu lat. P Ŭ NCTA spitze (FEW 9, 574) zu stellen. Poir Poir ist nur in der Poirhubil (Salgesch) vertreten. FLNK hat Böuerhubil. M ATHIER (2015, 93) nennt ebenfalls Böuerhubil und gibt einen historischen Belege am Boverighubul (1794); die zwei anderen Belege sind nicht direkt einschlägig. Dennoch scheint Poir zu Bowerig (cf. HL B OWIIRI ) zu gehören. Poirhubil wäre dann ‘ der Hügel bei der Böiwerig (Ochsenweide) ’ und verbindet eine frpr. und eine dt. Form. Poja Poja f. ‘ Anstieg ’ ist zweimal in Salgesch belegt, als di Poja und am Poia Stu ᵕ tz (1880 (ca.)). Es ist zum frpr. poya ‘ Anstieg ’ (frz. montée) zu stellen (B OSSARD / C HAVAN 2006, 22), die es in Übereinstimmung mit FEW (9, 111 ff.) von lat. P Ŏ DIUM ‘ Erhöhung ’ ableiten. M ATHIER (2015, 108) gibt die gleiche Deutung und die Quellen dazu. Poli Poli n. ‘ der kleine Hügel ’ ist als Simplex je einmal in Grächen und Mund belegt; dazu kommt ts Poliloch ‘ das Loch beim Gebiet Poli ’ (Mund). Am nächstliegenden dürfte ein Diminutiv zu schwdt. Boll, B ō l m. ‘ rundlicher, kuppenförmiger Hügel, Höhe, Anhöhe ’ (I D . 4, 1170 f.) sein (so auch BENB 1, 4, 463 ff.); das ähnliche Wort Boll(en), Poll(en) m., f. ‘ runder, kugeliger Gegenstand ’ (I D . 4, 1171 ff.; G RICHTING 1998, 154 s. v. Polle) kann aber nicht ausgeschlossen werden. Pollen Pollen ‘ runder Hügel, Anhöhe ’ ist zu schwdt. Boll(en), Poll(en) m., f. ‘ runder, kugeliger Gegenstand ’ , mhd. bolle, ahd. bolla ‘ etwas Kugeliges; kugelförmiges Gefäss; Knospe ’ (I D . 4, 1171 ff.), wie schwdt. Boll, B ō l m. ‘ rundlicher, kuppenförmiger Hügel; Höhe, Anhöhe ’ (I D . 4, 1170 f.). zu stellen, wdt. Polle ‘ Bommel, Pollen ’ (G RICHTING 1998, 154). In den Daten ist der Typ Pollen gegenüber dem einsilbigen Boll stärker vertreten. Das Simplex ist nur einmal im Plural vertreten als die Bollen ‘ die runden Erhebungen ’ (1747, Feschel); ein Diminutiv Polti ‘ der kleine runde Hügel ’ (Ried-Brig, Termen) kommt zwei Mal vor. Als adjektivische Bildung erscheint Hopollen ‘ der hohe runde Hügel ’ (Ernen, Mühlebach, Steinhaus). Die Ableitungen Pollerna (Glis) und Polleru (Stalden), historisch auch Pollerun (1632, St. Niklaus) sind als Kollektiva zu lesen: ‘ Gebiet mit runden Erhebungen ’ . Unklar sind Eerunpolle und Eerunpolluschipfu (beide Niedergesteln); es kann sich bei Eeru um ein Adjektiv handeln, doch ist die Bedeutung nicht sicher zu eruieren (cf. HL Ä RI , aber unsicher). Bei den Komposita mit Pollen als Bestimmungswort ist unklar in Pollen Schnitten (1637, Fiesch), wo ein PN gemeint sein könnte (wohl zu Paul), aber auch ‘ des runden Hügels ’ möglich ist. Weitere Komposita enthalten Poller mit den Grundwörtern Brand, Chi, Wäg und Wald, und dazu Polti mit Acher und Egg. Polless Polless ist nur in Leukerbad als Polless (ohne Artikel! ) und der Pollessgrabu belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 6, Nr. 27 u. weitere Belege, Blatt 17, Nr. 19 u. Blatt 10, Nr. 10) kennt den Namen als Polläs und Polläsgrabu. Die Flur befindet sich westlich von Leukerbad auf rund 1400 m. Historisch belegt ist in Agarn eys pollez (1346), es wird dem HL P OLLET zugeordnet. Polless geht auf eine romanische Form zurück, doch lässt sich diese nicht deuten (ev. zu chanvre ‘ Hanf ’ in FEW 21, 149, wo polle für Montbéliard als ‘ fibre du chanvre ’ belegt ist; diese Deutung ist aber unsicher). Pollet Pollet ist in verschiedenen Schreibweisen als eys Pollez (1361, Agarn) und in d. Bollette (1725, Varen, als vinea ‘ Weinberg ’ bezeichnet), in Leuk 1326 en la Gola Pollet und 1544 jn Gulaz Pollet belegt. In Agarn ist 1357 in Gula Pollet bezeugt. Es kann sich einerseits um den FaN Balet, auch Baulet (cf. HL B AULLET ) (AWWB 20) handeln, oder um eine Ableitung von P Ŭ LLUS ‘ junges Tier ’ (FEW 9, 535 ff.), insbesondere auf / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) mit der Bedeutung ‘ junges Huhn ’ . Vermutlich sind Poils (PN) 383 384 <?page no="746"?> hier nicht primär Haushühner, sondern wilde Hühner (Rebhun, Auerhuhn) gemeint. Pollorum Pollorum / Pollarum ist ein Genitiv Plural zu Pollus / Polla ‘ Huhn ’ (D U C ANGE 6, 397a). Die historischen Belege von 1328 (Turtmann und Unterems) haben in prato pollorum und in prato pollarum, beides zu übersetzen als ‘ auf der Hühnerwiese ’ (eine Lesung zu pellarum ist wahrscheinlich falsch). Dank an R ENATO P IVA für die Hinweise. Ob hier einfach ein lateinisches Appellativ oder ein Flurname vorliegt, ist unklar. Pollux Pollux, dial. der Polluggs, ist einer der beiden Gipfel, die nach den Dioskuren oder Zwillingen Castor (4223 m) und Pollux (4092 m) von Domherr J OSEF A NTON B ERCHTOLD (1780 - 1859, Mitarbeiter an der Dufour-Karte) so benannt wurden. Schreibweise auf LT ist Pollux. Der italienische Name ist Punta Polluce (LT). Der Klein Pollux (LT, heute Kleiner Pollux) ist ein Nebengipfel des Pollux auf 3306 m (Zermatt). Pols (PN) Pols (PN) ist nur 1483 in Grengiols als Pols Boden ‘ des Pol (Paul? ) Boden ’ belegt. 1307 ist in Lax Petro dicto Pollen belegt, 1592 ist in Fiesch ein Hanns Pollen belegt und 1594 am gleichen Ort ein Johanni Pollen. Der FaN oder PN Pol (len) ist also bekannt. Ob er von Paulus abzuleiten ist, bleibt unklar, vgl. aber Paul(us) als Taufname (I D . 4, 1157 f.) mit u. a. auch Pol (aus dem Kanton Graubünden). Der Genitiv auf / -s/ deutet auf einen PN oder FaN hin. Cf. HL P OILS . Pomatt Pomátt n. ist bisher unerklärt. Es kommt zwei Mal als Simplex Pomatt (Eggerberg, Brigerbad), einmal als Aalterpomatt (Naters) und zweimal als Adjektiv Bomatter Bode (Gluringen) und Pomatter Haalte (Obergesteln) vor. Bekannt ist es auch als Name für das Val Formazza (Z INSLI 1984, 142; 220). Wie Z INSLI ausführt, scheint es sich um ein Kompositum mit Matt als Grundwort zu handeln; das anlautende Po bleibt unerklärt. Frühere Erklärungen schlagen Bohn- und Buechvor; beide sind kaum richtig. Ein deutsches Kompositum hätte Anfangsbetonung; soweit feststellbar, liegt der Akzent aber auf der zweiten Silbe; deswegen ist ein Kompositum mit Matt generell unwahrscheinlich. Die Höhe des Aalterpomatt (2245m) lässt die Vorschläge auch inhaltlich als unrichtig erscheinen. Die Belege mit dem Adjektiv Bomatter stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der FaN Bomatter ist im Kanton Uri bekannt (URNB 1, 584), wo er aber als Herkunftsname aus dem Pomatt (Val Formazza) verstanden wird. Aus der Beleglage ist nicht entscheidbar, ob es sich bei den zwei Namen um den FaN Bomatter handelt, oder um ein Adjektiv zu einem sonst nicht belegten Pomatt oder einer Person aus dem Val Formazza (in Obergesteln naheliegend). Pomatt selbst bleibt damit weiterhin unerklärt. Pomerio Pomerio (Dativ Singular) ist nur einmal in Raron 1433 als jn Pomerio belegt. Die Form geht wohl auf lat. P Ō M Ā RIUM ‘ Obstgarten ’ (und nicht lat. P Ō M Ē RIUM ‘ Maueranger ’ (zu beiden Seiten der römischen Stadtmauern)) zurück. Auffällig ist, dass in Raron im 15. Jahrhundert ein als lateinisch empfundener Name verwendet wird; im Dokument heisst es jedoch cui dicitur jn pomerio ‘ [am Ort], dem man jn pomerio sagt ’ . Vgl. hierzu B OSSARD / C HAVAN (2006, 156), die Namen wie Pomy, Pomey, Pomeret, Pomeiry, Pomeyriaz auf “ Pommier, petit pommier, pommeraie, dérivé de pomum ‘ fruit ’ , puis ‘ pomme ’” zurückführen. Eine frpr. Form liegt in Raron kaum vor; ein Appellativ kann aus der Formulierung nicht erschlossen werden. Pometta (FaN) Pometta (FaN) ist der Name einer Familie aus Broglio (https: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles / 024721/ 2008-08-22/ [19.10.2020; IW]). Der Name ist belegt in ts Pomettasch Huis ‘ das Haus des Dr. Pometta ’ (Kippel, heute Chalet Pometta). Es heisst auch ts Doktorsch Huis, benannt nach dem Briger Spitalarzt Dr. med. Daniele Pometta (1869 - 1949), der ab 1914 in Kippel ein Ferienchalet besass (A RNOLD 1978, 45; 54). Pomoona Pomoona f. ist laut Gwp. ein Obstgarten im Dreieck von Eisenbahn und Rotten, benannt nach der röm. Göttin Pomona ‘ Göttin des Obstes ’ . Heute befindet sich dort ein Industriequartier mit der Pomonastrasse. Der Flurname ist älter belegt; es scheint, dass hier ursprünglich ein Obstgarten vorhanden war, der später überbaut wurde und heute ein Industriequartier von Visp ist. Pompieri Pompieri ist zwar in Varen für die Varneralp belegt, gehört aber heute zu Miège, wobei es bei T AGMANN (1946) nicht belegt ist. Es handelt sich um das Gebiet bei einer Brücke (FEW 9, 168 ss. s. v. p ō ns brücke). Vermutlich liegt ein kollektives Suffix auf / - ARIA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) vor, in der Bedeutung ‘ Brückengebiet ’ . 385 386 Pompieri <?page no="747"?> Ponset Ponset ist nur in Leuk 1806 als la montagne de ponset ‘ die Alpe von Ponset ’ und 1881 de la montagne de ponschet ‘ der Alpe von Ponschet ’ belegt. M. S. weiss nicht, ob der Flurname wirklich zu Leuk gehört. Wie T AGMANN (1946, 42 f.) ausführt, verstehen die Einwohner unter montagne eine hochgelegene (2000 - 2500 m) Alpe. B RIDEL (1866, 298) kennt ponso ‘ kleine Brücke ’ (zu frz. ponceau). In unserem Namen würde dann ein Diminutivsuffix auf / - ITT ( U )/ oder / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) stecken und die Deutung wäre ‘ die kleine Brücke ’ (cf. HL P ONT ). Pont Pont hat im Namenbestand wohl zwei Bedeutungen: zum einen als ‘ Brücke ’ nach B OSSARD / C HAVAN (2006, 71): Pontet usw. “ peut parfois désigner un pont sur un ruisseau ” . Hierzu gehören die Belege Pons du Pacot (1333, Leuk), ts Ponntet (Agarn, Varen) und die Komposition der Pontetrüüs (Varen). Zum andern ist in Pontschlüecht (Fiesch) und Pontschlüechtgrabe (Lax) vermutlich ein Lemma Pont(e) ‘ Spundloch, Zapfen ’ (I D . 4, 1399; E GLI 1982; 285, G RICHTING 1998, 154) gemeint, dessen Herkunft umstritten ist. Pontemalliot (FaN) Pontemalliot ist in Agarn 1407 als ov pontemalliot belegt. Der FaN Pontemallyo ist im Dokument Nr. 2486 von Band 6, S. 468 f. der von J. G REMAUD herausgegebenen Documents relatifs à l ’ histoire du Vallais erwähnt als Petri Pontemallyo (Genitiv ist konstruktionsbedingt), S. 469 als Petro Pontemallyo (Dativ ist konstruktionsbedingt). Der gleiche FaN erscheint in Nr. 2502, S. 504 von Band 6 als Petrus Pontemallio. In beiden Fällen handelt es sich zwar um eine spätere Kopie; der FaN ist aber deutlich. Der Flurname enthält den FaN als Besitzernamen. Pontimula Pontimula ist nur 1461 als Pontima seu Pontimula (Zwischbergen) belegt; lat. SEU ist als oder zu verstehen. J ORDAN (2006, 382) stellt Pontimula zu Potimmja, einem Alpgebiet, das den Leuten von Stalden gehörte. Er führt den Namen auf it. po(n)te ‘ Brücke ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1639) zurück. Der Beleg ist vermutlich ein Diminutiv zu Pontima, das seinerseits wohl zu den Belegen zu LT Pontimia gehört (cf. HL P OTIMMIA ). Pontulla Pontulla f. ist nur als di Pontulla ‘ die kleine Brücke ’ (Naters, FLNK Pontula) belegt. Die historischen Belege sind 1684 in der Pontellen, 1684 in der Pondelen, 1727 in der Pontelo, 1750 die Pontillen. Laut Beschreibung handelt es sich u. a. um einen Fussweg über eine Wasserleitung. Der Flurname ist eine Ableitung auf / - ICULA / zum lat. P Ō NS ‘ Brücke ’ (FEW 9, 168 ff., bes. pontel ‘ petit pont ’ 170; zum Suffix vgl. B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Der Flurname stammt aus einer romanischen Sprache der Umgebung. Anders die Deutung von Pont in I D . (4, 1399 s. v. Bontje n ‘ Wassertanse ’ ), das als Chäs-Lob-Pontji ‘ Behälter für das Käslab ’ auch für das Wallis belegt ist. Die erste Deutung erscheint als FlN sinnvoller als die zweite. Pool Pool ‘ rundlicher, kuppenförmiger Hügel ’ ist nur 1657 in Termen als jm Pool belegt. Es ist wohl zu schwdt. Boll, B ō l m. ‘ rundlicher, kuppenförmiger Hügel; Höhe, Anhöhe ’ (I D . 4, 1170 f.) zu stellen. Im Oberwallis ist dieser Flurname sonst kaum bekannt (cf. HL B OLLA als romanisches Etymon), jedoch kennt es BENB (1, 4, 463 ff.), sodass die Deutung als nicht unmöglich erscheint. Poolu Poolu ‘ Polen ’ ist in di Poolustrass ‘ die Strasse, die von Polen (in der Schweiz internierte polnische Soldaten) erbaut wurde ’ (Glis) und dr Poolustutz ‘ der steile Weg, der von Polen (in der Schweiz internierte polnische Soldaten) erbaut wurde ’ (Blatten) belegt. Zu den internierten Polen im Wallis vgl. W ILLISCH (2016, 143 ff.), wo der “ Polenstutz ” (S. 145) erwähnt wird. Poppel Poppel ist nur einmal in Embd als Registereintrag belegt; FLNK hat Popol. Lautlich ist es zu schwdt. Popel, Poppel, P ō pul, P ō pol (W), Poppel (BO, W) m., ‘ eine in der Sirte (der nach dem ersten Käsen zurück bleibenden Milch) durch erneutes Sieden entstehende Art zweiten Käses, der aus der wallenden Flüssigkeit an die Oberfläche emporsteigt und dort eine schwimmende Schicht bildet ’ , mhd. ( ū f-)popelen ‘ bullern, quallen, Blasen werfen, z. B. vom (siedenden) Wasser ’ , wdt. Poppleta, Popluta (Mattertal), Poppol (Schattenberge), Poppil f. ‘ Käsemasse ’ (I D . 5, 1422, G RICHTING 1998, 154). Der Name ist sonst nirgends belegt, das Benennungsmotiv bleibt unklar. Porprüsa Porprüsa ist nur historisch 1337 in Salgesch als apud porpreson und 1558 als en la proprüsa und de la porprÿsa belegt. T AGMANN (1946, 76) führt Porprisat (so die Form nach Z IMMERLI ) auf afr. pourprise ‘ enclos, enceinte, clôture [Einzäunung, Umfassungsmauer, Zaun] ’ aprov. porpreza ‘ superficie de terre, terrain [Bodenoberfläche, Bodenfläche] ’ zurück. Vermutlich gehört auch das in Salgesch belegte Prissagget hieher, das bei M ATHIER (2015, 62) als Prisaget erwähnt wird. M ATHIER selbst geht von Pra Saget aus, das in der Datenbank von 1774 als Pra Sagget belegt Ponset 387 388 <?page no="748"?> ist (cf. HLL P RISS und S AGGET ). Die Deutung von Sagget als Ableitung aus idg. *sapp- ‘ Tanne ’ mit dem Wechsel von / pp/ zu / gg/ ist nicht überzeugend. Die Deutung von Priss ‘ eingezäuntes Stück Land ’ als Pra ‘ Wiese ’ ist jung und geschieht wohl in Anlehnung an andere Flurnamen mit Pra ‘ Wiese ’ . Das HL jedoch ist wohl, wie bei T AGMANN (1945, 76) ausgeführt, zum afr. pourprise zu stellen (cf. HL P RUPRÄSU ). Port Port f. ‘ Türe ’ ist nur einmal in Saas-Almagell belegt; SK hat Portje ‘ kleine Tür ’ . Der Name ist die Basis für den Portju(n)graat (cf. HL P ORTJU ( N )). Es ist zu schwdt. Porte n f., im Wallis auch Port f. ‘ Pforte, Tür ’ (I D . 4, 1632 f.; G RICHTING 1998, 154) zu stellen. Gemeint ist hier ein enger Felsdurchgang, der Grat und Horn den Namen gegeben hat. Porta Porta f. ‘ Tür ’ geht ursprünglich auf lat. PORTA ‘ Tor, Eingang, Pforte ’ zurück. Die Belege zu porta aus Leuk und Salgesch jedoch sind zu frpr. porta ‘ Tür ’ zu stellen. Die Belege zu Poort ‘ Türe ’ und Poortji ‘ kleine Tür ’ weisen das walliserdeutsche Lehnwort Poort ‘ Türe ’ auf. Die Belege zu Porteia ‘ Zauntor ’ sind alpinlombardisch (Dank an S TEFANO V ASSERE , p. c.). 1580 ist in Salgesch belegt: jn prato de la porta ‘ auf der Wiese bei der Tür ’ . 1543 in Leuk: pratum de laz portaz ‘ die Wiese bei den Türen ’ (die Schreibung weist auf einen Plural hin). In Varen ist das Kompositum t Chummupoort ‘ die Türe (Durchgang) zur Chummu (Mulde) ’ belegt; in Leuk eine Konstruktion mit attributivem Adjektiv: ts (e)Rot Poortji ‘ die kleine rote Tür ’ . Zwischbergen kennt Porteia di Fondo ‘ das Zauntor im Grund ’ und Porteia di Sopra ‘ das obere Zauntor ’ . Hier ist als Ursprung wohl ein lombardisch-piemontesisches Wort anzunehmen, das zwar bei O LIVIERI ( 2 1961; 1965) nicht belegt ist, aber unter porta (P ETRINI 1993, 115) als porteia mit unsicherer Herleitung erscheint. Porteta Porteta ‘ kleine Türe ’ ist zweimal belegt. Einmal 1552 in Albinen als en laz portetaz und 1602 als en la porteta, zum zweiten in Salgesch 1629 als en la porteta und 1725 in die Portata. Der Beleg von 1590 en la Portellaz weicht davon ab. G. P ANNATIER (p. c.) führt porteta auf eine diminutive Ableitung auf / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) von porta ‘ Türe ’ zurück. FEW (9, 198 ff. s. v. p ŏ rta tor) kennt porteta auf S. 200 als ‘ kleine Türe ’ . Vermutlich ist im Zusammenhang damit ein kleiner Durchgang in einem Zaun gemeint. Auf der gleichen Seite weist FEW auch portela ‘ kleine Türe ’ nach, das wohl das diminutive Suffix / - ELLA / verwendet (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Cf. im Übrigen HL P ORTA mit Belegen aus Leuk. Portiju(n) Portiju(n) gehört als Ableitung zu Port ‘ Türe ’ (I D . 2, 1632 s. v. Porte n II; G RICHTING 1998, 154); vermutlich liegt eher eine Form von ital. porta ‘ Türe ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1644) vor als von frz. porte. Auf SK heisst der namengebende Punkt Portje ‘ kleine Türe ’ , sonst Port. Danach benannt sind ts Portjuhoru und der Portjengraad (beide je in Saas- Almagell und Zwischbergen). J ORDAN (2006, 379) kennt Poortjugraat und Poortjuhooru. Der Grat führt vom Portjuhoru zum Pizzo d ’ Andolla. Die Motivation des Namens: ein türartiger Felsübergang (Port) auf dem Grat. Posa Posa ist in Ergisch 1361 als a la posa belegt. In Salgesch erscheint es als Bachname 1486 und als Bach- und Wasserleitungsname 1490, immer als de la posa oder de laz posaz. In Varen ist es als 1486 als torrens de la posa (gleicher Beleg wie in Salgesch), 1449 als torrentem de la posa und 1561 als torrentem de la puscha belegt. Die Namen in Salgesch und Varen beziehen sich auf einen Bach, den T AGMANN (1946, 3) als La Posa kennt, heute auf LT als La Pauja. Er geht davon aus, dass der Name des Baches sich an einer kleinen Terrasse orientiert, die pó ̩ u ž a ‘ Ort zum Ausruhen ’ genannt wurde. Vermutlich ist dieser Name zum Verb reposer ‘ ausruhen ’ zu stellen; auch der Beleg posa in Ergisch meint wohl eine solche Ausruhestelle. Poschinet Poschinet ‘ der kleine Ruheplatz ’ ist nur als ts Poschinet (Inden, FLNK und LT) belegt. Das Register hat Poschenet. Die Flur befindet sich etwas ausserhalb südlich von Inden und wird als ‘ Wiesen ’ beschrieben. Der Flurname dürfte zu lat. PAUSARE ruhen (FEW 8, 60 ff.) zu stellen sein. T AGMANN (1946, 3) führt Pogett (mit / g/ für / ž / ) und andere darauf zurück, B OSSARD / C HAVAN (2006, 19) haben u. a. Posette. Der Flurname enthält vermutlich eine Kombination von zwei diminutiven Suffixen: / - INA / und / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Die Lage der Flur zwischen Rumeling und Inden deutet auf einen kleinen Ruheplatz vor der Gemeinde Inden hin. Das Genus Neutrum ist später als die frpr. Wurzel. Possa (FaN) Possa (FaN) ist nur in di Possamattu ‘ die Wiese der Familie Possa ’ (Leuk, FLNK Possumatte) belegt, die sich südlich von Susten befindet. Gemeint ist der FaN Possa, aus Bonanco dentro (Italien) stammende Familie, die sich 389 390 Possa (FaN) <?page no="749"?> in Visp und Leuk niederliess und an verschiedenen Orten (Baltschieder, Feschel, Guttet) im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eingebürgert wurde (AWWB 200). Posse Posse pl. ist als Simplex belegt in eys postzoz (1535, Agarn), mit späteren Belegen in die Posce (1699), in den Possen (1708) und in die Posse (1729). In Leuk ist 1427 eys possos belegt, später in die Possen (1701 u. später). Die ältesten Belege legen einen frpr. Namen nahe, doch findet sich kein diesbezügliches Etymon. 1669 sind in Leuk die Obren vnd Vnren Possen belegt, doch ist unklar, ob nicht Pollen zu lesen ist. 1795 erscheint in Leuk das Possen Gessi ‘ die kleine Gase zum / vom Gebiet Possen / der Familie Possa ’ , wobei der FaN Possa auch sonst erscheint (cf. HL P OSSA (F A N)). Unklar, ob es überhaupt hieher gehört, ist ts Priischubossi (Varen; FLNK Priischuposso) ‘ das kleine Privatgut der Familie Boson / des Boso ’ , wo eher ein FaN Boson (NWWB 1, 45, aber nur für das Unterwallis belegt) oder ähnlich gemeint ist. Insgesamt ist Posse nur schwer deutbar. Das in Varen belegte Püüschu (cf. HL P ÜÜSCHU ) nimmt den Namen des Baches la Posa (T AGMANN 1946, 3) auf. Da aber die Belege unter Posse alle ein doppeltes / ss/ aufweisen, kann dieser Name kaum gemeint sein. Post Post f. ‘ Post ’ ist zu schwdt. Post f. ‘ Posthaus ’ und wdt. Poscht ‘ Post, Postgebäude ’ (I D . 4, 1796 ff.; G RICHTING 1998, 154) zu stellen. Das HL wurde aus dem it. posta ‘ festgelegter Ort ’ , Benennung für die Wechselstationen des frühen Postwesens (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 217 s. v. Post), entlehnt. Als Simplex ist uf der Poscht ‘ beim Posthaus (Dorfteil) ’ (Reckingen) belegt. Mit attributivem Adjektiv erscheinen bÿ der Alten Post ‘ bei der alten Post ’ (1679 (ca.), Brig; der Kontext legt allerdings den Riedbach nahe, sodass auch Ried-Brig in Frage kommt) und t Aalti Poscht ‘ die alte Post (beim Hotel Post) (Dorfteil) ’ (Turtmann). Als Bestimmungswort kommt das HL in der Poschtplatz ‘ der Postplatz (auch Parkplatz von Saas-Balen) ’ (Saas-Balen) vor. Unklarer ist ts Postrafisch Weidu ‘ die Weiden des Postrafi (Rafael von der Post) ’ (Gampel). Der Beiname Poschtrafi bezieht sich wohl auf einen Raphael, der Posthalter war oder das Wirtshaus Post besass. Potimmia Potimmia kommt in Zwischbergen als Name einer Alpe vor, die den Leuten von Stalden gehört. Das Simplex ist als Potimmia (Zwischbergen, SK Pontimia) zweimal belegt, einmal für die Alpe, ein zweites Mal für den Stafel der Alpe. Dazu kommen Potimiahoru (FLNK), Potimmiapass (LT Passo di Pontimia) und di Potimmiuseewjini ‘ die kleinen Seen auf der Alpe Potimia ’ . J ORDAN (2006, 382 f.) kennt Potimmja, Potimmjiwäg, Potimmjuschaaf u l, Potimmjuseewjini, Potimmjupass, Potimmjuhooru. Generell wird der Name auch Pontimmia geschrieben; J ORDAN führt den Namen auf it. ponte ‘ Brücke ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1639) zurück. Unklar ist, ob eine Ableitung vorliegt und, wenn ja, welche genau. Eine Zusammensetzung ist nicht gegeben. Pra Pra ‘ Wiese ’ ist zu lat. PRATU zu stellen (M EYER 1914, 169 f.; T AGMANN 1946, 35). Soweit in den Texten lat. PRATUM oder eine davon abgeleitete Form vorkommen, ist unklar, ob es sich um ein Appellativ oder ein Nomen proprium handelt. Abgeleitete Formen wie Pfraje (Varen) (siehe dazu T AGMANN 1946, 36 fráye ‘ pré dans la forêt ’ (Ayer)) werden gesondert verzeichnet. Das Grundwort wird zunächst mit Adjektiven (voran- oder nachgestellt) gebildet wie in im Long Pra ‘ in der langen Wiese ’ (1675, Albinen), ts Praariong ‘ die runde Wiese ’ (Albinen), in Pra riont ‘ bei der runden Wiese ’ (1301, Leukerbad), ou pranouel ‘ bei der neuen Wiese ’ (1602, Albinen), in prato nouel ‘ bei der neuen Wiese ’ (1352, Leukerbad) und in pratis superioribus ‘ in den oberen Wiesen ’ (lateinisch, Sprache des Namens ist unklar, 1358, Albinen). Entsprechend der französischen Grammatik folgen Genitive dem Grundwort. Einige davon sind PN oder FaN: Prawiljerang ‘ die Wiese des Willerant ’ (Salgesch; M ATHIER 2015, 76 f. schlägt eine andere Deutung vor, die nicht zu den ältesten Belegen passt), ts Praaschüljer ‘ bei der Wiese der Familie Julier ’ (Varen), Praz Bocard ‘ die Wiese(n) der Familie Boccard ’ (1713, Albinen), pra de lo Cina ‘ die Wiese der Familie Cina ’ (1589 u. später, Varen) und weitere. Daneben sind auch Bestimmungswörter anderen Gehaltes möglich: im Pra de Dala ‘ in der Wiese bei der Dala (Fluss) ’ (1706, Leuk), y pra dou Thorren ‘ bei der Wiese am Bach ’ (1589, Leukerbad), eÿ pra deÿ chann ‘ in den Wiesen bei den Feldern ’ (1650 u. später, Albinen, lat. in pratis camporum), y pra dy rachar ‘ bei der Wiese beim Speicher ’ (1693 u. später, Albinen), v praclout ‘ bei der eingefriedeten Wiese ’ (1675 u. später, Salgesch), im pra de Rosche ‘ bei der Wiese bei den Felsen ’ (1731, später auch Rotschi, Albinen; als Praderotschi bei T AGMANN 1946, 30), pra de lator ‘ die Wiese beim Turm ’ (1433, Inden; s. M EYER 1914, 173), Praales ‘ die Wiese bei der Alpe Leess ’ (Leukerbad), in prato pollarum / pollorum ‘ auf der Hühnerwiese ’ (1328, Turtmann u. Unterems) usw. Einen Sonderfall stellt die Prafranzig Matten (1800 (ca.), Salgesch) dar; offenbar versteht man Prafranzig ‘ die Wiese des Franzin ’ nicht mehr und setzt deswegen Matten ‘ die Posse 391 392 <?page no="750"?> Wiese ’ noch einmal; der heutige Name von Prafranzig lautet Profrantsching (Salgesch), wobei die historischen Belege zu diesem Namen durchgehend Pra ‘ Wiese ’ statt des sonst nur im eigentlichen Unterwallis üblichen Pro aufweisen. M ATHIER (2015, 116) will Frantsching auf lat. FRAXINUS , frpr. frano ‘ Esche ’ zurückführen; ein PN Francin liegt aber näher. Pro statt Pra findet sich nur noch 1693 in Albinen pro de Dala ‘ die Wiese bei der Dala (Fluss) ’ . Wie ausgeführt, ist bei pratum nicht immer klar, ob ein einfaches Appellativ, frpv. pra oder das alemannische Matta gemeint sind. In einem Beleg von 1405 vocatam pratum de la comba ‘ genannt die Wiese in der Mulde ’ (Salgesch) ist deshalb ganz unklar, wie der Name genau gelautet hat. Lebende Belege können nicht immer erklärt werden. So hat FLNK für Albinen Praalesong, das Register notiert Pratesong und die Belege von 1783 haben in Pradisson und im Pradissong. Zu vermuten ist, dass Pra im Namen steckt, vermutlich auch ein altes lat. DE SUBTUS ‘ unten ’ (T AGMANN 1946, 25 u. ö.), doch erklärt das nicht den Endnasal. Der Name bleibt also unklar. Unsicher ist der Beleg aquam de la prata (1407, Leuk), wo ein Bach oder eine Wasserleitung gemeint ist. Der Genitiv zeigt ein feminines prata, das sicher nicht direkt von pratum abgeleitet werden kann. Man muss wohl eine Form wie prat+ ANA ‘ der Bach bei der Wiese ’ als Ausgangspunkt annehmen. Praani Praani ist belegt in im Praani (Salgesch), wozu Praniwald und Pranibriggu (M ATHIER 2015, 42) gehören. Praani scheint zu Pra ‘ Wiese ’ zu stellen zu sein. Da keine historischen Belege vorliegen, ist unklar, ob die Endung -ni frpr. oder alemannisch ist. Im ersten Fall müsste ein entrundetes Adjektiv ni aus nüzu lat. N Ū D - ‘ nackt, bloss ’ (FEW 7, 228 f.) ‘ die blosse Wiese ’ postuliert werden; im zweiten Fall ein Neutrum auf / - I / mit diminutiver Bedeutung und einem / n/ als Hiatustilger ‘ die kleine Wiese ’ . Keine Deutung ist aber durch historische Belege gestützt. Die Komposita mit den Grundwörtern Wald und Brigga verstehen sich von selbst. Pradetsch Pradetsch ist nur in der Pradetsch ‘ die schlechte Wiese ’ (Zwischbergen) belegt. J ORDAN (2006, 327 f.) kennt Prádetsch und Prádetschgrabu. Er führt den Namen auf lat. PRATUM ‘ Wiese ’ zurück (cf. D EVOTO / O LI 2020, 1659 s. v. prato). Es handelt sich genauer um eine Ableitung auf / - ACEU / zu lat. PRATUM ‘ Wiese ’ (RN 2, 270), häufig pejorativ. Pradisson Pradisson ist der Name einer Flur, die für 1783 in Albinen belegt ist als im pradissong und in pradisson. FLNK hat Praalesong, das Register Pratesong. M ATHIEU (2006, 37) hat Praalesong. Wenn es sich um ein Kompositum handelt, dann ist von pra ‘ Wiese ’ auszugehen. Der Rest ist in verschiedenen Quellen unklar. Die späten Belege lassen eine Rekonstruktion der Bedeutung nicht zu. Der Name wird deswegen hier als Ganzer dokumentiert. Pradium Pradium ist eine vereinfachte Lesung von pra ’ dium de bolla (1764, Leuk). Das HL ist ein lat. Wort PRAEDIUM landgut (FEW 9, 292). Es kann sich aber auch um eine falsche Etymologisierung von pra (< PRATU ) ‘ Wiese ’ handeln (cf. HL P RA ). 1350 ist nämlich in Leuk (Agarn zugeschrieben, das aber wohl zu Leuk gehörte) super pratis de la bolla belegt. Vermutlich gehört darum pra ’ dium de bolla (1764) hieher. Prales Prales und Pralet sind zwei mögliche Diminutive von Pra ‘ Wiese ’ . Belegt sind in Albinen 1602 ÿ prales und 1607 eis pralet; in Varen 1473 ou pralet, 149 dov brÿlet und 1834 Prilet. T AGMANN (1946, 37) führt s. v. Prilet ‘ kleine Wiese ’ auch ältere Formen zu Pralet auf; sein Hinweis auf Pralis (1946, 36), das er zu lat. PRATALIA ‘ die Wiesen (Kollektiv) ’ stellt, könnte auch für Prales gelten. B OSSARD / C HAVAN (2006, 140) führen eine Reihe von Varianten, darunter Pralet und Pralis, auf lat. PRATELLUM und PRATELLA zurück. Insgesamt sind die Belege in Varen und Albinen aber sehr karg. Prali in Pralipieritotz (Varen) scheint eher zum Typ Pra de la Pierra ‘ Wiese beim Felsen ’ (in Salgesch belegt) zu gehören; hier gibt es jedoch keine historischen Daten. Pranum Pranum, auch prauum (die Lesung ist unklar) ist nur 1453 in Inden als pranum (prauum? ) torrentem ‘ der krumme Bach (aber unsichere Lesung, daher unklar) ’ belegt. Die lateinische Form ist kaum so ausgesprochen worden; im 15. Jahrhundert ist aber Inden wohl noch primär romanischsprachig. Während torrentem ‘ Bach ’ kein Problem darstellt, ist pranum oder prauum unsicher. PR Ā VUS ist lat. für ‘ krumm, schief ’ , also ist wohl ‘ der krumme Bach ’ gemeint. Prässchteru Prässchteru ist nur ze Arumprässchteru ‘ bei den Armbrustern ’ (Törbel, FLNK Arumbräschteru) belegt. Laut O. K ARLEN stamme der Name aus <Armbrust>. I D . (5, 865) kennt neben Arm-Brust auch Arm-Bräst und weitere; zu 393 394 Prässchteru <?page no="751"?> den Formen vgl. I D . (5, 869). Zur Herkunft aus afrz. arbalestre vgl. K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 60 s. v. Armbrust). Wie unter dem HL A ARO aufgeführt, kann hier entweder der FaN Armbruster oder ein Träger der Armbrust gemeint sein. Prebarrona la Prebarrona kommt 1642 in Zwischbergen vor; es wird übersetzt als zu ᵕ m Marfillenstein ‘ beim Marmorstein ’ . Der Name setzt sich vermutlich aus einem unbetonten pre ‘ Stein ’ (< PREDA < PETRA ) und barra ‘ Riegel, Stab, Sterre ’ mit der Ableitung / - ONA / ‘ gross ’ zusammen, also ‘ der grosse Steinriegel ’ (Dank für die Herleitung an P ROF . B. M ORETTI , p. c.). Predigt Predigt f. ist nur als der Bredigstüöl ‘ der Predigtstuhl ’ (Saas-Grund, FLNK Predigtstüel) belegt. Metaphorisch gemeint ist ein Aussichtspunkt auf einem grossen Stein am Weg in die Triftalp, der an einen Predigstuhl erinnert. Zu stellen ist das HL zu schwdt. Bredig f. ‘ Predigt als Teil des Gottesdienstes, Rede überhaupt ’ , ahd. predi(g)a, br-, mhd. predi(g)e, br- (I D . 5, 400) und schwdt. Bredig-Stuel m. ‘ Kanzel ’ , mhd. bredigestuol (I D . 11, 314f). G RICHTING (1998, 41) kennt Bredig, Predig ‘ Predigt ’ , jedoch nicht das Kompositum Bredig-Stuel. Zu Predigstuhl ‘ der Sitz oder Stand für den Prediger ’ vgl. G R W B (13, 2085 f.). Preedlti Preedlti ist nur in ts Preedlti ‘ das kleine Steingebiet ’ (Zwischbergen) belegt. J ORDAN (2006, 369) kennt es als Preed u lti und dazu Uissärs und Innärs Preed u lti, Preed u ltigrabu und Uissrä Preed u ltigrabu (alle Zwischbergen). Er beschreibt es als mässig geneigte Bergweideterrasse und nimmt an, dass der Name aus lat. PREHENDERE ‘ nehmen, besetzen ’ stamme. Diese Deutung stimmt kaum; rom. preda ergibt sich mit r-Methathese aus rom. petra ‘ Stein, Fels ’ (RN 2, 240; P ETRINI 1993, 116). Preedlti enthält wohl das dt. Dim.-Suffix -( E ) LTI . Preesa Preesa ist zu it. presa, in FlN ‘ Haus mit umliegendem Gelände ’ (O LIVIERI 2 1961, 446; 1965, 279; P ETRINI 1993, 116; allgemein D EVOTO / O LI 2020, 1674) zu stellen. Das HL kommt nur in Zwischbergen vor. Das Simplex la presa ist 1766 belegt; im gleichen Jahr erscheint il rial oder den Graben da presa ‘ der Graben bei der Preesa ’ , wo der Autor rial durch Graben übersetzt. Weiter sind belegt Preesa Brutschata ‘ das (von der Sonne) versengte Haus ’ , Preesa Danschelo ‘ das Haus des Angelo ’ , Preesa Dfonnd ‘ das untere Haus ’ , Preesa Pjooda ‘ das Haus bei den Steinplatten ’ (nach J ORDAN 2006, 304), Preesa Tschima ‘ das Haus bei der Spitze ’ . J ORDAN (2006, 303 f.) hat Preesä, Obri Preesä, Undri Preesä und die oben erwähnten weiteren Namen. Pregontji Pregontji n. ist nur in Varen belegt. M. S, notiert ts Prekonji; FLNK hat Pregontji, LT Preggontji, SK Preguntie. Dazu kommt di Pregontjiheehi ‘ die Höhe im Bereich Pregontji ’ (Varen). Die Endung deutet auf einen dt. Diminutiv; das HL insgesamt scheint aber eher romanisch zu sein. Die historischen rom. Entsprechungen zu profundus tief (FEW 9, 431 ff.) wie pregont (vgl. B RIDEL 1866, s. v. prévon ‘ profond ’ ) dürften hieher gehören, also ‘ die kleine tiefe Stelle ’ . Die Entwicklung von / v/ zu / g/ bleibt allerdings unklar. Preises Preises ist ein ursprünglich romanisches HL, das ein Stück Land meint, das gegen Zins genutzt wurde, so B OSSARD / C HAVAN (1986, 129): Prise, Preisaz (Pl. Preises) ‘ terrain pris en acensement (contre redevance) ’ (FEW 9, 345). Das HL ist 1558 in seiner romanischen Form als eys Preyses de Finio ‘ in den Gütern von Pfyn ’ (Leuk) belegt. Die lebende, dt. Form ist di Preise ‘ die Güter ’ (Leuk), 1443 als in presiis Leuce belegt. 1804 ist von Preisen Sand ‘ das Sandgebiet bei den Preisen ’ (Leuk) die Rede, dann folgen di Preisubriggu ‘ die Brücke über den Kanal bei den Preisen ’ (Leuk), der Preisuwald ‘ der Wald bei den Preisen ’ (Leuk) und di Preisuwasserleitu ‘ die Wasserleite zu den Preisen ’ (Leuk). Etwas davon entfernt findet sich ts Pröüsugüed ‘ das Gut der Preisen ’ ; laut Gwp. war Prejsini der Zuname der Besitzerfamilie Loretan (AWWB 152). Die gerundete Form Pröüsugüed erinnerte offenbar an Preussen (darum wohl auch LT Prüssugüet und HL P REUSSEN ), doch ist dieser Zusammenhang nicht gegeben. ts Pröüssiguwaldji ‘ der kleine Wald der Leute, die Preisjini hiessen ’ (Salgesch) befindet sich weiter westlich und bezieht sich auf die Besitzer des Waldes (wohl die Familie Loretan). Prellung Prellung ‘ die lange Wiese ’ ist unter Varen aufgeführt, wo es aber der Gemeinde Mollens zugeordnet wird; es befindet sich etwas unterhalb der Varner Alpe. Es ist wohl zu Pralong ‘ die lange Wiese ’ (T AGMANN 1946, 60) zu stellen. T AGMANN erwähnt an der zitierten Stelle auch die pré ̨ lo ŋ mått ǝ in Salgesch, die ebenfalls / e/ an Stelle von / a/ an der betonten Silbe zeigt. Presarium Presarium ist nur 1610 in einem nicht sicher Leukerbad zugeordneten Dokument als Jns ŭ lia Presarium belegt. Es Prebarrona 395 396 <?page no="752"?> handelt sich um einen Genitiv Plural zu presia, das dem frpr. preise ‘ eingezäuntes Stück Land ’ entspricht. jnsulia ist wohl zu insula ‘ Aue ’ zu stellen. Es geht also um die eingezäunten Auen, die sich in der Ebene des Rottens bei Leuk befanden. Ob die lateinische Form einem Flurnamen entspricht, ist unklar. Presbiter Presbiterorum ist ein Genitiv Plural zu lat. PRESBITER ‘ Priester (eig. Älterer) ’ . Es kommt nur 1468 in Albinen als in campis presbiterorum vor. Es handelt sich wohl um ein Feld, dessen Ertrag den Priestern zukam. Dass es hier erwähnt wird, hängt mit der Formulierung l(oco) d(icto) zusammen: der Ort, der so genannt wird. Andernfalls wäre die lateinischen Beschreibung als Appellativ gewertet worden. Preses Preses ‘ die Wiesen, die Weingüter ’ ist in Varen belegt: 1338 als eys prayz, 1346 als es prazes, 1360 als eys preses. 1338 ist von einem Stück Land bei Varen, 1346 von einem nicht-kultivierten Stück Land und 1360 von einem Weinberg die Rede. Während die ersten zwei Belege zu lat. PRATA ( S ) ‘ Wiesen ’ (M EYER 1916, 169; FEW 9, 333 ff.) zu stellen sind, entspricht der dritte Beleg eher frz. Prise, frpr. Preises (B OSSARD / C HAVAN 2006, 129), bei T AGMANN (1946, 76 f.) in der Form Prigea, die zu lat. PR Ē H Ě ND Ě RE ergreifen (FEW 9, 339 ff.) zu stellen sind. eys preses kann hier einfach ‘ die Wiesen, die Weingüter ’ heissen (cf. HL P RESIS ). Presis Presis ist eine nur historisch belegte Form in Leukerbad (1589 la preisa; 1589 presys; 1610 in Jns ŭ lis Presiarum) und in Salgesch (1572 jn presÿs). Hier sind weiter belegt: jn presijs tam jn presijs de laz birlaz quam jn aliis presijs (1520); in presys de la bierla (1564) (beide Salgesch) und jn presija inferioribus (1536), resp. jn presÿs inferioribus (1556). Die Belege sind historisch, teilweise latinisiert, zum Namen, den B OSSARD / C HAVAN (2006 129) zu Prise, Prisette stellen, wozu sie preisaz (pl. preises) als Patois-Form angeben. Die Deutung ist ‘ Grundstück, das vom Grundherrn mit einem Zins zum Bebauen gegeben wird ’ . Weitere Belege finden sich unter dem HL P REISES . Zum hier erwähnten Birlaz vgl. HL B IRLAZ . Pretes Pretes ist eine nur historisch belegte Form in Leukerbad (1439 eis pretes). Sie wurde zum HL P RESIS gestellt, kann aber kaum dazu gehören. Das lat. PRATUM kann hier als Plural les prés ‘ die Wiesen ’ verstanden werden; troztdem bleibt eis pretes unklar, wird aber als ‘ bei den Wiesen ’ übersetzt. Preussen Preussen ist ein HL, das nur in den Belegen Leucker Preussen (1761, Salgesch) und Leucker Preissen (1761, Varen) vorkommt. Es handelt sich um eine Form mit / öü/ zu di Preise (Leuk, FLNK Preisse, LT Preisen). In allen Fällen liegt das HL P REISES (frpv.) ‘ das Lehngut ’ zu Grunde. B OSSARD / C HAVAN (2006, 129) kennen den Namen als Prise und notieren dabei, der Patois-Name heisse im Plural Preises. Preyez Preyez ist ein HL, das historisch in Salgesch belegt ist, aber offensichtlich verschiedene Fluren meint. 1495 ist von einem Weinberg lyz brelliaz die Rede, 1594 von einer Gemeindestrasse eys preyez und 1679 von einem Acker en preiez. T AGMANN (1946, 36) ist unentschlossen; den älteren Beleg lyz brelliaz stellt er zu lat. PRATALIA > frpr. praille (B RIDEL 1866, 304); die jüngeren eys preyes und en preiez stellt er zu lat. PRATAS . Beide werden als ‘ ensemble des prés [Wiesengelände] ’ verstanden. Unerklärt bleibt hier das frz. [é] für [a]. Prisarschi Prisarschi ist in der Prisarschiwald (Varen) belegt. Historische Belege fehlen, doch ist der Wald Teil der Varneralpe auf dem Boden der Gemeinde Mollens, also wohl romanisch. Vermutlich liegt dem Flurnamen eine Kombination von prise (T AGMANN 1946, 76 f.) und arschi (B RI- DEL 1866, 18 s. v. arzé; FEW 25, 140 s. v. ard ē re bruler, bes. p. 145) ‘ das verbrannte eingezäunte Stück Land ’ zu Grunde. Prisaz Prisaz ist nur 1494 in Salgesch als en la prisaz und a laz prisaz ‘ beim eingezäunten Stück Land ’ belegt; 1583 ist en la proprissa bezeugt, das sinnvollerweise zum HL P OR- PRÜSA zu stellen wäre. T AGMANN (1946, 76 f.) kennt Prigea und Priza, die er zu prise ‘ eingezäuntes Stück Land ’ stellt. Prison Prison ist nur 1346 in Turtmann als zer Prison mit Leseunsicherheit belegt. Der Beleg ist unklar. Nächstliegend wäre la prison ‘ das Gefängnis ’ (vgl. I D . 5, 799, aber mit viel späteren Belegen). Inhaltlich liegt aber la prisa ‘ das eingehegte Stück Land ’ (T AGMANN 1946, 76) näher (vgl. HL P RISAZ ), das hier mit der deutschen Endung / - ON / (Dativ Singular) für ein auslautendes / - A / im Nominativ erscheint (vgl. auch FEW 9, 339 ff. s. v. pr ĕ h ĕ nd ĕ re, bes. S. 344). 397 398 Prison <?page no="753"?> Priss Priss kommt nur in Salgesch als Prisssagget vor. M ATHIER (2006, 62) kennt es als Prisaget. In der Datenbank werden die beiden HLL P RISS und S AGGET getrennt, weil es für Salgesch auch einen Beleg in pra sagget gibt. Die Deutung von M ATHIER ist unsicher; er stellt den Namen zu lat. * PRATELLUM ‘ die kleine Wiese ’ und einem idg. *sapp- ‘ Tanne ’ , wobei in sagget / pp/ zu / gg/ geworden sei. Da sagget offenbar nicht deutbar ist, wird ein PN angenommen. Priss lässt sich dann zu prigea (T AGMANN 1946, 76) stellen ‘ das eingezäunte Stück Land des Sagget ’ . Pritsche Pritsche ist belegt als di Pritsche ‘ der Lagerplatz, die Holzladestelle ’ (Ried-Brig) im Tafernatal. Es ist zu schwdt. Britsche n , Brütsche n , Britschi, Brütschi f. und wdt. Pritscha, Pritschä (Goms), Pritschu f. ‘ dünnes Brettchen (aus Tannenholz), Schindel; ( … ) schlechte aus Brettern zusammengefügte Lagerstätte in ( … ) Sennhütten; Lagerstätte, Standort des Viehs im Stalle; Kornboden; ( … ) Knüppel-, Holz- oder Steindamm über sumpfige Stellen auf Wegen, Strassen (wie Brügi) ’ (I D . 5, 1020 ff.; G RICHTING 1998, 155) zu stellen. Die Flur befindet sich im Tafernatal, eine Hütte ist nicht zu sehen. Es geht also um einen Lagerplatz oder eine Holzladestelle. Prodeeni ts Prodeeni (Leuk) ‘ das Gebiet bei der Wiese des Denis (? ) ’ ist auf Karte 1: 10000 auch in Pradeeniboden belegt. Der Akzent liegt auf der ersten Silbe, die zweite ist gedehnt; die Endung auf / - I / wird als Diminutiv interpretiert. Vom Typ her liegen wohl ein Pra / Pro ‘ Wiese ’ und ein PN als Besitzername wie Denis oder ähnlich vor. Da historische Belege fehlen, kann nichts Näheres gesagt werden. Der Wechsel von Pra zu Pro ‘ Wiese ’ ist normalerweise nur unterhalb von Sitten nachzuweisen; der Name auf der Karte hat die sonst belegte Form Pra. Profässer Profässer m. ‘ Professor ’ ist nur belegt in ts Profässersch Weid ‘ die Weide des Professors ’ (FLNK, Ernen), wo das HL im Genitiv Singular steht. Vermutlich ist hier ein Professor des Kollegiums Spiritus Sanctus in Brig gemeint, die üblicherweise den Titel tragen, vor allem, wenn sie - wie früher üblich - Priester waren. Der Eintrag unter I D . (5, 504) ist nicht weiterführend, G R W B (13, 2160 s. v. Professor) enthält mehr Information. Profinu Profinu f. ‘ der Spaltgraben (Graben zur Verjüngung der Reben) ’ ist in di Profinu (Hohtenn) belegt, dazu kommen historische Belege in der Profinú (1811 Niedergesteln; 1671 als in der Profinen) und in den Profinen (1840, Raron). Es handelt sich vermutlich immer um die gleiche Flur. I D . (5, 502) kennt Profene n ‘ Absenker (eines Weinstocks) ’ , das aber nur für den Bielersee belegt ist. Zu vermuten ist eher der bei E GLI (1982, 1898) für den Weinbau belegte Terminus Prowi ŋ ‘ Spaltgraben ’ , den er auf lat. PROPAGO ‘ Absenker ’ zurückführt. Im Gebiet gibt es heute noch (oder wieder) Weinberge. Der ‘ Spaltgraben ’ diente dazu, einen neuen Graben für junge Reben zu legen. Propäri ts Propäri n. ist in Leuk belegt. Die historischen Belege sind in properri (1716) und im Properi (1763). Es liegt wohl der gleiche Name wie in pra Perri ‘ die Wiese des Petrus ’ vor (cf. HL P ERRI ). Alternativ liesse sich Päri auch zu lat. P Ě TRA ‘ Fels ’ stellen. Das Diminutiv erklärt sich aus der Endung auf / - I / . Schwierig zu erklären sind jedoch pro für pra (auch in Salgesch bei Profrantsching) und Päri für Perri (allerdings ist die Schreibung im 18. Jahrhundert unsicher). Providoli (FaN) Providoli (FaN) ist in di Providolimatta ‘ die Wiese der Familie Providoli ’ (Visp) belegt und geht auf den FaN Providoli, Previdoli zurück, eine aus Bognanco dentro (Italien) stammende Familie, die um 1795 nach Steg kam (AWWB 202; F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1444, Burger von Stalden, Steg und Visp). Prupräsu Prupräsu n. ist in Unter- und Oberems, historisch auch in Ergisch vertreten. Zentral ist ts Prupräsu (Unterems), eine Kleinsiedlung im Turtmanntal auf ca. 1150 m, die bei FLNK auch für Oberems belegt ist. Dazu gesellen sich ts Inner und ts Vooder Pupräsu ‘ das innere (taleinwärts liegende) und das vordere (talauswärts liegende) Prupräsu ’ (Unterems). Nur historisch belegt ist Prupress Gassen ‘ die Gasse vom / zum Prupräsu ’ (1676 u. später, Unterems). Hieher gehört auch ZBruggpresen (1722, Ergisch; 1821 an die Brupressern; beide heute Unterems), wo der frpr. Name wohl nicht mehr präsent war. Die ältesten Belege haben 1306 de purpreson ‘ von Purpräsu ’ , 1320 la porpresa, 1328 apud porpressa, 1353 de la porpressa, 1419 la porpresa, 1544 jn der propreyssem, 1548 de la porpressa, 1597 (ca.) zprupesen usw. Es handelt sich um einen frpr. Namen, den T AGMANN (1946, 74) auf afrz. pourprise ‘ enclos, enceinte, clôture ’ , aprov. porpreza ‘ superficie de terre, terrain ’ zurückführt; er erwähnt den Namen Prupresen (Unterems) explizit in diesem Zusammenhang. Gemeint ist wohl einfach ein Stück Land (cf. HL P ORPRÜSA ). Priss 399 400 <?page no="754"?> Pschisse Pschisse ‘ schmutzig ’ ist formal ein Partizip Perfekt zum schwdt. b e -sch ĭ sse n ‘ schmutzig im phys. Sinn, von Mensch und Tier, Kleidern und Wäsche überhaupt, von Geräten und Gegenständen, Wetter, Wirtshäuser ’ , ‘ schmutzig im moralischen Sinn, betrogen, betrügerisch ’ und wdt. bschiisse, bschiissä (Goms), bschiissu ‘ betrügen ’ (I D . 8, 1342 ff.; G RICHTING 1998, 43), als FlN zur Bezeichnung eines minderwertigen Stücks Land. Die Bedeutungsangabe bei G RICHTING (1998) trifft auf das Partizip nicht zu. Substantiviert ist nur Pschissna (FLNK, Eggerberg) belegt, wobei unklar ist, ob Neutrum oder ein Feminin vorliegt. Vermutlich ist ‘ das minderwertige, feuchte Gebiet ’ gemeint. Hierzu gehört auch der Pschissnugrabo ‘ der Graben beim Gebiet Pschissna ’ (Eggerberg, Mund). Weitere Belege sind Bschissne Sicke (FLNK, Oberwald), das auch als bine Pschissne Seicke (Oberwald) vorkommt; beide sind wohl als ‘ minderwertige, feuchte Böden ’ zu verstehen. t Pschissne Matte ‘ die schlechten, unfruchtbaren Wiesen ’ (Binn) und di Pschissi Weid ‘ die minderwertige Weide ’ (Ferden) sind weitere Flurnamen. Publo Publo ‘ Pappel ’ ist nur in Agarn 1308 und 1338 als ol publo, 1343 oul publo, 1519 eys publo belegt. Es handelt sich um die Patois-Form zum lat. P Ō P Ŭ LUS pappel (FEW 8, 181), vgl. auch Publoz (B OSSARD / C HAVAN 2006, 173). Pucros Pucros kommt nur 1468 als eys pucros (Albinen) vor. Es handelt sich um einen Plural; die Flur bezeichnet einen Acker mit Hanf (chentre). Nach P H . K ALBERMATTER (p. c.) ist die Lesart unsicher; es handelt sich um ein Gut in Tschingeren. Das HL selbst bleibt ungedeutet. Püeläte Püeläte ist nur in Varen belegt. Dazu gehört der Püeläturüüs ‘ der Wasserlauf von / zu den Püeläte ’ . Historische Belege fehlen. Die Flur befindet sich im Weinberg zwischen Salgesch und Varen. Das Gebiet ist ursprünglich frpr.; als Etymon bietet sich Buill (T AGMANN 1946, 8) an, das er auf * BULLI ‘ Gefäss ’ zurückführt. Eine diminutive Ableitung ist auf / - ITTA / oder / - ITTU ( M )/ (dann Plural) (cf. B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) anzunehmen. Püeläte wären dann die Wasserlachen, an denen der Rüüs vorbeiführt. Diese Deutung ist sehr unsicher. Puffetji Puffetji ‘ das kleine Buffet ’ ist nur einmal in Baltschieder als ts Puffetji belegt. Es handelt sich nach der Beschreibung um einen Felsen im Baltschiedertal im Bereich Üssers Senntum. Der Beleg ist als Diminutiv zu schwdt. Buffet II ‘ kleiner Schrank ’ und wdt. Büffe ‘ Geschirrschrank ’ (I D . 4, 1047; G RICHTING 1998, 44; V. S CHMID 2003, 55) zu stellen, als FlN hier wohl auf einen Felsen übertragen, der wie ein kleiner Schrank aussieht. Es scheint, dass die Form mit / u/ eher aus dem It. buffetto stammt als aus dem frz. buffet, das mit [ü] ausgesprochen wird. Puggil Puggil m. ‘ Buckel ’ ist zu schwdt. Buggel II m. ‘ rundliche Anschwellung, Erhöhung ’ , ( … ), = Hoger, ( … ), mhd. buckel und wdt. Puggl, Puggäl (Goms), Puggul (Saastal), Puggol (Schattenberge), Puggil ‘ Buckel, Rücken ’ (I D . 4, 1087 ff.; Z INSLI 1946, 314; G RICHTING 1998, 156) zu stellen. Der einzige Beleg ist ts Puggilweidji ‘ die kleine Weide beim Erdbuckel, Erdrücken ’ (Ergisch). Puggse Puggse ist als t Puggse ‘ das Gebiet der Tannen mit Hartholz ’ (Fieschertal) belegt. Gwp. sagt, das Holz sei <puppsiges> gewesen, hartes Holz. Es lässt sich zu buggsig ‘ buchsig (Holz, hartes) ’ (G RICHTING 1998, 45) stellen (I D . kennt es so nicht). Unklar ist der Buggs ‘ der Hügel ’ (Unterbäch), das wohl zu Buck, auch Bugg (I D . 4, 1139 f.) in der Bedeutung Hügel gehört; das finale / s/ fehlt dort allerdings, sodass die Deutung unsicher ist. Eine Zuweisung zum Pflanzennamen Buchs ‘ Buchs ’ (I D . 4, 999; bei G RICHTING 1998 nicht belegt) ist unwahrscheinlich, da nach L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 164) B UXUS SEM- PERVIRENS auf dieser Höhe (rund 2340 m) nicht wächst. Pulet Pulet ist nur in Plampulet und der Plampuletbodu (beide Albinen) belegt. M ATHIEU (2006, 11) stellt es zu plan ‘ ebene Fläche ’ und frpr. bulet ‘ Tränke ’ . T AGMANN (1946, 8 s. v. Bouillet) kennt mehrere Flurnamen dieses Typs, Diminutiv zu Buill, das er auf * BULLI ‘ Gefäss ’ (FEW 1, 617, G PSR 2, 477) zurückführt. Die Fortisierung des Anlauts zu / p/ ist dadurch nicht erklärt, kann aber aus dem Anlaut des Flurnamens und aus den Eigenschaften des Dialekts in Albinen gefolgert werden. W. M ÜLLER (p. c.) postuliert aber deswegen einen PN Pulet, der allerdings nicht belegt ist. Puli Puli ist zum HL R ULIPULI zu stellen, das in Glis und Leuk als ts Rulipuliloch belegt ist. Zur unsicheren Deutung vgl. HL R ULIPULI . Puljetschier Puljetschier kommt als Puljetschier (Albinen) vor. M ATHIEU (2006, 31) kennt den Namen als Buljetschiär bei Ober- 401 402 Puljetschier <?page no="755"?> dietu. Die Beschreibung der Gwp. sagt, es handle sich um einen Trog, um geringen Boden. T AGMANN (1946, 8) zitiert den Beleg als búl ǝ t š ier ‘ source qui se déverse dans une auge [Quelle, die sich in eine Mulde entleert] ’ . Pullingen (PN) Pullingen (PN) kommt 1607 in Agarn als Zen Pullingen vor. Lebend ist es als Pulligu (Leuk; LT Pulligu) und di Pulligeiu ‘ die Aue bei zen Pulligen ’ (Leuk) belegt. Es handelt sich um ein Gebiet am Ende des Illgrabens. Vermutlich liegt hier ein PN oder FaN Pullo vor (vgl. F ÖRSTEMANN 1, 325 s. BOL); gebildet ist der Name mit einer kollektiven / - ING / - IG / -Ableitung, die als ‘ der Leute des Pullo ’ übersetzt wurde. Pulver Pulver ist nur in ts Bulverturrli ‘ der kleine Pulverturm ’ (Visp; FLNK Pulverturrli, LT Pulferturli, SK Pulverthurm) belegt. Auf SK befindet sich der Pulverturm in der Rottenebene zwischen Visp und Eyholz, in unüberbautem Gebiet. Heute ist das Gebiet überbaut. Das HL ist zu schwdt. Bulfer n. hier ‘ Schiesspulver ’ (I D . 4, 12) bzw. schwdt. Bulferturm ‘ kleines staatliches Pulvermagazin auf dem Lande, meist eingefriedet, an einsamer Stelle, mit einem kleinen Türmchen ’ (I D . 13, 1665) zu stellen. G RICHTING (1998, 45) kennt nur das Verb bulfere, bulfärä (Goms), pulfru, bulfru ‘ abschiessen (Gewehr) ’ ; die übrigen Bedeutungen sind abgeleitet. Pump Pump ‘ Pumpe, pumpen ’ ist zu nhd. Pumpe f. ‘ eine Maschine, die das Wasser oder eine andere Flüssigkeit in einer Röhre emporhebt und zum Ausfluss bringt ’ (G R W B 13, 2227 f.; Orthografie angepasst) zu stellen. Belegt ist es nur in zum Pumphüüsi ‘ zum kleinen Haus mit der Pumpe ’ (Baltschieder). Die Bildung legt eher eine Verbalableitung von pumpen (G R W B 13, 2228 f.) nahe. Punkt Punkt ‘ Punkt ’ ist nur im FLNK-Beleg (Zeneggen) als Üssichtspunkt belegt. Wie I D . (4, 1391) ausführt, ist Punkt zwar belegt, gilt aber nicht als dialektal. Die Form Üssichtspunkt ist eine Übersetzung aus dem hdt. Aussichtspunkt ‘ der Ort, von dem man eine schöne Aussicht hat ’ . Punt Punt kommt einmal vor in im Punteg (Bellwald), das laut Gwp. eine sumpfige Wiese in der “ Summlimatta ” (heute: Simmlimatta) bezeichnet. Vermutlich ist das Grundwort Egg (cf. HL E GG ( A )); der Flurname kommt beim Weiler Egga vor. Ein Zusammenhang mit Punt (I D . 4, 1399; E GLI 1982, 299) ‘ Spund am Fass, Korken ’ scheint unwahrscheinlich, könnte sich aber auf die Form beziehen: ‘ die Ecke, die wie ein Spund aussieht ’ . Ob ein Zusammenhang zu Bund (I D . 4, 1355 ff.) in einer der dort aufgeführten Bedeutungen besteht, ist unklar, kann aber wegen der Beleglage nicht entschieden werden. Das Adjektiv bunt ‘ vielfarbig ’ (G R W B 2, 525 ff.) ist wohl auch nicht gemeint. Am nächstliegenden ist deswegen wohl die Form eines Spundlochs, durch das allfälliges Sumpfwasser abfliessen kann. Punta Punta ist zum it. punta f. ‘ Gipfel, Spitze ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1728) zu stellen. Die sieben Gipfelnamen mit Punta befinden sich alle im Grenzgebiet von Italien und dem Oberwallis. Es sind: Punta Banella (Saas-Almagell), Punta d ’ Arbola (Binn, dt. Ofenhorn), Punta del Sabbione (Binn, dt. Hohsandhorn), Punta Loraccio (Saas-Almagell), Punta Marani (Binn, dt. Schwarzhorn), Punta Mottiscia (Grengiols, dt. Hillehorn) und Punta Val Grande (Zwischbergen), das auf it. Seite auch einen Pizzo Valgrande kennt. Punta ist eine der im Italienischen verbreiteten Kennzeichnungen für ‘ Gipfel, Spitze ’ . Vereinzelt können auch andere Grenzgipfel einen derartigen Namen tragen. Die Bestimmungswörter sind gesondert behandelt. Puntig (FaN) Puntig (FaN) ist ein FaN, der nur einmal in Púntigs Gútt ‘ das Gut der Familie Puntig ’ (1713, Ernen) belegt ist. Der Name kommt u. a. 1679 in Fiesch in Moritz Puntig vor. Es handelt sich um eine kollektive Ableitung auf / - IG / . Puntinell Puntinell ‘ kleine Spitze, kleine Brücke ’ ist nur einmal 1745 in Zwischbergen als der Púntinell und der Púntimell belegt; bei J ORDAN (2006) kommt der Flurname nicht vor. Das HL ist italienisch, der Artikel dagegen deutsch. Eine Ableitung auf it. ponte ‘ Brücke ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1639) würde dialektal puntinello ‘ die kleine Brücke ’ ergeben. Es kann sich aber auch um eine diminutive Form von poncione (P ETRINI 1993, 114) von lat. PUNCTUS ‘ Spitze ’ handeln. Ohne weitere Angaben lässt sich der Name nicht deuten. Purgetz (FaN) Purgetz (FaN) ist nur historisch 1789 in Bratsch als in Purgetz Matten ‘ in der Wiese des Purget (FaN) ’ belegt. Vermutlich liegt ein FaN oder PN nahe. NWWB (1, 51) erwähnt die FaNN Burkard und Burket (die Namen sind miteinander verwandt), die zuerst in Gampel, dann in anderen Gemeinden belegt ist. Die erwähnte Wiese gehörte dieser Familie. Pullingen (PN) 403 404 <?page no="756"?> Purggarätscha Purggarätscha ist zweimal in Zwischbergen als di Purrgarätscha und Purggarätscha belegt. Die beiden Nennungen befinden sich nahe beieinander, sind also wohl identtisch. J ORDAN (2006) kennt den Namen als Porggarätscha, zusammen mit Porrgarätschuschtaaf u l und Porrgarätschbrunnu. Das HL ist zu it. porcaréccia (oder porcheréccia) f. ‘ Schweinestall ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1642; P ETRINI 1993, 115 zu lat. PORCARICIUS ) zu stellen. Laut R ÜBEL (1950, 115) wurden auch auf den Alpen Schweine gehalten. Purri Purri ist nur in di Purrine und di Purrimatte (beide Eischoll, gleiche Flur der Senggalp; LT und FLNK Purinu) belegt. Die historischen Belege haben 1661 z ŭ n B ŭ rinun, 1795 zen Porrinen, 1830 Zenpurrinen. BENB (1, 4, 755 f. s. v. Bur(r)i / Bur(r)en) gibt mehrere Deutungen, die vor allem auf FaN und PN beruhen und dann meist eine Genitivform aufweisen. Zwar kennt das Register der HRBS den FaN Bury, aber nur für einen aus Bern stammenden Krämer; als Kurzform zu Burkhart wird der PN nicht verwendet, soweit erkennbar. Büri (BENB 1, 4, 753) kommt wegen des langen Umlauts und seiner Deutung kaum in Frage. Es scheint, dass Purri sich zu Burri III ‘ Lauch ’ (I D . 4, 1530 mit Verweis auf Borr, sp. 1505, aber mit / u/ nur für Glarus belegt) stellen liesse (cf. HL L ÖÜCHA ); gemeint wäre dann eine Wiese mit Lauchgewächsen. Darauf würde auch der Beleg von 1795 zen Porrinen hinweisen. Hierzu ist A LLIUM PORRUM (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1284) oder ein anderes Lauchgewächs zu vergleichen. Purria Purria ist nur 1580 in Salgesch als ad aquam de la p ŭ rria belegt. Es handelt sich also wohl um einen Bach oder eine Wasserleitung. B OSSARD / C HAVAN (2006, 76) kennen Pourria und den Plural Pourriez für eine sumpfige Wiese, ein feuchtes Gebiet. Das passt zur Beschreibung im Dokument: das Wasser der Purria führt zu ‘ sumpfige Wiese, feuchtes Gebiet ’ . Purte Purte ist nur in Purtewägi ‘ der kleine Weg für die Heubürde ’ (Obergesteln; FLNK Burtewägi) belegt. Das HL ist wohl zu schwdt. Burdi ‘ Bürde, Traglast ’ und wdt. Burdi ‘ Heubürde, Last ’ (I D . 4, 1541, G RICHTING 1998, 45) zu stellen. Gemeint ist der kleine Weg, auf dem die Heubürde getragen wurde. Pussetta Pussetta, it. auch Possetta, ist der Name zweier Fluren in Zwischbergen. Weiter ist belegt Possetta (SK) und historisch 1764 Alpis Possetta, sowie Pussettugrabu ‘ Graben bei der Pussetta ’ (alle Zwischbergen; LT Pussetta und Pussettugrabe). J ORDAN (2006, 393 f.) kennt Pussétta, Pusséttugrabu, Pusséttuweng und Pusséttusiita und führt den Flurnamen vorsichtig auf passata ‘ Übergang, Durchgang ’ zurück (D EVOTO / O LI 2020 1544 s. v. passato, hier eher zutreffend). Das / a/ in der ersten Silbe passt aber nicht. Der Name scheint vielmehr ein Diminutiv des Namens la possa ‘ die Rottanne ’ zu sein (vgl. AIS 3, 569, Nr. 115 (Antronapiana) mit phonetischer Notation); als Nomen setzt P ETRINI (1993, 112) das Lexem pescia zu lat. PICEA ‘ Tanne ’ an. Pussetta wäre dann ‘ der kleine Tannenwald ’ . Putersch Putersch ist zunächst in dr Putersch und im úntern Pútersch (1789) in Steg belegt. Die historischen Belege zu Puttier (Niedergesteln) zeigen jedoch ab 1637 auch Putersch. Die Endung auf / -sch/ deutet auf einen romanischen Plural. Zur Deutung siehe das HL P UTTIER . Putti Putti ist nur belegt in bim Puttiböüm ‘ beim Baum mit einer Wucherung (die einer weiblichen Brust gleicht) ’ (Eyholz). Die Beschreibung sagt, dass hier früher ein Baum (Tanne) mit grossem <Gewächs> stand. Zu stellen ist es zu wdt. Putti n., Pl. Buttini ‘ weibliche Brust; ein hölzernes Gefäss, woran die Kinder saugen ’ (I D . 4, 1916; G RICHTING 1998, 156), hier in Übertragung auf Wucherung an einem Baum. Puttier Puttier erscheint lebend als ts Putjer (Turtmann) und ts Puttier (Baltschieder). Beide liegen in der Rottenebene wie auch das in Steg belegte der Putersch. Historisch ist der Name gut in Niedergesteln belegt. Die ältesten Belege sind 1301 apud Puttier, 1307 Buttiers, 1431 im Putyers, 1627 im Bu ᵕ thers, 1637 im Putersch. Später erscheinen nur unwesentlich veränderte Formen. In Steg ist 1773 jm Púttier belegt. Raron hat 1309 in Buty`eres. Komposita weisen 1301 Niedergesteln mit Puitier Gazza und - lebend - Turtmann mit der Putjergrabu auf, einen Entwässerungsgraben durch das Gebiet Putjer. B OSSARD / C HAVAN (2006, 181) kennen die Ortsnamen Poutier und Putier. Als Deutung geben sie die Traubenkirsche (P RUNUS PADUS ) oder die Felsenkirsche (P RUNUS MAHALEB ) an; beide Pflanzen sind auch bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 292) für das Wallis belegt. Der Name bezeichne einen Ort mit mehreren Trauben- oder Felsenkirschen. Als Herkunft verweisen sie auf lat. P Ū T Ĭ DUS ‘ schlecht riechend ’ (FEW 9, 632 ff., hier als ‘ stinkend; widerwärtig ’ übersetzt). 405 406 Puttier <?page no="757"?> Die Formen im Deutschen verweisen auf den Plural, wobei der Name nicht mehr verstanden und deswegen auch Putersch (cf. HL P UTERSCH ) benannt wurde. Puttu Puttu ist historisch 1667 in Leuk als der P ŭ tten ‘ die schlecht Riechende ’ (Genitiv) erwähnt, wobei von einem Allbergament die Rede ist, hier zu verstehen als ‘ Pacht ’ oder ‘ Nutzniessung ’ . Das es bei der Faulen im gleichen Dokument um einen flachen Bach geht, ist wohl auch der Putten ein Bach. Das wird unterstützt vom lebenden Beleg der Puttubach (Leuk), einem kleinen Bach, der vom Fischerseewji im unteren Pfinwald in den Rotten fliesst. Puttu ist zum Adjektiv p ū t ĭ dus stinkend (FEW 9, 632) in seiner femininen Form putte ‘ mauvaise, vilaine ’ (T AGMANN 1946, 64) zu stellen. Es handelt sich um einen sumpfigen Bach. Das von B OSSARD / C HAVAN (2006, 181) erwähnte Poutey oder Poutex als ‘ [e]ndroit où il y a plusieurs cerisiers à grappes ’ (Gebiet, in dem es mehrere Traubenkirschen hat), trifft kaum zu; es handelt sich einfach um ein schlecht riechendes Gewässer. Putz Putz m., Pl. Pitz ist zu schwdt. Butz, Pl. Bütz m. ‘ Ziehbrunnen; grössere oder kleinere Ansammlung von Wasser, Teich, Tümpel, Pfütze; Geschiebe führende Wassermasse in den Bergen (Syn. Rüfi) ’ , ahd. puz, puzzi m. ‘ Brunnen, Pfütze ’ , aus lat. PUTEUS (I D . 4, 2027 f.), schwdt. Butz, Bützi f. ‘ Tümpel, spez. Tränkstelle für das Weidevieh auf der Allmende ’ , wdt. Puzz ‘ Teich ’ (I D . 4, 2029; G RICHTING 1998, 157) zu stellen. Der Anlaut wechselt zwischen Fortis (/ p/ ) und Lenis (/ b/ ), was zu Überschneidungen des Plurals Pitz / Bitz mit den HL B IZ und B IZINA führen kann. Deswegen kann auch nicht sicher angegeben werden, wie häufig das HL vorkommt; mit dieser Einschränkung zählen wir rund 60 Belege. Das Simplex Putz kommt in Blitzingen, Ernen, Fieschertal, Oberwald und Ried-Mörel vor, in der Form bim Putz üff ‘ beim Tümpel oben ’ auch in Glis. Plurale ohne Umlaut sind als di Putze in Visperterminen, uf de Putze (Bellwald) und ze Putze (Grengiols) belegt. Plurale mit (entrundetem) Umlaut erscheinen in bi de Pitze ‘ bei den Tümpeln ’ (Betten), bine Pitze (Ritzingen), bi de Pitzu und binne Pitzu (beide Ried-Mörel); hieher gehört auch jn den Bützen (1676, Ried-Mörel). Der Beleg biner Bize (Martisberg, 1633 zu ᵕ r Bitzen, 1727 zu ᵕ r Bitschi) ist feminin und wäre wohl zu schwdt. Bitzi f. ‘ Einschlag im Brachfeld ’ (I D . 4, 1993) zu stellen, was aber aus inhaltlichen Gründen (es handelt sich um einen Graben, nicht um ein Brachfeld) nicht gut geht. Unsicher ist auch der Plural im Alpnamen ze Bitzu (Oberems), wozu am gleichen Ort Bitzu der Ober Stafil, Bitzuwald und Bitzuwang kommen. Der Name kann entweder als ‘ bei den Tümpeln ’ oder als ‘ beim Einschlag im Brachfeld ’ verstanden werden, was wiederum inhaltliche Probleme ergibt. Das Simplex im Diminutiv Plural ist belegt in di Putzjini ‘ die kleinen Tümpel ’ (Binn) und bine Putzjine ‘ bei den kleinen Tümpeln ’ (Fiesch). Mit attributiven Adjektiven ist das HL vertreten in der Blaw Putz ‘ der blaue Tümpel ’ (Zwischbergen), der Chaaltputz ‘ der kalte Tümpel ’ (Ried-Mörel) und der Gross Putz ‘ der grosse Tümpel ’ (Ried-Mörel). Das HL P UTZ ist als Grundwort in zweigliedrigen Komposita mehrfach vertreten; eine inhaltliche Gliederung ist dabei kaum möglich: bi de Chalberpitz ‘ bei den Tümpeln am Ort für die Kälber ’ (Goppisberg), Chalberputzi ‘ der kleine Tümpel für die Kälber ’ (Obergesteln), der Engiputz ‘ der Tümpel bei der engen Stelle ’ (Ernen), der Fleschputz ‘ der Tümpel im Flesch (Wasserstelle) ’ (Goppisberg), t Häärdpitz ‘ die Wassertümpel mit Erde ’ (Betten), Laggerputz ‘ der Tümpel auf der Laxeralp ’ (Lax), Meiuputzji ‘ der kleine Tümpel mit Blumen / der im Mai Wasser führt ’ (Greich), der Moliputz ‘ der Tümpel mit Kaulquappen ’ (Naters), Schrederputz ‘ der Tümpel der Familie Schröter ’ (Greich). Komplexer sind: der Chaslobputz ‘ der Tümpel mit trübem Wasser (Farbe des Käselabs) ’ (Ritzingen), der Rosmatteputz ‘ der Tümpel bei der Wiese mit den Roossen (Röstplatz für Hanf und Flachs) ’ (Grengiols) und ts Schwärischbodu der Putz ‘ der Tümpel des Bodens der Familie Schwery ’ (Ried-Mörel). Putz als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita kommt zusammen mit den Grundwörtern Fad, Gadu, Gassa, Grabu, Löuwina, Matta und Tola vor. Ein komplexerer Fall ist nur historisch belegt als in Puczwasserleýten ‘ (Teilhaber an der) Putzwasserleitung ’ (1537; Ernen). Eine Ableitung auf / - ERA / (< lat. / - ÂRIA / , S ONDEREGGER 1958, 471) als Stellenbezeichnung kommt als Butzera (Zeneggen; vgl. Z IMMERMANN 1968, 28) und jn den Buzeren (17. Jahrhundert und 1716, Visp) vor. Putzera (Ernen) ist dagegen der Name einer Wasserleitung, schon 1530 belegt. Nur einmal belegt ist der Butzer (Raron), das historisch als in Buty`eres (1309) belegt ist. Die lebende Form kann als Stellenbezeichnung auf / - ER / ‘ wo es Tümpel hat ’ (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) verstanden werden; die historische ist romanisch und wäre zum HL P UTTIER zu stellen. Ob Pu ᵕ tzer=Gasse (1827, Visp) hieher gehört oder zum FaN Buzer (cf. HL B UZER (F A N)) ist unklar. Schwierig zu deuten sind schliesslich die zusammen gehörenden Namen Hohbitzu, Hobitzukapälli und Hobitzuchessi (alle Baltschieder). Vermutlich handelt es sich um einen hochgelegenen (rund 2200 m) Tümpel, bei dem Puttu 407 408 <?page no="758"?> eine Kapelle steht und neben dem sich eine Felsmulde befindet, die einem Chessi ‘ (Käse-)Kessel ’ gleicht. Püügelu Püügelu ist nur als di Püügelu ‘ das Gebiet mit Löchern ’ (Ergisch) belegt. Es handelt sich um eine Ebene an der Turtmännu (Bach) unterhalb einer Felswand mit Löchern. Die Ebene ist heute bewaldet. Es scheint, dass es sich um eine Ableitung auf / - ALA / usw. handelt (S ON- DEREGGER 1958, 517 ff.), das in wdt. Ableitungen auf [-elu / -ela] belegt und hier zu einem rom. bougo ‘ creux, évidé ’ ( ‘ hohl, ausgehöhlt ’ ) zu stellen ist. Das würde auch die Erwähnung von Löchern erklären, die in der Beschreibung auftreten. Der Flurname dazu ist jedoch nicht belegt; ob es sich bei der Ableitung tatsächlich um eine dt. Form handelt, ist problematisch; sie wurde deswegen als romanisch angenommen. Püür Püür m. ‘ Alphütte, Zigerkeller ’ ist zu schwdt. B ū r, P ū r n. ‘ Haus, Hütte ’ , Dim. B ū rli ‘ Alphütte ’ (Brig, Naters), Syn. Stuben, ‘ Beinhaus ’ , ‘ Milchkammer, Käsespeicher in der Sennhütte ’ , ‘ Stall ’ , ahd. b ū r ‘ Haus, Kammer ’ (I D . 4, 1512) zu stellen. Das maskuline Genus von der Alt Püür ‘ die alte Alphütte ’ (Reckingen) erklärt sich vermutlich vom lautlich gleichen der Püür m. ‘ der Bauer ’ (G RICHTING 1998, 165). Weiter sind belegt bÿ dem Pur (16? ? (ca.), Reckingen), beÿ dem Púr (1765, Obergesteln) und ts Niw Püürli ‘ der neue kleine Zigerkeller ’ (Obergesteln, auch FLNK). Die Deutung ‘ Zigerkeller ’ stammt von der Gwp. Püüschu Püüschu (FLNK, Varen) ist nur einmal belegt. Es handelt sich um den Bachnamen La Pauja (LT), bei T AGMANN (1946, 3) als La Posa oder La Pogea. Der Bach soll den Namen von einem Ort erhalten haben, wo man sich ausruhte (frz. la pou ž a < pauser ‘ reposer ’ ). Zur älteren Form vgl. auch HL P OSA . Pyaz Pyaz ist nur 1544 in Leuk als eys littes en laz pyaz de laz barmaz ‘ in den Abhängen am Fuss des Felsunterstandes ’ belegt. Pyaz ist als geschriebener Plural zu FEW (8, 293 ff. s. v. p ē s fuss) und M EYER (1914, 168 zu p ĕ da) zu stellen und mit ‘ Fuss ’ zu übersetzen; gemeint ist der unterste Teil eines Felsens. 409 410 Pyaz <?page no="759"?> Q Quarternel Quarternel ist nur im 13. Jh. in Ergisch (genauer im heute Tuminu genannten Weiler) als Quarternel belegt: in summitate camporum de Thomagny in l. d. Quarternel ‘ zuoberst in den Feldern von Tuminu am Ort, der Quarternel genannt wird ’ . Es handelt sich um einen romanischen Flurnamen. FEW (2, 1437 s. v. quaterni je vier) erwähnt S. 1438 afrz. quaternel ‘ quarte (mesure pour grains) ’ . Der Flurname Quarternel wäre dann am ehesten als Ort für den vierten Teil des Getreides gemeint gewesen. Das eingefügte / r/ scheint von lat. QUART - ‘ vier ’ beeinflusst zu sein. Quell Quell f. ‘ die Quelle ’ ist zum schwdt. Gewässernamen Quelle, Quëll, Quell f. wie nhd. ‘ Quelle, bes. zu einem Brunnen ’ (I D . 5, 1299f) zu stellen. Das HL erscheint als nicht bodenständig (cf. HL B RUNNU ) und fehlt bei G RICH- TING (1998). Belegt ist es als Grundwort in zweigliedrigen Komposita: Bruquellu ‘ die Quelle des Brunnen (Uminterpretation von Bru? ) ’ (FLNK, Feschel), ob dem Heisen Brúnqúelle ‘ oberhalb der heissen Brunnenquelle ’ (1719), Larneze Quelle ‘ die Quelle der Larnessi ’ (1927, Salgesch), Milachruquellu ‘ die Quelle beim Gebiet Milachru (Mühläcker) ’ (FLNK, Turtmann), Mineralquella ‘ die Mineralquelle ’ (FLNK, Termen), Mineralquelle ‘ die Mineralquelle ’ (SK, Binn), Sanktjodernquell ‘ die Quelle des Hl. Joder (Theodul, Landespatron) ’ (FLNK, Unterbäch). Mit Ausnahme weniger älterer Belege handelt es sich um moderne Namen der Flurnamenkommission. Querrey (FaN) Querrey (FaN) ist nur 1527 in Unterems als (terram) Lenae Querreÿ ‘ (das Land) der Lena Querreÿ ’ belegt. Es handelt sich um einen FaN, der in dieser Form nicht erscheint. Zwar kennt NWWB 2 den FaN Querio, auch Queyrio (NWWB 2, 170 s. v. Patrici) für eine Familie Patrici, die aber vor allem im unteren Wallis begütert war und ursprünglich von Chieri aus dem Piemont stammte. Unterems wird nicht erwähnt und die genaue Form des FaN ist nicht klar; es handelt sich aber sicher um den Namen einer Frau im Genitiv. Quarternel 411 412 <?page no="760"?> R Raafa Raafa f. ‘ weisse Rübe ’ ist nur im Typ Raafgaarte ‘ der Garten mit weissen Rüben ’ vertreten. Das HL ist zu schwdt. R ā f ‘ weisse Rübe ’ und wdt. Raafa, Raafä (Goms), Raafu ‘ Kohlrübe ’ (I D . 2, 6, 634; G RICHTING 1998, 158) zu stellen. Raaf kann aber auch zum HL R ANFT ‘ Abhang ’ gestellt werden (cf. HL R ANFT ). Belegt sind mit / e/ -Vorschlag (e)Raafgartu ‘ der Garten am Abhang / mit Kohlrüben ’ (Embd; FLNK Rafgarto, LT Rafgarte, SK Rafgarten); es handelt sich um einen Weiler von Embd auf einem Felsrand (laut Beschreibung), ts (e) Raaftgaartu ‘ der Garten an einem Felsabhang / mit Kohlrüben ’ (Eisten; FLNK Rafgartu, LT Raaftgarte, SK Rafgarten) - auch hier handelt es sich um einen Weiler auf einem Felsrand. Am gleichen Ort ist 1661 u. später siluam Ranffgartero ‘ der Wald der Leute von Ranffgarten ’ belegt - gemeint sind wohl die Leute vom Weiler (e)Raaftgartu. Der gleiche Beleg findet sich auch in Stalden; das ist unklar, weil in Stalden sonst kein Ranfftgaartu belegt ist; es scheint, dass der Beleg tatsächlich nach Eisten gehört. Einfaches Raafgaarte findet sich in verschiedener Schreibweise in Ausserbinn, Baltschieder, Binn, Bürchen, Eischoll, Fieschertal, Obergesteln, Ried-Brig, Törbel und Ulrichen. Einige davon sind sicher Gärten mit Kohlrüben, andere sind auch am Abhang gelegen. Mit einem attributiven Adjektiv ist nur 1449 in Bürchen in dien Nydren Raffgarten ‘ in den niederen (unteren) Gärten mit Kohlrüben / am Abhang ’ belegt. Mit Wald ist auch der Rafgarterwald ‘ der Wald beim Gebiet Rafgarte (steiler Wald) ’ (Obergesteln) gebildet. Da ein Garten normalerweise ein umzäuntes Stück Land war, ist die Deutung ‘ Garten mit Kohlrüben ’ im Allgemeinen wohl sinnvoll, aber die Benennung befindet sich häufig an einem Ort, der kein Garten im erwähnten Sinn ist. Dann dürfte eher die Deutung ‘ Abhang ’ eine Rolle spielen. Räämi Räämi n. ‘ die dunkle, russige Stelle ’ ist zu schwdt. R ā m m., ‘ Russ, Schmutz ’ , mhd. râm, rân m. (I D . 6, 884 ff.; URNB 2, 1025) zu stellen, in FlN zur Bezeichnung von Geländestellen, die sich farblich abheben, auch für befleckte Felsen und Steine. Im westlichen Teil des Oberwallis wird / ä: / zu / e: / , also Reemi. Bei G RICHTING (1998, 159) ist zwar ein Rämi belegt, aber in einer anderen Bedeutung ( ‘ Gliedersteifheit (Schafe) ’ ). Das Simplex kommt im Singular als ts (e)Räämi (Mund, Naters), ts Räämi (Fieschertal), ts (e)Reemmi (Raron), ts Reem (Ferden), das Remy (1774, Eggerberg) vor; gemeint sind dunkle Stellen, auch Alpen. Als Plurale des Simplex sind belegt: t (e)Reemmini (Wiler) und t Räämini (Ulrichen). Attributive Adjektive finden sich in die Gletten Remy ‘ die glatte, dunkle Stelle ’ (1774, Eggerberg), (die) Kleinen Reminen (1653, Ulrichen), t Kurze Räämini (Ulrichen), ts Ober Rämi und ts Unner Rämi (beide Fieschertal). Einen vorangestellten Genitiv findet man in ts (e)Reemmisch Gassa ‘ die Gasse, die zum Reemi führt ’ (Wiler), dazu gehört wohl auch ob der Römisch=Gassen ‘ oberhalb der Gasse zum Reemi (dunkle Stelle) ’ (1754, Blatten). In den meisten weiteren Fällen ist Räämi Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita zu den Grundwörtern Flüö, Läger, Gassa, Stafel, Stei, Spitz, Ture und Wäg; die Form Reemer erscheint mit Schluocht. Eine adjektivische Form Reemmut ‘ dunkel, schwarz ’ ist belegt in dr Reemmut Stein ‘ der dunkle Stein ’ (Blatten), t Reemmutu Steina ‘ die dunklen Stein ’ (Blatten). Der historische Beleg Remenstein (1754, Blatten) gehört wohl eher zum HL als Bestimmungswort, meint aber wohl den gleichen Stein. Raat Raat m. ‘ Rat ’ ist zu schwdt. Raat m. ‘ Beratschlagung, Beratung ’ besonders ‘ Rat als verwaltende, gesetzgebende, teilweise auch richtende Behörde ’ und wdt. Raat ‘ Rat ’ (I D . 6, 1558 ff. bes. I D . 6, 1568; G RICHTING 1998, 158) zu stellen. Das HL ist belegt in der (e)Raathubil ‘ der Hügel des Rates (Teil des Burghügels in Raron) ’ (Raron), ts (e)Raathüs ‘ das Rathaus (von Leuk) ’ (Leuk) und der Raatsherrustutz ‘ der Anstieg der Ratsherren (hier wohl: Gemeinderat ’ (Leukerbad). Zu letzterem sagt die Gwp., die Ratsherren hätten den Weg zu steil bauen lassen. Râthûs ‘ Rathaus ’ (I D . 2, 1725) und Ratsherr ‘ Ratsherr ’ (I D . 2, 1541) sind im I D . aufgeführt. Räätrisch (PN) Räätrisch (PN) ist in der Räätrisch Bach ‘ der Bach des Räti / Räteri (unklar) ’ (Oberwald; FLNK u. LT Rätischbach, SK Rätteris Bach) und Räthischboden ‘ der Boden des Räthi (? ) ’ (1879, Ulrichen) belegt. Der Bach heisst auf der LT Rätischbach; er vereinigt mehrere Teilbäche auf der 413 414 Räätrisch (PN) <?page no="761"?> Oberwaldner Grimsel und fliesst oberhalb von Oberwald in den Rotten. Es scheint, als ob die Gwpp. den lebenden Namen zu einem Rätrich ‘ Rettich ’ stellen (vgl. schwdt. Räterich ‘ Rettich ’ (I D . 6, 1629)), was zum weiter entfernten, auf Berner Gebiet liegenden Räterichsbodensee passen würde. Nach L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 546) gehören R APHANUS SATIVUS und R APHANUS RAPHANISTRUM beide eher zu den subalpinen Pflanzen, kommen also auf der Höhe von über 2000 m kaum vor. Das Gleiche gilt für den Beleg aus Ulrichen, wo vermutlich ein Ort nahe beim Spittel auf der (alten) Grimselhöhe gemeint ist. So liegt eher ein PN nahe, auch wenn dieser so nicht belegt ist. Räbe Räbe kommt als FlN nur im Plural vor, der zu schwdt Rëb f., wie nhd. ‘ Weinrebe ’ , ahd. reba, raeba, mhd. rëbe und wdt. Räba, Räbä (Goms), Räbu ‘ Reben ’ (I D . 6, 37 ff.; G RICHTING 1998, 158; zum Thema generell E GLI 1982) zu stellen ist. Belegt sind rund 80 Flurnamen. Da der Rebbau generell in tieferen Lagen beheimatet ist, weisen nur die Bezirke Brig, Visp, Westlich-Raron und Leuk entsprechende Namen auf. Das Simplex ist im Plural als t (e)Räbe ‘ die Reben (unterhalb Embd) ’ (Embd), zen Rebenn ‘ bei den Reben ’ (1570, Baltschieder), in den Reben ‘ in den Reben ’ (1824, Steg) belegt. Der Diminutiv Plural erscheint als ze Räbjunu ‘ bei den kleinen Reben ’ (Visperterminen), den auch Z IMMERMANN (1968, 62) als Räbjini erwähnt. Das in Naters 1684 belegte in den Rëbinen gehört wohl zu einem Pflanzennamen, nicht hieher (cf. HL R EBINEN ). Der komplexe Flurname t Räbe unnerm Bord ‘ die Reben unter dem Bord (Abhang, Böschung) ’ (Staldenried) meint den Dorfteil Bord, unterhalb dessen sich Reben befinden, benennt die Reben also relativ zu ihrer Lage. Attributive Adjektive sind selten und unsicher: der Grossen-Reben ‘ die grossen Reben (Genitiv konstruktionsbedingt) ’ (1927, Salgesch), t Jungu Räbe ‘ die jungen (neu angepflanzten) Reben ’ (Zeneggen), ze Rotu Räbe ‘ bei den roten Reben / bei den Reben am Rotten ’ (Brigerbad; hist. Beleg von 1673 ‘ in den Rotten Reben ’ legt eher die zweite Deutung nahe; lebender Beleg hat langes / oo/ , was ein Farbadjektiv nahelegt), in die Rothen Reben (1712, Eggerberg) (mit gleicher Unsicherheit), t (e)Rotu Räbe (Lalden, FLNK Roti Räbe) mit relativer Sicherheit Farbadjektiv. Vorangestellte Genitive sind der Brunnerlinen Reben ‘ die Reben der Familie Brunner ’ (1732, Zeneggen), ts Heersch Räbe ‘ die Reben des (Pfarr-)Herrn ’ (Zeneggen), ts Seilersch Räbe ‘ die Reben der Familie Seiler ’ (Visperterminen), t Schtägerruräbe ‘ die Reben der Leute von Steg / der Familie Steger ’ (Hohtenn), Stu ᵕ pffs Reben ‘ die Reben der Familie Stupf ’ (1693, Eyholz), vineas de Sturlinguo ‘ der Weinberg der Familie Sturlin ’ (1275, Visp) (hier ist vinea ‘ Weinberg ’ vom Bearbeiter als ‘ Räbe ’ übersetzt worden), vinea Sweglers ‘ der Weinberg des Schweglers / der Familie Schwegler ’ (1437, Niedergesteln) (auch hier hat der Bearbeiter vinea ‘ Weinberg ’ als ‘ Räbe ’ übersetzt). Als Grundwort wird das HL zunächst mit Besitzern verbunden, wie etwa di Burgerräbe ‘ das Rebgebiet, das den Burgern gehört ’ (Brigerbad, Visp), in den Kaplaneÿ Reben ‘ in den Reben, die der Kaplanei gehörten ’ (1838, Visp), t Egger Pmeiräbe ‘ die Gemeindereben der Leute von Zeneggen ’ (Stalden), in den Kirchen Reben ‘ in den Reben der Kirche ’ (1757, Gampel), di Pfariiräbe ‘ die Reben der Pfarrei ’ (Visp, FLNK Pfariiräbe), Pfarriiräbe (FLNK, Salgesch; auch bei M ATHIER 2015, 61), di Pmeind(e) räbe ‘ die Reben, die der Gemeinde gehören ’ (Brigerbad), di Pmeiräbe ‘ die Reben, die der Gemeinde gehören ’ (Stalden), t Schitzuräbe ‘ die Reben der Schützenzunft ’ (Gampel, Salgesch (FLNK), Visperterminen) und Spittilräbe ‘ die Reben, die dem Spital gehören ’ (FLNK, Leuk). Häufig sind nahegelegene Flurnamen, bei denen sich Rebberge befinden: di Blattu(e)räbe ‘ die Reben im Gebiet der Felsplatte ’ (Hohtenn), t Cheer(e)räbe ‘ die Reben im Cheer (Wegkehre) ’ (Varen), t Eich(e)räbe ‘ die Reben beim Eich ’ (Raron), t Eschräbe ‘ die Reben beim Esch (Saatfeld, Weiler von Zeneggen) ’ (Zeneggen) und viele andere mehr. Komplexer sind etwa t Fuggshüüs(e)räbe ‘ die Reben beim Fuchshaus (Haus der Familie Fux / wo man Füchse anlockte) ’ (Hohtenn), di Grossusteinaräbe ‘ die Reben im Gebiet bei den grossen Steinen ’ (Varen), t Milachruräbe ‘ die Reben beim Gebiet Milachru (Mühlacker) ’ und weitere. Ein unklares Beispiel ist t Acher(e)räbe ‘ die Reben beim Acker / des Tachers (Dachdecker nach Gwp.) ’ (Niedergesteln). Das Rätsel löst sich auch nicht beim Blick in die Karte: am betreffenden Ort können Äcker gestanden haben. Gwp. meint aber, die Reben hätten dem Tacher ‘ Dachdecker ’ Seiler gehört. Ein Sonderfall sind Setzräben ‘ der Ort mit (Reben-) Setzlingen ’ (1629, Zeneggen; Übersetzung von Nouae vineae ‘ die neuen Weinberge ’ ), die Setzreben ‘ die Setzreben (Setzlinge zur Verjüngung der Reben ’ ) (1845, Salgesch), die Setzreben ‘ die Setzreben (Setzlinge zur Verjüngung der Reben) ’ (1708, Leuk). E GLI (1982, 178 u. 200) gibt Sache und Wort hierzu: es handelt sich um neuangelegte Gräben mit Rebensetzlingen, die z. B. in Zeneggen auch Nouae vineae ‘ neue Weinberge ’ heissen. Als Bestimmungswort erscheint das HL nur mit den Grundwörtern Wier und Wild (als Abstraktum Wildi). Komplexer ist ts (e)Räbstäckuschleifji ‘ der kleine Schleif für die Räbstäcke (Rebstickel) ’ (Gampel). Zu Rebstickel und Rebstecken vgl. E GLI (1982, 164), wo Räbstäcke nur in Räbe 415 416 <?page no="762"?> Gampel und Steg vorkommt. Ein lateinischer Beleg aquaeductum vinearum ‘ die Wasserleitung von / zu den Weinbergen ’ (1685, Salgesch) ist unsicher, da nicht klar ist, ob es sich um einen Flurnamen oder ein Appellativ handelt. Rachart Rachart ‘ Stadel, Speicher ’ ist die deutsche Form für das mlat. RASCARDUS , RACARDUS ‘ Stadel, Speicher ’ , das frpr. raccard m. ‘ Stadel, Speicher ’ (FEW 22/ 1, 221 ff. s. v. grange; M EYER 1914, 170 mit Verweisen; B OSSARD / C HAVAN 2006, 222) zu Grunde liegt. In den Namen sind die ursprünglich frpr. Belege aus Albinen, Leuk und Salgesch zu unterscheiden von ‘ deutschen ’ Belegen in Staldenried und im Lötschental. Die Etymologie ist unklar. Bei den historischen Belegen ist es nicht immer klar, ob es sich um das Appellativ mlat. RASCARDUS , RACARDUS handelt oder um einen tatsächlichen Orts- oder Flurnamen. Sicher frpr. Belege sind Rachar in Albinen, das historisch als ÿ Rachar (1602 und später) belegt ist, und Pra dy Rachar ‘ Wiese beim Stadel ’ (1693 u. ö., Albinen). Eine Pluralform findet sich in Leuk planchan deys rascardous (1407) ‘ die ebenen Wiesen mit Stadeln ’ . Der Beleg sub rascardo Plaschi (1733) ist unsicher; wahrscheinlich ist sub rascardo ‘ unter dem Stadel ’ als Appellativ zu verstehen; der FaN Plaschi bezeichnet wohl die Besitzerfamilie (cf. HL P LASCHY (F A N)). Als ‘ deutsch ’ ist zu bezeichnen Rakartzeccun (1306, Staldenried), auch Rakart Eccun (1335) ‘ die Ecke beim Rakart (Stadel) ’ . Hingegen ist im Beleg sub rachardo Werron (1277) vermutlich das Appellativ gemeint; Werron ist wohl ein Genitiv zum PN oder FaN Werro oder Werra. Wohl aus dem frpr. Patois entlehnt und verdeutscht ist vor allem ts (e)Racharten ‘ bei den Stadeln ’ (Wiler), ein Dorfteil von Wiler (J. S IEGEN 1947, 16; M EYER 1914, 151 kennt es als Recharte, nimmt aber fälschlicherweise eine germanische Besiedlung im Lötschental ab dem 6. Jahrhundert an). Das Lexem erscheint auch als Bestimmungswort zusammen mit Chummu und Grabem. Geografisch davon entfernt findet sich t Rachartfluä ‘ die Fluh beim Stadel ’ (Blatten). Die Form Rachart geht auf die bekannte Entwicklung von / s+k/ in den Patois des Mittelwallis zurück (M URET 1912, 30 [74], wo eine Reihe von Belegen mit inlautendem / h/ angegeben sind, was auf die Grundform RASCARDUS schliessen lässt). Das auslautende / t/ entstand dabei aus / d/ und dürfte vor dem Schwund des auslautenden Konsonanten oder dann aus dem Plural übernommen worden sein. Rachol (PN) Rachol (PN) ist 1680 in Unterems als in Racholsmatten ‘ bei der Wiese des Rachold (? ) ’ belegt. In Oberems erscheint 1721 Rechtost Matten, 1731 jn Rechoss Matten, 1738 Rechols Matten, 1752 in Rechilss Matten und im gleichen Jahr in Rechissmatten. Da der Beleg in Unterems der älteste ist, wird ein PN Rachold angenommen, der bei F ÖRSTEMANN (1, 1203) belegt ist. Die Formen in Oberems sind nicht konsistent; die Schreiber haben den Namen offenbar nicht mehr verstanden. Zwar wird die Deutung ‘ die Wiese des / der Rechilt ’ auf einen PN Rechilt verwiesen, die ebenfalls bei F ÖRSTEMANN (1, 1202) belegt ist, doch nehmen wir an, dass Rachold die erste belegte Form ist. Rächu Rächu m. ist zu schwdt. Räche m. wie nhd. ‘ Rechen, Harke ’ , mhd. reche, ahd. rehho, rech; Verb nhd. rechen und wdt. Räche, Rächä (Goms), Rächa (Mattertal), Rächn (Lötschtal), Rächu ‘ Heurechen, Gartenrechen ’ (I D . 6, 109; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 750; G RICHTING 1998, 159) zu stellen. Belegt ist das HL nur in Zum Rächu (FLNK, Staldenried). Der Ort befindet sich bei der Wasserleitung Oberriederi und scheint dort einen Rechen zu bilden. Sonst ist belegt t Rächete (Zermatt, LT und SK Recheten) auf ca. 2460 m. Gwp. sagt, es handle sich um “ Allmein, früher Viehalpe, alte Hofstätten, leicht ansteigend ” . Das Wort ist zu schwdt. Rëchete n f., / - ETA / - Ableitung zum Verb rëche n zu stellen; bezeichnet das ‘ auf Wiesen oder Äcker mit dem Rechen an Heu, Emd, Getreide Zusammengeraffte; Nachlese von Heu, Emd auf der Wiese ’ . Belegt ist weiter wdt. Rächeta, Rächneta, Rächätä (Goms), Rächuta (Mattertal), Rächäta (Lötschtal), Rächätu ‘ Zusammengeharktes ’ (I D . 6, 113, SDS 2, 181; G RICHTING 1998, 159)). G. J ULEN (1985, 217) kennt Rächchate Pl. ‘ getrockneter, auf den Wiesen zusammengeharkter Mist, den man zum Düngen von Gärten braucht ’ , aber K. J ULEN ET AL . (1995, 236) geben unter t Rächchete ‘ wo das gemähte Wildheu eingesammelt wurde ’ . Letzterer Beleg scheint am sinnvollsten. Racken Racken ist nur belegt in an dem Racken Steg (1822, Saas- Fee). Im Text ist von der Arbeit am Steg die Rede; die Form Racken kann deswegen zum Verb ragge n ‘ schwere, undankbare Arbeit verrichten ’ (I D . 6, 766) gestellt werden und meint dann die Brücke, die mit schwerer Arbeit instand gesetzt wurde. Die Konstruktion an dem Racken Steg legt eher ein Adjektiv nahe, das so nicht belegt ist. Cf. HL R AKPUN . 417 418 Racken <?page no="763"?> Räckholter Räckholter, auch Räckholder ‘ gem. Wachholder ’ (J UNIPERUS COMMUNIS , J UNIPERUS SABINA ), mhd. reckolter, reckholter (I D . 2, 1188f); G RICHTING kennt nur Räkkolder, Räkkholder (Zermatt), Räkkoldär ‘ Wacholderbeere ’ (Grichting 1998, 159). Räckholter ‘ Wacholder ’ ist in verschiedenen Formen belegt. Historisch sind das Reckholter (1713, Bister), im Reckholter (1733 u. später, Biel), jm Rekoltar (1527, Naters; 1666 im Reckholter), jn die Reckolteren (1540, Embd), Hreckholtren (1660, Betten), jm Reckolter (1579, Brig) belegt. Lebend sind Formen mit / e/ -Vorschlag zum / p/ im (e)Räckholter (Bürchen), ts (e)Räckholter (Eggerberg, Saas-Balen), ts (e)Räggholdru (Wiler), ts (e)Rägghulter (Mund), weiter ts Räckholter (Binn, Bürchen, Saas- Balen, St. Niklaus), ts Räckhollder (Saas-Fee), t Räckholtra (Fieschertal; FLNK Räckoltre), ts Räckholtre ‘ bei den Wacholderstauden ’ (Fieschertal) belegt. Mit attributiven Adjektiven ist Räckholter selten vertreten: ts Hinner und ts Voder Räckholter ‘ der hintere und der vordere Teil des Gebietes mit Wacholderstauden ’ (Binn), ts Unner (e)Räckholter ‘ der untere Teil des Gebietes mit Wacholderstauden ’ (Eggerberg). In den übrigen Fällen tritt Räckholter mit folgenden Grundwörtern in mehrgliedrigen Komposita auf: Bodu, Bord, Egg(a), Matta, Rigg, Stafel, Wald und Wang. Die Pflanze wird manchmal auch Palma oder Balma ‘ Palme ’ genannt; der Name lässt sich nicht immer von Balma ‘ überhängender Fels ’ (cf. HL B ALMA ) trennen. Räckter Räckter m. ist zu schwdt. Rektor, Räkter m. ‘ Rektor einer höheren Schule; Rector ecclesiae ’ (I D . 6, 863) zu stellen. ts Räcktersch Hüs ‘ des Rektors Haus ’ (Saas-Almagell) wird von der Gwp. jedoch als das Haus eines Langsamen bezeichnet; Räckter sei der Übername einer langsamen Person. Dafür gibt es keinen Beleg in den Wörterbüchern. Die Ableitung Rektorat liegt vor in Rektoratgarten ‘ der Garten, der zum Rektorat gehört ’ (Gluringen) und Rektoratsmatte ‘ die Wiese, die zum Rektorat gehört ’ (FLNK, Leuk). Ein (Pfarr-)Rektor hat eine Stelle inne, die keine eigentliche Pfarreistelle ist. Rad (m.) Rad (m.) ist nur im Kompositum Unnerraad (Bürchen; FLNK u. LT Unnerrat; SK Unnerrath) mit dem dazu gehörenden Unnerratlift ‘ Skilift im Gebiet Unnerrat ’ (FLNK, Bürchen) und der Unnerraad ‘ der Unterrad ’ (Ritzingen) belegt. In beiden Fällen handelt es sich um Alpgebiete über 2000 m. R ā t (I D . 6, 1558 ff.) weist mehrere Bedeutungen auf, von denen hier wohl Bed. 1 c) α ‘ Futter fürs Vieh ’ (I D . 6, 1560) oder eine davon abgeleitete Bedeutung zutrifft. Unner bezieht sich hier entweder auf den unteren Teil des Rat als ‘ Gebiet mit Futter fürs Vieh ’ oder auf die Bedeutung ‘ zwischen ’ , die allerdings einen Plural des Grundwortes voraussetzt. Nicht auszuschliessen ist eine verdeckte Form für Urat ‘ Ungeziefer ’ (R ÜBEL 1950, 85), das dem Vieh im Sommer das Leben schwer macht (so in I D . 6, 1577 ff. s. v. U(n)r ā t nicht direkt erwähnt, vgl. aber bes. 1579 Bed. 2 b)). Rad Rad n. ‘ das Rad ’ ist zu schwdt. Ra(a)d n., Pl. unver., Re(e)der, Rä(ä)der, Dim. Rädli, Re(e)dli, Ratji, Redji, Rederli, im Allgemeinen wie nhd., im eigentlichen Sinne ‘ Rad, Rad an einem Fuhrwerk ’ mhd. rat, rades, Pl. rat und reder, wdt. Rad ‘ Rad ’ (I D . 6, 479 ff.; G RICHTING 1998, 159) zu stellen. Als Benennungsmotiv in FlN im übertragenen Sinne auf radähnliche Form verweisend ‘ etwas Rundes, Kreis-, Ringförmiges ’ (I D . 6, 485 f.; S ONDEREGGER 1958, 5). In den Walliser Rat-Namen liegt ein älteres Rod-, zu mhd. roden, roten ‘ reuten, ausreuten, urbar machen ’ , schwdt. roden, kaum vor (S ONDEREGGER 1958, 5 f.). Das Simplex Rad oder - mit Vokalvorschlag vor / r/ - (e)Rad ist in Brigerbad, Glis (1652) und Lalden (1682) für ein radförmiges Gelände auf der rechten Talseite belegt. Dazu gibt es Namennester (e)Radfääsch ‘ das Felsenband beim Rad ’ (Brigerbad) und Radgraben ‘ der Graben beim Rad ’ (1856, Brigerbad), t (e)Radeia ‘ die Aue beim Rad ’ und der (e)Radgrund ‘ der (Tal-)Grund beim Rad ’ (beide Lalden). Simplex und Namennester gehören zum gleichen radförmigen Gebiet. Das Simplex im Plural ist als t Reder ‘ die Räder ’ (nach Gwp. die Form der Alp in Niederwald; heute bewaldet) nur einmal belegt. Unklar ist auf dem Rad (Törbel, nur SK). Der Ort ist sonst heute als di Bad (Törbel, LT Bad) belegt; es handelt sich wohl um eine Fehlform. Rade Rade ist nur 1683 in Turtmann als in den Raden Matten und 1704 am gleichen Ort als in der Raden Matten belegt. Vermutlich ist mit Rade ‘ ein Unkraut der Getreidefelder ’ gemeint (G R W B 14, 43). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 650) kennen es als A GROSTEMMA GITHAGO ‘ Kornrade ’ . Die Lautung ist eigentlich mitteldeutsch; oberdeutsch wäre Ratte n II ‘ Unkraut im Getreide ’ (I D . 6. 1628 f.). In der Anmerkung hierzu wird gesagt, dass auch Raden verwendet werde; das wird auf schriftsprachlichen Einfluss zurückgeführt. Radet Radet ist als Radett (Leuk, auch LT und FLNK) belegt. Historisch erscheint es auch 1741 u. später als im Radet (Bratsch). Da es sich um ein Gut der Geteilen von Räckholter 419 420 <?page no="764"?> Getwing handelt (einem Weiler von Bratsch östlich von Leuk), dürfte der Name die gleiche Flur bezeichnen. In Leuk zeigen die ältesten Belege von 1591 Redett (auch: das Feld), 1611 jm Redent, 1697 im Redudt, 1723 Radent, wo beigefügt ist, dass hier früher das Werch geretzt wurde (also: ‘ Flachs etc. roossen ’ ). Das HL wurde von der Bearbeiterin als frpr. eingestuft. Ein Hinweis von G. P ANNATIER (p. c.) auf rad ĕ re rasen, schaben (FEW 10, 14 f.) führt nicht weiter, da das inlautende / d/ schon früh geschwunden war (R HEINFELDER 1968, 259). Eine deutschsprachige Deutung würde sich zum Verb rëde n ‘ säubern ’ stellen, wenn dieses der Beschreibung von 1723 entspricht. Dann wäre Radet oder Redet als ‘ der Ort, wo etwas gesäubert wurde ’ zu verstehen. Die Endung / - ET / ist laut S ONDEREGGER (1958, 524 ff.) zu ntr. ahd. / - ÔDI / - ÔTI / zu stellen. Radio Radio ‘ Radio ’ kommt nur einmal vor im Namen Radio Rottu Hüsi ‘ das kleine Haus von Radio Rottu ’ (Visperterminen). Es handelt sich um die Sendestation des Oberwalliser Regionalsenders Radio Rottu, dessen Redaktion sich in Visp befindet. Zu Radio Rottu siehe www.rro. ch [besucht am 10. August 2015; heute [22.03.2021] nicht mehr aktiv]. Raffilji Raffilji n. Der Grenzbach zwischen dem heutigen rom. und dt. Sprachgebiet, frz. Raspille f. wird in der deutschen Mundart Raffilji n. genannt. Der Name Raspille ist durch eine deverbale Ableitung von germ. *raspon ‘ kratzen, scharren, raffen ’ entstanden. Die Entwicklung von / sp/ zu / f/ (M URET 1912, 15) ist in den Patois des Wallis üblich. In den FlN der französischsprachigen Schweiz bezeichnet das verbreitete Appellativ dial. r ā fa u. ä. ‘ unfruchtbares, wertloses, steiniges Land; Steilhang ’ (J AC- CARD 1906, 377; T AGMANN 1946, 1 f.; M ATHIER 2015, 95; B OSSARD / C HAVAN 2006, 161). Der Flussname ist möglicherweise durch / - ICULA / -Ableitung entstanden (M EYER 1914, 68; T AGMANN 1946, 1 f.). Die FlN bezeichnen nicht nur den Bach selbst, sondern auch Wasserleitungen, Fluren am Bach und andere Fluren (Leuk). Das Simplex erscheint als im Raffili (1756, Leuk), Raffilji (FLNK, Varen), ts (e)Raffilji (Salgesch, FLNK Raffilji), Raffilji (FLNK, Salgesch; hier ist sicher der Bach gemeint), ts (e)Rappilji (Leuk, bezeichnet eine Wiese im Leukergrund), La Raspille (Salgesch, LT; SK Raspille), Raspilly ‘ die Wasserleitung au der Raspille ’ (1473 u. später, Varen; die Belege schwanken zwischen Rapilly (1473), Raspilia (1490), Raspilly (1503) und Respillÿ (1664)). Mit attributiven Adjektiven erscheinen Ober und Unner Raffilji ‘ das obere und das untere Gebiet an der Raspille ’ (FLNK, Salgesch; auch bei M ATHIER 2015, 100). Das HL tritt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Bodu, Brigga, Hee (hoo, heej), Loch, Schluocht und Treije. Komplexer ist t Raffiljiwasserleitu ‘ die Wasserleitung vom Raffilji her ’ (Varen; historische Belege oben). Frz. und lat. Konstruktionen sind in Mully de Rappilly ‘ (der Weg zur) Raffilji-Mühle ’ (1346, Salgesch) (cf. B OS- SARD / C HAVAN 2006, 225), viam de Raspilly ‘ der Weg zum Raffilji ’ (1353, Salgesch) und a saxo de la Ravij ‘ vom Felsen / von der Fluh der Ravji (unklar, ob Raspille oder Rawiri gemeint ist) ’ (1490, Varen); da es sich um einen Vergleich zwischen Salgesch und Varen handelt, dürfte wohl eher Rawiiri gegeben sein. Die unterschiedlichen Namen zeigen, dass das HL R AFFILJI ausser als Bachname auch sonst im westlichen Teil des Bezirkes Leuk gebräuchlich war. Raffor Raffor ‘ Kalkofen ’ ist in FEW (3, 908) und T AGMANN (1946, 68) aufgeführt; es wird zu kelt. ratis ‘ Kalch ’ und lat. FURNUS ‘ Ofen ’ gestellt (B OSSARD & C HAVAN 2006, 226). Als Simplex ist es in Agarn (1346 u. später, ol raffor), Leuk (1590, usque ad fornum calcis siue Le Raffor) und Salgesch (1664 u. 1927 Rafour) belegt. In Salgesch findet sich 1479 dov Raffor, was als crista ‘ Grat ’ bezeichnet wird. Varen hat 1644 u. 1664 plan du rafour ‘ die ebene Fläche beim Kalkofen ’ . Rafi (PN) Rafi (PN) ist die Kurzform des männlichen Taufnamens Raphaël (I D . 6, 637), wo allerdings nur die Form Raffel erwähnt ist. Belegt ist es in ts Poschtrafisch Weidu ‘ die Weiden des Postrafi (Raphael von der Post) ’ (Gampel) (cf. auch HL P OST ). Räggi Räggi n. ist nur in ts (e)Räggisch Grabu, resp. ts (e)Räggu Gräbji (beide Eisten) belegt. Die Gwp. führt den Namen auf <äs zäpfuräägi> ‘ ein grauer Vogel, der immer schreit ’ wohl zu ‘ Tannenspecht, Arvenhäher ’ zurück (I D . 6, 770). Der Genitiv im ersten Beleg bezieht sich auf den Vogel; die schwache Genitiv-Form bildet ein Kompositum. Ragoza Ragoza ist nur in der Ragozapass (Zwischbergen; 1: 10000 Raggozzapass) benannt. J ORDAN (2006, 396) kennt ihn als Ragozapass. Lokale Gewährsleute kennen den Namen kaum. Er ist nach dem it. Lago Ragozza benannt. O LIVIERI ( 2 1961; 1965) kennt den Passnamen nicht. LSI (4, 236) 421 422 Ragoza <?page no="765"?> nennt ragòzz und ragòzza (beide ‘ Wurzel, Stamm ’ ) (vgl. auch AIS Karte 548, Premia 109), die hier einschlägig sein könnten. Ragozza kann auch ein FaN sein, der Bezug darauf kann deswegen nicht ausgeschlossen werden. Eine Deutung ist aber nicht möglich. Ragulitz Ragulitz ist nur belegt in die Etzweidt genant Ragulitz (1752, Simplon). Eine Trennung in Ragu und Litzi macht angesichts dieser Situation keinen Sinn. Das HL bleibt deswegen ungedeutet. Räie Rä(ä)ja f., Pl. Räje, bezeichnet im Oberwallis, auch in Münster, einen ‘ (Fels)Grat ’ . Belegt ist er nur in au ᵕ ff der Räie ‘ auf dem Felsgrat ’ (1668, Münster). Der im frpr. Sprachraum häufig vorkommende Name wurde wohl ins Walliserdeutsche entlehnt. Z INSLI führt ihn auf kelt. *rica > afrz. roie, nfrz. raie f. ‘ Furche ’ zurück (Z INSLI 1946, 332; FEW 10, 386 ss. s. v. *rica furche); die Bedeutungsentwicklung ist nicht ganz klar. Rakpun Rakpun ist erstmals als Rakpun Aker (1309, Visperterminen) belegt. Gesagt ist weiter, dass er sich oberhalb Oberhv ᵢ sern ‘ Oberhäusern ’ befindet, welches Z IMMERMANN (1968, 131) als Weiler notiert, das in der Datenbank aber nur historisch erscheint. 1584 wird jn d ŭ n Rack ŭ n erwähnt, auch hier ein Stück Acker. Z IMMERMANN (1968) kennt die beiden Belege nicht. Es scheint, dass das HL ein Feminin zu einem urspr. schlecht belegten Verb ragge n ‘ rackern ’ (I D . 6, 766 und die Bedeutungsangabe S TALDERS : ‘ schwere, undankbare Arbeiten verrichten ’ ) zu deuten ist. Das würde zu einem schwer zu bearbeitenden Acker passen. Der erste Beleg Rakpun (ein feminines Nomen im Dativ) kann damit nur ansatzweise gedeutet werden, könnte aber aus ragg-bar ‘ schwer zu bearbeiten ’ als Rückbildung erklärt werden. Cf. HL R ACKEN . Ralvery Ralvery ist nur 1437 in Varen belegt als en Ralvery. Laut Dokument handelt es sich um ein Stück Acker zusammen mit einem Weinberg. Eine Form ralv mit / l/ ist nicht bekannt. Vermutlich handelt es sich um das bei M EYER (1914, 170) belegte ravery zu lat. RAPARIA ‘ der Acker mit Randen ’ , vgl. FEW (10, 69 s. v. rapum rübe, besonders S. 70 unter ravière ‘ champ de raves ’ ). / l/ müsste als hyperkorrekte Lautung auf Grund der / l/ -Vokalisierung des Altfranzösischen (R HEINFELDER 1968, 228) betrachtet werden. Ramen Ramen ist nur in im Ramenmatt (1759, Naters) belegt. Das Grundwort ist Mad ‘ Mähwiese ’ . Ob es zum HL R AMME gehört, ist unklar. Die Flur wird ‘ in der Muoleren ’ lokalisiert (heute: Müolerra), wo sich kein möglicher Flurname mehr befindet. Am nächstliegenden ist wohl Ram ‘ Rahmen, Einfassung ’ (I D . 4, 889 f.), das im Wallis als feminin belegt ist; hierzu würde auch G RICHTING (1998, 159 s. v. Ramma) mit der Bedeutung ‘ Rahmen ’ passen. Gemeint wäre dann eine Mähwiese, die so schmal wie ein Rahmen ist. Ramen kann aber auch ein sonst nicht belegter PN im Genitiv sei, also ‘ die Mähwiese des Ram(en) ’ . Cf. HL R AMME . Ramme Ramme f. ist in Obergesteln als t Ramme (Plural) belegt, eine Abendweide im Chietal. Ein Diminutiv weist ts (e)Rammli (Leuk) auf, ein “ Wegstück und Böschung am Rottendamm ” ; die Koordinaten fehlen. Beide Belege lassen sich wohl zu Ramme f. und wdt. Ramma, Rammä (Goms), Ramu (Saastal), Rammu ‘ Rahmen, Fallklotz, Zuglast (Ästestapel auf grüne Äste gebunden) ’ (I D . 6, 889 f. s. v. R ă m; G RICHTING 1998, 159) stellen. Das feminine Genus ist für die ältere Form Ramme gut belegt. Die Wörterbücher geben beide sehr unterschiedliche Deutungen an. Für Obergesteln nennt Gwp. eine <rammete> eine <Fuhr> beim Wildheuziehen. Das ist aber keine Deutung von Ramme, sondern die Angabe einer Bedeutung von Rammete ‘ mittels Stricken, auch Holzschienen fest zsgepresstens längliches Heubündel, das im Winter auf den Horenschlitten (WUlr[ichen].) … zu Tal befördert wird ’ (I D . 6, 893). Man könnte den Flurnamen also auf das Wildheu beziehen, das man dort gewinnen konnte, was sich aber mit der Sachangabe Abendweid kaum deckt. Im Fall des Diminutivs von Leuk kann einfach ein kleiner Rahmen des Rottendamms gemeint sein. In beiden Fällen ist zwar die Zuweisung zum Typ Ramme gegeben, die genaue Deutung steht aber aus. Cf. HL R AMEN . Ramsch Ramsch ist als Bestimmungswort in schwdt. Ramschfëdere n (I D . 1, 678) und wdt. Rämschfädra, Raamschfära, Rämschfädru (G RICHTING 1998, 159) mit den Deutungen ‘ Kerbel ’ und ‘ Blätter des Löwenzahns ’ versehen. I D . kennt weiter schwdt. Ramse n , Räme n f. ‘ Bärlauch ’ , ALLIUM URSINUM (I D . 6, 955). M ARZELL (1, 331) nennt unter ANTHRIS- CUS SILVESTRIS ‘ Wiesenkerbel ’ als Alternative auch CHAE- ROPHYLLUM SILVESTRE , die beide auch a. a. O. im I D . erscheinen; unter TARAXUM OFFICINALE ‘ Löwenzahn ’ sind auch die Ramschfedere verzeichnet (M ARZELL 3, 603). Die genaue Deutung von Ramsch in den ONN bleibt deswegen unsicher; wir setzen ‘ Löwenzahn ’ als gebräuchlichsten Ragulitz 423 424 <?page no="766"?> Pflanzennamen (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014 ff. s. v. T ARAXUM erwähnt mehrere Unterarten, die hier in Frage kommen). Das Lemma kommt in der Ableitung Rammserna ‘ der Ort, wo es viel Löwenzahn hat ’ (Zwischbergen) vor; das Suffix / - ERNA / ist eine Stellenbezeichnung für die Pflanze. Sonst ist das Lemma Bestimmungswort und zwar zu Graben, Flüö und Fad. Bei Ramschflüo (Eisten, historisch auch Embd und Törbel) handelt es sich wohl immer um den gleichen Weiler von Eisten (SK hat ein schlecht lesbares Ranitfluh, wohl verschrieben, da der Name schon 1305 als Ramsflue belegt ist). Rand Rand ‘ Felsrand, Abhang ’ ist zu schwdt. Rand m./ n., Pl. Ränd, Ränder zu stellen, allgemein wie nhd., in FlN ‘ Felsrand, Abhang, Kante ’ , in der älteren Sprache Ranft und Bort genannt (I D . 6, 1022; Z INSLI 1984, 578; URNB 2, 1028). Die Belege im Oberwallis sind, soweit erkennbar, alle vom Genus Neutrum. G RICHTING (1998) enthält das Stichwort nicht. Das Simplex ist als ts (e)Raand ‘ der Rand (Felsrand, Abhang) ’ (Mund) und ts (e)Rand ‘ der Rand (Felsrand, Abhang) ’ (Visperterminen, auch FLNK) belegt. Eine Alpe hat Rand ‘ die Alpe Rand ’ (Münster, LT und FLNK; Ulrichen, LT und FLNK). Die übrigen Belege sind historisch und betreffen Biel, Eggerberg, Ergisch, St. Niklaus, Visp und Zwischbergen. Plurale sind selten: t (e)Ränder ‘ die Ränder (Felsrand, Abhang) ’ (Hohtenn), t (e)Ränner ‘ die Ränder (Felsrand, Abhang) ’ (Gampel, auch FLNK Rännär) (mit intervokalischem nd > nn). Mit attributivem Adjektiv ist ts Schwarz Rand ‘ der schwarze Rand (Felsrand, Abhang) ’ (Blatten, FLNK Schwarz Rand) bezeugt. Dazu kommen ts Oberscht und ts Mittlescht Rand ‘ der oberste und der mittlere Teil der Alpe Rand (Felsrand, Abhang) ’ (Ulrichen). Als Grundwort erscheint das HL als ts Aarnescherand ‘ der Felsrand beim Aarnesch (Adlernest) ’ (Hohtenn), Bietschirand ‘ der Rand (Felsrand, Abhang) beim Bietschi (Bietschtal) ’ (FLNK, Raron), ts Burgerrand ‘ der Abhang bei der Burg (Burgkirche) ’ (Raron), Haslirand ‘ der Rand (Felsrand, Abhang) beim Hasel (Gebiet, wo es Haselstauden hat) ’ (FLNK, Raron), ts Jegirand ‘ der Rand (Felsrand, Abhang) bei der Jegi (Jagdgebiet, Felsbänder) ’ (Raron, auch FLNK) und ts Prag(e)rand ‘ der Rand (Felsrand, Abhang) im Gebiet Prag ’ (Raron; FLNK Pragerrand; Niedergesteln). Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Bletz, Bord, Egg(a), Schluocht, See und Stafel. Die Form Render ist mit Grabu belegt. Mehrgliedrige Formen sind selten: Randflüeschleifji ‘ der kleine Schleif bei der Randflüo (Fluh beim Rand (Felsrand, Abhang)) ’ (FLNK, Törbel) und der Randflüötschuggo ‘ der Fels bei der Randfluh (Fluh beim Rand (Felsrand, Abhang)) ’ (Zeneggen; FLNK Randflietschuggo). Randa Randáa ist der Name einer Gemeinde im Tal der Mattervispe. Das Dorf wurde bekannt durch einen verheerenden Felssturz (1991). Lautlich ist von Interesse, dass der Gemeindename auf der letzten Silbe betont wird, also Ran ’ daa. Diese Betonung führt zur Annahme, dass ein vordeutscher Siedlungsname angenommen wird. Die historischen Belege sind rar: 1305 ist die Rede von de Randa (im gleichen Dokument noch ein zweites Mal). P H . K ALBERMATTEN (p. c.) interpretiert das Dokument als eine Teilung der Abgaben an Bischof und Meier zwischen der Gemeinde Eyholz und den Gemeinden Täsch und Randa. Laut B. T RUFFER (htps: / / hls-dhs-dss.ch/ de/ articles/ 002809/ 2010-07-27/ [08.10.2020; IW]) schloss sich die Kastlanei Täsch-Randa, die früher zum Zehnden Brig gehört hatte, erst 1552 dem Meiertum Chouson (heute: St. Niklaus) und dem Zenden Visp an. Eyholz dagegen gehörte zum Zenden Visp. K RISTOL ET AL . (2005, 726) erwähnen die Deutung von J ACCARD (1906, 376) von Randa aus keltisch *randa ‘ Rand, Grenze ’ und das dt. Verb rande n ‘ abgrenzen, begrenzen ’ (I D . 6, 1024) mit besonderer Bedeutung in der Alpwirtschaft als Festlegung der Nutzung einer Alp. H UBSCHMIED (zitiert bei R ÜBEL 1950, 132) führt den Gemeindenamen Randa auf (alpis) randata ‘ gereimte Alp ’ , eine romanisierte Form gallischen Ursprungs zurück. Dass ein vordeutscher Name zu Grunde liegt, ist schon wegen der sonst nicht belegten Betonung auf der zweiten Silbe klar. H UBSCHMIED s Deutung lässt sich jedoch nicht auf eine Alpe zurückführen, da das Dorf sich auf 1408 m befindet, also weit unterhalb einer Alpe (die hier auf ca. 2000 m liegt). Die Endbetonung lässt sich jedoch tatsächlich am ehesten aus einem Partizip *randata herleiten, jedoch ist (alpis) randata kaum der Ausgangspunkt, sondern ein anderes Femininum. Neben dem Dorfnamen selbst sind belegt: Zobrost Randa ‘ zu oberst (in) Randa ’ (1678, Randa) und ts Unner Randaa ‘ das Gebiet unter dem Dorf Randa ’ (Randa). Es befindet sich auf SK unterhalb von Randa direkt an der Matter Vispe, damals noch unüberbaut. Randier (FaN) Randier (FaN) auch Ranyer, Ran(n)ier ist ein im Wallis inzwischen erloschener FaN (W. M EYER 1991, 369 ff.). Ein Simplex t Randjärä ‘ (die Wiesen) der Familie Randier ’ (Gampel) ist laut dem ältesten Beleg von 1744 in Randierro Matten ein Genitiv Plural ohne Bezugsnomen. 425 426 Randier (FaN) <?page no="767"?> In Leuk ist 1729 zun Rangeren, 1742 zun Randieren belegt; vom Typ her die gleiche Konstruktion wie in Gampel. Einen vorangestellten Genitiv Singular des HL findet man in jn Randiers Eÿen ‘ in der Aue der Familie Randier ’ (1663 u. später, Turtmann), wo auch jn Randiersmatten ‘ in den Wiesen der Familie Randier ’ (1560 u. später, Turtmann; 1541 Randiermatta) und t Randierschiir ‘ die Scheuer der Familie Randier ’ (Turtmann; 1868 Randjersch Schiir) vorkommt. Historisch ist der Beleg von 1868 auch für Ergisch als Randjersch Schiir belegt. Ein Genitiv Plural ist belegt als ts (e)Randjerru Schiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Randier ’ (Unterbäch; FLNK Randjero Schiirli). Randoden Randoden ist in Varen 1589 als in den Randoden und 1662 als in die Randuda belegt. Beide Belege erwähnen Reben oder einen Weingarten. Die Formen sind dem Deutschen angepasst, können aber nicht gedeutet werden. Es handelt sich vermutlich um frpr. Formen. FEW (10, 56 ff. s. v. randa (gall.) rand) bringt mehrere Ableitungen, die an das HL R ANDODEN anklingen, aber keinen Beleg. Darum ist das HL in VSNB nicht gedeutet. Ranft Ranft m. ist zu schwdt. Ranft, Rampft, R ā f, Röüft, Röift, Röüff, Röiff u. ä. m., Pl. wenig üblich, Dim. in Zermatt R ā ftji, ‘ Rand ’ ; ‘ schmaler Rücken vom Boden besonders aber von Schnee ’ ; ‘ Kruste, Rinde ’ , ahd. rampht, mhd. ranft m. ‘ einfassender, aufgeworfener Rand eines Körpers, Rinde ’ (I D . 6, 1049 ff.), in FlN ‘ Felsrand, Absturz, Abhang ’ (Z INSLI 1946, 332; W ERLEN 1991, 235) zu stellen; G RICHTING (1998) erwähnt das Wort nicht. Da sich das / n/ vor / f/ befindet, kann die Vokalisierung von / n/ (sog. Staubsches Gesetz) eintreten. Anlautendes / r/ weist manchmal auch einen vokalischen Vorschlag auf. Als Simplex im Singular sind belegt der (e)Raaft (Gampel), der Raaf (Randa), am Raafft (1696, Unterems), der Raaft (Ausserberg, Bürchen, Niedergesteln, Oberems, Termen), am Ramfte (1304 u. später, Eisten), vf dem Ramfte (1304 u. später, Stalden; früherer Beleg mit lat. supra, ‘ auf ’ , später mit lat. apud ‘ bei ’ ), vff den Raaft (1603, Embd), den Raaft (1829, Zermatt), im Raft (1775, Brigerbad), der Räif (Blitzingen, Ried-Mörel), dr Raift (Blatten, Ferden), der Räift (Ernen, Niederwald), a Ranfte inferius (lat. vom Ranft hinunter) (1400, Mörel), ab dem Ranfte (1305 u. später, Baltschieder), am Ranfft (1589, Agarn), am Ranfte (1509, Turtmann), an den Ranfft (1578 u. später, Zeneggen; 1617 u. später, Eggerberg), an den Ranfte (1320 u. später, Glis), jnterius (lat. innerhalb) den Ranfft (1698, St. Niklaus), supra (lat. über) Ranfte (1303 u. später, Raron). Die älteren Belege (vor 1500, teilweise auch später) zeigen noch / n/ oder assimiliertes / m/ , später treten verschiedene Produkte des Staubschen Gesetzes auf (vgl. dazu R ÜBEL 1950, 6). Der Plural des Simplex erscheint in einer starken Form mit Umlaut als t (e)Reeft (Raron, Törbel), t Reeft (Staldenried), an den Refften (1690, Eischoll) und einer schwachen Form als t Raafte (Grächen), t Raifte und uf de Raifte (Reckingen), üf de Raifte (Münster), t Raifte (Oberwald), Ranffta (1435, Visp; unklar, ob Plural oder femininer Singular). Das Diminutiv im Singular erscheint als ts (e)Raafji (Naters, Simplon), ts Raafji (Brig; FLNK, Termen, ohne Artikel), jm Raffillÿ (1770, Steg), am Rafftgi (1655, Termen). Mit attributiven Adjektiven sind belegt: dr Hee (e)Raift ‘ der hohe Abhang ’ (Wiler), dr Inder Raift ‘ der innere (talweinwärts liegende) Teil des Abhangs ’ (Blatten), an den Nidren Ranfft ‘ an den niederen (unteren) Abhang ’ (1520, Ernen), jm Obren Raft ‘ im oberen Abhang ’ (1666, Oberems; 1666, Turtmann), auf den Obren Refften ‘ auf den oberen Abhängen ’ (1745, Törbel; 1793 aúff dem Obren Räfften), dr Schwarz (e)Raift ‘ der schwarze Abhang ’ (Ferden), dr Uister Raift ‘ der äussere (talauswärts liegende) Teil des Abhangs ’ (Blatten), im Vndren Rafft ‘ im unteren Abhang ’ (1651, Unterems), vf der Vndren Rafften ‘ auf dem unteren Abhang ’ (1684, Grächen, feminines Genus (wohl Reanalyse des Plurals)), au ᵕ ff den Undren Reften ‘ auf den unteren Abhängen ’ (1714, Törbel), Unner Reif ‘ der untere Abhang ’ (FLNK, Ernen), ts Wilt (e)Räfji ‘ der wilde kleine Abhang ’ (Eggerberg). Als Grundwort erscheint das HL in folgenden zweigliedrigen Komposita: dr Allpätraift und hinderm Allpätraift (Blatten), wo das Bestimmungswort Allpät oder Alpet vermutlich ein Diminutiv Alpetta ‘ die kleine Alpe ’ vertritt, dr Chummerraaft und dr Chummuraaft ‘ der Abhang bei der Chumma (Mulde) ’ (Hohtenn), wobei die erste Form wohl einen / r-/ -Vorschlag enthält, Heschun Ranfft ‘ der Ranft (Abhang) mit Eschen ’ (1548, Eggerberg), t Loch(e)reefte ‘ die Abhänge beim Loch ’ (Hohtenn), im Loiburaaft ‘ im Abhang mit Rutschgebiet ’ (Saas-Almagell), der Löüberaaft ‘ der Abhang mit Laub (laut Gwp. Droosle, hier wohl Alpenerle (A LNUS VIRIDIS )) ’ (Eisten), t Meidreefte ‘ die Meidabhänge ’ (Oberems), zum Weiler Meiden (< mlat. META ‘ Heuschober ’ ). Komplexer ist der Lochreeftufärrich ‘ der Pferch beim steilen Abhang zum Loch ’ (Hohtenn), ein Pferch, der sich bei den Lochreeftu (einem Abhang oberhalb des Loch) befindet. Mit dem HL als Bestimmungswort, verbinden sich die folgenden HLL: Acher, Alpa, Bord, Egg(a), Graat, Grabu, Hitta, Hubel, Loch, Matta, Schiir, Schlüch, Stafel, Tola, Tritt, Wäg und Wald. Randoden 427 428 <?page no="768"?> Eine Ableitung für eine Wasserleitung findet sich in im Raffterli ‘ die kleine Wasserleitung beim Abhang ’ (Termen), di Raaffteri ‘ die Wasserleitung beim Abhang ’ (Termen), das Ranffterli ‘ die kleine Wasserleitung beim Abhang ’ (1622 u. später, Glis). Es gibt eine Reihe von Belegen t Raafgaarte (Bürchen, Fieschertal), ts Rafgaarte (Obergesteln), Raffgarten (1462, Ulrichen), Raafgarten (1744, Ried-Brig) und einige weitere, die wohl nicht einen Garten am Abhang meinen, sondern einen Garten mit Rafen ( ‘ Kohlrüben ’ I D . 6, 634) (cf. HLL G ARTU und R AAFA ). Ranssattinen Ranssattinen ist nur einmal in Birgisch 1738 als die Ranssattinen ‘ die Ranssattinen (unklar) ’ belegt. Aus dem Beleg geht hervor, dass es sich um die Bachtelen ‘ die Wasserrinnen ’ handle, die so heissen. Vermutlich liegt eine Ableitung vom Typ / - ETA / vor (S ONDEREGGER 1958, 482 ff., “ gewisse Menge oder Ergebnis einer Tätigkeit ” ). Das zugehörige Nomen bleibt unsicher. Zwar hat I D . (4, 1142 s. v. Rans) einen möglichen Anknüpfungspunkt; die Deutung ‘ Maul, Rüssel des Schweins ’ ist aber weit davon entfernt, sinnvoll zu sein. Inhaltlich würde Runs ‘ Strömung eines fliessenden Gewässers, Wasserlauf ’ (I D . 4, 1142 ff.) zutreffen, doch lautlich passt diese Deutung nicht, da die normale phonetische Lautung im Wallis Rüüs ist. Die Deutung bleibt deswegen unklar. Ranz Ranz m. ist laut www.ortsnamen.ch in Glarus Süd (Nidfurn) als im Ranz belegt, allerdings ohne Deutung. Die dort ebenfalls gegebene Deutung für Sevelen ‘ am Rhein ’ kommt für das Oberwallis nicht in Frage. Das im LUNB (1, 2, 776 f.) erwähnte Ranziloch ist auf einen Beinamen Ranzi zum Verb ranze n ‘ sich herumzerren, raufen, feilschen, necken ’ (I D . 6, 1158 ff.) zurückzuführen; es ist im Oberwallis ausgeschlossen. Bei den Belegen zum Simplex treten auf: vnder dem Ranz (1697, St. Niklaus), per Cristam seu durch den Rantz (1530, Oberems), vff dem Rantz (1563, Erschmatt), der Ranz (Erschmatt; auch FLNK), uff dem Rantz ‘ auf dem Ranz ’ (Leuk, auch: auff dem Rantz). Am klarsten ist der Beleg aus St. Niklaus, in dem Rantz als Übersetzung von lat. CRISTA ‘ Kamm ’ (FEW 2, 1351 ff.; in Lokalnamen ‘ Gebirgskamm ’ ) erscheint. Vermutlich ist das HL zu Ranze n (I D . 6, 1161) zu stellen, wohl in der Bedeutung ‘ Rücken, Ausbauchung ’ , hier auch als ‘ Felsrand ’ (so Gwp. für Bratsch) zu verstehen. Das in Reckingen 1532 belegte Kompositum vff des Rantsbort ‘ auf dem Bord (Abhang, Böschung) des Randes (Felsrand) ’ wird als Genitiv zu Rand verstanden (cf. HL R AND ), kann aber auch zu Ranz ‘ Felsrand ’ gestellt werden. Rapff Rapff ist nur 1680 in Ried-Brig als jm Rapff belegt. Es dürfte zu schwdt. Ranft ‘ Abhang ’ (I D . 6. 1049 ff.) zu stellen sein. Der fehlende Nasal scheint dem Staubschen Gesetz geschuldet zu sein. Die Schreibung mit / pf/ ist unsicher, aber wohl dem Hochdeutschen zuzuschreiben. Rappe Rappe kommt fast nur als Bestimmungswort vor. Es ist wohl zu schwdt. Rapp, Rappe n m., Dim. Rappli, Rappili, Rappi, Pl. Rappini, ‘ Kohlrabe, gemeiner Rabe ’ , CORVUS CORAX , aber auch als Bezeichnung von grösseren Rabenarten und teilweise von Krähen; ahd. rappo, mhd. rappe, Nebenform zu ahd. rabo (I D . 6, 1168 ff. bes. 1172; G RICH- TING 1998, 159 s. v. Rappi) zu stellen. Zentral ist ts Rappetau ‘ das Rappental ’ (Mühlebach, mit / l/ -Vokalisierung), das östlich parallel zum Binntal verläuft, auf LT als Rappetal (Ernen). Dazu gehören ts Rappehore ‘ das Rappenhorn ’ (Mühlebach), auch Ober Rappenhorn (LT, Binn; FLNK Ober Rappehore), der Rappegletscher (Mühlebach), Aupa Rappetau ‘ die Alpe Rappental ’ (FLNK, Ausserbinn), Rappetaustrass ‘ die Strasse in das Rappental ’ (FLNK, Ernen) und Rappetauwäg ‘ der Weg in das / vom Rappental ’ (Mühlebach). Formen mit / au/ sind der / l/ -Vokalisierung zu verdanken. Das Simplex ts Rappe ‘ beim Rappen ’ (Steinhaus) ist eine Alpe im Rappental, die zu Steinhaus gehört. Das nur historisch belegte Rappen Spittal ‘ das Spital im Rappental ’ (1439 u. später, Steinhaus) ist in seiner Deutung sehr unsicher; es wird im Rappental kaum ein Spital gegeben haben, ob damit ein Spital für arme Leute gemeint ist, bleibt unklar. Der einzige Beleg ausserhalb des unteren Goms ist der Rappuwald ‘ der Wald mit Raben ’ (Zermatt). Die Deutung mit Rappe ‘ Rabe ’ ist sehr unsicher. G RICHTING (1998, 159) gibt Rappi ‘ Kolkrabe ’ nur für die Rarner Schattenberge an. Das sonst gebräuchliche Wort ist Chrääja, Chreeja ‘ Krähe ’ (G RICHTING 1998, 52). Ob ein PN wie Hraban (F ÖRSTEMANN 1, 896) weiterhilft, ist problematisch, da F ÖRSTEMANN selbst dahinter das Wort für lat. CORVUS ‘ Rabe ’ sieht. Dennoch bleibt keine andere Deutung. Rappellu Rappellu ist nur belegt als ts (e)Rapelluwaldji (Niedergesteln; FLNK Rappeluwaldji). Der kleine Wald befindet sich auf rund 950 m. oberhalb von Niedergesteln, wo keine Reben belegt sind (vgl. E GLI 1982, 28, 55 f. 227). E GLI s Deutung als Traubenkamm dürfte hier also nur metaphorisch gelten: ein kleiner Wald, der einem Traubenkamm gleicht. Diese Deutung ist allerdings problematisch, wenn man den Bachnamen Raspille heranzieht, der hier auch eine Rolle spielen könnte (T AGMANN 1946, 429 430 Rappellu <?page no="769"?> 1 f.), Er stellt den Flussnamen zum Verb râper, das als Partizip “ des terrains râpés, usés, où la roche affleure souvent ” ( ‘ Gebiete, die abgeschabt, gebraucht sind, wo der Fels oft zutage liegt ’ ). Dann wäre der Wald jener kleine Wald, wo die Felsen zu Tage treten (was auch der Fall ist). Diese Deutung wäre klarer als die erste, hat aber den Nachteil, dass die Deutung klarerweise frpr. ist. Rapuel Rapuel ist 1350 in Turtmann als Rapuelmatta, 1395 am gleichen Ort als pratum Rapinel belegt. Während Matta und pratum als ‘ Wiese ’ problemlos sind, ist Rapuel vs. Rapinel unklar. Es scheint sich aber um einen PN oder FaN zu handeln. Raru Raru ist die gesprochene Form des Ortsnamens Raron, frz. Rarogne. Dazu gehören auch die Siedlung St. German, sowie die Weiler Turtig (auf der andern Seite des Rotten) und Rarnerchumma. Der Ortsname ist vordeutsch. Belegt sind 10? ? : Rannia (laut P H . K ALBERMATTER verschrieben für Raronia; Beleg aber heute verschollen), 1146 Rarun, 1189 - 1203, 11? ? Rarogni, 1210 Raronia, 1221, 1224 Rarognia, 1224 Raronie, 1225 (ca.) Rarognia usw., aber 1276 Rarun. Die historischen Belege deuten auf einen latinisierten Namen Raronia; die Schreibweise mit / -g-/ (Rarognia) gibt palatales / ñ/ wieder. Die heutige Form liegt schon 1146 und 1276 als Rarun vor. Eine sichere Deutung gibt es nicht; K RISTOL ET AL . (2005, 727) führen den Namen auf ein Adjektiv *raronia zurück, gebildet aus dem lat. Cognomen R ARUS und dem Suffix / - ON Ĕ U / - ON Ĕ A / ; terra *raronia bedeutet dann ‘ Land, Besitz des Rarus ’ . Frühere Deutungen: G ATSCHET (1867a, 249) und S TUDER (1896, 202) leiten den Namen Raron, frz. Exonym Rarogne, vom Adjektiv RARANUS zu mlat. RARA , RARIS ‘ Fusspfad, Furche ’ aber auch ‘ Wasserrinne, Kanal ’ , lat. RIGARE , IRRIGARE , mlat. ROGIUS , ARROGIUM ab. J ACCARD (1906, 378) verwirft diesen Vorschlag, da sich raranus zu *rarain entwickeln müsste. Er geht von einem keltischen Namen gebildet aus rara und dem Augmentativ- Suffix / - OGNE / aus. Laut H UBSCHMIED (in: R ÜBEL 1950, 132) lässt sich der Name weder aus dem Romanischen noch aus dem Germanischen erklären, er setzt vorrom. *Raronia oder *Raraunia > frz. Rarogne voraus, die deutsche Form Raron sei erst spät entlehnt (die Form ist aber historisch schon im 12. und 13. Jahrhundert belegt; es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die vorausgehenden Belege blosse Latinisierungen des Namens darstellen). B ESSE (1997, 236) macht keinen Vorschlag. Neben dem Gemeindenamen sind belegt: der Rarubodo ‘ der Boden von Raron ’ (Raron, FLNK Rarnerbodo, LT Rarnerbode) (flaches Stück Wiese oberhalb des Dorfes), jm Rarengru ᵕ ndt ‘ im Grund von Raron ’ (1676, Raron), Rarenfeldthu ᵕ rli ‘ der kleine Turm (ev. die kleine Tür) im Rarner Feld ’ (1852, Raron), Raron Feldthürli ‘ die kleine Türe zum / im Rarner Feld ’ (1852, Niedergesteln). Eine Ableitung auf / - ER / (S ONDEREGGER 1958, 526 ff., als Bewohnername oder als indeklinables attributives Adjektiv) liegt vor in Rarner Chumma ‘ die Chumma (Mulde) der Leute von Raron ’ (FLNK, Raron; LT Rarnerchumma, SK Rarnerkumme), der Rarnerwald ‘ der Wald der Leute von Raron (? ) ’ (Visp, FLNK Rarnerwald), in der Rarneren Zelg ‘ in der Zelg der Leute von Raron (? ) ’ (Agarn). Die letzten zwei Belege sind unsicher, da sie sich nicht auf dem Gemeindegebiet von Raron befinden, wohl aber Leuten aus Raron gehört haben können. Rassam Rassam ist 1391 in Brig bezeugt als supra rassam und ad rassam (beides Akkusativ). Der Text in Brig lautet: vnam domum sitam Brige supra rassam [ … ] contra cursum seu w ů r tendentem ad rassam (1391, Brig; aus KapA Sitten, Min. A 43, S. 195 f., Brig). Die beiden Erwähnungen sind jedoch durch mehrere Zeilen getrennt. Rassa ist hier wohl eine lateinische Form für Raisse, Rasses ‘ Sägerei ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 22). Das würde zur Aussage passen, dass hier eine Wasserleitung (w ů r) durchführte. In Ried-Brig ist 1399 in einem Dokument cum vna rassa et rachardo ‘ mit einer Sägerei und einem Kornspeicher ’ belegt: der Flurname ist als Grundmatta belegt. Ob jedoch ein Name und nicht ein Appellativ bei Rassa ‘ Sägerei ’ vorliegt, darf bezweifelt werden. Rasser Rasser ist nur belegt als in Rasserschür ‘ in der Rasserscheuer ’ (1686, Turtmann). Das HL ist weder im I D ., noch in G R W B belegt; der FaN Rasser stammt aus Deutschland und Österreich und ist für das Wallis nicht bezeugt. Das HL lässt sich nicht deuten. Rataamia Rataamia ist nur in t Ratáamia (Zwischbergen, FLNK und LT Ratamia) belegt. J ORDAN (2006, 302) kennt es von seinen Gwpp. nicht und zitiert FLNK und LT. Er sagt, es handle sich um steile Waldterrassen mit gefährlichen Schmuggelpfaden. Der Name ist weder bei O LIVIERI ( 2 1961; 1965) noch sonstwo belegt. Prof. B. M ORETTI (p. c.) sieht dahinter eine Imperativform ráta ‘ verpassen, verfehlen ’ (LSI 4, 284 s. v. ratá 2 ) und eine negative 2. Person m ī a (vgl. AIS 1647, Ortspunkte 109 und 117). Der Akzent wäre dabei auf der ersten Silbe, also ráta m ī a ‘ mach keinen Fehltritt ’ . Dieser negative Imperativ bezieht sich auf die gefährliche Lage des Gebietes. Rapuel 431 432 <?page no="770"?> Rattler (FaN) Rattler (FaN) ist nur 1630 in Turtmann als in Rattlers Matten belegt. Es handelt sich wohl um einen FaN oder den Beinamen einer Familie. Der FaN oder PN ist auch im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ nicht belegt. Die Deutung ‘ die Wiese des Rattler ’ nimmt aber diesen Befund auf. Ratze Ratze ist nur in Eischoll als Raazubiel (FLNK) belegt; historisch erscheint es 1546 als am Ratzenbÿel und 1727 als jm Rathzonbiell. Es ist zum Tiernamen schwdt. Ratz, Ratze n m. ‘ Ratte ’ , spätmhd. Ratz(e) m., nhd. auch f.; in FlN vor allem in der Bedeutung ‘ grosse Haselmaus ’ und wdt. Razza, Ratta (Zermatt), Rattu (Saastal), Razz ‘ Ratte ’ (I D . 6, 1913 ff. bes. 1915; G RICHTING 1998, 16) zu stellen. Der Flurname meint einen Hügel, auf dem Ratten oder Haselmäuse ihre Nester hatten. Raub Raub m. ‘ der Ernteertrag; Heu, Emd ’ ist nur in der hochdeutschen Form belegt. Es ist zu schwdt. Raub, Röib, Rö 1 p m. wie nhd. ‘ als Tätigkeitsbezeichnung, das Rauben ’ , mhd. roub, roup m., ahd. roub m., wdt. Röüb, Röb (Goms), Roib ‘ Heu, Emd ’ (I D . 6, 29 ff.; R ÜBEL 1950, 3 (zu den lautlichen Formen); G RICHTING 1998, 164), in FlN in der Bedeutung ‘ Bodenertrag, Ernteertrag ’ (I D . 6, 30 f.; Z INSLI 1984, 419) zu stellen. Belegt ist an den alten Raub ‘ an das alte Stück Land mit Heu (? ) ’ (1693, Brig). Die übrigen Fälle enthalten Raub als Bestimmungswort: die Raubgassen ‘ die Gasse, auf der die Heuernte eingebracht wurde (? ) ’ (1782, Salgesch), in den Raubmatten ‘ in den Wiesen mit Ertrag ’ (1571, Goppisberg), die Raubstrass ‘ die Strasse, auf der die Heuernte eingebracht wurde (? ) ’ (1714, Eischoll und Lalden), an den Rau ᵕ bweg ‘ an den Weg, auf dem die Heuernte eingebracht wurde ’ (1659). Die Belege sind alle sehr unsicher; es könnte sich auch um die Deutung ‘ rauben, stehlen ’ handeln (das Wort ist identisch), das allerdings laut I D . (6, 29) “ in der lebenden Sprache nur wenig üblich ” ist. Rauerettes Rauerettes ist nur 1537 in Salgesch erwähnt; die Stelle lautet in pede de nous rauerettes. Vermutlich gehört nous zum Flurnamen; es ist wohl zu lat. N Ŏ VUS neu (FEW 7, 210 ff.) zu stellen. rauerettes ist eine Diminutivableitung auf / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). M EYER (1914, 73 und 170) stellt es zu raparia + itta, also zu ‘ Acker mit Rafen (Rüben) ’ . Die Deutung ist aber nach T AGMANN (1946, 12) unsicher (cf. HL R AWERI ). Statt eines Rübenackers meint dann der Text eher ‘ am Fuss des neuen kleinen Abhangs ’ . Raut Raut kommt nur im Gipfelnamen Rauthoru / Rauthorn (Simplon) vor; der übliche Name ist Beeschhorn ‘ böses Horn ’ auf 3268 m (J ORDAN 2006, 48). Die lautliche Form (/ au/ kommt im Dialekt nur im Kontext einer Ersatzdehnung vor Reibelaut vor) legt ein hdt. Wort Raute nahe, entweder den Pflanzennamen Raute (A RTEMISIA MUTELLINA ; bei L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1112 als A RTEMISIA UMFELLIFORMIS ) oder die Form der Raute; beides wären jedoch wohl eher gelehrte Benennungen; die Pflanze wächst aber in alpinem Gebiet. Laut GLS (4, 94) nannte es der Reiseschriftsteller Varidel Rothorn; dieser Name ist für den betreffenden Gipfel sonst nicht belegt. Der von den Gwpp. identifizierte Gipfel ist im Übrigen nur ein Vorgipfel des Rauthorns auf der LK; diese Deutung der Gwpp. ist jedoch unsicher. Ravanelz Ravanelz ist nur 1256 in Leuk in clauso e ỳ s rauanelz ‘ beim eingefriedeten Gut bei der kleinen Schlucht, dem kleinen Bach ’ belegt. Es ist zu RAP Ī NA ‘ Raub ’ (FEW 10, 67 f.) zu stellen, hier wohl in der Bedeutung ‘ kleine Schlucht, Bächlein ’ (B RIDEL 1866, 317 s. v. R AVENA ) mit dem Diminutiv-Suffix / - ELLU ( M )/ im Plural (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). Die Schreibung mit / v/ entspricht der Umschrift des Bearbeiters; im Text selbst steht / u/ . Raweri Raweri f. ist als Rewery (1368, Salgesch) in mehreren Formen bis 1664 Raviri belegt. In Leuk erscheint 1361 Rawery. Varen kennt t Rawiiri (mit verschiedenen historischen Belegen) und 1736 bim Raueri Ru ᵕ s. T AGMANN (1946, 12) deutet den Flurnamen als ‘ terrain creusé de beaucoup de ravines ’ ( ‘ Gebiet, das von vielen kleinen Schluchten durchquert wird ’ ). Zu den von T AGMANN zitierten Quellen wäre auch FEW (10, 65 s. v. *rapidium reissender bach) zu stellen. Der Raueri r ŭ s (1736, Varen) ist der Wasserlauf, der bei der Rawiiri durchgeht. Real Real ‘ Bach, Gerinne ’ ist in Zwischbergen als il rial ‘ der Graben ’ (1766, Zwischbergen) übersetzt. Der Name Reál della Pjooda ‘ der Graben bei den Steinplatten ’ (siehe auch J ORDAN 2006, 304) ist oberhalb der Namen Preesa Pjooda und Pioda belegt (beide zu ‘ Steinplatte ’ ). LT kennt Riale del Confine ‘ Grenzgraben ’ . Zu stellen ist es zu lat. RIVUS ‘ Bach, Gerinne ’ , resp. dem Adjektiv lat. RIVALIS oder RIALIS (RN 2, 284; Z INSLI 1984, 241). Rebinen Rebinen ist nur 1684 in Naters für den Weiler Hegdorn als in den Rëbinen belegt. Hegdorn liegt auf ca. 920 m, ist 433 434 Rebinen <?page no="771"?> also sehr hoch für Reben. Es ist deswegen eher der Pflanzenname Rabinen-[Gras] (I D . 2, 796) anzunehmen, wohl A ÏRA ELEGANTISSIMA ‘ Zierliche Haferschmiele ’ (L AU- BER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1496), der für das Oberwallis bezeugt ist. / ë/ kann als Umlaut zu / ö/ verstanden werden. Rechetel Rechetel ist nur 1353 in Salgesch als eys rechetel belegt. Die Flur befindet sich laut Dokument ou chastellar (heute: Tschachtela, ein Abhang mit Weinberg). P IERRE- HUMBERT (1926, 498) kennt réchette ‘ Hurde ’ , das FEW (10, 417) auf *risca behälter zurückführt. Mit einem Suffix / - ELLU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) wäre dann eine kleine Hurde gemeint; als FlN könnte hier nur die Ähnlichkeit mit einer kleinen Hurde (hölzernes Fach für Heu und Gemüse) gemeint sein; darum ist die Deutung in VSNB nicht erwähnt. Recht (Adj.) Recht, auch Rächt, ist das schwdt. Adj. rëcht, ahd. und mhd. reht, im Ganzen wie nhd. ‘ recht, gerade, richtig ’ , in FlN für ‘ richtige, gehörige Beschaffenheit der Form, Grösse ’ , wdt. rächt ‘ echt, wahr, rechtschaffen, passend, angenehm, rechts ’ (I D . 6, 198 ff. bes. I D . 6, 200; G RICHTING 1998, 159) oder auch für geeignete, sonnige Lage. Der Name kann aber auch auf Rechte verweisen (I D . 6, 205 f.), über Berührungen mit dem Substantiv Recht cf. HL R ECHT . Das Adjektiv erscheint nur attributiv. In den Fällen t Rächt Brunnigbletscha (Blatten), t Rächti Bäriseggu (Ergisch), t Rächt Schindelschluächt (Blatten), dr Rächt Toorembach (Ferden) ist jeweils ein Gegenstück mit Läz zu finden - hier sind sonnseitig gelegene Fluren gemeint. Anders der Rächtstafel ‘ der hauptsächliche Stafel ’ (Reckingen), wo wohl der eigentliche, wichtige Stafel gemeint ist. Bei den historischen Belegen sind die Rechte Mehni ‘ der rechte Feldweg ’ (1652, Geschinen), des Rechten Bodens ‘ des rechts gelegenen Bodens ’ (1668, Münster), im Rechten Lerche ‘ im rechten (rechtsseitigen) Lärchengehölz ’ (1401, Naters), ob dem Rechten Wang ‘ ob dem rechten (rechtsseitigen) Grasabhang ’ (1668, Münster) und die Rechtun Wasserleýtun ‘ die rechte (rechtsseitige) Wasserleite ’ (1334, Törbel) vertreten, wohl meist als rechts gelegene, eventuell aber auch sonnseitige Fluren. Recht Recht n. ist als Simplex nur im Plural als Rächti ‘ die Rechte ’ (Saas-Balen, LT und FLNK) belegt. Hierzu gehören auch di Brenurächti ‘ das den Leuten von Brend (brandgerodetes Gebiet) rechtlich zustehende Gebiet ’ (Saas-Balen, auch FLNK) und t Himmischgaarturächti ‘ die Rechte an Boden, die den Leuten von Heimischgarten zustehen ’ (Saas-Balen). Weitere Zusammensetzungen finden sich als in denen Búrgerrechten ‘ die Gebiete, die rechtlich den Burgern gehören ’ (1790, Glis) und im Bürgerrecht ‘ im Bürgerrecht (unklar, wohl: im Gebiet, das den Burgern zusteht) ’ (1847, Ernen). Das HL ist zu schwdt. Rëcht n., ahd. und mhd. reht, Substantivierung des Adj. recht, wie nhd. ‘ das Richtige, teilweise auch im rechtlichen oder sittlichen Sinn ’ , in FlNN meist zur Festlegung von ‘ Befugnissen und Pflichten, Rechtsverhältnissen von Personen ’ und ‘ rechtlichem Anspruch, Anrecht, Berechtigung, Vorrecht ’ zu verstehen und wdt. Rächt ‘ Recht ’ (I D . 6, 238 ff. bes. 240 ff.; G RICHTING 1998, 159). Die Walliser Verfassung unterscheidet zwischen der Burger- oder Heimatgemeinde und der Orts- oder Einwohnergemeinde. Da letztere im Wallis erst seit 1848 besteht (vorher gab es nur die Burgergemeinde), spielte das Burgerrecht im Wallis eine wesentliche Rolle (T H . J ULEN 1978, 17 ff.; I D . 6, 292 f.; I D . 6, 297 f.). Recki Recki ist nur in der Reckibach ‘ der Reckibach (der Bach, der sich erstreckt) ’ (Binn, LT und FLNK Reckibach) belegt. Der Bach fliesst von links in die Binna, kurz nach Schmidigehischere; die Flur am Unterlauf des Baches heisst ebenfalls Reckibach. Daneben ist ŭ on der Egen am Reckenbach ‘ die Ecke am Reckibach ’ (18? ? , Binn) belegt. Das HL wird von URNB (2, 522 f.) als Partizip Präsens zum Verb recke n ‘ reichen, sich erstrecken ’ (I D . 6, 806 ff.) gestellt und meint ‘ eine weit hinauf reichende, lange Lawine ’ . LUNB (1, 2, 782 s. v. Reckenberg) stellt es ebenfalls zum Verb recke n , allerdings in der Bedeutung ‘ Berg, der emporragt ’ (I D . 6, 806 ff.). Näher kommt dem hier belegten Namen wohl die Deutung von URNB, die einen Bach meint, der sich eine Strecke weit erstreckt. Das Verb recku ist bei W IPF (1910, 96 und 106 als ‘ strecken ’ belegt, also ‘ der Bach, der sich erstreckt ’ . G RICHTING (1998, 161) kennt wdt. rekke, rekkä (Goms), rekkn (Lötschtal), rekku ‘ darbieten, weiterreichen ’ , das als transitives Verb verstanden wird, hier aber als Nominalisierung eines intransitiven Verbums anzunehmen ist. Reckige Reckige, geschrieben Reckingen, ist eine kleine Gemeinde, die von 2004 bis 2016 zusammen mit Gluringen eine Gemeinde bildete und seit 2017 Teil der neuen Gemeinde Goms ist. Der Name stammt aus einem ahd. PN und dem / - INGEN / -Ortsnamensuffix zur Bestimmung der Zugehörigkeit einer Siedlergruppe zu ihrem Gründer oder Grundherrn. Beim PN könnte es sich um eine Kurzform Rechetel 435 436 <?page no="772"?> Ricco zum Stamm Ricja- oder eine von diesem Stamm rekonstruierte Form *Recco handeln (W ERLEN 1991, 235; K RISTOL ET AL 2005, 729). Weitere Deutungen siehe unter dem Gemeindenamen Reckingen. Der u. a. von B RUCKNER (1945, 107) angenommene Zusammenhang mit den alten / - INGEN / -Namen in der deutschen Schweiz ist hinfällig, da das kollektive / - ING / -Suffix im Walliserdeutschen bis in die Gegenwart aktiv ist. Einen anderen Flurnamen findet man zú Reckigen (1785, Naters), das eine Wiese im Aletschgebiet meint. Die übrigen Belege enthalten Reckiger, ursprünglich wohl ein Genitiv Plural, heute häufig als Adjektiv verstanden, mit den Grundwörtern Ägene, Bach, Färich, Gehüt, Chumma, Matta und Stafel. Unklar ist der in Ulrichen als Reckiger Kitt (FLNK) belegte Flurname, der auch als Gehüt verstanden werden kann (so im Beleg von 1774); vermutlich sind jedoch lebendes Chitt und historisches Gehüt der gleiche Name (cf. HL C HITT ), wobei das lebende Wort entrundet und ohne den Vokal im anlautenden / g(e)-/ gebildet wurde. Komplexer sind der Reckiger Cholplatz ‘ der Platz, wo die Leute von Reckingen Kohle gebrannt haben ’ (Ulrichen), Reckiger Hosand ‘ das hohe Sandgebiet der Leute von Reckingen ’ (FLNK, Ulrichen), t Reckiger Hosandbärge ‘ die zu Reckingen gehörenden Berge bei der Alpe Hosand (hohes Sandgebiet) ’ (Ulrichen) und der Reckiger Hosandstafel ‘ der Stafel der Leute von Reckingen auf der Alpe Hosand (hohes Sandgebiet) ’ (Ulrichen). Reckol Reckol n. ist nur historisch belegt als das Reckol (1551 Bürchen; 1551 Törbel) im gleichen Dokument; es meint wohl auch den gleichen Ort. Der ausführlichere Text von Törbel spricht von einem Zaun um die Grenze der Allmein, der Alpen und der Wälder vom Gebiet das Reckol aus durch die Wälder und Alpen hinauf bis zur Krete. Im gleichen Dokument von 1551 in Bürchen wird auch das Reckolter erwähnt (siehe unter dem HL R ÄCKHOLTER ). Das spricht dafür, dass hier das Räckholter ‘ das Gebiet mit Wacholderstauden ’ gemeint ist. Rees Rees ist nur 1358 in Leuk als eys rees marchis ‘ bei den Sumpfgräben ’ belegt. rees erscheint bei M EYER (1914, 170) als Wiedergabe von lat. REGE , patois reys oder rees, einerseits als Flurname, anderseits zum FaN Rey. Diese Deutung trifft für den Beleg von Leuk kaum zu. Hingegen wäre raye ‘ Furche, Graben ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 104) anzunehmen, sodass am ehesten ‘ bei den Sumpfgräben ’ zu verstehen ist. Ob marchis zutrifft, ist unklar; man kann auch marachis lesen (P H . K ALBERMATTER , p. c.). Reez Reez n. ist zum schwdt. Adj. r ā ss ‘ scharf ’ (I D . 6, 1269), resp. zu Reezi ‘ Schärfe ’ und zu wdt. rääz, rääs (Goms), reez ‘ scharf ’ , resp. Rääzi, Räässi (Goms), Reezi ‘ Schärfe ’ (die zweite Deutung ist hier nicht zutreffend) ’ (I D . 6, 1280, Z INSLI 1946, 333; G RICHTING 1998, 158) zu stellen. Die in Kippel und Wiler belegte Form ts Reez ‘ die scharf abbrechende Stelle ’ ist als substantiviertes Adjektiv zu verstehen. Es kommt als Simplex in Kippel und Wiler vor; an beiden Orten gibt es auch t Reez(e)rufinä (Kippel), t (e)Reez (e)Rufina (Wiler), also Rutschgebiete bei der scharfen Kante. Vermutlich zur substantivierten Form Reezi ‘ die scharf abbrechende Stelle ’ passt Blattreezi ‘ die scharf abbrechende Stelle bei der (Fels-)Platte ’ (St. Niklaus). M ATHIER (2015, 110) stellt beÿ den Rezenen (1835, Salgesch) hieher. Die verschiedenen Formen sind nicht zu verwechseln mit t Reezi ‘ der Röstplatz für Hanf und Flachs ’ . Regenbold (PN) t (e)Räguboltschini ist nur in Gampel belegt. Die historischen Belege sind 1737 im Regenboltz, 1739 im Regobutzi, 1742 im Regen Polsch, 1816 im Regen Poltschi. Der PN ist zu Reginbold oder Regenbolt (F ÖRSTEMANN 1, 1223) zu stellen. Deutung ist ‘ die kleinen Grundstücke des Regenbold (PN) ’ . Regiinini (PN) Regiinini (PN) ist nur einmal belegt als t Regiinini ‘ die Gärten der Regina ’ (Staldenried). Laut Gwp. gehörten diese Gärten früher einer Regina Kalbermatter-Franz. Der Name ist zum Personennamen Regina, Regine, Regini (I D . 6, 740) zu stellen. Laut LT ist das Gebiet heute überwaldet. Regina Regina kommt nur in Rifugio Regina Marguerita CAI (Zermatt) vor; zu den Namen mit Capanna vgl. HL R IFUGIO . Bezug genommen wird auf it. regina f. ‘ Königin, Herrscherin, Gattin des Königs ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1798). Die Schutzhütte verdankt ihren Namen der Gattin Margherita (1851 - 1926) des it. Königs, der Spenderin der 1893 eingeweihten, ursprünglich für Forschungszwecke vorgesehenen Hütte. Die spätere Schlafunterkunft wurde 1979 durch einen grösseren Neubau ersetzt. Rei Rei ist nur im Bezirk Leuk belegt. Als Simplex erscheint es in der Form t Reie (Varen). Die historischen Belege ab 1338 haben eys Reyes und verwandte Formen; 1241 ist Reiel belegt. In Leuk ist t Reiä bezeugt; historisch erscheint es 1315 les Reyes, 1522 les Reÿes, 1544 eÿs Reÿes, 437 438 Rei <?page no="773"?> später als der Reÿgen (1614) und in den Reien (1669). 1467 ist in Leukerbad eys les Reyer belegt, das wohl auch hieher gehört. 1676 ist jn die Under Reÿe (Leuk) notiert. Salgesch hat 1629 ÿ Reÿettes, 1646 eys Reiette, 1664 die Reiffen. Ganz unklar ist der Beleg von 1723 u. später Varner=Reÿen (Leuk), wo im Titel des Dokuments Eyen ‘ Auen ’ angemerkt ist. In Salgesch ist 1494 en Chandurant en laz Rey belegt. Der erste Teil bezieht sich wohl auf Champ Durand ‘ das Feld des Durand ’ ; der zweite auf Rey. Ebenfalls Salgesch enthält ab 1642 einen Beleg en la Corba Reÿ, später Corberey. G PSR (4, 428ss, besonders 430, notiert mehrere gleichlautende Ortsnamen, z. B. en la Corbaz Rey u. weitere). T AGMANN (1946, 58, Hinweis auf M EYER 1914, 166 und afrz. roie, nfr. raye) nennt das Patois-Wort Reya oder Reye ‘ Furche ’ . In unseren Belegen ist durchwegs der Plural gemeint, also ‘ die Furchen ’ . B OSSARD / C HAVAN (2006, 104) kennen Raie, Raye und auch Corba Ray als ‘ Furche ’ . Reid Reid ist als t Reidmattä ‘ die krausen Wiesen ’ (Gampel) belegt. Die Wiesen befinden sich in der Rottenebene, in einem früher unbebauten Gebiet. Das HL ist zum schwdt. Adj. reid ‘ steif, starr ’ und zum wdt. reid ‘ starr, steif ’ (I D . 6, 587; G RICHTING 1998, 160) zu stellen. als Namenmotiv ist das jedoch unwahrscheinlich. Denn es ist unverträglich mit der Angabe, dass es sich hier um früher sumpfige Wiesen handeln solle. URNB (2, 1045 s. v. Reider) stellt deswegen zum Nomen der Reider das Adjektiv ahd. reid [i] ‘ kraus, gekräuselt ’ hieher, das sonst nicht belegt ist. Diese Deutung würde besser zu den Angaben passen, die überliefert sind. Rein Rein ‘ Abhang, Rain ’ , auch Rei, ist zu schwdt. Rein u. ä. m./ n. ‘ lang gestreckter Abhang, steiler und weniger breit als die Halde, aber weniger steil und breiter als das Bort ’ (I D . 6, 979 ff.), amhd. rein ‘ begrenzende Bodenerhöhung ’ (Z INSLI 1984, 578) zu stellen. Das Verhältnis zu Rii ‘ Abhang ’ ist unklar (cf. HL R II ). Das Simplex Rei n. kommt in Raron dreimal vor (ts Rei, ts Rei üf ‘ der Abhang ’ (zweimal), ‘ den Abhang hinauf ’ ). In Visperterminen (im Rei ‘ im Abhang ’ ) ist es einmal belegt, historisch auch in Randa (1745, Rein). Birgisch hat historisch einen Plural Reiner ‘ die Abhänge ’ (1760). Eine adjektivische Bildung weist Wiler mit t Eewigu Reina ‘ die ewigen Raine ’ auf (dazu cf. HL E WIG ). Als Grundwort in Komposita bildet Rein die Namen dr Alhurein ‘ der sumpfige Rain ’ (Ferden), historisch Im Laubirein ‘ Rain beim Rutschgebiet ’ (1845, Blatten), und den Ober und Under Walkurein (Kippel), wohl zu Walche ‘ Walke ’ zu stellen. In Wiler gibt es den Plural Tänn(e)rreina ‘ die Raine beim Tänn (Tannenwald) ’ . Als Bestimmungswort findet sich in Niedergesteln (e)Reinbord (das Bord am Rain) und historisch Raron zugeordnet das wohl gleiche Gebiet als Reinbordt (1723). In Inden ist Reihaltu ‘ Rainhalde ’ belegt. Alle drei Namen scheinen Interpretationen des nicht mehr verstandenen Rein ‘ Abhang ’ zu sein. Einen schwierigen Fall bietet der historische Beleg an der Treinalp (1528), wo vermutlich eine Agglutination von t und Reinalp zu Treinalp vorliegt; dieser Name erhielt dann wiederum einen Artikel. Reinaard Reinaard n. ist als ts Reinard (Inden) und ts Reinaard (Leuk) belegt. Es ist wohl zum PN Reginhart (FEW 16, 688) zu stellen, meint aber wohl den Fuchs zu frz. renard, den etwa auch Montana (G ERSTER 1927, 61) als re ̩ y ɳ n ā r ‘ renard ’ kennt. Das Neutrum meint dann ein Kollektivum ‘ das Gebiet mit Füchsen ’ . Reisti Reisti f. ist eine sonst im Walliserdeutschen fehlende Abstraktbildung zu schwdt. reisten ‘ entästete Holzstämme, Holzblöcke durch eine natürliche oder künstliche Rinne zu Tal gleiten lassen ’ , daher ‘ natürliche oder künstliche Bahn in Gebirgen und Waldhängen ’ , auf dieser wurde nicht nur Holz, sondern auch weitere Materialien, die nicht auf dem Schlitten weggeführt werden konnten, hinuntergeschoben oder -geschleift (I D . 6, 1507 ff.). Das Lemma kommt nur historisch vor und zwar als Simplex in den Reisten (1780, Niederwald) und als Bestimmungswort in Reistflüenenstafel (1850, Obergesteln) und Reist=Flu ᵕ e=Wänge (1850, Obergesteln). G RICHTING (1998, 161) kennt das Verb reischtu ‘ anheben ’ und die Bildung Reischtiise ‘ Hebeeisen ’ ; beide sind hier kaum einschlägig. Für die Holzrutsche im Gelände ist sonst Schleif geläufig. Reitu Reitu ist nur einmal belegt in uf Reitu ‘ beim Schuppen ’ (Ried-Mörel). Es ist vermutlich zu schwdt. Reiti f. ‘ Schuppen, Lager, Speicherraum ’ , Abstr. zu reiten zu stellen und bezeichnet den ‘ Ort, wo etwas bereitgemacht, -gestellt wird ’ (I D . 6, 1649 ff.). V. S CHMID (2003, 52) kennt Reit als Käse- und Brotleiter, ohne nähere Angabe zur regionalen Verteilung; bei G RICHTING (1998) fehlt das Lemma. Hieher gehört wohl auch der Ritubrunnu ‘ Quelle unterhalb “ Reitu ”’ (Ried-Mörel); der Name scheint aber auch an Riti ‘ gerodetes Gebiet ’ orientiert zu sein. Der Namenstyp ist sonst im Oberwallis nicht vertreten. Reid 439 440 <?page no="774"?> Remandi (FaN) Remandi (FaN) ist ein nur historisch belegter Flurname: 1675 am Remandi, 1675 am Reÿ Mant, 1680 Reinmandli und 1680 das Reimandt (Zwischbergen). Die Notationen machen deutlich, dass der Name unklar war. Nur in einem Beleg von 1680 ist das Genus klar: es handelt sich um ein Nomen mit neutralem Genus. In einem Beleg von 1676 wird ein Petrus Reimander genannt. P H . K ALBERMAT- TER hat im Archiv des Geschichtsforschenen Vereins Oberwallis und im Stockalper-Archiv mehrere Belege für einen FaN Reiman oder Reimand aus dem 16. und 17. Jh. im Gebiet von Zwischbergen gefunden. Es dürfte sich also um ein Gut handeln, das nach den Besitzern als Reimand bezeichnet wurde: ‘ das Gut des Reimand ’ . Rembeyr Rembeyr ist nur historisch in Leuk belegt als de clauso renber (1227), lo clous rembeyr (1286), ou clos rymber (1331) und in clauso reymber (1405). Es ist wohl zum lebend belegten ts Rembü zu stellen, das seinerseits wohl auf den PN Reimbold (F ÖRSTEMANN 1, 1223) oder ähnlich zurückzuführen ist. Die Endung scheint ein Suffix / - ATORIA / zu sein, die eine Lokalisierung anzeigt (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288), also ‘ der Ort des Reimbold ’ . Rembü (PN) Rembü (PN) n. ist zunächst als ts Rembü (Leuk) belegt. Die ältesten Belege sind 1215 Rembout, 1339 Reymbaut, 1453 eys Reymbo belegt, verweisen also auf einen PN, am ehesten Reimbold (F ÖRSTEMANN 1, 1223). In Leuk sind historisch auch belegt 1653 u. später jm Rainbauw ‘ am Ort, der dem Reimbolt gehörte ’ , im Reinbühl (1689), vermutlich falsch zu Reimbold, und 1764 im Undren Reinbux ‘ im unteren Teil des Ortes des Reimbolt ’ . In Agarn sind jm Reinbauv ‘ am Ort des Reimbolt ’ (1650 u. später) und vicus Reymbaut (1339, Agarn) ‘ die Gasse zum Ort des Reimbolt ’ belegt. Remer (PN) Remer (PN) ‘ Römer ’ , ev. auch zum PN Remi (I D . 6, 900) oder zum Adj. rem ‘ mit krankhafter Steifigkeit u. ä. behaftet ’ , auch wdt. rem, reem (Goms), räm, rämm (Lötschtal), reem ‘ steif, Muskelkater haben ’ (I D . 6, 900; G RICHTING 1998, 161), also ‘ jemand, der steif ist ’ , zu stellen. Laut Gwpp. ist Remer der Beiname eines Mannes namens Biffiger. Belegt ist er in t Remertola ‘ die Mulde des Remer ’ (St. Niklaus). Rende Rende ist nur in Visp 1587 als Rendenmatte ‘ die Wiese mit Einkunft / die Wiese der Familie Rende ’ und 1597 ebenfalls als Rendenmatte belegt. 1587 heisst es olim (lat.: früher, einst) das Sandt. Wenn nicht das HL R ËNT ‘ Einkünfte, Ertrag ’ (I D . 6, 1157) gemeint ist, das bei G RICHTING (1998, 161) nur als Adj. rentaabl, rentaabul (Zermatt), räntaabil ‘ einträglich, lohnend ’ vorliegt, dann könnte es sich um einen nicht belegten FaN oder PN Rende handeln (der allerdings für das Wallis untypisch wäre und auch im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ nicht belegt ist). Rendrelbech Rendrelbech ist nur 1361 in Leukerbad als Rendrelbech belegt. Das Dokument besagt, dass nach Rendrelbech ein Weg führe. Unklar ist, ob es sich um ein dt. Wort mit dem Grundwort Bach, Pl. Bäch, auch Bech ‘ Bach ’ (I D . 4, 947 ff.) handelt, oder um ein romanisches Wort. Das Dokument ist unter A 16, S. 172 im Archiv der Minutare enthalten, ist also sicher alt. Um 1361 dürfte Leukerbad noch nicht deutschsprachig gewesen sein. 1353 erscheint aber Renderwec, 1359 Renderwech, die beide zum dt. (e)Rinnerwäg gestellt sind. Vermutlich dürfte auch Rendrelbech hieher gehören, also Rinderweg meinen. Die Flur liegt heute auf rund 1700 m, wo laut SK ein Fussweg hinaufführte, den der Notar von 1361 erwähnt. Replang Replang ist nur 1566 in Leuk als saxum dÿ replang belegt. Dem lat. SAXUM ‘ Fels ’ ist das frpr. dÿ replang zugefügt. M EYER (1914, 170) kennt replan, ist sich aber über die Deutung nicht klar. B OSSARD / C HAVAN (2006, 19) kennen es als Replan ‘ [r]eplat, petit plateau sur une éminence ’ (Terrasse, kleine Ebene auf einer Erhebung). Saxum dÿ replang meint also ‘ der Fels mit einer kleinen Ebene ’ . Reschpu Reschpu m. ‘ Reisig ’ ist nur in der Reschpu ‘ Ort mit Reisig ’ (Blitzingen) belegt. Es handelt sich um einen Alpstafel in einer Waldlichtung. Da Blitzingen im Gebiet der Vokalisierung von / l/ liegt, muss das HL R ESPEL sein. Es ist zu schwdt. Rësp n. kollektiv ‘ Reisig, Stauden, Äste ’ (I D . 6, 1486 ff.) zu stellen. I D . erwähnt einfaches Rëspel unter G e -rëspel (I D . 6, 1487) als Ortsname in Egnach (Thurgau), doch findet sich der Name in TGNB 3, 2 (2007) und in www.ortsnamen.ch nicht. Reschti Reschti f. ‘ Raststelle ’ ist zu schwdt. Resti f. ‘ Ort, wo man gewöhnlich Halt macht ’ , ahd. rest ī , mhd. reste ‘ Ruhe, Raststätte ’ (I D . 6, 1503 f.) zu stellen, einem Verbalabstraktum zu reste n ‘ ruhen, rasten, z. B. mit einer Bürde ’ (I D . 6, 1502 ff.). Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. Es ist in rund 120 Namen belegt. Das Simplex im Singular ist in den Formen t (e)Reschti und t Reschti, historisch auch Resti und Restin rund 30mal 441 442 Reschti <?page no="775"?> im ganzen Oberwallis belegt. Der seltsame Beleg im Restü (1701, Bratsch) mit Genus Maskulin oder Neutrum und dem auslautenden / ü/ ist schwer zu deuten. Ein romanischer Name liegt schon aus zeitlichen Gründen kaum vor. Der Auslaut kann hyperkorrektes / ü/ statt / i/ sein; die Form liesse sich als Diminutiv verstehen, was auch das Genus Neutrum erklärt. In Guttet ist 1580 zum Rest belegt; die Stelle ist aber unvollständig. Der Plural des Simplex ist nur einmal historisch 1472 in Obergesteln in von den Restinen belegt. Ein Diminutiv ist in zum Reeschtli ‘ bei der kleinen Raststelle ’ (Täsch) belegt. Mit attributivem Adjektiv zum HL finden sich: z Alt Reschti ‘ bei der alten Reschti (Raststelle) ’ (1721 u. später, Ried-Mörel), zur Aússern Restÿ ‘ bei der äusseren Reschti (Raststelle) ’ (1844, Eischoll), zúr Aúsren Restÿ ‘ bei der äusseren Reschti (Raststelle) ’ (1827, Eisten), ts Inner Reschti ‘ bei der inneren Reschti (Raststelle) ’ (Stalden), ts Chlei Reschteli ‘ die kleine Reschti (Raststelle) ’ (Eyholz), t Ober Reschti ‘ die obere Reschti (Raststelle) ’ (Fiesch, Naters), t Unner (e)Reschti ‘ die untere Reschti (Raststelle) ’ (Naters) und ts Üsser Reschti ‘ zur äusseren Reschti (Raststelle) ’ (Stalden). Es überwiegen die relativen Lagebezeichnungen. Einen vorangestellten Genitiv findet man nur im komplexen Beleg Helnero Restin Valdt ‘ der Wald bei der Reschti (Raststelle) der Familie Heldner ’ (1525, Lalden). Nur zweimal sind zweigliedrige Komposita mit dem Grundwort Reschti belegt in auf der Gemeinde Resti ‘ auf der Reschti (Raststelle), die der Gemeinde gehört ’ (1869, Bürchen) und in t Salzreschti ‘ die Reschti (Raststelle) mit Salz (wo man dem weidenden Vieh Salz zu lecken gibt) ’ (Ried-Mörel). Komplexer sind t Oberu und t Unneru Geisreschtine ‘ die oberen und die unteren Raststellen für die Ziegen ’ (Saas-Almagell). Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita zusammen mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Alpa, Biel, Bord, Böüm, Cheer, Chi, Egg(a), Fad, Furgga, Grabu, Gufer, Hag, Hubel, Pass, Satz, Schleif, Schluocht, Stafel, Stapf, Stäcke(n), Stei, Treije, Tiri, Tschugge, Wald, Wase, Wasser, Wäg, Weid und Zug. Komplexere Konstruktionen sind häufig mit Ober und Unner gebildet, etwa ts Ober Reschtigufer ‘ der obere Teil des Steingerölls bei der Reschti (Raststelle) ’ (Oberems) und der Unner Reschtifat ‘ das untere Grasband bei der Reschti (Raststelle) ’ (Grächen). In einigen Fällen ist das HL nur durch Resch(t)in Komposita vertreten: Reschbiel ‘ der Hügel des Res (Andreas) / der Reschti (Raststelle) ’ (FLNK, Guttet), in Feschel 1397 als zer Respuyl, 1832 im Respiel, ts Reschtegg ‘ die Ecke über der Reschti (Raststelle) ’ (Biel). Während in Guttet und Feschel auch eine Kurzform zum PN Andreas vorliegen könnte, wird in Biel von den Gwpp. explizit auf Reschti verwiesen. Eine Ableitung auf / - IL / ist mehrfach belegt in Reschtilbiel ‘ der Hügel bei der Reschtil ’ (Embd), wobei die historischen Belege teilweise nur Reschti aufweisen, Restilsteyne ‘ beim Restilstein ’ (1356, Törbel; 1554 zum Resilstein), zem Restilsteyne ‘ beim Restilstein ’ (1302, Steg), Restilsteinwasserleita ‘ die Wasserleitung vom / zum Restilstein ’ (1392, Mund; 1399, Birgisch). Es handelt sich wohl um ein Suffix / - IL / m. als Stellenbezeichnung, hier als Zugehörigkeit zu einer Reschti zu verstehen (S ONDER- EGGER 1958, 513). Reserwaar Reserwaar n. ist die dialektale Aussprache des frz. réservoir zur Bezeichnung eines Beckens oder Behälters, in dem Wasser gespeichert wird, vgl. auch G RICHTING (1998, 161), der es auf die Rarner Schattenberge beschränkt, was so nicht von den Flurnamen bestätigt wird. Belegt sind bim Reserwaar ‘ beim Reservoir ’ (Oberwald), ts Reserwaar ‘ das Reservoir ’ (Oberwald), ts Reserwaar ‘ das Reservoir ’ (Varen), zum Reserwaar ‘ beim Reservoir ’ (Randa). In allen Fällen ist eine Wasserfassung gemeint. Resil Resil ist als Lexem in den lebenden Belegen der Resselstei (Baltschieder), dr Resilstei (Hohtenn) und in den historischen Belegen Restilstein aqueductu ‘ bei der Wasserleite vom / zum Restilstein ’ (1399, Baltschieder) und zu Reschilstei (1676 u. später, Steg) vertreten. In Steg ist damit ein Weinberg gemeint, in Hohtenn werden ebenfalls Reben genannt, in Baltschieder ist nur von Wiesen die Rede. I D . kennt Rëselstein ‘ Hagelkorn ’ (11, 882), doch dürfte dieses Wort kaum in Frage kommen. Für Hohtenn meint Gwp., es handle sich um die Rebsorte Resi (E GLI 1982, 18, 23 mit Hinweis auf die Herkunft aus dem frpr. rèzi), was jedoch die Form Resilstei nicht erklärt. Die ältesten Belege sind für Baltschieder 1306 Restelsteýne und für Hohtenn 1309 Rescilsteyne. Vermutlich liegt also beiden Restilstei zu Grunde; ob dies zu Reschti ‘ Raststelle ’ (cf. HL R ESCHTI ) gestellt werden kann, ist unklar. Resil oder Reschil sind sonst nicht belegt, hingegen ist Restilstein unter dem HL R ESCHTI zu einer / - IL / -Ableitung als Stellenbezeichnung nach S ONDEREGGER (1958, 513) gestellt worden. Resini Resini ist der Plural von Resi. Zur Deutung können zwei Ansätze dienen: Resi als Rebsorte (E GLI 1982, 18 und 23) und Resi ‘ Krippe, Unterschlupf ’ (T AGMANN 1946, 37). Im Fall von t Resini (Varen) trifft wohl die erste Deutung zu; Reserwaar 443 444 <?page no="776"?> die historischen Belege (1546 jn den Rettschienen, 1649 in den Ressinen usw.) deuten sogar auf eine frühere Lautung Retschi hin, die dem frpr. rèdzi entsprechen würde. Unsicherer ist die Situation in den Belegen en la Ressi (1494, Salgesch) und jn prato Ressie (1580, Salgesch), wo beide Möglichkeiten gegeben sind. Zusätzlich liesse sich hier Ressi als ‘ Sägerei ’ verstehen (B OSSARD / C HAVAN 2006, 226 s. v. Resse) (cf. HL R ESSIAM ). Der späte Beleg von 1835 beÿ den Rezenen wird von M ATHIER (2015, 110) zu Reezi ‘ die scharf abbrechende Stelle ’ (cf. HL R EEZ ) gestellt; der Beleg von 1855 beÿ den Rezenen scheint aber wiederum Rebgebiet zu sein, wie der Kontext deutlich macht. Der historische Beleg in Reszinen aus Guttet (1870) kann ebenfalls beiden Deutungen zugewiesen werden. Resper Resper ist zu schwdt. Rësper m. ‘ Korneinsammler ’ (I D . 6, 1489) zu stellen; I D . weist das HL explizit dem Wallis zu. Das HL ist zweimal in Turtmann belegt: Respers Matten ‘ die Wiesen des Korneinsammlers ’ (1745) und Respers Schür ‘ die Scheuer des Korneinsammlers ’ (1670). G R W B und G RICHTING (1998) kennen das Wort nicht. Ob es sich hier um eine Funktionsbezeichnung oder einen Beinamen handelt, bleibt unklar. Ressiam Ressiam ist der Akkusativ einer latinisierten Form Ressia, 1453 in Leuk als ad caldanam ante Ressiam ville de Leuca ‘ beim Warmwasser vor der Ressia der Stadt Leuk ’ belegt; der Name folgt auf der gleichen Seite ein zweites Mal, wiederum mit dem decursum aque caldane ‘ Lauf des Warmwassers ’ . Vermutlich ist diese Latinisierung zu Ressi f. ‘ Sägerei ’ (FEW 10, 290 s. v. r ĕ s ĕ care) oder zu Resi f. ‘ Krippe ’ (T AGMANN 1946, 37) zu stellen. Vom Kontext her dürfte eine Sägerei an einem Bach wahrscheinlicher sein, die mit einem Schaufelrad und Wasserkraft betrieben wurde (B OSSARD / C HAVAN 2006, 226). Wieweit die Formen zu Ressie (Salgesch) (1494 en la Ressi; 1738 zar Ressinen; 1754 in Champetro Resÿ; 1835 beÿ den Rezenen; 1855 beÿ den Rezinen) hieher zu stellen sind, ist unklar (cf. HL R ESINI ). Ähnlich unsicher ist der Beleg jn prato Ressie (1580, Salgesch), wo eine Latinisierung zu Ressia vorliegen kann: ‘ bei der Wiese der Sägerei ’ ist ebenso möglich, wie ‘ bei der Wiese beim Unterschlupf (Krippe) ’ . Weniger sicher ist die Möglichkeit ‘ beim Weinberg mit Resi ’ (cf. HL R ESINI ). Reter (PN) Reter (PN) ist nur 1714 in Baltschieder als im Retersboden und 1741 in Mörel als in Reters Boden belegt. In beiden Fällen ist die Rede von einem Alprecht (alpegium), resp. von der Sömmerung von zwölf Kühen. Es kann sich also kaum um den Rettich handeln (I D . 6, 1629 s. v. R ǟ terich; vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 546 s. v. R APHANUS SATIVUS und R APHANUS RAPHANISTRUM , beide nur subalpin, vgl. der Räätrischbach (Oberwald)). Dann bleibt nur Reter (PN) als ‘ der Boden des Reter (PN) ’ , wobei dieser PN unbelegt ist. Es könnte sich aber um eine entrundete Form handeln. In AWWB (219) ist der FaN Roth (mit Varianten wie Rot, Roto und Rothen) aus dem Lötschental belegt, auch in Steg; der FaN kann hier in Frage kommen. Retrich (PN) Retrich ist nur in Zeneggen 1558 als jn Retrichsboden belegt. Zum gleichen HL gehört wohl Räätrisch (s. HL R ÄÄTRISCH als PN). Es ist zu schwdt. R ǟ trich (I D . 6, 1629 f.) zu stellen, das den Rettich meint, kann aber auch einen PN kennzeichnen. Unter dem HL R ETER (PN) wurde die Pflanze (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 546 s. v. R APHA- NUS SATIVUS und R APHANUS RAPHANISTRUM ) als subalpin gekennzeichnet; darum ist hier vermutlich ein PN anzunehmen. Retzuch Retzuch ist 1402 in Ried-Brig belegt und bezeichnet eine Wiese. Im Kontext ist vom Gebiet der Leute von der Schlüocht die Rede, einem Teil von Ried-Brig. P H . K AL- BERMATTER (p. c.) liest den Beleg gleich. Eine Deutung ist nicht möglich. Revirola Revirola ist in Salgesch in einer langen Reihe von historischen Belegen dokumentiert. Die ältesten Belege sind: 1338 en revirola, 1366 en revirola, 1388 en riuyrula, 1411 en reverola, 1516 en rawyrolaz usw. Eine Deutung ist schwierig; am ehesten bietet sich Ravire ‘ Gebiet, das von vielen kleinen Bächen durchfurcht wird ’ (T AGMANN 1946, 12) (cf. HL R AWERI ) an, zu dem Revirola eine diminutive Ableitung (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) darstellt: ‘ das kleine Gebiet mit vielen kleinen Bächen ’ . Reyl Reyl ist nur belegt 1338 in Inden als jn campo Reyl. Das HL wird von M EYER (1914, 79, 121 und 170) als pra reyel zu einer / - ELLU ( M )+ ARIU ( M )/ -Ableitung zu riga gestellt, das laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 104 s. v. Raie) zu kelt. *rica ‘ sillon [Furche] ’ (cf. FEW 10, 386 ff.) zu stellen ist. Gemeint ist also das Feld mit Furchen. Reynalt (FaN) Reynalt (FaN) ist vom FaN Reynard (AWWB 208) abgeleitet, der zum PN Rainaldus zu stellen ist. Belegt ist nur 1356 in prato Reynalt ‘ in der Wiese des Rainald ’ (Leukerbad) und ouz Reynard ‘ bei den Reynard ’ (1487, Leu- 445 446 Reynalt (FaN) <?page no="777"?> kerbad). Der dort belegte Name von 1467 eys les Reyer gehört wohl zum HL R EI . Ri Ri ist nur in ts Risand (Termen) belegt; es handelt sich um einen sandigen Abhang unterhalb des Grosse Huwetz beim Saflischpass; die Deutung von 1972 hat “ Moräne ” . Zwar gibt es schwdt. Rî n sand ‘ Rheinsand ’ (I D . 7, 1114), doch ist Rî ‘ Rhein ’ im Wallis sonst nicht belegt; am genannten Ort ist auch kein Flusslauf erkennbar. Zu vermuten ist, dass nicht Rî ‘ Rhein ’ , sondern eine Ableitung zu rîsen ‘ fallen ’ (I D . 4, 1335 ff.) gemeint ist. Entweder war das Partizip ts Risend ‘ das Fallende ’ namengebend, oder eine Verbindung mit dem HL S AND , also ‘ das fallende Sandgebiet ’ . Ribi (PN) Ribi (PN) ist nur 1301 und 1303 in Visp als Ribismatta ‘ die Wiese des Ribi ’ belegt. Es handelt sich wohl um einen PN, was der Genitiv nahelegt. Das Nomen Rîbi f. ‘ die (Hanf-)Reibe ’ (I D . 6, 65) kommt wegen der starken maskulinen Genitiv-Form nicht in Frage. Der PN ist jedoch nicht belegt; der FaN Ribi ist laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1488 f.) nur im Thurgau beheimatet. TGNB (2, 2, 450) hilft hier nicht weiter. F ÖRSTEMANN (1, 1278) erwähnt Ripi und Ripo und verweist auch auf Hripo (1, 878). Alle drei weisen jedoch / p/ an Stelle von / b/ auf. Es kann dennoch ein Kurzname angenommen werden, der nicht belegt ist. Ribordi (FaN) Ribordi (FaN) ist der FaN Ribordy mit verschiedenen Varianten, ursprünglich aus Sembrancher (AWWB 209; F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1489 aus Bagnes, Riddes und Sembrancher). In Leukerbad ist Ribordiweid ‘ die Weide der Familie Ribordi ’ (FLNK) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 13, Nr. 22 und Blatt 14, Nr. 28) kennt Ribordiweyd. Ricca Ricca ist der Name eines Grenzgipfels (2533 m) beim Zwischbergental, südwestlich des Pizzo Straciugo. Zwar kennt J ORDAN (2006, 379 und 387) zwei Rigga, aber beide sind wohl zu Rigg ‘ Rücken ’ zu stellen, bezeichnen auf jeden Fall keinen Gipfel. Das it. Adjektiv ricco, ricca ‘ reich ’ kommt kaum in Frage. Ein italienischer FaN Ricca ist auch im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1489) belegt und kommt als Ricca-Haus in Brig vor. Dennoch würde sich der FaN Ricca in Isolation kaum als Gipfelname eignen. Vermutlich handelt es sich einfach um eine it. Schreibweise des wdt. t Rigga ‘ die Rücken ’ , die so sonst nicht belegt ist. Richart (PN) Richart (PN) ist nur in Glis 1398 als Richartin Matta belegt; ein späterer Beleg von 1858 am gleichen Ort hat Richetmatta. 1573 ist ebenfalls in Glis ein Rychartz Acher belegt. Es handelt sich um einen PN Richart oder den FaN Richard, der in den Urkunden auch Richardi, Rychardi, Richart, Ricars geschrieben wird (AWWB 209). Allerdings stammt diese Familie aus Hérémence und ist vor allem im mittleren Wallis begütert. Der FaN ist aber auch als Richardi 1390 in Glis bezeugt und 1460 erscheint ein Laurentius Richartz jm Holtz in Ried-Brig. Der PN Richard ist im Übrigen häufig belegt, sodass auch ein PN in Frage kommt, wie er in der Deutung erscheint. Richti Richti f. ist zu schwdt. Richti f. ‘ gerade Richtung, gerade Linie ’ , im älteren Sprachgebrauch vor allem bei Grenz- und Markbestimmungen (I D . 6, 462) zu stellen. Richti ist ein Verbalabstraktum zum Verb richten ‘ gerade machen, eine bestimmte Richtung geben ’ (I D . 6, 374 ff.). URNB (2, 1073 f.) kennt das HL als ‘ gerade Richtung ’ . G RICHTING (1998, 162) kennt nur das Verb richte, richtn (Lötschtal), richtu ‘ richten, ausrichten, sieben ’ . Die rund 15 Flurnamen sind unterschiedlich zu verstehen. Das Simplex im Singular ist t Richti ‘ gerades Stück Land? ’ (Martisberg); die Motivation ist unklar, vermutlich handelt es sich um einen früher geraden Acker. Hierzu gehört auch Sunnurichti ‘ die gerade, sonnseitig gelegene Fläche ’ (Törbel). In Zusammensetzung mit Tiernamen bezeichnet Richti Orte, wo Fallen aufgestellt werden (I D . 6, 462 und 464). Hierzu gehören t Fuggsrichti ‘ die Falle für den Fuchs ’ (Naters), t Hienerrichti ‘ die Falle für die (Auer)Hühner ’ (Saas-Balen), t Wolf(e)richti ‘ die Falle für den Wolf ’ (Eggerberg, Hohtenn), Thierrichte ‘ die Falle für die Gämsen ’ (SK, Blatten) mit t Foder und t Hinder Tiärrichtin ‘ die vordere und die hintere Falle für die Gämsen ’ (Blatten). t Nacht(e)richti ‘ der Weideplatz, der für die Nacht eingerichtet wird ’ (Baltschieder) und der Nachtrichtigrabo ‘ der Graben bei der Nachtrichti ’ (Baltschieder) meinen einen Weideplatz des Viehs für die Nacht. Mehrfach belegt ist der Typ t Seilrichti ‘ die schnurgerade senkrecht abfallende Felsschlucht ’ (Reckingen), Plural t Seilrichtene ‘ die schnurgerade senkrecht abfallenden Felswände ’ (Münster), erweitert t Seilerrichti ‘ die schnurgerade abfallenden Felsen ’ (Birgisch, FLNK Seilrichti) und t Seilerrichti ‘ das schnurgerade senkrecht abfallende Gelände ’ (Zwischbergen); das seltsame auslautende / -er/ kann als vokalischer Vorschlag von Richti verstanden werden. In Grengiols kommt der Seilrichtigrabo ‘ der Graben, der schnurgerade senkrecht hinunterführt ’ hinzu. I D . kennt Schnuerrichti und Fadenrichti, für Ri 447 448 <?page no="778"?> schnurgerade Richtung besonders in Grenzbestimmungen (I D . 6, 463f); Seilrichti ist ähnlich zu verstehen, aber in I D . nicht belegt. Rieba Rieba f. ist ein häufig auftretendes HL, dessen Deutung sehr schwierig ist. Das Simplex im Singular ist zunächst belegt mit vokalischem Vorschlag vor dem / r/ als t (e)Riebu (Ergisch), dann als t Rieba (Martisberg, Steinhaus), historisch als au ᵕ ff der Rieben (1641, Unterbäch; 1715 im Arriebilti, Diminutiv mit r-Vorschlag), jn der Riebun (1302, Steg) und Rüebee (1492, Mühlebach). Häufiger ist das Simplex im Plural Ribe (LT, Visperterminen, aber 1: 10000 Riebe), t (e)Riebe (Eisten, Mund, Naters), t Rieba (Ernen), t Riebä (Grengiols), t Riebe (Grächen (1307 aber an der Riebun), Oberwald, Reckingen, Zeneggen, Zermatt), in dye Ry ᵉ be (1396, Raron), in den Rieben (1663, Lalden), die Rieben (1774 (? ), Eggerberg), die Ryebun (1391, Stalden), Riebene (FLNK, Lax; auf 1: 10000 etwas nördlicher Wilerriebe ca. 2400 m), an dien Riebon (1401, Ried-Brig), an den Ryebon (1497, Baltschieder), in dien Riebon (1304, St. Niklaus), in dien Riebvn (1381 u. später, Ried-Mörel). Attributive Adjektive zum HL sind wie folgt belegt: dv ᵢ Breyte Rieba (1309, Visperterminen), t Hinndru Riebe ‘ die hinteren Rieben ’ (Grächen), Lengi Riebe ‘ die langen Rieben ’ (FLNK, Visperterminen), in superiori Riebun ‘ in der oberen Riebe ’ (1302, Mund), t Obru Riebe ‘ die oberen Rieben ’ (Visperterminen), t Scheeni Riebu ‘ die schöne Riebe ’ (Oberems), t Undru Riebe ‘ die unteren Rieben ’ (Visperterminen). Vorangestellte Genitive zum HL sind: Blattnerriebe ‘ die Rieben unterhalb von Blatten ob Naters ’ (FLNK, Naters), t Fiescherriebini ‘ die kleinen Rieben der Leute von Fiesch ’ (Fiesch), in der Melbaúmer Rieben ‘ in der Riebe der Leute vom Mehlbaum (Weiler von Naters) ’ (1762, Naters), t Wilerriebini ‘ die kleinen Rieben der Leute von Wiler (heute Dorfteil von Fiesch) ’ . Komplexere Namen mit dem HL als Grundwort sind: in den Vnderen Langen Rieben ‘ in den unteren langen Rieben ’ (1731, Visperterminen) und die Wasserfuhr Rieben ‘ die Wasserleitung Rieben ’ (1860, Mund). Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Brand, Cheer, Egg(a), Grabu, Graat, Hee (hooch, heej), Schleif, Wald, Wäg und Wasser. Komplexere Fälle sind: die Obren Riebenwasserleÿtten ‘ die obere Riebenwasserleitung ’ (1584, Visp), den Obr ū n Rÿebunwaeg ‘ der obere Riebenweg ’ (1591, Visperterminen, Akkusativ durch Konstruktion bedingt), die Rÿeben Wasserleytta ‘ die Rieben-Wasserleitung ’ (1602, Visperterminen), in den Vndren Rieben Achren ‘ in den Äckern bei den unteren Rieben ’ (1687, Zeneggen). Einen Sonderfall bildet die Periebe (Unterbäch, FLNK Parieba) mit Betonung auf der zweiten Silbe, das wohl aus dem Kollektiv Bi-Riebe mit / r/ -Vorschlag gebildet wurde (cf. HL P E ). Das HL ist in über fünfzig Namen vertreten, dennoch herrscht keine Einigkeit über die Deutung des Lemmas. I D . (6, 68) führt es auf Rëb ‘ Rebe ’ zurück und lässt sich dabei lenken vom Flurnamen Riebe (Pl.) (LT hat Ribe) in Visperterminen, wo sich der höchste Rebberg Europas befindet; W IPF (1910, 38) verweist für Visperterminen einfach auf I D . und URNB (1, 1241 f.) übernimmt diese Deutung für Riebgarten. Mehr als ein Viertel der in der Oberwalliser Datenbank erfassten Flurnamen bezeichnen aber Stellen über 2000 m Höhenlage, wo von Reben im engeren Sinn nicht die Rede sein kann; diese Deutung ist deswegen abzulehnen. Eine Entrundung von Rüeb(e n ) ‘ Rübe ’ (I D . 6, 79 ff.) liegt nicht vor, zeigen doch fast alle Belege vor 1500 die Form Rieba oder ähnlich. Z IMMERMANN (1968, 37) folgt der Analyse von M ÜLLER für die Obwaldner Namen und nimmt ein surselvisches rieven, rüeven ‘ Bord ’ aus lat. * ROVINU (RN 2, 289 f., Z IMMERMANN zitiert falsch RUINA ) an; die Verbreitung des Lemmas im Oberwallis, Obwalden, Uri, Zug und in Gressoney spricht gegen eine direkte Übernahme aus dem Surselvischen, worauf auch Z INSLI (1986, 495, 507) hinweist, der die Frage als nicht gelöst betrachtet. ZGNB (4, 51) führt einen Beleg Rieben von 1150 auf mhd. riebe, rieb als Nebenform zu mhd. rippe, rip zurück und deutet ihn als ‘ Felsrippe, Geländekante ’ . Damit wird eine Deutung übernommen, die I D . in der Anmerkung schon andeutet: mhd. riebe als Variante zu mhd. rippe. Die Belegstellen bei L EXER (2, 454) lassen keinen klaren Schluss auf die regionale Verbreitung zu. Wie auch in andern Fällen kann jedoch der Flurname eine ältere Form bewahren, die als Appellativ geschwunden ist; so kennt W IPF (1910, 29) Rip n. und Rippi n. für ‘ Rippe ’ , Riebe (38) dagegen nur als Lokalname. Das DEUTSCHE R ECHTSWÖRTERBUCH (DRW 11, 1076 f.) kennt Rieb als Flächenmass für Weingärten, aber nur in Ober- und Niederbayern. Die weite Verbreitung des HL, die Tatsache, dass es im Singular und Plural verwendet wird und dass es zum grösseren Teil im montanen bis alpinen Bereich (1000 bis 3000 m) verbreitet ist, legen die Vermutung nahe, dass Rieba / Riebe eine Geländeform darstellt, wobei die Deutung Felsrippe in den meisten Fällen kaum zutrifft; es könnte sich, wenn überhaupt, um geripptes Weidegebiet handeln. Wir geben deswegen keine eigene Deutung. Riebsi Riebsi f. ist 1703 in Täsch als die Riebsi belegt. 1388 erscheint Riebson resp. Ryebson. In allen Fällen handelt es sich um eine Wasserleitung. I D . (6, 68 f.) verweist unter 449 450 Riebsi <?page no="779"?> Rieb f. auf Reb ‘ Rebe ’ , was kaum stimmt (cf. HL R IEBA ). In Täsch ist Rieba zwar nicht belegt, gemeint sein kann aber eine Wasserleitung von oder zu einer Rieba. Ried Ried ‘ gerodetes Stück Land ’ ist zu Ried (I D . 6, 1729 ff.) zu stellen, wo zwei verschiedene Wortstämme unterschieden werden, von denen der erste Riedgras und Sumpfgebiete meint, der zweite gerodetes Land. Z IMMERMANN (1968, 46) betrachtet Ried im Vispertal als Rodungsname. Das gilt wohl für die meisten der Belege im Oberwallis (z. B. die Gemeinden Ried-Brig, Ried-Mörel, Staldenried). URNB (2, 1078) vertritt für Uri die Meinung, dass eher die Bedeutung ‘ Riedgras, sumpfiger Boden ’ gemeint sei. Ableitungen von Ried wie Rieder, Riedin können auch FaN sein (AWWB 210, cf. HL R IEDI (PN), sowie R IEDMATTEN (F A N) und W INKELRIED (F A N)). Das Lemma kommt in unseren Daten über 300 Mal vor; im Einzelfall kann nicht über die genaue Bedeutung entschieden werden, es sei denn, der Kontext mache die Bedeutung klar, wie in bona paludosa quibus dicitur der Riedgrund ‘ die sumpfigen Güter die der Riedgrund heissen ’ (1526 (Kopie 1932), Gampel). Das Simplex im Singular Ried n. (teilweise mit dem vokalischen / r/ -Vorschlag) ist rund zwanzig Mal belegt. Das Simplex im Plural Rieder kommt nur etwa fünf Mal vor - in historischen Belegen kann eine Vermischung mit dem Namen Riederi / Riedera / Riederu ‘ Wasserleitung vom / zum Ried ’ stattfinden (z. B. Riederu ‘ Wasserleitung vom / zum Ried ’ (Ergisch, FLNK) mit einem Beleg von 1440 die Ryeder, 1654 die Riederren usw.)). Diminutivbildungen im Singular sind selten und haben die Formen Riedgi, Riedgin (nur historisch), Riedji, Riedlin (1582 u. später, Blatten), Rietzgÿ (1542, Mund). Diminutive im Plural sind kaum belegt: Rietjini und Ze Rietjinu (beide Unterems). Ableitungen auf / - ERA / oder / - ERI / sind für Wasserleitungen belegt: Riedera (Eischoll, Bürchen), Riederi (Naters, Ried-Brig, Ried-Mörel, St. Niklaus, Staldenried). Als attributive Adjektive zu Ried sind belegt: Änner Ried ‘ das jenseitige Ried ’ (Visp, Eischoll), das Durstig Ried ‘ das wasserarme Ried ’ (1315 u. später, Visperterminen; 1307 Staden), das Foder Ried ‘ das vordere Ried ’ (1719, Turtmann), ts Horiäd ‘ das hohe Ried ’ (Gampel, weitere historische Belege in Kippel, Ferden), jm Hu ᵉ ndren Rÿedt ‘ im hinteren Ried ’ (1594, Stalden), im Inneren Riedt (1676, Staldenried), ts Nider Ried ‘ das niedere (untere) Ried ’ (Eischoll, Staldenried, weitere historische Belege in Binn, Ried-Mörel, Zermatt), ts Ober Ried (Ausserbinn und mehrere weitere), ts Unner Ried (Ausserbinn und mehrere weitere) und Wiissriäd ‘ das weisse Ried ’ (Blatten), das vermutlich nach der Wiis Flüä ‘ weisse Fluh ’ (FLNK, Blatten) benannt ist. Vorangestellte Genitive im Singular oder Plural sind meist PN oder FaN: Bertschen Ried ‘ das Ried des Bäärtschi / der Familie Bäärtschi ’ (1725, Turtmann), au ᵕ ff Dirrigo Riedt ‘ auf dem Ried der Familie Dirren ’ (1691, Bürchen), Eyholzersch Ried ‘ das Ried der Familie Eiholzer ’ (Betten), in des Fenders Ried ‘ im Ried des Fenners (Fähnrichs) ’ (1770, Turtmann), Geroldigo Ried ‘ das Ried der Familie Gerold / der Leute des Gerold ’ (1659, Betten), ts Gibschturiedgi ‘ das kleine Ried der Familie Gibsten ’ (Betten), ts Goltscheriäd ‘ das Ried des Gold (PN) ’ (Ferden), im Hansen Ried ‘ im Ried des Hans ’ (1828, Betten), jn Jacob Walckers Riet ‘ im Ried des Jacob Walker ’ (1659, Betten), ts Mangisch Ried ‘ das Ried der Familie Mangisch ’ (Betten), im Schwitzer Ried (1737, Turtmann), ts Wälligsch Ried ‘ das Ried der Familie Wellig ’ (Betten). Die vielen Belege aus Betten zeigen, dass in dieser Gemeinde die verschiedenen Fluren nach den Besitzern oder Nutzern benannt wurden. Als Grundwort ist Ried in folgenden zweigliedrigen Komposita vertreten: Alburied ‘ das Ried bei der Alba (Weisse? ) ’ (Bürchen, Raron, Visp, Zeneggen), Bärriäd ‘ das Ried, wo es Bären hatte ’ (Wiler), ts Blatturiedji ‘ das kleine Ried unterhalb von Blatten ’ (St. Niklaus), Chiipelriäd ‘ das Ried bei Kippel ’ (Kippel), Färdaried ‘ das Ried bei Ferden ’ (Ferden), Gasuried ‘ Gasenried ’ (St. Niklaus), ts Goltsch(e)riäd ‘ das Ried des Gold (PN) (? ) ’ (Ferden), ts Lochried ‘ das Ried bei der Höhlung ’ (Betten), ts Pägguried ‘ das Ried des Päggu (PN) ’ (Raron, Niedergesteln), an dem Watzenriede (1304, St. Niklaus, wohl Fehlschreibung für Gasenried), ts Wicheried ‘ das Winkelried / das Weiherried ’ (Zeneggen, schon 1389 Wichenriede) (cf. HL W ICHEL ). Als Bestimmungswort ist Ried (auch Rieder) zusammen mit einer Reihe von anderen Grundwörtern belegt: Allmei, Alpa, Acher, Bach, Bäärg, Biina, Bodu, Brigga, Brunnu, Chrache, Erb, Fad, Flüö, Furgga, Gartu, Gassa, Gletscher, Grabu, Grund, Haalta, Matta, Schluocht, Stapfa, Strich, Stutz, Suon, Tal, Wäg, Wald, Wang, Wasser, Weid und Zug. Komplexere Konstruktionen mit mehreren Gliedern und attributiven Adjektiven sind z. B. t Undru Riedgaarte ‘ die unteren Gärten beim Ried ’ (Erschmatt), zu ᵕ r Riedjiwasserschöpfi ‘ bei der Schöpfstelle für die Wasserleite zum kleinen Ried ’ (1881, Visperterminen), Hotenner Riedbärg ‘ der Riedbärg, der zu Hohtenn gehört ’ (Niedergesteln) und zer Riätholzchaplun ‘ bei der Kapelle beim Riedholz ’ (Kippel). Rieder (FaN) Rieder (FaN), auch Am Ried, Vom Ried (mit Varianten) (AWWB 210) ist ein FaN, der von einem der zahlreichen Flurnamen Ried abzuleiten ist. Belegt ist ts Riedufärich Ried 451 452 <?page no="780"?> ‘ der Pferch der Leute vom Ried / der Familie Rieder ’ (Grächen). Ru ᵉ derro (1459, Mörel) meint eher die Leute von Ried-Mörel. Möglicherweise sind weitere Belege zu Ried hieher zu stellen (cf. HL R IED ). Riedi (PN) Riedi (PN) ‘ Rudolf ’ ist zum PN Rudolf oder von diesem abgeleiteten, im Wallis inzwischen erloschenen FaN Riedin, auch Ruedin, Riedgin, Ryedgin, Ryedyn, Ryedin, Riedi, Rieden, Riedgy geschrieben (AWWB 210) zu stellen, vgl. schwdt. Ruedolf, Ruedi, Rüedi (I D . 6, 628 f.); im Walliserdeutschen wird die umgelautete Form Rüedi zu Riedi entrundet. Nicht ausgeschlossen werden kann der Anschluss an HL R IED (Leute, die im Ried wohnen). In den meisten Fällen erscheint der PN als vorangestellter starker Genitiv: der Riedischacher ‘ der Acker des Rudolf / der Familie Riedi ’ (Ergisch), in Riedischboden ‘ im Boden des Rudolf / der Familie Riedi ’ (1677, Raron), under Riedischgarten ‘ unter dem Garten des Rudolf / der Familie Riedi ’ (1752 u. später, Gampel), zu Riedis Haus ‘ beim Haus des Rudolf / der Familie Riedi ’ (1740, Bracht), Ry ᵉ dis Matta ‘ die Wiese des Rüedi (Rudolf) ’ (1527, Naters), zer Riedisch Scheür ‘ bei der Scheuer des Rudolf / der Familie Riedi ’ (1784, Bratsch), ts Riedischwaud ‘ der Wald der Familie Riedi / des Rudolf ’ (Binn, mit / l/ -Vokalisierung), ts Riedisch Weid ‘ die Weide der Familie Riedi / des Rudolf ’ (Steinhaus) (laut Gwp. allerdings Kurzform zum FaN Riedmatten). Schwach ist der Genitiv in ze Ru ᵉ den Stadel ‘ beim Stadel des Rudolf ’ (1495, Gampel). Ein schwacher Genitiv Plural ist belegt in zú Riedigo Weitzachren ‘ bei den Weizenäckern der Leute vom Ried / der Familie Riedi ’ (1695, Ausserberg). Komposita bilden: Riedi=Brunnen ‘ der Quelle / der Brunnen des Rudolf / der Familie Riedi ’ (1879, Ulrichen) und ts (e)Riediweidji ‘ die kleine Weide des Rudolf / der Familie Riedi ’ (Leukerbad). Riedmatten (FaN) Riedmatten (FaN) ist zum FaN Riedmatten, Name einer bedeutenden alten Walliser Familie (AWWB 211) zu stellen. Er ist belegt in ts Riedmattergüod ‘ das Gut der Familie Riedmatten ’ (Bitsch) und historisch 1879 in eine Riedmatten=Biene ‘ der Pflanzplatz der Familie Riedmatten ’ (Ulrichen), sowie als vorangestellter Genitiv Plural Riedtmattero Walt ‘ der Wald der Familie Riedmatten ’ (1685, Stalden). In ts Riedisch Weid ‘ die Weide der Familie Riedmatten ’ (Steinhaus) sagt Gwp., es handle sich um den Familiennamen Riedmatten, der hier zu Riedi verkürzt wurde (cf. HL R IEDI (PN)). Riegele Riegele f. ist nur 1705 in Törbel als auf der Endren Riegelen ‘ auf der jenseitigen Sperre ’ belegt. Es ist zu schwdt. Rigle n ‘ Riegel, Sperre in den Umzäunungen der Felder und Wiesen, die man durch verschiebbare Stangen nach Belieben öffnen oder schliessen kann ’ (I D . 6, 756, Anmerkung zu FlN 757) zu stellen. {ie} folgt aus einer hochdeutschen Schreibweise im Dokument. Das bei G RICHTING (1998, 162) belegte Rigl, Rigäl (Goms), Rigel (Saastal), Rigul (Mattertal), Rigil ‘ Riegel ’ ist wie R ĭ gel (I D . 4, 748 ff.) maskulin, gehört aber zur gleichen Wortfamilie. Rieja Rieja f. kommt einmal in Bratsch als (e)Rieje (Plural) vor, wo der FlN eine Alpweide auf der Alpe Nibu benennt, und zweimal in Törbel als ts Riejelli (FLNK und LT Riejolli) und der Riejelligrabo. Beschrieben wird <rieja> als ‘ rundes Brot ’ . Es ist zu Rueje n , Rueja, Ruija, Rüeja, Rüja, im Wallis Rieja f. ‘ flaches, scheibenförmiges Backwerk, auf der Oberfläche oft mit dem Messer in Vierecke geteilt. Dieses ausgebackene Flachbrot wurde im Frühling in grosser Menge hergestellt und eignete sich seiner Haltbarkeit wegen gut für die Alpen ’ und wdt. Rieja, Riäjä (Goms), Rieju (Saastal), Riäja (Lötschental), Riäju ‘ Flachbrot (Mehl, Erstmilch, Salz, Rahm) ’ (I D . 6, 797; G RICHTING 1998, 162) zu stellen. Gemeint sind in Bratsch und Törbel wohl Grundstücke von der Form einer Rieja. Riem Riem ist als HL nur für das 1528 im Saastal belegte im Riemberg und 1538 dort belegte am Rÿenberg nachgewiesen. Laut dem Dokument von 1538 befindet sich die Flur im Ofutal ‘ Ofental ’ (Saas-Almagell; LT Ofental). Unklar ist der Beleg der Riebärg (Embd, auch FLNK; LT Rieberg) und das dazu gehörende t (e)Riebärgbrunne ‘ die Quellen / Brunnen auf dem Riebärg ’ (Embd). In der Beschreibung wird gesagt, dass diese Quellen das “ Riebärgbächji ” bilden, das in der Datenbank nicht belegt ist. URNB (3, 651 f.) führt Riental, ein steiles Nebental des Reusstals, auf R ī he n ‘ Rist des Fusses ’ (I D . 6, 795 f.) zurück, das allerdings dort nur für die östliche Schweiz belegt ist. Das gleichlautende R ī he n ‘ Reihe, Reihenfolge ’ (I D . 6, 1796) ist zwar im Westen verbreiteter, kommt aber wie dieses kaum in Frage. Der früheste Beleg im Riemberg lässt auf schwdt. Rieme n , Riemo m., Pl. unverändert, Dim. Riemli, wesentlich wie nhd. ‘ Riemen, Streifen ’ , ahd. riumo, mhd. rieme, schliessen. In FlN wird es für ‘ riemenförmiges Geländestück ’ verwendet. Wdt. sind Rieme, Riemu (Saastal), Riäm (Lötschtal), Riämu ‘ Riemen, Stück ’ (I D . 6, 904 ff.; URNB 2, 1115; G RICHTING 1998, 162) belegt. Spätere Belege müssten allerdings mit dem anlautenden / b/ von 453 454 Riem <?page no="781"?> Bärg assimiliert worden sein und wären dann zum HL R IEMO zu stellen. Insgesamt kann keine der Deutungen wirklich überzeugen, sodass sie unklar bleiben. Riemo Riemo m. ‘ Riemen ’ ist zu schwdt. Rieme n , Riemo m., Pl. unverändert, Dim. Riemli, wesentlich wie nhd. ‘ Riemen, Streifen ’ , ahd. riumo, mhd. rieme und wdt. Rieme, Riäm (Lötschental), Riämu ‘ Riemen, Stück ’ zu stellen. In FlN für ‘ riemenförmiges Geländestück ’ (I D . 6, 904 ff.; G RICH- TING 1998, 162; URNB 2, 1115). Das Simplex ist als der Riemen ‘ das riemenförmige Stück Land ’ (1586 u. später, Naters), in den Riemen ‘ in den riemenförmigen Stück Land ’ (1858, Stalden) belegt. Mit einem Adjektiv erscheint 1530 der Diminituv Singular das Schmalriemgÿ ‘ der kleine schmale Riemen (riemenförmiges Stück Land) ’ (Binn). Als Kompositum mit dem HL als Grundwort erscheint der Trihil (e)Riemo ‘ das Stück Land, das dem Riemen an einer Treichel (Viehglocke) gleicht ’ (Visperterminen). Ein Kompositum mit dem HL als Bestimmungswort ist Rÿemen Eÿen ‘ die riemenförmige Aue ’ (1562, Brigerbad; 1530 Rymen Eyun). Der Beleg von 1862 in der Rÿmjenen Eÿe enthält wohl ein Diminutiv. Unsicher ist die Rückführung von HL R IEM auf das hier besprochene HL R IEMO . Rieser Rieser ist nur in des … Rieseralpÿs ‘ der kleinen Alpe mit einem steilen Fussweg ’ (1856, Leuk) belegt; der Genitiv ist bedingt durch die Konstruktion. Am nächstliegenden ist hier das Etymon R ĭ sere n ‘ Schutthalde, steiler Fussweg ’ (I D . 4, 1369). Rifel Rifel oder Riffel ist nur als Bestimmungswort in Zermatt belegt; das / i/ ist geschlossen. Am nächsten liegt wohl wdt. Riffel m. ‘ Kante, Böschung ’ (I D . 6, 668), das aber vermutlich eine / - EL / -Ableitung zu Rifa ‘ hohe Grabenböschung bei der Rebpflanzung ’ (nach E GLI 1982, 185) ist, das sich seinerseits auf frpr. rive zu lat. R Ī PA ‘ Bach-, Flussufer ’ zurückführen lässt. Ob diese Herkunft auch für Riffelalpa, Riffelbodo, Riffelbord, Riffelbärg, Riffelfed und Riffelsee, sowie das Hotel Riffelberg und die Unner Riffelalpa gilt, ist unsicher. Zwar könnte die Bedeutung ‘ Abhang, Böschung ’ durchaus zutreffen, aber an eine direkte Entlehnung aus dem Weinbau ist kaum zu denken. Rifetsch Rifetsch ist zweimal historisch belegt: in Ausserberg 1695 als im Riffetz; in Raron 1678 Rifetsch, 1693 im Riffetz, 1752 im Rÿfest, 1755 im Rifetsch und 1767 im Rÿfescht. Die Belege in Raron befinden sich in St. German, sodass wohl auch der Beleg in Ausserberg den gleichen Ort meint. Da 1693 u. a. von einem Weinberg die Rede ist und als zweiter Flurname im Kin (heute: Chi) angegeben wird, dürfte sich das Gut am namenlosen kleinen Bach befinden, von dem die Maanera und die Niwa als Wasserleiten abgeleitet sind. Deswegen ist die Deutung von schwdt. Rîfetsch m. zu frz. rive ‘ Ufer ’ (I D . 6, 660; FEW 10, 104ss. s. v. r ī pa) mit dem Suffix / - ACEU / (K LEIBER 1992; B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) sinnvoll, hier zu verstehen als ‘ das steile Ufer ’ oder ähnlich. Der Name ist erst im 17. Jahrhundert belegt, deutet also auf einen französischen Einfluss hin. Rifugio Rifugio m. ist zu it. rifugio ‘ Schutzhütte, Berghütte ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1852 s. v. rifugio) zu stellen. Der Name Rifugio Regina Marguerita CAI ‘ die Schutzhütte der Königin Margerita CAI ’ (LT, Zermatt) erscheint auf der neuesten Karte von swisstopo als Capanna Regina Margherita CAI ‘ die Hütte der Königin Marherita CAI ’ (Zermatt), aber so schon als Cap na Marg ta auf 1: 10000. Diese Hütte befindet sich auf der Signalkuppe, liegt aber in Italien (Macugnaga). Capanna ‘ Hütte ’ ist als HL nicht erfasst, meint aber etwa das Gleiche wie Rifugio ‘ Schutzhütte ’ . Rigert (FaN) Rigert (FaN) ist nur 1723 in Erschmatt als die Riegertschmatte ‘ die Wiese der Familie Rigert ’ belegt. Das HL ist als FaN Rigert (AWWB 212) registriert, ursprünglich aus Gersau (Kt. Schwyz), die aber im Wallis beheimatet war. 1831 erhielt Josef Marie Rigert das Bürgerrecht von Feschel (cf. F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1499 s. v. Rigert). Rigetsch Rigetsch m. ist in Bürchen und Törbel (beide FLNK) belegt; gemeint ist die gleiche Alp auf rund 1985 m. Für Törbel gibt es einen älteren Beleg bis an den sogenannten Rigetsch (1857), der das Genus maskulin deutlich macht. In Törbel kommen hinzu der Rigetschgrabo ‘ der Graben hinunter zum Rigetsch ’ und Rigetschgrabofärrich ‘ der Pferch oberhalb des Rigetschgraben ’ (FLNK). G ATTLEN (2007) kennt den Alpnamen nicht. Ein Genitiv eines PN liegt kaum vor; der Name müsste sonst ts Rigetsch heissen. Eine Deutung ist nicht möglich. Rigg Rigg m. ‘ Rücken ’ ist zu schwdt. Rugge n wesentlich wie nhd. ‘ der menschliche oder tierische Rücken ’ , ahd. hrucci, ruggi, rucke, mhd. rucke, rücke und wdt. Rigg ‘ Rücken ’ Riemo 455 456 <?page no="782"?> (I D . 6, 778 f.; G RICHTING 1998, 162) zu stellen. In FlN bezeichnet es ‘ Bergrücken, längliche Bodenerhebung, Berg- oder Hügelgrat ’ , Diminutivformen bezeichnen ‘ kleine Anhöhen ’ (I D . 6, 787). / e/ vor dem Anlaut / r/ bezeichnet die Vokalisierung des / r/ in einigen Fällen. Das Simplex im Singular ist belegt als der Rig ‘ der Rücken ’ (Blitzingen, Saas-Balen, Selkingen), der Rig ‘ der Rücken ’ (1504, Bürchen; 1550, Naters), Rigg ‘ Rücken ’ (FLNK, Zermatt; FLNK, Grächen), aúff dem Rig ‘ auf dem Rücken ’ (1818, Oberems), aúf úm Rÿg ‘ auf dem Rücken ’ (1774, Staldenried), ufem Rigg ‘ auf dem Rücken ’ (Bellwald (zweimal), Goppisberg, Reckingen), am Rig (1564, Termen), vff dem Rig ‘ auf dem Rücken ’ (1617, Raron), vff ’ m Rüg ‘ auf dem Rücken ’ (1697, Mühlebach). Das Simplex im Plural ist belegt als Rigge ‘ die Rücken (Plural) ’ (FLNK, Ulrichen), t (e)Rigga ‘ die Rücken (Plural) ’ (Ausserberg, Ferden, Mund, Steg), t (e)Rigge ‘ die Rücken ’ (Feschel), an den Riggin ‘ an den Rücken ’ (1564, Guttet). Diminutive im Singular sind das Riggi ‘ der kleine Rücken ’ (1839, Termen), ts Riggji ‘ der kleine Rücken ’ (Binn, Brigerbad), aúf dem Riggÿ ‘ auf dem kleinen Rücken ’ (1850, Ausserbinn), Riggÿ ‘ der kleine Rücken (Alpe) ’ (1719, Simplon), am Rüggÿ ‘ am kleinen Rücken ’ (1636, Ernen). Plurale des Diminutivs sind belegt als die Riggini ‘ die kleinen Rücken ’ (1699, St. Niklaus), Riggini ‘ die kleinen Rücken ’ (FLNK, Embd). Attributive Adjektive mit dem HL als Grundwort sind: Älwe Rigg ‘ der fahlgelbe (Fels-)Rücken (Gipfelname) ’ (Baltschieder), dr Älw Rigg ‘ der fahlgelbe (Fels-)Rücken (Gipfelname) ’ (Blatten) - es handelt sich um den gleichen Gipfel zwischen Nesthorn und Breitlauihorn - , der Äng Rigg ‘ der enge (Fels-)Rücken ’ (St. Niklaus), der Chrissig Rigg ‘ der Rücken, der voll von Chris (Reisig) ist ’ (Ulrichen), der Chrumm Rigg ‘ der krumme (Fels-) Rücken ’ (Blatten), der Dirr Rigg ‘ der dürre (trockene) (Fels-)Rücken ’ (St. Niklaus, zweimal), t Foder und t Hinner Rigge ‘ die vorderen und die hinteren Rücken (Plural) ’ (beide Ulrichen), der Gross Rigg ‘ der grosse (Gras-)Rücken ’ (Fieschertal), der Gross Rigg ‘ der grosse (Fels-) Rücken ’ (Randa), der Schmal (e)Rigg ‘ der schmale Rücken ’ (Mund), der Wilt Rigg ‘ der (Fels-)Rücken oberhalb der Willt Äbi (wilder Abhang) ’ (St. Niklaus) und ein Beleg mit Präposition: zwischu Riggu ‘ zwischen den Rücken ’ (Täsch). Als Grundwort wird das HL in zweigliedrigen Komposita im Allgemeinen zu nahe liegenden Flurnamen gestellt: der Äbrig ‘ der Rücken bei der Äbi (Abhang) ’ (St. Niklaus), der Esch(e)rigg ‘ der (Fels-)Rücken beim Eschji (das kleine Eschengehölz / der kleine Ort beim Saatfeld) ’ (wohl eher Eschengehölz; ein Saatfeld ist hier kaum anzunehmen) (Raron), der Eschi Rigg ‘ der (Fels-)Rücken mit Eschen ’ (Ferden), der Cheerurigg ‘ der Felsrücken oberhalb von ine Cheeru (in den Wegkehren) ’ (Saas- Almagell), Leenurigg ‘ der Rücken bei der Leeni (Lehne) ’ (FLNK, Zeneggen), der Beerterrigg ‘ der (Fels-)Rücken bei den Börtern (Plural von Bord (Abhang, Böschung)) ’ (Saas-Almagell), der Birchrigg ‘ der Felsrücken oberhalb des Gebietes Birchmatte ’ (St. Niklaus), di Brandrigga ‘ die Rücken (Plural) bei Brand (brandgerodetes Gebiet) ’ (Eisten), Bätzlerrrig ‘ der Felsrücken beim Gebiet der Bätzla (Ort, wo es Bärenklau hat) ’ (Kippel), Riedrigga ‘ die Rücken (Plural) beim Ried ’ (FLNK, Zermatt), der Schwennirigg ‘ der Rücken bei der Schwenni (kleines gerodetes Gebiet) ’ (Törbel), der Stellirigg ‘ der (Fels-)Rücken bei der Stellimatte ’ (St. Niklaus), der Stollrigg ‘ der Rücken bei den Stollen (Felsformationen) ’ (Randa), der Tschingil(e)rigg ‘ der Rücken bei den Tschingle (Bergwiesen) ’ (Niedergesteln), Wilerriggi ‘ der kleine Rücken bei Wiler (Weiler von Blitzingen) ’ (FLNK, Blitzingen). Keine unmittelbar benachbarte Flur ist in der Alpurigg ‘ der Rücken auf der Alpe ’ (Raron) und der Blattelrig ‘ der Rücken mit Felsplatten (Kollektiv) ’ (1789, Saas-Fee) zu erkennen. Eine kleine Quelle findet sich in dr Brinlirigg ‘ der Felsrücken mit der kleinen Quelle / dem kleinen Brunnen ’ (Blatten) und eine Salzleckstellbe bei der Sulzrigg ‘ der (Fels-)Rücken mit Salzleckstellen für die Gemsen (? ) ’ (Blatten), Eigentlich adjektivische Bildungen sind der Mittelrigg ‘ der Mittelrücken (Gipfelname) ’ (Saas-Almagell, SK Mittelrück; LT Mittelrück, FLNK Mittelrigg), der Mittelrigg ‘ der mittlere Rücken (Felsrücken) ’ (Randa), ts Mittel(e)riggji ‘ der kleine mittlere Rücken ’ (Mund), der Schmaurigg ‘ der schmale Rücken ’ (Fieschertal, mit / l/ - Vokalisierung), der Sürrigg ‘ der saure Felsrücken (hier wohl: schlechter Boden) ’ (Termen), Zwischriggu ‘ das Gebiet zwischen den Rücken ’ (Randa), der Züerigg ‘ der zweite (Fels-)Rücken ’ (Randa). Namengebend können auch Pflanzen sein wie in Faggsurigg ‘ der Rücken mit Borstengras ’ (Zermatt), der Holzirigg ‘ der (Fels-)Rücken beim kleinen Holz (Wald) ’ (Bitsch), der Holzrigg ‘ der (Fels-)Rücken mit Holz (Wald) ’ (Ausserberg, Raron; nicht der gleiche Ort), Krutigrück ‘ der krautige Rücken ’ (SK, Ausserberg, sonst nicht belegt), das komplexere dr (e)Räckholter(e)rig ‘ der Rücken mit Wacholderstauden ’ Steg), resp. der (e)Rägholter(e)rigg ‘ der Rücken mit Wacholderstauden ’ (Hohtenn, gleicher Ort), oder das Aussehen wie in der Feschtirigg ‘ der Rücken, der aussieht wie eine Feschti (burgähnliche Form) ’ (Gampel). der Geisrigg ‘ der Ziegenrücken ’ (Saas-Grund) ist ein Felsgrat, der zwischen zwei Gletschern liegt (I D 6, 792; Z INSLI 1946, 61), doch gilt das nicht für der Geisserigg ‘ der (Erd-)Rücken, der einem Ziegenrücken gleicht ’ (Eisten, 457 458 Rigg <?page no="783"?> auf ca. 1650 m). Ähnlich ist der Grossmüeterrigg ‘ der Rücken der Grossmutter (gekrümmter Rücken) ’ (Oberwald) wohl ein metaphorischer Name: der Rücken ist gekrümmt wie der einer alten Frau. Unsicher ist der PN Peter in Peterrück ‘ der Rücken des Peter (Felsrücken zwischen Antronapass und Latelhorn) ’ (Saas-Almagell, LT und SK). In zwei Fällen ist ein vorangestellter Genitiv für einen komplexeren Namen verantwortlich: ts Peetersch Geisrigg ‘ der (Erd-)Rücken des Peter, wo die Ziegen weiden ’ (Saas-Almagell) und ts Wendelisch (e)Rigg ‘ der Rücken des Wendelin (PN) ’ (Ferden). Komplexere Konstruktionen sind der Groos und der Chlei Holz(e)rigg ‘ der grosse und der kleine Felsrücken mit Holz (Wald) ’ (Raron), der Hinner und der Voder Schrooturigg ‘ der hintere und der vordere Teil des Rückens bei den Geländeeinschnitten ’ (Täsch), der Inder und der Uister Wilär(e)rigg ‘ der innere und der äussere Rücken bei Wiler ’ , der Mannliboderigg ‘ der Rücken beim Mannliboden (Boden mit Menschenbild) ’ (Reckingen; SK Mannlibodenrügg beim Mannliboden, Blitzingen; gleicher Ort) und andere mehr. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Alpa, Bletz, Grabu, Haalta, Maal, Tritt und Weid. Einmal ist ein vorangesetzter Genitiv belegt in uf ts Riggsch Bode ‘ der Boden auf dem Rigg (Rücken) ’ (Reckingen). Vermutlich gehört auch das HL R ICCA hieher. Rigi Rigi scheint zunächst zu schwdt. Rigi f., Pl. Rigene n , ‘ Band, Reihe, Anreihung ’ in FlN ‘ horizontal laufende Schichtung, Streifen, Band im Gebirge ’ , ahd. *rig ī , vgl. dazu mhd. rige f. ‘ Linie, Reihe ’ aus ahd. riga, nhd. Riege (I D . 6, 753 f.; Z INSLI 1946, 125 und 333; LUNB 2, 377 f.) zu stellen zu sein. Das Simplex ts Rigi n. (Ried-Brig) passt jedoch nicht dazu; das Genus Neutrum und die historische Form am R ů cke deuten eher auf eine Ableitung zu Rügg ‘ Rücken ’ (I D . 6, 778 ff.), hier als Kollektiv ‘ die (Berg-)Rücken ’ . Allerdings wäre ein offenes / i/ zu erwarten, kein geschlossenes. Das für Obergesteln belegte iner Rigischlüecht ‘ in der Geländeeinbuchtung bei der Rigi ’ könnte zu Rigi f. gestellt werden. Schwierig ist die Ableitung Rigete (EK, Eggerberg), wohl eine Ableitung auf / - ETE / (S ONDEREGGER 1958, 482 ff.), das eine gewisse Menge bezeichnet - hier also nach Z INSLI einige horizontal laufende Schichtungen. Rii Rii ist nur für Eisten belegt, wo sich ts (e)Riihoru und t (e)Riihaalte befinden. Der vokalische Vorschlag (e) ist rein lautlich bedingt. URNB (2, 1121 s. v. Rin) verweist auf steiles, bis sehr steiles Gelände und stellt die Frage, ob Rin zu R ī n ‘ Rhein ’ zu stellen sei, mit Verweis auf I D . (6, 997), wo für das Wallis mehr oder weniger sanfte und steile “ Bergabhänge ” erwähnt werden; dies sei aber “ [g]anz unsicher ” . Es könnte sich hierbei um eine Nebenform zu Rein ‘ Rain ’ (Id. 6, 979 f.) (cf. HL R EIN ) handeln. Im vorliegenden Fall in Eisten wäre die Bedeutung ‘ steiler Bergabhang ’ für die (e)Riihaalte gegeben; der Gipfel ist danach benannt worden. Riibi Riibi f. ‘ Reibe ’ ist zu schwdt. R ī bi f. ‘ das einmalige Reiben von Hanf usw. ’ zum Verb schwdt. r ī be n ‘ reiben ’ (I D . 6, 53), ‘ mechanische Vorrichtung zum Reiben ’ in FlN ‘ Werkzeug, meist durch Wasserkraft, seltener von einem Tiere getriebene Vorrichtung zum Reiben von Hanf, Flachs und auch Körnern ’ (I D . 6, 65 ff. besonders Anm. 67; G RICH- TING 1998, 162 nur in allgemeiner Bedeutung) zu stellen. Das Simplex im Singular t Riibi ‘ die Reibe ’ (Blitzingen) ist einmal belegt, der Plural Riibe ‘ die Reiben ’ (Albinen, FLNK) ebenfalls (M ATHIEU 2006, 18 und 32). Die Deutung ist hier unsicher; es könnte sich auch um einen romanischen Namen handeln (vgl. M EYER 1914, 170 s. v. RIPAS ‘ Ufer ’ und historisch rives; der Wechsel von / v/ zu / b/ ist in Albinen belegt, vgl. der Nib Stafil ‘ der neue Stafel ’ ). Mit einem attributiven Adjektiv konstruiert ist in der undren Rÿbÿ ‘ in der unteren Reibe ’ (1687, Ried-Brig); die Art der Reibe ist unklar. Wieweit die Riibi mit den “ Quetschwerken ” (W. B ELLWALD 2011, 123 ff.) identisch war, ist unklar; B ELLWALD gibt im Register den Ausdruck Riebi, den er auf frpr. ribes zurückführt (vgl. FEW 16, 724 s. v. rippe (d.), aber unsicher). Komposita mit Riib als Bestimmungswort sind zweimal belegt: der Riibacher ‘ der Acker bei der Reibe ’ (Eggerberg, hier wohl auf Mühlsteine bezogen) und der Ribstei ‘ der Reibe-Stein ’ (Albinen), der sich nicht bei den Riibä befindet, sondern auf der Alpe Tschärmilonga (M ATHIEU 2006, 59) und der laut Gwp. zum Reiben des hart gewordenen Salzes für die Schafe verwendet wurde; I D . (11, 879 f.) kennt Rib(i)stei m., mhd. r ī bstein, als ‘ Mahlstein, der beim Reiben oder zum Reiben diente ’ (I D . 11, 879 f.). Riibschten dr Riibschten ist in Blatten (Lötschen) belegt. Dazu kommen ze (e)Riibschten Grabem ‘ der Graben hinunter zum Riibschten ’ und ts Riibschten Tossen ‘ beim Felsblock des Riibschten ’ , bei Blatten. Das HL selbst ist unklar. Zunächst sieht es in den Komposita aus wie ein PN im Genitiv. Dann wäre dr Riibschten ‘ das Eigentum des Riibschten ’ . Der PN ist jedoch nicht belegt; es könnte sich höchstens um einen Beinamen handeln. Rigi 459 460 <?page no="784"?> I D . (11, 379f) kennt Rîb-stein ‘ Mahlstein ’ , was lautlich abgeschwächt zum Namen passen würde (cf. HL R IIBI ). Da das Gebiet auf der Südseite des Tales auf mittlerer Höhe (1650 - 1700 m und ohne Weg) liegt, ergibt das keinen vernünftigen Sinn. Auch das Adjektiv r ū b ‘ kraus (Haar), rauh ’ (I D . 6, 71), das für Blatten als r ǖ b belegt ist, liesse sich mit Entrundung und der Bildung des Superlativs als ‘ das rauhste Gebiet ’ annehmen. Alle drei Deutungen sind spekulativ; am ehesten dürfte die letzte zutreffen, doch setzt auch sie sonst für dieses Lexem nicht belegte phonetische Prozesse voraus. Riich (reich) Riich ‘ reich ’ , Adj., ist zu schwdt. rîch ‘ mächtig, gewaltig ’ ; wie nhd. ‘ reich, vermögend ’ , ahd. r ī hhi, mhd. r ī ch(e) und wdt. riich ‘ reich ’ (I D . 6, 160 f.; G RICHTING 1998, 162) zu stellen. Das HL ist in fünf Namen belegt. Als Simplex ist es nur in Rÿchen (1443, Blatten) belegt, das der Name einer Dylin (wohl zu schwdt. Dili (I D . 12, 1629 ff.), hier in der Bedeutung ‘ Bergstall ’ oder ähnlich), der laut Dokument Rÿchen, also ‘ die Reiche ’ heisst; im Dokument ist von sepes ‘ Zäune ’ die Rede, was die Deutung in Richtung Umzäunung eines Gutes, das ‘ die Reiche ’ heisst, lenkt. Als FaN ist Rychen im Wallis nicht belegt (F AMILIENNAMEN- BUCH DER S CHWEIZ 3, 1563). Attributiv erscheint es in ze Richne Gärtu ‘ zu den reichen (fruchtbaren) Gärten ’ (Ergisch), am Richen Wenge ‘ am reichen (ertragreichen) Grasabhang ’ (1447, Binn), in der (e)Riichu Wildi ‘ im reichen (fruchtbaren) wilden (unbebauten) Gebiet ’ (Ferden). Attributiv steht es auch in des Richen Mans Waldt ‘ der Wald des reichen Mannes ’ (1731, Zeneggen), hier wohl im Sinn von ‘ viel besitzend ’ . Als Bestimmungswort erscheint es im zweigliedrigen Kompositum e Riichchumme ‘ die reiche (fruchtbare) Chumme (Mulde) ’ (Grengiols, LT Richchumme). Das anlautende / e/ kann hier ein vokalischer Vorschlag zum / r/ sein, oder eine Kurzform zur Präposition ‘ in ’ . Zum Nomen Rîch ‘ Reich ’ vgl. HL R IICH . Riich Riich ‘ Reich ’ n. ist nur im Kompositum vffen ertrich ‘ auf dem Erdreich ’ (1537, Ernen), wohl Teil des PN Johannes Schmitz, belegt. Es ist zu schwdt. Erdrîch, Ertrîch n. ‘ Grund und Boden; Gebiet, Territorium, Areal; Kulturland, Land zum Anbau ’ , ahd. ē rdr ī hi, mhd. ertr ī che (I D . 6, 156 ff.) zu stellen; bei G RICHTING ist das Kompositum nicht belegt. Zu anderen Bedeutungen von rîch vg. HL R IICH ( REICH ). Riichel (PN) Riichel (PN) oder Riichelt ist ein PN oder FaN. Die ältesten Belege Richoltzmatto (1372, Ernen) und Richoltz Matto (1392, Grengiols) deuten auf einen Namen Richolt (F ÖRSTEMANN 1, 1274) hin; ähnlich ist auch Rÿcholtzmatt (1528, Fiesch). Alle Belege stammten aus Fiesch, Grengiols, Ernen und Steinhaus. Lebendig ist belegt Richulschmatt ‘ die Mähwiese des Richolt ’ (Steinhaus) und dazu der Richulschmatter Bawaud ‘ der Bannwald oberhalb der Richelschmatt ’ (mit / l/ -Vokalisierung). In Grengiols ist ts Riichelschegge ‘ die Ecke der Leute des Richolt ’ und t Riicheltschchumme ‘ die Kumme des Richolt ’ belegt. Als PN oder FaN war der Name in dieser Gegend wohl geläufig. Riie Riie ist nur einmal 1569 in de la Rÿe (Leukerbad) belegt. Zwar besagt der Text in Klammer, dass es sich um einen Stadel handelt, hat aber citra pontem de la Rÿe ‘ bei der Brücke über den Bach ’ . rÿe ist zu lat. R Ī VUS bach (FEW 10, 422 ff.) zu stellen. B OSSARD / C HAVAN (2006, 46) haben Formen wie Riau, Ruau, Ru ‘ Bach ’ usw., die vermutlich in Leukerbad entrundet wurden. Riiffe Riiffe f. ‘ Abhang, Erdrutsch, Ufer ’ ist zu schwdt. R ī ffe n m. und f., im Wallis R ī ffo, R ī ffu, Dim. R ī ffelti, ‘ Furche im Erdboden, schmaler Streifen Land ’ (I D . 6, 668) zu stellen. In Zermatt wird Riifa, Riife, Riiva, Riive f. als Synonym von ‘ Ottavan ’ für ‘ unteres Ackerende ’ verwendet (J ULEN 1989, 202 und 215). Z INSLI (1946, 333) gibt mehrere Deutungen ( ‘ Rand, Geschiebefläche, Bachbord, Abhang, Erdaufwurf ’ ) und mögliche Etymologien, wobei der Hinweis auf lat. RIPA ‘ Ufer ’ eine Rolle spielt. Er weist auch auf die Möglichkeit von entrundetem Rüfi ‘ Erdrutsch, Steinlawine, Bergsturz ’ (I D . 6, 673 ff.) hin. Das HL ist in siebzehn Flurnamen belegt. Dabei sticht die Gemeinde Hohtenn mit sechs Belegen deutlich heraus; alle andern Gemeinden haben höchstens ein Vorkommen. Belege mit / e/ als Vorschlag vor anlautendem / r/ sind nicht gekennzeichnet. Generell erscheint das Simplex im Singular als t Riifa ‘ Abhang, Ufer ’ (Simplon), Riifu ‘ Abhang, Ufer ’ (FLNK, Saas-Balen; FLNK, Hohtenn), und im Plural als Riiffe ‘ Abhang (? ) ’ (FLNK, Inden) und t (e)Riife (Hohtenn) ‘ Abhang ’ . Soweit erkennbar, scheint zwischen Singular und Plural kein semantischer Unterschied zu bestehen. Ein Diminutiv im Plural ist t Riifultini ‘ die kleinen Erdrutsche ’ (Saas-Almagell), wo wohl auch Rüfi (cf. HL R UFINA ) zu Grunde liegt (laut Bemerkung der Gwp.). Mit attributiven Adjektiven finden sich: t Breit Rife ‘ das breite Rutschgebiet ’ (Oberwald, vermutlich entrundetes Rüfi), Galti Riifu ‘ der unfruchtbare Abhang ’ (Bratsch), t Heeji Riifu ‘ der hohe Abhang (? ) ’ (Hohtenn), die Nüwen Rÿfen ‘ die neuen Erdaufwürfe ’ (1681, Vis- 461 462 Riiffe <?page no="785"?> perterminen); das Adjektiv ‘ neu ’ weist hier auf eine menschliche Tätigkeit hin, deswegen die Umschreibung, Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL belegt in di Gibli(e)rriifä ‘ die Abhänge im Gebiet Gibli (kleiner Giebel) ’ (Kippel), der Sandrife ‘ der sandige Abhang (? ) ’ (Fieschertal), t Schnäggu(e)rrifä ‘ das schmale Stück Land im Gebiet Schnecke ’ (Wiler). Als Bestimmungswort ist das HL belegt in ts (e)Riifloosi ‘ das kleine zugeloste Stück Land beim Abhang (? ) ’ (Gampel), t (e)Riifuachra ‘ die schmalen Äcker ’ (Hohtenn), t (e)Riifuräbe ‘ die Reben beim Gebiet Riife (Abhang) ’ (Hohtenn), ts Riifuschiirli ‘ die kleine Scheuer beim Gebiet Riife (Abhang) ’ (Hohtenn). Die Belege lassen meist keine sichere Deutung zu. Neben den schwdt. Riiffe und Rüfi können auch die frpr. HLL R IPA und R IVA gemeint sein. Riisch n. Riisch n. ist einerseits zu schwdt. Rüüsch n. ‘ Sammelname für mehrere Arten von Binsen ’ , mhd. rusch(e) f. ‘ Binse ’ (I D . 6, 1480) zu stellen. Der Name, dessen Herkunft nicht abschliessend geklärt ist, ist im ganzen deutschsprachigen Raum weit verbreitet. In Orts- und Flurnamen bezeichnet er Stellen mit Binsengewächsen (ZGNB 4, 70 ff.). L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1342 - 1352) kennen mehrere Arten von J UNCUS , von denen einige in der Schweiz oder dem ganzen Alpenraum belegt sind. Anderseits kann das neutrale Genus auch als Kollektiv zu Riische f. ‘ Steingeröll ’ gedeutet werden. Das Simplex ist als ts (e)Riisch (Hohtenn, Steg) belegt und bezeichnet den gleichen Ort, der in Hohtenn als “ Felswände ” , in Steg als “ Bewaldeter Hang ” bezeichnet wird. ts Ober (e)Riisch (Steg) wird als “ Felsenpartie, Steinschlag ” bezeichnet. Die Beschreibungen sind auf den ersten Blick schlecht mit der Deutung ‘ Binsen ’ verträglich, würden jedoch zum Kollektiv Riisch n ‘ das Steingeröll ’ passen. In Ferden erscheint ts Tschitt(e)riisch, dessen Grundwort mit ‘ Binsen ’ verträglich ist; unklar bleibt dann Tschitt (cf. HL S CHITTE ). Schwer zu deuten ist schliesslich auch der Beleg Ru ᵉ schenacker ‘ der Acker mit Binsen ’ (1435, Brig), wo ein Unkraut gemeint sein könnte. Riische Riische f., auch Riischa f. ist zu schwdt. Rîse n , R ī sche f. ‘ Schleifbahn; jäher Abhang, wo alles schnell herunterrutscht ’ (I D . 6, 1344) zu stellen. G RICHTING (1998, 162) kennt nur das Verb riischu (Rarner Schattenberge), riischun (Lötschental) ‘ abgleiten, rutschen, schlitteln ’ , das wohl hieher gehört. Das Verhältnis zu Rischa f. ‘ Steingeröll ’ (W IPF 1910, 88; I D . 6, 1356 ‘ Schutthalde ’ ) mit kurzem Vokal ist unklar. Schon Z INSLI (1946, 334 s. v. Rise(n)) ist unklar in Bezug auf die Deutung: er nennt ‘ Schutthang, jäher Absturz ’ , ‘ Steinrunse ’ , ‘ Steingeröll ’ . Auch verweist er neben dem Eintrag des I D . (6, 1344) auf Rischa (W IPF 1910, 88). Das Problem des langen, geschlossenen / i: / in Riische und des kurzen, offenen / ı / in Rischa ist phonologisch wichtig. Langes / i: / wird im Hochdeutschen diphthongiert; kurzes / ı / dagegen wird behalten, eventuell gelängt, aber nicht diphthongiert. Entsprechend stehen sich im Hdt. die beiden Wörter reisen ‘ herunterfallen ’ (G R W B 14, 731) und Riese (als schwdt. Risi ‘ Geröllkegel an Bergabhängen ’ (G R W B 14, 935; I D . 6, 1369 ‘ Erdschlipf ’ ) gegenüber. In historischen Belegen sind Längen nicht immer verzeichnet (z. B. Rischwald (1679, Bister)). In Riische verbinden sich wohl ‘ jäher, steiler Abhang ’ und ‘ Steingeröll ’ ; im Einzelnen ist jeweils schwierig festzustellen, welche der Deutungen gilt. Wenn Kontext und Beschreibung keine andere Deutung vorgeben, wird ‘ jäher Abhang ’ als Umschreibung genommen. Singular und Plural sind beim HL R IISCHE nicht immer klar zu unterscheiden. Mit vokalischem Vorschlag ist (e) Riische ‘ der jähe Abhang ’ sieben Mal belegt (Eisten, Gampel, Salgesch, Törbel, Varen, Visperterminen, Zeneggen). In Zeneggen ist auch Rischa (FLNK) bezeugt. t Riische (Ausserbinn (Plural), Bitsch), zer Riischu (Bürchen) sind selten; mit kurzem / i/ belegt ist Rischa (Mund). Historische Belege sind: in die Rÿschen (1825, St. Niklaus; Beleg von 1620 Rüschu ᵕ n ist wohl hyperkorrekt), die Rischen (1729, Visp), in die Rische (1769, Bratsch), in den Rischen (Plural; 1759, Greich; 1699, Leuk), jn der Rischen (1855, Binn), in die Rÿschen (1825, Grächen) und Rÿschu ᵕ n (1608, Eggerberg). Mit attributiven Adjektiven zum HL sind belegt: t (e)Rotu Riische ‘ das rote Steingeröll ’ (Baltschieder), di Breiti Riischu ‘ der breite Abhang mit Steingeröll ’ (Gampel), bei der Lengen Rischinen ‘ bei den langen jähen Abhängen ’ (1764, Zwischbergen), in der Obren Rischen ‘ im oberen jähen Abhang ’ (1743, Zeneggen), Oberrischi ‘ das obere Gebiet mit Steingeröll ’ (Guttet, Feminin), der Weissen Reischen ‘ des weissen Steingerölls ’ (1769, Leuk; Genitiv konstruktionsbedingt), t Wiiss (e)Riischa ‘ das weisse Steingeröll ’ (Glis, Visperterminen, Visp (ohne r-Vorschlag)). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL in folgenden Fällen belegt: t Ärdriischa ‘ das Steingeröll mit Erde ’ (St. Niklaus), t Känilriische ‘ die steilen Abhänge bei den Känneln ’ (Oberems), di Kaschlääriischä ‘ die Geröllhalden bei den Kaschlää (Gelände, das wie ein Kastlan aussieht) ’ (Grengiols), Mallich Riischu ‘ der steile Rutschhang beim Mällich ’ (FLNK, Hohtenn), t Massolter (e)Riischu ‘ der Holzschleif beim Ahorngehölz ’ (Gampel), Pfyriische ‘ die Steingerölle im Oberen Pfynwald ’ (FLNK, Riisch n. 463 464 <?page no="786"?> Leuk) (mit t Chleini Pfiiriischu und di Grossi Pfiiriischu ‘ der kleine und der grosse Geröllgraben im Gebiet Pfyn ’ (Leuk)), t Sattolriische ‘ die Rischen (Steingeröll) beim Sattel (sattelförmiges Gebiet) ’ (Eisten), die Steÿn Rÿschinen ‘ das Steingeröll ’ (1569, Visperterminen) (ähnliche Belege 1708, Staldenried; 1668 u. später, Erschmatt; 1747, Bürchen; 174(1), Mund) und t Schteirischina ‘ das Steingeröll ’ (Raron). Die Ableitung Rischina ‘ Geröll ’ ist nur in diesem Kontext belegt; das in Naters bezeugte Rischinu ist vermutlich ursprünglich romanisch (vgl. HL R ISCHINU ). Komplexere Bildungen sind: di Drilärcherriischa ‘ die Riische (Steingeröll) beim Gebiet zu den drei Lärchen ’ (Glis), t Foodru und t Indru Boorterriische ‘ die vorderen und die inneren Abhänge bei der Alp der Familie Borter ’ (Oberems). Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Blatta, Egg(a), Grabu, Loch, Tola, Wald und Wang. Riisge Riisge (Plural) ist der Name einer steilen Schlucht bei Reckingen (LT und 1: 10000 Rysge). Darum herum findet sich ein Namennest mit Riisgeegg, Riisgeture und Riisgewäg. Beim Simplex handelt es sich wohl um eine Form Riisga, die so im I D . nicht vertreten ist. Die Bildungsweise mit dem Suffix / - GA / (< / - GE / ) ist sonst nicht belegt. Von den vielen Wurzeln Riis (I D . 6, 1329 ff.) bietet sich keine unmittelbar an; historische Belege fehlen, sodass der Name unklar bleibt. Riisi n. ts Riisi (2812 m) (Bellwald) ist auf LT Risihorn (Gipfelname 2876 m) belegt, auch als FLNK Risihore. Es handelt sich wohl um eine neutrale, kollektive Form zu Riisi f. ‘ abschüssiges Gebiet, wo Steine hinunterrollen ’ (cf. HL R IISI ). Ebenfalls neutral ist ts Risä (Ferden). Die Flur befindet sich heute im Wald; SK zeigt eine lockere Bewaldung, vermutlich sind ebenfalls hinunterfallende Steine gemeint. Wohl ebenfalls hieher gehört das nur historisch belegte Rissi (1717, Turtmann), eine Alpe, vermutlich mit herabgefallenen Steinen. Riisi Riisi f. ist zu schwdt. Rîsi f. ‘ abschüssige Stelle, wo Steine herabgleiten oder herabrollen ’ (I D . 6, 1344; Z INSLI 1946, 334) zu stellen. Das Verhältnis zum weitgehend gleich bedeutenden HL R IISCHE ist unklar; im Einzelfall ist die Zuordnung unsicher. Auch I D . ist unsicher und gibt etwa für rîsen III (I D . 6, 1335 ff.) auch rischun für Lötschen. Das feminine Riisi ist eine / - I / -Ableitung zu einem Verb (S ONDEREGGER 1958, 497 ff., zu Riisi 500). Auch S ONDEREGGER ist bei der Bedeutungsangabe nicht immer sicher. Im Wallis scheint Riisi vor allem fallenden Stein zu bedeuten. Das Simplex ist als t (e)Riisi ‘ fallender Stein ’ (Mund) unterhalb des Grisighorns (Naters) belegt. In Steg erscheint t (e)Risi ‘ Rutschhang ’ in der Lonzaschlucht. Ob die Kürze hier auf ein anderes Grundwort hinweist, bleibt unsicher. Ein Diminutiv im Singular ist das Rÿslin ‘ das kleine Gebiet mit herabfallenden Steinen ’ (1708, Staldenried), wobei die Deutung unsicher ist. Ein Diminutiv im Plural zeigt t Riisini ‘ die kleinen herabfallenden Steine (steile Felsen mit Waldbäumen) ’ (Fieschertal). Ganz unklar ist Trisine (Oberems), das hier mit agglutiniertem Artikel verstanden wird. Alle historischen Belege enthalten aber den Anlaut / tr-/ ; kommt hinzu, dass auch jn den Trisenachren (1626, Oberems), an die Trisengassen (1636 u. später, Oberems), Trisine Joschtji (FLNK, Oberems) den gleichen Anlaut haben; das Nomen Trinsi (I D . 14, 1227) ist jedoch nur als maskulin belegt und kommt auf Grund der Bedeutung ‘ jemand, der beständig klagt ’ nicht in Frage. Nur 1826 ist die Stein Risinen ‘ das Steingeröll ’ (Oberems) belegt, sodass Trisine im Sinn von ‘ die herabfallenden Steine ’ mit agglutiniertem Artikel nicht ausgeschlossen ist. Unsicher ist auch die Gsteinrisino ‘ das Steingeröll ’ (1744, Gampel), das auch zum HL R ISCHINU gestellt werden kann. Unklar ist der Status des HL in Steýnrisin Mettiltin ‘ die kleine Wiese beim Steingeröll ’ (1398, Simplon), wo Steýnrisin ein Adjektiv zu Mettilti sein kann. Dann wäre es wohl zu Stei(n)risig ‘ steinig, mit Steinchen übersät, von Ackerland ’ (I D . 6, 1372) zu stellen. Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Blatta, Bäärg, Chäla, Grabu, Haalta, Hooru, Matta und Stalde. Riisu Riisu ist nur in der Riisugoliatgrind ‘ der (Fels-)Kopf, der aussieht wie der Riese Goliath ’ (Leukerbad) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 7, Nr. 6) kennt nur Goliath. Die biblische Episode zum Riesen Goliath, der mit David kämpfte und sein Leben verlor, befindet sich in 1 Sam 17, 1 ff. Rimmela Rimmela ist lebend nur in Randa als zer Rimmela belegt (FLNK Rimmula). SK hat etwas davon entfernt Rumelen, wohl die gleiche Flur und etwas höher als das Tal. In Mörel ist 1428 als Zeuge unter dem Eintrag Mulinboden ein Mann de Rimilon belegt; es ist unklar, ob es sich hier um einen Weiler zu Mörel handelt; P H . K ALBERMATTER (p. c.) meint vorsichtig, dass es sich um die Walsersied- 465 466 Rimmela <?page no="787"?> lung Rimella (Z INSLI 1984, 337 mit Rémaljo als Dialektform) handelt, das u. a. 1556 im Wallis belegt ist als “ honestus vir magister Bartholomeus zur Milin, lathomus de Rymmilen diocesis Mediolanensis, habitator in deseno Seduni … Peter Guyettaz de Rymillen, famulus domini magistri Bartholomei ” (KapA Sitten, Min. B 108/ 1a, p. 5 - 6). Das in Randa belegte Rimmela (SK Rumelen) gehört sicher nicht zur Walsersiedlung Rimella. Beide Belege sind aber unsicher; eine Deutung ist nicht möglich. Rimmigu (FaN) ts (e)Rimmigu (FaN) ‘ bei der Wiese der Familie Rimmen / der Leute des Rimmen ’ ist nur in Naters lebend belegt; Koordinaten fehlen. Vermutlich handelt es sich um eine kollektive / - IG / -Ableitung zu einer Herkunftsbezeichnung oder einem FaN Rimen, Rymena, Riemen, Rymon, Ryemen u. ä. (AWWB 213). Diese Familie ist in Naters inzwischen ausgestorben (J OSSEN 2000, 81). Rimpfisch Rimpfisch ist im Namen Rimpfischhorn (Täsch, Saas- Almagell und Zermatt) und dem dazu gehörenden Namennest mit Rimpfischsattel, Rimpfischwäng, die Innru und Üssru Rimpfischweng (alle Zermatt) vertreten. Schon S TUDER und J ULEN führen den Namen Rimpfisch auf das schwdt. Verb rimpfe n ‘ rümpfen, runzeln ’ zurück, ahd. rimfan, mhd. rimpfen ‘ eine Ritze machen, zusammenziehen, krümmen ’ (I D . 6, 947; G RAFF 1836, 2, 512; S TUDER 1896, 208; J ULEN 1951, 39). Vermutlich ist eine sonst nicht belegte adjektivische / - ISCH / -Ableitung zu Rumpf, Pl. Rimpf ‘ Falte ’ (I D . 6, 948; G RICHTING 1998, 164) sinnvoller: also das ‘ faltige Horn ’ . J ULEN ET AL . (1995, 237) umschreiben Rimpfisch als ‘ stark zerklüftet ’ , erwähnen aber das Horn nicht. Rimpli (PN) Rimpli (PN) ist nur in ts (e)Rimplisch Bodo ‘ der Boden der Familie Rimpli / des Rimpli ’ belegt. Der Flurname ist 1544 als der Rümpflisboden, 1786 und 1848 als in Rimplischboden, 1850 ins Rimpelsch Boden belegt. Es handelt sich um einen PN oder FaN Rimpli oder Rümpli, der sonst nicht belegt ist; der FaN Rimli (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 2, 1501) ist alt für Tägerschen (TG) belegt, nicht jedoch für das Wallis. Rin Rin tritt nur in einem Beleg auf: Rinsteiwald (1508, Fieschertal). Nächstliegend wäre Rinne n (I D . 6, 998) ‘ Fluss, Strahl einer Flüssigkeit ’ , was inhaltlich schwierig ist. Eine assimilierte Form von Ring, Rind oder Rinde ist wohl auszuschliessen. Der Beleg Ringartslu ᵉ kte (1306, Embd) ‘ die Geländeeinbuchtung des Ringart (PN) ’ ist unter dem HL R INGART (PN) behandelt. Rind Rind kommt als Simplex kaum vor; die übliche Form ist das Bestimmungswort Rinder oder Rinner (letzteres folgt der Regel / nd/ -> / nn/ vor Vokal wie in anner ‘ ander ’ usw.). Wie R ÜBEL (1950, 23 f.) zeigt, ist die Terminologie im Oberwallis nicht einheitlich; generell gilt aber ein weibliches Kalb als Rind, wenn es entweder vom Stier gedeckt wird oder wenn es die Milchzähne verloren hat. Rind ist zu schwdt. Rind n., Pl. Rinder, Dim. Rindli, Rinderli, in allgemeiner Bedeutung wie nhd., ahd. (h)rind und wdt. Rind ‘ Rind ’ (I D . 6, 1026 ff. bes. I D . 6, 1029; G RICHTING 1998, 162 auch Guschti (Lötschtal)) zu stellen. Der Name ist in rund 65 Flurnamen erwähnt. Als Flurname kommt das HL nur als Bestimmungswort zu folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor, wobei teilweise ein vokalischer Vorschlag in (e)Rinnervorliegt: Alpa, Bäärg, Balma, Biel, Chromu, Chumma, Fad, Fäld, Färich, Gufer, Haalta, Hitta, Hooru, Läger, Matta, Sattel, Schleif Schluocht, Schmitta, Sita, Stadel, Stafel, Treije, Ture, Wäg und Wald. Unklar ist der Beleg von 1304 in Törbel, wo an der Rindersmittun steht. Es muss sich um eine Schmiede gehandelt haben, die in der Nähe von zer Rinnermatte (Törbel) steht; Rinder wurden ja nicht beschlagen. Mehrgliedrige Komposita sind u. a. der Rinneralpuwald ‘ der Wald bei der Rinderalpe ’ (Oberems), der Rinnerfadtossu ‘ der Fels oberhalb des Rinnerfad (Felsband für die Rinder) ’ (Täsch). Mit attributiven Adjektiven erscheinen ts Chlei Rinnerhoru ‘ das kleine Rinderhorn ’ (Leukerbad), der Fooder und der Inner Rinderschleif ‘ der vordere und der innere Rinderschleif ’ (Gampel), t Hinnere Rinderturna ‘ die hinteren Rindertürme (Weideplätze für Rinder) ’ (Fieschertal), der Ober und der Unner Rinnerbode ‘ der obere und der untere Rinderboden ’ (Reckingen) und andere mehr. Nur sehr wenige Beispiele für ein Fugen-/ s/ sind vorhanden in in Rindersboden ‘ im Boden, wo die Rinder weiden ’ (1717, Oberwald) und das seltsame Rinderschwang ‘ der Grasabhang für die Rinder ’ (Ferden), wo wohl ein Genitiv Rindersch vorliegt. Seltsam ist der (e)Rinnerwäg (Leukerbad). Während für die heutige Mundart klar ‘ der Weg für die Rinder (durch den die Rinder getrieben werden) ’ gemeint ist, sind die historischen Belege sehr unsicher. 1345 ist der erste Beleg als Rinderwec bezeugt, er meint aber wohl einfach den Namen des “ Willermus de Rinderwec ” , der im Dokument erwähnt ist. Der zweite und dritte Beleg Renderwec (1353), resp. Rendrewec (1359) geben jedoch Rätsel auf. Leukerbad ist im 14. Jh. ziemlich sicher noch roma- Rimmigu (FaN) 467 468 <?page no="788"?> nisch, worauf auch das 1353 verwendete en renderwec verweist. Es scheint, dass hier ein deutscher Name verwendet wurde, den die Notare nicht verstanden haben. Rindilin Rindilin kommt nur 1346 als en Rindilin vor, in einer Reihe mit ze Erle und en Ghecpon; letzteres meint wohl Gspon, auch wenn das Dokument Stalden zugeordnet ist, während Gspon sonst zu Staldenried gehört. Das gleiche Dokument zählt im Folgenden zem Clebodne apud Finellon auf. Bei Rindilin dürfte es sich um ein Diminutiv zu Rind (I D . 6, 1206 ff.; G RICHTING 1998, 160) handeln, wobei das Diminutiv ein jüngeres oder schön gewachsenes, stattliches Tier sein kann (so I D . 6, 1028). Im Kontext ist wohl von einer Alpe mit jungen Rindern die Rede. Ein frz. Etymon liegt trotz der Präposition en nicht vor. Riner (FaN) Riner (FaN) ist nur 1678 in Brig als Riners Bach ‘ der Bach der Familie Riner ’ belegt. Der FaN Riner, auch Rener, Runer geschrieben (J OSSEN 1989, 78) war in Mund vom 15. bis zum 17. Jahrhundert bekannt. Im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (2, 1488 und 1502) sind FaN vom Typ Rhiner, Rhyner und Riner mehrfach belegt, aber nie für das Wallis. Ring Ring m. ist einerseits zu schwdt. Ring m., Pl. im Wallis Ringa, allgemein wie nhd. ‘ Ring, Kreis ’ , ahd. (h)ring, mhd. rinc und wdt. Ringg, Riing (Lötschtal) ‘ Ring ’ (I D . 6, 1072 ff.; G RICHTING 1998, 162) und anderseits zum Verb ringe n ‘ kämpfen (von Tieren, bes. Kühen) ’ (I D . 6, 1103 f. in Bed. 2 b)) zu stellen. In FlN dient Ring zur Bezeichnung von runden oder kreisartigen Geländeformen als Namenmotiv, auch ‘ eingehegte Wiesen, Gärten und Äcker, ummauerter Pferch ’ (I D . 6, 1085; I D . 6, 1087 FlN); als Erstglied des Kompositums Ringbodu und Ringchromo bezeichnet es den Ort, wo Kühe Rangkämpfe durchführten. Das Simplex im Singular erscheint als am Ring (1831, Ulrichen), der Ring (Ritzingen) im Ring (Gluringen), jm Ring (1685 u. später, Münster), wo es jeweils eine runde Geländeform meint. Plurale fehlen. Das Diminutiv im Singular ist als ts (e)Ringli ‘ die kleine, ringsum eingeschlossene Wiese ’ (Ferden) und ‘ die kleine ummauerte Wiese ’ (Wiler) belegt. Im Plural kommt das Diminutiv als t Rinngeni ‘ die kleinen Ringe (runde Geländeformen) ’ (Reckingen, LT u. FLNK Ringjini) vor. In den übrigen Fällen kommt das HL nur als Bestimmungswort vor. Die Gruppe, die zum Verb ringe n ‘ kämpfen von Kühen ’ zu stellen ist, umfasst der Ringbodu ‘ der Boden, auf dem die Kühe Rangkämpfe ausführen ’ (Leuk, Mörel, Ried-Mörel) und der Ringchromo ‘ die ummauerte Wiese, auf der die Kühe kämpften ’ (Grächen) und - laut Gwp. - t Ringtola ‘ die Mulde, wo die Kühe miteinander kämpften ’ (Binn). Die weiteren Belege beziehen sich auf ummauerte Grundstücke, kreisförmige Mauern oder runde Geländeformen. Die Grundwörter sind Acher und Müra. Ein (historisches) Namennest ist in Leuk um der Ringacher ‘ der eingemauerte Acker (früher Pestfriedhof, heute Reben) ’ vorhanden: beÿ dem Ringacker=Kreütz ‘ beim Kreuz am Ringacker ’ (1763, Leuk), beÿ den Ringacherstecklinen ‘ bei den kleinen Ringackerstecken ’ (1752, Leuk), bei den Ringackerstegen ‘ bei der Stiege beim Ringacker ’ (1740 u. später, Leuk) und beim Ringackerweglein ‘ beim kleinen Weg zum Ringacker ’ (1711 u. später, Leuk). Vermutlich ein Adverb Ringsch ist in t Ringschfure ‘ die Furchen, die ringsum abgegrenzt sind ’ (FLNK, Ergisch, Oberems) vorhanden. I D . (6, 1066) kennt es nur in der Bedeutung ‘ leicht ’ ; die hier angenommene Deutung ‘ ringsum abgegrenzt ’ ist nicht erwähnt, findet sich aber unter Ring (I D . 6, 1072 ff., am ehesten unter Bed. 2c (1085)). Ringart (PN) Ringart (PN) tritt nur auf in Ringartslu ᵉ kte (1306, Embd) ‘ die Geländeeinbuchtung des Ringart (PN) ’ . Es handelt sich wohl um einen PN, kaum um einen FaN, der nicht belegt ist. F ÖRSTEMANN (1, 878) kennt Ringart. Ringga Ringga f. ist nur in Grengiols als t Ringga belegt. Gwp. nennt <e ringga> “ Schnalle an einem Riemen einer Kuhschelle ” . Das HL ist zu schwdt. Ringge m./ f., im Wallis Ringga f., ‘ grosser, starker Metallring, Eisenring; Schnalle ’ , ahd (h)rinka, (h)ringa f., mhd. rinke f./ m. ‘ Schnalle, Spange z. B. an Hosen, am Gürtel, an Riemen ’ und wdt. Ringga ‘ Schnalle (am Schellenriemen) ’ (I D . 6, 1121 ff.; G RICHTING 1998, 163; R ÜBEL 1950, 120) zu stellen. Gemeint ist wohl die Ähnlichkeit der Flur mit einer Ringga ‘ das Gebiet, das einer Ringga (Schnalle) gleicht ’ . Rinines Rinines ist nur 1544 in Leuk als en treles rinines belegt. Da schon in einem Beleg in Leuk von 1331 en trelez et ruvynes steht, handelt es sich bei rinines vermutlich um eine Verlesung zu ruvynes ‘ Abhang, Felssturz ’ (M EYER 1914, 66 Fn. 5). Rionda Rionda ist zum lat. ROTUNDU (M EYER 1914, 171, T AGMANN 1946, 61 mit R ETUNDU ) und (FEW 10, 519 ss.) ‘ die Runde ’ 469 470 Rionda <?page no="789"?> zu stellen. Belegt sind Rionda (1333, Turtmann), torrentem de la Ryonda ‘ der Bach Ryonda ’ (1407, Leukerbad), de Rÿondaz (1663, Erschmatt), de Ryonda (1448 u. später, Salgesch), de Rionda (1333, Leuk), de Rionda (1241 u. später, Varen). Dazu kommen Praa Riont (1301, Leukerbad), pratum Ryont (1337 u. später, Agarn), ts Praariong (Albinen; M ATHIEU (2006, S. 15)), alle mit der Bedeutung ‘ runde Wiese ’ sowie de superiori Ryonda ‘ die obere runde Erhebung ’ (1479, Leuk) und apud Ryonda inferiorem ‘ bei der unteren runden Erhebung ’ (1280, Leuk). Ripa Ripa kommt nur 1602 in Albinen als in ripa Büsz und mehrfach im 13. Jh. und 1328 in Ergisch als in largis ripis vor. Es ist laut FEW (10, 410 ff.) zu lat. R Ī PA ufer zu stellen. Die beiden Vorkommen unterscheiden sich: im ersten Teil ist ein Bach oder ein Ufer gemeint; im zweiten Teil ist eine lateinische Fügung in largis ripis ‘ bei den langen Ufern ’ mit unklarer Bedeutung von r ī pa zu verstehen. Cf. HL R IVA . Ripje Ripje ist belegt in a Ripje ‘ an den kleinen Rippen ’ , einer Kleinsiedlung beim Fäld im Binntal. Am nächstliegenden scheint Rippel (I D . 6, 1195) als Pflanzenname zu sein. Die Angaben des I D . lassen sich jedoch bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 82) so nicht klar bestätigen. Ripje ist ein Plural zu Ripja, das so nicht belegt ist, sich aber zu Rippa, Ripp, Rippi ‘ Rippe ’ (G RICHTING 1998, 163) bilden lässt. In Binn findet sich weiter auch leicht oberhalb dieser Flur der Ripjewaud ‘ der Wald oberhalb der Ripje (kleine Rippen) ’ . Der Zusammenhang mit dem HL R IPP ist wie generell bei Ripje unklar; die Palatalisierung von / l/ zu / j/ findet sich laut R ÜBEL (1950, 13) jedoch im ganzen Oberwallis (ausser im Lötschental). Ripol Ripol m. ist belegt als der Ripol (Grächen). Die ältesten Belege haben 1308 als daz Ripalde (unsicher, weil Genus nicht stimmt), später 1587 den Rÿppoldt, 1644 dem Rippol, 1652 der Rippoldt, 1673 im Rÿpol. FLNK hat Ripol. Alle Belege, soweit erkennbar, haben Erstbetonung. Wenn die älteren Belege stimmen, muss ein PN Rippol oder ähnlich zu Grunde liegen. In F ÖRSTEMANN (1, 234) ist Ritpald belegt. Das in I D . (6, 48 ff.) belegte Ribel ‘ Wisch von Stroh, Heu, Gras, auch Papier ua., insbes. zum Reiben und Scheuern ’ (und weitere Bedeutungen) kommt kaum in Frage; G RICHTING (1998) erwähnt es nicht. Die jüngeren Belege zeigen, dass der Flurname ein Stück Acker im Bereich der Gemeinde Grächen meint. Eine sichere Deutung ist nicht möglich. Ripp Ripp ist viermal belegt; zweimal als Grundwort in Haslerrippe ‘ die Hasler Felsrippe am Aletschhorn, wohl FaN ’ (FLNK, Fieschertal, auch LT), wobei die Deutung unklar ist, und t Mittelrippa ‘ die mittlere (Fels-)Rippe (im Chigletscher) ’ (Randa). Als Bestimmungswort erscheint es in ts Ripei ‘ das Ripp-Bein, die Rippe (wohl von der Geländeform) ’ (Mühlebach; FLNK Ripbei, LT Rippei, SK Ripey), wobei nach der Karte auch eine Trennung Ripp-Ei ‘ die Aue (des Milibach) in der Form einer Rippe ’ möglich ist, und uf Scheerippei ‘ auf dem schönen Ripp-Bein, der schönen Rippe (wohl Geländeform) ’ (FLNK, Termen), wobei hier eine Deutung auf Eie ‘ Aue ’ nicht zutreffend ist. Zu stellen ist das HL zu schwdt. Ripp n. ‘ Rippe ’ , ahd. rippi n. und rippa f., mhd. rippa n. und f. jedoch überwiegend n., in Flurnamen für ‘ rippenartige Geländeerhöhungen ’ und wdt. Rippa, Ripp ‘ Rippe ’ (I D . 6, 1192 ff.; Z INSLI 1946, 335; G RICHTING 1998, 163). Rippei n. ist durch die Zusammensetzung von Ripp n. und Bei n. ‘ Knochen allgemein ’ entstanden (I D . 4, 1293 ff.). Dieser ältere Worttyp ‘ Ripp-bei(n) ’ ist weiter für Gressoney und Issime belegt (SDS 1, 163). Ripsen Ripsen ist nur in am Ripsen Acher ‘ der Acker im steilen, unfruchtbaren Gelände / der Acker des Ripp (? ) ’ (1305, Niedergesteln) belegt. Beim HL kann es sich um einen schwachen Genitiv zu einem PN Ripp oder Ripps handeln oder um ein Nomen Ripps oder ein Adjektiv ripps. Belegt ist G(e)rips ‘ steiniges, unfruchtbares, meist steiles Gelände ’ (I D . 6, 1219), das dort zu ripse n ‘ reiben, stark reiben, schaben ’ gestellt wird. Das HL ist im I D . allerdings für das Wallis nicht belegt. Zum HL vgl. SZNB (Dräckloch 2012, 255). Ris Ris n. ist zu schwdt. Ris n. oder Riis n. zu stellen, die beide ihrerseits von den Verben rise n ‘ fallen lassen ’ (I D . 6, 1368) oder riise n ‘ fallen, gleiten ’ (I D . 6, 1335 ff.) abzuleiten sind. Sie sind sowohl lautlich als auch inhaltlich schwer voneinander trennbar. In beiden Fällen ist der Name ein Verbalabstraktum auf ahd. - Î ( N ), sie bezeichnen ‘ Rinnen, Hangstreifen, Steingeröll ’ (Z INSLI 1946, 334). Nicht hieher gehört der Riss m.; der Zusammenhang mit dem HL R ISCHINU ist unklar. Das Simplex im Singular ist als ts (e)Ris (Raron) belegt. Gwp. meint, dass hier Holz über ein <ries> befördert worden sei. Auf LT sieht man allerdings keine Spur davon; hier ist wohl eher ein Steingeröll gemeint. Ein Plural des Simplex ist in Zwischänd di Riisen (Ferden) belegt. In der Beschreibung steht: “ Wiesen zwischen den <Wassern> ” . Tatsächlich findet sich der Ripa 471 472 <?page no="790"?> Name zwischen zwei Bächen, die sich oberhalb teilen und unterhalb wieder zusammenfliessen. Vermutlich sind hier wasserführende Rinnen gemeint. Mit attributiven Adjektiven sind in Salgesch ts Ober und ts Unner (e)Riss belegt. Gwp. hat an beiden Stellen als Deutung “ Holzriss ” . M ATHIER (2015, 142) kennt die beiden Namen und sieht in ihnen einerseits einen Fussweg nach Chandolin und anderseits einen Holzschleif. Heute befinden sich die beiden so benannten Fluren im Wald; es kann sich um alte Holzschleife handeln. Das HL ist vor allem als Bestimmungswort vertreten. Der häufigste Typ ist Risegga ‘ die abfallende Ecke; die Ecke mit Steingeröll ’ . Lebend sind t (e)Riisegga (Ferden), t Risegge (Münster), wobei hierzu beÿm Riseggen Stadel (1766, Münster) kommt, nur auf 1: 10000 als Risegga (Glis) mit dem Namennest t Mittler und t Mittloscht, t Ober und t Oberscht, t Unner und t Unnerscht Risegga (alle Glis) belegt. Historisch ist 1391 an die Riseckon (Glis, 1467 an der Riseggun; 1861 in der Rüseggen). Weitere historische Belege sind an der Riseckon (1393, Ried-Brig; 1715 an der Risseggen) und an der Riseckon (1400, Termen; auch alpe de Risseckon). Hierzu gehört auch Riseckweg (1399, Ried-Brig). Ein zweiter, deutlich seltener Typ, betrifft t (e)Riisbalmu ‘ der überhängende Fels mit Steingeröll ’ (Leukerbad, als Riesbalmu bei R. G RICHTING 1993, Blatt 8, Nr. 14), d Ris Balmen (1796, Bitsch) und di Driissbalma (Naters), mit Agglutinierung des Artikels. Nur einmal ist belegt t Risflüe ‘ die Fluh mit Felsgeröll ’ (Lax). Ebenfalls nur einmal erscheint an den Rÿshalten ‘ die Halden mit Steingeröll ’ (1676, Goppisberg). Unsicher ist t Trischlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim bröckelnden Gestein ’ (Binn), das offenbar den agglutinierenden Artikel und eine Assimilation (/ s+sch/ -> / sch/ ) aus t Ris-Schlüecht aufweist. Ob das in Oberems 1775 belegte Trislen ‘ die Steingerölle ’ einen Plural einer Diminutivbildung mit agglutiniertem Artikel (di Risle) aufweist, ist sehr unsicher. Häufig ist eine ET -Bildung (vgl. S ONDEREGGER 1958, 524; I D . 6, 1343): ts Riset. Belegt ist es als Riset (FLNK, Visperterminen), im Risett (1548 u. später, Visperterminen), ts Risett (Visperterminen), ts (e) Risett (Guttet), Riset (1565 u. später), am Rÿset (1547, Visp), auf dem Risset (1767, Blitzingen), das Risitt (1645, Mörel), sowie in komplexeren Fällen wie zúm Rysat Byell (1593, Feschel), die Ryset Flu ͦ (1543, Visp; auch sub den Ryset Flien), die Risetgassen (1711, Oberems). I D . (6, 1369) kennt nur die Zusammensetzung Laub-Riset ‘ Laubfall, Herbst ’ . Weiter kommt vor Risetwildi ‘ das unfruchtbare Gebiet beim Riset (Holzschleif) ’ (EK, Eggerberg). Vermutlich ebenfalls hieher gehört ts Grisett (Zermatt), das noch zusätzlich ein anlautendes / g(e)-/ Präfix mit kollektiver Bedeutung hat. Eine ähnliche / g(e)/ -Präfixbildung findet sich in Geriisch (Termen), das sich laut LT am Ort mit dem Namen Risand befindet: ein Ort, wo es Steingeröll hat. Dabei ist unklar, ob es sich hier um ein Partizip Präsens oder um ein Kompositum mit dem HL S AND handelt. Als Adjektivableitung kommt risig vor, das in I D . (6, 1344) belegt, aber unsicher ist. t (e) Riisigu Fed ‘ die Grasbänder mit Steingeröll ’ (Randa), t (e)Risig Flüe ‘ die Fluh mit Steingeröll ’ (Törbel), die Bo ᵉ sen Rÿsigen Flu ᵉ ‘ die böse (steile) Fluh mit Steingeröll ’ (1519, Törbel), im Risige Bärg ‘ im bergwärts liegenden Gebiet, wo leicht Gestein herunterrollt ’ (Zermatt). Ein isoliertes Trislen ‘ die kleine Rinnen ’ ist 1775 in Oberems belegt. Es scheint, dass hier ein agglutinierter Artikel im Plural mit einem diminutiven / - L -/ -Suffix verbunden wurde. Risanda Risanda ist nur einmal 1439 in Baltschieder belegt. Es gibt keinen Kontext dazu. Zwar ist ts Risand (Termen) belegt (cf. HLL R I und S AND ), das seinerseits nicht klar ist, aber eine Deutung ist nicht möglich. Rischend Rischend f. ist nur belegt in t Rischend (Albinen). Die historischen Belege enthalten 1651 en la Rÿsen, 1666 jn die Rÿschedt, 1666 jn die Rÿchett, 1697 in die Rissent, 1699 in die Rissing, 1720 im Rischet, 1737 im Rischet. Die lebenden Formen sind klar feminin. Unbestritten ist in allen Formen die betonte Silbe Ris / Risch. Das / i/ ist geschlossen. Die Endung variiert zwischen / en/ , / et/ , / ent/ und / ing/ . Die ältesten Belege deuten auf eine romanische Grundlage hin. Unklar ist, ob eine Entrundung vorliegt oder nicht - dazu sind die Formen nicht alt genug. Am nächstliegenden scheint eine Ableitung zu frkp. rintse ‘ Reihe ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 283 s. v. Rentze ‘ rangée, probablement d ’ arbres ’ ) vorzuliegen, wobei im deutsch gewordenen Albinen das nasalierte / in/ zu einem / i/ geworden wäre. Diese Deutung passt zum heutigen Bild der Gegend mit mehreren Baumreihen. Rischil Rischil ist nur belegt in t Rischilbachtolu ‘ die Wasserrinne mit Steingeröll ’ (Hohtenn). Es handelt sich wohl um eine / - IL / -Ableitung zum Nomen Rischina, Rischi ‘ Haufen, Steinhaufen, Geröllhalde ’ (G RICHTING 1998, 163) oder zum Verb rischine, rischinu ‘ herunterrollen (Schutt und Steine) ’ (G RICHTING 1998, 163), vgl. auch Risene n ‘ zusammengerollter Kiesel- oder Steinhaufe ’ (I D . 6, 1344). 473 474 Rischil <?page no="791"?> Rischinu (e)Rischinu ist der Name eines Bergweilers von Naters. LT und FLNK haben Rischinu, SK Rischenen. Die ältesten Formen sind: 1231 apud Russanum; 1233 Walthero de Russana; 1270 (ca.) Russana; 12? ? , Russana und so weiter. Ab 1374 Ruschanon. Der erste Beleg Ryschinen (1425) muss eine Kopie sein; die Entrundung ist erst ab rund 1500 erkennbar. Formen mit / i/ erscheinen deswegen erst im 16. Jahrhundert. I D . stellt den Namen zu schwdt. Risina, Rischina f. ‘ Schutt-, Geröllhalde ’ (I D . 6, 1372 f.); das ist sicher unrichtig, da die ältesten Formen / u/ enthalten. Ob der im Wallis sonst nicht bezeugte Flussname Rüüss f. ‘ Reuss ’ (I D . 6, 1452) mit dem Suffix / - ANA / herbeigezogen werden kann, ist unsicher. Das sonst belegte Rüüs geht auf Runs (I D . 6, 1142) zurück; das sog. Staubsche Gesetz tritt erst im 17. Jahrhundert auf, sodass diese Deutung nicht haltbar ist. Wahrscheinlicher ist eine Herleitung von lat. R Ū SSUS ‘ Fleischrot ’ (FEW 10, 588 ff.) mit dem Suffix / - ANA / (M EYER 1914, 146) mit der Bedeutung ‘ Roter Bach ’ . Neben Rischinu sind belegt: das Rischiner Geschnitt ‘ das Gebiet des Weilers Rischinen ’ (1824, Naters), t (e)Rischinerschliecht ‘ die Geländeeinbuchtungen beim Weiler Rischinen ’ (Naters), Rischinerwald ‘ der Wald oberhalb des Weilers Rischinen ’ (FLNK, Naters), Rischinerwasser ‘ das Wasser (Bach) nach Rischinen ’ , (FLNK, Naters), Rischinu Eggawasser ‘ das von der Ecke nach Rischinen fliessende Wasser ’ (FLNK, Naters). Der Beleg Richinon (1634, Naters) ist eine Latinisierung von Rischinu. Nur historisch kommt vor Ruschner Gassa ‘ die Gasse nach Rischinen ’ (1527, Naters). Laut E. J OSSEN (2000, 82) ist im 19. Jh. ein ursprünglich aus dem Kanton Bern stammender FaN Richener, Rischener erloschen; ob jeweils eine Herkunftsbezeichnung oder ein FaN vorliegt, kann im Einzelfall nicht unterschieden werden. Risel (PN) Risel (PN) ist nur in Risälschbopem ‘ der Boden des Risel (PN, unklar) ’ (Blatten) belegt. Die Flur befindet sich auf etwas unter 2000 m. Die Beschreibung sagt, dass sich dort kleine Felsen <tschugglini> befinden. Der PN oder Beiname ist sonst nicht bekannt; es müsste sich um einen Besitzer oder Nutzer handeln. Hingegen weist www. ortsnamen.ch den Flurnamen Risel mehrfach auf; der Name wird im Allgemeinen zu Risel ‘ kleine Hagelkörner, Graupeln; feines Korn einer zerbröckelnden Substanz ’ (I D . 6, 134 f.) gestellt. Das HL ist so bei G RICHTING (1998) nicht belegt, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Ein Genitiv wie in Risälsch weist aber eher auf einen Besitzer und Nutzer hin. Risp Risp ist als sicherer Beleg nur in de alpe Rispeck (1522, Visp) erwähnt; der Beleg ist aber wohl identisch mit in alpe Ruspecca (1304, Visperterminen) und dem Eintrag Rüspeck (Visperterminen) auf der Landeskarte. Der historische Ausgangspunkt müsste also Ruspsein (cf. HL R USP ). Unklar ist weiter ein Namennest in Grengiols, dessen Kern Riischpeggi n. ist. Die Karten haben Rischbeggi, scheinen also eine Trennung Risch(p)-Beggi vorzunehmen (cf. HL B EGGI ); lokal wird jedoch Eggi ‘ die kleine Ecke ’ als Grundwort angenommen (S OPHIE A GTEN , p. c.). Neben dem Simplex Riischpeggi sind ts Ober und ts Unner Riischpeggi, sowie der Riischpeggiwald belegt. Eine Deutung ist in jedem Fall nur schwer möglich. Zu Risp erwähnt I D . unter schwdt. Rist n. und m., auch Risp n. ‘ Fussrücken ’ im übertragenen Sinne ‘ zu unterst des Berges, der unterste Teil oder Rist des Bergs ’ . Die Form Risp n. ist explizit nur für Bern belegt (I D . 6, 1510 ff.); langer Vokal kommt in einigen Belegen vor. G RICHTING (1998) kennt das HL nicht. Letztlich bleibt das HL damit ungedeutet. Riss m. Riss m. ist im Simplex Plural als (e)Risse ‘ die Risse ’ (Leukerbad) belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um Steingeröll und Steinschlag. Bei R. G RICHTING (1993) ist es nicht belegt. Mit einem attributiven Adjektiv ist der Breit Riss ‘ der breite Riss ’ (Leuk) belegt, eine Geröllhalde am Korwätsch. Als Bestimmungswort erscheint der Rissgrabo ‘ der Riss-Graben (Graben mit einem Geländeriss) ’ (Naters) und das nur auf SK belegte Rissenhörner ‘ die Bergspitzen mit Rissen ’ (Fieschertal), die nach Auskunft von LT zwischen Wasenhorn und Setzehorn liegen. Das HL ist zu schwdt. Riss m., Dim. Rissli, ‘ Ritz, Einschnitt; in FlN Erdriss, Erdspalte ’ , ahd. riss, mhd. riz, ritze (I D . 6, 1376 f.; Z INSLI 1946, 86) zu stellen. Bei G RICH- TING (1998) ist es nicht eingetragen. Riss n. Riss n. ist zu schwdt. Riss II (I D . 6, 1379) zu stellen. Im Kompositum ts Alpuriss ‘ der abgegrenzte Bereich der Alpe ’ (Mund) ist wohl “ abgesteckter, umgrenzter Bezirk übh. ” mit Verweis auf T SCHEINEN (Bed. 2 b)) gemeint. ts Chegelriss ‘ das Spielfeld für das Kegeln ’ (Blatten) nimmt die Bed. 3 a) β ) von I D . auf. Das Chegelriss bezeichnet einen Platz, unter freiem Himmel. Es war im Lötschental früher eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Der Platz für die Kegeln ‘ Riis ’ war meist mit einem Geflecht aus Stauden zum Auffangen der Kugeln ‘ Chruglä ’ abgeschlossen (M. S EEBERGER 1956, 38 f.). Rischinu 475 476 <?page no="792"?> Gross Ris (FLNK, Salgesch) ist bei M ATHIER (2015, 142) als Ober und Unner Riss belegt; auf 1: 10000 findet sich Oberes Ries. M ATHIER führt die Namen auf Ris II ‘ Rinne im Gebirge, Schneise, Furche, Wasser-, Stein-, Holzrinne an einem Berg ’ (I D . 6, 1356) und das zugehörige Verbum r ĭ se n ‘ Holz, auch Heu (im Winter) zu Tal befördern, indem man es eine natürliche oder künstliche Rinne … hinabgleiten lässt ’ (nach I D . 6, 1368; Z INSLI 1946, 334) zurück. Das Problem ist hier das Genus, nehmen doch I D . und Z INSLI ein Feminin an, während hier ein Neutrum vorhanden ist. Das Problem lässt sich mangels Daten nicht lösen. Ritell Ritell ist nur belegt in Ritell Tschugen (1707, Gampel). Am nächstliegenden ist das HL zu schwdt. Rütel m. ‘ Rodung ’ zu stellen, das I D . nur als Flurname kennt (I D . 6, 1807). Gemeint ist dann ein Felsen in einem Rodungsgebiet. Ritescht Ritescht n. kommt einerseits in der Ritescht (Niedergesteln) mit die Rittest Bachtolen ‘ die Wasserrinne im Gebiet Riitescht ’ (1714, Niedergesteln), anderseits in t Obru Ritescht, t Undru Ritescht und zum Riteschttrogji (alle Hohtenn) vor. Gemeint ist in beiden Fällen die gleiche Gegend. Vergleichbar ist wohl auch der Riiteschbach und der Riteschgrabe (beide Blitzingen). Auffallend ist, dass die Namen in Hohtenn eher ein Feminin nahelegen, doch können die Belege auch einen Plural darstellen. Dem Beleg in Niedergesteln ist ein historischer Beleg Ruytun (1351 - 1365) zugeordnet, ebenso findet sich beim Riteschbach der historische Beleg Rüttisbach (1681, Blitzingen). Beide legen nahe, dass der Name zu Rüti resp. Riti ‘ gerodetes Gebiet ’ gehört. Rüttis enthält ziemlich sicher einen Genitiv Singular ( ‘ der Bach im gerodeten Gebiet ’ ); bei der Form Ritescht könnte ein Superlativ vorliegen; dann würde sich die Deutung ‘ das meist gerodete Gebiet ’ ergeben. Es kann sich aber auch um eine unorganische / t/ -Anfügung zum Genitiv Singular handeln. Siehe auch HL R ITI . Riti Riti f. ist zu schwdt. Rüti, f., Pl. Rütine n , -ene n , Dim. Rüüteli, im Wdt. entrundet Riti f. ‘ Rodung, von Holzwuchs, Buschwerk gereinigtes, urbar gemachtes Stück Land ’ , ahd. *riut ī f., mhd. riute f., Verbalabstraktum zu rüüten, ahd. riuten ‘ roden, urbar machen ’ (I D . 6, 1811 ff.; S ONDEREGGER 1958, 497 ff.) zu stellen. Zur Verbreitung des Namens in der Toponomastik siehe I D . (6, 1814ff). Der formale Plural t Ritine ‘ die gerodeten Gebiete ’ wird in einigen Fällen als Singular des Neutrums reanalysiert, z. B. zem Obri Rittinu ‘ bei dem oberen gerodeten Gebiet ’ (Ferden). Historische Belege vor 1500 enthalten regelmässig den Umlaut / ü/ ; die Entrundung erfolgt erst in dieser Zeit. Spätere Schreibungen mit / ü/ sind hyperkorrekt. Das HL ist in rund 240 Namen belegt. Das Simplex im Singular vom Typ t Riiti oder gekürzt t Riti ‘ das gerodete Gebiet ’ , manchmal mit dem vokalischen Vorschlag (e)Riti, ist rund 60 mal im ganzen Oberwallis belegt. Das Simplex im Plural t Ritine erscheint mit unterschiedlichen Endungen und manchmal als (e)Ritine rund 25 Mal. Diminutive im Singular sind rar: ts (e)Riteli (FLNK: Ritulti) ‘ das kleine gerodete Gebiet ’ (Ried-Brig), ts Riitili (Zwischbergen), ts Ritili (Lalden) und ts Ritli (Glis). Plurale sind noch seltener: t (e)Riitini ‘ die kleinen gerodeten Gebiete ’ (Bratsch), t (e)Riitlini (Glis) und t Ritini (Erschmatt). Attributive Adjektive zum HL als Grundwort treten vor allem in den Typen t Ober und t Unner Riti ‘ das obere und das untere gerodete Gebiet ’ mit mehreren Varianten, teilweise auch als t Obere und t Unnere Ritine ‘ die oberen und die unteren gerodeten Gebiete ’ auf, je rund zehn Mal. Weiter sind belegt: t Alt (e)Riti ‘ das alte gerodete Gebiet ’ (Mund), t Änner Riti ‘ das jenseitige, weiter weg gelegene gerodete Gebiet ’ (Binn), die Dir Rüthün ‘ das dürre gerodete Gebiet ’ (1576 u. später, Stalden), enent der Dürren Rÿttin (1573, Visperterminen - wohl die gleiche Flur), t Hinner Riti ‘ das hintere gerodete Gebiet ’ (Obergesteln), inner Riti ‘ das innere gerodete Gebiet ’ (Grengiols) (unklar: es kann sich auch um ‘ in der Riti ’ handeln), t Kurz Riti ‘ das kurze gerodete Gebiet ’ (Gluringen; 1774, Reckingen), t Leng Riti ‘ das lange gerodete Gebiet ’ (Gluringen), t Mittluschte Ritine ‘ die mittleren gerodeten Gebiete ’ (Ergisch), in den Nidren Ritinon ‘ in den niederen (unteren) gerodeten Gebieten ’ (1463, Lax), t Obruschtu Ritine ‘ die obersten gerodeten Gebiete ’ (Ergisch), Üsseri Riti ‘ das äussere gerodete Gebiet ’ (Grengiols; 1775, Stalden: in der Ausren Rÿtÿ) und t Voder Riti ‘ das vordere gerodete Gebiet ’ (Obergesteln, Niedergesteln). Vorangestellte Genitive zum HL bezeichnen meist Besitzerinnen oder Besitzer: Adelheyt Rùti ‘ das gerodete Gebiet der Adelheit ’ (1300 Baltschieder; 1302 u. später, Visp), Eischlerriti ‘ das gerodete Gebiet von Eischoll ’ (Unterbäch) (heute als Adjektiv empfunden, ursprünglich Genitiv Plural), t Fluggsch(e)riti ‘ das gerodete Gebiet der Familie Flugg(sch) ’ (Niedergesteln, Raron; 1852 Steg), in der Glúriger Rittÿ ‘ im gerodeten Gebiet von Gluringen ’ (1808, Gluringen), in Goben Rittÿ ‘ im gerodeten Gebiet des Goben ’ (1543, Staldenried; SK hat Goppenrüti), in Gobonrittÿ (1543, Visperterminen, wohl die gleiche Flur), Hischieru Riti ‘ das gerodete Gebiet der Familie Hischier ’ (Turtmann), in Laggeren Rÿtenen ‘ in den gerodeten Gebieten der Leute von Lax ’ (1746, Martisberg), Meggen 477 478 Riti <?page no="793"?> Rúty ‘ das gerodete Gebiet des Megge (PN) ’ (1414, Ernen), ze Schmitz Rútÿn ‘ beim gerodeten Gebiet des Schmiedes / der Familie Schmid ’ (1441, Ausserberg), Tangels Ruitin ‘ das gerodete Gebiet des Tangel ’ (1301, Niedergesteln, unklar). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL sehr selten belegt in Blattu Ritinu ‘ die Felsplatten unterhalb Ritinu (die gerodeten Flächen) ’ (Oberems), t Herzriitinä ‘ die gerodeten Gebiete in Herzform / des Herzo ’ (Gampel) und jn den Weidren Rüthigun ‘ (wohl) das Gebiet mit Weiden der Familie Ritter / der Leute bei der Riti (gerodetes Gebiet) ’ (1724, Niedergesteln; der Beleg ist sehr unsicher; Rüthigun kann auch ein FaN mit dem Kollektivsuffix / - IG / sein). Komplexere Konstruktionen sind entsprechend ebenfalls selten: t Ober und t Unner Goppuriti ‘ das obere und das untere gerodete Gebiet des Goben (PN) ’ (Stalden). Als Bestimmungwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bach, Biel, Blatta, Bodu, Bord, Brand, Brigga, Chromu, Egg(a), Gartu, Grabu, Haalta, Lerch, Matta, Moos, Schiir, Schluocht, Steg, Stei, Tiri, Wäg, Wald, Wasser und Wier. Eine komplexere Grundkonstruktion enthalten Ritibachtele ‘ die Wasserrinne beim Gebiet Riti (gerodetes Gebiet ’ (Münster) und aús der Ritiwasserleiten ‘ aus der Wasserleitung vom / zum gerodeten Gebiet ’ (1746, Martisberg). Komplexere Konstruktionen sind der Unner Ritigartu ‘ der untere Garten beim gerodeten Gebiet ’ (Betten), Ritacherschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung bei den Ritachern (Äcker beim gerodeten Gebiet) ’ (Fiesch), im Horritthiwalld ‘ im Wald bei der hohen Riti (gerodetes Gebiet) ’ (1824, Bellwald) und andere. Eine schwer zu erklärende Ableitung ist der Riitescht (Niedergesteln) mit die Rittest Bachtolen ‘ die Wasserrinne im Gebiet Riitescht ’ (1714, Niedergesteln), sowie der Riteschbach (Blitzingen) und der Riteschgrabe (Blitzingen) (cf. HL R ITESCHT ). I D . kennt keine derartigen Formen. Es kann sich entweder um eine Superlativ-Form ‘ die am meisten gerodete Stelle ’ handeln oder um einen nicht mehr erkannten Genitiv Ritisch ‘ der gerodeten Stelle ’ . S ONDEREGGER (1958, 552) kennt ein / - ST / -Suffix (in Eist, Forst, Hurst und anderen), doch ist eine Bildung Rüti + st nirgends belegt. FaN kommen in Frage in Belegen wie ts Ritergräbji (Niederwald), der Riterwald (Täsch), der Riterwaud (Biel), ts Riterwälji (Biel), wo entweder die Zugehörigkeit zu einer Riti oder der FaN Ritter (AWWB 213) anzusetzen ist. Der Genitiv Ritisch ‘ beim gerodeten Gebiet ’ ist wohl in Niederwald bei den Namen der Ritischbach ‘ der Bach im Gebiet der Riti (gerodetes Gebiet) ’ (Niederwald), Rytischban ‘ das Banngebiet der Riti (gerodetes Gebiet) ’ (1532, Niederwald) und ts Ritischgräbji ‘ der kleine Graben bei der Riti (gerodetes Gebiet) ’ (Niederwald) vertreten. Ritler (FaN) Ritler (FaN) ist ein seit dem 14. Jh. bekannter Familienname aus Lötschental, auch Ritteler, Rittler, Ryteler, Rüteler, Rütler, Rüttler, Ruteler, Rutiler geschrieben (AWWB 213). Belegt ist nur Rÿttlerro Wildin ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Ritler ’ (Blatten). Ritt Ritt ist zu schwdt. Ritt m. und Ritte n f. ‘ Erdschlipf, Erdrutsch, bewegte Erde eines Abhangs, Erdlawine ’ bzw. ‘ Ort, wo Erdreich heruntergerutscht ist und sich noch viel Geröll, Baumstämme, Schlamm und ähnliches befindet ’ zum Verb rîte n ‘ rutschen ’ , ahd. r ī tan, mhd. r ī ten (I D . 6, 1709 ff., besonders 1711 und 1717) zu stellen. Von den wenigen Belegen ist zen Huoten Riten (1365, Erschmatt) der älteste und deswegen sicher nicht entrundet. Leider lässt er sich nicht deuten, da Huot meist ein Nomen ist, hier aber wohl als Adjektiv zu verstehen ist. Riten ist ein Dativ Plural und würde als ‘ Erdrutsch ’ zu verstehen sein; ‘ bei den Erdrutschen, vor denen man sich hüten muss ’ wäre dann die Deutung. Zwei Namen sind für Ausserbinn belegt: Rittespitz und Rittewaud. Namengebend ist wohl der Rittewaud ‘ der Wald beim Erdrutsch ’ (mit / l/ -Vokalisierung), bei dem sich die spitz zulaufenden Weiden des Rittespitz ‘ spitz zulaufendes Gelände beim Rittewald ’ befinden. Unklar ist schliesslich der Beleg zer Rittbatton oder zer Rittblatton (1443, Zermatt), die als ‘ Felsplatten im Erdrutschgebiet ’ verstanden werden können. Vermutlich auch hieher gehören die Belege ts (e)Rittmaal (Eisten, Saas-Balen) und die komplexeren ts Ober (e)Rittmaal (Eisten), Unner Rittmaal (FLNK, Saas-Balen), Rittmalschleif (FLNK, Saas-Balen) und ts Rittmalsch Brunu ‘ die Quelle / der Brunnen im Gebiet Rittmal ’ (Saas- Balen). Alle Belege haben geschlossenes / i/ . Die volksetymologische Deutung, dass hier drei Ritter ein Mahl gehalten hätten (so Gwp.), trifft kaum zu. Vermutlich auch hieher gehört die in Unterbäch belegten ts (e)Riggmaal und Riggmalwald (FLNK). Da die Belege kaum zum HL R ITI ‘ Rodung ’ gehören, liegt wohl eine Bedeutung im Bereich ‘ Erdrutschgebiet ’ vor. Ritter (FaN) Ritter (FaN) ist in den meisten Fällen der FaN Ritter, früher auch als Ryther, Rhyter, Riter, Ritters, Rüter, In der Rüti belegt (AWWB 213). AWWB vermutet sowohl Herkunft von Rüti/ Riti ‘ Rodung ’ , wie von Ritter ‘ berittener Soldat ’ (lat. MILES ). Ritler (FaN) 479 480 <?page no="794"?> Die Belege enthalten Ritter zunächst als vorangestellten starken Genitiv ts (e)Rittersch Schiir ‘ die Scheuer der Familie Ritter ’ (Termen) (FLNK Ritterschiir) und ts (e)Rittersch Trog ‘ der Trog der Familie Ritter ’ (Eggerberg). Ursprünglicher Genitiv ist auch in Rittere Biine ‘ der Pflanzplatz der Familie Ritter ’ (FLNK, Bister) enthalten. Einen nachgestellten femininen Genitiv enthält wohl possessio Rittrin ‘ das Gut der Ritterin ’ (1399, Ried-Brig); der Beleg stammt aus der Zeit vor der Entrundung. Die übrigen Belege enthalten Ritter als Bestimmungswort: Ritteracker ‘ der Acker der Familie Ritter ’ (1843, Binn), ts Rittergüed ‘ das Gut der Familie Ritter ’ (Visp), t Ritterschiir ‘ die Scheuer der Familie Ritter ’ (Grengiols), die Ritterschnitta ‘ die Geländestreifen der Familie Ritter ’ (1842, Binn). Komplexer ist der Beleg im Ritterbarbi=Schnittelti ‘ im kleinen Geländestreifen der Barbara Ritter ’ (1842, Binn). Ritter Ritter ‘ Ritter, Reiter ’ ist als Substantiv des Handelnden vom schwdt. Verb rîte n reiten, ahd. r ī tan, mhd. r ī ten, wdt. ritte, rittä (Goms), riitn (Lötschtal), riitu ‘ reiten ’ (I D . 6, 1664 ff.; G RICHTING 1998, 163) abgeleitet. Das HL bezieht sich hier auf Felszacken, die Reitern oder Rittern gleichen. Belegt sind der Plural Rit(e)ra, t Riter ‘ die Reiter ’ (Grengiols), bei den Rittern (SK, Grengiols) und Ritter (FLNK, Grengiols). Ein Kompositum mit dem HL als Bestimmungswort ist der Ritterpass ‘ der Pass bei den Rittern / Reitern (Felszacken, die an Reiter erinnern) ’ (Grengiols). Ritz (FaN) Ritz (FaN) ‘ Ritz ’ ist ein gut belegter FaN (AWWB 214; I D . 6, 1930 f.) des Goms. In den Flurnamen kommt Ritz als Genitiv Ritsch vor in in der Ritschhalten ‘ in der Halde der Familie Ritz ’ (1836, Binn), ts Ritsch Walji ‘ der kleine Wald der Familie Ritz ’ (Selkingen) und ZRitschgaden ‘ beim Gaden der Familie Ritz ’ (1532, Fieschertal). Als Diminutive erscheinen t Ritschggifura ‘ die Furche der Familie Ritz / des Ritschggi ’ (Blitzingen) und im Ritschibühl ( ‘ im Gebiet des Hügels der Familie Ritz ’ ) (1775, Ausserberg). Der Gemeindename Ritzingen lässt sich vermutlich jedoch nicht auf den FaN Ritz, sondern einen PN Rizo zurückführen (cf. HL R ITZIGE ). Deswegen ist in der Ritzifure ‘ in der Furche von Ritzingen ’ (ab 1649 belegt, Ritzingen) kaum zum HL R ITZ (F A N) zu stellen, sondern zum HL R ITZIGE . Ritz Ritz m. ist zu schwdt. Ritz m., oft Pl. Ritze n , Ritzene n zu stellen, das zunächst einfach ‘ Ritz, Spalte ’ bedeutet, in Flurnamen aber ‘ einen steilen, aber begrasten Bergabhang ’ , im Goms ‘ zwischen Runsen und Flühen schmal aufsteigende Grasstreifen, die als Wildheuplätze oder Schafweiden dienen ’ meint (I D . 6, 1927 f.; Z INSLI 1946, 90, 108, 150, 334; G LATTHARD 1971, 45 ff.; Z INSLI 1975, 57 ff.). Die Bedeutung der Namen bezieht sich auf vertikale Felsspalten, zwischen denen sich karge Grasbänder ausbreiten. Der Plural meint dabei mehrere solcher Spalten mit Grasbändern. Die Deutungen in der Datenbank VSNB schwanken deswegen zwischen ‘ Grasband ’ und ‘ steiler, begraster Bergabhang ’ , wobei nicht immer klar ist, welche der beiden Deutungen zutrifft. Das HL ist in rund 120 Namen belegt. Bei den Formen vom Typ Ritz n. liegt wohl ein Kollektiv vor (analog zu den neutralen Baumnamen wie ts Ta, ts Läärch usw.), bei Ritzi f. eine feminine / - I / -Ableitung. Das Simplex im Singular vom Typ Ritz m., manchmal auch mit dem vokalischen / r/ -Vorschlag (e)Ritz, ist sechs Mal belegt, der Plural Ritze oder Ritza, auch mit dem vokalischen / r/ -Vorschlag, fünfzehn Mal. Plurale vom Typ Ritzine und Ritzene sind dreimal belegt. Nur einmal kommt ein Diminutiv im Singular ts (e)Ritzji ‘ der kleine Ritz (Grasband) ’ (Randa) vor. Attributive Adjektive zum HL R ITZ sind vor allem vom Typ t (e)Rotu Ritze ‘ die roten Ritze (Grasbänder) ’ (Ergisch, Oberems, Unterbäch, sowie Betten und Ried- Mörel), wobei ‘ rot ’ sich auf die Erde oder auf das sonnenverbrannte Gras beziehen kann. Weitere Namen: dr Breit (e)Ritz ‘ der breite steile Grasabhang ’ (Ferden), dr Chlei Ritz ‘ der kleine Ritz (Fesspalte) ’ (Blatten), der Chüoluritz ‘ der kühle Ritz (steiler Bergabhang) ’ (Saas-Almagell), t Gaalte Ritze ‘ die unfruchtbaren Ritze (Grasbänder) ’ (Binn), der Gross Ritz ‘ der grosse Ritz (Grasband) ’ (Blitzingen, Blatten), t Hinnere Ritze ‘ die hinteren Ritze (Grasbänder) ’ (Gluringen, Münster), der Leng (e)Ritz ‘ der lange Ritz (begraster Bergabhang) ’ (Ferden, Glis), am Mittlesten Ritz ‘ der mittlere Ritz (begraster Bergabhang) ’ (1687, Blatten), der Ober Ritz ‘ der obere Teil des Ritz (Grasband) ’ (Saas-Balen), in die Obren Ritza ‘ in die oberen Ritze (Grasbänder) ’ (1552, Mühlebach), dr Schmal (e)Ritz ‘ der schmale Ritz (Grasband) ’ (Ferden), der Teif (e)Ritz ‘ der tiefe Ritz (Grasband) ’ (Ferden), dr Undruscht (e)Ritz ‘ der unterste Ritz (Grasband) ’ (Ferden), der Unner Ritz ‘ der untere Ritz (Grasband) ’ (Saas-Balen), t Vodere Ritze ‘ die vorderen Ritze (Grasbänder) ’ (Gluringen, Münster). Unklar ist der Schoritz ‘ der schöne Ritz (Grasband) ’ (Blitzingen), der sich vermutlich auf das ahd. scône ‘ schön ’ (G R W B 15, 1459) zurückführen lässt, das noch in schon mit veränderter Bedeutung vorhanden ist. Dazu gesellt sich Schonritz Turm ‘ der (Fels-)Turm beim Schonritz ’ (1681, Blitzingen). Ein Partizip Präsens findet sich in 481 482 Ritz <?page no="795"?> der Durchgeend (e)Ritz ‘ der durchgehende Ritz (Spalte im Fels) ’ (Niedergesteln), ein Durchgang für die Schafe. Einen vorangstellten Genitiv findet man in t Jäniltiger (e)Ritze ‘ die Ritze (Grasbänder) bei der Alpe Jäniltigu (der Familie Jenelten) ’ (Oberems), wobei die alte Genitiv- Form wohl nur noch als Adjektiv verstanden wird. Unsicher ist Hinschritz ‘ der Ritz (Grasband) des Hinz ’ (Grengiols), wo der Genitiv eines Kurznamens Hinz vorliegen kann (cf. HL H INNSE , wobei unklar ist, ob hier ein PN vorliegt). Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort kommen zunächst mit Tiernamen vor: der Bäreritz ‘ der Ritz (Grasband), wo es Bären hatte ’ (Oberwald), der Chieritz ‘ der Ritzt (steiler begraster Bergabhang) für die Kühe ’ (Binn), dr Gämsch(e)Ritz ‘ der Ritz (begraster Bergabhang) mit Gemsen ’ (Wiler), di Gemmsch(e)ritza ‘ die Ritze (Grasbänder) für die Gemsen ’ (Simplon), t Kieritze ‘ die Ritze (steile begraste Berghänge) für die Kühe ’ (Binn) und (der) Múrmetten Rütz ‘ der Ritz (steiler Grasabhang) mit Murmeltieren ’ (1584, Niederwald und Steinhaus). Weitere zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort beziehen sich auf Geländeangaben wie der Blatturitz ‘ der Ritz (Grasband, Felsspalte) in den Felsplatten ’ (Guttet), in den Fleiger Ritzen ‘ in den Ritzen (Grasbänder) beim Fleiger ’ (1677, Greich, wo Fleiger belegt ist), di Grindjiritze ‘ die Ritze (steile, begraste Bergabhänge) der Alpe Grindji (auf dem kleinen Grund) ’ (Oberems), dr Heeliritz ‘ der Ritz (begraster Bergabhang), der eine Höhle (Mulde) bildet ’ (Blatten) und andere. Unklar ist Milchritz ‘ der mit milchfördernden Gräsern bewachsene Ritz (Grasabhang) ’ (Blatten); Milch kann sich hier wohl nur auf den Bewuchs beziehen (cf. HL M ILCH ). Unsicher ist auch der Roosche Ritz ‘ der Ritz (Felsband), der wie ein Dachgiebel aussieht / ein jäher Bergabhang ist ’ (Zermatt), der auf LT Rosenritz heisst, dort also auf die Alpenrosen Bezug nimmt (cf. HL R OO- SCHE ). Ob in dr Chilhu(e)ritz ‘ der Ritz (steiler Grashang), von dem aus man zur Kirche sieht ’ (Ferden) die Deutung (der Gwpp.) zutrifft, ist unsicher. Nur im Lötschental ist der Typ Äb(e)ritz (Blatten) vertreten. Das Bestimmungswort ist Äb(i) ‘ Abhang ’ (cf. HL Ä BI ). Er erscheint als zweigliedriges Kompositum, aber zur Unterscheidung auch als Faldumäb(e)ritz, Chummunäbe(e)ritz (Plural), der (e)Reschtinäb(e)ritz (Ferden) mit den Namen der Alpen als erstem Bestandteil, und als Bestimmungswort in Äb(e)ritzgrad und Äb(e)ritzläger (beide Blatten). Das HL ist als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Äbi, Bach, Balma, Bäärg, Bletz, Bodu, Chumma, Egg(a), Flüo, Furgga, Gletscher, Graat, Hooru, Mad, Mälig, Schluocht, Stiia, Tal, Treije und Wang. Komplexere Bildungen wie t Ritzubodogärtu ‘ die Gärten beim Ritzubodu (Weiler von Raron) ’ (Raron) sind selten. Der feminine Typ Ritzi, Pl. Ritzine ist eine / - I / -Ableitung (Verbalabstraktum, S ONDEREGGER 1958, 497 ff.), vermutlich mit kollektivem Sinn. Es kommt in t Rizine ‘ die Ritzine (Felsspalten) unterhalb des Wenghorns ’ (Simplon; SK hat falsch Hitzinen), der Ritzibach ‘ der Bach, der durch das Ritzitälli fliesst ’ (Simplon) und ts (e)Ritzitälli ‘ das kleine Tal bei den Ritzinen (Grasbänder) ’ (Simplon) und t (e) Ritzichummu ‘ die Chumme (Mulden) mit Ritzen ’ (Oberems) vor. Belege mit neutralem Genus sind kollektiv; sie ähneln den kollektiven neutralen Baumnamen. Belegt sind ts Horitz ‘ das hohe Ritz (kollektiv) ’ (Raron, FLNK Hooritz) und ts Ballmeritz ‘ der Ritz (Grashang) im Gebiet des überhängenden Felsens / der palmenartigen Pflanzen ’ (Oberwald), wo laut Gwp. <balme> den Wacholderstrauch meint und nicht den überhängenden Felsen. Tatsächlich werden am Palmsonntag Zweige des Wacholderstrauchs als ‘ Palmen ’ gesegnet und verteilt. Ritzingen Ritzige (hdt. Ritzingen) liegt auf der linken Rottenseite und gehört heute zur Gemeinde Goms, bis 2017 zur Gemeinde Grafschaft (seit 2000). Es ist einer der / - INGEN / -Namen im Goms (wie Blitzingen, Gluringen, Reckingen, Selkingen und Ulrich(ing)en), die von der früheren Forschung als Weiterführung der bernischen / - INGEN / -Namen gesehen werden. Diese Deutung ist wohl falsch, da die Endung auf / - ING / (dial. / - IG / ) im Oberwallis für Familiennamen mit dem einfachen Namen (z. B. Schmidig zu Schmid, Schnydrig zu Schnyder, Michlig zu Michel usw.) üblich ist. Ritzingen ist jedoch nicht zum HL Ritz, sondern zu einem PN Rizo oder ähnlich (F ÖRSTEMANN 1, 1279) zu stellen. Der frühere Gemeindename ist als Rizzigä, Rizzigu oder Rizzingu ‘ Ritzingen ’ auch bei G RICH- TING (1998, 163) belegt. Neben dem Dorfnamen sind belegt zum Bestimmungswort Ritz(i) die Grundwörter Bach, Bodu, Brigga, Chumma, Fura, Hooru und Matta; komplexer ist Ritzimattehaute ‘ die Halde bei der Ritzimatte (die Wiese bei Ritzingen) ’ . Zum Bestimmungswort Ritzi(g) sind die Grundwörter Graad und Grabu (wobei Assimilation zu Ritzig anzunehmen ist) und Rizig Egge (Biel), zu Ritziger (als Adjektiv, eventuell auch als Genitiv Plural der Bewohner) die Grundwörter Alpa, Bord, Eia, Matta und Stafel zu stellen. Neben Ritzingen kommen auch die Orte Biel, Gluringen und Reckingen vor. Riva Riva ‘ Ufer ’ ist zu lat. RIPA ‘ Ufer ’ (FEW 10, 410 ff.) zu stellen. Der einzige lebende Beleg findet sich als Ritzingen 483 484 <?page no="796"?> ts (e)Riifu ‘ das Ufer, der Bach ’ in Varen, wo aber schon 1388 en la ryva belegt ist; vermutlich ist die gleiche Flur gemeint. Hist. Belege sind weiter: 1494 az laz rivaz ‘ beim Ufer ’ (Salgesch), 1602 ÿ rÿwes, 1607 und später en riua, 1741 in die Riwe (Albinen), wo auch v rÿffa (1602) belegt ist, wohl auch für die gleiche Flur. Eine schwieriger zu deutende Form ist 1393 ou riuex (Guttet); der Artikel ou deutet auf einen Singular hin, die Schreibung auf einen Plural. Albinen hat 1358 in campo dou riues ‘ im Feld beim Bach ’ mit einer ähnlichen Konstruktion. Weiter hat Albinen 1650 en riwa bÿs, 1703 als in riua bÿs (vgl. auch HL R IPA ). Vermutlich liegt hier nicht frpr. bisse ‘ Wasserleitung ’ zu Grunde, sondern ein aus bues ‘ Wald, Holz ’ entrundetes HL P IIS ‘ Büsche ’ : ‘ der Bach bei den Büschen ’ . In Ergisch wird 1328 es riuetes erwähnt, was wohl ein Diminutiv Plural ist. Zur Ableitung * RIPARIA ‘ Ufergelände, Fluss ’ (FEW 10, 415 f.) gehören wohl en riuiery (1359 u. später, Leuk) mit einem Beleg von 1745 jn die Rifiere, dann in prato riffier (13. Jh. u. später, Albinen) und jn plano rifier (1224, Albinen). M ATHIEU (2006, 13) kennt Riifiir, das zu disen historischen Belegen zu stellen ist. Am unklarsten ist en la clivaz ov ryvyoz (1494) und en laz cliwaz rivioz (1495) - vermutlich Ableitungen auf / - OTTU ( M )/ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) mit diminutiver Bedeutung: ‘ auf dem Abhang beim Bach ’ . Die Deutung in VSNB als ‘ Bach, Fluss ’ ist wohl meistens zutreffender als ‘ Ufer ’ . Riwei Riwei ist nur in Leukerbad mit dem vokalischen / r/ - Vorschlag als ts (e)Riwei ‘ das Ufergelände ’ belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 10, Nr. 42) kennt es als Riwey. Auf SK befindet es sich nördlich ausserhalb von Leukerbad an der Dala. Es dürfte sich um eine Ableitung zu lat. R Ī PA ufer (FEW 10, 410 ff.) handeln, eventuell zu afrz. rivail ‘ rivage ’ (FEW 10, 412). Das Genus Neutrum kann ein Kollektiv bezeichnen ‘ das Ufergelände ’ . Riwola Riwola ist nur in t Ríwola (Zwischbergen, FLNK und 1: 10000 Riwola) belegt. J ORDAN (2006, 300) kennt Riiwola und Riiwoluschtaaf u l. Es handelt sich um eine Alpweide mit zerfallender Alphütte und Ruinen. Das Wort ist wohl zu it. riva < lat. R Ī PA ‘ (steiles) Ufer, Rand ’ zu stellen (O LIVIERI 2 1961; 489; 1965, 293). Es handelt sich um eine Ableitung auf / - OLA / , die sich entweder auf den naheliegenden Bach (it. rivolo ‘ kleines Bächlein, Rinnsal ’ (REW 7340; D EVOTO / O LI 2020, 1903)), auf ein steiles Gelände (it. riva) oder auf den FaN Riva beziehen kann. Wir geben deswegen in VSNB alle drei Deutungen. Roetingo Roetingo kommt nur 1305 in Roetingomatte ‘ die Wiese der Leute im roten Gebiet / der Roten (FaN) ’ (St. Niklaus) vor. Es handelt sich um einen Genitiv Plural einer kollektiven / - ING / -Ableitung zum HL R OT . Damit ist entweder eine Ableitung von einem PN oder ein Herkunftsname gemeint; der FaN Roten (AWWB 218) ist gut bezeugt, nicht aber eine Ableitung mit Umlaut, wohl aber ohne (cf. Rotigo). Historisch kommt Roeting 1304 und 1307 in Niedergesteln und 1307 im Beleg an das Roetinges Mos in Stalden vor. Diese Belege sind zum HL R OT gestellt. Roff Roff ist 1535 in Inden belegt als jn prato dicto Roff ‘ im Feld, das Roff genannt wird ’ . Hier handelt es sich vermutlich um eine frpr. Form. FEW (16, 250 ff. s. v. hr ŭ f schorf) gibt eine entsprechende Form rof, doch ist diese Form unklar; eine metaphorische Form von ‘ Schorf ’ ist nicht auszuschliessen. Das von B RIDEL (1866, 335) erwähnte Roffa, Rauffe, Rauffa bezeichnet einen Fisch (Rotauge), der in Inden in einem Ackernamen nicht vorkommen kann. Der Roffelpass (Saas-Almagell) wird nach der in Macugnaga gelegenen Alpe Roffel (LT), resp. Rofal (Z INSLI 1984, 314) benannt; auf LT finden sich auch die Roffelhörner. Z INSLI gibt als Deutung für Roffel / Rofal (578 f.) einen Hinweis auf Rufine n ‘ Erdschlipf, Schlammstrom, Schutthalde ’ (I D . 6, 673 ff.; cf. HL R UFINA ). Eine Deutung des Flurnamens Roff kann nicht gegeben werden; ob Roff und Roffel zusammengehören, ist unklar. Roggen Roggen m. ‘ Roggen ’ ist als Simplex Plural dij Rogge ‘ die Roggen(äcker? ) ’ (1492, Mühlebach) belegt. Als Bestimmungswort erscheint es in vom Roggenbiell ‘ vom Hügel, wo Roggen angebaut wird ’ (1469, Mund) und in den Roggen=Halten ‘ in den Roggenhalden ’ (1852, Biel). Das HL ist zu schwdt. Rogge n m., wdt. Rogge, Roggn, Roggu in Visperterminen Roggo m., wie nhd. Getreidebezeichnung ‘ Roggen ’ m., ‘ doch teilweise dafür schlechtweg Korn ’ , mhd. rocke, rogge, ahd. rogge (I D . 6, 773 f.; G RICHTING 1998, 163; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 771) zu stellen. Roggi (PN) Roggi (PN) ist in der Roggifad ‘ das Grasband des Roggi / der kleinen roten Stelle ’ (Randa) vertreten. Ob es sich um einen PN Roggi handelt, oder ob um eine Ableitung zum HL R OT , bleibt unklar. Zwar kennt I D . (6, 774) Roggi für den PN Rosa, aber nur für Basel-Stadt. Belegt sind auch der ahd. PN Roggo oder der FaN Ro(g)gi, Roggi (I D . 6, 773; nicht jedoch im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 3, 1517 f.). Eine nahegelegene Flur heisst t Reetine ‘ die roten Stel- 485 486 Roggi (PN) <?page no="797"?> len ’ ; es bietet sich also an, dass Roggi hier ‘ die kleine rote Stelle ’ heisst, eine Ableitung zum HL R OT . Zu erklären bleibt dann allerdings der fehlende Umlaut; bei Diminutiven kann im Oberwallis der Umlaut jedoch durchaus fehlen. Rol Rol ist nur belegt in iuxta torrentem dou Rol ‘ neben dem Bach dou Rol ’ (1407, Albinen). Ein zweiter Beleg aus einem Kopialbuch hat iuxta torrentem Doyrot (1407, Albinen). Während dou und Doy dem frz. du ‘ von ’ oder deux ‘ zwei ’ entsprechen, liessen sich die sonst unlösbaren rol und rot zu *rocca fels (FEW 10, 435 ff.) stellen, vor allem wenn roc ‘ Fels ’ zu lesen wäre. Diese Lösung ist aber unsicher. Rolli Rolli ist so nicht belegt. Das Simplex ist ts Rollji (Randa) mit ts Rolljiwasser ‘ die Wasserleitung zum Rollji ’ . Historisch ist 1544 in Unterbäch am Rollbu ᵉ l ‘ am Rollhügel ’ belegt. Eine Ableitung Rolli zu rolle n ‘ etwas rollend bewegen, wälzen ’ , intransitiv ‘ sich rollend bewegen ’ , vom Ton sich bewegender Dinge (I D . 6, 875 ff.; URNB 2, 1140) kann nicht ausgeschlossen werden; die Lage und Beschaffenheit des Rollji in Randa legt jedoch eher auch hier einen Diminutiv von Rone ‘ Baumstamm, Stock ’ vor (cf. HL R OOLI ). Roman (PN) Roman m. (mit Erstbetonung) ist nur in t Romanmatta ‘ die Wiese des Roman ’ (Wiler) belegt. Das HL ist zum männlichen Taufnamen Romanus (I D . 6, 914) zu stellen. Es handelt sich um den Vornamen eines früheren Besitzers, wie die Alternative Rootpeetermatta ‘ die Wiese des Peter Roth ’ zeigt. Römer Römer ist als Bestimmungswort, resp. Adjektiv im Kontext mit den Grundwörtern Straas, Wäg und Brigga belegt: t Aalt Reemerstrass ‘ die alte Römerstrasse (Spuren eines früheren Weges) ’ (Zwischbergen; FLNK Alt Römerstrass), Alte Römerwäg ‘ der alte Römerweg (den Römern zugeschriebener Weg) ’ (FLNK, Inden), Römerbrücke ‘ die Brücke, die den Römern zugeschrieben wird ’ (LT, Grengiols), Römerwäg ‘ der Römerweg (Teil des historischen Weges über den Albrungpass nach Italien) ’ (Ausserbinn) und Römerwäg ‘ der Römerweg (den Römern zugeschriebener Weg) ’ (FLNK, Leukerbad), bei R. G RICHTING (1993, Blatt 3, Nr 10 und Blatt 5, Nr. 35) als Remärwäg. In allen Fällen ist Römer m. ‘ Bewohner von Rom; den Römern zugeschrieben ’ , als Bestimmungswort in FlN ‘ die das Gedächtnis der Römerherrschaft wach halten, wenn auch kaum in ununterbrochener Überlieferung ’ (I D . 6, 913). Römerstrass f. wurde der Weg in Zwischbergen genannt, obwohl diese wohl kaum eine ‘ Wallfahrtstrasse nach Rom ’ oder eine ‘ von Römern gebaute Strasse ’ war (I D . 11, 2363). Die Römerbrücke, im Volksmund auch Brücke Karls des Grossen, hiess früher Schärtmoosbrücke und wurde vermutlich im 16. Jh. erstellt (R UPPEN 1979, 147). Römer gilt hier im Allgemeinen einfach als alte Strasse, alter Weg oder alte Brücke. Rone Rone m. ist zu schwdt. R ǒ ne n ; R ō ne n (R ō no m., R ō na f.); R ō n, Ron, R ō ne n m./ f.; Pl. meist unverändert., in Münster (VS) teilweise mit Umlaut: ‘ vor Alter hinfälliger, meist schon hingefallener, bzw. gefällter, im Bergwald modernder Baum(stamm), Baumstrunk; Stock, Stumpf eines Baumes; entwurzelter Wurzelstock eines Waldbaumes ’ auch ‘ langer, an beiden Enden stumpfer Holzklotz ’ , ahd. rono m., mhd. ron(e) m./ f. ‘ umgefallener bzw. abgehauener Baumstamm ’ , wdt. Rone, Ronu ‘ Baumstrunk, Wurzelstock ’ (I D . 6, 1012 ff. besonders 1014 f.; G RICHTING 1998, 163; S ONDEREGGER 1958, 245; Z INSLI 1984, 578 f.) zu stellen. In der Datenbank VSNB ist der Einfachheit halber nur von einem ‘ Baumstock ’ die Rede - es handelt sich meistens um liegende, morsche oder verfaulende, manchmal auch um gefällte Bäume. Das Simplex kommt selten im Singular vor; ein Beleg von 1540 in Glis hat zem Ronno ‘ beim Baumstock ’ (allerdings unklar, da 1391 Rongck, was eher zum HL R ONGG passt). Plurale sind häufiger, etwa uf Rone ‘ bei den Baumstöcken ’ (Grengiols), t Rone ‘ die Baumstöcke ’ (Grächen, Hohtenn), Roone ‘ die Baumstöcke ’ (Oberems), zen Ronon ‘ bei den Baumstöcken ’ (1519, Visperterminen) und Rohnen ‘ die Baumstöcke ’ (1881, Eischoll). der Wiiss Roonu ‘ der weisse Baumstock ’ (Glis) ist der einzige Beleg mit einem attributiven Adjektiv. Als Bestimmungswort kommt das HL meist als Ron mit den Grundwörtern Alpa, Bach, Biel, Bodu, Graat, Haalta, Hee (Hoch, Heeji), Rufina, Tschugge, Wald und Weid vor. Vermutlich auch hieher zu stellen ist t Runeia ‘ die Aue mit Baumstöcken ’ (Blatten). Komplexer sind Ronalpbach, Ronalpwald (beide Bürchen), Ronibodjifärich ‘ der Pferch beim kleinen Boden mit Baumstöcken ’ (Visperterminen) und andere. Eine Adjektiv-Ableitung Ronig auf / - IG / (S ONDEREGGER 1958, 487) ist in der Ronig Bach ‘ der Bach mit Baumstöcken ’ (Ausserbinn) und t Ronig Egge ‘ die Ecke mit Baumstämmen ’ (Ulrichen) belegt. Eine Kollektivbildung zu Rone (gehoben zu Rune) ist G(e)rii ‘ umgehauene, umherliegende Baumstämme ’ (cf. HL G RII ). Rol 487 488 <?page no="798"?> Rongg Rongg m. ist zu schwdt. Rongg, Rungg m., Pl. mit Umlaut oder auf -e n : ‘ Einfang auf der Allmende zur Urbarmachung, abgegrenzt durch Zaun oder Mauer, meist ärmeren Bürgern zur Benutzung zugeteilt ’ , in romanischen Gebieten in gleicher Form und Bedeutung. G RICHTING (1998, 163) hat Rongg m. ‘ Waldlichtung ’ . Als FlN ‘ Bezeichnung ganz oder teilweise von Wald oder Allmend eingeschlossener Wiesenkomplexe ’ (I D . 6, 1129; Z INSLI 1984, 579). Rom. Wort zu mlat. RONCUS , RUNCUS m. (T AGMANN 1946, 33 denkt an RUNC Ā RE ‘ jäten ’ , gerät deswegen aber in lautliche Probleme, s. dort). In der Datenbank des VSNB wird der FlN als ‘ Wiese im Wald ’ gedeutet. In Varen und Leuk kann Ronggu auch aus dem alten Patois stammen. Das Simplex kommt im Singular einsilbig als Rong (1396, Ried-Brig) und der Rung (Randa) vor, zweisilbig als Ronggu (Leuk, Varen). Der Diminutiv ts Rongji (Saas-Fee) und ts Ronggi (Saas-Almagell) (beide am gleichen Ort) ist komplexer auch als Unter dum Ronggi (Saas-Almagell) belegt. Der Ronggiwald (Saas-Fee) befindet sich beim Ronggi. In Leuk gibt es zu Ronggu ein Namennest mit t Rongguachra ‘ die Äcker beim Gebiet Ronggu (Wiese im Wald) ’ , t Rongguleisi ‘ der Weg beim Gebiet Ronggu (Wiese im Wald) ’ , t Ronggubriggu ‘ die Brücke beim Gebiet Ronggu (Wiese im Wald) ’ . In Varen ist komplexer Rongguwasserleita ‘ die Wasserleitung vom / zum Gebiet Ronggu (Wiese im Wald) ’ belegt. Roogera Roogera f. ist nur in Baltschieder als t (e)Roogera belegt. Historische Belege sind 1548 die Rogara und 1635 jn der Rogurrun. Beschrieben wird die Flur als steile Wiese (heute an der Strasse nach Ausserberg). Das BENB (F. S CHNEIDER , p. c.) kennt Roggere und stellt es vorsichtig zu einer / - ARIA / -Ableitung zum Lehnappellativ Rogge zu * ROCCA ‘ Fels ’ (H. S CHMID 1980, 143). Diese Deutung trifft auf Roogera wegen der Länge des betonten Vokals kaum zu. Vermutlich liegt eine Ableitung zum HL R OT vor. I D . (6, 841 f.) verzeichnet unter den Stichwörtern r ȫ ke n ‘ sich röten ’ und Rö ̂ kle n ‘ Rotschwänzchen, Rotkehlchen ’ solche Bildungen; in unserem Fall aber ohne Umlaut. Falls dies zutrifft, wäre Roogera als ‘ rötliches Gebiet ’ zu verstehen. Rooli Rooli ist in vier Belegen in Ried-Mörel belegt als ts Rooli, t Roolcheera ‘ die Kehren auf dem Weg zum Gebiet Rooli hinauf ’ , ts Rooliwald ‘ der Wald unterhalb des Rooli ’ und der Rolgrabu ‘ der Graben vom Rooli hinunter ’ . der Rolligrabu ‘ der Graben vom Rooli herunter ’ (Mörel) gehört ebenfalls hieher, auch wenn Gwp. das Verb rollen anführt. Schon der älteste Beleg von 1697/ 8 hat im Rooli. Zu vermuten ist, dass es sich um ein Diminutiv zum Nomen Rone ‘ Baumstamm, Stock ’ (I D . 6, 1012 f.; cf. HL R ONE ) handelt, wobei sich Ronli zu Rooli unter Wegfall des auslautenden / n/ entwickelt hat. Eine alternative Erklärung stellt den Namen zum Verb rolle n (I D . 6, 875 f.), hier zu verstehen als das Geräusch der Steine bei einem Hochwasser. Roor (FaN) Roor (FaN) ist ein inzwischen in Mund ausgestorbener FaN Am Ror, Roren (J OSSEN 1989, 78; I D . 6, 1234). Belegt ist er in ts (e)Rooruhüüs ‘ das Haus der Familie Roor ’ (Mund), einer Voralpe von Mund. Es kann auch in dess Rohren Grúndts ‘ (die Geteilen) des Rohr-Grundes ’ (1681, Steg) belegt sein, doch spricht die Erwähnung von Geteilen (also Mitbesitzern) dagegen; der Grund dürfte sich vielmehr bei einem Ort mit Röhricht (cf. HL R OOR ) befinden. Roor Roor n. ‘ Rohr, Röhricht ’ ist zu schwdt. Roor n., Pl. gleichlautend, Dim. Röörli, wie nhd. ‘ Rohr, Röhricht ’ zu stellen. In FlN dient es zur Bezeichnung von Stellen mit heute meist nicht mehr vorhandenem Schilfwuchs (I D . 6, 1227 ff., bes. 1233 f.). Die einzige Ausnahme scheint das zweimal belegte Kanoonuroor n. ‘ Kanonenrohr ’ (I D . 6, 1230 und 1235) zu sein, das metaphorisch enge, stark abfallende Skipisten bezeichnet. Im Einzelfall wird bei der Deutung Roor im Sinne von ‘ engem Durchlass ’ verstanden, etwa bei Grabu ‘ Graben ’ . Das Simplex im Singular Roor, in geschriebenen Texten auch Rohr und Ror und häufig mit im verbunden, ist rund zehn Mal belegt. Der Plural erscheint selten als t (e)Roore (Eggerberg) und Roore (FLNK, Staldenried; LT als Rohre). Im Diminutiv ist mehrfach ts (e)Roorli (Eggerberg, Termen, Simplon, Visperterminen) belegt, in Lalden ts Roorli. Unsicher ist Rorin (1372, Visp), das vermutlich auch eine Verkleinerungsform enthält. Mit attributiven Adjektiven finden sich t Obru Roore ‘ die oberen Teile des Röhrichts ’ (Staldenried (zwei Belege), jm Vndren Rohr (1650 u. später, Lalden), am Vndren Rhorlin (1706, Lalden), t Üssru Roore ‘ die äusseren Teile des Röhrichts ’ (Staldenried). Unsicher ist ein vorangestellter Genitiv in einem Beleg von 1681 (Steg) Getheilen dess Rohren Grúndts. Der Genitiv von Grund ‘ ebene Fläche im Tal ’ bezieht sich hier auf Geteilen (also Mitbesitzer); Rohren ist seinerseits ein Genitiv, entweder zum Flurnamen Roor ‘ Röhricht ’ oder zu einem PN Roor (was beim Besitztum einer Geteilschaft eher unwahrscheinlich ist) (cf. HL R OOR (F A N)). Die wahrscheinlichste Lesart ist deswegen ‘ die Geteilen des Röhrichtgrundes ’ . 489 490 Roor <?page no="799"?> Als Grundwort ist Roor selten belegt: ts Graburoor ‘ das Röhricht beim Graben ’ (Lalden), ts Kanoonuroor ‘ das Kanonenrohr ’ (Blatten, Saas-Fee, Deutung siehe oben), Pfaffen Ror ‘ das Röhricht des Pfarrers ’ (kaum zum FaN Pfaffen, wie der Kontext zeigt) ’ (1490 u. später, Visp). Als Bestimmungswort kommt das HL mit einer Reihe von Grundwörtern vor. Dabei gibt es eine Reihe von Namennestern, zunächst in Glis um den Roorbärg herum (nach M ARTONE 2007 nach einem Rohrsee ‘ See mit Röhricht ’ in der Rottenebene benannte Voralpe) festzustellen: Roorbärgtola ‘ Mulde beim Rohrberg ’ , Roorbärgwäg ‘ Weg zum Rohrberg ’ , Roorbärgwald ‘ Wald beim Rohrberg ’ , Roorbärg Bord ‘ Bord (Abhang, Böschung) beim Rohrberg ’ . Und in Embd heisst ein Weiler Roormatta (FLNK Rormättji) zu dem t Ober Roormatta, an den Nidren Rormatten (1574), t Unner Roormatta, t Üsser (e)Roormatta, auf der Rohrmatter Waserleiten ‘ auf der Wasserleitung von / zur Roormatta ’ (1895) und wohl auch aúf die Rohr Acher ‘ auf die Äcker bei der Roormatta ’ (1783 u. später) gehören. In Staldenried gibt es t Roore ‘ das Röhricht ’ (mit t Obru und t Üssru Roore), der Rooracher ‘ der Acker beim Gebiet Roore ’ und der Unner Rooracher ‘ der untere Acker im Gebiet Roore ’ , Roorbach ‘ der am Gebiet Roore vorbeifliessende Bach ’ , der Roorgrabo ‘ Graben mit Wasser aus dem Roorbach ’ , der Roorwald ‘ der Wald beim Roorbach ’ und ts Roorwaldji ‘ der kleine Wald beim Gebiet Roore ’ . Stalden hat an diesem Namennest mit Roore, sowie Roorbach und Rorgrabo (1541) teil. Weitere Grundwörter sind Acher, Balma, Bäärg, Blatta, Bodu, Chi, Egg(a), Flüö, Matta, Schiir und Stäga. Komplexere, noch nicht erwähnte Namen sind der Ober und der Unner Roorbodo (Zeneggen). Unklar ist ein Beleg von 1370 in Mörel, wo von an die Ror die Rede ist. Möglicherweise liegt aber hier ein Plural vor, sodass das gleiche HL als Röhricht gemeint ist. Roosa Roosa ‘ Gletscher, Gletscherplateau ’ wird für den Monte Roosa ‘ Gletscherberg ’ (Zermatt) verwendet. Dazu gehören auch ts Plato Roosa ‘ das Gletscherplateau ’ (Zermatt), dr Monteroosagletscher und t Monteroosahitta ‘ die Monte- Rosa-Hütte (Hütte des SAC) ’ (beide Zermatt). Monte Rosa wurde mehrfach gedeutet, wobei Roosa entweder zum Blumennamen (Rose) oder zum Farbnamen (Rosa) gestellt wurde., so etwa die Deutung auf rosarot ‘ der im Alpenglühen rosarote Berg ’ , auf die rote Gesteinfarbe oder auf die rosenartige Form des Monte Rosa-Massivs (S TUDER 1896, 174; W ÄBER 1905, 260). Auch das Vorhandensein von Alpenrosen am Bergfuss oder die Bäche des nahen Macugnagatales, mlat. ROGGI , sollen namengebend gewirkt haben (S TUDER 1896, 174; G ATSCHET 1880, 406). Die Rückführung auf kelt. ros ‘ das Hervorragende, das Vorgebirge, Spitze, Horn ’ verwirft W ÄBER ; bemerkt sei, dass ursprünglich nicht die Spitzen des Massivs, sondern der Passübergang nach dem rom. Namen benannt wurde (T ÄUBER 1906, 258). W ÄBER führt den Namen auf einen Dialekt des Aostatals zurück, (als Varianten nennt er roesa, roise oder ruiza), das einen Gletscher oder ein Gletscherplateau bezeichnet. Diese Deutung wird von J ULEN und später von G UEX übernommen und ist nach W ERLEN die beste Hypothese (W ÄBER 1905, 257 ff. bes. 260; G UARNERIO 1917, 294 - 300; J ULEN 1951, 11, 44 - 48; G UEX 1976, 191; W ERLEN 2008, 590). Die Monteroosahitta ‘ Monte Rosa Hütte ’ (Zermatt) ist eine Hütte des SAC; auf älteren Karten heisst sie noch Bétemps-Hütte (nach dem Ingenieur Adolphe-Marie- François Bétemps (1813 - 1888) (nach http: / / www.hlsdhs-dss.ch/ textes/ d/ D31191.php [21. 04. 2015; iw]); nach 1939 wurde der neue Name verwendet. Die heutige, technisch sehr aufwändige “ Hütte ” wurde 2009 fertiggestellt. Roosche Roosche ist nur einmal belegt in der Roosche Ritz (Zermatt) mit der Bemerkung “ Wohl wegen der Blumen ” . LT hat Rosenritz, J ULEN et al. (1995, 238) dr Rôsurizz “ Felsrand mit Alpenrosen oder Erdrutschgebiet ” . Wenn die Notation von M. S. stimmt, dann liegt wohl schwdt. Rôsch, R ō st m. in der Bedeutung ‘ Dachgiebel ’ (I D . 6, 1464) (vgl. auch V. S CHMID 2003, 165 u. 237 s. v. Rooscht) oder das in L EXER (2, 490) belegte Rosche ‘ gäher Bergabhang ’ vor. Die Deutung “ Erdrutschgebiet ” bei J ULEN et al. bezieht sich auf den zweimal belegten Namen Rôsa “ vermutlich Steingeröll ” in Zermatt, der allerdings in unseren Daten fehlt. Die Deutung als (Alpen-)Rose (I D . 6, 1385 ff.) ist wohl sekundär. Roosse Roosse f. ‘ Röste ’ ist zu schwdt. Rôss f., Pl. R ō sse n , Wallis teilweise (-u), nhd. ‘ Röste, künstliche Wassergrube zur Flachs- und Hanfbereitung, Gärgrube ’ , zum Verb schwdt. r ō sse n , im Wallis r ē zu n ‘ rösten, die Stengel erweichen, mürbe machen, so dass der Bast von Hanf, Flachs und Nesseln leicht abgelöst werden kann ’ (I D . 6, 1407 ff. und 1410 f.; B ELLWALD , A LBERT 1956, 90) zu stellen. Wie K LUGE / S EEBOLD ( 25 2011, 773 s. v. rösten, auch rössen) ausführen., ist das Wort von einem germ. starken Verb *reut-a ‘ faulen ’ abgeleitet, das mhd. roezen, r ō zen, rozzen entspricht; das hdt. rösten entwickelte sich unter Anlehnung an das Verb rösten ‘ auf dem Rost braten ’ . In den Flurnamen erscheint normalerweise die zweisilbige Form Roosse (meist Plural), die hier als HL angesetzt wird. Nicht immer ist vor allem bei den Komposita mit Roossals Bestimmungswort klar, ob es zum HL R OOSSE , zum HL Roosa 491 492 <?page no="800"?> R OSS (Pferd), zum Pflanzennamen HL R OOSA (Rose) oder zum Farbnamen R OSA zu stellen ist. In Monte Rosa bezieht sich Rosa auf ein Patois-Wort für Gletscher. In einigen Fällen befinden sich die Roosse-Namen auf über 2000 m; verschiedene Flachs-Arten wachsen aber auch auf diesen Höhen (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 442). Von den rund 130 Namen sind die meisten Simplizia im Singular oder Plural mit den Formen (e)Roosse, (e) Roossä, (e)Roossu, Roossa, Roosse, Roossu und - meist schriftlich - Rossen, Rossun, historisch auch zen Rozzon (1306, Törbel). Der verhochdeutschte Name SK Rosen (Mund) wurde zunächst falsch als Rasen gelesen und bildet deswegen einen eigenen Eintrag (Nr. 47740). Vorangestellte Präpositionen wie bi ‘ bei ’ und ze ‘ bei ’ sind häufig; zwischen Singular und Plural lässt sich oft nicht unterscheiden; historische Belege wechseln zwischen den Numeri. Die Simplizia kommen in allen Bezirken vor. Seltener sind Diminutive: t (e)Rossiltini ‘ die kleinen Roosse (Röstplätze für Hanf und Flachs) (Eggerberg), ts Roosi (Zwischbergen), im Rossÿ (1762, Simplon), ine Rossiltinu (Visperterminen), t Roosultini (Ried-Mörel) und das Rosilti (1692, Stalden), alle mit gleicher Deutung wie Eggerberg. Attributive Adjektive zum HL sind selten: iuxta dem Bläwen Ressiltin ‘ neben der blauen kleinen Roosse (kleiner Röstplatz für Hanf und Flachs) ’ (1519, Törbel), t Hinnere Roosse ‘ die hinteren Roosse (Röstplätze für Hanf und Flachs) ’ , beÿ der Vndersten Rossen ‘ beim untersten Röstplatz für Hanf und Flachs ’ (1718, Obergesteln), t Vodere Roosse ‘ die vorderen Roosse (Röstplätze für Hanf und Flachs) ’ (Münster). Als Grundwort ist Roosse belegt in jn der Werch Roosen ‘ bei der Roosse für das Werg (Hanf) ’ (1668, Eggerberg) und die Werckroosen ‘ die Roosse für das Werg (Hanf) ’ (1741 (unsicher), Mund). Wie ts Chlealpuresi ‘ die Quelle auf der Chleealp, die Wasser zum Roossen gibt ’ (Ferden) zu deuten ist, bleibt unsicher: vermutlich handelt es sich um ein entrundetes Diminutiv zu Roosse, doch ist der betonte Vokal kurz statt, wie erwartet, lang. Das HL verbindet sich mit einer Reihe von Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Acher, Blatta, Bodu, Cheer, Egg(a), Grabu, Gufer, Hooru, Läg, Lischa, Löuwina, Mad, Matta, Pletscha, Rüüs, Schitte, Schleif, See, Sita, Steg, Stuck, Tschugge, Wäg, Wald und Wang. Auch t Roosebachtele ‘ die Wasserrinne, wo Hanf und Flachs geröstet (eingelegt) wurden ’ (Oberwald) lässt sich als zweigliedrig betrachten (Bachtela wird zwar in Bach + Tela zerlegt, ist aber häufig). Weitere komplexe Formen sind der Roosmatteputz ‘ der Tümpel bei der Wiese mit den Roossen (Röstplatz für Hanf und Flachs) ’ (Grengiols) und Rosmattutrog ‘ der Trog bei der Wiese bei den Roossen (Röstplatz für Hanf und Flachs) ’ (Grengiols) Die Ableitung Reezi f. (I D . 6, 1412) ist eine / - I / -Ableitung zum Faktitiv rötzu ‘ faulen machen ’ mit Umlaut und späterer Entrundung (S ONDEREGGER 1958, 497 ff.), die im Simplex Rezÿ (1842, Turtmann) und im Kompositum t Wärch(e)reezi ‘ die Röste (Röstplatz) für das Werg (Hanf) ’ (Niedergesteln, Raron, Steg) belegt ist. Roosser (FaN) Roosser (FaN) ist fünf Mal als Bestimmungswort belegt. Davon sind zwei Belege Genitive im Singular: Rossers Boden (1680, Ried-Brig), zu Roossers Hitten (1754, Naters) und zwei Genitive im Plural: Roossero Stúde ‘ die Stauden der Familie Roosser ’ (1709, Filet), Rosero Walt ‘ der Wald der Familie Roosser ’ (1649, Ried-Mörel). Der fünfte Beleg ist der einzig noch lebende t Roosserschiir ‘ die Scheuer der Familie Roosser ’ (Mörel). Alle Belege gehen auf den gleichen FaN zurück, der als Zenrossen, Zenrosen, Zen Rossen, Zroson, Rossers, Rosser dokumentiert ist. Der Name ist im Oberwallis im 19. Jh. erloschen (AWWB 299). Rosaat Ro ’ saat mit Zweitbetonung ist nur in ts Rosaatgufer ‘ das rosarote Steingeröll ’ (Grächen) belegt. I D . (6, 1443) verweist auf die Herkunft von Rosaat aus dem mlat. ROSÂTUS ‘ rosenfarbig ’ , bei L EXER (2, 489, s. v. rôsât) ‘ kostbarer Seidenstoff ’ , wohl nach der Farbe oder in den Stoff eingewirkten Rosen (G R W B 14, 1161, 61 s. v. Rosei). Das HL wird in Grächen wohl zur Angabe der rosaroten Farbe des Steines benutzt. Rösch (resch) resch (rösch) ‘ dürr, steil ’ ist zum schwdt. Adj. rösch I und wdt. resch ‘ munter, lebhaft ’ (I D . 6, 1465 ff.; G RICHTING 1998, 161) zu stellen. Belegt sind drei Fälle: jm Reschacher ‘ im steilen / trockenen Acker ’ (1680, Mühlebach), zum Reschlerch ‘ bei der dürren Lärche ’ (1580, Guttet). Der lebende Beleg Reschbiel ‘ der steile Hügel ’ (FLNK, Guttet) kann laut dem ersten historischen Beleg von 1564 auch zu Restbüehl ‘ der Hügel bei der Resti (Raststelle) ’ gestellt werden. Feschel hat den Namen jedoch schon 1397 als zer Respuyl und 1832 als im Respiel. Wenn der Beleg von 1397 mit femininem Genus ernst genommen wird, müsste der Beleg ursprünglich wohl zu Spuel f. ‘ Spuhle ’ (Id. 10, 194 ff.) gestellt werden, wobei die Deutung sehr unklar ist. Rosch Rosch und seine Varianten sind die frpr. Vertreter von * ROCCA ‘ Fels, Stein ’ (FEW 10, 435 ff.; M EYER 1914, 171). Das Simplex erscheint als Rosch ‘ Fels ’ (1721, Varen), allerdings ist der historische Beleg unklar: ad Zùggelet 493 494 Rosch <?page no="801"?> Rosch. Zuggelet könnte hier ein Diminutiv zu Tschugge sein; dann läge der gleiche Name vor wie unten in Tschuggilrosch (Salgesch). Vermutlich eine Ableitung ist im Rosche (1785, Salgesch; schon 1642 au Rosé), auch Rochy (1491, Varen, mit der Angabe de Petra seu Rochy ‘ vom Fels oder Rochy ’ ) und ala Rochi (1353, Ergisch); T AGMANN (1946, 21) vermutet ein Suffix / - Ē TU / mit kollektiver Bedeutung. Das gilt auch für (e)Rotschi (Albinen). Ein Diminutiv im Plural führte wohl zu t Roschete ‘ die kleinen Felsen ’ (Leuk). ts Praaderotschi (Varen) meint ‘ die Wiese bei den Felsen ’ , historisch ist auch Pra de Rotschi (1731 u. später, Albinen) belegt, mit gleicher Deutung. Schwieriger zu erklären ist Tschuggilrosch (FLNK, Salgesch), das bei LT als Tschuggelrost erscheint; ebenso hat Varen Tschuggilroscht (FLNK). Die Namen bezeichnen das gleiche Gebiet und ersetzen das wohl unbekannte Rosch durch das bekanntere Rost; gemeint sind aber wohl Felsen (M ATHIER 2015, 30f). Mit viel Vorsicht kann auch der sonst undeutbare Belege saxum de Mitticroch (1358, Ergisch) hiehergestellt werden, wenn man als Grundwort frpr. roch und als Adjektiv dt. mittig annimmt: ‘ der mittlere Felsen ’ . Zur Deutung von rol und rot cf. HL R OL . Roscheru (PN) Roscheru (PN) ‘ der Roscher (ev. FaN Rosser) ’ ist ein schwacher Genitiv Plural zu einem PN Roscher; es ist nur einmal belegt in in Roscherú Baumgarten ‘ im Baumgarten der Roscher (ev. FaN Rosser) ’ (1682, Mörel). Die Zuordnung zum FaN Rosser (AWWB 299 unter Zenrossen) ist unsicher wegen des inlautenden / sch/ . Es könnte deswegen auch der PN Roger in französischer Aussprache gemeint sein (F ÖRSTEMANN 1, 899), doch fehlt dieser Name in den Belegen des VSNB völlig. Rose Rose f. ist zum schwdt. Pflanzennamen Rose n f. in all ihren Varietäten, Wallis auch R ō sa f., Pl. Rôse n , wie nhd. ‘ Rose ’ f., ahd. r ō sa f., mhd. r ō se f./ m., Lehnwort aus dem Romanischen (I D . 6, 1385 ff.; G RICHTING 1998, 163) zu stellen. Bei den Flurnamen ist die Abgrenzung zu Roosse ‘ Röstplatz für Hanf und Flachs ’ und zu Ross ‘ Pferd ’ nicht immer klar. In einigen Fällen kann Roosse von der Höhe her (über 2200 m) auch ‘ Alpenrosen ’ bezeichnen; diese Deutung ist aber unsicher. Sichere Belege sind sehr selten. beÿ den Rosenstütten ‘ bei den Rosensträuchern ’ (1821, Niederwald) setzt voraus, dass Stütten eine falsche Schreibung für Stüüde ‘ Stauden ’ ist (vgl. Rôsenstüüde ‘ Rosensträucher ’ (I D . 3, 839)). beÿ dem Röslein ‘ bei der kleinen Rose ’ (1719, Leukerbad) kann auch eine falsche hdt. Form des Diminutivs von Roosse ‘ Röstplatz für Hanf und Flachs ’ sein (das aber in Leukerbad nicht belegt ist). Der einzig sichere Beleg ist der (e)Rosuchranzacher ‘ der Acker mit einem Fels in der Mitte, um den herum der Acker wie ein Rosenkranz (Gebetskette) liegt ’ (Gampel). Roosechranz, Roosuchranz oder Rosilchranz m. (G RICHTING 1998, 164) bezeichnet sowohl die mit einem Kreuz versehene katholische Gebetkette, die aus 53 kleineren und 6 grösseren Perlen besteht, als auch die Reihung von Gebeten selbst (I D . 3, 839). Rosini (PN) Rosini (PN) n. ist zum Frauennamen Rosina, auch Rosini f. und n. (I D . 6, 1404 f. bes. 1405) zu stellen. ts Rosiinisch Blätz ‘ das kleine Stück Land der Rosina (PN) ’ (Saas- Almagell) ist der einzige Beleg. Die Deutung orientiert sich an der Angabe der Gwpp. Die neutrale Form auf / - I / mit diminutivem Charakter ist üblich. Ross Ross n. ‘ Ross, Pferd ’ ist zum schwdt. Tiernamen Ross n., Dim. im Wallis Rossji, Re šš i, für Pferd, ‘ das gewöhnliche Wort für die Gattung überhaupt ’ , ahd. (h)ros, mhd. ros, ‘ Pferd ’ (I D . 6, 1412 ff.; G RICHTING 1998, 164) zu stellen. Die Flurnamen können nicht immer klar von Roosse ‘ Röstplatz für Hanf und Flachs ’ und Rose ‘ Rose ’ getrennt werden. In den rund 140 Belegen mit Ross erscheint das HL ein einziges Mal als Grundwort im Beleg ts Wiiss Ross ‘ das weisse Pferd ’ (Saas-Balen), ein weisser Fels, der die Umrisse eines Pferdes aufweist. Der häufigste Typ, über 30 mal belegt, ist der Rossbode ‘ der Boden für die Pferde ’ , in den meisten Fällen eine ebene Fläche auf einer Alp, auf der die Pferde weiden konnten. In Simplon bildet Rossbode ein eigentliches Namennest mit der Rossbodu, der Rossbodugletscher, der Rossbodupass, der Rossbodestafel und das Rosbodmerwasser (1814, Simplon). J ORDAN (2006, 24, 30, 91, 219) kennt mehrere Rossbodu, das kleinere Rossbodi (120) und eine Reihe weiterer Namen wie Obrä Rossbodu (101), Undrä Rossbodu (91), Rossbodugletschär (108), Rossbodupass (108), Rossbodusattul (Variante 108), Rossboduschtaaf u l (101) und Rossboduschtäg (91). Ebenfalls häufig belegt sind di Rossmatta ‘ die Wiese für die Pferde ’ (17 Belege, wobei auch Roossmatta gemeint sein kann ‘ die Wiese mit Roosse (Röstplatz für Hanf und Flachs) ’ ) und der Typ Rosswang ‘ Grasabhang für die Pferde ’ (rund ein Dutzend Belege). Interessant mögen Rosswäg (7 Belege) und Rossstrasse (1846, Obergesteln) sein, wo Wege und Strassen gemeint sind, die von Pferden begangen werden können. Seltsam ist Rosszügji oder Rosszigji ‘ die kleine Schlucht (Zug) für die Pferde ’ (Randa), die mit Rosswang, Rosswangzigji, Rosswangwasser, Rosswangbrigga und dem Roscheru (PN) 495 496 <?page no="802"?> Rossgletscher (alle Randa), sowie dem in St. Niklaus belegten Rosswang (mit mehreren dazu gehörenden Belegen) zusammengehören. Es scheint, dass Rosswang der Ausgangspunkt ist, und die Belege wie Rossgletscher und Rosszigji Abkürzungen davon sind. Weitere Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind: Acher, Alpa, Bach, Biel, Blatta, Bord, Brunnu, Cheer, Chopf, Chumma, Egg(a), Eie, Fad, Färich, Fläck, Gadu, Gand, Gassa, Gilla, Gletscher, Hitta, Lamma, Land, Löüf, Mad, March, Schiir, Sprung, Stall, Stelli, Tola, Wald, Wasser, Weid und Zü. Komplexere Konstruktionen sind u. a. der Üsser Rosswang und der Vooder Rosswang (St. Niklaus), ts Rossbaarmestei ‘ beim Stein, der aussieht wie eine Pferdekrippe ’ (Biel). Ein Rätsel ist Roswingarto ‘ der Weingarten, der mit einem Pferd bearbeitet wird? ’ (1304, Eyholz). Es ist schwierig sich vorzustellen, was ein Pferd mit einem Weingarten zu tun hat. Das HL R OSE ‘ Rose ’ könnte jedoch eine Rolle spielen, wenn angenommen wird, dass dort auch Rosen wuchsen. Im Übrigen zeigen die Namen, dass Pferde als Nutztiere im Oberwallis eine grössere Rolle spielten, als das normalerweise angenommen wird (bei R ÜBEL 1950 fehlen Angaben zu Pferden vollständig). In einigen Fällen (z. B. Rosswald) spielt wohl einfach die Form eine Rolle, die an ein Pferd erinnert. Die aus der Säumerei bekannten Maultiere (eine Kreuzung aus Eselhengsten und Pferdestuten) bilden dagegen kaum Namen (cf. HL M ÜLTI ). Rossang Rossang ist 1540 in Salgesch als jn chang rossang belegt. Schon 1413 ist aber ey chans de ronot und 1581 jn chang dov ronoz bezeugt. 1716 heisst der Beleg ys Champs du Rosne. Während chang / chans / champs klarerweise zu lat. CAMPU ‘ Feld ’ gehört, ist unklar, ob die Belege für rossang, ronot, ronoz und rosne die gleiche Flur bezeichnen und auf das gleiche HL zurückgehen. Rossang kann zum Typ Rosey (< germ. raus ‘ Rohr ’ ) (FEW 16, 681 f., B OSSARD / C HAVAN 2006, 86) gehören (vgl. frz. roseau ‘ Rohr, Schilf ’ ), doch ist die Endung auf / -ang/ (entspricht / -/ ) problematisch. rosne liesse sich hierzu stellen, doch wird es an anderen Orten zu Tschanderüünu ‘ Feld am Rotten ’ (Salgesch) gestellt; das / s/ wäre dann rein grafisch für den Ausdruck der Länge des Vokals zu verstehen. ronot / ronoz liessen sich ebenfalls als grafische Variante von Rüünu ‘ Rotten ’ (< RODANU ) analysieren. Wir hätten dann zwei verschiedene Namen vor uns: ‘ Feld mit Röhricht ’ und ‘ Feld am Rotten ’ . Rosseten zer Rossetten ‘ beim kleinen Felsen ’ ist 1543 in Agarn belegt. 1543 und 1544 ist die rom. Form en laz Rossetaz in Agarn belegt und 1669 wird die Roschetten für den gleichen Ort bezeugt. Es handelt sich um eine diminutive / - ITTA / -Ableitung zum Typ rocher ‘ Felsen ’ (<* ROCCA ) (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 64 u. 287) (cf. HL R OSCH ). Rosso Rosso ‘ rot ’ ist ein it. Adjektiv (D EVOTO / O LI 2020, 1913 f.). Auf deutsch erscheint es auch als Russu. Belegt ist das Simplex im Singular als der Russu ‘ der Rote Berg ’ (LT hat Cima Verosso ‘ Murmeltierberg ’ ) (Zwischbergen) und t Russutola ‘ die Mulde beim roten Gestein (Russu für it. Rosso) ’ (Zwischbergen). Vermutlich anders zu deuten ist t Russmatta ‘ die Wiese des Ruozo (PN) ’ , das als ‘ Lagerplatz der russischen Truppen ’ bezeichnet wird. Allerdings ist schon 1390 in prato ru ͦ ssen belegt, was die Deutung als PN Ruozo begründet und die russischen Truppen als volksetymologische Deutung zeigt. Später erscheinen in der Rússúmattú (1706) und in der Russenmatten (1762), was die Deutung als ‘ Lagerplatz der russischen Truppen ’ gefördert haben mag. t (e)Russegga (Simplon) wird auch zu den russischen Truppen gestellt, dürfte aber ‘ die Ecke bei der Russmatta ’ meinen. die Únder Rússen Schir ‘ die untere Scheuer beim Russen (rotes Gestein, zu it. rosso) ’ (Simplon) ist wohl zum it. rosso ‘ rot ’ zu stellen. Der Passo del Rosso (1: 10000 Russupass, LT Passo del Rosso) befindet sich oberhalb der Russutola, meint also das rote Gestein. Das Gleiche gilt für Tschiima del Rosso ‘ der Gipfel mit rotem Gestein (Gipfelname, 1: 10000 Russu, darunter Russutola) ’ (Zwischbergen). J ORDAN (2006, 382) kennt Russutolä, Russu (Cima del Rosso), Russupass (Passo del Rosso) und (396) Weross (Russu, Cima Verosso, S. Mte. Veross). Unklar ist, ob Verosso hier als Russu zu deuten ist oder nach P ETRINI (1993, 132) zu varozz ‘ Murmeltier ’ gestellt werden kann. Ebenfalls auf die Farbe hin zu deuten sind Passo della Rossa (LT, FLNK Binn), das zum Rothorn (Punta della Rossa) zu stellen ist. Der Passo Terrarossa ‘ der Pass bei der roten Erde (benannt nach der Punta Terrarossa (Wasenhorn); dt. Wasmerlicke) ’ (LT, Ried-Brig) meint ebenfalls die rote Erde, die dem Gebiet die Farbe gibt. Rost Der einzige Beleg mit Rost ist Tschuggilrost ‘ der Felsblock mit Grasbüscheln ’ (Varen); LT hat auch für Salgesch Tschuggelroscht, wo MS Tschuggilrosch hat. Vermutlich liegt eine Umdeutung von Rosch ‘ Felsen ’ zu Rost vor (cf. HL R OSCH ). Die dt. R ēš ti f., R ōš t m. ‘ Neigung des Daches, Winkelgrösse der Dachfirst ’ ergeben wenig Sinn (R ÜBEL 1950, 41; I D . 6. 1471 f.) und sind abzulehnen. 497 498 Rost <?page no="803"?> Rostei Rostei ist 1663 in Lalden belegt in Zerrostein ‘ zu der Rostein ’ . Formal handelt es sich um ein Femininum, vermutlich verhochdeutscht; in Frage kommt Reschti ‘ Rastplatz ’ , was eine Hyperkorrektion des betonten Vokals (/ o/ ersetzt das fälschlich aus / ö/ entrundet aufgefasste / e/ ) voraussetzt (cf. HL R ESCHTI ). Das ebenfalls belegte Reeschti < Rööschti (R ÜBEL 1950, 41; I D . 6, 1471) ‘ spitz zulaufende Giebelwand ’ kommt aus inhaltlichen Gründen kaum in Frage. Rot Rot Adj. ‘ rot ’ , ist als Farbadjektiv zu schwdt. rot wie nhd. ‘ rot ’ , wdt. root ‘ rot ’ (I D . 6, 1737 ff.; G RICHTING 1998, 164) zu stellen. In FlNN ist es als Hinweis auf die rötliche Geländefarbe oder auf das Fliessen von eisenhaltigem Wasser zu verstehen (LUNB 1, 2, 814; URNB 2, 1148). Die weitaus meisten Belege weisen Rot oder eine flektierte Form wie Rote oder Roti als attributives Adjektiv zu einem Grundwort auf. Die über 300 belegten Formen haben am häufigsten den Typ Rothooru (Rothorn) und komplexere wie Faldumrothoren (Ferden) oder Zinalrothoru (Randa, Täsch), insgesamt über 50 Belege. Allein J ORDAN (2006) nennt rund 25 Belege mit dem HL R OT . Weiter sind der Typ der Rot Tschuggu ‘ der rote Fels ’ (Zwischbergen und rund zwanzig weitere Belege mit Varianten), der Rot Stei ‘ der rote Stein ’ (Zermatt, achtzehn weitere Belege, einige davon nur Latein) und viele weitere belegt. Während die häufigsten auf rote Felsen oder rote Erde zurückgehen, beziehen sich vor allem der Rotbach ‘ der rote Bach ’ (Baltschieder und ein Dutzend weitere) auf eisenhaltiges Wasser, manchmal aber auch roten Boden. In einigen wenigen Fällen könnte statt des Adjektivs auch die FaNN Roth und Roten oder der Flussname Rottu ‘ Rotten ’ eine Rolle spielen; das ist vor allem bei historischen Belegen nicht immer klar, etwa im historischen Beleg in den Rotten Reben oder Rotten Weingarten (1673, Brigerbad), wo der lebende Beleg ze Rote Räbu ‘ bei den Reben am Rotten ’ eine Flur direkt oberhalb der heutigen Rotten-Ebene zeigt. Hier dürfte wohl eher der Flussname als die Farbe gemeint sein. Eine Substantiv-Ableitung auf / - I / (S ONDEREGGER 1958, 495) erscheint als Reeti (I D . 6, 1780 ff.): t (e)Reeti ‘ die Röte ’ (Raron, Alpweide auf ca. 2600m), jn der Retin ‘ in der Röte ’ (1527, Mund), t Reetine ‘ die roten Gebiete ’ (Randa), wo sich der Reetibode ‘ der Boden oberhalb der Reetine ’ , der Unner Reetibode ‘ der untere Boden oberhalb der Reetine ’ , t (e)Reetibrigga ‘ die Brücke (über die Vispe) im Gebiet Reetine ’ , t Reetiflüe ‘ die Fluh oberhalb der Reetine ’ , der Reetiwald ‘ der Wald bei den Reetine ’ und ts Reetiwasser ‘ die Wasserleitung zu den Reetine ’ befinden. Bei Raron sind auch ts (e)Reetichi ‘ das Kinn (Schlucht) bei der Reeti (Röte) ’ , ts Reetiegg ‘ die Ecke bei der Reeti (Röte) ’ und t (e)Reetipletscha ‘ die Ebene bei der Reeti (Röte) ’ belegt. Eine Adjektivableitung auf / - IG / (S ONDEREGGER 1958, 487) ist in t Reetige Twärlini ‘ die kleinen rötlichen Alpmulden ’ (Grengiols) belegt, das so nicht im I D . vorkommt; L EXER (2, 505) kennt aber die Weiterbildung r œ telëhtic ‘ rötlich ’ . Unsicher ist, ob in t (e)Reetig (Steg) das hdt. Rötung steckt; die historischen Belege haben durchwegs maskulines jm Rhotig (1630), im Rötig (1705), im Retig (1722 u. später). Zu vermuten ist also eine Substantivierung der Ableitung auf / - IG / , die lebend zum femininen Substantiv umgedeutet wurde. Unklar ist auch der Röting (Niedergesteln), das 1304 und 1307 als Roeting, 1687 im Rötig und 1699 im Rötet belegt ist. Die letzte Form ist identisch mit dem folgenden Beleg; die Formen insgesamt weisen auf eine / - ING / -Ableitung zum HL Rot hin, die später zu einer / - ET / -Ableitung umgedeutet wurde. Eine weitere Ableitung auf / - ET / n. (S ONDEREGGER 1958, 524, ahd. / - ÔDI / - ÔTI / ) ist ts (e)Reetet ‘ die rote Stelle ’ (Eggerberg). Rota Rota f. ‘ Strasse, Weg ’ ist eine Latinisierung von frpr. rotta (T AGMANN 1946, 64), das vermutlich aus lat. ( VIA ) RUPTA ‘ schlechte Strasse ’ stammt. 1563 gibt ein Dokument aus Leuk und Erschmatt folgende Erklärung: a rota siue via ‘ von der Rota oder Weg …’ . In den drei unten aufgeführten Belegen ist unklar, ob es sich um einen Namen oder ein Appellativ handelt; ein Appellativ liegt aber näher. Alle Belege stammen aus Salgesch: 1495 Rotam dys Cliwes ‘ der Weg zu den Hügeln ’ , 1494 juxta Rotam communem ‘ neben dem Weg, der der Gemeinde gehört ’ , 1494 juxta Rotam dov trong ‘ neben der Strasse zum Trong (Baumstamm) ’ . Rotelsch Rotelsch ist der Name eines Stafels auf dem Simplon, auf LT Rotels, historisch ab 1650 Rotelsch. Zugehörig ist ein See, genannt der Rotelschsee. Der Name ist unklar. J ORDAN vermutet, dass der Flurname auf eine keltisch-romanische Wurzel zurückzuführen sei (J ORDAN 2006, 30). RN (2, 814) verweist auf Róten, das dt. Ródels heisst; die historischen Belege zeigen Rautine, Rautens, Rautels usw. S CHORTA vermutet dort eine dt. Form * RAUT Ī ( N ) ‘ Rodung ’ ; im Romanischen sei das ursprüngliche / n/ zu / l/ gewandelt worden. Für den Simplon erscheint diese Deutung als sehr zweifelhaft; unsere Belege weisen generell Riti ‘ Rodung ’ auf. Die späte Beleglage macht es unmöglich, eine sichere Deutung zu geben. Eine Ableitung zum Adj. Rostei 499 500 <?page no="804"?> rot liegt kaum vor. Die Endung könnte einen Genitiv eines PN nahelegen: ‘ des Rotel (Stafel) ’ . Ein derartiger Name ist jedoch nicht belegt. Roten (FaN) Roten (FaN) ist ein FaN, der auch als von Roten, ze Roten, de Emda alias ze Roten, ze Rothen alias de Emda, Roten, Roto (AWWB 218) erscheint. In den Flurnamen tritt fast durchwegs Rotigo ‘ der Leute des Roten ’ auf, also ein Genitiv Plural einer kollektiven / - IG / -Ableitung, oder die / - IG / -Ableitung als Bestimmungswort. Ein Namennest hat sich in Oberems um die Alpe Rotigu ‘ die Alpe der Familie Roten / der Leute des Roten ’ gebildet mit Rotigbach, Rotiggraad, Rotighoru, Rotig(e)ritze, Rotigtelli, Rotigwald und den komplexen Namen Rotigu Mittilstafil, Rotigu Ober Stafil und Rotigu Unnerstafil. Eine / - ER / - Erweiterung dazu ist ts Rotigertagfäld. Mehrfach kommt das Lemma auch in Raron vor: auf Rotigen Hublen (1826), ts (e)Rotigblad und der (e)Rotigerüüs. Daneben sind belegt: Rotigo Duren ‘ der Turm der Familie Roten / der Leute des Roten ’ (1540, Embd), auf Rothigo Biell (1686; 1722, Stalden), beÿ Rothigen Haus (1696, Leuk). Roth (FaN) Roth (FaN), älter auch Rot, Roto, früher vielleicht Rothen (AWWB 219) ist laut dem F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1535) im Wallis vertreten, alt in Steg und Wiler (Lötschen). In Baltschieder und Eggerberg ist belegt der Rotjitschuggo ‘ der Fels der Familie Roth ’ (es handelt sich um den gleichen Ort). ts Rotji ist die dialektale Form des FaN. In Wiler findet sich t Rotpetermatta ‘ die Wiese des Peter Roth ’ . In Blatten ist Rotigun Alpwäg ‘ der Alpweg der Familie Roth ’ mit der kollektiven / - IG / -Ableitung und dem ursprünglichen Genitiv Plural bezeugt. Der im Turtmanntal belegte Alpname Rotigu gehört eher zum FaN Roten (cf. HL R OTEN (F A N)). Unklar ist der Beleg ts Lami Rootsch Tritt ‘ des lahmen Roth Tritt ’ (Ferden), wo auch der FaN Roth vertreten ist. Lami ist hier vermutlich eine flektierte Form des Adjektivs lam ‘ lahm ’ (I D . 3, 1263), also ‘ der lahme Roth ’ . Rotondo Rotondo ist ein it. Adj. rotondo, rotonda < lat. ROTUNDUS ‘ rund ’ (P ETRINI 1993, 119; D EVOTO / O LI 2020, 1916), benannt nach der tessinischen Alpe di Rotondo ‘ die Alpen der Rundung ’ . In Oberwald sind belegt: der Rotondopass (it. Passo di Rotondo), der Piz Rotondo (LT Pizzo Rotondo, Gipfelname) und der Rotondogletscher (FLNK, auf LT Ghiacciaio del Pizzo Rotondo). Rotondo selbst wird in den Namen nicht übersetzt. Rottaz Rottaz ist nur historisch in Varen 1484 als Barma Rottaz ‘ der überhängende, steile Fels ’ und 1490 als saxum vocatum de laz Rottaz ‘ der Fels, der de la Rotta genannt wird ’ belegt. Laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 27) ist Rotta als ‘ Terrain en forte pente ’ , also als ‘ steil abfallendes Gelände ’ zu verstehen. T AGMANN (1946, 64) stellt es zu ‘ route ’ für einen steilen und steinigen Saumpfad. Rottu Rottu ‘ Rhone ’ ist die dialektale Form des Flussnamens, der hdt. die Rhone, frz. le Rhone genannt wird. Der Fluss entspringt beim Rhonegletscher und fliesst durch das ganze Wallis in den Genfersee, den er bei Genf verlässt, um durch Frankreich ins Mittelmeer zu fliessen. Zu Grunde liegt eine aus dem Keltischen ins Lateinische übernommene Grundform R HODANUS , ein in Westeuropa weit verbreitetes Hydronym. Die frühe Entlehnung ins Deutsche hat das finale / - S / des Lateinischen und Romanischen nicht bewahrt; die althochdeutsche Verschiebung von / d/ zu / t/ hat bereits im 8. Jh. stattgefunden, also vor der Immigration der Alemannen ins Wallis (M ÜLLER 1993, 799 - 805; S ONDEREGGER 1966/ 67, 266; B ESSE 1997, 744). Es ist deswegen von einer exonymen Form auszugehen, die schon vor der alemannischen Besiedlung des Oberwallis entstanden ist (ähnlich wie Sitten < Sedunum). K RAHE stellt Rhodanus zu einem rekonstruierten *redho ‘ quellen, fliessen ’ , resp. *rodhos ‘ Flusslauf ’ , das sich in den zahlreichen Rhodanus-Namen erhalten habe (K RAHE 1953, 44 - 47; Z INSLI 1977, 78). G REULE (2014, 449) schlägt hingegen vor, auf ein urkelt. * ROTO ‘ Wagen ’ zurückzugehen, das sich zu * RODO -/ * ROD Ā ‘ Wasserlauf ’ entwickelt habe. In der Datenbank VSNB finden sich verschiedene Schreibweisen, so lat. RHODANUS und RODANUS , davon abgeleitet gelehrtes Rhodan und Rodan, in einigen Fällen hdt. Rhone wie in Rhonegletscher, Rhonefirn, Rhonestock und Rhoneglut (Sportplatz in Raron). In Einzelfällen lässt sich nicht entscheiden, ob statt Rottu das Farbwort rot gemeint ist; letzteres hat zwar ein langes / o/ , das kann aber trotzdem als Rott verschriftlicht werden. Die rund 120 Belege sind auch sonst nicht unabhängig von einander, da der gleiche Fluss durch alle Haupttalgemeinden des Oberwallis fliesst. Das führt auch dazu, dass das Simplex in praktisch allen diesen Gemeinden belegt ist, meist in der Form Rottu oder Rotte, manchmal auch als Rotten oder Rhone. Das Simplex kann mit Präpositionen oder Lokaladverbien versehen sein, wie in bei Rotten aúff ‘ beim Gebiet aufwärts des Rotten ’ (1578 u. später, Brig) oder Uber Rotte ‘ jenseits des Rotten ’ (Reckingen) oder lateinisches Vltra Rhodanum ‘ jenseits des Rotten ’ (1628, Lalden) usw. 501 502 Rottu <?page no="805"?> Ein einziges Mal kommt ein Diminutiv mit einem Adjektiv vor: Chli Rottji ‘ der kleine Rotten ’ (Mörel), ein Nebenfluss zum Rotten. In den meisten anderen Fällen ist Rottu Bestimmungswort. Sehr prominent ist hier ts (e)Rottubett ‘ das Bett des Rottens ’ , häufig mit dem Attribut alt wie in ts Alt Rottebett ‘ das frühere Bett des Rotten ’ (Reckingen). Der Rotten verlief bis zur ersten Korrektion (1863/ 64) immer wieder in neuen Betten; die Korrektionen selbst hinterliessen ebenfalls stillgelegte Arme. Vermutlich ähnlich zu verstehen ist das nur selten belegte der alte Rhodanrús ‘ das alte Rottenbett ’ (1848, Oberwald), zu dem es ein Gegenstück der neue Rhodannrus ‘ das neue Rottenbett ’ (1848, Oberwald) gibt. Rüüs (< Runs) ist sonst eher eine Wasserleitung, wird aber hier auch auf den Fluss angewandt. Auch die lateinische Form Cursum Veterem Rhodani (1680, Varen) meint wohl altes Bett (wörtlich: Lauf) des Rottens. Nur zweimal belegt ist jm Rotten Schwung (1655 u. später, Obergesteln) und beim únteren Rottenschwúng (1797, Ulrichen) - beide Male sind frühere Biegungen des Flusses gemeint, der später begradigt wurde. ts Rottusand hiessen die ursprünglich vom Fluss-Sand gebildeten Gebiete entlang des Rottens; in Brig ist daraus ts Rhonesand geworden, obwohl der Rotten seit dem Bau des Simplon-Tunnels vom Briger Gebiet abgeschnitten ist. Brücken über den Rotten sind mehrfach als Rottubrigga oder Rottubriggu (Leuk) bezeugt. Die Gemeinden mussten für die Brücken sorgen und sie in Stand halten. Eine Reihe weiterer Grundwörter wie Acher, Gassa, Gletscher, Halta, Schlag, Stei und Wasserleita sind belegt. Einen Sonderfall stellt in Oberwald der Rotterhüs dar; FLNK nennt den gleichen Ort Rotterüüs. Schon das Genus Maskulin des Beleges mit Hüs ‘ Haus ’ deutet auf ein Missverständnis hin: die Gwp. hat den Sinn von Rotterüüs ‘ (altes) Bett des Rottens ’ nicht mehr verstanden und daraus ‘ das Haus der Rotter ’ gemacht. Unklar ist in Visp der Beleg vsque ad magnum lapidem dictum der Rottenstein ‘ bis zum grossen Stein, der Rottenstein genannt wird ’ (1595) - hier kann sowohl der Stein beim Fluss Rotten, wie auch ein roter Stein gemeint sein. Ähnlich unklar ist ze Rote Räbu ‘ bei den roten Reben / bei den Reben am Rotten ’ (Brigerbad), wo ein historischer Beleg von 1673 in den Rotten Reben oder Rotten Weingarten eher an den Fluss denken lässt; die Reben befinden sich heute direkt oberhalb der Rotten-Ebene in Brigerbad. Die hdt. Belege Rhonefirn, Rhonegletscher, Rhonestock verdanken sich der Nomenklatur der Landestopografie; die SK nennt den Fluss Rhone. Das neue Kompositum Rhoneglut (Raron) ist hdt. Wie üblich gibt es auch hier komplexere Formen, etwa t Rottebriggeri ‘ die Wasserleite bei der Rottenbrücke ’ (Niederwald) oder der Rottebriggerwaud ‘ der Wald bei der Rottenbrücke ’ (Niederwald, mit / l/ -Vokalisierung) und weitere. Ein moderner Name findet sich in Radio Rottu Hüsi ‘ das kleine Haus von Radio Rottu ’ (Visperterminen) - es handelt sich um eine Sendeanlage des Oberwalliser Regionalsenders Radio Rottu in Visperterminen (cf. HL R ADIO ), das inzwischen ausser Funktion ist. In Salgesch gibt es den Flurnamen Tschanderüünu ‘ das Feld am Rotten ’ , der die dialektale Übernahme der Patios-Form Runo ‘ Rotten ’ enthält (cf. HL R ÜÜNU ). Röuch Röuch ist zu schwdt. Rauch m. (bzw. auch -öu-, ō -, -oiusw.), Pl. mit Umlaut, Dim. gewöhnlich Räuchli, allgemein wie nhd. ‘ Rauch ’ , ahd. rouh m./ n., mhd. rouch und wdt. Röüch, Roich (Leuker Berge), Röich ‘ Rauch ’ (I D . 6, 94 ff.; K LUGE / S EEBOLD 25 2002, 748; G RICHTING 1998, 164) zu stellen. Das Lemma kommt zwei Mal als Bestimmungswort vor. In t Röuchlecher (Ernen) sind Hütten gemeint, aus der Rauch nur schlecht entweichen kann (I D . 3, 1037 ‘ Loch, durch das der Rauch aus der Küche abzieht, t[eilweise]. eine Öffnung in der Wand ’ ); der Name bezieht sich heute jedoch auf ein Gebiet ohne Hütten. In ts Röuchhittji ‘ die kleine Hütte mit Rauch ’ (Grengiols) ist eine Alphütte gemeint, aus der der Rauch nicht entweichen konnte; auch hier ist wohl einfach ein Stafel gemeint. Roueres Roueres ‘ bei den Trauben-Eichen ’ ist nur in Ergisch seit dem 13. Jahrhundert belegt. Die Formen sind eis rouereiz (13. Jahrh.), es rouerez (1320), eys roueres (1328), eys roveres (1328), es roueres (1328). B OSSARD / C HAVAN (2006, 169) stellen die Namen Roverey u. ähnlich zu vulgärlat. * ROBOREM mit dem Suffix / - ARIA / mit kollektivem Sinn und deuten es als Trauben-Eiche (Q UERCUS PETRAEA ), der Name der ebenfalls angenommenen Rot-Eiche kann kaum stimmen, da sie aus Nordostamerika stammt (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 207 f.). Rovuiez Rovuiez ist 1407 in Leuk als eÿs Rovuiez belegt. T AGMANN (1946, 64) verweist auf frpr. rwá ‘ schlechter, steiler Weg ’ , siehe schon J ACCARD (1906, 395 s. v. Roua). Die Form für Leuk stellt wohl einen Plural dar: ‘ bei den steilen Wegen ’ . Das würde auch zur Angabe passen, dass es sich um ein Stück eines Weinberges handle (una pecia vinee). Röuch 503 504 <?page no="806"?> Roz Roz ist zweimal in Leuk belegt als en la cresta roz ‘ auf dem Felsenhügel ’ (1436, 1519). roz ist wohl zu * ROCCA ‘ Fels ’ zu stellen (FEW 10, 435 ff. s. v. *r ŏ cca fels; M EYER 1914, 171; cf. HL R OSCH ), cresta ‘ Hügel ’ gehört zu lat. CRISTA ‘ Hahnenkamm ’ (T AGMANN 1946, 12; vgl. frz. crête ‘ Bergkamm, Hügel ’ ). Rub Rub ist nur einmal belegt als dr Rubschten ‘ der Rauheste ’ , einem substantivierten Superlativ zum Adjektiv rub ‘ rauh ’ . Es ist zu schwdt. Adj. r ū b ‘ kraus (Haare) ’ , auch ‘ rauh ’ , Syn. rüüch (I D . 6, 71 ff.) zu stellen. I D . verweist explizit auf Blatten im Lötschtal. In FlN wird es zur Bezeichnung einer Stelle mit dichtstehenden, struppigen Pflanzen, unebenem Gelände, unfruchtbarem, rauhem Boden oder ertragsarmen Äckern (TGNB 2, 2, 465) verwendet. Hier (Blatten) ist ein rauher, steiler Fels gemeint. Die Belege zu Rubi wurden zum FaN Rubi gestellt. Rübel (PN) Rübel (PN) ist in Grächen als Rv ᵢ beln Erbe (1306 u. später) belegt. Der PN oder FaN ist sonst nicht dokumentiert. Zeitlich dürfte es sich eher um einen PN handeln. Ob Rübel ‘ Krauskopf ’ (Id. 6, 74) als Übername gemeint ist, bleibt unsicher; eventuell liegt eine Übernahme zu rub ‘ kraus ’ (W IPF 1910, 170; I D . 6, 71) vor. Der FaN Rübel kommt laut F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1546) nur in Zürich vor. Rubeta Rubeta ist nur 1439 in Leukerbad als en la rubeta belegt. Es dürfte sich um ein Diminutiv auf / - ITTA / (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) zu RUINA (M EYER 1910, 171; T AGMANN 1946, 11 f.) handeln, also ‘ das kleine Rutschgebiet ’ . Rubi (FaN) Rubi (FaN) ist der FaN Rubin, der auch Rubini, Rubyni, Rubyn, Ruben, Rubi, Ruby geschrieben wurde (AWWB 220 f.). Er kommt meistens im Genitiv vor: ts (e)Rubisch ‘ das Eigentum der Familie Rubi ’ (Mund), Rubisacher ‘ der Acker der Familie Rubi ’ (1630, Niedergesteln), in Rúbis Boden ‘ im Boden der Familie Rubi ’ (1803, Eischoll), in Rúbisgassen ‘ in der Gasse der Familie Rubi ’ (1748, Steg), ts (e)Rubisch Grund ‘ der Grund der Familie Rubi ’ (Baltschieder), Rubitschibiel ‘ der Hügel der Familie Rubin (? ) ’ (FLNK, Agarn) und zer Gassen Rubiltin ‘ bei der Gasse des kleinen Rubi ’ (1633, Martisberg), wo vermutlich eher ein PN belegt ist. Wahrscheinlich gehören auch der (e)Rubispitz ‘ der spitze Felsen der Familie Rubi ’ (Hohtenn) und der Rubitschuggu ‘ der Fels der Familie Rubi ’ (FLNK, Hohtenn) hieher. Rubion Rubion ist nur 1498 in Binn als am Ru ͦ bion belegt. Das {u ͦ } der Hauptsilbe kann eine Form / ue/ nahelegen, kann aber auch einfach den Laut / u/ meinen. Formmässig muss es sich um ein maskulines oder neutrales Nomen handeln; vermutlich ist das / i/ der zweiten Silbe aus einem / l/ entstanden (Palatalisierung nach R ÜBEL 1950, 13), sodass als Grundform so etwas wie Rub(e)l-on anzusetzen ist. Die belegte Form steht im Dativ, die Endung auf / - ON / ist wohl schriftsprachlich. Vermutlich kann der Beleg zum Adjektiv r ū b ‘ kraus, rauh ’ (I D . 4, 71), als Rubi ‘ Krauskopf, Büschel von stachligem Gesträuch ’ (W IPF 1910, 170 für Visperterminen belegt) gestellt werden. Die Deutung ‘ stachliges Gesträuch ’ ist jedoch sehr unsicher. Ruccos Ruccos ist nur 1367 in Salgesch als in campo Ruccos belegt. M. S. las Ruccey, P H . K ALBERMATTER (p. c.) liest Ruccos. Zu deuten ist der Beleg wohl als ‘ das Feld des Rucco(s) ’ . F ÖRSTEMANN (1, 880) kennt den PN Rucco, der in Frage kommt. Ruche Nur einmal historisch belegt ist am Ruche ‘ beim rauhen Gebiet ’ (1349, Geschinen). Es ist als Nominalisierung zum schwdt. Adj. r ū ch ‘ rauh ’ , ahd. r ū h, mhd. r ū ch ‘ rauh ’ , wdt. rüüch, ruich (Lötschental) ‘ rauh, grob, ungesittet ’ zu stellen. In FlNN wird es für ‘ steiniges, schwer zu bearbeitendes, unfruchtbares, mageres Erdreich ’ oder in Bezug auf die kalten Temperaturen verwendet (I D . 6, 174 ff. bes. 177 f.; G RICHTING 1998, 165). / u: / unterliegt nach 1500 im Oberwallis der Palatalisierung zu / ü: / oder der Diphthongierung zu / ui/ (Lötschental, Simplon). Rudolf (PN) Rudolf (PN) ist der verbreitete PN Rudolf, Rodolf, Kurzform Ruedi, Rüedi u. ä. (I D . 6, 628 ff.; F ÖRSTEMANN 1, 918 f.). Der PN ist zweimal belegt: Crista Rodulfi ‘ der Hügel des Rudolf ’ (1337, Leuk) und das unklare Rudolstalden (1398, Ried-Brig), wo zu vermuten ist, dass zu Stalden ‘ steiler Abhang ’ ein Rudolf als Besitzer gemeint ist. Rudu Rudu ist der ältere Name für Gondo in der Gemeinde Zwischbergen (J ORDAN 2006, 307). Das Simplex Rudu (Zwischbergen), laut FLNK Gondo-Ruden, erscheint historisch 1381 vffen Rude, 1390 de Rudon, 1496 die Ru ᵕ da, 1632 in Ruden usw. Die historischen Belege geben keinen Aufschluss über den Namen und sein Genus, auch der Beleg von 1496 nicht. Soweit erkennbar, lässt er sich nicht zu einem deutschen Lexem stellen; wird aber als 505 506 Rudu <?page no="807"?> deutscher Name zu Gondo verwendet. O LIVIERI ( 2 1961, 471) kennt zwar Ròdano, ohne eine klare Deutung, und O LIVIERI (1965) kennt keinen vergleichbaren piemontesischen Namen. Romanische Formen sind aber als (der) Alpen Rodani (1511, Zwischbergen) und alpis vocatis Rodann (1622) belegt, wobei der zweite Beleg klar sagt, dass dies der Name sei, den die benachbarten Lombarden der Alpe geben (zum Fluss Rotten kann der Name natürlich nicht gehören; der Fluss fliesst nicht hier oben durch, cf. HL R OTTU ). Deutsch heisse sie Allparun (1511); der heutige deutsche Name ist der Alpjerung (Zwischbergen); die Alpe befindet sich nördlich von Ruden- Gondo an der Landesgrenze zu Italien (cf. J ORDAN 2006, 301). Es scheint also, dass diese beiden Formen dem Namen Rudu entsprechen, doch findet sich kein expliziter Beleg dafür. K RISTOL ET AL . (2005, 995 f.) kennen den Namen Rudu nicht, haben aber auch zu Gondo keine Deutung, resp. lehnen J ACCARD (1906, 193), der auf Ganda (vgl. Z INSLI 1946, 319) zurückgeht, ab. 1750 ist in der Ändren Ru ᵕ den ‘ im jenseitigen Ruden ’ (Zwischbergen) belegt. Hier ist das Genus relativ sicher als Feminin zu verstehen. Der Kontext erwähnt Häuser; es muss sich also um eine (kleine) Siedlung gehandelt haben. In den übrigen Fällen ist Rudu Bestimmungswort: die Rúdenhöche ‘ die Höhe von Ruden (Gondo) ’ (1737, Zwischbergen), der Rudufat ‘ das Felsband bei Ruden (Gondo) ’ , die Rúdenflüee ‘ die Fluh bei Ruden (Gondo) ’ (1737), der Rudustäg ‘ die Brücke über die Doveria bei Ruden (Gondo) ’ , der Rudutschuggu ‘ der Felsen oberhalb Ruden (Gondo) ’ , Rúdenwasser ‘ der Bach, der nach Ruden fliesst ’ (1678; genannt wird die Lagnisscha (heute wohl Laggina), die aber nicht direkt nach Ruden fliesst, sondern bei Gabi in den Chrummbach, weiter unten Doveria genannt, mündet). Alle Belege beziehen sich auf Zwischbergen. Für das HL findet sich kein überzeugender Beleg. Es bleibt deswegen ungedeutet. Rüeba Rüeba f. ‘ Rübe (Retrich) ’ (so G RICHTING 1998, 164) ist sicher in ts (e)Rüobuschiiri ‘ die kleine Scheuer bei den / für die Rüben ’ (Birgisch) belegt. Unsicher, aber wohl hieherzustellen ist in den Rübschen Achern ‘ in den Äckern mit Rüben ’ (1564, Ausserberg). Wie I D . (6, 79 s. v. Rueb(e n ) belegt, kann das Wort verschiedenartige Rübenpflanzen bezeichnen. Das lautgleiche Rüeba ‘ knorpeliges Ende des Schwanzes eines Tieres ’ (R ÜBEL 1950, 19) ist kaum gemeint. Zu dessen möglicher Entrundung vgl. HL R IEBA . Rüemu Rüemu ist nur als im Rüemu (Leukerbad; auch LT und FLNK) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 5, Nr. 33 und Blatt 24, Nr. 20) kennt es als Ruemu. Die Flur befindet sich südlich von Leukerbad in der Ebene an der Dala. Ob ein Maskulinum oder ein Neutrum vorliegt, ist unklar. Da historische Formen fehlen, lässt sich eine Deutung nicht geben. Es dürfte sich aber wohl um einen frpr. Namen handeln; ob er auf lat. R Ū M Ĭ GARE ‘ wiederkäuen ’ (FEW 10, 560 s. v. r ū m ĭ gare wiederkäuen) zurückgeht, bleibt unsicher. Die Deutung wäre dann: ‘ wo die Kühe wiederkäuen ’ . Rüeri Rüeri ‘ das Hingeworfene, die Abbruchstelle, das Steinschlaggebiet ’ ist nur einmal als Simplex belegt: ts Rüeri (Bister). Dazu kommen Belege als Bestimmungswort: der Rüerwang (Biel) und t (e)Rierflüe (Naters) mit dem historischen Beleg beÿ der hinderen Riehrfluo (1782, Naters). Die lautlichen Verhältnisse deuten zunächst auf ein nicht-umgelautetes Ruer hin, das mit der neutralen / - I / - Ableitung und der Palatalisierung von / ue/ > / üe/ die Form Rüeri ergibt. Nur Palatalisierung liegt in Rüerwang vor. Die spätere Entrundung macht daraus Rier wie in (e)Rierflüe. Das zu Grunde liegende Lemma ist zu schwdt. Ruer, Rüer f. (I D . 6, 1243 ff. bes. 1245 Anm.) zu stellen, das seinerseits (laut G R W B 14, 1457) vom Verb rühren abgeleitet ist, wie schwdt. rüere n (bzw. -ie-) ‘ bewegen; werfen im Sinn von treiben; umrühren; fällen, zum Umstürzen bringen ’ (I D . 6, 1248 ff.; URNB 2, 1161 f.; NWNB 3, 1746). S TALDER (1994, 511) erwähnt weiter Ruhr m. ‘ Schlag, Streich ’ . Die Bedeutungsangaben bei I D . und G R W B lassen sich nur schwer auf einen Lokalnamen anwenden. Auf Grund der Beschreibungen scheint die Ableitung vom Verb rieru ‘ rühren, werfen ’ und wdt. riere, riärä (Goms), rieru (Vispertäler), riärn (Lötschtal), riäru ‘ umrühren, werfen ’ (W IPF 1910, 108 u. passim; R ÜBEL 1950, 61; G RICHTING 1998, 162)) im Sinn von ‘ Etwas Hingeworfenes ’ , also eine Abbruchstelle oder ein Steinschlaggebiet oder ähnlich, am Zutreffendsten zu sein. Rües Rües m. ist nur in t (e)Rüeswelbi ‘ die Russ-Decke (Fels, der eine Russ-Decke aufweist) ’ (Stalden). Das HL ist zu schwdt. Ruess m., im Wallis Rues bzw. Rües, ahd. ruoz, mhd. ruoz m., wie nhd. ‘ Russ ’ und wdt. Rüess, Ruäss (Lötschtal), Rüöss ‘ Russ ’ (I D . 6, 1454 f.; G RICHTING 1998, 164) zu stellen. Laut Gwp. haben unter dem Felsen Hirten ein Feuer zum Kochen und bei kaltem Wetter angezündet, das Russ-Spuren an der Decke des Felsens hinterliess. Rüetze Rüetze ist ein unklares HL, das in Randa belegt ist: t Rüetze, t Ober Rüetze (FLNK), t Unnru Rüetze. Soweit Rüeba 507 508 <?page no="808"?> erkennbar, ist es hier ein Plural. Weiter ist belegt ts (e)Rüezi (Eisten), vermutlich ein Diminutiv (1694 jm Ru ᵕ otzgi). In Gampel sind belegt t (e)Rüätzilöüwinu und t (e)Rüätzistüdä. SK hat Runssilauenen (Gampel), führt also (e)Ruätzi auf einem Diminutiv zu Runs ‘ Wasserlauf ’ zurück, was sich allerdings nicht halten lässt. Lautlich am nächsten liegen Kurzformen wie Rüetschi des PN Ruedolf (I D . 6, 628 ff.), doch fehlt die Motivation. Insgesamt kann das HL nicht gedeutet werden. Ruetzingen (FaN) Ruetzingen (FaN) ist wohl ein Patronym, gebildet mit dem / - INGEN / -Suffix und PN Hr ō zo, Ruozo o. ä. zu ahd. hr ō d-. Ruoz zu Rudolf siehe I D . (6, 631 Anm. 5; und weiter URNB 2, 1163; F ÖRSTEMANN 1, 918 f.; I D . 6, 631 ff.). Hierzu gehört wohl auch Ru ͦ tzenloke ‘ das Loch des Ruotz ’ (1304, Eisten). Ruf (PN) Ruf (PN), auch Ruff und Ruof ist als FaN (AWWB 222), vermutlich zum PN Rudolf belegt. In den Flurnamen ist nur Rüofschirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Ruof / des Rudolf ’ (FLNK, Birgisch), 1762 als zRùffsch Schirli (Birgisch), vertreten (cf. HL R ÜOF ). Ruffiner (FaN) Ruffiner (FaN) ist zum FaN Ruffiner, urkundlich auch Am Rufybort, Uffem Rufybort, Ruf(f)ibort, Rüffinbort, Rufinbort, ze Rufinon, de Rufinen, Rufiner u. ä. (AWWB 222) zu stellen. Der bekannteste ist Baumeister U LRICH R UFFINER (16. Jhdt.) (A ERNI ET AL ., 2009). Der FaN tritt als vorangestellter Genitiv auf in Ruffiners Haus (1664, Raron), zu Ruffners Hus (1697, Oberems), in Ruffners Matten (1730, Gampel), zer Ru ᵕ ffners Scherlein ‘ bei der kleinen Scheuer der Familie Ruffiner ’ (1756, Oberems), ts (e)Rufinärsch Schiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Ruffiner ’ (Ferden, Kippel) (wobei im Fall von Kippel auch ein Herkunftsname zum nahe gelegenen Gebiet Rufina vorliegen kann), ts (e)Rufinersch Wägji ‘ der kleine Weg der Familie Rufiner ’ (Visperterminen). Als Bestimmungswort in Komposita: der Rufinerwald (Eyholz), t Rufinerwälder (Visp), sowie t (e)Rufinerweid (Leukerbad) und t Hinnri und t Voodri Rufinerweid ‘ der hintere Teil und der vordere Teil der Weide der Familie Rufiner ’ (Leukerbad), die auch zu Zen Ruffinen gehören können (cf. HL Z EN R UFFINEN (F A N).) Ruffol (PN) Ruffol (PN) ist nur einmal belegt in Ru ᵕ ffols Drist ‘ der Heustock im Freien des Ruffol ’ (1622, Zwischbergen). J ORDAN (2006, 281) kennt Ruof u l und stellt den Beleg von 1622 hieher; dazu zitiert er Ruofolstritt von F. J. Joller. Der Ort wird bei J ORDAN (2006, 451) (Nr. 81) auf der Karte “ Presa ” gezeigt. In der Datenbank des VSNB fehlen Name und Angabe. Nach J ORDAN wäre Ruoful ein Flurname, der im vorangestellten Genitiv Ruffols erscheint. Das Lemma ist im I D . nicht belegt. Der Name könnte als PN zu Rudolf oder zum it. FaN Ruffolo gestellt werden. Da auch das Grundwort (Trischt vs. Tritt) unklar ist, kann der Name letztlich nicht gedeutet werden. Rufina Rufina f. ‘ Erdrutsch ’ ist zu schwdt. R ŭ fine n , R ŭ fene n f., häufig reanalysiert als Rufi, Rüfi auch Rubi n., ‘ Erdrutsch, Erdschlipf, Stein- und Schlammlawine, Bergsturz; besonders häufig zur Zeit der Schneeschmelze und bei anhaltendem Regen ’ , lat. RU Ī NA ‘ Sturz ’ , zu RUERE ‘ stürzen ’ , in den Alpen in der Bedeutung ‘ Erdschlipf ’ und wdt. Rufina, Rufena (Goms), Rufinu (Saastal), Rufi ‘ Erdrutsch ’ zu stellen. Der Name entwickelt in den romanischen Alpendialekten einen Übergangslaut zwischen den beiden Vokalen und wird zu *ruv ī na, it. rovina, westschweizerisch rouvena. Die Alemannen haben dieses Namentyp direkt von den rom. Nachbarmundarten übernommen. (I D . 6, 673 ff.; G RICHTING 1998, 164; H UBSCHMIED 1940, 23; Z INSLI 1984, 579). Als Flurname wird es als ‘ Rutschgebiet ’ gedeutet. Die Formen des HL sind zahlreich. Eine Reihe von Belegen weisen den vokalischen Vorschlag vor / r/ auf, den wir als (e) notieren: t (e)Rufina ‘ das Rutschgebiet ’ (Simplon 2x, Eyholz, Visperterminen), t (e)Rufin ũ (Hohtenn), t (e)Rrufinun (Kippel), der Plural t (e)Rrufinä ‘ die Rutschgebiete ’ (Gampel, Wiler), neutrale Diminutive ts (e)Rufi (Leuk) und ts (e)Rufilli (Steg). Ohne den vokalischen Vorschlag finden wir t Rufena (Grengiols und fünf weitere Gemeinden mit teilweise mehreren Belegen), t Rufene (Geschinen und fünf weitere Gemeinden) und dazu uf der Rufene (Grengiols), biner Rufene (Münster) und ts Rufene (Steinhaus). t Rufina (Ried-Mörel und drei weitere Gemeinden) ist sicher Singular, hingegen ist t Rufine (Agarn, Saas-Almagell, Saas-Balen, Saas-Grund und St. Niklaus) unsicher in Bezug auf Singular oder Plural. In der Rufinu (Ferden) ist singular, Rufinu (FLNK, Albinen) ist unsicher. Eine ganze Reihe von Alternativen bieten die historischen Belege, wobei einige älteste romanisch sind. Das zeigt exemplarisch Leuk mit folgenden Belegen: 1328 es ruuineiz, 1328 eys ruuines, 1331 ruvynes, 1337 oul ruviney, 1351 eys ruuineyz, 1361 eys ruvynes usw. Erst 1549 steht Jn den Ruffinen. Das ursprünglich romanische Wort wird also lautlich angepasst; das klarste Zeichen dafür ist das stimmlose / f/ an Stelle des stimmhaften / v/ . Neben romanischen Spuren etwa in Raron (1303, in der Ruinun) steht in früh 509 510 Rufina <?page no="809"?> deutschen Gemeinden von Anfang an dv ᵢ Rufina (1305, Lalden), de Rufinun (1304, Saas-Grund) und jn dy`n Rufinvn (1327, Naters). Die historischen Belege weisen unterschiedliche Schreibungen auf, häufig ist Zen Ruffinon (1455, Niedergesteln) und Ähnliches, insgesamt etwas über 20 Belege; der Übergang zum FaN Zen Ruffinen ist nicht immer klar (cf. HL Z EN R UFFINEN (F A N)). Die Kurzform t Rufi ist sicher nur in under der Rufi (Oberwald) belegt; in Eggerberg und Mund fehlt die Genusangabe; I D . kennt die Form nur als Neutrum. Diminutive sind formal sehr unterschiedlich: bis ans Rüeffelli ‘ bis an das kleine Rutschgebiet ’ (1718, Steinhaus), von dem Rüfeli ‘ vom kleinen Rutschgebiet ’ (1592, Fiesch), das Rufenli ‘ das kleine Rutschgebiet ’ (1303, Lalden), bis an s Rüffelti ‘ bis an das kleine Rutschgebiet ’ (1718, Mühlebach), bis ans Rüffely ‘ bis an das kleine Rutschgebiet ’ (1718, Ernen), ts Rufili ‘ das kleine Rutschgebiet ’ (Saas-Balen) und ts (e)Rufilji ‘ das kleine Rutschgebiet ’ (Leuk). Attributive Adjektive zum HL sind: ts (e)Rot Rufilli ‘ das kleine rote Rutschgebiet ’ (Naters, Bürchen und Törbel ohne r-Vorschlag), t (Voder) Chli Rufene ‘ das (vordere) kleine Rutschgebiet ’ (Reckingen), Blaabi Rufinu ‘ das blaue Rutschgebiet ’ (FLNK, Inden), di Breit (e)Ruffina ‘ das breite Rutschgebiet ’ (Ferden und drei weitere Gemeinden mit Varianten), di Breit Rufi ‘ das breite Rutschgebiet ’ (Steg), Chlei Rufina ‘ das kleine Rutschgebiet ’ (FLNK, Zermatt), Galt Rufi ‘ das unfruchtbare Rutschgebiet ’ (FLNK, Ausserberg), di Gross (e)Rufina ‘ das grosse Rutschgebiet ’ (Wiler und drei weitere Gemeinden mit Varianten), di Gross (e)Rufi ‘ das grosse Rutschgebiet ’ (Oberems), hinder der Hochen Rufinen ‘ hinter dem hohen Rutschgebiet ’ (1540, Münster; 1468 Ho ᵉ ginen Rufinen), t Innru Rufinu ‘ das innere Rutschgebiet ’ (Saas-Almagell), t Nass Rufina ‘ das nasse Rutschgebiet ’ (St. Niklaus), die Oberen Ruffinen ‘ die oberen Rutschgebiete ’ (1770, Simplon), in der Schwarzu Rufinu ‘ im schwarzen Rutschgebiet ’ (Bitsch und sechs weitere Gemeinden, historisch), t Üsseru Rufinu ‘ das äussere Rutschgebiet ’ (Saas-Almagell), Wiissi Rufena ‘ das weisse Rutschgebiet ’ (FLNK, Lax und acht weitere Gemeinden mit Varianten), Wiiss Rufi ‘ das weisse Rutschgebiet ’ (FLNK, Obergesteln), beim Weissen Ru ᵕ fili ‘ beim weissen, kleinen Rutschgebiet ’ (1916, Embd). Die Farbnamen beziehen sich auf die Gesteinsfarbe. Vorangestellte Genitive sind selten: ts Bäretsch Rufene ‘ das Rutschgebiet des Bäret / Perret (PN) ’ (Niederwald) enthält wohl einen PN, der nicht näher deutbar ist, und t Schniiderru Rufi ‘ das Rutschgebiet der Familie Schnider ’ (Niedergesteln). Als Grundwort zweigliedriger Komposita sind meistens Namen einer naheliegenden Flur enthalten. Baumnamen sind an die Asprúffinen ‘ an das Rutschgebiet beim Gebiet mit Espen ’ (1790, Ried Brig), t Hasolrufina ‘ das Rutschgebiet beim Hasel (Gebiet, wo es Haselstauden hat) ’ (Stalden), t Hasulrufina ‘ das Rutschgebiet beim Ort, wo es Haselstauden hat ’ (Grächen), Ronrufina ‘ das Rutschgebiet bei den Baumstöcken ’ (1390, Grächen), di Tarufina ‘ das Rutschgebiet beim Tannenwald ’ (Martisberg). Pflanzennamen sind wohl in t Heitigrufina ‘ das Rutschgebiet beim Gebiet mit Heidelbeersträuchern ’ (Blatten) und t Schwider(e)rufi ‘ das Rutschgebiet mit Berberitzen ’ (Niedergesteln) zu finden. Dreimal ist in Bellwald t Steirufena ‘ das Rutschgebiet mit Steinen ’ belegt. t (e)Reez (e)Rufina ‘ das Rutschgebiet bei der scharf abbrechenden Stelle ’ (Wiler) und t Reez(e)rufina ‘ das Rutschgebiet bei der scharf abbrechenden Stelle ’ (Kippel) befinden sich beide nahe bei einem Gebiet ts Reez ‘ die scharf abbrechende Stelle ’ , werden also danach benannt. In einigen Fällen ist ein metaphorischer Gebrauch des Bestimmungswortes zu finden, so in t Sackrufena ‘ der Erdrutsch beim Gebiet, das wie ein Sack aussieht ’ (Grengiols) und das komplexere t Äichballurufina ‘ das Rutschgebiet, das wie ein Butterballen aussieht ’ (Ried-Brig); es kann hier aber auch ein Pflanzenname Anke n balle n (I D . 4, 1149) gemeint sein (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 102 s. v. T ROLLIUS EUROPAEUS ). Eine Art Kurzform ist in t Chalberrufina ‘ das Rutschgebiet unterhalb des Bodens für die Kälber ’ (Täsch) zu finden, wo die Bezugsflur Challberbodu heisst. t Chessjerrufina ‘ das Rutschgebiet bei der Chessjeri (Kesslerin) ’ (Grengiols) bezieht sich auf ein kesselartiges Rutschgebiet. Weitere Vorkommen mit nahegelegenen Fluren sind belegt, ohne dass hier darauf eingegangen wird. Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Bach, Bodu, Bord, Brigga, Dorf, Haalta, Grabu, Gufer, Kapälla, Schleif, Tal und Wald, wobei meist die Kurzform des HL Rufi erscheint. Komplexere Fälle sind der Voder Rufiacher ‘ der vordere Teil des Ackers im Rutschgebiet ’ (Binn), der Wanngrufigrabu ‘ der Graben des Rutschgebietes vom Wangalpji (kleine Alpe beim Grasabhang) herunter ’ (Ergisch), der Unner Rufibode ‘ der untere Boden bei den Rufene (Rutschgebiete) ’ (Oberwald) und andere. Die Ableitung der Rufenetsch ‘ das grosse Rutschgebiet ’ (Binn) und der Rufetsch ‘ das grosse Rutschgebiet ’ (Törbel) enthält das Augmentativ- und Pejorativsuffix wdt. ę tsch, aus lat. / - ACEU / (K LEIBER 1992, 620 s. v. R ǖ fetscha für Grächen; der Autor ist sich über die Zuordnung zu den HLL Riife und Rufina nicht klar; unsere Belege gehören zum HL R UFINA ). Rufina 511 512 <?page no="810"?> Ruh Das HL Ruh ist nur im hdt. Waldesruh (Ergisch, LT) belegt, als Name eines Restaurants im Turtmanntal beim Weiler Meiden. Der hdt. Name ist nicht dialektal (G R W B 27, 1221). Ruine Ruine ist nur auf LT als Ruine Gestelnburg (Niedergesteln) belegt. Gemeint ist damit der Überrest der früheren Gestelnburg oberhalb des Siedlungsgebietes von Niedergesteln. Die Burg gilt als wichtigstes Baudenkmal der Familie von Turn im Oberwallis (AWWB 260 ff. s. v. de la Tour), das 1348 zerstört wurde. Das dt. Ruine geht nach K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 777) auf frz. ruine zurück. Rulipuli Rulipuli kommt zusammen mit Loch zweimal vor: ts Rulipuliloch (Glis) und ts Rulipuliloch (Leuk). H ILDEBRAND S CHINER (1812, 294) spricht von “ le trou Rouilli-poulli ” (Leuk). B ELLWALD (2013, 325) nennt in der Legende zu einer Fotografie ds Rulibulischlooch (Kippel) als ‘ Gefängnis ’ ; der Genitiv scheint hier eine Person zu bezeichnen, das ‘ Loch ’ wohl das Gefängnis. Der Ausdruck roly-poly ist in der Online-Ausgabe des O XFORD E NGLISH D ICTIONARY (2015) mit mehreren Bedeutungen aufgeführt; er wird um Verb to roll gestellt und ist erstmals 1602 belegt. Rulipuli ist wohl ein sprachspielerischer Ausdruck, der vermutlich aus dem frz. Verb rouler ‘ rollen ’ abzuleiten ist; dagegen spricht aber S CHINER , der eher rouilli ‘ verrostet ’ als Grundlage nimmt (aber mit welcher Motivation? ) (cf. HL P ULI , ohne Deutung). Rumeling (PN) Rumeling (PN) ist nur in Inden und Albinen belegt, wobei die gleiche Flur gemeint ist. Das Simplex ist als ts Rumeling ‘ bei Rumeling ’ (Inden) und Rumeling ‘ Rumeling ’ (SK und LT, Albinen) belegt. In Inden sind die frühesten Belege romanisch: 1278 de Roumilinguen, 1483 ov Rummeling, 1550 ou Rummelÿng. Historisch ist 1755 in Clú Rumeling ‘ im eingefriedeten Gut des Rumeling (PN) ’ belegt. Lebend ist weiter ts Unner Rumeling ‘ der untere Teil des Rumeling ’ (Inden, FLNK Unner Rumeling) bezeugt. Hinzu kommen der Rumelingwald ‘ der Wald beim Weiler Rumeling ’ (Inden, FLNK Rumelingwald) und Rumelingwäg ‘ der Weg von / nach Rumeling (Weiler) ’ (Inden, FLNK). Es handelt sich wohl um einen PN Rumeling, dessen genaue Deutung aussteht (vgl. aber F ÖRSTEMANN 1, 883 s. v. Romolus). Rumont (PN) Rumont (PN) ist zweimal belegt: 1242 als in fundo de Rumont (Erschmatt) und 1252 als de campo Ruomont (Varen). Es handelt sich sicher um zwei verschiedene Fluren, wobei vermutlich beide den PN Rumont enthalten. Beide Gemeinden sind im 13. Jahrhundert noch romanisch. F ÖRSTEMANN (1, 913 ff.) enthält mehrere solcher PNN wie Ruotmunt u. a., die hier wohl als Besitzernamen erscheinen. Rund Rund Adj. ‘ rund ’ ist zum schwdt. Adj. rund, mhd. runt, entlehnt aus frz. rond, wie nhd. ‘ kugel-, kreis- oder walzenförmig ’ und wdt. rund ‘ rund ’ (I D . 6, 1040 bes. 1042; G RICHTING 1998, 164) zu stellen. Es kommt ca. 25 Mal vor. HL R UNDELL ist als Ableitung zu vergleichen. rund ist die Form des Grundstückes oder Felsens, die im Grundwort bezeichnet werden. Das Adjektiv tritt nur in attributiver Funktion auf, zumeist als flektiertes Adjektiv zu einem Substantiv, seltener als adjektivisches Erstglied zu zweigliedrigen Komposita. In einigen wenigen Fällen wird inlautendes / -nd-/ zu / -nn-/ : zum Runu Stei ‘ beim runden Stein ’ (Saas- Almagell), zum (e)Runnu Stei ‘ beim runden Stein ’ (Staldenried). Bei den attributiven Verwendungen sind die folgenden Grundwörter betroffen: Blatta, Bletz, Bodu, Bord, Eie, Flüö, Hooru, Hubel, Matta, Müra, See, Stafel, Stei, Stüde und Tschugge. Die Grundwörter in Komposita sind: Bodu und Eie. Rundell Rundell n. ist in Leukerbad als ts (e)Rundell belegt und als Quartiername erwähnt. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 38 und Blatt 23, Nr. 17) kennt es als Rundäll. 1762 ist in Binn im Schatz Rundell belegt, das nicht deutbar ist. In Leukerbad lässt sich der Name wohl auf frz. rondelle ‘ runder, kreisfömriger Platz ’ (I D . 6, 1043 ff.) zurückführen. Der Beleg in Binn entzieht sich der Deutung. Rüodu (FaN) Rüodu (FaN) ist als t (e)Rüoduschipfa ‘ der überhängende Fels mit dem Ofen des Rüodu (FaN) ’ (Mund) belegt. Laut Bescheibung soll in dieser Felshöhle ein Einsiedler gehaust haben. Der FaN ist als Ruedin in Mund historisch belegt, inzwischen aber ausgestorben (J OSSEN 1989, 79). Rüof (FaN) Rüof (FaN) ist zum FaN Ruef, in Quellen auch Ruof, Ruofs, Ruf, Ruff geschrieben, zu stellen; es handelt sich um einen vom Taufnamen Rudolf abgeleiteten FaN (I D . 6, 629; AWWB 222). 513 514 Rüof (FaN) <?page no="811"?> Die sicheren Belege enthalten einen vorangestellten Genitiv Singular: beÿ Ruofs Scheirlin ‘ bei der kleinen Scheuer des Ruof / der Familie Ruof ’ (1763, Naters), ts (e)Rüoffsch Loch ‘ das Loch der Familie Ruof / des Ruof ’ (Törbel), ts (e)Rüoffsch Schiir ‘ die Scheuer des Ruof / der Familie Ruof ’ (Mund), ts Rüofsch Hüs ‘ das Haus des Ruof / der Familie Ruof ’ (Grächen) (cf. HL R UF ). Sehr unsicher ist der Beleg Ro ᵛ fbach (1325, Ernen), wo neben Ruof auch Rouf ‘ (Futter-)Raufen ’ gelesen werden kann; beide Lesarten sind unklar. Ruomana R ů mana ist nur einmal belegt als pratum R ů mana (1388, Simplon), eine Wiese, die sich laut Dokument im Walde (heute wohl Waldernubärg) befindet. L URATI (2004, 103) führt das HL als möglicherweise italienisch basiert auf. Die Bezeichnung könnte zu lat. ROMANUS ‘ Romane ’ gehören und wäre dann als ‘ die dem Romanen gehörende Wiese ’ zu verstehen. LSI (4, 420 s. v. román) kennt auch rúman als ‘ Romano ’ . Dagegen spricht nur die Schreibung { ů }. Wenn das HL zu einem deutschen Lemma gestellt wird, kommt wohl nur I D . (6, 915) Rûme n , resp. das zugehörige Verb rûme n (I D . 6, 917 ff.) in Frage, beide wohl in der Bedeutung ‘ Raum geben, roden ’ , sodass der Name als ‘ gerodete Wiese ’ zu deuten ist. Auf Grund des Beleges lässt sich nicht entscheiden, welche der beiden Deutungen zutrifft. Sie werden beide aufgeführt. Rüömet (PN) Rüömet (PN) ist als Rüömetschbodu ‘ beim Boden des Rüömet ’ (Erschmatt; FLNK Rüömatschbodu, LT Rüemetschbodu) belegt und erscheint 1748 als in Rúometsch Boden. Es handelt sich um den Genitiv eines Besitzernamens, wobei unklar ist, ob es sich um einen FaN oder einen PN handelt. In der Datenbank des VSNB ist schon 1252 in Varen und 1307 in Unterems ein FaN Ruomont belegt, der dem PN von 1784 in Erschmatt nahesteht. Rüopella Rüopella ist nur belegt als t (e)Rüopella ‘ das Gebiet mit wilden Rüben ’ (Törbel; FLNK und LT Rüopella). Historisch 1745 als in der Ruopelen (aber unsicher). Das HL findet sich in dieser Form nicht; es handelt sich aber wohl um eine / - ELA / -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 517 ff.) als Stellenbezeichnung zu schwdt. Rueb(en) ‘ Rübe ’ und wdt. Rüeba, Rüäbä (Goms), Rüäba (Mattertal), Rüöbu ‘ Rübe (Retrich) ’ (I D . 6, 79; G RICHTING 1998, 164)) oder dessen metaphorische Weiterbildung Ruebe(n) ‘ Schwanz bei Tieren ’ (I D . 6, 86), das im Wallis meist entrundet als Riepe oder Riepli (R ÜBEL 1950, 19) erscheint. Wieweit das HL R IEBA dazu gehört, ist unklar. Die Deutung ist unsicher, da die Gegend als Wiesen und Weiden beschrieben wird, die stark von Felsbrocken durchsetzt ist. Möglicherweise wachsen hier auch wildwachsende rübenähnliche Gewächse, die im I D . (6, 84) erwähnt sind (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 540 s. v. B RASSICA RAPA ; S. 1000 s. v. D AUCUS CAROTA ). Ruppen (FaN) Ruppen (FaN) ist ein FaN, der in Dokumenten auch als Ruppo, Ruppoz (AWWB 222) erscheint. Ein Simplex im Diminutiv auf / - I / ist ts (e)Ruppi (Ausserberg). Zwar ist ts Ruppi auch eine dialektale Form des FaN Ruppen, der Beleg kann hier aber auch einfach zum Adj. rupp ‘ rauh, kraushaarig ’ (I D . 6, 1197 f.; URNB 2, 1166) gestellt werden, als ‘ das rauhe Gebiet ’ ; allerdings verweist auch URNB an der genannten Stelle auf einen FaN Rupp. Vorangestellte starke und schwache Genitive sind enthalten in ts Ruppisch Wäng ‘ die Grasabhänge der Familie Ruppen ’ (Stalden), der Rúpen Acker ‘ der Acker der Familie Ruppen ’ (1796, Ried-Brig), das Ruppen Gútt ‘ das Gut der Familie Ruppen ’ (1711, Ried-Brig) und ts Ruppu Chrindu ‘ die Chrinda (schmaler Felsdurchgang) der Familie Ruppen ’ (Blatten). Einen schwachen Genitiv Plural der kollektiven / - IG / -Ableitung weisen auf: Rubige Gieter ‘ die Güter der Familie Ruppen ’ (1615, Visperterminen), in Rupigo Schir ‘ in der Scheuer der Familie Ruppen ’ (1707, Ried-Brig) und Ruppigo Wald ‘ der Wald der Familie Ruppen ’ (1607, Visperterminen). Eigentliche Komposita sind t Ruppumatta ‘ die Wiese der Familie Ruppen ’ (Bitsch) und ts Ruppupiischu ‘ bei den Jungbäumen der Familie Ruppen ’ (Grächen) (der Beleg kann auch als vorangestellter Genitiv gelesen werden). Etwas schwieriger ist der komplexe Beleg von 1539 in Bürchen an gross Ruppen Thaellun ‘ bei der grossen Dähle der Familie Ruppen / bei der grossen rauhen Dähle ’ ; im Kontext ist von arborem ‘ Baum ’ die Rede. Rusp Rusp ist als Grundwort für Ruspegga historisch in Visperterminen (1304 in Alpe Ruspecca) erwähnt (weitere Belege 1305, 1308; 1519 als Rúschpeck); für Raron ist Petrus Faber de Ruspecca (1386) belegt; es handelt sich um einen Zeugen, der vermutlich aus der Ruspegga in Visperterminen stammt. Die LT hat Rüspeck (Visperterminen). In Visp ist 1522 de alpe Rispeck bezeugt; vermutlich der gleiche Ort wie in Visperterminen (cf. HL R ISP ). Z IMMERMANN (1968, 84) stellt Rüspeck zu ahd. runsa und einem mhd. specke f. ‘ Prügelweg, Knüppeldamm ’ ; dazu passen die ältesten Belege vom Typ Ruspecca (1304) lautlich nicht; historisch gesehen kann runsa frühestens Ruomana 515 516 <?page no="812"?> im 16. Jahrhundert als rüüs erscheinen (Z IMMERMANN 1968, 120 gibt als ältesten Beleg für Niderrusen ‘ untere Runse (Wasserlauf) ’ (Stalden) 1576). Zwar spricht ein Beleg aus dem 16. Jahrhundert von communem aqueductum illorum de Rúschpeck ‘ die gemeinsame Wasserleitung der Leute von Ruschpeck ’ , das heisst zunächst aber nur, dass die Leute, die auf Rüspeck alpten, Rechte an einer Wasserleitung besassen. Wenn wie hier die lautliche Grundlage Ruspecca angenommen wird, bleibt die Zusammensetzung wohl Rusp + Egga. I D . führt Ruspen als FlN auf und weist auf J. A. S CHMELLER hin (I D . 6, 1494), der aber seinerseits nur einen Flurnamen Ruspen ohne Erklärung angibt; der Lokalname ist heute als Ruespen in Dättlikon und Freienstein-Teufen (ZH) bezeugt. Die belegten Formen deuten auf ein langes / u/ hin; das würde zum hdt. räuspern (G R W B 14, 316) und schwdt. r ǖ spe n ‘ (I D . 6, 1495; das dort erwähnte mhd. riuspen ist laut L EXER (2, 471 s. v. riuspern) so nicht belegt) ’ und seiner Familie passen, ergibt aber kaum einen Sinn. Das Verhältnis zu Riischpeggi (Grengiols) ist unklar. Russu (rom). Russu kommt einerseits im westlichen Bezirk Leuk, anderseits in Zwischbergen vor. Im zweiten Fall liegt eine Form von it. rosso ‘ das rote Gestein ’ vor. Die Namen Russu (LT Cima del Rosso) und Russupass (LT Passo del Rosso) liegen in der Nähe der Russutola ‘ die Mulde beim roten Gestein ’ (alle Zwischbergen) (cf. HL R OSSO ). Schwieriger sind die Belege im westlichen Bezirk Leuk. Für Salgesch liegt nach M ATHIER (2015, 121 s. v. Russubrunnu) eine Übernahme aus frz. ruisseau ‘ Bach ’ vor (FEW 10, 424 s. v. *r ī vu ᵕ sc ĕ llus). Das ist zumindest problematisch, weil das so entstehende / ü/ später hätte entrundet werden müssen zu / i/ . Eine alternative Deutung würde Russu zum femininen Adjektiv russa ‘ die Rote ’ stellen (B OSSARD / C HAVAN 2006, 91). Im Fall von der Russubrunnu ‘ die Quelle / der Brunnen des Baches (Russu) ’ (Salgesch, Varen) liegt jedoch die Deutung von M ATHIER nahe, ebenso beim mehrfach belegten Russugrabu ‘ der Graben mit einem Bach (Russu) ’ (Inden, Leukerbad, Salgesch). Die Belege Russenfluo (1671 u. später, Leuk; 1671 u. später, Varen; 1671 Salgesch) bezeichnen wohl alle den gleichen Ort. Der Kontext lässt eher auf die Farbe schliessen als auf einen Bach. Russenfelsen (1834, Varen (Beleg im Dativ)) gehört ebenfalls hieher. Das Simplex Russu ist in Leukerbad historisch in sehr verschiedenen Formen belegt, von denen unklar ist, ob sie überhaupt zusammengehören: eys rues (1361), à la Russa (1460), Zerru ᵕ ssen (1691), russen (1709, mit der Bemerkung, früher en la cor ‘ im Hof ’ geheissen zu haben), zer Rússen (1717). Der älteste Beleg gehört vermutlich als Plural zu rwá ‘ schlechter, steiler Weg ’ (T AG- MANN 1946, 64); die jüngeren sind feminin und dürften eher zum fem. Adjektiv r ŭ ssa (FEW 10, 588 ff. zu r ŭ sseus rötlich) gehören. Der Name en la cor ‘ im Hof ’ passt kaum zu einem Bach oder einem Weg. Rutsch Rutsch m. ‘ Rutschhang ’ ist zu schwdt. Rutsch m., Pl. Rütsch, im wdt. Pl. Ritsch, Dim. Rütschli, Rutschli, wie nhd. ‘ gleitende Abwärtsbewegung ’ , in Orts- und Flurnamen ‘ Erdrutschhang, rutschende Erd-, Gestein- und Schneemassen ’ , zum Verb schwdt. rutsche n , spätmhd. rütschen ‘ gleiten ’ neben älterem rützen, rutzen (I D . 6, 1855 ff.; G RICHTING 1998, 165; K LUGE / S EEBOLD 25 2012, 779; Z INSLI 1946, 335) zu stellen. Das HL kommt in einer femininen Ableitung auf / - A / mit Entrundung (S ONDEREGGER 1958, 511) als Sg. Ritscha, Pl. Ritsche, wohl zum Verb rutsche (G RICHTING 1998, 165), vor; in beiden Fällen wird es als ‘ Rutschhang ’ gedeutet. Der Singular Ritscha ist belegt in Mund, Steinhaus und als (e)Ritschu in Ergisch. Der Plural ist belegt als (e)Ritsche in Eggerberg (zwei Belege), Törbel und Ergisch. Historisch kommt vor in den Rützschen (1676, Niedergesteln). Das einzige Kompositum hat ts (e)Ritschistadolti ‘ der kleine Stadel beim kleinen Rutschhang ’ (Visperterminen) mit einem Diminutiv Ritschi oder Ritschji. Rutter Rutter ist nur einmal in t Rutterblatte ‘ die Felsplatten, bei denen (der Bach) lärmt ’ (Ulrichen) belegt; sie befinden sich am Niderbach auf der Nordseite zwischen Ulrichen und Geschinen. Rutter ist eine Abstraktbildung zum schwdt. Verb rutte n ‘ Lärm machen, rumpeln, poltern ’ und wdt. rutte, ruttä (Goms), ruttu ‘ lärmen, bewegen (geräuschvoll) ’ (I D . 6, 1804; G RICHTING 1998, 165). Rüüch Rüüch Adj. ‘ rauh ’ ist zu schwdt. Adj. r ū ch (bzw. -üü-, -ui-, -ou-), teilweise flektiert -h-, Komparativ mit und ohne Umlaut, im Wesentlichen wie nhd. ‘ rauh ’ , mhd. ruuch, in FlN zur Bezeichnung von steinigem, schwer zu bearbeitendem, unfruchtbarem Gelände und wdt. rüüch, ruich (Lötschental) ‘ rauh ’ (I D . 6, 174 ff. besonders 177; G RICH- TING 1998, 165) zu stellen. Belegt sind: t Rüüch Lamme ‘ die rauhen Tobel ’ (Münster) und der Rüüch Wang ‘ der rauhe Grasabhang ’ (Münster). Beide Belege bezeichnen benachbarte Gebiete. Vermutlich auch hieher gehört t Rübiela ‘ der rauhe Hügel ’ (Blitzingen). Eine feminine Ableitung auf / - ENE / (zum Suffix / - INA / , / - ANA / , / - ENA / ) mit Entrundung ist in Riichene ‘ das rauhe 517 518 Rüüch <?page no="813"?> (Alp-)Gebiet ’ (Bellwald; FLNK Richene, LT Richinen) belegt, wo es ein Alpgebiet auf der rechten Rottentalseite oberhalb von Bellwald und Niederwald bezeichnet. Belegt sind weiter Alpen Richinen (1681, Blitzingen), Richenen (1705, Ernen) und in Richenen (1826, Steinhaus). Der älteste Beleg Alpen Richlenen (1335, Niederwald) stammt von einer Kopie von ca. 1600 (P H . K ALBERMATTER , p. c.), also nachdem die Entrundung (ü > i) stattgefunden hatte. Langes / i: / wurde vom Explorator 1974 so notiert. Gemeint ist wohl in allen Fällen die gleiche Alpe, auch wenn die genannten Gemeinden teilweise auf der andern Talseite liegen. Rüünu Rüünu ‘ Rotten (Flussname) ’ kommt nur einmal in Tschanderüünu ‘ das Feld beim Rotten ’ (Salgesch) vor. Der Flussname Rhodanus (cf. HL R OTTU ) ist nur in Salgesch in einer Form belegt, die aus den frpr. Patois stammt (T AGMANN , Ms., 116 f.). M ATHIER (2015, 112) nimmt eine eigenständige Entwicklung an; die heutige Form Rüünu ist jedoch die vokalisch palatalisierte Form von R ū no ‘ Rotten ’ (G ERSTER 1927, 75, vereinfacht) (cf. HL R OTTU ). Rüüs Rüüs m./ f. ist zu schwdt. Runs, R ū s, R ū ss m./ n./ f. ‘ Gewässerstrom, Wasserlauf, Bach, Fluss, Rinnsal, Wildbach ’ auch ‘ Bachbett ’ und vereinzelt ‘ Schlucht, Graben ’ , in Namen teilweise noch halbappellativ im Gebrauch, und zu wdt. Rüüs, Ruiss (Lötschental) ‘ Wasserfuhre ’ (I D . 6, 1142 ff., bes. Anmerkung 1148 f; G RICHTING 1998, 165) zu stellen. Die ältesten Belege im Wallis weisen die Form Runs auf: 1297 Runsy (Grächen, Stalden), 1396 den Runs (Eischoll); solche Formen sind noch bis ins 19. Jahrhundert belegt (z. B. Baltschiedra Runss (1838, Baltschieder)). Das Staubsche Gesetz (Ersatzdehnung des Vokals für / n/ vor Reibelaut) ist seit Mitte des 15. Jahrhunderts belegt: antiquum Russ ‘ der (lat.) alte Wasserlauf ’ (1447, Raron). Die Palatalisierung zu Rüüs, Rüs und die Diphthongierung im Lötschental und in Simplon zu Ruis sind erst spät und meist nur mündlich belegt. Hyperkorrete Formen wie Teler Raús (1707, Eischoll) oder Rauss ‘ alter Rottenlauf ’ (1668, Brig) sind nur selten bezeugt. Wie B ELLWALD / W ÜRTH (2006, Nr. 5.1.5.) zeigen, ist Rüüs ein geläufiger Ausdruck für eine Wasserleitung oder eine Wasserfuhr, wobei die Bandbreite der Bedeutungen sehr weit sein kann. Als Deutung wird im Folgenden meist ‘ Wasserlauf ’ angegeben, ausser wenn die Quelle eine klare andere Deutung kennt. Das HL ist rund 140 Mal belegt. Das Simplex kommt im Singular nur selten vor: dy` Runs (1414, Eggerberg) - das feminine Genus ist nicht unmöglich, könnte hier aber auch den Plural kennzeichnen - ; in dem Rús ‘ beim Wasserlauf ’ (1754, Obergesteln) - der Text spricht von einem Stück Land, das die Gemeinde gekauft habe und gibt als alternativen Namen Mittlisten Hochÿ. Vermutlich handelt es sich hier um den Lauf des Rotten. bim Ru ᵕ ss ‘ beim Wasserlauf ’ (1520 u. später, Geschinen; mit wechselnden Präpositionen); der Rüüs ‘ der Wasserlauf ’ (Baltschieder; historische Belege haben Runs(s)) - es handelt sich um einen Dorfteil von Baltschieder. Unsicher ist jn der Rvnson ‘ beim Wasserlauf ’ (1320, Ried-Brig); hier ist der Akkusativ eines Feminins vorausgesetzt. Einen Plural des Simplex findet man in t Ruisa ‘ die Wasserläufe ’ (Simplon). Als Diminutiv im Singular ist ts (e)Ruisji ‘ der kleine Wasserlauf ’ (Simplon), ein kleines Stück Schwemmland, belegt. Mit attributiven Adjektiven kommen vor: antiquus Runs ‘ (lat.) die alte Wasserleitung ’ (1433, Raron), am Alten Rvns ‘ an der alten Wasserleitung ’ (1569, Raron), im Gabmer Ru ᵕ ss ‘ im Wasserlauf bei den Gadmen (Ställen) ’ (1824, Oberwald), communem Runss ‘ der Wasserlauf, der der Gemeinde gehört ’ (1533, Raron), communem Runss ‘ der Wasserlauf, der der Gemeinde gehört ’ (1455 u. später, Steg), den Gmeinen Runs (Akkusativ wegen der Konstruktion) ‘ der Wasserlauf, der der Gemeinde gehört ’ (1748, Bürchen), den Gemeinen Russ (Akkusativ wegen der Konstruktion) ‘ der Wasserlauf, der der Gemeinde gehört ’ (1745, Visperterminen; 1619 als Communem Runss) und weitere drei ähnliche Belege (Eggerberg, Gampel, Grächen); den Grossen Rus ‘ der grosse Wasserlauf ’ (1740, Bratsch; Akkusativ durch Konstruktion bedingt), der Hee Rüüs ‘ die hohe Wasserleitung ’ (Niedergesteln), der Hinner Rüüs ‘ der hintere Wasserlauf (Wasserleitung) ’ (Randa), Niderrunsen ‘ der untere Wasserlauf (Niederrunsen, frühere Gemeinde, heute Neubrück) ’ (1593 u. später, Stalden; frühester Beleg 1297 de Runsy), t Voder Rüüs ‘ der vordere Wasserlauf ’ (Randa; scheint feminin zu sein, aber vam Foodru Rüüs zeigt maskulin). Ein attributives Partizip findet sich in zum Stotzundu Rüüs ‘ zum steilen Wasserlauf ’ (Visperterminen). Vorangestellte Genitive sind sehr selten: Maxschinen Runss ‘ der Wasserlauf der Familie Maxen ’ (1689, Unterems) (der historische Beleg hat: “ aqua ’ ductum communem aut …” , meint also eine Wasserleitung der Gemeinde, die auch nach der Familie Maxen (AWWB 165) genannt wird). Ob Teler Raús (1707, Eischoll) tatsächlich einen Besitzernamen Teler enthält oder ein Gebiet Teler, ist unklar. Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita als Name für Wasserläufe mit den Namen von Fluren Rüünu 519 520 <?page no="814"?> verbunden, an denen der Wasserlauf oder die Wasserleitung vorbeifliesst. Besonders interessant sind hier Orte, an denen der Rüüs aus einer grösseren Wasserleitung abgeleitet wird, wie in der Abschlacht(e)rüüs ‘ der Wasserlauf, der von der Wasserleitung abgeleitet wird ’ (Hohtenn, zweimal; Niedergesteln). In vielen Fällen wird aber einfach ein Rüüs nach einer Gemeinde oder einer Flur benannt: der Alpurüüs ‘ die Wasserleitung von der (Fäsil-)Alpe her ’ (Gampel), am Ehrbrúns ‘ am Wasserlauf beim Erbgut ’ (1719, Niedergesteln), der Eschruns ‘ der Wasserlauf vom / zum Saatfeld / mit Eschen ’ (1455, Eischoll), Feschel Rúss ‘ der Wasserlauf bei Feschel ’ (1736, Feschel), dr Fururuis ‘ der Wasserlauf zur Furche ’ (Kippel) und viele andere mehr. Nur einmal ist der Typ mit der Verbpartikel Ab belegt in der Gemeine Abrus ‘ die Ableitung aus dem Wasserlauf, die der Gemeinde gehört ’ (1837, Unterems). Abr ū s m. (I D . 6, 1150) bezeichnet eine ‘ abwärts gehende Strömung ’ . Komplexere Formen sind etwa den Alten Rotten Rau ᵕ ss ‘ der alte Rottenlauf ’ (1668 u. später, Brig; Akkusativ ist durch Konstruktion bedingt; 1624 latinisiert als Cursum Antiquum Rodani), der Alte Rhodanrús ‘ der alte Rottenlauf ’ (1848, Oberwald), der Neue Rhodanrus ‘ der neue Rottenlauf ’ (1842, Oberwald), der Gmein Dorff Russ ‘ die Wasserleitung zum Dorf, die der Gemeinde gehört ’ , der Chüolimatturüüs ‘ die Wasserleitung von der / zu der Chüölimatte (Wiese für die kleinen Kühe) ’ (Brigerbad) und viele andere. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita nur vor als Russ Boden ‘ der Boden mit / bei einem kleinen Wasserlauf ’ (1528, Brig) und t (e)Rüssacherlini ‘ die kleinen Äcker beim Wasserlauf ’ (Turtmann). Eine Art Koordinationskompositum findet man in die Rússaltina (1741, Termen) und die Ru ͦ ssaltinen (1665 u. später, Mund). An beiden Stellen ist wohl eine Altina (die hochgelegene? ) genannte Wasserleitung gemeint (cf. HL A LTANA ). Eine komplexere Form stellt die Ruswasserleiten ‘ die Wasserleitung mit Wasserlauf ’ (1627, Grächen) dar, wo unklar ist, ob die Wasserleitung einfach Rus heisst, oder ob der Rus eine kleinere Wasserleitung ist. Eine seltene Bildung ist das zweimal belegte Trusera (FLNK, Ernen; 1499, Grengiols). Beide Male ist eine Wasserleitung gemeint. Die Bildung scheint aus einer Ableitung auf / - ERA / für Wasserleitungen und einem agglutinierten Artikel zu bestehen: t Rus+era, also die Wasserleitung Rus, wobei offenbar Rus ein Appellativ für einen Wasserlauf ist; Trusera ist dann die Wasserleitung, die aus einem Wasserlauf stammt. Ruviners (FaN) Ruviners (FaN) ist nur 1500 in Leuk als sub aqueductu des Ruviners belegt. Ruviners ist laut AAWB (299) der in Leuk erstmals 1358 mit Peter Ruviners beurkundete FaN Zen Ruffinen. Gemeint ist also die Wasserleitung der Familie Zen Ruffinen, hier allerdings wohl noch in romanischer Form. Ruy Ruy ist nur einmal historisch 1856 in Bürchen als au ᵕ f dem sog. Ruÿ bei Zenhäusern belegt. G ATTLEN (2007, 70 ff.) kennt zwar den Weiler Zenhäusern, nicht aber Ruÿ. Die Lesung ist im Übrigen unsicher; eine Deutung nicht möglich. Rymsteyn (FaN) Rymsteyn (FaN) ist nur 1344 in Mund als Rymsteyns Bodmen ‘ der Boden des Rymstein (FaN) ’ belegt. An nächstliegenden ist der von I MESCH (1908, 97) erwähnte FaN Rim(e)stein, der im Wallis inzwischen erloschen ist. G REMAUD nennt Rimestein (u. a. G REMAUD 1, p. 464, Nr. 540 für Mörel; Kopie aus dem 19. Jahrhundert). Ryyitoz Ryyitoz kommt nur 1494 in Salgesch als eys Ryyitoz vor. Dort befindet sich laut Dokument ein Weinberg. Laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 250) gibt es zum Namen Aretaz eine deglutinierte Form Reta, auch Ritta ‘ Crête de montagnes ’ . Das bestätigt G PSR (1, 597 s. v. Arête). Der Plural im Beleg aus Salgesch ist häufig; gemeint ist eine hohe Bergkrete oberhalb des Dorfes. 521 522 Ryyitoz <?page no="815"?> Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch (VSNB) Band 4: Flurnamen S - Z Herausgegeben von Iwar Werlen unter Mitarbeit von Anne-Lore Bregy, René Pfammater und Gabriele Schmid und Valentin Abgottspon, Claude Beauge, Werner Bellwald, Milda Christen, Martin Clausen, Gabriela Fuchs, Dominique Knuchel, Gisèle Pannatier und Stefan Würth sowie mit zwei Beiträgen von Philipp Kalbermatter <?page no="816"?> Umschlagabbildung: Bearbeitete Version der Abbildung „ Gemeinden des Kantons Wallis “ von Tschubby (https: / / de.wikipedia.org/ wiki/ Kanton_Wallis#/ media/ Datei: Karte_Gemeinden_des_ Kantons_Wallis_farbig_2021.png), CC BY-SA 4.0 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Das Gesamtprojekt des Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuchs wurde gefördert durch die Walliser Delegation der Loterie Romande, im Kanton Wallis durch das Erziehungsdepartement und die Dienststellen für Kultur und Hochschulwesen, die Stadtgemeinde Brig sowie anonyme Spender. Prof. em. Dr. Iwar Werlen Wangenhubelstrasse 5 3173 Oberwangen bei Bern SCHWEIZ DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381116324 © 2024 · Iwar Werlen Das Werk ist eine Open Access-Publikation. Es wird unter der Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen | CC BY-SA 4.0 (https: / / creativecommons.org/ licenses/ by-sa/ 4.0/ ) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, solange Sie die/ den ursprünglichen Autor/ innen und die Quelle ordentlich nennen, einen Link zur Creative Commons-Lizenz anfügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Werk enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der am Material vermerkten Legende nichts anderes ergibt. In diesen Fällen ist für die oben genannten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISBN 978-3-381-11631-7 (Print) ISBN 978-3-381-11632-4 (ePDF) ISBN 978-3-381-11633-1 (ePub) Bestellbar im Bundle mit den Bänden 1 bis 4 unter ISBN 978-3-381-10831-2 <?page no="817"?> Inhalt S . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 T . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 U . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 449 V . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 463 W . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 485 X . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 589 Y . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 591 Z . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 593 Verbunden mit dieser Publikation ist eine Datenbank der einzelnen Orts- und Flurnamen. Zusätzlich sind darin die folgenden Informationen hinterlegt: Gemeinde, Kennzahl, Umschrift des jeweiligen Namens, Kartenangaben, geographische Höhe und geographische Länge und Breite, Hauptlemma und Lemma, zusätzliche Angaben; dazu kommen geographische Lage und Höhe, Beschreibung, lebende Belege und historische Angaben mit der Jahreszahl und einem Zitat mit den historischen Belegen der Namen. Das alles ist natürlich nur vorhanden, wenn die Namen lebend sind; wenn nur historische Belege vorhanden sind, werden nur sie dargestellt. Die Installations- und Systemdateien für die Datenbank können Sie unter diesem Link herunterladen: https: / / files.narr.digital/ 9783381108312/ Datenbank.zip. <?page no="819"?> S Saaga Saaga f. ‘ Sägerei ’ ist zu schwdt. Sage n , Säge n ; Sagi, Sägi, wdt. Saaga, Saagä (Goms), Saagu f. ‘ Säge ’ (I D . 7, 423 ff.; G RICHTING 1998, 166) zu stellen. In den Flurnamen ist meist eine mit Wasser betriebene Sägerei gemeint, nicht primär das Werkzeug. Das HL kommt insgesamt in rund 80 Namen vor. Am häufigsten ist ein Simplex im Singular mit der Präposition zer ‘ zur, bei der ’ oder einer andern Präposition wie bi ‘ bei ’ , üf ‘ auf ’ und den Kombinationen unner der ‘ unter der ’ , hinner der ‘ hinter der ’ . Die Formen sind t Saaga (Ernen, Mund, St. Niklaus), t Saage (Blitzingen, Ergisch (1853), Münster, Oberwald, Reckingen), t Saagu (Albinen (auch Mathieu 2006, 13), Gampel, Leuk, Saas-Balen, Saas-Grund, Staldenried, Varen, Visperterminen), zer Saagun (Blatten, Kippel), Saga (FLNK, Unterbäch), Sage (Obergesteln, bÿ / vnder der Sagen (1620 u. später, Selkingen), bei der Sagen (1683, Biel), hinder der Saagen (1603, Obergesteln), vnder der Saagen (1604, Münster), unter der Sagen (1786, Obergesteln; 1778, Raron), zer Saagen (1794, Salgesch), zer Sagen (1565 u. später, Baltschieder), zer Sagu ᵕ n (1412 Brig), zer Sagun (1390, Glis), zúr Saagen (1709 u. später, Leuk) iuxta der Sagu ᵕ n (1580, Visp), bei der Säge (1803 u. später, Raron). Diminutiv im Singular sind selten: im Saagerli ‘ im Gebiet der kleinen Sägerei ’ (1761, Naters) und ts Saagi ‘ die kleine Sägerei ’ (Zwischbergen). Attributive Adjektive finden sich zum HL primär in der Konstruktion t Alti Saagu und Varianten (Binn, Oberems, Randa, Salgesch, Ulrichen). Eine erweiterte Form ist der Alt Saaguwald ‘ der Wald bei der alten Sägerei ’ (Oberems). Ein vorangestellter Genitiv ist in ts Pfammatisch Saagu ‘ die Sägerei der Familie Pfammatter ’ (Oberems) bezeugt; die Form entspricht der üblichen Verkürzung des FaN zu Pfammatti mit der Endung des Genitiv Singular. Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Acher, Bach, Bodu, Cheer, Gufer, Hüs, Kapälla, Matta, Sand, Schiir, Schleif, Straas, Tole, Wäg, Wald, Wier und Wuer verbunden. Komplexer ist Ober Sagematte (Saas-Fee). Unklar sind zwei Belege mit Sägu: Säguacher (FLNK, Albinen) und t Sägutola (Naters). Das HL Saaga erscheint im Wallis sonst nie mit Umlaut und kurzem Vokal; es stellt sich hier die Frage, ob ein sonst nicht belegtes Sägu ‘ Segen ’ (I D . 7, 444; G RICHTING 1998, 166, mit Varianten) anzusetzen ist; die beiden Belege könnten z. B. bei einer Segens-Prozession eine Rolle gespielt haben. Eine Ableitung auf - ERA ist in Ober und Unner Saagera (Grächen) belegt; es handelt sich um eine Ableitung von Verben (S ONDEREGGER 1958, 551) als Stellenbezeichnungen, hier als ‘ wo gesägt wurde ’ . Säältina Der heute Säältina genannte Bach zwischen Brig und Glis heisst erst nach dem Zusammenfluss von Ganterbach, Taferna und Nesselbach so. Die ältesten Belege sind: 1279 Saltenna (Glis), 1331 Saltena (Glis, Brig), 1335 de Saltenon (Glis), 1336 de Saltennon (Glis), 1349 Saltana (Glis), 1383 super Saltanam (Glis). Es gibt Saltana auch in Steg, aber nur historisch belegt, 1299 als apud Saltanon, 1303 apud Saltanum, 1306 apud Saltana, 1310 Saltanmatta … apud Saltanun. J ACCARD (1906, 413) führt den Bachnamen in Brig-Glis auf lat. SALTARE ‘ springen ’ zurück und lehnt eine Ableitung von SALICE ( M ) ‘ Weide ’ (nach S TUDER 1896) ab. Die ältesten Belege zeigen ein Suffix vom Typ - EN ( N ) A , in Steg - ANA . Letzteres scheint eine latinisierte Ableitung zu sein; die Weiterentwicklung zu Säältina in Brig-Glis (mit Umlaut und gehobenem / i/ ) lässt vermuten, dass die Form Saltena als Ausgangspunkt für den Bachnamen diente und nicht direkt die Form Saltana. In Steg ist anzunehmen, dass kein Bachname vorliegt, sondern das Gut eines Weibels (frz. sautier > lat. SALTUARIUS ‘ Waldhüter ’ zu lat. saltus ‘ Wald ’ , FEW 11, 122 f.) gemeint ist; dafür hat I D . (7, 871 s. v. Saltner/ Salter ‘ Alpvogt ’ ) noch Belege aus dem Oberwallis. Dieses Saltliegt wohl auch vor im historischen Beleg von 1454 (Raron) Feudum Salten ‘ das Lehen des Salten (Weibel) ’ und in der Salten ‘ (wohl) in der (Siedlung des) Salten (Weibels) ’ (1890, Täsch) - dies ist jedoch unsicher. Ein Beleg von 1300 apud Saltanum (Lalden) meint wohl den gleichen Namen wie Saltana in Steg. Alle übrigen Belege beziehen sich auf den Bach zwischen Brig und Glis und seine Umgebung. Das Simplex t Säältina (Brig), t Sältina (Glis) - die Länge des Vokals hängt von der Gliederung nach vermuteter Morphemgrenze Säält#ina vs. Silbengrenze Säl%tina ab - ist historisch als Saltanam (1674), resp. Saltine (1842) für Ried- Brig belegt. In den andern Belegen ist Säältina ein Bestimmungwort oder ein Genitiv, wie in uf der Säältinubrigga ‘ auf der Brücke über die Saltina ’ (Brig), das 1 2 Säältina <?page no="820"?> historisch als vltra pontem Salthane (1580), resp. trans pontem Seltina ‘ (1680) für Glis belegt ist. Ebenfalls in Glis sind 1714 supra Barreriam Saltana ’ ‘ oberhalb der Saltina- Wehr ’ , 1844 in dem Saltinen Kinn ‘ in der Schlucht der Saltina ’ und 1792 antiquum alveum Saltanae ‘ das alte Bett der Saltina ’ belegt. t Sältinuschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung der Saltina ’ (Glis) ist im südlichen Teil eine tiefe Schlucht, im nördlichen läuft sie in ein etwas breiteres Tal aus. In einigen Belegen ist das Lemma zu Salten oder Salti gekürzt, so in Saltenwasserleita (1388, Ried-Brig) und Salti-Sand ‘ das Sandgebiet der Saltina ’ (1795 (ca.), Brig). Das schon zitierte Feudum Salten ‘ Salten-Lehen ’ (1454, Raron) weist zwar die gleiche Form auf, ist aber wohl, wie ausgeführt, auf Salt- ‘ Weibel ’ zurückzuführen. Saarbu Saarbu ist nur belegt in t Saarbuachra ‘ die Äcker mit den Pappeln ’ (Eggerberg, EK Sarbucachra). Saarbu ist wohl eine Kurzform zu Sar-baum ‘ Pappel ’ (I D . 4, 1245); der Baum heisst sonst im Oberwallis Sarbach (cf. HL S AR ). Welche Pappelart genau gemeint ist (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 426 ff.), ist unklar: die Höhe über Meer spricht für eine Zitterpappel (P OPULUS TREMULA ). Saas Saas ist zunächst der Name des Saastales; die vier Gemeinden Almagell, Balen, Fee und Grund erhalten das Präfix erst nach der Trennung der Grossgemeinde Saas 1392. Die Namen im ältesten erhaltenen Dokument, einem Friedensschluss von 1291 (bei G REMAUD 2, Nr. 1021, ist ein Vidimus von 1311 abgedruckt), sind - der Reihe nach - de valle Solxa, vallis Solxe [Genitiv], vallis Salxe [Genitiv], vallis Salxe [Genitiv], de valle Solxa, de valle Solxa, vallis Solxe [Genitiv], de val de Soxa, de val Seyxa, de valle Solxa. (Bei G REMAUD sind nicht alle Teile abgedruckt). Der Notar V IRGILIUS VON D OMO ( DOSSOLA ) stammte aus der Diözese Novara, der Notar des Vidimus J OHANNOD D 'A UBOREYNGES aus Vevey (nach G REMAUD 2, 420). P H . K ALBERMATTER (p. c.) hat anhand eines Faksimiles der Dokumente in Z ANZI / R IZZI (1999) die Lesungen überprüft und kommt zu den oben erwähnten Belegen. Saorh in K RISTOL ET AL . (2005, 776) ist eine falsche Schreibung. Die Belege von 1291, die M. S EEBERGER notiert hat, sind nicht vollständig. Der Notar aus Domodossola notiert den Namen latinisiert (das zeigen Formen des Genitivs wie Solxe), schreibt meistens das vokalisierte / l/ als {l}, schreibt den Diphthong / au/ meist als {o}. Zweimal ersetzt er {o} durch {a} und einmal erscheint die seltsame Form Seyxa statt Solxa; wieweit hier der Notar des Vidimus eingegriffen hat, ist unklar. Da die sonst belegte Hauptform Sausa ist, dürften die frühesten Belege Umdeutungen des Notars von Domodossola darstellen. Die ältesten Belege sind oben erwähnt; in historischen Dokumenten aus dem Wallis ist die vorherrschende Form Sausa. Die heutige Form Saas kommt 1569 als Sass vor, ebenso 1570, 1626 als Saass, 1631 als Sas. Das zugrunde liegende romanische Wort enthält sicher ein / l/ , das vokalisiert wurde; die Schreibweise Solxa (1291) enthält wie erwähnt noch Reflexe des vokalisierten / l/ und eine Wiedergabe eines romanischen / al/ -> / ol/ , das später als / au/ erscheint. Als frühesten Zeitpunkt für eine solche L -Vokalisierung gibt R HEINFELDER ( 4 1968, 235) das 7. Jahrhundert an. Auch wenn im Wallis diese Entwicklung später stattgefunden hat, ist doch im Saastal ein Ausgangspunkt / salsa/ -> / sausa/ -> / sosa/ anzunehmen, wobei hier / s/ unsicher ist, wie die Belege um 1300 zeigen; vermutlich lag eine Art Affrikate vor. J ACCARD (1906, 401) führt Saas auf ein spätlat. *sauica (zu lat. SALICETA ‘ Weidengebüsch ’ , aus lat. SALIX , SALICEM ‘ Weide ’ ) zurück; allerdings kann sich laut K RISTOL ET AL . (2005, 776) spätlat. *salic ē ta (frz. saussaie) unmöglich zu einer Form wie *saucia entwickeln. G UEX (1938, 363), R ÜBEL (1950, 133) und Z INSLI (1965, 338) stellen den Namen direkt zu lat. SALICEM ‘ Weide ’ . Auch diese Herleitung ist laut K RISTOL ET AL . (2005, 776) nicht überzeugend: Zum Zeitpunkt der Germanisierung des Saasertals müsse für die Entwicklung des lat. -cvor -esehr wahrscheinlich eine affrizierte Lautung [dz] angenommen werden. Jedenfalls seien die mit -sgeschriebenen Formen aus dem 13. Jh. auf dieser Grundlage nicht zu erklären. Zudem können die gut belegten Formen vom Typ Solxa, Sausa (mit Schluss-a) nicht auf salicem zurückgehen. K RISTOL ET AL . (2005, 776) erwägen, den Namen zu lat. salsus, salsa ‘ salzhaltig, gesalzen ’ zu stellen. Die fem. Form von Salsa ( ‘ saures oder salziges Wasser ’ ) wäre in diesem Fall der ursprüngliche Name der Saaser Vispa, der auf das Tal und später die Gemeinden übertragen worden wäre. Die dt. Form Saas muss in jedem Fall nach einer Vokalisierung von / l/ , aber vor einer Entwicklung von / au/ zu / o: / gebildet worden sein. Das / s/ am Schluss der dt. Form deutet auf ein altes / s/ hin; die Hypothese von K RISTOL ET AL . (2005, 776) ist deswegen vorzuziehen. Von den schon genannten vier Gemeinden ist Saas- Balen nur als Balu erfasst, auch wenn auf LT Saas-Balen steht. Saas Almagell Dörfli ‘ das kleine Dorf von Saas Almagell ’ (LT, Saas-Almagell) ist eine Kombination von Dörfli und Saas-Almagell, die so nicht auf der Karte steht; es handelt sich um einen Dorfteil von Saas-Almagell. Das it. Cresta di Saas ‘ die Cresta di Saas ’ (FLNK u. LT, Saas- Saarbu 3 4 <?page no="821"?> Almagell) benennt einen Felszug auf italienischer Seite, der aus italienischer Sicht einen Felsrücken zum Saastal meint. Saastal (LT, u. a. in Saas-Almagell) bezieht sich auf das Tal der Saaser Vispe von Saas-Almagell bis Stalden. Das Adjektiv Saaser, auch ein alter Genitiv ‘ der Leute von Saas ’ (S ONDEREGGER 1958, 526 ff.), ist belegt in Saaserberg (1787, Saas-Grund), Saaser Vischpa ‘ die Saaser Vispe (Fluss durch das Saastal) ’ (FLNK, Eisten; FLNK u. LT, Stalden, SK Saaservisp; FLNK, Staldenried). Unklar ist in Sasers Boden ‘ im Boden des Saaser ’ (1554, Törbel), in Saasers Boden ‘ im Boden des Saaser ’ (1751, Bürchen), wo wohl ein Einwohner von Saas oder jemand mit dem FaN Saaser gemeint ist (cf. HL S AASER (F A N)). Komposita mit Saaser sind: Saaservispa (LT, Saas-Almagell; FLNK Saaser Vischpa, SK Saaser Visp), Saaser Vispa (LT, Saas Grund; FNLK Saaser Vischpu), únter dem Saaserweg ‘ unter dem Weg der Leute von Saas ’ (1803, Eisten; früherer Beleg von 1584 als stratam (tendentem) in vallem Sausa ’ ‘ der Weg, der ins Saasertal führt ’ u. später), Saaserwäg ‘ der Weg entlang der Saaser Vispe ’ (FLNK, Stalden). Das komplexere der Alt Saaserwäg ‘ der alte Weg ins Saastal ’ (Stalden) benennt heute die Überreste eines alten Fussweges in das Saasertal (auf SK als Weg noch deutlich erkennbar). Anders zu verstehen sind offenbar t Saasermüüra ‘ die Saaser Mauer (laut Gwp. von Maurern aus dem Saastal erstellte Wehrmauer gegen den Rotten) ’ (Naters), t Saasimüüra ‘ die (gesetzte? ) Mauer ’ (Baltschieder; EK Saasi Müra, FLNK Saasimüra). In beiden Fällen ist die Deutung von Saaser / Saasi als ‘ Maurer aus dem Saastal ’ unsicher; es wird wiedergegeben, was in den Daten steht. Vermutlich ist in beiden Fällen eine gesetzte Mauer gemeint. Saaser (FaN) Saaser (FaN) kommt nur 1743 in Eggerberg als in Saasero Achren ‘ die Äcker der Familie Saaser ’ vor. Saasero ist ein Genitiv Plural, der entweder Einwohner des Saastales oder den FaN Saaser meinen kann. In der Datenbank des VSNB ist 1751 in Bürchen Saasers Boden belegt; es dürfte sich um den gleichen Fall handeln. Das F AMILIENNAMEN- BUCH DER S CHWEIZ (3) kennt keine FaN Saaser. Das Register zu den HRBS führt aber den FaN Saaser mehrfach auf. Gemeint sein kann aber auch eine Herkunftsform ( ‘ aus dem Saastal ’ ). Saass Saass f. ist zu schwdt. S ā ss, S ā sse(n) f. ‘ Einschnitt in den Erdboden, den man beim Bauen eines Hauses macht, um festen Grund für die Mauern zu haben (WLö) ’ , mhd. s ā sse f. ‘ Sitz, Wohnsitz, Versteck, Lauer ’ (I D . 7, 1371) zu stellen. URNB (3, 13) zitiert zwar diese Stelle, nimmt aber als Bedeutung ‘ Alp(sitz) ’ , ‘ Mulde ’ an. In Blatten kommt der Typ Sässen m. vor, meistens im Plural. Das maskuline Genus findet sich sonst nur in S ā ss ‘ Bewohner ’ (I D . 7, 1345), was hier nicht gemeint sein kann. Es kann sich um eine Rekonstruktion aus dem Plural Sässen ‘ Alpsitze ’ handeln. Die Bedeutung ‘ Alpsitz, Alpstufe ’ findet sich auch in schwdt. Vor-S ā ss, S ā sse(n) f. ‘ die unterste der zwei oder drei Alpstufen ’ (I D . 7, 1371) und schwdt. Sëss n. ‘ Hauptsitz in den Alpen, d. h. dort wo das Obdach für Menschen und Vieh ist ’ , ‘ verhältnismässig ebener, plateau- oder kesselartiger Teil einer Alpweide (im Ggs. zu den steilen Planggen), Alpstufe, -station (die Alp ist häufig in zwei oder mehrere Stationen eingeteilt, die abwechselnd benutzt werden); gedüngter Grasplatz um die Alphütte ’ , amhd. sëss n. m. (I D . 7, 1381). Die geografische Verteilung der Namen ist ziemlich klar: der Typ Saass ‘ Alpgebiet ’ findet sich fast nur im Goms und zwar in Oberwald, Reckingen und Ulrichen. Da der Typ laut URNB (3, 13) auch im angrenzenden Kanton Uri vorkommt, liegt ein regionaler Zusammenhang um den Gotthard herum vor (L ÖTSCHER 1983, 169 f.). In Simplon kommt in drei Namen t Hosaas ‘ die hohe Alpe ’ vor; der gleiche Typ ist jünger auch in Saas-Grund belegt. Der Typ Vorsass / Vorsess ‘ Voralpe ’ wird bei R ÜBEL (1950, 81) nur für das Lötschental erwähnt; in unseren Daten kommt es historisch auch in Goppisberg, Mühlebach, Münster und Turtmann, lebend in Blatten, Ergisch und Oberems vor. Nur in Randa finden sich ts Chlei und ts Gross Saas vor. Das Neutrum ist sonst nicht belegt; die Motivation der Namen ist sehr unsicher, da die beiden Namen im Bergsturzgebiet lokalisiert sind. Die SK zeigt an der Stelle steile Felsen; Näheres lässt sich nicht erkennen. Es gibt aber in der gleichen Gemeinde t Saasse mit der Beschreibung ‘ Grasterrassen, Steine, zwischen Felsen ’ . Das in Täsch erwähnte t Saasjini wird von Gwp. als ‘ stufenförmige Böden ’ genannt und gehört wohl zum gleichen Typ wie der Name in Randa; es ist als Diminutiv zum HL S AASS zu stellen und hat nichts mit dem Talnamen Saas zu tun. Mehrfach findet sich das Kompositum der Sasstei (Reckingen), Sasstein (1659, Betten), vff die Alten Sassteina (1666, Ried-Mörel), auff die Saas Steina (1691, Ried- Mörel) vnder den Sasssteinen (1560, Täsch) vor. Es muss sich um grössere Felsblöcke oder Steine auf einer Saass - einer Alpe - handeln. Ganz unsicher ist ein historischer Beleg Zen Zassen (1424, Baltschieder, Eggerberg), der in Baltschieder 1437 Zem Zassen genannt wird. Das Genus spricht für einen Zusammenhang mit Sässen (Blatten), wobei das anlautende / z/ wohl ursprünglich aus dem assimilierten Artikel des Plurals stammt. 5 6 Saass <?page no="822"?> Neben den Simplizia, resp. den Komposita Vorsass und Hosaas kommt Saass als Grundwort vor in Gletschersaas ‘ die Alpe beim Gletscher ’ (Oberwald), di Tschafilvorsass ‘ die Voralpe beim Tschafil ’ (Ergisch) und di Boortervorsaas ‘ die Voralpe der Familie Borter ’ (Oberems). Neben dem Simplex Sässen sind belegt die Komposita t Seesässen ‘ die Alpe beim See ’ (Blatten), t Oigschtchummusässen ‘ die Alpe bei der Augstkumme (Mulde, die erst im August bestossen wird) ’ (Blatten). Eine Ableitung auf - ERRI hat Hosaasserrÿ ‘ die Wasserleite zur Hosaas ’ (Simplon). Attributive Adjektive weisen auf t Ober Saas und t Unner Saas (beide Oberwald), ts Chlei Saas und ts Gross Saas (beide Randa), t Indru und t Uistru Sässen (Blatten), sowie dr Ober und dr Under Sässen (Blatten). Zu den Seesässen gibt es ebenfalls dr Ober und dr Under Seesässen (Blatten). Bildungen mit Saass und seinen Varianten als Bestimmungswort sind folgende Namen: t Forsaasfärricha ‘ die Pferche auf der Voralpe ’ (Blatten), t Forsassuän ‘ die Wasserleite zur Voralpe ’ (Blatten), der Hosaasstutz ‘ der Anstieg zum Hosaas ’ (Simplon) und - komplexer - ts Vorsastagfäld ‘ das Tagfeld der Alpe ’ (Oberems, es handelt sich um eine Alpe auf ca. 2300 m). Zu Saass selbst gibt es Bach, Egga, Gletscher, Grabe, Hore, Lamma, Licka, Pass, Stafel, Tal, Stei und Wang. Eine seltsame Bildung eines Adjektivs Saasig kommt nur in St. Niklaus vor als ts Saasig Brunnji ‘ die kleine, saasige Quelle ’ , der Saasig Tossu ‘ der saasige Fels ’ , Saasigstei ‘ der saasige Stein ’ (FLNK). Die drei Fluren befinden sich an drei verschiedenen Orten und können nicht zum Talnamen Saas gestellt werden; St. Niklaus befindet sich im Tal der Matter Vispe und ist durch hohe Berge von der Saaser Vispe getrennt. Das Adjektiv ist sonst nicht belegt; wir geben es daher als ‘ saasig ’ wieder. Nicht hieher gehören die Namen der Gemeinden Saas Almagell, Saas Balen, Saas Fee und Saas Grund, des Saastals und der Saaser Vispe (cf. HL S AAS ). Sabbione Sabbione kommt als Plural Sabbioni nur in Passo dei Sabbioni (LT, Oberwald; FLNK Passo del Sabbioni) vor. Gemeint ist hier das im Kanton Tessin liegende Geröllgebiet. Vgl. P ETRINI (1993, 119 s. v. sabbione ‘ ghiaia (Kies, Geröll) ’ ) und D EVOTO / O LI (2020, 1925 s. v. sabbia ‘ Kies, Geröll ’ ). Der Singular erscheint als Punta del Sabbione ‘ Geröllspitze ’ (dt. Hohsandhorn) in Binn. Sabonet Sabonet ist in Albinen (FLNK) belegt; M ATHIEU (2006, 13) kennt es als Zabonet, das auch für Inden (cf. HL T SCHA- BONET ) belegt ist. Die beiden Fluren sind nicht identisch. Die historischen Belege in Albinen sind sehr unterschiedlich; vermutlich gehören sie nicht alle zu diesem HL. Der älteste Beleg von 1363 hat ou saruaio. 1648 ist ‘ E sauana ’ belegt, 1650 Eÿ Sawane, 1691 in die Sauanirÿ, 1708 Ey Sawonete, 1783 in Savonete. Es handelt sich um ein Diminutiv auf lat. - ITTA , entweder zum lat. SABUCUS ‘ Holunder ’ (FEW 11, 6; M EYER 1914, 105), also etwa ‘ das kleine Gebiet mit Holunder ’ , oder zu lat. ( JUNIPERUS ) SABINA ‘ der Sefistrauch ’ (FEW 11, 5), also etwa ‘ das kleine Gebiet mit Sefisträuchern ’ zu stellen. Die belegte Form mit / o/ deutet eher auf die erste Möglichkeit, die historische mit / a/ auf die zweite. In den historischen Belegen nach 1600 ist / n/ gut belegt, was besser zur zweiten Möglichkeit passt, die insgesamt wohl wahrscheinlicher ist. Die Entsprechung von / w/ durch / b/ (z. B. Nib statt Niw ‘ neu ’ ) ist in Albinen gut belegt. Sack Sack m., Pl. Seck ist zu schwdt. Sack m., Pl. Seck und wdt. Sakk, Sekk, Säkk wie nhd. ‘ Sack ’ , ahd. sach, mhd. secchi (I D . 7, 604 ff., bes. 617 f.; G RICHTING 1998, 167) zu stellen. In FlN ‘ sackförmige Geländevertiefung; Geländeerhebung ’ (TGNB 2, 2, 477 f.; URNB 3, 1 ff.). Die rund 30 Namen kommen im ganzen Oberwallis vor. Als Simplizia im Singular sind belegt der Sack (Reckingen und fünf weitere Gemeinden), im Sack (FLNK, Bratsch (hier Dorfteil); Bellwald; Hohtenn), Sack (FLNK, Gluringen), am Sack (1532, Fieschertal), im Sack (1693 u. später, Törbel; 1304 jn dien Sekken; 1307 jn dem Sekke) und der Sagg (Blatten, Mund; ev. Transkriptionsfehler). Simplizia im Plural sind t Seck (Münster, Naters, Ried- Brig, Saas-Almagell), Seck (FLNK u. LT, Termen). Vermutlich das Präfix F IR -/ V OR ist in Z'Versack ‘ im vorderen Teil des Sack (sackförmige Geländevertiefung) ’ (1691, Fieschertal) vorhanden. Attributive Adjektive in zweigliedrigen Konstruktionen sind: t Foodru Seck ‘ die vorderen Säcke ’ (Gampel), der Hinner Sack ‘ der hintere Sack ’ (Bellwald, Randa), t Indru Seck ‘ die inneren Säcke ’ (Gampel), der Voder Sack ‘ der vordere Sack ’ (Bellwald), der Vooder Sack ‘ der vordere Sack ’ (Randa). Die Bemerkung ‘ sackförmige Geländevertiefung ’ wurde hier weggelassen; manchmal handelt es sich um Grasbänder in den Felsen. Das Grundwort ist nur in der Miltsack (Oberwald) vertreten; dazu kommt der Miltsackgrabe ‘ der Graben beim Miltsack ’ . Zu vermuten ist, dass hier nicht das Adjektiv mild belegt ist, sondern entrundetes Mühlmit eingeschobenem t, also ‘ Mühlsack ’ , dem die Flur gleicht. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Blatta, Egg(a), Grabu, Hooru und Rufina. Gemeint sind dabei meist naheliegende Fluren mit dem HL S ACK . Sabbione 7 8 <?page no="823"?> Saflisch Saflisch ist der Name eines Passes, der vom Rosswald (Ried-Brig, Termen) nach Heiligkreuz (Binntal) führt und ein Namennest bildet, das die Gemeinden Binn, Ernen, Grengiols, Ried-Mörel (wohl allgemein für Östlich-Raron) und Termen betrifft. Die ältesten Belege sind Safenes (1297, Ried-Mörel), Safnes (1390, Binn), Safness (1293, Grengiols), Saffnesch (1531, Ernen). Die Formen vom Typ Saflisch sind klar jünger. Auszugehen ist vom Typ Safenes, wobei das auslautende / s/ wohl romanisch ist. Das Wort ist zu lat. (juniperus) sabina, wdt. Sefina ‘ Sade-, Sevebaum ’ (I D . 7, 341) zu stellen, vgl. auch B RIDEL (1866, 346 s. v. savena), FEW (11, 5 s. v. SAB Ī NA ‘ Sadebaum ’ ) und die Deutung von Safnern bei K RISTOL ET AL . (2005, 797). Die Lautform erklärt sich aus der germanischen Erstbetonung und der Übernahme mit aus dem Romanischen mit erhaltenem / a/ , während der Pflanzenname Sefina jünger ist. Der Strauch ist laut L AUBER / W AGNER / G YGAX (2014, 92) im Oberwallis kollin-subalpin bis alpin belegt. Vermutlich liegt der Ursprung des Namens auf der Alpe Safnes in Grengiols / Binntal. Neben den historischen Belegen ist Saflisch als Simplex nicht erwähnt. Ältere Formen sind: ab der Saffneschmatten (1531, Ernen) im Saffnetschgarten (1771, Binn), der lebendig als Saflischgaarte belegt ist, und die wohl verschriebene Safrischmatta (1817, Binn), die neu als Saflischmatta (Grengiols, Termen) erscheint. Die übrigen Belege weisen Saflisch als Erstglied auf: Saflischbach (Grengiols), Saflischhitta (Termen), Saflischpass (Grengiols, Termen), Saflischtal (Grengiols), Saflischwäg (Termen), Saflischwalgi ‘ der kleine Wald bei der Saflischmatta ’ (Termen). Komplexer ist bim Saflischmatterchriz ‘ beim Kreuz die der Saflischmatte ’ (Grengiols), sowie der Ober Saflischgaarte ‘ der obere Saflischgarten ’ (Grengiols). Wenn unsere Annahme stimmt, geht die Benennung von einer Alpe im Binntal aus; die Benennung im Raum Termen ist davon abgeleitet. Die Ersetzung von / n/ durch / l/ ist nicht dokumentiert. Safran Safran ‘ Safran ’ ist zu schwdt. Sáffran, Saffere(n), Saffre(n), Saffer, Saff(e)ret, m. ‘ offizineller Safran, Crocus sat., Herbst-Safran ’ (I D . 7, 333 ff.) zu stellen. In einigen Texten wird lat. crocus explizit für Safran verwendet, z. B. 1610 hortum crocinum ut vocant Saffrantgarten (Leuk). Der Pflanzenname ist bei W AGNER / L AUBER / G YGAX ( 5 2014, 1298) als Crocus sativus belegt. Der Name ist nur historisch belegt. Als Simplex kommt beÿm Saffrand (1766 u. später, Leuk) vor. Sonst ist Safran Bestimmungswort in Safran Acher (1862, Naters), Saffergarten (1679, Birgisch), Saffrantgarten (1610, Leuk), Saffrantgärten (1660 u. später, Naters), der Safrandtgarten (1716, Visp). Safran wird heute noch in Mund angebaut, doch sind in unseren Daten (VSNB) keine Flurnamen dazu überliefert. Sägesu Sägesu f. ist in der Sägesuacher ‘ der Sensen-Acker (Acker in Sensenform) ’ (Visperterminen) belegt. Zu stellen ist das HL zu schwdt. Sëgens ‘ Sense ’ und wdt. Sägessa, Seissä (Goms), Sägusa (Zermatt), Sägesu (Saastal), Sägässa (Lötschtal), Sägässu ‘ Sense ’ (I D . 7, 472 ff.; G RICHTING 1998, 166), hier aufgrund der Form des Ackers einer Sense. Sagget Sagget ist 1774 in Salgesch als in pra Sagget belegt. Ein lebendes Prissaagget (Salgesch) kommt dazu. M ATHIER (2015, 62) hat Prisaget und stellt es zu lat. PRATELLUM (ergäbe nach T AGMANN 1946, 37 Prilet) und einer idg. Wurzel *sapp- ‘ Tanne ’ mit einem - ETU -Suffix, wobei -ppzu -ggverändert wurde. Bedeutung wäre danach ‘ Wiesenplatz mit Tannen und Fichten ’ . Diese Herleitung kann die aktuellen Formen nicht erklären. Während die historisch belegte Form ein klares Pra ‘ Wiese ’ (< lat. PRATUM ) enthält, bleibt Sagget unklar. Im Fall von Prisssaagget wäre eher an Prigea ‘ eingezäuntes Stück Land ’ zu denken (T AGMANN 1946, 76), auch dann bleibt sagget (ev. auch agget) unklar; angenommen wird deswegen ein PN S AGGET , das aber so nicht belegt ist. Sägsch Sägsch ‘ sechs ’ ist nur als adjektivisches Numerale belegt in Sägschfischi ‘ das Gebiet, das sechs Fischi (Korn) ergab / das Äcker für sechs Fischi enthält ’ (FLNK, Goppisberg), t Säggsch Chännja ‘ die sechs Kännel ’ (Bitsch), Sägschudriisger Militeerwäg ‘ der Weg, der im 2. Weltkrieg vom Gebirgsbatallion 36 gebaut wurde ’ (Termen; FLNK 36er Militeerwäg), ts Säggschhiischere ‘ bei den sechs Häusern ’ (Selkingen, FLNK Säggschhiischere, LT Sächshischere) und t Säggschhiischereschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung bei den sechs Häusern ’ (Biel). Das HL ist zu schwdt. sëchs bzw. sëx und wdt. säggsch, säggschi Zahlwort ‘ sechs ’ (I D . 7, 239 f.; G RICHTING 1998, 167) zu stellen. Saifti Saifti ist nur belegt als Saiftibode ‘ der leicht gesenkte Boden ’ (FLNK, Oberwald). Saifti ist ein Nomen, das zum Adjektiv sanft gebildet wurde (I D . 7, 1168); zu stellen ist es wohl zu Sänfti (I D . 7, 1174), allerdings mit Staubschem Gesetz (n-Dehnung vor Spirans), wobei hier der Typ saift ‘ sanft ’ mit einer I -Abstraktbildung ‘ die Sanftheit ’ vorliegt, die so in I D . nicht behandelt ist. G RICHTING (1998) 9 10 Saifti <?page no="824"?> kennt das HL nicht. Wörtlich ist zu deuten ‘ der Boden mit Sanftheit ’ , warscheinlich ist der Boden, der nur wenig geneigt ist, gemeint. Saits Saits ist nur belegt in pratum de saits (1328, Inden). Die Lesung ist unsicher. M EYER (1914, 118 u. 171) nennt eine Form seytiz, die er auf lat. SECTILES (wohl: ‘ Schnitte ’ ? ) zurückführt. Mangels Kontext kann keine gesicherte Deutung gegeben werden. Salche Salche ist nur in an der Salchon Matten (1392, Goppisberg; 1469 Selchenmatta) belegt. Laut I D . (7, 844 f.) bezeichnen Alche n f. und Salche n f. eine ‘ sumpfige, aus Ton bestehende Wiese ’ bzw. ‘ Futter, das auf diesem Boden wächst ’ (I D . 7, 844 f.). Im Beleg ist wohl eine Wiese mit solchen Pflanzen gemeint. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1432) nennen dafür B ROMUS ERECTUS ‘ Aufrechte Trespe ’ und andere B ROMUS Arten. M ARZELL (1, 676) kennt B ROMUS ERECTUS dialektal für das WS nur als Alchen. Salé Salé, mit Endbetonung, ist in Zwischbergen belegt. J OR- DAN (2006, 301) kennt es und vermutet eine ital. Form zu sala ‘ Saal ’ oder sale ‘ Salz ’ . Wenn die Endbetonung stimmt, müsste eine Weiterbildung, wohl zu sale ‘ Salz ’ , angenommen werden. In LSI (4, 499) ist salée als saliera ‘ Salzbehälter ’ aufgeführt. Hierzu könnte das HL gehören, obwohl die Form nicht ganz entsprechend ist. Ob Salé zum HL Sall ‘ Gebäude ’ gehört, ist unklar; da sich dort ein zerfallenes Gebäude befindet (laut Beschreibung), könnte das HL auch hieher gestellt werden. Das HL wird auch unter dem HL S ALI aufgeführt, gehört aber ziemlich sicher nicht dazu. Saleydo Saleydo ist nur historisch belegt 1353 in Ergisch ou saleydo. Es handelt sich um eine Ableitung von lat. SAL ‘ Salz ’ ; vergleichbare Formen ist š al ę do (Lens, FEW 11, 78) ‘ Salzgabe für das Vieh ’ , wohl etwa dt. Gläck, also etwa ‘ Ort, wo man dem Vieh Salz gegeben hat ’ . Wohl identisch mit Schalido (cf. HL S CHALIDO ). Saleyr Saleyr ist nur historisch belegt 1351 in Salgesch sub closo dou saleyr. Laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 219) ist Saleire zu einer Wurzel *sal ‘ cours d'eau (Flusslauf, Bach) ’ zu stellen. Das Ableitungssuffix dürfte - ARIU ( M ) als Kollektiv sein (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288). Die Deutung wäre dann ‘ unter dem eingefriedeten Gut beim Bach ’ . Sälf Sälf kommt nur einmal als Bestimmungswort in der Sälfgalu (St. Niklaus) vor. Auf LT heisst er Säldgalen; FLNK hat Sälfgalu. Lautlich würde Sälf zu schwdt. Salbei (I D . 7, 816) passen; vergleichbare Formen wie Salfi, Selfi sind aber primär im Kanton Graubünden belegt (RN 2, 478; jedoch auch Hinweis auf SILVA ‘ Wald ’ ). Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 858) ist am ehesten S ALVIA PRATENSIS (Wiesensalbei) möglich; die Pflanze müsste aber wohl tiefer vorkommen. Das alternative Säld würde als Flurname zu Seld ‘ Haus, Herberge ’ (I D . 7, 848) zwar in Frage kommen; im betreffenden Gebiet ist aber kein Gebäude zu erkennen. Insgesamt ist ein Zusammenhang mit dem Pflanzennamen wahrscheinlicher. Salgesch Salgesch, dial. Salggesch (mit Erstbetonung), frz. Salquenen, patois Sarqueno, ist der Name der westlichsten Gemeinde des Oberwallis an der Sprachgrenze zum Mittelwallis. Die ältesten Belege sind 1075 - 1125: in Salconio, 1225 (ca.): (A)pud Salquenun, 1225 (ca.), 1238 ff.: de Salqueno, 1287: de Sarqueno, 12? ? : de Saquenu, 1309: de Salqueno, 1333: de Sarqueno usw., 1423: apud Sarquinum, de Sarquino, 1428: apud Sarquenoz; 1483 Salquini (lat. Genitiv konstruktionsbedingt). 1590 erscheint erstmals die heutige dt. Form Salgesch. Der frühe Wechsel von / l/ und / r/ findet sich auch sonst (cf. HL A LBINEN und balma vs. barma). Der Wechsel von / c/ und / qu/ ist primär grafisch, wird aber von K RISTOL ET AL . (2005, 787) als Zeichen eines ursprünglichen Kompositums gedeutet. Die Gemeinde ist zunächst romanisch und wird erst im 16. und 17. Jahrhundert zweisprachig, danach primär deutsch. Bisherige Deutungen führen den Namen auf lat. salicetum ‘ Weidengehölz ’ (G ATSCHET 1867, 80; G UEX 1938, 363) bzw. die romanischen Namenformen vom Typ Salquenen (und den Erstbeleg Salconio) auf eine deutsche Form Salchen ebenfalls mit der Bed. ‘ Weidengehölz ’ , zu ahd. salaha ‘ Salweide ’ (J ACCARD 1906, 413) oder lat. saliconem ‘ kleine Weide ’ (G UEX 1938, 363) zurück. R ÜBEL (1950, 132) deutet den Namen aufgrund eines Hinweises von H UBSCHMIED als kelt. *salikonios ‘ die Leute beim Weidengebüsch ’ . In der bisherigen Forschung werden diese Deutungsansätze regelmässig zitiert (O ETTLI 1945, 72; W ERLEN 1991, 251; M ATHIER 1996, 28 f. u. 2015, 20 ff.; B ESSE 1997, 252). M URET (1907, 152) und K RISTOL ET AL . (2005, 787) weisen sie aber wie folgt zurück; eine deutschsprachige Deutung sei äusserst ungewöhnlich und sprachlich nicht plausibel. K RISTOL ET AL . (2005, 787) führen weiter aus, Salgesch/ Salquenen sei erst im 16. Jh. Saits 11 12 <?page no="825"?> germanisiert worden (Z IMMERLI 3, 57; W ERLEN 1991, 251), daher sei für die Deutung des Namens sicher von einer lat./ rom. Grundlage auszugehen, doch finden die Autoren keine sichere Grundlage. K RISTOL ET AL . (2005, 787) denken darum an eine Bildung aus kelt. salico ‘ Weide ’ (urverwandt mit lat. salix, cf. D ELAMARRE 2001, 225) und dem vermutlich kelt. Stamm venn- (spätlat. venna ‘ Fischreuse, Weidegeflecht ’ , cf. Tavannes BE). In der modernfrz. Form Salquenen beruhe das -lauf einer Beeinflussung durch die deutsche Form Salgesch. Weiter wird erklärt, die Entwicklung von Salquénno zu Sálgesch sei weitgehend regelmässig und weise auf eine frühe Entlehnung der romanischen Form ins Deutsche hin (seit dem 9. Jh.): (1) Verlegung des Haupttons auf die erste Silbe; Schwund des Auslautvokals. (2) Entlehnung des romanischen k als g (cf. Gampel). (3) Analogische Anfügung eines -s als Endkonsonant (S CHMID 1952, 21 f., cf. Klosters GR; Coters GR) und Wandel des auslautenden -s zu -sch (K RISTOL ET AL . 2005, 787). Neben dem Gemeindenamen ist 1822 die Monta Sarqueni ‘ der Stutz (Abhang) von Salgesch ’ (mit lateinischem Genitiv des Ortsnamens), den M ATHIER (2015, 69 ff.) als Munta kennt (cf. HL M UNTA ), belegt. Nur Latein hat 1490 jpsarum alpium de Sarqueno ‘ der Alpen von Salgesch (Genitiv Plural in alpium bedingt durch Konstruktion) ’ . 1602 ist ‘ Chapella ’ Sarqueni ‘ die Kapelle von Salgesch ’ (mit lat. Genitiv des Ortsnamens) bezeugt. Zwei Belege beziehen sich auf die Leute von Salgesch: 1640 ad insulam Sarquenensium ‘ bei der Aue der Leute von Salgesch ’ und 1721 a Sarquenensium Torente ‘ vom Salgesch-Bach ’ . Zwei weitere Belege enthalten das HL als Bestimmungswort: beÿm Salgesch Stútz ‘ beim steilen Weg in / nach Salgesch ’ (1783) und Salgescher Wasserfuhr ‘ die Wasserleitung von Salgesch ’ (1927), wobei hier die Gemeinde, wie ihre Bewohner gemeint sein können (S ON- DEREGGER 1958, 526 ff., ursprünglicher Genitiv Plural auf - ER als indeklinables attributives Adjektiv). Alle aufgeführten Belege beziehen sich auf Salgesch. Eine genaue Deutung ist nicht möglich. Sali (PN) Sali (PN) ist vermutlich ein Kurzname im Beleg Salis Brÿggelti ‘ die kleine Brücke des Sali ’ (1712, Münster; 1712 Oberwald). I D . (7, 693) stellt den Kurznamen zu Salomon. Nicht ganz auszuschliessen ist, dass ein Flurname Sali (cf. HL S ALI ) vorliegt, doch ist das eher unwahrscheinlich. Die beiden historischen Belege befinden sich an zwei verschiedenen Orten, beziehen sich aber wohl auf das gleiche Brücklein. Denn im gleichen Pergament von 1712 ist Salis Brigeltÿ (Obergesteln, Oberwald) ein zweites Mal belegt, hier dem Flurnamen Züreten Studen zugeordnet. In Münster findet sich zum Graúwen Stein ‘ zum grauen Stein ’ nicht, das im gleichen Text erwähnt wird, während Oberwald Graustei (FLNK) aufweist. Zu vermuten ist daher, dass der Beleg Oberwald betrifft, während Münster nur als Hauptort des Obergoms involviert ist. Sali Sali n., auch Saala f. gehört zu schwdt. Sale n I, S ă la f., Pl. unverändert, Dim. (o. Dim-Bed.) S ā li n. ‘ Salweide, S ALIX CAPREA ’ , ahd. salaha, mhd. salhe (I D . 7, 692; M ARZELL 4, 20 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 418 s. v. S ALIX CAPREA ) oder eine andere Weide-Art. Der Stammvokal ist im Allgemeinen lang, im Unterschied zum HL S ALL . In einigen Fällen ist jedoch nicht zu entscheiden, welches HL vorliegt. Die Simplex-Form im Singular Sali ist als ts Sali (Grengiols, Oberwald), historisch als das Sali (1677, Ried-Mörel) und - unsicher - zum Sali (1707, Saas- Grund) belegt. Historisches beÿm Salin ‘ beim Gebiet mit Salweiden ’ (1766, Ulrichen) ist ein hyperkorrekt verhochdeutschter Beleg. Die Form Sale erscheint als im Sale (1388, Täsch), jn dem Sale (1305, St. Niklaus), zem Sale (1303 u. später, Stalden) - in allen Fällen ist unklar, ob das HL S ALI oder S ALL ist. Feminines t Saala (Greich) und t Sala (Ernen) meint wohl ein Gebiet mit Salweiden. Saal (FLNK, Törbel) gehört wohl zum HL S ALL - es handelt sich um ein kleines Gebiet mit einem Gebäude. Hierzu ist wohl auch ts Säli (Törbel) zu stellen (cf. HL S ALL ). Vermutlich zu einem rom. Etymon zu stellen ist Salé (Zwischbergen, mit Zweitbetonung) auf ca. 2050 m nahe der Grenze zu Italien; bisher gibt es dafür jedoch keine Deutung. Historisches jn der Salen ‘ bei der Salweide ’ (1704 u. später, Guttet) gehört wohl hieher; unklar bleibt den Salens (1650, Visperterminen), wo von einer Wasserleitung die Rede ist. Attributive Adjektive zum HL sind: ts Ober und ts Under Salä ‘ der obere und der untere Teil von Salä (Gebiet mit Salweiden) ’ (beide Ferden) und am Vssern Sale ‘ am äusseren Gebiet mit Salweiden ’ (1309, Saas- Balen). Komplexer ist der Ober Saliwald ‘ der obere Teil des Waldes oberhalb des Sali (Gebiet mit Salweiden) ’ (Grengiols). Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Bodu, Blatta, Brunnu, Grabu, Höu, Stei, Trog, Twära, Wald, Wang, Wasser und Weid. Letzteres kommt vor als Salweide (LT, Oberems; SK, Salweid), in den Saalweiden (1869, Turtmann) und t Obru und Undru Salweide (beide Oberems). Es handelt sich um den gleichen Ort, der sich im Turtmanntal befindet. Dialektal meint Weid ‘ die Weide für das Vieh ’ , während die Pflanze Wiida oder Wiidu ‘ Weide 13 14 Sali <?page no="826"?> (Baum) ’ heisst. Salweide wären dann die Weiden (für das Vieh), auf denen Salweiden (hier wohl: Sträucher) wachsen. Komplexere Belege sind: der Salabodegrabo ‘ der Graben beim Salaboden (Boden mit Salweiden) ’ (Visperterminen) und der Salabodenzau ᵕ n ‘ der Zaun beim Salaboden (Boden mit Salweiden) ’ (1881, Visperterminen). Sälig Sälig, bzw. Selig ‘ selig ’ ist nur zweimal belegt als t Säligematte ‘ die Wiese des Selig (PN) ’ und t Seliggkeite ‘ die Seligkeiten ’ (Saas-Almagell). Im ersten Beleg liegt zunächst ein Adjektiv vor, das zu schwdt. sälig ‘ vom Glück begünstigt, gesegnet, glücklich (und weitere Bedeutungen) ’ und wdt. sälig, seelig ‘ selig, glücklich, verstorben ’ (I D . 7, 695 ff.) und der Ableitung auf - HEIT , - KEIT zu schwdt. Säligkeit ‘ Herzensgüte und weitere Bedeutungen ’ , wdt. Säligkeit, Seeligkeit ‘ Seligkeit ’ (I D . 7, 698 f.; G RICHTING 1998, 167) zu stellen. Bei näherem Zusehen kann aber die Zuordnung nicht stimmen. Der Beleg aus Betten ist 1662 als jn der Säligen Matten, 1725 in der Seligú Matten, 1769 in der Seeligi Matten, 1835 im Ort Senligen Matten, 1849 in der Seeligen Matten belegt. Statt des Adjektivs ist hier wohl ein PN oder FaN vorhanden: ‘ die Wiese des Selig (PN) ’ (F ÖRS- TEMANN 1, 1290 zu Salga, das er zu salig beatus stellt) (cf. hierzu auch TGNB 2, 2, 541 s. v. Selig, das sich auf den Besitzer eines Grundstücks beziehe; cf. HL S ELIG (F A N)). Der Beleg aus Saas-Almagell ist eine der seltenen Ableitungen auf - HEIT / - KEIT , die sonst meist Abstrakta darstellen (F LEISCHER / B ARZ 2012, 209 ff.). Gwp. meint, der Name beziehe sich darauf, dass selig (= tot) sei, wer in diese steilen Felsen hineingehe; t Seliggkeite wären dann Orte. wo jemand zu Tode kommen könne. Diese Deutung ist sonst unbekannt. Sall Sall m. ‘ Saal ’ ist zu schwdt. Sal ‘ Saal ’ , Wallis auch Sall ‘ Saal ’ , ‘ Vorratsraum ’ und wdt. Sall, Saal (Lötschental) ‘ Saal, Vorratskammer ’ (I D . 7, 687 ff.; G RICHTING 1998, 167) zu stellen. V. S CHMID (2003, 165) legt die gleichen Deutungen nahe. In den Flurnamen kommt neben dem maskulinen Genus der Sall (Simplon) auch das Neutrum ts Sall (Ried-Mörel) und das Femininum t Sal (Reckingen) vor. Wo keine Gebäude vorhanden sind, ist an ein saalartiges Gelände (entweder relativ eben oder dann höher gelegen, wie eine Vorratskammer) zu denken. Wie TGNB (2, 2, 477 s. v. Saal) ausführt, sind auch schwzdt. Sale ‘ Salweide ’ und Sali ‘ PN, Kurzform zu Samuel ’ , aber auch ‘ Weidengehölz ’ möglich. Im Oberwallis hat jedoch Sall kurzen Hauptvokal, Sal(weide) dagegen langen; bei Schreibformen lässt sich das aber nicht immer entscheiden. Das Simplex im Singular erscheint meist als der Sall (Eisten, Simplon, Unterbäch), t Sall (Mund, Reckingen (FLNK Sal)), ts Sall (Ried-Mörel), im Sall (Bürchen), historisch im Saall (1655, Turtmann, 1706 im Saal; 1727 im Sall), Sal (1779, Naters), zem Sale (1303, Zeneggen; 1677 jm Saall). Ein Beleg von 1650 für Naters hat jm Tsall, wo der Artikel agglutiniert ist. Unsicher ist Saal ‘ der Saal ’ (FLNK, Törbel) mit einem Gebäude; Salweiden sind wohl nicht gemeint; das Gleiche gilt für ts Säli ‘ das kleine, saalartige Gelände ’ (Törbel). Simplizia im Plural fehlen. Das Diminutiv ist ebenfalls nur im Singular belegt: ts Säli ‘ der kleine Saal ’ (Törbel), ts Sälli ‘ der kleine Saal ’ (St. Niklaus, doppelt), ts Sälti ‘ der kleine Saal ’ (Ried-Brig), beim Sälty ‘ beim kleinen Saal ’ (1731, Visperterminen), zum Selti ‘ beim kleinen Sall ’ (Visperterminen). Mit attributiven Adjektiven erscheint das HL in zweigliedrigen Konstruktionen wie folgt: ts Hinner Sall ‘ der hintere Teil des Sall ’ (Ried-Mörel, FLNK Hinnersal), im Indren Saall ‘ im inneren Sall (saalartiges Gelände? ) ’ (1720, Greich), jn dem Nidern Sale ‘ im niederen (unteren) Teil des Saal (saalartiges Gelände) ’ (1304, Zeneggen), ts Ober Sall ‘ der obere Teil des Sall (saalartiges Gelände) ’ (Zeneggen), der Ober Sall ‘ der obere Teil des Saal (saalartiges Gelände) ’ (Unterbäch), ts Teiff Sal ‘ der tiefe Saal ’ (Ergisch), ts Teiff Sall ‘ der tiefe Saal (saalartiges Gelände) ’ (Eischoll), ts Teif Sal ‘ der tiefe Saal (saalartiges Gelände ’ (Turtmann), t Unner Sal ‘ der untere Teil des Saal (saalartiges Gelände) ’ (Zeneggen), der Unner Sal ‘ der untere Teil des Saals (saalartiges Gelände) ’ (Unterbäch), im Aússren Sall im äusseren Teil des Saal (saalartiges Gelände) ’ (1753, Ried-Mörel), jm Vsren Saall ‘ im äusseren (talauswärts liegenden) Teil des Saal (saalartiges Gelände) ’ (1619 u. später, St. Niklaus). Nur ein Beleg enthält wohl einen vorangestellten Genitiv Plural: jn Steineren Sall ‘ im Saal (saalartiges Gelände) der Familie Steiner ’ (Ried-Mörel). Als Grundwort kommt das HL nur einmal in einem zweigliedrigen Kompositum vor: Hosal ‘ das hohe Sall (saalartiges Gelände) ’ (FLNK, Stalden). Die übrigen Belege sind komplexer: der Chlei und der Gross Salltschuggo ‘ der kleine und der grosse Fels beim Saal (Fels beim saalartigen Gelände) ’ (Eisten). Das HL S ALL erscheint als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Brigga, Chnubel, Egg(a), Flüö, Grabu, Höu, Kapälla, Matta, Stapfa, Wäg, Wald und Wase. Unsicher ist das historisch 1628 in Ausserberg belegte zum Salmunter. Komplexer sind an den Gemeinen Salwald ‘ der Wald beim Saal (saalartiges Gelände), der der Gemeinde ge- Sälig 15 16 <?page no="827"?> hört ’ (1850, Mund; der Beleg könnte auch zu Sal(weide) gestellt werden, doch bilden Weiden kaum Wälder), t Sallbachtola ‘ die Wasserrinne im Gebiet Sall ’ (Eisten), t Sallflüotschugge ‘ die Felsen bei der Sallflüe (Fluh beim saalartigen Gelände) ’ (Eisten), ts Teifsalbord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) unterhalb des tiefen Sall ’ (Turtmann), Teiffsaalbort ‘ das Bord (Abhang, Böschung) beim tiefen Sall ’ (1881, Eischoll). Sallient Sallient ist in Agarn 1312 als doul sallient, 1338 lo sallent, 1345 ol sallent, 1367 dou sallyent usw. belegt. In Leuk ist 1453 via dov Sallient belegt; es handelt sich um den auch in Agarn erwähnten Weg nach Sallient. In Ergisch ist 1328 lo chablo dol sallent erwähnt. G. P ANNATIER (p. c.) führt die Form auf afr. saillant zu lat. SALIRE ‘ springen ’ (FEW 9, 95) zurück. Es handelt sich um ein Nomen, wohl mit der Bedeutung ‘ Höhenlage ’ . Das Nomen ist auf der linken (Ergisch), wie der rechten Talseite (Agarn, Leuk) zu finden. Salmina Salmina ‘ Salbei ’ ist als Simplex in Ried-Brig belegt, dort auch das Kompositum Salminuchnubel ‘ der Hügel bei der Salmina ’ . Daneben kommt es vor als die Sallminen Eggen ‘ die Ecke mit Salbei ’ (1708, Mörel). Es ist zu Salbei (I D . 7, 818; W AGNER / L AUBER / G YGAX 5 2014, 856 ff. s. v. S ALVIA mit mehreren Unterarten) zu stellen; es enthält ein nasaliertes / m/ an Stelle des / b/ im dort auch für das Oberwallis belegten Salbina. Salmins (PN) Salmins (PN) ist der Genitiv von Salmin im Beleg Salmýns Gaden ‘ der Gaden des Salmin ’ (1388, Täsch). Es handelt sich um einen PN, vermutlich zu Salome oder Salomon (beide I D . 7, 693). In den historischen Belegen kommt nur der weibliche Name Salomea (z. B. 1304, Zwischbergen) vor. Salmu Salmu ist nur in ts Salmufee ‘ das / zum Salmenfee ’ (Ausserberg) belegt. 1645 erscheint die Flur als zum Salmenfhee. Die Hauptbetonung liegt auf der ersten Silbe, die dritte Silbe ist nebenbetont. Laut Beschreibung handelt es sich um Scheunen, Äcker, Wiesen und Weiden auf 1197 m. Es ist unklar, ob ein Kompositum mit dem Grundwort Fee (Vieh) vorliegt, das sonst in Flurnamen nicht erscheint, oder ob der Name anders zu deuten ist. Der Fischname Salm ‘ Lachs ’ (I D . 7, 866) kommt nicht in Frage, da es den Fisch im Oberwallis nicht gab. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Salt- Salt- ‘ Weibel ’ ist wohl in Belegen aus Steg, Lalden, Steg und Täsch enthalten, cf. HL S ÄÄLTINA . Saluayos Saluayos ist nur 1328 in Ergisch als in pratis saluayos ‘ in den Saluayos-Wiesen ’ belegt. Das HL scheint am ehesten eine Adjektivbildung zu sein. Zu einem Adjektiv saluayo oder ähnlich ist jedoch kein Beleg zu finden. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Salyr Salyr ist nur 1602 in Albinen als ou bou du Salyr ‘ beim Stall von Salyr ’ belegt. Laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 219) handelt es sich beim sehr ähnlichen Saleire um einen Bachnamen, der sich auf *sal ‘ Wasserlauf ’ (mit ligurischer Herkunft? ) zurückführen lasse. Die Etymologie ist im Buch nicht näher spezifiziert. J ACCARD (1906, 411) kennt Salaire, Sallaire und weitere, die er als Gipfel und Mulde in Étivaz und Mulde in Champéry beschreibt. Er führt sie auf lat. solarium zurück, das bei FEW (12, 36 ff.) als terrasse, altan übersetzt wird, das aber nirgends mit / a/ wie in Salyr wiedergegeben wird. Die Deutungen wie fénil ‘ Heuboden ’ wären zwar nahe zu bou ‘ Stall ’ , können aber wegen des Vokalismus nicht beigezogen werden. Letztlich bleibt Salyr deswegen ungedeutet. Salz Salz n. ist zu schwdt. Salz n. wie nhd. ‘ Salz ’ , amhd. salz (I D . 7, 879 ff.) und wdt. Saalz (G RICHTING 1998, 166) zu stellen. Salz kommt nur als Bestimmungswort in meist zweigliedrigen Komposita vor. Salz wird dem Vieh als Teil der Fütterung verabreicht. Die Orte, wo das geschieht, heissen meist wdt. Salzgäbi f. ‘ Stelle, wo man dem weidenden Vieh Salz zu lecken gibt ’ (I D . 7, 889; RN 2, 478), auch Salzgäb n. und Salzgäba f. (cf. HL G ÄB ). Es gibt aber auch salzige Stellen, an denen das Vieh Salz schlecken kann, vermutlich der Säälzibodo ‘ der salzige Boden ’ (Zeneggen), mit einem umgelauteten Adjektiv auf - IG : säälzig ‘ salzhaltig ’ . Daneben finden sich Komposita wie t Salzreschti ‘ der Rastplatz mit Salz (wohl ein Platz, wo man dem Vieh Salz zu lecken gab) ’ (Ried-Mörel), der Salzbiel ‘ der Hügel mit Salz ’ (1772, Fieschertal), t Salzgräbe ‘ die Gräben mit Salz ’ (Grächen, St. Niklaus), t Salztole ‘ die Mulden mit Salz ’ (Visperterminen), Saltzlütten ‘ das sandige Gebiet (Litta) mit Salz ’ (1510, Visperterminen), t Salzbedu ‘ die Böden mit Salz ’ (Agarn, Oberems), der Salzbodu ‘ der Boden mit Salz ’ (Bratsch), t Salzbädu ‘ die Böden mit Salz ’ (Leuk), der Salzacher (auch: Sulzacher) ‘ der Acker mit Salz ’ (Eggerberg). im Salzhof ‘ im Hof, wo das Salz gelagert wurde ’ (Brig) bezeichnete früher ein Gebäude, das zeitweise als Salz- 17 18 Salz <?page no="828"?> lager diente. Heute ist das Gebäude zerstört; dort befindet sich jetzt der Vorplatz der Pfarrkirche von Brig. Komplexere Konstruktionen mit Salzgäbi und Varianten sind unter dem HL G ÄB erwähnt; dort findet sich auch Sauzgäbu ‘ Salzgäbel ’ (Blitzingen) gedeutet. der Saalzibielbrunno ‘ die Quelle / der Brunnen beim salzigen Hügel ’ (Birgisch) enthält ein unumgelautetes Adjektiv saalzig ‘ salzig ’ . Salzgäberwald ‘ der Wald bei der Salzgäba ’ (Eggerberg) könnte auch den FaN Salzgeber (AWWB 221) enthalten. Samet Samet ist nur in jm Sametacker ‘ (unklar) der Samt-Acker ’ (1652, Ried-Brig) belegt. I D . (7, 940) s. v. Samet ‘ Samt ’ und wdt. Sammatt, Sammätt (Goms), Samad (Vispertal) ‘ Samt ’ (G RICHTING 1998, 167) weisen beide auf Samt hin; in der Anmerkung des I D . (7, 941) werden mehrere Pflanzennamen mit Samt erwähnt, allerdings ohne Details. Es muss sich um eine Ackerpflanze oder -blume handeln, die hier wächst. Am nächsten ist das Sammetblüemli ‘ Samtblümchen ’ (V IOLA TRICOLOR ; M ARZELL 4, 1197 f.; I D . 5, 87; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 408), doch ist diese Zuordnung nicht sicher. Samp Samp kommt nur im Beleg terram que vocatur Samptag (1398, Glis) vor. Samstag gilt als naheliegende Ergänzung. TGNB (2, 2, 481) kennt einen Flurnamen Langsamstig, weiss ihn aber nicht sicher zu deuten. Uns scheint eine Deutung ausgehend von Sand mit Assimilation an das Grundwort Tag sinnvoll zu sein (cf. HL T AG ). Gemeint wäre dann ein Grundstück im Gebiet Sand, der in einem Tag bearbeitet werden kann. Das HL Sand kommt in Glis mehrfach vor (cf. HL S AND ). Sämsu Sämsu f. ist als Simplex belegt in t Sämsu (Guttet) und historisch als Semsen (1810, Feschel). In Guttet sind weiter bezeugt: Semsentrogli (1713), Semswald (1670), t Sämsuweid ‘ die Weide oberhalb Sämsu ’ . Der älteste Beleg von 1428 hat für Guttet sensen, spätere haben semsun und semsen. SK notiert Gemsen, während LT und FLNK Sämsu haben. Vermutlich liegt eine romanische Form vor. FEW (22, 1, 246) erwähnt ein hochsavoyisches sensa ‘ Scheide der Kuh ’ , das allerdings nicht erklärt werden kann. Die Sämsu (Guttet) ist ein langgezogenes, ansteigendes und gerodetes Stück Land, das in seiner Form an eine Kuh-Scheide denken lässt. Ob diese Deutung stimmt, bleibt mangels weiterer Quellen unklar. Sand Sand n. ‘ das Sandgebiet ’ ist zu schwdt. Sand n., auch m., Pl. Sänder, Sender wie nhd. ‘ Sand ’ , ‘ Stück sandigen Erdbodens, Sandbank ’ , amhd. sant m. (mhd. auch n.) (I D . 7, 1110 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 167) kennt nur das maskuline Sand ‘ Sand ’ . Neutrales Sand betrifft entweder sandige Ablagerungen von Flüssen und Bächen oder Moränen. Seltener sind Orte gemeint, wo Sand abgebaut wurde (z. B. für den Häuserbau) oder generell sandige Böden. Ganz selten sind Pflanzennamen für den Huflattich (T USSILAGO FARFARA ; Sandbletter, Sandblacke; vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1114) oder für das Weisslaub (S ALIX HELVETICA ; vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 422). Von den rund 270 Flurnamen mit diesem HL betreffen rund 50 das Simplex im Singular ts Sand ‘ das Sandgebiet an der Vispe ’ (St. Niklaus) und ähnlich; häufig sind Präpositionen wie im Sand ‘ im Sandgebiet der Gamsa (Bach im Nanztal) ’ (Visperterminen), ufum Sand ‘ auf dem Sandgebiet (Schwemmgebiet des Walibaches ’ (Simplon) oder zum Sand ‘ beim Sandgebiet ’ (Unterems) belegt. Einige dieser Namen sind nur historisch bezeugt oder das Gebiet ist inzwischen überbaut worden, etwa in Visp Sand ‘ das Sandgebiet (der Vispe) ’ (FLNK, Visp). Das Simplex des Plurals ist viel seltener, meist mit Umlaut, als t Sändär ‘ die Sandgebiete der Lonza (Talbach aus dem Lötschental) ’ (Steg), t Senner ‘ die Sandgebiete (der Saaser Vispe) ’ (Saas-Almagell, mit dem Prozess inlautend nd > nn), ufe Sendru ‘ auf den Sandgebieten ’ (Saas-Grund; SK Sänder, FLNK Sendru), jn dien Sendern ‘ in den Sandgebieten ’ (1303 u. später, Visp). Der Diminutiv des Simplex erscheint im Singular als im Sandji ‘ im kleinen Sandgebiet (der Gamsa, Bach im Nanztal) ’ (Visperterminen), ts Sangi ‘ das kleine Sandgebiet ’ (Lax; FLNK Sangji; ähnlich Mühlebach) und ts Sendji ‘ das kleine Sandgebiet (des Hofergraben) ’ (Stalden, heute Sportplatz); im Plural als t Senn(d)jini ‘ die kleinen Sandgebiete ’ (Randa) und t Sennjini ‘ die kleinen Sandgebiete ’ (Saas-Almagell; 1832 als Sändgÿ; ähnlich Randa). Mit attributiven Adjektiven verbunden ist das HL vor allem im Typ Heesand ‘ das hohe Sandgebiet ’ (FLNK, Täsch), ts Hesand ‘ das hohe Sandgebiet ’ (Zermatt), der Hosand ‘ der hohe Sand ’ (Binn; Genus maskulin ist ungewöhnlich), ts Hosand ‘ das hohe Sandgebiet ’ (Niedergesteln), Hosand ‘ das hohe Sandgebiet (Alpe) ’ (LT, FLNK Ulrichen), wozu sich etwa in Binn eine ganze Reihe von Gipfel- und Jochnamen gesellen wie Hohsandhore, Hohsandgletscher, Hohsandjoch und Ober Hohsandjoch, in Ulrichen ein ganzes Namennest mit Hosandbärge (FLNK), t Hosandstüde ‘ die Stauden im hohen Sandgebiet ’ , ts Minschtiger Hosand ‘ der zu Münster gehörende Samet 19 20 <?page no="829"?> Teil der Alpe hohes Sandgebiet ’ , Reckiger Hohsand ‘ der zu Reckingen gehörende Teil der Alpe hohes Sandgebiet ’ (FLNK), der Minschtiger Hosandstafel ‘ der Stafel der Leute von Münster auf der Alpe Hosand (hohes Sandgebiet), der Reckiger Hosandstafel ‘ der Stafel der Leute von Reckingen auf der Alpe Hosand (hohes Sandgebiet) ’ , t Reckiger Hosandbärge ‘ die zu Reckingen gehörenden Berge bei der Alpe Hosand ’ , t Fodre Hosandwäng ‘ der vordere Teil der Grasabhänge beim Hosand (hohes Sandgebiet) ’ , der Foder Hosandbärg ‘ der vordere Teil des Berdes beim Hosand (hohes Sandgebiet) ’ , Vorder Hosandlöuwi ‘ das vordere Rutschgebiet oberhalb des Hosand (hohes Sandgebiet) ’ (FLNK), t Hinnre Hosandweng ‘ der hintere Teil der Grasabhänge beim Hosand (hohes Sandgebiet) ’ , der Hinner Hosandbärg ‘ der hintere Teil des Berges beim Hosand (hohes Sandgebiet) ’ , Hinner Hosandlöuwi ‘ das hintere Rutschgebiet oberhalb des Hosand (hohes Sandgebiet) ’ . Das Namennest in Ulrichen zeigt sehr schön, wie - ausgehend vom Namen einer Alpe - die ganze Umgebung benannt wird. Die übrigen attributiven Adjektive sind seltener: ts Inner und ts Üsser Sand ‘ das innere (taleinwärts liegende) und das äussere (talauswärts liegende) Sandgebiet ’ (Täsch), aúff dem Langen Sandt ‘ auf dem langen Sandgebiet ’ (1708, Brigerbad), ts Mittelsand ‘ das mitten (im Rotten) gelegene Sandgebiet ’ (Mörel und drei weitere), aúf dem Neúen Sant ‘ auf dem neuen Sandgebiet ’ (1836, Saas-Grund), ts Ober und ts Unner Sand ‘ das obere und das untere Sandgebiet (der Vispe) ’ (Visp), ts Pmei Sand ‘ das Sandgebiet, das der Gemeinde gehört ’ (Stalden; FLNK Gmeisand), ts Wiiss Sand ‘ das weisse Sandgebiet ’ (Naters; Oberems (hier mit Hinweis auf Weisslaub (S ALIX HELVETICA )) und ts Wiit Sand ‘ das weite Sandgebiet ’ (Glis, Saas-Almagell). Vorangestellte Genitive zum HL sind: ts Bifigersch Sand ‘ das Sandgebiet, das der Familie Bifiger gehört ’ (Baltschieder), ts Chempfusand ‘ das Sandgebiet der Familie Kämpfen ’ (Glis), ts Griinisch Sand ‘ das Sandgebiet mit kaltem Wind (unklar) ’ (Saas-Balen), ts Hälisch Sand ‘ das Sandgebiet des Häli (hier wohl zu Wilhelm) ’ (St. Niklaus), uf ts Heeresand ‘ auf dem Sandgebiet des (Pfarr-) Herrn ’ (Niederwald), ts Irmänzusand ‘ das Sandgebiet bei Irmänze (wohl PN) ’ (St. Niklaus), Kammers Sand ‘ das Sandgebiet der Familie Kammer ’ (1860, Eyholz), ts Mattjusch Sand ‘ das Sandgebiet des Matthäus / Matthias ’ (Baltschieder), ts Steinersand ‘ das Sandgebiet der Leute von Gstei (Gestein) ’ (Zwischbergen), Triegerro Sand ‘ das Sandgebiet der Familie Zen Triegen ’ (1692, Niedergesteln), vff Wÿestinerro Sandt ‘ auf dem Sandgebiet der Familie Wiestiner ’ (1597, Visp). Unsicher ist ts Seilersand ‘ das Sandgebiet der Familie Seiler ’ , wo der FaN Seiler ist und ein formaler Genitiv Seilersch lauten müsste, und der Beleg aúf Belzers Glareto seu Sand (1751, Raron), wo unklar ist, ob Sand einfach die Übersetzung des latinisierten Glaretum ‘ Kiessand ’ ist, oder ob es Belzers Sand ‘ das Sandgebiet der Familie Belzer ’ als Flurname gab. Als Grundwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita vor. Häufig sind dabei Fluss- und Bachnamen als Bestimmungswörter: ts Bietschisand ‘ das Sandgebiet beim Bietschbach ’ (Raron), Bietschisänder ‘ die Sandgebiet beim Bietschbach ’ (Niedergesteln), Blinnesand ‘ das Sandgebiet bei der Einmündung der Blinne in den Rotten ’ (FLNK, Reckingen), Gambsensandt ‘ das Sandgebiet der Gamsa ’ (1673, Brigerbad), ts Gamsusand ‘ das Sandgebiet der Gamsa ’ (Glis, mehrfach), ts Giessersand ‘ das Sandgebiet beim Weiler Giesse ’ (Binn; Giesse ist Wassername), ts Ielisand ‘ das Sandgebiet beim Jolibach ’ (Niedergesteln, FLNK Jolisand), das Lodentzen Sand ‘ das Sandgebiet bei der Lonza (Talbach aus dem Lötschental) ’ (1522, Steg), ts Melisand ‘ das Sandgebiet beim Mellichbach ’ (Täsch), ts Rhonesand ‘ das Sandgebiet des Rotten (früherer Verlauf des Rottens links vom heutigen Bahnhofsgelände) ’ (Brig; ältere Leute sagen Rottesand), ts (e) Rottusand ‘ das Sandgebiet beim Rotten ’ (Naters), ts Rottusand ‘ das Sandgebiet beim Rotten ’ (Mörel, Leuk) und aúf dem Salti Sand ‘ auf dem Sandgebiet der Saltina ’ (1795 (ca.), Brig). Nahegelegene Flurnamen sind ebenfalls vertreten: ts Bildernusand ‘ das Sandgebiet gegenüber dem Bereich Bilderne (Zahnfleisch) ’ (Mörel), ts Blattusand ‘ das Sandgebiet beim Gebiet Blatten (Felsplatten) ’ (Saas-Almagell), ts Bordsand ‘ das Sandgebiet beim Bord (Abhang, Böschung) ’ (Saas-Almagell), ts Chummusand ‘ das Sandgebiet bei Ze Chummu (bei der Mulde) ’ (Raron), under dem Driest Sand ‘ unter dem Sandgebiet beim Driest (unfruchtbares Gebiet) ’ (1676, Zeneggen) und viele weitere. Besitzer- oder Nutzernamen sind selten, am ehesten mit vorangestellten Genitiven. Am klarsten ist ts Hügsand ‘ das Sandgebiet der Familie Hug ’ (Glis), unsicher dagegen auff dem Bernersandt ‘ das Sandgebiet des Bernhard (kaum FaN Berner) ’ (1716, Visp), wo unklar bleibt, welche Motivation Berner hat. ts Guldersand ‘ das Sandgebiet des Rottens bei der Guldernä ’ (Grengiols) bezieht sich wohl auf den Flurnamen Guldernä ‘ der Ort mit Türkenbund (L ILIUM MARTAGON , vgl. W AGNER / L AUBER / G YGAX 5 2014, 1260) ’ und nicht auf einen Besitzer oder Nutzer. Einen Problemfall stell ts Risand (Termen) dar; es ist vermutlich zum Verb rîsen ‘ fallen ’ (I D . 4, 1335 ff.) zu stellen und ist entweder das Partizip ‘ das Fallende ’ oder - mit Sand verbunden - ‘ das gefallene Sandgebiet ’ (cf. HL R I ). Vermutlich auf die Farbe bezieht sich Silbersand ‘ das silberne Sandgebiet ’ (Ried-Mörel), laut Beschreibung eine Moräne mit feinem, hellem Sand. Komplexere Konstruktionen sind etwa ts Ober und ts Unner Bietschisand ‘ das obere und das untere Sandgebiet 21 22 Sand <?page no="830"?> beim Bietschbach ’ (Raron), das historische bim Kräytz vffum Sandt ‘ beim Kreuz auf dem Sandgebiet ’ (1655, Niedergesteln), Hinner und Vor dum Sandbank (FLNK) ‘ das Gebiet hinter und vor der Bank aus (Fluss-)Sand ’ (Täsch) und andere mehr. Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist das HL mit folgenden Grundwörtern belegt: Acher, Bank, Bodu, Egg(a), Eie, Gassa, Gilla, Grabu, Grüeba, Höupt, Hubel, Leeschi, Matta, Pletscha, Räb-, Riife, Stuba, Tola und Wasser. Komplexer sind t Undru Sandmatte ‘ die unteren Wiesen im Sandgebiet ’ (Glis), der Sandblackuschleif ‘ der (Holz-)Schleif, wo Sandblacken (Huflattich, T USSILAGO FARFARA ) wachsen ’ (Gampel), t Sandbletterlamme ‘ der Graben mit / bei den Sandblättern (laut Gwp. Sandblachte (Huflattich; T USSILAGO FARFARA ) ’ (Münster), im Sandgillibiel ‘ der Hügel im Bereich des Tümpels im Gebiet Sand ’ (1743, Raron) und andere mehr. Das Adjektiv sandig erscheint in der Sandig Bodu ‘ der sandige Boden ’ (Zermatt), Sandigbodu ‘ der sandige Boden ’ (FLNK, Saas-Grund), t Sandigen Grappä ‘ die sandigen Murmeltiergrabstellen ’ (Blatten), t Sandigu Tole ‘ die Mulden mit Sand ’ (Glis). Ebenfalls hieher zu stellen ist ts Santigufer ‘ das sandige Steingeröll ’ (Eyholz; FLNK Visp), das wohl in Anlehnung an Sant ‘ Heilig ’ ein / t/ erhalten hat. Die Ableitung der Sander kann eine Stellenbezeichnung auf - ER (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) zum HL S AND sein, also ‘ das Sandgebiet, das Gebiet mit Sand ’ , aber auch einen PN Sander (cf. HL S ANDER (PN)) vertreten; die Belege sind dort aufgeführt. Diminutive dazu sind: auffm Sanderli ‘ auf dem kleinen Gebiet mit Sand ’ (1651 u. später, Ried-Brig), im Sanderli ‘ im Gebiet mit Sand ’ (1809, Eischoll). Die Ableitungen Sanderna und Sanderra weisen jeweils eine Kollektivableitung auf und meinen ein Gebiet mit Sand. Belegt sind: t Sanderna ‘ das Gebiet mit Sand ’ (Staldenried), Sandernen ‘ das Gebiet mit Sand ’ (1869, Stalden; Dativ ist konstruktionsbedingt), zer Sandernu ‘ beim Gebiet mit Sand ’ (Salgesch), z Sandernu ‘ beim Gebiet mit Sand ’ (Bratsch), zer Sanderrun ‘ beim Gebiet mit Sand ’ (Ergisch; FLNK Sanderu) und Ze Sanderu ‘ beim Gebiet mit Sand ’ (Visperterminen). Eine Ausnahme ist Ze Sandru ‘ bei den Sandern (Sandfänge der Wasserleitung) ’ (Saas-Fee), das sich zum Verb sanndre ‘ Sand fangen ’ stellen lässt; das Verb ist in I D . und G RICHTING (1998) so nicht belegt. Sander (PN) Sander (PN) ist ein unsicherer Personenname, der am klarsten im Genitiv Singular des Beleges an Sanders Bu ᵉ l ‘ am Hügel des Sander (PN) ’ (1472, Ried-Brig) vertreten ist; aber auch hier kann Sander eine Stellenbezeichnung auf - ER (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) zum HL S AND sein, also ‘ das Sandgebiet, das Gebiet mit Sand ’ . Weitere Belege sind: der Sander ‘ das Sandgebiet / das Stück Land des Sander (PN) ’ (Ried-Brig), vffem Sander ‘ auf dem Sandgebiet / auf dem Stück Land des Sander (PN) ’ (1669, Visperterminen), auffm Sanderli ‘ auf dem kleinen Sandgebiet / auf dem kleinen Stück Land des Sander (PN) ’ (1651 u. später, Ried-Brig), im Sanderli ‘ im kleinen Sandgebiet / im kleinen Stück Land des Sander (PN) ’ (1809, Eischoll), der undere Sander ‘ das untere Sandgebiet / das untere Stück Land des Sander (PN) ’ (1795, Glis), der Sanderacker ‘ der Acker in sandigem Gebiet / der Acker des Sander (PN) ’ (1796, Ried-Brig), ts Sandereg ‘ die Ecke des Sander (PN) ’ (Reckingen), (wozu Gwp anmerkt, es sei dort kein sandiger Boden, eher komme ein FaN in Frage, doch könne es auch ts Ander Eg heissen), im Sandergarten ‘ im Garten im Sand / des Sander (PN) ’ (1752 u. später, Oberwald), der Sander Stück ‘ das abgeteilte Stück Land im Sandgebiet / des Sander (PN) ’ (1832, Geschinen). I D . (7, 1115) kennt das Wort für einen Arbeiter, der im Winter mit dem ‘ Sanden ’ der Strassen beauftragt ist (regional allerdings vor allem Ostschweiz), G RICHTING (1998) kennt es jedoch nicht. C. B ÜRCHER -C ATHREIN (1927) verwendet Sander jedoch für jemand, der die Wasserleitungen vom Sand reinigen muss. Als PN kann Sander eine Kurzform zu Alexander, resp. Xander sein (I D . 1, 173; 16, 2395 f.). Sang Sang ist das gemeinsame Hauptlemma für die HLL G SANG und S ANG . Belegt ist mit einer Ausnahme das Kompositum Vogel(g)sang (mit und ohne G -Präfix) zu schwdt. Sang, G(e)sang n., m. ‘ das Singen, Gesang ’ , Vogel(ge)sang ‘ Vogelgesang ’ , mhd. vogel(ge)sanc ‘ häufiger FlN für waldige, wasserreiche Orte, wo die Vögel sich gerne aufhalten ’ (I D . 7, 1175; I D . 7, 1178f). Der isolierte Beleg ts Gsang (Binn) ist ein kollektiver (Brand-)Rodungsname zum schwdt. Sang ‘ Sengen ’ (I D . 7, 1187) (cf. HL S ENG ). Sannu Sannu ‘ sammeln ’ ist einmal belegt in Sannustadil ‘ der Stadel, in dem der Zehnten gesammelt wurde ’ (Eischoll). Der Beleg ze Sanndru ‘ bei den Sandern ’ ist wohl nicht zum gleichen HL zu stellen (siehe unten). Vermutlich ist sannu ‘ sammeln ’ zu schwdt. sam(e)ne n , sampnen, sammnen, sannen, sanden, sandu, sannu (WLö) ‘ sammeln ’ zu stellen (I D . 7, 912 ff.; R ÜBEL 1950, 110 kennt es für das Einsammeln des Viehs; ebenso G RICHTING 1998, 167 ‘ Vieh zum Stall holen ’ ). Ze Sanndru hingegen ist eher zu Sanderna ‘ Sandfang ’ zu stellen (B ELLWALD / W ÜRTH (2006) Sander (PN) 23 24 <?page no="831"?> zitieren das Wort nach E ICHENBERGER 1940, 79): an dieser Stelle wurden die Wasserleitungen mit Sand verstopft und mussten gereinigt werden (V. S CHMID 2003, 166). Gwp. selbst spricht jedoch generell von der Fassung der Wasserleitung mit einem Holzbrett. Sant Sant ist als Sankt, Sant wie nhd. vor Heiligennamen, it. als San, zu lat. sanctus ‘ heilig ’ (I D . 7, 1215 f.) zu stellen. In Orts- und Flurnamen ist oft ein Patrozinium einer Kirche oder Kapelle gemeint, manchmal auch ein Bildstock oder ein Heiligenbild (für den Bezirk Goms dienen die drei Bände von W. R UPPEN (1976; 1979; 1991) als Nachweis, sofern möglich. An anderen Orten bedeutet das HL ein Stück Land, dessen Ertrag für eine Kirche oder Kapelle bestimmt war. Gelegentlich stellt fromme Umdeutung einen Heiligennamen her, wo nur ein Vorname gemeint war. Das Adjektiv erscheint zunächst als Attribut in der lateinischen Form Sanctus oder der deutschen Form Sant, so etwa als Abkürzung in cappella ‘ S. S. Anna ’ et Jacobj ‘ die Kapelle der Heiligen Anna und Jakobus ’ (1672, Zwischbergen), (lat. prata sancti Theoduli) ‘ die Wiese des Heiligen Theodul (Landespatron) ’ (1531, Münster), St. Anna ‘ das Gebiet der heiligen Anna (heute Bildstock, früher Kapelle, vgl. W. R UPPEN 1979, 146) ’ (SK, Ausserbinn), St. Anna ‘ die Kapelle der heiligen Anna; W. R UPPEN 1979, 337 ff.) ’ (Bellwald), St. Annakapälla ‘ die Kapelle der heiligen Anna ’ (FLNK, Raron; LT St. Anna), St. Anton ‘ Sankt Anton (die dort bestehende Antonius-Kapelle wurde am 24. 2. 1970 durch eine Lawine zerstört; heute erinnert ein Bildstock daran; W. R UPPEN 1976, 324 ff.) ’ (SK, Reckingen), St. Barbara Felsen ‘ der Felsen bei St. Barbara (Kapelle auf dem Weg nach Leukerbad und Weiler von Leuk) ’ (1794, Leuk), St. Barbarae Strasse ‘ die Strasse nach St. Barbara (Kapelle auf dem Weg nach Leukerbad und Weiler von Leuk) ’ (1794, Leuk), Sankt German ‘ Sankt German (Weiler von Raron) ’ (SK, LT und FLNK, Raron), St. Georgy ‘ (die Kapelle) des Heiligen Georg ’ (1698, Zermatt), Sankt Jakob ‘ Sankt Jakob (früher stand hier eine Kapelle, vgl. W. R UPPEN 1979, 236) ’ (FLNK, Blitzingen), St. Johanneslitzi ‘ der Schattenhang des Heiligen Johannes ’ (LT, Zermatt), St. Josefsheim ‘ das St. Josefheim (heute Oberwalliser Alters-, Pflege- und Behindertenheim) ’ (FLNK u. LT, Leuk), Sankt Martiniplatz ‘ der Platz vor der Kirche St. Martin ’ (FLNK, Visp). Die Kurzform Sant erscheint als Sannt Jodren Lüschenn ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras des Heiligen Joder (um 1446 ist eine Kapelle des Hl. Theodul erwähnt, laut P H . K ALBERMATTER ) ’ (Geschinen), die Kapellen Sant Jodren ‘ die Kapelle des Hl. Theodul (Landespatron) ’ (1542, Törbel), z Sant Jodrumacher ‘ beim Acker des heiligen Theodul (Landespatron) ’ (1695, Ausserberg), Sant Johannshöüpt ‘ das Haupt des heiligen Johannes des Täufers (Bildstock in Naters laut R. P FAMMATTER (Foto, p. c.); vgl. Mt 14, 1-12) ’ (FLNK, Naters), Sant Josef ‘ Sankt Josef ’ (unklar, Teil des Weilers Hegdorn) (FLNK, Naters), Sant Joosopsch Kapälli ‘ die kleine Kapelle des Heiligen Josef ’ (Visperterminen), ts Sant Josopsch Kapälliwägji ‘ der kleine Weg bei der kleinen St- Josefs-Kapelle vorbei ’ (Visperterminen), Sant Michelsch Brunne ‘ die Quelle / der Brunnen des heiligen Michael ’ (Münster), Sant Niclaus ‘ von St. Niklaus her (fehlender Kontext, wohl ein Ort mit einer St. Nikolaus- Kapelle) ’ (1662, Geschinen), Sant Peters Matta ‘ die Wiese des heiligen Petrus ’ (1573, Ulrichen), ts Sant Peetersch Fäld ‘ das Feld des Heiligen Peter (laut Gwp. nach einem Peter Josef Zurbriggen benannt) ’ (Saas-Fee). Nur einmal ist die it. Form San in San Marco ‘ San Marco (heute Pfarrei Sankt Markus; auch Gebiet an der Landesgrenze zu Italien bei Gondo) ’ (FLNK, Zwischbergen; SK St. Marco, LT S. Marco). Ungewöhnlich ist Tschanta Maria Flüe ‘ die Fluh der heiligen Maria (unklar) ’ (FLNK, Albinen). Eine doppelte Attributform findet sich in der Alt Sant Antoni ‘ der alte Sankt Anton (Bildstock) ’ (Ergisch). Als Bestimmungswort (häufig nur geschriebene Variante) tritt das HL mit den folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita auf: Anton (PN), Gedersch (Genitiv zu Joder), Jaakob (PN), Nikolaus (PN), Peter (PN) und Wändeliin (PN). Komplexere Konstruktionen sind Sanktjodernkwel ‘ die Quelle des Hl. Joder (Theodul, Landespatron) ’ (Unterbäch), der Sannikloisbodu ‘ der Boden im Wald mit dem Bild des St. Nikolaus ’ (Oberems), Sannikloiswald ‘ der Wald mit dem Bild des St. Nikolaus ’ (Oberems; FLNK Saniklöiswald, LT Sanikloiswald), ts Santantoniwaldji ‘ der kleine Wald mit einer Kapelle des Heiligen Antonius ’ (Naters), der Santiglaisgade ‘ der Gaden (Stall) beim St. Nikolaus (Pfarrei ist zwar dem Hl. Nikolaus geweiht (W. R UPPEN 1976, 218 ff.), die Flur ist aber weit entfernt (ev. Pfarreigut? ) ’ (Ulrichen), Tsangkatriine Bode ‘ der Boden, der zum Altargut der Heiligen Katharina gehörte (zum Altar der Hl. Katharina vgl. W. R UPPEN 1979, 28 ff.) ’ (Ernen), Zangeedersch Bord ‘ das Bord ’ (Abhang, Böschung) bei Zangeedersch (wohl: Sank Joders, Patrozinium von Törbel), Zanmartisch Bletschu ‘ die Bletschu (Ebene) des Heiligen Martin ’ (Steg, LT Martischpletschu; Zan ‘ Sankt ’ scheint eine fromme Umdeutung zu sein (G. I MBODEN , p. c.)), Zanpeetersch Gaarte ‘ der Garten des Heiligen Peter ’ (Oberwald, FLNK St. Petersch Garte) (die Flur befindet sich im Gerental, weit von einer Siedlung entfernt), di Zanpärtlameehaaltu ‘ die Halde, die erst am Tag des Hl. Bartholomäus (24. August) beweidet werden durfte ’ (Ergisch), Zantanne Lammelti ‘ die kleine Lamme (Felstobel) der Heiligen Anna (laut Gwp. weder Statue, noch Bild oder Bildstock) ’ (Oberwald), der Zan- 25 26 Sant <?page no="832"?> tiglaischeer ‘ der Cheer der Strasse bei der Kapelle des St. Nikolaus (Furkastrasse) ’ (Oberwald), t Zantiglaisschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim St. Nikolaus (unklar) ’ (Reckingen, FLNK Santiglaischlüecht), Zantmärjelebieu ‘ der Hügel der Heiligen Maria ’ (Binn; SK Marienbiel), vermutlich zum PN Maria zu stellen, die Deutung Zant ‘ Sankt ’ ist wohl fromme Umdeutung, di Zantpeterschchilchu ‘ die Kirche des Hl. Petrus (heute Feuerwehrlokal) ’ (Leuk), di Zäntgermaanerstraass ‘ die Strasse nach St. German (von der Rottenebene aus) ’ (Raron, FLNK St. Germanerstrass). Einen Sonderfall bildet das 1435 in Albinen belegte sub saxo sentýmarýz ‘ unter dem Felsen des Heiligen Moritz ’ . G. P ANNATIER sieht hier den Namen der Heiligen Maria und P H . K ALBERMATTER mit R. P FAMMATTER nehmen an, dass der Beleg identisch sei mit dem späteren Beleg Tschanta Maria Flüe (FLNK, Albinen). Wenn das stimmt, müsste das auslautende / -z/ von marýz erklärt werden. Bei der Deutung wurde entschieden, dass marýz zu Mauritius zu stellen sei; diese Deutung kann aber mit M EYER (1914, 62) als verstummtes / z/ gedeutet werden, dem kein Lautwert mehr entsprach. Dann wäre damit tatsächlich Maria gemeint. Sapey Sapey ist laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 184) einer der Flurnamen für die Tanne, vgl. FEW (11, 214 s. v. *sappus tanne). G. P ANNATIER (p. c.) führt die Form sapey auf das vorlat. sapp- und die Ableitung - ECTU > - EY zurück. Belegt ist es 1346 und 1358 in Untrems als lo sapey nygrum, resp. in nigro sapey ‘ bei der schwarzen Tanne ’ . Sar Sar ist belegt in schwdt. Sar(r), S ā r n. ‘ Flussgeschiebe; Seeschlamm ’ (I D . 7, 1258 f.) bzw. S ă r-Bach, S ā r-Bach, -Bachen, S ā ren-Bachen m., f. ‘ Sumpfbach, Bach mit Geschiebe; Schwarzpappel; FaN ’ , zu mhd. sarbach(boum). Der Standort wurde zum Namen der Pflanze (I D . 4, 954 f.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 428). Belegt ist vor allem der Typ Sarbach als ts Saarbach ‘ das Gebiet, das sumpfig ist / wo Schwarzpappeln stehen ’ (Lalden, FLNK Sarbach), wobei hier in der alten Rottenebene kaum Bäume stehen, jn den Sarbachen ‘ bei den Sumpfbächen / bei den Schwarzpappeln ’ (1689, Eggerberg), bÿ den Sarbachenn ‘ bei den Sumpfbächen / bei den Schwarzpappeln ’ (1552, Visp). Dazu kommen ze Drii Sarbachu ‘ bei den drei Schwarzpappeln ’ (Baltschieder) und dem Endren Sarbach ‘ (Dativ konstruktionsbedingt) die jenseitigen Sumpfbäche / die jenseitigen Schwarzpappeln ’ (1491, Baltschieder). Komplexer sind Sarbachrus ‘ der kleine Bach im Gebiet Sarbach (Sumpfbäche / Schwarzpappeln) ’ (1774, Ausserberg) und t Saarbachschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung der Familie Sarbach / der Schwarzpappeln ’ (Ausserberg; FLNK Saarbachschlüecht). Der FaN Sarbach ist in AWWB (230) erwähnt; er ist im Wallis seit dem Ende des 16. Jahrhunderts belegt. Davon weicht ab t Saarschliecht ‘ die Geländeeinbuchtungen mit Geschiebe ’ (Naters). Die verschiedenen Flurnamen sind jeweils unsicher; auch die Karten helfen nicht immer weiter. Sarrasin (FaN) Sarrasino (FaN), resp. Saracenorum ist belegt 1399 in Simplon als Sarrasino Matta ‘ die Wiese der Familie Sarrasin / des Sarrasin ’ und 1454 in Raron als saxum saracenorum ‘ der Stein / Fels der Sarazenen / der Familie Sarrasin ’ . Der FaN oder Beiname Sarrasin (AWWB 230) ist im Wallis mehrfach, auch für Simplon, bezeugt. Vermutlich handelt es sich um einen Beinamen, der sich auf das Aussehen bezieht, oder es wird ein Zusammenhang mit den Raubzügen der Sarazenen im 9. Jahrhundert angenommen. Sässel Sässel m. ist in der Sässelbode ‘ der Boden in der Form eines Sessels ’ (Saas-Balen) belegt. Zu stellen ist das HL zu schwdt. Sëssel m. wie nhd. ‘ Sessel ’ , in FlN zur Bezeichnung von sesselförmigen Geländestellen, und wdt. Sässl, Sässäl (Goms), Sässul (Zermatt), Sässel (Saastal), Sässil ‘ Sessel ’ (I D . 7, 1384 f.; G RICHTING 1998, 167). Die Beschreibung sagt aber, dass es sich um keinen eigentlichen Boden handle, sondern ein steiniges Gebiet. Das deutet darauf hin, dass tatsächlich eine Sesselform gemeint ist; der Boden selbst kann dann sesselförmig sein; der Name befindet sich auf rund 2500 m oberhalb der Baumgrenze. Sasso Sasso ist belegt als Sass Dell Luf ‘ Wolfsstein ’ (Zwischbergen) und Sas Dulgraui ‘ der Bocksfels ’ (1678, Zwischbergen). Das piemontesisch-lombardisch dialektale Sass (P ETRINI 1993, 120) ist zu it. sasso m. ‘ Felsmasse, -haufen, schicht ’ , ‘ felsige Oberfläche, Felsblock von gewissem Ausmass ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1949) zu stellen, hier einfach ‘ Fels, Stein ’ . Es geht auf lat. SAXUM ‘ Fels, Steinblock ’ zurück. Sastztien Sastztien ist nur 1418 in Binn als am Sastztien belegt. Laut Beleg befindet sich dort ein Acker. Das Nomen muss ein Maskulinum oder Neutrum im Dativ sein. Am nächstliegenden würde eine Lesart wie Sass-Stein oder Setz- Stein ‘ Grenzstein ’ (beide I D . 11, 884) gelten, doch ist diese Deutung spekulativ und damit sehr unsicher. Sapey 27 28 <?page no="833"?> Satellit Satellit (mit Endbetonung) ist nur in Satellitenbodenstation Brentjong (LT, Leuk) vertreten. Die Satellitenbodenstation Leuk kommuniziert mit einer Vielzahl von Satelliten über dem atlantischen und indischen Ozean sowie mit anderen Bodenstationen in aller Welt. Der Flurname ist inhaltlich bestimmt (vgl. K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 787 s. v. Satellit). Zum Flurnamen Brentjong cf. HL B RÄNNT- JONG . Satellite Satellite ist nur belegt in t Satellíte ‘ die Satelliten ’ (Zwischbergen). J ORDAN (2006) kennt den Flurnamen nicht. Gwp. gibt an: <setzligä> stufenförmiges Gelände, Weide. Es handelt sich um eine Flur auf rund 2000 m. Der Name kann italienischer Singular (cf. D EVOTO / O LI 2020, 1949) oder deutscher Plural sein. Die einschlägigen Wörterbücher (z. B. K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 787) führen das Wort auf lat. satelles ‘ Trabant, Gefolge, Anhänger, Begleiter, Helfershelfer ’ zurück, das wohl aus etruskischer Herkunft stammt (cf. HL S ATELLIT ). Vermutlich ist hier nur eine metaphorische Lesart möglich; ob it. oder dt. bleibt unklar. Satt Satt ist nur in jm Ibgenn Satt (1560, Täsch) belegt. Vermutlich handelt es sich um eine Fehlschreibung oder einen Lesungs-Fehler für das im gleichen Jahr in Täsch belegte an den Ubjenn Vatt ‘ an den üblen (schlechten) Felspfad ’ (cf. HLL U BJENN und F AD ). Sattel Sattel m. ‘ Sattel ’ ist zu schwdt. Sattel, im W[allis] -ol, auch -il m. Pl. Sattla, Sättel ‘ der Form nach einem Sattel ähnliches, z. B. sattelförmige Einsenkung eines Bergrückens ’ , ahd. satul, mhd. satel und wdt. Sattl, Sattäl (Goms), Sattul (Vispertäler), Sattol (Schattenberge), Sattil ‘ Sattel ’ (I D . 7,1434 ff., bes. 1436; G RICHTING 1998, 167) zu stellen. Z INSLI (1946, 335) gibt als Deutungen 1) ‘ Berglücke ’ , 2) ‘ Erhebung ’ . Der erste Typ benennt vor allem Lücken und Übergänge zwischen Gipfeln; der zweite Typ sattelförmiges Gelände, im Plural das Vorkommen mehrerer kleiner sattelartiger Hügel. Das HL ist insgesamt in rund 170 Namen belegt. Das Simplex im Singular ist als Sattel, Sattil, Sattol, Sattul und Sattu in allen Bezirken belegt. Seltener ist der Plural t Sattle (Lax, Martisberg, Naters, St. Niklaus) und t Sättle (Mund). Das Diminutiv im Singular erscheint als Sattelti, Sattolti, Sattulti und Sattuti in gut 10 Belegen; der Plural als Sattoltini (Eisten) und Sattultini (Simplon) je zweimal. Mit attributiven Adjektiven werden nur relative Lageangaben ausgedrückt: ts Hinner Sattelti ‘ der hintere kleine Sattel ’ (Reckingen), am Hindren Sattol (1647, Visperterminen), der Typ Ober Sattel (mehrfach), t Obru Sättle (Mund), der Typ Unner Sattel (mehrfach), t Undru Sättle (Mund) und t Unnru Sattle (Täsch) kommen mehrfach vor, ts Voder Sattelti ‘ der vordere kleine Sattel ’ (Reckingen) und am Endren Sattel ‘ am jenseitigen Sattel ’ (1503, Visp) sind selten. Als Grundwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita zunächst mit Gipfel- oder Gletschernamen vor: der Birgsattel ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Birghoren ’ (Blatten), der Chummesattu ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Chummehorn ’ (Ritzingen), der Furgsattel ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Furgghorn ’ (Zermatt), der Galesattel ‘ der Sattel (Bergübergang) vom Galegletscher zum Sidelegletscher ’ (Oberwald), der Grenzsattel ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Grenzgipfel nach Italien im Monte Rosa ’ (Zermatt), der Rimpfischsattel ‘ der Sattel (Bergübergang beim Rimpfischhorn ’ (Zermatt), der Rindersattel ‘ der Sattel (Bergübergang) zwischen Rinderhorn und Chli Rinderhorn ’ (Leukerbad), der Sirwoltesattel ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Sirwoltuhoru ’ (Simplon), der Trifftjesattel ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Triftji (kleine Alpweide) ’ (Zermatt). Komplexere Belege stellen der Chlei Trifftjesattel ‘ der Sattel (Bergübergang) beim kleinen Triftje (Alpweide) ’ (Zermatt), der Gabuhorusattu ‘ der Sattel (Bergübergang) beim (Fiescher) Gabelhorn ’ (Fieschertal), der Grüenbergsattel ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Grünberghorn ’ (Saas-Almagell), der Nördlich Teiffesattel ‘ der nördliche Sattel (Bergübergang) beim Tiefenstock ’ (Oberwalld), der Rottausattu ‘ der Sattel (Bergübergang) zwischen Rottalhorn und Jungfrau ’ (Fieschertal), der Südlich Teiffesattel ‘ der südliche Sattel (Bergübergang) beim Tiefenstock ’ (Oberwald), der Tiereggsattil ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Tieregghorn ’ (Raron), der Wannenhoresattel ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Chly Wannenhorn ’ (Fieschertel), der Wismiessattul ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Weissmies ’ (Zwischbergen) dar. Einen Sonderfall bildet der Hügisattu ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Finsteraarhorn, benannt nach Fr. J. Hugi ’ (Fieschertal). Nicht immer sind die Erstglieder Gipfel- oder Gletschernamen: Burschtsattel ‘ der Sattel (Bergübergang) oberhal des Burst ’ (Blatten), der Märetschisattil ‘ der Sattel (Anhöhe) oberhalb der Märetschi-Alpe ’ (Leuk), der Schiltisattel ‘ der Sattel (Einsattelung) bei den Schiltine (kleine Schilde) ’ (Reckingen), der Seewinusattel ‘ der Sattel (Einsattelung)bei Ze Seewinu (bei den kleinen Seen) ’ (Saas-Almagell), der Silbersattel ‘ der Sattel (Bergübergang) zwischen Nordend und Dufourspitze im Monte Rosa ’ (Zermatt), Steintällisattel 29 30 Sattel <?page no="834"?> ‘ der Sattel (Bergübergang) oberhalb des Steintälli zwischen Plattenhorn und Sonnighorn ’ (Saas-Almagell). Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bäärg, Bord, Brunnu, Chnubel, Egg(a), Fääsch, Graat, Grabu, Haalta, Hooru, Lamma, Läger, Ledi, Legi, Löüb, Licka, Löuwina, Riische, Schleif, Schluocht, Spis, Spitz, Stäga, Sunne, Tola, Twära, Wäg, Wang und Zug. Unsicher ist die Ableitung Sattler in Sattlertola (Eyholz, Visp) und Sattlerwald (Eyholz). In den Daten findet sich kein Sattel in der Nähe; zu vermuten ist deswegen ein Besitzername. In Frage kommen: Sattler als FaN im F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1758) belegt für Visperterminen, oder der alt für den Bezirk Visp bezeugte FaN Vomsattel (AWWB 286). Einen Sonderfall bildet der Typ Sattellegi (cf. HL L EGI ), der für Baltschieder, Bellwald, Brig, Bürchen, Ferden, Eggerberg, Kippel, Reckingen, Termen, Unterbäch, Visp und Zwischbergen belegt ist. TGNB (1, 2, 1106) gibt dafür in Bichelsee-Balterswil (TG) als Deutungen: ‘ Ort, wo der Sattel (beim Ausruhen) abgelegt wurde ’ oder ‘ Sattelförmiger Übergang über Weidzaun ’ . BENB (1, 3, 67 ff. s. v. Legi) kennt den Typ Sattellegi nicht; es deutet aber Legi vor allem als Zaundurchgang oder als Ort, wo etwas abgelegt wird. Es verweist auf I D . und URNB (2, 533), wonach Ledi und Legi im Schweizerdeutschen teilweise identisch sind; Sattellegi kann also sowohl das Auf-, wie das Ablegen eines Sattels (auf ein Lasttier z. B.) meinen. Der Typ Sattellegi findet sich als Alpname ebenso wie in der Nähe der Siedlungen; auf den Alpen sind Zaundurchgänge kaum zu erwarten, sodass wohl eher die Ab- oder Auflegestelle einer Last auf das Lasttier gemeint ist. Sattermänt Sattermänt ist nur in Gampel als ts Sattermänt belegt. Vermutlich handelt es sich um einen mit Attermänz ‘ das dunkle Gebiet ’ (cf. HL A TTERMÄNZA ) verwandten Namen, mit dem anlautenden Artikel verbunden. Historische Belege fehlen allerdings. Satz Satz m. ist zu schwdt. Satz m., Pl. Sätz, Setz, Dim. Sätzli, Setzli (Pl. Setzleni) m. ‘ Felsstufe, schmale Terrasse an einem Abhang, Fels ’ , mhd. saz m. (I D . 7, 1517 ff., bes. 1526, 6a; Z INSLI (1946, 335)) zu stellen. G RICHTING (1998, 167) kennt zwar Sazz m., Pl. Sezz und gibt ‘ Satz, Sprung, Reichtum ’ als Deutung, jedoch nicht die hier angenommene Deutung für Flurnamen. Als Simplex im Singular kommt das HL als der Satz ‘ der Felsabsatz ’ oder im Satz ‘ im Felsabsatz ’ in Fieschertal, Niedergesteln, Randa und Visperterminen vor. Der Plural t Setz ‘ die Felsabsätze ’ ist in Täsch und Törbel belegt. Der Obliquus steht in uf de Setze ‘ auf den Felsabsätzen ’ (Betten, Grengiols), sowie uf de Setzu (Ried- Mörel), ine Setzu (Baltschieder), ufe Setzu (Eisten). Ein Diminutiv im Plural ist t Setzjini ‘ die kleinen Felsabsätze ’ (Ritzingen). Mit attributiven Adjektiven ist das HL wie folgt konstruiert: der Blaaw Satz ‘ der blaue Felsabsatz ’ (Randa), die Finstere Sastz (? ) ‘ der finstere Felsabsatz (unsichere Lesung und Genus Feminin) ’ (1801, Salgesch), der Lägend Satz ‘ die ebene Terrasse ’ (Fieschertal), t Läze Setz ‘ die sonnabgewandten Felsabsätze ’ (Blitzingen), Ober Satz ‘ der obere Felsabsatz ’ (SK, Niedergesteln). Komplexere Konstruktionen sind der Ober Blau Satz ‘ der obere blaue Felsabsatz ’ und der Unner Blau Satz ‘ der untere blaue Felsabsatz ’ (beide Zermatt). Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita wie folgt belegt: t Dischtelsetz ‘ die Felsabsätze mit Disteln ’ (Fieschertal), t Griessetz ‘ die Felsabsätze oberhalb der Griestolä (Mulden mit Steingeröll) ’ (Grengiols), di Grindjisetz ‘ die Felsabsätze im Bereich der Alpe auf dem kleinen Grund ’ (Oberems), die Grumpulsetz ‘ die Felsabsätze mit (Stein-)Gerümpel ’ (Saas-Balen), der Reschtisatz ‘ der Felsabsatz bei der Reschti (Raststelle) ’ (Fieschertal) mit der Ober Reschtisatz ‘ der obere Teil des Felsabsatzes bei der Reschti (Raststelle) ’ und der Unner Reschtisatz ‘ der untere Teil des Felsabsatzes bei der Reschti ’ (beide Fieschertal). Als Bestimmungswort kommt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Matta und Wald. Zum Verb setze n im Sinn von ‘ pflanzen, anbauen ’ (I D . 7, 1617) sind wohl das Verbalabstraktum auf - I (S ON- DEREGGER 1958, 497) Setzi f. ‘ der Ort, wo man Pflanzen / Reben setzt ’ und das Bestimmungswort Setzin Setzgrabu ‘ Setzgraben (Graben, der zur Verjüngung der Reben dient) ’ und Setzräbe ‘ Setzreben (Setzlinge, die zur Verjüngung der Reben dient) ’ zu verstehen (E GLI 1982, 170 und 200). Das Simplex Setzi ist nur historisch belegt: Setzi (1632, Raron - im Kontext steht an der Alten Bÿnden ‘ am alten Pflanzplatz ’ ; Setzi scheint einfach eine Alternative dazu zu sein), an der Setzi ‘ am Ort, wo man Pflanzen setzt ’ (1674, Hohtenn), d Setzi ‘ der Ort, wo man Pflanzen setzt ’ (1571, Unterbäch). Auslautendes / n/ ist erhalten in jn der Setzin ‘ am Ort, wo man Reben setzte ’ (1304 u. später, Eyholz; im Kontext steht vinea ‘ Weinberg ’ ), in der Seycin ‘ am Ort, wo man Reben setzte ’ (1245, Stalden; später Setzin, ebenfalls vineam ‘ Weinberg ’ ), an die Setzin ‘ an den Ort, wo man Pflanzen setzte ’ (1653, Bürchen). Das Kompositum Setzgrabe ist als der Setzgrabo und t Setzgräbna (beide Visperterminen), Setzgraben (1822, Salgesch), Setzgräbu (FLNK, Stalden) und Setzgräbe (FLNK, Zeneggen) belegt. Der Typ Setzräbe kommt Sattermänt 31 32 <?page no="835"?> als Setzräben (1629, Zeneggen), Setzreben (1845, Salgesch), die Setzreben (1708, Leuk) vor. Unklar ist Setzi im dreimal belegten Setzihore (Bellwald, Fieschertal, Selkingen), das auf LT als Setzehorn belegt ist. Die Gwp. aus Selkingen sagt, es sei ein Gipfel mit “ Felssätzen ” , jedoch liegt kein Simplex Setzi unterhalb des Gipfels. Nur einmal ist das Bestimmungswort Setzil in Setzilried ‘ das Ried beim Gebiet, wo Pflanzen gesetzt wurden (unklar) ’ (Bürchen) belegt. Es lässt sich als Stellenbezeichnung auf - IL zu Satz, pl. Setz auffassen (S ONDEREGGER 1958, 513) Die Form t Satzig (Stalden) mit dem wohl dazugehörenden au ᵕ f der Obren Satzig (1824) scheint eine Stellenbezeichnung auf - IG (<ahd. -ing) zu sein (S ONDEREGGER 1958, 506), hier wohl mit kollektiver Bedeutung ‘ die Felsabsätze ’ . Satzi n g (I D . 7, 1582 ff.) ist zwar erwähnt, aber in ganz anderen Bedeutungen. Ob das nur einmal belegte t Satzge (Visperterminen) hieher zu stellen ist, bleibt offen. I D . kennt satzge nur als Verb für Baselstadt im Sinn von ‘ springen ’ (I D . 7, 1581). Ein sonst nirgends belegtes ts Fersetz ist als ts Ober und ts Unner Fersetz (Gampel) belegt. Laut Gwp. handelt es sich um Schutzmauern für den Fluss Lonza. Da das Gebiet, in dem sie liegen, der Steischlag heisst, dürfte es sich um eine Schutzmauer vor Steinschlag handeln; auf der Karte erkennt man in diesem Gebiet zwei Mauern. Vermutlich handelt sich bei Fersetz um ein Verbalabstraktum zum Verb versetze (I D . 7, 1678 ff.), entweder in Bedeutung 1 ‘ sperren ’ oder in Bedeutung 4 ‘ versetzen von Bauteilen ’ . Ob das einmal belegte zer Setzmüüru ‘ bei der Mauer zum Schutz der Lötschberglinie ’ (Niedergesteln) das Wort für ‘ sperren ’ enthält oder doch eine Mauer auf den Felsabsätzen meint, ist unklar. In beiden Fällen ist jedoch klar, dass die Mauer dem Schutz der Lötschberglinie gegen Steinschlag dient. Sautier Sautier ist die frz. Form für Salteri, das im 13. Jh. in li lista salteri ‘ das Bord des Gerichtsdieners ’ (Albinen, 13. Jh.) erscheint. 1320 heisst der gleiche Ort in Albinen aber la lista psalteri. Wie uns P H . K ALBERMATTER (p. c.) mitteilt, ist die Schreibung psalteri für salteri jedoch häufig. Im Übrigen ist Sautier s. v. Sauthier und anderen Formen als FaN in AWWB (230) gut belegt. Es ist also unsicher, ob ein FaN oder eine Amtsbezeichnung vorliegt. Saxum Saxum ist ein lat. Wort für ‘ Fels, Stein ’ ; das frpr. Gegenstück ist sex (B OSSARD / C HAVAN 2006, 32) und die dort erwähnten anderen Formen. Die belegten Namen enthalten die lat. Grundform SAXUM oder eine flektierte Form ( SAXI (gen. sg.), SAXO (dat./ abl. sg.), SAXA (nom. / acc. pl).). Vermutlich handelt es sich in den meisten Fällen um Latinisierungen des Notars. Als einziges Simplex ist belegt iuxta saxum ‘ beim Fels ’ (1356, Varen). Das dort 1474 belegte de saxo ist vermutlich ein Alpname, der kaum zum ersten Beleg gehört. Alle anderen zu diesem HL gehörenden Belege sind zu anderen HLL zu stellen; normalerweise geben sie nur an, dass ein Fels oder ein Steinblock gemeint ist. Die meisten dieser Belege sind mit einer Präposition angeschlossen. Solche Belege im Singular oder Plural sind: de Dorbons (1291, Albinen), de Campo Cort (13. Jh. u. später, Ergisch), de Berdes (1326, Inden), de Dala (1295 u. später, Leuk), dÿ Replang (1566, Leuk), dou Plang (1485, Salgesch; unklar 1566), de Plambis (1587, Varen; auch de Plangbis), dÿ Luss (1587, Varen), jllorum de Varona (1587, Varen), de crista de Varonna (1339, Varen), de la Ravij (1490, Varen, unklar), de laz Paryz (1490, Varen), dov Prylet (1490, Varen), dov Pyssyour (1490, Varen), Mayenchet (1433, Varen; unklar), de Dala (1490, Varen), di Curs (1587, Varen; 1577 Leukerbad). Eine einzige andere Form ist jn saxo fracto ‘ beim gespaltenen Stein ’ (1346, Bratsch), wo lat. fractus ‘ gespalten, gebrochen ’ verwendet wird; laut Dokument handelt es sich um einen Flurnamen, der aber lateinisch notiert wird. Die mit Präpositionen wie de, dÿ, ov usw. angeschlossenen Namen zum HL S AXUM lassen sich als Bestimmungswörter zum Grundwort Saxum ‘ Fels, Stein ’ verstehen. Vermutlich ist aber das HL S AXUM eine Latinisierung, die nicht einem Flurnamen entsprach, sondern einfach ein Appellativ wiedergab. Scarone Scarone ist einmal belegt in Pizzo Scarone (LT, Saas- Almagell, 3268 m), einem Grenzgifpel zu Italien. Dazu gehört wohl die Alpe Scarone (auf it. Gebiet) Es handelt sich vermutlich um einen FaN. D EVOTO / O LI (2020, 1974) verweisen jedoch unter scarognato auf eine Ableitung zu scarogna, einem Pflanzennamen zu A LLIUM ASCONLONICUM (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1286, dt. Schalotte), die auf dieser Höhe kaum gewachsen ist. Die Ableitung von einem FaN ist deswegen wohl sinnvoller. Scera Scera kommt nur im Kompositum t Muntschera (Zwischbergen; 1: 10000 Muntscherapass) und Passo di Monscera (LT, Zwischbergen) vor. Der Name ist auf der italienischen Seite als Alpe di Monscera belegt. J ORDAN (2006, 393) kennt Munschäära und Munschäärusiita; letzteres ist ein Bergweideabhang in der Munschäära. Die einschlägigen Wörterbücher geben keine Deutung für Scera oder 33 34 Scera <?page no="836"?> Monscera. Die vorgeschlagene Trennung in Monte und Scera sieht in M ONTEM einen lokalen it. Ausdruck für eine Alpe (vgl. P ETRINI 1993, 308). Schaaf Schaaf n. ‘ Schaf ’ ist zu schwdt. Sch ā f(f) n., amhd. sch ā f n. und wdt. Schaaf ‘ Schaf ’ (I D . 8, 285 ff.; G RICHTING 1998, 167) zu stellen. R ÜBEL (1950, 101 f.) gibt die verschiedenen Benennungen für weibliche und männliche, junge und ältere Schafe an; als generellen Terminus für die älteren Tiere nennt er Schaafji ‘ kleines Schaf ’ . In den Flurnamen kommt Schaaf nur als Bestimmungswort und fast ausschliesslich in dieser Form vor; auf Ausnahmen wird später hingewiesen. Es sind etwa 100 Flurnamen mit dem HL belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL vor allem in den Typen der Schaafbärg ‘ der Schafberg (Schafalpe) ’ (Albinen und 13 weitere Belege, darunter historische), ts Schaafläger (Blatten und fünf weitere), t Schaafläger (Ulrichen und fünf weitere, Plural) ‘ die Lagerstätte für die Schafe ’ , wobei in Mund ts Schaaffuläger ‘ die Lagerstätte für die Schafe ’ belegt ist, also eine flektierte Form des Bestimmungsworts im Plural. Weitere Grundwörter mit zweigliedrigen Komposita, teils mehrfach belegt, sind: Acher, Alpa, Balma, Blatt, Brunnu, Dili, Egg(a), Färich, Gale, Gassa, Gilla, Glutte, Grabu, Grächen, Grund, Hitta, Lee, Licka, Lischa, Matta, Mutt, Schiir, Stafel, Tola, Wald, Wang, Weid, Wäg, Wäschi und Zel. Der Plural des HL kommt auch in jn den Schafen Matten (1752, Gampel), der Schaaffufärich ‘ der Pferch für die Schafe ’ (Visperterminen, zwei Belege), ts Schaaffuhittji ‘ die kleine (Alp-) Hütte für die Schafe / Schafhirten ’ (Visperterminen) und ts Schaaffutal ‘ das Tal der Schafe ’ (Randa) vor. Komplexere Bildungen sind u. a. der Hinner und der Voder Schaftreie ‘ der hintere und der vordere Weg für die Schafe ’ Reckingen), der Gross und der Chlei Schafwang ‘ der grosse und der kleine Grasabhang für die Schafe ’ (Leuk), mim Geis und Schafchromu ‘ beim eingezäunten Stück Weide für Ziegen und Schafe (Ortsteil von Hohtenn) ’ (Hohtenn), ts Mittluscht, ts Obruscht und ts Undruscht Schaafläger ‘ die mittlere, oberste und unterste Lagerstätte für die Schafe ’ (Blatten), bim Altu Schaaffufärich ‘ beim alten Pferch für die Schafe ’ (Vispeterminen) sowie di Turtmaschafalpu ‘ die Schafalpe von Turtmann ’ und t Ämser Schafalpu ‘ die Schafalpe der Gemeinde Ems (heute Ober- und Unterems) ’ (Oberems, Turtmann). Nur einmal belegt ist die Ableitung Scheefer in der Scheefersprung ‘ der Ort, wo die Schäfer einen Mutsprung machten ’ (Hohtenn). Es handelt sich um eine - ER -Ableitung für ein Nomen actoris (S ONDEREGGER 1958, 531 ff.). Schaafman Schaafman ist unklar. Der älteste Beleg an den Schafmannen (1634, Zwischbergen) FaN, später Schaafman (1764, Zwischbergen), explizit als Alpe bezeichnet, ist mehrdeutig: es kann sich um einen PN Schafmann handeln, aber auch um eine Berufsbezeichnung (Schäfer, Schaffner). Der einzige lebende Beleg ist der Schaafnuwald (Zwischbergen), historisch unsicher ist Schaffenstafel (1642, Zwischbergen). J ORDAN (2006, 391) kennt Schaaffnuwald auch Schaafmawald und Schaafinuwaald, ohne Deutung. Das Register zu den HRBS kennt Schaafman und Varianten davon als FaN. Es dürfte sich also um den Wald der Familie Schaafman handeln. Schaalta Schaalta ist als zer Abschaaltu ‘ bei der Abschaltstelle (Stelle zur Ableitung des Wassers) ’ (Visperterminen) belegt. Es ist zu schwdt. Abschalte n f. ‘ Abzugskanal ’ (I D . 8, 710) zu stellen, hier eine Schleusenvorrichtung zum Ableiten des Wassers einer Wasserleitung (früher wohl t Niwa ‘ die Neue ’ ). Formal abgeleitet vom Verb abschalte n ‘ fliessendes Wasser ablenken, ableiten ’ (I D . 8, 714). Bei G RICHTING (1998) sind weder Schaalta, noch Abschaalta belegt, vgl. aber B ELLWALD / W ÜRTH (2006) s. v. Anschalta. Schaalteri t Schaalteri (Reckingen) ist der Name einer Alp (auf 1: 10000 Schaltere). Dazu gibt es der Schaalterigrabe ‘ der Graben von der Schaalteri herunter ’ und Schalteribach ‘ der Bach, der von der Alp Schaalteri herunterfliesst ’ (FLNK). Es handelt sich um eine Ableitung auf - I oder - ERI (S ONDEREGGER 1958, 471 ff. und 551), wohl zu Schalte n f. (I D . 8, 709 f.) zu stellen, beide als Stellenbezeichnung möglich. Im Wallis ist häufig im Zusammenhang mit Wasserleiten von Schalta oder Abschalta die Rede (cf. HL S CHAALTA und I D . 8, 710 s. v. Abschalte n ). Es kann sich also um eine Alpe mit einer Wasserleitung handeln. Schäärt Schäärt m. ist zu schwdt. Schart m., Pl. Schärt, Scharte(n) f. wie nhd. ‘ Scharte; Einschnitt, scharfe Einsenkung in einem Bergrücken ’ mhd. scharte f. (I D . 8, 1307 f.; NWNB 3, 1818) zu stellen. Das Simplex Schäärt ist in Betten und Grengiols belegt. In Grengiols ist mit den Grundwörtern Brigga, Egge, Höu, Moss und Wald, sowie dem Schärteggwald ein Namennest vorhanden, das aber nicht mit dem Simplexbeleg zusammenzuhängen scheint, der davon entfernt ist; hierzu gehören auch Belege aus Ernen wie Schärtegg und Schärtmoss. An andern Orten (Binn (1761 u. später) und Ausserbinn sind ebenfalls Brigga, Egga und Moss als Grundwörter vertreten. Unsicher ist der bei Raron 1307 als Scherteccun belegte Flurname, der Schaaf 35 36 <?page no="837"?> sich laut Dokument bei St. German befindet. Unklar ist weiter am Scherttÿweg (1572, Niedergesteln), wo ein Diminutiv zu vermuten ist, aber auch Schrettyweg gelesen werden kann. Eine Ableitung stellt im Schertig (1843, Fiesch) dar, wo das Suffix wohl eine Stellenbezeichnung ( ‘ schartiges Gebiet ’ ) meint. Insgesamt ist das HL sehr unsicher. Schääru Schääru ‘ Schirm, Schutzraum ’ ist die wdt. Form zu schwdt. Schërm, wdt. Schëre n , Schëru n , Schërme n m., f., Pl. Schërme n , Schërne n , Dim. Schërmji ‘ was Schirm, Schutz gewährt, als Teil von Baulichkeiten, namentlich mit Bezug auf den Schutz gegen Wind und Wetter; als selbständiges, mehr oder weniger primitives, provisorisches Gebäude, Verschlag, Unterstand; Heustall in den Alpen; krippenloser Schutzstall auf Alpen, seltener auch auf Talweiden, in dem die Kühe bei Unwetter, etwa auch bei Nacht eingestellt wurden; andere Wetterschutz gewährende Gegenstände ’ , ‘ Dach, Obdach, Unterstand, Schutz ’ , ahd. scërm m., mhd. schërm, schërme (I D . 8, 1275 ff.; G RICHTING 1998, 168; C. S CHMID 1969, 81). Die walliserdeutschen Formen ohne -merklären sich aus der Entwicklung von -rm# wie z. B. auch in Aare ‘ Arm ’ . Das Lemma kommt als Simplex in sechs Belegen vor als der Schero (1591, Ried-Mörel), bim Schäre (drei Belege in Binn), Schäre (Ernen) und bim Schere (Ernen, FLNK, gleicher Ort wie Schäre). Als Diminutiv ist belegt ts Scheerumji ‘ der kleine Wetterschutz ’ (Zwischbergen). Unsicher ist Schääri (Binn, FLNK), da Angaben zu Genus und Numerus fehlen. Nur einmal ist Schääru Grundwort in der Sickerschääre ‘ die Schutzhütte auf der Alpe Sick ’ (Grengiols). Die übrigen rund zwanzig Belege enthalten das Lemma als Bestimmungswort in t Schäärembalmä ‘ die überhängenden Felsen, die Schutz bieten ’ (Blatten), der Schäru Böum ‘ der Baum, der Schutz bietet ’ (Randa), t Schärflüe ‘ die Fluh, die Schutz bietet ’ (Bellwald) und das Gleiche historisch 1392 als Scherenflu ᵉ (Naters), t Schääremhuisini ‘ die kleinen Häuser (Hier: Steine), die Schutz bieten ’ (Wiler), tsch Schäärutach ‘ das Dach, das Schutz bietet (hier Dach über Dorfbrunnen) ’ (Eggerberg), ts Schäärutach ‘ das Dach, das Schutz bietet ’ (Lalden, kein Hinweis auf Gebäude oder Stein), dazu zwei weitere Belege in Visp (identisch mit Eggerberg) und Baltschieder (identisch mit Lalden), t Schäärutanna ‘ die Tanne, die Schutz bietet ’ (Ried-Mörel), bin der Schäärutannu ‘ bei der Tanne, die Schutz bietet ’ (Betten), dazu drei weitere Schärtanna (Blitzingen, Grengiols, Oberwald) und der Schärutrog ‘ der Brunnentrog mit einem Schutzdach ’ (Mund). Etwas unklar ist ts Schäreglutte ‘ zum Tümpel beim Schutzunterstand (? ) ’ (Grengiols). Komplexer sind das dazu gehörende t Schäreglutteweng ‘ die Grasabhänge bei ts Schääreglutte ’ (Grengiols) und ts Schäärutachschiirli ‘ die kleine Scheuer beim Dach, das Schutz bietet ’ (Baltschieder). Noch komplexer sind der Schäre in Tschampige Wiissi ‘ der Schutzunterstand bei der Stelle mit weissen Felsen der Alpe Tschampigen ’ (Binn) und das historische beÿ Christen Andres Scherentach ‘ bei Christen Andres ’ Schermdach (Dach als Schutz vor Wetter) ’ (1703, Zeneggen). Schaatet Schaatet ist einmal in Leukerbad als t Schaatet ‘ der kleine Hügel ’ belegt. Historisch belegt ist 1756 im Schantet, eine maskuline Form. Auf SK wird deutlich, dass das Stück Wiese sich ausserhalb des alten Dorfes befand, aber im relativ flachen Teil; heute ist die Gegend überbaut. Der Name ist wohl zu frz. chanteau im Sinn von ‘ kleiner Hügel, Anhöhe ’ zu stellen (G PSR 3, 321, 5°). / n/ ist in dieser Umgebung geschwunden (Denasalierung im Patois). Das auslautende - ET deutet auf eine maskuline Ableitung auf - ITTU hin, eine sonst unbelegte diminutive Form des Etymons (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287). R. G RICH- TING (1993) kennt den Flurnamen nicht. Schachel Schachel ‘ Gruppe von Pflanzen ’ m. ist nur einmal in der Schachel (Betten) belegt. Es ist zu schwdt. Schachel m., Dim. Schacheli ‘ Gruppe zunächst von Bäumen, dann auch von Stauden, Pflanzen überhaupt ’ , Nebenform von Schache(n) (I D . 8, 102) zu stellen. G RICHTING (1998) kennt das Wort nicht. I D . weist das Wort nur für Graubünden nach, laut der Datenbank www.ortsnamen.ch ist es 1541 als ts Schachel (Wallisellen ZH) belegt. Das deutet auf weitere Verbreitung hin. Schadaratz (FaN) Schadaratz (FaN) ist nur 1530 in Mühlebach als Schadaratzmatten ‘ die Wiese der Familie Schadarat ’ belegt. 1528 ist eine Anne Schadarratz in Ernen bezeugt; es handelt sich wohl um einen Genitiv zum FaN Schadarat oder ähnlich; der FaN ist sonst nicht belegt. Schafinu Schafinu ‘ J UNIPERUS SABINA , Sefistrauch ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 92) ist als Tschafine (FLNK, Leukerbad) und der Tschafinuwald (Leukerbad) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 21 Tschafinä und Blatt 22, Nr. 9) kennt den Namen als Tschafinä. Anlautendes / t/ wird als agglutinierter Artikel verstanden. Vermutlich ist der Flurname aus dem Frpr. übernommen, vgl. FEW (11, 5 s. v. sab ī na sadebaum), vgl. aber auch schwdt. Sefi m., n. ‘ Sade-, 37 38 Schafinu <?page no="838"?> Sevebaum, Juniperus Sabina ’ , ahd. sevin, sevina, aus lat. (herba) sabina (I D . 7, 341; M ARZELL 2, 1094 ff.). Schäfrätschä Schäfrätschä ist ein Plural, der nur in t Schäfrätschuweng ‘ die Grasabhänge bei den Schäfrätschä ’ (Blatten) belegt ist. FLNK hat Tschäfrätschuwang. Gwp. sagt, <schäfrätschä> seien “ plattenförmige Steine ” . Zu vermuten ist, dass das HL eine Zusammensetzung des Adjektivs wdt. tschëb ‘ schief ’ , wdt. tschäb ‘ schief, schräg ’ (I D . 14, 1687; G RICHTING 1998, 199) und des schwdt. Nomens Rätsche n ‘ Hanfbreche ’ , wdt. Rätsche, Rätscha (Lötschental, Flachs), Rätschu ‘ Flachs-Brechgerät ’ (I D . 6, 1843 ff.; G RICHTING 1998, 160) ist, womit die Felsplatten verglichen werden. Der Flurname trennt den femininen Artikel / t/ hyperkorrekt vom Stamm; das / f/ an Stelle des / b/ lässt sich aus der Zusammensetzung erklärgen. Der Name meint also den metaphorischen Vergleich einer schiefen Hanfbreche mit den Felsen. Schalch Schalch m. ist nur 1470 in Naters als am Schalchberg belegt. Da das Dokument den Schalchberg der Pfarrei Naters zuschreibt, die damals den ganzen späteren Bezirk Brig umfasste, kann der Schalchberg auch in Ried- Brig vorhanden gewesen sein. Der im Dokument erwähnte Nikolaus Wala (AWWB 289) könnte aus Ried- Brig kommen. 1386 ist tatsächlich der spätere Schallberg als Schalchberg für Ried-Brig belegt (er ist dort zum HL S CHELB gestellt). Obwohl das HL S CHALCH in I D . (7, 673 ff. s. v. Schalk, Schalch) als ‘ Knecht ’ usw. belegt ist und auch als FaN gebraucht wird, ist vermutlich der Schalchberg identisch mit dem Schallberg in Ried-Brig. Diese Deutung versteht den Namen gegen den Wortsinn, sodass als Deutung ‘ der Berg, der dem Schalch (Diener, ev. Personennamen) gehört ’ erscheint. Sinnvoller wäre wohl ‘ der steile Berg ’ . Schaldonier Schaldonier ist lebend als t Schaldonier (Leuk, FLNK, 1: 10000 und LT Schaldonier) belegt. auch 1589 im Tschaldenier, das sich bei Agarn befindet, aber zu Leuk gestellt ist, gehört hieher. Weitere historische Belege sind 1670 Zschaldenier, 1703 jm Zschaldenier, 1703 jm Tschaldonier, 1706 jm Schaldenier usw. Der Genuswechsel ist 1711 in die Tschaldeniere (Wiese) angedeutet; heute scheint das Femininum usuell geworden zu sein, wenn nicht ein Plural gemeint ist. Die Deutung ist sehr schwierig, weil üblicherweise / l/ vor / d/ früh vokalisiert wurde (vgl. frz. chaud < lat. C Ă L ( Ĭ ) DUS ). Zwar ist in Leuk di Galdinu (1203 caldana) belegt, aber vor der Veränderung von anlautendem / c/ zu / t š / . Das sonst etwa gebrauchte caldana ‘ warme Quelle ’ orientiert sich am Lateinischen. Das hier weiter verwendete Ableitungssuffix müsste maskulin sein, also wohl - ARIU (B OSSARD / C HAVAN 2009, 288). Da aber der älteste Beleg von 1589 stammt, kann der Flurname nicht gedeutet werden. Schales Schales ist nur 1514 in Varen als ad cristam dou schales belegt. Während crista ‘ Bergkamm ’ gut belegt ist, kann dou schales vermutlich zu FEW (17, 8 ff. s. v. *s ă l (anfrk.) einraumhaus) gestellt werden, wobei das auslautende -s dem generalisierten Akkusativ entspricht. Vgl. hierzu auch B OSSARD / C HAVAN (2006, 219 s. v. Sala, Sales) ad cristam dou schales wäre dann ‘ der Bergkamm beim Sall (Haus) ’ . Schali Schali ist zu Schali ‘ kleine Schale ’ (I D . 8, 553) zu stellen; die Form mit kurzem Vokal ist als Beleg von M ORITZ T SCHEINEN (damals Pfarrer in Grächen) angegeben. Ob Schali auch zu Sch ă le n ‘ Schale ’ und wdt. Schala, Schalä (Goms), Schalu ‘ Schale ’ (I D . 8, 542; G RICHTING 1998, 168)) zu stellen ist, bleibt zwar unsicher, ist aber wohl naheliegend. Die weitaus meisten Belege bilden ein Namennest mit dem namengebenden Zentrum Schali ‘ kleine Schale ’ (Randa, Täsch), eine sandige Ebene im Mattertal zwischen Täsch und Randa, die an eine Schale erinnert. Hierzu gehören das Inner und das Üsser Schali, das Voder und das Hinner Schali, dann Schaliäbi, Schalibach, Schalibrigga, Schalichi, Schaligrat, Schalihorn, Schalijoch, Biwak Schalijoch SAC, Schalisand und wohl auch der historische Beleg in Schalen (1680, Täsch). Die SK schreibt übrigens immer Schalli und hat als einzige auch das Ober Schallijoch (Randa). In St. Niklaus gibt es drei historische Belege, die vermutlich zum Lemma Schali gehören: Jn Schalun (1506, wohl Wohnort des im Beleg Genannten), am Schalen Sandt (1620, St. Niklaus), wohl das Sandgebiet bei Schalen, im Schalenberg (1700) (unklar mangels Kontext). Ganz unklar ist der Beleg Schalam (1659, Eggerberg); es handelt sich um eine latinisierte Form im Akkusativ Singular Feminin; das Grundwort ist wohl Schale n in einer seiner Bedeutungen, die ohne Kontext nicht spezifiziert werden kann. In Erschmatt wird eine Wasserleite (aquaeductum) Schalen (1709) genannt, ebenso in Varen ob der Schalen Wasserleÿtten (1665) - es ist also eine Wasserleite, die von oder nach Schalen führt. Auch hier bleibt unklar, ob es sich um Schali ‘ kleine Schale ’ handelt oder das sonst belegte Sch ă le n . Eine Diskussion dazu bringt URNB (3, 50 f.), das auch lat. scala ‘ Leiter, Treppe ’ ins Spiel bringt. Das dürfte für Randa und Täsch kaum zutreffen (lat. SCALA wird frz. Schäfrätschä 39 40 <?page no="839"?> échelle (T AGMANN 1946, 65), it. scala würde zu Schgala). Auch die Belege zu Schalen in Erschmatt und Varen legen diese Herleitung nicht nahe. Schalido Schalido kommt zweimal in Albinen vor: 1695 en schalido und 1683 in planschalÿdo. Es handelt sich wohl um den gleichen Namen wie Saleydo zu lat. SAL ‘ Salz ’ : ‘ der Ort, wo dem Vieh Salz gegeben wurde ’ (cf. HL S ALEYDO ). Schaliiri Schaliiri ist nur als Schaliiri (FLNK, Albinen) belegt, aber auch bei M ATHIER (2006, 35) erwähnt. Er führt es S. 11 auf lat. CARRARIA , frpr. tsariri ‘ Weg ’ zurück (cf. G PSR 3, 369 ss. s v. charrière; FEW 2, 412 ff. s. v. *carraria fahrweg; T AG- MANN 1946, 15). Die Wiedergabe von / r/ als / l/ entspricht einer Dissimilation im Romanischen. Schaliwie Schaliwie ist eine nur historisch belegte Form in Albinen. 1640 ou Saliuie, 1670 jn Schaliwie, 1675 en Schalauie, 1693 im Schalaui, 1716 im Schaluwe, 1717 in Schaloweÿe. Das von FLNK notierte Schaliiri gehört kaum hieher, sondern zum HL S CHALIIRI . Es handelt sich um einen frpr. Namen, der allerdings spät überliefert ist. Die Form - zunächst mit / s/ am Anfang, später immer / š / - legt ein Wort š ala ‘ Saal ’ (T AGMANN 1946, 81 mit Verweis auf M EYER (1914, 84) als ‘ Schuppen, Remise ’ gedeutet) nahe, das mit dem Patois- Wort ivoue ‘ Wasser ’ (G PSR 6, 2b s. v. eau) zusammengesetzt wäre; wir gehen dann davon aus, dass š ala hier ähnlich wie im HL S ALL verwendet wird und das Ganze etwa ‘ saalartiges Gelände mit Wasser ’ heisst. G. P ANNA- TIER (p. c.) setzt frpr. châ ‘ Salz ’ (FEW 11, 76 s. v. sal) und ivoue ‘ Wasser ’ an, hat aber dann das Problem, dass das dialektal verschwundene / l/ wieder erscheint. Schall Schall ist als HL sehr unsicher. Einige Belege gehören zum HL S CHELB ‘ schräg ’ mit Assimilation des auslautenden Konsonanten an das folgende HL (z. B. t Schallmatta (Zeneggen) mit historischen Belegen wie 1310 Schelbmatta), andere wohl zum HL S CHALI ‘ kleine Schale ’ . Als relativ sichere Belege bleiben: der Schallture ‘ der Schallturm (Felsturm mit Echo) ’ (FLNK, Oberwald) und t Schaumeder ‘ die Mähwiesen mit Echo (? ) ’ (Binn). Die l-Vokalisierung spricht eher gegen das HL S CHELB ; historisch ist seit 1817 Schal oder Schall belegt; es kann sich aber trotzdem um das HL S CHELB mit Assimilation handeln. Ganz unklar ist Manschaal (FLNK, Erschmatt; cf. HL M ANSCHAAL ). Die Betonung ist nicht notiert, das Genus auch nicht. Da Erschmatt in ursprünglich bilingualen Bezirk Leuk liegt, könnte auch ein rom. Wort vorliegen. Es handelt sich um eine hochgelegene Stelle (2563 m) im Fäselgrat oberhalb Erschmatt. Eine Deutung ist nicht möglich. Schallbetter (FaN) Schallbetter (FaN) ist entweder der FaN Schallbetter, Schalbetter, Schelbetter, seit dem 15. Jh. bekannte Familie des Nikolaitales (AWWB 233), laut Register HRBS aber auch sonst im Oberwallis vorkommend, oder generell bezogen auf eine Flur Schallbett (cf. HL S CHELB ). FaN sind wohl der vorangestellte Genitiv in Schalbettersbrúnnen ‘ die Quelle der Familie Schallbetter ’ (1745, Ergisch) und in turri Schalbettero ‘ im Turm der Familie Schalbetter ’ (1661, St. Niklaus). Die übrigen Belege enthalten Schallbetter als vorangestellten Namen Schallbetter Mayen ‘ das Maiensäss der Familie Schallbetter ’ (1927, Salgesch), t Schallbetterflüe ‘ die Fluh der Familie Schallbetter ’ (Zermatt). Unklar ist die Situation in Gampel. Es gibt dort einen Namen t Schallbletträ, der wohl als nachträgliche Semanitisierung des zweiten Teils zu Blatt gebildet würde. Der Weg dorthin heisst aber Schalbetterwäg, was wiederum das sonst gut bezeugte Schalbett erwarten lässt. Davon deutlich entfernt liegt tiefer Schalblettischteelu ‘ die Dähle (Föhre) der Familie Schalbletter ’ , wo das / l/ wohl in Anlehnung an t Schallbletträ gesetzt wurde. Schaller (FaN) Schaller (FaN) ist ein FaN, auch Schaler. Ihn trägt eine alte Familie des Bezirks Visp, die ihren Namen vom Amte eines Schallers (Ausrufer) oder vom Weiler Schali (bei Täsch) übernommen hat, ebenso wie die Familie von Schallen, deren Zweig sie vielleicht ist (AWWB 233). Der Name ist im Simplex Singular als Schaller (FLNK u. LT, Visp) belegt, in einem Wald auf ca. 1300 m Höhe auf der linken Seite von Vispertal und Rottental. Die gleiche Flur ist bei M. S. als der Schallerwald (Visp, FLNK Schallerwald) belegt. Es könnte sich beim Simplex um eine abgekürzte Form des Namens handeln. Der Genitiv erscheint zweimal als ts Schalisch Äbi ‘ der Abhang der Familie Schaller ’ (Eggerberg) und ts Schalisch Brunni ‘ das Gebiet mit Quellen / Brunnen der Familie Schaller ’ (Törbel). Er bezieht sich wohl auf die Kurzform ts Schali ‘ der Mann mit dem Namen Schaller ’ . Als Bestimmungswort ist Schallengru ᵕ nd ‘ der Grund der Familie Schaller ’ (1850, Eyholz) und der Schalerwald ‘ der Wald der Familie Schaller ’ (Eggerberg) belegt. Im ersten Fall kann auch ein verhochdeutschter schwacher Genitiv Singular vorliegen. 41 42 Schaller (FaN) <?page no="840"?> Schälmu Schälmu ist in der Schälmuturu ‘ der Schelmenturm ’ (Leuk) belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um das alte Bischofsschloss. Schälmu ist zu schwdt., Schel, ‘ verbrecherisch veranlagter, ehrloser, schlechter Mensch, Bösewicht, Schurke ’ , ‘ schlauer, neckischer Mensch, Schalk ’ , ahd. scelmo, mhd. schelm(e) und wdt. Schelm, Schelum ‘ Schelm ’ (I D . 8, 692 ff.; G RICHTING 1998, 169) zu stellen. Das offene / ä/ des Wortes entspricht der Leuker Aussprache. Heute ist das Bischofsschloss restauriert und von Architekt Mario Botta mit einer Glaskuppel versehen. Schamoniere Schamoniere (FLNK) ist in Albinen belegt; M ATHIEU (2006, 15) kennt es als Schamoniiri / Saboniiri, S. 29 wird es als Hinner Schamonieri erwähnt. Historische Belege sind: 1675 in die Schauanirÿ, 1675 in die Schauaniere, 1693, in die Schauanire, 1722 ind Schawoniere, 1753 in die Schammoniere. In M ATHIEU (2006, 11) wird es versuchsweise auf frpr. tsavannes ‘ die Hütten ’ zurückgeführt (FEW 2, 244 ss.). Die Endung -iere oder - ist auf das kollektive lat. - ARIA zurückzuführen. Die Deutung wäre dann ‘ bei den Hütten ’ . Heute befindet sich hier Wald; von Hütten ist nichts zu sehen, sodass die Deutung unsicher ist. Die Zuweisung zum HL T SCHARMONIIRI ist kaum haltbar. Schandarm Schandarm m. (frz. Gendarm) ist zu schwdt. Schandarm m., Pl. Schandarma ‘ Gendarm ’ und wdt. Schandarm, Schandaarum ‘ Gendarm, Polizist ’ (I D . 8, 900; G RICHTING 1999, 168) zu stellen. Im alpinistischen Gebrauch ist ein aufragender Felsturm gemeint, auch Gratturm genannt. Belegt sind der Gross Schandarm ‘ der grosse Gratturm ’ (Randa), der Lochmatterschandarm ‘ der Gratturm, der von Franz Lochmatter (1878 - 1933) als erstem bestiegen wurde ’ (Randa) und Schandarm (Grand Gendarme) ‘ der Gratturm ’ (Randa). Schaneessli Schaneessli ist in Varen als im Schaneessli belegt. Es handelt sich um eine Wiese, die als Schafweide gebraucht wurde, am alten Weg zur Dala-Schlucht. Die Form ist sehr unklar; während das Wort Tsang oder Tschang (> Schan) zu lat. CAMPU - ‘ Feld ’ zu stellen ist (T AGMANN 1946, 57), ist die Endung wohl zusammengesetzt aus - EESS - (vermutlich einer Ableitung auf - ICIA (? )) und - LI ; letzteres wäre ein deutscher Diminutiv. Mangels historischer Belege kann nichts Sicheres gesagt werden; als Übersetzung wird gegeben ‘ das Feld für das Kleinvieh ’ , wobei die Deutung unklar ist. Schangenare Schangenare ist nur historisch in Leuk 1697 als jn Jangenare, 1709 und 1783 als jn Schangenare und in Schangenare belegt. Es handelt sich wohl um eine patois-Form schang zu lat. campus ‘ Feld ’ und frz. champ (T AGMANN 1946, 57). Unklar ist, ob das auslautende / g/ hier auch zum zweiten Teil gehört. Wenn ja, könnte ein PN vom Typ Genare gemeint sein. F ÖRSTEMANN (1, 682) kennt Genard und Genear, die ansatzweise vergleichbar sind. Wenn das / g/ nicht zum zweiten Teil gehört, ist entweder ein PN zum Typ Enare (vgl. hierzu Einhard und Einhart bei F ÖRSTEMANN (1, 39)) oder eine Kombination von Ableitungen möglich. Die späte Überlieferung des Flurnamens macht eine sichere Deutung unmöglich. Schantram Schantram ‘ die kleine Weide-Parzelle ’ ist nur 1550 in Inden als per Schantram belegt; mehr wurde von M. S. nicht notiert. Da per lateinisch ist und den Akkusativ verlangt, ist wohl Schantra die Form des Flurnamens. Die Etymologie des Flurnamens ist umstritten: M EYER (1914, 162) setzt cinctra an, ohne es zuweisen zu wollen, T AG- MANN (1946, 58) gibt für das deutsche Salgesch t š é ̨ ntre an und führt als Deutung ‘ petite parcelle de pâturage ’ (kleine Weide-Parzelle) an. B OSSARD / C HAVAN (2006, 109) haben unter anderem Chentre an, deuten es aber eher als ‘ [b]ord, limite ’ (Rand, Grenze), besonders aber als Ort, wo der Pflug gewendet werden konnte. Da im Oberwallis Pflüge kaum vorkamen, gilt wohl die erste Deutung, die von G PSR (3, 581 ss.) auf lat. canc ě re ‘ grillage, clôture ’ (Drahtzaun, Umfriedung) zurückgeführt wird. J ACCARD und andere führen es auf lat. cinctura ‘ Gürtel ’ zurück, was den Anlaut nicht erklären würde. Lautlich ist wohl G PSR zu folgen. Schaping Schaping ‘ bei der Tanne ’ ist 1736 in Leuk als im Schaping belegt. Vermutlich ist frz. sapin ‘ Tanne ’ zu Grunde liegend (FEW 11, 214 s. v. *sappus tanne), z. B. sapin ‘ abies ecxelsa ’ . wohl eher Abies alba ‘ Tanne ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 84). Schappel Schappel, mit l-Vokalisierung Schappu, ist nur in Binn belegt. Hier gibt es ein Namennest, teilweise mit Schapler gebildet, dessen Kern unklar ist. ts Schaputi (FLNK Schapelti) ist als Diminutiv der einzige Beleg mit dem Simplex. Sonst treten Schapel und seine Varianten als Bestimmungswörter auf. Betrachtet man die Lage der Namen, ziehen sie sich vom Schaputi und der Schapulmatta über den Schaplerstafel und den Schappelerchäuer bis hinauf zur Schapleralpa mit dem Schaplersee. Mit Schälmu 43 44 <?page no="841"?> Schapel / Schapu gebildet finden sich neben den schon genannten auch Schapelbach (1485), Schappubode, Schappugrabe, Schappumatta, Schappumattewaud und Schappuwase. Eine Deutung ist schwierig. Es gibt schwdt. Schappel, Schäppel m., Pl. Schäppel, Tschäppel, Tschäppla, Dim. Schäppeli ‘ Kranz (aus natürlichen oder künstlichen Blumen, Laub) ’ , übertragen nach der Ähnlichkeit der Form, mhd. schapel n., aus frz. chapel (I D . 8, 990 ff.). Eine andere Möglichkeit geht aus vom Diminutiv von Schable n ‘ Schabwerkzeug, Mist-, Heugabel ’ (I D . 8, 20), das auch metaphorisch verstanden werden kann. Ein FaN (wie ursprünglich auf Grund von Schabler angenommen) ist eher unwahrscheinlich; der Kern der Namen enthält sicher Schappel / Schappla, das aber unklar ist. Schärlich Schärlich m. ist ein Pflanzenname, der zu schwdt. Schärling, Schärlech m., (f.) ‘ Schierling; gem. Bärenklau; Wiesenkerbel ’ , ahd. scer(i)ling < scer(i)ning (I D . 8, 1261 ff.) zu stellen ist. Belegt ist das HL in der Schäärlich (Mund) und der Schärlichwang ‘ der Grasabhang mit Schärlich ’ (Oberwald). In Oberwald nennt Gwp. die Pflanze ‘ wilder Rhabarber ’ . I D . kennt mehrere Pflanzen, von denen am meisten H ERACLEUM SPHONDYLIUM ‘ Wiesen-Bärenklau ’ oder eine seiner Subspecies genannt wird (M ARZELL 2, 819 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 992). Es kommen aber auch andere Pflanzen in Frage. Scharsü Scharsü, ist als Tscharsü (Salgesch, FLNK, Tscharsü) mit integriertem Artikel t belegt. M ATHIER (2015, 55) nennt Tscharsü und führt es auf frpr. chargeoir ‘ Aufladeplatz ’ zurück. Auch T AGMANN (Ms. 120) kennt den Namen als Scharsü und führt ihn auf einen Beleg von 1353 chargjours zurück, einen altfrankoprovenzalischen Ausdruck, der dt. als ‘ Aufladeplatz ’ zu verstehen ist. In Salgesch sind neben dem HL auch t Scharsüblattu ‘ die Felsplatten oberhalb des Gebietes Scharsü (Aufladeplatz) ’ und t Scharsü Matten ‘ die Wiese beim Gebiet Scharsü (Aufladeplatz) ’ (1880, Salgesch) belegt. Beide finden sich nicht in M ATHIER (2015). Scharte Scharte f. kommt nur in Eggerscharte (FLNK u. LT, Binn) vor. Das HL ist zu schwdt. Scharte n f. eig. ‘ Scharte (in der Schneide eines Messers, Beils etc.) ’ , übertragen auf die Geländeform ‘ Einschnitt, scharfe Einsenkung in einem Bergrücken ’ (nur in FlN), mhd. scharte f. (I D . 8, 1307 f.) zu stellen. Egger bezieht sich auf die Eggeralpe (cf. Nr. 4606 und seine Beschreibung). Schatiour Schatiour ist nur einmal belegt in la La dÿs Schatiour (1490, Salgesch). Eine Deutung ist nicht möglich, da La als feminines Substantiv nicht belegt ist und Schatiour auch nicht. Die Konstruktion legt einen Genitiv Plural nahe, was für einen FaN Schatiour spricht; er ist allerdings auch nicht belegt. Schatonnji Schatonnji n. ist in Salgesch als Schatonji (FLNK), historisch als Cathony (1485, Salgesch) und in Varen als Schatonnji (nur historische Belege) belegt. Weiter kommen Schatonnjiheehi (FLNK, Varen) und der Schatonnjiwäg (Salgesch, Varen) hinzu. Es handelt sich in beiden Fällen um die gleiche Alpe. Die historischen Belege für Varen haben 1388 chattonÿe (Kopie), 1388 chattoniÿe, 1409 de catthogny, 1473 de chatogny und de chatognye, 1474 de chatonie, 1569 chattonier, 1834 Schattonji. M ATHIER (2015, 30) weist für Salgesch zwei weitere historische Belege nach (1388, 1444) und stellt den Namen zu tsan < lat. campu ‘ Feld ’ und to(g)no / tü(g)ni ‘ Berggipfel ’ , wobei er sich bei Letzterem auf T AGMANN (1946, 46 u. 79) bezieht, der den PN Antoine in den genannten Formen für den Steinmann angibt. Die Herleitung von tsan ist kaum haltbar, da keiner der Belege ein / n/ enthält (vgl. M EYER 1914, 161 mit chan, champ). Bei einer Alpe ist ein Baumname wie castanea kastanie, kastanienbaum (FEW 2, 463 ff.; G PSR 3, 428 ss.) ausgeschlossen. Auch hat kein dort beleges Etymon ein / o/ an Stelle des / a/ in der zweiten Silbe. Nicht ausgeschlossen hingegen wäre ein FaN wie Chastonay (AWWB 58) als frühere Besitzer der Alpe. Das auslautende -ji wurde offenbar sekundär als dt. Diminutiv verstanden und das Genus deswegen als Neutrum gedeutet. Kaum hieher gehört der Beleg la La dÿs Schatiour (1490, Salgesch) (cf. HL S CHATIOUR ). Schatt Schatt ‘ Schatt(en) ’ ist zu schwdt. Schatt, Schatte(n), Schatto m. ‘ Schatten ’ , ahd. scato m. (Gen. scat(a)wes), mhd. schate, schatewe, wdt. Schatte (I D . 8, 1488; G RICHTING 1998, 169) zu stellen. Davon abgeleitet ist das Adjektiv schwdt. schattig, schattmig (Assim. aus spätmhd. schat(e)wic) (I D . 8, 1488 ff.). Flurnamen mit diesem HL bezeichnen Gebiete, die nördlich ausgerichtet sind und wenig Sonneneinstrahlung aufweisen. Das Simplex zum Schatto ‘ beim Schatten ’ (Guttet, 1580) ist unsicher (es könnte sich hier auch um einen rom. Namen, ev. zu frz. château (G PSR 3, 429 f.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 214, das allerdings in den patois-Formen immer tshat) handeln). Ebenfalls nicht ganz klar ist im Schatte ‘ im Schatten ’ (1390, Zermatt). Eine - ER -Ableitung 45 46 Schatt <?page no="842"?> stellt am Schatter (1634, Naters) dar; ähnlich unklar ist im Schattet ‘ im Gebiet mit Schatten ’ (1710, Leuk), wo ein rom. Name (siehe oben) ebenfalls nicht ausgeschlossen ist. Als Bestimmungswort ist Schatt vor allem in ts Schattehalb ‘ die Schattseite ’ vertreten (Oberwald, Obergesteln), hierzu auch Geere Schattehalb ‘ die Schattseite des Gerentals ’ (Oberwald); zu Halb siehe I D . (2, 1165 ff.) dazu kommen Schatbalmon ‘ der nördlich liegende überhängende Felsen ’ (Täsch, 1388), t Schattblatte ‘ die Felsplatten auf der Schattseite ’ (Binn), Schattenbrunnen ‘ die Quelle im Schatten ’ (Bratsch, 1703) und im gleichen Jahr am gleichen Ort zum Schatten Rothen ‘ der Rotten im Schatten ’ , zem Schatthuisin ‘ beim kleinen Haus mit Schatten ’ (Blatten), Schattuflüe ‘ die Fluh auf der Nordseite ’ (Inden, Varen), Schattuwald ‘ der Wald auf der Schattseite ’ (Visperterminen). der Schattmerplatz ‘ der schattige Platz ’ (Gluringen, FLNK Schattmetplatz) nimmt die Adjektivform auf und erweitert sie je nach Lesart mit - ER oder - ET . Letzterem liegt wohl das sonst nicht belegte Schattmet ‘ das schattige Gebiet ’ zu Grunde (beide ev. zum Verb schattmen ‘ schattig werden ’ (I D . 8, 1494; zum Suffix - ET vgl. S ONDEREGGER 1958, 524) Die Adjektivildung ts Schatmig Erb ‘ das schattige Erbe ’ (Visperterminen), t Schatwigu Haalte ‘ die schattigen Halden ’ und - unsicher - Schüáttig Graben ‘ der schattige Graben ’ (1587, Eyholz) nehmen die ältere Form des Adjektivs auf. Ganz unklar ist das dreimal belegte Schotlerchen (1582), resp. Schattlerchen (1896) (Münster), das zum HL L ÄRCHE passt; dennoch ist ‘ die Schattenlärche ’ unsicher, es könnte sich um eine Uminterpretation von schatte n lächtig ‘ schattig ’ (I D . 8, 1495) oder ähnlich handeln. Die Ableitung Schattärra ‘ Gebiet mit Schatten ’ (Kippel, Wiler) verwendet das Suffix - ERRA (S ONDEREGGER 1958, 471), hier wohl einfach für ein Gebiet, das viel Schatten hat. Schatz Schatz ist als Flurname gut belegt, aber schlecht deutbar. Es ist zu schwdt. Schatz m., Pl. Schätz, Schetz ‘ reicher Vorrat, bes. an Geld, Kostbarkeiten u. ä. ’ , ‘ Auflage, Abgabe, Steuer ’ , ‘ amtliche Schätzung, auch Ergebnis einer solchen ’ , ‘ gerichtliche Schätzung; Pfändung, Konkursverfahren ’ , amhd. sc(h)az m. ‘ Geld(eswert), Abgabe ’ (I D . 8, 1637) zu stellen. Wie URNB (3, 61) ausführt, ist kaum eine Stelle mit einem verborgenen Schatz gemeint (wie von I D . vorgeschlagen), sondern entweder eine ‘ Schätzung ’ (z. B. des Viehs) oder ‘ wertvolles, ertragreiches Gut ’ ; die genaue Bedeutung lässt sich meist nicht feststellen. Bei G RICHTING (1998, 169) ist wdt. Schazz nur in der Bedeutung ‘ Schatz, Liebste, Liebster ’ vertreten. Das Simplex ist nur im Plural uf de Schatzu (Törbel) belegt, beschrieben als Waldebene, trockener Boden, was unmittelbar keine Deutung zulässt. Komposita mit Schatz als Bestimmungswort enthalten die Grundwörter Balma, Blatta, Egga, Matta, Rundell und Ture. Einen Spezialfall bildet das nur historisch belegte Scha ᵉ tzigo Treiun (1584, Eisten), wo entweder ein Familienname mit kollektiver - IG -Ableitung im Genitiv Plural vorliegt, also ‘ die Viehweglein der Familie Schätzig ’ , oder ein Herkunftsname, also ‘ die Viehweglein der Leute von Schatz ’ . Beide Deutungen lassen sich nicht durch weiteres Material unterstützen. Schauben (FaN) Schauben (FaN) ist belegt in Schauben Matta ‘ die Wiese der Familie Schauben ’ (Unterbäch), zer Schauben Matten ‘ bei der Wiese der Familie Schauben ’ (Oberems), Schöübumatta ‘ die Wiese der Familie Schauben ’ (FLNK, Bürchen) und ts Schöübuneggi ‘ die kleine Ecke der Familie Schauben ’ (Unterems). Der FaN ist als Schauben oder Schouben bezeugt, eine seit 1455 genannte Familie von Eischoll, die sich später auch in Leuk, Raron, Niedergesteln, Steg und an anderen Orten niederliess (AWWB 234). Schauinen Schauinen ist nur einmal belegt: jn Schauinen Haús ‘ im Haus der Familie Schauwi ’ (1675, Mörel). Es handelt sich um einen Genitiv zu Schauwi, das ev. zum FaN Schauben gestellt werden kann (AWWB 234). Intervokalisches / b/ kann zu / w/ werden, doch gibt es sonst keine Belege für diesen Prozess beim FaN Schauben. Eine Herleitung von Schöüb ‘ Strohbündel ’ (G RICHTING 1998, 176) ist inhaltlich schwierig, lautlich aber möglich. Schauren Schauren ist nur als zer Schauren ‘ bei der Scheuer ’ (1718, Agarn) belegt. Es handelt sich um eine hyperkorrekte Form zu Scheuer, das im Dialekt als t Schiir (entrundet aus t Schüür; vgl. I D 8, 1210 ff.; G RICHTING 1998, 170 zu wdt. Schiir) erscheint (cf. HL S CHIIR ). Schecherna Schecherna ist ein HL, das nur 1652 als Schecherna in Zwischbergen belegt ist. Der historische Beleg sagt, es handle sich um einen Wald, der an dem Thÿribi entlang bis an das Tÿrli geht. Es handelt sich vermutlich um den heutigen Namen Chäscherna (cf. HL C HÄSCHERA ) in Zwischbergen. Schatz 47 48 <?page no="843"?> Schee Schee Adj. ‘ schön ’ ist zu schwdt. sch ō n, schö: n, sch ē n ‘ glänzend, leuchtend; klar, hell, heiter; rein, sauber, hübsch ’ , ahd. sc ō ni, mhd. sch œ n (I D . 8, 838 ff.) zu stellen. Ein Blick in G RICHTING (1998, 168) zeigt das Adverb schee ‘ viel, stark, schnell ’ , das Adjektiv scheen ‘ gross, stattlich ’ mit dem Beispiel scheeni Fröi ‘ stattliche Frau ’ und das Verb scheene, scheenä (Goms), scheenu ‘ abschälen, schinden ’ . Das Adjektiv für ‘ schön ’ dagegen ist v. a. hibsch ‘ schön, hübsch, viel ’ (G RICHTING 1998, 106 u. HL H IBSCH ). Neuerdings wird schön (mit / ö/ ) wieder verwendet, vermutlich unter hdt. Einfluss (Daten des Projekts Üsserschwyz). Daraus folgt, dass schee und das davon abgeleitete Scheeni meistens Bedeutungen wie ‘ schön gelegen, nutzbringend, gut bearbeitbar ’ , teilweise vielleicht auch ‘ gerodet ’ oder ‘ von Steinen gesäubert ’ aufweist (vgl. dazu auch BENB 1, 5, 779 f. mit den dortigen Verweisen). Das Adjektiv erscheint in den meisten Fällen als Attribut, seltener als Bestimmungswort in Komposita, wobei der Typ der Schee(n) Biel ‘ der schöne Hügel ’ mit rund 40 Belegen weitaus an erster Stelle steht (die Komposita vom Typ Scheenbiel und komplexere Fälle sind miteinbezogen). Der Typ ist als der Schee Biel (Naters, Raron), der Scheen Biel (Hohtenn, Saas-Almagell, Saas-Fee, Zermatt), der Scheen Bieu (Binn), inu Scheenu Biel (Mund), ufum Scheenu Biel (Glis, Ried-Brig) und in den Pluralen t Scheene Biela (Fieschertal, Lax, Mühlebach), t Scheene Biele (Gluringen, Reckingen) belegt. Historisch erscheinen auch am Schönen Biel (1614 u. später, Ried-Mörel), am Scho ᵉ nen Biell (1560, Täsch) und der Scho ᵉ n Bu ᵉ l (1477 u. später, Stalden) und dem Diminutiv au ᵕ f dem Schönen Bieltin (1462 u. später, Ulrichen). Das Kompositum ist belegt als der Scheenbiäl (Ferden, zwei Belege), der Scheenbiel (Ausserberg, Eggerberg, FLNK Ferden), Schönbiel (FLNK u. LT, Betten), jn den Schonenbu ᵉ l (1485, Steinhaus), zem Schenenbu ᵉ l (1465 u. später, Baltschieder, mit der unüblich frühen Entrundung bei / ö: / ). Auch komplexere Konstruktionen sind bei diesem Typ zu finden: der Ober und der Unner Scheenbiel (Betten, Törbel), Bälärru Scheenun Biel ‘ auf dem schönen Hügel der Leute von der Alpe Bäll ’ (Naters), uf Lüsgeru Scheenu Biel ‘ auf dem schönen Hügel der Alp Lüsga (Aussicht) ’ (FLNK, LT, Naters), t Hinnere und t Vodere Scheene Biela ‘ der hintere (taleinwärts liegende) und der vordere (talauswärts liegende) Teil der schönen Hügel (Schafalpe) ’ (Fieschertal), dr Scheenbieältreien ‘ der Schafweg im Bereich Scheenbiäl (schöner Hügel) ’ (Ferden), dr Scheenbiältritt ‘ der Tritt (Durchgang) beim Scheenbiäl (schöner Hügel) ’ (Ferden), der Scheen Bielgletscher ‘ der Gletscher beim schönen Hügel (SAC-Hütte) ’ (Zermatt, LT Schönbielgletscher), Schönbielhorn ‘ das Schönbielhorn (Gipfelname, benannt nach Schönbiel (Scheene Biel) darunter) ’ (LT, Zermatt), Schönbielhütte SAC ‘ die SAC- Hütte im Bereich Schönbiel (Scheene Biel) ’ (LT, Zermatt), der Schebieugletscher ‘ der Schönbühlgletscher beim Schönbühlhorn, benannt nach der Alpe Scheeni Biele ’ (Fieschertal, auch LT Schönbühlgletscher, SK Schönbühl Gletscher, FLNK Scheenbielgletscher), ts Schebieuhoore ‘ das Schönbühlhorn über dem Schönbühlgletscher, benannt nach der Alpe Scheeni Biele) ’ (Fieschertal, LT u. SK Schönbühlhorn, FLNK Scheenbielhore), ts Schenbieujoch ‘ das Joch beim Schönbühlhorn ’ (Fieschertal, LT Schönbühljoch, FLNK Scheenbieljoch). Ein zweiter, häufiger Typ ist der Schee Bode ‘ der schöne Boden ’ mit rund 20 Nennungen. Er ist belegt als der Sche Bode (Reckingen, Ulrichen), der Sche Bodu (Goppisberg), der Schee Bode (Bellwald, Oberwald), der Schee Bodu (Zwischbergen), der Scheen Bodo (Unterbäch), der Scheen Bodu (Saas-Almagell), im Schene Bode (Zermatt), Schönboden (LT, Betten). Historisch sind jm Scho ᵉ nen Boden (1504, Naters), im Schonen Bodme (1388, St. Niklaus), jm Schoenen Bodme (1307 u. später, mit Varianten, Grächen) belebt. Historisch findet sich weiter im Schenen Boden (1775, Simplon). Ein Plural ist im Kompositum t Scheebobma ‘ die schönen Böden ’ (Embd) belegt; Gwp. meint allerdings ‘ Schnee- ’ , was wohl nicht zutrifft) belegt. Komplexere Formen sind Scheeboduegg ‘ die Ecke beim schönen Boden ’ (Goppisberg), ts Scheneboduwaldji ‘ der kleine Wald beim schönen Boden ’ (Visperterminen; FLNK Scheeneboduwald) Weitere Grundwörter mit dem attributiven Adjektiv sind die Hauptlemmata Blick, Bach, Balma, Bäärg, Chumma, Egg(a), Fääsch, Grabu, Häärd, Matta, Rieba, Schluocht, Tola, Wald, Wang und Wase. Komplexer sind Scheeboduegg ‘ die Ecke beim schönen Boden ’ (FLNK, Goppisberg), uf Scheerippei ‘ auf dem schönen Ripp-Bein, der schönen Rippe (wohl Geländeform) ’ (Termen), der Schemattestock ‘ der (Fels-)Stock oberhalb der schönen Wiese ’ (Münster; SK Schönmattenstock), historisch auch Schönmattstock (1879, Ulrichen; wohl identisch mit Schemattestock). Unklar sind zwei Belege, die sich hier anschliessen lassen: in Grächen erscheint der Seelowwizug ‘ der schönen Lawinenzug ’ ( ‘ See ’ wohl eine falsche Notation), der bei FLNK Scheelowwizug, auf 1: 10000 Schelowizug, auf LT Schelowizig heisst. Vermutlich liegt hier also schee ‘ schön ’ und nicht See ‘ See ’ vor. Gleich verhält es sich mit t Selobbobme (St. Niklaus), die etwas südlicher liegen, aber vermutlich ebenfalls zu Scheelowi ‘ schönes Rutschgebiet ’ zu stellen sind. Nur zwei Belege enthalten das unumgelautete schôn: der Schoritz ‘ der schöne Ritz (Grasband) ’ (Blitzingen) und auf dem Schoritz Turm ‘ der (Fels-)Turm auf dem Schoritz 49 50 Schee <?page no="844"?> (schönes Grasband) ’ (1681, Blitzingen); die unumgelautete Form ist auch im Kanton Bern selten (vgl. BENB 1, 5, 779 f.). Als substantivierte Ableitung kommt Scheeni vor; übersetzt wird es als ‘ das schöne Gebiet ’ . Wie schon erwähnt, ist hier vermutlich ein gerodetes oder von Steinen befreites Gebiet gemeint. I D . (8, 872) sieht es als Abstraktbildung zu schön, vermutet aber auch eine Ableitung zu schönen (I D . 8, 866), wozu es sich auch hier stellen lässt, vgl. schö ̂ ne n ‘ reinigen, sauber machen ’ (I D . 8, 867). Belegt sind t Scheeni (Baltschieder, Mund, Oberwald, Ried-Brig, Zermatt), dazu kommen t Ober und t Unner Scheeni (Oberwald, Mund). Weiter gehören hierher der Scheenibrunno ‘ die Quelle / der Brunnen bei der Scheeni (schönes Gebiet) ’ (Baltschieder), Scheenigrabo ‘ der Graben hinunter zur Scheeni (schönes Gebiet) ’ (FLNK, Baltschieder), Scheeniwald ‘ der Wald bei der Scheeni (hier wohl Rodung) ’ (Oberwald), ts Scheeniwaldji ‘ der kleine Wald bei der Scheeni (schönes Gebiet) ’ (Baltschieder). Scheg Scheg ‘ die bleiche Stelle im frischen Gras ’ ist nur 1708 in Inden als jm Scheg belegt. Der Dorfname wird als Indes notiert, der Flurname aber mit der dt. Präposition jm, sodass vermutlich ein deutscher Name vorliegt. Am nächstliegenden ist Schëgg (I D . 8, 423), wohl in der Bedeutung 6. b) ‘ infolge von Alchengras, das der Sense entschlüpfte, bleiche Stelle im neu spriessenden Grün der Wiesen ’ oder 6. c) ‘ grasiger Teil der Furche, Rasen ’ . Das HL ist bei G RICHTING (1998, 199) so nicht belegt. Schenkel Scheichil m. ist belegt als der Scheichilwald ‘ der Wald in der Form eines Schenkels ’ (Ergisch, auch FLNK und LT) und Schenkel=Walt ‘ der Wald in der Form eines Schenkels ’ (1716, Turtmann); es handelt sich vermutlich um den gleichen Wald. Das HL ist zu schwdt. Schänkel, Scheichel m. ‘ Schenkel ’ (I D . 8, 968 ff.), in FlN übertragen auf schenkelähnliche Geländestellen, und wdt. Scheiche, Scheichäl (Goms), Scheichul (Zermatt), Scheichel (Saastal), Scheichl (Lötschtal), Scheichil ‘ Schenkel, Beine ’ (G RICH- TING 1998, 169) zu stellen. Die Form Scheichil ist dem Staubschen Gesetz vor / k/ zu verdanken. Scheid Scheid ist einerseits zu einem schwdt. Verb scheide n II ‘ trennen ’ und wdt. scheide, scheidä (Goms), scheidn (Lötschtental), scheidu ‘ scheiden, trennen, absondern ’ (I D . 8, 227 ff.; G RICHTING 1998, 168) und anderseits zum zugehörigen Nomen Scheid f., auch Scheide f. (I D . 8, 221 ff.) zu stellen, vgl. auch LUNB (1, 2, 879). Zum einen sind die Orte gemeint, wo die Schafe oder das gealpte Vieh nach den Besitzern geschieden wurden. Zum andern die Trennung von Wegen. In einigen Fällen ist unklar, welches Motiv genau vorliegt; es kann sich um Grenzen zwischen Gemeinden oder Alpen handeln oder um anders motivierte Trennungen; manchmal ist aber nicht erkennbar, welchen Sinn ein Name mit dem HL hat. Das Simplex kommt in unseren Daten nicht vor. Als Grundwort ist das HL vor allem im Typ t Wägscheite ‘ die Wegscheiden (Plural) ’ (Täsch), unner der Wägscheita ‘ unter der Wegscheide ’ (Geschinen), ts Wägscheitu ‘ bei der Wegscheide ’ (Mund) und historischen Belegen wie Zwegscheitten ‘ bei den Wegscheiden ’ (1554 u. später, Filet) und drei weiteren belegt. Verschrieben sind wohl zen Wegseitun ‘ bei den Wegscheiden ’ (1300, Raron) und zien Wegseyton ‘ bei den Weg-Seiten (unklar, Sita ist ein steiler Abhang, ev. verschrieben für Wegscheide? ) ’ (1307, Bürchen). Ein einziger Beleg zu diesem Typ ist komplexer: am Wegscheidacher ‘ der Acker bei der Wegscheide ’ (1477, Bürchen). Daneben gibt es zwei Fälle: Hagscheitji ‘ die kleine Scheide mit Zaun ’ (FLNK, Naters), das sonst ts Hagstettji ‘ die kleine Stette (Hofstatt) mit Zaun ’ (Naters) heisst; warum der Name der FLNK anders lautet, ist unklar. Der Beleg in der Ledÿscheithen ‘ die Wegscheide bei der Ledi (Aufladestelle) ’ (1631, Lax) meint wohl einen Ort, wo die geladenen Güter einer Ledi aufgeteilt wurden; das ist aber unsicher. In den andern Fällen ist das HL Bestimmungswort. Es fällt auf, dass auch die Formen t Scheidwäga ‘ die Scheidwege ’ (Birgisch, St. Niklaus, Visperterminen), Scheidwegen ‘ die Scheidwege ’ (1762, Embd), zen Scheydwegen ‘ bei den Scheidwegen ’ (1660, Raron), zen Scheidwegen (1714, Ausserberg), ze Scheitwägu ‘ bei den Scheidwegen ’ (Gampel, Hohtenn) mit dem Diminutiv t Scheitwägjini ‘ die kleinen Scheidwege ’ (Glis) und zen Scheÿdwegen ‘ bei den Scheidwegen ’ (1546, Termen) vorkommen. Es handelt sich um das Gegenstück zu den Wegscheiden. Hieher gehören wohl auch t Scheidgassa ‘ die Gasse, die vom Hauptweg abzweigt (scheidet) ’ (Fieschertal), resp. Scheidgassa ‘ die Gasse, die zu einer Weggabelung führt ’ (FLNK, Bister). Komplexer ist ts Scheitwägukapälli ‘ die kleine Kapelle bei den Scheidwegen ’ (Hohtenn). Im Zusammenhang mit dem Scheiden des Viehs, besonders der Schafe, auf der Alpe stehen: der Scheidchromu ‘ der Pferch, wo die Schafe (für ihre Besitzer) geschieden (getrennt) wurden ’ (St. Niklaus; LT Scheidchrommo, FLNK Scheidchrommu), t Scheidchrome ‘ die Pferche, wo die Schafe (für ihre Besitzer) geschieden (getrennt) wurden ’ (Eisten) und Scheidchremu ‘ die Pfer- Scheg 51 52 <?page no="845"?> che, wo die Schafe (für ihre Besitzer) geschieden (getrennt) wurden) ’ (FLNK, Embd). t Scheidfäricha ‘ die Pferche zum Scheiden der Schafe (Aufteilen der Schafherde nach Besitzern ’ ) (Staldenried) sind hier anzuschliessen, ebenso wohl die Belege für der Scheidbodo ‘ der Boden, wo das Vieh ausgeschieden wurde ’ (Staldenried), der Scheibode (Bellwald), eine assimilierte Form von Scheidbode ‘ der Scheid-Boden (wo man früher die Schafscheid vornahm) ’ , der Scheitbodo ‘ der Scheid-Boden (wo das Vieh geschieden wird? ) ’ (Grächen). In Staldenried findet sich auch Scheidbodohitta ‘ die (Alp-)Hütte auf dem Scheidboden ’ (FLNK) und t Scheitbobmeri ‘ die Wasserleitung, die zum Scheidboden (Boden, wo das Vieh geschieden wird) führt ’ . Weitere Namen in diesem Umfeld sind: in den Scheitmatten ‘ in den Wiesen, wo das Vieh geschieden (auf die Besitzer aufgeteilt) wurde ’ (1752, Obergesteln), in der Scheidtmatten ‘ in der Wiese, wo das Vieh geschieden (auf die Besitzer aufgeteilt) wurde ’ (1687, Leuk), der Scheidplatz ‘ der Platz, wo die Schafe (nach Besitzern) geschieden wurden ’ (Mund), der Scheidtrog ‘ der Trog, bei dem das Vieh geschieden wurde ’ (Ferden) mit t Scheidtrogegga ‘ die Ecke beim Scheidtrog ’ (Ferden). Zu anderen Deutungen von Scheid sind wohl zu stellen: t Scheidachra ‘ die Scheidäcker ’ (laut Beschreibung eine Rechtsgrenze zwischen zwei Alpen, wobei die Höhe (über 2100 m) kaum einen Acker zulässt) (Saas-Balen), t Scheidballma ‘ der überhängende Fels (an der Grenze, Wegscheide? ) ’ (St. Niklaus), in den Scheidprachen ‘ das Brachland (Plural), wo das Vieh getrennt (geschieden) wurde ’ (1614, Bürchen; Deutung unklar), t Scheidega ‘ die Ecke, welche die Gemeinden Eischoll und Unterbäch scheidet ’ (Eischoll), auch als t Scheidegga (Unterbäch), während t Scheidegga (Törbel) laut Gwp. der Schafscheid diente. Das gilt vielleicht auch für der Scheidegade ‘ der Gaden (Stall), wo das Vieh geschieden (nach Besitzern getrennt) wurde ’ (Blitzingen), während t Scheidflüe ‘ die Fluh, die zwei Gletscherzungen voneinander scheidet ’ (Oberwald) meint. der Scheitgrabem ‘ der Scheidgraben (unklar, oberhalb der Scheitloiwina) ’ und t Scheitloiwina ‘ das Rutschgebiet (laut Gwp mit einer Kuppe, die den Schnee in zwei Teile scheidet) ’ (beide Blatten) sind unklar wie auch t Scheitbachfliä ‘ die Flühe am Scheitbach ’ (Wiler), wobei der Scheitbach sonst nicht belegt ist. Ähnlich ist der Fall von Scheidhofstadel ‘ der Stadel beim Scheidhof ’ (1825, Naters), wo der namengebende Hof nicht belegt und unklar ist, welche Deutung Scheid hier hat. Eine hdt. Umdeutung liegt SK Scheiter Thäli (Ulrichen) zu Grunde, das auf LT Schitertellti, bei uns ts Schiitertälli (Reckingen) heisst; ob Schiiter wirklich als Scheiter zu verstehen ist, bleibt unklar (cf. HL S CHIITER ). Scheitel Scheitel m. ist nur als Bestimmungwort belegt. Ein Namennest ist in Hohtenn vorhanden, wo dr Scheitilacher (auch FLNK), t Scheitilhaalte (auf FLNK Scheitilhalte), t Scheitilmatte und zum Scheitilwäg (alle Hohtenn) belegt sind. Daneben ist noch t Scheitelmatten (1797, Niedergesteln) belegt, die laut Dokument am Gestelberg (wohl höher liegendes Gebiet von Niedergesteln) liegt. Zu stellen ist das HL zu schwdt. Scheitel m., wdt. Scheitla, Scheitl, Scheitäl (Goms), Scheiggju (Saastal), Scheitla (Lötschtal), Scheitju f. ‘ Scheitel ’ (I D . 8, 1502; G RICHTING 1998, 169). Im Kontext ist wohl ein Geländekamm gemeint. Schelb Schelb ‘ schräg ’ Adj., auch schalb, ist zu schwdt. schëlw, schalb, schälb, schëlb ‘ von einer normalen, geraden (senk- oder wagrechten) Richtung abweichend, schief, schräg ’ , von einem schief stehenden Gegenstand, mhd. schël, -wer (I D . 8, 750 ff.) zu stellen. Das Adjektiv selbst ist nur in attributiver Stellung vertreten und zwar in an der Schalb Binden ‘ am schrägen Pflanzplatz ’ (1653, St. Niklaus); die übrigen Fälle wie t Schalbbinna ‘ der schräge Pflanzplatz ’ (Betten) sind dagegen als Komposita mit dem HL als Bestimmungswort zu betrachten. Ein nominales Simplex im Singular ist der Schalb ‘ das schiefe Gelände ’ (Ausserberg, Embd), Schälp (FLNK, Staldenried) gehört wohl auch hieher, mit Umlaut. Zeneggen hat 1768 die Schelb, im Kontext wird aber klar, dass eine Wasserleitung gemeint ist, die früher Schelb (wasserleite) hiess. Zu diesem Typ kommt ein Plural t Schalba ‘ die schiefen Gelände ’ (Mund), wozu auch ein unklarer Beleg Schalbe (FLNK, Törbel) gehört, der historisch als zen Schelben (1305) und Zschalben (1684) belegt ist, also wohl auch einen Dativ Plural darstellt. Auch Betten hat 1583 u. später in den Schalben. Ein Diminutiv im Singular ist Schalbi n. ‘ das kleine schiefe Gelände ’ , das nur historisch in Eischoll (1446, auch Zalbyn), Eisten (1858), Glis (1849) und Mund (1772) belegt ist. Ein Diminutiv mit Umlaut findet man in ts Schälbji ‘ das kleine schiefe Gelände ’ (Eisten). Mit attributiven Adjektiven sind diese nominalen Bildungen verbunden in Obre Schalb m. ‘ das obere schiefe Gelände ’ (Embd), ts Oberschallbu ‘ beim oberen schiefen Gelände ’ (Törbel), der Unner Schalb ‘ das untere schiefe Gelände ’ (Embd) und ts Unner Schallbu ‘ beim unteren schiefen Gelände ’ (Törbel). Zweigliedrige Komposita mit dem Bestimmungswort Schelb / Schalb treten mit den folgenden Grundwörtern auf: Acher, Bord, Land, Matta und Wald. In zwei Typen lassen sich phonetische Prozesse feststellen: t Schallmat- 53 54 Schelb <?page no="846"?> ta (Zeneggen) und die komplexeren Schallbärgegga, Schallbärgtünnel (beide Ried-Brig), t Unnri Schallmatta (Zeneggen) weisen eine vereinfachte Form Schall auf, die sich als assimiliertes Schalb lesen lässt. Der Typ in der Ober und der Unner Schaltbärg (Ried-Brig) stellt eine falsche Korrektur von Schalb zu Schalt dar; das Zentrum dieser Namen lautet immer Schallbärg. Komposita mit attributiven Adjektiven sind Ober Schälbmatta (Zermatt), an der unteren Schalbmatten (1776 Zermatt) und - mit einer Präposition - Unner der Schälbflüe ‘ unter der schiefen Fluh ’ (Zermatt). Komplexer sind Schelbwasserleitta ‘ die Wasserleitung vom / zum Schelb ’ (1412, Visperterminen) und Schalwengwald ‘ das schiefe Waldgebüsch / der Wald bei den steilen Grashängen ’ (1809, Täsch). Die doppelte Deutung erklärt sich aus zwei verschiedenen Lesarten: (im) Schalwen Gwald vs. im Schalwen Weng Wald. Die weitaus häufigste Ableitung ist die auf - ET (S ONDER- EGGER 1958, 524) vom Typ Schalbet ‘ der steile Grashang ’ . Das unverstandene Nomen führt zu Schreibungen wie Schallbett, die noch Z INSLI (1984, 580) ein Kompositum mit Bett n. annehmen lassen, was angesichts der Verbreitung des HL im ganzen Oberwallis unnötig ist. Das Simplex im Singular erscheint als ts Schalbett (Ergisch), ts Schalbett (Eggerberg, Goppisberg, Naters, Ried-Brig, Zeneggen), jm Schalbeth (1738, Gampel), ts Schälbet (Zermatt), am Selbette (1308, Eischoll), an dem Schelbette (1299, Stalden), dr Schälbät (Blatten, Kippel), wobei unklar ist, woher das Maskulinum in diesen beiden Belegen stammt. Einen Plural weisen t Schälbet ‘ die steilen Grashänge ’ (Täsch) und ts Schalbettu ‘ bei den steilen Grashängen ’ (St. Niklaus) auf. Einige Belege im Plural lehnen sich offenbar an den Plural Bletter ‘ Blätter ’ an: t Schallbletträ (Gampel) und iuxta den Schelblettren ‘ neben den steilen Grashängen ’ (1454, Raron). Als Diminutiv im Singular findet sich ts Schälbeggi und Schälbettji (Randa) mit der komplexeren Konstruktion t Schälbeggiäbi ‘ der Abhang bei der Schälbeggi ’ (Randa), Schallbettji (Grächen), ts Schalbetgji (Zwischbergen). Die Assimilation von / t/ zu / g/ vor / j/ führt auch zum Plural t Schalbeggini (Embd), hier mit den kleinen Namennest Schalbeggimällich ‘ der Mällich (Steinmann) bei den Schalbeggini ’ und Schalbeggitola ‘ die Mulde bei den Schalbeggini ’ (beide Embd). Eine isolierte Feminin-Ableitung auf - I ist belegt in t Schaubeti f. ‘ der steile Grashang ’ (Ausserbinn) mit l- Vokalisierung. Es handelt sich um ein Abstratkum zu Schalbet, das sonst nicht belegt ist. Mit attributiven Adjektiven begegnen dr Ober Schälbät (Kippel), ts Ober Schallbett (Ried-Brig), ts Unner Schallbett (Ried-Brig) und jm Vndren Schalbett (1649, Grächen). Zu Schalbet und seinen Varianten als Bestimmungswort gesellen sich folgende Grundwörter (soweit nicht schon erwähnt): Acher, Alp, Bloos, Matta, Schiir, Sita, Stadel, Tschugge und Wald. Schellen (FaN) Schellen (FaN) ist ein FaN und u. a. 1629 als Christiana Tschellen und 1635 als Christanni Schellen in Betten belegt. Als Lokalnamen sind belegt: z Schelligo Hau ᵕ s ‘ das Haus der Familie Schellen ’ (1687, Betten) mit der kollektiven - IG -Ableitung im Genitiv Plural, sowie ts Scheuwenerb ‘ das geerbte Gut der Familie Schellen ’ (Lax). Schelli Schelli ist nur als Bestimmungswort für der Schelligletscher (Oberems, St. Niklaus), ts Schellihoru (Oberems, St. Niklaus) und ts Schellijoch (Oberems, St. Niklaus) belegt. Auf LT finden sich hier Schölligletscher, Schöllihorn und Schöllijoch. Nur in St. Niklaus ist im Dorf auch ts Schelliloch belegt, wozu die Beschreibung sagt, es führe hier ein Weg durch ein Haus; dann wäre wohl Schelli zum FaN Schellen zu stellen (cf. HL S CHELLEN (F A N)). Da historische Belege fehlen, ist unklar, ob die dial. Form Schelliauf ein älteres Schöllizurückzuführen ist, oder ob es sich bei Schöllium eine hyperkorrekte Form der Kartografen handelt. URNB (3, 125 f.) führt Schöllenen auf Schellen(d)en zurück, das sich als eine vermutlich alpinlombardische Form von lat. scala ‘ Treppe, Leiter ’ erklären lässt. Diese Deutung kann im Fall von Oberems und St. Niklaus kaum zutreffen; eine Form von lat. scala müsste hier laut G PSR (6, 65) eine Form vom Typ etsela oder ähnlich ergeben. Wahrscheinlicher ist ein schwdt. Schëlle f. ‘ Schelle, Glocke ’ und wdt. Schälla, Schällä (Goms), Schällu ‘ Schelle ’ (I D . 8, 560 ff.; G RICHTING 1998, 168). Die Namengebung für Horn, Joch und Gletscher geht auf D ÜBI (1921, 21) zurück, der so einen vorher namenlosen Gipfel benannte. Schemmera Schemmera ist 1690 in Leukerbad als in Schemmera ‘ im öden Land ’ belegt. Der Flurname könnte aus einem früheren Patois-Form von calma ödes land (FEW 2, 100 f.; G PSR 4. 6 s. v. chômette, das allerdings vlat. CAUMARE (FEW 2, 583) als Grundlage annimmt) stammen, mit einer kollektiven Ableitung auf - ARIA (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288), wobei die belegte Form eine Monophthongierung mit anschliessender Entrundung aufweist. Eine Zwischenform *Schömmera wäre dafür Voraussetzung, doch ist diese nicht belegt. Die Endung - ERA kann auch deutsch sein (vgl. S ONDEREGGER 1958, 471 ff.), wobei hier wohl nicht von den sonst gemeinten Sachen in grosser Menge Schellen (FaN) 55 56 <?page no="847"?> oder Wohnsitz oder Besitz von Personen gemeint sind. Die Deutung ist insgesamt sehr unsicher, weil der einzige Beleg von 1690 auf keine älteren Beispiele zurückgreift. Schengtzy Schengtzy ist nur belegt in Larzeschengtzÿ (1566, Leuk). Vorausgesetzt, dass Larze zum HL L ARSI ‘ Lärche, Lärchenwald ’ gesetzt werden kann, ist Schengtzÿ ein nicht deutbares Element. Zwar kennt FEW (5, 193 s. v. lar ĭ x lärche) auch Ableitungen wie larz ǝ na ‘ résine, poix du mélèze [Harz, Pech der Lärche) ’ , aber die hier vorliegende Form ist nicht belegt. Der vollständige Name bezieht sich auf ein Wasser (usque ad aquam), vermutlich einen Bach. Da es sich um eine Kopie handelt, kann auch eine Fehlschreibung eines nicht mehr verstandenen Namens vorliegen. Schepfi Schepfi f. ist zu schwdt. Schepfi (-ö-) f. ‘ Ort, wo man Wasser schöpft; Stelle, wo eine Wasserleitung gefasst, von einem Bach abgeleitet wird ’ (I D . 8, 1052 f.; B ELLWALD / W ÜRTH (2006 s. v. Schepfi)) zu stellen. Im Oberwallis ist hier meistens die Wasserfassung einer Wasserleitung oder die Ableitung von einem Bach oder einer Wasserleitung gemeint. G RICHTING (1998, 169) kennt nur Schepf ‘ Flüssigkeitsmenge ’ und schepfe (mit Varianten) ‘ schöpfen ’ . Das HL ist als Simplex im Singular t Schepfi (Bister, Eischoll, Ulrichen), zer Schepfi (Saas-Grund), bÿ der Schepfÿ (1686, Reckingen), die Schopffy (1519, Visperterminen), die Schöpfe (1715, Fiesch) und die Schoepfin (1657, Baltschieder) belegt. Ein Plural des Simplex ist t Schepfine (Saas-Almagell). Nur einmal kommt ein attributives Adjektiv vor: Inner Schepfi ‘ die innere Wasserschöpfstelle ’ (Binn). Als Grundwort findet sich das HL in di Brägjerruschepfi ‘ die Wasserschöpfstelle der Brägjerra (Wasserleitung nach Brägi) ’ (Niedergesteln), Eggerischepfi ‘ die Schöpfstelle der Wasserleitung nach Eggen ’ (FLNK, Eggerberg), Goorperischepfi ‘ die Schöpfstelle der Wasserleitung nach Gorp aus dem Baltschiederbach ’ (FLNK, Eggerberg), zu ᵕ r Riedjiwasserschöpfi ‘ die Wasserschöpfstelle beim kleinen Ried / bei der Wasserleitung zum Riedji ’ (1881, Visperterminen), zer Suäschepfi ‘ bei der Schöpfstelle der Wasserleitung ’ (Ferden, Kippel). Nachgestellt findet sich ein Genitiv Plural in Schepffij Hasslero ‘ die Schöpfstelle der Leute vom Hasel (Gebiet, wo es Haselstauden hat) ’ (1540, Embd). Nachgestellt ist auch der Name Oberriederi in Schepfi Oberriederi ‘ die Schöpfstelle der Wasserleitung Oberriederi ’ (FLNK, Staldenried). Als Bestimmungswort findet sich das HL im Beleg Schepfegg ‘ die Ecke mit der Schöpfstelle ’ (Grengiols) und als Schepfi zusammen mit den Grundwörtern Acher, Chännel und Wald. Schwierig zu deuten sind zúr Schepfelscheir ‘ bei der Scheuer bei der Wasserschöpfstelle ’ (1815, Staldenried) und zum Schepfillbrúnnen ‘ zum Brunnen / zur Quelle, aus der geschöpft werden kann ’ (1708, Staldenried). Die Ableitung auf - EL ist im I D . so nicht belegt, dürfte aber eine maskuline Stellenbezeichnung sein (S ONDEREGGER 1958, 531). Scher Scher ist als HL nicht immer eindeutig. Möglich sind schwdt. Schër, Schëro m., f. ‘ Maulwurf ’ , ahd. scëro, mhd. schër m. und wdt. Schära ‘ Maulwurf ’ (I D . 8, 1114 ff.; G RICHTING 1998, 168), schwdt. Schä: r, Schä: ri f. W (in Blatten, Lötschental Schä: rin) ‘ Schere ’ , übertragen aufgrund der Ähnlichkeit u. a. ‘ Schnittpunkt, Vereinigungsstelle zweier Bäche ’ , ahd. scari, scara, mhd schære und wdt. Schääri, Scheeri ‘ Schere ’ (I D . 8, 1106 ff.; G RICHTING 1998, 168) oder das Verb schwdt. schëre(n), schiru(n), g'schore(n) ‘ schneiden ’ , ahd. scëran, mhd. schërn und wdt. schäre, schärä (Goms), schärn (Lötschental), schärärlinu (Diminutiv), schäre ‘ scheren, schneiden (Haare) ’ (I D . 8, 1119 ff.; G RICHTING 1998, 168). Eine feminine Form t Scheri ‘ die (Weg-)schere ’ (Ferden) ist unklar; die Flur befindet sich am (steilen) Weg auf die Faldumalp auf ca. 1910 m. Heute schneidet sich in der Umgebung der Weg und die Fahrstrasse auf die Alp, was zur Deutung ‘ Schere ’ passt. Ein Ort, wo die Schafe geschoren wurden, ist es kaum (steil und deutlich unterhalb der Alpe). Den Plural dazu bilden t Scherinä ‘ die (Weg-)Scheren ’ (Blatten) auf ca. 2050 m. Der Name kann sich auf die Wegführung beziehen. Ein Diminutiv im Singular weist 1768 Filet als bÿm Schärli ‘ bei der kleinen Schere ’ auf - der Kontext besagt, es handle sich um ein Stück Wiese in den Halden. Eine - ER -Ableitung zu Scherer ist ab 1660 in Raron als vnder dem Scherer oder jm Scherer belegt. Die historischen Belege scheinen sich auf zwei Orte zu beziehen: der eine liegt im Turtig (also auf der linken Talseite), der andere bei St. German (also auf der rechten Talseite). Ein Diminutiv Sherrerly`n ist 1303 ebenfalls in Raron belegt; auch er liegt bei St. German, wie die Erwähnung von Steyn Wingarten zeigt, das sich bei St. German befindet. Ob hier der Ort gemeint ist, wo die Schafe geschoren wurden, ist unklar. Als Bestimmungswort erscheint das HL in t Scherumatta ‘ die Wiese mit Maulwürfen / in Scherenform ’ (Grächen). 57 58 Scher <?page no="848"?> Sicher zur Bedeutung ‘ Maulwurf ’ gehören die sogenannte Scherenmausi-Weid (Münster) und t Schärmüseweid ‘ die Weide mit Maulwurfhügeln ’ (Reckingen) - es handelt sich um die gleiche Flur zwischen Münster und Reckingen auf der linken Talseite. Ein Partizip ist in ts Gschoru Erb ‘ das geschorene Erbgut ’ (Zwischbergen, LT u. FLNK, Gschorus Erb) enthalten. 1639 ist als erster Beleg am Bschornen Erb belegt. I D . (7, 1127 ff.) stellt das Partizip zu be- oder geschëren ‘ schneiden, scheren ’ . Gemeint ist wohl, dass das Gut von Unrat befreit wurde. Scherbadung Scherbadung m. ist als der Scherbadung (Binn; FLNK Scherbadung, SK Cherbadung) belegt. Es handelt sich um einen Gipfel (3211 m), der it. Pizzo Cervandone (SK Pizzo del Cervendone) heisst. Die deutsche Version stammt entweder aus einer piemontesischen Dialektform oder ist aus dem Italienischen übernommen; weder O LIVIERI (1965) noch LSI (1, 771) kennen den Namen, auch bei D EVOTO / O LI (2020) ist kein entsprechender Eintrag zu finden. Scherber Scherber ist nur einmal in der Scherbergrabo ‘ der trockene Graben ’ (Raron) belegt. Es handelt sich um einen Graben, der zum Bietschbach hinunterführt. Er führt wohl wenig Wasser und dürfte deswegen nach schwdt. schërb ‘ trocken ’ (I D . 8, 1230) benannt worden sein. Eine Benennung nach Schërb ‘ Scherbe ’ (I D . 8, 1231 f.) ist aber nicht auszuschliessen. Das HL selbst ist nicht belegt. Schertigen (FaN) Schertigen (FaN) ist 1655 in Binn als Schertigo Matten ‘ die Wiese der Familie Schertig ’ und 1714 am gleichen Ort als vom Schertigen Oxenfelldt ‘ vom Ochsenfeld der Familie Schertig ’ belegt. Der FaN gehört zu Schertig, Schärtig, Scherter, Zscherter, einer im 18. Jh. erloschene Familie von Ernen, die dort seit dem 14. Jh. bekannt ist (AWWB 233). Das Suffix - IG ist kollektiv für FaNN. Schertz Schertz ist nur 1701 in Bratsch als im Schertz belegt. Es handelt sich um ein Stück Wiese. Ein Anschluss an dt. Etyma ist kaum gegeben; Schertz liesse sich zum HL E SSERT ‘ Rodung ’ stellen, doch ist die Beleglage in Bratsch in dieser Hinsicht karg. Daher muss die Deutung als unklar gekennzeichnet werden. Scheschelp Scheschelp ist in Stalden (1304) und in Embd (1305 u. später) historisch belegt. Die Belege sind: 1304 apud Scheschelp supra der Trogmattun ‘ bei Scheschelp über der Trogmatta ’ (Stalden), 1305 apud Scheschelp (Embd), 1307 in silua de Scheschelb (Embd), 1328 apud Scheschelp (Embd). Im Dokument von 1307 findet sich noch eine Erwähnung: in aquaeductu quae vadit de Scheschelp (Embd). Es muss sich um eine Flur zwischen Stalden und Embd handeln. Das anlautende Schekann aus historischen Gründen nicht zum HL S CHEE ‘ schön ’ gestellt werden, da die Entrundung um 1300 noch nicht belegt ist. Man kann das Grundwort zu I D . (8, 750 s. v. schëlw ‘ schief ’ ) stellen. Es gibt bei Embd einen Beleg zu Schalb (cf. HL S CHELB ), in dessen Nähe auch eine Trogmatta notiert ist. Scheschelp und Schelb befinden sich deswegen vermutlich am gleichen Ort; die “ Reduplikation ” des anlautenden / sche-/ in Scheschelp lässt sich jedoch nicht deuten. Scheül Scheül ist nur 1733 in Turtmann als der Scheülwald belegt. Das Dokument spricht von laricam siluam ‘ der Lärchenwald ’ (vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 86). Die Karte 1: 10000 kennt in Turtmann Lärchwaldji, das so nicht belegt ist. Der Beleg Scheül ist unsicher. Der Name ist verhochdeutscht und wohl zu Schülle n (I D . 8., 601) zu stellen, das als wdt. Schila ‘ (Toten-)Schädel ’ verstanden wird. BENB (1, 5, 840 f.) kennt Schül(l)e und verweist, wie I D . auf den Willisauer Siedlungsnamen Schülen. Als Flurname würde das HL ‘ an gefässartige Vertiefungen ’ erinnern. Scheweten Scheweten ist nur einmal 1766 in den Scheweten (Simplon) belegt. Es handelt sich um den Namen, den J ORDAN (2006, 143) lebend als Schgäwättä kennt. Die hier gegebene Form ist vereinfacht, weil die Herkunft nicht mehr bekannt war. Zu stellen ist es zu lombardisch scav ‘ Graben ’ (LSI 4, 639), wohl mit einer - ETA -Ableitung (cf. HL S CHGEWÜTTE ). Schgatta Schgatta ist nur in t Schgattaschguusa (Zwischbergen, auch FLNK) belegt. Die Beschreibung sagt, es handle sich um eine Alpweidemulde zwischen hohen Bergen. LT hat an der Grenze den Namen Bocchetta Gattascosa ‘ Pass Gattascosa ’ und in Italien eine Alpe di Gattascosa, von der der Flurname stammt. 1: 10000 setzt Schgattaschugusa. J ORDAN (2006, 396) hat Schgattaschuisa, mit Varianten Schgattaschgusa, Ggattaschguisa, Ggattaschguusa und Gattaschgoosa. Er führt den Namen auf it. catta ‘ Katze ’ und it. scossa ‘ Stoss, Schlag ’ oder it. scottare ‘ brennen ’ zurück. Der Anlaut / sch/ könnte aus dem zweiten Bestandteil schguusa übernommen worden Scherbadung 59 60 <?page no="849"?> sein; er ist nur in Zwischbergen dokumentiert. Die Herleitung von it. gatta ‘ Katze ’ ist wohl unrichtig. P ETRINI (1993, 88 s. v. cata) und LSI (1, 727) nennen als Bedeutung in den alpinen Dialekten u. a. ‘ tacca, taglio ’ (dt. ‘ Einschnitt ’ ), hier also das, was auf deutsch Joch oder Pass heisst. Der zweite Teil des Flurnamens hat in Zwischbergen langes / u: / oder Diphthong / ui/ . Er bleibt unklar (cf. HL S CHGUUSA ). Schgeisellen Schgeisellen ist nur 1576 in Zwischbergen als die Schgeisellen belegt. Es ist unklar, ob es sich um einen Singular oder einen Plural handelt. Am nächstliegenden scheint das in I D . (10, 18) erwähnte Skizle n ‘ Herbstzeitlose, C OL- CHICUM AUTUMNALE / Alpenzeitlose, C OLCHICUM ALPINUM ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1252) oder ‘ Frühlingssafran, C ROCUS ALBIFLORUS ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1298) gemeint zu sein (cf. HL S CHGUTZEL ). Laut I D . ist die Herkunft unklar. Schgentte Schgentte ist nur 1592 in Zwischbergen als die Schgentte belegt. Der Name ist im Text als nuncupatum theüthonice ‘ auf deutsch genannt ’ bezeichnet. Ein dt. Wort hierzu lässt sich jedoch nicht finden. (LSI 4, 652) verweist unter scenté auf sentée (LSI 4, 837), wo als Bedeutung “ sentiero, viotto, viale (Weg, Pfad) ” angegeben ist. Diese Deutung ist möglich, aber nicht sicher. Schgewütte Schgewütte ist nur 1608 in Simplon als d Schgewütte belegt. J ORDAN (2006, 143) stellt es zu Schgäwättä, das auch auf LT verzeichnet ist, neben dem Chummilti. Er gibt keine Deutung. Historisch ist auch in den Scheweten (1706) in Simplon belegt (cf. HL S CHEWETEN ). Es handelt sich um eine Entlehnung aus lombardisch scava ‘ Graben ’ (LSI 4, 639), das etwa in Castasegna schev heisst. Die Ableitung auf - ETA kann sowohl it. auf - ADA , wie dt. auf - ETA (S ONDEREGGER 1958, 482 ff.) sein und bedeutet dann ‘ Ort, wo es einen Graben hat ’ . Neben den Schgäwättä fliesst ein kleiner Bach in einem Graben in den Krummbach. Schgguisär Schgguisär m., auch Schgüüser m. ist zu Skûser ‘ Durchfall ’ und wdt. Schggüüser, Gschggüüser (Mattertal), Schgguisär (Lötschental), Schggüüsär ‘ Durchfall ’ (I D . 10, 15; G RICH- TING 1998, 170) zu stellen. Die Herkunft des Ausdrucks ist unbekannt. Belegt ist das HL als dr Äischtnerru Schgguisär ‘ der Durchfall(ort) bei Eisten (Lötschental, Gebiet beim Schafstall) ’ , laut Gwp. eine Schneise, bei der vor allem im Frühjahr bei Föhnwetter am gleichen Tag mehrmals kleine Lawinen herunterkamen. ts Schgüserwaldji ‘ der kleine Wald des Schgüser (Person mit Durchfall) ’ (Gampel) und ts Schgüüserleonii ‘ die Leonie mit Durchfall / als herumwanderde Person ’ (Gampel, gleicher Ort) meinen wohl einen Wald, in dem sich eine Person mit Durchfall erleichterte, oder einen Wald, der einer Person gehörte, die als Übername Schgüüsa (herumwandernde Person, vgl. G RICHTING 1998, 170 s. v. Schgüüsa) hatte. Das bei J ORDAN (2006, 396) für Zwischbergen belegte Schgattaschguisa gehört nicht hieher (vgl. HLL S CHGATTA und S CHGUUSA ). Schgi Schgi ‘ Ski ’ kommt einmal vor: Bim aute Schgilift ‘ beim alten Skilift ’ (Ernen). Es ist zu Sch ī ‘ Schneeschuh (sic! ) ’ (I D . 8, 1; vgl. auch Sk ī in I D . 10,1) zu stellen; in G RICHTING (1998) fehlt das Wort. Laut Karte ist der Skilift heute abgebaut. Schginter Schginter ist als ts Schginter (Simplon) belegt. Der älteste Beleg hat Schku ͦ nter (1390, Simplon), ohne Genusangabe. J ORDAN (2006, 176) kennt Schggintär und nennt maskulines Genus. Die Flur befindet sich an einem bewaldeten Steilhang zum Chrummbach hinunter, südwestlich oberhalb des Dorfes Simplon an der alten Simplonstrasse. Der älteste Beleg legt eine gerundete Form nahe, die später zu / i/ entrundet wurde. LSI (4, 757, s. v. scóntro 2 ) kennt auch scuntra als ‘ Terreno spoglio, prato in pendio, collinetta ’ , hier wohl als ‘ abschüssige Wiese ’ zu verstehen. Der Genuswechsel zum Neutrum ist wohl als Kollektiv zu verstehen: ‘ das abschüssige Gebiet ’ ; die Herkunft ist vermutlich lombardisch oder piemontesisch. Schgitsi Schgitsi f. ‘ der Ort, wo die Lawine herausspritzt ’ ist zum schwdt. skitz(g)e n ‘ herausspritzen ’ und wdt. schggizze, schggizzä (Goms), gschggizzu (Matteral), schgizzn (Lötschental), schggizzu ‘ spritzen, herausspritzen ’ (I D .10, 18; G RICHTING 1998, 170) zu stellen. I D . stellt das Verb zu it. schizzare, das auch als ‘ stieben ’ (von Schnee) verwendet wird; D EVOTO / O LI (2020, 1986) kennen das Verb, geben aber diese Bedeutung so nicht an. Die Bildung auf - I ist ein Verbalabstraktum (S ONDEREGGER 1950, 497), das den Ort kennzeichnet, wo die Lawine (ungesehen) herausspritzt. Schgutzel Schgutzel ist nur in t Schgutzelegga ‘ die Ecke mit Rauschbeeren (V ACCINIUM ULIGINOSUM ) ’ (Ferden) belegt. Das HL ist 61 62 Schgutzel <?page no="850"?> zu wdt. Skuzelber, Schgutzlä = schwdt. Fluderber ‘ Vaccinium uliginosum, Rauschbeere ’ (M ARZELL 4, 958 ff.; I D . 4, 1473 und 1465; B ELLWALD 1956, 90; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 710) zu stellen. Schguusa Schguusa ist nur in t Schgattaschguusa (Zwischbergen, auch FLNK) belegt. Die Beschreibung sagt, es handle sich um eine Alpweidemulde zwischen hohen Bergen. LT hat an der Grenze den Namen Bocchetta Gattascosa ‘ Pass Gattascosa ’ und in Italien eine Alpe di Gattascosa, von der der Flurname stammt. 1: 10000 setzt Schgattaschugusa. J ORDAN (2006, 396) hat Schgattaschuisa, mit Varianten Schgattaschgusa, Ggattaschguisa, Ggattaschguusa und Gattaschgoosa. Er führt den Namen auf it. catta ‘ Katze ’ und it. scossa ‘ Stoss, Schlag ’ oder it. scottare ‘ brennen ’ zurück. Wie unter Schgatta ausgeführt, ist der Anlaut / sch/ wohl unter dem Einfluss des zweiten Elementes gesetzt worden. Cata wiederum ist als ‘ Einschnitt, Pass ’ zu verstehen (P ETRINI 1993, 88 s. v. cata; LSI 1, 727). Schguusa / Scosa hingegen bleibt unklar. LSI (4, 766 s. v. scös) nennt u. a. bruciare ‘ verbrennen ’ , das hier eventuell als Abbrennen von Bäumen auf der Alpe verwendet wurde. Schieffer Schieffer ist belegt als der Schiefferbach (Oberwald). Es handelt sich um einen kleinen Bach, der durch Fels zum Rottengletscher hinunterfliesst, auf ca. 2500 m. Die Gwp. spricht von <schiefriger> Felsen und Boden und meint damit wohl Schiefer. Allerdings ist M. S. mit dem Diphthong / ie/ eher auf der Seite des Adjektivs schief. Sicher Schifer ‘ Schiefer ’ ist in Schifertünnel (FLNK, Termen) belegt, wo Schiefer in einem Tunnel (Stollen) gewonnen wurde. Das Adjektiv schief ‘ schief ’ (I D . 8, 380 f.) gilt als nicht bodenständig - geläufig wäre das Adj. chrumb; das Nomen Schifer ‘ schiefriges, abblätterndes Gestein ’ (I D . 8, 377) würde auch zum ersten Beleg passen, kann aber den Diphthong / ie/ nicht erklären. Schiess Schiess ist zu schwdt. schiesse(n), g'schosse(n) ‘ schiessen; schnell bewegen ’ , von rasch strömenden Flüssigkeiten, fliessenden Gewässern; vom Schleudern eines Geschosses und wdt. schiesse, schiässä (Goms), schiessu (Vispertäler), schiässn (Lötschental), schiässu ‘ schiessen, herausschiessen ’ (I D . 8, 1357 ff.: G RICHTING 1998, 170) zu stellen. Das HL kommt als Bestimmungswort und einmal als attributives Partizip vor. Belegt sind einerseits der Schiessbach ‘ der schnell dahinschiessende Bach (auch Mischibach) ’ (Ried-Brig, Termen) und die dazu gehörende t Schiessbachsite ‘ die (Tal)Seite, durch die der Schiessbach fliesst ’ (Ried-Brig, Termen), tsch Schiässend Bächli ‘ der kleine, dahinschiessende Bach ’ (Ferden) und t Schiessblatta ‘ die steile Felsplatte, über die das Wasser / die Lawine hinunterschiesst ’ (Ried-Brig). Anderseits kommt der Schiessstand ‘ der Schiess-Stand ’ (Oberwald und vier weitere Gemeinden), zum Schiessstand ‘ beim Schiess-Stand ’ (Staldenried), zem Schiässstand ‘ beim Schiess-Stand ’ (Kippel), der Alt Schiessstand ‘ der alte Schiess-Stand (Beschreibung stimmt vermutlich so nicht) ’ (Brig), Alte Schiessstand ‘ der alte Schiess-Stand ’ (FLNK, Ried-Brig), bim Altu Schiessstand ‘ beim alten Schiess-Stand ’ (Stalden) vor. Isoliert ist der historische Beleg in dem Schieshús ‘ im Haus, wo geschossen wird ’ (1749, Ernen; 1803 enet dem Schiesshús). Schiff Schiff n. ist als Flurname nur einmal 1705 in Ritzingen als an dem Schiff belegt. Es ist zu schwdt. Schiff n. ‘ Schiff; Fuhrwerk mit allem Zubehör; Haus-, Ackergerät ’ , übertragen auf schiffähnliche Gegenstände, amhd. sc(h)if, sc (h)ëf, in FlN wohl urspr. Hausname, und wdt. Schiff ‘ Schiff ’ (I D . 8, 352 ff.; G RICHTING 1998, 170) zu stellen. 1581 wird in einer Urkunde für Binn (PA Ernen, D. 93 Perg., Ernen) das lat. in rebus vtensilibus übersetzt als in Schiff und Geschir. Das ist kein Flurname, es wird aber für alles Nutzgerät gebraucht. Der Flurname bezieht sich darauf. Schii(n) Schii(n) ‘ Schein, Glanz ’ ist zu schwdt. Sch ī n m. ‘ Glanz, (Licht-)Schein ’ , amhd. sc(h) ī n m. (I D . 8, 799 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 170) kennt es als ‘ Helligkeit ’ . URNB (3, 65) Schein und (3, 78) Schin diskutieren ‘ Schein ’ neben anderen Möglichkeiten, von denen aber im Oberwallis wohl nur das ähnliche Schiie ‘ Pfahl ’ in Frage kommt. Die Formen Scheinigu (Adjektiv) und Schiinundu (Partizip Präsens) sind je einmal belegt, jeweils mit HL B LATTA ‘ Felsplatte ’ (Zermatt, Saas-Almagell). Am häufigsten ist Schii(n) als Bestimmungswort zu Hooru ‘ Horn ’ belegt, in Binn gibt es die Schiinhörner (sic! ) und dazu das Unter Schinhorn und das Chlii Schinhore, beide Teil der Schiinhörner. Unterhalb der Hörner sind der Schingletscher und die Schinbachtle (Plural) ‘ die kleinen Wasserrinnen unterhalb der Schinhörner ’ . Die andern Gipfelnamen Schiihoru und Schiinhoren (Zwischbergen, Naters und Blatten gleicher Gipfel) sind nicht beide klar; in Zwischbergen notiert LK Schijenhorn, also Schiie ‘ Pfahl ’ . Ganz unklar ist Schigartuchriz (Bürchen); hier ist unsicher, ob Schi zu ‘ Schein ’ oder zu Schiie ‘ Pfahl, Einzäunung ’ zu stellen ist. Von der Form her ist die erste Möglichkeit sinnvoll, vom Inhalt her die zweite: ‘ das Kreuz beim umzäunten Garten ’ . Schguusa 63 64 <?page no="851"?> Schiiba Schiiba f. ‘ Scheibe ’ ist zu schwdt. Sch ī be(n) f. ‘ flacher, runder Körper; Scheibe ’ , ahd. sc ī ba, mhd. sch ī be ‘ Scheibe ’ und wdt. Schiiba, Schiibu ‘ Fensterscheibe, Scheibe ’ (I D . 8, 38 ff.; G RICHTING 1998, 170) zu stellen. Prominent in unseren Belegen ist das HL für die Schützen- oder Schiessscheibe, in Flurnamen weiter zur Bezeichnung von scheibenförmigen Geländestellen. Der Plural Scheib zum Singular Schöüb m. ‘ Strohbündel ’ (G RICHTING 1998, 176; vgl. I D . 8, 26 ff. s. v. Schaub) spielt kaum eine Rolle, ausser vielleicht beim FaN Scheiber, der sonst nicht belegt ist. Das Simplex ist im Singular historisch als bei der Scheibe (1872 (ca.), Ergisch; Randa (Register)) und bÿ der Scheiben (1623, Münster), beÿ der Scheiben (1806, Stalden; 1853, Guttet), zúr Scheiben (1869, Blatten), in der Schibun (1721, Bellwald) belegt. In Leuk ist 1712 under der Schibben, 1713 zur Scheiben belegt, beide als Weingärten, also wahrscheinlich scheibenförmige Grundstücke. In Grächen ist an Scheýben (1457) mit Variante an Schweýben belegt; die Lesung ist aber unsicher und der Kontext gibt den FaN Schweybers an; es geht also wohl um das HL S CHWEIBA . Lebende Belege sind biner Schibe ‘ bei der (Schützen-)Scheibe ’ (Reckingen) und zer Schiibu ‘ bei der (Schützen-)Scheibe ’ (Ferden, Hohtenn, Unterems, Varen, Visperterminen). Plurale sind nicht belegt, Diminutive ebenfalls nicht. Mit attributiven Adjektiven erscheint das HL als bei der Alten Scheiben ‘ bei der alten Scheibe (wohl Schützenscheibe) ’ (1854, Stalden), zer Alten Scheibe (Zermatt, Register), zer Altu Schibu ‘ bei der alten Scheibe (Schützenscheibe) ’ (Embd). In zweigliedrigen Komposita ist Schiiba nur als Bestimmungswort belegt. Der häufigste Typ ist dr Schiibustand ‘ der Scheibenstand (der Schützen) ’ (Kippel und sechs weitere Belege). Die übrigen Grundwörter sind: Acher, Haalta, Matta, Mili, Pletscha, Räb-, Schleif, Schluocht, Stadel, Wald und Weid. Ob zi Schiibstein ‘ bei den Scheibensteinen (unklar: runde Steine? ) ’ (Ferden) hieher zu stellen ist, bleibt unsicher. Eine Ableitung Schibi ist in Schibiachrun o ᵉ y`un ‘ die Aue beim Schibiacher ’ (1383, Ulrichen) belegt; vermutlich handelt es sich um einen Diminutiv ‘ die kleine Scheibe ’ . Eine Ableitung auf - IL ist in an dien Schibilachren (1399, Ried-Brig), Schibilwang (1770, Naters; 1859 Schibelwang), der Schibilwasu (Hohtenn) belegt. Es handelt sich vermutlich um die maskuline Stellenbezeichnung auf - IL (S ONDEREGGER 1958, 513). Da der älteste Beleg das ungerundete / i/ aufweist, ist eine Entrundung nicht sinnvoll anzunehmen. Das in Grächen (Register) belegte Scheiberweide deutet auf einen PN Scheiber, der aber nicht belegt ist. Das Adjektiv schibocht ist in Schibochten Eyen ‘ die runde, scheibenförmige Aue ’ (1717, Obergesteln) vertreten. Die Endung - OCHT ist in K. M EYER (1960, 124 ff.) gut belegt. Schiid S CHIID n. ‘ Scheit ’ ist zu schwdt. S CH Ī T , wdt. S CHIT , im Lötschental auch S CHID ‘ (Holz-)Scheit ’ (Id. 8, 1506 ff.; Grichting 1998, 171) zu stellen. Es kommt in Steg als ts Wiiss Schiid ‘ das weisse Scheit ’ vor, offenbar ursprünglich als Bezeichnung eines Vermessungssignals. In Ferden gesellt sich dazu dr Wiiss Schiidtritt ‘ der Tritt beim weissen Scheit ’ . Eine -i-Ableitung (Sonderegger 1958, 479, Verbalabstrakta auf ahd. - Î ( N )) S CHIIDI ‘ der Ort, wo man Bäume entrindet ’ , wohl zum Verb wdt. schiide ‘ behauen (Rundstamm in Längsrichtung), zerkleinern ’ (G RICHTING 1998, 170), ist in den beiden Namen t Ober und t Unner Schiidi (Visperterminen) belegt. Schiie Schiie f. ‘ Zaunlatte ’ ist zu schwdt. Sch ī e n und wdt. Schija, Schijä (Goms), Schiju f. ‘ Zaunlatte ’ , ‘ dünne Latte, schmales, langes Brett; Zaun-, Haglatte, besonders bei Hausgärten ’ , mhd. sch ī e f., m. (I D . 8, 1 ff.; G RICHTING 1998, 170) bzw. Verb schwdt. schîe n , schîje n ‘ Hagpfähle (bzw. ein Holz zu Hagpfählen) machen ’ (I D . 8, 6), hier als Kompositum einschîe(n) ‘ mit Zaunlatten, Hagpfählen einfassen, umgeben ’ zu stellen. In FlN auch übertragen auf sch ī enartige Geländeformationen. Das HL enthält ein langes / i: / gefolgt von einem / j/ . Im nördlichen Schweizerdeutschen kann dafür auch / ei/ + / j/ eintreten. Das Simplex ist meist im Plural als bine Schiie ‘ bei den Felsen, die wie Zaunlatten aussehen ’ (Reckingen), Zenschien ‘ bei den Zaunlatten ’ (1706 u. später, Leuk; es ist von einem Weingarten die Rede), t Schihä ‘ die Felsen, die wie Zaunlatten aussehen ’ (Blatten), t Schiije ‘ die Felsen, die wie Zaunlatten aussehen ’ (Simplon, Zwischbergen), unner de Schiije ‘ unter den Felsen, die wie Zaunlatten aussehen ’ (Ulrichen), ze Schiiu ‘ beim Gebiet, das wie Zaunlatten aussieht (laut Dokument ein Weingarten) ’ (Zeneggen), Zen Schÿgen ‘ bei den Zaunlatten ’ (1610, Leuk) belegt. Die Belege zeigen entweder Weingärten mit einem Zaun oder Gebiete, die wie Zaunlatten aussehen. Mit attributiven Adjektiven kommen vor: t Rote Schiie ‘ die roten Felsen, die wie Zaunlatten aussehen ’ (Reckingen), t Wiissu Schiie ‘ die weissen Felsen, die wie Zaunlatten aussehen (Gipfelname 3386 m) ’ (Randa). Als Grundwort kommt das HL vor in t Merezebachschiije ‘ die Zaunlatten gleichenden Felsen im Merezen- 65 66 Schiie <?page no="852"?> bachtal ’ (Münster, Ulrichen (hier beim Merezenbachgletscher)), Thalschien (SK; LT Talschien) ‘ der Thalschien ’ (LT Talschien, Gipfelname, 2997 m), wohl die Bergspitzen, die Zaunlatten gleichen, über dem Tal (sofern nicht Schiin = Schein). Dazu kommt Talschienpass ‘ der Pass (Fusspass) zwischen Roossehörner und Blatthörner bei den Talschien (Bergspitzen beim Tal) ’ (Münster). Unklar ist Hoschiiugrabe (Baltschieder, Eggerberg), hier verstanden als ‘ der Graben bei den Felsen, die wie Zaunlatten aussehen ’ , der bei Nr. 20818 der Hoschtiiugrabo ‘ der Graben bei der hohen Stiia (Schweinekoben) ’ heisst. Die Form ohne / t/ scheint sinnvoller. Wohl ans Hochdeutsche angeglichen ist Scheÿenboden ‘ der Boden mit den Zaunlatten ’ (1683, Martisberg). Sonst erscheint das Bestimmungswort mit folgenden Grundwörtern: Bodu, Gartu, Hag, Hooru und Matta. Nur einmal belegt ist das Partizip des Verbums einschîe(n) in im eingescheieten Garten ‘ im eingezäunten Garten ’ (1770, Termen). Die Form ist an das Hochdeutsche angeglichen. Schiir Schiir f. ‘ Scheuer ’ ist zu schwdt. Sch ǖ r f., Pl. meist Sch ǖ re(n) ‘ Scheuer, Scheune ’ , zusammenfassend für die der Ökonomie dienenden Räumlichkeiten: Stall und (Dresch-, Futter-)Tenne mit der darüber liegenden Heubzw. Garbenbühne, oft mit einem Schopf, zuweilen auch mit Ställen für das Kleinvieh, z. T. mit dem bäuerlichen Wohnhaus unter einem Dach vereinigt; Stall mit Heubühne; Ort, wo das Alpheu untergebracht wird, Heugaden am Hause; freistehender Heuspeicher auf entlegenen Matten, Bergwiesen, ahd. sk ū ra, skiura, mhd. schiure ‘ Scheuer ’ , Weiterbildung zu amhd. sc(h) ū r m. ‘ Wetterdach ’ und wdt. Schiir ‘ Scheune ’ (I D . 8, 1210 ff.; G RICHTING 1998, 170) zu stellen. Über die Konstruktion einer Schiir im Wallis vgl. R ÜBEL (1950, 38) und V. S CHMID (2003, 170 f.). Rund 440 Namen enthalten das HL Schiir. Auffällig ist, dass das Simplex Schiir praktisch inexistent ist: es gibt nur 1652 in Goppisberg beÿ der Schür mit einem rekonstruierten / ü/ . Auch der Plural des Simplex ist selten: 1697 zen Scheiren ‘ bei den Scheuern ’ (Albinen) mit einem hyperkorrekten / ei/ , zen Schiren (1723, Leuk; 1726 zun Scheüren). Hingegen ist das Diminutiv des Singulars häufig: ts Schiirli (auch mit Präpositionen zum und bim) ist rund 28 Mal belegt; einmal steht zum Scheu ᵕ erlein ‘ bei der kleinen Scheuer ’ (1837, Oberems). Der Plural ze Schiirlinu ‘ bei den kleinen Scheuern ’ ist viermal belegt, einmal als zen Schirlenen (1634, Betten). Mit attributiven Adjektiven und dem HL als Grundwort ist vor allem der Typ t Niw Schiir ‘ die neue Scheuer ’ und deren Varianten wie zer Niwe Schiir ‘ bei der neuen Scheuer ’ , zer Niwwu Schiir ‘ bei der neuen Scheuer ’ usw. rund 40 Mal belegt - auch historisch als zer Nÿwen Schyr (1548, Agarn), hinder der Nüwen Schür (1640 u. später, Gluringen), zu ᵕ r Neu ᵕ en Scheu ᵕ er ‘ bei der neuen Scheuer ’ (1733 u. später, Oberems). Das Gegenstück zer Altu Schiir ‘ bei der alten Scheuer ’ (FLNK, St. Niklaus) ist mit Varianten sieben Mal belegt. Weitere Belege sind: di Gross Schiir ‘ die grosse Scheuer ’ (mit Varianten) (Lax, Martisberg, Baltschieder), Heeji Schiir ‘ die hohe Scheuer ’ (FLNK, Ernen), zum Heeju Schiirli ‘ zur hohen kleinen Scheuer ’ (Randa, Termen), Heeschiirli ‘ die hohe kleine Scheuer ’ (FLNK, Grächen), bÿm Höchen Schürli ‘ bei der kleinen hohen Scheuer ’ (1723 u. später, Ried-Brig), Hee Schiirli ‘ die hohe kleine Scheuer ’ (FLNK, Ried-Mörel), beÿ dem Hochen Scheirlin ‘ bei der hohen kleinen Scheuer ’ (1724 u. später, Naters), ts Chlei Schiirli ‘ die kleine Scheuer ’ (Ried-Mörel), ze Lenge Schiiru ‘ bei den langen Scheuern ’ (Mund), t Mittlescht Schiir ‘ die mittlere Scheuer ’ (Ernen), Mittulschir ‘ die mittlere Scheuer ’ (FLNK, Birgisch), t Ober Schiir ‘ die obere Scheuer ’ (St. Niklaus und weitere zwei) und zer Obru Schiir ‘ bei der oberen Scheuer ’ (Eggerberg, mit weiteren fünf Belegen), zum Schwarzu Schiirli ‘ bei der schwarzen kleinen Scheuer ’ (St. Niklaus), zu Dri Schiiru ‘ bei den drei Scheuern ’ (Täsch, mit Zahlwort), zen Uisträ Schiiru ‘ bei den äusseren Scheuern ’ (Wiler), zer Vndren Schir ‘ bei der unteren Scheuer ’ (Grächen), in der Verbranten Schir ‘ in der verbrannten Scheuer ’ (1782, Simplon, mit Partizip), zu Vier Schiiru ‘ bei den vier Scheuern ’ (Randa, mit Zahlwort), t Wissi Schiir ‘ die weisse Scheuer ’ (Raron, weitere vier Belege), zen Zwei Schiiru ‘ bei den zwei Scheuern ’ (Unterbäch, Täsch, mit Zahlwort), der Zweÿfachen Scheir ‘ die doppelte Scheuer ’ (1767, Kippel, Genitiv in der Konstruktion), Üsser Schiir ‘ die äussere Scheuer ’ (FLNK, Embd) und ze Üssru Schiiru ‘ bei den äusseren Scheuern ’ (Eisten). Superlative finden sich in ts Obroschtoscht Schiirli ‘ die oberste kleine Scheuer ’ und ts Unroschtoscht Schiirli ‘ die unterste kleine Scheuer ’ (beide Unterbäch). Ein ungeklärtes Problem stellt zúm Fengiu Schiirli (Termen) dar (cf. HL F ENGIU ); es könnte sowohl ein Adjektiv, wie ein Besitzer oder Nutzer gemeint sein. Vorangestellte Genitive des Besitzers oder Nutzers finden sich z. B. in ts (e)Randjerru Schiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Randier ’ (Unterbäch), ts (e)Rittersch Schiir ‘ die Scheuer der Familie Ritter ’ (Termen), ts (e) Rufinärsch Schiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Ruffiner ’ (Ferden, Kippel). Unklar ist der Beleg ts Baschters Schiirli ‘ die kleine Scheuer des Baster (PN zu Bastian) / Bastard ’ (Törbel), wo unklar ist, ob es sich um einen PN oder um einen Übernamen handelt. zer Eggschuschiir ‘ bei der Scheuer der Familie Eggs ’ (Törbel) enthält einen schwachen Genitiv Plural. Bei ts Fennersch Schiir und Schiir 67 68 <?page no="853"?> Stall ‘ des Fenners (Fähnrichs) Scheuer und Stall ’ (Staldenried) ist ein Funktionsträger (Gemeindefenner) gemeint, nicht ein FaN. Der historische Beleg Zgasen Schirlÿ ‘ die kleine Scheuer der FaN Gasner ’ (1707, Ergisch) weist eine Kurzform des FaN im schwachen Genitiv Singular auf. Unklar ist auch, wer in z Habisch Schir ‘ die Scheuer des Habi (PN) ’ (1682, Greich) gemeint ist; ein FaN Habi ist nicht belegt (cf. HL H ABI ). Dass nicht immer klar zwischen einem vorangestellten Genitiv und einem Kompositum unterschieden werden kann, zeigen die Belege ts Gigersch Schiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Giger ’ (Randa), wobei Giger ein Beiname ist, und únter dem Güger Schirlÿ ‘ unter der kleinen Scheuer der Familie Giger ’ (1832, Blitzingen). Manchmal ist auch nicht zu entscheiden, ob ein Genitiv vorliegt oder nicht: beÿ Heinen Schir ‘ bei der Scheuer des Heinrich / der Familie Heinen ’ (1817, Binn), wo Heinen ein fest gewordener Genitiv als FaN oder einfach ein PN Hein im Genitiv sein kann. Als Grundwort ist das HL sehr häufig in zweigliedrigen Komposita belegt. Öfters belegt ist der Typ Steischiir ‘ Scheuer aus Stein ’ (Embd und rund 15 weitere Belege, auch historisch), der die Konstruktion mit Stein statt Holz betont. t Schtiidischiir ‘ die Scheuer mit einem kleinen (Stütz-)Pfosten ’ (Kippel) und die Stúdschÿr ‘ die Scheuer mit einem Pfosten ’ (1694, Baltschieder) wurden wohl mit einem stützenden Holzpfosten (cf. HL S TUTT ) gebaut. Tiernamen sind in zer Schaafschiir ‘ bei der Scheuer für die Schafe ’ (Eisten und vier weitere Belege), zum Geisschiirli ‘ bei der kleinen Scheuer für die Ziegen ’ (Grächen, Randa), di Geischischiirä ‘ die Scheuern für die kleinen Ziegen ’ (Blatten), Chieschiirli ‘ die kleine Scheuer für die Kühe ’ (FLNK, Embd), ze Rosschiiru ‘ bei den Scheuern für die Pferde ’ (Stalden) und die Rosschir ‘ die Scheuer für die Pferde ’ (1751, Turtmann) belegt. Hier kann sowohl ein Stall für die jeweiligen Tiere, wie ihre Fütterung gemeint sein. Auch Besitzernamen ohne Genitiv sind möglich: Briggerschiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Brigger ’ (FLNK, Niedergesteln), ts Stäffuschiir ‘ die Scheuer der Familie Steffen / des Stefan ’ (Naters), Sigerschtuschiir ‘ die Scheuer des Sigrists / der Familie Sigrist ’ (Ried-Mörel), t Chirchuschiir ‘ die Scheuer, die der Kirche gehörte ’ (Randa) und (vielleicht) die Klosterschür ‘ die Scheuer, die dem Kloster gehörte ’ (1741, Fiesch) zeigen institutionelle Besitzer. Der grösste Teil der Komposita weist aber den Namen einer nahegelegenen Flur auf, wie z. B. di Balmuschirä ‘ die Scheuern beim Gebiet Balma (überhängender Fels) ’ (Blatten), ts Bielschiirli ‘ die kleine Scheuer beim Gebiet Biel (Hügel) ’ (Ried-Mörel), bim Chlosischiirli ‘ bei der kleinen Scheuer beim Chlosi ’ (Nates) und viele andere. Dabei entstehen auch komplexere Formen wie z. B. in t Lengunmattuschiirä ‘ die Scheuern bei der langen Wiese ’ (Blatten), ts Schärutachschiirli ‘ die kleine Scheuer beim Schärutach (Dach, das Schutz bietet) ’ (Baltschieder), zen Uisträ Wiäschtänmattuschiirun ‘ bei den Scheuern bei der äusserem wüsten, unfruchtbaren Wiese ’ (Blatten) und andere. Als Bestimmungswort ist das HL nur selten vertreten; in zweigliedrigen Komposita tritt es nur auf mit Bodu und Matta; in mehrgliedrigen in Schlüechtschiircheer ‘ der Cheer (Wegkehre) bei der Schlüechtschiir (Scheuer in der Geländeeinbuchtung) ’ (Törbel). Schiisse Schiiss(e), auch Schiss in Flurnamen gehört zum Verb schwdt. sch ī sse n ‘ scheissen (von Tieren), (derb) von Menschen ’ , ahd. sc ī zan (I D . 8, 1326). Das HL hat pejorativen Charakter und bezeichnet z. T. ‘ dreckige, häufig mit Geröll und Schlamm überflutete, z. T. auch einfach unangenehm wirkende oder zu durchgehende Stellen ’ u. ä. (URNB 3,66). G RICHTING (1998, 170) kennt das Wort Schiissa, Schiissu nur als ‘ Toilette ’ . Das HL selbst erscheint nur als Bestimmungswort in verschiedenen Formen. Schiiss ist belegt in den Schÿssgraben ‘ der Graben mit Dreck ’ (1763, Naters) und der Schiisschracho ‘ der Chrachen (Tobel) mit Dreck, Abfällen (beim Hotel Belalp) ’ . Vermutlich gehört auch zer Schisbachtalun ‘ bei der Wasserrinne mit Dreck ’ (1521, Täsch) hieher. Schiisse ist belegt in t Schiisseblätze ‘ die kleinen, wertlosen Stücke Land ’ (Ulrichen), t Schiissetole ‘ die Mulde mit Dreck ’ (Ritzingen), der Schiisseture ‘ der (Fels-)Turm mit Dreck / wo man sich erleichtern kann ’ (Blitzingen, mit unklarer Deutung). Schiisser ist eine Ableitung, die bei G RICHTING (1998, 170 s. v. Schiisser mit Varianten) u. a. als ‘ Durchfall ’ bezeichnet wird. Entsprechend ist der Name t Schiisserteelu ‘ die Dähle (Föhre), wo man sich erleichtern kann ’ (Hohtenn). Eine weitere Ableitung auf - ERNA , Pl. - ERNE mit Kollektivbedeutung, zeigt t Schisserne ‘ der Geröllhang ’ (Embd). Einen anderen Bildungstyp hat Gscheis in den beiden Belegen ts Arigscheis ‘ wo es Exkremente von Adlern hat ’ und t Arigscheisflüe ‘ die Fluh beim Arigscheis (wo es Exkremente von Adlern hat) ’ (beide Täsch). Zwar kennt I D . (8, 1324) Scheiss ‘ Bauchwind ’ ; es ist aber wohl eher zu G e -schîss ‘ Exkremente ’ (I D . 8, 1325) zu stellen. Allerdings weist O TT (1970, 76) darauf hin, dass man bei den Raubvögeln von Geschmeiss spricht, dass aber auch scheissen verwendet wird. Gscheis wäre dann beim Diphthong vom gleichbedeutenden Geschmeiss beeinflusst. Schiiter Schiiter ‘ (Holz-)Scheite ’ kommt in fünf Belegen als Bestimmungswort vor. Es ist zu schwdt. Sch ī t, Pl. Sch ī ter, Schiter n., wdt. Schit, Schiitje (Mattertal), Schid (Lötschtal) 69 70 Schiiter <?page no="854"?> Schiit n. wie nhd. ‘ Scheit ’ , amhd. sc(h) ī t n. (I D . 8, 1506 ff.; G RICHTING 1998, 171) zu stellen. Zum Namen gab entweder scheitförmiges Gelände oder eine Stelle Anlass, wo man scheitet, Brennholz zurüstet, oder die man gerodet hat (cf. URNB 3, 85 ff.). Die Belege sind Schiterflüe ‘ die Fluh, die wie Holzscheite aussieht ’ (Oberwald), ts Schiitertälli ‘ das kleine Tal in Scheiterform ’ (Reckingen), ts Schitertäli, resp. ts Schitertälti (Münster) und der dazu gehörende Schitertelltigrat (Münster). Wohl zu diesem HL, aber im Singular, gehört der Schittibode ‘ der Boden, wo Holz gescheitet wurde ’ (Reckingen). Schild Schild m. ist zu schwdt. Schilt, Schild m. Pl. unverändert oder Schilta, -ë ‘ Schild ’ , ‘ dreieckige, von einer kleinen Lawine herrührende Schneeablagerung; abgetretenes und infolgedessen abgerutschtes zusammenhängendes Stück gefrorenen Schnees; an steiler Halde angewehter Schnee ’ , ‘ von abgegrenzten Bodenteilen; Stück Land, Parzelle ’ , ‘ (in einzelne Beete zerfallende) Abteilung eines Gartens, auch Kirchhofs ’ , ‘ Stelle, die sich durch abweichende Färbung von ihrer Umgebung abhebt, z. B. schneefreier Fleck ’ , amhd. sc(h)ilt m. (I D . 8, 727 ff., bes. 739; Z INSLI 1946, 334 mit Beschränkung auf ‘ schneefreier Fleck ’ und ‘ Schneefleck ’ ) zu stellen. G RICHTING (1998, 171) kennt nur Schiltji, Schilt (Lötschental) n. ‘ Heiligenmedaille ’ . Das HL kommt in rund 50 Flurnamen vor, aber nie im Bezirk Leuk. Das Simplex ist im Singular lebend als der Schild (Martisberg, Mund), der Schilld (Randa), der Schillt (Saas-Balen, Zwischbergen), ufum Schillt (Embd), zum Schillt (Täsch), der Schilt (Ausserberg, Baltschieder, Eisten, St. Niklaus), dr Schilt (Blatten, Kippel, Wiler) belegt. Mit l-Vokalisierung kommt in Binn bim Schiut vor, wobei Gwp. meint, es handle sich um ein früheres Schild mit der Aufschrift “ Nebenzollamt Binn ” ; dann wäre auch das Genus neutrum möglich. Historisch ist am Schildt (1714 u. später, Zeneggen) bezeugt. Der Plural des Simplex erscheint als t Schilta (Zermatt, FLNK Schilte), t Schilta (Simplon), t Schilte (Glis, Termen, Ulrichen) und t Schiute (Binn, mit l-Vokalisierung). Als Diminutiv im Singular kommt mit agglutiniertem Artikel ts Tschiilti ‘ der kleine Schild ’ (Ried-Brig) vor. Problematisch ist der Beleg in den Schildlinen ‘ in den kleinen Schilden ’ (1795, Naters), wofür 1737 in den Schildÿnen steht, ein Plural zur Ableitung Schildi (vgl. unten). Mit attributiven Adjektiven sind belegt ts Chlei und ts Gross Schild (St. Niklaus), ts Chlei Schillgji ‘ der kleine Schild ’ (Saas-Balen), ts Chlei Schiltji ‘ der kleine Schild ’ (Mund), auf dem oberen Schild (1771, Bellwald), der Ober und der Unner Schilt (Randa). Einen Sonderfall stellt di Parschilte (Naters) dar. Wenn angenommen wird, dass das Grundwort Schilte ‘ die Schilde ’ ist, dann kann sich par nach I D . (4, 1429) als ‘ einige, etliche ’ , ev. ‘ zwei ’ verstehen lassen: ‘ die zwei Schilde ’ . Sonst erscheint das HL nie als Grundwort. Als Bestimmungswort tritt das HL vor allem im Typ Schilthorn ‘ Schilthorn ’ auf; belegt sind tsch Schilthoren (Kippel, FLNK, LT und SK Schilthorn), Schilthorn (Mund), ts Schilthoru (FLNK, Saas-Balen; LT Schilthorn; Eisten), ts Schilthoru (Simplon, LT und SK Schilthorn) und historisch 1774 (? ) aús dem Schilthorn (Eggerberg, unklar). Es handelt sich um mindestens drei verschiedene Gipfel; die vermutlich nach den Schnee-Flecken benannt sind. Die übrigen Grundwörter sind Äbi, Bodu, Bord, Brunnu, Egg(a), Furgga, Grabu, Sattel, Schrääje -Schreeje, Schluocht, Wald und Wang. Unklar ist die Ableitung Schiltine (Plural). Sie ist belegt in Schiltine (FLNK, Reckingen), t Hinnere und t Vodere Schiltine (Reckingen). Ein Diminutiv liegt wohl nicht vor, wohl aber eine feminine Ableitung auf - I . I D . (8, 748) kennt das Wort in der Bedeutung eines Tiers mit weissen Flecken, doch erwähnt es in der Anmerkung auch einen Flurnamen in Morschach (SZ); im SZNB (4, 298 f.) wird der Name möglicherweise auf eine I -Ableitung (feminine Movierung) zurückgeführt. Schilf Schilf ist nur belegt in ts Schilfgädi und t Schilfgädiflüe (beide St. Niklaus); die SK hat am gleichen Ort Schilfgalen. Galen für Gädi ‘ kleiner Gaden ’ ist dabei wohl ein Versehen. Ob der Pflanzenname Schilf n. wie nhd. ‘ Schilfrohr, Röhricht ’ (THNB 2, 2, 500; I D . 8, 672) zutrifft, ist schwer zu beurteilen; die Lage auf rund 2000 m spricht eher nicht dafür. Das Wort gilt als schriftsprachlich und spät übernommen. I D . weist aber Schilfgalen diesem Lemma zu. Fehlende historische Belege verunmöglichen eine fundiertere Deutung. Tschilferne und Tschilfernugrabu (beide Niedergesteln) sind wohl von Schilfen ‘ weiche Haut einer Frucht ’ (I D . 8, 672) mit assimiliertem Artikel gebildet; laut I D . (8, 672) ist Schilferen als abgeschälte Haut von Obst zu verstehen. Die Belege stammen aber nicht aus dem Wallis, das dafür das Wort Scheenete (I D . 8, 872) hat. Die Lage auf rund 2100 m in felsigem Gebiet weist kaum auf Obst hin. Die Deutung ist deswegen unklar. Schill (FaN) Schill (FaN) ist ein FaN, der im Genitiv Plural einer kollektiven - IG -Ableitung von 1389 in Zeneggen als Schillingo belegt ist; allerdings ist hier kein Flurname gemeint, sondern die Besitzer der Flur Saltzgeba. Hingegen ist der FLNK-Beleg Schilligwiichil ‘ der Winkel der Schild 71 72 <?page no="855"?> Familie Schilling ’ (Agarn) als Flurname bezeugt. Der FaN ist insgesamt als Schilling (AWWB 234) bekannt. Schilljinu Schilljinu ‘ das kleine Roggenfeld ’ ist nur als t Schilljinu (Inden, auch FLNK und LT) belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um Wiesen und harten Boden. Es ist wohl zu lat. s ē cale roggen (FEW 11, 360 ff.) zu stellen (G ERSTER 1927, 63 s. v. šī ̩ la ‘ seigle ’ (Roggen) und enthält ein Diminutivsuffix - INA , das im Dialekt von Inden zu - INU wurde. Schimpfe Schimpfe ‘ Kleinigkeiten ’ ist ein unklares Lemma, das in Fieschertal, Münster und Ritzingen vorkommt. In Münster sind belegt t Schimpfe, dazu historisch vor den Tschinffen vff Zinffen (1560), auf LT 1: 10000 steht Schimfe. In Ritzingen nennt die FLNK Schimpfine, dazu gibt es Schimpfenestäfulti und Schimpfenewaud. Fieschertal hat Tschimmfi und historisch jn Tschinffi (1532), beides wohl Diminutive. Vermutlich liegt dem HL Schimpf (I D . 8, 782 ff.) zu Grunde, das ursprünglich einen Scherz, ein Spiel bezeichnet (so noch W IPF 1910, 72 ‘ Neckerei ’ für Visperterminen), hier aber wohl einfach für etwas Kleines, Unwichtiges, vielleicht auch wenig Ertragreiches verwendet wird (vgl. bes. I D . 8, 783, Bed. 2)). Schina Schina f. ist in drei Belegen aus Mund belegt: t Kesselschine ‘ die Kesselschiene ’ (FLNK Chessilschine), Obri und Undri Chessilschine ‘ die obere und die untere Kesselschiene ’ (beide EK, Mund). Alle Belege befinden sich auf ca. 2300 m. Es handelt sich wohl um eine metaphorische Bezeichnung, die auf der Kesselschiene beruht. Zu Grunde liegt schwdt. Sch ĭ n ‘ Schiene ’ und wdt. Schina, Schinä (Goms), Schinu ‘ Schiene (Bahn), Holzsplitter ’ (I D . 8, 833 ff.; G RICHTING 1998, 171). Zu verstehen ist hier eine Einrichtung beim Chessil ‘ Kessel ’ , der auf Schienen bewegt wird. Die Ähnlichkeit mit dieser Einrichtung erklärt den Namen. Der Beleg mit anlautendem / k/ ist entweder assimiliert mit dem Artikel / t/ oder ein Transkriptionsfehler von M. S. Schindel Schindel f. ist zu schwdt. Schindle(n), Schindla, Schinnla f., wie nhd. ‘ Schindel ’ zur Bedachung oder als Wandverkleidung, ahd. scintala, mhd. schindel f. und wdt. Schindla, Schinnla, Schinnlä (Goms), Schindlu ‘ Dachschindel ’ (I D . 8, 919 ff.; G RICHTING 1998, 171) zu stellen. Das HL tritt fast nur als Bestimmungswort in der vorwiegenden Form Schindel auf. Die Namen bezeichnen i. d. R. Stellen, wo man Schindelholz fand oder wo solches zugerüstet wurde (URNB 3, 79 ff.; LUNB 1, 2, 886 f.); in anderen Fällen spielt wohl die Geländeform eine Rolle. Der Schindelzü ‘ der Schindelzaun ’ (Zermatt) besteht aus Holzschindeln. Als Grundwort erscheint das HL nur in Engschindle (Saas-Grund). Durch das Gebiet führt ein steiler Weg, also eine enge Stelle, die einer Schindel gleicht. Als Bestimmungswort ist das HL mit Holz und Wald verbunden: das Schindelholz (1601, Naters), ts Schindelholz (Termen), im Vnderen Schinnenholtz ‘ im unteren Schindelholz ’ (1770, Termen) und Schindolwald (Ausserberg). Hier sind Wälder mit Schindelholz gemeint. t Schindilbodini ‘ die kleinen Böden, wo Schindeln hergestellt wurden ’ (Gampel) sind der Ort, wo Schindeln gemacht wurden. t Schindellägi ‘ der Ort, wo Schindeln gelagert wurden ’ (Kippel) entspricht Schindellegi (SZNB 3, 271). Und vermutlich diente auch den Schindelschleyff (1540, Glis, Akkusativ aus der Konstruktion) dem Transport von Schindelholz. Hingegen ist der Schinndelzug ‘ Lawinenzug zum Schindelmättelti ’ nach dem darunter liegenden Schindelmättelti (beide Täsch) benannt, das wohl nach seiner Form so heisst. Unklar ist das Namennest t Schindelschluächt, t Schindelschluächtegga, t Läz Schindelschluächt und t Rächt Schindelschluächt (alle Blatten). Die Fluren liegen links und rechts der Einmündung des Uister Talbachs ins Lötschental; ob hier Schindelholz gewonnen wurde, ist unklar; eine Schluächt (Einbuchtung) sieht kaum wie eine Schindel aus. Die übrigen Grundwörter Biel, Spitz, Stock, Tola und Wäg sind unterschiedlich: t Schindeltola (Zwischbergen) ist eine Weide ohne Bäume; es scheint also hier die Form einer Schindel entscheidend. J ORDAN (2006, 383 und 388) kennt Schind u ltola zweimal; der zweite Fall ist nur alternativ für Irrgilisiitä; auch bei ihm dürfte die Form der Flur ausschlaggebend sein. Bei den übrigen ist es schwierig, zwischen den Bedeutungen zu unterscheiden. Schinder Schinder ‘ Abdecker, Henker ’ ist nur in auf dem Schinderboden (1762, Raron) belegt; es wird aber auch Schniderboden gelesen. Im ersten Fall ist das Bestimmungswort zu schwdt. Schinder, Schinter m. ‘ Abdecker ’ , ‘ Scharfrichter, Henker ’ , mhd. schinder (I D . 8, 911 ff.) zu stellen, im zweiten Fall zum FaN Schnider (unter HL S CHNEIDER (F A N)). G RICHTING (1998, 171) kennt Schinter, Schintär nur in der übertragenen Bedeutung ‘ Geizkragen ’ , die als Motivation für einen Flurnamen nicht in Frage kommt. Sonst sind beide Lesarten möglich. Schiner (FaN) Schiner (FaN) ist der FaN Schiner, Schyner, Schinner, eine alte Familie, welche seit dem 14. Jh. in Mühlebach be- 73 74 Schiner (FaN) <?page no="856"?> kannt ist; sie verzweigte sich nach Ernen, Fiesch und Fieschertal (AWWB 234 f.). Der FaN kommt unverändert als Schiner vor mit den Grundwörtern Acher (1770, Termen), Lischa (1697, Ulrichen), Matta (1785, Münster), Stall (Binn) und Tosse (Binn). Der vorangestellte starke Genitiv des Singulars Schiners findet sich in z Schinersgaden ‘ der Stall der Familie Schiner ’ (1570 u. später, Ernen; der Beleg z'inersgaden von 1803 ist wohl falsch getrennt), in Schiners Wang (1755 u. später, Bellwald) und beim Diminutiv ts Schinnerlisch Weid ‘ die Weide der Familie Schiner ’ (Ernen), das Diminutiv hier ist üblich für Männer einer Familie. Der schwache Genitiv Plural Schinero oder Schinere kommt vor in Alpem Schineren (1530, Binn), ts Schinere Pmache ‘ die Alphütten der Alpe der Familie Schiner ’ (Binn), in Schinero Heüwmat ‘ in der Heumahd der Familie Schiner ’ (1657 u. später, Binn), in Schineren Offnen ‘ die Öfen (warme Stellen) der Alpe der Familie Schiner ’ (Binn), in Schinero Sentum (1610 u. später; Binn) ‘ im Senntum der Familie Schiner ’ , ts Schinnere Wiissi ‘ die Weisse (weisse Stellen) der Alpe der Familie Schiner ’ (Binn) und Schinero Matten ‘ die Wiese der Familie Schiner ’ (1530, Mühlebach). In Binn behält die Alpe Schinere ihren Namen, auch wenn sie nicht mehr der Familie Schiner gehört. Schint Schint ist als einfache Ableitung Schinti (Steg) belegt; dazu kommen t Schintigalerie ‘ die Galerie (Tunnel) der Lötschbergbahn im Gebiet Schinti ’ , dr Schintigrabu ‘ der Graben bei der Schinti ’ , ts Schintiläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh beim Gebiet Schinti ’ , t Schintischnaarä ‘ der schmale Felsrücken beim Gebiet Schinti ’ , t Schintitreiu ‘ die Viehweglein beim Gebiet Schinti ’ . Schinti ist zu Schindi f. (I D . 8, 917) im Sinn von Entrinden von Baumstämmen (schinde n 1b)) zu stellen. Dazu gehört auch Schintilicka ‘ die Lücke (Fusspass) beim Schintigrat ’ (Niedergesteln). ts Schintfärichji ‘ der kleine Pferch, wo das Vieh sich plagte ’ (Visperterminen) ist zum Verb schinde n (I D . 8, 901 ff.) in der Bedeutung ‘ plagen ’ zu stellen. der Schinterfiertel ‘ das Viertel, wo der Schinder wohnte ’ (Gampel) ist ein Dorfteil von Gampel, der zu I D . (8, 911 ff.) Schinder, Schinter m. ‘ Abdecker ’ zu mhd. schinder zu stellen ist (cf. HL S CHINDER ). G RICHTING (1998, 171 s. v. Schinter, Schintär) kennt das Wort nur für die übertragene Bedeutung ‘ Geizkragen ’ ; das Verb schinte, schintä (Goms), schintn (Lötschtal), schintu für ‘ häuten, geizen ’ . Beide weisen die nötige Motivation nicht auf. Schintere Schintere ist nur 1327 in Nateres als apud Schintere ‘ bei der Schinteren (wohl: Gut des Henkers) ’ belegt, wobei als Lesevariante auch Schinfere erscheint. Im Dokument ist die Rede von einem Zehnten, der aus dem stamme, was bei der Gattalfen und der Schinteren gesammelt (recolligitur) werde. Während Schinfere so nicht belegt ist, kann es sich bei Schintere um eine Ableitung zu Schinder, Schinter m. ‘ Abdecker ’ , ‘ Scharfrichter, Henker ’ , mhd. schinder (I D . 8, 911 ff.) handeln; gemeint wäre dann das Gut, das dem Henker zur Verfügung stand. Zu vgl. wären dann die HLL S CHINDER und S CHINT . Schipfa Schipfa f. ist zu schwdt. Schupfe n , auch Schüpfe n , bzw. Schipfa ‘ kleinerer, etw. überhängender Felsen ’ und wdt. Schipfa, Schipfä (Goms), Schipfi ‘ Felsnische, Unterschlupf ’ (I D . 8, 1091 ff.; G RICHTING 1998, 171) zu stellen. Das HL kommt in rund 75 Namen vor. Dass Schipfa ‘ überhängender Fels ’ von der Bedeutung her mit Balma ‘ überhängender Fels ’ verwandt ist, zeigt eine Bemerkung einer Gwp. aus Törbel, die <balma> als ‘ Höhle unter Felsenvorsprung ’ und <schipfa> als ‘ Plateau auf Felsenvorsprung ’ bezeichnete. Das Simplex im Singular tritt als t Schipfa ‘ der überhängende Fels ’ (Ausserberg, Embd), historisch die Schipffön (1425, Eggerberg; 1704 die Schipffe), unner der Schipfu ‘ unter dem überhängenden Felsen ’ (Embd), t Schipfu (Oberems) auf. Häufiger ist das Simplex im Plural t Schipfä (Gampel), t Schipfe (Bitsch, Fieschertal, Mund, Naters, Törbel, Ergisch), historisch als vff den Schipffen (1579 u. später, Ried-Mörel), aúff der Schÿpffen (1774, Stalden), auff der Schipffen (1694, Zeneggen), aúf der Schippfen (1795, Staldenried), wo wieder der Singular des Simplex erscheint. Das Diminutiv im Singular ist als zum Schipfelti ‘ beim kleinen überhängenden Felsen ’ (Staldenried), ts Schipfi (Bellwald, Ried-Brig) belegt; ein Plural fehlt. Attributive Adjektive zum HL sind: zer Heeju Schipfu ‘ beim hohen überhängenden Felsen ’ (Hohtenn), ze Schwarze Schipfu ‘ bei den schwarzen überhängenden Felsen ’ (Raron), t Schwarz Schipfa ‘ der schwarze überhängende Fels ’ (Blatten), t Schwarzu Schipfä ‘ die schwarzen überhängenden Felsen ’ (Blatten) und Undru Schipfe ‘ der untere überhängende Fels ’ (Bitsch). Bei den Komposita mit dem HL als Grundwort überwiegt der Typ Hundschipfa mit rund zwanzig Fällen, wobei URNB (2, 295) zum HL H UND notiert, dass es “ meist pejorativen Charakter ” habe; URNB (3, 85) hat Hundschipfen, URNB (3, 129) Hundschopf. In der Datei des Oberwalliser Namenbuches dominiert die Konstruktion mit Schipfa, wobei ältere Belege vor 1500 meist eine Schint 75 76 <?page no="857"?> Notation wie Hundschv ᵢ pphen (1306, Eggerberg), Hundschv ᵢ pphon (1306, Lalden), Huntschupfin (1391, Ulrichen) aufweisen, die auf die erst später entrundete Form Schüpfen verweist. Das alternative Schepfi kommt in den ältesten Formen als Huntschepfin (1395, Ulrichen), Hundtschepphi (1519, Ernen) vor, wobei der älteste Beleg aus Ulrichen vermutlich aus einer Kopie stammt, da Schepfi aus Schöpfi (zu Schopf) entrundet wurde. Sichere lebende Belege mit Schepfi sind: Hundschepfe (SK, Visperterminen, historisch 1779 aber als Húndtschipfen), t Hundschepfene (Ulrichen; 1391 Huntschupfin), Hundschepfi (FLNK, Steinhaus) und t Huntschepfi (Mühlebach). In diesen Belegen ist das sonst dominierende Schipfa ersetzt durch Schepfi zu Schopf (I D . 7, 1067 ff.; Bed. 2)a ‘ vorspringender, hervorstehender Fels ’ I D . 7, 1071) in etwa gleicher Bedeutung. Als Deutung wird generell ‘ der unangenehme überhängende Fels ’ gegeben, auch wenn im Einzelfall andere Deutungen zutreffender wären. Neben diesem Typ gibt es einige Komposita mit einem Tiernamen als Erstglied: t Arischipfa ‘ der überhängende Felsen für die Adler ’ (Grächen), wo ein Felsnest von Adlern gemeint ist, di Gitzischipfu ‘ der überhängende Fels für die kleinen Ziegen ’ (Gampel), Hiener Schipfe ‘ der überhängende Fels für die Hühner ’ (EK, Eggerberg) und t Schwiischipfa ‘ der überhängende Fels für die Schweine ’ (Baltschieder) - hier sind Unterschlupfmöglichkeiten für die genannten Tiere gemeint. Schwieriger ist t Hüotschipfa ‘ der überhängende Fels bei der Hüotegga (Ecke, wo die Hut (Wache? ) steht? ’ (Eisten), wobei Hüot sowohl die Hut wie der Hut sein kann; hier ist wohl das Feminine Hut ‘ Wacht ’ gemeint; der Wächter muss in solchen Fällen auf das Wässerwasser achten. t Maartischipfa ‘ der überhängende Fels bei der Alpe Martini (des Martin / der Familie Martin) ’ (Baltschieder) benennt eine nahegelegene Alpe, t Meiggeruschipfa (Eggerberg) eine nahegelegene Flur Meiggere, t Mirderschipfa ‘ der überhängende Fels für die Mörder ’ (Eggerberg) soll bösen Menschen als Unterschlupf gedient haben, t Mittagschipfa ‘ der überhängende Fels, wo die Hirten am Mittag assen ’ (Täsch) diente Hirten als Unterkunft, di Balumschipfa ‘ der Unterschlupf beim überhängenden Felsen ’ (Baltschieder) verbindet Balma und Schipfa (beides überhängende Felsen), t Seilschipfa ‘ der schnurgerade, senkrechte überhängende Fels ’ (Niedergesteln) nimmt eine Metapher auf, dazu gibt es ts Seilschipfungräbji ‘ der kleine Graben bei der Seilschipfa ’ und die Tirbelschipfa ‘ der überhängende Fels bei der Tirbja ’ (Eisten; historisch als Thürbelschüpfe 1833 auch in Grächen) liegt bei der Voralpe Tirbja. Komplexere Fälle sind: t Eerunpolluschipfu ‘ der überhängende Fels bei den runden Erhebungen mit Erlen ’ (Niedergesteln, unsicher), t Fleischwangschipfu ‘ der überhängende Fels beim Grasabhang beim Erdschlipf ’ (Niedergesteln), der Ober Schipfacher ‘ der obere Acker beim überhängenden Fels ’ (Stalden), t Obru und t Undru Hundschepfe ‘ der obere und der untere Teil der unangenehmen überhängenden Felsen ’ (Visperterminen), t Obru und t Undru Hundschipfe ‘ der obere und der untere Teil der unangenehmen überhängenden Felsen ’ (Staldenried), Boden Hu ᵕ ntschuffin ‘ der Boden beim unangenehmen überhängenden Felsen ’ (1402, Termen), t (e)Rüeduofuschipfa ‘ der überhängende Fels mit dem Ofen des Rüedu (FaN) ’ (Mund). Als Bestimmungswort kommt das HL vor mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Haalta, Stäga und Wald. Unklar ist t(s) Schipfäfnet ‘ das flache Land beim überhängenden Felsen ’ (Hohtenn). Eine Ableitung auf - ER als Stellenbezeichnung (S ONDER- EGGER 1958, 541 ff.) ist der Schipfer ‘ das Gebiet beim überhängenden Fels ’ (Raron, Unterbäch); in Raron kommen Schipfer Grabo ‘ der Graben beim Schipfer ’ (1825) und der Schipferkanal ‘ der Kanal beim Schipfer ’ hinzu. Schippja Schippja f. ‘ das Gebiet, das einem (Holz-)Kübel gleicht ’ ist nur belegt in Bellwald. Laut C. S CHMID (1969, XVII) wird von älteren Gwpp anlautendes / ch/ vor / i/ als / sch/ ausgesprochen. Der Name ist darum zu schwdt. Chübel, wdt. Chibel m. ‘ kleineres, mehr tief als weites Gefäss aus Holz, doch auch aus Leder, Glas und anderen Stoffen ’ , mhd. kübel (cf. HL C HIBEL ; I D . 3, 110 f.; G RICHTING 1998, 24). Schippja ‘ Kübel ’ kann als Plural verstanden werden, ist hier aber femininer Singular und verweist als FlN auf ein Stück Land, das einem ‘ (Holz-)kübel für Milch ’ (C. S CHMID 1969, 18) gleicht. Schirm Schirm m. ist nur als Bestimmungswort belegt. Es kommt vor als t Schirmhitte ‘ die Schutz-Hütte ’ (Oberwald), wobei hier die Beschreibung lautet: Hüttengemäuer am “ Nägelisch Grätli ” ; die Hütte befindet sich auf der Kantonsgrenze VS/ BE. Weiter ist zweimal belegt t Schirmhütte ‘ die Schirmhütte ’ (SK, Fieschertal). Beide Belege finden sich nur auf der SK, sind also aus dem 19. Jahrhundert. Die zweite Schirmhütte könnte mit den Konkordiahütten des SAC übereinstimmen, doch ist das nur eine Annahme auf Grund der Lage. Die erste Schirmhütte am Rothhorn (so SK; heute Finsteraarrothorn) existiert nicht mehr. Das Bestimmungswort Schirm ist zu schwdt. Schirm m. wesentlich wie nhd. ‘ Schirm ’ , von Geräten, Bauwerken (bzw. deren Teilen) und wdt. Schirm, Schirum ‘ Schirm, Regenschirm ’ (I D . 8, 1284 ff.; G RICHTING 1998, 171) zu stellen. Gemeint ist jeweils eine 77 78 Schirm <?page no="858"?> Hütte, die Schirm bietet. Häufiger ist im Wdt. das HL S CHÄÄRU . Schirpfe Schirpfe pl. ist bei G RICHTING (1998, 171) als Schirpfi f. ‘ Schürfung, Schramme ’ belegt. I D . kennt schwdt. Schurff, Schurpf m., Pl. Schürff, Schürpf m. ‘ abgeschürfte Stelle ’ (I D . 8, 1247 f.), Schurffe n , Schürpfe n f. ‘ von Rasen entblösste Stelle an einem Abhang ’ (I D . 8, 1247). Das HL ist als Grundwort in t Hundschirpfe (Münster), einer Grabenmulde bei der Löuene, belegt. Da Hund in vergleichbaren Namen (Typ Hundschipfe) eine unangenehme Flur bezeichnet, dürfte hier die unangenehme Schürfstelle im steilen Gebiet der Löuene gemeint sein. Als Bestimmungswort kommt das HL in der Schirpfwang ‘ der Grasabhang mit Schürfstelle ’ (Saas-Almagell), einem steilen Lawinenhang oder Grasabhang vor. Das HL S CHIRPFE lässt sich als ‘ Schürfstelle ’ deuten. Schissla Schissla f. ist zu Schwdt. Schüssle n f. ‘ Schüssel ’ und wdt. Schissja, Schissjä (Goms), Schissla (Leuk), Schissju ‘ Schüssel ’ (I D . 8, 1476 ff.; G RICHTING 1998, 171) zu stellen. Belegt sind: t Schissje ‘ das Gebiet, das Schüsseln gleicht ’ (Saas-Fee) und die Diminutive t Schisseltini ‘ die kleinen Schüsseln (Mulden) ’ (Birgisch) und t Schissutini ‘ die kleinen Schüsseln (Mulden) ’ (Bellwald), hier mit l- Vokalisierung. Schitte Schitte f. ist zu schwdt. Schütti, Schüttin, [eine] Vorgangsbezeichnung zum Verb schütte n als Vorrichtung zum schütte n , mhd. schüt(t)e (I D . 8, 1576 ff.; G RICHTING 1998, 171) zu stellen. t Rossuschitte ‘ die Schütte für das Roossen (Rösten von Hanf und Flachs) ’ (Betten) ist wohl der einzig sichere Beleg für das Lemma. Das ebenfalls hieher gestellte ts Tschitt(e)risch ‘ die mit nassem Gras bedeckte Schütte ’ (Ferden) bezeichnet nach der Beschreibung einen <lischen> Boden. Lischa, Lischä (Goms), Lischu (I D . 3, 1459 s. v. Lisch; G RICHTING 1998, 128) ist der Name für ein nasses Gras; hier ist eine Art der Binse (J UNCUS ) gemeint. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1324 - 1352) kennen rund 25 verschiedene Arten von Binsen. Wenn Tschitt zum gleichen Etymon wie Schitte gehört, ist wohl ein Ort gemeint, an dem man Wasser auf einen mit nassem Gras bedeckten Boden ausschüttet. Schitter Schitter ist der Name einer Voralpe im Bereich Naters, Mund (nur historisch) und Birgisch. Der älteste Beleg stammt von 1398 im Schu ᵕ ttar (Birgisch). Auch andere ältere Belege weisen / u/ auf. Die heutige Form müsste also aus *Schütter entrundet worden sein. Das stimmt nicht zusammen mit dem Adjektiv schitter (I D . 8, 1524 f.) ‘ dünn, schwach, gebrechlich, dürftig ’ , das etym. kein / ü/ aufweist. Eine - ER -Ableitung zum Verb schütten ‘ schütteln, schütten ’ (I D . 8, 1524) ist formal möglich, inhaltlich aber unklar. Laut R ÜBEL (1950, 85) wird mit schittle das Schütteln der Geissel bei der Viehhut benannt. Dies dürfte als Motivation des Namens aber kaum genügen. Eine Ableitung zu Schutt ‘ Geschiebefläche ’ (Z INSLI 1945, 338) liegt kaum vor, da das Wort laut I D . (7, 1539) nicht volkstümlich und die Voralpe fast vollständige mit Gras bewachsen ist. Ein Zusammenhang mit dem HL S CHIITER ‘ Scheite ’ ist wohl nicht gegeben. Die Belege für das Simplex sind älter Schutter (Birgisch, Mund, Naters), jünger Schitter (Naters). Mit adjektivischen Attributen werden der Ober Schitter (Birgisch, Naters) und der Unner Schitter (Birgisch, Naters) benannt. Als Bestimmungswort erscheint Schitter mit den Grundwörtern Bord, Brunne, Flüö und Wald (Naters, Birgisch). Vermutlich gehört auch Zschittwasserleütten ‘ die Wasserleite vom / zum Schitter ’ (1639, Birgisch) hieher. Der komplexeste Name ist ts Ober Schitterbord ‘ der obere Teil des Bordes (Abhang, Böschung) der Voralpe Schitter ’ (Naters). Eine Deutung für das HL S CHITTER kann jedoch insgesamt nicht gegeben werden. Schitzu Schitzu ‘ Schützen ’ (Plural) ist zu schwdt. Schütz, Schitz(e) m., Pl. Schütze n wie nhd. ‘ Schütze ’ , ahd. scuzzo, mhd. schütze und wdt. Schizz, Schizzu (Lötschental) ‘ Schütze ’ (I D . 8, 1734 ff.; G RICHTING 1998, 171) zu stellen. Die Belege der rund 45 Flurnamen weisen meistens den Plural auf, da es um Angehörige der Schützenzünfte handelt, die häufig ein eigenes Schützenhaus oder eine Schützenlaube und weitere Güter besassen. Als einziger Beleg eines Simplex ist der Diminutiv Schitzgy (1744, Ergisch) belegt; ein Dokument von 1616 erwähnt im Zschitsch. Deswegen kann der Name auch zu Schutz (cf. HL S CHUTZ ) ‘ der kleine Ort, wo man geschützt ist ’ gestellt werden. Vgl. auch den lebenden Namen ts Gschitzji (Ergisch) unter dem HL G SCHITZJI , der wohl mit dem Schitzgy identisch ist. Alle übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort, das in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern belegt ist: Acher, Ägerta, Biina, Bord, Brand, Chäller, Haalta, Hubel, Hüs, Loos, Löube, Matta, Räb-, Stadel, Stei und Weid. Komplexer sind hinter den Alten Schützen Lauben ‘ hinter den alten Schützenlauben ’ (1869, Feschel), t Alti Schitzulöübu ‘ die alte Schützenlaube ’ (Salgesch), t Niiwi Schitzulöübu ‘ die neue Schützenlaube ’ (Salgesch). Schirpfe 79 80 <?page no="859"?> Schlaaf Schlaaf ist nur einmal als Grundwort, sonst als Bestimmungswort belegt. Das Grundwort kommt vor in ts Hirteschlaf ‘ der Ort, wo die Hirten ein Mittagsschläfchen halten ’ (Bellwald), nach der Beschreibung. Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort zusammen mit den Grundwörtern Balma, Biel, Bodu, Brunnu und Platz. Das HL ist zu schwdt. Schl ā f(f) m. wie nhd. ‘ Schlaf ’ , amhd. sl ā f (I D . 9, 91 ff.), in FlN als Bezeichnung von Stellen, wo geschlafen wurde oder wird und wdt. Schlaaf ‘ Schlaf ’ (G RICHTING 1998, 171) zu stellen. Unklar ist hier der Beleg der Schlaafbrunnu ‘ die Quelle / der Brunnen, der nicht genutzt wurde (geschlafen hat? ) ’ (Saas-Fee) auf rund 2180 m. Es könnte auch sein, dass an dieser Stelle geschlafen wurde, doch ist das schon von der Höhe her sehr unwahrscheinlich. Vermutlich handelt es sich einfach um eine Quelle, die nicht genutzt wurde (daneben fliesst der Torrenbach vorbei). Die übrigen Belege betreffen wohl Orte, an denen Menschen oder das Vieh geschlafen hat. Schlacht Schlacht f. ist zu schwdt. Schlacht f. ‘ Schlachten ’ , ‘ Schlägerei ’ , ‘ Schlag, Art ’ , amhd. slaht f., ahd. slahta, mhd. slaht (e) f. ‘ Tötung, Schlacht, Geschlecht, Art ’ und wdt. Schlacht ‘ Schlacht, Unordnung ’ (I D . 9, 19 ff.; G RICHTING 1998, 172) zu stellen. Das Simplex ist nur einmal als t Schlachta ‘ Wasserleitung im Weritzstafel ’ (Blatten) belegt; die Wörterbücher weisen diese Form nicht auf. Der Typ Abschlacht f. ‘ Umleitungsschleuse in der Wasserleite ’ , wdt. Abschlacht ‘ Wässern (Beendigung) ’ (G RICHTING 1998, 20; I D . 9, 21) kommt in rund 20 Flurnamen vor. Es ist zum Verb abschlahe n ‘ Wasser abschlagen (im Sinn von ableiten) ’ (I D . 9, 332 f., bes. 336.f) zu stellen; das Nomen Abschlacht kommt laut I D . (9, 21) nur in Flurnamen vor. Das Simplex ist als Abschlacht (FLNK, Leuk), t Abschlacht (St. Niklaus und fünf weitere Gemeinden), historisch als in den Abschlächten (1572 u. später, Zeneggen; 1610 in den Abschlachten, 1762 in den Abschlichten) belegt. Mit attributiven Adjektiven kommen vor die Gemeine Abschlecht ‘ die Stelle, wo das Wasser abgeleitet wurde, die der Gemeinde gehört ’ (1731, Zeneggen), Gmeine Wasserabschlacht ‘ die abgeleitete Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ (1730, Oberems), t Oberi und t Unneri Abschlacht ‘ der obere und der untere Teil der Abschlacht (Stelle, wo das Wasser abgeleitet wird) ’ (Leuk). Als Grundwort ist Abschlacht nur in di Gieschsüüeabschlacht ‘ die Stelle, wo die Giesch- Suon (Wasserleitung nach Giesch) abgeleitet wird ’ (Hohtenn) belegt. Abschlacht ist bei B ELLWALD / W ÜRTH (2006, unter 7.) mit Verweis auf E ICHENBERGER (1940, 79 u. passim) belegt. Als Bestimmungswort kommt Abschlacht mit den Grundwörtern Matta, Rüüs und Tschugge vor. Nur einmal belegt ist wdt. Anbüschlacht ‘ Anbauschlacht ’ (während des zweiten Weltkrieges) (Gampel), Boden, der während des Krieges (1939 - 1945) umgebrochen wurde. Unsicher sind die lebend belegten t Iiferschlacht (Raron) und Iwärschlachtji (Bratsch), wozu die historischen Belege die Innuer Schlacht (1722, Turtmann), in der Inúerschlacht (1778, Steg), ÿn der ÿn u ᵕ er Schlacht (1815, Guttet), bi der Jnverschlacht (1546, Visp), jn der Jnverschlacht (1589, Erschmatt) gehören. Am nächstliegenden ist hierzu bei I D . (9, 27) Verschlacht ‘ Verbauung, Eindämmung eines Gewässers ’ oder Fürschlacht ‘ Zaun (zur Abhaltung des Weideviehs) ’ , auch spätmhd. vürslaht ‘ Damm ’ , wobei in zum Namen gezogen wurde; gemeint ist dann wohl ein Stück Land im Bereich einer Einhegung oder eines Dammes. Der lebende Beleg Iiferschlacht (Raron) zeigt den Einfluss der Vokalisierung von / n/ vor einem Reibelaut (sog. Staubsches Gesetz) und zugleich Erstbetonung. Vermutlich ist der Flurname ähnlich zu verstehen wie das ebenfalls belegte Î n -Schlag ‘ Verschlag, Einhegung, eingehegtes Stück Land ’ (I D . 9, 220). Schlag Schlag m. ist zu schwdt. Schlag, Schl ā g m. ‘ Schlag ’ , amhd. slag, in FlN ‘ ganz oder teilweise ausgeholzter Waldteil, den man mit dieser Nutzungsart verjüngt ’ , ‘ vertiefte Stellen im Erdboden; Graben ’ , ‘ zum Zwecke des Weidewechsels provisorisch abgezäunte Abteilung einer Weide, gewöhnlich in der Nähe des Hofes ’ (I D . 9, 185 ff.; URNB 3, 90 ff.; LUNB 1, 2, 890) zu stellen. G RICHTING (1998, 172) kennt zwar Schlag, aber nicht als FlN. Das Simplex ist nur in Münster 1598 als jm Schlag belegt; die genaue Deutung lässt sich aus dem Dokument nicht erheben. In Glis gibt es einen Plural t Schlegg (auch auf LT), wo vermutlich Holzschläge zum Namen geführt haben. Abschlag ist nur 1832 in Saas-Balen belegt, wo laut Dokument eine Üewand (Magerwiese) im Wald gemeint ist; also wohl ein Holzschlag (vgl. I D . 9, 198). Der Typ Ischlag m. ist zu Î n schlag (I D . 9, 220 ff.) zu stellen, von dessen Bedeutungen vor allem ‘ Verschlag, Einhegung, eingehegtes Stück Land ’ zutreffen; meist sind Gebiete gemeint, die sich in das gerodete Waldgebiet hinein erstrecken. Der Typ kommt als Jnschlag (1664, Geschinen; 1623, Gluringen; 1724, Ulrichen) und der Ischlag (Biel, Münster, Oberwald, Täsch) vor. Als Plural erscheint ze Ischleg ‘ bei den Einschlägen ’ (Stal- 81 82 Schlag <?page no="860"?> denried). Mit attributiven Adjektiven sind belegt: der Ober und der Unner Ischlag ‘ der obere und der untere Teil des Einschlags ’ (Münster). Dazu gibt es mit vorangestellten Genitiven ts Benisch Ischlag ‘ der Einschlag (gerodetes Stück Land) des / der Familie Benedikt ’ (Staldenried) und ts Truffersch Ischlag ‘ der Einschlag (gerodetes Stück Land) der Familie Truffer ’ (Staldenried), sowie ts Witusch Ischleg ‘ die Einschläge (gerodete Stücke Landes) des Vitus (PN) ’ (Staldenried). Als Grundwort erscheint Ischlag als in der Ischlaghalten ‘ in der Halde beim Einschlag ’ (1744, Oberwald). Der Typ Steinschlag (I D . 9, 245 f.) meint meistens einen Ort, wo Steine herunterfallen, häufig auch einen Ort mit Steinlawinen. Belegt ist historisch 1782 in Mund Steinschlag. Lebende Belege dr Steischlaag (Kippel), Steischlag ‘ der Steinschlag ’ (FLNK, Birgisch und rund 25 weitere Gemeinden), historisch 1672 in Stalden im Steischlag zeigen, dass Felsenstürze an verschiedenen Orten Namen geprägt haben. Der Plural t Steischleg ‘ die Steinschläge ’ ist nur zweimal in Eisten belegt. Ein Diminutiv ts Steischleglin ‘ der kleine Steinschlag ’ findet sich in Blatten (FLNK Steischlegli). Ein attributives Adjektiv kommt nur in der Alt Steischlag ‘ der alte Steinschlag (Felssturz) ’ (St. Niklaus) vor. Komplexere Formen zu diesem Typ weisen die Grundwörter Grabu, Hitta und Wald auf. dr Holzschlag (Blatten) meint wohl die Schlagstätte von Bäumen, wie auch ein Holzschlag beim FLNK-Beleg Rotteschlag (Mühlebach) gemeint ist. Ganz isoliert ist der Tierschlag ‘ der Ort mit einer Falle für die Gemsen ’ (Fieschertal), wo Tier die Gemsen meint. t Schlegmattä (Steg) und t Schlegmatte (Gampel) bezeichnen die gleiche Flur und meinen Wiesen in den Holzschlägen (FLNK t Schlegmatte, LT und SK Schlegmatte). Ob ein Zusammenhang mit der hier laut Beschreibung angesiedelten Blei- und Silberwäscherei besteht, ist unsicher. Schlämpe Schlämpe m. ist zu schwdt. Schlämpe n m., f. ‘ etwas Herabhangendes, gewöhnlich von länglicher Form (Lappen, Fetzen u. dgl.) ’ , in FlN ‘ (längliches) Stück, schmaler Streifen Land ’ (I D . 9, 560 ff.). R ÜBEL (1950, 56; ihm folgend C. S CHMID 1969, 122) erwähnt das HL für die Schlingen, die an die Futterschürze genäht wurden. Das HL ist dreimal belegt: t Schlämpe (Baltschieder), Schlämpe (FLNK u. EK, Eggerberg), der Schlämpe (Münster). Ob es sich bei der femininen Form von Baltschieder in Wirklichkeit um einen Plural handelt, ist unklar. Die Deutung betrifft immer ‘ der schmale Streifen Land ’ oder ‘ schmale Streifen Land ’ . Schlange Schlange f. ist nur als Bestimmungswort belegt. Es ist zu schwdt. Schlang e m., f. ‘ Schlange ’ , Nachbildung einer Schlange, auch übertragen auf Schlangenähnliches und wdt. Schlanga, Schlangä (Goms), Schlangu ‘ Schlange ’ (I D . 9, 577 ff.; G RICHTING 1998, 172) zu stellen. Die Grundwörter in zweigleidrigen Komposita sind Acher, Biel, Bodu, Brunnu, Grüeba, Hubel, Matta und Schleif. Gemeint ist jeweils ein Ort, wo sich Schlangen aufhalten, oder das schlangenartige Aussehen eines Gebietes. Unklar ist der Schlengen Acker ‘ der Acker, der wie eine Schlange aussieht / wo es Schlangen hat ’ (1851, Ernen), der zum gleichen HL gestellt wird; das / e/ in diesem Beleg scheint einen Umlaut anzudeuten, doch ist Schlengen nicht belegt. Schwdt. Schlängge n (mehrere Bedeutungen) und wdt. Schlängge, Schlänggä (Goms), Schlängga (Zermatt), Schlänggu ‘ Vorlegeriegel ’ (I D . 9, 587 ff.; G RICHTING 1998, 192) kommen kaum in Frage. Schlängge Schlängge m. ‘ schmaler Streifen Landes ’ ist zu schwdt. Schlängge n , Gschlänggen, m., f. eigentlich ‘ etwas (ordnungsgemäss oder ungehörigerweise) beweglich Herabhängendes ’ , in FlN ‘ schmaler Streifen von Land, Wald (z. B. am Bergeshang), kleiner als Planggen; Wiesen- oder Waldzunge ’ , ahd. *slenggo m., *slengga f., mhd. slenge f. ‘ Schleuder ’ (I D . 9, 588 ff., bes. 592,4.b) zu stellen. G RICH- TING (1998, 172) kennt Schlängge m. Varianten nur als ‘ Vorlegeriegel ’ , nicht in der hier anzunehmenden Bedeutung (cf. HL S CHLANGE ) Das HL ist nur in den Bezirken Goms und Östlich- Raron belegt, normalerweise als Simplex der Schlängge (Geschinen, Fieschertal, Münster) und im Schlängge (Bellwald, Ulrichen), sowie historisch 1777 in Niederwald als Schlenggen. Der einzige Beleg ausserhalb des Goms findet sich in Schlänggeetzmad ‘ der schmale Streifen Etzmad (Mähwiese mit Viehfutter ’ (Grengiols), der laut Gwp. heute Geistricheletzmad heisst. Unsicher ist der historische Beleg der Schlengen Acher (1851, Ernen), der zu diesem HL oder zum HL S CHLANGE gestellt werden kann. Wenn der Name zu diesem HL gestellt wird, dann ist die Deutung wohl ‘ der schmale Streifen Acker ’ . Die geografische Verteilung der Namen unterstützt diese Deutung. Schlapf Schlapf m. ist bei I D . (9, 620) als Flurname Im Schlapf (Münster) erwähnt, der auch bei M. S. so steht und laut Beschreibung einen grossen Graben zwischen zwischen Eigetwald und Egge bezeichne. Die Deutung von Schlapf als ‘ Schwall einer Flüssigkeit ’ ist nur für Chur (GR) belegt. Verwiesen wird auf Schlapp (I D . 9, 611) ‘ ziemli- Schlämpe 83 84 <?page no="861"?> ches Quantum von einer Flüssigkeit ’ , auch hier ohne Beleg aus dem Wallis. Dennoch könnte der Flurname sich auf das ganze Gebiet mit einem namenlosen Bach (auf LT sichtbar) beziehen: ‘ der Graben mit einem Schwall Wasser ’ . Schlatt Schlatt ist zu schwdt. Schlatt n., m. mit der Hauptbedeutung ‘ Abhang, Bodensenkung ’ (I D . 9, 762 ff.), das nach I D . nur in PNN und Flurnamen vorkommt, dann auch Schlatt n., Pl. Schletter Pflanzenname ‘ kurze Streue in Sümpfen; auf feuchten, fetten Wiesen wachsendes, als Viehfutter beliebtes Gras; grossblättrige Pflanzen, Blacken ’ (I D . 9, 761; LUNB 1, 2, 891 ff.; TGNB 2, 2, 503) zu stellen. Wieweit das ebenfalls belegte Schlätter (I D . 9, 764; G RICH- TING 1998, 172) zum gleichen HL gehört, ist unklar. In Flurnamen bezeichnet es etwas Altes, Verlottertes oder Kotiges, sofern nicht der Pflanzenname Schletter gemeint ist, zu dem wohl Schlettere ‘ Ort mit vielen sumpfigen Stellen ’ (I D . 9, 762, URNB 3, 97 mit Namen auf Gschletter) zu stellen ist. Im Fall von t Schlettere (Grengiols) sagt die Gwp. “ Die Lawine schlage hier alles zusammen; viele Himbeeren ” , ersteres wohl mit Bezug auf das Verb schlaa ‘ schlagen ’ . Die Deutung zeigt aber auch, dass der Zusammenhang zum Pflanzennamen Schlatt, Pl. Schletter nicht verloren gegangen ist. Allerdings ist unklar, auf welche Pflanzenbezeichnung der Name, der so für das Oberwallis nicht belegt ist, zu beziehen ist (I D . bleibt die Antwort weitgehend schuldig; am ehesten ist das bei W AGNER / L AUBER / G YGAX ( 5 2014, 688) belegte R UMEX ALPINUS (Alpen-Ampfer) gemeint, aber auch das ist nicht sicher). Die Belege kommen mit ganz wenigen Ausnahmen primär im Bezirk Goms vor. Das Simplex Schlatt kommt durchwegs historisch als im / in Schlatt in Fiesch, Fieschertal, Niederwald und Selkingen vor und bezeichnet den Wohnort von Personen. Ein diminutives Schlattgÿ (1531, Münster) ist nur einmal belegt. Mit einem Attribut in dem obren Schlat (1709, Fieschertal) kommt das HL nur einmal vor. Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist das HL in der Schlattbode ‘ der Boden im Gebiet Schlatt (Abhang) ’ (Fieschertal), ts Schlatt Bord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) im Gebiet Schlatt (Abhang) ’ (Fieschertal), Schlatflu ͦ ‘ die Fluh im Gebiet Schlatt ’ (1508, Fieschertal), zer Schlatt Flu ͦ ‘ bei der Fluh im Gebiet Schlatt ’ (1575, Fiesch) belegt. Die Form Schletter pl. kommt nur als t Schleter ‘ der Ort mit vielen sumpfigen Stellen ’ (Simplon) vor. Häufiger sind Schlettere ‘ der Ort mit vielen sumpfigen Stellen ’ (Bellwald, Grengiols); dazu sind Slettergaden (1436, Bellwald) und der Schlettergaden (1568, Ernen) belegt - in beiden Fällen ist unklar, ob ein alter, verlotterter Gaden oder ein Gaden bei den Schletteren ‘ Ort mit vielen sumpfigen Stellen ’ gemeint ist. der Schlättergrabe (Ausserbinn) enthält dagegen wohl Schlätter, hier im Sinn von ‘ der Graben mit Unrat ’ . Vermutlich zu einem ganz anderen Wort gehören Schleduwang (FLNK, Raron) und im Schledenwang (1737, Bürchen). Hier ist wohl das Adjektiv schl ē d ‘ öde ’ (I D . 9, 86, G RICHTING 1998, 172 mit der eingeschränkten Bedeutung ‘ bleich aussehend ’ ) anzunehmen, also ein öder oder unfruchtbarer Grasabhang. Insgesamt sind unter dem HL S CHLATT mehrere Wörter vertreten, die teilweise wohl nicht miteinander verwandt sind. Schlatter (FaN) Schlatter (FaN) ist zum FaN Schlatter (AWWB 235 mit Verweis auf Bortis, AWWB 40) zu stellen. Belegt ist der FaN nur in ts Schlattersch Hüs ‘ das Haus der Familie Schlatter ’ (Grengiols). Schle Schle, auch Schlee m. ist zu schwdt. Schl ē he n , Schl ē che n f. ‘ Schlehe, Schwarzdorn, P RUNUS SPINOSA ’ , amhd. sl ē ha, -e f. (I D . 9, 500 f.; M ARZELL 3, 1152 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX , 5 2014, 288) zu stellen. Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor. Belegt sind Schleacher ‘ der Acker bei den Schlehen (Schwarzdorn) ’ (1449, Eischoll), zen Schledornen ‘ bei den Schlehdornen ’ (1543 u. später, Termen), zer Schlestuden ‘ bei der Schlehenstaude ’ (1554, Unterems), zer Schleestuden ‘ bei der Schlehenstaude ’ (1530, Leuk), zer Schleestüdu ‘ bei der Schlehenstaude ’ (Oberems). Etwas verändert: der Schliechdooru ‘ der Schlehdorn ’ (Niedergesteln). Bei diesem Beleg erscheint 1520 dÿ Schlechdoren Bachtalun ‘ das kleine Bachtal mit Schlehdornen ’ , 1575 die Schlecht Dorentbachtholen und im gleichen Jahr Schlechtdoren Bachtholen. Die Schreibung legt nahe, dass man um 1575 Schlech ‘ Schleh ’ nicht mehr verstand und es mit Schlecht ‘ schlecht, schlicht ’ ersetzte. Die heutige Form ist wohl eine Verbindung der beiden. Schlecht Schlecht ist nur 1867 in Baltschieder als das Schlechte Matt ‘ die schlechte Mähwiese ’ belegt. Das attributive Adjektiv ist zu schwdt. schlëcht Adj. ‘ glatt, eben; gerade (im Gegensatz zu krumm); richtig, erledigt, ausgeglichen; einfach (wie schlicht) ’ , mit Bezug auf Körperkraft, -verfassung ‘ schwach ’ , wie nhd. ‘ schlecht ’ , amhd. slëht und wdt. schlächt ‘ verhängnisvoll, schlecht, übel ’ (I D . 9, 46 ff.; G RICHTING 1998, 172 [er erwähnt auch eine Partikel schlächt ‘ übel ’ ]) zu stellen. Die unter HL S CHLE erwähnten Fälle mit Schlecht sind zu Schleh zu stellen. 85 86 Schlecht <?page no="862"?> Schlechter (FaN) Schlechter (FaN) ist nur einmal 1531 in Ernen belegt als Schlechters Bu ᵉ l ‘ der Hügel der Familie Schlechter ’ . Der FaN ist in dieser Form unbekannt; ein FaN Schlüchter mit Nebenformen Schluchter, Schliechter und Schlichter ist in Visp und Steg, später in Unterbäch und Eischoll belegt (AWWB 235). Ernen wird nicht erwähnt und auch die Form Schlechter (FaN) erscheint sonst nicht. Schleden Schleden ist nur belegt in im Schledenwang (1737, Bürchen) und jn den Schledunwang (1547 u. später, Raron). Vermutlich handelt es sich um die gleiche Flur. Am nächstliegenden ist das Adj. schwdt. schlöd, wdt. schleed ‘ bleich aussehend ’ (I D . 9, 86 f.; G RICHTING 1998, 172). Von den Bedeutungen beim I D . dürfte wohl Bed. 2. ‘ wirkungslos, brachliegend ’ oder Bed. 3. ‘ ärmlich, dürftig, schlecht ’ zutreffen. Es handelt sich vermutlich um einen wenig ertragreichen Grasabhang. Schlegel Schlegel m. ist nur belegt in bim Schlegel ‘ beim Wasserhammer ’ (Visp), ts Schlegillägerli ‘ die kleine Lagerstätte für das Vieh bei den Schlegeln (Schlaghämmer der Wasserleitung) ’ und t Schlegiltschugge ‘ die Felsen mit den Schlegeln (Kontrollhammer der Wasserleitung) ’ . In allen Belegen ist das HL zu schwdt. Schlegel m. ‘ Schlägel; in der Wasserleitung angebrachter Hammer ’ und wdt. Schlegl, Schlegäl (Goms), Schlegul (Mattertal), Schlegel (Saastal), Schlegil ‘ Schlegel ’ ) (I D . 9, 253 ff.; G RICHTING 1998, 172) zu stellen. Inhaltlich geht es darum, dass ein Hammerwerk (normalerweise ein Klöppel auf ein Brett) beim Durchfliessen des Wassers anzeigt, dass die Wasserleitung in Betrieb ist. Schleicka Schleicka f. ist zweimal in Randa belegt. t Schleicka ist zunächst eine Wasserleitung, die vom Wilibächji (FLNK, LT u. SK Wildibach) her mehrere Güter bewässert, und zum zweiten ein Durchgang ohne Erlaubnis (so <i schleicka> übersetzt), der sich in der Wildi beim Wildibach befindet. Das HL kann zu schwdt. Schleik, Schleicke n (I D . 9, 517) gestellt werden, das auf Schleiff, Schleipf II, Schleiffe n , Schleipfe n f. (I D . 9, 132 f.) ‘ Holzbahn; Spur, die entsteht, wenn etwas durchs Gras geschleift wird, Wagenspur ’ , Schleipfa ‘ Matte, die (unrechtmässigerweise) viel betreten wird ’ (Wallis) verweist. Bei G RICHTING (1998) fehlt ein Eintrag. Vermutlich ist die Wasserleitung nach dem Flurnamen benannt; der Katastereintrag hat Wildi Schleika (Wiese und Acker) für die Flur, die im Bereich der Wasserleitung liegt. Schleif Schleif m., ‘ Rinne zum Schleifen ’ ist zu schwdt. Schleiff, Schl ī ff, Schleipf, m. ‘ das Schleifen, Schleppen, Gleite(lassen), auch die dabei entstehende Spur und die betr. Örtlichkeit, Bahn ’ , ‘ von der Beförderung von Heu, Holz in den Bergen durch Hinabschleifen oder Hinabgleitenlassen ’ , ahd. *sleif m. (I D . 9, 129 ff.)., wdt. Schleif ‘ Rinne, Schlittweg, Spur ’ (G RICHTING 1998, 172) zu stellen. Schleife sind meist natürliche Rinnen in steilem Gelände, durch die Holzstämme und Heu, im Winter auch mit Schlitten befördert werden. Da heute andere Transportarten im Vordergrund stehen, wachsen viele Schleife zu; nur noch der Name erinnert an die frühere Funktion. Schleif ist mit über 400 Belegen vertreten. Das Simplex Schleif m., manchmal mit einer Präposition wie Im, Zum, Am Schleif ist deutlich häufiger als der Plural Schleifa, Schleife oder Schleiffa, der mehrere zusammentreffende Schleife bezeichnet; nur einmal belegt ist der Plural Schleifna ‘ die Schleife ’ (Erschmatt). Die Diminutivform Schleiffji, Schleifji ‘ der kleine Schleif ’ ist selten, die Pluralform Schleifjini ‘ die kleinen Schleife ’ (Ergisch) kommt nur einmal vor. Eine Kollektivform stellt die GI - Präfigierung Gschleyf ‘ die Schleife (Kollektiv) ’ (Visp, Baltschieder) dar; ähnlich ist wohl das Zirkumfix ( GI - I ) Gschleifi f. (Eggerberg) zu verstehen, das 1661 als in den Gschleiffen erscheint (beide so nicht im I D . s. v. G e -schleiff 9, 136). Bei den attributiven Formen mit Schleif als Grundwort sind Adjektive und Partizipien zu unterscheiden. Als Adjektive erscheinen etwa Breit, Eng, Fiischter, Glatt, Grie, Gross, Mittler, Obroscht, Unner, Unnerscht, Rot, Teiff und Wiit - also im Wesentlichen Eigenschaften, Farben und Lagebezeichnungen. Einen besonderen Fall bezeichnet der Gmeine Schleif, also ein der Gemeinde (im Sinn von öffentlicher Gemeinschaft) gehörender Schleif (Ausserberg, Termen, Naters). Als Partizipien finden sich Lägund ‘ eben ’ und Stotzund ‘ steil ’ . Ebene Schleife sind mühsamer als steile: man muss die Holzstämme dort herausziehen. Konstruktionen mit einem vorangestellten Genitiv bezeichnen meist Besitzer oder Nutzer wie etwa ts Ambortsch Schleifji ‘ der kleine Schleif der Familie Ambort ’ (Visperterminen), Bro ᵉ yerro Sleiff ‘ der Schleif der Leute von Brei ’ (1374, Ried-Brig) oder an Mattero Schleiff (1742, Ried-Mörel), wobei unklar ist, ob der Familienname Matter oder die Herkunft von einer Matta gemeint ist. Einen komplexen Genitiv zeigt dr Treesawisischleif ‘ der Schleif des Treesawiisi (Alois, Sohn der Treesa (Theresa)) ’ (Steg). Als Grundwort verbindet sich Schleif mit einer Reihe von einfachen oder selbst wieder zusammengesetzten Bestimmungswörtern, die den Ausgangs- oder Zielort Schlechter (FaN) 87 88 <?page no="863"?> des Schleifs bezeichnen, oder seine Lage in einem Wald, bei einem Felsen, unter einer Alp oder über einem Weiler. Auch Besitzer- oder Nutzernamen sind belegt, wie in Schüülischleif ‘ der Schleif der Familie Julier ’ (Visp). Die Beschaffenheit eines Schleifes ist in Sickerschleif ‘ Schleif mit Sickerwasser, feuchter Boden ’ (Ernen), Mossschleif ‘ Schleif mit feuchtem Boden ’ (Turtmann) oder Steischleif ‘ Schleif mit Steinen ’ (Selkingen, Ritzingen, Blitzingen, Törbel) enthalten. Was in den Schleifen transportiert wird, ist in Holzschleif ‘ Schleif für Holz ’ (Grengiols, Birgisch, Stalden, Ergisch), (e)Räbstäckuschleifji ‘ kleiner Schleif für Rebstecken ’ (Gampel) und Schlittschleif ‘ Schleif für den Schlitten ’ (Termen, Stalden) enthalten. Ungewöhnlich sind Pflanzennamen wie Häärperschleiffji ‘ der kleine Schleif mit Erdbeeren ’ (Gampel), Heiperschleif ‘ der Schleif mit Heidelbeeren ’ (Oberems) oder Schwiderschleif ‘ der Schleif mit Moosbeeren / Sauerdorn ’ (Eischoll, Niedergesteln); hier sind Pflanzen erwähnt, die im oder am Schleif wachsen. Ebenfalls auffallend sind Tiernamen wie Bäruschleif ‘ Schleif des Bären ’ (Leuk, Varen) oder Fuggsschleif ‘ Schleif des Fuchses ’ (Blatten, Wiler); ob dabei angenommen wird, dass solche Tiere hier lebten, oder ob FaNN vorliegen, ist nicht immer klar. Komplexere Bildungen können auch Adjektive enthalten, wie etwa der Fooder Rinderschleif ‘ der vordere Schleif, wo Rinder weideten ’ (Gampel), oder sie enthalten drei Bestandteile wie der Häischalpjischleif ‘ der Schleif unterhalb der kleinen Alpe des Hans (oder des Hahns im Sinn von Auerhahn) ’ (Visperterminen) oder der Zigerblattuschleif ‘ der Schleif, auf dem man Zigerplatten holte ’ (Gampel) - laut Gwp. sind Zigerplatten Steine, auf denen Zigerstöcke geräuchert wurden. Als Bestimmungswort ist Schleif deutlich weniger vertreten. Grundwörter dazu sind etwa Acher, Egg(a), Tschuggu, Matta, Stafel, Wäg und Wald. Einen seltenen Fall weist Zwischbergen mit der Schleifund Tschuggu ‘ der Fels, der als Schleif diente ’ auf; hier scheint das Partizip Präsens des Verbs schleife n ‘ etwas zu einem Schleif machen ’ (I D . 9, 136) verwendet worden zu sein. J ORDAN (2006, 366) erwähnt den Flurnamen als Schleiffunds Tschuggi und sagt dazu, es handle sich um einen steilen Felsabsturz am Berghang; ob unsere Deutung das Gleiche ausdrückt, sei dahingestellt. Schlepf Schlepf ist nur 1721 in Eischoll als jm Schlepffacher belegt. Der Ort befindet sich laut Dokument im Drittel der Leute von Ried, also deutlich westlich vom Dorfkern von Eischoll. Schlepf ist so nicht belegt. Es könnte aber zu schwdt. Schlopf und wdt. Schlopf ‘ Abstellraum, Nische, Stallabteil ’ mit dem Plural Schlepf (I D . 9, 629; G RICHTING 1998, 173) gestellt werden, wobei die Deutung unklar ist (cf. HL S CHLOPF ). Zu schwdt. Schleiff I und II und wdt. Schleif ‘ Rinne, Schlittweg, Spur ’ (I D . 9, 129 und 132) ist es kaum zu stellen. Wir geben als Deutung ‘ im kleinen Acker ’ und beziehen uns dabei auf Schopf nach I D . (9, 629 in Bed. 3b) ‘ Stück Wiese oder Weide zw. zwei ‘ Gufern ’’ im Lötschtal). Schliifi Schliifi f. Die hier versammelten Belege scheinen zu verschiedenen Etyma zu gehören. t Schliiffi (Grächen; FLNK Schliifi) ist, laut Gwp., ein Hang, der nach unten in ein Loch “ schlüpft ” . Das dazu gehörende ts Schliiffiwasser (Grächen; FLNK Schliifiwasser) ist ein Bach, der von der Schliifi herunterfliesst (nach Gwp.). t Schliiffi (St. Niklaus) ist ein Loch unter einem Felsen, durch das man hindurchschlüpfen muss. Und in Randa ist ts Schlifloch ‘ das Loch, durch das man schlüpfen muss ’ . Dagegen ist beÿ der Schliffi ‘ beim Ort, wo geschliffen wird ’ (1715, Leuk) eine Schleifmühle. In Ernen ist t Schliifene, historisch Schlifferen (1469) ein Gebiet, wo man ausgleiten (ausschlüpfen) kann, wie auch das historische Slyfferen (1438, Steinhaus) eine solche Alp ist. Die meisten Belege sind also zum Verb schwdt. schlupfe n , schlüpfen, schlipfen ‘ schlüpfen ’ und wdt. schliiffe, schliifä (Goms), schliifn (Lötschental), schliiffu ‘ schleifen, schärfen, schlüpfen ’ (I D . 9, 156; G RICHTING 1998, 173) zu stellen, obwohl G RICHTING hier die beiden hdt. Verben schleifen und schlüpfen miteinander verbindet. Das Substantiv hierzu wäre Schl ī ffe n n. ‘ das Ausgleiten ’ (I D . 9, 151) oder Schlupfen m., f. ‘ Winkel, Ecke; eine enge. schmale Höhle; Schlucht, bes. schmale, doch lange Vertiefung, z. B. an einem Berge, Felsen ’ (I D . 9, 636). Für den Leuker Beleg kommt eher schwdt. Schl ī ffi f. ‘ Schleifmühle ’ , spätmhd. sl ī fe f. (I D . 9, 156) in Frage. Zur Komplexität des HL siehe TGNB (2, 2, 507); im Oberwallis kommt noch die Rolle der Entrundung hinzu. Schlim Schlim ist nur belegt in t Schlimböümblatte ‘ die Felsplatten mit Schlingbäumen ’ (Eggerberg). Es handelt sich um einen Pflanzennamen Schlingbaum (G R W B 15, 723 ff. mit mehreren Angaben), der zu Schlimböüm assimiliert wurde. Am ehesten kommt der kleine Mehlbaum (V IBUR- NUM LANTANA ; L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1002) in Frage. Schling Schling ist belegt in der Schlingstei (Grächen) und danach benannt auch der Schlingacher (1544, Grächen). Zu Grund liegt wohl Schlingge ‘ Schleuder ’ (I D . 9, 599, Bed. 89 90 Schling <?page no="864"?> 2; bei G RICHTING (1998) nicht belegt), also der Schleuderstein und der Acker dabei. Vermutlich eher zu Schlinge ‘ Schlinge ’ (I D . 9, 584 f.) bzw. schwdt. schlinge(n) ‘ schlingen, i. S. v. winden ’ (I D . 9, 585, THNB 2, 2, 107; bei G RICHTING (1998) nicht belegt) gehört eine I -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 497) in Schlingÿ Boden ‘ der gewundene Boden ’ (1832, Bürchen). Das assimilierte HL S CHLIM kommt in einem eigenen Eintrag vor. Schlirgga Schlirgga f. ist nur einmal in Bellwald als t Schlirgga ‘ der Schmutzfleck ’ belegt. Es ist zu schwdt. Schlargg(e n ), Schlärgg(e n ), Schlirgg(e n ) m. ‘ (verstrichener) Schmutzfleck, Sudelfleck ’ (I D . 9, 643 f.) zu stellen; dass es sich um ein Feminin handelt, erklärt I D . aus der Umdeutung des Plurals (I D . 9, 644). Laut Beschreibung handelt es sich um Wasserpfützen, die in der Strasse versickern. Das bei G RICHTING (1998, 173) erwähnte S CHLIRGG ‘ Mann (vernachlässigter), Linkshänder ’ gehört nicht zum FlN. Schlitt Schlitt m. ist nur als Bestimmungswort belegt. Es ist zu schwdt. Schlitte(n) m., wesentlich wie nhd. ‘ Schlitten ’ und wdt. Schlitte, Schlittä (Goms), Schlitta (Zermatt), Schlittn (Lötschtal), Schlittu ‘ Schlitten ’ (I D . 9, 767; G RICH- TING 1998, 173) zu stellen. Am häufigsten ist schwdt. Schlittwëg ‘ Gleitbahn für Schlitten ’ , ‘ Schlittenspur ’ , mhd. slitewëc (I D . 15, 844 f.) erwähnt. Das HL ist mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita gebildet: Schleif und Wäg. Komplexer sind Obruscht, Mittluscht und Undruscht Schlittwäg (FLNK, Ergisch). Schlopf Schlopf m., Schlopfa f., auch Schloff ist zu schwdt. Schlopf m., Schlopfa f., Schloff, Schloffe(n) m. ‘ enger Raum, Schlupfwinkel; enge, kleine Wohnung ’ , ‘ enge Schlucht zwischen Felsen ’ , ‘ Stück Wiese oder Weide zwischen Felsen (Wlö[tschen]) ’ , ahd. kislof n., mhd. slopf ‘ Schlupfwinkel ’ (I D . 9, 629) zu stellen. Z INSLI (1984, 582) deutet ‘ enger Raum, Schlupfwinkel ’ auch ‘ enge Schlucht zw. Felsen ’ , aber auch ‘ Abhang ’ . G RICHTING (1998, 173) hat ‘ Abstellraum, Nische, Stallabteil ’ . In den Deutungen wird meist ‘ Schlupfwinkel ’ gegeben, um eine versteckte, geschützte Lage zu kennzeichnen (cf. HL S CHLEPF ). Von den zehn Belege ist einer ein Simplex im Singular: der Schlopf (Eggerberg). Drei sind Plurale: t Schlopfa (Simplon) und t Schlopfä (Kippel, Wiler). Vier weisen ein Diminutiv im Plural auf: t Schlopfjini (Bellwald), t Schloffjini (Fieschertal), t Schlopfjini (Visperterminen) und t Schlopfini (Hohtenn). Zwei Belege enthalten das Lemma als Bestimmungswort: Schlopfeye ‘ die Aue im Schlupfwinkel ’ (1470, Visp) und der Schlofstei ‘ der Stein, der einen Schlupfwinkel für den Stall bildete ’ (Binn). Schloss Schloss n. ‘ das Schloss ’ ist zu schwdt. Schloss, auch Schl ō s n. ‘ Vorrichtung zum Schliessen ’ oder ‘ Schloss als Gebäude ’ , amhd. sl ō ss, sloss n. und wdt. Schloss ‘ Schliesseinrichtung, Schlossgebäude ’ (I D . 9, 725 ff.; G RICHTING 1998, 173) zu stellen. In FlN wird es auch in Übertragung von Schloss als Gebäude als markante Erhebungen (Berge) (URNB 3, 101) oder auf stattliche Häuser, die an ein Schloss erinnern (LUNB 1, 2, 895 ff.), gebraucht. Das Simplex im Singular ist belegt als ts Schlos ‘ Schloss als Gebäude auf einer Alp ’ (Fieschertal), zum Schlos ‘ beim Schloss (altes Haus) ’ (Gampel), ts Schloss ‘ das Schloss (Dorfteil) ’ (Ausserberg, Biel), ts Schloss ‘ (früheres) Schloss des Barons von Werra, heute Alters. und Pflegeheim ’ (Leuk), ufem Schloss ‘ auf dem Schloss (Anhöhe, die an ein Schloss erinnert) ’ (Mühlebach). Ein Diminutiv im Singular ist ts Schlosgi ‘ das kleine Schloss (Haus in der Alben) ’ (1596, Visp). Der Plural des Diminutivs findet sich in in den Schlosginen ‘ in den kleinen Schlössern ’ (1701, Filet; andere, eher unwahrscheinliche Lesart ist Schlofginen), in den Schlossÿnen ‘ in den kleinen Schlössern ’ (1790, Blitzingen). Unsicher ist auch die Lesung in den Schloffginen (1678, Fiesch) - die Schreibung von / ff/ und / ss/ ist nicht immer klar zu unterscheiden. Als Grundwort erscheint Schloss vier Mal als ts Wasserschloss ‘ das Wasserschloss (Quellsammelbehälter) ’ (Gampel, Grächen, Stalden, Varen) (vgl. G R W B 27, 2498 s. v. Wasserschlosz, Bed. 2), dann ts Stockalperschloss ‘ das Schloss, das von Kaspar Stockalper (1609 - 1691) erbaut wurde ’ (Brig), ts Wäraschloss ‘ das Schloss, das der Familie von Werra gehörte ’ (Leuk) (nicht identisch mit dem ehemaligen Schloss des Barons von Werra) und der Plural t Alpjuschlesser ‘ die Schlösser (Abhang? ) der Alpja (Alpe auf ca. 2120 m) ’ . Als Bestimmungswort steht das HL in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Bäärg, Biina, Grabu, Hubel, Matta, Wäg und Wang. Schlosser (FaN) Schlosser (FaN) ist nur 1674 u. später in St. Niklaus als in Schlossers Boden (1672 in Schlosserboden) belegt. Der Genitiv Singular deutet auf einen FaN oder eine Berufsbezeichnung hin. Als FaN ist Schlosser jedoch nicht belegt. Als Berufsbezeichnung kommt das HL in den Registern der HRBS mehrfach vor. Schlirgga 91 92 <?page no="865"?> Schlüche Schlüche m., selten f. Kommt in rund 80 Namen vor. Es ist zu schwdt. Schl ū che n , Schl ū he n m., f. ‘ Schlucht ’ , im Übergang zum Ortsnamen, ahd. *sl ū ho m., *sl ū ha f. (I D . 9, 18) zu stellen. In Einzelfällen kann auch Schluocht gemeint sein (cf. HL S CHLUOCHT ). In den meisten Fällen handelt es sich um eine Schlucht oder einen Graben; die Deutung ist durchwegs ‘ Schlucht ’ . Die lautliche Nähe zu Schluocht, das eher eine Geländeeinbuchtung meint, kann zu Unsicherheiten führen. I D . stellt es in die Nähe von Schlûch ‘ Schlauch ’ (I D . 9, 16); S EEBOLD / K LUGE ( 25 2011, 808 f.), G R W B (15, 505 ff.) und G RICHTING (1998) kennen jedoch das HL nicht. Das Simplex erscheint als der Schluch (1634, Naters (unklar)), t Schlücha (Randa; seltenes Feminin), der Schlüche (Grengiols und fünf weitere Gemeinden), bÿ dem Schlu ͦ chen (1550, Oberwald), im Schluchen (1693, Fiesch), dr Schluichen (Kippel), im Schluichen (Blatten), dr Schluihen (Ferden, Kippel), der Schlüüchu (Gampel, Niedergesteln (mehrfach)). Der Plural des Simplex ist selten belegt: t Schlüche (Ritzingen). Das Simplex ist im Diminutiv als Schlüchji (FLNK, Eisten), im Plural als t Schlüchjini (Randa) und t Schlüüchjini (Eisten) erwähnt. Mit attributiven Adjektiven erscheinen dr Aarbi Schluichen ‘ die Schlucht mit Arven oder Arvengebüsch ’ (Aarbi ist hier Adjektiv) (Blatten), d Beesch Schluichen ‘ die bösen Schluchten ’ (Ferden), der Dick Schlüüchu ‘ die breiteste Schlucht ’ (Steg, eine von mehreren Schluchten), dr Fiischter Schluichen ‘ die finstere Schlucht ’ (Ferden), der Hee Schlüche ‘ die hohe Schlucht ’ (Reckingen), der Inner Schlüchu ‘ die innere Schlucht ’ (Oberems), an den Kru ᵕ mmen Schlúchen ‘ an die krumme Schlucht ’ (1462 u. später, Ulrichen), an den Lengen Schluchun ‘ an die lange Schlucht ’ (1550, Oberwald), der Lang Schlúho ‘ die lange Schlucht ’ (1550, Obergesteln), der Nass Schluichen ‘ die nasse Schlucht ’ (Blatten), Ober und Unner Schlüche ‘ der obere und der untere Teil der Schlucht ’ (Blitzingen), der Unner Schlüchu ‘ die untere Schlucht ’ (Niedergesteln), der Voder Schlüchu ‘ die vordere Schlucht ’ (Oberems). Als Grundwort erscheint das HL zunächst mit adjektivischen Erstgliedern; Lengschlüche ‘ die lange Schlucht ’ (FLNK, Ulrichen), der Rootschlüüchu ‘ die rote Schlucht ’ (Niedergesteln, zweimal), Twärschlüche ‘ die quer laufende Schlucht ’ (FLNK, Ulrichen). Die übrigen Belege lassen keine klaren Gruppen erkennen; t Aarbschluichen ‘ die Schluchten mit Arven ’ (Wiler), der Aupschlüche ‘ die Schlucht bei der Alpe “ Schorne ”’ (Steinhaus), Brandschluichen ‘ die Schlucht beim brandgerodeten Gebiet ’ (FLNK, Blatten), Bruckschluchen ‘ die Schlucht bei der Brücke ’ (1568, Ernen), der Brunneschlüche ‘ die Schlucht mit einer Quelle / einem Brunnen ’ (Reckingen, zweimal) und viele andere, die häufig eine nahegelegene Flur kennzeichnen. Unklar ist das historisch belegte Horensluoch ‘ die Hornschlucht ’ (1457 (? ), Unterems), wo nicht erkennbar ist, worauf sich Horen ‘ Horn ’ genau bezieht: es kann sich um eine Schlucht in Hornform handeln oder um eine Schlucht unterhalb eines Gipfels oder um etwas Anderes. Komplexer sind etwa dr Brandschluichischleif ‘ der Holzschleif bei der Schlucht beim brandgerodeten Gebiet ’ (Blatten), t Hinnerscht Blattschlüche ‘ die hinterste Schlucht unterhalb des Gebietes Blatt (Felsplatte) ’ (Münster), der Ober und der Under Brandschluichen ‘ der obere und der untere Teil der Schlucht beim brandgerodeten Gebiet ’ (Blatten), ts Stärchbalmuschlüüchji ‘ die kleine Schlucht bei der Stärchbalmu (starker überhängender Fels) ’ (Hohtenn), der Vierleerchewangschlüche ‘ die Schlucht beim Grasabhang bei den vier Lärchen ’ (Oberwald), t Voderscht Blattschlüche ‘ die vorderste Schlucht unter dem Gebiet Blatt (Felsplatte) ’ (Münster). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita findet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Grabu, Matta, Tunnel, Wald und Wang. Komplexer sind t Gross Schlücheschlüecht ‘ die grosse Geländeeinbuchtung beim Schlüche (Schlucht) ’ (Blitzingen), t Mischischluachbrigga ‘ die Brücke über die Mischischlucht ’ (Zwischbergen) (J ORDAN (2006, 324) hat Mischischluach und Mischischluachbrigga), ob dem Schlúchmattenstadol ‘ oberhalb des Stadels bei der Schluchmatta (Wiese bei der Schlucht) ’ (1776, Bürchen), Schluichgrabegalerie ‘ die Galerie (Tunnel) beim Schluichgrabe ’ (LT, Ferden) und andere. Schluchter (FaN) Schluchter (FaN) ist nur 1545 in Bürchen als Schluchteroz Bodmen ‘ der Boden der Familie Schluchter ’ belegt. Die Form Schluchteroz enthält einen Genitiv Plural, wobei das auslautende / z/ vermutlich ein weiteres Genitiv-s sein soll. Der FaN ist als Schlüchter mit u. a. Schluchter (AWWB 235) belegt, der auch in Unterbäch und Eischoll im 16. Jh. bekannt war. Schluck Schluck m. ist belegt in im Schluck ‘ in der Enge ’ (Blatten) und ts Schluckwasser ‘ der Bach, der nur wenig (einen Schluck) Wasser führt ’ (Randa). Laut Gwp. handelt es sich beim Beleg aus Blatten um eine <Enge> zwischen der Alpe Weritzen und der Tellialp. Beim Beleg aus Randa geht es um einen Bach, der nur wenig Wasser zur Bewässerung der Alpe führt. Das HL ist zu schwdt. Schluck m. und wdt. Schlukk m. ‘ Schluck ’ (I D . 9, 529 ff.; G RICHTING 1998, 173) zu stellen. Im Beleg aus Blatten steht es zur Bedeutung 3. ‘ irgend etw. Enges, ein Engpass, enger Durchgang, Isthmus ’ ; im Beleg aus Randa zur 93 94 Schluck <?page no="866"?> Bedeutung 1 b) ‘ typisch für eine (kleinere) Menge einer Flüssigkeit ’ . Schlund Schlund m. ist zu schwdt. Schlund m., Pl. mit Umlaut, wesentlich wie nhd. ‘ Schlund ’ , übertragen: ‘ (natürliche oder künstliche) Öffnung, Eingang eines Wasserlaufs; Enge, Schlucht, Abgrund ’ , amhd. slunt m. (I D . 9, 575 ff.) zu stellen; G RICHTING (1998) kennt das HL nicht, wohl aber Z INSLI (1946, 336, der es für das Lötschental noch als Appellativ nennt, obwohl dort kein Beleg vorhanden ist). Von den rund 20 Belegen befindet sich der grösste Teil (16) im Goms; das HL ist darüber hinaus nur in Naters und St. Niklaus bekannt. Das Simplex Schlund kommt dreizehn Mal vor; dazu sind Nider und Ober Schlund (Ulrichen) belegt. Komposita mit Schlund als Grundwort sind: Löuwischlund ‘ der Schlund beim Rutschgebiet ’ (Fiesch) und der Nessuschlund ‘ der Schlund (Graben) mit Nesseln ’ (Fiesch; historisch auch Fieschertal); alternativ heisst der untere Teil dieses Grabens auch der Mosgrabe ‘ der Moosgraben ’ (Fiesch), der hinunter zum Weiler Moss führt. Komposita mit Schlund als Bestimmungswort sind: Schlinttosna ‘ die Hügel in den Schlünden ’ (Naters), das Schlintt Waltlin ‘ der kleine Wald in den Schlünden ’ (1795 u. später, Naters), den Schlúndgraben (1791, Naters) und der Schlundwaud ‘ der Wald beim Schlund ’ (Ernen). Schluocht Schluocht ‘ Schlucht, Geländeeinbuchtung ’ ist zu schwdt. Schluecht, Schlüecht, Schliecht f., Pl. -e(n), Dim. Schluechtji, Schlüechti ‘ Schlucht; (längliche, wasserlose, unter Umständen sehr tiefe) Einsenkung, Wanne in einer Wiese, Weide ’ , mhd. wassersluoht f. ‘ Wassergraben ’ (I D . 9, 81 ff.), wdt. Schlüecht, Schluächt (Lötschental), Schlüocht, Schlucht ‘ Schlucht ’ (G RICHTING 1998, 173) zu stellen. In den Deutungen wird ‘ Geländeeinbuchtung ’ als allgemeiner Terminus verwendet, da das hdt. ‘ Schlucht ’ heute stärker eingeschränkt ist auf tiefe Felsschluchten, die sonst eher Chi n. oder Lamm f. heissen; in einigen Fällen wird heute aber Schlucht verwendet, etwa für die Gondoschlucht (Zwischbergen), die tief eingeschnittene Schlucht der Doveria. Von den rund 530 belegten Namen sind etwa 200 Simplizia im Singular (Schluocht, Schlüecht, Schluächt, Schlucht usw.) oder Plural (Schliecht), Diminutive im Singular (Schliechgi, Schliechtgi, Schliechtji, Schlüöchtji usw.) oder Plural (Schliechtjini usw.). Adjektivische Attributbildungen sind etwa zu ͦ der Bösen Schlu ͦ cht (1543, Geschinen), t Breit Schlüecht (Reckingen), Chalt Schlüecht (Münster), ts Chlei Schliechtgi (Betten), di Drii Schliecht (Naters), t Eng Schlüecht (Reckingen, auch Glis und Oberwald), t Fiischter Schlüecht (Raron und sieben weitere), in der Gelún Schlúocht ‘ in der gelben Geländeeinbuchtung ’ (1708, Visperterminen), an die Gmeinen Schlúocht (1662, Martisberg), ts Grie Schliechtgi (Fieschertal), Gross Schlüecht (Obergesteln und vier weitere), vff die Ho ᵉ chi Schlu ͦ cht (1653, Ulrichen), Längi Schlüecht (Ausserberg, mit anderer Lautung Betten) und weitere, besonders t Ober Schlüecht (Ulrichen und sechs weitere), t Schee Schlüecht (Gluringen und vier weitere), t Teiff Schlüecht (Münster und neun weitere), t Unner Schlüecht (Fiesch und vier weitere) und t Wit Schlüecht (Binn und elf weitere). Besonders schön ist t Unckiirig Schlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung, in der es nicht geheuer ist ’ (Geschinen) mit einer älteren Lesart von ‘ ungeheuer ’ . Als Grundwort verbindet sich Schlüecht mit einer stattlichen Reihe von Bestimmungswörtern, die meistens naheliegende Flurnamen betreffen, wie etwa Ahoruschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Weiler Ahoru ’ (Naters) zum nahegelegenen Weiler Ahoru. Nicht immer ist klar, ob das Bestimmungswort tatsächlich als Flurname vorkommt, so in t Burgschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung bei einem burgähnlichen Felsen ’ (Binn), der selbst nicht als Burg verzeichnet ist. Als Sachgruppen lassen sich Tiernamen wie t (e)Rinnerschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung für die Rinder ’ (Mund), t Amselschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung, wo es Amseln hat ’ (Blitzingen, Niederwald), Bäreschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung, wo es Bären hatte ’ (Reckingen), Chalberschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung für die Kälber ’ (Naters, Unterbäch), t Fuggsschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung, wo es Füchse hat / der Familie Fux ’ (Ausserberg), t Gämschschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung, wo es Gemsen hat ’ (Obergesteln), t Gitzischliecht ‘ die Geländeeinbuchtung für die Ziegen ’ (Reckingen), ts Häremjischliechtggi ‘ die kleine Geländeeinbuchtung, wo es Wiesel hat ’ (Reckingen), di Tüübuschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung, wo es Tauben hat ’ (Naters) (es ist allerdings umstritten, ob es sich hier um einen Vogelnamen handelt) und t Voguschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung mit Vögeln ’ (Binn). Eine zweite Gruppe von Bestimmungswörtern benennt Dinge, die sich in der Geländeeinbuchtung befinden: in der Gärschtuschlüecht ‘ in der Geländeeinbuchtung, wo Gerste angebaut wurde ’ (Blatten), di Griffelschlüöcht ‘ die Geländeeinbuchtung mit Preiselbeeren ’ (Unterbäch), t Marchschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung mit der March (Grenze) ’ (Gluringen und fünf weitere), t Massaschlüecht ‘ die Schlucht der Massa (Bachname) ’ (Bitsch), t Nessuschliecht ‘ die Geländeeinbuchtungen mit Nesseln ’ (Bellwald und weitere, teilweise nur historisch), Raspille-Schlucht ‘ die Schlucht der Raspille (Bachname) ’ (1927, Salgesch), di Trogschlüecht ‘ die Ge- Schlund 95 96 <?page no="867"?> ländeeinbuchtung mit einem Trog / in der Form eines Troges ’ (Stalden und sieben weitere) - wobei hier unklar ist, ob die Form gemeint ist oder ein Trog, der sich in der Geländeeinbuchtung befindet - , und t Wasserschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung mit Wasser ’ (Ulrichen und sechs weitere). Eine Reihe von Bestimmungswörtern benennen Besitzer oder Benutzer, meist in der Form von Genitiven im Singular oder Plural wie Bobmerroschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung der Leute von Bodmen / der Familie Bodmer ’ (Ausserberg), t Diepischlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung des Diepi ’ (Ritzingen), in Dirrigo Schlu ᵕ cht ‘ in der Geländeeinbuchtung der Familie Dirren ’ (1653, Bürchen), jn der Eccartzslu ᵉ kte ‘ in der Geländeeinbuchtung der Familie Eckart / des Eckart ’ (1308, Stalden), in Elsigo Schluocht ‘ in der Geländeeinbuchtung der Familie Elsig ’ (1695, Ausserberg), Jau ᵕ ns Schluocht ‘ die Geländeeinbuchtung des Jaun ’ (1588, Zeneggen), t Mutterschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung der Familie Mutter ’ (Oberwald), d Pfaffenschlúocht ‘ die Geländeeinbuchtung der Familie Pfaffen / des Pfarrers ’ (Brigerbad) (mit unklarer Doppeldeutigkeit), t Schniiderschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung der Familie Schnider ’ (Niederwald) und t Wiisseru Schlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung der Familie Weissen ’ (Ausserberg). In diesen und weiteren Fällen ist allerdings nicht immer sicher, ob es sich um FaN, PN oder Wohnsitznamen handelt. Bei di Blattnerschliecht ‘ die Geländeeinbuchtungen beim Weiler Blatten ’ (Naters) sind nicht Besitzer oder Nutzer gemeint, sondern die Nähe zum Weiler Blatten, und auch bei t Werrligschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Weiler Ze Werrligu (bei den Häusern der Familie Werlen) ’ (Unterbäch) ist der Weilername, der seinerseits vom FaN abgeleitet ist, der Ursprung des Bestimmungswortes. Ähnlich verhält es sich mit t Schmiderschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung bei Zen Schmidu (bei der Schmiede) ’ (Eisten). Sehr selten sind komplexere Bildungen wie t Schweifbodeschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim gewundenen Boden ’ (Binn), t Uister Spaaltschluächt ‘ die äusseren Geländeeinbuchtungen beim Spalt (unklar) ’ (Wiler) und das schwer zu deutende t Zantiglaisschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung des St. Nikolaus ’ (Reckingen), das sich auf einen Bildstock des Heiligen oder etwas Ähnliches beziehen kann. Als Bestimmungswort ist Schluocht selten. Belegt sind Konstruktionen mit Acher, Blätz, Bodu, Brigga, Garte, Grabe, Halta, Heeji, Hüüs, Schiir, Sunna, Stadel, Tola, Wald und Weid. Komplexere Bildungen sind etwa t Schlüochtgartweide ‘ die Weiden beim Schlüochtgarten (Garten bei der Geländeeinbuchtung) ’ (Unterbäch), ts Schliechtchriesböümji ‘ der kleine Kirschenbaum bei der Geländeeinbuchtung ’ (Eggerberg) und t Schindelschluöchtegga ‘ die Ecke bei der Schindelschluächt (Geländeeinbuchtung in Schindelform? ) ’ (Blatten) und weitere mehr. Soweit erkennbar ist nur einmal der FaN Schluechter (I D . 9, 83; AWWB 235) in ts Schlüechterschwald ‘ der Wald der Familie Schluechter ’ (Ergisch) vertreten. Das Lemma ist inhaltlich verwandt mit Schlüche (cf. HL S CHLÜCHE ). Schlur Schlur ist zweimal als Bestimmungswort belegt, beide Male 1584 als Schlúrbiela (Niederwald) und die Schlürbiela (Steinhaus). Die Belege sind beide pluralisch und identisch. Das HL ist auch in URNB (1, 720) als Schlurbüel in Realp verzeichnet. Zitiert wird dort mhd. sl ū r ‘ das Schleudern, Stoss; das Herumstreifen, Faulenzen, Faulenzer ’ (L EXER 2, 992). I D . (9, 641) kennt Schl ū r als ‘ langsamer, träger Mensch ’ (Basel-Stadt). URNB gibt als Benennungsmotiv eine ‘ Stelle für Faulenzer ’ , weil sich das Vieh hier gut überblicken lasse oder eher beisammenbleibe. Die beiden Formen in Niederwald und Steinhaus erklären sich aus dem langen / u: / , das im Oberwallis normalerweise zu / ü: / palatalisiert wird. Die Deutung von URNB wird hier übernommen. Schluss Schluss m. ist nur 1489 in Mühlebach als an dij Schlusskennileggon ‘ an die Ecke beim Schlusskännel ’ belegt. Zu stellen ist es zu schwdt. Schluss m. ‘ Abschluss, Ende ’ , spätmhd. sluss ‘ Schluss, Knoten ’ (I D . 9, 741 f.; kein Eintrag bei G RICHTING 1998). Wenn die Lesung richtig ist, muss sich hier ein abschliessender Kännel (wohl Wasserkännel) bei einer (Felsen-)Ecke befunden haben. Diese Deutung ist unsicher. Schlussel Schlussel m. ist zu schwdt. Schlüssel (-il), Schlussel (-il) m., wie nhd. ‘ Schlüssel ’ , Pflanzenname ‘ Schlüssel-Blume, Schlüsseli, Primel ’ , Wallis: Schlussi: Name für eine Kuh mit weissem Strich am Kopf, ahd. slussil, mhd. slüssel (I D . 9, 748 ff.; bes. 754) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. BENB (1, 5, 720) gibt als Motivation die Schlüssel-Form eines Grundstücks, neben weiteren wie z. B. Wirtshausnamen. Im Oberwallis sind nur knapp 20 Namen mit diesem HL belegt. An Simplizia finden sich im Slussel (1398, Ried-Mörel), hier als Teil einer Alpe, im Schlússel (1740, Obergesteln) und der Schlussil (Turtmann), laut Gwp. hat das Gut die Form eines Schlüssels. Von den übrigen Belegen mit dem HL als Bestimmungswort dominiert der Typ Schlusselacher. Belegt 97 98 Schlussel <?page no="868"?> sind: t Schlisselachra ‘ die Schlüssel-Äcker (Äcker in der Form eines Schlüssels) ’ (Naters), der Schlusselacher ‘ der Schlüsselacker (der Acker in der Form eines Schlüssels) ’ (Visp), der Schlusselacker ‘ der Acker in der Form eines Schlüssels ’ (1767, Kippel), im Schlusselacher ‘ im Acker in der Form eines Schlüssels ’ (Obergesteln), im Schlusselacker ‘ im Acker in der Form eines Schlüssels ’ (1770, Münster), die Schlu ᵕ sselachra ‘ die Äcker in der Form eines Schlüssels ’ (1520 u. später, Zeneggen), an dien Slusilachren ‘ an den Äckern in der Form eines Schlüssels ’ (1470, Visperterminen), Schlussilachra ‘ die Äcker in der Form eines Schlüssels ’ (FLNK, Leuk), t Schlussilachra ‘ die Äcker mit der Form eines Schlüssels ’ (Guttet). Die übrigen Grundwörter zum Lemma sind: Egg(a), Matta, Schiir, Rüüs und das komplexere Schlussilwageleisu ‘ der befahrbare Feldweg beim Gebiet Schlussil (Schlüssel) ’ (Turtmann). Schmaadri Schmaadri ist im Oberwallis nur für Blatten als ts Schmaadrijoch belegt, einen Passübergang zwischen Breithorn und Grosshorn zum Kanton Bern. Der Name dürfte aus dem Kanton Bern stammen. BENB (1, 5, 721 f.) zählt unter Schmaadri eine Reihe von weiteren Namen auf, ohne aber eine klare Deutung geben zu können. Wie BENB sagt, hat I D . (9, 852) einen Verweis auf ein Verb schmadere n ‘ schmudeln d. i. sudeln; sudelig machen, von Flüssigkeiten ’ nach S TALDER für den Kanton Freiburg. Diese Deutung ist kaum haltbar; eine bessere liegt aber nicht vor. Schmal Schmal ‘ schmal ’ Adj. ist zu schwdt. Adj. schmal, schm ē ler, schm ē lst ‘ klein (an Ausdehnung, Mass, Umfang) ’ , ‘ Kleinvieh, bes. Ziegen und Schafe ’ , ‘ schmächtig, schlank, dünn (von Lebewesen) ’ , ‘ knapp, karg, dürftig (von Sachen) ’ , wie nhd. schmal als Gegensatz zu breit, amhd. smal(l) und wdt. schmal ‘ schmal, schmächtig, klein ’ (I D . 9, 921 ff.; G RICHTING 1998, 173) zu stellen. Das Adjektiv erscheint in flektierter und unflektierter Form als Attribut zu den folgenden Grundwörtern: Acher, Egg(a), Fach, Fad, Gletscher, Holz, Löuwina, Riemo, Schnitta, Strich, Rigg, Ritz und Wang. Das Nomen Schmali ist als Neutrum auf - I ein Diminutiv, sonst ein Feminin auf - I (mit Umlaut) und zu Schmäli (I D . 9, 929) ‘ Schmäle, Schmalheit ’ zu stellen. Das Neutrum ist belegt als ts Schmali, ts Ober Schmali und ts Unner Schmali (alle Blitzingen) - gemeint ist der Schmalibach, der allerdings nicht belegt ist. Das Feminin ist als t Schmäli (Termen) und t Schmeli (Ausserberg; Ried-Brig) belegt. In Ausserberg vermutet die Gwp., dass t Schmelini ‘ (wilder) Lauch ’ (wohl A LLIUM OLERACEUM , bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1282) als Ross-Lauch) gemeint sind. I D . (9, 930, s. v. Schmale n ) gibt als Pflanzenname jedoch alle nicht-blühenden Graspflanzen an. Die Quellen zu den Pflanzennamen des Wallis kennen nur Josefsschmäle ‘ Pyrenäen-Hahnenfuss ’ (R ANUNCULUS KUEP- FERI ) (I D . 9, 933; W AGNER / L AUBER / G YGAX 5 2014, 136 als Wegerich-Hahnenfuss) für das Lötschtal. Schmelzi Schmelzi f. ist als Simplex nur einmal in Leuk 1759 als zur Schmelzi ‘ bei der Schmelze ’ belegt; laut Dokument handelt es sich aber um Reben. Als Grundwort ist es lebend in Naters (genauer: Blatten) als t Bliischmelzi ‘ die Bleischmelze ’ belegt. Gwp. fügt aber bei, von einer Bleischmelze sei nichts bekannt. Das HL ist als I -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 497 ff.) zu einem Verb schmelze n ‘ schmelzen ’ (I D . 9, 959) zu stellen; die Ableitung ist als schwdt. Schmelzi f., hier ‘ Schmelzanlage, Schmelzofen; Glashütte ’ (I D . 9, 965) belegt. G RICHTING (1998, 174) kennt nur das Verb wdt. schmelze, schmelzä (Goms), schmälzn (Lötschtal), schmelzu ‘ schmelzen ’ und gibt als Beispiel Blii schmelzu ‘ Blei schmelzen ’ . I D . nimmt in Flurnamen die oben genannte Bedeutung an, im weitesten Sinn also eine Metall- oder Glasschmelze. Im Bereich Belalp / Blatten ist beim Grisighorn eine Erzmine belegt (Rohstoffinformationssystem Schweiz, s. v. Grisighorn), die u. a. Blei enthalten hat (W. B ELLWALD , p. c.). Der Flurname dürfte auf eine Bleischmelze zu diesem Ort Bezug nehmen, obwohl Gwp. diesen Zusammenhang nicht mehr annimmt. Schmid Schmid ist zu schwdt. Schmid m. ‘ (Grob)Schmied, insbes. auch Hufschmied ’ (I D . 9, 855 ff.) zu stellen; dazu gehören auch die FaNN Schmid und Schmidig(er) (AWWB 235 f.). Die Werkstatt des Schmiedes ist unter Schmitta f. ‘ Schmiede ’ (cf. HL S CHMITTA ) verzeichnet, doch sind Nomina vom Typ Schmidi / Schmida f. ‘ die Schmiede ’ unter dem HL S CHMID eingereiht. Da sich Handwerkername, Handwerkerort und Familienname nicht immer unterscheiden lassen, sind alle drei unter dem HL S CHMID versammelt; nur HL S CHMITTA wird gesondert behandelt. Als Simplex im Singular kommt Zer Schmidu ‘ bei der Schmiede ’ (Unterems) vor. Im Plural sind belegt Zen Schmiden ‘ bei den Schmieden ’ (1827, Oberems), wo unklar ist, ob der FaN oder eine Schmiede gemeint ist, und Ze Schmidu ‘ bei den Schmieden ’ (Eisten), wo wohl die Handwerker gemeint sind. Eine Ableitung auf - INA ist Schmidina (1700, Mund), am ehesten zu verstehen als Wiese, die der Familie Schmid gehört; der Plural t Schmidinä (Steg) meint nach der Beschreibung nicht eine Schmiede, sondern wohl eben- Schmaadri 99 100 <?page no="869"?> falls ein Stück Land der Familie Schmid. Eine weitere Ableitung Schmideri f. ist 1683 in Stalden belegt, wohl für ein Gut der Familie Schmid; hingegen benennt Schmideri (1660, Eisten) eine Wasserleite im Gebiet Ze Schmidu in Eisten. Eine kollektive - IG -Ableitung im Plural ist belegt in ts Schmidige ‘ die Alpe der Familie Schmid / der Leute des Schmied ’ (Binn) und um 1500 in Reckingen Schmidigen ‘ das Gut der Familie Schmid / der Leute des Schmiedes ’ . Der Diminutiv Zum Schmidji ‘ beim kleinen Gut der Familie Schmid ’ (Grächen) ist historisch auch im Plural belegt; vermutlich ist auch hier der Besitz der Familie Schmid gemeint. Ein grosser Teil der Belege enthält einen Genitiv im Singular: einen schwachen in der Schmido Bodo ‘ der Boden der Familie Schmid ’ (Ausserberg) (wozu sich weitere Belege mit Brand, Hüs, Matta, Riti, Wasser und Wildi gesellen) und dem komplexen Fall jn der Kalt Smydinmattun ‘ in der Wiese des Kaltschmiedes ’ (1389, Ulrichen); einen starken als Schmids oder Schmitsch wie in Schmidts Hoúwetten ‘ der Holzhau der Familie Schmid ’ (1615, Raron) oder Schmittschmatte ‘ die Wiese des Schmieds / der Familie Schmid ’ (Oberems); weitere Grundwörter sind Bach, Egg(a), Hüs und Stock. Einen Genitiv Plural der kollektiven - IG -Ableitung findet man zunächst in Schmidige Hischere ‘ bei den Häusern der Familie Schmid / der Leute des Schmieds ’ (Binn) und dem zugehörigen Zmidigo Heüsseren ‘ bei den Häusern der Familie Schmid ’ (1726, Ernen), sowie Ze Schmidige Stadlu ‘ bei den Stadeln der Familie Schmid ’ (Niedergesteln). Weitere Belege sind zu folgenden Grundwörtern zu finden: Hüs, Pletscha, Teil, Wald und Wiiss. Einen starken Genitiv dieser - IG -Ableitung weist ts Schmidigsch Acher ‘ der Acker der Familie Schmid(ig) ’ (Ulrichen) auf. Die übrigen Belege enthalten Schmid als Bestimmungswort zu folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Gassa, Haalta, Hubel, Chumma, Schnitta, Statt und Räb-. Nur einmal belegt ist ein PN mit FaN: im Hans Schmid Acker ‘ im Acker des Hans Schmid ’ (1643 u. später, Oberems). Relative Lagen kennzeichnen Ober Schmiedmatten ‘ der obere Teil der Wiesen des Schmiedes / der Familie Schmid ’ und t Undru Schmidmatte ‘ der untere Teil der Wiesen des Schmiedes / der Familie Schmid ’ , die sowohl in Ried-Brig wie in Termen belegt sind. Eine vorangestellte Ableitung auf - ER ist in Schmiderbirche ‘ die Birken bei Ze Schmidu ’ (Eisten) und Schmiderschlüocht ‘ die Geländeeinbuchtung bei Ze Schmidu ’ (Eisten) bezeugt. Und eine - I -Ableitung findet sich in t Schmidi Binna ‘ das Pflanzland der Familie Schmid / der Schmiede ’ (Betten). Eine komplexe Bildung ist in den Goldschmiedinen ‘ im Gebiet der Goldschmiede ’ (1852, Salgesch). Ebenfalls komplex sind der Zen Schmieden Wingarten ‘ der Weingarten bei den Schmieden / der Familie Schmied ’ (1445, Visperterminen) und ts Schmidhüseru Schiir ‘ die Scheuer der Leute von Schmiduhüs ’ (Visperterminen), sowie weitere Belege. Schmili Schmili ist nur 1570 in Greich als d Schmilimatta ‘ die Wiese des kleinen Schmid / Schmiedes ’ belegt. Vermutlich handelt es sich bei Schmili um eine assimilierte Form zu Schmid-li ‘ der kleine Schmid / Schmied ’ , wobei unklar ist, ob eine Berufsbezeichnung oder ein FaN (AWWB 235 f.) vorliegt. Schmitta Schmitta f. ‘ Schmiede ’ und seine Varianten sind zu schwdt. Schmitte(n), -a, -u f. ‘ Schmiede ’ , amhd. smitta, -e, wdt. Schmitta, Schmittä (Goms), Schmittu (I D . 9, 1029 ff.; G RICHTING 1998, 174) zu stellen. Das HL kommt auch in den FaN Zurschmitten, Inderschmitten (AWWB 303) vor. In einigen Belegen können Schmied als Berufsbezeichnung oder Schmid als FaN gemeint sein (cf. HL S CHMID ). Das Simplex Schmitta kommt meist im Singular, oft mit einer Präposition wie bei, in, zu verbunden vor. In historischen Belegen tritt es als Schmitten / Schmidten auf. Die rund 15 Belege sind über das ganze Oberwallis verteilt. Mit Adjektiven sind Alt Schmitte (Bürchen, Münster, Stalden) und der Niwen Schmitten (1744, Simplon), der neúen Schmitte (1859, Steg) belegt. Relative Lagen finden sich in zu der Obren Schmitten (1744, Simplon, ähnliche Belege in Leuk und Leukerbad) und t Undri Schmittu (Leukerbad). Schmitta als Grundwort findet sich als Glas Schmitten (1687, Niedergesteln; 1809, Turtmann) und zwei Hammerschmittu (Leuk), Hamerschmitten (1864, Brig). Schmitta als Bestimmungswort verbindet sich mit Grundwörtern vom Typ Ägerte, Bodu, Brigga, Garte, Gassa, Matta, Rüüs, Schiir, Stafel, Wäg und Wald. Im Einzelfall, z. B. die Schmidtenschür ‘ die Scheuer der Schmiede / des Schmieds / der Familie Schmid ’ (1664, Raron) lässt sich nicht entscheiden, ob Werkstatt, Handwerker oder FaN gemeint ist. Schnaare Schnaare ist zu schwdt. Schnarre n m., f., Schn ā re n in FlN ‘ schmaler Felsrücken, scharf vorspringende Felskante, in scharfen Zinken und Ecken auslaufender Felsen ’ (I D . 9, 1271) zu stellen. G RICHTING (1998, 174) kennt nur Schnaa- 101 102 Schnaare <?page no="870"?> ra, Schnaari ‘ Jungmädchen ’ (das auch bei I D . belegt ist), aber hier nicht zutrifft. Das HL erscheint als der Schnaare ‘ Felsrücken ’ (Blitzingen), wo sich heute Lawinenverbauungen befinden. Die übrigen Belege sind Feminine, teilweise im Plural: Schnarren ‘ die Felskanten ’ (1774 (? ), Eggerberg; im zweiten Teil letste Schnarre), t Schnaara ‘ die Felskante ’ (Eisten; Gwp. verweist auf <schnura> der Schweine, wohl volksetymologisch), t Schnaara ‘ die Felskante ’ (Naters), die Schnaren ‘ die Felskanten ’ (1726, Mund), Schnaare ‘ die Felskanten ’ (FLNK, Staldenried), t Schnaarä ‘ die Felskanten ’ (Steg) und di Schnaren ‘ die Felskanten ’ (1652, Visperterminen). Mit attributivem Adjektiv erscheint im Obern Schnarren ‘ im oberen Teil der Felskante ’ (1681, Blitzingen). Als Gundwort erscheint das HL in t Howurzuschnaarä ‘ das hochgelegene Gebiet mit Wurzeln bei den Felskanten ’ (Steg), resp. t Hüwurzuschnaarä (Steg, laut Gwp. bei der (damals) jüngeren Generation) und t Schintischnaarä ‘ die Felskante beim Gebiet Schinti ’ (Steg). Schnabel Schnabel m. ist zu schwdt. Schnabel m., wie nhd. ‘ Schnabel ’ , vom menschlichen Mund, von schnabelähnlichen Dingen, amhd. snabul, -el und wdt. Schnabl, Schnabäl (Goms), Schnabul (Vispertäler), Schnabol (Schattenberge), Schnabil ‘ Mund, Schnabel ’ (I D . 9, 1061 ff.; G RICHTING 1998, 174) zu stellen. In FlN wird es zur Bezeichnung von schnabelähnlichen Flurstücken, z. B. langgezogenen, vorstehenden Geländestellen (TGNB 2, 2, 512) verwendet. Das HL ist als Simplex im Singular Schnabel (FLNK, Oberwald), bim Schnabel (Oberwald), der Schnabel (Naters, Zermatt) belegt. Motiv ist in allen Fällen ein schnabelähnliches Felsstück. Als Grundwort ist das HL auch in der Giireschnabu ‘ der Geierschnabel (Felsnase, die wie ein Geierschnabel aussieht) ’ (Gluringen) belegt. Schnäggen Schnägge(n) m. ‘ Schnecke ’ ist zu schwdt. Schnëgg, Schnëgge n m., f. ‘ Schnecke ’ , amhd. snëcko, -e zu stellen (I D . 9, 1183 ff.; URNB 3, 117). G RICHTING (1998, 174) hat nur feminines Schnägga ‘ Schnecke ’ . Als Bestimmungswort ist es ein Hinweis auf schneckenreiche Stellen. Das Simplex ist belegt in Schnäggen m. (Wiler, FLNK), wozu auch dr Ober und dr Under Schnäggen (Wiler) gehören. Am gleichen Ort belegt ist t Schnäggu(e)riifä ‘ der schmale Streifen Landes im Gebiet Schnäggen ’ (Wiler) Als Bestimmungswort kommt eine wohl ursprüngliche Genitivform Schnäggun (hist. Schneggen) vor: ts Schnäggunerlä ‘ bei den Erlen mit Schnecken ’ (Kippel), die Schnegen Weidt ‘ die Weide mit Schnecken ’ (1824, Binn) und in der Schnegen Matta ‘ in der Wiese mit Schnecken ’ (1770, Unterbäch). Schnägg kommt auch in Schnägghaaltä ‘ die Halden mit Schnecken ’ und Schnäggmattä ‘ die Wiesen mit Schnecken ’ (beide Blatten) vor. Die beiden Namen benennen nahe beieinanderliegende Fluren; das Simplex Schnägga ist jedoch nicht belegt. Schnaps Schnaps ist nur zweimal als Bestimmungswort belegt: ts Schnapsbodi ‘ der kleine Boden (wo die Schäfer Schnaps tranken) ’ (Mund) im Gredetschtal und ts Schnapsgässji ‘ die kleine Gasse, in der sich Schnapstrinker aufhielten ’ (Turtmann); laut Beschreibung die Dorfstrasse hinter dem Hotel Post, wo die alten <Schnapsler> verborgener Weise ins Laposte schleichen konnten. Zu schwdt. Schnaps m. ‘ Schnaps, Branntwein ’ , oft mit der Nebenbedeutung des Geringen oder doch in geringschätzigem Sinne und wdt. Schnaps ‘ Branntwein ’ (I D . 9, 1265 ff.; G RICHTING 1998, 175). Schnättwig Schnättwig ist nur in Visperteminen in der Schnättwiggrabo ‘ der Graben beim Schnättwig ’ und der Schnättwigtreio ‘ der Viehweg beim Schnättwig ’ belegt. Das HL ist wohl zu schwdt. Schnatt m., Schnatte(n) m., Schnätte(n) f., Schnattwe(n) (Wallis), neben Schnättwe(n)) ‘ Einschnitt, Kerbe, Scharte ’ , mhd. snat(t)e f. und wdt. Schättwa, Schnäppä (Goms), Schnatta (Mattertal), Schnattwu (Saastal), Schnättwu ‘ Strieme ’ (I D . 9, 1338 ff.; G RICHTING 1998, 175) zu stellen. Die Endung auf - IG entspricht einer Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 506), ist also als Gegend mit Einschnitten zu deuten. Schnätzil Schnätzil ist zu schwdt. Schnëtzel m. ‘ Abschnitzel, Tuchläppchen (beide nicht für das Wallis belegt) ’ oder schwdt. Geschnëtzel n. verächtlich für einen Haufen von kleinen Dingen (I D . 9, 1394) zu stellen. Das HL ist nur belegt in der Schnätziltschuggu ‘ der Fels mit kleinen Abschnitten ’ (Ergisch). Der Beleg Schnätziwald (FLNK, Bitsch) wird diesem HL zugewiesen; ist aber eher nur Schnätzi, Diminutiv zu Schnätz (I D . 9, 1392), hier wohl in der Bedeutung ‘ kleines, abgeschnittenes Stück ’ . Schnee Schnee m. ist ein rund 20 mal vorkommendes HL, das zu schwdt. Schn ē w m., Pl. unver., wie nhd. ‘ Schnee ’ und wdt. Schnee ‘ Schnee ’ (I D . 9, 1372 ff.; G RICHTING 1998, 175) zu stellen ist. Das Simplex tritt nicht auf, doch gibt es Schnabel 103 104 <?page no="871"?> attributive Adjekte zum HL als Grundwort: zum Längu Schnee ‘ beim lange liegenbleibenden Schnee ’ (Niedergesteln, St. Niklaus (LT Längenschnee, FLNK Länge Schnee)), zum Breitu Schnee ‘ zum breiten Schnee (wo lange Schnee liegt) ’ (Steg). Komplexer ist Maria zum Schnee ‘ Maria zum Schnee (Kapelle oder Bildstock bei Richenen) ’ (FLNK, Bellwald), das eine der Jungfrau Maria gewidmete Kapelle oder einen Bildstock kennzeichnet. Die meisten übrigen Belege sind zweigliedrige Komposita mit dem Bestimmungwort Schnee zu den Grundwörtern Balma, Bletz, Bodu, Graat, Hooru, Joch, Stock, Tola, Wald und Weid. Meist ist eine Flur oder ein Fels bezeichnet, bei dem Schnee lange liegen bleibt. Komplexer sind Schneehoorupass ‘ der Schneehornpass (Pass beim Schnee-Horn, Übergang von Leukerbad zum Plaine-Morte-Gletscher) ’ (FLNK, Leukerbad; LT Schneehornpass), ts Schneelowwiloch ‘ das Loch, durch das die Schneelawine kommt ’ (St. Niklaus), ts Ewigschneefäud ‘ das Feld mit dem ewigen Schnee (Gletscher) ’ (Fieschertal; SK Ewig Schnee Feld; LT und FLNK Ewigschneefäld). Eine Adjektivableitung auf - IG (S ONDEREGGER 1958, 487 f.) zum Stamm mit -wim Auslaut ist belegt in ts Schneewig Eg ‘ die Ecke mit Schnee ’ (Reckingen). Schneider (FaN) Schneider (FaN) und Schnider sind Formen eines FaN Schneider, Schnider, Schnyder, Schnieder, Sartoris, ursprünglich nach dem Handwerk des Schneiders benannt (AWWB 237). Als Simplizia sind Ableitungen belegt: dÿe Schnyderre (1561, Eischoll), t Schniideri (Fiesch) - beide wohl zu schwdt. Schnîderi n ‘ Schneiderin ’ (I D . 9, 1137), wobei unklar bleibt, ob ein Grundstück einer Schneiderin gemeint ist. Zen Schnÿderrun (1522, Steg) ist ein Plural, wohl zu verstehen als ‘ bei den Gütern der Familie Schnider ’ . Im Beleg In tertio Schniderro (1624, Raron) wird ein Genitiv Plural zu Schnider einem lateinischen tertio (Drittel) hinzugefügt; hier ist ebenfalls unklar, ob es sich um eine Berufsbezeichnung oder einen FaN handelt. Alle übrigen Belege enthalten das Lemma entweder als vorangestellten Genitiv oder als Bestimmungswort. Genitiv: ts Schniidersch Acher ‘ der Acker des Schneiders / der Familie Schnider ’ (Staldenried), Jn Schnÿders Bäechen ‘ im Gebiet Bächi der Familie Schnider ’ (1622, Unterbäch). Ein Genitiv Plural findet sich Jn Schnÿdero Drittill ‘ im Drittel der Familie Schnider ’ (1624, Eischoll), u. U. der gleiche Beleg wie oben tertio Schniderro. Ebenfalls in Eischoll ist belegt die Schnider Ruffinen (1721) ‘ die Rufine (Rutschgebiet) der Familie Schnider ’ , was zu t Schniiderru Rufi ‘ das Rutschgebiet der Familie Schnider ’ (Niedergesteln) passt. Die Schniiderschlüecht ‘ Geländeeinbuchtung der Familie Schnider ’ (Niederwald) und das Schniiderwaldji ‘ kleiner Wald der Familie Schnyder ’ (Gampel) gehören wohl zum FaN wie t Schniiderbiela (Blitzingen) und im Schnidergút ‘ im Gut der Familie Schnider ’ (Münster). In zwei Fällen ist Schneider notiert, wohl hochdeutsche Formen: der Schneider Acher (Bellwald) und Schneideren Wald (Guttet) - in beiden Fällen dürfte ein FaN Schnider zu Grunde liegen. Schneit Schneit f. ist zu schwdt. Schneit, Schneite f., ahd. sneida, mhd. sneite ‘ durch den Wald gehender Weg ’ (I D . 9, 1344 f.) zu stellen; bei G RICHTING (1998) fehlt es. Das HL kommt vor allem in Orts- und Flurnamen vor. Belegt ist es einmal in t Schneitheeji ‘ die Höhe beim Weg durch den Wald ’ (Visp). Schnidrig (FaN) Schnidrig (FaN) ist der FaN Schnidrig, Schnydrig, Schniderig, Schneidrig, Sartor, eine kollektive - IG -Ableitung zum einfachen Schnider oder Schnyder. Die Benennung ist vom Handwerk übernommen (AWWB 237). Ze Schnidrigu ‘ bei der Familie Schnidrig ’ (Niedergesteln, 1852 Steg) ist ein Weiler von Niedergesteln auf der linken Talseite. Dazu gehört Schnidrigungrund ‘ der Grund (Talboden) bei Schnidrigen ’ (Niedergesteln). Ein Genitiv Plural ist in bona Schnidringo ‘ die Güter der Familie Schnidrig ’ (1521, Mund) und in Schnydrigo … Wildi ‘ das unfruchtbare Gebiet der Familie Schnidrig ’ (1664, Mund) (zum FaN Schnydrig in Mund vgl. J OSSEN 1989, 65) belegt; ein starker Genitiv Singular in Schnidrigs Acher ‘ im Acker der Familie Schnidrig ’ (1681, Raron). Eine erweiterte Form findet sich als Schnydrigerwald ‘ der Wald der Familie Schnydrig ’ (Birgisch). Als Kompositum lässt sich betrachten Schnidrigen Wald ‘ der Wald der Familie Schnydrig ’ (1862, Eggerberg und Mund). Schniida Schniida f. ‘ Schneide ’ und Schniidi f. ‘ Schneide ’ ist zu schwdt. Schn ī d, Schn ī de n f., auch m. ‘ Schneide an Messer, Beil usw.; Messerklinge; Vorrichtung zum Zerschneiden des gedörrten Roggenbrotes, bestehend aus einem langen Messer, das durch ein Gelenk auf einer hölzernen Unterlage befestigt ist ’ , Schn ĭ da ‘ Berggrat ’ und wdt. Schniidi (Zermatt) ‘ Schneide ’ (I D . 9, 1978 ff.; G RICHTING 1998, 175; Z INSLI 1945, 337) zu stellen. Das Simplex kommt als t Schniidi ‘ Grat ’ (Guttet), Schniidi ‘ Grat ’ (Albinen, LT Schnydi) (befindet sich auf der Grenze der beiden Gemeinden) vor. Hierzu gesellt sich in Guttet Schniidigrat (etwas nördlicher als t Schniidi). Turtmann hat Windschnidi ‘ die Windschneide ’ 105 106 Schniida <?page no="872"?> (FLNK) in der Rottenebene, eine Hecke, die den Wind vom früheren Flugplatz abhalten sollte. Als Grundwort ist das HL in t Stockschnida ‘ die Schneide (scharf abfallender Grat) beim Felsstock (Simplex fehlt) ’ (Blatten) und dem Plural di Galmschnidinä ‘ Grat beim Galmpass ’ (Ferden) vertreten. Schnippil Schnippil m. ist nur in Raron als der Schnippil ‘ das kleine Stück Land ’ belegt. Der Name ist in dieser Form nur als ‘ Frack, Schwalbenschwanz ’ (I D . 9, 1248) belegt. Im I D . wird vermutet, dass es sich um ein ‘ burschikoses Lehn- (oder Mode-) Wort ’ handle. Die schwdt. Form wäre Schnipfel oder Schnëpfel ‘ Papierschnitzel ’ (I D . 9, 1259). G R W B (15, 1336 ff. s. v. Schnippel, schnipfel) kennt das Wort als ‘ kleines abgeschnittenes Stück, Schnitzel ’ . Man darf daher annehmen, dass der Flurname ein kleines Stück Land bezeichnet. Das HL ist sonst im Oberwallis nicht belegt. Schnitta Schnitta f. ist zu schwdt. Schnitte n f., wie nhd. ‘ der einzelne Streifen einer in regelmässigen Abschnitte geteilten Wiesenfläche; abgemarkte, langgestreckte Fettwiese ’ und wdt. Schnitta, Schnittä (Goms), Schnittu ‘ Schnitte, Scheibe ’ (I D . 9, 1359 ff.; G RICHTING 1998, 175) zu stellen. In Flurnamen ist mit Schnitta ein ausgeschnittener Teil eines Grundstücks gemeint; faktisch sind das meistens langgezogene, schmale Grundstücke. Um den Zusammenhang mit dem HL herzustellen, wird hier aber normalerweise die Deutung ‘ ausgeschnittenes Stück Land ’ gegeben, ausser wenn der Kontext sehr deutlich etwas anderes angibt. Das HL scheint nur noch im Walsergebiet Graubündens belegt zu sein, vgl. RN (2, 285 s. v. Schnitte). Z INSLI (1984) kennt es nicht, was den Schluss nahelegt, dass die Bündner Walser den Flurnamen aus dem Oberwallis mitgenommen haben, wo er in allen Bezirken mit rund 130 Flurnamen gut belegt ist. Davon zu unterscheiden ist das Kollektiv G(e)schnitt ‘ das Gebiet einer Gemeinde ’ (I D . 9, 1358), siehe unten. Das Simplex im Singular ist belegt als t Schnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land ’ (Staldenried), historisch als die Schnitta (1484 u. später, Ernen; 1586 Naters). Unsicher ist die Schnida (1534, Steg), zu vermuten ist aber auch hier das HL S CHNITTA . Historisch häufig ist an der Schnitten (1532, Fieschertal) in der Schniten (1751, Bürchen; 1837, Obergesteln; 1772 Oberwald; 1774, Raron; 1677, Steinhaus; 1605, Varen; 1752, Zwischbergen), die Schnitten (1781, Binn), under der Schnitten (1680, Münster). In einigen Fällen wechseln Singular und Plural, so hat etwa Greich 1789 in den Schnitten, ebenso 1802, aber 1814 in der Schnitten, oder Ausserberg 1693 in den Schnitten, 1729 jn der Schnitten, 1770 in den Schnitten, 1795 auf der Schnitten. t Schnittu (Leuk) weist die typische Endung der Nomina auf - A im Bezirk Leuk auf. Sicher Plurale des Simplex sind: t Schnittä (Gampel), t Schnitte (Embd, Ergisch, Erschmatt, Hohtenn, Niedergesteln, Saas-Almagell (zweimal), Salgesch, Zeneggen). Unterbäch hat laut FLNK Schnitte; die historischen Belege sind 1641 in den Schnitten, 1667 jn der Schnitten, 1738 in der Schnitten. Auch weitere Belege haben in den Schnitten (1818, Oberems; 1746, Ried-Mörel; 1605, Varen), in die Schnitten (1687, Albinen). Die hohe Variabilität deutet darauf hin, dass Singular und Plural nicht klar unterschieden sind. Diminutive sind nur im Plural belegt: t Schnittjini ‘ die kleinen ausgeschnittenen Stücke Land ’ (Niedergesteln) und in den Schnittlinen (1709, Eischoll). Attributive Adjektive in zweigliedrigen Konstruktionen kommen wie folgt vor: in der Andren Schnitten (1745, Visperterminen) - hier ist zu vermuten, dass Andren als Endren ‘ jenseitig ’ zu lesen ist - , in der Breiten Schnitten ‘ im breiten ausgeschnittenen Stück Land ’ (1708, Ernen), ähnlich Breiti Schnittu (FLNK, Bratsch) und die Breit Schnitta (1679, Betten). beÿ den Dreÿ Schnitten ‘ bei den drei ausgeschnittenen Stücken Land ’ (1661, Münster) enthält ein Zahlwort, dagegen nicht t Eeberi Schnittu ‘ das apere ausgeschnittene Stück Land ’ (Gampel), wobei das Adjektiv wohl ein unfruchtbares Stück Land meint. di Glatti Schnittu ‘ das glatte ausgeschnittene Stück Land ’ (Hohtenn) und di Glattu Schnitte ‘ die glatten ausgeschnittenen Stücke Land ’ (Raron) meinen abschüssige Stücke. Vnder der Grossen Schnitten (1779, Ernen) und iner Grossen Schnitten ‘ im grossen ausgeschnittenen Stück Land ’ (1684, Blitzingen) sind ebenso belegt wie t Lägendi Schnitta ‘ das ebene ausgeschnittene Stück Land ’ (Blitzingen; FLNK Lägend Schnitta). In mehreren Belegen kommt Lang vor: beÿ der Langen Schnitten (1761, Salgesch), in der Längen Schnitten (1754, Eischoll), in der Lengen Schnitten (1685, Bürchen), die Lengschnitta (1505 u. später, Lax), an der Lengen Schnitten (1532 u. später, Fieschertal), t Leng Schnitte (Fiesch). die Mittleste Schnitten (1686, Eischoll), die Mittlest Schnitta (1528, Mühlebach), die Mittlost Schnitta (1545, Unterbäch) sind Belege für eine mittlere Schnitte. t Schmalu Schnitte ‘ die schmalen ausgeschnittenen Stücke Land ’ (Stalden), jn der Stozenden Schnitten ‘ im steilen ausgeschnittenen Stück Land ’ (1650, Ausserbinn) und in der Stotzenttenen Schnitten ‘ im steilen ausgeschnittenen Stück Land ’ (1702, Ernen) beziehen sich auf die Steilheit. Unklar ist z Trÿgen Schnitten ‘ bei den drei ausgeschnittenen Stücken Land ’ (1753, Mühlebach) (vgl. oben beÿ den Drey Schnitten). in der Untern Schnitte ‘ im unteren ausgeschnittenen Stück Schnippil 107 108 <?page no="873"?> Land ’ (1872, Glis) findet sich neben d Wissu Schnitta ‘ das weisse, ausgeschnittene Stück Land ’ (1832, Bürchen). der Schwarz Schnitt ‘ der schwarze Schnitt ’ (Oberwald) bezieht sich auf einen dunklen Felszug, der wie ein Schnitt aussieht; es ist der einzige Beleg, der Schnitt m. aufweist. Vorangestellte Genitive zum HL S CHNITTA sind die Brindlen Schnitten ‘ das ausgeschnittene Stück Land der Familie Brindlen ’ (Termen), in Elsenn Schnitten ‘ im ausgeschnittenen Stück Land der Elsa ’ (Ernen), in des Ettren Schnitginen ‘ in den kleinen ausgeschnittenen Stücken Land des Onkels ’ (Mühlebach), Gineten Schnitten ‘ das ausgeschnittene Stück Land des Ginet / der Ginet ’ (1576, Eischoll), des Haubtmansschnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land des Hauptmanns (wohl Funktion) ’ (1768, Ernen), Jaggun Schnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land des Jaggen (PN Jakob) ’ (Raron), Jostsch Schnittú ‘ das ausgeschnittene Stück Land der Familie Jost ’ (1704, Ried-Mörel), t Madleenerschnitte ‘ die ausgeschnittenen Stücke Land der Magdalena (Marx) ’ (Ergisch), zúr Mehren Schnitte ‘ bei dem ausgeschnittenen Stück der Mährenweide (unsicher) ’ (1839, Eisten) Moriego Schnitten ‘ die ausgeschnittenen Stücke Landes der Leute von Mörel ’ (1645, Mörel; ein latinisierter Genitiv Plural), di Pfaffuschnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land des Pfarrers / der Familie Pfaffen ’ (Ried-Brig), Rieders Schnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land der Familie Rieder ’ (1465, Lax), Schwickingen Schnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land der Familie Schwick / der Leute des Schwick ’ (1772, Bellwald). Das HL erscheint mehrfach als Grundwort in zweigliedrigen Komposita, wobei die Bestimmungswörter meist nahegelegene Fluren, manchmal auch Gemeinden oder Einzelbesitzer kennzeichnen. So enthält im Ritterbarbi=Schnittelti ‘ im kleinen ausgeschnittenen Stück Land der Barbara Ritter ’ (1842, Binn) den Namen einer Besitzerin, in die Ritterschnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land der Familie Ritter ’ (1842, Binn) ist die gleiche Familie oder eine gleichen Namens gemeint. die Brindlen Schnitten ‘ das ausgeschnittene Stück Land der Familie Brindlen ’ (1791, Termen) erwähnt eine Besitzerfamilie genau wie Schmidschnitte ‘ die ausgeschnittenen Stücke Land der Familie Schmid ’ (FLNK, Ernen) auf der Alpe Frid. in Alberschnitten ‘ im ausgeschnittenen Stück Land beim Alber ’ (1771, Ergisch) ist ein Flurname Alber (wohl: Pappel) genannt, in der Aspschnitten ‘ im ausgeschnittenen Stück Land beim Asp ’ (1785, Ergisch) sind Espen gemeint, jn den Birchschnitten ‘ in den ausgeschnittenen Stücken Landes beim Birch ’ (1762, Ergisch) bezieht sich auf ts Birch ‘ das Birkengehölz ’ , t Eichschnitte ‘ die ausgeschnittenen Stücke Land beim Eich ’ (Raron) meint eine Flur namens Eich (wo es Eichen hat). In Raron ist auch t Erbschnitte ‘ die ausgeschnittenen Stücke Land beim Erb ’ belegt, wo aber das Erb nur historisch vorkommt. Zum Weiler Giesch sind Giesch Schnitte (1902, Hohtenn) zu stellen, während im Giescherschnitten (1775, Eischoll; 1825 in der Giescherschnitten) bei ts Breiu undeutbar ist; ob hier jemand aus Giesch ein Stück Land besass, ist unklar. Unklar ist auch t Fasnachtschnitta ‘ im ausgeschnittenen Gebiet, wo ein Fasnachtsbrauch stattfand ’ (Ernen), wo man einen Fasnachtsbrauch nur vermuten kann (cf. HL F ASNACHT ). in den Giltschnitten (1826, Steg) kann sowohl bei einem Giltsteinbruch, wie eine Wiese mit einer Gült (Schuldverschreibung) meinen aus dem Kontext lässt sich das nicht erkennen. Unter den übrigen Namen fällt ein weitere auf: in Pollen Schnitten ‘ in den ausgeschnittenen Stücken Land beim runden Hügel / des Pollen (PN) ’ (1637 u. später, Fiesch), wo unklar ist, ob das HL B OLL oder ein PN vorliegt; im zweiten Fall würde übrigens ein Genitiv Singular vorliegen, also kein Kompositum. Weitere Belege sind unter den verschiedenen Bestimmungswörtern behandelt. Komplexer sind die Heimen Haús Schnitten ‘ die ausgeschnittenen Stücke Land beim Haus des Heimen (PN) ’ (1852, Hohtenn), wobei Heimen ein FaN oder ein PN sein kann, in den Oberhaus Schnitten ‘ in den ausgeschnittenen Streifen Land beim oberen Haus ’ (1755, Bürchen) gemeint ist wohl der Weiler zum Oberhüs. t Steihüserschnitta ‘ das ausgeschnittene Stück Land der Leute von Steinhaus ’ (Binn); ob hier die Gemeinde Steinhaus gemeint ist, bleibt unklar. Der Beleg Her Lusenschnitta (1432, Fiesch) lässt sich nicht deuten; es ist unklar, ob Her tatsächlich als Herr zu deuten ist (und in welcher Bedeutung); wenn ja, wäre dann Lusen der Genitiv eines PN oder FaN Luse, das allerdings unbelegt ist. Als Bestimmungsname kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Bodu und Matta. Seltsam ist zen Schnittengebineren ‘ bei den Pflanzplätzen im ausgeschnittenen Stück Land ’ (1808, Raron), wo ein Kollektiv zum Grundwort Biina erscheint. Formal gehört auch Schnittlöich ‘ der Schnittlauch; der Ort, wo wilder Schnittlauch wächst ’ (FLNK, Bratsch) (I D . 3, 1007 f.; G RICHTING 1998, 175 s. v. Schnittlöib) zu den Komposita; es wird hier nur wegen des Bestimmungswortes Schnitt zu schnîden ‘ schneiden ’ (I D . 9, 1080) erwähnt; Schnittlech ist als Flurname u. a. in LUNB (1, 2, 919 s. v. Schnitt) und RN (2, 450), dort als Schnittlauch (Davos), belegt. Das Kollektiv G(e)schnitt ‘ das Gebiet einer Gemeinde ’ (I D . 9, 1358) ist mehrfach belegt: das Egger-Geschnitt ‘ das Geschnitt der Egga ’ (1824, Naters) (gemeint ist wohl der Weiler Egga oberhalb Blatten), in Greniarro Geschnitt ‘ im Geschnitt (Gemeindegebiet) der Leute von Grengiols ’ (1645, Grengiols), das Rischiner Geschnitt ‘ das Geschnitt 109 110 Schnitta <?page no="874"?> (Gebiet) der Leute von Rischinen ’ (1824, Naters) (gemeint ist der Weiler Rischine von Naters), im Seiter Geschnidt ‘ im Geschnitt (Gebiet) von Seit ’ (1740, Selkingen) (gemeint ist der frühere Weiler Seit), im Urlicher Geschnitte ‘ im Geschnitt (Gemeindegebiet) der Leute von Ulrichen ’ (1833, Ulrichen). Schniz Schniz m. ‘ Schnitz ’ ist nur einmal belegt in ts Schnizlöüb (St. Niklaus). Löüb meint normalerweise eine bebuschte Alpweide (hier für Schafe); Schnitz könnte sich dann auf das dort geschnittene Futter beziehen. Es wäre zu schwdt. Schnitz m., Pl. Schnitze, ‘ Schnitt ’ und wdt. Schnitt ‘ Schnitt, Handel ’ (I D . 9, 1404 ff.; G RICHTING 1998, 175) oder als Genitiv zu schwdt. Schnitt m., Dim. Schnittli, wesentlich. wie nhd. ‘ Ergebnis des Schneidens ’ , ‘ Akt, Zeit des Schneidens ’ (von der Getreideernte), ‘ von dem auf dem Felde stehenden, erst zu schneidenden Getreide ’ , übergehend in die Bed. ‘ was man durch Schneiden, d. i. Ernten gewinnt; Ertrag ’ , ‘ vom Rebenschnitt ’ , ‘ Steuer, die auf die Haushaltung oder das Vermögen gelegt wird ’ , ‘ Anteil an einer gemeinsamen Nutzung ’ , ‘ Teil einer Landschaft (als steuerliche und nutzungsrechtliche Einheit) ’ und wdt. Schnizz ‘ Zerschnittenes, Gedörrtes ’ (I D . 9, 1359 ff.; G RICH- TING 1998, 175) zu stellen. Da der FlN so nur einmal belegt ist, kann keine klare Deutung gegeben werden. Schnod Schnod Adj. ist einmal in t Schnodegga (Baltschieder) belegt. Es ist wohl zu schwdt. schnot ‘ spärlich gemessen, kärglich, kaum L[uzern]; W[allis] ’ (so Raron ( ‘ sparsam, kurz ’ )) zu stellen (I D . 9, 1267; der ursrpüngliche Eintrag stammt von S TALDER ). Die betreffende Ecke ist ein schmaler Felsrücken am Baltschiederbach auf ca. 2050 m. Schnüär Schnüär f. ‘ Schnur ’ ist zu schwdt. Schnuer f., Pl. -üe-, Dim. Schnüerli, Schnüerji wie nhd. ‘ Schnur ’ , dünner als Seil, Strick, dicker als Faden, ( … ) übertragen auf schnurähnliches ‘ schmales Rasenband an einer Felswand ’ , ahd. snuor zu stellen (I D . 9, 1289 ff., bes. 1298; G RICHTING 1998, 176). Schnüär kommt als Simplex Schnuor (Ried-Mörel), historisch der Schnúer (Bitsch, wirklich maskulin? ) und als Schnuär (Ferden) vor. Das Simplex im Plural Schniere ‘ die Schnüre ’ ist in Ulrichen belegt. Mit Adjektiven finden sich Gross Schnuär, Leng Schnuär, t Undruscht Schnuär und t Leng Schnuär (alle Blatten). Als Grundwort findet sich Schnuär in Horischnuär und dessen Variante Horenschnuär ‘ schmales Gras- oder Felsband beim Hori ’ (Blatten). Der Plural ist in t Aanuschniärä und undern Anuschniärun (beide Blatten) belegt. Als Bestimmungswort findet sich das Simplex in Schnuorgrabo ‘ Graben, der so schmal ist wie eine Schnur ’ (Bitsch), Schnüerwald (Bitsch) und - unsicher - Schnürgarten (1786, Gampel); hier könnte es sich auch um Schnura ‘ Schwiegertochter ’ (I D . 9, 1286; C. S CHMID 1969, 112) handeln, was nicht entscheidbar ist. Im Plural sind belegt ts Schnierewägi ‘ der kleine Weg zu den Schnüren (Rasenbänder im Felshang) ’ (Oberwald) und das Schnierhoru ‘ Horn bei den Schnüren (Rasen- oder Felsbänder) ’ (Mund). Schober Schober m. ist nur 1389 in St. Niklaus als Schoberveden belegt. Das Dokument spricht von einem Acker namens Schoberveden, der sich oberhalb des Sandes befindet. Während Veden vermutlich zu Fad (cf. HL F AD ) zu stellen ist, kann Schober laut I D . (8, 82) und G R W B (15, 1426 ff.) nicht als volkstümlich gelten. Allerdings kennt es L EXER (2, 765) ‘ Schober, Haufen ’ , was auf eine früher grössere Verbreitung hindeutet. Schoberveden wäre dann ein Grasband, an dem man Schober gebildet hat: ‘ das Grasband / die Grasbänder beim (Heu-)Schober ’ . Ob diese Deutung stimmt, ist allerdings unsicher. Schochu Schochu m. ist nur als t Schochna ‘ die Haufen ’ (Eisten, FLNK, LT Schochne) und t Schochna ‘ die Haufen ’ (Zermatt) belegt, in beiden Fällen ein Plural. Das HL ist zu schwdt. Schoch m., Pl. Schochna, Dim. Schöchli ‘ Heuhaufen ’ , ‘ Haufe überhaupt, auch grosse Quantität ’ , mhd. schoche m. und wdt. Schoche, Schochä (Goms), Schocha (Mattertal), Schochn (Lötschtal), Schochu ‘ Haufen ’ (I D . 8, 112 ff.; G RICHTING 1998, 176) belegt. Die Höhe der beiden Fluren (je rund 2300 m.) legt nahe, dass es sich eher um Steinhaufen als um Heuhaufen handelt. Schoenigs Schoenigs ist nur gerade in Reckingen als Schoenigs Egge (1558; 1573) und einmal entrundet als Schenigs Egga (1639) belegt. Die Form lässt sich als Genitiv Singular zu Schoenig verstehen, das seinerseits eine Kollektivform auf - IG zu Schoendarstellt. Zugrunde liegt wohl das Verb schöne n ‘ reinigen, säubern, putzen ’ (I D . 8, 867), bei G RICHTING (1998, 169) ‘ abschälen, schinden ’ in Bezug auf Kartoffeln oder Äpfel verstanden. Es handelt sich also wohl um einen Besitzer- oder Nutzernamen vom Typ Schön oder Schönig, der für das Wallis jedoch sonst nicht belegt ist: ‘ die Ecke der Schön-Leute ’ . Scholle Scholle f. ist zu schwdt. Scholle n , Tscholle n m., Dim. Schölli, Schölleli ‘ (Erd-, Acker-)Scholle ’ , ‘ Klumpen, Stück, Bro- Schniz 111 112 <?page no="875"?> cken überhaupt ’ , WVt[Visperterminen] ‘ Schneeklumpen ’ , ‘ Haufe, Masse ’ , ahd. scollo m., scolla f., mhd. scholle m. und wdt. Tschollä, Tscholla (Mattertal), Tschollo (Schattenberge), Tscholln (Lötschental), Tschollu ‘ Knollen, Mensch ’ (I D . 8, 598 ff.; G RICHTING 1998, 200) zu stellen. Belegt sind t Obru und t Unnru Scholle ‘ die oberen und die unteren Schollen (Eisschollen auf dem Monte Rosa- Gletscher) ’ (Zermatt), sowie Scholle (LT und SK, Zermatt) in gleicher Bedeutung. Die Namen vom Typ Schöllihorn usw. sind unter dem HL S CHELLI behandelt. Schonerly Schonerly ist nur 1824 in Eggerberg als im Schonerlÿ belegt. Die Lesung ist unsicher, M. S. notiert als Variante Sponerlÿ. Es handelt sich um ein Stück Wiese mit Garten im Gebiet Millachern (heute ts Müülachru). Wenn die erste Lesung stimmt, ist das HL wohl zu schon / schön (I D . 8, 838 ff., bes. 856 f. zu Ortsnamen) zu stellen, auch wenn die Bildung selbst nicht vorliegt; es handelt sich um ein Diminutiv auf - LI (SDS 3, 155) zu einem mit - ER (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) als Stellenbezeichnung abgeleiteten Schoner ‘ der schöne Ort ’ . Die Deutung wäre dann ‘ der kleine, angenehme Ort ’ . Die alternative Lesung Sponerlÿ dagegen findet keine klare Deutung. Die FaN Abgottspon, Gsponer usw. beziehen sich sonst alle auf den Weiler Gspon (Staldenried). Schoos Schoos m. ist zu schwdt. Sch ō ss f., m., in FlN ‘ Einbuchtung der Erdoberfläche; See-, Meeresbucht; Einsenkung des Erdbodens ’ , übertragen vom Kleider-, Rockschoss; ahd. scôzz(o) m., scôzza f., mhd. schôze f., schoz m., n. und wdt. Schooss ‘ Schoss ’ (I D . 8, 1451 ff. (bes. 1559); G RICHTING 1998, 176; URNB 3, 131 f.) zu stellen. Das Simplex im Singular ist lebend belegt als im Schoos ‘ im Schoss (Geländeeinsenkung) ’ (Ferden), wo die Gwp. den Schoss einer Frau erwähnt. Gemeint ist damit eine sichere Sitzgelegenheit, meist für einen Säugling, im Schoss einer sitzenden Frau. In Flurnamen ist damit eine flache Mulde gemeint, die hier als ‘ Geländeeinsenkung ’ bezeichnet wird. Weiter sind belegt Schooss ‘ der Schoss ’ (Geländeeinsenkung) (EK, Eggerberg; FLNK Schoos) und Schoos ‘ im Schoss (Geländeeinsenkung) ’ (FLNK, Oberwald) Die anderen Simplizia kommen nur historisch vor: am / im Schoos (1643 u. später, Grengiols), der Schoos (1832, Saas-Grund), im Schos (1639, Niederwald). Plurale fehlen. Das Diminutiv erscheint im Singular als Schoossje ‘ der kleine Schoss (Geländeeinsenkung) ’ (FLNK, Zermatt), im Schoosji ‘ im kleinen Schoss (Geländeeinsenkung) ’ (1841, Eisten), beim Schoosslin ‘ beim kleinen Schoss (Geländeeinsenkung) ’ (1699, Raron), im Schoslÿ ‘ im kleinen Schoss (Geländeeinsenkung) ’ (1598, Bürchen). Der Plural des Diminutivs ist lebend belegt in t Schoossjini ‘ die kleinen Schosse (Geländeeinsenkungen) ’ (Oberems), hier verstanden als Geländeabsätze in den Felsen. Mit attributiven Adjektiven sind belegt: im Oberen Schoss (1785, Oberwald) und das Vnder Schos (1643, St. Niklaus), der einzige klare Beleg mit Neutrum; der unklare Kontext macht aber die Lesart unsicher. Einen vorangestellten Genitiv findet man in ts Aberhamsch Schoos ‘ in Abrahams Schoss ’ die metaphorische Benennung eines schönen Alpgebietes; Quelle ist Lk 16,22-23, wo der arme Lazarus nach seinem Tod in Abrahams Schoss sitzt. Als Grundwort erscheint das HL nur in der Howurzuschoos ‘ der Schoss (Geländeeinsenkung) beim Gebiet Howurzu ’ (Steg). Als Bestimmungswort kommt das HL zweimal in t Schossmatte ‘ die Wiese bei der Geländeeinsenkung ’ (Münster; 1471, Reckingen) vor. Schopf Schopf ‘ Schopf ’ m. ist zu schwdt. Schopf m. ‘ (an ein Gebäude angefügtes) Vordach; Schuppen, Remise für Holz, Fuhrwerke, Geräte ’ , in alpwirtschaftlichen Verhältnissen ‘ Gaden; an Stall anschliessender, an Stelle des Zustalls tretender, zur Aufbewahrung von Streu, Laub dienender Raum der Maiensässe; Teil der Alphütte, wo man melkt ’ , bei Geländeformen ‘ vorspringender, hervorstehender Fels, Felsvorsprung, -absatz; Höhle in einem Felsen ’ , ‘ kleiner, rundlicher Felsenkopf; (kleine) Felswand, kleiner Felsblock ’ , ahd. scopf, mhd. schopf, -e (I D . 8, 1067 ff.; URNB 3, 127; für Hausbau auch S CHMID 2003, 174) zu stellen. Die Belege betreffen durchgehend Geländeformen, die meist als ‘ Felsabsatz ’ , bzw. ‘ Felsabsätze ’ gedeutet wurden. Im Einzelfall kann das eine bestimmte Felsformation sein, aber auch - vor allem bei den Pluralen - eine Ansammlung von Felsabsätzen oder Felsblöcken. Das Simplex Schopf m. kommt in Randa, Täsch, Törbel und Zermatt, der Plural Schopfa oder Schopfe in Mund, Ried-Brig, St. Niklaus, Saas-Fee, Schopfen in Naters und Stalden vor. Der Diminutiv Singular Schopffji ‘ der kleine Felsabsatz ’ ist zweimal in St. Niklaus belegt. Das feminine Schopfine, Schopfina (Eisten) für die Schopfialpa (Eisten) ist wohl eine Rekonstruktion aus einem Diminutiv und nicht eine eigentliche - INA -Ableitung. Attributive Adjektivbildungen finden sich in der Rot Schopf (Täsch) und in t Oberu und t Unneru Schopfe (beide Saas-Fee), sowie dem Kompositum Hoschopf ‘ der hohe Felsblock ’ (Eggerberg). Als Grundwort ist Schopfa in di Bärgschopfa ‘ die Felsabsätze im bergwärts gelegenen Gebiet ’ (St. Niklaus) belegt. 113 114 Schopf <?page no="876"?> Alle übrigen Belege enthalten Schopf als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Egg(a), Flüö, Grabu, Tschugge, Räbe, Wald und Zug; zu Schopfi finden sich Alpa und Wäg. Schoppler Schoppler m. ist nur einmal als der Schoppler ‘ der erschütterte Ort ’ (Ausserberg) belegt. Die Beschreibung ‘ Wiese, Steilhang, Rutschgebiet ’ legt eine Stellenangabe auf -( L ) ER (S ONDEREGGER 1958, 541) nahe. Das zugrunde liegende Verb ist wdt. schopple, schopplä (Goms), schopplu ‘ schütteln ’ und das dazu gehörende Schoppleta, Schopplätä (Goms), Schoppluta (Mattertal), Schoppläta (Lötschtal), Schopplätu ‘ Erschütterung ’ (beide G RICHTING 1998, 176). Schor Schor ist zu schwdt. Schorre(n), Sch ō re(n) m., selten f., nur in Namen, ahd. scorro m., scorra f. (I D . 8, 1204 f.; Z INSLI 1946, 337), ‘ Fels, -vorsprung ’ zum Verb ahd. scorr ē n ‘ ragen, hervorragen ’ , mhd. schor(re) m. ‘ schroffer Fels, Felszacke, steil abfallendes Gelände ’ (URNB 3, 130 f.; TGNB 2, 2, 518 f.) zu stellen. Belegt sind zwei Arten von Simplizia, nämlich ts Tschorr (Eischoll; 1576 u. später, Turtmann) und ts Gschor (Naters). Beide sind mit dem Präfix G ( I )gebildete Kollektiva, im Fall von Tschorr mit Assimilation von / g/ zu / t/ vor Dental, und bezeichnen einfach Felsvorsprünge, die sich auf Alpen befinden. Der Diminutiv Plural di Tschorini (Ergisch) grenzt an die Alpe Tschorr (Eischoll) an und meint wohl ein Gebiet mit kleinen Felsvorsprüngen, wie auch di Tschorrini (Ferden). Schor selbst ist als Bestimmungswort in das Schor Mettilti ‘ die kleine Matte beim Felsvorsprung ’ (1697, Eggerberg) und dr Schorrwang ‘ der Grasabhang mit Felsvorsprüngen ’ (Kippel) belegt. Die übrigen Komposita liegen jeweils bei einer Flur Tschorr oder Tschorini: di Tschorillägi ‘ die Lagerstätte für das Vieh bei den Tschorrini ’ (Ferden), das Tschorsenthum (1729, Eischoll), der Fooder und der Inner Tschorrschleif (beide bei den Tschorini in Ergisch). Die Abgrenzung gegenüber den beiden HLL S CHORN und S CHORNER (F A N) ist nicht immer klar. Schorn Schorn ergibt mit der Vokalisierung von / rn/ zu / ren/ und n-Apokope Schorre n . Das ist zu Schorren (I D . 8, 1204) zu stellen, auch bei Z INSLI (1945, 227) als ‘ Felszacken, Abstürze ’ . In Steinhaus ist das Simplex ts Schorne ‘ auf der Alpe mit Felszacken ’ belegt, Tschornen treten in Ernen (1718 u. später), Mühlebach (1718) und Niederwald (1548 u. später) historisch auf, beziehen sich aber auf die gleiche Alpe wie in Steinhaus. Vermutlich gehören auch ts Tschorrä (Blatten, Wiler) hieher. Als Bestimmungswort erscheinen Tschorrä in Tschorrägrabm ‘ der Graben bei ts Tschorrä ’ (Blatten) und der alte Genitiv, inzwischen als Adjektiv interpretiertes Schorner zusammen mit Alpa, Stand, Wald und Wäg. Schosangi (PN) Schosangi (PN) ist nur belegt als der Schosangischleif (Visp). Laut Gwp. handelt es sich um einen Schleif, der einem Johann Josef gehörte oder von ihm benutzt wurde. Josef wird üblicherweise frz. als Schoseff ausgesprochen (I D . 8, 1472), Johann frz. als Schang, hier auch als Sang, -ji ist die übliche Diminutivform bei Personennamen (I D . 8, 926). Die vorliegende Form ist jedoch so nicht belegt. Schotscher Schotscher ist zweimal belegt: als t Schotscher (Varen, FLNK und LT Sotscher) und als der Schotscherwäg ‘ der Weg in die Schotscher (unklar) ’ (Varen). Das Simplex ist ein Plural. Der älteste historische Beleg von 1514 hat dou Sotschet, was einen maskulinen Singular nahelegt. Später (1670 und 1760) ist von in die Sotschie die Rede, wobei unklar ist, ob ein Singular oder Plural vorliegt. Danach ist 1787 in Sotzier und 1799 jn die Sotschin die Rede. Anlautendes / š / kommt also nur in der Form vor, die M. S. notiert hat. Dies gilt auch für den einzigen Beleg zum Kompositum der Schotscherwäg. FEW (2, 790 ff. s. v. clocca glocke) führt auf S. 792 die Form sots ę ta als ‘ Glockenblume ’ für das Pays d'Enhaut auf; vgl. auch G PSR (4, 118 s. v. clochette, bes. S. 119 4° und 5°). Da unsere Belege den Plural haben, dürfte einer der Formen von C AMPA- NULA ‘ Glockenblume ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1030 - 1040) gemeint sein: also ‘ der Ort mit den Glockenblumen ’ . Der historische Beleg von 1514 weist auf eine Ableitung clochette hin. Die heutigen Formen mit / r/ am Schluss scheinen eine Rekonstruktion der Endung zu sein. Schotta Schotta f. ‘ Molke ’ ist zu Schotte(n) f., m. ‘ Molke ’ , ahd. scotto, mhd. schotte m. (I D . 8, 1531 ff.; G RICHTING 1998, 176 s. v. Schotta) zu stellen. Die Ableitung der Schottler ‘ der Ort, wo man durchgerüttelt wird (? ) ’ (Niedergesteln) ist unklar, dürfte aber wohl zum Verb schottle n ‘ schütteln, rütteln, schaukeln ’ (I D . 8, 1530) gehören; die Ableitung auf - ER ist eine deverbale Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 548 ff.). Eine Ableitung von Schotta ‘ Molke ’ ist zwar nicht augeschlossen, aber kaum wahrscheinlich. In vier Belegen erscheint das HL als Bestimmungswort: ts Schotteloch ‘ das Loch mit der Farbe von Molke ’ Schoppler 115 116 <?page no="877"?> (Ulrichen), t Schottlärche ‘ die Lärchen mit der Farbe von Molke ’ (Geschinen, Ulrichen) und der Schottuwald ‘ der Wald mit der Farbe von Molke ’ (Staldenried). Ob die Namenmotivation immer mit der Farbe der Molke zu tun hat, ist unsicher. Schöubu Schöubu ist als Schöibeggi ‘ die kleine, geringe Ecke ’ (FLNK und LT, Ergisch) und Schöübubrunnu ‘ die geringfügige Quelle / der geringfügige Brunnen ’ (FLNK, Eischoll) belegt. Das HL ist zu schwdt. Schaub ‘ Stroh ’ und wdt. Schöüb, Schöb (Goms), Schöib (Zermatt), Schoib ‘ Strohbündel ’ (I D . 8, 26 ff.; G RICHTING 1998, 176) zu stellen. I D . (8, 33) zitiert es als erstes Glied von Orts- und Flurnamen. Gemeint ist wohl im ersten Fall eine kleine, geringe Ecke. Im zweiten Fall eine geringfügige Quelle; es ist auf der Karte ein kleiner Bach erkennbar, der später in die Eischler Suon mündet. Schrääje - Schreeje Schrääje - Schreeje ist entweder zum schwdt. Schräje(n), -a f. (Schreien, Schreyen, Schräen) ‘ bogenförmiger Wasserfall (von mässiger Höhe und starkem Geräusch); (kleiner) Wasserfall, Wasserrinne aus einer Brunnenröhre; Ablauf des Wassers, wo es immer spült und sprudelt ’ (I D . 9, 1440 f.; G RICHTING 1998, 179 s. v. Schrääja) oder zum Verb schwdt. schräje(n) (-un), schr ē je(n), schr ē jn (in Lö[tschen]) ‘ rauschend von einer Höhe herabströmen, plätschern von Wasser oder sonst etwas, das von einer Höhe auf den Boden fällt ’ , mhd. schræjen (I D . 9, 1441 f.; G RICHTING 1998, 179 s. v. schrääje) zu stellen. Unklar sind zwei Belege: der Schriijund Grabu und t Schriijund Lowina (beide Zwischbergen), die von J ORDAN (2006, 316) bestätigt und durch t Schriijund Galärii ergänzt werden. Alle Belege scheinen formal eher zum Verb schwdt. schrî(j)e(n) ‘ schreien ’ (I D . 9, 1464) zu gehören, sind aber inhaltlich zu schräje ‘ rauschen herabströmen ’ (I D . 9, 1441) zu stellen. Das Simplex tritt als Nomen im Singular in der Form Schreeja - Schreeju ‘ Wasserfall ’ , ‘ Gegend beim Wasserfall ’ (Blatten, Kippel, Wiler) auf; die Schreÿ (1664, Reckingen) ist unsicher, aber aus dem Text geht hervor, dass es sich um einen Bach oder eine Quelle handelt. Als Grundwort ist das HL vertreten in folgenden Komposita: Beitruschreeji ‘ der Wasserfall des Beiterbaches ’ (Visperterminen), Gamsuschreeji ‘ der Wasserfall der Gamsa ’ (Visperterminen), Mälböumschräja ‘ der Wasserfall (des Kelchbachs) beim Mehlbaum (Weiler am Natischerberg) ’ (Naters) und Schiltschreji ‘ der Wasserfall des Tumigbaches beim Schild ’ (St. Niklaus). Als Bestimmungswort tritt der Stamm Schrää - Schree auf: ts Schrääbächu ‘ bei den wasserfallartigen Bächen ’ (Betten), der Schräbach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (Simplon; J ORDAN 2006, 221 hat Schrääbach und Schrääbachtola), ts Schräbachtela ‘ bei der Wasserrinne, durch die ein Wasserfall strömt ’ (Mund), der Schreebach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (Zwischbergen) (J ORDAN 2006, 347 hat Schreebach und Schreebachgrabu; das Verhältnis zu Schrääbach und Schrääbachtola (S. 221) ist unklar), der Schreegrabo ‘ der Graben, durch den das Wasser herunterströmt ’ (Zeneggen), der Schrewang ‘ der Grasabhang beim Schrebach ’ (Niedergesteln; der Name Schrebach ist dort nicht erfasst). Der Wechsel von / ä: / und / e: / in Simplon und Zwischbergen ist nach R ÜBEL (1950, 1) und SDS (1, 73 f.) nicht unproblematisch: es scheint, dass Simplon hier mit dem oberen Wallis geht, während Zwischbergen eher dem Vispertal folgt. Etwas unklar sind die beiden Fälle Schreinlibach ‘ der kleine Bach mit einem Wasserfall ’ (1818, Staldenried) und Schreinlibächji Litzi ‘ der Schattenhang des kleinen Baches mit einem Wasserfall ’ (1818, Staldenried). Vermutlich handelt es sich um eine hochdeutsche Form von Schreeji ‘ Wasserfall ’ . In den übrigen Fällen ist ein Partizip Präsens des Verbums als Attribut vorhanden. Die Formen sind vielfältig: der Schräjend Bach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (Binn), der Schräjund Bach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (Naters), Schreejund Bach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (Embd), t Schreeiendun Bletschu ‘ die Ebene, durch die das Wasser strömt ’ (Ferden), der Schreejend Bach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (Ferden), ts Schreejend Chappelti ‘ die kleine Kapelle beim Gebiet mit stark strömendem Wasser ’ (Ferden), der Schreejund Bach ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (Leuk, Törbel), ts Schreejund Bächji ‘ der kleine Bach mit einem Wasserfall ’ (Täsch), ts Schreejund Zigji ‘ der kleine Zug (Bach) mit einem Wasserfall ’ (Randa), zem Schregenden Bach ‘ (die Alp) beim wasserfallartigen Bach ’ (1404 u. später, Ried- Mörel), Schregenden Bache ‘ der Bach mit einem Wasserfall ’ (1309 u. später, Saas-Balen), an den Schreÿenden Bach ‘ an den Bach mit einem Wasserfall ’ (1577, Eisten), zem Sregendenbeche ‘ beim wasserfallartigen Bach ’ (1453, Bitsch), der Sreiend Bach ‘ der wasserfallartige Bach ’ (1414, Eggerberg, 1424 u. später, Baltschieder), ze Strendenbach ‘ (die Alpe) beim wasserfallartigen Bach ’ (1456, Ried-Mörel). Die historischen Schreibungen mit / g/ für [j] entsprechen dem Schreibgebrauch (P AUL 25 2007, 158). Schrack Schrack m. ist nur in der Schrackbode ‘ der Boden nach einer längeren Wegstrecke ’ (Münster, auch FLNK) belegt. Das HL ist zu schwdt. Schrack m. ‘ (ziemlich grosse) Wegstrecke ’ und wdt. Schrak, Schtrack ‘ Strecke (grössere, mühsame), Riss ’ (I D . 9, 1600 f.; G RICHTING 1998, 179) zu 117 118 Schrack <?page no="878"?> stellen, wobei G RICHTING wohl eine zweite Bedeutung für Strack (I D . 11, 2154) hinzunimmt, die nicht hieher gehört. Schragen Schragen ist zunächst belegt in die Schragen Matte ‘ die Wiese, die einem Schragen (Holzgestell, Schlachtbank) gleicht ’ (1846, Brigerbad). Das HL ist wohl zu schwdt. Schrag, Schrage(n) ‘ Gestell aus verschränkten Hölzern, bes. aber mit gekreuzten (oder schrägen) Beinen ’ , ‘ durch Lattenwerk abgeschlossener Verschlag unter der Dachschregi, auch Rumpelkammer ’ , ‘ altes Möbel ’ , abstr. von schragenähnlicher Stellung der Beine, mhd. schrage und wdt. Schrage, Schragä (Goms), Schraga (Mattertal), Schragn (Lötschtal), Schragu ‘ Schragen ’ (I D . 9, 1591 ff.; G RICHTING 1998, 179) zu stellen. Das Nomen wird in Relation zum Adj. schreg ‘ schräge ’ (I D . 9, 1597) gesehen, sodass in unserem Beleg auch nur ‘ die schräge Wiese ’ gemeint sein könnte. Sehr schwierig zu deuten ist der lebende Beleg ts Schraagguloch ‘ das schräge Loch ’ (Saas-Almagell). Der Langvokal passt nicht zum HL S CHRAGEN ; die Fortis nach dem Langvokal ebenfalls nicht. Das in I D . 9, 1600 f. belegte Schrack ‘ (ziemlich grosse) Wegstrecke ’ (I D . 9, 1600 f.) hilft nicht weiter. Welches Lemma genau hier vorliegt, ist unklar. Schranni Schranni ist zu schwdt. Schrann II, Schranne(n), Schrande (n), Schränne(n) f., in Flurnamen ‘ Felsritze, Berg-, Felsenschrunde, Gletscherspalte ’ , ‘ nacktes Gestein, Felsweg, mhd. schranne f. ‘ Schrunde, Felskluft ’ (I D . 9, 1622 ff.; Z INSLI 1946, 337) zu stellen. Das HL ist nur dreimal belegt. Ein Simplex im Diminutiv ist ts Schranni ‘ das felsige Gebiet ’ (Bellwald). Dazu kommt in Binn 1844 Schrannen-Graben ‘ der Graben im felsigen Gebiet ’ und in Bitsch Schränniwald ‘ der Wald im felsigen Gebiet ’ (FLNK). Die Herkunft des HL ist unklar. Schrapf Schrapf m. ist zu schwzdt. Schrapf m., Schrapfe n , Schrapfa f., Dim. Schrapfji ‘ Stelle, wo ein kleiner Wassergraben von der Hauptleitung (Suen) abzweigt ’ und wdt. Schrapf ‘ Wasser-Verteilleitung (kleine, quer zur Suon) ’ (I D . 9, 1652; G RICHTING 1998, 179) zu stellen; vgl. auch B ELL- WALD / W ÜRTH (2006, Abschnitt 5.3.1). Als Flurname tritt das HL selten auf. im Schrepff (1784, Bratsch; 1795 in Schrepff) ist wohl ein Plural und meint ‘ das Gebiet mit Abzweigungen aus einer Wasserleitung ’ . auff den Schrapffen (1702, Ausserberg) ist ebenfalls Plural, aber nicht umgelautet, mit der Deutung ‘ auf dem Gebiet mit Abzweigungen aus einer Wasserleitung ’ . Mit adjektivischem Attribut ist belegt t Heeju Schräpf ‘ die hohen Abzweigungen aus einer Wasserleitung ’ (Gampel). Breggischrapff (1756, Niedergesteln) meint ‘ die kleine Abzweigung von der Brägi-Wasserleitung ’ . t Schrapphaalta (Bitsch) müsste laut Gwp. eigentlich “ Schrapfhalta ” heissen und meint eine ‘ Halde mit Schrapfen (Wassergräben) ’ . Die Belege zeigen, dass der Plural des HL mit oder ohne Umlaut auftreten kann; auch ist ein sekundärer Ausgleich zu Schrepf im Singular nicht ausgeschlossen (cf. oben Beleg bei Bratsch). Schratt Schratt ist zu schwdt. Schratt, Schratte(n) m. f. pl., ‘ Riss, Spalte; enge Kluft im (Kalk-)Gestein; Felsklüfte ’ (I D . 9, 1672 f.; Z INSLI 1946, 337) zu stellen; in pluralen Formen ist unklar, ob das HL maskulin oder feminin ist. Bei G RICH- TING (1998) fehlt das Wort. Das Simplex der / die Schratt kommt in rund zehn Gemeinden vor; gemeint sind enge Felsklüfte oder Risse in den Felsen. Die Form der Schrattä ist in Blatten und Ferden vertreten. Schratte (wohl Plural) ist in Betten und Gluringen bezeugt. Ein historisch belegtes am Sratte ‘ am Schratten (Felskluft) ’ kommt 1390 in Ried-Brig vor. Als Diminutive sind belegt ts Schratti (Fiesch, Oberwald), ts Schrattji (Naters, mehrfach), ts Schraggji (Mund). Unklar ist t Schrättjini ‘ die kleinen Felsklüfte ’ ), das historisch als jm Schretz (1621) und bei FLNK als Schrätz erscheint, ein Wort, das sonst nicht belegt ist. Mit attributiven Adjektiven der Lage finden sich ts Hinner Schratte ‘ beim hinteren Teil des Schratten (Felskluft) ’ (Fieschertal), zum Obru Schratt ‘ beim oberen Teil des Schratt (Felskluft) ’ (Törbel), zum Undru Schatt ‘ bei unteren Teil des Schlatt (Felskluft) ’ (Törbel), ts Voder Schratte ‘ beim vorderen Teil des Schratten (Felskluft) ’ (Fieschertal). Als Adjektiv oder als Genitiv Plural kann ts Heggdorner Schrattji ‘ die kleine Felskluft beim Weiler Hegdorn (Naters) ’ (Naters) auftreten. Ein präpositionales Attribut weist underim Schrattä ‘ unter dem Schratte (Felskluft) ’ (Ferden) auf. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Blatta, Brigga, Egg(a), Färich, Gassa, Grabu, Hubel, Schluocht, Sidel, Steg, Suon, Wäg, Wald und Wasser. Komplexer sind: an den Schrattwassergraben ‘ beim Graben mit dem Schrattwasser (Bach von den Schratten (Felsklüften) her) ’ (1792, Ulrichen), die Schratwasserlischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras beim Schrattwasser ’ (1824, Ulrichen), Sratwyngarto ‘ der Weingarten beim Schratt (Felskluft) ’ (1327, Naters) und andere. Schragen 119 120 <?page no="879"?> Schrätz Schrätz ist nur belegt als t Schrätzbriggu ‘ die Brücke über den Wasserfall ’ (Gampel). Das HL ist wohl als Alternative zu schwdt. Schr ǟ je n ‘ Wasserfall ’ und wdt. Schrääja, Schrääjä (Goms), Schreeja (Zermatt und Lötschtal), Schreeja ‘ Wasserfall ’ (I D . 9, 1440; G RICHTING 1998, 179) zu stellen. Die Form ist verbunden mit schwdt. Str ǟ z ‘ hervorbrechender Strahl einer Flüssigkeit, Guß ’ (I D . 11. 2465), sodass das aulautende / j/ durch / tz/ ) ersetzt wurde. Schriber Schriber m. ‘ Schreiber ’ ist zu schwdt. Schriber ‘ wer schreiben kann; Schreiber von Berufs oder Amts wegen ’ (I D . 9, 1530) zu stellen. G RICHTING (1998, 179) kennt nur das Verb für ‘ schreiben ’ . Von den drei Belegen ist des Schriber Nellen Alpgut ‘ das Alpgut des Schreibers Nellen ’ (1741, Greich) als Amtsbezeichnung zu verstehen. In ts Schribisch Brunni ‘ die kleine Quelle / der kleinen Brunnen ’ des Schribi (Beiname) ’ (Törbel) kann jemand gemeint sein, der mehr oder weniger berufsmässig schreibt. Im Beleg jn der Schribenmattun ‘ in der Wiese des Schreibers ’ ist vermutlich eine Wiese gemeint, deren Ertrag dem (Berufs- oder Amts-) Schreiber zustand. Schrigg Schrigg ist ein unklares HL, das nur in Schriggbodo ‘ der Boden der Alpe Schrigg ’ (Ried-Brig) und dem dazu gehörenden Schriggleiber ‘ die Gebiete mit Laub bei der Alpe Schrigg ’ (1629, Ried-Brig) belegt ist. I D . (9, 1608) führt den Alpnamen ‘ Schrick-Boden ’ oberhalb Berisal auf und stellt es versuchsweise zu Schrëck (I D . 9, 1607) in der Bedeutung ‘ Spalte ’ . Das HL ist sonst in den Wörterbüchern nicht belegt, sodass keine sichere Deutung gegeben werden kann. Schriss Schriss m. kommt nur mit dem Präfix umzweimal in der Umschriss ‘ wo der Wald zu Boden gerissen wurde ’ (Grengiols) und einmal in im Umschrisstoli ‘ in der kleinen Mulde, wo der Wald zu Boden gerissen wurde ’ (Grengiols) vor. Das HL ist zu schwdt. Schriss m. ‘ das Zerreissen, Reissen, Zerren, insbes. einzelner, heftiger Zug ’ (I D . 9, 1658 ff.) und schwdt. umschrîsse n ‘ zu Boden reissen ’ (I D . 9, 1664), daraus schwdt. Umschriss m. ‘ das zu Boden Reissen, wo etwas zu Boden gerissen wurde ’ zu stellen. G RICHTING (1990, 180) kennt nur Schriss ‘ Riss ’ für das Saastal. Schroota Schroota f. ist zu schwdt. Schr ō te n f., m. ‘ Werkzeug zum Schroten (Abstechen, Zerkleinern) ’ , ‘ (durch Schnitt zweier Linien sich ergebender) Winkel, Ecke ’ , ‘ spezielle Abteilung des Stadels ’ , ‘ Winkel auf Landgütern ’ , ‘ enge, einsame, schattige Stelle ’ , auch ‘ enger, zumal überbrückter Durchgang ’ (I D . 9, 1687 ff.) und zu wdt. Schroota, Schrootä (Goms), Schrootu ‘ Abteil (Geteilenscheune) ’ , Holzablage, Zimmerecke; Häckselmesser (G RICHTING 1998, 180) zu stellen. Z INSLI (1984, 583) verweist auf I D ., hat aber auch S. 270, Anm. 88 ‘ Geländeeinschnitt ’ für Schrooti. URNB (3, 135) nimmt für FlN ‘ winkelbildende Stelle, Stelle in einem Winkel ’ an. LUNB (1, 2, 926 f.) sieht in FlN auch die ‘ Bezeichnung abgeholzter Waldstücke ’ . In der Datenbank wird normalerweise ‘ Geländeeinschnitt ’ verwendet; das Gelände sieht aus, wie wenn ein Einschnitt gemacht worden wäre. Ausgenommen ist das einmal belegte Gschroot ‘ das Schrot (zum Schiessen des Wildes) ’ (I D . 9, 1686) in Gschrootwägji ‘ der kleine Weg, wo mit Schrot (auf Füchse) geschossen wurde ’ (Hohtenn, nach der Gwp.). Der Namenstyp fehlt nur im Bezirk Leuk. Die meisten Belege enthalten das Simplex im Singular als Schroota oder ähnlich (zehn Belege) oder im Plural als Schroote oder ähnlich (acht Belege). Schriftlich sind mehrere Schroten oder Schrotten belegt. Je einmal kommen die Diminutive im Singular ts Schroottji (Zeneggen) und t Schrootjini (Randa) vor. In Eyholz (auch für Visp belegt) ist t Schrote der Name eines Dorfteils. Mit attributiven Adjektiven zum HL sind belegt: di Gaaltu Schroote ‘ die unfruchtbaren Geländeeinschnitte ’ (Täsch), t Obru und t Undru Schrote (St. Niklaus), in den Spaten Schroten ‘ in den späten (blühenden, zu mähenden) Geländeeinschnitten ’ (1795, Bitsch), in den Vndren Schrotten ‘ in den unteren Geländeeinschnitten ’ (1685, Naters). Einen vorangestellten FaN weist t Michligschroota ‘ der Geländeeinschnitt der Familie Michlig ’ (Ernen) auf. Komplexere Formen zeigen der Hinner Schrooturigg und der Voder Schrooturigg ‘ der hintere Teil und der vordere Teil des Rückens beim Geländeeinschnitt ’ (Täsch). Als Bestimmungswort kommt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Acher, Bodu, Brunnu, Egg(a), Gufer, Schiir, Wald und Wasser. Schröter (FaN) Schröter ist ein FaN, meistens entrundet zu Schreter. Es handelt sich um eine seit dem 14. Jh. in Eischoll vorkommende Familie, die im 16. Jh. auch in Gampel, Raron und Leukerbad, im 17. Jh. in Unterbäch beurkundet ist (AWWB 237). Einige der Simplizia vom Typ Schredre (Greich) (aber auch Schrederputz ‘ der Tümpel der Familie Schröter ’ (Greich)), in den Schrettern (1849, Bellwald) und Sredron (1509, Turtmann, unsichere Lesung) sind nicht 121 122 Schröter (FaN) <?page no="880"?> sichere Belege, die sich auch auf den Beruf ‘ Holzhauer ’ (I D . 9, 1700 s. v. Schr ȫ ter) zurückführen liessen. In Eischoll gibt es um ze Schreetru ‘ zum Gebiet, das der Familie Schröder gehörte ’ herum ein Namennest mit Schreeteralpji, Schreeterrüüs (auch Niedergesteln), Schreeter Mattu und Schreeter Weide. In Gampel gibt es an Schrötter Fúren (1784) ‘ an den Furchen der Familie Schröter ’ und Schreeterlitschuggu ‘ der Fels der Familie Schröter ’ , wobei die Diminutivform Schreeterli umgangssprachlich ist. Ebenfalls umgangssprachlich ist der Schreetistutz ‘ steiler Weg des Schröter / der Familie Schröter ’ (Albinen); bei dieser Form fällt das auslautende -er weg und wird ersetzt durch -i - eine bekannte Kurzform der Familiennamen (z. B. ts Kämpfi ‘ der Herr Kämpfen ’ ). Schrundy Schrundy ist nur 1711 in Leuk als im Schrundÿ ‘ beim kleinen Schrund ’ belegt. Es handelt sich um ein Diminutiv auf I - (SDS 3, 155) oder - JI (< -li mit Palatalisierung) zu schwdt. Schrund m., Schrunde n f. ‘ (durch Aufspringen, Bersten entstandene) Spalte, Ritze; lange, tiefe Fesspalte, Kluft, Abgrund ’ , ahd. scrunte, mhd. schrunde f. (I D . 9, 1627 ff.). G RICHTING (1998) kennt das Wort nicht, es ist aber in I D . für das Oberwallis als maskulin bezeugt; vgl. auch Z INSLI (1946, 338). Schu Schu ist in Varen 1714 als schu les maison und 1728 als schu les maisons belegt; es handelt sich um einen Weinberg. Das HL ist wohl zu su ‘ oberhalb ’ (zu lat. sursum ‘ aufwärts ’ ) (B RIDEL 1860, 360; B OSSARD / C HAVAN 2006, 94) zu stellen und meint dann ‘ oberhalb der Häuser ’ . Schubun Schubun ist 1411 in Raron als Schubunmatta neben einer Stadlermatta erwähnt. In Unterems ist 1682 in der Hindren Schüben belegt. Letzteres ist ein Dativ Singular des Feminins. Beide Fälle sind unklar. Beide Belege meinen ein Stück Wiese. In Raron kann Schubun der Genitiv eines Besitzernamen sein, der aber nirgends belegt ist. Im Fall von Unterems ist eine Hyperkorrektion zu Schiibu ‘ Scheibe ’ (cf. HL S CHIIBA ) möglich, das in Unterems als t Schiibu belegt ist. Schudangnen Schudangnen ist in Leuk 1793 als in der Schùdangnen Mihle ‘ in der Mühle beim Gebiet Tschüdangna (warme Quelle) ’ belegt und in Varen 1821 als ad fontem molendini de Schudanne ‘ (lat.: ad fontem molendini) beim Mühlenbach bei der warmen Quelle (Schudanne) ’ . In beiden Fällen ist Schudangnen zu lat. calidus warm (FEW 2, 87 ff.) zu stellen, insbesondere als chaudanne ‘ warme Quelle ’ . Cf. HL T SCHÜDANGNA . Schüel Schüel f. ‘ die Schule ’ ist zu schwdt. Schuel, wdt. Schüel, Schüöl (Saastal), Schuäl (Lötschtal), Schüol wie nhd. ‘ Schule ’ (I D . 8, 602 ff., G RICHTING 1998, 185) zu stellen. Das HL tritt nur als Bestimmungswort auf. Die meisten Belege sind zum Kompositum ts Schuelhuis ‘ das Schulhaus ’ (Simplon, Zwischbergen) und beim Schüelhüs ‘ beim Schulhaus ’ (Stalden) mit den Erweiterungen der Schüelhüsstutz ‘ der steile Anstieg beim Schulhaus ’ (Biel), der Schüelhüsplatz ‘ der Schulhausplatz ’ (Brig), der Schuelhuisplatz ‘ der Schulhausplatz ’ (Zwischbergen), t Schüelhüsstraass ‘ die Schulhausstrasse ’ (Raron) verbunden. J ORDAN (2006, 113) kennt für Simplon Schuolhuis und Schuolhuisplatz, S. 309 f. für Zwischbergen Schuolhuis und Schuolhuisplatz und S. 326 für Zwischbergen noch einmal Schuolhuis für das ältere Schulhaus. Andere Belege sind t Schüeleie ‘ die Auen, deren Ertrag der Schule zugute kam ’ (Obergesteln; heute Golfplatz), ts Schuälgand ‘ die Geröllhalde, die dem Schulfonds gehörte ’ (Blatten), jn den Schuolmatten ‘ in den Wiesen bei der / für die Schule ’ (1744, Gampel) und únter den Obern Schúlmatten ‘ unter den oberen Wiesen bei der Schule / für die Schule ’ (1829, Leuk); hier kann es sich um Wiesen handeln, deren Ertrag der Schule zukam. Schüelerra Schüelerra f. ist nur als t Schüelerra, t Ober und t Under Schüelerra (alle Baltschieder) belegt. Die Flur befindet sich in der Rottenebene, auf der linken Seite des Flusses. Die Ableitung auf - ERRA meint sonst häufig eine Wasserleitung, doch ist hier entweder eine Ableitung zum Appellativ Schüel ‘ Schule ’ oder zum FaN Schuler gemeint. Im ersten Fall geht es um eine Flur, deren Ertrag der Schule (von Baltschieder) zu Gute kommt, im zweiten Fall um ein Gut der Familie Schuler. Einen solchen FaN kennt NWWB (2, 203), aber nicht für Baltschieder. Beide Deutungen sind möglich. Schuf Schuf ist nur 1390 in Ried-Brig als Schufbort und 1398 als Schupphbort belegt. Das Grundwort ist zum HL B ORT zu stellen. Das Bestimmungswort gehört wohl zu Schupf ‘ kleiner, überhängender Felsen ’ (schwdt. Schupfen (I D . 8, 1091 f., Bedeutung 2), also ‘ das Bord (Abhang, Böschung) beim kleinen, überhängenden Felsen ’ . Schrundy 123 124 <?page no="881"?> Schülier (FaN) Schülier (FaN) kommt in ts Praaschülier (Varen) vor. Die ältesten Belege haben in prato Solier (1453), ab 1642 en pra Schullier. Es handelt sich um einen FaN, heute in Varen Julier geschrieben (AWWB 137) (cf. HL S OLIER (FaN)). Zum Flurnamen gehört auch Praschullier Wasserleiten (1709, Erschmatt). Schumacher (FaN) Schumacher (FaN) ist der FaN Schumacher, Schuhmacher, Suter, Sutor, Calceator, eine alte, erloschene Familie, vom Handwerk abgeleiteter Name (AWWB 237). Belegt sind vorangestellte Genitive Plural der kollektiven - IG -Ableitung: in Schu ͦ machrigo Eÿen ‘ in der Aue der Familie Schumacher / der Leute des Schuhmachers ’ (1592, Visp), in Schuomachrigo Grund ‘ im Grund der Familie Schumacher / der Leute des Schuhmachers ’ (1564, Eyholz; 1643, Raron) und lat. sÿlua Schu ᵕ omachrigo ‘ der Wald der Familie Schumacher / der Leute des Schuhmachers ’ (Eggerberg). Nur einmal belegt ist das HL als Bestimmungswort in ts Schüemacherloch ‘ das Loch des Schuhmachers / der Familie Schumacher ’ . Schunck Schunck ist nur 1666 als vom Schunck ‘ vom Felsen an ’ die Rede; beschrieben wird der Lauf einer Wasserleitung namens Staldneri, die von Embd über den Schunck bis in den Totgraben geht. Das Nomen Schungge n ‘ Schinken ’ (I D . 8, 929 f.) ist wohl nicht gemeint. Die Schreibung könnte zu schwdt. Tschugge n ‘ Felsblock, Felskopf ’ und wdt. Tschugge, Tschuggä (Goms), Tschugga (Mattertal), Tschuggn (Lötschtal), Tschuggu ‘ Fels, Felsblock ’ (I D . 14, 1718; G RICHTING 1998, 200; Z INSLI 1946, 316) gehören; das inlautende / n/ wurde wohl in Anlehnung an das Staubsche Gesetzt (n-Tilgung mit Ersatzdehnung vor Affrikata) falsch eingesetzt. Schunery Schunery ist nur 1783 in Albinen als jn Schunerÿ belegt und als Stück Wiese bezeichnet. Es ist unklar, ob der Flurname deutsch oder romanisch ist; die späte Abfassungszeit deutet zwar eher auf einen deutschen Flurnamen hin, aber Aussprache und Form sind unsicher. Weitere Belege fehlen. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Schüppla Schüppla ist nur als t Schüppla (Leukerbad) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 7, Nr. 17 und Blatt 10, Nr. 14) kennt es als Tschüpplang. Es handelt sich um Wiesen westlich von Leukerbad, ausserhalb der bebauten Zone. G. P AN- NATIER (p. c.) meint, es könnte sich um ein Nomen ‘ chuplòn handeln. Im Wörterbuch von Evolène (F OLLONIER - Q UINODOZ 1989, 56) ist nur das adjektivische Partizip chuplà, chublà ‘ Brûlé par le soleil ou un incendie ’ erwähnt, also etwa dt. Brand. Das von R. G RICHTING erwähnte Tschüpplang enthält ursprünglich einen auslautenden Nasalvokal, der bei M. S. und bei F OLLONIER - Q UINODOZ nicht bezeugt, aber von G. P ANNATIER erwähnt ist. Eine entsprechende Form findet sich jedoch nicht. Schur Schur ‘ Bergwald ’ ist zum weit verbreiteten rom. Lexem Jour- ‘ Bergwald ’ (Djeur, Djor, Jeur in B RIDEL 1866, 116; *J OR bei T AGMANN (1946, 23); Jeur und diverse Varianten bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 161)) zu stellen, das auf einen urspr. kelt. Stamm jurzurückgeführt wird. Belegt ist t Schura f. (Inden). In Albinen ist 1713 im pra de la schur ‘ bei der Wiese am Bergwald ’ , ebenfalls f. belegt. In Varen ist 1709 ÿ schuramischong und 1710 in schuromischong ‘ der Bergwald beim Haus ’ belegt (cf. HL M ISSONG ). Vermutlich gehört hieher auch Pradischü ‘ Wiese im Bergwald ’ (Leukerbad) mit der Palatalisierung von Schu zu Schü. Varianten ohne schliessendes / r/ sind bei B OSSARD / C HAVAN (2006, 161) erwähnt. Schurrtig Schurrtig m. ist der Name kleiner Wiesen, die Bergheu liefern, bei Randa. Dazu gehört auch Schurtiggädi ‘ der kleine Gaden beim Schurtig ’ . Vermutlich zum gleichen Stamm gehört in den Schu ᵕ rtten Riggen ‘ auf den Schurten- Rücken ’ (1860, Steg). Wenn das HL zu Schurt ‘ Tonsur ’ , resp. schurte n ‘ beschneiden, stutzen ’ (I D . 8, 1312) zu stellen ist, würde es sich etwa als ‘ geschorenes, gemähtes Gebiet ’ verstehen lassen. Diese Deutung ist aber unsicher. Schuss - Schutz Schuss m., auch Schutz m. ist zu schwdt. Schutz m., Pl. Schütz, Dim. Schützli, wesentlich wie nhd. ‘ Schuss; schnelle (ruck-, stossweise) Bewegung ’ , ‘ Stoss ’ , von Flüssigkeiten ‘ Wasserguss, Strahl ’ , ‘ (kleine) Entfernung ’ , ‘ Wasserfall, reissender Strom ’ , amhd. sc(h)uß, -z und wdt. Schuzz ‘ Zeitraum, Sicherheit, Menge ’ , ‘ Gewehrschuss ’ (I D . 8, 1695 ff.; G RICHTING 1998, 186, der die beiden Bedeutungen getrennt gibt) zu stellen. Das HL wird hier vom HL S CHITZU getrennt, obwohl beide zum Verb schiesse n (I D . 8, 1357 ff.) zu stellen sind. In einigen Fällen kann auch Schutz (I D . 8, 1751 ff.) ‘ Schutz ’ zu ‘ schützen ’ gemeint sein (vgl. HL S CHUTZ ). So ist ein Diminutiv Schu ͦ tzlin 1392 für Ried-Brig belegt; gemeint ist wohl eine kleine Schutzvorrichtung. Auch in dien Schutzmatton (1398, Termen) meint eine 125 126 Schuss - Schutz <?page no="882"?> Wiese mit einer Schutzvorrichtung für die Tiere vor dem Wetter. Die andern Belege sind Schussbach ‘ der schnell fliessende Bach ’ (Zermatt) und der Schutzbach (1551, Zermatt), ts Schussbächi ‘ der kleine, schnell fliessende Bach ’ (Saas-Balen) und die Alternative ts Schutzbächi (Saas- Balen), t Schusslobina ‘ der steile, schnelle Lawinenzug ’ (Zermatt), t Schutzlowwina ‘ der steile, schnelle Lawinenzug ’ (Randa), sowie bim Schutzchännu ‘ beim Schuss- Kännel (wohl Teil der schnell fliessenden Binna) ’ (Binn). Die Bedeutung ‘ Gewehrschuss ’ ist nicht belegt. Schuterella Schuterella ist nur 1610 in Varen als a la schuterella belegt. Alternativer Name ist v contor (cf. HL G ONTOR ). Der Eintrag stammt aus einem Kopialbuch, ist also wohl jünger als 1610. Der Name kann zu frz. sauterelle ‘ Heuschrecke ’ gestellt werden, vgl. FEW (11, 112 ff. s. v. saltare tanzen, bes. S. 117 s. v. Heuschrecke). Eine diminutive Ableitung auf - ELLA (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) zu FEW (12, 357 ff. s. v. s ŭ bstare standhalten) auf S. 358 mit der Bedeutung frz. abri ‘ Schutzraum, Unterschlupf ’ ist nicht belegt und wird an der betreffenden Stelle kaum anzunehmen sein. Schuttel Schuttel ist 1388 in Ried Brig in in die Schuttel Ledin belegt. Das Lemma ist in dieser Form nicht belegt, aber als nominale Ableitung wohl zum Verb schwdt. schütte n ‘ wie nhd. schütteln ’ , wdt. schitte, schittä (Goms), schittn (Lötschtal), schittu ‘ schütteln, rütteln, giessen, regnen ’ (I D . 8, 1539; G RICHTING 1998, 171) zu stellen. Die nähere Bezeichnung der Ledi ‘ Ladeplatz ’ dürfte also wohl als ‘ wo man etwas ausschüttet ’ sein. Schutz Schutz m. ist zu schwdt. Schutz m. abstrakt wie nhd. ‘ Schutz ’ , ‘ Schutzdach, -stall, -hütte, -mauer auf höheren Alpen für das Weidevieh ’ , mhd. schuz (I D . 8, 1751 ff.) zu stellen. Bei G RICHTING (1998, 186) findet sich u. a. wdt. Schuzz als ‘ Sicherheit ’ (neben anderen Bedeutungen). Das auch belegte schwdt. Schutz ‘ Schuss ’ und wdt. Schuzz ‘ Gewehrschuss ’ (I D . 8, 1695 ff.) sind unter dem HL Schuss - Schutz behandelt; kommen aber in FlN nicht vor. Zum HL S CHUTZ sind nur belegt: im Windschutz ‘ im Windschutz ’ (Raron), t Naturschutzhitta ‘ die Naturschutzhütte ’ (Ried-Mörel) und t Naturschutzmüüra ‘ die Mauer zwischen Naturschutzgebiet und Alpgebiet ’ (Ried-Mörel). Schüüfla Schüüfla f. ‘ Schaufel ’ ist zu schwdt. Sch ū fle n , Schufle n f. ‘ Schaufel ’ , ahd. sc ū vala, sc ū fla, mhd. sch ū vel, sch ū fel(e) und wdt. Schüüfla, Schüüflä (Goms), Schuifla (Lötschtal), Schüüflu ‘ Schaufel ’ (I D . 8, 382 ff.; G RICHTING 1998, 186) zu stellen. In FlN wird die Form des Geräts auf die Geländeform übertragen (URNB 3, 62; LUNB 1, 2, 929 f.). Das HL kommt in rund 40 Namen vor. Das Simplex im Singular ist als t Schüüfla oder mit Präpositionen wie a der, üf der, zer Schüüfla / Schüüflu zwölf Mal, im Plural uf de Schüüfle (Binn) und ähnlich sechs Mal vertreten. Historische Belege wie in dien Schuflon ‘ in den Schaufeln (Geländeform) ’ (1390 u. später, Naters) sind hier eingeschlossen. Wohl ein Verschreiber liegt 1302 im Beleg an der Suflun vor, das auch etwa in Geschinen 1349 als dy Suflen erscheint. Einen Sonderfall stellt Schu ͦ fflen (1400. Brigerbad) dar; die Notierung mit {u ͦ } legt einen Diphthong / uo/ nahe, der in schwdt. Schueffe n ‘ Schöpfgefäss ’ (I D . 8, 393 ff.) belegt ist; allerdings gibt es keine Angabe für das Wallis; das Wort fehlt auch in G RICHTING (1998) und bei R ÜBEL (1950). Es dürfte sich also um eine Abweichung vom HL S CHÜÜ- FLA handeln. Der Diminutiv Singular ist als ts Schüüfelti (Baltschieder), ts Schüüfolti (Eggerberg), Schuffeltin (1443, Zermatt), im Schauffolti (1691, Bürchen mit späteren Varianten) vertreten. Zwei Belege weisen attributive Adjektive auf: zer Indru Schuiflu und zer Uistru Schuiflu ‘ bei der inneren und bei der äusseren Schaufel (Geländeform) ’ (Ferden) auf. Die übrigen Belege betreffen das HL als Bestimmungswort zu folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Grabu, Matta, Rüüs, Tola, Tschugge und Wald. Komplexer sind: Schu ͦ ffelwasserleyta ‘ die Wasserleitung von / zu der Schaufel (Geländeform) ’ (1400, Brigerbad; zum Problem mit {u ͦ } siehe oben) und t Schúnfelwasserleÿtta ‘ die Wasserleitung von / zu der Schaufel (Geländeform) ’ (1563, Mund) - letzteres wohl mit der Herstellung einer dem Staubschen Gesetz zugrundeliegenden, hyperkorrekten Form Schunfel statt Schuufel. Schvaichel Schvaichel, auch Schweichel ist die Form unter Einfluss des Staubschen Gesetzes (n-Ersatzdiphthongierung vor der Verbindung / nk/ ), die schwdt. Schwänkel m., mhd. swenkel (I D . 9, 2002 f.) annimmt. Im den Oberwalliser Dialekten häufig in der Bedeutung ‘ Vorhang ’ (cf. Schwenkl, Schwenkäl (Goms), Schwenkul (Mattertal), Schwenkel (Saastal), Schwänkil ‘ Vorhang ’ bei G RICHTING 1998, 187). Das HL kommt nur an einer mehrfach belegten Stelle als Schvaichel Loch (1852, Hohtenn, Steg) und Schweichel- Schuterella 127 128 <?page no="883"?> loch (1852, Niedergesteln) vor. Die genaue Deutung von Schvaichel / Schweichel ist unklar; die Belege aus I D . und G RICHTING führen nicht weiter. Schwaarb (FaN) Schwaarb (FaN) ist als tsch Schwaarbschachra ‘ die Äcker der Familie Schwarb / Schwab ’ (Eggerberg, EK Schwabs Acher, FLNK Schwabsch Achra) belegt. Es handelt sich vermutlich um einen FaN, wie der Genitiv belegt. Unklar ist, ob M. S. mit Schwaarbsachra oder FLNK (und EK) mit Schwabsch Achra recht hat. In Ergisch (Nr. 42116) ist ts Schwabsch Acher (cf. HL S CHWAB (F A N)) belegt und im Register zu den HRBS ist Schwaben als FaN mehrfach belegt. Es dürfte sich also um den FaN Schwab und nicht um Schwarb handeln. Schwab (FaN) Schwab (FaN) kommt als ts Schwabsch Acher ‘ der Acker der Familie Schwab / des Schwaben ’ (Ergisch) vor. Ein Beleg von 1767 in Ergisch hat jedoch auf Schwarbacker. Umgekehrt haben die zu tsch Schwaarbschachra (Eggerberg) gestellten Belege von EK Schwabs Acher und FLNK Schwabsch Achra. Vermutlich dürfte also der FaN Schwab verbreiteter sein als Schwaarb. Belegt ist sonst nur Schwaben im Register der HRBS.; zur weiteren Diskussion siehe HL S CHWAARB (F A N). Schwäfel Schwäfel m. ‘ Schwefel ’ ist zu schwdt. Schwëbel, Schwëfel m. ‘ Schwefel ’ , ahd. swëbal, mhd. swëbel (I D . 9, 1725 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 186) kennt nur das Verb schwäflu ‘ Reben mit Schwefelpräparat spritzen ’ ). Das HL ist nur als Bestimmungswort belegt, vor allem in Schwebell Brunnen ‘ die Quelle mit Schwefel ’ (1520, Geschinen), der Schwäfelbrunne ‘ die Quelle mit Schwefel ’ (Ulrichen) und beÿ dem vndren Schwebelbrúnen ‘ bei der unteren Quelle mit Schwefel ’ (1741, Ritzingen). Die Belege zu die Schwäbel Lyschen ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras beim Schwefelbrunnen ’ (1619 u. später, Ulrichen) zeigen, dass sich die Lischa bei der Quelle befand. ts Schwäfelbord ‘ das Bord mit Schwefel (Abhang, Böschung) ’ (Glis) ist unklar; vermutlich war auch hier eine Schwefelquelle vorhanden. Schwalbun Schwalbun ist als Bestimmungswort in tsch Schwalbungräbji ‘ der kleine Graben mit (Berg-)Schwalben ’ (Hohtenn, Steg; die beiden Namen bezeichnen den gleichen kleinen Graben) und Schwalbunäscht ‘ Schwalbennest ’ (FLNK, Albinen) belegt. Es ist zu schwdt. Schwalw(e(n)), Schwalb, Schwalbe(n) f. ‘ Schwalbe ’ , ahd. swalwa, mhd. swalwe, swalbe swf. und wdt. Schwalba, Schwalbä (Goms), Schwalbu ‘ Schwalbe ’ (I D . 9, 1805 ff.; G RICHTING 1998, 186) zu stellen. Der Name in Albinen bezieht sich wohl auf eine Geländestelle, die einem Schwalbennest gleicht. Schwall Schwall ‘ grosse Menge ’ ist belegt in tsch Schwaalgufer ‘ grosses Steingeröll ’ (Wiler). Sofern die Deutung stimmt, ist schwdt. Schwall, Schw ā l und wdt. Schwall (Flüssigkeitsmenge (grössere)) (I D . 9. 1808 ff.; G RICHTING 1998, 186) gemeint. Die übrigen Belege sind sehr unsicher: Schwaaldmatta ‘ die Schwaldwiese ’ und Schwaldmattuschiir ‘ die Scheuer bei der Schwaldwiese ’ (beide Kippel) lassen sich zu Schwaltweg (I D . 15, 845) stellen, doch gibt das Wörterbuch nur den Hinweis auf einen (ungedeuteten) Lokalnamen - der Weg des Gratzugs durch das Lötschental. Ebenfalls unsicher sind Schwallacher (1644 und 1656, Raron) und t Schwalimatte ‘ die Wiese des Schwali? ’ (Ulrichen). Die Deutungen blieben unklar. Schwamm Schwamm ist als Simplex nur in Ried-Brig (FLNK) Schwamm und als Bestimmungswort in ts Schwammwaldji (Täsch) belegt. Schwdt. Schwamm m. ‘ abgedorrter, noch aufrecht stehender Baumstamm ’ (I D . 9, 1854 f.), zum Verb schwdt. schwämme(n) ‘ einen Baum (der im Winter oder übernächsten Sommer gefällt werden soll, im Frühling) unten herum schälen, so dass er abstirbt ’ , Syn. schwänden (I D . 9, 1855 f.) ist nur für die östliche Schweiz belegt. Im Oberwallis kommt eher Schwumm III (I D . 9, 1870) in Frage, das auch als wdt. Schwamm, Schwumm ‘ Schwamm, Pilz ’ (G RICHTING 1998, 186) belegt ist. Gemeint ist wohl ein feuchter Boden, auf dem Schwämme und Pilze wachsen. Schwand Schwand m., im Oberwallis fast nur Schwenni f. oder Schwendi f., ist zu schwdt. Schwand ‘ Hau, Kahlschlag in einem Walde ’ , ‘ (nach der Talsohle abfallender, sich absackender) Teil einer Alp; spitz zulaufende Wiesenhalde; Sumpfwiese am Fuss und Abhang eines Berges, die nicht geweidet, sondern bloss gemäht wird ’ , ahd. swant m., mhd. swant, -des m. ‘ Verwüstung, Zerstörung, Aushau des Waldes ’ (I D . 9, 1928 ff; URNB 3, 147 ff.) zu stellen. Wie I D . (9, 1930) ausführt, ist das HL in Orts- und Flurnamen sehr häufig; meist wird es als Rodungsname verwendet, bei dem die Stämme geschwendet; d. h. ihre Rinde entfernt wurde. Die Form Schwenni f. ist durch den Prozess -nd- -> -nn- (cf. anner aus ander) aus Schwendi f. abgeleitet, das sich seinerseits als I -Ableitung zum Verb schwände n (I D . 9, 1939, Bed. 2) verstehen lässt. G RICHTING 129 130 Schwand <?page no="884"?> (1998, 187) kennt nur das Verb schwente, schwändu ‘ ausholzen ’ . Das HL ist in rund 30 Flurnamen vertreten. Schwand ist nur in Unterbäch (1688) als im Schwandt ‘ im durch Schwenden gerodeten Gebiet ’ belegt. Das Simplex im Singular erscheint als t Schwendi (Selkingen), in der Schwendi (1531, Münster), uf der Schwenndi (Reckingen), t Schwenni (Bellwald, Blitzingen, FLNK Mühlebach, Mund, Naters, Törbel, Täsch). Simplicia im Plural sind: t Schwännine (FLNK, Gärchen) und Zen Swendinen (1320 u. später, Termen). Als Diminutiv des Simplex ist belegt: ts Schwennili (Törbel). Mit attributiven Adjektiven kommen vor: die Mittlen Schwendi ‘ die mittlere Schwendi ’ (1519, Törbel), t Ober und t Unner Schwenni (Mühlebach, Täsch). Als Grundwort kommt das HL vor in di Bäruschwenti ‘ das geschwendete Gebiet, wo es Bären hatte ’ (Eyholz, FLNK Visp; gleiche Flur). Als Bestimmungswort kommt das HL in der Form Schwenni oder Schwendi mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Biela, Bord, Loch, Matta, Rigg, Schleif und Wald. Vereinzelt ist eine Form Schwendter (1504, Kippel), das nach I D . (9, 1946) einen Agenten ‘ wer auf der Alp das Schwenden besorgt ’ meint; in Kippel wird aber ein Stück Land (eine Egerda) so benannt, sodass wohl eher eine Stellenbezeichnung auf - ER gemeint ist (cf. S ONDEREGGER 1958, 541), also ‘ das Gebiet, wo die Bäume geschwendet wurden ’ . Schwännjig Schwännjig m. ist nur einmal in Zeneggen als der Schwännjig belegt. Es handelt sich um ein gerodetes Gebiet mit einigen Wirtschaftsgebäuden auf rund 1630 m. Der Flurname ist zu schwdt. Schwendling m. ‘ (infolge Entrindung unten rings um den Stamm) dürr gewordener (noch aufrecht stehender) Waldbaum ’ (I D . 9, 1935 s. v. Schwandele n , mit Verweis auf I D . 9, 1949; RN 2, 490) zu stellen (cf. HL S CHWAND ). Die wdt. Bildung geht auf das schwdt. Verb schwände n ‘ schwenden ’ , wdt. schwente, schwäntu ‘ ausholzen ’ (I D . 9, 1939; G RICHTING 1998, 187) mit der Entwicklung nd -> nn und der palatalisierten Ableitungssilbe - JIG (< hdt. -ling) (S ONDEREGGER 1958, 503 ff.) zurück. Schwannza Schwannza, laut vanne Schwanzu ein Plural, ist nur in als t Schwannza (Zermatt) belegt. Die Beschreibung sagt, es handle sich um Wald, Allmein, leichter Hang. <chrache>: Felsen-, Weide-, Felsenstreifen. Der Name Schwanz ist zwar in der östlichen Schweiz (TGNB 2, 2, 532 f.) gut belegt als Nominalisierung von ‘ hin- und herbewegen ’ ; in der westlichen deutschen Schweiz fehlt er aber. G RICHTING (1998, 186) kennt neben Schwanz ‘ Schwanz ’ auch schwanzu (Rarner Schattenberge) und schwanzä (Goms) als ‘ herumlaufen, Peitschen des Kuhschwanzes ’ , doch ist im ersten Fall der Plural mit / e/ oder / ä/ notiert, im zweiten Fall ist eine Herleitung unsicher. Dennoch könnte t Schwannza zum Verb schwanzu zu stellen sein, in der Bedeutung ‘ Ort, wo man herumläuft ’ . Diese Deutung ist aber sehr unsicher. Schwanz Schwanz ist nur 1757 in Simplon als in der Schwantzmatten ‘ in der Wiese von der Form eines Schwanzes ’ belegt. Das HL ist zu schwdt. Schwanz m. wie nhd. ‘ Schwanz ’ ( … ) in weiterem Sinne was einen Anhang, Abschluss zu etwas bildet, Ende, mhd. swanz, in FlN längliche, teils gewundene Grundstücke, die einen Anhang zu einer grösseren, regelmässig geformten Fläche bilden, länglich vorspringendes, allenfalls gewundenes Grundstück, Anhang eines Grundstücks und wdt. Schwanz ‘ Schwanz, Ende ’ (I D . 9, 2014 ff.; TGNB 2, 2, 532 f.; G RICHTING 1998, 186) zu stellen. Schwar Schwar ist in ts Schwarbach (Leukerbad) belegt, das als ‘ Gasthaus ’ bezeichnet wird und auf der Karte als Berghotel Schwarenbach erscheint. R. G RICHTING (1993, Blatt 27, Nr. 9) hat Schwarubach, das auch auf FLNK als Schwarubach vorkommt, auf LT und SK als Schwarenbach. Wenn die Deutungen stimmen, heisst die Gegend Schwarubach und das Restaurant oder heutige Berghotel ts Schwarbach oder Schwarenbach. Weiter hat M. S. der Schwarbachstutz (Leukerbad, FLNK Schwarubachstutz) und R. G RICHTING hat Schwarubachstutz (Blatt 28, Nr. 4 und Blatt 29, Nr. 13). Das naheliegende bernische Schwarzbach scheint keine Rolle zu spielen. Das HL ist wohl zu Schwarm (I D . 9, 2154), im Wallis als Schw ā ru oder Schwar belegt, ‘ eine Menge von Tieren z. B. ’ oder wdt. Schware, Schwäräm (Goms), Schwara (Zermatt), Schwaro (Schattenberge), Schwarm (Lötschtal), Schwaru ‘ Schwarm (Bienen, Vögel), Viehherde ’ (G RICHTING 1998, 186) zu stellen. Unklar bleibt das Grundwort Bach. Auf SK sieht man jedoch einen kleinen Bach, der bis zu einem See fliesst, in dessen Nähe sich das Restaurant befindet. Der Bach ist noch auf der LT von 1992 zu sehen, der See nicht mehr. Auf der neuesten LT ist auch der Bach verschwunden. Gemeint ist also ‘ der Schwarm-Bach ’ , wobei unklar ist, worauf sich Schwarm genau bezieht. Schwärtole Schwärtole f. ist nur in t Schwärtoluhaalta ‘ die Halde mit Schwärtole (I RIS GERMANICA ) ’ (Visperterminen) belegt. Es Schwännjig 131 132 <?page no="885"?> handelt sich um den Pflanzennamen Schwërt(e)le n ‘ Schwertlilie ’ (I D . 9, 2170; M ARZELL 2, 1020 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1296). Schwarz Schwarz ist zum schwdt. Farbadjektiv schwarz ‘ schwarz ’ , amhd. swarz und wdt. schwaarz ‘ schwarz ’ (I D . 9, 2171 ff.; G RICHTING 1998, 186) zu stellen. Es weist in FlN auf die dunkle Färbung der Erde, des Gesteins oder des Wassers hin. Auch Örtlichkeiten, die bewaldet waren oder / und im Schatten lagen und deshalb dunkel erschienen, konnten mit dem Adj. schwarz charakterisiert werden (LUNB 1, 2 ,968 ff.). Das Adjektiv (flektiert oder unflektiert; in Komposita oder als Attribut) und seine Ableitungen kommen in rund 220 Flurnamen vor. Das attributive Adjektiv kommt unflektiert in Belegen wie der Schwarz Acher ‘ der schwarze Acker ’ (Agarn, Turtmann) vor, wobei aber eine oblique Form flektiert erscheinen kann, wie vam Schwarzu Acher ‘ vom schwarzen Acker ’ (Agarn) oder jm Schwartzen Acher (1636 u. später, Unterems). Manchmal unterscheidet nur die Schreibung von Attributen wie der Schwarz Bach ‘ der schwarze Bach ’ (Ried-Mörel, Visperterminen und weitere) vom Schwarzbach ‘ der Bach, der im Schwarzgletscher entspringt ’ (FLNK, Leukerbad). Ein eigentliches Namennest ist in Saas-Almagell mit der Schwarz Bärg ‘ der schwarze Berg (Alpe) ’ , der Schwarz Bärgbach ‘ der Bach, der von der Alpe Schwarzberg herunterfliesst ’ , der Schwarzbärgchopf ‘ der Felskopf oberhalb der Schwarzbergalp ’ , der Schwarzbärggletscher ‘ der Gletscher unterhalb des Schwarzberghorns bei der Alpe Schwarzberg ’ , t Schwarzbärghitte ‘ die (Alp-)Hütten auf der Schwarzbergalp ’ , ts Schwarzbärghoru ‘ das Schwarzberghorn (Gipfel oberhalb der Schwarzbergalp) ’ (auch in Zermatt), Schwarzbärg Wiisstor ‘ das Weisstor beim Schwarzberg ’ (FLNK, Saas-Almagell; Schwarzbärgwiisstoor in Zermatt), Schwarzbärgalpu ‘ die Alp Schwarzberg ’ (FLNK, Saas- Almagell) belegt. Dieses Beispiel zeigt, dass die Unterscheidung von attributiver Fügung und Kompositum unklar ist, auch wenn in obliquen Formen unterschiedliche Konstruktionen erscheinen. Sicher flektierte Atttribute finden sich etwa in t Schwarze Bächini ‘ die kleinen, schwarzen (dunkeln) Bäche ’ (Oberwald, zweimal), bine Schwarze Brunne ‘ bei den schwarzen Quellen / Brunnen ’ (Blitzingen; ähnlich Niederwald) (gleiche Flur ist gemeint), vaner Schwarzu Eggu (St. Niklaus, zum Nominativ t Schwarz Egga) und viele andere mehr, die hier nicht im Einelnen aufgezählt werden können. Auch das häufig vorkommende ts Schwarzhore ‘ das Schwarzhorn (Gipfelname nach dunklem Fels; it. Punta Marani) ’ (Binn) erscheint als ts Schwarzhoren (Ferden, Wiler) und als ts Schwarzhoru (Saas-Fee, St. Niklaus, Törbel und andere), wobei sich die Namen nicht auf die gleichen Gipfel beziehen, historisch 1674 in Eischoll als das Schwartz Horen (Eischoll; ein Beleg von 1618 ist unsicher) und andere mehr. Häufig kommen auch Belege zu der Schwarz See ‘ der schwarze See (auf der Alpe Hermetje) ’ (Zermatt) oder der Schwarzsee ‘ der schwarze See (LT Lac noir; 1: 10000 Schwarzsee) ’ (Leuk) vor. Ebenso häufig ist der Schwarzwald ‘ der schwarze Wald ’ (Visperterminen) gegen dr Schwarz Wald ‘ der schwarze Wald ’ (Ferden; FLNK Schwarzä Wald). Hierzu gibt es eine Reihe von komplexeren Konstruktionen wie Inner und Uisser Schwarzwald ‘ der innere (taleinwärts liegende) und der äussere (talauswärts liegende) Teil des Schwarzwald ’ (Simplon), der Ober und der Unner Schwarzwald ‘ der obere und der untere schwarze Wald ’ (Eisten, Ergisch), wobei LT in Ergisch Undere Schwarzwald hat. der Schwarzwaldcheer (FLNK, Ergisch) meint eine (Weg-)Kehre im Schwarzwald. Eigenartig ist ts Schwarztor ‘ das Schwarztor (Übergang zwischen Pollux und Roccia Nera (beides Gipfelnamen)) ’ (Zermatt). Namen auf Tor sind selten (cf. HLL T OOR und T OR (rom.)). Eine Ableitung zu femininen Adjektivabstrakten auf - I (S ONDEREGGER 1958, 495) liegt in t Schwerzi ‘ das schwarze Gebiet ’ (Zermatt) und t Schwerrzi ‘ das schwarze Gebiet ’ (Randa) vor. Mit einem Umlaut sind weiter t Schwerzbedu ‘ die schwarzen Böden ’ (Zwischbergen; LT Schwarzbede) (Zwischbergen) (auch bei J ORDAN 2006, 204, der weiter Obrä und Undrä Schwerzbodu unterscheidet), der Schwerzigletscher ‘ der Gletscher bei der Schwerzi (schwarzes Gebiet) ’ (Zermatt), der Schwerz(e)rigg ‘ der geschwärzte Rücken ’ (Gampel) und der Schwerzture ‘ der Turm mit Schwärze (Felsturm mit schwarzem Gestein) ’ (Münster) belegt. Ein ganz isolierter Beleg erscheint 1309 in Gampel als Swarzinga. Das Gebiet, das ihnen gehört, wird als terram dictorum Swarzinga bezeichnet. Es handelt sich um eine kollektive - ING -Ableitung zu swarz, also ‘ die Leute des Schwarz ’ . Um 1300 handelt es sich kaum um einen FaN, sondern um eine Personenbezeichnung (jemand, der schwarze Haare oder eine dunkle Hautfarbe hat). Als Herkunftsort kommt das Adjektiv zwar auch in Frage, aber in Gampel ist das nicht belegt. In lateinischen Belegen erscheint die feminine Form nigra ‘ schwarz ’ für einige Belege, die nicht gesondert gekennzeichnet sind. 133 134 Schwarz <?page no="886"?> Schweggje Schweggje f., Plural, ist in Brig als t Schweggjie und in Ried-Brig als Schweggje (FLNK und LT) belegt, am gleichen Ort. Die ältesten Belege haben 1448 Schwedya (Ried-Brig) und 1532 Schwendia, 1543 Schwedia, 1578 Schwedgia (Brig). Am ehesten liegt hier eine vereinfachte Form von Schweig f. ‘ Viehherde, Viehweide ’ (I D . 9, 1770 ff., Flurnamen S. 1772) vor. Schweggje wäre dann als ‘ Viehweide ’ zu deuten; der Plural entspricht einem Kollektivum. Schwegil Schwegil ist in Eischoll 1622 als jn den Schwegil Achren ‘ bei den Äckern, die einer Hirtenflöte gleichen ’ belegt. Das HL erscheint 1674 als Schweggol, 1703 als Schwegoll und 1765 Schwegell. Weiter ist in Eischoll 1622 jn den Undren Schwegellachrenn ‘ bei den unteren Äckern, die einer Hirtenflöte gleichen ’ bezeugt. Es handelt sich um das schwdt. Schwëgle n f. ‘ ländliche Flöte, Hirtenflöte aus Rohr ’ , wobei hier wohl ein Stück Land in dieser Form gemeint ist: ‘ bei den Äckern, die einer Hirtenflöte gleichen ’ . Schweibu Schweibu f. ist mehrfach belegt, erstmals 1305 als Sweybun (Eisten), 1343 dy Sweybe (Goppisberg) und 1397 in der Sweybon (Bister). Auch in Termen ist es 1402 als Sweýba erwähnt, 1400 jedoch als Swebu ͦ n - beide als Wasserleite. Der Name ist also alt, vermutlich gebildet zu einem Verb mhd. sweiben, nhd. schweiben ‘ schwanken, schweben ’ (G R W B 15, 211). I D . (9, 1720) kennt das Verb schweibe n ‘ sich schwingend hin und her bewegen ’ (und weitere, damit verbundene Bedeutungen) und das Nomen Schweib, Schweibe n (I D . 9, 1719) mit mehreren Bedeutungen, die das Wörterbuch auch auf verschiedene Arten der Bewegung zurückführt; es erwähnt auch ONN, darunter den von Eisten, ohne eine Deutung zu geben. Die meisten Belege bezeichnen Alpen: t Schweibe (Betten), Schweibe (Goppisberg), dazu t Obru Schweibe und t Undru Schweibe (beide Goppisberg) - diese Alpen befinden sich am gleichen Ort in der Umgebung der Bettmeralp. In Grächen sind 1833 die Getheilen von Schweiben erwähnt - unklar, ob es sich um Geteilen einer Alp handelt oder einer Wasserleitung. In Eisten ist Schweibu ein Weiler auf ca. 1680 m, also eher eine Voralpe, während in Stalden 1553 in monte apud Schweybun zu lesen ist, mit monte ist eine Alp gemeint. Einen Zusammenhang mit Wasserleitungen oder Wasserfuhren gibt es bei t Schweiba (Ried-Brig, Name einer Wasserleitung), dann 1402 Sweýba (Termen) als “ aqueductu ” bezeichnet (also Wasserleitung, wohl die gleiche wie in Ried-Brig). Bister hat 1397 aque in der Sweybon ‘ des Wassers in der Schweibe ’ - hier könnte eine Wasserleitung gemeint sein, das ist aber nicht ganz sicher. Als Bestimmungswort kommt Schweibu vor mit Bach, Flüö, Matta und Wald. Hinzu kommt das komplexere Schweibwaldkapälla (Eisten). Alle Komposita befinden sich in der Nähe eines Ortes Schweibu. Unklar ist der historische Beleg an die alte Schweibenfadung (1702, Ried-Brig), wo wohl die Fassung der Wasserleitung Schweiba gemeint ist. Eine präzisere Deutung der Namen verbietet sich; wir gehen aber davon aus, dass die wellenförmige Gestalt des Geländes und der Wasserfuhren gemeint ist. Schweif Schweif m. ‘ der Schweif ’ ist zu schwdt. Schweiff m. ‘ Schweif eines Tieres ’ , ‘ (schlangenförmig gewundene) Wurzel des Wiesenknöterichs ’ , ‘ Schleppe eines Kleides ’ , amhd. sweif (I D . 9, 1757 ff.) zu stellen, hier übertragen auf geschweifte Geländeformen. Der Flurname kommt vor allem im Goms vor. Das Simplex im Singular ist der Schweif ‘ das geschweifte Gebiet ’ (Gluringen, Oberwald, Reckingen), im Plural t Schweifä ‘ das geschweifte Gebiet ’ (Grengiols) und t Schweiffe ‘ das geschweifte Gebiet ’ (Binn). Einen zweiten Plural t Schweiffine ‘ die geschweiften Gebiete ’ (Mund, Zermatt) kann man auch als Plural des Diminutivs lesen; t Schweiffjini ‘ die kleinen geschweiften Gebiete ’ (Simplon) gehören sicher hieher. In Binn gibt es neben den Schweiffe auch der Schweiffegraad ‘ der Grat oberhalb der Schweiffe ’ und ts Schweiffeloch ‘ das Loch unterhalb der Schweiffe ’ . Davon entfernt sind in Binn ts Schweifbodeek ‘ die Ecke beim geschweiften Boden ’ , t Schweifbodeschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim geschweiften Boden ’ und t Schweifbodetola ‘ die Mulde beim geschweiften Boden ’ belegt. Einen Schweifegrat ‘ der geschweifte Grat ’ (FLNK) kennt Mühlebach östlich von jenem in Binn. der Schweiffärich ‘ der Pferch im Schweif (geschweiftes Gebiet) ’ (Oberwald) und t Schweifschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Schweif (geschweiftes Gebiet) ’ (Reckingen) sind weitere Belege. Unklar ist das 1857 in Simplon belegte das Schweifi Bord ‘ das Bord bei der Schweifi (geschweiftes Gebiet) ’ , das ein Feminin oder ein Neutrum (dann Diminutiv) enthalten kann. Schweig Schweig ist zunächst als ts Schweiggmattu ‘ bei der Wiese für das Vieh ’ (Zermatt, FLNK Schweigmatte, LT Schweigmatten, SK Schwegmatten), dann am gleichen Ort auch für das Namennest ts Schweiggmattubriggi, ts Schweiggmattubächje, der Schweiggmattuhang und der Schweiggmattuwang belegt. J ULEN ET AL . (1995, 245) ken- Schweggje 135 136 <?page no="887"?> nen die Schweigmatte als “ Wiesen mit sumpfigen Stellen ” und die zugehörigen Schweigmattuwang, Schweigmattustäg und Schweigmattuweng. In Naters erscheint ab 1328 an der Sweygmatton, 1435 Sweigmatton 1640 Schwigmatta, 1730 in der Schweigmatten. Offenbar wurde 1640 das hdt. Schweig zu einem dialektalen Schwig ‘ Schweigen ’ umgedeutet; gemeint ist immer eine Viehwiese. In Obergesteln ist t Schweitmatte belegt, die 1650 u. später als Schweigmatten erscheint. Ebenso ist Schweitmatte (Oberwald, LT und FLNK Schweitmatte) bezeugt. In beiden Fällen liegt eine Veränderung von / g/ zu / t/ vor; gemeint ist immer die Wiese für das Vieh. Die beiden Belege gehören zur gleichen Flur zwischen Oberwald und Obergesteln auf der rechten Rottenseite. Zu stellen sind die Belege zu schwdt. Schweig f. ‘ Vieh-, auch Ross-, Schweineherde; Viehweide ’ , ahd. sweiga, mhd. sweige (I D . 9, 1770 ff.). Schweinernu Schweinernu ist ein Dativ fem., der sich nur in Visperterminen als zer Schweinernu findet. Die ältesten Belege sind von 1309 ze der Sweynerrun, 1412 zur Sweynerron, 1555 zen Schweinerrun. Es handelt sich um eine Ableitung auf - ERRA (S ONDEREGGER 1958, 551 f.) zum Verb schweine n ‘ abnehmen machen, mindern, schmälen ’ (I D . 9, 1881 ff.). Die Motivation für den Namen betrifft die Teilentnahme von Wasser aus der Wasserleitung; es war der Ort, wo man das Wasser ‘ schmälerte ’ . Schwelli Schwelli f. ‘ Schwelle, Sperre, Wasserverbauung ’ ist zu schwdt. Schwelli, Schweli f. ‘ Schwellung, Stauung; Stauvorrichtung in einem Wasserlauf, Schleuse; Wasserschloss, -kasten, von dem aus mittels Schleusen das Wasser für die Bewässerung von Wiesen und Äckern in die Suenen verteilt wird; Damm, steinerne oder hölzerne Schutzbauten zur Sicherung der Ufer ’ (I D . 9, 1830 ff.) und wdt. Schwelli, Schwälli ‘ Sperre (Wasserumlenkung), Flüssigkeitsmenge (grosse) ’ (G RICHTING 1998, 187) zu stellen. Die Flurnamen scheinen zum grossen Teil nicht mehr als Bezeichnungen von Wasserverbauungen erkennbar zu sein; manchmal sind auch nur einfach Wasseransammlungen gemeint. Als Deutung wird meist ‘ Wasserverbauung ’ gegeben, ausser in Fällen mit klaren Funktionsbezeichnungen. Das Simplex im Singular kommt als Schwelli, manchmal mit Präpositionen wie ze oder bei vor in Gampel, Münster, Salgesch, Oberwald, Zeneggen und Wiler, im Plural als Schweuene (Ernen, LT Schwelline). Nur in Wiler ist klarerweise eine Wasserleitung gemeint. Mit attributivem Adjektiv ist nur beÿ der Hohen Schwelle (1685 u. später, Turtmann) belegt. Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind: bei der Binenschwellin ‘ bei der Wasserverbauung beim Pflanzplatz ’ (1762, Gampel) und bei der Holzschwelli ‘ die der Schwelle (Wasserverbauung) aus Holz / beim Holz (Wald) ’ (1707 u. später, Guttet). Komplexer sind der Foder und der Inner Schwelliwald (Gampel), die sich südlich der Schwelli befinden. Als Bestimmungswort ist das HL mit folgenden Grundwörtern belegt: Bord, Wasser und Wier. Schwemmi Schwemmi f. ist dreimal belegt: Schwemmi (Lax, FLNK), t Schwemmi (Saas-Balen, auch FLNK) und t Schwämmi (Turtmann; 1723 in der Schwemi). Die geschlossenen / e/ - Laute in Lax und Saas-Balen entsprechen dem Primärumlaut, der offene / ä/ -Laut in Turtmann wohl Sekundärumlaut. Die Beschreibungen für Saas-Balen und Turtmann legen ein feuchtes Gebiet nahe; der Beleg für Lax (FLNK) liegt auf rund 1390 m. beim Alten Bach, also wohl auch einer feuchten Wiese. In allen drei Fällen liegt also nicht die vor allem in der östlichen Schweiz übliche Deutung “ Stellen, wo Pferde gebadet wurden ” (TGNB 2, 2, 532) vor. Vielmehr ist von einer Abstraktbildung auf - I zu einem Verb schwdt. schwämme(n) ‘ wie nhd. schwemmen ’ , mhd. swemmen (I D . 9, 1857 f.) auszugehen: hier einfach eine Stelle, die vom Wasser geschwemmt wird. R ÜBEL (1950) und G RICHTING (1998) kennen das HL nicht. Schwery (FaN) Schwery (FaN), lebend Schwäri oder Schwääri ist zum FaN Schwery zu stellen. Diese Familie kommt im 18. Jh. in Ried und Tunetsch vor, besteht noch in Ried-Mörel und Bitsch (AWWB 238). Belegt ist meist ein vorangestellter starker Genitiv: ts Schwärischbodu ‘ der Boden der Familie Schwery ’ (Ried- Mörel) und dazu ts Schwärischbodu der Putz ‘ der Tümpel des Bodens der Familie Schwery ’ (Ried-Mörel), ts Schwärisch Löüwina ‘ das Rutschgebiet der Familie Schwery ’ und ts Schwärisch Stadel ‘ der Stadel der Familie Schwery ’ (Greich). Als Erstglied im Kompositum ist belegt: der Schwäriwald ‘ der Wald der Familie Schwery ’ . Schweschter Schweschter f. ‘ Schwester ’ ist zu schwdt. Schwester f., als Verwandtschaftsbezeichnung wie nhd. ‘ Schwester ’ , in kirchlich, religiösem Sinne ‘ geistliche Schwester; Nonne, Klosterfrau; Einsiedlerin, Klausnerin ’ , ‘ Krakenpflegerin ’ , amhd. swëster, swester (I D . 9, 2228 ff.) zu stellen; G RICHTING (1998) hat keinen Eintrag. 137 138 Schweschter <?page no="888"?> Belegt sind Schweschterewang ‘ der Grasabhang der Schwestern ’ (Reckingen), von der Schwestren Acher ‘ vom Acker der Schwester ’ (15? ? , Reckingen) und der Schwesteracher ‘ der Acker der Schwester ’ (1793, Termen). Die Namen lassen nicht erkennen, ob es sich um die Verwandtschaftsbezeichnung oder um eine religiöse Deutung für Nonnen handelt, jedoch ist die Verwandtschaftsbezeichnung wohl eher sinnvoll. Schwick (FaN) Schwick (FaN) ist der FaN Schwick, auch Svick, Schwik, Schwig geschrieben. Familie des Bezirks Goms, in Bellwald, Fiesch und Ernen seit dem 14. Jh. bekannt, später auch in Naters (AWWB 238). Belegt ist zweimal das Simplex der Schwick (1687, Fieschertal) und zem Schwyck (1443, Zermatt; 1776 im Schwick). Ob sie zum FaN oder zu Schwick ‘ kurze Strecke ’ (I D . 9, 1801 ff., Bed. 3) zu stellen sind, ist unklar. Sie werden hier als ‘ das Grundstück der Familie Schwick ’ gedeutet. Vorangestellte Genitive sind: Schwickigen Schnitta ‘ die abgeschnittenen Stücke Landes der Familie Schwick / der Leute des Schwick ’ (1772, Bellwald), Schwicks Grencha ‘ der Kornspeicher der Familie Schwick ’ (1492, Ried-Brig), Schwicks Matta ‘ die Wiese der Familie Schwick ’ (1492, Ried-Brig). Schwick erscheint als Bestimmungswort in: der Schwickbode ‘ der Boden der Familie Schwick ’ (Geschinen), t Schwickschnitta ‘ die abgeschnittenen Stücke Landes der Familie Schwick ’ (Fieschertal) und im Schwick Schnittenwald ‘ im Wald bei den Schnitten (abgeschnittene Stück Landes) der Familie Schwick ’ (1920, Bellwald). Schwider Schwider ‘ Berberitze ’ ist zu schwdt. Schwider m., Schwideren, Schwiderra, Schwidra, Schwidru, Schwiderna f. ‘ Sauerdorn, Moosbeere ’ und wdt. Schwiderbär, Schwiderberr, Schwidärbär ‘ Berberitzenfrüchte ’ (I D . 9, 1756; M AR- ZELL 1, 568 ff., bes. 579; G RICHTING 1998, 187) zu stellen. Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 708 u. 148) wächst die Gemeine Moosbeere (V ACCINIUM OXYCOCCOS ) im Wallis nicht. Es kommt also nur die Berberitze (B ERBERIS VULGA- RIS ) in Frage. Das Simplex ist belegt als jm Schwider (1457, Niedergesteln) und zem Schwÿder (1463, Visp). Das Diminutiv erscheint als jm Schwiderli (1677 u. später, Ernen) und ts Schwiderli (Fiesch, Eggerberg). Weiter sind belegt: zúm Schwiderne (1830, Blatten), zen Schwidernen (1728, Stalden), ze Schwidernu (St. Niklaus) und ts Schwidernä (Kippel, Wiler). Komposita mit dem HL als Bestimmungswort sind: t Schwider(e)rufi ‘ das Rutschgebiet bei den Berberitzen ’ (Niedergesteln), Schwiderschleif (1927, Eischoll), Schwiderschleif ‘ der Schleif oberhalb der Schwiderrufi ’ (Niedergesteln) und Gschwiderschleifs ‘ des Schleifs beim Gschwider ’ (1877, Steg, wohl Kollektiv), sowie der Schwiderwald ‘ der Wald beim Weiler Z Schwidernu (bei den Berberitzen) ’ (St. Niklaus). Dazu kommt t Schwidernäweidä ‘ die Weiden unterhalb ts Schwidernä ’ (Wiler). Schwii Schwii ‘ Schwein ’ ist zu schwdt. Schw ī n n., Pl. unverändert, Dim. Schw ī n(d)li, Schw ī ndelti, Schw ī ntji, Schw ī nggi, Schwillji ‘ Schwein ’ (I D . 9, 1890 ff.), wdt. Schwii, Schwinggi ‘ Schwein ’ (G RICHTING 1998, 187) zu stellen. Wie R ÜBEL (1950, 111 ff.) ausführt, ist die Schweinehaltung im Oberwallis weitgehend auf die Selbstversorgung beschränkt gewesen und spielte nur eine geringe Rolle. Das Tier gilt als schmutzig, weswegen auch Orte oder Personen gemeint sein können, die schmutzig sind. Das Lemma erscheint immer als Bestimmungswort. In Einzelfällen könnte auch schw ī nen ‘ schwinden ’ (I D . 9, 1910 f.) zugrunde liegen (cg. HL S CHWIINEN und S CHWIEB ). Der Typ Schwiibalma ‘ überhängender Fels für die Schweine, Schweinepferch oder -stall ’ ist auch sonst verbreitet (URNB 1, 264 f.). Die Grundwörter sind Acher, Balma, Bode, Burscht, Chäla, Flüö, Gilla, Grächen, Haalta, Matta, Schipfa, Stuck und Wang. Einen schwierigen Sonderfall bildet der Name Schwiitoortji (Eggerberg) / Schwiitootji (Baltschieder). Am ehesten erscheint hier als Grundwort der Diminutiv Toortji ‘ die kleine Torte ’ sinnvoll. Eine Schweine-Torte ist zwar nicht belegt, doch verweist R ÜBEL (1950, 32) auf die Biescht-Torte. Dennoch ist der Name unklar. Unklar bleibt letztlich auch der Typ Schwiingreechu (Staldenried, Visp). Grächu meint eine Kornscheuer; es geht hier also wohl um einen Weideplatz der Schweine um eine solche Scheuer herum. Wie oben gesagt, ist in Einzelfällen auch eine Herleitung von schw ī nen ‘ schwinden ’ im Sinne auch von ‘ klein sein ’ möglich. Eine nicht alltägliche Konstruktion liegt vor im Beleg an den Schwino Stuckin (1466, Mund), wo wohl ein Genitiv Plural ‘ die kleinen Stücke Landes der Schweine ’ gemeint ist; es könnte sich aber auch um einen Besitzernamen ‘ des Schwino ’ handeln (cf. HL S CHWIINEN ). Schwiib Schwiib ist als der Schwiiboge ‘ der Schwibbogen (steinerne Brücke über das Wiisswasser) ’ (Fieschertal) und 1680 als Schwiebbogen ‘ der Schwibbogen (steinerne Brücke über die Ägina) ’ in Ulrichen belegt. Das HL ist zu schwdt. Schwiboge(n), Schw ī bboge(n) ‘ steinerner Bogen über Gewässern; Tor-, Fensterbogen ’ , ahd. swibogo (I D . 4, 1068) Schwick (FaN) 139 140 <?page no="889"?> zu stellen. Die genaue Deutung und die Herkunft von Schwiibist unklar (G R W B 15, 2609 s. v. Schwibbogen). Schwiinen Schwiinen ist wohl ein Partizip zum schwdt. und wdt. schw ī ne n ‘ schwinden ’ (I D . 9, 1910 ff.; G RICHTING 1998, 187). Es ist belegt in ze Schwiinen Brunne ‘ bei den versiegenden Quellen / Brunnen ’ . Vermutlich auch hieher und nicht zum lautlich ähnlichen HL S CHWII ‘ Schwein, Sau ’ gehören an den Schwino Stuckin ‘ bei den verschwindend kleinen abgeteilten Stücken Land ’ (1466, Mund) und der Schwinacher ‘ der verschwindend kleine Acker ’ (1466, Staldenried). Schwimmilli Schwimmilli ist nur 1702 in Zermatt als ob dem Schwimmilli, auch ob dem Schwimelli belegt. Es handelt sich um eine entrundete und diminutive Form von schwdt. Schwumm ‘ Schwamm, Pilz ’ und wdt. Schwamm, Schwumm ‘ Schwamm, Pilz ’ (I D . 9, 1870 ff.; G RICHTING 1998, 186). Wie TGNB 2, 2, 531 f. s. v. Schwammer, Schwummer ausführt, geht es wohl um einen Fundort von Feuerschwamm ( FOMES FOMENTARIUS ), der sehr begehrt war und deswegen gesammelt wurde, also ‘ der kleine Ort mit Schwämmen (Pilzen) ’ . Schwing Schwing ist nur in dr Schwingplatz ‘ der Schwingplatz ’ (Ferden) belegt. Das HL ist zu schwdt. schwinge(n) hier ‘ ringen ’ als Kampfspiel der Älpler und wdt. schwinge, schwingä (Goms), schwing o. schwingn (Lötschtal), schwingu ‘ schwingen, ringen ’ zu stellen. Nach I D . findet der Wettkampf, wo nicht wie bei Schwingfesten und dgl. ein eigener Kampfplatz dafür hergerichtet wird, gewöhnlich auf einem weichen Rasenplatz statt (I D . 9, 1973 ff.; G RICHTING 1998, 187). Schwingji Schwingji n. ist zweimal belegt: der Schwingjbode und der Schwingjitotz (beide Gampel). In beiden Fällen ist auch Schwinnji belegt. Am ehesten kommt das Nomen Schwinge n I, Dim. auch Schwingli (Entlebuch) zum mhd. swinge ‘ Hanf-, Flachs-, Getreideschwinge ’ , auch einfach ‘ Holzlatte ’ in Frage. Der älteste Beleg von 1495 hat jm Schwingiboden. Vermutlich ist Schwingi hier metaphorisch gemeint: ‘ der Boden, der einer (kleinen) Schwinge gleicht ’ . Schwira Schwira f. ‘ Pfahl, Pflock ’ ist zu schwdt. Schwir, Schwire n m. Schwür, Schwüre n f., Schwirne n ‘ Holzpflock, Pfahl, gewöhnlich unten zugespitzt zum Einschlagen, -rammen in den Boden ’ , ‘ Zaunpfahl als Absperrung, Hindernis, zum Anbinden von Weidetieren, zur Befestigung des Erdbodens bei Verbauungen ’ , ahd. *swiro, mhd. swir (I D . 9, 2132 ff.) und wdt. Schwira ‘ Pflock, Pfahl ’ (G RICHTING 1998, 187) zu stellen. Belegt ist es 1480 in Obergesteln als von den Schwÿren u ͦ har ‘ von den Pfählen (Abgenzung? ) aufwärts ’ . Komposita sind der Schwirenstuck (1848, Oberwald) ‘ das abgeteilte Stück Land mit Pfählen (zur Abgrenzung) ’ und in der Schwüribinnen ‘ im Pflanzplatz mit Pfählen (zur Abgrenzung) ’ (1844, Betten), vermutlich in beiden Fällen eine Abgrenzung mit Pfählen gegenüber anderen Grundstücken. Schwiz Schwiz ist nur in im Schwizerbatzen ‘ im Schweizerbatzen (wohl kleines Stück Land) ’ (1752, Oberwald) belegt. Es gehört nicht zu Schwizer (FaN), sondern meint ein Stück Land, das so klein ist wie ein Schweizerbatzen (cf. HL S CHWIZER (F A N)). Die Form ist wohl ursprünglich ein Genitiv Plural, die aber auch als Adjektiv verstanden wird (siehe S ONDEREGGER 1958, 526 ff.). Schwizer (FaN) Schwizer (FaN) ist ein FaN, auch Schwitzer, Schwyzer, Schweyzer, Schweitzer geschrieben, eine Familie von Leuk und Turtmann, die dort im 16. und 17. Jh. in Ansehen stand und im 18. Jh. erlosch (AWWB 238). Anders der Schwîzer-Batze(n) Münze, hier zur Bezeichnung einer Flur, die von der Grösse und der Form her dem Batze(n) ähnlich ist (I D . 4, 1964 ff.) (cf. HL S CHWIZ ). Der FaN kommt in Schwitzer Ried (1737, Turtmann) und t Schwiizär Bibemdlini ‘ die kleinen Böden der Familie Schwizer ’ (Kippel) vor. Schwung Schwung ‘ Kehre, Wendung, Biegung ’ ist zu schwdt. Schwung m., Pl. Schwüng, Dim. Schwüngli, zu schwingen ‘ Kehre; Wendung, Biegung von einem Flusslauf; geschwungene Linie (z. B. von einem Bergrücken) ’ (I D . 9. 1991 ff.) zu stellen; G RICHTING (1998, 187) kennt Schwung primär als Begriff aus dem Kuhkampf. Als Flurname kommt das Lemma nur im Goms vor; es wird also nur hier für die Biegung des Rottens oder die geschwungene Form eines Waldes oder Rutschgebietes verwendet. Das Simplex Schwung ist in Münster (nach der Form des Gebietes), Obergesteln und Ulrichen (jeweils Wiesen in früherer Biegung des Rotten, der später begradigt wurde) belegt. Mit einem Adjektiv kommt 1752 in dem grossen Schwúng (Obergesteln) vor - aus dem historischen Beleg lässt sich nicht erkennen, was genau gemeint ist. Eine Biegung des Rotten meinen auch jm 141 142 Schwung <?page no="890"?> Rotten Schwu ᵕ ng (1655 und später, Obergesteln) und das erweiterte beim únteren Rottenschwu ᵕ ng (1797, Ulrichen). der Löuischwung (Oberwald) bezeichnet die Biegung eines Rutschgebietes; 1846 steht allerdings Lauischwu ᵕ nd = Graben (Oberwald), doch entscheidet die lebende Form für Schwung. Schynes Schynes ‘ bei den Hunden ’ ist nur 1602 in Albinen belegt und zwar als Alternativname: ÿ pereÿ alias eÿs schÿnes. pereÿ (cf. HL P ERREY ) ist zu petra ‘ Stein, Fels ’ zu stellen. Schÿnes dagegen scheint zu frz. chien ‘ Hund ’ (G PSR 3, 563 ss.) zu stellen zu sein, siehe vor allem 19° Noms de lieux. In Albinen ist wohl ein Fels, der an einen Hund erinnert, gemeint. B OSSARD / C HAVAN (2006, 189) weisen unter Chin, Chien auf den Flurnamen hin. Scinte Scinte und Zuinte sind 1649 als eys pierre zuinte und 1720 als im piero scinte in Varen belegt. Vermutlich gehört ein attributives Adjektiv zu pierre ‘ Stein, Fels ’ hierzu, das sich zum Verb j ŭ ng ĕ re ‘ verbinden ’ (FEW 5, 57 ff.) stellen lässt, wohl frz. jointe (l. c. 68) mit der Bedeutung ‘ verbunden ’ : ‘ der benachbarte Fels / Stein ’ . Scuwillen Scuwillen ist nur 1539 in Bellwald als an den Scuwillen Matton belegt. W IPF (1910, 89) stellt schiwju ‘ nach der Weinlese in den Reben nach vergessenen Trauben suchen ’ zu germ. *skuwwilôn und will dieses Verb zu nhd. schauen stellen (vgl. auch I D . 8, 1636 zu schüwle n ). Wenn das stimmt, würde der Beleg in etwa ‘ an den nach der Ernte durchsuchten Wiesen ’ bedeuten. Eine andere Deutung würde in Scuwillen einen PN oder FaN annehmen, doch sind beide nicht belegt. Sebastian (PN) Sebastian (PN) (I D . 7, 40), auch Bastian, ist ein PN mit verschiedenen Kurzformen, von denen Baschi für das Wallis belegt ist (I D . 4, 1757 f.). Der PN ist nur als vorangestellter Genitiv oder in Zusammensetzungen als Bestimmungswort belegt. Starke Genitive im Singular sind: in Bastians Boden (1830, Niedergesteln), bi Bastians Haús (1697, Niedergesteln), in Bastians Matten (1639, Törbel) und ufum Sebaschtiansplatz ‘ auf dem Platz mit der Kapelle des hl. Sebastian ’ (Brig). Einen schwachen Genitiv enthält das Paschen Haús ‘ das Haus des Sebastian ’ (1791, Ried-Brig). Zusammensetzungen sind: der Baschibode ‘ der Boden des Sebastian ’ (Ulrichen) und ts Baschuwaldji ‘ der kleine Wald des Sebastian ’ (Naters). Sebliethe Sebliethe ist nur 12? ? in Naters als Sebliethe und im 13. Jh. am gleichen Ort als Sebliehte oder Seblieche belegt. Die Belege sind so früh, dass eine Entrundung nicht möglich ist. Eine Deutung ist nicht möglich. Secco Secco Adj. ist zu it. secco ‘ trocken ’ zu stellen. Belegt ist es nur in Passo di Camposecco ‘ der Pass zum Camposecco ’ (Saas-Almagell). Auf italienischer Seite gibt es Cimone di Camposecco, Coronette di Camposecco, Lago di Camposecco und Bivacco Camposecco CAI (alle LT). Camposecco meint hier ‘ trockenes Feld ’ . Zu secco cf. D EVOTO / O LI (2020, 2020). Sedel Sedel m. / n. ist zu schwdt. Sëdel und wdt. Sädl, Sädäl (Goms), Sädul (Mattertal), Sädil m., n. ‘ Sitzstange für Hühner, Tauben usw.; Käfig; Leitersprosse; festgetretener, schmaler und erhöhter Weg im Schnee in den Bergen ’ , ahd. sëdal, mhd. sëdel m., n. ‘ Sitz (Sessel, Sattel), Ruhesitz, Wohn-, Landsitz ’ (I D . 7, 296 ff.; G RICHTING 1999, 166) zu stellen. Das Simplex im Singular findet sich als der Sädel (Münster) ein Alpname auf rund 2250 m - und ts Sädel (Fieschertal) auf rund 1440 m, ohne Besiedlung. In Ausserberg ist ts Sädol belegt, laut LT ein Weiler von Ausserberg. Der Diminutiv ts Sädolti (Staldenried, Visperterminen) ist auf der LT als Studersädolti belegt, wozu Z IMMERMANN (1968, 98) Stüdersch Sädolti kennt, ohne mehr als den FaN Studer - in Visperterminen gut belegt - zu erwähnen, ausser, dass es sich um eine Voralpe handle. Auch M. S. kennt ts Stüdersädolti ‘ der kleine Sädel der Familie Studer ’ (Stalden) am gleichen Ort. Mit Adjektiven findet sich t Ober Sädolti (FLNK, Ober Sädolti; Staldenried), ts Unner Sädolti (Staldenried) und historisch 1881 im u ᵕ ntern Sädolti (Staldenried; Visperterminen). Bei den Bestimmungswörtern ist der Typ Hiendersedel ‘ Hühnersedel ’ oder ähnlich dominierend. Er kommt als ts Hennusädel (Naters), das Hiender Sedel (1542, Visperterminen), am Hiendersedel (1528, Ernen), Hiendersedel (1532 u. später, Fiesch), am Hiender Sedel (1482, Fieschertal), ts Hienersädu (Blitzingen), ts Hiänersädel (Kippel), Hu ᵉ ndersedel (1396 (? ), Staldenried), am Hu ᵉ nersedel (1463, Niederwald), Hu ᵉ nrsedel (1353, Münster), am Hüender Sedel (1438, Stalden), jn Hirmsedel (1351, Martisberg, zu hirmen ‘ ausruhen ’ ? ) vor. Dazu kommt das Ober Hu ᵉ ndersedel (1519, Visperterminen). Alle Belege lassen sich als eine kleine Alpe oder Voralpe deuten; die Ausnahme Schynes 143 144 <?page no="891"?> Hirmsedel (Martisberg) dürfte eine Fehldeutung zu Hienersedel darstellen. Die Ableitung Sädler ist im I D . nicht belegt. In Ergisch kommt der Sädler vor, in Blatten der Sädlär. In beiden Fällen ist kaum ein Nomen agentis gemeint, sondern eine Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.), hier wohl zu verstehen als ‘ Ort, wo es einen Sädel hat ’ . An beiden Orten sind keine Gebäude erkennbar; es geht also um kleine Alpen oder Voralpen. Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Bach, Bodu, Brigga, Dorf, Hee (hooch, heej), Flüö, Gassa, Grabu, Hooru, Wäg und Wald. See See m. ‘ See ’ ist zu schwdt. S ē (w) m., Dim. wdt. S ē wji, S ē wi ‘ See, auch für stehende Gewässer kleinen und kleinsten Umfangs ’ , ahd. s ē (o), (Pl. s ē wi, gew. s ē wa), mhd. s ē (Pl. s ē we) m. und wdt. See, Seewji, Seeji (Mattertal), Seeli (Lötschental), Seelji (Leuker Berge), Seewji ‘ See, Seelein, Weiher ’ (I D . 7, 1479 ff.; G RICHTING 1998, 187) zu stellen. Das Oberwallis verfügt über keinen der grösseren Seen, aber über viele relativ kleine Alp- und Stauseen. Das / -w-/ in vielen Formen entspricht dem Ahd. Rund 360 Belege sind für das Oberwallis bezeugt. Das Simplex See ist als der See (Naters, LT Bitschjisee; Fieschertal; Niedergesteln; Saas-Balen, mehrfach), bim See (Ulrichen, Zwischbergen), ob dum See (Zermatt), zem See (Zermatt, Siedlung ohne See), zum See (Martisberg, Saas-Balen), historisch jm See (1611, Visperterminen) belegt; einige Fälle weisen lateinische Formen auf: subtus lacum ‘ unter dem See ’ (1751, Reckingen), ultra lacunam ‘ jenseits des Sees ’ (1716, Visp). Formen mit / w/ sind ts Seew ‘ bei den Seen ’ (Grächen, Visperterminen), die kollektive Bedeutung aufweisen. Plurale sind t Seewe ‘ die Seen ’ (Eischoll), bine Seewe ‘ bei den Seen ’ (Bellwald, Reckingen), zu Seewe ‘ bei den Seen ’ (Obergesteln), ze Seewu ‘ bei den Seen ’ (Zwischbergen). Das Diminutiv im Singular ist als ts Seewji ‘ der kleine See ’ (Termen) bim Seewji ‘ beim kleinen See ’ (Binn, Münster, Reckingen), ts Seewlin ‘ der kleine See ’ (Blatten), am Sewji ‘ am kleinen See ’ (1850, Mund), am Sewi ‘ am kleinen See ’ (1555 u. später, Eggerberg) belegt. Der Plural des Diminutivs erscheint in t Seewjini ‘ die kleinen Seen ’ (Ausserberg, Eggerberg, Eyholz, Mund, St. Niklaus, Visp, Zeneggen, Zwischbergen), bine Seewjene ‘ bei den kleinen See ’ (Ulrichen), ze Seewjinu ‘ bei den kleinen Seen ’ (Baltschieder, St. Niklaus, Zermatt), zu Seewjinu ‘ bei den kleinen Seen ’ (Varen). Für Simplon und Zwischbergen verweisen wir global auf J ORDAN (2006, 540 und passim), der im Register eine Reihe von Namen mit dem HL S EE aufweist. Attributive Adjektive zum HL sind der Blaaw See ‘ der blauen See ’ (Grengiols, Obergesteln, Visperterminen), ts Blaaw Seewji ‘ der kleine blaue See ’ (Obergesteln), ts Blau (w) Seewji ‘ der kleine blaue See ’ (Niederwald), ts Blau Seewji ‘ der kleine blaue See ’ (Ernen, Simplon), zim Blaawi See ‘ beim blauen See ’ (Ferden), zem Blaawi Seelin ‘ beim blauen See ’ (Blatten), zu ᵕ m Blaúen See ‘ zum blauen See ’ (Münster), im Blawen Se ‘ im blauen See ’ (1571, Reckingen), ts Blind Seewji ‘ der kleine, blinde (= trübe? ) See ’ (Törbel), ts Chlei Seewji ‘ der kleine See ’ (Oberems), der Chrumm See ‘ der krumme See ’ (Unterbäch), ze Dri Seewjinu ‘ bei den drei kleinen Seen ’ (Saas-Balen), Dritte See ‘ der dritte See (von vier Alpseen) ’ (Zwischbergen), Erschte See ‘ der erste See (von vier Alpseen) ’ (Zwischbergen), der Giteilt See ‘ der geteilte See (bei Niedrigwasser in zwei Teile geteilt) ’ (Oberems), der Gross See ‘ der grosse See (Alpsee) ’ (Unterbäch), ts Gross Seewji ‘ der grosse kleine See (im Pfynwald) ’ (Leuk), zum Grossu See ‘ beim grossen See ’ (Naters), ts Indroscht Seewji ‘ der innerste kleine See ’ (Törbel), zem Kleinen See ‘ beim kleinen See ’ (1433, Ulrichen), ts Läng Seewji ‘ der lange kleine See ’ (Oberems, zwei Belege), Lenge See ‘ der lange See (Alpsee) ’ (Blitzingen), bim Lenge Seewji ‘ beim langen kleinen See (LT Lenge See) ’ (Niederwald), der Leng See ‘ der lange See (LT u. 1: 10000 Lengsee) ‘ der lange See ’ (Obergesteln), ts Leng Seeli ‘ der lange kleine See ’ (Oberwald), der Mittlescht See ‘ der mittelste See (einer von drei Alpseen) ’ (Bellwald), ts Mittloscht Seewji ‘ der mittlere kleine See (von mehreren Alpseen) ’ (Törbel), bim Oberschte Seewji ‘ beim obersten kleinen See ’ (Niederwald), der Oberscht See ‘ der oberste See ’ (Bellwald, Ulrichen), Oberscht Seewji ‘ der oberste kleine See ’ (FLNK, Törbel), ts Ober Seeli ‘ der obere kleine See ’ (Oberwald), Oberst Seewji ‘ der oberste kleine See ’ (FLNK, Ulrichen), t Obru Seewe ‘ die oberen Seen ’ (Simplon), ze Rote Seewe ‘ bei den roten Seen ’ (Selkingen), der Rund See ‘ der runde See (auf SK Tittersee (der See, der einem Ei-Dotter gleicht) ’ (Obergesteln), der Schwarz See ‘ der schwarze See ’ (Guttet, Oberems, Zermatt), ts Schwarz Seewji ‘ der kleine schwarze See ’ (Binn), ts Stiichund Seewji ‘ der stinkende kleine See ’ (Gampel), der Tot See ‘ der tote See ’ (Oberwald, unklar), t Undru Seewe ‘ die unteren Seen ’ (Simplon), Unnerscht Seewji ‘ der unterste kleine See ’ (Törbel), ts Unner Seeli ‘ der untere kleine See ’ (Oberwald), ts Üssroscht Seeli ‘ der äusserste kleine See ’ (Törbel), Vierte See ‘ der vierte See ’ (FLNK, Zwischbergen), der Wiiss See ‘ der weisse See ’ (Guttet), Zweite See ‘ der zweite See ’ (FLNK, Zwischbergen). Unklar ist Wiss Kuei Sewlin ‘ der kleine See, der wie eine weisse Kuh aussieht (? ) ’ (1580, Guttet). Latinisiert ist ad lacum ceruleum ‘ beim blauen See ’ (1668, Reckingen). Zwei Attribute sind in in der Mitte der obristen zwei Seen ‘ in der Mitte der obersten zwei Seen ’ (1681, Blitzingen) vertreten, doch ist hier unklar, ob einfach ein Appellativ vorliegt. 145 146 See <?page no="892"?> Vermutlich einen Genitiv Plural enthält der Bonig See (Törbel; FLNK u. LT Boniger See; SK Bonigersee), als ‘ der See der Leute des Boner / der Familie Boner (? ) ’ zu deuten. Ein FaN oder PN ist in ts Josch See ‘ der See der Familie Jost / des Jost ’ (Obergesteln; FLNK Joschtsee; LT Jostsee) vertreten. Als Grundwort ist das HL mit einer Reihe von Bestimmungswörtern in zweigliedrigen Komposita vertreten. Einen Sondertyp bilden Namen mit einem Adjektiv als Bestimmungswort: der Blausee ‘ der blaue See ’ (Greich, Ritzingen), Griesee ‘ der grüne See ’ (FLNK, Ried-Mörel; LT Grünsee), der Griensee ‘ der grüne See ’ (Zermatt; LT Grüensee; SK Grünsee), der Lengsee ‘ der lange See ’ (Blitzingen; FLNK u. LT Lengsee; SK Langen See), Längseewji ‘ der kleine lange See (LT, Oberems; 1: 10000 Meidsee), der Mittelsee ‘ der mittlere See (von mehreren Alpseen) ’ (Ulrichen), der Mittusee ‘ der Mittelsee (von drei Alpseen) ’ (Blitzingen), Schwarzsee ‘ der schwarze See ’ (FLNK, Birgisch; FLNK, Ferden; Leuk) und Trübensee ‘ der trübe See ’ (SK, Blitzingen; wohl identisch mit ts Trüebuti ‘ die kleine, trübe Gegend ’ (Niederwald)), Vordersee ‘ der Vordersee (Stausee auf Märjela) ’ (Fieschertal). Auf die Farbe bezieht sich auch der Sirwoltusee ‘ der Sirwoltusee (See, dessen Wasser trübe ist wie Molke) ’ (Simplon). Einige Namen enthalten ein Bestimmungswort auf / -er/ , das wohl ein ursprünglicher Genitiv Plural von Nutzern oder Besitzern ist. In einigen Fällen ist auch einfach die nahegelegene Alp oder Flur gemeint: der Bättmersee ‘ der (Stau)-)See auf der Bettmeralp ’ (Betten), ts Bätzlärseeli ‘ der kleine See im Gebiet der Bätzla ’ (Wiler), der Bruchersee ‘ der See beim Bruchi (kleiner Bruch) ’ (Naters), Geschinersee ‘ der See bei Geschinen (Gemeindename) im Rottental ’ (FLNK, Geschinen), der Goornersee ‘ der See beim Gornergletscher ’ (Zermatt), ts Imigerusee ‘ der See der Leute von Imine ’ (Hohtenn; der Ort befindet sich etwas tiefer), Lüsgersee ‘ der See auf der Alpe Lüsga ’ (FLNK, Naters), ts Müeterseeli ‘ der kleine See beim Gebiet Mutt (Hügel) / der Familie Mutter ’ (Oberwald), Wasmerseewji ‘ der kleine See auf der Wasenalp ’ (Ried-Brig). In einigen Fällen wird der Stausee als solcher benannt: der Stausee (Grengiols (zweimal), Zwischbergen), bim Stausee (Oberems), Stausee Gibidum ‘ der Stausee (der Massa) im Gebiet Gibidum (Böden (Kollektiv)) ’ (Bitsch, Naters, Ried-Mörel), Stausee Mattmark ‘ der Stausee Mattmark (umgedeuteter romanischer Name) ’ (Saas-Almagell), wobei das Bestimmungswort Stau aus dem Hochdeutschen übernommen wurde. Der grösste Teil der Komposita nimmt im Bestimmungswort Bezug auf die nächstliegende Alp oder Flur. Einige Belege: dr Aanusee ‘ der See auf der Aana (Alp bei Blatten) ’ (Blatten), der Faflärsee ‘ der See auf der Fafleralp ’ (Blatten), Fahsee ‘ der (Stau-)See im Gebiet Fa ’ (Zwischbergen), Finilusee ‘ der See beim Heuschober (im Finiltelli) ’ (FLNK Visperterminen; LT Findlesee), Fleschsee ‘ der See im Gebiet Flesch (Wasserstelle) ’ (Blitzingen), ts Fleschseewji ‘ der kleine See auf der Alpe Flesch (Wasserstelle) ’ (Binn) und viele andere mehr. Tiernamen oder davon abgeleitete Namen sind: ts Fischerseewji ‘ der kleine See, wo Fische gefangen werden ’ (Leuk), der Hobschulsee ‘ der Hopschelsee ’ (Simplon, See bei den Hobsche ‘ Gebiet mit Fröschen ’ ), der Lämmerasee ‘ der See auf der Alpe Lämmera ’ (Leukerbad), ts Mugguseewji ‘ der kleine See mit Mücken ’ (Leuk), der Buäbusee ‘ der See für die Buben ’ (Ferden) meint wohl einen See, in dem Buben gebadet haben. ts Müeterseeli ‘ der kleine See beim Gebiet Mutt (Hügel) (LT und FLNK Mutterseewji) / der Familie Mutter ’ (Oberwald) kann sowohl nach dem Flurnamen Mutt, wie nach dem FaN Mutter benannt sein. dr Üelisee ‘ der See, der zu Ulrichen gehört ’ (Ulrichen) übernimmt eine Kurzform der Gemeinde, zu der er gehört. Ein Baumname ist verteten in der Aarbsee ‘ der See mit Arven ’ (Gampel); sonst fehlen Baumnamen. Einen Sonderfall stellt Baggersee ‘ der Baggersee ’ (FLNK, Raron) dar, der heute auf LT Steineji See ‘ der See bei der Aue beim Weiler zum Stein ’ heisst. Komplexere Fälle sind der Fäudbachsee ‘ der See am Fäldbachgletscher ’ (FLNK, Binn), der Geisfadsee ‘ der See beim Geissfad (LT Geisspfadsee) ’ (Binn), ts Hockmatteseewji ‘ der kleine See, der zur Hockmatta (Wiese mit einem Höcker) gehört ’ (Binn), ts Chaltwasserseewji ‘ der kleine See beim Kaltwassergletscher ’ (Ried-Brig), ts Merezebachseewji ‘ der kleine See des Merezenbachs ’ (Münster), der Ober und der Unner Märetschisee (Agarn), sowie der damit identische der Ober und der Unner Märetschusee ‘ der obere und der untere See auf der Märetschi-Alpe (Sumpfgebiet) ’ (Leuk) und andere mehr. Umschreibungen sind: an der Eggu mim See ‘ an der Ecke beim See (wohl Umschreibung: zwischen Weiler Egga und See (Ausgleichsbecken) ’ (Simplon), Nufene bim See ‘ auf dem Nufenen(pass) beim See ’ (Ulrichen). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Bach, Bäärg, Biel, Bodu, Bord, Brunnu, Egg(a), Fäld, Flüö, Fura, Gassa, Gletscher, Haalta, Hooru, Licka, Lischa, Löuwina, Mad, Matta, Mettle - Mettja, Saass, Sattel, Schleif, Schluocht, Stafel, Stutz, Suon, Tal, Tola, Wald und Wang. Komplexer ist das mehrfach belegte Seebachtala (FLNK, Grächen), die Sebachtellen (1666, St. Niklaus), Seebachtillen (1732, Visperterminen), t Seebachtola (Visperterminen, zweimal), Seebachtulen (1802, Embd), alle ‘ Wasserrinne ’ . See 147 148 <?page no="893"?> Komplexere Fälle sind ts Seetalhoru ‘ das Seetalhorn (Gipfelname, oberhalb des Seetal) ’ (Grächen, Eisten), ts Seetaltreii ‘ der kleine Weg ins Seetal (Niedergestler Gebiet) ’ (Hohtenn) und Seetaltreiju ‘ der Weg ins Seetal (Niedergestler Gebiet) ’ (FLNK, Hohtenn) und t Obru und t Undru Seemattä ‘ die oberen und die unteren Wiesen beim See (Schwarzsee) ’ (Blatten) und andere. Als Genitiv erscheint das HL in Seewlisch Bord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) des kleinen Sees ’ (Blatten), das dort auch Siiwlisch Bord heisst; nicht auszuschliessen ist jedoch, dass es hier nicht um den Grundsee geht, der sich in der Nähe befindet, sondern um den Übernamen eines Besitzers. am Seúisbiell ‘ am Hügel beim kleinen See (unklar) ’ (1717, Eggerberg) enthält wohl einen Genitiv Seewis ‘ des kleinen Sees ’ , kann aber wohl auch ein Besitzername sein. Rätsel gibt einerseits dr Kaffesee ‘ der Kaffee-See (laut Gwp. holten dort Hirten Wasser für Kaffee) (Ferden) und anderseits Seen mit zwei Namen wie Majingsee (LT, Leukerbad), der bei FLNK Hoslisee heisst (so auch bei R. G RICHTING 1993, Blatt 21, Nr. 17); während der erste Name von der Lage unterhalb des Majinggrabu herstammt, ist die Deutung des zweiten unklar. Es könnte sich um einen PN oder Übernamen handeln. Seeberger (FaN) Seeberger (FaN) ist ein FaN aus Österreich, der seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts in Kippel nachgewiesen ist (NWWB 1, 233). Der FaN ist nur belegt in t Seebärgersuän ‘ die Wasserleitung der Familie Seeberger ’ (Kippel). Seebinette Seebinette ist nur in Bratsch als t Seebinette (Plural) belegt. Laut Gwp. handelt es sich um eine Wasserfuhr; die Koordinaten fehlen. Es handelt sich wohl um eine Ableitung mit dem Suffix - ETA (Pl. - ETE ) (S ONDEREGGER 1958, 482 ff.) zu Sefina ‘ Sadebaum, J UNIPERUS SABINA ’ (I D . 7, 341). Die Aussprache von / b/ für / f/ ist in Bratsch möglich (im SDS 2, 157 s. v. blau nicht verzeichnet, aber für Feschel belegt). Die Deutung wäre dann ‘ (Wasserleitung) durch das Gebiet mit Sefine (Sadebaum, Juniperus sabina) ’ (cf. L AUBER / W AGNER / G YGAX 52014, 92 zu J UNIPERUS SABINA ). Die Schreibung lässt unklar, ob es sich um einen aus dem Deutschen oder aus dem Frankoprovenzalischen Namen handelt; im Register der HLL bleibt er deswegen unmarkiert. Seel Seel ‘ Seele ’ ist in fünf Namen belegt. Es ist zu schwdt. S ē l f. ‘ Seele ’ und wdt. Seel ‘ Seele ’ (I D . 7, 699 ff.; G RICHTING 1998, 187) zu stellen. Wieweit sich die Namen auf die Seele oder die Armen Seelen beziehen, die in den Oberwalliser Sagen eine grosse Rolle spielen, ist unklar (I D . 7, 710; TGNB 2, 2, 539). Von den vier Namen ist der Armuseelubrunnu ‘ der Brunnen / die Quelle der Armen Seelen ’ (Ergisch) am klarsten der Sage von den Armen Seelen (unerlöste Tote) verbunden. Vermutlich auch religiös zu verstehen ist der Seelenheilstúck ‘ das Grundstück für das Heil der Seelen ’ (1830, Obergesteln); ohne weiteren Kontext lässt sich das allerdings nicht belegen. Nach den Kommentaren der Gwp. ist wohl auch t Seelunplatzjini ‘ die kleinen Plätze für die Seelen ’ (Eggerberg) auf die Armen Seelen zu beziehen. Unklar blieben Selenvald ‘ der Seelenwald ’ (1437 Naters) und t Seelegga ‘ die Ecke für die Seele ’ (Baltschieder), zu denen es keine Deutungen gibt. Seematter (FaN) Seematter (FaN) ist der FaN Seematter, Sematter. Der FaN ist von FlN Seematte abgeleitet. Die Familie ist im Nikolaital belegt und blühte im 15. und 16. Jh. in Zermatt (AWWB 239). Belegt ist 1772 in Oberems Seematter Weiden ‘ die Weide der Familie Seematter ’ ; es scheint sich um einen Genitiv zu handeln, der als Adjektiv aus am Anhornen (beim Ahorn) folgt. Das 1762 in Embd belegte Semattero Brandt meint ein durch Feuer gerodetes oder verbranntes Stück Land der Leute, die Seematter hiessen. Seera Seera ist nur als t Seera (Zwischbergen) belegt. Auf SK steht Serra, auf LT und 1: 10000 Sera; Der Stausee heisst auf LT Sera Stausee. J ORDAN (2006, 329) kennt Seera, Hinnär där Seeru, Seeruchi, Seerusiita und Zobärscht zär Seeru. Er führt den Namen auf it. serra ‘ Engpass, Verschluss ’ zurück; D EVOTO / O LI (2020, 2047) kennen serra 2 als ‘ altura … che si protende in linea retta e senzo avallamenti (Höhe, die sich in direkter Linie und ohne Täler erstreckt) ’ , was sich hier kaum anwenden lässt. P ETRINI (1993, 124 s. v. sera) kennt den Flurnamen mit der Bedeutung ‘ Stauwerk für das Holzflössen ’ , auch ‘ Engpass, Engstelle ’ . Hinter der Staumauer ist das Tal sehr eng, wohl daher der Name. Seeser Seeser ist ein Adjektiv, eventuell ein alter Genitiv Plural ( ‘ der Leute von der Sesia ’ ) und nur in ts Seeserjoch ‘ das Joch Richtung Val Sesia ’ (Zermatt) belegt. es ist nach dem angrenzenden Val Sesia (Italien) benannt, dieses wiederum trägt seinen Namen nach dem Fluss Sesia, der bei O LIVIERI (1965, 321) auf ein lat. SESITEM zurückgeführt wird, wozu der Autor eine vorromanische Deutung vorlegt. 149 150 Seeser <?page no="894"?> Sefinu Sefinu ‘ der Sefistrauch ’ ist zu schwdt. Sefi m., n. ‘ Sade-, Sevenbaum, Juniperus sabina ’ , ahd. sivin, sevina (I D . 7, 341 f.; M ARZELL 2, 1094 ff.; L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 92) zu stellen. Das HL kann als Simplex im Singular oder Plural vorkommen und meint dann einen Ort, wo ein oder mehrere Sefisträucher wachsen. An einigen Orten werden Zweige davon als Palmen am Palmsonntag kirchlich gesegnet und verteilt. Belegt ist das Simplex im Singular in Zer Sefinu ‘ bei der Sefine (Juniperus sabina) ’ (FLNI, Zermatt). Häufiger ist der Plural die Säfine (1732, Brigerbad), in den Seffinen (1727, Zeneggen; Beleg von 1594 im Seffinot), t Sefine (Embd, Hohtenn). Ein attributives Adjektiv findet sich in t Waarmu Sefine ‘ das warme Gebiet mit Sefinen (Juniperus sabina) ’ (Niedergesteln); die Flur befindet sich auf der warmen Talseite oberhalb Niedergesteln. Ein vorangestellter Genitiv findet sich in in den Fa ᵉ rys Sa ᵉ uinen (1550, Hohtenn; 1550 u. später, Niedergesteln, 1550, Steg). Es handelt sich wohl immer um die gleiche Flur, wobei Niedergesteln spätere Belege hat (in die Versefinen (1626), an d Fers Seffinen (1627), in den Feres Sefinen (1678)), die zeigen, dass der PN F ÄRY den Schreibern wohl unklar war. Als Grundwort ist das HL nur in z Hoseuinun ‘ bei den hohen Sefinen (Juniperus sabina) ’ (1532 u. später, Raron), z Hoseuinun ‘ bei den hohen Sefinen (Juniperus sabina) ’ (1534, Niedergesteln) und - komplexer - als der Hosefitritt ‘ der Tritt bei den Hosefine (hohe Sefinen (Juniperus sabina)) ’ (Raron) belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL in der Kurzform Sefi mit den Grundwörtern Acher, Balma, Biel, Egg(a), Stei und Tschugge vor. Längere Formen sind Sephinen Rús ‘ der Wasserlauf bei den Sefinen (Juniperus sabina) ’ (1816, Ausserberg) und der Savienen Matten ‘ die Wiese bei den Sefinu (Juniperus sabina) ’ (1712, Leuk); hier dürfte ein frpr. Form Savena ‘ Sabine, Juniperus sabina ’ (B RIDEL 1866, 346; B OSSARD / C HAVAN 2006, 179 s. v. Savenay) zu Grunde liegen. Einen Genitiv Plural des HL enthält Sefinero Waldt ‘ der Wald der Leute von Sefinen (Juniperus sabina) ’ (1667, Zeneggen). Eine neutrale Ableitung auf - ET / - OT (S ONDEREGGER 1958, 524 zu ahd. -ôdi / -ôti) liegt vor in ts Sefinot ‘ das Gebiet mit Sefinen (Juniperus sabina) ’ (Visperterminen), im Seffinot ‘ im Gebiet mit Sefinen (Juniperus sabina) ’ (1594, Zeneggen; 1727 in den Seffinen), im Sefinet ‘ im Gebiet mit Sefinen (Juniperus sabina) ’ (1668, Stalden). Wie der Beleg von 1646 im Seffinet cis et trans Vespiam ‘ im Gebiet mit Sefinen dies- und jenseits der Vispe ’ (Visperterminen) nahelegt, war das Gebiet direkt an der Vispe; heute sind dort auf LT Sevenett und Sefinot zu finden. Vermutlich gehören die beiden Nennungen in Stalden und Zeneggen hierzu. Zu vergleichen ist auch das HL S EBINETTE . Einen schwer zu deutenden Namen enthält ein Beleg von 1372 in Biel, wo das Land des Martini Jo ᵛ chs de Säfiun erwähnt wird. Es fragt sich, ob hier wirklich ein Sefinu gemeint ist (im Goms ist das HL sonst nie belegt), oder ob eine Form einer andern Gemeinde vorliegt, z. B. Safien im Bündnerland. Segg Segg f. kommt nur als t Segg (Termen) vor. Beschrieben wird die Flur als Steilhang östlich der Saflischhitta. Koordinaten fehlen. Wenn es sich um die bei M. S. ab und zu vorkommende Notation / k/ für die Affrikate / kx/ handelt, liegt ein Plural zum Singular Sack m. ‘ eingefangenes, sackartiges Gebiet ’ vor (Z INSLI 1984, 580 mit Verweis auf I D . 7, 617 Anm. und HL S ACK ). M. S. hat als Lötschentaler Mühe mit der velaren Affrikate, die dort häufig nur als Fortis erscheint (vgl. SDS 2, 95 f. drücken für WS 6 und 7). Z INSLI (1984, 533 f.) interpretiert Sagga in Niel (zu Issime) als Plural von Sagg ‘ Sack ’ , sieht also ebenfalls eine Fortis statt Affrikata vor. Eine andere Deutung kann nicht gegeben werden. Sei Sei m. ist laut I D . zu schwdt. Sei(j) f., m. Sei(j)e n m. ‘ Schätzung der Ertragfähigkeit einer Alpe, nach dem Futterbedarf bemessen, den eine Kuh zur Sömmerung nötig hat ’ (BO), ‘ Benutzung des Gemeindegutes, der Bürgeralpen und der Allmende ’ (BO), auch das Recht dazu, Sei f. ‘ eine engere Burgerkorporation, welche seigenössig ist, d. h. am Sei-Gut Teil hat, welches eben wesentlich in Alpen und Weiden bestand ’ , aus dem rom., cf. mlat. sagium ‘ experimentum, examen, exagium in re monetaria ’ , it. saggio, zu lat. exagium, frz. essai etc. (I D . 7, 600 f.), schwdt. Seiji(n)g, Seijung f. ‘ die Schatzung der Alpen nach Kuhrechten nennt man in U W Bestuhlung, in A P Kuhrechtung, in BO Seyung ’ (I D . 7, 603) zu stellen. Belegt sind jm Saii (1666, Zwischbergen), im Sei (Visperterminen), wo aber ein quer laufender länglicher Wiesenstreifen so genannt wird, der Seig (1831, Goppisberg), Säÿig (1716, Ulrichen), der Sääig (Greich), der Sääjig (Martisberg). Die Belege im Goms (Typ Sääjig) passen zu I D . (7, 603) und bezeichnen als FlN wohl einfach die Allmein. Der historische Beleg aus Zwischbergen lässt sich nicht beurteilen, wird aber hier auch als Allmein gedeutet. Die Form aus Visperterminen wird von Gwp. analog zu Seimji ‘ kleine Säume, Ackerränder ’ (I D . 6, 943 s. v. Saum) Sefinu 151 152 <?page no="895"?> verstanden; diese Deutung ist volksetymologisch sinnvoll, etymologisch aber nicht haltbar. W IPF (1910) und Z IMMERMANN (1968) kennen den Namen nicht. Ob der Beleg aus Visperterminen zu I D . (7, 600 f.) gehört, ist darum unklar. Seich ts Seich n. ‘ das Eingesenkte, die Einsenkung ’ ist nur einmal belegt in ts Leng Seich ‘ die lange Einsenkung ’ (Törbel). Die Beschreibung ‘ Teil des Bodens oder der Decke zwischen zwei Binden ’ legt ein HL *Sänk nahe, das mit Staubschem Gesetz zu Seich wird. Am nächsten liegt das Verb sänke n ‘ senken ’ (I D . 6, 211). G RICHTING (1998, 188) gibt als Form des Saastals seichju für senkle ‘ richten (gerade) ’ . Die Homophonie mit Seich ‘ Harn ’ ist zufällig, kann aber bei sekundären Deutungen zum Tragen kommen. Weitere Belege fehlen wohl, doch hat Eisten 1309 den Beleg jm Senke, der jedoch eher zu Seng ‘ durch Sengen gerodetes Gebiet ’ zu stellen ist. Seick Seick ‘ Harn ’ ist zu schwdt. Seich m., amhd. seich m. ‘ Harn ’ (I D . 7, 138 f.) und wdt. Seik ‘ Urin ’ , m., seikke ‘ urinieren ’ (G RICHTING 1998, 188) zu stellen. Die Affrikata / kx/ kann im Walliserdeutschen an Stelle eines einfachen / x/ verwendet werden (z. B. röucke ‘ rauchen ’ ). In Flurnamen steht meist eher das Verb im Vordergrund (I D . 7, 141 ff.). Das in Oberwald belegte bine Pschissne Seicke ‘ bei den minderwertigen feuchten Stellen ’ erscheint auch als Bschissne Sicke (FLNK, Oberwald); beide HLL haben etwas mit feuchten Böden zu tun. t Eschelseika ‘ die Quelle, die Wasser führt, wie ein Esel, der uriniert ’ (Glis) enthält eine Fortis / k/ , die aber vermutlich von M. S. verschrieben wurde; es ist von einer Affrikata / kx/ auszugehen. Das Kompositum ist auch in I D . (7, 139 s. v. Esels-Seich ‘ Harn des Esels ’ ) belegt. dr Seickschleif ‘ der Schleif, wo die Pferde Harn liessen ’ (Ried-Brig) wird so nach der Beschreibung der Gwp. gedeutet; der Name kann auch als ‘ feuchter (Holz-) Schleif ’ verstanden werden (cf. HL S EICH ). Das 1503 in Naters belegte Seÿchwasserleitta ist wohl zu deuten als ‘ die nässende Wasserleitung ’ . ts (e)Rossseickgräbji ‘ der kleine Graben mit Wasser, das wie Rossharn fliesst ’ ist zu Ross-Seick (I D . 7, 140, s. v. Rossseich ‘ Rossharn ’ ) zu stellen. Eine Ableitung auf - ERA (S ONDEREGGER 1958, 471) ist in t Seick(e)re ‘ das Gebiet mit vielen kleinen Quellen (die wie Harn fliessen) ’ (Zermatt) belegt. Seil Seil ist zu schwdt. Seil, Seili n. wie nhd. ‘ Seil ’ aus Hanf o. ä. oder Metall, in Namen i. d. R. Hinweis auf Stellen, wo man Wildheu abseilte oder wo man ein Seil zwecks leichterer Begehung angebracht hatte; appellativisch auch für Luftseilbahn (I D . 7, 738 ff.). R ÜBEL (1950, 72) kennt Seili f. als ‘ Anbindestelle für Vieh im Stall ’ ; der Ort, wo es ‘ eingeseilt ’ wird. G RICHTING (1998, 188) verweist unter Seili auf ‘ Platz im Stall, Ordnung, Seilvoll ’ , letzteres etwa für Heu. I D . erwähnt Seili f. Abstraktbildung auf ahd. -î(n) zum Verb schwdt. seile(n) ‘ an einem Seil heraufziehen oder hinunterlassen ’ , z. B. Wildheu (I D . 7, 759 f.; URNB 3, 207 f.). Das mehrfach vorkommende Seilrichti ist wohl identisch mit Schnuer-Richti oder Faden-Richti (I D . 6, 463 f.), hier häufig als ‘ schnurgerade senkrecht abfallend ’ zu verstehen. Die Simplizia Seil und Seili fehlen in den Namen. Als Grundwort kommt Seil vor in Ober und Unner Draatseil ‘ oberes ’ und ‘ unteres Drahtseil ’ (beide Mund) für eine Einrichtung zum Holztransport. Unklar ist ts Draatseilbächji ‘ der kleine Bach, der einem Drahtseil folgt / der so gerade ist wie ein Drahtseil ’ (Ulrichen). Für Bäruseil (Eisten) fehlt eine vernünftige Deutung, es sei denn, es handle sich um eine phonetische Umdeutung von Bärusall (cf. HL S ALL ). Frosiil n. (Münster) gehört nach SDS (1, 112) ‘ Seil ’ hieher, der erste Teil ist wohl Fron ‘ Herr ’ , aber die Deutung bleibt unklar. Es könnte sich auch um Sil m. ‘ Zuggeschirr für Zugtiere ’ (I D . 7, 763 f.) handeln (hdt. Siele f. G R W B 16, 953 f.); Z INSLI (1984, 226, Anm. 612) verweist auf *silja ‘ lange Ackerstreifen ’ (RN 2, 313 ff.), was aus lautlichen und sachlichen Gründen kaum überzeugt. Am ehesten ergibt sich so etwas wie ‘ Gebiet wie ein Seil, das beim Frondienst verwendet wurde ’ . Als Grundwort kommt Seili vor in Summerseili (Greich, Ried-Mörel); anzunehmen ist, dass hier ein Ort gemeint ist, der einer Anbindestelle für Vieh im Sommer gleicht, also angenehm ist; hierzu gehört auch die Summerseilwasserleita ‘ die Wasserleite, die vom / zum Summerseili führt ’ (Ried-Mörel). Bei Schaafseilini (Ritzingen) geht die Deutung wohl in die Richtung eines Gebietes, in dem sich die Schafe gern aufhalten. Bei den Bestimmungswörtern ist zu unterscheiden zwischen den Bildungen mit Seilbaan (Hohtenn), Station Seilbahn (Leukerbad) und Seilbaastazjoo ‘ Station der Seilbahn Hannigalp ’ (Grächen) einerseits und mehreren weiteren Bildungen mit Seil, die jeweils unklar sind: Seilegga, Seilerrichti, Seilrichti, Seilfad, Seilloch, Seilschipfu, Seilmatte, Silacher und andere, sowie dem Seilschipfugräbji (Niedergesteln). Wie oben gesagt, ist Seilrichti und Seilerrichti als ‘ schnurgerade senkrecht abfallendes Gebiet ’ (Fels, Graben) zu verstehen. In anderen Fällen wie Seilfad und Seilloch sind schmale oder enge Stellen 153 154 Seil <?page no="896"?> gemeint, die die Form eines Seiles haben, oder bei der man ein Seil zum Durchkommen braucht. Doch sind diese Deutungen jeweils vorläufig. Gelegentlich könnte auch der FaN Seiler einen Einfluss haben. Seiler (FaN) Seiler (FaN) ist als FaN, auch Seyler, Seilers, Seylers geschrieben, belegt für drei Familien im Oberwallis ohne bekannten Zusammenhang (AWWB 238 f.). Der FaN kommt mehrfach vor: Seilerhütten ‘ die Hütten der Familie Seiler ’ (1866, Steg), ts Seilersand ‘ das Sandgebiet der Familie Seiler ’ (Täsch), Seilerweid ‘ die Weide der Familie Seiler ’ (Blitzingen) und die Seilerweide ‘ die Weide der Familie Seiler ’ (1927, Eischoll). Genitiv Singular ist belegt in Seilers Matte (1572, Niedergesteln) und ts Seilersch Räbe ‘ die Reben der Familie Seiler ’ (Visperterminen). Im Einzelfall kann es sich auch um die Berufsbezeichnung des Seilmachers handeln. Seischer Seischer ist nur 1676 in Salgesch als ÿ seischer ‘ im Felsengebiet ’ belegt. Laut Dokument handelt es sich um einen Weinberg. Wenn der erste Teil nach T AGMANN (1946, 78) zu sei > lat. saxum ‘ Fels ’ zu stellen ist, müsste der zweite Teil eine sonst unbelegte kollektive Form * SAXARIU ‘ das Felsgebiet ’ sein, die im Dialekt von Salgesch aus *scheiser zu seischer umgestellt worden wäre. Diese Deutung ist aber sehr unsicher. Seit Seit n. ist der Name eines früheren Weilers (auf der Dufourkarte Dörfli) von Selkingen. Die ältesten Belege für den Namen stammen aus dem 15. Jahrhundert, latinisiert als de Seyto (1428, Selkingen) oder de Seÿt (1433, Selkingen); auf der Landeskarte ist es als Zeit notiert, also wohl mit dem Artikel ts Seit zu Zeit verbunden. Daraus abgeleitet ist der Familienname Zeiter (cf. HL Z EITER (F A N)). Der Diphthong / ei/ ist alt; das einzige entsprechende deutsche Wort ist Seite ‘ Saite ’ (I D . 7, 1443); es gibt aber keinen Hinweis auf einen Ortsnamen dieses Typs. Näher liegend ist eine Ableitung zu frz. seyer ‘ mähen ’ (P IERREHUMBERT 1926, 570), aus lat. secare ‘ schneiden ’ , auch seiteur ‘ Mäher, Mannmahd ’ (P IERREHUMBERT 1926, 500). Romanische Namen sind im Goms selten und meist in älterer Form belegt; fehlende ältere Belege machen aber eine Plausibilisierung der Herleitung unmöglich. Der Name ist als Simplex Seit / Zeit für den ehemaligen Weiler belegt. Nur historisch erscheint Zeütt (1603, Ritzingen) mit einem hyperkorrekten Diphthong / eü/ . Die Ableitung Seiter / Zeiter bezeichnet die Zugehörigkeit oder die Herkunft der Besitzer aus Seit. Grundwörter dazu sind Bach, Biina, Bode, Brigga, Egg(a), Fura, Eie, Los und Wald. Komplexer ist Zeiterwaudwäg ‘ der Weg durch den Zeiterwald ’ . Nicht zu Seit als ehemaligem Weiler gehören zwei Namen, die unter diesem HL erscheinen: Seital (1599, Ritzingen) ist vermutlich ein Tal im Bereich von Unter- oder Oberaargletscher im Haslital (Berner Oberland). Seitmattu (1730, Steg) ist im Dokument als in der Seÿtmaten verzeichnet; es könnte sich auch um eine hochdeutsche Version von Sita ‘ Seite ’ handeln, doch gibt es dafür in Steg keinen weiteren Beleg. Selig (FaN) Selig oder Sellig (FaN) ist vermutlich ein FaN von Goppisberg. Belegt sind Seligi Turren ‘ der Turm der Familie Selig ’ (1770) und In Selligo Staffel ‘ auf dem Stafel der Familie Selig ’ (1822), mit der kollektiven - IG -Ableitung im Genitiv Plural. Die Karte 1: 10000 kennt dazu noch den Seligturmwald ‘ der Wald beim Turm der Familie Selig ’ (fehlt in der Datei), alle in Goppisberg. Vermutlich liegt schon dem Namen Selig eine - IG -Ableitung eines Kurznamens wie Sello (F OERSTEMANN 1, 1291) zu Grunde. Zu einem verwandten Flurnamen cf. HL S ÄLIG . Selisch (PN) Selisch (PN) ist nur 1675 in Guttet belegt als in Selischmatten. 1811 ist bezeugt in der Selis Matten, 1815 ÿn Sellisch Matten. Es handelt sich wohl um einen PN Seli im Genitiv mit der Bedeutung ‘ in der Wiese des Seli ’ . Es kann damit Sele n ‘ Kurzform des männl. Taufnamens Selest ī n Cölestin ’ (I D . 7, 737) gemeint sein. Seljeonjeur Seljeonjeur erscheint nur 1670 als Alternativname: in die Bouiri alias in Seljeonieur. Bowiiri ‘ Ochsenweide, Ochsenstall ’ ist bei M ATHIEU (2006, 41) gut belegt (cf. HL B OWIIRI ) und befindet sich auf rund 1650 m. G. P ANNATIER (p. c.) vermutet, dass der Name zu mfr. seillon (FEW 11, 417) ‘ tranchée qu'ouvre dans la terre le socle de la charrue ’ (der Graben, den der Sockel des Pfluges in der Erde hinterlässt), das seinerseits zu *selj- (ev. keltisch) mit unklarer Herkunft und Bedeutung gehört (FEW 11, 416 ff.). Die Form enthält wohl eine weitere lokalisierende Ableitungssilbe wie - ATORIA (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288); da afr. sellon auch einfach ‘ ein Stück Land ’ heisst, dürfte der Name wohl einfach als ‘ das Stück (pflügbarer? ) Boden ’ verstanden werden. Die Schreibweise legt auf jeden Fall nahe, dass der Sinn des Ganzen nicht vollständig klar war. Selkige Selkingen (dial. Selkige oder Seukige) ist ein ursprünglicher Gemeindenamen, der als Siedlungsname aus einem ahd. PN und dem Patronymikalsuffix - INGEN ent- Seiler (FaN) 155 156 <?page no="897"?> standen ist. Die ursprüngliche Form des zu Grunde liegenden PNs kann nicht sicher bestimmt werden, da entsprechende historische Belege fehlen. Der Vorschlag von S TUDER (1896, 230), den Namen zu ahd. salahi ‘ Weidegebüsch ’ zu stellen, scheint unwahrscheinlich, da sich das Suffix - INGEN i. d. R. mit einem ahd. PN im ersten Glied verbindet. Der u. a. von B RUCKNER (1945, 107) angenommene Zusammenhang mit den -ingen-Namen der deutschen Schweiz ist nicht gegeben, da das kollektive Suffix - ING im Oberwallis bis heute lebendig ist. Die historischen Belege schwanken zwischen Selgingen (1374) und Selkingen (1376); der Name müsste Selgo oder Selko gelautet haben; hierzu passt der ahd. Personenname Salicho oder Selke bei F OERSTEMANN (1, 1291). Die ehemalige Gemeinde Selkingen fusionierte am 01.10.2000 mit Biel und Ritzingen zur neuen Gemeinde Grafschaft, die ihrerseits 2017 in der Gemeinde Goms aufging. Neben dem früheren Gemeindenamen Seukige (Selkingen) sind Adjektive (oder ursprüngliche Genitive Plural) vertreten: Selkiger Eije ‘ die Auen der Leute von Selingen ’ (FLNK, Selkingen), der Seukigerbach ‘ der Bach, der aus dem Bieliger Tal noch Selkingen fliesst (auch ‘ Walibach ’ ) ’ (Biel), auf dem Selkiger Boden ‘ auf dem zur Gemeinde Selkingen gehörenden Boden ’ (1826, Selkingen), am Selgigerberg ‘ am / im Berg, der zu Selkingen gehört ’ (1620 u. später, Selkingen), zem Seukiger Chäuer ‘ beim (Käse-)Keller der Leute von Selkingen ’ (Selkingen), in der Selckiger Grúeben ‘ in der Selkinger Grube (Grube von Selkingen) ’ (1810, Selkingen), Selgingerrun … Los ‘ das Los der Leute von Selkingen ’ (1394, Selkingen), Selkiger=Bach ‘ der Bach, der zu Selkingen gehört ’ (1851, Selkingen), ts Seukigertau ‘ das Selkiger Tal (auf LT auch Bieligertal), durch das der Selkigerbach (auch: Walibach) in den Rotten fliesst ’ (Selkingen), der Seukigerwaud ‘ der Wald, der zu Selkingen gehört ’ (Selkingen). Selkun (PN) Selkun (PN) ist nur in an der Selkun Mattun (Zeuge eines Dokumentes von 1302 in Mörel) belegt. Es handelt sich wohl um einen PN im Genitiv, wobei vermutlich Selko gemeint ist. F ÖRSTEMANN (1, 1291) kennt Salecho oder ähnlich (cf. HL S ELKIGE ). Selle Selle ist die Bezeichnung eines Gipfels (3842 m) auf der LK in St. Niklaus. Der Name ist wohl zu it. sella f. ‘ Sattel ’ zu stellen, hier zur Bezeichnung eines Bergsattels (URNB 3, 218 mit Verweis auf lat. und auf RN 2, 308). I D . (7, 711 s. v. Sell I) kennt das Lemma nur für Obersaxen, doch ist Sella als Bergname durchaus bekannt (vgl. P ETRINI 1993, 124). Da auch frz. selle (FEW 11, 418 ff. s. v. sella stuhl) aus dem Frz. oder Frpr. möglich ist, wird das HL nicht markiert. Sellingen Sellingen ist nur 1397 in Naters als zen Sellingen ‘ bei den Sellingen ’ belegt; laut Dokument befindet sich die Flur in exteriori Aletz ‘ im äusseren Aletsch(i) ’ . Der Flurname erscheint später so nicht mehr. Von der Lage her ist der Pflanzenname Selliga (I D . 7, 738) gemeint, der auf G ESNER zurückgeht. Belegt ist in der Schweiz nur N ARDUS STRICTA ‘ Borstgras ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1492), das in dieser Höhe wachsen kann. G ESNER erwähnt Nardus Celtica vel Gallica, das so nicht mehr belegt ist. Zu vergleichen ist auch Seliung ‘ Magdalenenkraut ’ (G R W B 16, 537). Sellun Sellun kommt nur historisch als Bestimmungswort in Sellunmatta (1430, Törbel) vor. Ohne Kontext ist nicht sicher zu erklären, welches Lemma zu Grunde liegt. Am ehesten kommt Sella ‘ Türschwelle ’ (cf. HL Z EL und I D . 7, 711 ff., auch V. S CHMID 2003, 179) in Frage, doch ist diese Deutung sehr unsicher. It. sella ‘ Sattel ’ liegt eher fern, ebenso Frz. selle ‘ Stuhl ’ (cf. HL S ELLE ). Seltin Seltin ist 1699 in Mörel als das Seltin Morgiae belegt. Es handelt sich um ein Diminutiv, wohl zu Sall (cf. HL S ALL ). Auch hierzu gehört zum Selti (Visperterminen), das unter dem HL S ALL aufgeführt ist. In Steg ist t Sältimattä ‘ die Sälti-Wiese (unklar, wohl Bachname) ’ belegt. Die ältesten Belege sind: 1310 Saltan Matta, 1369 Saltenmatta, 1427 Saltunmatta. Erst 1507 erscheint jn den Seltinmatten, später sind beide Formen belegt. Saltana (1299 u. später, Steg) ist in Steg belegt; unklar ist, ob es sich um das Gut des Weibels (Salten) handelt, oder um einen Bach. Ähnlich unklar ist Kriz Selti Matte (1840, Steg), das als pratum ‘ Wiese ’ bezeichnet wird. Ob ‘ das Wegkreuz in der Sältiwiese (Wiese beim Gebiet Sälti) ’ die Bedeutung wiedergibt, ist unklar. Falls Saltana tatsächlich zu Salter (Weibel, frz. Sautier) zu stellen ist, dürfte der Bachname (aus Säältina bei Brig/ Glis abgeleitet) unzutreffend sein; insgesamt ist das HL S ELTIN aber unklar. Senf Senf m. ist nur einmal als Bestimmungswort im Gipfelnamen Senfspitze (LT), Senfspitza (FLNK) (Fieschertal) belegt. Laut K. H AUSMANN / B. R ATHMAYR (Eiger) ( 10 2010, 513) vom Erstbesteiger nach den ockergelben Felsen so benannt, also ‘ die senffarbene Spitze ’ . 157 158 Senf <?page no="898"?> Seng Seng ist zu schwdt. Sang ‘ Sangen ’ , ‘ Sengen ’ , das in Flurnamen häufig ist (I D . 7, 1187 f.). zu stellen. Sengen ist eine Form des Rodens durch das Abbrennen von Bäumen. Es sind gut 80 Belege vorhanden. Das Simplex ist als der Seng ‘ das durch Sengen gerodete Gebiet ’ (Geschinen), unnerm Seng ‘ unter dem Seng ’ (Geschinen), ts Seng ‘ das durch Sengen gerodete Gebiet ’ (Ernen, auch FLNK; LT Sengg) (Ernen), ts Sengg ‘ das duchr Sengen gerodete Gebiet ’ (Naters; LT und FLNK Seng), zum Sengg ‘ im Sengg (durch Sengen gerodetes Gebiet) ’ (Saas-Balen; FLNK Seng, LT Sengg, SK Im Seng), Sengg (Simplon, auch LT Sengg und SK Seng) ‘ das durch Sengen gerodete Gebiet ’ und andere mit historischen Belegen vertreten. Zweisilbig ist ts Sengä ‘ zum durch Sengen gerodeten Gebiet ’ (Kippel) und jm Senke ‘ im durch Sengen gerodeten Gebiet ’ (1309, Eisten). Ein Plural erscheint als t Sengge ‘ in den durch Sengen gerodeten Gebieten ’ (Staldenried, auch FLNK und LT; SK Seng). Diminutive sind belegt als im Sengÿ ‘ im kleine, durch Sengen gerodeten Gebiet ’ (1831, Ried-Mörel; alternative Lesung wohl falsch), jm Sengi ‘ im kleinen, durch Sengen gerodeten Gebiet ’ (1618, Binn), Sengji ‘ das kleine, durch Sengen gerodete Gebiet ’ (Eisten), ts Senngi ‘ das kleine, durch Sengen gerodete Gebiet ’ (Visperterminen, FLNK Senggi), im Sendgi ‘ im kleinen, durch Sengen gerodeten Gebiet / im kleinen Sandgebiet ’ (1750, Niedergesteln) und der Plural t Sengjini ‘ die kleinen, durch Sengen gerodeten Gebiete (Ortsteil von Baltschieder) ’ und weitere. Mit / ä/ sind belegt: im Säng ‘ im durch Sengen gerodeten Gebiet ’ (1843, Bitsch) und ts Sängg ‘ das durch Sengen gerodete Gebiet ’ (Eischoll). Dass auch / ä/ auftreten kann, hängt mit der Verteilung von / e/ und / ä/ vor / n/ zusammen. Mit attributiven Adjektiven sind belegt: ts Hinner Sängg ‘ der hintere Teil des durch Sengen gerodeten Gebietes ’ (Eischoll), Chlei Sengi ‘ das kleine, durch Sengen gerodete Gebiet (unterhalb von Seng) ’ (FLNK, Saas- Balen), ts Ober Sengg ‘ der obere Teil des durch Sengen gerodeten Gebietes ’ (Grengiols), t Ober und t Under Sengga ‘ das obere und das untere durch Sengen gerodete Gebiet ’ (Wiler, FLNK Obri und Undri Sengga), im Obren und im Úndren Seng (im oberen und im unteren Teil des durch Sengen gerodeten Gebietes ’ (1736 u. später, 1738, Naters), t Obru und t Undru Sänggini ‘ der obere und der untere Teil der kleinen, durch Sengen gerodeten Gebiete ’ (St. Niklaus; FLNK Ober und Unner Sänggini), Unner Seng ‘ der untere Teil des Sengg (durch Sengen gerodetes Gebiet) ’ (FLNK, Saas-Balen), ts Unner Sengg ‘ der untere Teil des Sengg (durch Sengen gerodetes Gebiet) ’ (Simplon) und ts Unner Sengg ‘ der untere Teil des durch Sengen gerodeten Gebietes ’ (Grengiols) sowie ts Änner Sängg ‘ der jenseitige Teil des durch Sengen gerodeten Gebietes ’ (Eischoll). Als Grundwort ist das HL nur in t Mosssenngi ‘ das kleine, durch Sengen gerodete Gebiet auf der Moosalpe ’ (Törbel) belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita vor: Alpa, Bach, Bodu, Bord, Chännel, Egg(a), Fad, Flüö, Gartu, Guppa, Grabu, Haalta, Joch, Licka, Matta, Rufina, Spitz, Suon, Tal, Wald, Wäg, Wasser und Wild. Komplexere Konstruktionen sind als der Ober und der Unner Sengbodu ‘ der obere und der unter Boden oberhalb Sengg (durch Sengen gerodetes Gebiet ’ (Saas-Balen), der Ober und der Unner Senggiwald ‘ der ober und der unter Teil des Senggiwaldes (Wald oberhalb des Senggi) ’ (Grengiols) und andere mehr. Eine Form mit sog. Rückumlaut zum Verb be-sengen ist t Psanngta ‘ die Versengte (Stelle) ’ (Ausserbinn). Hierzu gehören auch di Bsanggthaalte ‘ die versengte Halde ’ (Betten) und am Bsangt ŭ n Biel ‘ am versengten Hügel ’ (1587, Ried-Mörel). Ohne das Verbpräfix / be-/ ist jn der Sangen Matten ‘ im der versengten Wiese ’ (1736, Goppisberg) belegt. Senntum Senntum, im unteren Oberwallis auch Sänntum, ist zu schwdt. Sennt ŭ m, wdt. Senntum, Senntem (Goms), Sänntum n. (im Oberwallis nur n.) ‘ Herde Kühe unter der Aufsicht von Sennen von unbestimmter Anzahl ’ , ‘ eine Herde Vieh, vorzugsweise Milchvieh oder Kühe auf einer Alp mit Sennhütte, Sennen, Hirten und Zubehör; überhaupt alles, was zu der oder auf die Alp während eines Sommers gehört ’ , ‘ Alp; Melkviehalp, Gemeindealp ’ , ‘ Sennereigenossenschaft; gemeinsame Sennerei ’ , ‘ der Ertrag je einer Alp an Milchprodukten, spec. Käse ’ , ‘ Aufenthaltsort auf einer Alp ’ (I D . 7, 1007 ff.; G RICHTING 1998, 188) zu stellen. In den Namen stehen Alpen und Hütten, in denen Sennen ihren Aufenthalt hatten, im Vordergrund. Senntum ist eine Ableitung mit dem Suffix - TUM zum Nomen Senn / Sänn in der Bedeutung ‘ Bereich des Sennen ’ (wie Fürstentum als ‘ Bereich des Fürsten ’ ). Das Simplex Senntum n. ist belegt in Baltschieder (auf ca. 1400 m), Staldenried und Visperterminen (hier bei FLNK auch Sänntum) und Sänntum n. in Albinen, Embd und Ergisch. Attributive Adjektive geben vor allem die relative Lage an: ts Foder Sänntum ‘ das vordere Senntum ’ (Oberems), ts Inner Sänntum ‘ das innere Senntum ’ (Oberems), ts Inner Senntum ‘ das innere Senntum ’ (Baltschieder, Mund), ts Ober Sänntum ‘ das obere Senntum ’ (Unterbäch), ts Ober Senntum ‘ Visperterminen ’ , ts Unner Sänn- Seng 159 160 <?page no="899"?> tum ‘ das untere Senntum ’ (Unterbäch), ts Unner Senntum ‘ das untere Senntum ’ (Visperterminen), ts Üsser Sentum ‘ das äussere Senntum ’ (Baltschieder, Birgisch, Mund). Eine Reihe von ursprünglichen Familiennamen (die nicht heutigen Besitzern entsprechen) im Genitiv Plural finden sich im Binntal: jn Bognero Senthumb ‘ im Senntum der Familie Bodmer ’ (1573 u. später, ab 1634 in Bodtmero Senthum), in Claúsigen Senthum ‘ im Senntum der Familie Clausen ’ (1601 u. später), in Dietzigo Sentum ‘ im Senntum der Familie Dietzig ’ (1607 u. später), in Fintschigo Sentum ‘ im Senntum der Familie Fintschig ’ (1581 u. später, hieher gehören auch Fintzschigo und Füeschigen), in Hoffero Sentu ᵕ mb ‘ im Senntum der Familie Hofer ’ (1653 u. später), in Holtzero Sentumb ‘ im Senntum der Familie Holzer ’ (1625 u. später), Jennigo Senthúmb ‘ im Senntum der Familie Jennen ’ (1576 u. später), in Schinero Sentum ‘ im Senntum der Familie Schiner ’ (1610 u. später), Sÿberen Senthu ᵕ mb ‘ im Senntum der Familie Siber ’ (1655 u. später), in Zampiggen Sentum ‘ im Senntum der Familie Tschampen ’ (1672 u. später) und Wellschigo Senthúmb ‘ im Senntum der Familie Welschen ’ (1584 u. später). In einem Dokument von 1685 sind diese dreizehn Senntume mit ihren Namen erwähnt: Glausigen, Schineren, Schmidigen, Siberen, Tschampigen, Welschigen, Holzeren, Eggeren, Bodmeren, Hoferen, Jennigen, Diezigen et Fünschigen. Eggeren fehlt in unserer Übersicht; die Alpe ist als in Eggeren Sentum (1691, Ritzingen) belegt; es dürfte sich aber kaum um das gleiche Senntum handeln. Weitere Komposita mit dem HL als Grundwort sind das Baltschiederthal Sentu ᵕ m ‘ das Senntum im Baltschiedertal ’ (1866, Baltschieder), das Tschorrsenthum (1729) ‘ das Senntum der Alpe Tschorr (Felsvorsprünge) ’ sowie ts Gross Geisssäntum ‘ das grosse Senntum für die Ziegen ’ und ts Chleingeisssänntumji ‘ das kleine Senntum für die Ziegen ’ (beide Visperterminen auf ca. 1750 und 1900 m). Das HL verbindet sich als Bestimmungswort mit zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Bach, Bodu, Biel, Graat, Hitta, Läger, Matta, Stadel, Tola und Wald. Komplexere Konstruktionen sind: der Ober und der Unnersäntumfärich ‘ der Pferch auf dem oberen und dem unteren Senntum ’ (Visperterminen), der Ober Säntumstafil ‘ der Stafel der Alpe Ober Senntum ’ (Ergisch) und andere. Ein Sonderfall ist die Form der Sännihubol ‘ der Hügel beim Senntum ’ (Visperterminen), der laut Gwp. die Grenze zwischen den Alpen Stafel und Senntum bildet. Sennu Sennu oder Sännu kommt als Simplex nicht vor; ein vermutlicher Diminutiv ist in Sennje (FLNK, Zermatt) belegt. Das auslautende -je ist in Zermatt als Diminutiv zu deuten, doch gibt es keinen Hinweis auf das Gebiet eines Sennen. Da sich nicht weit davon ein Flurname zum See befindet, kann ein Zusammenhang nicht ausgeschlossen sein. Die übrigen Belege betreffen ein Bestimmungswort zu schwdt. Senn, Senno m., Pl. Sen(n)e n , Sen(n)u n , Dim. (verächtlich) Senni, Sennli ‘ Haupt der (mindestens aus zwei, in Grossbetrieben 6 - 15 durchweg männlichen Personen bestehenden) Älplerfamilie und Betriebsleiter einer (meist genossenschaftlichen) Sennerei auf einer Alp, dessen besondere Aufgabe die Butter- und Käsebereitung bildet ’ , auch als FaN (I D . 7, 1000 ff.) belegt. G RICHTING (1998, 188) kennt Senne, Sennä (Goms), Senna (Mattertal), Sennu (Saastal), Sännu. Dazu ist die Ableitung schwdt. Senner ī , Sennerei f. ‘ Sennengewerbe, Hirtenwesen ’ , ‘ Kollektiv dessen, was zu einer Alpwirtschaft gehört ’ , ‘ Wirtschaft des Sennen, spec. die Sennhütte, Käserei ’ und wdt. Senneri, Sännärii ‘ Sennerei ’ (I D . 7, 1006; G RICHTING 1993, 1800) zu betrachten. Im Oberwallis ist ausser dem schon erwähnten Sennje ‘ das kleine Senntum ’ (Zermatt) nur das HL als Bestimmungswort überliefert in zweigliedrigen Komposita zu den Grundwörtern Hitta, Hüs, Platz, Schiir, Schluocht, Tätsch und Wäg. In Grächen ist Sänneriistraass erwähnt, wobei die Rede davon ist, dass dies ein Dorfteil von Grächen ist, wo sich früher die Sennerei (= Molkerei) befand. Senty Senty ist nur 1435 in Albinen in sub saxo sentýmarýz ‘ unter dem Felsen des Heiligen Moritz ’ belegt (cf. HL M ORITZ ). Die Annahme, dass es sich um die heilige Maria handelt (G. P ANNATIER , p. c.), ist wohl falsch. Senty ist zu sanctus ‘ heilig ’ (FEW 11, 149 f.) zu stellen.; vgl. hierzu auch M EYER (1910,170 s. v. SANCTU ). Zu anderen Verwendung vgl. HL S ANT . Sentz Sentz n. ist mehrfach historisch in Visperterminen belegt als das Sentz (1519). Es scheint sich um eine Kurzform des PN Crescens zu handeln (I D . 7, 1220) und meint dann wohl ‘ das Gut des Crescens ’ . Serag Serag ist nur im Plural als t Serak (Oberems) belegt. Es handelt sich um das frz. sérac ‘ Eisturm ’ , das hier auf den Turtmanngletscher angewandt wurde. Das Etymon wird nach FEW (11, 494 ff. s. v. ser ā ceum zieger) auf das Wort für Zieger zurückgeführt, das nach S. 495 auch als ‘ grande masse de glaces plus ou moins compactes (grosse Menge von Eis, die mehr oder weniger kompakt sind) ’ (H. B. DE S AUSSURE ) verstanden wurde. 161 162 Serag <?page no="900"?> Serggen Serggen ist nur 1658 in Mund als auff der Serggen belegt. Der Beleg zeigt das Genus Feminin und spricht von einem Stück Acker. Das HL ist sonst nicht belegt. Eine Deutung ist darum nicht möglich. Sero Sero m. ist nur belegt in der Sero (Leuk) und t Seroleisi ‘ der Weg zum Sero ’ . Laut Beschreibung handelt es sich um den Ort, wo das Kanalwasser in einem Tunnel verschwindet. Es scheint sich um eine Entlehnung aus dem Frz. zu handeln; lautlich am nächsten liegt zéro ‘ Null ’ (I D . 7, 1269, s. v. Sero); die Deutung ‘ Null im Rechnen ’ trifft jedoch kaum zu, hingegen könnte ‘ der Nullpunkt ’ des Kanals gemeint sein. Serra Serra ist der lateinische Terminus für ‘ Sägerei ’ . Belegt ist es in prope serram ‘ bei der Sägerei ’ (1723, Albinen; 1721 Varen) und in einem Beleg von 1527 in Visp “ vbi antiquitus fuit molendium et serra situm Vespie ” (wo früher eine Mühle und eine Sägerei waren, gelegen in Visp). Dieser letztere Beleg ist ziemlich sicher rein appellativ, also kein Name. Die ersten zwei sind unsicher. Vermutlich ist aber nirgends ein Name gemeint, vgl. zum Ganzen auch FEW (11, 524 s. v. s ĕ rra säge). Die übertragene Bedeutung für ‘ Berggrat ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 252) ist nicht belegt. Sert Sert ist nur in Albinen 1333 als en len sert ‘ beim gerodeten Land ’ belegt. Vermutlich handelt es sich um eine Form von frz. essart, patois èsè ̩ r ‘ gerodetes Land ’ (G PSR 6, 711 s.), das hier um 1333 als en len sert wiedergegeben wird. Es ist wohl zu en l'essert ‘ beim gerodeten Land ’ zu stellen. Serze Serze ist nur belegt als Alpname üf Serze und in der Komposition Serzestafel (FLNK) ‘ der Stafel der Alpe üf Serze ’ (beide Oberwald). Der Name ist unklar. Sewal Sewal ist nur belegt in die Sewal Oya ‘ die Aue des Sewal (PN? ) ’ (1348, Blitzingen). F ÖRSTEMANN (1, 1313) kennt Sebald (vgl. auch I D . 7, 39) und Sewald. Beide PNN sind sonst nicht belegt. Der andernorts belegte Flurname der Sewaldt ‘ Seewald ’ (1656, Blatten) ist in Blitzingen nicht belegt; das HL S EE ‘ See ’ kommt nur auf den Alpen vor, während der Flurname sich auf ein Stück Land am Rotten bezieht. Insgesamt kann Sewal nicht sicher gedeutet werden. Sewer (FaN) Sewer (FaN) ist der FaN Sewer, auch Seewer, Name einer alten Familie des Bezirks Leuk, die dort noch besteht und von Visp stammen soll (AWWB 238). Belegt sind die Genitive juxta siluam Sewero ‘ beim Wald der Familie Sewer ’ (1448, Zermatt) und Sewero Wasserleytun ‘ die Wasserleitung der Familie Sewer ’ (1448, Zermatt). Nur lebend belegt ist Seewerwald ‘ der Wald der Familie Sewer ’ (FLNK, Leuk). im Sewitzacher ‘ im Acker der Familie Seewer ’ (1676, Münster) ist etwas unsicher; es handelt sich wohl um einen Genitiv Singular zu einer umgangssprachlichen Form ts Sewi ‘ der Angehörige der Familie Sewer ’ . Seynti Seynti ist nur 1360 als la seynti leyz ‘ der breite Pfad ’ (Leuk) belegt. Seynti ist zu Sendey, Sendi, Sendier, Sendeley: Sentier < lat. s ĕ m ī ta fussweg, pfad (FEW 11, 440 f.; B OSSARD / C HAVAN 2006, 204) zu stellen. Sggiena Sggiena ist nur als t Sggiena ‘ der (Fels-)Rücken ’ (Zwischbergen, LT Schiena, FLNK Schgiena) belegt. J ORDAN (2006, 384) kennt Schgéna, als Variante Schgjéna (so auch 1: 10000) und leitet ihn aus it. schiena ‘ Rücken ’ (D EVOTO / O LI 2020, 1984 s. v. schiena) ab, so auch die Gwpp. von M. S. In Flurnamen meint it. schiena f. ‘ rundliche Bergerhebung, Wasserscheide zwischen zwei Abhängen ’ (D E- VOTO / O LI 2020, 1984, Bed. 2). Sibem Sibem ist nur als t Sibem Eggä ‘ die sieben Ecken ’ (Kippel) belegt. Die Form Sibem für Sieben ist einer regressiven Assimilation zu verdanken, die ein / m/ aus einem / n/ nach einem / b/ veranlasste. FLNK hat hier Sibeneggä. Die Deutung wäre also ‘ die sieben Ecken ’ . Vgl. aber Nr. 38610 Sidenbobm. Siber (FaN) Siber (FaN) ist ein FaN ursprünglich aus Ernen, auch Syber geschrieben (AWWB 240), bezeugt auch in Binn. Belegt ist der Name laut den folgenden Namen auch in Bellwald, Filet und Grengiols. Die Belege sind: Sibern ‘ der Familie Siber ’ (1720; Ernen), hier wohl Genitiv Plural, dann Genitiv Singular beÿ Sibers Haús ‘ beim Haus der Familie Siber ’ (1693, Filet), weitere Genitive Plural sind Siberen Sentum ‘ das Senntum der Familie Siber ’ (1655 u. ö., Binn) und Sibere Stafu ‘ der Stafel der Familie Siber ’ (Binn). Als Komposita kommen vor: ts Siberschiirli ‘ die kleine Scheuer der Familie Siber ’ (Grengiols), der Siberacher (1824, Bellwald) Serggen 163 164 <?page no="901"?> und ts Siberblati ‘ die kleine Platte der Familie Siber ’ (Bellwald). Sibilia (PN) Sibilia (PN) ist nur 1802 in Oberems als a ŭ f Sibilÿen Matten ‘ auf der Wiese der Sibilia ’ belegt. Der PN ist zu Sibille n (I D . 7, 62 f.) in der Bedeutung 1 b) weiblicher Taufname ‘ Sybilla ’ zu stellen. Sibneten Sibneten ist nur belegt als jn den Sibneten ‘ im siebenten Teil des Gebietes ’ (1658, Glis), lokalisiert als vltra stratam regiam versus Rhodanum ‘ jenseits der Landstrasse gegen den Rotten zu ’ . Zu Grunde liegt wohl die Zahl s ĭ be ‘ sieben ’ (I D . 7, 46 ff.; zu Orts- und Flurnamen 57), hier genauer zu sibunt (I D . 7, 57). Gemeint ist wohl der siebente Teil des Gebietes. Der Gemeindename Siebnen wird im SZNB (4, 433 f.) auf Siebeneich zurückgeführt. Sichja Sichja f. ist nur als t Sichja (Bürchen; LT Sichja) erwähnt. Beschrieben ist der Ort als ‘ Sichelförmige Vertiefung im “ Heiminugrad ”’ . Der Name ist zu schwdt. Sichle n f. ‘ Sichel ’ , übertragen auf Dinge von ähnlicher Form, ahd. sihhila, mhd. sichel und wdt. Sichja, Sichla (Goms und Lötschtal), Sichju ‘ Sichel ’ (I D . 7, 186 ff.; G RICHTING 1998, 188) zu stellen. Die Vertiefung wird metaphorisch als Sichel bezeichnet; die Palatalisierung von / l/ zu / j/ ist üblich (R ÜBEL 1950, 13). Sicht Sicht f. ist nur in Üssichtspunkt ‘ der Ort, von dem aus man eine schöne Aussicht hat ’ (FLNK, Zeneggen) belegt. Es gehört zum Nomen Üssicht, das in I D . (7, 247, bes. 2.) als ‘ Aussicht ’ bezeugt ist. Aus Gründen der Konsistenz wurden hier die HLL S ICHT und Ü S getrennt. Das Fugens (kein Genitiv, da feminines Genus! ) entspricht dem Hochdeutschen. Sicka Sicka f. ‘ das sumpfige Gebiet ’ ist zu schwdt. Sücke(n) bzw. Sügge(n), Sicke(n) (Sicka) f. ‘ durchsickerndes Wasser, z. B. aus einer Wasserleitung ’ , ‘ mit Wasser durchsetzte, sumpfige Stelle, Pfütze, Wasserlache ’ (I D . 7, 685 f.) zu stellen. G RICHTING (1998, 189) kennt nur die Ableitung Sikkete (m. Varianten) ‘ Sumpfgegend, Morast ’ . Das in SZNB (4, 432) erwähnte Sicke ist laut dem Beleg aus dem 13. Jahrhundert nicht entrundet und kann deswegen kaum zum hier behandelten HL gestellt werden, wenn die Rundung laut I D . anzunehmen ist; anders das in URNB (3, 220) erwähnte Sicke. Das Simplex im Singular ts Sick ‘ die Alpe Sick ’ (Grengiols) begründet ein Namennest mit Sickerchäller ‘ der (Käse-)Keller der Alpe Sick ’ , der Sickeregale ‘ der Grasrücken bei der Alpe Sick ’ , der Sickergrabe ‘ der Graben bei der Alpe Sick ’ , der Sickerschäre ‘ die Schutzhütte auf der Alpe Sick ’ und ts Sickimoss ‘ das sumpfige, feuchte Gebiet auf der Alpe Sick ’ (alle Grengiols). Nicht direkt zur Alpe Sick, aber zu Grengiols gehören ze Sicke ‘ bei den sumpfigen, feuchten Böden ’ und ts Sickalpji ‘ die kleine sumpfige, feuchte Alpe ’ . Das Simplex im Singular ist als t Sicka ‘ der feuchte, sumpfige Boden ’ (Mörel, Simplon) und als Sicku (FLNK, Bürchen) belegt; ob t Siichu ‘ der feuchte, sumpfige Boden ’ (Saas-Almagell) hieher zu stellen ist, bleibt unklar, da es der einzige Beleg dieses Typs ist. Der Plural Sicke ‘ die feuchten, sumpfigen Böden ’ (Ulrichen) und beÿ den Sicken (1808, Oberwald) ist zweimal belegt. Unsicher ist auch in den Schicken (1799, Mund), der einzige Beleg dieses Typs. Adjektivische Attribute finden sich in Bschissne Sicke ‘ die minderwertigen, feuchten Gebiete ’ (Oberwald), t Obere Sicke und t Unner Sicke ‘ die oberen und die unteren Teile der sumpfigen, feuchten Böden ’ (Ulrichen). Das HL ist als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern (ausser in Grengiols, s. oben) belegt: Bletz, Bodu, Schleif, Schiir und Matta. Eine Adjektivableitung Sickocht ist in der Sickocht Wang ‘ der feuchte Grasabhang ’ (Münster) belegt; Adjektive auf - OCHT sind bei M EYER (1960, 124 ff.) aufgeführt. Als Attribut erscheint auch ein Partizip Präsens t Sickundu Bodme ‘ die feuchten Böden ’ (Saas-Almagell). Sidel Sidel ‘ Sitzgerät, Wohnsitz, Aufenthaltsort ’ ist zu schwdt. Sidel, Sidele(n), Sidle(n) f., Dim. Sideli ‘ Sitzgerät von verschiedener Form und Grösse; (altmodischer) Stuhl, Sessel, meist mit vier schräg nach auswärts gestellten Beinen, die in das flache Sitzbett eingepflanzt sind, und mit (herzförmig) durchbrochener Rücklehne ’ , Syn. Stabelle(n), ‘ Übergang in den Zäunen, treppenartig aus Prügeln gemacht ’ , ‘ Wohnsitz, Aufenthaltsort ’ , ahd. sidil (l)a, mhd. sidel(e) (I D . 7, 300 ff.; URNB 3, 221) zu stellen. Als Simplex kommen Sidel (1484, Fiesch, Alpname) und Zidla (wohl agglutinierter Artikel) (1661, Zwischbergen, Allmein) vor. Diminutiv sind Sidelini ‘ die Grasplätzchen zwischen Felsen, die wie Sitzgelegenheiten aussehen ’ (Oberwald, zwei Belege). Mit Bestimmungswörtern (ursprünglich Genitiv Plural) sind belegt: t Kchummliger Sidla und t Schratter Sidela (beide Blitzingen) gleicher flacher Ort, von dem ein Teil den Leuten von der Alpe Chummulti, der andere denen von der Alpe Schratt 165 166 Sidel <?page no="902"?> gehören. Alle andern Belege finden sich in Obergesteln zwischen den Kantonen Bern und Uri, sowie Italien, gehören aber zu verschiedenen Quellen. Der Sideligletscher, die Sidelenlücke und das Sidelenseewji gehören zu den Sidelini an der Grenze zu Italien. Das Sidelehore, der Sidelegraad und die zu Uri gehörenden Sidelegletscher und Sidelenhütte liegen Richtung Uri. Ein Sidelhore liegt an der Grenze zum Kanton Bern und ist wohl nach der Sidellimmi (auf LK Sidelini) benannt, nach der auch der Sidelbach heisst. Westlich davon liegt das Gross Sidelhore, ebenfalls an der Grenze zu Bern. Siden Siden ist als ts Sidenbobm (Kippel) belegt; historisch erscheint es 1838 als Sitenboden und 1843 als Zittenboden. FLNK hat hier Sibenbobm. Nr. 35204 hat Sibem Eggä. Es scheint, dass Sibem ‘ sieben ’ eine spätere Deutung zu Siden darstellt, wobei Eggä und Bobm sehr unterschiedliche Formen sind: Eggä sind (Fels-)Ecken, ein Bobm ist ein flaches Stück Land. Wenn die historischen Belege stimmen, ist nicht schwdt. Siden ‘ Seide ’ , sondern schwzdt. Siten ‘ Seite ’ gemeint, zu dem auch wdt. Sita, Sittä (Goms), Siitu ‘ Seite ’ (I D . 7, 1448; G RICHTING 1998, 189) passt, das hier in der Bedeutung 1 b) α ) ‘ Abhang eines Berges, Talseite ’ zu berücksichtigen ist. Das HL S IDEN ‘ Seide ’ würde nur als Pflanzenname (C USCUTA EPITHYMUM ‘ Quendel-Seide ’ oder C USCUTA EUROPAEA ‘ Nessel-Seide ’ , (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 808)) eine Rolle spielen. Die Datenlage ist nicht so gut, dass eine Entscheidung getroffen werden kann. Sidero Sidero ist belegt in Sidero Hús (1710, Visp) und zer Sideren (1697, Baltschieder). Sidero ist ein Genitiv Plural zu einem FaN oder Herkunftsnamen Sider, der wohl identisch ist mit zer Sideren. I D . (7, 308) kennt Sidere n f. als Pflanzenname für A LCHEMÍLLA ALPÍNA (M ARZELL 1, 173), allerdings ist der Name für das Oberwallis nicht belegt; die Pflanze heisst hier Silberfrauemänteli (nach S TEBLER 1928, 74 für Törbel). Ob sich hier Spuren eines früheren PN handelt, der im Namen Baltschieder erhalten geblieben ist (interpretiert als Brücke des Sitrius nach K RISTOL ET AL . 2005, 119), ist unklar. Da zer Sideren eine feminine Bildung ist, müsste der Name etwa als ‘ bei der Wiese des Sider ’ gedeutet werden. Beide Deutungen sind aber unsicher. Siedu Siedu V. ist zum attributiven Partizip Präsens t Siedundu Brunne ‘ die siedenden (sprudelnden) Quellen ’ (Mund, FLNK Siedundi Brunne) zu stellen. Es gehört zu schwdt. siede n , süüde n , s ī de n ‘ sieden ’ , mhd. sieden und wdt. siede, siädä (Goms), siedu (Vispertäler), siädn (Lötschtal), siädu ‘ sieden, kochen ’ (I D . 8, 310 ff.). Als FlN werden hier Quellen bezeichnet, die nur sporadisch Wasser führen und dann als sprudelnd bezeichnet werden. Auf den Karten ist nur eine sporadisch Wasser führende Rinne zu sehen. Siesse Siesse ist nur als int Siesse ‘ bei den Gräten ’ (Leukerbad) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 5, Nr. 12 und Blatt 7, Nr. 8) kennt es als Siessä. Es handelt sich um ein ursprünglich romanisches Wort; das wdt. siess, siäss ‘ süss ’ (G RICHTING 1998, 189) kommt nicht in Frage. B OSSARD / C HAVAN (2006, 252) kennen Siaz und andere als arête, crête de montagne ‘ Grat, Bergkrete ’ und stellen es zu lat. *seca oder secata, von s ĕ care schneiden (FEW 11, 363 ff.). Der Plural wird von den Autoren in Toponymen wie Sie (s) angenommen. Die Endung auf -e entspricht dem Plural im Walliserdeutschen (vgl. R ÜBEL 1950, 9, Ortspunkt 53). Siessi Siessi f. ‘ Süsse ’ ist Teil des Pflanzennamens Engelsiessi, zu schwzd. Engelsüess (I D . 7, 1409), bei M ARZELL (3, 945) unter P OLYPODIUM VULGARE , einer Farnpflanze, als ‘ Engelsüss ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 82 als Gemeiner Tüpfelfarn). Belegt in der Engelsiessistei ‘ der Stein mit der Pflanze Engelsüss ’ (Reckingen). Die Wurzel schmeckt süsslich (cf. HL E NGEL ). Sig Sig, auch Sigg, ist dreimal belegt: der Sigg ‘ das sumpfige Gelände ’ (Ausserberg), aúff den Sigen ‘ auf dem sumpfigen Gelände ’ (1704, Eischoll), t Sigmatte ‘ die Wiese im sumpfigen Gelände ’ (Glis). Der Beleg in Eischoll wird bei Tscherggu (LT T SCHERRGE ) lokalisiert, einem relativ flachen Gelände, das sumpfig sein kann. Die Flur in Ausserberg befindet sich am Rand eines gegen einen Bach abfallenden Geländes, das feucht sein kann. Die Sigmatte befinden sich im ebenen Gelände des Rottengrundes, der von mehreren Kanälen entwässert wird. URNB (3, 881f: s. v. Sigwald) stellt Sig zu schwdt. Gsig n. ‘ sumpfiges Gelände ’ , ahd. gasig, gisig m., n. ‘ Pfuhl, Sumpf, See, Teich ’ , zum Verb schwdt. s ī he, s ī ge ‘ seihen, sieben ’ , ahd. s ī han ‘ seihen ’ , s ī gan ‘ sinken, (tröpfelnd) fallen ’ (I D . 7, 490 und 586 ff.). G RICHTING (1998) kennt es nicht. Signal Signal n. ist zu nhd. Signal n. (<17. Jh.) entlehnt aus frz. signal m., zu lat. S Ī GN Ā LIS ‘ bestimmt, ein Zeichen zu geben ’ , zu lat. S Ī GNUM ‘ Zeichen, Kennzeichen, Merkmal ’ Siden 167 168 <?page no="903"?> (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 849) zu stellen. Signalpunkte sind weithin sichtbare Zeichen (meist Pyramiden), die zum Zweck der Landesvermessung aufgestellt werden (TGNB 2, 2, 543). Das Simplex Signal, teilweise mit Präpositionen zum, bim kommt mehrfach vor; in Naters einmal mit französischer Aussprache Sinjaal. Das Signalhorn / Signalhoru gehört zu Eischoll, Ergisch und Unterbäch und ist nach einem Vermessungszeichen benannt. Die Signalkuppe / Signalkuppa (Monte Rosa) wurde von L. VON W ELDEN (1824, 36) so benannt, weil dort ein Signal aufgestellt worden war, der italienische Name ist Punta Gnifetti und nach dem Pfarrer A NTONIO G NIFETTI (W ERLEN 2008, 600) benannt. Die Signalegga (Birgisch; 1: 10000 Signalegg) ist ebenfalls nach einem Vermessungszeichen benannt. Sigrischt Sigrischt m. ist zu schwdt. Sigrist m. ‘ Messmer ’ , ahd. sigi-, sigeristo, sigristo, sigersto, mhd. sigrist(e) und wdt. Sigerscht, Sigrischt, Sigroscht ‘ Sakristan ’ (I D . 7, 508 ff.; G RICHTING 1998, 189) zu stellen. Der Name ist auch als FaN Sigristen (AWWB 242) belegt. Als Simplex kommt der Sigresto ‘ der Sigrist ’ (1306, 1308 Stalden) vor - hier wohl ein Grundstück, das dem Sigrist zur Verfügung stand. Ähnlich ist zer Sigerschun ‘ beim Gut des Sigristen ’ (1468, Ernen) zu verstehen - es handelt sich um eine - SCHA / - SCHU -Ableitung zu einem PN oder einem FaN mit der Bedeutung ‘ das Gut von N ’ . Einen vorangestellten Genitiv findet man in ZSigresten Matten ‘ die Wiese des Sigrists / der Familie Sigrist ’ (1660, Lalden) und in an Sigristen Akern ‘ am Acker des Sigrists / der Familie Sigrist ’ (1305, Staldenried). In den übrigen Fällen liegt ein zweigliedriges Kompositum mit Sigrischt als Bestimmungswort vor: Sigerschtuschiir ‘ die Scheuer des Sigrists / der Familie Sigrist ’ (Ried-Mörel), Sigrestakera ‘ die Äcker des Sigrist / der Familie Sigrist ’ (1308 u. 1310, Lalden), der Sigrischtuacher ‘ der Acker des Sigrists / der Familie Sigrist ’ (Mörel), t Sigruschtmatta ‘ die Wiese des Sigrist / der Familie Sigrist ’ (Simplon) und ein Namennest mit drei Belegen: t Sigruschtuhaltä ‘ die Halden des Sigrist / der Familie Sigrist ’ , dr Sigrischtustugg ‘ das Landstück des Sigrist / der Familie Sigrist ’ und t Sigruschtuweid ‘ die Weide des Sigrist / der Familie Sigrist ’ (alle drei Kippel). Ob es sich jeweils um die Funktionsbezeichnung oder den FaN handelt, ist im Einzelfall nicht zu entscheiden; die Kommentare der Gwpp. tendieren generell eher zur Funktionsbezeichnung. Siidu Siidu ist nur in t Siidumatta ‘ die Seidenwiese ’ (Mörel, FLNK Siidumatta) belegt. Laut Beschreibung ist hier heute ein Schulhaus; früher wurden hier auf Maulbeerbäumen Seidenraupen gezüchtet. Zu stellen ist der Flurname zu schwdt. S ī de n , Side n f. ‘ Seide ’ , ahd. s ī da, mhd. s ī de (I D . 8, 305ff). Silber Silber kommt nur als Bestimmungswort vor. Belegt ist es als vff der Silber Ertz Gr ŭ ben ‘ auf der Silbererzgrube ’ (1586, Naters), zer Silberblattun ‘ zu der silberfarbenen Felsplatte ’ (Blatten), Silbersand ‘ das Silbersand (Teil des Gebietes Sand, heller Sand) ’ (Ried-Mörel, auch FLNK und LT), der Silbersattel ‘ der Silbersattel (Bergübergang bei der Dufourspitze) ’ (Zermatt), Siuberschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtng, die silberfarbig ist ’ (Niederwald). Als Adjektiv erscheint zum Silberne Leffel ‘ beim Silbernen Löffel (Mulde mit weissem Gestein) ’ (Zermatt). Das Metall Silber kommt also nur im ersten Beleg von der Alpe Bel vor; alle anderen beziehen sich auf die Farbe des jeweiligen Gebietes oder Gesteins. Zu stellen ist es zu schwdt. Silber n. wie nhd. ‘ Silber ’ (I D . 7, 838 f.). Silios Silios ist nur 1628 in Salgesch als ÿ silios belegt. Es dürfte sich um lat. c ĭ ngula gürtel (FEW 2, 681 ff.) handeln, vgl. B OSSARD / C HAVAN (2006, 246 s. v. Cinglo), die es als ‘ Band, begraster Felsabhang ’ kennzeichen. Dagegen spricht, dass / n/ in der betonten Silbe Silios nicht erscheint. Nasalierte Vokale werden jedoch häufig ohne Nasal wiedergegeben. Deshalb wird silios als ‘ das Band, der begraste Felsabhang ’ wiedergegeben. Silva Silva ist das lateinische Wort für ‘ Wald ’ . Normalerweise tritt es in den Dokumenten für ein Appellativ ‘ Wald ’ auf und ist kein Flurname. Hier seien nur zwei Belege gegeben, die eventuell einen Flurnamen übersetzen: Silva Nigra ‘ (lateinisch: silva nigra) der schwarze Wald ’ (1566, Salgesch) und in pratis siluestribus ‘ (lateinisch: in pratis silvestribus) in den Waldmatten (unklar, welche Sprache der Name hat) ’ (Ergisch). Zu Wald cf. HL W ALD . Simi (PN) Simi (PN) ist eine Kurzform zum PN Simon (I D . 7, 956 s. v. Simeon) und belegt in ts Simisch Hell ‘ die Hölle des Simon ’ (Glis) und in Simonjini ‘ die kleinen Güter des Simon ’ (Grächen). Unsicher ist beÿ Similen Haús ‘ beim Haus des kleinen Simon ’ (1741, Mund), das auch zum HL S INWEL ‘ rund ’ gestellt werden kann, aber dann wohl eine atypische Form aufweisen würde. 169 170 Simi (PN) <?page no="904"?> Simigen Simigen, heute Simmigu, ist der Name einer Alpe im Turtmanntal, belegt in Ergisch, Oberems und Turtmann, mit einem Namennest in Oberems. Es handelt sich vermutlich um eine kollektive - IG -Ableitung zu einem PN wie Simon (häufig belegt, I D . 7, 956 s. v. Sime ō n) oder einem FaN wie Simmen (das sich auch auf den Typ Simon zurückführen lässt; es ist in der Sammlung A RNOLD vertreten, vgl. auch URNB 3, 236, 301), also ‘ die Alpe der Familie Simmen / der Leute des Simon ’ . Historisch belegt ist der Name erstmals 1759 Zen Simigen (Turtmann); aus dem Kontext wird klar, dass es sich um eine Alpe im Turtmanntal handelt. Einfaches Simmigu ist in Oberems und Ergisch belegt. Komposita in Oberems sind: Simmiggreetji, Simmiglicku, Simmigtelli, Simmigwang und - komplexer - Simmigutagfäld. Dazu kommen Simmigu Mittelstafel, Simmigu Oberstafel und Simmigu der Unner Stafel. Ein Zusammenhang zum Namen des Flusses Simme im Kanton Bern ist kaum gegeben; wohl auch nicht zum HL S INWEL , das als Simmel erscheinen kann. Hingegen ist zu vergleichen das HL S IMI (PN) ‘ Simon ’ . Simplon Simplon, gespr. ts Simpilu ‘ bei Simpeln ’ (Simplon; SK Simpeln) ist zunächst der Gemeindename Simplon (frz. Simplon, it. Sempione). Die frühesten Belege sind 1257 Simplun, 1267 Simpilion, 1273 de Semplono (zweimal), 1275 de Simplono, 1285 Xeinplon (Kopie), 1290 de Simplono usw. Später gibt es Varianten wie 1357 Sempiono, 1386 de Sumplono und andere. Die heutige dialektale Form erscheint erstmals 1402 als de Simpillon und kommt 1590 als Simpillen vor. Die Deutungen sind kontrovers: J ACCARD (1906, 437) stellt den Namen zu einem lat. PN Sempronius. Dieser Vorschlag wird von den historischen Belegen nicht gestützt. G UEX (1938, 359) und R ÜBEL (1950, 132) beziehen sich auf H UBSCHMIED , der den Namen als keltische Bildung *seno pelion ‘ alte Weide ’ deutet. Der Name soll wie (Col du) Pillon und Val Pellina (Aostatal) etc. - auf einen indoeuropäischen Stamm *kwel ‚ vermutlich mit der Bedeutung ‘ Weide ’ zurückgehen, keltisch *senos ‘ alt ’ ist gut belegt. Allerdings wären von *Sen-pelióne ausgehend rom. Formen vom Typus *Sempillon zu erwarten, in der Belegreihe finden sich jedoch keine analogen Namenformen (K RISTOL ET AL ., 2005, 835). L URATI (2004, 102 ff.) führt den Namen auf ein romanisches summu planu ‘ die auf dem Gipfel, in der Höhe gelegene Ebene ’ zurück. Allerdings finden sich keine analogen Belege, in denen sich die Lautgruppe Plazu Ploentwickelt hätte; summu kann zeitlich nicht zu sim/ sem führen (eine Entrundung wäre erst um 1500 möglich); deswegen bleibt der Deutungsvorschlag ebenfalls zweifelhaft. Da sinnvolle Deutungen fehlen, bleibt der Ortsname unerklärt. Der Name bezeichnet zunächst die Talschaft und das Dorf und erst sekundär den Pass, welcher 1246 collibus de Semplon und 1290 monte de collibus genannt wird (A R- NOLD 1984 [1947], 202). Neben dem Gemeindenamen kommt das HL als Bestimmungswort in Simplon-Tunnel ‘ der Simplon-Eisenbahn-Tunnel ’ (LT, Ried-Brig) und in Simplonblick ‘ der Blick vom Simplon (Gasthausname) ’ (Simplon), Simplonpass ‘ der Pass über den Simplon ’ (LT u. SK, Simplon) und t Simplonstrass ‘ die Strasse über den Simplon entlang der Doveria ’ (Zwischbergen) vor. J ORDAN (2006, 541) kennt mehrere Einträge zu Simplon und der dazu gehörenden Strasse, auf die hier verwiesen wird. Ein Adjektiv, das auf einen alten Genitiv Plural zurückgeht, findet sich in Simpeler Weizstadel ‘ der Weizenstadel von Simplon (Gipfelname, in Simplon auch Sirwoltehooru) ’ (LT, Simplon), resp. Simpiller Weizstadol ‘ der Weizenstadel der Leute von Simplon (Gipfelname, heisst in Simplon Sirwoltuhooru ‘ das Horn oberhalb des Sirwoltesee ’ ) (Visperterminen). Ebenfalls einen alten Genitiv Plural zeigt Simpellero Erbe ‘ das Erbe der Familie Simpiler ’ (1291, Stalden). Ein FaN wird in AAWB 243 ohne Details benannt; A RNOLD (1984 [1947], 255) erwähnt eine Familie Simpiler. Simundig (FaN) Simundig (FaN) ist eine kollektive - IG -Ableitung zu einem FaN Simmúndt, der im Beleg von 1587 in Agarn Simundigen Hÿsren ‘ bei den Häusern der Familie Simmundt ’ im Kontext zweimal genannt ist. Es kann sich nicht um den FaN Sigmund (NWWB 2, 208) handeln, da die Familie erst im 20. Jahrhundert aus Österreich einwanderte. Sin Sin ist nur 1649 in en la plangnasin (Inden) belegt. Die Bearbeiterin hat die HLL Plangna und Sin angesetzt. Vermutlich handelt es sich hier um ein diminutives Suffix - INE (< INA ) (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) zu einem nicht belegten pl ā nasina ‘ die kleine Ebene ’ zu FEW (9, 27 ff. s. v. PL Ā NUS eben). Sinder Sinder ‘ kalkartiger Niederschlag aus dem Wasser ’ ist nur in Eischoll belegt. Die lebenden Namen haben die auch sonst mögliche Entwicklung von / nd/ zu / nn/ mitgemacht. Das Simplex Sinner erscheint 1651 und 1818 als am Sinder. Nur historisch belegt ist die Sinder Acker (1624), resp. am Sinderacher (1788), sowie in den Obren Sünderachren (1825). 1803 ist in der Sinderschnitten be- Simigen 171 172 <?page no="905"?> legt. Zu Grund liegen dürfte das Lexem Sinder (I D . 7, 1129) ‘ Sinter, kalkartiger Niederschlag aus dem Wasser ’ . I D . findet es nur noch in Flurnamen. Acker und Schnitta ‘ ausgeschnittenes Stück Land ’ befinden sich wohl in der Nähe des Sinder. Zu einem ähnlichen Namen cf. HL S INDRUN . Sindrun Sindrun pl. ist nur 1496 in Gampel als einer Alpe jn Sindrun belegt; die Lesung des Dokumentes ist unklar. I D . (7, 1129) kennt einen Flurnamen zu Sinder ‘ kalkhaltiger Niederschlag aus dem Wasser ’ , das aber nur noch in Flurnamen vorkommt. Der einzige Beleg in ortsnamen.ch befindet sich als Sinder 1423 in Rohr (SO). Falls unser Name hieher gehört, ist wohl eine Alp mit Wasser gemeint. Singenden Singenden kommt nur einmal 1746 in Grächen vor und zwar in einem schwer zu deutenden Kontext: die Singenden undt Grabwasser. Der Text ist unvollständig; gemeint sind wohl ein Bach oder eine Wasserleitung. Singenden kann ein Partizip Präsens zum schwdt. Verb singe n und wdt. singe, singä (Goms), singn (Lötschtal), singu ‘ singen ’ (I D .7, 1190 ff.; G RICHTING 1998, 189) sein. G RICHTING (1998, 189) gibt zusätzlich singgu ‘ pfeifen (verdampfendes Wasser) ’ für das Mattertal. Aus dem historischen Beleg geht nicht hervor, ob singe oder singgu zu Grunde liegt. Sinig (PN) Sinig (PN) ist nur belegt in Sinigschiir (FLNK, Oberems) und den dazu gehörenden Sinigsscheir (1754) und Zinisch=Scheúr (1819). Sinig ist ein PN, 1754 und 1819 im Genitiv. Ein FaN Sinig ist nirgends belegt. Die Form von 1819 legt einen wohl abgekürzten Vornamen nahe und wäre wohl als ‘ des Ini Scheuer ’ zu lesen. Sinig ist vermutlich in Anlehnung an andere FaN auf - IG (Schmidig usw.) gebildet; der Anlaut / s/ könnte ein Reflex des Artikels im Genitiv sein. Diese Überlegungen führen aber nicht zu einer klaren Deutung. Sinkend Sinkend ist nur als Sinkende Erde ‘ die sinkende Erde ’ (LT, Saas-Almagell) belegt. Zwar gehört Sinkend als Part. Präs. zum schwdt. sinke(n) wie nhd. ‘ sinken ’ (I D . 7, 1213), doch zeigt Nr. 33034 für den gleichen Ort t Sickundu Bodme ‘ die sumpfigen Böden ’ . Der Flurname Sinkende Erde dürfte aus dem Nicht-Verstehen des Flurnamens t Sickundu Bodme stammen. Tatsächlich zeigt die Karte mehrere Bäche, die auch einen sumpfigen Boden bedeuten. Sintar Sintar ist nur 1393 in Ried-Brig als in dien Sintarmatton belegt. Sie befinden sich laut Dokument im oberen Bärisal. Das HL ist zu Sinter (GrWb 16, 1215 ff.) zu stellen; in I D . ist es als Sinder (I D . 7, 1129) belegt, das laut I D . nur noch in Flurnamen vorkommt (cf. HL S INDER ). Im Wesentlichen sind hier kalkartige Niederschläge aus dem Wasser gemeint. Sintarmatton wurde deswegen als ‘ die Sinter-Wiesen (Wiesen mit kalkhaltigem Niederschlag) ’ wiedergegeben. Sinwel Sinwel ‘ rund ’ Adj. ist zu schwd. sinwël (I D . 15, 1202) zu stellen; vgl. ahd. sin(e)wëlb, mhd. sin(e)wël, sinbel, simbel, sibel ‘ rund, kreisförmig oder oval ’ , nur noch in Ortsnamen (L EXER 2, 898; LUNB 1, 2, 984). Das Lemma erscheint in vielen Ortsnamen, meist aber verdeckt, weil es zu Simel, Sibel oder Siwil usw. umgestaltet und nicht mehr verstanden wurde; es kann deswegen auch als Zibela ‘ Zwiebel ’ oder Simmela ‘ Griess ’ verstanden werden (vgl. auch TGNB 2, 2, 546). Möglicherweise wird Simeli auch als Diminutiv zum PN ‘ Simeon ’ (I D . 7, 956) gestellt. Die folgenden Belege gehören deswegen nicht immer sicher zu diesem Lemma. Das Simplex tritt im Singular in der Form t Sibela (Randa) und t Simmla (Blatten, Ferden) auf, wohl zu verstehen als ‘ der runde Fels ’ . Ein Plural liegt vor bei in den Siwüllen (1740, Feschel), auch als jn der Sivillio (1824) und Siwilin (1834) belegt. Die Simplexbelege der Siwwe (Blitzingen), an die Sÿwen (1636, Naters; FLNK hat Suwe) und der Plural t Siwine (Saas-Balen) gehören wohl nicht hieher, da das Endungs-/ l/ fehlt; ob sie gegebenenfalls zu Suw ‘ Sau ’ zu stellen sind, ist unklar. Das gilt auch für die Konstruktionen der Läz Siwwe (Blitzingen) und Sÿwinweg (1540, Saastal). Attributive Adjektive finden sich in t Schwarz Simmla ‘ der schwarze runde Fels ’ (Ferden, Kippel) und eine Präposition ist belegt in Zwischän Simmlu ‘ zwischen den runden Felsen ’ (Ferden). Sinwel tritt als Adjektiv auf in Synwelle Blecz ‘ das runde Stück Land ’ (1402, Mörel) und Sýnwelle Flecko ‘ der runde Flecken ’ (1400, Termen). Ein möglicher PN Simeon, resp. die Kurzform dazu, ist in der Simelen Matten (1747, Niederwald) und in beÿ Similen Hau ᵕ s (1741, Mund) belegt; es kann sich aber auch um das Adjektiv sinwel handeln. Die übrigen Belege enthalten Sinwel als Adjektiv oder Bestimmungswort in den Formen Sibel-, Sibilu-, Simmili-, Simmlu(n)- und Siwill-. Die Grundwörter sind Bode, Flüö, Hore, Matta, Pass, Tschuggu, Wald, Wang und Weid. Komplexere Formen sind Sibilufluegletscher und Sibilufluegrat. 173 174 Sinwel <?page no="906"?> Sipffen Sipffen f. ist nur 1796 in Filet als die Sipffen belegt. Es handelt sich um eine Flur, die nahe beim Wohnhaus (domus morativa) des Beurkundeten liegt. Vermutlich liegt ein Verschreiber für Schipfe (Ried-Mörel) vor, das in I D . (8, 1091 s. v. Schupfen) als ‘ überhängender Felsen ’ bezeichnet wird (cf. HL S CHIPFA ). Sippen Sippen (FaN) ist als FaN im Register der HRBS erwähnt. Zwei Belege enthalten den FaN: 1374 Sippingo Mos ‘ das Moos der Leute des Sippen / der Familie Sippen ’ (Termen) mit einer kollektiven - ING -Ableitung im Genitiv Plural, und des Sippisch Momat ‘ die Mähwiese des Sippi ’ (Simplon), wohl der Genitiv einer umgangssprachliche Form Sippi des FaN Sippen. Sirisier Sirisier ‘ der Kirschbaum ’ ist 1345 in Inden als ol sirisier und 1270 in Leuk als dou syrisier belegt. Sirisier ist ein weit verbreiteter älterer Name für Cerisier ‘ Kirschbaum ’ (M EYER 1914, 162; B OSSARD / C HAVAN 2006, 158; G PSR 3, 212 s.). Sirwoltu Sirwolta ist der in Simplon gebräuchliche Ausruck für ‘ Milch nach Zigerverarbeitung ’ (J ORDAN 1985, 169). Es ist zu schwdt. Sirmende n , Sirmunda, Sirmente n , Sirwolte n f. ‘ die beim Käsen nach Entnahme des Quarkes im Kessel zurückbleibende oder vom Quark durch Pressung abrinnende Molke; Käsewasser, Sirte ’ (I D . 7, 1327 ff.; G RICH- TING 1998, 189) zu stellen In Flurnamen wird es in Anlehnung an die Färbung des Wasser oder des Gesteins verwendet, das an die Farbe der Sirte erinnert. Namengebend ist der Sirwoltusee (Simplon), der ‘ immer trübes Wasser ’ enthält, das an Käsemilch, Molke erinnere. Sirwoltuhoru, Sirwoltesattel, Sirwoltupass (auch Vispeterminen) sind danach gebildet. Das Sirwoltuhoru heisst auf der Seite von Visperterminen Simpiler Weizstadol ‘ Simpler Weizenstadel ’ . Sischtul Sischtul ist nur in Simplon-Dorf belegt und zwar als t Sischtulmatta ‘ die Wiese beim Sistel (unklar) ’ (auch LT; SK Sistelmatten), ts Sischtulmattubord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) bei der Sistulmatte ’ und Sischtulmattugrabu ‘ der Graben bei der Wiese beim Sistel ’ . Die historischen Belege zur Sischtulmatta haben 1660 Sistilmatten, 1680 Sistellmatten, 1746 Sÿstillmatten (2x) und 1761 Sistilmatten, J ORDAN (2006, 267) hat Sischtulmatta, Sischtulmattugrabu, Chleinä Sistschulmattugrabu, Sischtulmattunegg und Sischtulmattuboort. Bei ihm kommen S. 29 Sischtulbodu und S. 239 Sischtilbidini hinzu. Er gibt aber keine Erklärung zu Sischtul. Das nächstliegende Element wäre Sustel ‘ Klöppelring (an der Glocke) ’ (I D . 7, 1417; R ÜBEL 1950, 120), das allerdings nie entrundet wird. Als Deutung wäre Sustel wohl nur metaphorisch zu verstehen (gleicht einer Sustel); da aber die Deutung unsicher ist, wird in den Umschreibungen nur Sistel verwendet. Sisetsch Z Sisetsch (vermutlich zu Sisetsch) ist ein Weiler von Zeneggen, das früher unter diesem Weilernamen bekannt war. Die ältesten Belege sind 1282 Sisicz, 1282 Sisych, 1292 Sisist, 1297 Sysicz usw. Der Name hat Erstbetonung; die Endung deutet auf einen Genitiv oder, falls romanisch, auf einen Namen mit romanischer s-Endung hin (B ESSE 1997, 738). Zu Grunde könnte zunächst ein Personenname liegen; auf Grund der fehlenden älteren Belege bleibt dieser PN aber unklar. F ÖRSTEMANN (1, 1345 f.) kennt eine Wurzel SIS mit Namen wie Sisu, ev. mit einer Erweiterung Sisald oder ähnlich. Zu Sisetsch würde also etwa heissen ‘ beim Ort des Sisald ’ (oder ähnlich). Anderseits kann eine romanische Wurzel nicht ausgeschlossen werden. So hält Z IMMERMANN (1968, 24) Sisetsch für einen romanischen Namen und führt ihn mit J ACCARD (1906, 438) auf patois sisa ‘ Hacke, Zaun ’ (B RIDEL 1866, 354; FEW 2, 38 s. v. caesa hecke; B OSSARD / C HAVAN 2006, 139) mit dem Kollektivsuffix - ETSCH zurück. Diese Deutung ist nur dann zutreffend, wenn man für Zeneggen eine Entwicklung von / c/ zu / s/ annimmt, was für diese Gegend kaum zutrifft. Neben dem Weilernamen finden sich Komposita mit Sisetsch als Bestimmungswort und den Grundwörtern Acher, Egga und Wier (alle historisch) und Matte (Plural). Sita Sita f. ‘ Seite ’ ist zu schwdt. S ī te n f. ‘ Seite ’ , in FlN ‘ (steiler) Abhang eines Berges, Talseite, steile Grashalde; abhängige Seite eines Grundstücks ’ , ahd. s ī ta, mhd. s ī te und wdt. Sita, Sittä (Goms), Siitu ‘ Seite ’ (I D . 7, 1448 ff.; G RICH- TING 1998, 189) zu stellen. Sit n. wird als Kollektiv zu Sita f. und Sitto m. gestellt. Manchmal meint das HL S ITA auch einfach eine Talseite, wo ein bestimmter Bach fliesst. Das HL kommt in gut 100 Flurnamen vor. Das Simplex im Singular Sita f. ist als t Sita (Blitzingen), Sita (FLNK, Steinhaus), t Site (Gluringen, Grächen, Selkingen) und t Situ (Saas-Balen) belegt. Der Plural des Simplex ist als t Site (Naters), an dyen Syton (1300 u. später, Törbel), jn dien Siton (1304 u. später, Visperterminen) belegt. Unsicher ist in der Situnn (1548, Baltschieder). Das endungslose ts Siit kommt in Simplon (mehrfach), sowie in Ausserberg, Binn, Termen und als Sipffen 175 176 <?page no="907"?> im Siit (Ried-Brig) vor. Zwischbergen hat 1576 jm Sÿdt. Ein Diminutiv findet sich als ts Siti (Obergesteln) und ufem Siti (Bellwald). Mit attributiven Adjektiven finden sich di Durschtigu Situ ‘ die wasserarme steile Grashalde ’ (Saas-Almagell), in die Gmeine Seiten ‘ in die Seite (steiler Abhang), die der Gemeinde gehört ’ (1640, Visperterminen), t Hinner Sita ‘ der hintere Teil der Sita (Seite, Abhang) ’ (Blitzingen, Fieschertal), t Kurze Site ‘ die kurzen Seiten (Abhänge, nördlich der langen Seite) ’ (Gluringen), t Läz Sita ‘ die schattseitige Seite ’ (Blitzingen), t Läzi Sita ‘ die schattseitig gelegene Seite ’ (Unterbäch), zen Lengen Siten ‘ bei den langen Seiten, (steile Abhänge) ’ (1734, Ergisch), zen Längen Sütten (Hütten? ) ‘ (unklar) bei den langen Seiten (steile Abhänge) / bei den langen Hütten ’ (1789, Oberems), t Leng Site ‘ die lange Seite (steiler Abhang) ’ (Reckingen und 5 weitere Gommer Gemeinden), ts Ober Sit ‘ der obere Teil der Alpe Sit (Kollektiv von Sita) ’ (Grengiols), t Obru Site ‘ die oberen Seiten (Abhänge) ’ (Mund, Törbel, Visperterminen), in der Sonnigen Seÿten ‘ in der sonnigen Seite ’ (1749, Fiesch), ts Unner Sit ‘ der untere Teil der Alpe Sit (Kollektiv) ’ (Grengiols), t Undru Site ‘ die unteren Seiten (Abhänge) ’ (Mund, Törbel, Visperterminen), Verbrannt Sita ‘ die verbrannte Seite ’ (FLNK, Birgisch), t Voder Sita ‘ die vordere (vorn gelegene) Seite ’ (Fieschertal). Nicht ganz klar ist Firsite ‘ das Gebiet vor der Seite (? ) ’ (Grengiols, LT und FLNK Firsitte, SK Fürseten), wozu sich Firsitterwald ‘ der Wald oberhalb von Firsitte ’ (FLNK, LT Grengiols) gesellt. Das HL bildet als Grundwort mit verschiedenen Bestimmungswörtern zweigliedrige Komposita, die sich nur schwer in Gruppen gliedern lassen. Tiernamen sind erwähnt in Chiesita ‘ der steile Abhang für Kühe ’ (Lax) und t Rinnersite ‘ die Seite (Hang), wo die Rinder weideten ’ (Ulrichen). Bärgsita ‘ die Martisbergerseite des Deischbachtales ’ (LT, Martisberg; FLNK Bärgersitta) meint eine Talseite. Burgsita ‘ die Seite bei der Burg (unter dem Burgspitz) ’ (Ried Brig) einen Abhang am Fuss des Burgspitzes. t Chapfsite ‘ die steilen Abhänge beim Chapf (Felskopf) ’ (Zwischbergen) benennen eine nahegelegene Flur. di Dräcksita ‘ der steile Abhang mit Schlammboden ’ (Ried-Brig) bezieht sich auf den Schlammboden des steilen Abhangs. t Galesite ‘ die Seite (Abhang) beim Galen (begraster Bergrücken, hier Alpe) ’ (Münster) meint einen Abhang beim Galestafel. t Haarzesite ‘ die Seite (Abhang) bei Haarze (unklar) ’ (Obergesteln) ist einer von vier Namen, die Haarze enthalten; vermutlich ist hier ein Platz gemeint, wo Harz gesammelt wurde. ts Heeresitji ‘ die kleine Seite (Abhang) des (Pfarr-)Herrn ’ (Ulrichen) meint wohl eine Flur, die dem Pfarret gehörte. im Leisitelti ‘ im kleinen Hang mit Lehm ’ (Grengiols) ist die Beschaffenheit des Bodens gemeint. t Löübersitu (Saas-Fee) meint wie t Wisloibsiitu (Saas- Almagell) einen Abhang mit Laubsträuchern, z. B. S ALIX L APPONUM (bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 422) als S ALIX HELVETICA ). t Sunnesita ‘ die sonnige Seite ’ (Ernen) beschreibt eine besonnte Halde. Unklar bleibt zien Wegseyton ‘ bei den Weg-Seiten ’ (1307, Bürchen), wo auch Wegscheide gemeint sein kann. Weitere Namen beziehen sich auf nahegelegene Fluren. Komplexere Belege bezeichnen häufig eine Talseite mit einem Bach, wie t Fronbachsita ‘ die (Tal-)Seite, durch die der Fronbach fliesst ’ (Ried-Brig), Bacheggasita ‘ die Seite des Deischbachtales, auf der die Bachegga liegt ’ (FLNK, Lax), Schiessbachsita ‘ die (Tal-)Seite, durch die der Schiessbach fliesst ’ (Ried-Brig, LT Schiessbachsite; Termen), Deischbachsita ‘ die Seite des Deischbachtales, auf der der Deischbach fliesst ’ (FLNK, Lax), di Durschtbachsita ‘ die (Tal-)Seite, durch die der Durstbach fliesst ’ (Ried-Brig). Anders zu verstehen ist t Margelsteisita ‘ der steile Abhang beim Gut Margelstein ’ (Betten), eine weitere komplexe Konstruktion. Als Bestimmungswort tritt das HL mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Alpa, Bach, Brand, Brunnu, Cheer, Chumma, Egg(a), Färich, Gadu, Grabu, Kapälla, Schluocht, Stafel, Steg, Stei, Wald und Wasser. Komplexere Konstruktionen enthalten Wasserleita: der Obren Seitwasserleitten (164(8)? , Visperterminen), aús der Sideggen Wasserleitten (1758, Simplon), dv Sitwasserleita (1309 u. später, Visperterminen), die Vndren Sÿttwasserleÿtten (1607 u. später, Visperterminen). Andere sind t Ober und t Unner Sitegga ‘ der obere und der untere Teil der Sitegga (Ecke auf der Hangseite) ’ (Simplon) und andere mehr. Einen besonderen Fall bildet ts Siithofischflüo ‘ die Fluh der Familie Hofer, die ts Siithofisch genannt wurde ’ ; ob die Familie im Gebiet Siit wohnte, ist unklar. Sitber Sitber ist nur 1716/ 17 in Glis als únder dem Sitberbiell ‘ unter dem Hügel mit Himbeeren ’ belegt. Himbeere ist unter S ī de n ber als Hindbeere erwähnt (I D . 4, 1472; vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 224) als R UBUS IDAEUS ); der in I D . erwähnte Name ist aber nicht für das Oberwallis belegt. Deswegen ist die Zuweisung unsicher. Sitgin Sitgin ist nur in der Sitginbrunno ‘ die Quelle an der kleinen Talseite ’ (1459, Mörel); die Lesung kann auch Fitginbrunno lauten, doch ist diese Lesart nicht belegt. Die erste Deutung ist klarer; es handelt sich um ein Diminutiv zu schwdt. S ī te n ‘ Seite ’ und wdt. Sita, Sittä (Goms), Siitu ‘ Seite ’ (I D . 7, 1448; G RICHTING 1998, 189) (cf. 177 178 Sitgin <?page no="908"?> HL S ITA ), wohl mit der Bedeutung ‘ kleine Talseite ’ . Gemeint ist eine Quelle an der kleinen Talseite. Sitscha Sitscha f. ist nur in Mund als t Sitscha belegt; ein historischer Beleg von 1775 spricht von in der Sitschen. Das Nomen Sitsch ‘ Weiberjüppe ’ ist laut I D . (7, 1478) nur für das Pomatt (Val Formazza) belegt und kommt kaum in Frage. Wie beim vermutlich verwandten Namen Sitschgera (cf. HL S ITSCHGERA ) liegt keine Deutung nahe. Sitschgera Sitschgera f. kommt nur in Randa als t Sitschgera vor. Die Flur befindet sich auf ca. 2000 m und ist laut Beschreibung ein sumpfiger Boden, der früher als Wiese diente. Vermutlich ist der Name eine Ableitung auf - ERA (S ONDER- EGGER 1950, 471 f.) und zu einem nicht näher deutbaren Verb zu stellen (das Nomen Sitsch ‘ Weiberjüppe ’ ist laut I D . (7, 1478) nur für das Pomatt (Val Formazza) belegt und kommt kaum in Frage). Ob ein Bezug zu Sitscha (Mund) (cf. HL S ITSCHA ) besteht, ist unklar. Sitter (FaN) Sitter (FaN) ist unsicher. In Baltschieder findet sich Tsittersch Eia ‘ die Aue der Familie Sitter ’ , wobei FLNK Sittersch Eia hat. Es handelt sich um einen Genitiv zu einem FaN Sitter. Ein Beiname zum Adj. schitter ‘ schlecht, minderwertig ’ (I D . 8, 1524; G RICHTING 1998, 171) liegt kaum vor; eine Anlehnung zum Gemeindenamen Sitte ‘ Sion, Sitten ’ , also ‘ des Mannes aus Sitten ’ , ist unklar; im letzten Fall wäre eher Sitt(e)ner zu erwarten. In Ferden ist 1843 Zittenboden belegt. Falls Zitten einen Genitiv darstellt, wäre das als ‘ der Boden des Sitten ’ zu verstehen; auch hier gibt es keine sichere Deutung. Der FaN ist nicht belegt. Sitz Sitz m. ‘ Sitz ’ ist zu schwdt. Sitz m. ‘ Sitz; Ort, Stelle, wo man sitzt oder sich setzen kann; Vorrichtung zum Sitzen ’ , mhd. siz (I D . 7, 1722 ff.) zu stellen. Das HL kommt im Simplex nur im Plural vor als t Sitze ‘ die Sitze ’ (Ulrichen), laut Gwp. ein Ort, wo man beim Schmalviehhüten Käse braten konnte - also ein Ort zum sich Setzen. Die übrigen Belege zeigen das HL als Bestimmungswort in zer Siczblatton ‘ bei der Felsplatte, auf die man sich hinsetzen kann ’ (1437, Naters), t Sitzblatte ‘ die Felsplatten, wo man sich hinsetzen kann ’ (Ried-Mörel) und dazu gehörend der Sitzblattuwald ‘ der Wald bei den Sitzblatten (Felsplatten, wo man sich hinsetzen kann) ’ (Ried-Mörel), die Sitzblatten ‘ die Felsplatte, wo man sich hinsetzen kann ’ (1684, Bitsch), t Sitzflüe ‘ die Fluh, auf der man zusammensitzen konnte ’ (Mund) und der Sitz Tschuggo ‘ der Fels, auf dem man sich hinsetzen kann ’ (1634, Birgisch). Siwidinon Siwidinon ist nur einmal belegt in zen Siwidinon (1383, Termen). Es handelt sich um einen Dativ Plural. Der frühe Beleg kann nicht entrundet sein; es findet sich aber keine mögliche Deutung in den Wörterbüchern. Siwilong Siwilong ist nur einmal belegt in in der Siwilong (1740, Gampel) mit unsicherer Lesung. Die Form ist im Dativ Singular, wobei die Endung auf -ong verändert sein kann aus Siwilon, das wiederum zu Siwila zu stellen wäre. Am nächstliegenden wäre dann das HL S INWEL ‘ rund ’ , hier als ‘ die runde Stelle ’ zu verstehen. Siwwe - Siwwi Siwwe - Siwwi ist ein schwer zu deutendes Lemma. Es kommt in folgenden Belegen vor: der Siwwe (Blitzingen), an die Sÿwen (1636, Naters; FLNK hat Suwe), t Siwine (Saas-Balen). Komplex sind der Läz Siwwe (Blitzingen) und Sÿwinweg (1540, Saastal). Ein eigentliches Namennest gibt es in Eisten mit dem historischen Beleg Sywinen (1568, Eisten), resp. dÿe Süwinu ᵕ n (1585): beide Belege betreffen eine Alpe, vermutlich identisch mit dem Plural t Siwine (Saas-Balen). Dazu sind die lebenden Belege Siwwibach, Siwwibodo, Siwwilitzi und Siwwitschugge (alle Eisten) zu stellen. Da die Belege in Blitzingen maskulin sind, jene in Naters, Saas-Balen und Eisten aber feminin, liegen wohl zwei unterschiedliche Ableitungen zum Nomen S ū w ‘ Schwein ’ (I D . 7, 1486), resp. dem Verb sû(w)e n ‘ sich aufführen wie ein Schwein, sauen, sudeln ’ (I D . 7, 1510 f.). Das feminine Ableitungssufix ist - INA mit seinen Varianten; es führt zum Umlaut, der anschliessend zu Siwina, Plural Siwine entrundet wird und bezeichnet die Alpe, auf der man Schweine hält. Das maskuline Siwwe dagegen ist wohl eine maskuline e-Ableitung zum Verb und meint: der Ort, wo es nassen Boden hat (es sudelt im Sinn von ‘ es hat nassen, tiefen Boden ’ ); der läz Siwwe ist die linke Seite dieser Mulde. Slatz Slatz ist 1388 in Simplon als pratum Slatz, 1390 in Ried- Brig als Slatz belegt. An beiden Stellen liest P H . K ALBER- MATTER Flatz. Zum HL Slatz kennt RN (2, 837) Schlaz als Flurnamen in rätoromanischer Umgebung, kann es aber nicht erklären. I D . (9, 199 f.) nennt Schlatz ‘ ansehliche Menge, tüchtiges Quantum von irgend Etw., bes. von Flüssigem und Halbflüssigem, z. B. Milch, Wasser, Schnee ’ , aber Sitscha 179 180 <?page no="909"?> nicht für das Wallis und unsicherer Deutung. Als Flurname für eine Wiese eher unsicher. HL Flatz ist ebenfalls schlecht belegt. Id. (1, 1233) erwähnt F LATZ u. a. für das Wallis als ‘ von Schnee, soviel, wie auf ein Mal vom Himmel oder etwa von einem Dache fällt ’ und gibt als Synonym u. a. S CHLATZ . F LATZ könnte als ‘ kleines Stück Wiese (unsicher, eher zur Lesung F LATZ ) ’ verstanden werden und ist für das Wallis belegt. Letztlich sind beide Deutungen unsicher. Sluwinon Slv ᵢ wynon ist nur einmal 1306 in Lalden belegt. Die Form ist ein Dativ Plural zu einem sonst unbezeugten Wort Sliuwina. Am nächsten liegt das mhd. sliunen ‘ eilen ’ (L EXER 2, 984), das noch in schlünig (I D . 9, 572) vorliegt; es fehlt aber die Motivation für einen solchen Namen. Bei G R W B (15, 660) ist zwar für das Hessische die Bedeutung ‘ sanft abhängig ’ angegeben; doch fehlt sie für das Walliserdeutsche. Die Deutung kommt also kaum in Frage. Soecht Soecht ‘ feucht, nass ’ ist nur in der So ᵉ chtwang ‘ der feucht Grasabhang ’ (1547, Reckingen) belegt. Laut Dokument gehört er zur Blinnenalp in Reckingen. Eine hyperkorrekte Rundung zu Secht ist wahrscheinlich. Es scheint, dass am ehesten das Adj. s ī cht ‘ sehr feucht, nass, so dass man gerne einsinkt ’ (I D . 7, 245; G R W B 16, 170 s. v. seicht) in Frage kommt. Andere Deutungen von sêchte n ‘ seihen, waschen ’ (I D . 7, 242 f.) und Ableitungen davon können für einen Wang ‘ Grasabhang ’ auf einer Alpe kaum beigezogen werden. Sol Sol n. ist zu schwdt. Sol m./ n. ‘ Lache, Pfütze (in der sich das Wild suhlt) ’ , nur in Ortsnamen, amhd. sol m. (I D . 7, 766; an der Stelle ist das Genus als m. wohl falsch angegeben) zu stellen. Erscheint in der älteren Sprache nach I D . auch als sal. Belegt ist das Simplex als ts Soll (Naters, FLNK Soll) beim Weiler Ahoru. Als Grundwort erscheint es einerseits im Namennest von Bärisall (Ried-Brig, LT u. SK Berisal, FLNK Bärisal), das im 13. Jh. als in dem Berensole ‘ in der Pfütze, in der sich Bären suhlten ’ belegt ist, ts Ober und ts Unner Bärisall ‘ der obere und der untere Teil des Bärisall (Pfütze, in der sich Bären suhlten) ’ (Ried-Brig), der Bärisallcheer ‘ der Cheer beim Bärisall (Strassenkehre der Simplonstrasse) ’ (Ried-Brig) und jn den Bernsallschliechten ‘ in den Geländeeinbuchtungen beim Bärisall (Pfütze, in der sich Bären suhlten) ’ (1630, Ried-Brig), und anderseits als ts Bärsol ‘ die Pfütze, in der sich Bären suhlten ’ (Ferden) und di Bärsolegga ‘ die Ecke beim Bärsol (Pfütze, in der sich Bären suhlten) ’ (Ferden). In Ried-Brig ist weiter ts Grundsol belegt, also eine Pfütze, in der sich Wild suhlte, beim früheren Ort Grund im Gantertal. Als Bestimmungswort kommt das HL nur in die Sollgassen ‘ die Gasse, die zum Sol (Pfütze, in der sich Wild suhlt) führt ’ (1550, Naters) und Solwasserleiton ‘ die Wasserleitung vom / zum Sol (wohl Grundsol im Gantertal) ’ (1400 u. später, Termen), das schon 1374 als aqueductum tendentem de sol ‘ die Wasserleitung, die zum Soll / vom Soll führt ’ belegt ist. Einige Belege zu Sol ausserhalb des Oberwallis finden sich in WWW . ORTSNAMEN . CH s. v. Sol. Soldat Soldat m., mit Endbetonung, ist zu schwdt. Soldat m., Pl. Soldate(n) wie nhd. ‘ Soldat ’ , entlehnt aus it. soldato (I D . 7, 855 f.; D EVOTO / O LI 2020, 2110) zu stellen. Das HL ist nur in der Soldatutschuggo ‘ der Soldatenfelsen (Felsen, der wie eine Reihe von Soldaten aussieht (? )) ’ (Eisten) belegt. Der Felsen endet in einigen Spitzen, die Soldaten ähneln. Solier - Soler Solier ist einerseits eine Schreibweise von Schülier (Julier). Die Belege dazu stammen aus Varen: in prato solier ‘ bei der Wiese der Familie Julier ’ (1453 u. später). Andererseits sind die Belege für ov solir (Leuk, 1405) und eys soliers (1346, Inden), das auch als eys solers (1356) und eÿs solÿr (1580) belegt und nach M EYER (1914, 89) zu SOLEA + ARIU ‘ Oberteil eines Hauses ’ (FEW 12, 38 ff. s. v. s ŏ lea ‘ Sohle ’ ) zu stellen, vermutlich das Gleiche wie Solar, Solei, Cholei ‘ Fussboden im oberen Stock einer Scheune ’ (B RIDEL 1866, 355 f.). Dazu gehört wohl auch der Beleg le termino de laz soler ‘ die Grenze des Bodens (? ) ’ (1664, Salgesch). Solla Solla ist nur einmal belegt 1346 in Leukerbad als alpem de solla. Es handelt sich um einen romanischen Namen; die Lesung ist gesichert. Vermutlich gehört der Name zu lat. s ŏ lum ‘ Boden ’ (FEW 12, 75 ss.). Die Alpis Solla lässt sich dann deutsch als Bodenalpe deuten. Solphina (PN) Solphina (PN) ist nur 1252 in Törbel als Solphinamatta ‘ die Wiese der Solphina (PN) ’ belegt. Das HL ist wohl ein PN für eine weibliche Person. In den zugänglichen Werken zu den PNN (F ÖRSTEMANN , S CHULZE ) ist der PN nicht erwähnt. 181 182 Solphina (PN) <?page no="910"?> Solvay (FaN) Solvay (FaN) kommt nur einmal im Beleg t Solve(i)hitta (Zermatt) vor. Es handelt sich um den FaN Solvay, nach dem belgischen Industriellen und Alpinisten Ernest Solvay (1838 - 1922), der den Bau der Hütte (1915) im Andenken an seinen Sohn, der am Hörnligrat verunglückt war, finanziert hat. Sood Sood m. ist zu schwdt. S ō d m. ‘ mit Wasser gefüllte Vertiefung im Erdboden, Tümpel ’ , ‘ ausgemauerte Zisterne, Sod-, Ziehbrunnen ’ , mhd. s ō t, -des (I D . 7, 317 ff.) zu stellen; G RICHTING (1998) kennt das HL nicht. Es ist nur belegt in dr Sood ‘ der Tümpel ’ (Kippel, Reckingen), Sott ‘ der Tümpel ’ (1849, Martisberg, wo Mischy ‘ das kleine Moor ’ als Alternative angegeben ist) und der Soodstúk ‘ das Stück Land mit dem Tümpel ’ (1868, Filet). Soppen Soppen ist nur 1309 in Törbel als Soppenbifing ‘ das eingehegte Stück Land, auf dem Soppen (Borstengras) wächst ’ belegt. Das HL ist zu Soppe n ‘ Pflanzenn(ame), steifes Borstengras, Bocksbart, Nardus stricta ’ zu stellen. Es handelt sich entweder um N ARDUS STRICTA ‘ Borstgras ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1492) oder um T RAGO- POGON PRATENSIS ‘ Wiesen-Bocksbart ’ (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1178). ‘ Borstgras ’ wurde gewählt, weil es auch als alpin bezeichnet wird und das Dokument mit Holz einen Flurnamen enthält, der auf rund 1800 m für Törbel belegt ist. Sopra Sopra ist nur im Beleg Porteia di sopra ‘ das obere Zauntor ’ (Zwischbergen) belegt. Sopra ist zum it. Adv. sopra ‘ oben ’ zu stellen; es bezeichnet die erhöhte Lage (D EVO- TO / O LI 2020, 2120). Sorgeri Sorgeri f. ist lebend nur in Bellwald als t Sorgeri belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um eine alte Wasserleitung zwischen Bellwald und Fieschertal, die nach Fürgangen geht. Historisch ist die Sorgera (1594) in Fieschertal belegt. Die Motivation für den Namen ist unklar; laut I D . (7, 1318) ist Sorger nur als Familienname belegt. Es könnte sich aber um eine - ERI / - ERA Ableitung vom Verb sorge n (I D . 7, 1305) handeln, hier in der Bedeutung ‘ mit Wasser versorgen ’ . Soterod Soterod f. ist in drei Belegen als Alpe genannt: alpis (Genitiv) de la Soterod (1347, Albinen), in alpe de la Soterod (1344, Feschel), alpis (Genitiv) Sottheroz (1459, Salgesch). Die historischen Belege identifizieren die heute als Tschärmilonga (Albinen) bekannte Alpe als grössere Umgebung. Am nächstliegenden erscheint eine Ableitung zu sautier ‘ Waldhüter; Gerichtsbote ’ < SALTUA- RIUS (FEW 11, 122), vielleicht mit dem Suffix - ALE (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 289) und der Bedeutung ‘ das Stück Land, das dem Gerichtsboten zur Verfügung gestellt wurde ’ . Ähnlich analysiert T AGMANN (Ms., 127 f.) das bei uns nicht belegte Schütterig mit den historischen Belegen eys soteries (1419) und a laz sovtery (1495) als afrprov. *souterí “ dem Sautier zur Nutzniessung überlassenes Grundstück ” . Beide Deutungen sind aber unsicher. Söüm Söüm m. ‘ der Saum ’ ist zu schwdt. Saum, Soum, Söim, wdt. Söüm, Söm (Goms), Soim m. wie nhd. ‘ Saum ’ , ‘ Maultierlast ’ , in FlN ‘ Wald-, Uferrand ’ , amhd. soum (I D . 7, 943; G RICHTING 1998, 190) zu stellen. Im Einzelnen ist zu unterscheiden zwischen den Flurnamen, die ein streifenförmiges Stück Wiesen oder Land (als Weinberg) meinen, und Söüm als Last der Maultiere oder Weg, über den diese Last transportiert wurde (vgl. I D . 7, 944 s. v. Saum II). Das Simplex im Singular erscheint nur historisch als am Saum und im Saum mit Varianten (1733, Bratsch; 1736, Gampel; 1706, Oberwald; 1693, Steg). Im Plural ist es lebend als t Söume ‘ die Säume (streifenförmige Stücke Wiese in der Talebene des Rotten) ’ (Ulrichen), Seim ‘ die Säume (streifenförmige Stücke Land als Weinberg) ’ (Gampel), t Seima ‘ die Säume (streifenförmige Stücke Wiese) ’ (Visperterminen) und historisch als in den Seimen ‘ in den streifenförmigen Stücken Land als Weinberg ’ (1830, Bratsch) und an den Seimmen (1643, Oberwald) belegt. Ein Diminutiv im Plural ist in den Seÿminen ‘ in den kleinen streifenförmigen Stücken Wiese ’ (1782 u. später, Stalden). Mit attributiven Adjektiven erscheint das HL in am Kalten Säümÿi ‘ am kalten kleinen Saum (streifenförmiges Stück Wiese) ’ (1731, Visperterminen), aúf dem Hochen Saúm ‘ auf dem hohen Saum (streifenförmiges Stück Wiese) ’ (1770, Oberwald), am Kleinen Saum ‘ am kleinen Saum (streifenförmiges Stück Land als Weinberg) ’ (1654, Bratsch), der Lang Saúm ‘ der lange Saum (streifenförmiges Stück Wiese) ’ (1752, Gampel), t Obru Seim ‘ die oberen Säume (streifenförmige Stücke Land als Weinberg) ’ (Gampel), t Undru Seim ‘ die unteren Säume (streifenförmige Stücke Land als Weinberg) ’ (Bratsch). Nur ein zweigliedriges Kompositum mit dem HL als Grundwort ist belegt: ts Miliseimmji ‘ der kleine Saum (streifenförmiges Stück Wiese) bei der Mühle ’ (Visperterminen). Solvay (FaN) 183 184 <?page no="911"?> Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Grabu, Legi (im Sinn von Zauntritt; drei Belege in Ulrichen), Steg und Wäg (verstanden als Saumweg). Komplexer ist an den Sau ᵕ msteggraben ‘ an den Graben beim Steg für die Säumer ’ (1847, Ulrichen). Ein seltenes Kompositum ist ts Firsem (Obergesteln, Oberwald) und am Firsen (1573, Niederwald), das aus Für und Saum mit Erstbetonung gebildet ist und laut Gwp. ‘ Umrandung eines Ackers, einer Matte, eines Feldes ’ meint. Das Neutrum hat wohl kollektive Bedeutung. I D . kennt die Bildung nicht; ortsnamen.ch kennt Fürsöim für Kallnach (BE), ohne Deutung. G R W B (4, 794) gibt Fürsaum als Maskulin nach S CHMELLER s Wörterbuch ( 2 1872) und deutet es als ‘ Rand am Acker ’ . Späär Späär kommt nur zweimal als Bestimmungswort vor in t Späreggu (Saas-Fee) und t Späärwurzu (Saas-Almagell). Eine Deutung ist sehr schwierig. I D . (10, 446) kennt Spër ‘ Speer ’ , bezeichnet es aber als nicht volkstümlich. In der Anmerkung (I D . 10, 447) werden einige Ortsnamen aufgezählt, aber auch verwiesen auf sperre n (I D . 20, 423). Letzteres ist hier wegen des offenen / ä/ unwahrscheinlich. Eine weitere Möglichkeit ist nach I D . (10, 412) Spar II ‘ Spatz ’ , wobei auch hier der Vokal / ä/ unklar ist (vgl. aber LUNB 1, 2, 991 s. v. Späri). Auch Sparr (I D . 10, 413) ‘ Rundholz, Pfahl, Dachsparren ’ (so auch V. S CHMID 2003, 180 und HL S PARR ) ist lautlich unbefriedigend (kurz, ohne / ä/ ). Die beiden Belege lassen sich trotz der Bemerkung des I D . am ehesten zu Spër ‘ Speer ’ stellen: ‘ die speerförmige Ecke ’ , ‘ das Gebiet mit speerförmigen Wurzeln ’ . Späch Späch ist zu schwdt. Spëh, Spëch, Späch f., ‘ das Spähen, Auskundschaften, Aufpassen, Lauern ’ , ahd. spëha, mhd. spëhe f. (I D . 10, 75 ff.) zu stellen. Das Lemma kommt in t Spähörner (LT Spähnhörner) und ts Spächhorli (Saas- Almagell) vor. Ebenfalls dazu gehören das nur historisch belegte Spechteggen ‘ die Ecke, von der man ausspähen kann ’ (1690, Bellwald) und Spächten Bletschun ‘ die Ebene, von der man ausspähen kann ’ (Blatten). Das / t/ in diesen Belegen stammt aus einer Partizipbildung. Späggji (FaN) Späggji (FaN) ist laut Gwp. der Übername einer Familie Zimmermann. Es lässt sich auch zum FaN Speckli, Speckly stellen, ein Familienname von Brig und Fiesch. Die Familie kam im 18. Jh. aus Feldkirch ins Wallis (AWWB 249). Ob dieser FaN in t Späggjiäbi ‘ der Abhang der Familie Zimmermann, die Späggji genannt wird ’ (Eggerberg) enthalten ist, bleibt unklar. Spale Spale ist wohl zu schwdt. Spal f., Spale n , Sp ā le n f., m. n., Pl. Späle n , Spele n , Dim. Späleli, Spali, Späli (W[allis]) ‘ (abgespaltenes) meist längliches Stück Holz; dünne Latte; breite Leitersprosse; Querhölzer, womit sumpfige Wege belegt werden ’ , ‘ Fässchen aus schmalen, früher durch Spalten gewonnenen tannenen Dauben zur Verpackung des zur Ausfuhr bestimmten Käses ’ , ‘ Scharte an einem Scheidwerkzeug (Messer, Sense, Axt, Degen usw.) ’ zu stellen, spätmhd. spale f. ‘ Querbalken am Kreuz; Leitersprosse ’ (I D . 10, 108 ff.), in Namen auch in Übertragung der länglichen, aufrechten Form ins Gelände. I D . (10, 110) stellt das Spali-Horn (in Kippel, bei uns Wiler) hierzu. Das gleichlautende Spale n f. (I D . 10, 112), bei G RICHTING (1998, 177, s. v. Schpali) ‘ Vorderschenkel (Ziege) ’ trifft kaum zu. Das Lemma kommt nur dreimal vor: in Spaalihoren und Spaalisee (beide Wiler), sowie in Spalewasserleite (Ulrichen), wohl die ‘ lange Wasserleitung ’ . Spalt Spalt m., f. ist belegt als die Bleinspalt ‘ an die Felsspalte mit Blei (unsicher) ’ (1821, Ergisch; unsichere Lesung), t Windspaltläicha ‘ das Sumpfgebiet, das den Wind spaltet ’ (Baltschieder), t Windspalteija ‘ die Aue, die den Wind spaltet ’ (FLNK, Baltschieder; Alternative zu Windspaltläicha), t Spaltschluöcht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Spalt ’ (FLNK, Wiler) und t Inder und t Uister Spaaltschluächt ‘ die innere und die äussere Geländeeinbuchtung beim Spalt ’ (Wiler). Das HL ist zu schwdt. Spalt m. ‘ Spaltung, Zerteilung ’ , wie nhd. ‘ Spalt(e) ’ , amhd. spalt und wdt. Schpaalt ‘ Spalt ’ (I D . 10, 205 ff.; G RICHTING 1998, 176) zu stellen. Das wechselnde Genus entspricht dem dial. der Spalt, hdt. die Spalte. Im Fall von Ergisch ist wohl eine Felsspalte zu verstehen, in der Blei gefunden wurde. Die Belege aus Baltschieder meinen ein Stück Land, das den Wind spaltete, wobei hier wohl eine Abstraktbildung zu einem Verb spalten vorliegt, und die Belege aus Wiler meinen wohl eine Geländeeinbuchtung bei einer Felsspalts auf der Weritzalp; nicht ganz ausgeschlossen ist hier aber der Einfluss des Spalihorn, das gleich daneben steht. Span Span m. ist zu schwdt. Sp ā (n) m., Pl. Spä(n), Sp ē (n) wie nhd. ‘ Span ’ , von Holz als Abfall bei dessen Bearbeitung, auch etwa zu bestimmten Zwecken eigens hergestellt, zur Beleuchtung, als Stopfmittel, als Kerbholz, von Spanähnlichem, meist Dim. für Kleines, Kleinliches, Nichtiges, mhd. sp ā n (I D . 10, 228 ff.) zu stellen. Es ist als Simplex in Törbel 1304 (lat.: retro) dem Span belegt, wo sich ein Acker befindet. Weitere Details 185 186 Span <?page no="912"?> fehlen. Als Bestimmungswort steht das HL in im Spanacher (1712, Grächen), was zum HL in Törbel passen würde. Allerdings kann auch die Bedeutung von Spann ‘ Uneinigkeit, Streit, Zwist ’ (I D . 10, 279 ff.) gemeint sein. Unsicher ist Spenpu ͦ le (1344 u. später, Fiesch). Spen kann hier durchaus auch zum Verb spëhen ‘ spähen ’ (I D . 10, 79) gestellt werden, sodass die Deutung ‘ der Hügel, von dem man ausspähen kann ’ gegeben wäre. Welche Deutung dem HL S PAN gegeben werden soll, ist darum unklar (cf. HL G SCHPA mit der Deutung ‘ Zaunlatte ’ ). Spänd Spänd f. ‘ Spende ’ , auch Spend, ist zu schwdt. Spënd, Spënn, Spënna (WGrä[chen]; Tör[bel]), Spënnu (WSaas) f. (in WTurt[mann] m.) wesentlich wie nhd. ‘ Spende, Austeilung, Verabreichung von Gaben, bes. an oder für Arme ’ , auch tw. ‘ die Gabe selbst ’ ( … )( … ) ahd. spenta, spenda, mhd. spende, aus mlat. spenda (spenta, spinda) und wdt. Schpend, Schpänd ‘ Spende ’ (I D . 10, 341 ff.; G RICH- TING 1998, 177) zu stellen. Das HL kommt nur als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita vor: im Spendacker ‘ im Acker, dessen Ertrag der Spende dient ’ (1681, Staldenried), jn den Spendackren ‘ in den Äckern, deren Ertrag der Spende dient ’ (1641 u. später, Ferden), der Spendgarten ‘ der Garten, dessen Ertrag der Spende dient ’ (1588 u. später, Ferden), t Spändmatta ‘ die Wiese, deren Ertrag für die Spende dient ’ (Ferden), t Spändweng ‘ die Grasabhänge, deren Ertrag als Spende an den Pfarrer ging ’ (Reckingen, zwei Belege). Ferden kennt eine eigene Spende, bei der nicht nur der Milchertrag der Spend-Alpen, sondern auch der Ertrag der Spend-Äcker verwendet wird (vgl. B LOETZER 1986, 166 - 188 und die dort erwähnten Quellen). Spändälla Spändälla ist zu i Spändällun ‘ am Ort, wo es eine Spende gab ’ (Blatten) zu stellen. Es handle sich um einen wannenartigen Steilhang. Die Flur befindet sich bei der Glaserbalma auf 2585 m. Es geht wohl um ein weibliche Stellenbezeichnung auf - ÄLLA (schwdt. - ELE ) (S ONDEREGGER 1958, 517 ff.) zum Nomen schwdt. Spënd ‘ Spende, Almosen ’ und wdt. Schpend, Schpänd ‘ Spende ’ (I D . 10, 341 ff.; G RICHTING 1998, 177; cf. HL S PÄND ). Der Hintergrund scheint zu sein, dass sich die armen Leute auf den Alpen eine Spende holen konnten; der Ort, wo sie diese erhielten, wäre dann die Spändälla. Weniger wahrscheinlich ist eine metaphorische Deutung. Spanna Spanna f. ist zu schwdt. Spann(e n ) wie hdt. ‘ Spanne ’ als Raum- oder Längenmass, auch wdt. Schpanna, Schpannä (Goms), Schpannu ‘ Spanne (Handmass) ’ (G R W B 16, 1893 ff.; I D . 10, 244 ff.; G RICHTING 1998, 177) zu stellen. Belegt ist nur zer Spannu (Niedergesteln); beschrieben ist die Flur als Kar unterhalb des “ Blummhorns ” . Kar ist hier wohl als zur “ Weide benutzbare Vertiefung ” (G R W B 11, 204) zu verstehen. Zer Spannu ist dann eine Vertiefung, die relativ klein ist. Spännig (FaN) Spännig (FaN) m. ist zunächst vermutlich ein FaN, der als Beiname Spenig, Spennig für die Familie der Frauen angegeben wird (AWWB 99; 249), die vermutlich aus Mörel stammt. Belegt ist der Spännig (Greich) mit der Spännigstadel und der Spännigwald (beide Greich oberhalb Spännig). Unklar ist, ob die Flur nach dem FaN benannt ist oder umgekehrt. Spennigo Gu ᵉ ter ‘ die Güter der Familie Spennig ’ (1556, Mörel) ist ein schwacher Genitiv Plural; am Spennis Matto ‘ an der Mähwiese des Spenni ’ (1381, Ried-Mörel) ein starker Genitiv Singular. Spenni kann die Kurzform zu Spennig (mit dem kollektiven - IG -Suffix) sein. Unklar bleibt der Beleg Spennetbrúnnen ‘ die Quelle / der Brunnen des Spennet ’ (1871, Bellwald), wo der FaN mit dem Suffix - ET -erscheint; der späte hdt. Beleg kann eine Umdeutung von Spennig sein. Sparr Sparr ist zu schwdt. Spar(r), Spar(r)e(n) m. ‘ Stück Rundholz von 4 - 10 cm Dicke und 1 - 3 m (selten mehr) Länge, (kurze) Stange, Prügel, auch Latte, (behauener) Balken ’ , von Rundhölzern, die einen Prügelweg bilden, ‘ Pfahl, Pfosten, Stange, Latte u. ä. zum Sperren, Stützen ’ , ‘ Zaunpfahl, -pfosten ’ , ‘ auf der Aussen- oder Innenseite über eine Tür oder ein Tor gehender Querriegel (starke Latte oder Rundholz) ’ , ahd. sparro, mhd sparre (I D . 10, 413 ff.), in Namen Übertragung der länglichen, aufrechten Form ins Gelände (URNB 3, 246). G RICHTING (1998, 177) kennt die Form mit langem Vokal Schpare, Schparä (Goms), Schpara (Mattertal), Schparu ‘ Querbalken (des Dachgerüstes), Latte ’ . Belegt ist das Simplex als der Sparre ‘ hoher Felsen ’ (Münster), der Sparro ‘ der Sparren (Durchgang) ’ (Mund), der Sparru ‘ der Sparren (wohl Felssparren, Felsabsätze) ’ (St. Niklaus), uf Sparu ‘ auf Sparren (Alpe auf einem Felssparren) ’ (St. Niklaus, SK Sparren, LT und FLNK Sparru), zum Sparu ‘ beim Sparren ’ (Täsch), der Sparu ‘ der Sparren (wohl Felssparren) ’ (Saas-Almagell), wobei Gwp. anfügt, das sei ein Holzpfahl, aber er habe mit dieser Gegend nichts zu tun. Auf LT lässt sich nichts Bestimmtes erkennen. Als Grundwort kommt Sparr vor in der Fäldsparu ‘ der Feldsparren (wohl: länglicher, liegender Sparren) ’ (St. Niklaus) und in Bärgschaft Sparru ‘ die Bergschaft (Al- Spänd 187 188 <?page no="913"?> pengebiet) Sparren unterhalb des Sparrhorns ’ (FLNK, St. Niklaus). Als Bestimmungswort kommt das HL vor zusammen mit den Grundwörtern Fad, Flüö, Hooru, Wald, Wang, Wasser (nur LT) und Zug. Komplexer sind ts Gross und ts Chlei Sparrhoru ‘ das grosse und das kleine Sparrhorn ’ (Naters), t Läzu Sparufet ‘ die nördlich liegenden Felsbänder bei zum Sparren ’ (Täsch) und t Sparuwasserleita ‘ die Wasserleitung, die zur Alpe Sparru führt ’ (St. Niklaus). Sparrier (PN) Sparrier (PN) ist nur historisch belegt Jn Sparriers Boden (1735 Niedergesteln). Der Genitiv kennzeichnet einen PN oder FaN. Der Name ist allerdings sonst in den üblichen Quellen nicht belegt. Spät Spät ist als attributives Adjektiv wie folgt belegt: t Spät Lamme ‘ die späte Runse (wohl spät reifendes Gras) ’ (Urichen), in der Beschreibung als schattiger, steiler Grashang bezeichnet; tsch Spät Matt ‘ in der späten Mähwiese (Mähwiese, die spät grün wird) ’ (Birgisch), in der Beschreibung mit ‘ lange Schnee im Frühjahr ’ bezeichnet; Spätmatt ‘ die Mähwiese, die spät Ertrag gibt ’ (FLNK, Mund). Das Adjektiv ist zu schwdt. sp ǟ t Adj. wesentlich wie nhd. ‘ spät, zu vorgerückter Zeit; zu (später) Abend- und Nachtzeit; innerhalb des Jahres die späte Jahreszeit (später Frühling z. B.) ’ , in örtlicher Bed. von Halden, Matten, Äckern, Weinbergen, die späten Ertrag liefern, ahd. sp ā ti, mhd. spæte und wdt. schpaat ‘ spät ’ (I D . 10, 589 ff.; G RICHTING 1998, 177) zu stellen. Wie SDS (1, 88 f.) zeigt, ist der Positiv im Oberwallis meist unumgelautet, der Komparativ dagegen durchwegs mit Umlaut. In den Flurnamen sind jedoch die attributiven Adjektive fast immer (cf. aber-HL S PA- TEN ) mit Umlaut-ä vertreten. Spaten Spaten ist nur im Beleg in den Spaten Schrotten (1795, Bitsch) belegt. Der Beleg ist unklar. In Frage kommt ein Adjektiv spat ‘ spät ’ (I D . 10, 589 s. v. sp ǟ t; G RICHTING 1998, 177), vermutlich in der Bedeutung ‘ die spät (reifenden, zu mähenden) Geländeeinschnitte ’ . Ein Zusammenhang mit Spatt m. f. ‘ Spaten ’ (I D . 10, 583) liegt kaum vor, hingegen ist ein Zusammenhang mit dem HL S PÄT gegeben. Spazier Spazier ist nur in der Spaziergang ‘ der Spaziergang ’ (Leukerbad) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 9, Nr. 37 und Blatt 23, Nr. 16) kennt es als Schpaziergang. Es handelt sich um eine gerade Strecke, auf der die Gäste hin- und herspazieren konnten; sie befindet sich links der Dala, wo früher der vornehmere Teil (Stadt genannt) des Ortes war; auf SK ist die gerade Strecke deutlich erkennbar. Im heutigen Leukerbad ist der Schpaziergang eine geteerte Strasse. Spaziergang ist zum Verb schwdt. spaziere(n) wie nhd. ‘ spazieren, (zum Vergnügen oder zur Erholung) gemächlich gehen ’ , mhd. spazieren, aus it. gleichbed. spaziare, lat. spatiari zu lat. spatium und wdt. schpazziere, schpazziärä (Goms), schpazzieru (Saastal), schpazziärn (Lötschental), schpazziäru ‘ spazieren ’ , auch wdt. Schpazziergang, Schpazziärgang ‘ Spaziergang ’ (I D . 10, 645 ff.; G RICHTING 1998, 177; D EVOTO / O LI 2020, 2147) zu stellen. Speck (FaN) Speck (FaN) ist nur 1784 in Mund als in Specksmatten ‘ in der Wiese der Familie Speck ’ erwähnt. E. J OSSEN (1989) kennt den FaN nicht. Hingegen ist eine Anna-Maria Speck als Nr. 19125 in der Liste der Personennamen des Bezirkes Brig in der Zeitspanne von 1809 bis 1818 erwähnt (FGA-Dokument von R. A RNOLD ). Spell Spell ist zweimal belegt: 1656 in Mörel als am Spellbanckh ‘ die Bank, wo man etwas erzählte ’ und 1774 in Mund als im Spellmatten ‘ in der Mähwiese, wo man etwas erzählte ’ (das Genus n. deutet auf ein HL M ATT ‘ die Mähwiese ’ ). Zum ersten Beleg kommen ab 1586 u. später Belege zu Spetzilbanck (Mörel), die unklar sind. Vermutlich liegt aber beidem schwdt. Spël(l) ‘ Erzählung, Erdichtung, Lüge, Geschwätz ’ (I D . 10, 113; vgl. auch G R W B 16, 2137 s. v. Spell) zu Grunde, das als Bîspel ‘ Beispiel ’ weiterlebt (I D . 10, 114). Während der Beleg aus Mörel wohl einfach eine (Sitz-)Bank meint, auf der man etwas erzählte, ist der Beleg mit Spellmatten in Mund etwas schwieriger - es dürfte sich aber auch hier um eine Mähwiese handeln, auf der man etwas erzählte. Zu Spetzil cf. HL S PETZIL . Sperri Sperri f. ist belegt als t Eggsperrin ‘ die Sperre bei der Ecke ’ (Blatten), wo es sich um einen Zaun oder eine Mauer zwischen Ried und Blatten handelt. Die drei Belege di Talsperri, t Inner und t Üsser Talsperri (Baltschieder) sind Sperren der BLS zum Schutz von Baltschieder. Zu stellen sind die Belege zu schwdt. Sper(r), Sperre(n) f., Sperri f. wie nhd. ‘ Sperre, Hinderung, Widerstand; Schranke; Einbau in einen Fluss zum Stauen des Wassers, bes. auch in einen Wildbach, um die Stosskraft des Wassers zu schwächen und das Geschiebe aufzuhalten, in Rutschgebieten zur Sicherung gegen Rüfenen ’ , mhd. sperre f. ‘ Vorrichtung zum Sperren ’ (I D . 10, 422 f.). Das HL ist so nicht bei G RICHTING (1998) belegt. 189 190 Sperri <?page no="914"?> Sperwer Sperwer m. ‘ Sperber ’ ist zu schwdt. Sperwer, Sperber, Sperbel m., Pl. unverändert, Vogelname ‘ Sperber; Accipiter (Astur, Falco) nisus ’ , ahd. sparwari, mhd. spar-, spär-, sparwære (I D . 10. 495 ff.) zu stellen. Er erscheint im Genitiv als am Sperwers Bu ᵉ ll ‘ am Hügel des Sperbers ’ (1579, Naters) und in t Spärwerzucht ‘ die Sperberzucht ’ (Saas-Fee), einem metaphorisch benannten Jungwald auf ca. 1980 m. Im ersten Fall kann auch ein PN oder ein Übername gemeint sein, doch ist keiner überliefert. Hingegen gibt es etwa ts Chräijubiel ‘ der Hügel mit Krähen ’ (Ried-Brig), der einen Vogelnamen mit Biel verbindet. Sperzi Sperzi f. ist nur in Naters ohne Koordinaten belegt. Laut der Beschreibung ‘ Wiesen, Moränenrücken ’ handelt es sich um ein hochgelegenes Gebiet. Schwdt. Sperzi f., Sparz m., Sperz ‘ das Anstemmen; die Stelle, wo man sich mit den Füssen anstemmen kann; Tritt, Stoss mit dem Fusse ’ (I D . 10, 499 ff., 508) gibt wenig Hinweise, wdt. schperzu ‘ ächzen (unter der Last), bewegen (mit Kraft) ’ (G RICHTING 1998, 177) weist in die Richtung, dass die Flur sich bei einem Aufstieg befand, den man nur mit ‘ Ächzen ’ bewältigen konnte. Die Ableitung auf - I (S ONDER- EGGER 1958, 497 ff.) bezieht sich auf ein Verbalastraktum: ‘ der Ort, der mit Ächzen erreichbar ist ’ . Spetzil Spetzil ist nur 1586 und später in Mörel als Spezilbanck belegt. Es gibt am gleichen Ort 1656 einen Spellbankck. Vermutlich hat letzteres die Lesart von Spël(l) ‘ Erzählung, Erdichtung, Lüge, Geschwätz ’ (I D . 10, 113) bestimmt, die auch den sonst schwer zu deutenden Belegen für Spezilbanck zu Grunde liegt. Spezel (I D . 10, 671) als ‘ guter, intimer Freund ’ oder ‘ eigentümlicher, unbedeutender Mensch, Sonderling, Original ’ scheint nicht gemeint zu sein, kann aber das nicht mehr verstandene Spell abgelöst haben. Spezje Spezje f. ist nur in Binn (auch FLNK) belegt. Die nächstliegenden Wörter bezeichnen als Spezi ‘ Gewürz ’ (I D . 10, 670) und wdt. Schpezzje, Schpezzjä ‘ Gewürze ’ (G RICHTING 1998, 178) wohl nur dann eine Flur, wenn dort Gewürze gewachsen wären. Ob das so ist, bleibt unklar. Sphinx Sphinx f. ist benannt nach der ägyptischen Sphinx als etwas aus dem Gelände oder auch von seiner Konstruktion her herausragendes und von der Form her an eine Sphinx Erinnerndes. 1931 wurde auf dem Sphinxfelsen auf 3571 m Höhe die Forschungsstation Sphinxobservatorium gebaut und 1937 von Forschern bezogen (www. grindelwald.net/ jungfraujochjungfraubahn.php [gs/ 12.11.2012]). Heute befindet sich dort auch die Sphinxterrasse mit Restaurants (https: / / www.jungfrau.ch/ de-ch/ corporate/ gesellschaften-betriebe/ sphinx-ag-jungfraujoch/ [iw./ 11.9.2017]). Der Sphinxstolle ‘ Sphinxstollen ’ (FLNK, Fieschertal) ist ein Stollen, der zum Observatorium führt. Die so benannten Orte liegen auf der Grenze der Kantone Bern und Wallis und gehören zur Gemeinde Fieschertal. Spiegel Spiegel m. ist nur in der Bockspiegel ‘ der After des (Hirsch-)Bocks ’ (Oberwald, auch LT und FLNK) belegt. Vermutlich ist hier die helle Stelle am Hirschkörper (Weidloch) gemeint, die Beobachtern auffällt. Zu stellen ist Spiegel (mit ausgesprochenem Diphthong / ie/ ) zu schwdt Spiegel (I D . 10, 59 ff.), hier wohl in der Bedeutung 2 d δ ) Weidloch (After) des Hirsches. G RICHTING (1998, 178) kennt Schpiegl, Schpiegäl (Goms), Schpiegu (unteres Goms), Schpiegul (Vispertäler), Schpiägl (Lötschtal), Schpiägil ‘ Spiegel, Brillen, Fernglas, Fernrohr ’ nur in diesen Bedeutungen, nicht in der Bedeutung der Jägersprache. Spien Spien ist eine verdeutschte Form, die als Spiiu (Guttet, LT und FLNK Spiu) belegt ist, einem früher bewohnten Ort zwischen Guttet und Feschel. Neben dem Simplex ist das HL in Bestimmungswörtern belegt, zusammen mit Acher, Bodu, Matta, Wald und Weg. Belegt sind die Komposita nur für Guttet und Feschel. Mit Ausnahme von der Spiiuwald (Guttet, FLNK u. LT Spiuwald) sind die Belege nur historisch. Das als romanisch klassifizierte espions (1322, Guttet) dürfte die älteste Form des Namens sein, der damals einen bewohnten Weiler kennzeichnete (cf. HL E SPION ). Der romanische Name bezieht sich wohl auf ein Nomen zu *spehôn (anfrk.) spähen (FEW 17, 173 ff.), wohl als ‘ der Späh-Ort ’ . Spigolo Spigolo ist nur als Grenzgipfel Cima dello Spigolo zwischen Italien und dem Wallis in Saas-Almagell mit einer Höhe von 3362 m belegt. Der Name ist zu it. spigolo m. hier ‘ Grat ’ (D EVOTO / O LI 2020, 2161, Bed. 3) zu stellen, also ‘ der Gratgipfel ’ . Spiicher (FaN) Der FaN Spiicher (AWWB 130) ist als FaN Im Spicher für das Saastal belegt. Vermutlich diesen Namen findet man Sperwer 191 192 <?page no="915"?> in ts Spichärlisch Bobem ‘ der Boden der Familie Spiicher / beim Speicher ’ (Blatten), ts Spihärsch Blattu ‘ die Felsplatten der Familie Spiicher / beim Speicher ’ (Ferden) und ts Spiicherhansch Wald ‘ der Wald des Hans Spiicher ’ (Saas-Balen). Spiicher Spiicher m. ‘ der Speicher ’ ist zu schwdt. Sp ī cher, Sp ī (h)er, Sp ī ger, Sp ī r m., Pl. meist unverändert, wesentlich wie nhd. ‘ Speicher ’ , als selbständiges Gebäude, zu einem Bauernhaus oder Hof gehörig; einer Genossenschaft, Gemeinde, Herrschaft u. ä. zugehörig, ahd. sp ī chari, mhd. sp ī cher m., aus spätlat. spicarium ‘ Kornspeicher ’ und wdt. Schpiicher, Schpiichär ‘ Speicher ’ (I D . 10, 30 ff.; G RICHTING 1998, 178) zu stellen. Laut V. S CHMID (2003, 180 ff.) handelt es sich um ein häufig nicht selbständiges Vorratsgebäude. Das Simplex ist im Singular nur als ob dem Spicher ‘ oberhalb des Speichers ’ (1808, Filet) belegt. Im Plural erscheint es als Ze Spichre ‘ bei den Speichern (Ortsteil von Grengiols) ’ (Grengiols), Ze Spiichru ‘ bei den Speichern ’ (Eyholz), Zu Spichru ‘ bei den Speichern (Alpe) ’ (Täsch) und historisch 1348 zen Spikerren ‘ bei den Speichern ’ (Simplon). Das Diminutiv im Singular ist als ts Spiicherli ‘ der kleine Speicher ’ (Oberems, Oberwald) belegt; der Plural als t Spiicherlini ‘ die kleinen Speicher ’ (Naters). Mit attributiven Adjektiven erscheinen vnder dem Nÿwen Spicher ‘ unter dem neuen Speicher ’ (1616, Grächen) und beÿ dem Vndren Spicherli ‘ bei dem unteren kleinen Speicher ’ (1745, Bürchen). Vor- oder nachgestellte Genitive sind belegt als sub spicarijs Lorigo ‘ unter den Speichern der Leute des Lori (Lorenz) ’ (1627, Raron), ts Wirtstepfisch Spiicher ‘ der Speicher des Wirtstepfi (wohl Übername zu Wirt und FaN Imstepf) ’ (Mund) und bÿ Wissigo Spicher ‘ beim Speicher der Familie Weissen ’ (? , Bitsch). Als Grundwort ist das HL nur in der Kapälluspiicher ‘ der Speicher bei der Kapelle von Liden ’ (Niedergesteln) belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Egg(a), Matta, Schluocht, Schnitta und Wäg. Als komplexere Form ist belegt: ts Spiicherhansch Wald ‘ der Wald des Hans Spiicher ’ (Saas-Balen) (cf. HL S PIICHER FaN). Spiinu Spiinu f. ‘ Fasshahn ’ ist zu schwdt. Sp ī ne n , -a, ‘ hölzerner Stöpsel, Zapfen an einer Kufe, Spund am Fasse; Röhre an einer Wäschebütte, Ausflussvorrichtung am Wäschebottich (ein der Länge nach halbiertes, an der Innenwand des Bottichs angebrachtes hölzernes Rohr, durch dessen dem Spundloch im Boden entsprechende Höhlung der Spine n -Nagel, der hölzerne Stöpsel eingesteckt und herausgezogen wird); hölzerner Fasshahn; Wasserhahn ’ , Lehnwort aus rät., it. spina ‘ Dorn, Zapfen, Fassnagel ’ und wdt. Schpiina, Schpiinä (Goms), Schpiinu ‘ Wasserhahn, Fasshahn ’ (I D . 10, 337 f.; G RICHTING 1998, 178) zu stellen. Belegt ist es 1784 in Guttet als in den Spinu ‘ in den Spinen ’ (1784, Guttet) und der Spiinugrabu ‘ der Graben bei den Spiinen ’ (Saas-Almagell). ‘ Wasserhahn, Fasshahn ’ kann zutreffen, aber FEW (12, 176 ss. s. v. sp ī na ‘ Dorn ’ ) weist auf manche anderen Verwendungen hin. E GLI (1982, 284) verweist auf Spiina, resp. Spiinu als ‘ Fasshahn ’ ; er nimmt an, dass es sich um eine oberitalienische Entlehnung handle (E GLI 1981, 319 f.; vgl. auch D EVOTO / O LI 2020, 2162 mit verschiedenen Bedeutungen). Diese Sichtweise betrifft vermutlich nur den Weinbau; Spiinu selbst war in seinen übrigen Verwendungarten sicher schon bekannt. Spiis Spiis f. ‘ Speise ’ ist nur einmal belegt in t Spiischerb ‘ die Speisekörbe ’ (Erschmatt) als Vergleichsname für inzwischen erlegene Äcker. Es ist zu schwzdt. Sp ī s f. ‘ Nahrung ’ und wdt. Schpiis ‘ Speise (Käse, Brot, Wurst) ’ (I D . 10, 521 f.; G RICHTING 1998, 178) zu stellen. Spil Spil n. ist zu schwdt. Spil, Spill, Sp ī l n., Pl. unverändert, wesentlich wie nhd. ‘ Spiel; freie, ungehinderte Bewegung; bewegte Menge, Gewimmel; lärmendes Treiben, Rumor ’ , zur eigenen oder zu anderer Leute Unterhaltung, mehr oder weniger planmässig aufgeführte Tätigkeit, amhd. spil und wdt. Schpill, Schpiil (Lötschental) ‘ Spiel ’ (I D . 10,116 ff.; G RICHTING 1998, 178)) zu stellen. Gemeint ist in vielen Fällen der Ort, wo die Auerhähne (manchmal auch Birkhähne) ihren Balztanz aufführen, also eine ebene Fläche, die aber auch für einen Tanz oder andere Spiele verwendet werden kann, wobei ein Spielmann zum Tanz aufspielt. In Einzelfällen wird Spil auch für ‘ eine grosse Menge ’ verwendet. Nicht zu verwechseln ist es mit dem HL S PUEL und dem dort belegten Spieli mit mehreren möglichen Deutungen (cf. HL S PUEL ). Im unteren Goms kann auslautendes / l/ zu / u/ vokalisiert werden, also Spiu. Das Simplex im Singular ist nur als ts Spil ‘ das Spiel (wohl Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (Ulrichen) belegt. Der häufigst auftretende Typ mit dem HL als Grundwort ist ts Hanspil ‘ der Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Fiesch); es handelt sich um Auer- oder Birkhähne. Neben dem durchsichtigen ts Hanspill ‘ der 193 194 Spil <?page no="916"?> Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Zermatt), am Hanenspil ‘ am Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (1333, Mund), Hannspill ‘ der Ort, wo die Auerhähne ihr Balzspiel aufführen ’ (FLNK u. LT, Reckingen), ts Hanspiu ‘ der Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ , (Selkingen), t Hanspiutini ‘ die kleinen Orte, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Ritzingen) gibt es einige Umdeutungen wie auff dem Handspeill ‘ auf dem Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (1763, Biel; SK Handspiel), am Handt Spil ‘ am Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (1530, Binn; SK Handspiel), der Hanschbieu ‘ (umgedeutet auf Biel (Hügel)): der Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Binn). In einer Reihe von Belegen wird die Sequenz / ans/ durch eine Ersatzdehnung (Staubsches Gesetz) ersetzt, wobei die Lautung nach R ÜBEL (1950, 6) unterschiedlich ist; hinzu kann weiter die Deutung von Spil als Biel kommen, wie etwa in ts Haisch Biel ‘ der Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Gampel), das neu als ‘ des Hans Hügel ’ verstanden wird. Belegt sind weiter t Haischbiela (Eisten), ts Haispill (Kippel), t Haüschbiele (Staldnried), ts Höüspiel (St. Niklaus), ts Höüspil (Täsch). Zu diesem Typ gibt es auch attributive Adjektive: ts Ober und ts Under Haispiil ‘ der obere und der untere Teil des Ortes, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Blatten), ts Ober und ts Unner Hannspil ‘ der obere und der untere Teil des Ortes, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Reckingen), ts Ober und ts Unner Hannspiu ‘ der obere und der untere Teil des Ortes, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Selkingen), ts Ober und ts Unner Höüschbiel ‘ der obere und der untere Teil des Ortes, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Randa), t Obru und t Undru Häischbiele ‘ die oberen und die unteren Orte, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Termen). Der Typ Hanspil tritt als komplexes Bestimmungskonstruktion in den folgenden Belegen auf: dr Haichspilwang ‘ der Grasabhang beim Hahnenspiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (Blatten), Haischbielbletscha ‘ die Bletscha (Ebene) beim Hahnenspiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (FLNK, Ferden), der Haischbielbodu ‘ der Hahnenspiel-Boden (wo die Hähne ihre Balzspiele aufführen) ’ (Simplon), das Heischbielläger ‘ die Lagerstätte für das Vieh beim Heischbiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (1833, Eisten), t Haispiilbletscha ‘ die Ebene, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (Kippel), ts Haispiilbord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) beim Haispiel (Hahnenspiel: Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (Kippel), die Hanssbiellsu ᵕ n ‘ die Wasserleitung beim Haispiil (Hahnenspiel: Ort wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (1632, Kippel), t Hannspiuschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim Hanspiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (Selkingen), Hanschpiustafu ‘ der Stafel beim Hanspiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (FLNK, Selkingen), das Heischbielläger ‘ die Lagerstätte des Viehs beim Hahnenspiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (1833, Grächen), t Höuschbieläbi ‘ der Abhang beim Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen ’ (St. Niklaus), ts Höüschbielbord ‘ das Bord (Abhang, Böschung) unter dem Höüschbiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (Randa), ts Höüschbielgufer ‘ das Steingeröll unter dem Höüschbiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) ’ (Randa), ts Höüschbielwasser ‘ die Wasserleitung, die beim Höüschbiel (Ort, wo die Hähne ihr Balzspiel aufführen) vorbeifliesst ’ (Randa). Die verschiedenen Umdeutungen lassen sich am ehesten als Neu-Deutungen verstehen, die auf dem Nicht-Verstehen des Typs Hanspil beruhen. In weiteren Fällen ist das HL als Grundwort wie folgt belegt: ts Eggspil ‘ der Spielplatz (der jungen Adler) bei der Ecke ’ (Täsch), laut Beschreibung alter Adlerhorst, uf Mundärspiil ‘ auf dem Munderspiel ’ (Blatten) (Motivation ist unklar, S TEBLER (1097, 24) vermutet auf Grund der Sage Wunderspiel als zutreffende Form, wozu es allerdings keinen Hinweis gibt; zum Ortsnamen Mund (heute Naters) ist das Bestimmungswort kaum zu stellen). Das HL tritt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Biel, Blatta, Bodu, Flüö, Loch, Ma, See, Wäg und Wang. Komplexere Konstruktionen sind: Spilbiealpji, Spilbielbodu und Spilbielweide (alle Hohtenn, alle zu Spilbielalpji), dr Spilfluätschuggen ‘ der Felsblock bei der Spillflue (Fluh beim Ort, wo die Hähne spielen) ’ (Blatten), ts Spilmasch Brunn ‘ die Quelle / der Brunnen des Spielmannes (Musikant) ’ , Spilmansmatten ‘ die Wiese des Spielmanns (Musikant) ’ (1310, Visperterminen), der Spilwangstaful ‘ der Stafel im Gebiet Spilwang (Grasabang, wo die Hähne spielen) ’ (Simplon), der Ober und der Unner Spillbodu ‘ der obere und der untere Spielboden (wo man zum Tanz aufspielen kann) ’ (Saas-Balen). Spir Spir ist nur in Ausserberg als Spirgilla (LT) belegt. FLNK hat Spirgila. Auf der Karte findet sich in der Nähe ein kleines Gewässer, das als Tümpel (Gilla) verstanden werden kann. Spir lässt sich zu schwdt. Sp ī r m., f. ‘ Schwalbenart, grosse Schwalben; Rauchschwalbe, Hausschwalbe; Uferschwalbe; Alpensegler, Felsschwalbe ’ , mhd. sp ī re f. (I D . 10, 448 f.) stellen, das auch im I D . für das Wallis bezeugt ist, sonst aber fehlt. Spiser Spiser ist nur einmal historisch in Zermatt 1551 als jm Spiser belegt. Das Nomen wird im I D . (10, 545) als maskulines Nomen agentis aufgeführt, das zu sp ī sen Spir 195 196 <?page no="917"?> ‘ speisen ’ zu stellen ist. I D . zählt in der Anmerkung eine Reihe von PNN und FaNN auf, jedoch findet sich dieser PN oder FaN weder in AWWB noch in NWWB. Die Belege zu Flurnamen beschränken sich auf die Ostschweiz. Zu vermuten ist, dass es sich um eine Ableitung zu Spiss (cf. HL S PISS ) handelt, die vielleicht falsch gelesen wurde. Ein Zusammenhang mit dem FaN Spiser ist nicht gegeben. Spiss Spiss m. ist zu schwdt. Spiss, Sp ī s m. ‘ spitziges Ding; rundes, dünnes, spitzes Hölzchen; abgetrennter Holzteil, Splitter, Span ’ , ‘ Bergzacke, -grat, vorspringende, spitz zulaufende Örtlichkeit; mit Felsen gespickte Stelle ’ , amhd. spiss m. ‘ Bratspiess, Spitze ’ (I D . 10, 548 ff.; Z INSLI 1946, 338) zu stellen. In den ONN tritt auch Spiss f. (z. B. Visperterminen) auf. W IPF (1910, 79) nennt Spiss f. als “ Name eines Gutes, das auf einem spitz zulaufenden Hügel gelegen ist ” . Daneben ist nicht immer klar, ob t Spissa / t Spisse ein (femininer) Singular oder ein Plural ist. In vielen Fälle sind in den Beschreibungen ‘ spitz zulaufende ’ Stücke Land erwähnt; es gibt aber auch Gebiete mit Felszacken oder mit Felsen gespickte Stellen. Im Einzelfall kann das nicht immer unterschieden werden, sodass im Allgemeinen Spiss als Deutung gewählt wird. Für die Gewährspersonen scheint Spiss jedoch eng mit spitz verwandt zu sein. Das HL ist rund einhundert Mal belegt. Die Belege stammen aus allen Bezirken ausser Leuk. Das Simplex im Singular ist normalerweise m., nur selten f. und kommt als Spis oder Spiss rund zwanzig Mal vor. Die Simplexform Spissa ist vier Mal belegt, wohl immer als Plural. Spisse ist vier Mal belegt und kann ein Singular im Feminin (so wohl in Binn) oder ein Plural (so wohl in Niedergesteln) sein. In im Spüss (1707, Lax) und die Spüsse (1709, Mörel, unklar ob Sg. oder Pl.) liegt eine hyperkorrekte Schreibung vor; in an den Spyssen (1542, Blatten) wohl eine Andeutung der Länge des Vokals, die im Lötschental möglich ist. Selten sind Diminutive des Simplex: im Spisij ‘ im kleinen Spiss ’ (1736, Selkingen) und der Plural t Spissjini ‘ die kleinen Spissen ’ (Naters). Attributive Adjektive zum HL zeigen: im Breiti Spiss ‘ im breiten Spiss ’ (Blatten), der Fooder Spiss ‘ der vordere Spiss ’ (Hohtenn, Steg, für den gleichen Graben), der Obere Spis (1832, Ulrichen), t Undru Spisse (Mund, Plural), der Unter Spiss (1832, Blitzingen), t Unneru Spiss ‘ die (sic! ) untere Spiss ’ (Saas-Fee). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL als Bifigspiss ‘ der Spiss im Gebiet Bifig (das eingezäunte Stück Wiese) ’ (Naters, mehrfach belegt) und der Sattelspiss ‘ der Spiss beim Sattel (sattelförmiges Gelände) ’ (Mund) belegt. Komplexer sind der Hosandspiss ‘ der Spiss (spitz zulaufendes Gebiet) beim hohen Sandgebiet ’ (Mund), ins Hotschuggenspis ‘ das Spiss (sic! ) beim hohen Felsen ’ (1774, Naters) (der einzige Beleg mit neutralem Genus), t Obfliejerspissa ‘ die Spissen im Gebiet Obflie (ob den Flühen) ’ (Naters) und in der Üsser Mattspiss ‘ der Spiss beim Äusseren Matt ’ (Mund). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bach, Bäärg, Blatta, Bodu, Brigga, Brunnu, Egg(a), Flüö, Grabu, Lamma, Matta, Rüüs, Schiir, Sita, Tiri, Tritt, Tschugge, Wäg, Wald, Wasser und Zug. Komplexere Fälle sind der Fooder Spissgrabu (Niedergesteln), t Hinner Spisslamme (Münster) und andere. Eine Präfigierung mit G ( I )ist belegt in im Oberen Gspis ‘ im oberen Ge-Spiss (Felszacken? ) ’ (1846, Zermatt). Das Präfix ist kollektiv, meint also mehrere Spisse, wobei unklar ist, ob es sich um Felsen oder spitz zulaufende Grundstücke handelt. Ob das nur in Zermatt 1551 belegte im Spiser hieherzustellen ist, lässt sich nicht genau bestimmen, ist aber wahrscheinlich. Es würde dann eine - ER -Ableitung als Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 551 ff.) darstellen. Spittel / Spi'taal Spittel m., auch Spitaal n./ m., ist zu schwdt. Spit ā l, Spid ā l, n., m., Spittel n., m. wie nhd. ‘ Spital; Anstalt zur Aufnahme, Verpflegung und Versorgung von Hilfsbedürftigen ’ , mhd. spit ā l, spit(t)el n., m., aus mlat. hospitale ‘ Gast-, Fremdenhaus ’ (I D . 10, 604 ff.) zu stellen. Bei G RICHTING (1998) sind die beiden HLL nicht verzeichnet. Die unterschiedliche Betonung zeigt, dass Spittel als eingedeutschtes Wort, Spital als Fremdwort verstanden wird. In Gebieten mit l-Vokalisierung zu / u/ (unteres Goms) erscheint Spittu. Von den verschiedenen Belegen für die beiden HLL benennt nur Spital ‘ das Spital ’ (LT, Visp) ein modernes Krankenhaus. Fast alle anderen Belege beziehen sich auf ältere Spittel, die nicht nur Kranke, sondern auch Fremde, manchmal auch Invalide oder Geisteskranke, beherbergten. Die Spittel auf den grossen Pässen wie Grimsel und Simplon dienten den Passbenutzern als Unterkunft. Spittel besassen zur Finanzierung Grundstücke wie Wiesen oder Reben. Der einzige übertragene Gebrauch ist wohl bei der Nootspitaal ‘ das Notspital ’ (Eisten) (rund 1700 m, weit weg von einer Siedlung) gegeben, wo Gwp. sagt, dass hier die Frau des Eigentümers unerwartet gebären musste. Das Simplex im Singular erscheint als Spital ‘ das Spital ’ (LT, Visp), Spital ‘ der Spittel (heute Antoniushaus) ’ (1390 u. später, Brig, 1528 supra hospitale, 1649 197 198 Spittel / Spitaal <?page no="918"?> superius hospitale, 1744 ob dem Spital), den Spital ‘ der Spittel von Oberwald auf der Grimsel ’ (1514 u. später, Oberwald, 1656 zum Spittal, 1661 beÿ vnserem Spithal, 1763 Grimselspittel), der Spittil ‘ der Spittel (heute Altersheim der Burgergemeinde) ’ (Leuk), der Spittu ‘ der Spittel (laut Gwp. war hier früher ein Spittel, heute überbaut) ’ (Lax), am Spitaal ‘ am Spittel auf dem Simplon ’ (1679 (ca.), Simplon; 1768 am Spittel). Mit einem attributiven Adjektiv ist belegt der Alt Spittel ‘ das alte Spital ’ (Simplon), bei J ORDAN (2006, 33) Aaltä Schpittul, Wohnturm von Kaspar Stockalper. Das auf LT daneben erwähnte Alte Hospiz scheint der Name für das Barralhaus (cf. HL B ARRAL ) zu sein. Als Grundwort erscheint das HL in Grimselspittel ‘ der Spittel auf der Grimsel ’ (1763, Oberwald), der Nootspitaal ‘ das Notspital ’ (Eisten, siehe oben), Rappen Spital ‘ der Rappespital ’ (1439, Steinhaus; 1485 ze Rapelspital). Als Bestimmungswort treten die HLL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Alpa, Bodu, Gassa, Güet, Matta, Räb-, Wäg und Wald. Komplexer sind: die Ober Spitellmatta ‘ die obere dem Spital gehörende Wiese ’ (1680 u. später, Zwischbergen) und die Vnder Spitellmatta ‘ die untere dem Spital gehörende Wiese ’ (1680, Zwischbergen). J ORDAN (2006, 285 f.) kennt neben Schpittul auch Chleini Schpitt u lmatta und Groossi Schpitt u lmatta (alle Zwischbergen) und S. 34 Schpitt u lbodu (Simplon). Spitz Spitz m. und spitz Adj. sind zu schwdt. Spitz m., Spitze(n) f. wie nhd. ‘ Spitze; spitziges Ende eines Gegenstandes, Fels-, Berg-, Landspitz ’ (I D . 10, 677 ff.) oder schwdt. Adj. spitz wie nhd. ‘ spitz ’ (I D . 10, 672 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 178) kennt beide Lemmata, gibt aber - ausser schpizz ‘ spitz ’ - vor allem hier nicht zutreffende Bedeutungen. Zu unterscheiden ist Spitz als spitz zulaufendes Grundstück (z. B. ein Acker, eine Wiese, eine Weide, ein Stück Wald, in wenigen Fällen ein Dorfteil) von einem spitzen Felsen oder einer Reihe von spitzen Felsen; in diesem Fall tragen sie einen Gipfel- oder Gebirgsnamen. Das Adjektiv meint im Allgemeinen spitz zulaufende Grundstücke oder spitze Felsen. Das HL ist in der einen oder anderen Form in rund 230 Flurnamen enthalten. Das Simplex im Singular ist als Spitz (FLNK, Ausserbinn), der Spitz (Blatten, Geschinen, Leuk, Reckingen, Simplon), im Spitz (Obergesteln (Dorfteil)) und mehreren historischen Belegen mit am Spitz (z. B. 1628, Fiesch), der Spitz (z. B. 1870, Bürchen) und im Spitz (z. B. 1816, Selkingen) rund 25 mal belegt. Das Simplex im Plural erscheint als t Spitza (Eisten, Staldenried, Törbel), t Spitze (Simplon), in den Spitzen (1579, Naters (1782 im Spitz), 1770, Raron), zu Spitzu (Randa), deutlich seltener. Das Diminutiv ist zweimal als ts Spitzji (Baltschieder, Obergesteln) belegt. Attributive Adjektive zum HL in zweigliedrigen Konstruktionen sind: im Bösen Spitz ‘ im bösen Spitz (spitz zulaufendes Stück Land) ’ (1833, Raron), der Rot Spitz ‘ die spitz zulaufende rote Wiese ’ (Simplon; bei J ORDAN (2006, 68) als Rootä Schpitz), bim Vndersten Spitz ‘ beim untersten spitz zulaufenden Grundstück). Mehrere Belege haben das Zahlwort drei / drii: das Dreispitz (sic! ) (1698, Selkingen), Dreispitz (1755, Gampel; 1717, Leuk (1775 das Dreÿspitzi); 1842, Oberems; 1837, Ulrichen; 1793, Termen) (mit verschiedenen Schreibweisen), im Dreispitz (1848, Guttet), der Driispitz (Baltschieder, Lalden), im Driispitz (Visp), im Drÿspitz (1700, Turtmann). Gemeint sind jeweils Grundstücke, die entweder dreieckig sind oder durch Gräben usw. begrenzt werden. Hierzu finden sich auch komplexere Formen wie der Drispitzfärich ‘ der Pferch mit dem Dreispitz (dreieckige Mauer gegen Lawinen) ’ (Visperterminen), der Driispitzwald ‘ der Wald, der einen Dreispitz bildet (dreieckiges Stück Wald) ’ (Eischoll, Eyholz), ts Driischpitzwang ‘ der Grasabhang in der Form eines Dreispitzes (dreieckiges Stück Land) ’ (Leukerbad; G RICHTING 1993, Blatt 16 Nr. 11 hat Drieschpitzwang). Vorangestellte Genitive sind in Forners Spitz ‘ im spitz zulaufenden Grundstück der Familie Forner ’ (1594, Fiesch), im Hilpersspitz ‘ im spitz zulaufenden Grundstück des Hilpert (PN) ’ (1846, Bellwald). Als Grundwort ist zwischen Singular und Plural zu unterscheiden. In zweigliedrigen Komposita kommt der Singular mit FaN vor wie Eger Spiz ‘ der spitze (Acker) der Familie Eger ’ (1821, Selkingen), der Houzerspitz ‘ der Spitz (Felsspitze) der Familie Holzer ’ (Binn), der (e)Rubispitz ‘ der spitze Felsen der Familie Rubi ’ (Hohtenn), der Düffurspitz ‘ die Dufourspitze (Gipfel benannt nach General Dufour) ’ , der Zumsteispitz ‘ die Spitze des Joseph Zumstein (so VON W ELDEN 1827, 34) ’ . Im Fall von di Parrotspitza ‘ die Parrotspitze (Gipfel des Monte Rosa) ’ (Zermatt) liegt ein femininer Singular vor, ein deutliches Zeichen für die Benennung des Gipfels durch VON W EL- DEN (1824, 36) nach J OHANNES F RIEDRICH W ILHELM P ARROT , einem deutschen Physiker und Arzt (1791 - 1841). Gleiches gilt für Mathildespitze ‘ die Spitze der Mathilde ’ (bei der Jungfrau) (LT, Fieschertal), wobei unbekannt ist, nach welcher Mathilde die Benennung erfolgte. Die Senfspitze ‘ die senffarbene Spitze (Gipfelname, LT Senfspitze; FLNK Senfspitza) ’ (Fieschertal) wurde vom Erstbesteiger nach der Ockerfarbe der Felsen benannt. Häufiger ist eine naheliegende Flur gemeint, wie z. B. in im Erlispitz ‘ im spitz zulaufenden Gebiet mit Erlen ’ (1857, Ritzingen), der Flüespitz ‘ das spitze zulaufende Gebiet auf der Flüe-Alp ’ (Leukerbad, G RICHTING 1993, Blatt 20, Nr. 7 Spitz 199 200 <?page no="919"?> Flueschpitz), der Furispitz ‘ das spitz zulaufende Gelände bei der Fura (Furche) ’ (Simplon) und andere mehr. Einen seltenen Fall bildet Tünnelspitz ‘ der Tünnelspitz (LT Tunnelspitz), kleiner Gipfel, unter dem der Simplon- Tunnel durchführt ’ (Ried-Brig). Im Fall von der Chalberspitz ‘ die spitz zulaufende Weide für die Kälber ’ (Ergisch, Oberems, Raron) wird die Flur nach den Tieren benannt, die dort weiden, während sich bei der Gemschspitz ‘ die (Fels-)Spitze mit Gemsen (LT Gemsspitz) ’ (Zermatt) viele Gemsen aufhalten. In einigen Fällen ist die Motivation unklar, so in Burgspitz ‘ die Spitze des Hügels bei der Burg (burgähnliches Gelände) ’ (LT, SK u. FLNK, Ried-Brig) und der Bärgspitz ‘ das spitz zulaufende, bergwärts liegende Gebiet ’ (Obergesteln), wo es kein Simplex Bärg gibt. Der Plural Spitza meint meist eine Reihe von Felsspitzen als Gipfel- oder Gebirgename. Das gilt von den Adlerspitza ‘ Felsspitzen beim Hohgleifen (Gipfelname) ’ (LT und FLNK, Niedergesteln) über di Gletschärspitza ‘ die (Fels-)Spitzen beim Gletscher (Gipfelname, LT und FLNK Gletscherspitza) ’ (Blatten) zu di Bliäjenduspitza ‘ die (Berg-)Spitzen oberhalb der Bliäjendun (Blühenden) (Gipfelname, LT Bliejenduspitza; FLNK Bliejendunspitza) (Blatten) und anderen. Für beide Fälle gibt es auch komplexere Konstruktionen wie der Grächbielspitz ‘ das spitze Waldstück beim Gräächbiel (Hügel, der zu Grächen gehört) ’ (St. Niklaus), Grüobchalbärspitz ‘ die spitz zulaufende Weide für die Kälber beim Weiler Grüobu (Gruben) ’ (FLNK, Oberems), t Driieggspitza ‘ die Spitzen unterhalb der Dreiecke (Namen von Felsen am Grossen Aletschgletscher) ’ (Fieschertal), der Teiff Bachspitz ‘ das spitze Landstück am tiefen Bach ’ (Eggerberg), der Unner Holzspitz ‘ der untere Teil des Holzspitzs (Spitze beim Holz) ’ (Münster) und andere. Das HL als Bestimmungswort lässt sich nicht immer vom attributiven Adjektiv spitz unterscheiden; als Kriterium der Abgrenzung wird die Schreibung genommen: zusammengeschriebene Formen werden als Komposita mit dem HL verstanden; getrennte sind weiter unten für das Adjektiv aufgeführt. Die Grundwörter für zweigliedrige Komposita sind Acher, Biel, Biina, Blatta, Bleessi, Egg (a), Flüö, Hooru, Matta, Wald und Wase. Eine komplexere Form ist der Spitzsteigrabu ‘ der Graben mit dem spitzen Stein ’ (Ergisch, FLNK Spitzu Steigrabe), wobei die FLNK-Form ein attributives Adjektiv aufweist. Das attributive Adjektiv spitz kommt flektiert und unflektiert mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Biel, Brigi, Egg(a), Fad, Fläck, Flüö, Hooru, Matta, Stei, Tanna, Tschugge, Ture, Wald, Wang und Zand. Seltsam ist ein historischer Beleg von 1356 (Törbel) der spytze Wanna. Üblicherweise ist Wanna ‘ die Wanne ’ feminin; die Möglichkeit einer obliquen Form im Dativ ist jedoch gegeben, sodass hier ‘ die spitze Wanne ’ gemeint wäre. Komplexer ist der Ober und der Unner Spitz Stei ‘ der obere und der untere Teil des Gebietes spitzer Stein ’ (Randa). Sport Sport ist nur als Bestimmungswort in Sportplatz ‘ der Sportplatz (bei Kalpetran) ’ (FLNK, Embd), der Sportplatz ‘ der Sportplatz (beim Schulhaus) ’ (Stalden) und ufum Sportplatz ‘ auf dem Sportplatz (ausserhalb des Dorfes im Süden) ’ (Randa) belegt. Das HL ist zu deutsch Sport ‘ Sport ’ , entlehnt aus engl. sport, zu stellen (K LUGE / S EE- BOLD 25 2011, 870). Spott Spott m. ist als der Spott (Binn, FLNK Spott) nur einmal belegt. Gwp. meint, dass man diese Flur (heute Zeltlagerplatz) um einen <Spott> (spottbillig) gekauft habe. Dann wäre es zu schwdt. Spott m. ‘ Scherz, Spass ’ , als Zustand des Verspottetseins, Schande, Schmach; als Gegenstand des Spottes; etwas ist ein Spott ‘ von geringer Bedeutung, belanglos, lächerlich, besonders von einem unbedeutenden, lächerlich geringen Geldbetrag, Preis ’ , amhd. spot, -t(t)es (I D . 10, 617 ff.) zu stellen; bei G RICHTING (1998) fehlt ein Eintrag; www.ortsnamen.ch kennt keinen Beleg. Es handelt sich um ein Grundstück zwischen Binna und Strasse, das für landwirtschaftliche Zwecke wohl nicht gut brauchbar war, heute aber als Campingplatz dient. Sprengi Sprengi ist nur in Sprengi Chrizji (FLNK, Embd) belegt. Es handelt sich um einen alten Fussweg von Kalpetran nach Embd. Das HL ist zu schwdt. Sprängi f., Nom. act. zu sprängen ‘ Sprengung ’ (I D . 10, 883 f.) zu stellen. G RICHTING (1998, 179) kennt nur das Verb schprengge, schpränggä (Goms), schprenggu (Vispertäler), schprenggn (Lötschtal), schpränggu ‘ sprengen, hetzen ’ . Gemeint ist wohl ein kleines Kreuz, das sich an einem Ort befindet, wo der Weg in die Felsen gesprengt wurde. Springel Springel ist nur in der Springelboda ‘ der Boden, wo man springen (tanzen? ) kann ’ (Randa, FLNK Springulboda, LT Springelboden) belegt. Die Flur befindet sich laut LT auf rund 2200 m. Die Beschreibung spricht von einer “ Waldfläche ” ; der Flurname auf der LT ist deutlich höher und zeigt eine bebuschte Fläcte. Da es sich um einen Boden handelt, ist die Flur flach und eben. Springel ist so weder in I D ., noch bei G RICHTING belegt. S ONDEREGGER (1950, 513 ff) sieht es als männliche Stellenbezeichnung, hier wohl von einem Verb springen. 201 202 Springel <?page no="920"?> Sprosse t Sprosse f. ‘ die Sprossen ’ ist nur einmal in Bellwald belegt. Es ist zu schwdt. Spross, Sprosse n m., f. wie nhd. ‘ Sprosse; Querholz, Sperr-, Stützlatte (an einer Leiter oder an Leiterähnlichem); Schoss, junger Trieb ’ , ahd. sprosso, mhd. sprosse (I D . 10,945 ff.) zu stellen; für das Wallis gilt die feminine zweisilbige Form. Soweit erkennbar, wird das HL sonst nicht als Flurname verwendet; in Bellwald ist es wohl ein Vergleich des Geländes mit Leitersprossen. Sprung Sprung ist von springe n ‘ springen ’ (I D . 10, 885) abgeleitet und zu schwdt. Sprung m. wie nhd. ‘ Sprung ’ , als örtliche Bezeichnung: ‘ Stelle, Spur eines Sprungs; Absatz Wendung im Verlauf einer Fläche; Sprungschanze; Spalte, Riss ’ , amhd. sprung, -c (I D . 10, 907 ff.; G RICHTING 1998, 178) zu stellen; das I D . ist bei der Deutung von Lokalnamen im Einzelfall auch unsicher. Wegen der Entrundung ist der Plural Spring. Die einmal vorkommende Form Sprang (I D . 10, 866; G RICHTING 1998, 179 mit der Bedeutung ‘ Riss ’ ) kann auch vom kausativen spränge n ‘ springen machen ’ (I D . 10, 872) abgeleitet werden. In Einzelfall ist nicht immer erkennbar, welche Motivation zum Namen geführt hat. Das Simplex der Sprung ‘ Felskanzel, von der man springen kann (? ) ’ (Törbel) kommt im Singular nur einmal vor. Im Plural ist es belegt in Ferden: vfen dien Sprungen ‘ auf den Sprüngen ’ (1310) und als hochdeutsche Sprünge in Eischoll (1881). Ein entrundeter Plural findet sich als inn Spring ‘ in den Sprüngen ’ (Blatten) und im Weilernamen Ze Springu ‘ bei den Sprüngen ’ (Törbel). Eine eigenständige Femininableitung im Singular ist t Springa f. (Blatten), wohl zu verstehen als ‘ der Ort, wo man springen kann/ muss ’ . Unklar ist der Beleg Undern Spring (Ferden), der sowohl unter den Sprüngen, wie die unteren Sprünge meinen kann. Eine Ableitung auf - ERI führt zur Springeri (Törbel), eine Wasserleite von / nach Ze Springu. Als Grundwort ist Sprung mit mehreren Tiernamen verbunden: Bäruspring (Oberems), Chatzesprung (Oberwald), Gitzisprung (Leukerbad), Hundesprung (Filet) und Rossprung (Gluringen) - dabei sind wohl nur Bär und Zicklein wörtlich zu nehmen, die andern (Hund, Katze, Pferd) wohl metaphorisch; bei Rossprung könnte auch der Ort gemeint sein, wo die Hengste zum Sprung kamen. Der Scheefersprung ‘ Schäfersprung ’ (Hohtenn) meint einen Ort, an dem die Schäfer einen Mutsprung machten. Eine andere Ableitung führt zum Glasersprang ‘ der Ort der Familie Glaser, wo die Bäume sprangen ’ - gemeint ist das Holzriesen, bei dem die Holzstämme verspringen können. Die übrigen Belege kennen Sprung und Spring als Bestimmungswörter zu Bode, Flüö, Haalta, Matta und Weide. Der Beleg der Sprungbodo ‘ der Boden, wo man springen kann (unklar) / der Boden der Familie Sprung ’ (Mund) lässt sich auch zum FaN S PRUNG (J OSSEN 1989, 79; NWWB 1974, 1, 235) stellen. Komplexer sind t Ober Springweid ‘ der obere Teil der Springweide ’ (Ferden) und die Sprung Wasserleÿta (153? , Törbel), vermutlich identisch mit der Springeri. Spuel Spuel, Spüel und Spiel ist in den FlN wohl zu schwdt. spuele n ‘ spulen ’ , ‘ in die Halme schiessen ’ , ‘ anhaltend stark fliessen ’ (I D . 10, 197) zu stellen. Im Walliserdeutschen sind verschiedene Bedeutungen belegt. C. S CHMID (1968, 52, 59) kennt Schpüela, Schpüelene und Schpüelrât für das Spinnen, spüele (128) für den Durchfall des Viehs. R ÜBEL (1950, 51) nennt Spuälä f. ‘ Halme (im Heu, welche die Kühe nicht fressen ’ in der Gemeinde Betten. Und W IPF (1910, 166) kennt die I -Ableitung Spieli als ‘ eine Stelle am Bach ’ . G RICHTING (1998, 178) kennt das Verb schpiele, schpiälä (Goms), schpielu (Vispertäler), schpiäln (Lötschtal), schpiälu ‘ spülen ’ . In geschriebenen Formen kann auch das Lemma Spil in der Form Spiel ‘ Spiel ’ beteiligt sein. Trotz dieser Bedeutungsvielfalt sind die FlN mit Spüel in den Bereich ‘ stark fliessendes Wasser ’ zu stellen. Das Simplex im Singular ist als die Spu ͦ le (1520, Guttet) belegt. Der Plural ist lebend als t Spüälä ‘ Holzröhren (einer Wasserleitung) ’ (Gampel) und historisch 1668 u. später in Erschmatt als zun Spuolen bezeugt. Für die historischen Belege lässt sich keine sichere Deutung angeben. Die meisten Belege enthalten Spüel als Bestimmungswort, häufig mit wasserbezogenen Grundwörtern: Spuelbrunne ‘ die stark fliessende Quelle ’ (Törbel, 1306, Staldenried), Spúelwasser ‘ das stark fliessende Wasser ’ (1677, Ergisch, sowie 1698 Oberems), ts Spuälwasser (unklar, aber vermutlich doch ‘ stark fliessendes Wasser ’ ) (Kippel). In Staldenried ist im Beleg von 1306 auch dv ᵢ Spuelmatta ‘ die Wiese beim Spuelbrunnen ’ belegt, eine Spielmatta ‘ die Wiese beim Spuelbrunnen ’ ist schon 1354 im gleichen Text wie der Spuelbrunne bezeugt; in Erschmatt gibt es Spüoluachra ‘ die Äcker bei den Spulen (unklar) ’ . Vermutlich gehören die Belege Spielbach ‘ der Bach, der viel Wasser führt ’ (Betten, Grengiols), Spielbrunnen ‘ die Quelle, die viel Wasser führt / die Quelle beim Spieli ’ (1597, Visperterminen) und der Spiusee ‘ der See mit viel Wasser ’ (Bellwald, Blitzingen) hieher (auch wenn in Sprosse 203 204 <?page no="921"?> Bellwald von der Gwp. das Verb hdt. spielen herangezogen wird). Die I -Ableitung Spieli ‘ der Ort mit stark fliessendem Wasser ’ kommt als Simplex im Singular in Grächen und Visperterminen vor; die Unner Spieli ‘ der untere Teil der Spieli ’ (Grächen) spezifiziert den Ortsteil. An beiden Orten sind auch Komposita belegt: in Grächen der Spielibodo ‘ der Boden bei der Spieli ’ , Spieliweida ‘ die Weiden bei der Spieli ’ (FLNK) und historisch an dem Spielli Stadel ‘ beim Stadel bei der Spieli ’ . In Visperterminen finden sich Spielibrigga ‘ die Brücke (über den Riedbach) beim Gebiet Spieli ’ und t Spieli Matte ‘ die Wiesen beim Gebiet Spieli ’ . Das HL S PUEL bewahrt so eine Bedeutung als Wort im Zusammenhang mit ‘ stark fliessendem Wasser ’ , die sich bei G RICHTING (1998) nicht mehr findet. Squicky Squicky ist nur 1734 in Zwischbergen als im Squicky ‘ der kleine Ort mit stiebendem Wasser ’ belegt. Es liegt wohl ein Diminutiv vor. I D . (10, 22) hat Squitza für Lötschen und Visperterminen als ‘ Mädchen (scherzhaft oder geringschätzig) ’ . W IPF (1910, 80) kennt nur das Verb š gitsu ‘ strömen, spritzen ’ und führt es auf it. schizzare (D EVOTO / O LI 2020, 1986) zurück. Das HL hätte darum auch für einen Ort mit stiebendem Wasser gebraucht werden können. Da keine genaueren Angaben vorliegen, kann die Deutung nicht präzise gegeben werden. Ssnidin Ssnidin ist in Gampel 1361 als in Ssnidin Botmen ‘ im Boden des Schniden ’ belegt. Die Schreibung in Ssnidin ist nicht ganz sicher; das doppelte ss ist mit in zusammengeschrieben, sodass der Schreiber wohl Präposition und Nomen zusammengenommen hat. Vermutlich liegt eine Berufsbezeichung ‘ der Boden des Schneiders ’ oder ein FaN Schneider, Schnider vor. AWWB (247 s. v. Schnyder) weist auf die Berufsbezeichnung hin, gibt aber auch FaNN an verschiedenen Orten, darunter auch Gampel, an. In unserem Fall ist wohl ein neutrales ts Schnidi ‘ der Schneider ’ gemeint (S ONDEREGGER 1958, 488 ff., deverbativ S. 491 f.); ob ein FaN oder eine Berufsbezeichnung gemeint ist, bleibt unklar. Stäärpitsch Stäärpitsch m. ist eine Flur oberhalb von Betten auf ca. 1440 m. Historisch ist sie 1435 als Sterpetz belegt. In Mörel ist 1582 an den Sterpetsch bezeugt. Am nächstliegenden ist wohl ein romanisches Lexem, wie es in den Flurnamen Eterpas etc. ‘ Terrain défriché (gerodetes Gebiet) ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 134) zum lat. EXSTIRPARE ‘ roden durch das Entfernen der Stämme ’ erscheint. Die Lautung mit Erstbetonung entspricht der alemannischen Übername von romanischen Namen. Die Endung - ITSCH < ETZ lässt sich durch den Plural auf - S eines Partizips exstirpatas deuten. Das erhaltene anlautende / st/ erklärt sich vermutlich aus dem höheren Alter der Entlehnung in diesem Gebiet. Die Deutung wäre dann einfach ‘ gerodetes Gebiet ’ . Ob das HL T ERPNETZ hieher gehört, ist unklar. Stäche Stäche ist zu schwdt. stëche(n) wie nhd. ‘ stechen ’ , von Hornvieh: ‘ mit den Hörnern stossen ’ , amhd. stëhhan, -chen, in FlN (Part. I) (I D . 10, 1217 ff.; G RICHTING 1998, 180 s. v. schtäche) zu stellen. In FlN kann sich das Wort auch auf die Geländeform, z. B. eine spitze Anhöhe beziehen (I D . 10, 1244; LUNB 1, 2, 1005). In den Namen kommt Stäch(e) als Bestimmungswort nur in im Stächchromo ‘ umzäunte Alpweide, wo das Vieh sticht, kämpft ’ (Staldenried) vor. Alle andern Belege haben den Typ (bim) stächende Stei ‘ beim spitzen Stein ’ . Lebend kommt der Name in Bellwald vor. Die übrigen Belege sind historisch: 1307 ob dem stechenden Steyne (Törbel), 1391 an den stechenden Stein (Stalden), 1551 dem stechenden Stein (Bürchen), 1720 beim “ stechenden Stein ” (Obergesteln). Unsicher ist der Beleg von 1553 zen stechendenn Seim (Stein? ) (Mund), wo das schlecht lesbare Seim oder Stein nachträglich eingefügt wurde. Stächille Stächille pl. ist nur in Törbel als t Stächille belegt. Dazu gesellt sich Stächillugrabo (FLNK) ‘ der Graben von den Stächille hinunter ’ . I D . (10, 1674 s. v. stickel) verweist auf ein amhd. stëchal ‘ steil ’ , das nur noch in Flurnamen vorhanden sei; LUNB (1, 2, 1003 f.) zitiert diese Stelle. t Stächille sind dann ‘ die steilen Hänge ’ . Die Form ist eine Substantivierung des Adjektivs im Plural. Stäcke Stäcke m. ist zu schwdt. Stëck, Stëcke(n) m., Pl. meist zweisilbig, Dim. Stëcki, Stëckji, Stëckli ‘ Stab, Stock, (kurze) Stange (zum Schlagen, Treiben des Viehs); Pfahl, Pfosten (Bohnenstange, Rebpfahl, Zaunpfahl, Umzäunung) ’ , ahd. stëkko, stëkke, mhd. stëcke und wdt. Schtäkke, Schtäkkä (Goms), Schtäkka (Mattertal), Schtäkko (Rarner Schattenberge), Schtäkkn (Lötschental), Schtäkku ‘ Stab ’ (I D . 10, 1605 ff.; G RICHTING 1998, 180) zu stellen. Nicht immer ist zwischen dem HL S TÄCKE und dem HL S TOCK zu unterscheiden, dessen umgelauteter Plural Steck lautet. Das gilt besonders für Bestimmungswörter, die keine Endung aufweisen. 205 206 Stäcke <?page no="922"?> Als Simplex im Singular ist nur zum Stäcku ‘ beim Stecken ’ (Eisten) belegt; gemeint ist hier eine Stange, die im Winter bei Schnee den Weg kennzeichnet. Häufiger ist das HL als Simplex im Plural: t Stäcke ‘ die umzäunte Wiese ’ (Zermatt), ze Stäcku ‘ bei den Stecken (Dorfteil von Zermatt; heute überbaut) ’ (Zermatt), z Stäcku ‘ bei den Stecken (heute drei Scheunen mit Ställen, sonst Wiese) ’ (Törbel), zen Stechchun ‘ bei den Stecken ’ (1309, Ausserberg; 1683 im Steki), zä Stecku ‘ bei den Stecken ’ (Gampel), wo Gwp. auf <fälach> verweist und sagt, dass diese Stöcke das Wasser aufsaugen; dann wäre als HL S TOCK einschlägig. Als Grundwort in komplexen Konstruktionen ist beÿ den Ringacherstecklinen (1752, Leuk) belegt. Es handelt sich um Stecklini (wohl ‘ Rebstecken ’ ) im Bereich Ringacher in Leuk, ein Gebiet mit Weinbergen. Weiter findet sich zem Windstecken (1454, Ausserberg), später als in den Windstecken (1809), beide wohl als ‘ Stecken gegen den Wind ’ deutbar. Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern belegt: Acher, Brigga, Hüs und Matta. Die Belege vom Typ Steckacker können alle auch das HL S TOCK enthalten, also ‘ der Acker beim bestockten Gebiet ’ meinen, wie ‘ der Acker beim umzäunten Gebiet ’ . Komplexer sind ts (e)Räbstäckuschleifji ‘ der kleine Schleif für die Räbstäcke (Rebstickel) ’ (Gampel) (laut E GLI 1982, ist Stäcko ‘ Stecken ’ im Oberwallis seltener als Stichel, wird aber in Turtmann und Zeneggen gebraucht). Stäckacherkapälli ‘ die kleine Kapelle im Gebiet Stäckacher (die Kapelle im umzäunten Acker) ’ (FLNK, Oberems) befindet sich neben den Steckachra ‘ die Äcker bei den umzäunten Gebieten ’ , wobei in diesen und weiteren Fällen auch das HL S TOCK gemeint sein kann. Eine Ableitung auf - IL (S ONDEREGGER 1958, 513) ist nur belegt in Stöckelgraben ‘ der Graben mit kleinen Stecken ’ (1757, Simplon), das 1761 als den Steckilgraben erscheint. Stadel Stadel m. ‘ Speicher ’ ist zu schwdt. Stadel, St ā del, -al, -ul, -ol, -il m. ‘ landwirtschaftliches Gebäude, Scheune, Gebäude, wo Heu aufbewahrt und Vieh untergebracht wird ’ , im alpwirtschaftlichen Gebiet ‘ Schopf für (Berg-) Heu ’ , amhd. stadal, -el und wdt. Schtadl, Schtadäl (Goms), Schtadul (Vispertäler), Schtadil (I D . 10, 1334 ff.; G RICHTING 1998, 180) zu stellen. K LUGE / S EEBOLD ( 25 2012, 874) geben ‘ Feldscheune ’ als Deutung. Wie V. S CHMID (2003, 185 ff.) feststellt, ist Stadel im Oberwallis jedoch immer nur “ Garbenspeicherraum und Dreschplatz ” (185; eine detaillierte Beschreibung findet sich auf S. 186). In der Datenbank wird ‘ Stadel ’ verwendet, um die spezifische Deutung für das Oberwallis zu verdeutlichen; nicht immer findet sich jedoch heute noch ein Stadel an der danach benannten Stelle. Lateinisches Lemma ist rastardum (cf. HL R ACHART ). Das HL kommt in rund 300 Namen vor. Das Simplex ist im Singular in den Formen Stadel / Stadil / Stadol und Stadul rund 15 mal belegt (zur Formenverteilung vgl. R ÜBEL 1950, 7 f.); im Plural ist fast nur der Obliquus Stadlu vertreten, öfter mit einer Präposition ze oder bi; in schriftlichen Quellen Stadle oder Stadlen (zusammen rund 20 Belege). Umlaut ist beim Plural nur in ze Städlu ‘ bei den Stadeln ’ (Gampel, LT: Städil) zu finden. Diminutive im Simplex sind Stadelti, Stadolti und Staduti (im unteren Goms), zusammen rund zehn Belege, sowie das einmal belegte Stadji ‘ der kleine Stadel ’ (Birgisch); dazu kommen mit Umlaut zem Städeltin ‘ der kleine Stadel ’ (Blatten), uffem Städlin ‘ auf dem kleinen Stadel ’ (Blatten) und im Plural zen Städlin ‘ bei den kleinen Stadeln ’ (Ferden); ohne Umlaut einmal bi de Stadeltini ‘ bei den kleinen Stadeln ’ (Oberwald) (hier wohl atypischerweise als ‘ Ställe ’ bezeichnet) und einmal als bine Stadeltene ‘ bei den kleinen Stadeln ’ (Reckingen). Als attributive Adjektive zum HL S TADEL finden sich zum Altu Stadel (Randa und fünf weitere), zum Beschen Stadöll ‘ beim bösen Stadel ’ (1743, Törbel), ze Chaalte Stadlu ‘ bei den kalten Stadeln ’ (Visperterminen), zum Chleinu Stadel ‘ beim kleinen Stadel ’ (Randa, Täsch (Diminutiv)), zum Chrummu Stadol ‘ beim krummen Stadel ’ (Ausserberg), z Eigenen Stadol ‘ beim eigenen Stadel ’ (1838, Staldenried; nach dem Bearbeiter aber unsicher), zum Grossu Stadol ‘ zum grossen Stadel ’ (Törbel, Embd (historisch)), der Hestadil ‘ der hohe Stadel ’ (Ergisch), beÿm Hochen Stadel ‘ beim hohen Stadel ’ (1786, Greich; 1712, Naters), ze Hostadele ‘ beim hohen Stadel ’ (1330, Stalden; 1349, Embd; 1388 u. später, Grächen), zum Niwwu Stadel ‘ beim neuen Stadel ’ (Mund; 1767, Unterems), ze Niwwe Stadle ‘ bei den neuen Stadeln ’ (Martisberg, Bürchen), zum Obren Stadell ‘ zum oberen Stadel ’ (1643, St. Niklaus), beÿ den obren Stadtlen ‘ bei den oberen Stadeln ’ (1780, Ried-Mörel), zen Undruschtu Städlin ‘ bei den untersten kleinen Stadeln ’ (Ferden, Dorfteil), zum Vndren Stadel ‘ beim unteren Stadel ’ (1619, St. Niklaus), ze Willen Stadel ‘ beim Wilden Stadel ’ (1450, Törbel (unsicher)). Einmal ist ein Partizip als attributives Adjektiv belegt: im Zerfalnen Stadel ‘ im zerfallenen Stadel ’ (1738, Birgisch). Als attributives Zahlwort ist belegt: ze Drii Stadlu ‘ bei den drei Stadeln ’ (Unterbäch, Visperterminen). Mit vorangestelltem Genitiv des Besitzers oder Nutzers sind im Singular belegt: des Bleychen Stadel ‘ der Stadel des Bleichen (PN) ’ (1347, Unterbäch), ts Chrischtisch Stadel ‘ der Stadel des Christian (PN) ’ (Greich), ts Chummersch Stadul ‘ der Stadel der Familie Kummer ’ Stadel 207 208 <?page no="923"?> (Ried-Mörel), vnder der Dochtren Stadell ‘ unter dem Stadel der Tochter ’ (1643, St. Niklaus) und viele andere. Auch der Plural erscheint: der Albinerstadil ‘ der Stadel der Leute von Albinen ’ (Leuk), ts Biinero Stadol ‘ der Stadel der Leute vom Weiler Bina ’ (Törbel), in Brindlugo Stadel ‘ im Stadel der Familie Brindlen ’ (1742, Ried-Brig), Gestillero Stadel ‘ der Stadel der Leute von Gesteln ’ (1351, Törbel), bÿ der Herren Stadoll ‘ beim Stadel der Herren (wohl Pfarrherren) ’ (1722, Törbel), bei Heintzigo Stadel ‘ beim Stadel der Leute des Heinz / der Familie Heinzig ’ (1752, Ried-Brig), bÿ der Werligenn Stadell ‘ beim Stadel der Familie Werlen ’ (1582, Münster) und andere. Auch in zweigliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort kann ein Besitzer oder Nutzer genannt werden: zum Baabistadolti ‘ beim kleinen Stadel der Barbara ’ (Visperterminen), Baalistadolti ‘ der Stadel des Baali / der Familie Baali ’ (Blatten), zem Gmeistadel ‘ beim Stadel, der der Gemeinde gehört ’ (Ferden), oberhalb den Michlig Stadlen ‘ oberhalb den Stadeln der Familie Michlig ’ (1815, Ernen) und andere. Eine Nutzergruppe besonderer Art sind die Schützenzünfte in den Belegen bim Schitzustadol ‘ beim Stadel der Schützenzunft ’ (Zeneggen, ähnlich auch Ausserberg und Steg). Das häufigste Kompositum ist der Zeendstadel ‘ der Stadel für den Zehnten ’ (Visperterminen) mit dreizehn Belegen; alle andern Komposita sind seltener. Die grosse Masse der Namen gehört aber zu diesen zweisilbigen Komposita. Meistens ist eine naheliegende Flur im Bestimmungswort gemeint, so in t Äbnetstadla ‘ die Stadel im ebenen Land ’ (Greich), ts Achrustadol ‘ der Stadel bei den Äckern ’ (Eisten), der Allmeistadel ‘ der Stadel bei der Allmein (gemeinsames Gebiet) ’ (Greich), Bielstadel ‘ der Stadel im Gebiet Biel (Hügel) ’ (Täsch), zum Bodustadol ‘ beim Stadel im Boden ’ (Stalden) und viele andere. Anders zu erklären ist wohl der Bättelstadel ‘ der Stadel der Bettler / der armselige Stadel ’ (Varen), wobei die erste Deutung von der Gwp. stammt. Auch zum Fälacherstadel ‘ beim Stadel am Ort mit Weidenbäumen ’ (Törbel) ist problematisch; nicht nur, weil laut Beschreibung dort Weidenbäume (Fälach) fehlen, sondern weil die - ER -Ableitung auch zu Acher gestellt werden kann (wobei dann Fäl schwer zu deuten ist). Im Frümstadel ‘ Pflaumenstadel ’ (Embd) ist wohl eine Kurzform von Frümacher ‘ der Acker bei den Pflaumenbäumen ’ enthalten, Pflaumen wurden kaum in Stadeln gesammelt. Auch Sannustadil ‘ der Stadel, in dem der Zehnte gesammelt wurde ’ (Eischoll) lässt sich am besten als Zehntstadel verstehen. Tiernamen sind sehr selten: der Rinder Stadol ‘ der Rinderstadel ’ (1718, Lalden) kann wörtlich nur als Rinderstall verstanden werden, was dem üblichen Sinn von Stadel entgegensteht. Komplexere Konstruktionen sind auch hier vertreten, am interessantesten in Simpiler Weizstadol ‘ der Weizenstadel der Leute von Simplon ’ (Visperterminen, Simplon) einem Gipfelnamen, der in Simplon selbst als Sirwoltuhooru ‘ das Horn über dem Sirwoltusee ’ (Simplon) bekannt ist; von Visperterminen aus soll der Gipfel wie ein Weizenstadel aussehen. Weitere komplexe Formen sind beÿm Riseggen Stadel ‘ beim Stadel bei der Risegge ’ (1766, Münster), ob dem Schlúchmattenstadoll ‘ ob dem Stadel bei der Schluchmatta (Wiese bei der Schlucht) ’ (Bürchen) und andere. Als Bestimmungswort erscheint das HL S TADEL vor allem mit den Grundwörtern Matta (17 mal) und Acher (15 mal). Weiter sind belegt: Bodu, Cheer, Egg(a), Flüö, Gassa, Gufer, Schnitta, Tschugge, Weid und Wier. Komplexere Fälle sind: dr Städelfluäschleif ‘ der Schleif zur Städelfluä (Fluh beim kleinen Stadel) hinunter ’ (Blatten) und Acherstadolwägji ‘ der kleine Weg vom / zum Stadel bei den Äckern ’ (Staldenried). Eine Ableitung auf - ER ist in zu ᵕ m Stadler (1592, Unterbäch) vertreten, hier vermutlich als Stellenbezeichnung ‘ wo es Stadel hat ’ zu verstehen. Eher der FaN Stadler ist in Stadlerbedu ‘ die Böden der Familie Stadler ’ (Niedergesteln) und Stadlerfluo ‘ die Fluh beim Stadler / der Familie Stadler ’ (1534 u. später, Niedergesteln; 1534, Steg; 1447, Raron) vertreten. Eine feminine Ableitung auf - ERI als Wasserleitung ist in Stadlerrÿ ‘ die Wasserleitung vom / zum Stadel ’ (1742 u. später, Simplon) vertreten. Hingegen meint Stadleri (Törbel) einen Aussichtspunkt beim Weiler Ze Stadlu ‘ bei den Stadeln ’ . Stadt Stadt f. ist zunächst nur lat. in murum villae Brigae ‘ die Stadtmauer von Brig ’ (1624, Brig) belegt. Es ist zu schwdt. Stadt m. wie nhd. ‘ Stadt im Gegensatz zu Dorf ’ , ahd. stad, mhd. stat stf. ‘ Stätte, Stelle, Ort, Platz, Raum, Wohnstätte, Stadt, Gegend ’ und wdt. Schtatt ‘ Stadt ’ (I D . 11, 1702; G RICHTING 1998, 180) zu stellen. Der zweite Beleg Stadt Gilt ist laut P H . K ALBERMATTER (p. c.) nicht ein Flurname, sondern der Grundzins (Gült I I D . 2, 285 ff.), welcher beim Statt (1: 10000 Gestade) fällig wurde. Es handelt sich hier also nicht um eine Stadt, sondern um eine Stelle, die als Statt belegt ist (cf. HL S TATT ). Staeltun Staeltun Erb ist 1443 in Zermatt belegt. Aus dem Dokument geht hervor, dass es sich um einen Besitz handelt, der sich in der jenseitigen Wüstung befindet und früher Staeltun Erb geheissen habe. Staeltun kann hier ein Genitiv eines PN sein ‘ das Erbe des Stälto ’ , wobei kaum ein FaN in Frage kommt. Es müsste sich um einen PN 209 210 Staeltun <?page no="924"?> Staelto handeln, der aber sonst nicht belegt ist. Eine andere Möglichkeit wäre ein Partizip Perfekt zu einem Verb stelle n ; I D . (11, 137) zitiert einen Flurnamen Bim g'stalten Bihel (Tamins (GR)), ohne eine Angabe der Bedeutung. WWW . ORTSNAMEN . CH gibt einen Namen Gstalten (Lostorf, SO, 1698), der als Stalden ‘ Abhang, Anstieg ’ interpretiert wird. Wenn das zutrifft, würde der Name etwa als ‘ abschüssiges Erbe ’ zu deuten sein. Stafel Stafel ‘ Alpweide, Alpgebäude ’ ist zu schwdt. St ā fel, ō -, -ou-, St ă fel m., n. ‘ Alpweide, Platz zunächst um die Alphütte, Sammel-, Ruheplatz des Alpviehs (über Mittag, bei Nacht); Melkplatz; Fettweide; Alp im engeren Sinn eines besiedelten Alpbodens, Mütte(n) mit dem umliegenden Weidegebiet, Alpstation; Gebäude in der Alp- (Land-)Wirtschaft, Alp-, Sennhütte; Kornspeicher ’ , Lehnwort aus rät. stavel ‘ Sammel-, Ruheplatz des Alpviehs ’ , lat stabulum (I D . 10, 1394 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 280) kennt das Wort nur mit langem Hauptvokal Schtaafl usw. ‘ Alpteil (viel Gras, Hütten) ’ . Wie R ÜBEL (1950, 67) ausführt, ist das Lemma zweideutig: zum einen ist ein St ā fel eine Weidstufe einer grösseren Alpe, zum anderen bilden die Gebäulichkeiten der Alpe mit dem dazugehörenden Melkplatz den St ā fel. Die Formenbildung ist vor allem bedingt durch die wechselnden Nebentonvokale in Stafel, Stafil, Stafol, Staful und der Vokalisierung zu Stafu im unteren Goms. Diminutive werden meist ohne Umlaut mit / - TI / gebildet (Stafelti, Stafilti, Stafolti, Stafulti, Stafuti), Umlaut (Stäfelti, Stäfuti) ist nur im Goms belegt. Plurale des Simplex (Stafle) wie des Diminutivs (Stafeltini) kommen vor, sind aber selten. Von den rund 490 Namen mit dem Lemma Stafel befindet sich etwa ein Drittel im Goms - das Goms verwendet die Stafel als Weidestufen (W EISS 1941, 71) extensiver als die übrigen Bezirke, hat aber dafür traditionell eine einfache Alphütte und oft keine Ställe für das Vieh (S CHWEIZERISCHER A LPKATASTER 1972, L ORETAN 2011). Für die Namentypen ist weiter wichtig, dass Alpen Gemeinden, Geteilen, Burgerschaften und Privaten gehören; entsprechend können Stafel nach den Besitzern benannt sein. Das Simplex Stafel im Singular mit seinen Varianten ist rund vierzig Mal vertreten, im Plural Stafle vier Mal, vermutlich ebenfalls hierzu gehört der Beleg Staflara (1391, Ried-Brig), der aber auch eine Ableitung auf - ARA sein kann, mit der Bedeutung ‘ wo es mehrere Stafel hat ’ . J ORDAN (2006, 539) zählt für Simplon und Zwischbergen eine Reihe von Schtaaful und einige Ableitungen und Komposita auf, wovon S. 98 Schtaaflära ist, das zum Beleg von 1391 aus Ried-Brig passt. Diminutive im Singular Stafelti kommen etwa zehn Mal vor, im Plural nur ein Mal. Unsicher ist vffen Stafon (1351, Ergisch), das fehlende / l/ erschwert die Zuordnung, doch gibt es kein besser geeignetes Lemma. Auch Staveling (LT Stafeling) (Leukerbad) ist unsicher: die Endung - ING deutet auf eine frz. oder frpr. Endung - IN (mit Nasalvokal), anderseits ist das Lemma Stafel in den angrenzenden Patois u. W. nicht vertreten (es fehlt z. B. bei T AGMANN 1946 im Kapitel “ Les ” montagnes"" (42 - 54), siehe aber Etaves bei B OSSARD / C HAVAN 2006, 138, aber nur für Freiburg und Waadt belegt, wohl aus lat. STATUA ‘ colonne (Säule) ’ ). Sehr häufig sind Konstruktionen mit einem attributiven Adjektiv, vor allem der Alt Stafel, auch ohne Artikel Alte Stafel, insgesamt rund 50 Belege. Sie deuten häufig auf eine Wüstung hin, manchmal sind explizit Mauerreste erwähnt. Das Gegenstück der Niw Stafel ‘ der neue Stafel ’ (auch Stäfelti) ist nur etwa zehn Mal belegt, vor allem im Goms; nur in Albinen findet man der Nib Stafil. Weiter sind benannt relative Lagen wie der Ober Stafel, der Nider Stafel und der Unner Stafel; der Typ der Mittel Stafel ist selten vertreten, einmal als der Mittloscht Stafil (Eischoll). Weitere Adjektive sind selten: Finschter Stafel ‘ der finstere Stafel ’ (FLNK, Lax), der Gross Stafel, der Hostafu (wenn ho(ch) hier als Adjektiv betrachtet wird), der Jung Stafel, der Rund Stafil. Eine Ausnahme bilden der Erscht und der Zweit Stafu (beide Steinhaus), also der zuerst bezogene Stafel und der höhere, später bezogene zweite Stafel. Als Grundwort in Komposita ist Stafel sehr häufig. Die wichtigsten Typen sind Benennungen nach den Besitzern oder Nutzern, z. B. der Allmagäller Stafel ‘ der Stafel der Leute von Saas-Almagell ’ (Saas-Almagell), Bodmere Stafu ‘ der Stafel der Familie Bodmer / der Leute vom Bodmen ’ (Binn) Grunneru Stafel ‘ der Stafel der Leute von Saas-Grund ’ (Saas-Almagell), der Kaarlustafil ‘ der Stafel der Familie Karlen / des Karl ’ (Oberems), Laxerstafel ‘ der Stafel der Leute von Lax ’ (Lax), Munder Stafel ‘ der Stafel der Leute von Mund ’ , Reckiger Stafel ‘ der Stafel der Leute von Reckingen ’ (Ulrichen) usw. Dabei bestimmt meist ein alter Genitiv Plural die Form des Bestimmungswortes. Vor allem im Turtmanntal sind die Bestimmungswörter kollektive - IG -Ableitungen; sie werden zu einem komplexen Typ verbunden, der in seiner vollen Form etwa in tse Jäniltigu der unner Stafel ‘ zur Alpe der Familie Jenelten der untere Stafel ’ (Oberems) lautet; eine einfachere Form ist Jäniltigu Oberstafil ‘ der Oberstafel der Alpe der Familie Jenelten ’ (Oberems). Der zweite, sehr verbreitete Typ gibt an, zu welcher Alpe oder zu welcher anderen Flur ein Stafel gehört: ts Ahorustafelti ‘ der kleine Stafel beim Gebiet Ahori ’ (Glis), der Alpjustafel ‘ der Stafel der Alpja ’ (Baltschieder), Bächistafel ‘ der Stafel beim Gebiet Bächi ’ (Reckingen) und viele andere mehr. Dabei Stafel 211 212 <?page no="925"?> kann das Bestimmungswort auch mehrgliedrig sein, wie in ts Bettubachstäfuti ‘ der kleine Stafel beim Bettelbach ’ (Niederwald), der Galebrunnestafu ‘ der Stafel beim Galebrunnen (Quelle / Brunnen auf dem Galen) ’ (Ritzingen) oder - besonders komplex - ts Müettergottestannestäfuti ‘ der kleine Stafel, wo eine Tanne mit einem Muttergottesbild steht ’ und Adjektive kennzeichnen zusätzlich relative Lagen, wie in der Foder Dischtelstafel ‘ der Stadel der Alpe Forder Dischtel (der vordere Teil der Distelalpe) ’ (Ulrichen). Auch hier hat das Turtmanntal seine spezielle Konstruktion ts Grindji der Unner Stafil ‘ des kleinen Grundes (Alpname) der untere Stafel ’ (Oberems). Nicht häufig ist der Typ mit den Namen der Tierarten, die auf einem Stafel gehalten werden: am Ku ͦ Staffell ‘ beim Stafel für die Kühe ’ (Ried-Mörel), der Geissestafu ‘ der Stafel für die Ziegen ’ (Mühlebach), Rinnerstafol ‘ der Stafel für die Rinder ’ (Unterbäch), ts Schaafstäfelti ‘ der kleine Stafel für die Schafe ’ (Münster), im Süwen Stäfelti ‘ im kleinen Stafel für die Schweine ’ (1763, Biel). In Rossbodestafel (Münster, Simplon) werden die beiden vorgenannten Typen verbunden: das ebene Weideland (Boden) für die Pferde wird als Flur benannt, auf der sich der Stafel befindet. Als Bestimmungswort kommt Stafel deutlich seltener vor. Am schwierigsten ist dabei die Konstruktion Stafelalp (Zermatt), Stafelalpa (Termen), das sich wohl am besten als Koordinativ-Kompositum ‘ die Alpe, die zugleich Stafel ist ’ deuten liesse. Die übrigen Belege sind Determinativkomposita und benennen einen Bach usw. bei einem Stafel. Die Grundwörter sind Bach, Balm, Blatten, Bord, Chäller, Färich, Grabo, Haalta, Matta, Statt, Steg, Tola, Wäg, Wald und Wang. Komplexere Konstruktionen sind möglich wie äm Alten Guggistafel ‘ beim alten Stafel der Guggi-Alpe ’ (Blatten), ts Altstafilhoru ‘ das Altstafelhorn (Gipfelname, benannt nach der Alpe Altstafel) ’ (Ergisch) oder die Bachstaffoll-Wasserleiten ‘ die Wasserleite, die vom / zum Bachstafel führt ’ (1618, Ulrichen). In einigen wenigen Fällen kann statt dem HL S TAFEL auch das HL S TAFFEL ‘ Treppenstufe ’ gemeint sein, doch ist dieses sehr viel seltener. Staffel Staffel ‘ Treppenstufe ’ kommt nur in fünf Belegen vor: uf de Staffle ‘ auf den Staffeln (Stufen) ’ (Zermatt) als Simplex im Plural, t Stäfini ‘ die kleinen Stufen ’ (Hohtenn) als Diminutiv im Plural, sowie in den Verwendungen als Bestimmungswort in Staffolwäg ‘ der Weg mit Staffeln (Treppenstufen) ’ (Eggerberg; EK Schtaffowäg, FLNK Staffolwäg), t Schtafulblatte ‘ die Felsplatten, die Treppenstufen (Staffeln) gleichen ’ (Simplon, LT Stafelbatte), bei J ORDAN (2006, 98) als Schtaaf u lblattä belegt, der es eher zu Stafel ‘ Alpweide ’ stellt, das sonst mehrfach in Simplon vorkommt, und t Stäfiachra ‘ die Äcker im Gebiet Stäfini (wohl: Stufen) ’ ; Gwp. will es zum PN Stefan stellen. Allerdings sind die Stäfini ‘ die kleinen Stufen ’ gleich darüber. Das HL ist zu schwdt. Staffel I ‘ Stufe ’ und wdt. Schtafful (Mattertal), Schtaffil ‘ Trittholz (Leiter), Treppenstufe ’ (I D . 10, 1407; G RICHTING 1998, 180) zu stelllen. Der Vokal ist normalerweise kurz. Deswegen kann der Beleg aus Simplon auch zum HL S TAFEL gestellt werden. Stäga Stäga f. ‘ Stiege, Treppe ’ ist zu schwdt. Stëg, Stëge n f. ‘ Stiege, Treppe; Leiter ’ , im Gelände auch ‘ eingebaute oder in den Fels gehauene Stufen in steilen Wegstellen ’ , amhd. stëga, -e zu stellen. Eine eindeutige Unterscheidung von schwdt. Stëge n f. ‘ Stiege, Treppe, Leiter ’ und dem Pl. von schwdt, Stëg m. ‘ Steg, Fuss- und Fahrweg ’ ist nicht immer möglich (I D . 10, 1496 ff.; URNB 3, 306 ff.; G RICHTING 1998, 180 s. v. Schtäg und Schtäga). Das HL kommt in rund fünfzig Namen vor. Das Simplex ist im Singular als Stäga ‘ die Stiege ’ (Eggerberg, ab 1300 sub stegun Raron) und vnder der Staegen (1582 u. später, Bitsch) bezeugt, im Plural als Stägä ‘ die Stiegen ’ (Ferden), sowie historisch auf den Steggen (1662, Bürchen) und Zen Stegen (1560, Erschmatt) belegt. Diminutive sind im Plural bezeugt: Stägini (Ried-Mörel und andere), Stägiltini (1704, Eggerberg), Ze Stäginu (Saas- Balen, FLNK), ob de Stägjinu und unner de Stägjinu (Raron, Varen mit zu). Mit einem attributiven Adjektiv kommt vor allem der Typ zú den hochen Stegen ‘ zu den hohen Stiegen ’ (1678, Eggerberg, auch Eisten und Raron) vor. In Ferden sind zer Nassu Stägu ‘ bei der nassen Stiege ’ und di Trochi Stäga ‘ die trockene Stiege ’ belegt. Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit den Bestimmungswörtern Chäla, Chatza, Fee (Vieh), Geiss, Roor, Sattel und Wigler belegt. Komplexer ist bei den Ringackersteggen ‘ bei den Stiegen beim Ringacker ’ (1740, Leuk). Als Bestimmungswort ist das HL mit folgenden Grundwörtern in zweigliedrigen Komposita verbunden: Acher, Fischi, Grabu, Loch, Pletscha, Wäg, Wang und Weid. Komplexer ist t Stägnbletschuweidä ‘ die Weiden oberhalb der Stägnbletschu (Ebene mit Stufen) ’ (Kippel). In Saas-Balen sind Stägelgrabu ‘ der Graben mit Treppenstufen ’ und Stägelsitu ‘ der steile Abhang beim Stägelgrabu ’ je zweimal vertreten; die - EL -Ableitung ist eine Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 513). Eine Ableitung auf - ERA liegt in Stägeru ‘ das Gebiet mit Stiegen ’ (FLNK, Niedergesteln) vor; es handelt sich um eine Kollektiv-Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.). (Stä- 213 214 Stäga <?page no="926"?> gerru ‘ die Wasserleite nach Steg ’ (Steg) gehört zum HL S TEG ). Stalde Stalde m. ist zu schwdt. Stalde n , G(e)-Stalde n , St ā le n m., f. ‘ ansteigende Stelle im Gelände, steiler Abhang; ansteigender Weg ’ , Grundbedeutung ‘ Ort, wo man gestellt, gehemmt wird ’ und wdt. Schtaaldä, Schtaalu, Schtaaldu ‘ Stalden ’ (Gemeindename) (I D . 11,335 ff.; G RICHTING 1998, 180) zu stellen; G RICHTING kennt das Appellativ nicht mehr; laut I D . verschwindet es allerdings schon im 16. Jahrhundert aus dem appellativen Gebrauch. Die Gemeindenamen Stalden und Staldenried sind hieher zu stellen; der FaN Stalder ist gesondert behandelt. In den meisten Fällen ist der betonte Vokal im Walliserdeutschen gelängt, wie häufig bei der Abfolge Vokal + / l/ + Konsonant. Die Form Staale ohne / d/ ist dialektal geläufiger. Das HL ist als Simplex im Singular sehr häufig, manchmal mit den Präpositionen üf, am, im. Die Formen sind der Schtaalde (Zermatt), der / am / im Stalden (neun historische Belege), Staldo (1809, Täsch), am Staldon (1337, Feschel), der / am Staaldu (Ausserberg, Naters, Simplon, Zwischbergen), der / im / ufem Staale (13 Belege im Goms), Staalu (Stalden, Gemeindename), a Staalu ‘ am steilen Abhang ’ (Visperterminen) und ufem Staalten (Wiler). Simplizia im Plural sind t Staalda (Raron), t Staalde (Betten; 1608, Eggerberg; 1542, Mund; Simplon), uf de Staaldu (Niedergesteln), uf de Staalu (Embd), t Staale (Binn, Stalden, Zeneggen), wobei Binn historisch sowohl Singular wie Plural hat. Die Diminutive im Singular sind ts Gstalji (Goppisberg), ts Gstaltji (Naters), jm Staldgji (1634, Betten), im Staldi / in den Staldinen (1740 u. später, Gampel), im Staldie (1639, Greich), im Staldÿ (1729, Naters), am Stalgi (1704, Filet) und Stalji (Mörel). Als Diminutive im Plural finden sich di Gstaal(d)jini (Gampel), t Staaldjini (Eggerberg), t Schtaaljini (Filet), Staldjini (Steg), in den Staltjinen (1773, Bitsch). Besonders auffällig sind hier die Formen mit einem Präfix G ( I )-, das in I D . (11, 335) nur für den Kanton Bern angegeben wird, im B ERNER N AMENBUCH aber nur für den Diminutiv belegt ist. Mit attributiven Adjektiven und dem HL als Bezugsnomen sind belegt: sub Albo Stalden ‘ (lat. albo ‘ weiss ’ ) unter dem weissen steilen Abhang ’ (1299, Visperterminen), aúff den Endren Stalden ‘ auf den jenseitigen steilen Abhängen ’ (1553 u. später, Visperterminen), Eschinu Staale ‘ die steilen Abhänge mit Eschen ’ (EK, Mund), Hinter Stalden (SK, Visperterminen), Hohstalden (1609 - 1699, Zwischbergen), Hostaalu (Glis), der Hostaale (Blitzingen), t Hostaale (Staldenried, Plural), t Indru Stalde (Simplon, Plural), Inner Staale (Ernen, unklar, da auch vaner … feminin ist, was sonst nie der Fall ist), Leidstahlen ‘ der hässliche Stalden (steiler Abhang) ’ (1391, Stalden; gemeint ist wohl ein sehr steiler Abhang), am Nydren Stalden (1443, Zermatt), der Oberstaale ‘ das Gebiet oberhalb des steilen Abhangs ’ (Fiesch), der Ober Staalu ‘ der obere Teil des steilen Abhangs ’ (St. Niklaus und vier weitere Belege mit Varianten), t Undru Staale (Visperterminen), der Unner Staale (St. Niklaus, Ulrichen), t Unnre Staale (Binn, Plural), aúff den Wüssen Stalden ‘ auf den weissen steilen Abhängen ’ (1633 u. später, Visp), t Wiissu Staale (Törbel, Visperterminen (siehe oben sub Albo Stalden). Vorangestellte Genitive vor dem HL sind sehr selten: am Lagger Stalden ‘ am steilen Abhang von Lax / der Leute von Lax ’ (1529 u. später, Lax) und zem Wiltzenstalden ‘ beim steilen Abhang des Wilzo ’ (1304, Zeneggen). Als Grundwort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita, die meist nahegelegene Flurnamen enthalen: der Birchstaldo ‘ der steile Abhang im Bereich Birch (Birkengehölz) ’ (1489, Greich), Chinnistaalten ‘ die Stalden (steile Abhänge) beim Chinni (kleine Schlucht) ’ (Ferden), Giffrisstalden ‘ der steile Abhang bei Gifrisch ’ (1406 u. später, Filet), am Grundstalden ‘ am steilen Abhang am Grund ’ (1542, Glis; 1299, Ried-Brig) und andere. Rudolstalden ‘ der steile Abhang des Rudolf ’ (1398, Ried- Brig) enthält den Namen eines Nutzers oder Besitzers. Beim Beleg Milistale ‘ der steile Abhang bei der Mühle ’ (FLNK, Binn) ist wohl einfach ein Stalden gemeint, bei dem eine Mühle steht; jedoch ist Mili in Binn sonst nicht belegt. Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bach, Biel, Blatta, Bord, Flüö, Gassa, Hitta, Hooru, Kapälla, Matta, Rufina, Ried, Schluocht, Steg, Wäg, Wald, Wang, Wasser und Weid, sowie dem komplexen Wasserleita. Grössere Konstruktionen sind ts Gstaljitreichwägi ‘ der kleine Weg zur Tränkestelle vom Gstalji (kleiner Stalden) her ’ (Goppisberg), t Obru Straalerachra ‘ die Äcker, die zu Oberstaalu (Oberstalden) gehören ’ (Visperterminen), der Obrustaalerschleif ‘ der Schleif nach Oberstaale (Oberstalden) ’ (Visperterminen), t Undru Staalerachra ‘ die Äcker, die zu Unnerstalu (Unterstalden) gehören ’ (Visperterminen) und der Undrustaalerwier ‘ der Weiher in Unterstalden (Dorfteil von Visperterminen) ’ (Visperterminen) und weitere. Eine Ableitung auf - ERI für Wasserleitungen ist zu finden in Staldneri ‘ die Wasserleitung nach Stalden ’ (Stalden, Embd). Stalder (FaN) Stalder (FaN) ist ein FaN, der seit dem 14. und 15. Jahrhundert belegt ist (AWWB 249), oder ein Herkunftsname Stalde 215 216 <?page no="927"?> der Leute, die am Stalden wohnen. Er kommt vor in ts Staaldersch Weidu ‘ die Weide der Familie Stalder ’ (Ergisch), der Staldigen Acker ‘ der Acker der Familie Stalder / der Leute vom Stalden ’ (1626, Goppisberg) mit dem kollektiven - IG -Suffix und ts Staldnersch ‘ das Gut der Familie Staldner / der Leute vom Stalden ’ (Täsch, FLNK hat Stalnersch). Alle Belege enthalten einen Genitiv. Stall Stall ‘ Stall ’ ist zu schwdt. Stall ‘ Raum zur Unterbringung von Gross- und Kleinvieh ’ , amhd. stal(l) (I D . 11, 4 ff.; G RICHTING 1998, 180) zu stellen. Über die traditionelle Stallbauweise für das Grossvieh unterrichtet R ÜBEL (1950, 37 - 49), für Schafe und Ziegen orientiert er beiläufig in den Kapiteln über das Kleinvieh ab S. 89 ff. Spätere und heutige Ställe folgen einem andern Bauplan. Das Simplex (mit Präposition) ist belegt für bim Stauw ‘ beim Stall ’ (Fieschertal) mit l-Vokalisierung; ein gleichlautendes bim Stau ‘ beim Stall ’ (Binn) wird ergänzt mit vam Schinnerstau ‘ vom Stall der Familie Schiner ’ . Daneben ist ein Diminutiv Jm Stelly ‘ im kleinen Stall ’ (1637, Naters) belegt. Mit Adjektiven gebildet wird zen Zwiäfaltä Ställn ‘ bei den doppelten Ställen ’ (Kippel), bim Grossu Stall ‘ beim grossen Stall ’ (Simplon), der Halb Stall ‘ der halbe Stall ’ (Simplon) und zum Niwwu Stall ‘ beim neuen Stall ’ (Zwischbergen), sowie - erweitert - der Niww Alpstall ‘ der neue Stall auf der Alpe ’ (Betten). Als Grundwort wird Stall mit Tiernamen versehen: Geisschtall ‘ Stall oder Pferch für die Ziegen ’ (Eyholz, Oberems (historisch), Bratsch); häufig sind aber Besitzernamen im Genitiv wie ts Fennersch Schiir und Stall ‘ die Scheuer und der Stall des Fenners ’ (Staldenried) und andere wie ts Witusch Schtal ‘ der Stall des Vitus ’ (Staldenried). Vermutlich auch Besitzer sind gemeint in Fu ᵕ x Stahl (1895, Embd) und Fuggsstall (Sass-Grund), vermutlich zum FaN Fux (AWWB 102). Naheliegende Flurnamen finden sich in Gerbistahl ‘ der Stalle bei der Gerberei ’ (Termen) oder Furuställi ‘ der kleine Stall bei den Fure (Furchen) ’ (Birgisch). Das Baumaterial ist in tsch Steiställi ‘ der kleine Stall aus Stein ’ (Birgisch) gemeint. Einen Sonderfall stellt der Staaldneru Stall ‘ der Stall der Leute aus Stalden ’ (Zwischbergen) dar; der Name bezieht sich auf - inzwischen aufgegebene - Alpen der Leute aus Stalden im Vispertal. Komplexere Formen wie Schafstallachra oder Schafstallbalmen (1869), beide in Guttet, benennen Fluren nach Ställen von Tieren, hier Schafen. Eine Ableitung stellt Stallig ‘ die Stallung ’ dar; sie kommt zusammen mit Alpnamen in Tärbinernanz Stallig (Visperterminen) und Öugschtbordstallig ‘ die Stallung der Augstbordalpe ’ (Embd) vor. Die Ableitung auf - IG ist kollektiv, sie bezeichnet eine Alpsiedlung. Als Bestimmungswort ist Stall zu Biina, Lamma, Matta, Schiirli und Schnitta gestellt. Komplexe Formen sind in den Vndren Stallmatten ‘ im unteren Teil der Wiesen beim Stall ’ (1736, Erschmatt) und andere. In einigen Fällen ist nicht klar, ob die Schreibung Staal oder ähnlich sich auch zum HL S TALDE ‘ Abhang, Anstieg ’ stellen lässt. Stamm Stamm ist nur belegt in der Stammstei ‘ der Stammstein ’ (Grächen). Die Gewährsperson erklärt das als Stein, der (trotz Erdbeben) an seinem angestammten Platz geblieben ist. Am nächstliegenden ist das Nomen Stamm (I D . 11, 393 ff., in Bed. 3) ‘ Abstammung ’ und wdt. Schtamm ‘ Baumstamm, Familie ’ (G RICHTING 1998, 181). Alternativ ist an einen Stein zu denken, der einem (Baum-)Stamm gleicht. Stampf Stampf m. ist dreimal belegt: zem Stampf ‘ bei der Stampfmühle ’ (Blatten), wo laut Gwp. eine Felspartie mit einer Gletschermühle gemeint ist, der Bärustampf ‘ das stampfende Gehen des Bären ’ (Glis), wo laut Gwp. Bären gejagt wurden und der Bärustampf ‘ das stampfende Gehen des Bären ’ (Visperterminen; M. S. notiert der Bärustapf; LT und FLNK Bärustampf, historisch Berenstampff), laut Gwp. steile Felsen, die die Form von Bärenfüssen haben. Beide Fluren befinden sich am gleichen Ort, werden aber verschieden gedeutet. Das HL ist zu schwdt. Stampf (I D . 11, 474) zu stellen, das verschiedene Bedeutungen hat. Der Beleg aus Blatten gehört zur Bedeutung ‘ Mühle ’ , hier als Gletschermühle. Der Bärustampf ist im I D . nicht belegt; er meint wohl, dass man mit stampfendem Gehen (LUNB 1, 2, 1017 f.) den Bär verfolgt oder dass der Bär selbst hier stampfend geht. Wir ziehen hier die zweite Deutung vor. Stand Stand m. ist zu schwdt. Stand m. ‘ das (Still-)Stehen; Feststehen, Halt; Zustand, Lage, Verfassung; Vermögen, Fähigkeit; (berufliche, gesellschaftliche) Stellung; Ort, Einrichtung zum Stehen (Schiessstand, Krämerbude); Wohnstätte; luftige, kühle Stelle auf der Alpweide ’ , amhd. stand, -t, in FlN gewöhnlich zur Bezeichnung des höchsten Teils der Alp (I D . 11, 956 ff.). G RICHTING (1998) kennt es nicht. Das Simplex im Singular erscheint als der Stand ‘ der Stand (höchste Ebene der Alpe Schorne) ’ (Steinhaus), der Stand ‘ der Stand (langer Rücken mit schöner Aussicht) ’ (Törbel), der Stand ‘ der Stand (Ebene, auf der über Mittag das Vieh war) ’ (Gampel, drei Mal, einmal mit Spezifika- 217 218 Stand <?page no="928"?> tion Tränken), der Stand ‘ der Stand (ebene Alpweide für das Vieh) ’ (Erschmatt). Gemeinsam ist den Flurnamen, dass Mensch oder Vieh sich am jeweiligen Ort aufhalten können. Der Plural des Simplex ist nur einmal als t Stännd ‘ die Stände (Ebene über einem Steilhang) ’ (Bürchen) belegt. Einen vorangestellten Genitiv des Besitzers findet man in Niclas Gorpers Stand ‘ im Stand (ebenes Gebiet mit Aussicht) des Nikolaus Gorper ’ (1730, Lalden). Es handelt sich hier nicht um eine Alpe, da von einem Stück uitum, also Reben, die Rede ist. Das Grundwort ist in Komposita zunächst mit Alpnamen verbunden: der Etriastand ‘ der Stand (höchster Punkt) auf der Alpe Etria ’ (Niederwald), Schornerstand ‘ der Stand (Stafel) der Alpe Schorne (Alpe mit Felszacken) ’ (FLNK u. LT, Steinhaus), weiter mit Orten, wo man Felsplatten für die Dächer der Häuser gewann: der Blattustand ‘ der Stand, wo es Felsplatten (für die Hausdächer) hat ’ (Saas-Fee) und das umgekehrt zusammengesetzte t Standblatte ‘ die Felsplatten (für die Hausdächer) im Gebiet Stand ’ (Törbel). Sachlich anders ausgerichtet sind die Typen der Schiibustand ‘ der Scheibenstand (der Schützen) ’ (Ried-Mörel und sechs weitere Gemeinden), der Schiessstand ‘ der Schiess-Stand ’ (Oberwald und vier weitere Gemeinden, Salgesch zweimal) und der Handgranatustand ‘ der Handgranaten-Stand ’ (Salgesch, nicht bei M ATHIER 2015). Dürre, vermutlich wasserlose Orte sind gemeint in der Dirristannd ‘ der dürre (Stand)platz in den Reben ’ (Leuk) und Dirrustand ‘ der dürre Stand(platz) (beim Meretschi an der Grenze zu Agarn im Rottental) ’ (FLNK, Leuk). Komplexer sind Alte Schiessstand ‘ der alte Schiess- Stand ’ (FLNK, Ried-Brig), der Alt Schiessstand ‘ der alte Schiess-Stand ’ (Brig) und bim Altu Schiessstand ‘ beim Alten Schiess-Stand ’ (Stalden). Als Bestimmungswort ist das HL in Blatten in einem Namensnest mit dem Simplex Stampbach ‘ der Standbach (der aus den Standbachgletschern kommt) ’ (FLNK u. LT, Blatten; SK Standbach) vertreten. Gemeint ist hier Stand als höchster Punkt der Alpe. Weitere Belege sind der Inder und der Uister Stampach ‘ der innere (taleinwärts liegende) und der äussere (talauswärts liegende) Standbach ’ (Blatten), der Inder und der Uister Stampachgletschär ‘ der innere und der äussere Gletscher, aus dem der Standbach entspringt ’ (Blatten), Stampachwannä ‘ die Wannen (Mulden), durch die der Standbach fliesst ’ (FLNK, Blatten) mit t Obruscht, t Mittluscht und t Undruscht Stampachwanna ‘ die oberste, die mittlere und die unterste Wanne (Mulde) beim Standbach ’ (Blatten), weiter t Stampachflie ‘ die Flühe, durch die der Standbach fliesst ’ (Blatten) und ts Stampachgufer ‘ das Steingeröll im Bereich des Standbachs ’ (Blatten). Stannä Stannä ist nur belegt in Gampel als t Schtannä ‘ die Standen ’ . Laut Gwp. handelt es sich um Burgerlose von Jeizinen. Es ist zu schwdt. Stande n ‘ Kufe, Bottich ’ (I D . 11. 1042 ff., mit weiteren Deutungen) und wdt. Standa, Stanna f. ‘ Holzgefäss für Früchte, Wäsche usw. ’ (G RICHTING 1998, 181; R ÜBEL 57) zu stellen. Die Veränderung von / nd/ zu / nn/ ist im Walliserdeutschen gut bekannt. ortsnamen.ch kennt zwei Orte mit diesem Flurnamen: Flurlingen (ZH) und Sennwald. Letzteres interpretiert Stande (W ERDENBERGER N AMENBUCH 2017, Bd. 6, 582) als ‘ Geländemulde [mit einem Bottich, einer “ Stande ” verglichen] ’ . Diese Deutung im Plural dürfte auch für unseren Namen zutreffen. Stapfa Stapfa f. und Stepf m. sind zwei eng verwandte Namentypen, die sich zu schwdt. Stapf, Stapfe(n) m., f. ‘ Fussspur (in Eis, Fels (eingehauen)); steiler, treppenartiger Fussweg; kleine Stiege und Leiter; ein Stück Zaun mit Querstaken, worüber man steigt ’ , ahd. staph, mhd. stapf (I D . 11, 1151 ff.) und Stepf ‘ die Stiege über einen Zaun ’ (I D . 11, 1168, Anm.) stellen lassen. G RICHTING (1998, 181 s. v. Schtapfa, Schtapfä (Goms), Schtapfu) gibt ‘ Sperrpfosten, Absperrung, Durchpass (Gebäude) ’ . R ÜBEL (1950, 86) kennt Schtapfe als Stapfhölzer, “ die den Eingang eines Pferches verschließen ” . Z INSLI (1984, 584 s. v. Stapfa, -u m./ f.) gibt als eigentliche Bedeutung ‘ Fussspur ’ , dann ‘ steiler, treppenartiger Weg ’ , ‘ leiterartige Einrichtung zum Übersteigen einer Umzäunung ’ . G R W B (17, 857 ff.) behandelt Stapf und Stapfen ausführlich; unter Bed. II 2 c) wird für die Schweiz “ eine einrichtung zum übersteigen eines zaunes oder einer hecke ” angegeben. Stepfer, Stapfer, Im Stepf, Imstepf und Varianten sind FaNN (AWWB 250), vor allem belegt für Mund und Naters. Das HL kommt in rund hundert Namen in allen Bezirken vor; Östlich Raron ist aber nur einmal vertreten. Das Simplex im Singular ist als Stapfa (7 Belege), Zer Stapfen (mit Varianten, historisch 6 Belege), Stapfu (3 Belege, davon zwei mit Präpositionen), Zer Stapfun (Blatten), t Stepf (Guttet und vier historische), jn der Stepfen (1516, Ergisch; feminines Genus wohl von Stapfen entlehnt) und einmal hyperkorrekt als im Stöpff (1588, Glis), im Plural als Stapfe (dreimal, zweimal davon mit Präpositionen), ze Stapfu (Törbel), t Stepfe (St. Niklaus), (von) dien Stephen (1306, Grächen), jn den Stepffen (1475, Naters) belegt. Diminutive im Singular sind Stapfilti (Oberems), Stapfji (Mund), im Plural t Stepflini (Ferden mit 2 Belegen). Präpositionen wie Ze, Bi (bei), In sind häufig. Mit attributiven Adjektiven ist das HL nur selten verbunden: zä Beeschä Stepfu ‘ bei den bösen (anstren- Stannä 219 220 <?page no="929"?> genden) Stapfen (steiler Weg) ’ (Gampel), t Leng Stapfa ‘ die lange Stapfe ’ (Wiler, Dorfteil), ts Ober Stepfji ‘ der obere Teil des kleinen Stepf (steile Wege) ’ (Gampel) und drei weitere Belege mit dem Grundwort Stepf, ts Under Stepfji ‘ der untere Teil des kleinen Stepf (steile Wege) ’ (Gampel) und drei weitere Belege mit dem Grundwort Stepf. Unsicher ist an den Vbbigen Stapf ‘ an den nach oben führenden Weg ’ (1489, Mühlebach), wo Vbbig ein Adjektiv sein könnte (cf. HL U BBIGEN ). In einigen wenigen Fällen kann ein vorangestellter Genitiv belegt sein: ts (e)Riädärsch Stapfa ‘ die Stapfe (steiler Fussweg) beim (Bär-)Ried / der Familie Rieder ’ (Wiler), wo Riädär ein FaN oder eine Herkunftsangabe sein kann, Bitschisch Stapfen ‘ der Zaunüberstieg der Familie Bitschi ’ (1757, Ausserberg; 1573 als Butschinstapfen), beÿ der Frawen Stapffen ‘ beim Zaun der Frau ’ (1617 u. später, Naters), wobei unklar ist, um welche Frau es sich handelt oder ob gar ein FaN (cf. HL F ROUWER ) vorliegt, Pfanmattersstapfen ‘ die Stapfe (Zaunüberstieg) der Familie Pfammatter ’ (Steg), der Welschen Stapffen ‘ der Zaun / Fussweg der Familie Welschen ’ (1684 u. später, Gluringen) und das längere ts Wirtstepfisch Spiicher ‘ der Speicher des Wirtstepfi (wohl Übername zu Wirt und FaN Imstepf) ’ (Mund) (vgl. J OSSEN 1989, 80 u. HL W IRT ). Das HL tritt in zahlreichen Komposita als Grundwort auf, meistens mit einem Bestimmungswort, das sich auf eine naheliegende Flur, eine Alpe oder einen Weiler bezieht. Sachliche Gruppen lassen sich kaum bilden. Darum nur einige Beispiele: Alpetustapfu ‘ die Stapfe (Zaunüberstieg / steiler Weg) bei der kleinen Alpe ’ (Ergisch) zum urspr. romanischen Alpeta ‘ kleine Alpe ’ (im 13. Jhdt. u. später belegt als lalpeta), t Gattustapfa ‘ der Zaunüberstieg auf dem Weg zur Alpe Gattun ’ (Kippel), zer Houwatunstaphen ‘ die Stapfe (Zaunüberstieg) bei den Howweten (Holzschlag) ’ (1752, Ausserberg), zer Reschtistapfun ‘ bei der Stapfe (Zaunüberstieg) der Alpe Reschti (Rastplatz) ’ (Blatten) und andere. Unklarer sind der Eschelstapf (Blatten, Ferden), vermutlich ein steiler Weg, der nur mit Eseln begehbar war oder eine steile Weide für Esel und di Zingelstapfu ‘ die Stapfen (steiler Weg) in der Form eines Felsbandes ’ (Saas-Grund). Komplexer sind t Obri Alobielstapfu ‘ die oberen Zaunstiege im Gebiet Alobiel (unklar) ’ (Niedergesteln), wo schon Alobiel unklar ist, zer Riädärstapfuschiir ‘ die Scheuer bei der Riederstapfa (steile Fusswege beim (Bär-)Ried / der Familie Rieder) ’ (Wiler) und weitere. Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist das HL mit folgenden Grundwörtern verbunden: Acher, Biel, Bodu, Gartu, Gassa, Grabu, Löuwina, Matta, Strich, Tola und Wild. Komplexere Konstruktionen sind: t Ober und t Unner Stapfugassa ‘ die obere und die untere Gassa, die zur Stapfa (Zaun) führen ’ (Visp). Eine kollektive Ableitung mit dem Präfix G( I )ist Gstepf ‘ das Gebiet mit vielen Stapfen ’ . Es ist in ts Gschtepf (Eggerberg), im Gstepff (1786, Naters) und im Diminutiv ts Gstepfji (Naters) belegt. In Eggerberg erscheint auch Gschtepfwildi ‘ das wilde (unfruchtbare) Gebiet beim Gebiet Gschtepf (wo es mehrere Stapfen hat) ’ . Dreimal belegt ist eine Ableitung auf - EL (S ONDEREGGER 1958, 513) mit dem Sinn einer Stellenbezeichnung: ‘ wo es Stapfen hat ’ : der Stepfelbodu ‘ der Boden mit steilen Fuss- Stapfen ’ (Saas-Balen), ts Stepfelmättelti (Randa), ‘ die kleine Wiese mit Felstritten ’ , der Stepfelwasu (Randa) ‘ die Wiese mit Felstritten ’ . Insgesamt ist die Deutung des HL nicht einfach. Als ‘ Zaunüberstieg ’ kann es meistens gedeutet werden, wenn ein dauernder oder temporärer Zaun sich dort befand; als ‘ steiler Weg ’ oder ‘ Felstritt ’ kann es gedeutet werden, wenn die Umgebung steil und felsig ist. Manchmal ist offenbar auch einfach eine Umzäunung gemeint, oder ein schmaler Weg. Im Einzelfall kann das auf Grund der heutigen Verhältnisse kaum mehr geprüft werden; so sind etwa frühere Zäune nicht mehr vorhanden, oder durch modernere Techniken (z. B. Viehgatter) ersetzt. Stappel Stappel ist nur 1824 in Oberwald (genauer in Unterwasser) als im Stappelacker belegt. In dieser Form ist Stappel nicht bezeugt. Falls ein Verschreiber vorliegt, ist am ehesten Stapfelacker gemeint, das zu Stapf (cf. HL S TAPFA ) gestellt werden kann. URNB (1, 47) verweist auf Stapfacher und meint dort, es handle sich um einen eingezäunten Acker, auf den man über einen Stapf (Zaunüberstieg) gelangte. Die - EL -Erweiterung wäre nach S ONDEREGGER (1958, 513) als männliche Stellenbezeichnung zu verstehen. Stärch Stärch ist wohl eine umgelautete Form zum Adj. starch ‘ stark ’ (I D . 11, 1426 ff.; G RICHTING 1998, 181). Das HL kommt nur in Hohtenn in der Verbindung t Stärchbalmu vor. Der Umlaut erklärt sich entweder aus der femininen Form des Adjektivs oder einer substantivischen oder verbalen Ableitung, wörtlich als ‘ der starke überhängende Fels ’ . Inhaltlich ist wohl eine tiefe oder grosse Höhlung unter einem Felsen (cf. HL B ALMA ) gemeint. Weitere Belege sind der Stärchbalmuhubil ‘ der Hügel beim Gebiet der Stärchbalmu ’ , der Stärchbalmunbrunnu ‘ die Quelle / der Brunnen im Gebiet der Stärchbalmu ’ , ts Stärchbalmuschlüüchji ‘ das Gebiet der kleinen Schlucht bei der Stärchbalmu ’ und - nur historisch - die Sterchbalmen 221 222 Stärch <?page no="930"?> Eggen ‘ die Ecke bei der Stärchbalmu ’ (1859 - 1872). Der Name Sterchbalmen erscheint 1572 und später auch für Steg, meint aber das gleiche Gebiet in Hohtenn. Statt Statt f. ‘ Stätte, Stelle ’ ist zu schwdt. Stat(t), St ā d f., Dim. Stettli, Stettji ‘ Stätte, Stelle, Platz ’ und wdt. Schtatt ‘ Stadt ’ (I D . 11, 1676 ff.; G RICHTING 1998, 181) zu stellen, wobei G RICHTING nur die jüngere Bedeutung ‘ Stadt ’ kennt (vgl. K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 874 s. v. Stadt). Das Nomen ist in Ableitungen wie Gadestatt, Hostatt häufig eher Suffixoid als eigenständiges Nomen. Das Simplex im Singular kommt als t Statt ‘ die Alpe Statt (im Saflischtal) ’ (Grengiols), t Statt ‘ die Stelle, Dorfteil von Raron ’ (Raron) und an der Statt ‘ an der Stelle ’ (1618, Unterbäch). Die letzten beiden sind vermutlich identisch mit am Gstadt (1578, Raron; 1653 auch an der Gstaadt), an der Gstaat (1658 u. später, Ausserberg) und an der Gstatt (1653, Unterbäch). Faktisch ist hier unklar, ob damit das Gestade der Überschwemmung in der Rottenebene gemeint ist, aus dem sich Felsen wie an einem Strand erheben; dagegen spricht das Genus Feminin (vgl. I D . 10, 1327 ff. s. v. Stad m. und I D . 11, 1661 ff. s. v. St ā t), das am ehesten für eine Ableitung aus Statt (I D . 11, 1676 ff.) spricht, wo allerdings die Form mit präfigiertem / GE -/ nur im Aargau belegt ist. Der häufigste Typ Hofstatt, auch Hofstett ist auch im Artikel Hof behandelt (cf. HL H OF ). Wie schon G RICHTING (1998, 108 s. v. Hofschtatt, Hoschtatt) mit der Deutungsangabe ‘ Fundament, Fundamentruine, Hofstatt ’ zeigt, sind hier meistens Wüstungen gemeint, also Spuren früherer Bebauungen. Hofstatt als ‘ Bauerngut ’ oder ‘ Hauswiese ’ sind seltener. Wir gehen hier auf diesen Typ und komplexere Formen davon nicht ein (vgl. auch I D . 11. 1728 ff. s. v. Hofstatt). Ein zweiter, häufiger Typ ist t Stafelstatt (St. Niklaus, Termen; 1553 Ulrichen), t Stafolstatt (Mund, Naters), Stafulstatt (LT Binn), t Stafustatt (Bellwald, Binn, Gluringen) gemeint ist jeweils eine Stelle mit / bei einem Stafel (cf. HL S TAFEL ), also einer Alpstufe. Nicht so häufig ist Gadestatt (LT, FLNK Obergesteln), also das Gut mit einem Gaden (im Goms ein Stall), historisch auch 1480 in Binn und 1552 in Ernen belegt, 1500 in Fieschertal als Gadenstetli ‘ die kleine Stelle mit dem Gaden ’ . I D . (11, 1725 ff.) kennt Gade(n)statt ‘ Stelle, worauf ein Stall steht; Wiese mit Stall; Berggut; freistehende Vieh- oder Heustall ’ (I D . 11, 1725 ff.). Der Typ Chääserstatt ‘ Stelle, wo Käse gemacht oder gelagert wurde ’ ist in Mühlebach ein Alpkeller, der in Ernen seit 1527 als Cheserstat belegt ist. t Kääserstatt (Binn) hat wohl den anlautenden Artikel agglutiniert, während 1529 in Ritzingen Keserstatt belegt ist. Seltsam sind die Umbildungen: Ferden hat Chäschärstatt neben dem seltsamen in der Chähärstatt und dem dazu gehörenden t Ober Chähärstatt, das erste bei der Faldumalp, das zweite und dritte bei der Restialp - es dürfte sich um Umbildungen zu Chäserstatt handeln. Das gilt wohl auch zum sonst unerklärbaren Chäferstatt (FLNK, Ausserberg), das sich oberhalb der Siedlung Leiggern befindet. Zu vermuten ist, dass der Sinn von Chääserstatt nicht mehr verstanden wurde. In einigen Fällen ist beim Typ Gartstatt ein Garten gemeint; in Visperterminen ist lebendes di Garstatt historisch als Gartstatt (1587) überliefert; dazu kommen historisch Gartstette (1372, Ernen), jn dien Gartstetten (1301, Bürchen), die Gartstette (1300 - 1330, Münster). Garten ist traditionell ein eingezäuntes Stück Land mit Gemüse und - seltener - Blumen. Eine Reihe weitere Bildungen ist nur teilweise durchsichtig: Brvchstatt ‘ die Stelle mit einem Bruch (Steinbruch? ) ’ (1346, Visperterminen), t Chollstett ‘ die Stätten, wo Kohle gebrannt wurde ’ (Wiler), ts Hagstettji ‘ die kleine Stette (Hofstatt) mit dem Zaun ’ (Naters), Heistette ‘ die Heimstätte / die höhe Stätte (Alpe oder Voralpe) ’ (Blitzingen) mit dem zugehörigen Heistettwald, t Höütstatt ‘ die Stätte für die Rinder / die wichtigste Stätte (? ) ’ (Blitzingen), Milistatt ‘ die Stelle bei der Mühle ’ (Zermatt) mit bÿ der Althun Milistatt ‘ bei der Stelle bei der alten Mühle ’ (1588, Eisten; 1588 Staldenried), zer Saagstatt ‘ bei der Stelle, wo das Holz gesägt wurde ’ (Ferden), t Schmidstett ‘ die Stelle des Schmiedes / der Familie Schmid ’ (Niederwald), zer Schmitstatt ‘ bei der Stelle des Schmiedes / der Familie Schmid ’ (1528, Ernen), zer Walkstat ‘ bei der Stelle mit einer Walkmühle ’ (1392, Glis), an die Werchstett ‘ an die Stelle, wo Werg (Flachs und Hanf) wuchs / wo Werg bearbeitet wurde ’ (1508 u. später, Termen). Neben einigen oben genannten sind auch attributive Adjektive zu finden wie zer Altun Brúckstat ‘ bei der alten Brückenstelle ’ (1438, Visp), t Ober Gadestadt ‘ die obere Stelle mit einem Gaden ’ (Obergesteln), t Ober und t Unner Mäuchstatt ‘ der obere und der untere Teil der ertragreichen Stelle / des Ortes, wo gemolken wurde ’ (Binn), t Ober und t Unner Staferstatt ‘ der obere und der untere Teil der Stelle beim Stafel (LT Stafulstatt) ’ (Binn). Zwei Bildungen sind schwierig zu erklären: di Bigstatt (Ausserberg) und dazu der Bigstattschleif ‘ der Schleif zur Bigstatt hinunter ’ (Ausserberg), sowie di Gaaristett (Ferden). Bigstatt scheint eine Reanalyse von bi Gstatt ‘ bei der Statt ’ zu sein; es handelt sich um einen Dorfteil von Ausserberg beim Trogdorf, dem Hauptteil des Dorfes. Der Weg von bi Gstatt zu di Bigstatt ist jedoch unklar und nicht belegt. Noch unsicherer ist Gaaristett. Die Statt 223 224 <?page no="931"?> Beschreibung sagt, es handle sich um eine Aufforstung, früher sei hier ein ‘ Rinderchrumm ’ gewesen. Gaari ist nicht belegt. Am nächsten kommt ihm laut I D . (2, 404 s. v. Gërrisch) der Name für die Pflanze ‘ Meisterwurz ’ (P EU- CEDANUM OSTRUTHIUM ), die laut I D . im bernischen Saanen G ā r hiess; allerdings findet sich für die Oberwalliser Pflanzennamen kein entsprechender Hinweis. Gemeint wäre dann eine Stelle mit viel Meisterwurz (vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2104, 986) s. v. P EUCEDANUM OSTRUTHIUM , dt. Meisterwurz). Als Bestimmungswort ist das HL nur in der Statgarte ‘ der Garten in der Statt ’ (Obergesteln) belegt. Gemeint ist wohl ein Garten im Bereich Statt von Obergesteln (historisch ist die Hofstatt der Podmer ‘ die Hofstatt der Familie Bodmer ’ (1826) belegt; es könnte sich auch um die Leute im Boden (Rottenebene) handeln). Eine seltsame Form ist schliesslich in Turtmann 1454 als die Steder belegt. Der Kontext ist unklar, was eine Deutung unmöglich macht. Zum konkurrierenden Stadt cf. HL S TADT . Stau Stau m. ist zu schwdt. Stau, Stou m., zum Verb schwdt. stau(w)e n ‘ Einhaltung tun, wehren, hemmen (vom Wasser, ferner von angesammelten Massen, Menschen und Dingen ’ , amhd. stouwen, stöuwen (I D . 11, 1845) zu stellen. Belegt ist das HL in bim Stausee (Oberems), der Stausee (Grengiols (zweimal), Zwischbergen), Stausee Gibidum (Bitsch, Naters, Ried-Mörel), Stausee Mattmark (Saas- Almagell), Bodmen-Stausee ‘ der Stausee des Zmuttbaches bei den Bodme (Böden) ’ (LT Zermatt), Stauweer ‘ das Stauwehr ’ (FLNK Leuk; 1: 10000 Stauwerk), t Schtöümüüre ‘ die Staumauer (des Kraftwerk Gries) ’ (Ulrichen), t Schtöümüüru ‘ die Staumauer des “ Illsee ”’ (Leuk), t Schtöümüüru ‘ die Staumauer des Stausees im “ Märetschi ”’ (Leuk). Das HL ist wohl in allen Fällen zum hdt. Stau gebildet, im Fall von Schtöü lautlich dem Walliserdeutschen angeglichen. G RICHTING (1998) kennt das Wort nicht. Stazjo Stazjo f., auch Stazjoo ‘ Station ’ ist zu schwdt. Stazi ō n, ō f., wie nhd. ‘ Aufenthaltsort; Haltestelle, Bahnstation, Bahnhof ’ , in der kath. Kirche von ‘ Kreuzwegstationen in der Kirche oder sonst, welche die 14 Stationen auf dem Wege Christi nach Golgatha bedeuten; das mit liturgischen Gebeten, dem Lesen der Evangelien und dem sakramentalen Segen ausgefüllte Anhalten der Prozessionen ’ ; spätmhd. stati ā n, und wdt. Schtazjoo ‘ Haltestelle, Bahnhof ’ (I D . 11, 1845 f.; G RICHTING 1998, 181) zu stellen, alle mit Endbetonung. Das Simplex des Singulars ist als t Statjo ‘ die Station (Bahnhof) der Matterhorn-Gotthard-Bahn ’ (Grengiols), mit der Stazjoo ‘ bei der Station (Bahnhof) der BLS ’ (Lalden), t Statzioo ‘ die Station (Bahnhof) der BLS ’ (Ausserberg) als ‘ Bahnhof ’ belegt. Der Plural t Stazjoone ‘ die Kreuzwegstationen ’ (Glis) meint einen Kreuzweg zwischen Ännerholzgrabe und Wickert in Brig-Glis; die gleiche Deutung findet sich in der Statzionuwäg ‘ der Weg mit den Kreuzwegstationen ’ (Leuk). Die Abkürzung Stn. ‘ Station ’ findet sich auf der LT für Stn. Bettmergrat ‘ die Station der Seilbahn auf dem Bettmergrat am Bettmerhorn ’ (Betten), Stn. Gampel-Steg ‘ die Station (Bahnhof) der SBB für Gampel und Steg ’ (Steg), Stn. Hohtenn ‘ die Station (Bahnhof) der BLS ’ (Hohtenn), Stn. Leuk ‘ die Station (Bahnhof) der SBB ’ (Leuk) und Stn. Turtmann ‘ die Station (Bahnhof) der SBB ’ (Turtmann). Weiter ist Stn. Muttbach-Belvédère ‘ alte Station (Bahnhof) auf der Furka-Scheitelstrecke ’ (Oberwald) und Stn. Steibenkreuz ‘ die Station Steibenkreuz der Sesselbahn ’ (Bellwald); teilweise sind diese Stationen auf anderen Karten auch ausgeschrieben. In Grächen gibt es t Seilbastazjoo ‘ die Station der Seilbahn von Grächen nach Hannigalp ’ (Grächen), in Bellwald t Mittustatio ‘ die Mittelstation (der Seilbahn Fürgangen-Bellwald ’ (FLNK, Bellwald). Die Station Seilbahn ‘ die Seilbahnstation der Gemmibahnen auf der Gemmi ’ (Leukerbad) ist nicht phonetisch notiert, aber ein lebender Name. Eine ganz andere Deutung ist erfasst in Satellitenbodenstation ‘ die Bodenstation für den Satellitenempfang ’ (FLNK, Leuk). Soweit erkennbar, ist die für das Wallis bezeugte Deutung ‘ Kramladen, Magazin ’ für Stazune n (I D . 11, 1846) in Namen nicht belegt. Stebil Stebil m./ n. ist belegt als im Stebil (1399, Zwischbergen; 1598 am Stebell), am Stäbell (1598, Simplon) und dem unsicheren an Stübells Wangÿ ‘ der kleine Grasabhang beim Stall / des Stübel ’ (1607, Zwischbergen). Der Genitiv in diesem Beleg kann auch zu einem PN Stübel oder Stibel gehören, der allerdings nicht belegt ist. J ORDAN (2006) kennt die Flurnamen nicht. Am nächstliegenden ist eine alpinlombardische Dialektform von lat. stabulum ‘ Stall ’ (cf. LSI 5, 231 s. v. Stabi), das aber sonst als Stafel im Oberwallis gut belegt ist (cf. HL S TAFEL ). Stecke(n) Stecke(n) ist zum Verb hdt. stecken (K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 879) zu stellen, das in hdt. Stecknadel (G R W B 17, 1366) vertreten ist. Belegt ist es nur in ts Stecknadelhoru ‘ das Stecknadelhorn ’ (St. Niklaus, Randa; 4114 m) und Stecknadeljoch ‘ das Stecknadeljoch (Joch) (Übergang) 225 226 Stecke(n) <?page no="932"?> beim Stecknadelhorn) ’ (Randa, LT u. FLNK; FLNK auch Stecknaduljoch). Das Horn befindet sich beim Nadelhorn (4327 m). Stecknadel bezieht sich hier auf eine spitze Form des Gipfels, die zum benachbarten Nadelhorn passt. Steeri Steeri f. ist nur als t Steeri (Zermatt) belegt. Die Beschreibung sagt, es handle sich um Felskopf und Abhänge. Für Rindvieh nicht schönes Gelände. J ULEN ET AL . (1995, 242) beschreiben den Ort als “ Von starkem Geröll unterbrochenes Alpgebiet ” . Die Flur befindet sich auf der Findelalp. Vermutlich handelt es sich um eine Ableitung auf - I (S ONDEREGGER 1958, 497 zu ahd. -î(n)) zum Verb störe n ‘ stören ’ (I D . 11, 1259 ff. mit vielen verschiedenen Bedeutungen) hier mit Entrundung. Es dürfte zu Störi II (I D . 11, 1273) im Sinn von ‘ Störung ’ gestellt werden, wobei die genaue Deutung unklar bleibt. G RICHTING (1998, 181) kennt schteere, schteerä (Goms), schteern (Lötschtal), schteeru ‘ stören, umgraben, umrühren ’ . Das von ihm erwähnte Schteeri ‘ Rede (unerwartete, witzige) ’ lässt sich nur indirekt hieher stellen. Im Kontext der Alpe ist hier eine Störung des Weideganges gegeben. Stefan (PN) Stefan (PN) ist als PN oder FaN in verschiedenen Formen vertreten. Der FaN ist zuerst in Ernen, später in anderen Gommer Orten belegt (AWWB 249 f.). In den FlN ist der Name immer als Bestimmungswort, meist im Genitiv, vertreten. Bei lebenden Namen ist Stäffis / Stäffisch mit den Grundwörtern Egge, Hubel, Maad belegt; Stäffu findet sich in Naters: ts Stäffuschir ‘ die Scheuer der Familie Steffen ’ . Zweimal ist historisch Steffigs Stadell (1784, Bitsch, 1774 Ried-Mörel) belegt; es handelt sich um die Kollektivableitung auf - IG bei Namen ‘ die Leute des Stefan / Steffen ’ . in Steffismatten ‘ in der Wiese des Stefan ’ (1721, Eischoll) ist unklar in Bezug auf PN oder FaN. Vermutlich nur der PN Stefan ist vertreten in Steffans Bu ᵉ la ‘ der Hügel des Stefan ’ (1630, Brig) und ze Stephans Buele (1301, Visperterminen), Stephans Halta ‘ die Halde des Stefan ’ (1320, Naters) und Steffans Mettiltin (1554, Törbel) ‘ die kleine Wiese des Stefan ’ . Steg Steg, dialektal Stäg m. ist zu schwdt. Stëg m., Dim. Stëg(e) li ‘ Steg, schmale, leichte Brücke, schmaler Weg ’ , amdh. stëg, -c und zu wdt. Schtäg ‘ Steg, Brücke ’ (I D . 10, 1487 ff.; TGNB 2, 2, 567; G RICHTING 1998, 180) zu stellen. Das HL lässt sich nicht immer von den HLL Stäga f. ‘ Treppe ’ und Stäcke(n) ‘ (Zaun-)Stecken ’ unterscheiden. Formen auf - ER können auch zum FaN Steger (AWWB 68 f.) gehören. Das HL kommt in rund 180 Orts- und Flurnamen vor. Das Simplex ist im Singular am prominentesten im Gemeindenamen Stäg (LT Steg) vertreten, dem früheren Benken. Der Name bezieht sich ursprünglich wohl auf einen Weiler, der am Steg über die Lonza nach Gampel gelegen war. Weitere Simplizia sind bim Stäg ‘ beim Steg über den Rotten ’ (Niederwald), bim Stäg ‘ beim Steg über den Alpjerbach ’ (Simplon), der Stäg ‘ der Steg über das Grosse Wasser ’ (Zwischbergen), zem Stäg ‘ beim Steg über die Matter Vispe ’ (Zermatt, Dorfteil), zum Stäg ‘ beim Steg über die Saaser Vispe ’ (Saas-Fee, Dorfteil; Saas-Grund; St. Niklaus), zum Stäg ‘ beim Steg ’ (1578 u. später, Raron), zem Steg (1434 u. später, Mörel; 1390 u. später, Ried-Brig; 1519 Visperterminen), zum Steg ‘ beim Steg (über die Turtmänna) ’ (1695, Turtmann). Wohl auch eine Brücke ist gemeint in Steg ‘ der Steg (an dem am Scheidtag die Schafe gezählt wurden) ’ (1763, Saas-Almagell). Ein unsicherer Beleg ist zuw Stegen (1303, Niedergesteln), das eventuell mit dem weiter unten erwähnten Zwisteg ‘ der Zwei-Steg (Doppelsteg) ’ (1396, Steg) zusammenfällt. Eine technisch bedingte Ausnahme ist der Name Stn. Gampel-Steg ‘ die Station (Bahnhof) der SBB für Gampel und Steg ’ (Steg). Plurale des Diminutivs kommen kaum vor: en den Stecquen (1355, Ergisch) kann sowohl ‘ bei den Stegen ’ wie ‘ bei den (Zaun-)Stecken ’ heissen. Das Diminutiv des Singulars erscheint ebenfalls selten: zum Stägji ‘ zum kleinen Steg (Brücke über den Almagellerbach / den Leenbach (LT kennt beide Bezeichnungen) ’ (Saas-Almagell), beÿ dem Steglin ‘ beim kleinen Steg in der Eymatte ’ (1742, Turtmann). Ob ein Plural des Diminutivs in mit den Stegginen ‘ bei den kleinen Stegen (keine Angabe wo) ’ (1749, Niedergesteln) gemeint ist oder etwas anderes, bleibt unklar. Mit attributiven Adjektiven kommt das HL wie folgt vor: (lat.: ad antiquum pontem seu Steg) beim Alten Steg (1373, Törbel), der Breit Stäg ‘ der breite Steg (über den Milibach ’ (Unterbäch; laut Gwp breit wegen des Viehauftriebs), der Hangend Stäg ‘ der hängende Steg (über tiefe Schlucht) ’ (Zermatt), zem Heeji Stäg ‘ beim hohen Steg (Brücke über die Lonza) ’ (Blatten), der Steinig Stäg ‘ der steinige Steg (natürlich entstandener Steg aus Stein) ’ (Raron; FLNK Steinigu Stäg), vnder dem Trochennenn Steg ‘ unter dem trockenen Steg ’ (1560, Täsch), zem Trochne Stäg ‘ beim trockenen Steg ’ (Zermatt), zum Unnru Stäg ‘ beim unteren Steg (heute Brücke der Strasse über die Saaser Vispe) ’ (Saas-Almagell). Unsicher ist an dem Racken Steg ‘ an der Brücke, die mit schwerer Arbeit instand gesetzt wurde ’ (1822, Saas-Fee), wo Racken sich auch auf ein Verb beziehen kann (vgl. HL R ACKEN ). Ein vorangestellter Genitiv findet sich nur in ts Sengärsch Stägli ‘ der kleine Steg der Leute vom Senggä (durch Sengen gerodetes Gebiet) ’ (Wiler). Häufiger sind Steeri 227 228 <?page no="933"?> ursprüngliche Genitive Plural auf - ER ( O ), die als Adjektive umgedeutet oder als FaN verwendet werden: Lochersteg ‘ der Steg oberhalb des Weilers Loch ’ (SK, Ulrichen), Baltschiedersteg ‘ der Steg der Leute von Baltschieder (unklar, ob über den Baltschiederbach oder über den Rotten) ’ (1519 u. später, Baltschieder; 1471 u. später, Visp), der Tännärstäg ‘ die Brücke über die Lonza bei Tänn (Tenn) ’ (Wiler), Walderstäg ‘ der Steg (über den Rotten) Richtung Oberwald ’ (FLNK, Oberwald), Wängärstäg ‘ der Steg (über die Turtmänna) beim Weiler Wänge / der Familie Wenger ’ (FLNK, Ergisch), im Egersteg ‘ im Gebiet des Steges der Familie Äger ’ (1857, Simplon). Als Grundwort kommt das HL weiter vor allem im Typ Hosteg vor: der Hosteg ‘ der hohe Steg (hohe Brücke über die Mattervispa zwischen Zermatt und Täsch) ’ (Zermatt, LT Hostäg; Täsch, SK Hohsteg), der Hostäg ‘ der hohe Steg (über die Doveria) ’ (Zwischbergen, FLNK Hostäg, LT Hohsteg), Hostäg ‘ der hohe Steg (über die Saaser Vispe) ’ (FLNK, Saas-Balen), (lat.) citra (jenseits) dem Hostege ‘ der hohe Steg (Brücke) ’ (1305, Stalden), die Hohstega ‘ die hohen Stege (Brücken) ’ (1653, Ulrichen; könnte alternativ auch Stiege sein). Komplexere Konstruktionen dieses Typs sind zem Indri und zem Uistri Hostäg ‘ beim inneren und beim äusseren hohen Steg (über die Lonza) ’ (Ferden). Ein adjektivisches Bestimmungswort findet sich weiter in Mittelstäg ‘ beim Mittleren Steg ’ (1809, Täsch), Weitaus die meisten zweigliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort kennzeichnen eine in der Nähe liegende Flur. Dabei fallen vor allem Konstruktionen auf, die einen Gemeinde- oder Weilernamen enthalten: bim Gamsustäg ‘ beim Steg über den Rotten bei Gamsen ’ (Glis), der Laldensteg ‘ die Brücke über den Rotten nach Lalden ’ und ähnlich (1544 u. später, Eyholz; 1530 u. später, Lalden; 1531, Visp), der Rudustäg ‘ die Brücke über die Doveria bei Gondo (Ruden) ’ (Zwischbergen; bei J ORDAN (2006, 312) als Ruduschtäg). In Einzelfällen wird der Name des Gewässers erwähnt: dr Lonzustäg ‘ der Steg über die Lonza (Talbach) ’ (Kippel), der Mässerestäg ‘ die Brücke über den Mässerebach (identisch mit Saflischbach? ) ’ (Grengiols), dr Schreejustäg ‘ der Steg über den Wasserfall des Faldumbaches ’ (Ferden), der Zubistäg ‘ der Steg (Brücke) über den kleinen Wasserlauf ’ (Blatten, einmal mit zem), wo mit Zubi (cf. HL Z UBA ) ein kleiner Wasserlauf gemeint ist. Die Benennung nach einer nahegelegenen Flur findet sich etwa in der Aroleitstäg ‘ der Steg (über den Zmuttbach) bei Aroleit (Arvenwald) ’ (Zermatt), Elmstäg ‘ der Steg über die Lonza bei Älm ’ (SK, Eggerberg), dr Erlstäg ‘ der Steg über die Lonza bei den Erlen ’ (Blatten, zweimal), des Feldmoossteges ‘ der Steg beim Feldmoos (sumpfiges Gebiet beim Feld) ’ (Obergesteln; Genitiv durch Konstruktion bedingt), der Figistäg ‘ der Steg über die Doveria unterhalb der Figina ’ (Zwischbergen; J ORDAN (2006, 260 hat Figischtägi), dr Firtstäg ‘ der Steg bei der Furt ’ (Blatten), der Furtstäg ‘ der Steg bei der Furche (Fura) ’ (Oberwald) und viele andere mehr. Komplexer ist z. B. vff dem Golembach Stegen Stu ᵉ cklin ‘ auf dem kleinen Stück Land beim Golmbach ’ (1669, Kippel), der Haggdoristäg ‘ der Steg (über den Chummenbach) zum Gebiet kleines Hagedorn ’ (Wiler), der Hobriggestäg ‘ der Steg beim Gebiet Hobrigga (hohe Brücke) ’ (Fieschertal) - ein besonders schönes Beispiel für einen Stegnamen, der sich auf eine Brücke bezieht - , der Rotgsteistäg ‘ der Steg (über den Golmbach) beim Gebiet Rotgstei (das rote Gestein) ’ (Kippel) und andere mehr. Einen Besitzernamen enthält laut Gwp. der Niggistäg ‘ der Steg beim Gut des Niggi (Übername der Besitzerfamilie) ’ (Zwischbergen; J ORDAN (2006, 341) hat Niggi Schtäg und nennt die Besitzerfamilie Arnold). Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Biina, Chrumm, Eie, Fura, Haalta, Hooru, Lamma, Matta, Pletscha, Tal, Wang und Weid. Komplexere Konstruktionen sind: der Steghorugletscher ‘ der Steghorugletscher (LT Steghorngletscher, Gletscher unterhalb des Steghorns) ’ (Leukerbad), der Stägacherwald ‘ der Wald beim Stägacher (Acker beim Steg) ’ (Mund), t Stäggmattuschiir ‘ die Scheuer bei der Wiese beim Steg ’ (Blatten), der Stägmattewaud ‘ der Wald bei der Stägmatta (Wiese beim Steg) ’ (Fiesch; FLNK Stägmattewald), der Stägschleifgrabo ‘ der Graben beim Stägschleif (Schleif beim Stäg) ’ (Mund), bis an den Sau ᵕ msteggraben ‘ bis zum Graben mit dem Steg für die Säumer ’ (1847, Ulrichen) und andere. Eine Reihe von Belegen weist die Form Steger / Stäger auf. Ihre Lage legt zumeist eine Ableitung auf - ER von Steg (Gemeindename) nahe, die ursprünglich wohl ein Genitiv Plural war (S ONDEREGGER 1958, 526 ff.); in einigen Fällen ist eher der FaN Steger gemeint. Belegt sind im sogenannten Stegerthale ‘ im Tal der Leute von Steg / bei Steg ’ (1860, Hohtenn; 1860, Steg), das Steger Moos ‘ das Moos (sumpfiges Gebiet) der Gemeinde Steg ’ (1852, Steg), Stäger Riedbärg ‘ der Riedbärg, der zu Steg gehört ’ (FLNK, Niedergesteln), (lat.) ad siluam et nemus Stegerro ‘ beim Wald der Leute von Steg / der Familie Steger ’ (1584, Ausserberg), Stägerfäld ‘ das Feld, das zu Steg gehört (in der Rottenebene) ’ (LT, Steg; FLNK Stägärfäld), t Stägergassu ‘ die Gasse der Leute von Steg (nach Niedergesteln) ’ (Niedergesteln), jm Steger Grund ‘ im Grund (wohl Rottenebene) der Leute von Steg ’ (1572 u. später, Steg). Unklar ist Stägerwald ‘ der Wald bei einem Steg ’ (FLNK, Birgisch). 229 230 Steg <?page no="934"?> Eine Ableitung auf - ERRA für Wasserleitungen ist belegt in Stagerren (1664, Steg; Dativ aus Konstruktion bedingt), t Stägerru ‘ die Wasserleitung der Leute von Steg (ohne Wasser) ’ (Hohtenn), ufer Stägerru ‘ auf der Wasserleitung der Leute von Steg ’ (Hohtenn), t Stägerru Wasserleitu ‘ die Wasserleiung der Leute von Steg (historisch: die Stegeri) ’ (Niedergesteln), t Stägerrusüe ‘ die Wasserleitung der Leute von Steg (mit Wasser) ’ (Hohtenn). t Stägifischini ‘ die Grundstücke (im Mass eines Fischi) beim kleinen Steg ’ enthält wohl einen Diminutiv des HL; der Stägjitschuggo ‘ der Felsen mit Tritten ’ hingegen gehört zum HL S TÄGA ‘ Treppe ’ . Steger (FaN) Steger (FaN) ist ein FaN. Im alten Wappenbuch wird Steger, von Steiger als aus dem Wallis stammendes, angesehenes Patriziergeschlecht von Bern, das um 1424 ausgewandert sein dürfte, vorher wahrscheinlich Ministerialien der von Raron (AWWB 250) bezeichnet. Das Register zu den HRBS betrachtet Steger als Übersetzung des FaN Aschilier und bezieht sich damit auf AWWB (88), das s. v. Eschellier auch Steger aufführt und den Namen als “ weit verbreitet ” bezeichnet. Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1763) kennt Steger für das Wallis nicht. Belegt ist der FaN im Genitiv als Stegers Los ‘ das ausgeloste Stück Land der Familie Steger ’ (1394, Biel), Stegers Matten ‘ die Wiese der Familie Steger ’ (1728, Turtmann), in Stegersmatten ‘ in der Wiese der Familie Steger ’ (1805, Niedergesteln) und ts Stägersch Bodo ‘ der Boden der Familie Steger ’ (Visperterminen); Gwp. meint, es handle sich um den in Visperterminen inzwischen ausgestorbenen FaN Stäger. FLNK und die Karte 1: 10000 haben am gleichen Ort die Form Z'Ägersch Bodo ‘ der Boden der Familie Äger ’ , wobei unklar ist, ob ein FaN oder einfach ein Beiname vorliegt. AWWB (180) kennt einen FaN Nager, auch In Ager, der aber dort nicht als FaN in Visperterminen belegt ist. Das Simplex ist als im Steger (1717, Zeneggen) belegt, FLNK hat Stäger. Der Flurname ist unklar; am angegebenen Ort gibt es keinen Stäg ‘ Brücke ’ , ob Stäga ‘ Treppe ’ gemeint ist, bleibt unsicher. Stei Stei ist zu schwdt. Stei n m., Dim. Stein(d)li, Steinji ‘ Gestein, Mineral ’ , ‘ Rohstoff, Bruchstein ’ , ‘ loser Felsblock, Findling ’ , ‘ Feldstein, kleines Geröll, Kies ’ , ‘ Baustein, Pflasterstein ’ , ‘ Marchstein ’ , ‘ Stein als Stätte für Rechtshandlungen ’ , ‘ Grabstein ’ , ‘ Steinplatte ’ , ‘ Mahlstein, Schleifstein ’ , amhd. stein (I D . 11, 754 ff.; G RICHTING 1998, 181) zu stellen. Stei kommt in rund 900 Namen vor (einzelne Namen sind mehrfach belegt). Die Umwelt des Oberwallis enthält Steine vom kleinen Kieselstein bis zu den grossflächigen Steinwänden; häufig sind auch einzelne grössere, auffallende Steine benannt. Das Simplex Stei ‘ Stein ’ ist mit Präpositionen wie bei, am, zu, unter ungefähr dreissig Mal im Oberwallis belegt; gelegentlich mit erhaltenem / n/ im Lötschental. Der Plural Steina, Steinen ebenfalls mit Präpositioen wie ze oder in etwa zehn Mal. Mit attributiven Adjektiven oder Partizipien sind u. a. belegt: dr Äbund Stei ‘ der ebene Stein ’ (Mund) und lateinisch dazu apud planum lapidem ‘ beim ebenen Stein ’ (1475, Visp), zum Altu Stei ‘ beim alten Stein ’ (Randa), zum Änggu Stei ‘ beim engen Stein (enger Felsdurchgang) ’ (Ergisch), zem Blaawu Stei ‘ zum blauen Stein ’ (Visp, Niedergesteln, Saas-Almagell (ohne zu)), zum Blätjuchtu Stei ‘ zum platten Stein ’ (Saas-Almagell), zum Breitu Stei ‘ zum breiten Stein ’ (Erschmatt, Fieschertal, Naters, Raron und im Plural Binn), zum Dirlochen / Durchglochet Stein ‘ beim Stein mit einem Loch ’ (Ulrichen, Ernen), zum Elwen Stein ‘ beim fahlgelben Stein ’ (1653, Ulrichen), zum Engen Stein ‘ beim engen Stein ’ (Ernen), au ᵕ f den Gespaltenen Stein ‘ der gespaltene Stein ’ (1869, Törbel und Stalden), zum Gespaltenen Stein (Niedergesteln), bim Glatte Stei ‘ beim glatten Stein ’ (Blitzigen, historisch Feschel 1619), der Graw Stei ‘ der graue Stein ’ und ze Graawä Steinu ‘ bei den grauen Steinen ’ (Ausserberg, Gampel, St. Niklaus, Saas-Almagell, Obergesteln, Oberwald, Münster, Saas-Balen), bim Grosse Stei / bi de Grosse Steine (rund 40 Belege), beÿ dem hellen Stein (1699, Gluringen; unklar ob hell oder Höll), zum Holu Stei ‘ beim Stein mit einer Höhlung ’ (Bratsch, Erschmatt, Oberems, Turtmann), der Rot Stei ‘ der rote Stein ’ (Zermatt; die meisten anderen Belege sind lateinisch mit Konstruktionen wie super rubeo saxo ‘ ob dem roten Stein ’ ), zum Runu Stei ‘ zum runden Stein ’ (Saas-Almagell), t Schwarze Steine ‘ die schwarzen Steine ’ (Blitzingen), bim Spitze Stei ‘ beim spitzen Stein ’ (Blitzingen und rund dreissig weitere Belege im Singular und Plural), bim Stächende Stei ‘ beim stechenden Stein (mit Spitze) ’ (Bellwald und vier weitere historische Belege), den Thenenden Stein ‘ der tönende Stein ’ (St. Niklaus, Zermatt), beim Toossende Stei ‘ beim tosenden Stein ’ (Grengiols), mit de Drii Steinu ‘ bei den drei Steinen ’ (Simplon), ts Ubergändu Stei ‘ beim übergehenden Stein ’ (Mund), der Wiiss Stei ‘ der weisse Stein ’ (St. Niklaus) und bi de Wisse Steine ‘ bei den weissen Steinen ’ (Geschinen) (beides mehrfach). Vorangestellte Genitive zum Grundwort Stei sind selten: ts Antlisch Stei ‘ der Stein des Anton / der Anna ’ (Zermatt, FLNK), bey Arblis Stein ‘ der Stein des Arbli ’ (1833, Zermatt; wohl identisch mit ts Antlisch Stei), ts Guggersch Stei (Simplon) kann entweder als ‘ des Kuckucks Stein ’ oder als ‘ Stein bei der Alpe Guggina ’ Steger (FaN) 231 232 <?page no="935"?> interpretiert werden. ts (e)Riedisch Stei ‘ der Stein des Riedi (PN) ’ (Gampel), wobei neben einem PN auch der Herkunftsname ‘ jemand von Ried ’ gemeint sein kann. Der klarste Fall ist z Witusch Stei ‘ der Stein des Vitus (PN) ’ (Törbel). Zweigliedrige Komposita mit Stei als Grundwort sind sehr oft belegt. Inhaltlich reichen sie von der Lage bei einem Ort wie der Aarbstei ‘ der Stein beim Aarb (wo es Arven hat) ’ (Täsch) über Steine mit Sagengestalten wie der Boozustei ‘ der Stein mit einem Gespenst ’ (Stalden) oder der Tiifelstei / der Tiifolstei ‘ der Teufelsstein ’ (Münster, Unterbäch) bis zu Namen von Tieren, die beim Stein leben, zum Murgundstei ‘ beim Murmeltierstein ’ (Saas- Almagell), der Murmeltenstein ‘ der Murmeltierstein ’ (1697, Eisten) und der Fuggsstei ‘ der Stein mit Füchsen / der Familie Fux ’ (St. Niklaus, Täsch, Wiler und historische Belege), oder von Tieren, denen der Stein gleicht, wie der Bärustei ‘ der Stein, der wie ein Bär aussieht / wo es Bären hatte ’ (Ausserberg, Grächen, Saas-Balen und historische Belege). Manche Steine werden nach ihrem Material benannt: der Chalchstei ‘ der Stein aus Kalk ’ (Randa, St. Niklaus und historische Belege), Giltstei ‘ der Giltstein (Ofenstein) ’ (Obergesteln und mehrgliedrige Komposita), ts Duffstei ‘ beim Tuftstein ’ (Gampel), andere nach ihrer Funktion: der Marchstei ‘ der Grenzstein ’ (Zermatt), bim Kilometerstei ‘ beim Stein, der einen Kilometer anzeigt ’ (Oberwald), der Ribstein ‘ der Reib-Stein ’ (Albinen), der Karisierstei ‘ der Stein der Liebespaare ’ (Grächen) oder der Tässelstei ‘ der Tessel-Stein ’ (Randa) - ein Sein, an dem der Hirte die Tessel (Kerbholz mit Informationen zum Besitzer) aufhängen musste. Wieder andere nach ihrem Aussehen: der Milistei ‘ der Mühlstein ’ (Oberwald und weitere), der Rämistei ‘ der schwarze Stein ’ (Münster u. öfter mit lautlichen Variationen), t Wettsteina ‘ die Steine, die wie Wetzsteine aussehen ’ (Eischoll, Niedergesteln), Zigärstei ‘ der Stein, der wie ein Ziger(stock) aussieht ’ (Oberems) und der etwas komplexere Name der Wiwasserstei ‘ der Stein mit einer Höhlung, der wie ein Weihwasserstein aussieht ’ (Oberems). Ebenfalls religiös motiviert ist zum Lurdesstei ‘ der Lourdes-Stein ’ (Saas-Almagell), der sich auf den französischen Marien-Wallfahrtsort Lourdes bezieht. Manche Namen sind mehrdeutig: der Loostei (Ried-Mörel) wird von der Gwp. als ‘ loser Stein ’ interpretiert; gemeint sein dürfte aber Loo ‘ Wald ’ , also der Stein beim oder im Wald. Und einige lassen sich nicht deuten, wie der Stammstei ‘ der Stamm-Stein ’ , den die Gwp. als ‘ Stein am angestammten Standort ’ betrachtet; da das HL S TAMM sonst in den Daten nie vorkommt, lässt sich das weder bestätigen, noch widerlegen. Es gibt auch mehrgliedrige Komposita mit Stei als Grundwort. Während bim Drimarchstei ‘ beim Stein, wo drei Gemeindegrenzen (Bürchen, Törbel, Zeneggen) zusammenkommen ’ (Zeneggen) ernst gemeint ist, dürfte Driländerstei ‘ der Dreiländerstein ’ (Eggerberg) humoristisch für einen Stein gemeint sein, bei dem die Grenzen dreier Gemeinden (Baltschieder, Eggerberg und Lalden) sich treffen. Manchmal interpretieren auch die Quellen einen solchen Namen unterschiedlich: 1678 ist in Zwischbergen beÿ den Drÿlochrigen Steinen ‘ bei den dreilöchrigen Steinen ’ belegt, 1713 aber beÿ den Dirlochrigen Steinen ‘ bei den durchlöcherten Steinen ’ - stimmen dürfte der jüngere Beleg, da der gleiche Typ auch sonst vorkommt. Stei kommt als Bestimmungswort zu einer langen Reihe von Grundwörtern vor. Dabei ist zunächst zu sehen das Bauen mit Stein, das sich in den öfters gebrauchten Typen Steigade ‘ Steingaden ’ , Steihitta ‘ Steinhütte ’ , Steihüs ‘ Steinhaus ’ , Steischiir ‘ Scheuer aus Stein ’ und Steistadel ‘ Steinstadel ’ zeigt, aber auch in zum Steinmandli ‘ zum (gemauerten) Steinmann (Wegzeichen) ’ (Fiesch), in der Steihirt ‘ der Steinhirt (Wegzeichen) ’ (Binn, Ernen) oder in der Steifärich ‘ Pferch aus Stein ’ . Aus Stein sind auch t Steibrigga ‘ die Steinbrücke ’ (Lalden, das Diminutiv in Glis) und t Steigassa ‘ die Gasse aus Stein ’ (Lalden, Stalden), Dass Steine in Wiesen oder Äckern herumliegen können, zeigen die Typen Steiacher, Steimatta und (seltener) Steiweidä ‘ Weiden mit Steinen ’ , in allen Fällen kann auch ein Stück Land bei einem Felsstück gemeint sein. Herabfallende Steine bilden Steirischine und Steirufine und wo es viele davon gibt, befinden sich der Steinschlag (rund vierzig Namen) oder der Steibruch ‘ Steinbruch ’ . Dazu kommen Steinegga ‘ die Ecke mit Steinen ’ (Glis, auch Hohtenn und Wiler), Steigrabo ‘ Graben mit Steinen ’ (Staldenried), iner Steihaalte ‘ in der Halde mit Steinen ’ (Münster, auch Gampel und Geschinen), Steilamma ‘ die Schlucht mit Steinen ’ (Naters), t Steilowwi ‘ das Rutschgebiet mit Steinen ’ (Raron), der Steischleif ‘ der Schleif mit Steinen ’ (Selkingen u. öfter), ts Steital (St. Niklaus), resp. ts Steinteli ‘ das kleine Steintal ’ (Saas-Almagell, Ergisch) und ts Steiziggi ‘ der kleine Zug (Schleif) mit Steinen ’ (Eisten). Weitere Grundwörter sind belegt, insgesamt mehrere Dutzend, die hier nicht alle aufgeführt werden können. Komplexere Konstruktionen sind auch hier möglich, wie z. B. in der Milisteigletscher ‘ der Gletscher oberhalb der Alpe Milistei (Mühlstein) ’ (Oberwald) oder t Üsser Steilowwina ‘ das äussere Rutschgebiet mit Steinen ’ (Eisten). Der komplexeste Beleg ist wohl Restilsteinwasserleita ‘ die Wasserleite vom / zum Restilstein ’ (1392, Mund), wobei sich Restilstein wohl auf Resti ‘ Raststelle ’ bezieht, also den Stein bei der Raststelle. 233 234 Stei <?page no="936"?> Zu Stei gibt es zunächst als Ableitung eine Kollektivbildung Gstei ‘ Gestein ’ , häufig mit einer Präposition wie zum oder im Ge-stei(n) (I D . 11, 924 ff.; zum Präfix S ONDER- EGGER 1958, 284 ff.). Das Wort wird einerseits für Steingeröll, anderseits für ein steiniges, felsiges, meist steiles Gebiet verwendet. Als Simplex kommt es rund zwanzig Mal vor. Es kann mit einem attributiven Adjektiv wie aúffem Obren Gesteÿn (1734, Naters), jm Vndren Gstein (1643, Reckingen) oder ts Rotgstei ‘ das rote Gestein ’ (Ferden, Gampel, Visperterminen) erscheinen; solche Konstruktionen sind eher selten. Diminutive zu Gstei sind jm kleinen Gsteinlin (1640, Betten), ts Gsteindli ‘ das kleine Gestein ’ (Naters) und der Plural t Ggsteindlini ‘ die kleinen Gesteine ’ (Simplon). Als Bestimmungswort ist Gstei(n)etwas häufiger: Gsteigassa ‘ die Gasse ins Gestein ’ (Brigerbad), ts Gsteihüs ‘ das Haus auf dem Gestein ’ (Törbel), Gsteikapälli ‘ die kleine Kapelle im Gstein ’ (Mund), Gsteiwald ‘ der Wald beim Gstein ’ (Inden, Varen, Zeneggen) und Gsteiwildi ‘ die Wildi (unfruchtbares Gebiet) beim Gstein ’ (Mund). Eine zweite Kollektivbildung ist Gsteini f. ‘ das steinige Gebiet ’ in Gampel, Steg und Randa (eine nominale - I - Ableitung, bei S ONDEREGGER 1958, 492 auf ahd. -în zurückgeführt), während Gsteini n. vermutlich ein Diminutiv darstellt (S ONDEREGGER 1958, 509); es ist belegt in Ulrichen und historisch in Oberwald 1792. In Obergesteln kommt dieser Typ komplexer vor: im Gsteini am Rotte ‘ im kleinen steinigen Gebiet an der Rhone ’ und am Gsteinibach ‘ am Bach im Gebiet, wo es viele Steine hat ’ . Eine verwandte Ableitung ist ts Steini n. ‘ das Gebiet mit Steinen ’ , das in Fiesch und Niederwald belegt ist. Es handelt sich um eine I -Ableitung, die nicht diminutiv zu sein braucht, aber sein kann. Sie kann mit einem attributiven Adjektiv verwendet werden: in dem Oberen Steini (1718, Niederwald) und jm Obersten Steÿnÿ (1678, Fiesch). Als Grundwort wird Steini sonst nicht verwendet, wohl aber als Bestimmungswort mit den Grundwörtern Bach, Gassa, Joch, Schleif, Schluocht und Wang. Ein Zirkumfix Gsteini n. ‘ das steinige Gebiet ’ ist in Gampel, Obergesteln, Oberwald, Ulrichen, Randa und Steg bezeugt; es kommt in Obergesteln auch als am Gsteinibach und im Gsteini am Rotte ‘ im steinigen Gebiet an der Rhone ’ vor. Eine weitere kollektive Ableitung bilden Steinet n. (Eisten, Grächen) mit der - ET -Ableitung und Gsteinet n. (Eisten, Kippel, Wiler) mit dem Zirkumfix GE - ET (S ONDER- EGGER 1958, 284 ff. und 524). Beide Bildungen sind selten und bedeuten wiederum etwa ‘ das steinige Gebiet ’ . Ebenfalls selten ist die Ableitung Steineri n. mit dem um - I erweiterten - ER -Suffix (S ONDEREGGER 1958, 551), hier wohl wieder als ‘ steiniges Gebiet ’ zu verstehen. Der Name kommt lebend nur in Reckingen und (historisch) in Steinhaus (1707, auf der Steinri) vor. In Reckingen sind auch t Hinner Steineri und t Voder Steineri belegt. Formal kann es sich auch um eine Ableitung vom FaN Steiner handeln, doch ist die Familie in Reckingen nicht belegt. Das nur einmal in einem rätselhaften Text belegte die Stetiner Steinera (1664, Varen) kann ähnlich verstanden werden; ein FaN ist hier kaum gemeint, da Steinera eine Übersetzung von frpr. pierra ‘ Stein ’ ist. Adjektivische Ableitungen zu Stei sind steinern, steinig und steinin. Am häufigsten wird steinig verwendet, zumeist als Attribut mit Grundwörtern wie Bach, Biel, Bodu, Bord, Brigga, Chriz, Chumma, Chännel, Fad, Färich, Grabu, Lamma, Steg, Tisch, Wang und anderen. In Kippel und Ferden kommen auch komplexere Formen wie dr Inder Steinig Grabem oder dr Uister Steinig Grabem vor. Eine Substantivierung findet sich in t Steiniga f. (Bellwald, Fieschertal) und t Steinige f. (Steinhaus) und als ob Steinige (Fieschertal, bezogen auf t Steiniga). Das Adjektiv steinern ist in t Steinernu Stäge ‘ die steinernen Stiegen ’ (Grächen) belegt. Und steinin findet sich dreimal in den Steinninen Fa ᵉ rrich ‘ der steinerne Pferch ’ (1548, Saas-Balen), im Steinino Ferrich ‘ im steinernen Pferch ’ (1718, Baltschieder) und bÿ dem Steininenwang ‘ beim Grasabhang mit Steinen ’ (1576, Zwischbergen). Eine Monophthongierung zu Stenofärich ‘ der Pferch aus Stein ’ (Visperterminen), historisch belegt als Steinin Ferrich (1576) kann als Ergebnis des Brandstätterschen Gesetzes verstanden werden, mit einer Kürzung von Steino zu Steno. Unklar ist schliesslich der Belege zen Herichstene ‘ zu (bei) den Erich-Steinen ’ (1345, Gampel) (cf. HL E RICH ). Steichul Steichul ist in der Steichulbodu (Zwischbergen) belegt. J ORDAN (2006, 292) kennt Schteiçhilbedu, Undrä und Obrä Schteiçhilbodu. Das HL ist so nicht belegt; am ehesten könnte hierzu Stichle n ‘ Pflanzenname, Brennessel, Urtica ’ (I D . 10, 1310) gestellt werden. Laut L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 218) ist U RTICA DIOICA auch alpin belegt. Der Diphthong / ei/ kommt dabei jedoch nicht vor. Eine Deutung ist deswegen nicht möglich. Steifeff Steifeff ist eine unklare Schreibung in einem Dokument von 1718 in Glis sua bona im steif(/ s? )eff(/ ss? ). Im Kontext ist von der Oberen und der Unteren Gliseri (Wasserleiten) die Rede; es könnte sich um eine Verhochdeutschung des Weilernamens im Gstipf handeln (cf. HL G SCHTIPF ). Steichul 235 236 <?page no="937"?> Steigel Steigel m. ist bei W IPF (1910, 86) als Steigoll, meist Pl. Steigla ‘ an der Kellerdecke hängendes Gestell für Brot und Fleisch ’ und bei G RICHTING (1998, 181) als Schteigla f. ‘ Trocknungsgestell (Fleisch) ’ belegt. Als Flurname zählt es I D . (10, 1519) auf, ohne eine Deutung zu geben. Schwdt. Steigle(n) f. kann als Weiterbildung zu schwdt. St ī g, St ī ge(n) f. wie nhd. ‘ Steig, Weg, Pfad ’ , amhd. st ī g(-a/ -e) (I D . 10, 1519) bzw. im Ablaut zum Verb st ī ge (n) ‘ steigen ’ (I D . 10, 1518; Z INSLI 1984, 227, n. 800) gesehen werden. Belegt ist es als Simplex t Steigla (Eisten), wo es eine Leiter an einem Felsen benennt. In Ried-Mörel ist t Steigle (Plural) belegt; hier sind steile Wege mit Felsabsätzen gemeint. In Mund und Naters findet sich t Steiggle (Plural). In Mund ist damit ein steiler Hang im Gredetschtal gemeint, in Naters ein steiler Weg vom Hotel Belalp hinunter zum Aletschi. In Naters ist weiters der Steigelzug belegt, eine steile Hangrinne. In Ausserberg hat FLNK Steigolbodo und Steigolwäg, wohl ein steiler Weg und ein Boden in dessen Nachbarschaft. In St. Niklaus schliesslich findet sich der Steigelwald, ein Wald mit Steighilfen. Man kann also einerseits steile Hänge und Wege, anderseits Steighilfen wie Leitern in diesem Gebiet unterscheiden. Die Trockengestelle gleichen solchen Leitern. Der Wechsel des Genus erklärt sich wohl aus dem a-Plural des Maskulins, der als femininer a-Singular verstanden werden kann. Steiner (FaN) Steiner (FaN) ist der FaN Steiner, Im Stein, Zum Stein, Steyner. Familien dieses Namens sind im Brigerberg und im Zenden Visp seit dem 15. Jh. nachgewiesen und eine seit dem 16. Jh. im Bezirk Leuk bekannt (AWWB 250; J OSSEN 1989, 80 für Mund). Der FaN tritt im Genitiv auf als ts Steinersch Brich ‘ die Brüche der Familie Steiner ’ (Mund), Steinersch Matta ‘ die Wiese der Familie Steiner ’ (1704, Greich), ts Steinersch Weidu ‘ die Weide der Familie Steiner ’ (Hohtenn), Steinaro Hüsren ‘ bei den Häusern der Leute von Stein / der Familie Steiner ’ (1399 u. später, Ried-Brig), jn Steineren Sall ‘ im Sall (saalartiges Gelände) der Familie Steiner ’ (1752, Ried-Mörel). Als Bestimmungswort tritt der FaN in zweigliedrigen Komposita auf: im Steiner Garthie ‘ im kleinen Garten der Familie Steiner ’ (1705, Lalden) und t Steineregga ‘ die Ecke der Familie Steiner ’ (Bellwald). Eine Feminin-Ableitung ist in der Steinerin Acher ‘ der Acker der Frau Steiner ’ (1761, Turtmann) vertreten. Stelli Stelli f. ‘ Ort, wo das Vieh gestellt wird ’ ist zu schwdt. Stelli f. in örtlicher Bed. ‘ zum Stillstehen bringen ’ , ‘ felsige Gegend oder ein Ort an den Bergen, wo man weder vornoch rückwärts kommen kann; unzugänglicher Ort in den Bergen auf einem Rastenplatz, wohin Schafe und Ziegen sich hinziehen und nicht mehr weggehen können ’ , ‘ (unzugänglicher) Absatz, Querband an einem Felsen (wohin sich Ziegen verklettern) ’ ; Stel(l)i f., Pl. -ene n , -ine n ‘ auf Alpen gewisse erhöhte, gegen den Nordwind liegende Plätze, wo selbst in den heissesten Sommertagen ein kühles Windchen bläst ’ , mhd. stel(l)e f. ‘ Stelle, Sitz ’ (I D . 11, 53 ff.). G RICHTING (1998, 181) kennt nur das Verb. Die meisten Belege von Stelli bezeichnen einen Ort, wo das Vieh gestellt wird. Dabei kann es entweder nicht mehr weiterkommen (R ÜBEL 1950, 97 beschreibt das als in d Stelli ga von den Ziegen, die nicht mehr ohne menschliche Hilfe entstellt werden können), oder die Stelli ist ein Ort, wo das Vieh über Mittag lagert. Wenn die Gwpp. sich dazu äussern, wird das gesondert verzeichnet. In wenigen Fällen kann Stelli auch ein Diminutiv zu Stall sein; so hat SK in St. Niklaus Kuhställi notiert, meint aber wohl eine Stelli für Kühe. Ziemlich sicher zu Stall ist in Unterbäch ts Chalberstelli ‘ der kleine Stall für die Kälber ’ und in Visperterminen mit de Stelu ‘ bei den Ställen ’ zu stellen (W IPF 1910, 27 und 69 gibt Stelli als Diminutiv zu Stall; nicht erklärt ist dort die Vereinfachung von / ll/ zu / l/ ). Das HL ist in etwas über 80 Flurnamen vertreten. Das Simplex im Singular ist t Steli ‘ der Ort, wo das Vieh gestellt wird ’ (Saas-Almagell, Saas-Balen, Saas-Fee), t Stelli (Hohtenn, Simplon), die Stelli (1735, Bitsch) und mit Präpositionen aúf der Stellÿ (1819, Niedergesteln), uf der Stelli (Goppisberg), unner der Steli ‘ Weide unter der Steli ’ (Saas Almagell), in dr Stelin (Blatten), vnder der Stelin (1641, Blatten). Das Simplex im Plural ist meistens t Stelline (Binn, Saas-Almagell, St. Niklaus, Täsch, Zermatt (mehrfach)), historisch zen Stellinon (1354 u. später, Staldenried), ts Stellinu ‘ bei den Stellinen ’ (Eisten). Der Plural des Diminutivs ist belegt in t Stellini ‘ die kleinen Stellen ’ (Gampel). Mit attributiven Adjektiven und Partizipien kommt das HL vor allem im Typ t Hostelli ‘ die hohe Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wurde ’ (Raron, Reckingen (mehrfach)) und historisch dy Ho Steelly ‘ die hohe Stelli ’ (1414, Münster) vor. Weiter sind belegt t Chleinu Stelline ‘ die kleinen Stellinen (Orte, wo das Vieh gestellt wird) ’ (Eggerberg), di Graawu Stelline ‘ die grauen Stellinen (Orte, wo das Vieh gestellt wird, nach der Farbe der Felsen) ’ (Zermatt), di Gross Stelli ‘ die grosse Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird; Schafe kommen nicht mehr 237 238 Stelli <?page no="938"?> weg) ’ (Baltschieder), t Heeji Stelli ‘ die hohe Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird, nicht mehr herauskann) ’ (Gampel), t Ober und t Unner Steli ‘ der obere und der untere Teil der Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird) ’ (Saas-Fee), t Ober Stelli ‘ die obere Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird) ’ (Binn), t Schwarz Steli ‘ die schwarze Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird; nach der Farbe der Felsen) ’ (Blatten), t Triefetstelli ‘ die triefende Stelli (Ort, wo die Schafe gestellt werden) ’ (Fieschertal), t Wiiss Stelli ‘ die weisse Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird; Farbe nach Felsen oder Pflanzen? ) ’ (Embd). Bei den zweigliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort fallen die Tiernamen auf: t Chiestelli ‘ der Ort, wo die Kühe gestellt werden ’ (Mund), die Gitzistelle ‘ der Ort, wo die Ziegen gestellt werden ’ (1790, Binn), t Kiesteli ‘ die Kuh-Stelli (Ort, wo die Kühe gestellt werden) ’ (Betten), t Rossstelli ‘ die Stelli (unzugänglicher Ort) für die Pferde ’ (Ulrichen) (laut Gwp Alpweide, aus der die Pferde nicht herauskonnten). Komplexer sind t Foder und t Hinner Bockstelli ‘ der vordere und der hintere Stellplatz für (Gems-)Böcke) ’ (Ulrichen); dass sich die Benennung auf Gemsen bezieht, geht auf Gwp.-Kommentare zurück. Die übrigen Komposita sind selten: t Ielistelli ‘ die Stelle, aus der die Schafe nicht mehr wegkommen ’ (Niedergesteln) im Jolital; t Winterstelline ‘ die schattseitig gelegenen Orte, wo das Vieh gestellt wurde ’ (St. Niklaus) auf ca. 1600 m sind wohl für das Kleinvieh im “ Spätherbst ” (Gwp.) verwendet worden. Komplexere Fälle sind t Honaarbustelli ‘ die Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird) beim hohen Arvenwald ’ (Baltschieder), t Mattufadstelli ‘ der Ort, wo das Vieh beim Grasband der Alpe Matte gestellt wurde ’ (Raron) und t Mittilbärgstelli ‘ der Ort, wo die Schafe auf dem Mittelberg gestellt werden und nicht mehr weiterkönnen ’ (Raron). Als Bestimmungswort verbindet sich das HL zu zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Flüö, Gufer, Hooru, Matta, Pass, Pletscha, Rigg, See, Stei, Tola, Tschugge, Wäg, Wald, Wang und dem komplexen Wasserleita. Komplexer sind ts Inner und ts Üsser Stellihoru ‘ das innere und das äussere Stellihorn ’ (das nach der Alpe Stelli benannt ist) (Oberems, St. Niklaus), der Ober und der Unner Stelligletscher ‘ der obere und der untere Gletscher am Stellihorn ’ (St. Niklaus) und andere. Isoliert ist das einmal belegt ts Gstell ‘ das Gestell (Orte, wo das Vieh gestellt wurde) ’ (Zermatt). Es handelt sich um eine Konstruktion mit / GE -/ , die kollektiven Charakter hat (S ONDEREGGER 1958, 284). Der Ort befindet sich auf rund 2400 m, ist steil und Teil einer Alpe. Stemmel Stemmel kommt nur einmal als Bestimmungswort in t Stemmelegga ‘ die Ecke, die aussieht wie ein Stemmel ’ (Randa) vor. Das I D . (10, 404) kennt Stämmel, -il m. ‘ Meissel (der Steinhauer) ’ . Das Verb stämmu ‘ stemmen, ein Loch ins Holz bohren, aushöhlen ’ ist bei R ÜBEL (1950, 42) für den Stallbau bezeugt. G RICHTING (1998, 181) hat die Formen schtemme, schtemmä (Goms), schtemmu (Mattertal), schtemm (Lötschtal), schtämmu für nhd. ‘ stemmen ’ . Vermutlich ist mit Stemmel ein Werkzeug für das Aushöhlen von Holz gemeint; die geschlossene Qualität von / e/ lässt sich durch eine Hebung vor Nasalkonsonant erklären (vgl. SDS 1, 35 f. und die Bemerkungen in I D . 10, 405). Stengu Stengu m. ist nur in Selkingen als der Stengu und der Ober und der Unter Stengu belegt. 1: 10000 hat Stengul, das zum historisch belegten Stengell (1620 u. später, Selkingen) passt (Selkingen selbst hat die l-Vokalisierung). Die Flur befindet sich auf ca. 1500 m. Der FlN ist zu schwdt. Stängel m. wie nhd. ‘ Stiel, Halm einer Pflanze ’ , von weniger wertvollen Teilen, ‘ Streu, Stroh ’ , amhd. stengil, -el, hier wohl zu ‘ Stiel, Halm einer Pflanze ’ , nach besonders hochstengeligen Pflanzen (wie Bärenklau, Schierling usw.) oder ‘ Spreu, Stroh ’ (I D . 10, 1109 ff.) zu stellen; G RICHTING (1998) kennt es nicht. Sterb Sterb kommt nur vor in an der Alpen Sterb (1634, Goppisberg), ts Gstäärb (Turtmann) und in jm Sterpe jnferiori ‘ im unteren Sterb ’ (1338, Turtmann). Die ältesten Beleg sind in Turtmann erhalten: 13. Jh. Sterpe, 1320 Sterpey, 1325 le Sterper, 1337 jm Sterpe usw. Die Flur in Turtmann befindet sich mitten in der Rottenebene. Dieser Name ist wohl ursprünglich romanisch; B OSSARD / C HAVAN (2006, 134) zählen eine Reihe von Namen wie Eterpas etc. auf, die auf lat. EXSTIRPARE ‘ roden ’ zurückgehen (vgl. FEW 3, 321ss; G PSR 6, 185b s. v. ètè ̩ rpa). ts Gstäärb enthält eine deutsche Kollektivbildung (belegt ab 1704, aber nicht ausschliesslich) und wäre als ‘ die Rodung ’ zu verstehen. Für Goppisberg ist diese Deutung problematisch, aber eine Ableitung vom Verb stërbe n ‘ sterben ’ (I D . 11, 1378 ff.) ist eher unwahrscheinlich; das HL wird deswegen aber unmarkiert aufgeführt. Sternalquer Sternalquer ist nur historisch in Glis (1320, resp. 2. Hälfte des 13. Jh.) belegt. In beiden Fällen wird als Lage der Rohrberg (bei Gamsen) angegeben. Die Lesung ist sicher, die Deutung nicht. Wenn der zweite Teil des Flurnamens als Acher zu lesen ist, wäre das Ganze als Sternacher zu Stemmel 239 240 <?page no="939"?> verstehen. Ob sich hier der FaN Sterren (AWWB 251) verbirgt, ist unklar (cf. HL S TERREN (F A N)). Sterren (FaN) Sterren (FaN) ist zum FaN Sterren, auch Sterrun, Stellae zu stellen, eine alte Familie von St. Niklaus, die seit dem 15. Jh. bekannt ist und sich auch nach Stalden, Visp, Ausserberg, Eischoll und Sitten verbreitete (AWWB 251). Belegt ist der Name als Genitiv Singular in im Sterren Hoff ‘ im Hof der Familie Sterren ’ (1743, Termen) und in ts Stääruhüs ‘ das Haus der Familie Sterren ’ (St. Niklaus), wobei hier wohl das Lexem Stääru ‘ Stern ’ hineinspielt. Ebenfalls hieher gehören t Schtärruachra ‘ die Äcker der Familie Sterren ’ (Eggerberg) und t Schtärrumatta ‘ die Wiese der Familie Sterren ’ (Eggerberg). Einen Genitiv Plural der kollektiven - IG -Ableitung zeigen in Sterigo Haus ‘ im Haus der Familie Sterren ’ (1651, Eischoll) und Sterrigo Wald ‘ der Wald der Familie Sterren ’ (1628, Grächen). Unsicher ist ze dien Sterren Kynnen ‘ bei den starren, unbeweglichen Kinnen (Schluchten) ’ (1300, Zeneggen), wo kaum ein FaN vorliegt, sondern ein Adjektiv ‘ starr, unbeweglich ’ (L EXER 2, 1183; I D . 11, 1197). Die Deutung ist jedoch nicht gut motiviert und deswegen unsicher. Stetina Stetina, auch Stetiner ist historisch 1664 in Varen belegt usque ad rupem uel lapidem magnum dictum pierra Stetina bis zum grossen Stetiner Fels, genannt “ die Stetiner Steinera ” . Zunächst wird der lateinische Text usque ad rupem vel lapidem dictum pierra Stetina übersetzt als bis zum grossen Stetiner Fels und danach kommt der Name die Stetiner Steinera ‘ das Stetiner Gebiet mit Steinen ’ . Der Autor fasst Stetina in pierra Stetina als Adjektiv auf und gibt es in der deutschen Form als Stetiner wieder. Lautlich ist anlautendes / st/ frpr. nicht möglich; es handelt sich also wohl um ein aus dem Deutschen stammendes oder ein latinisiertes Wort, dessen Deutung unklar bleibt. Steymu Steymu ist nur belegt in Steymulowina (1388, Täsch). Das HL lässt sich kaum zu Stei(n) (I D . 11, 754 ff.) stellen, die Belege mit / m/ führt I D . (11, 931) auf Stein-Mûr ‘ Steinmauer ’ zurück. Es handelt sich eher um mhd. steim ‘ Gewühl, Gedränge ’ , ‘ Gewirre, Getümmel ’ (L EXER 2, 1161; G R W B 18, 1965). Im Kontext ist von lat. TORRENTEM ‘ Wildbach ’ die Rede; gemeint ist also ein wilder Lawinenzug, wo alles durcheinander geht. Stich Stich m. ‘ Stich, Anstieg ’ ist zu schwdt. Stich, ‘ steiler Weg, jähe Anhöhe auf einer Strasse oder ein Stück Strasse, das jähe bergan geht ’ , amhd. sti(c)h m. (I D . 10, 1285 ff., spez. 1296 f.; URNB 3, 434) zu stellen G RICHTING (1998, 181) meint etwas Anderes. Stich ist als Simplex zweimal historisch belegt: im Stich ‘ im Stich (Anstieg) ’ (1852, Saas-Almagell) und Stich ‘ der Stich (ansteigendes Stück Land) ’ (1782, Leuk). Der einzige lebende Beleg enthält ein Kompositum Bärestich ‘ der steile Anstieg, wo es Bären hatte ’ (FLNK, Grengiols), wobei Bäre auch nur ‘ sehr steil, wie für Bären ’ heissen kann. Das Partizip Perfekt des Verbs schwdt. stëche(n) (I D . 10, 1217 ff., spez. 1239 f. mit Bed. 5) ‘ stechend … entfernen ’ ) ist in dr Gstochi Hubel (Blatten, Wiler) zweimal im Lötschental belegt und meint hier wohl einfach ‘ der steil ansteigende Hügel ’ . Stichul Stichul ‘ Stickel ’ m. ist nur im Kompositum der Stichulgraad ‘ der Grat mit Stickeln (Felszacken, die Stickeln gleichen) ’ (Zwischbergen) belegt. J ORDAN (2006, 293) kennt ihn als Schtichilgraat und stellt den Namen zu dial. Stichil ‘ Stange ’ . G RICHTING (1998, 181 f.) kennt Schtichl, Schtichäl (Goms), Schtichul (Mattertal), Schtichel (Saastal), Schtichil ‘ Stickel ’ . Das HL ist entsprechend zu schwdt. Stickel, Stiggel, Stichel, Stichil m., f. ‘ zugespitzte Stange, Pfahl; Zaunpfahl ’ , amhd. stickil, -el (I D . 10, 1666ff) zu stellen. Die Endung -ul ist laut R ÜBEL (1950, 7) für Zwischbergen zu erwarten. Stier Stier ist zu schwdt. Stier m. ‘ männliches Rind, Zuchtstier; Ochse ’ , ahd. stior, mhd. stier und wdt. Schtier, Schtiär, Schtiäri ‘ Stier ’ (I D . 11, 1215 ff.; G RICHTING 1998, 182) zu stellen. Zur Stierhaltung vgl. R ÜBEL (1950, 34 f.). Das Simplex ist nur als zum Stier ‘ beim Gelände, das einem Stier gleicht ’ (Eisten) vertreten. In den übrigen Belegen ist das HL Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita. Dabei ist die wörtliche Bedeutung in t Stieralpu ‘ die Alpe für die Stiere ’ (Guttet), ts Stieralpji ‘ die kleine Alpe für die Stiere ’ (Erschmatt), der Stierchromo ‘ der Pferch für die Stiere ’ (Grächen), ts Stiärläger ‘ die Lagerstätte für die Stiere ’ (Blatten) und der Stierberg ‘ der Berg (Alpe) für die Stiere ’ (1694, Turtmann) vertreten. Metaphorisch dagegen ist ein zweites der Stierbärg ‘ der Stierberg (Name eines Gipfels, der einem Stier gleicht) ’ (Oberems) (der Gipfel ist mit 3507 m zu hoch für eine Alpe). Metaphorisch ist Stier wohl auch in den Komposita mit den Grundwörtern Grabu, Müra (hier als Felsband zu verstehen! ), Stutz und Wang. 241 242 Stier <?page no="940"?> Einen Sonderfall bilden inn Stiärachrin ‘ in den Stieräckern ’ (Blatten) und der Stierÿ Aker (1849, Glis). Vermutlich geht es hier um den Ertrag der Äcker, der für den Stierhalter bestimmt ist. Stierli (FaN) Stierli (FaN) ist als FaN nur in Styerlingo Hofe ‘ der Hof der Familie Stierli ’ (1391, Glis) belegt. Die Form Styerlingo ist ein Genitiv Plural einer kollektiven - ING -Ableitung, die zu einem PN Stierli gestellt werden kann. In Glis ist viel später (1849) der Stierÿ Aker belegt ‘ der Acker für den kleinen Stier (unklar, ob der Ertrag des Ackers für den Stierhalter bestimmt war) ’ . Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Belegen besteht, ist unsicher, obwohl sie sich offenbar bei im Gebiet Holz befanden. Der FaN ist als Stier, Stierli und Stierlin im F AMILIENNAMEN- BUCH DER S CHWEIZ (3, 1778 f.) erwähnt, aber nie für das Wallis. Stiggle Stiggle Pl. ist zu schwdt. Stigel m., älter auch f., Stigle n , St ī gle n , Stigele n , St ī gele n , Stiggele n ‘ Stab, oben abgegabelter Pfahl, Zaunpfahl, in dessen Gabel die Querlatten gelegt werden ’ , ‘ Vorrichtung zum Hinübersteigen, Zaunübertritt ’ , ‘ Staffelweg, Treppe ’ , ‘ Leiter ’ , mhd. stigel m. (I D . 10, 1536 ff.). Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL. Es ist nur im Plural als t Stiggle ‘ die Felsabsätze ’ (Fieschertal) belegt. Das HL ist metaphorisch für eine Felsformation zu verstehen. Stigigst Stigigst ‘ der Steilste ’ ist belegt 1782 in Gampel als Stigigst Acher ‘ der steilste Acker ’ . Es handelt sich um einen Superlativ des Adjektivs stîgig ‘ steigend ’ zum Verb schwdt. stîge n ‘ steigen ’ und wdt. schtiige, schtiigä (Goms), schtiign (Lötschtal), schtiiigu ‘ steigen ’ (I D . 10, 1521 ff.; G RICHTING 1998, 182). Stiia Stiia f. ist zu schwdt. St ī je n , -a, f. ‘ Schweinestall, (schlechter) Schweinestall auf der Alp ’ , ‘ viereckiger Verschlag, Bretterverschlag, um etwas aufzubewahren ’ , amhd. st ī ga, -e (I D . 10, 1556 ff.), ‘ Pferch (kleiner), Koben ’ (G RICHTING 1998, 182) zu stellen. R ÜBEL (1950, 114) macht deutlich, dass Stiia und Figler primär den Schweinestall auf der Alp meinen, aber auch für einfache Schweineställe im Dorf verwendet werden. Das HL kommt laut R ÜBEL auch in Kandergrund vor, als Steie laut LUNB (1, 2, 1022) in Escholzmatt. Im Oberwallis ist es vierzehn Mal belegt, meistens im Goms, sonst nur vereinzelt, im Bezirk Leuk gar nicht. Das ist erstaunlich, führt R ÜBEL (1950, 114) für das Goms doch den Typ Figler auf! Es scheint, dass der Ortsname den Bezug zum Schweinestall im Goms verloren hat und deswegen noch Verwendung findet. Am häufigsten ist das HL bezeugt in Blitzingen, wo es Stije (LT) oder Stija (FLNK) gibt, dann t Ober Stiia, t Kummliger Stiia ‘ die pferchartige Weide auf der Alpe Chummulti (kleine Mulde) ’ und ts Chlii Stiiuti ‘ der kleine Vieh-Stall (Gebiet ist abgeschlossen wie eine Stiija (Schweinekoben)) ’ . ze Stiie ‘ bei den Stiije (Schweinekoben) ’ (Grengiols) mit dem zugehörigen der Stiewald ‘ der Wald bei der Stia (Schweinekoben) ’ und ze Stiie ‘ bei den Stiije (Schweinekoben) ’ (Obergesteln) sind Simplizia mit einer Präposition. In Mühlebach findet sich t Ritzestie ‘ die Stiia (Schweinekoben) bei den Ritzen (Felsbändern) ’ . In den übrigen Fällen ist Stiija Bestimmungswort zu den folgenden Grundwörtern: Bodu, Boge, Brunnu und Grabu. Komplexer ist der Hostiiugrabo ‘ der Graben bei der hohen Stiia (Schweinekoben) ’ (Baltschieder). Die Belege sind isoliert; es gibt keine Simplizia hierzu. Stiichu Stiichu ‘ stinken ’ ist zum schwdt. Verb stinke n , st ī che n ‘ übel riechen ’ , wdt. schtiiche, schtiichä (Goms), schtiichn (Lötschtal), schtiichu ‘ stinken ’ (I D . 11, 1129 ff.; G RICHTING 1998, 182) zu stellen. Die Formen mit - CH - und langem - Ī entsprechen dem Staubschen Gesetz vor Velaren. Belegt ist das Verb nur in der Form des Partizip Präsens stichund oder stinkend als Attribut in folgenden Belegen: Stiichund Grabu ‘ der stinkende Graben ’ (FLNK, Oberems), ts Schtiichund Seewji ‘ der kleine, stinkende See ’ (Gampel), lat.: vicum male olentem ‘ die stinkende Gasse ’ (wohl Latein, um das negativ wirkende stiichu zu vermeiden) (1765, Ausserberg), das Stinkende Loch (1483, Ausserberg) und beÿ der Stinckenden Milli ‘ bei der stinkenden Mühle ’ (1778, Raron), ohne Nennung der Ursache. Stiige Stiige ‘ Steige ’ ist zu schwdt. St ī g, St ī ge n f. wie nhd. ‘ Steig, Weg, Pfad ’ , amhd. st ī g(-a/ -e) (I D . 10, 1519 ff.) zu stellen; G RICHTING (1998, 182) kennt nur das Verb. Das Lemma ist vor allem in den Bezirken Goms und Östlich-Raron belegt. Historische Belege weisen manchmal ein hdt. Steig / Steige auf; im Fall von zer Stügmatten (1540, Mund) liegt eine hyperkorrekte Form mit / ü/ vor das Lexem wird aber nie gerundet. Die Ablautform ts Steigu Loch (St. Niklaus) ist zu Steig (I D . 10, 1508) zu stellen; inhaltlich ist kein Unterschied zu Stiige erkennbar. URNB (3, 436 ff.) gibt die Deutung ‘ Steigung im Gelände, ansteigende (Weg-)Stelle ’ nach I D ., die auch für das Oberwallis gilt. Belegt sind etwa 30 Namen. Stierli (FaN) 243 244 <?page no="941"?> Das Simplex im Singular kommt als Stiige (Gluringen, Reckingen, Münster, Mund) und als Stiiga (Bister, Bitsch, Eischoll) vor, manchmal mit Präpositionen. Diminutive im Plural sind Stigini (Fieschertal) und Stiggini (Bellwald). Mit attributiven Adjektiven findet sich t Hinner Stiige ‘ die hintere Steige, ansteigende Wiesen hinter dem Dorf ’ (Gluringen). Ein alter Genitiv Plural ist belegt in aúff der Gluriger Stigen ‘ auf der Steige von Gluringen ’ (1744, Gluringen). Die meisten Belege enthalten Stiige als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita. Grundwörter sind Acher, Bild, Bodu, Egg(a), Grabu, Loch, Matta, Stafel, Tiri, Ture und Wasser (Wasserleite). Einen Sonderfall bildet der Klettersteig Aletsch (LT, FLNK hat Chlättersteig Aletsch) (Naters), eine neuere Einrichtung zum Klettern in der Massaschlucht. Stiil Stiil m. ‘ Stiel ’ kommt in FlN im Oberwallis nur in der Zusammensetzung Pfannestil, mhd. phannestil m. vor. Der Name des länglichen Gegenstandes wurde auf längliche Grundstücke und Höhenzüge übertragen (I D . 11, 242 f.; LUNB 1,2,752). Belegt sind dr Pfannustiil ‘ der Pfannenstiel (langgezogenes Stück Land) ’ (Kippel), der Pfannustill ‘ der Pfannenstiel (langgezogenes Stück Land) ’ (Ried-Brig) und ts Pfannustillgräbji ‘ der kleine Graben durch den Pfannenstiel ’ (Ried-Brig). Stiinu (PN) Stiinu (PN) ist nur in ts Stiinuloch (Naters), ein Gebiet unterhalb des Weilers Ahorn, belegt. Es handelt sich wohl um den PN Stîna ‘ Christine ’ oder ähnlich (I D . 11, 941 f.), also ‘ das Loch der Stina ’ . Still Still ‘ still ’ ist ein Adjektiv, das zu schwdt. stil(l) ‘ still ’ , eig. ‘ bewegungslos, ohne (starke) Bewegung ’ , von Flüssigkeiten, Gewässern ‘ unbewegt, ruhig ’ , von der Luft ‘ kein Wind ’ , ‘ laut-, geräuschlos ’ , ‘ züchtig, modestus, placidus ’ , amhd. stilli, -e, in FlN meist i. S. v. windstill und wdt. schtill ‘ still, ruhig ’ (I D . 11, 249 ff.; G RICHTING 1998, 182) zu stellen ist. Es kommt vor in Still=Etmet (1851, Ernen) und ts Still Äbmet ‘ das windstille ebene Land ’ (Mühlebach), sowie der Still Gale ‘ der windstille Grashang ’ (Ulrichen) und der Stillgalewäg ‘ der Weg zum Stillgalen (windstiller Grashang im Lengtal) ’ (Ulrichen). Stiller (FaN) Stiller (FaN) ist nur einmal 1713 in Glis in des Stillers Gúot ‘ das Gut der Familie Stiller ’ belegt. Es handelt sich um einen FaN oder einen Übernamen Stiller. Laut dem F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1779) ist Stiller als FaN erst im 20. Jahrhundert für eingebürgerte Familien bezeugt; der FaN ist sonst nicht belegt. Stimm Stimm ist nur als zum Stimmhitti ‘ bei der kleinen (Alp-) Hütte (über die abgestimmt wurde) ’ (Staldenried) belegt. Nach der Beschreibung gab es hier eine Abstimmung zum Bau einer Sennhütte, die positiv ausging. Das HL wäre zu schwdt. stimme(n) eig. ‘ sprechen, aussagen ’ , hier ‘ bei einer Abstimmung mitwirken, seine Stimme abgeben ’ (I D . 11, 416 ff.) zu stellen. Auf der LT ist an der betreffenden Stelle jedoch keine Hütte (mehr) erkennbar. Stirna Stirna f. ist zu schwdt. Stirn, Stirne n f., Pl. unverändert ‘ Stirn ’ , spätahd. stirna, mhd. stirne (I D . 11, 1540 ff.) zu stellen (G RICHTING 1998 kennt es nicht), in FlN Übertragung des Gesichtsteils auf eine oben liegende, glatte und steile Geländepartie (URNB 3, 239 f.). Das Simplex ist als t Stirna (EK, Eggerberg), iner Stirne (Gluringen, FLNK Stirne), t Stirne (Ulrichen) und historisch hyperkorrekt als in der Stürnen ‘ im Gebiet, das wie eine Stirn aussieht ’ (1824, Bellwald) belegt. Mit attributiven Adjektiven erscheinen t Foder und t Inner Stirna ‘ das vordere und das innere Gebiet, das wie eine Stirn aussieht ’ (Raron). Als Diminutiv im Plural ist belegt t Stirnini ‘ die kleinen Gebiet, die wie eine Stirn aussehen ’ (Naters). Der Typ der Stirnig ‘ das Gebiet, das wie eine Stirn aussieht ’ (Fiesch, Lax), der Stirnig (1531, Ernen), am Stirnig (1582, Fieschertal), komplexer der Stirnigwäg ‘ der Weg vom / zum Stirnig (Gebiet, das aussieht wie eine Stirn) ’ (Fiesch) ist ein Kollektiv auf - IG < ahd. - ING (S ONDEREGGER 1958, 506 f.). Stock Stock m. ‘ Stock ’ ist ein mehrdeutiges HL, das zu schwdt. Stock m., Pl. in der älteren Sprache und in Bed. Stockwerk unverändert, sonst mit Umlaut, Dim. Stöckli, Stockji ‘ Baumstamm, Baumstrunk, Wurzelstock ’ ; ‘ Holzblock, Klotz, Pfahl ’ , ‘ kegelförmiger Berg ’ , ‘ aufgeschichteter Haufe ’ , amhd. stoc(h) (I D 10, 1674 ff.) bzw. schwdt. stocke(n), Part. II -et ‘ einen Baumstrunk mit einer Axt bis auf die Wurzeln stückweise spalten; nach dem Holzfällen von den Wurzelstöcken das Holz mit Keil und Axt spalten; die Wurzelstöcke gefällter Bäume ausgraben ’ , mhd. stocken (I D 10, 1773 ff.) und wdt. Schtokk, Pl. Schtekk ‘ Baumstrunk, Etage, Familie (erbberechtigte), Warenstapel, Gebilde (kegelförmiges) ’ (G RICHTING 1998, 182) zu stellen ist. Als Rodungsname bezeichnet Stock die Rodungsart des Ausstockens der Baumstrünke und des Wurzelwerks, wobei beim Niederbrennen des Walds 245 246 Stock <?page no="942"?> die Baumstümpfe zunächst noch im Boden bleiben (TGNB 2, 2, 573). Für den Kanton Uri unterscheidet URNB (3, 440) drei Bedeutungsvarianten, wovon die erste als Bezeichnung einer stumpfkegeligen Gebirgsform besonders prominent ist. In unserem Kontext gilt das im Wesentlichen für die Grenzgipfel zum Kanton Uri und zu Bern (Gadmental); im Oberwallis selbst wird Hooru ‘ Horn ’ verwendet. Stock als ‘ Wohnbau ’ ist im Oberwallis kaum vertreten (V. S CHMID 2003 kennt das HL in diesem Sinn nicht), obwohl einzelne Belege so zu verstehen sind (z. B. zum Briggerstock ‘ zum Wohnhaus der Familie Brigger ’ (Staldenried) ’ . Der Plural mit Umlaut und anschliessender Entrundung Steck ‘ die Stöcke ’ kann manchmal mit dem HL S TÄCKE ‘ Stecken ’ verwechselt werden. In vielen Fällen ist es nicht möglich, Stock einer der aufgeführten Bedeutungen zuzuweisen. Vermutlich dürften aber die Rodung ursprünglich bestockter Flächen und die Felsformation die wichtigsten Elemente sein. Das Simplex im Singular ist als der Stock (Ausserbinn und neun weitere Gemeinden), im Stock (Binn), uf dem Stock (Zermatt) und historisch als der Stock (1650 (ca.), Ried-Brig), im Stock (1593, Blitzingen; 1733 u. später, Eischoll) und anderen Präpositionen (vier Gemeinden) belegt. Nur einmal kommt ts Stock (Fieschertal) vor, wobei unklar ist, ob hier eine Präposition ‘ beim Stock ’ oder ein Kollektivum ‘ das Stock ’ gemeint ist, das eine Alp beim Stockji meint. Das Simplex im Plural ist umgelautet Steck und belegt als t Steck (Glis, Kippel) und Steck (FLNK, Münster), flektiert als bine Stecke ‘ bei den Stöcken ’ (Ritzingen). Die unumgelautete, schwache Form ist t Stocka (Martisberg), Stocke (FLNK, Zermatt) und Stocke (Ulrichen, wo FLNK Stock und SK Stockje hat). Historisch hat Mund 1542 die Stoka, das sowohl Singular wie Plural sein kann - ein femininer Singular fehlt aber sonst. t Stockna (Ernen) und t Stockena (Blitzingen) zeigen eine erweiterte Form, die auch als Ableitung interpretiert werden kann. Das Diminutiv im Singular ist ts Stocki (Geschinen und drei weitere Gemeinden, drei jeweils doppelt), ts Stockji (Baltschieder und zwei weitere Gemeinden), ts Stockje (Zermatt) und historisch im Stockÿ (1765 u. später, Obergesteln) und im Stockiÿ (1825, St. Niklaus). Hier treten SK und LT öfters mit anderen Schreibungen auf. Der Plural des Diminutivs ist als t Stockini (Birgisch (dreimal) und drei weitere Gemeinden), t Stockjini (Eisten und vier weitere Gemeinden), t Stockine (Saas-Almagell) und den historischen Belegen in den Stockinen (1688, Bürchen; 1745, Niederwald), in die Stockini (1774 (? ), Eggerberg), und zen Stocklinen / zen Stockjinen (1809 u. 1852, Staldenried) belegt. Ein eigentliches Namennest findet sich etwa in Steg, wo neben Stock (Alpe, bestocktes Gebiet) auch Stockalpji, Stockblattu, Stockfäricha, Stockgalerii, Stockgrabu, Stockläger, Stockleiber und Stockstäge belegt ist, alle unterhalb oder oberhalb der Alpe Stock. Mit attributiven Adjektiven kommt das HL als Grundwort wie folgt vor: der (e)Rot Stock ‘ der rote Stock ’ (Gampel), ts (e)Rot Stockji ‘ der kleine rote Stock (LT Rots Stockji (Gipfelname), FLNK Rot Stockji) ’ (Baltschieder), der Breit Stock ‘ das breite Gebiet mit Baumstöcken ’ (Binn), Kleinstockji ‘ der kleine Stock ’ (1833, Eisten, Grächen; beide ohne Kontext, unklar), bim Eintu Stock ‘ beim einzelnen (Baum-)Stock ’ (Embd), Gries Stockji ‘ der kleine, grüne Felssstock ’ (LT, FLNK, Mund), au ᵕ ff den Grosen Stock ’ auf den grossen Stock ’ (1668, Reckingen), der Gross Stock ‘ der grosse Stock (Lärchenstock) ’ (Grengiols), Hochstock (1684, Ried-Mörel; historisch auch Bitsch), Hohstock (SK, Fieschertal) und der Hostock (Bitsch, Naters) - entweder ein ‘ hoher Felsstock ’ oder ein ‘ hochgelegenes, bestocktes Gebiet ’ , der Milt Stock ‘ der milde Stock (Felsstock? ) ’ (1550, Obergesteln), zum Nideru Stockji ‘ beim niederen (unteren) kleinen Stock (Scheidchromu: wo die Schafe geschieden (auf die Besitzer aufgeteilt) werden) ’ (Eisten), im Nÿwen Stock ‘ im neuen Stock (Haus; die Quelle sagt: im Nÿwen Stock oder Huss) ’ (1587, Agarn), der Ober und der Unner Stock ‘ der obere und der untere Felsstock ’ (Münster) (und weitere vergleichbare Beispiele, hier nicht aufgeführt), ts Ober und ts Unner Stockji ‘ der obere und der untere Teil der Alpe Stockji (kleiner Stock) ’ (Visperterminen) (und weitere), in der úntern Stocken ‘ in der unteren Stocken(alp) ’ (1829, Bitsch), jm Vssren Stock ‘ im äusseren Stock ’ (1696 u. später, St. Niklaus), Rotstock ‘ der Rotstock (Gipfelname) ’ (Naters), im Rotu Stock ‘ im roten (Fels-)Stock ’ (St. Niklaus), der Teiffestock ‘ der tiefe Stock (LT Tiefentock, Gipfelname, Grenzgipfel zum Kanton Uri) ’ (Oberwald), im … Weissen Stock ‘ der weisse Stock (wohl Felsstock? ) ’ (? , Stalden). Vorangestellte Genitive zum HL sind selten: ts Schmittsch Stockji ‘ der kleine Stock (Felsblock) des Schmiedes / der Familie Schmid ’ (Naters) und Walchero Stockini ‘ die kleinen Stöcke (bestockte Stücke Land) der Familie Walker ’ (1790, Bitsch). Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind Gipfelnamen wie in der Dammastock ‘ der Dammastock (Gipfelname, Grenze zu Uri, laut URNB 3, 453 zum Gebiet Damma) ’ (Oberwald), der Eggstock ‘ der Stock (Gipfel), der eine Ecke hat ’ (Oberwald), der Galestock ‘ der Galenstock (Gipfelname an der Grenze zu Uri; URNB 3, 460 f., benannt nach dem darunter Gebiet Galen) ’ (Oberwald), der Geschenerstock ‘ der Felsstock (Gipfel) bei Geschinen (FLNK u. LT Geschinerstock) ’ (Geschinen), Stock 247 248 <?page no="943"?> Geschinerstock ‘ der Geschinerstock (Gipfelname, LT u. FLNK Geschinerstock, auch Geschenerstock) ’ (Ulrichen), Limistock ‘ der Limistock (Gipfelname, Grenzgipfel zwischen Bern und Wallis, BENB 1, 3, 107) ’ (Oberwald), der Nufenestock ‘ der Nufenenstock (Gipfelname, Grenze zum Kanton Tessin) ’ (Ulrichen), der Rhonestock ‘ der Rhonestock (Gipfelname, Grenze zu Uri) ’ (Oberwald), der Schneestock ‘ der Schneestock (Gipfelname, Grenze zu Uri, URNB 3, 496) ’ (Oberwald), der Tällistock ‘ der Tällistock (LT Tällistock, Gipfelname, westlich Rhonegletscher, benannt wohl nach Tiertälli ‘ das kleine Tal mit Gemsen ’ ) ’ (Oberwald), der Tällistock ‘ der Tällistock (LT Tällistock, südlich Furka, beim Tälli (kleines Tal)) ’ (Oberwald), der Trubilstock ‘ der Trubelstock (Gipfelname; LT Trubelstock; SK Trubelnstock) ’ (Varen, zu Truble < rom. TURBULU ‘ Lärm ’ ), Üelistock ‘ der Üelistock (Gipfelname, nach der Gemeinde Ulrichen benannt) ’ (Obergesteln), der Üelistock ‘ der Üelistock (Gipfelname, benannt nach der Gemeinde Ulrichen) ’ (Ulrichen) (identischer Gipfel in den beiden Gemeinden). Mit Baumnamen erscheinen: Arbstock (lat.: de pini trunco ‘ vom Tannenstock ’ ) ‘ der Arvenstock ’ (1525, Simplon), ein Massholderstock ‘ der Ahornstock (lat.: arbusculum carpineum ‘ das Hagebuchbäumchen ’ ) ’ (1592, Leuk, Kopialbuch), ein Massholterstock ‘ der Ahornstock (lat.: arbusculum carpineum ‘ das Hagenbuchbäumchen) ’ (1592, Salgesch, wohl Original), wobei die Hagebuche (C ARPINUS BETULUS ) im Oberwallis nicht vorkommt (L AU- BER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 212 s. v. C ARPINUS BETULUS ). Ein Pflanzenname ist in der Dischtelstock ‘ der Felsstock bei den Distelsetz (Felsabsätze mit Disteln) ’ (Fieschertal) vertreten, doch bezieht sich hier der Name wie in anderen Fällen eher auf eine nahegelegene Flur. Dazu gehören auch etwa der Hirelistock ‘ der Felsstock beim Hireli (kleines Horn) ’ (Ulrichen), der Jodrustock ‘ der (Baum-)Stock des Joder / beim Joderloch ’ (Eischoll) oberhalb des Jodruloch, inn (e)Reschistecken ‘ in den Baumstöcken bei der Reschti (Raststelle) ’ (Blatten) und andere. Sonderfälle sind einerseits der Judestock ‘ der Dorfteil der Juden ’ (Biel), wo wahrscheinlich die Wohnstätte von Juden (aber das ist unklar) gemeint ist, und zum Bildstockji ‘ zum kleinen Bildstock ’ (Glis), wo laut Gwp. eine Heiligenstatue in einem Felsen gemeint ist; normalerweise sind solche Orte nach dem jeweiligen Heiligenbild benannt. Komplexer sind etwa der Schemattestock ‘ der (Fels-)Stock oberhalb der schönen Wiese ’ (Münster; 1879, Ulrichen als Schönmattstock), der auch Mosmattestock ‘ der (Fels-)Stock oberhalb der Wiese im Moos (sumpfiges Gelände) ’ (Münster) heisst, der Chietalstock ‘ der Felsstock oberhalb der Alp Chietal (Kühtal) ’ (Münster), Kriegalpstock ‘ der Stock (Gipfel) oberhalb der Chriegalpe ’ (SK, Binn) und andere. Einen Sonderfall bietet das 1456 in Zermatt belegte zen Maroler Stek. Es ist vermutlich durch eine falsche Abtrennung (Maroler zu am Aroler) aus ‘ bei den Stegen von Aroleid ’ entstanden (vgl. der Aroleitstäg). Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Alpa, Blatta, Bodu, Bord, Brunnu, Chnubel, Chäla, Egg(a), Färich, Flesch, Flüö, Galerii, Gassa, Gletscher, Grabu, Hitta, Hooru, Läger, Lamma, Löüb, Loch, Mad, Matta, Müra, Pletscha, Schleif, Schluocht, Schniida, Stafel, Stäga, Wäg, Wald, Wang, Wanna, Wasser, Weid und Zü auf. Bachtela und Wasserleita sind komplexere Bildungen. Dazu kommen weitere komplexe Konstruktionen wie ts Ober Stockwaldläger ‘ die obere Lagerstelle für das Vieh im Stockwald (Wald mit Baumstöcken) ’ (Niedergesteln), im Undru Stockwaldläger ‘ in der unteren Lagerstelle für das Vieh im Stockwald (Wald mit Baumstöcken) ’ (Niedergesteln), dr Stockbletschuschleif ‘ der Schleif bei der Stockbletschu (ebene, bestockte Fläche, so nicht belegt in Kippel) ’ (Kippel) und andere mehr. Eine Ableitung Stockeri ‘ die Wasserleitung zum Stock (Gebäude) ’ (FLNK, Naters) enthält das Suffix - ERI , das für Wasserleitungen verwendet wird. Ob die Ableitungen Steckilgraben (1761) und das verhochdeutschte Stöckelgraben (1757, beide Simplon) zum HL S TOCK zu stellen sind (wie I D . 10, 1782 nahelegt), ist unklar. Eine kollektive Ableitung ts Gstock ‘ das Felsengebiet ’ (Obergesteln) und dessen Diminutiv ts Gstocki ‘ das kleine Gebiet mit Baumstöcken ’ (Obergesteln) ist in I D . (10, 1773) notiert, gilt aber als unsicher. In Obergesteln wird das Kollektiv sowohl für eine Felsenformation wie für ein Gebiet mit Baumstämmen verwendet. Stockalper (FaN) Stockalper (FaN) bezieht sich auf den FaN Stockalper, von Stockalper, bekannte Familie von Brig, die mit der Geschichte des Wallis seit dem 16. Jh. eng verbunden ist. Sie soll nach der Überlieferung aus Mailand stammen und hiess früher Olteri, auch de Olteri, nahm aber im 14. Jh. nach ihrem Wohnort in der Stockalpe im Gantertal (Bezirk Brig) den Namen Stockalper an (AWWB 251 f.). Bekanntester Vertreter der Familie ist Kaspar Stockalper (1609 - 1691), der u. a. das Stockalperschloss in Brig erbaute. Der FaN kommt als Bestimmungswort (Stockalper) oder im vorangestellten Genitiv (Sg. Stockalpers oder Pl. Stockalpero) in sieben Belegen vor. Grundwörter sind Bord, Egg(a), Matta, Schloss, Teil, Ture und Wäg. Der Stockalperweg ist Teil des Ecomuseums Simplon (www. ecomuseum.ch); er folgt der Strassenführung aus der Zeit von Kaspar Stockalper. 249 250 Stockalper (FaN) <?page no="944"?> Stoeli (FaN) Stoeli (FaN) ‘ Stäli ’ ist nur einmal belegt in Sto e lis Eggen (1634). Es handelt sich um den FaN Stäli, Stälin, Stäle, Stelis, Stelli, Steliz, Stella, Stöli, eine seit dem 14. Jh. bekannte Familie von Reckingen, wo sie im 18. Jh. erlosch (AWWB 249). Der Vokal in Sto e lis ist eine hyperkorrekte Form zum vermeintlich entrundetem *Stäli, *Steli; das / s/ am Wortende ist Genitiv Singular für die Besitzer- oder Nutzerangabe: ‘ die Ecke der Familie Stäli ’ . Stoffel (FaN) Stoffel (FaN) ist wohl meistens der FaN Stoffel, der Name einer seit dem 16. Jh. bekannten Familie von Visperterminen (AWWB 252). Es kann sich auch um den PN Stoffel (I D . 10, 1455) zum PN Christoffel handeln; hierzu könnten auch die Formen mit Stuffel gestellt werden. Als vorangestellte Genitive Singular sind belegt: Stoffels Ferrich ‘ der Pferch der Familie Stoffel ’ (1672 u. später, Törbel), Stoffols Ferrich ‘ der Pferch der Familie Stoffel ’ (1672, Embd) beide Belege für den gleichen Namen - und Stoffolsch Alpji ‘ die kleine (Vor-)Alpe der Familie Stoffel ’ (Visperterminen). Als Bestimmungswort in Komposita ist Stoffel wie folgt belegt: Stoffelloch ‘ das Loch der Familie Stoffel / des Stoffel ’ (Inden), sowie Stufel=Weid (1596, Ulrichen) und Stúffelweit (1712, Oberwald); beide meinen ‘ die Weide des Stoffel / der Familie Stoffel ’ . Eine Ableitung, wohl ursprünglich romanischer Art, bietet jm Stoffeling (1703, Leuk), das vermutlich einen Diminutiv enthält ‘ im Gebiet des kleinen Stoffel ’ (wobei PN oder FaN gemeint sein kann). Stollu Stollu m. ‘ Stollen ’ ist zu schwdt. Stol(l)e n , Stoll m. ‘ Stütze, Unterlage, Fuss, Träger, Pfosten ’ , ‘ (waagrecht sich hinziehender unterirdischer) Gang im Bergwerk; Dammdurchlauf eines Teichs ’ , als Geländebezeichnung ‘ (Fels-) Kuppe, schmaler, hoher Fels; kleiner Bergabhang, Steigung des Weges ’ , ahd. stollo, mhd. stolle und wdt. Schtolle, Schtollä (Goms), Schtolla (Mattertal), Schtolln (Lötschental), Schtollu ‘ Stollen ’ (I D . 11, 276 ff.; G RICHTING 1998, 183) zu stellen. Als Simplex im Singular ist der Stollu ‘ der Stollen ’ (Ried-Mörel) ein Ausfluss eines Wasserstollens vom Gebiet des Aletschgletschers her. Das Simplex im Plural ist als t Stolle ‘ die Stollen (abschüssige Felsen) ’ (Mund) belegt. Ein Diminutiv im Plural ist t Stolljini ‘ die kleinen Stollen (vier Bergstollen eines früheren Erzbergwerks) ’ (Grengiols). Als Grundwort ist das HL in Sphinxstolle ‘ der Stollen zum Sphinx-Observatorium auf dem Jungfraujoch ’ ((FLNK, Fieschertal; LT Sphinxstollen) belegt. Komplexer ist Triftbalmustollu ‘ der Stollen (wohl Felsen) bei der Triftbalma ’ (Törbel). Der Name der nahegelegenen Flur ist allerdings di Trischtbalma ‘ der überhängende Fels, der als Heuschober gebraucht wird ’ (Törbel); offenbar liegt eine Verwechslung bei den Gwpp. vor. Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit Fad, Grabu, Rigg, Wald und Zug. In allen Fällen sind Felsformationen gemeint. Stoltz Stoltz, m. ist nur einmal in Brig als Name eines früheren Hauses belegt als der Stoltz (1624, Brig). Es handelt sich um einen Hausnamen, der wohl auf Stolz I oder II (I D . 11, 379 f.) zurückzuführen ist; es tritt dort u. a. als Name eines Zuchtstieres auf. Hier wird es als Hausname verwendet, also etwas, worauf der Erbauer stolz ist. Stöpfer (FaN) Stöpfer (FaN) ist in t Stepfermatta ‘ die Wiese der Familie Stöpfer / Stepfer ’ (Naters) belegt. Der Flurname ist zum FaN Stöpfer oder Stepfer zu stellen, laut AWWB (250) unter verschiedenen Formen in Naters und Mund seit dem 15. Jahrhundert belegt. Heute lebendig als Stöpfer oder Imstepf. Stopfete Stopfete ist zu schwdt. stopfe n ‘ stechen, stechend stossen; einen Fusstritt versetzen; stampfen, stampfend, schwerfällig, langsam gehen ’ (I D . 11, 1168 ff.), hier zur Bezeichnung eines Orts, wo man zu schwerfälligem, langsamem Gehen gezwungen wird. Die Deutung ist also ‘ der Ort, wo man langsam gehen muss ’ . Das bei I D . belegte Stopfete (11, 1172 ‘ Flickarbeit an Strümpfen ’ ) ist nicht gemeint. Das HL kommt in t Stopfete, Pl. (Reckingen) vor. In Saas-Almagell erscheint t Stopfete ohne Hinweis auf den Numerus. In Saas-Fee kommt t Stopflete vor, ebenfalls ohne Hinweis auf den Numerus. Die Bildung ist wohl eine Ableitung auf - ETE < ÔTI (S ONDEREGGER 1958, 524). Storten Storten ‘ Baumstrünke ’ kommt nur in gegen die Storten (undatiert, Saas-Fee) vor; der Beleg beschreibt eine Grenze für die Rinder. Es ist zu wdt. Storte n m., Dim. Stortji ‘ Strunk, Stengel, gröberer Pflanzenteil ’ , Dim. ‘ Rundholz aus Tannen- oder Buchenstämmen ’ (I D . 11, 1548) zu stellen. Die genaue Deutung lässt sich aus dem Einzelbeleg nicht entnehmen. Stoss Stoss m. ist zu schwdt. St ō ss m., ‘ Stoss; Windstoss, Aufstoss einer Quelle; Streit, Rechtshandel; strittiges Objekt Stoeli (FaN) 251 252 <?page no="945"?> als Grundstück, March; Erdrutsch, Flussgeschiebe, Eisbruch; Neuwuchs an Gras, Kraut, Busch; schräg angelegte Uferverbauung; ungefähre Masseinheit zur Schätzung des Weideertrags; Recht auf die Einheit des Alpanteils ’ , amhd. st ō ss und wdt. Schtooss, Pl. Schteess ‘ Stoss, Pflanzenspross ’ (I D . 11, 1578 ff.; G RICHTING 1998, 183) zu stellen. Die Belege weisen unterschiedliche Deutungen auf. Ein vorangestellter Genitiv ist in Bullerro Stoss ‘ die Uferverbauung der Familie Buller (eher Bieler) ’ (1474, Visp) enthalten; die Deutung ‘ Uferverbauung ’ ist durch Barrerias ‘ Wehrbauten ’ im Text gesichert. Die übrigen Belege enthalten das HL als Bestimmungswort. am Stosbiel (1656, Ried-Brig) ist bei Andenbielen ‘ an den Hügeln ’ lokalisiert; eine genauere Deutung ist unsicher. Stosbode (LT, Simplon) und die zugehörigen der Ober und der Unner Stossbodu ‘ der obere und der untere Stossboden ’ (beide Simplon) sind nach Gwp. zum Verb <bstossu> ‘ die Alpe besetzen ’ zu stellen; J ORDAN (2006, 102) kennt Schtoossbedu als Plural und nennt dann du Undru und du Obru Schtoosbodu als Teile der Gegend. Generell ist wohl das HL hier als Alpstoss ‘ Bestossen einer Alpe mit Vieh ’ (I D . 11, 1589 f.) zu verstehen. der Stoswald (Oberems) befindet sich am unteren Ende von Oberems; die Deutung von Stoss ist unklar. ts Stosweidji ‘ die kleine Weide beim Stoss ’ (Grächen) ist ebenfalls unklar. In Wiler befinden sich der Ober und der Under Stoswääg ‘ der obere und der untere Stossweg ’ , in Erschmatt kennt FLNK Erschtä Stosswäg und Zweitä Stosswäg. An beiden Orten befinden sich die Wege in einem Wald; ein Simplex Stoss fehlt, sodass auch hier unklar bleibt, was gemeint ist. Als Diminutiv findet man in Oberems 1696 auff den Stossÿnen ‘ auf den kleinen Stössen ’ mit unklarer Deutung. Eine feminine I -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 495) mit Entrundung ist in zur Stessi (1759, Leuk) zu finden; es handelt sich um Reben. E GLI (1982, 37 f. und 330) kennt stossen und Stoss aus dem Weinbau und führt es auf frz. pousser ‘ stossen ’ im Sinn von ‘ wachsen ’ zurück. Es geht hier also um einen Weinberg mit Neuwuchs. Stotzund Stotzund (auch Stotzend / Stotzed) ist formal ein Partizip Präsens zu schwdt. stotze(n) ‘ aufrecht stehen, steil gegen etwas liegen, aufrecht lehnen; stehen, stecken bleiben, anhalten ’ (I D . 11, 1867 ff.), bei G RICHTING (1998, 183) als wdt. schtozzig, schtozzet, schtoozänd, schtozzund ‘ steil ’ verzeichnet. Es wird wie ein attributives Adjektiv verwendet. Nur zweimal tritt es substantiviert als Stotzunda n. ‘ das steile Gebiet ’ (Baltschieder, Termen) auf. Nur einmal ist die Adjektivform vertreten: ts Stotzig Mutthore ‘ das steile Mutthorn ’ (Oberwald) auf; es ist ein Gipfel der Mutthörner an der Grenze zu Uri. Die übrigen Namen weisen unflektierte und flektierte Formen auf und sind zu Grundwörtern wie Acher, Arb, Bord, Brand, Cheer, Chrüterra, Egg(a), Läger, Matta, Rüüs, Schleif, Schnitta, Treija, Wäg, Wald, Wang und Weid hinzugefügt. Komplexere Bildungen sind ts Stotzund Bopmungässi ‘ die steile kleine Gasse vom / zum Boden ’ (Hohtenn) und im Stozenden Weingarten ‘ im steilen Weingarten ’ (1735, Visperterminen). Stöüb Stöüb ‘ Staub ’ ist zu schwdt. Staub, Stoub, Stöüb, Stoib, Staib, St ō b, St ǖ b m. wesentlich wie hd. ‘ Staub ’ , amhd stoub (I D . 10, 1066 ff.) zu stellen. Lautlich bietet das Lexem einige Probleme, da das starke Verb stiebe n , auch stübe n ‘ stauben machen ’ zum gleichen Stamm gehört. Weiter entspricht die wdt. Form Stöüb, Stoib ‘ Staub ’ (G RICHTING 1998, 183) der Palatalisierung von / ou/ zu / öü/ oder / oi/ . Die umgelautete Form wird im Wdt. entrundet zu Steib. URNB (3, 351 ff.) sieht als Grundlage das Verb stäube ‘ als Staub, staubähnlich aufsteigen, niederfallen, herumwirbeln ’ (I D . 10,1073 ff.). In unseren Belegen kommt als Simplex in der Stiben (1844, Bellwald) vor. Eine - I -Ableitung ist t Stöibi in Reckingen mit der adjektivischen Bildung in der hindren Staúbÿ (1622, Reckingen); hieher gehört auch t Stöibihaalte ‘ die Halde bei der Stöibi ’ . In Bellwald sind ts Steibechriz ‘ das Kreuz beim Steibeläger ’ und ts Steibeläger ‘ die Lagerstätten des Viehs auf der Alpe Steibe ’ belegt, beide wohl zum oben erwähnten Simplex in der Stiben. Historisch ist der Stiebacher (1853, Fieschertal) belegt; lebend t Stöübegga (Steinhaus). Auf der Grundlage der Angaben kann im Einzelfall nicht gesagt werden, warum von Stöüb die Rede ist; es kann sich um einen sandigen, staubigen Boden, um Schneestaub oder Wasserstaub handeln. Straal Straal m. ist zu schwdt. Str ā l, -e(n) ‘ Pfeil, Blitz(schlag), Bannstrahl, Lichtstrahl ’ hier meist ‘ Bergkristall ’ und wdt. Schtraala, Schtraalä (Goms), Schtraalu m. ‘ Bergkristall, Mineral, Ziege ’ (I D . 11, 2198 ff., bes. 2208; G RICHTING 1998, 183) oder zum Verb schwdt. str ā le(n) ‘ blitzen ’ (I D . 11, 2211 f.) zu stellen. Die Walliser Formen beziehen sich auf die zweisilbige Grundform. Z INSLI (1984, 585 s. v. Str ā l) erwähnt nur ‘ Bergkristall ’ (was nicht zu allen aufgeführten Belegen passt). Das Simplex im Singular t Straala ‘ die Strahle (Dorfteil von Ernen) ’ ist feminin. An ‘ Bergkristall ’ kann hier nur metaphorisch gedacht werden. 253 254 Straal <?page no="946"?> Als Simplex im Plural ist t Schtraale ‘ die Felsen mit Bergkristallen ’ (Mund, 2424 m) belegt; der historische Beleg von 1735 in den Stralinen liegt vermultich nicht dort. Der historische Beleg aúff Strahlen (1760 u. später, Naters) ist heute als Straalini (FLNK, Naters) belegt und meint ein Gebiet im Weiler Moos, das entweder Bergkristalle enthielt oder einfach hell war. Das Diminutiv im Singular ist ts Straali (Ausserberg, FLNK Straali), ts Straali (Brigerbad) und Straali (FLNK, Eggerberg). Während die ersten zwei sich an einem Ort mit einem Quarz-Felsband (wo es Bergkristalle haben kann) befinden, ist letzteres vermutlich ein heller Acker. Der Plural des Diminutivs ist in t Straalini (Eggerberg) belegt, deutlich vom Straali entfernt, wohl in der Bedeutung Quarzband im Fels. Als Grundwort kommt das HL nie vor. Als Bestimmungswort ist es in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern belegt: Bett, Chnubel, Flüö, Gassa, Graat, Grabu, Grüeba, Gufer, Hooru (mehrfach), Loch, Rufina, Schluocht, Stei, Tschugge, Ture, Wäg, Wald, Wang und Zug. Es gibt mehrere Gipfel mit dem Namen Strahlhoru (Zermatt / Saas-Almagell; Baltschieder; Niedergesteln / Steg). Komplexer sind: die Grosse Stralflúo ‘ die grosse Fluh mit Bergkristallen ’ (1774 (? ), Eggerberg), ts Hinner und ts Vooder Straalbett ‘ das hintere und das vordere Quarzvorkommen ’ (Randa), t Innru und t Obru Straalweng ‘ die inneren und die Oberen Grasabhänge beim Strahlhoru (Gipfelname, LT Strahlhorn 3200 m) ’ (Baltschieder), Obri Strahlweng ‘ die oberen Grasabhänge beim Strahlhorn (Gipfelname) ’ (EK, Eggerberg), Straallochgrabu ‘ der Graben mit einem Loch mit Bergkristallen ’ (FLNK, Naters), Strahlgrätpass ‘ der Pass bei den Strahlgräten (Gräte mit Bergkristallen? ) ’ (Binn). Im Gebiet mit / l/ -Vokalisierung (unteres Goms) kann Straal als auch Strau-, resp. Straau auftreten. Eine Ableitung auf - ERI (S ONDEREGGER 1958, 551) ist in t Straaleri ‘ der Weidhang mit strahlendem Gestein (? ) ’ (Reckingen) belegt. Unklar ist t Straalegi ‘ der Ort, wo man strahlen (Bergkristalle gewinnen) kann ’ (Kippel), das wohl eine nominale Form einer adjektischen Bildung auf - IG (S ONDEREGGER 1958, 487) darstellt. Straas Straas f. ist zu schwdt. Str ā ss, ō f. ‘ Strasse ’ und wdt. Schtraass ‘ Strasse ’ (I D . 11, 2335 ff.; G RICHTING 1998, 183) zu stellen. Einige Namen beziehen sich auf alte Strassen, wie sie z. B. S TEBLER (1901) für Visperterminen beschreibt: befestigte Wege, auf denen sich Pferde, Maultiere und Fussgänger bewegten. Die wichtigste dieser Strassen ist lateinisch als via oder strata regia benannt, auf deutsch Landstraass oder Herstrass. Heute sind Strassennamen in den Siedlungen Standard; davon sind in der Datenbank des VSNB nur sehr wenige notiert (z. B. t Schüelhüsstraass ‘ die Schulhausstrasse ’ (Raron)). Das Simplex ist im Singular als t Straas ‘ die Strasse ’ (Grengiols) belegt; daneben sind ob der Straass ‘ oberhalb der (Furka-)Strasse ’ (FLNK, Geschinen; Ritzingen; Selkingen), unner der Strass (Täsch, Dorfteil) bezeugt; ob an der Strassa (1374, Obergesteln) einen PN oder FaN enthält, ist unklar. Der Plural des Simplex ist belegt in zwischund du Straasse ‘ zwischen den Strassen ’ (Agarn). Mit attributiven Adjektiven kommt das Simplex wie folgt vor: t Alt Straass ‘ die alte Strasse ’ (Ried-Brig, Stalden, Visperterminen), t Alti Strass ‘ die alte Strasse ’ (Leuk), mit der Altu Straass ‘ bei der alten Strasse ’ (Niedergesteln). Genitive im Singular sind in Napoleons Strasse ‘ die Strasse, die in Glis von den Ingenieuren Napoleons gebaut wurde ’ (1849, Glis) und St. Barbarae Strass ‘ die Strasse nach St. Barbara (Weiler von Leuk) ’ (1794, Leuk) belegt. Ob in t Poolustrass ‘ die Strasse, die von Polen (internierten polnischen Soldaten) erbaut wurde ’ (Glis) noch ein schwacher Genitiv Plural gesehen wird, ist unklar. Ein alter Genitiv Plural auf - ER ist in di Zäntgermanerstraass ‘ die Strasse nach St. German ’ (Raron) enthalten, eigentlich ‘ die Strasse der Leute von St. German ’ (St. German ist heute ein Weiler von Raron). Als Grundwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita vor allem mit Zielorten vor: t Alpstrass ‘ die Strasse von Rosswald auf die Alpe (wohl Stafel) ’ (Termen), t Eiestraas ‘ die Strasse zu den Auen (am Rotten) ’ (Münster), Fabrikstraass ‘ die Strasse zur Dynamitfabrik am Eingang des Nanztales ’ (Glis), di Gaarstraass ‘ die Strasse zum Bahnhof Turtmann (Gaar) ’ (Turtmann) und viele andere mehr. Mehrfach belegt, aber nur historisch, ist die Landstrass (1790, Glis), an der Landstras (1741, Geschinen), ob der Landstrass (1719, Ritzingen), vnder der Landstrass (1628, Fiesch; 1580, Ritzingen). Erweitert ist dieser Typ zu bei der Gmeinen Landstras ‘ bei der Landstrasse, die allen gemeinsam gehört ’ (1673, Brigerbad). Zweimal ist Heerstrass (FLNK, Bister) und t Herstrass (Grengiols) erwähnt; es handelt sich wohl um eine Übersetzung von via regia, die hier vor der Verlegung der Landstrasse auf die nördliche Seite des Deischberges durchführte. Einen Sonderfall stellen die beiden Belege die Raubstrass (1771, Eischoll; 1714, Lalden) dar; zu vermuten ist, dass Raub (cf. HL R AUB ) hier den Ernteertrag, wohl die Heuernte, meint. Komplexere Konstruktionen enthalten entweder ein attributives Adjektiv wie in t Alt Bärgstrass ‘ die alte Strasse auf den Berg (Grächen) hinauf ’ (Grächen), t Alti Straas 255 256 <?page no="947"?> Landstrass ‘ die alte Landstrasse ’ (Niedergesteln; 1927, Eischoll), von der Alten Landstrass ‘ von der alten Landstrasse ’ (1874, Steg), t Alt Reemmerstrass ‘ die alte Römerstrasse (Spuren eines früheren Weges) ’ (Zwischbergen; FLNK Alt Römerstrass; J ORDAN (2006, 523) nennt zwei Belege für Aaltä Reemärwäg) und andere mehr, oder ein mehrgliedriges Bestimmungswort wie in di Baanhofstrass ‘ die Strasse entlang des Rottens beim Bahnhof Leuk ’ (Leuk), die Banneÿenstras ‘ die Strasse von / zur Aue im Gebiet Bann ’ (1663, Baltschieder), di Pfarriigartustraas ‘ die Strasse zum / beim Pfarreigarten (Strassenname in Visp) ’ (Visp), Rappetaustrass ‘ die Strasse in das Rappental ’ (FLNK, Ernen) und andere mehr. Attributive Adjektive zu komplexen Formen sind t Obri und t Undri Bahnhofstrass ‘ das Gebiet der oberen und der unteren Bahnhofstrasse ’ (FLNK, Visp), vnder der Neüwen Landstrass ‘ unter der neuen Landstrasse ’ (1684, Agarn) und andere. Als Grundwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit Grund und Matta vor. Sträba Sträba f. ist nur in Bellwald als t Sträba, historisch auch die ober Streba (1529) und in úndren Streben (1824) belegt. Es handelt sich laut Beschreibung um einen leichten Hang auf ca. 1490 m. Der Name ist zu schwdt. Strëbe n f. (I D . 11, 1928) zu stellen, wo auf das gleichbedeutende An-Strëb (I D . 11, 1926) verwiesen wird. Im Kontext des Flurnamens dürfte die Deutung ‘ Böschung ’ am ehesten zutreffen. G RICHTING (1998, 183) kennt Schträba (mit Varianten) als ‘ Strebe, Stütze ’ , doch passt diese Deutung nicht zum Flurnamen, der sonst nicht belegt ist. Straffel Straffel m. ist nicht eindeutig. Schwdt. Straffel m. ‘ Tritt, Stufe, Sprosse einer Stiege, Leiter ’ , ‘ herausragender, starrer Teil an Bäumen, an spitzen Gegenständen ’ , ‘ Spitze des Stocks ’ (I D . 11, 2122) oder wdt. Straffel m., Dim. Straffolti ‘ Heuschrecke ’ (I D . 11, 2122; G RICHTING 1998, 183) sind belegt. Ob die beiden Bedeutungen zusammenhängen, wie I D . vermutet, ist unklar. Das Simplex zum Straful (Randa) wird von Gwp. durch die Bemerkung “ viele Heuschrecken ” interpretiert. Nur historisch belegt ist Straffle (1390, Termen). Die übrigen Belege enthalten Straffel als Bestimmungswort. Straffelland (nur historisch Fiesch, Mühlebach, aber vermutlich der gleiche Ort) wird ebenfalls mit Heuschrecken in Verbindung gebracht; könnte aber auch gestuftes Land sein. Straffulgraad (Simplon) ist allein belegt, aber J ORDAN (2006, 37) kennt Schtraff u lgraat und Schtraff u lsee, sowie S. 77 Schtraff u legga; er führt mindestens den ersten auf Scntraff u l ‘ Heuschrecke ’ zurück. Ob diese Deutung stimmt, ist unklar. Straffolhorli und Straffolsee (beide Visperterminen) bilden ein Namennest; vermutlich war eine Alpe Straffel namengebend, doch ist sie nicht belegt. Straffilhubil (Erschmatt) ist ein Hügel, der nicht bewässert werden kann und wo es viele “ Heuschrecken ” hat. Stragil Stragil ist zweimal als Bestimmungswort belegt: der Stragilbodo und der Stragilwang (beide Raron). Das Verb stragel n II ‘ vor Kälte starren, erstarren ’ wird von S TALDER 2 (hg. 1994 von N. B IGLER , 599) erwähnt. Ob dieses Verb in den beiden Namen in Raron enthalten ist, bleibt unklar, ist aber naheliegend: ein steiler Anstieg, der einen starr macht. Es handelt sich um einen Grasabhang und einen Boden auf dem steilen Weg oberhalb des Ritzubodu. Sträichle Sträichle ist lebend als t Sträichle ‘ der Ort, wo man sich abarbeiten muss ’ (Mund, FLNK Sträichla, ebenfalls LT) belegt. Historisch ist 1801 in der Straúchen, 1837 in den Straichlen notiert. Es handelt sich um ein Nomen mit femininem Genus. Die Form legt eine n-Ersatzdehnung vor Velar (Staubsches Gesetz) nahe. Dazu passt der historische Beleg von 1801; der Umlaut zu / äi/ würde dann bei einer Ableitung auf - ILA (S ONDEREGGER 1958, 517 ff.) auftreten. Die nächstliegende Form im I D . ist stranggle n ‘ mühsame Arbeit verrichten, sich abarbeiten ’ (I D . 11, 2309), das bei B RATSCHI / T RÜB (1991, 293) als ‘ an den Händen hängend mit den Beinen zappelnd ’ für das Diemtigtal belegt ist. Wenn die Ableitung stimmt, würde in Mund ein Stück Wiese gemeint sein, für das man sich abarbeiten musste. Dazu passt die Beschreibung “ Weide, Felsen, steil ” . Dennoch bleibt die Deutung unsicher, weil der Flurname sonst nicht auftritt. Stram Stram m. ist nur belegt in aus der Strammitschjen Wasserleiten (1765, Betten). Es handelt sich um eine Wasserleitung, die aus dem Bättmerbach Richtung Hegi führte. Bei Strammitschjen handelt es sich um ein Adjektiv, das am ehesten zu strâmecht, strâmocht(ig) (I D . 11, 2247) zu stellen ist, das seinerseits zu schwdt. Str ā m, ō m., Pl. -en ‘ Streifen; Wasserlauf, Strömung, insbes. Arm eines Flusses, schiffbarer Wasserweg; Lichtstreifen, Strahl; Strahl einer Flüssigkeit ’ , mhd. str ā m, str ā men (I D . 11, 2242) gehört. Es würde sich also um die striemenförmige Wasserleitung handeln. Der Anklang an Mittel in strammitschjen lässt allerdings auch an den lebenden Namen zum Mittel (Betten) denken, der eine Wasserverteilung am Bättmerbach bezeichnet. 257 258 Stram <?page no="948"?> Straschugo Pizzo Straschugo ‘ die Spitze Straschugo ’ (Zwischbergen; LT und FLNK Pizzo Straciugo) ist zum it. Grenzgipfel Pizzo Straciugo zu stellen, den auch J ORDAN (2006, 383) als Schtradschugo kennt. Der Gipfel ist wohl nach der Alpe Straciugo benannt. Auf LT findet sich auch der Passo Straciugo. O LIVIERI (1965) kennt den Namen nicht; J ORDAN (2006, 384) vermutet einen Zusammenhang zu it. straccio ‘ Lappen, Lumpen ’ (D EVOTO / O LI 2020, 2208) oder stracciare ‘ zerreissen ’ (D EVOTO / O LI 2020, 2207) was beides jedoch nicht zur Form des Namens Straciugo passt. Eine Deutung ist nicht möglich. Stratz Stratz ist nur belegt in Stratz Stadel (1519, Törbel). Die Schreibweise passt nicht zu Straas ‘ Strasse ’ . Vermutlich liegt eher eine Übernahme aus it. STRACCIO ‘ Lappen ’ vor (vgl. I D . 11, 2464; D EVOTO / O LI 2020, 2208) vor, das sonst eher als Strätsch erscheint (I D . 11, 2416; G RICHTING 1998, 184). Im Zusammenhang wohl ‘ der kleine, unansehnliche Stadel ’ . Strauch Strauch m. ist nur 1862 in Glis als Lerchstrauchwald ‘ der Wald mit Lärchen und Sträuchern ’ belegt. Laut Dokument handelt es sich um eine Alpe. Strauch ist zu schwdt. Str ū ch IV ‘ Strauch ’ zu stellen, das als nicht volkstümlich bezeichnet wird (I D . 11, 2047). Es handelt sich hier vermutlich nicht um niedere Lärchen, die Strauch-Charakter aufweisen, sondern um einen Mischwald aus Lärchen und Sträuchern. Üblicherweise sind sonst nur Erlen gemeint, die niedrig bleiben und Strauch-Charakter haben. Strebell Strebell m./ n. ist nur historisch belegt: jm Strebell (1735, Greich) und als Diminutiv am Strebilti (1530, Ernen). Zwar kennt I D . (11, 1927) Strëbel mit verschiedenen Deutungen, führt aber den Flurnamen Strëbel als Kurzform zu Chatzen-Strëbel (I D . 11, 1928) an, ohne wirklich überzeugende Deutung (und nur für die östliche Schweiz). APNB (S ONDEREGGER 2013, 2.3, 1896 s. v. Strebel) Strebel als ‘ Grundstück, um das gestritten wurde ’ (mit Bezug auf I D . 11, 1927). URNB (3, 529) verweist unter Sträplig auf schwdt. Sträb ‘ (Ufer)Böschung ’ (I D . 11, 1925), das aber hier kaum zutrifft. Bei G RICHTING (1998) fehlt das HL ganz. Stres Stres ist nur 1743 in Bratsch als vnder der Stres Briggen belegt. Das HL S TRES ist unklar; es könnte sich am ehesten um eine Brücke handeln, die östlich des Dorfes Bratsch über den Bach Tschingil führt und früher den Weg nach Gampel kennzeichnete. Stres wäre dann wohl zu schwdt. Str ā ß ‘ Strasse ’ und wdt. Schtraass ‘ Strasse ’ (I D . 11, 235 ff.: G RICHTING 1998, 183) zu stellen. Der Umlaut zu / e/ ist jedoch nur beim Diminutiv zu erkennen, sodass die Deutung unsicher ist. Stretzsch Stretzsch ist als jm Stretzsch (1824, Bellwald) und im Stretsch (1693, Bratsch) belegt. Ersters bezeichnet einen Acker, das zweite ein Stück Wiese. Der nächstliegende Eintrag in I D . (11, 2416) ist Strätsch, das auch bei G RICH- TING (1998, 184) für ‘ Lumpen, Kleid (schäbiges), Mensch (schäbig gekleideter) ’ belegt ist; I D . nimmt it. straccio ‘ Lumpen, Lappen, Fetzen, Riss ’ als Ausgangspunkt an (D EVOTO / O LI 2020, 2208). RN (2, 502) kennt Strätsch ‘ Lappen, Lumpen ’ für Klosters und Safien. Gemeint ist wohl ein kleines Stück Land. Strewwi Strewwi f. ‘ Streue ’ ist zu schwdt. Streu(w), Streu(w)i f. ‘ Streue im Stall, als Lager für das Vieh; Halmgewächse (Getreidestroh, Gras, Heu, Emd Riedgras, Laub, Nadeln, Chris von Tannen) ’ , übertragen ‘ Ort, wo die Streu wächst, gewonnen wird ’ , mhd. ströu(we) und wdt. Schtrewwi f. ‘ Streu ’ (I D . 11, 2441 ff.; G RICHTING 1998, 184) zu stellen. Das HL ist nur belegt in t Strewwilecher ‘ die Löcher, wo die Streue gewonnen oder aufbewahrt wurde ’ (Simplon; bei J ORDAN (2006, 151) als Schtrewwilechär mit gleicher Interpretation). Strich Strich m. ist zu schwdt. Strich m. hier ‘ in einzelne Streifen gezettetes Bergheu ’ , übertragen auf Geländeteile ‘ langgestrecktes Grundstück; Landstrich, Gegend ’ (I D . 11, 2026 ff.; Z INSLI 1946, 339 ‘ Rasenband ’ ). G RICHTING (1998, 184, s. v. Schtrich) kennt nur ‘ Strich, Teil des Kuheuters, Prostitutionstätigkeit ’ . Das HL ist in rund hundert Namen vertreten. Dabei ist das Simplex im Singular, als der Strich, auch am, im oder ufem Strich rund dreissig Mal belegt. Das Simplex im Plural tritt als di Stricha (12 Belege), t Strichä (Bister), t Striche (3 Belege), t Strichen (Ferden) und in den Strichen (3 Belege) auf. Diminutive im Singular sind Strichgi (1699, Randa und Täsch), ts Strichji (Brigerbad), im Plural t Strichini (Bitsch), jn den Strichinu (1735, Raron), t Strichjini (Feschel, Mund), jnn denn Strichlinenn (1618 u. später, Guttet), inn Strichni (Ferden). Mit einer Präposition ist Unner dum Strich (Leuk) bezeugt. Attributive Adjekte zum HL sind: im Grossen Strich (16 (2)1, Bratsch), (lat.) longus Strich ‘ der lange Strich ’ (1389, Staldenried), im Obren Strich (16(2)1, Bratsch), im Blawen Straschugo 259 260 <?page no="949"?> Strich ‘ im blauen Strich ’ (1776, Guttet) (sofern nicht verschrieben für Clawen), der Rotstrich ‘ das rote langgezogene Stück Land ’ (Simplon), im Schmalen Strichgi (1689, Staldenried), im Schmalen Strichÿ (1745, Eischoll), in den Undren Strÿchen (1751, Eischoll). Unklar ist der Beleg in dem Vorstrich (1713, Simplon), wo die Lesung unsicher ist. Mit einem vorangestellten Besitzernamen sind belegt: ÿm Glawenstrich ‘ im langgezogenen Stück Land der Familie Clavien ’ (1815, Guttet) und Riederstrich ‘ das langgezogene Stück Land der Leute vom Ried / der Familie Rieder ’ (1391, Simplon). Das HL kommt als Grundwort in zweigliedrigen Komposita mit einer Reihe von Bestimmungswörtern vor, die im Allgemeinen eine nahegelegene Flur oder einen Weiler bezeichnen. Dazu gehören etwa t Loiwistricha ‘ die langgezogenen Stücke Land beim Weiler Loibinun (Rutschgebiet) ’ (Blatten), t Netzstricha ‘ die langgezogenen Stücke Land beim Netz (nasse Stelle) ’ (Kippel) und andere. Komplexer sind etwa t Altmattustricha ‘ die langgestreckten Grundstücke bei den alten Wiesen ’ (Wiler) und t Obrunmattustricha ‘ die langgezogenen Grundstücke bei der oberen Wiese ’ (Wiler). Ausnahmen sind der Oggsestrich ‘ das langgezogene Stück Land für den Ochsen ’ (Bister, Grengiols) - an zwei Orten belegt, aber die gleiche Flur bezeichnend. Hierher zu stellen ist das komplexere t Oggsestrichtosse ‘ die Felsen beim Oggsestrich ’ (Grengiols). Weiter Geissstrich ‘ das langgezogene Stück Land für die Ziegen ’ (FLNK, Saas-Grund). Pflanzennamen finden sich in t Holderstricha ‘ die langgezogenen Stücke Land mit Holundersträuchern ’ (Blatten) und Trooselstrich ‘ das langgezogene Stück Land bei ze Droosslä (beim Erlengebüsch) ’ (FLNK, Blatten), wobei hier eine nahegelegene Flur namengebend ist. Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Egg(a), Matta, Schiir, Wäg. Wald und Wasser. Komplexer sind dr Inner und dr Uister Strichbopem ‘ der innere (taleinwärts liegende) und der äussere (talauswärts liegende) Teil des Bodens beim langgezogenen Stück Land ’ (Blatten). Vereinzelt kann an Stelle von Strich auch Strick verstanden werden (cf. HL S TRICK ). Strick Strick m. ist zu schwdt. Strick m. ‘ Strick ’ zu stellen, wobei das Lemma als Appellativ im Wallis wohl nur für die Holzkonstruktion (Bedeutung 3; vgl. auch V. S CHMID 2003, 193) verwendet wird; in FlN wird es besonders für ‘ Pfad, Weg ’ , amhd. stric (I D . 11, 2180 ff., bes. 2186) gebraucht. Nach LUNB (1, 2, 1047 s. v. Strick) bezeichnet Strick in Flurnamen ‘ (steile) Stelle mit einem Weg, langer, schmaler Geländestreifen ’ ; letztere Bedeutung steht auch in den Oberwalliser Namen im Vordergrund. Bei einigen Namen deutet die Gwp. Strick als ‘ Seil ’ , obwohl sich sonst in der einschlägigen Literatur kein Beleg dafür finden lässt. Dass Strick in schriftlichen Texten für Strich steht, kann wohl nicht ausgeschlossen werden; die Bedeutung ‘ lange, schmale Geländeform ’ kann für beide Lemmata gelten. Strick ist als Simplex im Singular in Blitzingen, Embd, Ergisch, Grächen, Mund, Randa und Visperterminen belegt, teilweise mit Präpositionen wie am, zum Strick. Seltsam ist t Strigga f. ‘ der grosse Strick? ’ (Eischoll), das sich in I D . (11, 2192) belegt findet, sonst aber wohl fehlt. Auch der Plural des Simplex ist belegt in jn dyen Strycken (1344, Mörel), t Stricke (Saas-Almagell) und Ze Stricku (Törbel). Mit einem attributiven Adjektiv ist der Lenge Strik (1309, Visperterminen) dokumentiert. Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita erscheint Strick zusammen mit Acher, Flüö, Steg, Wang und Weid. Der Beleg die Strigheiser ‘ die Strick-Häuser ’ (1732, Eischoll) gehört vermutlich auch hieher; es könnte sein, dass hier die Holzkonstruktion gemeint ist. Eine feminine Ableitung auf - I (vermutlich als Kollektiv) ist belegt in in der Riedo Stricki ‘ in den Stricken (lange, schmale Geländeformen) des Riedo / beim Ried ’ (1683, Niedergesteln). Striibe Striibe m. ist nur in der Striibe (Bellwald, FLNK Striibe) belegt. Ein Beleg von 1731 hat im Strÿben, von 1842 in der Striben. Die beiden Belege unterscheiden sich im Genus. Es dürfte sich um eine zunächst umgelautete und dann entrundete Nominalisierung zum Adjektiv str ū b (I D . 11, 1931 ff.) handeln, wohl in Bedeutung 1a ζ ) ‘ vom Erdboden ’ , hier zu verstehen als ‘ das wilde Stück Land ’ ; G RICHTING (1998, 184) kennt das Adjektiv als schtrüb, schtruib (Lötschental), schtrüüb ‘ struppig, kränklich, mühsam ’ . Der Grund für den Wechsel des Genus liegt wohl in der unklaren Form. Strimach Strimach m./ n. ist nur als Strimach (Hohtenn) lebend belegt. Die Angaben der Gwpp. sind unterschiedlich. Einer bezieht sich auf <blindstrich> und meint damit Blindschleichen; der andere stellt es zu <ä strimu> ‘ ein Streifen herunter ’ . I D . (11,2257 s. v. strîmacht(ig) betrachtet es als Ableitung zu schwdt. Str ī m m., Pl. -e(n) ‘ Streifen; Sonnenstrahl; Strich, Linie, Struktur; schmales (Teil-) Stück ’ , ahd. str ī mo, mhd. str ī m(e) (I D . 11,2251 ff.). Der Flurname ist dann eine Substantivierung zu einem Adjektiv ‘ strahlend, streifig ’ mit der unklaren Bedeutung 261 262 Strimach <?page no="950"?> von ‘ das strahlende Gebiet ’ . Ob hier Blindschleichen oder die auf der Karte erkennbare Wasserleitung gemeint ist, bleibt unsicher. Strit Strit ist zu schwdt. Str ī t, Strit m. ‘ Streit ’ , amhd. str ī t (I D . 11, 2387 ff.) zu stellen, in rechtlicher Bedeutung ‘ Rechtshandel, Prozess ’ . Bei (Grenz-)Streitigkeiten blieb Strit oft als Name am konkreten Streitobjekt haften (LUNB 1, 2, 1048 f.). G RICHTING (1998, 184) kennt zwar mehrere Ableitungen, nicht aber das Simplex Schtritt ‘ Streit ’ . Das HL kommt in der endungslosen Form nur als Bestimmungswort vor: die Strimathen ‘ die Wiese, um die es einen Streit gab ’ (1572), wohl mit einer Assimilation des auslautenden / t/ an das folgende / m/ und die Streittwasserleiten ‘ die Wasserleitung, um die es einen Streit gab ’ (1705, Gluringen). Eine Ableitung Stritti (unklar, welches Genus) gibt es in der Stritibiel ‘ der Hügel in umstrittenem Gebiet? ’ (Reckingen). Eine Ableitung Stritta f. ist im Singular für Ferden, im Plural t Strittä für Gampel belegt. Beide Namen bezeichnen das gleiche Gebiet, das nach der Sage zwischen den beiden Gemeinden umstritten war. Darüber liegt ein Grat mit dem Namen der Strittugraad (Gampel), resp. dr Strittungraad (Ferden). der Striitutrog ‘ die trogförmige Mulde auf der Strittä ’ ist nur für Gampel belegt. Eine Adjektivableitung liegt vor in die Strittigen Ku ᵕ mmen ‘ die steile, schwer bearbeitbare Chumme (Mulde) ’ . Wie I D . (11, 2408, s. v. strittig, Bed. 2a) angibt, kann das Adjektiv auch ‘ steil, schwer bearbeitbar ’ bedeuten. Strow Strow n. ‘ Stroh ’ ist zu schwdt. Strau(w), -ou(w), wdt. Ströüw(w) Ge-strau(w), -ou(w) n. ‘ Stroh ’ , amhd. str ō (I D . 11, 2419 ff.; G RICHTING 1998, 184 s. v. Schtroww, Schtröww (Goms), Schtroiw (Lötschtal), Schtroi (Leuker Berge), Schtröüw ‘ Stroh ’ ) zu stellen. Belegt ist es in Raron als t Schtrowachra ‘ die Äcker mit Stroh ’ und historisch in Eischoll (1699 im Strauwacher; 1818 in den Strohackren ‘ in den Äckern mit Stroh ’ ). Stroh wurde als Streue für das Vieh verwendet (R ÜBEL 1950, 53). Strubel Strubel ist einerseits nur in Leukerbad für die beiden Berge der Grossstrubil ‘ der Gross-Strubel ’ und der Wildstrubil ‘ der Wildstrubel ’ belegt; dazu kommen Strubelegga (LT; FLNK Strubileggu) beim Gross-Strubel und der Wildstrubilgletscher (Leukerbad, LT Wildstrubelgletscher). Der Bergname Strubel ist hier laut T AGMANN (1946, 3 f.) zum Bachnamen ž e ̩ tró ̩ ble zu deuten, den er auf *stroble zurückführt, das seinerseits auf lat. TURBULU ‘ eau troublé [getrübtes Wasser] ’ zurückgehen könnte. H UB- SCHMIED (1938b, 88) denkt eher an schwdt. Strubel ‘ wirres Grasbüschel ’ und wdt. Schtrubl, Schtrubäl (Goms), Schtrubul (Zermatt), Schtrubel (Saastal), Schtrubil ‘ Haarschopf (struppiger) ’ (I D . 11, 1949 ff.; G RICHTING 1998, 184), das seinerseits für der Strubilwald (Leuk) angenommen werden kann; dieser Wald befindet sich auf der anderen Talseite beim Illgraben. Dass dem Vorkommen in Leukerbad eher ein frpr., als ein schwdt. HL entspricht, kann auf Grund der Geschichte angenommen werden. Hingegen geht der Wald auf der Seite des Illgrabens möglicherweise eher ein schwdt. HL zurück. Das HL wird deswegen unmarkiert gelassen. Struben (FaN) Struben ist ein FaN, der bei J OSSEN (1989, 80) für Mund belegt ist. Der FaN ist auch in einem Beleg von 1706 aus Eggerberg bezeugt (Christiano Struben). Belegt sind: Struben Mamatt ‘ die Mähwiese der Familie Struben, die ein Mann an einem Tag mähen kann ’ (1495, Zermatt), Struben Mattaz (? ) ‘ die Wiese der Familie Struben ’ (1551, Zermatt), au ᵕ fem Strúben Tschúggen ‘ auf dem Fels der Familie Struben ’ (1778, Mund). Die Belege aus Zermatt könnten auch mit dem Flurnamen t Strüüba (Zermatt) in Verbindung stehen. Ob hier das HL Strüüba vorliegt oder der FaN, ist unklar. Ein Zusammenhang mit dem Adjektiv schwdt. strub ‘ struppig, rauh, kraus ’ und Weiterentwicklungen, wdt. strüb, strüüb ‘ struppig, kränklich, mühsam ’ (I D . 11, 1931 ff.; G RICHTING 1998, 184) liegt kaum vor, da das Adjektiv nicht für Felsen oder Mähwiesen verwendet wird. Strucha Strucha ist nur 1412 in Steg als Strucha belegt. Der Ausschnitt aus dem Dokument besagt: supra Luxerram vocatam Strucha. Zu vermuten ist, dass hier ein Feminin Singular vorliegt. Es wäre dann eine feminine Form zu schwdt. Str ū ch II f. ‘ durch das Str ū chen entstandene oberflächliche Furchen, Str ū ch werden abgeeggt und die tote Rasenschollen eingeackert als Dünger ’ (I D . 11, 2044), zum Verb schwdt. str ū che n ‘ die Erde mit dem Pflug oberflächlich stossen, oberflächlich pflügen, damit das Unkraut, der Rasen abstirbt ’ (I D . 11, 2044), dazu auch schwdt. Str ū chi f. durch str ū che n bearbeiteter Ackerboden ’ (I D . 11, 2046). Das hdt. Wort Strauch (G R W B 19, 964 f.) ist nicht bodenständig. Das HL müsste nach 1500 eine Palatalisierung erfahren; sie ist jedoch nicht belegt. Nach C H . U . H.-C HR . A MMANN (p. c.) wäre aber Luxerram zu Lussel ‘ kleiner See ’ (T AGMANN 1945, 10) zu stellen. Wenn tasächlich ein See oder Weiher Strucha genannt Strit 263 264 <?page no="951"?> ist, bleibt der FlN ungedeutet; vorläufig wurden die Deutungen auf Str ū ch zurückgeführt. Struppi Struppi n. ‘ das kleine Gestrüpp ’ ist als Simplex belegt in ts Struppi (Ried-Mörel) und an der Strúpjn Eggen ‘ an der Ecke beim Struppi ’ (1618, Ried-Mörel). Gwp. deutet Struppi als "was beim Schneiden des Korns übrigbleibt; bei der Gerste riss man es aus als Streue: diese Arbeit hiess <struppu>". Diese Deutung findet sich in den Wörterbüchern nicht. Das HL ist zu schwdt. Struppe n Pl. IV ‘ Gestrüpp ’ (I D . 11, 2317) zu stellen; die Form des Namens deutet auf ein Diminutiv. t Strippini ‘ das kleine Gestrüpp ’ (Raron, 1: 10000 Strippinen) ist auch hieher zu stellen: das Gebiet ist heute ein Weinberg; SK kennt jedoch noch keinen Weinberg. Strüss Strüss m. ist nur in ts Strüssibodi ‘ der kleine Boden mit strauss-artigen Pflanzen (wohl Wegerich) ’ (Eischoll) belegt. Es handelt sich laut Beschreibung um eine Pflanze, deren Blüten die Form eines Weihwasserwedels annehmen. B IELANDER (1985, 176) kennt es für Lax; es ist dort das Pfriemgras (S TIPA PENNATA bei L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 1526). Es kommt allerdings höchstens montan vor. Da der Beleg in Eischoll Alpweiden nennt, ist wohl eine andere Pflanze gemeint. Das HL ist zu schwdt. Str ū ß I ‘ Strauss ’ und wdt. Schtrüüs, Schtruiss (Lötschtal) ‘ Blumen ’ (I D . 11, 2368 ff.; G RICHTING 1998, 184) zu stellen. Eine der in I D . genannten Pflanzenarten wie Fuchsschwanz, Spierstaude, Blutweiderich, Nachtviole, grosser Wegerich und ähriger Ehrenpreis können gemeint sein; vermutlich der Alpen-Wegerich (P LANTAGO ALPINA ) (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 886). Strüüb Strüüb Adj. ‘ strub, struppig ’ ist zum schwdt. Adj. str ū b (bzw. -üü-, -ui-, -ou-) von der äusseren Erscheinung, struppig von Natur, rauh, kraus, u. a. von Pflanzen, von Sachen, vom Erdboden, z. B. von einer Strasse, die schwer zu begehen oder zu befahren ist, mhd. str ū be, -p und wdt. schtrüb, schtruib (Lötschental), schtrüüb ‘ struppig ’ (I D . 11, 1931 ff.; G RICHTING 1998, 184) zu stellen. In einigen Fällen dürfte die Form Struben einen FaN Struben (cf. HL S TRUBEN (F A N)) meinen. Vom Adjektiv abgeleitet erscheinen die Ableitungen Strüüba ‘ Grasbänder in den Felsen ’ (Zermatt), ts Strüübi ‘ das kleine Grasband in den Felsen ’ (Raron) und t Strüübini ‘ die kleinen Grasnarben ’ (Naters). Die Ableitungen sind in Form und Bedeutung so nicht im I D . belegt. Stüäch Stüäch ist in der Stüächwäg ‘ der Weg mit Trittspuren ’ (Gampel, FLNK Stüässwäg) belegt. Es handelt sich um einen Weg, der von Jeizinen zur Undren Fäsilalpu führt. Laut Beschreibung handelt es sich um einen flachen, ebenen Weg. Das HL S TÜÄCH ist in dieser Form nicht belegt; auch für Stüäss findet sich nichts. Hingegen ist ein historischer Beleg Stuoffweg (Nr. 38553 von 1670) belegt, der u. a. den Fäselz ŭ n erwähnt, also den Zaun, der die Fäsilalpe abgrenzt. Stuoff wird zum HL S TÜEFFE gestellt, das wohl zu I D . (10, 1464) Stueffe n ‘ Fußstapfe, Trittspur ’ gehört. Dann wäre hier ‘ der Weg mit Trittspuren ’ gemeint. Da aber die Form des Flurnamens dem nicht entspricht, kann keine Deutung gegeben werden. Stuba Stuba f. ‘ Stube ’ ist zu schwdt. Stub, Stube n , Stuba (Pl. -u n ), G'stuben f., ‘ Stube, heizbarer, meist gezimmerter oder getäfelter Raum, Wohnzimmer, gelegentlich auch Schlafzimmer ’ , ‘ Raum der Alphütte, der die Schlafstelle des Sennen, meist auch den (Ess-)Tisch sowie Sitzgelegenheiten enthält ’ , übertragen auf das Gelände ‘ muldenförmige, geschützte Bodenvertiefung ’ , ‘ Feuerstelle im Walde, wo sich Holzarbeiter ihre Mahlzeit bereiten ’ , ahd. stuba, mhd. stube, wdt. Schtuba, Schtubä (Goms), Schtubu ‘ Stube ’ (I D . 10,1101 ff.; G RICHTING 1998, 184; V. S CHMID 2003, 193 ff.; Z INSLI 1946, 339) zu stellen. Das HL ist als Simplex im Singular t Stuba ‘ die Stube (entweder Alphütte oder geschützte Mulde ’ in Binn und Zwischbergen, als zer Stubu in Bürchen belegt. Das Diminutiv im Singular ist bim Stubji ‘ bei der kleinen Stube (Alphütte) ’ (Törbel), im Plural t Stubjini (Eisten, Zwischbergen), in beiden Fällen wohl Felsabsätze, ze Stubjinu ‘ bei den kleinen Stuben (kleine Wohnhäuser bei den Weingärten im Vispertal) ’ (Stalden, Eigentum der Leute von Törbel) und - historisch - Zen Stublinen ‘ bei den kleinen Stuben ’ (1655, Ried-Brig) (laut Text bei der Taferna, wohl einfach Felsabsätze). Mit attributiven Adjektiven finden sich: zum Altu Stubji ‘ bei der alten kleinen Stube ’ (Randa), zer Hochen Stubun ‘ bei der hohen Stube ’ (1639, Zeneggen), im Höchen Stübÿ ‘ bei der hohen kleinen Stube ’ (1690 u. später, Eischoll), t Niwwi Stubu ‘ die neue Stube (Dorfteil von Unterbäch) ’ (Unterbäch), zur Nywen Stuben ‘ bei der neuen Stube ’ (1746, Ausserberg). Als Grundwort kommt das HL wie folgt vor: ts Balmustubi ‘ die kleine Stube / die muldenförmige Bodenvertiefung beim Gebiet Balma (überhängender Fels) ’ (Blatten), di Brunnustubu ‘ die Brunnenstube, Wasserfassung ’ (Gampel, vgl. I D . 11, 1151 f.), bim Forschtbrunnestubji ‘ bei der kleinen Brunnenstube (Reservoir) beim Forst ’ (Ritzingen), Gletscherstube ‘ die Gletscherstube 265 266 Stuba <?page no="952"?> (Hütte beim Märjelensee; Blick auf den Aletschgletscher) ’ (Fieschertal) und die Sandstu ᵕ be ‘ die Sandstube (Sandkasten zur Reinigung des Wassers) ’ (1830, Ergisch; vgl. I D . 10, 1158). Stuck Stuck m., n. ist zu schwdt. Stuck, G'stuck n., m., Stucki, Stücki, Dim. Stuckli, Stückli, Stückji ‘ abgeschnittener, abgetrennter Teil, Bruchstück, Pl. Trümmer, Scherben ’ , ‘ Grundstück, Parzelle; Land im allgemeinen Sinn ’ , ahd. stucki, mhd. stück(e), stuck(e) und zu wdt. Schtukk mit den Diminutiven Schtukkulti, Schtukkji, Schtukkli oder Schtikkilti ‘ Stück, Teil, Theater, Wegstrecke, Sachverhalt, Viehzahl ’ (I D . 10, 1786 ff.; G RICHTING 1998, 185) zu stellen. In Flurnamen ist meist ein abgeteiltes Stück Land zu verstehen, weswegen diese Deutung generell verwendet wird. Der FaN Stuki, Stucki, Stucky (AWWB 252) ist vor allem für das Goms und den Bezirk Östlich-Raron belegt. Laut Gwp. liegt in Stückiegga ‘ die Ecke der Familie Stucky ’ (Ried-Brig) der FaN Stucky vor; ob das auch für Stückigrabe ‘ der Graben der Familie Stucky ’ (Ried- Brig) gilt, ist unklar der Ort liegt weit weg von der Stückiegga (cf. HL Stucky (FaN)). Das HL ist in rund 100 Namen belegt. Das Simplex Stuck kommt jedoch nicht vor. Stattdessen sind mehrere Diminutive bezeugt: Stucki n. ist historisch drei Mal verschieden geschrieben belegt (1448 u. später, Baltschieder; 1641, Binn; 1573, Obergesteln), weiter am Stuckin (1390, Törbel), ts Stuckje (Zermatt), ts Stuckji (Eischoll und fünf weitere), ts Stuckli (Oberwald), im Stucklÿ (1703, Zeneggen), am Stu ᵕ kine (1303, Eyholz), am Stukyne (1306, Staldenried), im Stükÿ (1682 u. später, Raron). Ein Diminutiv mit Umlaut und anschliessender Entrundung ist ts Sticki (Baltschieder, Lax, Raron), wozu es ein feminines Gegenstück gibt (vermutlich eine Re-Interpretation des Neutrums) t Sticki (Ausserbinn; 1619 u. später, Ulrichen). Diminutive im Plural sind zen Stuckinen (1566 u. später, Erschmatt), in den Stúkinen (1794, Ried-Mörel; 1682, Visp), an den Stukinon (unsichere Lesung, 1379, Mund), t Stuckjini (Lalden, Visperterminen), t Stückine (Betten), t Stickini (1573 u. später, Brig; Gampel). Attributive Adjektive zum HL sind wie folgt belegt: am Indren Stúckÿ ‘ am inneren kleinen abgeteilten Stück Land ’ (1776, Staldenried), t Krummu Stickjini ‘ die krummen kleinen abgeteilten Stücke Land ’ (Törbel), der Leng Stuck ‘ das lange abgeteilte Stück Land ’ (1603, Biel), im Langen Stück ‘ im langen abgeteilten Stück Land ’ (1833, Ulrichen), ts Ober Sticki ‘ das obere kleine abgeteilte Stück Land ’ (Obergesteln), t Ober Sticki ‘ das obere kleine abgeteilte Stück Land ’ (Ulrichen, Genus feminin als Umdeutung? ; FLNK Obersticki), am Obrun Stucki (1545 u. später, Unterbäch), der Pmei Stuck ‘ das gemeinsame abgeteilte Stück Land ’ (Binn, zweimal belegt), an dem Boesen Stv ᵢ kine ‘ an dem bösen (schlecht bebaubaren) kleinen abgeteilten Stück Land ’ (1307, Eggerberg), an den Schwino Stuckin ‘ an den verschwindend kleinen abgeteilten Stücken Land ’ (1466, Mund; kaum ‘ für die Schweine ’ ), ts Unner Sticki ‘ das untere kleine abgeteilte Stück Land ’ (Obergesteln), t Unner Sticki ‘ das untere kleine abgeteilte Stück Land ’ (Ulrichen, Genus feminin als Umdeutung? ), an der Vndren Stücki ‘ am unteren kleinen abgeteilten Stück Land ’ (1741, Ritzingen, Genus feminin als Umdeutung? ), au ᵕ f Unterstückÿ ‘ auf dem unteren kleinen abgeteilten Stück Land ’ (1833) und das … Wüsti Stu ᵕ ck ‘ das wüste (unfruchtbare) abgeteilte Stück Land ’ (1832, Geschinen). Vorangestellte Genitive des Besitzers oder Nutzers zum HL sind selten: Agnun Stuckin ‘ das kleine abgeteilte Stück Land des Agno / der Agna ’ (1299, Raron) mit einem schwachen Genitiv Singular, der Herren Stúck ‘ das abgeteilte Stück Land des Herrn (wohl Pfarrherrn) ’ (1804, Obergesteln, schwacher Genitiv Singular), Hitzen Stv ᵢ ke ‘ das kleine abgeteilte Stück Land des Hitzo ’ (1303, Zeneggen), ebenfalls schwacher Genitiv Singular, Mathias Stücklein ‘ das kleine abgeteilte Stück Land des Matthias (PN) ’ (1832, Geschinen) mit unklarem Genitiv, im Balzen Stúck ‘ im abgeteilten Stück Land des Balz (Balthasar? ) ’ (1744, Gluringen) mit schwachem Genitiv Singular, ähnlich beim Bauzistu ᵕ ck ‘ beim kleinen abgeteilten Stück Land des Balzi (Balthasar? ) ’ (1910, Ritzingen), dr Sigruschtustugg ‘ das abgeteilte Stück Land des Sigrists (Sakristans) ’ (Kippel, unklar ob Funktion oder FaN), der Taffinerstúck ‘ das abgeteilte Stück Land der Familie Taffiner ’ (1838, Obergesteln) mit unklarem Genitiv, dr Turnärstuck ‘ das abgeteilte Stück Land der Familie Zumthurm ’ (Wiler, Turnär ist ein alter Genitiv Plural zum Nomen Turn, Turm), der Wengerstuck ‘ das abgeteilte Stück Land der Familie Wenger ’ (1779, Ernen; Wenger kann als alter Genitiv Plural verstanden werden). Hierzu kann auch t Burgerstick ‘ die abgeteilten Stücke Land der Burger ’ (Ulrichen) gehören, ebenso der Bacher Stúck ‘ das abgeteilte Stück Land der Leute vom Bach / der Familie Bacher ’ (Oberwald), wenn Burger und Bacher als alte Genitive Plural betrachtet werden. Einen komplexeren Fall findet man in das Obere Gügerstücklein ‘ das obere kleine abgeteilte Stück Land der Familie Giger ’ (1832, Blitzingen). Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort enthalten meist den Namen einer nahegelegenen Flur als Bestimmungswort, wie etwa in dr Schreejustuck ‘ das abgeteilte Stück Land beim Wasserfall des Mühlebachs ’ (Wiler), wo zer Schreeju Bestimmungswort ist, oder ts Chellustuckji ‘ das kleine abgeteilte Stück Land bei der Chella (kellenförmiges Gebiet) ’ (Unterbäch), aber auch Grundstücke, die einen Tümpel enthalten wie in Stuck 267 268 <?page no="953"?> der Soodstúk ‘ das abgeteilte Stück Land mit einem Tümpel ’ (1868, Filet) oder Roosestuck ‘ das abgeteilte Stück Land mit Roosse (Röstplätze für Hanf und Flachs) ’ (Selkingen). Bei ts Wiissinustuckji ‘ das kleine abgeteilte Stück Land beim Dorfteil Wiissinu (Unterbäch) ’ (Unterbäch) wird der Name eines Dorfteiles erwähnt, der seinerseits wohl auf den FaN Weissen zurückgeht. In einigen Fällen liegt ein Koordinationskompositum vor, etwa in aúff dem Gartenstúck ‘ auf dem abgeteilten Stück Land, das ein Garten ist ’ (1696 u. später, Ried-Mörel). Das fast gleichlautende der Gaartestuck ‘ das abgeteilte Stück Land von der Grösse eines Gartens ’ (Grengiols, Deutung nach Gwp.) scheint sich an der Grösse der Parzelle zu orientieren. am Akerstukine ‘ am abgeteilten Stück Land, das ein Acker ist ’ (1303, Eyholz) kann ebenfalls als Koordinationskompositum verstanden werden. der Chaplustugg ‘ das abgeteilte Stück Land bei der Kapelle / das zur Kapelle gehört ’ (Kippel) ist zweideutig, da die Einkünfte des Grundstückes auch zum Unterhalt der Kapelle dienen können. In dr Orgilischtstuck ‘ das abgeteilte Stück Land des Organisten ’ (Kippel) ist ein Nutzer gemeint, vermutlich der jeweilige Organist der Kirche. Komplexere Konstruktionen sind etwa der Jahrzeitstúck ‘ das abgeteilte Stück Land, dessen Ertrag für Jahrzeiten (Gedenkmesse für Todestage) gebraucht wurde ’ (Obergesteln), der Seelenheilstúck ‘ das abgeteilte Stück Land für das Seelenheil (unklar, ev. bezogen auf eine religiöse Stiftung? ) ’ (1830, Obergesteln), ts Steihüsstuckji ‘ das kleine abgeteilte Stück Land beim Weiler Steinhaus (Haus aus Stein) ’ (Unterbäch) und andere. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Grabu, Matta, Tschugge, Wäg und Wald. Einen Sonderfall stellen die zwei Namen der Früestuckplatz (Randa) und Früestucksplatz (Leukerbad) dar. Gemeint sind Orte, wo Bergsteiger ihr Frühstück einnehmen (vgl. HLL P LATZ und F RÜE ). Eine Ableitung auf - IL als Stellenbezeichnung (S ONDER- EGGER 1958, 513) ist belegt in Stuckilbodu (FLNK, Bürchen), und den historischen Belegen im Stu ᵕ ckil Acher (1670 u. später, Bürchen; frühere Belege anders), in den Stúckilachren (1684, Unterbäch, 1620 Stuckelacher), Stúckilweg (1822, Bürchen). Die Bildung kann verstanden werden als Gebiet, wo es abgeteilte Stücke Land hat. Stucky (FaN) Der FaN S TUCKY (AWWB 252; auch Register HRBS), auch S TUKI , S TUCKI und AN DER S TUCKY , für das untere Goms und Westlich-Raron belegt, ist in t Stückiegga ‘ die Ecke der Familie Stucky ’ (Ried-Brig), Stückigrabo ‘ der Graben der Familie Stucky / beim kleinen abgeteilten Stück Land ’ (FLNK, Ried-Brig; LT Stückigrabe) belegt. In Ried-Brig und Brig wird der FaN mit / ü/ ausgesprochen (cf. Chorherr G ABRIEL S TUCKY (1938 - 2005), der in Brig aufgewachsen ist und dann in der Abtei von St. Maurice wirkte). Weitere Belege von FaNN sind möglich, vermischen sich aber mit dem HL Stuck. Studännt Studännt ist als Bestimmungswort in t Studänntuhitta ‘ die von Studenten erbaute, private Schutzhütte (auch Fletschhornhütte, Hütte auf dem Weg zum Fletschhorn) ’ (Eisten, FLNK Studäntuhitta, LT Fletschhornütte) (Eisten, Visperterminen) und Studäntuwäg ‘ der Studentenweg (Weg teilweise von Studenten erbaut) ’ (Ergisch) belegt. Die Beschreibung zum Beleg sagt, dass der Weg zum Teil durch Studenten erstellt worden sei. Die Betonung des HL liegt auf der zweiten Silbe. Zu stellen ist das HL zu schwdt. Studënt m. ‘ Student; z. T. auch von den Schülern der mittleren Stufe (Gymnasium), in der Innerschweiz [u. auch in Brig, i. w.] insbes. von den Zöglingen der geistlichen Kollegien (Gymnasien und Realschulen) ’ , mhd. studente (I D . 10, 1368 f.). Stüde Stüde f. ‘ Staude ’ ist zu schwdt. St ū d, St ū de n , wdt. Schtüüda, Schtüüdä (Goms), Schtuida (Lötschental), Stüüdu f. wesentlich wie nhd. ‘ Staude; holziger Busch, Strauch ’ , dazu kollektiv G(e)stüd, wdt. entrundet G(e)stid n. ‘ Gestäude, Jungholz ’ zu stellen. Davon abgeleitet FaN Studer, Stüder (I D . 10, 1342 f.; I D . 10, 1362 f.; G RICHTING 1998, 185). Das HL ist in rund 130 Flurnamen vertreten. Das ähnliche HL S TUTT m. ‘ Pfahl, Säule ’ kann in Einzelfällen mit Stüde f. verwechselt werden. Auffällig ist, dass in vielen Namen ein Singular erscheint; es wurden wohl nicht nur eigentliche Staudengebiete, sondern auch einzelne Stauden benannt. Das Simplex ist im Singular als Stüda ‘ die Staude ’ (FLNK, Steinhaus), biner Stüda ‘ bei der Staude ’ (Bellwald; Gwp. spricht von <Schluckistauden>), hinder der Stude ‘ hinter der Staude ’ (1679, Biel), bÿe der Studen ‘ bei der Staude ’ (1531 u. später, Münster), beÿ der Stúden ‘ bei der Staude ’ (1786, Oberwald), wider der Studen ‘ wider (gegenüber) der Staude ’ (15? ? , Reckingen), zer Stúden ‘ bei der Staude ’ (1630, Ritzingen), zer Stüdu ‘ bei der Staude ’ (Visperterminen), (lat.: de) von Studun ‘ vom Gebiet mit Stauden ’ (1388, Ried-Mörel, unsicherer Beleg mit mehreren Namen de Riede, de Telle, de Studun). Das Simplex im Plural ist belegt in t Stüde ‘ das Gebiet mit Stauden ’ (Binn, Fieschertal, Mund, Randa, Selkingen, Zermatt), Stüde ‘ das Gebiet mit Stauden ’ (FLNK, Ausserbinn), an den Studen (1528 u. später, Ernen), in den Stúden ‘ im Gebiet mit Stauden ’ (1620, Bürchen; 1736, Embd; 1303, Grächen; 1699 u. später, Raron), in den 269 270 Stüde <?page no="954"?> Stúdenn ‘ im Gebiet mit Stauden ’ (1584, Naters) und inne Stüdu ‘ im Gebiet mit Stauden ’ (Törbel). Das Diminutiv im Singular ist beÿ dem Stüdelti ‘ bei der kleinen Staude ’ (1699 u. später, Obergesteln), beÿ dem Vndren Stidelti ‘ bei der unteren kleinen Staude ’ (1711 u. später, Obergesteln), im Stüdi ‘ im Gebiet der kleinen Staude ’ (Bellwald; FLNK Stüda) belegt. Den Plural des Diminutivs findet man in Stidjini ‘ das kleine Gebiet mit Stauden ’ (FLNK, Bratsch), in de Stidjinu ‘ im kleinen Gebiet mit Stauden ’ (Niedergesteln) und t Stüdjini ‘ die kleinen Gebiete mit Stauden ’ (St. Niklaus). Attributive Adjektive zum HL finden sich wie folgt: beÿ der Faul Studen ‘ bei der faulen Staude ’ (1701, Niederwald), wo eventuell ein Faulbaum (F RANGULUS ALNUS ) gemeint sein kann, t Friiu Stüde ‘ die freien Stauden (laut Gwp. Freilassung von Angeklagten, die hieher gelangten) ’ (Unterbäch), (lat.: super) den Gemeynen Studun ‘ über dem Gebiet mit Stauden, das der Gemeinde gehört ’ (1448, Ried-Brig), in den Gmeinen Studen ‘ in den Gebieten mit Stauden, das der Gemeinde gehört ’ (1765, Naters), beÿ der Grossen Stúden ‘ bei der grossen Staude ’ (1765, Oberwald), Grossi Stüde ‘ das grosse Gebiet mit Stauden ’ (FLNK u. LT, Ulrichen), zer Grossu Stüdu ‘ bei der grossen Staude ’ (Törbel), t Heeju Stide ‘ die hohen Gebiete mit Stauden ’ (Raron), beÿ der Hochen Studen ‘ bei der hohen Staude ’ (1772, Obergesteln), t Indru Stüde ‘ die inneren Stauden (laut Gwp. Erlengebüsche) ’ (Eisten), zer Lengen Studen ‘ beim langen Gebiet mit einer Staude ’ (1527, Ernen), beÿ der Oberen Stúden ‘ bei der oberen Staude ’ (1756, Ritzingen), beÿ der Runden Stu ᵕ den ‘ beim runden Gebiet mit einer Staude ’ (1832, Blitzingen), biner Rund Stüde ‘ beim runden Gebiet mit einer Staude ’ (Münster), t Schwarzu Stuide ‘ das schwarze Gebiet mit Stauden ’ (Simplon; laut Gwp. Legföhren), t Üssru Stüde ‘ die äusseren Gebiete mit Stauden ’ (Eisten), t Wilte Stüde ‘ die wilden (unfruchtbaren) Gebiete mit Stauden ’ (Oberwald) und von der Züreten Stúden ‘ vom bebauten (gezierten) Gebiet mit Stauden ’ (1712, Obergesteln; 1712 Oberwald). Vorangestellte Genitive sind selten: beÿ der Giretschen Stúden ‘ bei der Ebereschen-Staude ’ (1792, Ulrichen; unklar, ob Genitiv oder Kompositum), zer Heynlichen Studen ‘ bei der Staude des Heinlich (Heinrich? ) ’ (1463, Eischoll), beÿ der sogenannten Melkien Stauden ‘ bei der Staude mit Mälchiä (nicht genauer bestimmte Beerenstaude) ’ (1810, Feschel; unklar, ob Genitiv), Roossero Stúde ‘ die Stauden der Familie Roosser ’ (1709 u. später, Filet), tsch Sturzlisch Stüde ‘ das Gebiet mit Stauden der Familie Zurbriggen, die <ts Sturzlisch> genannt wurde ’ (Eggerberg). Mit dem Grundwort fallen zunächst zweigliedrige Komposita auf, welche die Stauden durch Früchte oder Beschaffenheit näher bestimmen: beÿ der Dorenstuden ‘ bei der Staude mit Dornen ’ (Oberems), beÿ den Dornstauden ‘ bei den Stauden mit Dornen ’ (1783, Ernen), beÿ der Haselstauden ‘ bei der Haselstaude ’ (1812, Mund), (lat.: ) a parte superiori der Haselstudon ‘ vom oberen Teil der Haselstaude ’ (1452, Glis), zer Haselstuden ‘ bei der Haselstaude ’ (1399, Naters), ze der Haselstudun ‘ bei der Haselstaude) (1299 u. später, Visperterminen), zer Helfstuden ‘ bei der Hagebuttenstaude ’ (1354, Ulrichen), in der Holderstau ᵕ de ‘ im Gebiet mit Holderstauden ’ (1849, Steg), ob der Hollerstuden ‘ oberhalb der Holunderstaude ’ (1573 u. später, Münster), bÿ der Holler Studen ‘ bei der Holunderstaude ’ (1575, Geschinen), zer Klestuden ‘ bei der Staude mit Klee (? ) ’ (1771, Oberems; wohl eine Fehlangabe zu Schlehstuden), zer Loibstuidu ‘ bei der Laubstaude ’ (Ferden), t Löübstüde ‘ die Laub-Stauden (Erlengebüsche) ’ (Saas-Almagell), t Mälchstüde ‘ die Stauden mit Mällchiä (sonst eher Mehlbaumbeeren, hier wohl andere) ’ (Gampel), zer Melchstuden ‘ bei der Staude mit Mälchiä (nicht näher bestimmte Beerenstaude) ’ (1564 u. später, Guttet), beÿ der [ … ] Melkien Stauden ‘ bei der Staude mit Mälchiä (nicht genauer bestimmte Beerenstaude) ’ (1810, Feschel), zer Schleestuden ‘ bei der Schlehenstaude ’ (1530, Leuk), zer Schleestüdu ‘ bei der Schlehenstaude ’ (Oberems), zer Schlestuden ‘ bei der Schlehenstaude ’ (1554, Unterems). Die meisten Komposita beziehen sich auf eine nahegelegene Flur oder einen Weiler. Einige davon sind: di Bietschistüde ‘ das Gebiet mit Stauden beim Bach (Bietschi) ’ (Raron), di Birchstuidä ‘ die Stauden im Bereich Birch (Birkengehölz) ’ (Blatten), di Birchustüde ‘ die Stauden beim Weiler Zer Birchu ’ (Leukerbad), di Brustuide ‘ die Stauden beim Gebiet Bru (Quelle / Brunnen) ’ (Simplon), Eggerstüde ‘ das Gebiet mit Stauden oberhalb von Eggen ’ (FLNK, Eggerberg), di Gärtjistüde ‘ die (Hasel-) Stauden bei den kleinen Gärten ’ (Hohtenn) und viele andere mehr. In einigen Fällen ist nicht klar, worauf sich der Name bezieht, etwa bei beÿ der Caggenstauden ‘ bei den Stauden mit / bei den Krähen / Raben ’ (1703, Salgesch), wo aber auch ein sonst unbekannter Name für Beeren gemeint sein kann; t (e)Rüätzistüdä ‘ die Stauden beim Rüetzi (unklar) ’ (Gampel), wo unklar ist, ob ein PN zu Grunde liegt, die Hanffgarten Studen ‘ die Stauden beim Hanfgarten ’ (1747, Niederwald), wo zwar klar ist, was ein Hanfgarten ist, aber unklar, welche Staude(n) dort stehen; t Lismerstüde ‘ das Gebiet mit Stauden, die wie von einem Mann gestrickt aussehen (unklar) ’ (Naters), wo Lismer ‘ ein strickender Mann ’ heissen kann, aber nicht muss, t Wingestüde ‘ die Stauden im engen Tal ’ (Ulrichen) erscheinen historisch 1593 als die Twingen Stu ᵕ denn und beziehen sich dort wohl auf die enge Talstelle der Ägene, und andere mehr. Stüde 271 272 <?page no="955"?> Komplexer sind etwa t Hosandstüde ‘ die Stauden im hohen Sandgebiet ’ (Ulrichen), t Landboimstüde ‘ die Stauden beim Landboim ’ (Ergisch), wobei Landboim ‘ Landbaum ’ wohl eine Umdeutung eines romanischen Lampon ist, t Oberdorfstüde ‘ das Gebiet mit Stauden beim Oberdorf (Wiesen oberhalb Laden) ’ (Hohtenn), die Drielackerstuden ‘ die Gebiete mit Stauden bei den Trieläckern (Äcker bei der Traubenpresse) ’ (Eyholz) und andere. Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Cheer, Egg(a), Gartu, Gassa, Grabu, Grund, Haalta, Matta, Stadel, Wald und Wier. Komplexer sind der Foder und der Hinner Stüdeblätz ‘ der vordere und der hintere Teil des mit Stauden bestandenen Stückes Land ’ (Ulrichen) und dem Undresten Studenwier ‘ der untereste Weiher beim Gebiet mit Stauden ’ (1712, Visperterminen, Dativ konstruktionsbedingt). Das kollektive Gschtid ‘ das Gebiet mit Stauden (kollektiv) ’ ist in ts Gschtid (Ritzingen), der Gschtidwaud ‘ der Wald mit Stauden ’ (Lax) und Gstitt ‘ das Gebiet mit Stauden (kollektiv) ’ (FLNK, Lax) belegt. Eine Ableitung auf - ERA für Wasserleitungen findet sich in t Ober und t Unner Stüdera ‘ die obere und die untere Wasserleitung von / zu den Stauden ’ (Randa); u. U. kann auch der FaN Studer hier zu Grunde liegen. Das Adjektiv stuidig ‘ staudenbestanden ’ kommt nur in t Stuidig Weid ‘ die Weide mit Stauden (heute wohl Wald) ’ (Kippel) vor. Studer (FaN) Studer (FaN), dialektal Stüüder, ist ein bekannter FaN, auch ausserhalb des Wallis. Das Studerhorn (Stüüderhoore, Bellwald) wurde laut E. D ESOR (1844, 161 f.) von L. A GASSIZ benannt; es ist nicht ganz klar, welcher der Berner Studer gemeint war, vermutlich Bernhard R. Studer (W ERLEN 2003, 180, Fn. 5; anderer Meinung ist H ERTIG 1999, 10). Im Oberwallis betrifft der FaN vor allem eine seit dem 15. Jh. bekannte Familie von Visperterminen, die sich ursprünglich nach ihrem Wohnsitz zer Studen nannte und sich im 15. Jh. nach Visp verzweigte (AWWB 252). Im Umfeld des Stüüderhoore (Bellwald, Fieschertal) gibt es das Ober und Unner Stüderjoch und den Stüdergletscher (alle Bellwald und Fieschertal). Einen vorangestellten Genitiv weisen auf: beÿ Studers Haus (1717, Raron) und ts Stüüderschhüüs (Ausserberg), sowie im Plural Studerro agros ‘ die Äcker der Familie Studer ’ (1342, Bitsch). Weiter ist ein Kompositum belegt: ts Stüdersädolti ‘ der kleine Sedel der Familie Studer ’ (Stalden). Eine Stellenableitung auf - ER (S ONDEREGGER 1958, 541) von einer Kollektivableitung auf - IG stellt der Stúdiger ‘ das Gebiet der Familie Studer ’ (Greich) dar. Stüed Stüed ist nur einmal als Bestimmungswort belegt in der Stüedfärrich ‘ der Pferch für die Stuten (? ) ’ (Ausserberg). Das HL ist unklar. 1299 steht jm Stuef Ferrike (Ausserberg), 1774 zum Tuebferrig (Ausserberg). MS notiert als Zweitbeleg der Stüepfärrich und FLNK hat Stüebfärrich. Alle Belege weisen einen Diphthong auf, sodass die Bemerkung “ Von Stauden ” der Gwp falsch ist; das HL Stüüda kennt nur im Lötschental die Diphthongform Stuida (G RICHTING 1998, 185). Der Auslaut kann neben / d/ auch assimiliertes / p/ , / b/ oder / f/ sein. Am nächstliegenden ist also wohl Stuet ‘ Stute ’ (I D . 11, 1843), obwohl das Wort für das Wallis nicht belegt ist (sonst Määra, Mära ‘ Mähre, Stute ’ (G RICHTING 1998, 131)). Stüeffe Stüeffe f. ist zu schwdt. Stueffe n f. ‘ Fussstapfe, Trittspur; ins Bergeis gehauene Stufe ’ , ahd. stuof m., stuofa f., mhd. stuefe f. (I D . 10, 1464) zu stellen. Wie G R W B (20, 292 ff.) ausführt, ist die hdt. Bedeutung ‘ Treppenstufe ’ in den oberdeutschen Dialekten nicht verbreitet; gemeint sind Fuss-Stapfen und Trittspuren. Das Simplex kommt im Singular nur 1783 in Mund als in der Stúoff ‘ beim Ort mit Fuss-Stapfen ’ vor. Einen Plural zeigt Stüeffe ‘ die Fuss-Stapfen ’ (FLNK, Zermatt), wobei hier unklar ist, ob nhd. Stufe mitspielt. Komposita mit Stüeffe als Bestimmungswort sind t Stüeffebinna ‘ der Pflanzplatz mit (Fels-)Stufen ’ (Binn), t Stüefflamme ‘ der glatte Berghang mit Fuss-Stapfen ’ (Oberwald), Stüofmatt ‘ die Wiese mit Fuss-Stapfen ’ (LT, Unterbäch), zu dem auch der Stüomattbodo ‘ der Boden auf der Stüofmatt ’ (Unterbäch, FLNK hat Stüefmattbodu) gehört. Stueg Stueg ist nur in fan der Stuegwalchen (1302, Unterbäch) belegt. Die Rede ist von einem Weg, der von der Stuegwalke zu den Häusern (Huisuren) führt. Das HL selbst ist in dieser Form nirgends belegt. Es dürfte sich aber um die Stückwalke handeln, also die Walke für einzelne Textilstücke. Der Ausdruck ist in der Technologie der Faserbehandlung geläufig (z. B. D ISERENS , L OUIS (1951)). Das HL ist dann als Stück zu lesen (I D . 10, 1786 ff., besonders in der Bedeutung Stück Tuch). Stüel Stüel ist zu schwdt. Stuel m., Dim. Stüeli bzw. -ie-, Stuelti, Stüelti wie nhd. ‘ Stuhl ’ , übertragen auf stuhlähnliche 273 274 Stüel <?page no="956"?> Geräte ‘ Gestell, Gerüst; Brückenjoch ’ , ‘ (bankartig) aufgehäufte Menge ’ , amhd. stuel und wdt. Schtüel, Schtuäl (Lötschtal), Schtüöl ‘ Stuhl, Sitzbank, Exkremente ’ (I D . 11, 284 ff.; G RICHTING 1998, 185)) zu stellen, in FlN übertragen auf stuhlähnliche Geländeformen. Als Simplex kommt nur der Plural des Diminutivs Stielltini ‘ die kleinen Stühle ’ zweimal in Naters vor, auch hier metaphorisch verwendet. Das Grundwort Stüel findet sich in Biichtstuel ‘ Beichtstuhl (Felsnische, die an einen Beichtstuhl erinnert) ’ (Simplon; J ORDAN (2006, 306) hat Biichtschtuäl und Biichtschtuälgalerii für Zwischbergen) (vgl. I D . 11, 3131), Bredigstüol ‘ Predigtstuhl, hier Felskanzel (mit Aussicht) ’ (Saas-Grund) (vgl. I D . 11, 314), Chäiserstuol ‘ Kaiserstuhl, hier Felskanzel mit Aussicht ’ (Ried-Brig) (vgl. I D . 11, 306, auch K RISTOL ET AL . 2005, 472), Chleinu und Grossu Dingstüel ‘ kleiner und grosser Gerichtsstuhl (Gelände, das aussieht wie ein Gerichtsstuhl ’ (vgl. I D . 11, 324). Vorläufig unklar bleiben Gumpen Stu ᵉ le (1351, Törbel; ev. zu Gumpe n , wohl zu 2. ‘ jede Ansammlung von Wasser ’ (I D . 2, 315 f.) und Guntstüol (Stalden; ev zu Gunte n II ‘ Wasseransammlung ’ (I D . 2, 382)), während Mälchstüol ‘ Melkstuhl (Gelände, das an einen Melkstuhl erinnert) ’ (Naters) (vgl. I D . 11, 311) aus dem bäuerlichen Alltag stammt (vgl. R ÜBEL 1950, 61). Als Bestimmungswort findet sich in den Stu ᵉ lmatten ‘ in den Wiesen, die einem Stuhl gleichen ’ (1749, Agarn), und das Stiältihoren ‘ das Stieltihorn (Horn, das einem kleinen Stuhl gleicht) ’ (Wiler), sowie Stielfääscher ‘ die Grasbänder, die wie Stühle aussehen ’ (Naters). Stufe Stufe ist in einem Dokument von 1320 aus Termen als apud Stufen iuxta aquam ‘ bei Stufen neben dem Bach ’ erwähnt. Es kann sich nicht um das hdt. Stufe handeln, da dieses mhd. einen Diphthong / ue/ aufweist; dieser Diphthong kann 1320 noch nicht zu einem Einzelvokal werden. I D . (2, 1456) kennt ein Stüffi (auch mit langem / u/ oder / ui/ ) für das Wallis mit der Bedeutung ‘ mühsame Arbeit ’ ; ob daraus ein Flurname werden kann, ist sehr unsicher. Stumpe Stumpe m. ist zu schwdt. Stump, Stumpe(n) m. ‘ (durch Abschneiden, Abbrechen, Abrauchen) verkürzter, übrig bleibender Teil, Stummel eines Ganzen; Stoppel; abgebrochener, auch stark gestutzter Baum, Aststummel, Wurzelstock ’ , in der Waldwirtschaft vom gefällten oder zu fällenden Stamm, Baum (I D . 11,449 f.; G RICHTING 1998, 185) zu stellen; der FlN ist auch in anderen Namenbüchern dokumentiert (z. B. URNB 3, 545 u. www.ortsnamen.ch s. v. Stumpen). Im Fall von das Stúmpen Kinn ‘ das kurze Kinn (Schlucht) ’ liegt wohl das Adj. stump (I D . 11, 463, Bed. 1 b) ‘ kurz, niedrig ’ ) vor. Belegt ist das Simplex in sechs Flurnamen: jm Stumpen (1687, Ulrichen; 1726 beÿ dem Stumpen), hier wohl ein kleines Stück Land, eventuell mit gekürztem Lischgras (laut Kontext von 1726), der Stumpo (Eggerberg), wohl ein kleines Stück mit Wiesen beim Weiler Finnen, der Stumpu (Simplon), wohl ein abgekürzter Weg nach Simplon (J ORDAN 2006, 197 hat neben Schtumpu auch Undrä Schtumpu, Obrä Schtumpu, Schtumpuwassärleita und Schtumpuchi), der Stumpo ‘ der Baumstumpf ’ (Ried-Brig), am Stumppen (1542, Mund, unklar) und im Plural t Stummpe ‘ die Baumstümpfe ’ (Täsch). Ohne nähere Angaben ist nicht zu entscheiden, worauf sich der Name genau bezieht. Als Bestimmungswort finden sich aús der Stúmppen Wasserleiten ‘ aus der Wasserleitung vom / zum Stumpen ’ (1746 u. später, Simplon; siehe J ORDAN (2006, 197 oben)), ts Stumpuloch ‘ das kleine, niedrige Loch (unter einem Felsen) ’ (Saas-Balen) und ts Stumpuhiisi ‘ das kleine Haus (laut Gwp. nach Spiel ‘ Stumpili trägu ’ benannt) ’ (Embd). Stump als Adjektiv erscheint nur im erwähnten das Stúmpen Kinn ‘ das kurze Kinn ’ (1749, Simplon; nach J ORDAN (2006, 197) liegt allerdings ein Kompositum vor, das das Chi (Schlucht) beim Schtumpu meint). Stund Stund f. ist zu schwdt. Stund f. ‘ Zeitraum, Zeitspanne, Weile (ohne Beziehung auf das genaue Zeitmass); Zeitpunkt, Augenblick; Zeitraum von 60 Minuten; Wegstunde ’ , hier i. S. v. ‘ Wegstunde ’ , ahd. stunt(a), mhd. stunt, stunde (I D . 11, 1050 ff.; G RICHTING 1998, 185) zu stellen. Das HL ist zweimal als Bestimmungswort belegt: ts Stundhüs ‘ das Stundhaus (Haus, das eine Wegstunde von Visp weg liegt) ’ (Visperterminen) und der Stundstei ‘ der Stundenstein (Stein mit Wegzeiten nach Brig und Domodossola) ’ (Simplon). Stupf (FaN) Stupf (FaN) ist ein bis heute mit Bürgerort Mund belegter FaN (J OSSEN 1989, 67), der laut AWWB auch als Stepfer, Stöpfer, zem Stapf, im Stöpf, im Stepf, Imstepf, zem Stepf, Zemstapf, uffem Stapf und im Stupf erscheint (AWWB 250). In der Datenbank sind fünf Belege verzeichnet, jeweils als Erstglied eines Kompositums oder einer Genitivkonstruktion: Stupfacher (1588, Glis), ts Stupfhüüs ‘ das Haus der Familie Stupf ’ (Mund). Mit Genitiv Singular ts Stupfsch Lächa ‘ die Lache (feuchter Boden) der Familie Stupf ’ (Brigerbad) und Stu ᵕ pffs Reben (1693, Eyholz); einen Genitiv Plural der kollektiven - IG -Ableitung zeigt in Stúpfigu Stafell ‘ im Stafel der Familie Stupf ’ (1712, Filet). Stufe 275 276 <?page no="957"?> Stupfu Stupfu ist zu schwdt. Stupf (bzw. -o-), wdt. Stupf, Stüpf, Stipf(i) m., n., ‘ Stechendes, Spitziges; Dorn, Distel, harter Grashalm ’ , aber auch wdt. Schtupf ‘ Stoss, Wink ’ (I D . 11, 1173 f.; G RICHTING 1998, 185) zu stellen., cf. auch HL G SCHTIPF . Das HL ist nur belegt in ze Füf Stupfu ‘ bei den fünf Schritten ’ (Stalden), ein Plural, dessen Deutung als ‘ Schritt ’ unklar ist. Stuppen Stuppen kommt als Simplex in den Stu ᵕ ppen (1687, Naters) vor, dann in den Komposita Stuppulischa ‘ der sumpfige Boden mit Riedgras bei den Stuppen ’ (Naters) und bei der Stuppenlicken ‘ bei der Lücke bei den Stuppen ’ (1687, Naters). I D . kennt zwei Stupp ‘ Staub ’ (11, 1148 f.) und Stupp ‘ Werg, spez. die gröbere Ware; Abfall von Hanf, Flachs ’ (11, 1149 f.). Gwp. spricht beim lebenden Beleg Stuppulischa von ‘ einer Art Büschel ’ - vermutlich sind damit Pflanzen gemeint. Dann würde Stupp als ‘ Werg, Abfall von Hanf, Flachs ’ (I D . 11, 1149 f.) passen, bleibt aber unsicher. Bei G RICHTING (1998) ist das HL nicht belegt. Sturlen (FaN) Sturlen (FaN) ist einmal belegt 1357 als Stûrlenmatta ‘ die Wiese der Familie Sturlin ’ . 1275 ist in Visp die Rede von einem Johannes Sturlin, der ein Grundstück an einem Weg zu vineas de Sturlinguo ‘ der Weinberg der Familie Sturlin ’ besitzt. Der FaN erscheint aber nicht in AWWB oder NWWB. Sturm (FaN) Sturm (FaN) ist nur 1343 in Ernen als Sturings Berg, 1355 in Fiesch als Sturningzberge belegt. Die Belege sind Genitive zu einem FaN Sturing oder Sturning. Wenn der Beleg Wilerswalde mit dem heutigen Wilerwaud in Fiesch identisch ist, muss sich der Berg oberhalb dieses Waldes befunden haben. Berg ist normalerweise nicht eine Bergspitze, sondern ein höher gelegenes Stück Land. Der FaN ist in den Wappenbüchern nicht belegt. Im Register zu den HRBS erscheinen die FaNN Sturm (Sturum) und Sturnetz, doch stammen diese FaNN aus dem 17. Jahrhundert. Die überlieferte Form Sturning oder Sturing legt einen FaN Sturm oder Sturn nahe, von dem die kollektive - ING -Form abgeleitet war. Allerdings ist dann der starke Genitiv auf -s / -z nicht deutbar. F ÖRS- TEMANN (1, 1367) kennt Sturm und Sturmi. Sturnu Sturnu ist nur als tsch Sturnubrunnu ‘ bei der ungestümen Quelle / dem ungestümen Brunnen ’ (Eggerberg, auch EK) belegt. Es handelt sich um ein attributives Adjektiv, das zu schwdt. sturm ‘ stürmisch ’ und wdt. g š turu ‘ stürmisch, aufgeregt ’ (I D . 11. 1495 ff.; W IPF 1910, 65; Grichting 1998, 100) zu stellen ist. Im Kontext von Quellen ist wohl einfach eine ungestüme Quelle zu verstehen (cf. HL S TU- RUND ). Sturund Sturund ‘ stürmend ’ ist ein Partizip Präsens zum Verb stürme n ‘ sturm machen, schwindlig machen ’ (I D . 11, 1503 ff.), bei G RICHTING als Adjektiv gschture ‘ stürmisch, gedankenlos, schwindlig ’ (1998, 100) belegt. Es kommt nur in Sturund Loch ‘ das schwindlig machende Loch ’ (Grächen) und der Sturund Lochschleif ‘ der (Holz-)schleif beim schwindlig machenden Loch ’ (Grächen) vor (cf. HL S TURNU ). Sturz Sturz m. ist als der Gletschersturz ‘ der Gletschersturz (Gebiet, auf das 1901 der Rossbodengletscher stürzte) ’ (Simplon; auch LT; J ORDAN (2006, 81 u. 91 (letzteres mit falschem Verweis, richtig S. 81) als Gletschärschturz) belegt. Es ist zu schwdt. Sturz m., zum Verb stürzen, hier ‘ Abhang; Absturz ’ (I D . 11, 1560 ff.) zu stellen. Sturzli (FaN) Sturzli (FaN) ist nur belegt in tsch Sturzlisch Stüde ‘ das Gebiet mit Stauden der Familie Zurbriggen, die <ts Sturzlisch> genannt wurde ’ (Eggerberg). Es handelt sich also um einen Beinamen des FaN im Genitiv. Stutt Stutt ‘ Pfahl, Pfosten, Stütze ’ ist zu schwdt. Stud, St ū d, W [allis] Stut f., m., n., Pl. Stüd, Dim. Stüdli, Stidli, Studji, Stüdji, wdt. Schtutt, Schtuud (Lötschtal) ‘ Stütze, Pfeiler, Pfosten, Pfahl ’ , mhd. stud f. (I D . 10, 1366 ff.; G RICHTING 1998, 185; R ÜBEL 1950, 39; V. S CHMID 2003, 196) zu stellen. Das HL erscheint als Grundwort in di Brunnustud ‘ die Brunnensäule ’ (Lalden) und als Bestimmungswort in Stúdstadel (1832, Grächen) ‘ der Stadel mit Pfosten ’ . Das 1782 in Embd belegte zúm Studstadel gehört wohl auch hieher, auch wenn 1650 Studsstadoll ‘ Stutz-Stadel ’ steht (cf. HL S TUTZ ). Als Ableitung ist 1774 in Raron im Stuttÿ ‘ beim kleinen Pfosten ’ belegt, ohne dass die genaue Deutung klar wäre. I D . (11, 1843) kennt Stutti als ‘ kleines Tännchen ’ (für Frutigen (BE)) und stellt es versuchsweise zu Stud. Ob das für Raron zutrifft, ist unsicher. Stutz Stutz m. ‘ die steil ansteigende Stelle ’ ist zu schwdt. Stutz m., Pl. -ü-, Stutze(n), Pl. unver., Dim. Stutzli, Stützli, 277 278 Stutz <?page no="958"?> Stützji ‘ stark ansteigende Stelle im Gelände, (kurze, steile) Anhöhe, steile Halde, jäher (Ab-)Hang, Rain, Hügel ’ , bes. auch ‘ steiles Wegstück ’ , mhd. stuz, stuze und wdt. Schtuzz ‘ Wegstück (steil) ’ (I D . 11, 1885 ff.; G RICH- TING 1998, 185) zu stellen. Als Deutung wird nur dann ‘ der steile Weg ’ gegeben, wenn dies aus der Beschreibung klar hervorgeht; sonst steht ‘ die steil ansteigende Stelle ’ in allgemeinerem Sinn. Das HL kommt in rund 160 Namen vor. Das Simplex im Singular der Stutz, auch am, im oder üfem Stutz ist 38 Mal im ganzen Gebiet belegt. Der Plural ist als t Stitz (Saas-Balen, Saas-Fee, Törbel), t Stitzene (Steinhaus, zweimal) und inne Stitzu (Brig) belegt; nur historisch ist in den Stüzenen (1781, Blitzingen) bezeugt. Das Diminutiv erscheint im Singular als ts Stutzji acht Mal, historisch als Stutzgi (1549, Binn) und im Stutzjÿ (1752, Zermatt; früher als am Stutzgi (1529) und am Stitzgi (1696)). Der Plural dazu ist t Stutzjini (Ausserberg, Ferden, Zwischbergen) und das umgelautete und entrundete t Stitzjini (Simplon; J ORDAN (2006, 289) hat Schtitzjini). Mit attributiven Adjektiven erscheint das HL selten: am Gabnen Stutz ‘ an der steilen Stelle beim Gaden (Stall) ’ (1709, Oberwald), dr Häärdig Stutz ‘ die steil ansteigende Stelle mit Erde ’ (Blatten), beÿm Leimiger Stútz ‘ bei der steil ansteigenden Stelle mit Lehm ’ (Greich), ts Ober Stutzji ‘ der obere Teil der kleinen steil ansteigenden Stelle ’ (Täsch, Ulrichen), am Undren Stutz ‘ an der unteren steil ansteigenden Stelle ’ (1845, Blatten), der Unner Stutz ‘ die untere steil ansteigende Stelle ’ (Zermatt) und ts Unner Stutzji ‘ der untere Teil der kleinen steil ansteigenden Stelle ’ (Täsch, Ulrichen). Vorangestellte Genitive des Nutzers oder Besitzers zum HL sind: der Eggurustutz ‘ der steile Schleif der Leute von der Egga (Ecke) ’ (Grächen) mit dem schwachen Genitiv Plural, ts Fuggsch Stutz ‘ die steil ansteigende Stelle der Familie Fux ’ (Randa), der Goofustutz ‘ die steil ansteigende Stelle für die Kinder (laut Gwp. Schlittelhang für Kinder) ’ (Unterbäch) - der Genitiv ist hier allerdings unsicher - , der Joderestutz ‘ die steil ansteigende Stelle des Joder (PN) ’ (Reckingen), dr Poolustutz ‘ der steile Weg, den die Polen (internierte polnische Soldaten) bauten ’ (Blatten), der Raatsheerrustutz ‘ der steile Weg der Ratsherren (hier wohl: Gemeinderat) ’ (Leukerbad). Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist das HL häufig. Meistens sind es benachbarte Flurnamen, die im Bestimmungswort genannt werden. In sehr wenigen Fällen lässt sich ein FaN erkennen, so in der Schreetistutz ‘ die steil ansteigende Stelle der Familie Schröter ’ (Albinen), wozu die Gwp. die Deutung gibt, der Alpgeteile namens Schröter habe diese Steigung vermeiden wollen. Jegärstutzji (FLNK, Ergisch) bezieht sich entweder auf den FaN Jäger oder auf das Nomen agentis Jäger, während t Jegistitz ‘ die steil ansteigenden Stelle zur Jegi (Jagdgebiet, Felsbänder) ’ (Blatten) ein Gebiet auf der Alpe Guggina nennen, wo gejagt wurde. der Jerjestutz (Blitzingen) bezieht sich entweder auf den FaN Jerjen oder den PN Jörg (oder eine andere Form von Georg). Peterstutz (Steinhaus) meint wohl den PN Peter, ohne dass klar ist, in welcher Beziehung er zum Stutz steht. Zu der Grittistutz ‘ die steil ansteigende Stelle des Gritti ’ (Fieschertal) sagt die Gwp., dass dieser Ort früher einem Mann namens ‘ Gritti ’ gehört habe; es muss sich um einen Beinamen handeln. Ob in im Grangenstutz ‘ in der steil ansteigenden Stelle des Grang (? ) ’ (Ernen) ein PN steckt, ist unklar. Andere Namen sind ebenfalls unklar: im Gablenstutz ‘ in der steil ansteigenden Stelle bei der Wegverzweigung ’ (1722, Oberwald) steckt vermutlich das Nomen Gabel; ob es aber eine Weggabelung bezeichnet, ist unsicher. Bei im Gartner Stútz ‘ in der steil ansteigenden Stelle bei den Gärten ’ (1824, Oberwald) könnte statt Garten auch das Nomen agentis Gärtner stecken. der Ginterstutz und obem Ginterstutz (beide Obergesteln) beziehen sich wohl auf die Siedlung Gintrige ‘ der Ort der Leute des Guntern ’ , das seinerseits wohl auf den FaN G UNTERN zurückzuführen ist. der Gassustutz ‘ der steile Weg vom Ortsteil Gassa (Ried-Brig) aufwärts ’ (Ried-Brig) ist nur erklärbar, wenn Gassa als Name eines Dorfteils von Ried-Brig verstanden wird. Unklar ist dr Stiärstutz ‘ die steil ansteigende Stelle, die einem Stier gleicht ’ (Ferden) - man kann sich, anders als beim Geisstutzji ‘ der kleine steile Weg für die Ziegen ’ (Baltschieder) - kaum vorstellen, dass dies die bevorzugte Stelle für Stiere hätte darstellen können. Komplexere Konstruktionen enthalten mehrgliedrige Bestimmungswörter wie in Gmeimattustutz ‘ der steil ansteigende Weg bei der Gemeindewiese ’ (Niederwald) oder der Hollerborstutz ‘ die steil ansteigende Stelle im Hollerbordwald ’ (St. Niklaus) sind Beispiele dafür; dabei macht aber der letzte Beleg bei SK und FLNK Hollerbordwald, auf LT und bei MS Hollerborwald, das Ganze unsicher. Als Bestimmungswort ist das HL mit folgenden Grundwörtern verbunden: Bach, Birmji, Blatta, Bodu, Gassa, Matta, Schluocht, Stadel und Wald. Komplexer ist Stutzgassuschleif ‘ der Schleif oberhalb der Stutzgassu (die Gasse, die zur steil ansteigenden Stelle führt) ’ (Oberems), die Stútzwasserleiten ‘ die Wasserleitung von / zu der steil ansteigenden Stelle ’ (1713 u. später, Ernen und weitere Belege in Bister, Fiesch und Mühlebach). Eine Ableitung auf - ER ( U ) ist in ze Stutzru (Eischoll) enthalten. Ältere Beleg sind: 1466 an der Stuccun, 1742 im Stutzer, 1809 zen Stútzeren. Die Ableitung ist also jung und zunächst wohl maskulin, erst später feminin. Die Stutz 279 280 <?page no="959"?> Ableitung ist nach S ONDEREGGER (1956, 471 ff.) denominal und bezeichnet hier einen Ort mit vielen steilen Anstiegen. Hierzu gesellt sich der historische Beleg am Stútzeracher (1782, Eischoll), der wahrscheinlich noch ein maskulines Bestimmungswort aufweist. Stutzer (FaN) Stutzer (FaN) bezieht sich auf den FaN Stutzer. Zwar ist der FaN Amstutz, Stutzer belegt (AWWB 10); der FaN bezieht sich aber auf eine Familie, die erst im 18. Jahrhundert aus dem Kanton Schwyz (Küssnacht) ins Wallis einwanderte. Der Beleg Stúczers Acher ‘ der Acker der Familie Stutzer ’ (1450, Ernen) ist klar älter. Es ist deswegen unsicher, ob es sich um den FaN Stutzer oder um die Leute, die am Stutz (steil ansteigende Stelle) wohnten, handelt. Stuync Stuync ist nur in zen Stuync Matta (1361, Bratsch) belegt. Die Lesung folgt P HILIPP K ALBERMATTER (p. c.). Die Schreibung {uy} steht in deutschen Belegen normalerweise für [ü]; so hat etwa Reckingen 1309 zer Luykkun ‘ bei der Lücke ’ und Eischoll 1300 in der Byundun ‘ im Pflanzplatz ’ . Auslautendes {c} nach {n} lässt sich als [ ŋ ] (z. B. in Termen 1320 Wanc ‘ der Grasabhang ’ ) oder als [s], resp. [ts] lesen, wie es etwa für Visperterminen 1256 in Nancz ‘ Nanz (Alpe) ’ belegt ist. Es liegt also entweder Stüng oder Stünz vor. Ersteres ist nicht belegt. In der Konstruktion zen Stuync Matta ‘ bei der Wiese der Leute des Stünz ’ liegt aber wohl ein PN Stün im Genitiv vor; zugleich ist damit der Plural des Artikels plausibler gemacht. Stün ist als Kurzform für den FaN Steffen im Register HRBS enthalten (vgl. auch AWWB 249 und den Verweis von Stin auf Steffen AWWB 251). Das Adjektiv stunz ‘ kurz, abgenutzt, stumpf ’ (I D . 11, 1144) kommt kaum in Frage. Subneche Subneche ist nur einmal 1320 in Naters belegt. Es handelt sich um eine Flur bei Ruppe (wohl Flüe). Der Flurname ist im Dokument sicher, lässt sich aber nicht deuten. Sucka Sucka f. ist vermutlich zum HL S ICKA ‘ feuchtes Gebiet ’ zu stellen. Der einzige Beleg stammt von 1389 in Brig und nennt Mu ͦ slin seu Sucka, also ‘ das kleine Moos (sumpfiges Gebiet) oder Sucka (feuchtes Gebiet) ’ . Süd Süd, frz. sud und it. sud sind zu schwdt. Süde(n) m. ‘ Süden ’ als Himmelsrichtung, verbreitet, doch wenig volkstümlich (dafür Mitt-Tag) mit wenigen jungen FlNN (I D 7, 331) zu stellen. Frz. sud und it. sud werden in Gipfelnamen nachgestellt verwendet. Das dt. Süd kommt in der Südgipfil ‘ der Südgipfel des Diablon ’ (Oberems), der Südlenz ‘ der Südlenz (Gipfelname, auch Lenzspitze) ’ (Randa; zur Benennung siehe HL L ENZ ), der Südlännz ‘ der Südlenz (Gipfelname, auch Lenzspitze) ’ (Saas-Fee). Unklar ist das als ts Schüdegg (Visp) von M. S. notiert, das aber als Südegg (LT und FLNK) erscheint. Es handelt sich hier vermutlich um eine im Süden von Staldbach liegende (Fels-)Ecke. Auf italienisch erscheint Passo di Ventina Sud (LT, Zermatt), wozu sich auf LT auch Passo di Ventina Nord gesellt, das nicht in Datei des VSNB erscheint; zu Ventina cf. HL V ENTINA . Auf französisch ist Pointe Sud de Moming ‘ die Süd-Spitze von Moming (Gipfelname) ’ (LT, Randa) belegt. Eine Adjektivableitung Südlich erscheint in Südlich Jatzihoru ‘ das südliche Jatzihoru (Gipfelname, auf LT nicht benannt, it. Pizzo Cingino Sud) ’ (FLNK, Saas-Almagell), der Südlich Teiffesattel ‘ der südliche Sattel (Bergübergang) beim Tiefenstock (so LT) ’ (Oberwald), Südlich Wisshoru ‘ das südliche Wisshooru (Gipfelname, LT Südl. Wysshorn beim Wysshorn) ’ (FLNK, Naters), auch Südliches Wysshorn ‘ das südliche Wysshorn (Gipfelname, südlich von Wysshorn ‘ weisses Horn ’ ) (LT, Naters). Der dt. Name scheint nicht bodenständig zu sein, da er eigentlich entrundet als Siid(e) erscheinen müsste, das nicht belegt ist. Suet (FaN) Suet (FaN) ist einmal belegt in possessio Jacobi Suetzsch ‘ das Gut des Jakob Suet ’ (1391). Lat. possessio kann als ‘ Gut, Besitztum ’ übersetzt werden. Jacobi Suetzsch ist ein Genitiv, wobei unklar ist, ob der Nominativ des FaN wirklich Suet, oder doch Suetz ist. Der FaN Sueth ist einmal in der Sammlung der Personennamen des FGA als Sueth (J ORDAN o. J.) belegt. Suffun Suffun ist 1237 in Staldenried als apud Suffun belegt. Es handelt sich um einen Akkusativ, wohl zum Nominativ Suffa f. Eine Ableitung auf - OL (S ONDEREGGER 1958, 513) als Stellenbezeichnung erscheint 1662 in Bürchen als jm Suffolboden. I D . (7, 345) kennt Sûffe n allgemein als ‘ schlürfbare Flüssigkeit ’ , genauer als ‘ Käsemilch ’ (so auch bei G RICHTING 1998, 191 als Süüffi) und (7, 358) als ‘ Johannisbeere ’ (aber Belege nur aus Graubünden). Beide Deutungen sind - aus unterschiedlichen Gründen - unsicher. Beim Kompositum Suffolboden könnte der Bezug zum Verb sûffe n ‘ trinken, saufen ’ und wdt. süüfe, süüfä (Goms), suiffn (Lötschental), süüfu ‘ trinken ’ (I D . 7, 346; G RICHTING 1998, 191) gegeben sein, also der Boden, wo das Vieh saufen kann. 281 282 Suffun <?page no="960"?> Sulingen Sulingen ist nur 1545 in Ritzingen als am Sulingen Acher belegt. Die Form scheint ein - ING -Kollektivum zu sein, das entweder die Leute des Sul oder die beim Sul wohnenden Leute meinen kann. S ŭ l ist in I D . (7, 798) nur zu Ortsnamen mit Sul(d) zu stellen, die normalerweise zu einem Sumpf gehören (cf. HL S ULO ). Dem entspricht sonst eher Sol (cf. HL S OL ). Insgesamt kann eine Deutung nicht gegeben werden. Sulo Sulo ist nur 1753 in Guttet als in den Sulo ‘ im Sumpf ’ belegt. Laut Dokument handelt es sich um eine Wiese. Der Kasus ist hdt. eigentlich ein Dativ, hier aber (wie in Leuk und Umgebung öfters) ein Akkusativ. Am nächsten liegt S ŭ l ‘ Sumpf, See ’ (I D . 7, 798), das laut I D . nur in Ortsnamen vorkommt; zu Varianten s. dort, wo auch Formen wie Sulen vorkommen. Sulz Sulz ist bei W IPF (1910, 31) als n. ‘ Sumpf ’ und S. 79 ohne Genusangabe als ‘ Sülze, Schlamm ’ für Visperterminen verzeichnet. Laut Index S. 195 hat es die Genera m. und n. Auch I D . gibt, W IPF folgend, diese Genera an. Von den unter schwdt. Sulz f., m., n. ‘ Salzbrühe, in der das Fleisch gebeizt wird ’ , ‘ Salzlecke, salzige Stelle an Felsen, die von Gemsen aufgesucht wird ’ , ‘ halbflüssiger Schnee, Strassenkot ’ , ‘ Schlamm, sumpfiger Boden ’ , ahd. sulza, mhd. sulze, sülze f. (I D . 7, 899 ff.) verzeichneten Bedeutungen sind wohl nicht alle für die Ortsnamen relevant. Z INSLI (1984, 586) nimmt in alpinen Flurnamen primär ‘ Salzlecke; salzige Stelle an Felsen, die von den Gemsen aufgesucht wird ’ an. Das Simplex Sulz f. kommt nur in Ulrichen vor; es meint dort ‘ Moränenboden und faules Gestein ’ und ist verbunden mit einem Namennest, das t Foder und t Hinner Sulz, der Sulzgraad, t Sulzlicke (dazu Hinneri und Voderi Sulzlicke) umfasst. In Eggerberg ist t Sulza f. als Schafweide belegt (ohne Koordinaten); aus dem Kontext ist nicht klar, ob es sich um Sg. oder Pl. handelt und ob hier die Salzhaltigkeit im Vordergrund steht. Als Kompositum gibt es hier den Sulzacher, wohl ‘ Acker mit sumpfigem Boden ’ . Ein Diminutiv ts Sultzji (Täsch) meint vermutlich ‘ das kleine sumpfige Gebiet ’ . Eine Adjektivbildung ist t Rot Sulz (Grengiols), ein Jägerstand in der Nähe einer Salzlecke, die vor allem Gemsen anzieht. Weitere Belege enthalten Sulz als Bestimmungswort zu Acher, Bach, Balm, Färrich, Gletscher, Egg(a), Matta, Wald und Wäg. Die komplexeste Form ist das ober Sultz Greblj (1697, Brig), wohl ‘ der obere kleine Graben mit sumpfigem Boden ’ . Im Einzelfall ist ohne genauere Angaben nicht zu entscheiden, wie Sulz zu deuten ist. Summer Summer m. ‘ Sommer ’ ist zu schwdt. Sumer m., Pl. unverändert, aber Sumra in Visperterminen, wie nhd. ‘ Sommer ’ , ahd. sumar, mhd. sumer, auch FaN (I D . 7, 975 ff.; G RICHTING 1998, 190), in FlN zur Bezeichnung von Kulturland, das besonders im Sommer ertragreich ist oder besonders im Sommer genutzt wird (TGNB 2, 2, 588). Das HL wird rund zehn Mal und nur als Bestimmungswort benutzt. Die Grundwörter sind Egg(a), Gadu, Hüs, Matta, Seil und Tschugge. Komplexere Bildungen sind Summerhüsheeji ‘ die Höhe beim Sommerhaus ’ (Staldenried), und die Summerseiliwasserleiten ‘ die Wasserleitung vom / zum Summerseili (wie eine Anbindestelle für Vieh im Sommer? ) ’ (1682, Ried-Mörel), zu Seili siehe HL S EIL . Das nur einmal belegte zer Summermattu ‘ bei der Sommerwiese ’ (früherer Weiler von Eisten) ist auch im FaN Summermatter enthalten (cf. HL S UMMERMATTER (F A N)). Summermatter (FaN) Summermatter (FaN) ist der FaN Summermatter, einer Familie des Bezirks Visp, die ihren Namen nach dem Stammsitz, der Summermatte bei Eisten, führte. Sie verzweigte sich schon früh in verschiedene Gemeinden des Vispertales, so nach Eisten, Grächen und Törbel im 15. Jh., nach Visp im 16. Jh. und von Grächen im 17. Jh. nach St. Niklaus; man findet sie auch früh in Turtmann (AWWB 252 u. W. M EYER 1991, 240). Belegt sind der Summermatterwald ‘ der Wald der Familie Summermatter ’ (St. Niklaus), jn Sumermattero Brand ‘ im brandgerodeten Gebiet der Familie Summermatter ’ (1676, Stalden) und dazu Waldt ‘ Wald ’ , der auch lateinisch 1688 in syluam Summermattero ‘ der Wald der Familie Summermatter ’ (Stalden) belegt ist. Summus Summus ‘ höchster ’ ist ein lat. Adjektiv, das historisch in Salgesch 1494 als jn summo de laz chinaz ‘ zuoberst im Dorfteil Cina ’ belegt ist. 1546 wird es französisiert als en sombe de la chynaz; 1579 seltsam geschrieben als jn sumoz de la china. Wieweit das Adjektiv noch als Namenbestandteil, abgeleitet von lat. summus ‘ höchster ’ , verstanden wurde, ist unklar. Zu stellen ist es aber als Sommet (T AGMANN 1946, 62), der es zu S UMMA stellt. Sumpf Sumpf m. ‘ der Sumpf ’ ist zu schwdt. Sumpf m., Pl. -ü- (-i-) wie nhd. ‘ Sumpf ’ , heute allg. bekannt, doch nicht volkstümlich, dafür Moos, Riet, Sööken, Sücken, Sulz, ahd. Sulingen 283 284 <?page no="961"?> sumft, mhd. sumpf, sunpf und wdt. Sumpf, Pl. Simpf ‘ Sumpf ’ (I D . 7, 992; G RICHTING 1998, 190) zu stellen. Das Simplex dr Sumpf (Ferden, Kippel) betrifft den gleichen Ort, gleich wie auch den dazu gehörenden Sumpfwald ‘ der Wald beim Sumpf ’ (FLNK, Ferden; Kippel). Nur in Kippel belegt sind: der Ober und der Unner Sumpf ‘ der obere und der untere Teil des Sumpf ’ und t Sumpftola ‘ die Mulde unterhalb des Sumpf ’ . In Oberwald ist im Sumpf ‘ im Sumpf ’ bezeugt. Die Belege sind durchwegs lebend; historische Belege fehlen, was auf das geringe Alter der Namen hinweist. Sunna Sunna f. ‘ Sonnseite ’ ist zu schwdt. Sunn, Sonn, Sun(n)a f. in der älteren Sprache auch m. ‘ Sonne ’ , nach der Sonne bestimmte Lage, Richtung ’ , ahd. sunna, mhd. sunne und wdt. Sunna, Sunnä (Goms), Sunu (Saastal), Sunnu ‘ Sonne ’ (I D . 7, 1092 ff.; G RICHTING 1998, 190), in FlN Geländestücke, die von der Sonne (besonders Morgensonne) gut beschienen und gewärmt werden und daher guten Ertrag liefern, meist Südlage, exponierte oder erhöhte Stellen (TGNB 2, 2, 589), zu stellen. Von den rund 80 Belegen befinden sich die grösste Zahl im Bezirk Visp; die anderen Bezirke weisen nur vereinzelte Belege auf und Westlich-Raron gar keinen. Das Simplex im Singular ist als t Sunna (Eisten, Emdbd, Visperterminen und Zeneggen), t Sunu (Saas- Balen (3 Belege), Saas-Fee, Saas-Grund), historisch an der Sohnen (1686, Grächen), in der Sonnen (1621, Saastal) und in der Sunnen (1644, Grächen) belegt. Im Plural erscheint es als t Sunne (Staldenried) und in den Su ᵕ nnen (1647, Stalden). Die Diminutive sind im Singular: das Sonnili (1699, Randa; 1669, Täsch; gleicher Beleg); ts Sunnilli (Törbel), im Súnnilti (1831, Brigerbad). Im Plural sind die Diminutive: t Sunnetjini (Bitsch (FLNK Sunneggini), t Sunnetjini (Ried-Mörel), t Sunnilini (Eisten), t Sunillini (Embd), Sunnini (FLNK, Visperterminen), t Sunnini (Staldenried, FLNK Sunnili). Mit attributiven Adjektiven ist das HL belegt als: di Gmeinu Sunna ‘ das sonnseitig gelegene Grundstück, das der Gemeinde gehört ’ (Eisten), t Hinndru Sunnini ‘ die hinteren kleinen sonnseitig gelegenen Grundstücke ’ (Visperterminen), t Inner Sunnu ‘ das innere, sonnseitig gelegene Grundstück ’ (Visperterminen), t Obru und t Undru Sunnini ‘ die oberen und die unteren kleinen sonnseitig gelegenen Grundstücke ’ (Visperterminen), die Úndern Sonnen ‘ das untere sonnseitig gelegene Grundstück ’ (1836, Saas-Grund), in den Wÿssen Sonnen ‘ in den weissen sonnseitig gelegenen Grundstücken ’ (1732, Zeneggen). Mit dem HL als Grundwort sind eine Reihe von zweigliedrigen Komposita belegt, die meist eine nahegelegene Flur bezeichnen: in der Bielti Sonnen ‘ im sonnseitig gelegenen Grunstück beim kleinen Hügel ’ (1792, Visperterminen), di Bodusunna ‘ das sonnseitig gelegene Grundstück unterhalb des Boden ’ (Randa), di Brannsunna ‘ das sonnseitig gelegene Grundstück beim brandgerodeten Gebiet ’ (Grächen. FLNK Brandsunna), di Gallgesunna ‘ das sonnseitig gelegene Grundstück bei der Galgera ’ (Eisten) und viele andere mehr. Auffallend sind t Jagobjisunna ‘ das sonnseitig gelegene Grundstück des kleinen Jakob ’ (Visperterminen) (wobei hier unklar ist, worauf sich Jagobji bezieht: ein lokaler Übername oder ein Bildstock? ) und t Kapolusunna ‘ das sonnseitig gelegene Grundstück bei der (Dreifaltigkeits-)Kapelle ’ (Visperterminen). Zwar klar, aber dennoch ungedeutet sind di Barmilisunna (Visperterminen) und jn der Bermülinsonnen (1628, Visp) in beiden kommt der Flurname Barmili vor, der seinerseits undeutbar ist. Weitere komplexe Konstruktionen fehlen. Als Bestimmungswort kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Brand, Egg(a), Grabu, Haalta, Hitta, Matta, Richti, Schiir, Sita, Stadel, Wäg und Wald. Komplexer ist an den Sonnen Matten Rús ‘ der Wasserlauf von / zu der Sonnenwiese ’ (1749, Visp). Das Adjektiv sunnig ‘ sonnig ’ (I D . 7, 1103) tritt auf mit den Grundwörtern Flüö, Gletscher, Graat, Hooru, Nacke, Pass und Sita. Dabei fällt auf, dass um das Sunighoru ‘ Sonnighorn ’ (Saas-Almagell, LT Sonnighorn; it. Pizzo Bottarello) ein Nest mit der Suniggraad, der Sunigpass, Sunniggletscher (alle Saas-Almagell) existiert, das wahrscheinlich auf einer späteren Benennung durch Alpinisten beruht. Der Bergname Bottarello ist so weder bei O LIVIERI (1965), noch sonst belegt. Suon Suon f. ‘ Wasserleitung ’ ist zu wdt. Suen, Sua, Süe(n) f., Pl. Suene(n), Unterbäch Siene(n), Dim. Süenli Süalli ‘ Wasserleitung; Wassergang einer Art Schlitzgraben ’ , Süen, Süön, Suän ‘ Wasserrinne, Wasserleitung ’ (I D 7, 1109; B ELLWALD / W ÜRTH 2006, 32 ff.; G RICHTING 1998, 190) zu stellen. Flurnamen mit diesem HL finden sich praktisch nur im Bezirk Westlich Raron; sonst wird dafür Wasserleita ‘ Wasserleitung ’ oder Runs ‘ Wasserleitung, Wasserlauf ’ verwendet. Das HL wird häufig in der touristischen Literatur für das Oberwallis gebraucht. Es ist in rund 100 Namen belegt. Das Simplex kommt nur im Plural als zin Siänu ‘ bei den Wasserleitungen ’ (Ferden) vor, wo eine Wasserleitung aus dem Färdanbach abzweigt. Das 1698 in St. Niklaus belegte an den Sienen ‘ an den Wasserleitungen ’ ist unsicher, M. S. weiss nicht, ob der Beleg überhaupt zu 285 286 Suon <?page no="962"?> St. Niklaus gehört - es ist einer der wenigen Belege ausserhalb des Bezirkes Westlich Raron. Mit attributiven Adjektiven ist das HL wie folgt belegt: t Alt Suän ‘ die alte Wasserleitung ’ (Blatten), Alti Süä ‘ die alte Wasserleitung (vom Ronbach her) ’ (FLNK, Bürchen), Alti Süe ‘ die alte Wasserleitung (vom Milibach her) ’ (FLNK, Unterbäch; LT Alte Suon), t Alti Süe ‘ die alte Wasserleitung (vom Gorpatbach her) ’ (Eischoll), Goldini Suän ‘ die goldene Wasserleitung ’ (FLNK, Ferden) und di Guldinu Siänä ‘ die goldenen Wasserleitungen ’ (Ferden; gleicher Ort wie der vorhergehende Flurname), di Guldi Suän ‘ die goldene Wasserleitung ’ (Kippel; FLNK Guldini Suän), di Guldisuän (Wiler) (heute keine Suon erkennbar, auf Lauchernalp), die Höche Súon ‘ die hohe Wasserleitung ’ (1664, Wiler), ob der Höchen Súen ‘ oberhalb der hohen Wasserleitung ’ (1690, Blatten), aúf der Höhen S ŭ hn ‘ auf der hohen Wasserleitung ’ (1867, Kippel), t Niiw Suän ‘ die neue Wasserleitung ’ (Blatten), Niwwi Süe ‘ die neue Wasserleitung ’ (FLNK, Eischoll), Nüw S ŏ n ‘ die neue Wasserleitung ’ (1501 u. später, Unterbäch), die Niwe S ŭ on ‘ die neue Wasserleitung ’ (Bürchen), t Obri Süe ‘ die obere Wasserleitung ’ (Niedergesteln), t Undri Süe ‘ die untere Wasserleitung ’ (Niedergesteln). Vorangestellte Genitive sind auf - ER belegt: Eischlersüe ‘ die zu Eischoll gehörende Wasserleitung ’ (FLNK, Unterbäch), Gärwersuon ‘ die Wasserleitung, die von / zu ze Gärwerru führt (Ort, wo es V ERATRUM ALBUM (Weisser Germer) hat / wo die Gerber wohnen) ’ (1781, Bürchen), t Lügjerrusüe ‘ die Wasserleitung, die an der Lüogju (Aussichtsstelle) vorbeiführt ’ (Hohtenn), das Pfanmatter Súonli ‘ die kleine Wasserleitung der Familie Pfammatter / die von der / zur Pfandmatte führt ’ (1738, Eischoll), t Seebärgärsuän ‘ die Wasserleitung der Familie Seeberger ’ (Kippel), t Stägerrusüe ‘ die Wasserleitung der Leute von Steg ’ (Hohtenn). Als Grundwort verbindet sich das HL in zweigliedrigen Komposita mit der Angabe von Ausgangs- oder Zielort der Wasserleitung, manchmal auch mit Orten, an denen sie vorbeiführt. Beispiele sind ts Alpusieli ‘ die kleine Wasserleitung zur Alpe ’ (Hohtenn), die Eistsu ͦ n ‘ die Suon (Wasserleitung), die zum Gebiet Eischt (Schafstall) fliesst ’ (1638, Blatten), t Färdasuän ‘ die Wasserleitung Richtung Ferden ’ (Kippel), Gieschsüe ‘ die Wasserleitung nach Giesch ’ (FLNK, Hohtenn) und viele andere mehr. Komplexer sind t Alti Gieschsüe ‘ die alte Wasserleitung nach Giesch ’ (Hohtenn, Niedergesteln), t Forsassuän ‘ die Wasserleitung, die die Forsass (Voralpe) bewässert ’ (Blatten), t Färdariedsuän ‘ die Wasserleitung, die vom / zum Ferdenried (Ried bei Ferden) fliesst ’ und andere mehr. Ein besonders schwierig zu deutender Beleg stammt von 1665: die Wasserleúten Súon ‘ die Suon (Wasserleitung) bei “ Zer Wasserleitung ”’ (Ferden), wo unklar bleibt, ob der Schreiber meinte, dass die betreffende Wasserleitung Suon heisse, oder ob eine Suon bei einer Flur zer Wasserleitung vorbeiführte. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita zusammen mit den Grundwörtern Acher, Schepfi, Schnitta und Stadel vor. Ein komplexerer Fall ist di Gieschsüüeabschlacht ‘ die Stelle, wo die Giesch-Suon (Wasserleitung nach Giesch) abgeleitet wird ’ (Hohtenn). Der interessanteste Beleg ist sicher Almagäller Suonuwäg ‘ der Weg zu den Suonen (Wasserleitungen) von Saas- Almagell ’ (FLNK, Saas-Almagell), offenbar ein touristisch vermarkteter Name im Bezirk Visp, der sonst das HL S UON gar nicht kennt. Am unklarsten ist der Beleg in christa dou svon (1484, Varen). Der Beleg ist romanisch, christa ist als ‘ Hügel ’ oder ‘ Krete ’ zu übersetzen. Ob in svon tatsächlich das Wort Suon steckt, ist unklar. Wenn, dann wäre es hier vom Schreiber als romanisches Wort verstanden worden. Die Deutung von Suon ist umstritten. R ÜBEL (1950, 87, Fn. 2) referiert H UBSCHMIED , der ein keltisches *su-agnis ‘ die schöne Leitung, die künstliche Leitung ’ annimmt und auch den Ort Suen im Mittelwallis so erklären will (nach J ACCARD 1906, 447, der darin allerdings ein Patronymikon auf - INGIS sieht). Die Deutung von ahd. suona ‘ Sühne ’ (nach F URRER 1850, 94) lässt sich aus semantischen Gründen nicht halten. G LATTHARD (1987, 3 f.) nimmt ahd. suola ‘ Egge, Furche ’ als Ausgangspunkt an und skizziert die lautliche Entwicklung zu Suon. Insgesamt kann keine der Erklärungen überzeugen. Der älteste Beleg scheint das romanische dou svon (1484, Varen) zu sein, dessen Deutung unklar ist; wenn tatsächlich ein frpr. Etymon gegeben wäre, ist die Deutung unsicher. Superiore Superiore ist nur in Passo Superiore di Pesciora (Oberwald) belegt. Zwischen dem Pizzo Pesciora und dem Pizzo Rotondo liegen der obere und der untere (inferiore, nicht belegt) Passo di Pesciora. Der Name bezieht sich auf die Alpe di Pesciora im Bedretto-Tal auf Tessiner Gebiet; P ESCIORA lässt sich wohl als Pflanzenname deuten (cf. HL P ESCIORA ). Superiore ist zu it. superiore ‘ höher, höher gelegen; obere, Ober- ’ (Komparativ zu it. alto ‘ hoch ’ ) zu stellen (LSI 5, 370 s. v. süperiór; D EVOTO / O LI 2020, 2237). Suph Suph, auch Supch ist ein romanisches Lexem, belegt in Ergisch 1320 als sub saxis dou supch, 1328 sub saxis dou suphin, 1351 sub saxis dou supch und in Turtmann 1328 sub saxis dol suph. Die Belege sind schon lautlich schwie- Superiore 287 288 <?page no="963"?> rig zu interpretieren; inhaltlich bleiben sie undurchsichtig. Währen sub saxis ‘ unter den Felsen / Steinen ’ problemlos ist, kann suph / suphin / supch nicht gedeutet werden. M EYER (1914) analysiert Schreibungen aus dem 13. Jahrhundert aus dem Val d'Anniviers; Suph und seine Varianten sind dort aber nicht belegt. Surmison Surmison ist nur 1740 in Varen als in Surmison (Weinberg) erwähnt. Es ist wohl zu lat. s ŭ per über, oben (FEW 12, 430 ff.) und lat. mansio aufenthalt, unterkunft (FEW 6, 1, 234 ff.) (cf. HL M ISSONG ) zu stellen und meint ‘ oberhalb des Hauses / der Häuser ’ . Suroch Suroch ist nur einmal 1741 in Termen als bÿ dem Suroch Baum ‘ beim Suroch-Baum ’ belegt. Es ist zu schwdt. S ū rach(er), -ocher, -ech(er) m. ‘ Sauerdorn, B ERBERIS VULGA- RIS ’ , ‘ saure Apfelsorte, auch saurer Apfel überhaupt ’ (I D . 4, 1282 f.; G R W B 14, 1922 ff.) zu stellen. Die dialektale Form müsste wohl Süüroch lauten, doch ist sie so bei G RICHTING (1998, 191 s. v. Süüri) nicht belegt; gemeint ist hier laut Kontext ein Baum mit sauren Äpfeln. Suste Suste ist zu schwdt. Sust, Suste n , Sueste n f. ‘ öffentlich gedeckte Halle zum Einstellen der Saumtiere bzw. Wagen mit Kaufmannsgütern oder öffentliches Lagerhaus für Waren ’ , die Benutzung war obligatorisch und geschah gegen Erlegung einer Gebühr, in der Sust wurde auch der Zoll erhoben, ‘ Wagenschuppen überhaupt ’ , ‘ Schirmdach (auf steinernem Unterbau) in den Alpen ’ und wdt. Suschta, Suschtä (Goms), Suschtu ‘ Gebäude (geräumiges) ’ (I D . 7, 1415 ff.; G RICHTING 1998, 191) zu stellen. Laut I D . stammt das Wort aus dem Romanischen, vgl. it. sosta ‘ Ruhe, Rast, Stillstand ’ . Der Ortsteil Susten (Leuk) ist der bekannteste Vertreter des Namens im Oberwallis. In den Belegen sind die Susten von Brig als beÿ der Susten (lat. sustam), von Simplon-Dorf als uf der Suschtu ‘ auf der Suste (Dorfteil von Simplon-Dorf) ’ , von Visp (lat.) sustam und von Leuk als t Suschtu vertreten. Hier handelt es sich um Susten, die in der Deutung als ‘ Pferdewechselstationen ’ angegeben wurden genauer wurden hier die Lasten ( “ Ballen ” ) der Maultiere und Pferde umgeladen. Die Belege t Suschta (Bellwald), zer Suston (1435, Naters), t Suschta (Visperterminen) und der Diminutiv ts Suschtelti (Naters) bezeichnen grössere oder kleinere Gebäude. In Bellwald ist 1871 Brúnnen bei der Súste ‘ der Brunnen / die Quelle bei der Suste ’ erwähnt, wobei t Suschta einfach ein Gebäude bezeichnet. In Simplon-Dorf ist t Suschtmatta ‘ die Wiese bei der Suste (Dorfteil von Simplon-Dorf) ’ belegt, in Susten t Suschtmatta ‘ die Wiese bei Susten ’ . Hier gibt es auch t Suschtnerchilchu ‘ die Kirche von Susten ’ . Und oberhalb des Suschtelti (Naters) gibt es der Suschteltigrabo ‘ der Graben oberhalb des Suschtelti ’ . Unklar ist die Stelle: der Ferrich Susta (1787, Leuk), die wir nicht deuten können. Das Dokument sagt: zen Gampinen der Ferrich Susta dem Treichweg (1787). P H . K ALBERMATTER liest statt Susta juxta ‘ neben ’ , sosass der Text ‘ in Gampinen der Pferch neben dem Treichweg ’ lautet. Süstherren Süstherren f. ist nur belegt in jn der Süstherren (1565, Baltschieder). Die Lesung ist unsicher, notiert ist alternativ Süscherren. Im Kontext wird die Flur als prati siluestris ‘ Waldmatte ’ bezeichnet. Es scheint sich um eine - ERRA -Ableitung zu handeln (bei S ONDEREGGER 1958, 471 zu lat. -âria, ahd. -arra). An nächstliegenden ist wohl an eine Ableitung zu Süw ‘ Schwein ’ (R ÜBEL 1950, 112; G RICHTING 1998, 191; I D . 7, 1486 ff. s. v. S ū w) zu denken, wobei die genaue Form unklar ist. Die Deutung wäre dann ‘ der Ort für die Schweineweide (Waldweide) ’ . Suter (FaN) Suter ist ein FaN, der unter Schuhmacher (AWWB 237) erwähnt wird. Er ist zu schwdt. S ū ter m. ‘ einer, der nähen kann ’ (W[allis]), ‘ Schuster ’ , ahd. s ū tari, mhd. s ū t œ re m., umgebildet aus lat. s ū tor ‘ Schuster ’ oder dem daraus hervorgehenden FaN Suter (I D . 7, 1477) zu stellen. Als FaN ist Suter jedoch im NWWB und im Register zu den HRBS nicht belegt. Belegt ist der Name normalerweise als endungsloses Bestimmungswort wie der Suter Gassen ‘ (neben) der Gasse der Familie Suter / des Schusters ’ (1778, Guttet), in die Sutter Matten ‘ in den Wiesen der Famlie Suter ’ (1691 u. später ’ , Guttet), Zu ᵕ tter Hau ᵕ s ‘ das Haus der Familie Suter ’ (1652, Unterems) oder als starker Genitiv wie zu Suters Huss ‘ beim Haus der Familie Suter ’ (1680 u. später, Oberems), Suters Eÿa ‘ die Aue der Familie Suter ’ (1548 u. später) und dazu an Súters Eyen Gassen ‘ an der Gasse, die zur Aue der Familie Suter führt ’ (1698, Baltschieder). Unklar ist bey Suteri Hauss ‘ beim Haus der Familie Suter / der Suterin ’ (1693, Betten), wo sowohl ein (falscher) Genitiv, wie auch eine Feminin-Ableitung vorliegen kann. Sehr schwierig schliesslich ist der Beleg iuxta Buydun Sutoris (1302, Mund). Der Genitiv Sutoris kann sowohl ‘ der Familie Suter ’ , als auch ‘ des Schusters ’ 289 290 Suter (FaN) <?page no="964"?> bedeuten. Buydun dürfte wohl die Dativ-Form von Buyda sein, das Wort für das spätere Biina ‘ Pflanzplatz ’ . Der FaN ist mehrfach als Suter belegt (etwa 1367 als Johannes Suter de Praes (von Bratsch) oder 1406 als Symonis Suter ‘ des Simon Suter ’ . Der FaN Suter war also wohl bekannt, ist aber trotz seiner weiten Bekanntheit als Suter oder Sutter (F AMILIENBUCH DER S CHWEIZ 3, 1813 - 1818) für das Oberwallis nicht bezeugt. Süür Süür ‘ sauer ’ ist zum schwdt. Adj. s ū r, sürer, surer ‘ sauer, scharf, herb ’ , s ū re(r) Bode(n) ‘ nasser, schlechter Wiesen-, Streuegrund ’ , amhd. s ū r (I D . 7, 1274 ff. (spez. 1279 f.)) und wdt. süür, suir (Lötschtal) ‘ sauer ’ (G RICHTING 1998, 191), bzw. schwdt. S ū r, S ū r(el)e(n), S ū ri bzw. Sür(el)e(n), Süri n., f. ‘ Sauerampfer, Alpenampfer, schildblättriger Ampfer, Sauerklee ’ (I D . 7, 1282), wdt. Süüri, Suirä (Lötschtal) ‘ Sauerampfer ’ (G RICHTING 1998, 191) zu stellen. Das Simplex des Adjektivs kommt nicht vor, hingegen das Simplex des abgeleiteten Nomens Süri in inne Süre ‘ in den Wiesen mit Sauerampfer ’ (Glis). Als Erstglied eines Kompositums findet sich Süür in ts Süürlöüb ‘ das saure Laub (Laub mit Sauerampfer / sauren Pflanzen) ’ (Ried-Brig), Sürrigg ‘ der Rücken mit schlechtem Boden ’ (Termen), der Sürtritt ‘ der Tritt mit schlechtem Boden ’ (Zermatt) und der Sürwang ‘ der Grasabhang mit Sauerampfer ’ (Eisten). Süürlöüb ist in I D . (3, 956) als Sûr-Laub ‘ Sauerdorn, Sauerampfer ’ belegt. Das Nomen Süüri erscheint in der Suirigrabu ‘ der Graben mit Sauerampfer ’ (Simplon), der Süürigrabo ‘ der Graben mit Sauerampfer ’ (Eyholz, Visperterminen), t Sürieggu ‘ die Ecke mit Sauerampfer ’ (Ergisch) und t Süripletschu ‘ die Ebene mit Sauerampfer ’ (Ergisch). Im Einzelfall ist nicht immer klar, ob ein ‘ saurer Boden ’ oder eine ‘ saure Pflanze (Sauerampfer) ’ gemeint ist. Zu Sauerampfer vgl. die verschiedenen Pflanzen unter R UMEX bei L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 684 - 692). Im Einzelnen ist nicht genau zu eruieren, welche der Pflanzenarten jeweils vorkommen. Suw Suw ‘ Schwein ’ ist zu schwdt. S ū w, Süw f., Pl. Süüw, Dim. Süüwli, Siwwji (Mü[nster]), wdt. Süww, Süü (Saastal), Suiw (Lötschtal), Suww ‘ zahmes Schwein, Hausschwein ’ zu stellen. Es wird übertragen als Schimpfwort auf Menschen (Tiere) mit Bezug auf vorwiegend physische Eigenschaften (Unreinlichkeit, Unordentlichkeit, verwahrlostes Äusseres), übertragen auf Dinge, ausgehend von der Form, ahd. s ū (w)i, mhd. s ū , Pl. sui(we) (I D . 7, 1486 ff.; G RICHTING 1998, 191). Belegt ist es nur in drei Fällen: im Süwen Stäfelti ‘ beim kleinen Stafel für die Schweine ’ (1763, Biel); als Adjektiv in zun Süwigen Matten ‘ bei den Wiesen für die Schweine ’ (1694, Oberems) und der Suwnigel (Naters), wo metaphorisch ein Gebiet gemeint ist, in dem man sich bei der Arbeit beschmutzt (zu schwdt. S ū w-Niggel ‘ Schweinekerl, in physischem und bes. moralischem Sinn, aber auch scherzhaft von schmutzigen Kindern ’ , ‘ junges Schwein ’ (I D . 4, 795)). Wie R ÜBEL (1950, 111 - 115) ausführt, spielte das Schwein eine geringe Rolle bei den Oberwalliser Bauern; meist wurde nur ein Ferkel gemästet, das anschliessend geschlachtet wurde. Auf den Alpen überliess man die Tiere tagsüber weitgehend sich selbst, fütterte sie aber mit den Schotten der Molkerei. Der Beleg im Süwen Stäfelti ist daher der einzige, der auf die Alpung von Schweinen Bezug nimmt. Swan Swan ‘ Schwan ’ ist zweimal 1307 in Embd belegt, in Swanburgshalta und in Swanenburgs Haltun. Das HL ist zu Schwan (I D . 9, 1879 f.) zu stellen; die Motivation von Schwanenburg ist allerdings nicht klar. Swap Swap ist nur in Swapmatta belegt. Es scheint, dass dieser Einschub von einer anderen Hand stammt oder nachträglich eingefügt wurde (P H . K ALBERMATTER , p., c.). Swap kann zum dt. Schwab (FaN) (cf. HL S CHWAB F A N) oder nach P H . K ALBERMATTER (p. c.) dem FaN Suap oder Swap stammen, den er aus historischen Belegen von Leuk kennt. Eine Assimilation (aus Schwatt ‘ grosse Menge (ausgeschütteter) Flüssigkeit ’ , Syn. Schwetti (nach I D . 9, 2241)) ist zwar möglich, aber unwahrscheinlich. Ohne nähere Angaben ist der FlN nicht zu deuten; es wird ‘ Schwaben-Wiese ’ übersetzt. Swatxs Swatxs ist nur 1382 in Filet als Swatxsmata belegt. Am nächsten wäre wohl ein PN oder FaN Swatx anzunehmen, wenn die Form des Bestimmungswortes einen Genitiv auf -s darstellt. Belegt ist das HL nicht, sodass eine Deutung nur als unklar gelten kann. Swedlo Swedlo ist einmal belegt in Swedlo Husren ‘ die Häuser des Swedel ’ (Ried-Brig). Es handelt sich wohl um einen Genitiv Singular, möglicherweise mit Suedil verwandt. Dieser PN oder FaN erscheint 1279 in Glis und Ried-Brig in terram Petri Suedil ‘ das Stück Land des Peter Suedil ’ . Swegler Swegler kommt einerseits als FaN vor, wie der historische Beleg Zeuge Anthoni(us) Sweglers de Castellione ‘ (als) Zeuge Anthonius (des) Schweglers von (Nieder)Gesteln ’ Süür 291 292 <?page no="965"?> (1424, KapA Sitten, Min. A 86, p. 284) zeigt. Anderseits ist Schwëgler m. ‘ wer berufsmässig die Schwëgel(n) bläst ’ (I D . 9, 1769), der ‘ Pfeifer ’ (G R W B 15, 2410). Sichere Belege sind: Sweglers Matta ‘ die Wiese des Schweglers / der Familie Schwegler ’ (1437 u. später, Niedergesteln) und Vinea Sweglers ‘ der Weinberg des Schweglers / der Familie Schwegler ’ (1437, Niedergesteln). Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1687 f.) kennt Schwegler für das Wallis nicht. Unsicher, ob hieher zu stellen, ist Zweglen Stadel (1789, Bitsch), das wohl auch zum Beleg Wägsler Stadel (Bitsch) gehört (cf. HL W ÄGSLER ). Swino (PN) Swino (PN) ist nur 1426 in Naters als Svvino Bongarton belegt. Beim HL handelt es sich vermutlich um einen schwachen Genitiv zum PN Swin. F ÖRSTEMANN (1, 1380) kennt ein Suin. Ob Swino zum HL S CHWII ‘ Schwein ’ oder zu Schwino Stuckin (1466, Mund) zu stellen ist, das seinerseits zum HL S CHWIINEN ‘ klein ’ zu stellen ist, bleibt unklar. Zu vermuten ist, dass Swino hier einen PN darstellt: ‘ der Baumgarten des Swino (? ) ’ . Sya Sya wird von M EYER (1914, 77) in Fussnote 2 zu * S Ӗ CA gestellt, hier in der Bedeutung ‘ Grat ’ . G. P ANNATIER (p. c.) postuliert wegen der Betonung auf der letzten Silbe eher eine Ableitung von SETA ‘ Seide ’ (FEW 11, 49 s. v. saeta, Bed. 2), was zwar von M EYER erwähnt, aber abgelehnt wird. B OSSARD / C HAVAN (2006, 252) stellen Siaz und Varianten wie M EYER zu * S Ӗ CA und geben ‘ Arête, crête de montagne ’ als Bedeutung. Der einzige Beleg ist 1337 in Albinen jn pratis de la sya ‘ bei den Wiesen am Grat ’ . Syvirin Syvirin ist nur 1365 in Leukerbad als ou syvirin ‘ beim Gut des Severin ’ belegt. B OSSARD / C HAVAN (2006, 207) führen Siviriez auf den Vornamen Severius, gefolgt von der Ableitung auf - ACUM zurück, also die Siedlung des Severius. Syvirin lässt sich dann analog auf den PN Severinus zurückführen, ein Diminutiv ohne Ableitung. Der FaN Séverin (NWWB 1, 233) tritt erst später und vor allem in Conthey auf, wo es eine Kirche des Hl. Séverin gab. Ein direkter Zusammenhang ist nicht feststellbar. 293 294 Syvirin <?page no="966"?> T Tääle Tääle f. ‘ Dähle, Föhre ’ ist zu schwdt. Tääle n , Teele auch Dääle, Deele f., ‘ Bergföhre, Kiefer, P INUS SYLVESTRIS ’ zu stellen; in der westlichen deutschen Schweiz gilt Dähle als hochsprachliches Wort (A MMON ET AL . 2016, 163). Im westlichen Teil des Oberwallis ist die Patois-Form Dal(l) ji, Dal(l)ie, Dailly u. ä. zu frpr. daille f. bezeugt, das zum Lehnappellativ Tääle geführt hat. (I D . 12, 1395 ff. bes. Anm. 1397; G PSR 5, 1, 5 ff.; J UD 1944 - 45, 42; H UBSCHMID 1949, 66 f.; T AGMANN 1946, 25; LUNB 1,2, 1061 ff.; G RICH- TING 1998, 192 s. v. Tääla). Die Herkunft des Wortes ist nicht sicher geklärt. H UBSCHMIED geht von kelt. *dagl ā ‘ Fackel ’ aus, P OKORNY erwägt eine Herleitung von der idg. Wurzel *dh ā l ‘ blühen, grünen ’ (H UBSCHMIED 1933 (a), 264 f.; P OKORNY 1948/ 49, 241). Wie bei anderen Baumnamen kennzeichnet das Neutrum Tääl n. einen Wald oder Bestand von Bäumen, hier Föhren. In einigen Fällen ist die Abgrenzung des HL T ÄÄLE zu anderen HLL wie T AL und T ELA unsicher. Insgesamt kommt das HL in rund 100 Namen vor. Das Simplex des Feminins im Singular ist als Täälu ‘ Dähle (Föhre) ’ (Saas-Grund) belegt, wobei hier eigentlich das häufigere Teelu vorliegen müsste; dieses erscheint als Zer Teelu ‘ bei der Dähle (Föhre) ’ in Erschmatt, Gampel und Zermatt, historisch als bey der Telen (1807, Feschel) und in der Telen (1717 u. später, Guttet). Zer Tellun (1390 u. später, Glis; 1421 u. später, Ausserberg) und zu ᵕ r Thällen (1644, Betten) weisen eine gekürzte Form auf. Nur einmal belegt ist das feminine Simplex im Plural d Teele ‘ die Dählen (Föhren) ’ (Saas-Fee). Das neutrale Simplex im Singular ist belegt als im Thel ‘ im Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat ’ (1342 u. später, Bitsch), ts Tääl ‘ das Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat ’ (Ried-Brig, Simplon), im Tääu ‘ im Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat ’ (Binn, mit l-Vokalisierung) und im Teel ‘ im Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat ’ (Erschmatt, Leuk). Ein Diminutiv ist belegt als ts Teeli ‘ das kleine Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat ’ (St. Niklaus). Der romanische Typ ist belegt als Dallyes (1395 u. später, Agarn, 1427 als dov Dallie), in der Dallÿen (1822, Oberems), Dallij (1526, Salgesch und Varen), in di Dallje (Albinen), Dalliez (1544, Leuk; frühere Formen sind latinisierte de Dalleto (1215) und de Dalley (1236)). Dazu kommen komplexere Formen: campus dov Dallie ‘ das Feld bei der Dähle (Föhre) ’ (1413, Leuk), cristam Dalley ‘ der Hügel mit der Dähle (Föhre) ’ (1345 u. später, Albinen). Die Formen mit auslautendem / s/ sind Plurale; die genaue Form ist schwierig zu bestimmen (M EYER 1914, 71; T AGMANN 1946, 25). Mit attributiven Adjektiven finden sich: ze Churzen Teellu ‘ bei den kurzen Dählen (Föhren) ’ (Hohtenn), di Dirri Teelu ‘ die dürre Dähle (Föhre) ’ (Steg), ts Hotäu ‘ das hohe Gebiet mit Dählen (Föhren) ’ (Binn), ts Inner Tääl ‘ das innere Gebiet mit Dählen (Föhren) ’ (Simplon), ts Ober Tääl ‘ das obere Gebiet mit Dählen (Föhren) ’ (Bitsch), ts Uisser Tääl ‘ das äussere Gebiet mit Dählen (Föhren) ’ (Simplon), ts Unner Tääl ‘ das untere Gebiet mit Dählen (Föhren) ’ (Bitsch) und ts Vooder Teeli ‘ das vordere Gebiet mit Dählen (Föhren) ’ (St. Niklaus). Komplexere Namen sind: an Gross Ruppen Thaellun ‘ an der grossen Dähle (Föhre) der Familie Ruppen / die grosse rauhe Dähle (Föhre) ’ (1539, Bürchen), t Oberi, t Mittleri und t Undri Heteeluleisi ‘ der obere, mittlere und untere Weg durch die hohen Dählen (Föhren) ’ (Leuk). Einen sicheren vorangestellten Genitiv weist nur Schallblettisteelu ‘ die Dähle (Föhre) der Familie Schallbletter [eig. Schallbetter? ] ’ (Gampel) auf. Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita kommt das HL nur in t Hitzteele ‘ die Dählen (Föhren) bei der Stelle, wo das Vieh in der Mittagshitze lagerte ’ (Zeneggen) und in t Schiisserteelu ‘ die Dähle (Föhre), bei der man sich erleichtern kann ’ (Hohtenn) es ist hier unklar, ob Schiisser ‘ Scheisser ’ wörtlich oder als Pflanzenname zu verstehen ist; allerdings gibt es u. W. im Oberwallis keinen derartigen Pflanzennamen (wohl aber sonst, vgl. z. B. I D . 7, 1348 Chalber-Schîsser). Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita häufig; prominent ist der Typ Täälwald, bzw. Teelwald ‘ Föhrenwald ’ (I D . 15, 1491) mit knapp zwanzig Belegen im ganzen Oberwallis. Daneben sind Grundwörter Acher, Blatta, Birmji, Bord, Brigga, Brunnu, Egg(a), Flüö, Grabu, Gufer, Löuwina, Matta, Rüüs, Stafel, Suon, Wäg und Zug. Komplexere Bildungen sind z. B. Teel Gufer Gassen ‘ die Gasse zum Steingeröll mit Dählen (Föhren) ’ (1713, Glis), Teelacherhaalte ‘ die Halden bei den Teelachra (Äcker bei den Dählen (Föhren)) ’ (FLNK, Oberems) und der Teelblattuschleif ‘ der Holzschleif bei der Teelblattu (Felsplatte beim Teelwald (Wald mit Dählen (Föhren)) ’ (Gampel). Eine Ableitung ist ts Teler (Eischoll), das vermutlich auf ein kollektives Zirkumfix GI -/ - ER zurückgeht und ‘ wo es viele Dählen (Föhren) hat ’ meint. Der FaN Theler (m.) ist dagegen wohl ein Herkunftsname zum hier behandelten HL. Tääle 295 296 <?page no="967"?> Eine Ableitung di Tällerna (Zwischbergen) ist dort zweimal belegt. Es scheint sich um das Suffix - ERNA zu handeln, das bei Pflanzennamen kollektiv verwendet wird, also ‘ ein Gebiet mit vielen Dählen ’ . Die in Blatten belegten Formen ts Gisentell, t Gisentella, ts Gisentellin gehört vermutlich nicht hieher, sondern zum HL T AL . Einmal belegtes Bachtälla (Wiler) ist zum Typ Bach-Tela ‘ Wasserrinne ’ zu stellen. Taaler (FaN) Taaler (FaN) ist ein unklarer FaN. Während MS ts Taalersch Wang ‘ der Grasabhang der Familie Taaler ’ (Leukerbad) hat, notiert R. G RICHTING Schtahlärsch Wang ‘ der Grasabhang der Familie Stahler ’ (R. G RICHTING 1993, Blatt 16, Nr. 16). Die Notation von MS nimmt an, dass anlautendes / ts/ ‘ des ’ ein Artikel im Genitiv Maskulin ist, während G RICHTING den Namen mit / scht/ beginnen lässt. Beide Namen sind so nicht belegt. Der zweite Beleg (Schtahlärsch) liesse sich zum FaN Stalder stellen, der laut NWWB (2, 212) gut belegt ist. Die Struktur beider Flurnamen deutet jedoch sicher auf einen Besitzernamen hin. Taapun Taapun ist nur in ts Taapunbrunnji ‘ die kleine Quelle / der kleine Brunnen mit Kröten ’ (Hohtenn) belebt. Das HL T AAPUN wird in der Beschreibung als ‘ Kröten ’ übersetzt. Es ist zu schwdt. T ā pe n f. ‘ Kröte ’ zu stellen; zwar ist es im I D . für das Oberwallis nicht belegt (siehe Anmerkung des I D .); die Beschreibung bezieht sich aber darauf (I D . 13, 923 f. bes. 924 Anm.). I D . ist weiter der Meinung, dass es zu T ā pe n I ‘ Körperteil eines Tiers ’ (I D . 13, 911) zu stellen ist, allerdings ohne Angabe von Gründen. G RICH- TING (1998, 192) kennt nur wdt. Taape, Taapa (Mattertal, Lötschtal), Taapo (Schattenberge), Taapu ‘ Hand (grob) ’ . Täärätschu Täärätschu ist nur als üf zu Täärätschu (Leukerbad; LT Tärätschu) belegt. R. G RICHTING (1993, Blatt 7, Nr. 27; Blatt 10, Nr. 26 und Blatt 11, Nr. 33) kennt es als Tärätschu. Er fügt Tärätschuhubil (gleiche Blätter, jeweils eine Nr. weniger) hinzu, das in der Datenbank des VSNB fehlt. Die Flur und der Hügel befinden sich rund 100 m höher nördlich des Dorfes. T AGMANN (1946, 56) kennt es als Territschen (nach Z IMMERLI 3, 66), Terretschen (Register) und Täretschu (phonetische Notation), die er allesamt vorsichtig auf * TERRACEA zurückführt; als Beschreibung gibt er “ jolis prés dans une grande combe ” (schöne Wiesen in einer grossen Mulde). Der Flurname ist klar feminin. D U C ANGE (8, 72) kennt Terracea als ‘ ager terreus ’ , auch hier scheint diese Deutung eher unklar. Das von T AGMANN für Turtmann angegebene maskuline Täretsch ist unter dem HL T ÄRETSCH behandelt. Täärmino Täärmino, erweitert auch Vischpertäärmino ‘ Visperterminen ’ , ausgesprochen auch Täärbino oder Vispertäärbino wird seit J ACCARD (1906, 459) auf auf frz. terme ‘ Ende ’ zurückgeführt. Weitere stellen ihn zu lat. TERMINUS bzw. TERMINUM ‘ Grenze ’ (O ETTLI 1945, 128; R ÜBEL (1950, 133); laut I SELIN (1906 - 1909, 25 ff.) soll die Gemeinde ihren Namen einem alten Grenzstein, lat. TERMEN , TERMINEM verdanken. Der zweigliedrige Name Visperterminen, der in der Belegreihe erst im 17. Jh. erscheint und sich viel später durchsetzt, bezeichnet für G UEX (1938, 365) und Z IMMERMANN (1968, 23) ‘ die Grenze von Visp, an der Vispergrenze gelegene Ortschaft ’ . Für K RISTOL ET AL . (2005, 938) sind diese Deutungen nicht haltbar, da lat. TERMINUS m. im Galloromanischen terme ergibt, und da sich von lat. TERMEN , TERMINEM n. ‘ Grenzstein ’ kein Namentyp Terminon / Termignon ableiten lässt. Die Namensform Terminen lasse vielmehr vermuten, dass sie von einem lat. Personennamen abgeleitet sind, siehe auch Albinen, Ernen, Chermignon, Chamoson, Saillon (K RISTOL ET AL . 2005, 938). Eine genauere Durchsicht der historischen Belege gibt eine Reihe von Feminina (1300 an der Termennon, 1309 an der Termennon, 1315 an der Termennon und weitere), die einen Bachnamen Termenna oder ähnlich nahelegen. Der grösste Bach in Visperterminen ist der Riedbach; es gibt aber auch weitere kleine Bäche, die als Namengeber auftreten könnten, was einen Bachnamen als Gemeindenamen nahelegen würde. Der Gemeindename, wie immer er zu deuten ist, findet sich zunächst in in Terminen Waldt ‘ im Wald von Visperterminen) und dann mit einem Zugehörigkeitssuffix - ER (nach S ONDEREGGER 1958, 525 f.) auch in an di Terbiner Egge (1859, Visperterminen), Täärbineranz ‘ die Nanzalpe von Visperterminen ’ , Tärbinernanz Hermettje (FLNK, Visperterminen), Tärbinernanz Stallig (FLNK, Visperterminen), di Tärbinerstraass ‘ die Strasse nach Visperterminen ’ (Visp), der Täärminercheer ‘ der Kehr (Wegkehre) auf dem Weg nach Visperterminen) ’ (Stalden). Wasserleiten sind belegt als die Alt Terminerrin ‘ die alte Wasserleitung nach Terminen ’ und die Vnder Terminer Vasserleiten ‘ die untere Wasserleitung von Visperterminen ’ (1625 Visperterminen; 1625 u. später, Eyholz). Einen Sonderfall stellt der Flurname di Täremje (Plural) mit den Komposita der Täremjuwäg ‘ der Weg von / zu Täremju ’ und der Täremjuwier ‘ der Weiher bei Täremju ’ (alle Visperterminen) dar. di Tärmje (so 1: 10000) wird als Reb- und Wiesland Tärmja von Z IMMERMANN 297 298 Täärmino <?page no="968"?> (1968, 23) zum Gemeindenamen Täärmino gestellt. Das ist schwierig; Tärmje oder Tärmja gehören wohl zu Termila, das sich am ehesten als Diminutiv zu Darm (I D . 13, 1595) stellen lässt, was aber wiederum keinen belegbaren Sinn ergibt. Weder Täärmino noch Täremje ergeben gut durchschaubare Namen; sie lassen sich deswegen kaum deuten. Tabel Tabel n. ist nur in Oberwald als ts Tabel und di Tabelstüde ‘ das Gebiet mit Stauden unterhalb des Tabel ’ belegt. I D . (12, 61) kennt Tabel f. ‘ Tafel, Tisch ’ als jüngere Entlehnung aus frz. table. Falls diese Deutung stimmt, wäre der Vergleich mit einem Tisch (cf. HL T ISCH ) möglich. Das Genus Neutrum legt aber auch ein Kollektiv Gi-Tabel > Tabel nahe, mit der Bedeutung ‘ das Gebiet, das einer Tafel gleicht ’ . Taber Taber ist nur als der Taber (Leuk, FLNK und LT Tabär) belegt. Die historischen Belege sind unterschiedlich: 1703 jm Taber, 1749 im Tabes, 1775 in Tabing (letzteres wohl eine Kopie). Die Beschreibung sagt, es handle sich um Reben und <galtini>: erlegene Äcker, stufenförmiges Gebäude. Taber ist sonst nur noch in Riom GR belegt (RN 2, 335 s. v. Tabor; der Hinweis auf das I D . führt wohl in beiden Fällen in die Irre, ist doch das eine auf Tabak, das andere auf eine slavische Sprache zurückzuführen). Z IM- MERLI (3, 62) rechnet Taber zu den romanischen Namen von Leuk, sagt aber nicht, wie er zu der Aussage kommt. Die Form Tabing von 1775 würde auf einen FaN Tabin (M EYER 1914, 172; F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 3, 1820) zutreffen, doch ist dieser nur im Val d'Anniviers (Eifischtal) belegt. Einen direkten Anschluss für Taber gibt es im Romanischen wohl nicht. Am ehesten ist an eine Form von Tabor zu denken; der Name betrifft einen Berg in Galiliäa, auf dem nach der Überlieferung die Verklärung Jesu stattfand. Die Endung des Namens ist nach den historischen Belegen unsicher, aber es gibt keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zu lat. tabula brett (FEW 13, 1, 14 ff.). Der Name bleibt deswegen unerklärt. Tabernakel Tabernakel m. ist zu schwdt. Tabernakel n. älter auch m. ‘ Zelt, Hütte ’ , mhd. tabernakel, entlehnt aus lat. TA- BERN Ā CULUM n. ‘ Schauhütte, Bude ’ zu stellen. In der katholischen Kirche wurde das Wort für ‘ Heiligtum, heiliges Zelt, Stiftshütte ’ verwendet und auch auf den geweihten Hostienschrein übertragen (I D . 12 f., 63; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 903). Die Belege sind der Tabernaggel ‘ Mulde unter einem Felsvorsprung ’ (Bitsch), historisch jedoch als Tepfernacken (1684) und Tapfernaken (1755), FLNK Tafernaku belegt. Die historischen Belege deuten auf eine Verballhornung hin. Auf dem Eintrag des VSNB wird angemerkt, der Ort heisse auch Ottovatola ‘ die Mulde für die achte Stunde ’ (cf. HL O TTAFA ). Der zweite Beleg ist historisch in Naters 1557 als im Dappernacken, 1684 auff dem Tapfernakel, 1755 Tapfernakens (Genitiv) belegt; es handelt sich vermutlich um die gleiche Flur wie in Bitsch; der Name ist auch hier verunstaltet. Tablatt Tablatt, auch Tablett ist zu schwdt. Tablat n. und Tablet n. ‘ hölzernes Gerüst, Gestell; Gerüst von Brettern zur Aufbebwahrung der Obst- und Erdfrüchte ’ , aus lat. TA- BUL Ā TUS n. ‘ Bretterwerk, Gebälk, Verschlag ’ , das Wort ist als Appellativ in die Volkssprache übergegangen, und zu wdt. Tablatt, Tablad (Leuk) ‘ Ablegebrett (um Säule herum) ’ (I D . 12, 65; E GLI 1982, 71; G RICHTING 1998, 192) zu stellen. C. S CHMID (1969, 67, Fn. 28) erwähnt neueres Tablet und älteres Tablat für den Frischkäse. Belegt ist es in Flurnamen nur als Diminutiv Plural, der metaphorisch gemeint ist: di Tablattjini (Leuk) und t Tappleckini (Bellwald), beide als ‘ kleinen Ablegebrettern gleichende Stücke Land ’ . Der Beleg in Bellwald ist nicht zum HL E GG ( A ) zu stellen, sondern ein einfaches Diminutiv zu Tablett. Tachi Tachi f. ist nur 1868 in Bürchen als in der Tachi belegt, wo ein Stück Wiese liegt. G ATTLEN (2007) kennt den Namen nicht. Am nächstliegenden ist T ā che n f. ‘ Alpendohle, Schneekrähe ’ (I D . 12, 1712), das allerdings für das Oberwallis sonst nicht belegt ist. Eine andere Deutung liegt nicht vor. Tafel Tafel f. ist dreimal belegt als di Tafola (Törbel, FLNK Tafelu), Taueltin ‘ die kleine Tafel ’ (1307, Raron) und in der Vndresten Tafelen (1700, St. Niklaus). Im Beleg aus Raron ist von einer vinea, einem Weinberg, die Rede. Die zwei anderen meinen vermutlich eine viereckige Geländeform. Das HL ist zu schwdt. Tafele n , im Wallis auch Tafola f., ahd. tavala, mhd. tavel(e) < lat. TABULA ‘ meist viereckige Platte oder Fläche von Holz, Glas, Schiefer, Metall; Bild, Votivtafel ’ und als ‘ blosser Formbegriff, flaches, viereckiges Stück ’ (I D . 12, 499 f.). In FlN für viereckige Geländeform oder zur Benennung einer Örtlichkeit mit Tabel 299 300 <?page no="969"?> Bildstätte oder Tafel (URNB 3, 559; Z INSLI 1984, 179; W IPF 1910, 25) verwendet. Taferna Taferna f. ‘ Taverne, Wirtshaus ’ ist zu schwdt. Taf(f)ërne n , Taf(f)ëre n f., urkundlich Tauernon 1391, Thaferna 1578, Taberneta 1609 < lat. TABERNA ‘ Weinschenke; obrigkeitlicher Ordnung unterstehende Gastwirtschaft ’ , mhd. tafërne(n), taf(f)er, täfer, täfr ī (I D . 12, 543 ff.; W ERLEN 1991, 252) zu stellen. Das Simplex Taferna ist belegt als zer Tafernu ‘ bei der Taverne, beim Wirtshaus ’ (Ried-Brig), wo sich ein Namennest mit der Taferbach ‘ der Bach, der bei der Taferna vorbeifliesst ’ (Glis; 1640 u. später, Ried-Brig), der Tafernubach ‘ der Bach, der bei der Taferna vorbei in den Ganterbach fliesst ’ (Simplon), die Taferalpe ‘ die Alpe bei der Taferna ’ (1857, Ried-Brig), in der Taffer Matten ‘ in der Wiese bei der Taferna ’ (1801, Ried-Brig), vnder dem Taffer Stutzi ‘ unter dem kleinen Anstieg bei der Taferna ’ (1736, Ried-Brig), der Taferwald ‘ der Wald bei der Taferna ’ (Ried-Brig) gebildet hat. Eine Taferna befindet sich in Stalden beim Illas (ein Gasthaus? ), wo auch an der Thirren Tafferen ‘ an der dürren Taferna ’ (1569, Stalden) belegt ist; hier ist unklar, ob ein trockenes Stück Land gemeint ist; eine ‘ dürre Taferna ’ ist im strengen Sinn ein Gegensatz. jn der Taferen ‘ in der Taferna ’ (1673, Bürchen; 1702 als im Taffoli ‘ in der kleinen Taferna ’ ) und in der Tafernen ‘ in der Taferna ’ (1745, Embd) sind zwei weitere Belege. Unsicher ist t Tafermatta (Ulrichen), die bei LT und FLNK als Afermatte belegt ist. I D . (1, 105) gibt Afer als ‘ oberer Rand eines Feldes ’ , vermutlich bairisch. Bisher konnte jedoch das Wort nicht bestätigt werden. Taffetsch Taffetsch ist historisch 1670 in Leuk als jm Taffetsch belegt. In Klammer ist von einem Garten (also eingehegtes Stück Land) die Rede. Die im Oberwallis verbreitete Endung -etsch geht auf lat. - ACEU zurück (K LEIBER 1992, 611 ff.). Unklar ist das Genus: Maskulin oder Neutrum. Da Nr. 43320 der Tufätsch lebend belegt ist und dort auch historische Belege von 1687 und später erscheinen, dürfte es sich um den gleichen Ort handeln, also ‘ der Ort mit Tuffstein ’ . Taffiner (FaN) Taffiner (FaN) ist 1802 in Oberwald als im Taffiner Lúss ‘ im ausgelosten Gebiet der Familie Taffiner ’ und 1828 in Obergesteln als der Taffinerstúck ‘ das abgeteilte Stück Land der Familie Taffiner ’ belegt. Der FaN ist zu Taf(f)iner (AWWB 254 f.) zu stellen, der inzwischen im Oberwallis ausgestorben ist. Tag Tag m., Plural im Wallis Täg, Taga, wie nhd. als ‘ Tageszeit im Gegensatz zur Nacht, als Einheit der Zeitmessung ’ in Zusammensetzungen auch als Ausdruck der Zeitspanne menschlichen Handelns und Landmass, wdt. Tag, Taag (Lötschental) (I D . 12, 750 ff. bes. 810 Anm.; G RICHTING 1998, 192). Als Flurname ist das HL nicht als Simplex belegt. Mit attributiven Adjektiven findet sich der Typ der Halb Tag ‘ der Acker, den man in einem halben Tag pflügen kann ’ (Bürchen, Stalden, Törbel), historisch au ᵕ ffu ᵕ n Halben Tag ‘ auf dem Acker, den man in einem halben Tag pflügen kann ’ (1637 u. später, Unterbäch) und bim Halben Tag ‘ beim Acker, den man in einem halben Tag pflügen kann ’ (1758, Zeneggen). Ganz isoliert ist dr Obruscht Tag ‘ der oberste Hütetag ’ (Ferden), wo eine Einteilung zum Hüten auf der Alpe Torbu gemeint ist. Als Grundwort ist das HL nur in Samptag ‘ das Grundstück im Gebiet Sand, das an einem Tag bearbeitet werden kann ’ (1398, Glis) und in den komplexeren jm Liggboden Tag ‘ (vermutlich falsch: ) der Tag für das Wässern für den Liggboden ’ (1689, Eggerberg). Als Bestimmungswort kommt das HL vor allem im Typ Tagfäld vor, wo laut R ÜBEL (1950, 83) das Vieh von 11.00 oder 12.00 Uhr bis 15.00 oder 16.30 Uhr graste. Das Simplex ist 1691 als das Tagfeld der Alpe der Hischier im Turtmanntal (Ergisch, Oberems, Turtmann) belegt. In allen andern Fällen wird zusätzlich die Alpe benannt, zu der das Tagfeld gehört, also etwa ts Grindjitagfäld ‘ das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Grindji (kleiner Grund) ’ (Oberems) und viele weitere mehr, praktisch alle im Turtmanntal. Tagweid ist nur in t Treichbodetagweid ‘ die Tagweide oberhalb des Treichboden (Boden, wo das Vieh getränkt wird) ’ (Geschinen) vertreten. Isoliert ist schliesslich auch ts Ubertagstafolti ‘ der kleine Stafel, wo das Vieh über Tag war ’ (Unterbäch). Zu Fritag siehe das HL F RITAG . Taggs Taggs ‘ Dachs ’ ist zu wdt. Tag(g)s m. ‘ Dachs ’ , ahd. und mhd. dahs, in FlN für Örtlichkeiten, an denen sich der Dachs aufhält (I D . 12, 343 ff.; G RICHTING 1998, 192) zu stellen. Das Simplex ist nur als Diminutiv Plural Taxini ‘ die kleinen Dachse ’ (Embd, FLNK) belegt. Ein Genitiv Singular erscheint in hinder den Thaxen Lochren ‘ hinter den Löchern der Dachse ’ (1540, Embd). Die übrigen Belege enthalten Taggs als Bestimmungswort: Daggspfad ‘ der Pfad der Dachse ’ (Unterems, FLNK), der Taksubodu ‘ der Boden, wo es Dachse hat ’ (Oberems), bim Taksestei ‘ beim Dachsenstein ’ (Binn, Steinhaus), zu Takschteinu ‘ bei den Dachsensteinen ’ (Randa), bi der Taksuflüo ‘ bei der Fluh, 301 302 Taggs <?page no="970"?> wo es Dachse hat ’ (Glis) und die Taksulecher ‘ die Löcher der Dachse ’ (Simplon). Täggsel Täggsel ist zu schwdt. Dächsel, Tächsel m./ f., mhd. dëhse, dëhsel, dihsel f., ‘ Hohlbeil, Rundaxt ’ zum Aushöhlen von Trögen, Balken, hölzernen Wasserleitungen und Fässern (I D . 13, 348 f.) zu stellen. Siehe auch hdt. Dechsel ‘ Beil, Hacke, Haue, Krummhaue ’ (G R W B 2, 881). In FlN ist wohl die Form des Beiles gemeint. Belegt ist das Simplex nur historisch als der Tägsel ‘ das Beil ’ (1850, Münster), wobei die Form auch ein Genitiv Plural sein kann. Weiter hat FLNK in Münster Täggselschliecht ‘ die Geländeeinbuchtung in der Form eines Beils (Dechsel) ’ . Historisch ist in Geschinen und Münster 1896 der kleinen Tegselschlucht (Genitiv konstruktionsbedingt) belegt. Lebend hat Münster t Ober und t Unner Täkselschlüecht ‘ der obere und der untere Teil der Geländeeinbuchtung in der Form eines Beils (Dechsel) ’ . Die Fluren sind Teil eines steilen Schutthangs. Tal Tal(l) n., auch Taal n., ist zu ahd. und mhd. tal n., wie nhd. ‘ Tal, als Geländeform, Einheit der Bodengestalt, durch Höhenzüge begrenztes Gebiet ’ auch ‘ Seitental ’ und wdt. Tall, Taal (Lötschental), Tälli (Mattertal), Telli (I D . 12, 1303 ff.; Z INSLI 1946, 105, 207; G RICHTING 1998, 193) zu stellen. Tälli, Telli n. ist das Diminutiv von Tal: ‘ Hochtälchen im obersten Berggebiet ’ in Graubbünden, Wallis u. w. (Z INSLI 1946, 315). Das HL kommt in rund 450 Flurnamen vor. In einigen wenigen Fällen kann ein historisches Thel auch zum HL T ÄÄLE ‘ Dähle ’ gehören. Generell ist zu unterscheiden zwischen dem Haupttal (Rottetal ‘ Rhonetal ’ ), das in den Daten typischerweise fehlt (warum etwas benennen, das für alle klar ist? ), und den wichtigsten Seitentälern, in denen es Dörfer gibt: Binntal, Fieschertal, Vispertal (mit Saas- und Mattertal) Lötschental und Tal der Dala, sowie den Seitentälern mit grösseren Bächen und Flüssen wie Gerental, Ägenetal, Blinnental, Rappental, Gantertal, Nanztal, Baltschiedertal, Bietschtal, Jolital und Turtmanntal, um nur die wichtigsten zu nennen. Gegen Italien entwässern etwa das Zwischbergental, das Laggintal und die Gondoschlucht. Daneben gibt es sehr viele weitere, teilweise nur sehr kleine Täler, die manchmal nur Tälli oder Telli heissen. Die Benennung der Täler ist nicht immer eindeutig: so heisst das Nanztal auf der Siegfriedkarte Gamserthal (nach dem Bach Gamsa) und 1724 ist in Valle Antz ‘ im Nanztal ’ (1724, Visperterminen) belegt, beim Turtmanntal ist nicht klar, ob das Tal nach dem Ort, wo der Bach in den Rotten mündet (Turtmann), oder nach dem Fluss Turtmänna heisst. Auch beim Vispertal ist nicht klar, ob der Gemeindename Visp oder der Bachname Vispe älter und namengebend ist. Die SK kennt für Blatten Aeusser und Inner Faflertal, die heute nur ts Uister und ts Inner Tal heissen. Dass sich um die Täler ganze Namennester bilden, ist erwartbar. So gibt es etwa in Saas-Almagell unterhalb des Weissmies ts Rot Tal ‘ das rote Tal ’ und dazu der Rottalbach ‘ der Bach im Rottal ’ , der Rottalgletscher ‘ der Gletscher oberhalb des Rottals ’ , t Rottaleggu ‘ die Ecke beim Rottal ’ , der Rottalbrunnu ‘ die Quelle / der Brunnen im Rottal ’ . In Münster gibt es neben ts Chietal ‘ das Kühtal ’ auch Chietalbach ‘ der Bach durch das Kühtal ’ , t Chietalbochte ‘ die Bochte (Bottich) auf der Alpe Chietal (Kühetal) ’ , der Chietalchäller ‘ der (Käse-)Keller im Chietal (Tal für die Kühe) ’ , der Chietalnolle ‘ der Nollen (rundlicher Fels) auf der Alp Chietal (Kühetal) ’ , der Ober und der Under Chietalnolle ‘ der obere (talaufwärts liegende) und der untere (talabwärts liegende) Nollen (rundlicher Fels) auf der Alp Chiental (Kühetal) ’ und der Chietalstock ‘ der Felsstock oberhalb der Alp Chietal (Kühtal) ’ (alle Münster). Weitere Namennester führen wir hier nicht auf. Das Simplex im Singular ist lebend nur als ts Tal (Feschel, Grengiols) und ts Tall (Erschmatt) belegt; historisch kommt es als im Thall (1587 u. später, Bitsch; 1757, Binn), jm Thall (1307 u. später, Eggerberg), im Tal (1392, Goppisberg) und Thall (1610, Mühlebach) vor. Als ts Tau (Gluringen) ist es für die Gluringer Alpe belegt, hier mit der l-Vokalisierung des unteren Goms. Selten tritt ein Simplex im Plural auf: di Teller ‘ die Täler (bei der Massa) ’ (Bitsch) und das unsichere Tellere ‘ die Alpe Tellere (Täler) ’ (Ulrichen), wo eventuell eine - ERA -Ableitung als Kollektiv vorliegt (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) mit Telleregrat ‘ der Grat bei den Tälern ’ und Tellerelicke ‘ die Lücke (Fusspass) beim Geschinerstock von der Alpe Tellere ‘ bei den Tälern ’ über den Aaargrat ’ ; hierzu gehört auch Tellera ‘ bei den Tälern ’ (1320, Glis). Sehr häufig dagegen ist das Diminutiv im Singular als ts Täli (Saas-Almagell, Saas-Fee, Saas-Grund), ts Tälli (Binn und zehn weitere, dazu historische) und ts Telli (Embd, Raron), das Telli (1747, Martisberg) und im Tellin (Blatten), selten auch als bim Täälti (Ried-Brig), jm Telti (1815, Guttet) und ts Teuti (Fieschertal) belegt. Im Plural des Diminutivs finden sich: zen Tellun (1402, Mörel; 1322 de Telle; 1507 unsicher jm Toel) und Tellini (FLNK, Eggerberg; Ferden). Mit attributiven Adjektiven oder Partizipien ist das HL belegt in: ts Fiischter Taal ‘ das finstere Tal ’ (Kippel), im Finstern Thal ‘ im finstern Tal ’ (1626, Blatten), ts Fiischtertellä ‘ das finstere kleine Tal ’ (Ferden, zweifach), dazu auch t Fiischtertellälicher ‘ die Löcher (Höhlungen) beim Täggsel 303 304 <?page no="971"?> finsteren kleinen Tal (ts. Fiischtertellä) ’ (Ferden), Grosställi ‘ das grosse kleine Tal ’ (LT, Saas-Almagell), ts Inner Telli ‘ das innere kleine Tal ’ (Embd), Inners Tal ‘ das innere (=taleinwärts liegende) Tal (nördliches Seitental zum Lötschental) ’ (FLNK, Blatten; LT Inner Tal), jn Valle Jlliacâ ‘ dasTal der Lonza (Jlliaca ist wohl in Anlehnung an das Val d'Illiez gewählt, bezieht sich hier aber auf das Tal der Lonza) ’ (1668, Gampel), ts Leng Tal ‘ das lange Tal (Seitental zum Ägenetal, von West nach Ost) ’ (Ulrichen), ts Lengtal ‘ das Lengtal (auch der Name von Tal und Heiligkreuz) ’ (Grengiols), ts Leng Tau ‘ das Lengtal (langes Tal) (Binn), Minschtigertal ‘ das Tal, durch das der Minstigerbach nach Münster fliesst ’ (Münster, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural), ts Mittal ‘ die Mitte des Tales (Lonzatal) ’ (Gampel, Hohtenn, Steg), zú Mitthal ‘ bei der Mitte des Tales ’ (1669, Niedergesteln; wohl gleicher Name wie ts Mittal), ts Nider Tal ‘ das niedere (untere) Tal unterhalb der Alpe Tellere ’ (Ulrichen), ts Ober Tal ‘ das obere Tal ’ (Naters), Oberthal ‘ das Obertal (Teil der Alpe Tellere, Gegenstück zum Nidertal) ’ (1653 u. später, Ulrichen), jn Vndren vnd Obren Tall ‘ im unteren und oberen Tal ’ (1609 - 1699, Zwischbergen), ts Ober Telli ‘ das obere kleine Tal ’ (Eggerberg), ts Ober Tälli ‘ der obere Teil des kleinen Tales ’ (Obergesteln), ts Ober Tälli ‘ das obere kleine Tal ’ (Fieschertal), jm Obren Thall ‘ im oberen Tal ’ (1701, Feschel), Obertal ‘ das obere Tal ’ (Ulrichen, LT und FLNK, wohl identisch mit Oberthal), t Obru Tellini ‘ der obere Teil der kleinen Täler (Alpe) ’ (Ferden), ts Beesch Telli ‘ das böse (steile) kleine Tal ’ (Saas-Almagell), ts Bieligertau ‘ das nach Biel führende Tal nördlich der Gemeinde Biel ’ (Biel; formal Adjektiv, alter Genitiv Plural), ts Blind Tal ‘ das blinde Tal ’ (Mund), ts Blindtal ‘ das blinde Tal ’ (Eggerberg, Naters), ts Rot Tal ‘ das rote Tal ’ (Saas-Almagell, zweifach), ts (e)Rot Telli ‘ das kleine rote Tal ’ (Embd), ts (e)Rot Tälli ‘ das kleine rote Tal ’ (Randa), Stegerthale ‘ das Stegertal (gemeint ist wohl das Tal der Leute von Steg) ’ (1860, Hohtenn, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural), jm Ausren Thall ‘ im äusseren Tal ’ (1666, Zwischbergen), ts Uister Tal ‘ das äussere Tal (auf ca. 2600 m) ’ (Blatten), im Vndren Thall ‘ im unteren Tal ’ (1729, Eggerberg), ts Unner Tal ‘ das untere Tal ’ (Naters), ts Unner Telli ‘ das untere kleine Tal ’ (Eggerberg, Fieschertal), ts Unner Tälli der untere Teil des Tälli (kleines Tal) ’ (Obergesteln), ts Verloru Telli ‘ das verlorene kleine Tal ’ (Oberems), Vispertal ‘ das Tal der Vispe ’ (LT, Zeneggen, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural? ), ts Wiss Tal ‘ das weisse Tal ’ (Saas-Almagell, zweimal), Wiiss Tälli ‘ das kleine weisse Tal ’ (FLNK, Kippel), ts Wiisställi ‘ das weisse kleine Tal (laut Gwp ehemals Weisstannen) ’ (FLNK, Bitsch), ts Üsser Telli ‘ das äussere kleine Tal ’ (Embd). Vorangestellte Genitive zum HL sind selten; Belege mit formalem Adjektiv und altem Genitiv Plural sind teilweise schon erwähnt: Fieschertau ‘ Fieschertal (Gemeindename, Tal des Wysswasser, das bei Fiesch in den Rotten mündet) ’ (Fieschertal; formal ein Adjektiv, wohl alter Genitiv), Gamserthal ‘ das Nanztal ’ (SK, Visperterminen, hier wohl benannt nach dem Fluss Gamsa, kann auch zum als Genitiv Plural zum Weilernamen Gamsen ‘ der Leute von Gamsen ’ verstanden werden), ts Gisentell, di Gisentella, ts Gisentellin (Blatten, vgl. HL G ISENTELLA ), Greichertal ‘ das Tal der Leute von Greich ’ (FLNK, Greich, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural), ts Lampertal ‘ das Tal des Lampert / der Lämmer ’ (Eggerberg, unklar), Mattertal ‘ das Tal der Matter Vispe von Zermatt bis Stalden ’ (Randa, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural), ts Niggelingtelli ‘ das kleine Tal auf der Alpe Niggeling (Familie Nicolin / Niggeli) ’ (Ergisch), ts Riedertal ‘ das Riedertal (Tal vom vorderen Ried ins Haupttal) (Visp, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural), ts (e) Rotigtelli ‘ das kleine Tal der Alpe Rotigu (der Familie Roten / der Leute des Roten) ’ (Oberems), ts Seukigertau ‘ das Selkiger Tal (auf LT auch Bieligertal), durch das der Selkigerbach (auch: Walibach) in den Rotten fliesst ’ (Selkingen, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural), Wasmertälli ‘ das kleine Tal bei den Wiesen (Alpe Wasme) ’ (Ried-Brig, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural), ts Wängertelli ‘ das kleine Tal der Alpe Wänger ’ (Oberems, formal Adjektiv, alter Genitiv Plural). Fast alle Belege lassen sich auch als Adjektive deuten. Als Grundwort ist das HL mit anderen Orts- und Flurnamen verbunden, welche die Lage des Tales näher bestimmen. Allerdings ist häufig unklar, worauf sich diese Bestimmungsnamen genau beziehen. das Agerental (1397 u. später, Oberwald) hat als älteste Beleg Ago ᵉ rn (1397) und erst 1578 ex valle Agerenn, heute heisst es Geeretal ‘ das Gerental ’ (Oberwald), das Attital (Feschel) erscheint 1843 als Matethal (wahrscheinlich mit falscher Trennung von im Attital), wobei die historischen Belege (ab 1701 Attenthal) das HL A TTI ‘ Vater ’ nahelegen, das Erschthall (1796 Erschmatt, 1701, Feschel) bezieht sich auf Ersch, heute Erschmatt (der Name ist romanisch, aber ungedeutet), das Finiltelli ‘ das kleine Tal beim Findlesee (Visperterminen) enthält das HL F INEL ‘ Heuschober ’ , ts Friilitelli ‘ das Friilitelli, kleines Tal oberhalb der Alpe Friili ’ (Oberems) ist wohl zu einem PN oder FaN Frily zu stellen, dem Besitzer der Alpe, das Furggtälli (FLNK, LT Saas-Almagell) befindet sich oberhalb der Alpe Furggu (vgl. HL F URGGA ) und viele andere mehr. Unklar ist etwa das Gredetschtal (Mund), 1517 als in valle Gredetz belegt; der einfache Name erscheint schon 1391 als in Gredetz (cf. HL G REDETSCH ). ts Hasutal ‘ das Tal mit Hasen ’ (Visp) ist laut Gwp ein Jagdgebiet, wohl für Hasen, während das 305 306 Tal <?page no="972"?> Chietal (Münster, Obergesteln) auf eine Alpe für Kühe Bezug nimmt. ts Hungerlitelli ‘ das kleine Tal auf der Alpe Hungerli ’ bezieht sich auf eine unfruchtbare Alpe (kaum auf eine Alpe der Familie Hunger), während Laggiintal ‘ das Tal, durch das Laggina fliesst ’ (Zwischbergen, Simplon) auf einen vordeutschen Namen Bezug nimmt, der nicht deutbar ist; ob das 1269 belegte Lyestinaschi zu Laggiina gehört, wie S CHMID (1890, 161) meint, ist sehr unklar. ts Ofutal ‘ das Ofental ’ (Saas-Almagell) kann sich auf einen heissen Ort (cf. HL O FU ) beziehen. ts Öügschttelli ‘ das kleine Tal, das im August bestossen wurde ’ (Oberems), lässt sich auf den Nutzungs-Monat beziehen, ähnlich ts Wintertälli ‘ das kleine, schlecht besonnte Tal ’ (Betten, Leuk), das lange Schnee hatte. Eine seltene metaphorische Deutung enthält ts Chortälli ‘ das kleine Tal, das wie ein Chor (Teil einer Kirche) aussieht ’ (Naters). Neben diesen und anderen Talnamen gibt es auch eine Reihe von komplexeren Namen, von denen nur ts Altstafoltelli ‘ das kleine Tal bei der Alpe Alte Stafel ’ (Unterbäch), Greecheru Seetal ‘ das Seetal der Leute von Grächen ’ (FLNK, Grächen), ts Inner Meidtelli ‘ der innere Teil des kleinen Tals der Alpe Meiden ’ (Oberems), ts Unner Nesseltal ‘ der untere Teil des Nesseltales ’ (Glis) erwähnt seien; weitere finden sich in der Datenbank. Als Bestimmungswort findet sich das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bach, Biel, Bord, Bodu, Brunnu, Chi, Egg(a), Eie, Gletscher, Grabu, Grund, Hitta, Flüö, Fääsch, Furgga, Gassa, Graat, Heim, Hooru, Joch, Licka, Löuwina, Müra, Matta, Moos, Ritz, Schiie, Schluocht, See, Sperri, Spitz, Stafel, Steg, Stock, Straas, Tschugge, Ture, Wäg und Wald. Komplexere Formen sind etwa Alte Talwäg ‘ der alte Weg durch das Vispertal ’ (FLNK, Visp), dr Hasutalschleif ‘ der Schleif beim Hasental ’ (Visp), dr Inder Talgletschär ‘ der Gletscher am Ende des inneren Tales (das taleinwärts liegt) ’ (Blatten), Chaschtlertellipass ‘ der Pass ins Chaschtlertelli (kleines Tal beim Chaschtler) ’ (LT, Niedergesteln) und viele andere mehr. Auffällig sind einige vorangestellte Genitive des HL: im Tellischbach ‘ der Bach des Telli / im Gebiet Telli ’ (1548, Eyholz), des Thelltis Thirli ‘ der kleine Durchgang zum kleinen Tal ’ (1592, Fiesch), t Tällischegge ‘ die Ecke bei der Alpe Tälli (kleines Tal) ’ (Oberwald). Nur in seltenen Fällen ist ein PN wie Tello (F ÖRSTEMANN 1, 399) gemeint. Taleyer (FaN) Taleyer (FaN), auch Talleyer, Telleyer und Thalleyer ist ein FaN, der im Register HRBS mehrfach belegt ist. Es handelt sich wohl um eine Herkunftsbezeichung zum Kompositum Taleia ‘ die Aue im Tal ’ , einen Weiler an der Grenze zwischen Baltschieder, Eggerberg und Lalden. Als Flurname kommt der Taleier (Ausserberg) vor, der ein Besitztum der Familie Taleyer bezeichnet. Talg Talg ist nur einmal belegt in Talggrüeba ‘ die Grube mit nassem Erdreich ’ (Stalden, FLNK). Der Beleg könnte auch als Tal-Grüeba gelesen werden. Talgg ist als Nomen und als Adjektiv belegt (I D . 12, 1731), allerdings für das Wallis nur als Verb talgge n ( ‘ mit einem weichen Körper unreinlich, ekelhaft umgehen ’ (so S TALDER )), bei G RICH- TING (1998) fehlend. I D . (12, 1732) gibt einige Flurnamen in der östlichen Schweiz an; für das Wallis liegt jedoch kein weiterer Beleg vor. Die Deutung ist darum sehr unsicher. Täller Täller kommt nur in der Tällergade ‘ der Gaden bei einer tellerartigen Fluh ’ (Greich) vor. Das HL ist zu schwdt. und wdt. Täller m./ n. ‘ Teller ’ m., in FlN für tellerförmigen Felsvorsprung oder terrassenförmigen Boden zu stellen (I D . 12, 1425 ff. bes. 12, 1432; G RICHTING 1998, 193). Diese Deutung stützt sich auf die Beschreibung, die von einer “ tellerartigen Fluh ” spricht. Der historische Beleg von 1570 lautet allerdings Tsellen Gaden; diese Form würde eher zum ebenfalls lebend belegten ts Allungadu ‘ der Gaden des Allo ’ passen. Talma (FaN) Talma (FaN) ‘ Thalmann ’ ist ein FaN im Genitiv, der laut Gwp. in Ritzingen bekannt war. AWWB (256) kennt den Namen, aber nicht im Goms. Belegt ist nur bin ts Talmasch Hüs ‘ beim Haus der Familie Thalmann ’ (Ritzingen). Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1834 f.) kennt den FaN Thalmann; für das Wallis jedoch nur vereinzelt in Siders 1871. Tambour Tambour m. ‘ Tambour ’ ist zu schwdt. Tamb ū r, in Wallis auch Tamb ō r m. von Personen ‘ Trommelschläger, Trommler ’ m., im militärischen und amtlichen Bereich, in Hohtenn als Familienbeiname (I D . 12, 1873 f.; G. I M- BODEN , p. c.) zu stellen. Belegt ist es in zwei Genitiven z Tambursch Mili ‘ die Mühle des Tambours ’ (Staldenried) und ts Tamborfärdisch Intiejer ‘ der Eintuer (Stall) des Tambours Alfred ’ (Hohtenn). An beiden Orten gibt es einen Tambouren- und Pfeiferverein. Tampa Tampa f. ist als Schimpfwort für einfältige Weibsperson und ‘ Frau (blöde, dumme) ’ (I D . 12, 1877; G RICHTING 1998, 193) belegt. Vermutlich ist das Nomen zum Verb tampe n (I D . 12, 1878 ff.) zu stellen, also eine Frau, die viel redet. Taleyer (FaN) 307 308 <?page no="973"?> Belegt ist es als di Tampa in Mund, wo der Ort als schmale Wiese neben den Strichjinu bezeichnet wird, ohne Angabe der Koordinaten. Die Strichjini (Mund) befinden sich auf ca. 1125 m auf der Munder Seite der Strasse von Birgisch nach Mund. Die Gwp. sagt dazu: “ Die Eigentümerin war dumm ” . Im Beleg dr Tampuschleif (Blatten) ist ein Modell für die Lawinenverbauungen gemeint, das bei einer Sprengung in die Luft gesprengt wurde. Ob ein Zusammenhang mit dem HL T AMPA im Sinn von ‘ einfältige Weibsperson ’ besteht, ist unklar. Tämpel Tämpel m., auch Tempel m. ist zu schwd. Tëmpel ‘ Tempel, Gotteshaus ’ m., ahd. tëmpal n., mhd. tëmpel m./ n., entlehnt aus lat. TEMPLUM n. und dem daraus entwickelten afrz. temple m. (I D . 12, 1889 ff.; K LUGE / S EEBOLD 25 2002, 912) zu stellen. Belegt sind nur der Englisch Tämpel ‘ der englische Tempel (frühere kleine Kirche für Engländer) ’ (Fiesch) und bim Tempel ‘ beim Tempel (englische Kirche) ’ (Zermatt). Die beiden Belege dürften eher auf engl. temple zurückgehen. Für katholische Kirchen vgl. HL C HIRCHA - C HILCHA . Tänd Tänd f. ist belegt als Zer Tänt (Ergisch) und Zer Tent (1677 u. später, Oberems), wohl der gleiche Ort wie der erste Beleg. Ein sicher romanischer Beleg ist a la Tenda (1361, Inden). Tänd kann entweder zum schwdt. Tänn ‘ Tenne ’ (I D . 13, 102 ff.) gestellt werden, wo es einen Beleg Tänd für Saanen (BE) gibt; G RICHTING (1998, 193) kennt aber nur wdt. Te, Tennä (Goms), Tänn, Tä, also keinen Beleg mit auslautendem -nd. Vermutlich liegt das rom. * TENDA ‘ Zelt ’ (FEW 13, 1, 145 ff.; M EYER 1914, 172) näher, das sicher in Inden anzusetzen ist. J ACCARD (1906, 456) führt allerdings Tenda(z) auf tendere ‘ sich erstrecken ’ zurück. Die wenigen Belege lassen keine gesicherten Aussagen zu, weswegen das HL unmarkiert erscheint. Tangel (PN) Tangel (PN) ist vermutlich als PN in den Belegen Tangels Ruitin ‘ das gerodete Gebiet des Tangel ’ (1301, Niedergesteln) und dem unsicheren Beleg Pratum Tangels ‘ die Wiese des Tangel ’ (1389, Simplon) bezeugt. Unklar ist der Beleg sub terra Tangel ‘ unter dem Gut des Tangel ’ (1391, Ried-Brig), wo auch nur der Name Tangel (cf. HL T ANGEL ) gemeint sein kann. I D . (13, 463 ff.) gibt in der Anmerkung Tangel als FaN an. Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (1, 392) kennt nur Dangel, das dort aber als aus Deutschland und Österreich stammend verzeichnet ist. F ÖRSTEMANN (1, 1403) hat u. a. Thencilo und weitere PNN. Tangel Tangel m. und Tängja f. ist zu schwdt. Tangel, Tängel m./ n. ‘ Gerät zum Dengeln von Sensen, Sicheln ’ , ahd. tangol ‘ Hammer, Schlegel ’ , mhd. tangel ‘ Dengelstock ’ (I D . 13, 463 ff.) zu stellen. G RICHTING (1998, 193) kennt die feminine Form Tängella oder Tängela (die I D . nicht erwähnt), sowie das Kompositum Tengulschtokk und verwandte Formen. C. S CHMID (1968, 42) erwähnt d Angela f. ‘ der Amboß ’ , der zusammen mit dem Hammer verwendet wird, trennt also den Anlaut als Artikel ab. URNB (3, 688) erwähnt den Namen Tangel m. für Gurtnellen. Das Simplex Tangel ist für Ried-Brig 1391 erwähnt. St. Niklaus hat 1620 u. später an der Thengen, das bei LT als Tennjen belegt ist; lebend sind t Ober Tängja und t Unner Tängja (St. Niklaus). Sehr unsicher ist ein Beleg apud Tengyon (1389, Täsch) mit einer frühen Palatalisierung. Als nicht umgelauteter Plural belegt ist di Tangle (Termen). Das Grundwort eines Kompositums ist bezeugt in Murmiltangil ‘ das Gebiet, das aussieht wie ein Dengelstock, mit Murmeltieren ’ (Varen). Die übrigen Belege enthalten Tangel als Bestimmungswort: ts Tangeloch ‘ das Loch, das wie ein Dengelstock aussieht ’ (Oberwald), ts Tänggiloch ‘ das Loch, wo man die Sensen dengelte ’ (Simplon), ts Tangulbielti ‘ der kleine Hügel, der aussieht wie ein Dengelstock ’ (Naters), der Tangulwang ‘ der Grasabhang, der aussieht wie ein Dengelstock ’ (Naters), der Tängjerwald ‘ der Wald bei der Tängja ’ (St. Niklaus) und ts Tängelmaad ‘ die Mähwiese im Gebiet, das aussieht wie ein Dengelstock ’ . Komplexer ist der Tangelocheer ‘ die Kehre (der Grimselstrasse) beim Tangelloch ’ (Oberwald). Tangen Tangen ist nur 1822 in Salgesch als in Tangen Matten belegt. Vermutlich handelt es sich um den gleichen Beleg wie die Tannenmatten ‘ die Wiese bei den Tanne ’ von 1794 in Salgesch (Nr. 43445). Eine andere Deutung ist nicht möglich. Tangere Tangere ist nur belegt in ts Tangerelammuti ‘ die kleine Runse bei Tang(e)re ’ (Fieschertal). Das eingeschobene / e/ zwischen / ŋ / und / r/ könnte ein erleichternder Zusatz zu Tangre sei. Zu Tangere und Tangre findet sich jedoch keine sinnvolle Deutung. Der nördlich davon durchfliessende kleine Bach ohne belegten Namen kann laut Beschreibung “ Dreieckiger Grasspitz zwischen Felsen ” nicht gemeint sein. 309 310 Tangere <?page no="974"?> Tängger Tängger n. ist lebend als ts Tängger (Naters) und historisch 1537 in Ergisch als zum Thanggeracker (andere Lesart: Changgeracher) belegt. Im Beleg von Naters könnte ein Zirkumfix vom Typ GI - ER (Kollektiv) vorhanden sein, worauf das Genus Neutrum hinweist. Dann ist es zum Adjektiv tangg, wohl in der Bedeutung 1 b) α ) ‘ feuchtweich vom Erdboden ’ (I D . 13, 597 ff.) gemeint sein. ts Tängger wäre dann die Stelle mit feuchtem Erdboden. Der Beleg aus Ergisch lässt sich hier einordnen: der Acker mit feuchtem Boden. Die zweite Lesart Changgeracher lässt sich jedoch nicht zuordnen, ist also kaum zu halten. Die bei G RICHTING (1998, 193) belegten Tängg ‘ Mann (dicker) ’ und Tängga ‘ Masse (zäh), Frau (dicke, plumpe) ’ gehören zum gleichen Adjektiv, aber nicht zur Bedeutung ‘ feuchtweich vom Erdboden ’ (vgl. auch I D . 13, 604 zu Tängge n ). Tangoll Tangoll ist nur einmal belegt, 1716 in Ulrichen. Der Text der in Tangoll (? ) lässt sich nur schwer deuten. Zu vermuten ist, dass es sich um den Namen Ihangel (historisch als Inhangel) handelt (cf. HL I HANGEL ). Das anlautende / t/ von Tangoll ist überschrieben und kann ursprünglich ein / h/ gewesen sein. Tänn Tänn, Tenn auch Tä, Te n. ‘ Tenn, Tenne ’ ist zu schwdt. Tänn und Tenn n., im Wallis meist mit Schwund des auslautenden -nn, ‘ ebener, freier Platz ’ als Wiedergabe von lat. AREA , ‘ in dieser Bedeutung in den Schweizer Flurnamen zum Teil noch erhalten ’ , ahd. tenni, tenne n., mhd. tenne m./ f./ n. und wdt. Te, Tennä (Goms), Tenna (Mattertal), Tänn (Lötschental), Tä ‘ Tenne (Dreschplatz) ’ (I D . 13, 114; Grichting 1998, 193) und Ort ‘ zum Dreschen und Säubern des Getreides ’ (I D . 13, 102 ff.; K. H UBER 1944, 27 ff.; V. S CHMID 2003, 200) zu stellen. Das HL kann - vor allem in historischen Belegen - mit dem HL Tanna ‘ Tanne ’ verwechselt werden. Einen Sonderfall stellt Tännu (Turtmann, cf. HL T ÄNNU ) dar, dessen älteste Belege als Tendona (cf. HL T ENDONA ) erscheinen. In Lokalnamen bezeichnet das HL T ÄNN häufig einfach eine ebene Fläche (so I D . 13, 114 Anmerkung) und kein Gebäude, trotz der Bemerkung in I D . (13, 111), wonach in alpinen Gebieten eine “ Hochtenne ” gemeint sein könne. Das Simplex ist im Singular belegt als ts Tä ‘ das Tenn ’ (Eischoll), Tänn ‘ das Tenn ’ (LT, FLNK, Wiler; SK Tenn), im Te ‘ im Tenn ’ (Bitsch), zum Te ‘ beim Tenn ’ (St. Niklaus), zem Tenne ‘ beim Tenn ’ (1460 u. später, Zermatt), das Tenne ‘ das Tenn ’ (1310, Baltschieder), auffem Then ‘ auf dem Tenn ’ (1617 u. später, Erschmatt). Als Feminin ist di Tenni ‘ die Tenne ’ (Termen) bezeugt, schon 1418 als die Tennÿ. Feminines Genus ist im Hochdeutschen gut belegt (vgl. G R W B 21, 253 ff. s. v. Tenne), nicht aber im Walliserdeutschen. Das Simplex im Plural erscheint als ze Tännu ‘ bei den Tennen ’ (Zeneggen), Zen Tennen ‘ bei den Tennen ’ (1329, Lalden; 1688, Visp), Zen Tennu ‘ bei den Tennen ’ (Törbel) und Zen Thennen ‘ bei den Tennen ’ (1601, Naters. Eine seltsame Form des Plurals ist Zantennu ‘ bei den Tennen ’ (Eggerberg), das 1306 am Tenne, 1437 zen Tennen, 1619 zun Tennen usw. genannt wird; erst 1859 wird es Z ’ Ant=Tennen geschrieben. Warum hier das anlautende Zen ‘ bei den ’ verändert wurde, bleibt unklar. Als Diminutiv im Singular findet sich ts Tennli ‘ das kleine Tenn ’ (Oberwald) mit einem kleinen Namennest: ts Hinnerscht Tenli ‘ das hinterste kleine Tenn ’ (Oberwald), im Fordren Tendli ‘ im vorderen kleinen Tenn ’ (1725, Oberwald), Thenlj Weeg ‘ der Weg zum Tennli ’ (1778 u. später, Oberwald) und di Tennliweng ‘ die Grasabhänge beim Gebiet kleine Tenne ’ (Oberwald). Vermutlich ein Plural des Diminutivs ist belegt in zen Tenli ‘ bei den kleinen Tennen / bei den kleinen Tannen ’ (1548, Hohtenn). Attributive Adjektive zum HL sind vor allem im mehrfach belegten ts Ho'te ‘ das hohe Tenn ’ (Bratsch, Hohtenn, Mund), Hotee (FLNK, Ausserberg (SK Hohtenn, LT Hotee); FLNK, Betten), aúff dem Hothen (1782, Erschmatt; 1673, Raron), jm Hohten (1714 u. später, Visperterminen), Bahnstation Hohtenn ‘ die Station (Bahnhof) Hohtenn der BLS ’ (FLNK, Hohtenn; LT Stn. Hohtenn) vertreten. Weiter finden sich im Hintern Tennen ‘ im hinteren Tenn ’ (1818, Gampel), ts Inder Tänn ‘ das innere (taleinwärts liegende) Tenn ’ (Wiler) und ts Uister Tänn ‘ das äussere (talauswärts liegende) Tenn ’ (Wiler). Vorangestellte Genitive in zweigliedrigen Konstruktionen sind: Berthols Tenne ‘ Berchtolds Tenn ’ (1435, Bitsch), Habersch Te ‘ das Tenn der Familie Haber / des Haber (da Name sonst unbekannt, wohl Tenn des Hafers) ’ (Mund), ts Walkersch Te ‘ das Tenn der Familie Walker ’ (Törbel), Walkersthen ‘ das Tenn der Familie Walker ’ (1840, Embd, gemeint ist aber wohl die gleiche Flur in Törbel). Das HL ist nie Grundwort in zweigliedrigen Komposita. Hingegen ist es als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern belegt: Acher, Bach, Biel, Biina, Bodu, Brunnu, Fura, Grabu, Güet, Holz, Hüs, Matta, Schiir, Schleif, Stadel, Wang und Wäg. Komplexere Formen sind ts Inner Tewaldji ‘ der innere kleine Wald beim Tenn ’ (Saas-Balen), z Obrest den Thenfúren ‘ zuoberst den Furchen beim Tenn ’ (1603 u. später, Niedergesteln), Thenflien Tschuggen ‘ der Fels bei den Flühen beim Tenn ’ (1696, Zeneggen) und andere. Tängger 311 312 <?page no="975"?> Einen sehr interessanten Fall bildet das HL in der Gemeinde Wiler, wo es einen Weiler Tänn ‘ das Tenn ’ (Wiler) gibt, etwa einen Kilometer nordwestlich des Dorfes; er besteht aus ts Inder Tänn ‘ das innere (taleinwärts liegende) Tenn ’ und ts Uister Tänn ‘ das äussere (talauswärts liegende) Tenn ’ (beide Wiler). Auf der rechten Talseite finden sich ufem Tänbach ‘ auf dem Gebiet beim Tännbach ’ kurz vor der Einmündung des Tännbachs in die Lonza, der Bach dort heisst Tännbach (LT, Wiler) und an seinem nördlichen Ende finden sich auf der Höhe Tämbachgletscher ‘ der Tännbachgletscher ’ (FLNK, Wiler), ts Tänbahoren ‘ das Tännbachhorn ’ (Wiler, Gipfelname (2832 m), LT u. SK Tennbachhorn), darunter di Tänbachbletschä ‘ die Bletschä (Ebenen) beim Tännbach ’ (Wiler), dr Leid Tänbach ‘ das hässliche Gebiet am Tännbach ’ und an der Mündung des Baches di Tännbachachra ‘ die Äcker beim Tännbach ’ und di Tänbachweidä ‘ die Weiden am Tännbach ’ . Die Lonza überquert der Tännärstäg ‘ die Brücke über die Lonza bei Tänn (Tenn) ’ , darum herum sind di Tänn(e)rreina ‘ die Raine (Abhang) beim Tänn (Tenn) ’ und di Tännärgendär ‘ die Geröllhalden beim Tänn (Tenne) ’ , ihnen folgen di Tännärweide ‘ die Weide beim Gebiet Tänn ’ . Der Bach, der hier durchfliesst, heisst dr Tännerbach ‘ der Bach, der durch die Tännerra fliesst ’ und die Schlucht, durch die er fliesst, Tännerra ‘ die Schlucht der Leute von Tänn ’ (LT), darüber sind di Tännärbletschä ‘ die Ebene bei der Tännerra ’ und di Tännärbrinn ‘ die Brunnen / Quellen im Gebiet der Tännerra ’ , etwas weiter oben ts Inder und ts Uister Tännärchinn ‘ die innere und die äussere Tännerschlucht ’ . Beim Austritt des Tännerbachs aus der Schlucht findet sich dr Tännerchrumm ‘ die ummauerte Weide im Gebiet Tännerra ’ , im Wald daneben ts Tännärschleifli ‘ der kleine Schleif bei der Tännerra ’ , gleich daneben di Tännärholzfeeli ‘ die Holzfeli (Holzfallgraben) bei der Tännera ’ . Alle Namen sind in Wiler belegt. Es scheint also, dass der Weiler einerseits dem nördlich gelegenen Gebiet den Namen Tänn (Tenn) gegeben hat, während das südlich gelegen Tal als die Schlucht der Leute von Tänn bezeichnet wurde und die verschiedenen Namen danach benannt wurden. Tännera (die Schreibweise auf LT) ist wohl eine - ERRA -Ableitung (S ONDEREGGER 1958, 471 f.), hier zu den Bewohnern von Tänn (Tenn): ‘ das Gebiet der Leute von Tänn (Schlucht des Tännerbachs) ’ . Es ist einer der wenigen Fälle, wo sich zwei Täler in der Ableitung vom gleichen Grundwort Tänn unterscheiden. Zu diesen komplexen Bestimmungswörtern gibt es eine Reihe von komplexen Formen mit Hotee ‘ hohes Tenn ’ wie t Alt Hotentreichi ‘ die alte Tränke der Leute von Hohtenn (Weiler von Visperterminen), Hohtenn Boden ‘ der Boden bei Hohtenn / beim hohen Tenn ’ (1852, Steg), Hohtenndorna ‘ die Dornbüsche bei Hohtenn ’ (FLNK, Hohtenn), der Hootennbodu ‘ der Boden bei Hohtenn / beim hohen Tenn ’ (Niedergesteln), t Hoteachra ‘ die Äcker beim Gebiet Hotee (hohes Tenn) ’ (Betten), aúf den Hothen Boden ‘ der Boden, der zu Hohtenn gehört ’ (1852, Hohtenn), t Hotewasserleita ‘ die Wasserleitung zum Hotee (hohes Tenn) ’ (Visperterminen) und viele andere, die sich auf die verschiedenen Hotee ‘ hohes Tenn ’ beziehen. Ein seltener Genitiv Plural findet sich in Hotenner Riedbärg ‘ der Riedbärg, der zu Hohtenn gehört ’ (FLNK, Niedergesteln). Eine Ableitung auf - IG findet sich in Tänigu ‘ bei den Leuten von der Tenne / des Anton (? ) ’ , wo unklar ist, ob sich der Name auf Tänn ‘ Tenne ’ oder eine Kurzform des Namens Anton bezieht. Eine Ableitung auf - ERI , resp. - ERRA für Wasserleitungen ist in di Tenneri ‘ die Wasserleitung (führt von der Lonza bis Zantennu) ’ (Eggerberg), die Thennerÿ ‘ die Wasserleitung Tenneri ’ (1578, Lalden) und ob der Tennerrun ‘ oberhalb der Wasserleitung vom / zum Tenn ’ (1542, Mund) belegt. Tanna Tanna f. ‘ Tanne ’ ist der Baumname Tanne f., Pl. Tanne n bzw. Tanni, wesentlich wie nhd. ‘ Tanne ’ , meist ‘ Weiss- und Rottanne ’ , ahd. tanna, mhd. tann(e) und wdt. Tanna, Tannä (Goms), Tannu ‘ Tanne ’ (I D . 13, 52 ff.; G RICHTING 1998, 193). Die Form ts Ta ‘ das Tannengehölz, der Tannenwald ’ ist ein Kollektiv. An verschiedenen Orten wird bemerkt, dass es dort keine Tannen (mehr) gäbe; das ist ein Beispiel dafür, dass ein Name am Ort haftet, auch wenn die Namenmotivation nicht mehr gegeben ist. Bei den Simplizia ist das Simplex des Kollektivs als ts Ta ‘ das Tannengehölz ’ (Ulrichen und sechs weitere Gemeinden), ts Taa (Simplon), im Ta (Reckingen, Steinhaus), zum Ta (Oberems) am besten vertreten; historische Belege haben jm Tan (1305, Niedergesteln), zem Tan (1309, Saas-Balen), zem Than (1509, Saas-Grund; 1502, Stalden, 1470 u. sp., Visperterminen). Der Baumname selbst kommt im Singular als Tanne (FLNK, Ulrichen; Singular), beÿ der Tannen (1752, Oberwald; ein Beleg von 1550 hat jn den Thannunj), bei der Tanne (1855, Brigerbad), bej der Tanne (1847, Leuk), by der Thannen (1640 u. später, Mund), zer Tannu (Staldenried, Wiler), zer Tannvn (1333, Naters). Der Plural des Simplex ist belegt in di Tane (Unterbäch), bine Tanne (Blitzingen), in den Thannen (1550, Obergesteln), jn den Thanen (1829, Varen), die Thanen (1652, Zwischbergen), ze Tannu (Eisten). Diminutive im Singular sind ts Tanni (Fieschertal), beim Taneltÿ (Glis), in den Tanjen Ackern ‘ die Äcker beim kleinen Tannenwald ’ (1870, Hohtenn; 1859 - 1872 313 314 Tanna <?page no="976"?> der Tenjen Acker, scheint eher zu Tänn ‘ Tenne ’ zu gehören). Diminutive im Plural sind belegt als in den Thaneltinen (1817, Leuk), ze Tanniltinu (Baltschieder). Mit attributiven Adjektiven kommt das HL in zweigliedrigen Konstruktionen vor in ts After Ta ‘ das hintere Gebiet mit Tannengehölz ’ (Eisten), von der Dirren Tannen ‘ von der dürren Tanne ’ (1542, Biel; 1542, Ritzingen; Grenzbeschreibung zwischen den Gemeinden), ts Dirr Ta ‘ das dürre Tannengehölz ’ (St. Niklaus, zweimal), bei der Gebranten Thannen ‘ bei der verbrannten Tanne ’ (1750, Simplon; Partizip), zer Gsägnutu Tannu ‘ bei der gesegneten Tanne ’ (Gampel; Partizip), zer Heejun Tannu ‘ bei der hohen Tanne ’ (Steg), ts Inner Ta ‘ das innere Tannengehölz ’ (Eisten), ts Ober Ta ‘ das obere Tannengehölz ’ (Eisten), t Schwarze Tanne ‘ die schwarzen Tannen ’ (Geschinen), t Schwarz Tanne ‘ die schwarzen Tannen ’ (Ulrichen), zúr Schwartzen Thannen ‘ bei der schwarzen Tanne ’ (1444, Obergesteln), t Spitzi Tannu ‘ die spitze Tanne ’ (Hohtenn), ts Unner Ta ‘ das untere Tannengehölz ’ (Eisten), ts Üsser Ta ‘ das talauswärts liegende Tannengehölz ’ (Eisten), zu Vier Tanneltinu ‘ bei den vier kleinen Tannen ’ (Randa; Zahlwort), ts Wiissta ‘ der Weisstannenwald ’ (Eggerberg), zer Wiisstannu ‘ bei der weissen Tanne ’ (Varen). Einen Sonderfall bildet die Trias Zer Tannu, ts Obruscht zer Tannu ‘ zuoberst in Zer Tannu ’ , ts Undruscht zer Tannu ‘ zuunterst in Zer Tannu ’ (alle Staldenried). Zer Tannu ‘ bei der Tanne ’ ist ein Dorfteil von Staldenried. Vorangestellte Genitive zum Simplex sind ts Badjisch Tanna ‘ die Tanne des Badji / beim kleinen Pfad ’ (St. Niklaus; FLNK Fadjisch Tanna), t Fäldertanne ‘ die Tannen bei den Feldern (? ) ’ (Ulrichen, unklar, laut Gwp keine Tannen; FaN Felder ist im Oberwallis nicht belegt) und di Gitzotanna ‘ die Tanne, wo die kleinen Ziegen Salz erhielten (laut Gwp) ’ (Visperterminen). Komplexere Konstruktionen mit vorangestelltem Genitiv sind Chammsetsisch Bildtanna ‘ die Bildtanne der Familie mit dem Übernamen Chammsetsi (Kammsetzer) ’ (FLNK, Birgisch), ts Eggersch Bildtanna ‘ die Bildtanne der Familie Egger ’ (Birgisch), ts Läntsch Bildtanna ‘ die Bildatanne des Lenz (= Lorenz) ’ (Birgisch), ts Zeitisch Bildtannu ‘ die Bildtanne der Familie Zeiter ’ (Birgisch). An einer Bildtanna findet man normalerweise ein Heiligenbild oder eine Heiligenstatue, manchmal in einer Höhlung des Stammes, manchmal auch sonst befestigt. In Birgisch werden vier solcher Bildtanne benannt. Als Grundwort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita zunächst mit PNN auf: t Baarbitanne ‘ die Tanne der Barbi (Barbara) ’ (Ulrichen), t Lepolltitanne ‘ die Tanne des Leopold (PN) ’ (Ulrichen) und di Trinatannu ‘ die Tanne der Triine (PN) ’ (Leuk). Bei den ersten beiden handelt es sich um kleine Güter, bei der dritten um eine markante Tanne. Am häufigsten ist jedoch t Schäärutanna ‘ die Tanne, die Schutz bietet ’ (Ried-Mörel), auch bin der Schäärutannu ‘ bei der Tanne, die Schutz bietet ’ (Betten), t Schärtanna ‘ die Tanne, die Schutz bietet ’ (Grengiols) und t Schärtanne ‘ die Tanne, die Schutz bietet ’ (Blitzingen, Oberwald) - alle mit dem Bestimmungswort Schääru ‘ Schutz ’ (cf. HL S CHÄÄRU < mhd. schërm; das auslautende / m/ wird vokalisiert wie in Aaru < Arm). Mehrfach belegt ist auch das schon erwähnte Bildtanna als Bildtanne (FLNK, Reckingen), di Bildjitanna (Visp), biner Biudtanne ‘ bei der Bildtanne ’ (Binn), alle mit der oben erwähnten Deutung. Ähnlich zu verstehen ist t Chriztanna ‘ die Tanne mit dem Chriz (Kreuz, wohl Kruzifix) ’ (Grengiols). Unklar ist zer Egiltannu ‘ bei der Adlertanne ’ (Hohtenn), sofern Egil ‘ Adler ’ heisst (aus frz. aigle ‘ Adler ’ ). zer Chropftanne ‘ bei der Tanne mit Kröpfen (kropfartige Auswüchse) ’ (Lax) bezieht sich auf das Aussehen des Baumes. Etwas unklar ist di Kirmigtanna ‘ die Tanne, wo man ausruhen (hirmen) kann ’ (Goppisberg). Zugrunde liegt hier das Verb ge-hirmen ‘ ausruhen ’ (I D . 2, 1708) (cf. HL H IRMI ). Komplexere Konstruktionen liegen nicht vor. Als Bestimmungswort tritt Ta zum HL T ANNA ‘ Tannengehölz ’ mit folgenden Grundwörtern auf: Egg(a), Gassa, Grabu, Haalta, Hubel, Hüs, Lamma, Matta, Rufina, Schleif, Steg, Stutz, Wäg und Wald. Die Form Tann(a) und davon abgeleitete ist belegt mit Acher, Ägerta, Bach, Bäärg, Biel, Bodu, Bord, Brunnu, Egg(a), Fad, Gassa, Grabu, Gretz, Matta, Piische, Schiir, Teiff, Tola, Tritt, Wäg und Wald. Ein Namennest bildet sich um Tamattu ‘ die Wiese bei Tannengehölz ’ (Saas-Balen, Saas-Grund), einen Weiler, zu dem ts Innertamattu ‘ der innere Teil des Weilers Tamattu ’ (Saas-Grund), ts Tamattbrunngi ‘ die kleine Quelle / der kleine Brunnen beim Weiler Tamattu ’ , di Tamatthaalte ‘ die Halde beim Weiler Tamattu ’ (beide Saas-Balen), ts Tamattsand ‘ das Sandgebiet beim Weiler Tamattu ’ (Saas-Grund) und ts Üsser Tamattsand ‘ das äussere sandhaltige Gebiet bei Tamattu ’ (Saas-Grund) belegt sind. Hingegen gehört Tamattugrabo ‘ der Graben hinunter zur Tanmatta (Wiese bei den Tannen) ’ (FLNK, Ried-Brig) bei di Tanmatta ‘ die Wiese bei den Tannen ’ (Ried-Brig) nicht zu diesem Namennest. Der zweifellos komplexeste Name ist ts Müetergottestannestäfuti ‘ der kleine Stafel mit der Statue der Muttergottes (Maria) an einer Tanne ’ (Selkingen); die Beschreibung sagt, dass sich hier eine Tanne mit einer Muttergottesstatue befinde. Unklar ist die Ableitung ts Tännil (Niedergesteln) mit Tännilwald ‘ der Wald mit Tannen ’ (FLNK u. LT, Niedergesteln), resp. der Ober und der Unner Tannelbodu ‘ der Tanna 315 316 <?page no="977"?> obere und der untere Boden im Tannel (Tannenwald) ’ (Saas-Fee). Die Ableitung auf - EL (S ONDEREGGER 1958, 513 ff.) ist eine Stellenbezeichnung; die Ableitung mit neutralem Genus auf - IL und Umlaut in Tännil hat wohl eine kollektive Bedeutung. Tännu Tännu ist der heutige Name eines Weilers, der zu Turtmann gehört. Die ältesten Belege weisen durchwegs Thendona oder Tendona auf (cf. HL T ENDONA ). Dieser Name ist wohl eine - ONA -Ableitung zum HL T ENDA ‘ Abhang ’ (M EYER 1914, 81) und meint primär den später Tännbach genannten Bach. Der Bachname bezog sich aber auch auf den Namen des Weilers. Weitere Namen sind im Hinteren Tennen (1818), ts Änner Tännu ‘ das jenseitige Tennen ’ belegt. Dazu kommen Tännubielu ‘ der Hügel bei Tännu ’ , im Tenen Gru ͦ ndt ‘ im Grund von Tännu ’ (1704 u. später), di Tännuleesser ‘ die durch Los zugeteilten Grundstücke bei Tännu ’ , die Tennermadten ‘ die Wiesen bei Tännu ’ (1630 u. später) und lat.: sub aqueductu de Tendona ‘ unter der Wasserleitung von Tännu (Tendona) ’ (1355) (alle Turtmann) bezeugt. Lat.: subtus aqueductum de Tendona ‘ unter der Wasserleitung von Tännu (Tendona) ’ (1337, Ergisch) meint wohl die gleiche Wasserleitung. Ebenfalls zu Tännu (Tendona) gehören der Tänbach (Turtmann; FLNK Tännbachji), ts Ober und ts Unner Täholz (Turtmann, LT Tännholz), das Thenholz ‘ der Wald oberhalb von Tännu ’ (1526 u. später, Turtmann), und Tännachra ‘ die Äcker bei Tännu ’ (FLNK, LT, 1683: in den Tenden Akren). In Ergisch ist 1527 das Thenholz als Übersetzung von lat.: nemus de Tendona ‘ der Wald von Tännu ’ belegt. Lebend gibt es hier auch der Tännbach ‘ der Bach, der bei Tännu in den Rotten mündet ’ (Ergisch). Täntsch Täntsch ist nur einmal als Simplex der Täntsch ‘ Mulde mit gestautem Wasser für die Kälber ’ (Leuk) belegt. Gwp. sagt, dass sich der Täntsch im Wald befinde: ein Ort, wo das Wasser für die Kälber in einer Mulde gestaut (<getänscht>) wurde zum Tränken. Gwp. gibt auch eine Bedeutung von <tänntschu>: verstopfen, stauen, wenn eine Wasserleitung rinnt. Beides ist sonst im Oberwallis nicht belegt (fehlt bei G RICHTING 1998). Es ist zu schwdt. Täntsch, Tantsch m./ n./ f. mit mehreren Bedeutungen zu stellen, u. a. ‘ festgetretener Boden; Aufschüttung, Damm von Erde und Steinen oder von Lehm; stark durchnässter Boden, sumpfige Erde ’ (ZGNB 5, 26; G ROSSENBACHER 1997, 291; I D . 13, 828 ff.). I D . (13, 835) kennt auch das dazu gehörende Verb tan(t)sche n , das auch mit Umlaut vorkommt, ebenfalls mit mehreren Bedeutungen. Der Flurname ist für das Wallis sonst nirgends belegt. Tanz Tanz m. ist nur als Tanzboden in verschiedenen Formen belegt: di Tanzbede ‘ die Tanzböden ’ (Grengiols; auch FLNK und LT; SK Tanzboden), dr Tanzbobem ‘ der Tanzboden ’ (Ferden), ts Tanzbodi ‘ der kleine Tanzboden (wo man tanzen kann) ’ (Ried-Brig, auch FLNK), der Tanzbodu ‘ der Tanzboden ’ (Betten, auch FLNK; Goppisberg, auch FLNK). Das HL ist zu schwdt. Tanz m. und Tanzbode n m. ‘ Tanzfläche ’ wesentlich wie nhd. und wdt. Tanz ‘ Tanz ’ (I D . 13, 836 ff.; I D . 4, 1031 f.; G RICHTING 1998, 193) zu stellen. Mit Ausnahme von Ried-Brig befinden sich die Tanzböden auf höher gelegenen Orten, etwa Alpen, wo - wie es in Goppisberg explizit heisst - auch getanzt wurde. Tapper Tapper ist nur als das Tapperlin (1642, Naters) belegt. Alternativ kann es als das Tafferli (Tapperli? ) (1678, Naters) gelesen werden. Nach P H . K ALBERMATTER (p. c.) ist jedoch klar Tapperlin gemeint. Das HL liesse sich u. U. zu Tappe n ‘ Anteil ’ (I D . 13, 934) stellen (das zu frz. étape oder it. tappa gestellt wird). Allerdings ist dann die Ableitung auf - ER und der Diminutiv - LI zu deuten; zu erwarten wäre eine männliche Stellenbezeichnung auf - ER (S ONDEREGGER 1958, 541 ff.) mit Verkleinerung: ‘ der kleine Anteil (an Reben) ’ ; diese Deutung gilt für den Beleg von 1642, der explizit apud wineas ‘ bei den Reben ’ nennt; hingegen ist der Beleg von 1678 in dieser Hinsicht nicht spezififziert. Die Deutung ist darum spekulativ. Täretsch Täretsch ist nur als der Täretsch ‘ der Täretsch (unklar) ’ (Turtmann), sowie der Ober und der Unner Täretsch (Turtmann) belegt. Auf 1: 10000 steht Terretsch. Laut Gwp. handelt es sich um eine Schafweide. Historische Belege fehlen. Die Karten zeigen heute Bewaldung. T AG- MANN (1946, 56) kennt den Namen und würde ihn gerne auf * TERRACEA zurückführen, allerdings ohne Deutung. D U C ANGE (8, 72) kennt Terracea als ‘ ager terreus ’ , was heute sicher nicht mehr der Fall ist. Das in Leukerbad belegte Täärätschu ist verwandt damit (T AGMANN 1946, 56 und HL T ÄÄRÄTSCHU ). Tarmels Tarmels ist nur 1353 in Salgesch als eys Tarmels belegt; die Lesung ist unsicher. Eine Rückführung auf tarmes ‘ holzwurm ’ (FEW 13, 1, 122 ff.) ist schwer möglich, da das anlautende / t/ schon früh geschwunden sein muss. Das HL lässt sich deswegen nicht deuten. 317 318 Tarmels <?page no="978"?> Tartauel Tartauel m./ n. ist nur belegt in am Tartauel (1527, Ernen). Es könnte sich um eine Verballhornung von am Gatauel ‘ am Holzschleif ’ (vgl. HL G ATTALF ) handeln. Das HL ist im 16. Jahrhundert nicht mehr durchsichtig und wird auch an anderen Orten umgedeutet. Dagegen spricht die Formulierung vnam petiam terre cui dicitur am Tartauel ‘ ein Stück Land, das am Tartauel genannt wird ’ . Täsch Täsch ist der Name einer Gemeinde im Mattertal; bis hieher führt die allgemein zugängliche Fahrstrasse nach Zermatt. Die ältesten Belege sind: Tech (1302), Techs (1305, 1307), Thessche (1388), Thes (1388, 1390 u. später), Tesche (1389). Auffällig ist, dass die ältesten Belege alle mit lat. de ‘ von ’ konstruiert sind, das auch auslautendes / e/ erklärt. Im 16. Jahrhundert findet sich zunächst Tesch, später auch Däsch oder Tësch. Der vordeutsche Siedlungsname Täsch gehört zu den toponomastischen Relikten überschichteter Frühsprachen (Z INSLI 1977, 100), die nach heutigem Stand der Forschung nicht befriedigend erklärt werden können. Eine Ableitung von rom. tegia, tigia ‘ Alphütte, Dach ’ (S TUDER 1896, 244) erklärt die heutige Mundartform mit Endbetonung schlecht, eine Rückführung auf ahd. tasca ‘ Mulde, Talschlucht, Waldbucht ’ (M EYER 1931, 626, in: HBLS 6. Bd.; Z URBRIGGEN 1952, 186) ist auszuschliessen, da es sich um ein vordeutsches Etymon, wahrscheinlich um ein rom., handelt (A EBISCHER 1971, 15; Z IMMERLI 1899, 81). Die spätere latinisierte Namenform PERA ‘ Ranzen, Quersack ’ , die in den Belegen im 17. Jh. auftritt, ist eine wörtliche Übersetzung des dt. Wortes Tasche (A MMANN 1997, 205). K RISTOL ET AL . (2005, 866) schlagen eine Herleitung von vorlat. *t ĭ ska ‘ Haufe ’ (FEW 13, 1, 354) vor. Der altfrpr. Name Tesche in der Bedeutung ‘ Haufen von Brennmaterial, Heuhaufen, Garben ’ ist oder war in der Westschweiz gut belegt, auch eine Übertragung der Bedeutung ‘ Haufen ’ auf die Geländeform ist denkbar. Lautlich entspricht zwar Tesche der ältesten belegten Form; die Entwicklung von / e/ zu einem offenen / ä/ ist jedoch unklar. Neben dem Gemeindenamen kommt Hinner Täsch ‘ das hintere Täsch / das Gebiet hinter Täsch ’ (FLNK, Täsch) vor. Gemeint ist wohl der hintere Teil des Dorfes am Täschbach. Sonst ist Täsch als Bestimmungswort vertreten. Mit folgenden Grundwörtern bildet es zweigliedrige Komposita: Alpa, Bach, Bäärg, Gufer, Hooru, Matta, Sand, Stei, Wald und Wang. Nur das Täschhooru ‘ Täschhorn ’ (Gipfelname, 4490 m, in der Mischabelgruppe) gehört zu den drei Gemeinden Täsch, Randa und Saas-Fee, alle andern nur zu Täsch. Komplexer sind Inner Täschsand ‘ das inner (taleinwärts liegende) Sandgebiet (der Matter Vispe) bei Täsch ’ (FLNK, Täsch), Täschalpkapälla ‘ die Kapelle auf der Täschalp (bei Ottafe) ’ (FLNK, Täsch), Täschbärgkapälla ‘ die Kapelle in der Siedlung Täschbärg ’ (FLNK, Täsch) und Täschhitta SAC ‘ die Täschhütte SAC (Sektion Uto des SAC) ’ (Täsch, FLNK; LT Täschhütte SAC). Täsche Täsche ist nur gerade in Täschehore (Bellwald) belegt, einem Gipfelnamen auf ca. 3000 m Höhe. Eine Deutung ist schwierig; am ehesten liegt Täsch ‘ Tasche ’ , hier wohl Täscha f. (13, 1864 ff.) im Sinn einer ‘ Vertiefung im Gelände ’ vor; das Täschehore wäre dann ein Gipfel mit einer solchen Vertiefung. G RICHTING (1998, 193) gibt Täscha, Täschä (Goms), Täschu ‘ Tasche ’ ; seine zweite Angabe ist hier irrelevant, doch bringt der Eintrag keine Deutung. Nicht zu verwechseln ist der Gipfelname mit dem Gemeindenamen Täsch. Täss Täss ist nur belegt in di Tässunegga (Grächen). Das Genus lässt sich bei diesem Bestimmungswort nicht erkennen. Laut I D . kommt als Lemma in Frage Täs, Täse n f./ m., I LTIS MUSTELA PUTORIUS , ‘ Iltis ’ , ein zur Familie der Marder gehörendes Raubtier (I D . 13, 1750 f.). Die Namenform ist allerdings für das Wallis nicht belegt; laut I D . ist das Tier im Wallis ausgerottet. Das Lemma ist auch bei G RICHTING (1998) nicht aufgeführt, darum bleibt die Deutung unklar. Tasschuniere Tasschuniere ist als di Tasschuniere (Varen, LT und FLNK Taschuniere) belegt. Die historischen Belege sind 1249 es tassoneres, 1347 eys tassoneres und spätere Varianten davon. Zu stellen ist der Beleg zu lat. taxo dachs (FEW 13, 1, 144 ff.) und die kollektive Ableitung auf - ARIA (B OSSARD / C HAVAN 2006, 288) davon als ‘ bei den Dachsen ’ oder dt. Dachshöhle. Der Flurnamen bedeutet also ‘ bei den Dachshöhlen ’ . Tässel Tässel ‘ Tessel, Kontrollscheit ’ ist nur einmal belegt in der Tässelstei ‘ der Stein, an dem die Tessel aufgehängt wurde ’ (Randa). Das HL ist zu schwdt. Tässel m. ‘ Kontrollscheit, -Klötzchen ’ , Pl. Tässla, Syn. Tässle, Tessle f., mhd. tassel, mlat. TASSELLUS (I D . 13, 1752 ff.; R ÜBEL 1950, 119; E ICHENBERGER 1940, 94; G RICHTING 1998, 193 s. v. Tässla) zu stellen. Tesseln sind meist Holzklötze mit eingebrannten Hauszeichen der Besitzer und Angaben über Rechte und Pflichten. Tartauel 319 320 <?page no="979"?> Tassilen Tassilen ist nur 1737 in St. Niklaus als in den Tassilen ‘ bei den Tesseln ’ belegt. Die Lesung ist unsicher, M. S. liest zunächst Gassilen, P H . K ALBERMATTER (p. c.) Tassilen. Es handelt sich um einen Dativ Plural. Als Ort ist St. Niklaus zu verstehen, da die auftretende Person aus Grächen stammt, der Ort aber auf dem Boden von St. Niklaus liegt. Tassilen ist wohl zu Tässel m. (I D . 13, 1752), resp. wdt. Tässla, Tässlä (Goms), Tässlu ‘ Tessel (Holzleiste mit Zeichen) ’ (G RICHTING 1998, 193) (cf. HL T ÄSSEL ) zu stellen. Diese Deutung ist aber unsicher; sie tritt auch sonst nicht auf. Tätsch Tätsch m. ‘ ebene Stelle, Fleck ’ ist zu schwdt. Tätsch m., im Wallis Pl. Tätsche, Tätscha, Dim. Tätschji, für ‘ etwas durch Fall Zerquetschtes, Zertrümmertes ’ , von dieser Bedeutung ausgehend in FlN für ‘ (ebenes, freies) Stück Boden, namentlich Alpweide um die Hütte herum oder in deren Nähe, steiler Hang; kleine Mulde; in verblasster Bedeutung für Ort, Stelle, übergehend in adverbialer Verwendung ’ auch ‘ Flecken im Gelände ’ (I D . 13, 2122 ff., bes. 2135) zu stellen. G RICHTING (1998, 193) kennt es als ‘ Klaps, Fleck, Omelette ’ , wovon nur ‘ Fleck ’ einschlägig ist. Die meisten Belege finden sich in Naters, wo es di Tätscha ‘ die Alpe mit den ebenen Stellen ’ gibt (früheste Belege 1390 an dien Tetzon). Eine Kleinsiedlung Täätsche ‘ die ebenen Stellen ’ liegt zwischen Blatten b. Naters und Belalp. Dazu gesellen sich t Obru und t Undru Tätsche, sowie der Täätschwald etwas darüber. Nur historisch belegt ist 1734 im Tätschiloch ‘ im Loch beim Gebiet Tätscha ’ und 1758 Tetschbord ‘ das Bord beim Gebiet Tätscha ’ . In Blatten sind dr Älw Tätsch ‘ der fahlgelbe Fleck ’ und dr Rot Tätsch ‘ der rote Fleck ’ belegt, zwei Felsen, die durch ihre Farbe auffallen. Visperterminen kennt der Ober und der Unner Meiggertätsch ‘ der obere und der untere Teil der ebenen Stelle der Alpe Meiggeren ’ . Je nur einmal belegt sind: üfem Choltätsch ‘ auf dem Platz, wo Kohle gebrannt wurde ’ (Münster), Leffeltätsch (LT Löffeltätsch) ‘ der Fleck in der Form eines Löffels ’ (Geschinen) und t Sennetätscha ‘ die ebenen Stellen für die Sennen (Raststelle für die Sennen, welche Käse zum Furggerchäller bringen mussten) ’ (Grengiols). Tatz Tatz ist der Name eines Weilers von Niedergesteln, der schon 1300 als Taz belegt ist. I D . (13, 2261) stellt den Namen zu schwdt. Tatz m./ n., mhd. tatze f., als Körperteil eines Tieres ‘ Pfote ’ , derb für Hand und ‘ Fuss- oder Händespuren ’ (I D . 13, 2258ff). G RICHTING (1998, 193) kennt nur Tazza, Tazzu w. ‘ Tatze ’ (die übrigen Bedeutungen kommen nicht in Frage). Das 1554 erstmals belegte de monte Datz ‘ vom Berg Tatz ’ meint wohl entweder den Weiler oder eine Alpe, die dazu gehört. Um den Weilernamen herum bildet sich ein Namennest mit Tazgazzun ‘ die Gasse von / nach Tatz (Weiler von Niedergesteln) (1301, Niedergesteln), zer Tatzliwwi (Raststelle beim Weiler Tatz von Niedergesteln), di Tatzsüe ‘ die Wasserleitung nach Tatz (Weiler von Niedergesteln) ’ , Tatzwäg ‘ der Weg von / nach Tatz (Weiler von Niedergesteln) ’ (FLNK, Niedergesteln), Tatz-Giesch-Süe ‘ die Wasserleitung nach Tatz (Weiler von Niedergesteln) und Giesch (Weiler von Hohtenn) ’ (FLNK, Niedergesteln). ts Tatzdiichilwasser ‘ die Wasserleitung aus Holzkänneln zum Weiler Tatz (Niedergesteln) ’ (Hohtenn) meint eine Trinkwasserleitung nach Tatz. 1303 ist Tasmatte belegt, 1304 Tazmatton ‘ die Wiesen von Tatz ’ ; beide Male ist die Alternative in Tazerro Matton ‘ in den Matten der Leute von Tatz ’ . Dieser gleiche Genitiv Plural erscheint auch 1302 Tazero Len ‘ das Lehen der Leute von Taz ’ (Steg) und 1310 Tazzero Erbe ‘ das Erbgut der Leute von Tatz ’ (Steg). Da die Deutung auf Grund von dt. Tatz unsicher ist, liesse sich an ein romanisches Etymon denken. Zwar kennt J ACCARD (1906, 453) Tatte, Tattes für unfruchtbares Land, doch ist das Etymon laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 68) auf Genf und den Waadtländer Westen beschränkt; die Herleitung von lat. TACTAS (nach J ACCARD ) wird von ihnen abgelehnt. Diese Deutung ist also ebenfalls unsicher. An einem ganz anderen Ort findet sich Halbta ᵉ tz (1426, Visp). Wie bei den Namen mit dem HL H ALB üblich, handelt es sich vermutlich um eine Form der Halbpacht; der Plural Tätz ‘ die Pfoten ’ lässt sich nur schlecht deuten. Techman (FaN) Techmann (FaN) ist nur belegt in z Techmans Hüsren ‘ bei den Häusern der Familie Techmann ’ (1515 u. später, Mund). Der FaN ist sonst nicht belegt. Ob das heutige z Tähischinu ‘ bei den Tenn-Häusern ’ (Dorfteil von Mund), dessen erster Teil zu HL T ÄNN ‘ Tenne ’ gestellt wird, eine verkürzte Form des historischen Namens darstellt, ist unklar. Beim historischen Techmans Hüsren und den späteren Belegen bis 1850 scheint es sich aber um einen Ortsteil von Mund zu handeln, sodass die Deutung z Tähischinu, das ebenfalls einen Ortsteil benennt, möglich ist. Teerbil Teerbil ist die dialektale Form des Gemeindenamens Törbel. Der Gemeindename ist als Teerbil (LT u. SK 321 322 Teerbil <?page no="980"?> T ÖRBEL ) belegt. Die ältesten Belege sind Dorbia (1075 - 1125; spätere Kopie), Dorbi (11? ? ), Torbi (1224), de Torbio (1224), de Torbi (1234, 1236, 1238 u. später), Torby (1263, 1267 - 1276) usw. Der früheste Beleg mit einer Entrundung (1343 de Torbio seu Derbil) stammt aus einer späteren Abschrift (B REGY / M ÜLLER 2003, 16). In einer frühen Deutung wird der Name auf frankoprovenzalisch derbi ‘ Fichte ’ zurückgeführt, was jedoch nicht den ältesten Formen mit dem zentralen - O - Rechnung trägt. Auch die Herleitung der Endung - IL ( L ) von mhd. lô ‘ Wald ’ oder hlê ‘ Hügel ’ ist sprachgeschichtlich nicht befriedigend. (G ATSCHET 1867, 192 f.). J ACCARD (1906, 137) vermutet im Namen eine keltische Wurzel darbi ‘ Nadelbaum ’ . Die lautliche Ähnlichkeit zwischen Torbi und dem germ. thorp dürfte zur Fehldeutung ‘ Dorf, Siedlung ’ geführt haben (M EYER in: HBLS 7, 8), denn ansonsten müsste der Ort heute Dorf und nicht Törbel heissen (K RISTOL ET AL . 2005, 877). I D . (13, 1441) stellt Dorben in Albinen, Turben in Binn und Tirbjen in Saas zu schwdt. Turbe n ‘ Schlafkammer, Syn. von Speicher ’ und vermerkt, dass der Dorfname Törbel eventuell auch zu diesem Worttyp gehören könnte, was K RISTOL ausschliesst, da der Umlaut in Dorben fehlt, und die historische Form Torbi nicht auf auf einem fem. Etymon *torba beruhen kann (K RISTOL ET AL ., 2005, 877). Breiten Anklang fand die Etymologie von H UBSCHMIED , der Törbel auf gall. *dorwia ‘ Tannen-, Föhren- und Lärchenwald ’ zurückführt (S TAUB 1927, 152, Anm. 1; G UEX 1938, 359; R ÜBEL 1950, 132; Z IMMERMANN 1968, 20). Die Endsilbe erklärt Z IMMERMANN mit dem maskulinen ahd. Suffix -al, -alo, -il, -ilo > schwdt. -el, welches in Flurnamen eine Stelle und allgemein eine Zugehörigkeit bezeichnet (Z IMMERMANN 1991, 46; S ONDEREGGER 1958, 513). Da *dorwia in den einschlägigen Referenzwerken nicht vorkommt, ist diese Deutung kaum haltbar. Ein neuerer Deutungsvorschlag setzt für Törbel einen alten indoeuropäischen Gewässernamen *durvoraus, der zur indogermanischen Wurzel *dheu- ‘ laufen, rinnen ’ gehört. Dazu stellt sich das in mehreren Gewässernamen der Westschweiz vorhandene, wahrscheinlich keltische Suffix - Ŭ BIA (B REGY / M ÜLLER 2003, 9 - 21). Nach heutigem Stand der Forschung ist diese Erklärung die überzeugendste (K RISTOL ET AL ., 2005, 877). Neben dem Gemeindenamen selbst erscheint das HL als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Alpa, Bach, Hee (hoch, heej), Matta (Grächen), Schluocht (Bürchen), Tal, Wäg und Wier. In Klammer sind andere Gemeinden als Törbel angegeben. Komplexer ist nur die intere Törbelallmei ‘ die innere Allmein (gemeinsamer Besitz) von Törbel ’ (1869, Törbel). Die Ableitung Teerbjer ‘ die Leute von Törbel ’ (mit Palatalisierung von / l/ ) erscheint in ts Teerbjergädi ‘ der kleine Gaden (Stall) der Leute von Törbel (unklar) ’ (Binn) (J AGDVEREIN M ÄSSERSEE 2018, 33, Nr. 217, ohne Deutung) und Teerbjerwäg ‘ der Weg der Leute von Törbel (von / nach Törbel) ’ (FLNK, Stalden). Teet Teet ist nur in Teet de Milo (Oberems) belegt. Es handelt sich um einen Gipfel an der Sprachgrenze, der frz. Tête de Milon heisst (so auch FLNK). Teet ist frz. für einen Felskopf, hier beim Turtmanngletscher. Es ist zu lat. t ĕ sta schale (FEW 13, 1, 272 ff.) zu stellen und hier metaphorisch gebraucht. Teich der Teich ‘ der Teich (heute Dorfteil von Naters; auf SK Wassertümpel am Rotten) ’ (Naters) ist eine hdt. Form (G R W B 21, 231; K LUGE / S EEBOLD 25 2011, 911) zu schwdt. T ī ch m. ‘ flächige Senkung im Gelände, wo sich leicht Wasser, Schlamm sammelt ’ , mhd. t ī ch ‘ Fischteich, Damm ’ (I D . 12, 205 f.). Das HL ist nur hier belegt und wohl aus dem Hdt. übernommen worden. Teiff Teiff ‘ tief ’ Adj. ist zum schwdt. Adj. tief, teif u. ä., wesentlich wie nhd. tief, räumlich mit Bezug auf Lage, Ausdehnung, in der Vertikalen ‘ sich weit nach unten erstreckend, weit hinab reichend, weit unten gelegen ’ , mhd. tief, tiuf, ahd. tiuf(i), tief ursprünglich in der Bedeutung ‘ eingesunken, hohl ’ , im Namengut mit Bezug ‘ auf Geländestücke, Bodenformen, Vegetation; auf Gewässer, Riede, Gletscher und dergleichen; auf Wege und Baulichkeiten ’ und zu wdt. teif ‘ tief ’ (I D . 12, 611 ff. bes. 621 f.; G RICHTING 1998, 193) zu stellen. Die lautliche Form teif ist aus töüf entrundet (vgl. SDS 1, 134 zu aobd. iu). Das Adjektiv tritt fast immer in attributiver Funktion auf; die geläufigsten Typen sind der Teif Bach ‘ der tiefe Bach ’ (Bellwald und fünftzehn weitere), der Teiff Grabo ‘ der tiefe Graben ’ (Glis und zwölf weitere), t Teiff Schlüecht ‘ die tiefe Geländeeinbuchtung ’ (Münster und zehn weitere), sowie jeweils mehrere Belege mit den HLL Acher, Bodu, Chi, Gassa, Matta, Sall, Schleif, Wald und Wang und vereinzelten weiteren. Je nach HL sind tief gelegene oder tief eingeschnittene Gebiete gemeint. Komplexere Fälle wie der Teiffschlüechtsee ‘ der See bei der tiefen Geländeeinbuchtung ’ (Reckingen), der Teiffunbodohubel ‘ der Hügel beim tiefen Boden ’ (Törbel) oder t Unner Teiff Schlüecht ‘ die untere tiefe Geländeeinbuchtung ’ (Münster) sind möglich. Im Fall von Teiffmattugletscher (LT Tiefmattengletscher) und Teif Mattu Joch (LT Tiefmattenjoch) (beide Zermatt) stellt sich die Frage, ob in Teiffumattu ‘ in den tiefen Wiesen ’ (LT Tiefenmatte, FLNK Teifmatte, SK Teufenmatt) namengebend war - die Teet 323 324 <?page no="981"?> Flur liegt auf rund 1872 m über Meer oberhalb Zermatt; Gletscher und Joch dagegen sind auf 3000 m und mehr beim Matterhorn gelegen. Nur einmal belegt ist ein Superlativ zem Toÿffosten ‘ bei der tiefsten Stelle ’ (1485, Steinhaus). Seltsam ist ein m./ n. am Tieffen ‘ am tiefen (Ort? ) ’ (1610, Baltschieder), wo ein Bezugswort zu fehlen scheint. Sehr verbreitet ist di Teiffi ‘ die Tiefe ’ (Birgisch), das zum Abstraktum Tieffi f., ahd. tiufi, mhd. tiefe, wesentlich wie nhd. (I D . 12, 630 ff.) zu stellen ist; in unserem Kontext sind Mulden, Einsenkungen und andere relativ tief liegende Stellen gemeint, nicht jedoch tief eingeschnittene Schluchten. Das Simplex Teiffi kommt in rund zwanzig Fällen vor (teilweise nur historisch). Der Plural di Teiffine ‘ die Tiefen ’ (Törbel) oder ine Teiffinu ‘ in den Tiefen ’ (Saas-Almagell) ist zweimal belegt. Ein Diminutiv ts Teifili ‘ die kleine Tiefe ’ (Zwischbergen) wird dort mit der Teifelligrabu ‘ der Graben beim Teifili ’ (1: 10000 Teifiligrabu) verbunden; J ORDAN (2006, 375) kennt nur Teiffiligrabu (Zwischbergen) ohne Deutung. Ganz selten sind attributive Konstruktionen zu Teiffi: in der Intern Tiefi ‘ in der inneren Tiefe ’ (1850, Staldenried), t Leng Teiffi ‘ die lange Tiefe ’ (Visperterminen, mehrfach), t Unner Teiffi ‘ die untere Tiefe ’ (Visperterminen) sind drei Beispiele. Vorangestellte Genitive sind ebenfalls selten: in Blattero Teiffi ‘ in der Tiefe der Familie Blatter ’ (1740, Stalden), Greetiguteiffi ‘ die Tiefe zwischen den Gräten ’ (Randa), wobei Greetigu ein Genitiv Plural zu einer kollektiven - IG -Ableitung zu Graat ist, die sonst vor allem für Familien- oder Herkunftsnamen verwendet wird, und das isolierte Wangschteiffi ‘ die Tiefe des Grasabhangs ’ (Täsch), also wohl eine Mulde zuunterst einer Wang (Grasabhang). Teiffi wird auch als Grundwort mit verschiedenen Bestimmungswörtern gebraucht; in den meisten Fällen geht es dabei um eine nahegelegene Flur wie in di Birchuteiffi ‘ die Tiefe im Gebiet Birche (Birken) ’ (Raron), in der Gúggi Teiffi ‘ in der Tiefe bei der Guggina ’ (1683, Bürchen), t Nässulteiffi ‘ die Tiefe im Gebiet Nässju (wo es Nesseln hat) ’ (Grächen) oder Chrizteiffi ‘ Kreuztiefe ’ (FLNK, Embd) bei der Flur zum Chriz ‘ beim Kreuz (wohl Wegkreuz) ’ . Manchmal nennt eine Quelle direkt die namengebende Flur wie in zum Stein l[oco] d[icto] in der Steintiefe (1840, Raron). In einigen Fällen ist jedoch die Motivation anders: Ameisteiffi (FLNK, Staldenried) meint wohl eine Mulde mit Ameisen, in der Thannenteifi ‘ in der Tiefe mit Tannen ’ (1895, Embd) eine Mulde mit Tannen. Eine besondere Ableitung ist das nur einmal belegte in der Inntiieffi ‘ in der Eintiefung ’ (Blatten), das den sonst seltenen Diphthong / ie/ mit dem Verbpräfix in ‘ ein ’ verbindet. Vermutlich aus dem Hochdeutschen rückübersetzt sind der Südlich Teiffesattel und der Nördlich Teiffesattel (Oberwald), beide beim Teiffestock (LT Tiefenstock), einem Grenzgipfel zum Kanton Uri, der Stock als Grundwort bei den Gipfelnamen verallgemeinert hat. Eine unklare Bildung ist in Tiefetsch n. (1693, Turtmann) enthalten. Die Ableitung auf -etsch m. (K LEIBER 1992) mit pejorativem Sinn (Fületsch für einen faulen Menschen) kommt inhaltlich und vom Genus her nicht in Frage. Es dürfte sich hingegen wohl um einen Superlativ ‘ das tiefst gelegene Gelände ’ handeln. So findet sich etwa in Münster der Mittletsch umschrieben als ‘ Alpstafel in der Mitte der Alpe “ Chietal ”’ . Teig Teig ist in der Teigbode ‘ der Boden von teigartiger Beschaffenheit ’ (Binn, auch FLNK und LT) belegt; auf der Karte liegt die Flur höher als der lebende Beleg von M. S. Zu stellen ist das HL zu schwdt. Teig m. wesentlich wie nhd. (I D . 12, 1109) und zum Adj. teig ‘ weich ’ (I D . 12, 1114), sowie zu wdt. Teig ‘ Teig ’ (G RICHTING 1998, 193), in FlN als Anspielung auf Beschaffenheit des Bodens. Teil Teil m./ n. ‘ der Teil, der Anteil ’ ist zu schwdt. Teil m./ n., in Münster T ē l, ‘ resultativ, abhängig von der Vorstellung eines Ganzen; als Ergebnis einer Teilung, Gliederung eines Ortsteiles, einer Parzelle, eines Bezirkes ’ ; ‘ Korporation ’ (I D . 12, 1441 ff.) zu stellen. Häufig ist es eine Art Rechtsterminus, der das Besitzrecht eines Geteilen (I D . 12, 1563) in einer Geteilschaft (I D . 12, 1768) festhält, z. B. auf einer Alp oder in einem Wald. In vielen anderen Fällen sind Gebiete in der Rottenebene und in anderen Talebenen gemeint, die erst nach der Korrektion der Gewässer unter die Geteilen oder Burger aufgeteilt wurden (cf. hierzu auch das HL L OS ). Soweit erkennbar, ist das Genus meist maskulin, doch sind die meisten Belege des Simplex im Plural. Der Singular des Simplex ist selten belegt als im Teil ‘ im Teil (wohl Teil eines gemeinsamen Besitzes) ’ (Bellwald), wo es das Gegenstück Peterteil ‘ das dem Peter zugeteilte Gebiet ’ (FLNK, Bellwald) gibt, und im Theile (1857, Bister), wo ein Stück Land am Giessen, einem Bach, gemeint ist. Sonst sind Plurale belegt: di Teila ‘ die Teile (wohl Alp der Geteilen) ’ (Mund), di Teila ‘ die Teil(stück)e in der Rottenebene ’ (Lalden, Raron, Fieschertal (Talebene des Weisswassers)), in die Theilla ‘ in die Teil(stück)e ’ (1628, Baltschieder), di Teilä ‘ die Teil(stück)e in der Rottenebene auf der Schattseite ’ (Steg). Ob Diminutive oder einfach flektierte Formen gemeint sind, ist in jn den 325 326 Teil <?page no="982"?> Theilinun ‘ in den kleinen Teil(stück)en ’ (1682, Lalden) und in den Theillinen ‘ in den kleinen Teilen (wohl aufgeteilte Stücke in der Rottenebene) ’ (1698, Eyholz) unklar. Attributive Adjektive finden sich in folgenden Belegen: in den Alten Theilen ‘ Teil des Sumpfes in der Rottenebene ’ (1708, Brigerbad), t Aute Teila ‘ die alten Teil(stück)e ’ (Fieschertal), im Gemeinen Theill ‘ im gemeinsamen Teil ’ (1852, Fieschertal), jn dun Kleinun Theÿllinun ‘ in den kleinen Teilen (aufgeteiltes Gebiet) ’ (1580, Visp), in den Niwen Theilen ‘ in den neuen Teil (stück)en ’ (1564, Eyholz), t Niwwe Teila ‘ die neuen Teile (Teilstücke, erst spät kultiviert) ’ (Fieschertal), ze Niwwe Teilu ‘ bei den neuen Teil(stück)en ’ (Glis), in Nüwen Theillen ‘ in den neuen Teil(stück)en ’ (1592, Raron), t Niwwu Teila ‘ die neuen Teil(stück)e ’ (Brigerbad), den Nuwen Theÿllen ‘ den neuen Teil(stück)en ’ (1545 u. später, Visp), jn den Nüwen Theillen ‘ in den neuen Teil (stück)en ’ (Lalden), in den Obren Theilen ‘ in den oberen Teil(stück)en ’ (1674 u. später, Raron), in Vndren Theilen ‘ in den unteren Teil(stück)en ’ (1699, Steg), uf Zwei Teele (Oberwald, FLNK Zwei Teile) ‘ auf den zwei Teilen (Anteile an der Alpe? ) ’ (Oberwald). Vorangestellte Genitive sind: in Brÿgerro Theilen ‘ die den Leute von Brig zustehenden Teilstücke im Grund (Rottenebene) ’ (1626, Brig), t Schmidigeteile ‘ die (Alp- (Teile der Familie Schmid / der Leute des Schmieds ’ (Oberwald), Stockalpero Theila ‘ die (Land-)Teile der Familie Stockalper ’ (1635, Glis), (lat.: pars) Zenders ‘ der Teil der Familie Zehnder ’ (1394, Biel). Als Grundwort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita kaum vor: der Gasseteil ‘ (unklar) der Teil (der Alpe), der der Familie (An der) Gassen gehört ’ (Oberwald). Komplexer sind: des Jnneren Ebnet Theils ‘ der innere Teil des ebenen Landes ’ (1840, Embd), in den Jahrzeittheilen ‘ in den Teilen (Parzellen), deren Ertrag für das Jahrzeit verwendet wird ’ (1697, Lalden), ts Ober und ts Unner Waleteili ‘ das obere und das untere kleine zugeteilte Stück Land für die Schafe / der Teil der Alpe der Familie Walen ’ (Oberwald) und des äússern Ebnet Theils ‘ der äussere Teil des ebenen Landes ’ (1840, Embd). Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Brätt, Chännel, Holz, Steg und Wang. Komplexer sind etwa ts Teilholzegg ‘ die Ecke am Teilholz (Gemeinschaftswald) ’ (Visperterminen), der Teilholzfärich ‘ der Pferch im Teilholz (Wald für die Geteilen) ’ (Visperterminen), di Teilholzhitta ‘ die (Alp-)Hütte im Teilholz (Alpe beim Wald für die Geteilen) ’ (Visperterminen) und andere. Teilholz m. benennt den Gemeinschaftswald, aus dem jährlich ein gewisses Quantum Holz an die Bürger verteilt wurde (I D . 2, 1262, zu FlN bes. 1479 f.; Z INSLI 1984, 586). Eine Ableitung Teili f. ‘ die Teilung (des Wässerwassers); auch von Schleifen ’ ist belegt als bei der Theili ‘ bei der Teilung (wohl Wasserteilung) ’ (1782 u. später, Naters), under der Wassertheÿli ‘ unter der Wasserteilung (Teilung des Wässerwassers? ) ’ (1760, Naters), t Schleiffuteili ‘ der Ort, wo sich die Schleife teilen (verzweigen) ’ (Stalden). Ein hdt. Teilung ist belegt in Massa-Wasserteilung ‘ die Wasserteilung der Massa (1660, Aufteilung des Massa- Wassers zwischen den benachbarten Orten oder Geteilschaften zur Bewässerung ihrer Güter) ’ (1660, Ried-Mörel). Partizipia zum Verb teile n , resp. ûsteile n (I D . 12, 1567 u. 1594) sind: vff die Geteilten Brend ‘ auf die (auf)geteilten Gebiete im Brend (laut Kontext Privat- und aufgeteilte Gebiete eines Waldes) ’ (1518, Stalden), in der Nüwen Ausgetheilten Eÿen ‘ in der neuen, zugeteilten Eie (Aue) ’ (1717, Turtmann) und der Giteilt See ‘ der geteilte See (bei Niedrigwasser in zwei Teile geteilt) ’ (Oberems). Die Präfixbildung t Forteila ‘ (wohl) die bevorzugten Teil(stück)e ’ (Hohtenn) und das zugehörige t Forteiluräbe ‘ die Reben imn bevorzugten Teil(stück) ’ (Hohtenn), sowie in den Vortheilen ‘ in den bevorzugten Teil(stück)en ’ (1739 u. später, Niedergesteln) ist zwar zu Vorteil (I D . 12, 1498) zu stellen, meint aber wohl einfach ein bevorzugtes Stück Land für einen Weinberg. Das HL U RTEIL wird in einem eigenen Artikel kurz behandelt. Teittel Teittel m. ist nur zweimal belegt, aber wahrscheinlich zum gleichen Beleg in Guttet und Leuk 1769 als auf dem Teittelblatt. In Leuk ist auch Beittelblatt (Nr. 44243) in einem Kopialbuch bezeugt, das aber als Mittelblatt zu lesen ist (P H . K ALBERMATTER , p. c.). Vermutlich ist hier kein Flurname belegt, sondern nur eine falsch geschriebene Form von Mittelblatt gemeint (cf. HL M ITT -). Die Form Beittelblatt ist ebenfalls verschrieben. Tela Tela f. ist zu schwdt. Tale n , Telle n , Täle n f. ‘ Aushöhlung, Vertiefung im Boden, kleine Tiefe in einer Fläche ’ , mhd. telle ‘ Schlucht, Vertiefung ’ zu stellen; die Form Tale n kommt nur noch in Ortsnamen und in der Zusammensetzung Bach-T. vor (I D . 12, 1337 ff.). Das Simplex im Singular ist nur belegt in zer Tellun (1390 u. später, Glis; 1421 u. später, Ausserberg). Vermutlich ist vom Ausserberger Ort der FaN Theler abgeleitet (AWWB 257). Mit einem Adjektiv ist nur das Teittel 327 328 <?page no="983"?> gerundete zir Vndren Töllen ‘ bei der unteren Telle ’ (1702, Zermatt) belegt (auch in I D .). Alle andern Belege enthalten das Kompositum Bachtela. Es bezeichnet in den Formen Bachtale n , Bachtelle n , Bachtele n älter auch Bachstalen ‘ eine Bachrinne, ein Bach-, Flussbett, ein kleines von einem Bach durchflossenes Tal ’ und ‘ ein mit Geröll überführtes Gelände längs eines Bergbachs- oder -flusses ’ , in Lötschen Name eines Lawinenzugs. Synonym ist Bachtal, von dem sich die Formen Bachtal und Bachtelli nur durch das nicht immer erkennbare Genus unterscheiden (I D . 12, 1331) (cf. HL T OLA ). Das einfache Kompositum erscheint als Bachtala (1389, Ulrichen), in der Bachtalon (1399, Naters), Baktalun (1304, Stalden), in die Bachtalun (1385, Fiesch), di Bachtela (St. Niklaus und acht weitere), die Bachtela (1435 u. später, Zermatt; 1531 u. später, Ernen)), Bachtela (1750, Lax), neben der Bachtela (1723, Naters), t Bachtele (Münster, Reckingen, Ritzingen), üf der Bachtele (Münster), Bachtele (FLNK, Obergesteln), beÿ der Bachtelen (1724, Blitzingen), in der Bachtelen (1745 u. später, Naters), die Bachtelen (1738, Birgisch; eine Wasserleitung heisst 1736 das Bachtilÿ), aúf der Bachteln (1836, Gluringen), di Bachtula (Ried-Mörel, Termen), di Bachtulu (Saas-Balen, Saas-Grund), Bachtälla (FLNK, Wiler), än dr Bachtällun (Blatten), jn der Baktalun (1302, Steg). Wohl auch hieher gehört das vereinfachte zer Bachela (Täsch; FLNK Bachala) mit dem dazu gehörenden ts Bacheluzigji ‘ der kleine Zug hinunter zur Bachtela ’ (Täsch). Der Diminutiv ts Bachtällin ‘ die kleine Wasserrinne ’ ist nur in Blatten (zweimal) belegt; historisch auch 1845 als im Bachtellin. Mit Adjektiven sind belegt: biner Aute Bachtele ‘ bei der alten Wasserrinne ’ (Binn), t Hinner Bachtela ‘ die hintere Wasserrinne ’ (Randa), zu ᵕ r Ineren Bachtellu ᵕ ‘ bei der inneren Wasserrinne ’ (1810, Zermatt), t Leit Bachtele ‘ die hässliche Wasserrinne ’ (Obergesteln), di Beeschu Bachtulu ‘ die bösen (=steilen) Wasserrinnen ’ (Saas-Almagell), t Unner Bachtela ‘ die untere Wasserrinne ’ (Mund), t Voodri Bachtela ‘ die vordere Wasserrinne ’ (Randa), Wiiss Bachtela ‘ die weisse (helle) Wasserinne ’ (FLNK, Zermatt). Vorangestellte Genitive sind selten: an Ahornern Bachtella ‘ die Wasserinne im Weiler Ahorn ’ (1550, Naters), Furrisch Bachtelu ‘ die Wasserrinne der Familie Furrer ’ (FLNK, Saas-Grund), Druthmans Bachtolla ‘ die Wasserrinne des Druthman (unklar, welcher Name) ’ (1560, Täsch). Die meisten anderen Belege enthalten ein weiteres Bestimmungswort wie z. B. t Handegbachtele ‘ die Wasserrinne im Bereich Handegg (hangende Egg) ’ (Münster), t Leiterbachtele ‘ die Wasserrinne beim Leiterberg ’ (Münster), t Lärchebachtele ‘ die Wasserinne im Gebiet Lärchi (wo es Lärchen hat) ’ (Obergesteln) und viele andere. Als Bestimmungswort ist der Typ Bachtela mit folgenden Grundwörtern verbunden: Chäla, Hooru, Matta und Schiir. Schön ist di Bachtilutola ‘ die Mulde mit der Wasserrinne ’ , wo das Kompositum Bachtila mit dem HL T OLA verbunden ist; Bachtola ist sonst ein gängiges Äquivalent zu Bachtila. Weitere Belege finden sich unter dem HL T OLA . Teltsch Teltsch n. / Telscha f. ist in den ältesten Belegen als jm Telsche (1304, Embd), jm Telche (1307, Embd, gleiche Form und Text auch in Stalden), in der Telschun (1439, Steinhaus) belegt. Eine Herleitung von schwdt. Dolsche n f. ‘ flache Vertiefung an einem sonst ebenen Ort, Niederung, Pfütze ’ (I D . 12, 1761) kann kaum zutreffen, weil die Entrundung (Dölsche n -> Delsche n ) erst um 1500 in der Schrift fassbar würde. Teltsch ist mit einem Übergangskonsonanten / t/ aus Telsch entstanden. Der Name ist wohl auch einmal in Gressoney als Teltschu belegt (Z INSLI 1984, 464, Nr. 501, jedoch nicht erklärt); sonst fehlt er generell ausserhalb des Oberwallis. Tältsch m. ‘ platt gedrückter Gegenstand ’ (I D . 12, 1778) kommt für eine Deutung kaum in Frage. Neutrum Singular des Simplex liegt vor in ts Telsch (Visperterminen), ts Teltsch (Embd, historisch jm Telsche und jm Telche) und in Stalden mit den gleichen historischen Belegen. Unklar sind üf Teltsche (Fieschertal), t Teltsche (Reckingen), in den Telschen (1861, Bürchen, FLNK Tältsche), wohl alles Plurale, wobei das Genus unklar ist. Sicher Feminin ist in der Telschun (1439, Steinhaus), die Telscha (1696, Brigerbad) und - mit einer anderen Endung - di Teltschi (Niedergesteln). In zwei Fällen liegt ein Diminutiv vor: ts Teltschti (Simplon) und ts Deltschi (Ried-Brig). In vier Fällen ist Teltsch Bestimmungswort: Tellschägerta ‘ das Brachland bei der Tellsch ’ (Betten), t Teltschlamme ‘ die Felstobel bei üf Teltsche ’ (Fieschertal), di Tellschsunna ‘ die Sonnseite beim Tellsch ’ (Visperterminen) und der Teltschigrabu ‘ der Graben bei der Teltschi ’ (Niedergesteln). Trotz dieser Belege kann für Teltsch / Teltscha keine Deutung vorgeschlagen werden. Tenda Tenda ist nur einmal 1361 in Inden als a la tenda belegt. M EYER (1914, 172) erwähnt tenda als Flurname; FEW (13, 1, 195 f.) hat *tenda zelt und erwähnt den Ort Finhaut als ‘ galerie sur le devant d'une maison ’ (Vorbau auf der Vorderseite eines Hauses). Vermutlich ist der Name hier 329 330 Tenda <?page no="984"?> metaphorisch gemeint: ‘ das Gelände, das aussieht wie ein Vorbau auf der Vorderseite eines Hauses ’ . Tendona Tendona kommt in den historischen Belegen zu Tännu (Turtmann) (cf. HL T ÄNNU ) und in al la Tendona (1427, Leukerbad; 1634 zer Thegnona) vor. In Eischoll ist auch ein torrentem de Tendona (1527, Eischoll) belegt; in Ergisch kommt eine Wasserleitung de Tendona (1337) vor. Es handelt sich um eine Ableitung auf - ONA zu Tenda ‘ Abhang ’ (M EYER 1914, 81), in Turtmann wohl primär Bachname, in Leukerbad nicht, wo ein Stück Land gemeint ist. Tenisch (FaN) Tenisch (FaN) ist vermutlich in in den Tenischleif ‘ in den Schleif beim kleinen Tenn / des Teni (PN zu Anton) / der Familie Tenisch ’ (1831, Goppisberg; auch Denischleif) und Venischen Wald ‘ der Wald der Familie Tenisch ( ‘ Venisch ’ ist wohl verschrieben) ’ (1831, Goppisberg) belegt. Der FaN ist als Thenisch und Tenisch (AWWB 257) belegt, wo er auf Anton zurückgeführt wird. Er ist als Tenisch (F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ 3, 1830) vor allem für Binn bezeugt. Goppisberg gehört heute zur Gemeinde Riederalp und zum Bezirk Östlich-Raron. Tennel Tennel ist unklar. Das Lemma kommt zweimal als Bestimmungswort vor, einmal historisch 1302 u. später in Tenilgarten (Eischoll; 1302 Tennelgarten) und einmal lebend als Tennelzug (St. Niklaus). Ein Anschluss an wdt. Te, Tennä, Tänn, Tä ‘ Tenne ’ (G RICHTING 1998, 193) ist möglich (vgl. die Bedeutungen bei Tänn (I D . 13, 102 ff.)), aber unsicher, denn eine Form Tennel ist dort und auch sonst nicht belegt. Eine Ableitung auf - EL ist nicht unmöglich, aber nicht belegt. Sie würde zu S ONDEREGGER (1958, 513) als Stellenbezeichnung passen: der Ort, wo es eine Tenne gibt; vermutlich ist hier einfach ein flaches Stück Land gemeint; der Tennelzug (St. Niklaus) scheint jedoch zu einem sonst nicht belegten Tennel zu gehören, von dem eine Geröllspur hinunterführt. Die Deutung bleibt aber unklar. Tenner (FaN) Tenner (FaN) ist nur belegt in di Tennerruachra ‘ die Äcker der Familie Tenner ’ (Eggerberg; EK Tenneri Achra). Der Genitiv Plural Tennerru deutet auf einen FaN Tenner. Der FaN Tenner ist 1437 als Henslino Tenners zen Tennen und 1469 als Georgius Tenner de Eccon belegt. Da am gleichen Ort auch die Tenneri als Wasserleite genannt ist, kann der FaN auch nach dem Wohnort zen Tennen gemeint sein, das als Zantennu belegt ist und etwas unterhalb der Wasserleitung Tenneri liegt. Tenzenosa Tenzenosa kommt zusammen mit comba (cf. HL C OMBA ) 1590 in Albinen (wo es aber zu Guttet gestellt wird) als comba tencinosa vor, in Leuk ist es 1455 als in comba tenzenosa und 1590 als comba tencinosa und im gleichen Jahr als la comba tensenusa bei Albinen sowie 1590 in Guttet als comba tencinosa und in comba tenziunosa bezeugt. Die Belege sind nicht ganz klar, es dürfte sich aber um eine Mulde oder ein Tal handeln, das zwischen Albinen und Guttet lag, aber wohl auch zum Besitz von Leuk gerechnet wurde. Im Artikel zum HL C OMBA wurde das HL T ENZENOSA zu den PNN gestellt. FEW (13, 1, 337 s. v. T Ĭ NCA schleie) würde es allerdings zu einem Fischnamen (die Schleie ist eine inzwischen im Wallis rar gewordene Fischart) stellen. Die Ableitung auf - OSA (B OSSARD / C HAVAN 2006, 289) würde zusammen mit comba dann etwa ‘ das schleienreiche Tal ’ bedeuten. Laut den Belegen befindet sich dieses Tal oder diese Mulde beim öffentlichen Weg zwischen Albinen und Guttet. Dennoch bleibt die Deutung unsicher. Termen Die Gemeinde Termen befindet sich auf einer Anhöhe oberhalb Brig und östlich von Ried-Brig auf rund 920 m auf der linken Rottenseite. Der Name Termen (gespr. Tärmu) erscheint seit 1233 und später als Terman; das / a/ in der Endsilbe scheint dabei eine reine Schreibvariante zu sein. Spätere Schreibungen mit anlautendem {th} stellen den Ortsnamen als Variante zu Therme ‘ Bad, Quelle ’ ; Termen verfügt tatsächlich über reiche Quellen weit unterhalb des Dorfes am Rotten, die heute wieder ausgebeutet werden; allerdings sind sie nicht warm. Die übliche Deutung führt auf lat. TERMINUS ‘ Grenze ’ , afrz. termine, zurück (J ACCARD 1906, 459; R ÜBEL 1950, 133; G UEX 1938, 363 und 2 1976, 187; W ERLEN 1991, 252; K RISTOL ET AL . 2005, 869). I D (13, 1607) erwähnt den Ortsnamen s. v. Thërm und sagt, er sei zum gleichen Etymon (frz. terme) im Sinn von ‘ Grenze, Grenzstein ’ zu stellen. Unklar ist, welche Grenze hier genau gemeint sein könnte, doch sind auch andere Flurnamen mit verwandter Bedeutung vom Typ Zill ‘ Ziel, Grenze ’ oder Maarch ‘ Mark, Grenze ’ ähnlich unbestimmt. Die östliche Grenze des Zehndens Brig ist jedoch später entstanden als der Gemeindename. Neben dem Gemeindenamen sind belegt Obertärmu ‘ Obertermen ’ (Ried-Brig), das zu Ried-Brig gehört. im Tärmärgässi ‘ in der kleinen Gasse nach Termen ’ (Brig) verweist auf eine kleine, steile Gasse entlang der Kollegiumskirche und dem Kollegium in Brig. Historisch ist auch die Ober Thermergassen ‘ die obere Gasse nach Tendona 331 332 <?page no="985"?> Termen ’ (1622, Brig) belegt, wobei wohl der obere, flachere Teil gemeint ist. Eine Ableitung auf - ERRI für Wasserleitungen ist 1400 als Termarin und 1472 dy ᵉ Termerrin ‘ die Wasserleitung nach Termen ’ belegt. Termino Termino ist ein frpr. Wort für ‘ Grenze ’ . Es ist als Simplex in Albinen 1337 als ol termino ‘ bei der Grenze ’ belegt. In den übrigen Belegen findet sich eine Spezifikation der Grenze: in Salgesch ist 1664 in einer Kopie aus dem 18. Jahrhundert le termino d'amun lo bis de la Raspilij ‘ die Grenze oberhalb der Wasserleitung der Raspille ’ belegt, das explizit als gallico jdiomate vulgariter dictum ‘ auf Frankoprovenzalisch üblicherweise genannt ’ bezeichnet wird. Ebenfalls in Salgesch erscheint 1664 le termino de Larsolei ‘ die Grenze von Larsolei ’ (wohl Kopie des 18. Jahrhunderts). Fast gleichlautend in Varen ist 1664 le termine de larselleÿ ‘ die Grenze von Larselleÿ ’ bezeugt. Die Grenzen in Salgesch und Varen stammen aus einer Grenzbereinigung zwischen den beiden Gemeinden. Das HL stammt aus dem lat. TERMINUS grenzstein, grenze, ende (FEW 13, 1, 239 ff.; vgl. insbesondere S. 239 den Beleg t ę rm į nno aus Montana). Die Endung auf -e in Varen, auch in Salgesch, kann frz. oder ein Plural sein. Terperen Terperen ist nur 1850 in Turtmann als Zen Terperen belegt. Die Form ist ein Dativ Plural. Es gibt historische Belege Zen Trogeren (1569 u. später) unter dem lebenden di Trogere (cf. HL T ROG ), das zumindest naheliegend ist; es würde sich dann um eine Verschreibung handeln. Terpnetz Terpnetz ist der ursprüngliche Name der heutigen Alpen Riederalp, Bettmeralp, Greicheralp und Goppisbergeralp. Die Alpe war früher Gemeingut von Ried, Greich, Goppisberg und Betten (A RNOLD 1961, 377). Die historischen Belege für die Alp sind wie folgt belegt: 1343 Terpnech, 1471 Therpnetz, 1474 Tharpnetz, 1489 Terpnes, 1527 Tu ᵕ rpnesch usw. Der Name erscheint noch 1840 als alpis Terpetsch. 1413 ist in Lax die Alpe Derpnes belegt, vermutlich die gleiche Alpe. 1582 erscheint in Mörel Sterpetsch, das als Land des Michael an der Miler Eggen und der Kinder des Moritz Walker bezeichnet wird. Dieser Beleg ist nicht direkt mit der Alpe verbunden. Eine Deutung kann nicht gegeben werden; eine romanische Deutung ist wahrscheinlich, kann aber nicht belegt werden. Der Name bleibt deswegen weiss. Terra Terra ist nur belegt in Passo Terrarossa (Ried-Brig), der sich bei der Punta Terrarossa (dt. Wasenhorn) befindet und auf deutsch Wasmerlicke (LT) ‘ die Lücke (Fusspass) beim Wasenhorn ’ benannt ist; dieser Name ist in der Datenbank des VSNB nicht belegt. Terra f. ist zu it. terra f. ‘ (Erd-)boden, Erde, Land ’ (D EVOTO / O LI 2020, 2295) zu stellen. Der Name Terra rossa ‘ rote Erde ’ verweist auf die rötliche Geländefarbe. Der Passname befindet sich auf Schweizer Gebiet; der Gipfel Punta Terrarossa (dt. Wasenhorn) ist ein Grenzgipfel zu Italien. Tertium Tertium ‘ das Drittel ’ ist 1712 in Leuk als in Tertio Cabulo und 1544 in Leuk als jn Tertio Lobje belegt. Es handelt sich um die Drittel Tschablen und Loje in Leuk, jeweils Teile der Stadt Leuk. Tertio dürfte eine lateinische Form zur Präposition in mit Dativ zu tertium, der neutralen Form zu tertius ‘ der dritte ’ sein. Teschta Teschta f. ist zu it. testa f. ‘ Haupt, Kopf ’ , dial. teschta, im Gelände ‘ hervorragende Spitze, Berggipfel ’ (Z INSLI 1984, 570; Z INSLI 1946, 324; D EVOTO / O LI 2020, 2301) zu stellen. Der Name kommt nur als Testa Grigia ‘ die Testa Grigia (der graue Kopf) ’ (Zermatt) vor, einem Gipfel mit 3479 m an der Grenze zu Italien. Er ist bei O LIVIERI (1965, 339) belegt; bei O LIVIERI ist Graushaupt als dt. Name (wohl: hdt. Graues Haupt) vertreten; Z INSLI (1984, 441) kennt Groabhopt (mit Varianten), das auf ahd. grâo, grâwe (Plural) ‘ grau ’ zurückzuführen ist (G R W B 8, 2071 s. v. grau). Testa Testa ist nur ab 1328 in Agarn als pratum de la testa belegt; 1348 steht ou pra de la testa, 1433 prato de la testa und im gleichen Jahr pratum de la testa. Von diesen Belegen weicht ein zweites Exemplar von 1328 ab, das pratum de la steca situm apud sert aufweisen soll. FEW (13, 1, 272 s. v. t ĕ sta schale) stellt die meisten Belege zu Kopf (frz. tête). In unserem Kontext könnte aber auch das ältere Schale (hier: Mulde) gemeint sein. Die Rede ist durchwegs von einer Wiese, die la testa heisst. Belege dafür liegen jedoch nicht vor (cf. HL T ÊTE ). Tête Tête f. ist zu frz. tête f. ‘ Kopf, Haupt ’ , im Gelände ‘ Berggipfel, hervorragende Spitze ’ (Z INSLI 1984, 570; FEW 13, 1, 272 s. v. T Ě STA ‘ schale ’ ) zu stellen. Es ist nur einmal auf LT belegt als Tête de Valpelline ‘ der Gipfel zum penninischen Tal ’ (Zermatt) (cf. HLL T ESCHTA und P ELLINE ). 333 334 Tête <?page no="986"?> Tform Der Beleg jn Tform (1660, Albinen) ist unklar. Da es sich vermutlich um einen romanischen Beleg handelt, dürfte das anlautende / t/ ein Artikel sein, der zu lat. FORMA ‘ Form ’ (G PSR 7, 704 ss.) zu stellen ist, sofern das Genus Feminin und die Form Form gilt, auch wenn die Anzahl der Flurnamen dazu sehr gering ist. jn Tform dürfte also etwa als ‘ in die Form (Wiese) ’ zu stellen sein. Andere Deutungen sind aber möglich. Thafeder Thafeder ist nur historisch belegt. 1511 ist von Thafeder die Rede, in einem zweiten Dokument von 1511 Dafeder und Dau ᵕ edneren, 1673 heisst es Dafeder. Gemeint ist das Val Divedro, respektive seine Bewohner, die eine Alpe in Zwischbergen besitzen; S CHMID (1875, 146) identifiziert Thafeder als identisch mit (Val) Divedro, dem oberen Teil des Valle d'Ossola (Eschental). Die dt. Form ist offenbar eine ins Deutsche übernommene Form des it. Val Divedro, das seinerseits von O LIVIERI (1965, 147) nach S ALVIONI von vetro ‘ Glas ’ hergeleitet wird, in Anbetracht der Gletscher, von denen der Bach herkomme. Die Deutung ist zumindest problematisch. Die deutsche Form lässt keinen Hinweis auf die Herkunft zu. Theiller (FaN) Theiller (FaN) ist nur belegt in Theÿllerseÿe ‘ die Aue der Familie Theiller ’ (1774, Ernen). Gemeint ist der FaN Theiler, Teiler, Teyler, Teylertz, Theiller, Theyller, Deiller, Partitoris (AWWB 256). Theler (FaN) Theler (FaN) ist zum FaN Theler, zer Telun, zer Thelen, Thäller, Theller (AWWB 257) zu stellen. Das Simplex der Teeler ‘ das Gut der Familie Theler ’ (Niedergesteln) ist nur einmal belegt. Als Grundwort erscheint der Name nur in Deppo Teeler ‘ das Depot der Firma Theler ’ (Raron). Ein starker Genitiv Singular kommt in Thelisboden ‘ der Boden der Familie Theler ’ (1693, Turtmann) und ts Telischbodu ‘ der Boden der Familie Theler ’ (Ergisch) vor. Ein Genitiv Plural ist vorangestellt in Thelero Geblett ‘ die Felsplatten der Familie Theler ’ (1693, Ausserberg und Raron), sowie in ts Telleruhüüs ‘ das Haus der Familie Theler ’ (Eischoll). Vermutlich eine feminine Ableitung ist belegt in zer Thellri Gaden ‘ beim Gaden (Stall) der Frau Theler ’ (1751, Mörel). Unsicher ist schliesslich das Kompositum Dellergassen ‘ die Gasse der Familie Theler ’ (1714, Greich). Es könnte sich um den FlN Tällergade (cf. HL T ÄLLER ) handeln; diese Deutung würde eine Fehl-Lesung von Gassen implizieren. Thenen (FaN) Thenen (FaN) ist ein vom Taufnamen Anton abgeleiteter FaN Thene, Thönen, hist. auch Then, Thennen; gehört wohl zu den gleichen Familien wie Thenien und Anthenien (AWWB 257). Der Name ist belegt in an Thenen Bielti ‘ im kleinen Hügel der Familie Thenen / des Anton ’ (? , Birgisch), Tho ᵉ nis Eggen ‘ die Ecke des Anton / der Familie Thenen ’ (1531, Münster) und in Tho ᵉ nÿ Nigilen Boden ‘ im Boden des Anton Nigil (Niggely) ’ (1650, Selkingen), wobei hier Tho ᵉ nÿ ‘ Anton ’ der Vorname ist. Wohl auch hieher zu stellen ist der komplexe Beleg: Michel Denen Haus Frauwen Gu ͦ dt ‘ das Gut der Hausfrau (Ehefrau) des Michel Denen ’ (1605, Embd), wobei Denen als Form von Thenen anzunehmen ist. Thenien (FaN) Thenien (FaN) ist zum inzwischen erloschenen FaN Thenien, Tengien, Theinen u. ä. (J OLLER , GVO J5, Simplon) zu stellen. AWWB (257) sieht in Thenien eine Variante zu Anthenien (FaN). Belegt ist der Name dreimal: Tennienbüela ‘ der Hügel der Familie Thenien ’ (1664, Brig), die Tennigo Biela ‘ der Hügel der Familie Thenien ’ (1600, Zwischbergen) und Thengigo Güetter ‘ die Güter der Familie Thenien ’ (1680, Zwischbergen. Die beiden letzten Formen sind schwache Genitive Plural der Kollektivableitung auf - IG . Theodul (PN) Theodul (PN), dialektal auch Joder, ist der Name des heiligen Theodor bzw. Theodul, der als Landespatron gilt. Historisch handelt es sich um den wahrscheinlich ersten Bischof von Sitten, mit damaligem Sitz in Octodurus-Martinach (Ende 4. Jh. / Anfang 5. Jh.). Der Name tritt nur als Bestimmungswort in der Form Tedül in Tedülhore ‘ Theodulhorn ’ , Ober und Unner Tedülgletscher ‘ Oberer und Unterer Theodulgletscher ’ und Tedülpass ‘ Theodulpass ’ (alle Zermatt) auf. Dieser Übergang von Zermatt nach Italien hiess im 16. Jh. noch Matterberg, lat. MONS P RATOBORNI ( VON R OTEN , A NTON , in: BWG 10, 1946, 381 f.). Eine Ausnahme bildet der Beleg prata sancti Theoduli ‘ die Wiese des Heiligen Theodul ’ (1531, Münster), vermutlich eine Wiese, die zu einer Kapelle gehörte. Thoesen (PN) Thoesen (PN) ist einmal belegt in dem obren Thoesenboden ‘ der obere Boden des Thoesen ’ (1435, Bitsch). Es handelt sich wohl um den Besitzernamen im Genitiv. Belegt ist in Zermatt 1443 ein Willelmus Thosen; in Mund ist ein FaN Thusen (cf. HL T HUSEN (F A N)) bezeugt. Geografisch liegt der zweite FaN näher. Tform 335 336 <?page no="987"?> Thröum Thröum ist 1530 in Reckingen als die Thröum Wasserleÿten; von der Tro ᵉ um Wasserleyten belegt. I D . (14, 989) kennt Traum ‘ Ende oder Anfang eines Fadens, Strang ’ und verweist auf das gleichbedeutende Trom; nach I D . tritt Traum an Orten auf, die mhd. ou vor / m/ als / o/ realisieren mit Verweis auf SDS (1, 124 f.) ‘ Baum ’ . Im Oberwallis kommt die Palatalisierung zu / ö/ hinzu. Im SDS ist Reckingen (WS 32) einer von zwei Orten im Goms mit der Form Böm. Thröum lässt sich dann als hyperkorrekte Form von Tröm deuten. Der Name bezeichnet daher eine ‘ schmale, fadenartige Wasserleitung ’ . Thurm (FaN) Thurm (FaN) ist als FaN Zumthurn, auch Thurner (AWWB 302) u. a. für Lötschen belegt. Vermutlich kommt dieser FaN in dr Turnärstuck ‘ das abgeteilte Stück Land der Familie Zumthurm ’ (Wiler) vor. Thürthür Thürtür m. ist zweimal 1628 in Grächen als an den Thürthür und vnder dem Thürthür erwähnt; an der zweiten Stelle wird dafür auch Sterrigo Waldt verwendet. Vermutlich handelt es sich um eine hyperkorrekte Form zu afr. tiercier ‘ celui qui possède le tiers de qch ’ oder mfr. tertier ‘ mesure de terre ’ (FEW 13, 1, 269a s. v. t ě rtius), also wiederzugeben als ‘ der Drittel des Gebietes ’ . Die Form ist wohl hyperkorrekt zu einem als entrundet aufgefassten Namen zu verstehen. Da der FlN unklar ist, wird auf eine Auszeichnung verzichtet. Thusen (FaN) Thusen FaN ist ein abgegangener FaN (J OSSEN 2000, 81) in Naters. Belegt sind der Genitiv Singular Thusen Gu ᵕ dt ‘ das Gut der Familie Thusen ’ (1651, Mund) und der Genitiv Plural der kollektiven - IG -Ableitung Thusigo Wang ‘ der Grasabhang der Familie Thusen ’ (1651, Mund). Thyribi Thyribi ist nur 1652 in Zwischbergen als aller Lenge dem Thÿribi nach ‘ aller Länge dem kleinen Torfgebiet nach (unsicher) ’ belegt. Im Kontext geht es um die Grenzen von Simplon und Zwischbergen. Das Dokument ist im Übrigen eine Kopie von 1744. Im Kontext werden die Schecherna (heute Chäscherna) und das Thÿrli (heute Tirrli) genannt. Die Grenze folgt hier wohl einer Felskante, unterhalb der sich die Gondoschlucht befindet. Der Flurname lässt sich am ehesten zu Turb ‘ Torf ’ (I D . 13, 1437 ff.) stellen. Die Form ist dann ein Diminutiv auf - I , umgelautet und dann entrundet; das / i/ in der zweiten Silbe dient der Auflösung von / rb/ . Diese Deutung ist sehr spekulativ. Tiejer Tiejer m. erscheint nur im Kontext von Intiejer m. (wörtlich: Ein-tuer). Es ist zu wdt. Intiejer, Intiäjär m. ‘ Sommerstall; Stall ohne Scheuer ’ zu stellen. Er dient dazu, dem weidenden Vieh nachts oder bei schlechter Witterung Schutz zu gewähren (R ÜBEL 1950, 49; G RICHTING 1998, 115). In Ausserberg kommt das einfachere Simplex im Plural t Intieje ‘ wörtlich: die Eintuen; Pferch für die Schafe ’ vor. In Eisten findet sich ein Diminutiv ts Alt Intieji ‘ der alte kleine Eintuer ’ ; Gwp. meint, hier sei früher wohl ein kleines Gädi (Stall) gewesen. Geläufiger ist im Intiejer ‘ im Eintuer (Stall ohne Scheune, um das Vieh über Mittag zu stallen) ’ (Ausserberg), bim Intiejer ‘ beim Eintuer (Stall ohne Scheune) ’ (Ried-Mörel), im Jnthieier ‘ im Eintuer ’ (1700, Bürchen), als lat. TIGURIUM ‘ Hütte ’ benannt. Ein Diminutiv ist ts Inntieerli ‘ die kleine Scheune ’ (Oberwald). Mit vorangestellten Genitiven finden sich ts Tunixandisch Intiejerli ‘ die kleine Scheune des Anton Alexander ’ (Oberwald) und ts Tamborfärdisch Intiejerli ‘ der kleine Stall des Ferdinand, der Tambour ist ’ (Hohtenn). Wie aus den Belegen hervorgeht, ist der Intjeier im Goms eine Scheune ohne Stall, in den andern Gegenden ein Stall ohne Scheune. Das Gebäude kann heute auch fehlen. Tiele Tiele f. ist zu schwdt. Diele n f., lat. CLEMATIS VITALBA , ‘ gemeine Waldrebe ’ (I D . 12, 1649) zu stellen (L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 118). Wdt. ist auch Niela, Niälju ‘ Schlingpflanze ’ (G RICHTING 1998, 144) belegt. Das HL ist als di Tiella (Termen), Unner Tiela ‘ der untere Teil der Tiella ’ (Termen) und Tielewald ‘ der Wald mit Waldreben (clematis vitalba) ’ (1857, Termen; SK Dielwald) belegt. Kaum hieher gehört Tilliete (FLNK, Salgesch), das M ATHIER (2015, 105) einerseits zu frz. tilleul ‘ Linde ’ (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 174), anderseits aber auch zu schwdt. Tuele n (I D . 12, 1706 ff.) stellt und als ‘ runde Vertiefungen, kleine Einsenkung, kleine Mulden ’ bezeichnet. Die deutsche Erkärung ist wohl unzutreffend. Eine Herleitung aus Tuele n müsste einen Diphthong annehmen. Hingegen hat FEW (13, 1, 328 s.) als Patois-Form für TILIA ‘ Linde ’ til, was mit dem Diminutivsuffix - ITTA Tilliete ‘ das kleine Lindengebiet ’ ergeben kann. Tielschu Tielschu, vermutlich fem., kaum Plural, ist nur in Saas- Grund als di Tielschu belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um eine nach unten verlaufende Lichtung, ein 337 338 Tielschu <?page no="988"?> steiniger Hang, der als Skipiste dient. Am ehesten lässt sich der Name zu Diele n f. ‘ gemeine Waldrebe, C LEMATIS VITALBA ’ (I D . 12, 1649) stellen, wobei das Suffix - SCHU ein Gebiet mit gemeinen Waldreben meint. Wenn die Deutung zutrifft, geht die Benennung vom unteren Teil der Tielschu aus. Wie L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 118) zeigen, kommt die Pflanze in der ganzen Schweiz vor, ist aber höchstens subalpin (cf. HL T IELE , erster Teil). Tier Tier n. ist zu schwdt. Tier n., Dim. Tierli, Tierji, Tieri, ahd. tior, tier, mhd. tier, wie nhd. als Gattungsname; in FlN zur Bezeichnung von Aufenthaltsorten von Vieh und von wildlebenden, jagdbaren Tieren ‘ Gemsen, Rotwild, Hirschen ’ und wdt. Tier, Tiär ‘ Tier ’ (I D . 13, 1211 ff.; G RICHTING 1998, 194) zu stellen. Das HL wird vor allem für Gämsen gebraucht. Das Simplex kommt nur als Diminutiv Singular im Beleg jm Tiergÿ ‘ im Gebiet des kleinen Tieres ’ (1746, Grengiols) vor. Ohne nähere Angaben, die hier fehlen, lässt sich keine präzisere Deutung geben. Die übrigen Belege enthalten das HL nur als Bestimmungswort. In zweigliedrigen Komposita erscheinen folgende Grundwörter: Alpa, Egg(a), Fääsch, Fad, Haalta, Gartu, Park, Richti, Schlag, Tal, Tossu und Wang. Dabei bezeichnet die (Tier)richti f. ‘ Falle für Wild ’ (I D . 6, 325 und 6, 462) die Stelle, wo eine Tierfalle aufgebaut oder das Wild abgefangen wird. Der Tiergarten ‘ Schindanger ’ (I D . 2, 439) ist eine gemeinschaftliche Stelle, wo verendete Tiere gehäutet, verscharrt oder den Aasfressern überlassen wurden. Der Tierpark (LT, Fiesch) ist ein kleiner Zoo bei der Talstation der Luftseilbahn auf die Fiescheralp. Komplexere Fälle sind t Foder und t Hinder Tiärrichtin ‘ die vordere und die hintere Falle für Gämsen ’ (Blatten), t Fodru und t Indru Tierwäng ‘ die vorderen und die inneren Grasabhänge mit Gämsen ’ (Oberems), Jägithierweidli ‘ die kleine Weide für Gämsen in der Jegi (Jagdgebiet, Felsbänder) ’ , (SK, Baltschieder), Tieralpstock ‘ der Tieralpstock, Gipfel auf der Grenze von Bern und Wallis, im Wallis nur Tiertälli darunter ’ (FLNK, Oberwald), ts Tierchatzuhiischi ‘ das kleine Tierkatzenhaus (Luchshaus, Ort, wo ein Luchs hauste) ’ (Eyholz), ts Tieregghoru ‘ das Tieregghorn (Gipfelname, nach der darunter liegenden Tieregga (Ecke mit Wildtieren (Gämsen)) ’ (Baltschieder, Raron), Tiereggpass ‘ der Pass beim Tieregghorn ’ (LT u. FLNK, Baltschieder) und Tiereggsattil ‘ der Sattel (Bergübergang) beim Tieregghorn ’ (FLNK, Raron). Tiesch Tiesch kommt nur in Bürchen und Unterbäch als Bestimmungswort zu den Grundwörtern Acher, Egge und Matta vor. Es handelt sich in beiden Gemeinden um den gleichen Acher, die Belege für Egge und Matta in Bürchen sind historisch. Auf Grund des ältesten Beleges Tyesacher (1398, Unterbäch) liesse sich der Name zu schwdt. Tieße n m. ‘ Zitzenöffnung ’ (nach R ÜBEL 1950, 21, I D . 13, 1797) stellen, das von I D . zu ahd. und mhd. diessen bzw. zum mhd. Substantiv diess m. ‘ Schall ’ gestellt wird (I D . 13, 1797 f.). R ÜBEL (1950) kennt aber keine Form Tiesch; die vereinzelte historische Angabe kann deswegen kaum herangezogen werden. Die Deutung bleibt darum unklar und das Verhältnis zum ähnlichen HL D IESCHT ebenso. Tiggen (PN) Tiggen (PN) ist nur 1750 in Lax als Tiggenmatten, resp. Tiggen Matten ‘ die Wiese des Tiggen (PN) ’ belegt. Die Form Tiggen ist ein Genitiv, sodass hier ein PN oder ein Übername vorliegt. Tigenmichel ist laut I D . der Spottname eines langen, hagern aussehenden Menschen, für das Wallis jedoch nicht belegt (I D . 4, 61). Das Lemma Tigg ‘ Tick, Tic (frz.) (nach der Anmerkung im I D . ’ (I D . 12, 1149) kommt kaum in Frage. Der FaN Tichelli (NWWB 1, 241) ist sicher nicht belegt, da der FaN aus Italien stammt und Vertreter dieser Familie erst im 19. Jahrhundert im Wallis eingebürgert wurden. Tii(n) (PN) Tii(n) (PN) ist nur belegt in t Tiihaalte ‘ die Halde des Tii(n) ’ (Ulrichen). I D . (13, 130) kennt einen PN T ī n ‘ Augustin, Konstantin, Valentin ’ , der aber nur für Graubünden belegt ist (vgl. auch RN 2, 601 s. v. Tini). Diese Herleitung bleibt deswegen unsicher. Tiifel Tiifel m. ‘ Teufel ’ ist zu wdt. T ī fel, T ī fil, T ī fol, T ī ful m., ahd. tiuval, tieval, mhd. tiuvel, tievel, wesentlich wie nhd., Synonym Satan, in FlN für gefährliche, schwer begehbare Stellen und unzugängliche, abgelegene Gegenden (I D . 12, 638 ff. bes. 699 f.; G RICHTING 1998, 194) zu stellen. Das HL kommt nur als vorangestellter Genitiv oder als Bestimmungswort in Komposita vor. Die Motivation betrifft Felsen oder Felsspuren, die als das Werk des Teufels betrachtet werden, aber auch die schwarze Farbe des Gesteins oder die finstere Lage einer Hütte. Im Fall von insgesamt vier Belegen für Tiifelsgraad ‘ Teufelsgrat ’ (einer beim Täschhorn, einer zwischen Breithorn und Breitlauihorn) ist wohl die Schwierigkeit beim Berggehen gemeint. Als vorangestellter Genitiv erscheint das HL in Tiifelsgraad ‘ Teufelsgrat ’ (Baltschieder, Blatten, Randa, Täsch), Tiifulsfluo ‘ die Teufelsfluh ’ (Ried-Mörel, Fels- Tier 339 340 <?page no="989"?> block) und Tiifelschtritt ‘ beim Tritt des Teufels (Spur des Teufels nach einer Sage) ’ (Blatten). Als Bestimmungswort ist das HL mit den Grundwörtern Brigga, Fääsch, Flüö, Hitta, Lerch, Spitz, Stei und Tritt belegt. Davon kennt das I D . die Tiifelbrigga f.: so werden ‘ alte oder durch ihre kühne Bauart auffallende Brücken genannt ’ , deren Erbauungen in den Volkssagen dem Teufel zugeschrieben werden (I D . 5, 547) und Tiifelstein m. (I D . 11, 900), der im Volksmund mit dem Werk Satans in Verbindung gebracht wird. Tiische Tiische ist nur als di Tiische ‘ die Menge von Stegeln / die Stapel von Heu (beide unklar) ’ (Leukerbad; SK Tischen, LT Tysche, FLNK Tiische) belegt. Die phonetische Notation von M. S. zeigt ein langes, offenes / ī / . R. G RICHTING (1993, Blatt 5, Nr. 10) kennt es als Tieschä. Er fügt Tieschugangji (Blatt 5, Nr. 15 und Blatt 6, Nr. 13) und Tieschustutz (Blatt 5, Nr. 11) hinzu, die in der Datenbank des VSNB fehlen; seine Notation mit / ie/ legt einen Diphthong nahe. Laut Beschreibung handelt es sich um eine Schafweide auf rund 1850 m. Bei SK ist der Name westlich des Pischürgrabens eingezeichnet, sonst östlich. Die Deutung ist sehr schwierig. Vermutlich handelt es sich um ein frz. oder frpr. Etymon zu tige ‘ Stengel ’ (< tibia flöte, schienbein (FEW 13, 1, 323 ff.)), wobei hier ein Plural vorliegt. Der Flurname kann aber auch zu schwdt. Tische n f. ‘ Beige, Stoss, Stapel, Haufen, bes. vom Holz, Heu ’ (I D . 13, 1227), auch für Embd bezeugt, und zu G RICHTING (1998, 194) als Tischa, Tischä (Goms), Tischu ‘ Stapel ’ gestellt werden. Nicht auszuschliessen ist, dass das gleiche Wort in verschiedener Bedeutung verwendet wird; die Flur in Leukerbad liesse sich eher als ‘ Menge von Stengeln ’ , denn als ‘ Stapel von Heu ’ verstehen. Tiitschi (PN) Tiitschi (PN) ist als Tiitschisch Bobem ‘ der Boden des Tiitschi (PN) ’ (Blatten; FLNK Diitschischbobn) belegt. Das HL ist zu schwdt. Adj. düütsch, d ī tsch, ahd. diutisc, mhd. tiu(t)sch, wie nhd. ‘ deutsch ’ , in unseren Flurnamen in attributiver Fügung als Herkunftsbezeichnung des Besitzers, wohl mit Bezug auf die Staatsangehörigkeit und wdt. titsch, tiitsch ‘ deutsch ’ (I D . 13, 2193; G RICHTING 1998, 194) zu stellen. Es könnte sich aber auch um den Beinamen eines Besitzers oder Nutzers aus dem Oberwallis handeln. Tillgg Tillgg, der FlN ist als Tillggi n. belegt und lässt sich zu schwdt. Tilgg m., Nebenform zu Tolgg m. ‘ Klecks, meist von Tinte ’ , in Namen zur Bezeichnung einer kleinen Fläche, ahd. tolg, tolc (I D . 12, 1733 f.) stellen. Alternativ ist ein Diminutiv zu schwdt. Dili mit mehren Bedeutungen und wdt. Tillti, Dillti (Mattertal) ‘ Dachboden (niedriger) ’ (I D . 12, 1269 ff.; G RICHTING 1998, 194) bezeugt; die Form mit -ggwürde einem Diminutiv (ti > ggi) entsprechen, der jedoch nicht belegt ist (vgl. SDS 3, 155 ff.), sodass die Deutung als zweifelhat anzusehen ist. Belegt sind ts Tilggi (Ferden), zem Tillggi (Wiler), ts Uister Tillggi ‘ das äussere Tillggi ’ (Wiler; gleich neben dem Tillgi) und nur historisch Tilgyn (1457, Zermatt), das auch als Dilkin (1504) erscheint. Gedeutet wurden alle als ‘ kleine Wiese ’ . Tinaz Tinaz ist nur 1375 in Varen als en laz tinaz ‘ in der Senke ’ belegt; laut Dokument handelt es sich um Weingärten. B OSSARD / C HAVAN (2006, 40) kennen Tine und Tina als ‘ [e] ndroit enfoncé, dépression en forme de cuvette ’ (eingesunkener Ort, Mulde in Form einer Senke). Sie führen es auf lat. tina ‘ Fass ’ zurück (cf. HL T INE zu lat. t ī na weinbutte (FEW 13, 1, 334 ff.)). Tine Tine ist nur als inne Tine ‘ in den Höhlen ’ (Salgesch, auch FLNK) belegt. Historisch erscheint 1494 und 1495 eys tinez und dys tinez. Auch M ATHIER (2015, 96) kennt es als Tinä und sieht darin ein rom. Wort, das auf lat. t ī na weinbutte (FEW 13, 1, 334 ff.) zurückzuführen sei (cf. HL T INAZ ). Der Gebrauch beim Weinbau ist bei E GLI (1982, 320) beschrieben. Schwdt. Tine n , Tina, Tinu n f., und wdt. Tina, Tinu ‘ Weinfass ’ (I D . 13, 130 f.; G RICHTING 1998, 194) sind auch für die schwzdt. Dialekte bezeugt. In Salgesch dürfte der Flurname im Plural metaphorisch verwendet worden sein; das Wort selbst ist hier wohl aus den patois des Mittelwallis entlehnt (vgl. G ERSTER 1927, 65). Nach M ATHIER (2015, 96) sind die früheren Höhlen im Gebiet der Raspille inzwischen mit Sand gefüllt worden. Tinte Tinte f. ‘ Tinte ’ ist zu schwdt. Tinte n , ahd. tincta, mhd. tinkte, tinte(n), wie nhd. ‘ Tinte ’ , wdt. Tinta, Tintu ‘ Tinte ’ (I D . 13, 822 ff.; G RICHTING 1998, 194) zu stellen. Es ist zweimal belegt als der Tintegrabe ‘ der tintenschwarze Graben ’ (Geschinen) und im Dintengraben (1753, Münster), vermutlich in beiden Fällen der gleiche Graben, dessen Beschreibung - laut Gwp - die dunkle Farbe des Wassers oder der Erde meint. Tirbel Tirbel m., resp. Tirbja f. lässt sich auf das entrundete ahd. turbil m., ‘ Wirbelsturm, Sturm ’ (G RAFF 1840, 5, 455) 341 342 Tirbel <?page no="990"?> zurückführen. In FlN zur Benennung von Plätzen, die dem Wind und Sturm ausgesetzt sind. Das Simplex va Tirbju (<Tirbla) ist in Eisten belegt, wo sich ein kleines Namennest gebildet hat mit Tirbilfat, Tirbilschipfa und Tirbilwang. Nur historisch belegt sind in Staldenried an Turbÿen (1520) und an Tirbien (1708), die wohl auch hieher zu stellen sind. Weiter sind belegt uff dr Tirblun (Blatten) und der Plural t Tirbele (Fieschertal). Ob Turbuti (Mühlebach) als unumgelautetes Turbelti hieher zu stellen ist, bleibt unsicher. Als Bestimmungswort findet man di Tirrbjuflüe (St. Niklaus). Tiri Tiri f. ‘ Türe ’ , auch Tir f. und der Diminutiv wdt. Tiri, Tirlin n. ist zu schwdt. Tür, Türe f., ahd. turi, tura, mhd. tür(e), wie nhd. Türe zu stellen. In FlN in der Bedeutung ‘ Gatter, Zaun ’ auch als ‘ Grenz-, Merkpunkt ’ , der Name benennt im übertragenen Sinne auch Berg- oder Passübergänge, die von einer türähnlichen Öffnung durchbrochen sind (I D . 13, 1363 ff., bes. 1378 ff.; URNB 3, 757 ff.; Z INSLI 1946, 110). R ÜBEL (1950, 103 f.) gibt Tirli n. für Zermatt als Durchgang im Schafstall an. G RICHTING (1998, 194) verweist auf das häufigere Poort, Poorta (G RICHTING 1998, 154), das nur sehr selten in FlN erscheint. Das HL kommt in rund 80 Namen vor, meistens im Diminutiv. In den meisten Fällen dürfte es sich um einen versperrten Durchgang bei einem Zaun handeln, der ein Gebiet vom anderen abtrennt und verhindert, dass Schafe entweder in ein ihnen nicht zustehendes oder gefährliches Gebiet gelangen. Der Name bleibt hier dann auch erhalten, wenn die Absperrungen selbst nicht mehr vorhanden sind. Das Simplex Tir f. kommt als binner Tir ‘ beim engen Durchgang ’ (Fieschertal) nur einmal vor. Häufig sind dagegen die Belege des Simplex im Singular Diminutiv Tirli n. ‘ kleine Tür ’ . Es ist etwa fünfzehn Mal belegt, dazu kommen drei historische Belege Türlin oder ähnlich (Feschel, Grächen, Turtmann) und hybride Bildungen wie zum Thirlein ‘ bei der kleinen Türe ’ (1662, Geschinen). Die Simplizia können mit Präpositionen wie zum oder bim (und Varianten davon) verbunden sein. Plurale vom Typ Tirlini ‘ kleine Türen ’ kommen seltener vor, so in Tirlini ‘ die kleinen Türen ’ (Naters) und beÿ den Tirlinen (1782, Bratsch mit früheren Belegen). Konstruktionen mit attributiven Adjektiven sind selten: t Witentir ‘ die weite Tür ’ (Grengiols) und - dazu gehörend - Witentirsee (Grengiols) sind sichere Fälle; dazu gehören auch beÿ dem Fünsteren Thürli ‘ bei der finstern kleinen Türe (wohl Durchgang) ’ (Turtmann), ts Inner Tirli (die innere kleine Türe ’ (Baltschieder). Mit einem Plural verbinden sich t Obru Tirrlini ‘ die oberen kleinen Türen ’ und t Unnru Tirrlini ‘ die unteren kleinen Türen ’ (beide Bratsch), die zu einem Gebiet Tirrli oder Tirrlini gehören. Auch hierzu zu stellen ist ze Engge Tirlinu ‘ bei den engen Durchgängen ’ (Ried-Brig). Einen Sonderfall bilden dri Tirlini ‘ drei kleine Türen ’ (Turtmann), die drei mit Stangen verschlossene Öffnungen in einem Zaun meinen, durch die das Vieh auf die Weide getrieben wurde. Konstruktionen mit vorangestellten Genitiven sind: ts Bitschisch Tirli ‘ die kleine Tür (Durchgang) der Familie Bitschin ’ (Hohtenn), zu ᵕ Flieerro Tÿrli ‘ bei der kleinen Tür (Durchgang) der Leute von der Fluh ’ (1584, Naters), des Thelltis Thirli ‘ die kleine Tür beim kleinen Tal ’ (1592, Fiesch) und ts Wälligsch Tirli ‘ die kleine Tür der Familie Wellig ’ (Baltschieder). Unklar ist Tirrlischegge ‘ die Ecke beim Tirrli (kleine Tür) ’ (Grengiols); hier konnte kein Flurname Tirrli nachgewiesen werden. Das HL als Grundwort in zweigliedrigen Komposita kommt vor allem vor mit anderen Namen, zu denen ein abgrenzender Zaun besteht: ts Bannjitirli ‘ die kleine Türe im Bannji(wald) ’ (St. Niklaus), ts Brachutirrli ‘ die kleine Türe bei der Brache (Brachland) ’ (Raron), bim Gafetirli ‘ bei der kleinen Tür auf dem Weg nach Gafene ’ (Obergesteln) und andere, wie ts Hannigtirli ‘ die kleine Tür (für das Vieh) bei der Hannig-Alpe ’ (Grächen). Tiernamen sind nur selten belegt: ts Chalbertirli ‘ die kleine Türe für die Kälber ’ (Eggerberg), ein Durchgang zu einer Flur, auf der die Kälber geweidet wurden. Anders zu verstehen ist ts Gämschtirli ‘ die kleine Tür für die Gemsen ’ (Täsch) - gemeint ist eine Falle für die Gemsen. Nur historisch belegt ist zum Erner Tirlin (1709 u. später, Betten), wo ein Durchgang auf dem (Kirch-)Weg nach Ernen gemeint ist. Komplexere Konstruktionen wie ts Albiner Alputiri ‘ die kleine Tür auf dem Weg zur Albiner Alpe ’ (Albinen) und ts Guttneralputirli ‘ die kleine Tür auf dem Weg zur Alpe der Leute von Guttet ’ (Albinen) sind selten. Als Bestimmungswort tritt das HL in zweigliedrigen Komposita nur selten auf und zwar mit den Grundwörtern Breit, Pletscha, Egg(a), Grabu, Matta, Schleif, Stutz, Tschugge und Wald. Komplexere Bildungen sind u. a. t Inner Tirrlimuira und t Uisser Tirrlimuira ‘ die innere und die äussere Mauer mit kleinen Türen ’ (beide Zwischbergen), zu denen J ORDAN (2006, 326 ff.) Uisser Tirlimuira, Aalti Tirlimuira und Inder Tirlimuira stellt, sowie Raron Feldthürli ‘ die kleine Türe zum Rarner Feld ’ (1852, Niedergesteln) und zen Tirrlibletschuntritt ‘ beim Tritt bei der Ebene mit der kleinen Türe (Durchgang zur Faldumalp) ’ (Ferden). Tirler Tirler ist als der Tirrler (Visp; FLNK der Tirler) und de Türlen Erb (1415, Visp) belegt. Die frühesten Belege Tiri 343 344 <?page no="991"?> zeigen den Umlaut / ü/ an Stelle des / i/ und weisen auf Türler hin (I D . 13, 1408 f.), das eine Berufsbezeichnung für ‘ Bote, Fuhrmann ’ meine. Der Beleg der Tirrler befindet sich jedoch am Ort, wo auf SK Pulverturm steht; es geht hier um ein Gebiet, das sich beim Pulverturm befand. Darum könnte sich der Name auch auf einen Turm (I D . 13, 1646 s. v. Turn II) beziehen, zu dem ein entrundetes Nomen auf - LER gebildet wurde. Dieses Tirler ist dann das Grundstück beim Turm. Tirler Erb (1415) meint die Erbliegenschaft in diesem Bereich. Tiroller Tiroller ‘ der Tiroler ’ , wie nhd. ‘ Bewohner des Tirols ’ , auch adj. ‘ von Tiroler Art ’ . Tiroler waren in der Schweiz als Saisonarbeiter und Holzfäller geschätzt (I D . 13, 1210; W. B ELLWALD , Hinweis auf Vertrag von P IERRE DE R IVAZ vom 12. August 1743 mit drei Tiroler Holzfällern (Staatsarchiv Sitten, De Rivaz, RZ Carton 33/ Cahier 1/ No. 1 - 5, hier Nr. 33/ 1/ 1, Schriftstück 2)). In des Tÿrolers Driesten (1862, Glis) ist ein Besitztum eines Tirolers gemeint. Zwei Fälle können sowohl adjektivisch, als auch als Bestimmungswort gelesen werden: der Tirollerbodo ‘ der Boden der Tiroler ’ (Glis) ist eine kleine Waldlichtung auf einer Alpe, t Tirollerhitta ‘ die (Alp-)Hütte der Tiroler ’ (Filet) eine Hütte, die Tirolern gehörte oder von ihnen gebaut worden war. Eine davon abgeleitete Form Tirolli (- I -Suffix nach Deletion von - ER wie in Achi zu Acher) ‘ der Tiroler ’ findet sich in t Tirollirufene und t Tirollischlüecht (beide Reckingen), hier mit einer Entstehungsgeschichte über den Lawinentod eines Tirolers bei der Gemsjagd. Tirone Tirone kommt in Tschiima del Tirone (LT u. FLNK Cima del Tirone), einem Grenzgipfel (2205 m) zu Italien vor. Tirone ist nach Auskunft von B RUNO M ORETTI (p. c.) als Gipfelname in Italien verbreitet; zurückzuführen sei es auf spätlat. Toro, Toronis ‘ Hügel, Erhöhung ’ (vgl. B AR- BARULO 1996, bes. 7). Tisch Tisch m. ist zu schwdt. Tisch m., im Wallis Dim. Tischji, ahd. tisc, mhd. tisch, wie. nhd. ‘ Tisch ’ , in FlN im übertragenen Sinn für ‘ ebene Felsplatten, tischähnliche Steinblöcke ’ und wdt. Tisch ‘ Tisch ’ (I D . 13, 1896, bes. 1914; G RICHTING 1998, 194) zu stellen. Das HL ist zunächst als Ze Tischu ‘ bei den Tischen ’ (Naters) belegt, wo zwei ebene grosse Steinblöcke gemeint sind. Als Diminutiv im Singular ist au ᵕ f dem Tischji ‘ auf dem kleinen Tisch ’ (1861, Glis) belegt; fehlender Kontext lässt keine klare Deutung zu. Mit attributiven Adjektiven erscheint ts Grie Tischji ‘ der kleine grüne Tisch (laut Gwp. früher grünes Tischchen im Wald, heute nur noch Bänklein des Verkehrsvereins) ’ (Ried-Mörel) und Steinig Tisch ‘ der Tisch aus Stein (Stein, der wie ein Tisch aussieht) ’ (FLNK, Oberwald). Als Grundwort kommt vor: bi Höüpmatisch ‘ beim Tisch des Hauptmanns (wohl metaphorisch: Felsplatte) ’ (Mund). Als Bestimmungswort kommt das HL nur in das Tischlachen ‘ das Tischtuch (kleines Stück Land) ’ (1500, Fiesch) vor. Titel Titel m. ist zweimal belegt, einmal als der Titäl (Blatten) und einmal als der Titel (St. Niklaus). Wie URNB (2, 997 s. v. Tuteliplatten f.) ausführt, ist es sehr schwierig, das HL zu bestimmen. In jedem Fall müsste eine Entrundung (ü > i) angenommen werden. Die Belege zu Tutel ‘ Lamm ’ (I D . 13, 2086 s. v. T ū tel) sind laut R ÜBEL (1950, 2) nicht entrundet, jene zu Tutel ‘ Rückentraggefäss für Milch ’ (I D . 13, 2083 ff.) im Wallis ebenfalls nicht; URNB vermutet, es könnte ahd. Tutto m., Tutta f. ‘ Brust, Euter, Zitze ’ (G RAFF 5, 381 f.) zu Grunde liegen, ohne dass die Form auf / i/ im Oberwallis erklärt wäre (vgl. aber I D . 13, 2088 s. v. Tutte n u. a. ‘ weibliche Brust(warze) ’ mit der Form Tütti, die entrundet Titti ergibt). Beide passen aber besser als Flurnamen als das schwdt. Titel (I D . 13, 2060 f.), das nur als ‘ Hypothek ’ in Frage käme. Während für den Beleg der Titäl (Blatten) als Bedeutung ‘ Lämmerwiese ’ , aber auch ‘ Hypothek ’ möglich ist, gilt dies für der Titel (St. Niklaus) nicht, wo eher eine Anspielung auf die weibliche Brust (Beschreibung: ‘ Felskopf zwischen zwei Gräben ’ ) möglich ist. Titsch Titsch ist im Beleg ts Titsch Bielti ‘ der kleine, klotzartige Hügel ’ (Naters (hier mit offenem i, das nicht zum geschlossenen i in titsch ‘ deutsch ’ passt) wohl ein attributives Adjektiv; der Flurname befindet sich auf der Nordseite des Aletschgletschers auf ca. 2500 m. Das ebenfalls hieher gestellte Tütschacherlÿ ‘ der kleine Acker, der wie ein Holzscheit aussieht ’ (1673, Ried-Brig) enthält dagegen ein Nomen. Beide sind zu schwdt. Tutsch m. ‘ Klotz, kurzes Stück Rundholz, gefällter Baumstamm ’ und wdt. Titschi, Titschin (Lötschtal) ‘ Holzstamm, Holzscheit ’ (I D . 13, 2174 ff. bes. 2177; G RICHTING 1998, 195) zu stellen, zu denen auch das Adjektiv ‘ klotzartig ’ gehört. Titter Titter n., nur in Blitzingen m. hat in den ältesten Belegen Tütter (1462, Ulrichen) und Tutter (1464, Ulrichen); später 345 346 Titter <?page no="992"?> zu Titter entrundet. Es ist zu schwdt. Tütter (I D . 13, 2076 s. v. Dotter) zu stellen. Die Motivation ist nicht ganz klar; vermutlich ist damit ein rundliches, leicht ansteigendes Gebiet gemeint, das mit einem Ei-Dotter verglichen wird. Im Fall des heutigen Rund See, der auf SK Tittersee (Obergesteln) heisst, ist die Form für den Namen verantwortlich. Das Simplex erscheint als ts Titter (Fieschertal, Geschinen, Ulrichen, Grächen), in Blitzingen als der Titter. Mit relativen Ortsangaben sind belegt ts Ober Titter (Fieschertal, Randa) und ts Ober Ditter (Zermatt), ts Unner Titter (Fieschertal, Randa) und ts Unner Ditter (Zermatt). Als Bestimmungswort finden sich Titterstei (Grächen) und Titterwaud (Fieschertal); nur auf der Siegfriedkarte gibt es den Tittersee (Obergesteln, heute der Rund See). Unklar ist Tittermänz (Niedergesteln), sofern hier überhaupt ein Kompositum vorliegt. Komplexer ist Unner Titterchriz ‘ das Kreuz beim unteren Titter ’ (vermutlich ein Wegkreuz). Titto Titto m. ist als der Titto ‘ der Titto (unklar, ev. nach der Form des Felsens) ’ (Raron, auch FLNK und LT) belegt. Historisch erscheint der Name 1849 als auf dem Titun, resp. auf dem Titten. Zu stellen ist es wohl zu schwdt. Tutte n f., vermutlich zu einer vorderen gerundeten Form Tütte n , die entrundet wurde (I D . 13, 2088 s. v. Tutte n , u. a. ‘ weibliche Brust(warze) ’ ). Auffallend ist das Genus maskulin, was eher gegen die Deutung sprechen würde; das schwdt. Wort ist feminin. Vermutlich wurde die Flur nach ihrer Form benannt. Tjaater Tjaater n. ‘ Theater ’ ist zu schwdt. Theater n. wie nhd. ‘ Schaubühne, Schauplatz, Schauspielhaus ’ , entlehnt aus frz. théâtre m. < lat. THEATRUM n. (I D . 12, 29) zu stellen. Es ist nur einmal belegt in zem Tjaaterhuis ‘ zum Theaterhaus ’ (Blatten). Es handelt sich, soweit erkennbar, nicht um ein Gebäude, sondern wohl einfach um eine metaphorische Deutung des ebenen Geländes, wo eventuell auch Freilicht-Theater aufgeführt wurden. Tobeli (PN) Tobeli (PN) ist nur in Tobelimatte ‘ die Wiese des Tobias ’ (Reckingen: LT und FLNK haben Obelimatte) belegt. Zunächst nimmt man eine Assimilation des Artikels im Beleg Tobelimatte an, doch notiert M. S. auch vaner Tobelimatte ‘ von der Wiese des Tobias ’ . Das würde eine Assimilation des Artikels zwar nicht ausschliessen, aber unsicherer machen. Das HL wäre zum Taufnamen Tobias (I D . 12, 128 f.) zu stellen (cf. HL T OBIIAS (PN)). Die Form Obelimatte ist ohne / t/ des Artikels zu erklären; die angenommene Assimilation wird hier rückgängig gemacht. Das schwdt. Tobel m./ n. ‘ wildes, enges, unwegsames, meist von einem Bach durchflossenes Tal mit steilen Hängen, Schlucht, tiefer Einschnitt im Gelände, Rinne in einem Hang ’ , ahd. *tobal, tubil, tobil m., mhd. tobel m. ‘ Waldtal, Schlucht ’ (I D . 12, 115 ff.) kommt im Oberwallis nicht vor. Die Herkunft des Namens ist im übrigen unsicher. Er wird als rom. Entlehnung *tuvale zu lat. TUBUS ‘ Röhre ’ erklärt und nicht von idg. *dheub-, *dheup- ‘ tief, hohl ’ , *dhumb- ‘ Erdvertiefung, mit Wasser gefüllt ’ , ahd. tobal, mhd. tobel ‘ enges Tal ’ abgeleitet (Z INSLI 1946, 315; S ONDEREGGER 1958, 89 - 91; Z INSLI 1984, 586). Tobiias (PN) Tobiias (PN) ist nur als das Simplex der Tobiias (Leuk) belegt. Es handelt sich um Reben westlich des Bahnhofs der früheren Bahn nach Leukerbad. Es kann sich um den Vornamen eines früheren Besitzers oder Nutzers handeln. Der Name ist zum Taufnamen Tobias (I D . 12, 128 f.) zu stellen. ein FaN Tobias ist für das Wallis nicht belegt. Tochter Tochter f. ‘ Tochter ’ ist zu schwdt. Tochter, Techter f., ahd tohtar, mhd. tohter, hauptsächlich wie nhd., als Verwandtschaftsbegriff ‘ unmittelbarer weiblicher Nachkomme ’ zu stellen. G RICHTING (1998, 193) kennt nur entrundetes Techter oder Tächtär. In der Schweiz veraltet auch für ‘ unverheiratete weibliche Person ’ (I D . 12, 395 ff.; in FlN 413). Belegt ist das HL nur in vnder der Dochtren Stadell ‘ unter dem Stadel der Tochter ’ (1643, St. Niklaus) mit einer verhochdeutschten Form Dochtren. Tochu Tochu ist nur als Bestimmungswort in Tochuhorn (Glis, Simplon) belegt. G RICHTING (1998, 195) kennt Tocha als ‘ Puppe, Närrin ’ ; als ‘ Puppe ’ schon W IPF (1910, 93). I D . (12, 1150 ff.) stellt Toche zu schwdt. Togg, ahd. tocha, toce(h)a, mhd. tocke (I D . 12, 1150 ff.), dessen Bedeutungen sehr vielfältig sind; hier wäre von der Form her die Bedeutung ‘ Spielpuppe ’ einschlägig. Ob das auch die Motivation für den Gipfelnamen ist, lässt sich nicht entscheiden. Wenn ja, wäre die Form einer solchen Puppe entscheidend. Tod/ tot Tod m. und tot Adj. sind zum schwdt. Tod m., Adj. tot, tod wesentlich wie nhd und wdt. Toot m., toot Adj., zu stellen. In FlN auch für eine ‘ gefährliche, ungeheuerliche Stelle ’ , oder einen ‘ unfruchtbaren, trockenen Boden ’ und eine versiegte Quelle (I D . 12, 459 ff. und I D . 12, 471 ff.; G RICHTING 1998, 195; LUNB 1, 2, 1079). Das Substantiv Titto 347 348 <?page no="993"?> kann hdt. als der Tod, der Tote, die Tote Pl. die Tode, die Toten verstanden werden. Substantiv und Adjektiv sind nicht immer zu unterscheiden. So ist etwa Totgrabo (FLNK, Embd) historisch 1574 als der Todt Grabo, 1603 u. später als an den Thodtengraben belegt. Vermutlich liegt hier ein attributives Adjektiv ‘ der tote Graben ’ vor; der Beleg von 1603 kann aber auch als Genitiv Plural ‘ der Graben mit Toten ’ verstanden werden. In einzelnen Namen kann das HL zu volksetymologischen Deutungen Anlass geben (z. B. di Totublatta ‘ die Felsplatte der Toten (unklar) ’ (Naters) als Ort, wo die Leute vom “ Natischer Berg ” eingesargt wurden). Das HL ist als Attribut oder in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern belegt: Acher, Blatta, Bodu, Brunnu, Egg(a), Flüö, Gassa, Grabu, Grippe, Gruppa, Hubel, Schleif und Wald. Die Motivation ist nicht immer klar. Komplexer ist ts Todgruppuwierli ‘ der kleine Weiher bei den Todgrippe (dem Hinterteil von Pferden gleichendes Gelände, das sehr steil ist) ’ . Als Grundwort kommt das HL nur in der Gäitood ‘ der jähe Tod (wohl Steilheit des Geländes) ’ (Reckingen) vor. Das bei J AGDVEREIN B INN M ÄSSERSEE (2018, 27) erwähnte Gäi Tod ‘ der jähe Tod (wohl Steilheit des Geländes) ’ ist ähnlich zu interpretieren, auch wenn die Autoren auf I D . (2, 99 f. s. v. gäch) verweisen und dort ‘ plötzlicher, rasch eintretender Tod ’ als Walliser Dialekt für Herzinfarkt meinen; ein FlN dieses Typs kann nicht für ein einmaliges Geschehen wie einen Herzinfarkt gemeint sein, sondern - wenn überhaupt - einen Tod aufgrund eines steilen Stückes Land meinen. Ein nachgestellter Genitiv ist in das Tal des Todes (FLNK, Ried-Mörel) vertreten. Der hdt. Name ist entweder die Übersetzung von Death Valley oder die Übernahme des Titels “ Im Tal des Todes ” von Karl May (Nachbearbeitung zweier Erzählungen von Karl May, die 1934 unter dem genannten Titel erschienen) oder einer andern Quelle. Toggo Toggo ‘ alter Baum ’ kommt nur einmal im Beleg ts Togguleerchji ‘ der kleine Wald mit alten Lärchen ’ (Grächen) vor. Es ist zu schwdt. Togg, Togge, im Wallis auch Toggo, Tock, Tocke, Toche m./ f. ‘ zurechtgeschnittenes Stück Holz, Stumpf, Pflock, Pfahl ’ , ahd. tocha, toce(h)a, mhd. tocke (I D . 12, 1150 ff.) zu stellen. Üblicherweise bezeichnet man damit einen ‘ Tragbalken, Deckenbalken ’ (V. S CHMID 2003, 204). Wörtlich sind also Lärchen gemeint, die als Tragbalken Verwendung finden können. Toib Toib ‘ taub ’ Adj., auch teib, ist zu schwdt. Adj. taub (bzw. -ou-, -öu-, -öi-, -ü-), wdt. töüb, töb (Goms), töib (Zermatt), toib (G RICHTING 1998, 196), ahd. und mhd. toub, toup, in FlN für ‘ lockeren, trockenen, minderwertigen, ertragsarmen Erdboden ’ (I D . 12, 67 ff. bes. 81) zu stellen. Ein substantiviertes Simplex der Deib ‘ der ertragsarme Boden ’ (Eisten) kommt nur dort vor; dazu sind die Komposita die Deybfluo ‘ die Fluh beim Deib ’ (1634) und Deybtschuggen ‘ der Fels beim Deib ’ (1634) zu finden. Die übrigen Belege enthalten wohl das Adjektiv: auf den Teüplöcheren ‘ auf den Taublöchern ’ (1763, Biel) meint wohl ein ertragsarmes Gebiet mit Löchern. In Leukerbad gibt es nebeneinander den Toib Grabu ‘ der ertragsarme Graben ’ und den Toib Wang ‘ der ertragsarme Grasabhang ’ ; sie sind bei R. G RICHTING (1993, Blatt 16 Nummer 8 und Blatt 17, Nummer 6 als toibä Grabu, auf Blatt 16 Nummer 13 als toib Wang) verzeichnet. In Oberems findet sich der Toibu Wald mit der Toibuwaaldkapällu ‘ die Kapelle im tauben Wald ’ . Das umstrittene Töügwald (HL T ÖÜG ) wird nach Z INSLI (1960 b, 144 ff.) als ‘ dunkel, düster ’ interpretiert, auch wenn das Adj. zum HL TOIB ‘ taub ’ zu stellen ist. Es ist deswegen möglich, dass einige dieser Belege nicht zum Adjektiv T OIB gehören, sondern zum umstrittenen Lemma T UPP ‘ dunkel ’ (Z INSLI 1960 b). Der Beleg Teippmatten (1564, Guttet), resp. Teibbermatten (1564, Guttet) ist aber wohl nur eine hyperkorrekte Schreibung zu Diepermatten ‘ die Wiese der Familie Diebold / der Leute des Diebold ’ . Toiss Toiss n. ist als ts Toiss (Erschmatt, auch FLNK) belegt. 1523 erscheint im Theuss (mit verschiedenen Schreibweisen). Nach der Beschreibung handelt es sich um den westlichen Dorfteil von Erschmatt. / oi/ ist laut R ÜBEL (1950, 3) in Erschmatt das Ergebnis der Palatalisierung von ahd. ou; es kann aber auch mit dem Staubschen Gesetz aus Tons entstanden sein. Hier ist laut FEW (13, 2, 32 f. s. v. t ō nsus geschoren) eine Bedeutung anzunehmen, die sich auf die jungen Leute bezieht. Toiss wäre dann der Dorfteil mit jungen Leuten. Tola (rom.) Tola f. in Bella Tola ‘ schöne Ebene ’ (Name eines Gipfels zwischen Val d'Anniviers und Turtmanntal) ist zu frpr. toula ‘ une petite surface de terrain plat ’ (M EYER 1914, 107, 172; T AGMANN 1946, 20 und die dort angegebene Literatur; schon J ACCARD 1908, 464) zu stellen und nicht zum dt. HL T OLA ‘ Mulde ’ . Der Gipfelname kommt in Agarn und Oberems vor; in Agarn ist auch der Bella Tola Gletscher belegt. Rätselhafter ist Bella Tola (FLNK) in Grächen, das 349 350 Tola (rom.) <?page no="994"?> weit von der Bella Tola entfernt liegt; eventuell eine Nach-Benennung auf Grund einer Ähnlichkeit (? ). Wohl auch romanisch ist der historische Beleg von 1657 in Albinen ÿ Tole ‘ in der Ebene ’ . Tola Tola f. ‘ Mulde ’ ist zu schwdt. Tole n f. auf natürliche oder künstliche Art entstandene Geländeform ‘ Mulde, Vertiefung, Höhlung, Loch ’ , ‘ Wassergraben, Kanal ’ , ahd. dola, mhd. tol(e) f. ‘ Abzugsgraben, Rinne ’ und wdt. Tola, Tolä (Goms), Tolu ‘ Grube, Mulde, Vertiefung ’ , in Orts- und Flurnamen teilweise noch halbappellativisch (I D . 1675, ff. bes. 1684; G RICHTING 1998, 195; Z INSLI 1984, 587) zu stellen. Das HL kommt in knapp 300 Namen vor, wobei der Typ Bachtola allein 48 Belege beiträgt, teilweise mit Spezifikation wie Seebachtola (Embd, Visperterminen) (cf. HL T ELA ). Das Simplex im Singular ist als di Tola (12 Belege), di Tole (Oberwald), di Tolu (Ergisch, Unterems), in der Tolu (Kippel, Wiler) und in mehreren historischen Belegen, z. B. jn der Tholen (1621, Visp), die Thola (1755, Simplon, auch in der Tolen) usw. belegt. J ORDAN (2006, 541) hat im Register eine ganze Reihe von Tola und Tolä, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Im selteneren Plural des Simplex findet man t Tole (Reckingen), di Tole (Emdb, St. Niklaus) und di Tolä (Gampel, Leukerbad). Das Diminutiv ist im Singular als ts Toli ‘ die kleine Mulde ’ oder im Toli ‘ in der kleinen Mulde ’ neun Mal bezeugt, dazu kommt ein historischer Beleg im Tholi (1756, Betten). Der Plural des Diminutivs kommt als di Tolini ‘ die kleinen Mulden ’ (Saas-Balen mit drei Belegen, dazu fünf weitere Gemeinden) vor. Attributive Adjektive zum Simplex sind: di Graawutole ‘ die grauen Mulden ’ (Eggerberg), di Gross Tola ‘ die grosse Mulde ’ (Blatten, Embd), di Grossi Tola (Bürchen), t Ober Tola ‘ die obere Mulde ’ (St. Niklaus), t Obere Tole ‘ die oberen Mulden ’ (Fieschertal), t Obru Tola ‘ die obere Mulde ’ (Eisten), t Pfiischter Tola ‘ die finstere Mulde ’ (Mund), in der Breittolen ‘ in der breiten Mulde ’ (1838, Eischoll), Rääftola ‘ die Mulde beim Abhang ’ (FLNK, Eggerberg), t Russutola ‘ die Mulde beim roten Gestein (Russu für it. Rosso) ’ (Zwischbergen), t Sandigu Tole ‘ die Mulden mit Sand ’ (Glis), Scheeni Tola ‘ die schöne Mulde ’ (Mund), Teifi Tolu ‘ die tiefe Mulde ’ (FLNK, LT St. Niklaus), t Undru Tola ‘ die untere Mulde ’ (Eisten), t Unner Tola ‘ die untere Mulde ’ (St. Niklaus), die úndre Tola ‘ die untere Mulde ’ (1797, Simplon) und t Unnre Tole ‘ die unteren Mulden ’ (Fieschertal). J ORDAN (2006, 536) hat mehrere Obri Tola und (543) mehrere Undri Tola, auf die hier nicht eingegangen wird. Vorangesetzte Genitive sind selten: ts Gärwerrutoli ‘ die kleine Mulde, in der Weisser Germer (V ERATRUM ALBUM ) wächst ’ (Randa) - ein schwacher Genitiv zu Gärwerra ‘ Gebiet mit Weissem Germer ’ -, ts Manuelsch Tola ‘ die Mulde des Manuel (PN) ’ (Baltschieder), Z'Niwweru Tola ‘ die Mulde, die bei der neuen Wasserleitung liegt ’ (Törbel), t Wolfstole ‘ die Mulden, wo Wölfe gefangen wurden ’ (Glis) (wobei hier ein Kompositum mit dem Fugenelement / s/ vorliegen kann), Zu ᵕ bers Tolla ‘ die Mulde der Familie Zuber ’ (1856, Eyholz). Sehr zahlreich sind zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort. Der weitaus am häufigsten auftretende Typ ist Bachtola. Wir deuten ihn als ‘ Wasserrinne ’ (I D . 12, 1688, wo auch auf I D . 12, 1340 Bach-Talen verwiesen wird); er tritt auch als Bachtela (HL T ELA ) auf. Das Verhältnis der beiden Formen ist unklar (vgl. I D . 12, 1341 mit einer kurzen Diskussion). Zu vermuten ist, dass die Erstbetonung von Bach zur Abschwächung des zweiten Teils führte, was sekundäre Deutungen zu Tola oder Tall (Tälli, Telli) ermöglichte. Bei den zahlreichen anderen Komposita gibt es einige mit dem Besitzer- oder Nutzernamen als Bestimmungswort wie z. B. di Geertschigtola ‘ die Mulde der Familie Gertschen ’ (Unterbäch) (kann allerdings auch Teil des Geertschigalpji sein), di Gsilitola ‘ die Mulde des Auxilius (PN) ’ (Naters), t Heichertola ‘ die Mulde des Henkers (Henker als Nutzer oder Besitzer) ’ (Täsch), t Joopitola ‘ die Mulde des Joopi (Beiname) ’ (Mund, laut Gwp. war Joopi ‘ Eule ’ der Beiname des Eigentümers), di Kaisertola ‘ die Mulde der Familie Kaiser ’ (Mund), t Sattlertola ‘ die Mulde der Familie Sattler ’ (Eyholz, Visp) und ts Zoffitoli ‘ die Mulde der Sofie (PN) ’ (Simplon). Zumeist ist aber eine nahegelegene Siedlung oder Flur gemeint, wie z. B in Erbtola ‘ die Mulde beim Erb ’ (EK, Eggerberg), t Furggtola ‘ die Mulde auf der Furggalpe ’ (Grengiols), di Gibidumtole ‘ die Mulden beim Gibidum (Böden (Kollektiv)) ’ (Visperterminen), Werligtola ‘ die Mulde bei Ze Werligu (Dorfteil von Unterbäch) ’ (FLNK, Unterbäch) und viele andere mehr. In manchen Fällen gibt das Bestimmungswort an, was sich in der Mulde befindet: t Ameistola ‘ die Mulde, in der es Ameisen hat ’ (Zwischbergen), t Aarbitola ‘ die Mulde bei / mit den Arven (Zirbelkiefern) ’ (Simplon), t Fleschtole ‘ die Mulden mit Wasserstellen ’ (Naters), di Griestole ‘ die Mulden mit Steingeröll ’ (Grengiols), t Heitutole ‘ die Mulden mit Heidelbeersträuchern ’ (Visperterminen), t Hiänertola ‘ die Mulde mit (Wald-)Hühnern (? ) ’ (Ferden), Chrüttolu ‘ die Mulde mit Kraut ’ (FLNK, Salgesch), t Lärchtola ‘ die Mulde mit Lärchen (Föhren) ’ (Mund), di Bremertola ‘ die Mulde mit Himbeeren ’ (St. Niklaus) und andere mehr. Ein Fall für sich ist ts Boozutoli ‘ die kleine Mulde mit einem Gespenst ’ (Grächen), wo nach Gwp. sich das Vieh unruhig verhielt, was wohl auf einen bösen Geist zurückzuführen sei. Unklar ist t Wolftole ‘ die Mul- Tola 351 352 <?page no="995"?> den mit Wölfen / wo Wölfe gefangen wurden ’ (Embd, Naters, St. Niklaus) - vermutlich stimmt eher die Version ‘ wo Wölfe gefangen wurden ’ , da die Tiere selbst weit umherziehen. Einige Bestimmungswörter beziehen sich auf die Viehhaltung: t Chalbertolini ‘ die kleinen Mulden, wo die Kälber weideten ’ (Grengiols), t Challbertolu ‘ die Mulde für die Kälber ’ (Saas-Almagell), t Chaubertola ‘ die Mulde für die Kälber ’ (Fieschertal), t Mästola ‘ die Mulde, wo der Milchertrag der Kühe gemessen wurde ’ (Blitzingen, Oberwald, ähnlich Ritzingen), t Oigschttolu ‘ die Mulde, in der Mitte August Vieh gehütet wurde ’ (Ergisch), Äugsttolu (LT, Oberems, FLNK Oügschttolu) ‘ die Mulde, in der Mitte August Vieh gehütet wurde ’ , t Ottovatola ‘ die Mulde bei der Abendweide ’ (Bitsch) und andere mehr. Von den übrigen zweigliedrigen Komposita sei hier nur noch die Müsigtolu ‘ die Musikmulde ’ (Salgesch) erwähnt, die nach M ATHIER (2006, 111) die Form eines antiken Theaters hat; wörtlich heisst Müsig auch Musikgesellschaft (Blasmusik), die sich in Halbkreisform um den Dirigenten aufstellt dies dürfte die Motivation für den Namen sein. Mehrgliedrige Komposita sind z. B. t Achermattutolu ‘ die Mulde bei den Achermattu (Wiesen bei den Äckern) ’ (Bratsch), t Foodri Burgmattuntola ‘ der vordere Teil der Mulde bei der Burgmatte (Wiese bei der Burg) ’ (Raron), di Grechmattutolu ‘ die Mulde bei der Wiese mit dem Kornspeicher ’ (Guttet), di Brunegguntolu ‘ die Mulde bei der Brunnegga (Ecke mit Quellen / Brunnen) ’ (Hohtenn) und andere. Mit dem HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita kommen folgende Grundwörter vor: Acher, Güet, Mantel, Schiir, Schleif und Weid mit insgesamt nur wenigen Belegen. Eine Ableitung di Tollera (Visp) mit einem 1425 belegten in der Trolerron, 1470 aber in der Tollerron, 1654 jn der Thollerún könnte von der Bildung auf - ERA her eine kollektive Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 471 ff.) sein, also ‘ die Mulden; wo es viele Mulden hat ’ . Auf SK ist allerdings erkennbar, dass der Name ein flaches Gebiet zwischen der Eisenbahn und dem korrigierten Rotten bezeichnet; es ist aber möglich, dass hier vor der Korrektion des Flusses tatsächlich Mulden bestanden. Auch Visperterminen hat 1473 jn der Tolleron ‘ am Ort mit vielen Mulden ’ . Tomagny Tomagny ist die ältest belegte Form von Tuminu, einem Weiler von Ergisch (AWWB 88). Belegt ist im 13. Jahrhundert apud plana tomagny ‘ beim ebenen Gelände von Tuminu ’ und 1337 apud tomagny exteriorum ‘ beim äusseren Tuminu ’ . Tomagny könnte eine - CUM -Ableitung zum PN Tomanus oder ähnlich sein (vgl. Martigny < M ARTINIACUM ). Dagegen spricht allerdings die abgelegene Situation auf über 900 m im Turtmanntal. Eine Deutung ist darum nicht möglich Tomen (PN) Tomen, auch Tomisch sind Genitive eines PN oder FaN Thomas (J OSSEN 2000, 81; I D . 12, 1812 ff. s. v. Thomas); in den historischen Quellen als PN und FaN häufig belegt. Das HL kommt nur als Bestimmungswort vor; selten auch mit einem zweiten PN, etwa Thomen Eyers Hauss ‘ das Haus des Thomas Eyer ’ (1635, Naters) oder Niggen Thomen Scheÿr ‘ die Scheuer des Nikolaus Thomen ’ (1589, Saas-Balen). Die meisten Belege enthalten aber nur den PN oder FaN Tomen, Tomu, Tomi oder Tomisch. Kaum hieher gehört der Siedlungsname Domo (Betten) und die damit verbundenen Flurnamen (cf. HL D OMO ). Das Grundwort kommt als Thoma vor in die Thoma Biene ‘ das Pflanzland des Thoma / der Familie Thoma ’ (1879, Ulrichen) und in Thomas Bizgi ‘ das kleine Stück Land des Thomas ’ (1735, Visperterminen), wobei hier unklar ist, ob ein Genitiv vorliegt. Thomen ist ein schwacher Genitiv, der sowohl PN wie FaN sein kann: z Thomen Huss (1569, Visperterminen), apud Thomen Haus (1700, Zeneggen), zu ᵕ Thomen Stadel (1638, Ried- Mörel) und - erweitert - Thomen Eyers Hauss (1635, Naters), Niggen Thomen Scheÿr (1589, Saas-Balen). Tomi und im Genitiv Thomisch / Tomisch ist belegt in Thomisch Garten (Register, Randa), Tomigietji ‘ das kleine Gut des Thomas ’ (Embd), der Tomigrossstei ‘ der Gross-Stein des Thomas (PN) ’ (im Unterschied zur Kleinsiedlung Gross- Stein) (Embd), Tomischbieu ‘ der Hügel des Tomi (Thomas) ’ (Binn), in Thomisch Garten ‘ im Garten des Thomas ’ (1700, Mühlebach), ts Tomisch Gade ‘ der Gaden des Thomas ’ (Greich), ts Tomisch Stei ‘ der Stein des Tomi (Thomas) ’ (Saas-Balen). Thomo kommt vor in bei des Thomo Loch ‘ beim Loch (Einbuchtung? ) des Thomas ’ (1766, Simplon) und zu Thomo Hischiers Haus ‘ beim Haus des Thomas Hischier ’ (Unterems). Tomu ist belegt in der Tomufad ‘ das Grasband des Thomas ’ (Saas-Almagell), ts Tomuhüüs ‘ das Haus des Thomas ’ (Mund, Randa), ts Tomun Achru ‘ die Äcker des Thomas ’ (Stalden), zs Tomu ᵕ n Brunnu ᵕ n ‘ bei der Quelle (Brunnen) des Thomas ’ (1633, Ergisch) und Tomustei ‘ der Stein des Thomas ’ (Mund). Vermutlich auch hieher gehört im Thummen Künne ‘ im Kinn (Graben) des Tomen (Thomas) ’ (1584, Naters). Schwierig zu deuten ist der zweimal genannte Beleg Dommelebode / Tommelebode (Ernen), wo eine Diminutiv-Ableitung zu Thomas vorliegen könnte, die sonst mit / ǝ / nicht belegt ist (SDS 3, 149 - 158). Ob der seltsame 353 354 Tomen (PN) <?page no="996"?> Beleg Domÿlÿbach (1839, Obergesteln) hieher gehört, ist unsicher. Hingegen gehört Domlybach (1739, Betten) wohl zu Domo (cf. HL D OMO ). Tönen Tönen bzw. teene ist zum schwdt. Verb tone, tonu u. ä. ‘ dröhen, dumpf und hohl tönen ‘ , mhd. tunen, dunen, dünen (I D . 13, 229 f.; G RICHTING 1998, 192) zu stellen. Das Verb ist nur einmal als Partizip Präsens in den Thenenden Sta ᵉ in ‘ der tönende Stein ’ (St. Niklaus, Zermatt) vertreten. Der Name ist beiden Orten zugewiesen, es handelt sich aber um den gleichen Beleg von 1584. Toor Toor n. ‘ Tor ’ ist zu schwdt. Tor n. (I D . 13, 1263 ff., für Namen 1275 ff.) zu stellen; G RICHTING (1998) kennt es nicht. Das Simplex im Singular ist als Tor ‘ im Tor ’ (FLNK, Selkingen) seit 1670 Bim Thor, Im Thor belegt. R UPPEN (1976, 410) erwähnt Thor als einzige Dorfrandpartie mit einer Bezeichnung beim Haus Nr. 18 (S. 425). Der Name wird heute einer Flur oberhalb des Dorfes zugeschrieben. Da sonst nur der Ausdruck Tirli ‘ kleine Türe, Zaunüberstieg ’ verwendet wird, kann kaum ein torartiges Gebäude gemeint sein, sondern wohl eine Ähnlichkeit des Geländes mit einem Tor. Das HL tritt als Grundwort auf in ts Gletschärtor ‘ das Gletschertor (früheres Gletschtertor des Langgletschers, heute aper) ’ (Blatten), ts Löuwitoor ‘ das Tor (Übergang) beim Löuwihorn (Gipfelname) ’ (Fieschertal), ts Schwarztor ‘ das Schwarztor (Übergang zwischen Pollux und Roccia Nera (beides Gipfelnamen)) ’ (Zermatt), ts Wisstoor ‘ das weisse Tor (Pass, LT Schwarzberg Weisstor beim Schwarzberghorn (Gipfelname)) ’ (Saas-Almagell). Komplexer sind: ts Alt Wisstor ‘ das alte Weisstor im Gegensatz zum neuen Weisstor östlich davon ’ (Zermatt), ts Niww Wiisstor ‘ das neue Weisstor (LT: neues Weisstor; Übergang zwischen Cima di Jazzi und Neue Weisstorspitze, im Gegensatz zum alten Weisstor) ’ (Zermatt), Schwarzbärg Wiisstor ‘ das Weisstor beim Schwarzberg ’ (FLNK, Saas-Almagell; LT Schwarzberg Weisstor), ts Schwarzbärgwiisstor ‘ das Weisstor (Übergang) beim Schwarzberghorn ’ (Zermatt). Nicht in der Datei erfasst ist Neue Weisstorspitze (LT, Gipfelname 3639 m, Zermatt, Grenze zu Italien). Nur ein Diminutiv enthält Faldumtörli ‘ das kleine Tor bei Faldum ’ (Ferden), wo sich wohl ein Zaunüberstieg befand (heute trennen sich dort zwei Wege). Das gerundete Törli ist wohl sonst zu Tirli (cf. HL T IRI ) zu stellen. Als Bestimmungswort kommt das HL nur in Torberg ‘ der Torberg ’ (Naters, LT; Gipfelname, 3022 m; SK hat Thurberg) vor. Hier könnte am ehesten ein metaphorischer Gebrauch vorliegen, fliessen doch Oberaletschgletscher und Grosser Aletschgletscher dort zusammen. SK bleibt unklar. Insgesamt scheint das HL in den meisten Fällen vom Hochdeutschen beeinflusst. Die beiden Belege Schwiintootji (Baltschieder) und Schwiitoortji (Eggerberg) sind unter dem HL T OORTA behandelt. Toorta Toorta ‘ Torte, Kuchen ’ ist zu schwdt. Turte n ‘ Torte, Kuchen ’ (I D . 13, 1704) und wdt. Toorta, Turta, Toortä, Toortu ‘ Torte ’ (G RICHTING 1998, 195) zu stellen. Belegt ist das Lemma nur zweimal als Diminutiv ts Schwiitoortji (Eggerberg), resp. ts Schwiintootji (Baltschieder); beide Namen bezeichnen den gleichen Ort. Zu vermuten ist, dass im ersten Bestandteil Schwii(n) ‘ Schwein ’ , im zweiten dagegen Toortji ‘ die kleine Torte ’ vorhanden ist. R ÜBEL (1950, 32) kennt das Wort für die Biescht-Torte ‘ Torte mit Biestmilch ’ . Ob Schwii(n) in den Namen wirklich ‘ Schwein ’ oder dann ‘ klein ’ bedeutet, bleibt unklar. Je nachdem kann es sich um ein Stück Land handeln, das aussieht wie eine kleine Torte oder wie eine kleine Torte für die Schweine / mit Schweinefett (o. ä.). Eine Ableitung von Toor ‘ Tor, Türe ’ (cf. HL T OOR ) ist unwahrscheinlich, da die Diminutivbildung kaum zu Toortji führen würde, sondern zu Toorli, Teerli oder dialektal Tirli. Das fehlende / r/ im Beleg aus Baltschieder lässt sich am ehesten aus dem Nicht-Verstehen des Beleges erklären. Toose Toose ‘ tosen ’ ist zu schwdt. tôse n ‘ tosen ’ (I D . 13, 1789 ff.; G RICHTING 1998, 195 s. v. toosse) zu stellen. Belegt ist es als Partizip Präsens in bim Toossende Stei ‘ beim tosenden Stein ’ (Grengiols), einem unterhöhlten Stein, bei dem man das Tosen der Binna (Bach im Binntal) hört; desgleichen bim Tossenden Stein (1792, Ernen). Topali (FaN) Topali (FaN) ist ein ursprünglich griechischer Familienname, belegt in di Topaalihitta (St. Niklaus). Die 1926 erbaute und 1998 niedergebrannte SAC-Hütte wurde nach dem 1924 verunglückten Dr. Constantin Topali benannt und gehört der Sektion Genf des SAC. Die Hütte wurde 2002 unter dem gleichen Namen neu errichtet (www.topali.ch/ index_de.html[iw., 21.11.2020]). Topp Topp Adj. ist zu schwdt. topp ‘ finster, dunkel, schwarz ’ mit Bezug auf das Wetter ‘ schwül ’ (I D . 13, 965 und 13, Tönen 355 356 <?page no="997"?> 946 f.), wdt. topp ‘ feucht ’ (G RICHTING 1998, 195) zu stellen (vgl. auch Z INSLI 1984, 588 s. v. tupp; Z INSLI 1960, 144 - 160 bes. 154). Eine Nominalableitung Toppi f. ist für Visperterminen und Zeneggen (historische Belege jn der Toppi 1688 und 173? ) bezeugt; ein Diminutiv ts Toppi n. ist in Visp (mit historischen Belegen zu Toppi f.) belegt; vermutlich eine Uminterpretation der Femininableitung. Es handelt sich wohl in allen drei Fällen um die gleiche Flur. Dazu kommen di Toppihalta ‘ die Halde bei der Toppi ’ und di Toppitola ‘ die Mulde bei der Toppi ’ (beide Visperterminen), sowie der Doppischleif ‘ der Holzschleif bei der Toppi ’ (Visp). Welche Bedeutung Toppi f. dabei genau hat, bleibt unklar. Die Gegend ist sehr warm, mit wenig Feuchtigkeit und als Rodungsgebiet nicht dunkel. Am ehesten ist also an ‘ die schwülwarme Gegend ’ zu denken. Das Adjektiv Topp selbst ist in Ergisch als der Topp Grabu ‘ der dunkle, feuchte Graben ’ belegt (FLNK Topugrabu); in Jeizinen (Gemeinde Gampel) ist di Toppi Gassu ‘ die dunkle Gasse ’ belegt. Vermutlich gehört auch Tupgässi ‘ die kleine, dunkle Gasse ’ (Bratsch) hieher. Tor (rom.) la Tor f. ‘ der Turm ’ ist zu lat. TU ᵕ RRIS ‘ Turm ’ zu stellen (M EYER 1914, 173; FEW 13, 2, 435). le Tor m. bezieht sich laut B OSSARD / C HAVAN (2006, 253) wahrscheinlich auf lat. torus ‘ Ausbuchtung, Vorsprung ’ (siehe unten). Das Genus spielt hier eine entscheidende Rolle. Das Simplex ist in Leuk seit 1328 als de la Tor ‘ vom Turm ’ belegt. Der Beleg von 1556 ad cristam du tor in Leuk bezieht sich jedoch auf ein maskulines tor als ‘ Ausbuchtung, Vorsprung ’ . In Leuk sind weiter jn clause de laz tor ‘ im eingefriedeten Gebiet beim Turm ’ (1545) und aqueductum de la tor ‘ die Wasserleitung beim Turm ’ (1407 u. später) belegt. In Varen erscheint hingegen maskulines tor 1430 und später in ov tor (de varona) ‘ die Ausbuchtung, der Vorsprung ’ . Mit Sicherheit ist hier nicht tor m. im Singular von tournée ‘ Runde beim Wässern ’ bei der Bewässerung gemeint (T AGMANN 1946, 6; im Beispiel von Miège dauert diese Runde 24 Tage! ), sondern wohl le tor im Sinne von ‘ Ausbuchtung, Vorsprung ’ . Tornyonis Tornyonis ‘ das Gebiet an der Kehre einer Wasserleitung ’ ist nur historisch in Salgesch als eys tornyonis (1353), eys tornyours (1414), dys tornyour (1494) und eys tornyour (1494) belegt. Aus einem Teil der Belege geht hervor, dass sich dieses Gebiet bei einer Wasserleitung befindet. Der älteste Beleg hat eine andere Endung als die jüngeren. Wie FEW (13, 2, 46 ff. s. v. tornare drechseln) zeigt, ist der Stamm tornverbunden mit einer Ableitung, wohl auf - ATORIU ( M ) (vgl. T AGMANN 1946, 66 s. v. tourner; B OS- SARD / C HAVAN 2006, 288). G ERSTER (1927, 66) hat torñ ū ̩ r ‘ canal latéral du bisse ’ [Seitenkanal einer Wasserleitung], eine Deutung, die sich auch auf die Umgebung einer solchen Wasserleitung beziehen kann. Torre Torre m. ‘ dürres Gebiet ’ kommt als sicherer Singular des Simplex nur in der Torre (Zermatt) vor, sonst ist der Plural di Torre (Embd, Saas Fee), ze Torre (Grengiols, auf 1: 10000 Zentoren), di Tore (Saas-Almagell) und das unbestimmte Tore (FLNK, Ernen) belegt. Mit einem attributiven Adjektiv findet sich zum (e)Rotu Torru (Raron). In Ausserberg ist Bitzitorro (FLNK) belegt. Als Bestimmungswort findet sich der Torrubach (Saas-Fee, LT Torrenbach), der an den Torre vorbeifliesst. In Embd ist der Torumällich ‘ der Mällich (Steinmann) bei den Torre ’ belegt. Z INSLI (1984, 663) kennt für die Südwalser mehrere Torre-Namen, die er teilweise auf it. torre f. ‘ Turm ’ zurückführt (so S. 290 zu Torro), was allerdings nicht mit der Angabe ‘ bosco ’ (Wald) übereinstimmt und auch vom Genus Femininum her problematisch ist. Die räumliche Verteilung im Oberwallis lässt weiter kaum auf italienischen Einfluss schliessen. Vermutlich liegt eine Nominalisierung zum Verb dorre n ‘ dürr werden, austrocknen ’ (I D . 13, 1256 ff.; G RICHTING 1998, 59) mit der Bedeutung ‘ das dürre, ausgetrocknete Gebiet ’ vor. Allerdings ist eine solche Nominalisierung sonst nicht belegt. Torrent Torrent ist zu lat. TORRENTE ( M ) ‘ Wildbach ’ zu stellen. Im Kontext ist nicht immer klar, ob Torrent zum Namen gehört oder lateinisches Appellativ ist. Das Lexem erscheint in einer ins Deutsche entlehnten Form Torrent in Albinen, wo es ein Namennest bildet mit Torrentalp, Torrenthotel und Torrenthorn (Guttet, Leukerbad). In den übrigen Fällen scheint der romanische Typ Torrente de XY vorzuherrschen, wenn Torrent Grundwort ist: Torrens de Estroble / Torrente Estroble, Torrens de la Posa / Torrentem de la Puscha" Torrente Dorby / Torrentem de la Dorbi, Torrente Tschüdangna, Torrentem de la Comba, Torrentem Maienchet, Torrentis de Illi. Ganz lateinisch sind Sarquenensium Torente ‘ der Bach der Leute von Salgesch ’ und Varronensium Torentem ‘ der Bach der Leute von Varen ’ . Sicher lateinisch ist de torrente superiori ‘ vom oberen Bach ’ (Bratsch). Der Belege sub Crista ultra Torrentem (12? ? , Mund) ist vermutlich eine lateinische Übersetzung und entspricht etwa ‘ unter dem Hügel beim Bach ’ hier liegt wohl kein Bachname vor, sondern ein übersetztes Appellativ. 357 358 Torrent <?page no="998"?> Als nachgestellter Genitiv tritt Torrent auf in Jntre dou thorren, en laz cliwaz dov torren, Praa dou Torrent. Bis auf den ins Deutsche entlehnten Namen Torrent sind die übrigen Belege von TORRENTE ( M ) vermutlich lateinischromanische Appellative; das gilt sicher vom Nominativ Torrens. Die eigentlichen Bachnamen wie Tschüdangna usw. sind in den entsprechenden Artikeln diskutiert. Torrenté (FaN) Torrenté (FaN) ist zum FaN Detorrenté, de Torrenté, Torrenté (AWWB 79) zu stellen. Die Familie stammt aus Monthey, hat aber offenbar Güter im Goms besessen. Davon zeugen die Belege biner Torännteschiir ‘ bei der Scheuer der Familie de Torrenté ’ (Niederwald), Torrentiwald ‘ der Wald der Familie de Torrenté ’ (1839, Bellwald) und der Beleg Torrentigen Zehenden ‘ der Zehnten der Familie de Torrenté ’ (1677, Steinhaus) mit der kollektiven - IG -Ableitung. Toryn Toryn ist nur einmal belegt in viam toryn ‘ der Weg zum kleinen Turm ’ (1558, Leuk). Das HL ist zu lat. t ŭ rris ‘ Turm ’ (FEW 13, 2, 435 f.) zu stellen (vgl. auch M EYER 1914, 173). Es liegt eine diminutive Ableitung auf - INU (B OSSARD / C HAVAN 2006, 207) vor. Tossa (rom.) Tossa (rom.) ist nur einmal belegt in Salgesch 1840 en Tossa (Fossa? ). M ATHIER (2006, 81) gibt die Lesung Fossa und stellt es zum lebenden Beleg Pfoscha (cf. HL P FO- SCHA ), das er mit B OSSARD / C HAVAN (2006, 35) zu lat. FOSSA ‘ Graben ’ stellt. Tossu Tossu m., Pl. Tosse und Tossna, ist zu schwdt. Tosse n m./ f. ‘ Felsblock, -kopf, -spitz ’ und ‘ kleine Erhöhung in Wiesen, Alpweiden ’ zu lat. DORSUM , DOSSUM ‘ Rücken, Bergrücken ’ , sowie wdt. Tosse, Tossä (Goms), Tossa (Mattertal), Tossn (Lötschtal), Tossu ‘ Fels (vorstehender), Felswand ’ (I D . 13, 1808 f.; G RICHTING 1998, 196; Z INSLI 1946, 315) zu stellen. Das HL ist in rund 70 Namen vertreten. Die Deutung der Namen bezieht sich meist auf Felsen; in einigen Fällen zeigt aber die Karte keine Felsen, sondern nur Anstiege, teilweise steil. Manchmal kann zwischen den beiden Deutungen nicht entschieden werden. Das Simplex im Singular ist lebend als der Tosse ‘ der Felsblock ’ (Zermatt) und historisch als vffem Tossen ‘ auf dem Felsblock ’ (1538, Naters; 1760 die Tossen; ähnlich 1653, Ulrichen) belegt. Häufiger ist das Simplex im Plural: di Tosse ‘ die kleinen Anstiege (laut Gwp, auf Karte keine Felsen erkennbar) ’ (Betten), Tossen ‘ die Felsen (oberhalb Restialp) ’ (FLNK, Ferden), Tossna ‘ die Felsen ’ (Termen), uf de Tossu ‘ auf den Felsblöcken ’ (Ried- Brig), auf den Tossen ‘ auf den Felsen ’ (1825, Binn; 1653). Wohl ein Dativ Plural ist uf Tossene ‘ auf dem Gebiet der kleinen Felsen / steilen Anstiege ’ (Obergesteln), wobei unklar ist, ob hier ein Artikel assimiliert wurde (uf de Tossene > uf Tossene) oder nicht. FLNK hat Tossjene, deutet den Namen also als Diminutiv. Das Diminutiv ist nur einmal im Singular belegt: auf dem ersten Thosslin ‘ auf dem ersten kleinen Felsblock ’ (1681, Blitzingen). Häufiger sind Plurale: di Tossini ‘ die kleinen Felsen ’ (Grengiols), Tossjene (Obergesteln, Ulrichen), Tossjini (Binn) und zwei Formen beÿ den Tosinen (1791) und auf den Tosjenen (1850) in Biel. Attributive Adjektive zum HL sind: der Heidnisch Tossu ‘ der heidnische Felsblock (wo die vorgeschichtliche Bevölkerung wohnte) ’ (Grächen), der Hotossu ‘ der hohe Felsblock ’ (Simplon, Zwischbergen mit zwei Belegen), ts Miesig Tossji ‘ der kleine Fels mit Moos ’ (St. Niklaus), vnder dem Mindren Thossen ‘ unter dem kleinen Felsen ’ (1582, Münster), t Obrun Tossen ‘ der obere Teil der Tossen (Felsen) ’ (Ferden), t Rotun Tossen ‘ die roten Felsen ’ (Ferden), der Saasig Tossu ‘ der Richtung Saas(tal) liegende Felsblock (? ) ’ (St. Niklaus (siehe hierzu unten), unter dem Schwartzen Tossen ‘ unter dem schwarzen Felsen ’ (1763, Biel), t Undrun Tossen ‘ der untere Teil der Tossen (Felsen) ’ (Ferden). Vorangestellte Genitive sind selten: z Glasersch Tosso ‘ der Fels / der steile Anstieg der Familie Glaser ’ (Bitsch), wobei auch eine Berufsbezeichnung gemeint sein kann, ts Joderetossji ‘ der kleine Fels des Joder (PN) ’ (Fieschertal). Unsicher ist t Schinnertosse ‘ die Felsblöcke der Alpe der Familie Schiner ’ (Binn), wo eher eine Komposition mit dem Alpnamen Schinere ‘ die Alpe der Familie Schiner ’ vorliegt. Der seltene Fall der Präfigierung ist in t Firtosse ‘ die hervorstehenden Felsen ’ (Münster, FLNK Ulrichen) und t Firtossne (Ulrichen) gegeben, wo das Präfix Fir- ‘ für, vor ’ verwendet wird. Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind der häufigste Fall. Einige davon sind mit Tiernamen gebildet: uf de Geistosse ‘ auf den Ziegenfelsen ’ (Bellwald), der Geistosse ‘ der Ziegenfelsen ’ (Oberwald), der Hienertosse ‘ der Hühnerfels (Fels mit Waldhünern? ) ’ (Obergesteln), der Chietosse ‘ der Felsblock, der wie eine Kuh aussieht ’ (Münster, Ulrichen mit zwei Belegen) und di Tiärtossen ‘ die Felsen mit Gemsen (Tier für jagdbare Tiere) ’ (Blatten). In komplexeren Fällen erscheinen t Oggsestrichetosse ‘ die felsen beim Oggsestrich (langgezogenes Stück Land für den Ochsen ’ (Grengiols) und der Rinnerfadtossu ‘ der Fels oberhalb des Rinnerfad (Grasband für die Rinder) ’ (Täsch). Torrenté (FaN) 359 360 <?page no="999"?> Die Bestimmungswörter der meisten Komposita beziehen sich auf nahegelegene Fluren, wie z. B. der Äbitossu ‘ der Felsblock in der (Guggi-)Äbi (Guggi-Abhang) ’ (St. Niklaus), der Hängelutossu ‘ der grosse Fels bei der Hängela (hängende Stelle) ’ (Goppisberg) und viele andere mehr. Nicht hieher gehört der Hirtertossu (Simplon) zu dem Gw sagt: "Die Tiere <hirten> sich hier gut." Das Verb hirte n , von dem Hirter abgeleitet ist, hat mehrere Bedeutungen (vgl. I D . 2, 1650 f.), auch bei G RICHTING (1998, 108) als ‘ Vieh besorgen, Essen auftragen ’ , sodass nicht ganz klar ist, warum der Hirtertossu so heisst, wie er heisst. Komplexer ist der Chäumatttetosse ‘ der Felsblock bei der Chäumatta (Wiese bei der Kehle) ’ (Binn) neben den schon erwähnten Fluren mit Tiernamen. Ein sehr komplexer Name ist bim Chäller üf de Tossjene ‘ beim (Käse-)Keller auf den kleinen Felstürmen ’ (Ulrichen), das auf LT nur Chäller heisst. Hier wird ein Alpkeller genauer bezeichnet. Das gilt übrigens wohl auch für die beiden Namen der Dorftossu ‘ der Fels oberhalb des Dorfes St. Niklaus ’ und der Saasig Tossu ‘ der Richtung Saastal liegende Felsblock (? ) ’ (beide St. Niklaus), die sich vom Dorf aus gesehen über dem Dorf, bzw. Richtung Saastal befinden. Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Acher, Biina, Bodu, Brunnu, Hooru, Joch und Tschugge. Komplexer ist: Dorftossuchrachu ‘ der Chrache (Tobel) beim Dorftossu (hervorstehender Fels oberhalb des Dorfes St. Niklaus) ’ (FLNK, St. Niklaus). Eine sonst nirgends belegte Ableitung findet sich in der Tossiltschuggu (Oberems). Das Grundwort Tschuggu ‘ Fels ’ ist mehr oder weniger synonym zu Tossu ‘ Fels, Erhöhung ’ . Die Ableitung Tossil könnte eine kollektive Stellenbezeichnung auf - IL (S ONDEREGGER 1958, 513) mit der Bedeutung ‘ ansteigendes Gebiet ’ sein. Der Gesamtname wäre dann ‘ der Fels im ansteigenden Gebiet ’ (auf den Karten ist erkennbar, dass der Name ein Waldstück bezeichnet, kein felsiges Gebiet). Totz Totz ist zu schwdt. Totz m., Pl. Tötz bzw. -e-, Totze n bzw. -a-, Tötze n bzw. -e-, ‘ Stück Holz, Baumstrunk ’ , Synonym Chlotz und wdt. Tozz ‘ Baumstamm, Stapel ’ (I D . 13, 2265 ff.; G RICHTING 1998, 196) zu stellen. Es fällt auf, dass weitaus die meisten Belege aus dem Bezirk Leuk stammen. Die Form Tätz für den Plural ist auf Leukerbad beschränkt; ob sich hier in jüngerer Zeit eine offenere Lautung (z. B. Fälshoru ‘ Felshorn ’ bei R. G RICHTING 1993, Blatt 27, Nr. 2) durchsetzt, ist unklar. Ein Plural zu Tatz ‘ Tatze ’ (I D . 13, 2258) liegt nicht vor (cf. LT Illtötze als Beispiel für einen Plural). Das Simplex der Totz ‘ der (Fels-)Block ’ (Törbel), ist nur einmal belegt. Mit attributiven Adjektiven sind belegt Gälbe Totz ‘ der gelbe (Fels-)Block ’ (FLNK Salgesch, LT Gelber Totz, zweimal belegt, aber an verschiedenen Stellen), der Rot Totz (Gipfelname, dazu historisch lat.: lapis rubens) und mehrfach in Leukerbad (alle bei R. G RICHTING Blatt 22, Nr. 8, Blatt 26, Nr. 8, Blatt 15 Nr. 6 und Blatt 16, Nr. 3). Hierzu gehört Rot Totz Licku ‘ die Lücke (Fusspass) beim rote Totz ’ (FLNK, Leukerbad; LK Rote Totz-Lücke). Als Grundwort erscheint das HL meistens mit naheliegenden Fluren: Cholitotz ‘ der (Fels-)Block beim Choli (wohl Ort, wo Holzkohle gebrannt wurde) ’ (FLNK, Inden), t Illtätz ‘ die (Fels-)Blöcke bei der unteren Ill-Alpe ’ (Leuk; FLNK Illtotz; LT Illtötze), der Mäschlertotz ‘ der (Fels-)Block oberhalb des Mäschler ’ (Leuk), Mintunierutotz ‘ der (Fels-)Block oberhalb der Alpe Mintuniere ’ (Leukerbad), der Pralipieritotz ‘ der (Fels-)Block bei der Wiese mit dem Felsen ’ (Varen), der Schwingjitotz ‘ der (Fels-)Block beim Schwingjiboden (Boden, der einer Schwinge gleicht) ’ (Gampel), Tschaajetutotz ‘ der (Fels-) Block bei der Alpe Tschaetu (Tschajetu) ’ (Varen). Beim Gitzitotz ‘ der (Fels-)Block für die Ziegen / der einer Ziege gleicht ’ (Varen) ist die Deutung unklar. Die Belege Määlgitetz, resp. Mälgitetz ‘ die (Fels-)Blöcke mit Mehlbeersträuchern ’ (Hohtenn, Steg) beziehen sich auf dort wachsende Pflanzen (vermutlich S ORBUS ARIA , vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 280). Als Bestimmungswort kommt das HL vor in Tätzmattä ‘ die Wiese mit Felsblöcken ’ (Leukerbad, so auch bei R. G RICHTING 1993, Blatt 3, Nr. 5), ts Totzloch ‘ das Loch beim (Fels-)block ’ (Hohtenn) und Tottzwasserleyta ‘ die Wasserleitung vom / zum Totz ’ (1399, Simplon). Töuff Töuff f. ist belegt als di Töuffflüo ‘ die Tauf-Fluh ’ (Eggerberg) mit der Beschreibung, dass hier eine Frau im Versteck vor den Franzosen geboren habe und dass das Kind mit Wasser aus einer <gilla> (Pfütze) getauft wurde. Weiter ist zum Töüffbrunno ‘ zum Taufbrunnen / zur Taufquelle (wohl metaphorisch verstanden) ’ (Törbel) belegt; nach der Beschreibung sei hier eine Quelle gewesen, die inzwischen versiegt sei. In Törbel ist weiter 1743 hinder dem Thaúffbrúnnen Stadell ‘ hinter dem Stadel beim Gebiet Taufbrunnen / Taufquelle ’ belegt. Zwar befindet sich auf der Karte ein Gebäude, es ist aber unklar, ob es sich um diesen Stadel handelt. Das HL ist zu schwdt. Tauff, resp.Tauffi ‘ Taufe ’ (I D . 12, 550 ff. und 577 ff.) und wdt. Töüf, Töiff (Mattertal), Toiff (Lötschtal), Töüff ‘ Taufe ’ (G RICHTING 1998, 196) zu stellen. 361 362 Töuff <?page no="1000"?> Töüg Töüg, hdt. auch Taug ist nur als Bestimmungswort belegt. Es erscheint als der Töügwald (Grächen, Saas- Balen, Visperterminen, LT Töigwald) und zum Töügwald (Zermatt, FLNK zem Töügwald, LT und SK Taugwald), sowie nur in Zermatt 1692 zim Obren Taugwald ‘ beim oberen Taugwald ’ . Als FaN ist Taugwalder vor allem für Zermatt belegt (AWWB 255). Das mehrfache Vorkommen des Waldnamens deutet darauf hin, dass das Bestimmungswort bekannt war. Dennoch herrscht in der Forschung Unklarheit. Z INSLI und I D . stellen den Namen zu Topwald, Toupwald, Touwald (Z INSLI 1960, 144 ff.; I D . 15, 1492), H UBSCHMIED leitet ihn von keltisch *dubo ‘ schwarz ’ ab (H UBSCHMIED 1938, 51). M URET sieht zwischen dem Namen Taugwald und den Westschweizer Douves- Namen Parallelen, er vermutet, dass der Name erst mit den alemannischen Einwanderern ins Wallis gekommen sei (M URET 1924, 444). Problematisch ist in allen Fällen, dass das HL T ÖÜG an das folgende Wald assimiliert worden sein müsste (/ g/ -> / p/ ). Das ist jedoch nicht der Fall; es gibt keinen Beleg in der Datenbank, der Z INSLI und I D . entsprechen würde. Umgekehrt könnte das HL T ÖÜG aus einem früheren T OUP oder ähnlich de-assimiliert worden sein. Aber auch hierfür liegt kein Beleg vor; Daube in Leukerbad ist u. E. ein fprv. Lehnwort zu douve (G PSR 5, 911 ss.). Die Verbreitung des HL im Oberwallis (Grächen, Saas-Balen, Visperterminen, Zermatt) legt als Gegend das Vispertal nahe, das u. U. romanisch sein könnte. Übernommen wird aber hier die Deutung von Z INSLI ‘ dunkel, düster ’ . Insgesamt ist die Deutung des HL sehr unklar, da auch die HLL T OIB und T UPP eine Rolle spielen können. Töur Töur ist nur in ts Töur (Grengiols), der Töurschleif (Grengiols) und ts Töüri (Mühlebach; FLNK Teuri) belegt. Die Fluren in Grengiols (1379 m) mit dem höher beginnenden Schleif und in Mühlebach (am Rotten auf 1162 m) sind nicht identisch. Ein historischer Beleg von 1857 für Grengiols hat Thau ᵕ er. Lautlich geht das HL auf Tour mit anschliessender Palatalisierung zurück. Das Genus Neutrum kennzeichnet wohl ein Kollektiv. I D . (16, 46) kennt Täuer als älteres Wort für Tag-waner ‘ wer im Taglohn arbeitet ’ für den Kanton Basel-Land, was aus geographischen und lautlichen Gründen nicht in Frage kommt. Insgesamt bleibt die Deutung unklar. Towe Towe ist nur einmal als Towe (Varen) belegt; diesem lebenden Namen sind die historischen Belege eys Thouez (1347), jm Thové (1668) und in Thoue (1680) zugeordnet. Alle andern Belege sind nur historisch. 1328 ist in Ergisch ol Tovex belegt. 1338 erscheint in Leuk eys Tovex, 1472 deys Towes und 1544 ad mares de Tover. In Albinen findet man 1683 im Toue. Schliesslich hat Erschmatt 1736 im Taúw. Diese letzteren Fälle scheinen von dt. Tauw (I D . 13, 2214 ff.) beeinflusst zu sein. Nach M EYER (1914, 172) liegt dem historischen T OVEX ein germ. TOP - ELLU zu Grunde; doch ist diese Annahme unklar. B OSSARD / C HAVAN (2006, 66) stellen Tovet zusammen mit anderen Namen zu lat. T Ō FUS ‘ Tuffstein ’ (FEW 13, 2, 1 f.). Interessanterweise hat der Beleg von 1472 in Leuk eine unsichere Lesart Tuffaetsch ‘ das Gebiet mit Tuff ’ , sodass die Deutung von B OSSARD / C HAVAN (2006, 66) zutreffen dürfte. Träbu Träbu n. ist zunächst nur als in ts Träbu (Hohtenn; FLNK Träbu) belegt. Da es in Hohtenn keine l-Vokalisierung gibt, ist eine Endung auf -u gemeint. Die Flur befindet sich auf ca. 860 m Höhe und besteht aus Wiesen, Scheunen und Ställen in steilem, trockenem Gebiet. Am ehesten liegt hier ein kollektives Träbu vor, das dem schwdt. Trab II ‘ Fußspur ’ , ‘ schmaler Pfad im Schnee ’ (I D . 14, 52) zu entsprechen scheint, wobei die Anm. zum entsprechenden Artikel deutlich macht, dass auch anderes gemeint sein kann; vgl. auch wdt. Traba, Trabu ‘ Spur (Schnee o. Wiese) ’ (G RICHTING 1998, 196), wobei der Umlaut auf eine Ableitung hindeutet, vgl. Ge- oder Gi- Träbel ‘ Getrappel, Gestampf; eine Menge von Fußspuren ’ (I D . 14, 53). LUNB (1, 2, 1088 s. v. Träbel) stellt den Hofnamen zu Träbili (I D . 14, 54 f.) und sieht darin eine “ vorwiegend weibliche Person, die durch eine entsprechende Gangart auffällt ” . In unserem Kontext ist wohl einfach eine Flur gemeint, die man durch gleichmässiges Steigen erreicht: ‘ der Ort, zu dem man steigt ’ . Diese Deutung dürfte auch dem Treberwäg ‘ der Weg, auf dem man steigt ’ (FLNK, Eischoll) zu Grunde liegen, einem steilen Weg vom Rottengrund nach Eischoll. In Zeneggen ist ebenfalls ein Treberweg (1719) belegt, wo es heisst, dass oberhalb der Gemeinde ein solcher Weg durchführe. Das bei E GLI (1982, 221, 363 u. passim) belegte Treber ‘ Brei aus zerstossenen Trauben ’ kommt kaum in Frage, wenn die Deutung von ‘ superius Communem ’ als ‘ oberhalb der Gemeinde ’ in Zeneggen stimmt, das nur Reben im Vispertal sein eigen nannte. Trächa Trächa f. ‘ Feuerstelle ’ ist zu schwdt. Träche n m. / f., Trächo m., Trächa und Trächu f. ‘ offene Feuerstelle mit oder ohne Kamin, Herdplatte ’ auch ‘ offene Feuerstelle des Schafhirten ’ und wdt. Trächa, Trächä (Goms), Trächu ‘ Feuerstelle (im Haus, offen) ’ zu stellen. Die Trächa f. wurde zum Kochen und zum Käsen genutzt (I D . 14, 245 f. Töüg 363 364 <?page no="1001"?> FlN bes. 246; R ÜBEL 1950, 108; V. S CHMID 2003, 205; G RICHTING 1998, 196). Das HL ist nur belegt in zer Altu Trächu ‘ bei der alten Feuerstelle ’ (Täsch); laut Gwp. eine “ Feuerstelle zum Abkochen ” . Tracuit Tracuit ist der Name eines Alpgebietes im Val d'Anniviers. Der Traguipass ‘ der Tracuitpass / Col de Tracuit ’ und die Traguihitta ‘ Cabane de Tracuit ’ (beide Turtmann) befinden sich am Turtmanngletscher. J ACCARD (1906, 469) stellt es zu tra ‘ trans, jenseits ’ und coui ‘ barrière ’ , also ‘ jenseits des Hindernisses ’ . G UEX ( 2 1976, 233) folgt dieser Annahme nur teilweise, er schlägt coui ‘ abri ’ und coué ‘ terrain exposé au vent ’ vor, aber ohne sich zu entscheiden. M EYER (1914, 103, 172) setzt lat. TRANSCOCTU ohne weitere Erklärung an. G YR (1994, 992) verzeichnet zwei Tracui und ein Tracuit für das Val d'Anniviers, aber ohne Erklärung. Eine eigene Deutung haben wir nicht. Träger Träger m. ‘ Träger ’ ist nur einmal belegt in der Hosunträger ‘ der Hosenträger (metaphorish für ein Stücke Wiese) ’ (Mund). Hosenträger m. wird übertragen für ‘ schmales, längliches Grundstück ’ (I D . 14, 577) gebraucht. G RICHTING (1998, 109) kennt das Wort nur für das Lötschtal (Hosuntraagär) und einen Teil des unteren Oberwallis (Hosuträägär). Mund gehört nicht hieher, braucht also Hosunträger metaphorisch. Trämel Trämel ist zu schwdt. Trämel m. ‘ gefällter und entasteter, dicker Baumstamm ’ , ahd. tremil, dremil, mhd. trëmel (I D . 14, 990) zu stellen. In FlN zur Bezeichnung von Stellen, wo Holz heruntergerollt wird. Es kommt als Simplex Trämel (Naters) und in Tremelschleif (Visp) vor. Gleichbedeutend ist Trimmil (cf. HL T RIMMIL mit Verweis auf T RÜMEL ) zu schwdt. Trümel ‘ Holzstamm ’ (I D . 14, 1029). Beide sind zu wdt. Tremml, Tremmäl (Goms), Tremmul (Mattertal), Tremmel (Saastal), Trummil (Schattenberge), Trimml (Lötschental), Trimmil (Leuk), Tremmil ‘ Holzstück ’ (G RICHTING 1998, 197) zu stellen. In Hohtenn bildet sich ein Namennest mit di Trimmje ‘ das Gebiet mit Holzstämmen ’ , t Foodru und t Indru Trimmje, sowie dem Kompositum ts Trimmileggi ‘ die kleine Ecke bei den Trimmje (Holzstämme) ’ . In Steg ist di Trimmja ‘ die Holzstämme ’ belegt, wohl identisch mit di Trimmje (Hohtenn). Auch zu diesem HL zu stellen ist das Bestimmungswort in der Trümmelgraben ‘ der Graben, durch den Trümmel (Holzstämme) heruntergerollt wurden ’ (1530, Visp). Tramm Tramm ist als ts Tramm (Varen) belegt. Laut Beschreibung handelt es sich um eine ebene Weide der Varneralp auf ca. 2200 m. Es gehört zur Gemeinde Mollens. Von der Lage her ist ein romanischer Name zu erwarten. Ein Neutrum ist allerdings romanisch ausgeschlossen, sodass eine hybride Bildung anzunehmen ist. Die nächstliegende Deutung stellt sich zu FEW (13, 2, 245 ff. tr ĕ m ŭ lus zittern; espe) und zu Tremble etc. ‘ peuplier tremble [Zitterpappel] ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 173), aber beide nur, wenn das auslautende / mbl/ zu / mm/ vereinfacht würde. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Ort oberhalb der Baumgrenze befindet. Die Deutung ist deswegen unsicher. Tranner Tranner ‘ Rebbergterrasse ’ ist nur zweimal belegt: jm Wiligen Trander ‘ im Trander der Familie Willa ’ (1772, Leuk) und des sogenannten langen Tranners (1848, Ergisch). Die Form Trander erklärt sich aus einer hyperkorrekten Ersetzung von / nn/ durch / nd/ . E GLI (1982, 71) kennt das Wort, weiss aber nicht, woher es stammt. Trappu Trappu m. ist in Albinen 1794 als unter dem Trappenweg ‘ unter dem Weg mit Tritten ’ und der Trappuwäg ‘ der Weg mit Tritten (Treppenstufen) ’ (Leuk, auch FLNK; 1: 10000 Trappenweg) belegt; es handelt sich um einen Weg von Guttet nach Albinen, zu dem beide Belege gehören. Zu stellen ist das HL zu schwdt. Trappe n m., in Agarn auch Trappun m., ‘ einzelne Stufe, Tritt ’ auch ‘ Weg, Steig ’ , mhd. trappe, treppe (I D . 14, 1240 f.; SDS 3, 188). G RICHTING (1998, 196) stellt mit Träppa, Träppä (Goms), Träppa (Zermatt), Trappu (Schattenberge), Trappilti ‘ Treppe ’ die beiden Wörter Treppe f. und Trappen m. als gleichbedeutend nebeneinander, obwohl seine Belege feminin sind, während I D . ein maskulines Nomen aufweist, das in den Belegen mit Genus in Albinen deutlich ist. Trasse Trasse n. ‘ Weg, Wasserleitung ’ ist zu wdt. Trasse n. zu stellen, das auf ‘ Trasse f., geplante Strecken- und Strassenführung, Bahnkörper ’ , entlehnt aus frz. tracé m., zum Verb tracer ‘ die Richtung anzeichnen, vorzeichnen ’ (K LU- GE / S EEBOLD 25 2002, 526) zurückgeht. Das hdt. Wort hat feminines Genus; neutrales Genus ist aber durchgehend für die Schweiz bezeugt (A MMON ET AL . 2016, 750). Belegt ist das HL als ts Trasse ‘ Wasserleitung der Lonza aus dem Nanztal, Holztransportweg ’ (Stalden), ts Trasse ‘ Bahnlinie der Lonza während des Stollenbaus ’ (Staldenried), Trasse ‘ Weg? ’ (Visperterminen) und ufum 365 366 Trasse <?page no="1002"?> Trasse ‘ Schutthaufen der BLS (Bern-Lötschber-Simplon Bahn) ’ (Raron). Ein Diminutiv zeigt ts Trassett ‘ Hangrohrleitung der Lonza, Weg ’ (Visperterminen), wozu wohl auch FLNK Trasse (Visperterminen) gehört, und im Breitu Trassett ‘ im breiten kleinen Weg ’ (Eggerberg). In Raron ist auch ts Alt Trasse ‘ der alte Weg (ins Bietschtal) ’ belegt. Travers Travers ist nur in der Traverswäg ‘ der quer verlaufende Weg ’ (Gampel) belegt. Der erste Teil des Flurnamens ist entlehnt aus frz. travers m. ‘ Quere f. ’ , lat. TRAVERSUS ‘ quer liegend, schräg ’ (FEW 13, 2, 222 ff. s. v. transv ĕ rsus quer). Das / v/ in der Transkription ist wohl als / w/ zu lesen. Laut Beschreibung wurden hier Bahnschwellen (für die BLS) mit dem Schlitten herausgeführt. Traxel (FaN) Traxel (FaN), resp. Traxler ist als in der Traxleren (1758) in Simplon belegt; die ältesten Belege haben 1390 an der Draxlaron, danach folgt erst 1679 in den Tragsleren. A RNOLD (1947, 256) betrachtet die Erwähnung als FaN, meint aber wahrscheinlich, dass der Siedlungsname Traxlera vom FaN Traxler abgeleitet wurde. NWWB (2, 225) kennt den FaN Trachsler, datiert ihn aber erst ab 1923 in Simplon. I D . (14, 286) kennt Drâchsler ‘ Drechsler ’ nur in Namen. Ob in der Traxleren als Siedlungsname zu einem FaN zu deuten ist, bleibt deswegen sehr unsicher. Ein zweiter Beleg bÿm Tragselbach (1653, Ulrichen), auch Traxelbach (1774), kann den Bach einer Familie Trachsel, aber auch den Bach meinen, der gedreht (gedrechselt) aussieht. K RISTOL et al. (2005, 879) sind beim Gemeindenamen Trachselwald (BE) nicht sicher, ob eine Berufsbezeichnung “ Drechsler ” oder ein FaN vorliegt. Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1856 f. und 1858) kennt die Formen Trachsel, Trachsler, Trächsler, Trächslin und Traxler, von denen nur eine (Trachsler) 1958 für Simplon aus dem Thurgau belegt ist. Das Register der HRBS kennt den FaN als Trachsler. Es dürfte deswegen klar sein, dass der FaN Trachsler (in dieser Form oder ähnlich) im Wallis bekannt war. Treeli Treeli f. ist als Abstraktbildung zum schwdt. Verb trööle, im Wallis bzw. tr ē le, tr ē lu ‘ etwas drehend bewegen, rollen, wegrollen ’ und wdt. treele, treelä (Goms), treeln (Lötschtal), treelu ‘ wälzen, rollen ’ (I D . 14, 905 ff.; G RICH- TING 1998, 197) zu stellen. Tröli bzw. Treeli f. bezeichnet in Guggisberg (BE) ‘ eine Stelle im Privatwald, die sich zu unschädlicher Herunterschaffung zersägten Rundholzes besonders eignet ’ (I D . 14, 930). Diese Deutung gilt auch für di Treli ‘ Waldschneise, durch die man Holz hinunter rollte ’ (Saas-Balen). Unklar ist in Obergesteln Treelisch Weng (FLNK): hier können die ‘ Grasabhänge bei der Treeli ’ (Holzschleif) oder ‘ die Grasabhänge des Treeli ’ gemeint sein. Ein FaN Treeli oder ähnlich ist jedoch nicht belegt; es könnte sich höchstens um einen Bei- oder Übernamen handeln. di Treelgräbu (Termen) und der Treelgrabo (Ried-Brig) benennen das gleiche Gebiet; es sind Gräben, die sich von der Chläna hinunterziehen. Hier ist an herunterrollende Steine und Erdrutsche, im Winter an Lawinen zu denken. Generell ist Troole (cf. HL T ROOLE ) zu vergleichen. Treesa (PN) Treesa (PN), auch Treesi ist zum PN Ther ē se (I D . 13, 1026) zu stellen. Das HL ist mehrfach belegt: än der Treesu Wang und dr Treesu Wang ‘ der Grasabhang der Therese ’ (beide Ferden), di Treesihalte ‘ die Halden der Therese ’ (Simplon) und dr Treesawisischleif ‘ der Holzschleif des Alois, des Sohnes der Theresa ’ (Steg). J ORDAN (2006, 128) verzeichnet für Simplon Treesjuhaaltä und Treesjubodu, wobei er den zumidest den ersten auf den PN Therese zurückführt. Treich Treich ‘ tränken ’ ist das Ergebnis des Staubschen Gesetzes vor Velarkonsonant für das schwdt. Verb tränke n wie nhd. ‘ tränken ’ , ahd. und mhd. trenken, wdt. treiche, treichä (Goms), treichn (Lötschental), treichu ‘ tränken (Vieh) ’ (I D . 14, 1140 ff., bes. 1143; G RICHTING 1998, 197; SDS 2, 101 f. für die Formen). Treich kommt als einfacher Name nicht vor. Es erscheint nur als Bestimmungswort Treich, in historischen Belegen auch Drenk, Trench, Trenck und Trengk, vor allem in den Typen Treichwäg ‘ der Weg zur Tränke ’ (elf Belege) und Treichbode ‘ der Boden, wo das Vieh getränkt wird / wurde ’ (acht Belege). Weiter Grundwörter sind Acher, Gassa, Grabu, Schleif, Schluocht und Twära. Komplexere Konstruktionen sind der Ober und der Unner Treichbode (Oberwald, Reckingen), ts Gstaljitreichwägi ‘ der kleine Weg zur Tränke vom Gstalji (kleiner Stalden) her ’ (Goppisberg), t Treichbodetagweid ‘ die Tagweide überhalb des Treichbode (Boden, wo das Vieh getränkt wird) ’ (Geschinen), den Gemeinen Treich Weg ‘ den Weg zur Tränke, der der Gemeinde gehört ’ (1733, Raron), den Gmeinen Treichweg ‘ den Weg zur Tränke, der der Gemeinde gehört ’ (1761, Oberems) und andere. Häufiger ist dagegen das Nomen Treichi ‘ Tränke ’ , in historischen Belegen auch als Trenchin, Trenchy, Trenke, Trenki, das zu schwdt. Tränki f. ‘ Tränke, Ort, an welchem das Vieh getränkt wurde ’ , mhd. trenke, ahd. trenka, wdt. Travers 367 368 <?page no="1003"?> Treichi ‘ Tränke ’ (I D . 14, 1153 bes. 1155 f.; G RICHTING 1998, 196) zu stellen ist. Das Simplex Treichi ist sieben Mal belegt, die historischen Formen kommen vier Mal vor. Attributive Adjektive zum HL sind t Ober Treichi ‘ die obere Tränke ’ (Lax), in der Vndren Treyche ‘ in der unteren Tränke ’ (1663, Fiesch) und t Unner Treichi ‘ die untere Tränke ’ (Lax). Vorangestellte Genitive findet man in bi Walkeru Treichi ‘ bei der Tränke der Familie Walker ’ (Bitsch) und - wenn auch unsicher - in zer Mannstreichi ‘ bei der Tränke des Manz (PN) / des Mannes ’ (Kippel). Als Grundwort verbindet sich Treichi in zweigliedrigen Komposita mit den Namen naheliegender Fluren wie t Antschinutreichi ‘ die Tränke bei der Antschina ’ (Wiler) und t Imitreichi ‘ die Tränke im Bereich Imine ’ (Hohtenn). In t Oggsutreichi ‘ die Tränke für die Ochsen ’ (Ried-Mörel) werden die Tiere, die dort getränkt werden, erwähnt. Weitere Belege sind mehrgliedrig: t Alt Hotentreichi ‘ die alte Tränke der Leute von Hohtenn (Weiler von Visperterminen) ’ (Visperterminen), t Alti Chalbertreichi ‘ die alte Tränke für die Kälber ’ (Gampel), di Bärufalluntreichi ‘ die Tränke bei den Bärufalle (Falle für die Bären) ’ (Ferden) und t Fischbieltreichi ‘ die Tränke beim Fischbiäl (Hügel in Fischform? ) ’ (Wiler). Als Bestimmungswort kommt Treichi zusammen mit Grabu und Loch vor. Eine - ÄR -Ableitung ist bei J ORDAN (2006, 542) für Treichärbodi (Simplon und Zwischbergen) und Treichärbrunnu (Zwischbergen) vertreten; das von I D . (14, 1152) vertretene Nomen agentis ist wohl hier nicht richtig; gemeint sind Boden und Brunnen, wo das Vieh zur Treiche gebracht wurde. Die Ableitung auf - ER kann eine männliche Stellenbezeichnung von Verben sein (S ONDER- EGGER 1958, 548 ff.). Unklar ist Treynhilbach (1401, Ried-Brig). Nach Z IM- MERMANN (1968, 124) lässt sich das Staubsche Gesetz erst im 17. Jahrhundert nachweisen; er hat als Erstbeleg 1677 Trainchachren. Treynhil enthält ebenfalls ein / n/ , das Zeichen {h} kann als velarer Reibelaut gelesen werden; wir hätten dann eine Vorstufe zum Staubschen Gesetz vor uns. Eine - EL -Ableitung ist nur für Trinkel ‘ Viehglocke ’ (I D . 14, 1183 ff.) belegt, doch ist die Etymologie laut I D . (14, 1187 f.) unklar. G RICHTING (1998, 198) kennt das Wort als Triichla mit Varianten als ‘ Kuhglocke ’ . Beim sog. Trinkelstierkrieg (1550) im Wallis trugen die Aufständischen Trinkeln mit sich. Eine sinnvolle Motivation ist jedoch nicht zu finden. Am ehesten dürfte deswegen eine sonst nicht belegte - EL -Ableitung zu Tränke gemeint sein. Lautlich richtet sie sich wohl nach den Verhältnissen bei R ÜBEL (1950, 7), der dort Maskulina auf -il/ -ol behandelt. Das Genus von Treynhilist allerdings nicht erkennbar. Treiff Treiff ist zu schwdt. Trauff ‘ Dachtraufe, herabrinnendes Regenwasser ‘ (I D . 14, 385 f.), wdt. Tröüffa, Troif, Troipf, Tröüf ‘ Dachtraufe ’ (G RICHTING 1998, 198) zu stellen. Die Entrundung (öü > ei) betrifft das starke Verb, resp. von ihm abgeleitete Formen. Das Lemma kommt nur vor in Treifflüe ‘ Fluh mit tropfendem Wasser ’ (Randa, FLNK) und den dazu gehörenden t Ober Treipflüe und t Unner Treipflüe (Randa). Dazu kommt ein Partizip Präsens di Treiffundu Wasser ‘ die herabrinnenden Wasser (Bach) ’ (Täsch), das zum Verb trauffe n ‘ triefen ’ (I D . 14, 357) gehört. Unsicher ist das Partizip t Triefetstelli ‘ die triefende Stelle (wo die Schafe gestellt werden) ’ (Fieschertal); vermutlich ist hier ein Ort gemeint, wo Wasser heruntertropft. Treije Treije m. ‘ Viehweg ’ ist zu schwdt. Treije n bzw. Treie n , Treija f., Treijo m. ‘ Fussweg im Gebirge, Viehweglein, Pfad, Holzschleife ’ und wdt. Treiju, Treija (Mattertal), Treijin (Lötschental) ‘ Pfad (kleiner), Viehweg ’ zu stellen (I D . 14, 714 ff. bes. 716 f.; REW 8934; Z INSLI 1984, 587; G RICHTING 1998, 197). Das HL ist vorrömisch und hier nach dem Singular im Goms angesetzt. Sofern aus dem Kontext nichts anderes erhellt, wird ‘ Viehweg ’ gedeutet. Der Name kommt in etwas über 100 Flurnamen vor. In den historischen Belegen tritt gelegentlich eine hyperkorrekte Rundung zu / öi/ auf, manchmal begleitet von einem {g}, das keinen lautlichen Wert hat, z. B. Troeygen (1308, Saastal). Beim Simplex lassen sich Singular und Plural nicht immer klar unterscheiden. Sicher Singular ist der Treie ‘ der Viehweg ’ (Niederwald), der Trei(j)o ‘ der Viehweg ’ (Naters), der Treio ‘ der Viehweg ’ (Visperterminen), der Treiu ‘ der Viehweg ’ (St. Niklaus), (am) Troeyen ‘ (am) Viehweg ’ (1301 u. später, Törbel; 1401, Ried-Brig), dem Troýen (1415, Mund) und andere; etwas seltsam ist Zentrejgen (1599, Bürchen), wo auch der FaN Zentriegen (AWWB 299) gemeint sein kann, der für Bürchen belegt ist. 1690/ 1700 (ca.) und 1698 wird aber am/ den Treÿen geschrieben, was sich kaum auf den FaN zurückführen lässt. Unklar ist Treie (FLNK, Oberwald), das einen Weg in der Rottenebene entlang des Flusses meint - hier ist wohl ein Singular anzunehmen. Sicher Plural ist t Treie ‘ die Viehwege ’ (Fieschertal), di Treien ‘ die Viehwege ’ (Kippel), an den Treÿen ‘ an den Viehwegen ’ (1525 u. später, Grächen; 1736, Naters), in den Treÿen ‘ in den Viehwegen ’ (1688, Blatten) und andere. Manchmal wechseln Singular und Plural, so etwa in im Treyen (1681, Blitzingen) und in den Treyen (1681, Blitzingen). Attributive Adjektive zum HL sind etwa an den Alten Treyen ‘ an den alten Viehweg ’ (1740, Eischoll), an den 369 370 Treije <?page no="1004"?> Gmeinen Treÿen ‘ an den Weg, der der Gemeinde gehört ’ (1774, Embd) (und weitere für Bürchen, Eischoll, Grächen, Raron, Staldenried, Zeneggen, teilweise mit communem ‘ gemein ’ ), der Hinnerscht, Mittlescht, Oberscht, Unnerscht und Voderscht Treie ‘ der hinterste, mittlere, oberste, unterste und vorderste Viehweg ’ (Oberwald) (mit weiteren Gemeinden), im Holen Treÿen ‘ im hohlen Vieweg ’ (1759, Naters; 1687 steht der Höll Dreÿen, wo auch das HL H ELL (H ÖLL ) gemeint sein kann, häufig für eine steile Wiese), der Hotreio ‘ der hohe Viehweg ’ (Stalden), t Lägundu Treie ‘ die ebenen Viehwege ’ (Naters), der Leng Treie ‘ der lange Viehweg ’ (Obergesteln), ob dem Nüwen Treyen ‘ oberhalb des neuen Viehweges ’ (1681, Blitzingen), den Nüwen Treÿen ‘ den neuen Viehweg ’ (1553, Grächen), der Ober und der Unner Treie ‘ der obere und der untere Viehweg ’ (Geschinen und weitere), der Rot Treio ‘ der rote Viehweg ’ (Visperterminen, nach der Erdfarbe), t Stotzundu Treie ‘ die steilen Viehwege ’ (Naters), t Teiffe Treie ‘ die tiefen Viehwege ’ (Ernen) und der Wiiss Treiu ‘ der weisse Viehweg ’ (Oberems; Farbe des Gesteins). Vorangestellte Genitive sind selten: ob Knechts Treien ‘ oberhalb des Viehweges der Familie Knecht ’ (1697, Eischoll) und Scha e tzigo Treÿun ‘ der Viehweg der Familie Schätzig / der Leute vom Schatz ’ (1584 u. später, Eisten). Ungewöhnlich ist ein nachgestellter Genitiv Plural in an den Treÿen Niv Gedmero ‘ der Viehweg der Leute von den neuen Gaden ’ (1540, Embd). Komplexer ist Lochmattero Vüchtreyen ‘ der Viehweg der Familie Lochmatter ’ (1758, Visperterminen). Als Grundwort verbindet sich das HL zunächst mit Tiernamen: di Geisstreia ‘ die Ziegenwege ’ (Erschmatt), weiter di Geistreie (Visp), Geisstreijo (FLNK, Bürchen), der Geissuntreio (Visperterminen), Geisstreielti (FLNK, Oberwald), der Kü Troyo ‘ der Kuhweg ’ (1464, Ulrichen) und die Rinder Threúen ‘ die Rinderwege ’ (1796, Ergisch). Komplexer sind t Hinner und t Voder Schaaftreie ‘ die hinteren und die vorderen Schafwege ’ (Reckingen, je zweimal) und das schon erwähnte Lochmattero Vüchtreyen ‘ der Viehweg der Familie Lochmatter ’ (1785, Visperterminen). Unklar ist Myktroyen (1304 u. später, Visperterminen), wo ein HL M UCH ohne sichere Deutung vorliegt; eventuell ist damit der Laut einer Kuh gemeint. Dreimal ist eine Arve oder ein Arvenwald in der Aarbtreiu (Hohtenn), der Aarbtreija (Randa) und t Aarbtreie ‘ die Wege beim Arvenwald ’ (Törbel) erwähnt. Im weiteren Sinn lässt sich t Schintitreiu ‘ der Viehweg beim Gebiet Schinti ’ (Steg) hieherstellen, wenn bei Schinti (cf. HL S CHINT ) an das Schälen eines Baumstammes gedacht wird. In den übrigen Fällen ist wohl das Ziel des Weges oder eine nahegelegene Flur gemeint: Feldtreoyo ‘ der Feldweg ’ (1519, Törbel), ts Gschosstrei ‘ Viehwege im eingesenkten Boden (unklar? ) ’ (Selkingen), Raspille-Treyen ‘ der Viehweg zur Raspille ’ (1927, Salgesch), Reschtitreiu ‘ der Viehweg bei der Reschti (Raststelle) ’ (FLNK, Ergisch), Ritzutreiju ‘ der Viehweg in den Ritzen (begraster Bergabhang) ’ (FLNK, Hohtenn), der Schnätwigtreio ‘ der Schafweg bei der Gegend mit Einschnitten ’ (Visperterminen), Komplexer sind t Holzmeistreiä ‘ die Viehwege beim Holzmeiss (Holzschlag) ’ (Gampel), der Mitteleggitreiu ‘ der Viehweg bei der kleinen Ecke in der Mitte ’ (Steg), dr Scheenbiältreien ‘ der Schafweg im Bereich Scheenbiäl (schöner Hügel) ’ (Ferden), ts Seetaltreiji ‘ der kleine Weg ins Seetal ’ (Hohtenn) und Seetaltreiju ‘ der Weg ins Seetal ’ (FLNK, Hohtenn), wobei sich das Seetal im Gebiet von Niedergesteln befindet. Mit attributiven Adjektiven finden sich ts Mittluscht, ts Obruscht und ts Undruscht Galutreii ‘ der mittlere, der oberste und der unterste kleine Viehweg beim Galu (Grasrücken) ’ (Raron). Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Acher, Bord, Matta, Wäg und Wald. Komplexer sind än der Treimadeggu ‘ in der Ecke bei der Treimattu (Wiese mit Viehwegen) ’ und di Treimadweng ‘ die Grasabhänge bei der Treimattu (Wiese mit Viehwegen) ’ (beide Wiler). Treles Treles ist historisch zweimal in Leuk belegt: 1331 als en trelez und 1544 en treles rinines. Der erste Beleg hat en trelez et ruvynes, wobei letzteres nach M EYER (1914, 66 Fn. 5) auch zum dt. Lehnwort Rufene zu stellen wäre. Das deutet darauf hin, dass auch Treles als eine Art von Felssturz oder Abhang zu deuten ist. Am nächsten wäre hierzu lat. tr ā g ŭ la schleife (FEW 13, 2, 172) zu stellen; allerdings lässt sich die Bedeutung nicht festlegen. Der zweite Beleg enthält mit treles rinines wohl die gleiche Kombination von treles und ruvynes, das hier als rinines falsch gelesen wurde. Da verbindendes et fehlt, scheint es sich um eine Kombination zu handeln, die in etwa auch ‘ Abhang, Felssturz ’ meint. Trenchien Trenchien ist nur belegt in Varen 1721: vulgo Trenchien plan. Zuvor ist von cabulum plan ‘ der Schleif beim ebenen Gelände ’ die Rede, der im Volksmund auch Trenchien plan heisse. Das deutet auf ein vorangestelltes deutsches Lemma hin, nämlich Trenchi ‘ die Tränke ’ (cf. HL T REICH ). Trenchien plan ist dann ‘ das ebene Gelände mit einer Tränke ’ . Treles 371 372 <?page no="1005"?> Tres Tres kommt 1256 in Varen als retro cherner belegt. Da retro ‘ zurück, hinter ’ wohl lateinisch ist, ist hier nur cherner als frpr. Etymon wichtig. Allerdings ist es 1346 in Varen als tres cherner und 1352 am gleichen Ort als treys cherneyr belegt; seltsamerweise wurde es als Trey Cheer lemmatisiert. Einmal wird es als Wiese, das andere Mal als Weinberg bezeichnet. tres kann entweder zu lat. trans jenseits (FEW 13, 2, 197 ff.) oder zu lat. tr ē s drei (FEW 13, 2, 247 ff.) gestellt werden. Das lat. retro legt aber eher trans nahe, sodass ‘ zurück, hinter ’ zu verstehen wäre. Zu cherner cf. HL C HERNER . Tresch Tresch ist in di Treschachra ‘ die Äcker beim Ort, wo gedroschen wurde ’ (Erschmatt, auch FLNK) und 1544 in Embd als Treschagkker ‘ der Acker beim Ort, wo gedroschen wurde ’ belegt. Das HL ist zu schwdt. Dresch m. wie nhd. ‘ Ausschlagen des Getreides ’ und wdt. tresche, treschä (Goms), träschu (Leuker Berge), treschn (Lötschtal), treschu ‘ dreschen ’ (I D . 14, 1349 ff.; G RICHTING 1998, 197) zu stellen. Sowohl Nomen wie Verb können als Quelle in Frage kommen. Treschierner Treschierner ‘ jenseits des gerodeten Waldes ’ ist nur historisch in Varen belegt: 1346 als tres cherner (unsicher), im gleichen Jahr als treschierner und 1352 als treys cherneyr (cf. HL T RES ). Die Flur wird als Stück Land und Stück eines Weinbergs bezeichnet. Der Flurname besteht vermutlich aus zwei Bestandteilen. Der erste ist Tré, Trey, Tri ‘ jenseits (von) ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 98), das auf lat. TRANS ‘ jenseits ’ zurückgeführt wird (FEW 13, 2, 197 ff. s. v. trans jenseits). Der zweite ist zu Cerne etc. ‘ gerodeter Wald ’ (B OSSARD / C HAVAN 2006, 133 mit Verweis auf G PSR 3, 214 ss. s. v. cerne) zu stellen, hier wohl mit einer Ableitung auf - ATA (G PSR 3, 217 s. v. cernée und 4° Noms de lieux). Treyb Treyb f. ist einmal belegt als vnder der Treÿb (1594, Bitsch). URNB (3, 728 f.) führt das Wort auf schwdt. Treib m./ f./ n. ‘ das Treiben, insbesondere von Vieh auf eine Weide ’ (I D . 14, 60 ff.) zurück und sieht es als Ablaut zum schwdt. Verb trîbe n ‘ treiben ’ und dem wdt. triibe, triibä (Goms), triibn (Lötschtal), triibu ‘ werfen, treiben ’ (I D . 14, 65 ff.; G RICHTING 1998, 197). Eine abgelehnte Deutung ‘ Zufluchtshafen für Schiffe ’ (URNB 3, 129 nach B RUCKNER 1945, 146) kann für Bitsch auf keinen Fall zutreffen. Der Beleg in Bitsch bezeichnet vielmehr tria frusticula agri ‘ drei kleine Stücke Acker ’ an einem Ort, der vnder der Treÿb genannt wird. Vermutlich ist hier der Ort gemeint, wo das Vieh hingetrieben wurde. Maskulines Treib m. ‘ Weg, auf dem das Vieh getrieben wurde ’ oder einfach ‘ Weg ’ wurde jedoch ebenfalls gebraucht. So wird 1460 in Ried-Mörel zwar vna Treyb qui exÿt … ‘ ein Weg, der hinausführt …’ als Feminin, aber 1528 am gleichen Ort ein Treyb by der wyssen Flu ͦ ‘ ein Weg bei der weissen Fluh ’ als Maskulin verwendet. Auch in Bitsch ist 17? ? der Weg oder Treib belegt. Daraus ist zu schliessen, dass Treib f. oder m. einfach ‘ Weg, Viehweg ’ meint. di Triibgassa ‘ die Treibgasse ’ (Wiler) befindet sich auf rund 1980 m. Es geht um die Gasse, auf der das Vieh auf die Alp getrieben wurde. Triib ist zu schwdt. Trîb (I D . 14, 64) und dem schon erwähnten Verb trîbe n ‘ treiben ’ und wdt. triibe, triibä (Goms), triibn (Lötschtal), triibu ‘ werfen, treiben ’ (I D . 14, 65 ff.; G RICHTING 1998, 197) zu stellen. Treyer (FaN) Treyer (FaN) ist zum FaN Treyer (AWWB 263) zu stellen. Es ist zweimal im Genitiv belegt: ts Treiersch Hüs ‘ das Haus der Familie Treyer ’ (Grächen) und ob Treÿerro Hauss ‘ oberhalb des Hauses der Familie Treyer ’ (1767, Grengiols) im Genitiv Plural. Tricur Tricur ist 1494 in Salgesch als de trycout (? ) mit einer unsicheren Lesung und 1495 als en tricur belegt. In beiden Fällen sind die Angaben eine Spezifikation für ov chastelar, das lebendig als Tschachtela (Salgesch) (cf. HL C HASTELAR ) belegt ist. Zu vermuten ist, dass in beiden Formen tri als lat. trans ‘ jenseits ’ (FEW 13, 2, 197 ff.) und cour zu lat. cohortem ‘ Hof ’ (FEW 2, 849 ff.) steht. Der Flurname wäre dann als ‘ beim burgartigen Gelände jenseits des Hofes ’ (unsicher) zu verstehen. Trie Trie ist nur belegt in Triemattu (Visperterminen, FLNK und 1: 10000 Ziemattu). In der Beschreibung sagt Gwp., dass hier verschiedene <Züge> einmünden. Die Wiese befindet sich auf etwa 1580 m. Von dieser Beschreibung her ist Ziemattu wohl sinnvoller, wenn es zum Verb hdt. ziehen ‘ ziehen ’ , wdt. zie, ziä ‘ ziehen ’ (G R W B 31, 938 ff.; G RICHTING 1998, 246; W IPF 1910, 153) zu stellen ist. Der von M. S. notierte Beleg Triemattu wäre wohl zum Nomen Trüej ‘ Körperzunahme ’ oder dem schwdt. Verb trüe(i)je n ‘ zunehmen ’ resp. wdt. driäju (Leuker Berge) ‘ zunehmen ’ (I D . 14, 718; G RICHTING 1998, 60) zu stellen, was jedoch inhaltliche Probleme schafft. Das HL zu Treije n ‘ Viehweg ’ (I D . 15, 714 ff.) zu stellen, verbietet sich trotz RN (2, 509) einerseits lautlich, wdt. ist nur Treiju, Treija (Zermatt), Treijin (Lötschtal) belegt (G RICHTING 373 374 Trie <?page no="1006"?> 1998, 197), und anderseits inhaltlich, befindet sich die Wiese doch mitten im Wald. Triedu Triedu ‘ Weg, Durchgang ’ ist im westlichen Bezirk Leuk belegt. Der älteste Beleg in Varen von 1345 hat ol tryedro, 1347 oul triedo, 1454 ov triedoz. In Albinen heisst es 1683 semitae nominate triedo ‘ des Fussweges, der Triedo genannt wird ’ . Das nächstverwandte Lexem des Patois ist tridzo ‘ trace, vestige d'un passage ’ (B RIDEL 1866, 380); es ist laut FEW (13, 2, 133) zu * TREBARE ‘ wohnen ’ zu stellen, genauer zu afrz. triege “ chemin le plus court, passage ” . Die beiden Simplizia Triedu (Albinen, Varen) bezeichnen also wohl einen Weg, einen Durchgang. In Albinen ist weiter bÿm Triedo Weglin ‘ beim kleinen Weg beim Triedo (Weg, Durchgang) ’ (1683) belegt; ein Hinweis darauf, dass Triedo ‘ Weg ’ nicht mehr verstanden wurde. Triefe Cf. HL T REIFF zum Verb trauffe n ‘ triefen ’ (I D . 14, 357). Triegu Triegu ist nur in Bürchen als Zen Triegu belegt. G ATTLEN (2007, 75) leitet den Namen von Triegja ‘ keilförmig zugeschnittenes und mit zwei Öffnungen versehenes Holzstück ’ ab. Das schwdt. Trüegel ‘ Seilholz ’ (I D . 14, 667) weist jedoch Rundung auf, die im Oberwallis erst um 1500 auftritt. Die ältesten Belege (13. und 14. Jahrhundert) weisen alle / ie/ auf. Die frühere Annahme (AWWB 299, s. v. Zentriegen), wonach der Name auf Tröge zurückzuführen sei, weist G ATTLEN zu Recht zurück. I D . (14, 619) stellt es zum Nomen Trieg ‘ Betrüger ’ , wobei ein “ (hieher? ) ” anzeigt, dass die Bearbeiter sich nicht sicher sind. W IPF (1910, 153) gibt für den Infinitiv des Verbs bitreigu ‘ betrügen ’ und das Partizip bitrogu, was beides lautlich nicht zu / ie/ passt. Die Hypothesen können das HL insgesamt nicht befriedigend deuten; wir setzen deshalb in Ermangelung einer sicheren Deutung Triegen an. Der Beleg zen Hindren Triegen ‘ bei den hinteren Triegen ’ (1715) deutet darauf hin, dass der Ort Triegu heisst und der FaN Zentriegen davon abgeleitet ist. Als Bestimmunsgwort erscheint das HL mit Acher, Matta und Stadel. Der Beleg für den Stadel ist aber unklar: retro trigun stadele (1299, Bürchen). Ob ein ursprünglicher Diphthong / ie/ hier als / i/ geschrieben wurde, ist nicht klar. Triel Triel m., selten n., ist zu schwdt. Trüel m./ n. ‘ Kelter, Trauben-, Obstpresse, meist mit zugehörigem Raum ’ (I D . 14, 960 ff.; E GLI 1982, 235) zu stellen. Der Gegenstand selbst ist heute weitgehend verschwunden; bei E GLI (1982, 442, Abb. 65, 65a, 443, Abb. 66) sind zwei Typen abgebildet. Das HL kommt in rund 25 Flurnamen vor; als Deutung steht ‘ Traubenpresse ’ , obwohl auch andere Früchte gepresst wurden. Als Simplex findet sich lebend der Triel ‘ die Traubenpresse ’ (Brigerbad (heute Dorfteil)), ts Triel ‘ der / beim Triel (Traubenpresse) ’ (Bürchen, wohl metaphorisch: Flur, die einem Triel gleicht), zum Driel ‘ beim Triel (Traubenpresse; heute nicht mehr vorhanden) ’ (Raron); dazu kommen als historische Belege Driell (1661, Unterbäch), bei dem Driell (1767, Hohtenn), beÿ dem Driell (1659, Niedergesteln), (lat.: ) apud Truele ‘ bei dem Triel (Traubenpresse) ’ (1304, Eischoll), unter dem Triel (1775, Ausserberg), unter dem Trihl ‘ unter dem Triel (Traubenpresse) ’ (1809, Steg; verhochdeutschte Form). Mit einem attributiven Adjektiv finden sich: beÿ dem Alten Driel ‘ beim alten Triel (Traubenpresse) (1775, Raron) und (lat.: ) prope dem Grossen Dräill ‘ beim grossen Triel (Traubenpresse) ’ (1597, Visperterminen). In den meisten anderen Fällen erscheint das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Gartu und Matta. Komplexer sind Drielmatturäbe ‘ die Reben bei der Drielmattu (Wiese bei der Traubenpresse) ’ (FLNK, Hohtenn), die Drielackerstuden ‘ die Stauden bei den Trieläckern (Äcker bei der Traubenpresse) ’ (1654, Eyholz) und die Vnder Drüellmatta ‘ die untere Wiese beim Triel (Traubenpresse) ’ (1599, Baltschieder). Trifft Trifft f. ist zu schwdt. Trift f. ‘ Hütte für Bergheu(er), Weide-, Wiesenland, als Weide besonders Schafweide ’ zu stellen. In Flurnamen meist Alpweiden (I D . 14, 403 ff.; G R W B 22, 494 ff.), wohl Ableitung zu tr ī ben ‘ treiben ’ . Das Lemma scheint nach I D . in Flurnamen auf Berner Oberland, Oberwallis und Südwalser (Z INSLI 1984, 159 für Pomatt) beschränkt zu sein. Das Simplex Trift, auch Trifft ist mehrfach belegt, der Plural Trifte einmal (Grengiols). Als Diminutive erscheinen mehrfach Trifftje und Trifftji in Zermatt und einmal Triffelti (Mund). Adjektivische Attributbildungen sind im Beesche Trifft (Zermatt, auch Bösentrift auf LK), Chlei Trifftje (Zermatt), Engun Trift (1437, Baltschieder), t Holu Trift (Plural, Simplon), Nidru Trift (Zermatt), t Unner Trift (Saas-Fee). Adjektivisch aus älterem Genitiv ist t Beuwaudertrifft ‘ die Bellwalder Trift ’ (Bellwald). Als Grundwort wird Trift näher bestimmt als Geisstrift ‘ Alpweide für Ziegen ’ (St. Niklaus), weiter unterschieden als t Ober und t Unner Geisstrift. Triedu 375 376 <?page no="1007"?> Als Bestimmungswort ist Trift mit seinen Varianten vor allem in Zermatt, Saas-Fee und Saas-Grund mit mehreren Belegen vertreten, vereinzelt auch in anderen Gemeinden. Grundwörter sind: Alpa, Bach, Chrache, Chumma, Fad, Flüe, Gletscher, Grat, Hooru, Höupt, Joch, Limmi, Plateau, Sattel, Schlüecht, Stäg, Wald und Wang. Komplexere Bildungen mit drei und mehr Bestandteilen kommen vor, z. B. Grosser Triftgletscher (Saas- Grund), Holutrifftgletscher (Simplon), Geisstriftbächji (St. Niklaus), Triftbalmustollu (Törbel), Chlei Trifftjesattel (Zermatt) und Ober Triftlimmi (Oberwald). Triftel Triftel ist nur in Triftelhaupt (Zermatt, SK) belegt. Es befindet sich auf der Höhe von rund 2000 m. Auf der Karte 1: 10000 befindet sich ungefähr dort ein Vermessungspunkt bei Hubelweng; ausser SK wird der Flurname von keiner andern Karte genannt. Hingegen hat J ULEN ET AL . (1995) den Namen als ds Triftjuhöüd (Nr. 4 auf Fotografie B 1 (S. 59)). Dieser Flurname ist aber nur alternativ zu ds Höüd ‘ das Haupt ’ und an anderer Stelle zu lokalisieren als der Name von SK. Es scheint aber, als ob Höüd ‘ Haupt ’ in Zermatt für einen Felskopf oder eine Anhöhe verwendet wird. Triftel ist sonst in Zermatt nicht belegt, wohl aber mehrfach Trift (cf. HL T RIFT ). Das HL ist eine Ableitung von Trift auf - EL (S ONDEREGGER 1958, 513) in maskulinen Stellenbezeichnungen, also: der Felskopf, der sich beim Triftel befindet. Triich Triich ‘ das Trinken ’ kommt in der Triichbrune ‘ die Quelle / der Brunnen zum Trinken ’ (Zermatt) und di Triichtolini ‘ die kleinen Mulden zum Trinken ’ (Gampel) vor. Das HL ist zum Verb schwdt. trinke n wie nhd. trinken und wdt. triiche, triichä (Goms), triichn (Lötschtal), triichu ‘ trinken ’ (I D . 14, 1158 ff.; G RICHTING 1998, 198) zu stellen. Die Form mit -iichgeht auf das Staubsche Gesetz vor Velar (trinke -> triiche) zurück. Während der Beleg in Zermatt keine Probleme aufgibt, ist die Deutung ex negativo in Gampel seltsam: laut Gwp. heisst die Flur so, weil ein Mann namens Gruber Reben gepflanzt habe, die keinen Ertrag hatten. Triichel Triichel f. ist zu schwdt. Tri n chel f., im Wallis Trichle n bzw. -la, -ja, -lu ’ , ‘ Schelle, Glocke, die man dem Weidevieh um den Hals hängt, oder die von Männern in Umzügen getragen und geläutet werden ’ und wdt. Triichla, Triichlä (Goms), Triichla (Lötschental), Triichju ‘ Kuhglocke ’ (I D . 14, 1184 ff.; G RICHTING 1998, 198) zu stellen. Die Form des HL lässt sich auf die Wirkung des sog. Staubschen Gesetzes (Vokaldehnung bei n-Tilgung vor einem Frikativ, hier / x/ : Triichle < Trinkle) zurückführen. Die Tri(i)chel oder Tri(i)chle werden an einem Lederstück Triichilriemo befestigt, in FlN steht Triichilriemo im übertragenen Sinn für schmale Grundstücke (I D . 6, 911; URNB 2, 1115). Belegt ist das HL nur als Bestimmungswort: der Trichilbodo ‘ der Boden, der einer Kuhglocke gleicht ’ (Törbel) mit dem zugehörigen Triichilbodocheer ‘ der (Strassen-)Kehr beim Triichilbodo ’ (FLNK, Törbel), den Trÿnchillgrabenn ‘ der Graben, der einer Kuhglocke gleicht ’ (1587, Visp; Akkusativ ist konstruktionsbedingt), der Trihil(e)riemo ‘ das Stück Land, das dem Riemen an einer Kuhglocke gleicht ’ (Visperterminen) und das komplexe ts Geistricheletzmad ‘ die Mähwiese mit Viehfutter, die so gross ist wie eine Ziegenschelle ’ (Grengiols). Triine (PN) Triine (PN) f., auch Triina ist die Kurzform der weiblichen Personnamen Katharina und Dorothea (I D . 14, 1079 f.). Der Name kommt nur als vorangestellter Genitiv oder als Bestimmungswort vor. Genitive sind: Jhn Trinen Matten ‘ in der Wiese der Triine (PN) ’ (1673, Binn; SK Trinimatten), der Trinen Wang ‘ der Grasabhäng der Triine (PN) ’ (1642, Zwischbergen), in Trinis Matten ‘ in der Wiese der Triine (PN) ’ (1632, Greich), ts Triinisch Chnubul ‘ der Hügel der Triini (PN) ’ (Simplon; J ORDAN (2006, 87) hat Triinichnub u l (das er auf Katharina zurückführt) und Triinibodu), Trinischacher ‘ der Acker der Triine (PN) ’ (FLNK, Mühlebach) und ts Trinuüowand ‘ die Magerwiese der Triine (PN) ’ (Saas- Almagell). Bestimmungswörter sind: di Trinatannu ‘ die Tanne der Triine (PN) ’ (Leuk), di Triinematta ‘ die Wiese der Triine (PN) ’ (Grengiols), ts Trinuchi ‘ das Kinn (Graben) der Triine (PN) ’ (Naters), der Trinugraad ‘ der (Fels-)Grat der Triine (PN) ’ (Termen), ts Triinumättelti ‘ die kleine Wiese der Triine (PN) ’ (Brigerbad) und ts Triinuwaalji ‘ der kleine Wald der Triine (PN) ’ (Goppisberg). Wieweit neben dem Kurznamen auch die Deutung ‘ einfältige, ungeschickte Person ’ (I D . 14, 1080) zutrifft, ist unklar. In den meisten Fällen dürfte eine Besitzerin mit dem Vollnamen Katharina gemeint sein. Tripfu Tripfu f. ist zu schwdt. Trüpfe n ‘ Tropfen; Stelle, wo es tropft ’ (I D . 14, 1284), wdt. Tripfa, Tripfu ‘ Wasser (vom Dach tropfendes) ’ (G RICHTING 1998, 198) zu stellen, in FlN zur Bezeichnung von Orten, wo es tropft. Das Simplex kommt vor in Zer Tripfu ‘ beim Gebiet, wo es tropft ’ (Zermatt, FLNK hat Tripfe). In Naters ist 1567 eine Ableitung an die Tripfferron belegt; die - ERRA -Ableitung dieses Typs bezeichnet sonst Wasserleiten, was sich aus 377 378 Tripfu <?page no="1008"?> dem Kontext des Beleges jedoch nicht erschliessen lässt. Der zweite Beleg in Naters ist 1765 die Tripfer Wandflu ᵉ ‘ die Fluh, die wie eine Wand aussieht ’ . Hier ist unklar, ob tripfer einfach ein Adjektiv ‘ die tropfende Wandfluh ’ ist oder ein alter Genitiv Plural ‘ die Wandfluh der Leute von Tripfe ’ . Allerdings kann sich dieser Beleg auch auf den Beleg Tripfferron von 1567 beziehen; eine Deutung ist aber nicht möglich. Trippnisch (PN) Trippnisch (PN) ist nur belegt in ts Trippnisch Wang ‘ der Grasabhang des Trippnisch ’ (Täsch). Die Form ist wohl ein Genitiv zu einem PN Trippni. Mangels weiterer Belege ist eine Deutung nicht möglich. In I D . und G RICH- TING (1998) ist der PN nicht belegt. Ob das anlautende / t/ in Trippnisch ein assimilierter Artikel ist, bleibt unsicher. Trischte Trischte f. ‘ Heustock im Freien ’ ist zu schwdt. Triste n m., in Gampel -u n , ‘ kegelförmiger, im Freien meist um eine Stange aufgeschichteter Haufen aus Stroh und Heu, seltener auch aus Holz oder Torf ’ (I D . 14, 1383 ff.; G RICH- TING 1998, 198; für Namen siehe URNB 3, 733). Zwei Belege zeigen das Simplex im Plural: zen Drischtu ‘ bei den Heuschobern auf dem Felsen ’ (Niedergesteln) (so nach der Gwp.) und in den Dristen (1798, Steg), wo vermutlich eher Driesten ‘ unfruchtbare Gebiete ’ gemeint ist. Der vorangestellte Genitiv im Beleg Ru ᵕ ffols Drist (1622, Zwischbergen) ist unsicher, da J ORDAN (2006, 281) Ruof u l kennt und weiter den historischen Beleg von F. J. Joller Ruofolstritt angibt. Das Grundwort lässt sich deswegen nicht deuten. Als Bestimmungswort ist das HL belegt in der Tristacher ‘ der Acker beim Heustock im Freien ’ (1610, Ried- Mörel) und di Trischtbalma ‘ der überhängende Fels, der als Heuschober gebraucht wird ’ (Törbel). Komplexer sind t Rot Trischtelamme ‘ die rote Lamme (Schlucht) beim Heustock im Freien ’ (Biel) und Dristwasserleiten ‘ die Wasserleitung vom / zum Heustock im Freien ’ (1657, Baltschieder). Auch dieser letzte Beleg liesse sich sinnvoller zu Driest ‘ unfruchtbares Gebiet ’ stellen. Insgesamt ist das HL nur in einzelnen Belegen sicher. Trischtel Trischtel n. ‘ ebener Platz zur Errichtung eines Heustocks ’ ist zu schwdt. Tristel, Dristal n., mhd. dristal n., ‘ ebener Platz zur Errichtung eines Heustocks in den Bergen ’ aus Triste n ‘ Heuschober ’ und Stall für ‘ Stelle ’ (Z INSLI 1984, 587; I D . 11, 37 f.) zu stellen. Es handelt sich um Stellen zur Lagerung des Heus. Das HL kommt etwas über dreissig Male vor. Das Simplex im Singular ist belegt als Drischtul (Simplon, Zwischbergen; J ORDAN (2006, 527) führt im Register mehrere Belege und Komposita auf), Trischtal (Oberwald), Trischtel (Geschinen, Grengiols, Obergesteln, Ulrichen), Tristal (1352, Ernen; 1468, Münster), in dem Tristell (1748, Steinhaus), Tristul (Ernen) und ts Trischtu (Niederwald). Eine falsche Trennung findet sich in im Drüest=Thal (Zvahl? ) (1740, Bratsch), wo vermutlich eine Trennung in Drischt und Tal vorgenommen wurde. Mit attributiven Adjektiven sind belegt Ober Dristúl (1747 u. später, Simplon), ts Ober Trischtal (Reckingen, Täsch), das Under Dristul (1757, Simplon), ts Unner Trischtal (Reckingen, Täsch), Voder Trischtal (Reckingen). Als Grundwort ist das HL nur in ts Blattetrischtal ‘ der ebene Platz für einen Heustock im Gebiet Blatte (Felsplatte) ’ (Oberwald) und im Sanddristall ‘ in der Ebene für den Heustock beim Sand ’ (1665, Simplon) belegt. Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Egg(a), Flüö, Grabu, Legi, Schluocht, Üewand und Wald vor. Tritt Tritt m. ‘ Tritt ’ ist zu schwdt. Tritt m., Dim. Trittli, Trittji bzw. Triggji, Tritti, wdt. Tritt ‘ Tritt, Stufe ’ , in FlN ‘ Felsstufe, enger steiniger Weg ’ , mhd. trit ‘ Fussspur, Weg ’ (I D . 14, 1504 ff.; G RICHTING 1998, 198; Z INSLI 1984, 587) zu stellen. In einigen Fällen kann auch ein Muster eines Fussabdrucks (Geisstritt, Hännutrittji) gemeint sein (vgl. I D . 14, 1525 s. v. Geiß-, Henne n -Tritt). Das HL ist in rund 120 Namen belegt. Das Simplex im Singular Tritt m. ist zehnmal belegt, der Plural Tritta (Simplon) nur einmal. Das Diminutiv erscheint im Singular als Trigli (1701 u. später, Leuk), Trigy (1680, Betten; 1772, Bister; 1661, Ulrichen), ts Trittji neun Mal; im Plural als di Trittjini (Täsch), Ze Trittjinu (Zermatt) und beÿ den Tritÿnen (1771, Simplon). Einen Sonderfall stellt zum Tritt Ambrüüf ‘ zum Tritt hinauf ’ (Saas-Almagell) dar, der eine Stelle auf dem Weg zu einem Durchgang hinauf meint. Mit einem attributiven Adjektiv ist vor allem der Typ der Beesch Tritt ‘ der böse Tritt ’ fünfzehn Mal belegt, einmal als Plural ze Beesche Trittu (Glis). Die übrigen Belege sind: der Eng Tritt ‘ der enge Tritt ’ (Baltschieder), zem Heejen Tritt ‘ zum hohen Tritt ’ (Ferden), der Chaalt Tritt ‘ der kalte Tritt ’ (Naters), bim Leide Tritt ‘ beim schwierigen Tritt ’ (Ritzingen, zu leid ‘ unschön, hässlich ’ ), dr Mittluscht Tritt ‘ der mittlere Tritt ’ (Ferden), der Obruscht Tritt ‘ der oberste Tritt ’ (Ferden), im (e)Rotun Tritt ‘ im roten Tritt ’ (Naters), an den Roth Tridt ‘ an den roten Tritt ’ (1576, Zwischbergen), der Undruscht Tritt ‘ der unterste Tritt ’ (Ferden) und t Unner Trittjini ‘ die unteren kleinen Tritte ’ (Täsch). Trippnisch (PN) 379 380 <?page no="1009"?> Vorangestellte Genitive zum HL sind: Gappisdrÿt ‘ der Tritt des Gappi / der Familie Capi ’ (1444, Obergesteln), Cappis Tritt ‘ der Tritt des Gappi / der Familie Capi ’ (1623, Ulrichen), ts lami Rootsch Tritt ‘ des lahmen Rot(en) Tritt ’ (Ferden, wohl Übername) und zem Tiifelschtritt ‘ zum Teufelstritt (Spur des Teufels nach einer Sage) ’ (Blatten). Komplexer ist ts Walkärsch Diäschttritt ‘ der Diescht-Tritt der Familie Walker ’ (Ferden). Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort werden mit Tiernamen gebildet: Eschultritt ‘ Tritt für Esel ’ (Grächen), Fuggstritt ‘ Tritt für Füchse ’ (Ausserberg, Naters), Fuggsutritt ‘ Tritt für Füchse ’ (Glis), Geisstritt ‘ Tritt für Ziegen ’ (Bürchen), dr Geistritt (Ferden, Wiler), Hännutrittji ‘ der kleine Tritt der Hennen (hier wohl die Form der Weggabelung in der Rottenebene) ’ (Agarn), der Chatzutritt ‘ der enge Tritt (eigentlich: der Katzentritt) ’ (Mund), dr Bäruntritt ‘ der Durchgang bei der Bärufluä ’ (Ferden), der Wolftritt ‘ der Tritt für Wölfe ’ (Naters, Hohtenn), der Wolfstritt (Leukerbad), t Wolftritta ‘ die Tritte für Wölfe ’ (Steg). Diese Tiernamen als Teil von Flurnamen sind im Einzelfall verschieden zu deuten und unterscheiden sich auch von den lexikalischen Bedeutungen, die im I D . etwa für Geißtritt (I D . 14, 1525) und andere aufgeführt sind. Seltener sind Pflanzennamen als Bestimmungswörter, manchmal komplex: dr Edelwistritt ‘ der Tritt mit Edelweiss (L EONTOPODIUM ALPINUM ) ’ (Ferden), der Hosefitritt ‘ der Tritt bei den Hosefine (hohe Sefinen (J UNIPERUS S ABINA )) ’ (Raron), ts Larschitrittji ‘ der kleine Tritt oberhalb des Larschi (frpr. für Lärche) ’ (Inden), der Birchtritt ‘ der Tritt (steiler Felsdurchgang) im Bereich Birchi (Birkengehölz) ’ (Naters) und ts Tannutrittgi ‘ der kleine Tritt mit Tannen ’ (Glis). Die Pflanzennamen für L EONTOPODIUM ALPINUM und J UNIPERUS SABINA sind in L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 2059 und 92) belegt. Die meisten Komposita weisen den Namen einer benachbarten Flur auf, z. B. t Fadtritta ‘ die Tritte beim Felsband ’ (Randa), ts Folljerettrittji ‘ der kleine Durchgang oberhalb der Alpe Folljeret ’ (Leukerbad), ts Jeiziltrittji ‘ der kleine Tritt beim Jeizil ’ (Steg) und viele andere. Komplexer sind etwa ts Holzmeistrittji ‘ der kleine Tritt beim Holzmeiss (Holzschlag) ’ (Gampel), der Ober Jegitritt ‘ der obere Tritt in der Jegi (Jagdgebiet, Felsbänder) ’ (Niedergesteln), dr Schwarz Balmuntritt ‘ der Tritt beim schwarzen überhängenden Felsen ’ (Ferden) und andere. Ein seltsamer Beleg ist der Namejesustritt ‘ der Name- Jesus-Tritt ’ (Glis) soweit erkennbar, ist dort weder ein Bildstock noch eine Kapelle ob es sich um ein Notgebet beim schwierigen Durchgang oder gar um einen Fluch handelt, ist unklar. Als Bestimmungswort tritt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern auf: Bodu, Grabu, Pletscha, Schleif und Wäg. Komplexer sind etwa der Beeschtrittgrabo ‘ der Graben beim bösen Tritt ’ (Visperterminen) und t Beeschtrittschlüecht ‘ die Geländeeinbuchtung beim bösen Tritt ’ (Blitzingen). Troche Troche Adj. ‘ trocken ’ ist zum schwdt. Adj. troch(e n ), W [allis] auch trochend, trochund, trochuner, trochunder u. ä., wesentlich wie nhd. ‘ trocken, dürr, ohne Feuchtigkeit ’ , wdt. troche, trochä, trochn, trochu ‘ trocken ’ (I D . 14, 258 ff.; G RICHTING 1998, 198) zu stellen. Das attributive Adjektiv kommt vor als vnder dem Trochennenn Steg ‘ unter dem trockenen Steg ’ (1560, Täsch), zem Trochne Stäg ‘ beim trockenen Steg ’ (Zermatt), di Trochi Stäga ‘ die trockene Stiege ’ (Ferden), ts Trochu Chi ‘ die trockene Schlucht ’ (Eggerberg, Mund), in Mund auch der Trochu Chigrabo ‘ der Graben beim trockenen Kinn (Schlucht) ’ . Weitere komplexe Formen sind di Trochu Trogschlüocht ‘ die trockene Geländeeinbuchung in Trogform ’ (Glis) (im Gegensatz zur nassen Trogschlüocht) und das Trocken Bortwegli ‘ der kleine Weg zum trockenen Bord (Abhang, Böschung) ’ (1695, Ausserberg). Um das substantivierte Trochna f. ‘ das trockene Gebiet ’ (Wiler) findet sich ein Namennest t Ober und t Under Trochna, dr Trochunbobm ‘ der Boden bei der Trochna ’ und di Trochnuhaalte ‘ die Halden bei der Trochna ’ (alle Wiler). Die Ableitungsform entspricht S ONDEREGGER (1958, 511), der ein germ. - JÔ -Suffix annimmt; bei Trochna ist allerdings der Einfluss des angesetzten / j/ nicht zu erkennen. Trog Trog m. ist zu schwdt. Trog m., Dim. im Wallis Trogi, Trogji, wesentlich wie nhd. ‘ grosses Gefäss aus Holz oder Stein ’ , mhd. troc, wdt. Trog, im Lötschental Troog ‘ Trog, Brunnen ’ (I D . 14, 646 ff.; G RICHTING 1998, 198) zu stellen. Bei FlN sind zumeist Brunnen (meist aus Holz) als Viehtränke (Tränketrog) oder die Form des Geländes als Trog ‘ Rinne, schmale, lang gestreckte Mulde ’ (I D . 14, 628 ff. bes. 638) gemeint; in einigen Fällen ist nicht zu entscheiden, welche Deutung vorliegt. Brunn(e n )-, Brunn (e n )- und Obertrog sind ‘ liegende, offene Behälter für Wasser ’ (I D . 14, 646 ff.; I D . 14, 639). In den rund 190 Belegen mit dem HL sind Simplizia des Singulars Trog sechzehn Mal vertreten. Der Plural ohne Umlaut ist Troge (Binn, Mühlebach), mit Präposition im Dativ Zen Trogu (Birgisch, Visperterminen). Mit Umlaut und anschliessender Entrundung entsteht Treg, das aber nur als Ze Trege (Ernen), resp. Ze Tregu (Saas- Balen, Zermatt, 1692 Filet) und einmal als bi de Tregu (Bitsch) belegt ist. Die Diminutive erscheinen in zwei 381 382 Trog <?page no="1010"?> Reihen, zunächst ohne Umlaut als Singular zum Trogji (Varen), im Plural di Trogjini (Gampel), ze Trogine (Reckingen), bine Trogini (Oberwald), bine Trogjine (Grengiols), bine Trogjini (Oberwald), ze Trogjinu (Gampel, Glis, Varen, Visperterminen), zu Trogjinu (Täsch), mit Umlaut, Hebung und Entrundung entsteht das Trÿgÿ (1608 u. später, Zwischbergen), das Triggy (1530, Ernen), beÿ dem Trigi (1808, Obergesteln), ts Trigi (Simplon), zum Trigji (Törbel, Visperterminen), zum Triglin (1580, Guttet). Da diese Form identisch ist mit dem Diminutiv Triggji zu Tritt, und da der Bezug zu Trog nicht mehr klar ist, wird die Form vermieden. Attributive Adjektive zum HL T ROG sind: fúr den Alten Trog ‘ vor dem alten Trog ’ (1520, Staldenried), Altentrog ‘ der alte Trog ’ (auch Haaltentrog, unsicher) (Täsch), zum Altu Trog (Randa), zen Obren Trogen ‘ bei den oberen Trögen ’ (1642, Visperterminen), den Rendru ᵕ n Trogu ᵕ n ‘ (über) den jenseitigen Trögen ’ (1590, Visperterminen, wohl mit Agglutination von / r/ an ender), zu ᵕ m Grossen Trog (1670 u. später, Raron), zum Grossen Trog (1441 u. später, Ausserberg), bi de Grosse Tregu ‘ bei den grossen Trögen ’ (FLNK, Eischoll), der Rot Trog ‘ der rote Trog ’ (Binn), ze Wiisse Trogjinu ‘ bei den weissen kleinen Trögen (beim Wiisse Bode ‘ weisser Boden ’ ) ’ (Staldenried). Vorangestellte Genitive zum HL T ROG sind in verschiedenen Formen belegt: beÿ Empfen Trog ‘ beim Trog der Familie Empfen ’ (1739, Birgisch und Naters), ts Jaaggitrogine ‘ die kleinen (Brunnen-)Tröge der Familie mit dem Beinamen Jaaggi ’ (Reckingen, zweimal), ts Jakobsch Trog ‘ der Trog des Jakob ’ (Täsch), ts Chriegersch Trog ‘ der (Brunnen-)Trog der Familie Krieger ’ (Zwischbergen, ev. auch der Streitparteien), Bielersch Trog ‘ der Trog der Familie Bieler ’ (FLNK, Zermatt), Blantschentrog ‘ der Trog der Familie Blantschen / der Trog beim Gebiet Plantschu ’ (1687 u. später, Oberems), Bu ᵉ llero Trog ‘ der Trog der Leute von Biel (Hügel) ’ (1519, Törbel), ts (e) Rittersch Trog ‘ der Trog der Familie Ritter (wohl Trogform des Geländes) ’ (Eggerberg) und zuo Thomigo Trog ‘ beim Trog (Brunnen) der Familie Domig / der Leute des Thomas ’ (1540, Ausserberg). Nur dieser letzte Beleg weist einen Genitiv Plural der kollektiven - IG -Ableitung zu einem PN oder FaN auf. Zweigliedrige Komposita mit dem HL T ROG als Grundwort weisen als Bestimmungswort meistens den Namen einer nahegelegenen Flur auf. In einem Fall scheint ein Vorname gemeint zu sein: bim Albinutrog ‘ beim (Tränke- )Trog des Albinus (PN) ’ (Visperterminen) (der Gemeindename Albinen kommt aus geografischen Gründen nicht in Frage). zum Edeltrogi ‘ beim kleinen Trog bei den Erlen ’ (Saas-Balen) meint wohl ein früheres Erlengehölz, ts Eichtrogji ‘ der kleinen Trog (Brunnen) beim Eich ’ (Raron) ein Eichengehölz. Ereztreg ‘ die Tröge beim Erezji (kleines Gebiet mit Erz) ’ (Eischoll) ist nach einem Erzvorkommen benannt. zum Gassutrog ‘ zum (Brunnen- )Trog bei der Gasse ’ (Randa), zú dem Geescher Trog ‘ der Trog bei der armen Hütte ’ (1753, Filet, die Konstruktion kann auch als Genitiv Plural gelesen werden), der Haaltuntrog ‘ der Trog bei der Halde ’ (FLNK, Täsch, auch Aaltuntrog), zúm Kupffer Trog ‘ beim Kupfer-Trog (unklar) ’ (1637, Termen, ev. Material des Troges), t Lowwitreg ‘ die Tröge (Brunnen) beim Lawinenzug ’ (Eischoll), zum Metteltrog ‘ beim Trog bei der Mettle ’ (Täsch), bi / vnder dem Muntertrog ‘ beim / unter dem Muntertrog ’ (1702 u. später, Eischoll, unklar), zum Pflantschutrog ‘ der Trog beim Gebiet Pflantschu / Plantschu ’ (Oberems), zem Bickitrog ‘ Trog aus Holz oder Trog auf dem Steinpflaster (beim Stall) ’ (1578, Bister; 1578, Termen), ts Blaggjitrogji ‘ der kleine Brunnen bei der kleinen Felsplatte ’ (Mund), Boozetrogi ‘ der kleine Trog mit einem Gespenst ’ (FLNK, Niederwald), di Brunntreg ‘ die Tröge gespiesen von der Quelle / dem Brunnen ’ (Guttet), Bublet Trog ‘ der Trog beim Bublet (Ort mit Pappeln) ’ (Leuk), ts Burschttrog ‘ der (Brunnen-)Trog bei den Burschtjini (mit Riedgras bewachsene kleine Wiesen) ’ (Binn), ts Bättiltrogji ‘ der kleine Trog mit wenig Wasser / für die Bettler ’ (Ergisch), zum Riteschttrogji ‘ beim kleinen Trog im Gebiet Ritescht (am meisten gerodetes Gebiet / des gerodeten Gebietes) ’ (Hohtenn), der Salitrog ‘ der Trog beim Sali (Gebiet mit Salweiden) ’ (Grengiols), der Scheidtrog ‘ der Trog, in dem Molke abgekühlt wurde ’ (Ferden) (I D . 14, 651 s. v. Scheidtrog verweist auf den Trog, in dem beim Käsen Molke abgekühlt wurde), der Schärutrog ‘ der Trog mit einem Schutzdach ’ (Mund), Semsentrogli ‘ der kleine Trog beim Gebiet Sämsu (Kuh-Scheide? ) ’ (1713, Guttet), der Striitutrog ‘ der Trog (trogförmige Mulde) beim Gebiet Striitä (umstrittenes Gebiet) ’ (Gampel), der Waldtrog ‘ der Trog im Wald ’ (1833, Eisten und Grächen), der Wannuntrog ‘ der Trog (Tränkestelle) bei der Wanne (Mulde) ’ (Niedergesteln). Komplexere Formen sind z. B. der Rosmattutrog ‘ der Trog bei der Wiese bei den Roossen (Röstplatz für Hanf und Flachs) ’ (Grengiols), vnder dem Schwartzen Kescher Trogg ‘ Unter dem Trog bei der schwarzen Hütte ’ (1692, Filet), ts Chalberweidtrogji ‘ der kleine Trog bei der Weide für die Kälber ’ (Gampel) und weitere. Das HL T ROG tritt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita vor allem in den Typen Trogmatta ‘ Wiese beim Trog ’ (rund 40 Belege inklusive Plurale und Diminutive) (C. S CHMID 1969, 86 schreibt, die Wäsche sei auf der Trogmatta beim Backhaus aufgehängt worden), Trogacher ‘ Acker beim Trog ’ (acht Belege) und Trogschlüecht ‘ die Gelädeeinbuchtung mit einem Trog / die wie ein Trog aussieht ’ (acht Belege) auf. Weitere Grundwörter sind Bodu, Brand, Brunnu, Dorf, Egg(a), Trog 383 384 <?page no="1011"?> Graat, Grabu, Haalta, Hubel, Läger, See, Schiir, Schleif, Schnitta, Stafel, Stuck, Tola und Weid. Komplexer sind t Undru Trogachra ‘ die unteren Äcker beim Trog (Geländemulde) ’ (Embdt), den Wÿden Brunnen Trog ‘ der Trog beim Widenbrunnen (Ortsteil von Oberems) ’ (Oberems) und andere. Eine Ableitung auf - ERE weist di Trogere ‘ der Ort mit einem Trog ’ (Turtmann) auf (historisch immer Zen Trogeren, nur 1746 Zun Trogero), eine Kleinsiedlung bei Turtmann, wobei nur der Beleg von 1746 auf einen FaN Troger verweist; ob der Beleg Trogerro Alpa (1548, Turtmann) den FaN meint, ist unklar (cf. HL T ROGER (F A N)). Die gesprochene Form verweist auf eine Stellenbezeichnung (S ONDEREGGER 1958, 471). Eine andere Ableitung auf - ERNA ist belegt in di Trogerna ‘ das Gut beim Trog / der Leute mit dem Beinamen Trogi ’ (Törbel, 1519 auch in der Troggeren). Das Suffix - ERNA f. ist bei S ONDER- EGGER (1958) nicht belegt; hier belegt es wohl eine Zugehörigkeit zum Übernamen Trogi. Troger (FaN) Troger (FaN) ist zum FaN Troger (AWWB 264) zu stellen. Der FaN kommt als vorangestellter starker Genitiv vor in in der Trogers Ledy ‘ an der Ladestelle der Familie Troger ’ (1700, Ried-Brig), ts Trogersch Acher ‘ der Acker der Familie Troger ’ (Visperterminen), ts Trogersch Hüs ‘ das Haus der Familie Troger ’ (Birgisch). Im Genitiv Plural kommen vor Trogerro Alpa ‘ die Alpe der Familie Troger ’ (1548, Turtmann) und Throgerro Alpgÿ ‘ die kleine Alpe der Familie Troger ’ (1585, Oberems). Als Bestimmungswort ist Troger zu folgenden Grundwörtern belegt: Ledi, Pletscha, Matta und Wald. Troll Troll Adj., ‘ gross und rund ’ ist zu troll (I D . 14, 931) zu stellen. Das Lemma kommt vor in zum Trollen Fluotschin ‘ zur kleinen runden Fluh ’ (1657, Baltschieder) und in der Trollutschuggu ‘ der rundliche Fels ’ (Saas-Grund). Das Verb troole ‘ rollen ’ weist dagegen langes / o: / auf und muss trotz semantischer Nähe von troll getrennt werden (cf. HL T ROOLE ). Tromm Tromm Adj. ist ausschliesslich als Bestimmungswort belegt. In Stalden sind ts Tromgässi und die Tromgassen (1680) belegt. In Visperterminen kommen di Trommüra (3 Belege) und in Staldenried die Trommuren (1701 u. später) vor. In Glis ist 1860 u ᵕ nter dem Tromweg (1860) belegt und in Naters gibt es das Tromwasser (FLNK). Zwar stellt Z INSLI Trommgassu (Gressoney) vorsichtig zu schwdt. Trom(m) m. ‘ Holzstamm, Balken, Klotz ’ (I D . 14, 1002; Z INSLI 1984, 503). Unsere Belege verweisen aber eher auf das Adjektiv trom in der Bedeutung ‘ quer (verlaufend) ’ (I D . 14, 1014). Gemeint sind dann quer verlaufende Gassen, Wege und Mauern, sowie ein quer verlaufender Bach (oberhalb Blatten b. Naters). Tronchez Tronchez ist als zun Tronchez ‘ bei den kleinen Stämmen ’ (1492, Leuk) und ou Tronchet ‘ beim kleinen Stamm ’ (1653, Albinen; 1660 jm Tronchet) belegt. Vermutlich wurde der Beleg von Leuk als Plural verstanden, der von Albinen als Singular. Es handelt sich um eine Diminituv-Ableitung auf - ITTU von tronc ‘ Stamm ’ (FEW 13, 2, 339 f. s. v. tru ᵕ ncus) (cf. HL T RONG ). Trong Trong m. ist nach M EYER (1914, 100, 172) zu lat. TRUNCU ‘ Baumstamm ’ zu setzen; laut M ATHIER (2015, 75 f. mit Literatur) gehört es zu den Rodungsnamen. Das Simplex erscheint als in Trong ‘ beim gerodeten Feld ’ (Albinen, FLNK Trong), im Trong ‘ beim gerodeten Feld ’ (Salgesch, FLNK Trong; M ATHIER 2015, 75; die als Trang notierte Form ist ein Verleser zu Trong). Als Diminutiv im Singular ist ts Trongji ‘ das kleine gerodete Feld ’ (Leukerbad, FLNK Trongji; R. G RICHTING kennt zwei Trongji: Blatt 18, Nr. 17 (bei Flueh) und Blatt 4, Nr. 17 (bei Pfiess)) belegt. In Salgesch ist eine präpositionale Fügung belegt als rotam dov trong ‘ der Weg zum gerodeten Feld ’ (1494, Salgesch). Das Grundwort ist belegt in im Hasutrong ‘ das gerodete Feld mit Hasen ’ (Salgesch; M ATHIER 2006, 75), ts Kliibedronnji ‘ das gerodete Feld bei den Kliibe ’ (Varen, FLNK Kliibedronji). Als Bestimmungswort ist das HL in Trong Ru ᵕ ss ‘ der Wasserlauf beim gerodeten Feld ’ (1880 (ca.), Salgesch; bei M ATHIER 2015, 76 als Trongrüs) belegt. Zu anderen Belegen cf. HL T RONCHEZ . Unsicher ist, ob Planzadrong (1618, Albinen) hieher gehört. Es findet sich unter dem HL Z ADRONG ; zu beachten ist, dass in Albinen 1659 in Plan Gadrong (HL G ADRONG ) belegt ist. Es kann sich um einen FaN oder PN handeln. Troole Troole V., ‘ rollen ’ ist zum schwdt. Verb tr ō le n , tr ō lu n u. ä. ‘ (sich) rollend, fallend, (fort-) bewegen ’ (I D . 14, 887 ff.), Nomina actionis Tr ō l m. ‘ Sturz, Fall, das Fortrollen ’ , und wdt. troole, troolä, troolu ‘ kollern, rollen ’ (I D . 14, 885 ff.; G RICHTING 1998, 198) zu stellen. Das Simplex ist belegt in zúm Trolen (1791, Mund); die Rede ist von einer Wasserleite, die dorthin führt - unklar ist trotz der Schreibweise, ob das Nomen nicht besser 385 386 Troole <?page no="1012"?> zum Adj. troll ‘ gross und rund ’ zu stellen wäre (cf. HL T ROLL ). Die Ableitung Trolera (Zeneggen, FLNK hat Troolera) ist seit dem 16. Jahrhundert in verschiedenen Formen wie jn der Trororlon (1518), jn der Trolernun (1546), in der Trolerrun (1634) usw. belegt. Die - ERRA -Ableitung, die hier zu Grunde liegt, wird häufig mit Pflanzennamen verbunden, sodass an die Trollblume (T ROLLIUS EUROPAEUS ) gedacht werden kann (I D . 14, 933 s. v. Trolle n ), obwohl der Name im Oberwallis sonst nicht belegt ist (vgl. aber L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 102) mit der Verbreitung im ganzen Alpenraum). Eine Ableitung von troole ‘ rollen ’ kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, vermutlich im Sinn von ‘ Ort, wo man hinunterrollen kann ’ . Das Partizip troolund ‘ rollend ’ ist in Troolund Grabo ‘ der Graben, durch den man hinunterrollen kann ’ (Ausserberg, Baltschieder, FLNK) vertreten. Die Siegfriedkarte verzeichnet am gleichen Ort in Ausserberg Trolerengrat; vermutlich versteckt sich auch hier das Partizip, auch wenn die Form eher an die Trolera erinnert. In zwei Belegen ist Trool- Bestimmungswort: di Troolbletscha ‘ die Ebene, auf der man rollen kann ’ (Wiler) und der Trouwäg ‘ der Weg, auf dem man rollen (stürzen) kann ’ (Ernen, FLNK). Kurzes / o/ kann in Komposita durch das sogenannte Brandstättersche Gesetz (Kürzung von Langvokalen in zwei- und mehrsilbigen Konstruktionen) erklärt werden. Trop Plein Trop Plein ‘ Überlauf ’ ist eine französische Schreibweise (für troplæ ̃ ) in Varen für den Überlauf der Wasserfassung, der in die Dala geführt wird. Formal lässt sich der Name in die Bestandteile trop und plein zerlegen, doch erklärt sich die Bedeutung der Kombination nicht aus den Elementen. Sie werden deshalb hier nur zusammen behandelt. Tropf Tropf m. ‘ Tropfen ’ und tropfe, tropfu ‘ tropfen ’ sind zum schwdt. Verb tropfe n , tropfu n wie nhd. ‘ tropfen, träufeln ’ . Tropf, Tropfe n m., Dim. im Wallis Tropfli, Tropfji, wesentlich wie nhd. Tropfen ‘ kleinste natürliche Form einer Flüssigkeit ’ , ahd. tropf(o), troffo, mhd. trop(fe) (I D . 14, 1273 ff.; G RICHTING 1998, 198) zu stellen. Das HL ist nur dreimal belegt und zwar als Adjektiv in ze Tropfinu Balmu ‘ Gebiet beim überhängenden Felsen, über den Wasser hinuntertropft ’ (Saas-Almagell), das zum schwd. tropfend (I D . 14, 1275) zu stellen ist, im Tropffelwerck (1747, Termen) ist wohl kein Flurname, sondern eine Vorrichtung, die bei der Salzgewinnung gebraucht wird (vgl. auch Gradierwerk im G R W B 8, 1691); allerdings kennt I D . den Ausdruck nicht. Eine Ableitung sind di Tropfre ‘ Felsen, von dem stets Wasser träufelt ’ (Randa). I D . kennt diese Bildung auf - ERE (S ONDEREGGER 1958, 471) für tropfe nicht. Tröst Tröst erscheint nur in zwei historischen Belegen aus Bellwald: in oder u ᵕ nder der Tröstbodmen (1824), in der Tröstbodmen (1847). Die Formen sind problematisch, weil der Artikel der hier eigentlich nur den Dativ Singular Feminin bezeichnen kann. Das Grundwort Bode aber ist maskulin, und Bodmen ist ein Plural! Es ist denkbar, dass der Schreiber eine hdt. Form produziert hat, die eigentlich einen Singular meint. Das Bestimmungswort Tröst seinerseits ist unklar. Ein / ö/ ist in diesem entrundenden Dialekt offensichtlich hyperkorrekt; es muss ein / e/ angesetzt werden. Das auslautende / t/ von Tröst kann einen Übergangslaut meinen. Das nächstliegende Wort wäre dann etwa Tresch-Boden ‘ der Boden, auf dem man Getreide drischt ’ . C. S CHMID (1968, 185) kennt für Bellwald Dreschera ‘ die Drescher ’ , doch kommt das HL sonst nicht in Flurnamen vor. Möglich ist auch, dass anlautendes / t/ einen assimilierten Artikel darstellt, sodass das HL R ÖST wäre. Die Deutung ist jedoch sehr spekulativ, da ein HL dieses Typs nicht belegt ist. Trotti Trotti n. ist nur einmal belegt als ts Trotti (Ausserberg), wohl ein Diminutiv auf - I . Historisch ist es 1814 als in den Trottinen bezeugt. Ein Diminutiv zu schwd. Trotte n f. ‘ Kelter, Traubenpresse, meist mit zugehörigem Raum, auch Obstpresse ’ und ‘ Presse für Ölfrüchte ’ , ahd. trota, mhd. trot(t)e (I D . 14, 1534 ff.) kommt nicht in Frage, da der Worttyp im Wallis unbekannt ist, wo Triel m., Driel m., Drielti n. verwendet werden (E GLI 1982, 235 f., 246 f.; SDS 8, 203 f.). Am nächsten würde ein Diminutiv zu Trott ‘ gemächliche Gangart ’ (I D . 14, 1531; G RICHTING 1998, 198 ‘ Trab, Eile ’ (! )) in Frage kommen, doch ist die Motivation unklar; vielleicht ein Ort, der einen gemächlichen Schritt verlangt? Laut K LUGE / S EEBOLD ( 25 2012, 932) ist das Wort aus dem Italienischen für eine Gangart von Pferden entlehnt. Trub- Trubhori ist der Name einer Voralpe, benannt nach schwdt. Trupp-, Trubhorn n. ‘ Blashorn der Schaf- und Ziegenhirten ’ , Verb trube n ‘ ins Horn blasen, um die Herde einzusammeln ’ (I D . 2, 1624; I D . 14, 220), G RICHTING (1998, 199) nennt es ‘ Bockshorn ’ . Wohl nach der Form des Horns benanntes Gebiet. Das bernische Trub (K RISTOL ET AL ., 2005, 886) gehört nicht hieher, da es dialektal einen Diphthong / ue/ aufweist und zu einem Bachnamen gestellt ist. Trop Plein 387 388 <?page no="1013"?> Truble Truble pl., ein Plural mit frpr. Wurzel, bezeichnet zunächst eine Alpe (Leukerbad, Inden) (bei G RICHTING 2003, Blatt 6 als Trublä), historisch die Trúblen (1834, Varen), wozu die Namen Trubilstock (Varen, LT Trubelstock, FLNK Trubelstock / Trubilstock, SK Trubelnstock) (Gipfel auf 2999 m), Trubelbodu (Inden), Trubilbodu (Varen) und der Trublutritt ‘ der Tritt (Durchgang) zur Alpe Truble ’ (Leukerbad) zu stellen sind. Die älteren historischen Belege zeigen einen Typ *stroble, den T AGMANN (1946, 3 f.) auf lat. TURBULU ‘ getrübt (vom Wasser) ’ zurückführt, während H UBSCHMIED (1938, 88) an den Wildstrubel denkt und dt. Strubel ansetzt. Dagegen ist T AGMANN s Deutung mit einem agglutinierten Pluralartikel für die Formen mit anlautendem / s/ sinnvoller. T AGMANN nimmt an, dass der Bachname, der bei ihm tropla (Mollens) und ž etroble (Miège) heisst, den Namen begründet. Deswegen sind auch Truble und Trubelstock daraus abzuleiten. In den älteren Belegen ist der Bach auch für unser Gebiet bezeugt: torrens de Estroble (1486, Salgesch, Varen), (torrens) Destroble (1490, Salgesch), gollia de Stroples (1484, Salgesch), gollia de estrobles (1542, Inden, Varen). Der Alpname ist als les Strubles (1587, Varen) belegt. Vermutlich das Trubelhorn ist in ad Corne de Struples (1484, Varen) gemeint. Die fpr. Belege weisen für unser Gebiet immer das anlautende / s/ an; die lebenden Belege kennen es jedoch nicht. Man darf deswegen davon ausgehen, dass TURBULU ‘ trüb (vom Wasser) ’ den Ausgangspunkt bildet. Truck Truck ist in di Truckleitig (Turtmann) belegt. Es handelt sich um eine Druckleitung des Wassers vom Kraftwerksee in Oberems hinunter zum Kraftwerk Milachru westlich von Turtmann. Das HL ist zu schwdt. Druck II, wesentlich wie nhd. ‘ Druck ’ und wdt. Trukk, Drukk ‘ Druck, Völlegefühl ’ (I D . 14, 771 ff.; G RICHTING 1998, 199) zu stellen. Trucken Trucken pl. ‘ die Schlunde ’ ist nur 1544 in Unterbäch als in den Trucken belegt. Es geht um einen Acker im Gebiet zen Finillon (heute Finile). Am nächstliegenden wäre schwdt. Trucke n bzw. Trugge f. ‘ viereckiger, auch rundlicher, meist mit Deckel versehener Behälter ’ auch FlN und wdt. Trukka, Trikkä (Goms), Trikka (Saastal), Trukku ‘ Schachtel ’ (I D . 14, 839 ff. bes. 850), doch scheint es inhaltlich nur schwer mit einer Flur verbindbar. Von der Form her könnte eher ein umgedeutetes Itruck ‘ (wörtlich) das Wiederkauen des Rindviehs ’ (I D . 1, 603; R ÜBEL 1950, 22) gemeint sein, im Sinne von: ‘ wo die Kühe wiederkauen ’ . I D . selbst gibt an der Stelle als umgedeutete Form indruck ‘ Schlund ’ , die wir so im Plural übernehmen. Trucyel (PN) Trucyel (PN) ist nur einmal 1437 in Agarn als pratum trucýel ‘ die Wiese des Trucýel (PN) ’ belegt. Es handelt sich vermutlich um einen PN oder FaN. Das in FEW (23, 47) erwähnte mfr. trucier ‘ brûler ’ ist kaum gemeint. Der unter dem HL T RUTSCHARD (F A N) erwähnte Familienname könnte mit einer Diminutivendung auf - ELLU (B OSSARD / C HAVAN 2006, 287) gemeint sein; diese Deutung ist aber sehr spekulativ. Trüeb Trüeb ist nur als Bestimmungswort oder Adjektiv in Komposita vertreten. Es ist zu schwdt. Trueb m. ‘ Trübung im Seewasser, unreine Gewässer ’ oder trüeb Adj. ‘ trüb (vom Wasser) ’ (I D . 14, 221 u. 222, sp. 227 f. auch Ortsnamen) zu stellen; G RICHTING (1998, 197) kennt wdt. trieb, triäb ‘ trübe ’ mit Entrundung. Belegt ist einerseits ts Trüebuti ‘ das trübe Seelein ’ (Niederwald, auch FLNK), das auf SK Trübensee heisst, und anderseits t Triebseelicke ‘ die Lücke (Fusspass) von der Grimsel zum Triebtenseewli (Berner Gebiet; LT Triebtenseelicke) ’ (Obergesteln). / t/ in den Berner Belegen auf LT vertritt ein Partizip Perfekt ‘ das getrübte Seelein ’ (I D . 14, 227, mit Dank an T HOMAS F. S CHNEIDER vom Berner Namenbuch für die Information). Die Formen mit / ie/ gehen auf eine Entrundung zurück (vgl. oben G RICHTING 1998). Das bernische Trub (K RISTOL ET AL ., 2005, 886) gehört mit dem Dipthong / ue/ hieher; es wird zum Bachnamen Trueb gestellt. Truffer (FaN) Truffer ist ein im Wallis verbreiteter FaN (AWWB 265 f.), ursprünglich aus dem Nikolaital. Belegt ist er in fünf Namen: des Truffers Gru ᵕ ndt (1562, Brigerbad), im Tru ᵕ ffer Wald (1859, Glis), ts Truffermattu ‘ zu Truffermatten; zu den Wiesen der Familie Truffer ’ (Randa), ts Truffers Ischlag ‘ der Einschlag (gerodete Fläche) der Familie Truffer ’ (Staldenried) und ts Truffisch Egg ‘ die Ecke der Familie Truffer ’ . Die Form Truffisch ist ein Genitiv Singular des rückgebildeten Kosenamens Truffi (< Truffer). Trug Trug ist in der Trubberg (Fieschertal; LT und SK Trugberg; FLNK Trüegbärg) belegt. Der Gipfel wurde von E. D ESOR 1841 (W ERLEN 2008, 591) so benannt, weil er ihn mit der Jungfrau verwechselt habe. Das HL ist zu hdt. Trug ‘ Betrug, Täuschung, falscher Schein ’ (G R W B 22, 1245 ff.) zu stellen. Der FLNK-Beleg ist eine Umsetzung in den 389 390 Trug <?page no="1014"?> walliserdeutschen Dialekt zu einem sonst nicht belegten Wort Trüeg ‘ Trug ’ . Trullu Trullu Adj. ist zu schwdt. Adj. trull ‘ rund ’ (I D . 14, 939) zu stellen; G RICHTING (1998, 199) kennt nur das Verb trullu ‘ einrollen ’ . Das Adjektiv ist nur in ts Trullustei ‘ beim runden Stein ’ (Mund) belegt. Die historischen Belege zeigen, dass das Wort wohl nicht mehr verstanden wurde. Trümbeer Trümbeer m. ‘ der Trümbeer ’ ist nur einmal historisch in Bister 1833 belegt als der Trümbeer. Laut Dokument handelt es sich um einen Acker. Das maskuline Genus verbietet einen Anschluss an Berr ‘ Beere ’ . Am nächstliegenden ist wohl eine - ER -Ableitung (Nomen actoris) zu wdt. Trumma ‘ Trommel ’ (G RICHTING 1998, 199), also Trummer ‘ Trommler ’ (I D . 14, 1025, Wallis ist angegeben). Es könnte sich dann um einen Acker handeln, der einem Trommler gehörte. Die Schreibweise macht deutlich, dass der Name für den Schreiber nicht durchschaubar war; darum ist die Deutung unsicher; vgl. aber auch HL T RUMMÄR . Trümel Trümel, auch Trimmil ist zu schwdt. Trümel (I D . 14, 1029) ‘ Holzstamm, Rundholz ’ zu stellen, wohl für Orte, wo Holz heruntergeschleift wird. Das Simplex kommt im Plural als Trimmja, Trimmje (Steg, Hohtenn, wohl der gleiche Ort) vor. Adjektivische Bildungen sind t foodru Trimmje und t indru Trimmje (beide Hohtenn). Als Bestimmungswort erscheint es im naheliegenden Trimmileggi ‘ die kleine Ecke bei den Trimmje ’ (Hohtenn). Historisch belegt ist der Trümmelgraben (1530, Visp). Zu vergleichen ist das gleichbedeutende Trämel (cf. HL T RÄMEL ). Trümet Trümet ist nur 1857 in Filet als Trümetkinn Graben belegt. Während das HL G RABU gegeben ist, bleibt Trümetkinn unklar. Es kann sich entweder um ein Diminutiv zu Trümet oder um ein HL C HI (Schlucht) mit einem Adjektiv oder Bestimmungswort Trümet handeln. Im I D . (14, 1002 ff.) ist nur das Nomen Trom u. a. ‘ Bruchstück, Trümmer ’ das in der Anmerkung älter auch mit -uerscheint. Bei den Flurnamen ist jedoch das Oberwallis nicht belegt. Die Form mit - ETLI / - ETJI für den Diminutiv ist in SDS (3, 156) bezeugt, wenn auch nicht für den vorliegenden Namen. Trümetkinn kann also ‘ die Schlucht mit Trümmern ’ oder ‘ die kleinen Trümmerstücke ’ meinen; die Deutung ist jedoch unsicher. Trummär Trummär ist in uf Trummärsch Boord ‘ auf dem Bord (Abhang, Böschung) des Trommlers (unklar, ob PN, Funktion oder Metapher) ’ (Wiler) belegt. Das HL ist zu schwdt. Trummer m., Nomen agentis zu trummen ‘ die Trommel schlagen ’ , ‘ Trommler ’ (I D . 14, 1025 f.) belegt. Das wdt. Gegenstück für die Funktion des Trommlers ist normalerweise Tamb ū r oder Tambor (I D . 12, 1873) (mit Zweitbetonung), sodass wohl eher von einem PN auszugehen ist. Der Genitiv deutet darauf hin, dass es sich um einen Besitzer oder Nutzer handelte; ev. ist das HL T RÜMBEER hieher zu stellen. Trummen Trummen ist nur 1527 in Ergisch als Trúmben Bach und 1527 in Turtmann als Trummenbach und Trumbenbach belegt. Es handelt sich in den Dokumenten um den gleichen Bach. Das HL ist zu schwdt. Trumme n Musikinstrument ‘ Trommel ’ , mhd. trumme, trumbe, trumpe und wdt. Trumma, Trumlä (Goms), Trumm (Lötschtal), Trummu ‘ Trommel ’ (I D . 14, 1018 ff.; G RICHTING 1998, 199) zu stellen. Das Geräusch des Baches wirkt auf das Gehör wie Trommelschläge (I D . 4, 952). Trussel Trussel ist nur in Ernen 1466 als an den Tricselschleiff, 1714 in den Trusselschleif und 1826 an den Trusselschleif ‘ an / in den Schleif bei einem Felsbrocken (? ) ’ erwähnt. Die Belege sind unsicher, da 1466 ein / i/ enthält, das auf Entrundung hindeutet, die aber erst ab ca. 1500 nachweisbar ist; falls das Dokument eine Kopie aus der Zeit nach 1500 ist, wäre die Form erklärt. Die späteren Belege enthalten kurzes / u/ , was ein Wort wie Trussel nahelegt (I D . 14, 1336), das allerdings als ‘ Schlag ’ unsicher und nicht für das Wallis belegt ist. Stärker belegt ist schwdt. Trüssel bzw. Trissel, Trissil, in FlN ‘ grosser, unförmiger Gegenstand ’ z. B. ‘ Felsbrocken, ausgegrabener Baumstrunk ’ (I D . 14, 1336). G RICHTING (1998, 198) kennt Trissl, Trissäl oder Tressäl (Goms), Trissul (Mattertal), Trissel (Saastal), Trissil ‘ Trottel ’ . Trotz Bedenken wegen der Bedeutung wird die Deutung als unklar angenommen. Trutschard (FaN) Trutschard ist als FaN Trutschard (AWWB 265 s. v. Trossardi), Familie aus Leuk belegt. Der Name kommt bei uns als Flurname Trutscharte (FLNK) vor. Historisch ist Trútschardigen Weingarten ‘ der Weingarten der Familie Trutschard ’ (1709, Leuk) belegt; die Form enthält die - IG -Ableitung für Kollektiva bei Familiennamen. Der Flurname bezieht sich auf den FaN, ohne dass dieser noch bekannt wäre. Z IMMERLI (1899, 62) kennt den Flur- Trullu 391 392 <?page no="1015"?> namen und bezeichnet ihn als romanisch, ohne eine Deutung zu geben. Truttmann (FaN) Truttmann FaN ist nur 1560 in Täsch als Druthmans Bachtolla ‘ die Wasserrinne des Druthman (ev. FaN Truttmann) ’ belegt. Der FaN ist als Triebmann, Trulman, Trübenmann usw. in Zermatt und Visp im 14. bis 16. Jahrhundert belegt. Der PN erscheint bei F ÖRSTEMANN (1, 352) als Truhtmann. Es könnte sich also um einen FaN oder PN in Täsch handeln, das sich im Mattertal befindet. Das F AMILIENNAMENBUCH DER S CHWEIZ (3, 1868) kennt die FaN Trutmann und Truttmann im Wesentlichen für die Kantone SZ und UR, nicht jedoch für das Wallis. Trützi Trützi n. ist ein Alpname in Geschinen, wozu sich Trützialp (FLNK), der Trützibach, der Trützipass, der Trützisee und Trützital (LK, SK) (alle Geschinen) gesellen. Historisch ist das HL auch in Ulrichen als Tru ᵕ cin (1462 u. später) belegt. Die Lautung ist sehr unklar: normalerweise würde ein mhd. / ü/ zu / i/ entrundet. Der Beleg von 1562 in Ulrichen zeigt allerdings ein / u/ . Das folgende / i/ in der Nebensilbe würde ein später entrundetes / ü/ , also *Tritzi ergeben haben, was jedoch nicht der Fall ist. Man muss darum von langem, geschlossenen / u: / ausgehen, das zuerst zu / ü: / palatalisiert und dann zu / ü/ gekürzt worden wäre. Dafür spricht das geschlossene / ü/ von ts Trütsi (Geschinen). I D . führt den FlN Trützi in Geschinen unter dem Stichwort Trutz m. ‘ Trotz; Eigensinn, Widerspenstigkeit ’ auf, jedoch mit dem Vermerk, dass der Name wohl kaum hierher gehöre (I D . 14, 1673 ff., bes. 1676). Zu vermuten ist, dass ein mhd. trût ‘ traut ’ zu Grunde liegt, ev. in der Form Trût-is-i (I D . 14, 1547). Der Alpname wäre dann zu verstehen als ‘ die traute Alp ’ - ursprünglich ein Feminin, das als Diminutiv reanalysiert wurde. Trutzur Trutzur ist nur 1699 in Varen als jm Trutzur ‘ beim schroffen Fels ’ belegt. Trotz der deutschen Präposition liegt wohl ein romanisches Etymon zu Grunde. B OSSARD / C HAVAN (2006, 254) verweisen unter Truche auch auf Troutse ‘ schroffer Fels ’ und stellen es nach FEW (13, 2, 326 ff.) zu *tr ŭ dicare stossen. Die Endung auf / -ur/ deutet auf eine Ableitung, deren genaue Form jedoch unklar bleibt. Trüübi Trüübi n. ist nur einmal in Obergesteln als ts Trüübi (auch FLNK) belegt. Die historischen Belege haben 1834 im Truby und 1866 im Trübi. Die Lage und die Höhe verbieten eine unmittelbare Deutung zu schwdt. Trube n m. ‘ Frucht der Weinrebe ’ , Dim. ‘ Blüte, Frucht anderer Pflanzen spez. Johannisbeere, Traubenhyazinthe, Weinbergslauch ’ (I D . 14, 189 ff.), das im Wallis normalerweise als Triibel (G RICHTING 1998, 197 s. v. Triibl) erscheint; wenn jedoch eine andere Pflanze, die auf dieser Höhe wächst, gemeint ist (z. B. Johannisbeere, vgl. L AUBER / W AGNER / G YGAX 5 2014, 166 s. v. R IBES ALPINUM ), würde diese Deutung eine Rolle spielen. Trüüläte Trüüläte ist nur in Varen als Trüüläte ‘ die kleine Kelter ’ oder (sofern kollektiv) ‘ das Gebiet, wo man keltert ’ belegt. Die Notation von M. S. ist unsicher; / t/ , beim zweiten Mal / d/ , sind in Klammern, beim dritten Beleg fehlt die Klammer. Es ist deswegen unklar, ob das anlautende / t/ einen bestimmten Artikel vertritt. FLNK und LT haben jedoch Trülete. Historische Belege fehlen. Es ist deswegen davon auszugehen, dass afrz. truil ‘ Kelter ’ (FEW 13, 2, 39s. s. v. t ŏ rcu ᵕ lum; B OSSARD / C HAVAN 2006, 226; zur Sache E GLI 1986, 235 ff.; das ‘ deutsche ’ Wort heisst Triel) zu Grunde liegt. In Varen ist lautlich vom frz. Wort auszugehen. Da sich das Gebiet deutlich ausserhalb der alten Gemeinde Varen befindet, ist unklar, ob es sich tatsächlich um eine Kelter handelt, oder ob einfach das Gebiet danach benannt wird. Tsängle Tsängle ist einerseits in Leukerbad als di Tsängle ‘ das Felsband ’ belegt, anderseits 1404 in Albinen als Zenglo Eymons ‘ das Band des Eymon (PN) ’ . Für Leukerband kennt es R. G RICHTING (Blatt 2, Nr. 14) als Zänglä. Es handelt sich in beiden Fällen um cingula gürtel (FEW 2, 681 ff., bes. 683), wohl mit der Bedeutung “ chaîne des rochers ” (vgl. dazu auch M URET 1912, 9, fn. 1 und B OSSARD / C HAVAN 2006, 246 s. v. Cinglo ‘ vire ’ (= Felsband)). Tschaablu Tschaablu ‘ Schleif ’ erscheint in vlat. Form als cabulum, in Patois-Form als chabloz u. ä. und in angepasst deutscher Form aus dem Frpr. als Tschaablu u. ä. Wie FEW (2, 483 s. v. katabole das niederwerfen) zeigt, wird die Form châble (FEW 2, 484) und Verwandte für ‘ (Holz-)Schleif ’ , also ein ‘ glissoir ’ , eine schnelle Bahn für Holzstämme und ähnliches gebraucht. B OSSARD / C HAVAN (2006, 164) weisen Châble, Chabloz und Châblet als Flurnamen für solche Schleife nach. Zunächst ist das Simplex für das vlat. cabulum in de cabulo (1490, Albinen) bezeugt, gemischt sind lat. cabulum und frpr. ol chablo ab 1337 in Varen und im 14. Jhdt. in Ergisch belegt, blosses ol chablo ist 1242 in Erschmatt bezeugt, in Salgesch erscheint ab 1346 lo chabloz (später 393 394 Tschaablu <?page no="1016"?> andere Schreibweisen, darunter jn cabulis) und schliesslich lebend di Tschaable (Inden, Leuk), Tschaablu (Leukerbad; bei R. G RICHTING 1993, Blatt 9, Nr, 59 und Blatt 10, Nr. 9 als Tschablu). Vermutlich gehört auch yschabloz (1568, Salgesch) hieher, wo die Präposition y an den Flurnamen agglutiniert wurde. Ein einziger Genitiv Plural kommt 1353 in Turtmann als iuxta viam cabulorum ‘ neben dem Weg von / zu den Tschaablu ((Holz-) Schleife) ’ vor. Mit einem attributiven Adjektiv erscheint chabulum communem (1346, Salgesch), das auch als lo chabloz communes (1346, Salgesch) belegt ist, also ‘ der Schleif, der der Gemeinde gehört ’ (eigentlich: der Schleif, den alle benützen können). Auch in Leuk ist 1653 cabulum commune ‘ der Schleif, der der Gemeinde gehört ’ belegt. Ebenfalls in Leuk ist 1732 in tertio Cabulo ‘ beim dritten Schleif ’ bezeugt, wo wohl ein Thurrili ‘ kleiner Turm ’ einen kleinen Felsturm meint, der im Schleif stand. Ein nachgestelltes Adjektiv scheint in ad cabulum plan ‘ bis zum ebenen Schleif (? ) ’ (1721, Varen) vorzuliegen; das hier vertretene plan kann aber auch ein Nomen ‘ Ebene ’ sein. Mit einem präpositionalen Genitiv erscheint lo chablo dol sallent ‘ der Schleif beim Gebiet Sallent ’ (1328, Ergisch). Ähnlich ist cabulum dou plagnoul ‘ der Schleif von / zu einer Ebene ’ (1328, Ergisch, cf. HL P LAGNOUL ) zu verstehen. Ein weiterer Beleg ist cabulum du warnÿ ‘ der Schleif bei den Erlen ’ (1602, Albinen; cf. HL W ERNI ). In Salgesch ist 1494 cabulum de la coliery ‘ der Schleif beim steilen Abhang ’ belegt; M ATHIER (2015, 48) kennt Goliiri, folgt aber nicht der Deutung von T AGMANN (1946, 16 u. Ms. 37 f.), sondern nimmt eine Herkunft von colyrus ‘ Haselnuss-Strauch ’ an; J ACCARD (1906, 99 s. v. Colluaire) hat keine Lösung. B OSSARD / C HAVAN 2006, 246 s. v. Coluire folgen der Deutung T AGMANN s, die wir hier auch annehmen. Die Lemmatisierung der Beispiele in Ergisch (13. Jh.) als Cabulo Liischtu entspricht nicht den Belegen, die alle in listis de cabulo (13. Jh.), eys listes dol chablo (1328) und es listes dou chablo ‘ beim Bord des Holzschleifs ’ (1328) aufweisen, also das HL als Genitiv aufweisen. Ebenso ist in campis dou chablo ‘ bei den Felder beim (Holz-)Schleif ’ (1330, Leuk) zu behandeln. Weiter ist belegt: in cliue dou chano (? ) (1353, Salgesch), das 1579 als y cliwez dov chabloz ‘ der Abhang beim Schleif ’ erscheint, also chabloz ‘ Schleif ’ enthält. M ATHIER (2015, 54) kennt Kliiwe und Kliiwuschleif, also die deutsche Form ‘ Schleif ’ . 1328 ist in Ergisch en loy dol chablo ‘ bei der Wasserlache des Schleifs ’ bezeugt. Die Reihenfolge von Bestimmungswort und Grundwort ist im Französischen und Frankoprovenzalischen unklar. Es sind belegt: in cabulo mulin ‘ im Schleif der Mühle ’ (1494, Salgesch; bei M ATHIER 2015, 51 zitiert als “ in rabulo mulin ” ), ad cabulum Mangein ‘ beim Schleif des Mangin / der Familie Mangin ’ (1721, Varen) enthält wohl einen PN oder FaN. Als Bestimmungswort im Deutschen ist das HL in einem seltsamen Beleg notiert. M. S. hat ts Tschaabuloch und fügt als Deutung der Gwp. bei "Hier übernachten die <tschaaben>: Bergdohlen". R. G RICHTING (1993, Blatt 5, Nr. 17 und Blatt 7, Nr. 9) kennt die gleiche Stelle als Tschabluloch, stellt es also zum HL T SCHAABLU ‘ (Holz-) Schleif) ’ . Die Deutung der Gwp von Tschaabu für Bergdohlen lässt sich nicht belegen. Eine Mehrfachbildung ist in der Grächtschabluhubil ‘ der Hügel beim Schleif der Grächta (Grat, Krete) ’ (Leuk, FLNK Grächttschaabuhubil), laut der Beschreibung ein Tannenwald auf dem Schutthügel des Illgrabens. Die Form tschaabu (FLNK) bezieht sich hier kaum auf Tschaabu ‘ Bergdohle ’ , sondern lässt sich als Vereinfachung zum HL T SCHAABLU ‘ Schleif ’ deuten. Tschaabu Tschaabu ist nur einmal belegt in ts Tschaabuloch (Leukerbad). Die Gwpp. deuten es als ‘ Bergdohle ’ und das Kompositum als ‘ Höhle für die Bergdohlen ’ ; wir können diese Deutung bisher nicht bestätigen. In G RICHTING (1993, Blatt 5, Nr. 17) steht Tschabluloch. Es wird hier also zum HL T SCHAABLU ‘ (Holz-)Schleif ’ gestellt. Zu vermuten ist, dass eine Vereinfachung von Tschaabluloch zu Tschaabuloch vorliegt. Tschaaffe Tschaaffe ist als di Tschaaffe ‘ die warmen Stellen ’ (Varen, auch FLNK und LT) belegt. Die historischen Belege von 1654 haben Tschaffa, im gleichen Jahr jm Schauo, 1675 in die Schaffa und 1679 in d Schaffa. Die Flur liegt am unteren Teil des Gulantschi (Bach) zwischen Varen und Salgesch auf ca. 660 m. Beschrieben wird die Flur als Reben. Und weiter: Kleiner Rücken und Mulde. Es ist wohl zu lat. calefacere wärmen (FEW 2, 78 ff.) zu stellen und meint wohl eine warme Stelle. Tschaanu Tschaanu ist belegt als zum Tschaanu (Varen; FLNK Tschaane). Es handelt sich um Reben auf ca. 680 m an der Gemeindegrenze zu Salgesch. Laut SK befindet sich die Flur direkt an der alten Strasse von Varen nach Salgesch. Die Form scheint eine Endung / NE / zu enthalten, die bei einer Ableitung von campus nicht möglich ist. Könnte also ein PN zu Grunde liegen, das frz. Jean hiesse? Die Frage lässt sich nicht beantworten und deswegen bleibt die Flurbezeichnung ungedeutet. Tschaabu 395 396 <?page no="1017"?> Tschaarlu Tschaarlu ist in ts Tschaarlubodi ‘ der kleine Boden, wo das Vieh geteilt wurde ’ (Ried-Brig; FLNK Scharlibodo) belegt. Laut Beschreibung ist <tschaarlu> ein Verb für ‘ das Vieh teilen ’ . Das Verb ist als tscharle n , tscharlu n ‘ die gemeinsam gesömmerten Schafe im Herbst auf die einzelnen Besitzer verteilen ’ (I D . 14, 1796) belegt. Tschaat Tschaat kommt nur in Planitschaat (Varen) vor, einem Teil der Varneralp. Es handelt sich um ein Kompositum von plan ‘ eben ’ und dem frpr. ts ā t ‘ die höchst gelegene Weide ’ (nach T AGMANN 1946, 46), das üblicherweise auf * CALMIS ‘ nicht bebautes oder bebaubares Feld ’ zurückgeführt wird. Hiervon wird auch das im Oberwallis gebräuchliche Gale abgeleitet (cf. HL G ALE ). Zu deuten ist Planitschaat als ‘ hochgelegene, ebene (Alp-)Weide ’ . Tschäb tschäb ist ein Adjektiv, das zu schwdt. Adj. tschëb, tschäb (bzw. -p) ‘ schief, schräg, krumm; quer verlaufend ’ und wdt. tschäb ‘ schief, schräg ’ (I D . 14, 1687; G RICHTING 1998, 199) zu stellen ist. Belegt ist es in dr Tschäb Grabem ‘ der schiefe Graben ’ (Ferden) und dr Tschäb Wäg ‘ der krumme, schiefe Weg ’ (Blatten). Tschabonet Tschabonet ist in Inden als ts Tschabonet mit Erstbetonung belegt; FLNK hat Zabonet, das auch M ATHIEU (2006, 13) für Albinen kennt. In Inden ist weiter Zabonetweg ‘ der Weg vom / zum Zabonet ’ belegt. Wie unter dem HL S ABONET für Albinen ausgeführt, ist die Endung ein Diminutiv auf lat. - ITTU ; als Nomen kommt entweder lat. SABUCUS ‘ Holunder ’ (FEW 11, 6; M EYER 1914, 105), also etwa ‘ das kleine Gebiet mit Holunder ’ , oder lat. ( JUNIPE- RUS ) SABINA ‘ der Sefistrauch ’ (FEW 11, 5), also etwa ‘ das kleine Gebiet mit Sefisträuchern ’ in Frage. Beide Pflanzen sind auch in L AUBER / W AGNER / G YGAX ( 5 2014, 1000 und 92) belegt. Wahrscheinlicher ist die zweite Herleitung. Tschache Tschache ist nur einmal belegt in im Verbotte Tschache ‘ im verbotenen kleinen Gehölz ’ (Geschinen). Es ist zu schwdt. Schache n , Tschache n m. ‘ kleines Gehölz, kleine, vereinzelte Waldparzelle ’ , ahd. scahho, mhd. schache ‘ einzeln stehendes Waldstück, Vorsaum eines Waldes ’ (I D . 8, 102 ff.) zu stellen. Tschache ist durch Affrizierung von anlautendem sch- > tschentstanden. Gwp. ist nicht sicher, ob hier eine Aufforstung gemacht und darum der Weidgang verboten gewesen sei. Die Deutung von Verbotte ‘ verboten ’ ist unklar. Tschachte Tschachte (pl.) stammt aus dem frkpr. Patois. Laut G PSR 3, 429 - 431 (s. v. Château, frpv. tsaté), wohl mit der Bedeutung ‘ Sommet d'une montagne de forme arrondie ’ (430) oder ‘ Tas, morceau de pierre, de débris ’ (430). Das inlautende -cherklärt sich aus der Entwicklung von -stzu -chtin den alemannischen Dialekten des unteren Oberwallis (siehe T AGMANN 1946, 7). Das Lemma kommt in Leukerbad und Varen vor; in Varen mit Hinner Tschachten ‘ hinter den Tschachten ’ und Tschachtuhubil ‘ Hügel bei den Tschachten ’ . Tschachtela (Salgesch) dagegen gehört zu châtelard ‘ château fort ’ (G PSR 3, 432) (cf. HL C HASTELAR ). Tschaetu Tschaetu, auf LK Tschajetu ist in Varen belegt, einmal als di Tschaetä (wohl Plural) und, davon abgeleitet, Tschaajetutotz ‘ der (Fels-)Totz bei der Alpe Tschaajetu ’ und das Tschaetuhoru / Tschajetuhorn (LT). Der Name muss romanisch sein; das Fehlen jeglicher historischer Belege macht eine Erklärung aber obsolet, auch wenn der Anlaut u. U. zu tsa < lat. CAMPUS ‘ Feld ’ zu stellen ist. Tschafel Tschafel, heute Tschafil ist der Name einer Alpe im Turtmanntal auf dem Gebiet der Gemeinde Ergisch. Der Name ist romanisch und könnte auf frkpr. ts ā blo ‘ Schleif ’ < lat. CATABULUM (M EYER 1916, 162; T AGMANN 1946, 65) zurückgehen, wenn man annimmt, dass intervokalisches / b/ zu / f/ spirantisiert wurde. Das Simplex Tschafil (Ergisch) ist historisch als Chaffel (1546), später als Z'Schofol (1706) und Tschaffoll (1727) belegt; trotz der Schreibvarianten ist immer eine Struktur Tschafel erkennbar, mit wechselnden Neben- und Hauptvokalen. Zu Tschafil gibt es ein Namennest mit Tschafilbach, Tschafiltschuggu, Tschafilvorsaas, Tschafelwald, Tschafilwang und komplexeren Tschafil der Ober Stafil und Unner Tschafel (SK, wohl zu verstehen als ‘ der untere Stafel der Alpe Tschafil ’ ). Unklar ist, ob die historischen Belege zen Tschaffnetten (1634, Ergisch) und auff Tschaffletun (/ Tschapsletun? ) Eggún (1745, Ergisch) hieher gehören. Im zweiten Fall ist die Lesung unsicher; im ersten fehlt ein / l/ . Tschafinu in Leukerbad gehört nicht hieher; dort ist aber Tschablen zu frkpr. ts ā blo belegt. Tschagging Tschagging ist 1702 in Leuk als jm Tschagging belegt. Es handelt sich um eine Wiese. Vermutlich ist der Beleg verschrieben oder verlesen für das besser belegte Tschapping ‘ im Tannengehölz ’ (cf. HL T SCHAPPING ). 397 398 Tschagging <?page no="1018"?> Tschal Tschal f. ist nur in Leukerbad als di Tschal belegt; LT hat ebenfalls Tschal, FLNK Tschaal. R. G RICHTING (1993, Blatt 17, Nr. 10 und Blatt 18, Nr. 12) kennt es als Tschal. Es handelt sich um eine Alpe östlich von Leukerbad auf rund 2500 m unterhalb des Ferdenrothorns. Es dürfte sich um eine Agglutination des femininen Artikels an eine Weiterentwicklung zu *sal (anfrk.) einraumhaus (FEW 17, 8 ff) handeln, hier zu verstehen als ‘ saalartige Alpe ’ . Vergleichbar ist HL S ALL , das neben einer Baute auch als Flurname auftritt; die feminine Form Tschal entstammt jedoch dem Frpr. š ala vgl. M EYER (1910, 84 u. 171) und T AGMANN (1946, 81). B OSSARD / C HAVAN (2006, 219) erwähnen u. a. Sales zu diesem Etymon. Tschalet Tschalet ist zu Tsalet ‘ kleines Chalet, bewässerte Wiese um die Alphütte, Bergwiese ’ zu stellen (T AGMANN 1946, 44 f., mit Verweis auf * CALA ‘ geschützte Stelle ’ (FEW 2, 50); B OSSARD / C HAVAN (2006, 240 s. v. Chalet, Tsalet). Belegt ist es in Guttet 1580 als tschaletum (latinisiert) und im gleichen Jahr als ab exteriori tschaleto Staphel; auch hier ist tschaleto vermutlich eine latinisierte Form. Kaum verstandenes Chalet liegt in lochales de blettes ‘ das Chalet der Alpe Blettes ’ (1388, Varen) vor. Welche Deutung genau zutrifft, geht aus den Urkunden nicht hervor. Tschalibani Tschalibani ist nur in Varen als ts Tschalibáni (FLNK Tschalibani) ‘ das Feld der Familie Lambien ’ belegt. Die historischen Belege sind 1661 en Schalambani, 1692, im Schalobani, 1712 in Schalabani, 1737 im Tschalibany. Der älteste Beleg legt den FaN Lambien nahe, Tscha oder Scha wäre zu frz. champ ‘ Feld ’ (< lat. campu) (sonst auch Tsa) zu stellen. Gemeint ist dann das Feld der Familie Lambien (AWWB 145). Diese Deutung beruht auf der ältest belegten Form. Tschalmetu Tschalmetu ‘ die kleine Alpweide ’ ist als Tschalmetu (Leukerbad, SK und LT Tschalmeten, FLNK Tschalmetu) und ein zweites Mal als Tschalmetu (Leukerbad) belegt. Es handelt sich um zwei Flurnamen, von denen der eine auf rund 2300 m belegt ist, der andere auf rund 1970 m. R. G RICHTING (1993) kennt den einen als Tschalmätu (Blatt 11, Nr. 5; Blatt 13, Nr. 11; Blatt 14, Nr. 6), den anderen als Tschalmätä (Blatt 27, Nr. 6). T AGMANN (1946, 53) führt die Namen mit der Literatur auf frpr. CALMIS zurück ( ‘ die höchste Weide ’ ). Einschlägig dürfte H UBSCHMIED zu Frutigen (1940, 7) sein, der Tschalmetta auf ein Diminutiv zu * CALMIS zurückführt, eine Deutung, die auch hier zutreffend ist. Tschaloos Tschaloos n. ist nur in Grengiols belegt. FLNK hat Schaloos. Ein Beleg von 1527 nennt z Schallos. Das anlautende / ts/ in Tschaloos stammt wohl von der Präposition ze ‘ bei ’ . Es handelt sich um ein kleines Gut (lat. PREDIOLUM ) auf ca. 1150 m. Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe. I D . (8, 548) kennt ein Adjektiv schallôs ‘ ungeschalt, schalenlos ’ und verweist dafür auf G R W B (14, 2096), welches im Wort das “ sinnbild des leicht verletzbaren ” erkennt. Vermutlich liegt dieses Adjektiv auch dem sonst nicht belegten Namen in Grengiols zu Grunde; die Motivation dafür lässt sich kaum erkennen, sie könnte aber mit der Kleinheit des Gutes zusammenhängen. Tschambong Tschambong m. ist als der Tschambong ‘ die Wasserleitung vom / zum Feld ’ (Leuk) belegt. 1752 erscheint das HL als der Zambong, direkt als communem aqua'ductum ‘ die Wasserleitung, die der Gemeinde gehört ’ benannt. Das HL leitet sich aus kelt. *cambos feld (FEW 2, 127) oder lat. CAMPU ‘ Feld ’ (G PSR 3, 189 ss. s. v. champ) ab. Tschammpedü Tschammpedü (mit Erstbetonung) ist Salgesch belegt, auch bei T AGMANN (Ms., 107) als Schampedü und M ATHIER (2015, 38) als Tschampedü erwähnt. Die Flur wird auch von FLNK und LT Tschampedü genannt und liegt oberhalb des Dorfes Salgesch an der Raspille. T AGMANN (Ms., 107) erwähnt zwei historische Belege, die sonst fehlen: im 15. Jhdt. ein Beleg aus Z IMMERLI (1899) En Chanpondou [lies Chanpoudou? ] und ein Beleg von 1494 en Champoudu. Diese beiden Belege fehlen in der Datenbank ebenso wie bei M ATHIER . Den ersten Teil führen die beiden Autoren auf lat. CAMPU ‘ Feld ’ zurück (G PSR 3, 289 s. v. champ), das für das Patois durchwegs tsan angibt. Was den zweiten Teil anbelangt, ist T AGMANN vorsichtigerweise der Meinung, es handle sich um einen PN, während M ATHIER eine Ableitung zu lat. ad-uro ‘ anbrennen, brennen, versagen ’ annimmt, die sich auf den sonnenverbrannten Boden beziehe; soweit wir sehen, ist ad-uro sonst nirgends als Quelle erwähnt; hingegen hat FEW (24, 187 f.) mehrere Belege zu adurere, *adurare, adustio und adustus, die aber kaum als Deutung in Frage kommen. Ziemlich sicher ist das auslautende / n/ von tsan assimiliert zu / m/ vor dem folgenden Labial. Die historischen Belege legen so etwas wie poudou oder poudu nahe. Ein entsprechender PN ist jedoch nicht zu Tschal 399 400 <?page no="1019"?> finden. Die Formen seit 1838 lassen keine klare Deutung zu, da sie für eine sichere Deutung zu spät sind. Tschampen (FaN) Tschampen FaN ist der FaN Tschampen, Champon, Schampo, seit dem 14. Jh. im Wallis belegt (AWWB 266). I D . führt den Namen unter dem Stichwort Tschamp m. ‘ abschätzige Bezeichnung eines Menschen ’ auf, vermerkt jedoch, dass die Herkunft des Familiennamens unsicher sei (I D . 14, 1735 f.). In den Flurnamen erscheint der Name als Tschampe nur in Grengiols und zwar als ts Tschampematt ‘ die Mähwiese der Familie Tschampen ’ und mit den Formen ts Erscht Tschampematt, ts Zweit Tschampematt und ts Dritt Tschampematt. Die übrigen Formen enthalten die kollektive - IG -Ableitung, normalerweise im Genitiv Plural, hier als Tschampigo oder Tschampigen, alle in Binn. Zentral ist Tschampigen ‘ die Alpe der Familie Tschampen ’ (SK, Binn) als Alpname, wozu Tschampigen Senntum (1572), ZSchampigo Ferichs ‘ des Pferchs der Familie Tschampen ’ (1714), ZSchampigo Freichi ‘ die Freichi der Familie Tschampen ’ (1714), der Tschampigchäller ‘ der (Käse-) Keller der Alpe der Familie Tschampen ’ , Tschampigen Matt ‘ die Mähweise der Familie Tschampen ’ (1629), der Tschampigbrunnegieu ‘ der Hügel der Quelle / des Brunnen der Familie Tschampen ’ , ad Tschampigen Bielthin ‘ beim kleinen Hügel auf der Alp Tschampigen / der Familie Tschampen ’ (1629), Tschampige Wiissi ‘ die Weisse (weisses Gelände) der Alp Tschampigen / der Familie Tschampen ’ , Tschampigläger (LT, FLNK) ‘ die Lagerstätte für das Vieh auf der Alpe Tschampige / der Familie Tschampen ’ . Komplexer sind Mauren Zschampigen Abentweÿdt ‘ die Abendweide des Moritz Tschampen ’ (1714) und der Schäre in Tschampige Wiissi ‘ der Schutzunterstand in der Weisse (weisses Gelände) der Alpe Tschampigen / der Familie Tschampen ’ . Die Namen in Binn beziehen sich auf die Alpe Tschampigen, die nach der Familie benannt ist, auch wenn sie ihr nicht mehr gehört. Tschampiichtru Tschampiichtru ist in Salgesch belegt, historisch auch als Champichtro in Albinen. In Salgesch komm es lebend als Tschampiichtru vor, T AGMANN (Ms., 109) hat Schampitro, M ATHIER (2015, 65) Tschampichtru. Die ältesten Belege in unserer Datenbank sind: 1442 Champetro, 1469 in Campestris, 1492 en Champestroz , 1560 in Campichtro. Der Wechsel von / st/ zu / cht/ würde dem Patois entsprechen. Die Belege von T AGMANN und M ATHIER beginnen erst 1594. Nach M ATHIER handelt sich um eine Patois-Form, bestehend aus (t)scham ‘ Feld ’ (< lat. CAMPUS ) und einem zum lat. PETRA ‘ Stein ’ gehörenden Patois-Wort. Diese Herleitung kann allerdings nicht erklären, warum ein inlautendes / cht/ < / st/ entsteht. Der latinisierte Beleg von 1469 in Campestris legt vielmehr eine Ableitung vom lat. Adj. CAMP Ĕ STRIS ‘ zum Felde gehörig ’ (FEW 2, 155) nahe, also etwa ‘ in den Feldern ’ , vgl. auch M EYER (1914, 79, 113), der von CAMPESTRE ausgeht. Die späten Formen vom Typ Champitro (1572) finden ihr Gegenstück in Chang Pitro (Varen). T AGMANN (Ms., 109) gibt keine Deutung. M ATHIER (2015, 66) hat weiter Tschampichruwasserleitu ‘ die Wasserleitung durch das Gebiet Tschampichtru ’ , mit Belegen von 1442 u. später; bei uns unter Tschampiichtru aufgeführt. Tschampiisse Tschampiisse ‘ die kleinen Felder ’ ist nur als Tschampiisse (Varen) belegt. Ein historischer Beleg von 1762 hat in Tschampitro. Dieser historische Beleg ist wohl zum HL T SCHAMPIICHTRU ‘ die Felder ’ zu stellen. Tschampisse selbst gehört eher zu *campellos (T AGMANN 1946, 58). Die Deutung zu -is wird an der angegebenen Stelle bei T AGMANN begründet. Tschänntre Tschänntre ist als di Tschänntre (Ergisch), belegt. Weiter kommen di Tschäntre (Inden), Tschänträ (FLNK, Erschmatt) und di Tschentre (Salgesch) hinzu. Die Flurnamen sind wohl ursprünglich zum rom. Tschentre zu stellen. T AGMANN (1946, 58 f.) kennt es, das er als ‘ petite parcelle de pâturage ’ , also ‘ kleines Gebiet für die Weide ’ benennt. Die genaue Etymologie ist unbekannt. T AGMANN gibt eine Reihe von ähnlichen Namen, ohne sich auf deren Herkunft festzulegen. Die nächstliegende Deutung bezieht sich wohl auf Chintre (G PSR , 3, 581 ss.) mit verschiedenen Bedeutungen. Tschannz Tschannz m. ist nur in der Tschannz (Saas-Almagell) belegt. Laut Gwp. handelt es sich um einen Weg über einen vorspringenden Felsen. Der FaN Tschanz (meist bernisch) kommt kaum in Frage, da er im Wallis nicht belegt ist. Andere Herleitungen passen ebenfalls nicht. Eine Deutung kann deswegen nicht gegeben werden. Tschappet Tschappet ist 1637 in Salgesch als jn Tschappet belegt. Wohl zum gleichen HL ist Tschappe (FLNK, Albinen) zu stellen, bei M ATHIEU (2006, 41 u. 45) als Tschappä belegt. Vermutlich liegt dem Beleg in Salgesch ein modernes Champet (G PSR 3, 293) zu Grunde, das nur in Flurnamen erscheint und als Ableitung auf - ITTU von champ (FEW 3, 401 402 Tschappet <?page no="1020"?> 157) interpretiert wird, also ‘ das kleine Feld ’ . Der Beleg in Albinen dürfte ursprünglich auf den gleichen Ursprung zurückgehen, hat aber das auslautende / t/ in der Aussprache aufgegeben. Tschäppi Tschäppi ist nur in ts Tschäppischgrabu ‘ der Graben des Tschäppi ’ (Gampel) belegt. Die Konstruktion legt den Namen eines Besitzers nahe. Das Appellativ wdt. Tschäppi n. ‘ alter Hut ’ (G RICHTING 1998, 199) ist belegt; gemeint sein kann deswegen ein Übername: ‘ der Träger eines alten Hutes ’ . Tschäppi ‘ leichter Schlag mit der Hand ’ (I D . 14, 1758) ist weiter als erstarrtes Diminutiv zu Tschapp ‘ Schlag ’ (I D . 14, 1756) belegt; beide kommen für den Flurnamen kaum in Frage. Ob Tschapp II ‘ langsame, tölpelhafte Person, etwas beschränkter, gutmütiger Mensch ’ (I D . 14, 1758) möglich ist, bleibt unklar. Insgesamt dürfte aber ein Übername (mit unbestimmter Bedeutung) angenommen werden. Tschapping Tschapping kommt historisch in Leuk seit 1689 vor. Die Flur muss sich laut dem Beleg von 1736 im Schaping zur Pletzen befunden haben; Pletschu lebt heute noch südlich von Susten im Leukergrund. Ein Beleg von 1775 sagt weiter, die Flur habe gemeinhin auch das Dreÿspitzi geheissen; der Name ist allerdings sonst nicht belegt. Man sieht aber auf der Karte recht gut, dass der südliche Teil der Pletschu ursprünglich eine Art Dreieck bildete. Der Flurname selbst ist zu *sappus tanne (FEW 11, 214 ff.; G ERSTER 1927, 62) zu stellen und entspricht frz. sapin; hier vermutlich als ‘ im Tannengehölz ’ zu verstehen. Der historische Beleg im Tschapping (1689 u. später, Leuk) gehört hieher. Tscharass Tscharass ist nur einmal in Leukerbad als Tscharass ‘ der schlechte Weg ’ belegt, mit Erstbetonung und Halblänge des ersten / a/ . R. G RICHTING (1993, Blatt 13, Nr. 17 und Blatt 14, Nr. 17) kennt es als Tscharras. Es handelt sich um ein recht steiles Gelände nordöstlich von Leukerbad auf rund 1880 m. Soweit auf der Karte erkennbar, geht es um glattgeschliffenen Fels mit wenig Graswuchs. Es scheint, dass eine pejorative Ableitung auf - ACEA (B OS- SARD / C HAVAN 2006, 288) zum lat. carrus karren (FEW 2, 426 ff.) vorliegt, das als ‘ schlechter Weg ’ betrachtet werden kann. Tschärät Tschärät ist nur belegt in dr Tschäräthubel ‘ der Hügel, wo das Tschärät-Spiel gespielt wurde ’ (Wiler). Das Spiel mit dem Tschäret m. (ca. 5 cm dicke Holzkugel) ist eine Vorform des Hornussens. I D . stellt es zu tsara(t), Bedeutung unklar (I D . 14, 1787 f.; S EEBERGER 1956, 39 ff.; S PYCHER 1985, 25 f.). Tschärbine Tschärbine ist nur einmal als di Tschärbine (Ergisch) belegt, 1745 als im Tscherbignÿ. Es handelt sich vermutlich um einen romanischen Namen, der zu einem deutschen Plural umgedeutet wurde. Die genaue Form lässt sich aus den späten Belegen nicht mehr rekonstruieren; es handelt sich aber wohl um eine Ableitung zu * CALM ( IS )- ‘ pâturage le plus élevé ’ (T AGMANN 1946, 53 s. v. Tsarmetta), mit Entnasalierung des / m/ . Eine Trennung in Tschär und Bine (zum HL B IINA ) kommt kaum in Frage. Tscharei Tscharei (Eggerberg, mit Zweitbetonug) ist eine Flur in Eggerberg, deren älteste Belege 1626 Tscharreÿ, 1652 Tscharreÿ, 1719 Tschereÿ und 1737 Tscherreÿ lauten. Der gleiche Ort heisst in Lalden Tschärei (mit Zweitbetonung) und den ältesten Belegen 1666 im Tscherreÿ, 1692 de Tscherrey, 1697 apud Tscharreÿ, 1861 in Tscherrey. Z IMMERMANN (1968, 41) kennt den Ort in Lalden als Scharei (mit Zweitbetonung) und nennt frühere Belege von 1589 apud Tsarreij, 1594 de Zerrey und de Zerreij, 1595 die Zerreigassen, 1596 die von Zarrei, 1663 de Zscharrey und 1665 de Tscharreij. In Visp sind historisch belegt: 1595 apud Zarreÿ, 1616 apud Tscharreÿ, 1665 Tscharreÿ. Dazu kommt in Visp 1595 die Zarrej Gassen, die im Text als via aquatoria ‘ der Wasser-Weg ’ bezeichnet wird und die, laut Text, zu illam Jnsulam ‘ jener Aue ’ führt. SK nennt die Flur Tscherei; die neueren Karten kennen den Namen nicht mehr; das Gebiet ist überbaut. Eggerberg verfügt auch über historische Belege zu einem Kompositum im Tschareÿ Grundt (1711) und im Tscherreÿgrund (1737). Z IMMERMANN (1968, 42) führt den Namen auf eine agglutinierte Präposition zur und das HL E IE ‘ Aue ’ zurück. Dagegen sprechen zwei Gründe: die sonst so nicht belegte Zweitbetonung und die Kurzform Ei, die sonst für das HL E IE nie belegt ist. Nicht wissen konnte Z IMMERMANN , dass es auch in Inden di Tschareie gibt (so auch auf LT, auf SK nur Tscharei), mit einem Beleg von 1700 in Zarreÿe. Inden kennt sonst keinen Beleg für das HL E IE . Es weist aber mehrere Belege für frpr. Namen auf. Das gilt zwar für das Gebiet Eggerberg, Lalden und Visp nicht in gleicher Weise, aber auch hier dürfte ein romanisches Wort vorliegen. Am nächsten kommt dem Namen der Beleg tsarèya ̩ ‘ action de charrier, de transporter ’ (die Handlung des Transportierens) (G PSR 3, 396a), eine - ATA -Ableitung Tschäppi 403 404 <?page no="1021"?> zum Verb charrier ‘ transportieren ’ , ev. ähnlich zu verstehen wie Waguleisa ‘ der Karrenweg ’ . Tscharesina Tscharesina ist 1357 als ad Cristam Saracenam und 1365 in Crista Sarazinan belegt. Lebend kommt der Name als Tscharesina (Salgesch) vor; LT und FLNK haben Tscharasina (die Datenbank des VSNB verzeichnet Crista Tscharesina und Tscharesina getrennt). M ATHIER (2015, 97) hat Tscharasina und führt es auf lat. *carra ‘ Stein ’ und ein Diminutivsuffix zurück. Diese Deutung wird von T AGMANN (Ms. 1, 118 f.) jedoch abgelehnt und auf * SARCENA entsprechend wdt. “ Heidenbiel ” zurückgeführt; eine solche Deutung ist aber im Oberwallis mehrfach als Heidubiel u. ä., aber nie so in Salgesch belegt. T AGMANN nimmt an, dass dies besser passe, als eine Ableitung vom FaN Sarrasin. Dass das belegt Saracenam usw. dennoch die ursprüngliche Form darzustellen scheint, ist wohl auf den FaN Sarrasin (AWWB 230) zurückzuführen, der seit dem 13. Jahrhundert im Wallis belegt ist. Tscharesina ist daher der Hügel (crista), der der Familie Sarrasin gehörte. Tschärmelonga Tschärmelonga ist als in Tschärmelonga (Albinen, auch FLNK) belegt. LT hat Tschärmilonga, SK Chermignon. M ATHIEU (2006, 57 und 59) kennt Tschärmilonga. Die historischen Belege haben 1317 alpis de chalmenonna, 1328 subtus chelmenona usw. mit wechselndem / a/ vs. / e/ . Der erste Beleg mit / r/ an Stelle von / l/ begegnet 1406 als chermenona usw. M URET (1907, 153) erwähnt mit Zustimmung den PN Carminius, den J ACCARD (1906, 85) nur für den Ort Chermignon (Gemeinde Crans-Montana oberhalb von Siders) annimmt. Seltsamerweise haben aber unsere ältesten Belege nicht / r/ , sondern / l/ . Obwohl bekannt ist, dass / lm/ im patois zu / rm/ werden kann (cf. balma vs. barma), müsste man sich die Frage stellen, ob nicht auch eine andere Deutung in Frage kommt, doch ist die Autorität von M URET unbestritten und es kann deswegen auch eine falsche l-Bildung vorliegen. Die heute lebende Form Tschärmelonga oder Tschärmilonga enthält / ng/ als Zeichen für eine frühere Nasalierung und eine volksetymologische Umdeutung des Auslautes auf -longa (wohl zum lat. l ǒ ngus ‘ lang ’ ), die in den historischen Belegen nicht aufscheint. Die heutige Namensform ist SK um 1882-84 noch nicht bekannt, die einfach Chermignon schreibt. Tscharmoniiri Tscharmoniiri ist in dieser Form nur in Albinen als Tscharmoniiri belegt. Die historischen Quellen geben 1602 v Charbonier und 1660 en Charboneyres an. M ATHIEU (2006, 39) kennt es als Tscharmuniiri. Zu Grunde liegt dem Namen das frz. charbonnière (G PSR 3, 356 s.; T AGMANN 1946, 68), dt. meist als Cholplatz ‘ der Ort, wo (Holz-) Kohle hergestellt wird ’ . In Inden ist es als t Tschärminiiri f. ‘ der Ort, wo (Holz-)Kohle hergestellt wurde ’ belegt, mit den komplexeren Tschärminiriwald (FLNK) und Tschärminiriwäg (FLNK). Tschärschöüde Tschärschöüde ist nur als in Tschärschöüde (Agarn) mit Erstbetonung belegt. FLNK und LT haben Tschärschweidu, 1: 10000 Tschärsweidu. Letztere Belege analysieren also das Grundwort Weidu und einen Genitiv eines