Populärwissenschaftliche Artikel verfassen
1124
2025
978-3-3811-2222-6
978-3-3811-2221-9
expert verlag
Günter Lehmann
10.24053/9783381122226
Die Fähigkeit Forschungsergebnisse allgemeinverständlich oder zumindest für Nicht-Spezialisten verständlich darzustellen wird immer wichtiger. Neben einem allgemeinen gesellschaftlichen Interesse an Wissenschaft benötigen zum Beispiel auch Entscheider in Unternehmen verständlichen Zugang zu den Resultaten ihrer F&E Abteilungen. Wie aber die Aufbereitung der eigenen Ergebnisse zielgruppengerecht gelingt, wird in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen selten gelehrt. Dieses Buch vermittelt mit vielen Beispielen aus der Praxis, wie das gelingt.
9783381122226/9783381122226.pdf
<?page no="0"?> GÜNTER LEHMANN Populärwissenschaftliche Artikel verfassen <?page no="1"?> Populärwissenschaftliche Artikel verfassen <?page no="3"?> Günter Lehmann Populärwissenschaftliche Artikel verfassen <?page no="4"?> DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381122226 © 2025 · expert verlag ‒ Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro‐ verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Heraus‐ geber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.expertverlag.de eMail: info@verlag.expert Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISBN 978-3-381-12221-9 (Print) ISBN 978-3-381-12222-6 (ePDF) ISBN 978-3-381-12223-3 (ePub) Umschlagabbildung: © Melon@stock.adobe.com Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. <?page no="5"?> Vorwort Karriere zu machen, ist ein erstrebenswertes, völlig legitimes Ziel. Alle Relativierungen, falsche Bescheidenheit sind fehl am Platz. Die Planung der Führungs-, Fach- oder Projektkarriere ist ein wichtiges Thema für jeden Berufseinsteiger, in diesem Buch für Studierende höherer Studienjahre und Absolventen von Universitäten und Hochschulen. Die einschlägige Literatur ist reichhaltig im Angebot. Sie enthält zahlreiche berufliche Offer‐ ten und eine Fülle detaillierter Hinweise für die Gehaltsverhandlung, das Bewerbungsgespräch oder für den gelingenden Auftritt im Recruting Event. Aber keiner der zahlreichen Ratgeber erwähnt mit Bezug auf Karriere den „Schatz“ der Absolventen: die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeiten und deren Verwertung. Manch einer wird vielleicht an dieser Stelle fragen: Weshalb oder wofür soll ich meine Graduierungsarbeit verwerten? Soll ich riskieren, in der Öffentlichkeit vorgeführt zu werden? Welcher Nutzen ergibt sich für mich aus der Veröffentlichung meiner wissenschaftlichen Arbeit? Welcher Wert entsteht mit dem Verwerten für mich persönlich? Wer nach intensiver geistiger Arbeit eine wissenschaftliche Arbeit vor‐ gelegt und die Hürden der Disputation erfolgreich gemeistert hat, empfindet berechtigten Stolz. Ein Hochgefühl, das sich verstärkt, wenn die Ergebnisse in einer Publikation gedruckt vorliegen oder ein Publikum am Vorgetra‐ genen Interesse zeigt oder das Ergebnis in einem Produkt bzw. in einer Leistung manifest wird. Und jedes Feedback bringt den Graduierten weiter, auch und besonders ein kritisches. Wer das nicht so oder ähnlich empfindet, dem stiehlt wahrscheinlich die weitere Lektüre dieses Buches unnötige Zeit. Pardon für diese Zuspitzung. Aber ohne vom eigenen Interesse getragenes Engagement kann Verwertung nicht erfolgreich gelingen. Nun gibt es in jedem Absolventenjahrgang an den Universitäten und Hochschulen eine ganze Reihe Mutiger, die ihre wissenschaftlichen Arbeiten und insbesondere die erzielten Ergebnisse sofort veröffentlichen möchten. Sie ziehen dabei z. B. eine Publikation in einer Fachzeitschrift in Erwägung und erreichen dabei vielleicht sogar die Freigabe von unternehmensinternen Informationen in ihrer Arbeit. Aber sie haben das Überangebot an die Verlage unterschätzt und ihre Chance als „No Name“ überschätzt. Um erfolgreich zu sein, sollte sich der Neueinsteiger Referenzen besorgen, eine <?page no="6"?> Kurzpublikation anbieten oder noch besser: Er verfasst einen populärwis‐ senschaftlichen Artikel über seine wissenschaftliche Arbeit. Darin erfährt eine fachfremde Leserschaft Interessantes und vor allem Nützliches für ihren beruflichen und lebensweltlichen Alltag. Im Unterschied zu allen anderen Textsorten für das Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten verfasst der Autor der Arbeit selbst den populärwissenschaftlichen Artikel. Auch überlässt er dessen Veröffentlichung nicht anderen, sondern kümmert sich selbst darum, seinen wissenschaftlichen Text Fachfremden zu präsentieren. Auf diesem Weg möchte das Buch seine Leser begleiten. Es soll dem Han‐ deln von wissenschaftlich Tätigen beim Verfassen von wissenschaftlichen Texten Orientierung geben. Übrigens, inzwischen ist das Interesse an dieser Textsorte auch bei im Beruf Angekommenen festzustellen. Auch Fach- und Führungskräfte wählen diesen Weg, um ihre Ideen, Projekte, Lösungen und Anregungen zeitnah einer Öffentlichkeit in ihrem Berufsfeld vorzustellen. Mit einem Überblick wird in Kapitel 1 ein Angebot für das Verwerten von Ergebnissen aus Bachelor-, Master-, Diplom- und sicher auch Pro‐ motionsarbeiten offeriert. Die vorgestellten Wege benennen jeweils die Transformationsinstanz und das Ergebnis bzw. den Zielbereich. Kapitel 2 beleuchtet die Möglichkeiten, wissenschaftliche Ergebnisse aus Graduierungsarbeiten zu publizieren. Als Zielgruppen sind hier sowohl die Fachöffentlichkeit als auch die so genannten Stakeholder-Öffentlichkeit im Blick. Letztere gewinnt für die Absicht an Bedeutung, einem größeren Publikum Ergebnisse der Wissenschaften, insbesondere ihre Nützlichkeit für die Gestaltung des Alltags vorzustellen. In Kapitel 3 wird der populärwissenschaftliche Artikel vorgestellt. Nach einer Charakterisierung des Textes wird ein Modell für das Transformieren von wissenschaftlichen Texten in das populärwissenschaftliche Textsorte schrittweise entwickelt. Auswahlstrategien und Gestaltungstechniken be‐ stimmen den Transfer. Drei charakteristische Merkmale für den populär‐ wissenschaftlichen Artikel schließen das Kapitel ab. Wer sind die Adressaten für einen populärwissenschaftlichen Artikel? Vorschläge für entsprechende Suchstrategien werden in Kapitel 4 präsen‐ tiert. Die Kennzeichnung unterschiedlicher Publikumstypen soll bei der Einordnung und Recherche helfen. Eine Analyse der Zielgruppe bezüglich ihrer Situation, ihrer Interessen und Einstellungen unterstützen begründete Entscheidungen für die Wahl und das Umsetzen der Auswahlstrategien. Kapitel 5 stellt vier Auswahlstrategien für das Reduzieren der Komplexität wissenschaftlicher Aussagen aus Graduierungsarbeiten für die Übernahme 6 Vorwort <?page no="7"?> in einen populärwissenschaftlichen Artikel vor: Das bezieht sich auf Nut‐ zenorientierung, Personalisierung, Zukunftsorientierung und Methodenori‐ entierung. Beispiele erleichtern ihr Verständnis. In der Betrachtung wird die Nutzenorientierung hervorgehoben, weil sie den Interessen eines größeren Leserpublikums entspricht. Kapitel 6 behandelt die Gestaltungstechniken, also Techniken für das ver‐ ständliche Vermitteln der ausgewählten Aussagen. Dazu gehört die Informa‐ tionsreduktion durch Auslassen des akademischen Vorschriftenapparates und das exemplarische Vorgehen ebenso wie das Verringern von Merkma‐ len und das Bilden von Modellen. Die Techniken des Veranschaulichens nehmen hier einen breiten Raum ein. In Ergänzung zu der im Anhang A1 angebotenen Übersicht zur Manuskriptgestaltung werden Besonderheiten der Textgestaltung für den populärwissenschaftlichen Artikel behandelt. Der Aufbau eines populärwissenschaftlichen Artikels und die Beschrei‐ bung seiner einzelnen Teile wird in Kapitel 7 behandelt. Schwerpunkte sind eine aufmerksamkeitserregende Formulierung des Artikelthemas, eine nachvollziehbare Beschreibung des Anlasses der Untersuchung und die verständliche Darlegung von Ergebnis und Nutzen. In Kapitel 8 werden sechs Beispiele für das Verfassen eines populärwis‐ senschaftlichen Artikels vorgestellt. Das methodische Vorgehen steht dabei im Vordergrund. Die verwendeten Inhalte sind lediglich ein Mittel zum Zweck und sollen vor allem für den Leser verständlich sein. Welche Möglichkeiten bieten sich für das Veröffentlichen des Artikels? Kapitel 9 stellt dafür interne Publikationsorgane, Blogs im Internet oder Videoclips vor - alles Möglichkeiten, die sich der Verfasser selbständig erschließt. Im Ausblick, Kapitel 10, wird zunächst die unbescheidene Hoffnung genährt, dass mit dem in Kapitel 3 entwickelten Transformationsmodell ein Werkzeug für das „Umschreiben“ wissenschaftlicher Texte in das popu‐ lärwissenschaftliche Format gefunden wurde. Dies mag auch helfen, die Artikel nicht mehr als einfachen Abklatsch der wissenschaftlichen Realität zu diskreditieren. Die Chance ist eröffnet, stärker als bisher eine interessierte Öffentlichkeit aus eigener Hand über selbst Erkanntes zu informieren. Weiterer Untersuchungsbedarf zur populärwissenschaftlichen Textsorte ist angezeigt. Die Leitsätze, die den Kapiteln 3 bis 6 vorangestellt sind, sollen den Anspruch der jeweils folgenden Inhalte widerspiegeln und manche Aussage zuspitzen. Sie sind angelehnt an Juli Zehs „Wie die Frage lautet“ in ihrem Vorwort 7 <?page no="8"?> Buch „Corpus Delicti. Ein Prozess“. Wem sie nicht gefallen, sollte sie rasch vergessen. Ein Anlageteil bietet zahlreiche Handlungsorientierungen. In unmittel‐ barem Bezug zum Thema dieses Buches behandelt A1 die Manuskript‐ gestaltung und A2 das elektronische Publizieren. Mit den Anlagen A3 (Kurzpublikationen) und A4 (Fachwissenschaftliche Artikel) werden dem interessierten Leser weitere Publikationsformate für wissenschaftliche Ar‐ beiten vorgestellt. Ihm steht damit in einem Buch geschlossen die kompakte Zusammenstellung von Gestaltunglösungen für alle Textsorten (außer Bü‐ cher) zur Verfügung. Die Anhänge enthalten Aktualisierungen von Texten aus dem Buch des Autors „Publizieren - aber wie? “, 3. Auflage 2022. Dieses Buch ist in der amtlichen Rechtschreibung verfasst und bleibt bei der üblichen Schreibweise. Deshalb heißt es hier im Plural „Leser“ oder „Verfasser“ und bei Nennung jeder konkreten Person „Leserin“ bzw. „Leser“ oder „Autorin“ bzw. „Autor“. Eine Reihe von Personen hat tatkräftig an dem Buch mitgewirkt. Mein Dank gilt den Herren Dr. Ing. Reinhardt Kretzschmar, Dr. paed. Uwe Reese, Dr. med. Dieter Mikulin, Frau Ute Burmeister, Herrn Bernd Schönfelder und Herrn Sven Kretzschmar für die zahlreichen Hinweise. Frau Ingrid Lehmann und Frau RAin Kathrin Herrmann danke ich für die gründliche Durchsicht des Manuskripts. Mein ganz besonderer Dank gilt Frau Antje Albani für die bewährte Text- und Bildgestaltung. Prof. Dr. paed. habil. Günter Lehmann Juni 2024 8 Vorwort <?page no="9"?> Verwerte den Schatz, den Du geschaffen hast, für Dich und andere. <?page no="11"?> 1 13 2 19 3 23 3.1 23 3.2 28 3.3 33 3.4 35 4 37 4.1 37 4.2 40 5 45 5.1 45 5.2 48 5.3 50 5.4 53 6 59 6.1 59 6.2 59 6.3 66 6.4 71 7 77 7.1 77 7.2 78 7.3 79 Inhalt Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der populärwissenschaftliche Artikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der populärwissenschaftliche Text . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Transformationsmodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Merkmale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ein anderes Modell: Der Fachaufsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zielgruppenanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswahl der dominierenden Zielgruppe . . . . . . . . . . . . . . . S I E-Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auswahlstrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nutzenorientierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Personalisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zukunftsorientierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Methodenorientierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gestaltungstechniken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Informationsreduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Veranschaulichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Textgestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aufbau des Artikels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlasssituation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Untersuchungsablauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <?page no="12"?> 7.4 80 7.5 81 8 87 8.1 87 8.2 89 8.3 91 8.4 94 8.5 95 8.6 97 9 101 9.1 101 9.2 102 9.3 102 9.4 103 10 105 A1 109 A2 139 A3 151 A4 171 191 197 201 Ergebnisdarstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Artikelbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eine heiße Spur gefunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mitarbeitergespräche können verheerende Folgen haben . Zukunftsfähig oder Auslaufmodell? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Minidampfgenerator hilft beim Harnabfluss . . . . . . . . . . . . Eine Bugwelle erfolgreich gebrochen . . . . . . . . . . . . . . . . . . Professor hätte auch gereicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Veröffentlichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Interne Publikationsorgane . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Blog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Videoclip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eine andere Möglichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Manuskriptgestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Elektronisches Publizieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurzpublikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fachwissenschaftlicher Artikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sachwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Inhalt <?page no="13"?> 1 Einführung Die Arbeit ist fertig - was nun? Was geschieht eigentlich mit den Ergebnis‐ sen meiner Arbeit? Ruhen sie schön gebunden im Buchformat in meinem Bücherschrank oder einem Archiv? Oder liegt die Arbeit im Schreibtisch des Chefs, der das Thema vergeben hatte? Eigentlich schade. Ich habe doch eine Menge investiert: Zeit (vielleicht auch die meiner Familie), Geld, erhebliche geistige und auch körperliche Anstrengung. Aber, ich habe etwas erkannt, was bisher noch niemand erkannt hat, was letztlich Gutachter und Prüfungskommission bestätigt haben. Ich habe einen Schatz für mich gewonnen, auf den ich schon ein wenig stolz bin. Aber darf dieser Schatz wirklich nur bei mir bleiben? Ich ahne die Ant‐ wort. Allerdings sollte ich bedenken: Als Einsteiger in die wissenschaftliche Arbeit habe ich nicht nur die Aufgabe, neue Erkenntnisse anzubieten, son‐ dern auch die Chance und die Pflicht, diese einer Öffentlichkeit mitzuteilen. Das kann ich zunächst von niemand anderem erwarten, das ist erst mal meine Aufgabe. Aber findet die Erfüllung dieser Aufgabe auch ihren Lohn? Abgesehen vom berechtigten Stolz bringt erfolgreiches Veröffentlichen auch Entwicklungsschübe im Beruf. Erfahrungsträger berichten darüber, dass beispielsweise der veröffentlichte Artikel am Ende den Ausschlag für den Erfolg einer Bewerbung gab. Oder: Nach dem gelungenen Vortrag erhielt der Verfasser zahlreiche Kontaktangebote aus dem Kreis der Teilneh‐ mer. Und schließlich hat auch oft das aktive Bemühen um das Umsetzen der Ergebnisse in einem Unternehmen das Entwickeln beruflicher Karriere befördert. Wahr ist aber auch, dass Karriere zunächst nicht das große Geld bringt, sondern schlicht Geld und vor allem Zeit kostet - so auch die Verwertung. Studierende haben zwar partiell das Verwerten von wissenschaftlichen Ergebnissen durch das Wirken ihrer Hochschullehrer mehr oder weniger bewusst wahrgenommen. Das hat sie allerdings selten zum eigenen Handeln auf diesem Gebiet befähigt. Sie sind sich vor allem nicht ihrer eigenen Möglichkeiten bewusst und befürchten das Scheitern beim Publizieren, beim Vermitteln der Ergebnisse an Dritte oder beim direkten Umsetzen. In der Lehre war dafür auch kaum eine Stunde frei. Deshalb sollen Ihnen hier zunächst die Kanäle für das Verwerten Ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse <?page no="14"?> eröffnet und die Taktiken und Methoden für erfolgreiches Handeln vorge‐ stellt werden. Kanäle für das Verwerten In der Abb. 1 werden sechs Kanäle für das Verwerten von Ergebnissen aus Graduierungs- oder anderen wissenschaftlichen Arbeiten angeboten werden. Während die Kanäle Bereitstellen, Publizieren, Vortragen und Ver‐ mitteln das Mitteilen von Arbeitsergebnissen gewährleisten, unterstützen die Kanäle Umsetzen und Gründen das Verwirklichen der Ergebnisse Abb. 1: Möglichkeiten für das Verwerten wissenschaftlicher Ergebnisse Ergebnis bereitstellen Ein erstes Angebot kann der Verfasser seiner Universität/ Hochschule durch das Bereitstellen der Graduierungsarbeit unterbreiten. So heißt es beispiels‐ weise in der Erklärung zu einer Diplomarbeit u.-a.: 14 1 Einführung <?page no="15"?> „Ich versichere an Eides statt, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbstständig verfasst, keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt sowie alle wörtlichen oder sinngemäß übernommenen Stellen in der Arbeit gekennzeichnet habe. Ferner gestatte ich der Universität …, die vorliegende Diplomarbeit unter Beachtung der datenschutz- und wettbewerbsrechtlichen Vorschriften für Lehre und Forschung zu nutzen.“ Damit ist der Universität/ Hochschule freigestellt, Ergebnisse der wissen‐ schaftlichen Abschlussarbeit ohne eine spezielle Aufbereitung durch den Verfasser in Lehre und Forschung zu nutzen. Das ist ein erster wichtiger Schritt für das Verwerten. Ergebnis publizieren Ein breites Feld für das Verwerten eröffnet sich mit dem Publizieren der Ergebnisse in den Medien. Adressaten dafür sind neben der Fachöffent‐ lichkeit vor allem auch Leser außerhalb des engeren Fachzirkels. Sicher spielen Fachbücher und fachwissenschaftliche Artikel eine exklusive Rolle. Aber Ergebnisse aus Master-, Diplom- und Bachelorarbeiten haben für den Einsteiger in Kurzberichten, den so genannten Referaten, und vor allem in populärwissenschaftlichen Artikeln als Prototyp gute Chancen für die Veröffentlichung. In diesem Format treffen sie auf fachfremde Leser, die an wissenschaftlichen Ergebnissen interessiert sind und vor allem nach deren Nutzen und den Anwendungsmöglichketen fragen. Medien der Verbände, Kammern, Unternehmen, Gesundheitseinrichtungen und Verwaltungen bieten sich für die allgemeinverständliche Veröffentlichung in Print und online an. Ergebnis vortragen Eine weitere Möglichkeit für das Veröffentlichen bietet sich in Vorträgen, vor allem im Rahmen von Versammlungen, Meetings, Branchentreffen, Kolloquien oder auf Tagungen. Die Teilnehmer sind nicht immer fachkun‐ dig. Vorträge in diesen Veranstaltungen schließen meistens Frage- und Diskussionsrunden ein und ermöglichen auf diese Weise, Ergänzungen oder Korrekturen in den Ergebnissen vorzunehmen. Außerdem führen sie mitun‐ ter zu nützlichen Nachkontakten. Der Prototyp Kurzvortrag ist auf 10 bis 15 Minuten begrenzt, allgemeinverständlich und betont ergebnisorientiert. Er 1 Einführung 15 <?page no="16"?> ist stets vorbereitet verfügbar und dadurch aus dem Stand situativ einsetzbar. Das gilt ebenso für den anderen Prototyp, die Posterpräsentation, die in Präsenz, zunehmend auch virtuell eingesetzt wird. Ergebnis umsetzen Das Feedback der Öffentlichkeit auf Publikationen und Vorträge, die Reak‐ tion von Teilnehmern in Seminaren lässt den Verfasser erkennen, welche Chancen seine Ergebnisse für eine Umsetzung in Unternehmen, Kliniken, Kammern, Verwaltungen und Vereinen - im Folgenden mit Organisation be‐ zeichnet - besitzen. Während diese Chance von Fachhochschulabsolventen wegen der Nähe zur Unternehmenspraxis vergleichsweise oft wahrgenom‐ men wird, ist in der Folge leider dann auch hier der Verwertungsgrad ins‐ gesamt unzureichend. Das Besondere am Prototyp Umsetzungsvorschlag besteht darin, dass der Verfasser selbst den gesamten Umsetzungsprozess bis zur Präsentation des Vorschlags vor den Entscheidungsträgern im Team vorantreibt. Ergebnis vermitteln Eng verbunden mit einer positiven Entscheidung zur Umsetzung ist das Vermitteln der Ergebnisse im Rahmen von Schulungen und Unterwei‐ sungen für die unmittelbaren Nutzer in der Organisation. Nicht selten werden Ergebnisse (vornehmlich aus Dissertationen und Masterarbeiten) zu Inhalten von Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen, die dann auch vom Verfasser direkt als Dozent vermittelt werden können. Für den Prototyp Seminar ist heute beispielsweise die didaktische Gestaltung als virtuelles Learning on Demand-Angebot gelungene Praxis (siehe dazu auch L EHMANN , G., 2023, S.-221-ff.). Mit Ergebnis gründen Die Technologiezentren, Gründerschmieden, Transferstellen und ähnliche Einrichtungen an den Universitäten und Hochschulen verweisen auf die guten Möglichkeiten, die Studierende bei der Selbstverwertung ihrer Ergeb‐ nisse für das Gründen einer Existenz haben. Prototypen für das unterneh‐ merische Verwerten sind Startups. An ihrem Anfang steht eine innovative Idee, eine Technologie, ein Gründungsmodell und in der Regel geringe 16 1 Einführung <?page no="17"?> finanzielle Ressourcen - aber, sie haben ein großes Wachstums- oder min‐ destens ein sehr wissensintensives Potential. Besonders die ersten Schritte beim Gründen haben nachhaltigen Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg. Das bezieht sich auf die Etappe vom Aufkeimen der Gründungsidee bis zum Aufbau des Gründungskonzepts. Zahlreiche Absolventen haben Start-up-Unternehmen bereits zu unternehmerischen Erfolgen geführt. Voraussetzungen für das Verwerten Für die Entscheidung über das Verwerten der Ergebnisse ist eine Antwort auf folgende Frage wesentlich: Welche Bedeutung hat meine Arbeit oder, wie G E U L E N , C. (2010, S. 96) es nennt, welche „lebensweltliche Relevanz“ besitzt sie? Hier wird nach dem Nutzen gefragt und der Verfasser dazu aufgefordert, mindestens drei Fragen zu beantworten: • Welche Bedeutung haben meine Erkenntnisse und Ergebnisse für mein Fachgebiet, wird das fachwissenschaftliche Sach- und Methodenwissen dadurch erweitert? (Vorrangig für Promotionsarbeiten). • Welche Praxisaufgaben und -probleme werden durch meine Erkennt‐ nisse und Ergebnisse gelöst? • Für welche Personen bzw. Personengruppen sind meine Ergebnisse und Erkenntnisse von Interesse bzw. von Nutzen? In den Disputationen der Graduierungsarbeiten sind die Kandidaten häufig von der Frage nach dem Nutzen ihrer Ergebnisse überrascht und manchmal um eine Antwort verlegen. Zugespitzt: Erst wenn mindestens eine dieser drei Fragen akzeptabel beantwortet ist, kann über das sinnvolle Verwerten der Ergebnisse nachgedacht werden. Pflege der dritten Dimension In diesem Buch wird darauf geachtet, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit nicht nur einer Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zur Zielgruppe gehört ein wesentlich breiteres Publikum, die so genannte „Stakeholder-Öffentlichkeit“. Ein neuer Trend im deutschen Hochschul‐ wesen gilt der Pflege der „Dritten Mission“ (Third Mission). Das bedeutet, mit Lehre und Forschung zum Bewältigen wesentlicher gesellschaftlicher Herausforderungen beizutragen. In der Folge sind auch die Ergebnisse von Doktor-, Diplom-, Master- und Bachelorarbeiten auf ihre gesellschaftliche 1 Einführung 17 <?page no="18"?> Relevanz zu prüfen und entsprechende Ergebnisse zu verwerten. Eine Nachweispflicht für den Verfasser wäre sicher ein sehr großer Schritt, aber eine Anregung durch den Betreuer ist auf jeden Fall sinnvoll. In diesem Buch werden Vorschläge für das Verwerten im Kanal „Ergebnis publizieren“ unterbreitet. Entsprechende Empfehlungen für das Vorgehen in allen anderen Kanälen findet der interessierte Leser auch bei L E HMANN , G., Wissenschaftliche Ergebnisse verwerten, 2023. 18 1 Einführung <?page no="19"?> 2 Publikationen Sicher ist der Start in das Publizieren für den Einsteiger mit erheblichem Aufwand verbunden. Durch Planung der entsprechenden Aktivitäten kann er reduziert werden. Dazu muss sich der Verfasser einen Überblick über die einzelnen Möglichkeiten des Veröffentlichens verschaffen und einen Zugang zum methodischen Vorgehen beim Gestalten der Texte finden. Aber welche Wege führen zum Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten? Welche Textformate bieten sich an? Um eine Entscheidung treffen zu können, sind folgende Fragen zu beant‐ worten: Für wen sind meine Ergebnisse interessant, welchen Branchen, Arbeitsgebieten oder Personen biete ich einen Nutzen? Womit - oder kon‐ kret: mit welchem Textformat - habe ich als Einsteiger eine reale Chance, meine Zielgruppe zu erreichen? In Abb. 2 sind die wichtigsten Formate vorgestellt, wobei das in diesem Buch besprochene Format hervorgehoben wird. Abb. 2: Textformate für die Veröffentlichung von Graduierungsarbeiten <?page no="20"?> Fachbücher Fachbücher sind nichtperiodische Publikationen mit einem Umfang von mindestens 100 bis 150 Seiten. Im Unterschied zum fachwissenschaftlichen Artikel enthält das Buch wesentlich größere Informationsmengen an relativ „gefestigten“, allgemein anerkannten Wissensbeständen. Das Publizieren von Fachbüchern wird in der Regel von Interessenten (Fachverlage, wissen‐ schaftliche Gesellschaften etc.) initiiert und ist selten Einsteigern zugäng‐ lich. Für den Einsteiger ohne wissenschaftliche Reputation (und sicher auch ohne Fürsprache) gibt es nur geringe Chancen, in diesem Textformat zu publizieren. Gleichwohl können Dissertationen und Masterarbeiten auf verschiede‐ nen Wegen veröffentlicht werden. Neben den Möglichkeiten der Universi‐ täten (Bibliotheken, Archiven, Repositorien) sind Open-Access-Plattformen (z. B. Academia.edu, ResearchGate), kommerzielle Verlage (z. B. GRIN- Verlag, VDM-Verlag), E-Book-Plattformen (z. B. Amazon Kindle Direct Publishing oder andere Selbstverlag-Plattformen) oder auch interessierte Fachgesellschaften. Ein großes Entwicklungspotential haben Blogs. Findet der Verfasser einen Blog, der sich mit dem Thema seiner wissenschaftlichen Arbeit befasst, kann er dem Betreiber des Blogs seine Arbeit als Gastbeitrag anbieten. In allen Publikationsvarianten sind zwei Bedingungen zu erfüllen. Die Abschlussnote muss erteilt sein und die firmeninternen Informationen sind freigegeben. Schließlich sei auf die so genannten „Pseudo-Publikationen“ verwiesen. Sie beinhalten Veröffentlichungen auf der eigenen oder einer fremden Homepage sowie auf einem Preprint-Server. Fachwissenschaftliche Artikel Wenn das Fachbuch für den Einsteiger am Anfang auch eine Nummer zu groß ist, hat doch mancher Verfasser den Anspruch, die Ergebnisse seiner Graduierungsarbeit in der wissenschaftlichen Welt bekanntzumachen. Es besteht der Wunsch, die Arbeit in einem fachwissenschaftlichen Artikel in einer bekannten Fachzeitschrift zu veröffentlichen. Ein solcher Artikel beeinflusst wissenschaftliche und berufliche Karrieren und ist ein wichtiger Indikator in Bewerbungs- und Berufungsverfahren. Der Autor stellt die eige‐ nen wissenschaftlichen Ergebnisse zur fachlichen Diskussion und regt damit weitere wissenschaftliche Untersuchungen an. Im Unterschied zum Fach‐ 20 2 Publikationen <?page no="21"?> buch wird im Fachartikel vornehmlich noch nicht gefestigtes, so genanntes „flüssiges“ Wissen vorgestellt. So gesehen liefert der Artikel eine „kleine Informationsmenge im Feld der Bewegung“. Die Veröffentlichung ist im Umfang begrenzt (in der Regel ca. 28.000 Zeichen). Sie muss inhaltlichen und formalen Kriterien entsprechen, deren Einhaltung in einer Gutachterrunde (Peer-Review-Verfahren) überprüft wird. Anhang A4 enthält Vorschläge für das Gestalten eines fachwissenschaftlichen Artikels. Populärwissenschaftliche Artikel Im Unterschied zu allen anderen Textformaten in diesem Kapitel wendet sich der populärwissenschaftliche Artikel an fachfremde Leser. Er ist kurz, ver‐ ständlich und prägnant geschrieben, bevorzugt im Text den Einsatz von Ver‐ ben und den Verzicht auf Substantivierung und unnötige Ausschweifungen. Die Lektüre wird durch eine bildhafte Sprache und visuelle Darstellungen wie Bilder und Diagramme zusätzlich angeregt und das Verständnis erleich‐ tert. Das Textformat bietet vor allem dem Verfasser von wissenschaftlichen Arbeiten zahlreiche Möglichkeiten für die Veröffentlichung ausgewählter Inhalte in organisationsinternen Publikationsorganen, aber auch als Blog oder Videoclip. Für das Verfassen von populärwissenschaftlichen Artikeln im Umfang von ein bis drei DIN-A4-Seiten werden Vorschläge in den Kapiteln 3 bis 10 unterbreitet. Das folgende Beispiel soll einen Eindruck vom Unterschied beider Text‐ formate vermitteln: Fachwissenschaftlicher Text: Die Fokussierung auf Target-Universitäten bei der Auswahl künftiger CEOs senkt die Suchkosten eines Unternehmens, solange die Target-Universitäten ihre Selektivität und hohen Levels halten. Populärwissenschaftlicher Text: Eine Universität mit besonders gutem Ruf ist zu bevorzugen, wenn man Führungskräfte auswählt. Das hilft dem Unterneh‐ men dabei, weniger Zeit und Geld für die Suche nach geeigneten Kandidaten auszugeben. Das funktioniert allerdings nur, wenn diese Universität strenge Auswahlkriterien beibehält. Kurzpublikationen Meist reagiert der Verlag ablehnend oder häufig gar nicht auf ein Manu‐ skript, das unaufgefordert eingereicht wurde. Manche Verfasser, die Ableh‐ 2 Publikationen 21 <?page no="22"?> nung oder gar keine Reaktion des Verlags erfahren, reagieren enttäuscht und ziehen sich vom Veröffentlichen völlig zurück. Aber: Um seine Chancen für das Veröffentlichen zu verbessern, kann der Verfasser in kleinen Schritten die Tür zum Verlag öffnen. Die Mittel dafür: Kurzpublikationen, Abstracts und Tagungsberichte - kurz: Referate - können hier nützlich sein. Anhang A3 enthält dazu eine Übersicht. Open-Access-Publikationen Das elektronische Publizieren gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hier ent‐ scheiden die Autoren selbst, ihre wissenschaftlichen Ergebnisse im Internet kostenlos bereitzustellen. Das erfolgt auf zwei Wegen, durch • Parallele Bereitstellung der Veröffentlichung über Print und Open Access (self-archiving), auch grüner Weg genannt, oder • Einzelveröffentlichung mittels Open Access (self-publishing) - auch goldener Weg genannt. Das Publizieren mit Open Access ist in den einzelnen Wissenschaftsdiszi‐ plinen unterschiedlich gebräuchlich und akzeptiert. Allgemein wird diese Option als eine sinnvolle Ergänzung zum Printmedium angesehen und für Recherchezwecke geschätzt. Zurückhaltung ist begründet durch Unsi‐ cherheiten in der Anerkennung und Langzeitverfügbarkeit der Texte. In Anhang A2 werden unterschiedliche Online-Produkte des elektronischen Publizierens vorgestellt und bewertet. Blogs Blogartikel im wissenschaftlichen Kontext sind chronologisch angeord‐ nete Artikel, die auf einer Website veröffentlicht werden. Der Blogbeitrag ist prinzipiell vom Verfasser der Arbeit selbst geschrieben. Er ist gut struk‐ turiert, regt die Aufmerksamkeit des Lesers an, veranschaulicht den Inhalt mit visuellen Mitteln und schließt in der Regel mit Handlungsempfehlungen oder Handlungsaufforderungen ab. Populärwissenschaftliche Artikel lassen sich in der Abfolge verschiedener interessenorientierter Akzentuierungen (siehe Auswahlstrategien in Kapitel 5) in einem Blog darstellen. Auf diese Weise kann eine Serie, bestehend aus Teilen der Arbeit, zum Thema entste‐ hen. Weitere Informationen zum Blogartikel sind in Anhang A2 zu finden. 22 2 Publikationen <?page no="23"?> Ich entziehe Wissenschaftlern das Ver‐ trauen, die sich in den Prunkmantel fach‐ eigener Wissenschaft hüllen und eindrin‐ gende Laien naiv verkennen. 3 Der populärwissenschaftliche Artikel 3.1 Der populärwissenschaftliche Text Der populärwissenschaftliche Text ist nicht, wie mitunter irrtümlich ange‐ nommen, ein Bestandteil des Wissenschaftsjournalismus, in dem fremdes Wissen mit besonderem Nachrichtenwert öffentlichkeitswirksam und me‐ diengerecht dargestellt wird. Es handelt sich vielmehr um ein eigenständiges Format, in dem der Autor selbst über seine wissenschaftliche Arbeit oder Teile davon für eine nichtfachliche Zielgruppe verständlich schreibt. Im Verständnis dieses Buches bezieht sich die Beschreibung auf wissenschaft‐ liche Arbeiten im Studium und Beruf. Mit wissenschaftlichen Arbeiten sind hier in der Regel Abschlussarbeiten, Master-, Diplom- und Bachelorarbeiten bezeichnet. Ihre Inhalte sollen an eine breite, nicht fachlich vorgebildete Öffentlichkeit vermittelt werden. Dabei geht es um einen spezifischen Typ des Textproduzierens (N I E D E R HAU S E R , J., 1997, S. 109). Der wissenschaftliche Inhalt wird für Interessengruppen außerhalb der Wissenschaften umge‐ schrieben. Die jeweilige wissenschaftliche Arbeit wird ohne Verwendung der in der Wissenschaft üblichen Fachsprache leserorientiert und allgemein‐ verständlich vermittelt. Syntax und Struktur können hier mehr Variationen aufweisen als in einem wissenschaftlichen Text. Das folgende Beispiel zeigt, zu welchem Ergebnis dieses Umschreiben führt. Der fachwissenschaftliche Text lautet: In einer experimentellen Studie untersuchen wir die Auswirkungen von genetischen Mutationen auf die neuro‐ nale Plastizität. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass bestimmte Varianten das Potenzial für synaptische Veränderungen beeinflussen können. Der für das Verständnis der Allgemeinheit umgeschriebene Text lautet: In einem Experiment haben wir erforscht, wie bestimmte Genveränderungen unser Gehirn beeinflussen können. Wir haben herausgefunden, unsere Gehirn‐ zellen sind Bausteine und manche genetische Varianten können die Art und Weise beeinflussen, wie diese Bausteine miteinander kommunizieren. Wie das Beispiel zeigt, sind komplexe Begriffe zu vereinfachen und klare, alltagsnahe Beispiele zu verwenden. Fachjargon wird vermieden, eine leicht <?page no="24"?> verständliche Sprache bezieht den Leser ein. Obwohl im Beispiel nicht enthalten, ist die mögliche praktische Anwendungen ebenso zu betonen wie die Auswirkungen der Forschung darzustellen. Im populärwissenschaftlichen Text können verschiedene Stimmen zu Wort kommen, sowohl Befürworter eines Vorschlags als auch Gegenstim‐ men. Erklärende Abschnitte bilden quantitativ den größten Anteil. Sie werden ergänzt durch beschreibende und szenische-/ -narrative Teile. Diese Mischung macht den Text lebendig und für den Leser attraktiv. Das verstärkt sich, wenn der Text eine Problematik schildert, für die Lösungsmöglichkei‐ ten angeboten werden und die nachvollziehbaren Alltagsbezug aufweisen (W O L F E R , S. et al., 2015, S.-113). Beim Lesen mancher Seiten wissenschaftlicher Literatur „wird dem Leser zumute, als hieße das verschwiegene Fazit der Wissenschaftler: Popularisie‐ rung und Popularität? Mit uns nicht! “ (B LA S E IO , G. et al., 2023, S. 2). In den Diskussionen zum Textformat „Populärwissenschaftlicher Artikel“ gab es demzufolge in den vergangenen Jahren neben der einhelligen Zustimmung auch manche Irritationen und strikte Ablehnungen. Bedenkenschwere Zeitge‐ nossen irritierte die Nähe von „populär“ zu „populistisch“. Sie sahen darin die Gefahr, dass man in den entsprechenden Texten Verschwörungstheorien vermuten könnte. Auch bei den einigen Kollegen gab es Vorbehalte. Da war von „Entwissenschaftlichung“ die Rede oder von unzulässiger Vereinfachung. Für manche Wissenschaftler tragen populärwissenschaftliche Veröffentlichungen den Makel des Minderwertigen. Sie werden als Produkt einer Simplifizierung der Wissenschaften betrachtet. In der wissenschaftlichen Welt und in Studien der Stanford University (B AV E LA S , A., 2012) gibt es Hinweise, dass komplexe Erklärungsmuster eine höhere Akzeptanz erfahren als weniger komplexe. Richtige, aber eben einfache Erklärungen sind dort an sich schon verdächtig. Gewarnt wird vor einer Verwechslung von Populärwissenschaft mit ei‐ nem pseudowissenschaftlichen Format, den Predatory Journals. Diese reizen mit schneller Veröffentlichung und arbeiten unseriös. Die Qualität der ent‐ sprechenden Veröffentlichungen ist nicht durch ein Peer-Review-Verfahren gesichert. Außerdem werden die oft hohen Gebühren erst nach Annahme des Beitrags mitgeteilt. Über www.thinkchecksubmit.org/ werden Checklisten für die Überprüfung der Seriosität bereitgestellt. Auch die Webseite Publish with Integrity ist dafür eine Hilfe (K ÖK E R , P. et al., 2024, S.-40-ff.). Nicht zu verwechseln ist der populärwissenschaftlichen Text mit dem Format „Leichte Sprache“. Das Format verfügt über sehr starke Vereinfachun‐ gen mit reduziertem Wortschatz und einfachem Satzbau. Es wird Menschen 24 3 Der populärwissenschaftliche Artikel <?page no="25"?> angeboten, deren Sprachkompetenz aus unterschiedlichen Gründen gering ist. Sie sollen auf diese Weise am gesellschaftlichen und politischen Leben teilhaben können. Mit dem gleichen Ziel wird das Format „Einfache Sprache“ angeboten. Den populärwissenschaftlichen Text tangiert beides nicht. Was versteht man eigentlich unter Popularität, unter Popularisierung? Popul`ar kommt von lateinisch popularis, was so viel bedeutet wie volksmä‐ ßig, volksverständlich. Historisch hat sich die Erkenntnis herausgebildet, Wissen sei in der Gesellschaft ungleich verteilt. Den kleineren Teil bilden die Wissenden, den ungleich größeren Teil die Unwissenden. Im historischen Kontext will also Popularisierung „das Volk zum Wissen emporziehen.“ (K A S P E R , H., 2005, S. 1). Dieser ernste Erziehungsauftrag bleibt ein über die Jahrhunderte postulierter Anspruch, jedoch wird seine Erfüllung durch verschiedene Aspekte behindert. Das ist kein Vorwurf an die Wissenschaft, wohl aber an jene Wissenschaftler, die Populärwissenschaft mit Stallgeruch belegen. So kennen sich die Fachwissenschaftler in ihrer eigenen Fachspra‐ che aus, „jedoch haben sie keine Sprach- und Schreibkompetenzen oder didaktischen Konzepte für die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte an ein nichtfachliches Publikum erlernt.“ (W O L F E R , S. et al., 2015, S. 111). Fachsprache kann dadurch zum Kommunikationsproblem werden und eine Informations‐ barriere darstellen. Deshalb ist Popularisierung notwendig. Sie ist eine Form des hierarchischen Wissenstransfers, bei dem bestimmte wissenschaftliche Erkenntnisse an ein nicht fachliches Publikum weitergegeben werden. Die Kommunikation zwischen Experten und Nicht-Experten ist notwendig, weil Letztere, also Fachfremde zwingend an Entscheidungsprozessen im berufli‐ chen und gesellschaftlichen Leben beteiligt werden müssen. Wer Wissenschaft einer breiten Öffentlichkeit vermitteln will, muss „eine Lücke schließen, die zwischen Wissen der Experten und dem Rezipienten besteht.“ (W O L F E R , S. et al. 2005, S. 112). Ist dafür wirklich das Finden einer gemeinsamen Sprache zielführend? Bekanntlich wurden Volapük, Esperanto oder all die anderen Hilfssprachen eher zu Geheimdenn zu Universalsprachen. Wissenschaftliche Ergebnisse kann man aber auch nicht in einer Alltagsspra‐ che vortragen, die dann der Allgemeinheit verständlich wäre. Für das Umformen wissenschaftlicher Texte in allgemeinverständliche Aussagen haben sich die folgenden Aspekte bewährt: 1. Veranschaulichung Vereinfachen komplexer Sachverhalte und Fachbegriffe, Einsatz von Beispielen und Analogien, Verwenden verständlicher Ausdrücke. 3.1 Der populärwissenschaftliche Text 25 <?page no="26"?> 2. Strukturierung Aufbau des Textes in logischen Informationsfolgen, Verwenden von klaren Absätzen, Abschnitten und Überschriften. 3. Storytelling Verwenden narrativer Elemente wie Geschichten und Anekdoten für einen besseren Zugang zum Text. 4. Visualisierung Entwickeln von Vorstellungsbildern beim Leser, Einsetzen von Grafiken, Diagrammen, Schaubildern und Mindmaps. 5. Leseranalyse Berücksichtigen des Wissens, der Erfahrungen, der Interessen und der Einstellungen der Zielgruppe. 6. Sprachstil Herstellen eindeutiger Satzbezüge, Bilden überschaubarer Sätze (etwa 20 Wörter pro Satz, erkennbare Hervorhebung im Text. Das Bearbeiten des wissenschaftlichen Textes nach diesen Gesichtspunkten führt zu beachtlichen Ergebnissen, vor allem zur besseren Lesbarkeit des Textes. Gefragt ist ein kurzer Text (max. 3 Seiten), der ein aktuelles Informations‐ bedürfnis befriedigt, Interesse an der ganzen Arbeit hervorruft, Anregungen für weiterführende Überlegungen gibt oder Impulse zur Umsetzung der Vorschläge setzt. Deshalb sind nach Möglichkeiten für eine deutliche Text‐ verkürzung der wissenschaftlichen Arbeiten im Umfang von 25 bis 100 Seiten zu suchen. Für eine solche Reduktion des Textes haben sich in der eigenen Arbeit mehrere Wege bewährt: 1. Konzentration auf Wesentliches 2. Abbau von Redundanzen 3. Verzicht auf Details 4. Abschnittsweise Zusammenfassung 5. Vereinfachen komplexer Aussagen 6. Visualisieren mit Grafiken, Diagrammen und Schaubildern Das Vorgehen kann zu einem viel kürzeren Text führen, dennoch bleibt in der Regel ein Text übrig, der dem Leser noch immer viel Zeit abverlangt und sein Informationsbedürfnis bzw. seine speziellen Interessen noch nicht berücksichtigt. Gesucht wird ein Modell für den Transfer einer wissenschaftlichen Arbeit in eine knappe und allgemeinverständliche Information für einen nichtfach‐ 26 3 Der populärwissenschaftliche Artikel <?page no="27"?> lichen Leserkreis bzw. Laien. Dabei wird festgehalten: Wissenschaftliche Texte bilden die Grundlage der hier besprochenen Popularisierung, auch wenn es Fälle gibt, in denen nichtwissenschaftliche Sachverhalte reflektiert werden (z. B. Narrative, Vergleiche, Stories). Mit etwas Vorsicht könnte man auch dem Zeitgeist folgend von Kontextualisierung sprechen. Texte (hier: wissenschaftliche) werden nach einer Strategie (hier: Ergebnis/ Nutzen oder Methoden) umgeschrieben. Im bisherigen Verständnis wäre dann der populärwissenschaftliche Artikel die Kontextualisierung einer wissen‐ schaftlichen Arbeit für ein fachfremdes Publikum - das ist allerdings eine Behauptung, die noch zu prüfen ist. Die Lücke hin zum Verständnis wissenschaftlicher Inhalte kann für alle Interessierten durch den Autor einer wissenschaftlichen Arbeit selbst ge‐ schlossen werden. Dafür wird im folgenden Kapitel ein Transformations‐ modell für wissenschaftliche Aussagen in populärwissenschaftliche Texte angeboten. Beim Wort „Transformation“ kommen vielleicht dem einen oder anderen Leser unangenehme Assoziationen. Da aber in unserem Fall nicht auf gesellschaftliche Veränderungen („Große Transformation“), sondern auf besseres Verständnis einer Sache gezielt wird, sei uns im Weiteren die Verwendung dieses Begriffs gestattet. Natürlich ist die Geschichte reich an Beispielen, in denen Wissenschaftsjour‐ nalisten große wissenschaftliche Leistungen eindrucksvoll und verständlich über unterschiedliche Medien einer breiten Öffentlichkeit näherbrachten und das auch weiterhin leisten. Aber es sind in der Regel die spektakulären Forschungsergebnisse, über die sie berichten, nicht die einer Master- oder Promotionsarbeit. Und es ist in diesen Fällen nicht der „Schöpfer“ selbst, der informiert, sondern ein Journalist, der professionell die „Schöpfung“ in seinem Verständnis übersetzt und medienwirksam veröffentlicht. Nach dieser Betrachtung wird festgehalten: Im Unterschied zum Wis‐ senschaftsjournalismus verfasst der Autor einer wissenschaftlichen Arbeit selbst einen populärwissenschaftlichen Artikel darüber und veranlasst auch selbst dessen Publikation. Hier verstehen wir unter einem solchen Artikel einen Kurztext von ein bis drei DIN-A4-Seiten, in dem ein Sachverhalt beschrieben wird, der auf einer wissenschaftlichen Grundlage beruht. Der Buchumschlag vermittelt im Text die Botschaft des Buches: wissen‐ schaftliche Inhalte für Fachfremde verständlich zu machen. Und das Bild auf dem Umschlag liefert die Präzisierung: Nicht die gesamte Arbeit soll erklärt werden, sondern nur der Teil, der den Fachfremden besonders interessiert, nur der und vor allem der wird erhellt. 3.1 Der populärwissenschaftliche Text 27 <?page no="28"?> 3.2 Das Transformationsmodell Ausgangspunkte für das Transformationsmodell sind zwei wesentliche Eigen‐ schaften des Artikelstoffes, also des Inhalts der wissenschaftlichen Arbeit: • Auf der einen Seite die Komplexität der Aussagen als Maß für ihre Vielfalt und • auf der anderen Seite die Kompliziertheit der Aussagen als Maß der Unwissenheit des Lesers über den Artikelstoff, also als Maß seines Verhältnisses zum Artikelstoff. Beide Eigenschaften konstituieren das Modell. Sein Aufbau erfolgt in drei Schritten: 1. Schritt: Reduzieren Sie die Komplexität und Kompliziertheit (siehe Abb. 3)! Abb. 3: Schritte für das Verringern von Komplexität und Kompliziertheit Für das Verringern der Komplexität, also der Vielfalt der wissenschaftli‐ chen Aussagen mit ihren Elementen und zahlreichen Verknüpfungen, gibt 28 3 Der populärwissenschaftliche Artikel <?page no="29"?> es mehrere Möglichkeiten. Eine besteht im Verwenden einer einfachen Sprache, dem Auflösen komplizierter Satzkonstruktionen oder im Ablösen von Text durch Bilder. Dazu gehört auch das Veranschaulichen abstrakter Konzepte durch konkrete Beispiele oder Anwendungen. Das alles verbessert die Verständlichkeit, aber es führt nicht zur angestrebten deutlichen Stoff‐ reduzierung. L EHN E R unterscheidet u. a. drei verschiedene Reduktionsintensitäten für den Abbau von Komplexität (2012, S. 83). In Anlehnung an diese Einteilung unterscheiden wir in: • Kernreduktion: Die Darstellung beschränkt sich auf wenige zentrale Aspekte der Arbeit und will damit den Kern des Artikelstoffs heraus‐ schälen. • Sporadische Reduktion: Die Darstellung soll vieles von der Arbeit abdecken, gleichzeitig aber anerkennen, dass Einschränkungen vorge‐ nommen werden müssen. • Gezielte und systematische Reduktion: In der Darstellung werden bestimmte Inhalte der Arbeit akzentuiert, für die Darstellung nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Das in der letzten Gruppe bezeichnete erläuterte Herangehen an die Re‐ duktion, das Aufteilen des Artikelstoffs in kleinere Abschnitte, entspricht unseren Intentionen beim Finden des Inhalts für einen populärwissenschaft‐ lichen Artikel. Gesucht werden jetzt Strategien, die zu einer begründeten Auswahl des Artikelinhaltes führen. Der Auftrag ist klar. Aber wie kann er erfüllt werden? Für die Auswahl von Inhalten aus dem Artikelstoff steht unter anderem das exemplarische Prinzip zur Verfügung. Nach diesem Prinzip wird ein umfassendes Etwas durch ein prägnantes Beispiel abgebildet (L E HN E R , M., 2012, S. 106). Hierbei erfolgt eine Art inhaltliche Tiefenbohrung, um die wissenschaftliche Abschlussarbeit in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Aber werden mit diesem Anspruch die Intentionen des populärwissenschaftli‐ chen Artikels erfüllt? Soll dieser wirklich ein Leserinteresse an der gesamten Arbeit bedienen? Oder sind nicht unterschiedliche Interessen der Leser zu beachten, also Interessen, die auf verschiedene Aspekte der Arbeit gerichtet sind? Hier eröffnet sich ein gangbarer Weg: Interessiertheit ist ein Auswahlprinzip für Inhalte des Artikels und damit ein Zugang für das Finden von Auswahlstrategien. Wir wollen die unterschiedlichen 3.2 Das Transformationsmodell 29 <?page no="30"?> Interessen der Leserschaft durch einen Blick auf verschiedene Aspekte der wissenschaftlichen Arbeit im zweiten Schritt bedienen. 2. Schritt: Bestimmen Sie die Auswahlstrategien für das Verringern der Komplexität (siehe Abb. 4)! Abb. 4: Auswahlstrategien zum Verringern der Komplexität Mit den Auswahlstrategien werden jene Inhalte bestimmt, die die Interessen der Leserschaft bedienen. Auf diese Weise soll Komplexität reduziert und auf die Erwartungen der Rezipienten fokussiert werden. Folgen wir dem Prinzip der Interessiertheit, so entsteht jetzt die Frage: Was interessiert die potentielle Leserschaft an einer Master- oder Bachelor‐ arbeit oder anderen wissenschaftlichen Untersuchungen? Hier soll einer Zielgruppenanalyse nicht vorgegriffen werden. Aber aus feststellbaren Erwartungen heraus, gestützt auf Erfahrungen, lassen sich Gruppen von Inhaltsmengen bilden, in denen sich bestimmte Interessen bündeln lassen. Eine erste dieser Gruppen, sicher die dominante, ist durch Interessen an den Ergebnissen der Arbeit und ihrem Nutzen in der Arbeits- und 30 3 Der populärwissenschaftliche Artikel <?page no="31"?> Lebenswelt der Rezipienten charakterisiert. Nutzenorientierung ist eine erste Auswahlstrategie für das Gewinnen von Inhalt für den Artikel. In einer zweiten Gruppe sind die Interessen an der Forscherpersönlichkeit gebündelt. Gemeint ist nicht der Verfasser der wissenschaftlichen Arbeit, sondern die Wissenschaftler, die hinter den Grundlagen seiner Arbeit stehen und in dieser namhaft wurden. Mit der Auswahlstrategie Personalisierung werden die an den einschlägigen Forschungen beteiligten Wissenschaftler sichtbar gemacht. Das führt dazu, dass hauptsächlich über die Person des Forschers berichtet wird und Inhalt und Ergebnis seiner Forschungen in den Hintergrund treten. In einer dritten Gruppe sind die Interessen auf die Zukunftsfähigkeit der Arbeitsergebnisse gerichtet. Gefragt wird nach notwendigen Ergänzun‐ gen, Erweiterungen und Vertiefungen des Erkannten. Dazu gehören auch Vorschläge für künftige Untersuchungen, z B. auch Themen für künftige wissenschaftliche Arbeiten. Mit der Auswahlstrategie Zukunftsorientie‐ rung sollen Aussagen zu künftigen Entwicklungsrichtungen bzw. zur For‐ schungsperspektive gesammelt werden. In der vierten Gruppe wird der methodische Informationsgewinn aus einer Arbeit erfasst. Jede wissenschaftliche Arbeit hat auf dem Wege zur Erkenntnis bestimmte Verfahren, Techniken oder Methoden eingesetzt. All jene, die zum Erfolg führten, sind es Wert, ausgewählt und öffentlich bekannt gemacht zu werden. Methodenorientierung als Auswahlprinzip bedient ein erhebliches Interesse auch in der fachfremden Öffentlichkeit. Es bleibt künftigen Untersuchungen vorbehalten, weitere Auswahlstra‐ tegien zu finden und damit die fünfte und weitere Spalten in der Abb. 2 zu füllen. L EHN E R , M. (2012, S.-126) schlägt für die Auswahl von Inhalten die „Siebe der Reduktion“ vor. Das Bild lässt sich für das Vorgehen in diesem Schritt gut verwenden. Mit unterschiedlich feinen Sieben sind Aussagen zu gewinnen. In Abhängigkeit vom Lochdurchmesser verbleiben nach dem Sieben aus dem Artikelstoff die jeweils gewünschten Inhaltsmengen im dafür verwendeten Sieb. Das heißt, im Sieb „Nutzenorientierung“ verbleiben alle Aussagen zum Ergebnis/ Nutzen der Arbeit oder im Sieb „Zukunftsorientierung“ alle Aussagen zur Weiterführung der Untersuchungen. Das „Ausgesiebte“ bildet den Kern des populärwissenschaftlichen Arti‐ kels. In der Regel sind zusätzliche Untersuchungen erforderlich. So sind beispielsweise nach der Auswahl der Arbeitsergebnisse fehlende Aussagen zu deren Nutzen zu ergänzen. Oder in der Personalisierung sind häufig 3.2 Das Transformationsmodell 31 <?page no="32"?> umfängliche Nachforschungen zum Wirken der Forscherpersönlichkeiten anzustellen. Schließlich sind für alle Auswahlstrategien geeignete Narrative bzw. Stories anzubieten, die den Text einführen bzw. ergänzen und die das Interesse der Leserschaft anregen sollen. Eine ausführliche Beschreibung der vier Auswahlstrategien, ergänzt durch Beispiele, findet der Leser in Kapitel 5. An dieser Stelle sei nochmals vermerkt, dass durchaus weitere Auswahlstrategien existieren, die in künf‐ tigen Untersuchungen aufzudecken sind. 3. Schritt: Bestimmen Sie Gestaltungstechniken zum Verringern der Kompliziertheit (siehe Abb. 5)! Abb. 5: Gestaltungstechniken zum Verringern der Kompliziertheit In diesem Schritt werden die ausgewählten Inhalte für die interessierte Leserschaft verständlich formuliert. Das bedeutet, die Kompliziertheit der Aussagen ist zu reduzieren, das Verständnis für die Aussagen zu erhöhen. Das Verstehen des Lesers wird dann unterstützt, wenn es gelingt, kompli‐ zierte Aussagen stimmig in das vorhandene Wissen einzufügen und dabei 32 3 Der populärwissenschaftliche Artikel <?page no="33"?> die existierenden Vorstellungen zu berücksichtigen. Das Komplizierte ist in fassliche Aussagen zu transformieren. Auch für diesen Schritt sind die Vor‐ stellungen des Verfassers zu Voraussetzungen, Interessen und Einstellungen in der avisierten Öffentlichkeit nützlich (siehe dazu Abschnitt 4.2, S I E- Analyse). Der Leser muss jetzt keine pädagogische Lehrunterweisung befürchten. Gleichwohl sind didaktische Handlungsrezepte zu berücksichtigen, die sich vielfach als praxistauglich erwiesen haben. In der ersten Gruppe werden Techniken angeboten, die Informationen aus dem wissenschaftli‐ chen Kommunikationszusammenhang ausgliedern. Das Reduzieren der Fülle, Dichte und bestimmter Merkmale sind bewährte Techniken der popularisierenden Gestaltung. Für das verständliche Erklären unbekannter Sachverhalte ist Veranschau‐ lichen unverzichtbar. Es wird durch Visualisierung ermöglicht. Sie erzeugt Vorstellungsbilder beim Leser, die ihm den Zugang zu abstrakten Sachver‐ halten erleichtern. Auch Analogien erschließen neue Zusammenhänge durch bewussten Rückgriff auf Bekanntes. Fassliche Gestaltungen von Informationsfolgen verschaffen nicht nur einen besseren Überblick, sie erleichtern auch das Speichern und Reproduzieren der Informationen. Die Textgestaltung populärwissenschaftlicher Inhalte, insbesondere Syntax und Textstruktur, unterscheidet sich klar von wissenschaftlichen Texten. Das Umschreiben ist vor allem mit dem Abbau von Einförmigkeit und Standardisierung verbunden. Journalistische Textsorten sind hierfür häufig ein gutes Vorbild. Besonderheiten hat der Verfasser beim Umgang mit Fachwörtern oder grafischen Darstellungen zu beachten. Mit den soeben beschriebenen drei Schritten ist die tragende Grund‐ konstruktion für die Umwandlung des wissenschaftlichen Textes aus der Abschlussarbeit in den populärwissenschaftlichen Artikel gefunden. Jetzt kann der Korpus mit der entsprechenden Auswahlstrategie (charakterisiert in Kapitel 5) und den entsprechenden Gestaltungstechniken (charakterisiert in Kapitel 6) ausgefüllt werden. 3.3 Die Merkmale Worin besteht das Besondere des populärwissenschaftlichen Textformats? Vier Merkmale fassen die bisherigen Aussagen zusammen: 3.3 Die Merkmale 33 <?page no="34"?> 1. Beim populärwissenschaftlichen Artikel geht es nicht vordergründig um den wissenschaftlichen Inhalt der Sache, sondern um den Nutzen, die Anwendung, die Bedeutung, die Auswirkungen der Sache oder aber um die Person(en) hinter der Sache (N I E D E R HAU S E R , J., 1997, S. 165). Gesucht ist ein Ausschnitt aus der Arbeit, der vornehmlich durch die Interessen der Leser bestimmt wird. Auf den akademischen Argumentations- und Verzeichnisapparat wird verzichtet. Der Text soll ausgewählte Inhalte einer wissenschaftlichen Arbeit in verständlicher Sprache vermitteln, keine neuen Forschungsergebnisse mitteilen. Dabei ist stets kritisch zu hinterfragen, ob die Sache, also die Ergebnisse der Arbeit, das Potential für diesen Bedeutungsnachweis haben und ob sich dafür Leser finden lassen. 2. Auch wenn der populärwissenschaftliche Artikel nicht ohne linguisti‐ sche Transformation aus den wissenschaftlichen Originaltexten entste‐ hen kann, so ist er vor allem das Ergebnis eines selektiven Prozesses. Aus dem Ganzen wird ein Teil ausgewählt, wobei diese Auswahl von bestimmen Interessen geleitet wird. Kernpunkte für die Gestaltung eines populärwissenschaftlichen Artikels sind: Linguistische Transformation: Populärwissenschaftliche Artikel müssen sprachlich angepasst werden, um sie für eine breites Publikum verständlich zu machen. Selektion und Interessenorientierung: Beim Erstellen des populär‐ wissenschaftlichen Artikels wird aus dem umfassenden Originaltext nur ein Teil ausgewählt, wobei diese Auswahl durch spezifische Interessen bestimmt ist. 3. Die sprachliche Transformation und die interessenorientierte Auswahl fürt der Verfasser selbst durch, mit Blick auf Lesergruppen außerhalb des engeren Fachzirkels. Die Umformung in einen populärwissenschaft‐ lichen Text erfolgt durch bestimmte Auswahlstrategien: Personalisierung - Personen im Blick auf ihre Rolle in der Wissenschaft oder Nutzenorientierung - Bedeutung der Ergebnisse für Personen/ Bereiche oder Zukunftsorientierung - Ausbau und Entwicklung der Ergebnisse oder 34 3 Der populärwissenschaftliche Artikel <?page no="35"?> Methodenorientierung - methodischer Informationsgewinn und Gestaltungstechniken: Informationsreduktion, Veranschaulichung, Textgestaltung. Sie kom‐ men den Vorstellungen, Erfahrungen und Kenntnissen der fachfremden Leserschaft nahe. Mit ihrer Hilfe erfolgt die Transformation der ausge‐ wählten Inhalte in eine populärwissenschaftliche Fassung. 4. Im Ergebnis entsteht ein populärwissenschaftlicher Artikel im Umfang von bis zu drei DIN-A4-Seiten. Der Text ist nicht einförmig und standardisiert. Er enthält Variationen, die den Leser direkt ansprechen und seine Vorstel‐ lungsbildung anregen. Der Verfasser selbst informiert die Öffentlichkeit kurz, leserfreundlich und interessenorientiert über ausgewählte In‐ halte seiner Arbeit, sowohl in Printals auch in Online-Formaten. 3.4 Ein anderes Modell: Der Fachaufsatz Mit dem Fachaufsatz, veröffentlicht in einer studentischen Fachzeitschrift, stellen K ÖK E R , P. und H A R ME NIN G , M. (2024) eine weitere Möglichkeit für das Publizieren von wissenschaftlichen Arbeiten vor. Hier stellen Studenten ihre im Studium gewonnenen Kompetenzen vor und verfassen den Aufsatz vornehmlich für ihre Dozenten. Das Format wird in der Regel von einer Universität, einer Hochschule, einem Institut oder auch vereinzelt von Stu‐ dierendeninitiativen und Nachwuchsgesellschaften herausgegeben. Diese stellen die Finanzierung, Organisation und wissenschaftliche Betreuung sicher. Deshalb können nur solche Personen publizieren, die hier studieren, arbeiten oder in anderer Weise diesen Einrichtungen nahestehen. Die studentischen Fachzeitschriften verfügen über hochwertige Verfahren zur Qualitätssicherung und wissenschaftliche Beiräte, die die redaktionelle Arbeit unterstützen. Die Fachaufsätze sind im wissenschaftlichen Stil geschrie‐ ben und bestehen in der Regel aus einer Einleitung, einem Forschungsstand bzw. Literaturüberblick, einem Theorieteil, einem methodischen Teil bzw. Forschungsdesign, einer Analyse und einem Ergebnisteil sowie der Zusammen‐ fassung und einem Fazit (K ÖK E R , P. et al., 2024, S.-28). In den meisten Fällen ist dem Fachartikel ein Abstract vorangestellt, der strukturell dem Charakter eines Applications Abstracts entspricht (siehe Anhang A3, Abschnitt 2.3). Je nach 3.4 Ein anderes Modell: Der Fachaufsatz 35 <?page no="36"?> Vorgabe der jeweiligen Zeitschrift beträgt der Umfang 5.000 bis 10.000 Wörter, also 20 bis 35 Seiten im Format DIN A4. Der Inhalt des Fachaufsatzes wird durch schrittweise Überarbeitung der Teile einer Originalarbeit gewonnen. Anhand des Fragen-Dreischritts „Was bleibt? “ - „Was muss überarbeitet werden“? - „Was muss gehen? “ bilden sich konkrete Hinweise für den Inhalt des Fachaufsatzes heraus (K ÖK E R , P. et al., 2024, S. 63 ff.). Dabei müssen die Inhalte der einzelnen Abschnitte, z.-B. Einleitung, Forschungsstand, Theorieteil etc., mit dem zuvor formulierten Abstract übereinstimmen und durchgehend einen roten Faden erkennen lassen. Die Vorzüge von studentischen Fachzeitschriften liegen auf der Hand (K Ö‐ K E R , P. et al., 2024, S. 50 f.): Der veröffentlichte Fachaufsatz ist gut geeignet für eine erste wissenschaftliche Veröffentlichung. Nach dem Durchlaufen eines Begutachtungsverfahrens wird der Aufsatz der jeweiligen akademi‐ schen Fachöffentlichkeit bekanntgemacht. Danach ist er in der Regel direkt online verfügbar, in der Zeitschrift nach 2 bis 3 Monaten. Im Ergebnis des Begutachtungsprozesses erhält der Verfasser nicht nur Hinweise, die seinen Aufsatz verbessern, sondern auch beim Verfassen künftiger wissenschaftli‐ cher Arbeiten hilfreich sein können (K ÖK E R , P. et al., 2024, S. 51 f.). Der Zugang zu einer Veröffentlichung in einer studentischen Fachzeitschrift ist relativ niederschwellig. Selbst nach einer ersten Ablehnung werden weitere Möglichkeiten zur Verbesserung des Manuskripts oder für andere Zugänge offeriert. Wer eine wissenschaftliche Reputation anstrebt, der hat mit einem gelungenen Fachaufsatz, veröffentlicht in einer studentischen Fachzeitschrift, einen wichtigen Karrierebaustein geschaffen. Allerdings: Die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Abschlussarbeit verbleibt in den Grenzen der Universität, der Hochschule oder des Instituts. Die Leser des studentischen Fachartikels sind vornehmlich die Dozenten, die Kommilitonen und andere wissenschaftliche Mitarbeiter. Die nichtfachliche Öffentlichkeit wird selten erreicht, die Grenzen der Hochschule werden kaum überschritten. Aber gerade das war ja das besondere Anliegen des populärwis‐ senschaftlichen Artikels. Deshalb ist er auch keine Alternative zum Fachaufsatz in der studentischen Fachzeitschrift. Beide sind gute Möglichkeiten für eine erste Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten, allerdings für sehr unterschied‐ liche Zielgruppen und deshalb auch mit sehr verschiedener inhaltlicher und methodischer Ausrichtung. Und nicht zuletzt: Das eine Modell funktioniert nur mit finanzieller, organisatorischer und wissenschaftlicher Unterstützung der Hochschule. Das andere wird nahezu ausschließlich getragen von der Eigeninitiative des Studierenden bzw. Absolventen. 36 3 Der populärwissenschaftliche Artikel <?page no="37"?> Ich entziehe einer Proklamation das Vertrauen, die behauptet, die Analyse eines Adressaten verstoße gegen die Persönlichkeitsrechte. 4 Zielgruppenanalyse 4.1 Auswahl der dominierenden Zielgruppe Der populärwissenschaftliche Artikel soll Personen einer bestimmten Ziel‐ gruppe über Aussagen zu Ergebnissen, Personen oder zu Methoden aus der wissenschaftlichen Arbeit informieren und für ausgewählte Aspekte interessie‐ ren. Das kann umso besser gelingen, je klarer die Vorstellungen des Verfassers von der Zielgruppe sind. Vor allem Einsteigern in das Publizieren fällt es schwer, die Perspektive ihrer zukünftigen Leser einzunehmen. Sie schreiben oft für sich selbst. Der Schreibprozess ist auf ihr eigenes Verständnis ausgerichtet, sie dokumentieren ihren Erkenntnisprozess (K ÖK E R , P. et al., 2024, S.-78). Zunächst wird eine Antwort auf die Frage gesucht: Welche Merkmale besitzt die Zielgruppe, für die der Verfasser seinen Text vorbereitet? Die Literatur bietet für die Antwort zahlreiche Publikumstypen an. Das bezieht sich vorrangig auf solche Typen, die das Verhalten des Lesers während des Studiums eines Textes widerspiegeln, z. B. passiver, selektiver, aufmerksamer oder aktiver Leser. Diese Typisierung ist für die Vorbereitung des Artikels nicht geeignet. Ansprechpartner für einen populärwissenschaftlichen Artikel sind oft mehrere Personen aus verschiedenen Bereichen. Dabei sind die Grenzen oft fließend. Sie können nicht überschneidungsfrei der einen oder anderen Gruppe oder einem Bereich zugeordnet werden. In diesem Sinne wird von der dominierenden Zielgruppe gesprochen, die den Kern der ausgewähl‐ ten Ansprechpartner bildet. Ihre Kennzeichnung wird durch Zuordnung zu kompetenz- oder funktionsorientierten Typen erleichtert. Kompetenzorientierte Typen Mit Blick auf Kompetenzen schälen sich z. B. in einem Unternehmen vier dominierende Zielgruppenheraus, wobei Fachkompetente als Leser populärwissenschaftlicher Artikel von vornherein ausgeschlossen wurden: <?page no="38"?> • Veranlasser Erkennen, dass zur Lösung bestimmter Probleme im Unternehmen ex‐ terne Hilfe benötigt wird. Von ihnen gehen Anstöße für Veränderungen aus. Sie sind offen für Umsetzungsvorschläge. • Beeinflusser Sind als Aktionäre, Gesellschafter, Berater oder Angehörige spezieller Abteilungen nur indirekt von möglichen Veränderungen betroffen. Können aber aufgrund ihrer Sonderstellung Einfluss auf den bzw. die Entscheider ausüben. • Entscheider Treffen die Entscheidung über Veränderungen, gegebenenfalls unter dem Einfluss der anderen Zielgruppen. • Nutzer Sind von den möglichen Veränderungen direkt betroffen, müssen sie realisieren, mit ihnen arbeiten. Jede dieser Gruppen besitzt ein eindeutiges Unterstützungspotential (siehe Abb. 6). Um es zu erschließen, sind ihre Interessen an den verschiedenen Aspekten der wissenschaftlichen Arbeit (z. B. Ergebnis/ Nutzen, methodi‐ scher Informationsgewinn oder Forschungsperspektive) auszuloten. Das führt zum Feststellen von „Aussagen von besonderer Bedeutung“. Ansprech‐ partner Unterstützungpotential Aussagen von besonderer Bedeutung Veranlasser Geben Anstoß für Veränderungen Veränderung ist notwendig, Problem ist klar gekennzeichnet, Umsetzungsidee setzt an der Ursache an, Nutzen ist erkennbar. Beeinflusser Nehmen Einfluss auf Entscheider Imagegewinn ist erkennbar, Nutzen ist ver‐ mittelbar, Vorschlag erscheint realisierbar, In‐ teressen der Beeinflusser sind berücksichtigt. Entscheider Entscheiden über Veränderung Vorschlag passt in die Strategie, Kosten-/ Nutzenverhältnis ist einschätzbar, kein Ver‐ lust an Popularität zu erwarten. Nutzer Realisieren die Veränderung Vorteile überwiegen, persönliche Auswirkun‐ gen sind erkennbar. Abb. 6: Checkliste für die gezielte Ansprache in einem Unternehmen 38 4 Zielgruppenanalyse <?page no="39"?> Funktionsorientierte Typen In Abb. 7 wird eine funktionsorientierte Typisierung angeboten. Auch hier sind die Fachleute als Zielgruppe ausgeschlossen. Neben der Kennzeichnung des einzelnen Typs werden ausgewählte Aspekte für die Gestaltung vorge‐ schlagen. Die Zuordnung der zu erwartende Leser zu einem Publikumstyp dürfte in der Regel gelingen, aber die Identifikation seiner Mitglieder im Hinblick auf Vorwissen, Interessen und Entwicklungen ist noch nicht erkennbar. Funktionsori‐ entierter Pub‐ likumstyp Kennzeichnung Gestaltungsempfehlungen Neutrale und offene Leser Warten zunächst ab, was der Verfasser vor‐ stellt und wie er es ge‐ staltet. Wollen unterhalten werden. Weichen Sie vom Üblichen ab, bei‐ spielsweise durch einen ungewöhnli‐ chen Einstieg. Überraschen Sie die Leser mit provokanten Thesen, hu‐ morvollen Anekdoten und Beispielen. Gestalten Sie einen Schluss mit Nut‐ zenargumenten, die im Gedächtnis bleiben. Verpflichtete Lesers Sollen einen Eindruck gewinnen, eine Bewer‐ tung vornehmen und für Dritte eine Empfeh‐ lung aussprechen. Bieten Sie Beispiele aus der Lebens‐ wirklichkeit der Leser an. Gestalten Sie den Text abwechslungs‐ reich, beispielsweise durch den Ge‐ brauch verschiedener visueller Mittel. Bieten Sie verständliche Nutzenargu‐ mente an. Manager und Prüfer als Le‐ ser Lesen den Artikel oft nur mit geteilter Auf‐ merksamkeit. Wollen einen Eindruck vom Ergebnis und sei‐ nem Nutzen gewinnen. Halten Sie den Text möglichst kurz. Starten Sie mit einem originellen Ein‐ stieg zur Illustration des Problems. Erläutern Sie die wichtigsten Ergeb‐ nisse zur Problemlösung. Bringen Sie die Nutzenargumente auf den Punkt. Gegner und Kritiker als Leser Suchen die Schwach‐ punkte in der Argu‐ mentation und Män‐ gel im Text. Versuchen Nutzenargumente zu relativieren oder zu leugnen. Bereiten Sie die Argumentation gründlich vor. Versuchen Sie Nutzen‐ argumente nicht zu postulieren, son‐ dern logisch herzuleiten. Räumen Sie weiteren Untersuchungsbedarf ein. Abb. 7: Typisierung funktionsorientierter Zielgruppen 4.1 Auswahl der dominierenden Zielgruppe 39 <?page no="40"?> In einer Masterarbeit zur Gestaltung des Personalmanagements in einer zu‐ künftigen Arbeitswelt für Unternehmen der Energiebranche (K R E TZ S CHMA R , S., 2018) boten sich dem Autor sechs Zielgruppen als Ansprechpartner für einen populärwissenschaftlichen Artikel. Innerhalb des Unternehmens: Management (siehe dazu Beispiel in Abschnitt 8.3), Personaler, Mitarbei‐ ter. Außerhalb des Unternehmens: Fachwissenschaftler, Regionalpolitiker, Kunde. 4.2 S I E-Analyse In der Zielgruppenanalyse ist die ausgewählte Zielgruppe einer tiefergeh‐ enden Analyse zu unterziehen. Gefragt wird nach der Situation, in der sich die Leser befinden, nach ihren Interessen und Einstellungen zum angebotenen Text. Dazu eignet sich die S I E-Analyse (siehe Abb. 8). Welche Aufschlüsse soll eine solche Analyse bringen? Abb. 8: Schema der S I E-Analyse Situation Wer sind die Leser, in welcher Lebens- und Arbeitssituation befinden sie sich, welches Vorwissen bringen sie mit, wo und womit sind sie im wissen‐ 40 4 Zielgruppenanalyse <?page no="41"?> schaftlichen und beruflichen Feld beschäftigt? Antworten auf diese Fragen kennzeichnen ihre momentane Situation. Der Verfasser kann folglich auf Informationen verzichten, die bereits bekannt sind. Aus dem festgestellten Vorwissen können der Erklärungsbedarf und das Verständnis von Grundla‐ gen sowie von Fach- und Fremdwörtern ermessen werden. Die angenomme‐ nen intellektuellen Fähigkeiten lassen Schlussfolgerungen zur Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen zu. Schließlich liefern der dominierende Wirkungs- und Erfahrungsbereich der Leserschaft Hinweise für die Wahl der Beispiele, das Anknüpfen an Erfahrungen oder für das Formulieren von Vorschlägen, Anregungen und Appellen. Interessen Die Analyse gibt des Weiteren Aufschlüsse über die Interessen der Leser. Im Artikel ist bewusst Bezug auf diese Interessen zu nehmen. Wichtige Ar‐ gumente, die vermutlich diesen Interessen entgegenstehen, sind besonders sorgfältig vorzubereiten und zu begründen. Die Kenntnis der Interessen ist von großer Bedeutung für die Wirkung des Artikels, weil sie für den Verfasser einen Zugang zum Finden von Nutzenargumenten schaffen. In der Praxis macht mancher Verfasser den Fehler, dass er dem Rezipienten die gleichen Interessen unterstellt, die er selbst hat. Aber die Menschen haben unterschiedliche Interessen, beispielsweise (B ÄN S CH , A., 1998, S.-70-ff.): • Qualitätsinteressen - neue Erkenntnisse, die hohen Qualitätsansprü‐ chen genügen, werden erwartet, • Gewinninteresse - methodischer Informationsgewinn ist erwünscht, • Sicherheitsinteresse - Ratschläge zur Vorsorge gegenüber vielfältigen Gefahren unter Sicherheitsaspekten sind gefragt, • Umweltinteresse - Einschätzungen zur Umweltfreundlichkeit und -verträglichkeit als Beurteilungs- und Wahlkriterium werden erwartet. Dem Verfasser wird empfohlen, nicht phantasielos Informationen nach ei‐ genem Gutdünken zu vermitteln, sondern seine Aussagen, seine Argumente in der Bedeutung anzubieten, die den Interessen seiner Leser entsprechen. Stets muss er im Auge behalten, dass die Überzeugungskraft seiner Argu‐ mentation nicht nur von dessen Richtigkeit, sondern zugleich immer auch von der Bedeutsamkeit des Arguments für den Rezipienten abhängt (siehe dazu Abb. 9). 4.2 S I E-Analyse 41 <?page no="42"?> Richtigkeit Bedeutsamkeit Fakten Treffen die Interessen der Leser. Daten Kommen den Erwartungen der Leser entgegen. Statistik Entsprechen dem Verständnis der Leser. Zitate Sagen dem Image, den Werten der Leser zu. Varianten Erweitern die Wahlfreiheit für die Leser. Erfahrungen Berücksichtigen die Erfahrungswelt der Leser. Praxishinweise Helfen den Lesern bei der Lösung ihrer Probleme. Abb. 9: Verstärker für: Überzeugungskraft der Argumentation Einstellungen Die Analyse soll schließlich ein Bild darüber vermitteln, wie die Leser zu dem Thema des Artikels stehen. Zu erkennen sind die Einstellungen der Leser zu den Zielen, zu Inhalten und eventuell auch zum Verfasser. Angemessen ist darauf einzugehen, was die Leser bei diesem Thema besonders bewegt. Einstellungen beziehen sich auf Neigungen, sich zu einem Objekt (Produkt, Konzept, Unternehmen) oder zu einer Person/ Personengruppe positiv, indifferent oder negativ zu verhalten. Drei Elemente kennzeichnen Einstellungen: • das Gefühl gegenüber dem Objekt bzw. der Person/ Personengruppe, • das Wissen über das Objekt bzw. die Person/ Personengruppe, • die Bereitschaft zum adäquaten Handeln und Verhalten. Will man eine Einstellung beeinflussen, gegebenenfalls verändern, muss der IST-Zustand bekannt sein. Denn Einstellungen haben eine Tendenz zu Konsistenz. Treten jetzt Widersprüche auf, so erregen sie und lösen Aktivitäten aus, um die Konsistenz wiederherzustellen. Dabei werden ein‐ stellungskonforme Informationen eher aufgenommen als einstellungskont‐ räre. Deshalb ist der Leser zunächst bei seiner vorhandenen Einstellung abzuholen, beispielsweise so: „Ich kann verstehen, dass Sie zunächst skeptisch sind …“ oder „Sie werden sich zu Recht die Frage stellen, wie meine Vorschläge unter den gegebenen Bedingungen umsetzbar sind.“ 42 4 Zielgruppenanalyse <?page no="43"?> Im Grunde gipfelt vieles in die beiden Fragen: • Was wissen und denken die Leser aus eigener Erfahrung über das Thema? • Welche Erwartungen und Vorurteile bringen sie mit? Mit der Beantwortung dieser beiden Fragen mit Hilfe des vorgestellten Instrumentariums begegnet der Verfasser der Gefahr, der der Neuling beim Einstieg in das Publizieren unterliegt: Er nimmt unzureichend die Perspektive seiner Leser ein! 4.2 S I E-Analyse 43 <?page no="45"?> Ich entziehe einer Popularität das Ver‐ trauen, die unter dem Deckmantel des Vereinfachens den Inhalt entleert. 5 Auswahlstrategien Mit Hilfe der Auswahlstrategien werden die Inhalte aus wissenschaftlichen Arbeiten in andere Argumentationszusammenhänge gestellt. So wird im Ge‐ gensatz zur deskriptiven, sachbetonten, teilweise ermüdenden Darstellung in einer wissenschaftlichen Abhandlung jetzt knapp und leserorientiert über Ergebnisse der Untersuchung berichtet. Alltagserfahrungen werden zum Ausgangspunkt der Schilderungen. Die Nützlichkeit von Vorgehensweisen und Ergebnissen für bestimmte Personen oder die Rolle von Forscherper‐ sönlichkeiten oder ein methodischer Informationsgewinn stehen im Mittel‐ punkt der Berichterstattung. Auf diese Weise werden Arbeitsergebnisse und ihr Entstehen attraktiv und verständlich einer nichtfachlichen, aber am Thema interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Die nachfolgenden Beispiele in diesem Kapitel wie auch in Kapitel 6 sollen Vorgehensweisen illustrieren. Die dabei verwendeten Inhalte sind lediglich Mittel zum Zweck. Sie erheben keinen Anspruch auf Aktualität und sachliche Richtigkeit. Sie sollen vor allem für den Leser leicht zugänglich sein. 5.1 Nutzenorientierung Warum scheitern so viele gute Ideen? Oft ist es der fehlende Fokus auf den tatsächlichen Nutzen für potentielle Anwender, Kunden oder Leser. Nutzenorientierung stellt den Mehrwert oder die individualisierten Vor‐ teile in den Mittelpunkt und ermöglicht eine gezielte Ausrichtung von Handlungen und Entscheidungen. Sie hilft, Ressourcen aufzuspüren und effektiv zu nutzen. Nutzenorientierung ist der Schlüssel, um den wahren Wert zu entfalten Der Nutzen des Ergebnisses einer Graduierungsarbeit ist im beträchtlichen Maße subjektiv bedingt und hängt davon ab, ob das Ergebnis zur Verwirklichung individueller Werthaltungen beiträgt. Ob eine Erkenntnis und das dahinterstehende Wissen Nutzen bringt, wird von der Situation bestimmt, in die der Betreffende in der Lebens- und Arbeitswelt ist (L I S S EMANN , K. P., 2006, S.-32). <?page no="46"?> Mit der Orientierung am Nutzen werden das Ergebnis und die zu erwar‐ tenden Auswirkungen auf den Alltag des Lesers dargestellt. Wenn Nutzen das Maß für die Fähigkeit eines materiellen oder immateriellen Produktes ist, Bedürfnisse zu befriedigen (V O LK , M., 2016), dann ist Nutzenorientierung als Auswahlstrategie nur mit der Bestimmung und Analyse der in Aussicht genommenen Leserschaft wirksam. Eine solche Zielgruppenanalyse wurde in Kapitel 4 vorgestellt. Für den Einsteiger ist die Frage nicht einfach zu beantworten: Welches Meinungsbild gibt es in der Personengruppe X oder im Bereich Y zu einem Meinungsgegenstand, beispielsweise zum Ergebnis der Arbeit? Erst die Recherche zu Informationen über die Lebens- und Arbeitssituation, die Interessen und Einstellungen (auch Vorbehalte, Ablehnungen) offenbart das Meinungsbild. Jetzt entstehen Vorstellungen über die Zielgruppe, die zu überzeugungswirksamen Nutzenargumenten führen. Am Anfang hilft dem Verfasser schon eine Antwort auf die Frage: Was hat mich veranlasst, dieses Thema für meine wissenschaftliche Arbeit zu wählen? Sicher war es nicht allein das persönliche Interesse, sondern in Verbindung damit das Bestreben, ein Problem im Betrieb zu lösen, körperliche Beschwerden zu lindern, ein Defizit im Alltag zu überwinden oder bestimmte Abläufe zu verbessern. Wer das erkannt hat, kann besser erklären, welchen Nutzen seine Ergebnisse stiften und den Artikel für eine Öffentlichkeit lesenswert machen. Mitunter wird das Beschreiben der Ergebnisse mit Merkmalen bereits als Ausweis ihres Nutzens betrachtet. Aber wenn Bedürfnisse befriedigt werden sollen, dann ist dem Leser ein sehr persönlicher Nutzen anzubieten, wie z. B. Erfolg haben, Zeit sparen oder Sicherheit erhöhen. Das wissenschaftliche Ergebnis ist dann Mittel zum Zweck, nämlich der Nutzen. Den notwendigen Effekt erreicht der Verfasser erst über den vollständigen Durchlauf der Argumentationskette „Merkmale - Vorteile - Nutzen“ (siehe dazu Abb. 10). Erste Stufe: Das Merkmal bzw. die Merkmale eines Ergebnisses wer‐ den durch Daten und Fakten beschrieben. Zweite Stufe: Der damit verbundene Vorteil (als positive Bedeutung des Merkmals) wird benannt. Vorteile sind in der Regel allgemeingültig, noch nicht lokalisiert oder personalisiert, also noch nicht auf einen konkreten Anwendungsbereich oder Personenkreis (hier Leserkreis) bezogen. 46 5 Auswahlstrategien <?page no="47"?> Dritte Stufe: Erst das Personalisieren des Vorteils, also das Feststellen seiner Bedeutung für Personen oder Anwendungsberei‐ che, offenbart den Nutzen. Er soll einen konkreten Bedarf im lokalisierten Bereich oder personalisierten Kreis befrie‐ digen. Abb. 10: Argumentationskette Merkmal - Vorteil - Nutzen Das folgende Beispiel skizziert die Argumentationskette in einem populär‐ wissenschaftlichen Artikel über die Entwicklung einer Wärmepumpe - siehe dazu auch Abb. 11. Merkmal: Die neuentwickelte Pumpe hat einen niedrigen Geräusch‐ pegel. Vorteil: Deshalb werden Schalldämpfer nicht erforderlich (positive Bedeutung des Merkmals, aber noch kein Nutzen! ). Nutzen: Das spart dem Besitzer Geld und erspart ihm außerdem Ärger mit dem Nachbarn, weil die Pumpe nicht zu hören ist. Jetzt sind die Aussagen auf das konkrete Bedürfnis einer Person oder einer Personengruppen bezogen. An dieser Stelle wurde das exemplarische Vorgehen gewählt. Das heißt, es wird als Beispiel nur ein Merkmal genannt (obwohl es noch weitere Merkmale gibt). In der Folge wird auch nur ein Vorteil aufgeführt. Zu ihm ergeben sich zwei Nutzenargumente. Die Darstellung verzichtet bewusst auf die Aufzählung aller Merkmale und Vorteile der Wärmepumpe. Vielmehr wird an einem in besonderer Weise geeigneten Beispiel der Gesamtbereich erschlossen und damit der Leser zum Verständnis für das Ableiten des Nutzens geführt. 5.1 Nutzenorientierung 47 <?page no="48"?> Abb. 11: Beispiel Argumentationskette Merkmal - Vorteil - Nutzen Beim Vorstellen des Nutzens sollte der Verfasser eine vorzeitige Quantifi‐ zierung vermeiden, etwa so: „Der Besitzer spart 40 € pro Monat“. Das nährt Zweifel an seiner Seriosität. Überzeugende Argumente werden neben Geld auch aus solchen Bedürfnissen wie Gesundheit, Sicherheit, Kontakt, Selbsterfüllung oder Ordnung abgeleitet. Die Auswahlstrategie „Nutzenorientierung“ fängt alle ergebnisorientier‐ ten Aussagen in der Arbeit auf und verlangt eine Entscheidung darüber, welche davon die Interessen des avisierten Leserkreises betreffen. Ist der damit verbundene Nutzen darzustellen, sind oft zusätzliche Überlegungen zu einschlägigen Nutzenargumenten notwendig. Das hängt auch damit zusammen, dass in der Arbeit Ergebnisse weniger auf Personen bezogen sind und deshalb häufig in der Kategorie „Vorteile“ hängen bleiben. Erst die Orientierung auf bestimmte Lesergruppen ermöglicht jetzt das Formulieren überzeugungswirksamer Nutzenargumente. 5.2 Personalisierung Die Kunst der Personalisierung besteht darin, Personen mit ihren individu‐ ellen Präferenzen, Bedürfnissen, Vorlieben oder Eigenarten zu erkennen und anzusprechen. Nach dieser Strategie werden jene Menschen ins Visier der Darstellung genommen, die engen Bezug zum Thema der wissenschaft‐ lichen Arbeit haben. Sie spielen meistens im Hintergrund eine besondere 48 5 Auswahlstrategien <?page no="49"?> Rolle, in der Regel als Quelle für die Ideenentwicklung, die Untersuchung, die Umsetzung, das Publizieren oder das Fördern. Dabei geht es nicht nur um das Vorstellen der „Helden der Forschung“. Auch das mühevolle, von zahlreichen Rückschlägen begleitete Erheben und Verarbeiten von Daten oder der Wettbewerb der verschiedenen wissenschaftlichen Schulen kann Gegenstand der Berichterstattung sein. In der Darstellung bleiben Inhalt und Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit im Hintergrund. In diesem Textformat werden oft auch Wissenschaftler in der Gesamtheit ihrer Persönlichkeit vorgestellt, auch außerhalb ihres Lebens im Labor oder auf anderen Wegen zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Für den Einstieg in ein solches Format möge das folgende Beispiel gelten: Unter dem Titel „SIMON - ein Souverän in Worten und Werken“ erschien ein solcher Text in einem physikalischen Fachjournal unter der Rubrik „Wissen‐ schaftliches Leben“. Eingeleitet wurde der Artikel mit der folgenden Anekdote: „Professor Simon betrat gemessenen Schrittes seinen Vorlesungssaal B 154 und begrüßte würdevoll die versammelten Kommilitonen, die sich bei seinem Erscheinen erhoben. Mit geübter Hand führte er die Kreide an der Tafel und bemühte sich um die Herleitung der Eulerschen Formel auf dem Wege zur reellen Lösung einer Differentialgleichung zweiter Ordnung. Das Ergebnis, das er der staunenden Studentenschaft präsentieren wollte, stimmte auch nach mehreren Versuchen nicht. Schließlich gab er sein Bemühen mit den Worten auf: Der wahre Genuss für den Mathematiker besteht nicht im Erreichen eines Ergebnisses, sondern in der Suche nach ihm. Die Worte standen kurz im Raum, dann applaudierte das Plenum. Simon verließ erhobenen Hauptes mit zufriedenem Gesichtsausdruck seine B 154“. Der Artikel würdigt also nicht den Mathematiker Karl Friedrich Simon in seiner engeren fachwissenschaftlichen Arbeit, was ja ohnehin nicht Anspruch eines populärwissenschaftlichen Textes sein könnte. Im Mittel‐ punkt steht die Persönlichkeit in der Vielfalt ihres beruflichen Wirkens. Seine Souveränität spiegelt sich in verschiedenen Situationen außerhalb des Arbeitszimmers wider, in seiner Lehrtätigkeit oder in seinen Publikationen. Das Leben im Freundes- und Kollegenkreis offenbart ebenso Authentizität in Haltung und Charakter wie sein Ringen um wissenschaftliche Erkennt‐ nisse. Seine Souveränität zeigt sich auch im Überwinden von äußeren Widerständen und inneren Zweifeln. Im Wettbewerb mit Fachkollegen und 5.2 Personalisierung 49 <?page no="50"?> verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen offenbart sich ein souverä‐ nes Verhalten in der Persona Simon, immer auch gewürzt mit einem Schuss Humor. Der Titel des Artikels kann durchaus provozieren, der Einstieg soll Aufmerksamkeit anregen. Die unterschiedlichen Bilder des beruflichen und gesellschaftlichen Wirkens können beispielhaft belegt sein. Der Schluss rundet die Schilderung ab und knüpft am Einstieg an, zum Beispiel mit einem Blitzlicht aus dem Leben von Simon: Professor Simon entrüstete sich über männliche Studenten mit schulterlangen Haaren in seinen Lehrveranstaltungen. Sein Oberassistent verwies auf eine aufkommende Selbstfindungs-Haltung, das Erleben der eigenen Bedeutsamkeit. Aber der Professor ließ das „Vortäuschen von Bedeutsamkeit“ nicht gelten und hielt dagegen: „Seit Beethoven hat nie wieder ein bedeutender Mensch lange Haare getragen! “ Darauf der Oberassistent: „Was ist mit Einstein? “ „Einstein“, so spielte der Professor den Ball zurück, „trug die langen Haare nicht als Physiker, sondern als Geiger. Und da erlangte er keine besondere Bedeutung.“ Zugespitzt: Der Wissenschaftler wird nicht in der „Enge“ seiner Forschung, sondern in der „Weite“ seines Lebens vorgestellt. Auf diese Weise ermöglicht es die Strategie der Personalisierung, wissenschaftliche Themen in narrati‐ ver Form zu präsentieren. „Es wird von Wissenschaft, genauer gesagt, von einzelnen ihrer Akteure erzählt“ (N I E D E R HAU S E R , J, 1997, S. 118). Allerdings muss klar sein, dass dabei kaum noch über die eigentlichen Inhalte und Ergebnisse der Forschung berichtet wird. In der Regel muss der Verfasser bei diesem Format eine zusätzliche Recherche anstellen. 5.3 Zukunftsorientierung „Was wäre, wenn meine bisherigen Untersuchungsergebnisse nur die Spitze des Eisbergs sind? “ Diese Frage ist der wissenschaftlichen Arbeit immanent. Sie verdeutlicht, dass das, was sichtbar ist, oft nur ein kleiner Teil eines viel größeren und komplexen Ganzen ist. Die Frage impliziert, dass die aktuellen Ergebnisse zwar wertvoll sind, aber weitere Untersuchungen für eine ganzheitliche und effektive Lösung, für das Erkennen weiterer Facetten der Realität nötig sind. Zukunftsorientierung fördert eine aktive Herangehensweise, um langfristige Ziele zu erreichen. Sie ermöglicht Inno‐ vation und die Fähigkeit, auf Veränderungen eingestellt und vorbereitet 50 5 Auswahlstrategien <?page no="51"?> zu sein. Mit dieser Strategie sollen Aussagen aus der wissenschaftlichen Arbeit aufgenommen werden, die das Denken und Handeln auf zukünftige Entwicklungen ausrichten. So müssen sich die Arbeitsergebnisse an den laufend veränderten Anforderungen zum Klimaschutz, der demografischen Entwicklung, des technologischen Wandels etc. messen lassen. Mit dieser Strategie prüft der Verfasser beispielsweise, ob die Arbeit Aussagen • zu erwartbaren Veränderungen des Verhaltens von Personen, • zur Entwicklung der Organisation, des Vereins, der Klinik etc. oder • zu globalen Veränderungen (Klima, demografische Entwicklung etc.) enthält. Oder wird über die künftige Einbeziehung neuer Parameter in die Untersuchung berichtet? Werden geeignete Lösungen und Anpassungsstra‐ tegien vorgeschlagen? Wird weiterer Untersuchungsbedarf signalisiert? BEISPIEL: Eine Abschlussarbeit hat sich mit der Erhaltung von Gebäudesubstanz in einem Wohngebiet befasst. Neben der Analyse der Instandhaltung, also die laufende Pflege und Wartung, wurden Ergebnisse und Nutzen der Gebäudesanierung als nachhaltige Gebrauchswerterhöhung bewertet. Dieses methodische Vorge‐ hen wurde zum Beweis geführt und daraufhin behauptet: Der Zustand der Instandhaltung und die Gebäudesanierung bestimmen die künftig notwendigen Investitionen (siehe Abb. 12). Abb. 12: Die Einschränkung in der Behauptung 5.3 Zukunftsorientierung 51 <?page no="52"?> Der Verfasser schränkt aber diese Behauptung selbst ein und bietet Schluss‐ folgerungen an. Um eine zukunftsfähige Investitionsentscheidung zu tref‐ fen, sind Funktionskontrollen im Bestand notwendig und Entscheidungen zur Instandsetzung des Gebäudebestandes zu treffen. Künftige Untersu‐ chungen müssen sich auf deren notwendige Konservierung, Restaurierung, Rekonstruktion oder Renovierung richten (in Abb. 13 grün unterlegt). Al‐ lerdings verweist er lediglich auf die Notwendigkeit, führt die Untersuchung in seiner Arbeit nicht selbst durch. Abb. 13: Beispiel für das Erläutern künftiger Untersuchungen Hier wird der weitere Untersuchungsbedarf deutlich signalisiert. Das kann mit einem Angebot oder einer Aufforderung an den Leser zur Mitwirkung verbunden werden. 52 5 Auswahlstrategien <?page no="53"?> 5.4 Methodenorientierung In der heutigen digitalen Welt, in der die Daten die neue Währung sind, entscheidet die Methode (Analyse) über den Erfolg. Deren richtige Wahl in der Untersuchung ist wie das Finden des richtigen Schlüssels für ein Schloss. Ohne den richtigen Schlüssel bleibt die Tür verschlossen, egal wie sehr man sich bemüht. Die Methodenorientierung bezieht sich hier auf das Offenlegen strukturierter Ansätze und Techniken. Sie fördert Effizienz, Konsistenz und systematisches Vorgehen bei der Bewältigung von Aufgaben und trägt dazu bei, klare Schritte zu bestimmen und wiederholbare Abläufe zu etablieren. In nahezu jeder wissenschaftlichen Arbeit sind Aussagen zu verwendeten Techniken, Schrittfolgen und Abläufen zu finden. Sie werden selten der Öffentlichkeit bekannt, obwohl eine Analyse von Interessen der potentiellen Leserschaft einen erkennbaren Bedarf an methodischen Informationen zu Tage fördert. Es ist unser Bedürfnis nach einer gewissen Elementarisierung, die Handlungsanleitungen, Rezepturen, Gliederungen, die Wegbeschreibun‐ gen interessant machen. Deshalb wird mit dieser Auswahlstrategie gezielt methodischer Informationsgewinn aus der Arbeit abgeschöpft. Für die Auswahl der methodischen Aussagen ist eine gründliche Recher‐ che der Leserinteressen wichtig. So kann für den Rezipienten in seinem Berufsfeld beispielsweise das „Herleiten von Aufgabenstellungen“ in einem Projekt hilfreich sein. Dementsprechend wird im populärwissenschaftlichen Artikel das Vorgehen beim Aufbau einer Projektskizze mit der Zielbaum‐ technik dargestellt, die der Verfasser in seiner Arbeit mit Erfolg benutzt hat (siehe dazu auch Abb. 14). 5.4 Methodenorientierung 53 <?page no="54"?> Abb. 14: Projektskizze mit Zielbaum-Technik (in Anlehnung an K O M M E R , I.; R E I N K E , H., 2001, S.-168-ff.) Das folgende Beispiel schildert ein Szenario, in dessen Folge ein populär‐ wissenschaftlicher Text zahlreiche Nutzer und interessierte Leser fand. BEISPIEL: In einem Unternehmen stand die Neuausstattung der Büros im Verwaltungsge‐ bäude bevor. Der Verwaltungsleiter sollte Vorschläge unterbreiten. Obwohl er dafür eigene Vorstellungen hatte, billigte er den Vorschlag eines Kollegen, die Mitarbeiter einzubeziehen. Die jährlichen Mitarbeitergespräche standen an - eine Chance, ihre Vorschläge zur Ausstattung einzuholen. Aber wie sollte er vorgehen? Da fiel sein Blick bei der Lektüre der IHK-Mittei‐ lungen seines Kammerbezirks auf einen Artikel, der aus zwei Seiten ein Modell für die Befragung zur Bedarfsermittlung vorstellte. Aufmerksam folgte er der Anleitung, insbesondere zur Gestaltung der Fragen‐ formate und ihrer Abfolge in einer Dramaturgie und den Hinweisen für das Erreichen auswertbarer Ergebnisse. In kurzer Zeit entstand daraus sein eigener Fahrplan: „Interviewleitfaden Arbeitsplatzausstattung“ (siehe dazu Abb. 15). 54 5 Auswahlstrategien <?page no="55"?> Primärfragen Sekundärfragen Nachfragen Welche Ausstattungs‐ merkmale sind für Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz besonders wichtig? Welche sind das? Arbeitsfläche, Ablage‐ fläche, Sitzmöbel, Be‐ leuchtung, akustische Abschirmung, Geräte‐ ausstattung Welche Ausstattungs‐ merkmale (Technik) Ih‐ res bisherigen Arbeits‐ platzes haben Ihren Arbeitserfolg besonders beeinflusst? Welche haben Sie be‐ sonders motiviert? PC, Notebook, Drucker, Kopierer, Scanner Würden Sie sich durch eine offene Bürolösung in Ihrer Persönlichkeit eingeschränkt fühlen? Wäre das schlimm für Sie? Konsequenzen, Alter‐ nativen Angenommen, das In‐ vestitionsbudget würde erweitert: Welche Zu‐ satzeinrichtungen wür‐ den Sie sich wünschen? Wie wichtig ist diese Zusatzeinrichtung für Sie? Teeküche, Kaffeebar, Zeitungsecke, Internet‐ ecke, Fitnessraum, Re‐ lax-Bereich Abb. 15: Interviewleitfaden „Arbeitsplatzausstattung“ Im Ergebnis der entsprechenden Befragung erreichte der Verwaltungsleiter einen Überblick über den Ausstattungsbedarf seiner Mitarbeiter, der unwesentlich die Budgetgrenzen überstieg. Am Ende konnte nicht alles realisiert werden, aber unter den Mitarbeiten fand das Vorgehen Zustimmung und erleichterte ihre Entscheidungen. Der Verwaltungsleiter wusste, was die Mitarbeiter brauchten, wo sie Grenzen sahen und welche Wünsche sie hatten - alles Informationen, die für Leitungsentscheidungen wichtig sind. Themenfindung Die Themenfindung, im Grunde zur Methodenorientierung gehörig, besitzt den Rang einer eigenständigen Auswahlstrategie. Ein Arbeitsthema zu bestimmen und in der Folge eine bearbeitbare Aufgabenstellung abzuleiten, sind in der wissenschaftlichen Arbeit ebenso wie in der betrieblichen Forschungs- und Entwicklungsarbeit Ausgangspunkte für Ergebnisse mit erkennbarem Nutzen. 5.4 Methodenorientierung 55 <?page no="56"?> Ob an der Universität oder im Unternehmen, immer sind Forschungs-, Entwicklungs-, aber auch Umsetzungsarbeiten auf die Lösung eines Pro‐ blems gerichtet. Der Anfänger neigt dazu, rasch ein Problem aus seiner Erfahrung zu formulieren, das ihm für das Erreichen des Ziels geeignet erscheint (siehe Abb. 16, linke Figur). Das ist der erste Fehler! Denn für das Erreichen eines Ziels sind in der Regel mehrere Probleme zu lösen. Jetzt eröffnet sich ein Feld für die Zielerreichung, bildlich gesprochen, ein Feld für das Überwinden mehrerer Hindernisse (siehe Abb. 16, rechte Figur). Abb. 16: Modellvorstellung zur Themenfindung Der Verfasser muss sich entscheiden, welches oder welche der aufgereihten Hindernisse er überwinden will, um sein Ziel zu erreichen. Nach einer Recherche stellt er fest, dass es für eine Reihe von Problemen bereits Lösun‐ gen gibt. Aus dem bisher Ungelösten wählt er sein Thema beispielsweise mit nachfolgenden Kriterien aus: Eigene Interessen und Kompetenzen, Zu‐ gangsmöglichkeiten zu wichtigen Daten, Neuigkeitsbzw. Schwierigkeits‐ wert, Verwertungsinteressen Dritter (Unternehmen, Partner, Promotoren etc.). Jetzt begehen manche Verfasser den zweiten Fehler. Im Hochgefühl des gefundenen Themas beginnen sie sogleich mit den Untersuchungen. In der Folge stellen sie ernüchtert fest, dass die „Bugwelle“ immer größer wird, 56 5 Auswahlstrategien <?page no="57"?> die anwachsende Aufgabenfülle und -vielfalt nicht mehr beherrschbar wird. Deshalb ist aus dem Thema eine bearbeitbare Aufgabenstellung abzuleiten und deutlich von anderen Möglichkeiten abzugrenzen. Dabei prüft der Verfasser, was wird von ihm für ein reales Ergebnis erwartet, welche Zeit hat er, welche personellen, materiellen und finanziellen Möglichkeiten stehen ihm zur Verfügung und vor allem, hat er ausreichenden Datenzugang für die Untersuchung? Als Prüfkriterien für das Ableiten einer bearbeitbaren Aufgabenstellung haben sich bewährt: begriffliche Eingrenzung, örtliche und/ oder räumliche Einschränkung, institutionelle Eingrenzung, zeitliche Begrenzung, methodisches Vorgehen, präzisierte Zielstellung etc. Das fol‐ gende Beispiel in Abb. 17 soll den Einsatz der Prüfkriterien beim Ableiten einer bearbeitbaren Aufgabenstellung aus dem Arbeitsthema „Einflussfak‐ toren auf die Arbeitskräftemobilität in der Europäischen Union“ illustrieren. Arbeitsthema: Einflussfaktoren auf die Arbeitskräftemobilität in der Europäischen Union Prüfkriterium Ergebnis nach dem Prüfen begrifflich Qualitative Einflussfaktoren örtlich Euroregion Sachsen/ Böhmen/ Schlesien (SBS) zeitlich Zeitraum 2016 bis 2020 Methode Analyse Ziel Aufdecken der qualitativen Einflussfaktoren Bearbeitbare Aufgabenstellung: Analyse der qualitativen Einflussfaktoren auf die Arbeitskräftemobilität in der Euroregion SBS im Zeitraum 2016-2020 Abb. 17: Ableitung einer bearbeitbaren Aufgabenstellung Der Bedarf an Methodenorientierung ist anerkannt hoch, er wird nur unzu‐ reichend befriedigt. Hier können populärwissenschaftliche Artikel helfen. So bieten die digitalen Formate der Mitarbeiterzeitungen in zahlreichen Un‐ ternehmen u.-a. in verschiedenen Varianten die Platzierung von Verfahren, Techniken und Methoden im Berufsfeld an. 5.4 Methodenorientierung 57 <?page no="59"?> Ich entziehe Empfehlungen zur Textge‐ staltung das Vertrauen, die behaupten, gänzlich ohne die Sprache der Bilder aus‐ zukommen. 6 Gestaltungstechniken 6.1 Überblick Jetzt ist zu entscheiden, wie Sie als Verfasser die ausgewählten Inhalte verständlich vermitteln können. Es ist Ihr Leser, der die Wahl der Mittel bestimmt, sein Bedarf an Erklärung, Veranschaulichung, Vereinfachung, und es ist sein Begriffs- und Wortverständnis. Dazu steht Ihnen eine Palette von Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, die bereits in Abb. 3 thematisiert wurden. Zur Erinnerung dient die folgende Übersicht, die Sie mit dem Inhalt von Kapitel 6 vertraut machen soll. Informationsreduktion Veranschaulichung Textgestaltung Fülle reduzieren Visualisieren Worte wählen Dichte reduzieren Analogien bilden Sätze gestalten Merkmale reduzieren Informationsfolgen fass‐ lich gestalten Texte verständlich for‐ mulieren In den folgenden Erläuterungen erhält das Bild gegenüber dem Text den Vor‐ zug. Sie finden damit rascher das Gestaltungsmittel, das für das Verständnis Ihrer Leser hilfreich ist. Außerdem erspart es längere Textpassagen für das Erklären. 6.2 Informationsreduktion Fülle reduzieren Auslassen Das Weglassen von Informationen, das Auslassen detaillierter Einzelheiten (N I E D E R HAU S E R , J., 1998, S. 111), bezieht sich auf die deutliche Reduzierung der typischen Elemente wissenschaftlicher Darstellung. Zitate, Anmerkungen, <?page no="60"?> mathematische Terme, Fußnotenapparat oder Verzeichnisse werden ebenso ausgegliedert wie eine ausführliche Ausführung zum Untersuchungsablauf. Der Verzicht auf Quellenangaben ist übrigens ein Grund dafür, dass der populärwissenschaftliche Text nicht zitierfähig ist. Ein anderer Grund dafür bezieht sich auf das Treffen von Aussagen, die nicht auf wissenschaftlichen Texten beruhen (z.-B. Geschichten, Anekdoten). Im populärwissenschaftlichen Artikel muss nicht der geleistete Beitrag zur Fachwissenschaft oder die Abgrenzung zu anderen Themen bespro‐ chen werden. Auch sind Angaben, welche Wissenschaftler wann und wo sich mit welchen Untersuchungen beschäftigt haben, für den Laien nicht von Belang. Notfalls genügen Hinweise auf das Land oder die Forschungs‐ stätte, in der die Untersuchungen durchgeführt wurden (N I E D E R HAU S E R , J., 1998, S.-112). Das Auslassen kann auch erforderlich werden, wenn der Text entspre‐ chend den Vorgaben des Verlages im Umfang zu begrenzen ist. Auf eine solche Situation kann sich der Verfasser einstellen, zum Beispiel durch Entwickeln eines „Auslassungsszenarios“ mit Hilfe inhaltlicher Gewich‐ tung in Abb. 18 (L E HMANN , G., 2022, S. 203-205). Mit dieser Struktur im Hintergrund kann im Anlassfall die Auslassung erfolgen. In der Regel betrifft das vor allem die Soll-Inhalte, z. B. durch den Wegfall von Detailaussagen, oder die Kann-Inhalte, z. B. durch Reduzieren der Beispiele sowie durch Verzicht auf solche didaktischen Maßnahmen wie Zusammenfassung und Wiederholung. Gliederung des Inhalts „Muss-Inhalte“: Nutzenargumente beispielsweise: personalisierte Vorteile/ Nachteile „Soll-Inhalte“: Belege/ Beweise beispielsweise: Detailaussagen „Kann-Inhalte“: Beispiele, didaktische Maßnahmen beispielsweise: Ereignisse, Szenarien, Zusammenfassungen oder Wiederholungen Abb. 18: Gliederung für Inhaltliche Gewichtung Allerdings erfordert das Auslassen vom Verfasser ein gewisses Maß an Überwindung. Bestimmte Aussagen hält er für sehr wichtig, er hat Mühe investiert und möchte sie gern mitteilen. Aber: Nicht was für ihn wichtig ist, 60 6 Gestaltungstechniken <?page no="61"?> gehört in den populärwissenschaftlichen Text, sondern das, was der über‐ zeugungswirksamen Herleitung und Formulierung von Nutzenargumenten dienlich ist. Exemplarisch Vorgehen Beim exemplarischen Vorgehen verzichtet der Verfasser auf Vollständigkeit der Aussagen bei gleichzeitiger Darstellung eines für das Ganze typischen Teils. Ein Gesamtbereich wird durch einen in besonderer Weise geeigne‐ ten Teilbereich erschlossen (W AG E N S CH E IN , 1999, S. 32). Die Aussage über das Beispiel soll das Prinzipielle, Systemhafte, Gesetzmäßige des ganzen Inhaltskomplexes aufdecken (siehe auch Abschnitt 5.1, Abb. 11). Zugleich macht es für eine weitere Substanzanreicherung (Kenntniserweiterung) und Konkretisierung auch anderer Teile des Ganzen tragfähig. Um dieses zu leisten, ist ein Beispiel zu finden, das als „pars pro toto“ fungieren kann. Die Begrenztheit des Beispiels macht es für den Leser überschaubar und fördert die Verständlichkeit. Die besondere Eignung des Teils ist vor allem an zwei Bedingungen geknüpft: • Das ausgewählte Beispiel ist Repräsentant des Ganzen und • die Leser haben ein Grundverständnis für das Beispiel. So führt beispielsweise die gründliche Analyse eines einzelnen Gerätes zum Verständnis einer ganzen Geräteklasse. Abb. 19 macht zugleich deutlich, dass die Ausführlichkeit im ausgewählten Einzelnen zur spürbaren Reduk‐ tion im Ganzen führt. Das Einzelne, im Beispiel der Zweischaufelrührer, steht für eine ganze Anzahl von Fällen. Statt alle sechs Rührarten im Einzelnen zu beschreiben, wird dieses Gerät als Repräsentant der Klasse der Rührer ausgewählt und ausführlich nach den sechs allgemeinen Aspekten (siehe Abb. 19) dargestellt. 6.2 Informationsreduktion 61 <?page no="62"?> Abb. 19: Exemplarisches Vorgehen - Beispiel Zweischaufelrührer Damit wird am Exempel Zweck, Funktion und Effekt aller Rührarten erkannt und der selbständige Kenntniserwerb über anderen Rührarten erleichtert. Dichte reduzieren Die Verwendung von Fachwörtern im populärwissenschaftlichen Text er‐ fordert häufig eine inhaltliche Anreicherung. Wenn dem Wissenschaftler das verwendete Fachwort geläufig ist, so benötigt der Nicht-Fachmann dafür eine Erklärung. Dabei geht es weniger um eine genaue Definition. Der Verfasser sollte besser versuchen, an möglichst allgemein verbreitetes Wissen anzuknüpfen, um Lesern einen brauchbaren, fachlich einigermaßen zutreffenden Erklärungskontext zu dem betreffenden Fachwort zu liefern. So ist beispielsweise dem Pädagogen oder Psychologen der Begriff „Di‐ daktische Reduktion“ geläufig. Dem Laien könnte die folgende Erklärung genügen: „Didaktische Reduktion konkretisiert wissenschaftliche Aussagen bei gleichem Gültigkeitsumfang oder zielt auf Mengeneingrenzung/ -einschränkung bei Ein‐ engung des Gültigkeitsumfangs“. 62 6 Gestaltungstechniken <?page no="63"?> Oder etwas einfacher: „Durch didaktische Reduktion werden komplexe Sachverhalte auf ihre wesentli‐ chen Elemente zurückgeführt, um sie überschaubar und begreifbar zu machen.“ Auch Bilder leisten die Erklärung von Fachwörtern. So ist dem Fachmann z. B. der Begriff „Bilanz“ bekannt. Dem Laien könnte ein Bild zum Bilanzauf‐ bau bei der Bildung einer Vorstellung helfen (Abb. 20). Auf der einen Seite steht das Vermögen (Aktiva) als Mittelverwendung und auf der anderen Seite Kapital (Passiva) als Mittelherkunft, das sich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Gleichgewicht befindet. Beide zusammen bilden die Bilanz‐ summe. Also: Der Begriff „Bilanz“ aktiviert sofort im Gedächtnis das Bild der Waage mit Aktiva und Passiva. Abb. 20: Bildhafte Erklärung des Begriffs „Bilanz“ Weitere Beispiele zur Texterklärung von Fachwörtern finden Sie in diesem Kapitel, z.-B. in Abschnitt 6.4. 6.2 Informationsreduktion 63 <?page no="64"?> Merkmale reduzieren Das Reduzieren von Merkmalen ist eine weitere Technik der Konzentration. Innerhalb eines Objekts oder eines Prozesses werden bestimmte Merkmale im Gesamtsystem ausgeschlossen, z.-B. durch: • die didaktische Vereinfachung und • die Arbeit mit Modellen. Didaktische Vereinfachung Die Technik der didaktischen Vereinfachung fördert das Verständnis von komplizierten Inhalten und verschafft dem Leser einen Zugang zu der für ihn oft unüberschaubaren Vielfalt inhaltlicher Aussagen. Entgegen der Meinung mancher Kritiker zielt die didaktische Vereinfachung weder auf Trivialität ab, noch läuft sie auf eine Simplifizierung wissenschaftlicher Aussagen hinaus. Sie stellt gewisse Anforderungen an die Leser, die diese mit angemessener Anstrengung erfüllen können. Unter der didaktischen Vereinfachung ist der widerspruchsfreie Übergang von einer komplexen und komplizierten Aussage zu einer das Wesentliche enthaltenen Aussage zu verstehen. Allerdings muss diese auf das Wesentliche reduzierte Aus‐ sage den gleichen Gültigkeitsumfang besitzen, den gleichen Gegenstand betreffen und unter dem gleichen Aspekt getroffen werden (H E R IN G , D.; L ICHT E N E C K E R , F., 1966, S. 15). Auf diese Weise entsteht beim unkundigen Leser eine erste Vorstellung von der Sache und damit ein Zugang zu deren Verständnis. Das folgende Beispiel in Abb. 21 bezieht sich auf einen Ablauf, der reich an Elementen und Verknüpfungen ist. Die in den Kreisen der Abb. 21 enthaltenen Informationen sollen vor allem den Eindruck übermäßiger Fülle vermitteln und nicht unbedingt lesbar sein. Wie die komplexe Darstellung (1) vermuten lässt, vollziehen sich im so genannten „Kalkkreislauf “ eine Vielzahl chemischer Reaktionen und mechanischer Vorgänge. Auch hier wird für die Entwicklung einer ersten Vorstellung mittels didaktischer Vereinfachung (2) in der Mitte des Bildes eine deutliche Merkmalsreduzie‐ rung vorgenommen. Ist diese Vorstellung entwickelt (je nach Absicht der Publikation), ist die Vereinfachung schrittweise wieder aufzulösen (3), z. B. zunächst durch Erläuterung der mechanischen Vorgänge und anschließend der chemischen Prozesse. 64 6 Gestaltungstechniken <?page no="65"?> Abb. 21: Didaktische Vereinfachung - Beispiel Kalkkreislauf Modelle bilden Ein Spezialfall der didaktischen Vereinfachung ist die Arbeit mit Modellen. Bei der Modellbildung wird eine vereinfachte Konstruktion (Ersatzobjekt) des zu erklärenden Sachverhalts (Original) vorgenommen. (H E R IN G , D.; L ICHT E N - E C K E R , F., 1966, S. 14). Auf dem Weg über das Modell sind Aussagen über die Sache (das Original) zu gewinnen., Deshalb enthält das Modell nur solche Aussagen über das Original, die für das Verständnis des Lesers von Bedeutung sind. Mit Bezug auf das Beispiel „Wärmepumpe“ wird in der Abb. 22 die vereinfachte Konstruktion und der Ablauf zum Verständnis der Funktion dargestellt. 6.2 Informationsreduktion 65 <?page no="66"?> Abb. 22: Modell einer Wärmepumpe 6.3 Veranschaulichung Wesentliche Techniken des Veranschaulichens sind • das Visualisieren, also das Überführen von komplexen und komplizier‐ ten Sachverhalten in bildhafte Formen, • das Bilden von Analogien, also das Darstellen von Ähnlichkeiten in bestimmten Verhältnissen, und • das Gestalten fasslicher Informationsfolgen. Visualisieren Durch Visualisieren werden beim Leser Vorstellungsbilder entwickelt, die sein Verständnis von abstrakten Aussagen erleichtern. Zur Erläuterung soll auf die in Abb. 23 getroffene Unterscheidung zwischen dem begrifflichen (sprachlichen) und dem bildhaften, episodischen Repräsentationsformat im Langzeitgedächtnis eingegangen werden. Danach lösen abstrakte Begriffe, mit denen keine Bilder bzw. bildhaften Vorstellungen verknüpft werden können, nur in einem kognitiven System (Hirnhälfte A) Aktivitäten aus. Demgegenüber führen konkrete, bildhafte, anschauliche Begriffe und Ereig‐ nisse (Episoden), zu denen die Personen einen Bezug haben, zu Aktivitäten 66 6 Gestaltungstechniken <?page no="67"?> in beiden Systemen (Hirnhälften A und B). Die Empfehlung lautet: Verbin‐ den Sie abstrakte Begriffe, die für das Verständnis der Sache wichtig sind, mit bildhaften Vorstellungen. Offensichtlich führt die Verknüpfung (Wort und Bild) zu mehr Spuren im Gedächtnis (doppelte Kodierung) und wird besser behalten. Abb. 23: Entwickeln von Vorstellungsbildern Für den Laien ist z. B. der Aufbau einer Messuhr beim Blick auf das Original ziemlich kompliziert. Mit einer Skizze wird für den abstrakten Begriff „Mess‐ uhr“ durch Vereinfachung eine bildhafte Vorstellung entwickelt und damit das Verständnis erleichtert. Dieses erste Verstehen wird dann durch eine technische Zeichnung vertieft und so schrittweise der Realität angenähert (siehe Abb. 24). 6.3 Veranschaulichung 67 <?page no="68"?> Abb. 24: Vorstellungsbildung über Aufbau einer Messuhr (in Anlehnung an H E R I N G , D. 1959, S.-88-f.) Auch beim Entwickeln des Verständnisses für zunächst unbekannte Pro‐ zesse und Abläufe bietet sich die Vorstellungsbildung als wirksame Hilfe an. So kann der Leser zum Beispiel mit dem in Abb. 25 dargestellten Grobmodell des Lehr-/ Lern-Prozesses rasch dessen sachliche und personelle Elemente und ihren Platz im Gesamtprozess erkennen und auf dieser Basis Planungsvorgänge verstehen und vollziehen. Abb. 25: Grobmodell des Lehr-/ Lernprozesses 68 6 Gestaltungstechniken <?page no="69"?> Analogien bilden Analogien unterstützen das Veranschaulichen abstrakter Sachverhalte durch Aufbau von Ähnlichkeiten. Das Beispiel aus der Technik in Abb. 26 zeigt in der schematischen Darstellung solche Ähnlichkeiten zwischen dem Stromkreislauf und dem Wasserkreislauf. Die Kenntnis des Wasserkreislaufs lässt Analogieschlüsse auf den Kreislauf des Stroms zu und unterstützt damit dessen besseres Verständnis. In dieser Analogiebetrachtung entsprechen die Wasserrohre den Kabeln, die Pumpe der Batterie; die Ursache des elektrischen Stroms ist die Spannung, des Wasserkreislaufs der Druck. Allerdings müssen zugleich die Grenzen der Analogiebetrachtung angezeigt werden. Bekanntlich sind die Konsequenzen aus Kabelbruch und Rohrbruch extrem unterschiedlich. Beim Einsatz von Analogien ist stets der im Fokus stehende Sachverhalt zuerst darzustellen, z. B. der elektrische Stromkreis, und dann erst die Analogie, z. B. der Wasserkreislauf (L E HN E R , M., 2012, S.-147). Abb. 26: Analogie - elektrischer Stromkreislauf und Wasserkreislauf (L E H N E R , 2012, S.-146) Auch die Funktion eines Venenbypasses lässt sich mit einer Analogie veranschaulichen. So wie im Verkehrssystem eine nichttransportfähige Stre‐ cke überbrückt wird, wird im Herz-Kreislaufsystem eine lebensgefährliche Verengung in der Herzarterie für den weiteren Bluttransport mit einem angenähten Bypass überbrückt. Oder die Analogie: Herz-Kreislaufsystem und Verkehrssystem mit Umleitungen. Der angenähte Venenbypass funk‐ tioniert wie eine Überbrückungsstraße. Er überbrückt die lebensgefährliche Verengung in der Herzarterie. 6.3 Veranschaulichung 69 <?page no="70"?> Informationsfolgen fasslich gestalten Als dritte Hilfe für das Veranschaulichen unterstützen fassliche Informati‐ onsfolgen die Aufnahme von Informationen und begegnen dabei der Gefahr der Unter- oder Überforderung. Sie werden aus einfachen und überschau‐ baren Strukturen gebildet. Das Strukturieren soll die neuen Informationen nach ihren Teilen und Beziehungen ordnen. Damit wird deren Fülle redu‐ ziert und ihr Abruf über Strukturen gelenkt. Die in Abschnitt 5.3.1 erläuterte Argumentationskette „Merkmal - Vorteil - Nutzen“ erfüllt diese Funktion ebenso wie die in Abb. 27 dargestellte Folge „Allgemeines - Besonderes - Einzelnes“. Abb. 27: Informationsfolge „Allgemeines - Besonderes - Einzelnes“ Auch Flussdiagramme erleichtern das Verständnis von Arbeitsschritten und ermöglichen die bessere Reproduktion des Erworbenen. Abb. 28 verdeutlicht den Ablauf am Beispiel einer Auftragsbearbeitung. Übersichtlichkeit ist im Flussdiagramm besonders gefragt, mit einer deutlichen Kennzeichnung von Prozessschritten (blau) und Entscheidungen (gelb). 70 6 Gestaltungstechniken <?page no="71"?> Abb. 28: Informationsfolge im Flussdiagramm (in Anlehnung an https: / / www.kanbantool. com.de) 6.4 Textgestaltung In diesem Kapitel stehen vor allem die Besonderheiten der Textgestaltung im populärwissenschaftlichen Artikel im Vordergrund. Ausführlicher wird im Anhang A1 zur Manuskriptgestaltung darüber berichtet. Doppelungen sind wegen des unterschiedlichen Zugriffs zu den Texten bewusst zugelassen. Als Besonderheiten werden in diesem Abschnitt genannt: • die verständliche Wortwahl, • der Umgang mit Fachwörtern, • die Verwendung von Zahlen und Zahlenbildern, • die Gestaltung von Sätzen. Wortwahl Verständliche Wortwahl, einfache Sätze und ein gegliederter Text charakte‐ risieren den populärwissenschaftlichen Artikel. Der Einsatz von verständ‐ 6.4 Textgestaltung 71 <?page no="72"?> lichen Verben und ein beschränkter Einsatz von Substantivierungen sind geboten. Aktuell ist der Gebrauch der Vorsilbe „De-“ gebräuchlich. Entspre‐ chende Begriffe wie z. B. Deeskalation oder Depriorisierung erleichtern nicht gerade die Lektüre. Auch führen Formulierungen wie „verfassungs‐ relevante Delegitimierung des Phänomenbereichs“ sicher nicht dazu, dass der Artikel länger in der Hand gehalten wird. Zur Verwendung von ge‐ bräuchlichen Fremdwörtern (keine Imponierwörter) wird ebenso geraten wie zum überlegten Umgang mit Fachwörtern. Sparsam sind Imponier- und Spreizverben zu verwenden. Dazu zählen auch die so genannten „-ieren- Verben“. Sie sind für den Nicht-Fachmann nicht immer verständlich, oft missverständlich. So sollte man statt „Hypothesen falsifizieren“ besser „An‐ nahmen widerlegen“ oder statt „Plattitüden verbalisieren“ besser „Selbstver‐ ständlichkeiten benennen“. Außerdem werden diese Verben häufig falsch verwendet. Wird beispielsweise eine Annahme getroffen, so wird diese dann in der Regel nicht validiert, sondern determiniert, und wenn ein Ergebnis qualitativ bewertet worden ist, dann wurde es evaluiert und nicht zertifiziert. In Abb. 29 ist als Beispiel eine Reihe von „-ieren-Verben“ aufge‐ führt, die häufig missverständlich verwendet werden. Zugleich enthalten sie Empfehlungen für deren Ablösen durch allgemeinverständliche Synonyme. Adjektive sind so wenig wie möglich zu verwenden! Verben in der richtigen Bedeutung einsetzen: determinieren → bestimmen, festsetzen, vorschreiben evaluieren → bewerten, einschätzen, beurteilen falsifizieren → widerlegen, nicht bestätigen, verfälschen validieren → gültig machen, rechtskräftig erklären verifizieren → bestätigen, beglaubigen, bezeugen zertifizieren → bescheinigen, beurkunden, attestieren Abb. 29: Synonyme für „-ieren-Verben“ Fachwörter Zu populärwissenschaftlichen Texten gehören Fachwörter, denn sie sind die Sprache der Wissenschaft. Allerdings ist ihre fachinterne Verdichtung aufzulösen und eine fachlich vertretbare einfache Erklärung zu liefern. So 72 6 Gestaltungstechniken <?page no="73"?> erklärt sich der Begriff „Supraleitung“ für Fachleute von selbst. Für den Laien sollte der Begriff mit der Erläuterung seines fachlichen Gehalts verbunden werden, wie das folgende Beispiel zeigen soll: BEISPIEL: „Supraleitung bezeichnet die Fähigkeit mancher Metalle und Metallverbindun‐ gen, elektrischen Strom bei tiefen Temperaturen, ohne jeden Widerstand und damit frei von Energieverlusten zu transportieren“. Im populärwissenschaftlichen Text geht es weniger um Worterklärungen als vielmehr um Sacherklärungen, um eine Erläuterung des fachlichen Gehalts eines Fachwortes (N I E D E R HAU S E R , J. 1998, S. 114). Natürlich kann auch umgekehrt das Phänomen zuerst beschrieben und dann das zugehö‐ rige Fachwort genannt werden. Schließlich verhindert umschreibendes Weglassen des Fachwortes die Anhäufung allzu vieler Fachworte im Text und erleichtert dem Leser das Verständnis. Weitere Beispiele für Text- und Bilderklärung von Fachwörtern finden Sie in diesem Kapitel, Abschnitt 6.2, unter „Dichte“. Zahlen Auch der Umgang mit Zahlen ist Ausdruck der Seriosität des Verfassers. Das betrifft beispielsweise ihre Aktualität oder die stimmige Summierung von Prozentzahlen auf 100 %. Auch eine falsche Interpretation von Zahlen verärgert den Leser, wie z. B. „Der Anteil des Kostengruppe A an den Gesamtkosten sinkt von 40 auf 36 %. Das entspricht einer Reduzierung von 4 %.“ Natürlich um 10 %. Zahlen sind gründlich zu prüfen. Empfehlung: So wenig Zahlen wie möglich, so viel wie notwendig. Ergänzende Vorschläge zum Umgang mit Zahlen finden Sie in Anhang A1. Zahlenbilder Diagramme sind Zahlenbilder, in denen statistisches Material grafisch aufbereitet angeboten wird. Sie wecken Aufmerksamkeit, zeigen auf einen Blick, worum es geht, und wirken überzeugend. Voraussetzung ist aller‐ dings, dass im Diagramm hervorgehoben wird, was ausgesagt werden soll. Für die Entscheidung über die Verwendung von Diagrammen sind min‐ destens zwei Fragen zu beantworten: 6.4 Textgestaltung 73 <?page no="74"?> 1. Welche Aussagen im Text sollen durch Diagramme unterstützt werden? Empfehlungen: - Formulieren Sie die Aussage, die durch das Diagramm unterstützt werden soll. - Formulieren Sie den Kurztitel des Diagramms. 2. Welches Grundmuster eines Diagramms ist dafür besonders geeignet? Gebräuchlich sind die in Abb. 30 vorgestellten Grundmuster: Grundmuster Erläuterung Verhältnis/ Verteilung: Anteil einzelner Komponenten am Ge‐ samten -Schlüsselbegriffe: --Anteil --Prozentsatz --X von hundert entfallen auf … Rangfolge: Bewertung von Objekten oder Tatsachen nach Größe oder Qualität -Schlüsselbegriffe: --Größer/ Kleiner als --Besser/ Schlechter als --Etwa gleich groß/ gleich gut --Liegt an 1./ 2./ 3. … Stelle Zeitreihe: Tendenzen bzw. Veränderungen von Größen über die Zeit -Schlüsselbegriffe: --Steigen/ Wachsen --Fallen/ Abnehmen --Schwanken 74 6 Gestaltungstechniken <?page no="75"?> Häufigkeit: Häufigkeit in Bezug auf eine Maßeinheit, z.-B. Zahl der Aufträge, verteilt auf Mo‐ nate -Schlüsselbegriffe: --Mitarbeiter verteilt auf Altersgruppen --Zahl der Aufträge liegt zwischen --Auftragswert von … und … Korrelation: Zusammenhang zwischen zwei Größen, z.-B. Zahl der Aufträge, verteilt auf Mo‐ nate -Schlüsselbegriffe: --Steigt (nicht) wie … --In dem Maße wie … fällt auch … --Verändert sich (nicht) parallel zu … Abb. 30: Kennzeichnung der Grundmuster von Diagrammen Satzgestaltung Kurze Sätze (20 bis 30 Wörter) sind gut verständlich. Dabei können Satzlängen durchaus variiert werden. Sie verleihen den Texten Rhythmus (L I E S E M , K., 2015, S. 3). Die Aussagen sind logisch anzuordnen, z. B. Ankündigung - Behauptung - Begründung. Jeder Satz enthält nur eine Information, die Kernbotschaft gehört in den Hauptsatz, immer mit Subjekt, Prädikat und Objekt. L AN G E R , I., S CHULZ VAN T HUN , F., und T AU S CH , R. (1990, S. 48 ff.) haben vier Regeln als zeitlose Verständlichkeitsmacher für Texte vorgeschlagen: • Die Einfachheit ist das Fundament für den verständlichen Text (kurze Sätze, erklärte Fachwörter, anschauliche Sprache). • Gliederung und Ordnung sind die tragenden Säulen der Verständlichkeit (folgerichtig, Hervorhebungen, Absätze, Überschriften). • Ausgewogene Kürze und Prägnanz krönen die Bemühungen um Ver‐ ständlichkeit (1-3 DIN-A4-Seiten, kurze Formulierungen, keine Füll‐ wörter). • Anregende Zusätze halten den Leser frisch und sein Interesse wach (Beispiele, Zitate, Leseransprache, Illustrierung). 6.4 Textgestaltung 75 <?page no="77"?> Ich entziehe einer Ordnung das Vertrauen, die mir kein Geländer für eine Zielfüh‐ rung anbietet. 7 Aufbau des Artikels 7.1 Titel Der Titel soll kurz und aussagekräftig sein, dynamisch wirken und Interesse beim avisierten Leserkreis wecken. Erfahrungsträger behaupten, ein guter Titel sei bereits „die halbe Miete“ auf dem Weg zum Erfolg. Wie auch immer, die Mühe lohnt sich. Problematisch ist z.-B. eine solche Formulierung: „Neuplastizität in der menschlichen Gehirnstruktur. Eine Analyse genetischer Mutationen und ihre Auswirkungen auf synaptische Veränderungen.“ Regt Sie dieser Titel zum Studium des folgenden Aufsatzes an? Wenn ein Titel nicht verständlich und interessant formuliert oder zu lang ist, dann wird der Artikel kaum die Aufmerksamkeit Ihrer Leser finden. Besser so: „Wie Gene unser Gehirn formen: Die erstaunlichen Effekte von Genveränderun‐ gen auf die Art und Weise, wie unser Gehirn funktioniert.“ Dieser Titel ist für die Allgemeinheit besser verständlich, weil die verwen‐ deten Worte allgemein bekannt sind. Und er weckt Interesse am Einfluss der Gene auf die Gehirnfunktionen. Für populärwissenschaftliche Artikel sollte der Titel möglichst nur auf einer Zeile platziert und mit Aufmerksamkeit weckenden Schlagworten versehen werden, allerdings nicht à la Bildzeitung. Durch Formulierungen wie „Eine Untersuchung von …“ oder „unter besonderer Berücksichtigung von …“ wird der Titel keineswegs interessanter. Der Einsatz eines Verbs macht den Titel dynamisch. Frühzeitig ist der Effekt oder der erwartete Nutzen zu benennen. Provozieren ist gestattet, aber weniger mit einer Frage, wie z. B. „Kann eine Wärmepumpe leise laufen? “, sondern besser mit einer klaren Aussage, z. B. „Geräuscharme Wärmepumpe spart Kosten“. Es gilt zu versuchen, einen Kompromiss zwischen Informationsgehalt und Kürze des Titels zu finden. Der endgültige Titel entsteht erst nach der vollen Ausformulierung des Artikels. Vorher genügt ein Arbeitstitel. <?page no="78"?> Übrigens, wie bedeutsam die Wahl eines guten Titels sein kann, illustriert das folgende Beispiel: Der deutsche Physiker Klaus von Klitzing hatte eine Publikation über die Ent‐ deckung des Quanten-Hall-Effekts an die Zeitschrift Physika Review Letters geschickt. Doch sie wurde abgelehnt, weil die Gutachter unter dem gewählten Titel nicht die Bedeutung der dargestellten Entdeckung erkannten. Zum Glück erhielt von Klitzing einen vertraulichen Hinweis, dass der Artikel mit einem besseren Titel durchaus eine Chance zur Publikation hätte. Und wirklich: Es klappte im zweiten Anlauf. Der Artikel machte seine bahnbrechende Entdeckung bekannt und führte zum Nobelpreis. Jetzt haben wir die Trauben etwas hoch gehängt. Aber die Botschaft bleibt erhalten: Investieren Sie in die Wahl eines Titels, der die Aufmerksamkeit Ihrer Leser erregt. Es lohnt sich! 7.2 Anlasssituation Wenn dem Leser eine Botschaft vermittelt werden soll, muss zugleich mit dem Titel auch der Einstieg in den Artikel dessen Aufmerksamkeit erregen. Der Verfasser benötigt einen journalistischen Spürsinn, um die verborgene Geschichte zu erkennen, die im Thema selbst ruht, in der öffentlichen Diskussion schwebt, in der Forscherbiografie lebt oder in der persönlichen Auseinandersetzung eine Rolle spielt. Das kann dann ein Konflikt, eine Störung, ein Ereignis oder ein spezielles Erlebnis sein. Die entsprechende Schilderung, die den Erfahrungshintergrund des Lesers berührt, das darge‐ stellte Problem für ihn nachvollziehbar macht, kann in einen Dialog oder in ein Szenario gekleidet werden. So lässt sich ein populärwissenschaftlicher Bericht über „Fehlerprävention in Software/ Innovationsprozessen“ wie folgt einleiten: „Sie sind zu einem Kundengespräch vom Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens in die Stadt B. eingeladen. Vorsichtshalber geben Sie für Ihre Autofahrt von D. nach B. die Adresse des Unternehmens in Ihr Navigationsgerät ein. Aber statt in die angegebene Goetheallee führt es Sie in die Goethestraße, laut Navi 42 Minuten Autofahrt vom Unternehmensstandort entfernt. Ihr Termin ist in Gefahr, vielleicht platzt er gar. 78 7 Aufbau des Artikels <?page no="79"?> Die Ursache - ein Softwarefehler. Nachweislich tritt bisher nach 272 Schaltungen ein solcher Fehler auf. Das führte den Verfasser zu folgender Forschungsfrage: Wie kann die Fehlerwahrscheinlichkeit in der einschlägigen Software ausge‐ schlossen werden? “ In dem Beispiel wird ein belebter Akteur in den Text aufgenommen (G R O E B ‐ N E R , 2012, S. 83). Das geschilderte Problem könnte die Erfahrungen der Leser berühren, befördert damit ihr Interesse am folgenden Text und sie behalten ihn in Erinnerung. C IC E R O hat es evidentia, Evidenz, genannt. Auch wird der Leser frühzeitig vom Anfangsverdacht befreit, mit dem Artikel eine schwere Kost verabreicht zu bekommen. In der Folge weicht die Skepsis aus den Mienen, Aufmerksamkeit wird geweckt, ein gewisser Unterhaltungseffekt tritt ein. Sollte eine kritische Situation Anlass zur Untersuchung sein, so ist diese knapp und verständlich zu benennen. Wird dem Leser allerdings der folgende Satz angeboten, entstehen bei ihm vermutlich Irritationen: „Die Akkumulation ad interim nicht in Arbeitsverhältnisse eingebundener Er‐ werbspersonen stellt zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein notables Phänomen dar.“ Eine verständliche Reaktion wäre, diesen Artikel sofort zur Seite zu legen. Dabei lautet die schlichte Botschaft: „Gegenwärtig steigt die Arbeitslosigkeit.“ 7.3 Untersuchungsablauf Hier ist auf eine ausführliche Schilderung des Untersuchungsdesign und der Quellen zu verzichten. Eine kurze Charakteristik der Untersuchungsschritte reicht aus. Das betrifft z.-B. kurze Angaben • zur Population einer Befragung mit schriftlichen Fragebogen oder • zur Anzahl der befragten Personen im mündlichen Interview oder • zum groben Ablauf einer Pilotstudie oder • über Parameter eines Monitorings oder • zur Art und Dauer eines Experiments oder • zum Ort und der Dauer der Untersuchung. Auch Modelle oder Skizzen können das Verständnis wirksam unterstützen. Die Herleitung der Ergebnisse ist nicht erforderlich. Auch muss nicht 7.3 Untersuchungsablauf 79 <?page no="80"?> erläutert werden, welche Untersuchungsschritte sich nicht bewährt haben bzw. nicht empfohlen werden. Hilfreich ist ein Verweis auf das dahinterstehende akademische Verfahren (Promotions-, Master-, Bachelorarbeit, Universität/ Hochschule, Jahr) und auf den bzw. die Verfasser der wissenschaftlichen Arbeit. 7.4 Ergebnisdarstellung Die Darstellung erfolgt für die jeweils gewählte Auswahlstrategie Er‐ gebnis/ Nutzen, Person(en), Methode(n) oder Entwicklung(en). Für Ergeb‐ nis/ Nutzen werden mit Bezug auf Abschnitt 5.1, Abb. 10, die drei Stufen dargestellt. Die erste Stufe enthält die Merkmale des Ergebnisses (maximal drei), durch Fakten und Daten beschrieben. Auf der zweiten Stufe wird der damit verbundene Vorteil (als positive Bedeutung des Merkmals) im Vergleich zur Anlasssituation abgeleitet. Der Vorteil ist zunächst allgemein‐ gültig. Erst im dritten Schritt lässt sich der Nutzen ausweisen, der sich aus dem Vorteil für den avisierten Leserkreis ergibt. Jetzt wird der Vorteil personalisiert. BEISPIEL: AUFBAU EINES INTEGRIERTEN MANAGEMENTS IM MITTEL‐ STÄNDISCHEN UNTERNEHMEN: „Ein wesentliches Merkmal des Ergebnisses besteht darin, dass das Qualitätsma‐ nagement von vornherein mit dem Umweltmanagement verbunden wird. Das hat den Vorteil, dass in einer geschlossenen Aktion ein Integriertes Management‐ system implementiert werden kann. Daraus resultiert für das Unternehmen doppelter Nutzen. Zum einen führt das im Gegensatz zu der aufwendigen Ein‐ zelzertifizierung bzw. -validierung zu beträchtlicher Zeit- und Kostenersparnis. Zum anderen erhöht sich die Akzeptanz bei Kooperationspartnern, Lieferanten und Kunden.“ Vermeiden Sie es, als Verfasser dem Leser mitzuteilen, wie bedeutsam, modern und wegweisend Ihr Ergebnis ist, sondern drücken Sie mit Nutzen‐ argumenten aus, was es ihm bringt. An dieser Stelle sei nochmals daran erinnert, dass diese Argumente auf das Erfüllen von Bedürfnissen zielen. Deshalb sind vorher Informationen über die Bedürfnisse der Zielgruppe wichtig, um diese wirksam anzusprechen. So bestimmen eben nicht im‐ mer und ausschließlich Geld und/ oder Sicherheit allein die Bedürfnislage. Auch der Anspruch an Prestige oder das Bedürfnis nach Kontakten ist 80 7 Aufbau des Artikels <?page no="81"?> in bestimmten Personengruppen wertbesetzt und beim Formulieren von Nutzenargumenten zu beachten. In Abb. 31 werden in Ergänzung der Zielgruppenanalyse zu ausgewählten Bedürfnissen Beispiele für eine ent‐ sprechende Nutzenargumentation angeboten. Bedürfnis Nutzenargument (Beispiel) Geld Finanziellen Gewinn erzielen Sicherheit Geringes Risiko eingehen Bequemlichkeit Wenig Aufwand betreiben Kontakt Mit anderen etwas bewegen Anerkennung Selbst etwas Wahrnehmbares leisten Prestige Besser sein als andere Selbsterfüllung Eigene Interessen ausleben Abb. 31: Verhältnis Bedürfnis/ Nutzenargument 7.5 Ausblick Hier können Angebote zur Konkretisierung des Nutzens, zum Umsetzen der Ergebnisse oder zu Kooperationsmöglichkeiten platziert werden. Aber statt nüchtern zu argumentieren, können Sie die Botschaft, in Anlehnung an den belebten Einstieg, auch in einen Dialog kleiden, z.-B.: Frage: „Können Sie den Nutzen des beschriebenen Präventionskonzepts ‚Pflege‐ notstand‘ auch beziffern? “ Antwort: „Dazu muss ich die Bedingungen im konkreten Umsetzungsbereich kennen.“ Frage: „Welche Bereiche für die Umsetzung sehen Sie? “ Antwort: „Vor allem die Krankenhäuser und Kliniken, aber auch die Pflege- und Altenheime sowie den ambulanten Pflegedienst.“ Ein Diskurs kann auch illustrieren, wie Vorbehalte gegen das Ergebnis und seine Verwertung abgebaut werden. 7.5 Ausblick 81 <?page no="82"?> Der Ausblick bietet Gelegenheit, dem Leser einen Vorschlag zu unterbrei‐ ten, Fragen zu stellen oder ein Angebot zu machen. Vergessen Sie aber nicht, eine Adresse zu hinterlassen. Ein Vorschlag zur Probe Schreiben Sie sofort nach der Lektüre möglichst aus dem Stand den Entwurf eines populärwissenschaftlichen Artikels. Im Folgenden werden Ihnen dafür gleich in diesem Buch einige Seiten zum Beschreiben angeboten. Grundlage ist Ihre aktuelle wissenschaftliche Arbeit oder ein Bericht in den Medien. Starten Sie mit einer Geschichte, in der das Vorfeld, der Anlass der ent‐ sprechenden Untersuchung geschildert wird. Übertreibung der Problematik, angemessene Provokationen tragen zum Erhellen des Handlungsbedarfs bei und sind legitim. Eine A4-Seite reicht aus. Beginnen Sie gleich auf dieser Seite. ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… 82 7 Aufbau des Artikels <?page no="83"?> Entscheiden Sie sich in diesem Schritt für eine Lesergruppe, die Sie im Artikel ansprechen möchten. Aus welchem Berufs- und Arbeitsfeld kommen die Leser? Welche Erfahrun‐ gen haben sie? Mit welchem Wissen zum Thema ist zu rechnen? Welcher Erklärungsbedarf besteht? ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… Welche Interessen haben Ihre Leser? Wohin tendieren sie, welche dominie‐ ren? (Nutzenorientierung, Personalisierung, Zukunftsorientierung, Metho‐ denorientierung oder eine andere Richtung). ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… Mit welcher Einstellung zum Thema ist zu rechnen? Können Sie diese nutzen? Gibt es Vorbehalte, vielleicht sogar Ablehnung? Wie können Sie diesen entgegentreten? ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… Jetzt haben Sie eine größere Sicherheit für das zielgenaue Abfassen des populärwissenschaftlichen Artikels. Formulieren Sie zunächst den Arbeitstitel - knapp und aufmerksamkeitser‐ regend! ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… Ein Vorschlag zur Probe 83 <?page no="84"?> Treffen Sie mit der Situationsbeschreibung (Geschichte) die Interessen der Leser. Er soll den Handlungsbedarf im Alltag und Beruf erkennen und für die Lösung interessiert werden! ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… Nennen Sie den Anlass der Untersuchung (z. B. Masterarbeit oder Studie) und die beteiligten Personen! ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… Skizzieren Sie die wichtigsten Schritte der Untersuchung! ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… Beschreiben Sie verständlich die Botschaft Ihres Artikels - also Ergeb‐ nis/ Nutzen oder Forscherpersönlichkeit oder Zukunftsblick/ Forschungsper‐ spektive oder Methoden, Verfahren, Techniken! Der Leser muss spüren, dass Sie als Verfasser eine eigene Meinung dazu haben! ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… 84 7 Aufbau des Artikels <?page no="85"?> Wie soll es zum Thema weitergehen? Welche Fragen wollen Sie stellen? Welche Angebote können Sie unterbreiten? ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… ………………………………………………………………………………………………………… Gratulation! Sie haben mit dem Verfassen dieses Artikels einen wichtigen Schritt unternommen, um das Textformat einzuschätzen, vielleicht auch wertzuschätzen. Ein Vorschlag zur Probe 85 <?page no="87"?> 8 Artikelbeispiele 8.1 Eine heiße Spur gefunden Auswahlstrategie: Nutzenorientierung Zielgruppe: Patienten in neurologischen Kliniken, Arztpraxen und Medi‐ zinischen Versorgungszentren An diesem Abend spürt Carola Punzel eine Aura. Sie stört das Licht der Stehlampe und sie hat Schmerzen in den Augen, mit Doppelbildern, und ein unangenehmes Kribbeln im Gesicht. Eine Migräneattacke kündigt sich an. In der Nacht wird sie durch einen starken Kopfschmerz geweckt. Übelkeit befällt sie. Sie muss sich mehrfach übergeben. Zwei Tage halten die Migräneattacken an. Der Eindruck der Patientin: „Bei einer Attacke fühle ich mich ein bisschen wie bei La Ola im Stadion, allerdings mit großen Schmerzen. Die Nervenzellen der Hirnrinde werden wellenartig vom Hinterkopf bis zur Stirn angeregt.“ In dieser Zeit ist Carola handlungsunfähig, muss der Arbeit fernbleiben, Kinder und Haushalt versorgt der Ehemann. Auch am dritten Tag ist sie sehr erschöpft, fühlt sich ausgehöhlt und scheut jede Anstrengung. So wie Carola Punzel leiden in Deutschland etwa eine Millionen Men‐ schen regelmäßig an Migränekopfschmerzen, die meisten zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Die Behandlung der Symptome mit Medikamenten ist gegenwärtig der „Golden Standard“. Auf einer Odyssee von Arzt zu Arzt wird dem Patienten ein Schmerzmittel nach dem anderen verordnet. Der Hammer im Kopf bleibt. Das Verschreiben der Medikamente zur Behandlung der Symptome kann bei den Kassen abgerechnet werden, die Nachforschung nach den Ursachen und deren Behandlung aber nicht. Im Hintergrund steht auch eine volkswirtschaftliche Dimension: Die Behandlung und die Auswirkungen der Krankheit verursachen nach Schätzungen Kosten von ca. 3,3 Milliarden Euro pro Jahr. Gibt es eine Chance, aus diesem unseligen Kreislauf auszubrechen? U T E B U R M E I S T E R verfolgt eine heiße Spur! Ihre Bachelorarbeit an der Steinbeis Hochschule Berlin beschäftigt sich 2018 mit der Behandlung der Migräne. Sie sucht Behandlungsmöglichkeiten, die das Schmerzmaß der Patienten verringern und ihre Lebensqualität verbessern. Dabei wählt sie als einen <?page no="88"?> neuen Ansatz die Osteopathische Medizin. Mit spezifischen osteopathischen Techniken werden überwiegend mit den Händen ursächliche Funktionsstö‐ rungen erkundet und daraufhin gezielt behandelt. Um die Wirkung dieser Behandlung nachzuweisen, hat sie die Untersu‐ chung im Rahmen einer Studie durchgeführt. Die teilnehmenden Personen gehören zwei Gruppen an: • der Versuchsgruppe, in der während der Behandlung die bisher ver‐ ordneten Medikamente weiter eingenommen werden und zusätzlich die osteopathische Behandlung erfolgt, in fünf Sitzungen über jeweils 50 Minuten über 10 Wochen, und • der Kontrollgruppe, in der die bisher verordneten Medikamente wei‐ terhin eingenommen werden, ohne osteopathische Behandlung. Mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens hat U T E B U R ME I S T E R dreimal die Befindlichkeit des Patienten in beiden Gruppen ermittelt: • zum Behandlungsbeginn, • nach der 10. Woche, also am Ende der osteopathischen Behandlung, und • ein halbes Jahr nach der Behandlung. Bei den Patienten der Versuchsgruppe konnte sie nach 6 Monaten ein deutliches Absinken der Schmerzintensität feststellen. Die Schmerzdauer verringerte sich von 38 auf 24 Tage, mithin verringerte sich auch die Abwe‐ senheit vom Arbeitsplatz. In Bezug zur Lebensqualität zeigten sich spürbare Besserungen, insbesondere die Vitalität und das seelische Wohlbefinden. Die Ergebnisse zeigen, dass U T E B U R M E I S T E R beim Verfolgen einer heißen Spur Erfolg hat. Der traditionelle Behandlungsansatz mit Medikamenten linderte nur vorübergehend die Symptome. Die tatsächlichen Ursachen der Migräneschmerzen blieben davon unberührt. Mit dem neuen Behandlungs‐ ansatz, dem Verwenden osteopathischer Techniken in Kombination mit der Medikamentengabe, erreichte sie offenbar eine spürbare Linderung der Schmerzen im Verlaufe der Migräne. Kommentar einer Patientin: „Mir geht es psychisch besser als vor meiner Migräne-Diagnose. Mittlerweile bin ich besser gelaunt, treffe mich wieder mit Freunden und kann meinen Alltag endlich ohne Sorgen vor der weiteren schweren Migräneattacke bewältigen.“ Allerdings resümiert U T E B U R M E I S T E R : „Noch ist nichts gesichert. Aber es offenbart sich eine Chance, die es wert ist, energisch weiter verfolgt zu 88 8 Artikelbeispiele <?page no="89"?> werden. Insbesondere müssen wir für die weiteren Untersuchungen die Population erhöhen, um die Aussagekraft der Messergebnisse ständig zu verbessern.“ Veröffentlicht in Patienteninformation MVZ für Neurologie Stuttgart 2019 8.2 Mitarbeitergespräche können verheerende Folgen haben Auswahlstrategie: Methodenorientierung Zielgruppe: Manager mit Personalverantwortung in allen Unternehmens-, Verwaltungs- und Klinikbereichen Typischer Fall: Dar Chef zieht vor der Belegschaft am Jahresende Bilanz: „Wir hatten dieses Jahr wieder einen sehr guten Lauf! “ Derweil erinnern sich die Mitarbeiter an die zahlreichen Produktionsausfälle im ersten Halbjahr. Weshalb trifft er eine solche Aussage? Hat er vielleicht Gedächtnisverlust oder ist er ein Schönredner? Oder zeigt sich hier mit aller Deutlichkeit das Phänomen der selektiven Wahrnehmung, zunächst frei von Wertungen und Verurteilungen? Wir sprechen von selektiver Wahrnehmung und meinen damit, dass alle Informationen, die wir aufnehmen, in unserem Gehirn sofort auf ihre Wich‐ tigkeit überprüft und mit den gemachten Erfahrungen, Ängsten, Interessen und persönlichen Erwartungen verglichen werden. Das hat zur Folge, dass eintreffende Informationen neu geformt werden. Also, was wir hören, ist nicht immer das, was wir behalten. In der folgenden Abb. 32 ist dieser Verlauf von der Wahrnehmung über die Interpretation des Wahrgenommenen bis hin zur Reaktion dargestellt. Die Spiegelung der aufgenommenen Informationen mit unseren Ängs‐ ten, Interessen, Vorbehalten kann zu einer Interpretation führen, in der Tatsachen und Deutung vermengt werden und in der Folge auch Konflikte ausbrechen können. Wir müssen damit rechnen, dass unserer Gesprächs‐ partner nur bestimmte Informationen auswählt, einzelnen Informationen mehr Gewicht verleiht als anderen. Er kann Informationen ignorieren, die nicht zu seiner Interpretation passen und vermeintliche Informationslücken selbst ausfüllen. Offenbar braucht es Regeln! 8.2 Mitarbeitergespräche können verheerende Folgen haben 89 <?page no="90"?> Abb. 32: Phänomen der selektiven Wahrnehmung B E R ND S CHÖN F E LD E R hat in seiner Masterarbeit 2017 an der Donau-Univer‐ sität Krems zur innerbetrieblichen Kommunikation unter anderem eine Vielzahl von Mitarbeitergesprächen analysiert und dabei mitunter verhee‐ rende Folgen festgestellt. So haben Mitarbeiter das Gefühl bekommen, Gesprächsinhalte werden vom Vorgesetzten nicht korrekt wiedergegeben und somit falsch bewertet. In der Folge fühlen sie sich ungerecht behan‐ delt und verweigern möglicherweise die Mitarbeit. In einer Testreihe hat S CHÖN F E LD E R zehn Mitarbeiter unterschiedlicher Ebenen der betrieblichen Hierarchie gebeten, den nachfolgenden Text mehrfach durchzulesen: Ein Vorgesetzter hatte einen Mitarbeiter nicht zur Gehaltserhöhung vorgeschlagen. Der Mitarbeiter reichte seine Kündigung ein. Das wurde von den Kollegen bedauert, denn er war allgemein beliebt. Es wurde darüber diskutiert, ob man etwas unterneh‐ men sollte. Anschließend wurden sie gebeten, den Text mit eigenen Worten wiederzu‐ geben. Sechs von zehn Testpersonen schilderten, „der Vorgesetzte hat dem Mitarbeiter die Gehaltserhöhung verweigert“. Aber von einer Verweigerung war im Text nicht die Rede - vielleicht hatte er einfach den Termin für das Einreichen des Vorschlags verpasst? Vier Personen sprachen von „einer Verärgerung, die zum Verlassen des Unternehmens führte“. Von einer Verär‐ gerung war nie die Rede. Außerdem hatte der Mitarbeiter die Kündigung 90 8 Artikelbeispiele <?page no="91"?> eingereicht, er ist noch nicht gegangen. Schließlich wurde von einigen bemerkt, dass es sich um einen „erfahrenen Mitarbeiter“ handelte. Beliebt war er, aber erfahren? Davon war im Text keine Rede. Die Kette der Miss‐ verständnisse könnte fortgesetzt werden, allein die drei Beispiele zeigen, dass manche Deutungen der Informationen mit den Tatsachen nichts mehr tun haben. Offenbar haben die „internen Muster“ erheblichen Einfluss auf die Interpretation der Information. S CHÖN F E LD E R empfiehlt als Reaktion auf eine Fehldeutung nicht den Satz „Sie haben mich falsch verstanden“, sondern korrekt: „Sie haben mich wahrscheinlich anders verstanden, als ich das gemeint habe.“ Außerdem rät er zum Nachfragen. Nachfragen ist nicht Ausdruck von Begriffsstutzigkeit, sondern eine Geste der Höflichkeit. Man will genau wissen, ob man richtig verstanden wurde. In wichtigen Gesprächen, z. B. Gehaltsverhandlungen oder Entwicklungsgesprächen, wird protokolliert, so wörtlich oder sachlich wie möglich mitgeschrieben. So haben Sie die unverzichtbare Orientierungs- und Überprüfungsdokumentation für sich und Ihren Partner. Sicher sind die Empfehlungen nicht neu. Aber die Praxis belegt: Es wird fortwährend dagegen verstoßen. Deshalb ist ihre, durch aktuelle Untersu‐ chungen bestätigte, Auffrischung so wichtig! Veröffentlicht in: Mitteilungsblatt der ihk Wirtschaft, IHK Dresden 2020. 8.3 Zukunftsfähig oder Auslaufmodell? Die kritische Analyse des Personalmanagements in der Energiebran‐ che Auswahlstrategie: Zukunftsorientierung Zielgruppe: Management eines Energieunternehmens Die zunehmend vernetzte, flexible und dynamische Arbeitswelt stellt das Personalmanagement der Energieunternehmen vor innovative Herausfor‐ derungen. Mit einem hohen Altersdurchschnitt von 44 Jahren und einer überdurchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von 18 Jahren scheint die Branche Gefahr zu laufen, sowohl für die Belegschaft als auch für Interes‐ senten wenig sympathisch, nicht vertrauenswürdig, kaum attraktiv und innovationsarm zu wirken. Der bevorstehende Austritt von einem Drittel der Belegschaft in den Ruhestand bis zum Jahr 2025 bestätigt zusätzlich die 8.3 Zukunftsfähig oder Auslaufmodell? 91 <?page no="92"?> Dringlichkeit, zu handeln. Die steigenden Personalbedarfe an Facharbeitern und akademischen Mitarbeitern werden durch den demografischen Wan‐ del sowie die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland zudem verstärkt. Die Digitalisierung und der Wertewandel sind zwei weitere signifikante Einflussfaktoren, die es zu bewältigen gilt. Keines dieser drei Themen können die Energieunternehmen vernachlässigen und isoliert betrachten. Ein zögerliches Agieren und Abwarten reicht in der Energiebranche nicht mehr aus. Die verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Treiber sind Auslöser für die aktive Anpassung des Personalmanagements der Zukunft. S V E N K R E TZ S CHMA R geht deshalb in seiner Masterarbeit an der Dresden International University (DIU) 2017 der Frage nach: Wie sollte sich das Personalmanagement entwickeln, um die anstehenden Herausforderungen in der zukünftigen Arbeitswelt erfolgreich zu bewältigen? Mittels der wis‐ senschaftlichen Erhebungstechnik Inhaltsanalyse werden aus Fachbüchern und -artikeln, aus Studien und Datenbanken einschlägige Erkenntnisse und Daten gewonnen. Die Recherche schließt mit einer deduktiven Interpreta‐ tion und Auswertung ab. Einen Mehrwert stellen Ergebnisse aus Interviews mit Experten zum Personalmanagement der Zukunft dar. Allerdings wird sowohl in der Literatur als auch in der empirischen Forschung noch unzu‐ reichend eine Verbindung der künftigen Arbeitswelt mit dem zukünftigen Personalmanagement in Energieunternehmen reflektiert. Neben vielfältigen Einflussfaktoren für das Personalmanagement in der Energiebranche liegt der Fokus auf der Digitalisierung, in enger Verbindung mit den Auswirkungen der demografischen Entwicklung und dem Werte‐ wandel. Diese sind nicht losgelöst zu betrachten, sondern sie ergänzen sich und können letztendlich voneinander profitieren. Die Digitalisierung kann u. a. die Auswirkungen des Fachkräftemangels minimieren und eine effiziente Nutzung von Ressourcen ermöglichen. In diesem Zusammenhang sind sowohl die digitale Transformation als auch die digitale Ausstattung im Personalmanagement zu forcieren, um langfristig mit kompetenten Mitarbeitern anforderungsgerecht erfolgreich zu sein. Zudem existieren zahlreiche Handlungsmaßnahmen, um den Herausforderungen wirksam entgegenzutreten. Abb. 33 illustriert diese Zusammenhänge. 92 8 Artikelbeispiele <?page no="93"?> Abb. 33: Zusammenhang von Einflussfaktoren und Handlungsempfehlungen Als Mehrwert, um die Effekte zu erhöhen, ist der parallele Einsatz der jeweiligen Maßnahmen zu betrachten. Das Einführen von flexiblen Arbeits‐ zeitmodellen steigert die Arbeitgeberattraktivität und wirkt sich positiv auf das Employer Branding aus. Weiterbildungsmaßnahmen sowie neue Lern‐ formen werden durch Digitalisierung ermöglicht und können diese zugleich aktiv unterstützen. So bietet z. B. Learning on Demand (LOD) vielfältige Möglichkeiten für den Erwerb von Wissen nach Bedarf für das jeweilige Aufgabenfeld. Jeder Mitarbeiter kann über seinen Zugang zum Intranet, unabhängig von Ort und Zeit, auf die Bestände der virtuellen Bibliotheken zurückgreifen. Eine veränderte Führungskultur ist Voraussetzung für das Implementieren von neuen Karrieremöglichkeiten. Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass das Denken und Handeln im Personalmanagement nicht eingeschränkt, sondern zunehmend vernetzt und generalistisch erfolgen muss. Dabei sind zielorientierte, pragmatische, unkonventionelle sowie individuelle Lösungen zu erarbeiten, da sich der Wandel der Arbeitswelt auf alle Aufgabenfelder des Personalmanagements auswirkt, von der Personalbeschaffung bis zur -freisetzung. Die Flexibilität der Beschäftigten des Personalmanagements werden zukünftig einer der entscheidendsten Unterschiede für den langfristigen Erfolg der Unterneh‐ men ausmachen. Das Personalmanagement muss zukünftig bereit sein, mit innovativen Ideen die neuen Gestaltungsmöglichkeiten auszuschöpfen. 8.3 Zukunftsfähig oder Auslaufmodell? 93 <?page no="94"?> Damit bleibt das Energieunternehmen für spezifische Zielgruppen attraktiv und nachhaltig. Mit dieser Intention und dem dazugehörigen Mut kann die Energiebran‐ che Pionier für andere sein und ist weit entfernt von einem Auslaufmodell. Veröffentlicht als: Vorlage zur Strategierunde für die Führungsebene. Bericht zur Geschäftslage eines Energieunternehmens 8.4 Minidampfgenerator hilft beim Harnabfluss Auswahlstrategie: Nutzenorientierung Zielgruppe: Studierende und Absolventen von Universitäten und Hoch‐ schulen Minidampfgenerator im Modell? R O B E R T D I E TZ hat es in seiner Diplomar‐ beit 2017 vorgestellt. Ein Lob des Gutachters und die Anerkennung der Prüfungskommission bestätigten die sehr gute Leistung. Einer Empfehlung folgend stellte er seine Entwicklung beim Chef eines Geräteherstellers vor. Der freundliche Leiter sagte die Prüfung zu. Dietz wartete drei Monate auf ein Ergebnis. Nach dieser Frist meldete er sich erneut. Diesmal nicht mit einer „mahnenden Nachfrage“, sondern gleich mit einem Vorschlag. In einem 10-minütigen Statement stellte D I E TZ seine Idee vor, mit Blick auf den möglichen Nutzen, den das Unternehmen bei der Umsetzung erzielen könnte. Dazu würde er einen passgenauen Vorschlag zur Entscheidung anbieten, den er in Zusammenarbeit von 2 bis 3 Kollegen aus dem Unter‐ nehmen erstellt. Der Chef stimmte zu und informiert die Mitarbeiter. Drei Betriebsangehörige - ein Techniker, eine Technologin und eine Betriebswirtin - geben der Idee von D I E TZ eine Chance. Unter seiner Leitung entwerfen sie im Team innerhalb von fünf Wochen eine modifizierte Umsetzungsidee. Im Kern der Lösung betreibt ein briefmarkengroßer Motor eine Pumpe in einem Wassertank. Integriert in ein Bügeleisen bzw. in eine große Bügelstation steht der Dampf nach Aufheizen sofort zur Verfügung. Ein wesentlicher Effekt besteht im deutlichen Zeitgewinn und einer damit verbundenen Einsparung von Kosten. Das Unternehmen entschließt sich zur Umsetzung der modifizierten Idee (Integrierter Dampfgenerator in Bügeleisen/ Bügelstation). Nach Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten (Kauf der Idee und Herstellung in eigener Regie. Ausgründung des Gesamtpakets, Inkubationsprogramm mit Start- 94 8 Artikelbeispiele <?page no="95"?> ups usw.) wird die Umsetzung in einem internen Programm beschlossen. Zugleich eröffnet es R O B E R T D I E TZ mit einer Investition die Möglichkeit, ein Start-up zu gründen, in dessen Rahmen weitere Applikationen für den Dampfgenerator entstehen. Inzwischen werden im Start-up auch Einsatzmöglichkeiten in der Medizin untersucht. So eröffnet sich durch die Innovation eine Behandlungsmög‐ lichkeit zur Verringerung von Harnflussproblemen bei Männern. Durch eine Wasserdampfablation soll die Prostata zum Schrumpfen gebracht werden. Dieses neue, weniger invasive Verfahren birgt gegenüber anderen Behandlungen weniger Risiken. Außerdem sind dauerhafte Nebenwirkun‐ gen ausgeschlossen. Hier sind viele positive Effekte eingetreten, weil ein Absolvent sich nicht mit seiner guten Idee und dem Lob in der Disputation begnügte. Nach einer kleinen Pause hat er nicht auf die Aktivität Dritter gewartet, sondern mit Mut und persönlichem Einsatz das Heft selbst in die Hand genommen. Dabei hat er sich auf ein Team gestützt, das er von seiner Idee überzeugt hatte und das der Lösung eine reale Chance gab. Dessen profunde Kenntnisse über die konkreten betrieblichen Bedingungen waren von großem Nutzen. So gelang eine passgenaue Lösung, die die Leitung überzeugte. Inzwischen hat R O B E R T D I E TZ drei weitere Firmen gegründet. Er führt sie aber nicht selbst, braucht vielmehr die Zeit für die Entwicklung neuer Ideen, deren Umsetzung er über Start-ups mit seinem Anteil aus dem Gewinn bestehender Unternehmen finanziert. Veröffentlicht in: Deutscher Hochschulverband, Forschung & Lehre, 11/ 2018, S.-966-ff., Mitarbeitermagazin Koenig&Bauer 2020, S.-86 8.5 Eine Bugwelle erfolgreich gebrochen Auswahlstrategie: Methodenorientierung Zielgruppe: Verfasser wissenschaftlicher Arbeiten Vielleicht kommt Ihnen die Situation bekannt vor: Da gibt es ein Thema, das Sie interessiert oder das Ihnen vorgegeben wurde, z. B. für eine wissenschaft‐ liche Arbeit. Sie machen sich sogleich an die Materialsammlung, dessen Fülle Ihre Erwartungen bei Weitem übersteigt, ständig kommen neue Aspekte hinzu, langsam verlieren Sie die Übersicht. Vor Ihnen entwickelt sich eine Bugwelle, die Sie zu überrollen droht. Die Zeit läuft davon. Was ist jetzt zu 8.5 Eine Bugwelle erfolgreich gebrochen 95 <?page no="96"?> tun? Am besten etwas streichen. Aber was können Sie weglassen? Vor diesen Fragen stand P AU L F RÖHLICH beim Verfassen seiner wissenschaftlichen Hausarbeit in 2020 an der Fachhochschule Zittau. Das übergreifende Ziel für seine Untersuchung lautete „Entwicklung und Erhaltung der Nutzer- und Eigentümerzufriedenheit in einer gemischt genutzten Immobilie“ (siehe Abb. 34). Abb. 34: Beispiel für eine Schrittfolge zur Themenfindung (L E H M A N N , 2019, S.-55) Rasch war klar, dass dieses Thema den Anspruch an eine wissenschaftliche Hausarbeit bei Weitem überstieg und in dem vorgegebenen Zeitraum von 8 Wochen nicht bearbeitbar war. Deshalb musste F RÖHLICH aus dem Mega‐ thema eine bearbeitbare Aufgabenstellung ableiten. Im ersten Schritt suchte er Lösungsmöglichkeiten für das Erreichen der Zufriedenheit. Er formulierte dazu sechs Fragen, die zu beantworten waren (siehe Abb. 34). Nach Recherche stellte er fest: Vier von ihnen waren schon ausreichend beantwortet, zwei noch nicht. Für die eine Frage zur Flächeneffizienz fehlte ausreichender Datenzugang, sie wird für eine 96 8 Artikelbeispiele <?page no="97"?> spätere Untersuchungen empfohlen. F RÖHLICH wählt die Sicherheit und formuliert als erstes Arbeitsthema „Aufbau und Implementierung eines Sicherheitskonzepts für die Immobilie“. Mit Blick auf den Anspruch und das Zeitfenster für die Bearbeitung der Hausarbeit entschließt er sich im zweiten Schritt für eine Präzisierung des Arbeitsthemas. Dazu fragt er: Kann ich • begrifflich eingrenzen (statt Sicherheitskonzept lediglich Gefährdungs‐ lage), • räumlich einschränken (statt gesamter Immobilie nur Außenbereich), • zeitlich begrenzen (statt 24 Stunden nur nachts), • das Ergebnis konkretisieren (statt Aufbau und Implementierung ledig‐ lich eine Analyse)? Die Präzisierung führt zu dem bearbeitbaren Thema „Analyse der nächtli‐ chen Gefährdungslage im Außenbereich der Immobilie“, eine Aufgabenstel‐ lung, die den Anspruch erfüllte und im vorgesehenen Zeitrahmen erfüllt wurde. Ein methodisches Vorgehen in zwei Schritten hat eine Bugwelle bei der Themenfindung gebrochen und zu einem Thema mit bearbeitbarer Aufgabenstellung geführt. Veröffentlicht im Informationsmaterial für Studenten und wissenschaft‐ lichen Nachwuchs. Hochschule für Technik und Wirtschaft, Zittau/ Görlitz, sowie im Intranet, 2019. 8.6 Professor hätte auch gereicht Auswahlstrategie: Personalisierung Zielgruppe: Fachkollegen, interessierte Öffentlichkeit Unter dem Titel „Professor hätte auch gereicht! “ erschien der folgende Text in einem physikalischen Fachjournal in der Rubrik „Persönlichkeiten im Wissenschaftliches Leben“. Eingeleitet wurde der Artikel mit einer Anekdote: „Im Institutsgebäude eilte ein Student die Treppe empor. Von oben kam ihm der hochrespektierte und vor den Prüfungen besonders gefürchtete Professor Landgraf entgegen. Der Student erschrak bei dessen Anblick, stolperte und rief dabei ‚Oh Gott! ‘. 8.6 Professor hätte auch gereicht 97 <?page no="98"?> Worauf der Professor - auf gleicher Höhe mit ihm - murmelte: ‚Professor hätte auch gereicht.‘ So war er, der Landgraf, immer auch witzig und schlagfertig.“ In seiner Promotionsarbeit über rotationssymetrische Körper stellte E. T R E P P E seinen Doktorvater Prof. Dr. Günther Landgraf, einen namenhaften Festkörpermechaniker, als Persönlichkeit auch außerhalb des engeren Wis‐ senschaftsbetriebs vor. So beschrieb er die legendären Problemseminare, die Landgraf für Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft über eine Woche sechsmal im Jahr außerhalb der Universität anbot. Etwa 40 Teilnehmer führten angeregte Diskussionen am Vormittag, speisten gemeinsam zu Mittag und Landgraf achtet sehr darauf, dass zur Halbzeit des Seminars die Gruppe eine mehrstündige Wanderung in die Umgebung der Tagungsstätte unternahm. Nach dem gemeinsamen Abendessen wurde das wissenschaft‐ liche Programm fortgesetzt. Noch heute erinnern sich Teilnehmer neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen an die Witze und Anekdoten, die sie von Professor Landgraf in diesen Veranstaltungen erfahren haben. Sehr beliebt waren auch seine Vorlesungen zur Mechanik. Dazu berichtet E. T R E P P E : „Professor Landgraf briet zur Erläuterung des Drehmoments am Pult in einer Pfanne drei Spiegeleier, hob die Pfanne so geschickt nach oben, dass die Eier in der Luft eine volle Umdrehung vollzogen und wieder vollständig als Omelett in der Pfanne landeten. Der Hörsaal tobte und jeder der Anwesenden hatte jetzt eine bildliche Vorstellung vom Phänomen des Drehmoments.“ In der schwierigen Zeit unmittelbar nach der politischen Wende hat Professor Landgraf als Rektor die damals vor allem von den Natur- und Ingenieurwissenschaften geprägte Technische Universität Dresden zur Voll‐ universität geführt. In dieser Funktion war er auch manch einer, nicht immer mit wissenschaftlichen Argumenten geführten, Attacke ausgesetzt. Als es einmal sehr heftig wurde, flüsterte ihm sein Nachbar zu: „Am besten, Sie antworten gar nicht darauf, bewahren Sie Ihre Würde.“ Bevor der Rektor auf die Attacke scharf reagierte, flüsterte er seinerseits dem Nachbarn ins Ohr: „Ich kenne keinen Fall, in dem ein Mann seine Würde dadurch bewahrt hat, dass er darauf sitzen geblieben ist.“ Ein echter Quell des Frohsinns und der Schaffenskraft ist seine Familie. Alle seine vier Kinder haben inzwischen Familien und sind beruflich hoch‐ qualifiziert. Liebevoll wird er von seiner Ehefrau, der Künstlerin Charlotte Sommer-Landgraf, umsorgt. Sie schafft Kunstwerke in Stein und backt den besten Pflaumenkuchen der Welt. 98 8 Artikelbeispiele <?page no="99"?> Auf einer wissenschaftlichen Tagung, so berichtet E. T R E P P E , wurde der kleingewachsene Professor Landgraf aus Sachsen vorgestellt. Mit etwas ironischem Unterton führte der Tagungsleiter aus: „Ich war immer davon ausgegangen, dass der hochgeschätzte Kollege Landgraf ein in jeder Hinsicht großer Mann sei.“ Ohne die Fassung zu verlieren, parierte der so Angespro‐ chene mit den Worten: „Bei uns ins Sachsen vermessen wir einen Mann vom Kinn an aufwärts. Sie, Herr Kollege, messen offenbar vom Kinn abwärts.“ So war er, der Landgraf, nicht nur schlagfertig, sondern auch scharfzüngig und in jeder Hinsicht ein großer Mann. Veröffentlicht in: Physik-Journal in der Rubrik „Wissenschaftliches Leben“, Wernheim, 2018. 8.6 Professor hätte auch gereicht 99 <?page no="101"?> 9 Veröffentlichung 9.1 Interne Publikationsorgane Für das Veröffentlichen des populärwissenschaftlichen Artikels bieten sich verschiedenen Medien an. Eine wichtige Rolle spielen die internen Publika‐ tionsorgane von Organisationen, z. B. Rundbriefe, Zeitschriften oder Short Notes in Unternehmen, Verwaltungen, Kliniken, Verbänden oder Vereinen. Hier können populärwissenschaftliche Artikel passgenau, fokussiert auf Verständnis und Interessen der Mitarbeiter bzw. Mitglieder platziert werden, beispielsweise im „ENROticker“, „Klinik-Spiegel“ oder „MERKER aktuell“. Die Beispiele in Kapitel 8 stehen dafür. Sie sind jeweils von einer interes‐ sierten Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen worden. Mitarbeitermagazine, herausgegeben von großen und mittelständischen Unternehmen und Kliniken, liefern einen Mix aus Informationen und per‐ sönlichen Statements zu Produkten und Strategien der jeweiligen Organi‐ sation. Wesentliche Themen sind Unternehmensnews, Erfahrungsberichte aus den Abteilungen, Berichte aus dem Alltag - außerhalb des Büros, Wissenstransfer und -austausch. Hier bietet sich auch Platz für den popu‐ lärwissenschaftliche Artikel (siehe Beispiel 8.4). Die digitale Vernetzung der Printausgabe als Webseite und App - mit passend produzierten Multimedia-Inhalten, weiterführenden Informationen sowie der Möglichkeit, Inhalte zu liken, kommentieren und teilen - wird von den meisten Magazinen angeboten. Inzwischen gehört der Mitarbeiter-App die Zukunft. So eröffnen die digitalen Medien wie Intranet, Smartphone-App neue Möglichkeiten zum Diskurs. Dabei wird eine eigene soziale Plattform für das Unternehmen und seine Mitarbeiter geschaffen, welche mit News, Gruppenchats und Terminkalender ausgestattet ist. Die Vorteile liegen auf der Hand. Bewährte Methoden oder zukunftsorientierte Entwicklungen sind schneller online. Fehler können unverzüglich korrigiert werden und ein Intranet ermöglicht den Austausch der Mitarbeiter untereinander. Der Verfasser des Artikels hat eine gute Chance für ein Feedback. <?page no="102"?> 9.2 Blog Als Publikationsform im Internet bietet ein Blog gute Möglichkeiten für das Veröffentlichen von wissenschaftlichen Arbeiten. Insbesondere popu‐ lärwissenschaftliche Texte, die Arbeitsergebnisse und Personenvorstellung kurz und in verständlicher Sprache anbieten, haben hier eine gute Chance auf Wahrnehmung und Feedback. Ein guter Blog muss zum Kommentieren und Meinungsaustausch anregen und diesen auch pflegen. Ausgangspunkt ist die Vorstellung vom Leser, die ständig zu prüfen und im Hinblick auf Interessen, aber auch auf Vorbehalte und Ablehnungen zu hinterfragen ist. Der Leser wird oft durch eine gute Geschichte oder ein interessantes Beispiel angesprochen und zur Lektüre veranlasst. Sagen Sie dem Leser zum Schluss, was er jetzt tun soll oder darf. Formulieren Sie auf jedem Fall eine Einladung zum nächsten Kontakt. In Anhang A2 findet der interessierte Leser Gestaltungsvorschläge für einen Blog. 9.3 Videoclip Als Ausschnitt aus einer Gesamtheit, also hier der Darstellung von Er‐ gebnissen einer wissenschaftlichen Arbeit, eröffnen Videoclips zahlreiche Möglichkeiten für das Veröffentlichen populärwissenschaftlicher Texte. Sie werden vom Verfasser selbst tagesaktuell hergestellt und auf dem eigenen Smartphone oder Tablet präsentiert sowie ggf. auf die beim Adressaten verfügbaren Endgeräte übertragen. Die Videos sind auf der eigenen Website leicht einzubinden sowie über Facebook, Instagram und Co. zu teilen. Der über drei bis fünf Minuten eingesprochene Text kann mit importierten Grafiken unter Beachtung der Empfehlungen unter Abschnitt 6.3 illustriert werden. Vieles lässt sich in Wort und Bild leichter übermitteln; Mimik und Gestik, Stimmlage und Überzeugungskraft stecken in diesem Format. Die Botschaft in dem Video wird zeit- und ortsunabhängig übermittelt und vor allem zielgruppenorientiert modifiziert angeboten. Auch inhaltlich können von der Ergebnisbis zur Methodendarstellung zahlreiche Interessen bedient werden. Zur Aufnahme der etwa fünfminütigen Sequenz reicht ein Smartphone. Hier sind die grundlegenden Funktionen zur Videobearbeitung zu finden, wie Format zuschneiden, Trimmen oder Filter. Zur Erweiterung der Inhalte mit Text, Animation oder Musik ist dann ein Videoeditor erforderlich (siehe z.-B. https: / / www.techsmith.de/ blog/ videoclips-erstellen/ ). 102 9 Veröffentlichung <?page no="103"?> 9.4 Eine andere Möglichkeit Vorschläge, populärwissenschaftliche Artikel der Öffentlichkeit auf einem Uni-Server anzubieten, stoßen auf erhebliche Bedenken. Dabei sollten die Artikel getrennt nach Fachrichtungen mit der Ausrichtung auf Ergeb‐ nis/ Nutzen favorisiert werden. Vor allem aus der Wirtschaft und den Ein‐ richtungen des Gesundheitswesens wird befürchtet, dass damit ein Tor für verstärkte Abwerbung von Leistungsträgern geöffnet wird. Dennoch: Es käme auf einen Versuch an! 9.4 Eine andere Möglichkeit 103 <?page no="105"?> 10 Ausblick Die Popularisierung der Wissenschaft spielt eine wichtige Rolle in unserer modernen Gesellschaft. Sie macht wissenschaftliche Ergebnisse für ein breites Publikum verständlich und fördert somit das allgemeine Wissen und das Interesse an wissenschaftlichen Themen. Mit den Fortschritten in der digitalen Kommunikation und der sozialen Medien haben Wissenschaftler und Autoren nun mehr Möglichkeiten als je zuvor, ihre Erkenntnisse einem globalen Publikum zugänglich zu machen. Die Texte können dazu beitragen, die Brücke zwischen den verschiedenen Fachbereichen zu schlagen und so innovative Ansätze zu fördern. Diese Entwicklung verlangt solide Qualität und Genauigkeit der vermittelten Informationen. Insbesondere müssen po‐ pulärwissenschaftliche Texte weiterhin hohen Standards der wissenschaft‐ lichen Integrität und der Verständlichkeit des Inhalts entsprechen. Wer zum Thema „populärwissenschaftlicher Text“ recherchiert, dem fällt allerdings auf, dass wichtige Beiträge zum Thema vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht wurden (N I E D E R HAU S E R , J., 1997, G E UL E N , C., 2010). Das Feld wird seit Jahren von den Wissenschaftsjournalisten bestellt, die zu bedeutsamen wissenschaftlichen Ergebnissen als Populärwissenschaftler Wissen in Presse, Rundfunk und Fernsehen wirksam der Öffentlichkeit präsentieren. Ergebnisse von Bachelor- und Masterarbeiten sowie sicher auch von Promotionsarbeiten gehören eher nicht dazu. Deshalb bleibt so viel Erkanntes und Nutzbares leider der Öffentlichkeit verschlossen. Getreu der Empfehlung von G E U L E N , C. (2010, S. 99): „Gute Populärwissenschaft … kann nur von der Wissenschaft selbst kommen.“, sollten die Verfasser ihre wissenschaftlichen Ergebnisse selbst zweimal vorstellen: • einmal als Graduierungsarbeit oder Studie für die Fachleute und • einmal als populärwissenschaftlicher Text in verständlicher Form für die interessierte „nichtfachliche“ Öffentlichkeit. Dadurch hat der Text auch eine erste Bewährungsprobe vor dem kritischen Blick des Gutachters zu bestehen. Im Übrigen zeigt die Erfahrung: Eine die wissenschaftliche Arbeit begleitende Ausarbeitung einer populären Variante schärft die Sinne des Verfassers für die lebensweltliche Relevanz, für die nutzenstiftenden Ergebnisse seiner Arbeit. <?page no="106"?> Wesentlich bleibt, dass sich mit dem populärwissenschaftlichen Textfor‐ mat eine Chance eröffnet, die Öffentlichkeit aus eigener Hand über neue wissenschaftliche Ergebnisse zu informieren, Interesse dafür zu wecken oder gar Entscheidungen für ihre Umsetzung zu befördern. Autoren sollen ermutig werden, die Vielzahl der multimedialen Publikationsmöglichkeiten in den Unternehmen, Verbänden, Vereinen, Kammern, Verwaltungen, Kran‐ kenhäusern und Kliniken in ihrem beruflichen Umfeld zu erkunden und für eine populärwissenschaftliche Veröffentlichung zu nutzen. In Abgrenzung von populärwissenschaftlichen Texten in journalistischen Darstellungen wird die hier besprochene Textform auch als „Fokussierte Selbstrezension der Graduierungsarbeit“ bezeichnet. Die Bezeichnung weist darauf hin, dass der Autor die Arbeit für die Veröffentlichung ausführlich untersucht und eine Analyse mit klarem Fokus erstellt hat. Allerdings lässt dieser Titel nicht erkennen, dass es sich dabei um eine verständliche, ergebnisorientierte Abfassung einer Abschlussarbeit für die damit befasste fachfremde Leserschaft handelt. Gleichwohl verhindert er die bewusste oder unbewusste Gleichstellung von „populär“ mit „popu‐ listisch“ oder gar mit „pseudowissenschaftlich“, womit manchmal sogar die Verbreitung von Verschwörungstheorien unterstellt wird. Ein Prototyp von populärwissenschaftlichen Zeitschriften, in denen die Wissenschaftler selbst schreiben, ist die amerikanische Zeitschrift „Scien‐ tific American“, die in Deutschland monatlich als „Spektrum der Wissen‐ schaft“ erscheint. Hier sind u. a. Mathematik, Naturwissenschaften, Technik, Medizin und Psychologie vertreten. Auch in Deutschland gibt es Buchrei‐ hen, beispielsweise „Beck Wissen“, in denen Wissenschaftler Ergebnisse ihrer eigenen Forschungen populärwissenschaftlich vorstellen (G E U L E N , C., 2010, S.-96). Der Titel dieses Buchs hätte auch lauten können „Populärwissenschaftli‐ che Artikel verfassen - aber wie? “, in Fortsetzung der Reihe „Publizieren - aber wie? oder „Die Arbeit ist fertig - was nun? “ Obwohl wir seit mehr als zwanzig Jahren das Thema verfolgen, kann die Frage nach dem „Wie“ vor allem für das Publizieren und Veröffentlichen von Bachelor, Master- und Diplomarbeiten noch nicht ausreichend beantwortet werden. Leider ist auch das Literaturangebot zu diesem Thema mehr als dürftig. Trotzdem hoffen wir, dass der Leser mit dem hier angebotenen Material angemessen für das Verfassen eines populärwissenschaftlichen Artikels beraten wird. Die Zukunft hält reichlich Arbeit für Untersuchungen zum Thema dieses Buches vor. Insbesondere ist der Leserkreis für populärwissenschaftliche 106 10 Ausblick <?page no="107"?> Artikel zu erweitern. Die Aufmerksamkeit, die inzwischen eine im Beruf stehende Leserschaft für das Textformat gefunden hat, ermutigt zu weiter‐ führenden Untersuchungen. Insbesondere sind spezielle Leserinteressen zu ermitteln mit Auswirkungen auf neue Auswahlstrategien oder auch weiterer Gestaltungstechniken. Für das Veröffentlichen sind moderne Informations‐ technologien und Medien zu erschließen. Auf jeden Fall wird der populärwissenschaftliche Artikel seine Mission erfüllen: Erkanntes einer fachfremden Öffentlichkeit bekannt zu machen. 10 Ausblick 107 <?page no="109"?> A1 Manuskriptgestaltung Die Empfehlungen in diesem Teil des Anhangs beziehen sich auf die Gestaltung der Manuskripte der in diesem Buch besprochenen Textsorten. Die Besonderheiten der Textgestaltung für populärwissenschaftliche Ar‐ tikel finden Sie in Kapitel 6, Abschnitt 6.4. Wir haben in diesem Kapitel auf Vorschläge für die Gestaltung der Ver‐ zeichnisse verzichtet, weil sie in der Regel in den hier genannten Textsorten nicht vorkommen. Inhalt - 1 Text - 1.1 Strukturierung - 1.2 Argumentation - 1.3 Zitation - 1.4 Wortwahl - 1.5 Umgangssprache - 1.6 Satzbildung - 1.7 Textverständlichkeit - 1.8 Umgang mit Zahlen - - - 2 Abbildungen - 2.1 Grundsätze - 2.2 Diagramme - 2.3 Tabellen - 2.4 Schaubilder - 2.5 Schemata 1 Text 1.1 Strukturierung Ein wesentlicher Zugang zum Verständnis des Inhalts der Publikation findet Ihr Leser in der Textstruktur. Deshalb sind die ausgewählten und gewichteten Aussagen in einer Gliederung so anzuordnen, dass Sie damit <?page no="110"?> den Leser optimal über den Inhalt orientieren. Das kann auf zwei Wegen erreicht werden, mit • der sachlogischen Reihenfolge oder • der psychologischen Reihenfolge. Sachlogische Reihenfolge Die sachlogische Reihenfolge unterliegt folgenden gebräuchlichen Sequen‐ zierungen: Natürliche Sequenz: Dazu zählen chronologische Abläufe, Handlungsabfolgen, logische und mathe‐ matische Ableitungen. Konventionalisierte Sequenz: Für häufig vorkommende Textsorten ha‐ ben sich Darstellungsschemata entwickelt, die eine Abfolge von Inhalten vorgeben. Beispiele sind der Forschungsbericht, das Gutachten, das Abstract. Deduktive Sequenz: Zuerst werden die allgemeinen Konzepte, Gesetze und Aussagen eingeführt und da‐ nach mit konkreten Beispielen und Phäno‐ menen bestätigt. Induktive Sequenz: Ausgehend von konkreten Beispielen und Phänomenen werden aus diesen die allge‐ meinen Konzepte, Gesetze und Aussagen abgeleitet. Differenzierende Sequenz: Von einfachen und vergröbernden Aussagen erfolgt der Übergang zu immer differenzier‐ teren Aussagen, vergleichbar vom Weitwin‐ kel zur Detaileinstellung beim Film. Psychologische Reihenfolge Die psychologische Reihenfolge kann z. B. durch folgende Sequenzen bestimmt werden: • vom Einfachen zum Komplizierten, • von den Nachteilen zu den Vorteilen, 110 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="111"?> • vom Nahen zum Entfernten, • vom Bekannten/ Vertrauten zum Unbekannten/ Ungewissen. Überschriften Überschriften im Manuskript sind knappe Formulierungen, die den wesent‐ lichen Inhalt eines • Kapitels, • Unterkapitels oder • Abschnittes darstellen. Zu unterscheiden sind: Thematische Überschriften: Mit zentralen Begriffen oder Kernaussagen wird das Thema des nachfolgenden Textes genannt, z. B. „1. Grundlagen des Öko- Controllings“. Perspektivische Überschriften: Als Sonderfall der thematischen Über‐ schrift kommen nur Meinungen, Sichtwei‐ sen, Positionen oder Fragen des Autors zum Ausdruck, z. B. „1. Die Grenzen staatli‐ cher Regelungen“ oder „2. Umweltmanage‐ ment versus Qualitätsmanagement? “. Formale Überschriften: Sie offenbaren nichts über den Inhalt, zeigen lediglich einen Gliederungspunkt an, z. B. Einleitung, Vorbemerkung und Schlussbemerkung. Die Überschriften sind die Grundlage für ein Inhaltsverzeichnis. Sie vermit‐ teln die inhaltliche Organisation des Textes, unterbrechen den Lesefluss und bieten Gelegenheit zum Einprägen und zu weiterführenden Gedanken. Insbesondere die thematischen Überschriften unterstützen die Bildung einer mentalen Zusammenfassung für das Langzeitgedächtnis. Absätze Absätze verknüpfen unterschiedliche Informationen, z. B. Fakten, Argu‐ mente, Beispiele. Sie gliedern den Text, zwingen zur Reduktion auf Wesent‐ liches und erlauben dem Leser, wichtige Informationen rasch zu erkennen. 1 Text 111 <?page no="112"?> Unter formalem Aspekt sollte eine DIN-A4-Seite mindestens zwei Absätze enthalten, möglichst aber mehrere, mit einer Länge von 50 bis 200 Wörtern. Der erste Satz im Absatz hat wegweisende Funktion und ist als klarer Aussagesatz formuliert. Der folgende Satz, auch Kern- oder Korpus-Satz genannt, formuliert Rechercheergebnisse, theoretische Aussagen, methodi‐ sche Empfehlungen, eigene Ergebnisse. Er ist in der Regel länger als die anderen Sätze. Der Inhalt des Kernsatzes kann in einem folgenden Abschnitt konkretisiert werden, durch spezielle Informationen oder Beispiele. Der Schluss-Satz enthält die Schlussfolgerungen und Überleitungen zum nächs‐ ten Absatz. 1.2 Argumentation Die Argumentation soll die erzielten wissenschaftlichen Ergebnisse logisch darstellen. Dazu wird ein Standpunkt vertreten, die Konklusion, eine Be‐ hauptung, eine These, ergänzt durch das Anführen von Gründen, den Prä‐ missen für die Behauptung. Die Argumentation ist dann überzeugend, wenn die Begründungen für die Behauptung sachlich richtig und für den Leser bedeutsam sind. Beide Aspekte - Richtigkeit und Bedeutsamkeit - stehen für die Überzeugungskraft eines Arguments. Im Hauptteil, Abschnitt 4.2, Abb. 9, wurde anhand einiger Beispiele dieser Zusammenhang verdeutlicht. Einsteigern fällt es oft schwer, die Perspektive ihrer Leser einzunehmen. Sie schreiben meist für sich selbst, wählen Argumente, die sie selbst über‐ zeugen. Der Schreibprozess ist auf ihr eigenes Verständnis gerichtet. Sie dokumentieren im Grunde ihren eigenen Erkenntnisprozess (K ÖK E R et al., 2024, S. 78). Aber der Text muss auch und vor allem vom Leser verstanden werden, muss erklären, warum etwas gemacht wird, welche Hintergründe und Querverbindungen bestehen, muss sich an seinem Verständnis und seinen Erfahrungen orientieren. Formen der Argumentation M Y L O NA S , I. und B RÜNIN G , A. (2013, S. 132 ff.) nennen folgende fünf Formen der Argumentation, deren Beachtung empfohlen wird: 112 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="113"?> Statistische Verallgemeinerung BEISPIEL: 100 von 1000 ausgesandten Fragebögen wurden beantwortet. Deshalb gilt: Die Rücklaufquote von Fragebögen liegt bei 10-%. Die Verallgemeinerung geht von der Wahrscheinlichkeit aus, dass die Aus‐ sage über einen begrenzten Bereich auf die Gesamtheit übertragbar ist. Sie ist deshalb häufig angreifbar, vor allem wenn die statistischen Daten nicht nachprüfbar und nicht präzise genug sind oder die gezogene Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit ist. Statistischer Syllogismus BEISPIEL: Herr Müller hat sich wie viele andere beschwert. Aber 90 % der Beschwerde‐ führenden wollen den Anbieter trotzdem nicht wechseln. Daher wird auch Herr Müller den Anbieter nicht wechseln. Auch diese Aussage besitzt Wahrscheinlichkeitscharakter und kann im Einzelfall nicht zutreffen. Eine Verwertbarkeit kann nur dadurch erreicht werden, dass alle wesentlichen Informationen einfließen, die diese Behaup‐ tung beeinflussen. Kausaler Zusammenhang BEISPIEL: Je weniger sich Kunden beschweren, desto zufriedener sind sie. Deshalb ist die Anzahl der Beschwerden ein Indikator für Kundenzufriedenheit. Hier wird davon ausgegangen, dass zwischen zwei Aussagen oder Ereignis‐ sen ein Zusammenhang besteht und das Eine die Ursache für das Andere ist. Grobe Fehler treten immer dann auf, wenn auf der Basis des alleinigen Zusammentreffens eine Ursache-Wirkungs-Beziehung vermutet und gar postuliert wird. BEISPIEL: „Je höher der Brandschaden, desto größer die Anzahl der eingesetzten Feuerwehr‐ leute.“ 1 Text 113 <?page no="114"?> Erst wenn ausgeschlossen werden kann, dass der Zusammenhang zwischen dem Brandschaden und der Anzahl der Feuerwehrleute nicht durch einen dritten Faktor bedingt wird, ist das Eine die Ursache für das Andere. Im Beispiel offenbart sich eine Scheinkorrelation, denn die Ursache für beide Ereignisse ist die Größe des Feuers. Hypothesenprüfung Die Prüfung der Hypothese kann in zwei Richtungen erfolgen. Entweder sie wird bestätigt (verifiziert) oder widerlegt (falsifiziert). BEISPIEL: Die Hypothese lautet „Alle Schwäne sind weiß.“ Beobachtung an einem See im Sommer des Jahres X: „Alle beobachteten Schwäne von Juni bis September sind weiß.“ Ergebnis: Hypothese ist bestätigt (verifiziert). Studium einschlägiger Literatur: „In Kanada gibt es graue Schwäne.“ Ergebnis: Hypothese ist widerlegt (falsifiziert). Analogieargumente Analogieargumente basieren auf der Annahme, dass alles, was vergleichbar ist, auch gleich zu beurteilen ist. BEISPIEL: Der Kreislauf des Wassers ist mit dem Kreislauf des Stroms vergleichbar. Also sind die Abläufe und komplizierte Situationen gleich zu beurteilen und zu beherrschen. Hier wird deutlich, dass eine unscharfe Beurteilung der Ähnlichkeit beider Phänomene zu Fehlurteilen führen kann. So hat beispielsweise ein Kabel‐ bruch andere Konsequenzen als ein Bruch der Wasserleitung (siehe auch im Hauptteil Abschnitt 6.2, Abb. 26). Strukturen der Argumentation Für die Reihenfolge der Argumente können Abfolgen angegeben werden, die häufig im Fünfsatz auftreten. Er unterstützt eine Konzentration auf die wichtigsten Aussagen und beugt einem Ausufern in alle denkbaren 114 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="115"?> Einzelheiten des Themas vor. In den Abb. 35 und Abb. 36 werden zwei Beispiele für typische Argumentationsfolgen vorgestellt. Abb. 35: Argumentationsfolge Kompromiss Abb. 36: Argumentationsfolge Vergleich 1 Text 115 <?page no="116"?> 1.3 Zitation Wissenschaftliches Arbeiten baut immer auf vorhandenem Wissen auf und impliziert stets die Auseinandersetzung mit fremdem Gedankengut. Das erfordert die Wiedergabe von Teilen des vorgefundenen Wissens. Deshalb erlaubt das Urheberrecht das Zitieren. Drei Fragen sind beim Publizieren eines fachwissenschaftlichen Artikels zu beantworten: (1) Was und wie viel wird zitiert? Die Antwort richtet sich nach dem Gegenstand des Artikels, dem Umfang und der Art des verwendeten Materials. Zitate sind wenig sinnvoll, wenn in ihnen nur Informationen angeboten werden, die der Verfasser selbst hätte referieren können. So sollte auf das Zitieren von Allgemeinwissen oder vielfach benutzten Fachausdrücken verzichtet werden. Zitate dienen vor allem als Beleg einer Forschungsmeinung oder des Materials, das als Begründung für eine Behauptung bearbeitet wird. Überzitiert ist eine Arbeit dann, wenn • Unnötiges zitiert wird, beispielsweise solcher Begriffe wie „Immobilie“ oder „Matrix“, • ununterbrochen oder fast durchgehend zitiert wird (im Grunde bloßes Abschreiben, das den Artikel zur Zitatsammlung macht), • zu häufig sehr umfänglich wörtlich zitiert wird (wörtliche Zitate bilden die Ausnahme, gedanklich verarbeitete, also sinngemäße Wiedergabe, die Regel). Daraus entsteht die zweite Frage: (2) In welchen Fällen sollte wörtlich zitiert werden? Ein Textabschnitt kann immer dann wörtlich zitiert werden, wenn • ein Text - beispielsweise ein Forschungsergebnis - anschließend erläu‐ ternd oder bewertend kommentiert wird, • ein spezieller Begriff, der noch unterschiedlichen Definitionen unter‐ liegt, eingeführt wird, • in der Literatur eine Kernaussage getroffen wird, die die eigene Argu‐ mentation maßgeblich unterstützt oder 116 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="117"?> • ein Sachverhalt in einer Quelle so markant beschrieben wird, dass eine sinngemäße Wiedergabe möglicherweise schlechter ausfällt (wie das nachfolgende Beispiel zeigt). S CHO P E NHAU E R hat die Antwort auf die Frage, wann man wörtlich zitieren sollte, so brillant auf den Punkt gebracht, dass man ihn nur wörtlich zitieren kann: „Durch viele Zitate vermehrt man seinen Anspruch auf Gelehrsamkeit, vermindert aber den auf Originalität, und was ist Gelehrsamkeit gegen Originalität! Man soll sie also nur gebrauchen, wo man fremder Auktorität / sic/ auch wirklich bedarf. Denn überdies wird, wenn wir unsere Meinung durch einen ähnlichen Ausspruch eines früheren großen Schriftstellers belegen, der Neid sogleich vorgeben, wir hätten sie auch nur daher geschöpft. Finden wir also, dass große frühere Autoren mit uns übereinstimmen; so ist dies sehr dienlich, uns in der Zuversicht, daß, was wir sagen, richtig ist, zu bestärken und zu ermutigen. Aber es anzuführen ist nicht dienlich.“ (Zitat entnommen aus R E C H E N B E R G , P., 2003, S.-133). (3) Wie wird zitiert und welche Techniken bieten sich dafür an? Zitiertechniken beinhalten die Konventionen des Zitierens in Bezug auf die Kennzeichnung der zitierten Aussagen und ihrer Dokumentation im Litera‐ turverzeichnis. Geläufig sind folgende Anforderungen an die Zitiertechnik: Vollständigkeit, Fehlerfreiheit, Einheitlichkeit und Übersichtlichkeit der Angaben. Die Vorschriften im Urhebergesetz Teil 1, Abs. 6, §§ 51 und 63, verlangen einen ordnungsgemäßen Beleg der Quellen. Plagiat Werden Behauptungen, Meinungen, Ergebnisse oder Ideen anderer Autoren ohne Kennzeichnung der Quelle übernommen, so liegt ein Plagiat vor (siehe dazu umfassend: T HE I S E N , 2021). Das trifft auch zu, wenn in einem wörtlich übernommenen Text nur kleine Veränderungen vorgenommen werden und dieser dann als indirektes Zitat ausgegeben wird. Abb. 37 zeigt ein Beispiel für diesen Fall beim indirekten Zitieren. Generell liegen Plagiate dann vor, wenn der Verfasser • Zitate ohne die entsprechende Quellenangabe verwendet, • Aussagen aus dem Internet downloadet und sie anschließend als die eigenen ausgibt, • Arbeiten Dritter (bzw. Teile davon) als die eigene ausgibt, 1 Text 117 <?page no="118"?> • fremdsprachige Texte übersetzt und ohne Quellenangabe verwendet, • die gleiche Arbeit ohne Kennzeichnung in verschiedenen Veranstaltun‐ gen als Beleg verwendet. Original „Bei der einfachen Zufallsstichprobe hat jedes Element der Grundgesamtheit die gleiche Chance ausgewählt zu werden und damit in die Stichprobe zu gelangen.“ (…) -Plagiat Bei der einfachen Zufallsstichprobe haben alle Elemente der Grundgesamtheit die gleiche Chance ausgewählt zu werden und damit in die Stichprobe zu gelangen. (…) -Korrektes indirektes Zitieren Für alle Untersuchungseinheiten besteht bei der einfachen Zufallsauswahl die gleiche Wahrscheinlichkeit, in die Stichprobe aufgenommen zu werden. (…) Abb. 37: Beispiel für falsches und richtiges indirektes Zitieren Direktes und Indirektes Zitieren Bei dem Nachweis von fremdem Gedankengut in der wissenschaftlichen Arbeit sind zunächst zwei Fälle zu unterscheiden (siehe Abb. 38): Fall 1: Die Quelle wird wörtlich unverändert aufgeführt - das heißt: direkt zitiert. Das direkte Zitat wird im Text in Anführungszeichen gesetzt. Nach dem ab‐ schließenden Ausführungszeichen steht der Zitatvermerk, die Quellenangabe. Zitate innerhalb eines Zitats sind in einfache Anführungszeichen zu setzen. BEISPIEL: „Alles fremde Gedankengut, gleich welcher Art und welchen Ursprungs, ist in der eigenen wissenschaftlichen Arbeit als solches kenntlich zu machen. Die Kennzeichnung muss derart erfolgen, dass sich der durchschnittlich bemühte Leser die Originalquelle beschaffen und die Korrektheit des Zitats überprüfen kann.“ (S T R O H D E C K E R , J., 2005, S.-78) Zeichensetzung und Rechtschreibung des zitierten Textes werden unverän‐ dert übernommen. Kürzungen in einem zitierten Text werden durch drei Punkte in eckigen Klammern, also […], gekennzeichnet. Fall 2: Die Quelle wird sinngemäß aufgeführt - das heißt: indirekt zitiert. 118 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="119"?> Das indirekte Zitat wird im Text durch den Vermerk einer Fußnote gekenn‐ zeichnet (Ausnahme: Harvard-Methode). Die Fußnote beginnt mit einem „Vgl.“ (= „Vergleiche“). Werden längere Passagen mit eigenen Worten wie‐ dergegeben, ist einleitend darauf hinzuweisen. BEISPIEL: Die Übernahme von Texten in die eigene Arbeit ist so zu kennzeichnen, dass sich der Leser die Originalquelle beschaffen und das Zitat prüfen kann. Fußnote nach Kurzbeleg-Technik: Vgl. S T R OHD E C K E R , J., 2005, S.-78. ZITIERTECHNIKEN Vollbeleg-Technik Wenn kein Quellen- und Literatur‐ verzeichnis vorgesehen ist Kurzbeleg-Technik Wenn ein gesondertes Quellen- und Literaturverzeichnis vorgesehen ist Methode Beispiel Methode Beispiel a. a. O.- Methode Nach dem ersten Vollbe‐ leg mit allen bibliogra‐ phischen Daten in der Fußnote findet sich bei wiederholter Zitierung an‐ stelle der Fußnote die Ab‐ kürzung “a.a.O.” nach dem Verfassernamen, also: Vgl. T H E I S E N , a. a. O., S.-143 Autor- Titel- Jahr- Methode Der Quellenverweis erfolgt in der Fußnote unter An‐ gabe des Verfassers, einer Kurzfassung des Titels, dem Jahr des Erscheinens und der Seitenangabe, also: Vgl. T H E I S E N , M. R., Arbeiten, 2021, S.-145 Methode nach T HEI S E N Der Vollbeleg erfolgt mit allen bibliographischen Daten in der Fußnote. Bei wiederholter Zitierung ist der Verfassername, ein Stichwort zum Titel und die Fußnotenziffer des Erstbelegs anzuführen: Vgl. T H E I S E N ; M. R., Arbeiten (FN 1), S.-142/ 143 Autor- Jahr- Methode Der Quellenverweis erfolgt in der Fußnote unter An‐ gabe des Verfassers, des Jahres, des Erscheinens und der Seitenangabe: Vgl. T H E I S E N , M. R., 2021, S.-145 Harvard- Methode Der Quellenverweis erfolgt direkt nach dem Text (keine Fußnote). Die An‐ gabe des Verfassers, das Erscheinungsjahr und die Seitenangabe sind in runde Klammern eingeschlossen: (T H E I S E N , M. R., 2021, S. 145) Abb. 38: Typen der Zitiertechnik 1 Text 119 <?page no="120"?> Beim direkten Zitieren trifft der aufmerksame Bearbeiter mitunter auf or‐ thographische und andere Fehler im übernommenen Text - beispielsweise: „Der Algorithmus enthält eine detailierte Schrittfolge …“ Soll man den Fehler korrigieren oder übernehmen? Hierzu wird empfohlen, hinter das fehler‐ hafte Wort ein [sic] zu setzen, was signalisiert, der Fehler wurde bemerkt aber nicht korrigiert - also: „Der Algorithmus enthält eine detailierte [sic] Schrittfolge …“ Das lateinische Wort „sic“ bedeutet: „so“, „auf diese Weise (steht es geschrieben)“. Analysiert man die wissenschaftlichen Veröffentlichungen und die ein‐ schlägigen Empfehlungen für das Anfertigen wissenschaftlicher Arbeiten - insbesondere T H E I S E N , M. R.; 2021, S. 140-160; S T R OHD E C K E R , J., S.-77-100; B ÄN S CH , A.; 1999, S. 44-52; E B S T E R , C.; S TALZ E R , L.; 2003, S. 129-139 -, so trifft man auf die Typen der Zitiertechnik, die in Abb. 4 genannt und durch Beispiele gekennzeichnet werden. In wissenschaftlichen Publikationen ist vor allem die Kurzbeleg-Technik üblich. Ihre Anwendung ist jedoch stets mit einem gesonderten Literatur‐ nachweis als Quellenverzeichnis und/ oder Literaturverzeichnis mit allen bibliografischen Daten verbunden. Im Unterschied zur Harvard-Methode wird bei der Autor-Titel-Jahr-Methode und bei der Autor-Jahr-Methode mit Fußnoten der Hinweis auf das Verwenden von fremdem Gedankengut kenntlich gemacht. Die Nummerierung der Fußnoten kann sowohl im Rahmen einer Seite als auch über die ganze Arbeit aufsteigen. Harvard-Methode Die Harvard-Methode verzichtet ganz auf Fußnoten. Um Verwechslung gleichnamiger Autoren auszuschließen, wird zum Namen des Verfassers der Anfangsbuchstabe seines Vornamens hinzugefügt. Der Verzicht auf einen Fußnotenvermerk vereinfacht deutlich das Layout. Dieser Vorteil bleibt allerdings nur erhalten, wenn auch auf Fußnoten für ergänzende Erklärungen, Anmerkungen, ergänzende Hinweise weitgehend oder ganz verzichtet wird. Im Literaturverzeichnis nach der Harvard-Methode aufgeführte Titel erhalten mit allen bibliografischen Daten beispielsweise folgende Formatie‐ rung: B ÄN S C H , A.: 1999. Wissenschaftliches Arbeiten. Seminar- und Diplomarbeiten. 7., verbesserte Auflage. München, Wien: Oldenbourg. 120 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="121"?> Dem aufmerksamen Leser ist längst aufgefallen, dass in diesem Buch die Harvard-Methode verwendet wird. So möge es zugleich als Beispiel für die Anwendung dieser Methode dienen. 1.4 Wortwahl Fach- und Fremdwörter Jede wissenschaftliche Disziplin hat ihre eigenen Kürzel für fachspezifische Bezeichnungen, Erscheinungsformen und Sichtweisen geschaffen. Die Ver‐ wendung dieser Fachwörter ist aus Raum- und Zeitersparnis sinnvoll. Fach‐ wörter gehören zur Sprache der Wissenschaft. Sie sind daher unverzichtbar. Sofern weniger gebräuchlich, sollten sie stets durch bekannte Wörter erklärt werden. Sind viele Fachausdrücke notwendig, ist ein Glossar zu empfehlen. Fachwörter sind oft Fremdwörter. Nicht die Anwendung von Fremdwör‐ tern an sich macht einen Text schwer- oder unverständlich. Es sind ihr falscher Einsatz, ihr geringer Bekanntheitsgrad und nicht zuletzt die über‐ zogene Anhäufung, die das Verständnis entsprechender Texte erschweren und beim sachkundigen Leser Skepsis provozieren - wie beispielsweise beim Lesen des nachfolgenden Satzes: Das geupdatete System mit den side effects performte ultimativ! Vermutlich bedeutet das: Das aktualisierte System wurde mit seinen Nebenwirkungen überzeugend (nach‐ drücklich) dargeboten. Grundsätzlich wird empfohlen, Fremdwörter nur in dem Maße zu verwen‐ den, wie dies notwendig erscheint. Ist es wirklich notwendig, so wie folgt zu formulieren? • Der Mitarbeiter updatete seine Kompetenzabstrahlung. • Das Projekt erhielt eine neue Deadline. • Das System ist wegen der side effects permanent zu checken. Des Weiteren ist auf die richtige Bedeutung bei der Anwendung von Fremdwörtern zu achten. R E CHE NB E R G , P. (2003, S. 84) fragt zu Recht: Was versteht man eigentlich unter • bottom-up: aufwärts? induktiv? aufsteigend? • top-down: abwärts? deduktiv? absteigend? 1 Text 121 <?page no="122"?> Mit der fehlerhaften Verwendung von Fremdwörtern disqualifiziert sich der Verfasser selbst. Das bezieht sich beispielsweise auf solche Fälle wie: • die optimalere Situation, die optimalste Lösung Da „optimal“ bereits die höchste Steigerungsform ausdrückt, ist eine weitere Steigerung nicht zulässig. • die vorprogrammierte Konsequenz Die Vorsilbe „pro“ bedeutet „für“, „je“ oder „per“, was soll ausgesagt werden? • die Zukunftsprognose, die sichere Zukunftsprognose Jede Prognose ist nur auf die Zukunft gerichtet - also wieder Tautologie. Außerdem: Da die Zukunft immer unsicher ist, sind „sichere Zukunfts‐ prognosen“ Hochstapelei. • das exemplarische Beispiel Das Exempel und das Beispiel bedeuten dasselbe - wieder eine Tautologie! Unsicherheiten gibt es auch bei Verwendung solcher geläufiger Begriffe wie „komplex“ und „kompliziert“. Sie werden oft synonym gebraucht. Aber mitunter wird beispielsweise ein System dann als „komplex“ bezeichnet, wenn dessen Elemente vielfältig miteinander verknüpft sind, und „kompli‐ ziert“ ist es dann, wenn es aus vielen Elementen besteht. Davon abweichend wurde bei der didaktischen Reduktion festgestellt: Komplexität bezieht sich auf die Anzahl der Elemente im Text und ihre Verknüpfung, Kompliziertheit auf das Verständnis des Lesers für den Inhalt (siehe dazu im Hauptteil, Abschnitt 3.2, Abb. 3). Modewörter Modewörter schleichen sich in die Sprache ein, ohne dass man immer ihre Herkunft zurückverfolgen kann. Oft gehen sie auf Amerikanismen zurück. Man hört sie im Fernsehen oder im Rundfunk, liest sie in der Zeitung und schon werden sie meist unbewusst in der Alltagssprache verwendet. Je häufiger sie verwendet werden, desto geringer wird ihr Informationsgehalt. Ein Modewort des täglichen Lebens ist die Wendung „Sinn machen“. Kann man wirklich Sinn „machen“? Entweder eine Sache ergibt Sinn oder nicht, aber „machen“ kann man den Sinn nicht! Diese modische Wendung entstand aus der Übersetzung von „to make sense“ (R E CH E NB E R G , P., 2003, S.-79). 122 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="123"?> Ein treffendes Beispiel für gedankenlose Verwendung von Modewörtern ist das Wort „Quantensprung“. R E CHE NB E R G , P. (2003, S.-73) verdeutlicht das mit der Kritik einer Theaterinszenierung: „Exemplarisches Beispiel für Witz, kombiniert mit politischer Schärfe: Mit seiner außergewöhnlichen Inszenierung der ‚Blume von Hawaii‘ sorgte der Regisseur im Vorjahr für einen Quantensprung in der Operettengeschichte am Linzer Landestheater.“ Soll man dem Regisseur empfehlen, den Verfasser wegen übler Nachrede zu verklagen? Zu seiner Ehrenrettung sei angenommen, dass er darunter einen besonders großen Sprung verstand. Doch Quantensprünge kommen bekanntlich in der Natur vor, liegen im atomaren Bereich und damit sehr weit unter der Wahrnehmungsschwelle. Die Gedankenlosigkeit setzt sich fort mit dem „exemplarischen Beispiel“, einer Tautologie! Halten wir es besser mit W. CHURCHILL: „Die alten Wörter sind die besten und die kürzesten die allerbesten! “ Sagen Sie nicht: Der Dateizugriff ist hier mit „optimaler Effizienz“ möglich, sondern am „schnellsten“ möglich. Lassen Sie die Dinge nicht „zum Tragen kommen“, sondern „wirken“. Und behaupten Sie auch nicht, eine Sache habe einen „hohen Stellenwert“, sondern sagen Sie einfach, sie ist „wichtig“. Die Empfehlung lautet: Gehen Sie sorgsam mit der Wortwahl um, prüfen Sie, ob einfache und bewährte Worte die Sache nicht genauso oder treffender ausdrücken. Zeigen Sie Respekt vor der Zeit und der Geduld des Lesers! Missverständliche Wörter R E CH E NB E R G , P. (2003, S. 23 ff.) verweist auf eine Reihe von Wörtern, die zwar gebräuchlich sind, aber Missverständnisse auslösen können. So werden beispielsweise oft die Wörter „effektiv“ und „effizient“ gebraucht. Sicher bedeuten beide Wörter „wirksam“, aber eben wirksam im verschiedenen Sinne. So meint • „effizient“ ein Ergebnis mit geringen Mitteln zu erreichen und • „effektiv“ ein Ergebnis tatsächlich zu erreichen oder einen Vorgang tatsächlich zum Ergebnis führen. „Effizienz“ bezeichnet dann den Grad der Wirtschaftlichkeit und „Effektivi‐ tät“ den Grad der Zielerreichung. 1 Text 123 <?page no="124"?> Des Weiteren reflektiert R E CH E NB E R G , P. (2003, S. 26) die Bedeutung der Wendungen „dasselbe“, „das gleiche“, „identisch sein“ und „äquivalent sein“. Nach ausführlicher Diskussion löst er ihre Verwendung wie folgt auf: • „dasselbe“ bedeutet „identisch sein“, • „das gleiche“ dagegen „ähnlich sein“ oder „äquivalent sein“. In manchen Texten wird auf Veränderungen verwiesen, die in „Größenord‐ nungen“ eingetreten sind - so beispielsweise: Die Wirksamkeit der Therapie hat sich in Größenordnungen verbessert. Zunächst entsteht die Frage, auf welche Wirkungen hier Bezug genommen wird. Weiterhin bleibt unbeantwortet, was wohl das Maß von „Größenord‐ nung“ ist. Hat sich die Wirkung um die Hälfte, das Doppelte oder gar das Dreifache erhöht? Bleibt diese Präzisierung aus, enthält der Satz keine verwertbare Aussage. Mit einer originellen Merkhilfe empfiehlt R E CH E NB E R G , P. (2003, S. 28) die Bedeutung der Begriffe „real“, „virtuell“ und „transparent“ auseinanderzu‐ halten: „Wenn man es sehen kann und es da ist, ist es real. Wenn man es sehen kann und es ist nicht da ist, ist es virtuell. Wenn man es nicht sehen kann und es da ist, ist es transparent. Wenn man es nicht sehen kann und es nicht da ist, ist es weg.“ 1.5 Umgangssprache Umgangssprachliche Wendungen stehen oft für unreflektiertes Daherreden. Solche Wendungen neigen zu Unschärfen, Übertreibungen, Simplifizierun‐ gen und haben keinen Platz im Text einer wissenschaftlichen Arbeit. Zu vermeiden sind solche Wendungen wie „himmelschreiende Verhältnisse“, „unglaublich hohe Kosten“, „enorme Einsparungen“ oder „einzig und allein“. Jede Behauptung mit betont subjektiver Begründung, wie beispielsweise „ich glaube“, „ich vermute“, „ich meine“ steht im luftleeren Raum und beraubt sich selbst der Glaubwürdigkeit. Außerdem ist es in einer wissen‐ schaftlichen Arbeit nicht üblich, in der „Ich-Form“ oder in der „Wir-Form“ zu schreiben. Die Empfehlungen für wissenschaftliche Texte lauten: 124 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="125"?> • Geben Sie keine subjektiven Begründungen - beispielsweise: „Ich bin zutiefst überzeugt, dass …“. • Verwenden Sie keine „Ich-Form“ oder „Wir-Form“ - beispielsweise: „Wir sind zu der Auffassung gekommen, dass …“. • Setzen Sie keine Füllwörter ein - beispielsweise: „Wie ja ersichtlich, ist daraus gewissermaßen zu folgern, dass …“. 1.6 Satzbildung Das Bemühen um eine verständliche Sprache setzt sich in der Satzbildung fort. Ein Satz ist umso schwerer verständlich, je mehr Informationen in ihn hineingepackt sind, wie folgendes Beispiel zeigt: Ein Flächennutzungsplan enthält als vorbereitender Bauleitplan die sich aus der beabsichtigten städtebaulichen Entwicklung ergebende Art der zukünftigen Bodennutzung nach den voraussehbaren Bedürfnissen der Städte, Gemeinden und ihrer Einwohner für deren gesamtes Gebiet in unverbindlicher Form. Der Leser fragt sich, was ist in diesem Satz unverbindlich in seiner Form? Ist es der Flächennutzungsplan, die zukünftige Bodennutzung, sind es die voraussehbaren Bedürfnisse oder ist es das gesamte Gebiet der Gemeinde? Aus mehreren Aussagen wird eine einzige geformt. Das muss den Leser überfordern, weil der Zusammenhang verloren geht. Das Beispiel zeigt, je länger ein Satz (hier 35 Wörter), desto komplexer ist sein syntaktischer Aufbau. Deshalb ist die Satzlänge ein Indikator für schwerverständliche Sätze. Im Deutschen lassen grammatikalische Regeln Konstruktionen zu, die schlecht zu verstehen sind, wie beispielsweise das folgende Satzungeheuer, das in einer wissenschaftlichen Arbeit gefunden wurde: „Die Wirksamkeit der vorliegenden Untersuchungen, vornehmlich vom Autor durchgeführt und durch Diplomarbeiten unterstützt, bezüglich der Inanspruch‐ nahme von erforderlichen Fördermitteln, mit besonderem Blick auf die Potentiale der Gemeinden, zur Verwirklichung des Sanierungsprogramms, inklusive der an den Schnittstellen relevanten Spin off-Aktivitäten und unter besonderer Berück‐ sichtigung der endogenen Erfolgsfaktoren und deren immanenter Evaluation, kann insgesamt als positiv eingeschätzt werden.“ Unabhängig davon, was der Autor positiv einschätzt, sein Satzbau ist das ganze Gegenteil. Das betrifft - zwar nicht nur, aber besonders - auch die 1 Text 125 <?page no="126"?> Länge des Satzes - hier 56 Wörter! Ein Satz ist dann gut verständlich, wenn er aus 20, maximal 30 Wörtern besteht. So kommt das meistverkaufte Buch der Welt, die Bibel, mit durchschnittlich 14 Wörtern pro Satz aus. Seine Verfasser wussten damals schon: Das Interesse des Lesers lässt merklich nach, wenn er sich auf allzu viele Einzelheiten konzentrieren, wenn er zu häufig Sätze wiederholt lesen muss, um sie zu verstehen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass alle Informationen, die vom Menschen bewusst aufgenommen werden, nur in einer bestimmten Menge und für eine bestimmte Zeit bewusstseinsgegenwärtig bleiben. Danach gelangen höchstens 16 bit/ s in den menschlichen Kurzzeitspeicher und verbleiben dort etwa 10 s, so dass dessen Fassungsvermögen 160 bit beträgt. Dieser Wert entspricht etwa einer Satzlänge von ca. 15 Wörtern. Allerdings ist die Satzlänge eine zwar notwendige, aber nicht hinreichende Vorausset‐ zung für die Verständlichkeit, wie das folgende (nicht) ernst zu nehmende Beispiel zeigt: „Das intellektuelle Potential der Landwirte ist reziprok zu ihrem erwirtschafteten Produktvolumen“. Zwar werden nur 10 Wörter gezählt, aber diese „Schaumschlägerei“ kann man einfacher, verständlicher und dazu noch kürzer ausdrücken: „Die dümmsten Bauern haben die größten Kartoffeln“. Schreibregeln E S S E L B O R N -K R UMBI E G E L , H. (2002, S.-159-164) empfiehlt im Interesse der Ge‐ nauigkeit, Eindeutigkeit und Knappheit beim wissenschaftlichen Schreiben einige Regeln, die im Folgenden verkürzt wiedergegeben werden: 1. Regel: Stellen Sie eindeutige Satzbezüge her! Wenn in einem Satzgefüge die Bezüge nicht eindeutig sind, dann lässt der Satz mehrere Interpretationen offen, beispielsweise: Der Ober legt den Löffel neben den Teller. Er war schmutzig. Wer war schmutzig? Der Löffel oder der Ober oder der Teller? Empfehlung: Keinen zu großen Abstand zwischen Proform und Bezugs‐ wort zulassen. 126 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="127"?> 2. Regel: Belassen Sie die Hauptaussage im Hauptsatz! Hauptsätze, die kaum verwertbare Informationen enthalten, sollten gestri‐ chen werden, wie beispielsweise: Aus der Sicht des Autors ist dringend erforderlich, dass wir das Phänomen näher untersuchen! Der inhaltsarme erste Halbsatz kann sofort gestrichen werden, ohne dass dadurch ein Verlust entsteht. Der Leser wird dafür dankbar sein. 3. Regel: Bilden Sie überschaubare Sätze! Damit kein Missverständnis aufkommt: Sicher können die Texte nicht nur aus Hauptsätzen oder sehr einfach gebauten Satzgefügen bestehen. Dennoch müssen sie überschaubar bleiben. Dazu gehört, dass • Subjekt und Prädikat nicht zu weit voneinander entfernt stehen • und auf einen Hauptsatz nicht mehr als zwei Nebensätze folgen sollten. 4. Regel: Nutzen Sie die Wortstellung! Sofern im Text ein Gegensatz ausgedrückt werden soll, sind die gegensätz‐ lichen Begriffe an den Satzanfang zu stellen, beispielsweise: Die Bedeutung des Verfahrens ist unstrittig, seine Anwendung ist dagegen nicht ausreichend geklärt. Will man etwas besonders betonen, wird das Objekt an den Satzanfang gestellt: Den aktuellen Stand der Forschung hat der Autor völlig ignoriert! Synonyme Synonyme sollten nur dann zur stilistischen Abwechslung verwendet werden, wenn man voraussetzen kann, dass den Adressaten die Bedeutungsähnlichkeit bekannt ist (siehe auch D UD E N , 2020). So kann beispielsweise die Aussage: „Die Rassentrennung stellte eine außenpolitische Belastung für Südafrika dar. Die Abschaffung der Apartheit war deshalb ein vordringliches Problem.“ nur verstanden werden, wenn der Leser die ähnliche Bedeutung von „Ras‐ sentrennung“ und „Apartheit“ erkennt. 1 Text 127 <?page no="128"?> Stilelemente K L E IN , R. (2003, S. 10/ 11) empfiehlt als Stilelemente, die das Lesen einfacher machen, das Schaffen • eines inneren Textzusammenhangs (Textkohärenz) durch Überleiten, Anknüpfen, Rück- oder Vorverweisen und • eines äußeren Textzusammenhanges (Textkohäsion) durch den Einsatz solcher steuernden Formulierungen, die - Reihenfolgen deutlich machen, wie zunächst, schließlich, außer‐ dem, weiterhin oder - Gewichtung erkennen lassen, wie daher, zudem, weil, deswegen, daneben, darüber hinaus, vor allem oder - Abschattierung klärt, wie jedenfalls, ebenfalls, allerdings. Mitunter wird in Schriften auf das Vermeiden sexistischer Formulierun‐ gen hingewiesen. Weibliche Adressaten können sich durch sexistische Wörter und Wendungen ausgeschlossen fühlen und dadurch eine Aversion gegen den Text entwickeln. So wird empfohlen, nicht von „Arbeitnehmern“, sondern von „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern“ oder gar von „Ar‐ beitnehmerInnen“ zu sprechen oder statt „Studenten“ besser „Studierende“ oder statt „Leser“ besser „Lesende“ zu verwenden. Unter dem Eindruck dieser und ähnlicher Umständlichkeit ist T H E I S E N , M. R. (2021, S.-139) zuzu‐ stimmen, dass die zwanghafte Neutralisierung, ebenso wie zweigeschlecht‐ liche Begriffe, kein Zeichen für erreichte Gleichberechtigung, wohl aber für keinen guten Stil sind. Sofern Verlage keine Vorgaben erlassen, sind auch solche Formulierungen üblich: „In diesem Beitrag wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Schreibweise verwendet. Sie bezieht sich auf Personen beiderlei Geschlechts.“ (R I P P E R G E R , S., 2022, S. 64). Die gesellschaftliche Debatte bezüglich einer einheitlichen Schreibweise war bei Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. 1.7 Textverständlichkeit Die Verständlichkeit eines Textes ist untrennbar mit der Aufnahme und Bewertung seines Inhalts verbunden. Man nimmt mit Interesse einen Text zur Hand, beginnt zu lesen und schon nach kurzer Zeit legt man ihn ermüdet oder gar verärgert aus der Hand. Zu keiner Zeit kommt das Gefühl auf, hier ringt ein Autor um das Interesse seiner Leser. Und schließlich dehnt sich der 128 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="129"?> Verdruss über den Autor auf dessen wissenschaftliche Ergebnisse aus, was besonders schade ist. Hier helfen die bewährten Empfehlungen von L AN G E R , I.; S CHULZ V . T HUN , F.; T AU S CH , R. (1990, S. 16 ff.), die vier Dimensionen der Verständlichkeit unterscheiden, nämlich: • Einfachheit Empfehlung: Verwenden Sie geläufige Worte und bilden Sie überschau‐ bare Sätze mit angemessener Kürze! • Gliederung - Ordnung Empfehlung: Gestalten Sie Handlungsabläufe und Strukturen als innere Ordnung des Textes und machen Sie Abläufe und Strukturen als äußere Gliederung sichtbar! • Kürze - Prägnanz Empfehlung: Vermeiden Sie eine zu abgekürzte, gedrängte Darstellung ebenso wie zu weitschweifige, mit viel Unwesentlichem belastete Dar‐ stellung! • Zusätzliche Stimulanz Empfehlung: Formulieren Sie Fragen im Text und als Überschrift, verwenden Sie Metaphern und Vergleiche (Funktioniert das Gehirn wirklich wie ein Computer? ), Gegenüberstellungen widersprüchlicher oder alternativer Aussagen, führen Sie unbeantwortete Fragen oder ungeklärte Phänomene an und lockern Sie mit Anekdoten und Sprach‐ spielen auf. 1.8 Umgang mit Zahlen Mit Zahlen werden wichtige Aussagen in der Wissenschaft belegt und sie sind damit Bestandteil einer wissenschaftlichen Publikation. Um neben der gebotenen sachlichen Richtigkeit auch zu überzeugen, haben sich die folgenden Empfehlungen im Umgang mit Zahlen bewährt: • Sichern Sie die Aktualität der verwendeten Zahlen! Für Zahlen, die Argumentation und Befunde stützen, sind als aktueller Beleg autorisierte Quellen anzugeben. • Achten Sie auf die stimmige Summierung der Zahlen! Manchmal steht das Komma in der Zahlenreihe unter dem Strich an der falschen Stelle. Bei Verhältniszahlen muss beim Aufsummieren tatsächlich 100-% stehen. 1 Text 129 <?page no="130"?> • Interpretieren Sie verwendete Zahlen richtig! Beispiel: Wenn der Anteil einer Kostengruppe in den Gesamtkosten von 40 % auf 36 % sinkt, bedeutet das nicht eine Reduzierung um 4 %, sondern um 10-%. Übrigens ist bei Prozentangaben zum besseren Verständnis die Basis anzugeben. Beispiel: Die Anzahl der Mitarbeiter stieg um 30 %. Bezieht sich das auf eine Gesamtzahl von 10, 100 oder 1000 Mitarbeitern? • Setzen Sie die wichtigsten Zahlen in Bilder! Mit der bildhaften Interpretation von Zahlen wird beim Leser eine Vorstellung von deren Größenordnung entwickelt. Beispiel: „Jedes Jahr wird die Erde um ein Waldgebiet von etwa 75.000 km 2 ärmer. Das entspricht der Größe der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs zusammen. • Verwenden Sie mathematische Formeln sparsam! Das Dilemma mathematischer Formeln besteht darin, dass sie ein Merk‐ mal wissenschaftlicher Erkenntnis sind. Zugleich sind sie aber schwer zu verstehen. Der Astrophysiker S T E P HE N H AWKIN S brachte die Konsequenz für die Publikation wie folgt auf den Punkt: „Jede mathematische Formel in meinen Büchern halbiert die Verkaufszahlen.“ (K ULK E , S., 2002, S.-28). 2 Abbildungen 2.1 Grundsätze Mit der Abbildung steigern Sie die Verständlichkeit und Anschaulichkeit Ihres Textes und erhöhen damit die Aufnahmebereitschaft Ihres Lesers. Zugleich ist die Grafik in der Regel ein wichtiges Orientierungsmittel. Sie lockert einen Text auf und verbessert seine Lesbarkeit. Jede Abbildung ist in den Text einzufügen, in diesem zu erklären und anzukündigen. Achtung: Die Erklärung oder Ankündigung einer Abbildung gehört nicht in die Fußnote! Verweise auf Seiten sind zu vermeiden. Auch sollte der Bezug zum Text nicht durch Formulierungen wie: „In der folgenden Abbildung …“ oder „Die oben angeführte Abbildung zeigt …“ erfolgen. Rasch können bei technisch bedingten Umstellungen des Textes Verwechslungen aufkommen (T H E I S E N , M. R., 2021, S. 164). Deshalb besser so formulieren: „In Abb. 4 …“ oder „Abb. 4 zeigt …“. 130 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="131"?> Als Abbildungen werden hier alle Schaubilder, Tabellen, Diagramme und Technische Zeichnungen und Fotos bezeichnet. Mitunter findet man in der Literatur auch eine Unterscheidung zwischen Abbildungen und Tabellen. Innerhalb der Abbildungen sind alle Symbole und Zeichen zu erklären, beispielsweise in einer Legende. Abkürzungen sind nur dann in der Abbildung zu erläutern, wenn sie nicht im Abkürzungsverzeichnis enthalten sind. Die Abbildungen sind in der Arbeit fortlaufend zu nummerieren und mit einem Abbildungstitel zu versehen. Dabei ist sorgfältig zu kennzeichnen, ob die Abbildung aus einer Quelle vollständig übernommen, aus einer Quelle weiterentwickelt oder eigenständig entwickelt wurde. 2.2 Diagramme Diagramme sind Zahlenbilder, in denen statistisches Material grafisch aufbereitet angeboten wird. Sie wecken Aufmerksamkeit, zeigen auf einen Blick, worum es geht und wirken überzeugend. Voraussetzung ist allerdings, dass im Diagramm hervorgehoben wird, was ausgesagt werden soll. Für die Entscheidung über die Verwendung von Diagrammen sind min‐ destens zwei Fragen zu beantworten: 1. Welche Aussagen im Text sollen durch Diagramme unterstützt werden? Empfehlungen: - Formuliere die Aussage, die durch das Diagramm unterstützt werden soll. - Formuliere den Kurztitel des Diagramms. Zur Erklärung siehe den Text, der Abb. 3 nachfolgt. 2. Welches Grundmuster eines Diagramms ist dafür besonders geeignet? Gebräuchlich sind die folgenden Grundmuster: - - Verhältnis/ Verteilung → Kreisdiagramm - - Rangfolge → Stabdiagramm - - Zeitreihe → Liniendiagramm - - Häufigkeit → Kurvendiagramm - - Korrelation → Balkendiagramm Diese Grundmuster der Diagramme werden in Abb. 39 dargestellt und erläutert (hier bewusst wiederholte Darstellung der Abb. 30 im Hauptteil). 2 Abbildungen 131 <?page no="132"?> Zahlenbild Funktion Schlüsselbegriffe Verhältnis/ Verteilung: Anteil einzelner Komponen‐ ten am Gesamten Anteil Prozentsatz X von hundert entfallen auf … Rangfolge: Bewertung von Objekten oder Tatsachen nach Größe oder Qualität Größer/ Kleiner als … Besser/ Schlechter als … Liegt an 1./ 2./ 3. … Stelle Zeitreihe: Tendenzen bzw. Veränderun‐ gen von Größen über die Zeit Steigen/ Wachsen Fallen/ Abnehmen Schwanken Häufigkeit: Häufigkeit in Bezug auf eine Maßeinheit Zahl der Aufträge, verteilt auf Monate Mitarbeiter verteilt auf Altersgruppen Korrelation: Zusammenhang zwischen zwei Größen Steigt (nicht) wie … In dem Maße wie … fällt auch … Verändert sich (nicht) parallel zu … Abb. 39: Kennzeichnung der Grundmuster von Diagrammen In Abb. 40 ist an einem Beispiel die Vorgehensweise bei der Beantwortung der oben unter 1. und 2. genannten Fragen skizziert. Danach wird zuerst entschieden, welche Aussage durch ein Diagramm veranschaulicht werden soll. Im Beispiel lautet diese: „Im Süden ist der Umsatz des Produktes 1 im Vergleich zu den anderen Regionen am niedrigsten.“ 132 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="133"?> Dann wird der Kurztitel formuliert - also beispielsweise: „Umsatz des Produktes 1 nach Regionen in EUR.“ Daraus ergibt sich, dass eine Bewertung nach Größenordnungen erfolgen soll. Deshalb fällt mit Blick auf die in Abb. 39 dargestellten Grundmuster die Wahl auf das Stabdiagramm. Abb. 40: Beispiel für die Verwendung von Diagrammen Empfehlungen für die Verwendung von Diagrammen: • Gibt der Kurztitel des Diagramms ausreichend Antwort auf die Fragen: Was? Wo? Wann? Sind überflüssige Aussagen eliminiert? • Sind alle Angaben und Zeichen gut zu unterscheiden und durch die Erklärungen unter dem Diagramm (beispielsweise als Legende) ausrei‐ chend verständlich? • Sind die Quellen korrekt gekennzeichnet? • Ist die Schrift gut lesbar? • Sind nicht zu viele, möglicherweise unwesentliche Details enthalten? • Ist der dargestellte Sachverhalt zu trivial? • Ist die Darstellung des Diagramms vollständig, genau und anschau‐ lich? 2 Abbildungen 133 <?page no="134"?> 2.3 Tabellen Während Diagramme relativ komplexe Zusammenhänge einfach darstellen und schnell erkennen lassen, gehen Tabellen in die Tiefe und stellen Infor‐ mationen mit hoher Genauigkeit dar. Neben der Darstellung quantitativer Daten geben Tabellen auch Überblicke über qualitative Merkmale (siehe Abb. 39). In Anlehnung an E B S T E R , C.; S TALZ E R , L. (2003, S. 127) gelten für die Anfertigung von Tabellen die folgenden Empfehlungen: • Vermeiden Sie unnötige Komplexität; reduziere die Zahl der Variablen! • Stellen Sie die Variable, welche die Merkmalsausprägung beeinflusst, in die Zeile! • Stellen Sie die abhängige Variable in den Spaltenkopf, sie bildet also die Spalte! • Geben Sie bei Tabellen mit quantitativen Werten die Dimension an (Prozente, Euro, Anzahl usw.)! • Schreiben Sie die Zahlen möglichst rechtsbündig! 2.4 Schaubilder Schaubilder sollen komplexe Sachverhalte anschaulich erklären. Wichtige Formen sind: • Strukturbilder (siehe Hauptteil Abb. 25), • Netzwerke (siehe Hauptteil Abb. 1), • Mindmap (siehe Abb. 41), • Flussbilder (siehe Abb. 42), die vor allem Zusammenhänge und Abläufe veranschaulichen. 134 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="135"?> Abb. 41: Mindmap - Ressourcen für Unternehmenswachstum Abb. 42: Flussbild des Informationsumsatzes beim Menschen 2 Abbildungen 135 <?page no="136"?> 2.5 Schemata/ Foto Mit Schemata reduzieren Sie die Komplexität und Kompliziertheit realer Objekte und Erscheinungen, verbessern durch Vereinfachung die Anschau‐ lichkeit und ermöglichen damit besseres Verständnis. Das folgende Beispiel bezieht sich ebenso wie Kapitel 6 im Hauptteil, Abb. 24, auf die Messuhr, ist jetzt aber in Abb. 43 in zwei Stufen der Vereinfachung dargestellt. Abb. 43: Messuhr - Realität und stufenweise Vereinfachung (in Anlehnung an H E R I N G , D., 1959, S.-88-f.) Zum Verständnis des realen Objekts lässt die technische Zeichnung in der 1. Stufe der Vereinfachung das Prinzipbild, den Aufbau und die Wirkungsweise einer Messuhr erkennen. Danach bilden Zahnstange und Zahnräder das Wesen der Uhr. Weitere Teile dienen ihrer speziellen Übersetzung und Einstellung. Durch die 2. Stufe der Vereinfachung wird es möglich, das Wirkungsprinzip mit einem Blick zu erfassen. Nach H E R IN G , D. (1959, S. 88 f.) bewegt sich die zunehmende Vereinfachung „… von der differenzierten Aussage, die die besonderen Einzelheiten des Gegenstandes erfasst, zur weniger differenzierten, allgemeinen Aussage, die die Ausgangsaussage im richtigen Gültigkeitsumfang erfasst“. 136 A1 Manuskriptgestaltung <?page no="137"?> Regeln beim Verwenden von Abbildungen: 1. Prüfen Sie die Möglichkeit, den Text mit Abbildungen verständlich und anschaulich zu gestalten. 2. Kündigen Sie Abbildungen im Text an und kommentieren Sie diese ausreichend. 3. Nummerieren Sie Abbildungen im Text fortlaufend und versehen Sie jede Abbildung mit einem Titel. 4. Weisen Sie die Quellen der verwendeten Abbildungen korrekt aus. 5. Prüfen Sie, welche Aussagen durch Diagramme unterstützt werden können, und wählen Sie danach das Grundmuster des jeweiligen Dia‐ gramms aus. 6. Entscheiden Sie, ob in den Tabellen quantitative Daten oder qualitative Merkmale dargestellt werden sollen. 7. Erklären Sie alle in den Abbildungen verwendeten Symbole und Zei‐ chen, gegebenenfalls in einer Legende. Dieser Anhang ist ein aktualisierter Auszug aus dem Buch des Autors „Publizieren - aber wie? “ (siehe Literaturverzeichnis). 2 Abbildungen 137 <?page no="139"?> A2 Elektronisches Publizieren Inhalt - 1 Überblick - - - 2 Online-Produkte - - - 3 Open-Access-Publikationen - 2.1 Kennzeichnung - 2.2 Strategien - 2.3 Finanzierung - - - 4 Blogartikel 1 Überblick Bereits um die Jahrtausendwende fanden sich im Internet die ersten Ange‐ bote für Online-Bücher. Fünf Jahre später sind zahlreiche elektronische Zeitschriften und Bücher auf papierähnlichen Displays auf dem Publikati‐ onsmarkt anzutreffen. In der Folgezeit wurde vielfach prognostiziert, dass schon zehn Jahre später gedruckte Publikationen nahezu ausgestorben sind. A S CH E R O N , C. relativiert bereits 2007 diese Prognose, indem er ausführt: „So wie die Entwicklung des Menschen nicht zum Untergang der Affen führte, vermuten wir, dass es für lange Zeit eine Co-Existenz von elektronischem und konventionellem Publizieren geben wird. Beide Arten spielen weiterhin ihre Rolle.“ (S.-221) Diese Auffassung ist auch heute noch aktuell. Sicher gibt es hier und da noch Vorbehalte gegenüber elektronischen Medien und Produkten. So macht sich der Ex-Verleger K RÜG E R , M. in seiner „Dresdner Rede“ 2015 über den „Elek‐ trohandel“ lustig, wie er das Geschäft mit E-Books nannte. Inzwischen ist aber der elektronische Weg im wissenschaftlichen Informationsaustausch üblich geworden. Er beschleunigt sowohl eine rasche Datenerhebung als auch eine schnelle Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse. Neben der <?page no="140"?> Verfügbarkeit des Wissens in der ganzen Welt können ergänzend zum Text auch andere Formen, wie beispielsweise Videosequenzen, Bilder oder Hyperlinks, bereitgestellt werden. Zeitschriften werden simultan elektronisch und konventionell publiziert. Die Vorteile des elektronischen Weges liegen vor allem darin, dass sie auf dem Uni-Server kostenlos und weltweit jederzeit zugreifbar sind. Die Arbeit kann nach zentralen Daten, Schlüsselbegriffen oder Ergebnissen durchsucht werden; andere Darstellungsformen finden ihren Platz. Der konventionelle Weg erleichtert vor allem bei längeren Texten ein angeneh‐ mes Lesen unter allen Bedingungen. Außerdem sichert die Printfassung eine nahezu unbegrenzte Haltbarkeit. Elektronische Publikationen können gegenwärtig schon nach zehn Jahren nur noch teilweise benutzbar sein, weil die Computersysteme und Datenformate veraltet sind. Die Deutsche Nationalbibliothek sammelt elektronisch vorliegende Dissertationen in Do‐ kumentenservern. Während auf die elektronischen Medien (siehe Abb. 44) hier nicht einge‐ gangen wird, sind in Abschnitt 2 eine Reihe von Online-Produkten genannt. In Abschnitt 3 sind ergänzende Hinweise zur Open-Access-Publikation zu finden. Abschnitt 4 enthält Vorschläge zum Aufbau eines Blogartikels. Abb. 44: Überblick zum elektronischen Publizieren 140 A2 Elektronisches Publizieren <?page no="141"?> 2 Online-Produkte In Abb. 45 sind wichtige Online-Produkte in den Entwicklungsetappen zusammengestellt, wobei die meisten Produkte noch aktuell im Angebot sind. Traditionelle Produkte Gegenwärtige Produkte Neuartige Produkte Elektronische Zeitschriften Online-first-Zeitschriften - Online-only-Zeitschriften Virtuelle Zeitschriften - Lebende Bücher Jooks oder Bournals Abb. 45: Online-Produkte in Entwicklungsetappen Die nachfolgende Kurzcharakteristik der Online-Produkte erfolgt in Anleh‐ nung an A S CH E R ON , C. (2007, S.-226 ff). Elektronische Zeitschriften Obwohl hier in Abb. 45 als traditionell bezeichnet, sind elektronische Zeitschriften längst noch kein Auslaufmodell. Die parallele Version zur Printfassung einer Zeitschrift gehört nach wie vor zu den wesentlichen und umfänglichen elektronischen Publikationen. Sie sind über die entsprechen‐ den Redaktionen und abonnierende Bibliotheken zugänglich oder über Payper-View (gesonderte Bezahlung). Online-first-Zeitschriften Bei diesen Zeitschriften werden Artikel, die von den Redaktionen angenom‐ men wurden, sofort elektronisch veröffentlicht. Das hat den Vorteil, dass der betreffende fachwissenschaftliche Artikel geraume Zeit vor Erscheinen der Printfassung einer Zeitschrift gelesen werden kann. Wer also seine Er‐ gebnisse rasch bekannt machen möchte, wählt eine Online-first-Zeitschrift, die online first publishing anbietet. 2 Online-Produkte 141 <?page no="142"?> Online-only-Zeitschriften Im Unterschied zum vorgenannten Produkt drucken, verbreiten und spei‐ chern die Online-only-Zeitschriften die gesamten Informationen des Arti‐ kels ausschließlich elektronisch. Allerdings bleibt bei manchem Autor die Ungewissheit, ob diese Publikationen nach einigen Jahren noch zu lesen sind. Deshalb bieten die entsprechenden Verlage z. B. den Bibliotheken eine Papierversion an. Virtuelle Zeitschriften Auf einer Website werden die Artikel eines bestimmten Forschungsge‐ biets zusammengestellt. Die Artikel sind in verschiedenen Zeitschriften unterschiedlicher Verlage erschienen. Jährlich werden neue virtuelle Zeit‐ schriften in weiteren Forschungsgebieten gegründet. Ihre Angebote sind kostenlos nutzbar. Allerdings gelten in den meisten elektronischen Zeit‐ schriftenbibliotheken individuelle Zugriffsoptionen - von „frei zugänglich im Internet“ über „Volltext zugänglich über Ihre Institution“ bis zu „nicht frei zugänglich“. Lebende Bücher Besonders in Forschungsgebieten, die sich rasch entwickeln, können diese Online-Bücher ständig auf den aktuellen Wissensstand gebracht werden. Damit entfällt ein längeres Warten auf die neue Auflage. Inzwischen gibt es auch Angebote, in denen ein solches Buch im Anlassfall als konventionelles Buch ausgedruckt werden kann. Jooks oder Bournals In dieser Kreuzung zwischen Buch und Zeitschrift geht es im Wesentlichen um Übersichtsarbeiten. Dazu gibt es zwei Versionen: • Übersichtsartikel zu unterschiedlichen Themen, • Übersichtsartikel verschiedener Autoren zu einem Hauptthema. Deshalb wird diese Publikation auch thematisch orientierte Review-Zeit‐ schrift genannt. 142 A2 Elektronisches Publizieren <?page no="143"?> 3 Open-Access-Publikationen 3.1 Kennzeichnung Ein bewährtes Produkt im elektronischen Publizieren stellt Open Access dar. Open Access ist der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet. Hier entscheiden die Autoren selbst, ihre wissenschaftlichen Ergebnisse im Internet kostenlos bereitzustellen. Das erfolgt auf zwei Wegen, durch • parallele Bereitstellung der Veröffentlichung über Print und Open Access (Selfarchiving) oder • Einzelveröffentlichung mittels Open Access (Selfpublishing). Das Publizieren mit Open Access ist in den einzelnen Wissenschaftsdiszi‐ plinen unterschiedlich gebräuchlich und akzeptiert. Allgemein wird dieses Produkt als eine sinnvolle Ergänzung zum Printmedium angesehen und für Recherchezwecke geschätzt. Zurückhaltung wird begründet durch Un‐ sicherheiten in der Anerkennung und Langzeitverfügbarkeit der Texte. 3.2 Strategien Goldener Weg Der Goldene Weg, auch als Selfpublishing bezeichnet, bezieht sich auf die Erstveröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse • als Artikel in Open-Access-Journals, • als Open-Access-Monographie oder • als Beitrag in einem frei zugänglich erscheinenden Sammelwerk oder Konferenzband. Diese Texte durchlaufen alle einen Qualitätssicherungsprozess in Form des Peer Review oder Editorial Review. Ein Publikationsvertrag mit dem Verlag bestimmt, welche Nutzungsrechte Autoren der Zeitschrift bzw. dem Verlag einräumen und welche Nutzungsbedingungen für die entgeltfreie zugänglichen Dokumente gelten sollen. 3 Open-Access-Publikationen 143 <?page no="144"?> Grüner Weg Der Grüne Weg, auch als Selfarchiving bezeichnet, bezieht sich auf die zu‐ sätzliche Veröffentlichung in einem Verlag bzw. in einer Zeitschrift erschie‐ nenen Dokuments auf Open- Access-Dokumentenservern, den disziplinä‐ ren oder institutionellen Repositorien. Dies ist möglich für Preprints und Postprints wissenschaftlicher Artikel, Monografien, Forschungsberichte, Konferenzbeiträgen etc. Preprints sind nicht begutachtete wissenschaftliche Ergebnisse, die noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben sind und in der Regel erst bei einem Verlag eingereicht wurden. Postprints sind dagegen bereits begutachtet und zur Veröffentlichung genehmigt worden. Bei der Selbstarchivierung werden 3 Formen unterschieden: Der Zugang auf institutionellen Repositorien, auf disziplinären Repositorien oder das Hinterlegen auf einer eigenen Homepage. Weitere Möglichkeiten für das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbei‐ ten bestehen über den „Grauen Weg“ und das hybride Publizieren. Mit dem grauen Weg wird die Veröffentlichung von Literatur bezeichnet, die über den Buchhandel nicht zu beziehen ist. Das betrifft beispielsweise Disserta‐ tionen, Master- und Diplomarbeiten, Seminararbeiten, aber auch Abstract- Sammlungen, Tagungsberichte und ähnliche Dokumente. Ein Peer-Review- Verfahren findet hier in der Regel nicht statt. Beim hybriden Publizieren wird neben der Open-Access-Version auch eine kostenpflichtige gedruckte Version veröffentlicht. Damit wird die Auffindbarkeit in Suchmaschinen und damit die Sichtbarkeit erhöht. 3.3 Finanzierung Während die Nutzung von Open-Access-Publikationen kostenlos ist, ist die Bereitstellung in einem Open-Access-Journal mit Gebühren verbunden. Sie orientieren sich an den Prozesskosten, die dem Verlag pro Online-Veröffent‐ lichung durchschnittlich entstehen. Sie unterscheiden sich in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen erheblich. Nach H A R TMANN , B. und J AN S E N , F. (2008, S.46) betragen diese Gebühren pro Artikel zwischen 500 und 2.500 US-Dollar, in Deutschland zwischen 1.000 und 1.800 Euro. M AH R T , N. und R UHL , K. (2010, S.-201) stellen dafür drei Finanzierungsmodelle vor: 144 A2 Elektronisches Publizieren <?page no="145"?> 1. Etwa die Hälfte der Open-Access-Journals praktizieren das Authorpays-Modell. Hier kommen die Autoren für die Veröffentlichung ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse zu den o. g. Gebühren selbst auf. 2. In Abhängigkeit von der Befürwortung von Open-Access-Publikatio‐ nen durch renommierte Wissenschaftsorganisationen werden Autoren nach dem Institutional-pays-Modell von bestimmten Institutionen (bei‐ spielsweise Deutsche Forschungsgemeinschaft) durch Übernahme der Gebühren unterstützt. Das betrifft auch die Pflege eines Open-Access- Dokumentenservers. 3. Im Parallel-Modell werden wissenschaftliche Ergebnisse kostenfrei elektronisch bereitgestellt und gebührenpflichtig in einer Printfassung angeboten. 3.4 Bewertung Bei der Entscheidung zum Publizieren mittels Open Access verweisen M AH R T , N. und R UHL , K. (2010, S. 202) für Autoren auf verschiedene Vor- und Nachteile: Vorteile: • Eine gute Auffindbarkeit in Suchmaschinen führt u. a. zu besserer Sichtbarkeit und auch zum vermehrten Zitieren. • Der schnelle und kostenfreie Zugang für Nutzer ermöglicht u. a. die Dis‐ kussion der wissenschaftlichen Ergebnisse zu einem frühen Zeitpunkt. • Bei institutionellen oder disziplinären Open-Access-Dokumentenser‐ vern ist eine rasche Publikation möglich. • Die Rechte zur Verwertung der eigenen Ergebnisse verbleiben beim Autor. • Durch das Zusammenführen unterschiedlicher Formate erweitern sich der Umfang der Datensätze und die Darstellungsmöglichkeiten (z. B. Videoclips, Animationen, Ton etc.). Nachteile: • Bei größeren Publikationen (Monografien, Fachbücher etc.) gibt es Be‐ denken bezüglich der inhaltlichen Qualität. Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) bietet ein Qualitätssiegel an, das allerdings nur auf formale Aspekte abstellt. 3 Open-Access-Publikationen 145 <?page no="146"?> • Das Author-pay-Modell stellt hohe Ansprüche an den Autor bezüglich der Finanzierung seiner Publikation. Das verhindert, dass relevante Artikel wegen Finanzierungsengpässen nicht eingereicht werden. • Bei Zweitveröffentlichungen sind komplizierte Fragen des Urheber‐ rechts zu beantworten. • Relativ hoch wird das Risiko eingeschätzt, ob heute Publiziertes in einigen Jahren noch lesbar ist. Mit der Unsicherheit in der Langzeitver‐ fügbarkeit der Publikation hängt auch die noch weitgehend ungeklärte Frage zusammen, wer eigentlich ihre Archivierung vornimmt. Autoren, die ihre wissenschaftliche Abschlussarbeit im Ganzen oder in Teilen als Open-Access-Publikation veröffentlichen wollen, sollten zunächst die einschlägige Promotionsbzw. Prüfungsordnung konsultieren. Bestehen dort keine Einschränkungen, spielen bei der Entscheidung vier Faktoren eine wichtige Rolle: • die Gepflogenheiten im Fachgebiet, im Institut, an der Fakultät, • zeitliche Überlegungen, rasche Publikation bringt bestimmten Nutzen, • Kosten und Möglichkeiten ihrer Finanzierung und • persönliche Interessen. Ausführliche Informationen zu Veröffentlichung über Open Access bieten folgende Informationssysteme und Einrichtungen: • DissOnline der Deutschen Nationalbibliothek (http: / / www.dissonline.de/ ) • die Deutsche Forschungsgemeinschaft (https: / / www.dfg.de/ formulare/ 12_21/ 12_21_de.pdf; 03.05.2022) • die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e. V. (DINI) Bei Gewährleistung der Qualitätskontrolle hat sich Open Access zu einer sehr guten Möglichkeit des Publizierens wissenschaftlicher Ergebnisse ent‐ wickelt. Wenn dann auch die Gutachterkommentare im Internet stehen, erhöht sich nicht nur die Transparenz, sondern auch deren Qualität. Außer‐ dem entsteht ein weiterer Zuwachs an Wissen. 4 Blogartikel Als Publikationsform im Internet bietet ein Blog gute Möglichkeiten für das Veröffentlichen von Inhalten aus Master- und Bachelorarbeiten an. Die erfolgreich verteidigte Graduierungsarbeit ist eine Voraussetzung dafür, dass 146 A2 Elektronisches Publizieren <?page no="147"?> der Blog der Universität/ Hochschule oder eines Verlages genutzt werden kann. Darüber hinaus kann der Einsteiger seinen eigenen Blog auch kostenlos erstellen, z.-B. unter der Internetadresse www.deinblog.wordpress.com. Nach einem erfolgreichen Start ist für das weitere Bloggen ein Wechsel in die professionelle, gebührenpflichtige Variante www.deinblog.de zu empfehlen. Wesentlichen Einfluss auf den Abruf haben neben der gewählten Platt‐ form Inhalt und Form des Blogs. Zur Auswahl steht ein reduziertes Abbild der Graduierungsarbeit. Die Palette reicht vom Autorenreferat, Abstract bis hin zu einem fokussierten Text. So kann ein Blogartikel den populärwissen‐ schaftlichen Artikel inhaltlich aufnehmen, allerdings in der Form verändert und zugeschnitten auf einen breiteren Leserkreis. Möglich ist auch das Publizieren von Teilen der Arbeit unter einem Thema als Serie. Angenommen, der Verfasser entschließt sich zu einem Rah‐ menthema seiner Arbeit, z. B. „Verwerten wissenschaftlicher Ergebnisse“, eine Serie im Blog anzubieten. Ein Blog profitiert davon, wenn regelmäßig Inhalte erscheinen, die idealerweise auf die Zielgruppe des Blogs abgestimmt sind. Deshalb wird von Beginn an eine Inhaltsplanung zum Rahmenthema empfohlen. Der Start erfolgt mit einem aufmerksamkeitserregenden Teil, z. B. mit der Schilderung der erfolgreichen Umsetzung der Ergebnisse einer Masterarbeit zum Pflegemanagement in einer Klinik. Für die weitere Planung kann ein Register helfen, etwa so: Eigene Artikel Rezensionen Foren, Diskussionskreise Lesermeinungen, Kritiken Interviews Berichte zu Projekten Erfahrungsberichte Reviews von anderen Websites, Blogs Neue Textformate Forschungsergebnisse Der Blogartikel umfasst - sowohl als Einzelbeitrag als auch in der Serie - etwa 6000 Zeichen (3 DIN-A4-Seiten). M AN S CHWE TU S , U. (2021) empfiehlt eine stärkere Untergliederung als im Papierformat. Alle Abschnitte im Um‐ fang von etwa 300 Wörtern sollen mit einer Zwischenüberschrift versehen werden. Keywords spielen im Blogartikel eine wichtige Rolle, weil über diese in den Suchmaschinen der Artikel gefunden wird. Deshalb sollte jeder Blogbeitrag ein Hauptschlagwort (keyword) besitzen, das im Titel vor‐ kommt. Dieses Hauptschlagwort muss außerdem häufig im Text verwendet 4 Blogartikel 147 <?page no="148"?> werden, denn daran messen Suchmaschinen, ob der Artikel für das jeweilige Thema bedeutsam ist. Allerdings darf darunter nicht die Qualität des Textes leiden. Keywords sind nicht nur einzelne Wörter, sondern können auch aus mehreren Wörtern bestehen, z. B. „Erkenntnisse verwerten“ oder „Wissenschaftliches Arbeiten“. Neben dem Hauptschlagwort sind noch vier bis fünf weitere Keywords festzulegen. Verständliche Wortwahl, einfache Sätze und ein gegliederter Text cha‐ rakterisieren den Blogartikel ebenso wie den populärwissenschaftlichen Artikel. In Ergänzung zu entsprechenden Hinweisen in Kapitel 8.1 sei darauf verwiesen, dass der Einsatz von verständlichen Verben und ein be‐ schränkter Einsatz von Substantivierungen geboten sind. Zur Verwendung von gebräuchlichen Fremdwörtern (keine Imponier-Wörter) wird ebenso geraten wie zum überlegten Umgang mit Fachwörtern. Fachwörter gehören zur Sprache der Wissenschaft und deshalb auch in Blogbeiträge. Allerdings ist ihre fachinterne Verdichtung aufzulösen und eine fachlich vertretbare einfache Erklärung zu liefern. So erklärt sich z. B. der Begriff „Supraleitung“ für Fachleute von selbst. Für den Laien sollte er mit der Erläuterung des fachlichen Gehalts verbunden werden, etwa so: „Supraleitung bezeichnet die Fähigkeit mancher Metalle und Metallverbindungen, elektrischen Strom bei tiefen Temperaturen, ohne jeden Widerstand und damit frei von Ener‐ gieverlusten zu transportieren“. Sätze (20 Wörter) sind kurz und gut verständlich. Die Aussagen sind logisch anzuordnen, z. B. Ankündigung - Behauptung - Begründung. Jeder Satz enthält nur eine Information. Die Kernbotschaft gehört in den Hauptsatz, immer mit Subjekt, Prädikat und Objekt. L AN G E R , I., S CHU LZ V . T HUN , F. und T AU S CH , R. (1990, S. 48 ff.) haben vier Regeln als zeitlose Verständlichkeitsmacher für Texte vorgeschlagen, die hier nochmals in Erinnerung gebracht werden: • Die Einfachheit ist das Fundament für den verständlichen Text (kurze Sätze, erklärte Fachwörter, anschauliche Sprache). • Gliederung und Ordnung sind die tragenden Säulen der Verständlichkeit (folgerichtig, Hervorhebungen, Absätze, Überschriften). • Ausgewogene Kürze und Prägnanz krönen die Bemühungen um Ver‐ ständlichkeit (1-3 DIN-A4-Seiten, kurze Formulierungen, keine Füll‐ wörter). • Anregende Zusätze wecken und erhalten das Interesse des Lesers (Beispiele, Zitate, Leseransprache, Illustrierung). 148 A2 Elektronisches Publizieren <?page no="149"?> Falls es sinnvoll ist, verlinkt man auf eine Seite im Internet - Links bewerten Suchmaschinen positiv. Auch der richtige Umgang mit Zahlen ist ein Ausdruck für die Seriosität des Verfassers. Das betrifft beispielsweise ihre Aktualität oder die stimmige Sum‐ mierung von Prozentzahlen auf 100 %. Auch eine falsche Interpretation von Zahlen verärgert den Leser (siehe dazu Beispiele im Anhang A1, Abschnitt 1.). Die Lesbarkeit des Textes kann mit dem Flesch-Index gemessen werden. Dazu gibt es kostenlose Angebote, wie z.-B. http: / / fleschindex.de/ berechnen/ . Spitzenwerte liegen bei einem Index von 60. Dieser Text wurde mit dem Index 50 als gut lesbar bewertet. Dieser Anhang ist ein aktualisierter Auszug aus dem Buch des Autors „Publizieren - aber wie? “ (siehe Literaturverzeichnis). 4 Blogartikel 149 <?page no="151"?> A3 Kurzpublikationen Inhalt - 1 Kennzeichnung - - - 2 Abstract - 2.1 Formen - 2.2 Paper Abstract - 2.3 Application Abstract - 2.4 Conference Abstract - 2.5 Extended Abstract - 2.6 Thesis Abstract - - - 3 Poster - - - 4 Kurzbericht - - - 5 Metaanalyse - - - 6 Rezension - - - 7 Tagungsbericht - - - 8 Kommentar - - - 9 Interview - - - 10 Leserbrief - - - Checkliste <?page no="152"?> 1 Kennzeichnung Kurzpublikationen werden auch unter dem Begriff Referate zusammenge‐ fasst. Ihr besonderer Nutzen liegt in der Chance auf eine rasche Veröffent‐ lichung und im Üben von Darstellungsformen. Sie werden in der Regel in Graduierungsarbeiten verlangt und in ihrer Publikation erwartet. Nach der Form ihrer Darstellung lassen sich Referate in zwei Gruppen einteilen: • informierende Darstellungsform und • meinungsäußernde Darstellungsform. Die informierende Darstellung bezieht sich auf das eigene wissenschaft‐ liche Werk. Sie soll mit knappen Informationen ohne jegliche Bewertung beim Leser Interesse für die zugrunde liegende wissenschaftliche Arbeit entwickeln und ist so gesehen als Werbung in eigener Sache zu verstehen. Wesentliche Formate sind die Abstracts und das Poster. Die meinungsäußernde Darstellung reflektiert fremde wissenschaft‐ liche Werke und Veranstaltungen. Neben die Information über Inhalte, Per‐ sonen und Rahmenbedingungen tritt deren Bewertung durch den Verfasser. Auf diese Weise soll der Leser beraten und zur Meinungsbildung angeregt werden. Typische Formate sind die Rezension und der Tagungsbericht. Beiden Darstellungsformen kann eine Reihe von Textformaten zugeord‐ net werden (siehe Abb. 46), die im Folgenden charakterisiert werden. Abb. 46: Textformate der Referate (Auswahl) 152 A3 Kurzpublikationen <?page no="153"?> 2 Abstract 2.1 Formen Abstracts besitzen im Unterschied zu einfachen Kurz- und Zusammenfas‐ sungen wissenschaftlicher Texte eine „in sich logische und motivierte Struktur“ (H U EM E R , B. et al., 2012, S. 12). Zum raschen Erfassen eines längeren Textes sind sie kurz und prägnant formuliert. Der Leser soll orientiert und zugleich interessiert werden, um die Relevanz des Textes treffend beurteilen zu können. Abstracts treten in verschiedenen Formen auf. So wird in Anlehnung an H U EM E R , B. et al., (2012, S.-11-ff.) unterschieden in: • Paper Abstract zur Begleitung/ Einführung eines wissenschaftlichen Artikels, • Application Abstract als Bewerbung für die Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels, • Conference Abstract für die Einreichung einer Präsentation bzw. eines Vortrags, • Extended Abstract als Antrag auf Manuskriptveröffentlichung oder Forschungsförderung, • Thesis Abstract als Kurz- oder Zusammenfassung der wissenschaftli‐ chen Arbeit mit Prüfungscharakter. Mit Blick auf den Schwerpunkt dieses Buches werden im Folgenden die Formate ausführlicher beschrieben, die für das Einsteigen in das Publizieren besondere Bedeutung besitzen. 2.2 Paper Abstract Das Paper Abstract wird erst nach Fertigstellung und redaktioneller An‐ nahme eines Fachartikels verfasst. Vor dem gesamten Text platziert, wird es ergänzt durch Schlüsselwörter (Keywords). Die Redaktionen der Fachzeitschriften machen in den meisten Fällen Vorgaben, beispielsweise: • zum Umfang - 100 bis 150 Wörter - und • zu Konventionen - keine Quellen, Abbildungen, Daten, Argumentatio‐ nen etc. 2 Abstract 153 <?page no="154"?> Für den Grundaufbau wird die folgende Struktur empfohlen: • Stand der Forschung in Bezug zum Thema/ Platz im Forschungsfeld Welcher Disziplin ist die Arbeit zuzuordnen, was wurde bisher erkannt, was wurde bisher ausgeklammert? • Forschungslücke/ Forschungsfrage Worin besteht die Forschungsfrage, was wird dabei besonders beachtet? • Schließen der Lücke/ Forschungsergebnis Auf welchem Weg konnte die Forschungsfrage beantwortet werden, worin bestehen die wichtigsten Ergebnisse? BEISPIEL Thema: „Befindlichkeit - eine Determinante im Antwortverhalten? “ Forschungsfeld: Die soziologische Erforschung von Phänomenen im Antwortver‐ halten von Personen konzentriert sich bei der Suche und Prüfung von Störquellen vor allem auf Methoden- und Situationsaspekte. Selten geht sie dem Einfluss von Befindlichkeit auf das Antwortverhalten nach. Forschungsfrage: Die vorliegende Analyse soll die Frage beantworten, welchen Einfluss die aktuelle Befindlichkeit des Befragten auf seine Antwort hat. Dabei wird das mögliche Antwortverhalten in Abhängigkeit von Zentralität und den Fragetypen analysiert. Forschungsergebnis: Die Prüfung erfolgt anhand einer Sekundäranalyse von zehn Leitfaden-Interviews, in welcher die Befindlichkeit als Variable erfasst worden ist. Die Ergebnisse zeigen deutliche Effekte auf das Antwortverhalten, und zwar in Abhängigkeit von der Ich-Zentralität der Frageformulierung (in Anlehnung an H U E M E R , B. et al.: 2012, S.-26). 2.3 Application Abstract Das Bewerbungsabstract soll vor allem einen Einstieg für Artikel in Fach‐ zeitschriften sowie für Beiträge auf Tagungen und Konferenzen schaffen. In knapper und übersichtlicher Form werden Redaktionen und Veranstalter für die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Arbeit interessiert. Mitunter liegt der ausformulierte Beitrag noch gar nicht vor. Oberste Gebote bei diesem Format sind: 154 A3 Kurzpublikationen <?page no="155"?> • Objektivität - keine persönliche Wertung des Inhalts, • angemessene Kürze - 100 bis 150 Wörter, • keine Quellenangaben, Zitate, Abbildungen, • genaue Wiedergabe ausgewählter Inhalte des Fachartikels. Für den Grundaufbau wird folgende Struktur vorgeschlagen: • Motivation des Textes Was ist der Anlass, worin liegt die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeit, warum sollte sie gelesen werden? • Fragestellung, zu lösendes Problem Welche Fragestellung wird in der Arbeit beantwortet, worin bestehen die wesentlichen Annahmen und Argumente? • Methodisches Vorgehen Welches Sekundärmaterial (wissenschaftliche Literatur) nutzt der Ver‐ fasser, welche Instrumente der Feldforschung werden eingesetzt? • Ergebnisse Welche Ergebnisse werden vorgelegt, worin bestehen der Erkenntnis‐ fortschritt und/ oder der methodische Informationsgewinn, worin beste‐ hen die wichtigsten Schlussfolgerungen? • Implikationen Welche Umsetzungsvorschläge ergeben sich aus der Arbeit für die Praxis und die Forschungsperspektive? BEISPIEL Thema: Applikation Abstract - eine Textsorte für wissenschaftliche Arbeiten Motivation: Das Abstract soll den Leser kurz über den Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit informieren und für seine Ergebnisse interessieren. Viele Abstracts sind aber bestenfalls eine unstrukturierte Kurzfassung. Fragestellung: Wie kann ein Abstract so gestaltet werden, dass es den Inhalt des Beitrags leicht zugänglich macht und Interesse für dessen gründliches Studium weckt? Wie sieht seine Grundstruktur aus und welche Aussagen sollen in welcher Reihenfolge angeboten werden? 2 Abstract 155 <?page no="156"?> Methodisches Vorgehen: Die Auswertung der aktuellen Literatur aus Sprachwissenschaften und Hodegetik liefert Ansätze für die Grundstruktur. Eine Analyse von 100 Abstracts, die bei der Bewerbung um Veröffentlichung erfolgreich waren, vermittelt Merkmale und Schwerpunkte für die Gestaltung. Ergebnis: Es werden eine allgemeine Grundstruktur angeboten und konkrete Richtlinien aufgeführt, wie diese auszufüllen ist. Implikation: Autoren können die resultierenden Empfehlungen direkt verwenden, um damit dem Leser das rasche Erfassen eines längeren Textes und die Beurteilung seiner Relevanz zu ermöglichen. Damit wird das erfolgreiche Bewerben für einen Konferenzbeitrag oder Zeitschriftenartikel gefördert. 2.4 Conference Abstract Ebenso wie die beiden vorgenannten Formate soll das Conference Abstract den Leser mit dem Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit vertraut und auf das Thema neugierig machen. Deshalb besitzt sein Grundaufbau auch eine ähnliche Struktur: Platz im Forschungsgebiet, Forschungsfrage und Hypothese, Methoden der Material- und Feldforschung, Beschreibung der Daten und wichtigsten Ergebnisse. Im Unterschied zum Paper- und Applikationsabstract bezieht es sich nicht auf einen fertigen Text. Hier wird Zukünftiges vorweggenommen, denn die Veranstalter von Tagungen und Konferenzen verlangen meist deutlich vor dem Veranstaltungstermin (6 bis 12 Monate) die Einreichung eines Abstracts, das dann die Grundlage für die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des eigenen Beitrages ist. Deshalb empfehlen H U E ME R , B. et al. (2012, S. 31) „einen erkennbaren Zusammenhang zwischen der eigenen Arbeit und dem Leitthema bzw. den einzelnen Themenbereichen der jeweiligen Konferenz herauszuarbeiten.“ Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu den vorgenannten Formaten besteht im größeren Umfang. Veranstalter billigen bis zu 500 Wörter und damit eine detailreichere Darstellung zu. Das erlaubt die Aufnahme von Argumenten, Abbildungen, Zitaten, Daten und Quellen. 156 A3 Kurzpublikationen <?page no="157"?> 2.5 Extended Abstract Dem Namen entsprechend handelt es sich beim Extended Abstract um die Beschreibung der wesentlichen Aussagen einer wissenschaftlichen Arbeit. Der Umfang beträgt 2 bis 4 DIN-A4-Seiten. In dieser Bestimmung ist es eine Langfassung der vorgenannten Formate, insbesondere des Conference Abstracts. Es dient vor allem als Entscheidungsgrundlage für Forschungs- und Projektanträge. Auch sein Grundaufbau ähnelt den anderen Formaten, also: Grund‐ züge des Forschungsfeldes, Forschungsfragen und wesentliche Annahmen, Forschungsdesign und speziell Methodenwahl, Ergebnisdarstellung oder Ausblick auf Ergebnisse, Darstellen absehbarer Einwände und Risiken, Diskussion von Konsequenzen und Perspektiven, Literatur und Kooperati‐ onspartner. 2.6 Thesis Abstract Ein Thesis Abstract wird oft von Universitäten und Hochschulen für wis‐ senschaftliche Arbeiten mit Prüfungscharakter, also Bachelor-, Master-, Diplom-, Doktor- und PhD-Arbeiten, verlangt. Allerdings ist der Bezug zu diesen Arbeiten sehr unterschiedlich. So können Thesis Abstracts Entschei‐ dungsgrundlage für die Eröffnung des Prüfungsverfahrens sein. Oder sie sind im Sinne von Thesenpapier eine Auflistung der wichtigsten wissen‐ schaftlichen Ergebnisse, um die wissenschaftliche Diskussion anzuregen. Häufig wird darunter aber auch einfach die Kurzfassung oder Zusammen‐ fassung einer wissenschaftlichen Arbeit verstanden. Für das Abfassen des Thesis Abstracts sind die Vorgaben der jeweiligen Universität oder Hoch‐ schule maßgebend. Als Beispiel wird in Abb. 47 das Thesenpapier einer wissenschaftlichen Diskussion zum Thema „Umgang mit sakraler Bausubstanz“ vorgestellt. 2 Abstract 157 <?page no="158"?> Abb. 47: Beispiel für ein Thesenpapier als Diskussionsgrundlage 3 Poster Poster sind bewährte Mittel zur Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse auf Kolloquien, Tagungen und Konferenzen. Sie vergrößern die Chance für die Aufnahme als Tagungsbeitrag. Die knappe Textvorstellung mit Abbil‐ dungsangeboten soll Interesse für die wissenschaftliche Arbeit wecken. Sie bildet die Basis für eine ausführliche Erläuterung im Rahmen einer Poster- Diskussion als eigenständiger Programmteil (Poster-Session) oder in den Konferenzpausen. So gesehen hat der Posterbeitrag manchmal einen Vorteil gegenüber dem Redebeitrag: Für die Diskussion mit wirklich interessierten Fachkollegen steht mehr Zeit zur Verfügung. Daraus können sich Anregun‐ gen für weiterführende oder andere Untersuchungen ergeben und nicht zuletzt auch neue Kontakte und Kooperationen entwickeln. Solche Effekte ergeben sich seltener in einer Diskussion nach einem Vortrag (A S CH E R O N , C., 2007, S. 121). Die Präsentation verläuft in einem zeitlichen Rahmen von 3 bis 5 Minuten. Der Schwerpunkt liegt auf der Erläuterung der Abbildungen. Damit das eigene Poster unter den anderen wahrgenommen wird, spielt seine optische Gestaltung eine wichtige Rolle. Mit einem kurzen und 158 A3 Kurzpublikationen <?page no="159"?> großgedruckten Titel wird die Aufmerksamkeit der Tagungsteilnehmer geweckt. Der Hauptteil ist übersichtlich zu gliedern. Texte müssen gut lesbar sein, auf das Notwendigste beschränkt werden und gegenüber Abbildungen möglichst zurückstehen. Die Abbildungen sind einfach zu gestalten und sollen sich selbst erklären. Für die Aufnahme in den Tagungsband muss das Poster verkleinert auf DIN A4 noch lesbar sein. Die Gestaltung eines Posters kann nach dem in Abb. 48 dargestellten Muster erfolgen. Abb. 48: Muster für die Gestaltung eines Posters Auf internationalen Tagungen und Konferenzen erwarten manche Veran‐ stalter eine Gestaltung der Poster nach der IMRaD-Struktur (siehe Beispiel in Abb. 49). 3 Poster 159 <?page no="160"?> Abb. 49: Muster für die Gestaltung eines Posters auf internationalen Veranstaltungen (in Anlehnung an H E R F U R T H , S., 2023, S.-309) Der Verfasser sollte bei der Anreise eine Version seines Posters im DIN- A4-Format in der Tasche haben, um die Aufnahme seines Beitrags im Tagungsband vollständig abzusichern und um ihn evtl. als Flyer auszugeben. Nicht vergessen: Kontaktdaten vermerken. Zusammenfassend bewähren sich für die Gestaltung eines Posters fol‐ gende Empfehlungen: • Poster-Format A0 (841 x 1189 mm, Gesamtausdruck), A1 (594 x 841 mm, Gesamtausdruck), • Lesbarkeit auf A4 gewährleisten (bei evtl. Aufnahme in den Tagungs‐ band, Titel 14 pt, Untertitel 12 pt, Fließtext 8 pt), • Titel der Arbeit kurzfassen und großschreiben, • Name(n), Adresse(n) von Autoren und Institution(en) angeben, • Abstract kurz und aussagekräftig formulieren, • Hauptteil mit wenig Text und mehr Abbildungen gestalten, • Theorie- und Methodenbeschreibung minimieren, • Ergebnisse und Schlussfolgerungen auf wichtige Aspekte konzentrie‐ ren, 160 A3 Kurzpublikationen <?page no="161"?> • weiterführende Untersuchungen andeuten, • Dank an Kooperationspartner/ Förderer ausdrücken. 4 Kurzbericht Kurzberichte, auch letter oder short notes, enthalten Informationen über einen Handlungsverlauf oder eine Problembzw. Situationsanalyse. Sie bestehen im Kern aus einer Sammlung von Fakten und Merkmalen. Charak‐ teristisch ist die Darstellung in Beantwortung von W-Fragen. BEISPIEL: - Einleitungsteil: Vermittelt Überblick - Antworten auf: Wo? Wer? Wann? Hauptteil: Informiert über tatsächlich Vorgefallenes - Antworten auf: Was? Wie? Warum? Schlussteil: Verweist aus Lösungen, Klärung und Folgen - Antworten auf: Wie? Welche? Kurzberichte im Kontext des Leitthemas haben in Fachzeitschriften eine Chance auf rasche Veröffentlichung. 5 Meta-Analyse Meta-Analysen subsummieren mehrere wissenschaftliche Arbeiten in einen bestimmten Aspekt. In diesem Textformat wird mit Hilfe statistischer Ver‐ fahren die einschlägige Fachliteratur (Studien, Forschungsberichte, Fachar‐ tikel etc.) nach bestimmten Kriterien oder Fragestellungen systematisch ausgewertet. Aus den vorwiegend quantitativen, aber auch qualitativen Befunden werden im Ergebnis übergreifende Aussagen getroffen, die auf Zusammenhänge verweisen. BEISPIEL: In einer Untersuchung zur Wirksamkeit bestimmter Medikamente zur Behand‐ lung einer bestimmten Krankheit, z. B. Angststörungen, fasst die Metaanalyse verschiedene Studien zusammen. Auf diese Weise werden die Effekte verschie‐ dener Therapieansätze für Angststörungen verglichen. Forscher analysieren mehrere Studien zu diesem Thema, um konsistente Muster und Trends in den Ergebnissen zu identifizieren. Dies ermöglicht eine umfassende Einschätzung 4 Kurzbericht 161 <?page no="162"?> der Wirksamkeit unterschiedlicher Therapiemethoden und trägt zu Bildung fundierter Schlussfolgerungen bei. Die Qualität der getroffenen Aussagen, die Gültigkeit der ausgewiesenen Zusammenhänge ist wesentlich von der Vollständigkeit und Qualität des Primärmaterials abhängig. Die bei der Analyse vorgenommenen Katego‐ risierungen müssen begründet und für den Leser erkennbar sein. Als wissenschaftliche Publikationen sind Meta-Analysen vor allem im Bestand von Übersichtsartikeln (Review) anzutreffen. Sie treten seltener als eigen‐ ständige Veröffentlichung auf. 6 Rezension Die Rezension (recensio: Musterung) oder auch Besprechung ist die schrift‐ lich niedergelegte und veröffentlichte Form einer Kritik. Sie behandelt einen bestimmten Gegenstand innerhalb eines abgegrenzten Themenfeldes. Der Gegenstand eines Buches, aber auch Fachartikels wird dargestellt, analysiert und bewertet, aber nicht nacherzählt. Sie sind in der Regel mit etwa 3 bis 5 Seiten knapp gehalten. Als Teil des wissenschaftlichen Diskurses bilden Rezensionen eine unmittelbare Antwort zum Beispiel auf eine geschlossene Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse innerhalb eines Buches oder auf eine in einer Fachzeitschrift veröffentlichte Theorie oder These. Buchverlage vergeben mitunter Termine für das Einreichen von Rezen‐ sionen nach Erscheinen des Buches. Hier bieten sich gute Chancen für das Einsteigen in die Publikationstätigkeit. Mit Bezug auf das Werk, das im günstigen Fall zum Basiswerk der eigenen wissenschaftlichen Arbeit gehört, empfiehlt sich eine Vorstellung bei der entsprechenden Redaktion. Sie erfolgt entweder über Empfehlung des wissenschaftlichen Betreuers oder auf einer Fachtagung am Redaktionsstand oder über eine schriftliche Initiativbewerbung mit Angabe des Themas der eigenen wissenschaftlichen Arbeit (L ÜTH E , R.: 2010, S.-63). Die Rezensionen stellen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein wichtiges Feedback dar. Eine spezielle Bibliografie ist seit 1971 unter „Inter‐ nationale Bibliografie der Rezensionen wissenschaftlicher Literatur / IBR/ “ zu finden. In der Regel rezensieren gleich mehrere Rezensenten unabhängig voneinander den Gegenstand der Betrachtung. Selten ist die Bewertung einhellig. Sie reicht mitunter vom totalen Verriss bis zum uneingeschränkten 162 A3 Kurzpublikationen <?page no="163"?> Lob; häufig werden gegensätzliche Auffassungen und Bewertungen vertre‐ ten. In Abb. 50 ist ein Angebot für Strukturelemente der Rezension einer fremden Arbeit dargestellt. Ohne diese vollständig auszufüllen, sollten aber Antworten auf die meisten zugeordneten Fragen gefunden werden. Abb. 50: Strukturelemente der Rezension einer fremden Arbeit Eine beachtenswerte Kurzrezension ist z. B. W. M ANK E L (2024) gelungen, in dem er das Gesamtwerk in seiner reichhaltigen Ausstattung angemessen ins Licht setzt: „GLAS - Kultur und Technik“ - Alles in allem ein sehr zu empfehlendes Buch! Glas verleitet zum Schwärmen! Die Autoren Volker Oppitz und Uwe Reese haben hier eine Abhandlung über den Stoff vorgelegt, wie sie umfassender kaum vorstellbar ist. Der Text von Volker Oppitz, der einer Familie böhmischer Glasunternehmer entstammt und sich seit Jahrzehnten forschend mit der Materie beschäftigt, bewegt sich auf hohem wissenschaftlichem Niveau, ohne dass dies zu Lasten der Lektüre ginge. Das mit viel Hintergrund- und Detailwissen gewürzte Buch liest sich durchaus unterhaltsam und vergnüglich. Welch ein Bogen wird geschlagen: von den mythischen Ursprüngen bis zur heutigen Verwendung von Glas in den Hochtechnologien. Die wissenschaftliche Faktengenauigkeit macht neben dem Ausleuchten der vielfältigen Facetten von Glas, seiner zeitgeschichtlichen Einordnung, insbesondere der bestechenden 6 Rezension 163 <?page no="164"?> Detailgenauigkeit den wahren Reiz des Buches aus. Geradezu kongenial ist die optische Gestaltung durch den Bild-Autor Uwe Reese. Zum einen dient umfang‐ reiches historisches Bildmaterial der Veranschaulichung der textlichen Inhalte, zum anderen werden, in geradezu künstlerischer Gestaltung, Detailmotive glä‐ serner Objekte in rauschhafte Farben getaucht und bringen so die Faszination der Materie ganz sinnlich zum Ausdruck. Hilfreich ist die klare Gliederung des Buches in thematische Komplexe. Besonders hervorzuheben sind die unter dem Gliederungspunkt „Beifügungen“ enthaltenen Nachweise und Register - eine wahre Fundgrube für das tiefere Verständnis wie auch eine eingehende weitere Beschäftigung mit dem Thema.“ Nicht nur zu Übungszwecken empfiehlt sich auch die Rezension der eigenen wissenschaftlichen Arbeit. Der Autor sollte aus Lesersicht (Fachpublikum) eine kurze Rezension seiner Arbeit (ca. 2 Seiten) schreiben und einer Redaktion auf den oben genannten Wegen anbieten. Dabei beantwortet er folgende Fragen: Was ist der Gegenstand der Arbeit? • Unter welchen Fragestellungen wird der Gegenstand untersucht? • Welche Methoden werden eingesetzt? • Zu welchen Ergebnissen kommt die Arbeit? • Wie sind die Ergebnisse im Hinblick auf künftige Forschungen zu bewerten? In Zeitschriften, Magazinen und auf den Web-Seiten von Publikationsan‐ bietern werden auch Rezensionen in einer Kurzfassung, vornehmlich von Büchern, angeboten, die vom jeweiligen Rezensenten bewertet werden. Sie widerspiegeln dessen persönliche Meinung und sind sehr unterschiedlich akzentuiert. 7 Tagungsbericht Unter Tagungsberichten wird die schriftliche Dokumentation der von an‐ deren vorgetragenen und diskutierten wissenschaftlichen Ergebnisse in sachlicher und vorurteilfreier Form verstanden. Mit ihrer Hilfe findet der Autor Eintritt in die jeweilige Gemeinschaft der Fachleute und baut sich schrittweise ein eigenes Netzwerk auf. Als Artikel im Umfang von 2 bis 5 DIN-A4-Seiten wird er Fachzeitschriften oder Organen von wissenschaftli‐ chen Gesellschaften angeboten oder ins Netz gestellt. 164 A3 Kurzpublikationen <?page no="165"?> Es hat sich bewährt, Tagungsberichte zuerst mit den Organisatoren der Veranstaltung und vor der Veröffentlichung mit den Herausgebern oder Redaktionen abzusprechen. In Vorbereitung dieser Absprachen empfiehlt sich aus dem Tagungsprogramm eine Vorauswahl zu treffen und auf dieser Grundlage den inhaltlichen Rahmen des Berichts zu konzipieren. Wird das Angebot angenommen, können die Vortragsmanuskripte von den Referen‐ ten erbeten werden (möglichst mit Unterstützung des Veranstalters). Als inhaltlicher Rahmen werden folgende Schwerpunkte empfohlen: • Thema und Termin/ Veranstalter/ Ort • Übergreifende Bedeutung der Tagung • Programmübersicht • Eröffnungs-, Haupt- und Fachvorträge (evtl. Herausarbeiten der Ge‐ meinsamkeiten) • Diskussionsschwerpunkte in den Arbeitsgruppen, Sektionen, Work‐ shops (evtl. Darstellen von Konsens und Dissens) • Forschungsperspektiven • Abschließender Gesamteindruck • Verweis auf die Herausgabe eines Tagungsbandes Aus der Darstellung des inhaltlichen Rahmens wird deutlich, dass sich ein Tagungsbericht nicht in der Aufzählung der einzelnen Vortragsthemen erschöpfen kann. K L E MM , M. (2010, S. 67) fordert ein „sorgsames Redigieren, gegebenenfalls auch das Austarieren unterschiedlicher Auffassungen“. Bei der vorurteilsfreien Darstellung der Inhalte und des Ablaufs ist Sachlichkeit gefragt. Bewertung und Kritik sind weitgehend zu vermeiden, höchstens implizit zu verwenden. Das ist nicht ohne eigene Kompetenz möglich, die allerdings bei der Arbeit am Bericht erweitert und vertieft werden kann. Dem Berichterstatter bleibt es selbst überlassen, ob er seinen Text vor der Veröffentlichung dem jeweiligen Referenten zum Gegenlesen übergibt. Erfahrungsgemäß werden damit nachträgliche Irritationen und Fehler in der Sache oder in der Interpretation vermieden. 8 Kommentar Kommentare sind als meinungsbildende Textsorte im Journalismus, als Erläuterung von Gerichtsurteilen oder als Sammlung von Anmerkungen zu literarischen Texten bekannt. Zunehmend treten sie auch als Kurzpublika‐ 8 Kommentar 165 <?page no="166"?> tion in der wissenschaftlichen Diskussion zur persönlichen Meinung des Verfassers auf. Die Beiträge beziehen sich meistens auf einen konkreten Sachverhalt von Aktualität und Fachinteresse. Die Struktur des Kommentars verdeutlicht das folgende Beispiel: Das wissenschaftliche Ergebnis der Untersuchung liefert einen bedeutenden Beitrag zur Forschung, indem es neue Erkenntnisse aufzeigt. Die methodische Herangehensweise und die präsentierten Daten stärken die Glaubwürdigkeit dieser Erkenntnisse. Das Interesse des Lesers wird oft durch Polarisierung von Meinungen zum jeweiligen Sachverhalt hervorgerufen. Am Anfang stehen oft gegensätzli‐ che Meinungen, zu denen sich der Verfasser am Ende des Kommentars positioniert. Unter den meinungsäußernden Darstellungsformen von Kom‐ mentaren sollen hier zwei von ihnen anhand von Beispielen als Kurzfassung charakterisiert werden (S CHN E ID E R , R. et al., 2016, S.-227-f.): Pro-/ Kontra-Kommentar Thema: Vision für Unternehmensentwicklung? Pro: Bill Gates entwickelte 1975 in einer Garage die Vision für Microsoft „In jedem Haushalt ein PC“. 2003 wir Microsoft von der Financial Times zum zweitbesten Unternehmen der Welt gekürt. Kontra: Altbundeskanzler H. Schmidt vertritt dagegen folgende Auffassung: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Standpunkt des Verfassers: Am Anfang der Diskussion ist zu klären, was unter „Vision“ verstanden wird. Für H. Schmidt ist es eine Halluzination (s. Duden). In der Wirtschaft versteht man darunter den Zukunftsentwurf für die Entwicklung einer Organisation. Auch für mittelständische Unternehmen ist die Entwicklung einer Vision von Bedeutung. So hat eine Untersuchung in der „Ruderwerkstatt Wetzlar“ belegt, dass die vom Unternehmensgründer Werner Kahl vertretenen Vision „Wanderboote mit den Fahreigenschaften eines Rennruderbootes“ an die Spitze in der Branche geführt hat. 166 A3 Kurzpublikationen <?page no="167"?> Einerseits-/ Andererseits-Kommentar Thema: Energiequellen Einerseits: A behauptet, dass Kernenergie gefährlich sei, Kohle solle stärker als Energiequelle genutzt werden. Das ist begründet durch … Andererseits: B entgegnet, dass man die Risiken der Kernenergie beherrsche. Kohle beeinträchtige die Umwelt. Das betrifft u.-a. … Standpunkt des Verfassers: Eine Möglichkeit bestände darin, bei Nutzung beider alle Anstrengungen zu unternehmen, um die beiderseitigen Risiken und Belastungen zu minimieren. Das aber ist sehr teuer und in der Wirk‐ samkeit begrenzt. Deshalb sollten beide Energiearten schrittweise durch alternative Energiequellen abgelöst werden. 9 Interview Die Besonderheit des publizierten Interviews zu Personen, zu Sachen oder zu Meinungen ergibt sich aus seiner speziellen Zielstellung. Während das Interview als Instrument der Feldforschung in der wissenschaftlichen Arbeit vor allem auf das Erheben bzw. Bestätigen von Daten, das Feststellen von Meinungen oder das Gewinnen von Ein- und Überblicken gerichtet ist, will das publizierte Interview beim Leser insbesondere Interesse an der Person des Befragten und seiner Botschaft entwickeln. Dabei werden bei‐ spielsweise komplexe Sachverhalte verständlich und anschaulich gemacht. Im Blickpunkt stehen Ehrungen und Jubiläen von Persönlichkeiten, aber auch Autoren von Fach- und Lehrbüchern, Referenten einer wissenschaft‐ lichen Veranstaltung oder Leiter und Mitglieder eines Forschungsteams. Dieser Eigenart entsprechend sind die Fragen sehr auf die Person des Interviewpartners zugeschnitten. Hier kann sich die publizierte Fragefolge durchaus von der Realsituation unterscheiden, wobei die Veröffentlichung dann immer die Zustimmung des Befragten voraussetzt. BEISPIEL: Mögliche Einstiegsfragen: „Können Sie den Inhalt Ihres Vortrags, Ihres Buches, Ihrer Forschungsarbeit in einem Satz ausdrücken? “ 9 Interview 167 <?page no="168"?> „Ihre Ergebnisse stellen bisherige Untersuchungen in Frage. Wie reagieren Ihre Kollegen, Wissenschaftler, Praktiker darauf ? “ Folgefrage: „Welcher Nutzen für … ist von Ihren Ergebnissen zu erwarten? “ „Welche Chancen und Risiken sehen Sie in Ihren Untersuchungen für-…? “ „Wie weit in die Zukunft gehen Ihre Untersuchungen, Gedanken, Überlegungen? “ Abschlussfrage: „Angenommen, Ihnen würden weitere Ressourcen zur Verfügung stehen: Welche Möglichkeiten würden sich daraus für Ihre Untersuchungen ergeben? “ Der Verfasser sollte davon ausgehen, dass für die Veröffentlichung des Interviews ein feststellbares Leserinteresse besteht. Danach ist das Publika‐ tionsorgan auszuwählen. 10 Leserbrief Zu den meinungsbildenden Textsorten gehören auch die Leserbriefe als kurzgefasste Wortmeldung in der wissenschaftlichen Diskussion. Zahlrei‐ che wissenschaftliche Zeitschriften bieten ihren Lesern eine feste Rubrik „Leser diskutieren mit Lesern“ - oder ähnlich - an. Beiträge dazu sind gern gesehen und bieten dem Einsteiger eine Möglichkeit, sich zu beteiligen und namhaft zu werden. Das folgende Beispiel in Kurzfassung soll dafür eine Möglichkeit anbieten: THEMA: DIE HYPOTHETISCHE FRAGE IM INTERVIEW? „ARMIN SCHOLL vertritt in seinem Buch die Auffassung, der Interviewer „… sollte im Fragebogen auf … hypothetische Fragen … verzichten.“ (Die Befragung, 2003, S.-219). Dazu ist der Autor anderer Auffassung. In zahlreichen selbst durchgeführten Be‐ fragungen hat er die belebende und spürbare Impulswirkung der hypothetischen Frage feststellen können. Vor allem in der Schlussphase des Interviews eingesetzt, lauten sie beispielsweise wie folgt: „Angenommen, Ihnen würde die Möglichkeit X angeboten, welche Folge bzw. Chance hätte das für Sie? “ 168 A3 Kurzpublikationen <?page no="169"?> „Stellen Sie sich bitte vor, Ihr Budget würde sich erhöhen, wofür würden Sie es einsetzen? “ Hier ergibt sich die Chance, den bisherigen Denkrahmen zu erweitern, neue Lösungsmöglichkeiten zu erschließen oder gar Zukunftsszenarien zu ent‐ wickeln. Dafür bietet auch der standardisierte Fragebogen Möglichkeiten, u. a. durch Vorgabe von Auswahlantworten und eines Feldes für die verbale Beantwortung. Checkliste zu den wichtigsten Kurzpublikationen Format Kennzeichnung Veröffentli‐ chung Umfang Paper Abstract Begleitung/ Einführung in einen Fachartikel Teil eines Fachar‐ tikels 100 bis 150 Wörter Applications Abstract Bewerbung für die Veröffentli‐ chung einer wissenschaftlichen Arbeit Gestalteter Flyer 100 bis 150 Wörter Conference Abstract Einreichung einer Präsentation bzw. eines Vortrages Gestalteter Flyer bis 500 Wörter Extended Abstract Antrag auf Veröffentlichung ei‐ nes Manuskripts bzw. eines Vor‐ trages Teil eines ent‐ sprechenden An‐ trags 2 bis 4 A4-Seiten Thesis Abs‐ tract Kurz- oder Zusammenfassung einer Graduierungsarbeit Eigenständiges Papier 1 bis 3 A4-Seiten Poster Präsentation einer wissen‐ schaft-lichen Arbeit auf Veran‐ staltungen Gestaltetes Pla‐ kat DIN A0 DIN A1 - Rezension Kritik eines Fachartikels oder Fachbuchs Beitrag in der Fachpresse 1 bis 3 A4-Seiten Tagungsbe‐ richt Dokumentation vorgetragener und diskutierter Untersu‐ chungsergebnisse Beitrag in der Fachpresse 1 bis 3 A4-Seiten Metaanalyse Systematische Auswertung der Fachliteratur nach Kriterien Teil eines Über‐ sichtsartikels Auftrags‐ abhängig Checkliste zu den wichtigsten Kurzpublikationen 169 <?page no="170"?> Kommentar Meinungsbildung zu Sachver‐ halten von Aktualität und Fach‐ interesse Beitrag in der Fachpresse 1 bis 2 A4-Seiten Interview Entwicklung von Interesse am Befragten und seiner Botschaft Beitrag in der Fachpresse 1 bis 3 A4-Seiten Dieser Anhang ist ein aktualisierter Auszug aus dem Buch des Autors „Publizieren - aber wie? “ (siehe Literaturverzeichnis). 170 A3 Kurzpublikationen <?page no="171"?> A4 Fachwissenschaftlicher Artikel Inhalt - 1 Kennzeichnung - 2 Originalarbeiten - 2.1 Vorüberlegungen - 2.2 Vorbereitung - 2.3 Aufbau - 2.4 Argumentation - 2.5 Konventionen - Qualitätsprüfung - Checkliste 1 Kennzeichnung Der fachwissenschaftliche Artikel hat unter den Publikationen einen hohen Stellenwert. Veröffentlicht in einschlägigen Fachzeitschriften, beeinflusst er wissenschaftliche und berufliche Karrieren und ist ein wichtiger Indikator in Bewerbungs- und Berufungsverfahren. Der Verfasser stellt die eigenen Arbeitsergebnisse für Fachleute zur Diskussion und regt damit weitere wissenschaftliche Untersuchungen an. Irrtümlich werden Inhalt und Qualität eines Artikels mit dem Impact-Fak‐ tor in Verbindung gebracht. Dieser Faktor gibt lediglich darüber Auskunft, wie oft der Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift in anderen Publi‐ kationen zitiert wird. Dennoch wird der Impact-Faktor bei der Zuwendung von Mitteln zur Forschung häufig zur Beurteilung von wissenschaftlichen Publikationsleistungen herangezogen. Unterschieden wird zwischen Übersichtsartikel, Originalarbeit und Kurz‐ publikation. Übersichtsartikel sind umfassende und detailorientierte Dar‐ stellungen eines speziellen wissenschaftlichen Gebietes, wobei auf die entsprechenden Grundlagen verzichtet wird. Die eigene wissenschaftliche <?page no="172"?> Arbeit kann durchaus Bestandteil der Übersicht sein. Im Unterschied zu Originalarbeiten enthalten Übersichtsartikel bereits gefestigtes Wissen, weshalb sie häufig über mehrere Jahre hinweg Bestand haben und zitiert werden können (M Y L O NA S , I. et al., 2013, S. 10). Der Umfang ist sehr unterschiedlich; Verlage geben 20 bis 80 Seiten vor. An Übersichtsartikel werden hohe Qualitätsansprüche gestellt. Die Autoren müssen gründliche Kenntnisse auf dem jeweiligen wissenschaftlichen Gebiet besitzen. Deshalb laden Verlage vornehmlich Experten zum Verfassen ein. Originalarbeiten stellen die in einem fachwissenschaftlichen Artikel verarbeiteten Ergebnisse der eigenen Forschung zu einer speziellen wissen‐ schaftlichen Fragestellung unter Einschluss von Interpretation und Implika‐ tion vor. Sie werden im Folgenden als Fachartikel bezeichnet. Die eigenen Ergebnisse finden durch Diskussion der wissenschaftlichen Literatur ihre Einordnung in den Bestand des Fachgebiets. Der Umfang ist abhängig von Verlagsvorgaben und liegt zwischen 10 bis 15 Seiten. Fachartikel sind ein Zeugnis der fachlichen Qualitäten des Verfassers und genießen bei Veröffentlichung in einer anerkannten Fachzeitschrift die Beachtung der Fachwelt. Die Chancen zur Annahme eines Beitrags erhöhen sich durch Vorschalten der in Anhang A3 vorgestellten informierenden Darstellungsformen. Mit Blick auf die Bedeutung des Fachartikels für die Karriereentwicklung in Wissenschaft und Wirtschaft gehen die Ausführun‐ gen in Kapitel 2 dieses Anhangs näher auf dieses Textformat ein. Kurzpublikationen (siehe ausführlich in Anhang A3) vermitteln in kurzer und einfacher Form die neuen Forschungsergebnisse. Dabei wird auf Interpretation und Implikation verzichtet. Auch der akademische Fuß‐ notenapparat sowie ausführliche Literaturverweise entfallen. Gegenüber den Originalarbeiten ist die Chance von letters oder short notes auf rasche Veröffentlichung in einer Zeitschrift größer, nicht zuletzt auch deshalb, weil zeitaufwendige Peer-Review-Verfahren nicht stattfinden. Autoren wollen damit zugleich auch ihre Prioritätsrechte an neuen Forschungsergebnissen absichern. Die vollständige Interpretation und Implikation folgt später in der Originalarbeit. 172 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="173"?> 2 Originalarbeiten 2.1 Vorüberlegungen Wer sich entschlossen hat, Ergebnisse seiner Graduierungsarbeit in einem Fachartikel zu veröffentlichen, steht vor der Frage: Wo publiziere ich? Jetzt ist eine erste Auswahl aus dem Zeitschriftenspektrum zu treffen. Diese bezieht sich auf das Thema, die einschlägige Wissenschaftsdisziplin, das Standing der Zeitschrift (Impact-Faktor), Print- oder Online-Fassung (A S CH E R ON , C., 2007, S. 161 ff.) Die frühzeitige Auswahl ist unter anderem aus zwei Gründen wichtig: Erstens: Die Zeitschriften nehmen Beiträge nur in begrenzter Seiten- oder Wörteranzahl an, so dass schon in der Vorbereitung des Artikels der Umfang begrenzt werden kann. Zweitens: Mit einem kurzen Bewerbungstext (z. B. Application Abstract) kann man im Anfangsstadium der Vorbereitung seine Chancen bei dem einen oder anderen Verlag ausloten. Am Anfang aller Überlegungen beim Verfassen eines Artikels zur eigenen Arbeit steht die Frage: Kann eine Kernbotschaft übermittelt werden, die die Wissenschaftsentwicklung und/ oder Problemlösungen befördert? Allein das Referieren bekannter Sachverhalte wird diesem Anspruch nicht gerecht. Deshalb ist zu prüfen: Was kann vorgestellt werden? Sind es • neue Erkenntnisse oder • neue Fragestellungen, die evtl. eine Forschungslücke schließen soll oder • neue Sichtweisen auf bekannte Sachverhalte oder • grundlegende Weiterentwicklungen oder • Alternativen zu vorhandenen Erkenntnissen oder • das Aufdecken von Irrwegen bzw. Sackgassen in bisherigen Auffassun‐ gen oder ist es die • Bestätigung von bisherigen Ergebnissen unter veränderten Umständen? Um festzustellen, ob die Qualität und Verständlichkeit der Kernbotschaft dem Anspruch an einen wissenschaftlichen Artikel genügt, eignen sich folgende Vorgehensweisen: • Eine kritische Prüfung durch einen Kollegen, • das Verfassen eines Application Abstracts oder • eines Klappentextes. 2 Originalarbeiten 173 <?page no="174"?> Die nächste Überlegung gilt der Beantwortung der Frage: Wie präzise kann die Botschaft dargestellt werden? Können die • Vorgehensweisen in der Untersuchung transparent dargestellt werden, z.-B. durch strukturelle Angebote und übersichtlicher Gliederung, • Behauptungen (Thesen) ausreichend und mit klar definierter Gültigkeit belegt werden, • Begriffe, vor allem die thementragenden Begriffe, klar und eindeutig definiert werden, • Quellen vollständig dokumentiert werden? Schließlich ist zu prüfen: Kann das Ergebnis differenziert vorgetragen werden? Hier ist zu klären, ob • ein angemessener Forschungsabriss zum Thema möglich ist, • eigene Ergebnisse diskutiert werden können, der eigene Standpunkt transparent und eine Einschränkung ihrer Gültigkeit angemessen ist, • gegensätzliche Positionen vorhanden, zu erwähnen und zu diskutieren sind, • Forschungsdesiderata relevant sind. Nicht zu vergessen: Wie wurde die wissenschaftliche Arbeit bewertet? Der Blick in die Gutachten ist unverzichtbar! Welche Aussagen wurden kritisiert, bezweifelt oder als ungenügend bewiesen gekennzeichnet? Welchen Fragen traten in der Disputation (Verteidigung) auf und blieben unbeantwortet? Hier besteht eine Chance zur Korrektur bzw. Verstärkung. Autoren, die wissenschaftliche Ergebnisse im Zusammenhang mit Disser‐ tationen oder Masterarbeiten in Fachartikeln vorstellen möchten, sind oft im Zwiespalt. Sollen sie Ergebnisse vor Abgabe der wissenschaftlichen Arbeit veröffentlichen oder erst nach deren erfolgreicher Disputation? Mitunter gibt schon die betreffende Prüfungsordnung an der Hochschule darauf eine Antwort. Hier ist die Publikation solcher Arbeiten geregelt. Sofern das nicht der Fall ist, sollte er sich von seinem Betreuer beraten lassen. R O S T , F. (2010, S. 105) rät beispielsweise, vor dem Veröffentlichen einer Dissertation Teile der Arbeit „in einer (oder mehreren) guten Fachzeitschrift“ bekannt zu machen. Auf diese Weise würde die Bekanntheit der Doktorarbeit und natürlich auch des Autors gefördert. 174 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="175"?> 2.2 Vorbereitung Je konkreter die Vorüberlegungen zu Ende geführt werden, desto flüssiger erfolgt die Vorbereitung des Artikels. Dazu werden 11 Fragen angeboten, die in den in Abb. 51 dargestellten Schritten zu beantworten sind. (1) Warum wurde die zugrunde liegende Untersuchung durchge‐ führt? Am Anfang steht eine Rückbesinnung darauf, was den Verfasser selbst dazu gebracht hat, sich mit dem Thema der Untersuchung zu beschäftigen. Waren es persönliche Interessen, entstanden aus erkannten Defiziten, erlebten Konflikten oder beobachteten Phänomenen? Oder stand dahinter ein Auf‐ trag, eine Aufforderung, eine Anregung durch Dritte? Daran schließt sich die Prüfung an, welche Personen von den Ergebnissen profitieren, welche Bedingungen, Strukturen, Räume oder Zeiten verändert bzw. beeinflusst werden. Antworten darauf liefern erste Vorstellungen vom potentiellen Leserkreis für den Artikel. Abb. 51: Schrittfolge bei der Vorbereitung des Fachartikels 2 Originalarbeiten 175 <?page no="176"?> (2) Welche konkreten Ziele sollen verfolgt werden? Die Frage nach den angestrebten Zielen geht in zwei Richtungen: • Die erste bezieht sich auf den Verfasser. Was will er persönlich errei‐ chen? Beispielsweise - eine definierte Zielgruppe über seine Ergebnisse informieren oder - seine Reputation auf dem Fachgebiet aufbzw. ausbauen oder - Transferleistungen für einen breiten Kreis interessierter Fachleute erbringen oder - einfach im Interesse der Karriereentwicklung die Anzahl seiner Publikationen erhöhen. • Die zweite richtet den Blick auf den Leser. Wen will der Verfasser ansprechen? Drei Fragen sind zu prüfen: - Wem (Personen) will er worüber (Ergebnisse) etwas mitteilen? - Wen (Personen) will er wovon (Ergebnisse) überzeugen? - Wen (Personen) will er womit (Ergebnisse) wozu veranlassen? Was soll der Leser tun, wenn er den Artikel gelesen hat, was soll er denken, wie soll er handeln, wie soll er sich verhalten? Beispielsweise: • Das Thema, insbesondere seine Herleitung interessant finden, • von der Schlüssigkeit der Argumentation überzeugt sein, • die aufgestellte(n) Hypothese(n) und ihre Belegung anerkennen, • das methodische Vorgehen verstehen und bewerten können, • sich für eine der angebotenen Alternativen/ Varianten entscheiden, • die Vorschläge zur Umsetzung der Ergebnisse unterstützen. Je konkreter diese Ziele bestimmt werden, umso begründeter kann aus der stofflichen Fülle der wissenschaftlichen Arbeit der Inhalt des Artikels ausgewählt werden. (3) Liegen für das Erreichen der Ziele genügend Resultate vor? Nachdem geklärt ist, welche der erreichten Ergebnisse die angestrebte Zielstellung erfüllen, muss der Verfasser prüfen: • Welchen Neuigkeitsgrad besitzen seine Resultate? • Führen sie zum Entdecken eines neuen Zusammenhanges? • Werden andere Abhängigkeiten aufgedeckt? 176 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="177"?> • Kann eine bisher unbeantwortete Frage geklärt oder eine Lücke ge‐ schlossen werden? • Beruht das Vorgehen auf neuen qualitativen/ quantitativen Daten bzw. auf einem neuen methodischen Ansatz? • Werden bisherige Argumente bestätigt, bisherige Ergebnisse qualifiziert oder widerlegt? • Führen die Ergebnisse zum Aufdecken eines Irrweges (in dem beispiels‐ weise eine Scheinkorrelation aufgelöst wird)? Im Zusammenhang mit dieser Klärung ist zu ermitteln, was im Kontext des Themas und der vorzustellenden Ergebnisse in der Literatur bereits veröffentlicht wurde. Ein Überblick dazu liegt sicher schon beim Verfassen der wissenschaftlichen Arbeit vor. Dennoch ist eine ergänzende Suche in einschlägigen gedruckten Werken und im Internet schon aus Gründen der Aktualität ratsam. Nicht nur nebenbei erhält man beim Studium anderer Fachtexte Anregungen für das Schärfen der eigenen Argumentation. (4) Wie lautet die Botschaft? Nach Prüfung der Resultate zeichnet sich der Hauptinhalt des Artikels ab und damit die Botschaft als Antwort auf die in der Graduierungsarbeit gestellte Forschungsfrage. Der Leser muss diese schnell erfassen können. Deshalb sollte sie knapp, möglichst in einem Satz gefasst werden - beispiels‐ weise: „Der Zusammenhang von A und B konnte unter der Bedingung C nachgewiesen werden.“ Eine klar gestellte Forschungsfrage und sauber eingegrenzte Hypo‐ these(n) erlauben jetzt die Zuordnung von Belegen und Beweisen für das Verifizieren (Bestätigen) bzw. Falsifizieren (Widerlegen) eingangs ge‐ troffener Annahmen. Zum Vermeiden unnötiger Redundanz kann zugleich entschieden werden, welche Ergebnisse dafür weniger relevant sind. Am Ende dieses Schrittes empfiehlt sich das Anfertigen eines Applications Abstracts (siehe Anhang A3, Abschnitt 2.3). Damit wird die bisherige Vor‐ bereitung auf das Wesentliche gerichtet, der Blick auf den Leser geschärft, die inhaltliche Gestaltung strukturiert und ein Text für eine frühzeitige Vorstellung in einem (oder mehreren) Verlag(en) geschaffen. (5) Wer sind die Leser des Artikels? Die ausgewählte(n) Zeitschrift(en) impliziert bzw. implizieren eine be‐ stimmte Leserschaft. Damit stehen dem Verfasser Informationen zur Situa‐ 2 Originalarbeiten 177 <?page no="178"?> tion, zu den Interessen und zu den Einstellungen der Leser zur Verfügung. Er kann in erster Näherung die fachliche Nähe zu seinem Thema einschätzen und damit prüfen, ob Fachbegriffe zu erläutern, Argumente für den Leser bedeutsam, Analysen nachzuvollziehen sind oder Vorbehalte zum Thema bestehen (siehe SIE-Analyse in Kapitel 4, Abschnitt 4.2). Man muss sich dem in der Fachdisziplin bestehenden Mainstream nicht anschließen - aber man sollte ihn kennen und sich entsprechend positionieren. Der Anspruch der Leser an die avisierte Zeitschrift offenbart sich u. a im Studium einiger dort veröffentlichter Artikel. Auch hier lohnt sich ein Pre‐ test: Man bittet eine Person aus der vorgesehenen Zeitschrift seinen Artikel zu lesen und anschließend die Botschaft durch diese Person möglichst in einem Satz formulieren zu lassen. (6) Wie wird der Artikel gegliedert? Fachartikeln sind in den meisten wissenschaftlichen Disziplinen weitgehend einheitlich gegliedert. Vorangestellt ist ein Paper Abstract (siehe Anhang A3, Abschnitt 2.2). Dem folgt eine Einleitung mit Darstellung des Anlasses. Zu der formulierten Forschungsfrage mit den Arbeitshypothesen werden Befunde aus der wissenschaftlichen Literatur angeboten. Dem folgt die Vor‐ stellung der Befunde zum Belegen der Hypothesen und ihre Interpretation in der Diskussion. Der Artikel wird mit Schlussfolgerungen abgeschlossen und ein Literaturverzeichnis angehängt. (7) Wie werden die Ergebnisse dargestellt? Bei der Ergebnisdarstellung sind zwei Fragen zu beantworten: Erstens: Mit welchen Aussagen werden die Ergebnisse im Text beschrieben? Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung können durch Sacha‐ ussagen, Methodenaussagen, Wertaussagen und Normaussagen beschrie‐ ben werden. In Abb. 52 sind die wichtigsten Merkmale dieser Aussagequali‐ täten gekennzeichnet. Im Unterschied zu den Sach- und Methodenaussagen vermisst man in Fachartikeln manchmal Wert- und Normaussagen. Letztere haben eine nicht zu unterschätzende Überzeugungskraft, sofern sie natür‐ lich Bezug zu den jeweiligen Sach- und Methodenaussagen besitzen. 178 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="179"?> Aussagequalität Merkmale Sachaussagen Aussagen über Begriffe, Merkmale, Entwicklungen, Gesetze etc. Methodenaussa‐ gen Aussagen über Vorgehensweisen, Techniken, Verfahren, Handlungsmuster etc. Wertaussagen Aussagen über Wertmaßstäbe, Wertsätze, Werturteile, Beurteilungskriterien etc. Normaussagen Aufforderungen und Empfehlungen für das Verhalten in bisher unbekannten oder als schwierig empfundenen Situa‐ tionen Abb. 52: Aussagequalitäten in der Ergebnisdarstellung Zweitens: Mit welchen Mitteln werden die Ergebnisse veranschaulicht? Abbildungen (unter Einschluss von Tabellen) spielen für die kurze und prägnante Darstellung der Ergebnisse eine wichtige Rolle. Erfahrungsträger beginnen beim Verfassen des Artikels sogar mit dem Veranschaulichen der Ergebnisse in passenden Diagrammen, Tabellen und Schaubildern in be‐ gründeter Folge und ordnen dann die Texte zu. Empfehlungen zur grafischen Gestaltung sind in Anhang A1, Kapitel 2, zu finden. Dem Verfasser wird empfohlen, stets in der Ankündigung der Abbildung kurz zu beschreiben, was in den Tabellen und Bildern zu sehen ist. (8) Welche Literatur wird ausgewiesen? Das gründliche Literaturstudium im Vorfeld und Verlauf der wissenschaftli‐ chen Arbeit hat einen guten Überblick über die einschlägigen Publikationen gebracht. Jetzt sind jene Arbeiten auszuwählen und auszuweisen, auf die im Artikel direkt oder indirekt Bezug genommen wurde und die der Verfasser auch gelesen hat. In der Einleitung finden jene Arbeiten Erwähnung, die eine aktuelle Übersicht über das ganze Gebiet vermitteln (Übersichtsartikel). Mindestens ein in der Disziplin anerkanntes Fachbuch sollte in der Literatur‐ liste vertreten sein. Danach sind die Publikationen zu nennen, auf denen die Untersuchung aufbaut. Auszuweisen sind auch Arbeiten, in denen Auffas‐ sungen vertreten werden, die von den eigenen Ergebnissen abweichen. Des Weiteren gehören verwendete Primärmaterialien aus statistischen Ämtern, Gesetzessammlungen, Firmenschriften und speziellen Datenbanken dazu. 2 Originalarbeiten 179 <?page no="180"?> (9) Wer gehört zur Autorenschaft? Der Einsteiger wird seine Ergebnisse in der Regel allein publizieren, sofern seine Arbeit nicht in Co-Autorenschaft entstanden ist. Zu prüfen ist die Entscheidung bei jenen, die technische oder logistische Hilfe geleistet haben, dem Verfasser in der Datenerhebung beratend oder bei der Korrektur des Manuskripts zur Seite standen. Und wie verfährt man mit den Promotoren, vor allem dem aktiven Betreuer der Graduierungsarbeit? Letzteren zu nennen ist auch dann vorteilhaft, wenn dessen wissenschaftliche Reputation im Verlag bereits gelistet ist. Diesem muss allerdings klar sein, dass er damit gleichermaßen für den Artikel die Verantwortung trägt. Im Falle mehrerer Autoren ist die Reihenfolge festzulegen, in der ihre Namen aufgeführt werden. Weitgehend überwunden ist die Praxis, dies nach dem Alphabet zu vollziehen. Hier sollte der Grundsatz gelten: Wer den Hauptteil beim Erbringen der wissenschaftlichen Ergebnisse geleistet hat, gehört an die Spitze, ist also der Erst-Autor! (10) Wann sollen die Ergebnisse publiziert werden? Erneut ist die Frage zu beantworten: Liegen genügend wesentliche Ergeb‐ nisse (Thesen) vor, um die Forschungsfrage überzeugend zu beantworten bzw. die Hypothese ausreichend zu belegen? Vorschnelle Veröffentlichun‐ gen können dem Ansehen des Verfassers schaden und seine Chancen auf künftige Publikationen schmälern. Das Zurückhalten von Veröffentlichun‐ gen vor Abgabe der wissenschaftlichen Arbeit wird in einigen Prüfungs- und Promotionsordnungen verlangt. In der Technikwissenschaft scheint es auch geraten, zuerst ein Patent anzumelden. Demgegenüber ist in anderen Wissenschaftsdisziplinen immer dann eine gewisse Eile geboten, wenn Prioritätsrechte gesichert werden sollen. Dazu reicht die Veröffentlichung eines „letter“ oder einer „short note“ aus, dem später der Fachartikel folgt. (11) In welcher Zeitschrift soll veröffentlicht werden? Natürlich strebt jeder Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit an, seine Ergebnisse in einer etablierten Zeitschrift zu publizieren. Allerdings muss er auf Grund der zahlreichen Angebote mit einer hohen Rückweisungsrate rechnen (A S CH E R ON , C., 2007, S. 166). Außerdem verlängern die zeitaufwen‐ digen Peer-Review-Verfahren das Erscheinen des Artikels beträchtlich. Entschließt er sich zur Veröffentlichung in einer anderen Zeitschrift, ist zwar 180 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="181"?> die Wahrscheinlichkeit der Annahme größer, aber die Leserschaft in der Regel deutlich kleiner. Nach einer ersten Auswahl in den Vorüberlegungen ist nun zu entschei‐ den, in welcher Zeitschrift publiziert werden soll. Ist eine Platzierung des Artikels sinnvoll in einer • spezialisierten wissenschaftlichen Zeitschrift oder • einer Zeitschrift, die das gesamte Spektrum der Disziplin abdeckt, oder • einer Zeitschrift, die das Gesamtgebiet der Wirtschafts-, Technik oder Naturwissenschaft abdeckt? (A S CH E R O N , C., 2007, S.-166-f.) Auch bei dieser Entscheidung sollte sich der Verfasser bei dem Betreuer seiner Graduierungsarbeit Rat holen. 2.3 Aufbau Trotz bestimmter Konventionen in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen und differenzierter Vorgaben der Verlage und Redaktionen hat sich ein Grundaufbau für Fachartikel herausgebildet. Er umfasst die folgenden Teile: (1) Titel (2) Autor(en), Adresse(n) (3) Paper Abstract (4) Schlüsselwörter (5) Einführung (6) Forschungsstand (Materialforschung) (7) Methodisches Vorgehen (Feldforschung) (8) Ergebnisse und Diskussion (9) Schlussfolgerungen/ Forschungsperspektive (10) Anerkennung/ Danksagung (11) Zitierte Literatur (1) Titel Der aussagekräftige Titel ist ein effektiver Weg zum Interesse des Lesers. Die Botschaft sollte mit maximal 10 Wörtern, keinesfalls länger als über zwei Zeilen, interessant formuliert auf den Punkt gebracht werden. Deshalb sind überflüssige Wörter zu vermeiden, wie etwa „Untersuchungen über …“, „Der Einfluss auf …“ oder „… unter besonderer Berücksichtigung von …“. 2 Originalarbeiten 181 <?page no="182"?> Man bedenke: Der Leser verschafft sich mit dem Blick auf Titel, Abstract und Schlussfolgerungen einen ersten Eindruck, der seinen Entschluss zum Studium des Artikels beeinflusst. Irritierend sind Titel, die den Abstract in der Kurzform enthalten. (2) Verfasser/ Adresse(n) Im Falle einer Autorengemeinschaft steht in der Regel der Hauptautor an erster Stelle. Er ist somit zugleich der Ansprechpartner für Anfragen. Die Platzierung der Adressen erfolgt nach den Vorgaben der entsprechenden Zeitschrift. (3) Paper Abstract Der eilige Leser erhält einen Überblick über den Inhalt des Artikels. Das Abstract soll ihm Orientierung geben und sein Interesse wecken. Der Um‐ fang darf 10 bis 15 Zeilen nicht überschreiten. Ausführliche Erläuterungen sind im Anhang A3, Abschnitt 2.2, zu finden. (4) Schlüsselwörter Mit der Angabe von Schlüsselwörtern (Keywords) wird die Zitierwahr‐ scheinlichkeit des Artikels erhöht. Sie helfen beim Auffinden des Artikels in Suchmaschinen. Deshalb empfiehlt sich die Angabe von solchen Wörtern, nach denen mit großer Wahrscheinlichkeit gesucht wird (etwa 5 Wörter). Wörter, die bereits im Titel vorkommen, sind nicht noch einmal zu benutzen. (5) Einleitung In der Einleitung wird das Problem geschildert, das Defizit erläutert, die dar‐ aus resultierende(n) Forschungsfrage(n) formuliert und eine erste Annahme über die Antwort(en) als Hypothese(n) vorgestellt. Damit soll dem Leser verständlich werden, was schlussendlich beantwortet werden soll. Danach ist in wenigen Worten der Aufbau des Artikels zu skizzieren. Wesentlich für das Verständnis ist zudem die Definition der thementragenden Begriffe. Lautet der Titel beispielsweise „Empowerment als Führungskultur“, so sollte der Verfasser genauer definieren, was er damit meint, beispielsweise: „Motivieren der Mitarbeiter zum Bewältigen großer Aufgaben- und Verant‐ wortungskomplexe“ (T ÖP F E R , A., 2007, S.-145). 182 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="183"?> (6) Forschungsstand (Materialforschung) In diesem Schritt wird die Datengewinnung aus dem einschlägigen Sekun‐ därmaterial erläutert. Dazu gehört die Recherche in Fachbüchern, Fachle‐ xika, Fachzeitschriften, Forschungsberichten und -studien, Sammelwerken sowie Datenbanken und im Internet. Aus diesen Quellen wählt der Verfasser jene Aussagen aus, auf denen er seine Untersuchung aufbaut. Allerdings muss die Auswahl der geeigneten Wissensbestände für den Leser nachvoll‐ ziehbar sein. Sie ist begründet zu vollziehen, unter anderem durch das Entwickeln und Einsetzen von Kriterien für die Entscheidung. Im Ergebnis der Materialforschung liegen Belege für die Hypothese vor oder ihre Gül‐ tigkeit wird in Frage gestellt. Mitunter führt das Literaturstudium auch zu neuen Hypothesen. (7) Methodisches Vorgehen (Feldforschung) Jetzt wird das für die Datengewinnung einschlägige Primärmaterial dar‐ gestellt. Das sind eigene oder fremde Materialien aus Befragungen, Beob‐ achtungen, Experimenten, Studien und Inhaltsanalysen oder auch solche Quellen wie amtliche Veröffentlichungen oder Firmenmaterialien. Dazu gehört auch die Angabe der Statistik-Software. Im Ergebnis der Feldfor‐ schung sollen weitere Belege gefunden und die Hypothese(n) falsifiziert oder verifiziert werden. Ein verbreitetes Instrument für das Belegen von Hypothesen ist die Befragung. Für den Fall, dass sich der Autor das Ziel gesetzt hat, den Leser von seinem methodischen Vorgehen zu überzeugen, stellt er im Artikel den Ablauf bei der Vorbereitung seiner Befragung vor. Dazu gehören das Ziehen der Stichprobe, das Entwickeln des Messmodells und der Aufbau des Fragebogens bzw. des Interviewleitfadens (siehe dazu L EHMANN , G., 2022, S.-68-ff.). (8) Ergebnisse und Diskussion Als Antwort auf die eingangs gestellte Forschungsfrage, also die ausreichend belegte Hypothese, steht die Behauptung, die These. Sie wird als gewon‐ nene Erkenntnis für einen definierten Gültigkeitsbereich vorgestellt. Der Schwerpunkt der knappen und verständlichen Darlegungen liegt auf jenen Ergebnissen, die zur ausreichenden Beantwortung der Forschungsfrage(n) und damit zum Belegen der Hypothese(n) führen. Dafür eignen sich in besonderer Weise Abbildungen und Tabellen. 2 Originalarbeiten 183 <?page no="184"?> In der Diskussion sind die eigenen Ergebnisse durch Vergleiche mit dem bisherigen Wissensstand und anderen einschlägigen Publikationen zu be‐ werten. Der Hinweis auf abweichende Positionen ist ein Gebot der Fairness. Argumente und Gegenargumente werden gegenübergestellt. Zugleich ist auf Lücken aufmerksam zu machen. Dazu gehört die Einschränkung in der Argumentation, weil letztlich jede Antwort in der Wissenschaft eine neue Frage aufwirft. Indem die Gültigkeit der aufgestellten Behauptung eingeschränkt und auf mögliche Gegenargumente eingegangen wird, ge‐ winnt die eigene Argumentation an Glaubwürdigkeit. Mögliche Formen der Einschränkung sind beispielsweise (E B S T E R , C.; S TALZ E R , L., 2003, S.-100-f.): • Zurückweisung - Gegenargumente werden zunächst mit in die Diskus‐ sion einbezogen, dann aber entkräftet. • Zugeständnisse - Alle Gegenargumente, die nicht entkräftet werden können, werden dargelegt. • Einschränkung des Geltungsbereichs - Die Behauptung wird auf eine bestimmte Zeit, einen bestimmten Ort, eine bestimmte Institution oder eine bestimmte Gruppe eingeschränkt (siehe dazu das Beispiel in Kapitel 5, Abschnitt 5.3). (9) Schlussfolgerungen/ Forschungsperspektive Abschließend wird ausgesagt, welche Ziele die wissenschaftliche Untersu‐ chung erreicht hat (Zusammenfassung). Die erreichten Ergebnisse erfahren eine Verallgemeinerung, d. h., sie werden in einen größeren Kontext einge‐ ordnet. Zu den Schlussfolgerungen gehören auch Empfehlungen für das Umsetzen der erreichten Ergebnisse. Damit wird ihr praktischer Nutzen verdeutlicht. Das betrifft beispielsweise Leitungsempfehlungen, Wirtschaft‐ lichkeitsbetrachtungen oder organisatorische Maßnahmen. Außerdem kann auf neue oder weiterführende Fragestellungen hingewiesen werden, die sich aus den Untersuchungen ergeben und die den Leser auf künftige Felder wissenschaftlicher Arbeit verweisen (Forschungsdesiderata). (10) Anerkennung/ Danksagung An dieser Stelle kann jenen Personen Anerkennung ausgesprochen bzw. gedankt werden, die technisch, prüfend, beratend oder in anderer Weise fördernd an der wissenschaftlichen Arbeit mitgewirkt haben. 184 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="185"?> (11) Zitierte Literatur Um den Artikel in überschaubarem Umfang zu halten, sollte nur die Literatur aufgeführt werden, die direkt oder indirekt zitiert wurde. Die entsprechende Literaturliste verdeutlicht die existierenden Wissensbestände, die der Publi‐ kation zugrunde liegen. Hinweise zur Zitation sind den Verlagsvorschriften zu entnehmen. 2.4 Argumentation Die Begründungen für die aufgestellten Behauptungen sollten immer sach‐ lich richtig und für den Leser bedeutsam sein. Die sachlich richtigen Fakten müssen auch sein Interesse finden, die Statistik seinem reflexiven Auffassungsvermögen entsprechen, die angebotenen Varianten real seine Wahlfreiheit erweitern und die Praxishinweise dem Leser bei der Lösung seines Problems helfen. Die Überzeugungskraft des Arguments leidet beispielsweise dann, wenn die Validität eines erkannten Zusammenhangs nicht angegeben wird. Das soll nochmal mit dem in Anhang A1, Abschnitt 1.2, unter kausalem Zusam‐ menhang vorgestellten Beispiel verdeutlicht werden: „Je weniger Kunden sich beschweren, desto zufriedener sind sie. Deshalb ist die Anzahl von Beschwerden ein Indikator für Kundenzufriedenheit.“ Hier wird der Eindruck erweckt, dass diese Aussage immer und überall gilt und dass das Eine die Ursache für das Andere ist. Aber ohne Angabe des Gültigkeitsumfangs kann keine belastbare Verallgemeinerung getroffen werden, denn was in einem Bereich gilt, muss für andere nicht gelten. Damit der Leser die Argumentation besser nachvollziehen kann, werden bei der Darlegung der Gedanken logische Abfolgen empfohlen. Abb. 53 stellt dafür Argumentationsfolgen in vier Beispielen vor. Die logischen Abfolgen unterstützen die Konzentration auf die wesentlichen Aussagen, beugen einem Ausufern in alle denkbaren Einzelheiten des Themas vor und überzeugen von der Gültigkeit der resultierenden Schlussfolgerungen. Auf diese Weise entsteht das Grundgerüst der wissenschaftlichen Aussagen einer Publikation. 2 Originalarbeiten 185 <?page no="186"?> Abb. 53: Beispiele für Argumentationsfolgen I 186 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="187"?> 2.5 Konventionen Zu den Konventionen gehört neben den Verfahrensweisen beim Verzeich‐ nen, Gliedern, Verweisen, Zitieren und Bibliografieren auch die verständli‐ che Textgestaltung. Redakteure legen eingereichte Artikel schnell beiseite, wenn sie im Artikel z.-B. solche unverständlichen Formulierungen finden: „Mit angesagter Professionalität gilt es die ganzheitlichen UPSs outzusourcen, um den Mehrwert der strategischen Parameter anzustoßen.“ Der Redakteur oder Gutachter neigt bei solchen Aussagen in einer wissen‐ schaftlichen Schrift zu Recht zu dem Eindruck, dass damit inhaltliche Dürf‐ tigkeit überdeckt werden soll. Herausgeber wissenschaftlicher Zeitschriften betonen u.-a. zwei Gestaltungshinweise für alle Textsorten: • Einfaches und eindeutiges Vokabular, komplizierte Ausdrücke nur dort, wo einfache nicht zutreffen. • Angemessene Kürze und offensichtlicher Respekt vor der Zeit des Lesers. Jede wissenschaftliche Disziplin hat eine eigene Begrifflichkeit für fach‐ spezifische Erscheinungsformen und Sichtweisen geschaffen. Fachtermini gehören zur Sprache der Wissenschaft. Sie sind oft Fremdwörter. Nicht ihre Anwendung macht einen Text per se schwer- oder unverständlich. Es sind der falsche Einsatz, der geringe Bekanntheitsgrad und nicht zuletzt die überzogene Anhäufung, die das Verständnis eines Textes erschweren und den sachkundigen Leser zur Skepsis provozieren. Beispiele dafür sind im Anhang A1, Abschnitt 1.4, zu finden. Auch Zahlen unterliegen einer kritischen Prüfung. Um zu überzeugen, müssen sie aktuell und stimmig sein und nicht zuletzt auch richtig interpre‐ tiert werden. Qualitätsprüfung Vor Abgabe Ihres Artikels sollten Sie mit der Beantwortung folgender vier Fragen prüfen, ob Ihre Publikation grundsätzlichen Ansprüchen gerecht wird: 1. Ist die Datengrundlage stimmig und nachprüfbar, besitzen die darge‐ stellten wissenschaftlichen Ergebnisse Substanz und bereichern sie im jeweiligen Fachgebiet die wissenschaftliche Diskussion? Qualitätsprüfung 187 <?page no="188"?> 2. Wurde im Artikel die einschlägige Fachliteratur verarbeitet und ist sie im entsprechenden Verzeichnis ausreichend dokumentiert? 3. Vermitteln Titel und Abstract ausreichend Aufmerksamkeit und Ver‐ ständnis für den Inhalt, setzen sie dem Leser die „richtige Brille auf “, mit der er den Artikel liest? 4. Lässt sich die Botschaft des Artikels in einem Satz formulieren? Ausführliche Erläuterungen zum Verfassen eines Fachartikels finden Sie u. a. bei R I P P E R G E R , S., 2024; H E R F U R TH , S.; K AU F HO LZ - S O LDAT , E. (Hrsg.), 2023. Checkliste Die Praxis hat bewiesen, dass die Fragen Ihrer Leser in einem Fachartikel systematisch beantwortet werden, wenn Sie sich an die IMRaD-Struktur halten. Diese Checkliste wurde in Anlehnung an H E R F U R TH , S. et al. (2023, S. 262) erstellt. Teil Frage Typische Handlungen I Warum sollte der Artikel der Arti‐ kel gelesen wer‐ den? • Forschungslücke aufdecken • Widersprüche offenlegen • Probleme und Defizite im Alltag sichtbar machen und Lösungen anbieten • Alltagserfahrungen widerlegen M Wie wurden die Ergebnisse gewonnen? • Wissenschaftliche Literatur benennen • Feldforschung kennzeichnen • Befragung/ Beobachtung/ Experiment/ Inhaltsana‐ lyse beschreiben und auswerten • Theoriemodelle kennzeichnen • Expertenmeinungen verarbeiten R Welche relevanten Ergebnisse wur‐ den gewonnen? • Ergebnisse präsentieren • Einschränkungen beschreiben • Forschungsperspektive eröffnen • Schlüsselergebnisse zusammenfassen • Überholte Auffassungen, Befunde, Urteile revidie‐ ren D Welche Bedeu‐ tung besitzen die Ergebnisse? • Ergebnisse mit Forschungsziel in Bezug bringen • Ergebnisse erklären und bewerten • Nutzen der Ergebnisse für bestimmte • Personen bzw. Bereiche darstellen • Themen künftiger bzw. weiterführender Untersu‐ chungen benennen 188 A4 Fachwissenschaftlicher Artikel <?page no="189"?> Dieser Anhang ist ein aktualisierter Auszug aus dem Buch des Autors „Publizieren - aber wie? “ (siehe Literaturverzeichnis). Checkliste 189 <?page no="191"?> Literaturverzeichnis A S C H E R O N , C.: 2007. Die Kunst des wissenschaftlichen Publizierens. Ein Praxisleit‐ faden für junge Wissenschaftler. München: Spektrum Akademischer Verlag. A S C H E R O N , C.: 2019. Wissenschaftlich Publizieren und Präsentieren. Ein Praxisleit‐ faden mit Hinweisen zur Promotion und Karriere. Berlin: Springer. B ÄN S C H , A.: 1999. Wissenschaftliches Arbeiten. Seminar- und Diplomarbeiten. 7., verbesserte Auflage. München, Wien: Oldenbourg. B E R N I N G E R , I.; B O T Z E N , K.; K O L L E , C.; V O G L , B.; W A T T E L E R , O.: 2012. Grundlagen sozialwissenschaftlicher Arbeit. Opladen & Toronto: Budrich. B L A S E I O , G; P O M P E , H.; R U C H A T Z , J.: 2005, Popularisierung und Popularität. Köln: DuMont Literaturverlag. B U D R I C H , B.: 2015. Erfolgreich publizieren. Grundlagen und Tipps für Autorinnen und Autoren in den Sozial-, Erziehungs- und Geisteswissenschaften. 2., überarb. Aufl., Opladen, Berlin & Toronto: Barbara Budrich. B U D R I C H , B.: 2009. Erfolgreich publizieren in den Sozial- und Erziehungswissen‐ schaften. Opladen & Farmington Hills, MI: Barbara Budrich. B U R M E I S T E R , U.: 2009. Die osteopathische Therapie in der Migränebehandlung. Bachelor Thesis, Steinbeis Business Academy, Berlin. C H I R L E K , G.; W A N N E R , I.: 2015. Wissenschaftliches Schreiben und Publizieren. Erläu‐ terung für Studierende und Doktoranden. 2. Aufl. Norderstedt: CHIRLEK. D A N N E B E R G , L.; N I E D E R H A U S E R , J.: 1998. Darstellungsformen der Wissenschaft im Kontrast, Aspekte der Methodik. In: Theorie und Empirie, Tübingen. D A U M , A.: 2002. 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DUDEN, 2020: Das Wörterbuch der Synonyme. 100 00 Synonyme für Alltag und Beruf. 4. Aufl., Berlin: DUDEN Verlag. E B S T E R , C.; S T A L Z E R , L: 2003. Wissenschaftliches Arbeiten für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. 2., überarb. Auflage. Wien: WUV-Universitätsverlag. E S S E L B O R N - K R U M B I E G E L , H.: 2002. Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Schöningh. E S S E L B O R N - K R U M B I E G E L , H.: 2024. Die Doktorarbeit. 180 Seiten. Rückenwind. Pader‐ born: Brill Schöningh. F A S E L , C.: 2017. Gute Texte in 8 Schritten verständlich, lebendig und überzeugend schreiben. Berlin: DUDEN Verlag. G E S I N G , F.: 2022. Kreativ schreiben. Handwerk und Technik des Erzählens. 5. Aufl., Köln: DuMond. G E U L E N , C.: 2010, An alle! Über populärwissenschaftliche Texte, in: Ruhl, K; M A H R T , N.; T ÖB E L , J. (Hrsg.), Publizieren während der Promotion, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften. G R O E B N E R , V.: 2012., Wissenschaftssprache, Eine Gebrauchsanweisung, Konstanz. G ÖP F E R T , W.: 2019. Wissenschaftsjournalismus. Ein Handbuch für die journalistische Praxis. Berlin: Springer VS. H A R T M A N N , B.; Jansen, Felix.: 2008. Open Content - Open Access. Freie Inhalte als Herausforderung für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. https: / / www.fazit-fo rschung.de/ fileadmin/ _fazit-forschung/ downloads/ FAZIT-Schriftenreihe_Band_ 16.pdf; Abruf: 21.03.2022. H E R F U R T H , S.: 2023. Wissenschaftliche Arbeiten präsentieren & publizieren. Poster in der Wissenschaft. In: H E R F U R T H , S.; K A U F H O L Z - S O L D A T , E. (Hrsg.): 2023. Wissenschaftliches Schreiben in den MINT-Fächern. Der Schreibratgeber für alle Texte im Studium. Tübingen: expert. H E R I N G , D.; L I C H T E N E C K E R , F.: 1966. Lösungsvarianten zum Lehrstoff-Zeit-Problem und ihre Ordnung. 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Nutzenorientierung im Marketing, online URL: https: / / wi-block.de/ 2016/ 04/ 22/ nutzenorientierung im Marketing. Abruf: 22.03.2023. V O N C A M P E N H A U S E N , J.: 2011. Wissenschaftsjournalismus. Konstanz. UVK. W A G E N S C H E I N , M.: 1999. Verstehen lernen. Genetisch - Sokratisch - Exemplarisch. Weinheim, Basel: Beltz. 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Hauptschlagwort-147 Hypothese-72, 114, 156 Impact factor-171 Implikation-155, 172 IMRaD-Struktur-159 Informationsfolgen-33, 59, 70 Informationsgewinn-31, 38, 41, 45, 53 Interessiertheit-29f. Jooks-141 Karriere, berufliche-13 Kernbotschaft-75, 148 Kommentar- Einerseits-/ Andererseits--167 Pro-/ Kontra--166 Komplexität-28, 122, 136 Kompliziertheit-28, 32, 122, 136 Kontrollgruppe-88 Kurzbeleg-Technik-119f. Kurzvortrag-15 Leichte Sprache-24 Leseranalyse-26 Leserschaft-30, 35, 41, 53, 177 Literaturverzeichnis-178 LOD, virtuelles-16, 93 Materialforschung-183 Methodenorientierung 31, 35, 53, 89, 95 Methodisches Vorgehen-57, 97, 155 Mindmap-134 Mission, dritte-17 Mitarbeiter-App-101 Modellbildung-65 Modewörter-122 Motivation-155 Nachfragen-91 Narrative-26f., 32, 50 Neigungen-42 Netzwerke-134 Nutzenargumente-39, 41, 46, 60, 81 Nutzenorientierung-31, 34, 45, 87, 94 Online-First-Zeitschrift-141 Online-Only-Zeitschrift-141 Open-Access-Publikationen-22, 140 Finanzierungsmodelle-144 Nachteile-145 Open-Acess-Publikationen- Vorteile-145 Originalarbeiten-172f. Paper Abstract-153 Peer-Review-Verfahren-21, 24, 172, 180 Personalisierung-31, 34, 48, 97 Plagiat-117 Popularisierung-25 Popularität-25 Poster-Diskussion-158 198 Sachwortverzeichnis <?page no="199"?> Posterpräsentation-16 Postprints-144 Predatory Journals-24 Preprints-144 Pro-/ Kontra-Kommentar-166 Publikationsorgane, interne-7 Publikumstyp-37 abgeordneter und verpflichteter Zuhörer-39 funktionsorientierter-39 Gegner und Kritiker-39 Manager und Prüfer-39 neutraler und offener Zuhörer-39 Reduktion-31, 59, 62 Reduzieren-33, 60 Dichte-62 Fülle-59 Inhalte-28 Merkmale-64 Reihenfolge-114 psychologische-110 sachlogische-110 Relevanz, gesellschaftliche-18 Resultate-176 Sachaussagen-179 Satzgestaltung-75 Schlüsselwörter-153, 182 Schlussfolgerungen-41, 52, 112, 155, 178, 184 Schreibregeln-126 Schulungen-16 Selbstverwertung-16 Situation-40 Sprachstil-26 Stakeholder-Öffentlichkeit-17 Startup-16 Stilelemente-128 Storytelling-26 Strukturbilder-134 Strukturierung-26 Synonyme-72, 127 Tabellen-131, 134, 179 Termine-162 Textformate-19, 21, 49, 147, 152 Textgestaltung-33, 59, 71, 187 Themenfindung-55, 96 These-39, 112 Titel-77f., 97, 147, 181 Überschriften-75, 111, 148 Übersichtsartikel-142, 162, 171 Umsetzungsvorschlag-16 Untersuchungsdesign-79 Unterweisungen-16 Veranschaulichen-29, 33, 66, 134, 179 Vereinfachung-24, 59, 67, 136 didaktische-64f. Verfasser-31, 35, 37, 41, 46 Versuchsgruppe-88 Verwerten, Kanäle-14 Videoclip-21, 102, 145 Vollbeleg-Technik-119 Vorgehen-19, 31, 177 exemplarisches-61 Wissenschaftsjournalismus-23, 27 Wörter- Fach--33, 63, 72, 121, 148 Fremd--121, 187 missverständliche-123 Mode--122 Wortwahl-71 Sachwortverzeichnis 199 <?page no="200"?> Zahlen-73, 129, 134 Zahlenbilder-73, 131 Zeitschrift- elektronische-141 virtuelle-141 Zeitschriften-101, 106, 140, 164 elektronische-141 Online-First--141 Online-Only--142 virtuelle-142 Ziele-42, 50, 176 Zielgruppe-36, 40, 46, 80, 147, 176 dominierende-37 Zitieren-116, 118 Zitiertechnik- a. a. O.-Methode-119 Methode nach Theisen-119 Zitiertechniken-117 Zukunftsorientierung-31, 50, 91 200 Sachwortverzeichnis <?page no="201"?> Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Möglichkeiten für das Verwerten wissenschaftlicher Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Abb. 2: Textformate für die Veröffentlichung von Graduierungsarbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Abb. 3: Schritte für das Verringern von Komplexität und Kompliziertheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Abb. 4: Auswahlstrategien zum Verringern der Komplexität 30 Abb. 5: Gestaltungstechniken zum Verringern der Kompliziertheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Abb. 6: Checkliste für die gezielte Ansprache in einem Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Abb. 7: Typisierung funktionsorientierter Zielgruppen . . . . . 39 Abb. 8: Schema der S I E-Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Abb. 9: Verstärker für: Überzeugungskraft der Argumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Abb. 10: Argumentationskette Merkmal - Vorteil - Nutzen . . 47 Abb. 11: Beispiel Argumentationskette Merkmal - Vorteil - Nutzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Abb. 12: Die Einschränkung in der Behauptung . . . . . . . . . . . . 51 Abb. 13: Beispiel für das Erläutern künftiger Untersuchungen 52 Abb. 14: Projektskizze mit Zielbaum-Technik (in Anlehnung an K OMM E R , I.; R E INK E , H., 2001, S.-168-ff.) . . . . . . . . . . 54 Abb. 15: Interviewleitfaden „Arbeitsplatzausstattung“ . . . . . . 55 Abb. 16: Modellvorstellung zur Themenfindung . . . . . . . . . . . 56 Abb. 17: Ableitung einer bearbeitbaren Aufgabenstellung . . . 57 Abb. 18: Gliederung für Inhaltliche Gewichtung . . . . . . . . . . . 60 Abb. 19: Exemplarisches Vorgehen - Beispiel Zweischaufelrührer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Abb. 20: Bildhafte Erklärung des Begriffs „Bilanz“ . . . . . . . . . . 63 Abb. 21: Didaktische Vereinfachung - Beispiel Kalkkreislauf . 65 Abb. 22: Modell einer Wärmepumpe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Abb. 23: Entwickeln von Vorstellungsbildern . . . . . . . . . . . . . . 67 Abb. 24: Vorstellungsbildung über Aufbau einer Messuhr (in Anlehnung an H E R IN G , D. 1959, S.-88-f.) . . . . . . . . . . . 68 <?page no="202"?> Abb. 25: Grobmodell des Lehr-/ Lernprozesses . . . . . . . . . . . . . 68 Abb. 26: Analogie - elektrischer Stromkreislauf und Wasserkreislauf (L E HN E R , 2012, S.-146) . . . . . . . . . . . . 69 Abb. 27: Informationsfolge „Allgemeines - Besonderes - Einzelnes“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 Abb. 28: Informationsfolge im Flussdiagramm (in Anlehnung an https: / / www.kanbantool.com.de) . . . . . . . . . . . . . . 71 Abb. 29: Synonyme für „-ieren-Verben“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Abb. 30: Kennzeichnung der Grundmuster von Diagrammen 74 Abb. 31: Verhältnis Bedürfnis/ Nutzenargument . . . . . . . . . . . 81 Abb. 32: Phänomen der selektiven Wahrnehmung . . . . . . . . . . 90 Abb. 33: Zusammenhang von Einflussfaktoren und Handlungsempfehlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 Abb. 34: Beispiel für eine Schrittfolge zur Themenfindung (L EHMANN , 2019, S.-55) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Abb. 35: Argumentationsfolge Kompromiss . . . . . . . . . . . . . . . 115 Abb. 36: Argumentationsfolge Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Abb. 37: Beispiel für falsches und richtiges indirektes Zitieren 118 Abb. 38: Typen der Zitiertechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Abb. 39: Kennzeichnung der Grundmuster von Diagrammen 132 Abb. 40: Beispiel für die Verwendung von Diagrammen . . . . . 133 Abb. 41: Mindmap - Ressourcen für Unternehmenswachstum 135 Abb. 42: Flussbild des Informationsumsatzes beim Menschen 135 Abb. 43: Messuhr - Realität und stufenweise Vereinfachung (in Anlehnung an H E R IN G , D., 1959, S.-88-f.) . . . . . . . 136 Abb. 44: Überblick zum elektronischen Publizieren . . . . . . . . . 140 Abb. 45: Online-Produkte in Entwicklungsetappen . . . . . . . . . 141 Abb. 46: Textformate der Referate (Auswahl) . . . . . . . . . . . . . . 152 Abb. 47: Beispiel für ein Thesenpapier als Diskussionsgrundlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 Abb. 48: Muster für die Gestaltung eines Posters . . . . . . . . . . . 159 Abb. 49: Muster für die Gestaltung eines Posters auf internationalen Veranstaltungen (in Anlehnung an H E R F U R TH , S., 2023, S.-309) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160 Abb. 50: Strukturelemente der Rezension einer fremden Arbeit 163 Abb. 51: Schrittfolge bei der Vorbereitung des Fachartikels . . 175 Abb. 52: Aussagequalitäten in der Ergebnisdarstellung . . . . . . 179 Abb. 53: Beispiele für Argumentationsfolgen I . . . . . . . . . . . . . 186 202 Abbildungsverzeichnis <?page no="203"?> ISBN 978-3-381-12221-9 Die Fähigkeit, Forschungsergebnisse allgemeinverständlich oder zumindest für Nicht-Spezialisten verständlich darzustellen, wird immer wichtiger. Neben einem allgemeinen gesellschaftlichen Interesse an Wissenschaft benötigen zum Beispiel auch Entscheider in Unternehmen verständlichen Zugang zu den Resultaten ihrer F&E Abteilungen. Wie aber die Aufbereitung der eigenen Ergebnisse zielgruppengerecht gelingt, wird in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen selten gelehrt. Dieses Buch vermittelt mit vielen Beispielen aus der Praxis, wie man die eigenen Ergebnisse zielgruppengerecht darstellt. Der Inhalt Publikationen - Der Populärwissenschaftliche Artikel - Zielgruppenanalyse - Gestaltungstechniken - Artikelaufbau - Artikelbeispiele - Veröffentlichung Die Zielgruppe Promovierende, Diplomand: innen, Masterstudierende; wissenschaftliche Mitarbeiter: innen in Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen; Fach- und Führungskräfte; Privatpersonen mit wissenschaftlichen Ambitionen Der Autor Prof. Dr. paed. habil. Günter Lehmann studierte Bauwesen und Berufspädagogik. Als Hochschullehrer und langjähriger Direktor eines freien Instituts hat er über 30 Jahre Diplomand: innen, Promovierende und Habilitierende betreut. Seit mehr als 20 Jahren bereitet er Teilnehmende an Bachelor-, Master- und Promotionsstudien auf das Anfertigen und Präsentieren wissenschaftlicher Arbeiten sowie Führen von Verhandlungen und Halten von Reden vor.
