Wissenschaftlich denken und schreiben
Kurzlehrbuch mit eLearning-Kurs
0922
2025
978-3-381-12432-9
978-3-381-12431-2
UVK Verlag
Sabine Treichel
10.24053/9783381124329
Wissenschaftliches Denken und Schreiben ist im Studium unverzichtbar. Mit diesem espresso-Band ermöglicht Sabine Treichel einen fundierten und unkomplizierten Einstieg: Sie erklärt, worauf es bei der Planung und der Themenfindung ankommt und was bei der Texterstellung und beim Präsentieren zu beachten ist. Auch die Basics zum Urheberrecht werden vermittelt. Unterstützende digitale Tools stellt sie vor und geht konkret auf KI ein.
Kurzum: Ein Buch, das zeigt, warum Wissenschaft nicht nur Wissen schafft, sondern auch Denkfähigkeit fördert, Neugier anregt, Orientierung bietet und sogar Spaß macht.
Ein hilfreicher Ratgeber für alle, die an Hochschulen bzw. Universitäten studieren oder arbeiten und wissenschaftliche Texte verfassen.
Die espresso-Kurzlehrbücher bereiten ideal auf Studium, Vorlesung und Prüfung vor - die konzentrierte Dosis Wissen für Ihren Studienerfolg. Jeder Band wird von einem passenden eLearning-Kurs begleitet, der den Lernfortschritt kontinuierlich sichtbar macht.
9783381124329/9783381124329.pdfhttps://narr.kwaest.io/learning#knoten?knoten-id=p_46
<?page no="0"?> ISBN 978-3-381-12431-2 Kurzlehrbuch mit eLearning-Kurs Wissenschaftliches Denken und Schreiben ist im Studium unverzichtbar. Mit diesem espresso-Band ermöglicht Sabine Treichel einen fundierten und unkomplizierten Einstieg: Sie erklärt, worauf es bei der Planung und der Themenfindung ankommt und was bei der Texterstellung und beim Präsentieren zu beachten ist. Auch die Basics zum Urheberrecht werden vermittelt. Unterstützende digitale Tools stellt sie vor und geht konkret auf KI ein. Kurzum: Ein Buch, das zeigt, warum Wissenschaft nicht nur Wissen schafft, sondern auch Denkfähigkeit fördert, Neugier anregt, Orientierung bietet und sogar Spaß macht. Ein hilfreicher Ratgeber für alle, die an Hochschulen bzw. Universitäten studieren oder arbeiten und wissenschaftliche Texte verfassen. Die espresso-Kurzlehrbücher bereiten ideal auf Studium, Vorlesung und Prüfung vor - die konzentrierte Dosis Wissen für Ihren Studienerfolg. Jeder Band wird von einem passenden eLearning-Kurs begleitet, der den Lernfortschritt kontinuierlich sichtbar macht. Wissenschaftlich denken und schreiben Wissenschaftlich denken und schreiben Treichel Sabine Treichel Wissenschaftlich denken und schreiben www.uvk.de <?page no="1"?> Wissenschaftlich denken und schreiben eLearning-Kurs & eBook Zu diesem Band gibt es ein eBook und einen eLearning-Kurs, die Sie kostenfrei online abrufen können. Zu Beginn eines jeden Kapitels finden Sie einen QR-Code, der Sie zum dazugehörigen Fragenkatalog des eLearning-Kurses bringt. Erstellen Sie gleich einen persönlichen Account auf unserer eLibrary und schalten Sie eBook und eLearning-Kurs mit Ihrem Gutscheincode frei. So geht’s gutschein.narr.digital besuchen den Schritten zum Aktivieren des Gutscheincodes folgen eBook herunterladen und eLearning-Kurs nutzen Ihr Gutscheincode für eBook & eLearning-Kurs Sabine Treichel hat zwanzigjährige Universitätserfahrung: Sie arbeitete bereits in zahlreichen wissenschaftlichen Projekten und unterstützte Leh‐ rende sowie Studierende bei vielen Herausforderungen rund um das wis‐ senschaftliche Arbeiten und digitale Lernen. 1243-Yeqi-xvJL-nhUE <?page no="2"?> Mit den von Expert: innen verfassten Bänden der Reihe espresso können Sie sich fundiert und kompakt über grundständige Lehrinhalte informieren. Ein besonderes Augenmerk legt die Reihe auf den didaktischen Anspruch, die Möglichkeit per eLearning-Kurs den eigenen Wissensstand vor und nach der Bandlektüre zu überprüfen sowie die Chance, empfohlene Medien zu nutzen. Das abgedeckte Fachspektrum ist breit: Von den Wirtschaftswissenschaften über die Geistes- und Naturwissenschaften bis hin zu den Sozialwissenschaften - jede: r wird in dieser Reihe fündig. Alle Bände unter espresso.narr.digital <?page no="3"?> Sabine Treichel Wissenschaftlich denken und schreiben Kurzlehrbuch mit eLearning-Kurs <?page no="4"?> DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381124329 © UVK Verlag 2025 ‒ Ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro‐ verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Heraus‐ geber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISSN 2942-6588 ISBN 978-3-381-12431-2 (Print) ISBN 978-3-381-12432-9 (ePDF) ISBN 978-3-381-12433-6 (ePub) Umschlagabbildung: © bernie_photo · iStock Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National‐ bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abruf‐ bar. <?page no="5"?> 7 9 1 11 1.1 12 1.2 23 2 30 2.1 30 2.2 38 2.3 48 3 59 3.1 59 3.2 88 3.3 101 3.4 104 4 111 4.1 112 4.2 115 4.3 119 4.4 126 5 128 5.1 129 5.2 142 5.3 151 Inhalt Aufbau des Buches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . espresso-Warm-up: wissenschaftlich denken und schreiben . . . . . . . . . . Wissenschaftliches Denken und Arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wissenschaftliche Denkweisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wissenschaftliche Arbeitsweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit . . . . . . Projektorganisation und Zeitmanagement . . . . . . . . . . . . . . Arbeitsplatz und -umfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Motivation und Umgang mit Prokrastination . . . . . . . . . . . Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation Themenfindung und Orientierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literaturrecherche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lesestrategien und -techniken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Materialdokumentation und -verwaltung . . . . . . . . . . . . . . Schreiben und Texte erstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Formale Grundregeln: Aufbau und Formatierung . . . . . . . . Inhaltliche Gestaltung oder: Der rote Faden . . . . . . . . . . . . Sprachliche Gestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schreibblockaden: Hilfe und Umgang . . . . . . . . . . . . . . . . . . Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . Präsentation: Kommunikation und Formate . . . . . . . . . . . . Strukturierung und Gliederung einer wissenschaftlichen Präsentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rhetorik und Stimme, Gestik und Mimik . . . . . . . . . . . . . . . <?page no="6"?> 5.4 154 5.5 166 6 168 6.1 169 6.2 171 6.3 174 6.4 176 177 178 191 192 195 Visualisierung und Gestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Umgang mit Nervosität beim Präsentieren . . . . . . . . . . . . . Urheberrecht und Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten Grundlagen des Urheberrechts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Plagiate und wissenschaftliche Standards . . . . . . . . . . . . . . Freie Lizenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten . . . . . . . . . Letzte Worte zum Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literatur- und Internetquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildungs- und Tabellenbelege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Inhalt <?page no="7"?> Aufbau des Buches espresso-Wissenscheck | Der Link bzw. QR-Code führt zu einem eLear‐ ning-Kurs. Im Rahmen dessen kann das Gelernte auf die Probe gestellt wer‐ den. Zu diesem Buch gibt es einen ergänzenden eLearning-Kurs aus rund 80 Fragen. Mithilfe des Kurses können Sie online überprüfen, inwieweit Sie die Themen des Buches verinnerlicht haben. Gleichzeitig festigt die Wiederholung in Quiz-Form den Lernstoff. Der eLearning-Kurs kann Ihnen dabei helfen, sich gezielt auf Prü‐ fungssituationen vorzubereiten. Der eLearning-Kurs ist eng mit vorliegendem Buch verknüpft. Sie fin‐ den im Folgenden zu den wichtigen Kapiteln QR-Codes, die Sie direkt zum dazugehörigen Fragenkomplex bringen. Andersherum erhalten Sie innerhalb des eLearning-Kurses am Ende eines Fragendurchlaufs neben der Auswertung der Lernstandskontrolle auch konkrete Hin‐ weise, wo Sie das Thema bei Bedarf genauer nachlesen bzw. vertiefen können. Diese enge Verzahnung von Buch und eLearning-Kurs soll Ihnen dabei helfen, unkompliziert zwischen den Medien zu wechseln, und unterstützt so einen gezielten Lernfortschritt. espresso-Warm-up | Dieser Text führt in das Kapitelthema ein und erklärt grundsätzliche Zusammenhänge. Dies schafft ein tieferes Verständnis der folgenden Kapitel. espresso-Keywords | Diese Liste von Worten verschafft einen Überblick über die relevanten Schlagwörter des Kapitels. Diese Begriffe sollten nach dem Lesen verstanden sein. espresso-Verständnis | Diese Inhalte verschaffen schnell und einfach ein Aha-Erlebnis. Sie helfen dabei, das Wissen zu verinnerlichen. espresso-Wissen | Hierbei handelt es sich um Inhalte, ohne die ein Ver‐ ständnis des Themas nicht möglich ist. Kurzum: Sie sind essenziell. <?page no="9"?> espresso-Warm-up: wissenschaftlich denken und schreiben Das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben bleibt auch in einer Zeit, in der neue Entwicklungen immer rasanter und dynamischer unser Leben und Arbeiten und Lernen beeinflussen, ein unverzichtbarer Bestandteil von Studium und Ausbildung. Es eröffnet Ihnen nicht nur die Möglichkeit, neue und anfangs fremde Themengebiete zu verstehen und neue Inhalte zu verknüpfen, sondern auch, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dieser Prozess fördert eine Vielzahl von Schlüsselkompetenzen, die nicht nur für die berufliche Zukunft, sondern vor allem für Ihre persönliche Entwicklung von unschätzbarem Wert sind. Dieses Buch basiert einerseits auf eigene wissenschaftliche Erfahrungen an verschiedenen Universitäten in verschiedenen Fachgebieten als auch auf meinem Online-Selbstlernkurs zum wissenschaftlichen Arbeiten und Denken. Es ist mein Anliegen, Ihnen nicht nur die Grundlagen des wissen‐ schaftlichen Arbeitens zu vermitteln, sondern Ihnen ein umfassenderes Verständnis dafür zu geben, wie diese Fähigkeiten in Ihrem Alltag, im Studium, im Beruf und für Ihre persönliche Weiterentwicklung wirksam werden können. In einer Welt, die sehr komplex, dynamisch und schnelllebig ist, sind Kompetenzen wie kritisches Denken, Problemlösungsfähigkeit, Selbstmanagement, Kreativität und Reflexionsfähigkeit sowie Kommunika‐ tionsstärke wichtiger denn je. Im wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben stecken viel mehr Poten‐ ziale, als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten könnte. Es verbindet Methodenkompetenz, Fachwissen, Persönlichkeitsentwicklung und Sozial‐ kompetenz. Sie lernen dabei nicht nur, eigenständig zu recherchieren, analytisch zu denken und Inhalte klar zu strukturieren, sondern entwickeln Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Kreativität, Teamfähigkeit und mediale Ausdrucksfähigkeit. All diese Kompetenzen werden Ihnen helfen, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren, Probleme eigenständig zu lösen und selbstbewusster aufzutreten. Die sechs Kapitel dieses Buches sollen Sie durch die unterschiedlichen Phasen des wissenschaftlichen Arbeitens begleiten (→ Abb. 1). Sie geben Ihnen nicht nur praktische Hinweise, sondern auch Denkanstöße, wie Sie Ihre persönlichen Stärken weiterentwickeln und vielleicht sogar neue Seiten an sich entdecken können. Sie werden merken, dass wissenschaftliches Arbeiten nicht <?page no="10"?> nur Disziplin und Ausdauer erfordert, sondern auch sehr viel Freude bereiten kann - gerade, wenn Sie sich von der Neugier und Kreativität leiten lassen, die im Grunde doch die Ausgangspunkte jeder wissenschaftlichen Tätigkeit sind. Ich möchte Sie gern ermutigen, den wissenschaftlichen Arbeits-, Denk- und Schreibprozess nicht nur als Pflicht, sondern als eine besondere Gelegenheit und als eine Bereicherung anzusehen - für Ihren Entwicklungs- und Bildungsweg, für Ihren Beruf und auch für Ihr Leben. • spezielles Fachwissen • breites Grundlagenwissen • fachspezifische Theoriekenntnisse • fächerübergreifendes Denken • Kenntnis wissenschaftlicher Methoden • Vielfalt der digitalen Medienlandschaft kennen Wissenschaftliches Denken & Arbeiten • konzentriertes & diszipliniertes Arbeiten • Zeitmanagement • Selbstmanagement & Motivation • Reflexionsfähigkeit • Organisationsfähigkeit • Problemlösungsfähigkeit • EDV-Kenntnisse & Umgang mit digitalen Technologien Planung & Vorbereitung • Entwicklung & Produktion von Texten mit technischen Werkzeugen bzw. digitalen Tools • konzentriertes & diszipliniertes Arbeiten • kritisches Denken • selbständiges Arbeiten • Analyse von Daten & Informationen • Suchstrategien verwenden & weiterentwickeln • digitale Quellen kritisch bewerten & nutzen • Umgang mit digitalen Technologien • relevante Quellen identifizieren & verbinden • Fähigkeit, vorhandenes Wissen auf neue Probleme anzuwenden • Fähigkeit, Wissenslücken zu erkennen & zu schließen • Informationsgewinnung & -auswertung • Fremdsprachen • EDV-Kenntnisse & Datensicherheit • öffentliche & private Dienste nutzen • Kreativität • selbständiges Arbeiten • Problemlösungsfähigkeit • Reflexionsfähigkeit • Selbstmanagement & Motivation Orientierung, Themenfindung, Verwaltung & Dokumentation • Bedeutung von Urheberrecht & geistigem Eigentum kennen • Urheber- & Nutzungsrechte bei eigenen & fremden Werken berücksichtigen • Persönlichkeitsrecht • digitale Quellen kritisch bewerten & nutzen Urheberrecht & Datenschutz Schreiben & Texterstellung • wissenschaftliches Schreiben • mündliche & schriftliche Ausdrucksfähigkeit • Kenntnis wissenschaftlicher Methoden • EDV-Kenntnisse & Umgang mit digitalen Technologien • Reflexionsfähigkeit • Selbstmanagement, Motivation, Durchhaltevermögen • Kommunikationsfähigkeit • Teamfähigkeit • Fähigkeit, andere Sichtweisen zu berücksichtigen • digitale Interaktion & digitale Werkzeuge für die Zusammenarbeit nutzen • selbständiges Arbeiten Quellen: KMK (2016): Digitale Kompetenzen in der digitalen Welt, Universität Osnabrück (2023): Schlüsselkompetenzen • Präsentationstechniken • mündliche Ausdrucksfähigkeit • Reflexionsfähigkeit • digitale Werkzeuge kennen & kreativ anwenden • passende Werkzeuge zur Lösung identifizieren • Zeitmanagement • Kreativität • EDV-Kenntnisse & Umgang mit digitalen Technologien Präsentation Abb. 1: Die zahlreichen (digitalen) Kompetenzen bzw. Handlungskompetenzen im wissen‐ schaftlichen Arbeiten, hier: jeweils in den sechs behandelten Themengebieten 10 espresso-Warm-up: wissenschaftlich denken und schreiben <?page no="11"?> 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten espresso-Wissenscheck | https: / / narr.kwaest.io/ s/ 1368 espresso-Keywords | Wahrheit, Wissenschaftlichkeit, Erkenntnisge‐ winn, Denkweisen, Realismus, Konstruktivismus, Hypothese, For‐ schungsgegenstand, Forschungsinteresse, Methodik, Empirie, Theorie, Diskurs, Forschungskreislauf, Qualitätskriterien, Arbeitsphasen, wis‐ senschaftliche Textsorten In diesem ersten Kapitel werden die Grundlagen wissenschaftlichen Den‐ kens und Arbeitens behandelt. Es gliedert sich in zwei zentrale Teile, die unterschiedliche, aber miteinander verbundene Aspekte der Wissenschaft beleuchten. Der erste Teil widmet sich den wissenschaftlichen Denkweisen (→ Kap. 1.1). Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, was Wissenschaft überhaupt ausmacht und welche Denkansätze und Methoden ihr zugrunde liegen. Themen wie der Begriff der „Wahrheit“, das Verhältnis von Wis‐ sen, Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit sowie die wissenschaftliche Methode als systematischer Ansatz zur Erkenntnisgewinnung werden er‐ läutert. Außerdem wird auf den Forschungsprozess eingegangen, den Sie sowohl empirisch als auch theoretisch gestalten können. Der zweite Teil widmet sich der wissenschaftlichen Arbeitsweise (→ Kap. 1.2). Die zentralen Merkmale und Qualitätskriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu kennen und zu verstehen, bildet die Grundlage für erfolgrei‐ ches wissenschaftliches Arbeiten. Darauf aufbauend werden die verschie‐ denen Arbeitsphasen beschrieben, die bei der Erstellung wissenschaftlicher Texte - insbesondere einer Hausarbeit oder Abschlussarbeit - durchlaufen werden. Zudem werden die wichtigsten wissenschaftlichen Textsorten kurz vorgestellt. Das Ziel dieses ersten Kapitels ist es vor allem, Ihre Fähigkeit zur sachli‐ chen Analyse und methodischen Vorgehensweise zu fördern und zu stärken - beides ist unverzichtbar für erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten. Nicht zuletzt sollen Sie dazu angeregt, unterstützt und motiviert werden, systematisch und gut vorbereitet an Ihre wissenschaftlichen Aufgaben her‐ <?page no="12"?> Abb. 2: Bocca Della Verita, Der Mund der Wahrheit an der Kirche Santa Maria in Rom war einer Legende nach im Mittelalter eine Art Lügendetektor: Angeklagte mussten zu jener Zeit ihre Hand in den Mund legen und ihre Unschuld beweisen. Blieb die Hand un‐ beschädigt, sprach die Person die Wahrheit und war unschuldig. anzugehen. Das Denken und Arbeiten in der Wissenschaft und Forschung soll nicht zuletzt auch Neugier entfachen und Freude machen. 1.1 Wissenschaftliche Denkweisen Der Begriff der Wahrheit Wahrheit und Wissenschaft wer‐ den häufig eng miteinander ver‐ knüpft und manche glauben, nur in der Wissenschaft könne von Wahr‐ heit gesprochen werden („Studien haben bestätigt …“). Und doch ist bis heute unklar, was Wahrheit wirklich ist. Der Bezug zur Wahr‐ heit ist manchmal recht offensicht‐ lich (3 + 4 = 7), aber dann auch wieder sehr komplex und schwie‐ rig, z. B. bei historischen Ereig‐ nissen (Woran starb Cäsar wirk‐ lich? ), bei Naturkonstanten (Was ist Lichtgeschwindigkeit? ) oder bei Prognosen zu zukünftigen Ereig‐ nissen (z. B. bei Naturkatastrophen aufgrund des Klimawandels). Die Suche nach Wahrheit ist eine Kernaufgabe der Wissenschaft. Es geht darum, Ursachen, Zusam‐ menhänge und Hintergründe für Phänomene zu erforschen oder Wirkungsweisen zu verstehen. Philosophen wie Aristoteles oder Kant haben sich intensiv mit dem Wahrheitsbegriff auseinandergesetzt, doch die absolute Wahrheit gibt es nicht. Vielmehr ist Wahrheit ein Kon‐ strukt, beeinflusst von persönlichen Erfahrungen, Kontexten und Überzeu‐ gungen (vgl. Konstruktivismus in →-Kap.-1.1). Es gibt also keine absolute Wahrheit, sondern nur viele subjektive Wahr‐ heiten. 12 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="13"?> Wahrheit bedeutet, wie genau die Wirklichkeit widergespiegelt wird. Absolute Wahrheit - also eine perfekte, exakte Darstellung - ist kaum zu erreichen. Wir können uns daher nie sicher sein und uns festlegen, was endgültig wahr ist. Alle Wahrheiten sind relativ: Dinge verändern sich, und jede Wahrheit steht in Beziehung zu etwas. „Der Begriff der Wahrheit ist nur dort anwendbar, wo Leute derselben Wirklich‐ keitskonstruktion angehören.“ Paul Watzlawick (1921-2007), österreichisch-US-amerikanischer Philosoph, Psy‐ chotherapeut und Kommunikationswissenschaftler (Quelle/ YouTube-Video: 🔗 -https: / / t1p.de/ 7jbqh) Wissenschaftliches Wissen ist also vor allem vorläufiges Wissen. Es ist abhängig von der jeweiligen Zeit, dem wissenschaftlichen Weltbild und den verfügbaren Methoden. So hielten die alten Ägypter das Herz für den Sitz der Seele und des Verstandes - eine Ansicht, die bis Aristoteles’ Zeit galt. Aristoteles glaubte außerdem, dass schwere Körper schneller fallen als leichte, bis Galileo Galilei diese Vorstellung 1590 widerlegte (→-Abb. 3). 1900: S. Freud veröffentlicht „Die Traumdeutung“. 1700 1750 1800 1850 1900 1950 2000 2050 2100 Vergangenheit Zukunft 1712: Die erste Dampfmaschine arbeitet. 1770-1780: zahlreiche Seereisen und Entdeckungen von J. Cook und L. A. de Bougainville 1808: Der erste Brockhaus entsteht. 1854: H. Göbel entwickelt die erste Glühbirne. heute … Glaubensätze Überzeugungen Vorurteile Ideologien Kultur Verständnisweisen Wir verstehen die Welt, indem wir sie deuten und interpretieren. … Abb. 3: Wissen auf der Zeitachse. Unsere Erkenntnisse, Einstellungen und Überzeugungen spiegeln sich in dem Wissen der jeweiligen Zeit und in der wahrgenommenen Wahrheit wider. „Alle Wahrheiten sind leicht zu verstehen, wenn sie entdeckt sind. Es kommt darauf an, sie zu entdecken.“ Galileo Galilei (1564-1641/ 2), italienischer Universalgelehrter Wissenschaft nähert sich der Wahrheit durch systematische Methoden und empirische Erkenntnisse immer weiter an. Dennoch bleibt jede wissen‐ 1.1 Wissenschaftliche Denkweisen 13 <?page no="14"?> schaftliche Aussage mit Unsicherheiten behaftet, da sie stets auf relativem Wissen beruht. Relativ bedeutet, dass sich Wahrheiten weiterentwickeln, präzisiert oder korrigiert werden können. Das gilt für historische Ereignisse, Naturkonstanten oder auch für alltägliche Phänomene, wie die Wirkung von Baldrian bei Prüfungsangst (vgl. „Wahrheit“ in: Klaus & Buhr, 1987). espresso-Verständnis | Können wir tatsächlich ausschließen, dass wir gerade träumen? Hier ein eindrucksvolles Gedankenexperiment aus einem Philosophie- Seminar, das ich mal besuchte: Wäre es möglich, dass wir lediglich künstliche Wesen in einer Computersimulation sind? Sind wir tatsäch‐ lich das, was wir sehen? Oder träumen wir vielleicht nur die ganze Zeit und glauben an etwas, das nicht existiert? Selbst renommierte Wissenschaftler: innen waren bzw. sind der Ansicht, dass wir nicht sicher sein können, dass das, was wir sehen, hören und wahrnehmen, real ist. Der britische Physiker und Mathematiker John D. Barrow („Living in a simulated universe“, 2007), der britische Astrophysiker Paul Davies („Reality in the melting pot“, 2003) oder der schwedische Philosoph Nick Bostrom („Are you living in a computer simulation? “, 2003) diskutieren diese Möglichkeit. Und auch der ameri‐ kanische Philosoph Hilary Putnam führte mit „Brains in a vat“ (1981), ein ähnliches Gedankenexperiment durch. Auch in der Kunst und im Film wurden und werden Fragen um und nach Wahrheit, künstliche Welten und Traum thematisiert. Hier sind einige Film-Empfehlungen für Sie: ● Matrix (Vereinigte Staaten/ Australien, Regie: Andrew „Andy“ Wachowski und Lana Wachowski, 1999) ● Inception (Vereinigte Staaten/ Vereinigtes Königreich, Regie: Chris‐ topher Nolan, 2010) ● Cortex (Deutschland, Regie: Moritz Bleibtreu, 2020) ● Black Mirror (Vereinigtes Königreich, Idee: Charlie Brooker, 2011- 2023), Sciences-Fiction-Serie in 6 Staffeln 14 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="15"?> Wissen und Wissenschaft Wissenschaft ermöglicht es - und das ist hierbei Ihre Aufgabe -, eine gemeinsame Sicht auf die Dinge zu finden und sich einer zustimmungsfä‐ higen und funktionsfähigen Wahrheit anzunähern. Das gelingt durch den Einsatz wissenschaftlicher Methoden, die sogenannten Gegenstände oder Phänomene der Umwelt und in unserem Alltag systematisch untersuchen, mithilfe von Theorien erklären und interpretieren. Neugier und eine offene Geisteshaltung - das sogenannte Forschungsinteresse - spielen hier eine wichtige Rolle (→-Abb. 4). Methode Hypothesen generieren und prüfen Gegenstand die untersuchte und interessierende Realität Forschungsinteresse Theorie deskriptive (beschreibende) und präskriptive (wertende) Aussagen Abb. 4: Grundkonzept wissenschaftlicher Forschung: (Forschungs-)Gegenstand, Methode, Theorie und Forschungsinteresse Denkweisen in der Wissenschaft In der Wissenschaft existieren unterschiedliche Denkansätze, die die Her‐ angehensweise an Forschungsfragen gestalten. Grundsätzlich lassen sich zwei Hauptpositionen unterscheiden: die realis‐ tische und die konstruktivistische Denkweise (Berger-Grabner, 2010, S. 10f., →-Abb. 5). 1.1 Wissenschaftliche Denkweisen 15 <?page no="16"?> Denkweisen der Wissenschaft realistische Denkweise (Realismus) konstruktivistische Denkweise (Konstruktivismus) Solipismus Positivismus kritischer Realismus Relativismus symbolischer Interaktionismus Abb. 5: Zwei wissenschaftliche Denkweisen: die realistische und die konstruktivistische Realistische Denkweise: Die realistische Denkweise betrachtet die Reali‐ tät als Quelle der Erkenntnis. Ein Beispiel ist der Solipsismus, bei dem nur die eigenen Gedanken bzw. das eigene denkende Ich als existent gilt („Ich denke, also bin.“, René Descartes). Der Positivismus, eine Variante des Realismus und vertreten durch Auguste Comte, versucht mittels Messungen, Experimente und Beobachtungen objektive Erkenntnisse zu erhalten (Fetscher, 1994). Wir kennen dies aus dem Alltag: Gemeint sind Umfragen, z. B. nach Meinungen und Ansichten zur Politik, zu bestimmten Produkten etc., deren Ergebnisse oft als allgemeingültig angesehen werden, obwohl Sonderfälle und seltene Ereignisse ignoriert werden können. Der Kritische Rationalismus mit Karl Popper als Vertreter kritisiert hingegen das induktive Denken, also von einzelnen Fällen auf das Allgemeine schließen, und betont, dass Theorien niemals endgültig bewiesen, sondern nur falsifiziert werden können (Hillmann, 1994, S. 874). Diese Position bestimmt noch heute unsere Forschung. Wissenschaft basiert auf Hypothesen, die überprüft und widerlegt werden müssen. Eine verallgemeinerungsfähige Wahrheit existiert nicht; Aussagen und Theorien lassen sich nur annäherungsweise untersuchen. Wissenschaft fordert daher eine kritische Haltung, da sich Wahrheit stets als relativ und vorläufig erweist. Konstruktivistische Denkweise: Die konstruktivistische Denkweise hebt hervor, dass unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit durch individuelle Erfah‐ rungen, kulturelle Prägungen und Einstellungen beeinflusst wird. Dadurch entstehen subjektive Wahrheiten, die durch Vergleich und Abgleich zu einer in‐ tersubjektiven Wahrheit führen können. Diese Sichtweise verdeutlicht, warum Wissenschaft Transparenz, Dokumentation und Begründung erfordert. Der 16 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="17"?> Relativismus und der symbolische Interaktionismus sind die beiden bekanntesten Strömungen des Konstruktivismus. Ersterer betont subjektive Wahrnehmungs‐ prozesse, während Letzterer den Fokus auf Kommunikation und Interaktion zwischen Personen legt (Berger-Grabner, 2010, S.-12). „Knowledge does not keep any better than fish.“ Alfred North Whitehead (1861-1947), britischer Philosoph und Mathematiker Wissen und Wissenschaftlichkeit Wissenschaft unterscheidet sich von allgemeinem Wissen insbesondere dadurch, dass sie durch forschende Tätigkeiten in einem bestimmten Fach‐ bereich begründetes, überprüfbares und nachvollziehbares Wissen schafft. Es wird deutlich (vor allem vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Denkweisen), dass es unerlässlich ist, sorgfältig zu arbeiten und Begriffe ein‐ deutig und korrekt zu definieren. Je unklarer und schwammiger Wörter und Aussagen bleiben, desto mehr Raum bleibt für subjektive Interpretationen und Fantasien. Darum ist Präzision auch so entscheidend. Ihre Gedanken sind nicht von allein und für alle nachvollziehbar - es braucht darum immer klare Definitionen und eine strukturierte Darstellung Ihrer Ideen und Argumente. Diese Anforderungen werden durch die Qualitätskriterien wissenschaftlicher Arbeiten detaillierter beschrieben. „Wissen ist wahre, mit Begründung versehene Meinung.“ Platon (428/ 427 v. Chr.-348/ 347 v. Chr.), griechischer Philosoph, Schüler Sokrates’ und Lehrer von Aristoteles Wissenschaft basiert darauf, kritisch zu hinterfragen, systematisch zu arbeiten und Aussagen methodisch zu begründen. Entscheidend ist am Ende, dass wir uns wissenschaftlich der Wahrheit nähern und uns vor subjektiven Ansichten, Meinungen und persönlichen Erfahrungen vorse‐ hen, denn die haben im Wissenschaftsbetrieb keinen Wert. Wir kennen viele Beispiele von Desinformation, Wissensverzerrung und Fake News, die eine ernstzunehmende Herausforderung für Bildung, Wissenschaft und für unsere Gesellschaft darstellen. Wissenschaftlichkeit bedeutet daher im Grunde, dass Aussagen und Theorien kritisch hinterfragt werden. Kritische Fragen stellen, selbst nachdenken, beur‐ teilen und kritisch reflektieren, und zwar systematisch und beruhend auf vor‐ liegenden Erkenntnissen bzw. Forschungsergebnissen, genau das kennzeichnet 1.1 Wissenschaftliche Denkweisen 17 <?page no="18"?> Wissenschaftlichkeit und wissenschaftliches Arbeiten. Ein wichtiges weiteres Kennzeichen des wissenschaftlichen Arbeitens ist, wie Sie sich der Wahrheit nähern: Mithilfe der wissenschaftlichen Methode. Die wissenschaftliche Methode Wissenschaft definiert sich nicht durch ihre Inhalte („was“), sondern durch ihre Vorgehensweise, also die Methodik („wie“). Das wissenschaftliche Vorgehen wurde erstmals vom englischen Philosophen Francis Bacon for‐ muliert und später durch den französischen Philosophen René Descartes weiterentwickelt. Diese Methode umfasst nach deren Denkweisen: 1. die Beobachtung eines Phänomens, 2. die Bildung einer Theorie, die das Phänomen erklärt, 3. die Überprüfung der Theorie durch Experimente oder Untersuchungen und 4. die Präsentation der Theorie und der Ergebnisse, die widerlegt bzw. mittels weiterer Experimente und Versuche bestätigt wird (Hummel, 2015, S.-12). Ob empirisch (z. B. durch Experimente) oder nicht-empirisch (z. B. durch Literaturanalysen), die Methodik bestimmt die Gültigkeit wissenschaftlicher Aussagen. Empirische vs. nicht-empirische Methoden Das Wort empirisch bedeutet „auf Erfahrung beruhend“. In einer empiri‐ schen wissenschaftlichen Arbeit wird - ausgehend von theoretischen Über‐ legungen zu einem Thema - eine Untersuchung in der Realität durchgeführt. Beruhend auf den in der Untersuchung gemachten Erfahrungen werden die theoretischen Überlegungen im Anschluss erneut bewertet. Die alleinige gedankliche Auseinandersetzung mit einem Thema ist für die empirische Forschung unzureichend, es müssen konkrete Daten erhoben werden, z. B. per Experiment oder Befragung (Hussy, Schreier & Echterhoff, 2010, S.-3). Nicht-empirisches Arbeiten basiert auf bestehenden wissenschaftli‐ chen Erkenntnissen; es werden Informationen oder Literaturquellen ausge‐ wertet, ohne dass neue Daten erhoben werden - das macht den Unterschied zur empirischen Forschung aus. Die Beschreibung dieser theoretischen Vorgehensweise ist nicht leicht, denn auch hier werden natürlich auch Erfahrungen und Informationen gesammelt (es werden ständig Erfahrungen gesammelt). Allerdings werden hier Überlegungen 18 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="19"?> eher theoretisch angestellt (darum: Theoriearbeit). Der Fokus liegt auf der Interpretation, Diskussion oder Weiterentwicklung vorhandener Erkenntnisse. Welche wissenschaftliche Methode ist für Sie sinnvoll und geeignet? Die Wahl der Methode hängt vom Forschungsthema ab. Oft ergeben sich Mischformen, die beide Ansätze kombinieren. ● Empirische Methoden eignen sich, wenn Sie Fragen mit neuen Daten oder Beobachtungen beantworten möchten. ● Nicht-empirische Methoden sind sinnvoll, wenn Sie vorhandene Theorien oder Literatur untersuchen, vergleichen oder weiterentwi‐ ckeln möchten. Das folgende Schaubild (→ Abb. 6) unterstützt Sie bei der Entscheidung, welche Methode oder Mischform am besten zu Ihrem Vorhaben passt. Gehen Sie die Fragen und Pfade im Diagramm durch, um Ihr Thema einzuordnen. praktische Anwendung einer Theorie/ anwendungsorientier te Arbeitsweise Sie möchten eine wissenschaftliche Arbeit schreiben und überlegen, welches Vorgehen - empirisch oder theoretisch - sinnvoll für Ihr Vorhaben ist. Sie haben eine Idee, die anhand von neuen Daten überprüft werden soll. Sie beziehen sich dabei auf formulierte Hypothesen, Theorien und Modelle. Sie möchten eine bereits bestehende Idee, ein Konzept oder eine Theorie diskutieren, bewerten und analysieren. empirisch-analytisches Vorgehen theoretisches Vorgehen messende (deduktive), also empirischquantitative Vorgehensweise Entwicklung neuer Fragen, Hypothesen, explorative und sinnverstehende (induktive), also empirischqualitative Vorgehensweise Beurteilung und Analyse der Theorie Beurteilung, Analyse und Vergleich von Quellen bzw. primäre Literatur Gegenüberstellung und Bewertung von Wissen aus Literaturquellen Versuch, Experiment, Beobachtung Leitfadeninterview, Inhaltsanalyse, Beobachtung, Gruppendiskussion Quellenarbeit Literaturarbeit, Übersichtsarbeit Theoriearbeit, philosophische Arbeit Konzept, praktische oder angewandte Arbeit Abb. 6: Schaubild zur Wahl der Vorgehensweisen: empirisch oder nicht-empirisch (theoretisch) 1.1 Wissenschaftliche Denkweisen 19 <?page no="20"?> Natürlich ist → Abb. 6 lediglich eine Empfehlung; ein Gespräch mit Ih‐ rer Betreuerin bzw. Ihrem Betreuer ist nicht zu ersetzen. Die Wahl der Methode hängt zudem von Ihrem Fachbereich ab, da dort oft spezifische Vorgehensweisen bevorzugt werden. Es ist auch möglich, dass Sie an zwei Endpunkte gelangen: Manche Themen erfordern nämlich „Mischformen“, z.-B. Theoriearbeiten mit ergänzender Beobachtung. Der Forschungskreislauf Unabhängig von der gewählten Vorgehensweise verläuft der wissen‐ schaftliche Forschungsprozess in einem Kreislauf, der von Neugier und Systematik geprägt ist. Ein Schaubild veranschaulicht diese (sehr knapp beschriebenen) Schritte des Forschungskreislaufs (→ Abb. 7). Wir er‐ kunden unsere Umwelt, verfolgen eigene Interessen und möchten ein bestimmtes Ziel erreichen oder Lösungen bezüglich einer Frage oder eines bestimmten Problems (das ist der „Gegenstand“) finden. Der Prozess beginnt daher meist mit einer Beobachtung eines Phänomens oder einer bestimmten Erfahrung, die Neugier auslöst. Es steht eine Frage oder ein Problem im Raum, das gelöst werden möchte oder soll. Überlegungen und Vermutungen (Hypothesen) werden aufgestellt. Das Interesse ist geweckt und die Recherche nach mehr Informationen beginnt. Mittels einer bestimmten Methode wird das Thema bearbeitet und z. B. die aufgestellte Hypothese auf ihren Wahrheitsgehalt hin geprüft, sie wird also gehalten (verifiziert) oder widerlegt (falsifiziert). Mit der Bestätigung oder der Widerlegung der Hypothese kann die Fragestellung beantwortet werden. Genau diese Ergebnisse werden in Form einer wissenschaftlichen Arbeit dargestellt. Am Ende steht das Präsentieren der Ergebnisse. Häufig kommt es beim Austausch mit anderen Wissenschaftler: innen zu neuen Beobachtungen und neuen Fragen - ein Kreislauf entsteht. 20 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="21"?> Frage oder Problemstellung Ausgangspunkt des Prozesses 1. Vermutung & Hypothese Entwicklung erster Annahmen, Formulierung der Forschungsfrage und Ableitung der Hypothese 2. Literaturrecherche Stand der Forschung? Bestehende Erkenntnisse? Eigene Wissenslücken? 3. Bearbeitung des Themas Auswahl & Anwendung wissenschaftlicher Methoden (Forschungsdesign, Datenerhebung) 4. Auswertung & Interpretation der Ergebnisse Beantwortung der Forschungsfrage, Bewertung der Hypothesen, Schlussfolgerung 5. Verschriftlichung Darstellung der Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Arbeit 6. Präsentation & Veröffentlichung Diskussion & Austausch, ggf. Entwicklung neuer Forschungsfragen Forschungskreislauf Abb. 7: Forschungskreislauf in sechs Phasen Eine Frage oder ein Problem als Ausgangspunkt Der Forschungsprozess beginnt mit einer klar formulierten Fragestellung oder Problemstellung. Je präziser das Ziel, desto nachvollziehbarer der Argumentationsweg. Wissenschaft (egal ob empirisch oder theoretisch) strebt nach geordnetem, überprüfbarem Wissen und der Annäherung an die Wahrheit. Hypothese, die zu stützen bzw. zu widerlegen ist Jede wissenschaftliche Arbeit basiert auf einer Hypothese, die überprüft werden soll. Eine Hypothese ist eine vorläufige Annahme zur Beantwortung der Fragestellung. Ihre Überprüfung erfordert gründliche Literaturrecher‐ che, die Wissenslücken aufzeigt und neue Erkenntnisse ermöglicht. Kritische Auseinandersetzung durch Methode Die Wahl und Anwendung einer geeigneten Methode sind zentral, um wissenschaftliche Fragen zu erklären und Hypothesen zu überprüfen. Ob empirisch (z. B. Experimente, Befragungen) oder theoretisch (z. B. Litera‐ turanalysen) - alle Methoden passieren systematisch und zielen darauf ab, verlässliche Erkenntnisse zu gewinnen. 1.1 Wissenschaftliche Denkweisen 21 <?page no="22"?> Ergebnisse und Lösung der Fragestellung bzw. des Problems Am Ende steht die Antwort auf die Fragestellung und die Überprüfung der Hypothese. Wurde sie gestützt oder waren neue Annahmen nötig? Die Ergebnisse werden den theoretischen Überlegungen vom Anfang ge‐ genübergestellt. Dokumentation, Präsentation und Diskussion Die Ergebnisse werden dokumentiert, veröffentlicht oder präsentiert, z. B. als wissenschaftliche Hausarbeit, als ein Artikel in einer Zeitschrift oder in Form eines wissenschaftlichen Posters (→ Kap. 5). Durch die Veröffent‐ lichung werden Diskussionen angeregt, es kommt zum Austausch. Vielleicht werden neue Fragen diskutiert, weitere oder neue Forschung wird angeregt. Es schließt sich den Kreislauf. Die Methode, die systematische Vorgehensweise, das Offenlegen dieses Vorgehens sowie die Einladung zur Kritik unterscheiden die Wissenschaft von Alltagswissen, Journalismus, Politik und Voraussagen. Jede schriftliche wissenschaftliche Arbeit und jeder (wissenschaftliche) Wortbeitrag folgt dieser Logik. espresso-Wissen | Merkmale wissenschaftlicher Arbeiten Die wichtigsten Kennzeichen wissenschaftlicher Arbeiten formulierte u. a. der italienische Wissenschaftler, Philosoph und Schriftsteller Um‐ berto Eco (1932-2016) (Wenn Sie sich mit Wissenschaft und Wissen‐ schaftlichkeit beschäftigen, werden Sie früher oder später auf den Namen Umberto Eco stoßen.) Der Gegenstand (das Problem) Eine wissenschaftliche Arbeit muss ein klar erkennbares Problem oder Thema behandeln. Der Gegenstand der Untersuchung soll so präzise formuliert sein, dass er auch für Dritte verständlich und nachvollziehbar wird (Eco, 2007, S. 40). So genannte Gegenstände können Verhaltens‐ weisen sein, Entscheidungen oder Reaktionen, Hintergründe, Motive oder Ereignisse. Was ist der Gegenstand Ihrer Arbeit? Welchem Problem oder welcher Frage möchten Sie nachgehen? 22 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="23"?> Neue Erkenntnisse Wesentliches Ziel ist der Gewinn neuer Erkenntnisse. Dies kann durch neue Perspektiven, das Zusammenführen von Wissen oder durch origi‐ nelle Interpretationen geschehen. „Die Untersuchung muß über diesen Gegenstand Dinge sagen, die noch nicht gesagt worden sind, oder sie muß Dinge, die schon gesagt worden sind, aus einem neuen Blickwinkel sehen.“ (Eco, 2007, S. 41). Was ist neu oder besonders an Ihrer Arbeit? Welches Ziel verfolgen Sie? Praktische Nützlichkeit Eine wissenschaftliche Arbeit sollte von Nutzen sein (vgl. Eco, 2007, S. 42) - sei es für die Forschung, für praktische Anwendungen oder für die Allgemeinheit. Auch theoretische Arbeiten können durch verall‐ gemeinerbare Erkenntnisse nützlich sein. Das bedeutet auch, dass die Ergebnisse überhaupt öffentlich zugänglich sind. Wozu dient Ihre Arbeit? Wer könnte von Ihren Ergebnissen profitieren? Nachvollziehbarkeit und Transparenz Die Methodik und Argumentation müssen nachvollziehbar und über‐ prüfbar sein. Potenzielle Leser: innen sollen erkennen können, wie die Ergebnisse zustande gekommen sind, welche Daten und Materialien (Daten- und Literaturquellen) verwendet wurden und wie die Schluss‐ folgerungen gezogen wurden. Die Argumentation sollte klar struktu‐ riert und mühelos nachvollziehbar sein. Welche Methode verwenden Sie und warum? Wie belegen und argumentieren Sie Ihre Aussagen? 1.2 Wissenschaftliche Arbeitsweise In den verschiedenen Wissenschaftsbereichen werden zahlreiche Erkennt‐ nisse und viel Wissen bereitgestellt. Doch wie sicher können wir sein, dass diese Erkenntnisse tatsächlich sachlich korrekt und zuverlässig sind? Denken Sie etwa an Zeitungsberichte oder Fernsehbeiträge über Klimamo‐ delle. Oft entstehen hitzige Diskussionen: Wird dabei übertrieben oder doch eher untertrieben? Selbst bei Klimamodellen, die auf gemessenen Daten und fundierten Fakten basieren, zeigt sich, dass unterschiedliche 1.2 Wissenschaftliche Arbeitsweise 23 <?page no="24"?> Interpretationsmöglichkeiten existieren. Wie lässt sich nun die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten gewährleisten? Zur Erinnerung: Wissenschaftliche Ergebnisse können „nicht den An‐ spruch auf Wahrheit stellen [und sind] daher immer vorläufig“ (Disterer, 2011, S. 34). Sie gelten nur so lange, bis sie durch neue Beobachtungen, Erfahrungen oder ähnliche Erkenntnisse widerlegt werden. Wissenschaftliche Arbeitsweisen sind darum so essentiell, um Erkennt‐ nisse kritisch zu bewerten und systematisch neues Wissen zu schaffen. Sie erhalten hier eine Übersicht zu den wichtigsten Grundsätzen, Funktionen und Arbeitsphasen wissenschaftlicher Arbeiten. Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens Zu den Grundsätzen zählen die Qualitätskriterien für wissenschaftli‐ ches Arbeiten (→ Abb. 8). Diese Standards sichern die Qualität wissen‐ schaftlicher Arten und deren Integrität und dienen zur Orientierung, um wissenschaftliche Arbeiten und Studien besser beurteilen und bewerten zu können. Zugleich kennzeichnen sie, was eine gute wissenschaftliche Arbeit ausmacht (Balzert, Schröder & Schäfer, 2011, S. 13ff.; Heesen, 2014, S. 15ff.). V ALIDITÄT B ESONDERHEIT & O RIGINALITÄT L OGISCHE A RGUMENTATION N ACHVOLLZIEHBARKEIT R ELEVANZ O BJEKTIVITÄT R ELIABILITÄT E HRLICHKEIT Ü BERPRÜFBARKEIT V ERSTÄNDLICHKEIT Abb. 8: Qualitätskriterien einer wissenschaftlichen Arbeit nach Balzert u.-a. (2011) ● Ehrlichkeit: Ehrlichkeit ist ein zentrales Prinzip wissenschaftlichen Ar‐ beitens, insbesondere im Kontext von Plagiatsfällen (→ Kap. 6.2). Glaub‐ würdigkeit entsteht durch sorgfältigen Umgang mit Forschungsfragen, Quellen und Daten. D. h. sie müssen korrekt analysiert, dargestellt und nach geltenden Standards formal gestaltet werden. Ein sachlicher und neutraler Schreibstil (→-Kap.-4.3) unterstützt die Integrität der Arbeit. ● Objektivität: Sachverhalte sollten möglichst wertfrei und unabhängig von äußeren Einflüssen wie Meinungen oder Interessen dargestellt werden. Obwohl vollständige Objektivität recht schwer erreichbar ist, 24 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="25"?> müssen wertende Aussagen klar gekennzeichnet und ein sachlicher Sprachstil verwendet werden. ● Überprüfbarkeit: Aussagen in wissenschaftlichen Arbeiten müssen durch Quellen belegt sein, es sei denn, sie sind als persönliche Wer‐ tungen gekennzeichnet (→ Kap. 3.3). Eine klare Dokumentation und präzise Quellenarbeit gewährleisten, dass der Forschungsprozess für Leser: innen möglichst mühelos nachvollziehbar und überprüfbar ist. ● Reliabilität: Reliabilität beschreibt die Zuverlässigkeit von Daten und Ergebnissen. Diese sollten frei von Zufallsfehlern sein und bei Wieder‐ holung unter denselben Bedingungen identische Resultate liefern. ● Validität: Validität beschreibt, wie gut eine Untersuchung ihr Ziel erreicht, also ob die Studie tatsächlich das misst, was sie zu messen vorgibt. Geeig‐ nete Messverfahren, qualitativ hochwertige Stichproben und eine klare Durchführung sind entscheidend, um eindeutige und verallgemeinerbare Ergebnisse zu erhalten. Die Ergebnisse müssen eindeutig interpretierbar, verallgemeinerbar und für einen bestimmten Zeitraum gültig sein, ohne dass sie durch äußere Einflüsse manipulierbar sind. ● Verständlichkeit: Wissenschaftliche Arbeiten müssen klar formuliert und logisch aufgebaut sein. Begriffe sollten eindeutig definiert und Fachbegriffe erklärt werden, um den Lesenden eine schlüssige Argu‐ mentation zu ermöglichen (→-Kap.-4). ● Relevanz: Relevante Arbeiten leisten einen erkennbaren Beitrag zum Wissenszuwachs. Sie sollten Diskussion und Kritik fördern und die wissenschaftliche Auseinandersetzung anregen. ● logische Argumentation: Wissenschaftliche Aussagen basieren auf fundierten Argumenten, wie Fachwissen, präzisen Zitaten oder empi‐ rischen Daten. Eine durchdachte Argumentationsstruktur und solide Quellenangaben machen sie nachvollziehbar (vgl. Disterer, 2011, S. 36f.) (→-Kap.-3.1). ● Besonderheit und Originalität: Eine wissenschaftliche Arbeit sollte durch originelle Themenwahl, innovative Methoden oder neue Perspekti‐ ven hervorstechen. Die kreative Interpretation und Verbindung bestehen‐ der Erkenntnisse lassen die Arbeit einzigartig und besonders werden. ● Nachvollziehbarkeit: Das Forschungsprojekt muss so dargestellt wer‐ den, dass es für Lesende verständlich und reproduzierbar ist. Es braucht hier daher klare Begriffserklärungen, transparente Quellen und eine schlüssige Struktur. 1.2 Wissenschaftliche Arbeitsweise 25 <?page no="26"?> Funktionen wissenschaftlicher Arbeiten Wissenschaftliche Arbeiten erfüllen mehrere unterschiedliche Zwecke (Dis‐ terer, 2011, S.-35). ● Erkenntnisgewinn: Aufbauend auf bestehendem Wissen, werden neue Fragen beantwortet und neues Wissen wird geschaffen. ● Dokumentation: Ergebnisse und Methoden werden festgehalten und zugänglich gemacht. ● Systematisierung: Das Wissen wird strukturiert und in größere Zu‐ sammenhänge eingebettet. ● Argumentation und Interpretation: Um wissenschaftliche Aussagen zu begründen und kritisch zu bewerten, müssen sie nachvollziehbar erklärt und eingeordnet und kritisch hinterfragt werden. Ein zentrales Ziel wissenschaftlichen Arbeitens besteht darin, die Problem‐ lösungsfähigkeit und das kritische Denken zu entwickeln und auch unter Beweis zu stellen. Dazu gehört die Fähigkeit, Daten und Fakten zu analysieren, diese dann mit Ihrem eigenen Wissen zu verbinden und kritisch zu bewerten. Die Fähigkeit, wissenschaftliche Fragestellungen eigenständig zu bearbeiten, zeichnet sich dadurch aus, dass ● wissenschaftliche Methoden angewandt, also dass Theorien entwi‐ ckelt, überprüft und weitergedacht werden, und dass ● Techniken wissenschaftlichen Arbeitens verwendet werden. Das bedeutet, dass klar gedacht, strukturiert argumentiert, präzise zitiert wird bis dahin, dass ein korrektes Literaturverzeichnis erstellt und die Ergebnisse professionell präsentiert werden. Das folgende Zitat von Isaac Newton verdeutlicht, dass wissenschaftliches Arbeiten auf dem Wissen anderer aufbaut und durch kritisches Hinterfragen neue Erkenntnisse ermöglicht. „If I have seen further it is by standing on the shoulders of Giants.“ Isaac Newton (1642/ 3-1726/ 7), englischer Naturforscher Obwohl die Ergebnisse einer Studienarbeit wichtig sind, liegt der eigentliche Wert oft im Prozess ihrer Erstellung. Die dabei erworbenen Fähigkeiten - wie kritisches Denken, analytische Kompetenz und die strukturierte Darstellung von Informationen - sind langfristig wertvoll und flexibel auf andere Herausforderungen übertragbar (Disterer, 2011, S.-40f.). 26 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="27"?> Arbeitsphasen wissenschaftlicher Arbeiten Bevor Sie mit Ihrer wissenschaftlichen Arbeit beginnen, sollten Sie sorgfältig die anstehenden Arbeitsschritte durchdenken und strukturieren. Die folgende Übersicht zeigt acht zentrale Phasen, die Ihnen dabei helfen, den Arbeitsprozess effizient und sinnvoll zu gestalten (Bünting et al., 1996, S. 21ff.; Stickel-Wolf, 2002, S.-102-111). Dabei können sich einige Phasen überschneiden: Gedanken, Materialien und Gliederungen werden oft mehrfach überarbeitet und angepasst. Besonders zeitintensiv sind die Literaturrecherche, die Analyse der recherchier‐ ten Inhalte und deren systematische Ordnung. Diese Schritte beanspruchen in der Regel mehr Zeit als das abschließende Editieren und Überarbeiten. Phase 1 Themenfindung und Orientierung • Vorwissen aktivieren, Ideen sammeln, Überblicks‐ literatur sichten • Thema eingrenzen, wissenschaftliche Fragestel‐ lung formulieren, Forschungsziel festlegen • ggf. Exposé erstellen, mit Betreuer: in abstimmen Phase 2 Projektplanung • Arbeits- und Zeitplan (inkl. Pufferzeiten) erstellen • eigene Ressourcen, d.-h. Kosten und Zeitaufwand, einschätzen Phase 3 Recherche • Literatur und Materialien systematisch suchen, le‐ sen und relevante Inhalte exzerpieren • Quellen dokumentieren, Gedanken strukturieren Phase 4 Materialanalyse und -strukturierung • Material analysieren, ordnen und Argumente lo‐ gisch strukturieren • Begrifflichkeiten klären und Zusammenhänge her‐ ausarbeiten Phase 5 Gliederungsentwurf • Thema, Teilthemen und Fragestellungen logisch strukturieren • Gliederung mit Betreuer: in abstimmen Phase 6 Manuskripterstel‐ lung • Rohfassung schreiben, Argumentation klar, logisch und präzise gestalten • Begriffe definieren und Gliederung ggf. optimieren Phase 7 Überarbeitung • Inhalt, Logik und Lesbarkeit prüfen • sprachlichen Ausdruck optimieren, Layout und Quellenangaben kontrollieren • Korrekturlesen lassen Phase 8 Abschluss • Vorgaben des Instituts prüfen (Layout), Arbeit dru‐ cken und termingerecht abgeben Tab. 1: Arbeitsphasen mit näheren Erläuterungen 1.2 Wissenschaftliche Arbeitsweise 27 <?page no="28"?> Eine wichtige Empfehlung: Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung und Organisation Ihrer wissenschaftlichen Arbeit. So stellen Sie sicher, dass Sie alle Anforderungen rechtzeitig und strukturiert erfüllen können. Wissenschaftliche Textsorten Zu den häufigsten wissenschaftlichen Textsorten gehören zweifelsohne die Hausarbeiten sowie die verschiedenen Abschlussarbeiten (Bachelor-, Mas‐ tersowie die früheren Magister- und Diplomarbeiten) und Dissertationen an Hochschulen. Doch darüber hinaus existieren allerdings zahlreiche wei‐ tere Texttypen, die unterschiedliche Funktionen erfüllen und spezifischen Anforderungen unterliegen. Es ergibt Sinn, die wichtigsten wissenschaft‐ lichen Textsorten zu kennen, um ihre Zielsetzungen und Funktionen zu verstehen. Je nach Publikum gibt es unterschiedliche Erwartungen und die sind für Ihre eigene Recherche interessant, wenn Sie relevante Texte bewerten und gezielt auswählen. Während Ihrer Ausbildung oder Ihres Studiums werden Sie mit verschie‐ denen Textarten konfrontiert, die Sie einordnen, bewerten, bearbeiten oder selbst verfassen müssen. Je nach Ziel und Funktion des Textes variieren Aufbau, Inhalte, Erwartungen und Anforderungen. So lassen sich wissen‐ schaftliche Texte grob in zwei Kategorien unterteilen: ● Texte für den persönlichen Gebrauch (z.-B. Mitschriften) ● Texte für andere (z.-B. Forschungsberichte, Hausarbeiten) Einige wissenschaftliche Texte dienen der Dokumentation von Tatsachen und Vorgängen, andere demonstrieren wissenschaftliches Arbeiten. In den letzten Jahren sind zudem neue und interaktive Formate entstanden, die ein breiteres Publikum ansprechen und anders funktionieren als z. B. klassische Fallstudien in Fachzeitschriften. Die folgende Übersicht (→ Abb. 9) zeigt die wichtigsten wissenschaft‐ lichen Textsorten. Allerdings unterliegt diese Sammlung stetigen Ände‐ rungen, denn einige Textformen verschwinden langsam, während andere Formate immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ausführliche Informationen zu Merkmalen und Unterschieden der einzelnen Textsorten werden an dieser Stelle nicht behandelt. 28 1 Wissenschaftliches Denken und Arbeiten <?page no="29"?> Abb. 9: Wissenschaftliche Textsorten (Je größer die Schrift, desto üblicher und bekannter die jeweilige Textform.) 1.2 Wissenschaftliche Arbeitsweise 29 <?page no="30"?> 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit espresso-Wissenscheck | https: / / narr.kwaest.io/ s/ 1369 espresso-Keywords | Zeitmanagement, Zeiteinteilung, Methoden der Zeitplanung, Zeitdiebe, Schreib- und Arbeitsort, Arbeitsumgebung und -atmosphäre, Ordnung, analoger und digitaler Arbeitsplatz, Ablagesys‐ tem, Schreibgruppe, Motivation, Prokrastination, Prokrastinationsty‐ pen, Selbstreflexion Die Planung und Vorbereitung einer wissenschaftlichen Arbeit ist der erste wesentliche Schritt im wissenschaftlichen Arbeitsprozess. Diese Phase hat eine zentrale Bedeutung, denn sie ist die Basis für alle weiteren Schritte. Sie umfasst drei Bereiche: ● Projektorganisation und Zeitmanagement (→-Kap.-2.1), ● Arbeitsplatz und -umfeld (→-Kap.-2.2) sowie ● Motivation und Umgang mit Prokrastination (→-Kap.-2.3). 2.1 Projektorganisation und Zeitmanagement Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor der Aufgabe, eine wissenschaftliche Arbeit zu planen und zu verfassen und die Deadline rückt viel zu schnell immer näher. Oder Sie möchten sich gezielt auf künftige Projekte vorbereiten und wissen nicht so recht, wie Sie beginnen sollten. Wie nutzen Sie Ihre (oft knappe) Zeit effektiv, um die Arbeit erfolgreich zu bewältigen? Wie behalten Sie alles im Blick, ohne in ein Loch zu fallen oder die Aufgaben vor sich herzuschieben? Wie Albert Einstein treffend sagte: „Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.“ Albert Einstein (1879-1955), deutscher Physiker Wie nutzen wir diese Zeit, um unsere Ziele zu erreichen? Im folgenden Text‐ abschnitt wird es genau darum gehen: um Zeitmanagement, um Schwierig‐ keiten sowie um Umsetzungsmöglichkeiten einer realistischen Zeitplanung. <?page no="31"?> Zeitmanagement und typische Herausforderungen Um das Studium, den Berufsalltag zusammen mit dem Privatleben besser zu meistern und zu bewältigen, ist ein professionelles Zeitmanagement sinnvoll und hilfreich. Wenn Sie Ihre Zeit und Ihre anstehenden Aufgaben realistisch planen, dann können Sie Ihre Arbeitszeit optimal nutzen, können Ihre Freizeit ohne schlechtes Gewissen haben und sind insgesamt zufriedener und entspannter. Gerade bei längerfristigen Aufgaben, wie bei Ihrem Schreibprojekt, sind eine klare Planung und gute Organisation sehr wichtig. Ein durchdachtes Zeitmanagement hilft dabei, typische Stolpersteine und Schwierigkeiten zu vermeiden (vgl. Berger-Grabner, 2010, Wymann, 2015, Seiwert, 2012, Thomas-Johaentges & Thomas, 2013) wie etwa: ● Ein verzögerter Schreibbeginn kann sich negativ auf die Qualität Ihrer Arbeit auswirken. ● Ein unterschätzter Zeitaufwand führt meist zu Stress unmittelbar vor der Abgabe. ● Eine unklare Zeitplanung trägt dazu bei, sich unsicher zu fühlen und in eine Schreibblockaden zu geraten. ● Zu wenig Zeit für Korrekturen und Überarbeitungen beeinträch‐ tigt die finale Qualität. ● Auch ein übermäßiger Aufwand, der wegen fehlender Effizienz oder wegen überhöhtem Ehrgeiz entsteht, kostet unnötig viel Zeit. Diese Herausforderungen lassen sich durch effektives Zeitmanagement ent‐ schärfen, sodass Ihr Vorhaben weniger stressig und strukturierter abläuft. espresso-Verständnis | Wie oft sagen Sie sich, dass Sie für etwas „keine Zeit“ haben? Geht es dabei um Dinge, die Ihnen wichtig sind? Haben Sie wirklich „keine Zeit“ oder möchten Sie bestimmte Dinge einfach nur nicht tun? Sind sie Ihnen unklar oder halten Sie sie für unwichtig, weil sie nicht dringend sind? „Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ Lucius Annaeus Seneca (~4 n.Chr.-65 n.Chr.), römischer Philosoph, Naturfor‐ scher, Politiker 2.1 Projektorganisation und Zeitmanagement 31 <?page no="32"?> Umsetzungsmöglichkeiten eines guten Zeitmanagements Um Ihr Schreibprojekt also effektiver zu gestalten, kann eine (tägliche) Checkliste hilfreich sein, die Struktur in Ihren Tag bringt (vgl. Hess, 2020, S. 24). Sinnvoll ist es dabei, den aktuellen Stand ihres Projekts zu definieren, um einen klaren Überblick über die Aufgaben, die Teilaufgaben sowie über die konkreten Ziele zu haben. Neue Aufgaben können Sie ergänzen und erledigte Aufgaben abhaken. Wenn Sie merken, dass einige von Ihnen nicht mehr relevant sind oder sogar abgegeben werden können (z. B. in Gruppenarbeiten) dann teilen Sie die Aufgaben und geben Sie sie ab. Der Fortschritt und besonders auch die Erfolge werden dann sichtbarer. Und, na klar, setzen Sie Prioritäten und legen Sie für den Tag oder einen bestimmten Zeitraum fest, was oberste Priorität hat. Dann arbeiten Sie fokussiert und zielgerichtet. Auch hilft es, die Methoden und Werkzeuge auszuwählen, die Ihnen an der einen oder anderen Stelle sehr helfen können, z.-B. hinsichtlich Recherche, Textgenerieren etc. Ziele formulieren Was habe ich konkret vor? Erfolge und Fortschritte im Blick behalten Prioritäten setzen Was ist tatsächlich wichtig? ggf. Arbeitsprozesse und Abläufe verbessern ggf. Aufgaben aufteilen, -heben oder auch ganz abgeben Methoden und (digitale) Tools auswählen Aufgaben so genau wie möglich definieren und planen wichtige Zwischenschritte festlegen (Meilensteine) Abb. 10: Was Zeitmanagement beinhaltet: acht Aspekte Generell ist es empfehlenswert, größere Aufgaben in kleinere Teilaufgaben zu zerlegen. Dies macht den Arbeitsprozess übersichtlicher und Sie werden weniger von der Größe der zu erledigenden Aufgabe überwältigt. Immer wenn Sie eine weitere Teilaufgabe erledigt haben, werden Sie auch Erfolgs‐ erlebnisse haben. Wichtig bei der Setzung von Zwischenzielen ist, dass diese greifbar und terminierbar sind. Um realistische Pläne erstellen zu können, sollten Sie zusätzlich einschät‐ zen, welche Aufgaben wie viel Zeit benötigen. 32 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="33"?> espresso-Verständnis | Versuchen Sie, Ihre Schreibaufgabe bzw. Ihr Schreibprojekt in kleinere Arbeitsschritte zu unterteilen. Zunächst ge‐ danklich, dann halten Sie Ihre kleinteiligen Arbeitsschritte auf Papier fest. Die meisten wissenschaftlichen Arbeiten, die in der Ausbildung verfasst werden müssen, brauchen einen längeren Bearbeitungszeitraum. Während für kurze Essays in der Regel nur etwa zwei Wochen einzuplanen sind, kann eine Hausarbeit von 15-20 Seiten schon sechs bis acht Wochen beanspruchen. Abschlussarbeiten haben festgelegte Bearbeitungszeiträume von mindestens acht Wochen. Damit Sie die Zeiträume besser einschätzen können, sollten Sie sich einen langfristigen Zeitplan über den gesamten Bearbeitungszeitraum erstellen und wochenweise Zwischenziele festlegen (Thomas-Johaentges & Thomas, 2013). Hier ein Beispiel, wie ein solcher Plan für eine Hausarbeit von ca. 20-Seiten über mehrere Wochen aussehen könnte (→-Abb. 11). Woche 1 • Thema finden & konkret machen (ggf. im Seminar diskutieren) • Gespräch mit der Dozent: in suchen & Fragen klären • erste grobe Gliederung erstellen Woche 2-3 • Literaturrecherche & Quellen notieren • Materialien zusammenstellen • Hypothesen formulieren & Fragestellungen definieren • Struktur und Feingliederung Woche 4-6 Woche 7-8 • Lektorat: andere Person(en) gegenlesen lassen (ca. eine Woche) • Korrektur & ggf. inhaltliche Überarbeitung • Formalia prüfen • Rohfassung des Hauptteils schreiben • Argumente formulieren • Einleitung und Schluss schreiben • Literaturverzeichnis erstellen • ggf. Angaben korrigieren • ggf. Thema und Hypothesen in der (Seminar-)Gruppe vorstellen und offene Fragen klären Woche 9 • Pufferzeit (ca. eine Woche) • Druck und Abgabe Abb. 11: Langfristige Planung für eine schriftliche Hausarbeit mit einem Umfang von 20 Seiten und einer Bearbeitungszeit von insgesamt 8-9 Wochen Um Aufgaben zielführend zu planen, ist es wichtig, den ungefähren Zeit‐ aufwand für die Erstellung der wissenschaftlichen Arbeit realistisch einzu‐ schätzen. Das ist nicht einfach und wird häufig unterschätzt. Und dies kann wiederum schnell zu Zeitdruck führen. Einige Strategien können helfen, dies zu vermeiden: ● Zeiterfassung für Aufgaben: Notieren Sie sich, wie lange Sie durch‐ schnittlich für bestimmte Tätigkeiten benötigen, z. B. für das Durchar‐ 2.1 Projektorganisation und Zeitmanagement 33 <?page no="34"?> 60% 20% 20% Arbeitszeit spontane und soziale Aktivitäten Unerwartetes Abb. 12: Zeiteinteilung in Prozent beiten von zehn Seiten Literatur oder das Verfassen einer Seite. Diese Werte könnten Ihnen als Referenz für künftige Planungen dienen. ● Zeitpuffer: Planen Sie Pufferzeiten ein, um Störungen oder Verzöge‐ rungen aufzufangen, etwa durch ineffiziente Phasen oder zusätzliche Aufgaben, die während der Arbeit entstehen. Eine gute Faustregel: Nur etwa 60 % der Zeit sind für konzentriertes Arbeiten nutzbar, 20 % sollten für unerwartete Störungen und 20 % für Pausen eingeplant werden (vgl. Seiwert, 2012, S.-47). Regelmäßige Schreibzeiten lassen sich am besten durch Tages- und Wochenpläne festlegen, um eine verbindliche Routine zu schaffen und Ihre Entwicklung und Ihren Fortschritt im Schreibprojekt sicht‐ barer und für sich selbst sicherer zu machen. Sie werden so fortlau‐ fend an dem Projekt arbeiten und die langfristige Zeitplanung leich‐ ter einhalten können. Und Sie fin‐ den leichter heraus, wann Sie am besten Ihre Zeitfenster finden bzw. schaffen können. Durch eine gute Planung werden Sie beständiger ar‐ beiten und werden vermutlich we‐ niger oder gar keine „Nachtschich‐ ten“ einlegen müssen. ● Wochenplanung: Wenn Sie Ihre Woche planen, dann legen Sie klare, realistische, konkrete Ziele fest, zum Beispiel „In dieser Woche schreibe ich fünf bis sieben Seiten der Rohfassung.“ Oder: „In dieser Woche beende ich meine Materialsammlung.“ Beginnen Sie Ihren Plan mit Ihren festen Terminen oder auch Verabredungen (Arzttermine, Treffen etc.) und bauen Sie in der Woche auch einen Ruhetag ein. Die „freien“ Zeiten bzw. die „Lücken“, die übrig geblieben sind, könnten Sie dann für Ihre Schreibsitzungen nutzen. Berücksichtigen Sie jeden Tag etwas Pufferzeit und sowieso: Planen Sie nicht alles minutiös durch, ansonsten halten Sie Ihre Planung nicht lange durch. Seien Sie sich auch gewiss, 34 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="35"?> dass es nicht den einen perfekten Plan gibt, der für jede Schreibsituation bzw. für jedes Schreibprojekt passt. ● Tagesplanung: Planen Sie am besten am Vorabend, was am nächsten Tag zu tun ist, um morgens sofort starten zu können. Spätestens dann, wenn Sie an Ihrer Schreibaufgabe sitzen, sollten Sie wissen, woran Sie überhaupt arbeiten und über was Sie schreiben möchten. Setzen Sie daher klare, erreichbare Tagesziele, um Schreibblockaden oder ein verzögertes bzw. spätes Anfangen zu vermeiden. Die Konzentrationsfä‐ higkeit wird nach circa vier Stunden Arbeit rapide sinken. Die meisten Menschen arbeiten effektiver in kürzeren Zeiträumen. Überlegen Sie also, welche Zeiten zu Ihren produktivsten gehören: morgens, mittags oder doch spät abends? espresso-Wissen | Bei Ihrer Tagesplanung macht es Sinn, Ihren natür‐ lichen Biorhythmus zu beachten. Die meisten Menschen arbeiten vor‐ mittags am produktivsten, während die Konzentration am Nachmittag abnimmt. Ist das bei Ihnen ähnlich? Nutzen Sie produktive Phasen für anspruchsvolle Aufgaben und weniger produktive Zeiten für Routine‐ tätigkeiten. Es gibt verschiedene Methoden und Techniken, die bei der individuellen Zeitplanung sehr nützlich sind. Literatur gibt es dazu zahlreich (vgl. Wy‐ mann, C., 2015). Hier eine Übersicht über einige der bekanntesten Metho‐ den der Zeitplanung (→-Abb. 13). 2.1 Projektorganisation und Zeitmanagement 35 <?page no="36"?> Mit der Eisenhower-Matrix-Methode werden Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit priorisiert. Die ALPEN-Methode ist eine einfache Möglichkeit, den Arbeitsalltag zu planen. Sie beinhaltet fünf einzelne Arbeitsschritte. ALPEN- Methode A ufgaben und Termine notieren L änge bzw. Arbeitsdauer einschätzen P ufferzeiten einplanen E ntscheidungen treffen (Prioritäten) N achkontrolle, Ergebnisse kontrollieren Eisenhower-Matrix Wichtigkeit Dringlichkeit wichtig & dringend sofort erledigt wichtig & nicht dringend planen nicht wichtig & dringend delegieren nicht wichtig & nicht dringend ignorieren Die Pomodoro-Technik ist eine Methode, bei der Sie abwechselnd fokussiert arbeiten (ohne Ablenkung) und kurze Pausen machen. Pomodoro-Technik Arbeit 25 Minuten Arbeit 25 Minuten Arbeit 25 Minuten Arbeit 25 Minuten Pause 5 Minuten Pause 5 Minuten Pause 5 Minuten Pause 15-30 Minuten Abb. 13: Techniken der Zeitplanung: ALPEN, Eisenhower und Pomodoro espresso-Verständnis | Welche Methode erscheint Ihnen am hilfreichs‐ ten? Testen Sie eine oder mehrere Methoden, um herauszufinden, wel‐ che gut zu Ihrem Arbeitsstil passt und wie Sie diese anpassen können. espresso-Wissen | Software-Empfehlungen für die Zeitplanung Natürlich gibt es für die individuelle Zeitplanung hilfreiche digitale Werkzeuge bzw. Softwareprogramme. Sie ermöglichen es uns, unsere Aufgaben und Projekte effektiver und vorausschauender zu planen, zu organisieren und zu verwalten. 36 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="37"?> ● Trello ( 🔗 https: / / trello.com/ de) ist ein flexibles Kanban-Tool, bei dem Aufgaben und Projekte als Karten auf Boards organisiert werden. Weitere Funktionen sind Checklisten und Datei-Anhänge, kollaboratives Arbeiten ist möglich. Der Vorteil bei Trello ist die visuelle Organisation. Das Tool ist daher gut geeignet für Projekt- und Aufgabenplanung. ● Todoist ( 🔗 https: / / todoist.com/ de) ist ein flexibler Kalender mit einer Erinnerungsfunktion und einfacher Oberfläche. Funktionen des Tools sind Zeit- und Terminplanung. ● Notion ( 🔗 -https: / / www.notion.com/ de/ product) ist ein vielseitiges Tool für Notizen, Aufgaben, Projektplanung und Datenbanken. Au‐ ßerdem ist die Oberfläche flexibel für die persönliche Organisation bis hin zu komplexen Projekten anpassbar. ● Any.do ( 🔗 -https: / / www.any.do/ de) ist ein Werkzeug für die eigene Aufgabenverwaltung und Planung. Es gibt To-Do-Listen, eine Erin‐ nerungsfunktion, eine Kalenderansicht und Sprachaufgaben. Zusätzlich gibt es spezialisierte Apps für die Pomodoro-Technik. Eine Übersicht über minimalistische Timer-Apps finden Sie auf der Seite Simplizist ( 🔗 -https: / / simplizist.de/ timer-apps-pomodoro-technik) Vorsicht: Die Suche nach dem passenden Tool kann selbst zum Zeitdieb werden! Planen Sie daher bewusst nur wenig Zeit für die Auswahl ein. Selbst mit einem guten Zeitmanagement bleiben Störungen, Verzögerungen und Motivationsprobleme nicht aus. Besonders bei langen Schreibprojekten ist es wichtig, dass Sie auf Zeitdiebe vorbereitet und flexibel sind. Zeitdiebe stören, sie verbrauchen Ihre Zeit und behindern Ihren Arbeitsfluss: spontane Planänderungen, ungeordnete Notizen oder Push-Meldungen, ein ungeeig‐ neter Arbeitsplatz, Störgeräusche - Sie werden Ihre eigenen Zeitdiebe schnell (er)kennen. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten: ● Zeitfresser reduzieren: Sie beseitigen die Störungen und Unterbrechun‐ gen, z.-B. indem Sie Benachrichtigungen am Smartphone ausschalten. ● Pufferzeiten einkalkulieren: Berücksichtigen Sie mögliche Unterbre‐ chungen in ihrer Zeitplanung. 2.1 Projektorganisation und Zeitmanagement 37 <?page no="38"?> Abb. 14: Arbeits- und Schreibort in der Biblio‐ thek ● Aufgaben bündeln: Legen Sie sich für bestimmte Aktivitäten (z. B. E-Mails checken oder Nachrichten beantworten) eine bestimmte Zeit fest, um Ihren Arbeitsfluss nicht zu stören. Welche Strategie passt, hängt von der Art der Störung ab. Wenn der/ die Mitbewohner: in laut Musik hört und Sie sich nicht auf Ihre Aufgabe konzentrieren können, sollten Sie versuchen, diese Störung abzustellen, z. B. indem Sie darum bitten, die Musik leiser zu stellen. Wenn Sie beispielsweise schon vorher wissen, dass Sie länger Zeit brauchen, um sich in etwas einzuarbeiten oder sich zu konzentrieren, dann planen Sie bewusst mehr Zeit ein. 2.2 Arbeitsplatz und -umfeld Zur Vorbereitung, Planung und Organisation gehört auch Ihr Arbeitsplatz bzw. Ihr Arbeitsumfeld. Der Ort, an dem Sie schreiben und arbeiten, sollte so gestaltet sein, dass Sie optimal und effizient arbeiten können. Es wird hier keine perfekte Lösung präsentiert, aber hilfreiche Hinweise und Denkanre‐ gungen, die Ihnen bei Ihrer eigenen Arbeitsplatzgestaltung weiterhelfen sollen. Fest steht: Eine ordentliche Arbeitsumgebung fördert Klarheit beim wissenschaftlichen Denken, während Unordnung zu Zeitverlust und Frus‐ tration führt. Ihr Schreib- und Arbeitsort Ein idealer Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem Sie sich wohlfühlen, nicht abgelenkt werden und konzentriert an Ihrer wissenschaftlichen Arbeit schreiben können - sei es in der Bi‐ bliothek, Ihrem Arbeitszimmer, ei‐ nem Coworking-Space oder sogar in einem Café. Oft ist es effektiv, in der Bibliothek zu arbeiten, wo Sie direkten Zugang zur Literatur ha‐ ben und es weniger Ablenkungen wie Telefonanrufe oder Haushalts‐ tätigkeiten gibt. Die Abgrenzung 38 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="39"?> vom privaten Umfeld kann hilfreich sein, aber letztlich müssen Sie selbst rausfinden, welcher Ort für Sie am besten funktioniert. espresso-Verständnis | Selbstreflexion: Ihr Schreib- und Arbeitsort Wo schreiben und arbeiten Sie am liebsten? Haben Sie einen Lieblingsort oder suchen Sie ihn noch? Vielleicht gibt es an Ihrer Hochschule ein „Schreibzentrum“ oder eine „Schreibwerkstatt“, die Sie nutzen könnten. Tauschen Sie sich mit Mitstudierenden oder Kolleg: innen darüber aus, wo und wie Sie am besten arbeiten. Folgende Fragen könnten helfen, Ihren Schreib- und Arbeitsort besser zu definieren: ● Bevorzugen Sie die Gegenwart anderer oder stört Sie deren Geschäf‐ tigkeit (Nebengeräusche, Bewegungen etc.)? ● Können Sie unterwegs gut denken und schreiben (z. B. im Zug) oder lenkt Sie die Umgebung ab? ● Motiviert Sie die Anwesenheit anderer, die auch lesen und scheiben, auch wenn Sie Ruhe und Konzentration brauchen? ● Arbeiten Sie lieber in einem ruhigen, neutralen Arbeitsraum, der wenig Ablenkung bietet? ● Schreiben Sie gerne allein in Ihren eigenen vier Wänden, wo Sie sich am wohlsten fühlen? espresso-Wissen | An vielen Hochschulen und Universitäten gibt es sogenannte Schreibzentren, die Studierenden und anderen Interes‐ sierten die Möglichkeit bieten, wissenschaftliches Schreiben zu erlernen, Unterstützung zu erhalten und einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Hier ist eine Auswahl von Schreibzentren bzw. -werkstätten: ● Universität Leipzig: Academic Lab 🔗 -https: / / www.uni-leipzig.de/ academic-lab ● Friedrich-Schiller-Universität Jena: Schreiben lernen 🔗 -www.schreibenlernen.uni-jena.de ● Universität Hamburg: Schreibzentrum 🔗 -https: / / www.hul.uni-hamburg.de/ schreibzentrum.html ● Universität Osnabrück: Schreibwerkstatt 🔗 https: / / www.uni-osnabrueck.de/ universitaet/ organisation/ spra chenzentrum/ schreibwerkstatt/ 2.2 Arbeitsplatz und -umfeld 39 <?page no="40"?> ● Goethe-Universität Frankfurt am Main: Schreibzentrum 🔗 -www.starkerstart.uni-frankfurt.de/ 82720027/ Schreibzentrum ● Pädagogische Hochschule Freiburg: Schreibzentrum 🔗 -https: / / www.ph-freiburg.de/ schreibzentrum.html ● LMU München: Schreibzentrum 🔗 -https: / / www.schreibzentrum.fak13.uni-muenchen.de/ index.html ● ASH Berlin: Workshops und Schreibwerkstatt 🔗 https: / / www.ash-berlin.eu/ studium/ beratung-unterstuetzung/ fo erderung-von-schreib-und-studienkompetenzen/ unsere-angebote/ Open-Space-Büros und Funktionsarbeitsplätze sind derzeit im Trend und zunehmend verbreitet. Die offenen, neutral gestalteten Arbeitsräume mit mehreren Arbeitsplätzen bieten eine recht flexible Arbeitsumgebung; die mobile Arbeit ist in den letzten Jahren gängig und bedeutender geworden und kaum noch wegzudenken (vgl. Hess, 2020, S. 22f.). In diesen modernen „Gemeinschaftsbüros“ haben Sie die Möglichkeit, sich auszutauschen, mit‐ einander zu kommunizieren und sich gegenseitig zu inspirieren oder zu motivieren. Das kann sehr hilfreich sein. Allerdings sind solche offenen Räume durch Gespräche, Telefonate und den ständigen Durchgangsverkehr oft auch lauter und hektischer. Dies kann zu Ablenkungen führen und die Konzentration beeinträchtigen. Letztendlich entscheiden Sie aber selbst, wo Sie am besten und effektivs‐ ten arbeiten können. Der Weg zum eigenen Schreibtisch mag verlockend sein, aber er muss nicht der optimale sein. Probieren Sie mehrere Optionen aus und finden Sie heraus, welche Umgebung Ihnen am meisten zusagt, und Ihre wissenschaftliche Arbeit fördert. Und ganz egal an welchem Ort Sie schreiben und arbeiten werden, es sind bestimmte Rituale, die den Arbeitstag strukturieren und erfolgreicher machen. Arbeits- und Schreibbedingungen für erfolgreiches Schreiben Der Arbeitsplatz - sei es im Open-Space-Büro, am Schreibtisch im eigenen Zimmer, in der Bibliothek oder an einem anderen Ort - sollte gut organi‐ siert, ausreichend groß, hell und sauber sein. Er sollte ausschließlich für wissenschaftliches Arbeiten genutzt werden. Wichtige Arbeitsmittel wie Laptop, Schreibmaterialien und Ablagesysteme sollten stets griffbereit und 40 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="41"?> gut organisiert sein. Ablenkende Objekte, wie etwa fachfremde Literatur, Zeitschriften oder Spiele, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, sollten entfernt werden, um unnötige Störungen zu vermeiden. Es ist entscheidend, das Arbeitsumfeld von Anfang an klar zu definieren und es gezielt auf die eigenen Bedürfnisse auszurichten (vgl. May, 2010, S.-28). Die ideale Arbeitsumgebung sollte gleichzeitig auch Raum für Kreativität bieten. Jeder Mensch hat unterschiedliche Arbeitsgewohnheiten: während manche Menschen lieber auf dem Sofa oder im Freien lernen, bevorzugen andere einen aufgeräumten Schreibtisch (vgl. Boeglin, 2007, S.-18). Hinweise und Tipps, die Ihnen helfen können, eine produktive und anregende Arbeitsumgebung zu schaffen: ● sich wohlfühlen: Ihr Arbeitsplatz sollte gut beleuchtet, angenehm temperiert und funktional eingerichtet sein. ● Arbeitsmaterialien griffbereit: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Schreibgeräte (Füller, Bleistift, farbige Stifte), USB-Sticks, Papier oder Klebebzw. Notiz‐ zettel jederzeit vorhanden sind. Sie erleichtern die Arbeit. ● Technik und Software auf dem neusten Stand: Ein funktionieren‐ der Laptop sowie aktuelle Softwareprogramme sind unerlässlich, um erfolgreich digital zu arbeiten. Wenn Sie Programme und Tools zum Schreiben (z. B. Microsoft Office, LibreOffice, SciFlow), Recherchieren (z. B. Citavi, Mendeley) und Organisieren nutzen, denken Sie daran, diese im Voraus einzurichten - Stichwort: Lizenzen (→ Kap. 6) - und regelmäßig zu sichern. ● Ordnung: Behalten Sie den Überblick und schaffen Sie Ihre eigenen Ord‐ nungsstrukturen. Nur relevante Materialien sollten auf Ihrem Arbeitsplatz liegen. Alles andere kann abgelegt, abgeheftet oder in Schubladen verstaut werden. Auch digital sollten nur relevante Dokumente sichtbar sein. ● ungestörtes Arbeiten: Minimieren Sie Ablenkungen durch das Mobil‐ telefon, Zeitschriften oder interessante Webseiten. ● soziales Umfeld einbeziehen: Informieren Sie Mitbewohner: innen und Familie über Ihre Arbeitszeiten und Bedürfnisse nach Ruhe. Das erfordert Ihrerseits Disziplin und kann bedeuten, dass Freizeitaktivitä‐ ten verschoben oder verkürzt werden (vgl. Wymann, 2015, S.-67ff.). ● Ruhe: Sorgen Sie für eine ruhige und angenehme Arbeitsatmosphäre und vermeiden Sie Lärmquellen. 2.2 Arbeitsplatz und -umfeld 41 <?page no="42"?> ● Pausen einplanen: Pausen sind wichtig für den klaren Kopf. Bewegung oder ein Spaziergang kann besonders nützlich sein, wenn Sie eine Blockade erleben. espresso-Verständnis | Selbstreflexion Überlegen Sie, welche Arbeitsbedingungen für Sie persönlich günstig sind. Was empfinden Sie als besonders störend und ablenkend? Welche Störfaktoren sollten Sie beachten? Ungünstige Arbeitsbedingungen und Störquellen bleiben meist nicht aus und einige lassen sich nur schwer eliminieren, aber viele können minimiert werden. Achten Sie also auf: ● Ordnung und Sauberkeit ● Luft- und Lichtverhältnisse ● Raumtemperatur (meist werden etwa 18-22 Grad empfohlen) ● Akustik und Lärmquellen (z.-B. Straßenlärm) ● Ihre Sitzposition (aufrecht und entspannt, gerader Nacken, beide Füße auf dem Boden) ● Arbeitszeiten (z.-B. nicht zu früh und nicht zu spät) ● Platz(-mangel) für Arbeitsmaterialien und Unterlagen ● Benachrichtigungen auf dem Mobiltelefon In eigenen Räumen können Sie die meisten dieser Faktoren beeinflussen (Raumtemperatur, Lichtverhältnisse etc.) (vgl. Baua: Arbeitsgestaltung). Bei zu viel Lärm oder Ablenkung aber sind Bibliotheken oder Coworking-Spaces gute alternative Arbeits- und Schreiborte. espresso-Wissen | Tipps für Ordnung am Arbeitsplatz ● tägliches Aufräumen: Nehmen Sie sich am Ende des Arbeitstags fünf Minuten Zeit, um Ihren Arbeitsplatz und Ihre Materialien zu ordnen. ● regelmäßige Überprüfung: Schauen Sie wöchentlich nach, ob Sie weitere Materialien benötigen oder ob einige mittlerweile veraltet sind und vom Tisch genommen werden können. 42 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="43"?> ● Lassen Sie los: Verabschieden Sie sich von unnötigen Papieren und Materialien, überdenken Sie Ihre Prioritäten und die nächsten Aufgaben. Nicht alles muss aufbewahrt werden. ● digitale Tools nutzen: Verwenden Sie digitale Notizen, Kalender und die hilfreiche Erinnerungsfunktion. (Wie oft ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie Fristen vergessen haben und dann am besagten Tag morgens erinnert wurden? ) Zahlreiche nützliche digitale Werkzeuge helfen bei der Organisation, Verwaltung und Wissenssammlung und sie reduzieren außerdem den Papierkram und Zettelwirtschaften (→-Kap.-2.1). Der analoge und der digitale Arbeitsplatz Ein überladener Schreibtisch - der analoge Arbeitsplatz - mit Papieren, Zeitungen, Stiften und Tassen stört häufig das Denken und Schreiben. Sortier- und Ordnungssysteme, wie Pinnwände, Ordner oder Karteikästen helfen, Notizzettel, Exzerpte oder Kopien systematisch abzulegen. Auch regelmäßiges Auf- und Wegräumen gehört dazu. Welches System geeignet ist, hängt von Ihrem persönlichen Stil und verfügbaren Platz ab. Auch der digitale Arbeitsplatz braucht Klarheit und Ordnung. Ein aufgeräumter oder gar leerer Desktop erleichtert die Übersicht und Kon‐ zentration (vgl. Blatter, 2018). Entfernen Sie unnötige und alte Dateien, organisieren Sie Ihre Ordner sinnvoll und halten Sie Ihren Desktop über‐ sichtlich (→-Abb. 15). 2.2 Arbeitsplatz und -umfeld 43 <?page no="44"?> Abb. 15: Ein Negativbeispiel: Ein voller und unstrukturierter Desktop, der das wissen‐ schaftliche Arbeiten und den Schreibfluss stören kann. Dass Schreibprojekte überwiegend digital stattfinden, ist inzwischen selbst‐ verständlich und hat viele Vorteile. Der digitale Arbeitsplatz ermöglicht einen schnellen Zugriff auf Informationen und Dateien, das einfache Teilen und Ablegen von Daten an verschiedenen Orten. Mehrere Personen können gleichzeitig auf Dokumente zugreifen. Außerdem haben Sie Ihre Arbeitsma‐ terialien und Schreibdokumente immer verfügbar - ganz ohne Tasche voller Bücher und Zettel. Allerdings schätzen viele Schreibende und Lesende nach wie vor den haptischen Vorteil von Papier. Nicht zu vernachlässigen ist jedoch, dass der digitale Arbeitsprozess auch seine eigenen Anforderungen stellt: Sie müssen den Internetzugang, den Ladezustand Ihres Geräts sowie die Vielzahl an digitalen Ablageorten im Blick behalten (vgl. Hess, 2020, S.-18). Hier einige Empfehlungen für den digitalen Schreibtisch: ● Machen Sie unbedingt und regelmäßig Backups Ihrer Daten. ● Räumen Sie Ihren Desktop wöchentlich oder monatlich auf; stellen Sie sich gern eine Erinnerung im Kalender ein, z. B. immer freitags um 15 Uhr, wenn Sie die Arbeitswoche beenden. Erstellen Sie eine 44 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="45"?> durchdachte und für Sie passende klare Ordnerstruktur und folgen Sie klaren Ablageprinzipien. ● Überlegen Sie auch, wie lange Daten aufbewahrt werden sollen und löschen Sie Unnötiges. espresso-Wissen | Ablageprinzipien Die Vielzahl an Kommunikationswegen und Informationskanälen hat die Art und Weise verändert, wie wir Daten ablegen und speichern (vgl. Hess, 2020, S. 63f.). Vielleicht haben Sie bereits ein Ablagesystem, das für Sie funktioniert, dann können Sie sich glücklich schätzen. Wenn Sie jedoch zu denjenigen gehören, die Daten eher unstrukturiert ablegen, kann es passieren, dass Sie lange nach einem Dokument, Foto oder einer Nachricht suchen müssen, vielleicht sogar vergeblich. ● Jede Information braucht einen klaren Ort, wo sie zu finden ist. ● Überlegen Sie sich, wie und wo Sie Daten systematisch speichern - und halten Sie dieses System konsequent ein. ● Fragen Sie sich, warum Sie bestimmte Daten aufbewahren müssen und wie Sie später darauf zugreifen möchten: Chronologisch und nach Datum? Nach Autor? Nach Themenbereich? Nach Kapitel Ihres Schreibprojektes? ● Überlegen Sie auch, wie lange die Daten aufbewahrt werden sollten - oder ob sie vielleicht doch gleich in den Papierkorb gehören (vgl. Hess, 2020, S.-63f.). Es gibt eine Vielzahl an Tools zur Organisation von Daten, die Ihnen helfen können, das Datenchaos zu bewältigen. Hier einige besonders hilf‐ reiche Optionen: ● Evernote ( 🔗 https: / / evernote.com/ de-de): Ein Klassiker der „digitalen Zettelwirtschaft“. Evernote hilft dabei, Informationen und Daten zu sammeln und zu verwalten. Projekte können organisiert, Notizen ge‐ macht und Daten geteilt werden. Eine gute Wahl, um sowohl digitale als auch handschriftliche Notizen zu speichern. ● Dexpot ( 🔗 dexpot.de): Mit Dexpot können Sie mehrere Desktops im Kachelformat erstellen und diese thematisch befüllen. Es hilft dabei, die Anwendungen und Arbeitsbereiche zu strukturieren und zu ordnen. 2.2 Arbeitsplatz und -umfeld 45 <?page no="46"?> ● Fences (https: / / fences.de.uptodown.com/ windows): Dieses Tool lässt Sie Dateien und Ordner auf dem Desktop in „Zäune“ unterteilen, um sie zu gruppieren, zu betiteln und besser zu organisieren. ● Mendeley ( 🔗 https: / / www.mendeley.com): Besonders für wissenschaft‐ liches Arbeiten ist Mendeley geeignet, denn es ist ein Referenz-Manager, mit dem Sie Literatur, Quellen und Forschungsnotizen verwalten kön‐ nen. espresso-Verständnis | Reflexion Nachdem Sie sich durch die Seiten zum Arbeitsplatz und -umfeld gear‐ beitet haben, nutzen Sie den Moment, um abschließend zu reflektieren: Gibt es etwas, das Sie verändern möchten, oder passt Ihr aktuelles Ord‐ nungssystem zu Ihren Bedürfnissen und zu Ihrem Arbeitsstil? Warum? Das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben in der Gruppe- Wissenschaftliches Arbeiten in einer Gruppe stelle meines Erachtens eine wertvolle Gelegenheit dar, kreative Prozesse auszulösen und sich gegensei‐ tig zu inspirieren. Der Austausch miteinander eröffnet neue Perspektiven, ermöglicht gemeinsames kritisches Denken und fördert gemeinsames Re‐ flektieren. Und richtig, dies sind Schlüsselkompetenzen für die Zukunft. Der Dialog zu einer wissenschaftlichen Fragestellung bringt nicht nur den Raum für Diskussionen, sondern auch Anregungen und wertvolles Feedback mit sich, die die Qualität der Arbeit steigern können. Ein weiterer Vorteil des kollaborativen Arbeitens und Schreibens ist, dass sie die eigene Motivation steigern kann: In einer Schreibgruppe bleiben Sie vielleicht eher am Ball und motivieren sich gegenseitig, regelmäßig zu schreiben. Durch das gemeinsame Lesen, Be- und Erarbeiten von Texten entsteht eine Verbindlichkeit. Damit der Austausch gut funktioniert und die Schreibgruppe produktiv und effizient arbeiten kann, sind klare Regeln unerlässlich (vgl. Stangl, 2021). Diese sollten im Vorfeld festgelegt und von allen Gruppenmitgliedern eingehalten werden: ● konkretes Arbeitsziel: Definieren Sie gemeinsam ein klares Ziel, um Orientierung zu schaffen. 46 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="47"?> ● Arbeitsplan und Aufgabenverteilung: Legen Sie zu Beginn einen Plan mit konkreten Aufgaben fest, damit alle wissen, was von Ihnen erwartet wird. ● Organisation: Planen Sie regelmäßige Treffen, Fristen und dazugehö‐ rige Vorbereitungen. ● Verantwortung: Jedes Gruppenmitglied sollte aktiv teilnehmen und ausreichend Raum für eigene Ideen erhalten. Häufig dürfen und können mittlerweile wissenschaftliche Arbeiten in Zu‐ sammenarbeit und in einer Gruppe passieren, aber dies muss mit den dazugehörigen Leistungsbewertungen und Bedingungen diskutiert und geklärt werden. Die digitale Welt bietet zahlreiche kollaborative Tools, die die Schreib‐ gruppenarbeit unterstützen können, egal ob es um das Sammeln und Austauschen von Ideen geht, um die kollaborative Textbearbeitung, um Abstimmungen über Inhalte oder um Austauschtreffen. Hier sind einige Tools gelistet, die sich für kollaboratives Arbeiten eignen (Quellen: Portal: Tools des LLZ | Universität Halle, Schreibgeist der Freien Universität Berlin): ● SciFlow ( 🔗 https: / / sciflow.net/ de): Dieser Online-Texteditor erleichtert das gemeinsame Schreiben wissenschaftlicher Texte mit Formatierungs- und Zitierhilfen. Literaturverwaltungssystemen. ● Miro ( 🔗 https: / / miro.com/ de): Mit Miro lassen sich digitale interaktive Whiteboards erstellen, auf denen Inhalte oder Konzepte visualisiert und strukturiert werden können - sehr geeignet für kreative und kollaborative Gruppenarbeit. ● YoPad ( 🔗 https: / / yopad.eu): Dieses Tool ist ein einfacher und freier Open-Source-Texteditor für kollaborative Textarbeit in Echtzeit. YoPad ist kostenlos und funktioniert als webbasierte Anwendung mit Cloud- Datenspeicherung. ● nuudel ( 🔗 -https: / / nuudel.digitalcourage.de/ ): Dieses simple Tool dient der Planung von Terminen. Mit nuudel können Sie schnell und unkom‐ pliziert eine Umfrage erstellen, um sich mit anderen auf einen gemein‐ samen Zeitpunkt zu einigen - besonders praktisch für die Organisation von Gruppenmeetings. ● Zoom ( 🔗 https: / / www.zoom.com/ de): Dieses kostenlose Webkonfe‐ renzsystem eignet sich für Gruppenarbeiten. Es ermöglicht Videokon‐ ferenzen, die durch Bildschirmfreigaben ergänzt werden. Praktisch ist 2.2 Arbeitsplatz und -umfeld 47 <?page no="48"?> die integrierte Whiteboad-Funktion und das gemeinsame Notizfeld für Besprechungsergebnisse, das die Teamarbeit erleichtert. Das wissenschaftliche kollaborative Arbeiten ermöglicht nicht nur einen Perspektivwechsel, sondern fördert auch wichtige Kompetenzen wie Team‐ arbeit, Feedback-Kultur und Problemlösungskompetenz. Das sind relevante Fähigkeiten, für die es in diesem Kontext oft nur wenige Gelegenheiten gibt. Daher empfehle ich, diese Chancen zu nutzen, um gemeinsam voneinander zu lernen und Ihre wissenschaftliche Arbeit besonders zu machen. 2.3 Motivation und Umgang mit Prokrastination Auf den nächsten Seiten geht es um Motivation und Prokrastination beim wissenschaftlichen Arbeiten; zwei Phänomene, die für viele Schreibende und Arbeitende im Alltag eine große Rolle spielen. Anders als bei Prüfungen oder Tests erfordert das wissenschaftliche Arbeiten vor allem Ausdauer und Geduld. Die Einstellung gegenüber einer bevorstehenden wissenschaft‐ lichen Aufgabe ist dabei entscheidend: Motivation fördert den Fortschritt, während Prokrastination, das Aufschieben von Aufgaben, den Prozess hemmen kann und oft zu unnötigem Zeitdruck führt. Das Aufschieben gefährdet mitunter sogar die Qualität der Arbeit. Daher soll es nun darum gehen, wie Sie ● die eigene Motivation bei längerfristigen wissenschaftlichen Schreib‐ projekten stärken, ● persönliche Prokrastinationstendenzen erkennen und die Hintergründe des eigenen Aufschiebeverhaltens reflektieren, ● geeignete Strategien anwenden, um in einen produktiven Schreibfluss zu kommen und diesen aufrechtzuerhalten. Motivation beschreibt die Bereitschaft, Zeit und Energie in die Verwirk‐ lichung eines Ziels zu investieren. Studien zeigen, dass hoch motivierte Menschen beharrlicher und frustationstoleranter arbeiten als Menschen mit niedriger Motivation (Gerrig & Zimbardo, 2004; Heckhausen & Heckhausen, 2006). Motivation wirkt wie ein innerer Antrieb, der dabei hilft, Aufgaben zu erledigen, während Prokrastination, das Aufschieben, eher hemmt. 48 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="49"?> espresso-Verständnis | Folgenden Fragen können helfen, Ihre Moti‐ vation bei einer anstehenden Aufgabe besser zu einzuschätzen: Kann ich diese Aufgabe bewältigen? Verfüge ich über die nötigen Ressourcen und Kompetenzen? Wird meine Strategie, die ich mir überlegt habe, funk‐ tionieren? Führt mein Verhalten zum gewünschten Ziel? Stehe ich hinter diesem Ziel? Lohnt sich die Aufgabe für mich persönlich? Motivation stammt aus unterschiedlichen Quellen, die als intrinsisch oder extrinsisch klassifiziert werden (Brandstätter et al., 2018, S.-113). ● Intrinsische Motivation meint das Interesse und die Freude an der Aufgabe selbst. Hier braucht es keine externen Anreize. ● Extrinsische Motivation beruht auf externen Faktoren, wie Anerken‐ nung, Geld oder Vermeidung von Strafen. Ohne diese äußeren Anreize fehlt der Antrieb, aktiv zu werden. Motivationstheorien im Überblick Verschiedene Theorien beschreiben, wie und warum intrinsische Motiva‐ tion entsteht und erhalten bleibt (vgl. Brandstätter et al. 2018, 114ff.). So haben nach der kognitiven Bewertungstheorie Menschen eine natürliche Neigung, sich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen. Diese innere Mo‐ tivation kann jedoch durch externe Anreize wie Termine, Zeitdruck oder fremdbestimmte Deadlines geschwächt werden. Belohnungen hingegen, die als informativ empfunden werden (z. B. Preisgeld für eine Leistung), können den inneren Antrieb stabil halten (ebd.). Ein anderer Ansatz ist die Theorie der Basisbedürfnisse, die drei zen‐ trale Bedürfnisse nennt, um intrinsische Motivation zu fördern (Brandstätter et al. 2018, S.-117f.): ● Autonomie, also das Bedürfnis und Gefühl, selbstbestimmt handeln und frei entscheiden zu können ● Kompetenz, die Wahrnehmung eigener Fähigkeiten bzw. das Gefühl, kompetent zu sein ● soziale Eingebundenheit, das Bedürfnis, sich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen 2.3 Motivation und Umgang mit Prokrastination 49 <?page no="50"?> espresso-Verständnis | Kleine Belohnungen nach einer produktiven Sitzung oder nach einem erreichten Meilenstein können Ihre Motivation fördern. Welche Belohnungen, die Sie sich selbst geben könnten, fallen Ihnen ein? Wenn Sie mögen, können Sie sich eine Liste mit Möglich‐ keiten machen, zu der Sie immer wieder Ideen hinzufügen und sich dar‐ aus inspirieren lassen können. Wichtig: Belohnungen sollten natürlich Ihren Gedanken- und Arbeits‐ fluss nicht stören. Wie schaffen Sie es nun, Ihre Motivation zu bewahren bzw. die Energie (und Laune) zu fokussieren und beizubehalten? Die Antwort lautet: durch eine klare Zielsetzung. Dadurch werden Sie mehr Ausdauer haben und schwierige Herausforderungen eher bewältigen. Ist das Ziel dann letztend‐ lich erreicht, bringt das besonders starke Erfolgsgefühle (Krengel 2015, S.-65f.). Wenn Sie Ihre Ziele klar formulieren, dann sollten Sie sie auch erreichen können. Das bedeutet gleichzeitig, dass Ihre Ziele ● realistisch und machbar sind. Es muss Ihnen grundsätzlich möglich sein, das Ziel tatsächlich zu erreichen (Brandstätter et al. 2013, S. 138ff.). ● herausfordernd sind, damit Sie sich bemühen, sie zu erreichen (ebd., S.-139). ● verbindlich für Sie sind. Teilen Sie Ihr Ziel mit Freund: innen oder der Familie. So werden Sie verantwortlich gemacht und werden nicht so schnell aufgeben, wenn Hindernisse auftauchen (ebd., S.-138). ● messbar sind. Setzen Sie selbst Termine und nutzen Sie Meilensteine, um sich Rückmeldung bezüglich Ihres Fortschritts einzuholen (ebd.) ● konkret formuliert sind: Statt „viel lesen“ ist „15 Seiten lesen“ ein mo‐ tivierendes und verbindlicheres Ziel (Rothermund/ Eder 2011, S. 137f.). Legen Sie dafür feste Termine und Fristen fest (Krengel 2015, S.-66). „Gib nicht auf. Leide jetzt und lebe den Rest deines Lebens wie ein Champion.“ Muhammad Ali (1942-2016), US-amerikanischer Boxer Um langfristig leistungsfähig und motiviert zu bleiben, ist es wichtig, persönliche Bedürfnisse zu kennen und einen ausgeglichenen und ausge‐ wogener Alltag zu haben. Freizeitaktivitäten und soziale Kontakte sollten 50 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="51"?> gezielt in den Alltag integriert werden, da sie eine gute Grundlage für nachhaltige Motivation schaffen (Krengel, 2015, S.-60ff.). Ferner erleichtern feste Gewohnheiten den Start in die Arbeit. Rituale, wie ein bestimmtes Lied, eine Entspannungsübung oder der Kaffee, schaffen Routine und erleichtern das Anfangen. Aktivitäten, wie E-Mails lesen oder im Internet surfen, sind weniger geeignet, weil sie oft zu sehr vom Arbeitsthema ablenken und „fremde Informationen“ liefern. Achten Sie also darauf, dass die Rituale Sie eben nicht von Ihren Gedanken wegführen, sondern im Gegenteil das Schreiben und Überlegen unterstützen. espresso-Wissen | Exkurs: Inspiration von Kreativen Viele Persönlichkeiten, vor allem solche in kreativen Berufen, hatten feste Rituale und Routinen für ihre Schreibarbeit. Manche Gewohnhei‐ ten sind sicherlich weniger empfehlenswert oder praktikabel als andere (vgl. Mayr, 2013, Clear, 2015, Burkeman, 2013). Aber vielleicht bringen sie Ihnen Inspiration für Ihr eigenes Einstiegsritual. ● Ernest Hemingway (1899-1961) schrieb sehr früh am Morgen, direkt nach Sonnenaufgang, seine Kurzgeschichten und Romane. ● Ludwig van Beethoven (1770-1827) konnte nicht arbeiten, bevor er nicht eine Tasse Kaffee, gemahlen aus exakt 60 Kaffeebohnen, getrunken hatte. ● Maya Angelou (1928-2014) mietete sich ein eigenes Hotelzimmer, um dort ohne Ablenkungen zu schreiben. ● Haruki Murakami (*1949) beginnt morgens um 4 Uhr mit der Arbeit, zieht sie fünf bis sechs Stunden lang durch und um 21 Uhr geht er schlafen. ● Patricia Highsmith (1921-1995) benötigte ihre Zigaretten, ihren Kaffee, einen Donut und Zucker. Bevor sie schrieb, trank sie einen Drink zur Beruhigung. Prokrastination beschreibt im Gegensatz zur Motivation das ständige Aufschieben von Aufgaben zugunsten schnell umsetzbarer, oft unwichtiger Tätigkeiten. Wir beginnen plötzlich, das Geschirr zu spülen, Bücher im Regal zu sortieren, Klamotten wegzuräumen. Solche oder ähnliche Aufgaben liefern kurzfristig Erfolgserlebnisse, sie hinterlassen jedoch langfristig ein schlechtes Gewissen. Die wichtigen Aufgaben bleiben schließlich unerle‐ 2.3 Motivation und Umgang mit Prokrastination 51 <?page no="52"?> digt. Prokrastination wird oft mit Faulheit verwechselt oder als bloße Unart abgetan, aber nein, sie ist häufig das Ergebnis tieferliegender Ursachen, die gezielte Strategien erfordern (Rist et al., 2006). „Procrastination is the thief of time.“ Edward Young (1683-1765), englischer Dichter, Auszug aus: Night-Thoughts espresso-Wissen | In einem Artikel der ZEIT von Sigrid Neudecker (06.08.2007) werden zwei Typen von Aufschieber: innen beschrieben: ● Erregungsaufschieber: in: Einige Menschen benötigen den Stress kurz vor der Abgabefrist, um produktiv zu werden. Gehören Sie dazu? Sie verspüren erst dann den nötigen Adrenalinkick, wenn der Druck am höchsten ist. Die „Erregungsaufschieber: in‐ nen“ glauben, nur unter Zeitdruck effizient arbeiten zu können. In Wirklichkeit hat aber eine langfristig geplante, ruhig ausgeführte Arbeit, die regelmäßig auf Fehler überprüft wird, meist eine höhere Qualität als eine Arbeit, die in letzter Minute unter Stress und Zeitdruck entsteht. ● Vermeidungsaufschieber: in: Andere Prokrastinierer: innen schieben Aufgaben auf, weil sie sich fürchten, ihre Leistung zu zeigen. Die „Vermeidungsaufschieber: innen“ beginnen spät mit dem Arbeitsprozess, um im Falle eines Misserfolgs die fehlende Zeit als Ausrede anführen zu können. Wenn Sie jedoch rechtzeitig anfingen, würde die tatsächliche Leistung bewertet und damit die eigene Fä‐ higkeit. Wer an seinen Fähigkeiten zweifelt, vermeidet es, rechtzeitig zu starten, um das eigene Selbstbild vor negativer Kritik zu schützen. Doch auf lange Sicht untergraben wir so das eigene Selbstvertrauen, da wir nicht in der Lage sind, konstruktive Kritik anzunehmen. Außerdem verpassen wir die Möglichkeit, aus Feedback zu lernen und das eigene Potenzial auszuschöpfen. Diese beiden Prokrastinationstypen sind übrigens weniger feste Katego‐ rien, sondern sie beschreiben unterschiedliche Phasen des Aufschiebens (Beißner/ Engberding/ Patzelt/ Rist 2007, S. 68). Oft wird zunächst die Aufgabe verschoben, bis der Deadline-Druck so hoch wird, dass hektisch versucht wird, sie noch zu erledigen. 52 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="53"?> espresso-Verständnis | Auf der Internetseite der Universität Münster finden Sie einen Selbsttest zu Prokrastinationsverhalten, Depressivität und Aufmerksamkeitsstörung. Der Test dauert etwa 30 Minuten. 🔗 -https: / / www.uni-muenster.de/ Prokrastinationsambulanz/ Angebote _Test.html „Ich bin nicht faul, ich bin nur sehr effektiv darin, nichts zu tun.“ Julia Engelmann (*1992), deutsche Schauspielerin, Poetry-Slammerin Umgang mit Prokrastination Eine langfristige und effektive Strategie gegen Prokrastination beginnt mit Selbstreflexion, d. h. sich selbst aus einer objektiven Perspektive betrachten. Dies kann helfen, wiederkehrende Verhaltens- und Denkmuster zu erkennen, die das eigene Aufschieben begünstigen. Diese Sichtweise auf das eigene Verhalten und auf die eigenen Schwächen können eine positivere Selbstwahrnehmung fördern. Ein hilfreiches Werkzeug ist das Zeit-Tage‐ buch, das Zeitdiebe (→ Kap. 2.1) und andere Hindernisse offenlegt (Stickel- Wolf & Wolf, 2011). espresso-Wissen | Das Zeit-Tagebuch: den eigenen Tag analysieren Es ist sinnvoll, seinen Arbeitstag genau zu betrachten und zu analysie‐ ren, was am Arbeiten und Schreiben hindert. Ein Zeit-Tagebuch kann helfen (Stickel-Wolf & Wolf, 2011). Hier ein Vorschlag zur Umsetzung: 1. Führen Sie ein digitales oder analoges Notizbuch als Zeit-Tagebuch ein und platzieren Sie es gut sichtbar (z. B. auf dem Desktop oder Schreibtisch) als Erinnerung zur regelmäßigen Nutzung. 2. Notieren Sie für eine Weile jede Aktivität, auch solche, die Sie als „Zeitverschwendung“ betrachten. 3. Bewerten die Aktivitäten am Tagesende, reflektieren Sie ihre Gedanken und Gefühle (Hat sich die Tätigkeit gelohnt? Was hätten Sie stattdessen tun wollen? ) Denken Sie daran, dass nicht jede Aktivität „produktiv“ sein muss und dass Pausen sehr wichtig sind. 2.3 Motivation und Umgang mit Prokrastination 53 <?page no="54"?> 4. Nehmen Sie hin und wieder eine Außenperspektive ein und analy‐ sieren Sie Muster, so wie es eine neutrale Person tun würde. Welche Ratschläge würden Sie jemandem in dieser Situation geben? Während das Zeit-Tagebuch eine langfristige Methode ist, um die eigenen Verhaltensmuster auf einer Meta-Ebene zu analysieren, ist die situations‐ bezogene Reflexion nützlich für die akuten Momente, in denen das Aufschieben verlockend ist. Schreiben Sie in diesem Moment den inneren Konflikt auf, etwa den Widerspruch zwischen dem, was Sie tun sollten, und dem, was Sie lieber tun würden. Diese Methode schafft Abstand und Klarheit und kann helfen, das Aufschieben zu stoppen. espresso-Verständnis | Fragen für die situationsbezogene Reflexion Wenn Sie vor einer Aufgabe stehen und sie in dem Moment merken, dass Sie kurz vor dem Aufschieben stehen (schon allein das ist schwierig, den Moment und das damit verbundene Problem tatsächlich zu erkennen), dann reflektieren Sie über Ihren inneren Konflikt zwischen dem, was Sie tun sollten und dem, was Sie stattdessen lieber tun wollen. ● Was sollte ich jetzt eigentlich tun? ● Was möchte ich stattdessen tun? ● Was hindert mich daran, anzufangen? ● Wie werde ich mich fühlen, wenn ich die Aufgabe erledige? Prokrastination entsteht häufig durch fehlende bzw. mangelnde Struktur, insbesondere bei großen Aufgaben, die komplex, anfangs schwer verständ‐ lich oder unangenehm sind. Das Aufteilen in kleinere, klar definierte Schritte hilft, die Arbeit überschaubarer zu gestalten (→ Ka. 2.1). Nutzen Sie außerdem einen gut strukturierten Zeitplan, damit Sie den Überblick zu behalten (→-Tab. 2): ● Teilen Sie größere Aufgabenkomplexe in klar definierte, zeitlich fest determinierte Teilaufgaben ein, die sich nicht gegenseitig überlappen (basierend auf Ferrari/ Johnson/ McCown 1995, S.-201f.) ● Planen Sie auch Ihre Freizeitphasen ein - nicht nur, um die Balance zu halten, sondern auch, um Ihre Zeit positiv zu erleben. 54 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="55"?> Aufgabe und Teilaufgaben zu erledigen bis erledigt am Präsentation zum Thema für Seminar (ca. 30 Minuten) Thema: Migrant: innen und ihre Geschichten in Medien und Politik Präsentationstermin 15.06. - passende Literatur zusammentragen und aus der Bibliothek ausleihen/ besorgen 10.05. ✔ 9.05. Literaturrecherche 20.05. 21.05. grobe Gliederung erstellen 22.05. - Konzept mit Dozent: in besprechen und Termin ausmachen 25.05. 14: 30 Uhr - Stichpunktzettel/ Notizen verfassen 2.06. - Präsentation erstellen 5.06. - Handout erstellen (als PDF zum Versenden bereit machen), ggf. fünf Exemplare ausdrucken 7.06. - Vortrag durchsprechen und üben, ggf. noch ein paar Korrekturen vornehmen (z.-B. kürzen) 14.06. - Probleme, die aufkommen können und was Sie dagegen tun können: -Ich weiß noch nicht, auf welchen Punkt des Themas ich den Fokus setzen soll. Tipp: Termin bei der/ dem Dozent: in machen, dort Ihre geplanten Aspekte vor‐ stellen, um Feedback bitten und nachfragen -Bei Vorträgen werde ich nervös, ich mag nicht gerne vorne stehen. Tipp: Den Vortrag immer wieder durchsprechen, dann werden Sie sich mit der Zeit sicherer fühlen. Tab. 2: Ein Beispiel für eine Aufgabenplanung am Beispiel „Präsentation“ Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, Hürden und Anfangsblockaden zu überwinden und anzufangen: ● klein anfangen: Beginnen Sie mit den überschaubaren oder leichteren Schritten der Aufgabe, z. B. Laptop hochfahren, Textverarbeitungspro‐ gramm öffnen, den ersten Satz schreiben. Dann noch einen weiteren Satz. Gestalten Sie die ersten Schritte einfach und kleinteilig, sodass sie Ihnen nicht mehr so schwierig und aufwändig erscheinen. 2.3 Motivation und Umgang mit Prokrastination 55 <?page no="56"?> ● Aufgaben angenehmer gestalten: Schaffen Sie eine positive Arbeits‐ atmosphäre und kombinieren Sie eine unangenehme Aufgabe mit etwas Positivem, z. B. einem guten Song, ein paar Sätze draußen in der Sonne lesen. Lassen Sie sich aber nicht von der tatsächlichen Aufgabe ablenken. ● Bewegung: Ein Spaziergang an der frischen Luft, eine Entspannungs- oder Sportübung bringen neue Energie und machen den Kopf frei. ● Perfektionismus überwinden: Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck. Hohe Erwartungen erzeugen nämlich Druck und fördern das Aufschieben. Jeden Tag ein kleiner Schritt ist besser als gar keiner! Fokussieren Sie auf (langsamen) Fortschritt statt auf Perfektion. ● „Nur zehn Minuten“-Regel: Versuchen Sie, nur zehn Minuten an der unangenehmen Aufgabe zu arbeiten. Zehn Minuten können Sie schaffen und durchhalten. Wenn Sie danach aufhören, haben Sie zumindest etwas geschafft und sind einen kleinen Schritt weiter (Stritzelberger 2015, S.-70ff). ● in der Mitte beginnen: Wenn der Anfang schwerfällt, beginnen Sie mit einem Teil, der Ihnen leichter fällt, z.-B. mit einem Abschnitt in der Mitte (Basco 2012, S.-81f.). ● Gefühle hinterfragen: Ja, Sie kennen sicher das Gefühl, auch mal „keine Lust auf Arbeit zu haben“ oder „sich nicht danach zu fühlen“. Aber Sie müssen sich nicht motiviert fühlen, um anzufangen. Halten Sie sich das stets vor Augen und sehen Sie solche Gedanken immer vor dem Hintergrund Ihrer Ziele und Aufgaben (Basco 2012, S.-33). ● Implementierungsintentionen: Legen Sie konkrete Absichten fest, z. B. „Nach dem Frühstück arbeite ich 30 Minuten.“ Verbinden Sie eine zu erledigende Aufgabe konditional an eine bestimmte Gelegenheit. Seien Sie dabei konkret und nehmen Sie diese Verknüpfung als verbindlich an (Brandstätter et al. 2018, S.-145). ● „Drei, zwei, eins - los! “: Machen Sie sich das Starten leicht, indem Sie einfach anfangen, zählen Sie runter: drei - zwei - eins - Start. „Die Entfernung ist unwichtig. Nur der erste Schritt ist wichtig.“ Marquise du Deffand (1697-1780), eine französische Salonnière im Zeitalter der Aufklärung Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie Ihren Zeitplan einmal nicht einhalten - das macht Ihre Fortschritte nicht zunichte. Bleiben Sie langfristig dran und gehen Sie Schritt für Schritt vor. 56 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="57"?> Falls das Arbeiten aber trotz dieser Tipps nicht leichter wird, nutzen Sie die Beratungsstellen an der Universität bzw. Hochschule. Sie bieten Unterstützung an, z. B. für Zeitplanung oder zur Begleitung des Arbeits‐ prozesses. Manche Hochschulen und Universitäten, wie in Münster, in Hamburg und in Berlin (vgl. graues Kästchen), bieten spezielle Anlaufstellen für Prokrastination. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe und Unterstützung zu suchen. espresso-Wissen | Beratung und Unterstützung an Hochschulen Viele Hochschulen und Universitäten bieten Beratungsangebote, Work‐ shops und andere Unterstützungsmöglichkeiten an, wenn es beim wis‐ senschaftlichen Schreiben schwierig wird und Hilfe gebraucht wird. ● Universität Münster 🔗 -https: / / t1p.de/ spjke ● FU Berlin 🔗 -https: / / t1p.de/ g8009 ● HAW Hamburg 🔗 -https: / / t1p.de/ s323w ● LMU München 🔗 -https: / / t1p.de/ 49u5b ● Universität Jena 🔗 -https: / / t1p.de/ 2tj1s ● Universität Heidelberg 🔗 -https: / / ogy.de/ 43h6 ● TU Chemnitz 🔗 -https: / / ogy.de/ uvru An dieser Stelle empfehle ich Ihnen einige Tools, die helfen können, Pro‐ krastination zu vermeiden und mehr System bzw. ein Muster in den Alltag zu bringen. ● Smartphone-Nutzung im Blick behalten: Zahlreiche Apps erfassen Ihre Smartphone-Nutzung und zeigen an, wie viel Zeit Sie mit verschie‐ denen Tools verbringen (Fatoba, 2018). So können Sie feststellen, welche Anwendungen Sie besonders ablenken. Manche Apps bieten auch die Möglichkeit, Zeitbeschränkungen festzulegen. Beispiele: Moment (iOS, Android), QualityTime (Android), RescueTime (iOS, Android, Mac, Win‐ dows, Browser).- ● Ablenkungen blockieren: Tools wie Productivity Owl (Chrome) und SelfControl (Mac, Chrome) ermöglichen es, ablenkende Webseiten für festgelegte Zeiträume zu sperren. Mit Forest (iOS, Android, Firefox) kön‐ nen Sie für einen definierten Zeitraum einen virtuellen Baum pflanzen, der nur wächst, wenn Sie bestimmte Apps oder Websites nicht nutzen. 2.3 Motivation und Umgang mit Prokrastination 57 <?page no="58"?> Zahlreiche weitere Tools helfen Ihnen bei der Zeitplanung und -eintei‐ lung (→-Kap.-2.1). Natürlich können Sie Ihr Smartphone auch einfach auf stumm schalten. Der Flugmodus oder das Einstellen eines Schwarz-Weiß-Bildschirms helfen auch, das Gerät weniger verlockend zu machen. Vielleicht ist es sogar sinn‐ voll, bestimmte Apps zu deinstallieren oder Sie arbeiten in der Bibliothek und lassen das Smartphone draußen in der Tasche, um Ablenkungen zu vermeiden. 58 2 Planung und Vorbereitung der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="59"?> 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation espresso-Wissenscheck | https: / / narr.kwaest.io/ s/ 1370 espresso-Keywords | Themenwahl, Rahmenbedingungen, Fragestel‐ lung, Orientierung, Gliederung, Titelformulierung, Argumentation, Li‐ teraturrecherche, Quellenarbeit, Lesestrategien, Lesestile, Ordnung, Do‐ kumentation, Materialverwaltung, KI-Werkzeuge Am Anfang fällt es Ihnen vielleicht schwer, ein geeignetes Thema zu finden, Ihre Ideen zu strukturieren, eine gute wissenschaftliche Fragestellung und Argumente zu formulieren und gezielt nach Informationen zu suchen und alles sinnvoll und nachhaltig zu dokumentieren. Dieses Kapitel zeigt, wie Sie dabei vorgehen können. Es behandelt ● Themenfindung und Orientierung (→-Kap.-3.1.), ● Literaturrecherche (→-Kap.-3.2.), ● Lesestrategien und -techniken (→-Kap.-3.3.) und ● Materialdokumentation und -verwaltung (→-Kap.-3.4.). 3.1 Themenfindung und Orientierung Wenn eine wissenschaftliche Arbeit ansteht, sollten Sie von Beginn an Ihre Gedanken zum Thema strukturieren, diese begründen und inhaltliche Grenzen klären. Manchmal ist ein Thema vorgegeben, manchmal können Sie es selbst wählen. In beiden Fällen müssen Sie eine passende Problem- und Fragestellung formulieren. Überlegen Sie, warum Sie sich gerade mit diesem Thema beschäftigen möchten, und entwickeln Sie Argumente dafür. Ziel ist es, auf wissenschaftliche und strukturierte Weise Antworten auf Ihre Fragestellung zu finden und den Überblick zu bewahren. Dies gelingt Ihnen, indem Sie das Thema systematisch strukturieren und erste (zunächst grobe) Gliederungspunkte erarbeiten. Diese werden dann im Laufe des Orientierung- und Vertiefungsprozesses mit fundiertem Wissen aus Literatur und anderen Quellen gefüllt. Die Themenfindung und Orien‐ <?page no="60"?> tierung ist ein dynamischer Prozess, in dem Sie planen, reflektieren und kreativ sein können (→-Abb. 1). Der Weg von der ersten Idee zur Forschungsfrage Die Entwicklung eines Forschungsthemas und einer Fragestellung ist ein mehrstufiger Prozess (→ Abb. 16): Zunächst finden Sie ein passendes Themengebiet, das zu Ihnen und Ihren Zielen passt. Danach verschaffen Sie sich darüber einen Überblick, grenzen das Thema für sich ein und überprüfen relevante Aspekte. Am Ende entwickeln Sie eine präzise und überprüfbare wissenschaftliche Fragestellung. Dieser Prozess sollte transparent, überprüfbar und für Ihre Leser: innen gut nachvollziehbar sein. Eine klare Struktur erleichtert sowohl Ihre eigene Arbeit als auch das Verständnis Ihrer Ergebnisse. Überblick über das ganze Themengebiet schaffen Suche nach einem geeigneten Thema Thema eingrenzen und definieren Wissenschaftliche Fragestellung definieren, Hypothesen formulieren und erste Gliederung erstellen Abb. 16: Der Prozess, sein Thema und seine Forschungsfrage zu finden Themenwahl: Vorgegeben oder frei wählbar? Es gibt zwei Situationen bei der Themenwahl einer wissenschaftlichen Arbeit: Entweder es wird mindestens ein Thema, z. B. von der lehrenden Person, vorgegeben oder Sie müssen, bzw. dürfen sich selbst eines überlegen. Sowohl bei der vorgegebenen als auch bei der frei wählbaren Themenwahl müssen Sie die fachlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen berücksich‐ tigen. In der Studienbzw. Prüfungsordnung Ihres Faches sind Kriterien beschrieben. espresso-Wissen | Rahmenbedingungen und fachspezifische Vorgaben Eine wissenschaftliche Arbeit muss inhaltliche, formale und sprachliche Anforderungen erfüllen (Yomb, 2010, S. 16f.). Klären Sie diese Punkte frühzeitig mit Ihrer Betreuung. Wichtige Fragen in der Konsultation könnten sein: 60 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="61"?> ● Was sind Anspruch und Zielsetzung der Arbeit? ● Welche Vorgaben gibt es zum Umfang, zur Form und zu Zitierregeln? ● Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt? ● Welche Schwerpunkte sind zu setzen, welche Literatur oder Materia‐ lien sind relevant und verfügbar? ● Wie ist der zeitliche Rahmen (Abgabetermin, Bearbeitungszeit)? ● Sind besondere Sprachkenntnisse erforderlich? Erstellen Sie ggf. ein Exposé, inkl. Zeitplan und Gliederung, und stim‐ men Sie die Arbeitsphasen ab. 1. Vorgegebene Themen Wenn das Thema Ihrer Arbeit vorgegeben ist, kann es zunächst für Sie uninteressant, langweilig oder zu abstrakt wirken. Versuchen Sie dennoch, interessante Aspekte zu entdecken. Stellen Sie sich Fragen wie: ● Welche Facetten dieses Themas könnten für Sie spannend sein? ● Gibt es Verbindungen zu anderen Bereichen, die Sie interessieren? Ein Brainstorming hilft Ihnen, sich dem vorgegeben Thema anzunähern. Schreiben Sie frei und ungefiltert alle Ihre Gedanken auf - ganz ohne Bewertung und ohne Systematik. Anschließend können Sie diese spezifi‐ zieren und Schwerpunkte setzen. Auch scheinbar langweilige Themen bergen oft unerwartete Potenziale, wenn Sie sie aus einer neuen Perspektive betrachten. espresso-Verständnis | Was möchten Sie tatsächlich bearbeiten? Einige Annäherungsfragen können Ihnen helfen, herauszufinden, was Sie wirklich bearbeiten möchten (Frank, Haacke und Lahm, 2013, S. 16): ● Welche Aspekte ziehen Sie an, berühren Sie, stoßen Sie ab oder erscheinen Ihnen fremd? ● Können Sie persönliche Erfahrungen einbringen? ● Gibt es Verknüpfungen zu Themen, mit denen Sie sich bereits beschäftigt haben? Hatten Sie sich vielleicht schon in einem anderen Kontext mit einem Unterthema zu tun? 3.1 Themenfindung und Orientierung 61 <?page no="62"?> ● Können Sie bei dem gewählten Thema etwas ausprobieren, z. B. eine Methode? ● Welche Gegenposition könnten Sie einnehmen und begründen? 2. Freie Themenwahl Bei der freien Themenwahl stehen Ihnen viele Möglichkeiten offen. Begin‐ nen Sie damit, Ihre Interessen zu sammeln. ● Welche Themen haben Sie während Ihrer Studienzeit fasziniert? ● Gibt es offene Fragen aus Seminaren oder Projekten, die Sie weiter vertiefen möchten? ● Welche persönlichen oder beruflichen Erfahrungen könnten relevant sein? Auch externe Impulse, z. B. aus Büchern, aus Gesprächen mit Freund: innen, Fil‐ men, Audio-Podcasts oder Alltagsbeobachtungen, können inspirieren. Nutzen Sie alle Quellen (vgl. Hoebel, 2012). Schreiben Sie Ihre Ideen auf und entwickeln Sie daraus erste Ansätze. espresso-Wissen | Hinweise zur freien Themenwahl Empfehlenswert ist jenes Thema, das Sie wirklich interessiert und über längere Zeit motiviert. Ideal ist es, wenn Sie bereits Vorkenntnisse haben oder das Thema für Ihre Zukunft relevant ist. ● Vermeiden Sie zu persönliche Themen, bei denen eine objektive Bearbeitung schwierig sein könnte, z. B. Gesundheit bei familiären Krankheitsfällen. Prüfen Sie persönliche Themen sorgfältig: Können Sie sie wissenschaftlich bearbeiten, ohne dass es zu subjektiv wird? ● Auch abstrakte Themen ohne klaren Zugang oder schwer verfügbare Quellen können hinderlich sein (vgl. Franck, 2004 und Kruse, 2005). ● Falls nötig, verkleinern Sie das Thema und fokussieren Sie auf konkrete Fragen (Frank, Haacke und Lahm, 2013, S.-17f.). ● Tauschen Sie sich bei der Themenwahl mit Mitstudierenden oder Bekannten aus, um andere Perspektiven zu gewinnen. Besprechen Sie Ihre Ideen und deren Umsetzbarkeit bzw. Realisierbarkeit unbe‐ dingt mit Ihrer Betreuung (Frank, Haacke und Lahm, 2013, S. 17ff.). 62 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="63"?> espresso-Verständnis | Reflexion zur Themenauswahl Bei der Themenauswahl helfen folgende Fragen, Gedanken zu struktu‐ rieren und Unsicherheiten zu klären. Besprechen Sie Ihre Auswahl mit dem/ der Betreuer: in. ● Welches Ziel verfolge ich mit dieser Arbeit? (z. B. Leistungsschein, persönliche Herausforderung, Neugier, Projektmitarbeit) ● Interessiert mich das Thema? Bietet es genug Raum für Eigenleis‐ tung und Kreativität? ● Was will ich wissen? Was weiß ich bereits? Habe ich Vorkenntnisse oder bereits ähnliche Themen bearbeitet? ● Sind relevante Literatur und Material verfügbar? Muss ich etwas rechtzeitig über Fernleihe bestellen? ● Ist das Thema zeitlich, methodisch und inhaltlich machbar? ● Wer betreut mich, und wie ist die Erreichbarkeit? (z. B. in den Semesterferien) An wen kann ich mich wenden, wenn ich nicht weiterkomme? ● Welche zentralen Fragen müssen geklärt werden? Egal, ob Sie ein vorgegebenes Thema oder ein eigenes Thema bearbeiten werden, stellen Sie sich die Frage, was Sie längerfristig interessiert und Sie intensiver bearbeiten möchten. Das Thema muss zu Ihnen passen und Ihr eigenes werden. Gleichzeitig braucht es eine gewisse Distanz; lassen Sie das Thema Ihrer wissenschaftlichen Arbeit nicht zu einem Lebensthema werden. Unterstützung bei der Themenfindung, Orientierung und Inspiration durch KI Künstliche Intelligenz (KI) kann ein sehr hilfreiches Werkzeug sein, „um neue Zugänge zu einem Thema zu finden oder unterschiedliche Perspekti‐ ven zu entwickeln und damit die Ideenfindung erleichtern“ (BMBF, 2023, S. 3f., Mohr et. al., 2023). Tools wie ChatGPT helfen, Denkanstöße zu geben, Unterthemen zu identifizieren oder mögliche Forschungslücken aufzuzeigen. Lassen Sie sich durch das Tool inspirieren, jedoch nicht in die Irre führen. Überprüfen Sie die Vorschläge, die das Programm ausgibt. Ob 3.1 Themenfindung und Orientierung 63 <?page no="64"?> für Ihre wissenschaftliche Arbeit KI-Tools tatsächlich hilfreich für Sie sind, das müssen Sie letztlich selbst herausfinden. Die Qualität des Vorschlags von KI ist von der Qualität Ihrer Anfrage (des Prompts) abhängig. Das, was die KI tut, das ist berechnen, nicht denken und schon gar nicht mitdenken oder mitfühlen. Ihr Prompt muss daher präzise und eindeutig sein, das bedeutet, Sie müssen verstanden haben, was sie fragen und wissen möchten. Klare Ansagen und eindeutige Imperativsätze machen sich daher gut. Höflichkeitsfloskeln (z. B. „bitte“ und „danke“) und Füllwörter (z.-B. „eigentlich“, „irgendwie“, „also“, „meinst du“, „eventuell“ etc.) braucht es nicht (vgl. Perfölz, 16.02.2024). Was ein sinnvoller Prompt beinhalten sollte, das sind folgende Dimen‐ sionen (vgl. Hunziker, 2023, S. 221ff., Perfölz, 16.02.2024 und DAIR.AI, 19.09.2024): ● klare Zielsetzung bzw. Intention ● konkreter Kontext und Fokus ● Zielgruppe bzw. Leserschaft und Zuhörende ● Sprachstil ● Format und Umfang ● Rolle, die KI einnehmen soll ● ggf. Beispiele espresso-Verständnis | Vorschläge für ein KI-Prompt mit dem Ziel, erste Ideen zu einem Themengebiet zu bewerten und/ oder Anregungen zu bekommen Beispiel 1: „Ich schreibe eine wissenschaftliche Hausarbeit im Fach [Fachbereich]. Meine ersten Ideen sind: [Ideen einfügen]. Stelle mir gezielte Fragen, die • mögliche Schwächen oder Gegenargumente aufzeigen, • zum Nachdenken anregen, • inhaltliche Lücken erkennen lassen, • neue Perspektiven eröffnen. Formuliere keine eigenen Argumente, sondern leite mich ausschließlich durch gezielte Fragen.“ 64 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="65"?> Beispiel 2: „Du bist Expertin in Workshops und Training mit 10 Jahren Berufserfahrung. Du hast bereits große BarCamps mit über 100 Teilnehmenden durchgeführt. Erkläre mir, einem Laien, welches die wichtigsten Aspekte sind, die ich berücksichtigen muss, wenn ich mein Forschungsthema [Thema einfügen] auf einer BarCamp Veranstaltung [Format und Art der Veranstaltung] durch‐ führen möchte. Antworte mit maximal 600 Zeichen.“ Eine gute Checkliste zum Prompten gibt es bei Hunziker (2023): Spass am wissenschaftlichen Arbeiten, S.-221ff. Denken Sie daran, KI nur unterstützend einzusetzen, also so, dass Ihr eigen‐ ständiges Denken und die Entwicklung Ihrer Ideen nicht vernachlässigt werden. Gehen Sie kritisch mit den von der KI generierten Vorschlägen um, reflektieren Sie die Vorschläge sorgfältig und passen Sie sie an Ihre eigenen individuellen Ideen an. espresso-Wissen | KI-Tools beim wissenschaftlichen Arbeiten Künstliche Intelligenz (KI) ist im Alltag, beim Arbeiten und Lernen mitt‐ lerweile sehr üblich geworden. Auch beim wissenschaftlichen Arbeiten gab es einen unglaublichen Wandel und die neuen Entwicklungen, was die Möglichkeiten und Qualitäten von KI-Ergebnissen angeht, passieren rasant und kontinuierlich. KI hat zahlreiche Anwendungsbereiche und bietet wertvolle Unterstützung: von der Ideengenerierung und Orien‐ tierung bis hin zur Textbearbeitung und Plagiatsprüfung (→ Kap. 6.2). Diese Möglichkeiten sollten wir nutzen, uns jedoch stets der Risiken, Herausforderungen und auch Gefahren bewusst sein. Das bedeutet: Wir müssen verantwortungsvoll mit KI umgehen, ihre Vorschläge kritisch hinterfragen und eigenständig denken, um letztlich selbst kreativ und eigenverantwortlich handeln zu können (vgl. Mohr et. al., 2023, Study‐ Texter, 2024). Anwendungsbereiche beim wissenschaftlichen Arbeiten und im Studium (vgl. Hüsch, Horstmann & Breiter, 2024) ● Inspiration und Ideenfindung: KI kann Denkanstöße geben, Unterthemen identifizieren und Brainstorming unterstützen. 3.1 Themenfindung und Orientierung 65 <?page no="66"?> ● Recherche nach Literatur und Quellen: KI hilft, relevante Infor‐ mationen und Daten zu finden oder einen Überblick über ein Thema zu erstellen. ● Gliederung und Strukturierung von Inhalten: Vorschläge für logische Kapitelstrukturen, Schlüsselwörter, Argumente und Visua‐ lisierungen wie Mindmaps sind möglich. ● Textgenerierung und -formulierung sowie Verbesserungs‐ vorschläge: KI kann Textentwürfe vorschlagen, Text umformulie‐ ren und umschreiben, Rechtschreib- und Grammatikfehler korrigie‐ ren, logische Fehler erkennen, Schlüsselwörter einfügen, Schreibstil und Satzstrukturen anpassen, Textinhalte zusammenfassen und Texte übersetzen. ● Umwandlung von Textformaten in andere: Eigene schriftliche Inhalte kann KI in eine Präsentation oder in einen Handzettel umgestalten. ● Feedback: Je nachdem, wie ein Prompt formuliert wird, kann KI mit Bezug auf ein Ziel, eine Aufgabe und einer Erwartung etc. ein konstruktives Feedback geben. ● Zitierhilfe und Plagiatsprüfung: Durch einen Quellenvergleich können Quellenangaben verbessert und Plagiate bzw. KI-Texte er‐ kannt werden. In all diesen Anwendungsbereichen werden relevante Kompetenzen gefordert: Eine sinnvollvolle und effektive Nutzung der KI-Tools erfor‐ dert nämlich spezielles Vorwissen, das Wissen zum Umgang mit KI (vgl. Prompting), die Fähigkeit, kritisch zu denken und das Wissen, wie die Vorschläge der KI zu bewerten sind (vgl. Weßels, Mundorf, Wilder, 2022, Mohr et. al., 2023). Grenzen und Gefahren der KI-Möglichkeiten (nicht nur beim wissenschaftlichen Arbeiten) Künstliche Intelligenz ersetzt keine menschliche Intelligenz. Ihre Vor‐ schläge sind standardisiert und beruhen lediglich auf verfügbare Infor‐ mationen und Daten aus dem Netz und auf die Qualität Ihrer Anfrage. Zwar wirken sie oft neuartig (sie sind ja auch neu generiert), doch sie sind weder kreativ noch originell und vor allem nicht individuell und emotional. Ihre Fähigkeiten, wie Kreativität, kritisches Denken, 66 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="67"?> selbstständiges Arbeiten oder ein solides Grundlagenwissen (→ Abb. 1) gehen verloren bzw. werden nicht gelernt, wenn Sie sich ausschließlich auf KI verlassen. Da KI-Systeme auf die verfügbaren Daten zugreifen und diese Daten‐ grundlagen (noch sehr stark) von der westlichen, reichen und industria‐ lisierten Welt geprägt sind, werden die KI-Ausgaben entsprechend west‐ lich sein, d. h. ungerecht und diskriminierend hinsichtlich Geschlecht, Herkunft, Status etc. (UNESCO, 2023). Kurz: KI ist nicht neutral. Dis‐ kriminierende und verachtende Vorschläge müssen daher unbedingt manuell beseitigt werden. Es ist entscheidend - und wird im Buch mehrfach betont -, KI-Tools verantwortungsbewusst zu nutzen (Hunziker, 2023, S.-147). Lassen Sie sich nicht von Fehlern oder Verzerrungen täuschen, überprü‐ fen Sie kritisch und vernachlässigen Sie niemals Ihre eigenen Kompe‐ tenzen und Ihre Kreativität. Die Grenze zwischen KI-Unterstützung und eigenem Denken ist oft unklar, darf allerdings nicht ignoriert oder überschritten werden. Wann KI unterstützen und Sie in Ihrem Arbeits- und Schreibprozess entlasten kann und wie Sie tatsächlich effektiver schreiben und dabei eigenständig bleiben, entnehmen Sie in der → Abb. 17 (vgl. Limburg, 2023). Eine blinde und unkritische Nutzung der KI- Vorschläge ist sehr bedenklich und unzulässig. Nicht zu vergessen ist, dass die Daten und Informationen, die Sie in einem KI-Tool eingeben, nicht geschützt sind. Sein Sie daher vorsichtig mit personenbezogenen Daten. Beachten Sie die Richtlinien Ihrer Hochschule bzw. Bildungseinrich‐ tung zum Umgang mit KI (Leibniz Universität Hannover, 2023, vgl. Solis, 2024: Die ChatGPT-Richtlinien der 100 größten deutschen Univer‐ sitäten). Fragen Sie Ihre Betreuungsperson nach dem Verhaltenskodex für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz beim wissenschaftlichen Arbeiten und auch, wo z. B. die Grenzen liegen. Mindestens aber sollten Sie klar angeben, dass Sie KI in Ihrer Arbeit verwendet haben, und beschreiben, in welcher Weise (→-Kap.-6). 3.1 Themenfindung und Orientierung 67 <?page no="68"?> Sie übernehmen die KI-Vorschläge ungeprüft und 1: 1. disguised plagiarism Sie lassen fremde Texte durch KI paraphrasieren. Sie lassen sich unterstützen: an der Textoberfläche • sprachlich-stilistische Überarbeitung (Stil, Rechtschreibung) • Formatierung im Schreibprozess • Entwürfe zur Ideengenerierung & Weiterarbeit • Texterklärung • Textzusammenfassung Biases, d. h. Fehler und Verzerrungen, berücksichtigen: • Vergleich der Vorschläge verschiedener KI-Tools • Vorschläge von KI als Korrektive • Feedback von KI • KI als Diskussionspartner • Datenerhebungen und -auswertungen zunehmende Eigenständigkeit, d. h. verantwortungsbewussteres Verhalten Lernen vermeiden bessere Ergebnisse Entlastung Abb. 17: KI-Tools beim wissenschaftlichen Arbeiten Es gibt sehr viele und unterschiedliche KI-Tools, die meisten auf den fol‐ genden Plattformen dürften an Hochschulen auch zulässig sein. Fühlen Sie sich eingeladen, durch die Listen zu sehen, die jeweiligen Funktionen der KI anzusehen und deren Möglichkeiten, um dann fokussierter einer KI einzuwählen und auszuprobieren. ● Futurpedia (wird stetig aktualisiert) 🔗 -https: / / www.futurepedia.io ● VK: KIWA 🔗 -https: / / www.vkkiwa.de/ ki-ressourcen/ ki-tools/ ● There’s An AI For That (wird stetig aktualisiert) 🔗 -https: / / theresa naiforthat.com/ ● AI Tools Directory- 🔗 -https: / / www.hcilab.org/ ai-tools-directory/ Einen Überblick verschaffen Sobald das Thema feststeht, beginnt die eigentliche wissenschaftliche Ar‐ beit: Sie sichten Überblicksliteratur, lesen sich ins Fachgebiet ein und notieren erste Inhalte. Dabei sollten Sie den Überblick behalten, auf dem Weg bleiben und sich nicht verzetteln. Für den ersten inhaltlichen Einstieg sind Nachschlagewerke, Hand‐ bücher oder aktuelle Zeitschriftenartikel ganz hilfreich. Sekundärliteratur, wie Monografien, Artikel oder Beiträge über Studien, bietet einen guten Überblick über Meinungen, Ansätze und Positionen. Auch Forschungslü‐ cken und offene Fragen lassen sich so erkennen. Onlinequellen, wie 68 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="69"?> Blogs, Webseiten oder Wikipedia, können erste Anhaltspunkte liefern, sind allerdings oft unzuverlässig, oberflächlich und kurzlebig. Gedruckte Bücher und Journals bleiben dagegen langfristig zugänglich. Führen Sie eine erste Literaturrecherche durch und überfliegen Sie die Texte, um irrelevante Quellen auszusortieren. Es geht zunächst nur darum, sich einen Überblick zu verschaffen. Vermeiden Sie es also, zu früh in die Tiefe zu gehen und sich in Details zu verlieren. KI-Tools können Sie in dieser Phase unterstützen, indem sie relevante Literatur vorschlagen und erste Ideen liefern. Sie ergänzen die klassische Recherche in Bibliothekskatalogen (OPAC) und Fachdatenbanken (DBIS), ersetzen diese aber nicht. Überprüfen Sie immer die Ergebnisse der KI-Tools, lesen Sie kritisch und berücksichtigen deren Grenzen und Risiken. espresso-Wissen | Empfehlenswerte KI-Werkzeuge zur (ersten) Litera‐ turrecherche ● Research Rabbit visualisiert Verbindungen zwischen Themen und Autor: innen wissenschaftlicher Arbeiten. Eine Anmeldung ist erfor‐ derlich. 🔗 -https: / / www.researchrabbit.ai ● Elicit dient der Recherche und bietet bei Eingabe einer Fragestellung eine Auswahl an Studien, Papers und Literatur. Es kann zudem Zusammenfassungen aus mehreren Artikeln erstellen. Die Basisver‐ sion ist kostenfrei; ein Login ist notwendig. 🔗 -https: / / elicit.com/ ? redirected=true ● Perplexity AI ist eine Kombination aus Suchmaschine und KI-ge‐ stütztem Textgenerator. Das Tool kann zitieren und zu den Quellen verlinken. Die Basisversion ist kostenfrei. 🔗 -https: / / www.perplexity.ai ● Humata analysiert Forschungsliteratur, filtert relevante Informatio‐ nen aus wissenschaftlichen Texten und generiert gezielte Fragen. 🔗 -https: / / www.humata.ai ● Open Knowledge Maps ist eine gemeinnützige Plattform aus Öster‐ reich und erstellt Cluster, zeigt grafische Trefferlisten und analysiert Meta-Daten aus Quellen wie PubMed oder BASE. Die Nutzung ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich. 🔗 -https: / / openknowledgemaps.org 3.1 Themenfindung und Orientierung 69 <?page no="70"?> ● Semantic Scholar ist eine Suchmaschine zur gezielten Suche nach wissenschaftlichen Papers. Die Basisversion ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. 🔗 -https: / / www.semanticscholar.org Diese KI-Tools bieten hilfreiche Funktionen für die (erste) Recherche - aber prüfen Sie die Vorschläge immer auf Zuverlässigkeit und prüfen Sie die Relevanz der Ergebnisse. Notizen machen und zusätzliche Informationsquellen nutzen Sinnvoll und hilfreich ist es, wenn Sie Stichworte aus relevanten Texten notieren und Sie immer die dazugehörigen Literatur- und Quellenangaben mit Seitenzahlen angeben. So vermeiden Sie später aufwendiges Nachre‐ cherchieren. Erstellen Sie in der Orientierungsphase eine Übersicht oder Liste über bereits gelesene und recherchierte Inhalte, gruppieren Sie Ihre Notizen thematisch und ergänzen Sie Schlagworte. Nutzen Sie zusätzliche Quellen wie Seminare, Ausstellungen, Fachtagun‐ gen, Podcasts oder Gespräche mit Bekannten, Zeitzeug: innen, Expert: innen oder Lehrenden. Sogar bestimmte Orte, die mit Ihrem Thema in Verbindung stehen, können inspirierende Einblicke bieten. espresso-Wissen | Exkurs: Methoden zur Orientierung Um sich einem Thema zu nähern, Orientierung zu gewinnen und den Überblick zu behalten, gibt es hilfreiche Methoden, wie Clustering, Mindmapping und freies Schreiben. Clustering ist ein sortiertes Brainstorming, also eine Methode, um sich einem Thema assoziativ und kreativ und gleichzeitig geordnet zu nähern. Ein zentrales Wort wird dabei mittig notiert, darum herum ergänzen Sie Ideen und Assoziationen, die Sie miteinander verbinden können (→ Abb. 18, linke Struktur). Jedes neue Wort kann ein Aus‐ gangspunkt für weitere Ideen sein. Dadurch entstehen Gedankennetze, die Sie später für eine Kapitelstruktur nutzen können. Mindmapping ist eine Arbeitsbzw. Darstellungsmethode, bei der „das sprachlich-logische Denken mit dem intuitiv-bildhaften Denken 70 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="71"?> verbunden wird“ (Klanten, Mischler und Bilz, 2015, S. 62). Der Aufbau ähnelt einer Baumstruktur (→ Abb. 18, rechte Struktur): Ein Thema oder eine zentrale Frage wird in die Mitte und darum werden Stichworte und Begriffe geschrieben. Alles, was zum Thema einfällt, ist erlaubt. Zu den (Unter-)Begriffen werden weitere Assoziationen und Ideen geschrieben; Verzweigungen oder „Hauptäste“ und „Verästelungen“ entstehen. Was ist der Unterschied zwischen Mindmapping und Clustering? Clustering visualisiert Ideen und Gedanken linear, während Mindmap‐ ping Begriffe strukturiert und hierarchisch ordnet. Beide Methoden lassen sich auch kombinieren: Zunächst passiert per Clustering die Ideenfindung und anschließend werden mit einer Mindmap gesammelte Begriffe geordnet. Freies Schreiben erlaubt es, seine Gedanken freien Lauf zu lassen und alles hintereinander weg aufzuschreiben, was zum Thema einfällt. Es können wilde und zusammenhanglose Sätze, Gefühlsausdrücke, Blockaden oder wirre Stichworte sein, alles ist erlaubt. Grammatik und Rechtschreibung spielen keine Rolle. Ziel ist, ins Denken und Schreiben zu kommen, ohne Nachdenken, ohne Regeln und Erwartungen. Diese Methode kann helfen, Blockaden zu lösen und Gedanken frei zu entwi‐ ckeln (vgl. Fachhochschule Nordwestschweiz (o.-J.): Freewriting). Empfehlenswerte digitale Tools ● Mindmeister 🔗 -www.mindmeister.com ● FreeMind 🔗 -http: / / freemind.sourceforge.net ● XMind 🔗 -www.xmind.net ● Miro 🔗 -https: / / miro.com/ de/ ● Text2Mind 🔗 -ebildungslabor.github.io/ text2mindmap „It’s an unnecessary burden to try to think of words and also worry at the same time whether they’re the right words.“ Peter Elbow (1935-2025), amerikanischer Professor für Englisch, Schreibtrainer und „Erfinder“ der FreeWriting-Methode 3.1 Themenfindung und Orientierung 71 <?page no="72"?> Clustering Mindmapping Abb. 18: Clustering-Struktur und Mindmapping-Struktur Eingrenzung des Themas Oft besteht die Gefahr, alle Aspekte des Themas berücksichtigen und auf‐ greifen zu wollen. Das wird aber nicht funktionieren. Es ist kaum möglich, ein Themengebiet bzw. ein Problem in all seinen Facetten ausreichend darzustellen (May, 2010, S. 36f.). Sie müssen sich daher einschränken und von Anfang an klarstellen, welche Aspekte Sie in Ihrer Arbeit bearbeiten werden und welche nicht. Konzentrieren Sie sich daher auf einen definierten Themenbereich, um in der vorgegebenen Zeit und im vorgegebenen Rahmen fokussiert arbeiten zu können. Nutzen Sie dafür folgende Kriterien, mit denen sich leichter Schwerpunkte setzen und bearbeiten lassen (→-Tab. 3) (Pyrin, 2007). Kriterium Beispiel Zeitraum Wie möchten Sie Ihr Thema zeitlich eingrenzen? z. B. auf bestimmte Jahre, Krisen oder Entwicklungen (z.-B. die letzten zwei Jahre) geografische Regionen Wie möchten Sie Ihr Thema örtlich eingrenzen? z.-B. auf bestimmte Länder, Städte oder spezifische Regionen eingegrenzt 72 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="73"?> Personengruppen Welche Personengruppen sind relevant? z. B. bestimmte Altersgruppen (Ältere ab 70, Schulkin‐ der zwischen 10 und 15), Berufsgruppen oder soziale Gruppen Theorieströmungen bzw. Erklärungsansätze Mit welchen Theorien oder methodischen Ansätzen ge‐ denken Sie zu arbeiten? z.-B. mit der Adoptionstheorie, mit dem Technology Acceptance Model oder mit quantitativen Datenerhe‐ bungen Quellen Auf welche Quellen welcher Autor: innen möchten Sie sich fokussieren? z.-B. auf von Frauen geschriebene Fachliteratur Tab. 3: Hilfreiche Kriterien und Beispiele, mit denen Sie inhaltliche Schwerpunkte und Grenzen definieren können Entscheidend ist, inhaltliche Grenzen zu definieren und Prioritäten zu setzen. Definieren Sie allerdings nicht nur, welche Aspekte Sie behandeln möchten, sondern auch, welche Sie explizit ausschließen. Dies schafft Klarheit für Sie selbst und auch für Ihre Leserschaft. espresso-Verständnis | Fragen zur Konkretisierung Ihres Themas Um Ihr Thema besser zu verstehen und zu konkretisieren, helfen folgende Fragen. Beantworten Sie diese möglichst konkret für Ihr Vorhaben: ● Wie lautet - wenn gegeben - die konkrete Aufgabenstellung? Was ist genau zu tun? (z. B. Begründung des Vorhabens, Absprache des Inhalts) ● Welche Fragestellungen ergeben sich aus dem Thema? Überlegen Sie W-Fragen: Was? Warum? Wie? Womit? ● Kann eine Arbeitshypothese formuliert werden? Wenn ja, welche? ● Was ist der aktuelle Stand der Forschung? Welche Theorien, Metho‐ dologien, empirischen Studien oder spezifischen Begriffe gibt es? ● Welche formalen und sprachlichen Anforderungen gelten? Beach‐ ten Sie auch logische und diskursive Aspekte. ● Wer ist Ihre Zielgruppe? Wen möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen? ● Wie soll die Arbeit gegliedert sein? 3.1 Themenfindung und Orientierung 73 <?page no="74"?> Die Fragestellung Thema und Forschungsfrage sind eng miteinander verknüpft und sollten während der Orientierungsphase und des gesamten Schreibprozesses immer wieder hinterfragt werden. Wenn Sie Ihr Thema festgelegt haben, dann überlegen Sie, wie Sie es untersuchen können. Sie tun dies, indem Sie eine wissenschaftliche Fragestellung formulieren. Ihre Frage bzw. Ihr Problem definiert präzise Ihren Untersuchungsgegenstand, grenzt ihn von anderen Themen ab und stellt ihn in einen theoretischen Zusammenhang. espresso-Wissen | Die wissenschaftliche Fragestellung Am Anfang jeder wissenschaftlichen Arbeit steht eine Frage bzw. ein Problem, der bzw. dem Sie sich widmen möchten. In einer wissen‐ schaftlichen Fragestellung wird der Gegenstand eindeutig und präzise genannt, er wird klar von anderen abgegrenzt und in einen theoreti‐ schen Zusammenhang gestellt. Meist stehen dabei zwei Variablen in Beziehungen zueinander. Variablen sind Merkmale, die unterschiedliche Werte annehmen können (z. B. Einkommen in Euro, Alter in Jahren, Häufigkeiten, Mengenangaben oder Schulnoten). Im Anschluss an die Fragestellungen werden Hypothesen formuliert bzw. aus der Fragestel‐ lung abgeleitet. Ein Beispiel für eine wissenschaftliche Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Grad der Belastung von Studie‐ renden und der Einführung von Studiengebühren? Hier sollen zwei Variablen untersucht werden: der Belastungsgrad von Studieren sowie die Studiengebühren; beides wird in Beziehung zueinander gesetzt. (Die Hypothese könnte übrigens lauten: Studierende an Hochschulen mit Studiengebühren berichten von mehr Belastungen als Studierende an Hochschulen, die keine Studiengebühren leisten müssen.) Um eine (bzw. seine) Fragestellung zu finden, lohnt es sich, in einem Fragenkatalog mehrere Fragen zu formulieren (→ Tab. 4). W-Fragen eignen sich ganz gut, also warum? , wo? , wie? , wer? , wozu? , was? - sie beschreiben und definieren meist Begriffe. Erklärungsbedürftige Sachverhalte können mit solchen Fragen identifiziert und konkret überlegt werden (May, 2010, S. 37). Sämtliche Fragen, ganz egal wie einfach und rhetorisch sie auch sein 74 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="75"?> mögen, sollten notiert und gesammelt werden (Kruse, 2004, S. 192f.). Diese Fragen sollten präzise formuliert und sowohl an das Thema als auch an das wissenschaftliche Ziel angelehnt sein. Warum? Weil … ● die vielfältige Sichtweise des Themas deutlich wird, ● ein guter Überblick über das Thema und den Untersuchungsgegenstand gegeben wird, ● die Frage bzw. das Problem fokussiert werden kann, ● sie inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit festgelegen und Sie sich leichter auf das Wesentliche beschränken und weil ● Erkenntnisinteresse, also was Ihre eigentliche Absicht hinter der For‐ schungsfrage ist, klar wird. Die Formulierung einer Frage Mit der wissenschaftlichen Frage wird gezeigt, aus welchem Blickwinkel das Thema betrachtet und was konkret bearbeitet werden soll. Auf die Formulierung kommt es an. Soll vielleicht ein Überblick (z. B. über Um‐ weltaktivitäten im Stadtteil) gegeben werden? Soll ein Vergleich (z. B. Die Ansichten mehrere Autoren: innen) geschrieben werden? Oder soll mit der Fragestellung eine tiefere Analyse (z. B. Das Persönlichkeitsverhalten von Jugendlichen hinsichtlich Social Media) angestellt werden? Es muss aus klar sein, was mit der Frage erreicht und verfolgt werden soll. Möchten Sie beispielsweise definieren, erklären, analysieren, argumentieren, beweisen, Prognosen aufstellen, beschreiben, interpretieren…? Es gibt recht viel, was Sie mit einer Frage und mit einem Thema bearbeiten können. Wichtig ist, dass die wissenschaftliche Frage überprüfbar, offen und logisch formuliert ist. Hier einige Beispiele: Erklärung Warum ist etwas so, wie es ist? z.-B. Warum ist der Alkoholkonsum bei Jugendlichen gesundheitsschädlich? Beschrei‐ bung Wie sieht das Problem bzw. sehen die Um‐ stände aus? z.-B. Wie haben sich die Treibhausgas- Emissionen in Deutschland im letzten Jahrzehnt entwickelt? Prognose In welche Richtung wird sich etwas ent‐ wickeln? z.-B. Wie werden sich die Treibhausgas- Emissionen in Deutschland im nächsten Jahrzehnt entwickeln? 3.1 Themenfindung und Orientierung 75 <?page no="76"?> Bewertung Wie ist das Problem bzw. der Sachverhalt zu beurteilen? z.-B. Welche pädagogischen Konzepte haben sich in deutschen Kitas (nicht) bewährt? Gestaltung Was müsste passieren bzw. gemacht werden, um ein Ziel zu errei‐ chen? z.-B. Was muss konkret (z.-B. in Halle an der Saale) unternommen werden, um das Radfahren attraktiver und die Stadt klimafreundlicher zu machen? Tab. 4: Absichten hinter der wissenschaftlichen Fragestellung und Beispiele Thesenformulierung Mit der formulierten wissenschaftlichen Fragestellung kann nun eine These entwickelt werden; diese lässt sich mit wissenschaftlichen Kriterien über‐ prüfen. Beides, also die wissenschaftliche Fragestellung und die These, bedingen einander und müssen während des gesamten Denk- und Schreib‐ prozesses kritisch bewertet und überprüft werden. Sie geben der wissen‐ schaftlichen Arbeit ihre Struktur bzw. sie geben eine Gliederung vor. Der Titel Der Titel der wissenschaftlichen Arbeit ist eine Art Aushängeschild. Über‐ legen Sie also gut, wie er lauten soll und besprechen Sie ihn mit Ihrer Betreuung. Oft wird empfohlen, den endgültigen Titel erst am Schluss des Schreibprozesses zu formulieren, denn er muss die Hauptaussage treffen und dem Gehalt Ihrer Arbeit entsprechen: „Den Titel dem Inhalt anpassen und nicht umgekehrt! “ (May, 2010, S. 40). Natürlich können Sie auch einen ergänzenden Untertitel formulieren, falls im Titel nicht alles erfasst werden kann. gut formulierte Titel ungünstige Titel, weil … Trubetzkoy und der Westen. Welches Bild des Westens und Eura‐ siens wird von Nikolay S. Trubetzkoy in seinen Schriften vermittelt? Eine theoriebasierte Analyse des Nut‐ zungsverhaltens von Anwender: innen des sozialen Netzwerks Twitter im Corona- Jahr 2020 unter Berücksichtigung des GJP- Ansatzes = ein zu langer Titel, recht kompliziert for‐ muliert, macht nicht wirklich neugierig, nicht geläufige Abkürzung 76 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="77"?> Europarechtliche Ansätze zum Kli‐ maschutz seit dem Pariser Überein‐ kommen und ihre Auswirkungen auf die deutsche Klimapolitik Klimaschutz in Deutschland = zu weit gefasst Wie wir soziale Medien nutzen. Eine Analyse des Nutzungsverhaltens von Twitter-Usern Skandal! Frauen werden bei Bewerbungen stark benachteiligt. Warum? = ein zu reißerischer Titel (Es ist eine wis‐ senschaftliche Arbeit, keine Schlagzeile) Tab. 5: Beispielhafte Titelformulierungen, sowohl gute als auch ungünstige „What is a good title? I define it as the fewest possible words that adequately describe the content of the paper.“ Day, R. A. & B. Gastel (2017): How to write and publish a Scientific paper. 8th Edition, Cambridge University Press. Wie ein Titel für eine wissenschaftliche Arbeit sinnvoll und interessant formuliert wird, sodass er neugierig und Lust auf die Arbeit macht, beruht häufig auf dem individuellen Geschmack und z. T. auf der Meinung der/ des Betreuerin/ Betreuers. Aber einige ganz hilfreiche Grundsätze für die Titel‐ formulierung gibt es auch (vgl. American Psychological Association, 2010, S.-23): ● Im Titel sollte das Kernthema der wissenschaftlichen Arbeit zusammen‐ gefasst sein, einfach, klar und sachlich. ● Es gibt drei Titelformen: Substantivausdrücke („Der Effekt von Kaffee auf die Aufmerksamkeit“), spezifische Aussagen („Kaffee erhöht die Aufmerksamkeit“) oder Fragen („Erhöht Kaffee die Aufmerksamkeit? “) ● Aus dem Titel sollten die untersuchten Variablen und deren Beziehung zueinander oder die diskutierten theoretischen Konzepte hervorgehen; er sollte den Lesenden die These vermitteln und den Fachbereich erkennen lassen. Ein Beispiel: „The Effect of Transformed Letters on Reading Speed“ ● Der Titel sollte aussagekräftig und selbsterklärend sein. ● Der Titel sollte seinen Zweck erfüllen, also über den Inhalt der wis‐ senschaftlichen Arbeit informieren (Um was geht es? ). Gleichzeitig sollte er leicht gut gefunden werden, z. B. in Fachdatenbanken oder in Suchmaschinen. Begriffe wie Methode, Resultate, Studie über etc., soll‐ ten aufgrund ihres fehlenden Informationsgehaltes besser vermieden werden. Die konkrete Art der Methode zu erwähnen, ergibt dagegen 3.1 Themenfindung und Orientierung 77 <?page no="78"?> häufig Sinn: Eine Meta-Analyse, ein Vergleich, eine qualitative Studie etc. ● Abkürzungen im Titel sind nicht empfehlenswert, es sei denn, sie sind bekannt und etabliert, wie z.-B. «BGB» oder «EEG». ● Fachbegriffe, die erklärungsbedürftig sind, sowie Rätsel oder Pseudo- Titel ohne inhaltliche Aussage sollten vermieden werden. ● Ein Titel sollte nicht zu lang sein, eine häufige Empfehlung: maximal 10-12-Wörter (vgl. edulap, Schweiz). ● Stilmittel, wie Reime, Alliterationen oder variierte Sprichwörter, sind häufig unterhaltsam, zum Teil geistreich und bleiben im Kopf hängen. Bei der Titelformulierung können KI-Tools unterstützen und inspirieren. ● Das Tool Titelfinder ( 🔗 https: / / www.trainex22.de/ titelfinder) gibt meh‐ rere Titelvorschläge aus, wenn Sie die Studienrichtung, drei Stichworte und eine erste Idee eingeben. Eine Gliederung und mögliche Thesen werden bei vollem Zugriff mitgeliefert. ● ChatGPT ( 🔗 https: / / chatgpt.com) hilft Ihnen bei der Titelformulierung und formuliert einige Vorschläge, wenn Sie ein paar Sätze zum Inhalt bzw. ein paar Stichworte eingeben (vgl. Prompting, S.-63). Die Titelseite einer wissenschaftlichen Arbeit sollte üblicherweise Folgen‐ des beinhalten: ● den Titel, meist zentriert und in der oberen Hälfte der ersten Seite ● den Namen des Autors/ der Autorin bzw. der Autor: innen sowie Imma‐ trikulationsnummer(n) und ggf. Kontaktdaten (E-Mail-Adresse und ggf. Anschrift) ● Studiengang, Fach und Fachsemester ● die Institution und Name(n) des Dozenten/ der Dozentin ● Abgabedatum Sprechen Sie die notwendigen Angaben mit Ihrer Dozentin/ Ihrem Dozenten ab; in manchen Studiengängen sind bestimmte Angaben Pflicht. Hier zwei Beispiele, wie ein Deckblatt aussehen könnte: 78 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="79"?> Los geht es: Die erste Gliederung Sie kennen die Fragestellung, den Untersuchungsgegenstand und möchten nun beginnen, Ihre Arbeit logisch aufzubauen. Sie brauchen einen roten Faden: eine Gliederung. Mit einer Vorbzw. Grobgliederung der wissen‐ schaftlichen Arbeit zu beginnen, ist der einfachste und sicherste Weg (und notwendig für das Exposé, vgl. grauer Kasten). Mit der Vorgliederung wird Ihnen leichter deutlich, was Sie später Abschnitt für Abschnitt schreiben müssen, ohne zunächst viel vom Thema verstehen zu müssen. espresso-Wissen | Ein Exposé (auch „Projektskizze“ oder „Proposal“) ist eine (vorläufige) Überblicksarbeit bzw. ein erläuternder Bericht über die Inhalte und den Ablauf eines Schreibprojektes und somit für das wissenschaftliche Arbeiten hilfreich. Ein Exposé sollte das eigene Vor‐ haben so beschreiben, dass es „notwendig, sinnvoll und nachvollziehbar erscheint und […] seine Umsetzung als realistisch eingeschätzt werden kann“ (May, 2010, S. 40). Es dient als Arbeitsgrundlage und kann helfen, das Thema und die Fragestellung nicht aus den Augen zu verlieren, den Zeitplan einzuhalten, sich selbst im Schreibprozess zu orientieren und 3.1 Themenfindung und Orientierung 79 <?page no="80"?> den Adressaten und insbesondere die Betreuerin/ den Betreuer bzw. die Dozentin/ den Dozenten über das Vorhaben zu informieren. Ein Exposé informiert über zentrale Inhalte inkl. Problemstellung, über die Motivation hinter der Arbeit, über den Forschungsstand, Methoden, Zielsetzung und Theoriebezug sowie über verwendete Literatur und Ressourcen. Oft enthält es einen realistischen Zeitplan. Wichtig: Das Exposé ist vorläufig; die Gliederung, die Einleitung sowie Formulierungen können noch geändert werden. Der Zeitplan sollte allerdings eingehalten werden. Beispielhafte Exposés Schauen Sie in die zwei Dokumente (Stand: 16.07.2025), dann bekommen Sie eine Vorstellung davon, wie ein solcher Text aufgebaut und darge‐ stellt werden kann. ● Exposé für eine Masterarbeit „Die europäische Verfassungsdebatte in der deutschen Öffentlichkeit“ (PDF, 🔗 -https: / / t1p.de/ qybak) an der FU Berlin im Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften ● Exposé zur Bachelorarbeit „Die Bedeutung der Pausen in der Ganz‐ tagsschule“ (PDF, 🔗 -https: / / t1p.de/ 3j43y) im Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft der Uni Osnabrück In der Regel geht es in der Grobgliederung mit einer Einleitung los, zentrale Begriffe (aus Ihrer Fragestellung) werden geklärt. Es folgt der Hauptteil, in dem ggf. die Ursachen beschrieben werden. Anschließend folgt meist das Fazit und ein Ausblick rundet die Arbeit ab. Mit dem Gliedern planen Sie den späteren Text, Sie legen eine Reihenfolge und Struktur fest. Natürlich können Sie diese noch ändern, denn im Schreibprozess ergeben sich meist neue Ideen und Argumente. Erklärung der zentralen Begriffe Zentrale Begriffe - besonders wenn sie in der Fragestellung vorkommen - müssen geklärt werden. Nur wenn sämtliche Kernworte zu Beginn eindeutig beschrieben werden, ist die Arbeit nachvollziehbar. Den Lesenden muss von Anfang an klar sein, was die Bezeichnungen und Ausdrücke bedeuten und in welchem Zusammenhang sie in der wissenschaftlichen Arbeit stehen. 80 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="81"?> Die Definition der Begriffe stellt die Grundlage der Gliederung der wissen‐ schaftlichen Arbeit dar. espresso-Wissen | Hier stehen eine allgemein gehaltene Fragestellung und die dazugehörige Grobgliederung: Fragestellung (Struktur): … Begriff A … …, …Begriff B … …? [1] Einleitung [2] Hauptteil I: Erklärung der Begriffe (Begriffsdefinition) [2.1.] Begriff A [2.2.] Begriff B [2.3.] Zwischenbericht bzw. Zwischenfazit [3] Hauptteil II: Ursachen/ Gründe [3.1.] Grund A (+ Fazit) [3.2.] Grund B (+ Fazit) [3.3.] Grund C (+ Fazit) [4] Fazit-> Begriff A in Zusammenhang mit Begriff B. [5] Ausblick Abhängig vom Fach werden häufig bereits in der Einleitung, in einem konzeptionellen Kapitel oder in Fußnoten Begriffe erläutert. Sprechen Sie dies mit Ihrer Betreuung ab. Je nach Art und Umfang der wissenschaftlichen Arbeit variiert auch deren Gliederung: In einer Masterarbeit ist das Inhaltsverzeichnis wesentlich län‐ ger (häufig mehrere Seiten) und es gibt mehr Unterpunkte bzw. -kategorien als in einer Seminararbeit. Mit der ersten Gliederung erhalten Sie einen guten Überblick über ihre Arbeit, was Ihnen die nächsten Arbeitsphasen erleichtert. Denken Sie daran, dass die Vorbzw. Grobgliederung nicht in Stein gemeißelt ist; sie kann im Laufe des folgenden Recherche-, Lese- und Schreibprozesses angepasst und geändert werden, vor allem dann, wenn Sie Ihr Thema durch die Literatur immer besser zu verstehen wissen. Neben den gängigen Textverarbeitungsprogrammen (Microsoft Word, Libre Office Writer oder LaTeX) gibt es weitere, wie SciFlow ( 🔗 https: / / sci 3.1 Themenfindung und Orientierung 81 <?page no="82"?> flow.net/ de/ ) oder die kostenpflichtige Schreibsoftware Scrivener ( 🔗 http s: / / www.literatureandlatte.com), die die Möglichkeit bieten, Überschriften zu einem Inhaltsverzeichnis zusammenzufügen und bei der Strukturierung Ihres Textes helfen. Diese Tools erleichtern das Erstellen und Aktualisieren des Inhaltsverzeichnisses, vor allem bei umfangreicheren Arbeiten. Gleich‐ zeitig erfordert es auch etwas Einarbeitungszeit in die Programme. Stoff bzw. Wissen sammeln (Recherche) Nachdem die Grobgliederung geschrieben wurde, geht es daran, diese Glie‐ derungspunkte und -Unterpunkte mit Text zu füllen. Die Inhalte kommen aus der Literatur, denn es handelt sich um wissenschaftlich fundiertes Wissen. Dieses Faktenwissen muss recherchiert werden. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu tun: Fachspezifische Fach- und Handbücher, wissen‐ schaftliche Zeitschriften und Journals oder Lexika (für zentrale Begriffe) eignen sich am besten. KI-Tools sind an dieser Stelle hilfreich, allerdings ist Vorsicht geboten: sämtliche Ergebnisse sind zu prüfen. Stoff sammeln Ziel | Botschaft | Zielgruppe Grobgliederung Oberpunkte und vorläufige Reihenfolge Feingliederung detaillierte Strukturierung Ausarbeitung Texterstellung allgemein speziell Abb. 19: Von der Stoff-Sammlung bis hin zur Text-Ausarbeitung: vom Allgemeinen zum Speziellen 82 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="83"?> Lücken mit Wissen füllen Empfehlenswert ist, sich seine Grobgliederung vorzunehmen und unmittel‐ bar genau das zu jedem Gliederungspunkt aufzuschreiben, was Sie aus der ersten Literaturrecherche oder aus einer Ihrer Lehrveranstaltungen mitgenommen und im Kopf behalten haben. Auch was in jedem Kapitel stehen soll, könnten Sie notieren. Anfängliche Lücken sind nicht tragisch, später aber sollten Sie sie mit fundiertem Wissen (inkl. Quellenangaben) füllen. Fundiertes Wissen meint das Wissen aus Büchern und Journals, Datenbanken und wissenschaftlichen Beiträgen, die als Quellen verwendet werden können. Spätestens jetzt ist es gut, in die Bibliothek zu gehen und nach relevanter und sinnvoller Literatur zu Ihrem Thema zu recherchieren (→-Kap.-3.2). Feingliederung (Argumentation) Das Grundgerüst der wissenschaftlichen Arbeit (die Gliederung), die sich mehr und mehr füllt, wird weiter verfeinert und die bislang gesammelten Unterlagen, Notizen und Materialien müssen zu den jeweiligen Punkten der Gliederung zugeordnet und in Beziehung gesetzt werden. Im Wesentlichen bedeutet dies, dass Sie sich überlegen, welche Sachinformationen Sie an welche Stelle bringen, in welcher Reihenfolge sie stehen sollen und wie sie in Verbindungen miteinander gebracht werden. Die Kapitel, Unterkapitel und Abschnitte müssen also folgerichtig aufeinander aufgebaut werden, sodass am Ende ein einheitliches Ganzes entsteht. Anhand Ihrer Gliederung sollten die Lesenden idealerweise Ihre Argumentation, den Ablauf Ihrer Arbeit (der rote Faden) sowie die inhaltlichen Eingrenzungen erkennen (vgl. Eco, 2007, May, 2010). Letztlich ist es eine Art Puzzle, in dem die einzelnen Textbausteine (Puzzlestücke) in ein logisches Ordnungssystem gebracht werden müssen, sodass die Lesenden auf Anhieb das Bild, also die sich aufbauenden Inhalte, deren Umfang und die Argumentationslinie, sehen und verstehen. Es gibt keine generellen Richtlinien dazu, wie eine gute Gliederung for‐ muliert wird oder wie tief bzw. wie fein sie sein muss. Aufgrund der Vielfalt der Themen, der Verschiedenheit der Fächer und der unterschiedlichen Anforderungen ist viel möglich. Entsprechend kann ich Ihnen keine festen Hinweise geben; aber zumindest einige Faustregeln. 3.1 Themenfindung und Orientierung 83 <?page no="84"?> Zum Aufbau der wissenschaftlichen Arbeit Die klassische Gliederung sieht folgendermaßen aus (→ Abb. 22); da können Sie nicht viel falsch machen: 1. Titelblatt 2. Inhaltsverzeichnis 3. Einleitung 4. Hauptteil 5. Schluss 6. Literaturverzeichnis 7. ggf. Anhang 8. ggf. Eidesstattliche Erklärung Feinheit bzw. Tiefe der Untergliederung Pro Kapitel sollten nicht zu viele, mindestens aber zwei Unterkapitel genannt werden. Die Anzahl der Ebenen, also Tiefen, können nach Fach sehr variieren: Mehr als drei Gliederungsebenen (z. B. 2.4.2.3.) sind meist nicht sinnvoll; die Lesenden werden in dieser Tiefe bald die Orientierung verlieren und die unteren Gliederungsebenen verwechseln. Gliederungspunkte: Nummerierung und Gliederung Wie sie die einzelnen Gliederungspunkte nummerieren, ist nach Fach und Vorliebe unterschiedlich. Im Grunde gibt es aber nur zwei Varianten: die dezimale und die alphanumerische. Die dezimale Struktur ist gängiger, zumindest aber gut geeignet. Zentral hier sind die Logik und Geradlinigkeit. Ein Kapitel muss also mindestens zwei Unterkapitel haben, sonst ergibt es keinen Sinn, überhaupt in Unterkapitel zu untergliedern. Manchmal sind in diesem Fall besondere Textabschnitte, Exkurse oder auch Zwischen‐ überschriften möglich, also Inhalte, bei welchen es sich nicht lohnt, sie in einem eigenen Gliederungspunkt darzustellen. Die Überschriften sollten kurz und prägnant sein und das hergeben, was der jeweilige Text beinhaltet. Zu technische, detaillierte und auch zu allgemein formulierte Titel sind unpassend, vielleicht sogar verwirrend. Beispielsweise weiß niemand, was sich hinter „Theorie“ verbirgt. Besser wäre folgendes Beispiel, in denen es konkreter wird: 84 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="85"?> espresso-Wissen | Beispielhafte Gliederung (Auszug) 2. Vergleich zweier Lerntheorien 2.1. Behaviorismus 2.2. Kognitivismus 2.3. Behaviorismus und Kognitivismus Bei der Verschriftlichung der gesammelten Sachinformationen und der Gedanken (inkl. Quellenangaben) halten Sie sich vorerst an die logische Reihenfolge und Argumentationskette. Es entsteht zunächst nur der Roh‐ text, den Sie später aber inhaltlich, sprachlich und formal anpassen und verbessern. Entscheidend ist, dass Sie jeden einzelnen inhaltlichen Aspekt aus Ihrem Schreibplan zu Ende denken und sich dann erst dem nächsten Aspekt widmen. Halten Sie sich nicht an einzelnen Formulierungen auf; der Ausdruck ist im Moment ganz egal. Konzentrieren Sie sich auf die Argumentationskette (May, 2010). Argumentationsketten (mit Stichpunkten) An die grobe Gliederung einer Arbeit in die Einleitung sowie den Haupt- und Schlussteil schließt sich die Feingliederung an. Diese wird nach und nach detailreicher, wobei es gilt, sie bereits argumentativ zu unterlegen. Damit ist nicht die ausführlich ausformulierte Argumentation gemeint, diese ergibt sich im Schreibprozess selbst. Stichpunkte reichen aus. Dennoch sollten der Hauptteil der wissenschaftlichen Arbeit bzw. die beabsichtigten Argumen‐ tationsketten in ihrer Zusammensetzung bereits sorgfältig geplant werden. Die Herausforderung besteht darin, alle Argumente und Thesen geschickt miteinander zu kombinieren und ihre Zusammensetzung begründen zu können (Quelle: Schreibportal der Universität Leipzig, 2022). In Abhängigkeit von der Form der Arbeit (etwa Haus- oder Abschluss‐ arbeit) wird ein mehr oder weniger differenzierter Argumentationsstrang verlangt; dieser sollte sinnig und durchdacht sein. Kein Arbeits- und Argu‐ mentationsschritt steht für sich, sondern wird in einem großen und in sich schlüssigen Zusammenhang verstanden und eingebettet. Doch wie genau wird eine Argumentation aufgebaut? 3.1 Themenfindung und Orientierung 85 <?page no="86"?> espresso-Wissen | Grundsätzlich gilt: Eine These hat als eine theore‐ tische Behauptung der Autorin/ des Autors den Anspruch, im Verlauf der wissenschaftlichen Arbeit durch Beweise wie etwa durch Empirie und Referenzen belegt zu werden. Thesen sollten ein Thema oder ein Ver‐ hältnis ansprechen, das interessant oder komplex genug ist, um die These selbst nicht als inhaltsleer oder selbsterklärend erscheinen zu las‐ sen. Hypothesen stellen eine bestimmte, noch spezifischere Form einer These dar, als dass sie sich stets auf das Verhältnis von wenigstens zwei Variablen beziehen. Mithilfe eines Arguments, was an dieser Stelle vielmehr als eine Art Oberbzw. Sammelbegriff verstanden werden muss, lassen sich diese untermauern oder letztlich widerlegen, also durch empirisches Forschen untersuchen. Dabei vereint ein Argument eine oder mehrere Prämissen, worunter gewissermaßen eine Voraus‐ setzung bzw. Annahme zu verstehen ist, sowie eine Konklusion, die schließlich aus den Prämissen gezogen wird. (Quelle: Schreibportal der Universität Leipzig, 2022) Lineare und nicht-lineare Argumentationsketten Die klassische Argumentationskette, also eine systematische Verbindung mehrerer Argumente, ist durch ihre lineare Struktur gekennzeichnet. Die Argumente im Text in linearer Form zu organisieren, ist eine gängige Variante, um etwa eine Hausarbeit zu strukturieren. Dabei bauen die einzel‐ nen Argumente stets aufeinander auf und gehen ineinander über. So kann die Konklusion der ersten Prämisse wiederum als neue Prämisse im dar‐ auffolgenden Argumentationsschritt dienen. Dieser „fließende“ Übergang verdeutlicht den Charakter der Vernetzung und symbolisiert die tatsächliche Struktur einer (Argumentations-)Kette. Es ist aber auch ein nicht-lineares Schreiben bzw. Argumentieren möglich, sodass sich unterschiedliche Argumentationsstränge beispielsweise nur auf ein Kapitel oder Unterkapitel beschränken und in sich abgeschlossen präsentiert werden. Es sollte allerdings trotzdem insgesamt ein kohärenter Text entstehen. 86 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="87"?> Rohfassung Auf Grundlage der Vorarbeiten wird eine erste Fassung der wissenschaftlichen Arbeit erstellt: die Rohfassung. Das ist eine allererste Version, die zunächst als Bearbeitungsgrundlage dient und darum nicht perfekt ausformuliert ist. espresso-Wissen | Hinweise für das Schreiben der Rohfassung ● Gehen Sie die Gliederungspunkte durch und arbeiten Sie sie einzel‐ nen ab. ● Beginnen Sie mit dem „einfachsten“ Gliederungspunkt, sodass Sie ins Schreiben kommen. Sie müssen sich nicht an die Reihenfolge halten. ● Berücksichtigen Sie den Zusammenhang, der zwischen den Kern‐ aussagen besteht; er muss inhaltlich auch im Text erkennbar sein. Die Formulierungen müssen zu diesem Zeitpunkt noch nicht perfekt sein; die textliche Überarbeitung erfolgt später. Jetzt geht es primär darum, die Argumentation logisch darzulegen und den Lesenden die Ideen dahinter klarzumachen. Ist die Rohfassung geschrieben, ist das meiste der Arbeit geschafft. Idea‐ lerweise sollten Sie an diesem Punkt eine Pause machen. In dieser Zeit könnten Sie die Arbeit jemandem zum Lesen und Korrigieren geben. Tun Sie dies aber nur, um Klarheit des Themas, die Stimmigkeit der Gliederung (roter Faden erkennbar? ), die Argumentationslogik und um die Antwort der Fragestellung zu überprüfen. Erst später geht es um die Angemessenheit der Sprache und um Formulierungen. Auch hier können KI-Tools helfen, Ihre Arbeit zu strukturieren und Ihre Argumente mittels Fragen zu überdenken. espresso-Verständnis | Argumentation Vorschlag für einen Prompt zur Argumention und Strukturierung: „Für meine wissenschaftliche Arbeit mit dem Thema [Thema] plane ich, folgende Argumente zu verwenden: [Argumente einfügen]. Stelle mir kriti‐ sche Fragen, die mir dabei helfen, meine Argumentation und damit meine Gliederung zu überdenken: 3.1 Themenfindung und Orientierung 87 <?page no="88"?> Ist meine Argumentationskette logisch und schlüssig? Welche Argumente oder Zusammenhänge sind unklar? An welchen Stellen könnte ich Beispiele ergänzen? Bitte erstelle keine Gliederung für mich, sondern unterstütze mich dabei, eine klare und stimmige Struktur selbst zu entwickeln.“ 3.2 Literaturrecherche Die Recherche nach seriösen und geeigneten Quellen ist ein zentraler Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens - und eine Schlüsselkompetenz (→ Abb. 1). Sie bildet sogar das Fundament Ihrer wissenschaftlichen Arbeit, da Sie nicht alle Grundlagen eines Themas selbst neu erarbeiten und zum ersten Mal gedacht haben. Veröffentlichte Quellen und Arbeiten dienen dazu, eigene Aussagen und Daten wissenschaftlich zu belegen und die eigene Forschung darauf aufzubauen. Warum und wie recherchiert wird und was wissenschaftliche Quellen sind, erfahren Sie in diesem Abschnitt. Sinn und Ziele der Literaturrecherche (das Warum) Während der Literaturrecherche setzen Sie sich kritisch mit Ihrer For‐ schungsfrage auseinander. Nur wenn Sie das Thema in Breite und Tiefe er‐ fasst haben und den aktuellen Forschungsstand kennen, sind Sie auch in der Lage, Ihre Ergebnisse glaubwürdig und nachvollziehbar darzustellen und zu präsentieren. Die Literaturrecherche dient dazu, sich als Schreibende: r bzw. Forschende: r argumentativ abzusichern, indem man über Diskussionen, Studien und bestehendem Wissen zur Thematik Bescheid weiß. Ziele der Literaturrecherche Noch einmal zurück: Die Literaturrecherche wird zunächst einmal mit dem Ziel durchgeführt, eine wissenschaftliche Fragestellung korrekt zu formulieren und zu beantworten. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und den Grundlagen ist unersetzlich und dies gelingt eben dadurch, die bereits veröffentlichte wissenschaftliche Literatur zu lesen. Dort erfahren Sie Grundlagen und Hintergründe (z. B. Studienergebnisse), 88 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="89"?> welche Sie für das Verstehen und Argumentieren benötigen und worauf Sie aufbauen können. Sie können in Ihrer eigenen wissenschaftlichen Arbeit nicht die komplette Forschung von Grund auf selbst neu erbringen. Sie eignen sich so wertvolles Hintergrundwissen an, um anschließend darauf aufzubauen, fundiert zu argumentieren und Ihre eigenen Fragen weiter zu diskutieren, zu bewerten und schließlich zu beantworten. Inwieweit Ihr eigener Forschungsgegenstand relevant ist, erfahren Sie durch die Literatur‐ recherche. Wurde vielleicht bereits etwas zu Ihrer Fragestellung geforscht? Wenn ja, wann und was? Gibt es bereits aktuelle Studien und Diskussionen oder sind diese bereits eh überholt? Wenn noch nicht dazu geforscht wurde, warum nicht? Können Sie aus bisherigen Forschungsergebnissen neue, weiterführende Fragestellungen ableiten? Wurde zu einer bestimmten Forschungsfrage bereits diverse Literatur veröffentlicht oder ist es ratsam, das Forschungsgebiet auszuweiten oder die Forschungsfrage zu revidieren? Sie erkennen sicher, warum es sehr sinnvoll ist, eine Literaturrecherche zu betreiben. Welche Literatur gibt es nun und was dient als gute Quelle? Geeignete und sinnvolle Literatur. Oder: Was sind gute wissenschaftliche Quellen? Es ist durchaus herausfordernd, genau das aus verschiedenen Büchern und diversen Quellen herauszusuchen, was tatsächlich für die eigene Fragestel‐ lung relevant und geeignet ist. Welche Autoren sind seriös oder aktuell bedeutsam? Welche wissenschaftlichen Quellen gibt es, die nicht in der Bibliothek vor Ort zu finden sind? Was sind überhaupt wissenschaftliche Quellen? Der Begriff „Quelle“ ist ein breit gefasster Begriff, der je nach Fachbereich unterschiedlich definiert wird. In den Geistes- und Sozialwissenschaften wird der Begriff sehr weitreichend ausgelegt und umfasst nahezu „alle Texte, Gegenstände und Tatsachen, aus denen Kenntnis (…) gewonnen werden kann“ (Kirn 1968, 29). Je nach Forschungsinteresse und Fachgebiet können dies natürlich auch digitale Quellen sein (z. B. Blog-, Online-Zeitungsbei‐ träge) oder andere Artefakte. In diesem Sinne müssen Quellen nicht immer wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Für wissenschaftliche Arbeiten sind jedoch primär solche Quellen ent‐ scheidend, die wissenschaftlichen Standards entsprechen, um als Beleg für eigene wissenschaftliche Arbeiten verwendet werden zu können. 3.2 Literaturrecherche 89 <?page no="90"?> Der Begriff „Literatur“ lässt sich generell in drei verschiedene Gruppie‐ rungen einteilen und weist unterschiedliche wissenschaftliche Ansprüche auf (vgl. Brink 2007): ● Primärliteratur meint Originalquellen, die oft schwer zugänglich sind. Sie enthält jedoch den größten wissenschaftlichen Wert, da sie unver‐ fälscht von Interpretationen Dritter sind (z. B. historische Dokumente Messprotokolle, Versuchsberichte, Gesetzestexte, dramatische und lyri‐ sche Werke, Tagebucheinträge, Fotos, Urkunden). ● Sekundärliteratur enthält ausgewählte Daten, Ergebnisse und Schlussfolgerungen. Sie interpretiert die zugrundeliegenden Primär‐ quellen (z.-B. Fachbücher, Dissertationen, wissenschaftliche Abschluss‐ arbeiten, Fachzeitschriftenartikel). ● Tertiärliteratur umfasst Zusammenfassungen der Sekundärquelle, die ggf. didaktisch aufbereitet ist. Sie eignet sich für einen ersten Überblick über das Thema oder um relevante Quellen zu finden (z. B. Enzyklo‐ pädien, Handbücher, Lehrbücher, Lexika, Sammelwerke, Nachschlage‐ werke). Nach Möglichkeit sollten Sie Primärliteratur bevorzugt verwenden. In Sekundär- und Tertiärliteratur finden sich meist Zusammenfassungen und Interpretationen dieser Primärquellen, durch die wichtige Informationen entfallen können. Dennoch bieten diese auch neue Perspektiven und Ver‐ knüpfungen. Unbedingt zu vermeiden ist das Zitieren aus zweiter Hand, ohne das Original gesehen zu haben (vgl. Eco, 2010). „Was ihr aber auf gar keinen Fall tun dürft, das ist, aus einer Quelle zweiter Hand zitieren und so tun, als hättet ihr das Original gesehen. Das ist nicht nur eine Frage des beruflichen Anstands: stellt euch vor, jemand kommt und fragt euch, wie es euch gelungen ist, das und das Manuskript einzusehen, von dem man weiß, dass es 1944 zerstört wurde.“ (Umberto Eco, 2010, S.-72) Je nach Arbeitsphase können unterschiedliche Quellenarten hilfreich sein: ● Lehrbücher liefern einen gut strukturierten, didaktisch aufbereiteten Überblick über die Grundlagen eines Forschungsgebietes und geben allgemein akzeptierte Lehrmeinungen wieder. Sie sind hilfreich, um Suchbegriffe und Fachtermini für eine Datenbankrecherche zu identifi‐ zieren. 90 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="91"?> ● Monografien sind Werke, welche sich einem bestimmten Thema wid‐ men und es vertiefen. ● Sammelwerke sind von einem Verlag oder von einem oder mehrere Herausgeber: innen editierte Fachbücher, welche eine Sammlung von Beiträgen verschiedener Autor: innen zu einem bestimmten Fachgebiet, enthalten, z.-B. in Enzyklopädien oder Tagungsberichten. ● Fachzeitschriften weisen häufig eine hohe wissenschaftliche Qualität auf, da die Beiträge meist durch umfangreiche Peer-Reviews begutachtet werden. Sie sind aufgrund ihrer Aktualität eine bedeutende Literatur‐ quelle für wissenschaftliche Diskussionen. ● Amtliche Veröffentlichungen bezeichnen Dokumente, die von öf‐ fentlichen Trägern publiziert werden, z. B. Gesetze, Urteilssammlungen. ● „Graue“ Literatur meint Dokumente elektronischer und gedruckter Natur, die nicht offiziell durch einen Verlag o. ä. veröffentlicht wurden, z. B. interne Institutsdokumente, Diskussions- und Arbeitspapiere oder Privatdrucke. Graue Literatur kann Anregungen geben, jedoch sollten Sie genau abwägen, ob die Quelle wissenschaftlichen Standards ent‐ spricht und verwendet werden kann. ● Internetquellen eignen sich nur begrenzt, da die Informationen keiner wissenschaftlichen Überprüfung nach Richtigkeit unterliegen. Im Ge‐ gensatz zu gedruckten Medien sind Webseiten nicht zwingend dauerhaft zugänglich und können jederzeit verändert werden.- ● (tagesaktuelle) Printmedien sind nützlich zur Information über ak‐ tuelle Ereignisse in Verbindung mit dem gewählten Thema der wissen‐ schaftlichen Arbeit, sie sollten aber kritisch hinterfragt werden.- Es ist oft nicht einfach, aus der Vielzahl an Büchern und wissenschaftlichen Quellen jene auszuwählen, die wirklich relevant und passend für die eigene Fragestellung sind. Die folgende Tabelle (→ Tab. 6) bietet Ihnen hilfreiche Kriterien, auf die Sie bei Ihrer Recherche achten sollten. Erscheinungsdatum Aktuelle Literatur ist oft sinnvoller, außer bei histori‐ schen Themen, bei denen ältere Texte natürlich sehr relevant sein können. Auflage Bücher werden aktualisiert und neu aufgelegt; je häu‐ figer ein Buch herausgegeben wurde, desto relevanter und zitierwürdig mag es sein. 3.2 Literaturrecherche 91 <?page no="92"?> Lexika Detaillierte Einträge liefern Begriffsdefinitionen und bieten Hinweise zu weiteren Quellen, Autor: innen oder Expert: innen. Titel, Länge, Buchart Titel, Verlag, Länge, Art und Aufmachung können Hinweise geben, ob es sich um ein wissenschaftliches Werk, ein populärwissenschaftliches Buch oder Unter‐ haltungsliteratur handelt. Ratschläge und Empfehlungen Hinweise von Lehrenden und Literatur aus dem Hand‐ apparat des Instituts sollten Sie immer berücksichtigen. Schneeballsystem Sie haben ein (Lehr-)Buch gefunden, halten es für geeignet und schauen in dessen Literaturverzeichnis bzw. Quellenangaben, um weitere passende Literatur zu finden, schneeballartig (vgl. Studi-Coach e. V.). Sie erhalten so Ideen, was außerdem noch lesenswert und geeignet für Ihre Fragestellung sein könnte. Tab. 6: Hilfreiche Kriterien bei der Literaturrecherche Im Internet stoßen wir schnell auf fehlerhafte, verzerrte oder absichtlich falsche Informationen („Fake News“), die wissenschaftlichen Standards nicht entsprechen. Für Ihre Recherche ist es daher ausschlaggebend, nur vertrauenswürdige und fundierte Quellen zu nutzen. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, die Zuverlässigkeit einer Quelle besser einzuschätzen. Es ist sehr ratsam, möglichst viel über die Informationsquelle und das Medium herauszufinden, in dem der Text oder die Daten veröffentlicht wurden. Akademische Formate (z. B. Fachzeitschriften) sind womöglich weniger zugänglich oder schwerer lesbar, können aber je nach Kontext fundiertere und seriöse Informationen bereitstellen als z.-B. Nachrichten in den sozialen Medien oder persönliche Blogs. Jedoch sind auch solche Medien nicht frei von Fehlern. Berücksichtigen Sie daher mindestens eine weitere Quelle und hinterfragen Sie die Informationen und Fakten. In Deutschland gilt für Internetseiten eine Impressumspflicht (§ 5 TMG). Es lohnt sich, nachzuschauen, ob überhaupt ein Impressum existiert (wenn nicht, spricht dies eher für eine mangelnde Vertrauenswürdigkeit) und wer als Betreiber: in angegeben wird. Stellen Sie sich außerdem folgende Fragen (vgl. auch Freie Universität Berlin | Arbeitsbereich Sozialpädagogik, o. J.): ● Wer steckt hinter der Quelle? Gibt es Verbindungen zu Organisationen oder Finanzierungen, die die Objektivität beeinflussen könnten? 92 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="93"?> ● Wo ist die Information veröffentlicht? Handelt es sich um bekannte Medien, öffentlich-rechtliche Plattformen oder soziale Netzwerke? ● Wie ist der Gesamteindruck? Gibt es übermäßig viel Werbung, Pop-ups oder unseriöse Inhalte? ● Wer verlinkt auf diese Website? Mithilfe einer Google-Suche nach „link: [Webadresse]“ können Sie her‐ ausfinden, wer auf die Seite verweist. Autor: in und Urheber: in Informieren Sie sich über die/ den Autor: in bzw. die Urheberschaft des jeweiligen Textes, den Sie nutzen möchten. Eine Google-Suche ist schnell durchgeführt und kann viele aussagekräftige Anhaltspunkte liefern. ● Ist die Person bekannt? Hat sie Expertise oder Veröffentlichungen zu diesem Thema? ● Ist die Person für eine bestimmte Meinung oder politische Orientierung bekannt? Dies kann, muss aber nicht, die Seriosität beeinflussen. ● Sind die Referenzen glaubwürdig? Überprüfen Sie, ob diese vertrauenswürdig und relevant sind. Zum Quellentext und zu den Daten Bewerten Sie die Daten bzw. den Text der Veröffentlichung kritisch stellen Sie sich folgende Fragen: ● Zweck: Ist der Text objektiv oder verfolgt er ein bestimmtes Ziel wie Meinungsbildung oder Unterhaltung? ● Zielgruppe: An wen richtet sich der Text, und was bedeutet das für die Darstellung der Inhalte? Welche Argumente werden ggf. vertreten und sind diese stichhaltig? ● Argumentation: Sind die Argumente nachvollziehbar, oder verfolgt die Quelle eigene Interessen? ● Sprache: Ist der Sprachstil neutral, sachlich und fehlerfrei, was Recht‐ schreibung und Zeichensetzung angeht, oder ist der Text emotional und ideologisch gefärbt? (Bei sozialen Medien gibt es meist keine seriöse und 3.2 Literaturrecherche 93 <?page no="94"?> redaktionelle Bearbeitung; die Informationen werden häufig ungeprüft online gestellt.) ● Quellenangaben: Werden Quellen korrekt angegeben, oder fehlen sie ganz? Prüfen Sie die Aussagen stichprobenartig. ● Bilder und Fotos: Sind sie echt? Wer ist Urheber: in? Überprüfen Sie mit der Google Bilder-Rückwärtssuche. ● Studien: Sind Methode, Aktualität und Qualität (z. B. Peer-Review) nachvollziehbar? espresso-Wissen | Quellen und Website-Empfehlungen zum Fakten‐ check und zur Vertrauenswürdigkeit von Quellen (Stand: 16.07.2025): ● Berkeley Library (2021): Evaluating Resources: 🔗 -https: / / guides.lib.berkeley.edu/ evaluating-resources ● Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Spezial zum Thema „Fake News“: 🔗 -www.bpb.de/ gesellschaft/ medien-und-sport/ fake-news ● Correctiv, eine Non-Profit-Organisation, die gezielte Desinformatio‐ nen und Missstände aufzudecken versucht: 🔗 -correctiv.org/ faktencheck ● Quast, Christina & Thomas Tekster (2012): Informationsqualität im Internet: 🔗 -https: / / t1p.de/ hlz9a ● Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften Universitätsbibliothek (TIB): Checkliste zur Bewertung von Internet‐ quellen: 🔗 -https: / / t1p.de/ 9ufz0 Such-Methoden und Recherche-Orte Eine sinnvolle Vorgehensweise lässt sich in drei verschiedene Arbeits‐ schritte einteilen: ● Bei der Literatursuche setzen Sie sich damit auseinander, welche Literatur es überhaupt zu finden gibt. Gibt es vielleicht bereits eine Literaturliste, die vom Dozenten vorgegeben wird, oder Kataloge in der Bibliothek? 94 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="95"?> ● Bei der Literaturauswahl bewerten Sie die gefundene Literatur und wählen aus, welche Werke für Sie und Ihre Fragestellung relevant sind. ● Bei und während der Literaturbeschaffung klären Sie, ob die Werke in der Bibliothek, online oder kostenlos verfügbar sind. Ihre Literatursuche sollten Sie nicht planlos und unstrukturiert durchfüh‐ ren. Es gibt dabei mehrere Recherchemethoden, die Suchende von einem zum nächsten Werk bringen (vgl. Kache et al. 2015, S. 8ff.). Eine Möglichkeit ist das konzentrische Suchen, bei dem man ein zentrales Werk liest und das Literaturverzeichnis als Ausgangspunkt für die nächste Recherche nutzt. Eine andere Methode ist das vorwärtsgerichtete Suchen, bei dem man mit einer zentralen Quelle beginnt und dann mithilfe von Datenbanken nach wissenschaftlichen Texten sucht, die diese Quelle zitieren. Die systematische Suche beinhaltet die Eingabe von Schlagwörtern und deren Synonymen in eine Literaturdatenbank, um einen breiten Überblick zu erhalten. Meistens werden aber diese Suchmethoden miteinander kombiniert. Hinweis: Machen Sie sich frühzeitig Notizen, einschließlich genaue bib‐ liographischer Angaben, verwertbarer Textstellen (mit Seitenzahlen! ) sowie eigener Gedanken und Überlegungen. Dies erspart viel Arbeit, bestimmte Stellen im Nachhinein wiederzufinden. Zitate sollten Sie wortgenau festhal‐ ten. Hilfreich sind Literaturverwaltungsprogramme (siehe espresso-Wissen | Einige der gängigsten Literaturverwaltungsprogramme →-Kap.-3.2). Nicht jede gefundene Quelle wird für Ihre wissenschaftliche Arbeit geeignet sein. Häufig werden Sie auf populärwissenschaftliche Literatur stoßen oder auf Werke, die nicht den wissenschaftlichen Standards entspre‐ chen. Eine zitierfähige Quelle sollte glaubwürdig, genau, nachweisbar und aktuell sein (vgl. FH Düsseldorf 2011, S. 3). Besonders nützlich ist es, Informationen über die Autorin oder den Autor zu sammeln, etwa durch eine Google-Suche, um deren wissenschaftliche Tätigkeit oder Zuge‐ hörigkeit zu einer Institution zu prüfen. Zudem ist für die Qualität einer Quelle deren Nachvollziehbarkeit entscheidend: Sowohl Zitationsangaben als auch ein vollständiges Literaturverzeichnis müssen enthalten sein. So ist nachvollziehbar, woher der/ die Autor: in ihre Informationen hat. Auch die Aktualität der Quelle spielt eine große Rolle, da veraltete Daten für Ihre gerade durchgeführte wissenschaftliche Arbeiten sehr ungeeignet wären. 3.2 Literaturrecherche 95 <?page no="96"?> espresso-Wissen | Beispiele für grundsätzlich nicht zitierwürdige Quellen Allgemeinwissen oder triviale Aussagen, wie „Die Erde ist rund.“ oder „Alle Menschen müssen sterben.“ sollten nicht zitiert werden; sie sind nicht wissenschaftlich und nicht zitierwürdig (Franck 2004, S.-296). Weitere ungeeignete Quellen sind: Hausarbeiten, Vorlesungsfo‐ lien / -skripte, Wiki-Einträge, Trivialliteratur (z. B. Illustrierte), private Websites und Blogs und Graue Literatur. Hinweise: Einige dieser Quellen sind nur dann zu empfehlen, wenn der Forschungsgegenstand es verlangt: In den Geistes- und Sozialwissen‐ schaften werden Blog-Beiträge, Graue Literatur etc. häufig untersucht. Sie sind dann Primärquellen.- Bereits frühzeitig sollten Sie sich mit der Literaturbeschaffung befassen. Dazu können Bibliotheken vor Ort sowie Online-Datenbanken genutzt werden. Bei der Auswahl von Werken sollte man darauf achten, dass diese rechtzeitig verfügbar sind, da besonders nachgefragte Bücher mögli‐ cherweise längere Ausleihfristen haben. Viele Werke sind nicht kostenfrei oder uneingeschränkt zugänglich, sodass es wichtig ist, sich über mögliche Zugangsoptionen zu informieren. Die Bibliothek bietet in der Regel umfas‐ sende Informationen zu Alternativen und zusätzliche Recherchequellen. Tutorials und Veranstaltungen zur Nutzung von Bibliotheken und Daten‐ banken können ebenfalls hilfreiche Tipps geben. espresso-Wissen | Die Bibliotheken von Hochschulen und Universi‐ täten bieten sowohl Recherchemöglichkeiten, Literaturausleihe und Be‐ nutzung vor Ort an als auch eine große Anzahl an elektronischen Medien, wie E-Books, E-Journals und Datenbanken. Der einfachste Weg, um Lite‐ ratur zu finden, ist dabei der OPAC (Online Public Access Catalogue). Dort sind alle Werke aufgeführt, welche in der Bibliothek (bzw. den verschiede‐ nen Zweigbibliotheken) verfügbar sind. Dafür werden (besonders zu Se‐ mesterbeginn) Führungen und Schulungen angeboten, um mit der Syste‐ matik der Bibliothek vertraut zu werden und sich orientieren zu können. Neben den klassischen Bibliotheken gibt es zahlreiche Online-Kata‐ loge und -Datenbanken, die zur Literaturrecherche genutzt werden. In 96 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="97"?> der folgenden Liste sehen sie nur eine kleine Auswahl an digitalen Datenbanken (Stand: 16.07.2025): ● Im Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) ist eine Recherche in Bib‐ liothekskatalogen des In- und Auslandes möglich, dort werden mehrere Datenbanken und Kataloge aufgeführt. 🔗 -https: / / ogy.de/ xkt2 ● Scopus ist eine englischsprachige interdisziplinäre Zitations- und Abstract-Datenbank für wissenschaftliche Journalbeiträge aus den Fachgebieten: Natur- und Ingenieurwissenschaften, Medizin und Sozialwissenschaften. 🔗 -https: / / www.scopus.com/ home.uri ● ScienceDirect ist eine durch den niederländischen Verlag Elsevier bereitgestellte wissenschaftliche Datenbank. Diese bietet vor allem Informationen für Ingenieurwissenschaftler sowie für Geistes- und Sozialwissenschaftler: Collection „Physical Sciences and Engineering“: 🔗 -https: / / www.sciencedirect.com/ ● SpringerLink beinhaltet elektronischen Fachzeitschriften der Sprin‐ ger Verlagsgruppe (einschließlich Kluwer); die Fachgebiete sind Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik, Physik, Technik, Wirt‐ schaft, Medizin, Psychologie. 🔗 -https: / / link.springer.com/ ● Statista. ist eine globale Datenbank und umfasst zahlreiche Statisti‐ ken und Fakten aus mehreren Fachgebieten. 🔗 -https: / / de.statista.com/ ● PubMed ist die größte und wichtigste medizinische Literaturdaten‐ bank. Neben rein medizinischen Themengebieten findet sich auch Literatur der Themen Gesundheitswesen, Psychologie, Biologie und Biochemie. 🔗 -https: / / www.pubmed.de/ ● Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig und Frankfurt a. M. ist die zentrale Arvhivbibliotek für alle Medienwerke deutscher Sprache. 🔗 -https: / / www.dnb.de/ DE/ Home/ home_node.html ● Google Scholar ist eine von Google betriebene Suchmaschine zur Literaturrecherche wissenschaftlicher Dokumente. 🔗 -https: / / scholar.google.de/ Einige (kostenfreie) Bild-Datenbanken sind hier gelistet: 3.2 Literaturrecherche 97 <?page no="98"?> ● Bildarchiv Foto Marburg: Dieses umfangreiche Bildarchiv (auch: Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte) bietet mithilfe des Bildindexes den Zugriff auf eine umfangreiche Samm‐ lung mit dem Schwerpunkt auf europäischer Kunst und Architektur. 🔗 -https: / / www.uni-marburg.de/ de/ fotomarburg ● Auf Bildindex werden Bilder und Daten von kulturellen und wis‐ senschaftlichen Institutionen des Landes gesammelt und kostenfrei zugänglich gemacht. 🔗 -https: / / www.bildindex.de/ #%7Chome ● Die Deutsche Fotothek ermöglicht den Abruf von insgesamt über fünf Millionen Bilddateien mit verschiedensten Schwerpunkten innerhalb der Kunst und Kultur. 🔗 -https: / / deutschefotothek.de/ ews/ ete Für eine Suche nach einem allgemeineren und weniger auf die Bereiche des Kulturellen und der Kunst fokussierten Bildmaterial eignen sich Internet- Quellen, die entsprechende lizenzfreie Bilder sammeln. Hier eine Auswahl derartiger Seiten: ● Die in Deutschland gegründete Datenbank Pexels ( 🔗 -https: / / www.pex els.com/ de-de/ ) ermöglicht den kostenfreien Download von Stockfotos. Dabei sind die Bilder nicht mit Creative Commons Lizenzen versehen, da Pexels den Upload und Gebrauch der Dateien nach eigenen Vorgaben reguliert. So ist die Verwendung jeglichen Materials kostenfrei, die Än‐ derung dessen erlaubt und eine Namensnennung des/ der Autor: in nicht obligatorisch, aber der Verkauf unveränderter Kopien des Bildmaterials etwa verboten. ● Wenn Sie auf der Suche nach Symbolen sind, eignet sich The Noun Project ( 🔗 https: / / thenounproject.com/ ). Die Richtlinien der Verwendung von Icons ist jedoch von der Art der Mitgliedschaft abhängig. Bei einem kostenfreien Account ist beispielsweise der Name der Urheberin oder des Urhebers anzugeben. ● Pixabay ( 🔗 https: / / pixabay.com/ de/ ) arbeitet mit einer eigenen Lizenz. Analog zu den Bestimmungen bei Pexels ist die Verwendung des Mate‐ rials ebenfalls kostenfrei, Änderungen sind erlaubt und Urheber: innen müssen nicht genannt werden. 98 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="99"?> Viele Datenbanken sind an dieser Stelle nicht gelistet, informieren Sie sich über die gängigen Datenbanken Ihres Fachgebietes. Oder lassen Sie sich von der künstlichen Intelligenz (KI) unterstützen. Unterstützung bei der Literaturrecherche durch KI Künstliche Intelligenz bietet für Forschende eine große Unterstützung, relevante Literatur effizienter und zeitsparender zu finden, auszuwerten und zu analysieren. Was in naher Zukunft diesbezüglich noch passiert, vermag ich nicht abzuschätzen, aber das wissenschaftliche Arbeiten wird sehr von den Möglichkeiten und den Herausforderungen, die KI mit sich bringt, beeinflusst (Albrecht, 2024). Der Prozess der Literaturrecherche kann jedenfalls schon jetzt durch KI-Tools verbessert werden und aus dem Grund werden einige aktuelle Tools mit den unterschiedlichen Funktionen vorgestellt (→-Tab. 7). Funktion Beschreibung Tools Assistenz Unterstützung zu Beginn einer Ar‐ beit, z. B. bei der Themenfindung oder Formulierung der Forschungs‐ frage. ChatGPT 4/ 4o, Microsoft Copilot, Google Gemini Analyse Analyse hochgeladener PDFs (z. B. Aufsätze) und Diskussion über die Inhalte der Dokumente (z. B. Zu‐ sammenfassungen, Erläuterungen zu Textstellen und Darstellung der Grundgedanken der Texte). ChatPDF, Humata, Elicit, ChatGPT 4/ 4o, Explainpaper Suche Unterstützung bei der Suche nach (akademischer) Literatur und wei‐ tere Dienste, z. B. Erstellung von Zu‐ sammenfassungen der inhaltlichen Kernthesen der gefundenen Litera‐ tur etc. Elicit, Perplexity AI, SciSpace, Scite.ai Semantic Scholar, hatGPT 4.0/ 4o 3.2 Literaturrecherche 99 <?page no="100"?> Literaturver‐ netzung Erstellung von Mappen vorhandene Literatur auf Basis eines Ausgangs‐ papers (Seed Paper) und (neue) Infos über ähnliche Aufsätze anhand einer thematischen Klassifikation Litmaps, Connected Papers, Research Rabbit, Open Knowledge Maps Tab. 7: Beispielhafte KI-Werkzeuge bei der Literaturrecherche Damit Sie sinnvolle und geeignete Ergebnisse und Antworten beim KI-Tool erhalten, müssen Sie die Anweisungen bzw. Fragen (Prompts) klug formu‐ lieren: Sie müssen klar und präzise, kontextbezogen, sprachlich eindeutig und fokussiert gestellt werden. Es ist außerdem gut, die Prompts anzupassen, je nachdem was für ein Ergebnis ausgegeben wird und wie sehr Sie zufrieden damit sind oder nicht. Die Qualität der Literaturrecherche hängt von der Verfügbarkeit und der Qualität der Informationen bzw. Quellen ab. Auch sind häufig fehlerhafte Zusammenfassungen und sprachliche Missinterpretationen möglich. Die Ergebnisse der Literatursuche durch KI müssen also kritisch bewertet und mit eigenem Verstand und Wissen abgeglichen werden; nur so lassen sich Qualität und Zuverlässigkeit der Forschung sicherstellen. (vgl. dazu da Silva Cardoso, Kusser, Kieselstein, 2024, S.-11.) Nach der Literaturauswahl gilt es, diese zu verwalten und zu organisie‐ ren. Hierfür sind Literaturverwaltungsprogramme sinnvoll, denn damit können Sie wichtige Daten wie Buchtitel, Autor: in, Verlag, Erscheinungsjahr und eigene Notizen erfassen, bearbeiten und exportieren. Mit Schlagworten können Sie die Quellen strukturieren und später leichter wiederfinden. Zudem lassen sich alphabetische Literaturnachweise erstellen und eine einheitliche Zitierweise einrichten. Es gibt eine Vielzahl an Literaturverwaltungsprogrammen, die das Schrei‐ ben wissenschaftlicher Arbeiten erleichtern können. Die Wahl des passen‐ den Programms hängt von persönlichen Vorlieben, den verfügbaren Funk‐ tionen sowie äußeren Faktoren wie dem Betriebssystem oder den Kosten ab. Viele Universitäten bieten Studierenden kostenlose Campuslizenzen an - prüfen Sie dies an Ihrer Hochschule. 100 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="101"?> espresso-Wissen | Einige gängige Literaturverwaltungsprogramme ● Citavi ist ein an Hochschulen häufig verwendetes Literaturverwal‐ tungsprogramm zum Recherchieren, Analysieren, Strukturieren und Organisieren von Literatur. Empfehlenswert ist das Tool für das Schreiben und gemeinsame Arbeiten im Team an einem angeleg‐ ten Projekt. Außerdem können eigene Informationen (Idee, Schlag‐ worte, Kommentare) eingebettet werden. Citavi ist kostenpflichtig. 🔗 -https: / / t1p.de/ 92ynw ● Zotero ist ein kostenloses Open-Source-Literaturverwaltungspro‐ gramm, um diverse digitale und analoge Quellen zu sammeln, verwalten und zu zitieren. 🔗 -https: / / www.zotero.org ● Das Literaturverwaltungsprogramm EndNote erlaubt die Onlinesu‐ che in Datenbanken und das Anlegen und Verwalten von Literatur‐ datenbanken. 🔗 -https: / / endnote.com/ de/ ● Mendeley ist ein Literaturverwaltungsprogramm zum Organisieren, Austauschen und Zitieren von wissenschaftlichen Artikeln und PDF-Dokumenten. 🔗 -https: / / www.mendeley.com/ ? interaction_required=true ● Ref Works ist ein webbasiertes Literaturverwaltungsprogramm zum Sammeln, Schreiben, Zitieren von Literatur und gemeinsamen Ar‐ beiten im Team daran. 🔗 -https: / / refworks.proquest.com/ 3.3 Lesestrategien und -techniken Im Studium und im Berufsalltag werden Sie sich früher oder später mit wissenschaftlichen Texten und Fachbeiträgen auseinandersetzen: beim wis‐ senschaftlichen Arbeiten, beim Recherchieren, beim Lernen und Begreifen. Trotz der zahlreichen Materialien und Literatur und der gleichzeitig be‐ grenzten Lese- und Bearbeitungszeit müssen sie den Überblick behalten, Texte und die darin enthaltenen relevantesten Informationen erkennen und für Ihre Arbeit bzw. Ihre Frage ein- und umsetzen. 3.3 Lesestrategien und -techniken 101 <?page no="102"?> Besonderheiten des wissenschaftlichen Lesens Das wissenschaftliche Lesen eines Papers unterscheidet sich grundlegend vom Lesen eines Romans oder einer Zeitschrift. Beim wissenschaftlichen Lesen reicht es meist nicht aus, den Text schlichtweg linear durchzulesen und danach zu vergessen (Rost, 2018, S. 191ff.). Die hohe Informationsdichte, komplexe Fachterminologie und anspruchsvolle Argumentationsstrukturen verlangen ein bestimmtes Vorwissen (z. B. Fachterminologie oder Hinter‐ gründe) und kompliziertere gedankliche Vorgänge. Darum sollten Sie den Text aktiv und bewusst zu lesen, die Kernpunkte herauszufiltern und Inhalte sowie Argumente verstehen und kritisch hinterfragen. Ein wesent‐ licher Aspekt des wissenschaftlichen Lesens ist daher die Planung - so wie bei einer anderen Aufgabe auch -, d. h, sich konkrete Leseziele zu setzen, Schwierigkeiten zu berücksichtigen und das Lesen vor- und nachzubereiten (Kruse, 2018, S.-22). Wissenschaftliches Lesen, Verstehen und Hinterfragen des Gelesenen sind wichtige Schlüsselkompetenzen für erfolgreiches Arbeiten (→ Abb. 1). Dabei geht es nicht nur um das Erfassen von Texten, sondern um das Filtern wichtiger Informationen und die kritische Auseinandersetzung damit. Lesestrategien und -stile helfen hier, Texte effizient für sich zu erschließen, Wissen zu verarbeiten und eigenständig weiterzuentwickeln - unverzichtbare Grundlagen für wissenschaftliches Arbeiten. Lesestile Je nach Leseziel und Textsorte unterscheidet man zwischen drei Lesestilen (Lange, 2018, S.-26f.): ● flüchtiges Lesen (Skimming): Überblick verschaffen und Schlüssel‐ begriffe und Textstruktur identifizieren ● gründliches/ studierendes Lesen: detaillierte und umfassende Erar‐ beitung der Inhalte, konzentriertes Lesen, ggf. Einteilung langer Texte in Abschnitte ● durchsehendes Lesen: zielgerichtetes Suchen nach spezifischen Infor‐ mationen, z.-B. in Wörterbüchern oder Fachtexten 102 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="103"?> Inhaltliche Textverarbeitung Den Text lediglich zu erfassen, genügt meistens nicht, Sie müssen die darin enthaltenden Informationen tatsächlich effektiv verarbeitet und ins Gedächtnis überführt werden. Verschiedenen Methoden der Textverarbei‐ tung helfen: ● SQ3R-Methode: Fünf Lesephasen strukturieren den Leseprozess: 1. Überblick verschaffen (Survey), 2. Fragen formulieren (Questions), 3. genau lesen (Read), 4. Inhalte rekapitulieren (Recite) und 5. wiederholen (Review) (Burchert/ Sohr, 2008, S.-54; Koch, 2015, S.-130f.). ● Multiple-Reading-Process (MRP): Der Text wird schrittweise gründ‐ lich bearbeitet: Überblick behalten und mehr Details erfahren. Durch die mehrfache Auseinandersetzung mit dem Text, verinnerlichen Sie die Inhalte (Koch, 2015, S.-137). ● Lesebegleitung: Eigene Notizen, Schlüsselbegriffe, Markierungen oder Randbemerkungen unterstützen Sie dabei, den Text zu verstehen. Methoden zur Lese-Nachbereitung Sobald Sie einen Text bewusst und aktiv durchgelesen haben, werden die Informationen „zu eigen“ gemacht - sie werden nachbereitet. Das Gelesene festigt sich und gelangt in Ihr Wissenssystem. Folgende Methoden haben sich bewährt: ● Exzerpieren und zusammenfassen: Texte oder Textabschnitte wer‐ den mit eigenen Worten - in einem Exzerpt - wiedergegeben, wobei sie kurz und prägnant die wichtigsten Informationen enthalten sollten (Burchert/ Sohr, 2008, S. 62). Der Originaltext darf nicht verfälscht, und Ihre eigenen Gedanken müssen klar gekennzeichnet werden (Lange, 2018, S. 52). Diese Technik ist besonders nützlich, wenn der Originaltext später nicht mehr verfügbar ist (Kruse, 2018, S.-42). ● Elaborieren: Im Gegensatz zum Exzerpieren werden beim Elaborieren eigene Erkenntnisse, Gedanken, Vorwissen, Beispiele oder Rechercheer‐ gebnisse ergänzt und der Text erweitert. Diese Methode fördert das aktive Auseinandersetzen, Kreativität und Kritik. Auch wird Ihre Merk‐ fähigkeit erhöht, weil Sie Gelesenes mit Vorwissen verknüpfen. ● Visualisieren: Um bestimmte Inhalte oder Strukturen des Gelesenen darzustellen, eignen sich Tabellen, Listen, Pfeildiagramme oder Mind‐ 3.3 Lesestrategien und -techniken 103 <?page no="104"?> maps häufig besser als ein Text (Dymock, (2005), S. 177f., TU Dres‐ den | Schreibzentrum). Tabellen vergleichen Argumente übersichtlich, Mindmaps bzw. Baumdiagramme bilden zentrale Ideen und deren Ver‐ zweigungen ab. Diagramme oder Schaubilder eignen sich außerdem zur Elaboration eigener Gedanken. Besonders bei komplexen Themen erleichtern grafische Elemente den Überblick (→-Abb.-20). Kritische Reflexion Wissenschaftliche Texte wirken oft autoritär und mitunter schwer zugäng‐ lich, sollten aber dennoch immer hinterfragt werden (Rost, 2018, S. 194). Lassen Sie sich nicht verunsichern. Texte, die gut geschrieben sind, verfüh‐ ren manchmal dazu, Aussagen ohne weitere Reflexion hinzunehmen, sodass keine wirklich aktive Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt (Kruse, 2018, S. 36). Kritische Reflexion ist ein wichtiger Teil des wissenschaftlichen Arbeitens, da sie das Verständnis vertieft und neue Perspektiven eröffnet. Hier einige Leitfragen für die kritische Lektüre (nach Lange, 2018, S.-88f.): ● Verfolgt der Autor eine bestimmte Absicht? ● Gibt es Widersprüche, ungenaue Daten oder methodische Schwächen? ● Welche Theorie oder Methodik wird verfolgt und erscheint Ihnen diese Wahl sinnvoll? ● Sind die Schlussfolgerungen logisch? ● Werden Bewertungen und Beurteilungen anhand der richtigen Kriterien vorgenommen? ● Werden alternative Meinungen berücksichtigt? Die kritische Auseinandersetzung mit Texten steigert nicht nur die eigene Merkfähigkeit, sondern fördert auch das Verständnis wissenschaftlicher Argumentationsweisen. 3.4 Materialdokumentation und -verwaltung Beim wissenschaftlichen Arbeiten sammeln sich schnell zahlreiche Doku‐ mente, Dateien (Texte, Audios, Bilder, Videos), Links, Ideen, Skizzen und Ergebnisse an. Wie schaffen Sie es, sich dabei nicht zu verzetteln? Wie lässt sich alles gut und effektiv ordnen, verwalten, dokumentieren und 104 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="105"?> archivieren? Wie sichern Sie die Ergebnisse und Informationen? Ziel ist es, dass Sie den Überblick über Papiere, Texte und Materialien sowie Aufgaben behalten, diese und sich selbst nicht verlieren und digitale Werkzeuge sinnvoll verwenden. Ordnen, verwalten und dokumentieren Oft finden wir wichtige Notizen, Fotos, Literaturangaben oder Dateien erst nach langer Suche wieder, oder wir lassen uns durch verschiedene Ablenkungen wie Push-Nachrichten, Serien oder private Mitteilungen vom Wesentlichen ablenken. Kontinuierlich nehmen wir neue Informationen und Nachrichten auf, setzen uns damit auseinander, verwerten sie - irgend‐ wann können wir aber nicht mehr alles fassen und verarbeiten. Die Anfor‐ derungen an unsere Informationskompetenz steigen und es ist oft schwer, ein bestimmtes Problem zu erkennen, zu bewerten und Informationen dazu gezielt und fokussiert zu organisieren Arbeit (vgl. Universität Konstanz, 2024, Universität Mannheim, 2016). Ordnung und Klarheit am Arbeitsplatz sowie bei den Materialien sind daher überaus hilfreich, um schneller und effektiver zu arbeiten. Sie helfen dabei, Dopplungen und „Schusselfehler“ zu vermeiden und insgesamt zufriedener mit der eigenen Arbeit zu sein. Auch Stress lässt sich so deutlich reduzieren. Gerade zu Beginn der Literaturrecherche finden und lesen Sie viele verschiedene Texte, was grundsätzlich positiv ist. Doch es besteht die Gefahr, dass Sie schnell den Überblick verlieren oder zu lange an einer Quelle hängen bleiben, wodurch Sie vom eigentlichen Ziel (Ihrer Fragestel‐ lung) abkommen. Es wird zu Beginn schwerfallen, wichtige von weniger wichtigen Informationen zu trennen und ein eigenes Ordnungssystem zu entwickeln. Ein gutes System und ein Zeitlimit helfen dabei, sich eben nicht zu verzetteln und fokussiert zu bleiben. espresso-Wissen | Datenvisualisierung Im Denkprozess spielen visuelle Darstellungen eine bedeutende Rolle, da visuelle Darstellungen das Verarbeiten von Wissen erleichtern. Das bildhafte Verarbeiten von Informationen ist ein natürlicher Teil des menschlichen Denkens. Solche Darstellungen unterstützen dabei, kom‐ plexe Inhalte besser zu verstehen, zu speichern und zu lernen. Das 3.4 Materialdokumentation und -verwaltung 105 <?page no="106"?> Abb. 20: Datenvisualisierung (v.l.n.r.): Säulen-/ Balkendiagramm, Torten-/ Kreisdiagramm, Box‐ plot, Organigramm, Balkendiagramm, Venn- Diagramm, Mindmap, Liniendiagramm, Tabelle funktioniert deswegen so gut, weil Informationen (häufig sehr kreativ) gruppiert, geordnet und in umfangreiche Zusammenhänge gebracht werden (Willis & Miertschin, 2006, S. 266f.). Zu den visuellen Formaten gehören neben Tabellen und Grafiken auch Diagramme, Symbole und insbesondere Mindmaps (→-Abb. 20). „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ [Sprichwort] Das Umwandeln von recherchiertem Wissen oder Textinhalten in eine andere Darstellungsform erfordert zwar oft Zeit und Aufwand, aber diese Investition lohnt sich meistens und kann sogar Spaß machen. Mindmaps, Organigramme und Wissenskarten (bzw. Concept Maps) müssen jedoch geübt werden. Sie können dabei entweder klassisch auf Stift und Papier zurückgreifen oder digitale Tools verwenden, die den Prozess der Visualisierung erleichtern (siehe Exkurs: Methoden zur Orientierung →-Kap.-3.1). Datenbanken, KI und Tools zur Verwaltung Die systematische Organisation von Informationen, Materialien und Dokumenten ist sinnvoll und zentraler Bestandteil wis‐ senschaftlicher Arbeit. Seit den 1980er-Jahren ermöglichen (Lite‐ ratur-)Verwaltungsprogramme, bi‐ bliographische Daten samt Quellen aufzunehmen und zu strukturieren sowie eigene individuelle Litera‐ turlisten anzulegen (Schön & Ebe‐ ner, 2015, S. 67f.). Moderne Tools bieten vielfältige Funktionen wie das Anlegen von Literaturlisten, die Auswahl von Zitationsstilen oder die Integration in Textverarbeitungssysteme. Und es kommen stetig neue Möglichkeiten dazu. Informieren Sie sich, was aktuell in Ihrer Einrich‐ tung oder im Bekanntenkreis verwendet wird und als empfehlenswert gilt. 106 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="107"?> Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige ausgewählte Tools und ihre Funktionen: Tool Beschreibung Funktion SciFlow 🔗 -https: / / www.sciflow.net/ de/ Online-Anwendung für kollabora‐ tives wissenschaftliches Schreiben mit integrierter Literaturverwal‐ tung und Formatierungsoptionen • kollaboratives Schreiben und Textbearbeiten • Formatierung und Veröffentlichung von Texten • Literatur verwal‐ ten Mendeley 🔗 -https: / / www. mendeley.com kostenloses Referenzmanagement- Tool von Elsevier (bis 2-GB). Es ermöglicht die Verwaltung wissen‐ schaftlicher Artikel, das Erstellen von Bibliografien und die Cloud- Synchronisation. • Extraktion von Metadaten aus PDFs und inte‐ grierter PDF-Rea‐ der • Organisation mit Tags • Integration mit Word • Social-Network- Funktionen für Wissenschaftler ZKn3 🔗 -http: / / zettelka sten.danielluedec ke.de/ zkn3 digitales Zettelkastensystem nach Niklas Luhmanns Vorbild. Es hilft beim Sammeln, Sortieren und Ver‐ walten von Gedanken, Exzerpten und Zitaten. Der digitale Zettelkas‐ ten dient als inhaltlicher Schreib‐ helfer. • Strukturierung von Gedanken • Literaturverwal‐ tung • Einbindung von Grafiken Evernote 🔗 -https: / / everno te.com/ de-de Werkzeug für persönliche Wis‐ sensorganisation. Die kostenlose Version ermöglicht das Sammeln und Ordnen von Notizen, Texten, Sprachaufnahmen, Fotos, Links und anderen Materialien in Notiz‐ büchern. • Sammlung von Materialien und Verknüpfung mit weiteren Informa‐ tionen • Organisation von Notizen in Notiz‐ büchern • Aufgabenverwal‐ tung 3.4 Materialdokumentation und -verwaltung 107 <?page no="108"?> Joplin 🔗 -https: / / joplina pp.org/ eine kostenlose Open-Source-App zur Organisation von Notizen und Notizbüchern • Schreiben und Ver‐ waltung von eige‐ nen Notizen • kein kollaboratives Schreiben! Dropbox 🔗 https: / / www.d ropbox.com/ kostenfreier Cloudspeicher (bis 2-GB) zur Speicherung und zum Teilen von Dateien • Speicherung und Teilen von Dateien • Zugriff von ver‐ schiedenen Gerä‐ ten WeTransfer 🔗 -https: / / wetransfer.com/ kostenlose Filehosting-Dienst (bis max. 3 GB im Monat), über die gro‐ ßen Dateien benutzerfreundlich an eine oder mehrere Personen ver‐ sendet werden können • sicheres Versenden und Teilen großer Dateien Tab. 8: Überblick über ausgewählte Tools zur Material-, Notiz- und Literaturverwaltung Sicherung von Arbeitsergebnissen, Materialien und Informationen Beim wissenschaftlichen Arbeiten sammeln sich schnell zahlreiche Ideen, Rechercheergebnisse, Notizen und Textbausteine an. Diese müssen regel‐ mäßig dokumentiert und gesichert werden - und zwar nicht nur auf dem eigenen Computer. Stellen Sie sich vor, Ihr Rechner geht kaputt oder wird gestohlen. Die Folgen wären großer Stress, Sorgen und eine Verzögerung Ihrer Arbeit. Denken Sie von Anfang an an eine sinnvolle Datensicherung und Materialverwaltung. Sichern Sie Ihre Daten regelmäßig (z. B. täglich) auf einem externen Datenspeicher oder in einer Cloud. Besonders während intensiver Schreibphasen empfiehlt es sich, stündlich Backups zu erstellen - je nach Arbeitspensum. Nutzen Sie USB-Sticks oder Cloud-Dienste, um Ihre Daten abzusichern. Und achten Sie darauf, die Dateien sinnvoll und mit Datum zu benennen, um die aktuelle Version stets im Blick zu haben. Wie Sie Dateien übersichtlich benennen und aufbewahren können, erfah‐ ren Sie beispielsweise auf den Seiten des Verbund Forschungsdaten-Bildung: „Dateien benennen und organisieren“ (VerbundFDB, 🔗 -https: / / ogy.de/ 2jy u). (23.09.2024) 108 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="109"?> Wie Dokumente häufig gespeichert werden (und wie Sie es nicht tun sollten): Wie Sie Dokumente stattdessen si‐ chern sollten: hausarbeit_final.doc hausarbeit_final1.doc hausarbeit_final2.doc hausarbeit_final3.doc hausarbeit_finalfinal.doc hausarbeit_finalfinalkorrigiert.doc hausarbeit_finalfinalkorrigiert-st.doc hausarbeit_finalfinalkorrigiert-hk.doc hausarbeit_finalfinalkorrigiert-neu.doc hausarbeit_finalabgabe.doc hausarbeit_finalabgabe-alt.doc hausarbeit_finalabgabe1.doc hausarbeit.pdf 2025-09-28 SprechWiss-HA-Kap1 2025-09-28 SprechWiss-HA-Kap1-3 2025-09-28 SprechWiss-HA-Kap4 2025-09-28 SprechWiss-HA-kompl 2025-09-29 SprechWiss-HA 2025-09-29 SprechWiss-HA-korrST 2025-09-30 SprechWiss-HA-korrKA 2025-09-30 SprechWiss-HA-korrBD 2025-10-01 SprechWiss-HA-kompl 2025-10-03 SprechWiss-HA 2025-10-03 SprechWiss-HA.pdf - Tab. 9: Daten benennen Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Datensicherung ist der Schutz Ihrer Zugangsdaten. Achten Sie darauf, sichere Passwörter zu verwenden. Was wären sichere Passwörter? Hier einige hilfreiche Kriterien ● Passwortlänge (mind. 8 Zeichen): vgl. Empfehlungen des BSI ( 🔗 -https: / / t1p.de/ qv8t) ● Zeichenkombinationen: große und kleine Buchstaben (möglichst keine Worte, sondern, z. B. naHelUgaEWlm), Sonderzeichen ((&%*#), Zahlen (2857061) und alles miteinander kombiniert, z. B. n28&a5H(&7e*0lU6#ga1EWlm. ● keine Umlaute, kein ß: im Ausland fehlen diese Zeichen auf der Tastatur ● regelmäßiges Ändern der Passwörter ● dasselbe Passwort nicht mehrmals verwenden Ein einfacher Trick zur Passworterstellung: Denken Sie sich einen Satz aus, z. B. „Mittwochs esse ich immer 7 Tomaten“. Ihr Passwort könnte dann „Mei! 7T“ sein, wobei Sie die Anfangsbuchstaben der Wörter nehmen und einige durch Sonderzeichen oder Zahlen ersetzen. Oder Sie nutzen Sie einen Passwort- Manager, um Ihre Passwörter sicher zu verwalten (vgl. BSI--Empfehlungen: 🔗 -https: / / t1p.de/ x99n) 3.4 Materialdokumentation und -verwaltung 109 <?page no="110"?> espresso-Wissen | Tools zur (Um-)Benennung von Dateinamen Es gibt verschiedene Tools, mit denen Sie Dateinamen effizient ändern können: ● Bulk Rename Utility (Windows, kostenlos): 🔗 -https: / / www.bulkrenameutility.co.uk/ ● Renamer 5 (Mac): 🔗 -https: / / renamer.com/ ● Ant Renamer (Windows, kostenlos): 🔗 -https: / / t1p.de/ ypktc ● Advanced Renamer (Windows, kostenlos): 🔗 -https: / / www.advancedrenamer.com/ Empfehlung: Drucken Sie Ihre Ergebnisse nur bei Bedarf (möglichst doppelseitig) aus und legen Sie diese in speziellen Ordnern ab. Wenn Sie Webseiten ausdrucken möchten, nutzen Sie die Seite 🔗 https: / / ww w.printfriendly.com/ , um die Inhalte und das Format zu optimieren und umweltfreundlicher auszudrucken. 110 3 Orientierung, Themenfindung, Verwaltung und Dokumentation <?page no="111"?> 4 Schreiben und Texte erstellen espresso-Wissenscheck | https: / / narr.kwaest.io/ s/ 1371 espresso-Keywords | Schreibtypen, formale Gestaltung, Formalitäten, Gliederung, roter Faden, Inhalt, Sprache, Schreibblockade, Gendern, KI- Tools, Rhetorik, Ausdruck, Struktur Die Vorbereitungsphase ist nun abgeschlossen, d.-h. haben durch Ihre Lite‐ raturrecherche eine vorläufige Forschungsfrage formuliert, eine geeignete Forschungsmethode ist gewählt, eine grobe Gliederung liegt auch vor und im Idealfall wurde dies alles bereits mit dem/ der Betreuer: in besprochen. Jetzt geht es darum, Ihre wissenschaftliche Arbeit zu Papier zu bringen. Dieses Kapitel bietet Ihnen eine Orientierung, wie Sie dabei vorgehen können. Dabei werden entscheidende Aspekte des Schreibprozesses wissen‐ schaftlicher Arbeiten behandelt; nämlich ● formale Grundregeln, Struktur und Formatierung (→-Kap.-4.1), ● inhaltliche Gestaltung oder: Der rote Faden (→-Kap.-4.2), ● die sprachliche Gestaltung (→-Kap.-4.3) und ● der Umgang mit und Hilfe bei Schreibblockaden (→-Kap.-4.4). Ihr Schreibprozess espresso-Wissen | Exkurs: Schreibtypen und Arbeitsweisen Wir alle arbeiten unterschiedlich, haben unterschiedliche Präferenzen was Arbeits- und Schreibweisen angeht. Und es ist ganz hilfreich, sich kritisch mit der eigenen Schreibweise auseinanderzusetzen. Es gibt vier verschiedene Schreibtypen - mit Stärken und Schwächen (vgl. Scheuermann, 2011, Grieshammer & Liebetanz & Peters & Zegenhagen: Zukunftsmodell Schreibberatung, 2013, Damm: Effektiver Schreiben im Studium). Es gibt hierbei keine „richtige“ oder „falsche“ Schreibweise, aber es kann hilfreich sein, den eigenen Schreibtyp zu kennen: <?page no="112"?> ● Drauflosschreiber: innen schreiben ohne genauen Plan. Sie nut‐ zen das Schreiben zum Denken, entwickeln Ideen während des Schreibens und strukturieren später. ● Patchworkschreiber: innen arbeiten an verschiedenen Textteilen gleichzeitig und setzen diese zum Schluss zusammen. ● Planer: innen entwickeln eine detaillierte Struktur, bevor sie mit dem Schreiben beginnen. Sie fangen spät zu schreiben an, tun es dann jedoch zielgerichtet. ● Versionenschreiber: innen schreiben erst einmal drauf los, meh‐ rere Entwürfe, und überarbeiten diese kontinuierlich, bis der end‐ gültige Text entsteht. Ihr endgültiger Text ist ein anderer als ihr Rohtext. Viele Menschen finden sich in mehreren wieder, während andere sich in keiner Beschreibung vollständig erkennen. Der Schreibstil kann sich übrigens im Laufe der Zeit wandeln, was im Grunde auch positiv ist. Das Ausprobieren neuer Schreibstile kann helfen, Schreibschwierigkeiten zu überwinden und den Prozess zu erleichtern (→-Kap.-4.4). 4.1 Formale Grundregeln: Aufbau und Formatierung Universitäten, Studiengänge, Lehrstühle, Abteilungen und Institute haben oft sehr unterschiedliche Vorgaben für die Formalia wissenschaftlicher Arbeiten. Beispielsweise fordert der Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Martin-Luther-Universität bei Seminararbeiten einen Seitenrand von 2 cm (vgl. Lehrstuhl für Alte Geschichte, S. 2). Im Gegensatz dazu verlangt die Abteilung für Medien- und Kommunikationswissenschaften auf drei Seiten einen Abstand von 2,5 cm, unten jedoch ebenfalls 2 cm (vgl. Abteilung für Medien- und Kommunikationswissenschaften, S. 36). Während beide Einrichtungen Schriftgröße 12, einen Zeilenabstand von 1,5 und Blocksatz empfehlen, gibt die Abteilung für Medienwissenschaften deutlich detaillier‐ tere Anweisungen, etwa zur Einbindung von Zitaten oder zur Platzierung der Seitenzahlen. Solche oder ähnliche unterschiedliche formale Vorgaben sind typisch und können sich auch auf Schriftart, Deckblattgestaltung oder Reihenfolge der Anhänge erstrecken. 112 4 Schreiben und Texte erstellen <?page no="113"?> Entscheidend sind am Ende jedoch allein die Richtlinien Ihres Studien‐ bereichs bzw. Ihrer eigenen Einrichtung, in der Sie wissenschaftlich tätig sind. Idealerweise finden Sie diese auf den Webseiten der Institute oder Lehrstühle. Zudem empfiehlt es sich, wenn Sie bei Unklarheiten direkt Ihre Betreuer: innen fragen. Einige Dozierende haben allerdings manchmal individuelle Vorstellungen und Vorlieben, während andere weniger Wert auf Details legen, solange die Arbeit einheitlich formatiert ist. Aufgrund der besseren Les- und Vergleichbarkeit und auch der erleich‐ terten Korrektur bei der Bewertung werden darum formale Vorgaben gemacht und Regeln definiert, welche die Schriftart, Randbreite und weitere Formatierungen betreffen (→-Abb. 21). Diese sind streng einzuhalten. n)? (n)? Schriftart? Times New Roman, Arial, Calibri 1 Fußnoten auf der jeweiligen Seite und fortlaufend nummeriert Seitenränder? 2,5 cm auf allen Seiten Textausrichtung? Deckblatt: zentriert Fließtext: Blocksatz/ Flattersatz Zeilenabstand? einzeilig bis 1,5-zeilig Schriftgröße? 12pt (Times New Roman), 11pt (Arial, Calibri) DIN-A4- Hochformat Seitenzahlen? fortlaufend (ohne Deckblatt und Gliederung) Hervorhebungen? kursiv (keine Unterstreichungen, kein Fett) automatische Silbentrennung? Abb. 21: Formale Gestaltung und Formatierung der schriftlichen Hausarbeit 4.1 Formale Grundregeln: Aufbau und Formatierung 113 <?page no="114"?> Einheitlichkeit und allgemeiner Aufbau Die Einheitlichkeit in der Form ist ein Aspekt, aber nicht der einzige. Es existiert ein allgemeiner Aufbau, der auf die meisten wissenschaftlichen Arbeiten - insbesondere Haus- und Abschlussarbeiten - zutrifft. Üblicher‐ weise enthält eine schriftliche Hausarbeit zumindest Deckblatt, Inhaltsver‐ zeichnis, Einleitung, Hauptteil und Schluss (Fazit/ Zusammenfassung) sowie Literaturverzeichnis und eine Eidesstattliche Erklärung (→-Abb. 22). Ergebnisse 10%-20% Deckblatt 1 Seite ggf. Abstract 1 Seite Inhaltsverzeichnis ggf. Abb.-/ Tab.- Verzeichnis ggf. Abkürzungs- Verzeichnis Einleitung 10%-15% Theorie 30%-40% Methodik 10% ggf. Diskussion 5%-20% max. 2 Seiten Fazit | Zusammenfassung 5%-20% ggf. Nachwort Literaturverzeichnis ggf. Anhang Eidesstattliche Erklärung 1-2 Seiten Hauptteil (70%-80%) Abb. 22: Gliederung bzw. Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit Die erste Seite einer wissenschaftlichen Hausarbeit ist das Deckblatt (→ S. 78). Es sollte alle relevanten Informationen enthalten sein, wie Titel der Arbeit, Datum der Abgabe, Name der Hochschule bzw. der Einrichtung, Name des Seminars, Name der zuständigen Lehrkraft, Ihr eigener Name und Kontaktdaten. Falls es keine festen Vorgaben gibt, bieten das Internet oder Plattformen (vgl. Scribbr: Das perfekte Deckblatt, 2019; StudiOnline, Aufbau der Arbeit, 2024) hilfreiche Vorlagen. Besondere Vorsicht ist jedoch bei der Verwendung von Logos (z. B. Ihrer Universität) geboten. Ein Logo sieht auf einem Deckblatt schick aus, ist allerdings in der Regel urheberrechtlich geschützt. Sie benötigen also eine Erlaubnis. Das Inhaltsverzeichnis dient der Orientierung der Leser: innen und gibt einen Überblick über sämtliche Kapitel und Unterkapitel mit den dazuge‐ 114 4 Schreiben und Texte erstellen <?page no="115"?> hörigen Seitenangaben. Die genaue Gestaltung kann durchaus variieren. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, für die „Nummerierung“ der Kapitel römische Ziffern, arabische Ziffern, Großbuchstaben oder auch Kleinbuchstaben zu verwenden. Schreibprogramme, wie LibreOffice oder Microsoft Word ermöglichen automatische Verknüpfungen, um Seitenzah‐ len korrekt zu aktualisieren. Weitere Verzeichnisse, beispielsweise für Abbildungen, Tabellen oder Abkürzungen, sind nur bei Bedarf und je nach Textart erforderlich. Der inhaltliche Kern der wissenschaftlichen Arbeit beinhaltet die Einlei‐ tung, den Hauptteil (je nach Textsorte auch Methodik du Ergebnisse) und den Schluss bzw. die Zusammenfassung. Am Ende der Arbeit steht das Literaturverzeichnis; es enthält alle verwendeten Quellen: Bücher, Websites, Videos, Audios und E-Mails. Alle Materialien, die Sie in Ihrer und für Ihre wissenschaftlichen Arbeit verwen‐ det haben, aber nicht von Ihnen selbst stammen, müssen noch einmal in diesem Verzeichnis angegeben werden. Je nach Umfang kann ein zusätzli‐ ches Medienverzeichnis angefügt werden. Der Anhang enthält Materialien, die nicht allgemein zugänglich sind, wie Umfragedaten, Fragebögen, Protokolle oder Bildmaterial. Der Anhang dient der Untermauerung Ihrer Aussagen und liefert nötige Nachweise. Manche Hochschulen verlangen außerdem eine unterschriebene Selbst‐ ständigkeitserklärung, in der bestätigt wird, dass die Arbeit eigenständig erstellt wurde. Die Anforderungen und Vorlagen dafür finden Sie in der Regel bei Ihrem Institut (→-Kap.-6.4). 4.2 Inhaltliche Gestaltung oder: Der rote Faden Durch Ihre gesamte wissenschaftliche Arbeit sollte sich klar erkennbarer roter Faden ziehen. Dieser sorgt nämlich dafür, dass Ihre Arbeit nicht nur logisch strukturiert, sondern auch für die Lesenden - und übrigens auch für Sie selbst - nachvollziehbar und spannend bleibt. Der rote Faden spiegelt sich auf drei Ebenen wider: in der Sprache (z. B. Verbindungswörter), in der Argumentation sowie in der Gliederung mit Überleitungen und Zusammenfassungen. Gemeint sind die Textpassagen, die Inhalte einleiten oder zum nächsten Thema bzw. Kapitel überleiten oder solche, die Inhalte zusammenfassen. 4.2 Inhaltliche Gestaltung oder: Der rote Faden 115 <?page no="116"?> Eine gelungene wissenschaftliche Arbeit zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass ihre Ergebnisse und der Weg dorthin transparent und beim Lesen ohne Mühe nachvollzogen werden können. Das Grundgerüst für den roten Faden bildet die Gliederung (→-Abb. 22). Die Einleitung: Der erste Eindruck zählt Die Einleitung stellt den ersten Kontakt zu den Leser: innen Ihrer Arbeit her. Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihr Lesepublikum gleich zu Beginn neugierig zu machen, in das Thema einzustimmen und Orientierung anzubieten. Ein kreativer Einstieg wie ein passendes Zitat, eine aktuelle Studie oder eine provokante Frage kann das Interesse wecken. Vermeiden Sie allerdings als ersten Eindruck „reißerische Formulierungen, Übertreibungen, emotionale Einfärbungen und Wertungen“ (Esselborn-Krumbiegel, 2017, S. 81), denn es handelt sich um einen wissenschaftlichen Text, in dem jede Wertung ausführlich begründet werden muss und nicht um einen Artikel des Boule‐ vardjournalismus. Als Einstieg eignen sich vielmehr Zitate von Expert: innen oder aus Primärquellen, Ergebnisse von Studien, aktuelle Befunde und Situ‐ ationsbeschreibungen oder auch provokante Behauptungen (vgl. Esselborn- Krumbiegel, 2017, S.-81ff.). Wichtig ist dann, dass Sie schnell zu Ihrer Forschungsfrage hinleiten. Warum ist Ihre Fragestellung denn überhaupt relevant, und wie fügt sie sich in den bestehenden Forschungsstand ein? Klären Sie ggf., welche Lücken Ihre Arbeit schließen soll. Eine klare Problemstellung und ein konkretes Ziel helfen den Leser: innen und auch Ihnen, den Fokus während des Lesens bzw. des Schreibens nicht zu verlieren. Ihr Vorgehen wird dabei grundlegend von der Forschungsmethode be‐ einflusst, die Sie für Ihre Arbeit gewählt haben. Es ist von großer Bedeutung zu erläutern, welche Methode Sie nutzen und warum. Neben der Methode muss auch das Material benannt werden, mit dem Sie arbeiten. Dabei kann es sich um bestimmte Sekundär- und Primärquellen handeln, um selbst erhobene Daten, schon bestehende Datenbanken, Studien und vieles mehr. Abschließend sollten Sie erläutern, wie Ihre Arbeit gegliedert ist, welche Kapitel welche Aspekte behandeln, und inwieweit dies Ihre Forschungsfrage beantwortet wird. Dies alles gibt eine gute Orientierung. 116 4 Schreiben und Texte erstellen <?page no="117"?> espresso-Wissen | Checkliste für die Einleitung ● Hat die Arbeit einen ansprechenden Einstieg, der das Thema sinn‐ voll einleitet und Interesse weckt? ● Wird die Forschungsfrage klar und präzise formuliert? ● Sind die zentralen Begriffe verständlich definiert und ausreichend erläutert? ● Werden die Hypothesen nachvollziehbar dargestellt und angemes‐ sen ausgeführt? ● Ist der aktuelle Forschungsstand klar und in Bezug auf die Frage‐ stellung beschrieben? ● Wird die Relevanz des Themas und der Forschungsfrage überzeu‐ gend begründet? ● Wird deutlich, welches Material oder welche Quellen in der Arbeit verwendet werden? ● Wird die gewählte Methode beschrieben und schlüssig begründet, warum sie für die Arbeit geeignet ist? ● Ist die Vorgehensweise übersichtlich und verständlich erklärt? ● Hat die Einleitung eine angemessene Textlänge in Relation zum Umfang der Arbeit? Der Hauptteil: Argumentation und Forschung Der Hauptteil beinhaltet die eigentliche wissenschaftliche Arbeit, also die Forschung. Hier liefern Sie die theoretischen Grundlagen, Sie erklären Be‐ grifflichkeiten und legen Ihre Argumente dar, bis Sie am Ende die Ergebnisse präsentieren. Die Struktur des Hauptteils sollte logisch aufeinander aufbauen: Begin‐ nen Sie mit der Theorie, bevor Sie zur praktischen Anwendung oder zur Analyse übergehen. Jede Information, jede Grafik und jedes Argument sollten auf die Beantwortung der Forschungsfrage hinführen. Nutzen Sie gerne auch sprachliche Mittel, um Ihren roten Faden sichtbar zu machen und nicht zu verlieren. 4.2 Inhaltliche Gestaltung oder: Der rote Faden 117 <?page no="118"?> espresso-Wissen | Falls Sie allgemein Schwierigkeiten haben, einen logischen Textaufbau für ihre Kapitelinhalte zu erstellen, kann es hilfreich sein, Ihre Ideen in Grafiken, Mindmaps oder Strukturskizzen zu visualisieren (vgl. Esselborn-Krumbiegel, 2017, S. 26ff.) (siehe Exkurs: Methoden zur Orientierung →-Kap.-3.1). Damit der besagte rote Faden sichtbar bleibt, können Sie an ausgewählten Stellen Vorankündigungen, Überleitungen, Rückverweise und Zusammen‐ fassungen verwenden (vgl. Esselborn-Krumbiegel, 2017, S. 141). Ihr Text bleibt so nachvollziehbar und die Leser: innen können leichter erkennen, wie die einzelnen Abschnitte miteinander zusammenhängen (vgl. Esselborn- Krumbiegel, 2017, S.-144). espresso-Wissen | Checkliste für den Hauptteil ● Tragen alle Kapitel zur Beantwortung der Forschungsfrage bei? ● Dienen alle Absätze in den einzelnen Kapiteln der Beantwortung der Unterfrage(n)? ● Ist die Reihenfolge der Inhalte im Kapitel logisch und leicht nach‐ vollziehbar? ● Ist der rote Faden für die Leser: innen gut erkennbar? Der Schluss: Ein runder Abschluss Im Schluss bzw. „Fazit“ oder in der „Zusammenfassung“ bringen Sie alles zusammen: Beantworten Sie Ihre eingangs formulierte Forschungsfrage und fassen Sie Ihre zentralen Ergebnisse zusammen. Es wird also knapp erklärt, welche Antworten die Arbeit auf die Forschungsfrage gibt und inwiefern sich die anfangs aufgestellten Hypothesen belegen oder widerlegen lassen (vgl. Esselborn-Krumbiegel, 2017, S. 132). An dieser Stelle der Arbeit kom‐ men keine neuen Blickwinkel und Erkenntnisse mehr und entsprechend keine Literaturverweise und Zitate. Der Fokus liegt am Ende nur noch auf der Zusammenfassung und der Einordnung. Es ergibt Sinn, noch einmal Bezug zum Forschungsstand zu nehmen und Zusammenhänge sowie Konsequenzen auszuführen. Zudem ist eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen erforderlich. Denkbar ist 118 4 Schreiben und Texte erstellen <?page no="119"?> auch, mögliche Fehlerquellen aufzuführen und Schwächen der Arbeit sowie der gewählten Forschungsmethode darzulegen. Dabei kann auch hinterfragt werden, ob eine andere Methode zu den gleichen Ergebnissen geführt hätte. Zum Schluss können Sie zusätzlich aufführen, wie Ihre Forschung ergänzt werden könnte. espresso-Wissen | Checkliste für den Schluss ● Werden die Ergebnisse der Arbeit verständlich zusammengefasst und wird darauf aufbauend die Fragestellung beantwortet? ● Sind die Hypothesen eindeutig belegt oder widerlegt? ● Werden die Ergebnisse zu dem Forschungsstand in Bezug gesetzt? ● Werden die Schwächen der Arbeit und/ oder der gewählten For‐ schungsmethode aufgeführt? ● Sind mögliche Erweiterungen der Forschung aufgeführt? ● Hat der Schluss eine passende Textlänge? 4.3 Sprachliche Gestaltung Das wissenschaftliche Schreiben, also die Inhalte, Methoden, Vorgehens‐ weisen bis hin zu den Erkenntnissen in Worte zu kleiden, gehört zu den Kernkompetenzen, die Studierende im Laufe ihres Studiums erlernen. Neben der inhaltlichen Qualität spielt natürlich die sprachliche Gestaltung eine entscheidende Rolle. Präzision, Sachlichkeit und Verständlichkeit sind grundlegende Prinzipien, die nicht nur das Schreiben selbst erleichtern, son‐ dern auch die Lesbarkeit wissenschaftlicher Texte erhöhen. Dieser Abschnitt gibt eine Übersicht und praktische Hinweise für die sprachliche Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. „State your facts as simply as possible, even boldly. No one wants flowers of eloquence or literary ornaments in a research article.“ R. B. McKerrow (1872-1940), englischer Buchwissenschaftler und Shakespeare- Gelehrter Ein wissenschaftlicher Text erfordert präzise und eindeutige Formulie‐ rungen. Ihre Aussagen und Ergebnisse sollten also klar und ohne Mehr‐ deutigkeit auf den Punkt gebracht werden. Floskeln, Füllwörter („also“, 4.3 Sprachliche Gestaltung 119 <?page no="120"?> „gewissermaßen“, „in der Regel“) und Metaphern („Survival of the Fittest“) sollten in einem wissenschaftlichen Text nicht stehen. Beispiel: Statt „Es könnte vielleicht der Fall sein, dass ein Zusammenhang besteht“, ist besser „Die Ergebnisse zeigen einen möglichen Zusammenhang.“ espresso-Wissen | Es gibt ein paar Helfer, mit denen Ihr Text auf „Sprachmüll“ überprüft wird. Die folgenden Internetseiten sind eher zur Unterhaltung gedacht, sie können aber tatsächlich „heiße Luft im Text“ anzeigen. ● Wie viel Bullshit steckt im Text? 🔗 -http: / / www.blablameter.de/ ● Textanalyse 🔗 -https: / / textanalyse-tool.de/ Auch sollten wissenschaftliche Texte neutral, sachlich und objektiv ge‐ schrieben sein. Subjektive Bewertungen („eine beeindruckende Studie“) oder eine emotional aufgeladene Sprache sind ungünstig und fehl am Platz. Eigene Meinungen sind lediglich in explizit gekennzeichneten Abschnitten erlaubt und sollten mit der betreuenden Lehrperson abgestimmt werden. Da sich wissenschaftliche Texte üblicherweise an ein Fachpublikum richten, die aber nicht unbedingt mit Ihrem spezifischen Thema vertraut sind, sollten Sie auf jeden Fall komplexe Sachverhalte klar und logisch aufbereiten. Ihre schriftliche Arbeit muss mit Ihren Argumenten von Anfang an verständlich und nachvollziehbar sein. Dies erreichen Sie, indem Sie über‐ sichtliche Sätze formulieren und Schachtelsätze vermeiden. Auch relevant: Die Hauptaussagen sollten im Hauptsatz stehen (vgl. Esselborn-Krumbiegel 2017, S. 50, Thomas-Johaentges & Thomas, 2013). Besprechen Sie den sprachlichen Ausdruck, wenn Sie die Möglichkeit haben, in Lerngruppen, und prüfen Ihre Texte auf Verständlichkeit. Beispiel: Statt „In der vorliegenden Arbeit wird gezeigt, dass der Einfluss klimatischer Bedingungen untersucht wurde“, ist besser „Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss klimatischer Bedingungen.“ Beim Versuch, möglichst objektiv und präzise zu sein, ergibt sich jedoch oft folgendes Problem: „Wissenschaftliche Texte kranken nicht selten daran, dass sie unpersönlich sind: Dies wurde gemacht, jenes wurde betrachtet, das wurde festgestellt, es wurde 120 4 Schreiben und Texte erstellen <?page no="121"?> analysiert und und und … Und von wem? Dies verraten uns die ‚Passivisten‘ meistens nicht.“ (Kornmeier 2018, S.-193). Das Passive führt also häufig dazu, dass die Personen nicht genannt werden, dabei sollten grundsätzlich alle Personen mit Namen Erwähnung finden. Also: Passivkonstruktionen vermeiden. Denn als Wissenschaftler: innen sollten Sie „exakt beschreiben, Ursachen aufspüren, analysieren und begrün‐ den - und zwar indem Sie Ross und Reiter nennen“ (Kornmeier 2018, S. 193). Zudem ist das Passive oft unverständlich und schwer lesbar (vgl. Thomas- Johaentges & Thomas, 2013). Beispiel: Statt „Es wurde analysiert, ob ein Zusammenhang besteht“, schreiben Sie besser „Die Autor: innen analysierten, ob ein Zusammenhang besteht.“ Vermeiden Sie Formulierungen wie „Diese Arbeit zeigt …“, da die Arbeit selbst nicht handelt. Sie als Autor: in tun dies. Was auch die Lesbarkeit wissenschaftlicher Texte erschwert und den Text passiv und unpersönlich macht, dass ist der Nominalstil. Verwenden Sie Verben, um den Text lebendiger zumachen (vgl. & Thomas, 2013). Texte werden verständlicher, ansprechender und lesenswerter, wenn viele und bestimmte Verben verwendet werden. Darum: Schreiben Sie besser viele Verben statt Substantive. Beispiele: prüfen - statt Prüfung durchführen - statt Durchführung begründen - statt Begründung besonders sein/ wirken - statt Besonderheit espresso-Wissen | Checkliste für verständliche und lesbare Texte ● einfache Sprache: aktiv, positiv, korrekter Satzbau, keine Ver‐ schachtelung; konkrete, geläufige und kurze Wörter ● Informationsdichte: nicht zu viele Informationen in einem klei‐ nen Text (in kleinen Textabschnitten) ● Gliederung: optisch - Gestaltung von Ebenen, Makro- und Mikro‐ struktur ● Kürze und Prägnanz: keine Füllwörter, Satzlänge, Aussage im Hauptsatz 4.3 Sprachliche Gestaltung 121 <?page no="122"?> ● Abkürzungen: wenige bzw. keine, vor allem dann, wenn man sie beim Lesen sowieso ausspricht, wie „bspw.“ (Ausnahmen: CDU, WHO etc.) ● Fachbegriffe: ja (Ihrem Fach entsprechend), aber nicht zu viele ● anregende Zusätze: rhetorische Fragen, Beispiele, Bilder, Zitate, Spannung durch Feinstruktur und Argumentation espresso-Wissen | Das Schreiben in einer fremden Sprache stellt sehr hohe Anforderungen an das Schreiben. Wenn Sie die Möglichkeiten ha‐ ben, die Abschlusskorrektur von einem/ einer Muttersprachler: in über‐ nehmen zu lassen, wäre das sehr sinnvoll und empfehlenswert. Academic Writing: Practical Guidance and Tips | Universität Hohenheim (PDF-Datei) 🔗 -https: / / ogy.de/ m6d6. Gendern In wissenschaftlichen Arbeiten ist es üblich und zunehmend wichtig, genderneutral zu formulieren und das generische Maskulinum, also die ausschließliche Verwendung der männlichen Form, zu vermeiden. Die Verwendung gendergerechter Sprache trägt dazu bei, alle Geschlechter gleichermaßen sichtbar zu machen und Diskriminierung oder das Gefühl der Nichtansprache zu vermeiden (vgl. Universität Leipzig: Schreibportal, 2022, Diewald & Steinhauer, 2020). Es gibt verschiedene Ansätze, genderneutral zu schreiben, die je nach Kontext und institutionellen Vorgaben gewählt werden können. Informie‐ ren Sie sich vorab, welche Variante an Ihrer Einrichtung bevorzugt wird: Methode Beispiele genderneutrale Formulierungen Studierende, Lehrende, Lehrkräfte Sonderzeichen Schrägstrich: Student/ -innen Doppelpunkt: Student: innen Sternchen: Student*innen Unterstrich: Student_innen Binnen-I: StudentInnen 122 4 Schreiben und Texte erstellen <?page no="123"?> Generisches Femininum die Studentinnen, die Politikerinnen Generisches Maskulinum die Studenten, die Politiker Paarform | konsequente Dopplung Studentinnen und Studenten, Arbeiterinnen und Arbeiter Wechsel zwischen maskuliner und fe‐ mininer Form die Studentin/ der Student Tab. 10: Varianten der genderneutralen Schreibweise Ein wesentlicher Vorteil gendergerechter Sprache in wissenschaftlichen Texten ist ihre inklusive Wirkung. Einerseits wird versucht, allen Ge‐ schlechtern Respekt zu erweisen, andererseits wird auch eine präzisere und ausgewogenere Ausdrucksweise gefördert. Außerdem haben viele Uni‐ versitäten und wissenschaftliche Institutionen Leitlinien entwickelt, die gendergerechte Sprache explizit fordern. Es wird allerdings immer bemängelt, dass einige Formen, wie der Doppel‐ punkt oder der Unterstrich, den Lesefluss beeinträchtigen oder sprachlich schwer umsetzbar sind. Die Verwendung von Screenreadern wird hier problematisch, weil diese für sehbehinderte Mensch schlechter erkennbar sind (DBSV, 🔗 -https: / / www.dbsv.org/ gendern.html). Letztlich ist wichtig, dass Sie Ihre Arbeit genderneutral formulieren, dabei konsistent sind und sich für eine Variante entscheiden. Diese sollten Sie im gesamten Text anwenden. Hier sind einige Formulierungsvorschläge, die Sie so oder so ähnlich zu Beginn Ihrer wissenschaftlichen Arbeit einbauen könnten: Beispiel 1: „Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/ w/ d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten glei‐ chermaßen für alle Geschlechter.“ Beispiel 2: „Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Text [Variante einfügen, z. B. das generische Femininum] verwendet. Gemeint sind jedoch immer alle Geschlechter.“ Beispiel 3: „Um bessere Lesbarkeit und Verständnis zu gewährleisten, wird in dieser wissenschaftlichen Arbeit keine gendergerechte Sprache verwendet. Die Arbeit ist ausschließlich [Variante eintragen, z. B. in weiblicher Form] geschrieben, spricht jedoch alle Geschlechter an.“ 4.3 Sprachliche Gestaltung 123 <?page no="124"?> espresso-Wissen | Warum sollten Sie gendern? Es kann Sie niemand dazu zwingen, zu gendern. Es kann Sie auch niemand schlechter bewerten, weil Sie nicht gendern. Aber es gibt viele gute Gründe, es zu tun (siehe auch 🔗 -geschicktgendern.de): Sprache prägt unser Denken und Wahrnehmen. Wird beispielsweise nur die maskuline Form (das „generische Maskulinum“) verwendet, denken wir häufig auch nur an Männer. Um Frauen direkt anzusprechen, müssen sie explizit genannt und sichtbar gemacht werden. Ein „mitgemeint“ reicht nicht aus. Gendergerechte Sprache zeigt Wertschätzung für alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht. Indem alle Geschlechter genannt werden, können stereotype Rollenbilder aufgebrochen werden. (Quelle: LMU München: Gender & Diversität, 2024) Unterstützung beim Schreiben und bei der Texterstellung durch KI Um einen Text mit Unterstützung künstlicher Intelligenz zu schreiben bzw. einen eigenen Text überarbeiten und verbessern zu lassen, sollten Sie sich im Klaren sein, was Sie genau tun möchten. Nur wenn Sie genau verstanden haben und definieren, was Sie möchten, können Sie einen guten Prompt schreiben. espresso-Wissen | Der gute Prompt Der künstlichen Intelligenz müssen Sie so genau und eindeutig wie möglich erklären, was Sie bearbeitet haben möchten und was Sie erwarten. Dabei sollten Sie Folgendes angeben (vgl. Checkliste zum Prompten von Hunziker, 2023, S.-221ff., Solis, T. | Scribbr, 2024): ● Kontext ● Rolle (Verhalte dich wie …) ● Textart (z. B. Beschreibung, Kurzgeschichte, Blog-Beitrag, Bewer‐ bungsschreiben, E-Mail, Protokoll, Bericht) ● Thema des Textes ● Zielgruppe, bzw. an wen sich der Text richten soll (z.-B. Kinder im Alter zwischen 8 und 10, Studierende oder Lehrende an Hochschulen) 124 4 Schreiben und Texte erstellen <?page no="125"?> ● Sprachstil (akademisch, umgangssprachlich, neutral etc.) ● Anzahl der Wörter bzw. Textlänge (z.-B. 5-Sätze, 300-Wörter etc.) Gute Prompts müssen gleichzeitig so detailliert wie möglich und so kurz wie möglich sein. Beispiel-Prompt mit ChatGPT „Verhalte dich wie eine erfahrene Wissenschaftlerin im Fach Gesundheits‐ psychologie. Erstelle einen Blog-Beitrag zum Thema „Wohlbefinden im sozial benachteiligten Stadtgebiet“. Die Zielgruppe sind Erwachsene aus solche ei‐ nem Stadtgebiet. Verwende eine einfache, ansprechende und unterhaltsame Sprache. Der Blog-Beitrag soll 50-Wörter umfassen.“ ChatGPT-Antwort „Wohlbefinden im Viertel - Kleine Schritte, große Wirkung Leben im Stadtgebiet kann herausfordernd sein - doch kleine Veränderungen machen viel aus! Bewegung an der frischen Luft, Nachbarschaftstreffs oder ein gutes Gespräch stärken Körper und Seele. Nutzen Sie Parks, tauschen Sie Rezepte oder starten Sie eine gemeinsame Aktivität. Wohlbefinden beginnt direkt vor Ihrer Haustür! Wenn Sie einen Vorschlag von der KI erhalten haben, sollten Sie unbedingt den Text auf inhaltliche Fehler und auf den Schreibstil überprüfen und verbessern. Oft sind KI-Texte (noch! ) glatt und langweilig. Daher sollten Sie tatsächlich die Vorschläge an ihren individuellen Stil anpassen.“ espresso-Wissen | Es gibt zahlreiche Schreibassistenz-Tools, die neue Texte generieren oder/ und bereits erstellte Texte verbessern und um‐ wandeln können. ● ChatGPT 🔗 -https: / / chatgpt.com/ ● Open Assistent 🔗 -https: / / open-assistant.io/ ● DeepL Write 🔗 -https: / / www.deepl.com/ de/ write 4.3 Sprachliche Gestaltung 125 <?page no="126"?> 4.4 Schreibblockaden: Hilfe und Umgang Schreibschwierigkeiten und -blockaden sind ein verbreitetes Phänomen und vielleicht kommt Ihnen die Situation auch bekannt vor, einfach nicht die richtigen Worte zu finden, länger vor der leeren Seite zu sitzen oder lediglich wirre Wortfetzen niederzubringen. Egal, ob Sie vor Ihrer ersten Hausarbeit stehen oder bereits im wissen‐ schaftlichen Arbeiten sehr geübt sind, der Anfang des Schreibprozesses kann schwer sein. Das Schreiben selbst stellt Sie vor verschiedene Herausforde‐ rungen und so können auch die Ursache für das Stocken sehr unterschiedlich sein: ● Unsicherheit bei der Wahl der richtigen Methode und Textform ● ungünstiges Zeitmanagement und Arbeitsorganisation ● hohe, unbegründete oder gar unrealistische Erwartungshaltungen an die eigene Leistung ● Selbstzweifel ● fehlende Routine und Schreiberfahrung Diese Gründe führen im Arbeiten und Schreiben nicht selten in ablenken‐ dem Verhalten und Aufschieben. Schreibblockaden sind keinesfalls etwas Seltenes oder etwas, über dass Sie schweigen sollen. Meistens ist es auch nur ein lästiger vorübergehender Zustand. Es gibt zahlreiche Hinweise und Tipps, die Sie in solchen Situatio‐ nen beherzigen können (vgl. Esselborn-Krumbiegel, 2015, Breuer, 2019). Strategien zur Überwindung der Schreibblockade Der erste Schritt, wie Sie eine Blockade oder das Stocken lösen ist, wenn Sie sich klare Rahmenbedingungen schaffen. Ein strukturierter Zeitplan (→ Kap. 2.1) hilft, die Arbeit in überschaubare Teilabschnitte zu unterteilen. Pausen und Bewegung sind auch empfehlenswert, um den Kopf freizube‐ kommen. Auch eine vorteilhafte Gestaltung des Schreibortes (→ Kap. 2.2); ein gut beleuchteter, aufgeräumter Arbeitsplatz schafft Klarheit und Kon‐ zentration. Manchmal sind es kleinere Ursachen, die schnell behoben wer‐ den können. „Blockaden entstehen anscheinend, wenn der Kontakt und die Nähe zu Themen und Dingen verloren gegangen sind.“ Hanns-Josef Ortheil (*1951), deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Germanist 126 4 Schreiben und Texte erstellen <?page no="127"?> espresso-Wissen | In den Büchern von Helga Esselborn-Krumbiegel („Tipps und Tricks bei Schreibblockaden“) und Esther Odilia Breuer („Wissenschaftlich schreiben - gewusst wie! “) finden Sie viele Möglich‐ keiten und praktische Beispiele. Einige unmittelbare Tipps und Ratschläge sollen im Folgenden aufgelistet werden: ● Beginnen Sie damit, den leichtesten Teil Ihrer Arbeit zu schreiben, z.-B. mit der Beschreibung eines Diagramms oder einer Grafik. Danach versuchen Sie, einen schwierigeren Abschnitt zu schreiben. ● Schreiben Sie jeden Tag mindestens eine Zeile, um in der Schreibroutine zu bleiben. ● Erzählen Sie einer anderen Person, was Sie schreiben möchten. An‐ schließend formulieren Sie diese Gedanken auf dem Papier. ● Sprechen Sie Ihre Schreibideen als Sprachnachricht ein, vielleicht in Form eines Dialogs. So sprechen Sie, statt zu schreiben (vgl. Breuer 2019, S.-138f.). ● Beginnen Sie früh am Morgen mit dem Schreiben, zu dieser Zeit ist mehr Energie da und der Kopf noch frei. ● Lassen Sie sich von einem der KI-Tools helfen und sich Inspirationen geben Was auch eine hilfreiche Strategie sein kann, ist, sich mit anderen Studierenden oder Kolleg: innen über das Schreiben auszutauschen. Möglicherweise entstehen in den Gesprächen neue Ideen oder Ihre Motivation wird angeregt. Auch eine Schreibwerkstatt (→ espresso-Wissen zu Schreibzentren auf S.-39) kann eine sinnvolle Anlaufstelle sein. espresso-Wissen | Praktische Schreibtechniken helfen, in den Schreibprozess reinzukommen oder Inhalte besser zu verstehen (siehe Exkurs: Methoden zur Orientierung →-Kap.-3.1): ● Brainstorming: spontan alle Gedanken zum Thema aufschreiben und sortieren ● Mindmapping: Zusammenhänge und Ideen visualisieren ● Freies Schreiben: in einer begrenzten Zeit - z. B. zehn Minuten - alles aufschreiben, was Ihnen einfällt - ohne Wertung oder Korrektur 4.4 Schreibblockaden: Hilfe und Umgang 127 <?page no="128"?> 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit espresso-Wissenscheck | https: / / narr.kwaest.io/ s/ 1372 espresso-Keywords | Kommunikation, Formate, Präsentationsort, Zeit, Interaktion, Feedback, Struktur und Gliederung, Rhetorik, Visualisie‐ rung, Zeitmanagement, Stimme, Körperhaltung, Mimik und Gestik, Prä‐ sentationsfolien, wissenschaftliches Poster, Handout, Redehemmung Wissenschaft lebt vom Veröffentlichen und vom Austausch und davon, dass neue Erkenntnisse einem breiteren Publikum zugänglich und verständlich aufbereitet werden. Durch eine gelungene Präsentation eröffnet sich Ihnen die Möglichkeit, Ihre eigene Arbeit in den Fokus zu rücken, Ihre Mühen sichtbar zu machen und die Anerkennung zu erhalten, die Ihre Ergebnisse verdienen. Eine Präsentation vor Publikum zu halten, gehört für viele von uns zum Alltag - sei es in der Schule, an der Universität, bei Prüfungen oder im Berufsleben. Im Mittelpunkt stehen die Informationen, die verständlich und anschaulich an das Publikum vermittelt werden sollen. Besonders anspruchsvoll wird es dann, wenn es um die Präsentation eigener wissen‐ schaftlicher Erkenntnisse geht, denn hier müssen die eigenen Argumente klar und logisch aufgebaut, die Methoden nachvollziehbar und die oft komplexen Daten transparent dargestellt werden. Eine gute Präsentation geht über die reine Wissensvermittlung hinaus; entscheidend sind eine klare Struktur, durchdachte Visualisierungen und eine überzeugende Kommunikation. Visualisierungen spielen eine zentrale Rolle, um die Aufmerksamkeit der Zuhörenden zu halten und Inhalte an‐ schaulich zu transportieren. Gleichzeitig tragen Techniken wie der bewusste Einsatz von Rhetorik und Stimme, und auch Mimik und Gestik dazu bei, die Botschaft wirkungsvoll(er) zu vermitteln. Aber was, wenn die eigene Nervosität steigt? Ein gewisses Maß an Lam‐ penfieber ist ganz normal, aber für viele Menschen wird die Anspannung häufig sehr groß. Entscheidend ist dann, wie man mit dieser Aufregung und der Präsentationsangst umgeht und sie möglicherweise sogar in positive Energie umwandelt. <?page no="129"?> 5.1 Präsentation: Kommunikation und Formate „Das Publikum hat ein Anrecht darauf mitzuerleben, wie der Referent sich zugrunde richtet.“ Harry Rowohlt (1940-2015), deutscher Schriftsteller, Kolumnist, Übersetzer, Schauspieler und Sprecher Wenn wir uns mit guten Präsentationen und Vorträgen beschäftigen, dann denken wir an die, die wir selbst als ansprechend, unterhaltsam, mitreißend, einprägsam, eingängig und gefühlt sehr kurzweilig erlebt haben. Welche Präsentationen waren das? Was haben die Vortragenden gemacht, sodass wir ihnen zuhörten, dass wir staunten und uns mitgerissen fühlten. Oder: Kam es schon vor, dass Sie für eine vortragende Person Mitleid hatten bzw. dass Sie sie in ihrer Rolle bedauert hatten? Warum? Oder besser: Was wäre eine gute Lösung in dieser Situation gewesen? Es lohnt sich auf jeden Fall, verschiedene Präsentationen zu sehen, die Vortragenden zu beobachten und für sich zu bewerten. espresso-Wissen | Beispielhafte Vorträge Ich verweise auf einige Plattformen, auf denen verschiedene empfeh‐ lenswerte und z.-T. unterhaltsame Vorträge verfügbar sind. ● MensaGoesScience 🔗 https: / / www.youtube.com/ hashtag/ mensago esscience ● Ted Talks 🔗 -https: / / www.ted.com/ talks ● Wissenschaft im Dialog - Science Slam 🔗 -https: / / www.youtube.co m/ @ScienceSlam ● Re: Publica 🔗 -https: / / www.youtube.com/ @republica espresso-Verständnis | Schauen Sie sich mindestens zwei verschiedene, gern auch völlig fachfremde Vorträge an und bewerten Sie, was genau Sie gelungen finden und was nicht. Beobachten Sie, wie die Vortragen‐ den reden, sich bewegen und ihre Stimme einsetzen. Überlegen Sie im nächsten Schritt, welche Formate, Techniken und Methoden, Redewei‐ sen und auch digitale Möglichkeiten Sie für Ihre eigene Präsentation nutzen und verwenden könnten. 5.1 Präsentation: Kommunikation und Formate 129 <?page no="130"?> Einzelne sehr besondere und unterhaltsame Präsentationen sind bei‐ spielsweise: ● „My stroke of insight“ von Jill Bolte Tayler (2008), Dauer: ca. 20 Minuten 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=UyyjU8fzEYU ● „Lessons from the Bamboo“ von Garr Reynolds (2011), Dauer: ca. 13 Minuten 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=9g8T8MsFIp0&t=64s ● „Was ich noch zu sagen hätte“ von Prof. F. Schulz von Thun (Ab‐ schiedsvortrag 2009), Dauer: ca. 90 Minuten 🔗 -https: / / lecture2go.uni-hamburg.de/ l2go/ -/ get/ v/ 10197 ● „Wer wollen wir gewesen sein? “ von Maja Göpel (2023), Dauer: ca. 35 Minuten 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=sV6S3LWhIdA Im Studien- und Berufsalltag geht es oft darum, (wissenschaftliche) Inhalte zu präsentieren und zu vermitteln. Jede Situation erfordert dabei eine angepasste Präsentationsweise, da es nicht die eine ideale Präsentation gibt. Der Anlass, der Rahmen, die Inhalte und das Publikum bestimmen, was eine gelungene Präsentation überhaupt ausmacht. Und daher ist es wichtig, sich die kommunikative Struktur bewusst zu machen, d. h. wer spricht zu wem, und welche Rolle spielt der Kontext? Es gibt kommunikative Elemente, die es beim Präsentieren zu berück‐ sichtigen gilt - bei allen Präsentationsvarianten sind das (Klanten, Mischler, Bilz, 2015, S.-405): ● die Persönlichkeit und damit ihr Auftreten und Verhalten ● die Körpersprache und Körperhaltung ● die gesagten Worte und ● die visuelle und akustische Darstellung der Inhalte. Kommunikation ist das zentrale Stichwort, wenn es ums Präsentieren vor einem Publikum geht. Sie prägt das menschliche Miteinander - auch in Vortragssituationen. Der Austausch geschieht dabei auf verschiedenen Ebenen: durch Gesten, Worte und Schrift. Eine Person sendet eine Nachricht, die von einer anderen empfangen wird. Dabei nutzen wir drei Kommuni‐ kationskanäle: den akustischen Kanal (z. B. Stimme oder Applaus), den 130 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="131"?> optischen (Mimik, Gestik, Geschriebenes) und den taktilen (Berührungen). Diese Kanäle können gleichzeitig eingesetzt werden. Wie eine Nachricht jedoch gemeint ist und wie sie beim Gegenüber ankommt, wird im Kommu‐ nikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun beschrieben (vgl. Röhner & Schütz, 2012, Klassische Kommunikationstheorien und -modell, S. 18ff. und → Abb. 23). Nach diesem Modell enthält jede Nachricht vier Ebenen: den Sachinhalt, die Selbstkundgabe, den Beziehungshinweis und den Appell. Diese Ebenen werden im sogenannten „Kommunikationsquad‐ rat“ veranschaulicht. Für Ihre Präsentation bedeutet das nun Folgendes: Jede Ihrer Äußerungen vermittelt mehr als nur Informationen und Fakten. Sie transportiert zugleich Ihre Haltung, Ihre Beziehung zum Publikum und eine Aufforderung. Sachinhalt Worüber informiere ich? Selbstkundgabe Was gebe ich von mir zu erkennen? Appell Was möchte ich bei den Zuhörenden erreichen? Beziehungshinweis Wie stehe ich zu den Zuhörenden? Wie sehe ich unsere Beziehung? „Äußerung“ Sender: in Empfänger: in Abb. 23: Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun In jeder Präsentationsform findet Kommunikation statt: zwischen dem/ der Sprechenden und den Zuhörenden. Nicht nur das Gesagte ist entscheidend, auch das Nonverbale und die Beziehung zwischen beiden Seiten ist von großer Bedeutung. espresso-Wissen | An dieser Stelle empfehle ich gern dieses Buch: Ge‐ bauer, M. L., M.M. Grehl & F. Lange (2024): Nonverbal kommunizieren Körperausdruck in Studium und Beruf erfolgreich einsetzen. utb. Mün‐ chen 5.1 Präsentation: Kommunikation und Formate 131 <?page no="132"?> Formate einer Präsentation Je nach Thema, Umfang, Situation, Zielgruppe, Kontext und Zweck ergeben unterschiedliche Präsentationsformate Sinn. Jedes Format hat dabei seine Stärken und eignet sich für unterschiedliche Settings. Die Wahl des richti‐ gen Formats hängt auch davon ab, wie interaktiv, emotional, visuell oder strukturiert die Präsentation sein soll. Aus vielen Seminaren ist es kaum wegzudenken: das Referat. Die Prä‐ sentationsart ist im universitären Bereich eines der am häufigsten genutzte Formate, bei dem Inhalte und Wissen präsentiert und vermittelt werden. Im Anschluss gibt es häufig eine Diskussion. Das Referat soll in erster Linie neutrale Informationen an die Zuhörerschaft vermitteln, es wird über etwas berichtet. Häufig werden zur Veranschaulichung verschiedene Präsentationsmaterialien, wie Poster, Präsentationsfolien, Handouts oder Bilder genutzt. Es gibt unterschiedliche Arten, über Themen zu sprechen. In den letzten Jahren haben sich viele neue Möglichkeiten und (digitale) Formate entwickelt, um seine wissenschaftliche Arbeit anschaulich und interessweckend zu präsentieren. In der folgenden Tabelle (→ Tab. 11) sind die gängigsten Präsentationsformate und deren Einsatzmöglichkeiten näher erläutert und zusammengefasst. 132 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="133"?> Format Definition Situation Ziele Referat • häufig mit schriftlichen Materialien oder visuellen Hilfsmitteln (z. B. Power‐ Point, Handout, Thesenpapier) • Dauer: 10-30 Minuten • häufig in der akademischen Lehre (Seminar, Vorlesungen) oder bei Prüfungen • meist interaktiv; lässt Raum für Fragen • gemeinsame Reflexion und wissen‐ schaftlicher Diskurs • Strukturierte Darstellung eines The‐ mas oder Präsentation eigener For‐ schungsergebnisse • Erklären eines bestimmten wissen‐ schaftlichen Themas Wissen‐ schaftli‐ che Rede • Fokus auf bestimmtes wissenschaftli‐ ches Thema • weniger detailliert als Referat • fokussiert auf Überzeugungen und der Vermittlung einer Botschaft • oft formelle Umgebung • Dauer: 10-30 Minuten • meist bei Eröffnungsreden, Keynotes oder Abschlussvorträ‐ gen wissenschaftlicher Veran‐ staltungen, z.-B. Konferenzen • Betonung der Bedeutung eines The‐ mas • Vereinfachung komplexer Ideen • Inspiration des Publikums • Anstoßen einer Diskussion Vortrag • formelle Präsentation eines Themas • meist unterstützt durch visuelle Hilfsmit‐ tel (Präsentationsfolien, Videos etc.). • Dauer: 15-60 Minuten • bei Konferenzen, Tagungen und Seminaren • meist größere Zuhörerschaft • strukturierte Präsentation von For‐ schungsergebnissen oder neuen Ideen in formellen Rahmen • Wissensvermittlung Poster- Präsen‐ tation • Poster ist für Zuhörer sichtbar • visuelles Zusammenfassen von For‐ schungsergebnissen, oft mit Grafiken, Diagrammen und kurzen Texten, z.-B. zum Hintergrund oder zur Methodik • Dauer: 3-5 Minuten • auf Konferenzen oder Messen • Präsentieren der Forschungsergeb‐ nisse, visuell und knapp • informelles Austauschen über For‐ schungsergebnisse • Networking Sympo‐ sium • meist als Serie von Kurzvorträgen • mögliche Diskussionsrunde am Ende • Dauer: 60-120 Minuten • Session auf Konferenzen, bei der mehrere wissenschaftliche Vor‐ träge zu einem gemeinsamen Thema präsentiert werden • Darstellen verschiedener Perspekti‐ ven auf ein spezifisches wissen‐ schaftliches Problem • Ermöglichung tieferen Diskurses zu klar abgegrenztem Thema 5.1 Präsentation: Kommunikation und Formate 133 <?page no="134"?> Keynote • Rede, die wissenschaftliche Konferenz oder Symposium eröffnet oder abschließt • greift relevante wissenschaftliche Trends auf, zeigt Forschungsperspekti‐ ven und fasst Hauptthema einer Konfe‐ renz zusammen • Dauer: ca. 20-45 Minuten • meist von renommierten Wis‐ senschaftlern, Experten oder Gastrednern • meist an ein breiteres Publikum gerichtet • inspirieren und anregen • Teilnehmenden Orientierung bieten • motivierende oder zukunftsgerich‐ tete Botschaft vermitteln • Hervorhebung der Schwerpunkte der Veranstaltung Panel- Diskus‐ sion • moderiertes Gespräch • mehrere Experten (das sogenannte „Pa‐ nel“) diskutieren auf einer Bühne oder Plattform über ein bestimmtes Thema • Publikum kann Fragen stellen • Dauer: 60-90 Minuten • bei Konferenzen, Fachveranstal‐ tungen, Workshops oder öffent‐ lichen Debatten • intensives Austauschen von Ideen und unterschiedlichen Blickwinkeln • Diskutieren von kontroversen The‐ men mit mehreren Meinungen (De‐ batte) Pecha Kucha • spezielle Form der Kurzpräsentation • nicht mehr als 20 Folien, die jeweils 20-Sekunden angezeigt werden • Dauer: ca. 6 Minuten • bei kreativen oder interdiszipli‐ nären wissenschaftlichen Veran‐ staltungen • kurzweiliges und visuell ansprechen‐ des Vermitteln komplexer Inhalte Pitch • kurz und prägnant • Dauer: 3-10 Minuten • in Wirtschaft oder bei Startups • auch für Präsentation von For‐ schungsanträgen oder Projekten • Präsentieren von wissenschaftlicher Idee, Forschung oder Projekt • Wecken von Interesse für Thema • Erhalten von Finanzierung oder Un‐ terstützung Tab. 11: Gängige Präsentationsformate im Wissenschaftsbereich 134 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="135"?> Versuchen Sie sich bei der Vorbereitung einer Präsentation stets darüber im Klaren zu sein, welches Präsentationsformat genau von Ihnen verlangt wird und inwiefern Sie diesen Anforderungen bestmöglich gerecht werden können. espresso-Wissen | Einige bekannte und sehr empfehlenswerte Reden Achten Sie bei den beispielhaften Reden auf die Stimme, auf bewusst gesetzte Pausen, auf die Betonung. Was fällt bei der Körpersprache auf, gibt es z. B. Blickkontakt zu den Zuhörenden? Wie wird die Botschaft präsentiert? Welche Emotionen sind ggf. erkennbar? ● Martin Luther King: „I have a dream“ (28.08.1961), Rede in Washing‐ ton D.C. 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=D0v0oNu5zDw ● Waltraud Schoppe über Sexismus im Bundestag (05.05.1983), Rede im Bundestag 🔗 -https: / / t1p.de/ ixhsd ● Steve Jobs: „Stay hungry, stay foolish“ (2005), Stanford University 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=D1R-jKKp3NA ● Carolin Emcke: Dankesrede (23.10.2016), Friedenspreis des Deut‐ schen Buchhandels, Frankfurter Paulskirche 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=ItjfB8mWobc Ort und Zeit des Geschehens Für eine gelungene und erfolgreiche Präsentation sind der Ort und die Zeit entscheidend und vor allem, dass Sie rechtzeitig darüber Bescheid wissen. Wo und wann werden Sie präsentieren? Informieren Sie sich frühzeitig und besuchen Sie, wenn möglich, den Ort im Voraus. Prüfen Sie beispielsweise verschiedene Perspektiven. Wie wirkt der Raum auf Sie? Je nachdem, ob Sie ein introvertierter oder ein extrovertierter Typ sind, wird es eine nicht unwesentliche Rolle spielen, wie Sie sich an dem Ort fühlen und wie Sie wirken (→-Abb. 24). 5.1 Präsentation: Kommunikation und Formate 135 <?page no="136"?> Abb. 24: Präsentation in einem Seminarraum (oben) oder im Hörsaal (unten) Klären Sie vorab Fragen wie: Wie groß ist der Raum? Ist es ein Hörsaal mit Bühne oder ein dunkler Bespre‐ chungsraum? Gibt es Fenster? Wie hell oder wie dunkel ist es dort? Wie ist die Akustik? Müssen Stühle für Flipchart oder Tafel umgestellt wer‐ den? Welche Technik steht bereit, und was müssen Sie selbst mitbrin‐ gen? Verlassen Sie sich nicht darauf, dass alles vorbereitet ist. Wenn es Ihnen möglich ist, dann testen Sie den Raum vorab. Sprechen Sie zu einem fiktiven Publikum, um auch Ihre Stimme zu hören und die Situation einzuschätzen. Und bei On‐ line-Präsentationen sollten Sie das Videokonferenz-Tool unbedingt vor‐ her ausprobieren, um mit der Ober‐ fläche, mit allen Funktionen und mit dem Kamerabild vertraut zu sein. Auch der Zeitpunkt ist wichtig: Werden Sie beispielsweise als erste Person in der Veranstaltung sprechen oder werden Sie die letzte vortragende Person sein? Informieren Sie sich über potenzielle Überschneidungen mit Vorredner: innen, die Teile Ihrer In‐ halte vorwegnehmen könnten. Eine gute Vorbereitung gibt Ihnen Sicherheit und sorgt für einen souveränen Auftritt. Interaktive Elemente in der Präsentation Sie kennen vermutlich die „klassische“ Vortragssituation: Ein: e Redner: in spricht, stellt Inhalte vor und zeigt dabei Präsentationsfolien, alle anderen hören (mehr oder weniger aufmerksam) zu. Irgendwann ist das Referat vor‐ bei, vielleicht gibt es Verständnisfragen. Und dann ist die Sitzung beendet. Was nehmen die Zuhörenden mit? Haben sie alles verstanden? Worum geht es bei der Präsentation? Die Wissensvermittlung und Diskussion können wesentlich verbessert und intensiviert werden, wenn das Publikum die Möglichkeit bekommt, aktiv an Ih‐ 136 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="137"?> rem Vortrag teilzunehmen und sogar mitzugestalten. Sie könnten beispielsweise ein kleines Quiz oder Umfragen in den Vortrag einbauen. Meinungsfragen, Feedback oder aktuelle Stimmungen der Zuhörenden könnten in Echtzeit und anonym an einer digitalen Pinnwand gezeigt und eingebunden werden. espresso-Verständnis | Wie waren die meisten Vorträge oder Referate gestaltet, die Sie bisher erlebt haben? Wie haben Sie diese empfunden? Haben Sie schon einmal einen Vortrag erlebt, der Sie aktiv mit einge‐ bunden hat? Wie wurde dies praktisch umgesetzt und wie beurteilen Sie dies im Vergleich zur klassischen Vortragssituation? Es gibt viele verschiedene Wege, die Zuhörenden mitzunehmen und zu begeistern. Nutzen Sie die vielen digitalen Möglichkeiten, die sich als interaktive Elemente in Ihre Vorträge bzw. Referate einbauen lassen (sofern sie sinnvoll sind und passen), immer häufiger wird dies vom Publikum gemocht und sogar erwartet, mit dem eigenen Endgerät mit dabei zu sein. Hier eine Übersicht über einige digitalen Werkzeuge, die eine Präsentation interaktiver und anschaulicher machen können (→-Tab. 12). Name des Werkzeugs Funktion Nutzung ars‐ nova.click arsnova.click ist ein interak‐ tives Audience-Response-Sys‐ tem (ARS) für Umfragen, Quizze und Abstimmungen. Nutzer: innen können Multiple- Choice- und Umfragefragen stellen. Gamification-Elemente wie Ranglisten und „Tokens“ zur Belohnung der besten Teil‐ nehmer: innen sind ebenfalls verfügbar. 🔗 -https: / / arsnova.click Mentimeter Mentimeter ist ein interaktives Präsentationstool, das Umfra‐ gen, Quizze, Wortwolken etc. in Präsentationen integriert. Die Zuhörenden können in Echtzeit anonym über Smart‐ phones abstimmen und Feed‐ back geben. Ideal für wissenschaftliche Prä‐ sentationen, um das Publikum aktiv einzubeziehen, Diskus‐ sionen anzuregen und Wissen oder Meinungen direkt abzu‐ fragen. Dank sofortigem Feed‐ back können Vorträge bei Be‐ darf angepasst werden. 🔗 -https: / / www.mentimeter.c om 5.1 Präsentation: Kommunikation und Formate 137 <?page no="138"?> Pingo Pingo ist ein webbasiertes Klas‐ senzimmer-Response-System, das interaktive Umfragen und Abstimmungen während Vor‐ trägen oder Präsentationen er‐ möglicht, um das Engagement zu steigern. Pingo erlaubt den Zuhörenden, durch Echtzeit-Feedback aktiv teilzunehmen. Die Ergebnisse werden schnell grafisch darge‐ stellt und können direkt in die Präsentation integriert werden. 🔗 -http: / / trypingo.com/ de YoPad YoPad ist ein Online-Text-Edi‐ tor auf Basis der Etherpad- Technologie, der gemeinsames Schreiben und Bearbeiten von Dokumenten in Echtzeit er‐ möglicht. Besonders nützlich für Gruppen in Präsenz, da keine manuelle Synchronisa‐ tion nötig ist. Zuhörende können während der Präsentation (wenn ge‐ wünscht anonym) Fragen und Ergänzungen eintragen, die direkt im Vortrag aufgegrif‐ fen werden können. Ideal für Brainstorming und Textent‐ würfe. 🔗 -https: / / yopad.eu Padlet Padlet ist eine digitale Pinn‐ wand, die Nutzer: innen ermög‐ licht, Texte, Bilder, Videos, Links und Audiodateien auf einer gemeinsamen Fläche zu sammeln und zu teilen. Am Ende entsteht eine Sammlung, die auch nach der Präsentation verwendet werden kann. Padlet eignet sich hervorragend für interaktive und kollabora‐ tive wissenschaftliche Präsenta‐ tionen, bei denen das Publikum aktiv beteiligt wird, etwa beim Brainstorming, der Einbindung von Videos und Links sowie beim Feedback. Es ist eine wert‐ volle Ergänzung für strukturierte Präsentationen. 🔗 -https: / / padlet.com Tab. 12: Digitale Werkzeuge, um eine Präsentation interaktiver zu gestalten Um Ihre Präsentation interaktiver zu gestalten, sollten Sie den Grad der Interaktivität an die Anforderungen, das Format und den Kontext der Lehrveranstaltung anpassen. Wählen Sie digitale Elemente, die sinnvoll in die Präsentation integriert sind, und sprechen Sie die geplante Struktur sowie die Aktivitäten mit dem Lehrpersonal ab. Berücksichtigen Sie auch die individuellen Interessen des Publikums und planen Sie genügend Zeit (und Pufferzeit) für gemeinsame Aktivitäten ein. Unabhängig von digitalen Medien ist es eine Herausforderung, die Aufmerk‐ samkeit der Zuhörenden über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Um Ablenkun‐ gen, wie das Scrollen auf Mobiltelefonen oder Gespräche mit Nachbarn zu vermeiden, muss das Publikum aktiv einbezogen werden. Dabei sollten die Inhalte vermittelt und wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt werden. Am effektivsten ist es, Wissensvermittlung und Interaktion sinnvoll zu kombinieren 138 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="139"?> Aktivität | Auseinandersetzung z. B. Umfrage, Rätsel, Story Aktivität | Auseinandersetzung Vermittlung von Wissensinhalten | Input Vermittlung von Wissensinhalten | Input (Inter-)Aktivität Schluss | Ausstieg Einführung Abb. 25: Ein Sandwich oder: Struktur eines guten interaktiven Vortrages bzw. eines Re‐ ferates und abwechselnd zu einer „interaktiven Präsentation“ zu gestalten (→ Abb. 25, Sandwich: Struktur eines guten interaktiven Vortrags). Feedback Wie die eigene Vortragsweise und die gesamte Präsentation letztlich ankommen, erfahren Sie am besten von den Zuhörenden bzw. den Emp‐ fänger: innen selbst. Und wenn Sie ehrlich sind: Sie möchten genau das auch ehrlich und sachlich wissen. Sie möchten gern erfahren, was für gut und weniger gut empfunden wurde oder ob Ihr Beitrag gelungen, verstanden, mitreißend und neugie‐ rig machend war. Oder falls nicht, warum und vor allem, wie Sie es besser machen könnten. Darum geht es beim Feedback. Es ist die offene Rückmeldung an eine einzelne bzw. an mehrere Personen zu der abgehaltenen Präsentation und beinhaltet die Meinung und Wahrnehmung über das jeweilige Vortragsverhalten bzw. Prä‐ sentieren und dessen Inhalte. Diese Möglichkeit, offen und ehrlich zu sein, kann die Kommunikation miteinander im Lern- und Arbeitsalltag sehr verbessern. Regelmäßig Feedback bekommen und z. T. andere Meinungen aushalten und selbst eine Einschätzung geben, dies muss allerdings immer wieder geübt werden. Es kann hilfreich sein, direkt nach einer Präsentation um eine ehrliche Rückmeldung seitens der Zuhörerschaft zu bitten. Mithilfe des Feedbacks können Sie dann Ihre eigene Leistung besser einschätzen und potenzielle Schwächen beim nächsten Mal ausgleichen. Beispielsweise kann es sein, dass Ihre Präsentation auf das Publikum einen völlig anderen Eindruck machte als auf Sie selbst. Jede: r Zuhörer: in hat ihre/ seine eigene Perspektive und kann damit womöglich neue Inspiration liefern oder durch konstruktive Kritik zur eigenen Verbesserung anregen. Wer keine Rückmeldung von seinen Mitmenschen bekommt, kann nur schwer herausfinden, in welchen Bereichen noch Verbesserungspotential besteht oder was in der Präsentation 5.1 Präsentation: Kommunikation und Formate 139 <?page no="140"?> besonders gut funktioniert hat. Feedback hilft also dabei, herauszufinden, „wo Sie stehen“ und ob Sie sich in die richtige Richtung bewegen. Auch die „Selbstkontrolle“ kann hilfreich sein, um beispielsweise schon vor der eigentlichen Präsentation kleinere Fehler und Schwächen zu erkennen und zu beheben. Videoaufzeichnungen sind hier eine gute Möglichkeit, sich selbst zu beobachten. Der Einsatz von Audience Response Systemen, wie Mentimeter oder ArsNova.click (→-Tab. 12), während der Präsentation, helfen ebenso. espresso-Wissen | Hinweise für das Feedback-Bekommen und Feed‐ back-Geben Feedback bekommen: ● Versuchen Sie, offen an die Meinung Anderer heranzugehen und es zunächst so anzunehmen, wie es kommt. ● Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Versuchen Sie aber nicht, sich zu rechtfertigen. ● Seien Sie dankbar für ehrliche und konstruktive Rückmeldungen. ● Nehmen Sie das Feedback ernst, aber entscheiden Sie für sich selbst, was Sie davon annehmen können: Was können und möchten Sie ändern? Und was kann beibehalten werden? Feedback geben: ● Versuchen Sie möglichst genau und präzise zu beschreiben, was Sie bei der Präsentation beobachtet und wie Sie diese empfunden haben. Werten Sie nicht. ● Machen Sie deutlich, dass es sich um Ihre subjektive Meinung und Ihre eigene Sicht auf die Dinge handelt: „Ich empfand die Präsentation als …“, „Aus meiner Sicht …“ (statt „Du hast …“). ● Verurteilen Sie die-/ denjenige: n nicht, die/ der das Feedback erhält. Bleiben Sie sachlich. ● Beziehen Sie sich auf die konkrete Situation oder auf den konkreten Aspekt und sprechen Sie die/ den Empfänger: in des Feedbacks direkt und persönlich an. Es muss klar sein, was genau Sie bewerten bzw. worüber Sie sprechen. ● Sprechen Sie möglichst nur solche Dinge an, auf die die/ der Feed‐ backempfänger: in tatsächlich Einfluss haben kann. ● Nennen Sie positive Aspekte. 140 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="141"?> ● Machen Sie Verbesserungsvorschläge und erklären Sie ihre Ideen, wie es besser gehen könnte. Fordern Sie nicht und werfen Sie nicht vor. Letzteres ist zu einfach, das kann jeder. Veranstaltung: -Name (Referent: in): - Datum: -Thema: - INHALT fachliche Tiefe, z. B. Begriffe, analytische | Schärfe | fachliche Breite, z. B. verschiedene Autoren | Verbindung von Theorie und Praxis Textfeld für nähere Erläuterun‐ gen, Beispiele und Verbesserungs‐ vorschläge GESTALTUNG Struktur/ Gliederung: Einstieg, Hauptteil, Schluss | Medieneinsatz (sinnvoll? korrekt? Zu überladen? etc.) | Sprache bzgl. Verständ‐ lichkeit etc. | Körpersprache (Mimik, Gestik, Körperhaltung) Textfeld für nähere Erläuterun‐ gen, Beispiele und Verbesserungs‐ vorschläge MATERIALIEN: HANDOUT/ THESENPAPIER Gestaltung (Layout, Ästhetik) | Quellen (Lite‐ raturangaben und Online-Materialien) | fach‐ liche Qualität (korrekt, vollständig) Textfeld für nähere Erläuterun‐ gen, Beispiele und Verbesserungs‐ vorschläge Weitere Anmerkungen: - - Tab. 13: Feedback-Formular Wenn es um Feedback geht, muss natürlich klar sein, was überhaupt bewertet werden soll und kann (→ Tab. 13). Wie bereits erwähnt: Worauf die vortragende Person keinen bzw. kaum Einfluss hat, sollte nicht bestim‐ mendes Thema im Feedback sein. Die wichtigsten Kriterien sind aber diese: ● Inhalte der Präsentation, d. h. Auswahl der Inhalte in Bezug zum Thema und zur Fragestellung bzw. die Relevanz der präsentierten Inhalte, die Verbindung von Theorie und Praxis ● Struktur und Gliederung der Präsentation ● Darstellung und Verständlichkeit der Inhalte ● sprachliche und visuelle Gestaltung (inkl. Medieneinsatz) 5.1 Präsentation: Kommunikation und Formate 141 <?page no="142"?> ● Umgang mit und die Teilhabemöglichkeiten der Zuhörerschaft (Inter‐ aktionsmöglichkeiten) ● ggf. Darstellungen auf dem Handout bzw. Thesenpapier ● ggf. Ablauf und Gestaltung der Diskussion espresso-Verständnis | Was Sie nach der Präsentation für sich mitneh‐ men sollten Für Ihre persönliche Nachbereitung sollten Sie im Anschluss Ihrer Präsentation (Vortrag, Pitch, Rede etc., → Tab. 11) und des erhaltenen Feedbacks folgende Fragen für sich beantworten können: ● Was habe ich selbst richtig gut gefunden? ● Was lief nicht so gut, was hat gefehlt und vor allem: Was möchte ich bei der nächsten Präsentation anders machen? ● Ist mir der Kontakt zum Publikum gelungen? ● Welche Inhalte bearbeite ich erneut? ● Welche Hinweise nehme ich ernst und gehe ich nach? 5.2 Strukturierung und Gliederung einer wissenschaftlichen Präsentation Inwieweit eine Präsentation gelungen ist, hängt maßgeblich davon ab, wie gut sie strukturiert und durchgeführt wird. Der Aufbau und Ablauf sollten sich an Ihrer schriftlichen Arbeit orientieren, müssen jedoch nicht jedes Detail abbilden - das ist oft weder praktikabel noch und hängt vom Format Ihrer Präsentation ab (→ Tab. 11). Stattdessen sollten Sie sich auf die wichtigsten Aspekte und die für Ihr Publikum relevantesten Inhalte konzen‐ trieren. Beim wissenschaftlichen Präsentieren gelten folgende allgemeinen Hinweise: ● logische und klare Gliederung: Achten Sie auf eine nachvollziehbare Struktur Ihrer Präsentation. Nehmen Sie das Publikum dabei sprich‐ wörtlich „an die Hand“, indem Sie es gezielt durch die Präsentation führen und den roten Faden sichtbar machen. Franck & Stray (2011) sprechen treffend von einem „Wegweiser“, der Orientierung bietet und das Publikum durch den Vortrag leitet. 142 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="143"?> ● sorgfältige Vorbereitung und Organisation: Eine gute Gliederung erfordert im Vorfeld eine gründliche Planung. Arbeiten „ins Blaue hinein“ führt oft dazu, dass wichtige Inhalte von weniger relevanten nicht klar getrennt werden. Bevor Sie also Ihre Präsentation gestalten, stellen Sie sich folgende Fragen: Was sind meine wirklichen Ziele? Was möchte ich vermitteln? Was sollen die Zuhörenden im Kern mitnehmen? Ihre Antworten helfen, eine prägnante und fokussierte Präsentation zu entwickeln. ● Klarheit durch Gliederung: Eine geeignete Gliederung bringt mit wenigen Worten und wenigen Unterebenen Ordnung in den Vortrag. Sie gibt dem Publikum Orientierung und vermittelt einen klaren Ab‐ laufplan. Eine kontinuierliche Sichtbarkeit der Gliederung während der Präsentation, etwa durch eine Flipchart, eine klare PowerPoint- Gestaltung oder ein strukturiertes Handout, erleichtert die Orientierung und stärkt das Verständnis. Ein gut strukturierter Vortrag hilft dabei, die Zuhörenden zu führen und die Kernaussagen präzise und verständlich zu vermitteln. Einleitung, Hauptteil und Schluss einer Präsentation Jede Präsentation - ob Referat, Rede, Vortrag oder Pitch - folgt einem bewährten Aufbau: Einleitung, Hauptteil und Schluss. Das Ziel einer guten Präsentation ist, das Thema für die Zuhörenden klar, verständlich und im besten Fall beeindruckend darzustellen. Sie vermitteln Fakten und Wissen, aber auch eine Problemstellung oder Fragestellung, die in kurzer Zeit verdeutlicht werden soll. 5.2 Strukturierung und Gliederung einer wissenschaftlichen Präsentation 143 <?page no="144"?> Einleitung Hauptteil Schluss Diskussion Austausch Begrüßung Thema Fragestellung(en) Gliederung oder Ablauf (~ Herzstück) Inhalte Theorien Methodik Argumente Erkenntnisse Zusammenfassung bzw. Fazit Kernaussagen und ggf. Ausblick Schlussbotschaft Fragen Kritik Feedback Anregungen und neue Perspektiven ca. 10%-15% ca. 70%-80% ca. 5%-20% … % Abb. 26: Aufbau einer wissenschaftlichen Präsentation Die Einleitung dient dazu, das Publikum zu begrüßen, sich kurz vorzu‐ stellen und in das Thema einzuführen. Der erste Eindruck zählt: Sie sollten die Zuhörenden neugierig machen und gleichzeitig den Rahmen setzen. Eine gelungene Einleitung nimmt etwa 10-15 % der gesamten Präsentation ein. Ziel ist es, das Thema sowie die Fragestellung vorzustellen und eine grobe Gliederung zu geben. Wichtig ist, das Interesse der Zuhörenden zu wecken - durch aktuelle Bezüge, persönliche Erfahrungen oder inter‐ essante Fragen. Versuchen Sie daher, Ihren Zuhörenden Orientierung anzubieten: Um welches Thema bzw. um welche Frage soll es gehen? Was dürfen sie erwarten? Warum lohnt es sich zuzuhören? Was macht das Thema relevant? espresso-Wissen | Mögliche Einstiege in die Präsentation ● ein Foto oder ein Comic, eventuell eine eigene Zeichnung ● eine provokative (offene) Frage, gefolgt von einer kurzen Wirkpause ● eine persönlich erlebte Geschichte („Storytelling“) ● ein aktueller Zeitungsartikel aus Wissenschaft, Politik oder Wirt‐ schaft ● ein überraschender Gegenstand, der die Aufmerksamkeit fesselt, z.-B. eine leere Hutschachtel, die zunächst Aufmerksamkeit erregt ● eine aktivierende Frage wie „Was würde passieren, wenn …? “ oder „Warum ist …? “, die am Ende beantwortet wird 144 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="145"?> Der Hauptteil ist das Herzstück der Präsentation und umfasst etwa 70-80 % der Zeit. Hier werden die eigentlichen Inhalte präsentiert: das Thema, die Forschungsfrage(n), die angewandten Methoden, Argumente und Erkennt‐ nisse. Wichtig ist, dass Sie nur so viele Informationen präsentieren, wie nötig. Der Fokus liegt auf Klarheit und Relevanz. Die Zeit ist meist sehr begrenzt, daher sollten Inhalte klug ausgewählt und präzise formuliert sein. Eine Präsentation darf nicht mit Inhalten vollgestopft sein, die die Zuhö‐ renden gar nicht in der knappen Zeit vollständig erfassen und aufnehmen können. Eine kluge Struktur hilft dabei, den Überblick zu bewahren. Der Hauptteil kann in Sinnabschnitte gegliedert werden. Kurze Zusam‐ menfassungen nach jedem Abschnitt sind hilfreich, um den roten Faden beizubehalten. Denkbar ist auch ein Aufbau nach einem Pro-Contra-Schema oder in Form eines Vergleichs. espresso-Wissen | Methoden, um den Hauptteil interessanter zu ge‐ stalten Diese Elemente lockern den Hauptteil auf und machen die Präsentation greifbarer und lebendiger: ● konkrete Beispiele und treffende Zitate ● kurze Videos oder anschauliche Bilder ● aktivierende Zwischenfragen oder kleine Denkaufgaben „Laß den Anfang mit dem Ende Sich in eins zusammenzieh’n! “ Auszug aus Dauer im Wechsel (1827) Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), deutscher Dichter und Denker Der Schlussteil sollte nicht unterschätzt werden; er rundet die Präsen‐ tation ab und hinterlässt einen bleibenden und hoffentlich positiven Eindruck. Das schlichte „Das war’s, gibt es noch Fragen? “ ist wenig motivierend und über das Thema sprechen, das mag dann auch kaum noch wer. Es empfiehlt sich eher, den Abschluss strategisch zu gestalten. Der Schluss sollte etwa 5-20 % der Präsentation ausmachen und die wich‐ tigsten Kernaussagen zusammenfassen und die Präsentation abrunden. Ein Ausblick, eine Prognose oder eine Handlungsaufforderung können passend und sinnvoll sein. Falls gewünscht, kann an dieser Stelle zur Dis‐ 5.2 Strukturierung und Gliederung einer wissenschaftlichen Präsentation 145 <?page no="146"?> kussion übergeleitet werden. Offene Fragen oder provokative Aussagen regen die Zuhörenden zur Teilnahme an. espresso-Wissen | Mögliche Wege, eine Präsentation abzuschließen ● eine kurze Anekdote oder Geschichte, die die Präsentation abrundet (ggf. an die Einleitung anknüpfen) ● eine Handlungsaufforderung oder ein konkreter Vorschlag ● ein Kommentar zu einem Bild oder Foto, das in Verbindung zum Präsentationsbeginn steht Die Frage „Gibt es noch Fragen? “ sollte nicht erst am Ende gestellt werden. Viel besser ist es, während der Präsentation immer wieder kleine Interak‐ tionen und Rückfragen einzustreuen. Zum Ende sollten keine neuen, großen Inhalte aufkommen, die zu vielen ungeklärten Fragen führen. Vermeiden Sie es, am Ende Fragen nicht beantworten zu können, denn dies hinterlässt einen schwachen Eindruck. Häufig ist die Diskussionsrunde nach der Präsentation der spannendste Teil, da hier die Zuhörenden zu Wort kommen. Es werden Fragen gestellt, Kritik geübt, Feedback gegeben und Anregungen gemacht. Dies ist eine wertvolle Gelegenheit für Sie, Missverständnisse zu klären, neue Perspekti‐ ven kennenzulernen und möglicherweise Kontakte zu knüpfen. Daher ist es wichtig, ausreichend Zeit für die Diskussion einzuplanen. Sehen Sie diesen Teil als Chance, nicht als Gefahr. Arbeits- und Planungsschritte für eine Präsentation Wie planen und führen Sie eine Präsentation erfolgreich? Unabhängig vom Format ähneln die Arbeitsschritte denen, die auch bei der Organisation wissenschaftlicher Arbeiten von Bedeutung sind (→ Kap. 2.1). Dabei sollten Sie sich im Vorfeld folgende Fragen stellen: ● Welches (Teil-)Thema werde ich behandeln? Worüber spreche ich? ● Welche Ziele verfolge ich? Was möchte ich vermitteln? ● Wer ist mein Publikum? Wer sitzt vor mir und welche Erwartungen oder Vorkenntnisse bringen die Zuhörenden mit? ● Wie bereite ich den Inhalt auf ? Welche Präsentationsformate bieten sich an (vgl. Präsentationsformat, →-Tab. 11)? 146 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="147"?> ● Wie gestalte ich den Ablauf meiner Präsentation? Wie viel Zeit steht mir zur Verfügung, und wo werde ich präsentieren? ● Welche organisatorischen Maßnahmen muss ich beachten? Dazu gehö‐ ren technische Gegebenheiten vor Ort, Materialien, Unterlagen für die Zuhörenden sowie eigene Notizzettel. Die nachfolgende Abbildung zeigt die zentralen Arbeits- und Planungs‐ schritte für eine erfolgreiche Präsentation. Sie können diese Schritte als Orientierung nutzen und sich Schritt für Schritt an ihnen entlanghangeln. Recherche und Stoffsammlung Auseinandersetzung mit dem Thema und dem Präsentationsformat, ggf. organisatorische Vorbereitungen (Ortsbesichtigung und Technik-Check) Gliederung und Strukturierung Planung, wie die Präsentation strukturell und zeitlich ablaufen wird (z. B. Wissensvermittlung und Aktivitäten im Wechsel) inhaltliche Ausarbeitung Bearbeitung der Inhalte und Gestaltung der Präsentationsfolien, ggf. Einsatz zusätzlicher Medien und digitaler Tools Probelauf Planung des Anfangs, der Übergänge und des Endes, ggf. Regieanweisungen im Manuskript vermerken Zusatzmaterial ggf. Anfertigung eines Handouts bzw. eines Thesenpapiers oder Übersichten Präsentation Hervorhebung des Themas und der Fragestellung, immer mal auf Sprachstil, Körpersprache und Blickkontakt zum Publikum achten Nachbereitung und Auswertung Rückmeldungen (Feedback) für sich bearbeiten, ggf. Nachfragen beantworten und Materialien versenden/ teilen Abb. 27: Arbeits- und Planungsschritte Begleitung der Präsentation: Manuskripte Eine Präsentation völlig frei und ohne Hilfsmittel zu halten, erfordert viel Übung und/ oder Talent. Es spricht jedoch nichts dagegen, sich mit Karteikarten, Stichwortzetteln oder Manuskripten zu unterstützen. Letztlich 5.2 Strukturierung und Gliederung einer wissenschaftlichen Präsentation 147 <?page no="148"?> geht es darum, die Inhalte klar und verständlich zu vermitteln, sodass das Publikum interessiert bleibt und alles nachvollziehen kann. Welche Hilfsmittel Sie dabei nutzen, ist zweitrangig - entscheidend ist, dass Sie den Kontakt zu Ihrem Publikum nicht verlieren. Franck & Stray (2011) unterscheiden zwei grundlegende Arten von Manuskripten: das ausformulierte Volltext-Manuskript und den Stichwort‐ zettel. Grundsätzlich sollten Sie bei Präsentationen (auch im akademischen Umfeld) stets bedenken, dass es sich um eine gesprochene Kommunika‐ tionsform handelt (vgl. Franck & Stray, 2011). Eine Präsentation stellt eine mündliche Situation dar, sei es ein Vortrag, ein Referat oder eine Keynote. Daher ist es in jedem Fall zu vermeiden, vorbereitete Texte einfach abzulesen. Dies führt häufig zu einer monotonen Vortragsweise, die das Publikum ermüdet, langweilt und gedanklich abschweifen lässt. Zudem fehlt die Dynamik und es bleibt wenig Raum für Interaktion. Außerdem wird dann häufig der bewusste Blickaustausch mit dem Publikum vergessen. Ein Hoch auf den Stichwortzettel Da freies Präsentieren häufig schwierig, mühsam und mit Unsicherheiten verbunden ist und das bloße Vorlesen viele Nachteile mit sich bringt, plädiere ich für den Einsatz von Stichwortzetteln. Diese sind handlich, bieten eine klare Struktur und fungieren als eine Art Anker während der Präsentation. Der Zettel enthält die wichtigsten Stichpunkte und gegebenenfalls auch Fragen, was Ihnen mehr Sicherheit verleiht. Darüber hinaus schafft der Stichwortzettel Freiraum für Interaktion mit dem Publikum, unterstützt freies Sprechen und dynamische Betonung. Dadurch wird Ihre Präsentation lebendiger, flexibler und ansprechender. Zudem liegt ein kleiner, übersicht‐ licher Stichwortzettel besser in der Hand als raschelnde DIN-A4-Blätter. Es ist durchaus sinnvoll, mehrere Stichwortzettel zu verwenden - zum Beispiel einen pro Thema oder Sinnabschnitt. Achten Sie jedoch darauf, die Zettel zu nummerieren und in der richtigen Reihenfolge bereitzulegen. Nichts wirkt unprofessioneller, als während der Präsentation hektisch nach dem passenden Zettel zu suchen. 148 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="149"?> espresso-Wissen | Was auf einem Stichwortzettel stehen sollte ● Gliederung/ Reihenfolge: eine klare Struktur des Vortrags, damit der Ablauf gut nachvollziehbar bleibt ● wichtige Begriffe: zentrale Schlagworte, um die Kernaussagen prägnant zu halten ● Daten und Zahlen: wesentliche Fakten, um Inhalte zu untermau‐ ern ● ggf. Zitate: wichtige Zitate, die im Vortrag erwähnt werden sollen, mit vollständiger Quellenangabe ● ggf. Quellen oder ergänzende Links: falls notwendig, Hinweise auf relevante Quellen oder weiterführende Informationen Wie ein Stichwortzettel geschrieben sein sollte ● große Schrift: damit der Zettel leicht lesbar ist, auch aus der Entfernung ● so einfach wie möglich: Verwenden Sie nur Worte oder kurze Stichpunkte, um den Zettel übersichtlich zu halten. ● Zitate ausgeschrieben: Wichtige Zitate sollten vollständig notiert und mit der passenden Quellenangabe versehen sein. ● graphisch geordnet: Eine klare Anordnung, sodass ein kurzer Blick genügt, um schnell die passende Stelle zu finden. ● ggf. nummeriert: Wenn mehrere Zettel verwendet werden, sollten diese nummeriert sein, um die Reihenfolge beizubehalten. ● Form: Verwenden Sie handliche Karteikarten oder Notizzettel, die leicht in der Hand liegen und nicht störend rascheln. Zeitmanagement bei Präsentationen Ein bewusster und gezielter Umgang mit Zeit ist nicht nur für die Vor‐ bereitung einer Präsentation entscheidend, sondern spielt auch während der Durchführung eine zentrale Rolle. In der Regel ist ein Vortrag durch einen festgelegten zeitlichen Rahmen begrenzt - häufig zwischen zehn und 30 Minuten. Besonders bei Pitches wird die Zeitvorgabe strenger: Hier sind oft nur drei bis maximal zehn Minuten vorgesehen (→ Tab. 11). Diese zeitlichen Grenzen sollten keinesfalls unterschätzt werden und sind ernst zu nehmen. 5.2 Strukturierung und Gliederung einer wissenschaftlichen Präsentation 149 <?page no="150"?> Das Überziehen der vorgegebenen Redezeit gilt als schwerwiegender Fehler. Es wirkt unprofessionell, lenkt negative Aufmerksamkeit auf den Vortrag und mindert das Wohlwollen des Publikums. Zudem besteht die Gefahr, dass Sie von der Moderation oder dem Lehrenden unterbrochen werden oder gar abbrechen müssen. Wie streng dies gehandhabt wird, liegt im Ermessen der jeweiligen Lehrkraft oder des Veranstaltungsleiters. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Präsentation liegt daher in zwei As‐ pekten: einem souveränen Umgang mit der Zeit während des Vortrags sowie einer klugen Planung, Organisation und Strukturierung im Vorfeld. Wer sich bereits in der Vorbereitungsphase zeitlich verzettelt, wird wahrscheinlich auch während der Präsentation unter Druck geraten. Wie halten Sie die Redezeit ein? Die Lösung ist denkbar einfach: Achten Sie während des Vortrags regelmäßig auf die Uhr oder verwenden Sie eine Stoppuhr. Alternativ können Sie eine Person bitten, Ihnen ein Zeichen zu geben, wenn nur noch wenige Minuten verbleiben, zum Beispiel bei den letzten drei Minuten. Viel wichtiger ist jedoch die gründliche Vorbereitung: Üben Sie die Präsentation so lange, bis Sie den Zeitrahmen sicher einhalten können. Planen Sie außerdem einen kleinen Puffer ein, um auf unvorherge‐ sehene Verzögerungen reagieren zu können (→-Kap.-2.1). 150 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="151"?> Abb. 28: Die Gestalt RHETORICA mit Buch in der Hand, ein Bild am Wedekindhaus in Hildesheim 5.3 Rhetorik und Stimme, Gestik und Mimik Rhetorik zählt zu den ältesten „Wis‐ senschaften“ der Menschheitsge‐ schichte. Bereits in der Antike ver‐ suchten Gelehrte, Regeln für einen gelungenen Vortrag zu formulie‐ ren. Insbesondere die Gedanken von Aristoteles, Cicero und Quin‐ tilian haben die Entwicklung dieser Kunst maßgeblich beein‐ flusst. Die Rhetorik bietet jedoch nicht nur theoretisch-philosophi‐ sche Einsichten, sondern liefert auch ganz praktische Anleitungen für eine erfolgreiche Präsentation. Sie gibt Antworten auf die Frage, wie man Inhalte sprachlich präzise und wirkungsvoll vermittelt. In einem erweiterten Verständnis von Rhetorik (vgl. Bartsch & Rex, 2008, S. 10) umfasst diese Disziplin weit mehr als das bloße Sprechen. Sie umfasst das Zusammenspiel von Sprechweise, Mimik, Gestik und weiteren Ausdrucksmitteln, die eine Präsentation lebendig und überzeugend gestal‐ ten (vgl. Bartsch & Rex, 2008, S.-13f.). Die goldenen Regeln der Rhetorik Es gibt bewährte Regeln, die einen Redebeitrag, einen Vortrag oder ein Referat wirksam, unterhaltsam und verständlich gestalten (vgl. momentum, o. J.). Im Folgenden finden Sie einige zentrale Empfehlungen, die Sie bei Ihrer Präsentation berücksichtigen sollten. ● Formulieren Sie Ihre Kernaussagen klar und präzise. Bleiben Sie dabei sachlich und vermeiden Sie unnötige Abschweifungen. ● Verwenden Sie klare und leicht verständliche Worte. Komplizierte Sachverhalte sollten Sie vereinfachen und anschaulich erklären. ● Überprüfen Sie, ob Ihre Daten tatsächlich korrekt sind (z. B. in Grafiken und Diagrammen) und die Fachbegriffe sowie Definitionen stimmig und verständlich verwendet werden. 5.3 Rhetorik und Stimme, Gestik und Mimik 151 <?page no="152"?> ● Achten Sie auf die Aufnahmekapazität Ihres Publikums. Planen Sie eine Redelänge, die zum jeweiligen Format passt. Bedenken Sie Interak‐ tionen mit den Zuhörenden, bevor Sie am Ende ggf. zur Diskussion oder zu Fragerunden übergehen. ● Nutzen Sie Ihre Vortragsfolien oder andere visuelle Hilfsmittel aus‐ schließlich zur Unterstützung. Vermeiden Sie es, Folien einfach abzule‐ sen; sie sollten nur ergänzend zur gesprochenen Präsentation dienen. ● Versuchen Sie, möglichst frei zu sprechen, ohne starr an einem Manu‐ skript festzuhalten. Zeigen Sie dabei Ihre Persönlichkeit und halten sie einen flexiblen Kontakt zum Publikum. ● Sprechen Sie direkt und zielorientiert, suchen Sie den Blickkontakt mit dem Publikum und achten Sie auf nonverbale Rückmeldungen. So können Sie Ihren Vortrag dynamisch anpassen und eine stärkere Verbindung zu den Zuhörenden herstellen. Die Stimme beim Präsentieren Der gezielte Einsatz der Stimme kann die Wirkung einer Präsentation in vielfältiger Weise unterstützen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Atmung. Der gesamte Körper ist involviert: Das Maß an Lockerheit und Entspannung, dass eine Person in eine Präsentation einbringt, beeinflusst die freie Atmung und somit die stimmliche Performance. Gleichzeitig sollte eine gewisse „Mittelkörperspannung“ vorhanden sein, damit die Atmung tatsächlich tief und kraftvoll erfolgt. Darüber hinaus gibt der/ die Präsentierende mit seinem/ ihrem physischen Auftreten, ob bewusst oder unbewusst, Auskunft über sein/ ihr Befinden, die Einstellung zum Thema und die Absicht der Präsentation. Eine Sensibilität für diesen Aspekt ist daher entscheidend für eine erfolgreiche Präsentation. Hier einige allgemeine Tipps im Hinblick auf den effektiven Einsatz der Stimme (vgl. Allhoff und Allhoff 2016, S.-41-53): ● Seien Sie authentisch: Lassen Sie Ihren individuellen „Stil“ beim Vortragen zu und vermeiden Sie einen künstlichen, gestellten Vortrag. ● Achten Sie auf das Tempo: Sprechen Sie nicht zu langsam und nicht zu schnell. Ein angemessenes Tempo ist wichtig für die Verständlichkeit. ● Setzen Sie Sprechpausen: Nutzen Sie bewusst Pausen, um Spannung zu erzeugen. Lassen Sie Pausen zu, um den Zuhörenden Raum zum Nachdenken zu geben. 152 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="153"?> ● Artikulieren Sie deutlich: Achten Sie auf Ihre Aussprache und darauf, dass Ihre Worte klar verständlich sind. ● Berücksichtigen Sie die Lautstärke: Sprechen Sie nicht zu leise, damit Sie von allen Zuhörenden gut gehört werden. ● Wenden Sie Akzentuierung und Variabilität an: Variieren Sie Satz‐ struktur und Melodie zurückhaltend, um das Interesse Ihrer Zuhörenden zu wecken. ● Achten Sie auf Ihre Haltung: Ein sicherer Stand fördert die Artiku‐ lation und strahlt Selbstbewusstsein aus. Das regelmäßige Training Ihrer Stimme trägt zu mehr Sicherheit und Stabilität bei. Aus Erfahrung kann ich Stimmübungen und einen individu‐ ellen Übungsplan empfehlen; beides hilft beim Präsentieren. Auch das „Vor- Publikum-Sprechen“ ist generell sinnvoll. Ihre Stimme wird so gekräftigt, die Artikulation verbessert sich und Sie werden ruhiger, deutlicher und kontrollierter sprechen. Auch prima geeignet: beim Üben, die eigene Stimme aufzunehmen (z. B. mit einem Smartphone) und die Aufnahmen anzuhören. Oft wird erst durch das Anhören bewusst, ob Sie zu schnell oder zu langsam reden. Das Sprechen vor dem Spiegel kann ebenfalls nützlich sein; Sie können Ihre Haltung und Position sofort anpassen und optimieren. espresso-Wissen | Das Zentrum für Lehrer: innenbildung (ZLB) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat ein multimediales Lernangebot entwickelt; es heißt Körper - Stimme - Haltung und richtet sich vornehmlich an Lehrer: innen, die ihre Stimme bewusst erleben und stärken möchten. Nicht nur Lehrkräfte brauchen Stimme, sondern auch Sie, wenn Sie präsentieren und vor Publikum sprechen werden. 🔗 -https: / / koerperstimmehaltung.zlb.uni-halle.de Neben der Stimme spielen Mimik, Gestik und Körperhaltung - also die nonverbale Kommunikation - eine zentrale Rolle beim Präsentieren (vgl. Gebauer, Grehl, Lange, 2024). Unsere Körpersprache ist unsere ur‐ sprüngliche Sprache, sie ist immer da und nur begrenzt veränderbar. Einige praktische Hinweise und Tipps sollen hier mit auf Ihren Weg gegeben werden (nach Klanten, Mischler, Bilz, 2015): 5.3 Rhetorik und Stimme, Gestik und Mimik 153 <?page no="154"?> ● Zuwendung zum Publikum: Halten Sie konsequent Blickkontakt und gehen Sie bewusst auf Ihre Zuhörer: innen zu. Sprechen Sie ggf. einzelne Personen direkt an, um die Interaktion zu fördern. ● Raumverhalten (Proxemik): Beobachten Sie Ihre Bewegungen im Raum. Achten Sie darauf, weder zu wenig noch zu viel Bewegung zu zeigen. Vermeiden Sie es, sich z. B. am Pult festzuklammern, und bewegen Sie sich stattdessen aktiv in den Raum hinein. ● natürliche Gestik und Mimik: Vermeiden Sie eine bewusste Zurück‐ haltung oder einen gezielten Einsatz von Gesten, da dies unnatürlich wirkt. Authentizität ist hier der Schlüssel. ● Stabilität in der Körperhaltung: Stellen Sie sich sicher und entspannt hin. Vermeiden Sie es, die Arme zu verschränken, und lassen Sie Ihre Hände locker hängen oder nutzen Sie sie für natürliche Gesten. 5.4 Visualisierung und Gestaltung Visualisierungen helfen dabei, wichtige Informationen hervorzuheben, sie leichter erfassbar zu machen und Zusammenhänge zu verdeutlichen. Au‐ ßerdem sollen Sie das Publikum einbeziehen, Ihnen Orientierung geben und deren Aufmerksamkeit steigern oder zumindest aufrechterhalten. Um eine zielführende Visualisierung zu gestalten, sollten Sie sich daher folgende Fragen stellen: ● Was möchte ich visuell darstellen? (Inhalt) ● Was soll die Darstellung bewirken? (Ziel) ● Wen möchte ich ansprechen und überzeugen? (Zielgruppe) ● Welche Hilfsmittel und Werkzeuge sind geeignet? (Medium) Eine gelungene Präsentation wird - neben dem gezielten Einsatz von Körper und Stimme - auch durch geeignete Visualisierungstechniken aufgewertet: Bildschirmpräsentationen (bzw. Folien), Handouts, Thesenpapiere oder wis‐ senschaftliche Poster. Ohne visuelle Unterstützung kann eine Präsentation schnell ermüdend wirken. Anschaulichkeit lässt sich zwar bereits durch eine gut strukturierte und rhetorisch ansprechende Präsentation „im Kopf “ des Publikums erzeugen, doch zusätzliche visuelle Hilfsmittel können diesen Effekt erheblich verstärken. Zahlreiche Tools helfen dabei, komplexe Inhalte verständlich, unterhaltsam und einprägsam zu vermitteln (→-Tab.-14). 154 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="155"?> Hinweise zu einer gelungenen Visualisierung Beim Aufbau und der Erstellung von Visualisierungen sollten generell einige wesentliche Punkte beachtet werden: ● Einfachheit: Verwenden Sie für die Zielgruppe geläufige Wörter und kurze Sätze, um die Informationen leicht und sofort verständlich zu machen. ● sinnvolle Gliederung: Achten Sie auf eine klare Struktur mit Über‐ schriften und optischen Blöcken, um die Inhalte übersichtlich zu prä‐ sentieren. ● Kürze und Prägnanz: Konzentrieren Sie sich auf wesentliche und relevante Informationen, vermeiden Sie unnötige Informationen. ● zusätzliche Stimulanz: Setzen Sie gezielt Farben, Abbildungen oder gern auch eigene Skizzen ein, um das Interesse des Publikums zu steigern. ● logische Anordnung der Inhalte: Gestalten Sie die Präsentation symmetrisch, d. h., dass die Elemente optisch sinnvoll angeordnet, in einer logischen Reihenfolge und dynamisch dargestellt sind. Unabhängig von den Besonderheiten verschiedener Softwareprogramme lassen sich nach Thiele (2010, S. 88-105) weitere allgemeine Empfehlungen für den Einsatz von Visualisierungstools ableiten: ● Folien, Tischvorlage etc. als Ergänzung und Stütze: Der Inhalt sollte knapp und passend zum Gesagten sein, jedoch nicht mit diesem identisch. ● Nutzung einer Fernbedienung, wenn digitale Medien und Tech‐ nik verwendet wird: Achten Sie darauf, während des Vortrags den Blickkontakt zum Publikum zu wahren und sich nicht auf die Technik zu fixieren. Eine Fernbedienung ist hier hilfreich. ● Technik beherrschen, aber nicht dominieren lassen: Vermeiden Sie, sich in technischen Details zu verlieren. ● Fokussierung auf das Wesentliche: Vermeiden Sie überladene Folien; lassen Sie Mut zur Lücke zu und konzentrieren Sie sich auf die Kern‐ punkte. ● Abwechslung in der Gestaltung: Monotone, gleichförmige Folien können Langeweile und Desinteresse beim Publikum hervorrufen (Thiele 2010, S.-98). 5.4 Visualisierung und Gestaltung 155 <?page no="156"?> espresso-Verständnis | Ich möchte Ihnen folgende Videos empfehlen, die wertvolle Hinweise zur erfolgreichen Visualisierung bieten: ● Christian Spannagel: Visualisierung in Präsentationen: warum und wie? Ein Video mit theoretischen Grundlagen und praktischen Beispielen (2013), Dauer: 31: 41 Min. 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=eeYVSBv8epM ● Garr Reynolds: What is Presentation Zen? Eine Zusammenfassung seines Buches und Vortrags zu Präsentationstechniken (2009), Dauer: 9: 22 Min. 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=vFDm1-DVdyc ● David JP Phillips: How to avoid death by PowerPoint, Ein 20-minüti‐ ger Vortrag über die Prinzipien einer gelungenen Foliengestaltung (2014), Dauer: 20: 31 Min. 🔗 -https: / / www.youtube.com/ watch? v=Iwpi1Lm6dFo Bildschirm-Präsentation (Foliensatz) Um wissenschaftliche Ergebnisse zu präsentieren, wird häufig ein Foliensatz verwendet. Der Maßstab für eine gelungene Bildschirm-Präsentation liegt in ihrem inhaltlichen Gehalt und der fachlichen Darstellung. Ein angemessenes Design unterstützt die Aussagen und trägt zur Klarheit der Präsentation bei. In der Regel kommen verschiedene Softwareprogramme zur Erstellung der Folien zum Einsatz. Das bekannteste und am häufigsten verwendete Programm ist Microsoft PowerPoint. Aber auch Alternativen wie LibreOf‐ fice Impress, OpenOffice Impress, Google Slides, Keynote (Mac), PREZI und Canva werden immer häufiger genutzt (→ Tab. 14). Unabhängig davon, welches Tool Sie wählen, sollten folgende Hinweise beachtet werden (Treichel & Mehrhof-Groß 2023): ● Bestandteile: Der Foliensatz sollte ein Deckblatt (inkl. Titel des Bei‐ trags, Veranstaltungsname, Datum, Ihr Name), eine Gliederungsfolie, Präsentationsfolien mit den Kernaussagen, ggf. optische Blöcke mit Freiräumen zur inhaltlichen Orientierung sowie einen Anhang mit Quellenangaben enthalten. ● Inhalt: Vermeiden Sie textüberladene Folien. Konzentrieren Sie sich auf die wichtigen Inhalte und vermeiden Sie mehr als drei Abbildungen pro Folie, um Ablenkungen zu minimieren. 156 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="157"?> ● Überschriften: Halten Sie diese kurz und prägnant. ● Textgestaltung: Nutzen Sie eine ausreichend große Schrift (mindestens 18 pt für Fließtext, 24 pt für Überschriften) und eine angemessene Schriftlaufweite (Abstand zwischen Buchstaben und Zahlen). Wählen Sie eine einheitliche serifenlose Schriftart wie Arial, Calibri oder Ta‐ homa. Achten Sie auf waagerechte Textanordnung und verwenden Sie Flattertext statt Blocksatz; sinnvolle Worttrennungen (wenn es überhaupt sein muss) sind ratsam. ● Design: Wählen Sie ein schlichtes Design und verwenden Sie Effekte sparsam oder gar nicht. Vermeiden Sie ablenkende GIFs, Animationen und zeitgesteuerte Folienübergänge. Achten Sie auf starke Kontraste, z.-B. schwarze Schrift auf weißem Hintergrund. ● Anzahl der Folien: Planen Sie eine überschaubare Anzahl von Folien ein (für eine Folie mit Text sollten etwa zwei bis drei Minuten Redezeit eingeplant werden). Geben Sie die Seitenbzw. Folienzahl zur Orientie‐ rung an. ● Multimedia: Integrieren Sie weitere Medien (z. B. Audios, Quizze, Vereise auf Webseiten), um die Präsentation multimedial zu gestalten. ● Corporate Design: Nutzen Sie gegebenenfalls vordefinierte Folien- Layouts (Vorlagen) im Corporate Design. ● Barrierearmut vor Ort: Stellen Sie sicher, dass Tafel und Flächen sauber, idealerweise matt und nicht reflektierend sind. Bei Beamern und Overhead-Projektoren sollte der Raum nur schwach oder gar nicht beleuchtet sein. Wenn Sie ergänzende Medien (z. B. analoge Tafel, Metaplanwand, Flipchart) einsetzen, schalten Sie die Präsentation ab und die Raumbeleuchtung ein. Name des Werkzeugs Funktion Microsoft PowerPoint - Microsoft PowerPoint gehört zu den etablierten Präsentations‐ softwares und ermöglicht die intuitive Erstellung und Gestaltung von Folien sowie Postern. Es ist Teil des Office-Pakets „Microsoft 365“. Das Programm bietet zahlreiche Vorlagen und benutzer‐ freundliche Design-Tools, um Text, Bilder und Grafiken effektiv zu kombinieren. 🔗 -https: / / www.microsoft.com/ de-de/ microsoft-365/ powerpoin t? market=de 5.4 Visualisierung und Gestaltung 157 <?page no="158"?> LibreOffice Impress - Das Paket „LibreOffice“ ist kostenlos und stellt eine attraktive Alternative zum Microsoft Office-Paket dar. Es bietet einen vergleichbaren Funktionsumfang und überzeugt durch eine be‐ nutzerfreundliche Bedienung. Die gleichzeitige Bearbeitung im Team ist nicht möglich, sodass jeweils nur eine Person die Datei öffnen und ändern kann. 🔗 -https: / / de.libreoffice.org/ discover/ impress OpenOffice Impress - Mit dem kostenlosen Büropaket „OpenOffice“ können Texte und Präsentationen erstellt werden. Die Funktionen ähneln dabei denen von Microsoft PowerPoint und LibreOffice Impress: Dazu gehören der Zugriff auf Vorlagen, das Einfügen von Bildern, Videos und Audiodateien sowie das Importieren von PowerPoint-Dateien. 🔗 -https: / / www.openoffice.org/ de/ product/ impress.html Google Slides - Google Slides ist ein kostenloses Online-Präsentationstool, das eine einfache Erstellung und Bearbeitung von Folien ermöglicht. Es bietet eine Vielzahl von Vorlagen, die das Design erleichtern, sowie KI-gestützte Funktionen wie das automatische Anpassen von Layouts und das Einfügen von Inhalten. Mehrere Nutzer können kollaborativ und in Echtzeit an einer Präsentation arbeiten. 🔗 -https: / / docs.google.com/ presentation Keynote (Mac) - Keynote ist Apples leistungsstarkes Präsentationstool, das eine benutzerfreundliche Oberfläche und vielfältige Designvorlagen bietet. Es funktioniert lediglich auf den Betriebssystemen macOS, iOS und iPadOS. 🔗 -https: / / www.apple.com/ de/ keynote Prezi - Prezi ist eine dynamische Präsentationssoftware, die nicht-linear arbeitet und es ermöglicht, Inhalte in einer interaktiven, zoomfä‐ higen Oberfläche zu präsentieren. Die visuelle Anordnung von Inhalten kann besonders ansprechend sein. Prezi unterstützt die aktive Einbindung der Zuhörenden durch innovative Übergänge und Animationen. 🔗 -https: / / prezi.com/ Canva - Canva ist eine benutzerfreundliche Design-Plattform, die es möglich macht, Grafiken, Textdokumente, Flyer und eben auch Präsentationen und Poster zu erstellen. Die Vielzahl an Vorlagen und Anpassungsmöglichkeiten macht es einfach, professionell aussehende Designs zu erstellen, selbst ohne grafische Vorkennt‐ nisse. 🔗 -https: / / www.canva.com Tab. 14: Software-/ Tool-Empfehlungen zur Erstellung von Postern 158 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="159"?> Handout und Thesenpapier Im Hinblick auf eine geeignete Visualisierung des Gesagten kommt nicht zuletzt ein Handout und/ oder ein Thesenpapier in Betracht. Wie in Bezug auf die Präsentation selbst gelten hier fachspezifische Unterschiede, nichts‐ destotrotz lassen sich einige zentrale Hinweise geben (→ Tab. 15). Im Zuge der Digitalisierung mag es sein, dass ein papierener Ausdruck an Relevanz verliert, die Ausgabe digitaler Handouts und/ oder Thesenpapiere ist damit indes (trotzdem) als Szenario möglich. Handout Thesenpapier Der Handzettel bzw. die sogenannte „Tischvorlage“ oder „Handreichung“ dient den Zuhörenden bei Vorträgen, Besprechungen oder Konferenzen zur Orientierung und hilft beim Hören, Verstehen und ggf. Nachbereiten der präsentierten Inhalte. Das Handout er‐ gänzt die gesamte Präsentation und bündelt die Kernaussagen in einem Do‐ kument („Take-away“). In einem Thesenpapier werden zen‐ trale Aussagen zu einem spezifischen Thema auf den Punkt gebracht. Es enthält die Kernaussagen der Argu‐ mentation oder einer wissenschaftli‐ chen Arbeit und berücksichtigt offene Fragen, Prognosen sowie eigene Sicht‐ weisen. Ziel ist es, auf die Präsentation bzw. auf eine Sitzung vorzubereiten (Arbeitsgrundlage) und eine Diskus‐ sion anzuregen, anstatt den Inhalt le‐ diglich zusammenzufassen. Bestandteile eines Handouts: • „Kopfzeile“: Name der Einrich‐ tung/ des Instituts, Fachbereich, Name der Dozentin/ des Dozenten, Name des Seminars, Datum und Name der/ des Vortragenden • Thema und Gliederung (Reihen‐ folge der Präsentation) • alle wichtigen Inhalte, d. h. Fak‐ ten und zentrale Erkenntnisse in kurzer und knapper Form (Stich‐ worte) • Quellenangaben bzw. Literatur‐ hinweise • Umfang: max. zwei Seiten (DIN A4) Bestandteile eines Thesenpapiers: • „Kopfzeile“ (vgl. Handout): Name der Einrichtung/ des Instituts, Fachbereich, Name der Dozen‐ tin/ des Dozenten, Name des Semi‐ nars, Datum und Name der/ des Vortragenden • kurze Hinführung zum Thema • Formulierung von Thesen als Impulse (keine Inhaltszusammen‐ fassungen): die wichtigsten (Haupt-)Argumente sowie deren Begründung • ggf. Arbeitsfragen oder ein Impuls zur Anregung des Austausches bzw. der Diskussion • Quellenangaben bzw. Literatur‐ hinweise oder -empfehlungen Tab. 15: Handout und Thesenpapier im Vergleich 5.4 Visualisierung und Gestaltung 159 <?page no="160"?> Unterstützung bei der Visualisierung und Gestaltung durch KI Einige der zahlreichen KI-Tools können helfen, Bilder und Grafiken zu zeichnen oder Präsentationsfolien gestalten, wenn entsprechend Daten oder auch sprachliche Angaben eingebeben werden. Hier einige empfeh‐ lenswerte Tools: ● Dall-E-2 🔗 -https: / / openai.com/ dall-e-2/ ● Hotpot.ai 🔗 -https: / / hotpot.ai/ ● Graphmaker.ai 🔗 -https: / / www.graphmaker.ai/ ● Beautiful.ai 🔗 -https: / / www.beautiful.ai/ ● Midjourney 🔗 -https: / / www.midjourney.com/ ● Patterned 🔗 -https: / / www.patterned.ai/ Posterpräsentation In empirisch ausgerichteten Wissenschaften ist die Posterpräsentation eine gängige Methode zur Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse. Es gilt, innerhalb eines eng begrenzten Zeitraums eine selbst erstellte, großformatig ausgedruckte Zusammenfassung des eigenen Projekts einem Gremium sowie letztlich der interessierten Fachöffentlichkeit nahezubringen. Die bisherigen Hinweise zur Präsentation und Visualisierung gelten auch hier. Das Poster muss verständlich sein; die Inhalte müssen auch ohne Kommentierung erfasst werden können. espresso-Wissen | Gestaltung Ihres wissenschaftlichen Posters Für Tipps zur Gestaltung Ihres wissenschaftlichen Posters lesen Sie bitte den Online-Kurs von Katja Geßner (2016) auf der ILIAS-Lernplattform der Justus-Liebig-Universität Gießen. Der Kurs behandelt gestalterische Grundlagen, digitale Umsetzung und Poster-Druck und enthält prakti‐ sche Übungen. Schauen Sie auch in die Checkliste im Teil III. Katja Geßner (2016): Die Erstellung von Postern zur Präsentation wissen‐ schaftlicher Daten. Ein Online-Kurs auf der ILIAS-Lernplattform der Justus-Liebig-Universität Gießen. Online verfügbar: 🔗 -https: / / ogy.de/ 4hb1 160 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="161"?> Titel und Autor: innen Problemstellung und Zielsetzung Methodik Ergebnisse und Diskussion Schlussfolgerung Quellenangaben Abb. 29: Schematischer Aufbau eines wis‐ senschaftlichen Posters Wissenschaftliches Poster: Aufbau, Struktur und Bestandteile Ein wissenschaftliches Poster stellt im Wesentlichen einen Vortrag dar, der auf Papier oder Pappe - typischerweise im DIN-A0- oder DIN-A1-For‐ mat - an der Wand präsentiert wird. Die Herausforderung besteht darin, einen Sachverhalt interessant und anschaulich darzustellen, während die wesentlichen Informationen klar dokumentiert werden. Der Platz auf dem Poster ist begrenzt und muss daher effektiv genutzt werden; dies gelingt durch kurze, prägnante Texte, die mit Bildern und Grafiken übersichtlich kombiniert werden. Eine ansprechende Einleitung, spannende Aussagen und ein passendes Layout sind entscheidend, um das Interesse der Betrachter zu wecken und ihre Aufmerksamkeit zu fesseln. Das Auge muss am Poster hängen bleiben; die Lesenden sollen vor dem Poster verweilen und lesen. Der Inhalt Ihres wissenschaftlichen Posters sollte innerhalb weniger Mi‐ nuten erfasst werden können. Daher ist es wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und lange Textabsätze zu vermeiden. Eine klare Struktur ist unerlässlich, um komplexe wissenschaftliche Inhalte verständlich zu vermitteln. Obwohl es keine festen Vorgaben für den Aufbau eines Posters gibt, orientiert sich dieser häufig an der individuellen Forschungsfrage. Üblicher‐ weise sind jedoch folgende Bestandteile enthalten (vgl. Burkhardt et al. 2017, ISEK 2014, SIGA/ FSIA 2016, →-Abb. 29): ● Der Titel sollte die Kernaus‐ sage der Forschung prägnant wiedergeben und das Interesse der Betrachter wecken. ● Alle beteiligten Autor: innen sowie deren Kontaktdaten sollten aufgeführt werden. Zu‐ dem sind die Institution oder das Institut der Autor: innen und ggf. das entsprechende Logo abgebildet. ● Der Abschnitt Problemstel‐ lung ist ähnlich einem kurzen Abstract und stellt das Thema sowie die Fragestellung dar. Er 5.4 Visualisierung und Gestaltung 161 <?page no="162"?> verdeutlicht die Bedeutung der Forschung und grenzt sie von anderen Themen ab. Der Forschungskontext wird verdeutlicht. ● In der Zielsetzung werden die zu beantwortenden Fragen erläutert sowie die Ziele, die im Rahmen der Untersuchung oder des Forschungs‐ projekts verfolgt werden. ● Die verwendeten Forschungsmethoden werden beschrieben, ein‐ schließlich Messmethoden, Materialien, Geräte und Versuchsaufbau. Es wird dargelegt, welche Vorgehensweise gewählt wurde. ● Der Abschnitt Ergebnisse & Diskussion ist der wichtigste Teil des Posters und sollte den Großteil des Platzes einnehmen. Die Kernergeb‐ nisse sind kurz und prägnant zu nennen, idealerweise unterstützt durch aussagekräftige Abbildungen, Diagramme oder Tabellen. Je weniger Text, desto besser. ● In der Schlussfolgerung erfolgt eine kurze Zusammenfassung der Forschungsergebnisse sowie eine Erläuterung der daraus gezogenen Schlüsse. Dieser Abschnitt ist für die Betrachter: innen ebenso wichtig wie die Ergebnisse und sollte entsprechend hervorgehoben werden. Welche Bedeutung und Konsequenzen haben die Ergebnisse für Praxis und Forschung? ● Auch bei wissenschaftlichen Postern sind Quellenangaben für ver‐ wendete Literatur und Abbildungen unerlässlich. Diese sollten jedoch in kleiner Schrift am Rand des Posters platziert werden, da sie zunächst weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollten. An vielen Universitäten und Hochschulen stehen bereits Vorlagen für die Gestaltung von wissenschaftlichen Postern zur Verfügung. Diese kön‐ nen heruntergeladen und mit eigenen Inhalten ergänzt werden, um eine Orientierung für die Gestaltung zu bieten. Informieren Sie sich bei Ihrer Einrichtung bzw. in Ihrem Institut. Gestaltung eines wissenschaftlichen Posters Um die Aufmerksamkeit und das Interesse der Betrachter: innen unter einer Vielzahl von Postern zu gewinnen, ist eine ansprechende visuelle Gestaltung entscheidend. Diese sollte jedoch nicht vom Inhalt ablenken, weshalb die Lesbarkeit klar im Vordergrund steht. 162 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="163"?> Format Die meisten wissenschaftlichen Poster werden im Format DIN A0 (118,8 × 84,1 cm) oder DIN A1 (84,1 × 59,4 cm) erstellt, häufig im Hochformat. Eventuelle Vorgaben dazu sollten vor der Gestaltung mit dem/ der Dozent: in oder Veranstalter: in der Posterpräsentation abgeklärt werden. Farben Wie bei Texten und den Präsentationsfolien gilt auch hier: Weniger ist mehr. Verwenden Sie daher wenige Farben; sie sollten die Lesenden und Zusehenden nicht ablenken. Farben sollten dazu dienen, wichtige Elemente hervorzuheben oder Zusammenhänge zu verdeutlichen. Vermeiden Sie eine übermäßige Verwendung von bunten oder knalligen Farben und wählen Sie wenige und harmonische Farbkombinationen, wie Komplementärfarben oder Farben aus derselben Farbfamilie. Achten Sie auf einen starken Kon‐ trast zum Text, um die Lesbarkeit zu gewährleisten (vgl. ISEK 2014, Zillessen 2013). Hintergrund Für eine bessere Lesbarkeit sollten stark gemusterte oder fotografische Hintergründe vermieden werden, da sie vom Inhalt ablenken und den Lesefluss stören. Bevorzugen Sie stattdessen helle Farben, wie Weiß oder Pastelltöne, die einen ausreichenden Kontrast zur Schrift bieten. Schrift Achten Sie darauf, dass alle wesentlichen Texte aus mindestens zwei bis drei Metern Entfernung gut lesbar sind. Für ein DIN-A0-Poster eignet sich eine Schriftgröße von etwa 85 pt für den Titel und 25-30 pt für den Fließtext. Quellenangaben können kleiner dargestellt werden. Verwenden Sie eine gut lesbare serifenlose Schriftart wie Arial oder Helvetica und beschränken Sie sich auf ein bis zwei Schriftarten. Gleiche Strukturelemente (Überschriften, Fließtexte, Bildbeschreibungen) sollten dieselbe Schriftart und -größe aufweisen, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu schaffen (vgl. SIGA/ FSIA 2016). Grafiken & Bilder Grafiken und aussagekräftige Fotos oder Diagramme sind wesentliche Bestandteile eines wissenschaftlichen Posters und dienen als Blickfang (Franke, 2024). Achten Sie darauf, dass die Bilder eine ausreichende Auflö‐ 5.4 Visualisierung und Gestaltung 163 <?page no="164"?> sung von mindestens 150 ppi haben. Drucken Sie während der Gestaltung das Poster in Originalgröße aus, um die Bildqualität zu überprüfen. Halten Sie bei selbst erstellten Grafiken Ihr gewähltes Farbschema ein, um ein einheitliches Gesamtbild zu erzielen. Bei nicht selbst erstellten Grafiken müssen die Urheberrechte beachtet und entsprechende Quellenangaben gemacht werden (→ Kap. 6). Jede Abbildung sollte eine aussagekräftige, selbsterklärende Bildunterschrift haben. Das Verhältnis von Text zu Bild sollte etwa 50: 50 betragen (vgl. SIGA/ FSIA 2016, ISEK 2014). espresso-Wissen | Empfehlungen Die Studierwerkstatt der Universität Bremen stellt einen Leitfaden zur Verfügung, wie wissenschaftliche Poster erstellt werden können: Wis‐ senschaftliche Poster erstellen - ein kleiner Leitfaden. 🔗 -https: / / t1p.de/ 62fl Auf dem Schreibportal der Universität Leipzig, wird beschrieben, wie ein gutes Design gelingen kann. Neben Typografie und Satzspiegel geht es auch um den Druck: Besuchen Sie die Seite „Layout & Druck“. 🔗 -https: / / home.uni-leipzig.de/ schreibportal/ druck-bindung/ Das Projekt DikoLa an der Universität Halle stellt eine Checkliste zur Verfügung, es geht um die Gestaltung von barrierearmen (interaktiven) Postern. 🔗 -https: / / t1p.de/ 5l5f4 Ein Online-Tutorial von MakeSigns | Graphicsland gibt hilfreiche Tipps, was ein gutes wissenschaftliches Poster ausmacht: We’re Here To Help You Make The Best Scientific Poster. 🔗 -https: / / www.makesigns.com/ tutorials/ Als Zusammenfassung finden Sie in → Tab. 16 eine Checkliste (verändert und ergänzt nach Treichel 2023, Burkhardt et al. 2017), mit der Sie überprüfen können, ob Sie alle wichtigen Faktoren für Ihr Poster berücksichtigt haben. 164 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="165"?> Form & Material • Größe: DIN A1 (84,1 × 59,4 cm) oder DIN A0 (118,8 × 84,1 cm) • Ausrichtung: meist im Hochformat (vorher abklären) • Material: matt gestrichenes Papier mit geringem Grauanteil Struktur & Gestaltung des Posters • Klarheit: eindeutige, lineare, übersichtliche, sofort verständ‐ liche Struktur • Fokussierung: Inhalte auf das Wesentliche beschränken und strukturiert visuell darstellen • optische Blöcke: Titel oder Grafiken gliedern Inhalte, Text: Bild = 50: 50 • keine/ wenige (sinnfreie) Schmuckelemente • starke Kontraste, z. B. schwarze Schrift, weißer Hintergrund • Multimedialität: QR-Codes für ergänzende Videos, Texte, Webseiten etc. • Leerraum: Mut zu freien Flächen Inhalte • Titel: prägnant, ansprechend und einprägsam • Autoren: Nennung aller beteiligten Autor: innen & Institutio‐ nen (ggf. QR-Codes) • Textformulierung: kurz und prägnant • Kernaussagen: Auflistung aller wesentlichen Punkte • Quellen: vollständige und korrekte Angaben Sprache • eindeutige, geläufige Wörter, kurze Sätze oder Stichworte • keine Passiv-Konstruktionen, mehr aktive Verben, wenige Substantivierungen Schriftge‐ staltung • Größe: größere Schriftgrößen (A0-Format: Überschrift min. 85 pt, Fließtext mind. 25-30 pt; A1-Format: Fließtext 20-24 pt) • Schriftlaufweite: angemessener (weiter) Abstand zwischen Buchstaben und Zahlen • Schriftart: einheitliche, serifenlose Schriftart (z.-B. Roboto, Arial, Calibri) • Zeilenabstand und -länge: größerer Abstand, nicht zu lang Bilder & Grafiken • Bildunterschriften: Bilder und Grafiken mit klaren eindeuti‐ gen Aussagen und beschreibenden Alternativtexten • Lesbarkeit: alle Bestandteile (Flächen, Texte, Legenden) gut erkennbar; Testdruck in Originalgröße empfehlenswert • kontrastreiche Farben, keine starken Muster im Hintergrund • Farbkombinationen: nur wenige, klar abgrenzbare Farben; Farbtest; keine Rot-Grün-Kombination • Urheberrechte: Lizenzen bei fremden Abbildungen angeben Textanord‐ nung • Ausrichtung: waagerecht, Flattersatz statt Blocksatz • Worttrennungen möglichst vermeiden Präsenta‐ tion vor Ort • Standort: Poster weder zu hoch noch zu niedrig anbringen • Raumbeleuchtung: Dunkelheit, Reflexionen und Gegenlicht vermeiden Tab. 16: Checkliste für die Gestaltung eines Posters 5.4 Visualisierung und Gestaltung 165 <?page no="166"?> 5.5 Umgang mit Nervosität beim Präsentieren Präsentationen erfordern den Einsatz vieler Komponenten: Der gesamte Körper und die Persönlichkeit der Vortragenden stehen „auf der Bühne“. Daher ist es wenig überraschend, dass viele Menschen das Präsentieren fürchten oder vermeiden. Im Folgenden wird erläutert, wie man mit An‐ spannung und Nervosität umgehen und diese Herausforderung meistern kann. Ein wesentlicher Stressfaktor ist oft die eigene Unerfahrenheit. Nutzen Sie daher jede Gelegenheit, um zu präsentieren und vor Anderen zu spre‐ chen. Neben praktischer Erfahrung ist auch theoretisches und strukturelles Wissen entscheidend. Wenn Sie einige Informationen und Hinweise kennen, ggf. Videos dazu angesehen haben, werden Sie sicher weniger angespannt sein als jemand, der sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat. Unvor‐ bereitet in eine Präsentation zu gehen, führt zu Schwierigkeiten, während gute Vorbereitung die Herausforderung erleichtert. Laut Thiele ist es wichtig, „Antrittsfreude“ zu entwickeln und auszustrah‐ len. Ein erfolgreicher Auftritt hängt nicht nur von „weichen“ Faktoren wie Mimik, Gestik und Stimmführung ab, sondern auch von der strukturellen und inhaltlichen Stärke der Präsentation (Thiele, 2010, S. 35). Es ist daher entscheidend, Ängsten nicht nur auf der „Performance-Ebene“, sondern auch inhaltlich entgegenzuwirken. Einige allgemeine Tipps zur Vorbereitung (vgl. Matschnig 2017): ● Bereiten Sie Ihre Präsentation frühzeitig und gründlich vor. ● Übernehmen Sie eine „Gestalterrolle“ statt einer „Opferrolle“ (Thiele 2008, S. 33). Wenn Sie sich im Vorfeld mental auf die Präsentation einstimmen, reduzieren Sie mögliche Hürden. ● Achten Sie auf Ihre Stimme: Ein aktiviertes und „erwärmtes“ Stimm‐ werkzeug gibt Sicherheit, da stimmliche Äußerungen im Mittelpunkt des Vortrags stehen. ● Machen Sie sich mit den räumlichen Gegebenheiten vertraut, um sich sicher zu fühlen. ● Üben Sie den ersten und den letzten Satz Ihrer Präsentation ein - mit einem klaren Start und Schluss sind Sie gut vorbereitet und schaffen eine solide Basis für Ihren Vortrag (Paulsen, 2014) ● Üben Sie Ihre Präsentation mehrmals laut, am besten vor dem Spiegel oder vor Bekannten, um Sicherheit zu gewinnen. 166 5 Präsentation der wissenschaftlichen Arbeit <?page no="167"?> ● Holen Sie sich Feedback und reflektieren Sie kontinuierlich. Eine gute Methode ist es, sich selbst aufzunehmen und Ihre Präsentation anschließend zu analysieren. ● Betrachten Sie die Zuhörenden als Teil Ihrer Gruppe - seien es Mitstudierende oder Kongressteilnehmende. Kommunizieren Sie mit Ihrer Gruppe, statt nur vor ihr zu sprechen (Schäfer, 2010). ● Was Sie in den letzten 60 Sekunden vor Ihrem Auftritt tun: Überprüfen Sie Ihre „Rüstung“ - sitzt Ihre Kleidung? Atmen Sie tief ein und aus, um Ruhe zu finden, und denken Sie an etwas Positives (Paulsen, 2014). 5.5 Umgang mit Nervosität beim Präsentieren 167 <?page no="168"?> 6 Urheberrecht und Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten espresso-Wissenscheck | https: / / narr.kwaest.io/ s/ 1373 espresso-Keywords | Urheberrecht, Werk, personenbezogene Daten, Datenschutz, Zitatrecht, Plagiat, Plagiatsprüfung, Bilder und Grafiken, gemeinfreie Werke, freie Lizenzen, Open Access, Creative Commons, KI, Selbstständigkeitserklärung Beim wissenschaftlichen Arbeiten werden Ihnen zwangsläufig Themen wie Urheberrecht, Datenschutz und der Umgang mit Plagiaten begegnen. Schon bei der Literaturrecherche (→ Kap. 3.2) sind rechtliche Aspekte zu beachten, wenn Sie ein Werk lesen und für Ihre Arbeit verwenden möchten: Sie müssen korrekt und einheitlich zitieren sowie Quellen eindeutig nachweisen, um klar zwischen Ihren eigenen und den fremden Aussagen zu unterscheiden (vgl. Wampfler, 2020, S.-63). Indem Sie das Urheberrecht und den Datenschutz beim wissenschaftli‐ chen Arbeiten berücksichtigen, werden Sie auch mit dem geistigen Eigen‐ tum respektvoll umgehen und u. a. bei Datenerhebungen persönliche Daten schützen. Verstöße und Regelverletzungen gegen diese Grundsätze können schwerwiegende ethische, akademische und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Zu den Kernkompetenzen, die unter diesem Aspekt gefördert und ein‐ geübt werden, zählen in erste Linie, rechtliche Vorgaben zu achten und persönliche Daten und die Privatsphäre zu schützen. Zudem wird das Refe‐ rieren trainiert und die Fähigkeit, Medien kritisch zu bewerten und eigene Inhalte zu produzieren und (z. B. unter CC-Lizenzen) zu veröffentlichen. Das sind alles relevante Zukunftsfähigkeiten. In diesem Kapitel soll es also darum gehen, überblicksartig die Grundla‐ gen des Urheberrechts und des Datenschutzes kennenzulernen und wichtige Aspekte zu erfahren, die für Ihre wissenschaftliche Praxis von zentraler Bedeutung sind. <?page no="169"?> 6.1 Grundlagen des Urheberrechts Wenn vom Urheberrecht die Rede ist, dann meint man den Schutz des „geis‐ tigen Eigentums“ bzw. der „Werke“, die als persönliche geistige Schöpfungen definiert sind (§ 2 Abs. 2 UrhG, 🔗 https: / / ogy.de/ oz2t). Bücher, Fotos, Illustrationen, Musikstücke, Computerprogramme oder eben auch wissen‐ schaftliche Arbeiten zählen dazu; die Schöpfer sind die Urherber: innen. Sie als Autor: in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit dürfen also bestimmen, ob und inwieweit Ihr „Werk“ von anderen Personen vervielfältigt, veröffentlicht oder bearbeitet werden darf (Verwertungsrecht). Sie können z. B. anderen Personen erlauben, Ihr Werk unter bestimmten Voraussetzungen weiterzu‐ verwenden, indem Sie Ihre Arbeit unter sogenannten Creative-Commons- Lizenzen ( 🔗 -https: / / creativecommons.org) veröffentlichen (→-Kap.-6.3). espresso-Wissen | Was ist ein „Werk“? (§ 2 Abs. 2 UrhG) Der „Werksbegriff “ ist beim Urheberrecht zentral. Werke sind durch vier Bedingungen gekennzeichnet: ● Ein Werk muss eine persönliche Schöpfung sein, also ein Einfall eines Menschen. ● Es muss bei einem Werk ein geistiger Inhalt gegeben sein, d. h. es hat einen kreativen Schaffensprozess gegeben. ● Das Werk muss eine wahrnehmbare konkrete Formgestalt an‐ genommen haben, also sichtbar, greifbar oder hörbar sein, z. B. ein programmiertes Computerspiel oder ein gezeichnetes Bild. Eine Idee ist daher kein Werk. ● Das Werk muss eine schöpferische Qualität und Originalität bzw. Individualität aufweisen. Zufällige Ergebnisse, Objekte aus der Natur, handwerkliche Erzeugnisse und rein maschinelle Erzeugnisse ohne menschliche Mitwirkung genie‐ ßen darum keinen Schutz und können verwendet, verändert und kopiert werden. Das Urheberrecht endet in der Regel 70 Jahre nach dem Tode der Urheberin bzw. des Urhebers. Danach können andere Menschen das Werk bearbeiten oder ohne Genehmigung nutzen. Diese Werke gelten dann als gemeinfrei. 6.1 Grundlagen des Urheberrechts 169 <?page no="170"?> (Quelle: Grabe, U., M. Ackermann & F. Schwenzfeger | LLZ (2014): Grundlagen des Urheberrechts) Das Verständnis zum Werksbegriff ist mittlerweile dynamisch gewor‐ den, denn mit den technologischen Entwicklungen können neue Werk‐ typen entstehen: Digitale Kunst oder generierte Inhalte durch KI könn‐ ten ebenfalls geschützt werden (vgl. BMJ, 2024). Relevanz für die Wissenschaft In der Wissenschaft sind die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse aus wissenschaftlichen Texten der Grundstein für die weitere Forschung. Dass und wie diese Werke überhaupt genutzt und eingebunden werden dürfen, ist im Urheberrecht geregelt. Insbesondere das Urheberrechts- Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) erleichtert uns den Zugang zu geschützten Inhalten für die Forschung und die Lehre und für unsere eigene wissenschaftlichen Arbeit. Das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz erlaubt daher unter be‐ stimmten Bedingungen die Nutzung von Texten, Bildern oder anderen geschützten Materialien durch das Zitatrecht. „Bernhard von Chartres sagte, wir seien gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, um mehr und Entfernteres als diese sehen zu können - freilich nicht dank eigener scharfer Sehkraft oder Körpergröße, sondern weil die Größe der Riesen uns emporhebt.“ Johannes von Salisbury (ca. 1115-1180), englischer Theologe, aus: Metalogicon 3, 4, 46-50 espresso-Wissen | Das Zitatrecht (§ 51 UrhG) erlaubt es Ihnen, dass Sie fremde Werke oder Werkteile, z. B. Studie, Präsentation, Interview etc., nutzen und in Ihre eigene Arbeit einbinden dürfen. Ohne Einwilli‐ gung der Urheberin/ des Urhebers. Dabei müssen folgende Vorausset‐ zungen erfüllt: ● Das zitierte Werk muss veröffentlicht sein. ● Das Zitat muss Beleg oder Erörterungsgrundlage für einen wissenschaftlichen Diskurs sein. 170 6 Urheberrecht und Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="171"?> ● Die Quellenangabe muss eindeutig und vollständig sein. ● Der Umfang des Zitats muss angemessen sein. ● Das Zitat darf nicht verändert oder entstellt werden. Beispiel: Sie zitieren wortwörtlich eine Textpassage aus einem Buch über Ihr Arbeitsthema „Emotion und Motivation“, argumentieren damit Ihre Hypothese und geben die Quelle dazu an. Genauso ist es erlaubt. (Quelle: Grabe, 2014: Zitatrecht §-51 UrhG) espresso-Verständnis | Beispiele, bei denen das Bildzitat erlaubt ist ● Für Ihre wissenschaftliche Arbeit möchten Sie ein eigenes Foto verwenden, dass Ihren Versuchsaufbau zeigt und Basis für Ihr wissenschaftliches Experiment ist. Das Foto, auf dem der Versuchs‐ aufbau dargestellt ist, wird von Ihnen erläutert; die Quelle geben Sie korrekt und eindeutig an. ● Sie verwenden in Ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit eine fremde, alte Fotografie aus den 20er-Jahren. Für Ihre Hypothese und Ihre Argumentation ist dieses Bild nicht unbedingt relevant, aber es vermittelt sehr gut einen bestimmten Eindruck einer sozialen Situation. Sowohl Fotograf: in als auch die abgebildeten Personen sind seit mehr als 70 Jahren verstorben. Sie geben die Quelle des Bildes korrekt und eindeutig an. 6.2 Plagiate und wissenschaftliche Standards Ein (wissenschaftliches) Plagiat liegt dann vor, wenn fremde Ideen oder Texte verwendet werden, ohne dass die Quelle (richtig) gekennzeichnet wurde. Ob das absichtlich oder unwissentlich passiert ist, spielt dabei keine Rolle (vgl. Grabe, U., M. Ackermann & F. Schwenzfeger | LLZ (2014): Grundlagen des Urheberrechts). Wenn Sie also fremde Inhalte nicht korrekt zitierten und entsprechend kennzeichnen, dann ● missachten Sie das geistige Eigentum anderer, das urheberrechtlich geschützt ist. 6.2 Plagiate und wissenschaftliche Standards 171 <?page no="172"?> ● täuschen Sie über Ihre Eigenleistung hinweg (wo die wissenschaftli‐ chen Arbeiten ja zeigen sollen, wie gut Ihre Fähigkeiten sind) und ● verhindern Sie, dass die Leser: innen die Originalquellen finden kön‐ nen. Plagiate treten in verschiedenen Formen auf (vgl. Möller, 2018, S. 127), zum Beispiel ● als Wort-Plagiat, d. h. ein Text wird wörtlich übernommen, ohne ihn als Zitat zu kennzeichnen, ● als Inhalts-Plagiat, d. h. die Struktur oder Idee eines Textes wird übernommen, aber umformuliert, ohne die Quelle anzugeben, oder ● als Übersetzungs-Plagiat, d. h. Texte aus einer anderen Sprache wer‐ den übersetzt und als eigene dargestellt. Die Lösung, wie Sie Plagiate vermeiden oder umgehen, liegt - keine Über‐ raschung - im gründlichen und achtsamen wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben, also genau die Kompetenz, die mit diesem Buch eingeübt und gefördert werden soll. Darunter fallen folgende Aspekte: ● korrektes Zitieren, also wörtliche Zitate klar kennzeichnen und Quellen vollständig dazu angeben, ● Quellenangaben bei Abbildungen, Tabellen und übernommenen Daten, ● Transparenz bei Übersetzungen, Verweisung auf das Original und ● die Überprüfung der eigenen Arbeit hinsichtlich der wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Kurz: Halten Sie sich an die wissenschaftliche Qualitätskriterien (→ Abb. 8) und gestalten Sie Ihre Arbeit transparent und für die Leser: innen nachvoll‐ ziehbar. Rechtliche Aspekte beim Einsatz von textgenerierender KI KI-Tools wie ChatGPT oder andere Textgeneratoren können wertvolle Unterstützung beim wissenschaftlichen Arbeiten sein. Doch Vorsicht: In‐ halte, die mit KI erstellt wurden, müssen Sie unbedingt transparent als solche kennzeichnen, um den wissenschaftlichen Standards zu genügen und rechtliche sowie ethische Aspekte zu beachten (vgl. Leibniz Universität Hannover, 2023). Dokumentieren Sie also, wie und in welchem Umfang Sie KI-Tools genutzt haben und verwenden Sie generierte Inhalte nur dann, 172 6 Urheberrecht und Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="173"?> wenn Sie sie überprüft haben und sie den wissenschaftlichen Standards (→-Abb. 8) entsprechen. „Wie eine solche Kennzeichnung erfolgen muss, hängt regelmäßig vom Einzelfall ab. In diesem Zusammenhang kommt es maßgeblich darauf an, dass für Dritte erkennbar ist, welche Textteile in welchem Ausmaß von einer KI generiert wurden. Wurden die Texte wortwörtlich übernommen, so empfiehlt es sich, die Stelle ähnlich wie ein ‚klassisches‘ Zitat zu behandeln. Wurde das KI-Programm hingegen als Inspirationsquelle oder Gedankenanstoß verwendet, könnte eine Hilfsmittelangabe zu Beginn oder am Ende genügen.“ (Salden & Leschke, 2023, S.-29) Unterstützung bei der Plagiatsprüfung durch KI Einige der KI-Tools überprüfen mittlerweile sehr gut und immer besser, ob ein Text von einer KI generiert wurde (vgl. seo.ai.: ChatGPT-Detektor) ● Originality.ai ist eine Erkennungssoftware, sie erkennt KI-generierte Texte und überprüft auf Plagiat. 🔗 -https: / / originality.ai/ ● Scribbr ist ein browsergestütztes KI-Tool und unterstützt bei Lektorie‐ ren, Korrekturlesen sowie als Zitierhilfe und Plagiatsprüfungstool. 🔗 -https: / / www.scribbr.de/ ● GPTZero überprüft, ob ein Text bzw. Textpassagen von einer KI geschrie‐ ben wurde. 🔗 -https: / / gptzero.me/ Die Forschung zu automatisierten Erkennungsmöglichkeiten durch KI ist noch längst nicht abgeschlossen; es gibt offene Fragen und gleichzeitig neue Entwicklungen und Dynamiken (vgl. Heikkilä, 2022, Fraunhofer SIT, o. J.: ChatGPT oder menschlicher Autor? ). Selbstständigkeitserklärung Eine der zentralen Kompetenzen des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens ist die Fähigkeit, eigenständig Texte zu verfassen, Inhalte zu verstehen und kritisch zu analysieren, sie eigenständig miteinander zu verknüpfen und auf neue Fragestellungen anzuwenden. Mit der Unterzeich‐ 6.2 Plagiate und wissenschaftliche Standards 173 <?page no="174"?> nung der Selbstständigkeitserklärung bestätigen Sie, dass Sie die wissen‐ schaftliche Arbeit tatsächlich selbstständig erstellt haben. Wenn Sie dagegen eine fremde Leistung - sei es durch die Unterstüt‐ zung einer anderen Person, eines Ghostwriters oder durch die Assistenz künstlicher Intelligenz - als Ihr eigenes Werk angeben, dann ist dies nicht nur einen Verstoß gegen die Prüfungsordnung, sondern es verletzt auch das Urheberrecht. Mögliche Konsequenzen wären: die Aberkennung Ihrer Prüfungsleistung, die Exmatrikulation bis hin zum Verlust eines bereits verliehenen akademischen Grades. Aus diesem Grund ist die Abgabe einer Eigenständigkeitserklärung ver‐ pflichtend sollten Sie als Verfasser: in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit eine Selbstbzw. Eigenständigkeitserklärung formulieren, unterschreiben und in die Arbeit einbinden. Idealerweise sollte es eine aktuelle Fassung des jeweiligen Institutes bzw. der Einrichtung sein (Salden & Leschke, 2023, S.-32f). Hier ein Beispiel für eine Selbstständigkeitserklärung: Selbstständigkeitserklärung Ich versichere, dass ich die vorliegende wissenschaftliche Arbeit selbstständig und ohne unerlaubte Hilfe und Verwendung anderer als der angegebenen Quellen und Hilfsmittel verfasst und die den benutzten Quellen wörtlich, inhaltlich oder sinngemäß entnommenen Stellen aus veröffentlichten oder unveröffentlichten Schriften als solche kenntlich gemacht habe. Keinen Teil dieser Arbeit habe ich bei einer anderen Stelle zur Erlangung einer Studienund/ oder Prüfungsleistung eingereicht. [Ort, Datum] [Unterschrift] 6.3 Freie Lizenzen Wenn Sie für Ihre wissenschaftliche schriftliche Arbeit oder aber für Ihrer Präsentation oder Ihr Poster Bilder, Grafiken oder Audios und Videos (kurz: fremde Werke) verwenden möchten, achten Sie darauf, dass diese lizenziert sind. Creative-Commons-Lizenzen und Open Educational Resources (OER) bieten eine rechtlich sichere Möglichkeit. Mit den freien Lizenzen bestimmen Sie als Urheber: in, unter welchen Bedingungen andere Personen Ihr(e) Werk(e) verwenden dürfen. Wenn also jemand Text oder eine Grafik verwenden möchte, die unter einer freien Lizenz steht, muss die Urheberin bzw. der Urheber nicht noch einmal um 174 6 Urheberrecht und Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="175"?> Erlaubnis gefragt werden. Die Verwendung ist rechtmäßig, solange die Person die Lizenzbedingungen berücksichtigt. Die gemeinnützige Organisation Creative Commons (CC) entwickelte dafür verschiedene sogenannte Creative-Commons-Lizenzen - kurz CC- Lizenzen, welche ein weit verbreitetes und rechtssicheres Lizenzmodell darstellen (vgl. Muuß-Merholz, 2018). Es gibt vier grundlegende Bausteine der Creative Commons (→-Abb. 30). BY (von) Namensnennung des Urhebers/ der Urheberin erforderlich NC (non-commercial) keine kommerzielle Nutzung ND (no derivatives = keine Veränderungen) Werk darf nicht verändert und bearbeitet werden SA (share alike) Werk muss unter den Bedingungen der ursprünglichen Lizenz veröffentlicht bzw. weitergegeben werden Abb. 30: Bausteine der Creative Commons Aus diesen vier Bausteinen ergeben sich verschiedene Lizenzvarianten, die einzelnen Bausteine werden also miteinander kombiniert und stellen für das jeweilige Werk die Verwendungsbedingungen dar (→-Abb. 31). BY Namensnennung BY SA Namensnennung & Weitergabe unter gleichen Bedingungen BY NC Namensnennung & nicht kommerziell BY ND Namensnennung & keine Bearbeitung BY NC SA Namensnennung & nicht kommerziell & keine Bearbeitung BY NC ND Namensnennung & nicht kommerziell & Weitergabe unter gleichen Bedingungen Abb. 31: Creative Commons-Lizenzen, Kombinationsmöglichkeiten der Bausteine 6.3 Freie Lizenzen 175 <?page no="176"?> espresso-Verständnis | Beispiel mit CC BY-SA 4.0 Sie erstellen im Rahmen Ihres wissenschaftlichen Forschungsprojektes einen Online-Kurs, den Sie mit Schüler: innen einer Gesamtschule un‐ tersuchen möchten. Diesen Online-Kurs und dessen Inhalte veröffentli‐ chen Sie auf eine Webseite und stellen ihn unter die Creative-Commons- Lizenz „Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ (CC BY-SA 4.0). Die Inhalte dürfen also von fremden Personen beliebig vervielfältigt, verbreitet und öffentlich wiedergegeben werden, wenn sie Ihren Namen angeben und die Inhalte unter den gleichen Bedingungen verwenden. Bearbeiten und verändern dürfen sie die Inhalte nicht. Weitere Informationen erhalten Sie auf den Seiten der Creative Commons: 🔗 -https: / / www.creativecommons.ch/ wie-funktionierts/ 6.4 Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten Wissenschaftliches Arbeiten ist häufig mit der Verarbeitung personenbe‐ zogener Daten verknüpft. Personenbezogene Daten, das sind Informatio‐ nen, die sich auf eine identifizierbare Person beziehen, z. B. Name, Alter, Geburtstort, Anschrift, E-Mail oder auch Vorlieben und Abneigungen. Diese Informationen sind sehr persönlich und müssen geschützt werden. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) regelt den Schutz. Insbesondere in der empirischen Forschung werden z. B. in Interviews genau solche Informationen abgefragt und erhoben. Folgende Grundsätze sind also zu beachten und einzuhalten: ● informierte Einwilligungen von Studienteilnehmenden einholen: Die Teilnehmenden müssen ausführlich über die Studie, den Zweck etc. informiert sein und zustimmen. ● Anonymisierung und Pseudonymisierung: Sämtliche persönliche Daten müssen anonymisiert oder pseudonymisiert werden; die Identität der Teilnehmenden muss geschützt sein, die Personen dürfen nicht mehr zuordenbar sein. ● sichere Speicherung und Verarbeitung der Daten: Es muss sichere, also datenschutzkonforme Software benutzt werden, um die Daten zu schützen. Zudem müssen Sie die Daten sicher speichern. 176 6 Urheberrecht und Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten <?page no="177"?> (Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Forschungsverbundes Bildung zum Datenschutz in der Forschung. 🔗 -https: / / www.forschungsda ten-bildung.de/ datenmanagement/ recht-ethik/ datenschutz-forschung/ ) Ein Letztes: Das Urheberrecht und der Datenschutz sind keine Hindernisse, sondern wichtige Säulen der wissenschaftlichen Integrität. Indem Sie die rechtlichen und ethischen Vorgaben einhalten, zeigen Sie Respekt ge‐ genüber der Arbeit anderer und Sie sorgen für eine fundierte, glaubwürdige Forschung. Letzte Worte zum Schluss Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, vor allem aber auch viel Freude und Neugier bei Ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Ich hoffe, Sie erhalten nicht nur ein gutes Ergebnis, sondern nehmen auch wichtige Fähigkeiten mit, die Sie im alltäglichen Leben und im Beruf tatsächlich weiterbringen. Alles Gute! 6.4 Datenschutz beim wissenschaftlichen Arbeiten 177 <?page no="178"?> Literatur- und Internetquellen Adam, M., A. Arndt, Ch. Faber, S.-Rahm, F. Seidel & Ch. Wenzel | SLUB Dresden (2021): Literaturverwaltungsprogramme im Überblick. 🔗 -https: / / www.slub-dre sden.de/ fileadmin/ groups/ slubsite/ Service/ PDF_Service/ Literarturverwaltungsp rogramme_im_%C3%9Cberblick.pdf Albrecht, S. (2024): ChatGPT als doppelte Herausforderung für die Wissenschaft. In: Schreiber, G. & Ohly, L. (Hg.), KI: Text. Diskurse über KI-Textgeneratoren. De Gruyter, S.-13-27. 🔗 -https: / / doi.org/ 10.1515/ 9783111351490 Allhoff, D.-W., & Allhoff, W. (2016): Rhetorik & Kommunikation: Ein Lehr- und Übungsbuch; mit Arbeitsblättern. München: Reinhardt. Atteslander, P. (2006): Methoden der empirischen Sozialforschung. Erich Schmidt Verlag, Berlin. Bachmann, H. | Scribbr (2020): Ein Exzerpt schreiben - Tipps & Vorlage. 🔗 -https: / / www.scribbr.de/ studium/ exzerpt/ Balzert, H., Schröder, M. & Schäfer, C. 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Ein Selbstlernangebot. 🔗 -https: / / koerperstimmehaltung.zlb.uni-halle.de/ Zentrum für multimediales Lehren und Lernen (LLZ) (28.04.2014): Werk. 🔗 -https: / / wiki.llz.uni-halle.de/ Werk Zentrum für multimediales Lehren und Lernen (LLZ) | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (2024): Wiki | Portal: Tools. 🔗 -https: / / wiki.llz.uni-halle.de/ Po rtal: Tools Zentrum für multimediales Lehren und Lernen (LLZ) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (16.10.2020): Audience Response. 🔗 -https: / / ep.elan-ev.de/ wiki/ Audience_Response Zerubavel, E. (2001): The Clockwork Muse: A Practical Guide to Writing Theses, Dissertations, and Books. Cambridge, Mass./ London: Harvard University Press. (Kapitel 4: Aufgabenplanung) Zillessen, A. (2013): Das Poster - ein Quadratmeter voll Wissenschaft. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/ New York. 190 Literatur- und Internetquellen <?page no="191"?> Anhang Für das vorliegende Buch habe ich das Tool ChatGPT genutzt, vor allem, um einige der Textpassagen zu kürzen, sprachlich logisch besser zu struk‐ turieren bzw. Dopplungen zu identifizieren und um Rechtschreibfehler zu finden. Gerade bei der Suche nach inhaltlichen Wiederholungen und auch bei Kürzungen habe ich viele Vorteile des Tools kennengelernt, doch habe ich sämtlich Vorschläge neu und in meinen Sprachstil umgeschrieben. Ich muss zugeben, dass diese Kennlernphase mit KI ein Prozess war, bei dem ich üben und lernen musste, was KI alles kann und vor allem, was sie dann nicht kann bzw. was mir persönlich nicht gefallen hat oder auch, was ich so nicht unterstreichen und hinnehmen konnte. Eine große Hilfe war ChatGPT auch, als ich das Programm bat, die Quizfragen zu beantworten, ohne anzugeben, dass es Falsch-Antworten gibt. Durch die Beantwortungen der Fragen und den Begründungen von KI sind tatsächlich logische und einige Formulierungsfehler aufgedeckt worden, die ich im Nachgang beheben konnte. Ferner habe ich für einige Abbildungen das Grafikdesign-Programm Canva ( 🔗 -https: / / www.canva.com) genutzt. In erster Linie habe ich mich inspirieren lassen und wieder gelernt, wie man Inhalte möglichst übersicht‐ lich und schlicht darstellen kann. Vorgeschlagene Designs habe ich nicht verwendet (die Auswahl war eh begrenzt, da ich keine Bezahlvariante habe), sondern ich erstellte und bearbeitete die Grafiken und Schaubilder immer selbst. Ein Vorteil ist, dass ich so urheberrechtlich auf der sicheren Seite stehe. <?page no="192"?> Abbildungs- und Tabellenbelege Abbildungsbelege Abb. 1: Digitale Kompetenzen bzw. Handlungskompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten, hier: jeweils in den sechs behandelten Themengebieten (eigene Darstel‐ lung in Anlehnung an die KMK: Digitale Kompetenzen in der digitalen Welt: 🔗 -https: / / www.kmk.org/ fileadmin/ Dateien/ pdf/ PresseUndAktuelles/ 2016/ 2016 _12_08-KMK-Kompetenzen-in-der-digitalen-Welt.pdf und an den Beitrag der Universität Osnabrück: Schlüsselkompetenzen: 🔗 -https: / / www.uni-osnabrueck. de/ studium/ im-studium/ professionalisierung/ schluesselkompetenzen/ ) Abb. 2: Bocca Della Verita. (Henry Acevedo, pexels.com 🔗 -https: / / www.pexels.co m/ de-de/ foto/ wahrzeichen-italien-reise-reisen-22064490) Abb. 3: Wissen auf der Zeitachse. Unsere Erkenntnisse, Einstellungen und Überzeu‐ gungen spiegeln sich in dem Wissen der jeweiligen Zeit und in der wahrgenom‐ menen Wahrheit wider. (eigene Abbildung) Abb. 4: Grundkonzept wissenschaftlicher Forschung: (Forschungs-)Gegenstand, Methode, Theorie und Forschungsinteresse Abb. 5: Zwei wissenschaftliche Denkweisen: die realistische und die konstruktivis‐ tische. (Quelle: Berger-Grabner, 2010) Abb. 6: Schaubild zur Wahl der Vorgehensweisen: empirisch oder nicht-empirisch (theoretisch) Abb. 7: Forschungskreislauf in sechs Phasen Abb. 8: Qualitätskriterien einer wissenschaftlichen Arbeit (Quelle: nach Balzert u. a. 2011) Abb. 9: Wissenschaftliche Textsorten (eigene Sammlung ohne Anspruch auf Voll‐ ständigkeit) Abb. 10: Was Zeitmanagement beinhaltet: acht Aspekte (eigene Darstellung) Abb. 11: Langfristige Planung für eine schriftliche Hausarbeit mit einem Umfang von 20 Seiten und einer Bearbeitungszeit von insgesamt 8-9 Wochen (angelehnt an Schreibberatung der FH Nordwestschweiz (o.-J.) Arbeits- und Zeitplanung, 🔗 -https: / / www.schreiben.zentrumlesen.ch/ stud_arbeitsplanung_zeitplanung .cfm) Abb. 12: Zeiteinteilung in Prozent (Quelle: nach Seiwert, 2012, S.-47) Abb. 13: Techniken der Zeitplanung: ALPEN, Eisenhower und Pomodoro Abb. 14: Arbeits- und Schreibort in der Bibliothek (PixelsEffect, iStock) <?page no="193"?> Abb. 15: Ein Negativbeispiel: Ein voller und unstrukturierter Desktop, der das wissenschaftliche Arbeiten und den Schreibfluss stören kann. (Screenshot vom eigenen Desktop) Abb. 16: Der Prozess, sein Thema und seine Forschungsfrage zu finden (eigene Darstellung) Abb. 17: KI-Tools beim wissenschaftlichen Arbeiten (eigene Darstellung nach dem Vortrag von Limburg, 2023, 🔗 -https: / / lehre.uni-mainz.de/ ki-eventreihe-jgu/ #co llapse4) Abb. 18: Clustering-Struktur und Mindmapping-Struktur (eigene Darstellung) Abb. 19: Von der Stoff-Sammlung bis hin zur Text-Ausarbeitung: Vom Allgemeinen zum Speziellen. (eigene Darstellung) Abb. 20: Datenvisualisierung (v.l.n.r.): Säulen-/ Balkendiagramm, Torten-/ Kreisdia‐ gramm, Boxplot, Organigramm, Balkendiagramm, Venn-Diagramm, Mindmap, Liniendiagramm, Tabelle (eigene Darstellung) Abb. 21: Formale Gestaltung und Formatierung der schriftlichen Hausarbeit (eigene Darstellung, Quelle: Strulik, Universität Bielefeld: Formale Gestaltung von Haus‐ arbeiten) Abb. 22: Gliederung bzw. Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit Abb. 23: Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun (Quelle: Schulz von Thun Institut) Abb. 24: Präsentation in einem Seminarraum (Frantichek, Pixabay) oder im Hörsaal (Michal Jarmoluk, Pixabay) Abb. 25: Ein Sandwich oder: Struktur eines guten interaktiven Vortrages bzw. eines Referates (eigene Darstellung) Abb. 26: Aufbau einer wissenschaftlichen Präsentation (eigene Darstellung) Abb. 27: Arbeits- und Planungsschritte (eigene Darstellung) Abb. 28: Die Gestalt RHETORICA mit Buch in der Hand, ein Bild am Wedekindhaus in Hildesheim (falco, Pixabay) Abb. 29: Schematischer Aufbau eines wissenschaftlichen Posters Abb. 30: Bausteine der Creative Commons ( 🔗 -https: / / mahara.uni-kassel.de/ view/ view.php? id=53973 und 🔗 -https: / / de.creativecommons.net/ was-ist-cc ) Abb. 31: Creative Commons-Lizenzen, Kombinationsmöglichkeiten der Bausteine ( 🔗 -https: / / mahara.uni-kassel.de/ view/ view.php? id=53973 und 🔗 -https: / / de.cr eativecommons.net/ was-ist-cc) Abbildungs- und Tabellenbelege 193 <?page no="194"?> Tabellenbelege Tab. 1: Arbeitsphasen mit näheren Erläuterungen (eigene Darstellung) Tab. 2: Ein Beispiel für eine Aufgabenplanung am Beispiel „Präsentation“ (eigene Darstellung) Tab. 3: Hilfreiche Kriterien und Beispiele, mit denen Sie inhaltliche Schwerpunkte und Grenzen definieren können (eigene Darstellung) Tab. 4: Absichten hinter der wissenschaftlichen Fragestellung und Beispiele (eigene Darstellung) Tab. 5: Beispielhafte Titelformulierungen, sowohl gute als auch ungünstige (eigene Darstellung) Tab. 6: Hilfreiche Kriterien bei der Literaturrecherche (eigene Darstellung) Tab. 7: Beispielhafte KI-Werkzeuge (entnommen aus da Silva Cardoso, Kusser, Kieselstein, 2024, S. 6f.) Tab. 8: Überblick über ausgewählte Tools zur Material-, Notiz- und Literatur‐ verwaltung (eigene Sammlung nach Adam, M., et al. | SLUB Dresden: Lite‐ raturverwaltungsprogramme im Überblick, FU Berlin: Digitale Tools für das wissenschaftliche Arbeiten & Schreiben und Heinemeyer, A. | Scribbr: Literatur‐ verwaltungsprogramme im Vergleich, Böhner, Stöber, Teichert, 2022) Tab. 9: Daten benennen (eigene Darstellung) Tab. 10: Varianten der genderneutralen Schreibweise (Universität Leipzig, 2022) Tab. 11: Gängige Präsentationsformate im Wissenschaftsbereich (eigene Darstel‐ lung) Tab. 12: Digitale Werkzeuge, um eine Präsentation interaktiver zu gestalten (eigene Darstellung. Quellen: Projekt Dikola, 2023, LLZ, 2024, Bildung.digital, 2025) Tab. 13: Feedback-Formular (eigene Darstellung) Tab. 14: Software-/ Tool-Empfehlungen zur Erstellung von Postern (eigene Darstel‐ lung) Tab. 15: Handout und Thesenpapier im Vergleich (eigene Darstellung. Quellen: Binder, Franck & Stary 2006, S. 239, Uniturm, Universität Münster) Tab. 16: Checkliste für die Gestaltung eines Posters (eigene Darstellung verändert und ergänzt nach Treichel 2023, Burkhardt et al. 2017) 194 Abbildungs- und Tabellenbelege <?page no="195"?> Register Anhang-84, 115, 156 Arbeitsphasen-27, 61, 81 Arbeitsplatz-38, 105, 126 Argumente-17, 25, 59, 64, 85, 93, 117, 120, 128 Bilder-94, 98, 122, 132, 145, 163, 174 Biorhythmus-35 Cluster-70 Creative-Commons-Lizenzen-174f. Datenschutz-168, 176 Datensicherung-108 Desinformation-17 Eidesstattliche Erklärung-84, 114 Einleitung-80, 84, 115, 143, 161 Empirisches Arbeiten-18 Exposé-79 Fake News-17 Feedback-46, 52, 66, 137, 146, 167 Feingliederung-83, 85 Fragestellung-20, 26, 59, 74, 79, 87, 91, 141, 144 Fremdsprache-122 Gendern-122 Generische Maskulinum-124 Gliederung-66, 79, 87, 114, 121, 149, 155 Grafiken-106, 118, 160, 163, 174 Handout-132, 142, 159 Hauptteil-80, 84, 114, 117, 143 Hypothese-20, 73, 117, 171 Inhaltliche Textverarbeitung-103 Inhaltsverzeichnis-81, 84, 114 KI (Künstliche Intelligenz)-64, 99, 106, 125, 170, 172 KI-Tools-64f., 69, 78, 82, 87, 99, 127, 160, 172 Konstruktivistische Denkweise-16 Kritischer Rationalismus-16 Lesestile-102 Literaturrecherche-69, 83, 88, 96, 105, 111, 168 Mindmap-66, 70, 104, 106, 118, 127 Nachbereitung-103, 142 Nervosität-166 Nicht-empirisches Arbeiten-18 Online-Präsentation-136 Open Educational Resources-174 Plagiat-24, 168, 171 Plagiatsprüfung-65f., 173 Planung-30, 47, 102 Positivismus-16 Poster-154, 174 Präsentation-18, 22, 128, 137, 154, 174 Primärliteratur-90 Prokrastination-48, 51, 57 <?page no="196"?> Prompt-64, 100, 124 Qualitätskriterien-17, 24, 172 Quellenangabe-25, 70, 94, 149, 156, 162, 171f. Realistische Denkweise-16 Recherche-20, 28, 69, 81, 88, 91, 94, 103, 108 Referat-132, 136 Relativismus-17 Rhetorik-128, 151 Schluss-114f., 118, 143, 145 Schreibblockade-35, 111, 126 Schreibzentrum-39 Schrift-157, 163 Schriftart-112, 157, 163 Schriftgröße-163 Sekundärliteratur-68, 90 Selbstständigkeitserklärung-115, 173 Solipsismus-16 Stichwortzettel-147 Strukturierung-66, 82, 142 Symbolischer Interaktionismus-17 Tertiärliteratur-90 Themenfindung-59, 63 These-76f. Thesenpapier-142, 154, 159 Titel-76, 84, 114, 156, 161, 163 Transparenz-16, 23, 25, 60, 116, 172 Übersetzung-172 Urheberrecht-164, 168, 174, 177 Vortrag-137, 143, 149, 152 Wahrheit-12, 24 Wissenschaft-11, 15, 21, 128, 170 Wissenschaftliche Methode-18, 26 Zeitmanagement-30, 126, 149 Zeitplanung-30f., 34, 57 Zielgruppe-64, 73, 93, 124, 154 Zitatrecht-170 196 Register <?page no="197"?> Die Welt verändert sich rasant. Im Rahmen des Studiums setzen sich deswegen Studierende und Dozierende kontinuierlich mit neuen Themen auseinander. Die Kurzlehrbücher aus der espresso-Reihe präsentieren genau dafür zahlreiche Lehrinhalte aus der Welt der Wirtschafts-, Geistes- und Naturwissenschaften - didaktisch präzise aufbereitet und mit vertiefendem eLearning-Kurs. Sie vermitteln das Wichtigste und bereiten ideal auf Studium, Vorlesung und Prüfung vor. espresso-Kurzlehrbücher - die konzentrierte Dosis Wissen für Ihren Studienerfolg. 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