Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung
Teil II: Rekonstruktion – Übersetzung (Gal - 2Kor)
0922
2025
978-3-381-12572-2
978-3-381-12571-5
A. Francke Verlag
Markus Vinzent
10.24053/9783381125722
Für die Anfänge des Christentums sind lediglich zwei Sammlungen christlicher Texte bekannt, die als "Neues Testament" bezeichnet wurden - eine vor der Mitte des 2. Jh.s entstandene, die von Markion von Sinope, veranstaltet wurde, und die uns bekannte des später kanonischen Neuen Testaments, die aus der Zeit um Irenäus von Lyon gegen Ende des 2. Jh.s zusammengebracht wurde.
Der griechische Text der 10-Briefe Sammlung des Paulus, die von den Kirchenvätern dem "Neuen Testament" des Markion von Sinope zugeordnet wird, wird hier erstmals rekonstruiert.
In Teil II und III wird der rekonstruierte griechische Text geboten, der parallel zu dem des kanonischen Textes der zehn Briefe gesetzt ist, versehen mit Apparaten zu den altkirchlichen Zeugen und den signifikanten Varianten, ergänzt mit einer kurzen inhaltlichen Kommentierung zu einzelnen Briefabschnitten und einer Vers für Vers bezogenen lexikographischen Analyse.
Teil II umfasst Gal, 1Kor, 2Kor.
9783381125722/9783381125722.pdf
<?page no="0"?> ISBN 978-3-381-12571-5 www.narr.de T A N Z T A N Z T A N Z TEXTE UND ARBEITEN ZUM NEUTESTAMENTLICHEN ZEITALTER Für die Anfänge des Christentums sind lediglich zwei Sammlungen christlicher Texte bekannt, die als „Neues Testament“ bezeichnet wurden - eine vor der Mi e des 2. Jh.s entstandene, die von Markion von Sinope veranstaltet wurde, und die uns bekannte des später kanonischen Neuen Testaments, die aus der Zeit um Irenäus von Lyon gegen Ende des 2. Jh.s zusammengebracht wurde. Der griechische Text der 10-Briefe Sammlung des Paulus, die von den Kirchenvätern dem „Neuen Testament“ des Markion von Sinope zugeordnet wird, wird hier erstmals rekonstruiert. In Teil II und III wird der rekonstruierte griechische Text geboten, der parallel zu dem des kanonischen Textes der zehn Briefe gesetzt ist, versehen mit Apparaten zu den altkirchlichen Zeugen und den signifikanten Varianten, ergänzt mit einer kurzen inhaltlichen Kommentierung zu einzelnen Briefabschni en und einer Vers für Vers bezogenen lexikographischen Analyse. Teil II umfasst Gal, 1Kor, 2Kor. Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil II Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil II: Rekonstruktion - Übersetzung <?page no="1"?> Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung <?page no="2"?> T A N Z TEXTE UND ARBEITEN ZUM NEUTESTAMENTLICHEN ZEITALTER 72/ II herausgegeben von Matthias Klinghardt, Günter Röhser, Stefan Schreiber und Manuel Vogel <?page no="3"?> Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Mit Mark G. Bilby, Jack Bull, K. Lance Lotharp Unter Mitarbeit von Günter Röhser Teil II: Rekonstruktion - Übersetzung (Gal - 2Kor) <?page no="4"?> DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381125722 © 2025 · Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISSN 0939-5199 ISBN 978-3-381-12571-5 (Print) ISBN 978-3-381-12572-2 (ePDF) ISBN 978-3-381-12573-9 (ePub) Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. <?page no="5"?> 9 9 1 11 2 20 3 23 25 0 27 1 28 28 30 30 43 52 70 70 88 103 103 107 121 128 128 146 Inhalt Anhang I -Rekonstruktion: -Der Text der ältesten Sammlung der paulinischen Briefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grundlagen und Kriterien der Rekonstruktion . . . . Hinweise zur Textgestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rekonstruktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Gal) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1-2 3 4 [5]: Anschrift und Gruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,6-9: Der Anlass des Briefes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[10] 11 12-16 17 [↓18-↓19] [20-24]: Die Berufung zum Apostel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,1 (↓1,18-↓19) 2-5 6 [7-8] 9-10: Das Apostelkonzil in Jerusalem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,11-12 13 14 [15] 16 [17] 18 [19-21]: Die Auseinandersetzung mit Petrus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,1 [2-5]: Aufruf an die Galater . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[6-9] 10-14 [15-18]: Der Freikauf vom Fluch des Gesetzes 3,[19-25] 26 [27-29]: Alle sind Söhne des Glaubens . . . . . . . Kapitel 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,[1-2]↓3,15 4,3-6 [7] 8-10 [11-20]: Von Sklaven zu Freien . . 4,21 22-24 ↑*Laod 1,21 [25] 26 [27-30] 31: Sklaverei und Freiheit im Gesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <?page no="6"?> 159 159 175 186 186 2 202 202 202 202 209 212 218 226 232 232 246 246 249 252 267 267 269 280 287 287 300 300 309 318 318 326 Kapitel 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,1 [2] 3 [4-5] 6 [7-8] 9-10 [11-13]: Freiheit oder Knechtschaft 5,14 [15-18] 19-21 [22-23] 24 [25-26]: Das vom Geist geleitete Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6,[1] 2 [3-5] 6-10 [11] 12-14 [15-16] 17 [18]: Einer trage des anderen Last . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1Kor) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1-3: Anschrift und Gruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[4-9]: [Dank an Gott] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[10-17]: [Mahnung zur Einheit] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,18-23 24 25: Das Kreuz Christi, Kraft und Weisheit Gottes 1,[26] 27-29 [30] 31: Wer sich rühme, rühme sich des Herrn Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,1 [2-3] 4 [5] 6-8 [9-15] 16: Die Weisheit Gottes und der Verstand des Herrn waren verborgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[1-4]: [Die Unmündigkeit der Gemeinde] . . . . . . . . . . . . . . 3,[5-9]: [Paulus, der Gründer, und Apollos, sein Nachfolger] 3,10-14 [15] 16-22 [23]: Paulus, der Gründer - ob es Nachfolger gibt, etwa Petrus, erweisen deren Werke . . . . . . Kapitel 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,[1-4]: [Das Urteil über Paulus] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,5 [6-8] 9 [10-13]: Der Herr wird Licht in das Verborgene bringen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,14-15 [16-21]: Gruss an diejenigen, die von Paulus stammen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,1-3 [4] 5 [6] 7-8 [9-10] 11 [12-13]: Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid! . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6,[1-2] 3 [4-11]: Wer soll richten? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6,[12] 13-16 [17] 18-20: Meidet die Unzucht . . . . . . . . . . . . . Kapitel 7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7,1-2 [3-6] 7: Keiner soll eine Frau haben . . . . . . . . . . . . . . . . 7, [8-9] 10-11 [12-16]: Unverheiratete und Verheiratete . . . . 6 Inhalt <?page no="7"?> 332 336 349 349 361 361 385 385 398 412 412 423 438 438 446 459 459 467 467 481 500 500 526 553 553 3 563 563 7,[17-24]: [Lebensstand und Berufung] . . . . . . . . . . . . . . . . . 7,[25-28] 29 [30-38] 39 [40]: Die Zeit ist kurz . . . . . . . . . . . . Kapitel 8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8,[1-3] 4-6 [7-12] 13: Über das Götzen Geopferte . . . . . . . . . Kapitel 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9,[1-6] 7-10 [11-13] 14-15 16 [17] 18 [19] 20 [21] 22 [23-27]: Die Rettung aller . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10,1 [2] 3-7 [8] 9 [10] 11: Die Warnung der Schrift vor Götzendienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10,[12-13] 14 [15-18] 19-20 [21-24] 25 [26-27] 28 [29-30] 31 [32-33]: Meidet das Götzenopfer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 11 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11,[1-2] 3 4 5 [6] 7-10 11-12 [13-16]: Über Nichtverhüllung und Verhüllung des Hauptes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11,[18] 19 [20-22] 23-25 [26-27] 28 29 [30-34]: Über Parteiungen und Bewährung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 12 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12,1 2 [3] 4 [5-7] 8-10 [11]: Der eine Geist und die vielen Gaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12,12 [13] 14 [15-17] 18 19-20 [21-23] 24 [25-26] 27 28 29 [30] 31: Der Leib ist einer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13,1 2-4 [5] 6-7 [8-12] 13: Das Größte ist die Liebe . . . . . . . . Kapitel 14 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14,1-2 3-4 [5] 6-7 [8] 9 [10-14] 15 [16] 17 [18] 19: Statt Zungenrede Prophetie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14,[20] 21 21b-c 22 [23] 24-25 [26-29] 30-31 32-33 [34-40]: Keine Zungenrede, aber die Predigt von Frauen . . . . . . . . . . Kapitel 15 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15,1 [2] 3-4 [5-10] 11-12 [13] 14 [15-20] 21-22 [23] 24 25 26 [27] 28: Über die Auferstehung der Toten? . . . . . . . . . . . . . . . 15,29 [30-34] 35-55 [56] 57 [58]: Verschlungen ist der Tod vom Sieg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [Kapitel 16] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [16],[1-24]: [Die Geldsammlung und Grüße] . . . . . . . . . . . . . (2Kor) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 7 <?page no="8"?> 564 564 571 579 579 585 590 590 609 609 628 628 646 646 654 654 665 665 675 675 683 683 691 691 701 710 710 717 724 724 Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1 2 3 [4-5] 6 [7] 8 [9-11]: Gruß und Trost . . . . . . . . . . . . . . 1,[12-19] 20 [21-24]: Gott ist das Ja zu allem . . . . . . . . . . . . . Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[1-13: ] [Mahnungen] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[14] 15-16 17: Die Kritik des Paulus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[1] 2 3 [4-5] 6-7 [8-10] 11 [12] 13-16 [17] 18: Die neue Thora des Lebens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,[1-3] 4-11 [12] 13a [13b-15] 16 17 18: Der Schatz im zerbrechlichen Gefäß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,1-6 [7] 8 [9] 10 [11-16] 17 [18-21]: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [Kapitel 6] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [6],[1-18]: [Ermahnungen und Selbstempfehlung] . . . . . . . . Kapitel 7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7,1 [2-16]: Aufruf zur Reinigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [Kapitel 8] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [8],[1-24]: [Die Spendenaktion und Titus] . . . . . . . . . . . . . . . [Kapitel 9] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [9],[1-15]: [Aufruf zum großzügigen Spenden] . . . . . . . . . . . [Kapitel 10] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [10],[1-18]: [Der mahnende, strafende, sich durch den Herrn empfehlende Paulus] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 11 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11,[1] 2 [3-12] 13-14 [15]: Reinheit und Transparenz . . . . . . 11,[16-32]: [Prahlen mit Schwachheit] . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 12 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12,[1] 2 [3] 4 [5-6] 7-9: Entrückung und Vollendung der Kraft in der Schwachheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12,[10-21]: [Selbstkritik des Paulus] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13,1-2 [3-7] 8 [9] 10 [11-13]: Schluss - die Aufforderung aus der Ferne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Inhalt <?page no="9"?> Anhang I Rekonstruktion: Der Text der ältesten Sammlung der paulinischen Briefe Einführung <?page no="11"?> 1 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 1: Untersuchung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020); M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020). 2 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien (2015), 454. 3 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855). 4 W.C. van Manen, Marcion’s brief van Paulus aan de Galatiërs (1887). 5 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892). 1 Grundlagen und Kriterien der Rekonstruktion Der vorliegende Band lehnt sich in Struktur und Anlage möglichst eng an den Rekonstruktionsversuch von M. Klinghardt, „Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien“ an. 1 Naturgemäß macht die *10-Briefe-Sammlung einige Besonderheiten in der Rekonstruktion erforderlich, doch beruhen beide Rekonstruktionen auf der gemeinsamen Grundlage, wonach das vorkanonische *Neue Testament, das die Häresiologen mit dem Namen Markions verbinden, Priorität hat gegenüber der kanonischen Sammlung. Zu den Differenzen zwischen dem hier entwickelten Ansatz und dem, der die Grundlage der Rekonstruktion von *Ev bildet, gibt der Einleitungsband weitere Auskünfte. Die hier vorgelegte Rekonstruktion der *10-Briefe-Sammlung baut wie ihre Vorgängerinnen auf den Ergebnissen der früheren Forschung auf, insbesondere auf dem inzwischen gewachsenen Katalog von Kriterien für die Rekonstruktion. Diese sind in hierarchischer Ordnung - wobei im Einzelfall unter Angabe einer Begründung von ihr abgewichen werden muss - die folgenden vier Kriterien: 1. Die Bezeugung durch die altkirchlichen Häresiologen, die in Einleitung § 5 aufgeführt und diskutiert sind, bildet das Hauptkriterium. Allerdings gilt auch, weil, wie ausgeführt, alle Zeugen kritisch zu lesen sind, diese sich in Einzelfällen öfter widersprechen und manchmal nur ergänzen, dass auch dieses Kriterium, wie alle anderen, immer in der Zusammenschau mit allen weiteren Kriterien genommen werden muss. Wie bereits bei Klinghardts Rekonstruktion von *Ev lassen sich erste Erkenntnisse „hinsichtlich des Umfangs, der Akoluthie und der narrativen Struktur“ der Briefsammlung erkennen. 2 Weder folgt die Rekonstruktion einer optimistischen Einschätzung der Hauptzeugen für die Rekonstruktion des Textes - wie wir sie bei den älteren Markioneditoren finden (Hilgenfeld 3 - van Manen 4 - Zahn 5 - Harnack 6 ), noch <?page no="12"?> 6 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924). 7 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012). 8 P.A. Gramaglia, Ed. Marcione e il Vangelo (di Luca) (2017). Auch wenn Gramaglia in manchen Punkten mit Klinghardt übereinstimmt, etwa, dass *Ev älter als Lk ist, so nimmt er doch eine komplexere Struktur der Genese an, indem er Markion von einer anderen Version des Lk abhängig sein lässt, die der Verfasser von Lk in den Jahren 80-90 abgefasst habe. Seine lexikalisch-syntagmatischen Untersuchungen, auf denen seine Hypothese unter Annahme von Q basiert, ist allerdings dadurch eingeschränkt, dass er zu selten Paulus und schon gar nicht *Paulus mit in diese Untersuchungen einbezogen hat, gerade auf diese Schwachstelle wurde bereits hingewiesen, J. Heilmann, Un conf‐ ronto con Matthias Klinghardt - Neues Buch von P. Gramaglia zum „marcionitischen“ Evangelium (2017). 9 C. Gianotto and A. Nicolotti, Il vangelo di Marcione (2019). Es gibt inzwischen auch einen elektronischen Datenset der Rekonstruktion Klinghardts und Nicolottis, M.G. Bilby, Normalized Datasets of Klinghardt’s and Nicolotti’s Reconstructions of Marcion’s Gospel (2021). 10 M.G. Bilby, The First Gospel, the Gospel of the Poor: A New Reconstruction of Q and Resolution of the Synoptic Problem based on Marcion’s Early Luke (2023). 11 „We can have little confidence that his [Tertullian’s] citations of Marcion’s text have any practical text-critical value, despite his stated intention to reproduce his source accurately“, P. Lorenz, A History of Codex Bezae’s Text in the Gospel of Mark (2022), 112. 12 Man vgl. etwa Beckers Fazit zu den Korintherbriefen: „Welche Textgestalt des 1. und 2. Korintherbriefes Marcion edierte und wie er beide Briefe interpretiert, läßt sich aus dem Zeugnis Tertullians mit einiger Sicherheit nur so weit entnehmen, wie Tertullian explizit darauf hinweist“, E.-M. Becker, Marcion und die Korintherbriefe nach Tertullian, Adversus Marcionem V (2002), 109. Diesem kritischen, aber abgewogenen Urteil gegenüber erscheinen die Ausführungen von Lorenz als überspitzt: „In the case of Tertullian, we are faced with almost constant uncertainty as to how much of the transmitted text belongs to Tertullian himself and how much to Marcion’s gospel … There can be little doubt then that Tertullian’s value as a source of Marcion’s text has been grossly overrated, particularly at the level of detail required for text-critical analysis of its underlying readings … neither Roth nor Klinghardt adequately addresses bevorzugen wir den Minimalismus von Schmid, 7 der fast ausschließlich auf Ter‐ tullian und Epiphanius rekurriert (ähnlich für *Ev auch Roth), sondern wägen ab, wie dies auch die neueren Editoren von Markion tun (BeDuhn - Klinghardt - Gramaglia 8 - Nicolotti 9 - Bilby 10 ). Wie Einleitung und Rekonstruktion erweisen, ist auch keine pessimistische Sicht adäquat, die wenig oder kaum Vertrauen in die Zeugen setzt, wonach „diese Zitate von Markions Text keinen praktischen textkritischen Wert besitzen, auch wenn er [Tertullian etwa] ausdrücklich behauptet, seine Quelle präzise wiedergeben zu wollen“ - eine Position, die Lorenz auf den Punkt bringt, 11 auch wenn die selbst kritischen Stimmen in der Vergangenheit erheblich nuancierter waren. 12 12 Einführung <?page no="13"?> the crucial systemic weakness of Tertullian’s testimony, namely, that it exists only in a free version and, hence, can supply us with no direct access to Marcion’s Greek text … It is hard to see then how Tertullian can supply us with any reliable text, given that in Tertullian’s citations we are not dealing with Marcion’s actual readings at all, but with readings inferred from a third, surrogate source pieced together through the Greek apparatus, from witnesses having no well-defined relationship with Marcion’s text“, P. Lorenz, A History of Codex Bezae’s Text in the Gospel of Mark (2022), 112. 115-116. 117. Im Kommentar (jeweils im Abschnitt C.) wird regelmäßig auf die folgenden Werke eingegangen, ohne dass jedesmal mit einer Fußnote auf sie verwiesen wird, um den Kommentar nicht zu überfrachten. Die Angaben sind jedoch leicht zu verfolgen, weil sie in diesen Werken immer in den Bemerkungen zu den entsprechenden Stellen der *10-Paulus-Briefsammlung zu finden sind: • Hilgenfeld, Adolf, „Das Apostolikon Marcion’s“, in: Zeitschrift für die histo‐ rische Theologie 25 (1855), 426-463. • van Manen, W.C., „Marcions brief van Paulus aan de Galatiërs“, in: Theolo‐ gisch Tijdschrift 21 (1887), 405-533. • Zahn, Theodor, Geschichte des neutestamentlichen Kanons, Zweiter Band: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (Erlangen und Leipzig, 1892). • Harnack, Adolf von, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott (Leipzig, 1924), 67*-127* • Schmid, Ulrich, Marcion und sein Apostolos, Arbeiten zur neutestamentli‐ chen Textforschung 25 (Berlin, New York, 2012), I/ 315-/ 344. • BeDuhn, Jason David, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (Salem, 2013). 2. Die handschriftliche Bezeugung der kanonischen Tradition ist das nächste Kri‐ terium. Dabei gilt, dass aus den etwa 800 Handschriften für die 14-Briefe-Samm‐ lung, wie in § 6 gezeigt, insbesondere die bilingualen Zeugen, und zwar 010, 012 stärker als 06 und stärker als die von 06 abhängigen Zeugen 0319 und 0320 zu gewichten sind. Insgesamt stellt die Rekonstruktion der vorkanonischen Sammlung der *10-Briefe-Sammlung die Forschung entgegen der im Kommentar zitierten Meinung Hilgenfelds vor eine größere Herausforderung als etwa die bereits nicht wenig komplexe Rekonstruktion von *Ev. Dies hängt vor allem an der weitaus geringeren Zahl der handschriftlichen Varianten in der kanonischen Tradition, die etwa gerade für M. Klinghardt nicht das erste, aber als ein stark gewichtetes Kriterium für die Rekonstruktion von *Ev galt. Textvarianten in den Handschriftenzeugen bieten wichtige Hinweise für die Differenzierung 1 Grundlagen und Kriterien der Rekonstruktion 13 <?page no="14"?> 13 Vgl. M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 79-94. 14 K. Aland, Der Text des Neuen Testaments. Einführung in die wissenschaftlichen Ausgaben sowie in Theorie und Praxis der modernen Textkritik (1982), 297. 15 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 152*; M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 73. 16 C.S. Stevens, History of the Pauline corpus in texts, transmissions and trajectories. A textual analysis of manuscripts from the second to the fifth century (2020). 17 So ibid. 73, 261. Vgl. A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020). Auf das Thema dieser beiden Schlusskapitel des kanonischen Römerbriefes wird weiter unten näher eingegangen, vgl. xxx. zwischen der vorkanonischen und der kanonischen Textgestalt, 13 weil solche Varianten „die Funktion eines Seismographen [erfüllen], der umso gewaltiger ausschlägt, je gewaltiger das Erdbeben“, wie Kurt Aland es in den Vergleich gebracht hat, wobei er die doppelte Einsicht anschließt: „1. Wird in die Überlieferung des neutestamentlichen Textes gewaltsam eingegriffen, laufen die Lesarten auseinander wie eine Hühnerschar, in die ein Habicht oder auch nur ein Hund einfällt, und 2. hartnäckig hält die Überlieferung des neutestamentlichen Textes fest, was in ihr einmal existiert hat, und sei es auch um den Preis der Produktion von Unsinn.“ 14 Varianten in den Textzeugen spielen also eine gewichtige Rolle bei der Erken‐ nung von redaktionellen Änderungen, die über Verschreibungen hinausgehen. Auch in den Paulusbriefen sind solche nicht inexistent. Auf sie wurde bereits von Harnack hingewiesen, 15 und sie wurden kürzlich auf der Basis der verfügbaren Handschriften zu den paulinischen Briefen aus der Zeit vor dem 6. Jh. zusam‐ mengestellt. 16 Aus dieser Zusammenstellung zeigt sich etwa, dass die letzten Kapitel des Römerbriefes (untersucht wurden von Stevens die Kapitel 14-16 im Vergleich zu 1-13) fast die doppelte Menge an Textabweichungen aufweisen als die ersten dreizehn Kapitel, was Goldmanns Annahme, die Kapitel 15 und 16 seien erst später dem Römerbrief hinzugefügt worden, stützt. 17 Schwierig sind die Fälle, bei denen Textvarianten vom Text, der durch die im Kriterium zuvor beschriebenen Zeugen bezeugt wird, abweichen oder diesem widersprechen. Bereits Klinghardt hat zu Recht wiederholt auf die Grundregel verwiesen, dass in solchen Fällen „die am weitesten vom Mehrheitstext entfernte Fassung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit den ältesten, vorkanonischen Text bietet“. 18 14 Einführung <?page no="15"?> 18 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 615. 19 Vgl. bereits den Hinweis: „… dalle analisi lessicali (a cui però Matthias Klinghardt non ricorre in modo sistematico),“ P. A. Gramaglia, Ed. Marcione e il Vangelo (di Luca) (2017), ix-x. 20 Die Seitenangaben beziehen sich auf M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020). 3. Das Kriterium von Profil und Sprache der *10-Briefe-Sammlung ist gegenüber den früheren Editionen (und auch gegenüber der Rekonstruktion von *Ev durch die Editoren) neu hinzugewonnen, auch wenn es M. Klinghardt bereits in An‐ sätzen bei seiner Rekonstruktion des vorkanonischen Evangeliums verwendet hat und welches Gramaglia besonders betont. 19 Klinghardt waren bereits typische Ausdrücke und Wendungen der kanonischen Redaktion aufgefallen: 20 „ἀναβαίνων“ ist „typisch lk und deswegen der Redaktion verdächtig“. (1079) „Die Formulierung αὐτῇ τῇ ὥρᾳ ist typisch lk“. (1292) „Die Kombination διδάσκειν καὶ εὐαγγελίζεσθαι ist typisch lk“. (1094) „δοξάζειν τὸν θεόν“ ist als „Wendung ‚typisch lk‘“. (1246) „καὶ ἐγένετο“ ist „typisch lk“. (1079) „typisch lk Eingangsphrase ἐγένετο δὲ ἐν + Datierung + A.c.I.“ (604) „Die Formulierung καὶ ἐγένετο ἐν μιᾷ τῶν ἡμερῶν διδάσκοντος … klingt typisch ‚lukanisch‘“. (1093) „Die Ersetzung von ὁ Ἰησοῦς durch auktoriales ὁ κύριος in Lk 11,39 ist eines der typischen Merkmale der lk Redaktion und taucht verschiedentlich auf “. (883) „die komprehensive Verwendung von Ἰουδαία als Bezeichnung des gesamten von Juden bewohnten Landes in Palästina (ist) eine typisch lk Wendung“. (559) „Ein typischer und für die lk Redaktion in hohem Maß aufschlussreicher ‚Lukanismus‘ liegt dagegen in der Bezeichnung Jesus als κύριος durch die Erzählstimme vor“. (663) „absolutes ὁ κύριος; οἱ ἀπόστολοι; προστίθημι“ als „typisch lk Elemente“. (1019) „Der Imperativ ποιεῖτε-… ὁμοίως ist typisch lk“. (640) „σκιρτήσατε“ als „typisch lk“. (629) „tota iudaea et omnis regio“ bzw. „omnis regio“ gilt als „typisch lk Wendung“. (668) „Die Einfügung von εἰς μετάνοιαν in Mt 9,13 und Lk 5,32 ist … eine typische Ergänzung der kanonischen Ausgabe“. (582) „Die Vorstellung, dass die Weisheit als prophetisches Medium dient (das dann eben auch ‚gerechtfertigt‘ werden kann), ist typisch lk und taucht in einem ebenfalls red. Text wieder auf (Lk 11,49)“. (679) 1 Grundlagen und Kriterien der Rekonstruktion 15 <?page no="16"?> Außerdem waren Klinghardt bereits weitere sprachliche Tendenzen der kano‐ nischen Redaktion aufgefallen: Die „Aktualisierung der deuteronomistischen Prophetenmordtradition, wie sie für die lk Redaktion typisch ist-…“ (888) Inkongruenz: Die konsekutive Verwendung von ἔμπροσθεν und ἐνώπιον als „Inkon‐ gruenz-… ein vergleichsweise typisches Phänomen bei der Redaktion“. (900) Redaktionelle „Unachtsamkeit“. (983) „Überladene Formulierung πῶς ἢ τί ἀπολογήσησθε ἢ τί εἴπητε - ein ganz typisches Phänomen bei der redaktionellen Zusammenführung mehrerer Texte“. (902) Wie in § 7 erarbeitet, besitzt die *10-Briefe-Sammlung eine Reihe von charak‐ teristischen Merkmalen, in denen sie sich von den Mehrtexten bzw. Textverän‐ derungen durch die kanonische Redaktion unterscheidet. Wie in § 8 weiter entwickelt, betrifft dieses Profil nicht nur die *10-Briefe-Sammlung, sondern auch *Ev, das in Markions *Neuem Testament stand. Dieses Kritierum ist hilfreich bei der Prüfung der altkirchlichen Häresi‐ ologen, insbesondere dann, wenn diese sich widersprechen bzw. wenn kein Zeugnis eines der altkirchlichen Zeugen zu Versen oder ganzen Passagen vorliegt. Im letzteren Fall, also für unbezeugte Verse, gilt, dass ein oder zwei Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen, aus einer fehlenden Bezeugung, die gewöhnlicherweise zu einem non liquet führen müsste, die Abwesenheit eines Verses wahrscheinlich macht. Liegen drei oder vier solcher Elemente vor, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Abwesenheit eines Verses; liegen mehr als vier Elemente vor, wird man von der Abwesenheit eines Verses ausgehen müssen. Gleichwohl ist auch diese Einschätzung im Kontext einer Passage zu sehen, so dass im seltenen Einzelfall ein Vers, der nur ein oder zwei Elemente ausweist, dennoch als abwesend betrachtet werden kann, wenn er in einen Kontext eingebunden ist, der insgesamt eine hohe Anzahl an ausschließlich kanonischen Elementen aufweist. Solche Verse sind jedoch genau zu prüfen, da Verse, die nur ein oder zwei solcher Elemente aufweisen, durchaus innerhalb einer ansonsten abwesenden Passage gerade solche vorkanonische Verse sein könnten, um die herum die kanonische Redaktion eine Passage gebaut hat. Hier gilt zusätzlich das unter 4. aufgeführte Kriterium der argumentativen, narrativen und grammatischen Kontextualisierung. Wenn der vorkanonisch letztbezeugte und nächstbezeugte Vers eines überbrückenden Verses bedarf oder ein solcher Vers kontextuell sinnvoll erscheint, erhöht sich die Wahrscheinlich‐ keit von dessen Präsenz. Wenn er mit kontextuellen Bezügen gänzlich in die ansonsten als abwesend zu bewertende Passage eingebunden ist, wird auch er 16 Einführung <?page no="17"?> 21 Vgl. M. Vinzent, Concordance to the Precanonical and Canonical New Testament (2023). Da diese Konkordanz auf den älteren Rekonstruktionen aufbaut - auch um die Forschung nicht in einen Zirkel zu führen, wonach eine solche Konkordanz auf meiner hier vorgelegten Rekonstruktion bereits basiert - wird im Appendix zu der vorliegenden Rekonstruktion eine Tabelle angefügt, die Addenda (und Corrigenda) anführt, die sich aus dieser Rekonstruktion nun nahelegen. als abwesend zu beurteilen sein. Für eine Entscheidung hilft dann, was in § 8 als Charakteristika für *Ap und *Ev erarbeitet wurde; außerdem lassen sich solche Verse mit den in §§ 9-11 vorgeführten Charakteristika der kanonischen Redaktion kontrastieren. Um diesem Kriterium gerecht zu werden, wird für den gesamten Text (unbe‐ zeugt und bezeugt) der *10-Briefe-Sammlung das Sprachmaterial möglichst um‐ fangreich untersucht und in einem Kommentarteil zu jedem Vers in Abschnitt D. dokumentiert. Begriffe werden, meist wenn sie erstmals in der Paulussammlung des Markion begegnen, auf der Grundlage der von mir erstellten Konkordanz 21 mit der Anzahl ihres Auftretens geprüft und aufgegliedert nach ihrer Bezeugung für die vorkanonische und kanonische Ebene. Dabei wird insbesondere ein Augenmerk auf die kleinen Worte gerichtet. Sodann werden auch Wortkombi‐ nation auf ihre vorkanonische und kanonische Präsenz gesichtet. Allerdings ist hier eine Vollständigkeit weder sinnvoll noch möglich, da eine solche erst einer computerbasierten Auswertung des rekonstruierten vorkanonischen Textes und seines Vergleichs mit dem kanonischen Text vorbehalten bleiben muss. Gleichwohl, wie die Einleitung zeigt, ist der händisch bearbeitete und zusätzlich computergestützte lexikalische Vergleich bereits höchst aufschlussreich. 4. Das Kriterium der argumentativen, narrativen und grammatischen Kontextuali‐ sierung. Wie in 3. bereits ausgeführt, gilt, dass wir es in der *10-Briefe-Sammlung mit vollständigen Brieftexten zu tun haben, nicht mit Fragmentstücken. Die Briefe hatten eine fortlaufende, argumentativ und narrativ voranschreitende Struktur. Innerhalb der Sammlung waren die zehn Briefe redaktionell zusam‐ mengebunden. Die durch die altkirchlichen Häresiologen bezeugten Stellen sollten darum nicht wie bei einem Schweizer Käse mit Löchern geboten werden, sondern die Rekonstruktion steht vor der Herausforderung, die bereits M. Klinghardt für *Ev und J. BeDuhn für *Ev und *Ap zu meistern versucht haben, einen möglichst sinnvollen Text der Briefe zu bieten, der zugleich eine gewisse Wahrscheinlichkeit auf vorkanonische Präsenz bietet. An den wenigen Stellen, an denen die Bezeugung zu lückenhaft ist, wird auf fehlenden Text mit Auslassungszeichen (…) hingewiesen. Um bei der Rekonstruktion nicht dem Vorwurf Vorschub zu leisten, sie würde einen Text der vorkanonischen paulinischen Briefsammlung erstellen, 1 Grundlagen und Kriterien der Rekonstruktion 17 <?page no="18"?> 22 Vgl. D.T. Roth, The Text of Marcion’s Gospel (2015). Zu Roths Rekonstruktion von *Ev liegt nun ein elektronisches Datenfile vor, M.G. Bilby, Normalized Datasets of Roth’s Reconstruction of Marcion’s Gospel (2021). 23 Vgl. zu solchen, theologisch geleiteten Rekonstruktionsversuchen weiter oben xxx. 24 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 527. der zu einer bereits vorausgesetzten Interpretation passe, und auch, weil die Aufgabe der Rekonstruktion eine genuin philologische und textkritische ist, werden, Roth und Klinghardt bei ihrer Rekonstruktion von *Ev folgend, 22 im Unterschied zu den meisten anderen Rekonstruktionsversuchen keine theologi‐ schen Annahmen, Inhalte oder Urteile bei der Texterstellung Berücksichtigung finden, es sei denn sie sind Teil der narrativen Konsistenz. 23 Schlussbemerkungen: Was für die Rekonstruktion von *Ev gilt, muss auch hier als Einschränkung vorausgeschickt werden. Die Rückgewinnung des Textes aus häresiologischen Referaten lässt keine vollständige und keine genaue Rekonstruktion der Brief‐ sammlung zu: „Dazu sind die Zeugnisse zu lückenhaft und zu widersprüchlich … Obwohl die beiden Hauptzeugen eine beachtliche Zahl an Informationen für eine Rekonstruktion liefern, bleiben Umfang und Genauigkeit einer solchen Rekonstruktion eingeschränkt“, und „obwohl Epiphanius in vielen Fällen genau zitiert, ist sein Zeugnis lückenhaft und auch in den Zitaten seiner Scholienliste nicht immer vollständig, so dass an dieser Stelle Lücken bleiben, deren Umfang jeweils im Einzelfall abzuwägen ist“. 24 Anders als bei der Rekonstruktion von *Ev macht die vorliegende Rekon‐ struktion von *Ap jedoch deutlich, dass die vermuteten Lücken von Text, die die Zeugen stillschweigend übergangen haben, erheblich seltener und im Umfang geringer sind. Hier hilft das neugewonnene Kriterium der Lexik, die grundsätzliche Skepsis am Zeugniswert und Umfang der Überlieferung unserer Zeugen zu verringern. Wie *Ev engstens verwandt ist mit Lk, haben wir bei der Rekonstruktion der Paulusbriefsammlung auch den glücklichen Umstand, dass die Briefe der *10-Briefe-Sammlung und der ihnen entsprechenden der 14-Briefe-Sammlung oft wörtlich parallel sind. Der kanonische Text darf folglich auch bei dieser Konstruktion von *Ap als Basistext dienen, soweit die Rekonstruktionskriterien diesen bestätigen. Auch hier gilt, dass wir von einer direkten Abhängigkeit ausgehen dürfen, 25 und zwar, wie oben in der Einleitung gezeigt, in einer Bearbeitungsrichtung, die von der *10-Briefe-Sammlung zur 14-Briefe-Sammlung führt. Im Unterschied 18 Einführung <?page no="19"?> 25 Vgl. hierzu, was das Markionevangelium und das Lukasevangelium betrifft M. Kling‐ hardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien (2015), 454. zu M. Klinghardts Rekonstruktion, der auch für die unbezeugten Teile von *Ev an vielen Stellen den kanonischen Text zugrundelegt, wird in der vorliegenden Rekonstruktion bei allen unbezeugten Textteilen (wie zur Kontrolle auch bei allen bezeugten) das Kriterium von Profil und Sprache herangezogen und ebenfalls das Kriterium der argumentativen, narrativen und grammatischen Kontextualisierung daraufhin geprüft. Als kanonischer Vergleichstext wird der von SBL, verglichen mit NA 28 , gebotene zugrunde gelegt. Da die Arbeit an einer Editio Critica Maior der paulinischen Briefe noch im Anfang steht, wird bei weiterem Fortschritt auch der kritische Apparat der Rekonstruktion angepasst werden müssen und gewiss die eine oder andere editorische Entscheidung neu zu treffen sein. Nachträge diesbezüglich bleiben einer digitalen Ausgabe der vorliegenden Rekonstruktion vorbehalten. Ergänzend sei noch erwähnt, was M. Klinghardt zu *Ev bereits festgehalten hat, dass die Zielsprache der Rekonstruktion das Griechische ist, wohl die ursprüng‐ liche Sprache, in der die paulinischen Briefe erstverfasst vorlagen, auch wenn die Handschriftenfamilie 06, 012, 0319, 010 von Bilingualen darauf hindeutet, dass wir möglicherweise mit einer frühen, vielleicht gleichzeitigen Ausgabe der *10-Briefe-Sammlung in beiden Sprachen (Griechisch und Latein) zu rechnen haben. Da die Erhellung dieser Möglichkeit jedoch einer eigenen Untersuchung bedürfte und gegebenenfalls eine gesonderte Rekonstruktion des lateinischen Textes zur Folge hätte, beschränkt sich die vorliegende Rekonstruktion auf den griechischen Text, auch wenn der lateinisch schreibende Tertullian uns keinen direkten Zugang zu seiner sehr wahrscheinlich bilingualen Vorlage erlaubt. Die beiden weiteren Hauptzeugen Epiphanius und Adamantius verwenden Griechisch, wobei Adamantius’ Dialog auch in der lateinischen Übersetzung des Rufin vorliegt. Um die unterschiedlichen Grade von Gewissheit und Wahrscheinlichkeit des rekonstruierten Textes anzuzeigen, werden, wie von M. Klinghardt bereits verwendet, diese im Schrifttypus angezeigt, wie gleich näher ausgeführt wird. 1 Grundlagen und Kriterien der Rekonstruktion 19 <?page no="20"?> 2 Hinweise zur Textgestaltung Gemäß der Kriterien gestaltet sich die Anlage des Textes, der sich aus dem direkten Vergleich der *10-Briefe-Sammlung mit dem der parallelen Briefe der 14-Briefe-Sammlung ergibt. Zur besseren Referenzialität werden, wie von M. Klinghardt für *Ev gewählt, die kanonische Verszählung in den Briefen auch für den vorkanonischen Text übernommen, auch wenn viele Verse des kanonischen Textes im vorkanonischen Text nicht begegnen und einige Versumstellungen durch die kanonische Redaktion vorgenommen wurden. Analog zu den durch Perikopen strukturierten Text von *Ev schien es für die Sammlungen der Paulusbriefe ebenfalls sinnvoll, den Text der einzelnen Briefe in Sinnabschnitte zu teilen und den einzelnen Abschnitten in jeweils vier Punkten A-D die Kommentierung hinzuzufügen: Im Abschnitt A werden die biblischen Parallelstellen und die häresiologischen Textzeugen in Originalsprache (bei lateinischen und griechischen Quellen) gegeben. Im Abschnitt B folgen ausgewählte, nennenswerte Textvarianten aus der handschriftlichen Überlieferung. Kriterium für die Auswahl war, dass die Vari‐ anten einen möglichen Aufschluss für die Rekonstruktion des vorkanonischen Textes bzw. für die Reaktion auf diesen durch den kanonischen Text erkennbar machen. Im Abschnitt C werden zunächst die Rekonstruktionsvorschläge und Bemer‐ kungen der früheren Editoren (Hilgenfeld, Zahn, Harnack, Schmid, BeDuhn und ggf. einiger anderer) angeführt. Es folgen gegebenenfalls kurze inhaltliche Kommentare zu den Versen und Hinweise auf die Forschung zu ihnen, soweit sie für die Rekonstruktion des vorkanonischen Textes und dessen Rezeption im kanonischen Text von Bedeutung sind. Eine umfänglichere Beschäftigung mit älteren theologischen und textkritischen Beobachtungen, die sich ausschließlich auf den kanonischen Text beziehen, verbot sich des Umfangs wegen. Im Abschnitt D, der gegenüber der Rekonstruktion von *Ev durch M. Kling‐ hardt neu hinzukommt, wird der lexikalische und semantische Vergleich zu den einzelnen Versen vorgenommen und im Anschluss daran ein Urteil zur Abwesenheit von Versen oder zu deren Rekonstruktion gegeben. In diesem Abschnitt wird man, was die einzelnen Lexeme betrifft, auf die oben genannte Konkordanz zurückgreifen, um die Stellenangaben zu den einzelnen Begriffen nachzulesen. Für Wortformen, Kombinationen und Wen‐ dungen, die in der Konkordanz nicht enthalten sind, werden die entsprechenden Stellenangaben innerhalb des vorkanonischen und kanonischen NT in der Regel beim ersten Auftreten angeführt, an späteren Stellen auf diese Verse verwiesen. Bei Lexemen, die vorkanonisch bezeugt sind, wird für *Ev bei einem <?page no="21"?> 1 Da letztere Zahlen später nachgetragen wurden, empfiehlt es sich, bei der Angabe von nur einer Zahl, die in der Regel Kata Biblon Lexicon of the Greek New Testament ent‐ nommen ist, nochmals einen Blick in die Konkordanz werfen, um die möglicherweise unterschiedliche Zählung zu prüfen. 2 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien (2015), 454. 3 Ibid. 4 Vgl. hierzu die Einleitung. einzigen Auftreten die präzise Stelle angegeben, bei mehrfacher Präsenz eines Begriffes lediglich auf *Ev verwiesen, die entsprechenden Stellen lassen sich der Konkordanz entnehmen. Was die Zählung der Präsenzstellen im kanonischen NT betrifft, so werden diese wie in der Konkordanz gegeben (und zwar zunächst nach Kata Biblon Lexicon of the Greek New Testament, dann nach der Compu‐ terkonkordanz). 1 Was die Textrekonstruktion betrifft, wird das Rekonstruktionsurteil wie in Klinghardts *Ev typographisch visualisiert: „Wörtlich genau gesicherte Pas‐ sagen sind im Text durch Fettdruck und Unterstreichung gekennzeichnet. Bezeugte, aber nicht wörtlich zitierte Passagen oder Lemmata erscheinen im rekonstruierten Text in Fettdruck (aber ohne Unterstreichung).“ 2 Dass dasselbe im Unterschied zu Klinghardts Ausgabe nicht auch für die Tertullianreferate erfolgt, hängt mit der Einsicht zusammen, dass Tertullians Referate nicht nur auf einzelne Lemmata hin gelesen werden sollen, sondern immer auch im Zu‐ sammenhang seiner (Gegen-)argumente, die oft erst Aufschluss zu den Zitaten und Referaten aus der *10-Briefe-Sammlung geben. Es schien auch ratsam, den vorkanonischen und kanonischen Text nicht, wie in Klinghardts Ausgabe von *Ev, übereinanderzulegen und durch Klammern bzw. Petitdruck zu kenn‐ zeichnen, sondern in Parallelkolumnen zu geben, wobei in der linken Kolumne jeweils der vorkanonische, auf der rechten der kanonische Text nach SBL wie‐ dergegeben wird. Wo die Rekonstruktionsentscheidung zu keinem plausiblen Ergebnis führt, wurde der Text ¿kursiv? geboten. „Unbezeugte Passagen, die sehr wahrscheinlich“ in der *10-Briefe-Sammlung „enthalten waren, erscheinen ohne weitere Kennzeichnung in Normaldruck“. 3 Lediglich die Briefe der kanonischen Ausgabe, die für die *10-Briefe-Sammlung nicht bezeugt sind, fehlen in der vorliegenden Edition. Um ein verlässlicheres Ergebnis des Lexikvergleichs zu erzeugen, sind alle Texte des kanonischen Neuen Testaments berücksichtigt, nicht nur die Briefe, die parallel zur *10-Briefe-Sammlung stehen. Auch die weiteren Schriften des kanonischen NT sind hierbei berücksichtigt. 4 In der Rekonstruktion werden die markionitischen Prologe in der lateini‐ schen Sprache angeführt, weil sich bisher ein griechischer Textzeuge für 2 Hinweise zur Textgestaltung 21 <?page no="22"?> dieselben nicht gefunden hat und vielleicht auch nicht existiert hatte. Hier eine künstliche Retroversion anzubieten schien nicht sinnvoll. Es sei noch bemerkt, dass des schnelleren Überblicks wegen die üblicherweise im Deutschen ausgeschriebenen Ordinalzahlen eins bis zwölf im Folgenden als Zahlen 1-12 geschrieben werden. 22 Einführung <?page no="23"?> 1 E. Nestle, B. Aland and K. Aland, Novum Testamentum Graece (2013), 37*-38*. 2 Detailinformationen zu diesen Zeugen in H.A.G. Houghton, C.M. Kreinecker, R.F. MacLachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019), 11-26. 3 Gemäß der Rekonstruktion von H.J. Vogels, Das Corpus Paulinum des Ambrosiaster (1957). 3 Abkürzungen Die Abkürzungen für die Zeugen folgen NA 28 , 1 darüber hinaus werden altlatei‐ nische Lesarten entnommen aus Houghton u.-a., The Principal Pauline Letters, wobei weitgehend deren Siglen Verwendung finden: 2 Ambr = Ambrosiaster 3 - Ambrst a (Amiens, Bibliothèque municipale, 87) in Rom,1/ 2Kor - Ambrst g (Ghent, University Library, 455) in 1/ 2Kor - Ambrst w (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, lat. 743) in Rom - Ambrst z (Florenz, BML, Ashb. 60) in Gal Lesarten, die nur durch diese Hss. bezeugt sind, werden entsprechend vermerkt. - Ambrst var bedeutet, dass mehrere Zeugen die Lesart bieten. - Ambrstr bezieht sich auf die Edition von 1579, die auf einer Hs basiert, die heute verloren ist. Cass = Complexiones CypTes = Cyprian, Ad Quirinum Sp m = Ps.-Aug., Liber de diuinis scripturis 31 = Milan, Biblioteca Ambrosiana, T.27 sup.: Ordo scrutiniorum 32 = Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Weißenburg 76: Lectionarium Guelferbytanus 51 = Stockholm, Kungliga Biblioteket, A.148: Codex Gigas 54 = Paris, Bibliothèque nationale de France, lat. 321: Codex Perpinianensis 58 = Orlando FL, The Scriptorium, VK 799: Codex Wernigerodensis 61 = Dublin, Trinity College,TCD MS 52: Liber Ardmachanus 64 = München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 6436; München, Universitäts‐ bibliothek, 4 o 928 frg.1-2; Göttweig, Stiftsbibliothek, s.n.: Fragmenta Frisingensia 67 = León, Archivo Catedralicio, 15: Palimpsestus Legionensis <?page no="24"?> 75 = Paris, Bibliothèque nationale de France, gr. 107 und 107A: Codex Claromon‐ tanus 76 = St. Petersburg, National Library of Russia, F.v. XX: Codex Sangermanensis 77 = Dresden, Sächsische Landesbibliothek, A.145b: Codex Boernerianus 78 = Cambridge,Trinity College, B.17.1: Codex Augiensis 79 = Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek, Weißenburg 64, fol. 255-256, 277, 280: Codex Carolinus 80 = Heidelberg, Universitätsbibliothek, 1334 83 = Marburg, Hessisches Staatsarchiv, Best. 147: Codex Waldeccensis (pars secunda) 84 = Vatican, Biblioteca Apostolica Vaticana, Reg. lat. 9, fol.2-3 86 = Monza, Biblioteca Capitolare, i-2/ 9 87 = Sélestat, Bibliothèque Humaniste, 1B 88 = Basel, Universitätsbibliothek, B.I.6 89 = Budapest, National Széchényi Library, Cod. Lat. 1 135 = Milan, Biblioteca Ambrosiana, E.26 inf. 251 = Paris, Bibliothèque nationale de France, lat. 9427: Lectionarium Luxoviense 262 = Toledo, Catedral, Biblioteca del Cabildo, 35-5: Liber misticus 271 = Toledo, Catedral, Biblioteca del Cabildo, 35-6: Liber misticus 411 = London, British Library, MS Add. 30851 24 Einführung <?page no="25"?> Rekonstruktion <?page no="27"?> 1 J. Heilmann, Die These einer editio princeps des Neuen Testaments im Spiegel der Forschungsdiskussion der letzten zwei Jahrzehnte (2018), 34-35; W.E. Crum, Short Texts from Coptic Ostraca and Papyri (1921); W.C. Till, Die koptischen Ostraka der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (1960). 0 Titulus ὁ ἀπόστολος - A. Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 1,1,1 (PL 26, 313A, 4-7; CCSL 77A,13): Sciendum quoque in Marcionis apostolo non esse scriptum …; ibid. 1,3,6 (PL 26 352A; CCSL 77A,74): Marcion de suo Apostolo erasit. Epiph., Pan. 42,10,2 (106 H.): ἀποστολικὸν καλούμενον; ibid. 42,10,3 (106 H.): τοῦ ἀποστόλου λέξεις; ibid. 42,10,4 (106 H.): τοῦ ἀποστολικοῦ; ibid. 42,10,5 (106 H.): ὁ ἀπόστολος; ibid. 42,10,7 (107 H.): τοῦ ἀποστολικοῦ; ibid. 42,11,7 (117 H.): ὡς παρ᾽ αὐτῷ τὸ ἀποστολικόν; ibid. (118 H.): ἐν δὲ τῷ ἀποστολικῷ; ibid. 42,12,1 (155 H.): ὡς ἔχει τὸ ἀποστολικόν; ibid. 42,12,3 (182 H.): δὲ ἐν τῷ ἰδίῳ ἀποστολικῷ. Adam., Dial. I 5 (im Mund des Megethius): τῷ σῷ φάλσῳ οὐ πιστεύω ἀποστολικῷ (Rufin: Tuo falso codici non credo); ibid. II 5 (im Mund des Markioniten): τῷ ἐμῷ ἀποστολικῷ πείθομαι (Rufin: Meo codici adquiesco); ibid. (im Mund des Adamantius): ἔχω τὸ ἀποστολικόν σου καὶ ἀναγινώσκω λέγοντος (Rufin: Habeo uestrum codicem et lego ubi dicit apostolus); ibid. II 18 (im Mund des Adamantius): ἄκουε τοῦ ἀποστόλου τοῦ ὑπ᾽ αὐτῶν προκομισθέντος (Rufin: lego apostolum quem ipsi proferunt). Ostracon, Till n. 148 (KO 679; Crum, Short Texts, 41, Nr. 165), der von einem „kleinen Apostolos“ spricht. 1 B. Anstelle von ὁ ἀπόστολος spricht Epiphanius wiederholt auch von τὸ ἀποστολικόν. C. Hilgenfeld spricht vom „Apostolikon“, Zahn ebenfalls (Ἀποστολικόν), so auch Harnack und Beduhn. Schmid hingegen ist der erste Herausgeber, der zum Titel „Apostolos“ wechselt, ohne diesen Wechsel allerdings selbst zu begründen oder Quellen hierfür anzugeben. <?page no="28"?> 1 Vgl. zu den markionitischen Prologen M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 111-131. 2 Die kritische Edition in M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 118. 1 (Gal) Titulus und Vorwort Der Titel ist gut bezeugt, der Prolog entstammt den sogenannten markioniti‐ schen Prologen. 1 1 Πρὸς Γαλάτας - Galatae sunt Graeci. hi verbum veritatis primum ab apostolo acceperunt, sed post discessum eius temptati sunt a falsis apostolis, ut in legem et circumcisionem verterentur. hos apostolus revocat ad fidem veritatis scribens eis ab Epheso. - A. *Titel: Tert., Adv. Marc. V 2, praef.: De epistula ad Galatas; V 2,1: Principalem adversus Iudaismum epistulam nos quoque confitemur quae Galatas docet, und ibid. IV 3,2: Marcion nactus epistulam Pauli ad Galatas; vgl. Epiph., Pan. 42,9,4 (105 H.): πρώτη μὲν πρὸς Γαλάτας; ibid. 42,12,1 (155 H.): ἀπὸ τῆς πρὸς Γαλάτας ἐπιστολῆς· αὕτη παρ’ αὐτῷ [scil. Μαρκίωνι] πρώτη κεῖται; ibid. 42,12,3 (173 H.): Τῆς πρὸς Κορινθίους β· αὕτη δὲ τρίτη κεῖται παρὰ τῷ Μαρκίωνι μετηλλαγμένως δὲ διὰ τὸ πρώτην παρ’ αὐτῷ τετάχθαι τὴν πρὸς Γαλάτας. Prolog: vgl. die kritische Edition. 2 B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. C. 1. Den Titel bieten Zahn und Harnack, letzterer mit Verweis auf Epiphanius und Tertullian. Die Adressaten und der Titulus gehen auch hervor aus dem zitierten markionitischen Prolog. Der Titel ist bei Schmid unerwähnt. 2. Der Prolog weist textkritisch keine großen Probleme auf. Anstelle von fidem schreibt E 2 viam, was vermutlich eine Verschreibung darstellt, weil via nur hier in den Prologen begegnen würde, während die fides wiederholt in den Prologen begegnet (fidem veram et evangelicam, Prol*1Kor in W; evangelicam fidem, Prol*Röm; in fide Prol*1Thess; fidem evangelicam Prol*Laod; auditam fidem Prol*Kol, add in D; in fide Prol*Phil). In den beiden Handschriften F und R wird Titus als Schreiber genannt. <?page no="29"?> 3 Vgl. Einleitung I 538-539. a. Die Prologe zu den Briefen (mit Ausnahme derer, die für Zweitbriefe, also *2Kor und *2Thess verfasst sind), folgen i.W. derselben Struktur. Sie bieten zunächst wie dieser hier zu *Gal die Angabe der ethnisch-geographischen Zugehörigkeit, hier Graeci, „Griechen“, während etwa die Korinther als Achäer bezeichnet werden, die Römer als solche, die „in den Regionen Italias“ (in partibus Italiae) leben usw. Die Prologe geben folglich die Gegend an, in welchen die Adressaten leben. Nächst beschreiben sie, wie die Adressaten in Kontakt mit dem „Wort der Wahrheit“ (verbum veritatis) (so auch Prol*1Kor; Prol*1Thess; Prol*Phil), dem „wahren evangelischen Glauben“ (ad veram evangelicam fidem, Prol*Röm; fidem evangelicam, Prol*Laod) oder dem Wort (verbum, Prol*Kol) gekommen waren. Dann geben sie Grund und Ziel des Briefes an und am Ende nennen sie den Ort, von welchem aus der Brief geschrieben worden ist, hier „von Ephesus“ (ab Epheso). b. Das „Wort der Wahrheit“, das die Galater „durch den Apostel“ erhalten haben, wird kontrastiert mit deren Hinkehr „zum Gesetz und zur Beschneidung“, die auf deren „Verführung durch falsche Apostel“ zurückgeführt wird, nachdem der Apostel sie verlassen hatte. Ziel des Briefes sei ein „Zurückrufen zum Glauben der Wahrheit“. Die gleich doppelte Nennung der „Wahrheit“ entspricht der hohen Bedeutung, die die ἀλήθεια auf der vorkanonischen Ebene besitzt, sie begegnet zwei Mal vorkanonisch in den sieben Briefen des *Paulus, noch 6 weitere Male in den *Deuteropaulinen (*Gal 2,14; *Laod 1,13; 6,14; *Phil 1,18; *Kol 1,5; *2Thess 2,10. 11. 12) und über 100 Mal auf der kanonischen Ebene. Wie diese Zahlen andeuten, war ein bereits vorkanonisch bedeutender Begriff, offenkundig für die kanonische Ebene von noch größerer Bedeutung, die sich bereits in den drei *Deuteropaulinen spiegelt, welche deren Nähe zur kanonischen Ebene unterstreicht. Die kanonische Redaktion hat den Begriff dann auch vermehrt noch bei ihrer Überarbeitung der *Deuteropaulinen in die kanonische Fassung insbesondere von *Laod zu Eph eingetragen (Eph 1,13; 4,21. 24. 25; 5,9; 6,14; Kol 1,5. 6), während 2Thess dieselbe Häufigkeit des Begriffes wie vorkanonisch aufweist. Zwei Mal wird vorkanonisch von der „Wahrheit des Evangeliums“ gesprochen (*Gal 2,14; *Kol 1,5). Auch das „Wort der Wahrheit“, das im Prolog begegnet, findet sich vorkanonisch in *Laod 1,13. Dass „Wahrheit“ vorkanonisch sich mit Ausnahme von *Laod 6,14, einem Vers, der der kanonischen Ebene nähersteht, jeweils auf das Evangelium bezieht, wird in der Einleitung behandelt. 3 Auch der Begriff „Pseudoapostel“ (falsus apostolos, ψευδαπόστολος) begegnet vorkanonisch, und zwar in *2Kor 11,13 und wird auch kanonisch nur im Paral‐ 1 (Gal) 29 <?page no="30"?> lelvers, aber sonst nicht mehr gebraucht. Der verwandte Begriff ψευδάδελφος findet sich ebenfalls vorkanonisch, und zwar in *Gal 2,4, worauf der Prolog wohl anspielt, denn weiter unten an dieser Stelle heißt es: „4 … der falschen Brüder, jenen Eindringlingen, die sich eingeschlichen hatten, um die Freiheit, die wir in Christus haben, auszuspähen, damit wir versklavt würden. 5 Wir haben uns auch nicht einen Augenblick unterworfen, damit die Wahrheit des Evangeliums bewahrt bliebe.“ (*Gal 2,4-5) Der Prolog greift demnach eine zentrale Stelle des Briefes auf, die im Prol*Röm noch nachklingt (ad veram evangelicam fidem, Prolog Röm). Damit scheinen die Pseudoapostel mit den Falschbrüdern gleichgesetzt zu werden, zumal es gerade um Gesetz und Beschneidung geht, die im Brief später thema‐ tisiert werden (zum Gesetz, νόμος: *Gal 2,16; 3,10-11; 4,5; 5,3. 14; 6,2. 13; zum Beschnittensein vgl. *Gal 6,13). c. Woher die Absenderangabe „von Ephesus“ stammt, erschließt sich nicht. Sie kehrt wieder im Prol*1Kor, findet sich als Ortsangabe jedoch vorkanonisch sonst nicht. Kapitel 1 1,1-2 3 4 [5]: Anschrift und Gruß Was Anschrift und Gruß betrifft, ist lediglich erstere vorkanonisch bezeugt, wenn auch in verkürzter Fassung, während auch mit einer Kurzfassung des Grußes vorkanonisch zu rechnen ist. Aufgrund des Zeugnisses des Hieronymus ist auch mit der kurzen theologischen Erläuterung im ersten Teil von Vers 4 zu rechnen. Die Doxologie scheint hingegen gefehlt zu haben. 1,1-Παῦλος ἀπόστολος, οὐκ ἀπ’ ἀνθρώπων οὐδὲ δι’ ἀνθρώπου ἀλλὰ διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ ἐγείραντος αὑτὸν ἐκ νεκρῶν, 1,1-Παῦλος ἀπόστολος, οὐκ ἀπ’ ἀνθρώπων οὐδὲ δι’ ἀνθρώπου ἀλλὰ διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ καὶ θεοῦ πατρὸς τοῦ ἐγείραντος αὐτὸν ἐκ νεκρῶν, 2- τοῖς ἐν Γαλατίαις· 2 καὶ οἱ σὺν ἐμοὶ πάντες ἀδελφοί, ταῖς ἐκκλησίαις τῆς Γαλατίας· 3 χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς καὶ κυρίου Ἰησοῦ, 3 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ, 4 τοῦ δόντος ἑαυτὸν ὑπὲρ τῶν ἁμαρτιῶν ἡμῶν ὅπως ἐξέληται ἡμᾶς ἐκ τοῦ αἰῶνος τοῦ ἐνεστῶτος πονηροῦ. 4 τοῦ δόντος ἑαυτὸν ὑπὲρ τῶν ἁμαρτιῶν ἡμῶν ὅπως ἐξέληται ἡμᾶς ἐκ τοῦ αἰῶνος τοῦ ἐνεστῶτος πονηροῦ κατὰ τὸ θέλημα τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς ἡμῶν, 5 ᾧ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων· ἀμήν. 30 Rekonstruktion <?page no="31"?> 4 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 439. A. *1,1-2: Tert., Adv. Marc. V 1,3: Ipse se, inquit, apostolum est professus, et quidem non ab hominibus nec per hominem, sed per Iesum Christum; ibid. V 1,6: Inde apostolum ostendo persecutorem, non ab hominibus neque per hominem. Vgl. auch Vgl. ibid. V 5, praef. 1: De epistula ad Corinthios prima. [1] Praestructio superioris epistulae ita duxit, ut de titulo eius non retractaverim, certus et alibi retractari eum posse, communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 1,1,1 (PL 26, 313A, 4-7; CCSL 77A,13): Sciendum quoque in Marcionis apostolo non esse scriptum „et per deum patrem“ volentis exponere, Christum non a deo patre, sed per semetipsum suscitatum, ut est illud „Solvite templum hoc, et ego in triduo suscitabo illud“ ( Joh 2,19) necnon et alibi „Nemo tollit animan meam a me“ ( Joh 10,18), sed ego pono eam a meipso. Potestatem habeo ponendi eam et rursum potestatem habeo sumendi illam. So auch NA 28 . ♦ *1,1: Vgl. Tert., Adv. Prax. 28,6 (CCSL 2,1201): Sic et Paulus ubique deum patrem ponit et dominum nostrum Iesum Christum. … Cum ad Galatas, non ab hominibus se apostolum praefert nec per hominem sed per Iesum Christum et deum patrem. ♦ *1,3: Auch wenn Tertullian kein wörtliches Zitat bietet, vermerkt er doch zu Beginn seines Kommentars zu *1Kor in Adv. Marc. V 5,1: Praestructio superioris epistulae ita duxit, ut de titulo eius non retractaverim, certus et alibi retractari eum posse, communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. Quod non utique salutem praescribit eis quibus scribit, sed gratiam et pacem; ibid.: Euangelizator enim bonorum, id est gratiae dei, pacem quam praeferendam sciebat. Haec cum a deo patre nostro et domino Iesu annuntians. Demnach spiegelt die Eröffnung von *Gal den auch sonst zu findenden Briefgruß der Paulusbriefe, allerdings bezeugt Tertullian nicht das „für Euch“ (ὑμῖν), auch wenn es BeDuhn aufführt. ♦ *1,4: Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 1,1,4-5 (CCSL 77A,15): Qui dedit semetipsum pro peccatis nostris, ut eriperet nos de praesenti saeculo malo… Quaeritur quomodo praesens saeculum malum dictum sit; solent quippe haeretici hinc capere occasiones ut alium lucis et futuri saeculi, alium tenebrarum et praesentis adserant conditorem. Vgl. auch Tert., De cult. fem. II 6,4 (SC 17,120): Bene properatis ad dominum! Bene festinatis excedere de isto iniquissimo saeculo quibus ad finem appropinquare deforme est. B. (1,1) αὑτόν: Wie schon Hilgenfeld richtig sah, konnte das ΑΥΤΟΝ schlicht als αὐτόν oder reflexiv αὑτόν gelesen werden. 4 Die Selbstauferweckung Jesu ist keine „unsinnige Lesart“ des Hieronymus, wie BeDuhn meint, sondern auch anderwärts im zweiten Jahrhundert belegt, etwa in den Ignatianen, vgl. IgnSm 1-2; PolPhil 2; Noët of Smyrna, in Hippol., Ref. IX 10,12; auch Ps.-Hippol., C. Noët. 3,2; Mart. Petri 2. Darum braucht man auch nicht, wie T. Baarda, 1 (Gal) 31 <?page no="32"?> 5 T. Baarda, Marcion’s Text of Gal. 1: 1 (1988). 6 J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 162. 7 J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 243. 8 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 443. Hieronymus’ Position zu bestreiten. 5 Doch auch Clabeaux folgt Hieronymus nicht. 6 Jüngst ist allerdings auch Lieu dafür eingetreten, Hieronymus ernst zu nehmen. 7 Dass dennoch vorkanonisch auch die Position vertreten wird, dass Gott Jesus erweckt hat, widerspricht dieser Position nicht aufgrund des Gottesbegriffs, der Gott und Christus eng zusammen hält, vgl. zur Aufweckung Jesu durch Gott etwa *1Kor 6,14; *Röm 8,11; *Laod 1,20. ♦ (1,3) ἡμῶν: Die Stellung des ἡμῶν vor Ἰησοῦ findet sich in P 46 , P 51vid , 03, 06, 010, 012, 015, 018, 020, 104, 630, 1175, 1505, 1739,1881, M, vg, sy, sa, bo mss , και κυριου 0278, vg mss , während die umgekehrte Ordnung enthalten ist in 01, 02, 025, 044, 33, 81, 326, 365, 1241, 2464, ar, b, Ambst. In den Zeugen 1877, al vg mss ist ἡμῶν ausgefallen. Die Varianz könnte möglicherweise darauf zurückzuführen sein, dass im vorkanonischen Text das Personalpronomen gar nicht stand, zumal es häufig an Stellen im vorkanonischen Text fehlt, wo es die kanonische Redaktion nachgetragen hat (man achte auf die langen Listen der Konkordanz, wo das Personalpronomen in Serie in Textstellen erscheint, die in *Ev oder *Paulus fehlen; hierzu passt etwa auch der Befund von ἡμέτερος, das 8 Mal im NT steht, etwa Röm 15,4, in einem Vers, der in *Paulus fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene begegnet in Apg 2,11; 24,6; 26,5; Röm 15,4; 2Tim 4,15; Tit 3,14; 1Joh 1,3; 2,2; die Diskrepanz zwischen der vorkanonischen und der kanonischen Version mit Blick auf die Personalpronomen wäre eine eigene Untersuchung wert; wegen der Häufigkeit des Begriffes ἡμεῖς, wird nur an dieser Stelle ausführlich auf ihn verwiesen). ♦ (1,4) ὑπέρ: Diese von NA 28 gewählte Lesart bieten die Zeugen P 51 , 01 1 , 03, 015, 0278, 6, 33, 81, 326, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 2464, jedoch steht περι in den Zeugen P 46 , 01*, 02, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 104, 1739, 1881, M, (g). C. Hilgenfeld ist überaus optimistisch, was die Rekonstruktion von Markions Version des Galaterbriefs angeht (diesem Optimismus sind wir im Einleitungs‐ band bereits bei von Soden begegnet, und zwar nicht nur in Bezug auf den Galaterbrief, sondern überhaupt auf den *Apostolos): „Bei dem Galaterbrief ist die directe Bezeugung so reichlich und die Polemik der Gegner so einge‐ hend, daß wir hier mit voller Sicherheit bestimmen können, was vorhanden, verändert oder gestrichen war“. 8 Die anderen Editoren sind zurückhaltender als Hilgenfeld. Harnack verweist noch auf den „gefälschten Laodizenerbrief “ (nicht 32 Rekonstruktion <?page no="33"?> 9 Der „gefälschte Laodizenerbrief “ wird nach Harnack, der die Rezension von Lightfoot nutzt, zitiert: A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Mono‐ graphie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 137*-138*, 137*. 10 E.S. Lodovici, Sull’ interpretazione di alcuni testi della Lettera ai Galati in Marcione e in Tertulliano (1972), 375-377. 11 Van Manens Text zum Galaterbrief: W.C. van Manen, Marcion’s brief van Paulus aan de Galatiërs (1887), 528-533. 12 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 1-5. 13 G. Quispel, Marcion and the Text of the New Testament (1998), 352. 14 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003). zu verwechseln mit *Laod! ), auch wenn dieser, wie wir sehen werden, selten Zeugniswert besitzt. in Vers 1 dieses Laodizenerbriefs liest man: Paulus apostolus non ab hominibus neque per hominem, sed per Iesum Christum, fratribus. 9 Vgl. Tert., Adv. Prax. 28,6-8: Sic et Paulus ubique Deum Patrem ponit et dominum nostrum Iesum Christum. Cum ad Romanos scribit, gratias agit Deo per Dominum nostrum Iesum Christum. Cum ad Galatas non ab hominibus se apostolum praefert nec per hominem sed per Iesum Christum et Deum Patrem. Et habes totum instrumentum eius, quae in hunc modum pronuntiant et duos proponunt: Deum Patrem et Dominum nostrum Iesum Christum … Auf diese Zitiergewohnheit hat auch Lodovici verwiesen und darum die ältere Position von Hilgenfeld und Harnack bestätigt. 10 1. (1,1) Hilgenfeld, ihm folgend van Manen, 11 Zahn und später Schmid und BeDuhn, optiert für die oben angegebene Eröffnung von Gal ohne καὶ θεοῦ πατρός. 12 Dieser Ausdruck ist bei Tertullian unerwähnt und wird von Hieronymus ausdrücklich als abwesend bezeugt. Quispel hält die Angabe des Hieronymus für „eine sehr vertrauenswürdige Tradition“ („this is a very trustworthy tradition“). 13 Für die nächste Passage aus Vers 1 vgl. auch das oben von Hieronymus Zitierte, worauf auch Hilgenfeld ver‐ weist (wenn er auch αὐτὸν statt αὑτὸν für den markionitischen Text annimmt), insbesondere, wenn man Tertullians Zitiergewohnheit hinzunimmt. 14 Das τοῦ ἐγείραντος αὑτὸν ἐκ νεκρῶν gilt für Schmid jedoch als unbezeugt. Zur Diskussion des Apostelseins als Selbststilisierung des *Paulus vgl. auch Tert., Adv. Marc. V 12,9 zu *2Kor 13,2. Schließlich ist auch zu diesem Brief der Kommentar zu beachten, den Ter‐ tullian zum Ersten Korintherbrief gibt, wie oben zitiert. Seiner Meinung nach waren die verschiedenen Brieferöffnungen relativ einheitlich, so dass er nur zum Ersten Korintherbrief diese näher kommentiert - warum er diese Angabe nicht zum Galaterbrief bereits hier gemacht hat, hängt wohl mit den Abweichungen 1 (Gal) 33 <?page no="34"?> 15 Zum kanonischen Briefformular des Paulus, vgl. mit weiterführenden Literatur K.M. Schmidt, Ein Anklang wohnt dem Anfang inne. Die relative Datierung neutestament‐ licher Pseudepigraphen im Lichte eines dynamisch veränderten Briefformulars (2021). 16 H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 5. 17 H. Lietzmann, An die Korinther I, II (1949), 4. 18 M. Munson, Biblical Semantics. Applying Digital Methods for Semantic Information Extraction to Current Problems in New Testament Studies (2017), 92. zusammen, die sich im Galaterbrief gegenüber den weiteren Briefen finden. 15 Die übrigen Briefe scheinen demnach in der Brieferöffnung einander noch ähnlicher gewesen zu sein. 2. (1,2) Dieser Vers gilt nach Zahn und Schmid als unbezeugt. Harnack rechnet mit seiner Anwesenheit, wenn auch die sprachliche Fassung nicht zu bestimmen sei. Van Manen gibt als Text den kanonischen. Der unbezeugte Passus καὶ οἱ σὺν ἐμοὶ πάντες ἀδελφοί scheint auf die kanonische Redaktion zurückzugehen, da Paulus - wie die Hinzufügungen von Timotheus in den Grußadressen der Briefe (2Kor; Phil; 1Thess; 2Thess; Kol; Phlm) zeigt - auf der kanonischen Ebene selten als Alleinabsender figu‐ riert. Im Text der kanonischen Redaktion steht „der Apostel … hier mit allen zusammen“. 16 Im Gegensatz dazu agiert *Paulus vorkanonisch immer allein. Problematisch ist, ob ταῖς ἐκκλησίαις in der Eröffnung vorhanden war. Kein Zeuge erwähnt den Ausdruck. Lietzmann hat auf den Sprachgebrauch der Apg verwiesen und hält die auf der LXX gegründete Benutzung von ἐκκλησία als Name für die eigene christliche Versammlung im Gegensatz zur jüdischen συναγωγή für einen Ausdruck des Anspruchs, „das wahre Israel zu sein“. 17 Dieser Anspruch erinnert an die Position Justins des Märtyrers aus der zweiten Hälfte des zweiten Jh. Präzisiert wurde die Semantik von ἐκκλησία durch M. Munson. Er stützt frühere Forschungspositionen, die auf die Nähe des neutes‐ tamentlichen Gebrauchs von ἐκκλησία zu dem von Philo von Alexandrien hingewiesen hatten, vor allem die mit diesem Begriff verbundenen Inhalte wie „Einschluss“ und „Ausschluss“. Außerdem besäße der Begriff einen Bezug zu jüdischen Festversammlungen. Dann aber ergab seine computergestützte semantische Analyse, dass Philo „Opfer und Tempel“ hervorhebt, „d.h. Dinge, die den Mitgliedern der jüdischen ἐκκλησία zu tun erlaubt seien, weil sie bereits Mitglieder sind, während das Neue Testament auf den Exodus orientiert sei, das Ereignis, das das Volk Israel erst schuf. Demnach seien beide an jüdischen Festen interessiert, Philo, weil der Exodus Mitgliedschaft bestärkt, das Neue Testament hingegen, weil es Mitgliedschaft ermöglicht“. 18 Trotz dieses Unterschieds sei die semantische Nähe zu Philo so stark, dass man auch den Terminus nicht anders als bei Philo übersetzen sollte, also eher mit „Versammlung“ und nicht 34 Rekonstruktion <?page no="35"?> 19 Vgl. sein ausführliches Kapitel 1.7 „Determining the Best Parameters“, in ibid. 22-47. mit „Kirche“. An dieser Stelle kann nicht der semantische Ansatz von Munson in adäquater Weise dargestellt und diskutiert werden. Allerdings stellt er heraus, wie bedeutend die Parameter sind, auf deren Basis die linguistischen Erhebungen getätigt werden. 19 Betrachten wir die vorkanonische Semantik, sticht ins Auge, dass der Begriff, der immerhin 120/ 114 Mal im kanonischen Neuen Testament steht, vorkanonisch in den sieben *Briefen nur ein einziges Mal begegnet und dort tatsächlich die versammelte „Gemeinde“ beschreibt (*1Kor 14,19), in der *Paulus lehrend etwas vorträgt. Eine andere Semantik bieten die beiden *Deuteropaulinen *Laod und *Kol, in denen der Terminus gleich fünf Mal begegnet. Schon die Häufigkeit, in der der Begriff in ihnen steht, verweist diese *Deuteropaulinen in die Nähe des kanonischen Sprachgebrauchs. Dem Inhalt nach verweist der Begriff allerdings nicht auf die versammelte Gemeinde. In *Laod 3,8-10 erläutert *Paulus den Sendungsauftrag, zunächst seinen eigenen, dann denjenigen der Kirche gegenüber „den Hoheiten und Herrschaften des himmlischen Bereichs“, denen „durch die Kirche die vielfältige Weisheit Gottes bekannt werden“ soll (*Laod 3,10). Hier den Begriff mit „Versammlung“ zu übersetzen, wäre unpassend. Es lässt sich auch kein Bezug zu einem der jüdischen Feste, weder zu Opfer, Tempel noch Exodus feststellen. An der nächsten Stelle, an der der Begriff begegnet, geht es um die interne Hierarchie, nämlich darum, dass sich die „22 Frauen-… den Männern unter[ordnen]“ sollen, „23 denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist“ (*Laod 5,22-23). Im nächsten Satz heißt es: „25 Wie auch Christus die Kirche geliebt hat, 28 sollen auch die Männer ihre Frauen lieben. Wer seine Frau liebt, liebt sein eigenes Fleisch. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und zieht es auf, wie auch Christus die Kirche“ (*Laod 5,25. 28-29). Sodann deutet *Paulus die Beziehung zwischen Mann und Frau „auf Christus und die Kirche“ (*Laod 5,32). In keinem dieser Verse gibt es einen Bezug, der für die Nähe zu Philo spricht, sondern es geht um die christliche Institution und ihre innere Struktur, weshalb die Übersetzung „Kirche“ gerechtfertigt ist. In *Kol 1,24 lesen wir: „Ich erfülle am Fleisch, was noch fehlt von den Bedrängnissen Christi für seinen Leib, der die Kirche ist“. Wie in *Laod geht es auch an dieser Stelle nicht um eine gemeindliche Versammlung, sondern um das Instrument der „Kirche“. Hieraus lässt sich ablesen: 1 (Gal) 35 <?page no="36"?> 20 W. Dittenberger, Sylloge inscriptionum Graecarum Suppl. Orientis Graeci inscriptiones selectae (1903), II 304 (n. 608). 1. Vorkanonisch spielt in den sieben *Briefen ἐκκλησία fast keine Rolle - es steht an einer einzigen Stelle für die Gemeindeversammlung. 2. In deutlichem Unterschied zu diesem Befund begegnet der Terminus in ähnlicher Häufigkeit wie auf der kanonischen Ebene in den beiden *Deuteropaulinen. Hier wird man den Begriff mit „Kirche“ wiederzugeben haben, weil es in ihnen nicht um die gemeindliche Versammlung geht. Wie in der Einleitung öfters herausgearbeitet wurde, erweisen sich die drei *Deuteropaulinen in mancherlei Hinsicht der kanonischen Ebene näher als der vorkanonischen. 3. Diese Nähe zur kanonischen Ebene erweist sich auch im Inhalt mit der Herausstellung der Unterordnung der Frau unter den Mann, welche in starkem Kontrast zum vorkanonischen Verständnis von *1Kor 14,22b-c steht. 4. Aus der Berücksichtigung der drei *Deuteropaulinen mit ihrer Semantik und ihren Inhalten und den daraus sich ergebenden Spannungen inner‐ halb der *10-Briefe-Sammlung gewinnen wir einen Hinweis darauf, dass der Redakteur der vorkanonischen Sammlung einen erheblichen Respekt gegenüber seinen Quellen besaß und trotz aller sprachlichen Überarbei‐ tung offenkundig bereit war, semantische und inhaltliche Differenzen und Inkonsistenzen in Kauf zu nehmen und die Texte nicht völlig zu harmonisieren. Nimmt man den im zweiten Jahrhundert schreibenden Theoph., Ad Autol. II 14 hinzu, liest man: τὰς συναγωγὰς λεγομένας ἐκκλησίας. Diese Erläuterung von Synagogen, „die Kirchen genannt werden“, deutet darauf hin, dass die jüdische Institution mit einem Begriff gleichgesetzt wird, der hierfür noch nicht allgemeinbekannt oder zumindest in dieser Gleichsetzung noch nicht selbstver‐ ständlich war. Auch in Hermas, Mand. XI 9. 13. 14 liest man noch von einer συναγωγή und so auch in Jak 2,2. Über die Ebioniten schreibt Epiph., Pan. 30 (Holl 357): συναγωγὴν δὲ καλοῦσι τὴν ἑαυτῶν ἐκκλησίαν καὶ οὐχὶ ἐκκλησίαν. Für Markioniten ist die Bezeichnung συναγωγή für den Kultraum in Deir Ali, das ehemalige Lebaba im südlichen Syrien, belegt: Συναγωγὴ Μαρκιωνιστῶν κώμ(ης) Λεβάβων τοῦ κ(υρίο)υ καὶ σ(ωτῆ)ρ(ος) Ἰη(σοῦ) Χρηστοῦ, προνοίᾳ Παύλου πρεσβ(υτέρου) τοῦ λχ΄ ἔτους. 20 Aus all dem legt sich nahe, dass der vorkanonisch unbezeugte Terminus ἐκκλησία an vorliegender Stelle in Vers 2 erst von der kanonischen Redaktion in den Text eingetragen wurde. 36 Rekonstruktion <?page no="37"?> 21 Vgl. M. Meiser, Galater (2007), 14. 22 H. Lietzmann, Einführung in die Textgeschichte der Paulusbriefe. An die Römer (1933), 22. 23 Mit näherer Begründung H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 5-8. 24 Vgl. F. Bovon, Une formule prépaulinienne dans l’épître aux Galates (Ga 1, 4-5) (1978). 25 C. Breytenbach, The Septuagint Version of Isaiah 53 and the Early Christian Formula ‚He Was Delivered for Our Trespasses‘ (2009). 26 H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 8. 3. (1,3) Nach Zahn und Schmid gilt der Vers als unbezeugt. Nach Harnack fehlte er nicht, auch wenn seine Textgestalt nicht bezeugt ist. Van Manen gibt: χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς καὶ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ. BeDuhn lässt das Χριστοῦ aus. Wie Tertullians Kommentar zu *1Kor 1,1 lehrt, wird man nicht nur dort, sondern auch hier mit dem Gnaden- und Friedensgruß vorkanonisch rechnen dürfen, weil Tertullian von der Gleichtönigkeit der *paulinischen Brieferöffnungen spricht und für *1Kor diesen hier unbezeugten Gruß bezeugt. Zur Aufnahme dieses Verses in den späteren Laodizenerbrief (2) vgl. man Meiser. 21 Nach Lietzmann soll die Verwendung des Begriffes χάρις in der Grußformel eine „Neuschöpfung“ des Paulus sein, während εἰρήνη „bereits vereinzelt auf jüdisch-griechischem Gebiet“ dem hebräischen Schalom nachgebildet sei. 22 4. (1,4-5) Van Manen hält die beiden Verse für abwesend, während Zahn und Harnack sie vorhanden sehen, ohne dass sich ihre sprachliche Gestalt bestimmen ließe. Schmid und BeDuhn sehen sie als unbezeugt, Detering hält lediglich 1,5 für abwesend. 23 Bovon bezeichnet Gal 1,4-5 als eine vorpaulinische Passage. 24 Zur weiteren Erklärung von Gal 1,4-5 wurde schließlich auch Röm 4,25a (ὃς παρεδόθη διὰ τὰ παραπτώματα ἡμῶν) und Röm 8,32 (ὅς γε τοῦ ἰδίου υἱοῦ οὐκ ἐφείσατο, ἀλλὰ ὑπὲρ ἡμῶν πάντων παρέδωκεν αὐτόν) herangezogen. 25 Diese beiden Verse aus dem Römerbrief sind jedoch nur für die kanonische Version bezeugt. Hier zu den Versen im Einzelnen: 5. (1,4) Harnack hält Gal 1,4 für vorhanden. Das τοῦ δόντος ἑαυτὸν hat „eine sprachliche und sachliche Parallele“ in 1Tim 2,6 (ὁ δοὺς ἑαυτὸν ἀντίλυτρον ὑπὲρ πάντων) und Tit 2,14 (ὃς ἔδωκεν ἑαυτὸν ὑπὲρ ἡμῶν). 26 Es fällt auf, dass weiter unten in Gal 2,20b (παραδόντος ἑαυτὸν ὑπὲρ ἐμοῦ) für *Gal unbezeugt ist. Auf die kanonisch-redaktionelle Stufe verweisen die in der vorkanonischen Sammlung unbezeugten Stellen Röm 4,25a (ὃς παρεδόθη διὰ τὰ παραπτώματα ἡμῶν) und 8,32 (ὑπὲρ ἡμῶν πάντων παρέδωκεν αὐτόν), ebenso Eph 5,2. 25 (παρέδωκεν ἑαυτὸν ὑπὲρ ἡμῶν; ἑαυτὸν παρέδωκεν ὑπὲρ αὐτῆς). Die hier angesprochene Vorstellung von der Hingebung wegen unserer Sünden lässt 1 (Gal) 37 <?page no="38"?> 27 Vgl. M. Meiser, Galater (2007), 14. 28 F. Bovon, Une formule prépaulinienne dans l’épître aux Galates (Ga 1, 4-5) (1978), 97-105. 29 H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 2-3. 30 Vgl. hierzu mit weiterer Lit. A. Sand, ἄνθρωπος (2011). sich zurückführen auf Jes 53,6. 12 (κύριος παρέδωκεν αὐτὸν ταῖς ἁμαρτίαις ἡμῶν; διὰ τὰς ἁμαρτίας αὐτῶν παρεδόθη). Auch der Gedanke von „der gegen‐ wärtigen, bösen Welt“ wurde von der kanonischen Redaktion aufgegriffen, wobei das ἐνεστῶτα in Röm 8,38 mit Eph 5,16 (αἱ ἡμέραι πονηραί εἰσιν), aber auch mit ( * ) 1Kor 3,22 (εἴτε κόσμος εἴτε ζωὴ εἴτε θάνατος εἴτε ἐνεστῶτα εἴτε μέλλοντα) korrespondiert, also bereits vorkanonisch bezeugt ist. Hier gilt es zu entscheiden, welches Gewicht man Hieronymus als Zeugen gibt. Nachdem dieser unmittelbar zuvor (Zeile 13) ausdrücklich auf „Markions Apostolos“ zu sprechen kommt und diesen Text mit dem kanonischen vergleicht und er auch, was diesen Vers hier betrifft, auf die „Häretiker“ verweist, spricht viel dafür, dass er uns auch an dieser Stelle Kenntnis vom vorkanonischen Textbestand gibt. Auf die Nähe von Gal 1,4 zum sog. Freer-Logion hat man bereits verwiesen. 27 6. (1,5) Was diesen Vers betrifft, der von niemandem vorkanonisch bezeugt wird, sind wir auf die Lexik angewiesen. Die aber spricht deutlich für eine Abwesenheit des Verses vom vorkanonischen Text. Bovon meint, dass sich in der Doxologie nichts spezifisch Christliches zeige, er sieht sie verbunden mit einer apokalyptisch-jüdischen Tradition. 28 D. (1,1) Παῦλος steht 174 / 158 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier, *Gal 1,1 und noch für *1Kor 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1, d. h. nur für die Brieferöffnungen mit Ausnahme von *1Kor 3,22 - alle anderen Erwähnungen finden sich lediglich auf der kanonischen Ebene. Hieraus lässt sich bereits auf ein Merkmal der kanonischen Redaktion schließen, die Paulus sehr viel häufiger von sich reden lässt und auch seine Person oft emphatisch in den Vordergrund stellt, wie noch weiter zu sehen sein wird. ♦ ἀπόστολος steht 83 / 80 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 17; *Laod 2,20. An der vorliegenden Stelle unterstreicht er den Gedanken der „Autorisation“. 29 ♦ ἀπό steht 711 / 646 Mal im NT, vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene in Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9, während der Begriff oft in Serie steht auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄνθρωπος steht 588 / 551 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt insbesondere in *Ev in der Wendung ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου (*Ev 5,24; 6,5. 22; 9,18. 22. 27. 44; 12,10. 40; 17,22. 24; 19,10; 21,27; 22,69; 24,7). 30 ♦ οὐδέ steht 161 / 144 Mal 38 Rekonstruktion <?page no="39"?> im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ διά ist noch häufiger im NT zu finden und steht 692 / 668 Mal darin, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,1. 4. 16; 3,14; 4,23; 5,6; *1Kor 1,21; 4,15; 9,10; 10,1; 11,10; 12,8; 14,19; 15,21; *2Kor 4,5; 5,10; *Röm 2,12. 16. 24; 3,22; 5,21; 7,4. 7. 11; 8,10; *2Thess 2,11; *Laod 2,16; 3,10; 4,6; *Kol 1,20. 22; *Phil 1,15; 3,8. 9, wobei auffällt, dass der Begriff immer wieder gerade in solchen Versen begegnet, die für die vorkanonische Ebene nicht bezeugt sind. ♦ Ἰησοῦς steht 1080 / 919 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 1,3; *2Kor 1,3; 4,5; *Röm 5,21. Obwohl vorkanonisch bezeugt, findet sich der Name relativ selten auf der vorkanonischen Ebene; dagegen ist der Name auf der kanonischen Ebene immer wieder gerade in den Versen zu finden, die in der vorkanonischen Fassung fehlen oder für sie unbezeugt sind. ♦ Χριστός steht 672 / 531 Mal im NT und ist, anders als Jesus, deutlich stärker vorkanonisch bezeugt, nämlich für *Ev und *Gal 1,1; 2,4; 3,13; 5,1. 6. 24; 6,2; *1Kor 1,1. 23; 3,11; 5,7; 6,15; 10,4. 9; 11,3; 12,12; 15,12. 22; *2Kor 1,3; 4,5. 6; 5,10. 17; 11,2; *Röm 2,16; 5,6. 21; 7,4; 8,11; 10,4; 14,10; *1Thess 4,16; 5,23; *Laod 1,10. 12. 17. 20; 2,10. 12. 13. 20; 5,14. 23. 29. 32; *Kol 1,24; 2,17; *Phil 1,17. 18; 3,7. 8. ♦ Die Kombination ἀλλὰ διά steht 7 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,12. ♦ Die Kombination διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 5,21. ♦ θεός steht 1424 / 1318 Mal im NT und ist sehr häufig vorkanonisch bezeugt. Es fällt aber auch hier auf, wie gerade die kanonische Redaktion den Begriff multipliziert und er insbesondere in den Versen Verwendung findet, die in der vorkanonischen Fassung abwesend oder für diese unbezeugt sind. ♦ πατήρ im Singular steht 297 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Wendung θεοῦ πατρός steht 18 Mal im NT (Röm 1,7; 1Kor, 1,3; 2Kor 1,2; Gal 1,1. 3; Eph 1,2; 6,23; Phil 1,2; 2,11; Kol 1,2; 2Thess 1,2; 1Tim 1,2; 2Tim 1,2; Tit 1,4; Phlm 1,3; 1Petr 1,2; 2Petr 1,17; 2Joh 1,3), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,3. ♦ ἐγείρω steht 169 / 144 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ αὐτόν steht 841 Mal im NT, ist vorkanonisch gut bezeugt, auch wenn die vielen Stellen auffallen, in denen es in solchen Versen oder Versteilen steht, die in der vorkanonischen Version fehlen. ♦ Zur Variante (ἑ)αυτοῦ: Dieses Pronomen steht 361 Mal im NT und ist vorkanonisch gut bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ Der Ausdruck τοῦ ἐγείραντος steht 3 Mal im NT (Röm 8,11; Gal 1,1; Kol 2,12), vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle hier. ♦ Die weitere Wendung τοῦ ἐγείραντος αὐτὸν ἐκ νεκρῶν steht noch 1 weiteres Mal im NT, Kol 2,12. ♦ νεκρός steht 138 / 128 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 2,1; 5,14. ♦ Die Wendung ἐκ νεκρῶν steht 44 Mal im NT (Mt 17,9; 4 Mal Mk; Lk 9,7; 16,31; 20,35; 24,46; 6 Mal Joh; 7 Mal Apg; Röm 4,24; 6,4. 9. 13; 7,4; 8,11; 10,7. 9; 11,15; 1Kor 15,12. 20; Gal 1,1; Eph 1,20; Phil 3,11; Kol 1 (Gal) 39 <?page no="40"?> 31 Vgl. zu *Ev 8,21 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kano‐ nischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 1391. 2,12; 2Tim 2,8; Hebr 11,19; 13,20; 1Petr 1,3. 21), in Lk 24,46, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,31; 20,35; *Röm 7,4; 8,11; *Laod 1,20. Zur Rekonstruktion: Aus dem Vergleich von Lexik und Bezeugung lässt sich entnehmen, dass die bezeugten Teile gut vorkanonisch bezeugt sind, und die Wendung ἐκ νεκρῶν wird wohl vorkanonisch gestanden sein. Hier muss man sich auf die Textzeugen der Tradition, Tertullian und Hieronymus, stützen, wie in Abschnitt C. diskutiert. (1,2) σύν steht 136 Mal im NT, und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ Die Kombination οἱ σὺν ἐμοὶ ἀδελφοί begegnet nur wieder auf der kanonischen Ebene, Phil 4,21. ♦ πάντες steht 172 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. Nun fällt nicht nur auf, dass der Begriff in erheblichem Maß gerade in solchen Versen begegnet, die für die vorkanonische Ebene fehlen, er wird zwar vorkanonisch seltener eingesetzt, ist darum jedoch argumentativ gewichtiger auf der vorkanonischen als er es auf der kanonischen Ebene ist. Auf letzterer wirkt er (wie andere Formen von πᾶς auch) eher als emphatischer Ausdruck. Dass er trotz der relativ geringen Bezeugung in *Ev und in den von der Forschung für genuin gehaltenen (vorkanonischen) *Briefen des *Paulus deutlich in *Laod und *2Thess bezeugt ist, verweist auf die Sonderstellung dieser beiden Briefe innerhalb der *10-Briefe-Sammlung, vgl. hierzu die Einleitung. ♦ ἀδελφός oder ἀδελφοί, die 367 / 343 Mal im NT stehen, sind sehr beliebt auf der kanonischen Ebene, bereits auffallend seltener in *Ev als in Lk 31 und ähnlich spärlich in *Paulus, nur bezeugt für *Gal 4,31; *1Kor 8,13; 10,1; 15,1; 15,50. Sie sind auffallenderweise auch selten in Mk mit Ausnahme von Mk 1,19; 3,17; 5,37. ♦ ἐκκλησία, das 120 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt in *1Kor 14,19; *Laod 3,10; 5,23. 29. 32; *Kol 1,24, wobei auffällt, dass der Begriff folglich nur ein einziges Mal bezeugt ist für einen Brief, der von der modernen Wissenschaft dem Paulus zugeschrieben wird. ♦ Γαλάται steht 4 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. Nachdem, worauf mich Mark Bilby in einer Email vom 17.5.23 aufmerksam gemacht hat, alle Ortsnamen und Empfänger bei *Paulus im Dativ stehen, während die kanonische Redaktion den Genitiv bevorzugt, wird man auch hier eher von einem Dativ ausgehen dürfen. Zur Rekonstruktion: Den Zeugen zufolge scheint vorkanonisch lediglich Ga‐ latien erwähnt zu sein. Wie in C. dargelegt, wird der Terminus „Kirchen“ vorkanonisch gefehlt haben. Ebenfalls scheint der unbezeugte Passus καὶ οἱ 40 Rekonstruktion <?page no="41"?> 32 Vgl. C. Breytenbach, „Charis“ and „eleos“ in Paul’s Letter to the Romans (2009). 33 F. Bovon, Une formule prépaulinienne dans l’épître aux Galates (Ga 1, 4-5) (1978), 94. σὺν ἐμοὶ πάντες ἀδελφοί auf die kanonische Redaktion zurückzugehen, da Paulus - wie die Hinzufügungen von Timotheus in den Grußadressen der Briefe (2Kor; Phil; 1Thess; 2Thess; Kol; Phlm) zeigt - auf der kanonischen Ebene öfter Mitabsender erhält, außerdem begegnet das οἱ σὺν ἐμοὶ πάντες ἀδελφοί 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene. (1,3) χάρις steht 171 / 156 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *1Kor 15,57; *Röm 5,21; *Laod 3,8. Zu seinem Gehalt vgl. Breytenbach. 32 ♦ ὑμῖν steht 559 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,21; *1Kor 3,16; 15,1. Auch bei diesem Pronomen fällt die Häufigkeit auf, in welcher es gerade in Versen begegnet, die in der vorkanonischen Version fehlen oder die unbezeugt sind, außerdem fehlt es an einigen Stellen in den vorkanonischen Parallelversen, was zeigt, dass das adressierende Pronomen der für die kanonische Redaktion typischen Emphase wegen an verschiedenen Stellen in den Text eingetragen wurde. ♦ εἰρήνη findet sich 98 / 92 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ Das im kanonischen Text stehende Personalpronomen 1. Pers. Pl. ἡμεῖς findet sich 830 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. Zur Rekonstruktion: Wie sich aus der Bezeugung Tertullians zu 1Kor ergibt, wird man wohl mit dem oben rekonstruierten Text zu rechnen haben. Hiergegen spricht auch nicht die Lexik, wenn auch deutlich ist, wie sehr die Begrifflichkeit auch auf der kanonischen Ebene von Bedeutung ist. (1,4) δίδωμι steht 471 / 415 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Kor 12,8; 15,57; *Laod 3,8. ♦ Die Form δόντος steht 3 Mal im NT (2Kor 5,18; Gal 1,4; 2,20 als Variante), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Zu bemerken ist auch, dass die Formulierung von der Selbsthingabe wieder begegnet in 2Kor 8,5 (ἑαυτοὺς ἔδωκαν), dort auf der kanonischen Ebene. Bovon verweist darauf, 33 dass in den Pastoralbriefen der Gedanke von Christi Selbsthingabe begegnet (1Tim 2,6: ὁ δοὺς ἑαυτὸν ἀντίλυτρον ὑπὲρ πάντων; Tit 2,14: ὃς ἔδωκεν ἑαυτὸν ὑπὲρ ἡμῶν ἵνα λυτρώσηται ἡμᾶς ἀπὸ πάσης ἀνομίας), Verse, die auf die kanonische Ebene verweisen. ♦ ὑπέρ steht 172 / 150 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,28. 40; *Gal 3,13; *1Kor 15,29; *Röm 5,6; *Kol 1,24. ♦ Die Variante περί steht 354 / 333 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27; 17,2; *1Kor 8,1; 12,1, sie war folglich keine beliebte Konjunktion der vorkanonischen Ebene, wie auch die vielen Verse belegen, in denen die kanonische Redaktion diese Konjunktion besitzt, die aber in der vorkanonischen Ebene nicht vorhanden sind. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 1 (Gal) 41 <?page no="42"?> 34 So ibid. 35 Ibid. 92. 36 Ibid. 93. 14,23; *2Thess 2,3. ♦ Die Wendung ὑπὲρ τῶν ἁμαρτιῶν ἡμῶν steht 1 weiteres Mal im NT, 1Kor 15,3, dort noch ergänzt mit κατὰ τὰς γραφάς, auch wenn Bovon recht zu haben scheint, dass der Ausdruck deutlich macht, dass an dieser Stelle auf eine ältere Formulierung verwiesen wird. 34 ♦ ὅπως, das 58 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,4; *1Kor 1,29. ♦ ἐξαιρέω steht 11 / 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier, ansonsten vor allem präsent in der Apostelgeschichte, und Bovon sieht recht, dass Paulus dieses Wort an keiner weiteren Stelle gebraucht. 35 ♦ αἰών, das 146 / 122 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 7. 8; 10,11; *2Kor 4,4; *Laod 2,2; 3,9. ♦ ἐνίστημι steht 9 / 7 Mal im NT, auf die Nähe zu der vorkanonischen Stelle *1Kor 3,22 wurde bereits hingewiesen. ♦ πονηρός, das 81 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Kol 1,21. Der Gedanke begegnet wieder auf der kanonischen Ebene in Eph 5,16 (ἐξαγοραζόμενοι τὸν καιρόν, ὅτι αἱ ἡμέραι πονηραί εἰσιν). ♦ Gerade die sich anschließende, nicht mehr vorkanonisch bezeugte Formulierung (κατὰ τὸ θέλημα τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς ἡμῶν) hat Bovon an eine Verbindung mit der liturgischen Sprache des Epheserbriefes erinnern lassen (Eph 1,5. 9. 11: κατὰ τὴν εὐδοκίαν τοῦ θελήματος αὐτοῦ … 9 … τὸ μυστήριον τοῦ θελήματος αὐτοῦ, κατὰ τὴν εὐδοκίαν αὐτοῦ … 11 … κατὰ τὴν βουλὴν τοῦ θελήματος αὐτοῦ). 36 ♦ κατά steht 510 / 476 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,11; 4,23; *Röm 2,2. 16; 5,6; 10,2; *Laod 1,9; 2,2; *Kol 2,8. 22. Bei diesem Wörtchen fällt nicht nur die geringe Zahl der vorkanonischen Bezeugungen auf. Viel gewichtiger ist die Häufigkeit, in der der Begriff gerade in Versen und Versteilen begegnet, die in *Ev fehlen. Es wäre eine eigene Studie wert, die Benutzung und Nichtbenutzung des Begriffes in Paulus zu untersuchen, denn diese würde erweisen, dass der Begriff auch dort zum typischen Gebrauch der kanonischen Redaktion gehört. ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht und ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist, der etwa in *Ev nicht begegnet, jedoch zwei Mal für *Paulus bezeugt ist (*1Thess 4,3; *Laod 1,9). ♦ Zu πατήρ vgl. zuvor zu den Versen 1 und 3. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Hieronymus, wobei auffällt, dass gerade der unbezeugte Teil auch eine Lexik aufweist, die für die Abwesenheit dieses Teils spricht (πονηρός, κατά, θέλημα). (1,5) εἰς steht 1870 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ Die vorkanonisch unbezeugte Doxologie ᾧ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων: ἀμήν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Gal 1,5; 2Tim 4,18; Hebr 13,21). Sie verweist auch auf weitere Formulierungen der kanonischen Redaktion, etwa Röm 11,36 (αὐτῷ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας: ἀμήν), Phil 4,20 (τῷ δὲ θεῷ καὶ πατρὶ ἡμῶν ἡ 42 Rekonstruktion <?page no="43"?> δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων: ἀμήν), Eph 3,21 (αὐτῷ ἡ δόξα ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ καὶ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ εἰς πάσας τὰς γενεὰς τοῦ αἰῶνος τῶν αἰώνων: ἀμήν) und 1Tim 1,17 (τῷ δὲ βασιλεῖ τῶν αἰώνων, ἀφθάρτῳ, ἀοράτῳ, μόνῳ θεῷ, τιμὴ καὶ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων: ἀμήν), allesamt unbezeugt für *Paulus. ♦ ἀμήν, obwohl es 175 / 130 Mal im NT belegt ist, findet es sich vorkanonisch nur bezeugt für *2Kor 1,20, und an dieser Stelle dient das Wort nicht als Formel, wie an einer Fülle von Stellen auf der kanonischen Ebene deutlich wird, sondern als Nomen τὸ Ἀμήν, das ausdrücklich zusammengestellt wird mit τὸ Ναί. Obwohl es auch als Nomen in 1Kor 14,16 benutzt wird, gilt es doch an dieser Stelle als Schlussformel. Der Begriff steht etwa im gleichen Maß in den kanonischen Evangelien wie beim kanonischen Paulus, was die Differenz zur vorkanonischen Bezeugung noch verdeutlicht. Zur Abwesenheit: Der Vers ist vorkanonisch unbezeugt, und, wie gerade die Doxologie ausweist (ᾧ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων: ἀμήν), gestützt durch den vorkanonisch und kanonisch unterschiedlichen Gebrauch von ἀμήν, ein Produkt der kanonischen Redaktion. Der Vers hat vorkanonisch gefehlt. 1,6-9: Der Anlass des Briefes Trotz einiger Differenzen stimmt die Darstellung des Anlasses des Briefes mit der kanonischen Version weithin überein. Lediglich der Anfang und das Ende werden durch die kanonische Redaktion deutlich erweitert. 6-Θαυμάζω ὅτι ταχέως μετατίθεσθε εἰς ἕτερον εὐαγγέλιον, 6 Θαυμάζω ὅτι οὕτως ταχέως μετατίθεσθε ἀπὸ τοῦ καλέσαντος ὑμᾶς ἐν χάριτι Χριστοῦ εἰς ἕτερον εὐαγγέλιον, 7-ὃ πάντως οὐκ ἔστιν ἄλλο κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου, εἰ μή τινές εἰσιν οἱ ταράσσοντες ὑμᾶς καὶ θέλοντες μεταστρέψαι εἰς ἕτερον εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ. 7 ὃ οὐκ ἔστιν ἄλλο· εἰ μή τινές εἰσιν οἱ ταράσσοντες ὑμᾶς καὶ θέλοντες μεταστρέψαι τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ. 8 ἀλλὰ καὶ ἐὰν ἄγγελος ἐξ οὐρανοῦ ἄλλως εὐαγγελίσηται, 8 ἀλλὰ καὶ ἐὰν ἡμεῖς ἢ ἄγγελος ἐξ οὐρανοῦ εὐαγγελίζηται ὑμῖν παρ’ ὃ εὐαγγελισάμεθα ὑμῖν, ἀνάθεμα ἔστω. 9καὶ εἴ τις ὑμᾶς εὐαγγελίζεται παρ’ ὃ εὐαγγελισάμεθα ὑμῖν ἀνάθεμα ἔστω. 9 ὡς προειρήκαμεν, καὶ ἄρτι πάλιν λέγω, εἴ τις ὑμᾶς εὐαγγελίζεται παρ’ ὃ παρελάβετε, ἀνάθεμα ἔστω. A. *1,6: Tert., Adv. Marc. V 2,4: Miror vos tam cito transferri ab eo qui vos vocavit in gratiam ad aliud evangelium; ibid. V 2,5: ut uiderentur sic ad aliud euangelium 1 (Gal) 43 <?page no="44"?> transferri; I 20,4: qui uellent galatas ad aliud euangelium transferre; id., De praescr. 27,3 (SC 46,124): Miror quod sic tam cito transferimini ab eo qui uos uocauit in gratia, ad aliud euangelium; Adam., Dial. I 6 (im Mund des Megethius): Miror quod sic tam cito transferimini in aliud evangelium (nur Rufin im Mund des Megethius). Schmid, der versehentlich auf Tert., Adv. Marc. V 1,4 verweist und Adam. nicht gelten lässt, führt diesen Vers nicht auf als Bestand von *Gal an. ♦ *1,7: Tert., Adv. Marc. V 2,5: Nam et adiciens quod aliud evangelium omnino non esset, creatoris confirmat id quod esse defendit … est autem evangelium etiam dei novi, quod vis tunc ab apostolo defensum; iam ergo duo sunt evangelia apud duos deos, et mentitus erit apostolus dicens quod aliud omnino non est, cum sit et aliud, cum sic suum evangelium defendere potuisset, ut potius demonstraret, non ut unum determinaret; ibid., I 20,4: qui uellent galatas ad aliud euangelium transferre; ibid., IV 3,2: simul et accusantis pseudapostolos quosdam pervertentes euangelium Christi; ibid., IV 4,5: etiam si angelus Marcion, citius anathema dicendus quam euangelizator quia aliter euangelizavit. Adam., Dial. I 6 (im Mund des Megethius): οὐκ ἔστιν ἄλλο κατὰ τὸ εὐαγγέλιον μοῦ, εἰ μή τινές εἰσιν οἱ ταράσσοντες ὑμᾶς καὶ θέλοντες μεταστρέψαι εἰς ἕτερον εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ (Rufin: quod non est aliud nisi sunt qui vos conturbant et volunt pervertere euangelium Christi). In Rufins Übersetzung des Dialogs fehlt das κατὰ τὸ εὐαγγέλιον μοῦ. Vgl. Orig., Comm in Ioh. V (104 Preuschen): Ἔτι προσθήσω εἰς τὴν τούτου ἀπόδειξιν ῥητὸν ἀποστολικὸν μὴ νενοημένον ὑπὸ τῶν Μαρκίωνος καὶ διὰ τοῦτο ἀθετούντων τὰ εὐαγγέλια· τῷ γὰρ τὸν ἀπόστολον λέγειν· Κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ καὶ μὴ φάσκειν εὐαγγέλια ἐκεῖνοι ἐφιστάντες φασίν, οὐκ ἂν πλειόνων ὄντων εὐαγγελίων, τὸν ἀπόστολον ἑνικῶς τὸ εὐαγγέλιον εἰρηκέναι, οὐ συνιέντες ὅτι, ὡς εἷς ἐστιν ὃν εὐαγγελίζονται πλείονες, οὕτως ἕν ἐστι τῇ δυνάμει τὸ ὑπὸ τῶν πολλῶν εὐαγγέλιον ἀναγεγραμμένον καὶ τὸ ἀληθῶς διὰ τεσσάρων ἕν ἐστιν εὐαγγέλιον. ♦ *1,8: Tert., Adv. Marc. V 2,5-6: Licet angelus de caelo aliter evangelizaverit, anathema sit … Sed et si nos aut angelus de caelo aliter evangelizaverit; ibid., IV 4,5: etiam si angelus Marcion, citius anathema dicendus quam euangelizator quia aliter euangelizavit; id., De praescr. 6,5 (SC 46,95): Itaque etiamsi angelus de caelis aliter euangelizaret, anathema diceretur a nobis; ibid., 29,7 (SC 46, 126): Et si angelus de caelo aliter euangelizaverit citra quam nos, anathema sit; vgl. id., De carn. 6,2 (SC 216,234): Etiam si angelus de caelis aliter euangelizaverit vobis quam nos euangelizavimus, anathema sit; ibid., 24,2 (SC 216,306): Aeque, etiamsi angelus de caelis aliter euangelizaverit vobis quam nos, anathema sit. Adam., Dial. I 6 (im Mund des Adamantius): ἀλλὰ κἂν ἡμεῖς ἢ ἄγγελος ἐξ οὐρανοῦ εὐαγγελίσηται ὑμῖν παρ’ ὃ εὐηγγελισάμεθα ὑμῖν (Rufin: Sed et si nos inquit aut angelus de coelo euangelizaverit vobis praeterquam quod euangelizavimus vobis anathema sit), und zuvor Megethius an dieser Stelle: 44 Rekonstruktion <?page no="45"?> 37 Die Zahlensiglen der altlateinischen Tradition folgen H.A.G. Houghton, C.M. Kreine‐ cker, R.F. MacLachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019). Die Namensiglen folgen NA 28 . 38 Vgl. G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 60-61. 39 Vgl. zu weiteren Variationen H.A.G. Houghton, C.M. Kreinecker, R.F. MacLachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019), 392. εἴ τις ὑμᾶς εὐαγγελίσεται παρ’ ὃ εὐαγγελισάμεθα ὑμῖν, ἀνάθεμα ἔστω (Rufin: Si vobis quis aliter evangelizaverit, anathema sit). Adam., Dial. I 6 (im Mund des Megethius): εἴ τις ὑμᾶς εὐαγγελίσεται παρ’ ὃ εὐαγγελισάμεθα ὑμῖν ἀνάθεμα ἔστω (Rufin: Si vobis quis aliter euangelizaverit anathema sit). ♦ *1,9: Tert., Adv. Marc. V 2,6: Ceterum si nec ipse aliter evangelizaturus, utique nec angelus. Adam., Dial. I 6 (im Mund des Megethius): εἴ τις ὑμᾶς εὐαγγελίσεται παρ’ ὃ εὐαγγελισάμεθα ὑμῖν ἀνάθεμα ἔστω (Rufin: Si vobis quis aliter euangelizaverit anathema sit). B. (1,6) οὕτως om 010, 012 und die altlateinische Tradition: 77, Ambst var . 37 ♦ ἀπὸ τοῦ καλέσαντος ὑμᾶς ἐν χάριτι Χριστοῦ om Adam ♦ Χριστοῦ om P 46vid , 010*, 012, 015 vid , ar, b, auch die altlateinische Tradition: 61, 77, 89, Cyp, Lcf, MVict, Ephr, Ambst, Pel, Ἰησοῦ Χριστοῦ bieten 06, 326, 1241 c , pc sy h** , Χριστοῦ Ἰησοῦ schreiben Sah Hier, θεοῦ bieten Orig lat , Thdt, 7, 327, 336, Χριστοῦ bieten 01, 02, 03, vg, sy, bo und die meisten Hss. 38 ♦ (1,7) κατὰ τὸ εὐαγγέλιον μοῦ bieten Tert, Adam, om NA 28 ohne Varianten im App. Harnack ergänzt noch: (ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ? ). ♦ (1,8) ἄλλως wird von Schmid ausgelassen, fügt dann in Klammern hinzu ὑμῖν παρ’ ὃ εὐαγγελισάμεθα ὑμῖν. ♦ εὐαγγελίσηται: Die verschiedene Zeitstufe ist auffallend. Die bei Tertullian und Adamantius bezeugte Form des konj. Aorist ist auch in 01*, b, g, Tert und Lcf bezeugt. Die Zeugen P 51vid , 03, 010, 012, 016, 044, ar bieten εὐαγγελίζηται, die Zeugen 018 024, 0278, 365, 614, 1505, 1881, 2464 pm haben εὐαγγελίζεται. Tertullian und Adamantius scheinen die ursprüngliche Lesart zu geben, so auch NA 28 . ♦ Die Auslassung von ὑμῖν bieten 01*, 12, 61, b, g, Tert., De praescr. 6,29 (allerdings präsent in Tert., De carne 6,2; 24,2), Cypr., Lucif., Ambst. 39 ♦ (1,8) Anstelle von παρελάβετε bietet P 51 ein ἐλάβετε. C. Alle Verse dieses Abschnittes sind gut bezeugt, wenn auch in leicht verschie‐ dener Form gegenüber der kanonischen. 1. (1,6) In diesem Vers fehlt οὕτως in einigen einschlägigen Handschriften, auch wenn dieses seine Entsprechung bei Tertullian und Adamantius hat. Doch nach dem Prinzip, dass die der kanonischen Version entfernteste Bezeugung 1 (Gal) 45 <?page no="46"?> 40 J.C. O’Neill, The recovery of Paul’s letter to the Galatians (1972), 21-22. 41 So J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 83-84. 42 Vgl. G.D. Fee, Review of J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul: A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus Attested by Marcion (1991). 43 Vgl. B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 259; B.D. Haupt, Tertullian’s Text of Galatians (2017). die eher vorkanonische ist, wird der Begriff οὕτως ausgelassen. Die mit ihm verbundene zeitliche Dramatisierung könnte auf das Konto der kanonischen Redaktion gehen. 2. Schwierig ist die Frage, ob das von Tertullian bezeugte, jedoch von dem rufinschen Adamantius im Mund des Markioniten Megethius unbezeugte ἀπὸ τοῦ καλέσαντος ὑμᾶς ἐν χάριτι Χριστοῦ im vorkanonischen Text stand oder fehlte. Hilgenfeld rechnet mit dem kanonischen Text, eventuell mit dem Nichtvorhandensein des von Tertullian ausgelassenen Χριστοῦ. Van Manen bietet: Θαυμάζω ὅτι οὕτως ταχέως μετατίθεσθε ἀπὸ τοῦ καλέσαντος ὑμᾶς εἰς (τὴν) χάριν, εἰς ἕτερον εὐαγγέλιον, lässt aber Χριστοῦ aus, was auch bei Zahn, Harnack und BeDuhn fehlt. O’Neill hält das Fehlen von Χριστοῦ für den älteren Text. 40 Schmid setzt Χριστοῦ in Klammern. Clabeaux folgt den älteren Herausgebern, verweist jedoch darauf, dass die Verbindung χάρις Χριστοῦ im Unterschied zu χάρις θεοῦ sonst nicht bei Paulus begegnet. 41 Dass der kanonische Text nicht ohne Χριστοῦ auskam, argumentiert Fee, der darauf verweist, dass das Χριστοῦ die lectio difficilior darstelle. 42 Doch ist auch hier zu bedenken, dass eine lectio difficilior nicht schon eo ipso die Ursprünglichkeit sichert, könnte doch durchaus die Tendenz der christlichen Verdeutlichung in der Redaktion zu einer solchen lectio aus inhaltlichen Gründen geführt haben. Da Adamantius gegenüber Tertullian meist der schwächere Zeuge ist, ist an dieser Stelle die Lexik mitzuberücksichtigen. Und hier fällt, wie unten gezeigt wird, auf, dass καλέω zwar für *Ev bezeugt ist, jedoch ein bevorzugter kanonischer Begriff ist. ἐν χάριτι, und zwar ohne Χριστοῦ, entspricht Tertullians Zitiergewohnheit, etwa Tert., De praescr. 27: Miror quod sic tam cito transferimini ab eo qui vos (al. suos) vocavit in gratia, ad aliud evangelium. Diese Form ist auch bezeugt vom Ambrosiaster. 43 Abwägend wird man folglich den Passus der kanonischen Redaktion zu‐ schreiben. Dafür spricht auch die schwankende Überlieferung. 3. (1,7) Am Anfang dieses Verses ist Zahn sich unsicher, was die Stellung des πάντως betrifft. Harnack rekonstruiert den Anfang: ὃ ἄλλο (ἕτερον? ) πάντως οὐκ ἔστιν, doch sprechen für die obige Form das Zeugnis des Adamantius und 46 Rekonstruktion <?page no="47"?> 44 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 68*. 45 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 10-12. 46 „… who are disturbing you and wishing to change (it) into a different proclamation of the Christos“, J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 229. 47 „Paul denounces the authority of any other gospel book. In no uncertain words, Paul expresses his disgust at anyone who might turn ‚to a different gospel‘ than ‚what you received‘“, D. Trobisch, On the Origin of Christian Scripture. The Evolution of the New Testament Canon in the Second Century (2023), 53. der kanonische Text, auch wenn Harnack kommentiert: „Dieser Text ist hart, aber zu originell, um als spätere Korruption beiseite geschoben zu werden“. 44 Van Manen gibt: ὃ οὐκ ἔστιν, εἰ μή τινές εἰσιν οἱ ταράσσοντες ὑμᾶς καὶ θέλοντες μεταστρέψαι τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ. Auf den möglichen Einschluss von κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου geht Hilgen‐ feld nicht ein, Zahn folgt dem kanonischen Text, aber Harnack sieht diesen Einschluss. 45 Man bemerke, dass am Ende in *Gal 1,7 ausdrücklich von einer Verfälschung des Evangeliums des Paulus gesprochen wird, eine Formulierung, die die kanonische Redaktion glättet. Schmid macht hierzu keine Angaben. BeDuhn übernimmt die obige Version, übersetzt jedoch: „… die Euch ver‐ wirren und (es) in eine andere Verkündigung Christi ändern wollen“, 46 was unlogisch ist, da Paulus dann ja annehmen würde, es könne verschiedene, von Christus autorisierte Evangelien geben. Darum weicht die von uns gewählte Übersetzung von derjenigen BeDuhns ab. Trobisch hat richtig erkannt, dass die vorkanonische Version dieses Verses „die Autorität eines jeglichen anderen Evangelienbuches verwirft. In völlig klaren Worten drückt Paulus seine Ver‐ abscheuung gegenüber jedem aus, der sich ‚zu einem anderen Evangelium‘ hinwendet, weg von dem ‚das Ihr empfangen habt‘“. 47 4. (1,8) Für diesen Vers hat von Soden auf eine wichtige Korrektur an Harnacks Rekonstruktion aufmerksam gemacht, ein Fehler, der sich auch zu Schmid und BeDuhn weitervererbt hatte: Tertullian bezeugt nicht ἡμεῖς ἤ. Wenn Tertullian nachschiebt sed et si nos aut angelus de caelo aliter evangelizaverit, dann zitiert er hier, wie von Soden richtig erkannt hatte, den kanonischen Text. Mit dieser Hinzufügung trägt die kanonische Redaktion eine deutlich antipaulinische Kritik in diesen Text ein, denn sie macht ihn zu einer möglichen Quelle für ein anderes Evangelium. Der vorkanonische Text ist stringent und verweist als mögliche Herkunft für ein anderes Evangelium einzig auf einen Engel. Trotz der Bezeugung des ὑμῖν nach εὐαγγελισάμεθα im Dialog optierten be‐ reits Zahn und Harnack für das Fehlen von ὑμῖν, auch wenn sich Zahn bezüglich 1 (Gal) 47 <?page no="48"?> 48 Nach Detering lassen sich diese Fälle nicht entscheiden, doch vertraut er am ehesten in dieser Sache Harnack, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 13-16. 49 Vgl. zu diesem zweiten Besuch H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 14. 50 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. des παρ’ ὃ εὐαγγελισάμεθα ὑμῖν, das er als fehlend vermerkt, nicht ganz sicher ist. Bezeugung und Variatio sprechen aber dafür, dass ὑμῖν nach εὐαγγελίσηται gegen Adamantius wohl doch im ursprünglichen Text gefehlt hat, zumal auch in weiteren Zeugen die Stellung dieses Wortes schwankt. BeDuhn bewahrt das ὑμῖν. 48 Van Manen bietet: κἄν τε ἡμεῖς ἢ ἄγγελος εὐαγγελίσηται ὑμῖν παρ’ ὃ παρελάβετε, ἀνάθεμα ἔστω. 5. (1,9) In diesem Vers ist der erste Teil nach Zahn und Schmid unbezeugt. Be‐ Duhn setzt παρ’ ὃ παρελάβετε in eckige Klammern. Auch der Anathematismus ist dann nicht bezeugt, wenn man das Bezeugte auf Vers 1,8 bezieht. Selbstverständlich ist es schwierig bei zwei so ähnlichen Versen im kanoni‐ schen Text zu entscheiden, auf welchen der beiden der Bezug der Zeugnisse geht, oder ob es eine Bezeugung eines zweimaligen ἀνάθεμα ἔστω bedeutet. Da Duplikationen ein Merkmal der kanonischen Redaktion sind, dürften die beiden Verse *Gal 1,8-9, wie oben gegeben, zu rekonstruieren sein. Dann steht das ἀνάθεμα ἔστω auch nicht nach „Engel“, sondern nach „Menschen“, was besser zum Inhalt passt. Die Auslassung von Gal 1,9a durch Tertullian deutet darauf hin, dass dieser Passus zur kanonischen Redaktionsstufe gehört, denn er bezieht sich „am ehesten“ auf den in Apg 18,23 beschriebenen zweiten Besuch des Paulus in Galatien. 49 Dazu stimmt, wie unten zu sehen ist, auch der lexikalische Befund. Weisse hatte den Vers als Interpolation getilgt. 50 D. (1,6) θαυμάζω steht 50 / 43 Mal im NT, vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ ὅτι steht 1348 / 1297 Mal im NT, und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ οὕτως steht 221 / 208 Mal im NT, davon 45 Mal als Verseröffnung, in Lk 12,21 als Verseröffnung in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,31; 21,31 (als Verseröffnung); *Gal 6,2; *1Kor 7,7; 15,11 (Verseröffnung). 22. 42; *Röm 5,21, hier jedoch nicht dramatisierend oder floskelhaft, sondern mit Bedacht eingesetzt, während es vielfach auf der kanonischen Ebene als Füllwort begegnet. ♦ ταχέως ist vorkanonisch bezeugt *Ev 14,21, obwohl es nur 10 Mal überhaupt im NT steht. Das verwandte ταχύς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch nur in der Form ταχέως wie hier bezeugt für *Ev 14,21; *Gal 1,6. ♦ μετατίθημι steht 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ καλέω steht 173 / 148 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für 48 Rekonstruktion <?page no="49"?> *Ev. ♦ ὑμᾶς (Akk. Pl.) steht 400 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,6; 5,10; *1Kor 10,1; *Röm 2,24; *2Thess 1,6; *Laod 6,11; *Kol 1,6. 21; 2,16. Auffallend ist bei diesem Personalpronomen, dass es nicht nur in vielen Versen steht, die in der vorkanonischen Version fehlen, sondern, dass es geradezu in Serien in diesen Versen begegnet (man nehme nur Mt 10,13. 14. 16. 17. 19. 23. 40; Joh 15,9. 12. 15. 16. 18. 19. 20. 21; Röm 15,7. 13. 15. 22. 23. 24. 29. 30. 32; 16,6. 16. 17. 19. 21. 22. 23. 25; 1Kor 4,6. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 21; 16,5. 6. 7. 10. 12. 15. 19. 20; 2Kor 2,1. 2. 3. 4. 5. 7. 8. 10; 12,14. 15. 16. 17. 18. 20. 21; Phil 1,7. 8. 10. 12. 24. 26. 27; 1Thess 2,1. 2. 9. 11. 12. 18; 3,2. 4. 5. 6. 9. 11. 12; 5,4. 12. 14. 18. 23. 24. 27; 2Thess 2,1. 2. 3. 5. 13. 14. 17). Die Häufigkeit des Begriffs entspricht der redaktionellen Besonderheit der emphatischen Anrede, vgl. die Einleitung. ♦ Das kleine Wort ἐν steht 2971 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. Ohne statistisch belastbare Aussagen treffen zu können, fällt jedoch der Befund innerhalb der Paulusbriefe auf. Wenn man die vorkanonische und die kanonische Fassung derselben oder auch nur des Ersten Thessalonicherbriefes in beiden Fassungen vergleicht, erkennt man, dass das kleine Wort gerade in Versen begegnet, die in der vorkanonischen Fassung unbezeugt sind und vermutlich auch gefehlt haben, und zwar zum Teil in Serien von Versen, während gerade die bezeugten Verse oft von der Präsenz des Wortes ausgespart sind. Der Begriff erweist sich also als ein Merkmal der kanonischen Redaktion. Wie deutlich die Verwendung sich allerdings auch innerhalb der kanonischen Redaktionsebene unterscheidet, zeigt die eher spärliche Verwendung des Begriffes im Hebräerbrief. ♦ Wichtiger ist noch, dass die Kombination ἐν χάριτι nicht für den vorkanonischen *Paulus bezeugt ist, hingegen beim kanonischen 3 Mal begegnet (2Kor 1,12; Röm 5,15; 2Thess 2,16). ♦ Auch die kürzere Form χάριτι, die 24 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4.♦ ἕτερος steht 109 / 99 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,6; *1Kor 12,9. 10; 14,21. Der Begriff ist auffällig oft bezeugt für Lk und, wie die häufige Bezeugung für *Ev und *Paulus belegt, könnte er womöglich noch öfter im vorkanonischen Text gestanden sein, ist jedenfalls ein auf dieser Ebene gerne benutzter Terminus. ♦ εὐαγγέλιον steht 79 / 76 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. Zur Rekonstruktion: Das οὕτως ist nach dem Prinzip des Vorzugs der am weitesten von der kanonischen Version entfernten Variante ausgelassen. Dies wird gestützt durch die Lexik, weil die kanonische Redaktion den Begriff oft floskelhaft einsetzt. Mit den obigen Gründen ist das vom rufinschen Adamantius unbezeugte ἀπὸ τοῦ καλέσαντος ὑμᾶς ἐν χάριτι Χριστοῦ ausgelassen. Dies wird auch durch die Lexik gestützt, nachdem καλέω ein sehr beliebter kanonischer Begriff ist, ὑμᾶς auf dieser Ebene oft emphatische Bedeutung hat, ἐν ebenfalls 1 (Gal) 49 <?page no="50"?> 51 Pace G. Schwab, Echtheitskritische Untersuchungen zu den vier kleineren Paulusbriefen 1/ A (2011), 386. reichlich dort begegnet und ἐν χάριτι vorkanonisch für *Paulus nicht bezeugt ist, aber mehrfach bei Paulus. (1,7) ὅ steht 237 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7. 8; *1Kor 15,1; *Kol 1,24. ♦ ἔστιν steht 843 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ μή steht 1091 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt *Ev und *Paulus. Auch wenn der Begriff vielfach vorkanonisch bezeugt ist, fällt doch auf, wie häufig er gerade - und dann oft in längeren Serien - in solchen Versen steht, die in der vorkanonischen Version fehlen oder für diese unbezeugt sind. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.) steht 79 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7; *Phil 1,15. ♦ ταράσσω steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,38; *Gal 1,7; 5,10. Das Verb ist kein Lukanismus und gehört auch nicht erst der kanonischen Redaktion an, da das Wort auch in *Ev 24,38 zu finden ist und wohl von dort in die Texte der kanonischen Edition gelangt ist. 51 ♦ μεταστρέφω ist nur 3 Mal im NT belegt und findet sich ansonsten nurmehr auf der kanonischen Ebene (Apg 2,20; Gal 1,7; Jak 4,9). Zur Rekonstruktion: Aufgrund der Bezeugung legt sich die oben gegebene Rekonstruktion nahe, die auch bis das ansonsten nicht vorkanonisch bezeugte μεταστρέφω durch die Lexik gestützt wird. (1,8) Die Wendung ἀλλὰ καὶ ἐάν steht ein einziges Mal im NT, hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἐάν steht 375 / 351 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; 2,16; 6,7; *1Kor 7,11; *2Kor 3,16; *Röm 2,25. Besonders auffällig sind auf der kanonischen Ebene begegnende lange Serien von Argumenten mit der Wiederholung der Konjunktion ἐάν, die etwa in Paulusbriefen nur in Passagen begegnen, die vorkanonisch nicht bezeugt sind (so auch *Ev/ Lk). ♦ Die Kombination καὶ ἐάν steht 30 Mal im NT, etwa Lk 19,31 in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *Gal 1,8. ♦ ἤ steht 384 / 343 Mal im NT, davon 31 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 8 Mal Mt; Lk 11,12; 13,4; 14,31; 15,8; 2 Mal Apg; Röm 2,4; 3,29; 6,3; 7,1; 9,21; 10,7; 11,35; 1Kor 6,2. 9. 16. 19; 9,6. 10. 22; 14,36; 2Kor 11,7; Jak 4,5; im Vers: 41 Mal Mt; 22 Mal Mk; Lk 2,24. 26 in Versen, die in *Ev fehlen; 5,23; 6,9; 7,19. 20; 8,16 (in einem Vers, der in *Ev fehlt); 9,13. 25; 10,12. 14; 12,11. 14 (wo der Versteil in *Ev fehlt). 41. 47. 51; 13,4 (in einem Vers, der in *Ev fehlt). 15; 14,3. 5. 12; 15,7 (in einem Versteil, der in *Ev fehlt); 16,13. 17; 17,2. 7. 21. 23; 18,11. 25 (in einem Vers, der in *Ev fehlt). 29; 20,2. 4. 22; 21,15; 22,27; 12 Mal Joh; 28 Mal Apg; Röm 1,21; 2,15; 3,1; 4,9. 10. 13; 6,16; 7,1; 8,35; 9,11; 11,2. 34; 13,11; 14,4. 10. 13; 1Kor 1,13; 2,1; 4,3. 21; 5,10. 11; 7,9. 11. 15. 16; 9,7. 50 Rekonstruktion <?page no="51"?> 8; 9,15; 10,19; 11,4. 5. 6. 22. 27; 12,21; 13,1; 14,5. 7. 19. 23. 24. 27. 29. 37; 15,37; 16,6; 2Kor 1,13. 17; 3,1; 6,14. 15; 9,7; 10,12; 11,4; 12,6; 13,5; Gal 1,8. 10; 2,2; 3,2. 5. 15; 4,27; Eph 3,20; 5,3. 4. 5. 27; Phil 3,12; Kol 2,16; 3,17; 1Thess 2,19; 2Thess 2,4; 1Tim 1,4; 2,9; 5,4. 19; 2Tim 3,4; Tit 1,6; 3,12; Phlm 1,18; 4 Mal Hebr; 7 Mal Jak; 6 Mal 1Petr; 2Petr 2,21; 1Joh 4,4; 4 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung: *Ev 11,12; im Vers: *Ev 6,9; 7,19; 11,11; 13,15; 14,12; 20,4; 16,17; 17,2; und *Gal 1,8; 2,2; *1Kor 7,11; *Kol 2,16. Bei dieser Konjunktion fällt auf, wie oft sie gerade in den Passagen steht, die in *Ev oder *Paulus entweder unbezeugt sind oder sicher gefehlt haben. ♦ ἄγγελος steht 186 / 176 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. ♦ οὐρανός steht 300 Mal im NT, vorkanonisch gut bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ εὐαγγελίζομαι steht 58 / 54 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *Ev 9,6; *Gal 1,9; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. ♦ παρά steht 217 / 194 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. Auch bei diesem Funktionswort ist festzustellen, wie oft es gerade in solchen Versen begegnet, die von der vorkanonischen Fassung abwesend sind. ♦ ἀνάθεμα steht 7 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,9. ♦ ἔστω steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,35; *Gal 1,9, vgl. die Konkordanz. Zur Rekonstruktion: Für den Text oben spricht die Bezeugung. (1,9) Zum unbezeugten Versteil: ὡς steht 543 / 504 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,22; *Gal 5,14; *Röm 13,9; *Laod 2,3; 5,23. Auch bei diesem kleinen Wörtchen ist nicht nur auffallend, wie oft es gerade in solchen Versen oder Versteilen steht, die in *Ev fehlen, sondern wie gehäuft es gerade an Stellen begegnet, und zwar in langen Reihen, die auch bei *Paulus fehlen oder unbezeugt sind. ♦ προλέγω, das 18 / 15 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21, vielleicht auch für *2Kor 13,2. ♦ ἄρτι steht 40 / 36 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform λέγω steht 214 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32. Zum bezeugten Teil: Die Kombination εἴ τις (maskuline Form) steht 40 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,9; *1Kor 3,17; *2Kor 5,17. ♦ τις (Nom. Fem. / Mask. Sg.) steht 223 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,9; *1Kor 3,12. 17; 15,35; *2Kor 5,17; *Kol 2,16. Auch wenn der Begriff häufig gerade in solchen Versen steht, die in der vorkanonischen Fassung fehlen, ist er jedoch für diese Ebene bezeugt. Jeremias hat bereits bemerkt, dass dieses adjektivische τις sich besonders häufig „im 1 (Gal) 51 <?page no="52"?> 52 J. Jeremias, Die Sprache des Lukasevangeliums. Redaktion und Tradition im Nicht-Mar‐ kusstoff des dritten Evangeliums (1980), 15. lukanischen Doppelwerk“ findet, während es „in den übrigen Evangelien nur ganz vereinzelt [steht] (Mt 1, Mk 3, Joh 7 bzw. 8)“. 52 Zum wieder unbezeugten Teil: παρά vgl. zuvor zu Vers 8 und weiter unten zu Vers 12. ♦ παραλαμβάνω, das 54 / 50 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu ἔστω vgl. zuvor zu Vers 8. Zur Rekonstruktion: Die Rekonstruktion geht auf die Bezeugung zurück, diese wird im vorliegenden durch die Lexik bestätigt, insbesondere, was die Auslas‐ sung der nichtbezeugten Teile betrifft, die kanonische Termini aufweisen (ἄρτι, παραλαμβάνω). 1,[10] 11 12-16 17 [↓18-↓19] [20-24]: Die Berufung zum Apostel Dieser Passus ist nur schwach bezeugt, auch wenn Teile desselben den Zeugen zufolge vorhanden waren, jedoch muss mit einer kanonischen Überarbeitung derselben wie des ganzen Passus gerechnet werden, wodurch der Text zugleich erweitert zu sein scheint. - 10 Ἄρτι γὰρ ἀνθρώπους πείθω ἢ τὸν θεόν; ἢ ζητῶ ἀνθρώποις ἀρέσκειν; εἰ ἔτι ἀνθρώποις ἤρεσκον, Χριστοῦ δοῦλος οὐκ ἂν ἤμην. 11 Γνωρίζω δὲ γὰρ ὑμῖν, ἀδελφοί, ὅτι τὸ εὐαγγέλιον τὸ εὐαγγελισθὲν ὑπ’ ἐμοῦ οὐκ ἔστιν κατὰ ἄνθρωπον· 11 Γνωρίζω γὰρ ὑμῖν, ἀδελφοί, τὸ εὐαγγέλιον τὸ εὐαγγελισθὲν ὑπ’ ἐμοῦ ὅτι οὐκ ἔστιν κατὰ ἄνθρωπον· 12 οὐδὲ γὰρ ἐγὼ παρὰ ἀνθρώπου παρέλαβον αὐτό, οὐδὲ ἐδιδάχθην, ἀλλὰ δι’ ἀποκαλύψεως θεοῦ. 12 οὐδὲ γὰρ ἐγὼ παρὰ ἀνθρώπου παρέλαβον αὐτό, οὔτε ἐδιδάχθην, ἀλλὰ δι’ ἀποκαλύψεως Ἰησοῦ Χριστοῦ. 13 ποτε ἐν τῷ Ἰουδαϊσμῷ καθ’ ὑπερβολὴν ἐδίωκον τὴν ἐκκλησίαν καὶ ἐπολέμουν αὐτήν, 13 Ἠκούσατε γὰρ τὴν ἐμὴν ἀναστροφήν ποτε ἐν τῷ Ἰουδαϊσμῷ, ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν ἐδίωκον τὴν ἐκκλησίαν τοῦ θεοῦ καὶ ἐπόρθουν αὐτήν, 14 καὶ ἐν τῷ Ἰουδαϊσμῷ περισσοτέρως ζηλωτὴς ὑπάρχων τῶν πατρικῶν μου παραδόσεων. 14 καὶ προέκοπτον ἐν τῷ Ἰουδαϊσμῷ ὑπὲρ πολλοὺς συνηλικιώτας ἐν τῷ γένει μου, περισσοτέρως ζηλωτὴς ὑπάρχων τῶν πατρικῶν μου παραδόσεων. 15 ὅτε δὲ εὐδόκησεν ὁ ἀφορίσας με 15 ὅτε δὲ εὐδόκησεν [ὁ θεὸς] ὁ ἀφορίσας με ἐκ κοιλίας μητρός μου καὶ καλέσας διὰ τῆς χάριτος αὐτοῦ 16 ἀποκαλύψαι 52 Rekonstruktion <?page no="53"?> 16 ἀποκαλύψαι τὸν Χριστὸν ἐν ἐμοὶ ἵνα εὐαγγελίσωμαι αὐτὸν ἐν τοῖς ἔθνεσιν, οὐ προσανεθέμην σαρκὶ καὶ αἵματι, τὸν υἱὸν αὐτοῦ ἐν ἐμοὶ ἵνα εὐαγγελίζωμαι αὐτὸν ἐν τοῖς ἔθνεσιν, εὐθέως οὐ προσανεθέμην σαρκὶ καὶ αἵματι, 17 οὐδὲ ἦλθον εἰς Ἱεροσόλυμα. 17 οὐδὲ ἀνῆλθον εἰς Ἱεροσόλυμα πρὸς τοὺς πρὸ ἐμοῦ ἀποστόλους, ἀλλὰ ἀπῆλθον εἰς Ἀραβίαν, καὶ πάλιν ὑπέστρεψα εἰς Δαμασκόν. - 18 Ἔπειτα μετὰ ἔτη τρία ἀνῆλθον εἰς Ἱεροσόλυμα ἱστορῆσαι Κηφᾶν, καὶ ἐπέμεινα πρὸς αὐτὸν ἡμέρας δεκαπέντε· 19 ἕτερον δὲ τῶν ἀποστόλων οὐκ εἶδον, εἰ μὴ Ἰάκωβον τὸν ἀδελφὸν τοῦ κυρίου. 20 ἃ δὲ γράφω ὑμῖν, ἰδοὺ ἐνώπιον τοῦ θεοῦ ὅτι οὐ ψεύδομαι. 21 ἔπειτα ἦλθον εἰς τὰ κλίματα τῆς Συρίας καὶ τῆς Κιλικίας. 22 ἤμην δὲ ἀγνοούμενος τῷ προσώπῳ ταῖς ἐκκλησίαις τῆς Ἰουδαίας ταῖς ἐν Χριστῷ, 23 μόνον δὲ ἀκούοντες ἦσαν ὅτι Ὁ διώκων ἡμᾶς ποτε νῦν εὐαγγελίζεται τὴν πίστιν ἥν ποτε ἐπόρθει, 24 καὶ ἐδόξαζον ἐν ἐμοὶ τὸν θεόν. A. 1,10: Vgl. Tert., De idol. 14,3 (CCSL 2,1114): Si hominibus, inquit, vellem placere, servus Christi non essem. ♦ *1,11-12: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 1,3: Ipse se, inquit, apostolum est professus, et quidem non ab hominibus nec per hominem, sed per Iesum Christum; ibid., V 1,6: Inde apostolum ostendo persecutorem, non ab hominibus neque per hominem; inde et ipsi credere inducor; ibid., V 2,7: Exinde decurrens ordinem conversionis suae de persecutore in apostolum scripturam Apostolicorum confirmat, apud quam ipsa etiam epistulae istius materia recognoscitur, intercessisse quosdam qui dicerent circumcidi oportere et observandam esse Moysi legem, tunc apostolos de ista quaestione consultos ex auctoritate spiritus renuntiasse non esse imponenda onera hominibus quae patres ipsi non potuissent sustinere; id., De praescr. 6,4 (SC 46,95): Apostolos domini habemus auctores qui nec ipsi quicquam ex suo arbitrio quod inducerent elegerunt, sed acceptam a Christo disciplinam fideliter nationibus adsignaverunt. Iren., Adv. haer. III 13,1: Eos autem qui dicunt solum Paulum veritatem cognovisse, cui per revelationem manifestatum est mysterium. Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 1,11-12 (CCSL 77A): Marcion et Basilides et caeterae haereticorum pestes non habent dei euangelium, quia non habent spiritum sanctum, sine quo humanum fit euangelium quod docetur. ♦ *1,13-17: Tert., Adv. Marc. V 1,6: Inde apostolum ostendo persecutorem, non ab hominibus neque per hominem; inde et ipsi credere inducor; ibid., V 2,7: Exinde decurrens ordinem conversionis suae de persecutore in apostolum scripturam Apostolicorum confirmat, apud quam ipsa 1 (Gal) 53 <?page no="54"?> etiam epistulae istius materia recognoscitur, intercessisse quosdam qui dicerent circumcidi oportere et observandam esse Moysi legem, tunc apostolos de ista quaestione consultos ex auctoritate spiritus renuntiasse non esse imponenda onera hominibus quae patres ipsi non potuissent sustinere. Vgl. auch ibid., V 6,10: Et numquid ipse tunc Paulus destinabatur, de Iudaea, id est de Iudaismo, auferri habens in aedificationem Christianismi, positurus unicum fundamentum, quod est Christus? V 3,5: Itaque frustrandi erant falsi fratres, speculantes libertatem Christianam, ne ante eam in servitutem abducerent Iudaismi quam sciret se Paulus non <in> vacuum cucurrisse, quam dexteras ei darent antecessores, quam ex censu eorum in nationes praedicandi munus subiret. ♦ 1,14: Vgl. Tert., De pud. 1,13 (SC 394,148): Adeo divertit a sententiis pristinis nec idcirco deliquit, quod aemulator factus est non paternarum traditionum, sed Christianarum. ♦ *1,15: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 1,2: Denique audiens postea eum a domino allectum, iam in caelis quiescente, quasi inprovidentiam existimo si non ante scivit illum sibi necessarium Christus, sed iam ordinato officio apostolatus et in sua opera dimisso, ex incursu, non ex prospectu, adiciendum existimavit (vgl. ὅτε δὲ εὐδόκησεν), necessitate, ut ita dixerim, non voluntate; ibid., V 1,5: Nam mihi Paulum etiam Genesis olim repromisit (vgl. ὁ ἀφορίσας με). Inter illas enim figuras et propheticas super filios suos benedictiones Iacob cum ad Beniamin direxisset, Beniamin, inquit, lupus rapax ad matutinum comedet adhuc, et ad vesperam dabit escam (ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν). Ex tribu enim Beniamiin oriturum Paulum providebat (ὁ ἀφορίσας με), lupum rapacem ad matutinum comedentem, id est prima aetate vastaturum pecora domini ut persecutorem ecclesiarum (ἐδίωκον τὴν ἐκκλησίαν), dehinc ad vesperam escam daturum, id est devergente iam aetate oves Christi educaturum ut doctorem nationum (εὐαγγελίσωμαι αὐτὸν ἐν τοῖς ἔθνεσιν); ibid., V 1,6: Nam et Saulis primo asperitas insectationis (ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν) erga David, dehinc paenitentia et satisfactio, bona pro malis recipientis, non aliud portendebat quam Paulum in Saule secundum tribus et Iesum in David secundum virginis censum …; vgl. Jes 49,1. 5-6 LXX: 1 λέγει κύριος ἐκ κοιλίας μητρός μου ἐκάλεσεν τὸ ὄνομά μου. 5 καὶ νῦν οὕτως λέγει κύριος ὁ πλάσας με ἐκ κοιλίας δοῦλον ἑαυτῷ τοῦ συναγαγεῖν τὸν Ιακωβ καὶ Ισραηλ πρὸς αὐτόν συναχθήσομαι καὶ δοξασθήσομαι ἐναντίον κυρίου καὶ ὁ θεός μου ἔσται μου ἰσχύς 6 καὶ εἶπέν μοι μέγα σοί ἐστιν τοῦ κληθῆναί σε παῖδά μου. ♦ *1,16: Vgl. Tert., De res. Mort. 50,7 (CCSL 2,993): Sunt, qui carnem et sanguinem Iudaismum velint accipi propter circumcisionem, alienum et ipsum a dei regno, quia et ille vetustati deputetur et hoc titulo iam et alibi ab apostolo denotetur, qui post revelatum in se filium dei ad euangelizandum eum in nationibus statim non retulerit ad carnem et sanguinem, id est ad circumcisionem, id est ad Iudaismum, sicut ad Galatas scribit. ♦ 1,23: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 2,7: Exinde decurrens ordinem conversionis suae de persecutore in 54 Rekonstruktion <?page no="55"?> 53 Für die ältere Form ohne ὁ θεὸς plädiert auch G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 62. apostolum, scripturam apostolicorum confirmat, apud quam ipsa etiam epistulae istius materia recognoscitur; id., De praescr. 23,3 (SC 46,118): Neque enim, si ipse se apostolum de persecutore profitetur; ibid., 23,6 (SC 46,118): demutatus in praedicatorem de persecutore; ibid., 23,8 (SC 46,119): Nam et illi non essent mirati de persecutore factum praedicatorem. ♦ 1,24: Vgl. Tert., De praescr. 23,8 (SC 46,119): si aliquid contrarium praedicaret nec dominum praeterea magnificassent quia adversarius eius Paulus obvenerat. B. (1,11) Das δέ findet sich in P 46 , 01* .2 , 02, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, b, vg ms , sy, bo, in der lateinischen Tradition 58, 89, Ambst, Pel, Thdt und reflektiert den vorkanonischen Text. ♦ οὐδέ ist bezeugt durch 01, 02, 06* .c , 010, 012, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241 s , 1739, 1881, 2464. Statt οὐδέ setzt die kanonische Redaktion das etwas schwächere οὔτε. Der vorkanonische Text stellt aber deutlich heraus, dass *Paulus sein Evangelium nicht von einem Menschen übernommen, aber es auch nicht von einem Menschen gelernt habe. ♦ (1,13) Die Lesart ἐπολέμουν bieten die einschlägigen Zeugen 010, 012. ♦ (1,15) ὁ θεός fehlt in P 46 , 03, 010, 012, 629, 1505, pc lat sy p , Iren lat pt, arm , Epiph, man wird also das Fehlen auch für *Paulus postulieren dürfen, insbesondere, wenn, wie unten erklärt, in Vers 12 am Ende nicht das mit Apg 9,4-5 harmonisierte Ἰησοῦ Χριστοῦ, sondern θεοῦ gelesen wird. 53 ♦ Das am Ende im kanonischen Text nachfolgende καὶ καλέσας διὰ τῆς χάριτος αὐτοῦ fehlt in P 46 , 6, 1739, 1881 und gehört wohl wie das κλητός von 1Kor 1,1 und Röm 1,1 zur kanonischen Ebene. ♦ (1,16) Den grammatisch korrekten konjunktivischen Aorist εὐαγγελίσωμαι bieten die Zeugen P 46 und 06*. ♦ (1,17) Die schwankende Überlieferung des Begriffes ἦλθον und die Benutzung der Form von ἀνέρχεσθαι durch die kanonische Redaktion ( Joh 6,3) stützen die Annahme, dass der ursprüngliche Text lediglich das von P 46 bezeugte einfache ἦλθον aufwies, das dann durch die Zeugen 01, 02, 018, 020, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M, sy h im Sinne der kanonischen Redaktion präzisiert wurde. Die durch P 51 , 03, 06, 010, 012, 2464 belegte Form ἀπῆλθον könnte aufgrund des gleich in der kanonischen Redaktion nachfolgenden ἀπῆλθον (eine Form, die auch Lk 9,57 begegnet, nicht aber in *Ev 9,57, des weiteren Mt 8,19; 19,22 par. Mk 10,22; 21,29-30; Mk 1,20; Joh 6,66-68; Jud 7; Apk 21,1. 4) eine harmonisierende Form darstellen. Überhaupt steht ἀπέρχομαι 132 Mal im NT, begegnet bei Paulus jedoch nur hier und Röm 15,28, beide Male auf der kanonischen Ebene, dann in Lk 1,23. 38; 2,15; 8,39; 9,57; 1 (Gal) 55 <?page no="56"?> 54 Bei van Manen wird er allerdings bis auf ἔτι nach der kanonischen Version geboten wurde. Auch Detering plädiert (mit einer Deutung von πείθειν als „jemandem sich genehm machen“) für die Präsenz des Verses, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 16-18. 55 vgl. H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 15. 56 H. Lietzmann, Einführung in die Textgeschichte der Paulusbriefe. An die Römer (1933), 22-23. Zu δοῦλος Χριστοῦ als literarische Figur der vollkommenen Frömmigkeit, vgl. J. Bremmer, Slaves of God/ Christ: narrated total devotion in the apocryphal Acts of Peter (2023). 10,30; 19,32; 24,1. 24, in einer ganzen Reihe von Versen, die in *Ev fehlen oder in denen der Begriff fehlt, vorkanonisch aber bezeugt für *Ev 5,14; 22,7. C. 1. (1,10) Nach Hilgenfeld und allen weiteren Editoren (mit Ausnahme von van Manen, der bis auf ἔτι den kanonischen Text bietet) gilt Gal 1,10 als unbezeugt, und der Vers wird vermutlich in *Gal gefehlt haben, 54 weil auch die parallele Verteidigung des Paulus gegen denselben Vorwurf in 1Thess 2,4. 6 und ähnliche in 2Kor 3,1; 4,2; 5,11; 10,1. 10 allesamt nicht für *Paulus bezeugt sind. 55 Gleichermaßen ist auch der Gedanke, dass Paulus Gott oder dem Herrn zu Gefallen leben will, nur an weiteren Stellen belegt, die für *Paulus nicht bezeugt sind, 1Thess 2,4. 15; 4,1; 1Kor 7,32. Auch der Ausdruck Χριστοῦ δοῦλος scheint der redaktionellen Stufe zuzugehören, die die Stellung des Paulus zu minimieren sucht, vgl. die nicht für *Paulus belegten Stellen Röm 1,1 (δοῦλος Χριστοῦ Ἰησοῦ) und Phil 1,1 (δοῦλοι Χριστοῦ Ἰησοῦ). Lietzmann hat zum einen darauf verwiesen, dass sich „Betende gern vor Gott“ als δοῦλος bezeichnet haben, es hierfür eine Fülle von Beispielen aus der jüdischen Schrift gibt, sich nach Lk 2,29 auch Symeon δοῦλος σου einführt und überhaupt diese „at. (alttestamentlichen) Redeformen … in der Kirche üblich geblieben … und in den liturgischen Gebeten noch bis zur Gegenwart in Gebrauch“ seien. Auch wenn Paulus „die Formel“ selbst vermeide und an deren Stelle δοῦλος (‚Ιησοῦ) Χριστοῦ verwende, bleibe doch auch hier „augenscheinlich als formelles Muster die at. Vorzugsbezeichnung einzelner Gottesmänner wirksam“. 56 Die in der Fußnote zitierte Studie von Bremmer zeigt, dass diese Bezeichnung in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts en vogue kommt. Die paulinischen Belege, die Bremmer anführt (Röm 1,1; 6,22; 1Kor 7,22; Gal 1,10; 1Thess 1,9-10; Phil 1,1; dazu noch Jak 1,1; Apk 1,1), stehen ausnahmslos auf der kanonischen Ebene. Wir befinden uns folglich auf dieser kanonischen Ebene. Auch der weitere lexikalische Kontext (auch wenn es Vorläufer in der jüdischen Bibel, etwa παῖς θεοῦ, gibt), zeigt, dass wir uns mit diesem Vers in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts befinden. 56 Rekonstruktion <?page no="57"?> 57 Auch van Manen gibt den kanonischen Text, in V. 12 lediglich ohn οὔτε ἐδιδάχθην. Allerdings sieht er die Verse 13-14 als abwesend. 2. Wegen des vorkanonisch nicht vorhandenen Verses Gal 1,10 schließt die in etlichen Zeugen belegte Variante δὲ von Vers 11 adversativ an *Gal 1,9 an. Bei BeDuhn fehlt dieses Wort. Auch wenn der Vers selbst nicht bezeugt ist, setzt doch der nachfolgende Vers 12 mit seiner Argumentation einen solchen oder ähnlichen Vers 11 voraus. Zu den Versen 11-17 sieht Harnack keinen Grund für einen anderen Text als den der kanonischen Ausgabe. 57 BeDuhn verweist darauf, dass *Gal 1,11 zentral für das Bild des Paulus bei Markion ist. Man vgl. auch *1Kor 9,1. Erst für Vers 12 sind nach Tertullian Stücke bezeugt, vor allem die Gegen‐ überstellung, wonach *Paulus nicht von einem Menschen, sondern durch Jesus Christus zum Apostel bestellt wurde. Da diese Aussage nicht im Zusammenhang mit der Kommentierung von *Gal 1,1 allein erfolgt und sich darum nicht ausschließlich auf diesen Vers bezieht, wird aus Tertullians Einleitung zum *Galaterbrief in Adversus Marcionem V 1,6 doch deutlich, an welche Stelle er denkt. Zwar argumentiert Tertullian zunächst mit der Apostelgeschichte, schließt dann aber an, dass er aufgrund von Apg auch dazu veranlasst werde, ihm, *Paulus, selbst zu glauben (inde et ipsi credere inducor). Das bedeutet, zweierlei: erstens, dass Tertullian den Zusammenhang von Verfolgung und Apostolat des *Paulus aus *Gal kannte und, weil sich diese Verbindung lediglich in *Gal 1,12 findet, ein Zeugnis für diesen Vers bietet; und, zweitens, dass gerade Aussagen zur Person des *Paulus von Tertullian nicht nur bei der Kommentie‐ rung dieser Stelle zu finden sind. Aus dieser Beobachtung heraus ist dann auch wichtig, dass *Paulus das im Neuen Testament sich nur an dieser Stelle in den Versen 13-14 befindende Ἰουδαϊσμός bezeugt. Dies geschieht zwar anlässlich der Kommentierung von *1Kor, hat in diesem Brief jedoch keinen Anhalt und wird sich erneut zurück auf den *Galaterbrief beziehen, zumal Tertullian ja schon von Anfang seiner Kommentierung von *1Kor ausdrücklich auf *Gal zurückverweist. Dann legt es sich allerdings auch nahe, dass man entweder beide Bezeugungen von Ἰουδαϊσμός in den Versen 13-14 oder zumindest eine der beiden in den vorkanonischen Text aufnehmen sollte. Die Entscheidung ist hier dadurch erschwert, dass an beiden Stellen das mit dem Begriff verbundene Wort ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnet (Vers 13: ἀναστροφή; Vers 14: προκόπτω). Gegen die Erwähnung in Vers 13 spricht weiterhin, dass auch der Ausdruck τὴν ἐμήν sich nurmehr auf der kanonischen Ebene bei Paulus findet. 1 (Gal) 57 <?page no="58"?> 58 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 440. 59 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 70*. 60 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), I/ 315. 61 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 230. 62 Insbesondere aufgrund von Stil und Wortwahl, vgl. mit älterer Literatur, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 18-20. 63 E. Barnikol, Die vorchristliche und frühchristliche Zeit des Paulus. Nach seinen geschichtlichen und geographischen Selbstzeugnissen im Galaterbrief (1929), 31-46. 3. (1,11-17) Hilgenfeld sieht diese Verse von Tertullian „wenigstens berührt“, auch wenn er keine näheren Details findet. 58 Zahn sieht Vers 11 vorhanden, aber ohne Kenntnis um den Wortlaut, er nimmt aber für die Verse 12-17 den kanonischen Text an. Harnack sieht „die Schilderung, wie Paulus durch seine Bekehrung das Evangelium empfangen hat … durch den einzigen Satz gedeckt“, der oben angegeben ist, Tert., Adv. Marc. V 2,7: Exinde decurrens ordinem con‐ versionis suae de persecutore in apostolum. 59 Schmid sieht nur eine „summarische Anspielung“, 60 und BeDuhn gibt eine Übersetzung des kanonischen Textes in Klammern, wobei er in Vers 17 einen Text annimmt, dem der folgende griechische Text zugrunde liegt: τοὺς πρὸ ἐμοῦ ἀποστόλους, vom Rest des Satzes setzt er lediglich noch die Übersetzung von ἀλλά in Klammern hinzu und fügt Auslassungszeichen an. 61 Van Manen sieht die Verse 13 und 14 als unbezeugt, und Detering hält nur die Verse 13-14 für abwesend. 62 4. Am Ende des Verses 12 ist trotz fehlender Varianten nicht Ἰησοῦ Χριστοῦ zu lesen, sondern θεοῦ. Das ergibt sich aus dem Verbbezug von Vers 15 εὐδόκησεν und, davon abhängig, Vers 16 ἀποκαλύψαι τὸν Χριστόν … Da Christus sich nicht selbst offenbart hat, sondern hier als von Gott offenbart gilt, ist Gott Subjekt auch von Vers 15. Dass das Subjekt in Vers 15 nicht näher bestimmt ist, zumindest in einigen Zeugen, setzt voraus, dass zuvor am Ende von Vers 12 die Offenbarung als eine solche von Gott und nicht von Jesus Christus benannt wurde. Gestützt wird dies durch die Bezeugung des Hieronymus, der vom „dei euangelium“ spricht. Außerdem ergibt sich dann eine Übereinstimmung zwischen *Gal 1,12 und *2Kor 4,6, wo ebenfalls Gott als derjenige eingeführt wird, der spricht und dessen Glanz „im Angesicht Christi erstrahlt“. 5. (1,13-13) Zu diesem Vers vergleiche man die Auslegung von Barnikol, der das kanonische ἐν τῷ Ἰουδαϊσμῷ … ἐν τῷ γένει μου mit „in meiner Genossenschaft“ übersetzt und auslegt. 63 6. (1,15-16) Für Vers 15 gibt van Manen auch den zweiten Teil in der Form: καὶ καλέσας εἰς τὴν χάριν (αὐτοῦ). Vers 16 liest er in der kanonischen Form. 58 Rekonstruktion <?page no="59"?> 64 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 497. So jüngst auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 20-25. Die Verse 18-22 tilgt F.R. McGuire, Did Paul write Galatians? (1967-1968). 65 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 70*. 66 J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 244. 67 Vgl. T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 498. So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 20-21. Van Manen meint, Tertullian habe durch die Auslassung absichtlich die beiden Reisen nach Jerusalem zu einer reduzieren wollen, W.C. van Manen, Marcion’s brief van Paulus aan de Galatiërs (1887), 510. Das unbezeugte ἐκ κοιλίας μητρός μου καὶ καλέσας διὰ τῆς χάριτος αὐτοῦ wird kaum gestanden sein, sonst hätte Tertullian wohl auf die Parallelstelle aus Jes 49,1. 5-6 LXX verwiesen. 7. (1,17) Dass in diesem Vers das im kanonischen Text nachfolgende πρὸς τοὺς πρὸ ἐμοῦ ἀποστόλους, ἀλλὰ ἀπῆλθον εἰς Ἀραβίαν, καὶ πάλιν ὑπέστρεψα εἰς Δαμασκόν auf die kanonische Redaktion zurückgeht, auch wenn Apg 8,3 und 9,2 die Dinge etwas anderes erzählen und nicht von einer Verfolgung in Damaskus, sondern von einer solchen in Jerusalem ausgehen, legt sich aus Folgendem nahe: Es findet sich eine ähnliche Formulierung, die ebenfalls der kanonischen Redaktion zuzuordnen ist, Röm 16,7: … οἵτινές εἰσιν ἐπίσημοι ἐν τοῖς ἀποστόλοις, οἳ καὶ πρὸ ἐμοῦ γέγοναν ἐν Χριστῷ. Man vergleiche auch die lexikalische Bemerkung unten zu πάλιν. Van Manen bietet den Vers wie folgt: οὐδὲ ἀπῆλθον εἰς Ἀραβίαν, καὶ πάλιν ὑπέστρεψα εἰς Δαμασκόν. BeDuhn sieht den Vers bis πρὸς τοὺς πρὸ ἐμοῦ ἀποστόλους reichen. 8. (1,18-23) Van Manen gibt den Passus mit Ausnahme von Vers 23, doch schon Th. Zahn urteilte zu Recht, dass der Abschnitt dieser Verse „wahrscheinlich ganz oder großen Theils gefehlt“ habe. 64 Harnack meint: „Wenn dieser Abschnitt nicht ganz fehlte (was wahrscheinlich), muß ihn M. korrigiert haben. Sicher fehlte der erste Besuch in Jerusalem“. 65 So erwägt vorsichtig auch Lieu, auch wenn sie das Fehlen auf alle Verse 18-24 ausdehnt. 66 Zugleich gibt sie zu bedenken, ob das Übergehen nicht wie Iren., Adv. Haer. III 13,3 Teil einer argumentativen Strategie ist. Das Fehlen des Abschnittes legt sich auch durch das redaktionell hinzuge‐ fügte πάλιν in Gal 2,1 nahe, das allerdings auch in Iren., Adv. Haer. III 13,3 und im Ambrosiaster nicht zu finden ist. 67 Schmid geht auf die Auslassung nicht ein, doch BeDuhn weist die Verse als fehlend aus. 1 (Gal) 59 <?page no="60"?> 68 H. Detering, The Falsified Paul. Early Christianity in the Twilight (2003), 105; H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 22. 69 Vgl. P.L. Couchoud, La Première édition de Saint Paul (1926), 23-24. 70 Iren., Adv. Haer. III 13,3. 71 Tert., Adv. Marc. V 2,7: Exinde decurrens ordinem conversionis suae de persecutore in apostolum scripturam Apostolicorum confirmat. Bilby meint, die oben für die Verse 23-24 gegebenen Zeugnisse Tertullians seien Zeugen für den markionitischen Text, doch spricht die Lexik eher gegen die Anwesenheit beider Verse, außerdem lässt sich das Zitat aus Adv. Marc. eher auf die Verse 13-17 beziehen, und es ist nicht ausgemacht, dass Tertullian in De praescr. den *Apostolos benutzt. 8. (1,20) Detering hebt zu Recht diesen unbezeugten Vers hervor. Wer behaupten muss, ἃ δὲ γράφω ὑμῖν, ἰδοὺ ἐνώπιον τοῦ θεοῦ ὅτι οὐ ψεύδομαι, macht sich suspekt, und solcherlei Behauptungen erscheinen gerade dort auf der kanonischen Ebene sinnvoll, wo man einer kanonischen Hinzufügung ausgesetzt ist. 68 Man vergleiche etwa die Beteuerung zu Beginn des kanonischen Kapitels Röm 9: Ἀλήθειαν λέγω ἐν Χριστῷ, οὐ ψεύδομαι, und wieder gegen Ende des ebenfalls kanonischen Kapitels 2Kor 11, wo es in Vers 31 feierlich heißt: ὁ θεὸς καὶ πατὴρ τοῦ κυρίου Ἰησοῦ οἶδεν, ὁ ὢν εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας, ὅτι οὐ ψεύδομαι. Der Vers zeigt die Tendenz der kanonischen Redaktion, Gal und Apg mitein‐ ander zu harmonisieren, wie es bei Irenäus ausdrücklich formuliert ist: 69 „Wenn jemand also nach der Apostelgeschichte sorgfältig die Zeit bestimmen will, in der er nach Jerusalem in der erwähnten Angelegenheit hinaufzog, so wird er auf die von Paulus angegebenen Jahre kommen, so daß die Zählung Pauli mit dem Zeugnis des Lukas über die Apostel völlig übereinstimmt.“ 70 Dasselbe Interesse der kanonischen Redaktion spiegelt sich auch bei Tertullian: „Paulus beschreibt in Kürze den Verlauf seiner Konversion vom Verfolger zum Apostel, indem er bestätigt, was in der Apostelgeschichte geschrieben ist“. 71 D. (1,10) ἄρτι, das 40 / 36 Mal im NT begegnet, davon 2 Mal als Verseröffnung (Gal 1,10; 1Thess 3,6), findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ ζητέω steht 130 / 117 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ ἀρέσκω steht 21 / 17 Mal im NT, darunter häufig bei Paulus, jedoch immer auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ δοῦλος steht insgesamt 128 Mal im NT, vorkanonisch 60 Rekonstruktion <?page no="61"?> nur selten, etwa in *Ev 12,37. 46, während δοῦλος als Selbstbezeichnung mit Blick auf Menschen vorkanonisch in *2Kor 4,5 bezeugt ist, doch fehlt der Begriff im Hinblick auf das Verhältnis zu Gott oder Christus auf der vorkanonischen Ebene. ♦ ἄν steht 205 / 167 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8. ♦ Die Form ἤμην steht 16 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Die Anzahl der ausschließlich kanonisch belegten Elemente (ἄρτι, ἀρέσκω, δοῦλος für das Verhältnis zu Gott, ἤμην) und des für die kanoni‐ sche Version beliebten πείθω unterstreichen, dass der Vers nicht nur unbezeugt, sondern ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und im vorkanonischen Text gefehlt hat. (1,11) Die Kombination Γνωρίζω γάρ oder Γνωρίζω δέ steht nur ein Mal im NT, hier in diesem Vers. ♦ Auch die Kombination Γνωρίζω (δὲ) γὰρ ὑμῖν steht nur hier im NT. ♦ γνωρίζω, das 29 / 25 Mal im NT steht und auch für die vorkanonische Ebene bei *Paulus bezeugt ist (*1Kor 15,1; *Laod 3,10; 6,19). ♦ Der Plural ἀδελφοί steht 106 Mal im NT (16 Mal Apg; Röm 1,13; 7,1. 4; 8,12; 10,1; 11,25; 12,1; 15,14. 30; 16,17, drei Verse, die in *Röm fehlen; 1Kor 1,10. 11. 26; 2,1; 3,1; 4,6; 7,24. 29; 10,1; 11,33; 12,1; 14,6. 20. 26. 39; 15,1. 31. 50. 58; 16,15; 2Kor 1,8; 8,1; 13,11; Gal 1,11; 3,15; 4,12. 28. 31; 5,11. 13; 6,1. 18; Phil 1,12; 3,13. 17; 4,1. 8; 1Thess 1,4; 2,1. 9. 14. 17; 3,7; 4,1. 10. 13; 5,1. 4. 12. 14. 25; 2Thess 1,3; 2,1. 13. 15; 3.1. 6. 13; 4 Mal Hebr; 18 Mal Jak; 2Petr 1,10; 1Joh 3,13), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *1Kor 10,1; 15,1. 50. ♦ εὐαγγέλιον steht 79 / 76 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17, vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ ὑπό steht 248 / 220 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,10; 4,3. 5; *1Kor 10,1; 15,25; *2Kor 5,4; *Laod 2,11. ♦ Die Kombination ὑπ’ ἐμοῦ steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung ὅτι οὐκ ἔστιν steht 7 Mal im NT, davon ein Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: Eph 6,12; im Vers: Mk 6,4; Joh 8,44; Apg 10,34; 25,16; Röm 3,10; Gal 1,11). ♦ Die Wendung κατὰ ἄνθρωπον steht 6 Mal im NT (Röm 3,5; 1Kor 3,3; 9,8; 15,32; Gal 1,11; 3,15), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,1 (3,15). Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers unbezeugt ist, sprechen doch einige Gründe für dessen vorkanonischen Präsenz. Die Verseröffnung Γνωρίζω δὲ γὰρ ὑμῖν wie die Formulierung ὑπ’ ἐμοῦ stehen nur hier im NT. Alle weiteren Elemente des Verses sind vorkanonisch bezeugt, weshalb wohl anstelle von ὅτι οὐκ schlicht οὐκ zu lesen ist, während das ὅτι zuvor stand, so wie in *1Kor 10,1 belegt. 1 (Gal) 61 <?page no="62"?> (1,12) οὐδέ steht 161 / 144 Mal im NT, gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal, vgl. zuvor zu Vers 1 und weiter unten zu Vers 17. ♦ Die Kombination οὐδὲ γάρ steht 9 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Lk 20,36; 3 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 8,7; Gal 1,12; 6,13), vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *Gal 6,12. ♦ Die Variante οὔτε findet sich 106 / 87 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,6. ♦ παρὰ ἀνθρώπου steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene ( Joh 5,34). ♦ παραλαμβάνω steht 54 / 50 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.) steht 100 Mal im NT, vorkanonisch lediglich bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ διδάσκω, das 102 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,12; *Röm 2,21. ♦ Die Form ἐδιδάχθην ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ἀλλὰ διά steht 7 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,1. ♦ ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt, *1Kor 14,6; *2Thess 1,7. Zur Rekonstruktion: Auch wenn nur das οὐδέ … παρὰ ἀνθρώπου … ἀλλὰ δι’ Ἰησοῦ Χριστοῦ bei Tertullian bezeugt ist (non ab hominibus … sed per Iesum Christum), dürfte über das Bezeugte hinaus weiteres Textmaterial in der vorkanonischen Fassung präsent gewesen sein, wie die vielfach vorkanonischen Elemente zeigen, auch wenn dieses, wie der kanonische Begriff παραλαμβάνω zeigt, wohl kanonisch redaktionell überarbeitet zu sein scheint. (1,13) ποτέ steht 29 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,11. 13; *Kol 1,21. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Form ἠκούσατε steht 26 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 4 Mal Mt; Mk 14,64; Joh 14,28; Gal 1,13; im Vers: 2 Mal Mt; Lk 7,22; 2 Mal Joh; Apg 1,4; Eph 3,2; 4,21; Phil 2,26; 4,9; Kol 1,6. 23; Jak 5,11; 4 Mal 1Joh; 2Joh 1,6), vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,5. ♦ Die Kombination τὴν ἐμήν findet sich weiterhin nur auf der kanonischen Ebene bei Paulus (1Kor 7,40; 11,24. 25; 2Kor 1,23) ♦ ἀναστροφή begegnet 13 Mal im NT, jedoch nur auf der kanonischen Ebene, nicht in den Evangelien, sondern in einem pseudopaulinischen Schriften und katholischen Briefen (Eph 4,22; 1Tim 4,12; Hebr 13,7; 1Petr 1,15. 18; 2,12; 3,1. 2. 16; 2Petr 2,7; 3,11; Jak 3,13). ♦ Ἰουδαϊσμός begegnet im ganzen NT nur an dieser Stelle in den Versen 13 und 14, nach Tertullian bezeugt für die vorkanonische Ebene. Wie bereits von ihm aus den Markions Antithesen zitiert, scheint dies ein typischer vorkanonischer Begriff zu sein, der schließlich außer in den beiden kanonischen Parallelversen nicht mehr weiter von der kanonischen Redaktion verwendet wird. ♦ Das von Tertullian bezeugte ὑπερβολή, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,7, mit der Formel καθ’ ὑπερβολὴν gar in *1Kor 12,31. ♦ διώκω steht 47 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. Zwar kann das Verb, gerade zur Zeit der zweiten Sophistik, 62 Rekonstruktion <?page no="63"?> 72 Vgl. M.D. Nanos and H. Wendt, Galatians (2022), 336-339. wie Nanos/ Wendt zeigen rhetorisch genutzt werden im Sinne von diskreditieren, argumentativ dagegenhalten, doch scheint gerade die vorkanonische Wendung, wie sie sich auch in *Ev dokumentiert, tatsächlich den Verfolgungscharakter zu haben. 72 ♦ ἐκκλησία steht 120 / 114 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,19; *Laod 3,10; 5,23. 29. 32; *Kol 1,24. ♦ Der Ausdruck ἐκκλησία τοῦ θεοῦ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 20,28; 1Kor 1,2; 10,32; 11,16. 22; 15,9; 2Kor 1,1; Gal 1,13; 1Thess 2,14; 2Thess 1,4). ♦ Zu πορθέω vgl. weiter unten zu Vers 23. ♦ Die in den einschlägigen Handschriften 10 und 12 bezeugte alternative Lesart πολεμέω, die sich 11 / 7 Mal im NT findet, begegnet allerdings weiter ausschließlich auf der kanonischen Ebene, jedoch weder in Lk noch in Paulus. ♦ αὐτήν steht 110 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. Zur Rekonstruktion: Die von Tertullian bezeugten oder angedeuteten Teile des Verses sind, wie auch die Lexik erweist, vorkanonisch bezeugte Begriffe, während die unbezeugten und hier ausgelassenen Termini solche sind, die sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene finden. Eine Ausnahme bildet das unbezeugte ἐπολέμουν, das jedoch in den Text aufgenommen wurde, weil es als Variante in den einschlägigen Handschriften 010 und 012 begegnet und möglicherweise eine Spur des vorkanonischen Textes darstellt. (1,14) προκόπτω steht 6 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zu Ἰουδαϊσμός vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ πολλοί, πολλαί (Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Fem. / Mask. Pl.) steht 164 Mal im NT, vorkanonisch nicht bezeugt für *Paulus, sondern nur für *Ev 4,27; 14,16; 21,8. Man vergleiche auch den Singular πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), der ebenfalls für *Paulus unbezeugt ist, vorkanonisch nur belegt für *Ev 12,48; 21,27. Der Befund stützt die Beobachtung (siehe Einleitung), wonach die kanonische Redaktion die Emphase liebt und Angaben verstärkt. ♦ συνηλικιώτης ist Hapax legomenon im NT. ♦ γένος steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *1Kor 12,10; *Phil 3,5. ♦ περισσοτέρως, das 15 Mal im NT steht, vorwiegend in paulinischen Briefen, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ ζηλωτής, das 8 Mal im NT steht, ist nur kanonisch belegt ist. ♦ πατρικός ist Hapax legomenon im NT. ♦ παράδοσις, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,8. Zur Rekonstruktion: Auch hier sind die von Tertullian bezeugten oder ange‐ deuteten Teile des Verses, wie auch die Lexik erweist, vorkanonisch bezeugte Begriffe, während die unbezeugten und hier ausgelassenen Termini solche sind, die sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene finden. Dass auch ζηλωτής 1 (Gal) 63 <?page no="64"?> aufgenommen wurde, auch wenn es sonst nur kanonisch belegt ist, ist narrativ bedingt, kann aber eine kanonische Überformung des Verses darstellen. (1,15) ὅτε steht 112 / 103 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ εὐδοκέω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt hier und für *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19, und stand vielleicht auch in *Ev 12,32. ♦ ἀφορίζω, das 11 / 10 Mal im NT steht, hier von Tertullian bezeugt, findet sich sonst nur auf der kanonischen Ebene (Mt 13,49; 25,32; Lk 6,22; Apg 13,2; 19,9; Röm 1,1; 2Kor 6,17; Gal 1,15; 2,12). ♦ κοιλία, das 24 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27 und stand vielleicht auch in *1Kor 6,13. ♦ μήτηρ steht 91 / 83 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,26; *Laod 5,31; 6,2. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ χάρις, das 171 / 156 Mal im NT steht, vorkanonisch gut bezeugt und doch ein Begriff großer Beliebtheit auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτοῦ steht 1197 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. Zur Rekonstruktion: Der Vers wird entsprechend der Bezeugung durch Tertul‐ lian gegeben. Ausgelassen ist ὁ θεός mit den einschlägigen Handschriften 010, 012 und das unbezeugte ἐκ κοιλίας μητρός μου καὶ καλέσας διὰ τῆς χάριτος αὐτοῦ wird wohl gefehlt haben, vgl. auch P 46 und einige spätere Zeugen. (1,16) ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ υἱός steht 418 / 379 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,4. 6. 22; *2Kor 3,7; *Röm 8,3; *2Thess 2,3. ♦ Die Kombination ἐν ἐμοί steht 41 Mal im NT steht, 3 Mal in Mt; Mk 14,6; Lk 7,23; 12,8; 22,37 (fehlt in *Ev); 14 Mal in Joh; Apg 28,18; Röm 7,8. 17. 18. 20; 1Kor 9,15; 14,11; 2Kor 11,10; 13,3; Gal 1,16. 24; 2,20; Phil 1,26. 30; 4,9; Kol 1,29; 1Tim 1,16, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,23; 12,8. ♦ ἵνα steht 691 / 663 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. Bemerkenswert ist die äußerst häufige Benutzung der Konjunktion im Johannesevangelium. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt in *Ev und *Paulus. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 1 und weiter Vers 18. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ εὐθέως steht 83 / 36 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, wobei die Stelle hier die einzige ist in einem paulinischen Brief. ♦ προσανατίθημι steht nur hier und noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Gal 2,6). ♦ Zu αἷμα, das 102 Mal im NT zu finden ist, steht auch vorkanonisch. ♦ σάρξ steht 154 / 147 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. Zur Rekonstruktion: Aufgrund der Bezeugung Tertullians wird der obige Text gegeben, anstelle von „Sohn“ wird „Christus“ gesetzt und wegen des narrativen 64 Rekonstruktion <?page no="65"?> 73 H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 29. Zusammenhangs, der die grammatikalische Konstruktion voraussetzt, auch das unbezeugte Ende von Vers 16 angefügt. Allerdings ist das emphatisierende und für die kanonische Redaktion typische εὐθέως ausgelassen, während das seltene προσανατίθημι durchaus vorkanonisch gestanden haben kann. (1,17) οὐδέ ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal, vgl. zuvor zu den Versen 1 und 12. ♦ ἀνέρχομαι steht nur 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Gal 1,17. 18; Joh 6,3). Die Variante des verbum simplex ἔρχομαι ist hingegen gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,4; *1Kor 15,35. ♦ Ἱεροσόλυμα steht 231 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,20; *Gal 2,1. ♦ πρός steht 753 / 699 Mal im NT und ist erstaunlich häufig an Stellen erwähnt, die in der vorkanonischen Version fehlen oder für diese nicht bezeugt sind - und dann gerade oft noch in Serien und häufig emphatisch den Adressaten von etwas Gesagtem herausstellend -, hingegen ist die Präposition auf der vorkanonischen Ebene selten und dann ausschließlich inhaltlich auf einen Gegenstand oder ein Ziel (z. B. Gott, den Herrn usw.) gerichtet. ♦ πρό steht 49 Mal im NT, etwa Lk 9,52; 10,1, erstaunlich gut vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27 (πρὸ προσώπου σου); 11,38 (πρὸ τοῦ ἀρίστου); 21,12 (πρὸ δὲ τούτων); 22,15 (πρὸ τοῦ με παθεῖν); *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ Ἀραβία steht nur hier im NT und 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf kanonischer Ebene in Gal 4,25. ♦ Die Wendung πρὸ ἐμοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; Röm 16,7; Gal 1,17). ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. Es wurde bemerkt, dass der kleine Begriff „bei Verben des Gehens, Schickens, Rufens [im kanonischen Paulus] die Vorstellung des Zurück aus[drückt] und … so mit dem Verbum in einem Begriff verbunden [ist], wie auch 2Kor 1,16 und Phil 1,26, während in Gal 1,17 wie in Apg 18,21 der Begriff ‚pleonastisch steht‘“. 73 ♦ ὑποστρέφω steht 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Δαμασκός steht 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (wiederholt in Apg und 2Kor 11,32; Gal 1,17). Zur Rekonstruktion: Der Weg, wohin *Paulus nicht ging oder ging, wird von keinem Zeugen ausgeführt. Die schlichte Variante ἦλθον in dem alten Papyrus P 46 und die Abwandlung, vor allem ἀπῆλθον, vielleicht beeinflusst durch die nachfolgende identische Form auf der kanonischen Ebene, stellen Hinweise darauf dar, dass zumindest die negative Aussage, dass *Paulus nicht nach Jerusalem ging, im vorkanonischen Text stand; dafür spricht auch die unbezeugte Aussage des voranstehenden Verses, dass er weder Fleisch noch 1 (Gal) 65 <?page no="66"?> 74 Hierauf macht aufmerksam H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 22. Blut konsultierte, was zu der Alleinstellung des Paulus passt, mit der er sich in diesem ersten Kapitel von *Gal gegenüber allen anderen Menschen positioniert und wohl darum auch von Jerusalem Abstand hält. Weitere biographische Reiseangaben sind eher typisch für die kanonische Redaktion und werden darum vermutlich im vorkanonischen Text gefehlt haben. Hierfür spricht auch die Lexik, man betrachte sich etwa den auffallenden Befund für πάλιν. Hinzu kommen die oben zu diesem Textteil vermerkten Parallelen auf der kanonischen Ebene. (1,18) ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht, davon 8 Mal als Verseröffnung (Verseröff‐ nung: Lk 16,7; Joh 11,7; 1Kor 15,6. 7; Gal 1,18. 21; 2,1; 1Thess 4,17; im Vers: 1Kor 12,28; 15,23. 46; Hebr 7,2. 27; Jak 3,17; 4,14), findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μετά steht 501 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,18. Auch bei diesem kleinen Wörtchen fällt auf, dass es insbesondere in Versen steht, die in *Ev fehlen, aber auch an vielen Stellen in Versen, bei denen die Parallelverse in *Ev dieses Wort wohl entbehrten. ♦ ἔτος steht 53 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 3,1; *Gal 2,1 ♦ ἀνέρχομαι, steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ♦ Zum vorkanonisch bezeugten Ἱεροσόλυμα, das 231 / 62 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 17. ♦ ἱστορέω steht noch ein Mal, kanonisch bezeugt in Gal 2,1, man vgl. aber auch das in 06* erhaltene διιστορων in Apg 17,23, der Areopagrede. 74 ♦ Κηφᾶν als von der kanonischen Redaktion bevorzugter Name des Petrus. ♦ ἐπιμένω steht 20 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Eben, vor allem in Apg und Paulus. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu den Versen 1. 16. ♦ Die Kombination πρός + αὐτός ist unbezeugt im vorkanonischen *Paulus, steht jedoch 3 Mal im kanonischen Paulus (Gal 1,18; Eph 6,9: Kol 3,19) und überhaupt 189 Mal im kanonischen NT. ♦ ἡμέρα steht 414 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 5,5; *2Kor 4,16. Der Terminus „Tag“ ist insofern bemerkenswert, als die vorkanonische Ebene ihn nicht nur vergleichsweise spärlich verwendet, sondern überhaupt Bezeugungen nur dann begegnen, wenn „Tag“ nicht einfach eine historische Zeitangabe bedeutet, sondern eine inhaltlich (oft theologische) Gewichtung hat. Umgekehrt zeigt sich aus diesem Vergleich, dass die kanonische Redaktion sich durch eine Historisierung der Narration auszeichnet. Der Plural „Tage“ wie hier findet sich im vorkanonischen *Paulus nur an einer Stelle (*Gal 4,10), hingegen 4 Mal im kanonischen Paulus (Gal 1,18; 4,10; Eph 5,16; 2Tim 3,1) und überhaupt 165 Mal im kanonischen Neuen Testament. ♦ δεκαπέντε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 11,18; Apg 27,28; Gal 1,18). Überhaupt sind Begriffe mit δεκαfür den vorkanonischen *Paulus nur 1 Mal bezeugt (Gal 2,1), während sie sich 4 Mal im kanonischen Paulus finden (1Kor 15,5, 2Kor 12,2; 66 Rekonstruktion <?page no="67"?> 75 Email an mich vom 27.05.2023. Gal 1,18; 2,1) und insgesamt 97 Mal im kanonischen NT stehen. Kardinalzahlen sind nur 1 Mal im vorkanonischen *Paulus bezeugt (*1Kor 14,19), während sie 7 Mal im kanonischen Paulus stehen (1Kor 10,8; 14,19; 15,5; 2Kor 11,24; Gal 1,18; 3,17; 1Tim 5,9) und 351 Mal überhaupt im kanonischen NT. ♦ Die Beobachtungen zum kanonischen Charakter dieses Verses werden durch die Kombination von „Tag“ + „Zahl“ verstärkt, die unbezeugt für die vorkanonische Ebene ist, doch auch im kanonischen Paulus fehlt, während sie allerdings im kanonischen NT 9 Mal begegnet (Lk 4,2, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt in Mt 4,2; 17,1; Mk 9,2; Lk 4,2; Joh 20,26; Apg 20,6; 21,4; 28,14). Zur Abwesenheit: Die Lexik stützt, dass die Unbezeugheit des Verses auch dessen Abwesenheit von der vorkanonischen Ebene bedeutet. Darauf weisen auch eine Reihe von Elementen hin, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἔπειτα; ἀνέρχομαι; ἱστορέω; ἐπιμένω; πρός + αὐτός - nicht in *Paulus; δεκαπέντε; Kombination von „Tag“ + „Zahl“). Mark Bilby 75 hat bereits festgestellt, dass der einzige Beleg für den Plural „Tage“ (vgl. auch *Gal 4,10) eine Kritik an der religiösen Observanz von Festtagen bedeutet, während die kanonische Redaktion geradezu besessen von der positiven Nutzung von „Tag“ und „Tagen“ ist, vor allem, wenn es um die Synchronisierung zwischen Paulus und der Apostelgeschichte geht, um eine plausible und einigermaßen kohärente Geschichte zu fabrizieren. (1,19) Die Kombination von ἕτερον + δέ ist Hapax legomenon im NT. Die Kombination von ἕτερος in anderen Deklinationsformen + δέ ist unbezeugt für den vorkanonischen *Paulus, jedoch 3 Mal vorhanden im kanonischen Paulus (1Kor 3,4; 15,40 innerhalb von μέν-… δέ; Gal 1,19) und steht überaupt 8 Mal im kanonischen NT. ♦ Das Zusam‐ mentreffen von δέ + τῶν begegnet sonst nicht im vorkanonischen *Paulus, allerdings 4 Mal im kanonischen Paulus (1Kor 2,6; Gal 1,19; 2,6; 1Thess 5,1) und überhaupt 19 Mal im kanonischen NT. ♦ Der Plural τῶν ἀποστόλων steht im vorkanonischen *Paulus nur 1 Mal (*Laod 2,20), während er 3 Mal im kanonischen Paulus zu finden ist (1Kor 15,9; Gal 1,19; Eph 2,20) und 17 Mal überhaupt im kanonischen NT (meist in Apg). ♦ ὁράω steht 754 Mal im NT. Bei diesem Verb ist auffallend, wie oft es gerade in Passagen steht, die in der vorkanonischen Fassung abwesend sind. Für *Paulus gibt es denn auch nur einen bezeugten Beleg (*1Kor 5,17), während gerade die Bezeugungen des Verbs beim kanonischen Paulus in den für die vorkanonische Fassung nichtbezeugten Versen besonders auffällig sind. Das Verb ist also trotz mancher vorkanonischen Bezeugungen ein deutlich von der kanonischen Redaktion bevorzugter Begriff. ♦ Noch auffälliger ist die Kombination von οὐκ + εἶδον, sie ist unbezeugt für *Paulus, 1 (Gal) 67 <?page no="68"?> begegnet allerdings 1 Mal in Paulus (Gal 1,19) und 2 Mal im kanonischen NT (Apk 21, 22). Selbst wenn man die Suche erweitert und nach οὐ + allen Formen von ὁράω sucht, ergibt sich immer noch kein Ergebnis für *Paulus, allerdings 3 Einträge für Paulus (1Kor 2,9: Ἃ ὀφθαλμὸς οὐκ εἶδεν, innerhalb eines LXX-Zitats von Jes 64,3: οὐδὲ οἱ ὀφθαλμοὶ ἡμῶν εἶδον; Gal 1,19; Kol 2,1) und überhaupt 15 für das kanonische NT. ὁράω + οὐδείς ist ebenfalls für *Paulus unbezeugt, steht aber 1 Mal in Paulus (1Tim 6,16). ♦ Der Ausdruck εἰ μή + ein spezifisches Nomen ist unbezeugt für *Paulus, steht jedoch 3 Mal in Paulus (1Kor 1,14; 2,2; Gal 1,19) und überhaupt 6 Mal im kanonischen Neuen Testament. Erweitert man die Suche nach εἰ μή + irgendein Nomen, gibt es immer noch keinen Eintrag für *Paulus, jedoch 5 für Paulus (Röm 9,29; 11,15; 1Kor 1,14; 2,2; Gal 1,19) und überhaupt 11 für das kanonische NT. ♦ Ἰάκωβος findet sich 51 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt jedoch für *Gal 2,9. ♦ Die Verbindung von einem spezifischen Nomen im Akk. Sg. + bestimmten Artikel ist unbezeugt für *Paulus, begegnet jedoch 17 Mal bei Paulus und überhaupt 69 Mal im kanonischen NT. ♦ Der Ausdruck τὸν ἀδελφόν steht 37 Mal im NT, 12 Mal in Paulus, ausschließlich kanonisch belegt. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers dürfte aufgrund der mangelnden Bezeugung und der einschlägigen Lexik auf die kanonische Redaktion zurückgehen. Auch bei diesem Vers danke ich ausdrücklich Mark Bilby für die Vorschläge in der zum voranstehenden Vers genannten Email. (1,20) ἅ steht 114 Mal im NT, vorkanonisch gut bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; 5,21; *1Kor 10,20; *2Kor 5,10; *Kol 2,17. ♦ Die Kombination von ὅς + δέ begegnet zwar 2 Mal vorkanonisch (*Gal 2,20; *1Kor 7,7), ist aber sehr geläufig für die kanonische Ebene, 15 Mal im kanonischen Paulus und 58 Mal im kanonischen NT. ♦ Deutlicher ist noch die Kombination von δέ + γράφω, die unbezeugt ist für *Paulus, jedoch 3 Mal im kanonischen Paulus begegnet (Röm 15,15; 1Kor 5,11; Gal 1,20) und noch weitere 2 Mal im kanonischen NT ( Joh 19,19; 20,31). ♦ γράφω, das 213 / 191 Mal im NT belegt ist, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,19. 31; 3,19; 9,10; 10,7. 11; 14,21; 15,54, vielleicht sogar auch in einer sehr ähnlichen Formulierung (*1Kor 4,14: ὑμᾶς ταῦτα γράφω). ♦ Die Kombination von γράφω + σύ ist unbezeugt für den vorkanonischen *Paulus, findet sich jedoch 12 Mal im kanonischen Pauls (Röm 15,15; 1Kor 5,9. 11; 14,37, 2Kor 1,13; 2,4; 7,12; 9,1; Gal 1,20; Phil 3,1; 1Thess 4,9; Phlm 1,21) und 30 Mal überhaupt im kanonischen NT. ♦ Die Kombination von ἰδού + ἐνώπιον ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination von ἐνώπιον + ὁ + θεός ist vorkanonisch unbezeugt, findet sich jedoch 10 Mal im kanonischen Paulus (Röm 14,22; 1Kor 1,29; 2Kor 4,2; 7,12; Gal 1,20; 1Tim 5,4. 21; 6,13; 2Tim 2,14; 4,1) und überhaupt 25 Mal im kanonischen NT. ♦ ἐνώπιον steht 100 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,29. ♦ Der Ausdruck ἐνώπιον τοῦ θεοῦ ist nur kanonisch belegt, in *Ev 16,15 ist ἐνώπιον τῶν ἀνθρώπων bezeugt, aber nicht ἐνώπιον τοῦ θεοῦ (m.-E. zu ändern in 68 Rekonstruktion <?page no="69"?> 76 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 997. 77 Ibid. 559. Klinghardt), 76 vgl. auch 1Kor 1,29; 2Kor 4,2; 7,12; Röm 14,22. ♦ ψεύδομαι steht 10 Mal im NT und ist auch vorkanonisch ein Mal bezeugt (*1Thess 2,11). ♦ Die Kombination οὐ + ψεύδομαι ist unbezeugt für den vorkanonischen *Paulus, steht aber 4 Mal im kanonischen Paulus (Röm 9,1; 2Kor 11,31; Gal 1,20; 1Tim 2,7) und 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im kanonischen NT in Apg 5,4. Zur Abwesenheit: Erneut stützt die Lexik die fehlende Bezeugung des Verses und erweist diesen als eine floskelhafte rhetorische Zutat der kanonischen Redaktion, ohne die der Text narrativ besser fließt. (1,21) Zum kanonischen ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht vgl. zuvor zu Vers 18. ♦ ἔρχομαι steht 709 Mal im NT, ist mehrfach vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,4; *1Kor 15,35. ♦ κλίμα steht nur 3 Mal im NT und nur auf der kanonischen Ebene (Gal 1,21; Röm 15,23; 2Kor 11,10). ♦ Συρία steht 8 Mal im NT und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Mt 4,24; Lk 2,2; Apg 15,23. 41; 18,18; 20,3; 21,3; Gal 1,21). ♦ Κιλικία steht 9 Mal im NT, ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 6,9; 15,23. 41; 21,39; 22,3. 34; 27,5; Gal 1,21). Zur Abwesenheit: Die Frage, ob dieser Vers an- oder abwesend im Text war, ist schwierig zu beantworten. Zunächst deutet der lexikalische Befund zu den Ortsangaben gegen eine Präsenz, dagegen steht die Präsenz von zwei eher unbedeutenden Wörter ἔπειτα und ἔρχομαι, die vorkanonisch anderwärts be‐ zeugt sind. Nimmt man jedoch die nachfolgenden Verse in Blick, die lexikalisch stark von der kanonischen Redaktion geprägt sind, wird man wohl auch den vorliegenden Vers als abwesend einstufen. (1,22) ἤμην, das 16 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀγνοέω findet sich 23 Mal im NT und ist auch vorkanonisch belegt (*1Kor 10,1; 12,1). ♦ πρόσωπον findet sich 84 Mal im NT, für die vorkanonische Ebene bezeugt in *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ ἐκκλησία, das 120 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *1Kor 14,19; *Laod 3,10; 5,23. 29. 32; *Kol 1,24. ♦ Ἰουδαία steht 47 Mal im NT und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. Dass dieser Begriff zur kanonischen Ebene gehört, hat schon M. Klinghardt erkannt: „Die komprehensive Verwendung von Ἰουδαία als Bezeichnung des gesamten von Juden bewohnten Landes in Palästina (ist) eine typisch lk Wendung“. 77 ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. 1 (Gal) 69 <?page no="70"?> Zur Abwesenheit: Wie im Vers zuvor sprechen auch hier kanonische Begriffe (ἤμην, Ἰουδαία) gegen die Anwesenheit des Verses. Die biographische Anrei‐ cherung geht wohl auch hier auf Kosten der kanonischen Redaktion. (1,23) Die Wendung μόνον δέ steht 11 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung (an‐ sonsten 7 Mal als Verseröffnung mit voranstehendem οὐ), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Verbform ἦσαν steht 96 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,1. ♦ διώκω ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,21. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt in *Ev und *Paulus, vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ πίστις, das 257 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. 20; 3,11. 26; 5,6; *1Kor 12,9; *2Kor 4,13; *Röm 1,17; 5,1; *Laod 4,5. ♦ πορθέω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, die anderen Male in Apg 9,21, dann Gal 1,13. Zur Abwesenheit: Erneut wird die unbezeugte biographische Narration kano‐ nisch fortgesponnen. Zwar begegnen fast alle Termini auch vorkanonisch, doch πορθέω bietet einen wichtigen Hinweis. Nachdem der Vers den Inhalt von dem zum Teil bezeugten Vers *Gal 1,13 aufgreift (wo allerdings offenkundig die Variante ἐπολέμουν stand), während die kanonische Version wohl πορθέω bietet und dieser Begriff wieder in Apg 9,21 begegnet, scheint der Vers ebenfalls auf die kanonische Redaktion zurückzuführen zu sein. Vielleicht lag ihm ein vorkanonischer Text zugrunde, der jedoch nicht mehr herzustellen ist (Hinweis auf Paulus, den Verfolger? ). (1,24) δοξάζω steht 68 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. ♦ Die Form ἐδόξαζον steht 6 Mal im NT, in Lk 5,26, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Lk 5,26; 7,16; 3 Mal Apg; Gal 1,24). ♦ Die Kombination ἐν ἐμοί, die 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Auch wenn wir nur ein Element vorliegen haben, das ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt ist, spricht doch der Zusam‐ menhang mit den voranstehenden Versen dafür, dass dieser Vers ebenfalls ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. Kapitel 2 2,1 (↓1,18-↓19) 2-5 6 [7-8] 9-10: Das Apostelkonzil in Jerusalem Der Abschnitt zum Apostelkonzil ist recht gut bezeugt und dürfte bis auf einige wichtige Weiterungen durch die Verse 7-8 und einige Anpassungen an die 70 Rekonstruktion <?page no="71"?> andere narrative Einpassung durch die kanonische Redaktion von dieser weithin übernommen worden zu sein. Die Rekonstruktion der Passage ist vielfach sicherer als das Eingangskapitel von *Gal. 2,1 Καὶ διὰ δεκατεσσάρων ἐτῶν ἀνέβην εἰς Ἱεροσόλυμα, (↓1,18-…) ἱστορῆσαι Πέτρον (↓1,19) καὶ τοὺς λοιποὺς ἀποστόλους. 2,1 Ἔπειτα διὰ δεκατεσσάρων ἐτῶν πάλιν ἀνέβην εἰς Ἱεροσόλυμα μετὰ Βαρναβᾶ, συμπαραλαβὼν καὶ Τίτον· 2 ἀνέβην δὲ κατὰ ἀποκάλυψιν· ἀνεθέμην αὐτοῖς τὸ εὐαγγέλιον ὃ κηρύσσω ἐν τοῖς ἔθνεσιν, μὴ εἰς κενὸν ἔδραμον ἢ τρέχω. 2 ἀνέβην δὲ κατὰ ἀποκάλυψιν· καὶ ἀνεθέμην αὐτοῖς τὸ εὐαγγέλιον ὃ κηρύσσω ἐν τοῖς ἔθνεσιν, κατ’ ἰδίαν δὲ τοῖς δοκοῦσιν, μή πως εἰς κενὸν τρέχω ἢ ἔδραμον. 3 ἀλλ’ οὐδὲ Τίτος ὁ σὺν ἐμοί, Ἕλλην ὤν, ἠναγκάσθη περιτμηθῆναι 3 ἀλλ’ οὐδὲ Τίτος ὁ σὺν ἐμοί, Ἕλλην ὤν, ἠναγκάσθη περιτμηθῆναι· 4 διὰ τοὺς παρεισάκτους ψευδαδέλφους, οἵτινες παρεισῆλθον κατασκοπῆσαι τὴν ἐλευθερίαν ἡμῶν ἣν ἔχομεν ἐν Χριστῷ, ἵνα ἡμᾶς καταδουλώσουσιν· - 4 διὰ δὲ τοὺς παρεισάκτους ψευδαδέλφους, οἵτινες παρεισῆλθον κατασκοπῆσαι τὴν ἐλευθερίαν ἡμῶν ἣν ἔχομεν ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, ἵνα ἡμᾶς καταδουλώσουσιν· 5 οὐδὲ πρὸς ὥραν εἴξαμεν τῇ ὑποταγῇ, ἵνα ἡ ἀλήθεια τοῦ εὐαγγελίου διαμένῃ· 5 οἷς οὐδὲ πρὸς ὥραν εἴξαμεν τῇ ὑποταγῇ, ἵνα ἡ ἀλήθεια τοῦ εὐαγγελίου διαμείνῃ πρὸς ὑμᾶς. -6 οὐδὲν προσανέθεντο. 6 ἀπὸ δὲ τῶν δοκούντων εἶναί τι ὁποῖοί ποτε ἦσαν οὐδέν μοι διαφέρει· πρόσωπον ὁ θεὸς ἀνθρώπου οὐ λαμβάνει ἐμοὶ γὰρ οἱ δοκοῦντες οὐδὲν προσανέθεντο, - 7 ἀλλὰ τοὐναντίον ἰδόντες ὅτι πεπίστευμαι τὸ εὐαγγέλιον τῆς ἀκροβυστίας καθὼς Πέτρος τῆς περιτομῆς, 8 ὁ γὰρ ἐνεργήσας Πέτρῳ εἰς ἀποστολὴν τῆς περιτομῆς ἐνήργησεν καὶ ἐμοὶ εἰς τὰ ἔθνη, 9Πέτρος καὶ Ἰάκωβος καὶ Ἰωάννης δεξιὰς ἔδωκαν ἐμοί, ἵνα ἐγὼ εἰς τὰ ἔθνη, αὐτοὶ εἰς τὴν περιτομήν, 9 καὶ γνόντες τὴν χάριν τὴν δοθεῖσάν μοι, Ἰάκωβος καὶ Κηφᾶς καὶ Ἰωάννης, οἱ δοκοῦντες στῦλοι εἶναι, δεξιὰς ἔδωκαν ἐμοὶ καὶ Βαρναβᾷ κοινωνίας, ἵνα ἡμεῖς εἰς τὰ ἔθνη, αὐτοὶ δὲ εἰς τὴν περιτομήν· 10 ἵνα μόνον τῶν πτωχῶν μνημονεύωμεν. 10 μόνον τῶν πτωχῶν ἵνα μνημονεύωμεν, ὃ καὶ ἐσπούδασα αὐτὸ τοῦτο ποιῆσαι. A. *2,1(↓1,18) (↓1,19): Tert., Adv. Marc. V 3,1: Denique ad patrocinium Petri ceterorumque apostolorum ascendisse Hierosolymam post annos quatuordecim 1 (Gal) 71 <?page no="72"?> scribit; id., De praescr. 23,7 (SC 46,118): Dehinc, sicut ipse enarrat, ascendit Hierosolymam cognoscendi Petri causa. ♦ *2,2: Tert., Adv. Marc. V 3,1: ut conferret cum illis de evangelii sui regula, ne in vacuum tot annis cucurrisset aut curreret; ibid., V 3,4: ipso quoque apostolo ne in vacuum cucurrisset aut curreret suspecto; ibid., V 3,5: quam sciret se Paulus non <in> vacuum cucurrisse (Evans, 520: sciret se Paulus: Paulus sciret se; <in>: in); ibid., IV 2,5: ne forte in vacuum cucurrisset, id est ne non secundum illos credidisset et non secundum illos euangelizaret. ♦ *2,3: Tert., Adv. Marc. V 3,2-3: Cum vero nec Titum dicit circumcisum … Sed nec Titus, qui mecum erat, cum esset Graecus, coactus est circumcidi; ibid., V 2,7: intercessisse quosdam, qui dicerent circumcidi oportere et observandam esse Moysi legem. ♦ *2,4: Tert., Adv. Marc. V 3,3: Ergo propter falsos, inquit, superinducticios fratres, qui subintraverant ad speculandam libertatem nostram quam habemus in Christo, ut nos subigerent servituti … propter superinducticios falsos fratres, et reliqua; ibid., I 20,4: Sed et si quosdam falsos fratres inrepsisse descripsit; ibid., I 20,6: falsos et apostolos et fratres notans in hac causa; ibid., IV 3,2: simul et accusantis pseudapostolos quosdam pervertentes euangelium Christi; ibid., IV 3,4: Proinde si et pseudapostoli irrepserant; ibid., V 2,7: intercessisse quosdam, qui dicerent circumcidi oportere et observandam esse Moysi legem; ibid., V 3,2: ex defensione adhuc legis concussam ab eis, quos propterea falsos et superinducticios fratres appellat. Zu superinducticius vgl. auch id., De monog. 14,1 (SC 343,194): circumcidens Timotheum propter superinducticios fratres (wobei Gal 2,4 mit Apg 16,3 kombiniert werden). ♦ *2,5: Tert., Adv. Marc. V 3,3: nec ad horam cessimus subiectioni; ibid.: Intendamus enim et sensui ipsi et causae eius, et apparebit vitiatio scripturae; ibid., I 20,6: et apostolus ea iam recusanda pronuntiabat. ♦ *2,6: Vgl. Tert., Adv. Marc. IV 3,3: Porro etsi reprehensus est Petrus et Iohannes et Iacobus, qui existimabantur columnae, manifesta causa est: personarum enim respectu videbantur variare convictum; vgl. id., De praescr. 23,10 (SC 46,119): Ceterum si reprehensus est Petrus quod, cum convixisset ethnicis, postea se a convictu eorum separabat personarum respectu, utique conversationis fuit vitium, non praedicationis. ♦ 2,7-8: Vgl. Tert., De praescr. 23,9 (SC 46,119): Itaque et dexteram ei dederunt, signum concordiae et convenientiae, et inter se distributionem officii ordinaverunt, non separationem euangelii nec ut aliud alter sed ut aliis alter praedicarent, Petrus in circumcisionem, Paulus in nationes. ♦ *2,9: Tert., Adv. Marc. V 3,6: Bene igitur quod et dexteras Paulo dederunt Petrus et Iacobus et Ioannes, et de officii distributione pepigerunt, ut Paulus in nationes, illi in circumcisionem; ibid., IV 3,3: Porro etsi reprehensus est Petrus et Ioannes et Iacobus, qui existimabantur columnae, manifesta causa est. Personarum enim respectu videbantur variare convictum; ibid., V 3,5: quam dexteras ei darent antecessores; vgl. auch ibid., I 20,2: Nam et ipsum Petrum ceterosque, columnas apostolatus, 72 Rekonstruktion <?page no="73"?> 78 Vgl. J.S. Semler, Vorbereitung zur theologischen Hermeneutik zu weiterer Beförderung des Fleisses angehender Gottesgelerten 3,2 = 4. Worin von dem griechischen Text und Handschriften der Briefe u.s.w. Beobachtungen vorkommen (1769), 60. 79 Diese Zeugen machen allerdings nicht „die Mehrheit der anderen Zeugen“ aus, pace J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 245. Sie stimmt hier im übrigen (überzogenerweise) mit dem ähnlichen Urteil von Detering überein, der behauptet, dass das οὐδέ „is missing in texts of most of the Catholic church fathers“, so H. Detering, The Falsified Paul. Early Christianity in the Twilight (2003), 103. Allerdings ist es nicht unbedeutend, dass wichtige Väter‐ stimmen und handschriftliche Zeugen eine solche Revision des paulinischen Textes vorgenommen haben. Inkorrekt ist, wenn Lieu in Fußnote 33 auf derselben Seite angibt, keine anderen Zeugen außer Tertullian wiesen das Fehlen von οἷς auf. Clabeaux führt detailliert die Zeugen für die verschiedenen Versionen auf: οἷς οὐδὲ πρὸς ὥραν P 46 , 01, 02, 03, 04, 06 c , 010, 012, 018, 020, 025, 033, sy h , bo, arm, eth, OL pc; οὐδὲ πρὸς ὥραν Tert, sy p , MVict, Iren lat ; πρὸς ὥραν 06*, Tert, OL: DI; οἷς πρὸς ὥραν Hieron, Sedulius Scottus. Clabeaux schließt, dass, auch wenn die zweite Version die älteste bezeugte sei, es doch eher wahrscheinlich sei, dass ein Schreiber ein οἷς weglässt, als dass er es hinzusetzt, so J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 84-85. Dem schließt sich an E.S. Lodovici, Sull’ interpretazione di alcuni testi della Lettera ai Galati in Marcione e in Tertulliano (1972), 377-381. Doch Hilgenfeld hat schon den vorkanonischen Wortlaut wie oben als „den unverfälschten Text“, den Markion „bewahrt hatte“ angesehen, während, wie Irenäus, Adv. Haer. III 13,3, der katholische Text die Negation ausgelassen habe. a Paulo reprehensos opponunt; ibid., I 20,4: Atquin de praedicationis unitate … dextras iunxerant, et ipsa officii distributione de evangelii societate condixerant; ibid., IV 2,5: Denique ut cum auctoribus contulit et convenit de regula fidei, dextras miscuerunt et exinde officia praedicandi distinxerunt, ut illi in Iudaeos, Paulus in Iudaeos et in nationes; id., De praescr. 23,9: Itaque et dexteram ei dederunt, signum concordiae et convenientiae, et inter se distributionem officii ordinaverunt, non separationem euangelii nec ut aliud alter sed ut aliis alter praedicarent, Petrus in circumcisionem, Paulus in nationes. ♦ *2,10: Tert., Adv. Marc. V 3,6: … tantum ut meminissent egenorum. B. (2,1) Nach ἐτῶν schwankt die Überlieferung. Anstelle von πάλιν ἀνέβην bieten die umgekehrte Reihenfolge 06, 010, 012, ar, b, während das πάλιν ausgelassen ist in vg ms , bo, Ir lat und Ambst. 04 bietet πάλιν ἀνῆλθον. ♦ (↓1,18…) Anstelle von Κηφᾶν findet sich Πέτρον in 01 2 , 06, 010, 012, 044, M latt, sz h . ♦ (↓1,19) οὐδένα ist hinzugefügt in P 51vid , 06*, 010, 012. ♦ (2,4) δέ nach διά om f und die altlateinische Tradition: 54, 75, 76, 78, Tert, Hier, Theodor von Mopsuestia und Theodoret. ♦ Ἰησοῦ om Ephr, ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ om Aug. ♦ nach ἵνα add μη 010, 012. ♦ Anstelle von καταδουλώσουσιν bietet 06* καταδουλώσωνται. 78 ♦ (2,5) οἷς wie οὐδὲ om 06*, b, d, Ir lat , Tert, MVict, Ambst, Hier ms , Pel, Cass. 79 ♦ Die Variante διαμένῃ in 02, 010 und 012. ♦ (2,6) ὁ vor θεός om 03, 04, 06, 1 (Gal) 73 <?page no="74"?> 80 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 81 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 70*. 010, 012, 018, 020, 630, 1505, 1739, 1881, 2464, M, add P 46 , 01, 02, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 365, 614, 1175, 1241. ♦ Schmid schreibt (ἐ)μοὶ. ♦ ἐμοὶ καὶ Βαρναβᾷ fehlt in der altlateinischen Tradition (84) und in Aug. ♦ κοινωνίας fehlt in der altlateinischen Tradition (84). ♦ Die Reihenfolge ἵνα μόνον τῶν πτωχῶν findet sich in vielen altlateinischen Zeugen. 80 C. 1. Der Hinweis auf Petrus und die übrigen Apostel wie auch die von Harnack bereits genannte Notwendigkeit, einen Reisegrund anzugeben, sprechen dafür, dass in *Gal 2,1 die Information, die jetzt in Gal 1,18-19 zu finden ist, stand, aller‐ dings wohl verkürzt auf: … ἱστορῆσαι Πέτρον καὶ τοὺς λοιποὺς ἀποστόλους. Das ist auch syntaktisch notwendig, da das in *Gal 2,3 folgende αὐτοῖς einen Rückbezug braucht, der mindestens auf zwei Personen verweist, von denen gerade in Gal 1,18-19 die Rede ist. 2. Hilgenfeld meint, dass „fast jeder einzelne Vers“ von *Gal 2,1-14 bei Tertullian „erörtert“ wird. 3. (2,1) Van Manen gibt *Gal 2,1 nach dem kanonischen Text. Zahn nimmt den gesamten Vers ohne πάλιν und ohne die Teile aus *Gal 1,18-19 als gegeben an. Harnack urteilt zu den beiden ersten Versen vom zweiten Kapitel: „Hier standen die Worte Ἔπειτα διὰ δεκατεσσάρων ἐτῶν πάλιν ἀνέβην εἰς Ἱεροσόλυμα und μήπως εἰς κενὸν ἔδραμον ἢ τρέχω, aber sonst war der Text deshalb verändert, weil aus dem übergangenen Abschnitt des 1. Kapitels (aus v. 18 u. 19) der Zweck der Reise nachgebracht werden sollte“. 81 Schmid folgt Zahn, sieht aber das anfängliche Ἔπειτα nicht anwesend und schreibt für *Gal 2,1: (Ἔπειτα) διὰ δεκατεσσάρων ἐτῶν (πάλιν) ἀνέβην εἰς Ἱεροσόλυμα… Mit dieser Beobachtung liegt Schmid wohl richtig; denn erstens zeigt die Differenz, mit der Tertullian den vorkanonischen Text mit denique anführt, den kanonischen aber mit dehinc (in De praescr.), dass dieses dehinc nicht Ἔπειτα wiedergibt, sondern vielleicht lediglich ein καί denotiert. Dem entspricht auch die Wiedergabe eines καί durch denique von Tertullian für *Kol 1,20. Hinzu kommt, dass Ἔπειτα nur auf der kanonischen Ebene begegnet. Be‐ Duhn folgt Schmid. Nur in der kanonischen Redaktion findet sich die stilistisch 74 Rekonstruktion <?page no="75"?> 82 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 25. 83 Ibid. 84 H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 34. unschöne und repetitive Wiederholung des Satzanfangs Ἔπειτα in Gal 1,18. 21 und 2,1, zumal Gal 1,18. 21 vorkanonisch gefehlt haben. Zu dem nicht bezeugten πάλιν. Das Auslassen von πάλιν wird für die vorkanonische Version anzunehmen sein, so auch NA 28 . 82 An dieser Stelle scheint bei *Gal noch nicht erwähnt worden zu sein, dass Titus Paulus begleitet hat, was erst in *Gal 2,3 Erwähnung findet. Von Barnabas ist überhaupt nicht die Rede. 3. Was Barnabas betrifft, scheint er von *Paulus nicht erwähnt zu sein. 83 Er wird als Figur durch die kanonische Redaktion eingefügt, um so die Verbindung zur Apostelgeschichte, zu 1Kor und Kol herzustellen. „Barnabas ist der Levite Jo‐ seph von der Insel Kypern, der schon frühzeitig zur Jerusalemer Kirche gestoßen war (Apg 4,36f.). Er führt in der Darstellung der Apg Paulus in Jerusalem bei den Aposteln ein (Apg 9,27) und ist so etwas wie der Jerusalemer Vertrauensmann in Antiochien (Apg 11,22; 13,1f.; 15,35). Er dient der Jerusalemer Kirche, wenn man so sagen darf, als syrischer Nuntius (Apg 11,25.30; 12,25). Mit Paulus arbeitete er bis zu der am Beginn der sogenannten zweiten Missionsreise erfolgten Trennung zusammen (Apg 15,36ff.; vgl. 1Kor 9,6; Gal 2,9.13; Kol 4,10)“. 84 4. ↓*Gal 1,18 wird Πέτρον und nicht wie in der kanonischen Redaktion Κηφᾶν geboten haben. Hierfür spricht die schwankende Überlieferung, bei der Πέτρον von 01 2 , 06, 010, 012, 044, M latt, sz h geboten wird. Ebenfalls wird dies gestützt durch die Verwendung von Πέτρος in *Ev. 8,45; 12,41. Allerdings erwähnt *Paulus auch Κηφᾶς, das 9 Mal im NT steht, in *1Kor 3,22, wo es heißt, man solle sich keines Menschen rühmen, weil alle und alles den Adressaten gehöre, allen voran „Paulus, Apollos, Kephas“. In *Gal 2,9 findet sich in P 46 , r, 06, 010, 012, 629, 1175, a, b, vg mss , Ambst Πέτρος, nicht Κηφᾶς, in *Gal 2,11 dasselbe Phänomen in 06, 010, 012, M, it, vg mss , sy h , Ambst, und wieder in *Gal 2,14 dasselbe in 06, 010, 012, M, it, vg mss , sy h , Ambst, Pel. Die kanonische Redaktion kann durch Κηφᾶς in *1Kor 3,22 inspiriert worden sein: Σὺ εἶ Σίμων ὁ υἱὸς Ἰωάννου: σὺ κληθήσῃ Κηφᾶς ὃ ἑρμηνεύεται Πέτρος, was wieder in Joh 1,42 aufklingt: Σὺ εἶ Σίμων ὁ υἱὸς Ἰωάννου· σὺ κληθήσῃ Κηφᾶς (ὃ ἑρμηνεύετα Πέτρος). Sie ist aber so wenig wie *Paulus (und auch Joh 1,42) konsistent. Grundsätzlich könnte man, wo alternative Überlieferungen vorliegen, die beiden Namen Πέτρος und Κηφᾶς je auf *Gal und Gal verteilen, und die öfter *Paulus tradierenden Zeugen 06 und 012 legen nahe, dass die 1 (Gal) 75 <?page no="76"?> 85 Email vom 28.5.23, ich danke auch für die hier dokumentierten Kombinationsergeb‐ nisse. 86 Vgl. S.H. Levinsohn, Discourse Features of New Testament Greek. A Coursebook on the Information Structure of New Testament Greek (2000); S. Runge, The Exegetical Significance of Synoptic Differences from the Standpoint of Discourse Grammar (2015); S.E. Runge, Discourse Grammar of the Greek New Testament. A practical Introduction for Teaching and Exegesis (2010); I. Larsen, Word Order and Relative Prominence in New Testament Greek. A New Look (2001). kanonische Redaktion an den varianten Stellen „Kephas“ schrieb, während in *Gal der Name „Petrus“ verwendet wurde. 5. (↓1,19) Wie die einschlägigen Zeugen belegen, stand hier ein οὐδένα im vorkanonischen Text, das die kanonische Redaktion entfernt und damit die Aussage entschärft hat. 6. (2,2) κατὰ ἀποκάλυψιν ist eine im Neuen Testament ungewöhnliche Formulierung, sie ist nicht für *Paulus bezeugt, begegnet jedoch 3 Mal bei Paulus (Röm 16,25; Gal 2,2, Eph 3,3), doch sonst nirgends im NT. Bilby hatte aufgrund dieses Befundes vorgeschlagen, den Halbvers aus der Rekon‐ struktion von *Paulus herauszunehmen, 85 doch erweisen die vorkanonische Bezeugung sowohl des Verbs wie des Nomens und insbesondere die seltene Wiederaufnahme im kanonischen Neuen Testament, außerdem das erklärbare Desinteresse der kritischen Kommentatoren an diesem göttlichen Erweis der Autorität des Paulus, dass der Halbvers mit größerer Wahrscheinlichkeit doch im vorkanonischen Text stand, auch wenn er, was die grammatikalische Form betrifft, Überarbeitungsspuren der kanonischen Redaktion zeigt. 7. Zum Problem der Reihenfolge oder Wortstellung: 86 Schmid behält die kanonische Reihenfolge von τρέχω ἢ ἔδραμον bei, ihm folgt BeDuhn, setzt allerdings den ersten Teil des Verses [ἀνεθέμην αὐτοῖς τὸ εὐαγγέλιον ὃ κηρύσσω ἐν τοῖς ἔθνεσιν] in eckige Klammern. Alle bisherigen Editoren lassen das in der Tat unbezeugte ἀνέβην δὲ κατὰ ἀποκάλυψιν: καὶ aus, allerdings ist es narrativ sinnvoll - es markiert, dass Paulus trotz der Begegnung mit Petrus und Jakobus sich nicht aufgrund ihrer, sondern ausschließlich aufgrund einer eigenen Offenbarung nach Jerusalem begeben hat - und entspricht auch dem Bericht von *2Kor 12,1ff. Wie in Tert., Adv. Marc. V 12,9 auf den *Galaterbrief verwiesen wird, um auf die Parallelität aufmerksam zu machen, so ist das dort angeführte a domino datam sibi affirmat zumindest eine Stütze dafür, dass Tertullian möglicherweise auch in *Gal 2,2 davon las, dass Paulus aufgrund einer Offenbarung nach Jerusalem ging. Dass kein Kritiker an diesem göttlichen Erweis für die Autorität des Paulus interessiert war, liegt auf der Hand. 8. Der in der kanonischen Redaktion auf Vers 2 ἐν τοῖς ἔθνεσιν folgende Hinweis auf diejenigen, die in der Gemeinde als etwas Besonderes zu gelten 76 Rekonstruktion <?page no="77"?> 87 Vgl. EpAp 31-33, vgl. hierzu M. Vinzent, Die Auferstehung Christi im frühen Chris‐ tentum (2014), 202-203. 88 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 25. 89 So auch ibid. 28. 90 Tertullian, Contre Marcion. Tome V (Livre V). Texte critique par Claudio Moreschini. Introduction, traduction et commentaire par René Braun (2004), 94. 91 Vgl. T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 498; A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 70*. scheinen (τοῖς δοκοῦσιν) und denen Paulus einzeln sein Evangelium vorgelegt habe, könnte schon wegen der impliziten Kritik an der Autorität der Apostel im vorkanonischen *Paulus gestanden sein, findet sich aber durch keinen Zeugen belegt. *Paulus hat demnach seinen Gesprächspartnern sein Evangelium einzeln vorgelegt, doch ist damit keine Unterordnung angezeigt, wie sie etwa in der „Epistula Apostolorum“ vorgeführt wird. 87 Van Manen lässt den zweiten Teil des Verses (κατ’ ἰδίαν δὲ τοῖς δοκοῦσιν, μή πως εἰς κενὸν τρέχω ἢ ἔδραμον) aus. 88 9. Auch wenn keine Varianten für μή in den Textzeugen vorliegen, spricht Tertullians ne doch dafür, dass hier lediglich die einfache Form stand, einen weiteren Hinweis bietet die sonst nur auf der kanonischen Stelle stehende Konjunktion μή πως, vgl. zum Vers in der nachfolgenden Fußnote. 10. (2,3) Wegen der guten Bezeugung stimmen alle Editoren überein und bieten die oben stehende Rekonstruktion, allerdings lässt van Manen ὁ aus und nimmt σὺν ἐμοί in Klammern. Dass Titus hier ausführlich eingeführt wird, während er nach der kanonischen Redaktion bereits in Gal 2,1 zusammen mit Barnabas erwähnt wird, spricht für die Redaktionsrichtung *Gal > Gal, denn warum hätte man nicht bereits in Gal 2,1 die Charakterisierung des Titus gegeben, die man in ( * ) Gal 2,3 vorfindet? 11. (2,4) Beide Male fehlt ein Hinweis bei Tertullian auf das δέ nach διά, das schon van Manen auslässt. 89 Dabei behauptet Tertullian, Markion habe den Vers korrumpiert. Der Tertullianherausgeber Braun meint, Tertullian habe nach Vers 3 einen Schlusspunkt gelesen. 90 Gegen die Präsenz des Wortes sprechen auch andere Zeugen und die altlateinische Tradition. 91 Auch Schmid schließt sich diesem Urteil an. BeDuhn verweist darauf, dass die Hinzufügung des δέ zu einer ungelenken syntaktischen Struktur führt, allerdings die Rolle der Falschbrüder verdeutlicht. Auch hier stimmen wegen der guten Bezeugung alle Editoren bei der Rekonstruktion überein, die auch oben gegeben ist. 12. Wenn die sonst einschlägigen Zeugen 010, 012 nach ἵνα ein μη einfügen, scheinen sie die Polemik mindern zu wollen. 1 (Gal) 77 <?page no="78"?> 92 So auch H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 93 Zu dieser Identifikation vgl. auch J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 245; J. Lieu, Heresy and Scripture (2013), 94-95. 13. (2,5) Tertullian bezeugt nur das οὐδὲ πρὸς ὥραν εἴξαμεν τῇ ὑποταγῇ. Zahn, Harnack, Schmid und BeDuhn folgen Hilgenfeld in der Rekonstruktion, indem sie nur diesen Teil bieten, während van Manen den ganzen Vers wie oben bietet. οἷς ist bei Tertullian unbezeugt und die Auslassung wird von NA 28 als markionitische Lesart gekennzeichnet. 92 Damit stimmen sowohl einschlägige Handschriften wie auch altlateinische Zeugen überein, Tertullian wird den Begriff folglich nicht einfach übergangen haben. Die Variante διαμένῃ mit ihrer präsentischen Zeitform drückt aus, dass auch noch zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefes *Paulus der Auffassung ist, dass die Wahrheit des Evangeliums bei den Adressaten bleiben soll. Aus diesem durativen Aspekt machte die kanonische Redaktion eine historisierende Aussage. 14. Tertullian wirft zu diesem Vers dem Markion eine Textverfälschung vor, Tert., Adv. Marc. V 3,3: Intendamus enim et sensui ipsi et causae eius, et apparebit vitiatio scripturae. Es klingt, als habe ihm, ähnlich wie Irenäus, Adv. Haer. III 13,3, eine Negation gefehlt. Hierdurch wird dem Vers bei Irenäus, Tertullian und den oben angegebenen Textzeugen der kanonischen Fassung geradezu der gegenteilige Sinn des Verses unterschoben, woraus Irenäus das Argument zieht, dass Paulus einen Konsens mit den Aposteln gesucht habe (Iren., Adv. haer. III 13,3). Allerdings erhält die Stelle auch durch das Fehlen von οἷς eine andere Richtung. Die Schelte gegen die eingedrungenen Falschbrüder trifft dann nämlich nicht irgendwelche unbekannten Personen, sondern sie werden mit denjenigen identifiziert, denen *Paulus zuvor die Botschaft vorgelegt hat. 93 Um diese Deutung zu vermeiden, hat die kanonische Redaktion den Bezug zu den Falschbrüdern mit dem οἷς hergestellt, zuvor die Autoritäten eingeführt, denen Paulus „einzeln“ seine Botschaft vorlegte (κατ’ ἰδίαν δὲ τοῖς δοκοῦσιν), und dann gleich im nächsten kanonischen Vers 2,6 erneut auf diese Falschbrüder Bezug genommen. 15. Dass ἵνα ἡ ἀλήθεια τοῦ εὐαγγελίου διαμείνῃ in *Gal vorhanden war, will Harnack mit Hinweis auf die Bedeutung dieser Überlegung in den mark‐ ionitischen Prologen einsichtig machen, ἡ ἀλήθεια τοῦ εὐαγγελίου sei „der Zentralbegriff “ dieser Prologe und spiegele sich auch hier. Außerdem denkt auch er bereits an die möglicherweise präsentische Zeitstufe mit διαμενῃ. 78 Rekonstruktion <?page no="79"?> 94 Vgl. A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 71*. 95 Ibid. 96 U. Schnelle, Paulus. Leben und Denken (2013), 123. Eine ausführliche Diskussion bietet H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 31-32. 97 Ebenso Detering, wobei er auch das voranstehende τῆς ἀκροβυστίας mittilgt H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 32-35. 98 E. Barnikol, The Non-Pauline Origin of the Parallelism of the Apostles Peter and Paul (1998), 295; E. Barnikol, Der nichtpaulinische Ursprung des Parallelismus der Apostel Petrus und Paulus (Galater 2,7-8) (1931), 28. Vgl. auch W.O. Walker, Galatians 2: 7b-8 as a Non-Pauline Interpolation (2003), 583. 99 So O. Cullmann, Peter: Disciple-Apostle-Martyr. A Historical and Theological Study (1962), 20. Vgl. E. Dinkler, Der Brief an die Galater: Zum Kommentar von Heinrich Schlier (1953-1955), 182-183. Wiederabgedruckt in E. Dinkler, Signum crucis. Aufsätze zum Neuen Testament und zur christlichen Archäologie (1967), 278-280. Vgl. auch E. Dinkler, Die Petrus-Rom-Frage: Ein Forschungsbericht (1959), 197-198. Von BeDuhn ist dieser Teil des Verses nicht ausgewiesen, doch von Harnack beibehalten. 94 Bis auf οἷς und πρὸς ὑμᾶς wird er vorhanden gewesen sein, wie die Überlegungen Harnacks nahelegen, wenn auch διαμένω darauf hindeutet, dass der Vers bei der zweiten kanonischen Redaktion überarbeitet wurde. 16. (2,6) Bei diesem Vers sieht van Manen eine Lücke: ἀπὸ δὲ τῶν δοκούντων εἶναί τι … ὁποῖοί ποτε ἦσαν und sieht das zweite οἱ δοκοῦντες als fehlend. Zahn hingegen meint, dass Tertullian Vers 6 (mit den nachfolgenden Verse 7-8) kaum übergangen hätte, hätte er ihn vorgefunden. Harnack verweist darauf, dass dieser Passus bis V. 9a „ganz unbezeugt“ sei und „gefehlt haben“ müsse, es sei denn die Verse wären „ganz umgestaltet“ gewesen. 95 Schmid sieht sie als unbezeugt. BeDuhn hält Gal 2,6-9a für eine jüngere Hinzufügung zu dem ursprünglichen Argument des Paulus. Schnelle hält die Passage für paulinisch. 96 17. (2,7-8) Nach allen Editoren sind diese beiden Verse unbezeugt, wie zum Vers zuvor dargelegt, van Manen gibt sie jedoch wie folgt: 7 καθὼς Πέτρος τῆς περιτομῆς, 8 ὁ γὰρ ἐνεργήσας Πέτρῳ εἰς ἀποστολὴν τῆς περιτομῆς ἐνήργησεν καὶ ἐμοὶ εἰς τὰ ἔθνη. 97 Barnikol liest die Verse 7-8 als eine Antwort auf Markion, da Petrus hier eine göttliche Beauftragung zum Apostolat - der Begriff ἀποστολή findet sich nur in der kanonischen Redaktion: Gal 2,8; 1Kor 9,2; Röm 1,5; Apg 1,25 - bezeugt wird, die eine entscheidende Widerlegung von Markion darstellt, weil sie Paulus das Apostolat vorbehält. 98 Schon in der Vergangenheit ist die Besonderheit, ins‐ besondere die Namensbezeugung „Petrus“, an dieser Stelle aufgefallen, was Oscar Cullmann und Erich Dinkler dazu führte, Gal 2,7b-8 als Zitat aus einem „offiziellen Dokument“ zu betrachten, welches „Petrus“ benutze. 99 In Anknüp‐ 1 (Gal) 79 <?page no="80"?> 100 E. Barnikol, Der nichtpaulinische Ursprung des Parallelismus der Apostel Petrus und Paulus (Galater 2,7-8) (1931). 101 W.O. Walker, Galatians 2: 7b-8 as a Non-Pauline Interpolation (2003). 102 Vgl. W.C. van Manen, Marcion’s brief van Paulus aan de Galatiërs (1887), 513-514.530; P.L. Couchoud, La Première édition de Saint Paul (1926), 258; H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul (1927), III 189-190. 103 Vgl. hierzu auch H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul (1927), 189-190. 104 Vgl. zur Duplikation die Einleitung hierzu. 105 Diese Reihenfolge auch Tert., Adv. Marc. IV 3,3; De praescr. 15,2 und Adv. Prax. 15,8. fung an Harnack weist allerdings Barnikol auf eine andere Spur. 100 In seiner Untersuchung von Gal 2,7-8 zeigt er, dass auffallenderweise in 1Kor 1,12; 3,22; 9,5 und 15,5 alle Zeugen einhellig „Kephas“ schreiben, während in Gal 2,7. 8 beide Male fast alle Zeugen „Petrus“ bieten, die Peshitta allerdings schreibt כּ אפי . Für Gal 1,18; 2,9. 11. 14 haben wir zwei klar getrennte Überlieferungen, eine erste, die „Kephas“ hat: 01 (in Gal 1,18, 01*), 02 und 03 (für Gal 2,9, nicht 02, aber auch noch 04, 018, 020, vg; für Gal 2,11. 14 auch noch 04, 016, vg), und eine zweite, die „Petrus“ hat: 06, 010, 012 (für Gal 1,18; 2,11. 14 noch 010, 018, 020, wobei Gal 1,18 auch noch 01 2 , 044, M latt, sz h , it, vg; für Gal 2,9 noch P 46 , r, 629, 1175, a, b, fu, vg mss , Ambst; für Gal 2,11 noch M, it, vg mss , sy h , Ambst; für Gal 2,14 noch M, it, vg mss , sy h , Ambst, Pel). Barnikol schließt hieraus, dass Gal 2,7-8 eine spätere Interpolation sei. Ihm stimmte Walker zu. 101 Die Zeugen können aus unserer Perspektive aber auch anders gelesen werden, wie bereits früher gesehen wurde. 102 Wenn beide Rezensionen die zwei Namen kennen, die kano‐ nische Redaktion aber den Namen „Kephas“ bevorzugt, weil er durch *1Kor 3,22 bereits genannt war, und sie in ihrer Erweiterung von *1Kor zu 1Kor diesen Namen noch drei Mal in den Brief einträgt (1,12; 9,5; 15,5), dann hat sie auch in Gal 2 diesen Namen öfters anstelle von „Petrus“ gesetzt, auch wenn *Gal immer den Petrusnamen verwendete. Die Inkonsistenz der kanonischen Redaktion (und von *Paulus) nimmt jedoch Barnikol die Basis, um die beiden Verse Gal 2,7-8 auf dieser Grundlage als spätere Interpolation zu betrachten. Umgekehrt eröffnet sie die Möglichkeit, dass *Gal 2,6-9a zwar unbezeugt ist, doch, wie Harnack annahm, der Text durchaus in irgendeiner Weise in *Gal hat vorhanden sein können, vielleicht nur mit dem kleinen Stück, das oben gegeben wird. 103 18. (2,9) Van Manen gibt den Vers nach dem kanonischen Text. Der erste Teil des Verses (καὶ γνόντες τὴν χάριν τὴν δοθεῖσάν μοι) wird von BeDuhn in Klammern in den Text genommen. Doch gehört Vers 9a noch zu dem Passus 2,6-9a, der sich wie eine glättende Doppelung zu dem, was in 2,9b-10 folgt, liest. 104 19. Was die Abfolge der drei Personen betrifft, spricht Tertullian im zweiten Zeugnis (Adv. Marc. IV 3,3) von Petrus, Jakobus, Johannes, 105 und zwar vermut‐ 80 Rekonstruktion <?page no="81"?> 106 G. Quispel, Marcion and the Text of the New Testament (1998), 352. 107 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 108 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 35. 109 Detering hingegen hält die Frage von Absenz und Präsenz offen, ibid. 35-36. lich verteidigend aus dem eigenen Paulustext heraus, so urteilten schon Zahn und Quispel. 106 Die hier bezeugte Reihenfolge findet sich auffallenderweise in 06, 010, 012, 629, it, ar, go, b, vg mss , Tert, Or, Hier, Theodt, Ambst, Pel und weiter in der altlateinischen Tradition: 75, 76, 77, 78, 84, 89; die kanonische Anordnung mit der Form „Kephas“ hingegen in 01, 03, 04, 016 vid , 018, 020, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, vg, sy, co. Als markionitische Lesart vermerkt durch von Soden. 107 Auffallend ist P 46 und r, wo wir zwar die kanonische Reihenfolge, jedoch den Namen „Petrus“ lesen, allein „Jakobus“ liest man in 02. Die Ordnung von *Gal 1,9 findet sich auch in *Ev 8,51 (hier ist die Reihenfolge von Klinghardts Rekonstruktion zu der hier vorliegenden zu korrigieren) nach den Zeugen 01, 02, 020, 33, 700, 892, 1241, 1424, al vg c1 , sy s.c.p , sa ms , bo. Vers 9a ist unbezeugt und leitet sich auch narrativ in der kanonischen Redaktion aus den in *Gal fehlenden Versen 7-8 ab, wird also auch in *Gal gefehlt haben. Es ist zu bemerken, dass die drei Genannten in *Gal nicht den Namen „Säulen“ trugen. Vielleicht reagiert hierauf die kanonische Redaktion mit den Versen 2,6-9a mit dem Zusatz in 2,9 οἱ δοκοῦντες στῦλοι εἶναι, auch wenn Harnack meint, dass dieser Zusatz in *Gal nicht gefehlt habe. Dagegen sieht er κοινωνίας als fehlend an, weil es zwei Mal bei Tertullian ausgelassen ist, ihm folgt auch Schmid, wohingegen BeDuhn es in Klammern aufnimmt. 20. Bezüglich des ἐγώ anstelle des ἡμεῖς sieht Harnack, Tertullian folgend, wohl richtig, da, wie bereits oben in Vers 2,1 vom Begleiter Barnabas nicht die Rede war, 108 folglich Paulus von sich und nicht von „uns“ spricht, anders Schmid und BeDuhn, die hier Barnabas miterwähnt sehen, Schmid schreibt (ἡμεῖς μέν). Das Fehlen von ἐμοὶ καὶ Βαρναβᾷ in der altlateinischen Tradition in 84 und Aug stützt allerdings Tertullians Zeugnis und Harnacks Schlussfolgerung. 21. (2,10) Van Manen tilgt diesen Vers. 109 Zahn sieht den kanonischen Text für diesen Vers bezeugt, Harnack gibt als Text den obigen Bestand, ihm schließen sich Schmid und BeDuhn an. D. 1 (Gal) 81 <?page no="82"?> 110 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 1079. (2,1) ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht, davon 8 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 1,18. ♦ δεκατεσσάρων steht 3 Mal im NT, ansonsten auf der kanonischen Ebene (Mt 1,17; 2Kor 12,2; Gal 2,1). ♦ ἔτος, das 53 / 49 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 3,1; *Gal 2,1. ♦ ἀναβαίνω, das 89 / 82 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch weiter bezeugt in *Laod 4,10 (man vgl. auch die Ausführungen zu *Laod 4,8) und steht vielleicht auch in *Ev 18,10 und *Ev 19,28, doch an letzter Stelle liegt die Variante πορεύω vor, vielleicht ist das Verb auch in *Ev 5,19; 19,4 und vielleicht *Gal 2,2 zu vermuten, doch insgesamt erweist sich der Begriff als eine beliebte Formulierung der kanonischen Redaktion. Klinghardt meint: „ἀναβαίνων“ ist „typisch lk und deswegen der Redaktion verdächtig“. 110 ♦ Ἱεροσόλυμα, das 231 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,20; *Gal 2,1. ♦ Βαρναβᾶς, der 31 / 28 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ συμπαραλαμβάνω steht 6 / 4 Mal im NT, immer nur auf der kanonischen Ebene, und zwar weiters nur in der Apostelgeschichte (Apg 12,25; 15,37. 38), und gehört zu den typischen Komposittermini mit συγ / συμ / συν, vgl. die Einleitung. ♦ Τίτος, der 13 Mal im NT erwähnt wird und ein Mal vorkanonisch in *Gal 2,3 zu finden ist. (↓1,18…). ♦ ἱστορέω steht kanonisch Gal 1,18 und ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐπιμένω, das 20 / 17 Mal im NT steht, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. (↓1,19) Ἰάκωβος, das sich 51 / 42 Mal im NT findet, etwa Lk 22,8 in manchen Zeugen, wo der Name im parallelen Vers in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt jedoch für diese Stelle hier und *Gal 2,9. Zur Rekonstruktion: Zuvor wurde bereits in Nr. 1 begründet, warum die Informationen aus den Versen 1,18-19 vermutlich erst hier in *Gal standen; der Eingangsvers 2,1 folgt dem Zeugnis Tertullians. Auch wenn gerade in den Versen 1,18-19 ein Großteil des Textes unbezeugt ist, scheint aber doch der narrative Zusammenhang deren vorkanonische Präsenz zu rechtfertigen. Da Barnabas von Tertullian nicht erwähnt wird und überhaupt vorkanonisch nicht begegnet, wird er auch hier gefehlt haben. Und obwohl Titus vorkanonisch bezeugt ist, wird er hier von Tertullian ebenfalls nicht angeführt; auch er wird vermutlich gefehlt haben und erst in 2,3 eingeführt worden sein. Ob Jakobus hier erwähnt wird, wie die kanonische Fassung nahelegt, ist möglich, aber nicht sicher. Da er jedoch in *Gal 2,9 genannt wird, könnte er auch hier bereits gestanden sein. 82 Rekonstruktion <?page no="83"?> (2,2) ἀναβαίνω, das 89 / 82 Mal im NT begegnet, wurde gerade im Vers 2,1 vorkano‐ nisch bezeugt und findet sich ebenfalls *Laod 4,10. ♦ Die spezifische Form (1. Pers. Sg. Aorist) + δέ ist jedoch für *Paulus unbezeugt, während sie 4 Mal in Paulus begegnet (1Kor 1,16; 9,15; 2Kor 9,3; Gal 2,2) und überhaupt 7 Mal im kanonischen NT. Weitet man die Suche nach weiteren Konjugationsformen vom Aorist des Verbes + δέ aus, werden die Ergebnisse noch deutlicher: Immer noch liegt keine Bezeugung für *Paulus vor, jedoch finden sich 5 für Paulus (1Kor 1,16; 9,15; 2Kor 9,3; Gal 2,2; Phil 4,10). Die Suche nach der 1. P. Ind. Akt. eines beliebigen Verbes + δέ ergibt je einen Eintrag für *Gal 5,3 und *1Kor 15,1, diese Kombination scheint auch, wenn auch unbezeugt, 10 weitere Male vorkanonisch vorzukommen und findet sich 50 Mal bei Paulus und noch 23 weitere Male im Rest des kanonischen NT. Weitet man die Suche auf alle Verben + δέ aus, gibt es 25 Einträge für *Paulus, 136 für Paulus und überhaupt 914 für das kanonische NT. ♦ ἀποκάλυψις steht 22 / 18 Mal im NT und ist auch vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀνατίθημι ist nur 2 Mal im NT belegt, die andere Stelle gehört zur kanonischen Ebene (Apg 25,14). ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.) steht 543 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt nicht in *Ev, jedoch in *Paulus. ♦ κηρύσσω begegnet 63 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ δοκέω, das 100 / 63 Mal im NT steht, weist eher auf die kanonische Ebene hin. ♦ Das hier nicht bezeugte πως steht 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 27,12; Röm 1,10; 11,14. 21; 1Kor 8,9; 9,27; 2Kor 2,7; 9,4; 11,3; 12,20; Gal 2,2; 4,11; Phil 3,11; 1Thess 3,5). ♦ κενός, das 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. ♦ μήπως steht 12 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt (Acts 27,29; Röm 11,21; 1Kor 8,9; 9,27; 2Kor 2,7; 9,4; 11,3; 12,20; Gal 2,2; 4,11; 1Thess 3,5). ♦ τρέχω steht insgesamt 20 Mal im NT, außer der vorliegenden Stelle ist es nur auf der kanonischen Ebene belegt; der Teminus bietet einen wichtigen Hinweis darauf, dass die Lexik eines einzelnen Begriffes kein sicheres Mittel für die Zuordnung von Versen zu den verschiedenen Ebenen darstellt. Zur Rekonstruktion: Der Anfang des Verses ist unbezeugt, doch wie oben Nr. 6 ausgeführt wurde, sprechen einige Argumente für dessen Präsenz. Narrativ sinnvoll ist auch der unbezeugte Passus ὃ κηρύσσω ἐν τοῖς ἔθνεσιν, zumal auch die Lexik vorkanonisch belegt ist. Dass das nachfolgende, ebenfalls unbezeugte κατ’ ἰδίαν δὲ τοῖς δοκοῦσιν vermutlich gefehlt hat, wird durch δοκέω gestützt. Tertullian hätte sich wohl kaum entgehen lassen, wenn er eine paulinische Stütze für die Autorität der in Jerusalem Anwesenden gelesen hätte. Das πως ist unbezeugt und zugleich ein ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehendes Flickwort, wird hier also gefehlt haben. 1 (Gal) 83 <?page no="84"?> 111 Vgl. S.-210. (2,3) Die Kombination ἀλλ’ οὐδέ steht 5 Mal im NT, 1 weiteres Mal1 weiteres Mal möglicherweise vorkanonisch in *Ev 23,15, wenn auch unbezeugt, die weiteren Male lediglich auf der kanonischen Ebene (Lk 23,15; Apg 19,2; 1Kor 3,2; 4,3; Gal 2,3). ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Τίτος, der 13 Mal im NT erwähnt wird, ist ein Mal vorkanonisch in *Gal 2,3 zu finden. ♦ Ἕλλην steht 29 / 25 Mal im NT, vorkanonisch in *Gal 2,3; *1Kor 1,22. ♦ Die Verbform ὤν steht 48 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3. ♦ ἀναγκάζω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3. ♦ περιτέμνω steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3; 6,13. Zur Rekonstruktion: Die vorkanonische und die kanonische Fassung stimmen überein, so alle Editoren. (2,4) Die Kombination διὰ τούς steht 10 Mal im NT, vorkanonisch weiter in *1Kor 11,10, ansonsten auf der kanonischen Ebene (Mt 14,9; 2 Mal Mk; 2 Mal Joh; Apg 16,3; Röm 11,28; 1Kor 11,10; 2Tim 2,10; Hebr 1,14). ♦ Die erweiterte Kombination διὰ δὲ τούς steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Mt 24,22. ♦ παρείσακτος ist Hapax legomenon im NT. ♦ ψευδάδελφος steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, kanonisch bezeugt in 2Kor 11,26. ♦ ὅστις steht 165 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ παρεισέρχομαι steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, erneut auf der vorkanonischen Ebene, *Röm 5,20, stellt also ein typisch vorkanonischer Begriff dar. ♦ κατασκοπέω ist wieder Hapax legomenon im NT. ♦ ἐλευθερία steht nur 11 Mal im NT, davon vorkanonisch bezeugt hier in *Gal 2,4 und wieder in *Gal 5,1. ♦ ἔχω steht 843 / 711 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,4; 4,22; 6,10; *1Kor 5,1; 7,7; 11,10; *2Kor 4,13; *Röm 2,14. 20; 5,1; 10,2; *Laod 2,12. 18; *Phil 3,4 (? ). ♦ Zur Wendung ἐν Χριστῷ und ihrer ausschließlich „encheiristischen“ Verwendung auf der vorkanonischen Ebene vgl. zu 1Kor 1,4. 111 ♦ Die kanonisch stehende Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ καταδουλόω steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, und zwar auf der kanonischen Ebene in 2Kor 11,20. Zur Rekonstruktion: Sie folgt Tertullian und stimmt mit derjenigen der älteren Editoren überein. (2,5) Zu οὐδέ vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ ὥρα, das 116 / 106 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *Gal 2,5. ♦ εἴκω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ὑποταγή steht 5 / 4 Mal im NT, weiters nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀλήθεια steht 112 / 109 Mal im NT und ist ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, 84 Rekonstruktion <?page no="85"?> ist aber auch ein vorkanonisch wichtiger Begriff, bezeugt für *Gal 2,14; *Laod 1,13; 6,14; *Phil 1,18; *Kol 1,5; *2Thess 2,10. 11. 12. ♦ Das nicht mehr bezeugte εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nicht in *Ev, jedoch in *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ διαμένω ist 5 Mal im NT anzutreffen und steht überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Lk 1,22; 22,28; Gal 2,5; Hebr 1,11; 2Petr 3,4). ♦ Die Wendung πρὸς ὑμᾶς steht 71 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten zu 2Kor 3,1. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und nimmt auch unbezeugten Text hinzu, wie oben in C.13-15 erläutert. (2,6) Die Kombination ἀπὸ δέ steht 9 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 4 Mal Mt; 2 Mal Mk; Apg 20,17; Gal 2,6; im Vers: Lk 19,26), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Infinitiv εἶναι steht 125 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Kombination εἶναί τι steht nur hier. ♦ ὁποῖος findet sich 5 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ποτε steht 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,11. 13; 5,29; *Kol 1,21, vgl. zu Röm 11,30. ♦ Die Form ἦσαν steht 96 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,1. ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.) steht 90 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,2; 23,9; *1Kor 8,4. ♦ διαφέρω, das 13 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt in *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ Die Kombination οὐ λαμβάνει steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, Mt 10,38. ♦ Die Kombination ἐμοὶ γάρ steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Phil 1,21. ♦ Die Wendung οἱ δοκοῦντες steht 3 Mal im NT (Mk 10,42; Gal 2,6. 9), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ προσανατίθημι steht nur hier und noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Gal 1,16). Zur Rekonstruktion: Wegen der Spannung zwischen V. 6, wo von *Paulus behauptet wird, es sei ihm „nichts auferlegt worden“, und Apg 11 und 15,19-21, an denen von gewissen Einschränkungen die Rede ist, wenn auch nicht völlig eindeutig, ist trotz der fehlenden Bezeugung des Verses *Gal 2,6 wahrscheinlich, dass οὐδὲν προσανέθεντο im Text von *Gal gestanden war. Die kanonische Redaktion hat mit beiden Kapiteln, Apg 11 und 15, sich bemüht, die Schärfe der Aussage von Gal 2,6 zu mindern. In Apg 11 erklärt die Himmelsstimme: „Was Gott für rein erklärt hat, sollst du nicht unrein nennen“ (Act 11,9), in Apg 15 wird von Unbeschnittenen vier Enthaltungen gefordert (Götzen, Hurerei, Ersticktes, Blut), was auf Lev 17,10.15; 18,24-26; 20,1-3 rekurriert, Vielleicht war auch die Kritik an denen, die als Autoritäten erschienen, noch Teil von *Gal, was aus demselben Grund von den Zeugen nicht beachtet wurde. Mit dem Fehlen des 1 (Gal) 85 <?page no="86"?> 112 Zum monströsen Satz vgl. H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 41. 113 E. Barnikol, Der nichtpaulinische Ursprung des Parallelismus der Apostel Petrus und Paulus (Galater 2,7-8) (1931). Großteils der Verse 6-9a findet sich dieser „monströse“ Satz auch nicht länger im vorkanonischen Text. 112 (2,7) τοὐναντίον steht nur 3 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (2Kor 2,7; Gal 2,7; 1Petr 3,9). ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες), vgl. weiter unten Vers 16. ♦ ἀκροβυστία steht 22 / 20 Mal im NT und ist auch vorkanonisch bezeugt (*Röm 2,25. 27; *Laod 2,11). ♦ καθώς steht 186 / 182 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,21; *1Kor 1,31; 10,6; 14,34; 15,49; *Laod 5,29; *Kol 1,6. Auch bei diesem Terminus ist auffällig, wie häufig der Begriff sowohl in *Ev wie in *Paulus an den Stellen auf der kanonischen Vergleichsebene steht, die für die vorkanonische als abwesend bezeugt sind. Dort jedoch begegnet der Begriff zum Teil wiederum in Serien ( Joh 17,2. 11. 14. 16. 18. 21. 22. 23; Apg 7,17. 42. 44. 48; Röm 3,4. 8. 10; 9,13. 29. 33; 15,3. 7. 9. 21). ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für *Paulus bezeugt, *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. Zur Abwesenheit: Vgl. zum nächsten Vers 2,8. (2,8) ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch zwei Mal für *Laod 1,20; 2,2 bezeugt - auffallend ist etwa *Gal 5,6, wo anstelle dieses Wortes eine Variante zu finden ist. ♦ Zu „Petrus“ vgl. zum voranstehenden Vers. 113 ♦ ἀποστολή steht 4 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Apg 1,25; Röm 1,5; 1Kor 9,2; Gal 2,8). ♦ Zu περιτομή vgl. den Vers zuvor. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. Zur Abwesenheit: Da die Zeugen zu diesen Versen schweigen, hielten bereits die früheren Editoren sie für unbezeugt und wegen ihres Inhalts waren Zahn, Harnack und BeDuhn der Meinung, sie seien abwesend. Zwar sind einige der Begriffe vorkanonisch bezeugt, jedoch begegnet auch ein solcher, der ausschließlich auf der kanonischen Ebene steht (τοὐναντίον) und ein weiterer, der vorkanonisch nur in *Laod bezeugt ist (ἐνεργέω). Ausschlaggebend ist wohl das Argument von Zahn, dass Tertullian sich kaum eine solche Passage für seine Argumentation hätte entgehen lassen. Die beiden Verse scheinen demnach eher abwesend gewesen zu sein. (2,9) κοινωνία, das 21 / 19 Mal im NT steht, findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Apg 2,42; Röm 15,26; 1Kor 1,9; 10,16; 2Kor 6,14; 8,4; 9,13; 13,13; Gal 86 Rekonstruktion <?page no="87"?> 114 A. Schmoller, Handkonkordanz zum griechischen Neuen Testament (1949), 285. 115 Vgl. weiter unten S. 170, 201. 2,9; Phil 1,5; 2,1; 3,10; Phlm 1,6; Hebr 13,16; 1Joh 1,3. 6. 7). Im Sinne von „Gemeinschaft“ wie in Gal 1,9 steht κοινωνία in Röm 15,26; 1Kor 1,9; 2Kor 6,14; Phil 2,1; 3,10; 1Joh 1,3.6-7, so „e) societas“. 114 Zum nicht bezeugten Teil: χάρις, das 171 / 156 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut bezeugt und doch ein Begriff von großer Beliebtheit auf der kanonischen Ebene. 115 ♦ Die Kombination τὴν χάριν τὴν δοθεῖσαν + Dativ begegnet nur auf der kanonischen Ebene bei Paulus (außer der Stelle hier, weiter Röm 12,6; 15,15; 1Kor 3,10; vgl. auch Kol 1,25: κατὰ τὴν οἰκονομίαν τοῦ θεοῦ τὴν δοθεῖσάν μοι). Zum bezeugten Teil: ♦ Zu Κηφᾶς vgl. zu *Gal 1,18. ♦ Ἰάκωβος, das sich 51 / 42 Mal im NT findet, ist für diese Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ Ἰωάν(ν)ης findet sich 152 Mal im NT, doch an keiner weiteren neutestamentlichen Briefstelle außer der vorliegenden; vorkanonisch ist der Name sonst noch bezeugt für *Ev (hier allerdings der Täufer und nach Klinghardts Rekonstruktion von *Ev 9,28 - und folglich auch *Ev 5,10; 6,14 - auch die Zebedaiden). ♦ στῦλος steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ δεξιός findet sich 56 / 54 Mal im NT, vorkanonisch weiters bezeugt für *Ev 22,69 und *Laod 1,20. ♦ δοκέω, das 100 / 63 Mal im NT steht, weist eher auf die kanonische Ebene hin. ♦ Βαρναβᾶς, der 31 / 28 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ κοινωνία, das 21 / 19 Mal im NT steht, wurde kurz zuvor bereits erörtert. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.) steht 87 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; 6,13. ♦ περιτομή steht 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. Zur Rekonstruktion: Wie zuvor begründet, wird der Hinweis auf die Säulen und Barnabas gefehlt haben, weshalb auch Paulus von sich und nicht von „uns“ spricht. Der unbezeugte Eingangsteil des Verses scheint abwesend gewesen zu sein, wie die kanonische Lexik erweist, außerdem gehört sie, wie zuvor für die Inhalte in Nr.-18 beschrieben, zum kanonisch voranstehenden Passus. (2,10) Zum bezeugten Versteil: μόνον, das 73 Mal im NT steht, weder in *Ev noch in Lk, ist jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 7,39. ♦ πτωχός, das 38 / 34 Mal im NT steht, etwa in Lk 4,18, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist gut vorkanonisch bezeugt. ♦ μνημονεύω steht 21 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 17,22. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: Die eröffnende Kombination ὃ καὶ ist ein typisch kanonischer Anschluss, mit dem Hinzufügungen zum vorkanonischen Text 1 (Gal) 87 <?page no="88"?> verbunden werden und der auch sonst ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnet (Anschluss an die vorkanonische Version: Gal 2,10; 1Kor 15,1. 3; innerhalb des kanonischen Textes: 1Kor 11,23; 2Thess 1,11; Kol 1,29; 4,3; Phil 2,5). ♦ σπουδάζω, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, und zwar nur für die Briefliteratur (Gal 2,10; 1Thess 2,17; Eph 4,3; 2Tim 2,15; 4,9. 21; Tit 3,12; Hebr 4,11; 2Petr 1,10. 15; 3,14). ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ τοῦτο steht 313 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32. ♦ Die Kombination αὐτὸ τοῦτο steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 9,17; 13,6; 2Kor 5,5; Gal 2,10; Eph 6,22; Phil 1,6; Kol 4,8; 2Petr 1,5). ♦ ποιέω steht 640 / 568 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; 6,9; 15,29; *Röm 2,14; *Laod 2,14. 15. Zur Rekonstruktion: In Übereinstimmung mit den älteren Editoren, wurde nur der bezeugte Text gewählt. Die Lexik mit den ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Elementen (ὃ καί; σπουδάζω; αὐτὸ τοῦτο) stützt die Abwesenheit des unbezeugten Teils. 2,11-12 13 14 [15] 16 [17] 18 [19-21]: Die Auseinandersetzung mit Petrus Der Passus ist recht gut bezeugt, auch wenn die kanonische Redaktion Zusätze zu den verschiedenen Versen gemacht und weitere eigene Verse zwischen den Altbestand geschoben hat. Die bemerkenswertesten Änderungen sind erstens die zeitliche Distanzierung der Auseinandersetzung vom Besuch und der Begegnung mit Petrus in Jerusalem und ihre Verlagerung nach Antiochien, der neuerliche Verweis auf die ungenannten Leute von Jakobus und die Hinzu‐ fügung des Barnabas. Aufgrund dieser Neusituierung erhielt die Passage eine erhebliche Neuausrichtung. 11 Πρὸς Πέτρον κατὰ πρόσωπον ἀντέστην, ὅτι κατεγνωσμένος ἦν, 11 Ὅτε δὲ ἦλθεν Κηφᾶς εἰς Ἀντιόχειαν, κατὰ πρόσωπον αὐτῷ ἀντέστην, ὅτι κατεγνωσμένος ἦν. 12 μετὰ τῶν ἐθνῶν συνήσθιεν. ὅτε δὲ ἦλθεν, ἀφώριζεν ἑαυτόν, -φοβούμενος τοὺς ἐκ περιτομῆς. 12 πρὸ τοῦ γὰρ ἐλθεῖν τινας ἀπὸ Ἰακώβου μετὰ τῶν ἐθνῶν συνήσθιον· ὅτε δὲ ἦλθον, ὑπέστελλεν καὶ ἀφώριζεν ἑαυτόν, φοβούμενος τοὺς ἐκ περιτομῆς. 13 καὶ συνυπεκρίθησαν αὐτῷ. 13 καὶ συνυπεκρίθησαν αὐτῷ καὶ οἱ λοιποὶ Ἰουδαῖοι, ὥστε καὶ Βαρναβᾶς συναπήχθη αὐτῶν τῇ ὑποκρίσει. 88 Rekonstruktion <?page no="89"?> 14 ἀλλ’ ὅτι οὐκ ὀρθοποδοῦσιν πρὸς τὴν ἀλήθειαν τοῦ εὐαγγελίου, ὠνείδισεν τῷ Πέτρῳ· 14 ἀλλ’ ὅτε εἶδον ὅτι οὐκ ὀρθοποδοῦσιν πρὸς τὴν ἀλήθειαν τοῦ εὐαγγελίου, εἶπον τῷ Κηφᾷ ἔμπροσθεν πάντων, Εἰ σὺ Ἰουδαῖος ὑπάρχων ἐθνικῶς καὶ οὐχὶ Ἰουδαϊκῶς ζῇς, πῶς τὰ ἔθνη ἀναγκάζεις Ἰουδαΐζειν; - 15 Ἡμεῖς φύσει Ἰουδαῖοι καὶ οὐκ ἐξ ἐθνῶν ἁμαρτωλοί, 16 οὐ δικαιοῦται ἄνθρωπος ἐξ ἔργων νόμου, ἐὰν μὴ διὰ πίστεως, 16 εἰδότες δὲ ὅτι οὐ δικαιοῦται ἄνθρωπος ἐξ ἔργων νόμου ἐὰν μὴ διὰ πίστεως Ἰησοῦ Χριστοῦ, καὶ ἡμεῖς εἰς Χριστὸν Ἰησοῦν ἐπιστεύσαμεν, ἵνα δικαιωθῶμεν ἐκ πίστεως Χριστοῦ καὶ οὐκ ἐξ ἔργων νόμου, ὅτι ἐξ ἔργων νόμου οὐ δικαιωθήσεται πᾶσα σάρξ. - 17 εἰ δὲ ζητοῦντες δικαιωθῆναι ἐν Χριστῷ εὑρέθημεν καὶ αὐτοὶ ἁμαρτωλοί, ἆρα Χριστὸς ἁμαρτίας διάκονος; μὴ γένοιτο. 18 ἃ κατέλυσα ταῦτα ἀνοικοδομῶ. 18 εἰ γὰρ ἃ κατέλυσα ταῦτα πάλιν οἰκοδομῶ, παραβάτην ἐμαυτὸν συνιστάνω. - 19 ἐγὼ γὰρ διὰ νόμου νόμῳ ἀπέθανον ἵνα θεῷ ζήσω. Χριστῷ συνεσταύρωμαι· - 20 ζῶ δὲ οὐκέτι ἐγώ, ζῇ δὲ ἐν ἐμοὶ Χριστός· ὃ δὲ νῦν ζῶ ἐν σαρκί, ἐν πίστει ζῶ τῇ τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ τοῦ ἀγαπήσαντός με καὶ παραδόντος ἑαυτὸν ὑπὲρ ἐμοῦ. - 21 οὐκ ἀθετῶ τὴν χάριν τοῦ θεοῦ· εἰ γὰρ διὰ νόμου δικαιοσύνη, ἄρα Χριστὸς δωρεὰν ἀπέθανεν. A. *2,11: Tert., Adv. Marc. V 3,7: Sed reprehendit Petrum non recto pede ince‐ dentem ad evangelii veritatem. Plane reprehendit, non ob aliud tamen quam ob inconstantiam victus, quem pro personarum qualitate variabat; ibid. I 20,3: Igitur si ferventer adhuc, ut neophytus, adversus Iudaismum aliquid in conversatione reprehendum existimavit, passiuum scilicet convictum; vgl. zuvor zu *2,9 ibid. IV 3,3 (reprehensus est Petrus); Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 3,5,19b (CCSL 77A,164): Occulte, inquiunt, Petrum laceret, cui supra in faciem restitisse se scribit. Vgl. auch Tert., Adv. Marc. I 20,2, vgl. zu *Gal 2,9; id., De praescr. 23,1 (SC 46,118): Proponunt ergo ad suggillandam ignorantiam aliquam apostolorum quod Petrus et qui cum eo reprehensi sunt a Paulo; ibid., 23,5 (SC 46,118): Tamen doceant ex eo quod allegant Petrum a Paulo reprehensum aliam 1 (Gal) 89 <?page no="90"?> euangelii formam a Paulo superductam citra eam quam praemiserat Petrus et ceteri; ibid., 24,2 (SC 46,119): Sed quoniam perversissimi isti illam reprehensionem ad hoc obtendunt ut suspectam faciant doctrinam superiorem. ♦ *2,12: Tert., Adv. Marc. V 3,7: … timens eos qui erant ex circumcisione, non ob aliquam divinitatis perversitatem, de qua et aliis in faciem restitisset, qui de minore causa conversationis ambiguae Petro ipsi non pepercit, si quomodo Marcionitae volunt credidisset (Evans, 522: pepercit, si: pepercit. Sed); vgl. auch ibid., I 20,3: Igitur si ferventer adhuc, ut neophytus, adversus Iudaismum aliquid in conversatione reprehendum existimavit, passiuum scilicet convictum; id., De praescr. 23,10 (SC 46,119): Ceterum si reprehensus est Petrus quod, cum convixisset ethnicis, postea se a convictu eorum separabat personarum respectu, utique conversationis fuit vitium, non praedicationis. ♦ *2,14: Tert., Adv. Marc. V 3,7: Sed reprehendit Petrum non recto pede incedentem ad evangelii veritatem; Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 3,5,10b (CCSL 77A,164): non recto pede incedunt ad euangelii ueritatem. Vgl. auch Tert., Adv. Marc. I 20,2: quod non recto pede incederent ad euangelii ueritatem; IV 3,2: non recto pede incedentes ad ueritatem euangelii; ibid., IV 3,3: Et tamen cum ipse Paulus omnibus omnia fieret, ut omnes lucraretur, potuit et Petro hoc in consilio fuisse aliquid aliter agendi quam docebat; vgl. auch id., De praescr. 23,1. 5, vgl. zu Gal 2,11; ibid., 23,10, vgl. zu Gal 2,12 (convixisset ethnicis); ibid. 24,2 (SC 46,119): ipsum Paulum dixisse factum se esse omnibus omnia, Iudaeis Iudaeum, non Iudaeis non Iudaeum ut omnes lucrificaret. ♦ *2,16: Tert., Adv. Marc. V 3,8: De cetero pergat apostolus, negans ex operibus legis iustificari hominem, sed ex fide. ♦ *2,18: Tert., Adv. Marc. V 3,8: Merito non reaedificabat quae destruxit; ibid., V 2,2: Igitur et legis destructio et euangelii aedificatio pro me faciunt in ista quoque epistula ad eam Galatarum praesumptionem pertinentes qua praesumebant Christum, ut puta creatoris, salva creatoris lege credendum, quod adhuc incredibile videretur legem a suo auctore deponi; vgl. Hegemonius, Acta Arch. 45 (66,9-14 Beeson): Addit autem ex prima epistula… Ipsum quoque Paulum et propria sua persona dicebat adserere id quod ait: Si ea quae destruxi iterum aedifico, praevaricatorem me constituo; vgl. auch Tert., De pud. 14,25 (SC 394,222): qui non solet ea quae destruxit reaedificare, ne transgressor habeatur? ♦ 2,20: Tert., Adv. Marc. V 3,6: Si haec quoque intellegi ex hoc postulant, id quoque nemo dubitabit, eius dei et Christi praedicatorem Paulum cuius legem quamvis excludens, interim tamen pro temporibus admiserat, statim amoliendam si novum deum protulisset. Adam., Dial. V 22 (im Mund des Adamantius): ὃ δὲ νῦν ζῶ ἐν σαρκί, ἐν πίστει ζῶ τῇ τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ τοῦ ἀγαπήσαντός με· (Rufin: Quod autem nunc uiuo in carne in fide uiuo filii die, qui redemit me, während der griechische Text ἀγαπήσαντός με bietet). 90 Rekonstruktion <?page no="91"?> 116 Hierauf hat mich Mark Bilby in einer Email vom 13.8.2023 hingewiesen. 117 Unsicher über Absenz oder Präsenz von τινας ἀπὸ Ἰακώβου ist H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 37-39. B. (2,11) Der Name als Πέτρος findet sich auch in 06, 010, 012, 018, 020, 630, 1505, 2464, M, it, vg mss , sy h , MVict, Ambst, ebenfalls in der altlateinischen Tradition in 61, 64, 75, 76, 77, 78, 89. ♦ (2,12) τινα lesen P 46 , d, g c , r*, Ir lat . ♦ P 46 , vg ms lesen συνήσθιον. ♦ ἦλθεν wird geboten von P 46 , 01, 03, 06*, 010, 012, 33, b, dm gm Ir lat . ♦ (2,13) καί 3 om P46, 03, 6, 630, 1739, 1881, ar, f, vg, bo. ♦ (2,14) Πέτρῳ ist bezeugt durch 06, 010, 012, 018, 19, 025, 104, 630, 1505, 2464, M, it, vg mss , sy h , MVict, Hier, Ambst, Pel und durch die altlateinische Tradition: 58, 61, 75, 76, 77, 78, 89, 135, während Κηφᾷ zu finden ist in P 46 , 01, 02, 03, 04, 016, 044, 0278, 33, 81, 365, 629, 1175, 1241, 1739, 1881, vg, co. ♦ Nach ζῇς steht in den Zeugen 018, 020, 1505, M, sy h ein τί. ♦ (2,16) δέ om P 46 , 02, 062, 018, 025, 044, 0278*, 33, 365, 630, 1505, 1739, 1881, M, sy h . ♦ Die Wortstellung statt Ἰησοῦ Χριστοῦ lautet Χριστοῦ Ἰησοῦ in P 46 , 03, 016, 33, 81, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, ar, d, sy, vg mss . Statt ὅτι ist διότι belegt in 04, 062, 016, 018, 020, 025, 044, M, f, vg. ♦ (2,20) Anstelle von τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ liest man τοῦ θεοῦ καὶ Χριστοῦ in P 46 , 03, 06*, 010, 012, (b), MVict. C. 1. (2,11) Bezeugt ist durch Tertullian ausschließlich Πέτρος und κατὰ πρόσωπον αὐτῷ ἀντέστην, so Harnack, Schmid und BeDuhn. Allerdings muss man auch noch ὅτι κατεγνωσμένος ἦν als zumindest angedeutet hinzunehmen, da dies anklingt in ad evangelii veritatem. Plane reprehendit, non ob aliud tamen quam ob inconstantiam victus, quem pro personarum qualitate variabat. Van Manen gibt den Vers nach dem kanonischen Text, und BeDuhn nimmt wegen des narrativen Zusammenhangs mit dem Nachfolgenden den Rest des kanonischen Textes mit auf. 2. Mit Tertullian (Petrum) ist hier der Akkusativ Πέτρον zu schreiben. 116 3. (2,12) Durch Tertullian bezeugt ist φοβούμενος τοὺς ἐκ περιτομῆς, so auch Harnack und Schmid. Mit dem causa conversationis ambiguae wird m. E. aber auch auf die Inkonsistenz von Petrus mit Blick auf die Mahlgemeinschaft mit den Heiden hingewiesen. Van Manen gibt den kanonischen Text, ändert aber τινας ἀπὸ Ἰακώβου zu Ἰάκωβον. 117 BeDuhn nimmt wohl wegen des narrativen Zusammenhangs auch weiteren Textbestand des Verses auf. Warum er das ἀπὸ Ἰακώβου auslässt, wird von ihm nicht angegeben, mag aber damit zusammenhängen, dass es für Jakobus und die Leute von ihm bei Tertullian keinen Hinweis gibt. Die Varianten der Handschriften sind an dieser Stelle für die Rekonstruktion von Bedeutung. Die einschlägigen Handschriften bieten συνήσθιεν, denen die 1 (Gal) 91 <?page no="92"?> 118 Vgl. bei Euseb. Caes., Hist. eccl. I 12,2. 119 Vgl. hierzu H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 48. 120 Vgl. Tert., Adv. Marc. V 3,7. Variante συνήσθιον gegenübersteht. Durch die dritte Person wird der Akt des Mit-den-Heiden-Essens von Petrus weggenommen und verallgemeinert, womit dieser gewissermaßen in Schutz genommen wird. Dieser Inschutznahme entspricht auch das folgende ἦλθον, das dem ἦλθεν gegenübersteht. Letzteres ist noch erheblich weiter bezeugt, inklusive wiederum durch die einschlägigen Handschriften. Der Plural bezieht sich auf die durch die kanonische Redaktion erst eingeschalteten Leute von Jakobus, die nach Antiochien kommen, wo Petrus mit den Heiden gegessen habe. Auf diese Jakobusleute bezieht sich dann die Furcht des Petrus. Die vorkanonische Version skizziert eine andere Szene. Hier ist *Paulus noch in Jerusalem und, nachdem ihm nichts auferlegt war, Petrus, Jakobus und Johannes ihre Rechte gereicht hatten und vereinbart war, dass er zu den Heiden, sie aber zu den Beschnittenen gehen sollten unter Beachtung der Armen, kam es gleich vor Ort offenkundig noch zum Eklat zwischen *Paulus und Petrus. Denn dieser hatte sich nicht mit den Beschnittenen abgegeben, sondern zusammen mit Heiden gegessen, ging dann aber und entzog sich diesen aus Furcht vor denen aus der Beschneidung, zu denen er ja eigentlich hatte gehen wollen. Wie schwer sich nicht erst die kanonische Redaktion mit der Reaktion des *Paulus gegen Petrus tat, erweisen die Versuche vieler Kirchenväter, die selbst noch mit der abgeminderten kanonischen Fassung Schwierigkeiten hatten, wie man schon Ende des 2. bzw. Anfang des 3. Jh. bei Klemens von Alexan‐ drien erkennen kann, der diesen Kephas nicht für Petrus, sondern für einen der übrigen aus den 70 von Jesus Berufenen hielt. 118 Hingegen argumentiert Origenes, es habe gar keine wirkliche Auseinandersetzung zwischen Paulus und Petrus stattgefunden. 119 Tertullian spielt die Auseinandersetzung von einer inhaltlich-dogmatisch-ritualistischen zu einer solchen des Lebenswandels her‐ unter. 120 4. (2,13) Der Vers ist unbezeugt, wird aber von van Manen und Zahn als vorkanonisch präsent angenommen. BeDuhn nimmt nur den ersten Halbvers vorkanonisch an. Norelli verweist darauf, dass Markion an dieser Stelle den Hinweis auf die Ἰουδαῖοι nicht gelesen hatte, wobei er allerdings davon ausgeht, dass er zumindest diesen Vers mit οἱ λοιποί gelesen hatte, was er auf Jakobus und Johannes bezogen habe (und zwar mit Blick auf *2Kor 2,17). Allerdings fehlt für Gal 2,13 die textliche Basis für einen solchen Bezug, wie bereits Lieu erkannt hatte, 121 da der Vers unbezeugt ist. Die unterschiedliche handschriftliche Bezeugung des folgenden καί, das in einigen Handschriften fehlt, deutet auf eine 92 Rekonstruktion <?page no="93"?> 121 E. Norelli, La Funzione di Paolo nel Pensiero di Marcione (1986), 557; J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 246. 122 So B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 261. 123 Vgl. H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 39-44. 124 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 440. 125 Detering hält ihn für präsent, vgl. H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 39-44. 126 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 499. Störung oder Korrektur an dieser Stelle hin: Βαρναβᾶς ist folglich erst durch die kanonische Redaktion dem Vers zugestellt. 5. (2,14) Es ist möglich, dass Hieronymus bei seinem Zeugnis hier abhängig ist von Tertullian. 122 Da dieser Vers mit seiner eigentümlichen Übersetzung bei Tertullian jedoch ausschließlich in dessen antimarkionitischen Werk begegnet, ist es wohl genauso, wenn nicht gar eher wahrscheinlich, dass beide auf eine von Tertullian und Hieronymus gemeinsame Quelle zurückgehen. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen οὐκ ὀρθοποδοῦσιν πρὸς τὴν ἀλήθειαν τοῦ εὐαγγελίου als bezeugt. Van Manen gibt den kanonischen Text (unter Auslassung von καὶ οὐχὶ Ἰουδαϊκῶς), BeDuhn nimmt wegen der Narration auch noch ein adversatives „Aber“ am Anfang von V. 14 auf. M.E. zeigt die alternative Lesart „Petrus“ in den Zeugen, dass auch der Nachsatz noch in *Gal vorhanden war. εἶπον ist hier nicht bezeugt, weil Tertullian an seiner Stelle offenkundig ein anderes Verb gelesen hatte (Tert.: reprehendit). 6. (2,15) Dieser Vers ist unbezeugt, so die älteren Editoren Zahn, Harnack, Schmid, BeDuhn. Van Manen allerdings gibt den Vers, tilgt das ἁμαρτωλοί, nimmt danach aber eine Lücke an. Detering tilgt den Vers. 123 7. (2,16) Hilgenfeld sagt ausdrücklich, dass Tertullian Vers 16 „berührt“. 124 Van Manen meint, der Vers sei abwesend. 125 Zahn verweist darauf, dass es „die indirekte Satzform verbietet …, hierin den genauen und vollständigen Wortlaut zu finden“. 126 Harnack sieht οὐ δικαιοῦται ἄνθρωπος ἐξ ἔργων νόμου ἐὰν μὴ (ἀλλὰ? ) διὰ πίστεως bezeugt, ebenso, ohne die Klammer, Schmid. BeDuhn folgt Schmid, nimmt aber in Klammern den zweiten Teil des Verses hinzu aufgrund der Narration. Der Vorspann εἰδότες δὲ ὅτι gehört wie der voranstehende V. 15, an welchen er anschließt, zur kanonischen Redaktion. 1 (Gal) 93 <?page no="94"?> 127 Vgl. M.D. Nanos and H. Wendt, Galatians (2022), 339-343; M.D. Nanos, Re-framing Paul’s Opposition to Erga Nomou as ‚Rites of a Custom‘ for Proselyte Conversion Completed by the Synecdoche ’Circumcision.’ (2021). 128 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 39-44. 129 Vgl. H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 59. 130 G.A. van den Bergh van Eysinga, Radical Views about the New Testament (1912), 71. Wie die ἔργων νόμου zu übersetzen und zu interpretieren sind, ist viel disku‐ tiert worden, Tertullian scheint sie schlicht als Werke des Gesetzes zu verstehen, jüngst hat Nanos nochmals argumentiert, es gehe eher um Initiationsriten. 127 Tertullian hat διὰ πίστεως ohne Ἰησοῦ Χριστοῦ stehend. 8. (2,17) Dieser Vers ist nach allen älteren Editoren unbezeugt, nach van Manen abwesend. 128 Der Vers greift auf die Erwähnung der Sünder im kanonisch redaktionellen Vers 15 zurück und führt diesen weiter. 129 Überhaupt ist er nur zu verstehen im Licht von Röm 6-7, worauf bereits hingewiesen wurde, 130 was ein Zeichen für die notwendig sammlungsübergreifende Lektüre ist, wobei die kanonische Redaktion hier auf dem vorkanonischen Vers von *Röm 7,4 weiterbaut. 9. (2,18) Hilgenfeld und van Manen sehen den Vers wie angegeben bezeugt. Zahn findet den Vers frei bezeugt, während Harnack den kanonischen Text (mit εἰ γάρ) annimmt. Schmid sieht als bezeugten Textbestand: ἃ κατέλυσα ταῦτα πάλιν οἰκοδομῶ bezeugt sehen. BeDuhn geht darüber hinaus und stellt noch in Klammern Text hinzu, dem der folgende griechische Wortlaut zugrunde liegt: παραβάτην ἐμαυτὸν συνιστάνω. Dieses Thema greift den redaktionellen Verse 15 und 17 auf, wird also nicht nur unbezeugt, sondern auch im Text als fehlend zu betrachten sein. Anstelle des kanonischen πάλιν οἰκοδομῶ (Vg: iterum aedifico) legt das Tertulliansche reaedificabat eher ἀνοικοδομῶ nahe (das in diesem Sinn auch in Apg 15,16 wiederkehrt), zumal die Verwendung von πάλιν häufiger im kanonischen redaktionellen Text begegnet als im vorkanonischen. 10. (2,19) Van Manen gibt den Vers nach dem kanonischen Text, doch er ist nach allen anderen Editoren unbezeugt. Auffällig ist das eröffnende ἐγὼ γάρ, mit dem Paulus sich emphatisch einführt. Die Kombination ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,17, wenn dort auch nicht als Verseröffnung. Denn als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,9. Kanonisch steht sie zusätzlich in 2Kor 12,11; Phil 4,11, und an diesen Stellen auffälligerweise wie in Gal 2,19 gefolgt von bzw. verbunden mit einem Verb in der Vergangenheit, während *Gal 6,17 nicht direkt mit einem Verb verbunden ist und das regierende Verb im Präsens steht. 94 Rekonstruktion <?page no="95"?> 131 Ich danke für diesen Hinweis Gregory Hartzler-Miller, der mir freundlicherweise in einer Email vom 28.5.23 von Mark Bilby übermittelt wurde. 132 Notiz in der genannten Email. 133 Vgl. J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 169. Wie BeDuhn auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 44. 11. (2,20) Hilgenfeld schließt aus dem Zeugnis des Adamantius, dass „auch V. 20 vorhanden war“. Van Manen gibt den Vers nach dem kanonischen Text (anstelle von τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ schreibt er τοῦ θεοῦ καὶ Χριστοῦ). Zahn, Harnack und BeDuhn sehen den folgenden Text belegt: ὃ δὲ νῦν ζῶ ἐν σαρκί, ἐν πίστει ζῶ τῇ τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ τοῦ ἀγοράσαντός με, Schmid weist den Vers als unbezeugt aus. Auf einen möglichen Bezug Tertullians auf diese Stelle wies mich Bilby hin. Während Tertullian zuvor Gal 2,6 diskutiert, könnte er mit dei et Christi auf diesen Vers zu sprechen kommen, doch bietet uns dieser Verweis keinen Textanhalt. 131 Bilby weist korrekt darauf hin, dass es das Phänomen häufiger gibt, dass Tertullian bereits im Voraus auf einen erst nachfolgenden Vers zu sprechen kommt. 132 Auch wenn Clabeaux Gründe vorbringt, die für die kanonische Lesart ἀγαπήσαντος sprechen, wonach sie ein Lesefehler des Rufin hätte sein können und er folglich auch die schwierigere Lesart darum nicht bevorzugt, optiert BeDuhn doch für die lectio difficilior, und zwar, weil der Gedanke des rettenden Kaufs auch an anderen Stellen zentral sei, so *Gal 3,13; *1Kor 6,20; 7,23. 133 Wie Clabeaux richtigerweise angibt, passt der Passus καὶ παραδόντος ἑαυτὸν ὑπὲρ ἐμοῦ gut zu der Lesart ἀγοράσαντος. 12. (2,21) Van Manen gibt auch diesen Vers nach dem kanonischen Text (unter Auslassung von τοῦ θεοῦ), während alle anderen Editoren ihn für unbezeugt halten. Er führt mit der Gnade ein neues Thema ein. D. (2,11) ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, etwa Lk 2,21. 22. 42; 4,25; 13,35; 15,30; 22,35, in Versen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch nur bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ Die Kombination ὅτε δέ steht 17 Mal im NT, davon 16 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15; 4,4 (als Verseröffnung: 3 Mal Mt; Lk 15,30, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8 Mal Apg; Gal 1,15; 2,11; 4,4; Tit 3,4; im Vers: Gal 2,12). Die Verteilung ergibt, dass diese Kombination aus dem vorkanonischen Sprachgebrauch bei der zweiten kanonischen Redaktion kanonisch übernommen wurde und eine gewisse Bedeutung gewonnen hatte. ♦ Zu Κηφᾶς vgl. zu *Gal 1,18. ♦ Das vorkanonisch unbezeugte Ἀντιόχεια steht 19 / 18 Mal im NT, nur an dieser Stelle in einem Paulusbrief, den die moderne 1 (Gal) 95 <?page no="96"?> 134 Vgl. hierzu J. Schröter, Sammlungen der Paulusbriefe und die Entstehung des neutes‐ tamentlichen Kanons (2018), 808. Forschung Paulus zuschreibt, doch hier wie an allen anderen Stellen ausschließlich auf der kanonischen Ebene, dann vor allem in der Apg (Apg 11,19. 20. 22. 26. 27; 13,1. 14; 14,19. 21. 26; 15,22. 23. 30. 35; 18,22; Gal 2,11; 2Tim 3,11). ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist für die vorkanonische Ebene bezeugt in *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ αὐτῷ steht 780 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,11; *1Kor 12,9; *2Kor 1,20; *Röm 1,17; 11,35; *Laod 2,16; *Kol 1,19; 2,13. ♦ ἀνθίστημι steht 16 / 14 Mal im NT, vorkanonisch nochmals bezeugt für *Ev 21,15. ♦ καταγιγνώσκω steht nur 3 Mal im NT, die beiden anderen Male auf der kanonischen Ebene in 1Joh 3,20. 21. ♦ Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4; *Phil 3,7. Zur Rekonstruktion: Bezeugung bzw. fehlende Bezeugung und Lexik stimmen zusammen. Mit den älteren Editoren wird der oben bezeugte Text geboten, allerdings unter Änderung des Kasus für Petrus gemäß Tertullian, auch unter Aufnahme des angedeuteten weiteren Teiles. Wie die weiteren Verse dieser Passage, die auf die kanonische Redaktion zurückgehen, erweisen werden, werden die unbezeugten Teile von Vers 11, also die temporale Eröffnung und der Hinweis auf Antiochien, Produkte der kanonischen Redaktion sein. (2,12) Die Kombination πρὸ τοῦ γάρ steht nur hier im NT. ♦ Die kürzere Kombination πρὸ τοῦ steht 11 Mal im NT, davon 2 Mal kanonisch als Verseröffnung (Gal 2,12; 3,23, beide Male mit einem folgenden ἔρχομαι), im Vers begegnet die Kombination vorkanonisch in *Ev 11,38 (+ Nomen); 22,15 (+ Verb), ansonsten auf der kanonischen Ebene (Mt 6,8; Lk 2,21; 11,38; 22,15; 4 Mal Joh; Apg 23,15). ♦ πρό, das 49 / 47 Mal im NT steht, gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ τινας (Akk. Fem. / Mask. Pl.) steht 24 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zu Vers 6. ♦ Zu Ἰάκωβος vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ συνεσθίω steht 5 Mal im NT, weiter nur kanonisch bezeugt (Lk 15,2; Apg 10,41; 11,3; 1Kor 5,11). ♦ Zu ὅτε vgl. zum voranstehenden Vers, zum nachfolgenden Vers 14. ♦ ὑποστέλλω steht 4 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 20,20. 27; Gal 2,12; Hebr 10,38). ♦ ἀφορίζω, das 11 / 10 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15. ♦ φοβέω, das 110 / 95 Mal im NT steht, vorkanonisch wieder bezeugt für *Ev. ♦ Zu τοὺς ἐκ περιτομῆς vgl. weiters auf kanonischer Ebene Apg 10,45; 11,2; Röm 4,12; Gal 2,12; Kol 4,12; Tit 1,10. 134 Zur Rekonstruktion: Mit den älteren Editoren wird der von Tertullian bezeugte Schlussteil des Verses geboten. Aufgrund von Tertullians Andeutung wird auch 96 Rekonstruktion <?page no="97"?> der Hinweis auf das Essen mit den Heiden hinzugenommen. Aus Gründen der narrativen Logik ist die Absonderung des *Paulus erforderlich. Da ἀφορίζω bereits *Gal 1,15 kanonisch bezeugt wurde, ὑποστέλλω jedoch lediglich kano‐ nische Bezeugung besitzt, wird nur das erste der beiden Verben geboten. Die angezeigten Varianten deuten noch auf die verschiedenen Szenarien hin, wie sie auf der vorkanonischen und der kanonischen Ebene geboten werden, folglich wird auch das im Singular stehende ἦλθεν mit dem adversativen zeitlichen Anschlutz ὅτε δέ aufgeführt. (2,13) συνυποκρίνομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21; *2Kor 3,7; 5,17; *Röm 7,12; *2Thess 2,4. ♦ Βαρναβᾶς, der 31 / 28 Mal im NT begegnet, findet sich immer nur auf der kanonischen Ebene, vor allem in der Apostelgeschichte (Apg 4,36; 9,27; 11,22. 25. 30; 12,25; 13,1. 2. 7. 43. 46. 50; 14,12. 14. 20; 15,2. 12. 22. 25. 35. 36. 37. 39; 1Kor 9,6; Gal 2,1. 9. 13; Kol 4,10). ♦ συναπάγω steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) steht 502 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ ὑπόκρισις steht 8 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,1. Zur Rekonstruktion: Die unbezeugte Verseröffnung beginnt mit einem Hapax legomenon, während bald darauf mit Barnabas eine kanonische Figur erscheint. Auf der kanonischen Ebene bezieht sich das plurale συνυπεκρίθησαν auf die zuvor eingeführten Jakobleute, während es sich auf der vorkanonischen Ebene, falls vorhanden, auf Jakobus und Johannes beziehen würde. Diese Inkrimination von Jakobus und Johannes hätte genügend Grund dafür geboten, warum die kanonische Redaktion im Zusammenhang mit der Umge‐ staltung der Stelle auch diesen Vers entsprechend erweitert hatte. Sie fügte die Jakobusleute ein, um Jakobus und Johannes aus dem Bezug zu entfernen, diesen Jakobusleuten stellte sie auch noch „die übrigen Juden“ hinzu. Schließlich wurde auch noch Barnabas angeführt, was insgesamt die vorkanonische Narration konterkariert. Was zunächst allein gegen Petrus gesagt war und durch Vers 13 dann auch noch auf die beiden weiteren Personen, Jakobus und Johannes, die *Paulus zuvor ihre Hand gereicht hatten, ausgedehnt wurde, lief jetzt gegen Jakobusleute und weitere Juden. Auch wenn bezüglich Vers 13 keine Sicherheit zu gewinnen ist, spricht doch gerade die kanonische Überarbeitung für die Präsenz des ersten Versteils. Gestützt wird diese Entscheidung durch den narrativen Zusammenhang mit dem bezeugten Teil von Vers 14, der mit einem Plural beginnt, welcher sich nur 1 (Gal) 97 <?page no="98"?> durch die Präsenz der gerade formulierten Ausweitung des Kasus gegen Petrus auf einen solchen auch gegen Jakobus und Johannes rechtfertigt. (2,14) Die Eröffnung ἀλλ’ ὅτι steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,20. ♦ Zu ὅτε vgl. zu den voranstehenden Versen 11 und 12. ♦ ὀρθοποδέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀλήθεια steht 112 / 109 Mal im NT und ist ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, auch wenn er zwei Mal vorkanonisch (*Gal 2,15; *Laod 1,13) bezeugt ist. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nicht in *Ev, jedoch in *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die unbezeugte Aoristform εἶπον steht 166 Mal im NT, ist überhaupt nur an dieser Stelle bei Paulus vorhanden und steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu Πέτρος vgl. die frühere Diskussion zu Κηφᾶς. Zum nicht mehr bezeugten Teil: ἔμπροσθεν steht 52 / 48 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,10. ♦ πάντων steht 132 Mal im NT, etwa Lk 1,71; 2,31; 3,15. 19; 4,15. 20; 7,28. 35; 11,50; 14,10; 24,27, vorkanonisch nur ein Mal für einen Brief bezeugt, den die Forschung Paulus zuschreibt (*Röm 12,18), dann auffallenderweise gleich drei Mal in *Deuteropaulinen (*Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17). ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ Die Kombination σὺ Ἰουδαῖος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 4,9; Röm 2,17; Gal 2,14). ♦ Das Adverb ἐθνικῶς steht nur hier im NT, das Adjektiv ἐθνικός steht vier weitere Male, immer nur auf der kanonischen Ebene (Mt 5,47; 6,7; 18,17; 3Joh 1,7). ♦ οὐχί steht 62 / 53 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ Das Adverb Ἰουδαϊκῶς ist Hapax legomenon im NT, genauso wie das Adjektiv Ἰουδαϊκός (Tit 1,14), die beide auf der kanonischen Ebene stehen. ♦ Das nach ζῇς in manchen Zeugen stehende τί, das 333 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,19; 15,29; *Röm 7,7; *Phil 1,18. Auch bei diesem Wort, das vorkanonisch durchaus gut bezeugt ist, fällt auf, dass es sich gerade in solchen Versen häuft, die in der vorkanonischen Version fehlen. ♦ πῶς steht 109 / 103 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ ἀναγκάζω steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3. ♦ ἰουδαΐζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Zur Rekonstruktion: Auch wenn die Eröffnung nicht bezeugt ist und keine Textvariante vorliegt, legt sich doch die vorkanonisch bezeugte Kombination ἀλλ’ ὅτι nahe. Weiter oben in Nr. 4 wurde die Hinzunahme von „Petrus“ am Ende des Verses begründet, anstelle von εἶπον muss ein anderes Verb gestanden sein, da Tertullian reprehendit bietet. Denkbar wäre ὠνείδισεν, das auch *Ev 6,22 vorkanonisch belegt ist. Die weiteren, nicht mehr bezeugten Ausführungen gehen wohl auf die kanonische Redaktion zurück, die offenkundig hierzu keine 98 Rekonstruktion <?page no="99"?> 135 Klinghardt gibt als vorkanonische Bezeugung *Ev 9,40 an, doch Epiphanius bezeugt an dieser Stelle nur οὐκ; erneut gibt er als vorkanonische Bezeugung *Ev 10,24 an, doch an dieser Stelle bezeugt Tertullian eine andere Konstruktion (Tert.: dico enim vobis, quia prophetae non viderunt quae vos videtis; Rekonstruktion Klinghardt: προϕῆται ἠθέλησαν ἰδεῖν ἃ ὑμεῖς βλέπετε καὶ οὐκ εἶδαν). Vorlage mehr hatte, was die schwankende Überlieferung gerade in diesem Teil des Verses belegt. Für die Zuordnung dieser Passage zur kanonischen Redaktion sprechen Thema und die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugte Wendung σὺ Ἰουδαῖος und ἐθνικῶς. (2,15) φύσις, das 16 / 14 Mal im NT steht, jedoch nur in der Briefliteratur, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8; *Röm 2,14; *Laod 2,3. ♦ Zu Ἰουδαῖος vgl. zum Vers zuvor. ♦ Die Kombination καὶ οὐκ steht 205 Mal im kanonischen NT, davon 8 Mal in Versen von Lk (Lk 7,32 (2x); 8,19; 10,24; 13,34; 15,28; 18,34; 19,44), die in *Ev fehlen; 135 dann steht sie 10 Mal in Lk, wo sie für *Ev unbezeugt ist (Lk 9,53; 11,6; 13,24; 14,5. 30; 17,22; 18,4; 19,3; 20,26; 24,18); 12 Mal im kanonischen Paulus (Gal 2,15. 16; Gal 6,4; 1Kor 6,19; 2Kor 10,8; 11,29 2x; 13,10; Eph 6,7; Kol 3,23. 25; Phil 3,3), ist jedoch nicht ein Mal bezeugt für *Ev oder *Paulus. ♦ Die erweiterte Kombination καὶ οὐκ ἐξ findet sich gleich wieder auf kanonischer Ebene in Gal 2,16. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ ἁμαρτωλός steht 49 / 47 Mal im NT, vorkanonisch ein Mal bezeugt für *Ev 7,37. Bereits Klinghardt hat „die mutmaßlichen Eintragungen von ἁμαρτωλοί“ als Merkmal der kanonischen Redaktion herausgehoben (vgl. ders. zu *Ev 5,27). Zur Abwesenheit: Das Ἡμεῖς φύσει Ἰουδαῖοι greift den unmittelbar voranste‐ henden kanonischen Schlussteil des Verses 14 auf, wird folglich auf derselben Redaktionsstufe stehen. Lexikalisch am auffallendsten ist die Verwendung der Kombination καὶ οὐκ, die auf der kanonischen Redaktionsstufe sehr beliebt ist, jedoch für die vorkanonischen Version völlig unbezeugt ist. Der Vers wird folglich vorkanonisch abwesend gewesen sein. (2,16) Zum unbezeugten Versteil: οἶδα steht 339 / 318 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Zu εἰδότες als nur kanonisch bezeugte Form vgl. weiter unten zu 2Kor 1,7. ♦ δικαιόω steht 59 / 39 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13, auch wenn es ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist ein Begriff der kanonischen Ebene. ♦ νόμος steht 204 / 195 Mal im NT, vorkanonisch reichlich bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ πίστις, das 257 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. 20; 3,11. 26; 5,6; *1Kor 12,9; *2Kor 4,13; *Röm 1,17; 5,1; *Laod 4,5, vgl. weiter Vers 20. ♦ Die Wendung 1 (Gal) 99 <?page no="100"?> εἰς Χριστὸν Ἰησοῦν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 24,24; Röm 6,3; Gal 2,16). ♦ Zu πιστεύω vgl. zuvor zu Vers 7. Zum bezeugten Versteil: Die Wendung οὐκ ἐξ ἔργων steht 6 Mal im NT (Röm 9,12; Gal 2,16; Eph 2,9; Tit 3,5; Jak 2,21. 25), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δικαιόω steht 59 / 39 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.) steht 60 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29 (mit derselben Formulierung wie hier πᾶσα σάρξ). ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter unten zu Vers 20. Zur Rekonstruktion: Was den Vorspann betrifft, wurde oben Nr. 7 bereits die Begründung gegeben, warum sie hier ausgeschieden wird. Diese Entscheidung wird auch durch die Elemente gestützt, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰδότες; εἰς Χριστὸν Ἰησοῦν). Der bezeugte Text scheint der einzige vorkanonische Teil des Verses gewesen zu sein; warum hätte Tertullian sonst gerade die intensiven dreimaligen Verweise auf Jesus Christus oder Christus ausgelassen? Sowohl diese Wiederholungen wie auch das dreimalige ἔργων νόμου spiegelt die kanonische Tendenz der Duplikation, hier gar der Triplikation. (2,17) Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13, vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Die Kombination καὶ αὐτοί steht 21 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Lk 14,12; 16,28; 3 Mal Joh; 3 Mal Apg; Röm 8,23; 11,31; 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Gal 2,17; 1Thess 2,14; 2Tim 2,10; Hebr 13,3; 1Petr 1,15; 2,5; Apk 6,11). ♦ εὑρίσκω steht 198 / 176 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.), vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ ἁμαρτωλός, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37. ♦ ἆρα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene bezeugt (Lk 18,8; Apg 8,30; Gal 2,17). ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, etwa Lk 20,16 in einem Vers, der in *Ev fehlt, er ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ γί(γ)νομαι steht 735 / 670 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,13; *1Kor 3,18; 4,5. 9; 10,6. 7; 15,54; *2Kor 5,17; *Röm 2,25; 7,7; 11,34; 12,16; *Laod 2,13. Wie die hohe Präsenz gerade in Versen 100 Rekonstruktion <?page no="101"?> und Versteilen, die im vorkanonischen Text nicht enthalten sind, zeigt, war dies kein sehr beliebter Begriff derselben, hingegen ein ausgesprochen beliebter Terminus der kanonischen Redaktion. Zur Abwesenheit: Der Vergleich der Lexeme mit dem Vorhandensein von ausschließlich (Verseröffnung εἰ δέ; καὶ αὐτοί; ἆρα; διάκονος) oder bevorzugt (ἁμαρτωλός) kanonischer Termini bestätigt die fehlende Bezeugung des Verses und spricht dafür, dass der Vers in der vorkanonischen Fassung gefehlt hat. (2,18) Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. Zum bezeugten Versteil: καταλύω, das 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für die vorliegende Stelle *Gal 2,18 bezeugt. ♦ ταῦτα steht 242 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ ἀνοικοδομέω steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Apg 15,16. ♦ Die Variante, das Verb οἰκοδομέω, das 47 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut belegt, jedoch auch ein beliebter Begriff der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἐμαυτόν steht 18 Mal im NT, etwa Lk 7,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 8,9; Lk 77. 8; 5 Mal Joh; Apg 26,2; 1Kor 4,3. 6; 7,7; 9,19; 2Kor 11,7. 9; Gal 2,18; Phil 3,13; Phlm 1,13). Zum nicht mehr bezeugten Versteil: παραβάτης steht 5 Mal im NT, vorkanonisch be‐ zeugt für *Röm 2,25. 27. ♦ συνίστημι, das 20 Mal im NT steht, ist jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ ἐμαυτοῦ steht 38 Mal im NT, begegnet jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Die unbezeugte Eröffnung ist für die vorkanonische Ver‐ sion grammatikalisch eher störend. Nach dem bezeugten Versteil findet sich im unbezeugten Teil zwar das bei *Paulus bezeugte παραβάτης, doch stützt das rein kanonisch bezeugte Verb συνίστημι zusammen mit dem nur kanonisch bezeugten ἐμαυτοῦ, den Schluss, dass der unbezeugte Teil wohl vorkanonisch nicht vorhanden war. (2,19) νόμος steht 204 / 195 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; 3,10-11; 4,5; 5,3. 14; 6,2. 13; *1Kor 9,8; 14,21. 34; *Röm 2,12. 13. 14. 20. 25; 3,21; 5,20; 7,4. 7. 12. 14. 23; 8,4; 10,4; 13,8; *Laod 2,15. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ συσταυρόομαι steht 6 / 5 Mal im NT, immer nur auf der kanonischen Ebene. 1 (Gal) 101 <?page no="102"?> Zur Abwesenheit: Die emphatische Eröffnung wurde bereits oben in Nr. 10 diskutiert, sie spricht eher für die kanonische Ebene, wofür auch συσταυρόομαι spricht. Vermutlich wird der Vers in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben. (2,20) Zu ζάω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ οὐκέτι, das 51 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἐμοὶ Χριστός begegnet ähnlich auch Röm 8,10 (Χριστὸς ἐν ὑμῖν), Gal 4,19 (Χριστὸς ἐν ὑμῖν), Eph 3,17 (τὸν Χριστὸν διὰ τῆς πίστεως ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν), Kol 1,27 (Χριστὸς ἐν ὑμῖν), und zwar immer nur auf der kanonischen Ebene. ♦ νῦν steht 157 / 148 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ ἀγαπάω steht 157 / 143 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *Röm 13,8. 9. ♦ Zu πίστις vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ Die Wendung τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 5,25; Gal 2,20; Eph 4,13; 1Joh 5,13). ♦ παραδίδωμι steht 134 / 119 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, wohl auch hier in *Gal 2,20, wenn hierfür auch unbezeugt. Zur Abwesenheit: Der Eingangsteil ζῶ δὲ οὐκέτι ἐγώ, ζῇ δὲ ἐν ἐμοὶ Χριστός scheint kanonisch redaktionell zu sein, denn er setzt die christologische Verstär‐ kung der Verse 17 und 19 fort. Überhaupt weist der vorkanonisch unbezeugte Vers Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὐκέτι; ἐν ἐμοὶ Χριστός; τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ). (2,21) ἀθετέω, das 17 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,16; *1Kor 1,19. ♦ Die Wendung χάριν τοῦ θεοῦ steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 3,10; 2Kor 6,1; 8,1; 9,14; Gal 2,21; Kol 1,6; 2Thess 1,12; 1Petr 5,12). ♦ ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, findet sich auch vorkanonisch (*Ev 11,20; *Gal 4,31; 6,10; *1Kor 15,14). ♦ δωρεά, das 20 / 11 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Zum einen ist der Vers unbezeugt, dann findet sich auch die nur kanonisch bezeugten Elemente χάριν τοῦ θεοῦ und δωρεά, außerdem führt der Vers mit „Gnade“ ein Thema ein, das zuvor nur in Gal 1,6. 15; 2,9 jeweils auf kanonischer Ebene anklang und vorkanonisch wohl allenfalls im Gruß *Gal 1,3 begegnete. Der Vers wird deshalb wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und im vorkanonischen Text gefehlt haben. 102 Rekonstruktion <?page no="103"?> 136 Auf die Tertullianstelle hat mich Mark Bilby in einer Email an mich vom 29.12.2023 aufmerksam gemacht, ebenfalls auf die wichtige Stelle *Ev 24,25, die diesen Vers hier stützt und umgekehrt die Nähe von *Ap und *Ev aufzeigt. Kapitel 3 3,1 [2-5]: Aufruf an die Galater Auf diese Passage verweist Hieronymus nur sehr allgemein. Allerdings bietet Tertullian einen Hinweis, der für die vorkanonische Präsenz von Vers 1 spricht. 136 Der Rest des Passus scheint auf die kanonische Ebene zurückzugehen. 3,1 Ὦ ἀνόητοι Γαλάται, τίς ὑμᾶς ἐβάσκανεν; 3,1 Ὦ ἀνόητοι Γαλάται, τίς ὑμᾶς ἐβάσκανεν, οἷς κατ’ ὀφθαλμοὺς Ἰησοῦς Χριστὸς προεγράφη ἐσταυρωμένος; - 2 τοῦτο μόνον θέλω μαθεῖν ἀφ’ ὑμῶν, ἐξ ἔργων νόμου τὸ πνεῦμα ἐλάβετε ἢ ἐξ ἀκοῆς πίστεως; - 3 οὕτως ἀνόητοί ἐστε; ἐναρξάμενοι πνεύματι νῦν σαρκὶ ἐπιτελεῖσθε; 4 τοσαῦτα ἐπάθετε εἰκῇ; εἴ γε καὶ εἰκῇ. 5 ὁ οὖν ἐπιχορηγῶν ὑμῖν τὸ πνεῦμα καὶ ἐνεργῶν δυνάμεις ἐν ὑμῖν ἐξ ἔργων νόμου ἢ ἐξ ἀκοῆς πίστεως; A. 3,1-5: Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas (PL 26, 348A): Interro‐ gemus [ergo, PL] hoc loco Marcionem, qui prophetas repudiat, quomodo interpretur id quod sequitur; vgl. Tert., Adv. Marc. V 2,2, vgl. zu Gal 2,18. ♦ 3,1: Vgl. Tert., De praescr. 27,2-3 (SC 46,124): Omnia ista scrupulositatis incitamenta invenias praetendi ab haereticis. [3] Tenent correptas ab apostolo ecclesias: O insensati Galatae, quis vos fascinavit? B. (3,1) τῇ ἀληθείᾳ μὴ πείθεσθαι findet sich nach ἐβάσκανεν als Ergänzung in 04, 062, 018, 020, 025, 044, 0278, 33 c , 104, 365, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, vg c1 , sy h , Hier mss . ♦ Nach προεγράφη wird ἐν ὑμῖν eingefügt von 06, 010, 012, 018, 020, 33 c , 1505, 2464, M, it, vg c1 , sy h . C. 1. (3,1) Auch wenn man aus dem Hinweis des Hieronymus nicht den Wortlaut entnehmen kann, deutet er in seinem Kommentar zu Gal 3 doch an, dass er hier Text gelesen hat, auch wenn er dies mit einer Diskussion zu einer Prophetenstelle liest. Letzteres kann sich nicht auf Vers 1 beziehen, sondern kann nur auf *Gal 3,10-14 hin gesagt sein. Hingegen ist das Zeugnis Tertullians 1 (Gal) 103 <?page no="104"?> 137 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 72*. 138 M. Klinghardt, Abraham als Element der Kanonischen Redaktion (2018), 230. Vgl. auch H. Wendt, Galatians 3: 1 as an Allusion to Textual Prophecy (2016). 139 Vgl. die Einleitung I, S. 563-568. aus De praescr. zu gewichten, der ausdrücklich auf seine Gegner, vornehmlich Markion, verweist und dann deren Kritik an den Galatern mit dem oben gegebenen Text als Grundlage bietet. Van Manen gibt den Vers nach dem kanonischen Text, und Zahn sieht den Vers als bezeugt. Zurückhaltend ist Harnack, auch wenn er notiert: „Die schmerzliche Frage an die Galater, wer sie bezaubert habe, und die Frage, ob sie den Geist aus Gesetzeswerken oder aus dem Glauben empfangen hätten … sind unbezeugt, aber werden nicht gefehlt haben“. 137 Nach Schmid ist der Text unbezeugt, während BeDuhn den Text der Verse 1-2 in Klammern aufnimmt. BeDuhn meint zu den Versen 1-5, dass die Kritiker Markions diesen Text eher als Unterstützung von Markions Vorstellung ansahen, ihn also schweigend übergingen. Auch Klinghardt hält diese fünf Verse für vorkanonisch. 138 Für eine Entscheidung kommen uns wiederum die Textvarianten und die Lexik zuhilfe. 2. Nachdem weiter oben bereits auf die Bedeutung der Wahrheit hingewiesen wurde, könnte der Hinweis auf sie hier einen ursprünglichen Bestandteil des Textes anzeigen. Dann findet sich die Ergänzung ἐν ὑμῖν nach προεγράφη durch die einschlägigen Handschriften. Doch der Inhalt bezieht sich nicht auf die prophetischen Weissagungen, sondern gemäß der Paulusoffenbarung auf deren Gehalt. 3. (3,2) Van Manen gibt auch diesen Vers nach dem kanonischen Text. Während Zahn Vers 1 als bezeugt ansah, ist er sich bei den Versen 2-3 weniger sicher, auch wenn er in irgendeiner Form mit ihnen rechnet. Auch Harnack rechnet mit diesen Versen, auch wenn er sie nicht bezeugt sieht. Schmid sieht sie schlicht als unbezeugt. Auch BeDuhn sieht die Verse als unbezeugt, rechnet aber mit einigen Ausführungen, damit das Nachfolgende narrativ sinnvoll anschließt. Allerdings bietet der Vers vom Inhalt her eine Duplikation zu den Ausführungen von Vers 5, was ein Merkmal der kanonischen Redaktion ist. 139 4. (3,3-5) Erneut gibt van Manen den kanonischen Text (unter Auslassung von οὖν in Vers 5 und ebd. ohne ἐξ ἔργων νόμου ἢ ἐξ ἀκοῆς πίστεως, wobei er hier einen ausgelassenen Text annimmt). Doch was gerade für die Verse 1-2 gesagt wurde, trifft auch auf diese hier zu: Es geht in ihnen gerade nicht um ein prophetisches Verständnis des προεγράφη, sondern um eine Weiterführung des durch die kanonische Redaktion getilgten ἐν ὑμῖν und zieht noch deutlicher die Linie zur Offenbarungserfahrung aus. Damit entspricht keiner der Verse 104 Rekonstruktion <?page no="105"?> dem von Hieronymus angezeigten Inhalt, auch wenn dennoch Vers 1 von ihm gelesen zu sein scheint. D. (3,1) Die Wendung Ὦ ἀνόητοι steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25. ♦ ἀνόητος, das sich 6 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25. ♦ Γαλάται steht 4 Mal im NT, vorkanonisch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in *Gal 1,2. ♦ βασκαίνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ τίς (Nom. Fem. / Mask. Sg.) steht 146 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,16; *Röm 11,34. 35; *Laod 3,9. ♦ πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist ein Mal vorkanonisch bezeugt (*Phil 1,14). ♦ ὀφθαλμός ist vorkanonisch bezeugt. ♦ προγράφω steht 5 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt (Röm 15,4; Gal 3,1; Eph 3,3; Jud 1,4). ♦ σταυρόω, das 62 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,24; 6,14; *1Kor 2,8; *Laod 2,16; *Kol 1,20; *Phil 2,8. Zur Rekonstruktion: Was die Verseröffnung betrifft, finden wir den Hinweis bei Tertullian, dann auch die etwas allgemein gehaltene Bezeugung des Hier‐ onymus, der an dieser Stelle vorkanonischen Text liest, auch wenn sich seine Angabe dann inhaltlich eher auf Vers 10 bezieht. Da die ungewöhnliche Wen‐ dung Ὦ ἀνόητοι nur an dieser Stelle hier und nochmals in Lk 24,25 steht, dort aber vorkanonisch bezeugt ist, scheinen wir es mit einem markanten, vorkanonischen Ausdruck zu tun zu haben. Nachdem auch Tertullian in De praescr. auf haeretici anspricht und den Text gibt, wird dieser vorkanonisch an unserer Stelle gestanden sein. Zwar begegnet das Thema mit dem Gekreuzigten wieder in dem bezeugten Vers 13, liest man aber die letztbezeugten Verse 2,16. 18. 20, dann fügen sich 3,10-14 unmittelbar an diese Diskussion an. Es verwundert darum nicht, dass gerade προγράφω nur kanonisch bezeugt ist. (3,2) τοῦτο, das 313 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist weder für *Ev noch Lk belegt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ μανθάνω, das 143 / 25 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; *1Kor 15,35. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonischen bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9). ♦ Jedoch ist die Kombination ἀφ’ ὑμῶν ausschließlich im kanonischen Paulus belegt (Gal 3,2; 1Kor 14,36; 1Thess 1,8; 2,6. 17; 3,6; Eph 4,31). ♦ πνεῦμα (Sg.), steht 340 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,14; 4,6; *1Kor 3,16; 5,5; 12,9; 15,45; *2Kor 3,6; 4,13; *Röm 8,4. 10; *1Thess 5,19. 23; *Laod 1,17. ♦ Die Kombination ἢ ἐξ begegnet nur beim kanonischen Paulus (Gal 3,2. 5; 2Kor 3,1; 9,7). ♦ ἀκοή, das 24 Mal im NT steht, ist ebenfalls ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Auch 1 (Gal) 105 <?page no="106"?> die Kombination ist nur auf der kanonischen Ebene belegt (Gal 3,2. 5; Röm 10,17: ἡ πίστις ἐξ ἀκοῆς). Zur Abwesenheit: Die unter Nr. 3 oben angeführten Bedenken zur Anwesen‐ heit dieses Verses werden durch die Lexik verstärkt. Zentrale Begriffe sind ausschließlich kanonisch belegt (ἀκοή), aber auch Kombinationen von Begriffen (ἀφ’ ὑμῶν; ἢ ἐξ; ἐξ ἀκοῆς). Der Vers hat in der vorkanonischen Fassung gefehlt. (3,3) οὕτως als Satzeröffnung (davon zu unterscheiden ist οὕτως καί oder δέ) begegnet wiederholt beim kanonischen Paulus (Gal 4,3; 1Kor 2,11; 4,1; 6,5; 8,12; 9,14. 24. 26; 11,12; 14,9. 12; 15,42; 2Kor 1,5; Röm 1,15; 4,18; 6,11; 11,5; 1Thess 2,8; Eph 5,28), vorkanonisch bei *Paulus jedoch nicht (nur in *Ev 12,31). ♦ ἀνόητος, das sich 6 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ ἐνάρχομαι steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls für die kanonische Ebene belegt (Phil 1,6). ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter unten zu Vers 20. ♦ ἐπιτελέω steht 11 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Zunächst spricht die Duplikation des ἀνόητος gegen die Präsenz der Eröffnung in der vorkanonischen Version. Auch die Emphase derselben spricht für die kanonische Ebene. οὕτως als Satzeröffnung ist nur auf der kanonischen Ebene bei Paulus belegt und dort sehr beliebt. Nachdem auch ἐνάρχομαι und ἐπιτελέω nur kanonisch belegt sind, wird der Vers auf die kanonische Redaktion zurückgehen und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (3,4) τοσοῦτος steht 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,9. ♦ πάσχω steht 44 / 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ εἰκῇ, das 7 / 6 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ εἴ γε begegnet nur 5 Mal im NT, etwa in 2Kor 5,3, wo in der parallelen Stelle in *2Kor 5,3 die Partikel εἴπερ steht, also ausschließlich in der paulinischen Briefliteratur und immer nur auf der kanonischen Ebene, während εἴπερ 7 Mal im NT zu finden ist und vorkanonisch bezeugt ist für *1Kor 8,5. Zur Abwesenheit: Aufgrund der fehlenden Bezeugung und der Lexik ist es eher wahrscheinlich, dass auch diese Verse in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben, zumal auch der Vers 3,1 gut an den nächstbezeugten Vers 10 anschließt. 106 Rekonstruktion <?page no="107"?> (3,5) οὖν steht 576 / 501 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,19 (τί οὖν φημι); *Röm 7,7 (Τί οὖν ἐροῦμεν; Tertullian: Quid ergo dicemus); auffallend ist nicht nur die relative Seltenheit der Bezeugung des Begriffes sowohl in *Ev wie in *Paulus, sondern auch, dass er dort nicht wie hier und auf der kanonischen Ebene floskelhaft einfließt, sondern jeweils als Argumentationsemphase dient. ♦ ἐπιχορηγέω steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐνεργής steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist trotz der *Gal 2,16 vorkanonisch bezeugten Wendung τὸ ἔργον νόμου überwiegend ein Begriff der kanonischen Ebene. ♦ Zu ἀκοή vgl. zu Vers 2. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem Vers stechen die Begriffe ins Auge, die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt sind (ἐπιχορηγέω; ἐνεργής; ἀκοή; ἐν ὑμῖν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat in der vorkanonischen Fassung gefehlt. 3,[6-9] 10-14 [15-18]: Der Freikauf vom Fluch des Gesetzes Das Kernstück dieses Passus mit den Versen 10-14 ist gut bezeugt und wohl auch der einzige Teil, der vorkanonisch vorhanden war. Zuvor und danach wurden von der kanonischen Redaktion Texte eingefügt, um diesen Passus in das kanonische Narrativ einzubringen. Wie der Kommentar (C) zeigen wird, ist der Redaktion diese Neukontextualisierung nicht wirklich gelungen und sie zeigt noch die Bearbeitungsrichtung *Gal > Gal. - 6 καθὼς Ἀβραὰμ ἐπίστευσεν τῷ θεῷ, καὶ ἐλογίσθη αὐτῷ εἰς δικαιοσύνην. 7 Γινώσκετε ἄρα ὅτι οἱ ἐκ πίστεως, οὗτοι υἱοί εἰσιν Ἀβραάμ. 8 προϊδοῦσα δὲ ἡ γραφὴ ὅτι ἐκ πίστεως δικαιοῖ τὰ ἔθνη ὁ θεὸς προευηγγελίσατο τῷ Ἀβραὰμ ὅτι Ἐνευλογηθήσονται ἐν σοὶ πάντα τὰ ἔθνη. 9 ὥστε οἱ ἐκ πίστεως εὐλογοῦνται σὺν τῷ πιστῷ Ἀβραάμ. 10-11ὁ δίκαιος ἐκ πίστεως ζήσεται· ὅσοι γὰρ ὑπὸ νόμον ὑπὸ κατάραν εἰσίν· 10 ὅσοι γὰρ ἐξ ἔργων νόμου εἰσὶν ὑπὸ κατάραν εἰσίν· γέγραπται γὰρ ὅτι Ἐπικατάρατος πᾶς ὃς οὐκ ἐμμένει πᾶσιν τοῖς γεγραμμένοις ἐν τῷ βιβλίῳ τοῦ νόμου τοῦ ποιῆσαι αὐτά. 11 ὅτι δὲ ἐν νόμῳ οὐδεὶς δικαιοῦται παρὰ τῷ θεῷ δῆλον, ὅτι Ὁ δίκαιος ἐκ πίστεως ζήσεται· 12 ὁ δὲ ποιήσας αὐτὰ ζήσεται ἐν αὐτοῖς. 12 ὁ δὲ νόμος οὐκ ἔστιν ἐκ πίστεως, ἀλλ’ Ὁ ποιήσας αὐτὰ ζήσεται ἐν αὐτοῖς. 1 (Gal) 107 <?page no="108"?> 13 Χριστὸς ἡμᾶς ἐξηγόρασεν ἐκ τῆς κατάρας τοῦ νόμου γενόμενος ὑπὲρ ἡμῶν κατάρα, Ἐπικατάρατος πᾶς ὁ κρεμάμενος ἐπὶ ξύλου, 13 Χριστὸς ἡμᾶς ἐξηγόρασεν ἐκ τῆς κατάρας τοῦ νόμου γενόμενος ὑπὲρ ἡμῶν κατάρα, ὅτι γέγραπται, Ἐπικατάρατος πᾶς ὁ κρεμάμενος ἐπὶ ξύλου, 14 ἵνα τὴν εὐλογίαν τοῦ πνεύματος λάβωμεν διὰ τῆς πίστεως. 14 ἵνα εἰς τὰ ἔθνη ἡ εὐλογία τοῦ Ἀβραὰμ γένηται ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, ἵνα τὴν ἐπαγγελίαν τοῦ πνεύματος λάβωμεν διὰ τῆς πίστεως. - 15 Ἀδελφοί, κατὰ ἄνθρωπον λέγω· ὅμως ἀνθρώπου κεκυρωμένην διαθήκην οὐδεὶς ἀθετεῖ ἢ ἐπιδιατάσσεται. 16 τῷ δὲ Ἀβραὰμ ἐρρέθησαν αἱ ἐπαγγελίαι καὶ τῷ σπέρματι αὐτοῦ. οὐ λέγει, Καὶ τοῖς σπέρμασιν, ὡς ἐπὶ πολλῶν, ἀλλ’ ὡς ἐφ’ ἑνός, Καὶ τῷ σπέρματί σου, ὅς ἐστιν Χριστός. 17 τοῦτο δὲ λέγω· διαθήκην προκεκυρωμένην ὑπὸ τοῦ θεοῦ ὁ μετὰ τετρακόσια καὶ τριάκοντα ἔτη γεγονὼς νόμος οὐκ ἀκυροῖ, εἰς τὸ καταργῆσαι τὴν ἐπαγγελίαν. 18 εἰ γὰρ ἐκ νόμου ἡ κληρονομία, οὐκέτι ἐξ ἐπαγγελίας· τῷ δὲ Ἀβραὰμ δι’ ἐπαγγελίας κεχάρισται ὁ θεός. A. 3,6-9: Die Passage fehlt nach dem ausdrücklichen Zeugnis des Hieronymus im Text des Markion: Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 1,3,6 (PL 26, 352A; CCSL 77A,74): Sicut Abraham credidit deo, et reputatum est ei ad iustitiam. Ab hoc loco usque ad eum ubi scribitur: Qui ex fide sunt benedicentur cum fideli Abraham Marcion de suo Apostolo erasit. Vgl. Tert., Adv. Marc. V 3,9: Proinde si in lege maledictio est, in fide vero benedictio, utrumque habes propositum apud creatorem; ibid., V 3,11: Sed et cum adicit: Omnes enim filii estis fidei, ostenditur quid supra haeretica industria eraserit: mentionem scilicet Abrahae, qua nos apostolus filios Abrahae per fidem adfirmat, secundum quam mentionem hic quoque filios fidei notavit. Ceterum quomodo filii fidei? et cuius fidei, si non Abrahae? ; ibid., V 3,12: Si enim Abraham deo credidit, et deputatum est iustitiae, atque exinde pater multarum nationum mervit nuncupari, nos autem, credendo deo magis proinde iustificamur, sicut Abraham, et vitam proinde consequimur, sicut iustus ex fide vivit: sic fit ut et supra filios nos Abrahae pronuntiarit, qua patris fidei, et hic filios fidei, per quam Abraham pater nationum fuerat repromissus; ibid., V 4,8: ita credo et Marcionem novissimam Abrahae mentionem dereliquisse, nullam magis auferendam, etsi ex parte convertit (Evans, 528, 530; nullam: nulla; auferendam: auferenda); id., De monog. 6,1 (SC 343,152. 154): Si enim ex fide filii deputamur Abrahae, ut apostolus docet, dicens ad [154] Galatas: Cognoscitis 108 Rekonstruktion <?page no="109"?> nempe quia qui ex fide isti sunt filii Abrahae, quando credidit Abraham Deo et deputatum est ei in iustitiam? ; id., De res. Mort. 18,12 (CCSL 2,919-920): Sic et per Abraham, patrem fidei, divinae familiaritatis virum, discimus; id., De carn. 22,5, vgl. zu Gal 3,16. ♦ *3,10-12: Vgl. Epiph., Pan. 42, 12, sch. 1 (120. 156 H.): Μάθετε ὅτι ὁ (ὅτι ὁ conj. In 120 aus διότι) δίκαιος ἐκ πίστεως ζήσεται: ὅσοι γὰρ ὑπὸ νόμον ὑπὸ κατάραν εἰσίν· ὁ δὲ ποιήσας αὐτὰ ζήσεται ἐν αὐτοῖς. Tert., Adv. Marc. V 3,9: Proinde si in lege maledictio est, in fide vero benedictio, utrumque habes propositum apud creatorem. Zuvor findet sich V 3,8-9: 8. … ut iam ex fidei libertate iustificetur homo, non ex legis servitute, quia iustus ex fide vivit. 9. Quod si prophetes Abacuc praenuntiavit, habes et apostolum prophetas confirmantem, sicut et Christus; ibid., V 3,12: sicut iustus ex fide vivit; Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 2,3,13a (CCSL 77A,88): Quod si Apostoli voluerit nos testimonio coartare dicentis: Quicumque ex operibus legis sunt sub maledicto sunt. Scriptum est enim: maledictus omnis qui non permanserit in omnibus quae scripta sunt in libro legis ut faciat ea, et adserere omnes qui sub lege fuerint fuisse maledictos. Vgl. Dtn 27,26 LXX: Ἐπικατάρατος πᾶς ἄνθρωπος, ὃς οὐκ ἐμμενεῖ ἐν πᾶσιν τοῖς λόγοις τοῦ νόμου τούτου τοῦ ποιῆσαι αὐτούς· καὶ ἐροῦσιν πᾶς ὁ λαός Γένοιτο; Hab 2,4 LXX: ὁ δὲ δίκαιος ἐκ πίστεώς μου ζήσεται; Lev 18,5 LXX: ἃ ποιήσας ἄνθρωπος ζήσεται ἐν αὐτοῖς. ♦ *3,13: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 3, 9-10: 9. … Cur autem Christus factus sit pro nobis maledictio ipso apostolo edocente, manifestum est quam nobiscum faciat, id est secundum fidem creatoris. 10. Neque enim quia creator pronuntiavit, Maledictus omnis [in, Evans om] ligno suspensus, ideo videbitur alterius dei esse Christus. Adam., Dial. I 27: Παῦλος λέγει, ὅτι Χριστὸς ἡμᾶς ἐξηγόρασε; Epiph., Pan. 42, 12, sch. 2 (156 H.): Ἐπικατάρατος πᾶς ὁ κρεμάμενος ἐπὶ ξύλου, ὁ δὲ ἐκ τῆς ἐπαγγελίας, διὰ τοῖς ἐλευθέρας. Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 2,3,13a (PL 26, 360A; CCSL 77A,87): Subrepit in hoc loco Marcion de potestate creatoris, quem sanguinarium, crudelem infamat et iudicem, asserens nos redemptos esse per Christum, qui alterius boni dei filius sit. Qui si intellegeret quo differret emere et redimere (quia qui emit alienum emit, qui autem redimit id emit proprie quod suum fuit et suum esse desivit), numquam scripturarum verba simplicia in calumniam sui dogmatis detorqueret; Vgl. Tert., Adv. Marc. I 11,8: qui et maledictum in se creatoris admisit ligno suspensus et idcirco a creatore iam tunc in lege maledictus; ibid., IV 21,11: ita nec de crucix maledicto erubescendus; ibid., V 3,11: Facilius enim credetur eius esse per maledictionem Christi benedictionem prospexisse homini, qui et maledictionem aliquando et benedictionem proposuerit ante hominem, quam qui neutrum umquam sit apud te professus (Evans, 524: credetur: crederetur; umquam: unquam). Adam., Dial. I 27 (im Mund des Megethius): Παῦλος λέγει, ὅτι Χριστὸς ἡμᾶς ἐξηγόρασε (Rufin: ut Paulus diceret: Christus nos redemit); vgl. auch Tert., 1 (Gal) 109 <?page no="110"?> Adv. Prax. 29,3 (CCSL 2,1202): Maledictione enim crucifixi, quae ex lege in filium competit - quia Christus pro nobis maledictio factus est, non pater - Christum in Patrem convertentes, in Patrem blasphematis; ibid., 29,4 (CCSL 2,1202): Nos autem dicentes Christum crucifixum, non maledicimus illum, sed maledictum legis referimus; id., De fug. 12,2 (CCSL 2,1150): ut fieret pro nobis maledictum; quia maledictus qui pependit in ligno (CSEL 76,36: pependit: pependerit); id., De pat. 8,3 (SC 310,88): dominus ipse maledictus in lege est et tamen solus est benedictus. Vgl. Dtn 27,26 LXX: Ἐπικατάρατος πᾶς ἄνθρωπος, ὃς οὐκ ἐμμενεῖ ἐν πᾶσιν τοῖς λόγοις τοῦ νόμου τούτου τοῦ ποιῆσαι αὐτούς· καὶ ἐροῦσιν πᾶς ὁ λαός Γένοιτο; Dtn 21,23 LXX: κεκατηραμένος ὑπὸ θεοῦ πᾶς κρεμάμενος ἐπὶ ξύλου. ♦ *3,14: Tert., Adv. Marc. V 3,11: Accepimus igitur benedictionem spiritalem per fidem. ♦ 3,15-18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 3,11: Sed et cum adicit: Omnes enim filii estis fidei, ostenditur quid supra haeretica industria eraserit, mentionem scilicet Abrahae, qua nos apostolus filios Abrahae per fidem affirmat, secundum quam mentionem hic quoque filios fidei notavit. Ceterum quomodo filii fidei? et cuius fidei, si non Abrahae? Diese Notiz über Markions Auslassung dessen, was vor *Gal 3,26 steht, greift Tertullian zu Beginn von Kapitel 4 wieder auf und führt aus, ibid. V 4,1-2: [1] Sub eadem Abrahae mentione, dum ipso sensu revincatur, Adhuc, inquit, secundum hominem dico: dum essemus parvuli, sub elementis mundi eramus positi, ad deserviendum eis. Atquin non est hoc humanitus dictum. Non enim exemplum est, sed veritas. Quis enim parvulus, utique sensu, quod sunt nationes, non elementis subiectus est mundi, quae pro deo suspicit? Illud autem fuit, quod cum Secundum hominem dixisset, tamen testamentum hominis nemo spernit aut superordinat. [2] Exemplo enim humani testamenti permanentis divinum tuebatur. Abrahae dictae sunt promissiones et semini eius: non dixit seminibus, quasi pluribus, sed semini, tanquam uni, quod Christus est. Erubescat spongia Marcionis! Nisi quod ex abundanti retracto quae abstulit, cum validius sit illum ex his revinci quae servavit; vgl. auch id., De carn. 22,5 (SC 216,300): Retexens enim promissionem benedictionis nationum in semine Abrahae: Et in semine tuo benedicentur omnes nationes: non, inquit, dixit seminibus tamquam de pluribus, sed semine de uno, quod est Christus; id., De pat. 6,3 (SC 310,80): Ita fides patientia inluminata, cum in nationes seminaretur per semen Abrahae, quod est Christus, et gratiam legi superduceret; vgl. auch id., Adv. Iud. 2,8 (CCSL 2,1337-1338. B. (3,12) Nach αὐτά steht ein zusätzliches ἄνθρωπος in D 1 , M, a, vg s , sy hmg . ♦ (3,14) Anstelle von ἐπαγγελίαν wird εὐλογίαν bezeugt durch P 46 , 06* .c , 010, 012, 110 Rekonstruktion <?page no="111"?> 140 So auch H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 141 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 440. 142 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 45-47. 143 Zu Abraham in der kanonischen Redaktion, vgl. M. Klinghardt, Abraham als Element der Kanonischen Redaktion (2018). 144 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. b, d, g, vg mss , Vig, Ambst, als markionitische Lesart vermerkt in NA 28 . 140 Hingegen findet sich die kanonische Variante ἐπαγγελίαν in P 99 , 01, 02, 03, 06 2 , 018, 020, 025, 044, 278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, co. C. 1. (3,6-9) Hilgenfeld meint, des Hieronymus’ „Zeugnis lässt sich in keiner Hinsicht anfechten, da es auch durch Tertullian vollkommen bestätigt wird“. 141 Van Manen, Zahn, Harnack, Schmid und BeDuhn folgen Hilgenfeld. 142 Aller‐ dings meint Harnack, dass Tertullian die Stelle übergehe, aber dennoch den Begriff εὐλογοῦνται „des Originaltextes aus v. 9 im Gedächtnis“ habe; dabei führt Harnack den obigen Text aus Tert., Adv. Marc. V 3,9 an. Doch das Zitat verrät, dass Harnack nicht völlig korrekt urteilt, wie schon von Soden erkannt und richtiggestellt hatte, denn der Anfang des Zitats ist der Beleg für *Gal 3,10, dem Tertullian argumentativ das aus Gal 3,9 entnommene benedictio = εὐλογοῦνται entgegenhält. Markion könne nicht nur vom Gesetz als Fluch, sondern müsse auch vom Segen desselben sprechen, was er dann mit Dtn 11,26 begründet, Tert. Adv. Marc. V 3,9: Ecce posui, inquit, ante te maledictionem et benedictionem (Dtn 11,26). Non potes distantiam vindicare. Das „Gegensatz behaupten“ (distantiam vindicare) scheint sich nicht auf eine ausdrückliche Behauptung Markions zu beziehen, etwa einen Kommentar zur Stelle, sondern scheint aus dem Fehlen von Vers 9 in *Gal von Tertullian abgeleitet zu sein. Tertullian selbst führt etwas später aus, dass Markion „zuvor die Erwähnung Abrahams getilgt (eraserit) habe“, so Tert., Adv. Marc. V 3,11 und dass überhaupt jeder Bezug zu Abraham in Markions *Galaterbrief bis auf einen Hinweis (*Gal 4,22; dann nochmals *Röm 4,2) fehle, so ibid. V 4,8. 143 Weisse meinte, dieser Vers sei aus Röm 4,3-4 herübergenommen worden, 144 was man als kanonische Harmonisierung auffassen kann. 1 (Gal) 111 <?page no="112"?> 145 Vgl. M. Meiser, Galater (2007), 15. 20. 146 Detering gibt die Epiphaniusversion ohne ὅτι Ἐπικατάρατος πᾶς ὃς οὐκ ἐμμένει πᾶσιν τοῖς γεγραμμένοις ἐν τῷ βιβλίῳ τοῦ νόμου τοῦ ποιῆσαι αὐτά, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 47-50. 147 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 72*. 148 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 1/ 316. 2. (3,8) Auffallenderweise entwickelt Justin, Dial. 119 eine parallele Vorstel‐ lung zur kanonischen, und auch für Irenäus sind die vorliegenden Verse antimarkionitisch bedeutend. 145 3. Hier folgt in den Versen Gal 3,6-9 die durch die Tilgung von ἐν ὑμῖν durch die kanonische Redaktion vorbereitete alternative Lesart des προεγράφη, also der Hinweis auf die Vorschau, die in der jüdischen Schrift für den abrahamischen Glauben existiert. 4. (3,10-12) Wie aus Epiphanius zu ersehen ist, ordnet er die Verse: 11b, 10a, 12b. Meyboom sieht den Vers wie oben. Hilgenfeld gibt aber zu bedenken, dass vielleicht auch Vers 11 bis δῆλον gestanden haben kann. Van Manen gibt diese Verse wie Epiphanius, jedoch mit der kanonischen Erweiterung: Μάθετε ὅτι ὁ δίκαιος ἐκ πίστεως ζήσεται: ὅσοι γὰρ ὑπὸ νόμον ὑπὸ κατάραν εἰσίν· ὅτι Ἐπικατάρατος πᾶς ὃς οὐκ ἐμμένει πᾶσιν τοῖς γεγραμμένοις ἐν τῷ βιβλίῳ τοῦ νόμου τοῦ ποιῆσαι αὐτά. ὁ δὲ ποιήσας αὐτὰ ζήσεται ἐν αὐτοῖς. 146 Harnack urteilt zu dieser Zeugenlage: „Die Verse 10b, 11a und 12a haben also nach ihm (scil. Epiphanius) gefehlt; die Beziehung auf das AT (γέγραπται) ist entfernt; auch die Umstellung ist glaublich. Aus Tert.s freier Darlegung … kann man nur mit geringer Wahrscheinlichkeit schließen, daß 11a (wenn auch in Umformung) doch nicht gefehlt hat; dagegen ist deutlich daß die Worte „quod si prophetes“ etc. Tert.s Eigentum sind. - Μάθετε ist von M. frei eingeschoben. - Ὑπὸ νόμον ist sonst unbezeugt (> ἐξ ἔργων νόμον εἰσίν, aber gleich darauf ὑπὸ κατάραν), ebenso ὁ δὲ (> ἀλλὰ ὁ)“. 147 Schmid hält das Μάθετε ὅτι ὁ δίκαιος ἐκ πίστεως ζήσεται „entweder“ für eine „redaktionelle Überleitung“ oder eine „Randbemerkung“. 148 Nach ὑπὸ νόμον fügt Schmid ein: (εἰσίν). Und anstelle von ὁ δὲ schreibt er (ἀλλά). Auch BeDuhn gesteht, dass kein Zeuge die Verse 11a oder 12a bezeugt, nimmt aber komplett die Verse 10-12 (mit den unbezeugten Teilen in Klammern) auf und folgt der kanonischen Ordnung, wobei er in Vers 11 das Μάθετε einfügt. 5. Das zusätzliche ἄνθρωπος in einigen Zeugen ist eine Harmonisierung, weil das Schriftzitat ziemlich abrupt in den Text eingeschoben ist. Wie das Subjekt 112 Rekonstruktion <?page no="113"?> 149 So zu Gal 3,6-14 H.D. Betz, Der Galaterbrief. Ein Kommentar zum Brief des Apostels Paulus an die Gemeinden in Galatien (1988), 250. 150 So P. Lampe, Reticentia in der Argumentation: Gal 3,10-12 als Stipatio Enthymematum (1999), 27. 151 Vgl. J. Becker and U. Luz, Die Briefe an die Galater, Epheser und Kolosser (1998), 50. 152 Vgl. etwa den Versuch von P. Lampe, Reticentia in der Argumentation: Gal 3,10-12 als Stipatio Enthymematum (1999), 27. ist auch das Objekt αὐτά ohne direkten Bezugspunkt, und doch ergibt das Zitat Sinn, weil es sich insgesamt auf diejenigen, die unter dem Gesetz sind, bezieht. 6. Wie bereits zu Vers 3,1 bemerkt, führt der narrative Zusammenhang zu einem unmittelbaren Übergang der Verse 2,16. 18. 20 zu diesen Versen hier 3,10-14, nur kurz unterbrochen von der Galaterschelte von *Gal 3,1. In Kapitel 2 erläutern diese Verse, warum die Reaktion des Petrus eine solche Heuchelei darstellte und ihn von dem geradlinigen Weg der Wahrheit des Evangeliums abbrachte, was mit der Rücksicht und Bedeutung der Beschneidung zu tun hat. Die Antwort des *Paulus lautet: „Ein Mensch wird nicht aus dem Gesetz gemäßen Handlungen gerecht, sondern allein aus dem Glauben“ (*Gal 2,16), es ist ein Glaube, der aufbaut, was er niedergerissen hat - vermutlich die Verbindung zwischen Beschnittenen und Unbeschnittenen. *Gal 3,10 knüpft hieran an. Dem Glaubenden, der aufbaut, was zerrissen war, stehen diejenigen gegenüber, „die unter dem Gesetz sind“, die aber „unter einem Fluch“ stehen, weil sie die Werke des Gesetzes tun, von denen in *Gal 2,16 die Rede war. Ihr eigenes Gesetz verpflichtet sie dazu. Genau dagegen steht jedoch die Botschaft Christi, wie dann Vers 13 ausführen wird. 7. Vergleicht man mit dieser klaren Aussage das Rätsel, das die kanonische Redaktion hieraus macht, kann man lediglich die modernen Exegeten zitieren, unter denen „Übereinstimmung“ herrscht, „daß es äußerst schwierig ist, dem Beweisgang des Paulus in diesem Abschnitt zu folgen“. 149 Es wurde zu Recht auf die Unstimmigkeit hingewiesen, wonach in Vers 10 „aus dem Fluch, der auf dem Nicht-Erfüllen des Gesetzes liegt“, gefolgert wird, „daß der, der aus Geset‐ zeswerken lebt, verflucht sei“, es sei auch rätselhaft, wieso in Vers 11 aus dem Satz „aus Glauben kommen Leben/ Gerechtigkeit“ der andere folge, „daß aus dem Gesetz nie Leben/ Gerechtigkeit resultieren können“ und es nehme „Wunder, inwiefern das Schriftzitat 3,12b den Vordersatz 3,12a zu begründen“ vermöge. 150 Bisweilen nahm man an, es fehlten ein oder mehrere Zwischengedanken. 151 Der Widerspruch im gesamten Gefüge kann auch nicht durch einen Hinweis auf Brachylogie geheilt werden, gewissermaßen ein Zugeständnis an die irgendwie unbefriedigende Argumentation. 152 Wie an manchen anderen Stellen scheint die kanonische Redaktion auch an dieser Stelle bei ihrer Arbeit überfordert 1 (Gal) 113 <?page no="114"?> 153 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 441. 154 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 73*. 155 Unsicher, was γέγραπται betrifft, ist H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 50-51. 156 Vgl. zu diesen Diskussionen M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 141. 157 Vgl. G. Jeremias, Der Lehrer der Gerechtigkeit (1963), 133-134; F.F. Bruce, The epistle of Paul to the Galatians. A commentary on the Greek text (1982), 165; C.D. Stanley, „Under a Curse“: A Fresh Reading of Galatians 3.10-14 (1990), 505. 158 Vgl. P. Feine, Das gesetzesfreie Evangelium des Paulus nach seinem Werdegang dargestellt (1899); A.J. Hultgren, Paul’s Pre-Christian Persecutions of the Church: Their Purpose, Locale, and Nature (1976); S. Kim, The Origin of Paul’s Gospel (1984); H. Räisänen, Paul and the Law (1983); M. A. Seifrid, Justification by Faith. The Origin and d-Development of a c-Central Pauline Theme (1992). Zu Deut 21,23 als Referenztext dieser Debatte, vgl. G. Jeremias, Der Lehrer der Gerechtigkeit (1963); H.-W. Kuhn, The Impact of Selected Qumran Texts on the Understanding of Pauline Theology (2006); F.G. Martínez, Galatians 3: 10-14 in the Light of Qumran (2014); D. Chapman, Ancient gewesen zu sein, sie arbeitete nicht gründlich, nicht logisch, sondern ihre Arbeit resultierte in einem etwas hilflosen Endtext. 8. (3,13) Das ὁ δέ … ἐλευθέρας des Epiphanius ist eigentlich ein weiteres Scholion, das *Gal 4,23 wiedergibt, so schon Zahn. Van Manen gibt den Vers nach dem kanonischen Text (unter Auslassung von γέγραπται). Hilgenfeld nennt Vers 13 „eine Lieblingsstelle der Marcioniten, welche sowohl auf den Gesetzes‐ fluch über den Gekreuzigten, als auch auf die Erkaufung der Menschheit (die Christo an sich fremd gewesen sei) besondres Gewicht legten“. 153 Harnack meint, „die direkt nicht bezeugten Worte von ἐκ τ. κατάρας bis κατάρα können nicht gefehlt haben“. 154 Harnack führt das ὅτι γέγραπται in seinem Text mit, so auch BeDuhn in Klammern, doch, wie man gerade zuvor aus Vers 10 entnehmen kann, scheint die für Vers 13 unbezeugte Einleitungsformel hier ebenfalls entbehrlich. 155 Schmid sieht bezeugt: Χριστὸς … γενόμενος ὑπὲρ ἡμῶν κατάρα, (ὅτι γέγραπται) Ἐπικατάρατος πᾶς ὁ κρεμάμενος ἐπὶ ξύλου. 9. Die Diskussion des Verfluchtseins am Kreuz findet sich auch im weiteren patristischen Umfeld vom 2. ( Justin) bis ins 4. Jh. (Hieronymus) und weiter. 156 Vor allem wurde die Frage aufgeworfen, ob Paulus bereits den Gedanken vermeiden wollte, dass der jüdische Gott seinen eigenen Sohn verflucht. 157 Es gibt in der Forschung auch die (antijüdische) Vermutung, dass es sich um eine jüdische, gegen den Messiasprätendenten gerichtete Invektive aus dem ersten Jahrhundert handele, die vielleicht schon Paulus selbst vertrat, als er die Kirche verfolgte. 158 114 Rekonstruktion <?page no="115"?> Jewish and Christian Perceptions of Crucifixion (2008); K.S. O’Brien, The Curse of the Law (Galatians 3.13): Crucifixion, Persecution, and Deuteronomy 21.22-23 (2006). 159 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 441. 160 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 51-53. 161 Vgl. M. Meiser, Galater (2007), 14. 162 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 53-57. 163 Vgl. E.S. Lodovici, Sull’ interpretazione di alcuni testi della Lettera ai Galati in Marcione e in Tertulliano (1972), 381-385. 10. (3,14) Hilgenfeld meint: „Es ist gewiß nicht zufällig, daß er [sc. Markion] sowohl den Segen Abrahams als auch die Vorherverkündigung (ἐπαγγελίαν) des Geistes gar nicht berührt, da er sich solche Waffen gegen den Feind der Patriarchen und Propheten nimmermehr hätte entgehen lassen. Es ist nur anzunehmen, daß Marcion wirklich das Angegebene (ähnlich wie 3,6-9 die Glaubensgerechtigkeit und den Segen Abrahams) beseitigt hatte“. 159 Seine Rekonstruktion lautet: ἐλάβομεν οὖν τὴν εὐλογίαν τοῦ πνεύματος διὰ τῆς πίστεως, so auch die von van Manen, Zahn und Harnack. Schmid und BeDuhn bieten den Text wie oben, 160 wobei alle Editoren das Fehlen von Vers 14a annehmen, gemäß dem Hinweis Tertullians auf das Fehlen von Abraham. Die Wendung ἡ εὐλογία τοῦ Ἀβραάμ klingt an in 1Klem 31,2. 161 11. (3,15-18) Wie für Vers 14a bereits ausgeführt, ist auch diese lange, unbe‐ zeugte Passage nach Hilgenfeld, van Manen, Zahn, Harnack, Schmid (nimmt nur Verse 15-18 als fehlend, den Rest als unbezeugt) und BeDuhn (er nimmt allerdings noch den Vers 22 in den Text hinein) als nicht vorhanden anzusehen. 162 BeDuhn sieht die Ausführungen von Tertullian, Adv. Marc. V 4,1-2 korrek‐ terweise als Anzeige für eine Transposition von Gal 3,15a zu Gal 4,3. Denn Tertullian hat auch Mühe zu bestreiten, dass der Vers 3,15a in Markions Apos‐ tolos vor 4,3 steht, und argumentiert dahingehend, dass er - selbstverständlich seinem kanonischen Gal folgend, wie Harnack schon erläutert hat - eigentlich zu Gal 3,15-16 gehöre (Adhuc, inquit, secundum hominem dico: dum essemus parvuli, sub elementis mundi eramus positi, ad deserviendum eis). Daraus aber abzuleiten, wie Lodovici verfährt, dass diese Verse 3,15-16 auch bei Markion standen, ist, wie Harnack und alle anderen Editoren gesehen haben, wohl wenig wahrscheinlich. 163 Wenn BeDuhn für Gal 3,22 auf Tert., Adv. Marc. V 14,11 verweist, lässt sich das von ihm Zitierte („Had the creator’s law for this reason concluded all things under sin…? “), nicht nachweisen. 1 (Gal) 115 <?page no="116"?> D. (3,6) καθώς als Satzeröffnung findet sich ausschließlich bei Paulus auf der kanonischen Ebene (Gal 3,6; 1Kor 1,6; 2Kor 6,16; 8,15; 9,9; Röm 1,17; 2,24, 3,4. 10; 4,17; 8,36; 9,13. 33; 10,15; 11,8). ♦ Ἀβραάμ, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,22; *Röm 4,2. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες), vgl. weiter unten Vers 22. ♦ λογίζομαι ist ein wichtiger Begriff ausschließlich der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 5. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist ein bedeutender Begriff der kanonischen Redaktion, wenn er auch vorkanonisch in *Paulus bezeugt ist. Zur Abwesenheit: Wie bereits die Satzeröffnung anzeigt und von λογίζομαι gestützt wird, gibt es Spezifika der kanonischen Redaktion, die den unbezeugten Vers auch als von der vorkanonischen Fassung abwesend erzeigen. (3,7) Die Aufforderung γινώσκετε (bisweilen auch am Satzanfang wie hier, etwa 2Kor 8,9) begegnet nur auf der kanonischen Ebene bei Paulus (Gal 3,7; 2Kor 8,9; Phil 2,22). ♦ ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, findet sich auch vorkanonisch (*Ev 11,20; *Gal 4,31; 6,10; *1Kor 15,14). ♦ Zu Ἀβραάμ vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ οὗτοι steht 77 Mal im NT und findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: In diesem kurzen Vers begegnen bereits zwei ausschließlich für die kanonische Fassung belegten Formen (die Verseröffnung γινώσκετε; οὗτοι), dazu kommt der ausdrücklich als abwesend gekennzeichnete Bezug zu Abraham - der Vers geht folglich auf die kanonische Redaktion zurück und war in der vorkanonischen Fassung abwesend. (3,8) προοράω steht 6 / 4 Mal im NT, ist jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene belegt, sonst findet er sich nur noch in Apg. ♦ Der Charakter der kanonischen Redaktion zeigt sich auch in der Verwendung von ἡ γραφή, einem Begriff, der ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden ist. ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch bezeugt. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ προευαγγελίζομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu Ἀβραάμ vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ ἐνευλογέομαι begegnet nur 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 3,25; Gal 3,8). ♦ Die Wendung ἐν σοί steht 20 Mal im NT (3 Mal Mt; Mk 1,11; Lk 3,22; 11,35; 19,44; Joh 17,21; Röm 9,17; Gal 3,8; 1Tim 4,14; 2Tim 1,5. 6; 2 Mal Apk), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung πάντα τὰ ἔθνη steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 25,32; Apg 15,17; Röm 15,11; 16,26, in zwei Versen, die in *Röm fehlen; Gal 3,8; 3 Mal Apk). 116 Rekonstruktion <?page no="117"?> 164 P.A. Gramaglia, Ed. Marcione e il Vangelo (di Luca) (2017), 6. Zur Abwesenheit: Wiederum begegnen Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (προοράω; γραφή; ἐνευλογέομαι; ἐν σοί; πάντα τὰ ἔθνη), und wiederum der Verweis auf den Abwesenden Abraham - auch dieser Vers ist folglich Produkt der kanonischen Redaktion und vorkanonisch abwesend. (3,9) Die hier unbezeugte Konjunktion ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, davon 37 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21 (Verseröffnung); *2Kor 3,7 (im Vers); *Röm 7,12; *2Thess 2,4 (im Vers). ♦ εὐλογέω steht 45 / 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,16 und *Röm 12,14. Trotz der vorkanonischen Bezeugung erweist sich der Terminus als ein beliebter der kanonischen Redaktion. ♦ πιστός, was 69 Mal im NT steht, findet sich nur negativ vorkanonisch bezeugt. ♦ Zu Ἀβραάμ vgl. zuvor zu Vers 6. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwar nur ein Element auf, das nur auf der kanonischen Ebene belegt ist (πιστός), doch sein Fehlen in der vorkanonischen Version wird gestützt durch die kanonische Nennung von Abraham, der nach Ausweis Tertullians gefehlt hat. (3,10) ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist trotz der vorkanonischen Bezeugung in *Gal 2,16 (τὸ ἔργον νόμου) überwiegend ein Begriff der kanonischen Ebene. ♦ κατάρα steht 6 Mal im NT, gleich weiter unten in Vers 13 vorkanonisch bezeugt, ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ γέγραπται ist eine der typischen Weisen (*1Kor 9,9 kann auch ein Mal γέγραφεν stehen), in der auch in der vorkanonischen Fassung auf die Schrift verwiesen wird - öfter im Unterschied zur kanonischen Fassung, wo im Gegensatz zu dieser gerne von ἡ γραφή die Rede ist. In dieser Hinsicht ist Gramaglia nicht völlig korrekt, da er bei seiner Lexik leider *Paulus zu wenig berücksichtigt hat und darum γέγραπται für einen synoptischen Sprachgebrauch hält. 164 ♦ ἐπικατάρατος steht 3 Mal im NT, gleich weiter in Vers 13 vorkanonisch bezeugt. ♦ ἐμμένω steht 4 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 14,22; 28,30; Gal 3,10; Hebr 8,9). ♦ πᾶσιν steht 91 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ βιβλίον steht 37 / 34 Mal im NT, etwa Lk 4,17. 20, überhaupt also nur in Lukasversen, die in *Ev fehlen, und auch sonst ausschließlich auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apokalypse. ♦ αὐτά (Nom. / Akk. Neut. Pl.) steht 53 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26; 10,21; *Gal 3,12. Zur Rekonstruktion: Wie die früheren editorischen Versuche zeigen, ist die Rekonstruktion dieses und des nächsten Verses nicht einfach. Allerdings besteht weitgehend Übereinstimmung, dass die Versteile 10b und 11a vorkanonisch 1 (Gal) 117 <?page no="118"?> 165 Vgl. etwa Klinghardt zu *Εv 23,56. nicht vorhanden waren. Offenkundig fehlte auch der Verweis auf die jüdische Schrift (γέγραπται). Die Rekonstruktion folgt der Anordnung des Textes, wie von Epiphanius angezeigt. (3,11) Zu dem von Epiphanius bezeugten μανθάνω, das 143 / 25 Mal im NT zu finden und vorkanonisch bezeugt ist für *Gal 3,10; *1Kor 15,35, gilt zu bedenken, dass Klinghardt an einzelnen Stellen festgestellt hat, dass auch dem Zeugnis des Epiphanius manchmal Misstrauen entgegengebracht werden muss, zumal, wie hier, die Eröffnung noch Kommentar des Epiphanius sein könnte. 165 ♦ ὅσος steht etwa Lk 8,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ Das in der kanonischen Fassung begegnende οὐδείς (Nom. Mask. Sg.) steht 96 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15; *Laod 5,29. Bei diesem Begriff ist zu bemerken, dass er nicht nur öfter an Stellen steht, die in *Ev und *Paulus fehlen, sondern, wie an vorliegender Stelle, offenkundig auch alternativ für andere Begriffe und Konstruktionen durch die Redaktion verwendet wurde. ♦ νόμος, das 204 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch reichlich bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ δῆλος steht 5 / 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 26,73; 1Kor 15,27; Gal 3,11; 1Tim 6,7; Hebr 12,27). ♦ δίκαιος steht 84 / 79 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Zur Rekonstruktion: Der oben in den Text genommene Teil ist vorkanonisch bezeugt, während das im unbezeugten Teil stehende δῆλος nur kanonisch bezeugt ist; wir sehen also eine Übereinstimmung der fehlenden Bezeugung und Lexik, d. h. der unbezeugte Teil war wohl auch abwesend von der vorkanonischen Version. (3,12) Zu dem auch vorkanonisch bezeugten ζάω vgl. zum voranstehenden Vers 3,11. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. Zur Rekonstruktion: Auch bei diesem Vers folgen wir mit den älteren Editoren dem Zeugnis des Epiphanius, lexikalisch lässt sich kein neues Argument ge‐ winnen. (3,13) ἐξαγοράζω steht 4 Mal im NT, vorkanonisch wieder bezeugt in *Gal 4,5. ♦ Zu κατάρα vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ ἐπικατάρατος steht 3 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ κρεμάννυμι steht 8 / 7 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene bezeugt. 118 Rekonstruktion <?page no="119"?> 166 Vgl. J. Jeremias, OMΩΣ (I Cor 14, 7; Gal 3, 15) (1961). 167 Vgl. hierzu H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 54. 168 Vgl. O. Eger, Rechtswörter und Rechtsbilder in den paulinischen Briefen (1918), 92-93. ♦ ξύλον steht 20 Mal im NT, ansonsten nurmehr für die kanonische Ebene bezeugt, wobei es nur eine weitere Stelle bei Paulus gibt. Zur Rekonstruktion: Es gibt keinen Dissens der älteren Editoren, und sie geben den Text wie oben, der gut bezeugt ist. (3,14) Zum unbezeugten Versteil: ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ εὐλογία steht 16 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἀβραάμ, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,22; *Röm 4,2. ♦ Die Variante ἐπαγγελία steht 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Zur Rekonstruktion: Die Rekonstruktion folgt dem Zeugnis Tertullians, demzu‐ folge der Anfang von Vers 14 gefehlt hat; so urteilen auch die früheren Editoren. Strittig ist lediglich die Wortstellung, doch kann man Tertullians Wortstellung nicht immer folgen, da er diese öfter umkehrt. (3,15) Die Verbform λέγω, die 214 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32, vgl. weiter Vers 17. ♦ ὅμως, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. 166 ♦ κυρόω steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene (Gal 3,15; 2Kor 2,8). 167 ♦ διαθήκη, das 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *2Kor 3,3; *Laod 2,12. ♦ Zu dem kanonisch beliebten οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), vgl. zuvor zu Vers 11. ♦ ἀθετέω steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,16; *1Kor 1,19. ♦ Das verbum compositum ἐπιδιατάσσομαι ist Hapax legomenon im NT, doch das verbum simplex, διατάσσω, das 18 / 16 Mal im NT steht und in Vers 19 wieder begegnet, findet sich ausschließlich belegt für die kanonische Redaktionsstufe. ἐπιδιατάσσομαι ist juristischer terminus technicus. 168 Zur Abwesenheit: Wie aus dem Zeugnis Tertullians hervorgeht, handelt es sich hier um einen vorkanonisch fehlenden Text. Das wird bestätigt durch die Lexik von ausschließlichen Begriffen der kanonischen Redaktion (ὅμως; κυρόω; διατάσσομαι) und solcher, die dort beliebt sind (οὐδείς). (3,16) Die Kombination τῷ δέ steht 12 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 4,4. 5; 16,25, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 15,57; 2Kor 2,14; Gal 3,16. 18; Eph 3,20; Phil 4,20; 1Tim 1,17; Jud 1,24; im Vers: Lk 12,10, wo 1 (Gal) 119 <?page no="120"?> 169 Vgl. hierzu H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Expla‐ nations (2003), 55. diese Kombination fehlt und δέ nachgestellt steht; Gal 3,18), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbformen ἐρρέθη / ἐρρέθησαν stehen 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. 169 ♦ Zu Ἀβραάμ, das 75 / 73 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12 bezeugt. ♦ σπέρμα, das 45 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38. ♦ Die Verbform λέγει steht 338 Mal im NT, ist jedoch nur schwach (man vgl. etwa die lange Serie in Röm 9,15. 17. 25; 10,6. 8. 11. 16. 19. 20. 21; 11,2. 4. 9, in Versen, die in *Röm fehlen) bezeugt, wenn auch sowohl für *Ev wie für *Paulus, bei *Paulus für *1Kor 9,8; 14,34; *Laod 5,14. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, nicht in Lk jedoch u. a. in Paulus (Röm 9,32; 1Kor 3,1; 4,14; 2Kor 2,17; 7,14; 11,17; Gal 3,16; 4,14; Eph 5,15. 24; 6,6). ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός) steht 361 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. Zur Abwesenheit: Hier gilt analog das zum voranstehenden Vers notierte. Wieder wird die Abwesenheit gestützt durch die Lexik der ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehenden Elemente (τῷ δέ; ἐρρέθη / ἐρρέθησαν; ἀλλ’ ὡς) und durch die Abwesenheitsnotiz für Abraham. (3,17) τοῦτο vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Zur Verbform λέγω vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ διαθήκη, das 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *2Kor 3,3; *Laod 2,12. ♦ προκυρόομαι ist Hapax legomenon im NT, das verbum simplex steht 2 Mal auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ ἔτος, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 3,1; *Gal 2,1. ♦ ἀκυρόω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 15,6; Mk 7,13; Gal 3,17). ♦ τετρακόσιοι steht 4 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 5,36; 7,6; 13,20; Gal 3,17). ♦ τριάκοντα steht 13 / 9 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ Zu ἐπαγγελία vgl. zum Vers 16 zuvor. Zur Abwesenheit: Auch hier gilt analog, was zu Vers 15 notiert wurde. Die Ab‐ wesenheit wird erneut durch die Lexik gestützt, die ausschließlich kanonische Terminologie aufweist (ἀκυρόω; τετρακόσιοι; τριάκοντα). (3,18) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ κληρονομία steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,13; *Laod 1,18. ♦ Zu ἐπαγγελία vgl. 120 Rekonstruktion <?page no="121"?> zum Vers 16 zuvor. ♦ Die Kombination τῷ δέ steht 12 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,16. ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι steht 24 / 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch hier gilt analog, was zu Vers 15 notiert wurde. Erneut findet sich eine Lexik mit ausschließlich kanonischen Elementen (Verseröffnung εἰ γάρ; χαρίζω bzw. χαρίζομαι). 3,[19-25] 26 [27-29]: Alle sind Söhne des Glaubens Für diesen Abschnitt ist nur ein Stück des Verses 26 bezeugt. Der restliche Teil ist wiederum eine Hinzufügung, die der Narration der kanonischen Redaktion mit Blick auf die heilsgeschichtliche Stellung des Gesetzes folgt. - 19 Τί οὖν ὁ νόμος; τῶν παραβάσεων χάριν προσετέθη, ἄχρις οὗ ἔλθῃ τὸ σπέρμα ᾧ ἐπήγγελται, διαταγεὶς δι’ ἀγγέλων ἐν χειρὶ μεσίτου. 20 ὁ δὲ μεσίτης ἑνὸς οὐκ ἔστιν, ὁ δὲ θεὸς εἷς ἐστιν. 21 Ὁ οὖν νόμος κατὰ τῶν ἐπαγγελιῶν [τοῦ θεοῦ]; μὴ γένοιτο· εἰ γὰρ ἐδόθη νόμος ὁ δυνάμενος ζῳοποιῆσαι, ὄντως ἐκ νόμου ἂν ἦν ἡ δικαιοσύνη. 22 ἀλλὰ συνέκλεισεν ἡ γραφὴ τὰ πάντα ὑπὸ ἁμαρτίαν ἵνα ἡ ἐπαγγελία ἐκ πίστεως Ἰησοῦ Χριστοῦ δοθῇ τοῖς πιστεύουσιν. 23 Πρὸ τοῦ δὲ ἐλθεῖν τὴν πίστιν ὑπὸ νόμον ἐφρουρούμεθα συγκλειόμενοι εἰς τὴν μέλλουσαν πίστιν ἀποκαλυφθῆναι. 24 ὥστε ὁ νόμος παιδαγωγὸς ἡμῶν γέγονεν εἰς Χριστόν, ἵνα ἐκ πίστεως δικαιωθῶμεν· 25 ἐλθούσης δὲ τῆς πίστεως οὐκέτι ὑπὸ παιδαγωγόν ἐσμεν. 26 Πάντες γὰρ υἱοὶ ἐστε τῆς πίστεως. 26 Πάντες γὰρ υἱοὶ θεοῦ ἐστε διὰ τῆς πίστεως ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. - 27 ὅσοι γὰρ εἰς Χριστὸν ἐβαπτίσθητε, Χριστὸν ἐνεδύσασθε· 28 οὐκ ἔνι Ἰουδαῖος οὐδὲ Ελλην, οὐκ ἔνι δοῦλος οὐδὲ ἐλεύθερος, οὐκ ἔνι ἄρσεν καὶ θῆλυ· πάντες γὰρ ὑμεῖς εἷς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. 29 εἰ δὲ ὑμεῖς Χριστοῦ, ἄρα τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα ἐστέ, κατ’ ἐπαγγελίαν κληρονόμοι. A. Vgl. zur Bezeugung den Abschnitt zuvor. ♦ 3,19: Vgl. Tert., De uxor. I 2,3. ♦ *3,26: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 3,11: Sed et cum adicit: Omnes enim filii estis fidei; ibid.: Ceterum quomodo filii fidei? ♦ 3,29: Tert., Adv. Marc. V 3,11: Sed et 1 (Gal) 121 <?page no="122"?> 170 Vgl. G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 62. 171 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 53-57. 172 Vgl. Iren., Adv. Haer. IV 2,7; vgl. hierzu M. Meiser, Galater (2007), 20. 173 Vgl. Clem. Alex., I 165-167; Strom. I 28,2; VI 11,2; zu dieser Stelle vgl. Ibid. 24. 174 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 441. 175 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 57-59. cum adicit: Omnes enim filii estis fidei, ostenditur quid supra haeretica industria eraserit, mentionem scilicet Abrahae, qua nos apostolus filios Abrahae per fidem affirmat, secundum quam mentionem hic quoque filios fidei notavit. B. (3,19) Anstelle von νόμος; τῶν παραβάσεων χάριν προσετέθη (ἐτέθη 06, 2464) in 01, 02, 03, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 0176 vid , 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M lat; Cl findet sich νόμος τῶν παράξεων ἐτέθη in 010, 012, it, Ir lat , Ambst, Spec, νόμος τῶν παράξεων in P 46 ♦ (3,21) τοῦ θεοῦ add 01, 02, 04, 06, 018, 020, 025, 044, 0278, 33, 81, 365, 630, 1175, 1241, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, co, του Χριστου add 104, θεου add 010, 012, om in P 46 , 03, d, Ambst. 170 ♦ (3,28) Statt εἷς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ findet sich in P 46 , 01 c , 02 ἐστε Χριστοῦ. C. 1. (3,19-25) Vgl. zur Kommentierung den Abschnitt zuvor. Alle Editoren rechnen mit der Abwesenheit dieses Abschnittes. 171 Zusammen mit diesem hat die kanonische Redaktion eine lange Ausführung zur heilsgeschichtlichen Stellung des Gesetzes entworfen, innerhalb derer Abraham und die Verheißung seines Samens eine zentrale Rolle spielen. In der vorkanonischen Version fehlt diese Narration, doch sie gibt einen Einblick in die spezifische theologische Diskussion, die zum ausgehenden zweiten Jahrhundert geführt wurde - ein zentrales Thema, dem sich ja auch der heilsgeschichtliche Entwurf des Irenäus in Adv. haer. widmet. Insbesondere die Funktion des Gesetzes behandelt Irenäus. Für ihn ist das Gesetz der Erzieher auf Christus hin, sodass man den Unglauben „nicht dem Gesetz anlasten“ kann. 172 Dem gegenüber Irenäus etwas jüngeren alexandrinischen Lehrer Klemens von Alexandrien dient die kanonische Passage „für die berühmte Konzeption der Heilsgeschichte, der gemäß beide, die Tora und die von ihr abhängige Philosophie der Griechen, auf Christus hinführen“. 173 2. (3,26) Hilgenfeld rechnete wegen Tertullians „freiern Anführung“ mit dem kanonischen Text. 174 Van Manen, Zahn, Schmid und BeDuhn stimmen mit der hier vorgelegten Version überein. 175 122 Rekonstruktion <?page no="123"?> 176 Vgl. J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 126; J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 266. 177 Bezüglich der Verse 27-28 ist Detering unentschlossen, Vers 29 sieht er als abwesend, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 59. 178 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 73*. 179 Vgl. zu dem Thema „Erbe“ im Detail die Einleitung, Teil II § 7 6 b. Tertullian scheint jedenfalls nicht filii dei gelesen zu haben, Harnack hält dies für einen Transmissionsfehler, der sich auch bei Hilarius, Hom. in Ps. 91 findet, und erklärt dies aus Dittographie. BeDuhn überzeugt diese Erklärung nicht, er verweist aber auf *Gal 4,6, wo von „Söhnen Gottes“ die Rede ist. Auffallend ist die mögliche Kombination beider Versionen in Tert., Adv. Prax. 13,4, wo es per fidem filio Dei heißt. 176 3. (3,27-29) Dieser Textteil ist unbezeugt, auch wenn Hilgenfeld darauf hinweist, Tertullian habe bereits Adv. Marc. III 17 Vers 17 berührt, während er Vers 29 als fehlend ansieht wegen der Erwähnung Abrahams. 177 BeDuhn lässt Vers 27 aus, doch Harnack meint, dass der Text „schwerlich gefehlt haben“ kann. 178 Während van Manen die Passage auslässt, hat Zahn sie im Text gesehen, wenn auch ohne τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα. Auch Schmid sieht nur diese Erwähnung Abrahams abwesend, den Rest unbezeugt. Da in diesem Passus wieder auf Abraham verwiesen wird (vgl. denselben Ausdruck auch in 2Kor 11,22 auf der kanonischen Ebene), ist dies gewiss eine kanonische redaktionelle Ergänzung, fehlte also in *Gal. Das Taufthema der Verse 27-28 schließt gut an den Segen des Geistes in V. 14 an. Vielleicht ist also nur V. 29 eine kanonische Redaktion. Wenn dem so wäre, würde aus der verschiedenen Überlieferung in V. 28 statt εἷς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ das in P 46 und 01 c , 02 bezeugte ἐστε Χριστοῦ *Gal entsprechen. Da Vers 29 auf das Thema von Vers 19 zurückkehrt, scheint dieser Vers aber wohl doch als ganzer der kanonischen Redaktion anzugehören. Dazu passt auch, dass das Thema des Erben ein solches vor allem der kanonischen Redaktionsebene ist. Für *Ev ist bezeugt, dass das Gleichnis von den bösen Weinpächtern (Lk 20,9-18) mit dem Thema der Erbschaft gefehlt hat, während in *Ev 12,13 nur ein Mal κληρονομία bezeugt ist, und Jesus sich deutlich dagegen wendet, zwischen den streitenden Brüdern in dieser Szene eine Richterposition einzunehmen. Zwar begegnet das Thema „Erben“ auch in *Gal 5,21 und *1Kor 15,50, doch beide Male im negativen Sinne, dass das Üben der Werke des Fleisches vom Erben des Himmelreiches ausschließt. Das Thema der Erbschaft der Verheißungen ist folglich kein geläufiges Thema von *Ev oder *Paulus. 179 Mit der Erbschaft ist in 1 (Gal) 123 <?page no="124"?> 180 G.A. van den Bergh van Eysinga, Radical Views about the New Testament (1912), 71. 181 Schon gesehen von H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians-- -Explanations (2003), 55. 182 Vgl. Ibid. der kanonischen Fassung die heilsgeschichtliche Vorstellung der prophetischen Verheißungen verbunden, die auf Christus hin gelesen werden. Es ist also nicht zufällig, dass Vers 29 Abraham anführt - er ist integraler Bestand dieses Verses. Darum ist es auch kein Zufall, dass Gal 3,14-18, wo diese Erbschaft angespro‐ chen im Zusammenhang mit Abraham angesprochen wird, als Versblock von allen Editoren als vorkanonisch abwesend bezeichnet wird. Der prophetische Zusammenhang wird weiter unten durch Gal 4,30 markiert, der ebenfalls für *Gal unbezeugt ist. 4. (3,29) Dass dieser kanonische Vers mit dem anderen von Röm 9,7 verbunden ist, wurde bereits von G.A. van den Bergh van Eysinga gesehen. 180 Es ist ein Zeichen dafür, wie die kanonische Redaktion briefübergreifend ihre Themen platziert hat. D. (3,19) Die Eröffnung (im Akkusativ) τί οὖν steht 23 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung wie hier, dann im Vers in Lk 3,10; 20,15. 17, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19; *Röm 7,7 vgl. Röm 3,9. ♦ παράβασις, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 181 ♦ χάριν + Gen. in der Bedeutung „wegen“ steht nur noch Eph 3,1. 14; 1Tim 5,14; Tit 1,5. 11, 182 weist also deutlich auf die zweite kanonische Redaktionsstufe hin. ♦ προστίθημι steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,31. ♦ ἄχρι steht 55 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ Das Relativpronomen οὗ, das 145 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,6 (ἐξ οὗ). ♦ Zu σπέρμα vgl. zuvor zu Vers 16 und weiter Vers 29. ♦ ἐπαγγέλλω findet sich 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Auch das Nomen ἐπάγγελμα, das 2 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (2Petr 1,4; 3,13), während sich das andere verwandte Nomen ἐπαγγελία 52 Mal im NT findet, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. ♦ διατάσσω, das 18 / 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. ♦ χείρ, das 158 / 178 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ μεσίτης steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Die Verteilung (Tit, Hebr) stützt, dass wir es mit einer Hinzufügung der zweiten kanonischen Redaktion zu tun haben. 124 Rekonstruktion <?page no="125"?> Zur Abwesenheit: Auch wenn einige Editoren diese Passage nur als unbezeugt einstufen, spricht doch die Lexik für deren Abwesenheit aufgrund der Reihe aus‐ schließlich kanonischer Begriffe (παράβασις; ἐπαγγέλλω; διατάσσω; μεσίτης). Die Lexik spricht dafür, dass dieser Vers zur zweiten kanonischen Redaktion gehört. (3,20) Zu μεσίτης vgl. zum voranstehenden Vers 19. Zur Abwesenheit: Hier gilt analog, was zu Vers 19 notiert wurde. (3,21) ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12 bezeugt. ♦ Der Titel δυνάμενος, der 3 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene (Mt 19,12; Gal 3,21; Jak 4,12). ♦ δύναμαι steht 233 / 210 Mal im NT, vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev 9,40; 16,13. 26 (? Adamantiuszeugnis). ♦ ζωοποιέω, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,45; *2Kor 3,6; *Röm 8,11. ♦ ὄντως steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8. ♦ Die Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ähnlich spärlich für *Ev wie *Paulus bezeugt, in *Paulus (*1Kor 10,4; *Phil 3,7). ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist ein bedeutender Begriff der kanonischen Redaktion, wenn er auch vorkanonisch in *Paulus bezeugt ist. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers fallen die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Begriffe bzw. Formen auf (δυνάμενος; ὄντως). Auch dieser Vers wird folglich vorkanonisch gefehlt haben. (3,22) συγκλείω steht 4 Mal im NT, immer jedoch auf der kanonischen Ebene. ♦ ἡ γραφή begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ Zu ἐπαγγελία vgl. zuvor zu Vers 21. ♦ Zu πιστεύω vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ Die Formulierung ἐκ πίστεως Ἰησοῦ steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 3,26. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers ist unbezeugt und wird aufgrund der nur kanonisch begegnenden Begriffe (συγκλείω; γραφή; ἐκ πίστεως Ἰησοῦ) auch abwesend gewesen sein. (3,23) πρό, das 49 / 47 Mal im NT steht, etwa Lk 9,52; 10,1, in Versen, die in *Ev fehlen, ist erstaunlich gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ φρουρέω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Gal 3,23; 2Kor 11,32; Phil 4,7; 1Petr 1,5). ♦ Zu συγκλείω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ μέλλω, das 129 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und 1 (Gal) 125 <?page no="126"?> *Paulus. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers fallen die ausschließlich kanonisch belegten Begriffe (φρουρέω; συγκλείω) auf. Auch dieser Vers wird vorkanonisch gefehlt haben. (3,24) Die Kombination ὥστε ὁ steht 5 Mal (Röm 7,12; 13,2; 1Kor 10,12; 2Kor 4,12; Gal 3,24), jeweils als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,12; *Röm 7,12. ♦ παιδαγωγός steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,15; Gal 3,24. 25). ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers ist gerade der zentrale Begriff nur auf der kanonischen Ebene belegt (παιδαγωγός). Auch er wird auf der vorkanonischen Ebene gefehlt haben. (3,25) οὐκέτι, das 51 / 47 Mal im NT steht, ist eine Konjunktion der kanonischen Redaktion. ♦ Zu παιδαγωγός vgl. zum voranstehenden Vers 24. ♦ Die Verbform ἐσμέν steht 54 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers finden sich wieder zwei wichtige Begriffe, eine Konjunktion und ein Zentralbegriff, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (οὐκέτι; παιδαγωγός). Der Vers wird folglich in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (3,26) Zum bezeugten Versteil: πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3, vgl. weiter unten zu Vers 28. ♦ Zur Verbform ἐστε vgl. zuvor zu Vers 3 und danach Vers 29. Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Zur Rekonstruktion: Mit den früheren Editoren Zahn, Schmid und BeDuhn folgt der obige Text dem Zeugnis Tertullians. (3,27) Zu ὅσος vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ βαπτίζω, das 90 / 77 Mal im NT steht, ist im Sinn von „Taufen“ ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt, vgl. die Einleitung in Band I. ♦ ἐνδύω, das 30 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt. Zur Abwesenheit: Dass in diesem unbezeugten Vers das Verb βαπτίζω im Sinne von Taufen begegnet, verweist ihn auf die kanonische Ebene, er wird folglich im vorkanonischen Text gefehlt haben. 126 Rekonstruktion <?page no="127"?> (3,28) ἔνι steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Ἕλλην, das 29 / 25 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch zwar nicht in *Ev, jedoch in *Paulus. ♦ Zu δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, jedoch vorkanonisch nicht mit Blick auf die Beziehung zu Christus, vgl. etwa die vorkanonische Bezeugung in *2Kor 4,5. ♦ ἐλεύθερος steht 24 / 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *Gal 4,22. 23. ♦ ἄρσην, das 12 / 9 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ θῆλυς steht 5 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene bezeugt (Mt 19,4; Mk 10,6; Röm 1,26. 27; Gal 3,28). ♦ Zu πάντες vgl. zuvor zu Vers 26. ♦ ὑμεῖς steht 229 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 7,4; *Laod 1,13; 2,11. 13. Bei diesem Pronomen ist wiederum auffällig, dass es in Serien in solchen Versen der kanonischen Redaktionsstufe begegnet, die in der vorkanonischen fehlen (Lk 9,13. 20. 44. 55; 11,13. 39. 48; Joh 4,20. 22. 32. 35. 38; 5,20. 33. 34. 35. 38. 39. 44. 45; 7,8. 28. 34. 36. 47; 8,14. 15. 21. 22. 23. 31. 38. 41. 44. 46. 47. 49. 54; 13,10. 13. 14. 15. 33. 34; Kol 3,4. 7. 8. 13; 4,1. 16; 1Thess 2,10. 14. 19. 20). Auch dies ist ein Beispiel für die emphatische Anrede der kanonischen Redaktionsstufe, vgl. die Einleitung. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Vgl. zu beiden Versen 3,27-28 die ebenfalls auf der kanonischen Ebene stehenden Verse 1Kor 12,13: καὶ γὰρ ἐν ἑνὶ πνεύματι ἡμεῖς πάντες εἰς ἓν σῶμα ἐβαπτίσθημεν, εἴτε Ἰουδαῖοι εἴτε Ἕλληνες, εἴτε δοῦλοι εἴτε ἐλεύθεροι, καὶ πάντες ἓν πνεῦμα ἐποτίσθημεν und Kol 3,11: ὅπου οὐκ ἔνι Ἕλλην καὶ Ἰουδαῖος, περιτομὴ καὶ ἀκροβυστία, βάρβαρος, Σκύθης, δοῦλος, ἐλεύθερος, ἀλλὰ τὰ πάντα καὶ ἐν πᾶσιν Χριστός. Zur Abwesenheit: Neben der fehlenden Bezeugung begegnen wieder einige ausschließlich kanonische (ἔνι; δοῦλος, vorkanonisch nicht mit Blick auf die Beziehung zu Christus; ἄρσην; θῆλυς; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ) bzw. kanonisch beliebte (ὑμεῖς) Elemente, der Vers wird also in der vorkanonischen Version gefehlt haben. Vergleiche die innerkanonischen Parallelen der beiden Verse 3,27-28 mit 1Kor 12,13 und Kol 3,11. (3,29) Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonischen bezeugt. ♦ Ἀβραάμ, der 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,22; *Röm 4,2. ♦ Zu σπέρμα vgl. zuvor zu den Versen 16. 19. ♦ Zur Verbform ἐστε vgl. zuvor zu den Versen 3. 26. ♦ Zu ἐπαγγελία vgl. zuvor zu Vers 21. ♦ κληρόνομος steht 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. 1 (Gal) 127 <?page no="128"?> Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers begegnen wieder Ele‐ mente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind (Verseröff‐ nung εἰ δέ; κληρόνομος) und der als abwesend markierte Abraham. Auch dieser Vers wird folglich zur kanonischen Redaktion gehören und im vorkanonischen Text abwesend gewesen sein. Kapitel 4 4,[1-2]↓3,15 4,3-6 [7] 8-10 [11-20]: Von Sklaven zu Freien Der Kernteil dieses Abschnittes ist gut bezeugt, ihm wurden zu Beginn und am Ende von der kanonischen Redaktion eine Rahmung gegeben, die den Inhalt neu positioniert. Dem dient auch die Versetzung des Eingangsverses 3,15 und die Einschaltung von Vers 7 mit dem Verweis auf den Erben. 4↓3,15 ἔτι κατὰ ἄνθρωπον λέγω. 4,1 Λέγω δέ, ἐφ’ ὅσον χρόνον ὁ κληρονόμος νήπιός ἐστιν, οὐδὲν διαφέρει δούλου κύριος πάντων ὤν, 2 ἀλλὰ ὑπὸ ἐπιτρόπους ἐστὶν καὶ οἰκονόμους ἄχρι τῆς προθεσμίας τοῦ πατρός. 3 ὅτε ἦμεν νήπιοι, ὑπὸ τὰ στοιχεῖα τοῦ κόσμου ἤμεθα δεδουλωμένοι· 3 οὕτως καὶ ἡμεῖς, ὅτε ἦμεν νήπιοι, ὑπὸ τὰ στοιχεῖα τοῦ κόσμου ἤμεθα δεδουλωμένοι· 4 ὅτε δὲ ἦλθεν τὸ πλήρωμα τοῦ χρόνου, ἐξαπέστειλεν ὁ θεὸς τὸν υἱὸν αὐτοῦ, 4 ὅτε δὲ ἦλθεν τὸ πλήρωμα τοῦ χρόνου, ἐξαπέστειλεν ὁ θεὸς τὸν υἱὸν αὐτοῦ, γενόμενον ἐκ γυναικός, γενόμενον ὑπὸ νόμον, 5 ἵνα τοὺς ὑπὸ νόμον ἐξαγοράσῃ, ἵνα εἰς υἱοθεσίαν ἐλήμφθημεν. 5 ἵνα τοὺς ὑπὸ νόμον ἐξαγοράσῃ, ἵνα τὴν υἱοθεσίαν ἀπολάβωμεν. 6 Ὅτι δέ ἐστε υἱοὶ τοῦ θεοῦ, ἐξαπέστειλεν τὸ πνεῦμα αὐτοῦ εἰς τὰς καρδίας ἡμῶν, κρᾶζον, Αββα ὁ πατήρ. 6 Ὅτι δέ ἐστε υἱοί, ἐξαπέστειλεν ὁ θεὸς τὸ πνεῦμα τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ εἰς τὰς καρδίας ὑμῶν, κρᾶζον, Αββα ὁ πατήρ. - 7 ὥστε οὐκέτι εἶ δοῦλος ἀλλὰ υἱός· εἰ δὲ υἱός, καὶ κληρονόμος διὰ θεοῦ. 8 εἰ οὖν τοῖς τῇ φύσει οὖσι θεοῖς δουλεύετε, 8 Ἀλλὰ τότε μὲν οὐκ εἰδότες θεὸν ἐδουλεύσατε τοῖς φύσει μὴ οὖσιν θεοῖς· 9 γνόντες θεόν, πῶς ἐπιστρέφετε ἐπὶ τὰ ἀσθενῆ καὶ πτωχὰ στοιχεῖα; 9 νῦν δὲ γνόντες θεόν, μᾶλλον δὲ γνωσθέντες ὑπὸ θεοῦ, πῶς ἐπιστρέφετε πάλιν ἐπὶ τὰ ἀσθενῆ καὶ πτωχὰ στοιχεῖα, οἷς πάλιν ἄνωθεν δουλεύειν θέλετε; 128 Rekonstruktion <?page no="129"?> 10 καιροὺς παρατηροῦντες καὶ ἡμέρας καὶ μῆνας καὶ ἐνιαυτούς. 10 ἡμέρας παρατηρεῖσθε καὶ μῆνας καὶ καιροὺς καὶ ἐνιαυτούς. - 11 φοβοῦμαι ὑμᾶς μή πως εἰκῇ κεκοπίακα εἰς ὑμᾶς. 12 Γίνεσθε ὡς ἐγώ, ὅτι κἀγὼ ὡς ὑμεῖς, ἀδελφοί, δέομαι ὑμῶν. οὐδέν με ἠδικήσατε· 13 οἴδατε δὲ ὅτι δι’ ἀσθένειαν τῆς σαρκὸς εὐηγγελισάμην ὑμῖν τὸ πρότερον, 14 καὶ τὸν πειρασμὸν ὑμῶν ἐν τῇ σαρκί μου οὐκ ἐξουθενήσατε οὐδὲ ἐξεπτύσατε, ἀλλὰ ὡς ἄγγελον θεοῦ ἐδέξασθέ με, ὡς Χριστὸν Ἰησοῦν. 15 ποῦ οὖν ὁ μακαρισμὸς ὑμῶν; μαρτυρῶ γὰρ ὑμῖν ὅτι εἰ δυνατὸν τοὺς ὀφθαλμοὺς ὑμῶν ἐξορύξαντες ἐδώκατέ μοι. 16 ὥστε ἐχθρὸς ὑμῶν γέγονα ἀληθεύων ὑμῖν; 17 ζηλοῦσιν ὑμᾶς οὐ καλῶς, ἀλλὰ ἐκκλεῖσαι ὑμᾶς θέλουσιν, ἵνα αὐτοὺς ζηλοῦτε. 18 καλὸν δὲ ζηλοῦσθαι ἐν καλῷ πάντοτε, καὶ μὴ μόνον ἐν τῷ παρεῖναί με πρὸς ὑμᾶς, - 19 τέκνα μου, οὓς πάλιν ὠδίνω μέχρις οὗ μορφωθῇ Χριστὸς ἐν ὑμῖν· - 20 ἤθελον δὲ παρεῖναι πρὸς ὑμᾶς ἄρτι, καὶ ἀλλάξαι τὴν φωνήν μου, ὅτι ἀποροῦμαι ἐν ὑμῖν. A. 4,1 *↓3,15 3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,1: Sub eadem Abrahae mentione, dum ipso sensu revincatur, Adhuc, inquit, secundum hominem dico: dum essemus parvuli, sub elementis mundi eramus positi, ad deserviendum eis. Atquin non est hoc humanitus dictum. Non enim exemplum est, sed veritas. ♦ *4,4: Vgl. Tert. Adv. Marc. V 4,2: Cum autem evenit impleri tempus, misit deus filium suum. Ibid. V 4,7: At ubi tempus expletum est misit deus filium suum. Vgl. auch Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas 4,4 (PL 26, 372A): Diligenter attendite, quod (apostolos) non dixerit: Factum per mulierem, quod Marcion et ceterae haereses volunt, quae putativam Christi carnem simulant, sed ex muliere, ut non per illam, sed ex illa natus esse credatur. *4,5: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,3: Ut eos qui sub lege erant redimeret-… et ut adoptionem filiorum acciperemus. Adam., Dial. II 19 (im Mund des Megethius) schreibt zwei Mal εἰς υἱοθεσίαν ἐλήφθημεν (Rufin: in adoptione vocati sumus und in adoptione nos susciperet). ♦ *4,6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,4: Itaque ut certum esset nos filios dei esse, misit spiritum suum in corda nostra, clamantem: Abba, pater. ♦ *4,8-9: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,5: Post has itaque divitias non erat revertendum ad infirma et mendica elementa. Elementa autem apud Romanos quoque etiam primae litterae solent dici. Non ergo per mundialium elementorum derogationem a deo eoram 1 (Gal) 129 <?page no="130"?> 183 Zu weiteren Varianten, vgl. H.A.G. Houghton, C.M. Kreinecker, R.F. MacLachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019), 415. Als markionitische Lesart vermerkt durch H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 184 Vgl zu den lateinischen Varianten vgl. H.A.G. Houghton, C.M. Kreinecker, R.F. Mac‐ Lachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019), 416. avertere cupiebat, etsi dicendo supra, Si ergo his qui in (in MR Kroymann Harnack; non Hirsaugiensis Beatus Rhenanus Pamelius Evans) natura sunt dei servitis, physicae, id est naturalis, superstitionis elementa pro deo habentis suggillabat errorem, nec sic tamen elementorum deum taxans. Vgl. Iren., Adv. Haer. III 12,6: Quemadmodum enim gentibus non secundum sententiam illorum loquebantur sed cum fiducia dicebant quoniam dii ipsorum non essent dii, simili modo et Iudaeis adnuntiassent, si alterum maiorem et perfectiorem scissent patrem non adnutrientes neque augentes eorum non veram de Deo opinionem. Et ethnicorum autem solventes errorem et auferentes eos a suis diis non utique alterum eis inferebant errorem; sed auferentes eos iis qui non erant dii eum qui solus erat Deus et verus Pater ostenderunt. ♦ *4,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,6: Dies observatis et menses et tempora et annos, et sabbata ut opinor et coenas puras et ieiunia et dies magnos. ♦ 4,19: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,6 in seinem Kommentar zu *1Kor: Filii mei quos parturio rursus. B. (4,3) Die Lesart ἤμεθα findet sich in P 46 , 01, 06*, 010, 012, 0278, 33, 365, 1175, wohingegen ἦμεν gelesen wird von den Zeugen 02, 03, 04, 061, 018, 020, 025, 044, 81, 104, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, Cl. ♦ (4,6) Anstelle von υἱοί wird τοῦ θεοῦ gelesen von d, f, g, go, Tert, Hil, MVict, Ambr, Hier, Pel und weiteren Zeugen der altlateinischen Tradition: 51, 58, 75, 76, 77, 88, 89, 135. 183 ♦ ὁ θεός om 03, 1739, Tert, sa. ♦ Nach τὸ πνεῦμα om P 46 , Tert τοῦ υἱοῦ. ♦ ἡμῶν ist bezeugt durch P 46 , 01, 02, 03, 04, 06*, 010, 012, 025, 0278, 104, 1175, 1241, 1739, 1881, lat, sa, bo pt , Tert. ὑμῶν bezeugen 06 2 , 018, 020, 044, 33, 81, 365, 630, 1505, 2464, M, vg cl , sy, bo pt . ♦ (4,7) εἶ vor δοῦλος om 010, 012. ♦ (4,8) φύσει om 018, b, d, Ir lat , Ambst, Spec. ♦ Nach ἐπιστρέφετε om πάλιν Aug. ♦ (4,10) Anstelle von παρατηρεῖσθε ist παρατηροῦντες zu finden in P 46 . ♦ (4,10) Die Reihenfolge ἡμέρας παρατηρεῖσθε καὶ μῆνας καὶ ἐνιαυτούς καὶ καιρούς ist zu finden in 06, 010, 012 und der Mehrzahl der Lateiner. 184 ♦ (4,11) Anstelle von κεκοπίακα findet man die Aorist Variante ἐκοπίασα in P 46 , 1739, 1881. ♦ (4,14) Anstelle von ὑμῶν liest man μου τὸν in P 46 (ohne μου), 04* vid , 06 c , 018, 020, 025, 044, 365, 630, 1175, 1505, M, ar, vg ms , sy h , sa, bo ms . Nur τόν bieten 012, 0278, 81, 104, 326, 130 Rekonstruktion <?page no="131"?> 185 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 74*. 186 C. Burchard, Zu Galater 4,1-11 (1999), 42. 187 Nach einer ausführlichen Diskussion entscheidet sich Detering für die Abwesenheit der beiden Verse 4,1-2, vgl. H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 60-65. 1241, 2464, ὑμῶν τόν findet sich 6, 1739, 1881, Or. ♦ οὐδὲ ἐξεπτύσατε om P 46 . ♦ (4,15) Anstelle von ποῦ findet sich τίς in 06, 018, 020, 630, 1505, M, b, r, sy h , Ambst. ♦ Nach οὖν findet sich als Ergänzung ἦν in 06 (010, 012: ᾖ), 018, 630, M, b, r, Ambst, ist also die natürliche Ergänzung zur voranstehenden Variante. Zum gesamten Eingang vgl. die altlateinische Tradition: quae ergo fuit 64, 89, Aug, quae ergo erat 75, 76, MVict, Ambst, Thdt. ♦ Nach ἐξορύξαντες add ἄν 01 c2 . ♦ Nach ζηλοῦτε add ζηλοῦτε δὲ τὰ κρείττω χαρίσματα in 06*, 010, 012, ar, b, Ambst. ♦ (4,18) Nach δέ add τό in 06*, 010, 012, 018, 020, 025, 104, 630, 1505, M, während anstelle von ζηλοῦσθαι in 01, 03, 33, lat ζηλοῦσθε zu lesen ist. ♦ (4,19) Statt τέκνα liest man τεκνία in 01 2 , 01, 06 2 , 044, M, lat. C. 1. (4,1-2 ↓3,15) Trotz dieser deutlichen Aussage Tertullians, der Zahn, Schmid und BeDuhn folgen, meint Harnack, dass die beiden Verse Gal 4,1-2 zwar „unbezeugt“ sind, „aber sie haben sicherlich nicht gefehlt und gaben auch zu Korrekturen keinen Anlaß“. 185 Auch Hilgenfeld hatte bereits diese beiden Eingangsverse als präsent gesehen. Vers 1 nähme dann mit Λέγω δέ Bezug zu Gal 3,29. 186 Diesen Vers führt Vers 1 mit dem Gedanken des Erben (κληρονόμος) fort. Gal 3,29 ist jedoch, wie zuvor gezeigt, gewiss der kanonischen Redaktion zuzuordnen, so werden auch die Verse Gal 4,1-2 in *Gal gefehlt haben, was auch van Manen bereits gesehen hat. Das hierher genommene, *Gal ↓3,15 einleitende, ἔτι setzt folglich nicht, wie Harnack annimmt, die Verse Gal 4,1-2 voraus, sondern markiert die Distinktion zwischen dem, was bisher als Mensch, Sohn oder Kind gesagt wurde und dem kommenden τὸ πλήρωμα τοῦ χρόνου des nächsten Verses. Van Manen ist sich unsicher bei der Präsenz von ἔτι, 187 und BeDuhn meint, adhuc (ἔτι) sei eine Zutat Tertullians, indem er das in Gal 4,3 stehende οὕτως καὶ ἡμεῖς ausgelassen habe, wie auch bei Klemens von Alexandrien bezeugt, während Ephräm, der Syrer, den Passus von Gal 3,15 nicht besitzt, ihn aber auch nicht nach 4,3 setzt. 2. (4,3) Van Manen gibt den Text wie oben (anstelle von ἤμεθα schreibt er ἦμεν). Zahn übersetzt näher am Lateinischen ins Griechische ἦμεν τεθειμένοι εἰς τὸ δουλεῦσαι αὐτοῖς, doch Harnack sieht wohl recht, dass das Lateinische 1 (Gal) 131 <?page no="132"?> 188 Vgl. D.T. Roth, What ἐν τῷ κόσμῳ are the στοιχεῖα τοῦ κόσμου? (2014); C. Burchard, Zu Galater 4,1-11 (1999); R. Faust, Die στοιχεῖα τοῦ κόσμου in Gal 4,3.9: Religionsge‐ schichtlicher Kontext und argumentative Funktion (1993); D. Rusam, Neue Belege zu den στοιχεῖα τοῦ κόσμου (Gal 4,3-9; Kol 2,8.20) (1992). 189 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 65-67. 190 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 267. 191 F. Watson, Pauline Reception and the Problem of Docetism (2018), 65. 192 Vgl. Iren., Adv. Haer. III 16,3. 7, vgl. hierzu M. Meiser, Galater (2007), 20. eine Paraphrase des δεδουλωμένοι bietet. Schmid schreibt statt ἤμεθα wie Zahn ἦμεν. Aus BeDuhn lässt sich nicht entnehmen, ob er Zahn oder Harnack folgt. Zu τὰ στοιχεῖα τοῦ κόσμου gibt es eine Reihe von Untersuchungen. 188 3. (4,4) Der letzte Teil des Verses von Gal 4,4 ist beide Male von Tertullian nicht erwähnt. Wie oben gibt van Manen den Text wieder 189 (anstelle von ἐξαπέστειλεν schreibt er ἀπέστειλεν). Harnack meint, Hieronymus verwechsle im dem gegebenen Zitat Markion mit Valentinus, doch scheint Hieronymus nicht den markionitischen Text wiederzugeben. Im Gegenteil, er formuliert seine Kritik aufgrund des Fehlens dieses Verses in der vorkanonischen Version. Wohl darum verdeutlicht er mit dem einleitenden „diligenter“, dass es sich um einen Argumentationsschluss, nicht um die Wiedergabe einer Vorlage handelt: Diligenter attendite-… Dass per mulierem nur eine hypothetisch angenommene Lesart beschreibt, die sich aus Markions und anderer Häretiker Auffassung (putativam Christi carnem simulant) ergeben würde, bestätigt Pamphilus in seiner Apologie für Origenes 113, wie BeDuhn zeigt. 190 Hilgenfeld, Zahn, Harnack, Schmid und BeDuhn führen übereinstimmend den Vers nur bis τὸν υἱὸν αὐτοῦ an und Watson erklärt den Teil ausdrücklich für abwesend. 191 Irenäus liest aus Gal 4,4 „die Einheit des Heilshandelns Gottes, der eben als der in der Heiligen Schrift Israels bezeugte Gott zugleich der Vater Jesu Christi ist, sowie die planvolle Ordnung in seinem Handeln“ verdeutlicht. 192 4. (4,5) Hilgenfeld und van Manen optieren für den kanonischen Text dieses Verses. Harnack meint, dass Tertullian, nachdem er zuvor aus *Gal zitiert habe, hier weiter den *Gal-Text biete, und plädiert für die Adamantiusvariante, deren Griechisch dem Latein Tertullians eher entspricht als der kanonische Text. Schmid folgt Zahn, BeDuhn verweist auf Adamantius und folgt diesem. Adam., Dial. II 19 wird von BeDuhn für *Röm 8,15 in Anspruch genommen, dort findet sich jedoch eine Formulierung, die weiter entfernt ist von diesem Zitat als *Gal 4,5, wie der Text hier nach Tertullian rekonstruiert ist. Adamantius wird folglich eher diesen Vers hier wiedergeben. 132 Rekonstruktion <?page no="133"?> 193 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 442. 194 Wenn ich richtig interpretiere, so auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 67-68. 195 Vgl. dort. 196 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 68-69. 197 Detering gibt den Vers wie oben, ibid. 69-72. 5. (4,6) Der Text ist gewiss anfangs etwas frei wiedergegeben. Hilgenfeld weist darauf hin, dass Tertullian über das τοῦ υἱοῦ „hinweggeht“ und es „sich schwer entscheiden lasse[], ob er bloß abkürzend citirt, oder ob diese Worte wirklich fehlten“. 193 Van Manen gibt den Text wie oben (anstelle von ἐστε schreibt er ἐσμεν 194 ). Zahn übersetzt wörtlich: ὅτι οὖν (καὶ ἡμεῖς? ) ἐσμεν υἱοὶ θεοῦ, ἀπέστειλεν τὸ πνεῦμα αὐτοῦ (? ). 6. Die Variante τοῦ θεοῦ wurde auch von Zahn, Schmid und BeDuhn aufgenommen, Harnack hat sie übergangen. Der Rest des Verses ist bei den Editoren übereinstimmend parallel mit dem kanonischen Text. Das in einigen Zeugen fehlende ὁ θεὸς ist eine Bestätigung für τοῦ θεοῦ, das zuvor im Text stand, auch wenn es in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben dürfte. Die Auslassung des bei Tertullian wie P 46 fehlende τοῦ υἱοῦ lässt den Text erneut monarchianisch klingen und wird auch vorkanonisch gefehlt haben, auch wenn Harnack und Schmid es aufgenommen haben. 7. Die Frage, ob ἡμῶν oder ὑμῶν zu lesen ist, wird durch Tertullian ent‐ schieden, der nostra liest, zumal dies die lectio difficilior darstellt. ὑμῶν scheint vielmehr die kanonische Fassung widerzuspiegeln, auch wenn NA 28 ἡμῶν gibt. 8. Das κρᾶζον, Αββα ὁ πατήρ ist teilweise wörtlich wieder aufgenommen auf der kanonischen Ebene in Röm 8,15. 195 9. (4,7) Der Vers ist unbezeugt, van Manen tilgt ihn, 196 er könnte nach Zahn jedoch vorhanden gewesen sein. Dieser Meinung ist auch Harnack, für Schmid ist der Vers schlicht unbezeugt, BeDuhn nimmt ihn in Klammern in den Text auf. 10. (4,8) Van Manen schlägt vor: εἰ μὲν οὖν ἐδουλεύσατε τοῖς μὴ φύσει οὖσι θεοῖς. 197 Zahn rekonstruiert: εἰ οὖν τοῖς τῇ φύσει οὖσι θεοῖς δουλεύετε. Schmid schließt sich Zahn weithin an und gibt als bezeugten Text: εἰ γὰρ (vel οὖν) τοῖς τῇ φύσει οὖσιν θεοῖς δουλεύετε. Harnack probiert sich am ganzen Satz und schreibt: εἰ οὖν (γνόντες θεόν, μᾶλλον δὲ γνωσθέντες ὑπὸ θεοῦ? ) τοῖς ἐν τῇ φύσει οὖσι θεοῖς δουλεύετε. BeDuhn versucht zu zeigen, dass Tertullian nicht ἐν, wie Harnack annimmt, sondern μὴ gelesen hat. Beide Varianten haben eine Handschriftengrundlage. 1 (Gal) 133 <?page no="134"?> 198 J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 258. 199 Pace E.S. Lodovici, Sull’ interpretazione di alcuni testi della Lettera ai Galati in Marcione e in Tertulliano (1972), 385-391. 200 H.J.W. Drijvers, Marcion’s reading of Gal. 4,8: Philosophical background and influence on Manichaeism (1994), 340. Vgl. die Nutzung von Gal 4,8 durch Aristides (3,2), hierzu M. Meiser, Galater (2007), 15. 201 Vgl. H.J.W. Drijvers, Marcion’s reading of Gal. 4,8: Philosophical background and influence on Manichaeism (1994), 340. 202 Vgl. M.D. Nanos and H. Wendt, Galatians (2022), 339-340. Unrichtig ist die Meinung von Lieu, „there is no other manuscript for the absence of the negative“. 198 Gleichwohl stimmt sie der Rekonstruktion Zahns grundsätzlich zu. Lodovici verweist auf die oben zitierten Ausführungen in Iren., Adv. Haer. III 12,6 und sieht richtig, dass Irenäus hier die Meinung anderer zitiert, die Kühnes berichten, doch distanziert Irenäus sich nicht von diesen, was die Schlussfolgerung Lodovicis, hier einen Hinweis auf Markions Apostolos zu besitzen, infrage stellt. Bereits die diesem Zitat voranstehenden Ausführungen des Irenäus stützen diese Infragestellung, da er in Adv. haer. III 3,1-5 entwickelt, dass die Schrift immer, wenn sie von heidnischen Göttern spricht, diese beson‐ ders qualifiziert. Als Beispiel dient Paulus, wenn dieser in Gal 4,8-9 „diejenigen scheidet, welche nicht Götter sind, von dem, der in Wahrheit Gott ist, wenn er sagt: ’Wenn ihr einst denen dientet, die nicht Götter waren, so erkennet ihr jetzt Gott und werdet von Gott erkannt’.“ 199 Die Verneinung geht gegen die Ausführungen Tertullians, der ausdrücklich das „in natura“ mit „physicae, id est naturalis“ erläutert, und scheint vielmehr eine kanonische Reduktion des Zugeständnisses darzustellen, Naturgötter als Götter zu bezeichnen. Es geht also nicht darum, dass diese Götter nicht existiert hätten oder keine Götter sind, sondern dass sie physische Götter, Naturgötter, waren, denen die Adressaten nicht wieder dienen sollen. Richtig sieht Drijvers, wenn er im Text liest, dass es darum geht „hervorzuheben, dass die Menschheit allgemein und die Galater besonders Götter verehrten, die zur Naturwelt gehören, und dass sie sogar nach ihrer Konversion zum unbekannten Gott zurück zum Kult dieser Götter in Form schwacher Elemente zurückkehrten“ (eigene Übers.). 200 Spätere Häresiologen haben daraus einen sexualisierten Mythos für die Erschaffung der Welt durch den Schöpfer gesponnen, ein Mythos den Drijvers noch dem Markion zuschreibt. 201 Dass hier nicht jüdische Kultpraxis angegriffen wird, haben Nanos/ Wendt korrekt hervorgehoben. 202 Mit Blick auf Tertullian (in natura) ist wohl eher τῇ φύσει und nicht nur φύσει zu lesen, auch wenn dies grundsätzlich möglich wäre. Hilgenfeld liest anstelle 134 Rekonstruktion <?page no="135"?> 203 Vgl. jedoch die ausführliche Erläuterung und Restituierung des „in“ durch Moreschini Tertullian, Contre Marcion. Tome V (Livre V). Texte critique par Claudio Moreschini. Introduction, traduction et commentaire par René Braun (2004), 116. 204 W.C. van Manen, Marcion’s brief van Paulus aan de Galatiërs (1887), 487. Über diesen Zusatz lässt sich nach Detering kein sicheres Urteil fällen, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 72. von „in“ ein „non“, was dann spätere Editoren Tertullians übernommen haben. 203 Die Auslassung des φύσει in einigen Zeugen stellt eine harmonisierende Ver‐ einfachung dar. BeDuhn setzt den Anfang in Klammern und folgt dem kanonischen Text: „[But then, when you did not know God,] you slaved for those who by nature are not gods“. 11. (4,9) Mit den „Reichtümern“ scheint Tertullian die jetzt eingetretene Gotteserkenntnis (νῦν δὲ γνόντες θεόν) zu umschreiben, der Teil scheint demnach nicht, wie Zahn angenommen hat, als Ganzes im Text gefehlt zu haben. Zumindest das Partizip mit Objekt ist syntaktisch notwendig. Van Manen gibt den Vers nach dem kanonischen Text (anstelle von δουλεύειν schreibt er δουλεῦσαι). Harnack plädiert für die Anwesenheit von Vers 9a (allerdings aus angenommener markionitischer Theologie heraus). Schmid sieht für Vers 9 lediglich folgenden Text bezeugt: ἐπιστρέφετε ἐπὶ τὰ ἀσθενῆ καὶ πτωχὰ στοιχεῖα, es fehlt also das im kanonischen Text stehende πάλιν. BeDuhn setzt den Teil bis vor das von Schmid Angeführte in Klammern, wobei auch er das πάλιν auslässt. Am Ende übersetzt er auch das οἷς πάλιν ἄνωθεν δουλεύειν θέλετε, was jedoch wohl zur kanonischen Redaktion gehört, bereits angezeigt in dem dort wiederholten πάλιν. 12. (4,10) Van Manen, Zahn, Harnack geben den Text nach der kanonischen Version. Van Manen setzt allerdings in Klammern hinzu: καὶ σάββατα, ὡς οἶμαι, καὶ δεῖπνα καθαρὰ καὶ νηστείας καὶ ἡμέρας μεγάλας, angeregt durch Hos 2,12-13 (12 καὶ νῦν ἀποκαλύψω τὴν ἀκαθαρσίαν αὐτῆς ἐνώπιον τῶν ἐραστῶν αὐτῆς, καὶ οὐδεὶς οὐ μὴ ἐξέληται αὐτὴν ἐκ χειρός μου· 13 καὶ ἀποστρέψω πάσας τὰς εὐφροσύνας αὐτῆς, ἑορτὰς αὐτῆς καὶ τὰς νουμηνίας αὐτῆς καὶ τὰ σάββατα αὐτῆς καὶ πάσας τὰς πανηγύρεις αὐτῆς). 204 Was die Reihenfolge von „Tage“, „Monate“ und „Jahre“ betrifft, so schreibt Tertullian an anderen Stellen, Adv. Marc. I 20,4: … et observantes tempora et dies et menses et annos; ders., De ieiu. 14,1-2: horum igitur tempora observantes et dies et menses et annos? … in totum devotionem temporum et dierum et mensium et annorum erasit apostolus; ibid. 2,6: sic et cum Galatis nos quoque percuti aiunt observatores dierum et mensium et annorum, d. h. hier haben wir die Reihenfolge καιροὺς παρατηρεῖσθε καὶ ἡμέρας καὶ μῆνας καὶ ἐνιαυτούς. Eine 1 (Gal) 135 <?page no="136"?> 205 M. Meiser, Galater (2007), 15. 206 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 63. dritte Reihenfolge (nicht dieselbe, wie Schmid und BeDuhn meinen), begegnet in einer Reihe von Zeugen. Einfluss hat gewiss auch die Reihenfolge ausgeübt, wie sie in Apk 9,15 begegnet (εἰς τὴν ὥραν καὶ [manche Zeugen: εἰς τὴν ἡμέραν; ἡμέραν] καὶ μῆνα καὶ ἐνιαυτόν). Von der Systematik her sind lediglich die Reihenfolge der dreimaligen Erwähnung Tertullians sinnvoll, beginnend mit dem Oberbegriff tempora vor den einzelnen, richtig gesetzten dies, menses und annos, und diejenige der alternativen Handschriften, die mit καιρούς schließt, wobei die schlüssigste Reihenfolge gewiss die dreifache des Tertullian ist, die vermutlich auch in *Gal 4,10 gestanden war. Es ist auffallend, dass Tertullian diese Kalenderobservanz kritisiert und konkretisierend hinzusetzt: Sabbate, reine Mähler, Fasten und große Tage, offenkundig Observanzen, die Christen weiterhin verfolgten. „In‐ nerhalb der apologetischen Literatur bezeichnet Gal 4,10 seit Aristides 14,4 und dem Diogn 4,5 den Irrtum der jüdischen Gottesauffassung“. 205 13. (4,11-20) Die Passage Gal 4,11-20 ist unbezeugt, allerdings nehmen van Manen und Zahn an, dass die Verse 11-21 vorhanden gewesen waren. Van Manen gibt den Text nach der kanonischen Version (in Vers 14 sieht er zwischen ἐν τῇ σαρκί μου … οὐκ ἐξουθενήσατε eine Lücke; in den Versen 17-18 gibt er anstelle von ἵνα αὐτοὺς ζηλοῦτε. 18 καλὸν δὲ ζηλοῦσθαι ἐν καλῷ: (οἱ …) … ζηλοῦσθε). Auch Harnack urteilt so und verweist noch auf die mögliche Bezeugung von Vers 19 in Tert., Adv. Marc. V 8,6, die BeDuhn aufgreift, auch wenn Schmid diesbezüglich skeptisch ist. 206 Doch muss berücksichtigt werden, dass Tertullian an dieser Stelle zunächst 1Kor 4,15b zitiert (in evangelio ego vos generavi = διὰ τοῦ εὐαγγελίου ἐγὼ ὑμᾶς ἐγέννησα), dann Gal 4,19, wobei ihm wohl überhaupt die Nähe dieser beiden Briefstellen vor Augen stand. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die hier zur Debatte stehende Passage aus Gal durch die kanonische Redaktion eingetragen wurde, um Gal an 1Kor 4 anzunähern oder ob sie auf *Gal zurückgeht? Auf letztere Lösung könnten eine ganze Reihe von signifikanten Abweichungen innerhalb der Passage vom kanonischen Text hinweisen; diese könnten natürlich auch eingetragen sein, weil erst die kanonische Redaktion diese Verse formuliert hatte. Für Tertullian wäre der Hinweis auf die eigene Schwäche des Paulus, falls er sie im Text gelesen hätte, Grund gewesen, diesen Text anzuführen, er wird folglich gefehlt haben. 14. (4,12) Die Entsprechung zwischen diesem kanonischen Vers und einem weiteren kanonischen Vers, 1Kor 4,16 (παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς, μιμηταί μου 136 Rekonstruktion <?page no="137"?> 207 Auf diese Verbindung hat hingewiesen G.A. van den Bergh van Eysinga, Radical Views about the New Testament (1912), 71-72. 208 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. γίνεσθε), weist auf die briefübergreifende Kohärenz hin, die die kanonische Redaktion geschaffen hat. 207 15. (4,17-18) Weisse erkannte die Repetitionen in diesen beiden Versen als Merkmal einer späteren Hand: 17 ζηλοῦσιν ὑμᾶς οὐ καλῶς, ἀλλὰ ἐκκλεῖσαι ὑμᾶς θέλουσιν, ἵνα αὐτοὺς ζηλοῦτε. 18 καλὸν δὲ ζηλοῦσθαι ἐν καλῷ πάντοτε, καὶ μὴ μόνον ἐν τῷ παρεῖναί με πρὸς ὑμᾶς. 208 16. (4,19) Statt der Variante τεκνία scheint Tertullian das kanonische τέκνα mit filii wiederzugeben, um Paulus nicht gegenüber seinen Lesenden größer zu machen, während die Variante τεκνία einiger Zeugen besser zu den Geburts‐ wehen passt. Mit τέκνα liest Harnack den ersten Teil als für Markion bezeugt, BeDuhn setzt in Klammern den nicht bezeugten Textteil hinzu. Schmid sieht den gesamten Text als unbezeugt, und schon Harnack war skeptisch, ob man diesen Tertullianschen Beleg für *Gal heranziehen dürfe. Das verwendete πάλιν unterstreicht die Abwesenheit in *Gal. 17. (4,20) Auch wenn dieser Vers unbezeugt ist und narrativ an den unbe‐ zeugten Passus Gal 4,11-19 an- und ihn abschließt, nimmt Zahn ihn in seine Rekonstruktion auf, Harnack rechnet auch mit ihm, Schmid hält ihn jedoch schlicht für unbezeugt, BeDuhn ebenfalls, lässt ihn aber aus. D. (↓3,15) ἔτι steht 96 / 93 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. Es fällt auf, dass die kleine Partikel sich sowohl in *Ev wie in *Paulus findet und auch bei Lukas häufiger steht. Gemessen daran ist sie auf der kanonischen Ebene eher spärlich vertreten. ♦ κατὰ ἄνθρωπον ist vorkanonisch nicht weiter bezeugt, könnte aber auch *Gal 1,11; *1Kor 9,8 gestanden sein, kanonisch findet es sich nochmals 1Kor 3,3; 9,8; 15,32; Röm 3,5. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, dem außer Harnack auch die älteren Editoren folgen. (4,1) Die Verbform λέγω, die 214 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32. ♦ ὅσος steht 121 / 110 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ χρόνος, das 61 / 54 Mal im NT steht, ist nur ein Mal vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4. ♦ κληρονόμος, das 15 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ νήπιος, das 18 / 15 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt. ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 1 (Gal) 137 <?page no="138"?> 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,4. ♦ διαφέρω, das 13 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, ist als Selbstbezeichnung im Verhältnis zu Gott oder Christus nicht auf der vorkanonischen Ebene bezeugt. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur ein Mal für einen Brief bezeugt, den die Forschung Paulus zuschreibt (*Röm 12,18), dann auffallenderweise gleich drei Mal in *Deuteropaulinen (*Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17). ♦ Die Verbform ὤν, die 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3. Zur Abwesenheit: Zur fehlenden Bezeugung fallen Termini auf, die ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegt sind (κληρονόμος; διαφέρω; δοῦλος als Selbstbezeichnung im Verhältnis zu Gott oder Christus) oder auf dieser beliebt sind (χρόνος; πάντων). Der Vers wird folglich der kanonischen Redaktion zuzuordnen sein und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (4,2) ἐπίτροπος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκόνομος steht 10 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ προθεσμία ist Hapax legomenon im NT. Zur Abwesenheit: Zur fehlenden Bezeugung fallen auch hier gleich zwei zentrale Begriffe auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (ἐπίτροπος; οἰκόνομος). Auch dieser Vers dürfte folglich nicht nur unbezeugt, sondern auch auf der vorkanonischen Ebene gefehlt haben. (4,3) ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ Die Verbform ἤμεθα, die 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3; *Laod 2,3. ♦ Die Variante ἦμεν, die 11 Mal im NT steht, ist weiters nicht vorkanonisch bezeugt. ♦ νήπιος, das 18 / 15 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt. ♦ στοιχεῖον steht 7 Mal im NT, gleich wieder vorkanonisch bezeugt in *Gal 4,9 und *Kol 2,8. ♦ κόσμος, das 196 / 186 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,29; *Gal 4,3; 6,14; *1Kor 1,20. 21. 27; 3,19. 22; 4,9; 6,14; *Laod 2,2. 12; *Kol 1,6; 2,8. ♦ Die Verbform ἤμεθα steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3; *Laod 2,3. ♦ δουλόω (bzw. das Nomen δοῦλος) steht 51 Mal im NT, vorkanonisch wiederum bezeugt für *Ev 12,37. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians bis auf die Verbform ἤμεθα, die anstelle der von Zahn bevorzugten Variante ἦμεν gewählt wird. Auch wenn ἦμεν tatsächlich näher an Tertullian anschließt, gibt hier das Gewicht der einschlägigen Handschriftenzeugen, die ἤμεθα bieten, den Ausschlag. Au‐ ßerdem hilft hier erneut die Lexik. Während ἤμεθα lediglich 4 Mal im NT belegt ist und auch an einer weiteren Stelle vorkanonisch bezeugt ist, steht die 138 Rekonstruktion <?page no="139"?> kanonisch beliebtere Form ἦμεν 11 Mal im NT und ist an keiner weiteren Stelle vorkanonisch bezeugt. Überhaupt ist lexikalisch zu bemerken, dass alle Begriffe der Rekonstruktion auch andernorts vorkanonisch bezeugt sind. (4,4) Zu ὅτε vgl. zum voranstehenden Vers 3. ♦ πλήρωμα steht 18 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4; Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. ♦ χρόνος, das 61 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle hier, *Gal 4,4. ♦ ἐξαποστέλλω steht 14 / 13 Mal im NT, vorkanonisch gleich wieder bezeugt für *Gal 4,6. ♦ γυνή steht 246 / 215 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,1; 7,2 (? ). 10; 11,5. 10; 14,34; *Laod 5,22. 23. 28. ♦ Die Kombination ἐκ γυναικός begegnet nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene 1Kor 11,8. ♦ Die Wendung ὑπὸ νόμον steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; 4,5; *1Kor 9,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und aller älteren Editoren. Unbezeugt und tatsächlich auch nicht vorhanden scheint der letzte Passus dieses Verses zu sein mit dem Hinweis auf Frau und Gesetz. Mit Ausnahme von χρόνος, das nur für diese Stelle vorkanonisch bezeugt ist, sind die weiteren Begriffe im bezeugten Teil vorkanonisch andernorts ebenfalls bezeugt. Im unbezeugten Teil fällt lediglich die Kombination ἐκ γυναικός auf, die nur noch ein Mal kanonisch bezeugt ist. Wie die älteren Editoren und die Forschung urteilte, wird wohl nur der oben gegebene Text vorkanonisch vorhanden gewesen sein. (4,5) ἐξαγοράζω, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bereits belegt für *Gal 3,13. ♦ υἱοθεσία, steht 5 Mal im NT, 1 weiteres Mal1 weiteres Mal vorkanonisch bezeugt in *Laod 1,5. ♦ λαμβάνω, das 292 / 260 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,14; *1Kor 3,14; *Röm 7,11; *Phil 2,7. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, nimmt jedoch auch den von Adamantius im Mund des Markioniten bezeugten Text auf. Die Lexik bietet ein herausragendes Beispiel, denn auch so seltene Begriffe wie ἐξαγοράζω und υἱοθεσία, die außer in den kanonischen Parallelstellen trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer inhaltlichen Besonderheit sonst kaum mehr im kanonischen NT begegnen, sind beide andernorts wieder vorkanonisch bezeugt. Es handelt sich bei ihnen folglich um Urgestein der vorkanonischen Lexik. (4,6) Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter Vers 28. ♦ Zu ἐξαποστέλλω, das 14 Mal im NT steht, vgl. zuvor die weitere, vorkanonische Bezeugung in Vers 4. ♦ καρδία steht 173 / 157 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,25; *2Kor 3,15; 4,6; *Röm 2,15. ♦ κράζω, das 71 / 56 Mal im NT steht, 1 (Gal) 139 <?page no="140"?> ist vorkanonisch nur an dieser Stelle hier bezeugt. ♦ ἀββα steht 3 Mal im NT, die beiden anderen Male auf der kanonischen Ebene (Mk 14,36; Röm 8,15; Gal 4,6). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians unter Berücksich‐ tigung auch der handschriftlichen Varianten, die Tertullian bestätigen. Wenn Zahn für den Anfang, Tertullian wörtlich folgend, οὖν (καὶ ἡμεῖς? ) ἐσμεν vorschlägt, könnte man geneigt sein, diesen Text aufzunehmen, doch begegnet bereits im Vers zuvor der Wechsel zwischen allgemein Genannten (τοὺς ὑπὸ νόμον) und der 1. Pers. Pl. (ἐλήφθημεν), dem gewissermaßen auch die Spannung zwischen der 2. Pers. Pl. (ἐστε) und der 1. Pers. Pl. (ἡμῶν) im vorliegenden Text entspricht. In beiden Fällen begegnet uns die lectio difficilior, die man jedoch nicht auflösen muss, zumal es keine handschriftlichen Varianten hierfür gibt. (4,7) οὐκέτι, das 51 / 47 Mal im NT steht, ist eine Konjunktion der kanonischen Redaktion. ♦ Die Verbform εἶ steht 89 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, fehlt vorkanonisch als Bezeichnung des Verhält‐ nisses des Menschen zu Gott oder Christus. ♦ κληρονόμος, das 15 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. Zur Abwesenheit: Zur fehlenden Bezeugung des Verses kommt die Beobach‐ tung, dass in diesem kurzen Vers gleich drei der Termini ausschließlich kano‐ nische sind (οὐκέτι; δοῦλος als Bezeichnung des Verhältnisses des Menschen zu Gott oder Christus; κληρονόμος). Der Vers dürfte demnach vorkanonisch gefehlt haben. (4,8) τότε steht 164 / 160 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. ♦ μέν steht 208 / 180 Mal im NT, vorkanonisch lediglich bezeugt für *1Kor 7,7; 15,39; 2,25; 7,12; 8,10. Dass dieser Terminus ein besonderes Merkmal der kanonischen Redaktion ist, lässt sich an der Häufigkeit ablesen, mit der er gerade in Versen fehlt, die für die vorkanonische Fassung bezeugt sind. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter Vers 13. ♦ Zu εἰδότες als nur kanonisch bezeugte Form vgl. weiter unten zu 2Kor 1,7. ♦ δουλεύω, das 26 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ φύσις, das 16 / 14 Mal im NT steht, ist nur in der Briefliteratur und auch vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8; *Röm 2,14; *Laod 2,3. ♦ Die Verbform οὖσιν steht 10 Mal im NT, nur kanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians in der Rekonstruk‐ tion, die bereits Zahn gegeben hat. Dass das nicht bezeugte Ἀλλὰ τότε μὲν οὐκ εἰδότες θεὸν eine kanonische Formulierung ist, wird gestützt durch die Form εἰδότες, die nur kanonisch belegt ist. Das μὴ οὖσιν θεοῖς ist unbezeugt und war möglicherweise auch in der vorkanonischen Version abwesend. 140 Rekonstruktion <?page no="141"?> (4,9) νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, etwa Lk 1,48; 2,29, in Versen, die in *Ev fehlen, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ μᾶλλον δέ begegnet nur 5 Mal im NT begegnet, immer bei Paulus, jedoch nur kanonisch bezeugt (Röm 8,34; 1Kor 14,1. 5; Gal 4,8; Eph 4,28; 5,11). ♦ Die nicht bezeugte Wendung ὑπὸ θεοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 13,1; Gal 4,9). ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ ἐπιστρέφω steht 41 / 36 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt in *Ev 17,4 und *2Kor 3,16. ♦ ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ♦ πτωχός, das 38 / 34 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt. ♦ στοιχεῖον, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 9; *Kol 2,8. ♦ ἄνωθεν steht 14 / 13 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu δουλεύω vgl. zuvor zu Vers 8. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, die Eröffnung scheint auch durch ihn angedeutet, wenn auch im Textbestand unklar. Anderer‐ seits wurde in Nr. 10 verdeutlicht, dass die Eröffnung syntaktisch notwendig ist. Das πάλιν nach ἐπιστρέφετε hat Tertullian wohl nicht übergangen, es fehlt auch in Augustinus und wird wohl auch nicht im vorkanonischen Text gestanden sein. Was das unbezeugte μᾶλλον δὲ γνωσθέντες ὑπὸ θεοῦ betrifft, so scheint auch dies im vorkanonischen Text gefehlt zu haben, gestützt dadurch, dass μᾶλλον δέ und ὑπὸ θεοῦ vorkanonisch unbezeugt sind. Im Gegensatz hierzu sind die bezeugten Textteile weiters vorkanonisch bezeugt. (4,10) καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,42. 56; *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ παρατηρέω steht 8 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,7. Auch das zugehörige Nomen παρατήρησις, das Hapax legomenon im NT ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,20. ♦ ἡμέρα, das 414 / 389 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut bezeugt. ♦ μήν steht 18 Mal im NT, weiters nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐνιαυτός steht 15 / 14 Mal im NT, weiters ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene belegt. Zur Rekonstruktion: Was den Text betrifft, sind sich alle Editoren einig, indem sie dem kanonischen Text folgen, doch wird hier die Textvariante berücksichtigt und die partizipiale Form παρατηροῦντες gewählt. Wie oben in Nr. 11 diskutiert, richtet sich der Text zwar am Zeugnis Tertullians aus, ohne jedoch das vierte Element „Zeiten“ hinzuzunehmen, was wohl eine summarische Angabe von Tertullian darstellt. (4,11) φοβέω, das 110 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,12. ♦ Die Form φοβοῦμαι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 18,4; 2Kor 11,3; 12,20; Gal 4,11). ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, findet 1 (Gal) 141 <?page no="142"?> sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰκῇ, das 7 / 6 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ κοπιάω, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. Man bedenke auch, dass κόπος ein Begriff ist, der zwar 21 Mal im NT begegnet, jedoch nur auf der kanonischen Ebene steht. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. Zur Abwesenheit: Zu der fehlenden Bezeugung des Verses häufen sich die Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen (φοβοῦμαι; πως; εἰκῇ; κοπιάω). Daraus lässt sich folgern, dass der Vers nicht nur unbezeugt, sondern auch in der vorkanonischen Version abwesend war. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. (4,12) Die Form γίνεσθε steht 24 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung und als solche immer auf der kanonischen Ebene: Lk 6,36, wo im Parallelvers in *Ev der Imperativ ἔστε gestanden war; Gal 4,12; Eph 4,32; 5,1; Jak 1,22; doch auch im Vers stand es wohl nur auf der kanonischen Ebene: Lk 12,40 deutet das Tertulliansche simus an, dass auch im Parallelvers von *Ev eine Form von εἶναι stand, auch wenn Klinghardt hier γίνεσθε bietet; Röm 12,16, wo nach Tertullian im Parallelvers in *Röm eine Form von εἶναι stand; 1Kor 4,16; 7,23; 10,7, wo Epiphanius im Parallelvers in *1Kor zwar γίνεσθε bietet, doch angesichts der differierenden Bezeugungen an den anderen Stellen er wohl den kanonischen Text hat, also ist auch an dieser Stelle wohl ἔστε zu schreiben; 10,32; 11,1; 14,20; 15,58; 2Kor 6,14; Eph 5,7. 17; Phil 3,17; Kol 3,15; Jak 3,1. ♦ δέω, das 112 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25. 53; *2Kor 5,10. ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), vgl. zuvor ebenfalls auf der kanonischen Ebene stehend in Vers 1, jedoch vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀδικέω findet sich 32 / 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers ist unbezeugt, doch wie γίνεσθε und ἀδικέω anzeigen, wohl von der vorkanonischen Version abwesend. (4,13) Zu οἶδα vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ Die Kombination οἴδατε δέ steht nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und auf der kanonischen Ebene in Phil 4,15. ♦ ἀσθένεια, das 27 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu den Versen 14. 23. 29. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ πρότερος, das 13 / 11 Mal im NT steht, nur noch auf der kanonischen Ebene steht. 142 Rekonstruktion <?page no="143"?> Zur Abwesenheit: Der Vers ist ebenso vorkanonisch unbezeugt, aber es finden sich mehrere Begriffe, die vorkanonisch bezeugt sind, allerdings auch Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οἴδατε δέ; πρότερος). Darum dürfte wohl auch dieser Vers vorkanonisch abwesend gewesen sein. (4,14) πειρασμός steht 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,4. ♦ Zu σάρξ vgl. zum Vers 13 zuvor und zu den Versen 23. 29. ♦ ἐν τῇ σαρκί μου findet sich vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,18, vorkanonisch steht die Wendung neben der Parallelstelle zu hier auch Röm 7,18; Kol 1,24. ♦ Die kürzere Wendung ἐν τῇ σαρκί steht 7 Mal im NT (Röm 7,5. 18; 8,3; Gal 4,14; Eph 2,14; Phil 1,24; Kol 1,24), vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,18; *Laod 2,14; *Kol 1,24. ♦ ἐξουθενέω steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,20. Auffallend ist Apg 4,11 aufgrund des Zitats von Ps 118 (LXX 117),22, eines Verses, der in Mt 21,42 nach der LXX zitiert wird, in der Apostelgeschichte jedoch mit ἐξουθενεῖν angeführt wird. Hier scheint sich also die vorkanonische Sprache auf den Sprachgebrauch der Redaktion der Apostelgeschichte punktuell ausgewirkt zu haben. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ ἐκπτύω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ἀλλὰ ὡς steht 17 Mal im NT, immer auf er kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Joh 7,10; Röm 9,32; 1Kor 3,1; 4,14; 2Kor 2,17; 7,14; 11,17; Gal 3,16; 4,14; Eph 5,15. 24; 6,6; 1Petr 2,16; 1Joh 2,27), wobei besonders die Stellen in Eph auffällig sind. Kapitel 5 und 6 in *Laod sind gut vorkanonisch bezeugt, doch ausgerechnet in den unbezeugten Zwischenversen 5,15. 24 begegnet die vorliegende Kombination. ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. ♦ δέχομαι, das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. Zur Abwesenheit: Dieser Vers, der unbezeugt ist, fällt durch seine nur auf der kanonischen Ebene zu findende Kombination ἀλλὰ ὡς auf. Gegen die Präsenz spricht zusätzlich der narrative Zusammenhang. Der Vers wird demnach vor‐ kanonisch abwesend gewesen sein. (4,15) Die Kombination ποῦ οὖν steht 2 Mal im NT, auch das weitere Mal auf der kanonischen Ebene in Rm 3,27. ♦ ποῦ steht 51 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,55. ♦ Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ähnlich spärlich in *Ev wie *Paulus bezeugt (*Paulus: *1Kor 10,4; *Phil 3,7). ♦ μακαρισμός steht nur noch zwei weitere Male, auch auf der kanonischen Ebene (Röm 4,6. 9). ♦ μαρτυρέω, das 90 / 76 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form μαρτυρῶ steht 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 10,2; Kol 4,13; Apk 22,18; im Vers: Joh 7,7; 2Kor 8,3; Gal 4,15), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μάρτυς, das 39 / 35 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt, 1 (Gal) 143 <?page no="144"?> 209 Ich danke Mark Bilby (Email vom 26.09.2023) für lexikalische Untersuchungen. jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist. ♦ δυνατός, das 115 / 32 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination εἰ δυνατόν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Apg 20,16; Röm 12,18; Gal 4,15). ♦ ὀφθαλμός, das 109 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für *Ev und *Paulus bezeugt. ♦ ἐξορύσσω steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, auch auf der kanonischen Ebene (Mk 2,4; Gal 4,15). ♦ Die Variante ἄν, die 205 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers ist unbezeugt und weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ποῦ οὖν; μακαρισμός; μαρτυρέω; δυνατός; εἰ δυνατόν; ἐξορύσσω). Er ist Produkt der kanonischen Redaktion und hat auf der vorkanonischen Ebene gefehlt. (4,16) ἐχθρός, das 39 / 32 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,20; *Laod 2,16 und *Kol 1,21. ♦ ἀληθεύω steht nur 2 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene (Gal 4,16; Eph 4,15). Zur Abwesenheit: Der unbezeugte kurze Vers gehört aufgrund des Gebrauchs der ersten Person Singular wohl zur insgesamt unbezeugten Einheit Gal 4,11-18, die eine typisch kanonisch-redaktionelle Selbstreferenz des Paulus bietet. 209 In diesem kurzen Vers ist ἀληθεύω nur kanonisch bezeugt. Der Vers wird von der vorkanonischen Version abwesend gewesen sein. (4,17) ζηλόω steht 20 / 11 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Das Adverb καλῶς steht 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.) steht 340 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ ἐκκλείω steht nur noch ein Mal im NT, wieder auf der kanonischen Ebene in Röm 3,27. ♦ χάρισμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, der vorkanonisch für *1Kor 7,7; 12,9 bezeugt ist. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers finden sich wieder Termini, die ausschließlich kanonisch bezeugt (ζηλόω; ἐκκλείω) oder auf dieser Ebene beliebt sind (χάρισμα; καλῶς). Der Vers dürfte nicht nur unbezeugt, sondern auch von der vorkanonischen Ebene abwesend sein. (4,18) καλός, das 109 / 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,9. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, findet sich weder in *Ev noch in Lk, und ist vorkanonisch nur bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39, also deutlich ein 144 Rekonstruktion <?page no="145"?> beliebter Terminus der kanonischen Ebene. ♦ πάρειμι, das sich 25 / 24 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,10. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers begegnet ein ausschließlich kanonisch bezeugter Begriff (πάντοτε), neben für die kanonische Redaktion beliebten Begriffen (μόνον; πάρειμι). Auch dieser Vers wird demnach vorkano‐ nisch gefehlt haben. (4,19) τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut bezeugt, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Die Variante τεκνίον steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ( Joh 13,33; Gal 4,19; 1Joh 2,1. 12. 28; 3,7. 18; 4,4; 5,21). ♦ Das Personalpronomen οὕς Akk. Mask. Pl. steht 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *1Kor 10,11. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ὠδίνω, das 5 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μέχρι steht 21 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ μορφόω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. Zur Abwesenheit: Während die Frage der Bezeugung oder fehlenden Bezeugung umstritten ist, unterstützt die Lexik mit der Häufung ausschließlich kanonischer Elemente (τεκνίον; ὠδίνω; μέχρι; ἐν ὑμῖν) die vorkanonische Abwesenheit des Verses. (4,20) Die Form ἤθελον steht nur hier im NT. ♦ πάρειμι, das sich 25 / 24 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,10. ♦ ἄρτι, das 40 / 36 Mal im NT steht, ist ein Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ ἀλλάσσω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,52, vielleicht stand es auch in *Gal 4,20. ♦ φωνή steht 153 / 139 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀπορέω, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur kanonischen Wendung ἐν ὑμῖν vgl. zum voranstehenden Vers. Zur Abwesenheit: Dieser Vers ist wieder unbezeugt und weist trotz Kürze gleich drei ausschließlich kanonische Begriffe auf (ἄρτι; ἀπορέω; ἐν ὑμῖν). Der Vers ist wird vorkanonisch abwesend gewesen sein. Damit ist die gesamte Passage, wie bereits von M. Bilby vermutet, nicht nur unbezeugt, sondern hatte auch im vorkanonischen Text gefehlt. 1 (Gal) 145 <?page no="146"?> 4,21 22-24 ↑*Laod 1,21 [25] 26 [27-30] 31: Sklaverei und Freiheit im Gesetz In Fortsetzung der Umschreibung des ansonsten gut bezeugten Passus, verfolgt die kanonische Redaktion ihre Narration, die dazu führt, den zentralen Vers *Laod 1,21 aus diesem vorliegenden Verbund in den Neukontext des Epheser‐ briefes hineinzunehmen. 21 Λέγετέ μοι, οἱ ὑπὸ νόμον θέλοντες εἶναι, τὸν νόμον οὐκ ἀναγινώσκετε; 22 γέγραπται ὅτι Ἀβραὰμ δύο υἱοὺς ἔσχεν, ἕνα ἐκ τῆς παιδίσκης καὶ ἕνα ἐκ τῆς ἐλευθέρας. 21 Λέγετέ μοι, οἱ ὑπὸ νόμον θέλοντες εἶναι, τὸν νόμον οὐκ ἀκούετε; 22 γέγραπται γὰρ ὅτι Ἀβραὰμ δύο υἱοὺς ἔσχεν, ἕνα ἐκ τῆς παιδίσκης καὶ ἕνα ἐκ τῆς ἐλευθέρας. 23 ἀλλ’ ὁ μὲν ἐκ τῆς παιδίσκης κατὰ σάρκα γεγέννηται, ὁ δὲ ἐκ τῆς ἐλευθέρας διὰ τῆς ἐπαγγελίας. 23 ἀλλ’ ὁ μὲν ἐκ τῆς παιδίσκης κατὰ σάρκα γεγέννηται, ὁ δὲ ἐκ τῆς ἐλευθέρας δι’ ἐπαγγελίας. 24 ἅτινά ἐστιν ἀλληγορούμενα· αὗται γάρ εἰσιν δύο διαθῆκαι, μία μὲν ἀπὸ ὄρους Σινᾶ, εἰς τὴν συναγωγὴν τῶν Ἰουδαίων κατὰ τὸν νόμον γεννῶσα εἰς δουλείαν, 24 ἅτινά ἐστιν ἀλληγορούμενα· αὗται γάρ εἰσιν δύο διαθῆκαι, μία μὲν ἀπὸ ὄρους Σινᾶ, εἰς δουλείαν γεννῶσα, ἥτις ἐστὶν Ἁγάρ. 25 ↑*Laod 1,21 ἄλλη δὲ ὑπεράνω πάσης ἀρχῆς γεννῶσα καὶ δυνάμεως καὶ ἐξουσίας καὶ παντὸς ὀνόματος ὀνομαζομένου, οὐ μόνον ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ, ἀλλὰ καὶ ἐν τῷ μέλλοντι, 25 τὸ δὲ Ἁγὰρ Σινᾶ ὄρος ἐστὶν ἐν τῇ Ἀραβίᾳ, συστοιχεῖ δὲ τῇ νῦν Ἰερουσαλήμ, δουλεύει γὰρ μετὰ τῶν τέκνων αὐτῆς. 26 εἰς ἣν ἐπηγγειλάμεθα ἁγίαν ἐκκλησίαν, ἥτις ἐστὶν μήτηρ ἡμῶν. 26 ἡ δὲ ἄνω Ἰερουσαλὴμ ἐλευθέρα ἐστίν, ἥτις ἐστὶν μήτηρ πάντων ἡμῶν· - 27 γέγραπται γάρ, Εὐφράνθητι, στεῖρα ἡ οὐ τίκτουσα· ῥῆξον καὶ βόησον, ἡ οὐκ ὠδίνουσα· ὅτι πολλὰ τὰ τέκνα τῆς ἐρήμου μᾶλλον ἢ τῆς ἐχούσης τὸν ἄνδρα. 28 ἡμεῖς δέ, ἀδελφοί, κατὰ Ἰσαὰκ ἐπαγγελίας τέκνα ἔσμεν. 29 ἀλλ’ ὥσπερ τότε ὁ κατὰ σάρκα γεννηθεὶς ἐδίωκεν τὸν κατὰ πνεῦμα, οὕτως καὶ νῦν. 30 ἀλλὰ τί λέγει ἡ γραφή; Ἔκβαλε τὴν παιδίσκην καὶ τὸν υἱὸν αὐτῆς, οὐ γὰρ μὴ κληρονομήσει ὁ υἱὸς τῆς παιδίσκης μετὰ τοῦ υἱοῦ τῆς ἐλευθέρας. 31 ἄρα, ἀδελφοί, οὐκ ἐσμὲν παιδίσκης τέκνα ἀλλὰ τῆς ἐλευθέρας. 31 διό, ἀδελφοί, οὐκ ἐσμὲν παιδίσκης τέκνα ἀλλὰ τῆς ἐλευθέρας. A. *4,22-26: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,8: Sed ut furibus solet aliquid excidere de praeda in indicium, ita credo et Marcionem novissimam Abrahae mentionem dereliquisse, nulla magis auferenda, etsi ex parte convertit. Si enim Abraham duos 146 Rekonstruktion <?page no="147"?> liberos habuit, unum ex ancilla et alium ex libera, sed qui ex ancilla carnaliter natus est, qui vero ex libera per repromissionem: quae sunt allegorica, id est aliud portendentia: haec sunt enim duo testamenta, sive duae ostensiones, sicut invenimus interpretatum, unum a monte Sina in synagogam Iudaeorum secundum legem generans in servitutem, aliud super omnem principatum generans, vim, dominationem, et omne nomen quod nominatur, non tantum in hoc aevo sed et in futuro, quae est mater nostra, in quam repromisimus sanctam ecclesiam; ideoque adicit, Propter quod, fratres, non sumus ancillae filii sed liberae, utique manifestavit et Christianismi generositatem in filio Abrahae ex libera nato allegoriae habere sacramentum, sicut et Iudaismi servitutem legalem in filio ancillae, atque ita eius dei esse utramque dispositionem apud quem invenimus utriusque dispositionis delineationem. Vgl. Gen 16,15; 21,2 LXX: Καὶ ἔτεκεν Αγαρ τῷ Αβραμ υἱόν, καὶ ἐκάλεσεν Αβραμ τὸ ὄνομα τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ, ὃν ἔτεκεν αὐτῷ Αγαρ, Ισμαηλ; καὶ συλλαβοῦσα ἔτεκεν Σαρρα τῷ Αβρααμ υἱὸν εἰς τὸ γῆρας εἰς τὸν καιρόν, καθὰ ἐλάλησεν αὐτῷ κύριος. ♦ *4,23: Vgl. als weiteren Zeugen Epiph., Pan. 42, sch. 2 (120. 156 H.): ὁ δὲ ἐκ τῆς ἐπαγγελίας, διὰ τῆς ἐλευθέρας. ♦ *4,24: Vgl. Tert., Adv. Marc. III 5,4: docens proinde et Galatas duo argumenta filiorum Abrahae allegorice cucurrisse. Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas (PL 26, 391B): Marcion et Manichaeus hunc locum in quo dixit apostolus Quae quidem sunt allegorica, et cetera quae sequuntur, de codice suo tollere noluerunt, putantes adversus nos relinqui: quod scilicet Lex aliter sit intelligenda, quam scripta est. ♦ *4,25 ↑*Laod 1,21: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,8: … aliud super omnem principatum generans, vim, dominationem, et omne nomen quod nominatur, non tantum in hoc aevo sed et in futuro, quae est mater nostra, in quam repromisimus sanctam ecclesiam; ideoque adicit, Propter quod, fratres, non sumus ancillae filii sed liberae, utique manifestavit et Christianismi generositatem in filio Abrahae ex libera nato allegoriae habere sacramentum, sicut et Iudaismi servitutem legalem in filio ancillae, atque ita eius dei esse utramque dispositionem apud quem invenimus utriusque dispositionis delineationem. Iren., Adv. haer. III 7,1: In quibus deus saeculi huius excaecavit mentes infidelium et alterum quidem esse deum saeculi huius dicunt, alterum vero qui sit super omnem principatum et initium et potestatem. Adam., Dial. V 13 (im Mund des Adamantius): ἀλλὰ καὶ πάσης ἀρχῆς, ἐξουσίας, κυριότητος, ὀνόματος ὀνομαζομένου οὐ μόνον ἐν τούτῳ τῷ αἰῶνι, ἀλλὰ καὶ ἐν τῷ μέλλοντι (Rufin: Sed omnium uel principatuum, uel potestatum, uel dominationum, et omne nomen quod nominatur non solum in hoc saeculo sed etiam in futuro uerbum die dominum confitetur). ♦ *4,26: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,8: … quae est mater nostra, in quam repromisimus sanctam ecclesiam; ideoque adicit, Propter quod, fratres, non sumus ancillae filii sed liberae, utique manifestavit et Christianismi generositatem in filio Abrahae ex libera nato allegoriae habere sacramentum, sicut et Iudaismi 1 (Gal) 147 <?page no="148"?> 210 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 89-90. 211 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 442. Vgl. auch G. Sellin, Hagar und Sara. Religionsgeschichtliche Hintergründe der Schriftallegorese Gal 4,21-31 (1999). 212 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 73. servitutem legalem in filio ancillae, atque ita eius dei esse utramque dispositionem apud quem invenimus utriusque dispositionis delineationem. ♦ 4,27: Das Zitat aus Jes 54,1 LXX: Εὐφράνθητι, στεῖρα ἡ οὐ τίκτουσα, ῥῆξον καὶ βόησον, ἡ οὐκ ὠδίνουσα, ὅτι πολλὰ τὰ τέκνα τῆς ἐρήμου μᾶλλον ἢ τῆς ἐχούσης τὸν ἄνδρα, εἶπεν γὰρ κύριος. ♦ *4,31: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,8: Propter quod, fratres, non sumus ancillae filii sed liberae. B. (4,21) Die Lesart ἀναγινώσκετε findet sich in 06, 010, 012, 104, 1175, latt, sa (bo pt ). ♦ (4,23) μέν om P 46 , 03, f, vg, Pel. ♦ Die Lesart διὰ τῆς findet sich in 03, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 062, 0278, 365, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, M, Or. ♦ (4,26) Nach μήτηρ liest man παντων in 01 2 , 01, 04 3 , 018, 020, 025, 0261 vid , 0278, 81, 104, 365, 630, 1175, M, ar, b, t, vg mss , sy h , Ir lat . ♦ (4,28) ἡμεῖς … ἔσμεν ist für die kanonische Redaktion bezeugt - wenn auch nicht in NA 28 aufgenommen - durch 01, 02, 04, 06 2 , 018, 020, 025, 044, 062, 81, 104, 630, 1241, 1505, 2464, M, lat, sy, bo. Die Variante ὑμεῖς-… ἐστέ findet sich in den Zeugen P 46 , 03, 06*, 010, 012, 0261 vid , 0278, 6, 33, 365, 1175, 1739, 1881, b, sa, Ir lat , Ambst. ♦ (4,31) ἄρα ist bezeugt durch P 46vid , 06 2 , 018, 020, 104, 630, 1505, M, sy h , ἄρα οὖν durch 010, 012. Hingegen wird ἡμεῖς δέ gelesen von 02, 04, 025, 81, 1241, 2464, r, bo; διό lesen 01, 03, 06*, 015, 0261, 0278, 33, 365, 1175, 1739, 1881, sa; om 044. C. 1. (4,21-22) Van Manen gibt den kanonischen Text dieser Verse. Harnack meint, die Einleitung (Λέγετέ μοι … γέγραπται γὰρ ὅτι), die unbezeugt ist, könne so gelautet oder auch gefehlt haben. Als bezeugten Text sieht er Ἀβραὰμ δύο υἱοὺς ἔσχεν, ἕνα ἐκ τῆς παιδίσκης καὶ ἕνα ἐκ τῆς ἐλευθέρας. Schmid sieht nur den zweiten Teil von Vers 22 als bezeugt, BeDuhn setzt Vers 21 und den Anfang von Vers 22 in Klammern. Beide folgen Harnack im bezeugten Text. 2. Goldmann weist bei der Besprechung von Tertullians Aussagen zu Abraham darauf hin, dass diese Ausführungen zur Diskussion von *Gal 4,22-26 gemacht werden, nicht erst zum Römerbrief, auch wenn das Thema „Abraham“ im kanonischen Römerbrief wiederkehrt. 210 Hilgenfeld sieht die gesamte Pas‐ sage Gal 4,21-31 „im Ganzen und Großen bezeugt“. 211 3. (4,23) Ob die Auslassung von μέν in einigen Zeugen ein Versehen ist? Van Manen lässt es aus. 212 Doch das μέν … δέ verstärkt die Antithese und eine 148 Rekonstruktion <?page no="149"?> 213 So auch ibid. 214 C.J. Classen, Philologische Bemerkungen zur Sprache des Apostels Paulus (1994/ 1995), 324. Zur gesamten Allegorie auf der kanonischen Ebene, die nicht im strikten Sinne eine solche sei, vgl. A. Davies, Allegorically speaking in Galatians 4: 21-5: 1 (2004). Minderung der Schärfe dieser Antithese entspricht der kanonischen Redaktion, wie sie sich dann hier etwa in P 46 findet. Die Lesart διὰ τῆς, die sich in einigen Zeugen findet, wird von Schmid aufgenommen, aus BeDuhn lässt sich nicht ersehen, welche er wählt. Die früheren Editoren folgen alle dem kanonischen Text wie oben. Zu bemerken ist die widersprüchliche Bezeugung von Tertullian und Epiphanius. Während Tertullian dem kanonischen Text gemäß bezeugt: qui vero ex libera per repro‐ missionem gibt Epiphanius in umgekehrter Reihenfolge: ὁ δὲ ἐκ τῆς ἐπαγγελίας, διὰ τῆς ἐλευθέρας, doch vom Zusammenhang her kann es sich lediglich um eine Verschreibung des Epiphanius handeln. 4. (4,24) Van Manen bietet den Vers wie oben 213 (lediglich die Reihenfolge am Ende ist geändert in εἰς δουλείαν γεννῶσα). Zahn und Harnack geben den Text wie oben wieder, mit einer Ausnahme: Tertullian schreibt haec sunt enim duo testamenta, sive duae ostensiones. Darum schreibt Harnack ἐπιδείξεις (ἐνδείξεις), doch Schmid bleibt zu Recht bei διαθῆκαι, setzt aber in Klammern hinzu (Randglosse: ἀπο-/ ἐπι-/ ἐνδείξεις), ihm schließt sich BeDuhn an. Doch liegt näher, dass Tertullian das verschieden zu interpretierende testamenta wegen der Deutung seines Gegners auf die beiden verschiedenen Testamente, das Neue und das Alte, eine alternative Deutung vorschlagen wollte, nämlich weder Testament im Sinne der schriftlichen Sammlung noch im Sinne von Erbschaftswillenserklärung, sondern allegorisch verstanden als Zeugnis. 5. Nach Classen ist ἀλληγορέω ein terminus technicus der hellenistischen Zeit, der das „früher übliche ὑπόνοια im Sinne von ’eigentliche Bedeutung, tie‐ ferer Sinn’“ ersetzt, „was die Vertrautheit … mit der rhetorischen Terminologie“ dieser Zeit „belegt“. 214 6. (4, 25 ↑*Laod 1,21) Hilgenfeld bietet als „ungefähr(en)“ Text: μία δὲ (nämlich διαθήκη) ὑπὲρ πᾶσαν ἀρχὴν καὶ ἐξουσίαν καὶ δύναμιν καὶ κυριότητα καὶ πᾶν ὄνομα ὀνομαζόμενον οὐ μόνον ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ, ἀλλὰ καὶ ἐν τῷ μέλλοντι γεννῶσα, ἥτις ἐστὶν μήτηρ ἡμῶν. Van Manen schließt sich ihm weitgehend an und schreibt: μία δὲ ὑπὲρ πᾶσαν δυναστείαν (δύναμιν, κυριότητα καὶ πᾶν ὄνομα ὀνομαζόμενον οὐ μόνον ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ, ἀλλὰ καὶ ἐν τῷ μέλλοντι) γεννῶσα, ἥτις ἐστὶν μήτηρ ἡμῶν. Harnack bietet den Text wie oben, so auch Zahn mit den Ausnahmen, dass er anstelle von ἄλλη schreibt: μία (ἄλλη, ἑτέρα) und γεννῶσα auslässt. Schmid folgt Zahn, indem er μία schreibt und γεννῶσα auslässt. 215 BeDuhn scheint das 1 (Gal) 149 <?page no="150"?> 215 So auch, jedoch mit γεννῶσα, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 73. 216 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 76*. Harnacks Urteil klingt nach unserer heutigen Kenntnis zu apodiktisch. *Ev 17,18 ist etwa von der kanonischen Redaktion nach Lk 4,27 verpflanzt worden, wie Klinghardt z. St. zeigt. Innerhalb eines Briefes verschob die kanonische Redaktion *1Kor 14,21b-c zunächst ans Ende von Kapitel 14, wo sie in den Bilinguen steht, und ordnete sie dann als Verse 1Kor 14,34-35 ein, wo sie in den übrigen Textzeugen zu stehen kamen. 217 E.S. Lodovici, Sull’ interpretazione di alcuni testi della Lettera ai Galati in Marcione e in Tertulliano (1972), 391-399. γεννῶσα an den Anfang des Verses zu setzen, ansonsten folgt er dem Text oben. In Eph 1,21 liest man: ὑπεράνω πάσης ἀρχῆς καὶ ἐξουσίας καὶ δυνάμεως καὶ κυριότητος καὶ παντὸς ὀνόματος ὀνομαζομένου οὐ μόνον ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ ἀλλὰ καὶ ἐν τῷ μέλλοντι. Aus der Perspektive Harnacks, der *Paulus als Kürzung des kanonischen Textes ansieht, folgt sein Urteil zu diesem Vers: „Eine solche Neugestaltung des Textes mit Verpflanzung einer Stelle aus einem Brief in den anderen (Ephes. I, 21) hat sich sonst M.[arkion] niemals erlaubt; daher man den Verdacht nicht loswerden kann, daß der … nach Tert. gegebene Text doch nicht dem M. zuzuweisen ist. Man hat die Worte ‚in quam repromisimus sanctam ecclesiam‘ streichen wollen; aber sie sind durch ‚in synagogam Iudaeorum‘ geschützt; streicht man, so muß man den ganzen Text M. absprechen, vermag aber keine Rechenschaft zu geben, wie er bei Tert. entstanden ist“. 216 Letztlich also bleibt Harnack bei der Meinung, dass der Text mit dem Umsetzen des Verses auf Markion zurückgeht. Aufgrund dieses angeblich singulären Umgangs mit dem Vers aus einem anderen Brief optiert auch Lodovici für den kanonischen Text. 217 Nimmt man hingegen die der vorliegenden Studie zugrundeliegende Perspektive der Priorität der *10-Briefe-Sammlung an, dann stellt sich die Situation anders dar. Aufgrund der Lexik (ὀνομάζω) kann *Gal 4,25 nicht der ursprüngliche Ort des Verses gewesen sein. Er muss aus der Vorlage, km Laod, von der vorkanonischen Redaktion nach *Gal hineingenommen worden sein, womit das Testament der Kirche, „unsere Mutter“ (Vers 4,26), über jegliche Weltzeit in die Transzendenz versetzt wird, der das andere Testament vom Berg Sinai, der Synagoge der Juden (Vers 4,24), antithetisch gegenübersteht. Die kanonische Redaktion scheint dann den Vers im Epheserbrief belassen bzw. ihn an diese Stelle zurückgenommen zu haben. An seine Stelle setzte die kanonische Redaktion in Gal 4,25 die heilsgeschichtliche Abfolge der beiden Bundesschlüsse vom Berg Sinai und dem jetzigen Jerusalem einerseits und dem „Jerusalem oben“ andererseits, wobei die 150 Rekonstruktion <?page no="151"?> 218 S.C. Carlson, For Sinai Is a Mountain in Arabia: A note on the Text of Galatians 4,25 (2014). 219 Ephraem, In Epistolas D. Pauli nunc primum ex armenio in latinum sermonem a patribus Mekitharistis translati (1893), 135. 220 J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 251-252; U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 126-129. Beziehung des jetzigen Jerusalems zum obigen Jerusalem wie der Sklavendienst zum „freien“ Dienst bestimmt wird. Interessanterweise nimmt zumindest für Gal 4,25a auch Carlson an, der Versteil sei eine Marginalglosse, die erst später in den Text Aufnahme gefunden habe. 218 Eine Vorstufe, Variante oder vielleicht auch Weiterentwicklung zu dem kanonischen Text mag sein, was Ephräm berichtet: Hae vero fuerunt symbola duorum testamentorum. Una populi Judaeorum, secundum legem in servitude generans ad similitudinem ejusdem Agar. Agar enim ipsa est mons Sina in Arabia; est autem illa similitudo hujus Jerusalem, quia in subjection est, et una cum filiis suis servit Romanis. Superior autem Jerusalem libera est, sicut Sara; et eminet supra omnes potestates ac principatus. Ipsa est mater nostra, Ecclesia sancta, quam confessi sumus. Neque nos sumus hujus inventores, Isaias enim praeveniens discit de haec: Latare sterilis quae non pariebas: quia multi fuerint filii Ecclesiae sterilis quam filii populi virum habentis. 219 Schmid hält die Ephrämversion im Vergleich zur kanonischen Version für die ältere, Lieu gibt zu bedenken, dass Ephräms Ar‐ beitsweise keinen sicheren Aufschluss auf eine ihm zugrundeliegende Textform gibt, außerdem verweist sie auf eine auffällige Parallele bei Justin, Dial. 134,3, und überhaupt würde die Beschreibung der Kirche als Mutter gut in die zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts passen (Euseb. Caes., Hist. eccl. V 1,45). 220 Ephräm scheint an dieser Stelle eine Zwischenversion anzuführen, die eine hybride Form zwischen der vorkanonischen und der kanonischen Bearbeitung darstellt, denn er kennt noch die Präsenz von ὑπεράνω πάσης ἀρχῆς-… καὶ δυνάμεως-… εἰς ἣν ἐπηγγειλάμεθα ἁγίαν ἐκκλησίαν, ἥτις ἐστὶν μήτηρ ἡμῶν an dieser Stelle hier im Unterschied zur kanonischen Fassung. Für die Bearbeitungsrichtung dieser Stelle legt sich nahe: km Laod > *Gal > km Gal (Ephrämzeugnis) > Gal/ Eph, denn welcher Redaktor hätte eine solche Hierarchie der beiden Bundesschlüsse, wie sie in Gal 4,24-26 vorliegt, gekippt und zu einer Antithese umgebaut? Der umkehrende Umbau entspricht präzise der Charakterisierung, wie sie Markion nach Tertullians Bericht den Plagiatoren seiner Sammlung vorgeworfen hat. 1 (Gal) 151 <?page no="152"?> 221 Vgl. M. Meiser, Galater (2007), 15. 222 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 73. 223 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 76*. 224 M. Klinghardt, Abraham als Element der Kanonischen Redaktion (2017), 230. 7. (4,26) Zu Hilgenfeld und van Manen vgl. zum voranstehenden Vers. Zahn notiert als Text: ἥτις ἐστὶν μήτηρ ἡμῶν, γεννῶσα εἰς ἣν ἐπηγγειλάμεθα ἁγίαν ἐκκλησίαν. Harnack gibt den obigen Text, fügt jedoch hinzu, dass gegebenen‐ falls auch ἀνεπηγγειλάμεθα zu lesen sei. Schmidt schließt an τῷ μέλλοντι an: γεννῶσα εἰς τὴν ἁγίαν ἐκκλησίαν, ἥν συνομολογοῦμεν, ἥτις ἐστὶν μήτηρ ἡμῶν. BeDuhn folgt Zahn und Harnack. Melito, De Pascha 45 entwickelt hieraus die heilsgeschichtliche „Ablösung Israels durch die Kirche“. 221 8. Betreffs des Fehlens bzw. der Präsenz von πάντων, so wird man dem Zeugnis Tertullians gemäß mit dem Fehlen desselben in der vorkanonischen Version rechnen, so ja auch vermerkt durch NA 28 . Dann aber wird man πάντων (gg. NA 28 ) jedoch sinnvollerweise der kanonischen Ebene zuschreiben, es sei denn, man müsse einen frühen Fehler oder eine weitere Redaktion annehmen. Allerdings stimmt das πάντων auch inhaltlich zur kanonischen Redaktion, so dass keine weitere Komplexität nötig ist. 9. (4,27-28) Diese Verse sind unbezeugt. Hilgenfeld, van Manen, Zahn und Harnack nehmen an, dass die Verse 27-30 in *Gal gefehlt haben, 222 Harnack schreibt deutlich: „… sind unbezeugt und müssen gefehlt haben“. 223 Schmid und BeDuhn nehmen diese Verse als unbezeugt, letzterer als nicht vorhanden. M. Klinghardt hingegen rechnet mit ihrer Anwesenheit (wie überhaupt mit der gesamten Passage *Gal 4,21-31). 224 Er verweist mit Recht auf den Bezug, der durch den Begriff der ἐπαγγελία die Verse *Gal 4,23. 26 verbindet. Gegenüber Klinghardt gilt jedoch die Einschränkung, dass die Verse Gal 4,29-30 vermutlich auf die kanonische Redaktion zurückgehen, denn mit dem νῦν greift dieser Vers den in *Gal nicht vorhandenen Vers Gal 4,25 auf, der bereits auf das Verhältnis zwischen dem jetzigen Jerusalem und dem obigen Jerusalem eingegangen war. Was dort als Hierarchie zwischen Sklaven und Freien geschildert wird, wird hier als Situation des nach dem Fleisch geborenen Verfolgers und dem Geist gezeugten Verfolgten vorgeführt. Mit der Schrift wird diese Schilderung geschärft, wonach der Sohn der Sklavin zugunsten des Sohnes der Freien vom Erbe ausgeschlossen ist. Da der nachfolgende Vers 29 wiederum der kanonischen Ebene zugehört, wundert es nicht, dass auf dieses Erbe nicht mehr eingegangen wird, sondern in Vers 28 direkt der Schluss aus den Versen 152 Rekonstruktion <?page no="153"?> *Gal 4,21-26 gezogen wird. Bereits zuvor wurde dargelegt, dass das Thema des „Erben“ zur kanonischen Redaktion gehört. Hingegen führt der Text von *Gal aus, dass die Unbeschnittenen gemäß der Verheißung (ἐπαγγελία), und nicht aufgrund von Beschneidung dem Fleisch nach (κατὰ σάρκα) gezeugt wurden. Überhaupt gilt, dass die Unfruchtbare „nie gebiert“. 10. (4,29-30) Auch die Verse 29-30 sind unbezeugt, und Hilgenfeld, van Manen, Zahn und Harnack nehmen an, dass auch diese Verse gefehlt haben, Schmid und BeDuhn sehen sie schlicht als unbezeugt. 11. (4,31) Van Manen und Zahn nehmen den kanonischen Text an, Harnack ebenfalls, erwägt allerdings auch die Präsenz von ἄρα. Schmid folgt ebenfalls dem kanonischen Text, dem auch BeDuhn zu folgen scheint. Der für das klassische Griechisch ungewöhnliche Anfang eines Satzes mit ἄρα - worauf schon Harnack verwiesen hat - spricht für eine Fortführung von *Gal 4,21-26, aus der in *Gal 4,31 die Schlussfolgerung (ἄρα) gezogen wird. Dies wird durch die sprachliche Parallele in *Ev 11,47 gestützt, wo ebenfalls nach einer direkten Anrede wie hier in *Gal 4,21, eine Schlussfolgerung im Folgesatz mit ἄρα eingeführt wird. Dass die kanonische Redaktion διό verwendet, verwundert nicht wegen der Beliebtheit dieser Konjunktion auf dieser Ebene. D. (4,21) Die Verbform λέγετε steht 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination λέγετέ μοι steht nur hier im NT. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ νόμος, das 204 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonische Fassung reichlich bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ οἱ ὑπὸ νόμον folgt dem zuvor vorkanonisch bezeugten τοὺς ὑπὸ νόμον in *Gal 4,5. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + eine Präposition im Akkusativ + ein Nomen im Akkusativ + ein Partizip kommt 5 Mal im Neuen Testament vor, nur für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 8,4; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Apk 18,17). ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ ἀναγινώσκω ist ein Terminus der kanonischen Ebene, auch wenn er ein Mal in *Ev belegt ist. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers nicht bezeugt ist, spricht die Lexik nicht gegen seine Präsenz in der vorkanonischen Version, auch wenn die angezeigte Kombination nur kanonisch steht. Der Verweis οἱ ὑπὸ νόμον dient als unmittelbarer Anschluss an die vorkanonische Diskussion, die vorweg eingeleitet wurde. Auch die narrative Logik stützt die vorkanonische Präsenz 1 (Gal) 153 <?page no="154"?> des Verses, denn sie fordert einen gewissen Übergang vom letztbezeugten vorkanonischen Vers *Gal 4,10 und dem nächstbezeugten *Gal 4,22. Vers 21 dürfte vermutlich vermutlich nicht ohne leicht kanonisch redaktionelle Revision im vorkanonischen Text gestanden sein. (4,22) γέγραπται ist eine der Weisen, in der auch in der vorkanonischen Fassung auf die Schrift verwiesen wird (*1Kor 10,7; 14,21), in der kanonischen Fassung kann auch von ἡ γραφή die Rede sein. Gleichwohl findet sich das einfache γέγραπται auch häufig auf der kanonischen Ebene (1Kor 9,9; 10,7; 14,21. 45). ♦ γέγραπται γὰρ (ὅτι) begegnet vorkanonisch in *1Kor 1,19; 3,19, auch auf der kanonischen Ebene (Gal 3,10. 13; 1Kor 1,19; 3,19; Röm 12,19; 14,11). ♦ Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ Ἀβραάμ, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,22; *Röm 4,2. ♦ δύο steht 147 Mal im NT, vorkanonisch gleich wieder bezeugt für *Gal 4,24, zu finden auch in *Ev und *1Kor 6,16; *Laod 2,15; 5,31. ♦ παιδίσκη steht 14 / 13 Mal im NT, vorkanonisch erneut bezeugt für *Gal 4,23. 31. ♦ ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch bezeugt, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wie schon von den älteren Editoren gesehen. Zusätzlich stützt die Lexik, dass durchaus auch die Einleitung des Verses vorkanonisch gestanden haben kann. (4,23) Zu παιδίσκη, das 14 / 13 Mal im NT steht, und ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, vgl. zum voranstehenden Vers 22. ♦ κατὰ σάρκα findet sich als Ausdruck vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 8,4. 5, häufig auch auf der kanonischen Ebene (Röm 1,3; 4,1; 8,4. 5 [hier spricht Tert., Adv. Marc. V 14,4 von nos esse in carni, also vielleicht ἐν σαρκί]. 12. 13; 1Kor 1,26; 10,18; 2Kor 1,17; 2 x 5,16; 10,2. 3; 11,18; Gal 4,29; Kol 3,22). ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu den Versen 13. 14 und danach zu Vers 29. ♦ γεννάω, das 98 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23. 24; *1Kor 4,15, vgl. weiter die Verse 24. 29. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt der Bezeugung Tertullians und des Epipha‐ nius. Das bei Epiphanius unbezeugte κατὰ σάρκα, welches wohl dem carnaliter bei Tertullian entspricht und auch vorkanonisch bezeugt ist, wird darum wohl doch im vorkanonischen Text gestanden sein, auch wenn dieses κατὰ σάρκα eine beliebte kanonische Formulierung ist. (4,24) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ ἀλληγορέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ δύο, das 147 / 132 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch belegt, vgl. zuvor zu Vers 22. ♦ 154 Rekonstruktion <?page no="155"?> διαθήκη, das 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *2Kor 3,3; *Laod 2,12. ♦ ὄρος steht 68 / 63 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,24. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene, *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Σινᾶ steht 4 Mal im NT, weiters nur noch auf der kanonischen Ebene (Apg 7,30. 38; Gal 4,24. 25). ♦ συναγωγή steht 62 / 56 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,34. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ δουλεία steht 5 Mal im NT und findet sich nochmals vorkanonisch bezeugt in *Gal 5,1. ♦ Zu γεννάω vgl. zuvor zu Vers 23 und danach Vers 29. ♦ Ἁγάρ steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Gal 4,24. 25). Zur Rekonstruktion: Mit den früheren Editoren wird der obenstehende Text aufgrund des Zeugnisses vor allem Tertullians geboten, wie in Nr. 4 zuvor begründet. Auffallend ist, wie die hier bezeugte Lexik weiters vorkanonisch bezeugt ist mit Ausnahme von ἀλληγορέω, das allerdings Hapax legomenon ist und möglicherweise auch zum Urgestein der vorkanonischen Ebene gehört. Dem lexikalischen Befund steht gegenüber, dass das nicht mehr bezeugte Ἁγάρ, auch nur kanonisch belegt ist. (4,25 ↑*Laod 1,21) Zu den aus *Laod 1,21 genommenen Versen: ὑπεράνω steht 3 Mal im NT, die anderen beiden Male auf der kanonischen Ebene (Eph 1,21; 4,10; Hebr 9,5). ♦ ἀρχή, das sich 67 / 55 Mal im NT findet, ist vorkanonisch für *Paulus bezeugt. ♦ δύναμις, das sich 128 / 119 Mal im NT findet, ist weiters vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,8; *Kol 1,16. ♦ Auffallend ist, dass der nur im kanonischen Vers Eph 1,21 stehende Terminus κυριότης, der 4 Mal im NT steht, nur auf der kanonischen Ebene zu finden ist und von Tertullian nicht bezeugt ist. ♦ ὀνομάζω steht 11 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für hier *Gal 4,25 (= Eph 1,21). ♦ Die Kombination οὐ μόνον steht 27 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, im Vers vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle hier; vgl. zu Röm 9,24. ♦ αἰώνιος, das sich 77 / 71 Mal im NT findet, ist auch vorkanonisch gut bezeugt. ♦ μέλλω, das 129 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. Zum parallelen kanonischen Vers: Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 14,24; Lk 1,80; 2,40, in Versen, die in *Ev fehlen; 8,14. 15), vorkanonisch bezeugt nur innerhalb eines Verses: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17. ♦ Ἀραβία findet sich noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf kanonischer Ebene in Gal 1,17. ♦ συστοιχέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen 1 (Gal) 155 <?page no="156"?> Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Ἱεροσόλυμα steht 231 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,20; *Gal 2,1. ♦ αὐτῆς steht 151 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik in beiderlei Weise gestützt wird. Das in dem versetzten Vers nicht bezeugte κυριότης ist auch vorkanonisch nicht belegt. Der parallele kanonische Vers mit völlig anderem Inhalt weist mehrere Begriffe auf, die nur kanonisch belegt sind (Ἀραβία; αὐτῆς). Demnach dürfte der kanonische Vers von der vorkanonischen Version abwesend gewesen sein. (4,26) Für den unbezeugten Versteil: Die Kombination von ἡ δέ steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Gal 4,26; 1Kor 7,34; 8,1; 14,22; 15,56; 2Kor 4,12; 2Kor 7,10; 10,10; Röm 5,4 2x. 5; 10,6. 17; 11,7; 13,12; Eph 5,33). ♦ ἄνω steht 10 / 9 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene ( Joh 2,7; 8,23; 11,41; Apg 2,19; Gal 4,26; Phil 3,14; Kol 3,1. 2; Hebr 12,15; Apk 5,3). ♦ Zu Ἱεροσόλυμα vgl. zum voranstehenden kanonischen Vers 25. ♦ ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist. Für den bezeugten Versteil: ἀπαγγέλλω, das 52 / 45 Mal im NT belegt ist, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Zu ὅστις vgl. zuvor zu Vers 24. ♦ Zu ἅγιος vgl. das, was zur Vorliebe für diesen Begriff in der kanonischen Fassung weiter oben gesagt wurde. ♦ ἐκκλησία steht 120 / 114 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,19; *Laod 3,10; 5,23. 29. 32; *Kol 1,24. ♦ μήτηρ, das 91 / 83 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,26; *Laod 5,31; 6,2. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. zuvor zu Vers 1. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wie es bereits von Harnack interpretiert worden ist. Der Text wird durch die Lexik gestützt. Während dieser Text vorkanonisch bezeugt ist, findet sich im kanonischen Text bereits die Eröffnung (ἡ δὲ) nur kanonisch bezeugt. Auch das darauf‐ folgende ἄνω ist nur kanonisch belegt. Kanonischer und vorkanonischer 156 Rekonstruktion <?page no="157"?> 225 M. Meiser, Galater (2007), 14. Vers dürfen sich dementsprechend erheblich unterschieden haben, wie oben angegeben. (4,27) γέγραπται γάρ, vgl. hierzu weiter oben zu Vers 4,22. ♦ Auffallend ist bereits εὐφραίνω. Das Verb steht 16 Mal im NT, in Lk 15,23. 24. 29. 32, vier Mal in einer Passage, die von *Ev abwesend ist, in *Ev 16,19 ist der Begriff nur durch Adamantius bezeugt. Wenn er hier in Gal 4,27 als Zitat aus Jes 54,1 LXX begegnet, wird er der kanonischen Ebene zugehören (außer den genannten Stellen noch in Apg 2,26; 7,41; Röm 15,10; 2Kor 2,2; Apk 11,10; 12,12; 18,20), der Vers wird auch zitiert in 2Klem 2,1. 225 ♦ Die Zugehörigkeit zur kanonischen Ebene wird erhärtet durch weitere Begriffe: στεῖρα steht 5 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ τίκτω steht 19 / 18 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ ῥήγνυμι steht 8 / 7 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ βοάω steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *Ev 18,7. 38. ♦ ὠδίνω, das 5 / 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (Mt 24,8; Mk 13,8; Gal 4,19. 27; Apk 12,2). ♦ τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch gut bezeugt, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ πολλά steht 64 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,12. 14. ♦ ἐρῆμος steht 53 / 48 Mal im NT, im Sinn von „Wüste“ oder „wüstenartig“ begegnet der Begriff *Ev und *1Kor 10,5, nicht aber wie hier im Sinn von „beraubt“. Das Verb ἐρημόω steht 10 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der Vers ist nicht nur unbezeugt, eine Reihe von Begriffen sind ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene (εὐφραίνω; στεῖρα; ῥήγνυμι; ὠδίνω; ἐρῆμος im Sinn von „beraubt“). Der Vers war von der vor‐ kanonischen Version abwesend. (4,28) Die Kombination ὑμεῖς δέ steht 37 Mal im NT, davon 18 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 15,5; 23,8; Mk 7,11; 13,23; Lk 22,26. 28; Apg 3,14; Röm 8,9; 1Kor 3,23; 12,27; Gal 4,28; Eph 4,20; 1Thess 5,4; 2Thess 3,13; Jak 2,6; 1Petr 2,9; Jud 1,17. 20; im Vers: 3 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 9,20, nur bezeugt durch Adamantius; 11,48; 19,46, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 24,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 4 Mal Joh; 3 Mal Apg; 1Kor 4,10; 2Kor 13,9), d. h. er findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑμεῖς δέ, ἀδελφοί steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene (Gal 4,28; 1Thess 5,4; 2Thess 3,13). ♦ Ἰσαάκ steht 25 / 20 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνήρ steht 227 / 216 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10, vgl. weiter Vers 31. Zur Variante und Verbform ἐστε vgl. zuvor zu Vers 6. 1 (Gal) 157 <?page no="158"?> Zur Abwesenheit: Dieser kurze Vers ist wiederum unbezeugt. Und doch be‐ gegnen Elemente, die ausschließlich auf der vorkanonischen Ebene belegt sind (ὑμεῖς δέ; ὑμεῖς δέ, ἀδελφοί; Ἰσαάκ). Der Vers ist folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,29) Die Kombination ἀλλ’ ὥσπερ steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auch als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene in 2Kor 8,7. ♦ ὥσπερ steht 43 / 36 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21. ♦ Zu τότε vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ Die Differenzierung κατὰ σάρκα - κατὰ πνεῦμα gibt einen Hinweis, denn sie verweist auf die kanonische Ebene in Röm 8,4-5. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu den Versen 13. 14. 23. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Zu γεννάω vgl. zuvor zu den Versen 23. 24. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (ἀλλ’ ὥσπερ; Differenzie‐ rung κατὰ σάρκα - κατὰ πνεῦμα, die auf Röm 8,4-5 verweist. Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (4,30) Die Wendung ἀλλὰ τί λέγει steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene (Röm 10,8; 11,4; Gal 4,30). ♦ γραφή, das 54 / 51 Mal im NT steht, begegnet vielfach in der Doppeltradition Mt und Mk (Mt 21,42 / / Mk 12,10; Mt 22,29 / / Mk 12,24; Mt 26,54. 56 / / Mk 14,49; Mk 15,28; vgl. Lk 22,37), ein Mal auch an einer vergleichbaren Stelle ohne γραφή und beeinflusst von *Ev in die Formulierung gebracht τοῦτο τὸ γεγραμμένον in Lk 22,37. Dann begegnet ἡ γραφή wieder auf der redaktionellen Ebene in Lk 4,21; 24,27. 45, jedoch nie in *Ev. Es ist auch gut belegt für Joh (2,22; 5,39; 7,38. 42; 10,35; 13,18; 17,12; 19,24. 28. 36. 37; 20,9); Apg 1,16; 8,32. 35; 17,2. 11; 18,24 und in den Paulinen und weiteren Briefen, erneut nur bezeugt für die kanonische Ebene Röm 1,2; 4,3; 9,17; 10,11; 11,2; 15,4; 16,26; 1Kor 15,3; Gal 3,8. 22; 158 Rekonstruktion <?page no="159"?> 1Tim 5,18; 2 Tim 3,16; Jak 2,8. 23; 1Petr 2,6; 3,16; 2Joh 1,5. ♦ ἐκβάλλω steht 88 / 81 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,40; 11,19. ♦ αὐτῆς, obwohl es 151 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt, vgl. zuvor zu Vers 25. ♦ παιδίσκη, das 14 / 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,21. 31. ♦ ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch bezeugt, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist. Zur Abwesenheit: Wie der voranstehende unbezeugte Vers, bietet die Lexik auch hier eine Stütze für die Abwesenheit des Verses von der vorkanonischen Version, betrachtet man sich die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Elemente: ἀλλὰ τί λέγει; γραφή und αὐτῆς. (4,31) Vorkanonisch findet sich ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, weiter bezeugt für *Ev 11,20; *1Kor 15,14. ♦ Die Variante ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung (Röm 5,18; 7,3; 8,12; 9,16. 18; 14,12. 19; Gal 6,10; Eph 2,19; 1Thess 5,6; 2Thess 2,15), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Konjunktion διό steht 56 / 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 27,8; Lk 7,7; Apg 10,29; 15,19; 27,25. 34; Röm 1,24; 2,1; 4,22; 13,5; 15,7. 22, in Versen, die in *Röm fehlen; 1Kor 12,3; 14,13; 2Kor 1,20; 2,8; 4,16; 5,9; 6,17; 12,10; Gal 4,31; Eph 2,11; 3,13; 4,8. 25; Phil 2,9; 1Thess 3,1; 5,11; Phlm 1,8; 7 Mal Hebr; Jak 1,21; 1Petr 1,13; 3 Mal 2Petr; im Vers: Lk 1,35, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 4 Mal Apg; 2Kor 1,20; 4,13; 12,7; Eph 5,14; Hebr 3,10; Jak 4,6), vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *2Kor 4,16; im Vers für *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14. ♦ Zur Verbform ἐσμέν vgl. zuvor Vers 23. Zur Rekonstruktion: Die Eröffnung wurde bereits zuvor in Nr. 11 diskutiert. Auch die Lexik stützt die Bezeugung des Verses durch Tertullian, dem der Text folgt, wie ihn bis auf die Eröffnung auch alle früheren Editoren angenommen haben. Kapitel 5 5,1 [2] 3 [4-5] 6 [7-8] 9-10 [11-13]: Freiheit oder Knechtschaft Die vorkanonischen Verse aus dieser Passage sind gut bezeugt, jedoch, wie die Rekonstruktion zeigt, systematisch von der kanonischen Redaktion teilweise alternierend durch Zusatzverse inhaltlich verändert und erheblich emphatisiert und auf die jüdische Schrift bezogen worden. 1 (Gal) 159 <?page no="160"?> 5,1 ᾗ ἐλευθερίᾳ Χριστὸς ἡμᾶς ἠλευθέρωσεν· μὴ ζυγῷ δουλείας τῷ νόμῳ ἐνέχεσθε. 5,1 τῇ ἐλευθερίᾳ ἡμᾶς Χριστὸς ἠλευθέρωσεν· στήκετε οὖν καὶ μὴ πάλιν ζυγῷ δουλείας ἐνέχεσθε. - 2 Ἴδε ἐγὼ Παῦλος λέγω ὑμῖν ὅτι ἐὰν περιτέμνησθε Χριστὸς ὑμᾶς οὐδὲν ὠφελήσει. 3 μαρτύρομαι δὲ ὅτι ἄνθρωπος περιτετμημένος ὀφειλέτης ἐστὶν ὅλον τὸν νόμον ποιῆσαι. 3 μαρτύρομαι δὲ πάλιν παντὶ ἀνθρώπῳ περιτεμνομένῳ ὅτι ὀφειλέτης ἐστὶν ὅλον τὸν νόμον πληρῶσαι. - 4 κατηργήθητε ἀπὸ Χριστοῦ οἵτινες ἐν νόμῳ δικαιοῦσθε, τῆς χάριτος ἐξεπέσατε. 5 ἡμεῖς γὰρ πνεύματι ἐκ πίστεως ἐλπίδα δικαιοσύνης ἀπεκδεχόμεθα. 6 ἐν Χριστῷ οὔτε περιτομή τι ἰσχύει οὔτε ἀκροβυστία, ἀλλὰ πίστις δι’ ἀγάπης πληρουμένη. 6 ἐν γὰρ Χριστῷ Ἰησοῦ οὔτε περιτομή τι ἰσχύει οὔτε ἀκροβυστία, ἀλλὰ πίστις δι’ ἀγάπης ἐνεργουμένη. - 7 Ἐτρέχετε καλῶς· τίς ὑμᾶς ἐνέκοψεν [τῇ] ἀληθείᾳ μὴ πείθεσθαι; 8 ἡ πεισμονὴ οὐκ ἐκ τοῦ καλοῦντος ὑμᾶς. 9 μικρὰ ζύμη ὅλον τὸ φύραμα δολοῖ. 9 μικρὰ ζύμη ὅλον τὸ φύραμα ζυμοῖ. 10 ὁ δὲ ταράσσων ὑμᾶς βαστάσει τὸ κρίμα. 10 ἐγὼ πέποιθα εἰς ὑμᾶς ἐν κυρίῳ ὅτι οὐδὲν ἄλλο φρονήσετε· ὁ δὲ ταράσσων ὑμᾶς βαστάσει τὸ κρίμα, ὅστις ἐὰν ᾖ. - 11 ἐγὼ δέ, ἀδελφοί, εἰ περιτομὴν ἔτι κηρύσσω, τί ἔτι διώκομαι; ἄρα κατήργηται τὸ σκάνδαλον τοῦ σταυροῦ. 12 ὄφελον καὶ ἀποκόψονται οἱ ἀναστατοῦντες ὑμᾶς. 13 Ὑμεῖς γὰρ ἐπ’ ἐλευθερίᾳ ἐκλήθητε, ἀδελφοί· μόνον μὴ τὴν ἐλευθερίαν εἰς ἀφορμὴν τῇ σαρκί, ἀλλὰ διὰ τῆς ἀγάπης δουλεύετε ἀλλήλοις. A. *5,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4, 9: Qua libertate Christus nos manumisit … Et merito. Non decebat manumissos rursus iugo servitutis, id est legis, adstringi. Vgl. id., De Pud. 20,13: nondum enim caro a christo manumissa. Manumittere ist offenkundig nur durch Tertullian für die Übersetzung dieser Stelle überliefert. ♦ *5,3: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 3 (120. 156 H.): μαρτύρομαι δὲ πάλιν ὅτι ἄνθρωπος περιτετμημένος ὀφειλέτης ἐστὶν ὅλον τὸν νόμον πληρῶσαι. ♦ 5,4-5: Tert., Adv. Marc. V 4 11: Praeferre enim debebat aemulam eius quam expugnabat, si ab aemulo circumcisionis deo esset. ♦ *5,6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4, 10: cur etiam praeputiationem negat quicquam valere in Christo, sicut et circumcisionem? 160 Rekonstruktion <?page no="161"?> 226 Vgl. hierzu J.S. Semler, Vorbereitung zur theologischen Hermeneutik zu weiterer Be‐ förderung des Fleisses angehender Gottesgelerten 3,2 = 4. Worin von dem griechischen Text und Handschriften der Briefe u.s.w. Beobachtungen vorkommen (1769), 67; F. Zimmer, Der Codex Augiensis (F Paul ), eine Abschrift des Boernerianus (G Paul ) (1887), 82. Und ibid. 11: Praeferre enim debebat aemulam eius quam expugnabat, si ab aemulo circumcisionis deo esset. Porro quia et circumcisio et praeputiatio uni deo deputabantur, ideo utraque in Christo vacabat propter fidei praelationem, illius fidei de qua erat scriptum: Et in nomine eius nationes credent, illius fidei quam dicendo per dilectionem perfici sic quoque creatoris ostendit. ♦ *5,9: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 4 (120. 157 H.): Ἀντὶ τοῦ μικρὰ ζύμη ὅλον τὸ φύραμα ζυμοῖ ἐποίησεν δολοῖ. Vgl. auch (Pseudo-? )Ephr., Erklärung des Evangeliums (27 Schäfers): „Und gleich ist er dem Sauerteige, weil Sauerteig anziehend und gefangennehmend ist, und dies[e] Eigenschaft besitzt er beständig“; vgl. auch 1Kor 5,6. ♦ *5,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,12: Qui autem turbat vos, iudicium feret; Adam., Dial. II 5 (im Mund des Adamantius): ὁ ταράσσων ὑμᾶς βαστάσει τὸ κρίμα (Rufin: Qui conturbat uos portabit iudicium, quicunque est ille), ibid. II 18: ὁ ταράσσων ἡμᾶς βαστάσει τὸ κρίμα ὅστις ἂν ᾖ (Rufin: Qui conturbat nos portabit iudicium, quicunque est ille). ♦ 5,11-13: Tert., Adv. Marc. V 4,12: Sed nec ille damnabit assertorem circumcisionis. Vgl. Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas (PL 26, 406A): Nunc a nobis contra haereticos proferatur, Marcionem videlicet, et Valentinum et omnes qui contra vetus latrant Testamentum, qua ratione illi qui Creatorem sanguinarium, severum bellatorem, et tantum judicem criminantur, hoc in Apostolo Dei boni valeant excusare; vgl. auch Tert., De pud. 1,13 (SC 394,148): optans etiam ut praeciderentur qui circumcisionem detinendam suadebant. B. (5,1) In den Handschriften gibt es Abweichungen vom Wortlaut des kano‐ nischen Textes, der wegen der Komplexität weiter unten in C. gegeben und diskutiert wird. ♦ (5,3) πάλιν om 06*, 010, 012, 1739, 1881, it, MVict, Ambst, Hier, Aug, Thdt. ♦ Vor ἀνθρώπῳ bezeugt Epiphanius παντί, was sich auch in der altlateinischen Tradition findet: omnem hominem 89, Hier, omni Pel. ♦ πληρῶσαι anstelle von ποιῆσαι ist bezeugt durch 1505, sy h und von NA 28 als markionitische Lesart verzeichnet. ♦ (5,6) γάρ om Tert, Thdt. ♦ Ἰησοῦ om 03, Clem Alex. ♦ μηδένι πείθεσθε add 010, 012, ar, b, vg s , Lcf, Pel. ♦ (5,7) Am Versende wird μηδένι πείθεσθε eingefügt von den Zeugen 010, 012, ar, b, vg s , Lcf, MVict, Pel ♦ (5,9) Anstelle von ζυμοῖ findet sich δολοῖ in 06*, lat, go, Bas, Const Ap, Lcf und wird von NA 28 als markionitische Lesart vermerkt. ♦ Auf φρονήσετε folgt in 010 ein Zusatz ἥν ἔχι ἡ ἀληθία ιου χυ, den die Handschrift aus einer Glosse aus 012 zu Gal 5,9 übernimmt. 226 ♦ (5,13) Nach τῇ σαρκί add 012 δότε. ♦ (5,11) ἔτι om 06*, 010, 012, a, b, vg s , Lcf, Pel. 1 (Gal) 161 <?page no="162"?> 227 Vgl. zur Diskussion T. Baarda, Gal. 5,1a: ᾕ ἐλευθερίᾳ… Over de ‚Westerse Tekst‘ en de Tekst van Marcion (1992); U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 74; S.C. Carlson, The Text of Galatians and its History (2015), 199; B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 262. 228 Ich danke Holger Strutwolf für die Prüfung und Übermittlung von Lesarten zu dieser Stelle. C. 1. (5,1) Es stellt sich die Frage, welcher Textbestand der kanonischen Ebene und welcher der vorkanonischen zuzuordnen ist, da die Überlieferung komplex ist. 227 Zwei Beobachtungen gelten vorweg: 1. Eine vollständige Übereinstimmung mit Tertullian bietet keine Handschrift. 2. In P 46 fehlt dieser Vers. Die weitere Überlieferung gestaltet sich wie folgt: Tertullian: 228 τη ελευθερια η χριστος ημας ηλευθερωσεν στηκετε 06 τη ελευθερια η χριστος ημας εξηγορασεν στηκετε 1505, sy hmg τη ελευθερια ουν η χριστος ημας ηλευθερωσεν στηκετε 06 1 , 018, 020, M, τη ελευθερια η χριστος ημας ηλευθερωσεν στηκετε ουν 104, 2464 τη ελευθερια ουν η χριστος υμας ηλευθερωσεν στηκετε 630 τη ελευθερια χριστος ημας ηλευθερωσεν στηκετε ουν 01 2 , 04, 044, 81, 1241, 1739, 1881 τη ελευθερια ουν χριστος ημας ηλευθερωσεν στηκετε ουν 04 2 τη ελευθερια ουν χριστος ημας ηλευθερωσεν στηκετε 614 τη ελευθερια χριστος ημας ηλευθερωσεν στητε ουν 015, 0278, 365, 1175 η ελευθερια ημας χριστος ηλευθερωσεν στηκετε ουν 010, 012, r, Ambst τη ελευθερια ημας χριστος ηλευθερωσεν στηκετε ουν 01*, 02, 03, 025, 33, sa (bo) τη ελευθερια ημας χριστος ηλευθερωσεν στηκετε 06* Keiner der Zeugen stimmt mit Tertullians Zeugnis genau überein, doch am nächsten kommt ihm die Version, die bezeugt ist durch 010, 012, r, Ambst. Es lässt sich leicht erklären, dass durch das spätere Hinzutreten des οὖν seine Stellung unsicher blieb, ebenso ein zweites ᾗ hinzutrat, das zwar grammatisch den Satz flüssiger macht, aber eher als Harmonisierung des Ausdrucks wirkt. Hieraus leitet sich aber auch ab, dass Tertullian uns womöglich nicht den vorkanonischen, sondern den kanonischen Text gibt, wie sich in seinem rursus zeigt. Mit diesem rursus wird eine kanonische Verknüpfung zur jüdischen Tradition hergestellt und die vorkanonisch vorhandene Antithese unterlaufen, 162 Rekonstruktion <?page no="163"?> 229 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 79-80. 230 Ephraem, Commentarii in epistolas D. Pauli (1893), 136. 231 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 77*. in der darum πάλιν wohl gefehlt hatte, auch wenn es die früheren Editoren aus Tertullian übernommen haben. Die durch Tertullian nahegelegte Wortstellung von Χριστὸς ἡμᾶς ist auch handschriftlich belegt, und die umgekehrte Wortstellung könnte durchaus eine Harmonisierung darstellen. Der kanonische Text hat mit der Umstellung von χριστος und ημας den Akteur in der Betonung hervorgehoben. Hilgenfeld sieht die Lesart ᾗ ἐλευθερίᾳ Χριστὸς ἡμᾶς Χριστὸς ἠλευθέρωσε durch Tertullian bezeugt. 229 Van Manen gibt den kanonischen Text (ohne οὖν). Zahn stimmt mit dem oben gebotenen Vers 5,1a überein und übernimmt Vers 5,1b der kanonischen Fassung, Harnack schreibt wie oben (ohne τῷ νόμῳ), Schmid übernimmt den kanonischen Text mit Ausnahme von Χριστὸς ἡμᾶς, BeDuhn scheint Harnack zu folgen, setzt am Ende aber mit Blick auf Tertullian, Ephräm (neque iterum sub jugo servitutis legis intremus) und Kapitelangaben in griechischen Handschriften, die auf „das Gesetz“ zu sprechen kommen, noch den Hinweis auf das Gesetz hinzu, dem wir hier folgen. Allerdings ist zu bemerken, dass Ephräm an dieser Stelle gewiss den kanonischen Text vor sich hat, wie sein sich anschließendes Zitat aus Vers 2 erschließen lässt. 230 2. (5,2) Dieser Vers ist unbezeugt, auch wenn Hilgenfeld meint, Epiphanius nehme berücksichtige ihn in Scholion 3. Dies jedoch kann nur wegen der Ähnlichkeit dieses Verses mit dem folgenden Vers 3 behauptet werden und ist darum unsicher. Da allerdings das Scholion die unmittelbare Wiedergabe von Vers 3 darstellt, ist Hilgenfeld’s Vorschlag schwer nachzuvollziehen. Van Manen und Zahn nehmen den Vers für *Gal nach dem kanonischen Wortlaut in Anspruch. Harnack meint, er habe „schwerlich gefehlt“. 231 Schmid sieht ihn als unbezeugt, und BeDuhn lässt den Vers aus. Für die Entscheidung, ob dieser Vers vorhanden war oder eher nicht, sind wir also auf die Handschriften angewiesen, die Lexik und den narrativen Zusammenhang. Vers 3 eröffnet mit einem δὲ, was man zwar mit etwas Überlegung auch an Vers 2 anschließen könnte („wenn ihr euch beschneiden lasst, wird Christus euch nichts nützen, ich verweise aber darauf, dass der Mensch, der sich beschneiden lässt, verpflichtet ist, das ganze Gesetz zu halten), doch völlig sinnvoll scheint es schon der kanonischen Redaktion nicht erschienen zu sein, die darum nicht an Vers 2 anschließt, sondern ein πάλιν einfügt, um auf eine frühere Ausführung des Paulus, vermutlich Röm 1 (Gal) 163 <?page no="164"?> 232 Ibid. 233 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 80-81. 2,25 („Denn die Beschneidung ist wohl nützlich, wenn du das Gesetz hältst; wenn du aber ein Übertreter des Gesetzes bist, ist deine Beschneidung zu Unbeschnittenheit geworden“) zu verweisen, ein Brief, der in der kanonischen Ausgabe ja die Sammlung eröffnete. Dieses πάλιν ist in einigen Zeugen nicht vorhanden, und wird auch im vorkanonischen Text gefehlt haben, weil auch Vers 2 fehlte. Dadurch schließt Vers 3 direkt an Vers 1 an mit der Aussage, man solle sich kein Joch der Knechtschaft durch das Gesetz auflegen lassen. Dann folgt der Hinweis, dass aber, wenn man die Beschneidung auf sich nimmt, man dann auch das ganze Gesetz akzeptieren müsse. Hieraus hat die kanonische Redaktion die Verschärfung eingebracht, dass mit der Beschneidung Christus nicht mehr von Nutzen sei. Überhaupt ist auffallend, dass das Thema des „Nutzens“ in der kanonischen Redaktion ein größeres Gewicht bekommt als in der vorkanonischen Fassung. 232 Zur Formulierung Ἴδε ἐγὼ Παῦλος λέγω ὑμῖν ὅτι vgl. auch die ähnliche, ebenfalls der kanonischen Redaktion angehörige von 2Kor 10,1 (Αὐτὸς δὲ ἐγὼ Παῦλος παρακαλῶ ὑμᾶς). 3. (5,3) Meyboom weist auf die von Epiphanius bezeugte Variante ὅτι ἄνθρωπος περιτετμημένος hin. Van Manen bietet den Text wie oben (jedoch mit πάλιν und anstelle von ποιῆσαι mit πληρῶσαι 233 ), Zahn folgt ihm (jedoch mit ποιῆσαι), Harnack ebenso, jedoch am Ende wie van Manen mit πληρῶσαι, so auch Schmid und BeDuhn. Nun lässt sich das πάλιν aus Paulus heraus gar nicht verstehen, weil er an keiner anderen Stelle gesagt hat, man müsse das ganze Gesetz erfüllen. Eine solches Zeugnis kann also lediglich auf der kanonischen Ebene sinnvoll sein, denn dieses πάλιν ist nicht einfach als Verstärkung des voranstehenden δέ aufzufassen, nachdem es als „zurück“ oder „wieder“ zuvor in 5,1 begegnete. Folglich scheint es auch gar nicht auf Paulus selbst hinzudeuten („Ich bezeuge Euch abermals“, Lutherbibel; „I testify again“, King James Bible), sondern das „abermals“ oder „erneut“ verweist es wohl auf eine andere Passage der kanonischen Sammlung, die nur im Jakobusbrief ( Jak 2,10) begegnet, wo es heißt: ὅστις γὰρ ὅλον τὸν νόμον τηρήσῃ. Auffallenderweise finden sich für τηρήσῃ eine Reihe von Varianten, die auffälligste für unseren Zusammenhang ist die in 02, 1448, 1611, sy h bezeugte: πληρωσει, die dann harmonisiert in 33 wiederbegegnet als πληρωσας τηρησει. Wie instabil τηρηση ist, zeigen die weiteren Varianten: τηρησει in 025, 5, 307, 442, 642, 1243, 2492, Byz, die durch ihre Endung an πληρωσει erinnert, ebenso das τελεσει, welches bezeugt ist in 044, 81, 436, 1735, 2344 vid , es folgen τηρη in 1175, τελεση in 1739 und das von NA 28 164 Rekonstruktion <?page no="165"?> 234 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. 235 Detering hält diesen Vorschlag für ansprechend, aber höchst unsicher, rechnet aber mit der Präsenz des Verses, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians---Explanations (2003), 80-81. 236 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 77*. für den Text gewählte τηρηση, das relativ schmal bezeugt ist durch 01, 03, 04, 1852. Die kanonische Redaktion hatte mit πάλιν folglich einen Querbezug zum Jakobusbrief hergestellt und gerade in der Gesetzesfrage Paulus dem Jakobus zustimmen lassen. Auffallend ist ebenfalls, dass das πληρωσει gerade in sy h bezeugt ist, in welchem auch das von Epiphanius bezeugte πληρῶσαι noch zu finden ist. Sollte aber Epiphanius hier gar nicht, wie an manch anderen Stellen auch, aus Markions *Apostolos zitiert haben - oder aus einem an dieser Stelle ihm vorliegenden mit der kanonischen Version bereits kontaminierten Version von *Ap - dann muss an dieser Stelle möglicherweise nicht nur auf das πάλιν für den vorkanonischen Text verzichtet werden, sondern auch auf das πληρῶσαι und an dessen Stelle eventuell doch das weniger theologisch geladene ποιῆσαι gelesen werden, während umgekehrt für den kanonischen Text das πληρῶσαι anzunehmen ist. Von einer Erfüllung des Gesetzes wird vorkanonisch nämlich erst in *Gal 5,14 gesprochen, dort aber heißt es nicht, dass es Aufgabe des Menschen ist, das Gesetz zu erfüllen, sondern in Antithese hierzu: „das ganze Gesetz ist in Euch erfüllt“ und als Folge hieraus gilt das Liebesgebot, das das ganze Gesetz ausmacht: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! “ 4. (5,2-3) Weisse hatte bereits die Duplikation in diesen beiden Versen bemerkt: 2 Ἴδε ἐγὼ Παῦλος λέγω ὑμῖν ὅτι ἐὰν περιτέμνησθε Χριστὸς ὑμᾶς οὐδὲν ὠφελήσει. 3 μαρτύρομαι δὲ πάλιν παντὶ ἀνθρώπῳ περιτεμνομένῳ ὅτι ὀφειλέτης ἐστὶν ὅλον τὸν νόμον ποιῆσαι, und darin die Hand eines Interpolators entdeckt, allerdings schied er nicht Vers 2, sondern Vers 3 aus - wie die Bezeugung hier nahelegt, die falsche Wahl, wenn auch die Beobachtung sich als korrekt herausstellt. 234 5. (5,4-5) Diese beiden Verse sind nicht bezeugt. Van Manen gibt folgenden Wortlaut: 4 κατηργεῖτε τὸ σημεῖον τῆς δουλείας. οἵτινες ἐν νόμῳ δικαιοῦσθε, τῆς χάριτος ἐξεπέσατε. 5 ἡμεῖς γὰρ πνεύματι ἐκ πίστεως ἐλπίδα δικαιοσύνης ἀπεκδεχόμεθα. 235 Zahn rechnet mit ihrer Präsenz, und auch Harnack meint, dieser Passus sei „schwerlich getilgt“. 236 Schmid sieht sie als unbezeugt und BeDuhn führt sie nicht auf. Handschrift‐ liche Varianten sind keine verzeichnet. Und doch träfe die Kritik Tertullians ins Leere, wenn zumindest Vers 5 im vorkanonischen Text gestanden wäre, denn in 1 (Gal) 165 <?page no="166"?> 237 H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 81-82. 238 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 77*. 239 Vgl. zu diesem Zusatz die Diskussion in L.J. North, ‚Thou shalt commit adultery‘ (Exod. 20: 14, AV 1631): A First Survey of Alteration Involving Negatives in the Transmission of the Greek New Testament and of Early Church Responses to it (2009). ihm wird im Rahmen dieser Diskussion der gesetzesgeforderten Beschneidung die Gerechtigkeit im Geist durch den Glauben entgegengesetzt, genau das, was Tertullian bei Markion vermisst, wenn er Adv. Marc. V 4 11: Praeferre enim debebat aemulam eius quam expugnabat, si ab aemulo circumcisionis deo esset. Eine solche Präferenz fehlt in Markions Text und sie wird auch nicht im nachfolgenden Vers 6 geliefert. Insgesamt greifen die Verse 4 und 5 das Thema nicht von Vers 3 auf, sondern den kanonisch-redaktionellen Gedanken von Vers 2 und führen diesen weiter, die Verse gehören folglich nach Tertullian und der argumentativen Konsistenz zur kanonischen Redaktion. 6. (5,6) Van Manen tilgt diesen Vers, was Detering inhaltlich für verständ‐ lich, aber nicht durch Zeugen gedeckt hält. 237 Zahn überlegt, ob anstelle von ἐνεργουμένη möglicherweise πληρουμένη zu lesen ist, was tatsächlich dem lateinischen perfici besser entspricht. P 46 hat ενεργουμενης. Harnack gibt den Vers wie oben, Schmid notiert ἐν (γὰρ) Χριστῷ (Ἰησοῦ) οὔτε περιτομή τι ἰσχύει οὔτε ἀκροβυστία, (ἀλλὰ) πίστις δι’ ἀγάπης ἐνεργουμένη, BeDuhn folgt Harnack. 7. Das in der kanonischen Version begegnende γάρ ist unbezeugt, es fehlt auch bei Thdt, und wird wohl auch erst durch die kanonische Redaktion als Anschluss an den dort voranstehenden Vers hinzugekommen sein, während das vorangestellte ἐν Χριστῷ gerade einen Gegensatz im vorkanonischen Text markiert. 8. (5,7-8) Diese beiden Verse sind unbezeugt, doch van Manen und Zahn rechnen mit ihrer Präsenz. Van Manen gibt die Verse in der kanonischen Form, am Ende allerdings anstelle von ὑμᾶς: καὶ οὐκ ἐξ ἡμῶν. Vorsichtiger ist Harnack, der allerdings von den Versen 7-26 meint, dass „vielleicht nichts getilgt war“. 238 Schmid notiert die fehlende Bezeugung, ebenso BeDuhn. Der Zusatz μηδένι πείθεσθε in einigen einschlägigen Zeugen 239 deutet darauf hin, dass die beiden Verse der kanonischen Fassung angehören, denn er unter‐ bricht als Einwurf die Argumentationslinie und bewegt sich auch stilistisch auf der Ebene der kanonischen Redaktion. Während die vorkanonische Fassung mit den Versen 1, 3, 6 diskursiv ist, fügt die kanonische Redaktion jeweils eine direkte Anrede der Hörenden und Lesenden ein: 2 Ἴδε ἐγὼ Παῦλος λέγω 166 Rekonstruktion <?page no="167"?> 240 Vgl. H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 82-83. So auch H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 241 ζύνη bei Schmid ist eine Verschreibung für ζύμη. 242 J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 86. So urteilte bereits G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 114, 236. ὑμῖν ὅτι, 4 κατηργήθητε, 7 Ἐτρέχετε καλῶς: τίς ὑμᾶς ἐνέκοψεν [τῇ] ἀληθείᾳ μὴ πείθεσθαι. Wie wir an weiteren Stellen sehen werden und worauf in der Einleitung verwiesen wurde, ist diese direkte Anrede geradezu ein auffallendes Stilmerkmal der kanonischen Redaktion, die den Text verlebendigt und zu größerer Emphase führt. 9. (5,9) Hilgenfeld hält das δολοῖ anstelle von ζυμοῖ für eine grundlose Un‐ terschiebung durch Epiphanius. Van Manen, Meyboom und Detering hingegen halten sich an Epiphanius. 240 Schmid folgt dieser Lesart δολοῖ des Scholions, 241 ebenfalls BeDuhn. Die von Epiphanius gerügte Lesart δολοῖ findet sich auch in einigen handschriftlichen Zeugen. Sie wird auch von (Pseudo-? )Ephr. mit dem „gefangennehmend“ bestätigt. Wenn die redaktionelle Bearbeitungsrichtung δολοῖ > ζυμοῖ ist, ist diese Veränderung eine Harmonisierungstendenz mit dem parallelen, ebenfalls in derselben Weise veränderten Vers 1Kor 5,6. Clabeaux sieht in δολοῖ die ursprüngliche Lesart. 242 Δολοῖ passt in der Tat besser in die vorkanonische Fassung der Verse 1, 3, 6, während ζυμοῖ sich besser zu dem Ἐτρέχετε καλῶς fügt, obwohl hier grundsätzlich auch δολοῖ gepasst hätte, weil dieses Verb dann den zweiten Teil von Vers 7 und Vers 8 aufgegriffen hätte. Der Vers hat eine wörtliche Parallele in 1Kor 5,6. 10. (5,10) Auffallend ist die verschiedene Bezeugung des Objekts, „euch“ oder „uns“ im Adamantiusdialog. Das „euch“ stimmt mit Tertullian überein, doch zeigt Rufin, dass ihm im zweiten Fall gewiss das „uns“ im griechischen Text vorgelegen war. Hilgenfeld und van Manen optieren für den kanonischen Text des Verses auf‐ grund des Adamantiuszeugnisses. Zahn und Harnack folgen dem kanonischen Text, auch Schmid und BeDuhn schließen sich an, aber lassen ὅστις ἐὰν ᾖ aus. Die Verallgemeinerung der Aussage ist gewissermaßen eine Verschärfung, entspricht folglich dem festgestellten Emphatisieren des Textes durch die kanonische Redaktion und wird wohl vorkanonisch gefehlt haben. Zahns Argument, dieser Schluss „begünstige die Deutung auf Petrus“, die man bei Hieronymus liest, und habe darum nicht gefehlt, widerspricht m. E. 1 (Gal) 167 <?page no="168"?> 243 pace T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 503. 244 H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 172. dem Inhalt dieses Schlusses. 243 Auch wenn der zweite Teil des Verses demnach gut belegt ist, fehlt vom ersten Teil jede Spur. Erneut fällt auf, dass es gerade dieser Teil ist, der wiederum mit einer direkten, emphatisch das „Ich“ in den Vordergrund stellenden Anrede beginnt: ἐγὼ πέποιθα εἰς ὑμᾶς ἐν κυρίῳ ὅτι. Dieses kontrastierende Stilmerkmal entspricht den Versen der kanonischen Redaktion 2, 4 und 7, wird also der kanonischen Redaktion zugehören. 11. (5,11-13) Diese drei Verse sind unbezeugt, auch wenn man den von den bisherigen Editoren nicht berücksichtigten Hinweis in Tert., Adv. Marc. V 4,12 als Hinweis auf Gal 5,11 lesen könnte. Doch da sich Tertullian gerade in der Gegenargumentation gegen Markion befindet, scheint er vielmehr auf die kanonische Fassung zu schielen. Van Manen gibt die Verse nach der kanonischen Version. Zahn jedenfalls nimmt die Verse als unbezeugt in Anspruch für den markionitischen Text, wobei er für die Verse 11 und 13 mit Abweichungen rechnet. Harnack sieht nur Vers 12 bezeugt mit Verweis auf Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas (PL 26, 403C). Schmid nimmt die drei Verse allesamt als unbezeugt, so auch BeDuhn. Nun ist der von Harnack gegebene Hinweis auf Hieronymus sehr vage. Hingegen fällt die dritte Selbsteinführung auf, hier ἐγὼ δέ, ἀδελφοί. Das ἐγὼ δέ findet sich auffallenderweise, wie unten in D. gezeigt, in keinem der vorkanonischen sieben Paulusbriefe, sondern einzig in dem Pseudo-Paulinum *Laod (5,31). Die ἀδελφοί Anrede in den Versen Gal 5,11. 13, die wie bereits das „Ich“ in den Versen 2 und 10 und überhaupt die unmittelbare Anrede der Hörenden oder Lesenden als Merkmal der kanonischen Redaktion sich auszeichnete, verweist auch diese Verse auf die kanonische Ebene. Inhaltlich ist die Passage bereits den Kommentatoren aufgefallen. Der Ge‐ dankengang der Passage ist „nicht sicher zu fassen“, da er „etwas gegen die bisherigen [Überlegungen] abgesetzt ist“, dafür aber „eine gewisse Eindringlich‐ keit“ verrate. 244 Auffallend ist, dass in einigen einschlägigen Handschriften in Vers 11 ἔτι fehlt, wodurch von Paulus gesagt wird, er verkünde grundsätzlich die Beschneidung. Doch bezieht sich Vers 11 auf die Verse 3 und 6, wo zumindest hypothetisch damit gerechnet wird, dass sich Mitglieder noch beschneiden lassen, und auch der Unbeschnittenheit kein eigenes oder besonderes Gewicht zuerteilt wird. Damit aber antwortet Vers 11 auf die vorkanonische Vorlage und, ohne deren Text zu entfernen, radikalisiert er, dass die Beschneidung nicht mehr zu befürworten sei, ja, dass eine Forderung der Beschneidung geradezu eine Beseitigung des Skandalons des Kreuzes wäre. Schlier sieht 168 Rekonstruktion <?page no="169"?> 245 Ibid. 173. 246 Vgl. *Gal 5,10b 247 Vgl. bereits E. Barnikol, Die vorchristliche und frühchristliche Zeit des Paulus. Nach seinen geschichtlichen und geographischen Selbstzeugnissen im Galaterbrief (1929), 18-24. richtig, dass in der kanonischen Version sich „Περιτομή und σταύρος … als einander ausschließende Mittel und Zeichen des Heiles entgegen“ stehen. 245 Wenn nicht mehr von οἱ ταράσσοντες, 246 die Rede ist, sondern Gal 5,12 von οἱ ἀναστατοῦντες, dann liegt hier der Sprachgebrauch vor, der sich ausschließlich wieder in der Apostelgeschichte findet, Apg 17,6; 21,38. Auch ἀποκόπτειν im selben Satz zuvor findet sich nur in der kanonischen Ausgabe. Ein weiteres Argument, dass die vorliegenden drei Verse der kanonischen Redaktion zuzuordnen sind, besteht in der narrativen Schlüssigkeit, mit welcher der nachfolgende, für *Gal bezeugte Vers 14 auf Vers *Gal 3,10 folgt. Gleichwohl gilt die Stelle als eine Kernstelle für die Rekonstruktion der Biographie des kanonischen Paulus. 247 D. (5,1) ἐλευθερία steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; 5,1. ♦ ἐλευθερόω findet sich 15 / 7 Mal im NT, weiters nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Das hier unbezeugte στήκω findet sich 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ζυγόν steht 6 Mal im NT, weiters lediglich auf der kanonischen Ebene. ♦ δουλεία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt. ♦ ἐνέχω steht 3 Mal im NT, weiters lediglich auf der kanonischen Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weithin dem Zeugnis Tertullians, wobei auch die Handschriftenvarianten berücksichtigt wurden, die in Nr.-1 diskutiert werden. Aufgenommen wurde auch der Hinweis auf das Gesetz, wie eben‐ falls in Nr. 1 begründet. Auffallend ist, dass der unbezeugte Begriff στήκω ausschließlich bezeugt ist für die kanonische Version, er wird folglich von der vorkanonischen Version gefehlt haben, ebenso das auf ihn folgende πάλιν. (5,2) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier, *Gal 1,1 und noch für *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Verbform λέγω, die 214 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32, vgl. weiter Vers 16. ♦ περιτέμνω, das 20 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt 1 (Gal) 169 <?page no="170"?> für *Gal 2,3; 5,3; 6,13. ♦ Wie zuvor in Kapitel vier, steht auch in diesem Kapitel οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 90 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten zu Vers 10. ♦ ὠφελέω, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. Zur Abwesenheit: Nachdem der Vers unbezeugt ist, spricht die Lexik etwa des eher unscheinbaren Begriffes οὐδέν, aber auch die Semantik der emphatischen und auktorialen Selbstvorstellung des Paulus für die Abwesenheit des Verses von der vorkanonischen Fassung; es sind Charakteristika der kanonischen Redaktion. (5,3) μαρτύρομαι steht 14 / 5 Mal im NT, und ist weiters nur mehr auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ παντί steht 59 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ Die Kombination πᾶς + ἄνθρωπος steht 23 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; Apg 22,15; Röm 5,12. 18; 12,17. 18; 1Kor 7,7; 15,19; 2Kor 3,2; Gal 5,3; Phil 4,5; Kol 1,28; 1Thess 2,15; 1Tim 2,1. 4; 4,10; Tit 2,11; 3,2; Jak 1,19). ♦ Zu περιτέμνω vgl. zum voranstehenden Vers 2. ♦ ὀφειλέτης, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle, *Gal 5,3. ♦ ὅλος steht 123 / 110 Mal im NT, spärlich vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,14; *Röm 8,4 und 13,8. Zur Rekonstruktion: Wie oben in Nr. 3 diskutiert, wird der Text in leichter Abwandlung von der Bezeugung durch Epiphanius geboten unter Berücksich‐ tigung der Lexik. (5,4) καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene in *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ χάρις, das 171 / 156 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut bezeugt und doch ein Begriff großer Beliebtheit auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκπίπτω, das 13 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers sind zwar fast alle Begriffe vor‐ kanonisch bezeugt, doch es gibt Termini, die mit Vorliebe auf der kanonischen Ebene benutzt werden (ἀπό; χάρις) und einen ausschließlich dort zu findenden (ἐκπίπτω), was gerade bei der kürze des Verses auffällt. Der Vers ist folglich nicht nur unbezeugt, sondern wird auch abwesend von der vorkanonischen Version sein. 170 Rekonstruktion <?page no="171"?> 248 Vgl. J. Schröter, Sammlungen der Paulusbriefe und die Entstehung des neutestamentli‐ chen Kanons (2018). (5,5) Die Kombination ἡμεῖς γάρ begegnet weiter nur auf der kanonischen Ebene (Gal 5,5; 2Kor 6,16). ♦ ἐλπίς steht 58 / 53 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ Auffallend ist die Beliebtheit für δικαιοσύνη etwa in Lk 1,75, Röm 4,3.6.11.13, in Versen, die vorkanonisch fehlen, dagegen in den Ausführungen in Röm 4,2, die der Gerechtigkeit keinen „Ruhm vor Gott“ zuschreibt. δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist folglich ein bedeutender Begriff der kanonischen Redaktion, wenn er auch vorkanonisch in *Paulus bezeugt, allerdings problematisiert wird. ♦ ἀπεκδέχομαι, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,20, ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers steht bereits die Eröffnung nur auf der kanonischen Ebene. Dann findet sich die spezifische Semantik von δικαιοσύνη nur auf dieser Ebene. Hieraus lässt sich ableiten, dass der Vers vermutlich nicht nur vorkanonisch unbezeugt, sondern auch auf dieser Ebene abwesend ist. (5,6) περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ ἰσχύω steht 32 / 28 Mal im NT, vorkanonisch nur für diese Stelle hier, *Gal 5,6, bezeugt. ♦ οὔτε, das 106 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,6. ♦ ἀκροβυστία findet sich 22 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. 27; *Laod 2,11. 248 ♦ ἀγάπη steht 133 / 116 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42, der einzigen Stelle in diesem Evangelium und ebenfalls mit der parallelen Stelle in Lk als der einzigen dort; vorkanonische ebenfalls bezeugt für *Gal 5,6; *1Kor 13,1; *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4 und 13,8. Zur Rekonstruktion: Wie in Nr. 5 dargelegt, folgt die Rekonstruktion Tertullians Zeugnis und stimmt mit derjenigen Harnacks überein, zumal die von Tertullian nicht bezeugten Versteile auch anderweitig in der Handschriftentradition un‐ bezeugt sind. (5,7) τρέχω, das 20 Mal im NT steht, ist ein Mal vorkanonisch bezeugt für *Paulus. ♦ καλῶς, das 38 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἐγκόπτω steht 5 Mal im NT, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 24,4; Röm 15,22; Gal 5,7; 1Thess 2,18; 1Petr 3,7). ♦ πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist ein Mal vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. 1 (Gal) 171 <?page no="172"?> Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers fällt der nur kanonisch bezeugte Terminus ἐγκόπτω auf, auch der eher beliebte Begriff πείθω und das weiter nicht bei *Paulus bezeugte καλῶς. Nimmt man die direkte Ansprache hinzu, die, wie in Nr. 7 dargelegt, nur in den unbezeugten Versen dieser Passage begegnet und ein Merkmal der kanonischen Redaktion darstellt, wird man auch diesen Vers dieser Redaktion zuschreiben, d. h. der Vers dürfte vorkanonisch abwesend sein. (5,8) πεισμονή ist Hapax legomenon im NT. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Die Kombination ἐκ τοῦ καλοῦντος begegnet 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 9,12. Man bemerke aber auch die Nähe zu *Gal 1,6 (ἀπὸ τοῦ καλέσαντος ὑμᾶς). ♦ Die kürzere Wendung τοῦ καλοῦντος ὑμᾶς steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Thess 2,12. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers finden sich Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐκ τοῦ καλοῦντος; τοῦ καλοῦντος ὑμᾶς). Die Lexik spricht eher für eine Abwesenheit von der vorkanonischen Version. (5,9) μικρός, das 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,2; *Gal 5,9. ♦ ζύμη steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,9; *1Kor 5,7. ♦ Zu ὅλος vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ φύραμα, das 5 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7. ♦ δολόω begegnet 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für die Stelle hier. ♦ Die Variante ζυμόω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 13,33; Lk 13,21; 1Kor 5,6; Gal 4,9). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt der Bezeugung durch Epiphanius, die näher in Nr.-8 begründet wird. (5,10) Zu dem unbezeugten Teil des Verses: Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus (Röm 14,14; 16,2. 8. 11. 12. 13. 22; 1Kor 1,31; 4,17; 7,22. 39; 9,1. 2; 11,11; 15,18; 16,19; 2Kor 2,12; 10,17; Gal 5,10; Eph 2,21; 4,1. 17; 5,8; 6,1. 10. 21; Phil 1,14; 2,19. 24. 29; 3,1; 4,1. 2. 4. 10; Kol 3,18. 20; 4,7. 17; 1Thess 3,8; 4,1; 5,12; 2Thess 3,4. 12; Phlm 1,16. 20; Apk 14,13). Wichtig ist *1Kor 1,31, wo anstelle von ἐν κυρίῳ die Wendung ἐν θεῷ steht. Hieraus legt sich für *1Kor 7,39 ebenfalls θεῷ nahe, was auch der Kontext zu diesem Vers zeigt (auf der kanonischen Ebene greift 1Kor 7,40 „Gott“ auf), folglich wird das in der Tertullianedition zu findende „domino“ im Kommentar zu *1Kor 7,39 eine Verlesung für die Abkürzung für „deo“ gewesen sein). ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das schon zuvor auf der kanonischen Ebene in Vers 2 als ausschließlich kanonische Sprache begegnete (wie auch zwei Mal in Kapitel 4). ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, 172 Rekonstruktion <?page no="173"?> ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. Zu dem bezeugten Versteil: ταράσσω, das 18 Mal im NT steht, ist auch sonst vorkanonisch bezeugt. ♦ βαστάζω steht 27 Mal im NT, vorkanonisch wieder bezeugt für *Ev 11,27; *Gal 6,2. 17. ♦ κρίμα steht 28 Mal im NT, vorkanonisch nochmals bezeugt für *1Kor 11,29. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8. ♦ Zu ὅστις vgl. zuvor zu Vers 4 und danach zu Vers 19. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wie in Nr. 9 näher begründet. Es fällt darüber hinaus auf, dass im unbezeugten ersten Halbvers auch ein Terminus begegnet (οὐδέν), der ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist, während für den bezeugten Teilvers die Begriffe auch andern‐ orts vorkanonisch bezeugt sind. Nimmt man die Argumente aus Nr. 9 hinzu, lässt sich gewiss urteilen, dass der erste Halbvers von Tertullian nicht übergangen worden ist, sondern auch von der vorkanonischen Version abwesend war. (5,11) ἐγὼ δέ begegnet als Kombination nur ein Mal vorkanonisch als Ausdruck einer herausragenden Gegenposition (*Laod 5,31), sonst nur auf der kanonischen Ebene (Gal 5,11; 1Kor 7,28; 9,15; 15,10; 2Kor 12,15; Röm 7,9. 10. 14; Eph 5,31). ♦ Die Kombination δὲ ἀδελφοί steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 6,3; Röm 15,14, in einem Vers, der in *Paulus fehlt; 1Kor 4,6; 14,6; Gal 4,28; 5,11; 1Thess 2,17; 5,4; 2Thess 3,3; Jak 5,12). ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch bezeugt für *Paulus (*Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11). ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ Die Wendung τί ἔτι steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk, Lk 22,71; Röm 3,7; Gal 5,11; Hebr 11,32). ♦ διώκω, das 47 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *1Kor 15,14. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ σκάνδαλος steht 16 / 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,23. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; Phil 2,8; *Kol 1,20. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers zeigt einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (δὲ ἀδελφοί; τί ἔτι). Er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (5,12) ὄφελον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Allerdings ist das Verb ὀφείλω, das sich 42 Mal im NT findet, auch vorkanonisch für *Ev und *Paulus 1 (Gal) 173 <?page no="174"?> bezeugt. ♦ ἀποκόπτω steht 7 / 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 9,43. 45; Joh 18,10. 26; Apg 27,32; Gal 5,12). ♦ ἀναστατέω ist Hapax legomenon im NT, das verwandte ἀναστατόω steht noch zwei weitere Male, jeweils auf kanonischer Ebene (Apg 17,6; 21,38). Zur Abwesenheit: Der wiederum vorkanonisch unbezeugte Vers weist noch deutlicher als im Vers zuvor eine Lexik mit Elementen auf, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt ist (ὄφελον; ἀποκόπτω; ἀναστατέω). Auch dieser Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (5,13) Die Kombination ὑμεῖς γάρ steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Gal 5,13; 1Thess 2,14. 20; im Vers: Mt 23,13), jeweils auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ ἐλευθερία, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *Gal 2,4; 5,1. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐκλήθητε steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,9; Gal 5,13; Eph 4,1. 4; Kol 3,15; 1Petr 2,21; 3,9). ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ ἀφορμή, das 7 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu den Versen 16. 17. 19. 24. ♦ ἀγάπη, das 133 / 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42, der einzigen Stelle in diesem Evangelium und ebenfalls mit der parallelen Stelle in Lk als der einzigen dort; vorkanonisch bezeugt ist der Begriff für *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ Die Wendung διὰ τῆς ἀγάπης steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, Röm 15,30, in einem Vers, der in *Röm gefehlt hat. ♦ δουλεύω, das 26 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ Die Form ἀλλήλοις, die 11 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 9,50; Joh 13,35; Apg 19,38; Röm 1,12; 15,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Gal 5,13. 26; Eph 5,21; Jak 5,16; 1Petr 5,5; Apk 11,10). Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers sind einige Begriffe zu verzeichnen, die kanonisch beliebt (καλέω; ἀγάπη; ἀλλήλων) sind, dann auch Elemente, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (ἐκλήθητε; ὑμεῖς γάρ; ἀφορμή; διὰ τῆς ἀγάπης; ἀλλήλοις). Auch mit Blick auf die in Nr. 8 vorgetragenen Argumente wird der Vers auf die kanonische Redaktion zurückgehen und hat in der vorkanonischen Version gefehlt. 174 Rekonstruktion <?page no="175"?> 5,14 [15-18] 19-21 [22-23] 24 [25-26]: Das vom Geist geleitete Leben Wie bereits beim voranstehenden Abschnitt sind die vorkanonischen Verse gut bezeugt, jedoch erheblich durch Zuschaltung von Versen von der kanonischen Redaktion vor allem emphatisch und auch inhaltlich neu ausgerichtet worden. 14 ὁ γὰρ πᾶς νόμος ὑμῖν πεπλήρωται· ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. 14 ὁ γὰρ πᾶς νόμος ἐν ἑνὶ λόγῳ πληροῦται, ἐν τῷ Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. - 15 εἰ δὲ ἀλλήλους δάκνετε καὶ κατεσθίετε, βλέπετε μὴ ὑπ’ ἀλλήλων ἀναλωθῆτε. - 16 Λέγω δέ, πνεύματι περιπατεῖτε καὶ ἐπιθυμίαν σαρκὸς οὐ μὴ τελέσητε. 17 ἡ γὰρ σὰρξ ἐπιθυμεῖ κατὰ τοῦ πνεύματος, τὸ δὲ πνεῦμα κατὰ τῆς σαρκός· ταῦτα γὰρ ἀλλήλοις ἀντίκειται, ἵνα μὴ ἃ ἐὰν θέλητε ταῦτα ποιῆτε. 18 εἰ δὲ πνεύματι ἄγεσθε, οὐκ ἐστὲ ὑπὸ νόμον. 19 φανερὰ δέ ἐστι τὰ ἔργα τῆς σαρκός, ἅτινά ἐστι μοιχεία, ἀκαθαρσία, ἀσέλγεια, 19 φανερὰ δέ ἐστιν τὰ ἔργα τῆς σαρκός, ἅτινά ἐστιν πορνεία, ἀκαθαρσία, ἀσέλγεια, 20 εἰδωλολατρεῖαι, φαρμακεῖαι, ἔχθραι, ἔρεις, ζῆλοι, θυμοί, ἐριθεῖαι, διχοστασίαι, αἱρέσεις, 20 εἰδωλολατρία, φαρμακεία, ἔχθραι, ἔρις, ζῆλος, θυμοί, ἐριθείαι, διχοστασίαι, αἱρέσεις, 21 φθόνοι, μέθαι, κῶμοι, καθὼς προεῖπον, ὅτι οἱ τὰ τοιαῦτα πράσσοντες βασιλείαν θεοῦ οὐ κληρονομήσουσιν. 21 φθόνοι, μέθαι, κῶμοι, καὶ τὰ ὅμοια τούτοις, ἃ προλέγω ὑμῖν καθὼς καὶ προεῖπον ὅτι οἱ τὰ τοιαῦτα πράσσοντες βασιλείαν θεοῦ οὐ κληρονομήσουσιν. - 22 Ὁ δὲ καρπὸς τοῦ πνεύματός ἐστιν ἀγάπη, χαρά, εἰρήνη, μακροθυμία, χρηστότης, ἀγαθωσύνη, πίστις, 23 πραΰτης, ἐγκράτεια· κατὰ τῶν τοιούτων οὐκ ἔστιν νόμος. 24 οἱ δὲ τοῦ Χριστοῦ τὴν σάρκα ἐσταύρωσαν σὺν τοῖς παθήμασι καὶ ταῖς ἐπιθυμίαις. 24 οἱ δὲ τοῦ Χριστοῦ Ἰησοῦ τὴν σάρκα ἐσταύρωσαν σὺν τοῖς παθήμασιν καὶ ταῖς ἐπιθυμίαις. - 25 εἰ ζῶμεν πνεύματι, πνεύματι καὶ στοιχῶμεν. 26 μὴ γινώμεθα κενόδοξοι, ἀλλήλους προκαλούμενοι, ἀλλήλοις φθονοῦντες. A. *5,14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,12: Tota enim, inquit, lex in vobis adimpleta est: Diliges proximum tuum tanquam te. Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 5: ὁ γὰρ πᾶς 1 (Gal) 175 <?page no="176"?> 249 H.A.G. Houghton, C.M. Kreinecker, R.F. MacLachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019), 428. νόμος ὑμῖν πεπλήρωται, ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. Vgl. Lev 19,18 LXX: -… ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν; *Ev 10,27: Ἀγαπήσεις κύριον τὸν θεόν σου ἐξ ὅλης τῆς καρδίας σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ ψυχῇ σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ ἰσχύϊ σου; Lk 10,27: ὁ δὲ ἀποκριθεὶς εἶπεν, Ἀγαπήσεις κύριον τὸν θεόν σου ἐξ ὅλης [τῆς] καρδίας σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ ψυχῇ σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ ἰσχύϊ σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ διανοίᾳ σου, καὶ τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. Vgl. *Röm 13,9: τὸ γὰρ οὐ φονεύσεις, οὐ μοιχεύσεις, οὐ κλέψεις, οὐ ψευδομαρτυρήσεις ἀνακεφαλαιοῦται, ἐν τῷ Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον ὡς σεαυτόν. ♦ *5,19-21: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 6 (120. 157 H.): φανερὰ δέ ἐστι τὰ ἔργα τῆς σαρκός, ἅτινά ἐστι πορνεία ἀκαθαρσία ἀσέλγεια εἰδωλολατρεῖαι (εἰδωλολατρεία, 120,18) φαρμακεῖαι (φαρμακεία 120,18) ἔχθραι ἔρεις ζῆλοι θυμοὶ ἐριθεῖαι διχοστασίαι αἱρέσεις φθόνοι (φόνοι 120,19) μέθαι κῶμοι (+ ἃ προλέγω ὑμῖν 120,19-20) καθὼς καὶ προεῖπον, ὅτι οἱ τὰ τοιαῦτα πράσσοντες βασιλείαν θεοῦ οὐ κληρονομήσουσιν. Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,11: Hoc enim dico, fratres, quia caro et sanguis regnum dei non possidebunt, opera scilicet carnis et sanguinis, quibus et ad Galatas scribens abstulit dei regnum. ♦ *5,24: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 7 (121. 158 H.): οἱ δὲ τοῦ Χριστοῦ τὴν σάρκα ἐσταύρωσαν σὺν τοῖς παθήμασι καὶ ταῖς ἐπιθυμίαις. B. (5,14) Anstelle von ὑμῖν (ἐν ὑμῖν wird in NA 28 als markionitische Lesart verbucht), findet sich ὑμῖν ἐν ἑνὶ λόγῳ in den Zeugen 06*, 010, 012, ar, b, d, g, go, MVict, Ambst, Aug, Pel, Cass und in der altlateinischen Tradition in 61, 75, 76, 89, 135. ♦ πληροῦται findet sich in 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 0122, 630, 1505, 1881, 2464, M, latt. ♦ (5,19) Anstelle von πορνεία findet sich μοιχεία in 01 2 , 06, (010, 012, b, Ir lat , Cyp μοιχεῖαι), 018, 020, 044, 0122, 104, 630, 1505, 1739 mg (0278, 365) M, (b), sy h , Ir lat , Cyp, Ambst. ♦ Der Plural ἔρεις steht neben Tert auch 04, 06 1 , 010, 012, 018, 020, 025, 044, 0122, 0278, 81, 104, 365, 1175, 1241, 2464, M, latt, sy h , co, Ir lat , Cl, von NA 28 als markionitische Lesart vermerkt. Zu weiteren Pluralbezeugungen dieser Begriffe vgl. die altlateinische Tradition. 249 ♦ Der Plural ζῆλοι steht neben Tert auch 01, 04, 06 1 , (010, 012), 018, 020, 044, 0122, 0278, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 2464, M, lat, sy h , co, Ir lat , Cl, Cyp, von NA 28 als markionitische Lesart vermerkt. ♦ (5,21) Auch wenn statt φθόνοι das ähnliche φόνοι gut bezeugt ist, nicht nur ein Mal bei Epiphanius (1 weiteres Mal1 weiteres Mal schreibt auch er φθόνοι), sondern auch in 02, 04, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 0122, 0278, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy h , bo, (Cyp), wird man hier nicht folgen, sondern einen frühen Lesefehler annehmen, da der Begriff inhaltlich aus der Reihung fallen würde, so wird in NA 28 φθόνοι richtig als markionitische Lesart vermerkt. ♦ Das nach 176 Rekonstruktion <?page no="177"?> 250 Auch J. Heilmann, „Kanonischer Text und historischer Paulus“ (2024), 880-881 tritt für das ἐν ὑμῖν ein. 251 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 83-85. 252 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 130-131. 253 J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 269. 254 Vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. καθώς stehende καί findet sich nicht in der altlateinischen Tradition: 51, 54, 58, 77, 88, 135, doch es steht in 01 2 , 02, 04, 06, 044, M, g, t, vg mss , sy p , bo, Ir lat , Cl, Thdt, Ambst. ♦ (5,23) Nach ἐγκράτεια add ἁγνεῖα in 06*, 010, 012, it, vgcl, Irlat, Cyp, Ambst. ♦ (5,24) Ἰησοῦ om P 46 , 06, 010, 012, 018, 020, 0122 *.2 , 81, 104 c , 365, 630, 1505, 2464, M, latt, sy, Epiph, Ambst, und in der altlateinischen Tradition: 61, 75, 76, 89, Hier. C. 1. (5,14) Hilgenfeld sieht lediglich statt ἐν ἑνί ein ὑμῖν oder ἐν ὑμῖν und ansonsten den Scholiontext bezeugt. 250 Van Manen bietet den Text wie oben. 251 Schmid meint, das ἐν ὑμῖν gehe auf einen alten Fehler zurück. 252 Lieu hält das Argument für überzeugend. 253 Die Grundlage hierfür aber ist die Annahme Schmids, dass der kanonische Text älter als der vorkanonische ist. Alle anderen Editoren bieten den Text wie oben, auch mit der von Tertullian und Epiphanius gebotenen perfektischen Form πεπλήρωται, die auch von NA 28 als die markio‐ nitische notiert wird. Allerdings findet sich die präsentische Form in 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 0122, 630, 1505, 1881, 2464, M, latt, so dass man ins Wanken gerät, welche Lesart vorzuziehen ist. Dass mit dem Gesetz hier, gestützt durch das Liebesgebot, jedoch nicht Levitikus im Blick ist, sondern die Thora Christi, wird sich gleich aus *Gal 6,2 ergeben. Tertullian hält dennoch in seiner Argumentation gegen Markion fest, dass er an dieser Stelle der jüdischen Thora zustimme, vgl. Tert. Adv. Marc. V 4,13. 2. Die Nähe zwischen diesem Vers und Röm 13,10 (ἡ ἀγάπη τῷ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται: πλήρωμα οὖν νόμου ἡ ἀγάπη) ist bereits Weisse ins Auge gestochen. Er nahm an, dass Röm 13,9 eine Übernahme aus Gal 5,14 darstellte, 254 doch scheint hier nur eine gedankliche Nähe zwischen beiden vorkanonischen Versen zu bestehen. 3. Der Singular λόγος steht nicht häufig auf der vorkanonischen Ebene, während er auf der kanonischen beherrschend ist. Statt des nur von Epiphanius 1 (Gal) 177 <?page no="178"?> bezeugten ἐν ὑμῖν, das NA 28 als markionitische Lesart verbucht, findet sich auffallenderweise ὑμῖν ἐν ἑνὶ λόγῳ, eine Kombination des vorkanonischen und des kanonischen Texts, in einigen einschlägigen Zeugen. Dies ist ein wichtiger Beleg dafür, dass wir mit diesen Textzeugen tatsächlich solche besitzen, in denen ein Übergang oder eine Kontamination beider Redaktionsstufen greifbar ist. 4. (5,15) Dieser Vers ist unbezeugt. Van Manen bietet ihn nach dem kanoni‐ schen Text. Zahn rechnet mit seiner Abwesenheit, Harnack meint, dass der Vers vorhanden sein könnte. Schmid und BeDuhn notieren ihn als unbezeugt. Mit dem zweifachen „einander“ (ἀλλήλους, ἀλλήλων) und auch mit seiner drastischen Rede greift dieser Vers weniger den vorangegangenen Vers 14, son‐ dern vielmehr Vers 13 (διὰ τῆς ἀγάπης δουλεύετε ἀλλήλοις) der kanonischen Redaktion auf. Der Vers gehört demnach auf dieselbe Stufe und wird nicht im vorkanonischen Text vorhanden gewesen sein. Dies mag die Einschätzung Klinghardts, was Lk 20,47 / / *Ev 20,47 - eine unbezeugte Stelle - betrifft (οἳ κατεσθίουσιν τὰς οἰκίας τῶν χηρῶν), überden‐ kenswert erscheinen lassen. Es scheint wahrscheinlicher, dass Lk hier doch eher auf Mk als auf *Ev zurückgegriffen hat, zumal Klinghardt, dem ausdrücklichen Hinweis auf Auslassung von Epiph., Pan. 42, schol. 42 folgend Lk 15,11-32 als abwesend sieht, darin vor allem den drastischen Vers Lk 15,30 (ὅτε δὲ ὁ υἱός σου οὗτος ὁ καταφαγών σου τὸν βίον μετὰ πορνῶν ἦλθεν). Das „Verschlingen“ (κατεσθίεν, κατέσθειν, καταφαγεῖν) gehört zur Sprache der kanonischen Re‐ daktion. 5. (5,16-18) Diese Verse sind unbezeugt. Van Manen gibt sie nach der kano‐ nischen Verison (in Vers 17 lässt er das ἅ aus). Zahn reklamiert sie, wenn auch mögliche Änderungen annehmend, für den vorkanonischen Text. Harnacks Meinung, der sich ihm anschließt, wurde bereits vermerkt. Schmid notiert diese Verse als unbezeugt, so auch BeDuhn, doch dieser nimmt sie in Klammern in den Text auf. Die adversative Eröffnung (Λέγω δέ) kann sich jedoch nur auf den voranste‐ henden kanonischen Vers beziehen. Für die kanonische Redaktionsstufe spricht auch, dass diese Eröffnung zusammen mit dem sich unmittelbar anschließenden πνεύματι περιπατεῖτε wiederum die sich nur in der kanonischen Fassung findenden Verse 2 (λέγω ὑμῖν ὅτι) und 4 (ἡμεῖς γὰρ πνεύματι) aufgreift. Die direkte Ansprache wie der Verweis auf den Geist gehört hier zur kanonischen Redaktionsstufe, folglich wird sich auch Vers 16 auf dieser bewegen. Dies wird mit dem zentralen Gedanken in diesem Satz, dem πνεύματι περιπατεῖτε, gestützt. Denn das „περιπατεῖν in der allgemeinen Bedeutung, die den ‚Wandel‘ 178 Rekonstruktion <?page no="179"?> 255 H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 179. 256 Ibid. 180 257 Vgl. hierzu M. Meiser, Galater (2007), 15. 258 So J.D.G. Dunn, The Epistle to the Galatians (1993), 301-302. eines Menschen, d. h. den Vollzug seines Lebens, beschreibt, ist ein im NT fast ganz auf Paulus und Johannes beschränktes Wort“. 255 6. (5,16) Ein besonderes Phänomen stellt das für Paulus gut bezeugte περιπατέω dar, das vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist. Dieser Begriff, der in beiden Redaktionen begegnet, wenn auch häufiger in der kanonischen (*Laod/ Eph 2,2; Eph 4,1.17; *Laod/ Eph 5,2; Eph 5,8), deutet auf die Zwischenstel‐ lung dieses *Deuteropaulinum zwischen vorkanonischer und kanonischer Lexik hin. 7. Da der Geistbezug erst auf der kanonischen Ebene eingeführt wurde, scheinen auch die beiden nächsten Verse, die dieses Thema entfalten, auf derselben Stufe zu stehen. Diese Einordnung legt auch die Ausführung zur σάρξ nahe, womit an dieser Stelle „dieses konkrete, fleischliche Dasein des Menschen, in dem er und nach Maßgabe dessen er und als welches er exis‐ tiert“, denn „von dieser σάρξ ist in unserem Zusammenhang eigentümlich distanziert und objektiv als von einer personhaften Macht die Rede. Sie hat ihr Begehren, mit dem sie uns zum τελεῖν provoziert, um unser θέλειν zu hindern“. 256 Schlier verweist ibid. auf die ähnlichen Gedanken in Röm 8,3. 6-8; 9,8, die nicht für den vorkanonischen Text bezeugt sind. Sie laufen auf das ταῦτα γὰρ ἀλλήλοις ἀντίκειται hinaus, womit aus der kanonischen Redaktion das Stichwort ἀλλήλοις aufgegriffen wird, das zuvor bereits diskutiert wurde. Aufgegriffen wird diese Vorstellung in Diogn 6,5. 257 Wenn nun die Verse 15-18 auf die kanonische Redaktion zurückgehen, dann konfrontiert erst die kanonische Redaktion die nachfolgende Liste der Übel mit einem Leben „unter dem Gesetz“, ein Kontrast, der als „lächerlich“ in jüdischen Ohren bezeichnet wurde. 258 8. (5,19) Van Manen, Zahn und Harnack geben den kanonischen Text. Die Lesart μοιχεία ist entgegen der Bezeugung durch Epiphanius zu bevorzugen, denn sie findet sich auch in einschlägigen Zeugen. Die kanonische Lesart πορνεία verschiebt die Aussage ins Allgemeine, während μοιχεία im Rahmen des Innerfamiliären bleibt, das zunächst auch in den weiteren singulären Termini angesprochen ist. Außerdem stellt auf der kanonischen Ebene πορνεία eine Beziehung zum Dekret des sogenannten Apostelkonzils nach Apg 15,29 her. 9. (5,20) Zu den Pluralformen vgl. unten zur Lexik. Van Manen, Harnack und BeDuhn folgen den kanonischen Singularformen εἰδωλολατρία, φαρμακεία, 1 (Gal) 179 <?page no="180"?> 259 Detering meint, die Frage, ob Singular oder Plural, ließe sich nicht entscheiden, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 85. 260 So auch Detering, ibid. 85-86. schreiben danach aber Pluralformen. 259 Zahn folgt dem kanonischen Text. Schmid gibt den Text wie oben (wenn auch kursiv gesetzt, also mit Unsicherheit behaftet). 10. (5,21) Meyboom weist auf die Auslassung von καὶ τὰ ὅμοια τούτοις ἃ προλέγω ὑμῖν hin. Das in den Handschriften bezeugte καὶ wird nicht im vorka‐ nonischen Text gestanden sein, da es eine Harmonisierung zu der nur kanonisch bezeugten Wendung καὶ τὰ ὅμοια τούτοις, ἃ προλέγω ὑμῖν verstanden werden kann. Dieses καὶ fehlt in der altlateinischen Tradition. Van Manen folgt Meyboom und ansonsten dem kanonischen Text. Zahn bietet den kanonischen Text, mit er einen Ausnahme, dass er καὶ τὰ ὅμοια τούτοις auslässt und καθὼς καὶ προεῖπον schreibt. Harnack folgt ebenfalls dem kanonischen Text mit Ausnahme des καθὼς καὶ προεῖπον. Hilgenfeld und Schmid hingegen übernehmen die pluralen Formen wie oben aus Epiphanius. Hilgenfeld folgt überhaupt dem Text des Scholions, Schmid ansonsten dem kanonischen Text, schreibt allerdings (καὶ τὰ ὅμοια τούτοις,) ἃ προλέγω ὑμῖν. BeDuhn übernimmt den kanonischen Text. Der Rückbezug προεῖπον geht auf *1Kor 15,50: „Denn dies sage ich, Brüder und Schwestern, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben werden; das Verwesliche erbt nicht das Unverwesliche“ (Τοῦτο γάρ φημι, ἀδελφοί, ὅτι σὰρξ καὶ αἷμα βασιλείαν θεοῦ οὐ κληρονομήσουσιν, οὐδὲ ἡ φθορὰ τὴν ἀφθαρσίαν κληρονομεῖ). Dieser innerhalb der *10-Briefe-Sammlung in die falsche Rich‐ tung gehende Rückbezug hat, wie in der Einleitung gezeigt, weitreichende Konsequenzen, weil er voraussetzt, dass der *10-Briefe-Sammlung eine Vorlage zugrunde liegt, in der *Gal nach *1Kor steht. 11. (5,22-23) Diese Verse sind unbezeugt, auch wenn van Manen, Zahn und Harnack sie vorkanonisch präsent ansehen. Schmid nimmt sie als unbezeugt, BeDuhn allerdings führt den Text in Klammern an. Sowohl der Hinweis auf den Geist von Vers 22 wie der auf das Gesetz von Vers 23 greift Vers 18 der kanonischen Redaktion auf und führt diesen weiter, weshalb auch diese unbezeugten Verse zur selben Redaktionsstufe gehören werden. Vor allem aber fügt sich der adversativ angeschlossene, für die vorkanonische Redaktion bezeugte Vers 24 nicht zu Vers 23, sondern zu Vers 21, was den redaktionellen Charakter der Verse 22-23 unterstreicht. 12. (5,24) Meyboom weist auf die Auslassung von Ἰησοῦ hin. 260 Van Manen und Zahn geben den Vers in der obigen Form, so auch Harnack, Schmid und BeDuhn. Auffallenderweise greift der Vers ausschließlich auf den Vers 180 Rekonstruktion <?page no="181"?> 21 zurück, was die Einschätzung stützt, dass die Verse 22-23 der kanonischen Redaktion zugehören. Auch in der Gegenargumentation des Epiphanius wird nicht auf diese kanonischen Verse abgehoben. 13. (5,25-26) Wieder kommt die Rede auf den Geist (πνεύματι) und auf die Gegenseitigkeit (ἀλλήλους … ἀλλήλοις), und schon sind die beiden Verse wieder unbezeugt, sie werden folglich der kanonischen Redaktion zugehören, auch wenn sie von van Manen nach dem kanonischen Text gegeben werden. Zahn sieht sie präsent ohne Gewissheit des Textbestandes und Harnack nimmt sie für den vorkanonischen Text in Anspruch. Schmid hält sie für unbezeugt. BeDuhn äußert sich nicht zu ihnen. D. (5,14) νόμος steht 204 / 195 Mal im NT, vorkanonisch reichlich bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ λόγος steht insgesamt 349 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,21 (τοὺς λόγους); 11,28 (τὸν λόγον τοῦ θεοῦ); 16,17 (τῶν λόγων); 21,33 (οἱ … λόγοι τοῦ κυρίου); *Gal 6,6 (ἐν λόγῳ); *1Kor 14,19 (πέντε λόγους); 15,54 (ὁ λόγος ὁ γεγραμμένος); *Laod 1,13 (τὸν λόγον τῆς ἀληθείας, τὸ εὐαγγέλιον); *Kol 1,5 (ἐν τῷ λόγῳ τῆς ἀληθείας τοῦ εὐαγγελίου); *Phil 1,14 (τὸν λόγον λαλεῖν) - begegnet also als streng theologischer Terminus nur *Ev 11,28. ♦ πληρόω steht 91 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4 und 13,8. Gleichwohl ist es ein Verb, das auf der kanonischen Ebene sehr beliebt ist. ♦ ἀγαπάω, das 157 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *Röm 13,8. 9. ♦ πλήσιος steht 17 Mal im NT, vorkanonisch wieder bezeugt im selben Zitat von Lev 19,18 in *Röm 12,9 und nochmals in *Laod 4,25. ♦ σεαυτοῦ steht 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,14; *Gal 5,14; *Röm 13,9. ♦ σου (Gen. Neut. / Mask. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt den beiden Zeugen Tertullian und Epipha‐ nius, wobei das von Epiphanius gegebene ὑμῖν durchaus mit einem in von Tertullian wiedergegeben werden kann. Die Varianten in den Handschriften scheinen folglich eine Kontamination zwischen dem vorkanonischen und dem kanonisch redaktionellen Text darzustellen. Die Lexik spricht für die Variante ὑμῖν, aus der sich dann kanonisch ἐν ὑμῖν bzw. ὑμῖν ἐν ἑνὶ λόγῳ entwickelt hatte. (5,15) Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ἀλλήλων steht 107 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10, ist allerdings ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ δάκνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ κατεσθίω steht 15 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im 1 (Gal) 181 <?page no="182"?> 261 A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020), 465. 262 Vgl. hierzu J.L. Martyn, Galatians. A new Translation with Introduction and Commen‐ tary (1998), 493. NT findet, findet sich vorkanonisch in *Ev und *2Kor 4,18. ♦ ἀναλίσκω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 9,54; Gal 5,15; 2Thess 2,8). Zur Abwesenheit: Die Kombination von ausschließlich (Verseröffnung εἰ δέ; κατεσθίω; ἀναλίσκω) bzw. bevorzugt (ἀλλήλων; βλέπω) auf der kanonischen Ebene zu findenden Termini stützt den Schluss, dass der nichtbezeugte Vers auf der vorkanonischen Ebene abwesend war. (5,16) Zur Verbform λέγω vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Die Kombination λέγω δέ steht 17 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,4. 8, kanonisch für 7 Mal Mt; Lk 9,27; 12,4. 8; 1Kor 1,12; 7,8; Gal 4,1; 5,16; im Vers: Lk7,9 (wo δέ fehlt); 12,27; 13,35 (ein Vers, der in *Ev fehlt). ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Thess 4,5, *Laod 2,3; *Phil 1,23. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu Vers 13 und danach zu den Versen 17. 19. 24. Zur Abwesenheit: Wie in Nr. 4-5 dargelegt, steht dieser Vers auf der kanonischen Redaktionsstufe. Er wird wohl in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (5,17) Zu σάρξ vgl. zuvor zu den Versen 13. 16 und danach zu den Versen 19. 24. ♦ ἐπιθυμέω steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6. ♦ Auf die ungewöhnliche, sonst bislang unbekannte Kombination von ἐπιθυμέω + κατά wurde bereits früher hingewiesen. 261 ♦ Im Zitat von Gal 4,17 in PolPhil 5,3 wird die Formulierung verändert: πᾶσα ἐπιθυμία κατὰ τοῦ πνεύματος στρατεύεται. 262 ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ ἀντίκειμαι steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers fällt ἀντίκειμαι als ausschließlich kanonisch bezeugter Terminus auf. Nimmt man die Überlegungen von Nr. 4 hinzu, wird man den Vers der kanonischen Redaktion zuschreiben und ihn in der vorkanonischen Version als abwesend ansehen. (5,18) Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, etwa Lk 12,28; 13,9, in Versen, die in *Ev fehlen; dann in Lk 5,37; 6,4; 10,6; 11,18 (hier steht 182 Rekonstruktion <?page no="183"?> auf der vorkanonischen Ebene nur εἰ, pace Klinghardt); 14,32, in Versen, die für *Ev unbezeugt sind, 50 Mal im kanonischen Paulus, jedoch weder in *Ev noch in *Paulus, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36). ♦ ἄγω, das 92 / 67 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. Zur Abwesenheit: Wie bereits die Eröffnungskombination εἰ δέ anzeigt, dann auch mit der Begründung von Nr. 4, ist der Vers der kanonischen Redaktion zuzuordnen und in der vorkanonischen Version abwesend. (5,19) φανερός steht 22 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,17, *Gal 5,19; *Röm 2,28. ♦ Zu ὅστις vgl. zuvor zu den Versen 4 und 10. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vornehmlich ein Begriff der kanonischen Ebene, gleichwohl in der Wendung vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,16; 5,19, und zwar in negativer Deutung wie hier. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu den Versen 13. 16. 17 und danach Vers 24. ♦ μοιχεία steht 7 / 3 Mal im NT, ansonsten jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Das alternative πορνεία steht 27 / 25 Mal im NT und ist mehrfach bei *Paulus bezeugt. ♦ ἀκαθαρσία steht 11 / 10 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀσέλγεια steht 10 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, unter Berück‐ sichtigung der Beobachtung von C.5. (5,20) εἰδωλολατρία steht 4 Mal im NT, sonst nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ φαρμακεία steht 3 Mal im NT, ansonsten auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔχθρα steht 9 / 6 Mal im NT, etwa Lk 1,71. 74; 23,12, in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, jedoch wiederbezeugt in *Laod 2,15. 16. ♦ ἔρις steht 15 / 9 Mal im NT, sonst noch vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,15. ♦ ζῆλος steht 22 / 16 Mal im NT, vorkanonisch nur hier. ♦ θυμός findet sich 19 / 18 Mal im NT, ansonsten jedoch nurmehr auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐριθεία steht 10 / 7 Mal im NT, davon nochmals auf vorkanonischer Ebene in *Phil 1,17. ♦ διχοστασία steht 3 Mal im NT, an den beiden anderen Stellen auf der kanonischen Ebene (Röm 16,17; 1Kor 3,3; Gal 5,20). ♦ αἵρεσις steht 9 Mal im NT, vorkanonisch wieder bezeugt für *1Kor 11,19, ansonsten auf der kanonischen Ebene. ♦ τοιοῦτος steht 62 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,16 (? Adamantiuszeugnis); *Gal 5,21; *1Kor 15,48. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt vor allem dem Zeugnis des Epiphanius, wobei bereits innerhalb seines Zeugnisses eine Kontamination mit dem kano‐ nischen Text sichtbar wird, indem bei der Doppelbezeugung zunächst die Singularformen gewählt werden, während an der späteren Bezeugung Plural‐ formen stehen. Da solche auch in weiteren Zeugen stehen, scheinen wohl 1 (Gal) 183 <?page no="184"?> 263 Zu dieser Liste von Übeln, vgl. P.S. Zaas, Catalogues and Context: 1 Corinthians 5 and 6 (1988); P.S. Zaas, „As I teach everywhere, in every church“. A Study of the Communication of morals in Paul (1982). diese vorkanonisch im Text gestanden zu sein. Wie sehr die Laster aus dem Katalog gerade auf kanonischer Ebene gewirkt haben, lässt sich hier aus den mitangegebenen Stellen ersehen. 263 (5,21) φθόνος, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21 und *Phil 1,15. ♦ Die Variante φόνος, die sich 10 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,19. 25. ♦ μέθη steht 3 Mal im NT, noch ein Mal auf der vorkanonischen Ebene (*Ev 21,34), 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen (Röm 13,13). ♦ κῶμος begegnet 3 Mal im NT, die beiden anderen Male auf der kanonischen Ebene (Röm 13,13; 1Petr 4,3). ♦ Das nur für die kanonische Fassung bezeugte ὅμοιος steht 47 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ προλέγω, das 18 / 15 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21, vielleicht auch für *2Kor 13,2. ♦ βασιλεία steht 169 / 162 Mal im NT, vorkanonisch etwa hier bezeugt, dann auch in *Ev 21,31. ♦ κληρονομέω, das 26 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,50. Zur Rekonstruktion: Wieder folgt die Rekonstruktion dem Zeugnis des Epipha‐ nius. Gestützt wird durch die Handschriften zumindest, dass das καί von καὶ τὰ ὅμοια τούτοις vorkanonisch nicht stand, doch dann ist auch wahrscheinlich, dass auch das nachfolgende τὰ ὅμοια τούτοις vorkanonisch noch nicht stand. Dies wird durch die Lexik gestützt, da aus diesem Stück ὅμοιος vorkanonisch nicht bezeugt ist, ein weiteres Zeugnis für die gegenseitige Stütze von fehlender Bezeugung bzw. Bezeugung und Lexik. (5,22) καρπός, das 71 / 66 Mal im NT steht, ist möglicherweise auch vorkanonisch bezeugt, jedoch deutlich ein Begriff der kanonischen Redaktion, der in *Paulus nicht bezeugt ist. ♦ Auch wenn die Formulierung καρπὸς τοῦ πνεύματος nicht weiter belegt ist, finden sich doch in der kanonischen Redaktion eine Reihe ähnlicher Formulierungen, die in der vorkanonischen Redaktion nicht begegnen: Röm 6,22 (ἔχετε τὸν καρπὸν ὑμῶν εἰς ἁγιασμόν); Eph 5,9 (ὁ γὰρ καρπὸς τοῦ φωτὸς ἐν πάσῃ ἀγαθωσύνῃ καὶ δικαιοσύνῃ καὶ ἀληθείᾳ); Phil 1,11 (καρπὸν δικαιοσύνης); Jak 3,18 (καρπὸς δὲ δικαιοσύνης ἐν εἰρήνῃ); Hebr 12,11 (καρπὸν εἰρηνικὸν … ἀποδίδωσιν δικαιοσύνης). ♦ ἀγάπη, das 133 / 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42, der einzigen Stelle in diesem Evangelium und ebenfalls mit der parallelen Stelle in Lk als der einzigen dort; ansonsten vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ χαρά ist ein Begriff, der 62 / 59 Mal im NT begegnet, jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ εἰρήνη, 184 Rekonstruktion <?page no="185"?> das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ μακροθυμία, das 14 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ χρηστότης steht 11 / 10 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt (Röm 2,4; 3,12; 11,22; 2Kor 6,6; Eph 2,7; Kol 3,12; Tit 3,4). ♦ ἀγαθωσύνη steht 4 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt (Röm 15,14; 2Thess 1,11; Gal 5,22; Eph 5,9). Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers häufen sich die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Begriffe (καρπός? ; χαρά; χρηστότης; ἀγαθωσύνη). Nimmt man die Argumente von Nr. 9, so stützt die Lexik die Abwesenheit des Verses von der vorkanonischen Version. (5,23) πραΰτης (und πραϋς) steht 22 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Redaktion bezeugt. ♦ ἐγκράτεια steht 4 Mal im NT und ist nur für die kanonische Redaktion belegt. Auch das Verb ἐγκρατεύομαι, das 2 Mal im NT steht, ist nur kanonisch belegt. ♦ Das in einigen Zeugen nach ἐγκράτεια belegte ἁγνεῖα findet sich nur 1Tim 4,12; 5,2. ♦ Zu τοιοῦτος vgl. zuvor zu Vers 21. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers fallen die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Termini auf (πραΰτης; ἐγκράτεια; ἁγνεῖα). Die lexikalischen Beobachtungen stützen folglich die fehlende Bezeugung und sprechen erneut für deren gegenseitige Korrelation. Der Vers dürfte also nicht nur unbezeugt, sondern vorkanonisch auch abwesend gewesen sein. (5,24) Zu σάρξ vgl. zuvor zu den Versen 13. 16. 17. 19. ♦ σταυρόω, das 62 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,24; 6,14; *1Kor 2,8; *Laod 2,16; *Kol 1,20; *Phil 2,8. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ πάθημα, das 16 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch nur bezeugt für die vorliegende Stelle. ♦ ἐπιθυμία steht 40 / 38 Mal im NT, vorkanonisch wiederum bezeugt für *Ev 22,15 und *1Thess 4,5, *Laod 2,3; *Phil 1,23. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius. Lexikalisch fällt gerade im Unterschied zu den zwei vorausgegangenen Versen auf, dass drei der vier untersuchten Termini nicht nur an der vorliegenden Stelle, sondern auch anderwärts vorkanonisch gut bezeugt sind und kein Begriff ausschließlich kanonisch zu finden ist. Erneut finden wir also eine Übereinstimmung zwischen Bezeugung und Lexik. (5,25) ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht,ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ στοιχέω steht 5 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. 1 (Gal) 185 <?page no="186"?> Zur Abwesenheit: Trotz der Kürze dieses unbezeugten Verses stützt nicht nur der Inhalt, wie in Nr. 11 dargelegt, sondern, wie hier ersichtlich, auch die Lexik die Abwesenheit des Verses von der vorkanonischen Version, denn mit στοιχέω begegnet ein ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugter Begriff. (5,26) κενόδοξος ist Hapax legomenon im NT. Das verwandte Nomen κενοδοξία ist ebenfalls Hapax legomenon und findet sich auf der kanonischen Ebene in Phil 2,3. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ Die Form ἀλλήλοις steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor Vers 13. ♦ προκαλέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Das Verb φθονέω ist ebenfalls Hapax legomenon im NT. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers wurde bereits inhaltlich in Nr. 11 für dessen Fehlen auf der vorkanonischen Ebene plädiert, gestützt wird dies nicht direkt durch die Lexik, da gleich drei Begriffe Hapax legomena sind, doch nimmt man dazu, dass auch verwandte Begriffe eines der Hapax legomena (κενόδοξος - κενοδοξία) ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene stehen, dürfte auch dieser Vers dieser Ebene zuzuordnen sein. Der Vers dürfte damit auf der vorkanonischen Ebene gefehlt haben. Kapitel 6 6,[1] 2 [3-5] 6-10 [11] 12-14 [15-16] 17 [18]: Einer trage des anderen Last Das letzte Kapitel des *Galaterbriefs ist gut bezeugt, auch wenn die kanonische Redaktion mehrere Verse eingeschoben und andere Verse erweitert und leicht bearbeitet hat. - 6,1 Ἀδελφοί, ἐὰν καὶ προλημφθῇ ἄνθρωπος ἔν τινι παραπτώματι, ὑμεῖς οἱ πνευματικοὶ καταρτίζετε τὸν τοιοῦτον ἐν πνεύματι πραΰτητος, σκοπῶν σεαυτόν, μὴ καὶ σὺ πειρασθῇς. 6,2 Ἀλλήλων τὰ βάρη βαστάζετε, καὶ οὕτως ἀναπληρώσετε τὸν νόμον τοῦ Χριστοῦ. 2 Ἀλλήλων τὰ βάρη βαστάζετε, καὶ οὕτως ἀναπληρώσετε τὸν νόμον τοῦ Χριστοῦ. - 3 εἰ γὰρ δοκεῖ τις εἶναί τι μηδὲν ὤν, φρεναπατᾷ ἑαυτόν· 4 τὸ δὲ ἔργον ἑαυτοῦ δοκιμαζέτω ἕκαστος, καὶ τότε εἰς ἑαυτὸν μόνον τὸ καύχημα ἕξει καὶ οὐκ εἰς τὸν ἕτερον· 5 ἕκαστος γὰρ τὸ ἴδιον φορτίον βαστάσει. 186 Rekonstruktion <?page no="187"?> 6 Κοινωνείτω δὲ ὁ κατηχούμενος ἐν λόγῳ τῷ κατηχοῦντι ἐν πᾶσιν ἀγαθοῖς. 6 Κοινωνείτω δὲ ὁ κατηχούμενος τὸν λόγον τῷ κατηχοῦντι ἐν πᾶσιν ἀγαθοῖς. 7 Πλανᾶσθε, θεὸς οὐ μυκτηρίζεται· ἃ γὰρ ἐὰν σπείρῃ ἄνθρωπος, ταῦτα καὶ θερίσει· 7 Μὴ πλανᾶσθε, θεὸς οὐ μυκτηρίζεται· ὃ γὰρ ἐὰν σπείρῃ ἄνθρωπος, τοῦτο καὶ θερίσει· 8 ὅτι ὁ σπείρων εἰς τὴν φθορὰν ἑαυτοῦ ἐκ τῆς φθορᾶς θερίσει φθοράν, ὁ δὲ σπείρων εἰς τὴν ζωὴν ἐκ τῆς ζωῆς θερίσει ζωήν. 8 ὅτι ὁ σπείρων εἰς τὴν σάρκα ἑαυτοῦ ἐκ τῆς σαρκὸς θερίσει φθοράν, ὁ δὲ σπείρων εἰς τὸ πνεῦμα ἐκ τοῦ πνεύματος θερίσει ζωὴν αἰώνιον. 9 τὸ δὲ καλὸν ποιοῦντες μὴ ἐκκακῶμεν, καιρῷ δὲ ἰδίῳ θερίσομεν. 9 τὸ δὲ καλὸν ποιοῦντες μὴ ἐγκακῶμεν, καιρῷ γὰρ ἰδίῳ θερίσομεν μὴ ἐκλυόμενοι. 10 ἄρα ὡς καιρὸν ἔχομεν, ἐργαζώμεθα τὸ ἀγαθόν. 10 ἄρα οὖν ὡς καιρὸν ἔχωμεν, ἐργαζώμεθα τὸ ἀγαθὸν πρὸς πάντας, μάλιστα δὲ πρὸς τοὺς οἰκείους τῆς πίστεως. - 11 Ἴδετε πηλίκοις ὑμῖν γράμμασιν ἔγραψα τῇ ἐμῇ χειρί. 12 ὅσοι θέλουσιν εὐπροσωπῆσαι ἐν σαρκί, οὗτοι ἀναγκάζουσιν ὑμᾶς περιτέμνεσθαι, μόνον ἵνα τῷ σταυρῷ τοῦ Χριστοῦ μὴ διώκονται· 12 ὅσοι θέλουσιν εὐπροσωπῆσαι ἐν σαρκί, οὗτοι ἀναγκάζουσιν ὑμᾶς περιτέμνεσθαι, μόνον ἵνα τῷ σταυρῷ τοῦ Χριστοῦ μὴ διώκωνται· 13 οὐδὲ γὰρ οἱ περιτεμνόμενοι αὐτοὶ νόμον φυλάσσουσιν, ἀλλὰ θέλουσιν ὑμᾶς περιτέμνεσθαι, ἵνα ἐν τῇ ὑμετέρᾳ σαρκὶ καυχήσωνται. 13 οὐδὲ γὰρ οἱ περιτεμνόμενοι αὐτοὶ νόμον φυλάσσουσιν, ἀλλὰ θέλουσιν ὑμᾶς περιτέμνεσθαι ἵνα ἐν τῇ ὑμετέρᾳ σαρκὶ καυχήσωνται. 14 ἐμοὶ κόσμος ἐσταύρωται κἀγὼ κόσμῳ. 14 ἐμοὶ δὲ μὴ γένοιτο καυχᾶσθαι εἰ μὴ ἐν τῷ σταυρῷ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, δι’ οὗ ἐμοὶ κόσμος ἐσταύρωται κἀγὼ κόσμῳ. - 15 οὔτε γὰρ περιτομή τί ἐστιν οὔτε ἀκροβυστία, ἀλλὰ καινὴ κτίσις. - 16 καὶ ὅσοι τῷ κανόνι τούτῳ στοιχήσουσιν, εἰρήνη ἐπ’ αὐτοὺς καὶ ἔλεος, καὶ ἐπὶ τὸν Ἰσραὴλ τοῦ θεοῦ. 17 ἐγὼ γὰρ τὰ στίγματα τοῦ Χριστοῦ ἐν τῷ σώματί μου βαστάζω. - 17 Τοῦ λοιποῦ κόπους μοι μηδεὶς παρεχέτω, ἐγὼ γὰρ τὰ στίγματα τοῦ Ἰησοῦ ἐν τῷ σώματί μου βαστάζω. 18 Ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ μετὰ τοῦ πνεύματος ὑμῶν, ἀδελφοί· ἀμήν. A. *6,2: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,13: Atque adeo cum dicit, Onera vestra invicem sustinete et sic adimplebitis legem Christi, si hoc non potest fieri nisi 1 (Gal) 187 <?page no="188"?> 264 Und als markionitische Lesart vermerkt durch H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Text‐ geschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. quis diligat proximum sibi tanquam se, apparet, Diliges proximum tibi tanquam te, per quod auditur, Invicem onera vestra portate, Christi esse legem, quae sit creatoris, atque ita Christum creatoris esse, dum Christi est lex creatoris. ♦ *6,6: Vgl. Hieron., Commentaria in Epistolam ad Galatas (PL 26, 429B): Marcion hunc locum ita interpretatus est, ut putaret fideles et catechumenos simul orare debere et magistrum communicare in oratione discipulis, illo vel maxime elatus, quod sequetur: In omnibus bonis. ♦ *6,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,14: Erratis, deus non deridetur (deridetur R Kroymann Harnack; irridetur M). Atquin derideri potest deus Marcionis, qui nec irasci novit nec ulcisci. Quod enim severit homo, hoc et metet. Adam., Dial. II 5 (im Mund des Adamantius): ἃ γὰρ ἂν σπείρῃ ἄνθρωπος, ταῦτα καὶ θερίσει (Rufin: quodcunque seminaverit homo, hoc et metet). ἃ … ταῦτα findet sich auch P 46 , 06, 012, lat, Spec. ♦ *6,8: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,14: Porro si retributionem praedicat, ab eodem erit et corruptionis messis et vitae. ♦ *6,9: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,14: Bonum autem facientes non fatigemur. ♦ *6,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,14: et dum habemus tempus, operemur bonum. ♦ *6,12: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,15: Persecutores vocat Christi. ♦ *6,13: Epiph., Pan. 42, sch. 8 (121. 159 H.): οὐδὲ γὰρ οἱ περιτεμνόμενοι αὐτοὶ νόμον φυλάσσουσιν. ♦ *6,14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,15: Sed et mihi, famulo creatoris, mundus crucifixus est, non tamen deus mundi, et ego mundo, non tamen deo mundi. ♦ 6,16: Vgl. Tert., Adv. Marc. IV 5,1: Videamus quod lac a Paulo Corinthii hauserint, ad quam regulam Galatae sint recorrecti. ♦ *6,17: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 4,15: Persecutores vocat Christi. Cum vero adicit stigmata Christi in corpore suo gestare se. Adam., Dial. V 22: τῶν δ’ἄλλων εἰκῆ κόπους μοι μηδεὶς παρεχέσθω. ἐγὼ γὰρ τὰ στίγματα τοῦ Ἰησοῦ ἐν τῷ σώματί μου βαστάζω (Rufin: De caetero nemo mihi molestus sit. Ego enim stigmata domini nostri Iesu Christi in copore meo porto). B. (6,2) Anstelle der zu Tertullian passenden präsentischen Form ἀναπληρώσετε findet sich die Aoristform ἀναπληρώσατε in 01, 02, 04, 06, 044, 0122, M, Cl. ♦ (6,7) Anstelle von ὅ … τοῦτο liest man das lateinische Äquivalent von ἅ … ταῦτα in P 46 , 06, 012, lat, Spec und weiteren lateinischen Zeugen. 264 ♦ (6,9) ἐκκακῶμεν ist belegt in 04, 06 2 , 018, 020, 024, 044, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739 s , 1881, 2464, M, Cl pt , hingegen steht ἐκκακήσωμεν in 010, 012, während P 99 ἐκλύθωμεν bietet, der kanonische Text findet sich in 01, 02, 03, 06*, 33, 81, 326, co, Cl pt . ♦ (6,10) Auch wenn NA 28 ἔχoμεν bietet, würde man eigentlich eher ἔχωμεν erwarten nach der Bezeugung dieser Form in 01, 03*, 6, 33, 104, 326, 188 Rekonstruktion <?page no="189"?> 265 Weitere altlateinische Varianten in H.A.G. Houghton, C.M. Kreinecker, R.F. MacLachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019), 436. 614, während ἔχομεν bezeugt ist durch P 46 , 02, 032, 04, 06, 010, 012, 018, 019, 025, 044, 81, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739 s , 1881, 2464, M, Cl. ♦ ἐργαζόμεθα bieten 02, 03 2 , 020, 025, 6, 104, 1175, 1881. ἐργασώμεθα steht in P 46 , 018, 1505, 2464. Die vorkanonische und kanonische Fassung stimmen überein, weil die Handschriftenvarianten vermutlich auf Verschreibungen zurückgehen. ♦ (6,12) Nach τοῦ Χριστοῦ fügen die Zeugen P 46 , 03, 1175 ein ἰησοῦ, während die folgenden Zeugen diesen Zusatz nicht bieten: 01, 02, 04, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 2464, M, latt, sy. ♦ μή om 1837. ♦ διώκονται steht in P 46 , 01, 04, 010, 012, 018, 020, 025, 0278, 6, 81, 104, 326, 629, 1175, 1241, 1505, 2464 pm, während διώκωνται geboten wird von 01, 03, 06, 044, 33, 365, 614, 630, 1739 pm. ♦ (6,13) Anstelle von περιτεμνόμενοι findet sich περιτετμήμενοι bei den Zeugen P 46 , 03, 020, 044, 6, 365, 614, 630, 1175 pm b, d, r, sa? , bo, Ambst, während die gewählte Form steht in 01, 02, 04, 06, (010, 012), 018, 020, 025, 0278, 33, 81, 104, 1241, 1505, 1739, 2464 pm, ar, f, vg, sy, sa? ♦ καυχήσωνται ist bezeugt in 010 und vielen kanonischen Zeugen, während 06, 012*, 025, 47 *vid , 114, 115 und andere καυχήσονται bieten. ♦ (6,15) ἐν γὰρ Χριστῷ Ἰησοῦ wird als Verseröffnung geboten in 01, 02, 04, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 0278, 81, 104, 365, 630, 1241, (1739 c ), 1881, 2464, M, lat, sy h **, sa mss , bo, während sie fehlt in P 46 , 03, 044, 33, 1175, 1505, 1739*, r, (sy p ), sa mss , Ambst, GrNy, Chr. ♦ τι ἰσχύει steht in: 012, 062, 018, 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1505, 1881, M, lat, syh, τί ἐστιν zu finden ist in: P 46 , 01*, 02, 03, 04, 06*, 010, 012, 0278, 6, 33, 81, 1175, 1241, 1739, 2464, sy p.hmg , co, Ambst. ♦ (6,16) Die präsentische Form στοιχοῦσιν ist belegt durch 01, 04*, 06, 010, 012, 1739, 1881, it, Ambst, hingegen lesen das Futur στοιχήσουσιν 01, 03, 04 2 , 018, 020, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 2464, M, und P 46 liest στοιχήσωσιν. ♦ (6,17) Die Form Χριστοῦ ist bezeugt durch 024, 044, 81, 365, 1175, 2464, bo, daneben ist noch überliefert κυρίου Ἰησοῦ in 04 3 , 06 2 , 018, 020, 104, 630, 1505, 1881, M, vg c1 , sy (p) , in der altlateinischen Tradition in 58, 88, Ambst, Hier, κυρίου μου χριστοῦ 1739, schließlich auch noch κυρίου ἡμῶν (- 01, 06 1 ); ’Ιησοῦ Χριστοῦ in 01, 06 *.1 , 010, 012, it (sa mss ), MVict, Hier, Ambst, Aug, Pel, während allein ἰησου zu lesen ist in P 46 , 02, 03, 04*, 33, 629, 1241, f, t, vg st , sa ms . 265 C. 1. (6,1) Der Vers ist unbezeugt, auch wenn van Manen ihn nach der kanoni‐ schen Version gibt und Zahn mit der Präsenz des Verses ohne Textsicherheit 1 (Gal) 189 <?page no="190"?> 266 Vgl. M. Meiser, Galater (2007), 15. 267 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 443. 268 Detering meint, die Frage ob ἐν πᾶσιν ἀγαθοῖς präsent oder abwesend war, ließe sich nicht entscheiden, H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - -Explanations (2003), 86. 269 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 270 H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 86-87. rechnet. Harnack äußert sich nicht zu dem Vers. Schmid und BeDuhn nehmen ihn als unbezeugt. Der Vers greift wie die vorgenannten Verse der kanonischen Redaktion zentrale Termini derselben auf, Geist, Sanftmut (ἐν πνεύματι πραΰτητος), vgl. die Verse 22-23. Er wird folglich dieser Redaktionsstufe zugehören. Dies wird durch das Zeugnis Tertullians gestützt, der nach dem Zitat des nachfolgenden Verses die direkte Verbindung zu dem vorkanonischen Vers *Gal 5,14 herstellt. 2. (6,2) Hilgenfeld sieht diesen Vers durch Tertullian berührt. Van Manen gibt ihn wie oben. Zahn wählt jedoch die kanonische Form des Verses, so auch Harnack, wobei er noch erwägt, ob nicht τὰ βάρη ἀλλήλων zu schreiben ist. Schmid und BeDuhn nehmen ebenfalls die kanonische Form an. Man bemerke den Rückgriff auf diesen Vers in Diogn 10,6. 266 3. (6,3-5) Diese drei Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn van Manen, Zahn und Harnack mit deren Präsenz rechnen, während Schmid und BeDuhn die Verse schlicht als unbezeugt betrachten. Van Manen gibt sie nach der kanonischen Version (in Vers 4 unter Auslassung von ἕκαστος). 4. (6,6) Hilgenfeld führt an: „Hieronymus erwähnt zum Ueberfluß noch Marcions Deutung von V. 6 auf die ungeschmälerte Theilnahme der Katechu‐ menen an den geistigen Gütern des Gottesdienstes“. 267 Alle anderen Editoren übernehmen den kanonischen Text, van Manen allerdings ohne ἐν πᾶσιν ἀγαθοῖς. 268 Dennoch scheint das τὸν λόγον nicht völlig gesichert (Hier.: in oratione, ἐν λόγῳ? ). 5. (6,7) Hilgenfeld sieht eine Anspielung auf diesen Vers durch Tertullian und Adamantius. Zahn bietet den obigen Text, allerdings mit ὅ … τοῦτο, so auch Schmid und BeDuhn, während Harnack ihn mit ἅ … ταῦτα liest. Diese Variante entspricht auch vielen lateinischen Zeugen, die als markionitische Lesart durch von Soden vermerkt wird. 269 Das am Anfang gegenüber dem kanonischen Text fehlende μή wird von NA 28 als markionitische Lesart angegeben, auch van Manen, Zahn, Harnack, Schmid und BeDuhn lassen es aus, Detering ist unentschieden. 270 190 Rekonstruktion <?page no="191"?> 271 So P. Hartog, Orthodoxy and heresy in early Christian contexts: reconsidering the Bauer thesis (2015), 43; K. Berding, Polycarp and Paul. An analysis of their literary & theological relationship in light of Polycarp’s use of biblical & extra-biblical literature (2002), 73. 272 M.W. Holmes, Polycarp’s letter to the Philippians and the writings that later formed the New Testament (2007), 208-209. 273 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 87-89. 6. μυκτηρίζω ist Hapax legomenon, begegnet dann bei Polycarp von Smyrna (PolPhil 5,1), öfter gesehen als eine literarische Abhängigkeit des Polycarp von Gal 6,7. 271 Hingegen ist Holmes der Meinung, beide Autoren hätten sich eines „bekannten Spruches“ („a familiar saying“) bedient. 272 7. (6,8) Van Manen und Zahn optieren für den kanonischen Text, auch wenn Harnack hier nur zum Teil erhaltene Stücke sieht, Schmid spricht lediglich von einer Anspielung, und BeDuhn bietet die anklingenden Stücke und den Rest nach dem kanonischen Text in Klammern. Nach allem, was wir bisher gesehen haben, spricht die Tatsache, dass die Erwähnung des Geistes nicht bezeugt ist, dafür, dass Anspielungen auf ihn vorkanonisch gefehlt haben. Tertullian hätte sich kaum einen Terminus wie „Geist“ entgehen lassen. Der Vers muss also vorsichtiger als früher rekonstruiert werden. 8. (6,9) Hilgenfeld sieht eine Anspielung auf diesen Vers durch Tertullian. Van Manen gibt für die beiden Verse folgenden Text wie τὸ δὲ καλὸν ποιοῦντες μὴ ἐγκακῶμεν, καὶ ὡς καιρὸν ἔχωμεν, ἐργαζώμεθα τὸ ἀγαθὸν, καιρῷ δὲ ἰδίῳ θερίσομεν. 273 Zahn optiert für den kanonischen Text, Harnack wie oben, jedoch mit ἐνκακῶμεν, Schmid mit ἐγκακῶμεν. ἐκκακῶμεν passt besser zu Tertullians fatigemur und ist belegt in einer Reihe von Zeugen. BeDuhn setzt die Übersetzung für μὴ ἐκλυόμενοι in Klammern in den Text. Dieser nicht bezeugte Teil entspricht jedoch der kanonischen Sprache, wie er in Mt 15,32 / / Mk 8,3; Hebr 12,3. 5 begegnet, jedoch nicht der der vorkanonischen Redaktion. 9. (6,10) Hilgenfeld sieht eine Anspielung auf diesen Vers durch Tertullian. Van Manen gibt den Text wie oben, jedoch anstelle von ἄρα schreibt er καὶ. Zahn optiert für den kanonischen Text, Harnack zitiert wie oben, allerdings ohne das ἄρα οὖν, wobei in et dum Tertullians wohl doch ἄρα angedeutet ist. Schmid gibt den Text wie Harnack wieder, deutet aber mit drei Punkten am Anfang und Ende an, dass noch mit mehr Text zu rechnen ist. BeDuhn gibt eine Übersetzung von ἄρα οὖν in Klammern, ansonsten wie oben. Das πρὸς πάντας am Ende kann gestanden sein, ist aber unbezeugt und vielleicht erst durch das nachfolgende, unbezeugte μάλιστα δὲ πρὸς τοὺς οἰκείους τῆς πίστεως gefordert 1 (Gal) 191 <?page no="192"?> 274 H. Schlier, Der Brief an die Galater (1951), 205-206; F. Mußner, Der Galaterbrief. Auslegung (1974), 409. 275 Zu „Plausibilisierungs- und Authentifizierungsstrategien etwa in Form von Echtheits‐ beglaubigungen“ durch Editoren und Publizisten, vgl. M. Janßen, „Risse und Fenster in der Fassade? “ Zur Problematik innertextlicher Zeitanspielungen als Indizien für die Datierung anonymer und pseudepigraphischer Fiktionen (2021), 40. Vgl. hierzu die Einleitung, Band I, § 7 b.8.b. gewesen. Ob dieser gesamte Teil ursprünglich im vorkanonischen Text stand, ist strittig, und, betrachtet man die Lexik, eher unwahrscheinlich. 10. (6,11) Dieser persönliche Einwurf, der die Argumentation unterbricht, wird aus der Perspektive des authentischen Gal als Beginn des Postskripts gewertet. 274 Er erinnert an Gal 5,2 (Ἴδε ἐγὼ Παῦλος λέγω ὑμῖν), der nur für die kanonische Redaktionsebene bezeugt ist, und scheint auch an dieser Stelle hier den Eindruck der Authentifizierung erwecken zu wollen. Was kann mehr als dieses Zeugnis des eigenhändigen Schreibens beeindrucken? 275 Van Manen gibt den Vers nach der kanonischen Version, Zahn und Harnack sehen in vorkanonisch präsent ohne Sicherheit des Wortlauts. Schmid hält ihn für unbezeugt und BeDuhn für abwesend. 11. (6,12) Hilgenfeld sieht eine Anspielung auf diesen Vers durch Tertullian. Van Manen bietet den Text wie oben, jedoch ohne μόνον ἵνα τῷ σταυρῷ τοῦ Χριστοῦ μὴ διώκωνται. Zahn nimmt an, dass der Vers vorhanden war, ohne Textsicherheit, Harnack äußert sich nicht hierzu. Schmid sieht ihn als unbezeugt, aber BeDuhn verweist als erster auf die hier aufgeführt Tertullianstelle. Einen weiteren Zeugen nennt BeDuhn, die griechische Handschrift 1837, die ohne die Verneinung lese: „only so that the stake of Christos might be persecuted“, die er für die ursprüngliche hält. Doch scheint mir diese Bezeugung zu schwach für ein solches Urteil zu sein. Man vgl. auch zur Verfolgung von Christen *1Thess 2,14-15. 12. (6,13) Dass Epiphanius diesen Text zitiert, der mit dem kanonischen Vers 13a übereinstimmt, kann nach seiner Argumentation nur bedeuten, dass der zweite Teil des Verses nicht im Text präsent war, denn er geht nicht auf den weiteren Versteil ein, sondern betont, dass, solange das Gesetz beachtet wurde, die Beschneidung zugelassen war, allerdings mit dem Kommen Christi die Beschneidung nicht mehr notwendig sei, doch denen, die sie noch besitzen, gelte sie nicht als Gesetzesbefolgung. Folglich, betont Epiphanius, seien das Gesetz und die Beschneidung gut, habe man doch durch beide Christus kennengelernt, der allerdings das vollkommenere Gesetz und die vollkommenere Beschneidung gebracht habe. Dass der zweite Versteil zur kanonischen Redaktion gehört, 192 Rekonstruktion <?page no="193"?> 276 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 89. 277 Vgl. E.S. Lodovici, Sull’ interpretazione di alcuni testi della Lettera ai Galati in Marcione e in Tertulliano (1972), 399-401. 278 So auch H. Detering, The Original Version of the Epistle to the Galatians - Explanations (2003), 89-91. legt auch das „Rühmen“ nahe, das das καύχημα von Gal 6,4 der kanonischen Redaktion aufgreift. Hilgenfeld sieht, dass Epiphanius mit diesem Scholion auf Vers 13 eingeht. Van Manen gibt den Text wie oben 276 (ohne ἐν). Zahn rechnet in irgendeiner Form auch mit dem zweiten Versteil, Harnack sieht nur den ersten Teil bezeugt, so auch Schmid und BeDuhn, auch wenn BeDuhn mit drei Auslassungszeichen weiteren Text andeutet. 13. (6,14) Hilgenfeld sieht eine Anspielung auf diesen Vers durch Tertullian. Van Manen gibt den Text nach der kanonischen Version. Zahn nimmt auch den ersten, unbezeugten Teil von Vers 14 als in einer unbestimmbaren Textform an, während er den zweiten Teil wie im kanonischen Text bezeugt sieht. Harnack gibt den Text wie oben, so auch Schmid und BeDuhn, wobei beide mit Auslassungspunkten am Anfang noch Text vermuten. Das im ersten Textteil begegnende „Rühmen“ greift erneut Inhalt der kano‐ nischen Redaktion auf, wird folglich auch dieser Ebene zugehören; der Hinweis auf das Thema des Kreuzes, der auf Vers 12 geht, lässt nicht erkennen, ob er den vorkanonischen oder kanonischen Gedanken fortführt. Lodovici schlägt vor, aus der Argumentation Tertullians heraus anstelle von κἀγὼ κόσμῳ zu schreiben κἀγὼ θεῷ κόσμῳ. 277 Doch spricht die Formulierung Tertullians, in welcher er nur das ego mundo zusammenfügt und die Rede von dem deus oder deo mundi als eigene Interpretation davon absetzt, eher für die von allen bisherigen Editoren gewählte Rekonstruktion. 14. (6,15) Auch wenn der Vers unbezeugt ist, sieht ihn Zahn in irgendeiner Form vorhanden. Van Manen tilgt ihn. 278 Harnack äußert sich nicht zu ihm, Schmid sieht ihn als unbezeugt, auch BeDuhn gibt keinen Hinweis zu dem Vers. Offenkundig rekurriert der Vers auf Gal 5,6 und führt den Gedanken, dass „weder die Beschneidung noch die Unbeschnittenheit etwas“ bedeuten, fort und leitet damit zu den Endversen des Briefes über. Wie die in einigen Handschrif‐ tenzeugen bezeugte Eröffnung ἐν γὰρ Χριστῷ Ἰησοῦ belegt, hat diese Redaktion den Bezug zu Gal 5,6, nicht aber zur vorkanonischen Version, hergestellt. Auch die Variante τι ἰσχύει stellt diesen Bezug zu Gal 5,6 heraus, der in einigen Handschriftenzeugen zu finden ist. 1 (Gal) 193 <?page no="194"?> 279 Detering hält diese Alternative für unentscheidbar, ibid. 91-92 280 Zur Prägung kirchlicher Formelsprache, vgl. M. Meiser, Galater (2007), 14. 15. (6,16) Van Manen tilgt den Vers, Zahn sieht den Vers in einer unbestimm‐ baren Form anwesend, Harnack sieht ihn unbezeugt, so auch Schmid, doch BeDuhn verweist auf die Tertullianstelle aus dem Kommentar des *Ev, der sich auf den vorliegenden Vers in seinem ersten Teil bezieht. Da Tertullian an dieser Stelle zunächst die Verbindung zu 1Kor 3,2 und dann zu Gal 6,16 herstellt, doch 1Kor 3,2 nur kanonisch steht, kann auch Gal 6,16 nicht als Beleg für die vorkanonische Version genommen werden. 16. (6,17) Hilgenfeld sieht eine Anspielung auf diesen Vers durch Tertullian. Van Manen gibt den Text nach der kanonischen Version (schreibt jedoch Χριστοῦ anstelle von Ἰησοῦ 279 ). Zahn liest den kanonischen Text, allerdings mit Ἰησοῦ. Harnack bietet denselben Text. Schmid sieht jedoch korrekterweise nur ἐγὼ γὰρ τὰ στίγματα τοῦ Χριστοῦ ἐν τῷ σώματί μου βαστάζω bezeugt, deutet aber mit drei Auslassungspunkten am Anfang noch Textbestand an; ihm folgt BeDuhn. Wenn nur dieser Teil vorkanonisch stand, dann findet sich der Bezug zum Geist und die direkte Ansprache, wie sie sich im unbezeugten Teil finden, noch seltener bei *Paulus, d. h. die kanonische Diktion wird noch deutlicher gegenüber der vorkanonischen. 17. (6,18) Hilgenfeld, Harnack, Schmid und BeDuhn nehmen diesen Vers als unbezeugt, Zahn darüber hinaus auch als abwesend. Van Manen bietet ihn nach dem kanonischen Text. Mit dem Geistbezug und der direkten Adressatenansprache trägt der Vers Merkmale der kanonischen Redaktion. 280 Die Redaktion wirkt wie eine Har‐ monisierung des prägnanten, auf deutliche Absetzung orientierten Schlusses von *Gal, mit dem *Paulus fast verächtlich klingt oder zumindest die Gegner beiseiteschiebt und auf das eigene Leiden und das Christi hinweist. D. (6,1) προλαμβάνω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ παράπτωμα, das 23 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nicht in *Ev, jedoch in *Röm 5,20 und *Laod 2,1. ♦ τινι (Dat. Fem. / Mask. / Neut. Sg.) steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ καταρτίζω, das 15 / 13 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,21; *1Kor 15,48. ♦ πραΰτης, das 22 Mal im NT steht, ist ausschließlich 194 Rekonstruktion <?page no="195"?> für die kanonische Ebene belegt. ♦ σκοπέω steht nur 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene (Lk 11,35; Röm 16,17; Gal 6,1; Phil 2,4; 3,17; 2Kor 4,18). ♦ σεαυτοῦ, das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,14; *Gal 5,14; *Röm 13,9. ♦ πειράζω, das sich 42 / 38 Mal im NT findet, ist ausschließlich für die kanonische Fassung bezeugt. Zur Abwesenheit: Zuvor wurde bereits in Nr. 1 zu diesem unbezeugten Vers inhaltlich die Verknüpfung mit der kanonischen Redaktion und dem Inhalt auf dieser Ebene zum voranstehenden Kapitel hergestellt. Der Vergleich der Lexeme stützt mit der Reihe von ausschließlich kanonisch bezeugten Termini (προλαμβάνω; καταρτίζω; πραΰτης; σκοπέω; πειράζω) diese Zuordnung. Folg‐ lich dürfte der Vers zur kanonischen Redaktion gehören und in der vorkanoni‐ schen Version gefehlt haben. (6,2) ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ βάρος, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ βαστάζω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *Gal 5,10; 6,2. 17. ♦ ἀναπληρόω, das 7 / 6 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch für die vorliegende Stelle bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das sich mit dem in NA 28 gegebenen kanonischen Text deckt. (6,3) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ δοκέω steht 100 / 63 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9. ♦ Das Nomen δόξα steht 178 / 166 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ Die Formulierung εἰ γὰρ δοκεῖ τις (oder Abwandlungen derselben wie εἴ τις δοκεῖ) findet sich nur auf der kanonischen Ebene (1Kor 3,18; 8,2; 14,37; 2Kor 11,9; Phil 3,4; Jak 1,26). Die Liste und der Vergleich zeigen eindrucksvoll, dass der Terminus in der vorkanonischen Fassung einen viel geringeren Stellenwert hat als in der kanonischen. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Verbform ὤν, die 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3. ♦ φρεναπατάω ist Hapax legomenon im NT. Auch das verwandte φρεναπάτης, das in Tit 1,10 als Hapax legomenon im NT steht, findet sich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Wie bereits die Einleitungsformel dieses unbezeugten Verses unterstreicht (εἰ γὰρ δοκεῖ τις), die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden ist, wurde der Vers von der kanonischen Redaktion formuliert und war in der vorkanonischen Version abwesend. 1 (Gal) 195 <?page no="196"?> (6,4) ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vornehmlich ein Begriff der kanonischen Ebene, auch wenn er vorkanonisch bezeugt ist für *Gal 2,16; 5,19, jedoch in negativer Deutung, nicht neutral oder positiv gemeint wie hier. ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ ἕκαστος steht 87 / 82 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; 7,7; 15,38; *2Kor 5,10; *Laod 4,25. ♦ τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ καύχημα, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ ἔξειμι im Sinne von „Herausgehen“ steht 10 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Das formgleiche ἕξις, das 11 / 1 Mal im NT steht, ist ein Mal vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers fällt die Semantik auf. Während die Lexik vorkanonisch bezeugt ist, ist die Semantik verschieden (ἔργον; ἔξειμι). Auch dieser Vers dürfte demnach auf die kanonische Redaktion zurückgehen und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (6,5) ἕκαστος steht 87 / 82 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; 7,7; 15,38; *2Kor 5,10; *Laod 4,25. ♦ ἴδιος findet sich 123 / 114 Mal im NT, etwa Lk 2,3; 10,34, in Versen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ Die Kombination ἕκαστος γὰρ τὸ ἴδιον steht nur noch ein Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Kor 11,21). ♦ φορτίον steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,46. ♦ βαστάζω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *Gal 5,10; 6,2. 17. Zur Abwesenheit: Dieser weitere, unbezeugte Vers besitzt vorkanonische Lexik, weist jedoch auch die Kombination ἕκαστος γὰρ τὸ ἴδιον auf, die sich nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene findet. Auch er dürfte demnach nicht nur unbezeugt, sondern auf der vorkanonischen Ebene auch abwesend gewesen sein. (6,6) κοινωνέω steht 15 / 8 Mal im NT, weiters jedoch nur auf der kanonischen Ebene. ♦ κατηχέω, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,6; *1Kor 14,19. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ ἀγαθός, das 109 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12; 12,9. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Hieronymus. Im Unter‐ schied zu den früheren Editoren wird hier, Hieronymus folgend, ἐν λόγῳ anstelle der kanonischen Formulierung τὸν λόγον gesetzt, jedoch als unsichere Lesart notiert. Bei der Lexik fällt auf, dass zwei der drei untersuchten, hier bezeugten 196 Rekonstruktion <?page no="197"?> Begriffe auch an anderen Stellen vorkanonisch bezeugt sind, womit eine gewisse Übereinstimmung zwischen Bezeugung und Lexik gegeben ist. (6,7) πλανάω, das 42 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für die Stelle hier bezeugt und kann vielleicht auch in *Ev 21,8 gestanden sein, ist dort aber unbezeugt. ♦ μυκτηρίζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ὃ γάρ steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 6,10; 7,15; im Vers: Röm 8,24; Gal 6,7), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σπείρω, das 58 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,8; *1Kor 15,42. 44. ♦ τοῦτο, das 313 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32. ♦ θερίζω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,7. 9. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, allerdings mit der Änderung von ὃ γάρ … τοῦτο zu ἃ γάρ … ταῦτα gemäß der lateinischen Tradition, wie schon Harnack vorschlug und wie es der Lexik entspricht. (6,8) Zu σπείρω, das 58 / 52 Mal im NT steht, vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ φθορά, das 9 Mal im NT steht, ist für die Stelle hier, *Gal 6,8 und nochmals *1Kor 15,50 vorkanonisch bezeugt. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter die Verse 12. 13. ♦ Zu θερίζω, das 22 / 21 Mal im NT steht, vgl. ebenfalls zum voranstehenden Vers. ♦ ζωή, das 142 / 135 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,22; *2Kor 4,10; 5,4; *Röm 5,21; 8,10. Zur Rekonstruktion: Wie in Nr. 7 diskutiert, gibt Tertullian nur einige Hinweise auf den Text, die vor allem das Geistthema vermissen lassen, weshalb der Text ohne dieses Thema rekonstruiert wird; außerdem werden die nicht bezeugten weiteren Teile wegen der unsicheren Vorgabe nur im Normaldruck gegeben, gleichwohl ist mit der Präsenz von Teilen des Verses in der vorkanonischen Version und mit einer kanonischen Überarbeitung desselben zu rechnen. (6,9) καλός, das 109 / 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,9. ♦ ἐγκακέω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,16; *Gal 6,9. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,42. 56, *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ Zu θερίζω, das 22 / 21 Mal im NT steht, vgl. zu Vers 7. ♦ ἐκλύω steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt in Mt 15,32; Mk 8,3; Gal 6,9; Heb 12,3. 5. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians für den bezeugten Teil unter Berücksichtigung der Überlegungen in Nr. 8. Aus Gründen der 1 (Gal) 197 <?page no="198"?> argumentativen Logik und lexikalisch vorkanonisch bezeugt, wird auch der Anfang des nicht mehr bezeugten Teils hinzugenommen. Lediglich der Schluss des unbezeugten Teils ist ausgelassen, nachdem ἐκλύω ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt und auch im kanonischen Paulus nur weiter in Hebr belegt ist. (6,10) ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *1Kor 15,14. ♦ Zur nur kanonisch stehenden Variante ἄρα οὖν, vgl. zu Vers 4,31. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,42. 56, *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist nur hier und ggfls. noch einmal *Ev 13,14 vorkanonisch bezeugt, jedoch ein beliebter kanonische Begriff ist. ♦ ἀγαθός, das 109 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12; 12,9. ♦ μάλιστα steht 12 Mal im NT, immer nur auf der kanonischen Ebene (Apg 20,38; 25,26; 26,3; Gal 6,10; Phil 4,22; 1Tim 4,10; 5,8. 17; 2Tim 4,13; Tit 1,10; Phlm 1,16; 2Petr 2,10). ♦ πάντας steht 90 Mal im NT, vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ οἰκεῖος steht nur 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt allein für *Laod 2,19, ansonsten für die kanonische Ebene (Gal 6,10; Eph 2,19; 1Tim 5,8). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, der nicht mehr bezeugte Teil dürfte, wie in Nr. 9 ausgeführt, auf die kanonische Redaktion zurückgehen, was durch die Lexik gestützt wird, die einen ausschließlich für die kanonische Ebene belegten Begriff (μάλιστα) und einen weiteren aufführt, der vorkanonisch nur im *Deuteropaulinum *Laod steht (οἰκεῖος). (6,11) πηλίκος steht 2 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene (Gal 6,11; Hebr 7,4). ♦ γράμμα, das 17 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,27. 29 und stand vielleicht auch *Ev 16,6. 7 und vielleicht auch 23,38. ♦ γράφω, das 213 / 191 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,19. 31; 3,19; 9,10; 10,7. 11; 14,21; 15,54, vielleicht sogar auch in einer sehr ähnlichen Formulierung (*1Kor 4,14: ὑμᾶς ταῦτα γράφω). ♦ ἐμός steht 389 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,3; 6,14; *Laod 3,8; *Phil 3,9, insgesamt also ist der Begriff vorkanonisch eher rar. ♦ χείρ, das 158 / 178 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Formulierung ἔγραψα τῇ ἐμῇ χειρί steht noch ein Mal, Phlm 1,19, wieder auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers fällt gleich der erste Begriff (πηλίκος) auf, der ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt ist. Ebenso die Schlussformulierung ἔγραψα τῇ ἐμῇ χειρί, die nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene steht, folglich wird der Vers auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sein und im vorkanonischen Text gefehlt haben. 198 Rekonstruktion <?page no="199"?> (6,12) ὅσος, das 121 / 110 im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ εὐπροσωπέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu Vers 8 und danach zu Vers 13. ♦ οὗτοι, das 77 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀναγκάζω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3. ♦ περιτέμνω, das 20 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch mehrmals für *Gal bezeugt (*Gal 2,3; 5,3; 6,13). ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39, also deutlich ein beliebter Terminus der kanonischen Ebene. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; Phil 2,8; *Kol 1,20. ♦ διώκω, das 47 / 45 im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. Zur Rekonstruktion: Bei diesem Vers ist nur der letzte Teil durch Tertullian bezeugt, während der erste Teil argumentativ sinnvoll ist, auch wenn dieser Text, wie οὗτοι bezeugt, sehr wahrscheinlich kanonisch überarbeitet worden ist. (6,13) Zum bezeugten Versteil: οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Die Kombination οὐδὲ γάρ steht 9 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 20,36; *Gal 6,13, vgl. zu Gal 1,12. ♦ περιτέμνω, das 20 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch mehrmals in *Gal bezeugt ist (*Gal 2,3; 5,3; 6,13). ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.), das 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; 6,13. ♦ φυλάσσω, das 35 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für *Ev und *Paulus bezeugt, auch wenn es vornehmlich ein Begriff der kanonischen Redaktion ist. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ὑμέτερος steht 11 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Auch dieses Wort stützt die emphatische Anrede der kanonischen Redaktion. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu Vers 8. 12. ♦ καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich in der Briefliteratur, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Auch narrativ ist der nicht mehr bezeugte Versteil passend und vielleicht wegen seiner impliziten Kritik von Tertullian übergangen worden. (6,14) Im unbezeugten Versteil: Die Kombination ἐμοὶ δέ begegnet nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene 1Kor 4,3, und zwar auch als Verseröffnung. ♦ Zu καυχάομαι vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Die Kombination εἰ μή steht 86 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,21; 8,21; 10,22; 17,18; *Röm 7,7. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; Phil 2,8; *Kol 1,20. 1 (Gal) 199 <?page no="200"?> Zum bezeugten Versteil: σταυρόω, das 62 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,24; 6,14; *1Kor 2,8; *Laod 2,16; *Kol 1,20; *Phil 2,8. Zur Rekonstruktion: Im unbezeugten Teil fällt gleich die Eröffnung auf, die nur noch ein Mal kanonisch steht, dann begegnen weitere, beliebte Termini der kanonischen Ebene; folglich wird man diesen Teil der kanonischen Redaktion zuordnen und nur mit dem bezeugten Teil für die vorkanonische Version rechnen. (6,15) Die Kombination οὔτε γάρ steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, ebenfalls als Verseröffnung, auf der kanonischen Ebene in 1Thess 2,5. ♦ περιτέμνω, das 20 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch mehrmals in *Gal bezeugt (*Gal 2,3; 5,3; 6,13). Das verwandte περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Paulus (*Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11). ♦ ἰσχύω, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,6. ♦ ἀκροβυστία, das 22 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. 27; *Laod 2,11. ♦ καινός, das 47 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,38; *2Kor 5,17. ♦ κτίσις steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,17. Zur Abwesenheit: Der Vers ist vorkanonisch unbezeugt, und die Rückbezüge zum kanonischen Vers Gal 5,6 begründen, wie in Nr. 14 dargelegt, seine vorka‐ nonische Abwesenheit; gestützt wird dies lexikalisch durch die nur kanonisch belegte Verseröffnung οὔτε γάρ. (6,16) Zu ὅσος vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ κανών steht 5 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt (2Kor 10,13. 15. 16; Gal 6,16; Phil 3,16). ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.) steht 88 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ στοιχέω, das 5 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ ἔλεος steht 35 / 27 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἰσραήλ findet sich 74 / 68 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1; *Laod 2,12. Zur Abwesenheit: Nachdem in Nr. 15 dargelegt wurde, dass das von BeDuhn herangezogene Zeugnis Tertullians nicht den vorkanonischen, sondern den kanonischen Vers Gal 6,16 im Auge hat, ist der Vers unbezeugt. Nimmt man die Lexik hinzu mit den ausschließlich kanonisch bezeugten Begriffen (κανών; στοιχέω; ἔλεος) und erkennt, dass *Gal 6,17 narrativ und argumentativ unmit‐ telbar an *Gal 6,14 anschließt, wird man zu dem Schluss kommen, dass der Vers 16 vorkanonisch gefehlt hat. 200 Rekonstruktion <?page no="201"?> (6,17) Zum unbezeugten Versteil: λοιπός, das sich 60 / 55 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,17; *Laod 2,3. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, jedoch nur auf der kanonischen Ebene. ♦ μηδείς steht 93 ( 89 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,17. ♦ παρέχω steht 17 / 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zum bezeugten Versteil: στίγμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus ist. ♦ βαστάζω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *Gal 5,10; 6,2. 17. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und schließt nahtlos an den letztbezeugten Vers *Gal 6,14 an. Dass der Eingangsteil des Verses nicht nur unbezeugt ist, sondern auch gefehlt hat, wird neben dieser narrativen Be‐ obachtung auch durch die Lexik gestützt, bei der gleich zwei Begriffe begegnen, die nur kanonisch belegt sind (κόπος; παρέχω). Hingegen sind die im bezeugten Teil stehenden Begriffe auch weiter vorkanonisch bezeugt. (6,18) χάρις, das 171 / 156 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut bezeugt und doch ein Begriff großer Beliebtheit auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀμήν, das 175 / 130 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch nur substantivisch bezeugt für *2Kor 1,20. ♦ Die Formel χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ μετά oder μεθ’ steht wieder auf der kanonischen Ebene in Röm 16,20; 1Thess 5,28; 2Thess 3,18; vgl. auch 1Tim 1,14. ♦ Die Wendung μετὰ τοῦ πνεύματος ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Gal 6,18; Phil 4,23; Phlm 1,25). Zur Abwesenheit: Wie bereits in Nr. 17 dargelegt, gibt es innere Gründe für die Abwesenheit des Verses, die von der Lexik gestützt wird, welche Elemente aufweist, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀμήν; χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ μετά; μετὰ τοῦ πνεύματος ὑμῶν). 1 (Gal) 201 <?page no="202"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 118. 2 (1Kor) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Κορινθίους α΄ - Corinthi sunt Achaici. et hi similiter ab apostolo audierunt verbum veri‐ tatis et subversi multifarie a falsis apostolis, quidam a philosophiae ver‐ bosa eloquentia, alii a secta legis Iudaicae inducti sunt. hos revocat apostolus ad veram et evangelicam sa‐ pientiam scribens eis ab Epheso. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5, praef.: De epistula ad Corinthios prima; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): δευτέρα δὲ πρὸς Κορινθίους; ibid. (159 H.): Ἀπὸ τῆς πρὸς Κορινθίους ἐπιστολῆς· αὕτη γὰρ παρ’ αὐτοῖς δευτέρα καὶ παρ’ ἡμῖν; vgl. auch den markionitischen Prolog in der kritischen Edition. 1 B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. C. Zahn und Harnack geben den obigen Titel ohne Quellenverweis. Titulus und Adressaten gehen hervor aus den Zeugnissen, die unter A. aufgeführt sind. Bemerkenswert ist die Stellung des prima bei Tertullian. Bei der Einführung zum Zweiten Korintherbrief spricht er von der epistula secunda. Dass er hier zunächst nur von der epistula spricht, deckt sich mit dem Sprachgebrauch des Epiphanius, der den Ersten Korintherbrief nicht zählt, sondern erst beim Zweiten Korintherbrief diesen als „Zweiten“ bezeichnet. Kapitel 1 1,1-3: Anschrift und Gruß Dieser Passus ist gut bezeugt, wurde jedoch von der kanonischen Redaktion erweitert, so dass im Unterschied zur vorkanonischen Version, die *Paulus allein verantwortet, in der kanonischen Version ihm ein Bruder Sosthenes als Mitabsender an die Seite gegeben wurde. <?page no="203"?> 2 Für einen historischen Überblick dieser Teilungshypothesen, vgl. den Überblick in T. Zečević, The Integrity of the First Letter to the Corinthians (2021). Zu diesen müsste man weitere hinzufügen, vgl. etwa T. Whittaker, The Origins of Christianity with an Outline of Van Manen’s Analysis of the Pauline Literature (1904), 165-171. 1,1 Παῦλος ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ 1,1 Παῦλος κλητὸς ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ διὰ θελήματος θεοῦ, καὶ Σωσθένης ὁ ἀδελφός, 2 Κορίνθῳ· - 2 τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ, ἡγιασμένοις ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, κλητοῖς ἁγίοις, σὺν πᾶσιν τοῖς ἐπικαλουμένοις τὸ ὄνομα τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ ἐν παντὶ τόπῳ, αὐτῶν καὶ ἡμῶν· 3 χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ. 3 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. A. *1,1-2: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5, praef. 1: De epistula ad Corinthios prima. [1]-Praestructio superioris epistulae ita duxit, ut de titulo eius non retractaverim, certus et alibi retractari eum posse, communem scilicet et eundem in epistulis omnibus; Adam., Dial. II 12 (im Mund des Markioniten): αὐτὸς ὑπὲρ αὑτοῦ γράφει λέγων· Παῦλος, ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ (Rufin: Ipse de se scripsit dicens: Paulus apostolus Iesu Christi). ♦ *1,3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,1-2: 1 … Praestructio superioris epistulae ita duxit, ut de titulo eius non retractaverim, certus et alibi retractari eum posse, communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. Quod non utique salutem praescribit eis quibus scribit, sed gratiam et pacem, non dico … Haec cum a deo patre nostro et domino Iesu annuntians communibus nominibus utatur, competentibus nostro quoque sacramento, non puto dispici posse quis deus pater et dominus Iesus praedicetur, nisi ex accedentibus cui magis competant. B. (1,1) κλητός om P 61vid , 02, 06, 81, Cyr. ♦ Ἰησοῦ Χριστοῦ lautet die Reihenfolge in Adam., Dial. II 13 und in den Zeugen 01, 02, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1506, 1739, 1881, 2464, M, b, vg st , sy, co, arm, aeth, Ambst, Pel, Cyr, Thdt, und in der altlateinischen Tradition: 89 während sich Χριστοῦ Ἰησοῦ in den folgenden Zeugen findet: P 46 , 03, 06, 010, 012, 33, it, vg cl , Ambst. C. 1. Zum Brief: Verschiedene Teilungshypothesen wurden für diesen Brief vorgeschlagen. 2 H.-J. Klauck meint: „Entgegen der anfangs gehegten Erwartung, die auf den Nachweis der literarkritischen Einheitlichkeit ausging, hat mich die Arbeit am Text zu der Ansicht geführt, daß der erste Korintherbrief ein 2 (1Kor) 203 <?page no="204"?> 3 H.-J. Klauck, 1. Korintherbrief (1984), 241. 4 G. Sellin, Der Streit um die Auferstehung der Toten. Eine religionsgeschichtliche und exegetische Untersuchung von 1 Korinther 15 (1986), 49. 5 U. Schnelle, 1 Kor 6: 14 - Eine nachpaulinische Glosse (1983); H. Merklein, Die Einheit‐ lichkeit des ersten Korintherbriefes (1984). 6 G. Sellin, Der Streit um die Auferstehung der Toten. Eine religionsgeschichtliche und exegetische Untersuchung von 1 Korinther 15 (1986), 53. zusammengesetztes Gebilde ist“. 3 Eine besondere Rolle spielt diesbezüglich die Bemerkung in 1Kor 5,9 („Ich habe euch in meinem Brief geschrieben, dass ihr nichts mit Unzüchtigen zu schaffen haben sollt“). Wie zu sehen sein wird, steht dieser Vers auf der kanonischen Ebene. G. Sellin sieht eine „merkwürdige Tatsache“: „Paulus [beschäftigt] sich aus‐ führlich mit der Tatsache…, daß die Korinther die Rede von einer Auferstehung Toter kategorisch ablehnen“, Paulus aber in 1Kor 6,14 „etwas als Begründung anführen (kann), was doch - wie er [Paulus, MV] laut 1 Kor 15 wissen müßte - von seinen Gesprächspartnern nicht akzeptiert wird? “ Sellin meint: „Die Antwort kann nur lauten: 1 Kor 6,14 und Kap.-15 können nicht im selben Brief gestanden haben. 6,14 gehört in den 5,9 erwähnten ‚Vorbrief ‘, Kap. 15 in den späteren ’Themen-’ oder ‚Antwortbrief ‘“. 4 Allerdings behauptet U. Schnelle, 1Kor 6,14 sei eine nachpaulinische Glosse. Andere treten für die Einheitlichkeit des Briefes ein. 5 Dennoch hält Sellin an einer Teilung des Briefes fest, und zwar sieht er gleich drei Briefe, die im ersten Korintherbrief miteinander verbunden wurden: Ein Brief A: 11,2-34; 5,1-8; 6,12-20; 9,24-10,22; 6,1-11. Ein Brief B: 5,9-13; 7,1-9,23; 10,23-11,1; 12,1-14,331.37-40; 15. Ein Brief C: 1,1-4,21. 6 Diese Briefteilungshypothese (wie solche zu weiteren Briefen und verschie‐ dene Interpolationsvorschläge) sind von Bedeutung, weil sie nicht selten den Sensus von Brüchen innerhalb des Textes vermitteln. Geht man von der Priorität der *10-Briefe-Sammlung aus, stellt sich heraus, dass wir es nicht mit verschie‐ denen Briefen zu tun haben, die zu einem Brief zusammengebracht wurden, sondern öfter mit noch erkennbaren Bruchstellen zwischen der vorkanonischen Vorlage und den kanonischen Bearbeitungen. Nimmt man etwa die Bruchstelle zwischen Brief C (4,21) und Brief A (5,1), erkennt man, dass 4,16-21 einen kanonischen Passus bietet, während in 5,1 wieder die vorkanonische Vorlage einsetzt. Ebenso, wenn Brief B mit 5,9-13 angesetzt wird, finden wir, dass bis 5,8 die gerade erwähnte vorkanonische Vorlage Text bietet, die von der kanonischen Redaktion in 5,9-13 mit neuem Text ergänzt wird. 204 Rekonstruktion <?page no="205"?> 7 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 443. 8 Vgl. E.R. Richards, The secretary in the letters of Paul (1991), 47. 9 H. Lietzmann, An die Korinther I, II (1949), 4. 10 Vgl. etwa Calvin, First Epistle of Paul to the Corinthians (1960), 17. 11 J. Weiss, Der erste Korintherbrief (1910), 2. 12 J. Murphy-O’Connor, Co-Authorship in the Corinthian Correspondence (1993). 13 Vgl. hierzu die Einleitung, I, S. 568-572. 14 H. Lietzmann, An die Korinther I, II (1949), 5. 2. (1,1) Bezüglich dieses Briefes und seiner vorkanonischen Rekonstruktion ist Hilgenfeld optimistisch: „Auch auf diesen Brief geht Tertullian V, 5-10 noch ziemlich ausführlich ein, so daß sich mit Hinzuziehung der anderen Quellen der Textbestand noch ziemlich ermitteln lässt.“ 7 Zahn sieht die beiden ersten Verse der kanonischen Form nach bezeugt, Harnack hingegen als unbezeugt, so auch Schmid. BeDuhn verweist auf das Zeugnis des Adamantius, das zwar auch Harnack für den Wortlaut Ἰησοῦ Χριστοῦ notiert, jedoch sieht er nicht für den Rest des Textes für bezeugt. 3. Sosthenes wird von Tertullian nicht erwähnt. Man hat darauf hingewiesen, wie selten in der Antike solche Mitabsender sind. 8 Die Hinzufügung von Sosthenes dient zur Verschränkung des Briefes mit der Apostelgeschichte und dem dort für Korinth erwähnten Synagogenvorsteher gleichen Namens (Apg 18,17), auch wenn Lietzmann diese Verbindung eine solche der „Phantasie“ nennt. 9 Nicht erst in der Reformation wurden solche historische Linien ge‐ zogen. 10 Bereits Klemens von Alexandrien, wie Euseb. Caes., Hist. eccl. I 12,1 bezeugt, hat Sosthenes wie Barnabas unter die 70 Jünger Jesu gezählt und damit Paulusschüler ganz nahe an die Gründergestalt herangeführt. Nach Apg 18,17 wurde Sosthenes von οἱ Ἰουδαῖοι vor dem Richterstuhl geschlagen. Das legt nahe, dass er wie der andere Synagogenvorsteher Krispus sich auf die Seite des Paulus gestellt und „zum Glauben gekommen war“ (Apg 18,8). Bereits Weiß betont, dass Paulus im Brief „ganz überwiegend in der 1. pers. sing. redet“. 11 Ausnahmen sind nur die Passagen 1Kor 1,18-31 und 2,6-16, was auf Ko-autorschaft und Mitsenderschaft hinweisen könnte. 12 Mitautorschaften finden sich nur in der kanonischen Redaktion, etwa 2Kor 1,1; Phil 1,1; Kol 1,1; 1Thess 1,1; 2Thess 1,1; Phlm 1. Die Inkongruenz zwischen Mitautorschaften und der Rede in der ersten Person Singular verweist auf eine weitere Inkonsistenz auf der kanonischen 13 4. (1,2) In der vorkanonischen Fassung wird als Adressatin nur „Korinth“ genannt, während τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ und das verschieden eingeordnete ἡγιασμένοις ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ Zusatz der kanonischen Redaktion ist. Bereits Lietzmann verweist darauf, dass ἡγιασμένοι Christen „nur außerhalb der Plsbriefe“ bezeichne (Hebr 10,10; Apg 20,32; 26,18; Joh 17,19; Jud 1). 14 Zuntz 2 (1Kor) 205 <?page no="206"?> 15 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 92. 16 C.K. Barrett, A commentary on the first Epistle to the Corinthians (1971), 32. 17 Tert., Adv. Marc. V 5,1: communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. 18 J. Weiss, Der erste Korintherbrief (1910), 1. 19 H. Lietzmann, An die Korinther I, II (1949), 4. 20 Vgl. hierzu A.C. Thiselton, The First Epistle to the Corinthians (2000), 62-64. 21 Pace H. Lietzmann, Einführung in die Textgeschichte der Paulusbriefe. An die Römer (1933), 23. 22 J. Weiss, Der erste Korintherbrief (1910), 2-4; G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 91-92. meint denn auch, dieser Begriff sei kein paulinischer und schließt daraus, dass dieser Passus nicht ursprünglich sei. 15 Bei Paulus begegnet die Bezeichnung nur auf der Ebene der kanonischen Redaktion, 1Kor 6,11; 7,14; Röm 15,16. Es wurde sogar schon vorgeschlagen, dieser gesamte Passus sei eine spätere Interpolation. 16 Für das Fehlen zumindest des ἡγιασμένοις ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ im vorkanonischen Text spricht auch, dass die Wiederkehr von ἡγιάσθητε, mit der Taufe begründet, in 1Kor 6,11 erwähnt wird, jedoch für *1Kor unbezeugt ist, und die Eröffnung nicht verbreitet und spezifisch gewesen sein kann, wenn Tertullian 17 von der gemeinsamen und selben Eröffnung in allen Briefen des *Paulus spricht, was, wenn man sich die weiteren Brieferöffnungen des *Paulus betrachtet, auch korrekt zu sein scheint. 5. κλητός, das in einigen Zeugen fehlt, hält Weiss nicht für ursprünglich. 18 Hingegen meint Lietzmann, das Fehlen in den Zeugen, die diesen Begriff nicht bieten, sei als Vereinfachung bzw. Angleichung an 2Kor 1,1 zu sehen. 19 Der Ausdruck stellt einen Bezug zur jüdischen Prophetie her ( Jer 1,5) und weist voraus auf Vers 2, bei dem in der kanonischen Version von den Gerufenen gesprochen wird. 20 6. Die Festlegung der vorkanonischen Reihenfolge von Namen und Christus‐ bezeichnung (Ἰησοῦ Χριστοῦ) im ersten Vers ist nicht leicht zu entscheiden. Beide Anordnungen sind durch Zeugen belegt, die immer wieder den vorkano‐ nischen Text bezeugen. In Anlehnung an das eindeutig bezeugte Ἰησοῦ Χριστοῦ in *Gal 1,1 und Tertullians Hinweis auf die Ähnlichkeit der Brieferöffnungen des *Paulus, wird diese Reihenfolge auch hier gewählt. Betrachtet man sich allerdings andere Schriften, etwa die 7-Briefe-Sammlung des Ignatius, wird man schnell erkennen, dass beide Anordnungen zu finden sind, hier lässt sich also keine eindeutige Anordnung finden. 21 1Kor 1,2 wurde bereits verschiedentlich als Interpolation in 1Kor betrachtet. 22 7. (1,3) Tertullian sagt also ausdrücklich, dass er die Eröffnung des voranste‐ henden Briefes (an die Galater) übergangen hat und wegen der seiner Meinung nach Eintönigkeit der Eröffnungen des *Paulus auch nicht sonderlich auf sie 206 Rekonstruktion <?page no="207"?> 23 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 233. achte, er verwende eben auch in Bezug auf Gott nur allgemeine Bezeichnungen. Bezeugt ist demnach Vers 3. Hilgenfeld sieht den kanonischen Textbestand „unverändert“ beibehalten. Zahn nimmt *1Kor 1,1-3 wie im kanonischen Text, Harnack meint, dass nur χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ bezeugt sei. Schmid gibt χάρις (ὑμῖν) καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ (Χριστοῦ), BeDuhn schreibt: „1Paul, [called to be] an emissary of Jesus Christos [through God’s will . . . 2to the assembly of God that is in Corinth—] 3May you have favor and peace from God our Father and Master Jesus.-…“. 23 D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier, *Gal 1,1 und noch für *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀπόστολος, das 83 / 80 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt. ♦ θέλημα steht 65 / 62 Mal im NT, auch wenn es in *Ev nicht zu finden ist (bemerkenswert etwa 12,47, wo Klinghardt den Begriff gegen seinen Kommentar allerdings fälschlicherweise in den Text genommen hat), ist der Begriff doch in *1Thess 4,3 und *Laod 1,9 vorkanonisch belegt. ♦ Der Genitiv θελήματος steht 14 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,13; Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,1; 7,37; 2Kor 1,1; 8,5; Eph 1,1. 5. 9. 11; Kol 1,1. 9; 2Tim 1,1). ♦ Σωσθένης findet sich nur hier und noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Apg 18,17. Zur Rekonstruktion: Die Rekonstruktion folgt Tertullians Angaben und dem Zeugnis des Adamantius (im Mund des Markioniten), auch wenn unsicher ist, ob διὰ θελήματος θεοῦ Teil des vorkanonischen Verses war. Die Mitautorschaft des Sosthenes geht, wie oben in Nr. 1 dargelegt, auf die kanonische Redaktion zurück. (1,2) ἐκκλησία, das 120 / 114 Mal im NT steht, ist auffallenderweise weder in *Ev noch in Lk, jedoch vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,19 (hier allerdings verstanden als „Versammlung“; *Laod 3,10; 5,23. 29. 32; *Kol 1,24. ♦ Die Verbform οὔσῃ steht 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, weiters in Apg 24,24; 1Kor 1,2; 2Kor 1,1. ♦ Außerdem findet sich die Kombination ἡ ἐκκλησία + τοῦ θεοῦ sonst nirgends für *Paulus bezeugt, hingegen begegnet man ihr gleich 9 Mal auf der kanonischen Ebene bei Paulus (1Kor 1,2; 10,32: τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ; 11,16: αἱ ἐκκλησίαι τοῦ θεοῦ. 22: τῆς ἐκκλησίας τοῦ θεοῦ; 15,9: τὴν ἐκκλησίαν τοῦ θεοῦ; 2Kor 1,1: τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ 2 (1Kor) 207 <?page no="208"?> 24 Ich danke Mark Bilby für beide Hinweise (Email vom 17.5.23). 25 J. Schröter, Sammlungen der Paulusbriefe und die Entstehung des neutestamentlichen Kanons (2018), 808. οὔσῃ ἐν; Gal 1,13: τὴν ἐκκλησίαν τοῦ θεοῦ; 2Thess 1,4: ταῖς ἐκκλησίαις τοῦ θεοῦ) und noch ein Mal in Apg 20,28: τὴν ἐκκλησίαν τοῦ θεοῦ. ♦ Auch die Dativkonstruktion mit τῇ οὔσῃ ist bemerkenswert. Sie begegnet zwar ein Mal in *Röm 7,23 (τῆς ἁμαρτίας τῷ ὄντι), doch die näheren Parallelen finden sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, wo wir sie wiederholt bei Paulus, gerade in den Brieferöffnungen lesen, Röm 1,7: πᾶσιν τοῖς οὖσιν ἐν Ῥώμῃ; 12,3: τῆς δοθείσης μοι παντὶ τῷ ὄντι ἐν ὑμῖν; 1Kor 1,2: τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ; 2Kor 1,1: τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ; Eph 1,1: τοῖς ἁγίοις τοῖς οὖσιν [ἐν Ἐφέσῳ]; Phil 1,1: τοῖς οὖσιν ἐν Φιλίπποις, und wiederum in Apg 20,34: τοῖς οὖσιν μετ’ ἐμοῦ 24 ♦ Κόρινθος steht 6 Mal im NT, wohl auch präsent in *2Kor 1,1, ansonsten auf der kanonischen Ebene (Apg 18,1; 19,1; 1Kor 1,2; 2Kor 1,1. 23; 2Tim 4,20). ♦ ἁγιάζω, das 30 / 28 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination σὺν πᾶσιν, auf die mich ebenfalls Bilby aufmerksam gemacht hat, ist für *Paulus unbezeugt, auch nicht für *Ev, doch sie findet sich auf der kanonischen Ebene 3 Mal bei Paulus (1Kor 1,2; Eph 3,18; 4,31), und 3 Mal gerade in Lk 24,21; Apg 16,32; 20,36 und evoziert eine gewisse Verbindlichkeit. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Zu καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht vgl. zu Vers 1. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ ἐπικαλέω, das sich 35 / 30 Mal im NT findet, steht nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apostelgeschichte. ♦ Die Nähe von σὺν πᾶσιν τοῖς ἐπικαλουμένοις τὸ ὄνομα zu Apg 25 ♦ ὄνομα, das 248 / 231 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 2,24, und auf den Herrn bezogen (τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ) ist es ein Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten παντί, das 59 Mal im NT steht vgl. weiter unten zu Vers 5 auf derselben kanonischen Ebene; näheres zu Gal 5,3. ♦ τόπος, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἐν παντί τόπῳ steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,2; 2Kor 2,14; 1Thess 1,8; 1Tim 2,8). ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. Zur Rekonstruktion: Tertullians Angabe communem scilicet et eundem in epis‐ tulis omnibus spricht eher für eine kürzere als für eine ausführlichere Eröffnung. Dies wird gestützt, wenn man die Eröffnungen der übrigen Briefe vergleicht. Da 208 Rekonstruktion <?page no="209"?> das institutionelle Verständnis von „Kirche“ kanonischer Semantik entspricht, wird diese Bezeichnung vorkanonisch gefehlt haben. (1,3) χάρις, das 171 / 156 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut bezeugt, erfreut sich jedoch großer Beliebtheit auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene in *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ πατήρ im Singular steht 297 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. Dass der Vaterbegriff nicht nur zufällig im kanonischen Text in solchen Versen oder Versteilen steht, die im vorkanonischen Text fehlen, und dass die kanonische Redaktion tatsächlich diesen Begriff, gerade auch theologisch, sehr viel häufiger verwendet, kann man an der erstaunlichen Häufigkeit ablesen, in der dieser Begriff in *Laod steht, ein Brief, der, wie die Einleitung zeigt, deutlich kanonische Lexik aufweist. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt den Angaben Tertullians, wie sie auch Harnack in Anspruch genommen hat. 1,[4-9]: [Dank an Gott] Die hier aufgeführte Passage ist unbezeugt und stellt eine Hinzufügung durch die kanonische Redaktion dar. - 4 Εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου πάντοτε περὶ ὑμῶν ἐπὶ τῇ χάριτι τοῦ θεοῦ τῇ δοθείσῃ ὑμῖν ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, 5 ὅτι ἐν παντὶ ἐπλουτίσθητε ἐν αὐτῷ, ἐν παντὶ λόγῳ καὶ πάσῃ γνώσει, 6 καθὼς τὸ μαρτύριον τοῦ θεοῦ ἐβεβαιώθη ἐν ὑμῖν, 7 ὥστε ὑμᾶς μὴ ὑστερεῖσθαι ἐν μηδενὶ χαρίσματι, ἀπεκδεχομένους τὴν ἀποκάλυψιν τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ· 8 ὃς καὶ βεβαιώσει ὑμᾶς ἕως τέλους ἀνεγκλήτους ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ. 9 πιστὸς ὁ θεὸς δι’ οὗ ἐκλήθητε εἰς κοινωνίαν τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ κυρίου ἡμῶν. 2 (1Kor) 209 <?page no="210"?> 26 Vgl. mit weiterführender Lit. A.C. Thiselton, The First Epistle to the Corinthians (2000), 85-87. 27 Zu dieser Formel vgl. T. Morgan, Being ‚in Christ‘ in the Letters of Paul (2020), 248. A. Die Passage ist vorkanonisch unbezeugt. B. (1,6) θεου lesen 03*, 010, 012, 81, 1175 al, sa ms . Hingegen lesen Χριστοῦ P 46 , 01, 02, 03 2 , 04, 06, 044, M, lat, sy, co, Ambst. Die erste Lesart stimmt zu 1Kor 2,1, jedoch eine ebenfalls nicht bezeugte Stelle für *1Kor. C. (1,4-9) Die ganze Passage gilt allen Editoren als unbezeugt. Wie die aufge‐ führten lexikalischen und stilistischen Belege zeigen, gehört der Abschnitt 1Kor 1,4-9 mit großer Wahrscheinlichkeit der kanonischen Redaktionsebene an und hat in *1Kor gefehlt. In der Vergangenheit hat man auf die Kombination von griechischen Briefformeln des Dankes und jüdischem Inhalt hingewiesen. 26 D. (1,4) εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21, ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ Die Wendung εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 1Kor 1,4; Phil 1,3; Phlm 1,4; im Vers: Röm 1,8), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 15,7; Mk 7,6; Joh 8,26; 16,26; Röm 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,4. 11; Phil 1,27; 2,19. 20; Kol 1,3; 1Thess 3,9; 2Thess 1,3. 11; Hebr 6,9; 1Petr 5,7), vgl. weiter Vers 11. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,52, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 3 Mal Apg; Röm 3,24; 5,15; 11,6; 1Kor 1,4; 10,30; 15,10; 2Kor 1,12; 8,7. 19; Gal 1,6; Eph 2,5. 8; Kol 3,16; 4,6; 2Thess 2,16; 2Tim 2,1; Tit 3,7; Hebr 2,9; 13,9; 2Petr 3,18). ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus und ein Mal in 1Petr 5,10. Sie ist eine Weiterbildung der Wendung ἐν Χριστῷ, die vorkanonisch bezeugt ist für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13 und insgesamt 76 Mal im Neuen Testament steht, nur im vorkanonischen und kanonischen Paulus und 3 Mal in 1Petr. Doch im Unterschied zur vorkanonischen Verwendung von ἐν Χριστῷ, die, wie man aus T. Morgan ablesen kann, immer „encheiristisch“ (also im Sinne von „aufgehoben in der Hand Christi“) gebraucht wird, begegnet sie auf der kanonischen Ebene oft floskelhaft, etwa in Dankformulierungen, oder instrumental wie hier. 27 210 Rekonstruktion <?page no="211"?> Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (die nicht kanoni‐ sche Semantik von εὐχαριστέω; πάντοτε; περὶ ὑμῶν; χάριτι; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,5) Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ πλουτίζω, das 3 Mal im NT steht, ist weiter nur kanonisch bezeugt in 2Kor 6,10 und 9,11. ♦ Die Formulierung ἐν παντί (Mask.) steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 21,36; Apg 1,21; 1Kor 1,2. 5; 2Kor 2,14; Eph 6,18; Kol 1,6; 1Thess 1,8; 2Thess 3,16; 1Tim 2,8; 1Petr 2,18). ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) steht 44 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt für das *Deuteropaulinum *2Thess 2,9. ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8; *Phil 3,8. ♦ ἐν παντὶ λόγῳ καὶ πάσῃ γνώσει erinnert an eine weitere kanonische Stelle, 2Thess 2,17: ἐν παντὶ ἔργῳ καὶ λόγῳ ἀγαθῷ. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen einige Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὅτι ἐν; πλουτίζω; ἐν παντί; ἐν παντὶ λόγῳ καὶ πάσῃ γνώσει). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,6) μαρτύριον steht 36 / 19 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,14; 9,5; 21,13. ♦ βεβαιόω, das 10 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwei Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (βεβαιόω; ἐν ὑμῖν). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,7) ὑστερέω, das 19 / 16 Mal im NT steht, ist ein Verb, das nur auf der kanonischen Ebene belegt ist, in Lk 15,14; 22,35, zwei Passagen, die ausdrücklich für *Ev als fehlend bezeugt sind. ♦ χάρισμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, ist aber auch vorkanonisch bezeugt in *1Kor 7,7; 12,9. ♦ ἀπεκδέχομαι steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,20. ♦ ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch bezeugt. Zur Abwesenheit: Auch für diesen Vers ist gleich der erste Kernbegriff nur kanonisch bezeugt, dann folgt ein auf dieser Ebene beliebter Begriff. Zusammen mit der fehlenden Bezeugung spricht dies für die vorkanonische Abwesenheit des Verses. 2 (1Kor) 211 <?page no="212"?> (1,8) βεβαίωσις steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,8; Phil 1,7; Hebr 6,16). Auch βεβαιόω ist nur in der kanonischen Redaktion belegt. ♦ τέλος findet sich 43 / 40 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11; *Röm 10,4. ♦ Die Wendung ἕως τέλους steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 2Kor 1,13. ♦ ἀνέγκλητος, das 5 Mal im NT steht, begegnet im NT nur auf der kanonischen Ebene, vor allem in den Pastoralbriefen, 1Tim 3,10; Tit 1,6. 7 und in Kol 1,22. Zur Abwesenheit: Wie bei den voranstehenden Versen sprechen die fehlende Bezeugung und die Lexik (βεβαίωσις; ἕως τέλους; ἀνέγκλητος) dafür, dass der Vers vorkanonisch gefehlt hat. (1,9) πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐκλήθητε steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,13. ♦ κοινωνία begegnet zwar ein Mal im Wort über das Blut Christi, doch im Sinne von Gemeinschaft ist es ein Begriff der kanonischen Redaktion. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem Vers stützen Lexik und Semantik die fehlende Bezeugung des Verses und verweisen auch ihn auf die kanonische Ebene. 1,[10-17]: [Mahnung zur Einheit] Auch dieser Abschnitt ist eine Ergänzung durchdie kanonische Redaktion, wie vor allem Lexik und Semantik die unbezeugte Passage ausweisen. - 10 Παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί, διὰ τοῦ ὀνόματος τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ἵνα τὸ αὐτὸ λέγητε πάντες, καὶ μὴ ᾖ ἐν ὑμῖν σχίσματα, ἦτε δὲ κατηρτισμένοι ἐν τῷ αὐτῷ νοῒ καὶ ἐν τῇ αὐτῇ γνώμῃ. 11 ἐδηλώθη γάρ μοι περὶ ὑμῶν, ἀδελφοί μου, ὑπὸ τῶν Χλόης ὅτι ἔριδες ἐν ὑμῖν εἰσιν. 12 λέγω δὲ τοῦτο, ὅτι ἕκαστος ὑμῶν λέγει, Ἐγὼ μέν εἰμι Παύλου, Ἐγὼ δὲ Ἀπολλῶ, Ἐγὼ δὲ Κηφᾶ, Ἐγὼ δὲ Χριστοῦ. 13 μεμέρισται ὁ Χριστός; μὴ Παῦλος ἐσταυρώθη ὑπὲρ ὑμῶν, ἢ εἰς τὸ ὄνομα Παύλου ἐβαπτίσθητε; 14 εὐχαριστῶ [τῷ θεῷ] ὅτι οὐδένα ὑμῶν ἐβάπτισα εἰ μὴ Κρίσπον καὶ Γάϊον, 15 ἵνα μή τις εἴπῃ ὅτι εἰς τὸ ἐμὸν ὄνομα 212 Rekonstruktion <?page no="213"?> 28 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), *80. ἐβαπτίσθητε. 16 ἐβάπτισα δὲ καὶ τὸν Στεφανᾶ οἶκον· λοιπὸν οὐκ οἶδα εἴ τινα ἄλλον ἐβάπτισα. 17 οὐ γὰρ ἀπέστειλέν με Χριστὸς βαπτίζειν ἀλλὰ εὐαγγελίζεσθαι, οὐκ ἐν σοφίᾳ λόγου, ἵνα μὴ κενωθῇ ὁ σταυρὸς τοῦ Χριστοῦ. A. Die Bezeugung der Passage 1,10-17 ist nicht gesichert und in der Forschung diskutiert (siehe unten unter C.). Adam., Dial. I 8 (im Mund des Adamantius): Ἄκουε οὖν, εἰ βούλει, τοῦ διενηνοχότος Παύλου προστάσσοντος· ἤκουσταί μοι, φησίν, ὑπὸ τῶν Χλόης ὅτι ἔριδες εἰσιν ἐν ὑμῖν· ὃς μὲν γὰρ ὑμῶν λέγει, ἐγὼ μέν εἰμι Παύλου, ἐγὼ δὲ Ἀπολλῶ, ἐγὼ δὲ Κηφᾶ. μεμέρισται ὁ Χριστός; μὴ Παῦλος ἐσταυρώθη ὑπὲρ ὑμῶν, ἢ εἰς τὸ ὄνομα Παύλου ἐβαπτίσθητε (Rufin: Audi ergo, si tibi uidetur, quid Paulus, qui Marcione praestantior est, praecepit. Perlatum est enim mihi, inquit, de uobis ab his qui sunt Chloes quia contentiones sunt in uobis, et alius dicit: Ego sum Pauli, alius: Ego Apollo, alius: Ego Cephae. Diuisus est Christus? ) B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (1,10-17) Für diesen Abschnitt stellt sich die Frage, ob er bezeugt ist oder nicht. Schon Hilgenfeld rätselte: „Nicht so ausgemacht ist die unveränderte Bei‐ behaltung von V. 11-13“. Nach Zahn war die Passage in einer unbestimmbaren Weise vorhanden, Harnack verweist wie Hilgenfeld auf die angeführte Passage aus Adam., Dial. I 8, da Adamantius hier 1Kor 1,11-13 zitiert. Allerdings fügt Harnack hinzu, weil die Verse in den Mund des Markiongegners Adamantius gelegt sind: „sicher dürfen sie nicht für M.[arkion] in Anspruch genommen werden“. Doch Harnack fügt einen weiteren Zeugen an, da Ephräm, der Syrer, gegen Markion mit Berufung auf dieselben Galaterverse argumentiere (Opp. syr. II p. 493). Gleichwohl, meint Harnack, biete auch dieses Zeugnis „keine Sicherheit“ für eine Präsenz im Paulustext Markions. 28 Dennoch setzt er diese Verse als bezeugt in seinen Text. Schmid und BeDuhn folgen ihm hierbei jedoch nicht, sehen aber Andeutungen für die Präsenz von Vers 17, wohl durch Tertullians Rede von crucem Christi, was BeDuhn jedoch, wie schon Harnack auch, auf Vers 18 bezieht bzw. beide Verse zusammenzieht. Dass selbst noch in der Narration des Dialogs Adamantius die Einschränkung εἰ βούλει (tibi uidetur) macht, unterstreicht, dass er nicht aus dem Text seines 2 (1Kor) 213 <?page no="214"?> 29 Vgl. zu *Gal 1,18. 30 PG 14,1289C. Vgl. kritisch hierzu J.S. Kloppenborg, Gaius the Roman Guest (2017). Man vgl. hingegen die Bezeichnung von Gaius als ὁ ξένος durch ὁ ξενοδόχος von Chrysostomus in seinem Römerbriefkommentar (PG 60,677B) und den Einfluss, den sie auf die Rezeption hatte (hierzu ebenso Kloppenborg, 539-540). 31 Ibid. 545. Gegners, sondern aus dem eigenen zitiert. Dies wird gestützt durch den Namen Κηφᾶς, der wie oben, gezeigt, 29 zur kanonischen Redaktion gehört. 2. (1,14) Mit dem historisierenden Hinweis auf Κρίσπος wird nach dem einleitenden Σωσθένης ein weiterer Anker gesetzt, um diesen Brief mit Ko‐ rinth in der Apostelgeschichte zu verbinden (Apg 18,8), in der kurz nach dem bekehrten Synagogenvorsteher Krispus der andere Synagogenvorsteher Sosthenes genannt wird (Apg 18,17). Auch Gaius, der nach 1Kor 1,14 von Paulus getauft wurde, ist Korinther. Er findet sich wieder in Röm 16,23. Dann wird den Lesenden ein Christ aus Mazedonien als Reisegefährte des Paulus in Apg 19,29 begegnen, der zwar unterschieden zu sein scheint von dem ersten Gaius, aber narrativ mit ihm verknüpft ist, da er das Schicksal der Verfolgung mit Sosthenes teilt. Dann findet sich noch ein Gaius als Bekehrter aus Derbe in Lykaonien, ebenfalls Reisebegleiter des Paulus (Apg 20,4) und schließlich noch ein Gaius, wenn auch aus Ephesus, der nach 3Joh 1 der Adressat dieses Briefes ist. Wir befinden uns demnach in einem Gewebe von Gaius genannten Personen, das Lesende dazu führt, sie trotz unterschiedlichen Personenprofilen miteinander in Verbindung zu bringen. Ein früher Zeuge für solche verwebende Lektüre ist Origenes, wie man seinem von Rufin übersetzten Kommentar zum Römerbrief 10.41 entnehmen kann. 30 Kloppenborg führt eine lange Liste von Forschern an, die sich bis in neueste Zeit Origenes angeschlossen haben. Andere Identifizierungen wurden ebenfalls vorgeschlagen, etwa des Gaius von Röm 16,23 mit dem Titius Iustus von Apg 18,7 (Edgar J. Goodspeed). Kloppenborg verweist ebenfalls darauf, dass Gaius ein Vorname ist, „damit die am wenigsten bestimmte Weise“ geboten werde, „sich auf jemanden zu beziehen, der einen lateinischen Namen trug“. 31 D. (1,10): παρακαλέω steht 115 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ ὄνομα, das 248 / 231 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 2,24, auf den Herrn bezogen (τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ) ist es jedoch ein Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ Die Verbform λέγητε steht nur hier im NT. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 214 Rekonstruktion <?page no="215"?> bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ σχίσμα steht 9 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Mt 9,16; Mk 2,21; Joh 7,43; 9,16; 10,19; 1Kor 1,10; 11,18; 12,25). ♦ Die Verbform ἦτε steht 19 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ καταρτίζω, das 15 / 13 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. Dieselbe Form des Perf. Part. Passiv steht hier wie Lk 6,40. ♦ αὐτῇ (Dat. Fem. Sg.) steht 101 Mal im NT, vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev 11,29; 12,12, nicht aber für *Paulus. ♦ γνώμη steht 12 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 20,3; 1Kor 1,10; 7,25. 40; 2Kor 8,10; Phlm 1,14; Apk 17,13. 17). Zur Abwesenheit: Dieser wohl unbezeugte Vers weist lexikalisch einige aus‐ schließlich kanonisch belegte Lexeme (σχίσμα; καταρτίζω; γνώμη; Wendung ἐν ὑμῖν) und semantische (ὄνομα auf den Herrn bezogen) Besonderheiten auf, die ihn der kanonischen Redaktion zuordnen. Er wird im vorkanonischen Text gefehlt haben. (1,11) δηλόω steht 7 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (1Kor 1,11; 3,13; Kol 1,8; Hebr 9,8; 12,27; 1Petr 1,11. 14). ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die direkte Anrede ἀδελφοί hat sich bereits im Galaterbrief als typisches, wenn auch nicht ausschließliches Merkmal der kanonischen Redaktion herausgestellt. ♦ Die Wendung ἀδελφοί μου steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 7,4; 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,11; 11,33; 14,39; 15,58; Phil 3,1; 4,1; 11 Mal in Jak). ♦ περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27; 17,2; *1Kor 8,1; 12,1 - sie war folglich keine beliebte Konjunktion der vorkanonischen Ebene, wie auch die vielen Verse belegen, in denen die kanonische Redaktion diese Konjunktion besitzt, die aber in der vorkanonischen Ebene nicht vorhanden sind. ♦ Χλόη ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἔρις, das 15 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20; *Phil 1,15. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Ele‐ menten auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (δηλόω; περὶ ὑμῶν; ἀδελφοί μου; ἐν ὑμῖν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,12) Verbform λέγω, die 214 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32. ♦ Allerdings begegnet die Kombination λέγω δέ nur auf der kanonischen Ebene (Gal 4,1; 5,16; 1Kor 1,12; 7,8). ♦ τοῦτο, das 313 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32. ♦ 2 (1Kor) 215 <?page no="216"?> 32 J. Schröter, Sammlungen der Paulusbriefe und die Entstehung des neutestamentlichen Kanons (2018), 808. Hingegen steht die Kombination δὲ τοῦτο nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in Röm 2,3. ♦ ἕκαστος findet sich 87 / 82 Mal im NT und ist auch vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,7; *1Thess 4,4. ♦ Die Kombination ὅτι ἕκαστος steht hingegen nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,12; Eph 6,8). ♦ Die Verbform εἰμί steht 130 Mal im NT, nur ein Mal vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8. ♦ Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier und *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Kombination Ἐγὼ μέν εἰμι Παύλου begegnet wörtlich wieder auf der kanonischen Ebene in 1Kor 3,4. ♦ Die verkürzte Kombination Ἐγὼ μέν findet sich drei weitere Male, ebenfalls immer auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,12; 3,4; 5,3; 1Thess 2,18: ἐγὼ μὲν Παῦλος). ♦ Die nachfolgende Kombination Ἐγὼ δέ findet sich 1Kor 1,12 (3 Mal), 7,28; 9,15 (wo an dieser Stelle nur Ἐγὼ im vorkanonischen Text steht); 1Kor 15,10; 2Kor 1,23. ♦ Ἀπολλῶς steht 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehend (Apg 18,24; 19,1; 1Kor 1,12; 3,4. 5. 6. 22; 4,6; 16,12; Tit 3,13). Zur Abwesenheit: Bei diesem ebenfalls wohl unbezeugten Vers sprechen gerade die nur auf der kanonischen Ebene begegnenden Kombinationen von Termini dafür, dass wir es mit einem Vers der kanonischen Redaktion zu tun haben, der vorkanonisch gefehlt hat. (1,13) Auf die Nähe von εἰς τὸ ὄνομα Παύλου ἐβαπτίσθητε zu Apg 8,16; 19,5 und Röm 6,3, alles Zeugnisse der kanonischen Ebene, wurde bereits verwiesen. 32 ♦ μερίζω, das 16 / 14 Mal im NT im Sinne von „zuteilen“ steht, begegnet ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu Παῦλος vgl. den Vers zuvor 12. ♦ σταυρόω, das 62 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *Gal 5,24; 6,14; *1Kor 2,8; *Laod 2,16; *Kol 1,20; *Phil 2,8. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, in Lk 22,19. 20, in zwei Versen, die in *Ev fehlen, dann in Lk 9,50, in einem für *Ev unbezeugten Vers, und weiters nurmehr im kanonischen Paulus und in 1Petr 2,21, ist also rein kanonisch belegt. ♦ Die Kombination ἢ εἰς begegnet bei Paulus nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene: 1Kor 14,36, und ebenfalls auf dieser gleich zwei Mal in Mk 6,56. ♦ Zu ὄνομα vgl. weiter oben zu Vers 10. ♦ βαπτίζω, das 90 / 77 Mal im NT steht, gehört jedoch im Sinn von „Taufen“ ausschließlich zur kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Für diesen wohl unbezeugten Vers häufen sich wieder die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Kombinationen. Auch die 216 Rekonstruktion <?page no="217"?> spezifische Semantik von βαπτίζω spricht dafür, dass wir es mit einem genuin kanonischen Vers zu tun haben, der auf der vorkanonischen Ebene gefehlt hat. (1,14) εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ οὐδένα (Akk. Mask. Sg.) steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 17,8; Mk 5,37; 7,24; 9,8; Lk 8,51; Joh 5,22; 8,15; 18,9. 31; Apg 5,23; 9,8; 1Kor 1,14; 2Kor 5,16; 7,2; Phil 2,20; Jak 1,13). ♦ Zu βαπτίζω vgl. zum Vers zuvor. ♦ Κρίσπος steht nur zwei Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene (Apg 18,8; 1Kor 1,14). ♦ Γάϊος steht 5 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Apg 19,29; 20,4; Röm 16,23; 1Kor 1,14; 3Joh 1,1). Zur Abwesenheit: Neben der fehlenden Bezeugung des Verses, sprechen all die aufgeführten ausschließlich kanonischen Termini für die Kreation dieses Verses durch die kanonische Redaktion und die Abwesenheit von der vorkanonischen Ebene. (1,15) Die Kombination ἵνα μή τις steht 3 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung (1Kor 1,15; Eph 2,9; Apk 13,17), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,11. ♦ εἴπῃ in dieser Aoristform steht 21 Mal im NT, ist jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Der Ausdruck τὸ ἐμόν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 18,20; 25,27; Joh 5,30; 6,38; 1Kor 1,15; 16,18). ♦ Zu βαπτίζω vgl. zu Vers 13. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist etliche Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἵνα μή τις; μή τις; εἴπῃ; τὸ ἐμόν; Semantik von βαπτίζω). Erneut stützt die Lexik das Urteil, dass der Vers unbezeugt ist und vorkanonisch gefehlt hat (1,16) Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Kombination οὐκ οἶδα begegnet bei Paulus nur noch drei weitere Male, und zwar 2Kor 12,2. 3 auf der kanonischen Ebene, ist allerdings vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25 und steht an zwei weiteren, für *Ev unbezeugten Stellen. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ Zu βαπτίζω vgl. zu Vers 13. ♦ Στεφανᾶς findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,16; 16,15. 17). ♦ οἶκος steht 123 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ λοιπός, das sich 60 / 55 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt in *Paulus. ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. Pl. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.) steht 46 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. 2 (1Kor) 217 <?page no="218"?> Zur Abwesenheit: Auch bei diesem Vers, der wohl unbezeugt ist, spricht die Lexik mit ausschließlich (δὲ καί; βαπτίζω; Στεφανᾶς; τινα) bzw. bei Paulus ausschließlich kanonisch bezeugten (οὐκ οἶδα) Begriffen oder deren Kombina‐ tion bzw. Begriffsformen dafür, dass der Vers auf die kanonische Redaktion zurückgeht und vorkanonisch gefehlt hat. (1,17) ἀποστέλλω steht 142 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. Der Begriff ist auf der kanonischen Ebene deutlich ausgiebiger benutzt als auf der vorkanonischen, wo er nur wenige Male Verwendung findet, zwei Mal zur Charakterisierung der Sendung der Apostel, was wohl Anlass dafür bot, dass zur Stütze der apostolischen Autorität der Apostel und derjenigen, die als ihre Nachfolger angesehen wurden, auch das Verb mehrfach genutzt wurde. Es ist darum auch nicht verwunderlich, dass auch das Nomen ἀποστολή, das 4 Mal im NT steht, nur auf der kanonischen Ebene zu finden ist. ♦ Zu βαπτίζω vgl. zu Vers 13. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. ♦ Die Form εὐαγγελίζεσθαι steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in Röm 15,20, einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ σοφία, das 56 / 51 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev wie *Paulus. ♦ Hingegen steht die Kombination ἐν σοφίᾳ im NT nur noch drei weitere Male, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 2,5; 2Kor 1,12; Kol 4,5). ♦ κενόω steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15; *Phil 2,7. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; Phil 2,8; *Kol 1,20. Zur Abwesenheit: Auch wenn die früheren Editoren gerade bezüglich der Bezeugung dieses Verses unterschiedlicher Meinung waren, spricht doch die Lexik und die Semantik für das Fehlen des Verses in der vorkanonischen Version. Besonders auffällig ist die Verwendung von βαπτίζω, aber auch die Form εὐαγγελίζεσθαι und die Kombination ἐν σοφίᾳ. 1,18-23 24 25: Das Kreuz Christi, Kraft und Weisheit Gottes Die folgende Passage ist gut bezeugt und scheint nur geringfügig durch die kanonische Redaktion überarbeitet worden zu sein. 18 Ὁ σταυρὸς τοῦ Χριστοῦ τοῖς μὲν ἀπολλυμένοις μωρία ἐστίν, τοῖς δὲ σῳζομένοις δύναμις καὶ σοφία θεοῦ ἐστιν. 18 Ὁ λόγος γὰρ ὁ τοῦ σταυροῦ τοῖς μὲν ἀπολλυμένοις μωρία ἐστίν, τοῖς δὲ σῳζομένοις ἡμῖν δύναμις θεοῦ ἐστιν. 19 γέγραπται γάρ, Ἀπολῶ τὴν σοφίαν τῶν σοφῶν, καὶ τὴν σύνεσιν τῶν συνετῶν ἀθετήσω. 19 γέγραπται γάρ, Ἀπολῶ τὴν σοφίαν τῶν σοφῶν, καὶ τὴν σύνεσιν τῶν συνετῶν ἀθετήσω. 218 Rekonstruktion <?page no="219"?> 20 οὐχὶ ἐμώρανεν ὁ θεὸς τὴν σοφίαν τοῦ κόσμου τούτου; 20 ποῦ σοφός; ποῦ γραμματεύς; ποῦ συζητητὴς τοῦ αἰῶνος τούτου; οὐχὶ ἐμώρανεν ὁ θεὸς τὴν σοφίαν τοῦ κόσμου; 21 ἐπειδὴ ἐν τῇ σοφίᾳ τοῦ θεοῦ οὐκ ἔγνω ὁ κόσμος διὰ τῆς σοφίας τὸν κύριον, εὐδόκησεν ὁ θεὸς διὰ τῆς μωρίας τοῦ κηρύγματος σῶσαι τοὺς πιστεύοντας. 21 ἐπειδὴ γὰρ ἐν τῇ σοφίᾳ τοῦ θεοῦ οὐκ ἔγνω ὁ κόσμος διὰ τῆς σοφίας τὸν θεόν, εὐδόκησεν ὁ θεὸς διὰ τῆς μωρίας τοῦ κηρύγματος σῶσαι τοὺς πιστεύοντας. 22 ἐπειδὴ Ἰουδαῖοι σημεῖα αἰτοῦσιν καὶ Ἕλληνες σοφίαν ζητοῦσιν, 22 ἐπειδὴ καὶ Ἰουδαῖοι σημεῖα αἰτοῦσιν καὶ Ἕλληνες σοφίαν ζητοῦσιν, 23 κηρύσσει σταυρόν, Ἰουδαίοις σκάνδαλον Ἕλλησι μωρίαν, 23 ἡμεῖς δὲ κηρύσσομεν Χριστὸν ἐσταυρωμένον, Ἰουδαίοις μὲν σκάνδαλον ἔθνεσιν δὲ μωρίαν, 24 αὐτοῖς δὲ Ἰουδαίοις καὶ Ἕλλησιν, Χριστὸς θεοῦ δύναμις καὶ θεοῦ σοφία, 24 αὐτοῖς δὲ τοῖς κλητοῖς, Ἰουδαίοις τε καὶ Ἕλλησιν, Χριστὸν θεοῦ δύναμιν καὶ θεοῦ σοφίαν· 25 ὅτι τὸ μωρὸν τοῦ θεοῦ σοφώτερον τῶν ἀνθρώπων ἐστίν, καὶ τὸ ἀσθενὲς τοῦ θεοῦ ἰσχυρότερον τῶν ἀνθρώπων. 25 ὅτι τὸ μωρὸν τοῦ θεοῦ σοφώτερον τῶν ἀνθρώπων ἐστίν, καὶ τὸ ἀσθενὲς τοῦ θεοῦ ἰσχυρότερον τῶν ἀνθρώπων. A. *1,18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,5: Ait crucem Christi stultitiam esse perituris, virtutem autem et sapientiam dei salutem consecuturis. Ibid. V 5,6: Sed et cur apud dominum optimum et profusae misericordiae alii salutem referunt, credentes crucem virtutem et sapientiam dei esse, alii perditionem. ♦ *1,19: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,5: Scriptum est enim, Perdam sapientiam sapientium et prudentiam prudentium irritam faciam. Si haec creatoris sunt, et quae ad causam crucis pertinent stultitiae deputat, ergo ct crux et per crucem Christus ad creatorem pertinebit, a quo praedicatum est quod ad crucem pertinet. Ibid. 5, 6: alii salutem referunt, credentes crucem virtutem et sapientiam dei esse, alii perditionem, quibus Christi crux stultitia reputatur. Vgl. auch ibid. 6,1: eius scilicet qui sapientiam sapientium abstulerit et prudentiam prudentium irritam fecerit. Epiph., Pan. 42, sch. 9 (121. 159 H.): γέγραπται γάρ, ἀπολῶ τὴν σοφίαν τῶν σοφῶν καὶ τὴν σύνεσιν τῶν συνετῶν ἀθετήσω. Vgl. Jes 29,14 LXX: διὰ τοῦτο ἰδοὺ ἐγὼ προσθήσω τοῦ μεταθεῖναι τὸν λαὸν τοῦτον καὶ μεταθήσω αὐτοὺς καὶ ἀπολῶ τὴν σοφίαν τῶν σοφῶν καὶ τὴν σύνεσιν τῶν συνετῶν κρύψω. ♦ *1,20: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,7: Nonne infatuavit deus sapientiam mundi? Vgl. auch ibid. 5,8: deum … qui … infatuauerit sapientiam mundi; 6,1: qui infatuaverit sapientiam mundi; id., De Idol. 97: ubi sapiens, ubi litterator, ubi conquisitor huius aeui? nonne infatuauit deus sapientiam huius saeculi? ♦ Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,7: Quoniam in dei sapientia non intellexit mundus per sapientiam dominum, boni duxit deus 2 (1Kor) 219 <?page no="220"?> 33 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029; G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 98-99. 34 Vgl. A.C. Thiselton, The First Epistle to the Corinthians (2000), 154. per stultitiam praedicationis salvos facere credentes. Vgl. auch ibid. 6,1: stulta eligens eius et disponens in salutem. Vgl. auch ibid. II 2. ♦ *1,22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,7: Quoniam Iudaei signa desiderant, qui iam de deo certi esse debuerant, et Graeci sapientiam quaerunt, qui suam scilicet, non dei, sapientiam sistunt. ♦ *1,23: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,7: … salvos faciendo credentes quosque in stultam crucis praedicationem. Ibid. 9: scandalum Iudaeis praedicat Christum. ♦ *1,24: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,9: Petra autem fuit Christus: etiam Marcion servat. Adam., Dial. IV 15 (im Mund des Markioniten): Ἐγὼ δύναμιν θεοῦ λέγω ζωογονεῖν τὸν ἄνθρωπον. ΑΔ. (im Mund des Adamantius): ἄκουε τοῦ Ἀποστόλου λέγοντος: Χριστὸς θεοῦ δύναμις καὶ θεοῦ σοφία (Rufin: Mar. d.: Ego uirtutum die dico plasmare homines. Ad. d.: Audi ergo Paulum dicentem: Christus die virtus et die sapientia). ♦ *1,25: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,9: Quid est autem stultum dei sapientius hominibus, nisi crux et mors Christi? Quid infirmum dei fortius homine, nisi nativitas et caro dei? B. (1,18) μέν fehlt in den Zeugen P 46 , b, d*, r. ♦ ἠμῖν om 010, 012, 6, it, d, f, g, Ptol Ir , Cyp, Hil, Ambst. ♦ (1,19) Anstelle von συνετῶν bietet 012 ἀσυνετῶν. ♦ (1,20) post κόσμου add τούτου P 11 , 01 2 , 04 3 , 06 1 , 010, 012, 020, 044, 104, 365, 1241, 1505, 1739 c , 1881, M, sy, sa ms , bo pt , Cl pt , Epiph pt . ♦ (1,21) γάρ om 012. ♦ (1,22) Post ἐπειδή om καί P 46 , 010, 012, 323, f, g, vg mss , sy p , Tert, Cyp, Hil, Ambst, Pel und die altlateinische Tradition in 54, 61, 75, 76, 77, 78, 88 c , 89. 33 ♦ (1,23) Anstelle von ἔθνεσιν δέ liest man Ἕλλησι in 04 3 , 06 2 , 365, 630, 1505, 1739, 1881, M, Cl. ♦ (1,24) τοῖς κλητοῖς om 88*, Pel. C. 1. (1,18) Der Vers ist nicht voll bezeugt. Das Zeugnis Tertullians in Adv. Marc. V 5,6 zeigt, dass das consecuturis keine Verderbung oder Verlesung (σοζομένοις) ist, sondern Tertullian referiert. Allerdings fehlt bei Tertullian das in der kanonischen Version nachfolgende ἡμῖν. Hilgenfeld verweist auf die Präsenz des Verses und die Texterweiterung δύναμις καὶ σοφία θεοῦ. Schmid zeigt an, dass er den kanonischen Text gegeben sieht, BeDuhn hat den obigen Text als Grundlage. Auffällig ist, dass der inhaltliche Teil dieses *Paulusbriefs mit einer Antithese beginnt, und zwar derjenigen zwischen menschlicher Abwesenheit von Klugheit und göttlicher Macht und Weisheit, worauf bereits früher hingewiesen wurde. 34 220 Rekonstruktion <?page no="221"?> 35 Vgl. hierzu H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreich‐ baren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 36 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 137. 37 Vgl. hierzu ibid. 229 38 Vgl. B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 232. 2. Die Formulierung ὁσταυρὸς τοῦ Χριστοῦ wählt Harnack in Berücksichti‐ gung von Tertullian, aber auch, weil die kanonische Redaktion einen Übergang hat schaffen müssen von dem vorher Ausgeführten und diesem neuen Einsatz. Sie hatte diese Formulierung bereits ins Ende des von ihr geschaffenen Verses 17 hineingenommen (ἵνα μὴ κενωθῇ ὁ σταυρὸς τοῦ Χριστοῦ). Weil Zahn noch einen nicht näher bestimmbaren Text der Verse 4-17 angenommen hatte, behält er auch das γάρ bei, ansonsten aber bietet er den Text wie oben. 3. Die kanonische Redaktion bezieht τοῖς δὲ σῳζομένοις auf die rhetorische Gemeinschaft von Paulus und den Lesenden und fügt hier darum ein ἡμῖν ein, doch dieses fehlt in einschlägigen Zeugen. 35 Zuntz gibt eine Reihe von Gründen, warum er das Fehlen für ursprünglich hält. 36 4. (1,19) Nicht erst Tertullians Kommentar zu dieser Stelle macht deutlich, dass das Schriftzitat angeführt wurde, um die Antithese zu schärfen und zu unterstreichen, dass dem prophetischen Spruch der Schrift folgend der Gott dieser Schrift die Weisheit der zu Rettenden verwirft, die jüdische Schrift und mit ihr die Prophetie und der hinter ihr stehende jüdische Gott folglich zur Torheit verleitet, wie in den nächsten Versen weiter ausgeführt wird. Zahn geht davon aus, dass der Vers in irgendeiner Weise vorhanden war, als bezeugt sieht er aber nur γέγραπται γάρ. Hilgenfeld nimmt den obigen Text an, Harnack, Schmid und BeDuhn bieten ihn ebenfalls. 5. καὶ σοφία ist zu ergänzen aufgrund von Tertullian. 37 6. (1,20) Bezeugt ist nur der zweite Teil des Verses 20 in Adv. Marc., es ist also nicht präzise, wenn Haupt zwar korrekt schreibt, Tertullian biete „no variants of this biblical reference“, aber verschweigt, dass er für Markion eben nur diesen Teil des Verses bezeugt. 38 Hilgenfeld rechnet mit dem kanonischen Text. Den ersten Teil sieht schon Zahn nicht nur unbezeugt, sondern auch fehlend. Ihm folgt Harnack. Schmid hält auch nur den zweiten Teil für bezeugt, deutet aber mit Auslassungspunkten an, dass er zuvor noch Text vermutet, ihm folgt BeDuhn. Gegenüber den früheren Editoren wird auch das τούτου aufgenommen aufgrund der einschlägigen Zeugen. Mit diesem Begriff wird nochmals der Unterschied zwischen, dem, was „der Gott“ tut, nämlich die Weisheit dieses 2 (1Kor) 221 <?page no="222"?> 39 Tert., Adv. Marc. V 5,6: … creatoris est aliquam et populi et humani generis offensam detrimento sapientiae atque prudentiae multasse. 40 So Tert., Adv. Marc. V 5,7. Vgl. zu diesem und dem voranstehenden Vers auch E.-M. Becker, Marcion und die Korintherbriefe nach Tertullian, Adversus Marcionem V (2002), 104-105. Kosmos zu tadeln, und dem Handeln des Gottes der Schrift: er beseitigt das Kreuz zur Torheit und die darin liegende Weisheit und Macht. 7. Nun scheint jedoch, wie Zahn und Harnack schon sahen, tatsächlich der erste Versteil gefehlt zu haben. Darauf deutet auch die Emphase der Fragen von 1,20a hin, die bereits als Merkmal der kanonischen Redaktion herausgestellt wurde. Außerdem führt die Deutung, die in diesem Teil gegeben wird, von derjenigen weg, die Tertullian gibt und gegen welche dieser Teil gerichtet ist. Nach Tertullian nämlich verdeutlicht der Text, dass mit dem zuvor zitierten Schriftwort gesagt werden soll, dass der „Schöpfer durch die Zerstörung der Weisheit und Klugheit die Übertretung des Geschlechts der Menschen und des Volkes bestraft habe“. 39 Damit wurden die Verse 1,18-19 als Antithese zwischen dem Kreuz Christi, das zur Rettung führt, allerdings von den Verlorengehenden als Torheit betrachtet wurde, und dem Schöpfergott, der die Kraft und Weisheit dieser Geretteten zunichte macht, verschoben und gegen (jüdische) Schriftgelehrte und pagane Weise gerichtet („Schriftgelehrte“ und „Weise-… dieser Weltzeit“), so Vers 1,20a. 8. (1,21) Für dominum, das in den Tertullianhandschriften MR bezeugt ist, bietet der ältere Herausgeber Pamelius deum, dem auch von Soden des Kontextes wegen zustimmt. Das γάρ des kanonischen Textes fehlt in einer einschlägigen Handschrift und wird auch nach dem Zeugnis Tertullians vorkanonisch gefehlt haben. Hilgenfeld rechnet mit dem kanonischen Text. Zahn und Harnack bieten den Text wie oben, während Schmid und BeDuhn statt κύριον das kanonische θεόν lesen. Das wird auch durch die Detailargumentation Tertullians gestützt, so dass MR das Richtige bieten und deum zu lesen ist. Denn Tertullian führt aus, dass Markion unter „Welt“ hier den „Herrn der Welt“ meinte, d. h. Markion zufolge habe dieser Herr der Welt in seiner Weisheit Gott nicht gekannt, weshalb der von diesem unerkannte Gott sich entschlossen hatte, alle in die törichte Predigt vom Kreuz Glaubenden zu retten. 40 9. (1,22) Hilgenfeld rechnet mit dem kanonischen Text. Zahn, Harnack, Schmid und BeDuhn bieten alle den obigen Text. 10. (1,23) Leider sind nur Fragmentstücke dieses Verses gegeben, doch bezieht Tertullian das Predigen auf den Apostel, nicht auf „uns“. 222 Rekonstruktion <?page no="223"?> 41 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 81*. Anstelle von ἔθνεσιν lesen einige Zeugen Ελλησι, doch scheint das nicht nur eine Verschreibung gewesen sein. Hilgenfeld rechnet mit dem kanonischen Text. Zahn liest den Vers in der kanonischen Fassung, Harnack sieht als Stücke bezeugt: κηρύσσομεν Χριστόν, σταυρός, μωρία, σκάνδαλον Ἰουδαίοις. Schmid schreibt: (ἡμεῖς δὲ) κηρύσσομεν Χριστὸν (ἐσταυρωμένον), Ἰουδαίοις (μὲν) σκάνδαλον-…; BeDuhn folgt Schmid, fügt aber am Ende in Klammern die Übersetzung ein für ἔθνεσιν δὲ μωρίαν. 11. (1,24) Dieser Vers ist nur schwach bezeugt. Hilgenfeld rechnet mit dem kanonischen Text. Nach Zahn fehlt der Vers, für Harnack ist er unbezeugt, doch er meint: „Wohl nur irrtümlich klammert Zahn v. 24 als von M. gestrichen ein; er ist zwar unbezeugt, kann aber als Ergänzung zu v. 23 nicht gefehlt haben“. 41 Ebenso urteilen Schmid und BeDuhn. Außerdem beachte man die in P 46 und Cl bezeugte nominative Form des dann elliptischen Ausdrucks Χριστὸς θεοῦ δύναμις καὶ θεοῦ σοφία, die sich mit Bezeugung des Verses in Adamantius deckt (wenn auch hier nur im Mund des Adamantius). Doch Kraft und Weisheit könnte Tertullian als „Fels“ zusammengefasst haben im Hinblick auf *1Kor 10,4. 12. (1,25) Zahn sieht die kanonische Form vorliegen, Harnack, Schmid und BeDuhn bieten den obigen Text. D. (1,18) Zu σταυρός vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. ♦ μωρία steht 5 Mal im NT, gleich wieder vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21; 3,19. ♦ Die Kombination τοῖς δέ steht 8 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 2,8; 1Kor 7,10. 12; 2Thess 3,12; Apk 21,8; im Vers: Lk 8,10; 1Kor 1,18; Tit 1,15), vorkanonisch bezeugt im Vers hier. ♦ σῴζω, das 112 / 107 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ δύναμις, das sich 128 / 119 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt. ♦ σοφία steht 56 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *1Kor 1,20. 21. 22; 2,6. 7; 3,19; 12,8; *Röm 11,33; *Laod 1,17; 3,10. Zur Rekonstruktion: Zu der Bezeugung durch Tertullian und den bereits in C. vorgetragenen Beobachtungen stützt auch die Lexik die Präsenz des Textes im vorkanonischen Text. 2 (1Kor) 223 <?page no="224"?> (1,19) Zu γέγραπται vgl. zuvor zu *Gal 4,22. ♦ Zu ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht vgl. zum voranstehenden Vers 18. ♦ Zu σοφία, das 56 / 51 Mal im NT steht vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ σοφός, das 24 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 3,18. 19. ♦ σύνεσις steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur hier. ♦ συνετός steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt hier, *1Kor 1,19 und in ganz ähnlicher Wendung auch in *Ev 10,21 (ὅτι ἀπέκρυψας ταῦτα ἀπὸ σοφῶν καὶ συνετῶν) (/ / Lk 10,21; Mt 11,25). ♦ ἀθετέω, das 17 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für die Stelle hier und *Ev 10,16. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wörtlich dem Zeugnis des Epiphanius. Nachdrücklich zeigt der Sprachvergleich in diesem Vers die Übereinstimmung zwischen Bezeugung und Lexik und auch die Nähe der Lexik von *Ev und *Paulus. Der Vers wird folglich wie gegeben in der vorkanonischen Fassung gestanden sein. (1,20) Zum unbezeugten Versteil: ποῦ, das 51 / 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,55. ♦ Die Wiederholung von ποῦ im selben Vers begegnet vorkanonisch (*1Kor 15,55) und auf der kanonischen Ebene, 1Kor 12,17; 15,55. ♦ Zu σοφός, das 24 / 20 Mal im NT steht vgl. zum voranstehenden Vers 19. ♦ γραμματεύς steht 75 / 64 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,22; 20,41. ♦ συζητητής ist Hapax legomenon im NT. Das verwandte συζήτησις steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 15,7; 28,29). Auch das verwandte Verb συζητέω, das 10 Mal im NT steht, begegnet nicht in *Ev 24,15 (in *Ev 22,23 ist gerade dieser Vers nicht bezeugt und, auch wenn er von Klinghardt aufgenommen wurde, stellt sich die Frage nach dem Wortlaut, da weder Mk 14,19 noch Mt 26,22 συζητεῖν bieten), es fehlt auch sonst in *Paulus, ist also auch nur kanonisch belegt. ♦ τούτου steht 69 Mal im NT, gut vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. Zum bezeugten Versteil: οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,20. ♦ μωραίνω steht nur 4 Mal im NT, sonst nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zu σοφία vgl. zuvor zu den Versen 18 und 19, dann zu den Versen 21. 22. 24. 30. ♦ κόσμος, das 196 / 186 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,29; *Gal 4,3; 6,14; *1Kor 1,20. 21. 27; 3,19. 22; 4,9; 6,14; *Laod 2,2. 12; *Kol 1,6; 2,8. ♦ Zu τούτου vgl. zuvor in diesem Vers. Zur Rekonstruktion: Wegen der guten Bezeugung, gestützt durch die Lexik (im unbezeugten Teil fällt die nur kanonisch bezeugte Begriffsgruppe zu συζητητής auf), wird man den Text, wie von den früheren Editoren auch, wie oben gegeben vorkanonisch annehmen. 224 Rekonstruktion <?page no="225"?> (1,21) ἐπειδή steht 11 / 10 Mal im NT, vorkanonisch nicht nur für diesen Vers, *1Kor 1,21, sondern gleich für den nächsten wieder bezeugt, auch *1Kor 15,21. ♦ Zu σοφία vgl. zuvor zu den Versen 18, 19, 21, danach zu 24. 30. ♦ εὐδοκέω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15; *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19. ♦ μωρία steht nur 5 Mal im NT, dennoch vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21; 3,19. ♦ κήρυγμα steht 10 / 9 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ σῴζω steht 112 / 107 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,50; 8,48; 9,24; 17,19; 18,42; 19,10; *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, für Abweichungen vom kanonischen Text wurden in C. die Begründungen gegeben. Lexikalisch ist auffallend, dass für alle Begriffe bis auf κήρυγμα, das nur hier bezeugt ist, jeweils weitere vorkanonische Bezeugungen vorliegen, selbst wenn ein Begriff wie μωρία überhaupt nur 5 Mal im NT begegnet. (1,22) ἐπειδή, steht 11 / 10 Mal im NT, vgl. zum voranstehenden Vers 21. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ σημεῖον steht 86 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *2Thess 2,9. ♦ αἰτέω steht 78 / 70 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ Ἕλλην, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Paulus. ♦ Zu σοφία vgl. zuvor zu den Versen 18. 19. 20. 21. 22 und danach 30. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Tertullian und den früheren Editoren. Auch dieser Vers ist ein Beispiel für die Übereinstimmung zwischen Bezeugung und Lexik. (1,23) κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; Phil 2,8; *Kol 1,20. ♦ Zu Ἰουδαῖος vgl. den voranstehenden Vers. ♦ σκάνδαλος, das 16 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle hier. ♦ Zu Ἕλλην vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Die Variante ἔθνος steht 175 / 162 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,30; 21,10. 25; 23,2; 24,50; *Gal 1,16; 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ μωρία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. 21; 3,19. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Tertullian, auch wenn der letzte Teil nicht bezeugt ist. Hier wird dem Prinzip der größten Entfernung zum kanonischen 2 (1Kor) 225 <?page no="226"?> Text gefolgt, zumal auch Ἕλλην vorkanonisch (wie kanonisch) der seltenere Begriff ist, also die Möglichkeit, dass ein Schreiber oder eine spätere Redaktion ihn durch ἔθνος ersetzt hat, groß ist. (1,24) αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zu Ἰουδαῖος und Ἕλλην vgl. zu den voranstehenden beiden Versen 22 und 23. ♦ δύναμις, das sich 128 / 119 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt. ♦ σοφία, das 56 / 51 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *1Kor 1,20. 21. 22; 2,6. 7; 3,19; 12,8; *Röm 11,33; *Laod 1,17; 3,10. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers nur schwach bezeugt ist, sprechen sowohl die Beobachtungen in C. wie die Lexik für die Präsenz des Verses im vorkanonischen Text im gegebenen Zuschnitt. (1,25) μωρός steht 14 / 12 Mal im NT, gleich wieder vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,27; 3,18. ♦ σοφός, das 24 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 1,25; 3,18. 19). ♦ Der Komparativ σοφώτερος ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀσθενής steht 35 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nicht nur an dieser Stelle hier, *1Kor 1,25, sondern auch gleich wieder in *1Kor 1,27, und bereits zuvor in *Gal 4,9 und wieder *Röm 5,6. ♦ Die Steigerungsform ἰσχυρότερος begegnet 7 Mal im NT, vorkanonisch nicht nur hier, *1Kor 1,25, sondern auch *Ev 11,22 bezeugt. Zur Rekonstruktion: Auf der Basis des Zeugnisses Tertullians und den älteren Editoren folgend wird der obige Text gegeben. Auch bei diesem Vers fällt die Übereinstimmung zwischen Bezeugung und vorkanonischer Lexik auf. 1,[26] 27-29 [30] 31: Wer sich rühme, rühme sich des Herrn In dieser Passage sind vier Verse seht gut bezeugt, während zwei Verse unbe‐ zeugt sind und aufgrund ihrer Lexik auch Zusätze der kanonischen Redaktion sein dürften. - 26 Βλέπετε γὰρ τὴν κλῆσιν ὑμῶν, ἀδελφοί, ὅτι οὐ πολλοὶ σοφοὶ κατὰ σάρκα, οὐ πολλοὶ δυνατοί, οὐ πολλοὶ εὐγενεῖς· 27 ἀλλὰ τὰ μωρὰ τοῦ κόσμου ἐξελέξατο ὁ θεός, ἵνα καταισχύνῃ τὰ σοφά, καὶ τὰ ἀσθενῆ τοῦ κόσμου ἐξελέξατο ὁ θεός, ἵνα καταισχύνῃ τὰ ἰσχυρά, 27 ἀλλὰ τὰ μωρὰ τοῦ κόσμου ἐξελέξατο ὁ θεὸς ἵνα καταισχύνῃ τοὺς σοφούς, καὶ τὰ ἀσθενῆ τοῦ κόσμου ἐξελέξατο ὁ θεὸς ἵνα καταισχύνῃ τὰ ἰσχυρά, 226 Rekonstruktion <?page no="227"?> 28 καὶ τὰ ἀγενῆ καὶ τὰ ἐλάχιστα καὶ τὰ ἐξουθενημένα ἐξελέξατο ὁ θεός, τὰ μὴ ὄντα, ἵνα τὰ ὄντα καταργήσῃ, 28 καὶ τὰ ἀγενῆ τοῦ κόσμου καὶ τὰ ἐξουθενημένα ἐξελέξατο ὁ θεός, τὰ μὴ ὄντα, ἵνα τὰ ὄντα καταργήσῃ, 29 ὅπως μὴ καυχήσηται πᾶσα σάρξ, - 29 ὅπως μὴ καυχήσηται πᾶσα σὰρξ ἐνώπιον τοῦ θεοῦ. - 30 ἐξ αὐτοῦ δὲ ὑμεῖς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, ὃς ἐγενήθη σοφία ἡμῖν ἀπὸ θεοῦ, δικαιοσύνη τε καὶ ἁγιασμὸς καὶ ἀπολύτρωσις, 31 ἵνα καθὼς γέγραπται, Ὁ καυχώμενος ἐν θεῷ καυχάσθω. 31 ἵνα καθὼς γέγραπται, Ὁ καυχώμενος ἐν κυρίῳ καυχάσθω. A. *1,27-28: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,9: nec iam stulta mundi elegit deus ut confundat sapientia (sapientia R 3 Kroymann Harnack von Soden; sapientiam MR 1 ), nec infirma mundi elegit deus ut confundat fortia, nec inhonesta et minima et contemptibilia, quae non sunt, id est quae non vere sunt, ut confundat quae sunt, id est quae vere sunt. Nihil enim a deo dispositum est vere modicum et ignobile et contemptibile, sed quod ab homine. Apud creatorem autem etiam vetera stultitiae et infirmitati et inhonestati et pusillitati et contemptui deputari possunt. … stulta enim mundi elegit deus, ut confundat sapientia (sapientia R 3 Kroymann Harnack von Soden; sapientiam MR 1 ). Vgl. auch ibid. 6,1: stulta eligens eius et disponens in salutem. Hanc dicit sapientiam in occulto fuisse quac fuerit in stultis et in pusillis et inhonestis, quae latuerit etiam sub figuris, allegoriis et aenigmatibus, revelanda postmodum in Christo. Ders., De Carne 4: Sed circumspice, Marcion, si tamen non delesti: Stulta mundi elegit deus, ut confundat sapientia. ♦ *1,29. 31: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,10: ne glorietur omnis caro, ut, quemadmodum scriptum est, Qui gloriatur, in domino (deo MR) glorietur. Epiph., Pan. 42, sch. 10 (121. 159 H.): ἵνα (καὶ τοῦ: 159 VM, corr. H.) καθὼς γέγραπται, Ὁ καυχώμενος ἐν κυρίῳ καυχάσθω. Adam., Dial. I 22 (im Mund des Adamantius): ὅπως μὴ καυχήσηται πᾶσα σὰρξ ἐνώπιον αὐτοῦ. ἐξ αὐτοῦ δὲ ὑμεῖς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, ὃς ἐγενήθη σοφία ἡμῖν ἀπὸ θεοῦ, δικαιοσύνη τε καὶ ἁγιασμὸς καὶ ἀπολύτρωσις, ἵνα καθὼς γέγραπται, Ὁ καυχώμενος ἐν κυρίῳ καυχάσθω (Rufin: Ut non glorietur omnis caro coram ipso. Ex ipso enim uos estis in Christo Iesu, qui factus est nobis sapientia a deo et iustitia et sanctificatio et redemptio, ut, sicut scriptum est, qui gloriatur in domino glorietur). Vgl. Jer 9,23 LXX: ἀλλ᾽ ἢ ἐν τούτῳ καυχάσθω ὁ καυχώμενος, συνίειν καὶ γινώσκειν ὅτι ἐγώ εἰμι κύριος ποιῶν ἔλεος καὶ κρίμα καὶ δικαιοσύνην ἐπὶ τῆς γῆς, ὅτι ἐν τούτοις τὸ θέλημά μου, λέγει κύριος. B. (1,28) Ante καί add τὰ μὴ ὄντα 01 2 , 03, 04 3 , 06 1 , 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1881, 2464, M, f, r, vg, sy, Or pt , om P 46 , 01*, 02, 04*, 06*, 010, 012, 2 (1Kor) 227 <?page no="228"?> 42 E.-M. Becker, Marcion und die Korintherbriefe nach Tertullian, Adversus Marcionem V (2002), 107. Sie verweist auf U. Fröhlich, Vetus Latina. Die Reste der altlateinischen Bibel. 22/ 1-3. Epistula ad Corinthios I (1995), 178-179. 33, 1175, 1506, 1739, b, Or pt , Ambst. ♦ (1,29) Die Lesart αὐτοῦ anstelle von τοῦ θεοῦ begegnet in (01 2a ), 04*, 044, 629, f, vg, sy, Ambst, und in der altlateinischen Tradition: 77, 78. C. 1. (1,26) Dieser Vers ist unbezeugt. Hilgenfeld erwähnt ihn zwar nicht eigens, sieht aber wohl auch diesen Vers der kanonischen Form nach vorkanonisch präsent. Zahn sieht ihn in irgendeiner Form präsent, Harnack, Schmid und BeDuhn halten ihn schlicht für unbezeugt, auch wenn BeDuhn eine Übersetzung desselben in Klammern in seine Rekonstruktion setzt. 2. Es fällt gleich zu Beginn des Verses die sonst nur kanonisch bezeugte emphatische Anrede βλέπετε auf, die für die Zugehörigkeit des Verses zur kanonischen Redaktion spricht und einem ihrer Stilmerkmale entspricht. Die κλῆσις ὑμῶν greift 1Kor 1,2. 24 auf, Verse, die ebenfalls zur kanonischen Redaktionsebene gehören, ebenso greift das ἀδελφοί die Verse 1Kor 1,10-11 auf, die auch auf dieser Redaktionsstufe stehen. 3. (1,27-28) Hilgenfeld erwähnt Vers 27 zwar nicht eigens, sieht ihn aber wohl als präsent an. In Vers 28 sieht er als „abweichenden Text“ den wie oben. Zahn ändert τοὺς σοφούς in τὰ σοφά, nicht nur Tertullian entsprechend, sondern auch, weil hier von Abstrakta die Rede ist, was gemäß 1Kor 1,20. 26 in der kanonischen Redaktion auf Personen umgeschrieben wurde. Harnack folgt Zahn mit dieser Korrektur und bietet den obigen Text. Schmid akzeptiert Zahns Korrektur nicht, bietet aber ansonsten den obigen Text. BeDuhn folgt Zahn und Harnack und bietet folglich den obigen Text. Die Hinzufügung eines καί vor τὰ μὴ ὄντα, belegt in einigen Zeugen, geht entweder auf einen frühen Kopistenfehler oder auf die kanonische Redaktion zurück und verändert den Sinn der Stelle. Das Niedrige, Letzte und Verachtete ist das, was keine Existenz hat und was darum erwählt wird, um das, was ist oder zu sein scheint, zunichte zu machen, während dem Fehler oder der Redaktion nach das Nichtseiende nachträglich in die Liste derer eingereiht wird, die von Gott erwählt wurden. Auch wenn nicht genau angegeben wird, worauf sich Becker bezieht, so sieht sie doch in diesem Vers eine von Tertullian bestätigte markionitische Variante gegenüber dem kanonischen Text. 42 4. (1,29) Von Soden plädierte gegen die von Kroymann und Harnack für Tertullian gewählte Variante deo, die die Tertullianzeugen MR bezeugen, wäh‐ 228 Rekonstruktion <?page no="229"?> 43 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 81*. rend die Zeugen FN und der ältere Herausgeber Pamelius domino bieten. Harnack optiert dann angesichts der weiteren Bezeugung bei Epiphanius für den markionitischen Text domino. 5. Tertullian bezeugt nicht das ἐνώπιον τοῦ θεοῦ, welches argumentativ nicht nötig ist. Aus dem Blick der Lexik hätte es vorkanonisch stehen können, da es jedoch wie eine Duplikation zu dem nachfolgenden ἐν κυρίῳ wirkt, wird dieser Zusatz wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen. 6. Wohl aufgrund des Zeugnisses im Mund des Adamantius rechnet Zahn mit der Anwesenheit von Vers 30, Harnack ist hier skeptischer: „Es ist nicht gewiß, daß die Worte aus M.s Bibel stammen“. 43 Folglich nimmt er diesen Vers auch nicht in den Text auf, auch Schmid sieht den Vers als unbezeugt, doch BeDuhn stellt ihn zum Text hinzu. 7. Tertullians direkter Übergang von Vers 29 zu Vers 31 spricht allerdings gegen die Präsenz von Vers 30, zumal die beiden Verse 29 und 31 ohne diesen Zwischenvers unmittelbar grammatikalisch und inhaltlich aneinander anschließen. Bedenkt man, dass Tertullian etwa in seinem Kommentar zum Römerbrief ausführlich auf die dort verhandelte Gerechtigkeit eingeht, wäre es erstaunlich, wenn er hier diese Erwähnung stillschweigend übergangen hätte. Auffällig ist auch der Wechsel von der komplett diskursiv gehaltenen Ausführung in *1Kor 1, der in 1Kor 1 ein häufiger Wechsel zwischen Diskurs und Anrede steht, wenn etwa in den Versen 1Kor 1,3. 4. 6. 7. 8. 10. 11. 12. 13. 14. 23. 26. 30 die Zuhörer adressiert werden, manchmal unter Einbezug des Paulus oder Verweis auf ihn: 1Kor 1,2. 3. 4. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 23. 30, direkte Emphasen, die im vorkanonischen Text hier fehlen. 8. Hilgenfeld, Zahn, Schmid und BeDuhn rechnen mit dem kanonischen Wortlaut, Harnack setzt hinter ἐν κυρίῳ in Klammern ἐν θεῷ. Wie richtig er damit liegt, zeigen nicht nur die beiden Handschriften MR bei Tertullian, die eine gewichtige Abweichung nicht nur gegenüber dem kanonischen Text darstellen, sondern auch gegenüber der alttestamentlichen Vorlage. Dazu kommt, wie ein Durchblick aller Belege zu „Herr“ (κύριος) herausstellt, dass diese Bezeichnung vorkanonisch ausschließlich Christus zukommt. Das gut bezeugte καθὼς γέγραπται ist hier auch inhaltlich passend, denn es greift das γέγραπται γάρ aus 1Kor 1,19 auf, womit der Abschnitt eine Struktur erhält, indem das Kreuz Christi als Kraft und Weisheit erwiesen wird und jegliches Rühmen nicht dem menschlichen Fleisch, sondern dem Herrn gilt, der die Umkehrung der Vorstellung vorgenommen hat. Beide Male wird dies 2 (1Kor) 229 <?page no="230"?> aus den Propheten der jüdischen Schrift begründet. Zwar hatte Markion der jüdischen Prophetie kein Vorauswissen bezüglich des Christus zugeschrieben, doch sprechen die Verweise hier auf die jüdischen Schriftbeweise dafür, dass a) Markion offenkundig traditionelles Material vorlag, das er aus Treue zu diesen Vorlagen übernommen hat, und b) nicht grundsätzlich ablehnend zur jüdischen Prophetie und zur jüdischen Schrift stand, ja diese sogar auf den transzendenten Gott der Christen hin auslegen konnte, wie das ebenfalls für *Gal 3,13 und 4,22 zu bemerken war. D. (1,26) βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist schmal bezeugt für die vorkano‐ nische Ebene in *Ev und *2Kor 4,18. ♦ Man bemerke insbesondere die Imperativform βλέπετε, die 24 Mal im NT steht, davon 12 Mal als Verseröffnung (1Kor 1,26; 8,9; 10,18; Eph 5,15; Phil 3,2; Kol 2,8), vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 8,18. ♦ κλῆσις begegnet 11 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt in *Laod 1,18. ♦ κατὰ σάρκα findet sich als Ausdruck vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23 und *Röm 8,4. 5, auch wenn es häufig auf der kanonischen Ebene begegnet, vgl. zu *Gal 4,23. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu Vers 29. ♦ δυνατός, das 115 / 32 Mal im NT steht, ist überhaupt nur auf der kanonischen Ebene bezeugt. Das verwandte Verb δυνατέω, das 8 / 3 Mal im NT steht, ist ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ εὐγενής steht 2 Mal im NT, ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene in Lk 19,12. Zur Abwesenheit: Im Kontrast zu den voranstehend bezeugten Versen, deren Lexik fast vollständig vorkanonisch weiters bezeugt ist, begegnen in diesem unbezeugten Vers eine Reihe von Termini, die vornehmlich (βλέπω; κλῆσις, auffallenderweise vorkanonisch nur bezeugt für das *Deuteropaulinum *Laod) oder ausschließlich (δυνατός; εὐγενής) auf der kanonischen Ebene begegnen. Der Vers stellt demnach ein schönes Beispiel für die Übereinstimmung zwischen fehlender Bezeugung und kanonischer Lexik dar, er wird darum nicht nur unbezeugt, sondern auch von der vorkanonischen Fassung abwesend gewesen sein. (1,27) μωρός, das 14 / 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,25. 27; 3,18, vgl. zu Vers 25. Vgl. auch die Ausführungen zu τὰ μωρὰ τοῦ κόσμου in 1Kor 4,10. ♦ ἐκλέγω steht 25 / 22 Mal im NT, ist vorkanonisch wieder bezeugt für *Ev 6,13 und auch in *1Kor 1,28. ♦ ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ♦ καταισχύνω, das 14 / 13 Mal im NT steht, 230 Rekonstruktion <?page no="231"?> ist vorkanonisch ebenfalls bezeugt für *Ev 13,17. ♦ ἰσχυρός steht 27 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt auch für *Ev 11,21. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians unter Berücksich‐ tigung der Beobachtungen von C. Bemerkenswert ist auch in diesem Vers, dass die Lexeme auch anderwärts vorkanonisch bezeugt sind. (1,28) ἀγενής ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐξουθενέω, das 11 Mal im NT steht, ist zwei Mal für *Paulus bezeugt. ♦ Die Verbform ὄντα steht 17 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. Zur Rekonstruktion: Auch dieser Vers folgt Tertullians Zeugnis und auch wenn ὄντα nur für diese Stelle vorkanonisch belegt ist, fällt doch die vorkanonische Bezeugung der weiteren Lexeme auf. (1,29) ὅπως, das 58 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,4. ♦ καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, und zwar ausschließlich in der Briefliteratur, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu Vers 26. ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch einzig bezeugt für die Stelle hier, *1Kor 1,29. ♦ ἐνώπιον, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἐνώπιον τοῦ θεοῦ steht 25 Mal im NT, etwa in Lk 1,19; 12,6, in Versen, die in *Ev fehlen, in Lk scheint Tertullian eine andere Formulierung gelesen zu haben (Tert.: Quod elatum est apud homines perosum est deo; die kanonische Formulierung: τὸ ἐν ἀνθρώποις ὑψηλὸν βδέλυγμα ἐνώπιον τοῦ θεοῦ), d. h. sie steht überhaupt nur auf der kanonischen Ebene, beim kanonischen Paulus in Röm 14,22; 2Kor 4,2; 7,12; Gal 1,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Wie präzise die Bezeugung bzw. fehlende Bezeugung Tertullians ist, erweist das nur kanonisch präsente ἐνώπιον τοῦ θεοῦ, das unbezeugt ist und vorkanonisch gefehlt hat. (1,30) Die Kombination αὐτοῦ δέ begegnet nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in Apg 25,25. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorka‐ nonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ Die Kombination ὑμεῖς ἐστε steht 10 Mal im NT, in Lk gerade wieder im selben Vers, der zu 1,29 zuvor herangezogen wurde, hier im unbezeugten Teil auf der kanonischen Ebene und auch nur im kanonischen Paulus (1Kor 9,1. 2; 2Kor 3,2), außerdem kanonisch in Mt 5,13. 14; 10,20; Apg 3,24; 22,3, entspricht folglich kanonischem Sprachgebrauch. ♦ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ wurde bereits als rein kanonische Formulierung zu Vers 1Kor 1,4 herausgestellt. ♦ Zu σοφία vgl. zuvor zu den Versen 18. 19. 20. 21. 22. 24. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten 2 (1Kor) 231 <?page no="232"?> gebraucht auf der vorkanonischen Ebene in *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Die Kombination τε καί steht 51 Mal im NT, im kanonischen Paulus (Röm 1,12. 14. 27; 3,9; 10,12; 1Kor 1,24. 30; 2Kor 12,12), dann 26 Mal in Apg, 10 Mal in Hebr, in Mt 22,10; Jak 3,7 und Apk 19,18, stellt folglich ein typisches Sprachmerkmal der kanonischen Redaktion dar. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist ein bedeutender Begriff der kanonischen Redaktion, wenn er auch vorkanonisch in *Paulus bezeugt ist. ♦ ἁγιασμός steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *1Thess 4,3. 7. ♦ ἀπολύτρωσις steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem Vers entspricht der fehlenden Bezeugung eindrücklich der lexikalische Befund, der eine ganze Reihe von ausschließlich kanonischem Sprachgebrauch entsprechenden Elementen (αὐτοῦ δέ; ὑμεῖς ἐστε; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; τε καί) aufweist und diesen Vers der kanonischen Redaktion zuweist. Er hat im vorkanonischen Text gefehlt. (1,31) Die Formulierung καθὼς γέγραπται ist nur an der vorliegenden Stelle vorka‐ nonisch bezeugt, ansonsten findet man sie auf der kanonischen Ebene (Röm 1,17; 2,24; 3,4. 10; 4,17; 8,36; 9,13. 33; 10,15; 11,8. 26; 15,3. 9. 21; 1Kor 2,9; 2Kor 8,15; 9,9). Doch nachdem sowohl Tertullian wie Epiphanius diesen Passus bezeugen, muss man vorkanonisch mit ihm rechnen. ♦ Zu καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht vgl. zuvor zu Vers 29. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und Epiphanius, wie ihn auch die früheren Editoren gesehen haben. Zu bemerken ist, dass auch die Lexik die Tertullian folgende Variante ἐν θεῷ stützt. Kapitel 2 2,1 [2-3] 4 [5] 6-8 [9-15] 16: Die Weisheit Gottes und der Verstand des Herrn waren verborgen Anfang und Ende des Kapitels sowie der zentrale mittlere Teil sind gut bezeugt, doch wie die unbezeugten Verse zeigen, wurde das Kapitel erheblich durch die kanonische Redaktion bearbeitet und erweitert. Dabei wurde das Kapitel mit persönlicher Emphase ausgestattet und insbesondere das Thema der ver‐ borgenen Weisheit Gottes, die den Machthabern dieser Zeit verborgen blieb, überarbeitet. Denn im vorkanonischen Text, gerade im Anschluss an die beiden Schriftzitate aus den jüdischen Propheten, bezieht sich der Ausdruck „Macht‐ haber dieser Zeit“ auf alle Weisheitskundigen, also auch auf die Propheten 232 Rekonstruktion <?page no="233"?> und die von deren Weisheit Zehrenden, die vorkanonisch zu Menschen mit Vollmacht in diesem Äon gerechnet werden. Wären sie nicht in Unkenntnis der göttlichen Weisheit und des Verstands des Herrn gewesen, hätten diese Diesseitsmenschen den Herrn nicht gekreuzigt. Doch wird, wiederum aus der jüdischen Schrift genommen, sowohl eine gewisse Entschuldigung wie auch ein Beleg für die Argumentation für die Verborgenheit der Pläne Gottes durch die rhetorische Frage am Ende gestellt: „Denn wer begreift den Verstand des Herrn und wer kann ihn belehren? “ 2,1 καταγγέλλων τὸ μυστήριον τοῦ θεοῦ - 2,1 Κἀγὼ ἐλθὼν πρὸς ὑμᾶς, ἀδελφοί, ἦλθον οὐ καθ’ ὑπεροχὴν λόγου ἢ σοφίας καταγγέλλων ὑμῖν τὸ μυστήριον τοῦ θεοῦ. - 2 οὐ γὰρ ἔκρινά τι εἰδέναι ἐν ὑμῖν εἰ μὴ Ἰησοῦν Χριστὸν καὶ τοῦτον ἐσταυρωμένον. 3 κἀγὼ ἐν ἀσθενείᾳ καὶ ἐν φόβῳ καὶ ἐν τρόμῳ πολλῷ ἐγενόμην πρὸς ὑμᾶς, 4 οὐκ ἐν πειθοῖς σοφίας, 4 καὶ ὁ λόγος μου καὶ τὸ κήρυγμά μου οὐκ ἐν πειθοῖς σοφίας λόγοις ἀλλ’ ἐν ἀποδείξει πνεύματος καὶ δυνάμεως, - 5 ἵνα ἡ πίστις ὑμῶν μὴ ᾖ ἐν σοφίᾳ ἀνθρώπων ἀλλ’ ἐν δυνάμει θεοῦ. 6 σοφίαν λαλοῦμεν ἐν τοῖς τελείοις τῶν ἀρχόντων τοῦ αἰῶνος τούτου τῶν καταργουμένων. 6 Σοφίαν δὲ λαλοῦμεν ἐν τοῖς τελείοις, σοφίαν δὲ οὐ τοῦ αἰῶνος τούτου οὐδὲ τῶν ἀρχόντων τοῦ αἰῶνος τούτου τῶν καταργουμένων· 7 ἀλλὰ λαλοῦμεν θεοῦ σοφίαν ἐν μυστηρίῳ, τὴν ἀποκεκρυμμένην, ἣν προώρισεν ὁ θεὸς πρὸ τῶν αἰώνων εἰς δόξαν ἡμῶν, 7 ἀλλὰ λαλοῦμεν θεοῦ σοφίαν ἐν μυστηρίῳ, τὴν ἀποκεκρυμμένην, ἣν προώρισεν ὁ θεὸς πρὸ τῶν αἰώνων εἰς δόξαν ἡμῶν, 8 ἣν οὐδεὶς τῶν ἀρχόντων τοῦ αἰῶνος τούτου ἔγνωκεν· εἰ γὰρ ἔγνωσαν, οὐκ ἂν τὸν κύριον τῆς δόξης ἐσταύρωσαν. 8 ἣν οὐδεὶς τῶν ἀρχόντων τοῦ αἰῶνος τούτου ἔγνωκεν, εἰ γὰρ ἔγνωσαν, οὐκ ἂν τὸν κύριον τῆς δόξης ἐσταύρωσαν. - 9 ἀλλὰ καθὼς γέγραπται, Ἃ ὀφθαλμὸς οὐκ εἶδεν καὶ οὖς οὐκ ἤκουσεν καὶ ἐπὶ καρδίαν ἀνθρώπου οὐκ ἀνέβη, ἃ ἡτοίμασεν ὁ θεὸς τοῖς ἀγαπῶσιν αὐτόν. 10 ἡμῖν δὲ ἀπεκάλυψεν ὁ θεὸς διὰ τοῦ πνεύματος· τὸ γὰρ πνεῦμα πάντα ἐραυνᾷ, καὶ τὰ βάθη τοῦ θεοῦ. 11 τίς γὰρ οἶδεν ἀνθρώπων τὰ τοῦ ἀνθρώπου εἰ μὴ τὸ πνεῦμα τοῦ ἀνθρώπου τὸ ἐν αὐτῷ; οὕτως καὶ τὰ τοῦ θεοῦ οὐδεὶς ἔγνωκεν εἰ μὴ τὸ 2 (1Kor) 233 <?page no="234"?> πνεῦμα τοῦ θεοῦ. 12 ἡμεῖς δὲ οὐ τὸ πνεῦμα τοῦ κόσμου ἐλάβομεν ἀλλὰ τὸ πνεῦμα τὸ ἐκ τοῦ θεοῦ, ἵνα εἰδῶμεν τὰ ὑπὸ τοῦ θεοῦ χαρισθέντα ἡμῖν· 13 ἃ καὶ λαλοῦμεν οὐκ ἐν διδακτοῖς ἀνθρωπίνης σοφίας λόγοις ἀλλ’ ἐν διδακτοῖς πνεύματος, πνευματικοῖς πνευματικὰ συγκρίνοντες. 14 ψυχικὸς δὲ ἄνθρωπος οὐ δέχεται τὰ τοῦ πνεύματος τοῦ θεοῦ, μωρία γὰρ αὐτῷ ἐστιν, καὶ οὐ δύναται γνῶναι, ὅτι πνευματικῶς ἀνακρίνεται· 15 ὁ δὲ πνευματικὸς ἀνακρίνει [τὰ] πάντα, αὐτὸς δὲ ὑπ’ οὐδενὸς ἀνακρίνεται. 16 τίς γὰρ ἔγνω νοῦν κυρίου, καὶ τίς αὐτοῦ σύμβουλος ἐγένετο; 16 τίς γὰρ ἔγνω νοῦν κυρίου, ὃς συμβιβάσει αὐτόν; ἡμεῖς δὲ νοῦν Χριστοῦ ἔχομεν. A. *2,1. 4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,2: Creator autem tam ipse notus quam et sacramenta eius, palam scilicet decurrentia apud Israel, sed de significantiis obumbrata, in quibus sapientia dei delitescebat, inter perfectos narranda suo in tempore, proposita vero in proposito dei ante saecula. ♦ *2,6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,1: dei sapientiam loquatur inter perfectos. Ibid. 6,2: Creator autem tam ipse notus quam et sacramenta eius, palam scilicet decurrentia apud Israel, sed de significantiis obumbrata, in quibus sapientia dei delitescebat, inter perfectos narranda suo in tempore, proposita vero in proposito dei ante saecula. Epiph., Pan. 42, sch. 11 (121. 160 H.): τῶν ἀρχόντων τοῦ αἰῶνος τούτου τῶν καταργουμένων. ♦ *2,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,1: Hanc dicit sapientiam in occulto fuisse quae fuerit in stultis et in pusillis et inhonestis, quae latuerit etiam sub figuris, allegoriis et aenigmatibus … Ibid. 6,2: Nam ut absconderit aliquid is deus qui nihil egit omnino in quod aliquid abscondisse existimaretur, satis incredibile. Ipse si esset, latere non posset, nedum aliqua eius sacramenta. Creator autem tam ipse notus quam et sacramenta eius, palam scilicet decurrentia apud Israel, sed de significantiis obumbrata, in quibus sapientia dei delitescebat, inter perfectos narranda suo in tempore, proposita vero in proposito dei ante saecula. Ibid, 6,5: Sed quia subicit de gloria nostra. Ibid. 6,9: Sed vis adhuc gloriam nostram dei tui esse et apud eum in occulto fuisse. ♦ *2,8: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,5: Sed quia subicit de gloria nostra, quod eam nemo ex principibus huius aevi scierit, ceterum si scissent nunquam dominum gloriae crucifixissent, argumentatur haereticus quod principes huius aevi dominum, alterius scilicet dei Christum, cruci confixerint, ut et hoc in ipsum recidat creatorem. Vgl. auch ibid. 6,6: Porro cui supra ostendimus quibus modis gloria nostra a creatore sit deputanda, praeiudicatum esse debebit eam quae in occulto fuerit apud creatorem merito ignotam etiam ab omnibus virtutibus et 234 Rekonstruktion <?page no="235"?> 44 Wie sehr in der Forschung umstritten ist, ob hier auf diese Jesajastellen angespielt wird oder auf eine andere, unbekannte Stelle, vgl. mit Quellen und älterer Literatur C. Clivaz and S. Schulthess, On the Source and Rewriting of 1 Corinthians 2.9 in Christian, Jewish and Islamic Traditions (1 Clem 34.8; GosJud 47.10-13; a ḥadīth qudsī) (2015); J. Verheyden, Origen and the Origin of 1 Cor 2,9 (1996). 45 Die Angabe bei Semler, 012 habe μυστηριον, ist inkorrekt (zumindest nach der Ausgabe von 1909), J.S. Semler, Vorbereitung zur theologischen Hermeneutik zu weiterer Beför‐ derung des Fleisses angehender Gottesgelerten 3,2 = 4. Worin von dem griechischen Text und Handschriften der Briefe u.s.w. Beobachtungen vorkommen (1769), 67. 46 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 91. potestatibus creatoris, quia nec famulis liceat consilia nosse dominorum. Vgl. Ps 23,10 LXX: τίς ἐστιν οὗτος ὁ βασιλεὺς τῆς δόξης κύριος τῶν δυνάμεων αὐτός ἐστιν ὁ βασιλεὺς τῆς δόξης. ♦ 2,9-15: Vgl. Jes 52,15 LXX: οὕτως θαυμάσονται ἔθνη πολλὰ ἐπ᾽ αὐτῷ, καὶ συνέξουσιν βασιλεῖς τὸ στόμα αὐτῶν· ὅτι οἷς οὐκ ἀνηγγέλη περὶ αὐτοῦ, ὄψονται, καὶ οἳ οὐκ ἀκηκόασιν, συνήσουσιν; Jes 64,3 LXX: ἀπὸ τοῦ αἰῶνος οὐκ ἠκούσαμεν οὐδὲ οἱ ὀφθαλμοὶ ἡμῶν εἶδον θεὸν πλὴν σοῦ καὶ τὰ ἔργα σου, ἃ ποιήσεις τοῖς ὑπομένουσιν ἔλεον; Jes 65,16 LXX: οὐκ ἀναβήσεται αὐτῶν ἐπὶ τὴν καρδίαν und Jes Sir 1,10 LXX: ἐχορήγησεν αὐτὴν τοῖς ἀγαπῶσιν αὐτόν. 44 ♦ *2,16: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,9: Et quare adhuc eodem et deus instrumento et apostolus nititur? Quid illi cum sententiis prophetarum ubique? Quis enim cognovit sensum domini, et quis illi consiliarius fuit? Esaias est. Quid illi etiam cum exemplis dei nostri? Vgl. Jes 40,13 LXX: τίς ἔγνω νοῦν κυρίου, καὶ τίς αὐτοῦ σύμβουλος ἐγένετο, ὃς συμβιβᾷ αὐτόν; B. (2,1) Anstelle von μυστήριον findet sich die Variante μαρτύριον in 01 2 , 03, 06, 010, 012, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1506, 1739, 1881, 2464, M, b, vg, sy h , sa. Diesen Zeugen gegenüber steht μυστήριον in P 46vid , 01*, 02, 04*, ar, r, sz p , bo, Hipp, BasA, Ambst und in der altlateinischen Tradition: 61, 64; es fehlt in Cass. 45 g bietet testimonium. ♦ (2,4) πειθοῖς ἀνθρωπίνης σοφίας λόγοις findet sich in 01 2 , 02, 04, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 2464, M, vg c1 , sy h , Did, die Zeugen 1, 42, 440 (mit Umstellung 2495) lesen hingegen πειθοῖ ἀνθρωπίνης σοφίας, der Zeuge 131 hat: πειθοῖς ἀνθρωπίνης σοφίας καὶ λόγοις, die Zeugen P 46 , 010, 012 lesen: πειθοῖς σοφίας, und die Zeugen 01*, 03, 06, 33, 1175, 1506, 1739, 1881, vg st , (sy p ): πειθοῖς σοφίας λόγοις. Schon Zuntz hat πειθοῖς σοφίας der kanonischen Form als die ältere Lesart vorgezogen. 46 ♦ (2,8) Anstelle von ἔγνωκεν wäre grundsätzlich mit P 46 auch an den Aorist ἔγνω zu denken, doch spricht Tertullian eher für die Perfektform. ♦ Post δόξης P 46 add αὐτῶν. ♦ (2,16) ὃς συμβιβᾷ αὐτόν om P 46 , 01, 02, 03 u.a. 2 (1Kor) 235 <?page no="236"?> 47 Vgl. C.J. Classen, Philologische Bemerkungen zur Sprache des Apostels Paulus (1994/ 1995), 325-236. 48 M. Widmann, 1 Kor 2 6-16: Ein Einspruch gegen Paulus (1979); W.O. Walker, 1 Corinthians 2.6-16: A Non-Pauline Interpolation? (1992); W.O. Walker, Interpolations in the Pauline letters (2001), 127-146. Eine lange Liste von Forschungsbeiträgen zu diesem C. 1. (2,1-5) Die Verse 1Kor 2,1-5 gelten bei den früheren Editoren als unbezeugt. Tatsächlich aber deutet Tertullian an, dass er an dieser Stelle einige Textstücke gelesen hat, wenn sich auch der Text nicht mehr mit letzter Sicherheit wie‐ derherstellen lässt. Dem angeführten Zeugnis nach las Tertullian zumindest einige Begriffe, καταγγέλλων klingt an (narranda), dann τὸ μυστήριον τοῦ θεοῦ (proposito dei) aus Vers 2,1 und σοφία (sapientia) aus Vers 2,4. Weitere Hinweise geben uns die Varianten in den Handschriften für die Verse 1 und 4. In Vers 1 wurde das wohl später als gnostisch misszudeutende τὸ μυστήριον τοῦ θεοῦ ersetzt durch τὸ μαρτύριον τοῦ θεοῦ. In Vers 4 lesen die Zeugen verschiedene Varianten. Aus all diesen Zeugen scheint die älteste Bezeugung, die auch durch die einschlägigen Zeugen 010, 012 gestützt wird, dem vorkanonischen Text zuzuordnen zu sein. Zahn rechnet mit der Präsenz der Verse 1-5, ohne den Wortlaut bestimmen zu können. Harnack sieht sie als unbezeugt, ohne sich über sie näher auszulassen, so auch Schmid und BeDuhn. Die unmittelbare Ansprache setzt den Trend der kanonischen Redaktion des ersten Kapitels mit ihrer persönlichen Emphase fort, insbesondere mit ἀδελφοί, welches die kanonischen Verse 1Kor 1,10-11. 26 aufgreift. Daraus folgt, dass es eine vorausliegende vorkanonische Vorlage für diesen Passus gegeben hat, die aber von der kanonischen Redaktion gründlich überarbeitet wurde. 2. (2,4) Der Ausdruck ἐν πειθοῖς σοφίας (vielleicht πειθώ darin als Sub‐ stantiv? ) bildet nach Classen einen rhetorischen Ausdruck, der auf der kano‐ nischen Ebene mit ἀπόδειξις, einem Hapax legomenon im NT, als terminus technicus verwendet wird. 47 3. (2,6) Hilgenfeld sieht den Text wie oben bezeugt. Zahn meint jedoch, Vers 6 sei in der kanonischen Form bezeugt. Harnack differenziert und sieht lediglich Σοφίαν λαλοῦμεν ἐν τοῖς τελείοις, τῶν ἀρχόντων τοῦ αἰῶνος τούτου τῶν καταργουμένων bezeugt. Schmid fügt in Klammern noch δὲ ein, ebenso in Klammern σοφίαν δὲ οὐ τοῦ αἰῶνος τούτου οὐδέ und deutet mit Auslassungs‐ zeichen weiteren Text am Ende von Vers 6a und zu Beginn von Vers 6b an. BeDuhn folgt Harnack und dem obigen Text. 4. 1Kor 2,6-16 wurde wiederholt als Interpolation angesehen, 48 was von Murphy-O’Connor als möglich, aber wenig wahrscheinlich betrachtet wird. 49 236 Rekonstruktion <?page no="237"?> Abschnitt liefert J.R. Strawbridge, The Pauline Effect. The Use of the Pauline Epistles by Early Christian Writers (2015), 25-26. 49 J. Murphy-O’Connor, Interpolations in 1 Corinthians (1986), 81-84. 50 E.E. Ellis, Traditions in 1 Corinthians (1986), 490. 51 Vgl. mit älterer, weiterführender Literatur M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 6. 52 Vgl. M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 482. 53 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 505. Die Diskussion erscheint unter der Priorität der *10-Briefe-Sammlung anders. Als besonderes Merkmal wird von den Vertretern der Interpolationstheorie die Verwendung der 1. Pers. Pl. in dieser Passage gesehen - doch, wie zu erkennen ist, findet sich die 1. Pers. Sg. zuvor lediglich auf der kanonischen Redaktions‐ stufe. Auch mit Blick auf die Lexik stellen die Kommentatoren Besonderheiten fest, so dass etwa Ellis schließt: „Ιn Abwägung ist 1Kor 2,6-16 möglicherweise ein vorgeformtes Stück, das Paulus genutzt und dem gegenwärtigen Kontext eingepasst hat“. 50 Geht man jedoch von der Priorität der *10-Briefe-Sammlung aus, ist das, was die bisherige Diskussion als typisch paulinisch herausstellt, die Summe der Merkmale der kanonischen Redaktion, von denen das Frühere - eigentlich vorkanonisch Paulinische - als älteres Gut an dieser Stelle z.T. aus‐ geschieden wird. Doch soll weiter unten eine detailliertere Zusammenfassung zu dieser Passage der Verse 6-16 erfolgen. Vorab ist schon zu bemerken, dass die Aussagen hier mit denen in *1Kor 10,20 zusammengehen, in denen die Mächte der Jetztzeit dämonisiert werden. 51 5. (2,7) Hilgenfeld und Zahn sehen den Vers nach der kanonischen Form präsent, Harnack, Schmid und BeDuhn geben den obigen Text. Goulder hat auf die mögliche Beziehung dieses Verses zu Lk 10,21 (was auch für die vorkanonische Version *Ev 10,21 zutrifft) hingewiesen. 52 6. (2,8) Alle Editoren bieten den obigen Text. 7. (2,9-15) Die Verse 9-15 sind unbezeugt, auch wenn Hilgenfeld darauf verweist, Tert., Adv. Marc. II 2 habe sich auf die Verse 12 und 14 bezogen. Auch Zahn nimmt die Verse für den vorkanonischen Text in Anspruch, auch wenn er „nur Anspielungen ohne Andeutung von Varianten“ sieht. 53 Für Harnack sind die Verse schlicht unbezeugt, so auch für Schmid und BeDuhn. Sie scheinen aber nicht nur unbezeugt zu sein, sondern es sprechen einige Hinweise dafür, dass die Passage erst durch die kanonische Redaktion geschaffen wurde. Zunächst fällt auf, dass die Passage mit einem Mischzitat aus Jes 52,15 LXX; 64,3 LXX; 65,16 LXX und Jes Sir 1,10 LXX beginnt. Das Zitat aus Jes 65,16 erscheint nochmals in der Stephanusrede der Apostelgeschichte, Apg 2 (1Kor) 237 <?page no="238"?> 54 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 22. 55 Für weiterführende Literatur, vgl. J.R. Strawbridge, The Pauline Effect. The Use of the Pauline Epistles by Early Christian Writers (2015), 26. 7,23 (ἀνέβη ἐπὶ τὴν καρδίαν αὐτοῦ), und Jes Sir klingt in dem für Röm 8,28 vorkanonisch unbezeugten kanonischen Vers (οἴδαμεν δὲ ὅτι τοῖς ἀγαπῶσιν τὸν θεὸν πάντα συνεργεῖ εἰς ἀγαθόν) an, was Hinweise sind für deren Nutzung durch die kanonische Redaktion. Doch auch, was folgt, stützt diese Beobachtung der Abwesenheit von der vorkanonischen Version, denn in dem unbezeugten Vers Röm 8,27 begegnet: ὁ δὲ ἐραυνῶν τὰς καρδίας οἶδεν τί τὸ φρόνημα τοῦ πνεύματος, ὅτι κατὰ θεὸν ἐντυγχάνει ὑπὲρ ἁγίων, wobei im ersten Teil der forschende Geist und im zweiten die Gotteserkenntnis in invertierter Ordnung an 1Kor 2,10 erinnert, ἡμῖν δὲ ἀπεκάλυψεν ὁ θεὸς διὰ τοῦ πνεύματος: τὸ γὰρ πνεῦμα πάντα ἐραυνᾷ. Zu dem nur auf der kanonischen Redaktionsstufe begegnenden ἐραυνάω vgl. zur Lexik weiter unten in D. Die Nähe zu der Römerpassage wird auch durch τὰ βάθη unterstrichen, ein im NT seltenes Wort, das wieder in Röm 8,39 zu finden ist, es steht auch noch in dem vorkanonisch unbezeugten Vers Röm 11,33. Auffallend ist auch die Pneumatologie, die sich bereits als Merkmal der kanonischen Redaktion erwiesen hatte. Gewissermaßen einen kleinen Kommentar liefert diese Passage zu den Versen 1Kor 2,4-5, die, wenn überhaupt, dann nur in Stücken vorkanonisch vorhanden waren. Vers 13 (λαλοῦμεν οὐκ ἐν διδακτοῖς ἀνθρωπίνης σοφίας λόγοις) greift dann wörtlich Vers 4 auf (τὸ κήρυγμά μου οὐκ ἐν πειθοῖς σοφίας λόγοις … 6 λαλοῦμεν), was wohl auch in Vers 4 die verschiedenen Varianten miterklärt. 8. Die Passage 1Kor 2,10-15 wurde schon in der Vergangenheit vom Kontext unterschieden, allerdings von Delafosse als markionitisch betrachtet, 54 während sie sich vielmehr als typisch kanonische Ergänzung erweist. 9. (2,9) Dieser Vers wird öfters von frühchristlichen Autoren isoliert zitiert und wird in der Forschung insbesondere mit Blick auf eine mögliche Interpola‐ tion diskutiert, ohne überzeugende Sicherung der Quelle. 55 10. (2,16) Zahn nimmt den Vers nach der kanonischen Version an. Harnack gibt den obigen Text, wobei er für den letzten Teil auch an den kanonischen Wortlaut als Möglichkeit denkt. Schmid bietet den kanonischen Text, wobei Auslassungszeichen am Ende an zusätzlichen Text denken lassen, während BeDuhn Harnack folgt und den ersten und zweiten Psalmteil übersetzt. Tatsächlich nämlich lassen viele Zeugen diesen zweiten Psalmteil aus, doch Harnack und BeDuhn sehen korrekt, dass Tertullians Übersetzung vielmehr den dritten Psalmteil weglässt und den zweiten gibt. Hier gilt, dass der entfernteste Zeuge dem vorkanonischen Text wohl am nächsten kommt. Auch *Röm 11,34 238 Rekonstruktion <?page no="239"?> 56 Pace Klinghardt, z.St. zitiert das Schriftzitat in derselben Weise wie *1Kor 2,16. Gegenüber dieser übereinstimmenden Zitierweise der Schrift erweist sich die kanonische Redak‐ tion in diesem Fall als inkonsistent. Auffallend ist wiederum, dass der letzte Teil von Vers 16, der von „uns“ und Christus spricht, unbezeugt ist und συμβιβάζω nur auf der kanonischen Ebene begegnet, was dafür spricht, dass hier eine kanonische Erweiterung des Verses vorliegt. D. (2,1) Die Wendung ἐλθὼν πρὸς ὑμᾶς begegnet nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene, Röm 15,32. ♦ Die Form ἦλθον steht 50 Mal im NT, in Lk 24,1 hatte Tertullian wohl ein anderes Verb, vielleicht auch das Kompositverb gelesen (convenerunt), allerdings ist die 1. P. Sg. bezeugt für *Ev 12,49, die einzige vorkanonische Bezeugung, im kanonischen Paulus begegnet sie 7 Mal. 56 ♦ ὑπεροχή begegnet sonst im NT nur noch 1Tim 2,2. ♦ Zu σοφία, das sowohl für *Ev wie *Paulus bezeugt ist vgl. die nachfolgenden Verse 4. 5. 6. 7. 13. ♦ καταγγέλλω, das 19 / 18 Mal im NT steht und auch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist, insbesondere der Apostelgeschichte (Apg 3,24; 4,2; 13,5. 38; 15,36; 16,17. 21; 17,3. 13. 23; 26,23; Röm 1,8; 1Kor 2,1; 9,14; 11,26; Kol 1,28; Phil 1,16. 17. 18), ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,17. 18. ♦ Die Variante μυστήριον steht 30 / 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ Die Variante μαρτύριον steht 36 / 19 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,14; 9,5; 21,13. Zur Rekonstruktion: Wie in C. herausgearbeitet, scheinen nur die wenigen Bruchstücke auf die vorkanonische Version zurückzugehen, die von der kano‐ nischen Redaktion erweitert worden ist. Für die kanonische Überarbeitung des Verses sprechen auch die verschiedenen, sonst nur kanonisch zu findenden Kombinationen bzw. Formulierungen (ἐλθὼν πρὸς ὑμᾶς; ὑπεροχή). (2,2) κρίνω, das 125 / 115 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,3; 11,31; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter die Verse 11. 12. ♦ Allerdings findet sich die Kombination von οἶδα + ἐν nur 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 11,2; 1Kor 2,2; 1Thess 2,2). ♦ Die Suche nach εἰ μή + irgendein Nomen ist vorkanonisch unbezeugt für *Paulus, vgl. hierzu Gal 1,19. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ τοῦτον steht 63 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination von καί und alle Maskulin- oder Neutrumformen von οὗτος ergibt 49 Belege im NT, die jedoch ausschließlich auf 2 (1Kor) 239 <?page no="240"?> 57 So schon richtig gesehen von A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 231*. kanonischer Ebene stehen. ♦ σταυρόω, das 62 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,24; 6,14; *1Kor 2,8; *Laod 2,16; *Kol 1,20; *Phil 2,8. ♦ Ἰησοῦν Χριστὸν καὶ τοῦτον ἐσταυρωμένον greift erkennbar auf den kanonischen Vers 1Kor 1,23 Χριστὸν ἐσταυρωμένον zurück. Zur Abwesenheit: Hierfür spricht, dass der Vers nicht bezeugt ist, aber auch die verschiedenen Wendungen, die nur auf der kanonischen Ebene belegt sind (οἶδα + ἐν; καί + οὗτος; ἐν ὑμῖν). Der Vers wird folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (2,3) ἀσθένεια, das 27 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt. ♦ Es fällt die Formulierung ἐν φόβῳ καὶ ἐν τρόμῳ auf, die ebenfalls nur für die kanonische Redaktionsebene bezeugt ist und gleich zwei Mal im NT wiederkehrt in 2Kor 7,15 (ὡς μετὰ φόβου καὶ τρόμου) und Phil 2,12 (μετὰ φόβου καὶ τρόμου), vgl. ähnlich auch Eph 6,5. ♦ τρόμος, das 5 Mal im NT begegnet, findet sich immer nur auf der kanonischen Ebene, ohne φόβος stehend nur Mk 16,8. ♦ Überhaupt steht φόβος 61 / 47 Mal im NT, ist jedoch nicht ein Mal für die vorkanonische Ebene bezeugt. In *Ev, in 21,26 ist es nicht von Tertullian bezeugt, pace Klinghardt z.St. 57 ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) steht 121 Mal im NT, vorkanonisch belegt für *Ev 12,48; 21,27. Zur Abwesenheit: Auch hier sprechen die fehlende Bezeugung und Lexik gegen die Präsenz des Verses in der vorkanonischen Version und für ein Produkt der kanonischen Redaktion. (2,4) κήρυγμα, das 10 / 9 Mal im NT steht, ist ein Mal in *1Kor 1,21 vorkanonisch bezeugt. ♦ πειθός steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 19,8; 28,23; 1Kor 2,4). ♦ ἀπόδειξις ist Hapax legomenon im NT. Auch das Verb ἀποδείκνυμι, das nur 4 Mal im NT steht und zwar in 2Thess 2,4, wo Tertullian einen anderen Begriff (se iactaturus = ἑαυτὸν ἐπαγγελλόμενον? ) liest, der durch die kanonische Redaktion geändert wurde in ἀποδεικνύντα ἑαυτόν, ist folglich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Dieser Vers ist wiederum unbezeugt, auch wenn σοφίας bei Tertullian erscheint und möglicherweise ein Bezug zu diesem Vers vorliegt. Nachdem πειθός unbezeugt ist und auch nur kanonisch begegnet, mag hier eine kanonische Überarbeitung vorliegen, was bei der starken Überformung der Verse 1-5 nachvollziehbar ist. 240 Rekonstruktion <?page no="241"?> (2,5) Die Formulierung ἡ πίστις ὑμῶν begegnet 7 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Lk 8,25; Röm 1,8; 1Kor 2,5. 17; 1Thess 1,8; 2Thess 1,3), und zwar jeweils in den Eröffnungspassagen der Briefe. ♦ Die Kombination μὴ ᾖ ἐν begegnete bereits auf der kanonischen Ebene in 1Kor 1,10 ♦ Die Kombination ἐν σοφίᾳ steht 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,17; 2,5; 2Kor 1,12; Kol 4,5). ♦ Die Kombination ἀλλ’ ἐν begegnet 29 Mal im NT, davon 22 Mal im kanonischen Paulus, doch ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene, in Lk 8,27 ist sie für *Ev unbezeugt, in *2Kor 3,3 ist nur ἐν bezeugt, in *1Thess 4,7 scheint Tertullian eine andere Wendung gelesen zu haben (Tert.: <sanctitas> est turpitudini quoque et immunditiae contraria). ♦ Die erweiterte Kombination ἀλλ’ ἐν δυνάμει steht wörtlich nochmals kanonisch in 1Kor 4,20. ♦ Die Wendung πρὸς ὑμᾶς steht 71 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten zu 2Kor 3,1. Zur Abwesenheit: Zur fehlenden Bezeugung des Verses kommt der ausgespro‐ chen kanonische lexikalische Befund, der eine Reihe von Elementen aufweist, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἡ πίστις ὑμῶν; μὴ ᾖ ἐν; ἐν σοφίᾳ; ἀλλ’ ἐν δυνάμει; πρὸς ὑμᾶς), so dass der Vers mit Sicherheit zur kanonischen Redaktion gehört und im vorkanonischen Text gefehlt hat. (2,6) λαλέω steht 321 / 296 Mal im NT, so dass man der Meinung sein könnte, bei einem solch reichlich vorkommenden Wort dürfte keine Auffälligkeit bei der Verwendung feststellbar sein, doch das Gegenteil ist der Fall. Der Begriff steht etwa Lk 1,19. 20. 22. 45. 55. 64. 70; 2,15. 17. 18. 20. 33. 38. 50; 24,44, allesamt an Stellen, die in *Ev fehlen, dann in Lk 11,37, wo im parallelen Vers in *Ev eine andere Formulierung zu finden ist, dann Lk 24,36, wo anstelle von λαλουντων im parallelen Vers in *Ev λεγοντων zu lesen ist, dann in 2Kor 4,13, in einer Passage, die für *2Kor als abwesend bezeugt ist, dann in Röm 15,28 in einem Vers, der für *Röm als abwesend bezeugt ist; er ist vorkanonisch nur bezeugt für *Ev 24,6. 25; *1Kor 2,6. 7; 14,21; *Laod 4,25. Der Vergleich des Gebrauchs von λαλέω zeigt einen deutlichen Unterschied. Während die kanonische Redaktion geradezu eine Vorliebe hat für lange Reihungen von Versen, in denen der Begriff wieder und wieder begegnet, ist er für die vorkanonische Version extrem spärlich bezeugt und konkurriert vor allem an mehreren Stellen mit alternativen Begriffen oder Formulierungen. Auch an der vorliegenden Stelle könnte durch Tertullians Zeugnis eher mit einem anderen Begriff zu rechnen sein. ♦ τέλειος, das sich 18 / 19 Mal im NT findet, ist vorkanonisch nur an dieser Stelle bezeugt. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ ἄρχων steht 39 / 37 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,15; *1Kor 2,6 und gleich wieder zwei Verse weiter in *1Kor 2,8; *Laod 2,2. ♦ αἰών, das 146 / 122 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 7. 8; 10,11; *2Kor 4,4; *Laod 2,2; 3,9. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 2 (1Kor) 241 <?page no="242"?> 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht für *2Kor 3,11. 13. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt im ersten Teil Tertullian, im zweiten Epiphanius, wie ihn bereits Harnack hergestellt hatte. Lexikalisch ist auffallend, dass bis auf τέλειος alle weiteren Begriffe auch weiters vorkanonisch bezeugt sind. (2,7) ἀλλά steht 734 / 638 Mal im NT, eher sparsam zu finden auf der vorkanonischen Ebene in *Ev 5,31; *Gal 1,1. 8; 2,3; 4,23. 31; 6,13; 7,7; 8,6; 10,5. 20; 12,24; 14,19; *2Kor 3,6. 14; 4,5; 5,4; *Röm 2,13; 7,7; 10,2; 12,16; *2Thess 2,12; *Laod 2,12; 5,29; 6,4; *Phil 2,7; 3,9. ♦ Zu λαλέω vgl. zum voranstehenden Vers 6. ♦ σοφία ist sowohl für *Ev wie *Paulus vorkanonisch bezeugt, vgl. die nachfolgenden Verse 4. 5. 6. 7. 13. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ ἀποκρύπτω steht 6 / 4 Mal im NT und ist vorkanonisch nochmals bezeugt in *Ev 10,21; *Laod 3,9. ♦ προορίζω steht 6 Mal im NT, möglicherweise stand an dieser Stelle hier ein anderer Terminus (Tert.: delitescebat). ♦ πρό, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ αἰών, das 146 / 122 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 7. 8; 10,11; *2Kor 4,4; *Laod 2,2; 3,9. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. Zur Rekonstruktion: Die Rekonstruktion folgt den nicht für alle Termini si‐ cheren Hinweisen Tertullians, auch lexikalisch sind gerade die nicht eindeutig bezeugten Begriffe vorkanonisch nicht weiter belegt, was darauf hindeutet, dass der Vers an diesen Stellen kanonisch überarbeitet vorliegt. (2,8) οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), das 96 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15; *Laod 5,29. ♦ Zu ἄρχων, αἰών und τούτου vgl. zum Vers 2,6. ♦ γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ Zu δόξα vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und den Vers hier. ♦ σταυρόω, das 62 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,24; 6,14; *1Kor 2,8; *Laod 2,16; *Kol 1,20; *Phil 2,8. Zur Rekonstruktion: Aufgrund des eindeutigen Zeugnisses Tertullians und der Übereinstimmung der früheren Editoren, bedarf es keiner besonderen Begründung für die Textherstellung. (2,9) ἀλλά steht 734 / 638 Mal im NT, eher sparsam zu finden auf der vorkanonischen Ebene in *Ev 5,31; *Gal 1,1. 8; 2,3; 4,23. 31; 6,13; 7,7; 8,6; 10,5. 20; 12,24; 14,19; *2Kor 242 Rekonstruktion <?page no="243"?> 3,6. 14; 4,5; 5,4; *Röm 2,13; 7,7; 10,2; 12,16; *2Thess 2,12; *Laod 2,12; 5,29; 6,4; *Phil 2,7; 3,9. ♦ Die Kombination ἀλλὰ καθώς begegnet nur 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 15,21, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 2,9; 1Thess 2,4; im Vers: Joh 8,28; Röm 15,3, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Thess 2,13), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ ὀφθαλμός, das 109 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und und *1Kor 15,52. ♦ Die Kombination οὐκ εἶδεν findet sich allerdings lediglich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 8,39; 13,37; 1Kor 2,9). ♦ οὖς steht 38 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Kombination καὶ ἐπί begegnet 27 Mal im NT, etwa Lk 10,35 in einem Vers, der in *Ev fehlt, zuvor in Lk 10,19, wo gerade dieser Teilvers vorkanonisch unbezeugt ist, dann in Lk 23,28, wo das ἐπί unbezeugt ist, dann nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal bei Paulus (Gal 6,16) in einem unbezeugten und wohl abwesenden Vers, dann u. a. 4 Mal in Apg und 13 Mal in Apk. ♦ καρδία, das 173 / 157 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,25; *2Kor 3,15; 4,6; *Röm 2,15. ♦ ἀναβαίνω, das 89 / 82 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,1 und *Laod 4,10. ♦ ἑτοιμάζω steht 44 / 40 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,20; 22,7; 24,1. ♦ Die Wendung τοῖς ἀγαπῶσιν begegnet 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 2,9; Röm 8,28; Jak 1,12; 2,5). ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter Vers 16. Zur Abwesenheit: Dieser nach allen Editoren unbezeugte Vers beginnt bereits mit einer Eröffnungsformel lexikalisch, die nur auf der kanonischen Ebene zu finden ist (ἀλλὰ καθώς). Auch wenn alle benutzten einzelnen Termini vorkanonisch bezeugt sind, sind es doch eine Reihe von Kombinationen nicht. Der Vers dürfte folglich nicht nur unbezeugt, sondern vorkanonisch auch gefehlt haben. (2,10) ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ διὰ τοῦ πνεύματος begegnet 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8, kanonisch stehend in Apg 11,28; 21,4; 1Kor 2,10; 12,8; Eph 3,16. ♦ ἐρευνάω steht 6 Mal im NT, ist jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ βάθος steht 10 / 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33, doch der neutrale Plural ist Hapax legomenon. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers bietet nur einen deutlichen lexikalischen Hinweis für das vorkanonische Fehlen des Verses (ἐρευνάω). Man wird ihn 2 (1Kor) 243 <?page no="244"?> dennoch wegen seiner narrativen Einbindung in die Passage und aufgrund der in C. angestellten inhaltlichen Beobachtungen ebenfalls als fehlend betrachten. (2,11) Die Eröffnung τίς γὰρ οἶδεν ist Hapax legomenon im NT, während auf vorkanonischer Ebene an zwei Stellen *1Kor 2,16; Röm 11,34 τίς γὰρ ἔγνω zu lesen ist (so auch in den parallelen kanonischen Stellen). ♦ Zu οἶδα vgl. zuvor zu Vers 2 und nachfolgend Vers 12. ♦ Der Ausdruck εἰ μή + ein spezifisches Nomen ist unbezeugt für *Paulus, steht jedoch 3 Mal in Paulus (1Kor 1,14; 2,2; Gal 1,19) und überhaupt 6 Mal im kanonischen Neuen Testament. Erweitert man die Suche nach εἰ μή + irgendein Nomen, gibt es immer noch keinen Eintrag für *Paulus, jedoch 5 für Paulus (Röm 9,29; 11,15; 1Kor 1,14; 2,2; Gal 1,19) und überhaupt 11 für das kanonische NT. ♦ Zu οὐδείς (Nom. Mask. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 8. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers fallen lexikalische Spezi‐ fika auf, die den Vers auf die kanonische Redaktionsebene verweisen, er wird im vorkanonischen Text gefehlt haben. (2,12) Die Eröffnung ἡμεῖς δὲ οὐ begegnet 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 2,12; 2Kor 10,13; Hebr 10,39). ♦ λαμβάνω, das 292 / 260 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *Ev und *Gal 3,14; *1Kor 3,14; *Röm 7,11; *Phil 2,7. ♦ Die Kombination τὸ πνεῦμα τό begegnet 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 3,29; Lk 3,22; Apg 5,3; 10,47; 15,8; 1Kor 2,12; Eph 4,30). ♦ Zu οἶδα vgl. zuvor zu den Versen 2. 11. ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, etwa Lk 7,21. 42. 43, immer in Versen, die in *Ev fehlen, und ist nur vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers begegnen spezifische lexikalische Kombination, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind, auch er wird vorkanonisch gefehlt haben. (2,13) λαλέω, das 321 / 296 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 7; 14,21; *Laod 4,25. ♦ διδακτός steht 2 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνθρώπινος steht 8 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ συγκρίνω, das 2 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene, hier und in 2Kor 10,12. Zur Abwesenheit: Noch deutlicher als zuvor sind es hier gleich drei Lexeme (διδακτός; ἀνθρώπινος; συγκρίνω), die in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind, auch er wird folglich in der vorkanonischen Version gefehlt haben. 244 Rekonstruktion <?page no="245"?> (2,14) Ein scheinbar unauffälliges Verb ist ἀνακρίνω, das 16 Mal im NT steht, doch dies begegnet weiterhin nur auf der kanonischen Ebene (Lk 23,14; Apg 4,9; 12,19; 17,11; 24,8; 28,18; 1Kor 2,14. 15; 4,3. 4; 9,3; 10,25. 27; 14,24), vgl. auch das verwandte Nomen ἀνάκρισις, das nur ein Mal kanonisch steht Apg 25,26. ♦ ψυχικός, das 7 / 6 Mal im NT steht, ist jedoch nur noch für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ δέχομαι, das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ μωρία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. 21; 3,19. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev. ♦ πνευματικῶς steht nur an dieser Stelle und noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in Apk 11,8. Zur Abwesenheit: Wie zuvor zu dem unbezeugten Vers 13, so finden sich auch hier gleich mehrere Begriffe, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen (ἀνακρίνω; ψυχικός; πνευματικῶς). Auch dieser Vers wird vorkanonisch gefehlt haben. (2,15) Gleich wieder begegnet das ausschließlich kanonisch bezeugte ἀνακρίνω. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.) steht 153 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ οὐδενός (Gen. Mask. / Neut. Sg.) steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 22,16; Mk 12,14; Lk 8,43; Apg 20,24. 33; 27,34; 1Kor 2,15; 2Kor 11,9; Hebr 6,13; Apk 3,17). Zur Abwesenheit: Auch dieser unbezeugte Vers weist ausschließlich kanonisch bezeugte Lexeme auf (ἀνακρίνω; οὐδενός), wird folglich vorkanonisch gefehlt haben. Nimmt man die gesamte Passage der Verse 9-15 fällt auf, wie konsistent ein jeder von ihnen immer wieder ausschließlich kanonische Lexeme aufweist. Sowohl Inhalt wie Lexik verweisen die Passage demnach auf die Ebene der kanonischen Redaktion. (2,16) Zum bezeugten Versteil: γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ νοῦς ist ein Begriff, der 25 / 24 Mal im NT steht und zwei Mal vorkanonisch für *Paulus bezeugt ist (*Röm 11,34 in gleicher Formulierung wie hier, *1Kor 2,16). Der nicht bezeugte Versteil: συμβιβάζω steht 8 / 7 Mal im NT, ist jedoch nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Zu dem nicht mehr bezeugten αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 9. Der wieder bezeugte Versteil: σύμβουλος steht 1 Mal im NT, nicht an dieser Stelle, sondern Röm 11,34, doch findet sich der Begriff 1 weiteres Mal1 weiteres Mal vorkanonisch an dieser Römerstelle. Zur Rekonstruktion: Bei diesem vorkanonisch bezeugten Vers stützt die Lexik sowohl die Bezeugung wie die fehlende Bezeugung des offenkundig 2 (1Kor) 245 <?page no="246"?> 58 Vgl. J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 274. vorkanonisch nicht vorhandenen Psalmverses. Umgekehrt ist dies ein schönes Beispiel für die Verlässlichkeit des lexikalischen Vergleiches. Kapitel 3 3,[1-4]: [Die Unmündigkeit der Gemeinde] Die Eröffnungspassage dieses Kapitels ist unbezeugt und hat wohl auch in der vorkanonischen Version gefehlt. Sie dient der Reduktion der Petruskritik und der Kritik an weiteren sich als Autoritäten Betrachtenden, die im vorkanoni‐ schen Text dieses Kapitels (*3,10-23) formuliert wird. - 3,1 Κἀγώ, ἀδελφοί, οὐκ ἠδυνήθην λαλῆσαι ὑμῖν ὡς πνευματικοῖς ἀλλ’ ὡς σαρκίνοις, ὡς νηπίοις ἐν Χριστῷ. 2 γάλα ὑμᾶς ἐπότισα, οὐ βρῶμα, οὔπω γὰρ ἐδύνασθε. ἀλλ’ οὐδὲ ἔτι νῦν δύνασθε, 3 ἔτι γὰρ σαρκικοί ἐστε. ὅπου γὰρ ἐν ὑμῖν ζῆλος καὶ ἔρις, οὐχὶ σαρκικοί ἐστε καὶ κατὰ ἄνθρωπον περιπατεῖτε; 4 ὅταν γὰρ λέγῃ τις, Ἐγὼ μέν εἰμι Παύλου, ἕτερος δέ, Ἐγὼ Ἀπολλῶ, οὐκ ἄνθρωποί ἐστε; A. Die Verse 3,1-4 sind vorkanonisch unbezeugt. B. (3,4) οὔχι ἄνθρωποί findet sich in 06, 010, 012, 629 pc, während die folgenden Zeugen ουχι σαρκικοι lesen: 01 2 , 044, M, sy. Die kanonische Form bieten P 46 , 01*, 02, 03, 04, 048, 33, 81, 1175, 1506, 1739, 1881 pc. C. 1. Die Verse 1Kor 3,1-4 sind unbezeugt, auch wenn Hilgenfeld für Vers 2 auf Tert., Adv. Marc. IV 5 verweist. Zahn reklamiert diese Verse in irgendeiner Form für Markion und Harnack gibt vorsichtig an, in Adam., Dial. I 9 und V 22 seien Belegstellen für die Verse 2-4 zu sehen, doch BeDuhn notiert zu Recht, dass diese Stellen bei Adam., Dial. V 22 in den Textteil fallen, bevor er aus *Paulus zitiert (später in V 22 sagt Adamantius ausdrücklich, dass er wieder zum „Apostolos“, dem Paulustext der Markioniten, zurückkehrt, so 222,10-13; 223,12-14), und so muss auch I 9 bewertet werden, zumal vorweg der Markionit ausdrücklich die Paulussammlung des Gesprächspartners zurückgewiesen hat (10,19: Τῷ σῷ φάλσῳ οὐ πιστεύω ἀποστολικῷ, 11,23 Rufin: Tuo falso codici non credo). 58 246 Rekonstruktion <?page no="247"?> 59 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 22. 2. Der Vers 3,1 nimmt zunächst mit Κἀγώ, ἀδελφοί, οὐκ ἠδυνήθην λαλῆσαι ὑμῖν deutlich die Eröffnung von 1Kor 2,1 auf (Κἀγὼ ἐλθὼν πρὸς ὑμᾶς, ἀδελφοί, ἦλθον) und reiht sich damit in die kanonischen Verse 1Kor 1,10-11. 26; 2,1 ein. Mit der Gegenüberstellung des Pneumatischen gegen das Fleischliche und das Unmündige (ὡς πνευματικοῖς ἀλλ’ ὡς σαρκίνοις, ὡς νηπίοις) nimmt der Text Bezug auf die kanonischen Verse 1Kor 2,13-15. Die weiteren Ausführungen inklusive Vers 3 werden dieser Stufe angehören, und die Passage schließlich nicht im vorkanonischen Text vorgelegen sein. Es hätte auch erstaunt, wenn Tertullian diese Stelle übergangen hätte, in der Paulus seine Autorität gegenüber anderen in Korinth verehrten Größen wie Apollos behauptet, nachdem Tertul‐ lian die Selbstautorisierung des Paulus bereits zum *Galaterbrief kritisiert hatte. Schmid und BeDuhn sehen die Verse 1-9 als unbezeugt, nehmen jedoch das letzte Glied von Vers 9 auf, Schmid nur οἰκοδομή, BeDuhn [θεοῦ] οἰκοδομή [ἐστε]. 3. (3,1. 3) Die Passage 1Kor 3,1. 3 wurde von Delafosse als markionitisch angesehen. 59 D. (3,1) κἀγώ steht 93 / 84 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, etwa Lk 1,20. 22; 3,8; 8,19, in Versen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev, vgl. auch weiter Verse 2 und 11. ♦ λαλέω, das 321 / 296 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 7; 14,21; *Laod 4,25. ♦ πνευματικός begegnet immerhin 28 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, nicht in Lk jedoch u. a. in Paulus. ♦ σαρκικός steht 11 / 7 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Röm 7,14; 15,27; 1Kor 3,1. 3. 4; 9,11; 2Kor 1,12; 10,4; Hebr 7,16; 1Petr 2,11), vgl. auch die Verse 3 und 4. ♦ νήπιος, das 18 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *Gal 4,3. Zur Abwesenheit: Zwar finden sich in diesem unbezeugten Vers einige vor‐ kanonisch bezeugte Begriffe, jedoch begegnen auch ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente (κἀγώ; σαρκικός; ἀλλ’ ὡς). Der Vers wird demnach nicht nur unbezeugt sein, sondern auch vorkanonisch gefehlt haben. (3,2) γάλα steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ποτίζω, das 15 Mal im NT steht, ist ein Mal für *Ev vorkanonisch bezeugt. ♦ βρῶμα steht 18 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,13; *1Kor 10,3. ♦ οὔπω steht 2 (1Kor) 247 <?page no="248"?> 29 / 26 Mal im NT, etwa Lk 23,53 in einem Versteil, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene, bei Paulus in 1Kor 3,2; 8,2; Hebr 2,8; 12,4. ♦ Die Kombination οὔπω γάρ begegnet 4 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene ( Joh 3,24; 7,39; 20,17; 1Kor 3,2). ♦ Die Kombination ἀλλ’ οὐδέ findet sich 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,2, ansonsten kanonisch stehend in Lk 23,15; Apg 19,2; 1Kor 3,2; 4,3; Gal 2,3. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Die Variante οὔτε steht 106 / 87 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,6. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers weist zwar einige vorkanonisch be‐ zeugte Begriffe auf, es fallen jedoch wiederum ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugte Begriffe bzw. Wendungen auf (γάλα; ὅπου; οὔπω γάρ). Der Vers wird folglich in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (3,3) Zu ἔτι vgl. den Vers zuvor. ♦ ἔτι γάρ steht 4 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und immer auf der kanonischen Ebene (Röm 5,6; 1Kor 3,3; Hebr 7,10; 10,37). ♦ σαρκικός steht 11 / 7 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter die Verse 4. 8. 9. 16 17. Wegen der Häufigkeit der Verbform in diesem Kapitel sei nur an dieser Stelle auf sie verwiesen. ♦ ὅπου steht 84 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt für *Ev 9,57. ♦ Die Kombination ὅπου γάρ jedoch steht nur 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 6,21; Lk 12,34; 1Kor 3,3; Hebr 9,16; Jak 3,16). ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ ζῆλος, das 22 / 16 Mal im NT steht, ist ein Mal auch vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. ♦ ἔρις, das 15 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20; *Phil 1,15. ♦ οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,30 (? Adamantiuszeugnis); *1Kor 1,20. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. Zur Abwesenheit: Auch in diesem unbezeugten Vers fallen die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Begriffe bzw. Wendungen auf (ἔτι γάρ; σαρκικός; ὅπου γάρ; ἐν ὑμῖν). Der Vers dürfte demnach in der vorkanonischen Version gefehlt haben und auch auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (3,4) Die Kombination ὅταν γάρ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 12,25; Röm 2,14; 1Kor 3,4; 2Kor 12,10; 1Tim 5,11). ♦ Die Verbform λέγῃ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 2,5; 1Kor 3,4; Jak 2,14). ♦ Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist nur ein Mal vorkanonisch bezeugt für 248 Rekonstruktion <?page no="249"?> *Ev 21,8. ♦ Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier, *Gal 1,1 und noch für *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1, vgl. und weiter unten Vers 22. ♦ Ἀπολλῶς, der 17 / 10 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser Vers, der wiederum unbezeugt ist, wird aufgrund der ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugten Kombination (ὅταν γάρ), Wortformen (λέγῃ) und Namensnennung (Ἀπολλῶς) auf der vorkanonischen Ebene gefehlt haben und Produkt der kanonischen Redaktion gewesen sein. 3,[5-9]: [Paulus, der Gründer, und Apollos, sein Nachfolger] Wie die Passage zuvor ist auch diese Passage hier für die vorkanonische Version unbezeugt und wird nach Ausweis der Lexik auch in dieser gefehlt haben. Sie geht auf die kanonische Redaktion zurück und ergänzt die voranstehenden Verse 1-4, um die im vorkanonischen Text nachfolgende Kritik an den durch die ka‐ nonische Redaktion beförderten Autoritäten, vor allem Petrus, zu entschärfen. - 5 τί οὖν ἐστιν Ἀπολλῶς; τί δέ ἐστιν Παῦλος; διάκονοι δι’ ὧν ἐπιστεύσατε, καὶ ἑκάστῳ ὡς ὁ κύριος ἔδωκεν. 6 ἐγὼ ἐφύτευσα, Ἀπολλῶς ἐπότισεν, ἀλλὰ ὁ θεὸς ηὔξανεν· 7 ὥστε οὔτε ὁ φυτεύων ἐστίν τι οὔτε ὁ ποτίζων, ἀλλ’ ὁ αὐξάνων θεός. 8 ὁ φυτεύων δὲ καὶ ὁ ποτίζων ἕν εἰσιν, ἕκαστος δὲ τὸν ἴδιον μισθὸν λήμψεται κατὰ τὸν ἴδιον κόπον. 9 θεοῦ γάρ ἐσμεν συνεργοί· θεοῦ γεώργιον, θεοῦ οἰκοδομή ἐστε. A. Diese Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (3,5) Das zweimalige τίς findet sich in P 46 , 01 2 , 04, 06, 010, 012, 044, M, sy. ♦ Die Reihenfolge von Παῦλος und Ἀπολλῶς ist verschieden bezeugt. Die Nachstellung des Ἀπολλῶς begegnet schwächer bezeugt in 06 1 , 044, M, sy, während die andere Reihenfolge bezeugt ist durch P 46 , 01, 02, 03, 04, 06*, 010, 012, 025, 048 vid , 33, 81, 629, 630, 1175, 1506, 1739 pc, latt, co. ♦ Statt διάκονοι ist ἄλλη bezeugt durch 06 2 , 044, M, sy, während sich das kanonische διάκονοι in folgenden Zeugen findet: 01, 02, 03, 04, 06*, 010, 012, 6, 33, 630, 1175, 1506, 1739 pc, latt sa ms , bo. 2 (1Kor) 249 <?page no="250"?> 60 Vgl. E. Preuschen, Eine altkirchliche antimarcionitische Schrift unter dem Namen Ephräms (1911), 257-260. C. 1. (3,5-9) Harnacks Behauptung bezüglich Vers 6, „der armenisch erhaltene antimarcionitische Syrer“ zitiere „diesen Vers als in M.s Apostolos stehend“, ist nicht beweiskräftig, weil dieser Antimarkionit zwar noch keine Pastoralbriefe kennt, jedoch auch aus dem Hebräerbrief zitiert. 60 So wenig seine Evangelien‐ grundlage *Ev oder auch nur Tatians Evangelium ist, so wenig wird seine Paulussammlung Markions „Apostolos“ sein. Gleichwohl lässt sich aus der fehlenden Bezeugung nicht leicht die gesamte Passage als nichtvorhanden belegen. Während der Anfang mit den Versen 1-3 der kanonischen Redaktion zuzuweisen ist, müssten die Verse 4-9 im vorkanonischen Text vorhanden gewesen sein, wenn man für *1Kor 3,22 dem Zeugnis Tertullians vertraut und den durch Adamantius für diese Stelle nicht bezeugten Apollos dort im Text sieht. Da er in *1Kor 3,22 dann ganz unvermittelt genannt würde, müsste er an dieser Stelle eingeführt worden sein. Nun ist zwar gerade Adamantius in Passagen, die nicht dem Markioniten zugeschrieben werden, kein guter Gewährsmann, doch in diesem Fall ist es wohl, wie bereits Zahn gesehen hat, unwahrscheinlich, dass der Name bei einer zweimaligen Nennung des Verses durch Adamantius zwei Mal zufällig dort ausgefallen wäre. Folglich besteht keine Notwendigkeit der Präsenz der Verse 4-9 in der vorkanonischen Fassung. Man ist folglich auf die Lexik verwiesen. 2. (3,8) Dass man seines Lohnes wert ist, begegnet auch *Ev 10,7. Der Gedanke begegnet weiter unten in *1Kor 9,[17]-18. Bezüglich des κόπος vergleiche man Gal 6,17, wohingegen in der vorkanoni‐ schen Fassung das κόπους μοι μηδεὶς παρεχέσθω unbezeugt ist, der Begriff also auf die kanonische Ebene hinweist. 3. Zur θεοῦ οἰκοδομή vergleiche man *2Kor 5,1. D. (3,5) Die Kombination τί οὖν ἐστιν steht 5 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung wie hier (Verseröffnung: Apg 21,22; 1Kor 3,5; 14,15. 26; im Vers: Lk 20,17), jeweils auf der kanonischen Ebene, in Lk 20,17 in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Zu Ἀπολλῶς als ausschließlich kanonisch bezeugtem Namen, vgl. zuvor Vers 3,4. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὧν, das Personalpronomen, steht 78 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ πιστεύω steht 265 / 243 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ 250 Rekonstruktion <?page no="251"?> πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). Auffallend ist die - bis auf eine Stelle - Benutzung des Partizips in *Paulus, und die Häufung der Nutzung des Verbs auf der kanonischen Ebene, insbesondere in Joh und Apg. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist gleich zu Anfang eine Kom‐ bination auf (τί οὖν ἐστιν), die ausschließlich kanonisch weiter bezeugt ist, es folgen zwei Termini, die ebenfalls nur kanonisch bezeugt sind (Ἀπολλῶς; διάκονος), so dass der Vers der kanonischen Ebene zuzuweisen ist, er wird vorkanonisch gefehlt haben. (3,6) φυτεύω steht 14 / 11 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zu Ἀπολλῶς als ausschließlich kanonisch bezeugtem Namen, vgl. zuvor Vers 3,4. ♦ ποτίζω, das 15 Mal im NT steht, ist ein Mal für *Ev vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Kombination ἀλλὰ ὁ θεός steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für 1Kor 12,24. ♦ Das Verb αὐξάνω steht 27 / 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, die Verbform ηὔξανεν begegnet dabei 6 Mal, an zwei Stellen in Lk (Lk 1,80; 2,40), die in *Ev fehlen, und 3 Mal in der Apostelgeschichte (Apg 6,7; 12,24; 19,20), was für die zweite kanonische Redaktion spricht. Zur Abwesenheit: Selbst bei diesem kurzen, unbezeugten Vers fallen wiederum die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Termini und Formen auf (φυτεύω; Ἀπολλῶς; αὐξάνω; ηὔξανεν). Der Vers wird folglich auf der vorkano‐ nischen Ebene gefehlt haben und auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (3,7) Zu οὔτε vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Zu φυτεύω und αὐξάνω als ausschließlich kanonisch bezeugten Verben vgl. zum voranstehenden Vers 6 und dem nachfolgenden Vers 8. Zur Abwesenheit: Aufgrund der lexikalischen Nähe dieses unbezeugten Verses zum voranstehenden und nachfolgenden wird auch dieser Vers vorkanonisch gefehlt haben und auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (3,8) Zu φυτεύω vgl. zu den voranstehenden Versen 6 und 7. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene, etwa Lk 5,10; 21,16; 24,37 in drei für *Ev unbezeugten Versen oder Versteilen, dann Lk 15,28. 32 in zwei in *Ev fehlenden Versen; dann in Paulus in 1Kor 1,6; 3,8; 4,7; 7,3. 4. 11 (besonders auffällig, weil der Vers vorkanonisch bezeugt ist, jedoch gerade diese Wendung nicht). 28; 39 (in manchen Handschriften); 14,15 (2 Mal); 15,15; 2Kor 4,3; 5,8. 11; 6,1; 8,11; 11,6; Röm 2,10; 8,26; Eph 5,3. 11. ♦ ποτίζω, das 15 Mal im NT steht, ist ein Mal für *Ev vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Form ὁ ποτίζων steht nur noch ein Mal im nächsten Vers 3,9. ♦ Die Kombination ἕκαστος δέ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 3,8. 10; 15,23; Jak 1,14). ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im 2 (1Kor) 251 <?page no="252"?> NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ μισθός, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,7 und *1Kor 3,14. ♦ Die Kombination μισθὸν λήμψεται nimmt vorweg, was weiter unten in 3,14 formuliert wird, dort auf der vorkanonischen Ebene. ♦ Die Kombination κατὰ τόν steht 24 Mal im NT, etwa Lk 2,22. 39; 10,32, jeweils in Versen, die in *Ev fehlen, und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *Laod 2,2 (2 Mal), im kanonischen Paulus in Röm 7,22; 9,9; 1Kor 3,8; 2Kor 10,15; Eph 2,2; Hebr 7,5; 8,5. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, jedoch nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist wieder eine Reihe von aus‐ schließlich kanonisch belegten Begriffen (φυτεύω; κόπος) und Kombinationen (δὲ καί; ἕκαστος δέ) auf. Er wird folglich in der vorkanonischen Version gefehlt haben und der kanonischen Redaktion zuzuschreiben sein. (3,9) Die Kombination θεοῦ γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 13,4; 1Kor 3,9; 2Kor 1,19). ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Die Kombination γάρ ἐσμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 16,28; 1Kor 3,9; 2Kor 2,17; Eph 2,10; Phil 3,3; Hebr 4,2). ♦ συνεργός, das sich 14 / 13 Mal im NT findet, steht immer nur auf der kanonischen Ebene. Das verwandte Verb συνεργέω, das 11 / 5 Mal im NT steht, ist ebenfalls ausnahmslos für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ γεώργιον ist Hapax legomenon im NT. Das verwandte Verb γεωργέω steht 12 / 1 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Auch γεωργός, das 19 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκοδομή steht 22 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für *Laod 2,21. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers fallen die Begriffe (συνεργός; die Familie γεώργιον-γεωργέω-γεωργός) und Kombinationen (θεοῦ γάρ; γάρ ἐσμεν; ) auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind. Außerdem dokumentiert der Vers die Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik. Der Vers dürfte folglich in der vorkanonischen Version gefehlt haben und ein Produkt der kanonischen Redaktion sein. Der lexikalische Vergleich stützt die Wahrscheinlichkeit, dass die Verse 5-9 für den vorkanonischen Text nicht nur unbezeugt sind, sondern darin auch gefehlt haben. 3,10-14 [15] 16-22 [23]: Paulus, der Gründer - ob es Nachfolger gibt, etwa Petrus, erweisen deren Werke Die vorliegende Passage ist durchgehend gut bezeugt, auch wenn sie von der kanonischen Redaktion überarbeitet wurde. Sie stellt die kritische Position des 252 Rekonstruktion <?page no="253"?> Paulus gegenüber den sich selbst als Nachfolger erhebenden Personen wie Petrus dar, deren Werke jedoch im Feuer geprüft und ggf. verbrannt werden, weil die sich als Weise Gebenden sich „in ihrer eigenen List“ fangen. Um diese Kritik zu mindern, hat die kanonische Redaktion dieser Passage die beiden auf dieser Ebene voranstehenden Stücke (3,14 und 3,5-9) vorgeschaltet. Ob das Bild vom Verbranntwerden auf den ersten oder zweiten jüdischen Krieg anspielt? 10 ὡς σοφὸς ἀρχιτέκτων θεμέλιον τέθεικα, 10 Κατὰ τὴν χάριν τοῦ θεοῦ τὴν δοθεῖσάν μοι ὡς σοφὸς ἀρχιτέκτων θεμέλιον ἔθηκα, ἄλλος δὲ ἐποικοδομεῖ. ἕκαστος δὲ βλεπέτω πῶς ἐποικοδομεῖ· 11 ὅς ἐστιν Χριστός. 11 θεμέλιον γὰρ ἄλλον οὐδεὶς δύναται θεῖναι παρὰ τὸν κείμενον, ὅς ἐστιν Ἰησοῦς Χριστός. 12 τίς ἐποικοδομεῖ ἐπὶ τὸν θεμέλιον τούτον λίθους τιμίους, ξύλα; 12 εἰ δέ τις ἐποικοδομεῖ ἐπὶ τὸν θεμέλιον χρυσόν, ἄργυρον, λίθους τιμίους, ξύλα, χόρτον, καλάμην, 13 ὁ ποιήσας τοῦτο τὸ ἔργον φανερὸς γενήται· πυρὶ ἀποκαλύπτεται, καὶ τὸ ἔργον ὁποῖόν ἐστιν τὸ πῦρ δοκιμάσει. 13 ἑκάστου τὸ ἔργον φανερὸν γενήσεται, ἡ γὰρ ἡμέρα δηλώσει· ὅτι ἐν πυρὶ ἀποκαλύπτεται, καὶ ἑκάστου τὸ ἔργον ὁποῖόν ἐστιν τὸ πῦρ αὐτὸ δοκιμάσει. 14 εἴ τινος τὸ ἔργον μενεῖ ὃ ἐποικοδόμησεν, μισθὸν λήμψεται· 14 εἴ τινος τὸ ἔργον μενεῖ ὃ ἐποικοδόμησεν, μισθὸν λήμψεται· - 15 εἴ τινος τὸ ἔργον κατακαήσεται, ζημιωθήσεται, αὐτὸς δὲ σωθήσεται, οὕτως δὲ ὡς διὰ πυρός. 16 οὐκ οἴδατε ὅτι ναὸς θεοῦ ἐστε καὶ τὸ πνεῦμα τοῦ θεοῦ ὑμῖν ἐνοικεῖ; 16 οὐκ οἴδατε ὅτι ναὸς θεοῦ ἐστε καὶ τὸ πνεῦμα τοῦ θεοῦ οἰκεῖ ἐν ὑμῖν; 17 εἴ τις τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ φθείρει, φθείρει αὐτόν. 17 εἴ τις τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ φθείρει, φθερεῖ τοῦτον ὁ θεός· ὁ γὰρ ναὸς τοῦ θεοῦ ἅγιός ἐστιν, οἵτινές ἐστε ὑμεῖς. 18 μωροὶ γίνεσθε, ἵνα γένησθε σοφοί. 18 Μηδεὶς ἑαυτὸν ἐξαπατάτω· εἴ τις δοκεῖ σοφὸς εἶναι ἐν ὑμῖν ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ, μωρὸς γενέσθω, ἵνα γένηται σοφός. 19 ἡ γὰρ σοφία τοῦ κόσμου τούτου μωρία παρὰ θεῷ ἐστιν· γέγραπται γάρ, Ὁ δρασσόμενος τοὺς σοφοὺς ἐν τῇ πανουργίᾳ αὐτῶν· 19 ἡ γὰρ σοφία τοῦ κόσμου τούτου μωρία παρὰ τῷ θεῷ ἐστιν· γέγραπται γάρ, Ὁ δρασσόμενος τοὺς σοφοὺς ἐν τῇ πανουργίᾳ αὐτῶν· 20 καὶ πάλιν, Κύριος γινώσκει τοὺς διαλογισμοὺς τῶν ἀνθρώπων, ὅτι εἰσὶν μάταιοι. 20 καὶ πάλιν, Κύριος γινώσκει τοὺς διαλογισμοὺς τῶν σοφῶν ὅτι εἰσὶν μάταιοι. 2 (1Kor) 253 <?page no="254"?> 21 ὥστε μηδεὶς καυχάσθω ἐν ἀνθρώπῳ· πάντα γὰρ ὑμῶν ἐστιν, 21 ὥστε μηδεὶς καυχάσθω ἐν ἀνθρώποις· πάντα γὰρ ὑμῶν ἐστιν, 22 εἴτε Παῦλος εἴτε Κηφᾶς εἴτε κόσμος εἴτε ζωὴ εἴτε θάνατος εἴτε ἐνεστῶτα εἴτε μέλλοντα, πάντα ὑμῶν. 22 εἴτε Παῦλος εἴτε Ἀπολλῶς εἴτε Κηφᾶς εἴτε κόσμος εἴτε ζωὴ εἴτε θάνατος εἴτε ἐνεστῶτα εἴτε μέλλοντα, πάντα ὑμῶν, - 23 ὑμεῖς δὲ Χριστοῦ, Χριστὸς δὲ θεοῦ. A. *3,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,10: Nam quod architectum se prudentem affirmat. ♦ *3,11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,10: Et numquid ipse tunc Paulus destinabatur, de Iudaea, id est de Iudaismo, auferri habens in aedificationem Chris‐ tianismi, positurus unicum fundamentum, quod est Christus? ♦ *3,12-13: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,10: Nisi si structorem se terreni operis deus profitebatur, ut non de Christo suo significaret qui futurus esset fundamentum credentium in eum; super quod prout quisque superstruxerit, dignam scilicet vel indignam doctrinam si opus eius per ignem probabitur, si merces illi per ignem rependetur, creatoris est: quia per ignem iudicatur vestra superaedificatio, utique sui fundamenti, id est sui Christi. ♦ *3,14: Tert., Adv. Marc. V 6,10: … si opus eius per ignem probabitur, si merces illi per ignem rependetur, creatoris est: quia per ignem iudicatur vestra superaedificatio, utique sui fundamenti, id est sui Christi. ♦ *3,16: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,11: Nescitis quod templum dei sitis, et in vobis inhabitet spiritus dei? ♦ *3,17: Vgl. Tert. Adv. Marc. V 6,12: Quodsi templum dei quis vitiaverit, vitiabitur, utique a deo templi. ♦ *3,18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,12: Stulti estote, ut sitis sapientes. ♦ *3,19-20: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,12: Sapientia enim huius mundi stultitia est penes deum. Penes quem deum? Si nihil nobis et ad hunc sensum pristina praeiudicaverunt, bene quod et hic adstruit: Scriptum est enim, Deprehendens sapientes in nequitia illorum; et rursus, Dominus scit cogitationes sapientium, quod sint supervacuae. Epiph., Pan. 42, sch. 12 (121. 161 H.): γέγραπται γάρ, ὁ δρασσόμενος τοὺς σοφοὺς ἐν τῇ πανουργίᾳ αὐτῶν: καὶ πάλιν, κύριος γινώσκει τοὺς διαλογισμοὺς τῶν ἀνθρώπων ὅτι εἰσὶ μάταιοι. Vgl. Ijob 5,12: διαλλάσσοντα βουλὰς πανούργων; Ps 93,11: κύριος γινώσκει τοὺς διαλογισμοὺς τῶν ἀνθρώπων ὅτι εἰσὶν μάταιοι. ♦ *3,21-22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 6,13: Ergo, inquit, nemo glorietur in homine. Und an späterer Stelle ibid. 7,9: Omnia vestra sunt, sive Paulus, sive Apollo, sive Cephas, sive mundus, sive vita, sive mors, sive praesentia, sive futura. ♦ 3,21-23: Vgl. Adam., Dial. II 19 (im Mund des Adamantius): ὥστε, φησί, μηδεὶς καυχάσθω ἐν ἀνθρώποις: πάντα γὰρ ὑμῶν ἐστιν, εἴτε Παῦλος εἴτε Κηφᾶς εἴτε κόσμος εἴτε ζωὴ εἴτε θάνατος εἴτε ἐνεστῶτα εἴτε μέλλοντα, πάντα ὑμῶν, ὑμεῖς δὲ Χριστοῦ, Χριστὸς δὲ θεοῦ … (im Mund des Eutropius): καὶ ὁ Χριστὸς καὶ Παῦλος καὶ Κηφᾶς καὶ ἡ ζωὴ κατὰ σὲ 254 Rekonstruktion <?page no="255"?> 61 Schon Zuntz hielt dies für die ursprünglichere Lesart, G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 100. 62 Vgl. Ibid. 132. 63 Ibid. 111-112. 64 Ibid. 112. 65 Ibid. 165. 66 Ibid. 239. τοῦ πονηροῦ ἔσονται· φανερῶς γὰρ εἰς δισσέβειαν ἡ φιλονεικία ἄγει (Rufin: Omnia uestra sunt, siue Paulus, siue Cephas, siue hic mundus, siue uita, siue mors, siue praesentia, siue futura; das zweite Zitat fehlt bei Rufin). B. (3,10) Post χάριν add τοῦ θεοῦ P 46 , 81, 1505, b, f, vg mss , Cl, Ambst, Pel, und in der altlateinischen Tradition: 51, 58, 78, 89. ♦ τέθεικα bieten 01 2 , 04 3 , 06, 044, M, Cl; εθηκα ist belegt durch P 46 , 01*, 02, 03, 04*, 0289 vid , 33, 1175, 1739, l 249, Did. ♦ Post ἄλλος om δέ P 46 , 06, Orig lat , Pel, Sed, Hier, 1827, bo a , Chrys. 61 ♦ (3,11) Ἰησοῦς om 04*, Tert, Pel. ♦ (3,12) Post θεμέλιον add τούτον 01 2 , 04 3 , 06, 020, 025, 044, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1506, 1739, 1881, 2464, l 249, M, lat sy sa mss , bo, Epiph, Pel, om τούτον P 46 , 01*, 02, 03, 04*, 0289, 81, vg mss , sa mss , bo mss . ♦ Die Form χρυσὸν καὶ ἄργυρον findet sich in den Zeugen P 46 , 03, (sy p ), χρυσίον καὶ ἀργυρίον in 03, 0289 vid , (sy p ), Cl. Dagegen χρυσίον ἀργυρίον in 01, 04 vid , 630, 1175, 1506, 1739, l 249, und χρυσὸν ἄργυρον in 01, 06, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 1241, 1505, 1881, 2464, M, latt, co. ♦ (3,13) ὁ ποιήσας τοῦτο τὸ ἔργον φανερὸς γενήται findet sich in den Zeugen 06*, a, b, Ambst. ♦ Post πῦρ om αὐτό P 46 , 01, 06, 010, 012, M, Clem (? ), Orig, Chrys, Cyr, Thdt., add 02, 03, 04, 25, 33, 69, 181, 1836, 1898, 915, 917, 326, 436, 441, 256, 1349, 2127, Orig, Eus, Thdt, Bas. 62 ♦ (3,16) ἐν ὑμῖν οἰκεῖ in 03, 025, 0289, 33, 630, 1175, 1739; οἰκεῖ ἐν ὑμῖν in P 46 , 01, 02, 04, 06, 010, 012, 020, 044, 81, 104, 365, 1241, 1505, 1506, 1881, 2464, l 249, M, latt, Ir lat , Ambst, Epiph. ♦ (3,17) Anstelle von φθερεῖ bieten ein zweites φθείρει die Zeugen 06, 010, 012, 020, 025, 0289, 6, 33, 81, 614, 1175, 1241, 2464, l 249, vg mss , Ir, wohingegen φθερεῖ geboten wird von P 46 , 01, 02, 03, 04, 044, 104, 365, 630, 1505, 1506, 1739, 1881, M, lat, co. Zuntz sieht das doppelte φθείρει als Verderbnis. 63 ♦ Statt τοῦτον findet sich αὐτόν in 01, 06, 010, 012, sy p.hmg , Pel. Zuntz hält diese Lesart für eine Verderbnis. 64 ♦ (3,18) Post ἐξαπατάτω add κενοῖς λόγοις in 06 und in der altlateinischen Tradition: 75, 76. Zuntz hält die Worte für eine eingedrungene Glosse. 65 ♦ (3,20) Anstelle von σοφῶν ist ἀνθρώπων bezeugt in 33, 630, 1506, ar, vg mss , bo mss , Epiph pt . NA 28 notiert dies als die markionitische Lesart. Zuntz hält dies für eine falsche Lesart Markions. 66 ♦ (3,21) Anstelle von 2 (1Kor) 255 <?page no="256"?> 67 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 68 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 445. ἀνθρώποις steht ἀνθρώπῳ in 012, Tert, Ambr, Aug und in der altlateinischen Tradition weiter in 61, 77, 78, 89. 67 C. 1. (3,10) Hilgenfeld erwähnt, dass Tertullian „erst auf V. 10 bis 14“ übergeht, „woran er V. 16-21 anschliesst“. 68 Zahn geht davon aus, dass die Verse 3,10-16 nach der kanonischen Fassung vorlagen. Harnack gibt für Vers 10 ὡς σοφὸς ἀρχιτέκτων θεμέλιον ἔθηκα als Text. Schmid führt nur auf σοφὸς ἀρχιτέκτων, deutet allerdings mit Auslassungszeichen davor und danach weiteren Text an, BeDuhn übersetzt ὡς σοφὸς ἀρχιτέκτων θεμέλιον ἔθηκα. 2. Die Variante des fehlenden τοῦ θεοῦ deutet daraufhin, dass auch die Verseröffnung präsent war, außerdem passt das in einigen Zeugen belegte τέθεικα mehr zu der Zeitstufe, in der Tertullian berichtet (affirmat). Nachdem das ἐποικοδομεῖ im folgenden vorkanonischen Text weitergeführt wird, scheint auch der Rest des Verses noch präsent gewesen zu sein. 3. Nimmt man nur den bezeugten Text von Vers 10, erkennt man, dass die kanonische Redaktion der deutlichen Aussage des *Paulus, dass er der weise Baumeister ist, der den Grundstein Christus legt, wie Vers 11 dann ergänzt, dadurch entschärft wird, dass gleich auf die Weiterbauenden verwiesen wird. Diese wurden zuvor von *Paulus zwar eingeführt, jedoch zugleich kritisiert. Die kanonische Redaktion hat hiergegen bereits die Eingangspassage 3,1-9 formuliert, bei der die Nachfolge des Paulus eingeführt wurde, deren Narrativ hier mit der Ergänzung fortgesetzt wird. All diese Zusätze erweisen sich folglich als eine zusammengehörige Argumentation, die kanonischer Art ist. 4. (3,11) Zahn sieht den Text in der kanonischen Form vorhanden. Harnack führt an: θεμέλιον γὰρ ἄλλον οὐδεὶς … ὅς ἐστιν Χριστός, BeDuhn übersetzt lediglich ὅς ἐστιν Χριστός. Schmid gibt als Text: θεμέλιον (γὰρ ἄλλον οὐδεὶς δύναται θεῖναι παρὰ τὸν κείμενον) ὅς ἐστιν Χριστός. BeDuhn hat gewiss richtig gesehen, was die Bezeugung betrifft, und dieser bezeugte Text erfordert nicht, wie der sonst so zurückhaltende Schmid wohl annimmt, einer narrativen Ergänzung. θεμέλιον ist zwar, wie Zahn, Harnack und Schmid richtig gesehen haben, durch Tertullian bezeugt (aedificationem-… fundamentum), doch gerade wegen des dabeistehenden Hinweises auf den Bau, bezieht sich dieses Zeugnis eher auf Vers 12, nicht auf Vers 11, während das positurus auf τέθεικα verweist. Damit ergibt allein der bezeugte Text der Verse 256 Rekonstruktion <?page no="257"?> 69 M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 563. 10 und 11, wie wir im Verbund mit Vers 12 sehen werden, einen schlüssigen Text. 5. (3,12-13) Zahn nimmt die Präsenz des Textes in der kanonischen Form an. Harnack sieht nur „Anspielungen“ durch Tertullian. Schmid sieht als gegeben: (εἰ δέ) τὶς (sic) ἐποικοδομεῖ ἐπὶ τὸν θεμέλιον … ἑκάστου (? ) τὸ ἔργον-… ἐν πυρὶ-… δοκιμάσει. BeDuhn übersetzt: εἰ τις ἐποικοδομεῖ ἐπὶ τὸν θεμέλιον … ἑκάστου τὸ ἔργον φανερὸν γενήσεται,-… ἐν πυρὶ [ἀποκαλύπτεται]. Dass jedoch die Wendung χρυσόν, ἄργυρον, λίθους τιμίους, ξύλα, χόρτον, καλάμην nicht gefehlt zu haben scheint, deutet sich in Tertullians dignam scilicet vel indignam an. 6. (3,13) Das nachfolgende ἡ γὰρ ἡμέρα δηλώσει ist unbezeugt und wäre von Tertullian wohl kaum übergangen worden. 7. Auf die enge Verbindung zwischen *Ev 12,56 und *1Kor 3,13, selbstver‐ ständlich nur mit Blick auf die kanonische Ebene, hat bereits Goulder hinge‐ wiesen. 69 8. (3,14) Zahn rechnet mit dem kanonischen Text, Harnack sieht keine Bezeugung, Schmid sieht μισθὸν λήμψεται bezeugt, BeDuhn übersetzt: [καὶ-… εἴ-… μενεῖ] (ὃ ἐποικοδόμησεν) μισθὸν λήμψεται. Tertullian gibt zwar nur Stücke des Verses, diese sind jedoch zu erkennen, auch wenn die Satzstruktur, die ihm vorgelegen war, nicht mit Sicherheit herzustellen ist. 9. (3,15) Zahn nimmt eine unbestimmbare Form dieses Verses an, Harnack äußert sich nicht zu ihm, Schmid gibt … διὰ πυρός und BeDuhn folgt Schmid, setzt jedoch den Rest des Verses in Klammern. Nun bezeugt Tertullian jedoch nur Vers 14, denn, wo er von per ignem spricht, geht es zunächst um merces … rependetur, was in Vers 14 μισθὸν λήμψεται entspricht, dann aber folgt per ignem iudicatur, womit er zurück auf Vers 13 geht, weil dies τὸ ἔργον … τὸ πῦρ αὐτὸ δοκιμάσει entspricht. Demzufolge wird das in Vers 15 kanonisch stehende διὰ πυρός gar nicht aufgegriffen, zumal es auch keine Anspielung bei Tertullian zum Niederbrennen, Verlust und zur Rettung gibt. Der Fehler unterlief allein, weil bei Tertullian die Formulierung per ignem an διὰ πυρός hat denken lassen, nicht zu Unrecht, jedoch nicht Vers 15, sondern Vers 13 inhaltlich wiedergegeben wird. Vers 15 ist folglich, wie Zahn und Harnack erkannt hatten, durch Tertullian nicht bezeugt. Auch narrativ schließt Vers 16 unmittelbar an Vers 14 an. Mehr noch, Tertullian hätte sich einen Vers 15 wohl kaum entgehen lassen. 2 (1Kor) 257 <?page no="258"?> 70 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 24. 10. αὐτὸς δὲ σωθήσεται, οὕτως δὲ ὡς weist Couchoud der katholischen Redaktion zu. 70 11. (3,16) Zahn sieht hier den kanonischen Text präsent. Harnack rekonstru‐ iert, basierend auf Tertullian: οὐκ οἴδατε ὅτι ναὸς θεοῦ ἐστε καὶ ἐν ὑμῖν οἰκεῖ τὸ πνεῦμα τοῦ θεοῦ. Ihm folgt Schmid. BeDuhn übersetzt den kanonischen Text. Zwar legt Tertullian die Harnack-Schmid Fassung nahe, doch wissen wir, dass die Wortstellung von Tertullian nicht immer der griechischen entspricht. Die oben in B. aufgeführten Zeugen legen eher die obige Lösung nahe, die Tertullian zum Vorziehen des ὑμῖν veranlasst haben kann. Darüber hinaus scheint Tertullian nicht das verbum simplex οἰκέω gelesen zu haben, sondern das sonst mehrfach kanonisch stehende ἐνοικέω (inhabitet), auch wenn es hierfür sonst keine Variante in den Handschriften gibt. Wie wir an *Gal 5,14 ablesen können, weil wir dort die Doppelbezeugung Tertullian/ Epiphanius besitzen, gibt Tertullian den Dativ ὑμῖν mit in vobis wieder: Epiph., Pan. 42, sch, 5: ὁ γὰρ πᾶς νόμος ὑμῖν πεπλήρωται, ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. Tert., Adv. Marc. V 4,12: Tota enim, inquit, lex in vobis adimpleta est: Diliges proximum tuum tanquam te. Es ist eine der typischen Gewohnheiten der kanonischen Redaktion, diesen Dativ in ein ἐν ὑμῖν zu ändern, wie die Lexik erweist. 12. (3,17) Zahn rechnet mit dem kanonischen Text für den bezeugten Teil (außer φθερεῖ, φθαρήσεται). Den zweiten Teil des Verses sieht er präsent, auch wenn der Wortlaut nicht bestimmbar ist. Harnack stimmt, was den ersten Teil betrifft, mit Zahn überein, sieht aber den zweiten Teil nicht präsent. Schmid nimmt als Text an εἴ τις τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ φθείρει, (φθερεῖ) τοῦτον ὁ θεός; Beduhn folgt Zahn. Die Urteile der früheren Editoren verwundern, denn Tertullians utique a deo templi ist, wie das utique verdeutlicht, Tertullians Interpretation. Ihm lag als Subjekt für das zweite φθείρει gerade nicht ὁ θεός oder ein Instrumentalis desselben vor, sondern auch er las, dass der Tempelzerstörer, wie in Vers 12 verdeutlicht, durch das Feuer geprüft wird. Wer also mit Holz baut und damit die Grundlage für die Zerstörung von Gottes Tempel legt, den zerstört das Feuer. Damit wird auch Tertullians Schluss erklärlich - denn wer auf Material baut, also auf den Leib, und wer kein geistlicher Tempel Gottes ist, der wird sich nicht wundern müssen, wenn ihn Feuer zerstören wird. Hieraus leitet Tertullian 258 Rekonstruktion <?page no="259"?> 71 Vgl. zur Duplikationstendenz die Einleitung, I, S. 563-568. ab, dass Markion nicht nur das Materielle, sondern auch den Schöpfer des Materiellen zum eigentlichen Verantwortlichen des Feuerbrandes macht. Das vitiabitur ist folglich Teil der kanonischen Redaktion, die Gott als Vollstrecker versteht. 13. (3,18) Bezeugt ist nur der zweite Teil des Verses, und zwar im Plural, weshalb Zahn vorschlägt: μωροὶ γίνεσθε, ἵνα γένησθε σοφοί, wobei er durch die Auslassungszeichen andeutet, dass er auch Text davor annimmt. Harnack zeigt den Beleg an, nimmt aber für den „Grundtext“ den Singular an, rechnet also wohl auch mit dem Plural hier. Schmid rechnet mit dem kanonischen Text des Bezeugten. BeDuhn stellt in Klammern εἴ τις δοκεῖ σοφὸς εἶναι ἐν ὑμῖν ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ und übersetzt den Rest des Verses nach dem kanonischen Text. Keiner hat demnach den Anfang des Verses aufgenommen, doch für diesen könnte die Erweiterung in 06 sprechen. Hingegen scheint der Mittelteil schon wegen des Plurals (ἐν ὑμῖν) eher als Glosse der kanonischen Redaktion. Wie schon öfter, könnte sie auch an dieser Stelle eine gewisse redundante Doppelung hinzugefügt haben, wenn sie auf diesen Äon verweist, der dann gleich im nächsten Vers mit „diesem Kosmos“ wieder anklingt. 71 Durch den Singular und die Anrede im unbezeugten Teil wird die Aussage auf die Leser- oder Hörerschaft hingeordnet und aus einer allgemeinen Überlegung ein auf die Gemeinde hingerichteter Appell an die Einzelnen. 14. (3,19-20) Alle früheren Editoren nehmen den kanonischen Text an mit Ausnahme des widersprüchlich bezeugten ἀνθρώπων/ σοφῶν in Vers 20. Das Zeugnis Tertullians und das des Epiphanius unterscheiden sich hier näm‐ lich. ἀνθρώπων wird geboten von Epiphanius, während Tertullian sapientium schreibt. ἀνθρώπων stammt aus der LXX und ist auch belegt durch einige Zeugen. Hilgenfeld verweist auf Epiphanius, Zahn optiert für den kanonischen Text, Harnack nimmt Tertullian gemäß eine Wortumstellung vor ἐστιν παρὰ τῷ θεῷ, die jedoch keine Spur in den Handschriften hinterlassen hat und nicht zwingend ist. Ansonsten nimmt er den obigen Text, setzt jedoch noch in Klammern hinter ἀνθρώπων die Alternative (σοφῶν? ). Umgekehrt nimmt Schmid das σοφῶν in den Text, fügt aber hinzu: (vel ἀνθρώπων! ). BeDuhn übersetzt σοφῶν. Nach dem Prinzip der Bezeugung in den Handschriften und der größten Entfernung vom kanonischen Text ist hier ἀνθρώπων gewählt. 2 (1Kor) 259 <?page no="260"?> 72 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 23. 15. (3,21-23) Hilgenfeld verweist auf Adamantius, hält aber die Auslassung von εἴτε Ἀπολλῶς für eine „Zufälligkeit“. Zahn gibt den Text in der kanonischen Form, vermerkt aber die Auslassung von εἴτε Ἀπολλῶς. Dem widerspricht Harnack, der den Ausfall auf das Exemplar des Adamantius zurückführt, was grundsätzlich möglich ist, und folgt Tertullian. Gleichwohl überzeugt eher die Auslassung von Apollos. Denn ansonsten würde man ja annehmen müssen, dass der Name sowohl in Adamantius’ kano‐ nischen wie auch markionitischen Apostolos ausgefallen war, was hier letztlich zur selben Entscheidung führt, dass der Name eben nicht im markionitischen Apostolos stand. Auch wenn sonst der Dialog mit Vorsicht zu gebrauchen ist, insbesondere, was nicht dem Markioniten in den Mund gelegt ist, scheint man ihm an dieser Stelle folgen zu sollen. Harnack weist auch auf den Singular ἐν ἀνθρώπῳ hin. Schmid gibt den Text wie oben, jedoch mit εἴτε Ἀπολλῶς. Die Auslassungszeichen nach Vers 22 deuten an, dass Schmid noch mit weiterem Text rechnet. BeDuhn übersetzt den Plural ἐν ἀνθρώποις, auch εἴτε Ἀπολλῶς und übersetzt auch Vers 23. Auffallend ist die Anführung von Κηφᾶς, da diese Schreibweise anstelle von Petrus als Merkmal der kanonischen Redaktion zu finden ist. Hier ist jedoch Κηφᾶς gut bezeugt ohne Abweichungen in den Handschriften, und es kann sein, dass aufgrund der Kritik („Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen“) hier nicht Petrus, sondern Κηφᾶς Verwendung fand. 16. (3,23) Dieser Vers 23, der bei Tertullian nicht bezeugt ist, jedoch im Dialog des Adamantius, könnte zu *1Kor gehört haben, denn er scheint auf *1Kor 3,11 aufzubauen und wirkt wie ein Schluss des Arguments. Allerdings sieht Delafosse nur die Nähe der Gedanken von *1Kor 3,21-22 zu Markion. 72 D. (3,10) Zum bezeugten Versteil: Die Wendung Κατὰ τὴν χάριν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 12,6; 1Kor 3,10; 2Thess 1,12). ♦ Die Wendung τὴν δοθεῖσάν μοι steht 4 Mal im NT (Röm 15,15, in einem Vers, der in *Paulus fehlt: διὰ τὴν χάριν τὴν δοθεῖσάν μοι ὑπὸ τοῦ θεοῦ; 1Kor 3,10; Gal 2,9: τὴν χάριν τὴν δοθεῖσάν μοι; Kol 1,25: κατὰ τὴν οἰκονομίαν τοῦ θεοῦ τὴν δοθεῖσάν μοι). Überhaupt steht die Kombination τὴν χάριν τὴν δοθεῖσαν + Dativ nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 2,9. ♦ σοφός steht 24 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 1,25; 3,18. 19. ♦ ἀρχιτέκτων ist Hapax legomenon im NT. ♦ θεμέλιος steht 16 / 15 Mal im NT, ist aber gleich wieder kanonisch bezeugt für die nächsten beiden Verse, auch für 260 Rekonstruktion <?page no="261"?> *Laod 2,20. ♦ τίθημι steht 110 / 100 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. Zum unbezeugten Versteil: ἄλλος steht 172 / 155 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ ἐποικοδομέω steht 9 / 7 Mal im NT, vorkanonisch gleich weiter unten in Vers 12 bezeugt, auch noch ein Mal in *Laod 2,20. ♦ Die Kombination ἕκαστος δέ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,8. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist schmal bezeugt für die vorkanonische Ebene in *Ev und *2Kor 4,18. ♦ πῶς steht 109 / 103 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. Zur Rekonstruktion: Der bezeugte Teil scheint den Vers vorkanonisch eröffnet zu haben, wie gerade die Lexik bezeugt, die die unbezeugte kanonische Eröff‐ nung als ausschließlich kanonische Sprache bestätigt. Da der bezeugte Teil von Vers 11 argumentativ unmittelbar an Vers 10 anschließt und das ἕκαστος δέ aufgrund der vorkanonisch nicht belegten Sprache einen Hinweis darauf gibt, dass der unbezeugte Teil kanonische Ergänzung ist, wird man diesen in der vorkanonischen Fassung als fehlend ansehen. (3,11) Zu θεμέλιος vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Die Kombinationen γὰρ ἄλλον und ἄλλον οὐδείς sind Hapax legomena im NT. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ Das kanonisch beliebte οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), das 96 Mal im NT steht, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15; *Laod 5,29. ♦ Die Kombination οὐδεὶς δύναται hingegen begegnet 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 6,24; Joh 6,44. 65; 9,4; 10,29; 1Kor 3,11; 12,3; Apk 3,8). ♦ κεῖμαι steht 30 / 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6, vgl. weiter unten zu Vers 19. Zur Rekonstruktion: Wie in C. näher erläutert, scheint nur der bezeugte Versteil zur vorkanonischen Fassung zu gehören. Dies bestätigt die Lexik, da die Kombination οὐδεὶς δύναται und das Verb κεῖμαι ausschließlich kanonisch bezeugt sind. Es legt sich darum nahe, dass die Ergänzungen auf die kanonische Redaktion zurückgehen und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (3,12) Das unbezeugte εἰ δέ τις steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 8,9; 1Kor 3,12; 7,36; 8,3; 11,16; 14,38; 2Kor 2,5; 2Thess 3,14; 1Tim 3,5; 5,8; Jak 1,5). ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ἐποικοδομέω steht 9 / 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *Laod 2,20. ♦ τοῦτον, das 63 Mal im NT steht, ist 2 (1Kor) 261 <?page no="262"?> vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ χρυσός steht 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἄργυρος steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λίθος steht 70 / 59 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ τίμιος steht 11 Mal im NT, vielleicht präsent in *Ev 7,2. ♦ ξύλον, das 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,13. ♦ χόρτος steht 17 / 15 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ καλάμη ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Die Rekonstruktion folgt dem Zeugnis Tertullians, auch wenn manche Begriffe von ihm nur umschrieben werden. Die Kontrastbezeich‐ nungen Gold und Silber im Gegensatz zu Heu und Stroh scheinen, wie die fehlende Bezeugung und Lexik nahelegen, eine Emphatisierung durch die kanonische Redaktion zu sein. (3,13) ἕκαστος steht 87 / 82 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; 7,7; *2Kor 5,10; *1Thess 4,4; *Laod 4,25. ♦ Die Form ἑκάστου steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 17,27; 21,26; 1Kor 3,13; 2Thess 1,3; 1Petr 1,17). ♦ φανερός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,17; *Gal 5,19; *Röm 2,28. ♦ φανερὸν γενήσεται begegnet wörtlich wieder für *Ev bezeugt in *Ev 8,17. ♦ δηλόω steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ Die Wendung ἐν πυρί steht 6 Mal im NT (1Kor 3,13; 2Thess 1,8; 4 Mal Apk), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ ὁποῖος, das sich 5 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,56. Zur Rekonstruktion: Die Rekonstruktion folgt dem Zeugnis Tertullians, auch wenn dieser teilweise nur Begriffe andeutet und für andere Umschreibungen bietet. Folglich ist die Lexik zu berücksichtigen, derzufolge das unbezeugte ἡ γὰρ ἡμέρα δηλώσει auf die kanonische Redaktion zurückzugehen scheint, auch das zweimalige ἑκάστου, das der emphatischen Verstärkung dient. (3,14) τινος (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Sg.) steht 24 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination εἴ τινος steht nur 3 Mal im NT, wieder bezeugt für *Ev 19,8, wie hier als Satzeröffnung. ♦ μένω steht 131 / 118 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,28 und *1Kor 7,11. ♦ ἐποικοδομέω steht 9 / 7 Mal im NT, vorkano‐ nisch bezeugt für *1Kor 3,12; *Laod 2,20. ♦ μισθός, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,7 und *1Kor 3,14. ♦ Die hier vorkanonisch bezeugte 262 Rekonstruktion <?page no="263"?> Kombination μισθὸν λήμψεται wurde bereits weiter oben in 1Kor 3,8 kanonisch vorweggenommen. Sie begegnet auch sonst noch öfter auf der kanonischen Ebene, erstaunlicherweise nicht in Lk, sondern in Mt 10,41; 19,29; Joh 16,14; Jak 1,7. 12. Zur Rekonstruktion: Die Eröffnung, die sich nicht wörtlich bei Tertullian findet, scheint dennoch vorkanonisch zu stehen, was ihre Seltenheit erläutern würde. Da auch in diesem Vers Tertullian nur einzelne Begriffe bietet, bleibt die Textgestalt mit Unsicherheit belastet, wird jedoch durch die Lexik, die weithin sonst vorkanonisch bezeugte Termini aufweist, gestützt. (3,15) Zu τινος (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ κατακαίω steht 13 / 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ζημιόω steht 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ Die Kombination αὐτὸς δέ steht 22 Mal im NT, etwa Lk 5,16; 18,39, in Versen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt in *Ev 20,44, bei Paulus steht sie nur auf der kanonischen Ebene (1Kor 2,15; 3,15; 2Kor 10,1; 1Thess 3,11; 5,23; 2Thess 2,16; 3,16). ♦ σῴζω ist 112 / 107 Mal im NT belegt und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ Die Form σωθήσεται steht jedoch 13 Mal im NT, immer nur auf der kanonischen Ebene (Mt 10,22; 24,13; Mk 13,13; 16,16; Lk 8,50; Joh 10,9; 11,12; Apg 2,21; Röm 9,27; 10,13; 11,26; 1Kor 3,15; 1Tim 2,15). ♦ Die Kombination οὕτως δέ steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 10,43; Röm 15,20, in einem Vers, der in *Paulus fehlt; 1Kor 3,15; 8,12). ♦ Die Kombination δὲ ὡς steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 11,29; 1Kor 3,15; 2Kor 13,7; Hebr 3,6; 1Petr 4,16; 2Petr 2,12). ♦ Die Kombination διὰ πυρός begegnet nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in 1Petr 1,7. Zur Abwesenheit: Wie in C. näher begründet, ist der Vers unbezeugt. Dass er auch vorkanonisch gefehlt hat, wird durch die Lexik deutlich gestützt. Es gibt mehrere ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehende Termini (κατακαίω; ζημιόω), eine Verbform (σωθήσεται) und Kombinationen (οὕτως δέ; δὲ ὡς; διὰ πυρός). Der Vers wird folglich in der vorkanonischen Version gefehlt haben und auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (3,16) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ ναός steht 49 / 45 Mal im NT und ist vorkanonisch wieder bezeugt in *2Thess 2,4. ♦ Die auf der kanonischen Ebene stehende Wendung ἐν ὑμῖν findet sich 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ οἰκέω steht 39 / 9 Mal im NT und ist ausschließlich kanonisch bezeugt. ♦ Die sich durch Tertullian hier nahelegende Variante ἐνοικέω steht weiters 5 Mal nur auf der kanonischen Ebene. 2 (1Kor) 263 <?page no="264"?> Zur Rekonstruktion: Wie in C. ausgeführt ist der Vers weithin unstrittig bis auf die Stellung der letzten drei Wörter und der Frage, ob wir es beim letzten Verb mit einem verbum simplex oder compositum zu tun haben. Was die Frage der Stellung betrifft, folgt der Text der handschriftlichen Variante in den Zeugen und, was die letzte Frage betrifft, folgt er Tertullian mit dem verbum compositum. (3,17) Zum bezeugten Versteil: Die Eröffnung εἴ τις findet sich 40 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt (mit leichter Abwandlung: εἴ τινός τι) in *Ev 19,8. ♦ ναός, das 49 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bei *Paulus bezeugt, vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ Zum vorkanonisch weiter bezeugten ναός vgl. den voranstehenden Vers 3,16. ♦ φθείρω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ Zu τοῦτον vgl. zuvor zu Vers 12. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ἅγιος steht 257 / 233 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 7,12; *Laod 1,13. 18; 2,19. Zur Bezeichnung von Menschen steht der Begriff jedoch vorwiegend auf der kanonischen Ebene, vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev und *Laod 1,19. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Tertullian, der unbezeugte Teil, der das ἅγιος (wie auch den Tempel) auf die Angeredeten bezieht, wird vermutlich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (3,18) Zum unbezeugten Versteil: μηδείς als Satzeröffnung steht 5 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (1Kor 3,18; 10,24; Eph 5,6; Kol 2,18; Jak 1,13). ♦ ἐξαπατάω steht 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Formulierung εἴ τις δοκεῖ findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 3,18; 8,2; 14,37; Gal 6,3; Jak 1,26). ♦ Der Infinitiv εἶναι steht 125 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ steht 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25. Zum bezeugten Versteil: μωρός, das 14 / 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt *1Kor 1,25. 27; 3,18. ♦ Die Kombination ἵνα γένησθε ist nur hier vorkanonisch bezeugt und steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Phil 2,15. ♦ Die Kombination ἵνα γένηται begegnet 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 10,25; 23,26; Lk 4,3, ein Vers, der in *Ev fehlt; Röm 7,13; 15,16, ein Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 3,18; Kol 1,18). ♦ σοφός steht 24 / 20 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 1,25; 3,19 und *Ev 10,21. Zur Rekonstruktion: Der unbezeugte Versteil weist ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehende Termini (μηδείς; ἐξαπατάω) und Formulierungen 264 Rekonstruktion <?page no="265"?> (εἴ τις δοκεῖ) auf, die diesen Teil auf die kanonische Ebene verweist, er wird folglich vorkanonisch gefehlt haben, während der vorkanonisch bezeugte Teil auch weiter vorkanonisch bezeugte Termini bzw. eine Kombination bietet, die Hapax legomenon ist. Die Lexik spricht auch für die von Tertullian gebotene Lesart γένησθε. (3,19-20) σοφία ist sowohl für *Ev wie *Paulus bezeugt. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. ♦ μωρία, das nur 5 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21. ♦ Zu παρά vgl. weiter oben zu Vers 11. ♦ Die Kombination παρὰ θεῷ steht 6 Mal im NT (Mk 10,27; Lk 2,52; Röm 2,13; 1Kor 7,24; 2Thess 1,6; 1Petr 2,20), vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,27; *Röm 2,13. ♦ Die alternative Kombination παρὰ τῷ θεῷ steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 10,27; Lk 1,30; 18,27; Röm 2,11. 13; 9,14; 1Kor 3,19; Gal 3,11; Jak 1,27). ♦ δράσσομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ πανουργία, das nur 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt, wie bei den früheren Editoren, dem Zeugnis Tertullians, allerdings wird aufgrund des Vergleichs der Lexik das τῷ gestrichen, weil die Formulierung mit diesem Artikel lediglich kanonisch bezeugt ist, während die Wendung ohne den Artikel vorkanonisch in *Ev und *Paulus bezeugt ist, in *Ev hat die kanonische Redaktion jedoch, genau wie hier, den bestimmten Artikel hinzugefügt. (3,20) πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Auch die Kombination καὶ πάλιν, die 27 Mal im NT steht, davon 15 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 26,72; 5 Mal Mk; Lk 13,20; 2 Mal Joh; Röm 15,10. 11. 12, in drei Versen, die in *Röm fehlen; 1Kor 3,20; Hebr 2,13; Jak 5,18; im Vers: 5 Mal Joh; Apg 27,28; 1Kor 5,7; 2Kor 1,16; Gal 1,17; Hebr 1,5; 10,30), findet sich ansonsten nur auf der kanonischen Ebene. An dieser einen Stelle, an der sowohl Tertullian wie Epiphanius den Begriff bezeugen, kann er natürlich vorkanonisch gestanden sein, geht vielleicht aber auch zurück auf die Zitiergewohnheit, zwei Schriftzitate anzuführen. ♦ διαλογισμός steht 14 Mal im NT und ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ μάταιος steht 6 Mal im NT steht und ist ebenfalls vorkanonisch nur hier bezeugt. Das verwandte ματαιόω steht nur 4 Mal im NT und ist ansonsten nur kanonisch bezeugt (Apg 14,15; Röm 1,21; 1Kor 3,20; Tit 3,9). 2 (1Kor) 265 <?page no="266"?> Zur Rekonstruktion: Die Verse folgen dem Zeugnis Tertullians und dem des Epiphanius mit Ausnahme von deren Bezeugung der Formulierung καὶ πάλιν in Vers 20, wie zuvor in D. begründet, und der Wahl des widersprüchlich bezeugten ἀνθρώπων, wie in C. verdeutlicht. (3,21) Die Kombination ὥστε μηδείς ist Hapax legomenon im NT. ♦ καυχάομαι steht 39 / 37 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ Die Kombination ἐν ἀνθρώποις steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 1,25; 2,14; 16,15 - hier bietet Tertullian Quod elatum est apud homines perosum est deo, was Klinghardt für eine Bezeugung hält von ὅτι τὸ ἐν ἀνθρώποις ὑψηλὸν βδέλυγμα ἐνώπιον τοῦ θεοῦ, doch das apud steht nicht vor Gott, sondern vor den Menschen, man müsste folglich eher ὅτι τὸ ἐνώπιον τῶν ἀνθρώπων ὑψηλὸν βδέλυγμα τοῦ θεοῦ rekonstruieren; Apg 4,12; 1Kor 3,12). ♦ Die Kombination ἐν ἀνθρώπῳ ist hingegen Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination πάντα γάρ steht nur 2 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt, das andere Mal in Mk 10,27. ♦ Die Kombination πάντα γὰρ ὑμῶν ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wird aber auch durch die Lexik gestützt durch Termini, die vorkanonisch weiter bezeugt sind oder sich als Hapax legomena erweisen. Dadurch wird auch der Singular ἐν ἀνθρώπῳ, den Tertullian und einige Zeugen aufführen, bestätigt. (3,22) εἴτε steht 67 / 65 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 8,5; *2Kor 5,10; *Phil 1,18. ♦ Eine Wiederholung von εἴτε im selben Vers (wenn auch nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal), begegnet vorkanonisch an diesen drei aufgeführten Stellen; vielleicht auch *1Kor 14,7; *2Kor 1,6 (und hat mit einer zweifachen Wieder‐ holung vielleicht gestanden in *1Kor 10,31; 13,7). ♦ Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Ἀπολλῶς ist 17 / 10 Mal im NT zu finden, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ θάνατος steht 124 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Die Form ἐνεστῶτα steht 2 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt, das andere Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 8,38. ♦ Auffallenderweise begegnet auch die Form μέλλοντα nur 2 Mal im NT, ebenfalls nur hier vorkanonisch bezeugt und wiederum an derselben Stelle Röm 8,38, was neben weiteren sprachlichen Parallelen darauf hinweist, dass wir es bei Röm 8,38 um eine Duplikation der vorliegenden vorkanonischen Stelle zu tun haben. Zur Rekonstruktion: Wiederum folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, mit Ausnahme der Auslassung des Apollos, die, wie in C. erläutert dem Zeugnis des Adamantius geschuldet ist. 266 Rekonstruktion <?page no="267"?> 73 Vgl. Ibid. 19-21. (3,23) Die Kombination ὑμεῖς δέ steht 37 Mal im NT, davon 18 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 4,28. ♦ Die Kombination Χριστὸς δέ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 3,23; Hebr 3,6; 9,11). Zur Abwesenheit: Obwohl dieser Vers nur sechs Wörter umfasst, fallen zwei Kombinationen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene nachweisbar sind (ὑμεῖς δέ; Χριστὸς δέ), der Vers wird folglich zur kanonischen Redaktion gehören und im vorkanonischen Text gefehlt haben. Kapitel 4 4,[1-4]: [Das Urteil über Paulus] Diese Passage ist unbezeugt und stellt eine typische kanonisch redaktionell inszenierte Selbstreflexion des Paulus dar. - 4,1 Οὕτως ἡμᾶς λογιζέσθω ἄνθρωπος ὡς ὑπηρέτας Χριστοῦ καὶ οἰκονόμους μυστηρίων θεοῦ. 2 ὧδε λοιπὸν ζητεῖται ἐν τοῖς οἰκονόμοις ἵνα πιστός τις εὑρεθῇ. 3 ἐμοὶ δὲ εἰς ἐλάχιστόν ἐστιν ἵνα ὑφ’ ὑμῶν ἀνακριθῶ ἢ ὑπὸ ἀνθρωπίνης ἡμέρας· ἀλλ’ οὐδὲ ἐμαυτὸν ἀνακρίνω· 4 οὐδὲν γὰρ ἐμαυτῷ σύνοιδα, ἀλλ’ οὐκ ἐν τούτῳ δεδικαίωμαι, ὁ δὲ ἀνακρίνων με κύριός ἐστιν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (4,1-4) Die fehlende Bezeugung dieser Verse wie auch ihr inhaltlicher Bruch mit den vorangegangenen und den nachfolgend bezeugten Versen lässt sie als Produkt der kanonischen Redaktion erscheinen. Allerdings wurde der Passus gerade deshalb, weil sich Paulus in ihm selbst verteidigt, an Markion als Autor verwiesen. 73 In Vers 5 ist davon nicht mehr die Rede, sondern es geht um das Lob, das jeder „von Gott erhalten“ soll. 2 (1Kor) 267 <?page no="268"?> D. (4,1) Οὕτως ἡμᾶς ist als Kombination Hapax legomenon im NT. ♦ Obwohl der unscheinbare Begriff λογίζομαι in der kanonischen Ausgabe 43 / 41 Mal vorkommt, davon allein im Römerbrief 18 Belegstellen, auch eine im Galaterbrief und 8 Mal im Zweiten Korintherbrief, findet er sich ausschließlich auf der kanonischen Redak‐ tionsebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ Der etwas speziellere Begriff ὑπηρέτης, der 23 / 20 Mal im NT steht, ist ebenfalls nur für die kanonische Redaktion belegt. In den paulinischen Briefen begegnet nur die vorliegende Stelle. ♦ Das verwandte Verb ὑπηρετέω, das 3 Mal im NT steht, ist nur für die Apg belegt, 13,36; 20,34; 24,23. ♦ οἰκόνομος, das 10 Mal im NT steht, begegnet überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ μυστήριον steht 30 / 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist gleich drei ausschließlich ka‐ nonisch belegte Termini (λογίζομαι; ὑπηρέτης; οἰκόνομος) auf, er wird folglich der redaktionischen Ebene zuzurechnen sein und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (4,2) ὧδε steht 71 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,21, ist jedoch ein ausgesprochen beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ οἰκόνομος ist, wie zuvor zu Vers 1 bemerkt, ein ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu findender Begriff. Das verwandte οἰκονομέω steht 3 Mal im NT, ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene (Lk 16,2; 1Kor 4,2; 1Petr 4,10). ♦ πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. ♦ εὑρίσκω steht 198 / 176 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ Die Form εὑρεθῇ begegnet allerdings nur 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,2; 1Petr 1,7; Apk 18,21. 22). Zur Abwesenheit: Bei diesem Vers wird die fehlende Bezeugung durch die Lexik (οἰκόνομος; εὑρεθῇ) und die Semantik (πιστός) bestätigt. Der Vers wird also von der kanonischen Redaktion formuliert worden sein und war in der vorkanonischen Version abwesend. (4,3) Die Kombination ἐμοὶ δέ begegnet nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene Gal 6,14, und zwar auch als Verseröffnung. ♦ ἐλάχιστος steht 13 / 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Die Form ἐμαυτόν steht 18 Mal im NT, etwa Lk 7,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,18. ♦ ἀνακρίνω, das in den Versen 3-4 gleich dreimal 268 Rekonstruktion <?page no="269"?> begegnet, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἀνθρώπινος steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐμοὶ δέ; ἐλάχιστος; ἐμαυτόν; ἀνακρίνω; ἀνθρώπινος). Eindrücklich stützt die Lexik in diesem Vers die Zugehörigkeit des Verses zur kanonischen Ebene, er hat vorkanonisch gefehlt. (4,4) οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,4. ♦ Die Kombination οὐδὲν γάρ, die 4 Mal im NT steht, findet sich allerdings ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,4; 2Kor 12,11; 1Tim 6,7; Hebr 7,19). ♦ Auch die Kombination γὰρ ἐμαυτῷ, die 2 Mal im NT steht, ist nur kanonisch bezeugt (1Kor 4,4; 2Kor 2,1). ♦ σύνοιδα, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (Apg 5,2; 1Kor 4,4; 2Kor 10,18). ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, nicht aber für *Paulus. ♦ Die Kombination ἀλλ’ οὐκ ἐν τούτῳ ist Hapax legomenon. ♦ δικαιόω steht 59 / 39 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ Zu ἀνακρίνω als kanonischem Begriff vgl. zum voranstehenden Vers 4,3. ♦ Die Kombination κύριός ἐστιν, die 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *Ev 6,5, ansonsten nur kanonisch belegt (Mk 2,28; Lk 6,5; Joh 21,7. 12; 1Kor 4,4; Eph 6,9). Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers ist die Anzahl der ausschließlich kanonisch bezeugten Begriffe (σύνοιδα; ἀνακρίνω) und Kom‐ binationen (οὐδὲν γάρ; γὰρ ἐμαυτῷ) auffällig. Der Vers wird folglich zur kanonischen Redaktion gehören und war vorkanonisch abwesend. 4,5 [6-8] 9 [10-13]: Der Herr wird Licht in das Verborgene bringen Nachdem die kanonische Redaktion die voranstehende, auf der kanonischen Ebene sich findende Passage eingefügt hat, zerriss sie den Zusammenhang zwischen den vorkanonischen Versen des Kapitels 3 und dem hier zuerst bezeugten Vers 5. Subjekt dieses Verses ist der Herr bzw. Gott aus den Versen 3,19-20, und der Vers 5 führt auch die dortige Diskussion fort, wonach der Herr mit Blick auf diejenigen, die auf dem Fundament des *Paulus weiterbauen, an ihren Werken ergründen wird. Nachdem sich die hölzernen Werke nach *1Kor 3,17 selbst dem Feuer hingeben und durch es vernichtet werden, doch Paulus, Kephas und alles den Adressaten gehört, wird der Herr „Licht in das Verborgene des Dunkels“ bringen, „die Absichten der Herzen aufdecken“ und „jeder“ wird „sein Lob von Gott erhalten“. Es geht also immer noch um die Differenz zwischen *Paulus und Petrus, d. h. aber auch darum, dass der *Erste Korintherbrief, 2 (1Kor) 269 <?page no="270"?> der in der vorkanonischen Sammlung auf den *Galaterbrief folgt, redaktionell von demjenigen, der diese Sammlung angelegt hat, an den *Galaterbrief ange‐ schlossen wurde, so dass er die dort behandelte Auseinandersetzung zwischen *Paulus und Petrus hier fortsetzt. Im kanonischen Ersten Korintherbrief ist dieser Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwischen Paulus und Petrus durch die Umstellung von Galaterbrief und Römerbrief nicht mehr gegeben, und der Erste Korintherbrief erhielt eine andere Ausrichtung. Er entwickelt eine fiktive innergemeindliche Auseinandersetzung, die nun nicht mehr nur Paulus und Petrus betrifft, sondern Apollos als weitere Persönlichkeit einbringt. Aus einer Auseinandersetzung um die Autorität des *Paulus mit Blick auf Petrus und Jakobus wurde eine innerge‐ meindliche Spannung, welcher der verschiedenen Autoritäten man zu folgen habe und wie ein einvernehmliches Gemeindeleben angesichts verschiedener Nachfolger des Paulus möglich ist. Was in 1Kor 4,1-4 wie eine Selbstverteidigung des Paulus klingt, ist eine nicht allzu versteckte kanonische Kritik an ihm, wenn es heißt, dass man „von Verwaltern … verlangt …, sich als treu (zu) erweisen“, und dieser Paulus offen zugesteht, dass seine Adressaten „oder ein menschliches Gericht“ über ihn „urteilt“ und sogar anspricht, dass er sich „zwar keiner Schuld bewusst“ ist, dann aber eingesteht: „Doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der über mich urteilt“. Wenn anschließend im unbezeugten Teil von 1Kor 4,5 hinzugesetzt wird: „Richtet also nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt“, so wirft diese Passage ebenfalls einen gewissen Schatten auf die Person des Paulus. Dass die Passage wenig geschickt an dieser Stelle eingefügt wurde, zeigt der abrupte Übergang, wonach Vers 5 im vorkanonisch bezeugten Teil von einem „Lob“ für alle spricht, was nicht zu den voranstehenden auf Paulus gemünzten Versen passt, sondern die Gedanken aus dem voranstehenden Kapitel und dessen bezeugten Versen aufgreift. Um den eigenen Erzählfaden weiterzuführen, überarbeitet die kanonische Redaktion auch die nachfolgenden wenigen Verse der vorkanonischen Version von Kapitel 4, indem sogleich nach dem bezeugten Vers 5 wieder auf Apollos Bezug genommen wird und ausdrücklich und emphatisch die Adressaten ange‐ sprochen werden (4,6-8). Nur der teilweise bezeugte Vers 4,9 bringt dann wieder die Petrus-Paulus-Diskussion zum Vorschein, die die kanonische Redaktion jedoch im Folgenden wieder auf Paulus hin biographisiert. So lesen sich auch die unbezeugten und abwesenden Verse 11-13, die Paulus erneut in ein gewisses Zwielicht setzen - er ist geschlagen und heimatlos, müht sich zwar, doch wird er beschimpft und verfolgt, geschmäht und „bis heute“ als „Abschaum von allen“ 270 Rekonstruktion <?page no="271"?> betrachtet - nicht gerade eine Visitenkarte für den vermeintlichen Autor dieser Briefe der kanonischen Sammlung. 5καὶ φωτίσει τὰ κρυπτὰ τοῦ σκότους καὶ φανερώσει τὰς βουλὰς τῶν καρδιῶν· καὶ τότε ὁ ἔπαινος γενήσεται ἑκάστῳ ἀπὸ τοῦ θεοῦ. 5 ὥστε μὴ πρὸ καιροῦ τι κρίνετε, ἕως ἂν ἔλθῃ ὁ κύριος, ὃς καὶ φωτίσει τὰ κρυπτὰ τοῦ σκότους καὶ φανερώσει τὰς βουλὰς τῶν καρδιῶν· καὶ τότε ὁ ἔπαινος γενήσεται ἑκάστῳ ἀπὸ τοῦ θεοῦ. - 6 Ταῦτα δέ, ἀδελφοί, μετεσχημάτισα εἰς ἐμαυτὸν καὶ Ἀπολλῶν δι’ ὑμᾶς, ἵνα ἐν ἡμῖν μάθητε τὸ Μὴ ὑπὲρ ἃ γέγραπται, ἵνα μὴ εἷς ὑπὲρ τοῦ ἑνὸς φυσιοῦσθε κατὰ τοῦ ἑτέρου. 7 τίς γάρ σε διακρίνει; τί δὲ ἔχεις ὃ οὐκ ἔλαβες; εἰ δὲ καὶ ἔλαβες, τί καυχᾶσαι ὡς μὴ λαβών; 8 ἤδη κεκορεσμένοι ἐστέ· ἤδη ἐπλουτήσατε· χωρὶς ἡμῶν ἐβασιλεύσατε· καὶ ὄφελόν γε ἐβασιλεύσατε, ἵνα καὶ ἡμεῖς ὑμῖν συμβασιλεύσωμεν. 9 ὁ θεὸς ἡμᾶς τοὺς ἀποστόλους ἐσχάτους ἀπέδειξεν ὡς ἐπιθανατίους, ὅτι θέατρον ἐγενήθημεν τῷ κόσμῳ καὶ ἀγγέλοις καὶ ἀνθρώποις. 9 δοκῶ γάρ, ὅτι θεὸς ἡμᾶς τοὺς ἀποστόλους ἐσχάτους ἀπέδειξεν ὡς ἐπιθανατίους, ὅτι θέατρον ἐγενήθημεν τῷ κόσμῳ καὶ ἀγγέλοις καὶ ἀνθρώποις. - 10 ἡμεῖς μωροὶ διὰ Χριστόν, ὑμεῖς δὲ φρόνιμοι ἐν Χριστῷ· ἡμεῖς ἀσθενεῖς, ὑμεῖς δὲ ἰσχυροί· ὑμεῖς ἔνδοξοι, ἡμεῖς δὲ ἄτιμοι. - 11 ἄχρι τῆς ἄρτι ὥρας καὶ πεινῶμεν καὶ διψῶμεν καὶ γυμνιτεύομεν καὶ κολαφιζόμεθα καὶ ἀστατοῦμεν 12 καὶ κοπιῶμεν ἐργαζόμενοι ταῖς ἰδίαις χερσίν· λοιδορούμενοι εὐλογοῦμεν, διωκόμενοι ἀνεχόμεθα, 13 δυσφημούμενοι παρακαλοῦμεν· ὡς περικαθάρματα τοῦ κόσμου ἐγενήθημεν, πάντων περίψημα, ἕως ἄρτι. A. *4,5: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,1: Et occulta tenebrarum ipse illuminabit, utique per Christum, qui Christum illuminationem repromisit, se quoque lucernam pronuntiavit, scrutantem corda et renes. Ab illo erit et laus unicuique a quo et contrarium laudis, ut a iudice. ♦ *4,9: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,1: Spectaculum facti sumus mundo, dum angelis qui mundo ministrant, et hominibus quibus ministrant. ♦ 4,11: Jes 49,10 LXX: οὐ πεινάσουσιν οὐδὲ διψήσουσιν. B. (4,5) ὅς om 06*, 010, 012. ♦ (4,6) Post γέγραπται add φρονεῖν 01 2 , 04 vid , 06 2 , 020, 024, 0285 vid , 33, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1506, 2464, M, vg ms , sy, om P 46 , 2 (1Kor) 271 <?page no="272"?> 74 Vgl. G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 130. 75 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 445. 76 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 506. 01*, 02, 03, 06*, 010, 012, 044, 0289 vid , 81, 1175, 1739, 1881, lat, co. ♦ (4,9) ὅτι lesen 01 2 , 06 1 , 020, 044, 104, 365, 1241, 1505, 2464, M, vg cl , sy (gg. NA 28 ). Damit wird die Hervorhebung der vorkanonischen Fassung, dass es „der Gott“ ist, der den Erweis bringt, durch die kanonische Redaktion zu mildern gesucht, während die vorkanonische Fassung ὁ liest mit den Zeugen P 46 , 01*, 02, 03, 04, 06*, 010, 012, 025, 0289, 6, 33, 81, 630, 1175, 1506, 1739,1881, l 249, l 846, lat, Tert, Cl, Or, Ambst. ♦ (4,10) Anstelle von Χριστῷ steht κυριῷ in P 11 . ♦ (4,13) Die Variante βλασφημούμενοι findet sich in 03, 06, 010, 012, latt, M, Orig, Chrys, Thdt, während die kanonische Variante δυσφημούμενοι zu finden ist in P 46 , 01*, 02, 04, 025, 33, 181, 1836, 1898, 917, 1834, Clem, Orig, Eus, Cyr, Johannes Damascenus. 74 C. 1. (4,5) Hilgenfeld notiert: „4.5 ist die erste Stelle, auf welche Tertullian c. 7 wieder Rücksicht nimmt. Von hier geht er zu V. 9 fort, endlich zu V. 18“. 75 Der Hinweis auf V. 18 muss ein Versehen sein, weil das von Hilgenfeld angeführte ἐν γὰρ Χριστῷ Ἰησοῦ διὰ τοῦ εὐαγγελίου ἐγὼ ὑμᾶς ἐγέννησα in Vers 15 steht. Harnack und Schmid sehen folgenden Text belegt: καὶ τὰ κρυπτὰ τοῦ σκότους φωτίσει-… ὁ ἔπαινος γενήσεται ἑκάστῳ ἀπὸ τοῦ θεοῦ. BeDuhn nimmt in Klammern auch die unbezeugten Teile des Verses in seine Übersetzung auf, auch wenn der Anschluss von 1Kor 4,5 (ὥστε μὴ πρὸ καιροῦ τι κρίνετε, ἕως ἂν ἔλθῃ ὁ κύριος, ὅς) ohne die kanonischen Verse 1-4 nicht recht passt. Das ὥστε μὴ πρὸ καιροῦ τι κρίνετε greift vielmehr Vers 4b auf, wird also ebenfalls zur kanonischen Redaktion gehören, während das ἀπὸ τοῦ θεοῦ am Ende von Vers 5 unmittelbar den Gedanken von 3,19-20 fortsetzt. Auch der Teil καὶ φανερώσει τὰς βουλὰς τῶν καρδιῶν klingt in Tertullian mit an (scrutantem corda), was die früheren Editoren übersehen haben, wird also im vorkanonischen Text gestanden sein. 2. Das schlichte καὶ findet sich in einigen Zeugen, wodurch in der vorkano‐ nischen Redaktion das Subjekt von φωτίσει „nicht Christus, sondern Gott“, 76 oder präziser, der Herr ist. 3. (4,6-8) Diese Verse sind unbezeugt. Zahn rechnet in irgendeiner Form mit ihnen, Harnack sieht sie schlicht als unbezeugt, so auch Schmid, wobei 272 Rekonstruktion <?page no="273"?> 77 Vgl. zu ihr J. Strugnell, A Plea for Conjectural Emendation in the New Testament, with A Coda on 1 Cor 4.6 (1974), 555-558. 78 C.J. Classen, Philologische Bemerkungen zur Sprache des Apostels Paulus (1994/ 1995), 326-327. 79 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 14-16. Couchoud denkt, dass der Fälscher die Angaben von 1Kor 1,10-16 fortgesponnen hätte; damit wäre diese Passage hier wie dort der Ebene der kanonischen Redaktion zuzuordnen. dieser durch Auslassungszeichen und einem (ὅτι) auf einen voranstehenden übergeordneten Satz hinweist. BeDuhn nimmt, ähnlich wie Schmid ebenfalls durch Auslassungszeichen am Anfang von Vers 9 markiert, unbezeugten Text an. Völlig gefehlt können die Verse jedoch nicht haben, da Vers 9b bezeugt ist und in ihm ein Plural („wir“) belegt ist, was nicht nur irgendeine Form des Verses 9a sinnvoll macht, sondern auch ein Hinweis darauf sein könnte, dass Teile der Verse 6-8 in der vorkanonischen Version standen. Hierauf verweist vielleicht auch der offenkundig nachträgliche und verdorbene Einschub der schon seit langem als schwierige Stelle angesehene Text τὸ Μὴ ὑπὲρ ἃ γέγραπται. 77 4. (4,6) Der Begriff μετασχηματίζω ist in diesem Vers in der besonderen rheto‐ rischen Bedeutung verwendet, mit der er „offenbar die Form seiner Darstellung charakterisiert. … Vergegenwärtigt man sich die in den rhetorischen Handbü‐ chern geläufige Bedeutung von μετασχηματίζειν und μετασχηματισμός, ‚die Form einer Rede umgestalten‘, und zwar entweder die einzelnen Wörter, indem man deren Buchstabenfolge, Geschlecht, Numerus oder Kasus verändert, oder ein einzelnes Wort durch ein anderes oder mehrere ersetzt, oder eine längere Formulierung (durch einen Zusatz) oder gar einen ganzen Satz, indem man dessen Teile umstellt oder anstelle einer Person eine andere anredet, dann … zeigt sich“ der Autor „nicht nur mit der Terminologie der Rhetorik vertraut; allein mit ihrer Hilfe kann man überhaupt erst zu einem angemessenen Ver‐ ständnis seiner Formulierung kommen“. 78 5. Da der im NT seltene Begriff μετασχηματίζω gleich an allen weiteren Stellen im NT für die vorkanonische Fassung belegt ist, könnte der Vers der vorkanonischen Ebene zugehören, auch wegen der Aufnahme von *1Kor 3,21 durch καυχᾶσαι. Dagegen spricht die direkte Anrede zu Beginn von Vers 6 (ἀδελφοί) und die Rückkehr des nur auf der kanonischen Ebene begegnende Apollos, der zuvor in 3,4-6. 21 begegnet ist. 6. Paul Louis Couchoud (Delafosse) hat den Ausdruck Ταῦτα δέ μετεσχημάτισα, gestützt auf inhaltliche Beobachtungen, für das Produkt eines Fälschers gehalten. 79 2 (1Kor) 273 <?page no="274"?> 7. (4,9) Zahn sieht den oben fettgedruckten und unterstrichenen Text als bezeugt an, er meint aber auch, dass eine unbestimmte Form von Vers 9a vorhanden war. Harnack beschränkt sich auf den oben fettgedruckten und unterstrichenen Text. Schmid nimmt in Klammern noch das voranstehende ὅτι hinzu, BeDuhn hingegen stellt vorweg nach Auslassungspunkten in Klammern ἀποστόλους und lässt Auslassungspunkte folgen. Dass auch der unbezeugte erste Teil des Verses Teil der vorkanonischen Fassung war, wird durch den Rückgriff (τοὺς ἀποστόλους ἐσχάτους ἀπέδειξεν) auf *1Kor 1,28 (καὶ τὰ ἀγενῆ καὶ τὰ ἐλάχιστα καὶ τὰ ἐξουθενημένα ἐξελέξατο ὁ θεός) gestützt, wobei jedoch das eröffnende emphatische δοκῶ γάρ noch Einfügung der kanonischen Redaktion sein kann, da auch das δοκῶ δὲ κἀγώ in 1Kor 7,40 für *1Kor 7 nicht bezeugt ist. 8. Ob ἐπιθανάτιος in der vorkanonischen Fassung stand und Tertullian die Selbststilisierung des Paulus als Apostel und Fastmärtyrer übergeht? Dies würde zumindest zu seiner Pauluskritik passen. 9. (4,10) Dieser Vers ist unbezeugt. Zahn nimmt seine Präsenz in der vorka‐ nonischen Fassung an, ohne den Wortlaut bestimmen zu können. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen ihn als unbezeugt. Der nächste bezeugte Vers 15 setzt aber einen Gedankengang voraus, der zu diesem Vers zurückführt. μωροί greift das frühere Thema des *Ersten Korintherbriefes auf, wohl aber erst auf der kanonischen Ebene: Das Kreuz Christi ist eine μωρία (*1Kor 1,18), „der“ Gott rettet alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung (ὁ θεὸς διὰ τῆς μωρίας τοῦ κηρύγματος σῶσαι τοὺς πιστεύοντας) (*1Kor 1,21), „für Juden“ ist das Kreuz „ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit“ (Ἰουδαίοις μὲν σκάνδαλον ἔθνεσιν δὲ μωρίαν, *1Kor 1,23). „Das Törichte an Gott“ ist „weiser als die Menschen“ (τὸ μωρὸν τοῦ θεοῦ σοφώτερον τῶν ἀνθρώπων, *1Kor 1,25), „das Törichte der Welt hat Gott erwählt“ (τὰ μωρὰ τοῦ κόσμου ἐξελέξατο ὁ θεός, *1Kor 1,27), „werdet töricht, um weise zu werden“ (μωροὶ γίνεσθε, ἵνα γένησθε σοφοί, *1Kor 3,18), während „die Weisheit dieser Welt … Torheit vor Gott“ ist (ἡ γὰρ σοφία τοῦ κόσμου τούτου μωρία παρὰ τῷ θεῷ ἐστιν, *1Kor 3,19). Immer ist hier („der“) Gott das Subjekt, dass dies διὰ Χριστόν oder ἐν Χριστῷ geschieht, klingt nie an, allenfalls, dass ὑμεῖς δὲ Χριστοῦ, Χριστὸς δὲ θεοῦ ist. Auch die kontrastive Gegenüberstellung von „wir“ und „ihr“ war schon als Merkmal der kanonischen Redaktion aufgefallen. Durch den Vers werden Torheit, Schwäche und Verachtung auf Paulus hin gelesen, während Klugheit, Stärke und Ansehen den Adressaten zugewiesen werden, auch wenn diese vor Gott nichts gelten. Ähnlich wie im Vorspann 1Kor 4,1-4 schwingt auch in diesem Vers eine gewisse negative Selbstqualifizierung des Paulus mit. 274 Rekonstruktion <?page no="275"?> 10. (4,11-13) Auch diese Verse sind unbezeugt. Ob sie abwesend waren, hängt u. a. mit dem Verhältnis zu den verwandten Stellen 2Kor 6,1-10 und Phil 4,12 zusammen, von denen die erste zu einem kleinen Teil vorkanonisch bezeugt ist. Hinzu kommt ein Blick in die Varianten und Lexik dieser Verse. Hilgenfeld sieht sie schlicht als unbezeugt, ebenso Zahn, auch wenn er mit deren nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnet. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen sie ebenfalls als unbezeugt. 11. (4,11) πεινᾶν erinnert an die zweite Aussage der Feldpredigt *Ev 6,21 (μακάριοι οἱ πεινῶντες), auch wenn das Hungern in *Ev ansonsten keine Rolle spielt, während es in der kanonischen Rezension eine wichtige Stelle einnimmt. In Apg 10,10 wird vor der Offenbarung des Petrus gesagt, dass er gehungert habe. In Lk 6,3 wird Jesu Hinweis auf das Hungern des David angeführt, was in *Ev gefehlt zu haben scheint. Und in Mt 25,35 verweist Jesus darauf, er habe gehungert und man habe ihm zu essen gegeben (vgl. Mt 25,37. 42. 44). In der kanonischen Version von Röm 12,20 wird dazu aufgefordert, man solle seinen hungernden Feind speisen. Und in Apk 7,16 wird der diesen Gedanken zugrundeliegende Jesajavers zitiert: οὐ πεινάσουσιν ἔτι οὐδὲ διψήσουσιν. 12. (4,12) Der Hinweis auf die eigenen Hände erinnert an dieselbe Betonung auf der kanonischen Ebene von 1Kor 16,21; Gal 6,11; Kol 4,18; 2Thess 3,17; Phlm 19. 13. (4,13) Sollte dieser Vers vorkanonisch präsent gewesen sein, scheint die Lesart βλασφημούμενοι, die in einschlägigen Zeugen anstelle von δυσφημούμενοι steht, eher dem vorkanonischen Text zuzugehören, während die zweite möglicherweise in Anlehnung an die Stelle aus dem Zweiten Korin‐ therbrief harmonisiert wurde. D. (4,5) Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination ὥστε μή steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,7. ♦ πρό, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27 (πρὸ προσώπου σου); 11,38 (πρὸ τοῦ ἀρίστου); 21,12 (πρὸ δὲ τούτων); 22,15 (πρὸ τοῦ με παθεῖν); *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ καιρός steht 90 / 86 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ Die Kombination πρὸ καιροῦ steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (8,29). ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8. ♦ κρίνω steht 125 / 115 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,3; 11,31; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ Die Kombination ἕως ἄν steht 20 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (10 Mal in Mt, 3 Mal in Mk, 3 Mal in Lk, Apg 2,35; 1Kor 4,5; Hebr 1,3). ♦ Die Form ἔλθῃ, die 32 Mal im NT steht, etwa Lk 1,43 und 9,26, in Versen, die in 2 (1Kor) 275 <?page no="276"?> *Ev fehlen, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (4 Mal für Mt, 2 Mal für Mk, 6 Mal für Lk, 7 Mal für Joh; Röm 3,8; 1Kor 4,5; 11,26; 13,10; 16,10. 11. 12; Gal 3,19; Kol 5,10; 2Thess 1,10; Apk 17,10). Zum bezeugten Versteil: φωτίζω steht 12 / 11 Mal im NT und ist wiederum vorkano‐ nisch bezeugt für *Laod 1,18; 3,9. ♦ κρυπτός steht 22 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; *Röm 2,16. 29. ♦ σκότος steht 31 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11; 6,12. ♦ φανέρωσις, das 3 Mal im NT steht, ist nur kanonisch bezeugt. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist gut für die vorkanonische Fassung belegt (*2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4). ♦ βουλή, das sich 14 / 12 Mal im NT findet, ist nur auf der kanonischen Ebene anzutreffen. Selbst das eher gebräuchliche Verb βούλομαι ist für die vorkanonische Fassung nicht bezeugt. Es kann also sein, dass dieser Versteil zwar in *1Kor stand, jedoch von der kanonischen Redaktion bearbeitet wurde. ♦ τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. ♦ ἔπαινος steht 11 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; *Laod 1,12. ♦ ἕκαστος steht 87 / 82 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,13; 4,5; 7,7; *2Kor 5,10; *1Thess 4,4; *Laod 4,25, auch wenn die Form ἑκάστῳ, die 18 Mal im NT steht, nur hier vorkanonisch bezeugt ist. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene (*Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9). Zur Rekonstruktion: Was den unbezeugten ersten Teil des Verses betrifft, sind die Kombinationen (πρὸ καιροῦ; ἕως ἄν) und die Form ἔλθῃ auffallend. Dieser Teil wird wohl im vorkanonischen Text gefehlt haben. Hingegen sticht dann ins Auge, dass mit Beginn der Bezeugung sogleich weiters vorkanonisch bezeugte Begriffe beginnen und erst die nicht mehr bezeugten Begriffe φανερώσει und βουλάς nur kanonisch bezeugt sind - an deren Stelle können andere Begriffe gestanden sein, die durch die kanonische Redaktion ersetzt worden sind. Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. (4,6) ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7, vgl. weiter unten Vers 14. ♦ Die Kombination Ταῦτα δέ steht 10 Mal im NT, etwa Lk 11,42 in einem Versteil, der in *Ev fehlt, in Paulus steht sie nur an vorliegender Stelle, jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Mt 1,20; 23,23; Lk 9,34; 11,42; 24,36; Joh 7,9; 16,4; 18,22; Apg 26,24; 1Kor 4,6). ♦ μετασχηματίζω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,13. 14, hier sogar beide Male mit εἰς (ein drittes Mal begegnet der Begriff in dem nicht mehr bezeugten Vers 2Kor 11,15); *Phil 3,21. ♦ Die Form ἐμαυτόν steht 18 Mal im NT, etwa Lk 7,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen 276 Rekonstruktion <?page no="277"?> Ebene, vgl. zu Gal 2,18. ♦ Ἀπολλῶς ist 17 / 10 Mal im NT zu finden, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μανθάνω, das 143 / 25 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; *1Kor 15,35. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ἃ steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Phlm 1,21). ♦ Die Kombination γέγραπται ἵνα steht ebenfalls nur 2 Mal im NT, das weitere Mal ebenfalls auf der kanonischen Ebene ( Joh 20,31). ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Kombination εἷς ὑπέρ steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (2Kor 5,14), auch wenn der Vers dort vorkanonisch vielleicht gestanden war. ♦ φυσιόω, das 7 Mal im NT steht, ist allerdings nur kanonisch belegt (1Kor 4,6. 18. 19; 5,2; 8,1; 13,4; Kol 2,18). ♦ Die Kombination κατὰ τοῦ steht 21 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (7 Mal in Mt, 2 Mal in Mk, Lk 8,33; Joh 18,29; 5 Mal in Apg; Röm 11,2; 1Kor 4,6; 15,15; Hebr 6,16). Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers finden sich eine Reihe von Kombinationen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Ταῦτα δέ; ἐμαυτόν; ὑπὲρ ἅ; γέγραπται ἵνα; εἷς ὑπέρ; κατὰ τοῦ), dann die nur kanonisch bezeugten Termini Ἀπολλῶς; φυσιόω. Der Vers wird folglich von der kanonischen Redaktion formuliert worden sein und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (4,7) σέ (Akk. Mask. / Vok. Sg. von σύ / σός) steht 185 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ διακρίνω, das 21 / 19 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apostelgeschichte (Apg 10,20; 11,2. 12; 15,9; Röm 4,20; 14,23; 1Kor 6,5; 11,29. 31; 14,29; Jak 1,6; 2,4; Jud 1,9. 22). ♦ Die Kombination ὡς μή steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,7. 18; 7,29. 30. 31; 2Kor 10,14). ♦ λαμβάνω, das 292 / 260 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers begegnen Termini (διακρίνω; λαμβάνω) und Kombinationen (δὲ καί; ὡς μή), die ausschließlich kanonisch belegt sind. Demnach dürfte der Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (4,8) Die Reihung von ἤδη begegnet im NT nur noch in Apg. 27,9 im Zusammenhang mit einer Ermahnung des Paulus, und überhaupt steht ἤδη 68 / 61 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ κορέννυμι begegnet nur noch ein Mal in Apg 27,38. ♦ πλουτέω, das 18 / 12 Mal im NT zu finden ist und begegnet auch sonst bezeugt nur für die kanonische Ebene. ♦ Ein menschliches Herrschen, βασιλεύω, das 21 Mal im NT steht, kennt nur die kanonische Redaktion. ♦ Auch das Substantiv eines 2 (1Kor) 277 <?page no="278"?> Menschen als König oder Kaiser (βασιλεύς), das 128 / 115 Mal im NT steht, findet sich nur in kritischer Ablehnung vorkanonisch in *Ev, während es reichlich auf der kanonischen Redaktionsebene steht. ♦ Das Nomen βασιλεία, das 169 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,21; *1Kor 15,50. ♦ συμβασιλεύω steht nur hier und noch ein Mal in 2Tim 2,12, also beide Male auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Die Lexik in diesem Vers unterstreicht deutlich die fehlende Bezeugung und verweist den Vers auf die kanonische Ebene. Er hat im vorka‐ nonischen Text gefehlt. (4,9) Zum nicht bezeugten Versteil: δοκέω, das 100 / 63 Mal im NT steht, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9. ♦ Die Form δοκῶ steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,9; 7,40; 2Kor 12,10). ♦ ἔσχατος steht 60 / 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,59; *1Kor 15,45. ♦ ἀποδείκνυμι steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *2Thess 2,4, ansonsten für die kanonische Ebene belegt (Apg 2,22; 25,7; 1Kor 4,9; 2Thess 2,4). ♦ ἐπιθανάτιος ist Hapax legomenon im NT. Zum bezeugten Versteil: θέατρον steht 3 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ Die Form ἐγενήθημεν steht 7 Mal im NT (Röm 9,29; 1Kor 4,9. 13; 1Thess 1,5; 2,5. 7. 10), vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ Die Form τῷ κόσμῳ ist 28 Mal im NT belegt, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Anfang des Verses nicht bezeugt ist, spricht sowohl der narrative Zusammenhang wie auch die Lexik dafür, dass bis auf die Eröffnung auch dieser erste Teilvers vorkanonisch vorhanden war. Ansonsten folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. (4,10) μωρός, das 14 / 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,25. 27; 3,18. ♦ Die zwei Mal stehende Kombination ὑμεῖς δέ begegnet 37 Mal im NT und findet sich nur auf der kanonischen Ebene, vgl. hierzu zuvor zu 1Kor 3,23. ♦ φρόνιμος, ein Begriff, der 15 / 14 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6, ein Zeichen dafür, dass die kanonische Redaktion hier auf die Stelle *1Kor 1,25 zurückgriff. ♦ ἰσχυρός, das 27 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,21; *1Kor 1,27. Auch dieser Begriff verweist zurück auf denselben Zusammenhang, hier *1Kor 1,27. ♦ ἔνδοξος steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀτιμόω steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene (Mk 12,4). 278 Rekonstruktion <?page no="279"?> Zur Abwesenheit: Zur fehlenden Bezeugung des Verses kommen lexikalische Auffälligkeiten, es begegnen Termini (φρόνιμος; ἀτιμόω) und die Kombination (ὑμεῖς δέ), die ausschließlich vorkanonisch bezeugt sind. Nimmt man noch die Beobachtungen in C. hinzu, wird der Vers der kanonischen Redaktion zuzuschreiben sein, und er wird im vorkanonischen Text gefehlt haben. (4,11) ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ Die Kombination ἄχρι τῆς steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *2Kor 3,14, kanonisch stehend in Apg 2,29; 26,22; 1Kor 4,11; Gal 4,2. ♦ ἄρτι, das 40 / 36 Mal im NT steht, ist ein Begriff der kanonischen Redaktion ist. ♦ ὥρα steht 116 / 196 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,5. ♦ Die Form ὥρας begegnet 20 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (5 Mal in Mt; 4 Mal in Mk; Lk 22,59; 23,44; 2 Mal in Joh; 2 Mal in Apg; 1Kor 4,11; 1Thess 2,17; Apk 3,10). ♦ πεινάω steht 24 / 23 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,21. 25. ♦ διψάω steht 18 / 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ γυμνιτεύω/ γυμνητεύω ist im NT ein Hapax legomenon. ♦ κολαφίζω, steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,7. ♦ ἀστατέω ist Hapax legmonenon im NT. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers häufen sich die Hapax legomena, es begegnen auch Begriffe (ἄρτι; διψάω) und eine Form (ὥρας), die der ka‐ nonischen Redaktion angehören. Der Vers wird folglich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (4,12) κοπιάω, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, begegnet zwar auf der vorkanonischen Ebene (vielleicht *Ev 13,14; dann *Gal 6,10), ist jedoch ein zentraler Begriff der kanonischen Fassung. ♦ Die Form ἐργαζόμενοι findet sich 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 7,23; 1Kor 4,12; 9,13; 1Thess 2,9; 2Thess 3,8. 12). ♦ ἴδιος steht 123 / 114 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ Der Ausdruck ταῖς ἰδίαις χερσίν begegnet noch 2 weitere Male im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Eph 4,28; 1Thess 4,11). ♦ λοιδορέω, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur noch Joh 9,28; Apg 23,4 und 1Petr 2,23, gehört also zum Sprachschatz der kanonischen Ebene. ♦ ἀνέχω, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41. ♦ εὐλογέω, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,16 und *Röm 12,14, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion darstellt. ♦ διώκω steht 47 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ Die Form διωκόμενοι steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in 2Kor 4,9, könnte aber dort vorkanonisch gestanden sein. ♦ ἀνέχω steht 17 / 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41. 2 (1Kor) 279 <?page no="280"?> Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers begegnen Termini (κοπιάω; λοιδορέω), ein Ausdruck (ταῖς ἰδίαις χερσίν) und eine Form (ἐργαζόμενοι), die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen. Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (4,13) βλασφημέω steht 37 / 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,24. ♦ δυσφημέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ παρακαλέω steht 115 / 109 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form παρακαλοῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,13; 2Kor 6,1; 1Thess 4,1. 10; 5,14; 2Thess 3,12). ♦ περικάθαρμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form ἐγενήθημεν steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,9. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur ein Mal für einen Brief bezeugt, den die Forschung Paulus zuschreibt (*Röm 12,18), dann auffallenderweise gleich drei Mal in *Deuteropaulinen (*Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17). ♦ περίψημα ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ἕως ἄρτι findet sich 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 11,12; Joh 2,10; 5,17; 16,24; 1Kor 4,13; 8,7; 15,6; 1Joh 2,9). Zur Abwesenheit: Zur fehlenden Bezeugung dieses Verses kommt die Form παρακαλοῦμεν und die Kombination ἕως ἄρτι, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind, wodurch der Vers wohl zur kanonischen Redaktion gehört und in der vorkanonischen Version gefehlt hat. 4,14-15 [16-21]: Gruss an diejenigen, die von Paulus stammen Diese Passage beginnt mit zwei rudimentären Versen, die vorkanonisch noch zu den vorangegangenen Überlegungen gehört haben, doch durch die Wei‐ terungen der kanonischen Redaktion in die biographisierten Überlegungen hineingenommen wurden. Daran schließen sich die kanonischen Gedanken an, in denen die „In-Christus“-Terminologie zur Selbstautorisierung des Paulus herangezogen wird. 14 ὑμῖν ταῦτα γράφω, ὡς τέκνα μου ἀγαπητά· 14 Οὐκ ἐντρέπων ὑμᾶς γράφω ταῦτα, ἀλλ’ ὡς τέκνα μου ἀγαπητὰ νουθετῶν· 15 - ἐν εὐαγγελίῳ ὑμᾶς ἐγέννησα. 15 ἐὰν γὰρ μυρίους παιδαγωγοὺς ἔχητε ἐν Χριστῷ, ἀλλ’ οὐ πολλοὺς πατέρας, ἐν γὰρ Χριστῷ Ἰησοῦ διὰ τοῦ εὐαγγελίου ἐγὼ ὑμᾶς ἐγέννησα. - 16 παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς, μιμηταί μου γίνεσθε. 17 διὰ τοῦτο ἔπεμψα ὑμῖν Τιμόθεον, ὅς ἐστίν μου τέκνον ἀγαπητὸν 280 Rekonstruktion <?page no="281"?> καὶ πιστὸν ἐν κυρίῳ, ὃς ὑμᾶς ἀναμνήσει τὰς ὁδούς μου τὰς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, καθὼς πανταχοῦ ἐν πάσῃ ἐκκλησίᾳ διδάσκω. 18 ὡς μὴ ἐρχομένου δέ μου πρὸς ὑμᾶς ἐφυσιώθησάν τινες· 19 ἐλεύσομαι δὲ ταχέως πρὸς ὑμᾶς, ἐὰν ὁ κύριος θελήσῃ, καὶ γνώσομαι οὐ τὸν λόγον τῶν πεφυσιωμένων ἀλλὰ τὴν δύναμιν, 20 οὐ γὰρ ἐν λόγῳ ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ ἀλλ’ ἐν δυνάμει. 21 τί θέλετε; ἐν ῥάβδῳ ἔλθω πρὸς ὑμᾶς, ἢ ἐν ἀγάπῃ πνεύματί τε πραΰτητος; A. *4,14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,2: Verebatur nimirum tantae constantiae vir, ne dicam spiritus sanctus, praesertim ad filios scribens … ♦ *4,15: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,2: Verebatur nimirum tantae constantiae vir, ne dicam spiritus sanctus, praesertim ad filios scribens, quos in evangelio generaverat, libere deum mundi nominare, adversus quem nisi exserte non posset videri praedicare. B. (4,14) Anstelle von νουθετῇ in P 46 * steht νουθετῶ in P 46c , 03, 06, 010, 012, 025, 044, 81, 1241, 1505, 1506, 1881, 2464, l 846, M, latt, νουθετῶν in P 11vid , 01, 02, 04, 025, 6, 33, 104, 365, 630, 945, 1175, 1739, l 249. ♦ (4,15) 03, 1506 und Cl pt om Ἰησοῦ. C. 1. (4,14) Auch wenn nur ein kleiner Auszug aus Vers 14 bezeugt ist, den keiner der bisherigen Editoren bemerkt hatte, bietet dieser doch einen wichtigen Hinweis für die Rekonstruktion. 2. (4,15) Hilgenfeld meint, Tertullian lese anstelle von ἐν γὰρ Χριστῷ Ἰησοῦ διὰ τοῦ εὐαγγελίου ἐγὼ ὑμᾶς ἐγέννησα ein ἐν γὰρ τῷ εὐαγγελίῳ κτλ. Diesen Vorschlag nimmt Zahn auf und sieht ἐν γὰρ τῷ εὐαγγελίῳ ἐγὼ ὑμᾶς ἐγέννησα bezeugt. Harnack rekonstruiert: ἐν εὐαγγελίῳ ἐγὼ ὑμᾶς ἐγέννησα, Schmid formuliert διὰ τοῦ εὐαγγελίου ἐγὼ ὑμᾶς ἐγέννησα, was BeDuhns Übersetzung zugrunde liegt. Da der kanonische Text das ἐν bietet, und in einigen Zeugen Ἰησοῦ fehlt, scheint Harnack hier richtig zu liegen mit seiner Rekonstruktion. Der Vers 15a ist nicht nur unbezeugt, sondern greift das Thema aus der kanonischen Version Gal 3,24-25 auf, gehört also wie diese Passage zur selben kanonischen Ebene. 3. (4,16-21) Diese Verse sind unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer Anwe‐ senheit rechnet, ohne den Wortlaut näher bestimmen zu können. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen sie als unbezeugt, auch wenn BeDuhn aufgrund des markionitischen Prologs mit der Erwähnung des Timotheus in Vers 17 rechnet. Allerdings bemerkt er, dass bereits Harnack das „per Timotheum“ als 2 (1Kor) 281 <?page no="282"?> 80 Vgl. A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 128*. 81 N.A. Dahl, The Origin of the Earliest Prologues to the Pauline Letters (1978), 259. 82 Vgl. hierzu J.P. Mathur and M. Vinzent, Pre-canonical Paul. His Views Towards Sexual Immorality (2018). 83 Vgl. auch die Ausführungen zur Duplikation in der Einleitung, I, S. 563-568. 84 Auf diese Verbindung hat hingewiesen G.A. van den Bergh van Eysinga, Radical Views about the New Testament (1912), 71-72. 85 J. Weiss, Der erste Korintherbrief (1910), xli. späteren Zusatz gesehen hat, was gut begründet ist, da die verschiedenen Handschriftenzeugen mit unterschiedlichen Versionen und Weiterungen an dieser Stelle aufwarten und auch in weiteren Prologen solche Erweiterungen wie „per Timotheum“ in verschiedenen Handschriften vorgenommen werden. 80 Hinzu kommt das Schwanken in den Handschriften zwischen dem Singular ab apostolo und dem Plural ab apostolis. Unter Annahme des Plurals erwägt Dahl den nichtmarkionitischen Charakter der Evangelienprologe, weil Paulus da‐ durch keine Alleinstellung besäße. 81 Doch ist handschriftlich auch der Singular zwei Mal in alten Zeugen belegt, so dass Dahls Grundlage nicht zwingend ist, ja es viel wahrscheinlicher ist, dass der Plural eine Harmonisierung im Rahmen der kanonischen Rezension darstellt, die Sosthenes als Mitautor dem Paulus zur Seite gestellt hat und Timotheus in 1Kor 4,17 als Bote einführte. Letzteres geschah vermutlich, um die nachfolgende Kritik an Unmoral, insbesondere an Homosexualität, in 1Kor 6,9-10 mit der parallelen Stelle in 1Tim 1,9-10 zu verbinden. 82 Dass über Timotheus gesagt wird ὅς ἐστίν μου τέκνον ἀγαπητὸν καὶ πιστὸν ἐν κυρίῳ, ὃς ὑμᾶς ἀναμνήσει τὰς ὁδούς μου τὰς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, καθὼς πανταχοῦ ἐν πάσῃ ἐκκλησίᾳ διδάσκω greift *1Kor 4,14 auf, führt das dort Gesagte weiter und spitzt es auf Timotheus zu, so dass Timotheus eine Vorstellung, Einführung und Beglaubigung durch Paulus erfährt, womit die Pastoralbriefe ihre Bestätigung erfahren. Timotheus - und mit ihm die Pastoralbriefe - sind eben „geliebt“ und auch „glaubwürdig“. Der Einführung des Timotheus scheinen auch die Verse 18-19 zu dienen, wobei das zweimalige φυσιοῦν auffällt, ein Begriff der kanonischen Redaktion und dessen Duplikation ein weiteres kanonisches Zeichen darstellt. 83 Die gesamte Passage atmet eher die Sprache der kanonischen Rezension, beginnend mit der emphatischen Anrede παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς wie danach mit dem Ausdruck μιμηταί μου γίνεσθε. Gerade diese Wendung korrespondiert mit einem anderen kanonischen Vers, Gal 4,12 (Γίνεσθε ὡς ἐγώ, ὅτι κἀγὼ ὡς ὑμεῖς, ἀδελφοί, δέομαι ὑμῶν), ein Zeichen für die briefübergreifende kanonische Kohärenz. 84 4. (4,17) Schon früher wurde der Vers 1Kor 4,17 als Interpolation angesehen. 85 282 Rekonstruktion <?page no="283"?> 86 L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 213. 87 R.W. Funk, The Apostolic Parousia: Form and Significanced (1967). 88 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 25. 5. Diesen Überlegungen und den unten aufgeführten Bemerkungen zur Lexik und Semantik zufolge wurden die Verse 16-21 erst durch die kanonische Redaktion zum vorkanonischen Text hinzugefügt. Überhaupt wurde bereits früher die Sonderstellung der Passage bemerkt, wonach 1Kor 4,14-21 als Träger aller formaler Eigentümlichkeiten eines Briefschlusses paulinischer Briefe emp‐ funden wurde. 86 Aus der Perspektive der Priorität der *10-Briefe-Sammlung wird man urteilen, dass der „Briefschlusscharakter“ eine unbeabsichtigte Folge der kanonischen Erweiterung ist, die den vorkanonischen Zusammenhang zwischen *1Kor 4,14-15 und 5,1 unterbrechen wollte. Verglichen hat man diese Stelle mit 1Thess 2,17-3,13, die als „apostolische Parusie“ bezeichnet wurde. 87 Für fiktiv hält Couchoud (Delafosse) die Einfüh‐ rung und die Mission des Timotheus, zum einen wisse Paulus nach 1Kor 16,10 noch gar nicht, ob Timotheus nach Korinth komme, er selbst wolle ja den Winter dort verbringen (1Kor 16,6-7), und brauche darum keinen Überbringer seiner Botschaft. 88 D. (4,14) Zu dem teilweise bezeugten Versteil: ἐντρέπω, das 9 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, wobei das verwandte Substantiv ἐντροπή vorkanonisch für *1Kor 15,34 bezeugt ist. ♦ γράφω steht 213 / 191 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev; *1Kor 1,19. 31; 3,19; 4,14; 9,10; 10,7. 11; 14,21; 15,54. ♦ Die Kombinationen ὑμᾶς γράφω und γράφω ταῦτα sind Hapax legomena im NT. ♦ Zu ταῦτα vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal in Mt; Joh 7,10; Röm 9,32; 1Kor 3,1; 4,14; 2Kor 2,17; 7,14; 11,17; Gal 3,16; 4,14; Eph 5,15. 24; 6,6; 1Petr 2,16; 1Joh 2,27). ♦ τέκνον steht 103 / 99 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev; *Gal 4,31; *1Kor 4,14; *Laod 2,3; 6,1. Zu dem nicht mehr bezeugten Versteil: ἀγαπητός steht 64 / 61 Mal im NT, vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev; *1Kor 1,28. ♦ νουθετέω steht 9 / 8 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene belegt (Apg 20,31; Röm 15,14; 1Kor 4,14; 1Thess 5,12. 14; 2Thess 3,15; Kol 1,28; 3,16). Zur Rekonstruktion: Während die Verseröffnung unbezeugt ist und auch lexi‐ kalisch auf die kanonische Ebene weist, bietet die Bezeugung von „Schreiben“ und „Kinder“, die auch lexikalisch für die vorkanonische Ebene weiter bezeugt 2 (1Kor) 283 <?page no="284"?> 89 Vgl. S.-247, 280, 284, 710, 714, 722; I, S.-563, 640, 678. ist, genügend Fundament, diesen Passus für die vorkanonische Version voraus‐ zusetzen. Auch das vorkanonisch bezeugte ἀγαπητά wird noch gestanden sein. Hingegen scheint das νουθετῶν auf derselben kanonischen Ebene zu stehen wie die Verseröffnung. (4,15) Zum unbezeugten Versteil: Die unscheinbare Kombination ἐὰν γάρ steht 10 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2 Mal Mt; 1Kor 4,15; 8,10; 9,16; 14,14; 2Kor 12,6; Jak 2,2; im Vers: 2 Mal Joh), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μυρίος, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,19 (wie hier im Plural). ♦ παιδαγωγός, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἔχητε ἐν steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,35; 16,33; 20,31; 1Kor 4,15). ♦ Die Formel ἐν Χριστῷ wird vorkanonisch nur „encheiristisch“ gebraucht, während ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ nur kanonisch steht (vgl. zuvor zu 1Kor 1,4), wobei an dieser Stelle eine instrumentale Verwendung der Selbstautorisierung des Paulus vorliegt, ein semantisches Merkmal der kanonischen Redaktion. 89 ♦ πατέρες, das im Plural 20 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26; 11,47; *1Kor 10,1; *Laod 6,4. Zum bezeugten Versteil: Der Dativ εὐαγγελίῳ steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ εὐαγγελίου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,15; Eph 3,6; 2Thess 2,14; 2Tim 1,10). ♦ Die emphatische Kombination ἐγὼ ὑμᾶς findet sich nur noch ein Mal im NT ( Joh 6,70). ♦ γεννάω, das 98 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23. 24; *1Kor 4,15. ♦ Die Form ἐγέννησα steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Phlm 1,10 (eine Stelle, die zwar unbezeugt ist, jedoch vermutlich vorkanonisch vorhanden war, vgl. zur Stelle). Zur Rekonstruktion: Auch für diesen Vers, der in seinem ersten Teil unbezeugt ist, hilft der Vergleich von Lexik und Semantik. Wie die ausschließlich kanonisch bezeugten Kombinationen (ἐὰν γάρ; ἔχητε ἐν; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ), der Terminus παιδαγωγός und die Semantik (ἐν Χριστῷ) für den unbezeugten Teil stützen, wird dieser in der vorkanonischen Version gefehlt haben, während der bezeugte Teil, wie in Tertullian gibt, vorkanonisch präsent war. (4,16) παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Wendung παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 12,1; 1Kor 4,16; Eph 4,1), auch Varianten derselben stehen nur auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,10; 16,15; 2Kor 2,8; 10,1; Eph 4,1; Röm 12,1; 1Thess 2,12; 3,2; 4,1. 10; 2Thess 3,12; Phlm 9-10; 1Tim 2,1; Hebr 13,19. 22; Jud 3). ♦ μιμητής steht 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich für die 284 Rekonstruktion <?page no="285"?> kanonische Ebene bezeugt (1Kor 4,16; 11,1; Eph 5,1; 1Thess 1,6; 2,14; Hebr 6,12; 1Petr 3,13). ♦ Auch das zugehörige Verb μιμέομαι, das 11 / 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,16; 11,1; Eph 5,1; 1Thess 1,6; 2,14; 2Thess 3,7. 9; Hebr 6,12; 13,7; 1Petr 3,13; 3Joh 1,11). ♦ Der Imperativ γίνεσθε steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbindung μιμηταί μου γίνεσθε kehrt wörtlich wieder auf der kanonischen Ebene in 1Kor 11,1 und erinnert an Phil 3,17: Συμμιμηταί μου γίνεσθε; Gal 4,12: Γίνεσθε ὡς ἐγώ. Außerdem vergleiche man Eph 5,1 mit der Passage hier: Γίνεσθε οὖν μιμηταὶ τοῦ θεοῦ ὡς τέκνα ἀγαπητὰ. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte kurze Vers eröffnet mit einer nur auf der kanonischen Ebene belegten Formulierung (παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς), weist die ausschließlich auf dieser Ebene stehenden Termini μιμητής und γίνεσθε auf und schließt mit einer Kombination, die nur kanonisch zu finden ist: μιμηταί μου γίνεσθε. Der Vers ist erkennbar ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (4,17) διὰ τοῦτο steht 64 Mal im NT, davon 38 Mal als Verseröffnung und zwar in Mt (7 x); Mk (1 x); Lk 11,49; Joh (6 x); Apg (1 x); Röm 1,26; 4,16; 5,12; 13,6; 1Kor 4,17; 11,10. 30; 2Kor 4,1; 7,13; 13,10; Eph 1,15; 5,17; 6,13; Kol 1,9; 1Thess 3,5. 7; 2Tim 2,10; Hebr 2,1; 3Joh (1 x); Apk (3 x), während es vorkanonisch nur im Vers für *2Thess 2,11 bezeugt ist. ♦ τοῦτο allein, das 313 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32. ♦ πέμπω findet sich 86 / 79 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,3, aber erkennbar ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐστίν μου steht 4 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Mt 10,37. 38; Lk 10,29, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 1Kor 4,17). ♦ πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ ἀνάμνησις steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 22,19; 1Kor 4,17; 11,24. 25; Hebr 10,3). ♦ ἀναμιμνήσκω findet sich ebenfalls lediglich auf dieser Ebene in Mk 11,21; 14,72; 2Kor 7,15; 2Tim 1,6; Hebr 10,32. ♦ ὁδός steht 107 / 101 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 11,33. ♦ Der Ausdruck τὰς ὁδούς μου begegnet nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Hebr 3,10. ♦ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ wurde bereits zum voranstehenden Vers 1,4 als kanonischer Ausdruck vermerkt. ♦ πανταχοῦ steht 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für das *Deuteropaulinum *2Thess 2 (1Kor) 285 <?page no="286"?> 2,9. ♦ διδάσκω, das 102 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut bezeugt, aber ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers fällt die Nähe zum *Deutero‐ paulinum *2Thess auf, insbesondere zur Stelle *2Thess 2,9-11. Es begegnen ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugte Begriffe (Τιμόθεος; ἐν κυρίῳ; ἀνάμνησις; πανταχοῦ), Kombinationen (ἐστίν μου; τὰς ὁδούς μου; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ), die kanonisch-semantische Bedeutung von πιστός und weitere, ka‐ nonisch beliebte Begriffe, d. h. man wird diesen Vers mit Gewissheit der kanonischen Redaktion zuschreiben dürfen, und er wird vorkanonisch gefehlt haben. (4,18) Die Kombination ὡς μή steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,7. 18; 7,29. 30. 31; 2Kor 10,14). ♦ ἔρχομαι steht 709 / 636 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,4; *1Kor 15,35. ♦ Die Form ἐρχομένου begegnet nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Apg 5,15. ♦ Die Kombination μου πρός begegnet 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 26,12; Mk 9,17; Lk 1,43, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 8,24; Röm 10,21; 15,30; 1Kor 4,18: μου πρὸς ὑμᾶς; 2Kor 12,21: μου πρὸς ὑμᾶς; Eph 3,14). ♦ φυσιόω, das 7 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.), das 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7; *Phil 1,15. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers fallen wieder ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugte Kombinationen (ὡς μή; μου πρὸς bzw. μου πρὸς ὑμᾶς), die Form ἐρχομένου und der Terminus φυσιόω auf. Der Vers wird folglich von der kanonischen Redaktion geschaffen sein und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (4,19) Zu ἔρχομαι vgl. zum voranstehenden Vers 4,18. ♦ Die Form ἐλεύσομαι steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 9,9; 15,29, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 4,19; 16,05; 2Kor 12,1; Phil 2,24). ♦ ταχέως, das 10 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,21 und *Gal 1,6. ♦ Das verwandte ταχύς, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur in der hier vorliegenden Form ταχέως bezeugt für *Ev 14,21. *Gal 1,6. ♦ Der Ausdruck ἐὰν ὁ κύριος θελήσῃ begegnet wörtlich wieder in Jak 4,15 und erinnert an Apg 18,21 (τοῦ θεοῦ θέλοντος). ♦ Die Form γνώσομαι steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, in Lk 1,18, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 24,22; 1Kor 4,19 und in manchen Zeugen in 1Kor 13,12. ♦ Zu φυσιόω als ausschließlich kanonischer Begriff vgl. zum voranstehenden Vers 4,19. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers finden sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnende Formen (ἐλεύσομαι; γνώσομαι), die 286 Rekonstruktion <?page no="287"?> Wendung ἐὰν ὁ κύριος θελήσῃ und der Begriff φυσιόω, auch dieser Vers wird demnach von der kanonischen Redaktion formuliert sein und vorkanonisch gefehlt haben. (4,20) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,34; und als Verseröffnung: *2Kor 4,5; *Röm 1,16; 2,13. ♦ Die Kombination ἐν λόγῳ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 22,15; 1Kor 4,20; 2Kor 6,7; Kol 3,17; 1Thess 1,5; 2,5: οὔτε γάρ ποτε ἐν λόγῳ; 4,15; 1Tim 4,12; 5,17; Jak 3,2). ♦ Die Wendung ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ begegnet 21 Mal im NT, bei Paulus nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene, Röm 14,17: οὐ γάρ ἐστιν ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,24 (? ); 10,11; 11,20; 16,16; 17,20. 21; 21,31, wenn sie auch in *Ev 13,19. 29; 19,11; 22,16 fehlt. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ἐν begegnet 29 Mal im NT, davon 22 Mal im kanonischen Paulus, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, wie zu 1Kor 2,5 gezeigt, dort steht auch wörtlich die erweiterte Kombination ἀλλ’ ἐν δυνάμει. Zur Abwesenheit: Eindrücklich zeigt die Lexik bei diesem unbezeugten Vers seine Zugehörigkeit zur kanonischen Redaktion und erweist, dass er in der vorkanonischen Version gefehlt hat. (4,21) Die Kombination τί θέλετε steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 20,32; 26,15; Mk 10,36; 1Kor 4,21). ♦ Der Ausdruck ἐν ῥάβδῳ steht ebenfalls 4 Mal im NT, wieder ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,21; Apk 2,27; 12,05; 19,15). ♦ Die Kombination ἔλθω πρὸς ὑμᾶς begegnet noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Kor 14,6). ♦ Die Kombination ἢ ἐν begegnet 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, wobei von besonderem Interesse die verschiedene Bezeugung für das *Deuteropaulinum *Kol 2,16 ist, vgl. zu diesem Vers dort. ♦ πραΰτης, das 22 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. Zur Abwesenheit: Ähnlich wie bei dem voranstehenden Vers entspricht die Lexik der fehlenden Bezeugung des Verses und verdeutlicht, dass er zur kano‐ nischen Redaktion gehört und in der vorkanonischen Version gefehlt hat. Kapitel 5 5,1-3 [4] 5 [6] 7-8 [9-10] 11 [12-13]: Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid! In diesem Kapitel, das in der vorkanonischen Version auf die Antithese zwischen alt und neu zentriert ist, verändert die kanonische Redaktion den Schwerpunkt. Aus dem anfänglichen etwas vagen Beispiel aus dem heidnischen Umfeld und 2 (1Kor) 287 <?page no="288"?> dem Hinweis auf die offenkundige Praxis, dass man mit der Frau des Vaters kohabitieren konnte, gestaltet die kanonische Redaktion die Einleitung zu einer ausführlichen Digression zur Blutschande, der Aufgabe der Gemeinde, für Reinheit und Heiligkeit zu sorgen, was im nachfolgenden Kapitel zu der kanonischen Frage führt: „9 … Wisst ihr nicht, dass Ungerechte Gottes Reich nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzenverehrer noch Ehebrecher noch Lustmolche noch Homosexuelle 10 noch Diebe noch Habgierige, keine Trinksüchtige, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben.“ (1Kor 6,9-10) 5,1 Ὅλως ἐν τοῖς ἔθνεσιν ὀνομάζεται, ὥστε γυναῖκά τοῦ πατρὸς ἔχειν· 5,1 Ὅλως ἀκούεται ἐν ὑμῖν πορνεία, καὶ τοιαύτη πορνεία ἥτις οὐδὲ ἐν τοῖς ἔθνεσιν, ὥστε γυναῖκά τινα τοῦ πατρὸς ἔχειν. 2 καὶ ἐξαρθῇ ἐκ μέσου αὐτῶν ὁ τὸ ἔργον τοῦτο ποιήσας. 2 καὶ ὑμεῖς πεφυσιωμένοι ἐστέ, καὶ οὐχὶ μᾶλλον ἐπενθήσατε, ἵνα ἀρθῇ ἐκ μέσου ὑμῶν ὁ τὸ ἔργον τοῦτο πράξας; 3 Κέκρικα 3 ἐγὼ μὲν γάρ, ἀπὼν τῷ σώματι παρὼν δὲ τῷ πνεύματι, ἤδη κέκρικα ὡς παρὼν τὸν οὕτως τοῦτο κατεργασάμενον 4 ἐν τῷ ὀνόματι τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ, συναχθέντων ὑμῶν καὶ τοῦ ἐμοῦ πνεύματος σὺν τῇ δυνάμει τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ, 5 παραδοῦναι τὸν τοιοῦτον τῷ Σατανᾷ εἰς ὄλεθρον τῆς σαρκός, ἵνα τὸ πνεῦμα σωθῇ ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου. 5 παραδοῦναι τὸν τοιοῦτον τῷ Σατανᾷ εἰς ὄλεθρον τῆς σαρκός, ἵνα τὸ πνεῦμα σωθῇ ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου Ἰησοῦ. - 6 Οὐ καλὸν τὸ καύχημα ὑμῶν. οὐκ οἴδατε ὅτι μικρὰ ζύμη ὅλον τὸ φύραμα ζυμοῖ; 7 ἐκκαθάρατε τὴν παλαιὰν ζύμην, ἵνα ἦτε νέον φύραμα, καθώς ἐστε ἄζυμοι. καὶ γὰρ τὸ πάσχα ἡμῶν ἐτύθη Χριστός, 7 ἐκκαθάρατε οὖν τὴν παλαιὰν ζύμην, ἵνα ἦτε νέον φύραμα, καθώς ἐστε ἄζυμοι. καὶ γὰρ τὸ πάσχα ἡμῶν ὑπὲρ ἡμῶν ἐτύθη Χριστός· 8 ὥστε ἑορτάζωμεν μὴ ἐν ζύμῃ παλαιᾷ, μηδὲ ἐν πορνείας, ἀλλ’ ἐν ἀζύμοις εἰλικρινείας καὶ ἀληθείας 8 ὥστε ἑορτάζωμεν, μὴ ἐν ζύμῃ παλαιᾷ μηδὲ ἐν ζύμῃ κακίας καὶ πονηρίας, ἀλλ’ ἐν ἀζύμοις εἰλικρινείας καὶ ἀληθείας. - 9 Ἔγραψα ὑμῖν ἐν τῇ ἐπιστολῇ μὴ συναναμίγνυσθαι πόρνοις, - 10 οὐ πάντως τοῖς πόρνοις τοῦ κόσμου τούτου ἢ τοῖς πλεονέκταις καὶ ἅρπαξιν ἢ εἰδωλολάτραις, ἐπεὶ ὠφείλετε ἄρα ἐκ τοῦ κόσμου ἐξελθεῖν. 288 Rekonstruktion <?page no="289"?> 90 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 166. 11 συνεσθίειν. 11 νῦν δὲ ἔγραψα ὑμῖν μὴ συναναμίγνυσθαι ἐάν τις ἀδελφὸς ὀνομαζόμενος ᾖ πόρνος ἢ πλεονέκτης ἢ εἰδωλολάτρης ἢ λοίδορος ἢ μέθυσος ἢ ἅρπαξ, τῷ τοιούτῳ μηδὲ συνεσθίειν. - 12 τί γάρ μοι τοὺς ἔξω κρίνειν; οὐχὶ τοὺς ἔσω ὑμεῖς κρίνετε; 13 τοὺς δὲ ἔξω ὁ θεὸς κρινεῖ. ἐξάρατε τὸν πονηρὸν ἐξ ὑμῶν αὐτῶν. A. *5,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,2: Non defendo secundum legem creatoris displicuisse illum qui mulierem patris sui habuit. Communis et publicae religionis secutus sit disciplinam. ♦ *5,2-3: Tert., Adv. Marc. V 7,2: auferri iubens malum de medio. ♦ *5,5: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,2: Sed cum eum damnat dedendum satanae, damnatoris dei praeco est. Viderit et quomodo dixerit. In interitum carnis ut spiritus salvus sit in die domini, dum et de carnis interitu et de salute spiritus iudicarit, et auferri iubens malum de medio creatoris frequentissimam sententiam commemoraverit. Vgl. Adam., Dial. II 8 (im Mund des Markioniten): παρέδωκα τὸν τοιοῦτον εἰς ὄλεθρον τῆς σαρκός, ἵνα τὸ πνεῦμα σωθῇ (Rufin: Tradidi eiusmodi hominem satanae in interitum carnis, ut spiritus saluus fiat). Ibid. II 21 (im Mund des Adamantius): παρέδωκα τὸν τοιοῦτον τῷ σατανᾷ εἰς ὄλεθρον (Rufin: Tradidi eiusmodi hominem satanae in interitum). Vgl. *Gal 5,9. ♦ *5,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,3: Expurgate vetus fermentum, ut sitis nova conspersio, sicut estis azymi. Ergo azymi figurae erant nostrae apud creatorem. Sic et pascha nostrum immolatus est Christus. Epiph., Pan. 42, sch. 13 (121. 161 H.): καὶ γὰρ τὸ πάσχα ἡμῶν ἐτύθη Χριστός. Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): πάσχα ἡμῶν ἐτύθη Χριστός (Rufin: Etenim pascha nostrum immolatus est, Christus). Vgl. auch Ex 8,25 LXX (… τὸν λαὸν θῦσαι κυρίῳ). ♦ *5,8-11: Die Verse 8-11 sind nur in Auszügen belegt, vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,4: Avertens autem nos a fornicatione manifestat carnis resurrectionem. Corpus, inquit, non fornicationi sed domino, et dominus corpori, ut templum deo et deus templo. Vgl. ibid. IV 9,3: communicationem prohibebat hominis delictis commaculati, cum qualibus et apostolus cibum quoque vetat sumere; participari enim stigmata delictorum, quasi ex contagione, si qui se cum peccatore miscuerit. B. (5,1) Post ἔθνεσιν add ὀνομάζεται vg pauc , Cass, M, syr, Bas, Chrys, Thdt. Zuntz hält dies für eine eingedrungene Glosse. 90 ♦ (5,2) anstelle von ἀρθῇ liest man 2 (1Kor) 289 <?page no="290"?> 91 Vgl. Ibid. 130-131. 92 Inkorrekterweise vermerkt Zuntz die Bezeugung umgekehrt, ibid. 133. ἐξαρθῇ in 020, 044, 1241, 1505, M, Tert, Did. ♦ Anstelle von πράξας liest man ποιήσας in P 46.68 , 03, 06, 010, 012, 020, 025, 044, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, Orig, während πράξας zu lesen ist in P 11vid 01, 02, 04, 33, 81, 104, 326, 1175, 2464, Epiph, Bas, Did. 91 ♦ Das schlichte κυρίου begegnet in P 46 , 03, 630, 1739, Tert., Epiph. Ἰησοῦ ist bezeugt durch P 61vid , 01, 020, 44, 81, 1175, 1505, 2464, M, vg st , Ἰησοῦ Χριστοῦ haben 06, b, Ambst; ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ haben 02, 010, 012, 025, 33, 104, 365, 1241, 1881, ar, vg cl , sy p-h **, co, Lcf. ♦ Anstelle von ζυμοῖ steht in 06* δολοῖ (corrumpit Ir lat ). ♦ (5,6) Anstelle von ζυμοῖ schreibt 06* δολοῖ. ♦ (5,7) Post ἐκκαθάρατε add οὖν P 11vid , 01 2 , 04, 020, 025, 044, 048, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M, ar, vg mss , sy h , Pel, und die altlateinische Tradition in 61, 262. 92 ♦ Gegen NA 28 ist das ὑπὲρ ἡμῶν nach 01 2 , 04 3 , 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1175 c , 1241, 1505, 1881, 2464, M, sy, sa, bo ms in den Text aufzunehmen, während das Fehlen für die vorkanonische Fassung bezeugt wird durch P 11vid.46vid , 01*, 02, 03, 04*, 06, 010, 012, 33, 81, 1175*, 1739, latt bo, Cl, Or, Epiph. ♦ (5,8) Anstelle von πονηρίας lesen 010, 012 πορνείας. C. 1. (5,1-4) Die Rekonstruktion der ersten Verse von Kapitel 5 stellen eine besondere Herausforderung dar. Zum einen sind sich die bisherigen Editoren uneins, was insbesondere mit der unterschiedlichen Bewertung des Adamanti‐ uszeugnisses für die Verse 3-4 zusammenhängt, zum anderen wurden nicht alle Hinweise Tertullians bisher aufgenommen. Drittens scheint es, dass aus diesen Zeugnissen sich eine etwas andere Konstruktion des Textes nahelegt. 2. (5,1) Hilgenfeld sieht diesen Vers durch Tertullian berührt. Zahn und Harnack nehmen den kanonischen Text von Vers 1 an. Schmid rekonstruiert (τὴν) γυναῖκά (τινα) τοῦ πατρὸς ἔχειν. BeDuhn übersetzt diesen Text und nimmt in Klammern eine Eröffnung hinzu (… ἀκούεται ἐν ὑμῖν-…, ὥστε). Damit sieht BeDuhn richtig, denn der bezeugte Teil des Verses bedarf nicht nur einer Einleitung, sie wird auch durch Tertullian umschrieben: Communis (entspricht Ὅλως) et publicae religionis (entspricht mit disciplinam dem ἐν τοῖς ἔθνεσιν) secutus sit disciplinam. Nimmt man mit einigen Zeugen das ὀνομάζεται in den Text hinein, bietet sich eine etwas andere Konstruktion des Textes an. Diese Rekonstruktion wird ge‐ stützt durch den zweiten Satz Tertullians (Communis …), der erstaunlicherweise von keinem der Editoren bislang berücksichtigt wurde. Doch bezeugt er, wie ge‐ rade ausgeführt, Teile des griechischen Textes. Dann ist es aber wahrscheinlich, dass erst die kanonische Redaktion die allgemeine Aussage (ὅλως), die ja auch 290 Rekonstruktion <?page no="291"?> 93 A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020), 418. Tertullian erst noch mit dem Gesetz des Schöpfers zusammenbringen muss (non defendo secundum legem creatoris-…), auf die Zuhörer hin ausrichtete (ἀκούεται ἐν ὑμῖν) und sie auch noch auf die Unzucht hin las (πορνεία, καὶ τοιαύτη πορνεία ἥτις …), während die vorkanonische Version den näheren Umstand bzw. Inhalt nicht ausführt, sondern man lediglich an der Aufforderung in Vers 2 auf die Unmoralität des Verhältnisses schließen kann und muss. Folglich wird die kanonische Redaktion den ersten Vers überarbeitet zu haben. Auffällig ist nämlich das zweimalige πορνεία. Bereits zu *Gal 5,19 war bemerkt worden, dass, anders als in der kanonischen Fassung, dieser Begriff dort nicht begegnet. Damit aber stellt erst die kanonische Redaktion gleich zu Beginn dieses Abschnittes möglicherweise den Bezug zum Reskript des sogenannten Apostelkonzils von Apg 15,20 her, auf das etwa Bowden verweist. 93 3. (5,2-3) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, außer für Hilgen‐ feld, der ihn von Tertullian „berührt“ sieht. Zahn allerdings rechnet mit ihm in irgendeiner Weise, und BeDuhn nimmt ihn in seine Übersetzung in Klammern auf … ἀρθῇ ἐκ μέσου ὑμῶν ὁ τὸ ἔργον τοῦτο πράξας, ohne hierfür eine Begründung oder einen Beleg zu geben. Mit dieser Aufnahme liegt er richtig, da Tertullian tatsächlich diesen Passus gelesen hat (auferri iubens malum de medio), und mit dem iubens nimmt er auch das in Vers 3 stehende κέκρικα auf. 4. (5,3-4) Diese sind bei Tertullian bis auf κέκρικα (iubens) unbezeugt. Hilgen‐ feld sieht die Verse 3-5 von Adamantius „urkundlich aus dem marcionitischen Texte angeführt“. Schmid zeigt sie als solche an, obwohl schon Zahn, Harnack wie dann auch BeDuhn Adam., Dial. II 5 als Zeugnis für sie in Anspruch nehmen. Bei Adamantius wird in Dial. II 5 tatsächlich zuvor beim Zitat von *Röm 2,16 ausdrücklich auf das „Apostolikum“ verwiesen (ἔχω τὸ ἀποστολικόν σου καὶ ἀναγινώσκω λέγοντος …), dann aber wird die hier zur Diskussion stehende Passage erneut mit einer Einleitung von ihm versehen, die nun eine Reihe von Zeugnissen anführt, die jedoch, wie spätestens die nachfolgenden Stellen aus Mt 7,2 und Mt 10,33. 34 zeigen, aus der „Schrift“ des Adamantius und nicht mehr aus Markions *NT genommen sind. Das bedeutet aber, dass Adamantius’ neue Einleitung (ἄκουε τοῦ αὐτοῦ ἀποστόλου λέγοντος) nicht mehr Markions ἀποστολικόν anführt, sondern Adamantius’ Paulus. Adamantius ist folglich kein Zeuge für die Anwesenheit der Passage. 5. (5,5) Hilgenfeld sieht diesen Vers durch Tertullian „berührt“. Zahn meint, der Vers sei in der kanonischen Form vorhanden gewesen, allerdings ohne 2 (1Kor) 291 <?page no="292"?> 94 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 27. 95 Bereits als spätere Angleichung gesehen von C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. 96 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 27. 36. Ἰησοῦ. Harnack führt den obigen Text an, Schmid folgt ihm, passt den Text jedoch stärker an Tertullian an, indem er anstelle von τὸν τοιοῦτον einfach αὐτόν setzt. BeDuhn übersetzt den obigen Text mit Ausnahme des τῷ Σατανᾷ, das er aufgrund der Auslassung in Adam., Dial. II 8 (präsent allerdings in ibid. II 21) weglässt. Auch Couchoud (Delafosse) hält die Übergabe an Satan für eine katholische Redaktion. 94 6. (5,6) Dieser Vers ist unbezeugt, auch wenn Zahn den Vers in irgendeiner Form präsent sieht. Harnack, Schmid und BeDuhn zeigen ihn einfach als unbezeugt an. Für die Abwesenheit zumindest des ersten Teils spricht das Thema des καύχημα, das an die Verse der kanonischen Redaktion Gal 6,4. 13 erinnert. Entscheidend ist, dass der Vers im zweiten Teil bis auf ζυμοῖ anstelle von δολοῖ wörtlich übereinstimmt mit *Gal 5,9: μικρὰ ζύμη ὅλον τὸ φύραμα δολοῖ. Sowohl die Variante in 06* wie die wörtliche Übereinstimmung zeigt, 95 dass bereits früh in der Textüberlieferung eine Harmonisierung zwischen 1Kor und Gal stattgefunden hat, die vermutlich auf eine der beiden kanonischen Redaktionen zurückgeht. Dazu passt, dass die kanonische Redaktion als ein typisches Merkmal Duplikationen aufweist. Der Vers ist narrativ und argumen‐ tativ entbehrlich und mag lediglich dazu dienen, dem Leser der kanonischen Form des Ersten Korintherbriefs die Genuinität dieses Briefes zu verdeutlichen, der wenig später dasselbe wieder im Galaterbrief lesen wird. 7. (5,7) Hilgenfeld sieht diesen Vers durch Tertullian „berührt“, und er sei auch weder Adamantius noch Epiphanius entgangen. Zahn sieht den kanonischen Text als gegeben, Harnack, Schmid und BeDuhn folgen ihm darin, wobei BeDuhn am Ende noch mit Auslassungszeichen fehlenden Text andeutet. Cou‐ choud (Delafosse) hält Verse 7-8a für markionitisch. 96 8. (5,8-11) Hilgenfeld sieht hier nur Vers 9 durch Tertullian „berührt“, aller‐ dings scheint er „früher (IV,9) „berücksichtigt“ zu sein. Zahn sieht diese Verse als unbezeugt, wenn auch in irgendeiner Form präsent. Harnack, Schmid und BeDuhn vermerken sie als unbezeugt, wobei Harnack scharfsinnig beobachtet, dass Tert., Adv. Marc. IV 9,3 das μὴ συνεσθίειν voraussetzt. BeDuhn deutet mit Auslassungszeichen an, dass er unbezeugten, aber nicht näher bestimmbaren Text vermutet. 292 Rekonstruktion <?page no="293"?> 97 Ibid. 32-33. 98 Vgl. I.J. Elmer, The Pauline Letters as Community Documents (2015), 37. 99 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 28-33. Tertullian bezeugt jedoch mit avertens autem nos a fornicatione, dass er ἑορτάζωμεν, μὴ ἐν πορνείας … συνεσθίειν oder Vergleichbares gelesen hat. Er hätte wohl kaum das κακία übergangen, das zur kanonischen Redaktionsstufe gehört. Zu dieser Redaktion gehört auch die Veränderung von πορνείας zu πονηρίας, um Oberbegriffe einzuführen, die dann mit dem Nachfolgenden diese zu spezifizieren und das Geschehen zu detaillieren versuchen: … τοῖς πόρνοις τοῦ κόσμου τούτου ἢ τοῖς πλεονέκταις καὶ ἅρπαξιν ἢ εἰδωλολάτραις … τις ἀδελφὸς ὀνομαζόμενος ᾖ πόρνος ἢ πλεονέκτης ἢ εἰδωλολάτρης ἢ λοίδορος ἢ μέθυσος ἢ ἅρπαξ, τῷ τοιούτῳ μηδὲ συνεσθίειν. Zu dieser Reihe und der Parallele vgl. auf derselben kanonischen Redaktionsstufe Gal 6,10-11. Erneut würde es erstaunen, wenn der Moralist Tertullian diese reiche Palette stillschweigend übergangen hätte, wäre sie ihm im vorkanonischen Text vorgelegen. Couchoud (Delafosse) hält die Passage 1Kor 5,9-13 für ein späteres redaktio‐ nelles Element aus dem zweiten Jahrhundert, wobei sich der Hinweis auf den früheren Brief von Vers 9 auf 1Kor 5,1-7 beziehe. 97 9. (5,9) Der Hinweis darauf, dass Paulus schon über das Thema geschrieben habe, wurde bisweilen als Zeuge für einen vorangegangenen, aber verlorenen Brief an die Korinther gewertet. 98 10. (5,12-13) Diese Verse sind erneut unbezeugt, wie auch Schmid notiert. Zahn, Harnack und ihnen folgend BeDuhn verweisen für Vers 13 (ἐξάρατε τὸν πονηρὸν ἐξ ὑμῶν αὐτῶν) auf Tert., Adv. Marc. V 7,2 (auferri iubens malum de medio), doch zeigt die Platzierung bei Tertullian, dass dies der falsche Direktbezug ist. Tertullians Grundlage ist vielmehr, wie oben angegeben *1Kor 5,2. Tertullians auferri … steht nämlich in unmittelbarem Zusammenhang mit cum eum damnat dedendum satanae, dem Bezug zu *1Kor 5,5, und wird gefolgt von expurgate vetus fermentum, dem Bezug zu *1Kor 5,7. Daraus ergibt sich, dass 1Kor 5,13 vielmehr einer für die kanonische Redaktion schon zuvor festgestellten Tendenz der Duplikation folgt, d. h. der Vers wiederholt und variiert die Aussage von *1Kor 5,2. Auch die Kontrastierung von „ich“ und „Ihr“ wurde bereits als Merkmal der kanonischen Redaktion bemerkt. 11. Couchoud (Delafosse) hält 1Kor 5,9-13 für ein Stück aus dem zweiten Jahrhundert. 99 2 (1Kor) 293 <?page no="294"?> D. (5,1) Das einen Neueinsatz markierende ὅλως findet sich als relativ seltener Begriff im NT, es steht nur 4 Mal im NT, ist jedoch bald später für *1Kor 15,29 vorkanonisch bezeugt; der Begriff begegnet überhaupt nur noch in 1Kor 6,7 und Mt 5,34. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Form ἀκούεται ist Hapax legomenon im NT. ♦ πορνεία steht 27 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,13. 18; *Thess 4,3. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,16 (? ); *Gal 5,21; *1Kor 15,48, vgl. weiter die Verse 5. 11. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Allerdings ist die Kombination von οὐδὲ ἐν nur noch ein Mal im NT zu lesen, und zwar auf der kanonischen Ebene in Lk 7,9. ♦ ὀνομάζω steht 11 / 10 Mal im NT, etwa in Lk 6,13. 14, wo an dessen Stellen jedoch das Kompositverb ἐπονομάζω zu finden ist, vorkanonisch ist das Verb allerdings bezeugt für *Gal 4,25 = Eph 1,21. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ γυνή, das 246 / 215 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,1; 7,2 (? ). 10; 11,5. 10; 14,34; *Laod 5,22. 23. 28. ♦ Das hier nicht bezeugte τινα (Nom. / Akk. Neut. Pl. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt der Bezeugung Tertullians, wobei der Anfang aus seinem Bericht erschlossen ist. Wie in C. begründet, scheint das Zwischenstück im ersten Halbvers gefehlt zu haben. Der Vers war jedoch gewiss vorkanonisch verhanden, wohl in der vorgeschlagenen Form. (5,2) Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Lk 12,36; 1Kor 5,2; 1Thess 1,6; 1Joh 2,20, jeweils auf der kanonischen Ebene), vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *1Thess 2,14; *Laod 1,13. ♦ φυσιόω, das 7 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter Vers 7. ♦ οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,30 (? ); *1Kor 1,20. ♦ Die Kombination οὐχὶ μᾶλλον hingegen steht nur 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 5,2; 6,7; 2Kor 3,8). ♦ πενθέω steht 11 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,25. ♦ ἐξαίρω steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene (1Kor 5,13). ♦ Die alternative Lesart αἴρω steht 106 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, allerdings nicht für *Paulus. ♦ μέσος steht 67 / 58 Mal im NT, und ist vorkanonisch ein Mal bezeugt für *Ev 4,30, nicht aber für *Paulus. ♦ 294 Rekonstruktion <?page no="295"?> Die Kombination ἐκ μέσου findet sich 6 Mal im NT, nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt, anonsten kanonisch stehend (Mt 13,49; Apg 17,33; 23,10; 1Kor 5,2; 2Kor 6,17; 2Thess 2,7). ♦ τοῦτο, das 313 Mal im NT steht und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32. ♦ Die Wendung ὁ τὸ ἔργον τοῦτο steht nur hier im NT. Zur Rekonstruktion: Wie in C. begründet, ist der Vers teilweise von Tertullian bezeugt, wohingegen der erste Teil des Verses bis auf καί unbezeugt ist. Dass der unbezeugte Teil vorkanonisch gefehlt hat, legt sich aufgrund der Lexik nahe (Verseröffnung καὶ ὑμεῖς). Gleich das erste Verb φυσιόω ist ausschließlich kanonisch bezeugt, die Kombination οὐχὶ μᾶλλον ebenso. (5,3) Die Kombination ἐγὼ μέν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 3,11; Lk 3,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 26,9; 1Kor 1,12; 3,4; 5,3; 1Thess 2,18). ♦ ἄπειμι, das 8 / 7 Mal im NT steht und vielleicht in *2Kor 13,10 stand, ist jedoch nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ πάρειμι, das 25 / 24 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,10; *Kol 1,6. ♦ ἤδη, das 68 / 61 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ κρίνω steht 125 / 115 Mal im NT, vorkanonisch für *Ev und *Paulus bezeugt, vgl. zuvor 4,5. ♦ Die Form κέκρικα begegnet nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Tit 3,12. ♦ Zu τοῦτο vgl. den Vers 2. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene (Röm 1,27; 2,9; 4,15; 7,8. 13. 15. 17. 20; 15,18; 1Kor 5,3; 2Kor 4,17; 5,5; 7,10. 11; 9,11; 12,12; Eph 6,13; Phil 2,12; Jak 1,3. 20; 1Petr 4,3). Zur Rekonstruktion: Angedeutet ist lediglich das Verb κέκρικα, das auch weiters vorkanonisch bezeugt ist. Für den unbezeugten Teil des Verses lassen sich die ausschließlich kanonisch belegte Formulierung ἐγὼ μέν, die Termini (ἄπειμι; ἤδη; κατεργάζομαι) aufführen. Diese Teile des Verses dürften folglich auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sein und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (5,4) ἐν τῷ ὀνόματι τοῦ κυρίου ist eine ausschließlich kanonisch redaktionelle Formulierung (Apg 9,28; 1Kor 5,4; 6,11; Jak 5,14) und scheint auf die zweite kanonische Redaktion zurückzugehen. ♦ συνάγω steht 66 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, allerdings in keinem paulinischen oder katholischen Brief außer der Stelle hier vorhanden. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, etwa Lk 2,5. 13; 8,1. 38; 9,32; 24,10. 21. 24. 33. 44, in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ Die Wendung τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ steht 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3 (vielleicht auch *Laod 1,17). 2 (1Kor) 295 <?page no="296"?> Zur Abwesenheit: Wie bereits die Anfangsformulierung anzeigt, ist dieser unbezeugte Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion. Gestützt wird dies durch das ausschließlich kanonisch stehende συνάγω. Auffallend ist auch die eine vorkanonische Bezeugung der Schlussformel dieses Verses gegenüber der refrainartigen Wiederkehr derselben auf der kanonischen Ebene. Der Vers wird folglich auf der vorkanonischen Ebene gefehlt haben. (5,5) παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, wohl auch in *Gal 2,20, wenn hierfür auch unbezeugt. ♦ Zu τοιοῦτος vgl. zuvor zu Vers 1 und danach Vers 11. ♦ Die Kombination τὸν τοιοῦτον steht 5 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Σατανᾶς steht 72 / 36 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 11,14; 12,7. ♦ ὄλεθρος findet sich 4 Mal im NT, vorkanonisch auffallenderweise bezeugt nicht nur hier für *1Kor 5,5, sondern auch wieder für *2Thess 1,9. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ σῴζω ist 112 / 107 Mal im NT belegt und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ Die Form σωθῇ steht 3 Mal im NT, weiters nur auf der kanonischen Ebene (Mk 5,23; Joh 3,17; 1Kor 5,5). ♦ Die Schlussformel ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου Ἰησοῦ begegnet 3 Mal im NT, weiters nur auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,8; 5,5; 2Kor 1,14). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, und aufgrund des lexikalischen Befundes (auch unter Einschluss von Satan). Letzterer mag in einer Rezension des markionitischen *Apostolos ausgefallen sein, Tertullian hat ihn aber noch gelesen. (5,6) καλός steht 198 / 101 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,9. ♦ καύχημα, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Die Kombination καύχημα ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 5,6; 2Kor 1,14; Phil 1,26). ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Kombination οὐκ οἴδατε steht 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16; 6,15 (wohl auch *1Kor 6,3 stehend). ♦ μικρὰ ζύμη steht 2 Mal im NT, wieder bezeugt für *Gal 5,9. ♦ ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist spärlich vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ Der ganze Passus μικρὰ ζύμη ὅλον τὸ φύραμα δολοῖ steht identisch in *Gal 5,9. ♦ ζυμόω, das 4 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist die Kombination καύχημα ὑμῶν auf, die ausschließlich kanonisch steht, entscheidend aber ist, dass der zweite Teil eine identische Wiederholung dessen darstellt, was vorkanonisch in *Gal 5,9 296 Rekonstruktion <?page no="297"?> zu finden ist, also eine kanonische Duplikation darstellt. Der Vers wird demnach im vorkanonischen Text gefehlt haben. (5,7) ἐκκαθαίρω steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, dort auf der kanonischen Ebene in 2Tim 2,21. ♦ παλαιός steht 20 / 19 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,36. 37. ♦ ζύμη steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,9; *1Kor 5,7. ♦ Die Verbform ἦτε steht 19 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ νέος steht 15 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt in *Ev und *Kol 3,10. ♦ Zur Verbform ἐστε vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Die Kombination καθώς ἐστε ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἄζυμος steht 2 Mal im NT, beide Male vorkanonisch bezeugt, hier in diesem und im nächsten Vers. ♦ Die Kombination καὶ γὰρ τό steht nur 3 Mal im NT, in Lk 22,37, in einem Vers, der in *Ev fehlt, dann in 1Kor 12,14, wobei sie auch an dieser Stelle vorkanonisch zu stehen scheint. ♦ πάσχα steht 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und und die Stelle hier. ♦ θύω steht 16 / 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für die Stelle hier und *1Kor 10,20. ♦ Die Form ἐτύθη ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt sowohl Tertullian wie für den zweiten Teil auch dem des Epiphanius, soweit er mit Tertullian übereinstimmt. (5,8) ἑορτάζω ist im NT Hapax legomenon. ♦ Die Kombination μὴ ἐν steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,5. ♦ παλαιός ist vorkanonisch bezeugt, vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ ζύμῃ παλαιᾷ greift τὴν παλαιὰν ζύμην aus dem voranstehenden Vers 5,7 auf. ♦ μηδέ steht 63 / 56 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 23,10; Röm 6,13; 1Kor 10,7. 8. 9. 10; Eph 4,27; 1Tim 1,4; 1Petr 5,3; im Vers: 7 Mal Mt; 6 Mal Mk; Lk 3,14, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 12,22; 14,12; 16,26; 17,23; 2 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 9,11; 14,21; 1Kor 5,8. 11; 2Kor 4,2; Eph 5,3; Phil 2,3; Kol 2,21; 2Thess 2,2; 3,10; 1Tim 5,22; 6,17; 2Tim 1,8; Hebr 12,5; 1Petr 3,14; 5,2; 1Joh 2,15; 3,18), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9 (beide Verseröffnungen); *Röm 14,21 (im Vers); *Kol 2,21 (im Vers). ♦ Die Kombination μηδὲ ἐν steht 2 Mal im NT, das andere Mal, vorkanonisch bezeugt in *Röm 14,21. ♦ πορνεία steht 27 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,13. 18; *Thess 4,3. ♦ Zur nur kanonisch bezeugten Kombination ἀλλ’ ἐν vgl. zuvor zu 4,20. ♦ ἄζυμος steht nur 2 Mal im NT, schon im voranstehenden Vers 4,7 für die vorkanonische Ebene bezeugt. ♦ εἰλικρίνεια ist selten und nur noch in 2Kor 1,12 und 2,17 zu finden, also nur auf der kanonischen Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Dieser nur in Teilen vorkanonisch bezeugte Vers ist nur in der kanonischen Überarbeitung rekonstruierbar. Für die kanonische Überarbeitung sprechen die nur kanonisch bezeugte Kombination ἀλλ’ ἐν und der, allerdings seltene, Begriff εἰλικρίνεια. 2 (1Kor) 297 <?page no="298"?> (5,9) Ἔγραψα steht 20 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἔγραψα ὑμῖν steht 11 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (hier, 1Kor 5,9; 1Joh 2,14) nur auf der kanonischen Ebene, Röm 15,15, in einem Vers, der in *Röm gefehlt hat, 1Kor 5,9. 11; 2Kor 2,4; 7,12; 1Joh 2,14. 21. 26; 5,13. ♦ ἐπιστολή steht 25 / 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck ἐν τῇ ἐπιστολῇ begegnet noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 2Kor 7,8. ♦ συναναμείγνυμι steht 4 Mal im NT, jeweils nur für die kanonische Ebene belegt (1Kor 5,9. 11-; 2Thess 3,14). Zur Abwesenheit: Eindrücklich stützt die Lexik die fehlende Bezeugung dieses Verses. Der Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat in der vorkanonischen Version gefehlt. (5,10) πάντως steht 9 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 4,23; Apg 18,21; 21,22; 28,4; Röm 3,9; 1Kor 5,10; 9,10. 22; 16,12). ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. ♦ Die Kombination τοῦ κόσμου τούτου steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,19; *Laod 2,1. ♦ πλεονέκτης steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (1Kor 5,10. 11 ; 6,10 ; Eph 5,5). ♦ ἅρπαξ steht 6 Mal, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 7,15; Lk 18,11; 1Kor 5,10. 11; 6,10). ♦ εἰδωλολάτρης steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. ♦ ἐπεί, das 29 / 26 Mal im NT steht, findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐξέρχομαι steht 258 / 218 Mal im NT und ist vorkanonisch für *Ev bezeugt. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist eine Reihe ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnende Formen und Termini auf (πάντως; πλεονέκτης; ἅρπαξ; ἐπεί), d. h. der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (5,11) νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Kombination νῦν δέ steht 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zu ἔγραψα ὑμῖν als kanonische Formulierung vgl. zum voranstehenden Vers 5,10. ♦ Zu συναναμείγνυμι als kanonischer Begriff vgl. den Vers 5,9. ♦ Die Kombination ἐάν τις steht 33 Mal im NT, etwa Lk 16,31, in einem Vers, der in *Ev fehlt (und überhaupt in *Ev nur bezeugt durch Adamantius) und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ᾖ steht 43 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πόρνος steht 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πλεονέκτης steht 5 / 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰδωλολάτρης steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. ♦ λοίδορος steht nur hier und nochmals ein Kapitel weiter in 1Kor 6,10, beide Male auf der kanonischen Ebene. 298 Rekonstruktion <?page no="299"?> ♦ μέθυσος steht nur hier und noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene im selben Brief im nächsten Kapitel (1Kor 6,10). ♦ Zu ἅρπαξ als kanonischem Begriff vgl. zuvor zu Vers 5,10. ♦ Zu τοιοῦτος vgl. zuvor zu den Versen 1. 5. ♦ Die Kombination τῷ τοιούτῳ steht nur noch ein Mal, auch auf der kanonischen Ebene in 2Kor 2,6. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten μηδέ vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ συνεσθίω steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch dieser unbezeugte Vers ist voller Termini (συναναμείγνυμι; πόρνος; πλεονέκτης; λοίδορος; μέθυσος; ἅρπαξ; συνεσθίω), Kombinationen (ἔγραψα ὑμῖν; ἐάν τις; τῷ τοιούτῳ) und einer Verbform (ᾖ), die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt sind, er geht folglich auf die kanonische Redaktion zurück und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (5,12) Die Kombination τί γάρ findet sich 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 9,5; Röm 3,3; 1Kor 5,12; 2Kor 12,13; Phil 1,18, in einem vorkano‐ nisch bezeugten Vers, wo gerade diese Kombination unbezeugt ist; im Vers: Mt 23,19), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔξω, das sich in Vers 12 und Vers 13 findet, steht 69 / 63 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,16. ♦ Die Kombination τοὺς ἔξω steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κρίνω als positiver Ausdruck gehört zur kanonischen Ebene vgl. zu 5,3. ♦ ἔσω steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,16. ♦ Die Kombination τοὺς ἔσω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten οὐχί vgl. zuvor zu Vers 2. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers weist ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene stehende Kombinationen auf (τί γάρ; τοὺς ἔξω) und besitzt die kanonische Semantik für κρίνω. Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (5,13) Zu τοὺς ἔξω als ausschließlich kanonisch bezeugte Kombination vgl. zum Vers zuvor, 5,12. ♦ κρίνω als positiver Ausdruck gehört zur kanonischen Ebene, vgl. zu 5,3. ♦ ἐξαίρω steht nur 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für 5,2. ♦ Zu πονηρός, einem kanonisch beliebten, wenn auch vorkanonisch bezeugten Begriff, vgl. zuvor zu 1,4. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ Die Kombination ἐξ ὑμῶν αὐτῶν steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, Apg 20,30. Zur Abwesenheit: Auch in diesem unbezeugten Vers fallen die ausschließlich kanonisch bezeugten Kombinationen (τοὺς ἔξω; ἐξ ὑμῶν αὐτῶν) auf. Auch er wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. 2 (1Kor) 299 <?page no="300"?> Kapitel 6 6,[1-2] 3 [4-11]: Wer soll richten? Für diesen Abschnitt ist nur ein Stück aus Vers 3 bezeugt, mehr scheint vorkanonisch auch nicht vorhanden gewesen zu sein. Hier hat die kanonische Redaktion aufgrund des Stichworts „urteilen“ in Vers 3 eine große Digression geschaffen, die Aktualthemen zu behandeln scheint, und damit den bezeugten Teil von Vers 3 von der auf dieser Ebene voranstehenden Diskussion in Kapitel 5 getrennt, zu der er gehört. - 1 Τολμᾷ τις ὑμῶν πρᾶγμα ἔχων πρὸς τὸν ἕτερον κρίνεσθαι ἐπὶ τῶν ἀδίκων, καὶ οὐχὶ ἐπὶ τῶν ἁγίων; 2 ἢ οὐκ οἴδατε ὅτι οἱ ἅγιοι τὸν κόσμον κρινοῦσιν; καὶ εἰ ἐν ὑμῖν κρίνεται ὁ κόσμος, ἀνάξιοί ἐστε κριτηρίων ἐλαχίστων; 3 οὐκ οἴδατε ὅτι ἀγγέλους κρινοῦμεν; - 3 οὐκ οἴδατε ὅτι ἀγγέλους κρινοῦμεν, μήτι γε βιωτικά; - 4 βιωτικὰ μὲν οὖν κριτήρια ἐὰν ἔχητε, τοὺς ἐξουθενημένους ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ τούτους καθίζετε; 5 πρὸς ἐντροπὴν ὑμῖν λέγω. οὕτως οὐκ ἔνι ἐν ὑμῖν οὐδεὶς σοφὸς ὃς δυνήσεται διακρῖναι ἀνὰ μέσον τοῦ ἀδελφοῦ αὐτοῦ; 6 ἀλλὰ ἀδελφὸς μετὰ ἀδελφοῦ κρίνεται, καὶ τοῦτο ἐπὶ ἀπίστων; 7 ἤδη μὲν οὖν ὅλως ἥττημα ὑμῖν ἐστιν ὅτι κρίματα ἔχετε μεθ’ ἑαυτῶν· διὰ τί οὐχὶ μᾶλλον ἀδικεῖσθε; διὰ τί οὐχὶ μᾶλλον ἀποστερεῖσθε; 8 ἀλλὰ ὑμεῖς ἀδικεῖτε καὶ ἀποστερεῖτε, καὶ τοῦτο ἀδελφούς. 9 ἢ οὐκ οἴδατε ὅτι ἄδικοι θεοῦ βασιλείαν οὐ κληρονομήσουσιν; μὴ πλανᾶσθε· οὔτε πόρνοι οὔτε εἰδωλολάτραι οὔτε μοιχοὶ οὔτε μαλακοὶ οὔτε ἀρσενοκοῖται10 οὔτε κλέπται οὔτε πλεονέκται, οὐ μέθυσοι, οὐ λοίδοροι, οὐχ ἅρπαγες βασιλείαν θεοῦ κληρονομήσουσιν. 11 καὶ ταῦτά τινες ἦτε· ἀλλὰ ἀπελούσασθε, ἀλλὰ ἡγιάσθητε, ἀλλὰ ἐδικαιώθητε ἐν τῷ ὀνόματι τοῦ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ καὶ ἐν τῷ πνεύματι τοῦ θεοῦ ἡμῶν. A. *6,3: Vgl. Tert., Adv. Marc. II 9: Cum vero ad angelum provocatur, fortiorem defendam necesse est dominum universitatis, cui iam angeli administrant, qui etiam angelos iudicaturus est, si in dei lege constiterit, quod in primordio noluit. 300 Rekonstruktion <?page no="301"?> 100 Vgl. hierzu J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 276. 101 Ibid. 102 L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 212. B. (6,5) Anstelle von ἔνι steht ἔστιν in P 11 , 06, 010, 012, 6, 104, 365, 630, 1739, 1881. ♦ Anstelle von οὐδεὶς σοφὸς steht οὐδὲ εἷς σοφός steht in 010, 012, 025, 1739; σοφὸς οὐδὲ εἷς in den Zeugen 6 1 , 020, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 2464, M; allein σοφος bieten die Zeugen P 11vid , 6*, 6, 1881, während sich σοφὸς οὐδείς findet in 1505; οὐδεὶς σοφός, das von NA 28 übernommen wurde, findet sich in den Zeugen P 46 , 01, 03, 04, 044, 33. ♦ (6,6) Anstelle von τοῦτο, das sich findet in den Zeugen P 46 , 01, 02, 03, 04, 06, 025, 044, 048, 33, 81, 104, 1175, 1739, 1881, 2464, latt, Cl, steht in den Zeugen 020, 365, 1241, 1505, M, sy h ; in 630 findet sich die weitere Variante τοτε. C. 1. (6,1-12) Diese Verse sind bis auf den kleinen Vers 3 unbezeugt, allerdings sieht Hilgenfeld Vers 2 in Tert., Adv. Marc. II 9 „berücksichtigt“. Zahn, Schmid und BeDuhn nehmen diesen und auch Vers 3 als unbezeugt. Harnack meint jedoch, dass Tert., Adv. Marc. II 9 den Text aus Vers 3 (οὐκ οἴδατε ὅτι ἀγγέλους κρινοῦμεν) voraussetzt. Man kann sich natürlich die Frage stellen, ob Tertullian hier seinen eigenen Paulustext oder den Markions im Blick hat. 100 Ähnlich kritisch sieht BeDuhn die angebliche Bezeugung von V. 11 durch Adam., Dial. V 22. Darüber hinaus ist jedoch fraglich, ob die fehlende Bezeugung hier wiederum Abwesenheit bedeutet. Zunächst fällt auf, dass die Handschrift 02 die Verse 3-6 und die Zeugen 010, 012 die Verse 7-14 und der Zeuge 2344 die Verse 9-10 auslassen. Hinzu kommt, dass mit dem wieder bezeugten Teil aus Vers 13 der inhaltlich unmit‐ telbare Anschluss an die zuletzt bezeugten Verse 5,8. 11 gegeben ist. Demnach klingen die Verse 1Kor 6,1-12 wie ein Anschluss an die Verse 1Kor 5,12-13 der kanonischen Redaktion, die sie weiterentwickeln und wie eine thematische Digression wirken. Auf diese Intrusion in eine „sonst konsistente Diskussion“ verweist auch BeDuhn. 101 Überhaupt wurde der Übergang in 1Kor 6,12 als „abrupt“ bezeichnet, wegen seiner Verschiedenheit „in Ton und Inhalt“ zu 1Kor 5,1-6,11, so dass daraus geschlossen wurde, die Passage 1Kor 6,12-20 gehöre ursprünglich nicht hierher, sondern habe zwischen 1Kor 10,22-23 gestanden (man vgl. die Parallelen zwischen 1Kor 6,12.18 und 10,23). 102 Wie wir gleich sehen werden, scheint Vers 3 den Grund für den Einschub von 1Kor 6,1-11 geboten zu haben. Dass dieser Vers in der vorkanonischen Version vorhanden 2 (1Kor) 301 <?page no="302"?> war, legt nämlich nicht nur die von Harnack bemerkte Bezeugung Tertullians für Teile von Vers 3 nahe, sondern auch der Vergleich der Lexeme. Mit dem kurzen, thematischen Hinweis zum rechten Richten unterstreicht *Paulus seine Berechtigung in dieser Sache, die er, wie in *1Kor 5,1 andeutet, für eine das allgemeine Leben betreffende zu halten scheint. Ein Verweis aus der Gemeinschaft dient jedoch lediglich dazu, dass der Geist des Verstoßenen „am Tag des Herrn gerettet wird“ (*1Kor 5,3). Diese Hochachtung drückt sich auch in *1Kor 6,3 aus, wonach ein solches Richten eines „über Engel“ gleichgesetzt wird. Auf der kanonischen Ebene führt dieser Hinweis zu einem Exkurs, der den eigentlichen Gedankengang, wie BeDuhn richtig sieht, unterbricht. Diese Überlegungen werden durch den lexikalischen Vergleich gestützt. 2. (6,1) Bemerkenswert ist der kanonisch-redaktionelle Rückverweis in 1Thess 4,6, der offenkundig auf die vorliegende Stelle von 1Kor 6,1 verweist, so auch korrekt vermerkt in NA 28 . 3. (6,9) Dieser Vers greift auf *Gal 5,21 zurück und entwickelt diesen weiter. Das gegenüber dem kanonischen Text fehlende γάρ zeigt an, dass zuvor nicht mit μὴ πλανηθῆτε zu rechnen ist. Das Zitat Tertullians beginnt folgerichtig erst mit dem danach stehenden πολλοί. In der kanonischen Fassung begegnet der Ausdruck weiter in Mt 18,12 und Joh 7,47. 4. Die folgende Kombination ist eine Wiederholung aus 1Kor 5,10: τοῖς πόρνοις τοῦ κόσμου τούτου ἢ τοῖς πλεονέκταις καὶ ἅρπαξιν ἢ εἰδωλολάτραις. Diesen Übeltätern wurden dort andere hinzugefügt (λοίδορος ἢ μέθυσος ἢ ἅρπαξ) und weitere in 1Kor 5,11: ᾖ πόρνος ἢ πλεονέκτης ἢ εἰδωλολάτρης ἢ λοίδορος ἢ μέθυσος ἢ ἅρπαξ, die zum Teil auch hier anklingen, wenn in 1Kor 6,10 aufgelistet werden: οὔτε κλέπται οὔτε πλεονέκται, οὐ μέθυσοι, οὐ λοίδοροι, οὐχ ἅρπαγες. Beide Vergleichsstellen bewegen sich auf derselben, von Tertullian unbezeugten kanonischen Redaktionsstufe. Es ist kaum vorstellbar, dass der Moralist Tertullian die Verse 9-11 stillschweigend übergangen hätte, wären sie ihm vorkanonisch vorgelegen. An der nächsten Stelle, wo ein paralleler Gedanke geäußert wird, *1Kor 15,50 zitiert Tertullian die Stelle in Adv. Marc. V 7,10 und verweist sogar noch auf Aussagen des Paulus im *Galaterbrief (5,21): Hoc enim dico, fratres, quia caro et sanguis regnum dei non possidebunt, opera scilicet carnis et sanguinis, quibus et ad Galatas scribens abstulit dei regnum, solitus et alias substantiam pro operibus substantiae ponere, ut cum dicit eos qui in carne sunt deo placere non posse. 302 Rekonstruktion <?page no="303"?> 103 M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 1040. D. (6,1) τολμάω, das 17 / 16 Mal im NT steht, ist ein Begriff, der wiederholt für die kanonische Ebene bezeugt ist (Mt 22,46 / / Mk 12,34 / / Lk 20,40, vgl. Joh 21,12), ob er jedoch auch in *Ev 20,40 stand, ist ungeklärt, vgl. auch Mk 15,43; Apg 5,13; 7,32; Röm 5,6; 15,18; 2Kor 10,2. 12; 11,21. Die einzige Belegstelle für die vorkanonische Fassung ist *Phil 1,14. ♦ πρᾶγμα, das 11 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Redaktionsstufe bezeugt. Auch das verwandte πραγματεία findet sich nur auf der kanonischen Ebene, 2Tim 2,4. Dies macht skeptisch, ob das unbezeugte πραγματεύομαι, das sich in Lk 19,13 findet, auch in dem erheblich redaktionell überarbeiteten Gleichnis vom anvertrauten Geld in *Ev stand, zumal es gerade für diesen Begriff variierende Lesarten gibt, die bei Klinghardt nicht vermerkt sind. 103 ♦ Der Ausdruck τὸν ἕτερον steht 6 Mal im NT, in Lk 16,13 ist er nicht vorkanonisch bezeugt und findet sich überhaupt nur für die kanonische Ebene bezeugt, in dem bezeugten Vers *Röm 13,8 steht an seiner Stelle vorkanonisch τὸν πλησίον. ♦ κρίνω als positiver Ausdruck gehört zur kanonischen Ebene, vgl. zu 5,3. ♦ Die Form κρίνεσθαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 25,10. 20; Röm 3,4; 1Kor 6,1; Jak 2,12). ♦ ἄδικος steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,11, ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend (Mt 5,45; Lk 16,10. 11; 18,11; Apg 24,15; Röm 3,5; 1Kor 6,1. 9; Hebr 6,10; 1Petr 3,18; 2Petr 2,9). Das Wort begegnet folglich in beiden Fassungen und wird sowohl für Heiden wie für Sünder verwendet, so etwa für beide Gruppen im selben Kapitel hier 1Kor 6,1 (Heiden). 9 (Sünder). Das verwandte Verb ἀδικέω, das sich 32 / 28 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ Die Kombination καὶ οὐχὶ steht 4 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ( Joh 14,22; 1Kor 5,2; 6,1; Gal 2,14). ♦ Die Selbstbezeichnung ἅγιοι findet sich erstaunlicherweise in der vorkanonischen Fassung ausschließlich in *Laod, während sie immer wiederkehrt in der kanonischen Fassung und gerade aus den Brieferöffnungen bekannt ist, Röm 1,7; 1Kor 1,2; 2Kor 1,1; Eph 1,1; Phil 1,1; Kol 1,2. ♦ ἅγιος, das 257 / 233 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 7,12; *Laod 1,13. 18; 2,19. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers finden sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugte Termini (πρᾶγμα; ἀδικέω), der Ausdruck τὸν ἕτερον und die Kombination καὶ οὐχὶ, der Vers wird folglich zur kanonischen Redaktion gehört und im vorkanonischen Text gefehlt haben. 2 (1Kor) 303 <?page no="304"?> 104 M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 717. (6,2) Die Kombination ἢ οὐκ begegnet 13 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 9,21; 1Kor 6,2. 9. 16. 19; im Vers: Mt 22,17; Mk 12,14; Lk 14,3; 20,22; Röm 11,2; 2Kor 13,5), und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter die Verse 3. 9. 15. 16. 19. ♦ Die Form οἱ ἅγιοι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 6,2; 2Kor 13,12; Phil 4,22; Apk 18,20). ♦ κόσμος, das 196 / 186 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,29; *Gal 4,3; 6,14; *1Kor 1,20. 21. 27; 3,19. 22; 4,9; 6,14; *Laod 2,2. 12; *Kol 1,6; 2,8. ♦ Die Form τὸν κόσμον steht 45 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 16,26; 3 Mal Mk; Lk 9,25; 19 Mal Joh; Apg 17,24; Röm 3,6; 5,12; 1Kor 6,2; 7,31; 1Tim 1,15; 6,7; Hebr 10,5; 11,7; 5 Mal 1Joh; 2Joh 1,7). ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ κρίνω als positiver Ausdruck gehört zur kanonischen Ebene, vgl. zu 5,3. ♦ καὶ εἰ ἐν steht nur noch 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,12. ♦ ἀνάξιος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Das verwandte ἀναξίως steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter Vers 19. ♦ κριτήριον, das 3 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (1Kor 6,2. 4; Jak 2,6). ♦ ἐλάχιστος steht 13 / 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers stehen eine Reihe von ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Elementen (οἱ ἅγιοι; die kanonische Semantik von κρίνω, die Kombination ἢ οὐκ; ἐν ὑμῖν und die Form τὸν κόσμον; κριτήριον; ἐλάχιστος). Der Vers wird folglich zur kanonischen Ebene gehören und auf der vorkanonischen gefehlt haben. (6,3) Die Kombination οὐκ οἴδατε steht 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16; 6,15. 16. ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. ♦ μήτι findet sich 20 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 7,16; 12,23; 26,22. 25; Mk 4,21; 14,19; Lk 6,39; 9,13; Joh 4,29; 7,31; 8,22; 18,35; Apg 10,47; 1Kor 6,3; 7,5; 2Kor 1,17; 12,18; 13,5; Jak 3,11). ♦ Der auffallende Begriff βιωτικός begegnet nicht nur an der vorliegenden Stelle der Verse 3-4 gleich zwei Mal, sondern findet sich noch ein einziges weiteres Mal, und zwar auf der vorkanonischen Ebene in *Ev 21,34 (kanonisch in den parallelen Stellen). Auf diese Verbindung hat schon Goulder hingewiesen. 104 304 Rekonstruktion <?page no="305"?> 105 Klinghardt hat bezüglich des Verbs ἀναλαμβάνω, das nur kanonisch belegt ist und in den kanonischen Evangelien lediglich im sekundären Markusschluss (Mk 16,19), reichlich in der Apg (Apg 1,2. 11. 22; 7,43; 10,16; 20,13. 14; 23,31), dann in Eph 6,13. 16 und in den Pastoralbriefen (1Tim 3,16; 2Tim 4,11) begegnet, darauf geschlossen, dass wir es mit einem „Vorzugswort der lk Redaktion“ zu tun haben, der „Sprache der kanonischen Redaktion“, M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 783. Vgl. ebd. auch seine Bemerkungen zu πορεύεσθαι. Zur Rekonstruktion: Nachdem im bezeugten Teil die Begriffe vorkanonisch bezeugt sind, fällt desto stärker auf, dass im unbezeugten kurzen Teil die beiden Begriffe βιωτικός und μήτι nur kanonisch stehen. Wir stellen folglich erneut eine Übereinstimmung zwischen Bezeugung und vorkanonisch anderweitigen Vorhandenseins von Begriffen und der fehlenden Bezeugung bzw. Vorhanden‐ seins von Begriffen fest. (6,4) Zum ausschließlich kanonisch belegten βιωτικός vgl. zum voranstehenden Vers 6,3. ♦ Die Kombination μὲν οὖν steht 39 Mal im NT, etwa Lk 3,18 in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene zu finden ist, etwa auch im sekundären Markusschluss Mk 16,19, dann in Joh 19,24; 20,30; 27 Mal in Apg; Röm 11,13; 1Kor 6,4. 7; 9,25; Phil 2,23; Hebr 7,11; 8,4; 9,1. 105 ♦ Zu κριτήριον als ausschließlich kanonisch belegtem Begriff vgl. zum voranstehenden Vers 6,2. ♦ Die Kombination ἐὰν ἔχητε steht 3 Mal im NT, ausschließlich kanonisch bezeugt (Mt 17,20; 21,21; 1Kor 6,4). ♦ ἐξουθενέω steht 11 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,14; *1Thess 5,20. ♦ Der Ausdruck ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,28; *2Thess 1,1. ♦ τούτους (Akk. Mask. Pl.) steht 26 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ καθίζω steht 52 / 46 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7; *2Thess 2,4; *Laod 1,20. Zur Abwesenheit: Der Vers ist unbezeugt. Obwohl im zweiten Versteil Termini und auch eine Wendung vorkanonisch bezeugt sind, begegnet sowohl im ersten wie im zweiten ausschließlich kanonische Terminologie (βιωτικός; μὲν οὖν; ἐὰν ἔχητε; τούτους). Der Vers wird demnach von der kanonischen Redaktion formuliert worden sein und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (6,5) ἐντροπή steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene (1Kor 15,34). ♦ Das gilt für die gesamte Formulierung πρὸς ἐντροπὴν ὑμῖν λέγω, die wörtlich 1Kor 15,34 wiederkehrt. ♦ Verbform λέγω, die 214 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32. ♦ Die Kombination οὕτως οὐκ steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 18,14; 26,40; Apg 8,32; 1Kor 6,5). ♦ ἔνι, das 6 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen 2 (1Kor) 305 <?page no="306"?> Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Die Variante, das kanonisch beliebte οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), das 96 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15; *Laod 5,29. ♦ σοφός steht 24 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 1,25; 3,18. 19. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev. ♦ διακρίνω steht 21 / 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀδελφός steht 367 / 343 Mal im NT und ist ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, vgl. zu Gal 1,2. ♦ Die Kombination τοῦ ἀδελφοῦ αὐτοῦ steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 14,3; 6,17; Lk 3,1. 19, in zwei Versen, die in *Ev fehlen; 1Kor 6,5; 1Joh 3,12). Zur Abwesenheit: Auch für diesen unbezeugten Vers gilt, dass die Anzahl an ausschließlich kanonische Terminologie (ἐντροπή; πρὸς ἐντροπὴν ὑμῖν λέγω; οὕτως οὐκ; ἔνι; ἐν ὑμῖν; διακρίνω; τοῦ ἀδελφοῦ αὐτοῦ) für dessen Zugehörigkeit zur kanonischen Redaktion und für das Fehlen auf der vorkanonischen Ebene spricht. (6,6) Zu ἀδελφός als beliebtem Begriff der kanonischen Redaktion vgl. zum voranste‐ henden Vers und Gal 1,2. ♦ κρίνω als positiver Ausdruck gehört zur kanonischen Ebene, vgl. zu 5,3. ♦ τοῦτο, das 313 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32, vgl. Vers 8. ♦ Die Kombination καὶ τοῦτο steht 22 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: Lk 5,6; 24,40, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Joh 11,28; 20,20. 22; Röm 13,11; Phil 1,9. 25; Hebr 6,3; im Vers: Lk 2,12; 13,9; 20,12, jeweils in Versen von Lk, die in *Ev fehlen; dann Lk 4,6; 5,6; 2 Mal in Joh; Apg 7,60; 1Kor 6,6. 8; 7,37; Eph 2,8; Phil 1,28; 1Joh 4,3; 3Joh 1,5), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu der Variante ταῦτα, das 242 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7, vgl. weiter unten zu den Versen 11 und 13. ♦ Die Kombination καὶ ταῦτα steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, nämlich Lk 13,17 in einem Vers, der in *Ev fehlt, darüber hinaus 6 Mal in Joh; 4 Mal in Apg; 1Kor 6,13; Hebr 11,12, 1Joh 1,4. ♦ ἄπιστος, das 23 Mal im NT steht, findet sich auf beiden Ebenen, vorkanonische bezeugt für *Ev 12,46; *2Kor 4,4. Zur Abwesenheit: Der kurze, unbezeugte Vers weist die ausschließlich kano‐ nisch bezeugte Wendung καὶ τοῦτο oder καὶ ταῦτα auf, außerdem kanonisch beliebte Terminologie. Auch wenn wegen der Kürze hier weniger sicheres Terrain gegeben ist, wird auch dieser Vers, schon wegen seiner narrativen Einbindung in den kanonischen Kontext zu dieser Ebene gehört und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. 306 Rekonstruktion <?page no="307"?> (6,7) ἤδη, das 68 / 61 Mal im NT steht, ist überhaupt nur ein kanonisch belegter Begriff ist. ♦ Zu dem auch ein Mal vorkanonisch bezeugten ὅλως vgl. zu 5,1. ♦ ἥττημα steht nur hier und noch ein Mal in Röm 11,12 ebenfalls auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑμῖν ἐστιν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 11,41; Joh 12,35; 1Kor 6,7; 14,25). ♦ κρίμα steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,10; *1Kor 11,29. ♦ Die Kombination ἔχετε μεθ’ ἑαυτῶν steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebeen (Mt 26,11; Mk 14,7; Joh 12,8; 1Kor 6,7). ♦ Zu dem zwei Mal begegnenden, auch ein Mal vorkanonisch bezeugten οὐχί vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Die Formulierung διὰ τί οὐχί bzw. διὰ τί οὐχὶ μᾶλλον ist nur für diesen Vers bezeugt. ♦ ἀδικέω steht 32 / 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀποστερέω steht 5 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Dieser Vers bietet eine Fülle von ausschließlich kanonisch bezeugte Terminologie (ἤδη; ἥττημα; ὑμῖν ἐστιν; ἔχετε μεθ’ ἑαυτῶν; διὰ τί οὐχί; ἀδικέω; ἀποστερέω), das diesen auf die kanonische Ebene verweist, er war in der vorkanonischen Version abwesend. (6,8) Die Kombination ἀλλὰ ὑμεῖς steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, auch auf der kanonischen Ebene ( Joh 10,26). ♦ Zu ἀδικέω und ἀποστερέω als ausschließlich kanonische Verben vgl. zum voranstehenden Vers 6,7. ♦ Zu καὶ τοῦτο als nur kanonisch bezeugte Kombination vgl. ebenfalls Vers 6,7. Zur Abwesenheit: Dieser Vers teilt die Lexik mit dem voranstehenden, wird also wie dieser der kanonischen Redaktion zugehören und vorkanonisch gefehlt haben. (6,9) Die Formulierung ἢ οὐκ οἴδατε steht 5 Mal im NT, nur in Paulus, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 11,2; 1Kor 6,2. 9. 16. 19). ♦ ἄδικος steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,1. ♦ Die Formulierung βασιλείαν θεοῦ οὐ κληρονομήσουσιν ist eine Dublette zur vorkanonischen Formulierung von *Gal 5,21. ♦ μὴ πλανᾶσθε ist ein Ausdruck der kanonischen Redaktion. Sie steht 4 Mal im NT, drei Mal als Verseröffnung (1Kor 6,9, hier nicht als Verseröffnung; 1Kor 15,33; Gal 6,7; Jak 1,16). Den Unterschied zeigt *Gal 6,7, wo es πλανᾶσθε heißt, während die kanonische Redaktion in Gal 6,7 dies zu μὴ πλανᾶσθε ändert. Die einzige Stelle, an der μὴ πλανηθῆτε begegnet (Lk 21,8), ist für *Ev nicht bezeugt, und der Ausdruck scheint auch in *Ev gefehlt zu haben. ♦ πλάνη, das 13 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ein Mal bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ οὔτε, das 106 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,6. ♦ πόρνος, das 12 / 10 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Fassung bezeugt (davon zu unterscheiden ist πόρνη), wie bereits zu 1Kor 5,9. 11 zu sehen war. ♦ εἰδωλολάτρης steht 7 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. ♦ μοιχός steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene 2 (1Kor) 307 <?page no="308"?> 106 Vgl. Klinghardt zur Stelle und M. Vinzent, Methodological Assumptions in the Reconst‐ ruction of Marcion’s Gospel (Mcn). The Example of the Lord’s Prayer (2018), 208. (Lk 18,11; 1Kor 6,9; Hebr 13,4; Jak 4,4). ♦ μαλακός steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 11,8; Lk 7,25; 1Kor 6,9). ♦ ἀρσενοκοίτης steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Tim 1,10). Zur Abwesenheit: Erneut begegnen auch in diesem unbezeugten Vers eine Reihe von ausschließlich kanonisch bezeugter Terminologie (ἢ οὐκ οἴδατε; μὴ πλανᾶσθε; πόρνος; μοιχός; μαλακός; ἀρσενοκοίτης). Der Vers stammt von der kanonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (6,10) οὔτε, vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ κλέπτης steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39. ♦ πλεονέκτης, das 5 Mal im NT steht, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ μέθυσος und λοίδορος stehen nur hier und im Kapitel zuvor ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 1Kor 5,11. ♦ ἅρπαξ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 5,10. ♦ οὐχ steht 105 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 1,17; 2,6. ♦ Zur Formulierung βασιλείαν θεοῦ κληρονομήσουσιν vgl. zum voranstehenden Vers 6,9. Zur Abwesenheit: Wiederum häuft sich ausschließlich kanonisch belegte Ter‐ minologie in diesem unbezeugten Vers (πλεονέκτης; μέθυσος; λοίδορος). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und fehlte vorkanonisch. Dies wird gestützt von den Überlegungen in C. (6,11) Zu καὶ ταῦτα als kanonische Formulierung vgl. weiter oben zu Vers 8 und weiter unten zu Vers 13. ♦ ἀπολούω begegnet nur noch in Apg 22,16 wieder. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.), das 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7; *Phil 1,15. ♦ Die Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ ἁγιάζω steht 30 Mal im NT, etwa in der Vaterunserbitte bei Lk 11,2 - dem einzigen lukanischen Beleg für diesen Begriff -, doch diese Bitte fehlt in der Version des Vaterunsers in *Ev. 106 Der Begriff ἁγιάζω ist überhaupt nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐν τῷ ὀνόματι τοῦ κυρίου wurde bereits als typische Wendung der zweiten kanonischen Redaktion herausgehoben (vgl. zu 1Kor 5,4). Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers begegnet ausschließlich kanonisch belegte Terminologie (καὶ ταῦτα; ἀπολούω; ἁγιάζω; ἐν τῷ ὀνόματι τοῦ κυρίου). Er wird wieder ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. 308 Rekonstruktion <?page no="309"?> 6,[12] 13-16 [17] 18-20: Meidet die Unzucht Die vorkanonische Diskussion zur Unzucht ist gut bezeugt, wurde jedoch von der kanonischen Redaktion deutlich erweitert, um diesen Passus an die kanonischen Ausführungen von Kapitel 5 anzuknüpfen. - 12 Πάντα μοι ἔξεστιν, ἀλλ’ οὐ πάντα συμφέρει. πάντα μοι ἔξεστιν, ἀλλ’ οὐκ ἐγὼ ἐξουσιασθήσομαι ὑπό τινος. 13 -τὸ σῶμα οὐ τῇ πορνείᾳ ἀλλὰ τῷ κυρίῳ, καὶ ὁ κύριος τῷ σώματι, ὡς ὁ ναὸς τῷ θεῷ καὶ ὁ θεὸς τῷ ναῷ, 13 τὰ βρώματα τῇ κοιλίᾳ, καὶ ἡ κοιλία τοῖς βρώμασιν· ὁ δὲ θεὸς καὶ ταύτην καὶ ταῦτα καταργήσει. τὸ δὲ σῶμα οὐ τῇ πορνείᾳ ἀλλὰ τῷ κυρίῳ, καὶ ὁ κύριος τῷ σώματι· - 14 ὃς τὸν κύριον ἤγειρεν καὶ ἡμᾶς ἐξήγειρεν. 14 ὁ δὲ θεὸς καὶ τὸν κύριον ἤγειρεν καὶ ἡμᾶς ἐξεγερεῖ διὰ τῆς δυνάμεως αὐτοῦ. 15 οὐκ οἴδατε ὅτι τὰ σώματα ὑμῶν μέλη Χριστοῦ ἐστιν; ἄρας οὖν τὰ μέλη τοῦ Χριστοῦ ποιήσω πόρνης μέλη; μὴ γένοιτο. 15 οὐκ οἴδατε ὅτι τὰ σώματα ὑμῶν μέλη Χριστοῦ ἐστιν; ἄρας οὖν τὰ μέλη τοῦ Χριστοῦ ποιήσω πόρνης μέλη; μὴ γένοιτο. 16 οὐκ οἴδατε ὅτι ὁ κολλώμενος τῇ πόρνῃ ἓν σῶμά ἐστιν. Ἔσονται γάρ, φησίν, οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. 16 ἢ οὐκ οἴδατε ὅτι ὁ κολλώμενος τῇ πόρνῃ ἓν σῶμά ἐστιν; Ἔσονται γάρ, φησίν, οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. - 17 ὁ δὲ κολλώμενος τῷ κυρίῳ ἓν πνεῦμά ἐστιν. 18 φεύγετε τὴν πορνείαν. - 18 φεύγετε τὴν πορνείαν· πᾶν ἁμάρτημα ὃ ἐὰν ποιήσῃ ἄνθρωπος ἐκτὸς τοῦ σώματός ἐστιν, ὁ δὲ πορνεύων εἰς τὸ ἴδιον σῶμα ἁμαρτάνει. 19 οὐκ οἴδατε ὅτι τὰ σώματα ὑμῶν -οὐκ εἰσιν ἑαυτῶν; 19 ἢ οὐκ οἴδατε ὅτι τὸ σῶμα ὑμῶν ναὸς τοῦ ἐν ὑμῖν ἁγίου πνεύματός ἐστιν, οὗ ἔχετε ἀπὸ θεοῦ, καὶ οὐκ ἐστὲ ἑαυτῶν; 20 ἠγοράσθητε γὰρ τιμῆς· δοξάσατε τὸν θεὸν ἐν τῷ θνητῷ σώματι. 20 ἠγοράσθητε γὰρ τιμῆς· δοξάσατε δὴ τὸν θεὸν ἐν τῷ σώματι ὑμῶν ἅτινα ἐστιν τοῦ θεοῦ. A. *6,13-14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,4: Avertens autem nos a fornicatione manifestat carnis resurrectionem. Corpus, inquit, non fornicationi sed domino, et dominus corpori, ut templum deo et deus templo. Templum ergo deo peribit, et deus templo? Atquin vides, Qui dominum suscitavit, et nos suscitabit; in corpore quoque 2 (1Kor) 309 <?page no="310"?> 107 Vgl. G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 126. suscitabit, quia corpus domino, et dominus corpori. ♦ *6,15-16: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,4: Et bene quod aggerat, Nescitis corpora vestra membra esse Christi? Quid dicet haereticus? Ibid. IV 34,5: Scilicet nec tuum apostolum sinere coniungi prostitutae membra Christi. Epiph., Pan. 42, sch. 14 (121. 161 H.): οὐκ οἴδατε ὅτι ὁ κολλώμενος τῇ πόρνῃ ἓν σῶμά ἐστιν; Ἔσονται γάρ, φησίν (φησίν om 121 VM, corr. H.), οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. Adam., Dial. V 22-23 (im Mund des Adamantius): οὐκ οἴδατε ὅτι τὰ σώματα ὑμῶν μέλη Χριστοῦ ἐστιν; ἄρας οὖν τὰ μέλη τοῦ Χριστοῦ ποιήσω πόρνης μέλη; μὴ γένοιτο. … οὐκ οἴδατε γάρ, φησί, ὅτι ὁ κολλώμενος τῇ πόρνῃ ἓν σῶμά ἐστιν; Ἔσονται γάρ, φησίν, οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν (Rufin: Nescitis quia corpora uestra membra Christi sunt? Tollens ergo membra Christi, faciam membra meretricis? Absit! … Aut nescitis quia qui se iungit meretrici unum corpus est? Erunt enim, inquit, ambo in carne una). Vgl. Gen 2,24 LXX: ἕνεκεν τούτου καταλείψει ἄνθρωπος τὸν πατέρα αὐτοῦ καὶ τὴν μητέρα αὐτοῦ καὶ προσκολληθήσεται πρὸς τὴν γυναῖκα αὐτοῦ, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. ♦ *6,18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,4-5: Avertens autem nos a fornicatione-… Membra Christi non resurgent, quae nostra iam non sunt? … Ergo et Christus habuit quo nos redimeret, et si aliquo magno redemit haec corpora, in quae eadem committenda fornicatio non erit, ut in membra iam Christi non nostra, utique sibi salva praestabit quae magno comparavit. ♦ *6,20: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,5: Ergo et Christus habuit quo nos redimeret, et si aliquo magno redemit haec corpora, in quae eadem committenda fornicatio non erit, ut in membra iam Christi non nostra, utique sibi salva praestabit quae magno comparavit. Iam nunc quomodo honorabimus, quomodo tollemus deum in corpore perituro? Eznik, De Deo 127 (PO 28, 664-665) berichtet: „Jesus sandte Paulus zu predigen, daß wir um den Preis erkauft seien, und jeder, welcher glaubt an Jesus, wurde verkauft von dem Gerechten, dem Guten“. B. (6,14) Die Zeitform ἐξήγειρεν findet sich bezeugt durch P 46c2 , 03, 6, 1739, it, vg mss , Ir latv.l. , Or 1739mg ; ἐξεγείρει steht hingegen in P 11.46 *, 01, 06*, 025, 1241, während ἐξεγερεῖ zu finden ist in P 46c1 , 01, 04, 06 2 , 020, 025, 044, 33, 104, 365, 630, 1175, 1505, 1881, 2464, M, vg, sy h , co, Ir lat , Tert, Meth, Ambst. ♦ (6,15) ante οὐκ ist ἤ bezeugt durch 010, 012, ar, Meth. ♦ ante οὐκ findet sich bei Adam γάρ, jedoch ἤ in den Zeugen 01, 02, 03, 04, 010, 012, 025, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464 pm, lat sy p , Cl, Cyp, Lcf, Meth: , om P 46 , 06, 018, 020, 044, 6 pm, r, sy h , Spec, Pel, und in der altlateinischen Tradition: 64. 107 ♦ (6,19) τὰ σώματα steht in 02 c , 020, 044, 33, 81, 104, 365, 1175, 1505, 1881, 2464, pm, sy h , bo, Meth, Ambst, hingegen findet sich τὸ σῶμα in P 46 , 01*, 03, 04, 06, 010, 012, 018, 025, 310 Rekonstruktion <?page no="311"?> 108 Vgl. Ibid. 169, 190, 238. 109 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 506. 630, 1241, 1739 pm b, r, sy p , sa bo mss . ♦ (6,20) Anstelle von δή bezeugen Chrys, latt ἄρα γε, oder auch zu lesen als ἄρατε, 108 om 01*, 2495, d, Ir lat . ♦ Post σώματι add 04 3 , 06 2 , 018, 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1739 mg , 1881, 2464, M, vg ms , sy: καὶ ἐν τῷ πνεύματι ὑμῶν ἅτινά ἐστιν τοῦ θεοῦ, om P 46 , 01, 02, 03, 04*, 06*, 010, 012, 33, 81, 1175, 1739 txt , lat, co, Ir lat , Meth. C. 1. (6,12) Die emphatische Aussage des Paulus in der Eröffnung von Vers 12 bezieht sich auf die vorangegangene Liste der Untugenden und die nachfolgende Speisethematik. Letztere findet sich allerdings hier auf der vorkanonischen Ebene nicht, wie noch zu sehen sein wird. 2. Die Verse 13-14 bieten kein Verb, doch ein solches fehlt auch auf der kanonischen Ebene - BeDuhn fügt in seiner Übersetzung zwei Mal in Klammern das Verb „ist“ ein. 3. (6,13-14) Für Tertullians Passus „Qui dominum suscitavit, et nos suscitabit; in corpore quoque suscitabit“ gibt es etliche textkritische Probleme. Der Apparat von Kroymann lautet wie folgt: „quem MR, qui Pam; deus scripsi: dominus MR, dominum Pam suscitauit, et nos suscitabit; in uulgo; intellege: (eum) quem deus suscitauit et (qui) nos suscitabit [scil. Christus], (eum) in corpore quoque susctiauit; suscitauit M, sucitabit R uulgo“. Kroymann konstruiert: quem deus suscitauit et nos sucitabit, in corpore quoque suscitauit. Von Soden schlägt vor gegen MR (quem dominus suscitavit et nos sucitabit), das „unhaltbar“ sei, „entweder“ mit Kroymann quem deus sucitavit etc. zu lesen „oder mit Harnack in qui dominum suscitavit etc.“ zu ändern. Da das Letztere die „schwerere Korrektur“ sei, plädiert von Soden für die Version von Kroymann. Nun ist jedoch unklar, warum die Harnacksche Änderung des quem in qui die größere sein soll, zumal dominum sowohl durch MR wie Pamelius gestützt wird. Man wird also hier eher Harnack folgen. 4. Hilgenfeld verweist darauf, dass Tertullian auf die Verse 13-15. 20 eingeht. Zahn sieht Vers 13a in irgendeiner Form vorhanden, die Verse 13b und 14 wie im kanonischen Text. Was die Nennung des Tempels betrifft, notiert Zahn: „Es fragt sich, ob letzteres von Mrc. selbst aus v. 19 vorweggenommen, oder von Tr. hier zugesetzt ist“. 109 Harnack hingegen sieht als Text bezeugt: σῶμα οὐ τῇ πορνείᾳ ἀλλὰ τῷ κυρίῳ, καὶ ὁ κύριος τῷ σώματι, ὡς ὁ ναὸς τῷ θεῷ καὶ ὁ θεὸς τῷ ναῷ. 14 … ὃς τὸν 2 (1Kor) 311 <?page no="312"?> 110 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 85*. 111 Vgl. J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 276. 112 W. Kramer, Christos, Kyrios, Gottessohn. Untersuchungen zu Gebrauch und Bedeutung der christologischen Bezeichnungen bei Paulus und den vorpaulinischen Gemeinden (1963), 20; K. Wengst, Christologische Formeln und Lieder des Urchristentums (1973), 29; U. Schnelle, 1 Kor 6: 14---Eine nachpaulinische Glosse (1983), 217. 113 So U. Schnelle, 1 Kor 6: 14---Eine nachpaulinische Glosse (1983), 219. κύριον ἤγειρε, καὶ ὑμᾶς (wohl eine Verschreibung Harnacks für ἡμᾶς) ἐξεγερεῖ. Und er setzt kommentierend in der Fußnote hinzu: „Der Zusatz ut templum etc. muß hier gestanden haben, da ihn Tert. als Text kommentiert“. 110 Schmid bietet: τὸ (δὲ) σῶμα οὐ τῇ πορνείᾳ, ἀλλὰ τῷ κυρίῳ, καὶ ὁ κύριος τῷ σώματι· 14 (ὁ δὲ θεὸς καὶ) τὸν κύριον ἤγειρεν καὶ ἡμᾶς ἐξεγερεῖ-… BeDuhn übersetzt wie Harnack und verweist noch auf Tertullians Zitierge‐ wohnheit von 1Kor 6,13 ohne den Tempelzusatz, so Tert., De pud. XVI 6. 111 Vers 13a, der unbezeugt ist, knüpft an die voranstehenden Überlegungen der Verse 9-11 der kanonischen Rezension an und leitet über zur Speisenthematik, auch wenn diese gar nicht fortgeführt wird. Hingegen führt die vorkanonische Version die Diskussion von Kapitel 5 fort, das Verstoßen des mit der Frau seines Vaters lebenden Mannes. Dieses Thema wurde mit der Antithese vom „alten Sauerteig“ und dem „ungesäuerten Brot“ erläutert und wird auch im Folgenden weiter diskutiert. 5. (6,14) Auf die Formelhaftigkeit von Vers 14a verwies bereits Kramer. 112 Der Vers steht in enger Beziehung zu den Ausführungen in *1Kor 15,12-14. Nicht nachvollziehbar ist, dass nach Schnelle Vers 6,14 einen „Gegensatz zu den eschatologischen Aussagen des Apostels in 1 Kor 15: 51f.“ darstellen soll und warum aus dem „Entsprechungsverhältnis zwischen dem Schicksal des Kyrios und dem der Gläubigen … zwingend voraus[gesetzt]“ sei, „daß die Gläubigen vor ihrer Auferweckung sterben und begraben werden“ und aufgrund des Personalpronomen „wir“ Paulus sich „miteinschließt“, also „mit seinem Tod vor der Parusie des Herrn“ zu rechnen wäre. Dies, so Schnelle, widerspreche 1 Kor 15: 51f., wo Paulus sich bei der Parusie noch am Leben sieht. 113 Von den Umständen - Tod oder Leben - bei der künftigen Auferstehung ist in der vorliegenden Passage nicht die Rede, folglich gibt es auch den vermuteten Gegensatz nicht oder zumindest nicht in dieser Schärfe. Was Schnelles Beitrag allerdings verdeutlicht, ist die Tatsache, dass der vorkanonische *Paulus an dieser Stelle von der kanonischen Sichtweise her betrachtet als ein möglicher Fremdkörper im kanonischen Paulustext gelesen wird. Nach dieser von der traditionellen Position abweichenden Deutung wird damit nur die redaktionelle Bearbeitung verdeutlicht. 312 Rekonstruktion <?page no="313"?> 6. (6,15-16) Zahn sieht diese Verse in der kanonischen Form präsent. Harnack bietet den Text wie oben. Schmid führt an: οὐκ οἴδατε ὅτι τὰ σώματα ὑμῶν μέλη Χριστοῦ (ἐστιν); 16 οὐκ οἴδατε ὅτι ὁ κολλώμενος τῇ πόρνῃ ἓν σῶμά ἐστιν; Ἔσονται γάρ, φησίν, οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. Beduhn übersetzt wie oben, jedoch anstelle von ἤ nimmt er γάρ. Nun liegt aber eine unterschiedliche, wenn auch teilweise komplementäre Bezeugung durch Tertullian und Epiphanius vor. Tertullian zitiert sicher nicht das Ἔσονται γάρ, φησίν, οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν, welches aus der Genesisstelle am Ende gezogen ist, während er den zweiten Teil des Verses 15 mit dem Anfang des Verses 16 zu verschmelzen scheint. Der zweite Halbvers hätte Tertullians kritische Wiedergabe von Markions Paulustext gewiss unterstrichen, das heißt, dass dieser Halbvers möglicherweise nicht im vorkanonischen Text gestanden war. Das Zitat aus Genesis ist implizit eine Kritik an dieser Quelle, weil - gut markionitisch - hier das Verlassen von Vater und Mutter und die Vereinigung mit der eigenen Frau mit einer Vereinigung mit einer Prostituierten gleichge‐ setzt wird. Um eine solche Lektüre abzuwehren, hat die kanonische Redaktion schließlich den zusätzlichen Vers 17 angefügt. 7. (6,17) Dieser Vers ist unbezeugt. Zahn nimmt seine Präsenz an, ohne den Wortlaut bieten zu können. Harnack, Schmid und BeDuhn nehmen ihn als unbezeugt. Dass der Vers der kanonischen Redaktion zu verdanken ist, deutet die Parallele in 1Kor 12,13 an (πάντες ἓν πνεῦμα ἐποτίσθημεν), die ebenfalls nicht für den vorkanonischen Text bezeugt ist. 8. (6,18) Hilgenfeld stellt heraus, dass Adamantius die Verse 15 und 16 „gegen die Marcioniten geltend“ macht. Zahn nimmt wiederum die Präsenz der Verse an, ohne den Wortlaut bestimmen zu können, Harnack und Schmid sehen die Verse als unbezeugt, doch BeDuhn verweist zu Recht auf das Zeugnis Tertullians und fügt die bezeugten Teile der Verse 18-19 (φεύγετε τὴν πορνείαν … οὐκ ἐστὲ ἑαυτῶν) in seine Übersetzung ein und deutet mit Auslassungszeichen davor, dazwischen und danach an, dass mit fehlendem, aber nicht bestimmbarem Text zu rechnen ist. 9. (6,19) Was die Variante τὰ σώματα betrifft, die eine Reihe von Zeugen bietet und die durch Tertullian bestätigt wird (haec corpora), wird wohl der Plural in der vorkanonischen Fassung gestanden sein. Da Tertullian kein Wort über den Heiligen Geist oder den Tempel an dieser Stelle verlauten lässt, scheint er lediglich den obigen Text gelesen zu haben. 10. (6,20) Zahn nimmt den Anfang des Verses in der kanonischen Version, schlägt dann aber vor: δοξάσατε, ἄρατε τὸν θεὸν ἐν τῷ σώματι ὑμῶν. 2 (1Kor) 313 <?page no="314"?> 114 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 33. Harnack liest ἠγοράσθητε γὰρ τιμῆς· δοξάσατε, ἄραγε τὸν θεὸν ἐν τῷ (θνητῷ) σώματι ὑμῶν. Schmid gibt den Vers mit δοξάσατε καὶ ἄρατε ἐν τῷ σώματι (ὑμῶν), BeDuhn übersetzt wie Schmid. Doch hat Harnack bereits richtig gesehen; denn schon wegen des unverbun‐ denen tollemus ohne et (καί) ist vielmehr das auch in 1611 und bei Methodius bezeugte ἄρα γε zu lesen, das die Konklusion des Arguments anzeigt. Der Zeuge 1505 *vid (vg) hat ἄρα τε, während beide Wörtchen fehlen in 01*, 2495, d, Ir lat . Man bemerke auch die Nähe dieses Verses zu dem nur kanonisch stehenden Vers 1Kor 7,23: τιμῆς ἠγοράσθητε: μὴ γίνεσθε δοῦλοι ἀνθρώπων. Harnack fragt wohl auch zu Recht, ob Tertullian θνητῷ gelesen hat oder hier nicht vielmehr Röm 6,12 (ἐν τῷ θνητῷ ὑμῶν σώματι) von ihm mitgelesen wurde. Wie die Variante der kanonischen Redaktion anzeigt, scheint durchaus das θνητῷ im vorkanonischen Text gestanden zu sein, das dann aus derselben anti‐ markionitischen Kritik heraus, die sich in Tertullians Kommentar niederschlug, durch die kanonische Redaktion vermieden und an dessen Stelle die deutlich antimarkionitische Weiterung gesetzt wurde. Zu fragen ist auch, ob ὑμῶν im vorkanonischen Text gefehlt hat. Gegen die Präsenz spricht jedoch, dass Tertullian das Personalpronomen nicht erwähnt, obwohl es ihm gut in seine Argumentation gepasst hätte. Dazu kommt, wie die Lexik zu diesem Pronomen zeigt, dass es zwar vorkanonisch gut belegt ist, jedoch an vielen Stellen zur Verstärkung der Emphase und der Materialität des Erlösten von der kanonischen Redaktion in den vorkanonischen Text eingefügt wird. An dieser Stelle könnte dies in Anlehnung an *Röm 8,11 (τὰ θνητὰ σώματα ὑμῶν) erfolgt sein. Das Pronomen wird also tatsächlich vorkanonisch an dieser Stelle gefehlt haben. Couchoud (Delafosse) hält 1Kor 5,9-6,20 für markionitisch. 114 Dass gerade der Heilige Geist zur kanonischen Redaktion gehört, wird durch die Variante deutlich, die die Zeugen am Ende vom nachfolgenden Vers 20 als folgenden Zusatz bieten: καὶ ἐν τῷ πνεύματι ὑμῶν ἅτινά ἐστιν τοῦ θεοῦ, die jedoch interessanterweise nicht in den Haupttext von NA 28 aufgenommen wurde. D. (6,12) Die Kombination Πάντα μοι steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,22. ♦ ἔξεστι, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 314 Rekonstruktion <?page no="315"?> bezeugt für *Ev 6,9. ♦ συμφέρω, das 19 / 15 Mal im NT steht, lässt sich nur für die kanonische Ebene nachweisen. ♦ Die Kombination οὐκ ἐγώ steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 14,29; Joh 6,70; 18,26; Röm 16,4, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 6,12; 7,10; 15,10; 2Kor 11,29; 2Joh 1,1). ♦ ἐξουσιάζω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 22,25; 1Kor 6,12; 7,4). ♦ τινος (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Sg.), das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers ist, wie in C. dargelegt, aufgrund der narrativen Zusammenhänge Teil der kanonischen Ebene. Der auf die Verseröff‐ nung folgende Teil bietet ausschließlich kanonische Terminologie (συμφέρω; οὐκ ἐγώ; ἐξουσιάζω). Er wird vorkanonisch gefehlt haben. (6,13) Zum unbezeugten Versteil: βρῶμα steht 18 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. ♦ κοιλία steht 24 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27. ♦ Die Kombination καὶ ταύτην steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu καὶ ταῦτα als Ausdruck der kanonischen Redaktion vgl. zuvor zu den Versen 8 und 11. ♦ καταργέω steht 27 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15. Zum bezeugten Versteil: Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ σῶμα steht 150 / 142 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,17; *1Kor 6,13. 15. 16. 20; 11,24. 27. 29; 12,12. 24; 15,35. 37. 38. 40; *2Kor 4,10; 5,6. 8. 10; *Röm 7,4; 8,10. 11; *1Thess 5,23; *Kol 1,24; 2,17; *Phil 3,21. ♦ πορνεία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist mehrfach bei *Paulus bezeugt. ♦ Der Ausdruck ἀλλὰ τῷ κυρίῳ ist Hapax legomenon. ♦ ναός steht 49 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,17; 6,13; *2Thess 2,4. Zur Rekonstruktion: Im unbezeugten Textbestand finden sich zwar Termini, die auch vorkanonisch bezeugt sind, allerdings fallen auch die beiden kanonischen Ausdrücke καὶ ταύτην und καὶ ταῦτα ins Auge. Da der Vers auch narrativ an die kanonischen Verse, die voranstehen, anschließt, scheint er im ersten Teil auf die kanonische Redaktion zurückzugehen, die vorkanonisch gefehlt hat, so dass der Vers erst mit dem bezeugten, thematischen Teil zum Leib vorkanonisch beginnt. (6,14) ἐξεγείρω ist nur hier vorkanonisch bezeugt, 1 weiteres Mal1 weiteres Mal steht es auf der kanonischen Ebene in Röm 9,17. ♦ διὰ τῆς δυνάμεως αὐτοῦ erinnert an die kanonische Stelle 2Kor 13,4 (σὺν αὐτῷ ἐκ δυνάμεως θεοῦ), auch wenn δυνάμεως αὐτοῦ in *2Thess 1,7 vorkanonisch bezeugt ist. 2 (1Kor) 315 <?page no="316"?> Zur Rekonstruktion: Wie in C. erläutert, wird nur der von Tertullian bezeugte Teil in der vorkanonischen Version gestanden sein, auch wenn die Lexik wegen der Kürze des Verses wenig Gewicht besitzt. (6,15) Zu οὐκ οἴδατε als wiederholt vorkanonisch bei *Paulus bezeugter Kombination vgl. zuvor zu 6,3. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht und bereits vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus ist. ♦ μέλος steht 42 / 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,15; 9,9; 12,12. 14; *Röm 7,23. ♦ ἀρά steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier. ♦ πόρνη steht 12 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt hier und gleich wieder im nächsten Vers. ♦ Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, etwa Lk 20,16 in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. Zur Rekonstruktion: Die Rekonstruktion folgt der Bezeugung Tertullians, zumal auch die Lexik mit Ausnahme von ἄρας auch sonst vorkanonisch bezeugt ist. (6,16) Zu οὐκ οἴδατε vgl. zum Vers zuvor und 6,3. ♦ κολλάω steht 12 Mal im NT, nochmals vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9. ♦ Zu πόρνη vgl. zum voranstehenden Vers 15. ♦ Zu σῶμα vgl. den Vers zuvor. ♦ Die Verbform ἔσονται steht 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für *Laod 5,31. ♦ Das widersprüchlich bezeugte φημί steht 73 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; 10,19; 15,50; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ Der Ausdruck οἱ δύο steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,31. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, auch wenn Tertullian den zweiten Halbvers nicht bezeugt. Doch für dessen Präsenz spricht auch die Lexik, die die Termini auch weiters vorkanonisch bezeugt. Möglicher‐ weise hatte Tertullian die Kritik an dieser Genesisstelle verstanden, die aus einem Eheverhältnis ein solches zu einer Prostituierte machte. (6,17) Über Vers 16 hinaus: Die Wendung ἓν πνεῦμα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 6,17; 12,13; Eph 4,4). Zur Abwesenheit: Hierfür sprechen die fehlende Bezeugung und die in C. genannte kanonische Parallele zu 1Kor 12,13, ebenfalls der Ausdruck ἓν πνεῦμα. (6,18) Zum bezeugten Versteil: φεύγω steht 33 / 29 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ πορνεία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,13; *1Thess 4,3. Zum unbezeugten Versteil: πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.) steht 73 Mal im NT, vorkanonisch nur im Zitat von Dtn 19,15 in *Röm 3,19 und *Kol 1,19. ♦ ἁμάρτημα steht 5 / 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὃ ἐὰν steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal in Mt; 3 Mal 316 Rekonstruktion <?page no="317"?> im Mk; Joh 15,7; 1Kor 6,18; Kol 3,23; 1Joh 3,22; 5,15; 3Joh 1,5). ♦ Die Verbform ποιήσῃ steht 9 Mal im NT, etwa Lk 13,9 in einem Vers, der in *Ev fehlt; dann Lk 18,7, wo sie nicht bezeugt ist, außerdem 2 Mal in Mt; Mk 3,5; 1Kor 6,18; Eph 6,8; Apk 12,15; 13,15, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐκτὸς τοῦ σώματός steht noch ein Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 2Kor 12,2. ♦ ἴδιος steht 123 / 114 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ ἐκτός, das sich 9 / 8 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πορνεύω, das 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Aufgrund der Bezeugung durch Tertullian, ist die Eröff‐ nung für diesen Vers vorkanonisch anzunehmen. Der unbezeugte Teil des Verses wird vorkanonisch gefehlt zu haben, wie die überwiegend kanonisch belegte Lexik erweist (ἁμάρτημα; ὃ ἐὰν; ποιήσῃ; ἐκτὸς τοῦ σώματός; πορνεύω). (6,19) ἢ οὐκ οἴδατε ist, wie zuvor zu 6,9 gezeigt, die kanonisch bezeugte Form, während οὐκ οἴδατε vorkanonisch bezeugt ist, wie zu 6,3 gezeigt. ♦ ναός steht 49 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,17; 6,13; *2Thess 2,4. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene (*Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9). ♦ Die Kombination ἀπὸ θεοῦ steht 22 Mal im NT, ist jedoch nur ein Mal vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,3. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Verbform ἐστε vgl. zuvor zu Vers 2. Zur Rekonstruktion: Auch hier folgt der Text den Andeutungen Tertullians und beachtet die Lexik, dann auch, dass Tertullian wohl kaum die Erwähnung des Heiligen Geistes übergangen hätte. Die Formulierung ἀπὸ θεοῦ ist zwar in der Eröffnung von *1Kor genannt, doch verglichen mit der Beliebtheit dieser Formel auf der kanonischen Ebene spricht die Verwendung hier eher dafür, dass wir diesen Teil der kanonischen Redaktion zuzuordnen haben, auch wenn man hier auch anders entscheiden könnte. (6,20) ἀγοράζω steht 37 / 30 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 6,20. ♦ τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion darstellt. ♦ Die Form ἠγοράσθητε steht nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, auf der kanonischen Ebene in 1Kor 7,23. ♦ δοξάζω steht 68 / 61 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Variante ἄρα γε steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 7,20; 17,26; Apg 17,27). ♦ θνητός steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,53. 54; *2Kor 5,4; *Röm 8,11. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist 2 (1Kor) 317 <?page no="318"?> bereits vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus, vgl. zuvor zu Vers 6,15. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt der Bezeugung durch Tertullian. Mit Aus‐ nahme von δοξάζω sind die weiteren Termini auch anderwärts vorkanonisch bezeugt. Kapitel 7 7,1-2 [3-6] 7: Keiner soll eine Frau haben Während die vorkanonische Fassung die Diskussion der Kapitel 5 und 6 mit dem asketischen Hinweis darauf abschließt, dass keiner „eine eigene Frau haben“ soll, führt die kanonische Redaktion eine weitere Digression durch, indem sie die vorkanonische asketische Position aufgibt und stattdessen behauptet, „wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben und jede soll ihren Mann haben“, sich dann aber zu innerehelichen Pflichten und zur Sexualität detailliert äußert. 7,1 Περὶ τῶν γάμων, καλὸν ἀνθρώπῳ γυναικὸς μὴ ἅπτεσθαι - 7,1 Περὶ δὲ ὧν ἐγράψατε μοι, καλὸν ἀνθρώπῳ γυναικὸς μὴ ἅπτεσθαι· 2 διὰ τὴν πορνείαν· ἕκαστος τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα μὴ ἐχέτω. 2 διὰ δὲ τὰς πορνείας ἕκαστος τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα ἐχέτω, καὶ ἑκάστη τὸν ἴδιον ἄνδρα ἐχέτω. - 3 τῇ γυναικὶ ὁ ἀνὴρ τὴν ὀφειλὴν ἀποδιδότω, ὁμοίως δὲ καὶ ἡ γυνὴ τῷ ἀνδρί. 4 ἡ γυνὴ τοῦ ἰδίου σώματος οὐκ ἐξουσιάζει ἀλλὰ ὁ ἀνήρ· ὁμοίως δὲ καὶ ὁ ἀνὴρ τοῦ ἰδίου σώματος οὐκ ἐξουσιάζει ἀλλὰ ἡ γυνή. 5 μὴ ἀποστερεῖτε ἀλλήλους, εἰ μήτι ἂν ἐκ συμφώνου πρὸς καιρὸν ἵνα σχολάσητε τῇ προσευχῇ καὶ πάλιν ἐπὶ τὸ αὐτὸ ἦτε, ἵνα μὴ πειράζῃ ὑμᾶς ὁ Σατανᾶς διὰ τὴν ἀκρασίαν ὑμῶν. 6 τοῦτο δὲ λέγω κατὰ συγγνώμην, οὐ κατ’ ἐπιταγήν. 7 θέλω γὰρ ἀνθρώπους εἶναι ὡς καὶ ἐμαυτόν· ἀλλὰ ἕκαστος ἴδιον ἔχει χάρισμα, ὅς μὲν οὕτως, ὅς δὲ οὕτως. 7 θέλω δὲ πάντας ἀνθρώπους εἶναι ὡς καὶ ἐμαυτόν· ἀλλὰ ἕκαστος ἴδιον ἔχει χάρισμα ἐκ θεοῦ, ὁ μὲν οὕτως, ὁ δὲ οὕτως. A. *7,1-2: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,6: Sequitur de nuptiis congredi, quas Marcion constantior apostolo prohibet. Vgl. auch das nachfolgende Zitat aus Origenes. 318 Rekonstruktion <?page no="319"?> ♦ *7,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,6: Etenim apostolus, etsi bonum continentiae praefert, tamen coniugium et contrahi permittit et usui esse, et magis retineri quam disiungi suadet. Vgl. Origenes, Katene zum Ersten Korintherbrief: θέλω δὲ πάντας ἀνθρώπους εἶναι ὡς καὶ ἐμαυτόν: ἀλλ’ ἕκαστος ἴδιον ἔχει χάρισμα ἐκ θεοῦ, ὁ μὲν οὕτως, ὁ δὲ οὕτως. Πνέει χαρίσματος ὁ γάμος, ὅτε τὰ μέτρα τηρεῖται τοῦ ἐκ συμφωνίας· καὶ ἀληθῶς ἐστὶν εἰπεῖν ἐπὶ τινῶν· ὅτι τούτῳ ὁ γάμος χάρισμά ἐστιν· ὅτε οὐκ ἀκαταστασία, ὅτε πᾶσα εἰρήνη, πᾶσα συμφωνία· εἰπεῖν μέντοι γε ὅτι χάρισμα ἐκ Θεοῦ ἐστιν ὁ γάμος πιστοῦ πρὸς ἐθνικὸν καὶ ἐθνικοῦ πρὸς πιστόν, τοῦτο οὐκ ἂν εἴποιμι· οὐ γὰρ δύναται τὸ χάρισμα τοῦ Θεοῦ φθάναι ἐπὶ τοῖς ἐθνικοῖς· ἐὰν πιστεύσῃ, ἐὰν σωθῇ, τότε ἀρχὴν λήψεται τοῦ χαρίσματος. Χρῶνται δὲ τῷ ῥητῷ τούτῳ καὶ οἱ ἀπὸ Μαρκίωνος. καὶ ἀναισθήτως κωλύουσιν τὸν γάμον· λέγοντες, τὴν ἁγνείαν πρόσταγμα εἶναι τοῦ ἄλλου Θεοῦ, ὃν ἂν ἔπλασαν παρὰ τὸν δημιουργόν. πλὴν ἐκ τοῦ ῥητοῦ ἐστιν αὐτοὺς συμβιβάσαι, ὅτι κακῶς κωλύουσι τὸν γάμον, κακῶς καὶ διαιροῦσι τὴν θεότητα. εἰ γὰρ χάρισμά ἐστι τὸ μὲν οὕτως, τὸ δὲ οὕτως χάρισμά ἐστι καὶ ὁ γάμος. εἰ χάρισμα καὶ ὁ γάμος· κακῶς κωλύεται τὸ χάρισμα ὁ γάμος (125,4-20 Cramer V). B. (7,1) Die personalisierte Form mit μοι ist typisch für die kanonische Redaktion und sollte mit den nachfolgenden Zeugen auch in den kanonischen Text aufgenommen werden: 01, 06, 010, 012, 044, M, a, b, vg cl , sy co, om P 46 , 01, 03, 04, 33, 81, 1739, 1881, 2464, pc r, vg st . ♦ (7,2) Anstelle von τὰς πορνείας findet sich τὴν πορνείαν in 010, 012, latt, sy. ♦ καὶ ἑκάστη τὸν ἴδιον ἄνδρα ἐχέτω om 010, 012, f, g, Tert und weitere Zeugen. ♦ (7,3) anstelle von ὀφειλὴν bieten M, sy: ὀφειλομένην εὔνοιαν ♦ (7,5) Post σχολάσητε τῇ add 01 2 , 018, 020, 365, 1241, 1505, M, sy: νηστεία καὶ τῇ, während om NA 28 und P 11vid.46 , 01*, 02, 03, 04, 06, 010, 012, 025, 044, 6, 33, 81, 104, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, latt, co, Cl, Epiph. ♦ ἦτε findet sich in folgenden Zeugen: P 11vid , 01, 02, 03, 04, 06, 010, 012, 33, 81, 365, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, b, r, Or; an dessen Stelle findet sich συνέρχησθε in den Zeugen 018, 020, 044, 104, 1241, 1505, M, lat, sy h , Ambst, und συνερχεσθε in P 46 , 025, 614. ♦ (7,7) δέ wird geboten von P 46 , 01*, 02, 04, 06*, 010, 012, 33, 81, 326, 629, 2464, it, vg st , Cyp, Ambst; hingegen findet sich γάρ in den Zeugen 01 2 , 03, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M, vg cl , sy. ♦ Die zwei Mal begegnende Form ὅς wird bezeugt in P 46 , 012, 018, 020, 044, 104, 365, 1175, 1241, 1505, M, während sich ο findet in 01*, 01, 02, 03, 04, 06, 010, 012, 025, 6, 33, 81, 630, 1739, 1881, 2464, Cl. C. 1. (7,1-2) Tertullians Einleitung (Sequitur de nuptiis congredi) setzt eine vorkanonische Eröffnung voraus (Περὶ τῶν γάμων, vgl. *Ev 12,36). 2 (1Kor) 319 <?page no="320"?> 115 Vgl. W. Schrage, Ethische Tendenzen in der Textüberlieferung des Neuen Testaments (1986), 387; J.J. Kloha, The Ethics of Sexuality and Textual Alterations in the Pauline Epistles (2008), 104. 116 Vgl. Clem. Alex., Stromata III 12, 81, 3. Vgl. hierzu, jedoch ohne Bezug zu Markion, J.J. Kloha, The Ethics of Sexuality and Textual Alterations in the Pauline Epistles (2008), 102-103. 117 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 446. Der Passus καὶ ἑκάστη τὸν ἴδιον ἄνδρα ἐχέτω ist nicht nur bei Tertullian unerwähnt, er fehlt auch in einschlägigen Zeugen und wird darum wohl vorkanonisch gefehlt haben. Schrage sieht dies als eine antifeministische Aus‐ lassung, während Kloha sie hingegen für ein Homoioteleuton erklärt. Beide jedoch gehen von der älteren Prämisse aus, dass es sich um eine nachträgliche Änderung handelt, nicht um den Ausgangstext, wie in dieser Rekonstruktion vorgeschlagen. 115 Gemäß Klemens von Alexandrien hatte Tatian noch einen Paulustext gelesen, in welchem „sexuelle Vereinigung das Verderbnis sexueller Handlungen entfes‐ selt“, wogegen Klemens mit Bezug zum kanonischen Text von 1Kor 7,3-5 Tatian entgegenhält, Paulus habe diese Position gemildert. 116 Das bedeutet, dass die vorkanonische Version dem Tatian in dieser Fassung noch vorgelegen war. Nach Hilgenfeld geht Tertullian „auf V. 1. 2. 9. 11. 29 (vgl. auch Lib. I, 29. V,8). 39 ein“. 117 Zahn sieht die Verse in der kanonischen Form präsent. Harnack sieht die Verse 1-2 nur andeutungsweise bezeugt, so auch Schmid. BeDuhn übersetzt καλὸν ἀνθρώπῳ γυναικὸς μὴ ἅπτεσθαι, deutet aber mit Auslassungszeichen davor an, dass er einen Text voraussetzt, auch wenn dessen Wortlaut nicht bestimmbar ist. Aus der hier gewählten Perspektive der Priorität des vorkanonischen Textes wird jedoch, wie bereits zuvor bei *1Kor 6,16, deutlich, dass die kanonische Redaktion bewusst die Argumentation von der voranstehenden Diskussion der Prostitution durch Περὶ δὲ ὧν ἐγράψατε abgesetzt hat. Damit wird eine Zäsur zwischen Prostitution und Heirat gesetzt, deren Einheit in der vorkanonischen Fassung durch das Zitat von Gen 2,24 gerade hergestellt worden war. In der vorkanonischen Fassung geht es folglich um die Vorstellung, dass die Berührung mit einer jeglichen Frau, auch innerhalb der Ehe, das Eingehen eines Prostituiertenverhältnisses bedeutet. 2. (7,2) Das nicht-verneinte ἐχέτω der kanonischen Version kann aufgrund des Kommentars von Tertullian nicht korrekt sein und steht ja auch in Spannung zum voranstehenden Vers, dass es „gut für den Mann“ ist, „eine Frau nicht zu berühren“, was, nach Tertullian, vorkanonisch ausdrücklich von der Ehe gesagt wurde. Die kanonische Redaktion reduziert in der Tat das Rigorose der 320 Rekonstruktion <?page no="321"?> vorkanonischen Fassung, indem sie einerseits den Hinweis auf die Ehe streicht und das komplementäre Element καὶ ἑκάστη τὸν ἴδιον ἄνδρα ἐχέτω hinzusetzt, das in einschlägigen Zeugen fehlt, jedoch nicht, wie in NA 27 angedeutet, auf Homoioteleuton zurückzuführen ist (so nicht mehr notiert in NA 28 ), sondern eine Folge der kanonisch-ethischen Korrektur darstellt. Diese ist wiederum nicht konsequent vorgenommen, was sich im zwiespältigen διὰ δὲ τὴν πορνείαν zeigt, das die Übersetzungen dann glättend übersetzen müssen mit „wegen der Gefahr der Unzucht“ oder „um Unzucht zu vermeiden“, wobei die wörtliche Übersetzung ist: „wegen der Unzucht“, was natürlich keinen spannungsfreien Sinn ergibt, wenn man die vermutlich ursprüngliche, bei Tertullian noch vorausgesetzte Negation beiseite lässt. 3. (7,3-6) Diese Verse sind unbezeugt, auch wenn Zahn sie in der kanonischen Form präsent sieht, Harnack zumindest eine Anspielung auf Vers 3 annimmt und BeDuhn angibt, die Verse 3-5 seien zwar unbezeugt, jedoch Tertullians Aussage continentiae praefert, tamen coniugium … permittit auf die Verse 6-7a bezieht. In seiner Übersetzung bietet er in Klammern alle Verse 3-6 bis auf den Passus ἵνα μὴ πειράζῃ ὑμᾶς ὁ Σατανᾶς διὰ τὴν ἀκρασίαν ὑμῶν. Schmid sieht jedoch zu Recht keinen Hinweis in Tertullian auf die Verse 3-6, sondern führt, wie zu Vers 7 zu sehen ist, Origenes heran. 4. (7,7) Schmid meint, Origenes, Katene z. St. (125,14-19 Cramer V) bezeuge aus Vers 7 den zweiten Versteil: ἀλλὰ ἕκαστος ἴδιον ἔχει χάρισμα ἐκ θεοῦ, ὁ μὲν οὕτως, ὁ δὲ οὕτως. Auch Zahn, Harnack und BeDuhn rechnen mit diesem Vers 7, jedoch mit dem gesamten Vers in der kanonischen Form. Gewiss spielt auch Tertullian an der zitierten Stelle aus Adv. Marc. V 7,6 auf diesen Vers an, auffallenderweise jedoch auf den ersten Teil des Verses, wenn er Paulus interpretiert, dass dieser zwar die Kontinenz bevorzuge („Ich will nämlich, dass die Menschen so wie ich sind“). Dass er dann anführt, der Apostel erlaube allerdings auch die eheliche Verbindung und den Gebrauch derselben und er eher die Aufrechterhaltung als die Trennung derselben empfehle, bezieht sich dies bereits auf die Verse 10-11, d. h. Tertullian gibt uns keine Auskunft und Bezeugung für den zweiten Teil des Verses 7, doch auch der Wortlaut des ersten Teils ist unsicher, insbesondere, wenn man die Lexik betrachtet, die für eine kanonisch redaktionelle Überarbeitung spricht. 5. Die Auslegung des Origenes zu dieser Stelle kommt derjenigen Tertullians zwar nahe, bietet jedoch einen Einblick in die rigorose Interpretation der Markioniten zu dieser Stelle. Origenes erwähnt nämlich, dass die Markioniten diesen Vers nutzen, um mit ihm sinnloserweise die Ehe zu verbieten und das Enthaltsamkeitsgebot auf den „anderen Gott“ zu beziehen, d. h. dass die Ehe auf den Demiurgen zurückgehe. Origenes hält diese Interpretation 2 (1Kor) 321 <?page no="322"?> 118 Vgl. zu dieser intentionellen Änderung W. Schrage, Ethische Tendenzen in der Textü‐ berlieferung des Neuen Testaments (1986), 385; J.J. Kloha, The Ethics of Sexuality and Textual Alterations in the Pauline Epistles (2008), 103. selbstverständlich für schädlich, insbesondere, nachdem er zuvor seine langen Ausführungen vorgebracht hatte, in denen er - über den paulinischen Text hinaus - aus der Erwähnung von „Charisma“ abgeleitet hatte, dass die Ehe nach Paulus ein Charisma darstelle. Nun will er „aus dem Vers“ seine Gegner dazu zwingen, zuzugestehen, dass sie fälschlicherweise die Ehe verbieten und die Gottheit zerreißen. Er begründet seine Meinung mit dem Hinweis auf den letzten Versteil, den er nun aber leicht verändert wiedergibt: Wenn „das Sosein, aber auch das Anderssein“ jeweils ein Charisma sei, dann sei auch die Ehe ein Charisma und die Markioniten würden die Ehe üblerweise verbieten. Demnach hatte Markion bzw. die Markioniten diese Verse nicht so verstanden, wie Tertullian glauben machen will, als hätten sie die Ehe zugestanden. Doch diese Stelle kann auch den Gegnern des Origenes nicht dazu gedient haben, die Ehe auf den Demiurgen zurückzuführen, sie wären denn Origenes gegenüber ins apologetische Messer gelaufen. Der zweite Teil des Verses bezieht sich vielmehr nicht, wie Origenes ihn auslegt, auf die Gleichsetzung von Charisma und Ehe, sondern leitet die beiden Lebensweisen ein, die in den nachfolgenden Versen angesprochen werden: Die der Unverheirateten und Witwen, die unverheiratet bleiben sollen wie *Paulus (Vers 8); und dann die der Verheirateten, zu denen es heißt: „10. Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen 11. - wenn sie sich aber trennt, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich wieder mit dem Mann - und der Mann darf die Frau nicht verstoßen.“ Wenn Tertullian dann im weiteren Verlauf der Diskussion hinzusetzt (Adv. Marc. V 7,6), dass „Markion die Gläubigen von jeglichem Intimverkehr fernhält (was seine Katechumenen betrifft, ist dies nämlich erst noch zu sehen), indem er eine Scheidung vor der Ehe verlangt“ (Marcion totum concubitum auferens fidelibus (viderint enim catechumeni eius), repudium ante nuptias iubens), so scheint er diese Verse so gelesen zu haben, dass zwar eine eheliche Gemeinschaft zugestanden wurde, jedoch nur eine solche der Enthaltsamkeit. 6. Der Unterschied der Varianten δέ und γάρ in der Verseröffnung unter‐ streicht, dass auf der vorkanonischen Ebene der Vers davor (7,2) mit einer Negation endete, während er auf der kanonischen Ebene positiv schloss. 118 D. (7,1) περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev und *1Kor 8,1; 12,1, war folglich keine beliebte Konjunktion der vorkanonischen Ebene, wie auch die vielen Verse belegen, in denen die kanonische Redaktion diese 322 Rekonstruktion <?page no="323"?> 119 Vgl. hierzu J.J. Kloha, The Ethics of Sexuality and Textual Alterations in the Pauline Epistles (2008), 99. Konjunktion besitzt, die aber in der vorkanonischen Ebene nicht vorhanden sind, vgl. weiters Verse 25. 37. ♦ Die Kombination περὶ δέ steht 14 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 22,31; 24,36; Mk 12,26; 13,32; Joh 16,11; Apg 21,25; 1Kor 7,1. 25; 8,1; 12,1; 16,1. 12; 1Thess 4,9; 5,1). ♦ γάμος steht 16 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,36. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ Das vorangestellte καλόν ist für die vorkanonische Fassung bezeugt für *Ev 9,33; *Röm 14,21. ♦ Die Kombination καλὸν ἀνθρώπῳ begegnet noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, 1Kor 7,26. ♦ ἅπτω steht 46 / 39 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Kol 2,21. ♦ γυνή, das 246 / 215 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,1; 7,2 (? ). 10; 11,5. 10; 14,34; *Laod 5,22. 23. 28, vgl. weiter die Verse 2. 3. 4. 10. 11. 12. 13. 14. 16. 27. 29. 33. 34. 39. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt der Bezeugung durch Tertullian und berück‐ sichtigt auch die Lexik, wie in C. näher erläutert. (7,2) Die Kombination ἕκαστος τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα begegnet noch ein Mal in Eph 5,33 auf der kanonischen Ebene, sowohl hier wie dort auf der kanonischen Ebene bejaht und nicht, wie in der vorkanonischen Version verneint (μὴ ἐχέτω). ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23. Zur Rekonstruktion: Wie in C. näher erläutert, muss Tertullians Zeugnis zufolge mit einer Verneinung des Verbes gerechnet werden, außerdem scheint der von Tertullian unbezeugte zweite Teil des Verses, der auch in einschlägigen Zeugen fehlt, vorkanonisch nicht vorhanden gewesen zu sein. (7,3) Die Form τῇ γυναικί steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 19,5; 26,10; Apg 5,1; 1Kor 7,3. 14. 33; Apk 12,14. 16. 17). ♦ Zu ἀνήρ vgl. zu Vers 2. ♦ ὀφειλή steht 3 Mal im NT, jeweils für die kanonische Ebene bezeugt (Mt 18,32; Röm 13,7; 1Kor 7,3). ♦ ὀφείλημα steht 2 Mal im NT steht, beide Male auf der kanonischen Ebene (Mt 6,12; Röm 4,4). ♦ Auch die Variante εὔνοια steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 7,3; Eph 6,7). 119 ♦ ἀποδίδωμι steht 56 / 48 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,17. ♦ ὁμοίως steht 33 / 30 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 2 (1Kor) 323 <?page no="324"?> 120 Vgl. hierzu ibid. 100-101. Zur Abwesenheit: Die Lexik mit der vorkanonischen Terminologie (τῇ γυναικὶ; ὀφειλή; ὀφείλημα; εὔνοια; ὁμοίως; δὲ καὶ) unterstreicht eindrücklich das Fehlen dieses unbezeugten Verses in der vorkanonischen Version. (7,4) Zu ἴδιος vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Die Kombination τοῦ ἰδίου steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 20,28; 1Kor 7,4. 37; Hebr 9,12; 13,12). ♦ Zu ἀνήρ vgl. zu Vers 2. ♦ Zu ὁμοίως als ausschließlich kanonischem Terminusvgl. zum Vers 7,3. ♦ Ebenfalls zu δὲ καὶ als ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehende Kombination, vgl. zum Vers zuvor. ♦ ἐξουσιάζω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Außerdem steht es dort und hier in Vers 5 zusammen mit ἀποστερέω, das 5 Mal im NT steht, nur für die kanonische Ebene bezeugt (Mk 10,19; 1Kor 6,7. 8; 7,5; 1Tim 6,5; Jak 5,4). Zur Abwesenheit: Auch hier spricht die Lexik (τοῦ ἰδίου; ὁμοίως; δὲ καί; ἐξουσιάζω; ἀποστερέω) für eine Zuordnung dieser Passage zur kanonischen Ebene, der Vers wird im vorkanonischen Text gefehlt haben. (7,5) Zu ἀποστερέω als ausschließlich kanonischem Verb vgl. zum Vers zuvor 7,4. ♦ μήτι steht 20 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Auffallend ist, dass beide Begriffe auch auf der kanonischen Ebene in 1Kor 6,3-7 eng zusammen‐ stehen. ♦ ἄν steht 205 / 167 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8. ♦ Der Ausdruck ἐκ συμφώνου ist Hapax legomenon im NT. συμφωνέω steht 10 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,36. ♦ σχολάζω begegnet nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Mt 12,44. ♦ Die Variante νηστεία, die 8 / 6 Mal im NT steht, ist überhaupt nur kanonisch bezeugt für Mt 17,21, Mk 9,29; Lk 2,37, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 14,23; 27,9; 1Kor 7,5; 2Kor 6,5; 11,27. ♦ προσευχή steht 42 / 37 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,12. Das verwandte Verb προσεύχομαι steht 104 / 86 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.) steht 100 Mal im NT und ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ Der Ausdruck ἐπὶ τὸ αὐτό steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 22,34; Lk 17,35; Apg 1,15; 2,1. 44. 47; 4,26; 1Kor 7,5; 11,20; 14,23). ♦ Die Verbform ἦτε steht 19 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ Die Variante συνέρχομαι steht 34 / 30 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. 120 ♦ πειράζω steht 42 / 38 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene, obwohl der Begriff äußerst beliebt in der kanonischen Fassung ist (Mt, Mk, Joh, Apg, Hebr, Jak, Apk) und auch in 1Kor 10,9; 2Kor 13,5; Gal 6,1; 1Thess 3,5 eingetragen wurde. ♦ Σατάν steht 72 / 36 Mal im NT und ist vorkanonisch gut bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ ἀκράτεια ist sonst nur noch in Mt 23,25 belegt. 324 Rekonstruktion <?page no="325"?> Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers fällt die Häufigkeit von ausschließlich vorkanonisch bezeugter Terminologie auf (ἀποστερέω; μήτι; σχολάζω; νηστεία; συνέρχομαι; ἐπὶ τὸ αὐτό; πειράζω; ἀκράτεια). Der Vers gehört zur kanonischen Redaktion und wird vorkanonisch gefehlt haben. (7,6) τοῦτο steht 313 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32, vgl. auch Verse 26. 29. 35. 37. ♦ Die Kombination τοῦτο δέ steht 32 Mal im NT, 28 Mal als Verseröffnung, immer auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 9,6. ♦ Die Verbform λέγω steht 214 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32, vgl. weiter die Verse 8. 12. 35. ♦ συγγνώμη ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐπιταγή steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, auffallenderweise in Röm 16,26, einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ Das Gegensatzpaar ἐπιταγή und γνώμη begegnet gleich wieder in 1Kor 7,25 auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Aufgrund der ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnenden Terminologie (τοῦτο δὲ; ἐπιταγή; Gegensatzpaar ἐπιταγή und γνώμη) wird man diesen kurzen Vers ebenfalls der kanonischen Redaktion zuzuweisen haben, er wird im vorkanonischen Text gefehlt haben. Demnach war der gesamte Passus 7,3-6 in der vorkanonischen Fassung abwesend. (7,7) Alle Formen der ersten Person von θέλω + δέ sind für *Paulus unbezeugt, finden sich aber gleich 9 Mal im kanonischen Paulus und überhaupt 10 Mal im NT. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ Die Kombination πᾶς + ἄνθρωπος steht 23 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,3. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6, vgl. weiter die Verse 25. 26. 32. ♦ Die Kombination εἶναι ὡς ist unbezeugt für *Paulus, findet sich jedoch 3 Mal im kanonischen Paulus (1Kor 7,7; 1Thess 2,7; Tit 1,7), ansonsten nicht weiter auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination von ὡς + καί ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *Laod 2,3; 5,23, begegnet jedoch 5 Mal im kanonischen Paulus (Röm 9,25; 1Kor 7,7; Eph 2,3; 5,23; 2Tim 3,9) und überhaupt 18 Mal auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐμαυτοῦ in den verschiedenen Kasus ist unbezeugt für *Paulus, steht jedoch 14 Mal im kanonischen Paulus (Röm 11,4; 1Kor 4,3. 4. 6; 7,7; 9,19; 10,33; 2Kor 2,1; 11,7. 9; 12,5; Gal 2,18; Phil 3,13; Phlm 1,13) und überhaupt 37 Mal auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἐμαυτόν steht 18 Mal im NT, etwa Lk 7,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,18. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἕκαστος vgl. zuvor zu 4,5. ♦ Zu ἴδιος vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ χάρισμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, aber auch 2 (1Kor) 325 <?page no="326"?> vorkanonisch bezeugt in *1Kor 7,7; 12,9. ♦ Die Kombinationen ὁ μὲν οὕτως und ὁ δὲ οὕτως sind Hapax legomena. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians für die erste Vershälfte, dem des Origenes für die zweite. Der Überblick über die Lexeme deutet daraufhin, dass der nicht dem Wortlaut nach bezeugte Eingangsteil von Vers 7 durch die kanonische Redaktion bearbeitet worden ist, vermutlich, um ihn besser an das Zusatzstück der kanonischen Redaktion 1Kor 7,3-6 anzupassen. 7, [8-9] 10-11 [12-16]: Unverheiratete und Verheiratete In der vorkanonischen Version findet sich die kurze Fortsetzung der gerade erwähnten zwei Lebensweisen, für die die Menschen ein Charisma besitzen, zum einen zum Unverheiratetsein, zum anderen zum Vereiratetsein. Hierzu werden kurze Erläuterungen gegeben. Die kanonische Redaktion hat daraus jedoch eine längere Digression geschaffen. - 8 Λέγω δὲ τοῖς ἀγάμοις καὶ ταῖς χήραις, καλὸν αὐτοῖς ἐὰν μείνωσιν ὡς κἀγώ· - 9 εἰ δὲ οὐκ ἐγκρατεύονται γαμησάτωσαν, κρεῖττον γάρ ἐστιν γαμῆσαι ἢ πυροῦσθαι. 10 τοῖς γεγαμηκόσιν παραγγέλλω, οὐκ ἐγὼ ἀλλὰ ὁ Χριστός, γυναῖκα ἀπὸ ἀνδρὸς μὴ χωρίζεσθαι, 10 τοῖς δὲ γεγαμηκόσιν παραγγέλλω, οὐκ ἐγὼ ἀλλὰ ὁ κύριος, γυναῖκα ἀπὸ ἀνδρὸς μὴ χωρισθῆναι 11 ἐὰν χωρισθῇ, μενέτω ἄγαμος ἢ τῷ ἀνδρὶ καταλλαγήτω, 11 ἐὰν δὲ καὶ χωρισθῇ, μενέτω ἄγαμος ἢ τῷ ἀνδρὶ καταλλαγήτω καὶ ἄνδρα γυναῖκα μὴ ἀφιέναι. - 12 Τοῖς δὲ λοιποῖς λέγω ἐγώ, οὐχ ὁ κύριος· εἴ τις ἀδελφὸς γυναῖκα ἔχει ἄπιστον, καὶ αὕτη συνευδοκεῖ οἰκεῖν μετ’ αὐτοῦ, μὴ ἀφιέτω αὐτήν· 13 καὶ γυνὴ εἴ τις ἔχει ἄνδρα ἄπιστον, καὶ οὗτος συνευδοκεῖ οἰκεῖν μετ’ αὐτῆς, μὴ ἀφιέτω τὸν ἄνδρα. 14 ἡγίασται γὰρ ὁ ἀνὴρ ὁ ἄπιστος ἐν τῇ γυναικί, καὶ ἡγίασται ἡ γυνὴ ἡ ἄπιστος ἐν τῷ ἀδελφῷ· ἐπεὶ ἄρα τὰ τέκνα ὑμῶν ἀκάθαρτά ἐστιν, νῦν δὲ ἅγιά ἐστιν. 15 εἰ δὲ ὁ ἄπιστος χωρίζεται, χωριζέσθω· οὐ δεδούλωται ὁ ἀδελφὸς ἢ ἡ ἀδελφὴ ἐν τοῖς τοιούτοις· ἐν δὲ εἰρήνῃ κέκληκεν ὑμᾶς ὁ θεός. 16 τί γὰρ οἶδας, γύναι, εἰ τὸν ἄνδρα σώσεις; ἢ τί οἶδας, ἄνερ, εἰ τὴν γυναῖκα σώσεις; 326 Rekonstruktion <?page no="327"?> A. 7,8: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,6: Marcion totum concubitum auferens fidelibus (viderint enim catechumeni eius), repudium ante nuptias iubens. ♦ *7,10-11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,6: Etenim apostolus, etsi bonum continentiae praefert, tamen coniugium et contrahi permittit et usui esse, et magis retineri quam disiungi suadet. Ibid. V 7,7: Atquin et Christus cum praecipit mulierem a viro non discedere, aut si discesserit manere innuptam aut reconciliari viro, et repudium permisit, quod non in totum prohibuit, et matrimonium confirmavit, quod primo vetuit disiungi, et si forte disiunctum voluit reformari. Sed et continentiae quas ait causas? B. (7,10) Der mediopassive präsentische Infinitiv χωρίζεσθαι wird bezeugt in 02, 06, 010, 012, 1505, 1881, während P 46 χωριζέσθω bietet, und den passivischen Aorist χωρισθῆναι bieten 01, 03, 04, 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1739, 2464, M, Cl, Epiph. ♦ (7,13) ἥτις findet sich in den Zeugen 02, 03, 06 2 , 018, 020, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1739, 1881, M, sy h , bo, während die von NA 28 gewählte Form εἴ τις steht in P 46 , 01, 06*, 010, 012, 035, 1505, latt, sa. C. 1. (7,8) Zahn sieht den Vers nach der kanonischen Form bezeugt. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen ihn jedoch als unbezeugt, letzterer aber bietet eine Übersetzung in Klammern. 2. (7,9) Mit Ausnahme von Hilgenfeld und Zahn nehmen alle Editoren die fehlende Bezeugung dieses Verses an. 3. (7,10-11) Zahn und Harnack sehen zwar nur Hinweise für die Verse 10-11, rechnen aber mit dem kanonischen Text. Schmid sieht bezeugt: … γυναῖκα ἀπὸ ἀνδρὸς μὴ χωρισθῆναι, ἐὰν (δὲ καὶ) χωρισθῇ, μενέτω ἄγαμος ἢ τῷ ἀνδρὶ καταλλαγήτω-… Warum Schmid vor ἐὰν drei Auslassungszeichen setzt, erschließt sich nicht, da der von ihm gegebene Text von Vers 11 unmittelbar an den von Vers 10 anschließt. Tertullian bietet den Hinweis darauf, dass *Paulus ein Wort Christi zitiert, d. h. auch der Anfang von Vers 10 ist zum Teil bezeugt mit Χριστός anstelle von κύριος. κύριος scheint demnach die kanonische Änderung darzustellen. BeDuhn gibt die Übersetzung der Verse 10-11 mit κύριος. Dass dieser Versteil vorhanden war, legt nicht nur der narrative Zusammenhang als Fortführung der Reihe Unverheiratete - Witwen - Verheiratete nahe, sondern wird auch durch die Lexik gestützt. Man vgl. auch die sich auf dieselbe Thematik und nach der kanonischen Redaktion auf ein Wort des Herrn zu beziehenden Ausführungen in *1Thess 4,15 und der parallelen kanonischen Stelle. 4. (7,12-16) Diese Verse sind nach allen Zeugen und Editoren unbezeugt. Schon der Anfang ist problematisch, denn er eröffnet mit τοῖς δὲ λοιποῖς 2 (1Kor) 327 <?page no="328"?> λέγω ἐγώ, wobei man sich fragt, wer mit diesen „übrigen“ denn gemeint sein könnte, hatte doch *Paulus die Unverheirateten, die Witwen und die Verheirateten bereits behandelt. Wer sollte also noch übrigbleiben? Die Verse 12-28 führen folgende andere Gruppen ein, von denen nur die erste Gruppe sich mit dem Thema Verheiratetsein überhaupt im weiteren Sinn berührt: Das Zusammenleben mit einer bzw. mit einem „Ungläubigen“ (Verse 12-16). In den darauf folgenden Versen kommt der Text auf das Weiterleben in der Weise, wie jemand „berufen wurde“, zu sprechen, womit die inkonsistente Digression noch deutlicher wird. Mit ἄπιστος in Vers 12 greifen die Verse 12-16 auf den Vers der kanonischen Redaktion 1Kor 6,6 zurück (vielleicht auch auf die möglicherweise vorhandene vorkanonische Vorlage) und verweisen voraus auf die Verse 1Kor 14,22-24, die von der kanonischen Redaktion überarbeitet wurden. Das Thema der Ungläubigen begegnet sicher in der vorkanonischen Fassung erst in *2Kor 4,4, ist aber auch *Ev 12,46 belegt. 5. (7,15) Das zwei Mal begegnende χωρίζω greift auf den Gedanken der Verse 11-12 zurück. D. (7,8) Zur Verbform λέγω vgl. zuvor zu Vers 6 und weiter die Verse 12. 35. ♦ Allerdings begegnet die Kombination λέγω δέ nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1,12. ♦ ἄγαμος, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gleich in *1Kor 7,11 bezeugt. ♦ χήρα steht 28 / 27 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ καλός steht 109 / 101 und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 6,9. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.) steht 543 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ μένω steht 131 / 118 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,28; *1Kor 7,11. Zur Abwesenheit: Der Vers ist unbezeugt und gehört, wie bereits die Verser‐ öffnung anzeigt, wohl zur kanonischen Ebene, auch wenn weitere Termini vorkanonisch bezeugt sind. (7,9) Die Kombination εἰ δέ οὐκ steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Jak 2,11. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ἐγκρατεύομαι steht 2 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ γαμέω steht 36 / 28 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ κρείσσων steht 23 / 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 7,9. 38; 11,17; 12,31; Phil 1,23; Hebr 1,4; 6,9; 7,7. 19. 22; 8,6; 9,23; 11,16. 34. 35. 40; 12,24; 1Petr 3,17; 2Petr 2,21). ♦ πυρόω, das 9 / 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur bezeugt für *Laod 6,15. 328 Rekonstruktion <?page no="329"?> Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers dürfte nach Ausweis der ausschließlich kanonisch stehenden Terminologie (εἰ δὲ οὐκ; ἐγκρατεύομαι; κρείσσων) in der vorkanonischen Version nicht vorhanden gewesen sein und stellt vielmehr eine Konzession der kanonischen Redaktion dar. Wieder fällt auf, dass kanonische Terminologie in *Laod zu finden ist. (7,10) Die Kombination τοῖς δέ steht 8 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers für *1Kor 1,18, vgl. zu 1Kor 1,18. ♦ γαμέω, das 36 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, vgl. zuvor zu Vers 9. Auch das verwandte Nomen γάμος, das 16 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,36. ♦ παραγγέλλω, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,11; *2Thess 3,10. ♦ Die Kombination οὐκ ἐγὼ ἀλλά ist Hapax legomenon im NT, auch wenn οὐκ ἐγώ, das 9 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnet (Mk 14,29; 2 Mal Joh; Röm 16,4, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 5,12; 7,10; 15,10; 2Kor 11,29; 2Joh 1,1). ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene in *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ χωρίζω, das 13 Mal im NT steht, ist gleich wiederum vorkanonisch bezeugt für Vers 11. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und wird auch durch die vorkanonische Lexik bestätigt. Die Kombination οὐκ ἐγώ deutet daraufhin, dass der Vers leicht von der kanonischen Redaktion überarbeitet zu sein scheint. (7,11) Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Hier und im Vers zuvor begegnet ἀνήρ, vgl. zu Vers 2. ♦ Erneut findet sich auch χωρίζω, das zuvor in Vers 10 vorkanonisch bezeugt ist. ♦ ἄγαμος, das 5 Mal im NT steht, ist nur für diese Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ Auch καταλλάσσω, das 6 Mal im NT steht, ist nur für diese Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀφίημι, das 162 / 146 im NT steht, ist reichlich vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Verneinung μὴ ἀφιέναι findet sich jedoch nur noch ein Mal in Mt 23,23. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wobei auffällt, dass gerade die kleine, unbezeugte Kombination δὲ καί auch nur kanonisch bezeugt ist - was wiederum die Verlässlichkeit des lexikalischen Befundes stützt. Da der letzte Teil von Vers 11 unbezeugt ist und die nur ausschließlich kanonisch stehende verneinte Form μὴ ἀφιέναι begegnet, wird man diesen Halbvers der kanonischen Redaktion zuschreiben; er wird vermutlich vorkanonisch gefehlt haben. 2 (1Kor) 329 <?page no="330"?> (7,12) Die Kombination τοῖς δέ steht 8 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers für *1Kor 1,18, vgl. zu 1Kor 1,18. ♦ Zur Verbform λέγω vgl. zuvor die Verse 6. 8 und weiter 35. ♦ Die Kombination τοῖς δέ λοιποῖς begegnet noch einmal, unbezeugt für die vorkanonische Ebene in Lk 8,10. ♦ Die Kombination λέγω ἐγώ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,18; 1Kor 7,12; Phil 4,11). ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6, folglich erstaunlich selten gegenüber der Präsenz auf kanonischer Ebene, vgl. auch weiter unten die Verse 28. 35. 36. ♦ Die Kombination οὐχ ὁ κύριος ist Hapax legomenon. ♦ Die Kombination εἴ τις (maskuline Form) steht 40 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,9; *1Kor 3,17; *2Kor 5,17. ♦ ἄπιστος steht 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,46; *2Kor 4,4. ♦ Die Kombination καὶ αὕτη steht 10 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Joh 1,19; Röm 11,27; 4 Mal 1Joh; 2Joh 1,6; im Vers: 1Kor 7,12; 1Joh 5,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ συνευδοκέω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48. ♦ οἰκέω steht 39 / 9 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ αὐτῆς, das 151 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. weiter Vers 39. ♦ αὐτήν, das 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. Zur Abwesenheit: Auch wenn einige der Termini aus der vorkanonischen, voranstehenden Diskussion hier wieder begegnen, sind doch gerade diejenigen Termini und Kombinationen auffällig, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Τοῖς δὲ λοιποῖς; λέγω ἐγώ; οἰκέω; αὐτῆς). Der Vers gehört zur kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (7,13) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Jedoch die Kombination εἴ τις (fem.), steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 13,9; 1Kor 7,13; Phil 2,1; 4,8; 1Tim 5,16). ♦ ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23, vgl. zu Versen 2. 3. 4. 14. 16. 34. 39. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἄπιστος vgl. den voranstehenden Vers 7,12. ♦ οὗτος steht 192 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination καὶ οὗτος steht 5 Mal im NT (6 Mal in Lk, alle für *Ev unbezeugt, 1 Mal Joh, und 1Kor 7,13). ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten συνευδοκέω vgl. den voranstehenden Ves 7,12. ♦ Vgl. auch zum selben Vers das ausschließlich kanonisch belegte οἰκέω. ♦ μετ’ αὐτῆς steht 8 Mal im NT, etwa Lk 1,58, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Mt 21,2; Lk 1,58; Joh 4,27; 11,31; 1Kor 7,13; Apk 2,22; 18,3. 9). ♦ ἀφίημι steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers stechen die vielen aus‐ schließlich kanonisch belegte Terminologie ins Auge (εἴ τις, weibliche Form; 330 Rekonstruktion <?page no="331"?> καὶ οὗτος; οἰκέω; μετ’ αὐτῆς; ἀφίημι). Der Vers wird folglich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (7,14) Zu dem ausschließlich bezeugten ἁγιάζω, das 30 / 28 Mal im NT steht vgl. zuvor zu 6,11. ♦ ἐπεί steht 29 / 26 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄρα steht 52 / 49 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31; *1Kor 15,14. ♦ τὰ τέκνα steht 10 Mal im NT, mit Ausnahme von *Laod 6,1. 4 nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀκάθαρτος, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist ein bemerkenswerter Termius, der ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist, vor allem für die Apostelgeschichte (Apg 10,28; vgl. auch Apg 10,14; 11,8; auch 2Kor 6,17 und Apk 18,2); eine Verbindung zu sexueller Unmoral findet sich in Eph 5,5 und Apk 17,4. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Kombination νῦν δέ steht 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers fallen die ausschließlich kanonisch stehenden Elemente auf (ἁγιάζω; ἐπεί; ἀκάθαρτος). Von Bedeutung ist, dass erneut ein sonst nur kanonisch bezeugter Ausdruck (τὰ τέκνα) sich wiederum in *Laod findet, sogar zwei Mal in diesem Fall, was die Nähe dieses *Deuteropaulinums in der vorkanonischen Form zur kanonischen Sprache an‐ zeigt. Der Vers ist Produkt der kanonischen Redaktion und fehlt vorkanonisch. (7,15) Die Kombination εἰ δέ ὁ steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, Mt 5,29. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ χωρίζω steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,10. 11. ♦ δουλόω, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. ♦ Die Form δεδούλωται steht jedoch nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, 2Petr 2,19. ♦ Die Kombination von ὁ ἀδελφός und ἡ ἀδελφή scheint eine Formulierung der kanonischen Redaktion zu sein. Sie begegnet noch Mt 12,50; 19,29; Mk 3,35; 10,29. 30; Jak 2,15 und Lk 14,26. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48, vgl. weiter Vers 28. ♦ Die Form εἰρήνῃ steht 8 Mal im NT, etwa Lk 2,29 in einem Vers, der in *Ev fehlt, dann Lk 11,21 für *Ev unbezeugt; Apg 16,36; 1Kor 7,15; 16,11; Jak 2,16; 3,18; 2Petr 3,14, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ὑμᾶς ὁ θεός begegnet noch 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 7,15; 2Thess 2,13; Hebr 9,20). Zur Abwesenheit: Auch in diesem unbezeugten Vers stehen eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elementen (εἰ δὲ ὁ; ὁ 2 (1Kor) 331 <?page no="332"?> ἀδελφός und ἡ ἀδελφή; εἰρήνῃ; ὑμᾶς ὁ θεός). Auch dieser Vers ist demnach Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Damit erweist sich die gesamte Passage der Verse 7,12-16 als Produkt der kanonischen Redaktion, das vorkanonisch abwesend war. 7,[17-24]: [Lebensstand und Berufung] Die gesamte Passage ist unbezeugt und nach Ausweis der Lexik vorkanonisch auch nicht vorhanden. Sie setzt die Digression zu den ethischen Themen bezüglich Lebensstand und Berufung der kanonischen Ebene fort. - 17 Εἰ μὴ ἑκάστῳ ὡς ἐμέρισεν ὁ κύριος, ἕκαστον ὡς κέκληκεν ὁ θεός, οὕτως περιπατείτω· καὶ οὕτως ἐν ταῖς ἐκκλησίαις πάσαις διατάσσομαι. 18 περιτετμημένος τις ἐκλήθη; μὴ ἐπισπάσθω. ἐν ἀκροβυστίᾳ κέκληταί τις; μὴ περιτεμνέσθω. 19 ἡ περιτομὴ οὐδέν ἐστιν, καὶ ἡ ἀκροβυστία οὐδέν ἐστιν, ἀλλὰ τήρησις ἐντολῶν θεοῦ. 20 ἕκαστος ἐν τῇ κλήσει ἧ ἐκλήθη ἐν ταύτῃ μενέτω. 21 δοῦλος ἐκλήθης; μή σοι μελέτω· ἀλλ’ εἰ καὶ δύνασαι ἐλεύθερος γενέσθαι, μᾶλλον χρῆσαι. 22 ὁ γὰρ ἐν κυρίῳ κληθεὶς δοῦλος ἀπελεύθερος κυρίου ἐστίν· ὁμοίως ὁ ἐλεύθερος κληθεὶς δοῦλός ἐστιν Χριστοῦ. 23 τιμῆς ἠγοράσθητε· μὴ γίνεσθε δοῦλοι ἀνθρώπων. 24 ἕκαστος ἐν ᾧ ἐκλήθη, ἀδελφοί, ἐν τούτῳ μενέτω παρὰ θεῷ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (7,17-24) Hier folgen die kanonischen Ausführungen über das Weiterleben in der Weise, wie jemand „berufen wurde“, wobei es zunächst um die Frage der Beschneidung geht (Verse 18-19). Dass es tatsächlich Versuche gab, die Be‐ schneidung, wenn nicht rückgängig zu machen, so wenigstens zu verbergen zu suchen, indem das Präputium künstlich durch Verlängerung der verbliebenen Haut imitiert wurde, zeigen 1Makk 1,15 und Jos., Ant. XII 5,1. Vgl. auch die rabbinische Auslegung zu ךשמ bzw. םיכושמ. Verständlich ist auch, wenn von einem Unbeschnittenen nicht die Beschneidung gefordert wird. Das Thema des Weiterlebens in dem Stand, in welchem man berufen wurde, wird auch auf den sozialen Stand von Sklave und Freien ausgeweitet (Verse 20-24). 332 Rekonstruktion <?page no="333"?> 2. (7,23) Man bemerke die Nähe dieses nur kanonisch stehenden Verses zu dem vorkanonisch zu findenden Vers 6,20: ἠγοράσθητε γὰρ τιμῆς: δοξάσατε τὸν θεὸν ἐν τῷ θνητῷ σώματι. D. (7,17) μερίζω, das 16 / 14 Mal im NT im Sinne von „zuteilen“ begegnet, steht in diesem Sinn nur in der kanonischen Fassung, Mt 12,25. 26; Mk 3,24. 25. 26; 6,41; Röm 12,3; 1Kor 1,13; 7,17. 34; 2Kor 10,13; Hebr 7,2, während es etwa „teilen“ in *Ev 12,13 (so auch Lk 12,13) bedeutet. ♦ περιπατέω im Sinn von „ein Leben führen“ wurde bereits anlässlich Gal 5,16 als ein typischer Begriff der kanonischen Redaktion der Paulusbriefe erkannt. ♦ διατάσσω, das 18 / 16 Mal im NT steht, begegnet überhaupt nur auf der kanonischen Ebene Mt 11,1; Lk 3,13; 17,9. 10; Apg 7,44; 18,2; 20,13; 23,31; 24,23; 1Kor 9,14; 11,34; 16,1; Gal 3,15. 19; Tit 1,5. ♦ πάσαις (Dat. Fem. Pl.) steht 7 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 1,6. 75; 24,27, in drei Versen, die alle in *Ev fehlen; 1Kor 7,17; 14,33; Jak 1,8; 2Petr 3,16). ♦ Hieraus stellt sich die Frage, ob das für *Ev unbezeugte διέταξεν von Lk 8,55 tatsächlich in *Ev stand und ob τὰ διαταχθέντα von Lk 17,9 nicht ebenfalls ὅσα λέγω oder τὰ λεγόμενα gelautet hat, so wie *Ev 17,10 ὅσα λέγω anstelle von Lk 17,10 τὰ διαταχθέντα schreibt. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers ist es nicht nur die Lexik, sondern auch die Semantik, die für die Zugehörigkeit dieses Verses zur kanonischen Redaktion und dessen vorkanonisches Fehlen spricht. (7,18) περιτέμνω steht 20 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3; 5,3; 6,13. ♦ Die Form ἐκλήθη steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 27,8; Lk 2,21, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Joh 2,2; Apg 1,23; 1Kor 7,18. 20. 24; 2Kor 7,7; Jak 2,23). ♦ Das ἐπισπάομαι ist ein neutestamentliches Hapax legomenon. ♦ ἀκροβυστία steht 22 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. 27; *Laod 2,11. ♦ Die Form ἐν ἀκροβυστίᾳ findet sich 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 4,10 - hier 2 Mal. 12; 1Kor 7,18). ♦ Die Form κέκληταί steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 15,17; 1Kor 7,18; Apk 19,13). ♦ Zu περιτέμνω, vgl. zu Beginn dieses Verses. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers weist einige ausschließlich vorkano‐ nisch belegte Formen auf (ἐκλήθη; ἐν ἀκροβυστίᾳ; κέκληταί), die den Vers der kanonischen Redaktion zuordnen. Er wird demnach vorkanonisch gefehlt haben. (7,19) περιτομή steht 38 / 36 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,2; 23,9; *1Kor 8,4. ♦ Die Kombination οὐδέν ἐστιν 2 (1Kor) 333 <?page no="334"?> steht 8 Mal im NT, ist jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene belegt (Mt 23,16. 18; Mk 7,15; Joh 8,54; Apg 21,24; 25,11; 1Kor 7,19), d. h. sie steht weder in Lk noch an einer anderen Stelle in Paulus, hier in diesem Vers jedoch gleich zwei Mal. ♦ τήρησις steht 5 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ( Joh 14,23; Apg 4,3; 5,18; 1Kor 7,19; Jak 2,10). ♦ ἐντολή steht 76 / 67 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,20; *Röm 7,11. 12; *Laod 2,15. Zur Abwesenheit: In dem unbezeugten Vers begegnen wiederum ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugte Elemente (οὐδέν ἐστιν; τήρησις). Auch er wird zur kanonischen Redaktion gehören und vorkanonisch gefehlt haben. (7,20) Die Kombination ἕκαστος ἐν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ κλῆσις, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für *Laod 1,18 bezeugt. ♦ Zur ausschließlich kanonisch belegten Form ἐκλήθη vgl. zuvor zu Vers 18. ♦ Die Kombination ἐν ταύτῃ steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt (Mt 26,34; Apg 16,12; 1Kor 7,20; 2Kor 8,7; 11,17; Hebr 11,2). ♦ μένω steht 131 / 118 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,28; *1Kor 7,11. ♦ Die Form μενέτω steht 5 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 7,11. 20. 24; Hebr 13,1; 1Joh 2,24). Zur Abwesenheit: Auch in diesem unbezeugten Vers fallen die häufigen Kom‐ binationen und Formen auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind (ἕκαστος ἐν; ἐκλήθη; ἐν ταύτῃ; μενέτω). Erneut findet sich ein Begriff (κλῆσις), der sonst nur kanonisch belegt ist, nur bezeugt für *Laod, was wieder die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik anzeigt. Außerdem fällt die Duplikation dieses Verses mit dem ebenfalls kanonisch stehenden Vers 7,24 auf. Der Vers wird demnach auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (7,21) Die Form ἐκλήθης steht nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in 1Tim 6,12. ♦ σοι (Dat. Mask. Sg. / oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist - wenn auch auffallend selten - vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 5,14. ♦ μελετάω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 13,11; Apg 4,25; 1Kor 7,21; 1Tim 4,15). Die Form kann auch von μέλω abgeleitet werden. μέλω steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,9. ♦ Die Kombination ἀλλ’ εἰ steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,16, die Erweiterung ἀλλ’ εἰ καί steht 4 Mal im NT, ebenfalls vorkanonisch bezeugt in *2Kor 4,16. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form δύνασαι findet sich 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 5,36; 8,2; Mk 1,40; 9,22. 23; Lk 5,12; 6,42; 16,2; Joh 13,36; 1Kor 7,21; Apk 2,2). ♦ ἐλεύθερος steht 24 / 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,22. 23. ♦ μᾶλλον steht 85 / 81 Mal im NT, 334 Rekonstruktion <?page no="335"?> vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13; *2Kor 3,8. 11; 5,8. ♦ χράω, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers begegnen eine Reihe von ausschließlich kanonisch belegten Elementen (ἐκλήθης; μελετάω; δύνασαι). Damit wird auch dieser Vers zur kanonischen Redaktion gehören und vorkano‐ nisch gefehlt haben. (7,22) Die Kombination ὁ γὰρ ἐν begegnet nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 14,18. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ κληθείς steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im selben Vers und dann auf der kanonischen Ebene in Ag 4,36. ♦ ἀπελεύθερος ist Hapax legomenon im NT. ♦ κυρίου ἐστίν steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, auf kanonischer Ebene in 1Kor 14,37. ♦ Zu ὁμοίως als ausschließlich kanonischem Terminus vgl. zum Vers 7,3. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten ἐλεύθερος vgl. zum voranstehenden Vers 7,21. ♦ Die Kombination δοῦλός ἐστιν begegnet noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Joh 8,34. Zur Abwesenheit: Wiederum begegnen in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers ausschließlich kanonisch belegte Elemente (ὁ γὰρ ἐν; ἐν κυρίῳ; κληθεὶς; κυρίου ἐστίν; ὁμοίως; δοῦλός ἐστιν). Auch dieser Vers wird demnach ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (7,23) τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Die Form ἠγοράσθητε steht nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. ♦ μὴ γίνεσθε steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Der Plural δοῦλοι, der 22 Mal im NT steht, etwa Lk 17,10, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,37. Zur Abwesenheit: Hier spricht die Lexik nicht für das vorkanonische Fehlen dieses unbezeugten Verses, sondern würde eher dessen Präsenz stützen. Doch gegen eine solche Präsenz steht die große Nähe des Verses zum vorkanonisch bezeugten Vers 1Kor 6,20. Er liest sich wie eine Duplikation, ein Merkmal der kanonischen, nicht aber der vorkanonischen Ebene. Narrativ bezieht sich der Vers zudem auf den unmittelbaren kanonischen Kontext und würde eine Unterbrechung darstellen der beiden unmittelbar aneinander anschließenden bezeugten Verse 7,11. 28. Aus diesen beiden Gründen wird man den Vers trotz der Lexik, die mit der vorkanonischen Ebene übereinstimmt, der kanonischen Redaktion zuschreiben. 2 (1Kor) 335 <?page no="336"?> (7,24) Nachdem gerade von Duplikation die Rede war, hier ein weiteres Beispiel, denn der vorliegende Vers stellt eine solche zu Vers 7,20 dar. ♦ Die Kombination ἕκαστος ἐν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ κλῆσις, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für *Laod 1,18 bezeugt. ♦ Zur ausschließlich kanonisch belegten Form ἐκλήθη vgl. zuvor zu den Versen 18 und 20. ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,5 (? ); 19,9. ♦ Die Form μενέτω steht 5 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Vers 7,20. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. Zur Abwesenheit: Wie bei dem parallelen kanonischen Vers 7,20 gelten auch hier die Lexik und die Duplikation als Stützen für das vorkanonische Fehlen dieses vorkanonisch unbezeugten Verses. 7,[25-28] 29 [30-38] 39 [40]: Die Zeit ist kurz Die kanonische Redaktion fügt zu den wenigen vorkanonischen Ausführungen über die Ehe (bzw. die Ehelosigkeit und die Enthaltsamkeit in der Ehe) weitere digressive Gedanken zu weiteren Personengruppen hinzu; dadurch wird der asketische Fokus gemmildert, zugleich aber die vorkanonische Argumentation völlig auseinandergerissen. - 25 Περὶ δὲ τῶν παρθένων ἐπιταγὴν κυρίου οὐκ ἔχω, γνώμην δὲ δίδωμι ὡς ἠλεημένος ὑπὸ κυρίου πιστὸς εἶναι. 26 Νομίζω οὖν τοῦτο καλὸν ὑπάρχειν διὰ τὴν ἐνεστῶσαν ἀνάγκην, ὅτι καλὸν ἀνθρώπῳ τὸ οὕτως εἶναι. 27 δέδεσαι γυναικί; μὴ ζήτει λύσιν· λέλυσαι ἀπὸ γυναικός; μὴ ζήτει γυναῖκα. 28 ἐὰν δὲ καὶ γαμήσῃς, οὐχ ἥμαρτες· καὶ ἐὰν γήμῃ ἡ παρθένος, οὐχ ἥμαρτεν. θλῖψιν δὲ τῇ σαρκὶ ἕξουσιν οἱ τοιοῦτοι, ἐγὼ δὲ ὑμῶν φείδομαι. 29 ὅτι ὁ καιρὸς συνεσταλμένος ἐστίν, 29 τοῦτο δέ φημι, ἀδελφοί, ὁ καιρὸς συνεσταλμένος ἐστίν· τὸ λοιπὸν ἵνα καὶ οἱ ἔχοντες γυναῖκας ὡς μὴ ἔχοντες ὦσιν, - 30 καὶ οἱ κλαίοντες ὡς μὴ κλαίοντες, καὶ οἱ χαίροντες ὡς μὴ χαίροντες, καὶ οἱ ἀγοράζοντες ὡς μὴ κατέχοντες, - 31 καὶ οἱ χρώμενοι τὸν κόσμον ὡς μὴ καταχρώμενοι· παράγει γὰρ τὸ σχῆμα τοῦ κόσμου τούτου. 336 Rekonstruktion <?page no="337"?> 121 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. Zuntz hält dies für eine falsche Lesart Markions, G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 238. 32 θέλω δὲ ὑμᾶς ἀμερίμνους εἶναι. ὁ ἄγαμος μεριμνᾷ τὰ τοῦ κυρίου, πῶς ἀρέσῃ τῷ κυρίῳ· 33 ὁ δὲ γαμήσας μεριμνᾷ τὰ τοῦ κόσμου, πῶς ἀρέσῃ τῇ γυναικί, 34 καὶ μεμέρισται. καὶ ἡ γυνὴ ἡ ἄγαμος καὶ ἡ παρθένος μεριμνᾷ τὰ τοῦ κυρίου, ἵνα ᾖ ἁγία καὶ τῷ σώματι καὶ τῷ πνεύματι· ἡ δὲ γαμήσασα μεριμνᾷ τὰ τοῦ κόσμου, πῶς ἀρέσῃ τῷ ἀνδρί. 35 τοῦτο δὲ πρὸς τὸ ὑμῶν αὐτῶν σύμφορον λέγω, οὐχ ἵνα βρόχον ὑμῖν ἐπιβάλω, ἀλλὰ πρὸς τὸ εὔσχημον καὶ εὐπάρεδρον τῷ κυρίῳ ἀπερισπάστως. 36 Εἰ δέ τις ἀσχημονεῖν ἐπὶ τὴν παρθένον αὐτοῦ νομίζει ἐὰν ᾖ ὑπέρακμος, καὶ οὕτως ὀφείλει γίνεσθαι, ὃ θέλει ποιείτω· οὐχ ἁμαρτάνει· γαμείτωσαν. 37 ὃς δὲ ἕστηκεν ἐν τῇ καρδίᾳ αὐτοῦ ἑδραῖος, μὴ ἔχων ἀνάγκην, ἐξουσίαν δὲ ἔχει περὶ τοῦ ἰδίου θελήματος, καὶ τοῦτο κέκρικεν ἐν τῇ ἰδίᾳ καρδίᾳ, τηρεῖν τὴν ἑαυτοῦ παρθένον, καλῶς ποιήσει. 38 ὥστε καὶ ὁ γαμίζων τὴν ἑαυτοῦ παρθένον καλῶς ποιεῖ, καὶ ὁ μὴ γαμίζων κρεῖσσον ποιήσει. 39 καὶ γαμηθῆναι μόνον ἐν θεῷ. 39 Γυνὴ δέδεται ἐφ’ ὅσον χρόνον ζῇ ὁ ἀνὴρ αὐτῆς· ἐὰν δὲ κοιμηθῇ ὁ ἀνήρ, ἐλευθέρα ἐστὶν ᾧ θέλει γαμηθῆναι, μόνον ἐν κυρίῳ. - 40 μακαριωτέρα δέ ἐστιν ἐὰν οὕτως μείνῃ, κατὰ τὴν ἐμὴν γνώμην, δοκῶ δὲ κἀγὼ πνεῦμα θεοῦ ἔχειν. A. *7,29: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,8: Quia tempus in collecto est. Ibid. V 8,7: Quia tempus iam in collecto est, apparet et de temporum ultimorum praedicatione hanc gratiam spiritus ad Christum praedicatoris pertinere. Ibid. I 29,4: is dicet, Superest ut et qui uxores habent sic sint quasi non habeant. ♦ *7,39: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,8: praescribens tantum in domino esse nubendum, ne qui fidelis ethnicum matrimonium contrahat. B. (7,29) ὅτι zu Beginn des vorkanonischen Verses, dem das tertulliansche quia entspricht, findet sich in 06, 010, 012, 044, 104, it, sy, bo. 121 ♦ ante λοιπόν om τό 2 (1Kor) 337 <?page no="338"?> 122 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 166. in P 15 , 06*, 010, 012, Did. ♦ (7,31) Post κόσμον add τοῦτον in 06*, 010, 012, 33, 81, 1739*, sa; τῷ κόσμῳ τούτῳ heißt es in 01 2 , 06 1 , 018, 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739 c , 1881, 2464, M, sy h , Eus, während sich der von NA 28 gewählte Text findet in P 15.46 , 01*, 01, 02, bo. ♦ (7,38) Die Form ἐκγαμίζων wird bezeugt von 018, 020, 025, 044, 104, 1241, 2464, M, während γαμίζων geboten wird von P 15vid.46 , 01, 02, 03, 06, 33, 81, 365, 1175, 1505, 1739, 1881, Cl. Was das in der kanonischen Fassung nachfolgende τὴν ἑαυτοῦ παρθένον betrifft, gibt es Varianten, die darauf hindeuten, dass dies ein späterer Zusatz darstellt, vgl. die Abwesenheit dieses Zusatzes in 018, 020, 044, 1241, 1505, 2464 c , M, την παρτθενον (ε)αυτου bieten P 46 , 03, 06, 629, Cl, der kanonische Text findet sich in P 15vid , 01, 02, 025, 33, 81, 104, 365, 1175, 1739, 1881, 2464*, sy p.h** . ♦ Anstelle von ποιεῖ bieten P 15.46 , 03, 6, 1739, 1881 das futurische ποιήσει. ♦ Die Form ἐκγαμίζων bezeugt 012, 018, 020, 025, 044, 104, 365, 1241, 1505, 2464, M, während wieder γαμίζων geboten wird von P 15vid.46 , 01*, 02, 03, 06, 010, 012, 0278, 33, 81, 630, 1175, 1739, 1881, Cl. ♦ (7,39) nach ἐὰν δέ wird νόμῳ geboten von 01 2 , 06 1 , 010, 012, 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1505, 2464, M, ar, vg cl , sy, Epiph, Ambst, Pel, und die altlateinische Tradition in 51, 53, 58, 61, 77, 78, 88, 251, γαμω durch 018, bo, viro suo Hier, den Begriff lassen aus P 15vid.46 , 01*, 02, 03, 06*, 0278, 6, 33, 81, 1175, 1241, 1739, 1881, lat, sa mss , Tert, Cl, Or, Cyp. Zuntz hält den Begriff für eine eingedrungene Glosse. 122 ♦ Post ἐὰν δέ add καί in 06 2 , 010, 012, 020, 044, 614, 629, 1241, 1505 pm, sy h . ♦ Anstelle von κοιμηθῇ wird ἀποθανῇ geboten von 01, 0278, sy hmg , Cl, Epiph. C. 1. (7,25-28) Auch diese Verse sind nach allen Zeugen und Editoren unbezeugt. Erst mit Vers 29, der neu mit τοῦτο δέ φημι einsetzt, bezeugt Tertullian wieder einen vorkanonischen Vers. Wenn in Vers 25 die Jungfrauen angesprochen werden, so hätte man eigent‐ lich erwartet, dass diese bereits unter den zuvor „Unverheirateten“ (Vers 8) miterfasst worden wären (nicht zu Unrecht gibt die Einheitsübersetzung περὶ δὲ τῶν παρθένων auch wieder mit „über die Unverheirateten“ und lässt in der Übersetzung δὲ aus). Überhaupt besteht hier die Spannung zwischen diesem Vers und der Aussage, Paulus habe keine Anordnung des Herrn erhalten, mit der Aussage von Vers 8, wonach von Christus selbst gesagt sei, die Unverheirateten sollten unverheiratet bleiben, also auf ein Wort des Herrn hin wie Paulus leben. Schließlich kommen die Verse 27-28 auf das ebenfalls behandelte Thema der Scheidung und Heirat zurück, was im Anschluss an Vers 25 erneut anklingt, 338 Rekonstruktion <?page no="339"?> 123 H. Delafosse, Les écrits de Saint Paul II. La première épître aux Corinthiens, traduction nouvelle avec introduction et notes (1926), 40-51. Die Verse 36-38 seien eine antimon‐ tanistische Stellungnahme, so ibid. 50. als ob es keine Herrenanweisung hierfür gegeben habe. Damit aber verwässern diese Verse, was zuvor gerade mit Hinweis auf die Anweisung durch Christus selbst in den Versen 10-11 vorgestellt wurde. Die Passage klingt also wie eine kanonische Redaktion der zuvor bezeugten Verse *1Kor 7,10-11. Couchoud (Delafosse) allerdings hält noch Vers 28 (wie auch Verse 1b, 7-9 10 und 28b-30, 39) wegen seiner nichtkasuistischen Art für paulinisch, während der Rest eine spätere Ergänzung darstelle. 123 2. (7,29) Zahn sieht von diesem Vers wörtlich ὅτι ὁ καιρὸς συνεσταλμένος ἐστίν bezeugt, nimmt aber, durch Auslassungszeichen vorne und hinten ver‐ merkt, auch den Rest der kanonischen Fassung als präsent an. Auch Harnack meint, der von Zahn gegebene Teil sei bezeugt, ihnen folgen Schmid und BeDuhn, wobei Letzterer in Klammern noch die Übersetzung von τοῦτο δέ φημι, ἀδελφοί am Anfang und λοιπὸν ἵνα καὶ οἱ ἔχοντες γυναῖκας ὡς μὴ ἔχοντες ὦσιν am Ende folgen lässt. Auch wenn der Anfang und das Ende des Verses nicht bezeugt sind, gilt es zu prüfen, ob diese Teile eher vorhanden oder nicht vorhanden waren. Das in der kanonischen Fassung nicht stehende ὅτι könnte auf den unbezeugten Vordersatz verweisen, schließt jedoch vielmehr direkt an den zuletzt bezeugten Vers 1Kor 10,7 an. Es wurde wohl durch die kanonische Fassung mit τοῦτο δέ φημι, ἀδελφοί ersetzt. Die zweite Hälfte des Verses passt tatsächlich gut als Anschluss an den Gedanken aus demselben Vers 1Kor 10,7. Unklar ist, ob Tertullians Zeugnis aus Buch I auf den vorkanonischen Text rekurriert, weil sich das Zitat innerhalb einer apologetischen Argumentation findet. 3. Der Begriff λοιπόν im Sinn von ceterum begegnete bereits auf der kanoni‐ schen Ebene in 1Kor 1,16 und ähnlich (de cetero) in Gal 6,17, dort besonders auffällig, weil τῶν δ’ἄλλων εἰκῆ κόπους μοι μηδεὶς παρεχέσθω der vorkanoni‐ schen Fassung durch die kanonische Redaktion geändert wurde zu Τοῦ λοιποῦ κόπους μοι μηδεὶς παρεχέτω. 4. (7,30) Dieser Vers ist nicht bezeugt, auch wenn Zahn ihn in irgendeiner Form vorkanonisch anwesend sieht. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen ihn schlicht als unbezeugt. Der Vers hat eine Nähe zu *Ev / Lk 6,21, Lk 6,23 und Röm 14,15, wobei die letzten beiden Verse vorkanonisch unbezeugt sind. 5. (7,31) Auch dieser Vers ist unbezeugt, wobei die Urteile der früheren Editoren sich mit dem zu dem voranstehenden Vers decken. Auch inhaltlich gehört Vers 31 in die redaktionelle Argumentation. O’Neill schlug vor, 1Kor 7,29-31 als Interpolation anzusehen. 124 2 (1Kor) 339 <?page no="340"?> 124 J.C. O’Neill, Glosses and Interpolations in the Letters of St. Paul (1982), 381-383. 125 Vgl. mit älterer Literatur M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 495. 6. (7,32-38) Diese Verse sind nicht bezeugt. Zahn rechnet in irgendeiner Weise mit ihrer Präsenz. Harnack und Schmid sehen sie schlicht als unbezeugt, BeDuhn ebenfalls, doch nimmt er in Klammern den Vers 38 als präsent und deutet durch Auslassungszeichen an, dass er davor von einem Textausfall ausgeht. 7. (7,35) Goulder hat auf die enge Beziehung zwischen unserem Vers, Lk 10,40, und Apg hingewiesen. 125 8. (7,38-39) Nach Zahn war Vers 38 in irgendeiner Form vorhanden, Vers 39 führt er nicht auf. Nach Harnack hingegen ist lediglich das Stück μόνον ἐν κυρίῳ aus Vers 39 bezeugt, nach Schmid sogar γαμηθῆναι, μόνον ἐν κυρίῳ, BeDuhn nimmt auch, wohl wegen des narrativen Zusammenhangs, den unbezeugten Vers 38 in Klammern hinzu, wobei er das κρεῖσσον bezeugt setzt - jedoch ohne Nachweis. 9. Der unbezeugte Anfang von Vers 39 weist eine deutliche Nähe zu den kano‐ nischen Versen Röm 7,1-3 auf. Überhaupt scheint der Vers von der kanonischen Redaktion erheblich überformt worden zu sein. Allein das in einigen einschlä‐ gigen Zeugen erhaltene und von der Redaktion ebenfalls getilgte καί scheint neben den bezeugten Elementen ursprünglich zu sein, weil es die Verknüpfung mit den bezeugten Versteilen 10-11. 29 von Kapitel herstellt. Das nubendum Tertullians erläutert auch, wie in Vers 39 das γαμέω auf vorkanonischer Ebene verstanden wurde, nicht als „ehelichen“, sondern als „in der wiederversöhnten Ehe zu leben“ - eben nur verschleiert und in Gott, also asketisch, woraufhin das ganze Kapitel hinzielte. Gerade diese rein asketische Ehe wurde von der kanonischen Redaktion unterlaufen und in einer umfänglichen Umarbeitung konterkariert. Einzig die Vorliebe für das Unverheiratetsein blieb stehen, was auch in dem unbezeugten Vers 40 abschließend herausgestellt wird. Auch wenn ἐν κυρίῳ (in domino) durch Tertullian bezeugt scheint, ohne an‐ gegebene Textvarianten, mahnt doch die Variante in *1Kor 1,31, wo anstelle von ἐν κυρίῳ ein ἐν θεῷ in Tertullians Zeugen M und R steht, dass möglicherweise auch an dieser Stelle die Abkürzung anders aufgelöst werden muss. Das ist aus drei weiteren Gründen wahrscheinlich: Erstens, die antike und mittelalterliche Abkürzung „do“ (mit Überstrich) kann sowohl als domino wie deo aufgelöst werden; zweitens, das ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, und zwar an allen Stellen ausschließlich im kanonischen Paulus; drittens, zu *1Kor 1,31 ist auch *Laod 6,1 bemerkenswert, weil dort in einschlägigen Zeugen das ἐν κυρίῳ fehlt - wir 340 Rekonstruktion <?page no="341"?> begegnen demselben Phänomen, dass die kanonische Redaktion das „im Herrn“ hinzusetzt. 10. (7,40) Dieser Vers ist unbezeugt. Zahn lässt ihn beiseite, so auch Harnack, Schmid und BeDuhn. D. (7,25) Zu περί vgl. zuvor zu Vers 1 und danach zu Vers 37. ♦ Die Kombination περὶ δέ steht 14 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. hierzu 7,1. ♦ παρθένος steht 17 / 15 Mal im NT (vgl. auch weiter unten zu den Versen 28. 34. 36. 37. 38), vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2. ♦ ἐπιταγή steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ Die Kombination οὐκ ἔχω steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 11,6; 12,17; Joh 4,7; 5,7; 8,49; Apg 25,26; 1Kor 7,25; 12,21; 3Joh 1,4). ♦ γνώμη steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form δίδωμι steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 4,6; 19,8; Joh 10,28; 13,34; 14,27; Apg 3,6; 1Kor 7,25; 2Kor 8,10). ♦ ἐλεέω steht 33 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,38. ♦ Die Kombination ὑπὸ κυρίου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 1Kor 7,25; 2Thess 2,13). ♦ πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers sprechen Lexik (Περὶ δέ; ἐπιταγή; οὐκ ἔχω; γνώμη; δίδωμι: ὑπὸ κυρίου) und Semantik (πιστός) für die Zugehörigkeit zur kanonischen Ebene und für ein Fehlen auf der vorkanoni‐ schen. (7,26) νομίζω steht 18 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten τοῦτο vgl. zuvor Vers 6 und danach Verse 29. 35. 37. ♦ καλός steht 109 / 101 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,9. ♦ ὑπάρχω steht 66 / 60 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7; *Phil 2,6. ♦ Die Form ὑπάρχειν steht 6 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 19,36; 28,18; 1Kor 7,26; 11,18; 12,22; 2Petr 3,11). ♦ ἐνίστημι steht 9 / 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22. ♦ ἀνάγκη steht 19 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καλὸν ἀνθρώπῳ begegnet noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, 1Kor 7,1, vorkanonisch nicht bezeugt, aber vielleicht dort präsent. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich vorkanonischen Elementen auf (νομίζω; ὑπάρχειν; ἀνάγκη; καλὸν ἀνθρώπῳ). 2 (1Kor) 341 <?page no="342"?> Man wird ihn folglich der kanonischen Redaktion zuordnen, und er wird vorkanonisch gefehlt haben. (7,27) δέω steht 112 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25. 53; *2Kor 5,10. ♦ Die Form γυναικί steht 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 19,5; 26,10; Joh 4,42; Apg 5,1; 24,24; 1Kor 7,3. 14. 27. 33; 11,6; 14,35; 1Tim2,12; Apk 12,14. 16. 17). ♦ ζητέω steht 130 / 117 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die Verneinung μὴ ζητέω findet sich 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 12,29; Röm 10,20; 1Kor 7,27; 19,33). ♦ λύσις ist Hapax legomenon im NT. ♦ λύω steht 48 / 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,15 und *Laod 2,14. ♦ Die Form λέλυσαι steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auch auf der kanonischen Ebene in Lk 13,12. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene, *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist einige ausschließlich vorkano‐ nisch bezeugte Elemente auf (γυναικί; μὴ ζητέω; λέλυσαι). Er wird folglich ebenfalls zur kanonischen Redaktion gehören und vorkanonisch gefehlt haben. (7,28) Die Kombination ἐὰν δὲ καί (zuvor wurde bereits zu 7,11 δὲ καί als kanonisch bemerkt) steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 18,17; Lk 14,34; 1Kor 7,11. 28; 2Tim 2,5). ♦ γαμέω, das 36 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἁμαρτάνω steht 47 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev; *Röm 2,12; *Laod 4,26. ♦ Die Verneinung οὐχ ἁμαρτάνω steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καὶ ἐάν steht 30 Mal im NT, etwa Lk 19,31 in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *Gal 1,8. ♦ Die Form γήμῃ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 5,32; 19,9; Mk 10,11. 12; 1Kor 7,28). ♦ Zu παρθένος vgl. zuvor zu Vers 24 und danach zu den Versen 34. 36. 37. 38. ♦ θλῖψις steht 60 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ Die Form ἕξουσιν steht nur noch ein Mal, ebenfalls vorkanonisch im sekundären Markusschluss Mk 16,18. ♦ Für das vorkanonisch bezeugte τοιοῦτος vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ φείδομαι steht 10 Mal im NT steht und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Auch dieser unbezeugte Vers weist einige ausschließlich kanonisch belegte Elemente auf (ἐὰν δὲ καί; οὐχ ἁμαρτάνω; γήμῃ; ἕξουσιν; φείδομαι). Darum wird auch dieser Vers der kanonischen Redaktion zuzuordnen sein und vorkanonisch gefehlt haben. (7,29) Die Kombination τοῦτο δέ φημι steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, in 1Kor 15,50. ♦ Die Kombination τοῦτο δέ steht 32 Mal 342 Rekonstruktion <?page no="343"?> im NT, 28 Mal als Verseröffnung, immer auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 9,6. ♦ φημί, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19; 15,50. ♦ καιρός steht 90 / 86 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ συστέλλω steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, dort auf der kanonischen Ebene (Apg 5,6). ♦ λοιπός steht 60 / 55 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,17; *Laod 2,3.♦ ἵνα καί steht 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,19; *2Kor 4,10. ♦ Die Kombination ὡς μή steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,7. 18; 7,29. 30. 31; 2Kor 10,14). ♦ Die Kombination μὴ ἔχοντες steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,14; *Laod 2,12. ♦ Die Form ὦσιν steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der zweite, unbezeugte Teil weist zwei Elemente auf (ὡς μή; ὦσιν), die ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt sind, so dass dieser Teil wohl auf die kanonische Redaktion zurückgeht und im vorkanonischen Text gefehlt hat. (7,30) κλαίω, das 44 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev (u. a. 6,21: κλαίοντες). ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ Die Form χαίροντες steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12. ♦ ἀγοράζω, das 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 6,20. ♦ Die Kombination ὡς μή steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,7. 18; 7,29. 30. 31; 2Kor 10,14). ♦ κατέχω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18. ♦ Die Form κατέχοντες steht nur noch ein Mal, auf der kanonischen Ebene (2Kor 6,10). Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist eine erstaunliche Anzahl vorkanonisch bezeugter Termini auf, möglicherweise aufgrund der Nähe zu *Ev 6,21, allerdings begegnen auch Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὡς μή; κατέχοντες). Da der Vers aber grammatikalisch und narrativ unmittelbar an den voranstehenden kanonischen Vers anschließt, wird auch er auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch nicht vorhanden gewesen sein. (7,31) χράω, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Die Kombination ὡς μή steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,7. 18; 7,29. 30. 31; 2Kor 10,14). ♦ Die Form τὸν κόσμον steht 45 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,2. ♦ καταχράομαι steht nur noch ein Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Kor 9,18). ♦ παράγω steht 11 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 9,9. 27; 20,30; Mk 1,16; 2,14; 15,21; Joh 8,59; 9,1; 1Kor 7,31; 1Joh 2,8. 17). ♦ σχῆμα, das nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT steht, ist für die vorkanonische Ebene bezeugt (*Phil 2,8). 2 (1Kor) 343 <?page no="344"?> ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist gut vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. ♦ Die Variante τούτῳ, die 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25. Zur Abwesenheit: In diesem unbezeugten Vers begegnen erneut einige aus‐ schließlich für die kanonische Ebene belegte Elemente (ὡς μή; καταχράομαι; παράγω). Auch dieser Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. (7,32) Die Kombination θέλω δὲ ὑμᾶς steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 1,13; 16,19, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 7,32; 10,20; 11,3). ♦ ἀμέριμνος ist nur an dieser Stelle und in Mt 28,14 bezeugt. ♦ ἄγαμος, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch zuvor in *1Kor 7,11 bezeugt. ♦ μεριμνάω, das 24 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22. ♦ Der Ausdruck τὰ τοῦ κυρίου steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 1Kor 7,34. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35, vgl. auch zu den Versen 33. 34. ♦ ἀρέσκω steht 21 / 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch dieser unbezeugte Vers weist Elemente auf, die aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (θέλω δὲ ὑμᾶς; ἀμέριμνος; τὰ τοῦ κυρίου; ἀρέσκω). Er gehört zur kanonischen Ebene und hat vorkanonisch gefehlt. (7,33) Der gerade im Vers zuvor als ausschließlich kanonisch notierte Begriff ἀρέσκω kehrt hier wieder. ♦ Zu ἄγαμος vgl. zuvor zu Vers 32. ♦ Ebenfalls zu μεριμνάω. ♦ Zur Form γυναικί als ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu findende Form, vgl. zuvor zu 7,21. Zur Abwesenheit: Eng mit dem voranstehenden kanonischen Vers verbunden weist auch dieser unbezeugte Vers ausschließlich kanonische Elemente auf (ἀρέσκω; γυναικί). Er gehört wie dieser zur kanonischen Ebene und hat vorka‐ nonisch gefehlt. (7,34) μερίζω, das 16 / 14 Mal im NT im Sinne von „zuteilen“ begegnet, ist in diesem Sinn ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Zu παρθένος vgl. zuvor zu den Versen 24. 25 und danach zu den Versen 36. 37. 38. ♦ Der Begriff ἅγιος zur Kennzeichnung von Menschen begegnet fast nur in der kanonischen Fassung, Mk 6,20; Lk 2,23; Eph 1,4; 5,27; Kol 1,22; 1Petr 1,15; 2,5; 3,5; Apk 20,6; 22,11, allerdings auch ein Mal vorkanonisch in *Laod 1,18. ♦ Zu dem kanonischen τὰ τοῦ κόσμου vgl. zuvor zu Vers 7,32. ♦ Erneut begegnet das kanonische ἀρέσκω. 344 Rekonstruktion <?page no="345"?> Zur Abwesenheit: Wie im Vers zuvor, gibt es auch bei diesem Vers eine enge inhaltliche und lexikalische Gemeinsamkeit mit dem Kontext. Es begegnen ausschließlich kanonische Elemente der Lexik (τὰ τοῦ κόσμου; ἀρέσκω) wie auch der Semantik (μερίζω). Dass es wieder *Laod ist, der die kanonische Lexik teilt, sei kurz bemerkt. (7,35) Zu τοῦτο vgl. zuvor zu Versen 6. 26. 29 und danach zu Vers 27. ♦ Zur ausschließlich kanonischen Kombination τοῦτο δέ vgl. weiter oben zu 2Kor 9,6. ♦ Die Kombination τὸ ὑμῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 7,35; 16,18; 2Kor 8,14; Phil 2,30). ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ σύμφορον begegnet nur hier und wieder an der nicht für die vorkanonische Fassung bezeugten Stelle 1Kor 10,33. ♦ Zur Verbform λέγω vgl. zuvor die Verse 6. 8. 12. ♦ Die Kombination οὐχ ἵνα steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 4,21; Joh 6,38; 1Kor 7,35; 2Kor 2,4; 13,7; Jak 5,12). ♦ βρόχος ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐπιβάλλω steht 19 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐσχήμων steht 5 Mal im NT, nur in der kanonischen Fassung belegt, man vgl. auch die verwandten εὐσχημόνως, das 3 Mal im NT steht, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 13,13; 1Kor 14,40; 1Thess 4,12), εὐσχημοσύνη, das Hapax legomenon im NT ist (1Kor 12,23), ἀσχημονέω, das 2 Mal im NT steht, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 7,36; 13,5) und ἀσχημοσύνη, das 2 Mal im NT begegnet, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,27; Apk 16,15). ♦ εὐπάρεδρον und ἀπερισπάστως sind wieder Hapax legomena im NT, wobei das verwandte περισπάω noch Lk 10,40 begegnet, jedoch dem Wortlaut nach nicht für *Ev bezeugt ist. ♦ Für εὐπάρεδρον gibt es die Variante εὐπρόσεδρον, die jedoch ebenfalls Hapax legomenon im NT ist. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist wieder eine Reihe von Ele‐ menten auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τοῦτο δέ; τὸ ὑμῶν; σύμφορον; οὐχ ἵνα; ἐπιβάλλω; εὐσχήμων). Auch dieser Vers ist Produkt der kanonischen Redaktion und fehlt im vorkanonischen Text. (7,36) εἰ δέ τις steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 3,12. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ἀσχημονέω steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Kor 13,5). ♦ Zu παρθένος vgl. zuvor zu den Versen 24. 25. 35 und danach zu den Versen 37. 38. ♦ Hier begegnet das augenscheinlich unauffällige νομίζω. Es stellt sich als typisches Verb der kanonischen Redaktion heraus, denn es steht 18 / 15 Mal im NT, etwa Lk 2,44; 3,23, in Versen, die in *Ev fehlen, begegnet ansonsten nicht weiter in Lk oder *Ev und an keiner sonstigen Stelle in den Paulusbriefen (außer 1Tim) und findet sich lediglich 2 (1Kor) 345 <?page no="346"?> 126 So G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 97. auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ᾖ steht 42 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὑπέρακμος is Hapax legomenon. ♦ ὀφείλω steht 42 / 35 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev *1Kor 11,7. 10. ♦ Die Form ποιείτω steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Lk 3,11, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Die Verneinung οὐχ ἁμαρτάνω wurde schon zu 7,28 als ausschließlich kanonische Wendung notiert. Zur Abwesenheit: Wiederum begegnen in diesem unbezeugten Vers eine Fülle von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente (εἰ δέ τις; ἀσχημονέω; νομίζω; ᾖ; ποιείτω; οὐχ ἁμαρτάνω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (7,37) ὃς δέ steht 21 Mal im NT, in Lk 8,18 (pace Klinghardt, nicht bezeugt für *Ev, Tert. schreibt qui non, nicht wie von Klinghardt zur Stelle angegeben qui autem); 9,24 steht stattdessen καὶ ὅς; Lk 17,33 steht es nur in den Zeugen P 75 , 01, 03, 019, 044, (579), 892, bo mss , nicht in *Ev; kanonisch weiter 9 Mal in Mt; 3 Mal in Mk; Röm 14,5; 1Kor 7,37; 11,21; 1Joh 2,5; 3,17. ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. ♦ Die Form ἕστηκεν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,26; 8,44; 1Kor 7,37; 2Tim 2,19; Hebr 10,11; Jak 5,9; Apk 12,4). ♦ Der Ausdruck ἐν τῇ καρδίᾳ steht 19 Mal im NT, etwa Lk 2,19. 51, in Versen, die in *Ev fehlen, in 24,38, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, in Lk 12,45, wo der Ausdruck unbezeugt für *Ev ist, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene, kanonisch darüber hinaus 4 Mal in Mt; Mk 11,23; Apg 5,4; Röm 10,6. 8. 9; 1Kor 7,37; 2Kor 8,16; Phil 1,7; Jak 3,14; Apk 18,7. ♦ ἑδραῖος steht nur noch auf der kanonischen Ebene in 1Kor 15,58; Kol 1,23, was allerdings dazu geführt hat, diesen Begriff für paulinisch zu halten. 126 ♦ Der Ausdruck μὴ ἔχων steht 7 Mal im NT, in Lk 22,36, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 3 Mal in Mt; 1Kor 7,37; Phil 3,9; 1Joh 5,12, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνάγκη steht 19 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐξουσία steht 112 / 102 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. ♦ Der Ausdruck ἐξουσίαν + ἔχω findet sich 4 Mal im NT, Lk 19,17, wo gerade dieses Element im Text von *Ev fehlt, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 7,29; 8,9; Mk 1,22; Lk 19,17). ♦ Die Kombination τοῦ ἰδίου steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 7,4. ♦ θέλημα steht 65 / 62 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ Der Genitiv θελήματος steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,13; Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,1; 7,37; 2Kor 1,1; 8,5; Eph 1,1. 5. 9. 11; Kol 1,1. 346 Rekonstruktion <?page no="347"?> 9; 2Tim 1,1). ♦ Zu τοῦτο vgl. zuvor zu den Versen 6. 26. 29. 35. ♦ Zu καὶ τοῦτο als nur kanonisch bezeugter Kombination vgl. ebenfalls Vers 6,7. ♦ Die Form κέκρικεν ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu ἐν τῇ … καρδίᾳ vgl. im selben Vers zuvor. ♦ τηρέω, ein Begriff, der 81 mal im NT begegnet (vor allem in den johanneischen Schriften und Apg), jedoch nicht ein Mal in *Ev oder Lk, und der in den paulinischen Briefen nur ein einziges Mal für die kanonische Version bezeugt ist (1Thess 5,23), während es 34 Mal im johanneischen Schrifttum, 10 Mal in der Apg und überhaupt auf der kanonischen Ebene zu finden ist. ♦ παρθένος, vgl. zuvor zu den Versen 24. 25. 34. 36 und danach zu dem Vers 38. ♦ Der Ausdruck τὴν ἑαυτοῦ παρθένον steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene im nächsten Vers 7,38. ♦ καλῶς, das 38 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination καλῶς + ποιέω steht 10 Mal im NT, Lk 6,27, wo der Teil καλῶς ποιεῖτε τοῖς μισοῦσιν ὑμᾶς in *Ev fehlt, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 12,12; Lk 6,27; Apg 10,33; 1Kor 7,37. 38; Phil 4,14; Jak 2,8. 19; 2Petr 1,19; 3Joh 1,6). Zur Abwesenheit: Dieser längere, unbezeugte Vers bietet eine Fülle von Ele‐ menten, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (ὃς δὲ; ἕστηκεν; ἐν τῇ καρδίᾳ; ἑδραῖος; μὴ ἔχων; ἀνάγκη; ἐξουσίαν + ἔχω; τοῦ ἰδίου; θελήματος; καὶ τοῦτο; τηρέω; τὴν ἑαυτοῦ παρθένον; καλῶς + ποιέω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und fehlt im vorkanonischen Text. (7,38) Die hier unbezeugte Konjunktion ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, davon 37 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21 (Verseröffnung); *2Kor 3,7 (im Vers); *Röm 7,12; *2Thess 2,4 (im Vers). ♦ Die Kombination ὥστε καί ist Hapax legomenon im NT. ♦ γαμίζω steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,35. ♦ ἐκγαμίζω steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,35. ♦ Zu παρθένος vgl. zuvor zu den Versen 24. 15. 34. 36. 37. ♦ τὴν ἑαυτοῦ παρθένον steht nur 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, im Vers zuvor 7,37 auf der kanonischen Ebene. ♦ καλῶς + ποιέω wurde im Vers zuvor als ausschließlich kanonisch notiert. ♦ Die Kombination καὶ ὁ μὴ steht 6 Mal im NT, in Lk 22,36, in einem Vers, der in *Ev fehlt, zuvor in 11,23, wo der Vers unbezeugt ist für *Ev; auch sonst nur kanonisch bezeugt (Mt 12,30; Röm 14,6; 1Kor 7,38; 1Joh 3,10). ♦ κρείσσων, das 23 / 17 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τὴν ἑαυτοῦ παρθένον; καλῶς + ποιέω; καὶ ὁ μὴ; κρείσσων). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und fehlt im vorkanonischen Text. (7,39) Zum unbezeugten Versteil: Die Form δέδεται steht nur 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 7,2; 1Kor 7,39; 2Tim 2,9). ♦ Die Kombination δέδεται 2 (1Kor) 347 <?page no="348"?> νόμῳ begegnet nur noch auf der kanonischen Ebene in Röm 7,2, wodurch sich die Variante erklären könnte. ♦ χρόνος, das 61 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4. ♦ Die Kombination ἐφ’ ὅσον χρόνον steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 7,1; 1Kor 7,39; Gal 4,1). ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ Zu αὐτῆς vgl. zuvor zu Vers 13. ♦ Die Form ζῇ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 16,11 im sekundären Markusschluss; Joh 4,50. 51. 53; Röm 6,10; 7,1; 14,7; 1Kor 7,39; 2Kor 13,4; Gal 2,20; Hebr 7,8; 9,17). ♦ Die Kombination ἐὰν δέ steht 34 Mal im NT, Lk 22,68, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für Röm 2,25. ♦ Die Kombination ἐὰν δὲ καί (zuvor wurde bereits zu 7,11 δὲ καὶ als kanonisch bemerkt) steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κοιμάομαι steht 20 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Variante ἀποθνήσκω steht 119 / 111 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36 und *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,22. 23, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist, vgl. 7,21. ♦ Die Kombination ἐλευθέρα ἐστίν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 7,3; 1Kor 7,39; Gal 4,26). ♦ Die Form θέλει steht 19 Mal im NT, Lk 5,39; 13,31, in Versen, die in *Ev fehlen, und überhaupt nur kanonisch belegt (Mt 16,24; 27,43; Mk 8,34; 9,35; Lk 5,39; 9,23; 13,31; Joh 3,8; 5,21; Apg 2,12; 17,20; Röm 9,18; 1Kor 7,36. 39; 2Thess 3,10; 1Tim 2,4; Apk 2,21; 11,5). ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zum bezeugten Versteil: μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39, also deutlich ein beliebter Terminus der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians (beachte die Emendation! ) unter Berücksichtigung der Lexik. (7,40) Die Steigerung μακαριωτέρα ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination δέ ἐστιν steht 15 Mal im NT, Lk 15,42, wo gerade diese Formulierung fehlt; 9,9 und 16,17 ist sie nicht für *Ev bezeugt; dennoch ist sie zuvor in 7,19 vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Form μείνῃ steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ γνώμη steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form δοκῶ steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 4,9. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (μείνῃ; γνώμη; δοκῶ; δὲ καὶ). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 348 Rekonstruktion <?page no="349"?> Kapitel 8 8,[1-3] 4-6 [7-12] 13: Über das Götzen Geopferte Das vorliegende Kapitel ist in den Kernversen und am Ende vorkanonisch bezeugt, wurde jedoch durch die kanonische Redaktion am Anfang und in der Mitte stark erweitert. - 8,1 Περὶ δὲ τῶν εἰδωλοθύτων, οἴδαμεν ὅτι πάντες γνῶσιν ἔχομεν. ἡ γνῶσις φυσιοῖ, ἡ δὲ ἀγάπη οἰκοδομεῖ. 2 εἴ τις δοκεῖ ἐγνωκέναι τι, οὔπω ἔγνω καθὼς δεῖ γνῶναι· 3 εἰ δέ τις ἀγαπᾷ τὸν θεόν, οὗτος ἔγνωσται ὑπ’ αὐτοῦ. 4 Περὶ οὖν τῶν εἰδωλοθύτων οἴδαμεν ὅτι οὐδὲν εἴδωλον ἐστιν - 4 Περὶ τῆς βρώσεως οὖν τῶν εἰδωλοθύτων οἴδαμεν ὅτι οὐδὲν εἴδωλον ἐν κόσμῳ, καὶ ὅτι οὐδεὶς θεὸς ἕτερος εἰ μὴ εἷς. 5 καὶ γάρ, εἴπερ εἰσὶν οἱ λεγόμενοι θεοί, εἴτε ἐν οὐρανῷ εἴτε ἐπὶ γῆς, 5 καὶ γὰρ εἴπερ εἰσὶν λεγόμενοι θεοὶ εἴτε ἐν οὐρανῷ εἴτε ἐπὶ γῆς, ὥσπερ εἰσὶν θεοὶ πολλοὶ καὶ κύριοι πολλοί, 6 ἡμῖν εἷς θεὸς ὁ πατήρ, ἐξ οὗ τὰ πάντα ἡμῖν. 6 ἀλλ’ ἡμῖν εἷς θεὸς ὁ πατήρ, ἐξ οὗ τὰ πάντα καὶ ἡμεῖς εἰς αὐτόν, καὶ εἷς κύριος Ἰησοῦς Χριστός, δι’ οὗ τὰ πάντα καὶ ἡμεῖς δι’ αὐτοῦ. - 7 Ἀλλ’ οὐκ ἐν πᾶσιν ἡ γνῶσις· τινὲς δὲ τῇ συνηθείᾳ ἕως ἄρτι τοῦ εἰδώλου ὡς εἰδωλόθυτον ἐσθίουσιν, καὶ ἡ συνείδησις αὐτῶν ἀσθενὴς οὖσα μολύνεται. 8 βρῶμα δὲ ἡμᾶς οὐ παραστήσει τῷ θεῷ· οὔτε ἐὰν μὴ φάγωμεν ὑστερούμεθα, οὔτε ἐὰν φάγωμεν περισσεύομεν. 9 βλέπετε δὲ μή πως ἡ ἐξουσία ὑμῶν αὕτη πρόσκομμα γένηται τοῖς ἀσθενέσιν. 10 ἐὰν γάρ τις ἴδῃ σὲ τὸν ἔχοντα γνῶσιν ἐν εἰδωλείῳ κατακείμενον, οὐχὶ ἡ συνείδησις αὐτοῦ ἀσθενοῦς ὄντος οἰκοδομηθήσεται εἰς τὸ τὰ εἰδωλόθυτα ἐσθίειν; 11 ἀπόλλυται γὰρ ὁ ἀσθενῶν ἐν τῇ σῇ γνώσει, ὁ ἀδελφὸς δι’ ὃν Χριστὸς ἀπέθανεν. 12 οὕτως δὲ ἁμαρτάνοντες εἰς τοὺς ἀδελφοὺς καὶ τύπτοντες αὐτῶν τὴν συνείδησιν ἀσθενοῦσαν εἰς Χριστὸν ἁμαρτάνετε. 13 εἰ βρῶμα σκανδαλίζει τὸν ἀδελφόν, οὐ μὴ φάγω κρέα εἰς τὸν αἰῶνα, ἵνα μὴ τὸν ἀδελφόν σκανδαλίσω. 13 διόπερ εἰ βρῶμα σκανδαλίζει τὸν ἀδελφόν μου, οὐ μὴ φάγω κρέα εἰς τὸν αἰῶνα, ἵνα μὴ τὸν ἀδελφόν μου σκανδαλίσω. 2 (1Kor) 349 <?page no="350"?> 127 Ibid. 91. 128 So bereits A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monogra‐ phie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 86*. A. 8,1-3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,9: De idolis enim coepit de idolothytis disputaturus. ♦ *8,4-6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7 9-10: Sed, et si sunt qui dicuntur dei, sive in caelis sive in terris, apparet quomodo dixerit; non quasi vere sint, sed quia sint qui dicantur, quando non sint. De idolis enim coepit de idolothytis disputaturus: Scimus quod idolum nihil sit. Creatorem autem et Marcion deum non negat; ergo non potest videri apostolus creatorem quoque inter eos posuisse qui dei dicantur et tamen non sint, quando, et si fuissent, nobis tamen unus esset deus pater. Ex quo omnia nobis, nisi cuius omnia? … Ab eo igitur inter omnia et Christus. ♦ *8,13: Vgl. Eznik, De Deo 408: „Sie sagen, daß der Apostel sagt: Es ist besser, kein Fleisch zu essen und keinen Wein zu trinken (Röm 14,21) oder irgendetwas, wodurch mein Bruder geärgert würde (1Kor 8,13). Und wiederum: Ich werde niemals Fleisch essen, wodurch mein Bruder geärgert würde (1Kor 8,13)“. B. (8,1) Post ἡ add δέ in P 46 , ar, vg mss (sy p ). ♦ (8,2) Post εἴ add δέ in 06, 010, 012, 018, 020, 365, 1241, M, vg cl , sy p.h**, Ambst, so auch die altlateinische Tradition 77; om P 46 , 01, 02, 03, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, 2464, vg st , Cl, Or, Cyp. ♦ τις om Tert, Hil, Orig lat , Ambst mss , P 46 . 127 ♦ τι om P 46 und Ambst. ♦ οὔπω bieten P 46 , 01, 02, 03, 025, 0278, 33, 81, 104, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, Cl, Or; οὐδέπω ist zu lesen in 06*, 010, 012, 044; οὐδέπω οὐδέν ist zu lesen in 06 1 , 018, 020, 365, 1241, 1505, M und sy. ♦ (8,3) τὸν θεόν om P 46 und Cl. ♦ ὑπ’ αὐτοῦ om P 46 , 01*, 33, Cl. ♦ (8,4) Post εἴδωλον add ἐστιν Iren. (Adv. haer. III 6,5) und Ambst. 128 ♦ Das in 01 2 , 018, 020, 104, 365, 1241, 1505, M, lat, sy, bezeugte ἕτερος gehört in den kanonischen Text, weil es wie bei Tertullian noch das Antwortgeschehen auf Markion verdeutlicht. Der Begriff fehlt in P 46 , 01*, 02, 03, 06, 010, 012, 025, 044, 0278, 6, 33, 81, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, latt, co, Ir lat . ♦ (8,6) ἀλλ’ om die altlateinische Tradition in 89. ♦ Post δι’ αὐτοῦ add καὶ ἐν πνεῦμα ἅγιον, ἐν ᾧ τὰ πάντα (+ καὶ ἡμεῖς ἐν αὐτῷ 630) in 630, 1881. ♦ (8,7) συνηθείᾳ steht in den Zeugen 01*, 02, 03, 025, 044, 33, 81, 630, 1739, 1881, vg mss , sy hmg , co, während die alternative Lesart συνειδήσει zu finden ist in 01 2 , 06, 010, 012, 020, 104, 365, 1175, 1241, 1505, 2464, M, lat, sy, Ambst. ♦ (8,8) Anstelle von ἡμᾶς findet sich ὑμᾶς in den Zeugen 01*, 044, 33, 365, 1241, 1881*. ♦ Anstelle von παραστήσει, das zu finden ist in P 46 , 01*, 02, 03, 6, 33, 81, 365, 1175, 1241, 1739, co, Cl, Or pt ; findet sich παρίστησιν in den Zeugen 01 2 , 06, 020, 025, 044, 104, 630, 1505, 1881, 2464, M, latt, Or pt ; συνίστησιν schreiben 010, 012. ♦ Die Sequenz οὔτε ἐὰν μὴ φάγωμεν ὑστερούμεθα, οὔτε ἐὰν φάγωμεν περισσεύομεν bieten die einschlägigen Zeugen 06, 010, 012, 020, 025, 044, 104, 350 Rekonstruktion <?page no="351"?> 129 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 507. 130 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 86*. 365, 1175, 1241, 1505, 2464, M, ar, b, sy, Cl, Or pt οὔτε γὰρ [γάρ < Tert, Cl, Or] ἐὰν φάγωμεν περισσεύομεν οὔτε ἐὰν μὴ φάγωμεν ὑστερούμεθα, während 02* οὔτε ἐὰν μὴ φάγωμεν περισσεύομεν, οὔτε ἐὰν φάγωμεν ὑστερούμεθα hat. ♦ (8,10) σέ om P 46 , 03, 010, 012 latt. ♦ (8,11) Hier bieten die Zeugen 06 2 , 010, 012, 020, 1241, 1505, 2464 c , M, vg (sa), Ir lat , Ambst anstelle von ἀπόλλυται γάρ das futurische καὶ ἀπολεῖται. ♦ (8,12) ἀσθενοῦσαν om P 46 , Cl. ♦ (8,13) μου 1 om 06, 010, 012, ar, Cyp, Ambst, Pel, und in der altlateinischen Tradition: 75*, 77, 78. ♦ μου 2 om 06*, 010, 012, ar, b, Cl, Ambst ed , Pel und in der altlateinischen Tradition: 75, 76, 77, 78, 89. C. 1. (8,1-3) Zahn meint, dass nach der zitierten Angabe Tertullians die Verse 1-3 „wohl gänzlich“ gefehlt hätten. 129 Harnack korrigiert ihn jedoch, indem er darauf hinweist, dass Vers 1 „berührt“ ist. 130 So sieht es auch Schmid, während BeDuhn das Zitat lediglich als Anspielung auf Vers 4 liest und die Verse 1-3 für unbezeugt hält. BeDuhn ist nicht zu widersprechen, weil Tertullian in der Tat in beiden Versen von idolothytis spricht. Tertullians Hinweis mit enim bezieht sich allerdings eher auf Vers 4 (οὖν) und nicht auf Vers 1 (δέ). Wir werden sehen müssen, ob die Präferenz für Vers 4 sich auch in der Lexik niederschlägt. 2. (8,2) Die Hinzufügung von τὸν θεόν und ὑπ’ αὐτοῦ bewirkt eine Sinnän‐ derung. Ohne diese spricht Vers 1 von einer grundsätzlichen Erkenntnis, wobei zunächst allen eine solche Erkenntnis zugestanden wird, doch eingeschränkt wird (siehe das δἐὲ), dass Erkenntnis aufbläht, während Liebe aufbaut. Verse 2 und 3 legen folglich dar, dass nur diejenige Erkenntnis eine rechte ist, die eine liebende ist. Von einer Ausrichtung auf Gott ist zunächst notwendigerweise nicht die Rede. Diese erfolgt erst durch die Hinzufügungen wohl in antipaganer Absicht, die Götzenopferfleischdebatte zu schärfen, wobei nach dieser Lesart die Aussage gewissermaßen ins Gegenteil verkehrt wird, indem das Medium ἔγνωσται nun als Passiv zu lesen ist. Während die Passage ohne diese Hinzu‐ fügungen zu einer Zurückhaltung im Urteil plädiert, formuliert die korrigierte Version eine Abgrenzung zwischen Gläubigen, die wissen, und Ungläubigen, die zu wissen scheinen - die Unstimmigkeit dieser Position bildet dann aber das nicht mehr relevante Lieben, das auf Gott umgelenkt wird. Die Annahme Bowdens, dass in Kapitel 8 eine Bezugnahme auf das sogenannte Apostelkonzil 2 (1Kor) 351 <?page no="352"?> 131 Vgl. A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020), 418. nach Apg 15,29 vorliegt, wird sich folglich allenfalls auf die Fassung mit den kanonischen Erweiterungen beziehen können. 131 3. (8,4-6) Zahn sieht diese Verse in der kanonischen Form präsent. Harnack ist zurückhaltender und sieht lediglich folgenden Bestand bezeugt: οἴδαμεν ὅτι εἴδωλον οὐδὲν ἐστιν. 5 καὶ γὰρ εἴπερ εἰσὶν (οἱ) λεγόμενοι θεοὶ εἴτε ἐν οὐρανοῖς εἴτε ἐπὶ γῆς, 6 ἀλλ’ ἡμῖν εἷς θεὸς ὁ πατήρ, ἐξ οὗ τὰ πάντα. Nach Schmid ist bezeugt: 4 … οἴδαμεν ὅτι οὐδὲν εἴδωλον … 5 καὶ γὰρ εἴπερ εἰσιν λεγόμενοι θεοὶ εἴτε ἐν οὐρανῷ εἴτε ἐπὶ (τῆς) γῆς … 6 ἀλλ’ ἡμῖν εἷς θεὸς ὁ πατήρ, ἐξ οὗ τὰ πάντα. BeDuhn sieht auch die Eröffnung präsent (Περὶ τῆς βρώσεως οὖν τῶν εἰδωλοθύτων), schließt sich aber ansonsten dem Textbestand Harnacks an und verweist zu Recht darauf, dass Tertullian wohl tatsächlich den Plural οὐρανοῖς gelesen haben muss, weil er da, wo er dieselbe Stelle an anderer Stelle anführt, den kanonischen Text mit dem Singular wiedergibt (Adv. Marc. III 15,2). Wenn Vers 1 auf kanonischer Ebene stand, dann stellt er zu Vers 4 (Περὶ τῆς βρώσεως οὖν τῶν εἰδωλοθύτων) eine typisch kanonische Duplikation dar, auch wenn dort das „Essen“ nicht erwähnt wird. Auch scheinen ἐν κόσμῳ, καὶ ὅτι οὐδεὶς θεὸς εἰ μὴ εἷς wie anschließend auch ὥσπερ εἰσὶν θεοὶ πολλοὶ καὶ κύριοι πολλοί Ergänzungen der kanonischen Redaktion zu sein (vgl. auch weiter unten zur Lexik). Sie stellen wie Tertullian sicher, dass das „Idol“ nicht mit dem Schöpfer gleichgesetzt wird, sondern sich auf die paganen Idole bezieht, denen der eine Gott gegenübergestellt wird. Tertullian verdeutlicht, dass Markion in den Idolen und insbesondere in dem Idol, das nichts ist, sehr wohl den Schöpfer verstanden hat, was Tertullian mit dem Hinweis darauf zu bestreiten versucht, dass er auf die Qualifizierung Gottes als „einzigen“ und als „Vater, aus dem alles ist“, verweist. Jedoch wird die Satzkonstruktion von *1Kor 8,4-6 anders gebildet, angezeigt durch das in P 46 , 03, 33, b, sa, Ir lat fehlende ἀλλ’. Dieses ἀλλ’ ist nur sinnvoll, wenn der voranstehende, unbezeugte und vermutlich kanonische Textteil stand. Das regierende οἴδαμεν bezieht sich elliptisch auf beide nachgeordnete Sätze, ὅτι οὐδὲν εἴδωλον, καὶ γάρ-… ἡμῖν εἷς θεὸς ὁ πατήρ-… Man bemerke, dass das καὶ ἡμεῖς εἰς αὐτόν nicht mehr bezeugt ist, sondern an dessen Stelle nur das nobis steht, das zum voranstehenden Element bei Tertullian gehört (Ex quo omnia nobis), weshalb die Rekonstruktion dieses Passus lautet: ἐξ οὗ τὰ πάντα ἡμῖν. 352 Rekonstruktion <?page no="353"?> In der Tat zeigt sich, dass die Formulierung εἰς αὐτόν, wie im lexikalischen Vergleich gezeigt, eine ausschließlich kanonische ist (Eph 1,5: διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ εἰς αὐτόν; *Laod 1,5 unbezeugt) und sich ein Mal sicher (Kol 1,20: τὰ πάντα εἰς αὐτόν; *Kol 1,20: τὰ πάντα εἰς ἑαυτόν) für diese bezeugt findet. Was die Weiterführung καὶ εἷς κύριος Ἰησοῦς Χριστός, δι’ οὗ τὰ πάντα καὶ ἡμεῖς δι’ αὐτοῦ betrifft, so scheint sie eine christologische Erweiterung der kanonischen Redaktion darzustellen. 4. (8,7-12) Diese Verse sind unbezeugt. Zahn rechnet zwar in irgendeiner Form mit ihnen, doch Harnack, Schmid und BeDuhn sehen sie als unbezeugt, wobei BeDuhn allerdings in Klammern den Anfang von Vers 7 Ἀλλ’ οὐκ ἐν πᾶσιν ἡ γνῶσις übersetzt und mit Auslassungszeichen andeutet, dass er mit weiterem Text rechnet. Doch stellt sich die Frage, ob die fehlende Bezeugung hier Nichtvorhanden‐ sein bedeutet. Vers 7 greift Vers 1 auf, wonach alle Erkenntnis besitzen, wobei bereits in den Versen 2-3 die Erkenntnis qualifiziert wurde. Hier nun wird weiter eingeschränkt, dass diese als Liebe qualifizierte Erkenntnis nicht in allen ist, wobei das Stichwort „Götzenopferfleisch“ aus dem Titel erstmals aufgegriffen wird. Es würde sich also nahelegen, dass diese Passage auch in der vorkanoni‐ schen Version vorhanden war, auch wenn der narrative Zusammenhang mit dem bezeugten Vers 13 der vorkanonischen Fassung den gesamten Passus nicht zwingend erforderlich macht. 5. (8,7) Die Lesart συνειδησει zwingt zu einem anderen Bezug des τοῦ εἰδώλου. Allerdings ist auch der Bezug von τοῦ εἰδώλου auf συνηθείᾳ schwierig. Elliptisch ist der Satz allzumal, da das direkte Objekt zu „essen“ fehlt. 6. (8,8) Die Variante ὑμᾶς anstelle von ἡμᾶς beruht wohl darauf, dass die kanonische Redaktion Paulus nicht einschließen wollte in das Götzenopferf‐ leischessen, das durch ἡμᾶς impliziert sein kann. Auffallend ist die Variante συνίστησιν bzw. παριστησιν in den Zeugen 01 2 , 06 (010, 012: συν-), 044, 104, 630, 1505, 1881, 2464, M, latt, Or pt . 7. Was die Wortumstellung betrifft, findet sich die kanonische Sequenz οὔτε ἐὰν μὴ φάγωμεν ὑστερούμεθα, οὔτε ἐὰν φάγωμεν περισσεύομεν in auch vorkanonisch sonst einschlägigen Zeugen. Auch wenn die andere Wortstellung οὔτε ἐὰν μὴ φάγωμεν περισσεύομεν, οὔτε ἐὰν φάγωμεν ὑστερούμεθα sich nur in einem Zeugen findet, ist sie sinnvoller. Der Gedankengang ist ja, dass, wer sich des Götzenopferfleisches enthält, der Meinung sein könnte, er sei denen überlegen, die noch Götzenopferfleisch essen, und ihm wird gesagt - nein, Erkenntnis aus Liebe lehrt, auch wer dies nicht isst, wird dadurch nicht besser, wer es isst, wird dadurch nicht schlechter, weil Speisen überhaupt nicht über Nähe oder Ferne zu Gott entscheiden. 2 (1Kor) 353 <?page no="354"?> 132 R. Steck, Der Galaterbrief nach seiner Echtheit untersucht nebst kritischen Bemer‐ kungen zu den paulinischen Hauptbriefen (1888), 157. 133 L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 213. 134 So ibid. Vgl. hierzu mehr weiter unten. 8. (8,9. 11) Man beachte die Nähe zwischen diesen beiden kanonischen Versen und den wieder kanonischen Versen Röm 14,13. 15 (13 Μηκέτι οὖν ἀλλήλους κρίνωμεν: ἀλλὰ τοῦτο κρίνατε μᾶλλον, τὸ μὴ τιθέναι πρόσκομμα τῷ ἀδελφῷ ἢ σκάνδαλον. 15 εἰ γὰρ διὰ βρῶμα ὁ ἀδελφός σου λυπεῖται, οὐκέτι κατὰ ἀγάπην περιπατεῖς. μὴ τῷ βρώματί σου ἐκεῖνον ἀπόλλυε ὑπὲρ οὗ Χριστὸς ἀπέθανεν), auf die Steck aufmerksam gemacht hat. 132 Die Korrespondenz zeigt die briefüber‐ greifende Korrespondenz, die die kanonische Redaktion herzustellen versucht. 9. (8,10) Mit der Wiederholung des für die kanonische Ebene notierten Begriffes συνείδησις, der das Thema von Vers 7 wieder aufgreift, scheint auch dieser Vers derselben kanonischen Ebene wie Vers 7 anzugehören. 10. (8,12) Das in zwei Zeugen ausgelassene ἀσθενοῦσαν klingt wie eine antipagane Schärfung des Verses. Der für die kanonische Ebene markierte Begriff συνείδησις zeigt, dass dieser Vers den Gedanken der kanonischen Verse 10 und 7 fortführt, darum wird wohl auch dieser Vers der kanonischen Ebene zugehören. 11. (8,13) Eznik sieht in diesen beiden Versen die Begründung der Markioniten für ihren Vegetarismus. Nach Zahn war 1Kor 8,13 in irgendeiner Form vor‐ handen, Harnack sieht den folgenden Wortlaut bezeugt: οὐ μὴ φάγω κρέα εἰς τὸν αἰῶνα, ἵνα μὴ τὸν ἀδελφόν μου σκανδαλίσω (ᾧ ὁ ἀδελφός μου σκανδαλισθῇ? ). Schmid sieht den Vers als unbezeugt, BeDuhn gibt den ersten unbezeugten Teil des Verses wegen des narrativen Zusammenhangs in Klammern, des Weiteren folgt er Harnack. Es wurde eine Diskrepanz festgestellt zwischen 1Kor 8,1-13 und 10,1-22. Beide Male geht es um Essen, das Idolen geopfert wurde. In der zweiten Passage gibt Paulus strikte Anweisungen, die auf Trennung gegenüber den Dämonen hinauslaufen, während er in Kapitel 8 erstaunlich freizügig ist. 133 Das hat zu der Überlegung geführt, ob nicht 10,1-22 zusammen mit 6,12-20 zu dem Schreiben gehört, das in 5,9-10 angedeutet wird. 134 D. (8,1) περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,1; 12,1, vgl. auch Vers 4. ♦ Die Kombination περὶ δέ steht 14 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. hierzu 7,1. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter Vers 4. ♦ Die Form οἴδαμεν 354 Rekonstruktion <?page no="355"?> steht 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 8,4; *Röm 2,2. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ γνῶσις steht 34 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8. ♦ Die Form ἡ γνῶσις steht nur noch ein Mal kanonisch in 1Kor 8,7. ♦ φυσιόω, das 7 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination von ἡ δέ steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 4,26. ♦ οἰκοδομέω, das 47 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 11,47 und *Gal 2,18, zu vergleichen ist auch *1Kor 3, 12 (ἐποικοδομέω, das 9 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt in *1Kor 3,12; *Laod 2,20; vgl. auch ἀνοικοδομέω, das 2 Mal im NT steht, ein Mal vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,18). Zur Abwesenheit: Bei diesem nicht sicher bezeugten Vers sind die ausschließlich kanonisch belegten Elemente wichtige Hinweise, die den Vers eher der kanoni‐ schen Redaktion zuordnen lassen (Περὶ δέ; ἡ γνῶσις; φυσιόω; ἡ δὲ). Der Vers wird wohl in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (8,2) Die Formulierung εἴ τις δοκεῖ findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 3,18. ♦ Die Form ἐγνωκέναι steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in 2Petr 2,21. ♦ οὐδέπω steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ Die Alternative οὔπω steht 29 / 26 Mal im NT, ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das in der Variante οὔπω οὐδέν mitstehende οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,4. ♦ Die Form ἔγνω steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21; 2,16; *Röm 11,34. ♦ καθώς steht 186 / 182 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,21; *1Kor 1,31; 10,6; 14,34; 15,49; *Laod 5,29; *Kol 1,6. ♦ Die Form γνῶναι steht 14 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene (Mt 13,11; Mk 7,24; Lk 4,16; 8,10; 24,16; 9 Mal in Apg; 1Kor 2,14; 8,2; Eph 3,19; Phil 3,10; 1Thess 3,5; Jak 2,20). Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist eine ganze Reihe von aus‐ schließlich kanonisch belegten Elementen auf (εἴ τις δοκεῖ; ἐγνωκέναι; οὐδέπω/ οὔπω/ οὔπω οὐδέν; γνῶναι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (8,3) εἰ δέ τις steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 3,12. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ἀγαπάω steht 157 / 143 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *Röm 13,8. 9. ♦ Die Form ἀγαπᾷ steht 9 Mal im NT, Lk 7,47, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,28. ♦ οὗτος steht 192 Mal im NT, ist vorkanonisch nur bezeugt für *Ev. 2 (1Kor) 355 <?page no="356"?> Zur Abwesenheit: Bei diesem kurzen, unbezeugten Vers fällt als ausschließlich kanonisch belegtes Element nur die Eröffnung auf (εἰ δέ τις). Dieses und die narrative Einbindung in die voranstehenden beiden Verse auf der kanonischen Ebene sprechen dafür, dass auch dieser Vers der kanonischen Ebene zugehört und vorkanonisch gefehlt hat. Wiederum fällt *Laod auf, welcher der kanoni‐ schen Lexik nahesteht. (8,4) Zu dem vorkanonisch bezeugten περί vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ βρῶσις steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,16. ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.) begegnet bereits auf kanonischer Ebene zuvor in Vers 2, vgl. zur Stelle. ♦ εἰδωλόθυτος steht 11 / 9 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt in *1Kor 10,19. ♦ Zu den vorkanonisch bezeugten οἶδα und οἴδαμεν vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Das bezeugte ὅτι οὐδέν steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 14,14. ♦ εἴδωλον steht 13 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt erneut in *1Kor 10,19. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: Die Wendung ἐν κόσμῳ steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 5,13; 1Kor 8,4; 14,10; Phil 2,15; Kol 2,20; 1Tim 3,16). ♦ Die Kombination καὶ ὅτι steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, Lk 4,11, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 7,16, wo das ὅτι nach καί unbezeugt ist; Mk 3,22; 6 Mal in Joh; 5 Mal in Apg; 1Kor 8,5; 15,4. 5; 1Thess 3,6; 2Tim 3,15; 1Joh 2,21; Apk 2,2. ♦ Das kanonisch beliebte οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), das 96 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15; *Laod 5,29. ♦ Die Wendung εἰ μὴ εἷς steht 4 Mal im NT, Mk 2,7; 10,18; Lk 18,19, wo sie sich nicht in *Ev findet; 1Kor 8,4, d.-h. sie steht ausschließlich kanonisch belegt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians; das τῆς βρώσεως ist an dieser Stelle nicht bezeugt, auch wenn der Begriff vorkanonisch bezeugt ist, doch das Thema des Essens wird erst später eingeführt, der Begriff mag also an dieser Stelle vielleicht gefehlt haben. Nach εἴδωλον wird man mit Irenäus und dem Ambrosiaster das ἐστιν aufnehmen. Während der bezeugte Teil bis auf ὅτι οὐδέν weitere vorkanonisch bezeugte Elemente aufweist, ist es im unbezeugten Teil anders, hier fallen eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen (ἐν κόσμῳ; καὶ ὅτι; εἰ μὴ εἷς). Dieser Teil wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (8,5) Die Kombination καὶ γάρ steht 39 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *2Kor 5,4. ♦ Die Kombination καὶ γὰρ εἴπερ ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Verbform λεγόμενοι steht 2 Mal im NT, wieder vorkanonisch bezeugt in *Laod 2,11, auf der kanonischen Ebene stehend in 1Kor 8,5; Eph 2,11. ♦ Die Kombination εἴτε ἐν steht in drei Versen im NT (1Kor 8,5; 2Kor 12,2. 3), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch gut bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 356 Rekonstruktion <?page no="357"?> 3,20. ♦ Die Form ἐν οὐρανῷ steht 12 Mal im NT, Lk 11,2, in einem Vers, der in *Ev fehlt, 19,38, wo der Vers nicht für *Ev bezeugt ist, nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ γῆ steht 268 / 250 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,5; 15,47; *Laod 1,10. ♦ Die Formulierung ἐπὶ γῆς steht 6 Mal im NT (Mt 6,10; Lk 2,14, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 1Kor 8,5; Eph 3,15; Hebr 8,4; 12,25), nur hier vorkanonisch bezeugt. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ὥσπερ, das 43 / 36 Mal im NT steht, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21. ♦ Die Kombination εἰσὶν θεοί steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Apg 19,26. ♦ Die Kombination πολλοὶ καί steht 8 Mal im NT, Lk 14,25, wo das πολλοί in *Ev fehlt; 3 Mal in Mt; 3 Mal in Mk, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form κύριοι steht 5 Mal im NT, Lk 19,33, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 16,19; 1Kor 8,5; Eph 6,9 Kol 4,1, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wieder Tertullian. Neben einigen, auch anderwärtig vorkanonisch bezeugten Elementen, finden sich auch solche, die nur hier vorkanonisch bezeugt sind. Im unbezeugten Teil steht eine Reihe solcher nur kanonisch belegter Elemente, was nahelegt, dass der von Tertullian nicht mehr bezeugte Textteil vorkanonisch gefehlt hat. (8,6) Die Wendung ἀλλ’ ἡμῖν ist Hapax legomenon im NT. ♦ εἷς θεός begegnet nochmals vorkanonisch in *Laod 4,6. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, berücksichtigt aber auch die Überlegungen aus C. (8,7) Die Kombination Ἀλλ’ οὐκ steht 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene (4 Mal in Mk; Lk 21,9; 3 Mal in Joh; Apg 7,48; Röm 4,2; 5,15; 10,2. 16; 1Kor 4,4; 6,12; 8,7; 9,12; 10,5. 23; 15,46; 2Kor 4,8. 9; 11,6; 2Tim 1,12; 3,9; Hebr 3,6; 4,2; 1Joh 2,19; 3Joh 1,13). ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Form ἐν πᾶσιν steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,6; *Laod 4,6. ♦ Die Form ἡ γνῶσις steht nur noch ein Mal kanonisch in 1Kor 8,1. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.), das 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7; *Phil 1,15. ♦ Die Kombination τινὲς δέ steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 27,47; Lk 6,2; 11,15; 3 Mal Joh; 2 Mal Apg; 1Kor 8,7; 15,6; Phil 1,15). ♦ συνήθεια ist überhaupt ein im NT seltener Begriff, er begegnet nur noch Joh 18,39 und 1Kor 11,16, Stellen, die nicht für die vorkanonische Fassung bezeugt sind. ♦ Die Variante συνείδησις steht 32 / 30 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐσθίω, das 196 / 158 2 (1Kor) 357 <?page no="358"?> Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ Die Form ἐσθίουσιν steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (5 Mal Mk; Lk 5,33; 1Kor 8,7; 9,13). ♦ Wieder begegnet der ausschließlich kanonisch belegte Begriff συνείδησις. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter Vers 12. ♦ ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ♦ Die Verbform οὖσα, die 6 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 5,25; Lk 8,43; Joh 8,9; Apg 5,17; 9,39; 1Kor 8,7). ♦ μολύνω, das 3 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene zu finden in 1Kor 8,7; Apk 3,4; 14,4 ♦ Das Nomen μολυσμός ist Hapax legomenon im NT (2Kor 7,1). Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen (Ἀλλ’ οὐκ; ἡ γνῶσις; τινὲς δὲ; συνήθεια; συνείδησις; ἐσθίουσιν; οὖσα; μολύνω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und fehlt auf der vorkanonischen Ebene. (8,8) βρῶμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,13 (? ); *1Kor 10,3. ♦ παρίστημι steht 42 / 41 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2, kanonisch steht das Verb insbesondere in der Apostelgeschichte (Apg 1,3. 10; 4,10. 26; 9,39. 41; 23,2. 4. 24. 33; 24,13; 27,23. 24). ♦ ὑστερέω, das 19 / 16 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, auch wenn ὑπερπερισσεύειν in *Röm 5,20 (vgl. auch 5,15) zu finden ist. ♦ οὔτε steht 106 / 87 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,6. ♦ πρόσκομμα steht 6 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene bezeugt (1Kor 8,9; Röm 9,32. 33; 14,13; 1Petr 2,8). Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers finden sich ausschließlich kanonisch belegte Termini (ὑστερέω; περισσεύω; πρόσκομμα). Der Vers wird wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (8,9) βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. Man bemerke insbesondere diese formelhafte Satzeröffnung, die auf der kanonischen Ebene zu finden ist in 1Kor 1,26; 8,9; 10,18; Eph 5,15; Phil 3,2; Kol 2,8. ♦ Die Kombination βλέπετε δέ steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Mk 13,9. ♦ Entsprechend begegnet auch die Kombination μή πως, die 11 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 11,21; 1Kor 8,9; 9,27; 2Kor 2,7; 9,4; 11,3; 12,20; Gal 2,2; 4,11; 1Thess 3,5). ♦ ἐξουσία steht 112 / 102 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. ♦ αὕτη, das 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πρόσκομμα, das 6 Mal im NT begegnet, ist weiters nur für die kanonische Ebene bezeugt (Röm 9,32-33; 14,13. 358 Rekonstruktion <?page no="359"?> 20; 1Petr 2,8). ♦ ἀσθενής steht 35 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9; *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ Vgl. auch ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers bestätigt die Reihe von ausschließlich kanonisch belegten Elementen (βλέπετε δὲ; πως; μή πως; πρόσκομμα), dass der Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. (8,10) Die Kombination ἐὰν γάρ steht 10 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,15. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ κατακείω steht 12 Mal im NT und ist ausschließlich kanonisch belegt in Mk 1,30; 2,4. 15; 14,3; Lk 5,25. 29; 7,37; Joh 5,3. 6; Apg 9,33; 28,8; 1Kor 8,10. ♦ οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ Zu συνείδησις als ausschließlich kanonischem Ausdruck vgl. zuvor 8,7. ♦ Zu ἀσθενής vgl. zu den Versen 7. 11. 12. ♦ Die Verbform ὄντος steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,20. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers teilt die kanonisch notierten Merk‐ male mit früheren Versen dieser Passage und weist ausschließlich kanonische Elemente auf (ἐὰν γὰρ κατακείω; συνείδησις). Der Vers ist folglich Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Auffallend ist, dass, was die Verbform ὄντος betrifft, *Laod wieder die Lexik der kanonischen Ebene teilt. (8,11) ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. ♦ Die Form ἀπόλλυται steht nur noch Mk 2,22. ♦ Zu ἀσθενέω und ἀσθενής vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ Die Form ὁ ἀσθενῶν steht nur noch Joh 5,7. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36 und *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ σῇ (Dat. Fem. Sg. von σύ / σός) steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 5,4; 24,4; 1Kor 8,11; 14,16). ♦ Die Kombination ἐν τῇ σῇ steht nur noch Apg 5,4. ♦ γνῶσις steht 34 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8. ♦ Die Kombination δι’ ὃν steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 8,11; Phil 3,8; Hebr 2,10). ♦ Die Form ἀπέθανεν steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,3; *Röm 5,6. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers weist ebenfalls eine Reihe von aus‐ schließlich kanonisch belegten Elementen auf (ἀπόλλυται; ὁ ἀσθενῶν; σῇ; ἐν τῇ σῇ; δι’ ὃν). Er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. 2 (1Kor) 359 <?page no="360"?> (8,12) Die Kombination οὕτως δέ steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene, vgl. zuvor zu 3,15. ♦ ἁμαρτάνω steht 47 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,3. 4; *Röm 2,12; *Laod 4,26. ♦ Die Wendung εἰς τοὺς ἀδελφούς steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 21,23; 1Kor 8,12; 3Joh 1,5). ♦ τύπτω steht 15 / 13 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,64, und steht ansonsten auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ συνείδησις wurde bereits zuvor als kanonischer Begriff notiert, vgl. zuvor 8,7. 10. ♦ Die Wendung εἰς Χριστόν steht 12 Mal im NT, mit Ausnahme von *Laod 5,32 immer auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Wie bei den voranstehenden unbezeugten Versen, zeichnet sich auch dieser durch ausschließlich kanonisch belegte Elemente aus (οὕτως δέ; εἰς τοὺς ἀδελφοὺς; συνείδησις). Auch dieser Vers wird darum Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. Ebenfalls fällt wieder auf, dass *Laod die Lexik der kanonischen Ebene teilt. (8,13) Zum unbezeugten Versteil: διόπερ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanoni‐ schen Ebene (1Kor 8,13; 10,14; 14,13). ♦ βρῶμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,13 (? ); *1Kor 10,3. ♦ σκανδαλίζω steht 30 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,13. ♦ Der Ausdruck τὸν ἀδελφόν steht 37 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. Zum bezeugten Versteil: ἐσθίω steht 196 / 158 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. ♦ Die Form φάγω steht 5 Mal im NT, Lk 22,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Lk 17,8; 22,11, wo der Begriff nicht für *Ev bezeugt ist; Mk 14,14. ♦ κρέας steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, im gleichen Zusammenhang des von Eznik bezeugten Themas in *Röm 14,21 und ist damit ein ausgeprägt vorkanonischer Begriff. ♦ Die Wendung εἰς τὸν αἰῶνα steht 28 Mal im NT (Mt 21,19; Mk 3,29; 11,14; Lk 1,55; 11 Mal Joh; 1Kor 8,13; 2Kor 9,9; 4 Mal Hebr; 1Petr 1,25; 1Joh 2,17; 2Joh 1,2), vorkanonisch nur hier bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis von Eznik, wobei auch der voranstehende konditionale Nebensatz durchaus in der vorkanonischen Version gestanden haben kann, auch wenn dieser Teil unbezeugt ist. Wie der Ausdruck τὸν ἀδελφόν andeutet, wird die unbezeugte Verseinleitung möglicherweise kanonisch überarbeitet vorliegen. 360 Rekonstruktion <?page no="361"?> Kapitel 9 9,[1-6] 7-10 [11-13] 14-15 16 [17] 18 [19] 20 [21] 22 [23-27]: Die Rettung aller Das vorliegende Kapitel führt erstmals näher zur Person des *Paulus hin. Es ist in zentralen Passagen gut bezeugt, wurde jedoch durch die kanonische Redaktion in der Eröffnung, im mittleren Teil und insbesondere zum Ende hin deutlich erweitert. Das vorkanonische Hauptthema ist die Unabhängigkeit des *Paulus und seine Selbstverortung unter Juden und allgemeiner unter solchen, die unter dem Gesetz stehen, um alle zu retten. Das Thema seiner Stellung zur jüdischen Tradition wird im darauffolgenden Kapitel fortgeführt. - 1 Οὐκ εἰμὶ ἐλεύθερος; οὐκ εἰμὶ ἀπόστολος; οὐχὶ Ἰησοῦν τὸν κύριον ἡμῶν ἑόρακα; οὐ τὸ ἔργον μου ὑμεῖς ἐστε ἐν κυρίῳ; 2 εἰ ἄλλοις οὐκ εἰμὶ ἀπόστολος, ἀλλά γε ὑμῖν εἰμι· ἡ γὰρ σφραγίς μου τῆς ἀποστολῆς ὑμεῖς ἐστε ἐν κυρίῳ. 3 Ἡ ἐμὴ ἀπολογία τοῖς ἐμὲ ἀνακρίνουσίν ἐστιν αὕτη. 4 μὴ οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν φαγεῖν καὶ πεῖν; 5 μὴ οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν ἀδελφὴν γυναῖκα περιάγειν, ὡς καὶ οἱ λοιποὶ ἀπόστολοι καὶ οἱ ἀδελφοὶ τοῦ κυρίου καὶ Κηφᾶς; 6 ἢ μόνος ἐγὼ καὶ Βαρναβᾶς οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν μὴ ἐργάζεσθαι; 7 τίς στρατεύεται, τίς φυτεύει ἀμπελῶνα καὶ ἐκ τοῦ καρποῦ αὐτοῦ οὐκ ἐσθίει; τίς ποιμαίνει ποίμνην καὶ ἐκ τοῦ γάλακτος οὐκ πίνει; 7 τίς στρατεύεται ἰδίοις ὀψωνίοις ποτέ; τίς φυτεύει ἀμπελῶνα καὶ τὸν καρπὸν αὐτοῦ οὐκ ἐσθίει; ἢ τίς ποιμαίνει ποίμνην καὶ ἐκ τοῦ γάλακτος τῆς ποίμνης οὐκ ἐσθίει; 8 Μὴ κατὰ ἄνθρωπον λέγω, ἢ εἰ καὶ ὁ νόμος Μωϋσέως ταῦτα λέγει; 8 Μὴ κατὰ ἄνθρωπον ταῦτα λαλῶ, ἢ καὶ ὁ νόμος ταῦτα οὐ λέγει; 9 γέγραπται γάρ· Οὐ κημώσεις βοῦν ἀλοῶντα. μὴ τῶν βοῶν μέλει τῷ θεῷ; 9 ἐν γὰρ τῷ Μωϋσέως νόμῳ γέγραπται, Οὐ φιμώσεις βοῦν ἀλοῶντα. μὴ τῶν βοῶν μέλει τῷ θεῷ; 10 δι’ ἡμᾶς γὰρ ἐγράφη. 10 ἢ δι’ ἡμᾶς πάντως λέγει; δι’ ἡμᾶς γὰρ ἐγράφη, ὅτι ὀφείλει ἐπ’ ἐλπίδι ὁ ἀροτριῶν ἀροτριᾶν, καὶ ὁ ἀλοῶν ἐπ’ ἐλπίδι τοῦ μετέχειν. 11 εἰ ἡμεῖς ὑμῖν τὰ πνευματικὰ ἐσπείραμεν, μέγα εἰ ἡμεῖς ὑμῶν τὰ σαρκικὰ θερίσομεν; 12 εἰ ἄλλοι τῆς ὑμῶν ἐξουσίας μετέχουσιν, οὐ μᾶλλον ἡμεῖς; Ἀλλ’ οὐκ ἐχρησάμεθα τῇ ἐξουσίᾳ ταύτῃ, ἀλλὰ πάντα στέγομεν ἵνα μή τινα ἐγκοπὴν δῶμεν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ Χριστοῦ. 13 οὐκ οἴδατε ὅτι οἱ τὰ ἱερὰ 2 (1Kor) 361 <?page no="362"?> ἐργαζόμενοι [τὰ] ἐκ τοῦ ἱεροῦ ἐσθίουσιν, οἱ τῷ θυσιαστηρίῳ παρεδρεύοντες τῷ θυσιαστηρίῳ συμμερίζονται; 14 οὕτως καὶ ὁ κύριος διέταξεν τοῖς τὸ εὐαγγέλιον καταγγέλλουσιν ἐκ τοῦ εὐαγγελίου ζῆν. 14 οὕτως καὶ ὁ κύριος διέταξεν τοῖς τὸ εὐαγγέλιον καταγγέλλουσιν ἐκ τοῦ εὐαγγελίου ζῆν. 15 ἐγὼ οὐ κέχρημαι οὐδενὶ τούτων. -τὸ καύχημά μου οὐδεὶς κενώσει. 15 ἐγὼ δὲ οὐ κέχρημαι οὐδενὶ τούτων. οὐκ ἔγραψα δὲ ταῦτα ἵνα οὕτως γένηται ἐν ἐμοί, καλὸν γάρ μοι μᾶλλον ἀποθανεῖν ἤ τὸ καύχημά μου οὐδεὶς κενώσει. 16 ἐὰν εὐαγγελίζωμαι, οὐκ ἔστιν μοι χάρις· οὐαί γάρ μοι ἐὰν μὴ εὐαγγελίσωμαι. 16 ἐὰν γὰρ εὐαγγελίζωμαι, οὐκ ἔστιν μοι καύχημα· ἀνάγκη γάρ μοι ἐπίκειται· οὐαὶ γάρ μοί ἐστιν ἐὰν μὴ εὐαγγελίσωμαι. - 17 εἰ γὰρ ἑκὼν τοῦτο πράσσω, μισθὸν ἔχω· εἰ δὲ ἄκων, οἰκονομίαν πεπίστευμαι. 18 τίς οὖν ἔσταί μοι ὁ μισθός; ἵνα εὐαγγελιζόμενος ἀδάπανον θήσω τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ, πρὸς τὸ μὴ καταχρήσασθαι τῇ ἐξουσίᾳ μου. 18 τίς οὖν μού ἐστιν ὁ μισθός; ἵνα εὐαγγελιζόμενος ἀδάπανον θήσω τὸ εὐαγγέλιον, εἰς τὸ μὴ καταχρήσασθαι τῇ ἐξουσίᾳ μου ἐν τῷ εὐαγγελίῳ. - 19 Ἐλεύθερος γὰρ ὢν ἐκ πάντων πᾶσιν ἐμαυτὸν ἐδούλωσα, ἵνα τοὺς πλείονας κερδήσω· 20 Ἐγενόμην τοῖς Ἰουδαίοις ὡς Ἰουδαῖος, ἵνα Ἰουδαίους κερδήσω· τοῖς ὑπὸ νόμον ὡς ὑπὸ νόμον, ἵνα τοὺς ὑπὸ νόμον κερδήσω· 20 καὶ ἐγενόμην τοῖς Ἰουδαίοις ὡς Ἰουδαῖος, ἵνα Ἰουδαίους κερδήσω· τοῖς ὑπὸ νόμον ὡς ὑπὸ νόμον, μὴ ὢν αὐτὸς ὑπὸ νόμον, ἵνα τοὺς ὑπὸ νόμον κερδήσω· - 21 τοῖς ἀνόμοις ὡς ἄνομος, μὴ ὢν ἄνομος θεοῦ ἀλλ’ ἔννομος Χριστοῦ, ἵνα κερδάνω τοὺς ἀνόμους· 22 ἐγενόμην τοῖς πᾶσιν γέγονα πάντα, ἵνα πάντας σώσω. 22 ἐγενόμην τοῖς ἀσθενέσιν ἀσθενής, ἵνα τοὺς ἀσθενεῖς κερδήσω· τοῖς πᾶσιν γέγονα πάντα, ἵνα πάντως τινὰς σώσω. - 23 πάντα δὲ ποιῶ διὰ τὸ εὐαγγέλιον, ἵνα συγκοινωνὸς αὐτοῦ γένωμαι. 24 Οὐκ οἴδατε ὅτι οἱ ἐν σταδίῳ τρέχοντες πάντες μὲν τρέχουσιν, εἷς δὲ λαμβάνει τὸ βραβεῖον; οὕτως τρέχετε ἵνα καταλάβητε. 25 πᾶς δὲ ὁ ἀγωνιζόμενος πάντα ἐγκρατεύεται, ἐκεῖνοι μὲν οὖν ἵνα φθαρτὸν στέφανον λάβωσιν, ἡμεῖς δὲ ἄφθαρτον. 26 ἐγὼ τοίνυν οὕτως τρέχω ὡς οὐκ ἀδήλως, οὕτως πυκτεύω ὡς οὐκ ἀέρα δέρων· 27 ἀλλὰ ὑπωπιάζω μου τὸ σῶμα καὶ δουλαγωγῶ, μή πως ἄλλοις κηρύξας αὐτὸς ἀδόκιμος γένωμαι. 362 Rekonstruktion <?page no="363"?> A. *9,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,10: Ex labore suo unumquemque docens vivere oportere satis exempla praemiserat militum pastorum rusticorum; vgl. auch Adam., Dial. I 22 (im Mund des Adamantius): τίς ποιμαίνει ποίμνην καὶ ἐκ τοῦ γάλακτος οὐκ ἐσθίει (Rufin: Quis pascit gregem et ex lacte eius non manducet? ). ♦ *9,8-9a: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,10-11: sed divina illi auctoritas deerat. Legem igitur opponit creatoris ingratis, quam destruebat; sui enim dei nullam talem habebat. … [11] Ergo et legem allegoricam secundum nos probavit, et de evangelio viventibus patrocinantem … Sed noluit uti legis potestate, quia maluit gratis laborare. Hoc ad gloriam suam retulit, quam negavit quemquam evacuaturum, non ad legis destructionem qua alium probavit usurum. Ibid. III 5,4: cum etiam haereticorum apostolus ipsam legem indulgentem bubus terentibus os liberum, non de bubus sed de nobis interpretetur. Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 15 (121. 162 H.): Hier muss nach Handschriften unterschieden werden: VM bieten in der ersten Anführung (121 H.): Μετηλλαγμένος· ἀντὶ γὰρ τοῦ καὶ ὁ νόμος ταῦτα οὐ λέγει φησὶν ἐκεῖνος εἰ καὶ ὁ νόμος Μωϋσέως ταῦτα οὐ (οὐ om M) λέγει; in der zweiten Anführung heißt es (162 H.) in VM: Μετηλλαγμένως· ἀντὶ γὰρ τοῦ ἐν τῷ νόμῳ λέγει ἐν τῷ Μωϋσέως νόμῳ. λέγει δὲ πρὸ τούτου· εἰ καὶ ὁ νόμος ταῦτα οὐ λέγει. Vgl. auch ibid. sch. 15 und elench. 15. Weiter sind zu vergleichen für den Vers 9,8b: Die Form ἢ καὶ ὁ νόμος ταῦτα οὐ λέγει bieten P 46 , 01, 02, 03, 04, 06; dann findet sich ἢ καὶ ὁ νόμος ταῦτα λέγει in 044; ἢ εἰ καὶ ὁ νόμος ταῦτα οὐ λέγει in 010, 012; εἰ καὶ ὁ νόμος ταῦτα οὐ λέγει in 1875; ἢ οὐχὶ καὶ ὁ νόμος ταῦτα λέγει in M. Für den Vers 9,9a ist zu vergleichen: ἐν γὰρ τῷ Μωϋσέως νόμῳ γέγραπται findet sich in 01, 02, 03, 04, 06 c , 044, M; γέγραπται γάρ in 06*, 010, 012. D.h., an der zweiten Stelle bestätigen die Handschriften die Lesart εἰ der ersten Stelle, wenn es auch scheint, dass der Name Mose dort doch dem Vers 9 zugeordnet wird; aber Zahn hatte schon gesehen, dass dies auf die Verwirrung des Epiphanius zurückgeht, da der kanonische Text „Mose“ ja in Vers 9 hat, die Lesart in 010 und 012, η ει και scheint kontaminiert zu sein. Adam. stützt den katholischen Text, Rufins lateinische Übersetzung (an et lec haec dicit) ist ein Hybrid. Vgl. auch Adam., Dial. I 22 (im Mund des Adamantius): Μὴ κατ’ ἄνθρωπον ταῦτα λαλῶ, ἢ οὐχὶ καὶ ὁ νόμος ταῦτα λέγει (Rufin: Numquid secundum hominem dico, an et lex haec dicit). Vgl. Dtn 25,4 LXX: Οὐ φιμώσεις βοῦν ἀλοῶντα. ♦ *9,9b-10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,10-11: Ex labore suo unumquemque docens vivere oportere satis exempla praemiserat militum pastorum rusticorum; sed divina illi auctoritas deerat. Legem igitur opponit creatoris ingratis, quam destruebat; sui enim dei nullam talem habebat. Bovi, inquit, terenti os non obligabis, et adicit, Numquid de bubus pertinet ad dominum? etiam de bubus propter homines benignum? Propter nos enim scriptum est, inquit. [11] Ergo et legem allegoricam secundum nos probavit, et de evangelio viventibus patrocinantem … Sed noluit uti legis potestate, 2 (1Kor) 363 <?page no="364"?> 135 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 165. 136 Ibid. 104-105. quia maluit gratis laborare. Hoc ad gloriam suam retulit, quam negavit quemquam evacuaturum, non ad legis destructionem qua alium probavit usurum. Ibid. III 5,4: cum etiam haereticorum apostolus ipsam legem indulgentem bubus terentibus os liberum, non de bubus sed de nobis interpretetur. Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 16 (122. 163 H.): μὴ τῶν βοῶν μέλει τῷ θεῷ. Ibid. elench. 15: μὴ τῶν βοῶν μέλει τῷ θεῷ; ἢ πάντως δι’ ἡμᾶς εἴρηκεν. Vgl. auch Adam., Dial. I 22 (im Mund des Adamantius): μὴ τῶν βοῶν μέλει τῷ θεῷ; ἢ δι’ ἡμᾶς πάντως λέγει; δι’ ἡμᾶς γὰρ ἐγράφη, ὅτι ὀφείλει ἐπ’ ἐλπίδι ὁ ἀροτριῶν ἀροτριᾶν (Rufin: Numquid de bubus cura est deo? An propter nos utique dixit? Propter nos enim scriptum est quia debet qui arat sub spe arare). Vgl. Dtn 25,4 LXX: Οὐ φιμώσεις βοῦν ἀλοῶντα. ♦ *9,14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,11: de evangelio viventibus patrocinantem, ac propter hoc non alterius esse evangelizatores quam cuius lex quae prospexit illis. Vgl. Adam., Dial. I 6 (im Mund des Adamantius), nur durch Rufin gegeben: Et iterum dicit apostolus: Ita et Dominus disposuit his qui euangelium annuntiant, ut de evangelio vivant. ♦ *9,15: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,11: Sed noluit uti legis potestate, quia maluit gratis laborare. Hoc ad gloriam suam retulit, quam negavit quemquam evacuaturum, non ad legis destructionem qua alium probavit usurum. ♦ *9,18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,1: quia maluit gratis laborare. ♦ *9,20. 22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 3,5 auf die Verse 20 und 22 zu sprechen kommt: quae in Actis edicuntur, adeo vera, ut apostolo consonent profitenti factum se Iudaeis Iudaeum ut Iudaeos lucrifaceret, et sub lege agentem propter eos qui sub lege agerent, sic et propter superinductos illos, et omnibus novissime omnia factum ut omnes lucraretur. B. (9,1) Die Wortstellung οὐκ εἰμὶ ἀπόστολος οὐκ εἰμὶ ἐλεύθερος in 06, 010, 012, 018, 020, 044, 81, 1241, 1505, 2464, M, ar, b, sy h , Ambst, Pel. ♦ (9,7) Die Variante ἐκ τοῦ καρποῦ ist bezeugt durch P 46 , 01 2 , 04 3 ,06 1 , 018, 020, 044, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1881, 2464, M, it, vg cl , sy (p) , bo, Ambst, während die kanonische Fassung zu finden ist in 01*, 02, 03, 04*, 06*, 010, 012, 025, 0222, 33, 1175, 1739, vg st , sa, Pel. ♦ Das καὶ πίνει steht in den Zeugen 06, 010, 012. Zuntz hält die Worte für eine eingedrungene Glosse. 135 ♦ ἤ fehlt in 03, 04 2 , 06, 010, 012, 044, 81, 104, 630, 1175, 1505, 1739, 2464, latt, sy h , sa, während es steht in P 46 , 01, 02, 04*, 018, 020, 025, 33, 365, 1241, 1881, M, sy p , bo. Nach Zuntz ist die stilistisch bessere Variante diejenige ohne ἢ, doch kann er sich nicht entscheiden, welche die ältere ist. 136 ♦ Post γάλακτος om τῆς ποίμνης in P 46 und bei Adam, 010 hat αὐτῆς. ♦ (9,8) Anstelle von λέγω, die Lesart in P 46 , f, lesen 06, 010, 012, lat ταῦτα λέγω, was möglicherweise bereits eine Kontamination 364 Rekonstruktion <?page no="365"?> 137 Ibid. 138, 168. 138 Ibid. 105. 139 Vgl. Ibid. 110-111. der ursprünglichen Lesart mit der kanonischen Variante ταῦτα λαλῶ darstellt, vgl. zur Lexik weiter unten. ♦ Zu weiteren Varianten vgl. in A. wegen der Komplexität. ♦ (9,9) Die Lesart γέγραπται γάρ ist bezeugt durch 06*, 010, 012, Orig, in der altlateinischen Tradition: 75, 76, 77, 78, Hil, Pel; während P 46 , b, Ambst ἐν γὰρ τῷ νόμῳ γέγραπται lesen, die Weiterung hält Zuntz für eine eingedrungene Glosse. 137 ♦ Die Lesart κημώσεις findet sich 03*, 06*, 010, 012, 1739, Chrys, Thdt, Cyrils Glossar, während wegen der Handschriften wohl (gg. NA 28 ) φιμώσεις für die kanonische Fassung angenommen werden muss, bezeugt in P 46 , 01, 02, 03 2 , 04, 06 1 , 018, 020, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, Or, Epiph, LXX. Wegen der LXX-Nähe rechnet Zuntz mit der obigen Lesart als der ursprünglichen. 138 ♦ Anstelle von τῷ θεῷ liest Tertullian ad dominum, doch hierfür gibt es keine weiteren Zeugen. ♦ Anstelle von δι’ ἡμᾶς liest Pel uos. ♦ (9,10) τῆς ἐλπίδος αὐτοῦ μετέχειν ist gewiss die lectio difficilior, belegt in 06*, 010, 012, ar, b, sy hmg , während eine einfachere Form (τῆς ἐλπίδος αὐτοῦ μετέχειν ἐπ’ ἐλπίδι) zu finden ist in 01 2 , 06* .1 , 018, 020, 044, (104), 2646, vg, sy, Or, Eus. ♦ (9,13) παρεδρεύοντες steht in P 46 , 01*, 02, 03, 04, 06, 010, 012, 025, 33, 81, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, 2464, Or, Eus. Stattdessen steht προσεδρεύοντες in 012, 018, 020, 044, 104, 365, M. ♦ (9,15) Vgl. die Varianten οὐθεὶς μὴ καινώσει 02, οὐδεὶς μὴ κενώση 1175, τὶς κενώσει 010, 012, ἵνα τὶς κενώσει (vel κενώση) 01 2 , 04, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 2464, M, lat, sy h , während die Zeugen für den kanonischen Text sind: P 46 , 01*, 03, 06* .c , 33, 1739, 1881, b, Tert, Ambst, Pel. ♦ (9,16) Hier bieten 03, 04, 06, 010, 012, vg, Ambst, Pel, Orig lat , Aug, Hier, 177, Chrys εὐαγγελίσωμαι gegen εὐαγγελίζωμαι in P 46 , cett, Chrys, Ambst, Pel, und die altlateinische Tradition 75, 77. ♦ Anstelle von καύχημα bieten 01*, 06*, 010, 012 und die altlateinische Tradition 75, 76, 77, 78, Ambst. ♦ (9,18) Anstelle von μού ἐστιν, das zu finden ist in 03, 04, 06, 010, 012, 945, lat, bieten die einschlägigen Zeugen 06, 010, 012 ἔσταί μοι; die Zeugen P 46 , 01 2 , 020, 025, 044, 104, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, M, (sy h ) bieten μοι εστιν. ♦ Post εὐαγγέλιον add τοῦ Χριστοῦ 06 1 , 010, 012, 014, 020, 025, 104, 1241, 1505, M, sy und die altlateinische Tradition 58, 77, 78. ♦ (9,19) Post ἵνα add καί in P 46 , 03, 06*, 1739, 33, 69, 30, 1912, sa, bo cj , vg pler , Ambst, Pel; om in 010, 012, cett, Tert, Cypr, vg CFH , Hier, Aug. 139 ♦ (9,23) Die Variante τοῦτο (anstelle von πάντα) steht in den Zeugen 018, 020, 044, 1241, 1505, M, sy, während das von NA 28 übernommene παντα zu finden ist in P 46 , 01, 02, 03, 04, 06, 010, 012, 025, 6, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, latt. 2 (1Kor) 365 <?page no="366"?> 140 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 159. C. 1. (9,1-6) Diese Verse sind nach allen bisherigen Editoren unbezeugt, lediglich Hilgenfeld sieht bereits Vers 6 durch Tertullian „berührt“ und BeDuhn deutet mit Auslassungszeichen vor Vers 7 an, dass er mit einem voranstehenden Text rechnet. BeDuhn scheint m. E. richtig zu sehen, einen Textbestand vor den bezeugten Versen 7-9 anzunehmen, doch fragt sich, welcher Bestand hier in Frage kommt. Auch wenn Tertullian Vers 1 bewusst übergangen haben könnte, weil er die Apostelautorität des Paulus herausstellt (wenn der Vers sie auch zugleich in Frage stellt), scheint er den Vers doch nicht im Auge zu haben, denn wenn er von der Behauptung des Paulus, Apostel zu sein, spricht, hat er immer nur *Gal 1,1 im Blick. So schreibt Tert., Adv. Marc. V 1,1: is mihi affirmatur apostolus quem in albo apostolorum apud evangelium non deprehendo. Und ibid. 1,3: Ipse se, inquit, apostolum est professus. Und ibid. 1,4: Si est qui se Christum mentiatur, quanto magis qui se apostolum praedicet Christi? Ibid. 1,6-7: Tu ergo negas apostolum Paulum? Non blasphemo quem tueor. Nego, ut te probare compellam. [7] Nego, ut meum esse convincam. 2. (9,7) Hilgenfeld meint, Tertullian „berühre“ den Vers. Zahn sieht einige Teile des Verses 7 bezeugt. Harnack verweist detailliert auf Adamantius. Schmid nennt Tertullians Angaben eine „referierende Zusammenfassung“. BeDuhn ver‐ weist darauf, dass Tertullian die Reihenfolge ändert, zwar auch mit „Soldaten“ beginnt, doch dann die Hirten und erst an dritter Stelle die Bauern erwähnt. Nachdem wir aber keine Spur dieser geänderten Reihenfolge in den Überlie‐ ferungsträgern besitzen, kann Tertullian eine eigene Umstellung vorgenommen haben, vielleicht aber auch die Reihenfolge seiner Vorlage spiegeln. 3. (9,8-9a) Hilgenfeld meint, Tertullian „berühre“ den Vers. Meyboom verweist auf das Zeugnis des Epiphanius für die Textvariante. Zahn sieht einige Teile des Verses 8 bezeugt. Harnack verweist wieder auf Adamantius. Schmid sieht nur ἢ καὶ ὁ νόμος ταῦτα οὐ λέγει bezeugt, und BeDuhn meint irrtümlicherweise, Schmid plädiere für den Text, der von den Handschriften V und M (gegen Holls Korrektur) geboten wird (εἰ καί anstelle von ἢ καί) und den auch BeDuhn für den richtigen hält. Schmid bietet allerdings nicht den Text von V und M, sondern den Text Holls. Zahn hatte bereits auf die handschriftlichen Differenzen hingewiesen, die dann Schmid nochmals detailliert bietet. 140 Sein Urteil, das mit 06*, 010, 012 übereinstimmt, wird zwar von Schmid als „pure Konjektur - eine notwendige 366 Rekonstruktion <?page no="367"?> 141 Ibid. allerdings“ beschrieben, weil „ein zweimaliges Μωϋσέως, sowohl in V. 8b als auch 9a … recht unwahrscheinlich sein (dürfte)“. Diese Lesart hält er dann auch für die ältere, nimmt allerdings an - basierend auf seiner Theorie, dass Markion einen älteren Text redigiert habe - dass „die Einfügung des Μωϋσέως in V. 8 durch Marcion … dann als (leicht abgewandelte) Angleichung der Vorlage an den Hauptstrom der Überlieferung zu verstehen (wäre)“. 141 Da, wie in der Einleitung, Band I, gezeigt, gerade diese Handschriftenfamilie der Bilinguen 06, 010, 012 öfter näher als andere Handschriftenzeugen an den Text der *10-Briefe-Sammlung herankommt, scheint diese von Zahn bevorzugte und von Schmid für die ältere Lesart gehaltene Version auch für den vorka‐ nonischen Text anzunehmen zu sein. Der Bezug auf Mose allerdings scheint aufgrund des ausdrücklichen Zeugnisses in Vers 8 sinnvoll zu sein, auch wenn dies in keinem der handschriftlichen Zeugen zu finden ist - diese, inklusive 06, 010, 012, geben diesbezüglich die kanonische Tradition wieder -, wobei 06, 010, 012 mit ihrem Text von Vers 9a allerdings nahelegen, dass ursprünglich in Vers 8b der Hinweis auf Mose stand, auch wenn sie ihn nicht bieten. Nun hat Schmid noch auf eine zweite Möglichkeit hingewiesen: Ausgehend von der Bezeugung des Epiphanius an der späteren Stelle (Μετηλλαγμένως· ἀντὶ γὰρ τοῦ ἐν τῷ νόμῳ λέγει ἐν τῷ Μωϋσέως νόμῳ. λέγει δὲ πρὸ τούτου· εἰ καὶ ὁ νόμος ταῦτα οὐ λέγει) könne man auch 06, 010, 012 folgen, indem man den Hinweis auf Mose nicht für Vers 8b reklamiert. Da er in 06, 010, 012 überhaupt fehlt, wird erst Epiphanius - der allerdings von einer späteren Korrektur Markions ausgeht - diesen Mosebezug eingetragen haben. Folgte man dieser Version, die Schmid schließlich präferiert, aber die Priorität der *10-Briefe-Sammlung voraussetzen, dann müsste man erklären, wieso die kanonische Redaktion, die sich in 06, 010, 012 spiegelt, den Mosename getilgt hätte. Man landet folglich bei einem ähnlich gearteten Konundrum wie im ersten Fall, und es fragt sich, warum entweder in Vers 8b oder in Vers 9a die sich in 06, 010, 012 abbildende Redaktion, der ein Text mit einem klaren Mosebezug nach Epiphanius (gleich in welchem der beiden Verse) vorgelegen war, diesen von einem Mosebezug bereinigt hat. Die Lösung wird lauten, dass die in der *10-Briefe-Sammlung mit dem Namen Mose zugespitzte Antithese zumindest durch Tilgung des Mosebezuges gemindert werden sollte. Welchem der beiden Plätze, die Epiphanius offeriert, man folgt, bleibt offen. Die Rekonstruktion kann diesen Mosebezug entweder in Vers 8b oder in Vers 9a setzen. Nachdem allerdings in der Parallele (*)1Kor 14,21 ἐν νόμῳ γέγραπται ohne eingeschobenes 2 (1Kor) 367 <?page no="368"?> 142 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 446. 143 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 87*. τῷ Μωϋσέως steht, wird man doch für die erste Möglichkeit optieren, wonach der Mosebezug in Vers 8b vorkanonisch stand. 4. (9,9b-10) Hilgenfeld meint, Tertullian „berühre“ den Vers und habe „die Beweisführung aus dem A.T. (5 Mos. 25,4)“ hervorgehoben. 142 Zahn sieht durch die „freie Anspielung“ die Verse 9 und 10 bezeugt, doch fragt er kritisch, ob Vers 10 verkürzt vorhanden war. Harnack verweist detailliert auf Adamantius. Schmid sieht ἐν (γὰρ) τῷ Μωϋσέως νόμῳ (γέγραπται) … Οὐ κημώσεις βοῦν ἀλοῶντα. μὴ τῶν βοῶν μέλει τῷ θεῷ-… δι’ ἡμᾶς γὰρ ἐγράφη-… bezeugt. BeDuhns Übersetzung liegt zugrunde: ἐν γὰρ τῷ Μωϋσέως νόμῳ γέγραπται, Οὐ κημώσεις/ φιμώσεις βοῦν ἀλοῶντα. μὴ τῶν βοῶν μέλει τῷ θεῷ; ἢ δι’ ἡμᾶς πάντως λέγει; δι’ ἡμᾶς γὰρ ἐγράφη, ὅτι ὀφείλει ἐπ’ ἐλπίδι [ὁ ἀροτριῶν ἀροτριᾶν, καὶ ὁ ἀλοῶν ἐπ’ ἐλπίδι τοῦ μετέχειν-…]. Im Schriftzitat Dtn 25,4 bietet die überwiegende Zahl der Textzeugen κημωσεις, doch P 46 , 01, 02, 03 C2 haben φιμωσεις, wobei dies durch die LXX beeinflusst zu sein scheint. 5. (9,11-13) Diese Verse sind unbezeugt, auch wenn sie Zahn in irgendeiner Weise als vorhanden ansieht. Harnack, Schmid und BeDuhn vermerken sie schlicht als unbezeugt. Wiederum stellt sich die Frage nach ihrem Vorhanden‐ sein oder Nichtvorhandensein. 6. (9,14) Hilgenfeld meint, Tertullian „berühre“ den Vers. Zahn sieht Vers 14 präsent, ohne seinen Wortlaut bestimmen zu können, Harnack sieht ἐκ τοῦ εὐαγγελίου ζῆν bezeugt, Schmid sieht den Vers als unbezeugt, BeDuhn verweist wie Harnack auch noch auf die lateinische Übersetzung von Adam., Dial. I 6 des Rufin. Wie der Vergleich mit Tertullian belegt, ist jedoch nicht nur der letzte Teil des Verses zitiert, sondern in den evangelizatores ist das Äquivalent gegeben zu τοῖς τὸ εὐαγγέλιον καταγγέλλουσιν. 7. (9,15) Hilgenfeld meint, Tertullian „berühre“ den Vers. Nach Zahn ist der Text in kanonischer Form bezeugt. Harnack gibt als bezeugt ἐγὼ … ἐχρησάμην … τὸ καύχημά μου οὐδεὶς κενώσει oder meint, der „überlieferte Text“ sei anzu‐ nehmen. 143 Schmid meint, bei Tertullian liege eine „Anspielung“ auf diesen Vers vor, insbesondere auf den letzten Teil des Verses, und BeDuhn weist ausdrücklich darauf hin, dass auch der Anfang anklingt: sed noluit uti legis potestate. 368 Rekonstruktion <?page no="369"?> 144 Seine Email vom 28.5.23. 145 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 112. 146 Vgl. die Einleitung, I, S.-555-563. Mark Bilby, dem ich für die Unterstützung bei der Suche nach Kombinations‐ ergebnissen danke, 144 gibt als weitere Begründungen für die Übereinstimmung zwischen der fehlenden Bezeugung und dem Nichtvorhandensein des mittleren Teils dieses Verses, dass die kanonisch-redaktionelle Ergänzung der kanoni‐ schen Tendenz entspricht, Paulus zu historisieren, der Art, Briefe als Zusam‐ menstellungen zu reflektieren und hierfür eine historische Abfolge plausibel zu machen. Man beachte auch, dass der bezeugte Text einen argumentativen Fluss ohne die kanonische Ergänzung aufweist. Der Passus wird folglich aufgrund der Lexik und des narrativen Zusammenhangs zur kanonischen Redaktion gehören. 8. (9,16-17) Diese Verse sind nicht bezeugt, doch Zahn nimmt ihre Präsenz in unbestimmbarer Form an. Harnack, Schmid und BeDuhn stimmen überein, dass die Verse unbezeugt sind. Waren sie auch abwesend? Hierfür spricht zunächst die Duplikation, mit der Vers 16 das nochmals behauptet, was bereits auf der kanonischen Ebene in Vers 12 gesagt wurde. Setzt man aber voraus, dass Vers 12 zur kanonischen Ebene gehört, kann dieser Vers 12 die Duplikation eines vorkanonisch vorhandenen Verses 16 sein, zumal der Gedanke unmittelbar an Vers 15 anschließt und ihn leicht weiterführt. Ausschlaggebend für die Entscheidung wird folglich wieder der Vergleich der Lexik sein. 9. (9,16) Die Variante χάρις, die in einigen einschlägigen Zeugen steht, passt nicht nur inhaltlich besser, typisch für die kanonische Form ist auch die Duplikation des καύχημα. Zuntz meint, dass die kanonische Lesart einen „sehr persönlichen Eindruck“ vermittelt, 145 was einem Charakteristikum der kanonischen Redaktion entspricht, den Briefen einen emphatisch-persönlichen und historisierenden Ausdruck zu verleihen. 146 10. (9,18) Zahn nimmt den Vers in einer unbestimmbaren Form an, Harnack und Schmid sehen ihn als unbezeugt, BeDuhn aber verweist auf das angegebene Tertullianzitat und sieht darin einen Anklang an Vers 18. 11. (9,19) Der Vers ist unbezeugt, wobei Hilgenfeld auf die frühere Verwen‐ dung in Tert., Adv. Marc. IV 3; V 3 hinweist und die Verse 19 und 20 verknüpft. Bei Tertullian aber ist das Zitat eingebaut in seine antimarkionitische Argumen‐ tation, verbunden mit einem Bezug zur Apostelgeschichte, weshalb BeDuhn das Zeugnis für beide Verse zu Recht verwirft. Das Zeugnis von Tert., Adv. Marc. V 3,5 lautet: Necessario igitur cessit ad tempus, et sic ei ratio constat Timotheum circumcidendi et rasos introducendi in templum, quae in Actis edicuntur, adeo vera, 2 (1Kor) 369 <?page no="370"?> ut apostolo consonent profitenti factum se Iudaeis Iudaeum ut Iudaeos lucrifaceret, et sub lege agentem propter eos qui sub lege agerent, sic et propter superinductos illos, et omnibus novissime omnia factum ut omnes lucraretur. Nach Zahn sei der Vers jedoch in einer unbestimmbaren Form vorhanden. Harnack und Schmid nehmen ihn als unbezeugt. 12. (9,20-27) Diese Verse sind nach allen Editoren, außer Hilgenfeld, der Vers 20 präsent sieht (vgl. zu Vers 19), unbezeugt, wenn auch Zahn mit ihrer Anwesenheit in irgendeiner Form rechnet. Allerdings gesteht etwa BeDuhn ein, dass Tert., Adv. Marc. V 3,5 auf die Verse 20 und 22 zu sprechen kommt. Die früheren Editoren, die diesen Passus nicht als Bezeugung gewichteten, verwiesen darauf, dass der Passus nicht unmittelbar bei der Kommentierung der Stelle angeführt wird und zweitens in Zusammenhang mit einer Argumentation Tertullians steht, die er aus der Apostelgeschichte gezogen hat. Gleichwohl ist auffällig, dass Tertullian an dieser Stelle zwar sein Hauptargument aus Apg entwickelt, dieses aber erst dadurch gestützt sieht (adeo vera), dass diese Dinge „mit dem Apostel übereinstimmen“. Diese Verifikation hat mehr Gewicht, wenn das nachfolgende Zitat aus *Paulus genommen wäre und nicht aus Tertullians Paulus. Hinzu kommt, dass der Inhalt der Verse für den moralorientierten Ter‐ tullian nicht leicht zu verdauen ist, wird doch davon gesprochen, dass *Paulus allen alles wird, damit er alle rettet. Dieser im letzten Satz ausgedrückte Uni‐ versalismus der Rettung, der mit Markions Antithesen korrespondiert, jedoch durch die kanonische Redaktion relativiert wird, spricht für die vorkanonische Präsenz. Es verwundert folglich nicht, dass Tertullian an späterer Stelle, bei der Diskussion dieses Kapitels nicht mehr auf diese Verse hier zu sprechen kommt. Auch wenn zugegebenermaßen eine gewisse Unsicherheit bestehen bleibt, scheint m. E. genügend Grund gegeben zu sein, das Zitierte für *Paulus zu reklamieren. P 46 lässt aus καὶ ἐγενόμην τοῖς Ἰουδαίοις ὡς Ἰουδαῖος, ἵνα Ἰουδαίους κερδήσω. Für die spätere Redaktion sprechen auch die zahlreichen Textvarianten in diesem Abschnitt, zusätzlich gestützt wird die Zuordnung zumindest der Verse 20. 22 zur kanonischen Redaktion durch die Lexik. 13. (9,26-27) Auch diese Verse sind nach allen früheren Editoren schlichtweg unbezeugt. Keiner bietet sie in seiner Rekonstruktion. D. (9,1) Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist nur ein Mal vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8, vgl. weiter Vers 2. ♦ Die Kombination οὐκ εἰμί steht 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,22. 23, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion ist, vgl. 7,21. ♦ οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist 370 Rekonstruktion <?page no="371"?> vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ Die Kombination Ἰησοῦν τὸν κύριον ist unbezeugt für *Paulus, begegnet aber 3 Mal bei Paulus (Röm 4,24; 1Kor 9,1; Kol 2,6), während Ἰησοῦς + artikelloses κύριος vorkanonisch in *2Kor 4,5 steht. ♦ Die Umkehrung κύριος + Ἰησοῦς steht vorkanonisch in *1Kor 1,3, und scheint überhaupt 12 Mal in *Paulus gestanden zu haben, wenn auch unbezeugt (*Gal 1,3; *2Kor 1,2; *Röm 1,7; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Phil 1,3; Phlm 1,5. 25). Ich danke Mark Bilby für diese Kombinationshinweise in seiner Email vom 27.5.23. ♦ Die Wendung Ἰησοῦν τὸν κύριον ἡμῶν steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 4,24. ♦ Die Form ἑόρακα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ein Schlüsselbegriff ist τὸ ἔργον (μου), der der kanonischen Ebene zugehört. Nur in der Wendung τὸ ἔργον νόμου begegnet er *Gal 2,16, jedoch in negativer Wendung, in *Gal 3,10 heißt es ὅσοι γὰρ ὑπὸ νόμον ὑπὸ κατάραν εἰσίν, während die kanonische Redaktion formuliert ὅσοι γὰρ ἐξ ἔργων νόμου εἰσὶν ὑπὸ κατάραν εἰσίν. Der Terminus begegnet 187 mal im NT, erstaunlicherweise ist er jedoch nur ein einziges Mal in *Ev als positiver Begriff verwendet, und das an einer nicht ganz textsicheren Stelle! Die einzigen beiden Stellen, in der der Begriff überhaupt begegnet, sind *Ev 11,48 (ἄρα μάρτυρές ἐστε καὶ συνευδοκεῖτε τοῖς ἔργοις τῶν πατέρων ὑμῶν) und 24,19 (δυνατὸς ἐν ἔργῳ καὶ λόγῳ). Nur die erste Stelle ist durch das Zeugnis Tertullians (factis als mögliches Äquivalent) gesichert, während die zweite Stelle nicht bezeugt ist und Lk 24,10 Varianten aufweist (λογω και εργω 01, εργω και εν λογω 02), was auf eine nachträgliche Einfügung von ἔργῳ καί hinweisen könnte. Der Begriff begegnet in seiner Ambivalenz in *1Kor 3,13-14, als negative Handlung in *1Kor 5,2, als „Werke des Fleisches“ in *Gal 5,19 und als „böse Taten“ in *Kol 1,21. Er spielt jedoch gerade in den Passagen von Paulus eine große Rolle, die für *Paulus unbezeugt oder in ihm abwesend sind. Und an diesen wie überhaupt an vielen weiteren Stellen im NT wird der Begriff zwar auf *Paulus aufbauend kritisch betrachtet, jedoch auch positiv verwendet (z. B. Joh 8,41 „die Werke des Vaters“; 9,3 „die Werke des Vaters“; Röm 14,20 „die Werke Gottes“; 1Kor 15,58 „in den Werken des Herrn“; Phil 1,6 „das gute Werk in euch“; 2,30 „das Werk Christi“; 1Thess 1,3 „das Werk des Glaubens“; 5,13 „wegen ihrer Werke“; 1Tim 3,1 „eine hohe Aufgabe“ usw.). ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter Vers 2. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Οὐκ εἰμὶ; Ἰησοῦν τὸν κύριον; ἑόρακα; τὸ ἔργον; ἐν κυρίῳ). Der Vers ist Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 2 (1Kor) 371 <?page no="372"?> (9,2) ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ Zur Verbform εἰμί vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Zu dem nur kanonisch begegnenden οὐκ εἰμί vgl. ebenfalls zu Vers 1. ♦ die Kombination ἀλλά γε steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, Lk 24,21, unbezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ὑμῖν εἰμι steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Kol 2,5. ♦ σφραγίς steht 17 / 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀποστολή steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur Verbform ἐστε vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Die Kombination ὑμεῖς ἐστε steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 1,30. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zur Abwesenheit: In dem unbezeugten Vers begegnen eine Reihe von Ele‐ menten, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὐκ εἰμὶί; ἀλλά γε; ὑμῖν εἰμι; σφραγίς; ἀποστολή; ὑμεῖς ἐστε; ἐν κυρίῳ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (9,3) Die Kombination ἡ ἐμή steht 11 Mal im NT, 7 Mal Joh; 1Kor 9,3; 2Kor 2,3, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπολογία, das 9 / 8 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene, Apg 22,1; 2Kor 7,11; Phil 1,7. 16; 2Tim 4,16; 1Petr 3,15. ♦ Auch das eher unscheinbare Verb ἀνακρίνω, das 16 Mal im NT, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὕτη, das 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nicht für *Paulus bezeugt, sondern lediglich für *Ev. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist trotz seiner Kürze eine Reihe ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegter Elemente auf (ἡ ἐμή; ἀπολογία; ἀνακρίνω). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (9,4) Die Kombination μὴ οὐκ ἔχομεν steht nur hier und im nächsten Vers. ♦ Die Kombination οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 9,4. 5. 6; 2Thess 3,9). ♦ ἐσθίω steht 196 / 158 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. ♦ Der Infinitiv φαγεῖν steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *1Kor 10,7; *Röm 14,2. 21. ♦ Die Kombination von „essen“ und „trinken“ ist sowohl für die vorkanonische wie die kanonische Fassung belegt (*Ev 13,26; *1Kor 10,7; Lk 12,19), inspiriert von Ex 32,6 LXX (καὶ ἐκάθισεν ὁ λαὸς φαγεῖν καὶ πιεῖν καὶ ἀνέστησαν παίζειν), ein Vers, der dann auch *1Kor 10,7 angeführt wird. ♦ πίνω, das sich 114 / 73 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4. 7; Röm 14,21. ♦ Der Infinitiv πεῖν steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 372 Rekonstruktion <?page no="373"?> Zur Abwesenheit: Der kurze Vers ist vorkanonisch unbezeugt. Er weist eine Wendung auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt ist (οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν). Da die übrige Lexik sich vornehmlich aus Ex 32,6 speist, wird der Vers auf die kanonische Ebene zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Tertullian hätte sich einen solchen Schriftbezug wohl kaum entgehen lassen. (9,5) γυνή, das 246 / 215 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,1; 7,2 (? ). 10; 11,5. 10; 14,34; *Laod 5,22. 23. 28. ♦ περιάγω, das 6 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene zu finden, Mt 4,23; 9,35; 23,15; Mk 6,6; Apg 13,11; 1Kor 9,5. ♦ οἱ λοιποί steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, es sei denn es stand in *2Kor 2,17. ♦ οἱ ἀδελφοί im Sinne der „Brüder des Herrn“ findet sich vorkanonisch in *Ev 18,20. 21. ♦ Κηφᾶς ist eine kanonisch beliebte Bezeichnung des Petrus, vgl. Gal 1,18. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers sprechen die beiden ausschließ‐ lich für die kanonische Ebene belegten Elemente gegen dessen vorkanonische Präsenz (περιάγω; οἱ λοιποί). Er wird wohl auf der vorkanonischen Ebene gefehlt haben, zumal auch das Thema der Mitführung einer Frau als Apostel eher die Diskussion auf der kanonischen Ebene des voranstehenden Kapitels weiterführt und vorkanonisch eine Digression darstellen würde. (9,6) Βαρναβᾶς, der 31 / 28 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,10; *2Kor 11,13, stellt aber ein zentraler Terminus der kanonischen Ebene dar. ♦ Die Verneinung von ἐργάζομαι begegnet nur noch auf kanonischer Ebene, Röm 4,5. Zur Abwesenheit: Wie der voranstehende Vers mit der Frage des Mitführens von Frauen eine kanonische Digression darstellt, so auch die Erweiterung hier mit der Einführung des nur kanonisch bekannten Barnabas. Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und vorkanonisch abwesend. (9,7) στρατεύω steht 7 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier *1Kor 9,7. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ ποτέ steht 31 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41; *Laod 2,11. 13; *Kol 1,21. ♦ φυτεύω, das 14 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für die vorliegende Stelle. ♦ ἀμπελών findet sich 23 Mal im NT, etwa an allen Stellen in Lk (Lk 13,6; 20,9. 10. 13. 15. 16), die sich in Versen finden, die in *Ev fehlen, wie der Begriff überhaupt nur auf der kanonischen Ebene zu finden ist (Mt 20,1. 2. 4. 7. 8; 21,28. 33. 39. 40. 41; Mk 12,1. 2. 8. 9; Lk 13,6; 20,9. 10. 13. 15. 16; 1Kor 9,7). ♦ ποιμαίνω steht 12 / 11 Mal im NT, vorkanonisch nur an dieser Stelle bezeugt. 2 (1Kor) 373 <?page no="374"?> 147 So M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 1224. 148 ibid. 1228. 149 Vgl. G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 97. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers durch Tertullian bezeugt ist, scheint er, wie die Lexik erweist, von der kanonischen Redaktion überarbeitet worden zu sein, weshalb der Wortlaut auch von dem Tertullians abweicht. Die ursprüngliche Form lässt sich nicht aus Adamantius gewinnen, wie dies von Harnack versucht wurde. Da Tertullian ersichtlich referiert, verbietet es sich auch, eine Retroübersetzung ins Griechische vorzunehmen, da in einschlägigen Zeugen καὶ πίνει erhalten ist, findet sich ein Hinweis darauf, dass womöglich vorkanonisch zunächst von οὐκ ἐσθίει die Rede war, im zweiten Fall οὐκ πίνει zu lesen war. Kanonisch wurde daraus ἐσθίει καὶ πίνει im ersten Fall, wie die einschlägigen Zeugen angeben, indem sie den Text mit 1Kor 11,29 harmonisierten. (9,8) Der Ausdruck κατὰ ἄνθρωπον steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,1 (3,15). ♦ λαλῶ findet sich überwiegend für die kanonische Fassung bezeugt, in *Ev ebenfalls (*Ev 24,25: vielleicht auch 24,32; jedoch fehlt Lk 24,44), doch an einer Stelle, wo die kanonische Fassung den Begriff hat, liest *Ev anders: *Ev 11,37. Hier findet man ἐδεήθη δὲ αὐτοῦ τις Φαρισαῖοις, ἵνα ἀριστήση μετ’ αὐτοῦ· εἰσελθὼν δὲ ἀνέπεσεν, während die kanonische Fassung folgende Version bietet: Ἐν δὲ τῷ λαλῆσαι ἐρωτᾷ αὐτὸν Φαρισαῖος ὅπως ἀριστήσῃ παρ’ αὐτῷ: εἰσελθὼν δὲ ἀνέπεσεν. Unklar ist *Ev 24,6, wo Tertullians quae locutus sit dem ὅσα ἐλάλησεν gegenüber steht. 147 Allerdings führt Klinghardt die Stelle nach dem kanonischen Wortlaut an (ὡς ἐλάλησεν). 148 Ignoriert ist dabei, dass Tertullian hier einen Konjunktiv bietet, möglicherweise also eine andere Verbform gelesen hat. Überhaupt ist es durchaus möglich, dass auch an manch anderen Stellen, an denen der Wortlaut für *Ev nicht bezeugt ist (5,4; 8,49; 9,11; 22,47) eine andere als die kanonische Formulierung zu lesen war. Bereits Zuntz hat darauf hingewiesen, dass das λέγω das etwas Bestimmtere Sprechen bedeutet, während λαλῶ eher eine irgendwie geartete Äußerung meint, auch wenn sich diese Differenz im späteren Griechisch verliert. Doch zitiert er den Sarkasmus von Eupolis: λαλεῖν ἄριστος, ἀδυνατώτατος λέγειν (Eup. 95), was als Spruch gerne auch mit Verweis auf den Schöpfer zitiert wurde, vgl. Plut., Alc. 13,3; Gell., Noct. Att. 85. 149 ♦ Die Wendung εἰ καί steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für diese Stelle, weiter für *2Kor 4,16. ♦ Die Variante ἢ καί steht 10 Mal im NT, Lk 12,41, in einem Vers, wo gerade diese Wendung vorkanonisch fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,12. ♦ Μωϋσῆς steht 78 / 80 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 374 Rekonstruktion <?page no="375"?> 3,7. 13. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, etwa Lk 1,19. 20. 65; 2,19. 51; 4,28; 11,42; 13,2. 17; 15,26; 24,10, in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7, vgl. weiter unten zu Vers 15. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius unter Berück‐ sichtigung der Ausführungen Tertullians (und Adamantius). Die Lexik stützt die Präsenz dieses Verses, nachdem Termini und Wendungen auch weiter vorkanonisch bezeugt sind. (9,9) Die Kombination γέγραπται γάρ steht 13 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 1,19; 3,19, vgl. zu 4,22. ♦ Zu Μωϋσῆς vgl. zum voranstehenden Vers 9,8. ♦ Die Variante κημόω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Variante φιμόω steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ βοῦς steht 11 / 8 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 14,19. ♦ ἀλοάω steht 3 Mal im NT, vorkanonisch nur für diese Stelle bezeugt, kanonisch findet sich das Verb 1Kor 9,9 10; 1Tim 5,18. ♦ μέλω steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für die Stelle hier. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt den Zeugnissen Tertullians und Epiphanius. Auch wenn die Einleitung γέγραπται γάρ nicht bezeugt ist, könnte sie doch im vorkanonischen Text gestanden sein, zumal sie auch an anderen Stellen vorkanonisch bezeugt ist. (9,10) Zum anfänglichen, z.T. unbezeugten und z.T. bezeugten Versteil: Sowohl δι’ ἡμᾶς πάντως wie δι’ ἡμᾶς γάρ stehen nur ein Mal im NT. ♦ Die Form ἐγράφη steht 6 Mal im NT (Röm 4,23; 15,4, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 9,10; 10,11; Gal 3,1), vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 9,10. ♦ πάντως steht 9 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. weiter unten zu Vers 22. Zum unbezeugten Versteil: ὀφελεῖν ist zwar ein Terminus, der in der kanonischen Redaktion beliebt ist, doch fehlt er nicht völlig in der vorkanonischen Fassung (bezeugt für *1Kor 11,7. 10). Der Teil von Lk 17,10, in dem der Begriff begegnet, hat zwar in *Ev gefehlt, doch sollte die für *Ev unbezeugte Stelle 17,7-10 der vorkanonischen Fassung zugehört haben, dann auch der zweite Teil des obigen Verses, denn hier findet sich nicht nur das ansonsten im NT nicht mehr bezeugte ἀροτριάω, das 2 Mal im NT steht, und zwar jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 17,7; 1Kor 9,10). ἄροτρον ist Hapax legomenon im NT. Das Nomen begegnet, auch wenn nicht sicher bezeugt, in *Ev 9,62. Man muss also entweder diese Passagen für *Ev und *1Kor annehmen, oder an beiden Stellen tilgen, ein weiterer Hinweis darauf, wie eng die Lexik von *Ev und *Paulus zusammenstimmen. ♦ ἀλοάω findet sich nurmehr in 1Tim 5,18. Das verwandte ἀλόη steht nur hier und noch ein Mal auf kanonischer Ebene in Joh 19,39. ♦ βοῶν findet sich als Form nicht nur hier, sondern vorkanonisch auch in mk Lk 14,19. ♦ μετέχω, das 9 / 8 Mal im NT steht, ist außerhalb von 1Kor (1Kor 9,10. 12; 10,17. 21. 30) nur noch 2 (1Kor) 375 <?page no="376"?> in Hebr 2,14; 5,13; 7,13 belegt und ist, wie die weiteren Stellen in 1Kor zeigen, zur kanonischen Ebene gehörig. Zur Rekonstruktion: Die Zeugen geben nur das erste kurze Stück dieses Verses, Tertullian die knappe Version, die hier gewählt wurde. Der unbezeugte Teil des Verses weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente (ἀροτριάω; ἀλοάω; μετέχω). Der unbezeugte Teil wird demnach kanonisch-redaktionelle Ergänzung sein und vorkanonisch gefehlt haben. (9,11) Die Eröffnung εἰ ἡμεῖς steht nur noch ein Mal im selben Vers und dann in Apg 4,9. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ Die Form τὰ πνευματικά steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,12. ♦ σπείρω steht 58 / 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,8; *1Kor 15,42. 44. ♦ μέγας, das 209 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 5,32. ♦ σαρκικός wie das verwandte σαρκινός begegnet nur auf der kanonischen Ebene (Röm 7,14; 15,27; 1Kor 3,1. 3; 2Kor 1,12; 3,3; 10,4; Hebr 7,16; 1Petr 2,11). ♦ θερίζω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,7. 9. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers finden sich zwei Elemente, die ausschließlich vorkanonisch belegt sind (εἰ ἡμεῖς; σαρκικός). Er wird wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (9,12) ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,29; 9,8. 19; *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ Die Form ἄλλοι steht 27 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,8. ♦ ἐξουσία steht 112 / 102 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. ♦ Die Verbindung von ἐξουσία mit (μετ)έχω ist eine kanonische, vgl. zuvor 9,4. ♦ μετέχω, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἀλλ’ οὐκ steht 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 8,7. ♦ χράω, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Die Wendung τῇ ἐξουσίᾳ steht 4 Mal im NT (Lk 20,20; Röm 13,2; 1Kor 9,12. 18), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ στέγω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 13,7; 1Thess 3,1. 5). ♦ Das Nomen στέγη steht 3 Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐγκοπή ist Hapax legomenon im NT. ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, ist immer auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ δίδωμι ist zwar für *Ev bezeugt (z. B. *Ev 11,13), doch begegnet er ansonsten im Praxapostolos und Paulus (Apg 3,6; 20,35; Jak 1,5; 2,16; Röm 15,5; 1Kor 3,5; 2Kor 8,5; Gal 1,4; Eph 3,16; 2Thess 3,9; 1Tim 2,6; 2Tim 1,18; Tit 2,14). 376 Rekonstruktion <?page no="377"?> Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers häufen sich die Elemente, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (die Verbin‐ dung von ἐξουσία mit (μετ)έχω; μετέχω; Ἀλλ’ οὐκ; τῇ ἐξουσίᾳ; στέγω; τινα). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (9,13) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter Vers 24. ♦ Die Kombination οὐκ οἴδατε ist eine wiederholt vorkanonisch bei *Paulus bezeugte Wendung, vgl. zuvor zu 6,3. ♦ ἱερόν steht 79 / 71 Mal im NT, vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev 21,37. ♦ ἐργάζομαι steht 51 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ Die Wendung ἐκ τοῦ ἱεροῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 13,1; Joh 2,15; 8,59). ♦ ἐσθίω steht 196 / 158 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. ♦ Die Form ἐσθίουσιν steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 8,7. ♦ θυσιαστήριον steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Variante παρεδρεύω ist Hapax legomenon im NT. ♦ So ist es auch die Variante προσεδρεύοντες. ♦ Auch συμμερίζω ist Hapax legomenon. Zur Abwesenheit: Auch in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers finden sich Elemente, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (ἐκ τοῦ ἱεροῦ; ἐσθίουσιν; θυσιαστήριον). Auch dieser Vers dürfte auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (9,14) Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, 13 Mal wie hier als Verseröff‐ nung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42; *Röm 5,21. ♦ διατάσσω, das 18 / 16 Mal im NT steht, findet sich lediglich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐαγγέλιον steht 79 / 76 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ καταγγέλλω steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,17. 18. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Zur Rekonstruktion: Der Text basiert auf dem Zeugnis Tertullians, auch wenn dieser teilweise nur Andeutungen bietet. In der Lexik findet sich teilweise eine Stütze, doch muss mit Rücksicht auf διατάσσω mit einer kanonischen Überformung gerechnet werden. (9,15) Zum bezeugten Anfangsteil: Die Kombination ἐγὼ δὲ οὐ steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 5,34; 8,50; 1Kor 9,15). ♦ Die kürzere Form ἐγὼ οὐ findet sich 10 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt (7 Mal Joh; 1Kor 7,12; 2Kor 12,13. 16). ♦ χράω, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich nur hier 2 (1Kor) 377 <?page no="378"?> vorkanonisch bezeugt. ♦ οὐδενί steht 9 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ τούτων steht 72 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 9,15. Zum nicht bezeugten Mittelteil: Die Wendung οὐκ ἔγραψα findet sich nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in 1Joh 2,21. ♦ Wenn man die Suche erweitert zu οὐ + 1. Pers. Sg. Ind. von γράφω findet sich weiterhin kein Eintrag für *Paulus, immer noch nur der eine für Paulus hier und die beiden aus 1Joh. ♦ Selbst eine Suche nach der Kombination von οὐ + jegliche Form von γράφω bringt keinen Eintrag für *Paulus, allerdings 2 für Paulus (Röm 4,23; 1Kor 9,15) und überhaupt 6 für das kanonische Neue Testament. ♦ ἔγραψα in dieser Form ist unbezeugt für *Paulus, findet sich jedoch 12 Mal bei Paulus (Röm 15,15, in dem als abwesend von *Paulus bezeugten Kapitel; 1Kor 5,9. 11; 9,15; 2Kor 2,3 .4. 9; 7,12; Gal 6,11; Eph 3,3; Phlm 1,19. 21) und überhaupt 20 Mal im kanonischen Neuen Testament, ist folglich ein Charakteristikum für die kanonische Redaktion. ♦ Eine Suche nach irgendeiner Form vom 1. P. Sg. Ind. von γράφω ergibt eine Bezeugung für *Paulus (*1Kor 4,14) und könnte auch, wenn auch unbezeugt, in *2Kor 13,10 gestanden sein und findet sich 18 Mal bei Paulus und überhaupt 38 Mal im kanonischen Neuen Testament. ♦ Die Kombination eines Verbes im 1. Pers. Sg. Ind. Aor. Akt. + δέ ist unbezeugt für *Paulus, steht jedoch 4 Mal in Paulus (1Kor 1,16; 9,15; 2Kor 9,3; Gal 2,2) und noch 3 weitere Mal im kanonischen Neuen Testament. ♦ Zu ταῦτα vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ δέ + dem. Pron. Akk. Neut. Pl. ist unbezeugt für *Paulus, findet sich jedoch 2 Mal bei Paulus im selben 1Kor (1Kor 9,15; 12,11) und überhaupt 12 Mal im kanonischen Neuen Testament. ♦ Bei Erweiterung der Suche nach δέ + dem. Pron. οὗτος gibt es weiterhin keinen Eintrag für *Paulus, jedoch 6 für Paulus (Röm 2,3; 1Kor 1,12; 9,15; 12,11; 13,11; Kol 3,14) und überhaupt 30 für das kanonische Neue Testament. ♦ ἵνα + οὕτω ist unbezeugt für *Paulus und steht auch im ganzen kanonischen Neuen Testament nur hier. ♦ Auch οὕτω + γένηται ist selten, unbezeugt für *Paulus und nur an dieser Stelle im kanonischen Neuen Testament. Weitet man die Suche nach der Kombination von οὕτω + Konj. von γίνομαι aus, ergibt sich noch kein anderes Ergebnis. ♦ Die Form γένηται steht 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 3,19. ♦ Die Kombination ἐν ἐμοί, die 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung καλὸν γάρ findet sich nur noch ein Mal in Hebr 13,9. ♦ Selbst wenn man nach allen Kasus von καλός + γάρ sucht, ergibt sich kein anderes Ergebnis. ♦ γάρ μοι ist unbezeugt für *Paulus, steht jedoch 8 Mal in Paulus (Röm 12,19; 1Kor 1,11; 5,12; 9,15. 16; 16,9; 2Tim 4,11) und noch 2 weitere Mal im kanonischen Neuen Testament. ♦ μᾶλλον + ein Verb im Inf. Aor. Akt ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,8, steht 2 Mal in Paulus (hier und 2Kor 5,8) und sonst nicht mehr im kanonischen Neuen Testament. ♦ Weitet man die Suche nach μᾶλλον + ein Verb im Infinitiv aus, bleibt es bei der vorkanonischen Bezeugung für *2Kor 5,8 und 3 Einträgen für Paulus (hier und 2Kor 5,8, 7,7) und einen weiteren 378 Rekonstruktion <?page no="379"?> Eintrag für Apg 20,35. ♦ Der Infinitiv ἀποθανεῖν steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zum bezeugten Schlussteil: καύχημα, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur an dieser Stelle bezeugt. ♦ Das kanonisch beliebte οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), das 96 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15; *Laod 5,29. ♦ κενόω, das 4 Mal im NT steht, ist nicht nur hier vorkanonisch bezeugt, sondern 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in *Phil 2,7. Zur Rekonstruktion: Der Vers mit seinen bezeugten Teilen und der unbezeugten Mitte ist ein schönes Beispiel für die Verlässlichkeit des lexikalischen Verglei‐ ches. Auch wenn es im bezeugten Teil einige nur hier vorkanonisch bezeugten Elemente gibt, ist doch erstaunlich wie deutlich sich der unbezeugte Teil von den bezeugten Teilen im lexikalischen Befund abhebt. (9,16) Die Kombination ἐὰν γάρ steht 10 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,15. ♦ εὐαγγελίζομαι steht 58 / 54 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. ♦ Der Ausdruck οὐκ ἔστιν μοι steht nur hier. ♦ ἔστιν μοι steht 3 Mal im NT, weiter in Apg 9,15; 18,19. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten καύχημα vgl. zum voranstehenden Vers 9,15. ♦ Die Variante χάρις steht 171 / 156 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *1Kor 15,57; *Röm 5,21; *Laod 3,8. ♦ ἀνάγκη ist unbezeugt für *Paulus, findet sich jedoch 9 Mal in Paulus (Röm 13,5; 1Kor 7,26. 37; 9,16; 2Kor 6,4; 9,7; 12,10; 1Thess 3,7; Phlm 1,14) und überhaupt 17 Mal im kanonischen Neuen Testament. ♦ ἐπικεῖσθαι, das 7 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 5,1; 23,23; Joh 11,38; 21,9; Apg 27,20; 1Kor 9,16; Hebr 9,10). ♦ οὐαί steht 49 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. 25. 26; 11,42. 43. 46. 47; 17,1; 22,22, ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend in Mt 11,21; 18,7; 23,13. 14. 15. 16. 23. 25. 27. 29; 24,19; 26,24; Mk 13,17; 14,21; Lk 6,24. 25. 26; 10,13; 11,42. 43. 44. 46. 47. 52; 17,1; 21,23; 22,22; 1Kor 9,16; Jud 1,11; Apk 8,13; 9,12; 11,14; 12,12; 18,10. 16. 19. Der Befund zeigt, dass οὐαί bei Paulus nur an dieser Stelle möglicherweise aus dem vorkanonischen in den kanonischen Text übernommen wurde, da er kaum typisch für die kanonische Redaktion von Paulus ist. ♦ Eigentümlich ist auch die Konstruktion οὐαί + γάρ, die überhaupt nur an dieser Stelle im Neuen Testament begegnet und erneut auf eine vorkanonische Präsenz derselben hindeutet. ♦ Die Wendung ἐστιν ἐάν ist unbezeugt für *Paulus, findet sich jedoch noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Paulus (1Kor 7,40), jedoch nicht häufiger im kanonischen Neuen Testament. ♦ ἐὰν μή findet sich 2 Mal bezeugt in *Paulus (*Gal 2,16; *1Kor 15,36) und, wenn auch unbezeugt, vielleicht noch 3 Mal darin (*1Kor 8,8; 14,6. 9); die Kombination findet sich hingegen 10 Mal in Paulus (Röm 10,15; 11,23; 2Thess 2,3; 2Tim 2,5) und überhaupt 44 Mal im kanonischen Neuen Testament. 2 (1Kor) 379 <?page no="380"?> Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers unbezeugt ist, passt er narrativ in die Argumentation, die zumindest inhaltlich zum angedeuteten Vers 18 hinführt. Unter Berücksichtigung von Inhalt und Lexik wird die vorliegende Rekonstruktion vorgeschlagen. (9,17) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung (Verseröffnung: Joh 5,46; Röm 4,2. 14; 5,10. 17; 6,5; 8,13; 11,15. 21. 24; 14,15; 1Kor 9,17; 11,6; 2Kor 2,2; 3,9. 11; 8,12; Gal 2,18; 3,18; 6,3; Kol 2,5; 1Thess 4,14; Hebr 2,2; 4,8; 8,7; 9,13; 2Petr 2,4. 20; im Vers: Röm 5,15; 15,27, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 2,8; Gal 2,21; 3,21; 2Tim 2,11; Hebr 12,25; 1Joh 2,19), und als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8. ♦ ἑκών steht nur hier und noch ein Mal auf kanonischer Ebene in Röm 8,20. ♦ τοῦτο, das 313 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32, vgl. weiter unten zu Vers 23. ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *Gal 5,21; *2Kor 5,10 und *Röm 2,25. ♦ μισθός steht 30 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,7; *1Kor 3,14. ♦ Die Formulierung μισθὸν ἔχω steht nur hier. ♦ ἄκων ist Hapax legomenon. ♦ οἰκονομία ist wieder ein im NT seltener Begriff, der 9 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt nur für *Laod 1,10; 3,9 (bezeugt ist lediglich das verwandte οἰκονόμος *Ev 16,1; vielleicht auch vorhanden in 12,42), ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend (Lk 16,2. 3. 4; 1Kor 9,17; Eph 1,10; 3,2. 9; Kol 1,25; 1Tim 1,4). ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). Zur Abwesenheit: Sowohl die kanonische Verseröffnung wie das 2 Mal stehende ἑκών sind Elemente, die nur auf der kanonischen Ebene begegnen, der Vers wird folglich auf die kanonische Ebene zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (9,18) Die Eröffnung τίς οὖν steht nur hier im NT. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ Auch die Formulierung ἔσταί μοι steht nur hier. ♦ Die Variante μού ἐστιν steht 12 Mal im NT, Mt 3,11; 12,30; Lk 11,23; 5 Mal Joh; Apg 2,25; Röm 1,9; 1Kor 9,18; 11,24, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die weitere Variante μοί ἐστιν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 9,38; Joh 14,10; Röm 9,2; 1Kor 9,16 - die Vorlage, wodurch wohl diese Form in die Hss für die Stelle hier gewandert ist -; 2Kor 9,1). ♦ μισθός steht 30 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,7 und *1Kor 3,14, vgl. zum voranstehenden Vers 9,17. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten εὐαγγελίζομαι vgl. zuvor 9,16. ♦ ἀδάπανος ist im NT Hapax legomenon. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten εὐαγγέλιον vgl. zuvor 9,14. ♦ Die Wendung εἰς τὸ μή steht 7 380 Rekonstruktion <?page no="381"?> Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, allerdings an Stellen, an denen vorkanonisch in *1Kor 10,6 und *2Kor 4,4 πρὸς τὸ μή bezeugt ist. ♦ καταχράομαι steht nur hier und zuvor in 1Kor 7,31, einem Vers, der wie hier eventuell vorkanonisch vorhanden war. ♦ Zu dem kanonischen τῇ ἐξουσίᾳ vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ Die Wendung ἐξουσίᾳ μου steht nur hier. ♦ Die Wendung ἐν τῷ εὐαγγελίῳ steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 1,15; Röm 1,9; 1Kor 9,18; 2Kor 8,18; 10,14; Phil 4,3; 1Thess 3,2). Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers nur schwach durch Tertullian an‐ gedeutet ist, spricht doch auch die Lexik mit ihren weiter vorkanonischen Begriffen und Wendungen dafür, dass der Vers vorkanonisch stand. Unter Berücksichtung der Handschriftenvarianten und Lexik wird der Text gegenüber der kanonischen Version leicht geändert und ἔσταί μοι; τοῦ Χριστοῦ; πρὸς τὸ μή geschrieben und das ausschließlich kanonisch belegte ἔσταί μοι gestrichen. Aufgrund des nur kanonisch verwendeten τῇ ἐξουσίᾳ wird wohl der letzte Versteil vorkanonisch gefehlt haben. (9,19) ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,22. 23, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, vgl. 7,21. ♦ Die Kombination Ἐλεύθερος γάρ steht nur hier im NT. ♦ Die Verbform ὤν, die 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3, vgl. weiter die Verse 20. 21. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur ein Mal für einen Brief bezeugt, den die Forschung Paulus zuschreibt (*Röm 12,18), dann auffallenderweise gleich drei Mal in *Deuteropaulinen (*Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17). ♦ Die Kombination ἐκ πάντων steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, in Apg 19,34. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. auch weiter unten Vers 22. ♦ δουλόω steht 51 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,37; *Gal 4,3, doch bezeichnet Paulus weder seine Tätigkeit als Sklaverei, noch bezeichnet er sich selbst jemals als Sklaven. ♦ Die Form ἐμαυτόν steht 18 Mal im NT, etwa Lk 7,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,18. ♦ πλείων steht 66 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,5. ♦ Die Form τοὺς πλείονας steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 9,19; 2Kor 9,2; Phil 1,14). ♦ κερδαίνω steht 20 / 17 Mal im NT und ist gleich im nächsten Vers 9,20 vorkanonisch bezeugt. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist einige Merkmale auf, die ausschließlich auf kanonischer Ebene bezeugt sind (ἐκ πάντων; Semantik von δουλόω; ἐμαυτόν; τοὺς πλείονας). Der Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. 2 (1Kor) 381 <?page no="382"?> (9,20) Die Kombination καὶ ἐγενόμην begegnet noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal in Apk 1,19. ♦ Die Form ἐγενόμην, die 14 Mal im NT steht, findet sich gleich weiter in Vers 22 wieder vorkanonisch bezeugt, evtl. auch Lk 12,51 (Klinghardt schreibt hier παρεγενόμην). ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ Zu κερδαίνω, das vorkanonisch hier bezeugt ist, vgl. zum voranstehenden Vers 9,15. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Verbform ὤν vgl. zuvor zu Vers 19 und weiter Vers 21. ♦ Die Verneinung μὴ ὤν steht nur 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 12,30; Lk 11,23; 1Kor 9,20. 21), wobei auffällt, dass gerade an dieser Stelle hier der Teil unbezeugt ist, in welchem die Verneinung steht, und dann wieder im nächsten, unbezeugten Vers. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17, vgl. weiter Vers 27. Zur Rekonstruktion: Bis auf den Mittelteil im Vers, der unbezeugt ist und der auch die Logik des Verses unterbricht, bietet Tertullian den Vers. Ihm folgt die Rekonstruktion. (9,21) ἄνομος steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehend, hingegen findet sich das Adverb ἀνόμως für die vorkanonische Fassung bezeugt (*Röm 2,12). ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Verbform ὤν vgl. zuvor zu den Versen 19. 20. ♦ Die Verneinung μὴ ὤν wird hier wiederholt und ist wieder unbezeugt. ♦ ἔννομος ist nur hier und in Apg 19,39 auf der kanonischen Ebene belegt. Zur Abwesenheit: Die fehlende Bezeugung des Verses, dann die Tatsache, dass zwei Kernbegriffe (ἄνομος; ἔννομος) ausschließlich kanonisch belegt sind und die Verneinung μὴ ὤν nur kanonisch belegt ist und im voranstehenden Vers bereits im nichtbezeugten Teil steht, spricht dafür, dass wir es mit diesem Vers hier wie mit der unbezeugten Erweiterung von Vers 20 mit einem Produkt der kanonischen Redaktion zu tun haben und diese Textteile vorkanonisch gefehlt haben. (9,22) Zur hier vorkanonisch bezeugten Form ἐγενόμην, die schon zuvor in Vers 20 begegnet ist, vgl. ebd. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. Auch ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ♦ Zu κερδαίνω, das vorkanonisch hier bezeugt ist, vgl. zu den voranstehenden Versen 9,15. 19. 20. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,22 28; *Laod 4,6, vgl. zuvor zu Vers 19. ♦ σῴζω steht 112 / 107 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; 9,22; *2Thess 2,10. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Zwar würde die Lexik auch dafür sprechen, den unbezeugten Teil des Verses mit in die 382 Rekonstruktion <?page no="383"?> Rekonstruktion aufzunehmen, doch scheint der Einschub, wie bereits der in Vers 20 und dann die Hinzufügung von Vers 21, die Schärfe der Aussage zu mildern, dass *Paulus hier als Jude für die Rettung der Juden, für die unter dem Gesetz (und hier sind wohl Juden und Heiden eingeschlossen, womit *1Kor 1,21-22 aufgegriffen wird) wie für die unter dem Gesetz Befindlichen, d. h. allen Alles geworden ist, um alle zu retten. (9,23) Die Kombination πάντα δέ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ Die Form ποιῶ steht 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,8. ♦ Der Ausdruck διὰ τὸ εὐαγγέλιον steht nur hier. ♦ Zu τοῦτο vgl. zuvor zu Vers 17. ♦ συγκοινωνός steht 4 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Röm 11,17; 1Kor 9,23; Phil 1,7; Apk 1,9). Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten, kurzen Vers finden sich Ele‐ mente, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (πάντα δέ; συγκοινωνός). Er wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorka‐ nonisch gefehlt haben. (9,24) Zu οἶδα vgl. zuvor zu Vers 13. ♦ οὐκ οἴδατε ist vorkanonisch bezeugt, wie zu 6,3 gezeigt. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ στάδιον steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ τρέχω steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ τὸ βραβεῖον ist sonst nur in Phil 3,14 für die kanonische Ebene bezeugt, das Verb βραβεύειν ist Hapax legomenon im NT und nur für Kol 3,15, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, bezeugt. ♦ καταλαμβάνω steht 20 / 15 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene nachweisbar. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers findet sich eine Reihe von ausschließlich kanonisch belegten Elementen (Die Kombination Artikel + Präposition + Nomen + Partizip; στάδιον; τὸ βραβεῖον; καταλαμβάνω). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (9,25) Die Kombination πᾶς δέ steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 3,4. ♦ ἀγωνίζομαι steht 8 Mal im NT, ist jedoch nur für die kanonische Ebene belegt, vor allem in den Deutero- und Pseudopaulinen: Joh 18,36; Kol 1,29; 4,12; 1Tim 4,10; 6,12; 2Tim 4,7. Im selben Vers ist auch ἐγκρατεύεσθαι 2 (1Kor) 383 <?page no="384"?> wichtig, da die einzige sonstige Bezeugung im NT in 1Kor 7,9 auf der kanonischen Ebene gegeben ist. Dies gilt auch, wenn man das zugehörige Nomen ἐγκράτεια dazu nimmt, welches in Apg 24,25, Gal 5,23 und 2Petr 1,6, ausschließlich also auf der kanonischen Ebene begegnet. ♦ ἐκεῖνος, das 265 Mal im NT steht, ist vorkanonisch selten bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11; *Laod 2,12, und auch bei Paulus immer wieder in solchen Passagen stehend, die in *Paulus fehlen. ♦ φθαρτός steht 6 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,53. ♦ ἄφθαρτος, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,52. ♦ Allerdings ist στέφανος, das 25 / 18 Mal im NT steht, wiederum nur für die kanonische Ebene belegt, und auch das Verb στεφανόω, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf dieser Ebene, und zwar in Pseudopaulinen 2Tim 2,5; Hebr 2,7. 9 und Apg 22,20; Apk 9,7. Zur Abwesenheit: Auch dieser unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πᾶς δὲ; ἀγωνίζομαι; ἐγκρατεύεσθαι; στέφανος). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurück‐ gehen und vorkanonisch gefehlt haben. (9,26) Die Kombination ἐγὼ τοίνυν steht nur hier im NT. ♦ τοίνυν steht nur 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene in 1Kor 9,26; Hebr 13,13; Jak 2,24. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten τρέχω, das 20 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 24. ♦ ἀδήλως ist im NT Hapax legomenon, doch das verwandte Nomen ἀδηλότης begegnet sonst nur 1Tim 6,17 und das verwandte Adjektiv ἄδηλος steht in Lk 11,44, einem Vers, der für *Ev wohl in Anspruch genommen werden kann, auch wenn dessen Wortlaut nicht bezeugt ist und der Begriff in 1Kor 14,8 auf der kanonischen Ebene steht. ♦ πυκτεύω ist Hapax legomenon. ♦ ἀήρ, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,17; *Laod 2,2. ♦ δέρω, das 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,47. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist nur ein Element auf, das aus‐ schließlich kanonisch belegt ist (τοίνυν), allerdings verweist die Wortfamilien des Hapax legomenon ἀδήλως auf die kanonische Ebene. Gleichwohl ist die Lexik hier nicht von großem Gewicht. Der Vers könnte ihr zufolge vorkanonisch präsent gewesen sein. Nimmt man die emphatische Selbsteinführung des Paulus (ἐγὼ τοίνυν οὕτως) wird man den Vers jedoch ebenfalls eher der kanonischen Redaktion zuweisen. (9,27) ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ ὑπωπιάζω steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Lk 18,5). ♦ δουλαγωγέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ κηρύσσειν ist gut für die vorkanonische Version bezeugt 384 Rekonstruktion <?page no="385"?> (z. B. *Ev 9,2; *1Kor 1,23; *Gal 2,2). ♦ Zu αὐτός (Nom. Mask. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 20. ♦ ἀδόκιμος, das 8 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene belegt (Röm 1,28; 2Kor 13,5. 7; 2Tim 3,8; Tit 1,16; Hebr 6,8). Zur Abwesenheit: Deutlicher als im unbezeugten Vers zuvor begegnet in diesem ebenfalls unbezeugten Vers ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Lexik (ὑπωπιάζω; πως; ἀδόκιμος). Der Vers wird folglich zur kanonischen Redaktion gehören und vorkanonisch gefehlt haben. Insgesamt stechen bei diesem Passus solche Belege hervor, die zu den Schriften gehören, die erst durch die zweite kanonische Redaktion der Samm‐ lung zugewachsen sind. Kapitel 10 10,1 [2] 3-7 [8] 9 [10] 11: Die Warnung der Schrift vor Götzendienst Diese Passage ist recht gut bezeugt, weil sie eine ausdrückliche Lektüre der jüdischen Schrift dokumentiert. Die kanonische Redaktion hat den Text nur an einigen Stellen überarbeitet und leicht erweitert. 10,1 Οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὅτι οἱ πατέρες ἡμῶν ὑπὸ τὴν νεφέλην ἦσαν καὶ πάντες διὰ τῆς θαλάσσης διῆλθον, 10,1 Οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὅτι οἱ πατέρες ἡμῶν πάντες ὑπὸ τὴν νεφέλην ἦσαν καὶ πάντες διὰ τῆς θαλάσσης διῆλθον, - 2 καὶ πάντες εἰς τὸν Μωϋσῆν ἐβαπτίσθησαν ἐν τῇ νεφέλῃ καὶ ἐν τῇ θαλάσσῃ, 3 καὶ πάντες τὸ πνευματικὸν βρῶμα ἔφαγον, 3 καὶ πάντες τὸ αὐτὸ πνευματικὸν βρῶμα ἔφαγον, 4 καὶ πάντες τὸ πνευματικὸν ἔπιον πόμα· ἔπιον γὰρ ἐκ πνευματικῆς ἀκολουθούσης πέτρας· ἡ δὲ πέτρα ἦν ὁ Χριστός. 4 καὶ πάντες τὸ αὐτὸ πνευματικὸν ἔπιον πόμα· ἔπινον γὰρ ἐκ πνευματικῆς ἀκολουθούσης πέτρας· ἡ πέτρα δὲ ἦν ὁ Χριστός. 5 ἀλλ’ οὐκ ἐν τοῖς πλείοσιν αὐτῶν εὐδόκησεν ἐν τῇ ἐρήμῳ. 5 ἀλλ’ οὐκ ἐν τοῖς πλείοσιν αὐτῶν εὐδόκησεν ὁ θεός, κατεστρώθησαν γὰρ ἐν τῇ ἐρήμῳ. 6 ταῦτα δὲ τύποι ἡμῶν ἐγενήθησαν, πρὸς τὸ μὴ εἶναι ἡμᾶς ἐπιθυμητὰς κακῶν, καθὼς καὶ ἐκεῖνοι ἐπεθύμησαν. 6 ταῦτα δὲ τύποι ἡμῶν ἐγενήθησαν, εἰς τὸ μὴ εἶναι ἡμᾶς ἐπιθυμητὰς κακῶν, καθὼς κἀκεῖνοι ἐπεθύμησαν. 7 μηδὲ εἰδωλολάτραι γίνεσθε, καθώς τινες αὐτῶν· ὥς γέγραπται, Ἐκάθισεν 7 μηδὲ εἰδωλολάτραι γίνεσθε, καθώς τινες αὐτῶν· ὥσπερ γέγραπται, Ἐκάθισεν 2 (1Kor) 385 <?page no="386"?> ὁ λαὸς φαγεῖν καὶ πεῖν, καὶ ἀνέστησαν παίζειν. ὁ λαὸς φαγεῖν καὶ πεῖν, καὶ ἀνέστησαν παίζειν. - 8 μηδὲ πορνεύωμεν, καθώς τινες αὐτῶν ἐπόρνευσαν, καὶ ἔπεσαν μιᾷ ἡμέρᾳ εἴκοσι τρεῖς χιλιάδες. 9 μηδὲ ἐκπειράζωμεν τὸν Χριστόν, - 9 μηδὲ ἐκπειράζωμεν τὸν κύριον, καθώς τινες αὐτῶν ἐπείρασαν, καὶ ὑπὸ τῶν ὄφεων ἀπώλλυντο. - 10 μηδὲ γογγύζετε, καθάπερ τινὲς αὐτῶν ἐγόγγυσαν, καὶ ἀπώλοντο ὑπὸ τοῦ ὀλοθρευτοῦ. 11 ταῦτα δὲ καθῶς συνέβαινεν ἐκείνοις, ἐγράφη δὲ πρὸς νουθεσίαν ἡμῶν, εἰς οὓς τὰ τέλη τῶν αἰώνων κατήντησεν. 11 πάντα δὲ ταῦτα τυπικῶς συνέβαινον ἐκείνοις, ἐγράφη δὲ πρὸς νουθεσίαν ἡμῶν, εἰς οὓς τὰ τέλη τῶν αἰώνων κατήντηκεν. A. *10,1: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 17 (122. 163-164 H.): Οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὅτι οἱ πατέρες ἡμῶν [ἡμῶν 122 VM, H.; ὑμῶν 163 VM, ἡμῶν Holl] ὑπὸ τὴν νεφέλην ἦσαν καὶ πάντες διὰ τῆς θαλάσσης διῆλθον. Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): ὅτι οἱ πατέρες ἡμῶν πάντες ὑπὸ τὴν νεφέλην ἦσαν καὶ πάντες διὰ τῆς θαλάσσης διῆλθον (Rufin: Patres nostri omnes sub nube fuerunt, et omnes mare transierung). Vgl. Ex 13,21-22 LXX: 21 ὁ δὲ θεὸς ἡγεῖτο αὐτῶν, ἡμέρας μὲν ἐν στύλῳ νεφέλης δεῖξαι αὐτοῖς τὴν ὁδόν, τὴν δὲ νύκτα ἐν στύλῳ πυρός· 22 ὁ δὲ θεὸς ἡγεῖτο αὐτῶν, ἡμέρας μὲν ἐν στύλῳ νεφέλης δεῖξαι αὐτοῖς τὴν ὁδόν, τὴν δὲ νύκτα ἐν στύλῳ πυρός· οὐκ ἐξέλιπεν ὁ στῦλος τῆς νεφέλης ἡμέρας καὶ ὁ στῦλος τοῦ πυρὸς νυκτὸς ἐναντίον παντὸς τοῦ λαοῦ. Ex 14,22 LXX: καὶ εἰσῆλθον οἱ υἱοὶ Ισραηλ εἰς μέσον τῆς θαλάσσης κατὰ τὸ ξηρόν, καὶ τὸ ὕδωρ αὐτοῖς τεῖχος ἐκ δεξιῶν καὶ τεῖχος ἐξ εὐωνύμων· ♦ 10,2: Vgl. Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): καὶ πάντες εἰς τὸν Μωϋσῆν ἐβαπτίσθησαν ἐν τῇ νεφέλῃ καὶ ἐν τῇ θαλάσσῃ (Rufin: et omnes in Moysi baptizati sunt in nube et in mari). ♦ *10,3-4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,9: Ecce posui in Sion lapidem offensionis et petram scandali. Petra autem fuit Christus: etiam Marcion servat; ibid. V 7,12: Ecce enim et in petram offendit caecus Marcion de qua bibebant in solitudine patres nostri. Si enim petra illa Christus fuit, utique creatoris, cuius et populus, cui rei figuram extranei sacramenti interpretatur? Epiph., Pan. 42, sch. 17 (122. 163-164 H.): καὶ πάντες τὸ αὐτὸ πνευματικὸν ἔφαγον βρῶμα, καὶ πάντες τὸ αὐτὸ πνευματικὸν ἔπιον πόμα [καὶ πάντες … πόμα om 122 VM, rest. H.]: ἔπινον γὰρ ἐκ πνευματικῆς ἀκολουθούσης πέτρας: ἡ δὲ πέτρα ἦν ὁ Χριστός; Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): καὶ πάντες τὸ αὐτὸ βρῶμα πνευματικὸν ἔφαγον, καὶ πάντες τὸ αὐτὸ πόμα 386 Rekonstruktion <?page no="387"?> πνευματικὸν ἔπιον: ἔπινον γὰρ ἐκ πνευματικῆς ἀκολουθούσης πέτρας: ἡ δὲ πέτρα ἦν ὁ Χριστός (Rufin: et omnes eandem escam spiritalem manducauerunt, et omnes eundem potum spiritalem biberunt, bibebant enim de spiritali sequenti petra, petra autem erat Christus? ); (Pseudo-? )Ephr., Erklärung des Evangeliums (9 Schäfers): „Und weil der Name ‚Grundstein‘ nicht fern von ihm ist, sagt der Apostel selbst über den geistigen Felsen, der den Söhnen Israels Trank spendete: ‚Aber jener Fels ist Christus selbst‘.“ Vgl. Ex 16,4 LXX: εἶπεν δὲ κύριος πρὸς Μωυσῆν Ἰδοὺ ἐγὼ ὕω ὑμῖν ἄρτους ἐκ τοῦ οὐρανοῦ, καὶ ἐξελεύσεται ὁ λαὸς καὶ συλλέξουσιν τὸ τῆς ἡμέρας εἰς ἡμέραν, ὅπως πειράσω αὐτοὺς εἰ πορεύσονται τῷ νόμῳ μου ἢ οὔ; Ex 17,6 LXX: ὅδε ἐγὼ ἕστηκα πρὸ τοῦ σὲ ἐκεῖ ἐπὶ τῆς πέτρας ἐν Χωρηβ· καὶ πατάξεις τὴν πέτραν, καὶ ἐξελεύσεται ἐξ αὐτῆς ὕδωρ, καὶ πίεται ὁ λαός μου. ἐποίησεν δὲ Μωυσῆς οὕτως ἐναντίον τῶν υἱῶν Ισραηλ. ♦ *10,5: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,12: ecce autem et in petram offendit caecus Marcion, de qua bibebant in solitudine patres nostri, si enim petra illa Christus fuit; Epiph., Pan. 42, sch. 17 (122. 163-164 H.): ἀλλ’ οὐκ ἐν τοῖς πλείοσιν αὐτῶν εὐδόκησεν; Num 11,4 LXX: Καὶ ὁ ἐπίμικτος ὁ ἐν αὐτοῖς ἐπεθύμησαν ἐπιθυμίαν, καὶ καθίσαντες ἔκλαιον καὶ οἱ υἱοὶ Ισραηλ καὶ εἶπαν Τίς ἡμᾶς ψωμιεῖ κρέα. ♦ *10,6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,12: An ut hoc ipsum doceret figurata fuisse vetera in Christum ex illis recensendum? Nam et reliquum exitum populi decursurus praemittit, Haec autem exempla nobis sunt facta; Epiph., Pan. 42, sch. 17 (122 H.): ταῦτα δὲ τύποι ἡμῶν ἐγενήθησαν, πρὸς τὸ μὴ εἶναι ἡμᾶς ἐπιθυμητὰς κακῶν, καθὼς κἀκεῖνοι ἐπεθύμησαν; (163-164 H.): ταῦτα δὲ τύποι ἡμῶν ἐγενήθησαν, πρὸς τὸ μὴ εἶναι ἡμᾶς ἐπιθυμητὰς κακῶν, καθὼς καὶ ἐκεῖνοι ἐπεθύμησαν. ♦ *10,7: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 17 (122. 163-164 H.): 7 μηδὲ εἰδωλολάτραι γίνεσθε, καθώς τινες αὐτῶν: ὡς [καθὼς 164 VM, H.] γέγραπται, Ἐκάθισεν ὁ λαὸς φαγεῖν καὶ πιεῖν, καὶ ἀνέστησαν παίζειν. Vgl. Ex 32,6 LXX: ἐκάθισεν ὁ λαὸς φαγεῖν καὶ πιεῖν καὶ ἀνέστησαν παίζειν. ♦ *10,9. 11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,13-14: [13] … De illo me terret sibi a quo fidem meam transfert. Meliorem me illi adversarius faciet? Iam si deliquero eadem quae et populus, eademne passurus sum, an non? Atquin si non eadem, vane mihi timenda proponit quae non sum passurus. Passurus autem a quo ero? Si a creatore, qualia infligere ipsius est? et quale erit ut peccatorem aemuli sui puniat magis quam e contrario foveat deus zelotes? Si ab illo deo, atquin punire non novit. Ita tota ista propositio apostoli nulla ratione consistit, si non ad disciplinam creatoris est. [14] Denique et in clausula praefationi respondet. Haec autem quemadmodum evenerunt illis, scripta sunt ad nos commonendos, in quos fines aevorum decucurrerunt; Epiph., Pan. 42, sch. 17 (122. 163-164 H.): μηδὲ ἐκπειράζωμεν τὸν Χριστόν, ἕως ὅπου [ὅπου aus ἕως ὅπου Vc, ὅπου M] λέγει ταῦτα δὲ τυπικῶς συνέβαινεν ἐκείνοις, ἐγράφη δὲ [ἐκείνοις, ἐγράφη δέ, 2 (1Kor) 387 <?page no="388"?> 150 Vgl. hierzu U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 162-163. Schmid zeigt, dass die kanonische Textform diejenige ist, die für die *10-Briefe-Sammlung anzunehmen ist und dass „Epiphanius selbst oder einer seiner Hilfskräfte eine ihm eigentümliche Text‐ form“ eingebracht und bei der zweiten Anführung „noch einmal verändert (verkürzt)“ hat. om 122, rest H.] 150 ἡμῖν, καὶ τὰ ἑξῆς-… ἐγράφη δὲ ἡμῖν εἰς νουθεσίαν. Num 21,6 LXX: καὶ ἀπέστειλεν κύριος εἰς τὸν λαὸν τοὺς ὄφεις τοὺς θανατοῦντας, καὶ ἔδακνον τὸν λαόν, καὶ ἀπέθανεν λαὸς πολὺς τῶν υἱῶν Ισραηλ. Vgl. auch Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): Πρωτότυπον ὁμολογεῖ ὁ ἀπόστολος τὸν νόμον τοῦ εὐαγγελίου. λέγων· ταῦτα μὲν τύπος συνέβαινεν ἐκείνοις, ἐγράφη δὲ πρὸς νουθεσίαν ἡμῶν. MK. Οὐχ οὕτως γέγραπται, [οὐ] λέγει γάρ· ταυτ’ ἀτύπως συνέβαινεν ἐκείνοις, ἐγράφη δὲ πρὸς νουθεσίαν ἡμῶν (Rufin: Ad. d.: Sed et typum dicit apostolus esse, id est figuram uel formam, legem eorum quae in euangeliis habentur, dicents: Haec autem omnia in typo contingebant illis, scripta autem sunt propter nos. Marc. d.: Non est sic scriptum in codice nostro, sed ita dicit: Haec sine typo contingebant illis, scripta sunt autem ad commonitionem nostram). Vgl. auch Orig., Hom. VII 1 in Num.: Sicut Apostolus dicit: haec omnia in figura contigerunt illis, scripta sunt autem propter commonitionem nostram … Videamus ergo, quis est, qui derogat Moysi, quis de eo male loquitur. Non solum Iudaeus, sed et haeretici, qui non recipiunt legem et prophetas, etiam ipsi detrahunt de Moyse. Denique solent ei etiam crimen impingere dicentes quia homicida fuit Moyses, interfecit enim Aegyptium, et alia multa vel in ipsum vel in prophetas blasphemo ore concinnant. Vgl. Num 21,4-6 LXX: 4 Καὶ ἀπάραντες ἐξ Ωρ τοῦ ὄρους ὁδὸν ἐπὶ θάλασσαν ἐρυθρὰν περιεκύκλωσαν γῆν Εδωμ· καὶ ὠλιγοψύχησεν ὁ λαὸς ἐν τῇ ὁδῷ. 5 καὶ κατελάλει ὁ λαὸς πρὸς τὸν θεὸν καὶ κατὰ Μωυσῆ λέγοντες ῞Ινα τί ἐξήγαγες ἡμᾶς ἐξ Αἰγύπτου ἀποκτεῖναι ἡμᾶς ἐν τῇ ἐρήμῳ; ὅτι οὐκ ἔστιν ἄρτος οὐδὲ ὕδωρ, ἡ δὲ ψυχὴ ἡμῶν προσώχθισεν ἐν τῷ ἄρτῳ τῷ διακένῳ. 6 καὶ ἀπέστειλεν κύριος εἰς τὸν λαὸν τοὺς ὄφεις τοὺς θανατοῦντας, καὶ ἔδακνον τὸν λαόν, καὶ ἀπέθανεν λαὸς πολὺς τῶν υἱῶν Ισραηλ. Num 14,2 LXX: καὶ διεγόγγυζον ἐπὶ Μωυσῆν καὶ Ααρων πάντες οἱ υἱοὶ Ισραηλ, καὶ εἶπαν πρὸς αὐτοὺς πᾶσα ἡ συναγωγή ῎Οφελον ἀπεθάνομεν ἐν γῇ Αἰγύπτῳ, ἢ ἐν τῇ ἐρήμῳ ταύτῃ εἰ ἀπεθάνομεν; 16,11 LXX: οὕτως σὺ καὶ πᾶσα ἡ συναγωγή σου ἡ συνηθροισμένη πρὸς τὸν θεόν· καὶ Ααρων τίς ἐστιν ὅτι διαγογγύζετε κατ᾽ αὐτοῦ. ♦ *10,10b: Vgl. Joh 6, 31-33. 48-51: 31 οἱ πατέρες ἡμῶν τὸ μάννα ἔφαγον ἐν τῇ ἐρήμῳ, καθώς ἐστιν γεγραμμένον, Ἄρτον ἐκ τοῦ οὐρανοῦ ἔδωκεν αὐτοῖς φαγεῖν. 32 εἶπεν οὖν αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς, Ἀμὴν ἀμὴν λέγω ὑμῖν, οὐ Μωϋσῆς δέδωκεν ὑμῖν τὸν ἄρτον ἐκ τοῦ οὐρανοῦ, ἀλλ’ ὁ πατήρ μου δίδωσιν ὑμῖν τὸν ἄρτον ἐκ τοῦ οὐρανοῦ τὸν ἀληθινόν· 33 ὁ γὰρ ἄρτος τοῦ θεοῦ ἐστιν ὁ 388 Rekonstruktion <?page no="389"?> 151 Vgl. G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 112. 152 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 153 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 126, 232, 237; J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 90-91. καταβαίνων ἐκ τοῦ οὐρανοῦ καὶ ζωὴν διδοὺς τῷ κόσμῳ. … 48 ἐγώ εἰμι ὁ ἄρτος τῆς ζωῆς. 49 οἱ πατέρες ὑμῶν ἔφαγον ἐν τῇ ἐρήμῳ τὸ μάννα καὶ ἀπέθανον· 50 οὗτός ἐστιν ὁ ἄρτος ὁ ἐκ τοῦ οὐρανοῦ καταβαίνων ἵνα τις ἐξ αὐτοῦ φάγῃ καὶ μὴ ἀποθάνῃ. 51 ἐγώ εἰμι ὁ ἄρτος ὁ ζῶν ὁ ἐκ τοῦ οὐρανοῦ καταβάς· ἐάν τις φάγῃ ἐκ τούτου τοῦ ἄρτου ζήσει εἰς τὸν αἰῶνα· καὶ ὁ ἄρτος δὲ ὃν ἐγὼ δώσω ἡ σάρξ μού ἐστιν ὑπὲρ τῆς τοῦ κόσμου ζωῆς. B. (10,2) Anstelle von Μωϋσῆν ἐβαπτίσθησαν finden sich μωυσέα ἐβαπτίζοντο in P 46* , μωυσέα ἐβαπτίσαντο in P 46c , μωσὴν ἐβαπτίσθησαν in 01, 02, μωυσὴν ἐβαπτίσαντο in 03, 018, 020, 025, 1175, 1241, 1739, 1881, M, Or. 151 ♦ (10,3) Anstelle von τὸ αὐτὸ πνευματικὸν βρῶμα ἔφαγον heißt es τὸ πνευματικὸν βρῶμα ἔφαγον in P 46 ; πνευματικὸν βρῶμα ἔφαγον in 01*, τὸ αὐτὸ βρῶμα πνευματικὸν ἔφαγον in 01 c2 ; τὸ πνευματικὸν ἔφαγον βρῶμα in 02. ♦ (10,4) αὐτό om P 46 , 02. ♦ Anstelle von ἔπινον liest P 46 ἔπιον. ♦ πέτρα δέ in dieser Reihenfolge auch 01, 03, 06* .2 , 010, 012, 629, 1739, die umgekehrte Reihenfolge in P 46 , 01, 04, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M. ♦ (10,5) ὁ θεός om Epiphanius, so auch 257, 1610, Cl, Ir lat . ♦ (10,8) Post ἔπεσαν add ἐν in 01 2 , 02, 04, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, vg ms , Ir lat , om in P 46 , 01*, 03, 06*, 010, 012, lat Ambst. ♦ (10,9) Χριστόν steht in den Zeugen P 46 , 06, 010, 012, 018, 020, 044, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, latt, sy, sa, bo, co, Ir lat , Or 1739mg , und in der altlateinischen Tradition, etwa 75, 76, 89; κύριον hingegen in 01, 03, 04, 025, 33, 104, 326, 365, 1175, 2464, sy hmg , θεόν 152 Meyboom, Zuntz und Clabeaux halten Χριστον 153 ♦ Die Form ἐξεπείρασαν ist belegt durch P 46 , 01, 04, 06*, 010, 012, 025, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, Or 17739mg , während die kanonische Form belegt ist durch die Zeugen 01, 02, 06 2 , 018, 020, 044, 1241, 1505, M. Wie NA 28 hier die kanonische Form bietet, gibt es keine Konsistenz in der Auswahlentscheidung von NA 28 . Wäre man wie beim vorausliegenden Fall für die älteste Variante gegangen, hätte man die Variante ἐξεπείρασαν wählen müssen. ♦ Die Aoristzeitform ἀπώλοντο findet sich bezeugt in 04, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, (1881), 2464, M, während das Imperfekt auf der kanonischen Ebene zu finden ist in den Zeugen (P 46 ), 01, 02, 03, 81, Or 1739mg . Auch hier gilt die zuvor gemachte Bemerkung zu 2 (1Kor) 389 <?page no="390"?> 154 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 166. 155 Vgl. zur Duplikationstendenz die Einleitung, I, S.-563-568. 156 L. Cope, First Corinthians 8-10: Continuity or Contradiction? (1990); W.O. Walker, Interpolations in the Pauline letters (2001), 232-236. NA 28 . ♦ (10,10) Die erste Person Plural γογγύζωμεν ist bezeugt durch 01, 06, 010, 012, 33, bo und die altlateinische Tradition: 75, 76 bieten murmuremur, 77 bietet hingegen murmurauerunt; die zweite Person Plural hingegen durch 02, 03, 04, 018, 020, 025, 044, 81, 104, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, sa, Ir lat . ♦ Anstelle von καθάπερ wird die Variante καθώς geboten in 02, 04, 06, 010, 012, 044, 6, 33, 81, 104, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, 2464, καθὼς καί steht in 018, 020, 1241, M, die kanonische Form findet sich in P 46 , 01, 03, 025. ♦ (10,11) πάντα om 02, 03, 33, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, sa, Spec; add in 01, 06, 010, 012, 81, bo? , Ir arm.lat pt ; ταῦτα δὲ πάντα steht in 04, 018, 020, 025, 044, 104, 365, 1241, 1505, M, lat sy bo? Die Version ohne πάντα hält Zuntz für die 154 ♦ τῶποι (τυπικως 02, 044) συνέβαινον schreiben 02, 06, 010, 012, 020, 044, 365, 1241, M, sy h , Ir arm ; τυπικῶς συνέβαινεν (ἔβαινεν P 46 ) heißt es in P 46vid , 01, 03, 04, 020, 025, 33, 81, 104, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, 2464, latt, sy hmg , Ir lat , Or, Epiph. ♦ Anstelle von κατήντηκεν findet sich die Aoristform κατήντησεν sich in 02. C. 1. (10,1) Epiphanius gibt in diesem Scholion nicht nur Vers 1, sondern in einem Zusammenhang auch die Verse 3-5a, 6-11. Vgl. auch Tert., Adv. Marc. III 5. Alle Editoren sehen den ersten Vers bezeugt, Zahn und Harnack sehen ihn in der kanonischen Form vorhanden, obwohl Epiphanius zwei Mal bei der Anführung dieses Scholions das erste πάντες nicht bietet. Schmid klammert folglich dieses πάντες ein. BeDuhn ist deutlicher und lässt den Begriff in seiner Übersetzung aus. In der Tat scheint die Wiederholung des πάντες auf das Konto der für Duplikationen bereits bekannten kanonischen Redaktion zu gehen. 155 Wieder ist auffallend, dass es für diese vorkanonische bezeugte Passage Stimmen gibt, die 1Kor 10,1-22, als ganzes als Interpolation betrachten. 156 2. (10,2) Was die Bezeugung dieses Verses betrifft, schwanken die Editoren. Denn Epiphanius hat diesen Vers an beiden Stellen, an denen er das Scholion anführt, übergangen, und in seinem Elenchus hierzu auf das „Missverständnis“ (φρενοβαβλεῖα) Markions hingewiesen, wonach Markion behaupte, „Christus sei den Geschehen des Gesetzes fremd“ (ἀλλότριον φάσκειν τὸν Χριστὸν τῶν ἐν νόμῳ γενομένων). Damit macht Epiphanius deutlich, dass Markion Vers 2 über‐ gangen hat, in welchem auf das Taufgeschehen durch Mose eingegangen wird. 390 Rekonstruktion <?page no="391"?> 157 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 508. 158 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 112. 159 J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 89-90. Adamantius nutzt in seiner antimarkionitischen Argumentation gerade diesen Vers, um ihn wie Epiphanius gegen Markion anzuführen, Paulus habe ja von Mose und dem Gesetz gesprochen und damit Christus dem Gesetz zugeordnet. Zahn deutet den Befund jedoch anders. Er verweist auf Adamantius und meint, Epiphanius habe diesen Vers vielleicht „nur der Kürze wegen ausgelassen“. 157 Warum aber zitiert Epiphanius dann vollständig die Verse 1, 3-5a? Auch Harnack verlässt sich auf Adamantius und gibt den Vers in der kanonischen Form. Zuntz sieht den Vers ebenfalls für Markion bezeugt. 158 Schmid weicht hiervon zu Recht ab und gibt den Vers als unbezeugt, doch BeDuhn kehrt zurück zu Harnack. Auffallend sind die Varianten für μωυσην εβαπτισθησαν. Clabeaux hält εβαπτισθησαν für ursprünglich. 159 Tertullian setzt mit seiner Bezugnahme in Adv. Marc. V 7,12 erst mit Vers 3 an. Vers 2 bietet außerdem eine für die kanonische Ebene typische Duplikation (Vers 1: ὑπὸ τὴν νεφέλην ἦσαν καὶ πάντες διὰ τῆς θαλάσσης διῆλθον, Vers 2: ἐν τῇ νεφέλῃ καὶ ἐν τῇ θαλάσσῃ). 3. (10,3-4) Hilgenfeld sieht die Verse als präsent. Zahn sieht die Verse 3 und 4 als bezeugt an und ändert mit Epiphanius die Wortstellung zu ἔφαγον βρῶμα, Harnack ebenfalls, doch er folgt mit der Wortstellung βρῶμα πνευματικὸν ἔφαγον und πόμα πνευματικὸν ἔπιον weder Epiphanius noch dem kanonischen Text, übernimmt aber von Epiphanius und Adamantius die Stellung des δὲ. Schmid folgt Epiphanius, so auch BeDuhn. Für Vers 3 bietet Epiphanius eine größere Auslassung bei seiner ersten Anführung des Textes (καὶ πάντες … πόμα om 122 VM), doch Schmid hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Widerlegung später zeigt, dass der Passus vorausgesetzt wird. Dass der Passus jedoch in der ersten Liste fehlt, dann aber in der zweiten vorhanden ist und auch noch in der Gegenargumentation eine Rolle spielt, kann meines Erachtens am leichtesten erklärt werden, wenn man es als Parablepsis eines Schreibers erläutert, der vorausliegende Text folglich sowohl in der ersten wie der zweiten Liste diesen Passus geboten hatte. Aus der übereinstimmenden Auslassung jedoch von Vers 2 wird man wohl wie Schmid urteilen, dass die zweite Anführung mit Vers 3 wohl der *10-Briefe-Sammlung entspricht (ein Druckfehler bei Schmid - er schreibt hier „(Parablepsis) V. 2“ führt die Leserschaft zunächst zur Verwirrung, doch aus seiner Argumentation 2 (1Kor) 391 <?page no="392"?> 160 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 232. 161 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 103. mit Verweis auf die zweite Anführung wird deutlich, dass er V. 3 gemeint haben muss. Nun finden sich Variationen für das kanonische τὸ αὐτὸ πνευματικὸν βρῶμα ἔφαγον. Nach dem Prinzip, dass die vom kanonischen Text am weitesten entfernte Lesart die für die vorkanonische Version am wahrscheinlichsten ist, wird hier dem ältesten Zeugen P 46 , trotz der direkten Bezeugung durch Epiphanius gefolgt. Auch in Vers 4 fehlt in P 46 und 02 das αὐτό, weshalb es auch hier weggelassen wird. P 46 ist nochmals wichtig für die Aoristlesart ἔπιον anstelle des Imperfekts ἔπινον. Zu beachten ist auch die Wortumstellung zu ἡ δὲ πέτρα in Epiphanius, das auch in einer großen Anzahl von handschriftlichen Zeugen steht. 4. (10,5) Zahn sieht Teile von Vers 5 bezeugt, Harnack gibt als bezeugt nur, was Epiphanius anführt. Schmid verweist aber auf Tertullian und sieht darum ἀλλ’ οὐκ ἐν τοῖς πλείοσιν αὐτῶν εὐδόκησεν (ὁ θεός, κατεστρώθησαν γὰρ) ἐν τῇ ἐρήμῳ bezeugt. Die Auslassung von ὁ θεός durch Epiphanius spiegelt sich auch in einigen handschriftlichen Zeugen und Vätern. Dadurch wird Christus zum Subjekt von εὐδόκησεν, was Zuntz für die ursprüngliche Lesart hält. 160 Ihm schließt sich BeDuhn an und gibt darum den ersten Teil des Verses und aus dem zweiten Teil nur eine Übersetzung für ἐν τῇ ἐρήμῳ, deutet aber mit Auslassungszeichen an, dass er mehr Text vermutet. 5. (10,6) Hilgenfeld, Meyboom und Zahn sehen den Vers anwesend im Wortlaut, den Epiphanius gibt, Harnack ebenfalls, schreibt jedoch anstelle von καὶ ἐκεῖνοι/ κἀκεῖνοι nur ἐκεῖνοι. Schmid gibt als bezeugt das Epiphaniuszitat mit κἀκεῖνοι. BeDuhn schließt sich ihm an. Zu bedenken ist die unterschiedliche Form des ἡμῶν-nobis nach Hilgenfeld, BeDuhn und Schmid. 161 6. (10,7) Hilgenfeld und Zahn sehen den Vers wie von Epiphanius gegeben bezeugt, so auch Harnack, Schmid und BeDuhn. 7. (10,8) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn den Vers in irgendeiner Form anwesend sieht, das deutet auch Harnack mit Auslas‐ sungszeichen an. BeDuhn schließt die Übersetzung des Verses in Klammern in seinen Text ein. Es stellt sich die Frage, ob die fehlende Bezeugung in diesem Fall An- oder Abwesenheit bedeutet. Auch hier müssen wir wieder auf den lexigraphischen Vergleich rekurrieren. 8. (10,9. 11) Der letzte Teil des Epiphaniuszitats stammt aus Epiphanius’ Wi‐ derlegung, dem zum Scholion zugehörigen Elenchus, und man meint zunächst, 392 Rekonstruktion <?page no="393"?> 162 L. Cope, First Corinthians 8-10: Continuity or Contradiction? (1990). als zitiere Epiphanius hier nicht aus Markions *Paulussammlung, sondern aus dem „ganzen“ Paulus, also der kanonischen Version, was den Eindruck erweckt, der Vers habe wie im Scholion mit ἡμῖν geendet. Vergleicht man Tertul‐ lian, könnte Epiphanius hier auch lediglich apologetisch zuspitzend formuliert haben. Andererseits schließt der von Epiphanius zitierte Text mit dem Verweis συνέβαινεν ἐκείνοις gut an, der ohne Vers 10 sich dann auf das Ende von Vers 7 bezieht. Hilgenfeld sieht die Verse 9 und 11 durch Epiphanius und lediglich Vers 11 durch Adamantius und Tertullian bezeugt, und er schreibt die tertulliansche Variante καθῶς „der Flüchtigkeit Tertullians“ zu. Meyboom sieht anstelle von τύποι das τυπικῶς stehen und anstelle von ἡμῶν ein ἡμῖν. Zahn sieht die Verse bezeugt bis auf Vers 11, den er wiedergibt als ταῦτα δὲ καθὼς συνέβαινεν ἐκείνοις, ἐγράφη δὲ πρὸς νουθεσίαν ἡμῶν. Harnack berücksichtigt jedoch Adamantius und notiert folglich für Vers 11: ταῦτ’ ἀτύπως (καθώς) συνέβαινεν ἐκείνοις, ἐγράφη δὲ πρὸς νουθεσίαν ἡμῶν, εἰς οὓς τὰ τέλη τῶν αἰώνων κατήντησεν. Schmid gibt ταῦτα δὲ τυπικῶς συνέβαινεν ἐκείνοις, ἐγράφη δὲ πρὸς νουθεσίαν ἡμῶν, εἰς οὓς τὰ τέλη τῶν αἰώνων κατήντηκεν. BeDuhn übersetzt die Verse 9-10 nach dem kanonischen Text, den Vers 11 nach Schmid. Die Passage 1Kor 10,1-22 wurde als Interpolation angesehen von Colpe. 162 Nun scheinen aber Tertullian und der markionitische Dialogpartner den‐ selben Text vor sich zu haben. Tertullian weiß nichts von typologischer Inter‐ pretation, der Markionit Markus bestreitet, dass der Text, wie von Adamantius zitiert, hier von Typoi oder typologischer Deutung spricht, folglich scheint Zahn noch mehr als Harnack bei seiner Rekonstruktion richtig zu liegen. 9. (10,9) Wie Epiphanius verdeutlicht, habe Markion an die Stelle von κύριον den Namen Χριστόν gesetzt, dem entspricht dann auch, dass wir beide Formen in den Zeugen finden. Dieser Fall ist ein gutes Beispiel für die Zuordnung von Zeugen zu einer der beiden Fassungen. Wie bereits oft festgestellt, stehen P 46 und vor allem 06, 010, 012, 018, 020, 044 und einige der nachfolgenden Zeugen, dann auch M, sy, co als typische Tradenten der Fassung, die Epiphanius mit der Markions identifiziert. Umgekehrt dürfte darum κύριον mit den Zeugen die kanonische Fassung repräsentieren. Da NA 28 nun gerade die markionitische Lesart in den Text genommen hat, zeigt sich, dass in dieser Edition nicht der Versuch unternommen wird, die kanonische Redaktionsstufe wiederzugeben. Man wird also oben in den Text der kanonischen Ebene κύριον zu setzen haben. 2 (1Kor) 393 <?page no="394"?> D. (10,1) Die Eröffnung Οὐ θέλω steht 11 Mal im NT, ist jedoch nur hier vorkanonisch bezeugt (kanonische Präsenz: Mt 15,32; 21,29; Röm 1,13; 7,16. 19. 20; 1Kor 10,1. 20; 12,1; 16,7; 3Joh 1,13). ♦ ἀγνοέω steht 23 / 22 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 12,1. ♦ πατέρες, das im Plural 20 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26; 11,47; *1Kor 10,1; *Laod 6,4. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3, vgl. weiter zu den Versen 2. 3. 4. 17. ♦ νεφέλη steht 27 / 25 Mal im NT und ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Thess 4,17. ♦ Zur Verbform ἦσαν, die 96 Mal im NT steht und weiter vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 4,27; 24,13. ♦ Die Kombination καὶ πάντες steht 23 Mal im NT, Lk 4,22, in einem Vers, der in *Ev fehlt, πάντες, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1.3. 4, vgl. zuvor zu den Versen 2. 3. 4 und 17. ♦ θάλασσα steht 99 / 91 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ διέρχομαι steht 46 / 43 Mal im NT, vorkanonisch weiter evtl. bezeugt für *Ev 9,6 (Adamantiuszeugnis). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius. Es ist bemer‐ kenswert und stützt die lexikalischen Beobachtungen, dass bis auf die Eröffnung Οὐ θέλω das etwas unsichere Adamantiuszeugnis für διέρχομαι alle Begriffe auch weiter vorkanonisch bezeugt sind. (10,2) Zu πάντες vgl. zuvor zu Vers 1 und weiters zu den Versen 3. 4. 17. ♦ Μωϋσῆς, der 79 / 80 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *2Kor 3,7. 13. ♦ βαπτίζω steht 90 / 77 Mal im NT, sehr häufig im Sinn „von Taufen“, das in diesem Sinn jedoch nicht auf der vorkanonischen Ebene begegnet, wo das Verb lediglich im Sinne von Reinigen (vor dem Essen) in *Ev 11,38 zu finden ist. ♦ Zu νεφέλη und θάλασσα vgl. zum voranstehenden Veres 10,1. Zur Abwesenheit: Zur fehlenden Bezeugung und dem Kommentar des Epipha‐ nius kommt die Semantik des Begriffs βαπτίζω, der diesen Vers der kanonischen Redaktion zuordnet. Er hat vorkanonisch gefehlt. (10,3) Die Kombination καὶ πάντες steht 23 Mal im NT, Lk 4,22, in einem Vers, der in *Ev fehlt, πάντες, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1.3. 4, vgl. zuvor zu den Versen 1. 2 und weiters zu den Versen 4 und 17. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13, vgl. weiter Vers 4. ♦ πνευματικός steht 28 / 26 Mal im NT, vorkanonische bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ βρῶμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,13 (? ); *1Kor 10,3. ♦ Die Form ἔφαγον steht 11 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt (3 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 9,17; 4 Mal Joh; 1Kor 10,3). 394 Rekonstruktion <?page no="395"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius unter Berück‐ sichtigung der Handschriftenvarianten, wie in C. dargelegt. (10,4) Wieder steht die Eröffnungsformel καὶ πάντες vorkanonisch bezeugt wie im voranstehenden Vers, vgl. dort. ♦ Auch das πνευματικός stand bereits in diesem Vers. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. neut. Sg), vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ πίνω findet sich 114 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4. 7; Röm 14,21. ♦ Die Form ἔπιον steht nur noch ein Mal Mk 14,23. ♦ πόμα steht 2 Mal im NT, das andere Mal auf der kanonischen Ebene (Hebr 9,10). ♦ Die Form ἔπινον steht noch zwei Mal im NT, Lk 17,27. 28. ♦ Die Form ἀκολουθέω steht 104 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ πέτρα steht 17 / 15 Mal im NT, vorkanonisch hier bezeugt für *1Kor 10. ♦ Die Kombination von Definitivartikel + δέ + Nomen begegnet 7 Mal im vorkanonischen Paulus *1Kor 10,4; 14,22; *2Kor 3; 6; 12,9; *Röm 8,6; 8,10; *Kol 2,17. ♦ Die Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4; *Phil 3,7. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius unter Berück‐ sichtigung der Handschriftenvarianten und dem Zeugnis Tertullians. (10,5) Die Kombination ἀλλ’ οὐκ steht 34 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, weiter vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *1Kor 10,5; im Vers für *Röm 4,2; 10,2. ♦ πλείων, das 66 Mal im NT steht, ist hier vorkanonisch bezeugt. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter die Verse 7. 8. 9. 10. ♦ εὐδοκέω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15; *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19. ♦ καταστρώννυμι ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐρῆμος steht 53 / 48 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und die Stelle hier. Zur Rekonstruktion: Hier ergänzen sich die beiden Zeugen Epiphanius und Tertullian. Der Text wird von der Lexik gestützt. (10,6) ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7, vgl. weiter unten zu Vers 11. ♦ Die Eröffnungsformel ταῦτα δέ steht 3 Mal im NT, vorkanonisch wieder bezeugt für 1Kor 10,11, dann kanonisch noch zu finden neben den Parallelstellen in Joh 20,31. ♦ τύπος steht 17 / 15 Mal im NT, ansonsten jedoch auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἐγενήθησαν steht 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Formel πρὸς τὸ μή steht 3 Mal im NT und ist weiter vorkanonisch bezeugt in *2Kor 4,4; vgl. zu 9,18. ♦ Der Infinitiv εἶναι steht 125 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Variante κἀκεῖνος steht 23 Mal im NT, überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Hingegen die von Epiphanius gelesene Variante ἐκεῖνος, die 265 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6. 11; *Laod 2,12. 2 (1Kor) 395 <?page no="396"?> ♦ ἐπιθυμητής ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐπιθυμέω steht 16 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Epiphanius unter Berücksichtigung Tertul‐ lians. (10,7) μηδέ steht 63 / 56 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9; *Kol 2,21. ♦ εἰδωλολάτρης steht 7 Mal im NT und ist vorkanonisch nur hier bezeugt ist. ♦ Die Form γίνεσθε steht 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,18. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.) steht 79 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7; *Phil 1,15, vgl. weiter die Verse 8. 9. 10. ♦ Die Variante auf kanonischer Ebene ὥσπερ steht 43 / 36 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21. ♦ λαός steht 151 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,7; 14,21. ♦ Zu πίνω vgl. zuvor zu Vers 4 und nachfolgend die Verse 21 und 31, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4. 7; Röm 14,21. ♦ ἀνίστημι steht 131 / 108 Mal im NT, etwa Lk 1,39; 2,34; 4,16. 38. 39; 11,32; 15,18. 20; 18,33; 24,12. 46, in Versen, die in *Ev fehlen, in Lk 9,22 steht nach dem Zeugnis des Epiphanius in *Ev ἐγερθῆναι, was wohl korrekt ist (pace Klinghardt, der hier ἀνασθῆναι wählt) (vermutlich ist auch in 24,7 nicht ἀναστῆναι zu wählen, sondern ἐγερθῆναι, auch wenn wir hier keine Varianten in den Textzeugen haben). Doch schon Klinghardt hatte zur Stelle überlegt, ob ἀνασθῆναι nicht vielleicht auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sei. Und, wie wir hier sehen, ist der Befund tatsächlich einheitlicher, als von Klinghardt vermutet. Auffallenderweise ist der Terminus vorkanonisch bezeugt als Substantiv (*Ev 20,27. 33. 35. 36) und als Verb lediglich im nichttheologischen Sinn für das Aufstehen (etwa vom Stuhl) eines Menschen, *Ev 10,25; die vorkanonischen Ausnahme sind *1Kor 15,25; *1Thess 4,16 und *Laod 5,14, wo das Verb im Sinne des „Aufstehens von den Toten“ benutzt wird, wobei das Verb überhaupt selten bei (*)Paulus zu finden ist, während es immer wieder auf der kanonischen Ebene begegnet, insbesondere in der Apostelgeschichte. ♦ παίζω ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius bis auf ἔστε das anstelle des von ihm angeführten γίνεσθε gesetzt wird. (10,8) Zu dem vorkanonisch bezeugten μηδέ vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ Während πορνεία für beide Versionen gut belegt ist, wurde bereits oben festgestellt, dass das Verb πορνεύω der kanonischen Redaktionsstufe zugehört, vgl. 6,18. ♦ Ebenfalls ein Begriff der kanonischen Redaktion ist πίπτω, das 112 / 90 Mal im NT bezeugt ist, vorkanonisch von Klinghardt nur 2 Mal durch das unsichere Zeugnis des Adamantius für *Ev 10,18; 16,21 in Anspruch genommen, vgl. weiter Vers 12. ♦ Zu τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 7 und danach Verse 9. 10. ♦ Die Kombination 396 Rekonstruktion <?page no="397"?> καθώς τινες steht 3 Mal im NT, nur hier in den Versen 1Kor 10,7. 8. 9, im ersten vorkanonisch bezeugt, d. h. es ist eine vorkanonische Formulierung, die sich sonst kaum durchgesetzt hat. ♦ χιλιάς steht 25 / 23 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeug. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers weist ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene belegte Lexik auf (πορνεύω; πίπτω; χιλιάς). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (10,9) Zum bezeugten Versteil: Zum vorkanonisch bezeugten μηδέ vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ Das verbum simplex πειράζω, das sich 42 / 38 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das Kompositverb ἐκπειράζω, das 4 Mal im NT steht, ist hier vorkanonisch bezeugt und findet sich vorkanonisch wieder bezeugt in *Ev 10,25. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ἐξπειράω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Das verbum simplex πειράω steht 12 / 1 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 5,9; 9,26; 24,6; 26,21; 1Kor 10,9 (hier steht im Parallelvers in *1Kor 10,9 das verbum compositum ἐξπειράω); 1Thess 3,5; Hebr 3,9; 4,15; 11,29. 36; Apk 2,2; 3,10). ♦ Zu τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.) vgl. zuvor die Verse 7. 8 und danach Vers 10. ♦ Die Kombination καθώς τινες steht 3 Mal im NT, nur hier in den Versen 1Kor 10,7. 8. 9, im ersten vorkanonisch bezeugt, vgl. zu 10,7. ♦ ὄφις, das 18 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀπόλλυμι steht 107 / 91 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius. Der nicht mehr bezeugte Versteil weist eine Lexik auf, die mit dem verbum simplex πειράω eher auf die kanonische Ebene hinweist. (10,10) Zu dem vorkanonisch bezeugten μηδέ vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ γογγύζω steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.) vgl. zuvor zu den Versen 7. 8. 9. ♦ Zu ἀπόλλυμι vgl. im Vers 10,9 zuvor. ♦ ὀλοθρευτής ist Hapax legomenon im NT. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers spricht mit γογγύζω für eine Abfassung durch die kanonische Redaktion. Wie bereits die kanonische Ergänzung zum voranstehenden Vers, dient dieser Vers dazu, Ex 32,6 auf Christus hin zu lesen. Er hat vorkanonisch gefehlt. (10,11) Zu ταῦτα vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ Die Kombination ταῦτα δέ war schon zu Vers 10,6 vorkanonisch notiert. ♦ Das unbezeugte τυπικῶς ist Hapax legomenon im NT. ♦ συμβαίνω steht 9 / 8 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἐκεῖνος steht 265 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11; *Laod 2,12. 2 (1Kor) 397 <?page no="398"?> ♦ Die Form ἐγράφη steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 9,10. ♦ νουθεσία steht 3 Mal im NT, wiederum vorkanonisch bezeugt in *Laod 6,4. ♦ Das Personalpronomen οὕς (Akk. Mask. Pl.) steht 52 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27 und die Stelle hier. ♦ καταντάω steht 15 / 13 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt für diese Stelle hier. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Epiphanius und Tertullian, wie in C. dargelegt. 10,[12-13] 14 [15-18] 19-20 [21-24] 25 [26-27] 28 [29-30] 31 [32-33]: Meidet das Götzenopfer In dieser Passage wird das Thema des Götzendienstes und vor allem das Essen von Götzendienstopfergaben fortgesetzt, was auch die voranstehenden Kapitel aufgreift und weiterführt. Auf kanonischer Ebene wird aus einer nüchternen Betrachtung eine Ge‐ meindeermahnung und erbauende Predigt mit Verweis auf das Gewissen des Einzelnen. Beim Thema Essen und Trinken kommt der kanonische Paulus auch auf Christi Blut und Leib zu sprechen, was eigentümlicherweise mit dem vorkanonischen Thema des Götzendienstopfers verschränkt wird. Durch‐ gehend personalisiert auch hier der kanonische Paulus die Ausführung und stellt sich und seine Person in den Vordergrund, was gleich zum Ende von diesem und gleich zu Beginn des nächsten Kapitels überaus deutlich wird (1Kor 11,1: „Nehmt Euch mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme! “). Es wird erkennbar, wie sehr die kanonische Redaktion die nachfolgenden Verse ausgeweitet und in neue Kontexte eingepasst hat. - 12 ὥστε ὁ δοκῶν ἑστάναι βλεπέτω μὴ πέσῃ. 13 πειρασμὸς ὑμᾶς οὐκ εἴληφεν εἰ μὴ ἀνθρώπινος· πιστὸς δὲ ὁ θεός, ὃς οὐκ ἐάσει ὑμᾶς πειρασθῆναι ὑπὲρ ὃ δύνασθε, ἀλλὰ ποιήσει σὺν τῷ πειρασμῷ καὶ τὴν ἔκβασιν τοῦ δύνασθαι ὑπενεγκεῖν. 14 Διόπερ, φεύγετε ἀπὸ τῆς εἰδωλολατρίας. 14 Διόπερ, ἀγαπητοί μου, φεύγετε ἀπὸ τῆς εἰδωλολατρίας. - 15 ὡς φρονίμοις λέγω· κρίνατε ὑμεῖς ὅ φημι. 16 τὸ ποτήριον τῆς εὐλογίας ὃ εὐλογοῦμεν, οὐχὶ κοινωνία ἐστὶν τοῦ αἵματος τοῦ Χριστοῦ; τὸν ἄρτον ὃν κλῶμεν, οὐχὶ κοινωνία τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ ἐστιν; 17 ὅτι εἷς ἄρτος, ἓν σῶμα οἱ πολλοί ἐσμεν, οἱ γὰρ πάντες ἐκ τοῦ ἑνὸς 398 Rekonstruktion <?page no="399"?> ἄρτου μετέχομεν. 18 βλέπετε τὸν Ἰσραὴλ κατὰ σάρκα· οὐχ οἱ ἐσθίοντες τὰς θυσίας κοινωνοὶ τοῦ θυσιαστηρίου εἰσίν; 19 τί οὖν φημι; ὅτι ἱερόθυτόν ἐστιν τί ἢ εἰδωλότυτον ἐστιν τί; 19 τί οὖν φημι; ὅτι εἰδωλόθυτόν τί ἐστιν; ἢ ὅτι εἴδωλόν τί ἐστιν; 20 ἀλλ’ ὅτι ἃ θύουσιν, δαιμονίοις καὶ οὐ θεῷ. 20 ἀλλ’ ὅτι ἃ θύουσιν τὰ ἔθνη, δαιμονίοις καὶ οὐ θεῷ, οὐ θέλω δὲ ὑμᾶς κοινωνοὺς τῶν δαιμονίων γίνεσθαι. - 21 οὐ δύνασθε ποτήριον κυρίου πίνειν καὶ ποτήριον δαιμονίων· οὐ δύνασθε τραπέζης κυρίου μετέχειν καὶ τραπέζης δαιμονίων. 22 ἢ παραζηλοῦμεν τὸν κύριον; μὴ ἰσχυρότεροι αὐτοῦ ἐσμεν; 23 Πάντα ἔξεστιν, ἀλλ’ οὐ πάντα συμφέρει. πάντα ἔξεστιν, ἀλλ’ οὐ πάντα οἰκοδομεῖ. 24 μηδεὶς τὸ ἑαυτοῦ ζητείτω ἀλλὰ τὸ τοῦ ἑτέρου. 25 Πᾶν τὸ πωλούμενον ἐσθίετε. - 25 Πᾶν τὸ ἐν μακέλλῳ πωλούμενον ἐσθίετε μηδὲν ἀνακρίνοντες διὰ τὴν συνείδησιν, - 26 τοῦ κυρίου γὰρ ἡ γῆ καὶ τὸ πλήρωμα αὐτῆς. 27 εἴ τις καλεῖ ὑμᾶς τῶν ἀπίστων καὶ θέλετε πορεύεσθαι, πᾶν τὸ παρατιθέμενον ὑμῖν ἐσθίετε μηδὲν ἀνακρίνοντες διὰ τὴν συνείδησιν. 28 ἐὰν δέ τις ὑμῖν εἴπῃ· Τοῦτο εἰδωλόθυτόν ἐστιν, μὴ ἐσθίετε. - 28 ἐὰν δέ τις ὑμῖν εἴπῃ, Τοῦτο ἱερόθυτόν ἐστιν, μὴ ἐσθίετε δι’ ἐκεῖνον τὸν μηνύσαντα καὶ τὴν συνείδησιν - 29 συνείδησιν δὲ λέγω οὐχὶ τὴν ἑαυτοῦ ἀλλὰ τὴν τοῦ ἑτέρου. ἱνατί γὰρ ἡ ἐλευθερία μου κρίνεται ὑπὸ ἄλλης συνειδήσεως; 30 εἰ ἐγὼ χάριτι μετέχω, τί βλασφημοῦμαι ὑπὲρ οὗ ἐγὼ εὐχαριστῶ; 31 εἴτε ἐσθίετε εἴτε πίνετε εἴτε τι ποιεῖτε, πάντα εἰς δόξαν θεοῦ. 31 εἴτε οὖν ἐσθίετε εἴτε πίνετε εἴτε τι ποιεῖτε, πάντα εἰς δόξαν θεοῦ ποιεῖτε. - 32 ἀπρόσκοποι καὶ Ἰουδαίοις γίνεσθε καὶ Ελλησιν καὶ τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ, 33 καθὼς κἀγὼ πάντα πᾶσιν ἀρέσκω, μὴ ζητῶν τὸ ἐμαυτοῦ σύμφορον ἀλλὰ τὸ τῶν πολλῶν, ἵνα σωθῶσιν. A. *10,19-20: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 18 (122. 165): 19 τί οὖν φημι; ὅτι ἱερόθυτόν τί ἐστιν ἢ εἰδωλότυτον τί ἐστιν; ἀλλ’ ὅτι ἃ θύουσι, δαιμονίοις καὶ οὐ θεῷ. 2 (1Kor) 399 <?page no="400"?> 163 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 229. 164 Ibid. 102, 168, 237; J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 91-92. προσέθετο δὲ ὁ Μαρκίων τὸ ἱερόθυτον [προσέθετο … ἱερόθυτον om 122 VM, rest H.]. Vgl. Ps 95,5 LXX: ὅτι πάντες οἱ θεοὶ τῶν ἐθνῶν δαιμόνια, ὁ δὲ κύριος τοὺς οὐρανοὺς ἐποίησεν. ♦ 10,26: Vgl. Ps 23,1 LXX: τοῦ κυρίου ἡ γῆ καὶ τὸ πλήρωμα αὐτῆς ἡ οἰκουμένη καὶ πάντες οἱ κατοικοῦντες ἐν αὐτῇ. ♦ *10,28. 31: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 7,14: Magnum argumentum dei alterius permissio omnium obsoniorum adversus legem. Quasi non et ipsi confiteamur legis onera dimissa, sed ab eo qui imposuit, qui novationem repromisit. Ita et cibos qui abstulit, reddidit quod et a primordio praestitit. B. (10,18) Anstelle von οὐχ, das zu finden ist in den Zeugen 01*, 02, 04, 06*, 010, 012, 33, 630, 1241, 1739, 2464, als Lesart gewählt von NA 28 , steht die Variante οὐχί in P 46 , 01 2 , 06 1 , 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 1175, 1505, 1881, M. ♦ (10,19) Dass anstelle von εἰδωλόθυτον vorkanonisch ἱερόθυτον zu lesen ist, stützt die altlateinische Tradition, die in 75, 76, Ambst ed simulacro bietet, während man in 89 idolo findet, in 51, 58, Ambst var steht idolis, in Ambst ad fehlt der Begriff. Im Gegensatz zu Harnack hält Zuntz dies nicht für eine tendenziöse Zufügung, sondern für eine eingedrungene Marginalglosse. 163 ♦ Anstelle der Reihenfolge τί ἐστιν liest man ἐστιν τί in 06*, 010, 012, latt. ♦ Dass anstelle von εἴδωλον vorkanonisch εἰδωλότυτον zu lesen ist, stützt die altlateinische Tradition, wenn man in 77 liest: idolum uel idolothytum, während Ambst ed simulacrum hat. ♦ Anstelle von τί ἐστιν findet sich die umgekehrte Anordnung ἐστιν τί in 06, 010, 012, latt. ♦ ἢ ὅτι εἴδωλόν τί ἐστιν om P 46 , 01*, 02, 04*, 6, 945, 1881, vg ms . ♦ (10,20) Die Variante θύουσιν (θύει K 1881, M) τὰ ἔθνη ist bezeugt durch P 46vid , 01, 02, 04, 018, (020), 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, co; nur ύουσιν bieten die wenigen Zeugen 03, 06, 010, 012, Ambst, Spec. Dennoch wählt NA 28 die letzte Form. Hingegen nehmen Zuntz und Clabeaux wiederum die hier für die vorkanonische Version bezeugte Textform als die ursprüngliche an. 164 ♦ Für καὶ οὐ θεῷ finden sich Varianten: θύουσιν (θύει 018, 020, 1881, M) καὶ οὐ θεῷ P 46vid 06, 010, 012 018, 020, 104, 1505, 1881, M, lat, sy; dann καὶ οὐ θεῷ θύουσιν in 01, 02, 03, 04, 025, 044, 33, 81, 365, 630, 1175, 1241, 1739, 2464. Nach καὶ οὐ θεῷ heißt es in der altlateinischen Tradition zusätzlich, abweichend vom kanonischen Text, non potestis calicem domini bibere et calicem daemoniorum in 51, 54, 58, 61, 76, 77, 78, 87. ♦ (10,27) Post ἀπίστων add εἰς δεῖπνον in 06*, 010, 012, it vg mss sa, Ambst, Pel und in der altlateinischen Tradition in 51, 54, 58, 61, 75, 76, 77, 78, 89. Zuntz hält die zusätzlichen Worte 400 Rekonstruktion <?page no="401"?> 165 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 166. 166 Vgl. Ibid. 135. 167 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 280. für eine eingedrungene Glosse. 165 ♦ (10,28-29) Die beiden Verse 27-28 fehlen in den Textzeugen 323, 618, 1242 und 1738. Allerdings fügen die Textzeugen 015 c , 018, 020, 044, 104, 1505, M, sy h (p. vs 31 04 3 ) hinzu: τοῦ γὰρ κυρίου ἡ γῆ καὶ τὸ πλήρωμα αὐτῆς, die von NA 28 gewählte Auslassung dieses Passus entspricht den Zeugen 01, 02, 03, 04*, 06, 010, 012, 015*, 025, 33, 81, 365, 630, 1175, 1241, 1739, 1881, 2464, latt, sy p , co. ♦ (10,28) Post ἱερόθυτο add εἰς δεῖπνον in 04, 06, 010, 012, vg, M, bo, ar, Chrys; om in P 46 , 01, 02, 03, 15, 6, 1175, pesch, sa, Julian, Cyr. 166 ♦ (10,31) ποιεῖτε 2 om P 46 , 010, 012, Spec. C. 1. (12-15) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn sie in einer unbestimmbaren Form vorhanden sieht. Gleichwohl übersetzt BeDuhn in Klammern gesetzt die Verse 14-15 und zeigt mit Auslassungszeichen an, dass er davor noch mit Text rechnet. Der Vergleich der Lexeme muss weiterhelfen. 2. (10,16-18) Was die Bezeugung von Vers 16 betrifft, gehen die Meinungen der Editoren etwas auseinander, während alle die Verse 17-18 für unbezeugt halten, auch wenn sie inhaltlich zusammengehören. Für Vers 16 denken Harnack und BeDuhn an Adam., Dial. I 20, wo im Mund des Adamantius in einer längeren Widerlegung auch zitiert wird: τὸ δὲ ποτήριον τῆς εὐλογίας, τὸν τε ἄρτον ὃν κλῶμεν ἥνικα ἂν λέγῃ τοῦ αἵματος καὶ τοῦ σώματος τοῦ κυρίου εἶναι κοινωνίαν-… (Rufin: -… in qua sacramenta confecit Christus et signacula corporis sui sanguinisque designat); Harnack verteidigt gegen Zahn die Verwendung von Adamantius, doch Schmid gibt den Vers als unbezeugt und BeDuhn gesteht ein, dass „es nicht sicher ist, dass Adamantius aus dem markionitischen Apostolikon in diesem Abschnitt“ zitiert. 167 Dennoch gibt er eine Übersetzung in seiner Rekonstruktion für den Text des Adamantius und deutet mit Auslassungszei‐ chen danach an, dass er mit weiterem Text rechnet. Gerade auch aufgrund des Gedankens, dass die drei Verse inhaltlich zusammengehören, sie eine Digression zur vorkanonischen Argumentation darstellen und, wie die Lexik weiter stützen wird, zur Sprache der kanonischen Redaktion gehören, werden diese Verse in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben. 3. (10,19-20) Meyboom zeigt die Variante ἱερόθυτον an und sieht Vers 19 wie oben. Zahn und Harnack sehen die Verse wie oben gegeben bezeugt, Schmid setzt am Ende in Klammern noch ein (θύουσιν? ) hinzu, und BeDuhn übersetzt nach Epiphanius, fügt dann aber in Klammern auch noch die Übersetzung 2 (1Kor) 401 <?page no="402"?> 168 Vgl. M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 6. des Restes des kanonischen Textes von Vers 20 an. Zur Dämonisierung des Pantheons. 168 4. (10,20) Vergleicht man die hier vorgeschlagene Version der kanonischen Ebene mit der vorkanonischen, erkennt man, dass die kanonische Ebene im Duktus der Verse 16-18 die Differenz zwischen den Kultspeisen von Christen und Israeliten einerseits und dem Götzendienst der Heiden andererseits her‐ ausstellt. Die vorkanonische Version hingegen übt eine herbe Kritik an der Kultpraxis des Volkes Israel, das in der eigenen Schrift als Murrende bezeichnet wird und dem Verderben angesagt wurde. Es verwundert folglich nicht, dass bei einer solch massiven Kritik an Israel die kanonische Version den Text überarbeitet hat, und zwar mit Blick auf Gemeinschaft und Eucharistie in Anlehnung an Apg 2,42 (ἦσαν δὲ προσκαρτεροῦντες τῇ διδαχῇ τῶν ἀποστόλων καὶ τῇ κοινωνίᾳ, τῇ κλάσει τοῦ ἄρτου καὶ ταῖς προσευχαῖς), Lev 7,6. 15 LXX (πᾶς ἄρσην ἐκ τῶν ἱερέων ἔδεται αὐτά, ἐν τόπῳ ἁγίῳ ἔδονται αὐτά· ἅγια ἁγίων ἐστίν; καὶ τὰ κρέα θυσίας αἰνέσεως σωτηρίου αὐτῷ ἔσται καὶ ἐν ᾗ ἡμέρᾳ δωρεῖται, βρωθήσεται· οὐ καταλείψουσιν ἀπ᾽ αὐτοῦ εἰς τὸ πρωί) und im Hinblick auf 1Kor 11,23-26 (23 Ἐγὼ γὰρ παρέλαβον ἀπὸ τοῦ κυρίου, ὃ καὶ παρέδωκα ὑμῖν, ὅτι ὁ κύριος Ἰησοῦς ἐν τῇ νυκτὶ ἧ παρεδίδετο ἔλαβεν ἄρτον 24 καὶ εὐχαριστήσας ἔκλασεν καὶ εἶπεν, Τοῦτό μού ἐστιν τὸ σῶμα τὸ ὑπὲρ ὑμῶν: τοῦτο ποιεῖτε εἰς τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν. 25 ὡσαύτως καὶ τὸ ποτήριον μετὰ τὸ δειπνῆσαι, λέγων, Τοῦτο τὸ ποτήριον ἡ καινὴ διαθήκη ἐστὶν ἐν τῷ ἐμῷ αἵματι: τοῦτο ποιεῖτε, ὁσάκις ἐὰν πίνητε, εἰς τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν. 26 ὁσάκις γὰρ ἐὰν ἐσθίητε τὸν ἄρτον τοῦτον καὶ τὸ ποτήριον πίνητε, τὸν θάνατον τοῦ κυρίου καταγγέλλετε, ἄχρις οὗ ἔλθῃ) und 1Kor 12,27 (Ὑμεῖς δέ ἐστε σῶμα Χριστοῦ καὶ μέλη ἐκ μέρους). Außerdem hat die kanonische Fassung das Opfern in Vers 20 nicht mehr auf Israel bezogen, sondern mit dem Einschub von τὰ ἔθνη den Text und damit die Kritik auf die Heiden bezogen. Auch wenn der Begriff vorkanonisch bezeugt ist, wird er hier auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sein. 5. (10,21-24) Die Verse 21-24 sind nach allen Editoren unbezeugt. Sind sie auch abwesend von der vorkanonischen Fassung? Zur Lösung der Frage ist die Lexik weiter unten (s.-u., D.) zu befragen. 6. (10,25-33) Hilgenfeld verweist auf die Bezeugung der Verse 25-26. Zahn sieht ebenfalls die Verse 25-26 nach der kanonischen Fassung bezeugt, die Verse 27-33 als unbezeugt, aber in irgendeiner Form vorhanden. Harnack sieht lediglich eine Anspielung auf Vers 25, weist aber darauf hin, dass Eznik von Kolb auch die Verse 25 und 27 anführt, doch dass man „keine Gewähr“ dafür 402 Rekonstruktion <?page no="403"?> 169 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 88*. habe, dass „sie aus M.s Bibl. stammen“. 169 Schmid sieht alle Verse als unbezeugt. BeDuhn sieht den ersten Teil von Vers 25 bezeugt und übersetzt in Klammern auch den zweiten Teil, wobei er mit angefügten Auslassungszeichen annimmt, dass noch weiterer Text des Kapitels vorhanden war. Diese Zuversicht kann aber auch leicht aus der englischen Tendenzübersetzung herrühren, wenn der Herausgeber und Übersetzer Evans von Tertullians Adversus Marcionem das permissio omnium obsoniorum adversus legem mit „permission to use meats contrary to the law“ überträgt. Denn das dem Griechischen ὀψώνιον entliehene obsonium meint zunächst einmal alles, was mit Brot gegessen werden kann wie Saucen, Fisch, Fleisch und Früchte. Von hier zurückzuschließen auf μάκελλον, den (Fleisch-)markt, ist möglich, wenn auch gewagt. Da μάκελλον im NT Hapax legomenon ist, kann es aber durchaus vorkanonisch gestanden sein. Dagegen spricht, dass sich Tertullian vermutlich einen solchen Hinweis kaum hätte entgehen lassen, um gegen Markions asketischen Vegetarismus zu polemisieren und ihm Inkonsequenz vorzuhalten. Soviel ist klar, dass Tertullian eine Diskus‐ sion zur Frage von Nahrungsmittel gelesen hat. Doch auf welchen Text bezieht er sich, und was vom kanonischen Text geht auf die kanonische Redaktion zurück? 7. (10,25) Es lässt sich schwer vorstellen, dass sich Tertullian das Zitat aus Ps 23,1 LXX (Τοῦ κυρίου ἡ γῆ καὶ τὸ πλήρωμα αὐτῆς) hätte entgehen lassen, mit dem er Markion hätte widersprechen können. Vermutlich wird deshalb der zweite Teil von Vers 25 und Vers 26 vorkanonisch gefehlt haben. D. (10,12) δοκέω, das 100 / 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9. ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. ♦ Die Form ἑστάναι steht 3 Mal im NT, Lk 13,25, wo ausgerechnet dieser Versteil in *Ev fehlt, dann noch Apg 12,14 und an der Stelle hier. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18, vgl. weiter Vers 18. ♦ Die Form βλεπέτω steht nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, ebenfalls auf kanonischer Ebene in 1Kor 3,10. ♦ πίπτω steht 112 / 90 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers fallen zentrale Formen und der Begriff πίπτω auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind. Der Vers wird folglich zur kanonischen Redaktion gehören und vorkanonisch gefehlt haben. 2 (1Kor) 403 <?page no="404"?> (10,13) λαμβάνω klingt so gewöhnlich, dass man bei dem 292/ 260-fachen Auftreten im NT nichts Auffälliges erwarten würde. Und doch zeigt ein Vergleich, dass dieser Begriff bei Mt und Joh extrem beliebt ist, dagegen bei Mk und Lk eher selten erscheint, und bei Lk lediglich auf der kanonischen Ebene bezeugt ist. Und so ist der Befund auch in den Paulusbriefen, das Verb ist ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἀνθρώπινος steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πιστός, bezogen auf Gott oder Christus, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, 1Kor 1,9; 2Kor 1,18; 1Thess 5,24; 2Thess 3,3; 2Tim 2,13; Hebr 2,17; 3,2; 10,23; 1Petr 4,19; 1Joh 1,9; Apk 1,5; 3,14; 19,11. ♦ Die Kombination πιστὸς δέ steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2Kor 1,18; 2Thess 3,3; im Vers 1Kor 10,13), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ein weiterer Begriff der kanonischen Redaktion ist ἐάω, der 14 Mal im NT steht, etwa in Lk 4,41 zu finden ist, wobei gerade der entsprechende letzte Passus dieses Verses für *Ev nicht mehr bezeugt ist, und in Lk 4,34; 22,51 steht, in Versen, die in *Ev gefehlt haben. In den paulinischen Briefen steht der Begriff nur an der vorliegenden Stelle, hingegen begegnet er gehäuft in Apg und überhaupt auf der kanonischen Ebene in Mk 1,24; 24,43; Lk 4,34. 41; 22,51; Apg 5,38; 14,16; 16,7; 19,30; 23,32; 27,32. 40; 28,4; 1Kor 10,13. ♦ πειράζω als ausschließlich kanonischer Begriff, vgl. zuvor zu Vers 10,9. ♦ ἔκβασις begegnet nur noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, in Hebr 13,7, und das zugehörige Verb begegnet überhaupt nur in Hebr 11,15. ♦ ὑποφέρω begegnet nur mehr in 1Tim 3,11 und 1Petr 2,19 ist nur auf kanonischer Ebene zu finden. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers weist vielfältige, ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (λαμβάνω; ἀνθρώπινος; πιστός, bezogen auf Gott oder Christus; πιστὸς δέ; ἐάω; ἔκβασις; ὑποφέρω). Lexik und Semantik stützen in diesem Fall die Zuschreibung an die kanonische Redaktion. Der Vers hat vorkanonisch gefehlt. (10,14) διόπερ, das 2 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀγαπητοί steht 27 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 1Petr 2,11; 4,12; 1Joh 2,7; 3,2. 21; 4,1. 7. 11; Jud 1,3 im Vers: Röm 12,19; 1Kor 10,14; 15,58; 2Kor 7,1; 12,19; Phil 2,12; 4,1; Hebr 6,9; Jak 1,16. 19; 2Petr 3,1. 8. 14. 17; Jud 1,17. 20), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φεύγω steht 33 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,18. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ εἰδωλολατρία steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. Zur Rekonstruktion: Auch wenn die Eröffnung διόπερ zweifelhaft sein mag, so scheint doch unter Absehung des kanonischen ἀγαπητοί μου der Aufruf 404 Rekonstruktion <?page no="405"?> vorkanonisch gestanden zu sein. Der Vers passt gut zum Einstieg in das nachfolgende Thema. (10,15) φρόνιμος, das 15 / 14 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, auffallend ist besonders Lk 16,8, ein Vers, der in *Ev gefehlt zu haben scheint. ♦ Die Verbform λέγω steht 214 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32, vgl. weiter Vers 29. ♦ κρίνω steht 125 / 115 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,3; 11,31; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ Die Aufforderung κρίνατε steht 5 Mal im NT ( Joh 18,31; Apg 4,19; Röm 14,13; 1Kor 10,15; 11,13), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑμεῖς ὅ findet sich nur noch 1Joh 2,24. ♦ φημί steht 73 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19; 15,50. Zur Abwesenheit: Dieser kurze, unbezeugte Vers scheint aufgrund der Lexik zur kanonischen Ebene zu gehören und wird im vorkanonischen Text gefehlt haben. (10,16) ποτήριον steht 35 / 31 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39; *1Kor 11,23. ♦ εὐλογία steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,14. εὐλογέω steht 45 / 42 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,16; *Röm 12,14, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion darstellt. ♦ οὐχί steht 62 / 53 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ κοινωνία steht 21 / 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αἷμα steht 102 / 97 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43. 44, *Laod 2,13. ♦ ἄρτος steht 107 / 97 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,28. ♦ κλάω steht 15 / 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 7,4; 1Kor 10,16; Eph 4,12; vgl. Kol 2,17). Zur Abwesenheit: Auch wenn einige der Begriffe dieses unbezeugten Verses vorkanonisch stehen, fallen doch gerade zentrale Begriffe auf, die nur kanonisch belegt sind (κοινωνία; κλάω) und die Wendung τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ. Der Vers scheint kanonisch verfasst oder zumindest erheblich redigiert zu sein und vorkanonisch zumindest in dieser Form gefehlt zu haben. (10,17) Die Kombination ὅτι εἷς steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 26,21; Mk 8,28; 12,32; 14,18; Joh 13,21; 1Kor 10,17; 2Kor 5,14; Jak 2,19). ♦ Zu ἄρτος als vorkanonisch bezeugtem Begriff vgl. zum voranstehenden Vers 10,16. ♦ Die Kombination ἓν σῶμα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 12,5; 1Kor 6,16; 10,17; Eph 4,4). ♦ Der Ausdruck οἱ πολλοί steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 5,15. 19; 12,5; 1Kor 10,17; 2Kor 2,17). ♦ Man vgl. auch die auf der kanonischen Ebene stehende Formulierung Röm 12,5: οὕτως 2 (1Kor) 405 <?page no="406"?> οἱ πολλοὶ ἓν σῶμά ἐσμεν ἐν Χριστῷ. ♦ Die Verbform ἐσμέν steht 54 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10, vgl. weiter Vers 22. ♦ Zu πάντες vgl. zuvor zu den Versen 1. 2. 3. 4. ♦ μετέχω steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers ist die Nähe der Lexik zur kanonischen Ebene noch deutlicher mit Elementen, die ausschließlich auf dieser Ebene belegt sind (ὅτι εἷς; ἓν σῶμα; οἱ πολλοί; μετέχω). Der Vers ist folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (10,18) βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, schmal bezeugt für die vorkano‐ nische Ebene in *Ev und *2Kor 4,18. ♦ Man bemerke insbesondere die Imperativform βλέπετε, die 24 Mal im NT steht, davon 12 Mal als Verseröffnung (1Kor 1,26; 8,9; 10,18; Eph 5,15; Phil 3,2; Kol 2,8), vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 8,18. ♦ κλῆσις begegnet 11 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt in *Laod 1,18. ♦ Ἰσραήλ, das sich 74 / 68 Mal im NT findet, ist auch vorkanonisch gut belegt. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ Der Ausdruck κατὰ σάρκα steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *Röm 8,4. 5. ♦ οὐχ steht 105 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,40; 24,3; *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Variante οὐχί steht 62 / 53 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ ἐσθίω steht 196 / 158 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. ♦ θυσία steht 30 / 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ κοινωνός steht 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ θυσιαστήριον steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 9,13. Zur Abwesenheit: Auch dieser unbezeugte Vers weist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (κοινωνός; θυσιαστήριον). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (10,19) Die Eröffnung (im Akkusativ) τί οὖν steht 23 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung wie hier, dann im Vers in Lk 3,10; 20,15. 17, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch wieder bezeugt für *Röm 7,7 vgl. Röm 3,9. ♦ φημί steht 73 Mal im NT und ist vorkanonisch wieder bezeugt für *1Kor 15,50. ♦ ἱερόθυτος steht 1 weiteres Mal1 weiteres Mal im NT, vorkanonisch wieder bezeugt für *1Kor 10,28, d. h. es steht zwei Mal vorkanonisch und ist darum ein Urgestein vorkanonischer Lexik. ♦ εἰδωλόθυτος steht 11 / 9 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 8,4. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius unter Berück‐ sichtigung der Handschriftenvarianten. 406 Rekonstruktion <?page no="407"?> (10,20) Zum bezeugten Versteil: Die Eröffnung ἀλλ’ ὅτι steht 9 Mal im NT, vorkano‐ nisch nur hier bezeugt. ♦ θύω steht 16 / 14 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 5,7. ♦ Die Form ἃ θύουσιν steht nur hier. ♦ Die Variante τὰ ἔθνη steht 23 Mal im NT, Lk 24,47, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,30; *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ δαιμόνιον steht 67 / 63 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. Zum unbezeugten Versteil: Die Wendung οὐ θέλω δέ steht noch 1 weiteres Mal1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene Röm 1,13. ♦ κοινωνός steht 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text richtet sich wiederum nach Epiphanius, doch unter Beachtung der Bemerkung in C. Auch die Lexik stützt, dass der zweite, unbezeugte Versteil vorkanonisch gefehlt hat. (10,21) δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Verbindung οὐ δύνασθε steht 16 Mal im NT, Lk 16,13, wo sie aufgrund des Adamantiuszeugnis von Klinghardt in den Text genommen wurde, doch sie scheint eine ausschließlich kanonische Formulierung zu sein, die außer an dieser Stelle in Paulus nicht mehr begegnet (Mt 6,24; 16,3; 8 Mal Joh; Apg 15,1; 27,31; 1Kor 10,21; Jak 4,2). ♦ Die letzte Erwähnung von ποτήριον war in Vers 16 auf der kanonischen Ebene, auch wenn der Begriff auf der vorkanonischen Ebene begegnet (*Ev 11,39). ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πίνω vgl. zuvor die Verse 4 und 7 und nachfolgend Vers 31. ♦ Zu ποτήριον vgl. zuvor zu Vers 16, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39; *1Kor 11,23. ♦ τραπέζα κυρίου ist in 1Kor nur an dieser Stelle erwähnt und erinnert an Lk 22,30 (τῆς τραπέζης μου), ein Vers, der in *Ev gestanden haben kann, jedoch nicht hierfür bezeugt ist; allerdings steht τράπεζα 15 Mal im NT, etwa in Lk 16,21, wo es für den möglichen Parallelvers in *Ev 16,21 nur das Adamantiuszeugnis gibt, der Begriff also womöglich gefehlt haben kann, d. h. er ist nur für die kanonische Ebene bezeugt (Mt 15,27; 21,12; Mk 7,28; 11,15; Lk 16,21; 19,23; 22,21. 30; Joh 2,15; Apg 6,2; 16,34; Röm 11,9; 1Kor 10,21; Hebr 9,2). ♦ μετέχω steht 9 / 8 Mal im NT steht und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. zuvor Vers 17. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers finden sich zwar einige vorka‐ nonisch bezeugten Begriffe, aber auch Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὐ δύνασθε; τράπεζα; μετέχω). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (10,22) παραζηλόω steht 4 Mal im NT und findet sich in 1Kor nur hier, sonst findet es sich nur noch in Röm 10,19; 11,11. 14 auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Steigerungsform ἰσχυρότερος begegnet auch auf der vorkanonischen Ebene (*Ev 2 (1Kor) 407 <?page no="408"?> 11,22; *1Kor 1,25). ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Verbform ἐσμέν vgl. zuvor zu Vers 17. Zur Abwesenheit: Auch wenn dies ein nur kurzer, unbezeugter Vers ist, steht doch das zentrale Verb παραζηλόω ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Da der Vers narrativ in den kanonischen Kontext eingebunden ist, wird auch er zu dieser Ebene gehören und vorkanonisch gefehlt haben. (10,23) Die Eröffnungsformulierung begegnet bereits in 1Kor 6,12 auf der kanonischen Ebene: Πάντα μοι ἔξεστιν, ἀλλ’ οὐ πάντα συμφέρει. ♦ ἔξεστι, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,9. ♦ συμφέρω, das 19 / 15 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene nachweisbar. ♦ ζητέω ist hingegen gut für die vorkanonische Version bezeugt (*Ev 12,31; *1Kor 1,22). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf wie die ausschließlich vorkanonisch bezeugte und auf die kanonische Ebene verweisende Eröffnung, auch das kanonische Verb συμφέρω. Der Vers wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (10,24) Die Formulierung τὸ ἑαυτοῦ steht nur 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,4. ♦ ζητέω steht 130 / 117 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die Form ζητείτω steht nur hier. ♦ Die Wendung ἀλλὰ τό steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck τοῦ ἑτέρου steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, wobei er auffallenderweise gerade wieder in demselben Vers Lk 16,13 steht (die einzige Stelle in Lk! ), der zuvor zum Vers 10,21 mit Blick auf οὐ δύνασθε bereits ins Auge stach. Zur Abwesenheit: Auch wenn es sich um einen kurzen, vorkanonisch unbe‐ zeugten Vers handelt, weist er doch Merkmale auf, die ihn der kanonischen Redaktion zuordnen, insbesondere zeigt sich die Nähe zu Lk 16,13, einem Vers der sich bereits verschiedentlich als kanonisches Produkt erwiesen hat. Auch der vorliegende Vers dürfte demnach Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (10,25) πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.) steht 73 Mal im NT und ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15 LXX, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ Die Formulierung πᾶν τὸ steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,19. ♦ μάκελλον ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ Das Verb ἀνακρίνειν ist 408 Rekonstruktion <?page no="409"?> bereits wiederholt in 1Kor begegnet (2,14. 15; 4,3. 4; 9,3) und wird nochmals in 14,24 zu finden sein, doch steht es wie κρίνειν immer auf der kanonischen Ebene. ♦ πωλέω steht 25 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22. ♦ ἐσθίω steht 196 / 158 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. ♦ Die Form ἐσθίετε steht 4 Mal im NT, Lk 10,8 und nur in diesem Zusammenhang hier 1Kor 10,25. 27. 28. ♦ Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Phil 2,3; 4,6; Apk 2,10; im Vers: 3 Mal Mk; Lk 3,13, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 4,35; 6,35; 9,3; 9 Mal Apg; Röm 13,8; 1Kor 10,25. 27; 2Kor 6,10; 11,5; 13,7; 2Thess 3,11; 1Tim 5,21; 6,4; Tit 2,8; Jak 1,6; 3Joh 1,7), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνακρίνω steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ συνείδησις ist ein ausschließlich kanonischer Ausdruck, vgl. zuvor 8,7. Zur Rekonstruktion: Aufgrund des Zeugnisses muss mit dem Vorhandensein eines Verses oder Versteils gerechnet werden, der sich auf Essen bezogen hat. Unter Berücksichtigung der Diskussion in C. und auch der Lexik, die eine Reihe von ausschließlich kanonisch belegten Elementen aufweist (Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip; ἀνακρίνω; συνείδησις), wird man mit dem obigen Textteil vorkanonisch rechnen dürfen, der Rest wird vorkanonisch gefehlt haben. (10,26) γῆ steht 268 / 250 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,5; 15,47; *Laod 1,10. ♦ πλήρωμα steht 18 / 17 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4, Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. ♦ αὐτῆς steht 151 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. weiter Vers 28. Zur Abwesenheit: Trotz der Kürze dieses vorkanonisch unbezeugten Verses fallen zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πλήρωμα; αὐτῆς). Der Vers wird folglich wohl ein Produkt der kanoni‐ schen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (10,27) καλέω steht 173 / 148 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἄπιστος ist für die vorkanonische Version bezeugt (*Ev 12,46; *2Kor 4,4), vgl. den voranstehenden Vers 7,12. ♦ Die Form θέλετε ist unbezeugt für *Paulus, findet sich jedoch 1 Kor 4,21; 10,27; 2 Kor 12,20; Gal 4,9 und steht 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πορεύω steht 146 / 154 Mal im NT, vorkanonisch lediglich schwach bezeugt für *Ev, jedoch nie für *Paulus. ♦ δεῖπνον, das unbezeugt ist für *Paulus, jedoch 16 Mal im NT steht, auch bezeugt für die vorkanonische Fassung (*Ev 14,12. 16. 17. 24; vielleicht auch 20,46), steht jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Herrenmahl, anders als auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 25. ♦ παρατίθημι steht 24 / 19 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48. ♦ Die hier vorliegende Partizipform von παρατίθημι ist unbezeugt für 2 (1Kor) 409 <?page no="410"?> *Paulus, auch nicht weiter für den kanonischen Paulus, steht jedoch in Lk 10,8 und Apg 17,3. ♦ ἐσθίετε stand gerade zuvor in Vers 25. ♦ ἀνακρίνω steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,25. ♦ συνείδησις ist ein ausschließlich kanonischer Ausdruck, vgl. zuvor 8,7. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Termini auf, die vorkanonisch für *Ev bezeugt sind, jedoch auch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugte Elemente (θέλετε; ἀνακρίνω; μηδέν; συνείδησις) und eine kanonische Semantik (δεῖπνον). Der Vers wird darum zur kanonischen Ebene gehören und vorkanonisch gefehlt haben. (10,28) Die Eröffnung ἐὰν δέ τις steht nur hier und in Joh 11,10. ♦ εἴπῃ, das in dieser Aoristform 21 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τοῦτο, das 313 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32. Der Vers führt den von Epiphanius als von Markion ausdrücklich dem Text hinzugesetzten Begriff ἱερόθυτος an, der Hapax legomenon im NT ist, jedoch zwei Mal vorkanonisch steht, vgl. zu Vers 10,19. ♦ μηνύω steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκεῖνος steht 265 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11; *Laod 2,12. Vgl. zu dem in manchen Zeugen vorhandenen Schlusspassus dieses Verses: αὐτῆς steht 151 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Tertullian deutet auf die Präsenz des εἰδωλόθυτον hin, die seltene Verseröffnung kann durchaus vorkanonisch gestanden sein, auch das zuvor bereits angeführte ἐσθίετε, doch bereits die Verbform εἴπῃ deutet darauf hin, dass der Vers kanonisch überarbeitet wurde, er wurde, wie die Lexik zeigt (μηνύω; αὐτῆς), gewiss kanonisch erweitert. (10,29) Zu συνείδησις als ausschließlich kanonischem Ausdruck vgl. zuvor 8,7. ♦ Zur Verbform λέγω vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ οὐχί steht 62 / 53 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ ἄλλος steht 172 / 155 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ Der Ausdruck τοῦ ἑτέρου steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἱνατί steht 6 Mal im NT, Lk 13,7, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und begegnet nur auf der kanonischen Ebene (Mt 9,4; 27,46; Lk 13,7; Apg 4,25; 7,26; 1Kor 10,29). ♦ ἐλευθερία steht 11 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; 5,1. ♦ κρίνω steht 125 / 115 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,3; 11,31; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ Die Form κρίνεται steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 410 Rekonstruktion <?page no="411"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene bezeugte Elemente auf (2 Mal συνείδησις; τοῦ ἑτέρου; ἱνατί; κρίνεται). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (10,30) Die Eröffnung εἰ ἐγώ steht noch 1 weiteres Mal in Mt 12,27. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ μετέχω steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ βλασφημέω steht 37 / 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,24. ♦ Der Ausdruck ὑπὲρ οὗ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 14,15; 1Kor 10,30; Eph 6,20). ♦ εὐχαριστέω stehet 43 / 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers deuten die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente (εἰ ἐγώ; χάριτι; μετέχω; ὑπὲρ οὗ) auf eine kanonisch-redaktionelle Herkunft. Er hat vorkano‐ nisch gefehlt. (10,31) Die Eröffnung εἴτε οὖν steht nur noch ein Mal, in 1Kor 15,11, einem Vers, der vorkanonisch bezeugt ist, wenn auch nicht dieser Eröffnungsteil. ♦ Zur Kombination von „essen“ und „trinken“, die sowohl für die vorkanonische wie die kanonische Fassung bezeugt ist, vgl. zuvor zu Vers 9,4. ♦ ποιέω steht 640 / 568 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; 5,13; 6,9; 15,29; *Röm 2,14; *Laod 2,14. 15. ♦ Die Form ποιεῖτε steht 18 Mal im NT, Lk 22,19, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,31. 46. ♦ Der Ausdruck εἰς δόξαν steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,7; *2Kor 3,18. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers vorkanonisch unbezeugt ist, spricht die Lexik wie auch der narrative Zusammenhang für die vorkanonische Präsenz dieses Verses. (10,32) ἀπρόσκοπος, das 3 Mal im NT steht, findet sich jedoch nur noch auf der kanonischen Ebene, in der mit den Versen 32-33 verwandten Stelle Apg 24,16 und in Phil 1,10. ♦ Ἰουδαίοις steht 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,23; 9,20. ♦ Die Verbindung mit γίνομαι erinnert an *1Kor 9,20. ♦ Die Form Ἕλλησιν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 19,17; 20,21; Röm 1,14; 1Kor 1,24; 10,32). ♦ Die Form τῇ ἐκκλησίᾳ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,28; *2Thess 1,1. ♦ Die Weiterung steht nur noch 1Kor 1,1; 2Kor 1,1, überhaupt ist diese Weiterung ein kanonisches Merkmal, vgl. zu 1,2. Zur Abwesenheit: Bei diese vorkanonisch unbezeugten Vers sprechen die aus‐ schließlich für die kanonische Ebene belegten Elemente (ἀπρόσκοπος; Ελλησιν; 2 (1Kor) 411 <?page no="412"?> τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ) ebenfalls für ein Produkt der kanonischen Redaktion und ein Fehlen auf der vorkanonischen Ebene. (10,33) Die Eröffnung καθὼς κἀγώ steht noch 1 weiteres Mal in 1Kor 11,1. ♦ πᾶσιν steht 91 Mal im NT, und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Kombination πάντα πᾶσιν steht nur hier. ♦ ἀρέσκω steht 21 / 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ζητέω steht 130 / 117 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die Verneinung μὴ ζητέω findet sich 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 7,27. ♦ Zu σύμφορον als für die vorkanonische Fassung nicht bezeugtem Terminus vgl. zu Vers 7,35. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (καθὼς κἀγώ; ἀρέσκω; μὴ ζητέω; σύμφορον) und wird auf die kanonische Redaktion zurück‐ gehen. Er hat vorkanonisch gefehlt. Kapitel 11 11,[1-2] 3 4 5 [6] 7-10 11-12 [13-16]: Über Nichtverhüllung und Verhüllung des Hauptes Die Grundgedanken der folgenden Passage sind vorkanonisch gut bezeugt, auch wenn einige der unbezeugten Verse dennoch vorkanonisch angenommen werden können. Hierauf deuten der inhaltliche Zusammenhang und auch die benutzte Lexik. - 11,1 μιμηταί μου γίνεσθε, καθὼς κἀγὼ Χριστοῦ. 2 Ἐπαινῶ δὲ ὑμᾶς ὅτι πάντα μου μέμνησθε καὶ καθὼς παρέδωκα ὑμῖν τὰς παραδόσεις κατέχετε. 11,3 ἀνδρὸς ἡ κεφαλὴ ὁ Χριστός ἐστιν. 3 θέλω δὲ ὑμᾶς εἰδέναι ὅτι παντὸς ἀνδρὸς ἡ κεφαλὴ ὁ Χριστός ἐστιν, κεφαλὴ δὲ γυναικὸς ὁ ἀνήρ, κεφαλὴ δὲ τοῦ Χριστοῦ ὁ θεός. 4 πᾶς ἀνὴρ προσευχόμενος ἢ προφητεύων κατὰ κεφαλῆς ἔχων καταισχύνει τὴν κεφαλὴν αὐτοῦ· 4 πᾶς ἀνὴρ προσευχόμενος ἢ προφητεύων κατὰ κεφαλῆς ἔχων καταισχύνει τὴν κεφαλὴν αὐτοῦ· 5 πᾶσα δὲ γυνὴ προσευχομένη ἢ προφητεύουσα ἀκατακαλύπτῳ τῇ κεφαλῇ καταισχύνει τὴν κεφαλὴν ἑαυτῆς. 5 πᾶσα δὲ γυνὴ προσευχομένη ἢ προφητεύουσα ἀκατακαλύπτῳ τῇ κεφαλῇ καταισχύνει τὴν κεφαλὴν αὐτῆς· ἓν γάρ ἐστιν καὶ τὸ αὐτὸ τῇ ἐξυρημένῃ. 412 Rekonstruktion <?page no="413"?> 6 εἰ γὰρ οὐ κατακαλύπτεται γυνή, καὶ κειράσθω· εἰ δὲ αἰσχρὸν γυναικὶ τὸ κείρασθαι ἢ ξυρᾶσθαι, κατακαλυπτέσθω. 7 ἀνὴρ γὰρ οὐκ ὀφείλει κατακαλύπτεσθαι τὴν κεφαλήν, εἰκὼν θεοῦ ὑπάρχων. 7 ἀνὴρ μὲν γὰρ οὐκ ὀφείλει κατακαλύπτεσθαι τὴν κεφαλήν, εἰκὼν καὶ δόξα θεοῦ ὑπάρχων· ἡ γυνὴ δὲ δόξα ἀνδρός ἐστιν. - 8 οὐ γάρ ἐστιν ἀνὴρ ἐκ γυναικός, ἀλλὰ γυνὴ ἐξ ἀνδρός· - 9 καὶ γὰρ οὐκ ἐκτίσθη ἀνὴρ διὰ τὴν γυναῖκα, ἀλλὰ γυνὴ διὰ τὸν ἄνδρα. 10 ὀφείλει ἡ γυνὴ ἐξουσίαν ἔχειν ἐπὶ τῆς κεφαλῆς διὰ τοὺς ἀγγέλους. 10 διὰ τοῦτο ὀφείλει ἡ γυνὴ ἐξουσίαν ἔχειν ἐπὶ τῆς κεφαλῆς διὰ τοὺς ἀγγέλους. 11 πλὴν οὔτε γυνὴ χωρὶς ἀνδρός, οὔτε ἀνὴρ χωρὶς γυναικὸς ἐν κυρίῳ· 11 πλὴν οὔτε γυνὴ χωρὶς ἀνδρὸς οὔτε ἀνὴρ χωρὶς γυναικὸς ἐν κυρίῳ· 12 ὥσπερ ἡ γυνὴ ἐκ τοῦ ἀνδρός, οὕτως καὶ ὁ ἀνὴρ διὰ τῆς γυναικός. 12 ὥσπερ γὰρ ἡ γυνὴ ἐκ τοῦ ἀνδρός, οὕτως καὶ ὁ ἀνὴρ διὰ τῆς γυναικός· τὰ δὲ πάντα ἐκ τοῦ θεοῦ. - 13 ἐν ὑμῖν αὐτοῖς κρίνατε· πρέπον ἐστὶν γυναῖκα ἀκατακάλυπτον τῷ θεῷ προσεύχεσθαι; 14 οὐδὲ ἡ φύσις αὐτὴ διδάσκει ὑμᾶς ὅτι ἀνὴρ μὲν ἐὰν κομᾷ ἀτιμία αὐτῷ ἐστιν, 15 γυνὴ δὲ ἐὰν κομᾷ δόξα αὐτῇ ἐστιν; ὅτι ἡ κόμη ἀντὶ περιβολαίου δέδοται αὐτῇ. 16 Εἰ δέ τις δοκεῖ φιλόνεικος εἶναι, ἡμεῖς τοιαύτην συνήθειαν οὐκ ἔχομεν, οὐδὲ αἱ ἐκκλησίαι τοῦ θεοῦ. A. *11,3: Vgl. Tert., Adv. Marc V 8,1: Caput viri Christus est. ♦ *11,5: Vgl. Tert., Adv. Marc V 8,11: ceterum prophetandi ius et illas habere iam ostendit, cum mulieri etiam prophetanti velamen imponit. ♦ *11,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,1: Vir enim non debet caput velare, cum sit dei imago. ♦ *11,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,2: Sed et quare mulier potestatem super caput habere debebit? Si quia ex viro et propter virum facta est, secundum institutionem creatoris, sic quoque eius disciplinam apostolus curavit de cuius institutione causas disciplinae interpretatur. Adicit etiam, Propter angelos. Quos? id est cuius? Si creatoris apostatas, merito, ut illa facies quae eos scandalizavit notam. quandam referat de habitu humilitatis et obscuratione decoris: si vero propter angelos dei alterius, quid veretur, si ne ipsi Marcionitae feminas appetunt? 2 (1Kor) 413 <?page no="414"?> 170 Vgl. hierzu G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 127, 168. 171 W.O. Walker, First Corinthians 11.2-16 and Paul’s Views regarding Women (1975); L. Cope, 1 Cor 11.2-16: One Step Further (1978); G.W. Trompf, On Attitudes toward Women in Paul and Paulinist Literature: 1 Corinthians 11.3-16 and Its Context (1980); W.O. Walker, The Vocabulary of 1 Corinthians 11.3-16: Pauline or Non-Pauline? (1989); W.O. Walker, Interpolations in the Pauline letters (2001), 91-126. B. (11,5) Anstelle von αὐτῆς steht ἑαυτῆς in P 46vid , 03, 06 1 , 6, 629, 945 pm, Or und in der altlateinischen Tradition in 89. ♦ (11,9) Anstelle von ἄνδρα ἄνθρωπον findet sich in P 46 , was Tertullian durchaus wie ἄνδρα mit virum übersetzt haben kann. ♦ (11,10) Anstelle von ἐξουσίαν findet sich die Variante κάλυμμα in vg mss , bo pt , Ptol Ir . ♦ (11,14) Ein ἤ am Anfang bieten 06 1 , 018, 020, 104, 365, 1505, M, sy hmg , sa. ♦ (11,15) Das einfache δέδοται bieten die Zeugen P 46 , 06, 010, 012, 018, 020, 044, M, b, Ambst; αὐτὴ δέδοται findet sich in 04, 016, 025, 104, 630, 1175, 12,41, 1505, 1739, 1881, ar, f, vg, sy h ; die kanonische Version steht in 01, 02, 03, 33, 81, 365, 2464, g, sy p . 170 C. 1. (11,1-2) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn sie unbestimmbar im Wortlaut als vorhanden sieht. Dass die Verse tatsächlich abwesend von der vorkanonischen Fassung waren, wird durch die Lexik gestützt. καθὼς κἀγώ etwa greift gerade den letzten, kanonischen Vers des voranstehenden Kapitels auf und setzt die personalisierte Rede des kanonischen Paulus fort. 2. (11,3) Hilgenfeld findet diesen Vers durch Tertullian bezeugt. Zahn sieht den Vers der kanonischen Form nach vorhanden. Nach Harnack ist nur das Folgende bezeugt: ἀνδρὸς ἡ κεφαλὴ ὁ Χριστός ἐστιν. Schmid folgt Harnack, setzt jedoch vor und nach dem Bezeugten Auslassungszeichen, rechnet also mit weiterem Text und klammert den Artikel vor Christus mit Fragezeichen ein. BeDuhn geht weiter und gibt den bezeugten Text in Übersetzung, setzt aber die Übersetzung des verbleibenden kanonischen Textes davor und danach in Klammern hinzu. Dass über das Bezeugte hinaus der kanonische Überschuss gefehlt hat, legt sich aus dem nahe, was weiter unten zu Vers 5 ausgeführt wird. 3. 1Kor 11,3-16 wird als Interpolation betrachtet von mehreren früheren Forschern. 171 4. (11,4-5) Vers 4 ist nach allen Editoren mit Ausnahme von Hilgenfeld, der ihn bei Tertullian besprochen findet, unbezeugt, doch nach Zahn in unbestimmbarer Fassung vorhanden. Betreffs Vers 5 nimmt Zahn die kanonische Form des Verses an. Harnack sieht Vers 5 bezeugt mit dem Wortlaut γυνὴ προφητεύουσα … οὐκ ἀκατακαλύπτῳ 414 Rekonstruktion <?page no="415"?> κεφαλῇ. Schmid führt den Vers als unbezeugt auf, aber BeDuhn schließt sich Harnack an und ergänzt seine Übersetzung in Klammern mit dem kanonischen Text des Verses. 5. Die Variante αὐτῆς im kanonischen Text von Vers 5 anstelle des vorka‐ nonischen ἑαυτῆς spricht dafür, dass auf kanonischer Ebene in Vers 3 der zusätzliche Text in der zweiten Hälfte auf die kanonische Fassung zurückgeht. Das Pronomen im kanonischen Text von Vers 5 bezieht sich folglich auf den Mann, der in Vers 3 als Haupt der Frau bezeichnet wurde, während in der vorkanonischen Fassung von einer Beschämung des eigenen Kopfes gesprochen wird. Nur hierzu passt der letzte Teil von Vers 5, der sich auf den Kopf der Frau bezieht und sie mit einer Geschorenen gleichsetzt. Die kanonische Fassung stellt damit eine hierarchische Verbindung her, wonach der Mann, der sein Haupt verhüllt, dieses und damit sein Haupt Christus beschämen würde, so würde die Frau, die ihr Haupt nicht bedeckt, mit diesem auch ihr Haupt, den Mann, und über ihn dessen Haupt, Christus beschämen. 6. Aufgrund der adversativen Eröffnung des bezeugten Verses 5, der Vers 4 voraussetzt, und des lexikalischen Vergleichs scheint auch Vers 4 auf der vorkanonischen Ebene vorhanden gewesen zu sein. 7. (11,6) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn mit dem Vers in unbestimmbaren Wortlaut rechnet. 8. Die Entscheidung, was das Ende von Vers 5 und den Vers 6 betrifft, lässt sich nicht sicher entscheiden. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder sind der unbezeugte Teil von Vers 5 und der unbezeugte Vers 6 vorkanonisch präsent, oder diese fehlen, da sie so eng miteinander zusammenhängen, dass sie nicht gesondert betrachtet werden können. Damit wird allerdings auch die Entscheidung für ihre Abwesenheit vorbereitet, denn, wie die Lexik sowohl des zweiten Teils von Vers 5 wie auch die von Vers 6 aufzeigt, begegnen wir einigen nur kanonisch belegten Begriffen. 9. (11,7) Meyboom liest hier anstelle von κατακαλύπτεσθαι ein κομᾶν und sieht die Reihenfolge von εἰκὼν und δόξα umgekehrt. Zahn sieht den Vers in seiner kanonischen Gestalt vorhanden. Nach Harnack ist der kanonische Text des ersten Teils des Verses bezeugt, nicht aber ἡ γυνὴ δὲ δόξα ἀνδρός ἐστιν. Schmid schließt sich Harnack an, klammert jedoch μέν und καὶ δόξα ein. Mit Auslassungszeichen am Ende deutet er an, dass er mit der Möglichkeit weiteren Textes des unbezeugten Teils des Verses rechnet, auch wenn diese Auslassungszeichen „keine Lücken des marcionitischen Textes, sondern Lücken in den Quellen“ anzeigen und er hinzufügt: „Was der marcionitische Text an 2 (1Kor) 415 <?page no="416"?> 172 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), I/ 313. 173 H. Förster, The „Power on the Head“ of a Woman. A New Appraisal of 1 Corinthians 11: 10 and its Variants (2019). 174 L.T. Stuckenbruck, 1. Korinther 11,10. Ein Erklärungsversuch (2015). diesen Stellen liest, muß offenbleiben“. 172 BeDuhn rechnet nicht nur mit dem bezeugten Text, sondern fügt in Klammern auch eine Übersetzung für den letzten Passus des Verses an. Allerdings stimmt die doppelte fehlende Bezeugung, zunächst des μέν und καὶ δόξα und anschließend des ἡ γυνὴ δὲ δόξα ἀνδρός ἐστιν, grammatikalisch und inhaltlich zusammen. Dem μέν entspricht das δέ, wodurch wie in Vers 3 die patriarchale Hierarchisierung in den Vers eingetragen wird. Tertullian hätte sich diese Unterordnung wohl kaum entgehen lassen, und die grammatikalische Entsprechung unterstreicht, dass wir es nicht einfach mit einer zufälligen Kürzung Tertullians zu tun haben, der Text wird folglich zur kanonischen Redaktion wie in Vers 3 gehört haben. 10. (11,8-10) Hilgenfeld findet die Verse 8 und 10 bei Tertullian bezeugt. Zahn meint, die drei Verse lägen in kanonischer Form vor. Harnack sieht nur den folgenden Text bezeugt: γυνὴ ἐξ ἀνδρός, γυνὴ διὰ τὸν ἄνδρα. ὀφείλει ἡ γυνὴ ἐξουσίαν ἔχειν ἐπὶ τῆς κεφαλῆς διὰ τοὺς ἀγγέλους. Schmid sieht nur Anspielungen, was die Verse 8-9 betrifft, ohne deren Text zu benennen, jedoch fügt er den bezeugten Vers 10 an als (διὰ τοῦτο) ὀφείλει ἡ γυνὴ ἐξουσίαν ἔχειν ἐπὶ τῆς κεφαλῆς διὰ τοὺς ἀγγέλους. BeDuhn folgt Harnack, nimmt aber in seine Übersetzung noch den kanonischen Text des Anfangs von Vers 8 hinzu. Vers 10 wurde jüngst von H. Förster untersucht. 173 Als Interpolation wurde dieser Vers bereits verschiedentlich angesehen. 174 Betrachtet man sich die Ar‐ gumentation Tertullians, wird deutlich, dass er nur Vers 10 bezeugt. Er beginnt mit diesem Vers, schiebt dann aber einen Konditionalsatz ein (si quia ex viro et propter virum facta est, secundum institutionem creatoris …), der schon wegen des Hinweises auf Genesis zu seiner Gegenargumentation gehört. Insofern hat Schmid richtig gesehen, wenn er nur Vers 10 als bezeugt annimmt. Warum hätte sich Tertullian diese Argumentation für die Unterordnung der Frau entgehen lassen? Er hätte Markion und seiner Aufwertung der Frau eine Inkonsistenz vorhalten können. 11. (11,11-16) Alle Editoren sehen die Verse 11-16 als unbezeugt. Zahn sieht die Verse jedoch in irgendeiner unbestimmten Form präsent. 12. (11,11) Inhaltlich steht dieser Vers in Spannung mit dem kanonischen Vers 3, denn dort hat der Mann ja eine unmittelbare Beziehung zu Christus, der auch unabhängig von der Frau das Haupt des Mannes ist und nur vermittelt durch 416 Rekonstruktion <?page no="417"?> 175 M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 203. Auch Lk 1,2, die in *Ev fehlt, verweist folglich auf die kanonische Ebene. den Mann und dessen Hauptsein mit der Frau verbunden ist. Hier hingegen wird herausgestellt, dass weder die Frau ohne den Mann, noch der Mann ohne die Frau im Herrn sein können. Der Vers wird also sowohl sprachlich wie inhaltlich zur vorkanonischen Ebene gehört haben und vielleicht wegen dieser Gleichstellung von Tertullian und den anderen Zeugen übergangen worden sein. 13. (11,12) Dieser Vers schließt in der Argumentation gleich an den voran‐ stehenden an. Auch er steht in Spannung zu dem hierarchischen Modell der kanonischen Redaktion der Verse zuvor. Denn während dort die Frau als aus dem Mann stammend vorgestellt wird und sogar die Frau mit Blick auf den Mann hin definiert wird, wird hier zwar das erste wiederholt, jedoch auch vom Mann formuliert, dass dieser aufgrund bzw. durch die Frau existiert. Wiederum wird eine gegenseitige Abhängigkeit vorgestellt, der die kanonische Redaktion das patriarchalisch-hierarchische Modell vorangestellt hat. Auch dieser Vers wird folglich zur vorkanonischen Version gehören, vermutlich bis auf den letzten Passus τὰ δὲ πάντα ἐκ τοῦ θεοῦ, da derselbe Passus nochmals nur auf der kanonischen Ebene in 2Kor 5,18 zu finden ist, wie überhaupt der Ausdruck ἐκ τοῦ θεοῦ nur auf dieser Ebene sich findet. D. (11,1) μιμητής steht 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, man vgl. auch das verwandte μιμέομαι, das 11 / 4 Mal im NT steht, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Verbindung μιμηταί μου γίνεσθε kehrt wörtlich wieder auf der kanonischen Ebene in 1Kor 4,16, vgl. auch dort zu diesem Ausdruck. ♦ Zu καθὼς κἀγώ vgl. 1Kor 10,33. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers zeichnet sich durch kanonisch notierte Lexik aus (μιμηταί μου γίνεσθε; καθὼς κἀγώ). Er ist Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,2) ἐπαινέω steht 7 / 6 Mal im NT, nur ein einziges Mal in Lk (16,8) und hier in einem Vers, der in *Ev fehlt, sonst findet es sich nur noch bezeugt für Paulus auf der kanonischen Ebene (Lk 16,8; Röm 15,11; 1Kor 11,2. 17. 22). ♦ μιμνήσκω steht 27 / 23 Mal im NT und findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ παραδίδωμι steht 134 / 119 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5. Goulder verweist auf die Parallelität zwischen καθὼς παρέδωκα ὑμῖν und Lk 1,2 (καθὼς παρέδοσαν ἡμῖν). 175 ♦ παράδοσις steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt 2 (1Kor) 417 <?page no="418"?> für *Kol 2,8. ♦ κατέχω steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,42 und *Röm 1,18. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist ausschließlich für die kanonische Ebene belegte Elemente auf (ἐπαινέω; μιμνήσκω). Der Vers wird also auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Bemerkenswert ist die einzige vorkanonische Bezeugung von dem für diesen Zusammenhang wichtigen Begriff παράδοσις in *Kol, was die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik unterstreicht. (11,3) Zum nicht bezeugten Versanfang: Die Kombination θέλω δὲ ὑμᾶς steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 7,32. ♦ οἶδα steht 339 / 318 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Form εἰδέναι steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,4 und wohl auch *Laod 1,18. ♦ παντός (Gen. Mask. Sg.) steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zum bezeugten Mittelteil: ♦ ἀνήρ steht 227 / 216 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23, vgl. zu den Versen 4. 7. 8. 9. 12. 14. ♦ κεφαλή steht 79 / 74 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,27; *1Kor 11,3. 7. 10; *Laod 5,23; *Kol 2,19. ♦ Die Formulierung ὁ Χριστός ἐστιν begegnet nochmals in Kol 3,1. Zum nicht mehr bezeugten Schlussteil: γυνή steht 246 / 215 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,1; 7,2 (? ). 10; 11,5. 10; 14,34; *Laod 5,22. 23. 28, vgl. weiter die Verse 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 15. 16. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Auch dieser Vers ist ein gutes Beispiel für die Übereinstimmung zwischen Lexik und Textbezeugung. Der unbezeugte Anfangsteil verweist auf die kanonische Lexik, während der Mittelteil mit Ausnahme des nur 1 weiteres Mal bezeugten ὁ Χριστός ἐστιν an anderen Stellen vorkanonisch bezeugte Lexik aufweist. Der Schlussteil besteht aus Lexik, die zu allgemein und nicht zuzuordnen ist. (11,4) προσεύχομαι steht 104 / 86 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15, vgl. weiter unten Verse 5 und 13. ♦ προφητεύω steht 35 / 28 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,64; *1Kor 11,5; 14,1. 24. ♦ καταισχύνω steht 14 / 13 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,17; *1Kor 1,27. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers unbezeugt ist, spricht zunächst der narrative Zusammenhang für seine vorkanonische Präsenz. Diese wird gestützt von der Lexik. 418 Rekonstruktion <?page no="419"?> (11,5) πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.) steht 60 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten προσεύχομαι, vgl. den voran‐ stehenden Vers 4 und danach Vers 13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten προφητεύω vgl. im Vers zuvor. ♦ ἀκατακάλυπτος steht nur 2 Mal im NT, wenig später in 1Kor 11,13 auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten κεφαλή vgl. zu 11,3. ♦ καταισχύνω steht 14 / 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,17 und *1Kor 1,27. ♦ αὐτῆς, das 151 Mal im NT steht, findet sich überhaupt nur für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ Der Ausdruck ἓν γάρ ἐστιν steht nur hier. ♦ Auch καὶ τὸ αὐτό findet sich nur hier. ♦ ξυρέω ist außerhalb dieses und des nächsten Verses nur noch Apg 21,24 belegt. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13, vgl. weiter Vers 20. Zur Rekonstruktion: Der Text nimmt die Hinweise von Tertullians Zeugnis auf und berücksichtigt die Handschriftenvariante. Auch wenn keine textliche Sicherheit zu den unbezeugten Teilen zu gewinnen ist, könnte die seltene Lexik darauf hindeuten, dass der Versteil vorkanonisch stand. Dem widerspricht jedoch der Befund des eng mit diesem Teil zusammenhängenden Vers 6. (11,6) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ κατακαλύπτω ist ausschließlich für die beiden Verse 1Kor 11,6-7 belegt, im nächsten Vers vorkanonisch bezeugt. ♦ κείρω begegnet außerhalb des vorliegenden Verses nur noch in der Apos‐ telgeschichte (8,32; 18,18). ♦ Auch αἰσχρός, das 4 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (1Kor 11,6; 14,35; Eph 5,12; Tit 1,11). ♦ Die Form γυναικί steht 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ξυρέω wurde gerade zum voranstehenden Satz betrachtet. Zur Abwesenheit: Betrachtet man die Lexik dieses unbezeugten Versteils, häufen sich die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente (Verseröffnung εἰ γάρ; κείρω; αἰσχρός; γυναικί; ξυρέω). Der Vers wird folglich wie der zweite Versteil von Vers 5 auf die kanonische Ebene zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (11,7) Sowohl ἀνὴρ μὲν γάρ wie ἀνὴρ γάρ stehen als Kombination nur hier. ♦ ὀφείλω findet sich 42 / 35 Mal im NT, vorkanonisch nicht nur hier bezeugt, sondern gleich nochmals in Vers 10, auch *Ev 11,4; 16,5. 7. ♦ Zu κατακαλύπτω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten κεφαλή, vgl. zu 11,3. ♦ εἰκών steht 34 / 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,24; *1Kor 11,7; *2Kor 3,18; 4,4; *Kol 1,15. ♦ Die Kombinationen εἰκὼν καὶ δόξα und δόξα θεοῦ stehen nur hier. ♦ Auch von einer δόξα ἀνδρός ist nur hier die Rede. 2 (1Kor) 419 <?page no="420"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das auch durch die Lexik gestützt wird. Der unbezeugte Teil kann, wenn man sich die Lexik betrachtet, vorkanonisch gestanden sein, allein aus den in C. vorgetragenen Gründen scheint er jedoch vorkanonisch gefehlt zu haben. (11,8) Die Kombination οὐ γάρ ἐστιν steht 12 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,33; vgl. zu Röm 2,11. Zur Abwesenheit: Der unbezeugte Vers ist, wie Schmid richtig erkannt hat, für den vorkanonischen Text nicht gesichert. Da er lexikalisch keine Besonder‐ heiten aufweist, lässt sich aus diesem Befund nichts gewinnen. Da der Vers 8, wie in der Forschung gesehen wurde, eine Spannung, wenn nicht einen Widerspruch zu dem nachfolgenden Vers 12 darstellt, wird vermutlich dieser Vers 8 auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (11,9) Die Eröffnung καὶ γὰρ οὐκ begegnet nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 2Kor 3,10. ♦ κτίζω steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur in *Laod 2,10. 15; 2,9. ♦ Die Form ἐκτίσθη steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, in Kol 1,16. ♦ Die Verbindung von κτίζω + διά findet sich nur in Apk 4,11, ansonsten steht das Verb meistens mit εἰς oder ἐν im NT. Zur Abwesenheit: Aufgrund der fehlenden Bezeugung und des lexikalischen Befundes, auch unter Berücksichtigung der Argumentation von C. wird man diesen Vers der kanonischen Redaktion zuschreiben. Er wird vorkanonisch gefehlt haben. (11,10) διὰ τοῦτο steht 59 Mal im NT und ist vorkanonisch nur in dem Deuteropau‐ linum *2Thess 2,11 bezeugt, vgl. zu Vers 30. ♦ τοῦτο steht 313 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,50. 53; *2Thess 2,11; *Laod 5,32, vgl. weiter unten die Verse 17. 24. 25. 26. 30. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ὀφείλω, vgl. zuvor 11,7. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten ἐξουσία, vgl. zuvor 9,18. ♦ ἄγγελος steht 186 / 176 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Zwar könnte die unbezeugte Eröffnung gestanden sein, weil wir einen vorkanonischen Beleg besitzen, doch es ist eher wahrscheinlich, dass *2Thess hier wieder den kanonischen Sprachgebrauch spiegelt. (11,11) Gleich die erste Konjunktion πλήν fällt als erstaunlich gut bezeugte für *Ev auf (6,24; 11,11. 41; 12,31; 17,1; 22,21; 23,28), und von den 32 Mal, an denen sie im NT begegnet, steht sie 15 Mal in Lk (zu den Belegen von *Ev noch 13,31; 19,27), ansonsten nur 5 Mal in Mt, 1 Mal in Mk, 1 Mal in Joh, 4 Mal in Apg, während sie auch in *Phil 420 Rekonstruktion <?page no="421"?> 1,18 zu finden ist, und ansonsten nur mehr in Eph 5,33; Phil 3,16; 4,14 und Apk 2,25 steht. ♦ οὔτε steht 106 / 87 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,6. ♦ Die Kombination πλὴν οὔτε steht nur hier im NT. ♦ χωρίς steht 43 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,12. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zur Rekonstruktion: Der Vers ist zwar unbezeugt, aber wie in C. dargelegt und wie die Lexik stützt, scheint er vorkanonisch vorhanden gewesen zu sein. (11,12) ὥσπερ, das 43 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21. ♦ Die Satzeröffnung ὥσπερ γάρ, die 13 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τὰ δὲ πάντα ἐκ τοῦ θεοῦ steht wörtlich nochmals auf der kanonischen Ebene in 2Kor 5,18, wie überhaupt der Ausdruck ἐκ τοῦ θεοῦ nur auf dieser Ebene sich findet (1Kor 2,12; 2Kor 3,5; 5,18; Röm 1,29). Zur Rekonstruktion: Wie in C. dargelegt und durch die Lexik hier gestützt wird, scheint dieser vorkanonisch unbezeugte Vers bereits vorkanonisch vorhanden gewesen zu sein. (11,13) Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ κρίνω als positiver Ausdruck gehört, wie oben bereits beobachtet, zur kanonischen Ebene, vgl. zu 6,6. ♦ Die Aufforderung κρίνατε steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ebenfalls findet sich πρέπω, das 8 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten προσεύχομαι vgl. zuvor zu den Versen 4 und 5. Zur Abwesenheit: Im Unterschied zu den voranstehenden zwei Versen, weist dieser vorkanonisch unbezeugte Vers einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐν ὑμῖν; κρίνω positiv gewertet; κρίνατε; πρέπω). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,14) οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ φύσις steht 16 Mal im NT und ist erstaunlicherweise auf die Briefe begrenzt, für die vorkanonische Fassung bezeugt für *Gal 4,8; *Röm 2,14; *Laod 2,3. ♦ αὐτή (Nom. Fem. Sg.) steht 11 Mal im NT und findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ φύσις steht 16 / 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8; *Röm 2,14; *Laod 2,3. ♦ Die Kombination ἡ φύσις αὐτή steht nur hier. ♦ διδάσκω steht 102 Mal im NT und ist für die vorkanonische Ebene bezeugt (*Ev und *Gal 1,12; 2 (1Kor) 421 <?page no="422"?> *Röm 2,21? ). ♦ Die Kombination διδάσκει ὑμᾶς begegnet nochmals in 1Joh 2,27. ♦ Die Kombination μὲν ἐάν steht nur hier. ♦ κομάω steht 20 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀτιμία steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ἀτιμία erinnert an ἄτιμοι von 1Kor 4,10 (was im ἄτιμος von Mt 13,57 und Mk 6,4 wieder auf der kanonischen Ebene begegnet, auch in der Steigerung 1Kor 12,23). Ebenfalls ausschließlich auf dieser Ebene findet sich das Verb ἀτιμάζειν und das Verb ἀτιμόω. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers mehren sich die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente (διδάσκει ὑμᾶς; κομάω; ἀτιμία). Der Vers wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (11,15) Die Wendung δὲ ἐάν steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,16. ♦ κομάω als ausschließlich kanonisch belegtes Verb wurde im voranstehenden Vers notiert. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ αὐτῇ (Dat. Fem. Sg.) steht das 101 Mal im NT, vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev. ♦ κόμη ist Hapax legomenon. ♦ περιβόλαιον findet sich nur noch ein Mal in Hebr 1,12. ♦ Die Form δέδοται steht 7 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt (Mt 13,11; 19,11; Mk 4,11; Lk 4,6, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,10). Zur Abwesenheit: Auch bei diesem unbezeugten Vers spricht die Lexik mit den ausschließlich kanonisch belegten Elementen (κομάω; περιβόλαιον) eher für die Zugehörigkeit zur kanonischen Ebene, so dass der Vers vorkanonisch gefehlt haben dürfte. (11,16) Die Eröffnung εἰ δέ τις steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 3,12. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ δοκέω steht 100 / 63 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9. ♦ φιλόνικος ist Hapax legomenon im NT, das Nomen hierzu φιλονεικία findet sich ebenfalls nur ein Mal im NT, in Lk 22,24, einem Vers, der für die vorkanonische Fassung nicht dem Wortlaut nach bezeugt ist. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6, vgl. weiter Vers 19. ♦ τοιοῦτος steht 62 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48. Die Form τοιαύτην steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ συνήθεια wurde bereits für die kanonische Fassung notiert. ♦ Zu οὐδέ vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ Die Wendung αἱ ἐκκλησίαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 16,4. 16, in Versen, die in *Röm fehlen; 1Kor 11,16; 16,19; Apk 2,23). 422 Rekonstruktion <?page no="423"?> Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist wieder Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰ δέ τις; τοιαύτην; συνήθεια; αἱ ἐκκλησίαι). Auch er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 11,[18] 19 [20-22] 23-25 [26-27] 28 29 [30-34]: Über Parteiungen und Bewährung Die in diesem Abschnitt behandelten zwei Themen von Parteiungen und Bewährung, schließen an das der Differenzierung zwischen Mann und Frau, die voransteht, an. Auch hier geht es um Unterscheidungen, aber noch mehr um den Aufruf dazu, selbstkritisch darüber zu reflektieren und sich zu prüfen, um solche Differenzen als Bewährung für sich zu begreifen. Die kanonische Redaktion hat zum Teil erheblich nicht nur in den beste‐ henden vorkanonischen Text eingegriffen, sondern auch die inhaltliche Aus‐ richtung verändert. Zum einen wurde der Text wiederum stark auf Paulus hin personalisiert, der bereits vorkanonisch vorhandene patriarchale, die Frau hierarchisch herabsetzende Ansatz wurde deutlich verschärft. Im zweiten Teil wurde das Thema der Differenzierung gemeindeorientiert verdeutlicht und ausgeweitet und auf die rituelle Mahlgemeinschaft der Gemeinde hin zugespitzt. - 17 Τοῦτο δὲ παραγγέλλων οὐκ ἐπαινῶ ὅτι οὐκ εἰς τὸ κρεῖσσον ἀλλὰ εἰς τὸ ἧσσον συνέρχεσθε. 18 πρῶτον μὲν γὰρ συνερχομένων ὑμῶν ἐν ἐκκλησίᾳ ἀκούω σχίσματα ἐν ὑμῖν ὑπάρχειν, καὶ μέρος τι πιστεύω. 19 δεῖ γὰρ αἱρέσεις εἶναι, ἵνα οἱ δόκιμοι φανεροὶ γένωνται. 19 δεῖ γὰρ καὶ αἱρέσεις ἐν ὑμῖν εἶναι, ἵνα καὶ οἱ δόκιμοι φανεροὶ γένωνται ἐν ὑμῖν. - 20 Συνερχομένων οὖν ὑμῶν ἐπὶ τὸ αὐτὸ οὐκ ἔστιν κυριακὸν δεῖπνον φαγεῖν, 21 ἕκαστος γὰρ τὸ ἴδιον δεῖπνον προλαμβάνει ἐν τῷ φαγεῖν, καὶ ὃς μὲν πεινᾷ, ὃς δὲ μεθύει. 22 μὴ γὰρ οἰκίας οὐκ ἔχετε εἰς τὸ ἐσθίειν καὶ πίνειν; ἢ τῆς ἐκκλησίας τοῦ θεοῦ καταφρονεῖτε, καὶ καταισχύνετε τοὺς μὴ ἔχοντας; τί εἴπω ὑμῖν; ἐπαινέσω ὑμᾶς; ἐν τούτῳ οὐκ ἐπαινῶ. 23 Ἐγὼ γὰρ ἔλαβον ἀπὸ θεοῦ ὅτι ὁ κύριος Ἰησοῦς ἐν τῇ νυκτὶ ἧ παρεδίδετο δεξάμενος ποτήριον εὐχαριστήσας λέγων· Λάβετε τοῦτο καὶ διαμερίσατε 23 Ἐγὼ γὰρ παρέλαβον ἀπὸ τοῦ κυρίου, ὃ καὶ παρέδωκα ὑμῖν, ὅτι ὁ κύριος Ἰησοῦς ἐν τῇ νυκτὶ ἧ παρεδίδετο ἔλαβεν ἄρτον 24 καὶ εὐχαριστήσας ἔκλασεν καὶ εἶπεν, 2 (1Kor) 423 <?page no="424"?> εἰς ἑαυτούς· 24 καὶ λαβὼν τὸν ἄρτον εὐχαριστήσας ἔδωκεν τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ 25 λέγων, Τοῦτό ἐστιν τὸ σῶμά μου. - Τοῦτό μού ἐστιν τὸ σῶμα τὸ ὑπὲρ ὑμῶν· τοῦτο ποιεῖτε εἰς τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν. 25 ὡσαύτως καὶ τὸ ποτήριον μετὰ τὸ δειπνῆσαι, λέγων, Τοῦτο τὸ ποτήριον ἡ καινὴ διαθήκη ἐστὶν ἐν τῷ ἐμῷ αἵματι· τοῦτο ποιεῖτε, ὁσάκις ἐὰν πίνητε, εἰς τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν. - 26 ὁσάκις γὰρ ἐὰν ἐσθίητε τὸν ἄρτον τοῦτον καὶ τὸ ποτήριον πίνητε, τὸν θάνατον τοῦ κυρίου καταγγέλλετε, ἄχρις οὗ ἔλθῃ. 27 Ὥστε ὃς ἂν ἐσθίῃ τὸν ἄρτον ἢ πίνῃ τὸ ποτήριον τοῦ κυρίου ἀναξίως, ἔνοχος ἔσται τοῦ σώματος καὶ τοῦ αἵματος τοῦ κυρίου. 28 δοκιμαζέτω δὲ ἄνθρωπος ἑαυτόν, καὶ οὕτως ἐκ τοῦ ἄρτου ἐσθιέτω· καὶ ἐκ τοῦ ποτηρίου πινέτω 28 δοκιμαζέτω δὲ ἄνθρωπος ἑαυτόν, καὶ οὕτως ἐκ τοῦ ἄρτου ἐσθιέτω καὶ ἐκ τοῦ ποτηρίου πινέτω· 29 κρίμα ἑαυτῷ. 29 ὁ γὰρ ἐσθίων καὶ πίνων κρίμα ἑαυτῷ ἐσθίει καὶ πίνει μὴ διακρίνων τὸ σῶμα τοῦ κυρίου. - 30 διὰ τοῦτο ἐν ὑμῖν πολλοὶ ἀσθενεῖς καὶ ἄρρωστοι καὶ κοιμῶνται ἱκανοί. 31 εἰ γὰρ ἑαυτοὺς διεκρίνομεν, οὐκ ἂν ἐκρινόμεθα· 32 κρινόμενοι δὲ ὑπὸ τοῦ κυρίου παιδευόμεθα, ἵνα μὴ σὺν τῷ κόσμῳ κατακριθῶμεν. 33 ὥστε, ἀδελφοί μου, συνερχόμενοι εἰς τὸ φαγεῖν ἀλλήλους ἐκδέχεσθε. 34 εἴ τις πεινᾷ, ἐν οἴκῳ ἐσθιέτω, ἵνα μὴ εἰς κρίμα συνέρχησθε. Τὰ δὲ λοιπὰ ὡς ἂν ἔλθω διατάξομαι. A. *11,19: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,3: Saepe iam ostendimus haereses apud apostolum inter mala ut malum poni, et eos probabiles intellegendos qui haereses ut malum fugiant. ♦ *11,23-24: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,3: Proinde panis et calicis sacramento iam in evangelio probavimus corporis et sanguinis dominici veritatem adversus phantasma Marcionis; Tert. Adv. Marc. IV 40,3: Professus itaque se concupiscentia concupisse edere pascha ut suum (indignum enim ut quid alienum concupisceret deus), acceptum panem et distributum discipulis corpus suum illum fecit, Hoc est corpus meum dicendo, id est figura corporis mei. Vgl. *Ev 22,14-18 (siehe weiter unten in C.). ♦ *11,28-29: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,3: Sed et omnem iudicii mentionem creatori competere, ut deo iudici, toto paene opere tractatum est. 424 Rekonstruktion <?page no="425"?> 176 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 141. 177 Ibid. 167. B. (11,19) Post δεῖ om γάρ in CypTes, Spec var . ♦ Post αἱρέσεις om ἐν ὑμῖν 1 in 06*, 010, 012, lat, Or lat , Cyp, Aug, Ambst, Pel und in der altlateinischen Tradition in 61, 76, 77, CypTes. Zuntz hält ἐν ὑμῖν für ursprünglich. 176 ♦ Post ἵνα om καί in 01, 02, 04, 06 1 , 010, 012, 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 1241, 1505, 2464, M, b, vg mss , sy, bo, Or, CypTes ed , Ambst ad , Spec var und in der altlateinischen Tradition in 51, 77, 78, 88, 89; add in P 46 , 03, 06*, 33, 630, 1175, 1739, 1881, vg, sa bo mss . ♦ ἐν ὑμῖν 2 om in P 46 , 04, 2464, während man in der altlateinischen Tradition in nobis liest CypTes var ; in uos in CypTes var und inter uos in 75, 76, 89, Ambst heißt. ♦ (11,23) Anstelle von ἀπὸ θεοῦ in 010, 012, 365? (+ του), d* liest man in den meisten Zeugen ἀπὸ τοῦ κυρίου, doch findet sich in 06, lat, Ambst: παρὰ κυρίου. ♦ Ante ἄρτον add τόν in 06*, 010, 012. ♦ (11,24) Die Wortstellung ἐστιν μου findet sich in P 46 . ♦ (11,27) Post ἄρτον fügen eine Reihe von Zeugen in Parallele zu dem voranstehenden Vers ein τοῦτον ein, 016 vid , 018, 020, 025, 81, 104, 365, 630, 1241, 1739 mg , 1881, M, ar vg cl , bo, Ambst, om in P 46 , 01, 02, 03, 04, 06, 010, 012, 044, 33, 1175, 1505, 1739 txt , 2464, lat, sy h , sa, Cl. ♦ Post πίνων add αναξίως in 012, 033, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 81, (104), 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, 2646, M, latt, sy; om in P 46 , 01*, 02, 03, 04*, 6, 33, 1739, co. Zuntz hält dies für eine eingedrungene Glosse. 177 ♦ Die Hinzufügung von τοῦ κυρίου findet sich in den Zeugen 01 2 , 04 3 , 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881 c , 2464, M, it, vg cl , sy, Ambst, Pel var , Spec var (+ Christi), ebenso in der altlateinischen Tradition in 51, 54, 58, 61, 75, 76, 77, 78, 88, 89, 262, om in P 46 , 01*, 02, 03, 04*, 6, 33, 1739, 1881*, vg st , co, Pel. ♦ (11,31) Die Variante εἰ γάρ findet sich in 01 2 , 04, 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, sy; während sich δέ findet in P 46 , 01*, 02, 03, 06, 010, 012, 33, 1739, Cl (so auch NA 28 ). ♦ (11,32) τοῦ om P 46 , 02, 06, 010, 012, 018, 025, 044, 81, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M; add 01, 03, 04, 33, 104, 1175. C. 1. (11,17-18) Zahn, Harnack und Schmid sehen die Verse 17-18 als unbezeugt. Zahn sieht die Verse jedoch in irgendeiner unbestimmten Form präsent, jedoch Hilgenfeld meint, Tertullian bezeuge Vers 18, und BeDuhn rechnet möglicher‐ weise mit der Präsenz der Verse 17-18, um einen narrativen Kontext für den bezeugten Vers 19 zu besitzen. Doch ist es eher denkbar, dass Vers 19 die Einleitung für das Nachfolgende darstellt. 2. Aufgefallen ist bereits die unterschiedliche Situationsbeschreibung in 1Kor 11,17-22, die sich von der in 1,10-12 unterscheidet, vorausgesetzt, man geht 2 (1Kor) 425 <?page no="426"?> 178 L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 212-123. 179 Vgl. die Einleitung, I, S.-568-572. 180 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 509. 181 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 89*. davon aus, dass es sich um dasselbe Phänomen handelt. Es wird argumentiert, dass nach der vorliegenden Stelle Paulus erst von Spaltungen gehört und diese Information zum Teil geglaubt hat (1Kor 11,18), während Paulus nach der früheren Stelle sich sehr gut über die Spaltungen informiert zeigt. 178 Wie man auch immer diese Kritik bewerten möchte, die mögliche Spannung mag auf eine, wie auch sonst bereits festgestellt, nicht immer konsistente kanonische Redaktion zurückzuführen sein. 179 3. (11,19) Hilgenfeld findet diesen Vers bei Tertullian bezeugt. Zahn sieht ihn wie die weiteren Verse bis 34 ebenfalls bezeugt, wenn auch „im einzelnen ungewiß“. 180 Harnack sieht in Tertullian eine Anspielung auf αἱρέσεις … δόκιμοι. Auch Schmid sieht Anspielungen auf diesen Vers, gibt jedoch keinen präzisen Text an, und BeDuhn folgt Harnack, gibt jedoch in Klammern den fehlenden kanonischen Text in Übersetzung, dem er noch aus Vers 18 die Übersetzung von ἀκούω σχίσματα ἐν ὑμῖν ὑπάρχειν hinzusetzt. 4. Das in einigen Zeugen fehlende γάρ scheint eine kanonisch-redaktionelle Auslassung darzustellen. 5. (11,20-22) Die Bezeugung für diese Verse wird unterschiedlich gedeutet, wobei eine gewisse Unsicherheit von allen Editoren zugestanden wird. Für Zahn gilt, was zum voranstehenden Vers gesagt wurde, Harnack sieht die Verse präsent aufgrund der Anspielung bei Tertullian „auf das Abendmahl als Leib und Blut Christi“. 181 Schmid sieht nur eine Anspielung auf Vers 23, dem sich BeDuhn anschließt, auch wenn er in seiner Übersetzung in Klammern die Verse 20 und 21 ganz nach dem kanonischen Text übersetzt, und für Vers 22 seiner Übersetzung der folgende Text zugrundeliegt: … τῆς ἐκκλησίας τοῦ θεοῦ καταφρονεῖτε, καὶ καταισχύνετε τοὺς μὴ ἔχοντας …; ἐν τούτῳ οὐκ ἐπαινῶ, mit den Auslassungszeichen deutet er allerdings an, dass er mit weiterem, nicht mehr bestimmbarem Text rechnet. Tatsächlich bezieht sich Tertullians Bezeugung, wie Schmid richtig sieht, erst auf Vers 23. Erneut muss also die Lexik die Entscheidung stützen, auf welcher Ebene die Verse anzusiedeln sind. 6. (11,23-24) Zahn sieht auch diese Verse präsent, auch wenn der Wortlaut ungewiss sei. Harnack erkennt die Anspielung in Tertullian „auf das Abendmahl als Leib und Blut Christi“. Ihm schließt sich Schmid an, und BeDuhn verweist korrekt darauf, dass Tertullian sogar noch darauf hindeute, dass er über den 426 Rekonstruktion <?page no="427"?> 182 Dies bemerkte auch J. Heilmann, „Kanonischer Text und historischer Paulus“ (2024), 881-882. Text hinweggehen kann, da er sich zu ihm bereits bei der Behandlung des Markionvangeliums geäußert habe. In seiner Übersetzung legt BeDuhn den kanonischen Text zugrunde, klammert aber fast alles ein bis auf die Begriffe ὁ κύριος und ἄρτον. Der einzige Hinweis auf diese Stelle stammt von Tertullian. Folglich muss eine Rekonstruktion bei seiner Bemerkung ansetzen, dass er diese Stelle hier als präsent voraussetzt und meint, er müsse sie nicht nochmals kommentieren, weil er sie bereits behandelt habe. Wäre die Textgestalt der Vorlage wesentlich verschieden gewesen, wäre Tertullian an dieser Stelle wohl auch auf den neuen Text eingegangen. Das ist jedoch nicht der Fall. Allerdings stellt sich zunächst die Frage der Einleitung. Die Bezugnahme auf Becher und Brot (und, wie Tertullian zunächst nahelegt, in umgekehrter Reihenfolge) ist in ein Argument eingebunden: „19 Es muss Parteiungen geben, damit die Bewährten offenkundig werden … 28 Ein Mensch soll sich selbst prüfen und dann soll er aus dem Kelch trinken und von dem Brot essen 29 als Urteil über sich.“ Wegen dieses rahmenden Arguments kann der Text dazwischen nicht allzu ausführlich gewesen sein, um das Argument nicht zu zerstören. Es wird darum weder die unbezeugte narrative Einleitung von 1Kor 11,23 gestanden sein, noch diejenige, die man in *Ev 22,14-18 liest: 14 Καὶ ὅτε ἐγένετο ἡ ὥρα, ἀνέπεσεν καὶ οἱ (δώδεκα) ἀπόστολοι σὺν αὐτῷ. 15 καὶ εἶπεν πρὸς αὐτούς, Ἐπιθυμίᾳ ἐπεθύμησα τὸ πάσχα ϕαγεῖν μεθ’ ὑμῶν πρὸ τοῦ με παθεῖν· 17 καὶ δεξάμενος ποτήριον εὐχαριστήσας εἶπεν, Λάβετε τοῦτο καὶ διαμερίσατε εἰς ἑαυτούς· 18 λέγω γὰρ ὑμῖν ὅτι οὐ μὴ πίω ἀπὸ τοῦ νῦν ἀπὸ τοῦ γενήματος τῆς ἀμπέλου ἕως οὗ ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ ἔλθῃ. Gleichwohl bedürfen die Verse einer Einleitung. Einen wichtigen Aufschluss gibt die Variante, die in Vers 23 begegnet, wo es in den einschlägigen Handschriftenzeugen ἀπὸ θεοῦ anstelle von ἀπὸ τοῦ κυρίου heißt. 182 Außerdem erinnert die Wendung παρέλαβον … ὃ καὶ παρέδωκα ὑμῖν an den kanonischen Wortlaut von 1Kor 15,3: Παρέδωκα γὰρ ὑμῖν ἐν πρώτοις, ὃ καὶ παρέλαβον. Nachdem dieser Versteil vorkanonisch gefehlt hat, wird auch hier das unbezeugte ὃ καὶ παρέδωκα ὑμῖν vorkanonisch nicht gestanden sein. Die nächste Frage ist die der Reihenfolge von Brot und Becher. Tertullian legt, wie angedeutet, die Reihenfolge des kanonischen Paulus nahe (panis et calicis sacramento). Da er jedoch nicht auf den vorkanonischen Text eingeht, kann er durchaus die Reihenfolge des kanonischen Evangeliums wiedergeben. Aufgrund des Tertullianverweises auf seinen *Ev-Kommentar, ist es sinnvoll, 2 (1Kor) 427 <?page no="428"?> die Passage so nah als möglich *Ev 22,17-19 folgen zu lassen. Doch steht einer reinen Übernahme manche Besonderheit entgegen. Klinghardt rekonstruiert die Eucharistiepassage wie folgt: 22,14 Καὶ ὅτε ἐγένετο ἡ ὥρα, ἀνέπεσεν καὶ οἱ (δώδεκα) ἀπόστολοι σὺν αὐτῷ. 15 καὶ εἶπεν πρὸς αὐτούς, Ἐπιθυμίᾳ ἐπεθύμησα τὸ πάσχα ϕαγεῖν μεθ’ ὑμῶν πρὸ τοῦ με παθεῖν· 17 καὶ δεξάμενος ποτήριον εὐχαριστήσας εἶπεν, Λάβετε τοῦτο καὶ διαμερίσατε εἰς ἑαυτούς· 18 λέγω γὰρ ὑμῖν ὅτι οὐ μὴ πίω ἀπὸ τοῦ νῦν ἀπὸ τοῦ γενήματος τῆς ἀμπέλου ἕως οὗ ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ ἔλθῃ. 19 καὶ λαβὼν ἄρτον εὐχαριστήσας ἔδωκεν τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ λέγων, Τοῦτό ἐστιν τὸ σῶμά μου. Wie das bereits Ausgeführte, das durch die Lexik in C. gestützt wird, erläutert, ist mit der obigen leicht geänderten Eröffnung zu rechnen. Der Passus mit Kelch und Brot schließt vorkanonisch an die Aussage an, dass Parteiungen existierten, weil „die Bewährten“ gerade beim gemeinsamen Mahl sich offen‐ baren werden, wie Jesus angesichts seines Verrates sich beim Kelch und Brot offenbarte. So soll sich prüfen, wer den Kelch trinkt und von dem Brot isst. Wegen der argumentativen Einbindung wird - wie auch im kanonischen 1Kor - der Bezug zu Kelch und Brot ohne den ausführlichen narrativen Rahmen anzunehmen sein, der in *Ev 22,14-17a und in *Ev 22,21ff. gegeben ist. Da die Verse *Ev 22,17b-18 jedoch nicht vorkanonisch bezeugt sind, lässt sich über deren Vorhandensein und sprachliche Gestalt nichts Sicheres aussagen, außer, dass wohl auch im vorkanonischen *1Kor, wie von Klinghardt aus der weiteren Überlieferungsgeschichte richtig geschlossen, zunächst mit dem Kelch und dann erst mit dem Brot zu rechnen ist. Da εἶπεν nur kanonisch steht, wird man die Form λέγων bevorzugen. In Vers 25 wird vor ἄρτον der Artikel gestanden sein, wie er in den einschlägigen Handschriften bezeugt ist. 7. (11,26-28) Nach Zahn, Harnack und Schmid spiele Tertullian auf die Verse 26-28 an. Im Gegensatz dazu jedoch hält BeDuhn fest, dass diese Verse nicht direkt bezeugt sind, folglich gibt er für sie auch keine Übersetzung, auch nicht in Klammern, sondern fügt lediglich drei Auslassungspunkte an, die auf möglichen Text hindeuten. Doch auch hier hilft wiederum die Lexik. 8. (11,29) Nach allen Editoren ist der Vers aufgrund des Stichworts „Gericht“ bezeugt, auch wenn nur BeDuhn außer diesem Begriff auch in seine Übersetzung noch den kanonischen Text davor und danach aus diesem Vers in Klammern mitführt. Allerdings begegnet am Ende διακρίνω, was bereits zuvor kanonischer Sprache zugehörig erkannt wurde, vgl. die Ausführungen zu *1Kor 6,5. Es legt sich also nahe, dass der Vers hier kanonisch überformt vorliegt. 9. Zuntz hat Recht, wenn er das in einigen (auch einschlägigen) Zeugen vorhandene ἀναξίως für eine eingedrungene Glosse hält. Sie stammt aus dem 428 Rekonstruktion <?page no="429"?> kanonischen Kontext der Verse zuvor, insbesondere aus Vers 27, doch verkehrt Zuntz die Interpretation des κρίμα und gibt ihm den Sinn, den Tertullian nutzt für seine Argumentation gegen Markion. Tertullian hält Markion vor, auch sein *Paulus spreche von einem Gericht. Diesen Sinn erhält der Text allerdings erst auf der kanonischen Ebene. Auf der vorkanonischen hingegen setzt der Vers das seit Vers 19 eingeführte Thema der Differenzierung fort, die zum Vorschein der Bewährten führe. Für diese Bewährung wird als Beispiel auf die Worte Jesu verwiesen, der sich ebenfalls einer solchen Prüfung und Bewährung unterziehen musste, als er ausgeliefert wurde und gar von Leib und Blut, also von seinem bevorstehenden Tod sprach. Folglich soll sich auch jeder, der sich selbst dem Martyrium übergeben will, zuvor prüfen, weil das Martyrium eine Entscheidung ist. Erneut wird erkennbar, dass die kanonische Redaktion diese für Markion und seine Nachfolger bekannte Martyriumsbereitschaft in eine völlig andere Richtung wendet. 10. (11,29) Nach Zahn, Harnack und Schmid gehört dieser Vers zu denen, auf die Tertullian anspielt, doch BeDuhn meint zu Recht, dass dieser Vers unbezeugt ist. 11. (11,30) Hilgenfeld hält diesen Vers für unbezeugt, Zahn hingegen sieht ihn als bezeugt, auch wenn er den Wortlaut nicht bestimmen kann. Harnack und Schmid folgen ihm. BeDuhn sieht den Text als unbezeugt und gibt keine Übersetzung desselben. 12. (11,31-32) Wiederum nehmen alle Editoren an, dass Tertullian auf diese beiden Verse angespielt hat (für Hilgenfeld gilt dies nur für Vers 32). Hilgenfeld ist m. E. zuzustimmen, denn Tertullian spricht von omnem iudicii mentionem, er muss also mehrfach von Gericht und Richten gelesen haben, auch wenn sich der Wortlaut nicht mehr sichern lässt. 13. (11,33-34) Während Zahn und Harnack die Verse 33 und 34 von Tertullian angedeutet finden, Schmid zumindest den Vers 33, notiert BeDuhn zu Recht, dass diese Verse unbezeugt sind. Dass sie auch in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben, deutet die direkte Anrede in Verbindung mit συνέρχομαι an. Gestützt wird diese Beobachtung durch die weitere Lexik. D. (11,17) Zur ausschließlich kanonischen Kombination τοῦτο δέ vgl. weiter oben zu 2Kor 9,6. ♦ παραγγέλλω steht 33 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,11; *2Thess 3,10. ♦ ἐπαινέω steht 7 / 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Steigerungsform κρείσσων oder κρείττων, die 23 im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἀλλὰ εἰς steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 7,19; Joh 12,44; 1Kor 11,17; 1Thess 2 (1Kor) 429 <?page no="430"?> 5,9; Hebr 9,24). ♦ Das Diminutiv ἥσσων steht nur noch 2Kor 12,15. ♦ συνέρχομαι, das 34 / 30 Mal im NT steht, findet sich immer nur auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter zu den Versen 18. 20. 33. 34. Zur Abwesenheit: Deutlicher als im Vers zuvor weist dieser vorkanonisch unbezeugte Vers hier eine Lexik mit Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τοῦτο δέ; ἐπαινέω; κρείσσων; ἀλλὰ εἰς; ἥσσων; συνέρχομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (11,18) πρώτον / πρῶτος steht 70 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3. ♦ Die Kombination πρῶτον μέν steht 5 Mal im NT (Verseröffnung: Röm 1,8; 1Kor 11,18; im Vers: Röm 3,2; Hebr 7,2; Jak 3,17), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum ausschließlich kanonisch stehenden συνέρχομαι vgl. zuvor zu Vers 17 und weiter 20. 33. 34. ♦ σχίσμα, das 9 / 8 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ ὑπάρχω steht 66 / 60 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7; *Phil 2,6. ♦ μέρος steht 45 Mal im NT steht, vorkanonische bezeugt für *Ev und *Kol 2,16. ♦ πιστεύω steht 265 / 243 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πρῶτον μέν; συνέρχομαι; σχίσμα; ἐν ὑμῖν). Der Vers dürfte auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (11,19) Die Eröffnungsformulierung δεῖ γὰρ ist belegt, wenn auch nicht bezeugt, in *Ev 21,9, findet sich bezeugt aber in *1Kor 15,25. 53. ♦ Die Kombination γὰρ καί steht 7 Mal im NT (Apg 17,28; Röm 13,6; 1Kor 11,19; 2Kor 2,9; 10,14; Kol 2,5; 1Petr 4,6), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die hier unbezeugte Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ Zum Infinitiv εἶναι vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ δόκιμος findet sich 7 Mal im NT und hat wohl auch in *2Kor 10,18 gestanden (allerdings nur Adamantiuszeugnis). ♦ φανερός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,17; *Gal 5,19; *Röm 2,28. Das verwandte φανερόω steht 54 / 49 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. Zur Rekonstruktion: Leider sind nur zwei Begriffe dieses Verses durch Tertullian bezeugt. Nachdem die weiteren Begriffe vorkanonisch bezeugt sind, können sie für den Text angenommen werden, auch wenn die Unsicherheit über den 430 Rekonstruktion <?page no="431"?> Wortlaut des Verses besteht. Allerdings hilft der lexikalische Vergleich. Da die Verseröffnung δεῖ γάρ weiter vorkanonisch bezeugt ist, dürfte dies die zu wählende Form sein. Dafür spricht auch, dass die Kombination γὰρ καί nur kanonisch zu finden ist. (11,20) συνέρχομαι ist ein kanonischer Begriff, vgl. dazu zuvor die Verse 17. 18 und nachfolgend 33. 34. ♦ Zu αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 5. ♦ Die Kombination οὖν ὑμῶν steht noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in Röm 14,16. ♦ Der Ausdruck ἐπὶ τὸ αὐτό steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 7,5. ♦ κυριακός begegnet nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene, Apk 1,10. ♦ δεῖπνον, das 16 Mal im NT steht, findet sich zwar bezeugt für die vorkanonische Fassung (*Ev 14,12. 16. 17. 24; vielleicht auch 20,46), jedoch nicht im Zusammenhang mit dem letzten Mahl oder dem Herrenmahl, anders als auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,2; 21,20; vgl. auch das Mahl für den Herrn bei Maria, Martha und Lazarus, Joh 12,2; Apk 19,9. 17). Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente (συνέρχομαι; οὖν ὑμῶν; ἐπὶ τὸ αὐτό; κυριακός) und kanonische Semantik (δεῖπνον). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,21) Zum vorkanonisch bezeugten ἕκαστος vgl. zuvor zu 4,5. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, etwa Lk 2,3; 10,34, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15 ♦ Die Kombination ἕκαστος γὰρ τὸ ἴδιον allerdings steht nur noch ein Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Gal 6,5). ♦ πεινάω, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,21. 25, vgl. weiters Vers 34 auf derselben kanonischen Ebene. ♦ μεθύω steht 5 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Mt 24,49; Apg 2,15; 1Kor 11,21; 1Thess 5,7; Apk 17,6). Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers spricht die Lexik mit den nur kanonisch belegten Elementen (ἕκαστος γὰρ τὸ ἴδιον; μεθύω) dafür, dass er ein Produkt der kannonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. (11,22) μὴ γάρ steht 4 Mal im NT, 3 Mal als Satzeröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 7,41; und als Satzeröffnung: 1Kor 11,22; Jak 1,7; 1Petr 4,15). ♦ οἰκία, das 104 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,5. ♦ Der Ausdruck οὐκ ἔχετε steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 6,1; 16,18; Mk 8,17; Joh 5,38. 42; 6,53; 1Kor 11,22; Jak 4,2). ♦ ἐσθίω steht 196 / 158 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. ♦ πίνω, das sich 114 / 73 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4. 7; 2 (1Kor) 431 <?page no="432"?> Röm 14,21, vgl. weiter die Verse 1Kor 11,25-29. ♦ Zum Ausdruck ἐσθίειν καὶ πίνειν vgl. Lk 12,45 (unbezeugt für *Ev): ἐσθίειν τε καὶ πίνειν. ♦ Der Ausdruck ἐκκλησία τοῦ θεοῦ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. Gal 1,13. ♦ καταφρονέω begegnet 10 / 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 19,9. ♦ Die Aoristform εἴπω steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπαινέω, das 7 / 6 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, verweist zurück auf Vers 17 der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (μὴ γάρ; οὐκ ἔχετε; ἐσθίειν καὶ πίνειν; ἐκκλησία τοῦ θεοῦ; καταφρονέω; εἴπω; ἐπαινέω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorka‐ nonisch gefehlt. (11,23) Die Kombination ἐγὼ γάρ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,17. ♦ παραλαμβάνω steht zwar 54 / 50 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene, Ev*und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Der Ausdruck ἀπὸ τοῦ κυρίου steht nur noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,6. ♦ Auffallend ist auch, dass παραδίδωμι zwar 134 Mal im NT begegnet, doch im Sinne der Weitergabe von Tradition sonst nur auf der kanonischen Ebene bezeugt ist (z. B. 1Kor 11,2; 15,3; Röm 6,17; 2Petr 2,21; Jud 3; Mk 7,13; Lk 1,2; Apg 6,14; 16,4). παραδίδωμι ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, wohl auch in *Gal 2,20, wenn hierfür auch unbezeugt. ♦ Die Form παρέδωκα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ὁ κύριος steht 108 Mal im NT, Lk 10,1; 24,34, wo der Begriff in *Ev fehlt, 16,8; 19,32. 34; 20,13. 15, in Versen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch bezeugt (jedoch nicht für „den Herrn“) in *Ev 12,46; zu ὁ κύριος als auktoriale Erzählerstimme, was Klinghardt bereits als Merkmal der kanonischen Redaktion erkannt hat, vgl. die Einleitung, Band I. ♦ Der Ausdruck ὁ κύριος Ἰησοῦς steht noch 1 weiteres Mal (zumindest in einigen Handschriften) auf der kanonischen Ebene in 2Thess 2,8. ♦ νύξ steht 71 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Der Ausdruck ἐν τῇ νυκτί steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 26,31; Joh 11,10; 1Kor 11,23). ♦ Die Form ἔλαβεν steht 31 Mal im NT, Lk 1,24; 5,26; 20,31, in Versen, die in *Ev fehlen, 2 weitere Male in Lk, wo der Begriff für *Ev unbezeugt ist, und überhaupt ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (6 Mal Mt; 4 Mal Mk; 6 Mal Joh; 3 Mal Apg; Röm 4,11; 9,30; 1Kor 11,23; Hebr 2,2; 11,11; 1Petr 4,10; Apk 5,8). Zum vorkanonischen Stück aus *Ev 22,17-19a: Die Verseröffnung steht nur hier und in *Ev 22,17 / / Lk 22,17. ♦ δέχομαι steht 62 / 56 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für 432 Rekonstruktion <?page no="433"?> *Ev 9,11; 10,10; *2Thess 2,10. ♦ δεξάμενος steht 6 Mal im NT, vorkanonisch wohl in *Ev 9,11, nicht bezeugt, ansonsten in Apg (2 Mal), Phil 4,18; Hebr 11,17 auf der kanonischen Ebene. ♦ ποτήριον steht 35 7 31 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,39. ♦ εὐχαριστέω steht 43 / 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. ♦ διαμερίζω steht 12 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,18; 12,53. ♦ εἰς ἑαυτούς steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 7,30; 22,17; 1Petr 4,8. 10). ♦ Die Wendung λέγω γὰρ ὑμῖν steht 10 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt aks Verseröffnung für *Ev 10,24; auf der kanonischen Ebene 2 Mal als Verseröffnung in Mt; Lk 14,24 (unbezeugt, aber vielleicht vorkanonisch vorhanden); 22,16 (in einem Vers, der in *Ev fehlt). 18; 22,37 (in einem Vers, der in *Ev fehlt); 2 Mal im Vers in Mt; Lk 3,8. ♦ πίνω steht 114 / 73 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4. 7; *Röm 14,21. ♦ Die Wendung ἀπὸ τοῦ νῦν steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,69; auf der kanonischen Ebene in Lk 1,48 (in einem Vers, der in *Ev fehlt); 22,18. 69; Joh 8,11; 2Kor 5,16. ♦ ἄμπελος steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck ἕως οὗ steht 17 Mal im NT, 6 Mal in Mt; Lk 13,21; 15,8; 22,18; 24,49 (in einem Vers, der in *Ev fehlt); Joh 13,38; 5 Mal in Apg; 2Petr 1,19. ♦ Die Wendung ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ steht 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,9. 11; 11,20; 16,16; 17,21. 22; 21,31, ist folglich eine vorkanonisch sehr beliebte Wendung, kanonisch steht sie noch 2 Mal in Mt; 3 Mal in Mk; Lk 6,20; 13,18; 17,20; 18,16; 19,11; 22,18; Röm 14,17; 1Kor 4,20; Apk 12,10. ♦ Die Form ἔλθῃ, die 32 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Das Zeugnis folgt dem Hinweis Tertullians, der einige der Begriffe bezeugt, vor allem für die Stelle in *Ev. Wie die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugten Elemente nahelegen (εἰς ἑαυτούς; ἄμπελος; ἕως οὗ; ἔλθῃ), die sich vor allem im letzten Teil des Verses vermehren, scheint der Vers kanonisch überarbeitet worden zu sein. Da der letzte Halbvers jedoch mit der vorkanonisch beliebten Wendung λέγω γὰρ ὑμῖν eröffnet und gegen Ende jedoch die vorkanonisch beliebte Wendung ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ aufweist, liegen Stützen vor, die diesen Vers, wenn auch kanonisch überformt, vorkanonisch vorhanden scheinen lassen. (11,24) εὐχαριστέω steht 43 / 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. ♦ κλάω steht 15 / 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination μού ἐστιν steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck τὸ ὑπὲρ ὑμῶν steht 4 Mal im NT, Lk 22,19. 20, in 2 Versen, die in *Ev fehlen, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὸ ὑπέρ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 22,19. 20, in Versen, die in *Ev fehlen; 1Kor 11,24; 2Kor 9,3; Phil 1,29). ♦ εἰς τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν steht wieder in Lk 22,19, wo dieser Ausdruck in *Ev fehlt. (11,25) Die Satzeröffnung ὡσαύτως καί steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur noch wiederholt in 1Tim 2,9; 5,25. ♦ δειπνέω steht 11 / 4 2 (1Kor) 433 <?page no="434"?> 183 Die zweite Option ist ein Vorschlag von M. Klinghardt bei der Durchsicht des Typo‐ skripts, dem ich mich gerne anschließe. Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἡ καινὴ διαθήκη, die 2 Mal im NT zu finden ist, steht wieder in Lk 22,20, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,3. ♦ Der Ausdruck ἐν τῷ ἐμῷ begegnet nur 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Röm 3,7. Vers 23 in der vorkanonischen Fassung: Die Form λαβών steht 55 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,19. ♦ ποτήριον, das 35 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39; *1Kor 11,23, vgl. die Verse 25. 26. 27. 28. Vers 25 in der vorkanonischen Fassung: εὐλογέω steht 45 / 42 im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,16; *Röm 12,14. ♦ ἔδωκεν τοῖς μαθηταῖς λέγων, Τοῦτο ἐστὶν ist übernommen aus *Ev 22,19. Zur Rekonstruktion: Wie in C. erläutert, verweist Tertullian auf seine frühere Behandlung, scheint also in etwa denselben vorkanonischen Text auch hier vor sich zu haben. Der kanonische Text auf der kanonischen Ebene weicht hiervon deutlich ab, doch bereits die Lexik stützt, dass nicht dieser kanonische Text im vorkanonischen Brief stand, sondern viel eher der in *Ev vorhandene. Erkennbar hat die kanonische Redaktion die vorliegende vorkanonische Passage durch den lukanischen Bericht überformt oder beide Korrekturen wurden parallel vorgenommen. Ganz offensichtlich hat sich die kanonische Redaktion nicht im Geringsten an den abweichenden Formulierungen in Mt/ Mk gestoßen, sondern alles für gut kompatibel oder gar identisch gehalten. 183 Was die vorliegende Rekonstruktion des vorkanonischen Textes betrifft, so ist sie die eher wahr‐ scheinliche, aber sie ist im Wortlaut nicht gesichert. (11,26) Die den Vers eröffnende Konjunktion ὁσάκις steht nur 3 Mal im NT, in Vers 26 greift sie dasselbe Wort des voranstehenden Verses der kanonischen Redaktion auf und begegnet außerhalb wiederum nur noch ein Mal auf derselben Ebene der kanonischen Redaktion, Apk 11,6. ♦ τοῦτον, das 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination τοῦτον καὶ begegnet 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 2,19; Apg 6,14; 28,26; 1Kor 11,26). ♦ Zu ποτήριον vgl. zuvor die Verse 23 und 25 und nachfolgend die Verse 27. 28. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ καταγγέλλω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,17. 18. ♦ ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ Die Kombination ἄχρις οὗ steht 8 Mal im NT, Lk 21,24, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, und damit ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 21,24; Apg 7,18; Röm 11,25; 1Kor 11,26; 15,25; Gal 3,19; Hebr 3,13; Apk 2,25). 434 Rekonstruktion <?page no="435"?> Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (die den Vers eröffnende Konjunktion ὁσάκις; τοῦτον καὶ; ἄχρις οὗ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat auf der vorkanonischen Ebene gefehlt. (11,27) Die Satzeröffnung Ὥστε ὅς steht nur hier. ♦ Die Kombination ὃς ἄν steht 25 Mal im NT, in Lk 9,48, wo der Versteil in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,18; 12,8; 16,18 (kanonisch: 8 Mal Mt; 8 Mal Mk; Lk 8,18; 9,48; 12,8; 18,17; Apg 2,21; Röm 10,13; 1Kor 11,27). ♦ Zu τοῦτον vgl. zuvor zu Vers 26. ♦ Zu ποτήριον vgl. zuvor zu den Versen 23. 25. 26 und danach Vers 28. ♦ Hier steht das zentrale Wort ἀναξίως, das nach Ausweis von Zeugen auch für Vers 26 anzunehmen wäre (gg. NA 28 ), und nur noch in 1Kor 11,29 zu finden ist. Das Adjektiv ἀνάξιος, auf das in diesen Versen Bezug genommen wird, war zuvor in 1Kor 6,2 als Hapax legomenon begegnet, steht dort aber auf der kanonischen Ebene. ♦ Weiteres verrät der Begriff ἔνοχος, der 10 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἔσται steht 116 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers finden sich eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente (ἀναξίως; ἔνοχος). Der Vers wird wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (11,28) δοκιμάζω steht 25 / 22 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ Die Form δοκιμαζέτω steht nur hier und 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene Gal 6,4. ♦ Der Ausdruck ἄνθρωπος ἑαυτόν steht nur hier. ♦ Die Kombination καὶ οὕτως steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *1Kor 15,11. ♦ Der Ausdruck ἐκ τοῦ ἄρτου steht nur hier. ♦ Die Form ἐσθιέτω steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Thess 3,10. ♦ Zu ποτήριον vgl. zuvor zu den Versen 23. 25. 26. 27. ♦ Der Ausdruck ἐκ τοῦ ποτηρίου steht nur hier. ♦ Die Form πινέτω steht nur noch 1 weiteres Mal in Joh 7,37. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers unbezeugt ist, spricht doch die Lexik für eine mögliche vorkanonische Präsenz des Verses. Er passt auch narrativ zwischen die Verse 23-25 und den angedeuteten nächsten Vers 29. (11,29) Der Ausdruck ὁ γὰρ ἐσθίων steht nur hier. ♦ Die Kombination ἐσθίων καὶ πίνων steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 11,19; Lk 7,34, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 1Kor 11,29). ♦ Die Kombination ἑαυτῷ ἐσθίει steht nur hier. ♦ διακρίνω steht 21 / 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Nachdem Tertullian das aus diesem Vers stammende κρίμα bezeugt, stellt sich die Frage nach dem übrigen Textbestand. Auszuscheiden 2 (1Kor) 435 <?page no="436"?> ist der Nebensatz, bei dem das zentrale Verb διακρίνω ansonsten nur auf der kanonischen Ebene belegt ist. Das 2 Mal auf der kanonischen Ebene stehende ἐσθίων καὶ πίνων wird man deshalb wohl ebenfalls ausscheiden. Die zweifache Rede vom Essen und Trinken in ein und demselben Vers, zudem noch im Vers zuvor vom Essen und Trinken die Rede war, passt in die Doppelungstendenz der kanonischen Redaktion. Es scheint also tatsächlich von diesem Vers nicht viel mehr vorhanden gewesen zu sein als κρίμα, oder vielleicht κρίμα ἑαυτῷ. (11,30) διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur in dem *Deuteropaulinum *2Thess 2,11 bezeugt, vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ Zu τοῦτο vgl. zuvor zu den Versen 10. 17. 24. 25. 26. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ ἄρρωστος, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (Mt 14,14; Mk 6,5. 13; 16,18). ♦ κοιμάω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἱκανός steht 45 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Auch das verwandte Verb ἱκανόω, das 18 / 2 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fallen wieder die Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐν ὑμῖν; ἄρρωστος; κοιμάω; ἱκανός). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Auch bei diesem Vers fällt auf, dass das *Deuteropaulinum *2Thess in der Lexik der kanonischen Ebene nahesteht. (11,31) Die Verseröffnung εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene; die Kombination selbst ist hingegen vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ διακρίνω steht 21 / 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κρίνω als positiver Ausdruck (hier in der verneinten negativen Form) gehört, wie oben bereits beobachtet zur kanonischen Ebene, vgl. zu 6,6. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers wird trotz seiner Kürze ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben, worauf die Verseröffnung und die beiden zentralen Verben hindeuten. (11,32) κρίνω wurde gerade bereits erwähnt, auch wenn der Begriff hier deutlich negativ konnotiert ist, also damit vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 6,37; 12,57; *1Kor 5,3; 11,32; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ παιδεύειν steht 13 Mal im NT, nur bezeugt für die kanonische Ebene (Lk 23,16. 22; 1Kor 11,32; 2Kor 6,9; Apg 7,22; 22,3; 436 Rekonstruktion <?page no="437"?> Hebr 12,6. 7. 10; 1Tim 1,20; 2Tim 2,25; Tit 2,12; Apk 3,19). ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ Die Form τῷ κόσμῳ steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,9; *Laod 2,12; *Kol 1,6. ♦ κατακρίνω steht 20 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,58. Zur Abwesenheit: Scheidet man die vorkanonisch nicht weiter bezeugten Begriffe aus, bleibt, wenn man den narrativen Zusammenhang mitbetrachtet, nur das Verdikt, dass dieser Vers vorkanonisch gefehlt hat. (11,33) Die Wendung ἀδελφοί μου steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,11. ♦ συνέρχομαι ist ein kanonischer Begriff, vgl. zuvor die Verse 17. 18 und nachfolgend 34. ♦ Die Wendung εἰς τὸ φαγεῖν steht nur hier. ♦ ἀλλήλων steht 107 / 100 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ Die Form ἀλλήλους steht 67 Mal im NT, Lk 20,14, in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,10. ♦ ἐκδέχομαι steht 7 / 6 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ( Joh 5,3; 1Kor 16,11; Hebr 10,13; 11,10; Apg 17,16; Jak 5,7). Zur Abwesenheit: Auch in diesem vorkanonisch nicht bezeugten Vers finden sich zwei wichtige, ausschließlich kanonisch belegte Elemente (ἀδελφοί μου; συνέρχομαι; ἐκδέχομαι). Der Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. (11,34) Die Kombination εἴ τις (mask.) steht 40 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,9; *1Kor 3,17; *2Kor 5,17. ♦ πεινάω, das 24 / 23 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,21. 25, vgl. weiter oben Vers 21 auf derselben kanonischen Ebene. ♦ Die Angabe ἐν οἴκῳ steht 5 Mal im NT, Lk 1,69, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Mk 2,1; Lk 1,69, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 1Kor 11,34; 13,35; 1Tim 3,5). ♦ Zu συνέρχομαι vgl. zuvor die Verse 17. 18. 33. ♦ τὰ λοιπά steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 4,19; 1Kor 11,34; Apk 3,2). ♦ Die Kombination ὡς ἄν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, ein Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 15,24, in einem Vers, der in *Röm fehlt; im Vers: 1Kor 11,34; 12,2; 2Kor 10,9; Phil 2,23). ♦ Die Form ἔλθω steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διατάσσω, das 18 / 16 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, auch wenn das Verb zwei Mal in Lk 17,9. 10 steht, in Versen, die für *Ev anzunehmen sind, wie auch in *1Kor 9,14, was möglicherweise redaktionelle Bearbeitung ist (vgl. Mt 11,1; Lk 3,13; 8,55 - eine unmittelbare Parallele zur vorliegenden Stelle -; Apg 7,44; 18,2; 20,13; 23,31; 24,23; Röm 13,2; 1Kor 7,17; 16,1; Gal 3,9; Tit 1,5). 2 (1Kor) 437 <?page no="438"?> Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers häufen sich die Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐν οἴκῳ; συνέρχομαι; Τὰ λοιπὰ; ὡς ἄν; ἔλθω; διατάσσω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Kapitel 12 12,1 2 [3] 4 [5-7] 8-10 [11]: Der eine Geist und die vielen Gaben Diese Passage ist erneut in ihrem vorkanonischen Kern gut bezeugt. Auf kanonischer Ebene wurde der Text insbesondere durch Hervorhebung des Geistes erweitert, wobei die Auseinandersetzungen und Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde sich auf dieser Ebene deutlicher spiegeln. 12,1 Περὶ τῶν πνευματικῶν, ἀδελφοί, οὐ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν. 12,1 Περὶ δὲ τῶν πνευματικῶν, ἀδελφοί, οὐ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν. 2 Οἴδατε ὅτι - 2 Οἴδατε ὅτι ὅτε ἔθνη ἦτε πρὸς τὰ εἴδωλα τὰ ἄφωνα ὡς ἂν ἤγεσθε ἀπαγόμενοι. 3 διὸ γνωρίζω ὑμῖν ὅτι οὐδεὶς ἐν πνεύματι θεοῦ λαλῶν λέγει, Ἀνάθεμα Ἰησοῦς, καὶ οὐδεὶς δύναται εἰπεῖν, Κύριος Ἰησοῦς, εἰ μὴ ἐν πνεύματι ἁγίῳ. 4 διαιρέσεις χαρισμάτων εἰσίν. 4 Διαιρέσεις δὲ χαρισμάτων εἰσίν, τὸ δὲ αὐτὸ πνεῦμα· - 5 καὶ διαιρέσεις διακονιῶν εἰσιν, καὶ ὁ αὐτὸς κύριος· 6 καὶ διαιρέσεις ἐνεργημάτων εἰσίν, ὁ δὲ αὐτὸς θεός, ὁ ἐνεργῶν τὰ πάντα ἐν πᾶσιν. 7 ἑκάστῳ δὲ δίδοται ἡ φανέρωσις τοῦ πνεύματος πρὸς τὸ συμφέρον. 8 ᾧ διὰ τοῦ πνεύματος δίδοται λόγος σοφίας, ἄλλῳ λόγος γνώσεως κατὰ τὸ αὐτὸ πνεῦμα, 8 ᾧ μὲν γὰρ διὰ τοῦ πνεύματος δίδοται λόγος σοφίας, ἄλλῳ δὲ λόγος γνώσεως κατὰ τὸ αὐτὸ πνεῦμα, 9 ἑτέρῳ πίστις ἐν τῷ αὐτῷ πνεύματι, ἄλλῳ χάρισμα ἰαμάτων, 9 ἑτέρῳ πίστις ἐν τῷ αὐτῷ πνεύματι, ἄλλῳ δὲ χαρίσματα ἰαμάτων ἐν τῷ ἑνὶ πνεύματι, 10 ἄλλῳ δυνάμεων, ἄλλῳ προφητεία, ἄλλῳ διάκρισις πνευμάτων, ἑτέρῳ γένη γλωσσῶν, ἄλλῳ ἑρμηνεία γλωσσῶν· 10 ἄλλῳ δὲ ἐνεργήματα δυνάμεων, ἄλλῳ δὲ προφητεία, ἄλλῳ δὲ διακρίσεις πνευμάτων, ἑτέρῳ δὲ γένη γλωσσῶν, ἄλλῳ δὲ ἑρμηνεία γλωσσῶν· - 11 πάντα δὲ ταῦτα ἐνεργεῖ τὸ ἓν καὶ τὸ αὐτὸ πνεῦμα, διαιροῦν ἰδίᾳ ἑκάστῳ καθὼς βούλεται. 438 Rekonstruktion <?page no="439"?> 184 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 106. 185 Ibid. 186 Für weitere Varianten vgl. H.A.G. Houghton, C.M. Kreinecker, R.F. MacLachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019), 257. Als markionitische Lesart ist der Singular vermerkt durch H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 187 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 106. 188 Ibid. 189 Ibid. 190 Ibid. A. *12,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,4: Nunc de spiritalibus dico. ♦ *12,4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,5: Accipe nunc quomodo et a Christo in caelum recepto charismata obventura pronuntiarit … dedit data filiis hominum, id est donativa quae charismata dicimus. ♦ *12,8-10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,8; Alii, inquit, datur per spiritum sermo sapientiae: statim et Esaias spiritum sapientiae posuit. Alii sermo scientiae: hic erit sermo intellegentiae et consilii. Alii fides in eodem spiritu: hic erit spiritus religionis et timoris dei. Alii donum curationum, alii virtutum: hic erit valentiae spiritus. Alii prophetia, alii distinctio spirituum, alii genera linguarum, alii interpretatio linguarum: hic erit agnitionis spiritus. B. (12,2) Anstelle von ἄφωνα steht 010, 012, ar, b, Ambst, Pel die Variante ἄμορφα. ♦ (12,9) Post ἑτέρῳ om δέ in 01*, 03, 1739, Tert, Clem, Or, Eus, Pel. Dieser Text wird von Zuntz als der ursprüngliche gesehen. 184 Post ἄλλῳ om δέ in 0201, 1022, Eus, Pel. Auch dies wird von Zuntz wieder als die ursprüngliche Lesart gesehen. 185 ♦ Der Singular ist von Tertullian bezeugt, er steht auch in der altlateinischen Tradition in 58, Ambst ad , Spm var . 186 ♦ (12,10) Post ἄλλῳ 1 om δέ in sa ms , Tert, Pel. Auch diese Auslassung wird als ursprünglich von Zuntz gesehen. 187 ♦ Anstelle des Begriffes ἐνεργήματα schreiben die Zeugen 06, 010, 012, b ἐνέργεια δυνάμεως, P 46 ἐ νεργέματα δυνάμεως, während die kanonische Form sich findet in 01, 02, 03, 04, 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy h , Cl. ♦ Post ἄλλῳ 2 om δέ in Clem, Eus, Bas, 0201, sa, Pel. Auch diese Auslassung wird als ursprünglich von Zuntz gesehen. 188 ♦ Post ἄλλῳ 3 om δέ in 0201, sa, Pel. Auch diese Auslassung wird als ursprünglich von Zuntz gesehen. 189 ♦ Post ἑτέρῳ om δέ in 025, 0201, 319, 1926, sa, Clem, Pel. Auch diese Auslassung wird als ursprünglich von Zuntz gesehen. 190 ♦ Post ἄλλῳ 3 om δέ in 6, Pel. Auch diese Auslassung wird als ursprünglich von Zuntz gesehen. 191 ♦ διάκρισις steht in 01, 04, 06*, 010, 012, 025, 0201, 33, 1175, latt, sy p , 2 (1Kor) 439 <?page no="440"?> 191 Ibid. sa, Cl, während sich der Plural findet in P 46 , 01, 02, 06 2 , 018, 020, 044, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, sy h , bo. ♦ Für ἑρμηνεία bieten die Zeugen 02, 06* διερμενεία. Doch begegnet ἑρμηνεία vorkanonisch bezeugt wieder in *1Kor 14,26, an beiden Stellen bietet Tertullian interpretatio. Das in der kanonischen Version nachfolgende δέ ist von Tertullian nicht bezeugt, in der altlateinischen Tradition wird es nur geboten von 77. C. 1. (12,1) Hilgenfeld sieht den Vers von Tertullian „erörtert“. Zahn sieht Vers 1 nach der kanonischen Form vorhanden. Harnack sieht lediglich die oben gewählte Textform bezeugt. Ihm schließen sich Schmid und BeDuhn an, letzterer deutet mit Auslassungszeichen davor und danach an, dass er noch mit weiterem Text rechnet. Man vgl. die unbezeugte Eröffnung von 1Kor 8,1 (Περὶ δὲ τῶν εἰδωλοθύτων, οἴδαμεν ὅτι). Diese Formulierung deutet darauf hin, dass in Vers 1 allein das Περὶ δὲ τῶν πνευματικῶν gestanden hat, gefolgt von Οἴδατε ὅτι in Vers 2, auch wenn dieser Vers nicht mehr bezeugt ist. Andererseits lesen wir *1Kor 10,1: Οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, was dafürspricht, dass diese *paulinische Wendung nur der Kürzung Tertullians zum Opfer gefallen ist. Ein Redakteur, der *Paulus hier nur hätte kopieren wollen, hätte womöglich den Wortlaut beibehalten. In den Handschriften gibt es jedoch bislang keine Varianten. Dennoch scheint dieser Teil auch zur vorkanonischen Version zu gehören. 2. (12,2-7) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt. Waren sie auch abwesend? Die Eröffnung von *1Kor 8,1 legte nahe, dass gegebenenfalls auch der Anfang von Vers 2 vorhanden war. Das würde auch narrativ gut an den wieder bezeugten Vers 8 anschließen, zu dem Tertullian unmittelbar übergeht. Denn wäre der Rest des Verses 2 und mit ihm die Verse 3-7 für die vorkanonische Fas‐ sung anzunehmen, hätte sich Tertullian die Kritik des *Paulus an den stummen Götzen und deren Anziehungskraft entgehen lassen, was wenig wahrscheinlich ist. 3. (12,4) Bislang wurde von allen Editoren übersehen, dass Tertullian in seinen längeren Ausführungen in Adv. Marc. V 8,4-7 tatsächlich auch eine Anspielung auf Vers 4 bietet, wie wir in dem gegebenen Zitat aus Adv. Marc. V 8,5 lesen. 4. (12,8-10) Hilgenfeld meint, die Verse 8 und 10 seien von Tertullian „erörtert“. Zahn sieht die Verse nach der kanonischen Fassung bezeugt bis auf den Singular χαρίσμα ἰαμάτων. Harnack gibt aufgrund von Tertullian den folgenden Textbestand: 8 ᾧ … δίδοται διὰ τοῦ πνεύματος λόγος σοφίας, ἄλλῳ λόγος γνώσεως … 9 ἑτέρῳ 440 Rekonstruktion <?page no="441"?> 192 Vgl. zu diesem Vers E.-M. Becker, Marcion und die Korintherbriefe nach Tertullian, Adversus Marcionem V (2002), 107. 193 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 88. πίστις ἐν τῷ αὐτῷ πνεύματι, ἄλλῳ χαρίσμα ἰαμάτων, 10 ἄλλῳ δυνάμεων, ἄλλῳ προφητεία, ἄλλῳ διακρίσεις πνευμάτων, ἑτέρῳ γένη γλωσσῶν, ἄλλῳ ἑρμηνεία γλωσσῶν. Schmid schlägt folgenden Textbestand, leicht anders vor: 8 ᾧ (μὲν γὰρ) διὰ τοῦ πνεύματος δίδοται λόγος σοφίας, ἄλλῳ (δὲ? ) λόγος γνώσεως, … 9 ἑτέρῳ (δὲ? ) πίστις ἐν τῷ αὐτῷ πνεύματι, ἄλλῳ (δὲ? ) χαρίσματα ἰαμάτων …, 10 ἄλλῳ (δὲ) ἐνεργήματα δυνάμεων, ἄλλῳ (δὲ) προφητεία, ἄλλῳ (δὲ) διακρίσεις πνευμάτων, ἑτέρῳ (δὲ) γένη γλωσσῶν, ἄλλῳ (δὲ) ἑρμηνεία γλωσσῶν. BeDuhn schließt sich Harnack an. Auffallend sind die Auslassungen. Vers 9 wurde besonders betrachtet von Becker. 192 Im Unterschied zu den früheren Editoren scheint jedoch auch das κατὰ τὸ αὐτὸ πνεῦμα in Tertullians in eodem spiritu mit angedeutet zu sein, zumal es eine so seltene Formulierung innerhalb des NT ist, die nur noch 1 weiteres Mal, und zwar vorkanonisch bezeugt, zu finden ist in *2Kor 4,13 und der kanonischen Parallele hierzu. 5. Die Erwähnung des Geistes und der ἐνεργήματα hätte sich der den phry‐ gischen Prophetinnen zugeneigte Tertullian wohl kaum entgehen lassen. Die Existenz des schlichten δυνάμεων, das Tertullian mit virtutum überträgt, mag der Grund für die Textvarianten zu ενεργεια/ ενεργηματα sein. Zuntz hält den Singular nicht für die ursprüngliche Lesart. 193 Vielleicht ist überhaupt der Begriff erst eine Harmonisierung mit Eph 3,17 (κατὰ τὴν ἐνέργειαν τῆς δυνάμεως). Der Singular διάκρισις in Vers 10 legt sich nicht nur durch Tertullians distinctio nahe, er ist auch belegt in einschlägigen Zeugen. 6. Ob die Gliederungspartikel μὲν γάρ … δέ … δέ … im vorkanonischen Text gefehlt haben, ist zunächst unklar. Nachdem aber zumindest das δέ öfter in unseren einschlägigen Zeugen fehlt, scheinen diese Tertullian in seiner Vorlage auch nicht begegnet zu sein. 7. (12,11) Nach Zahn, Harnack und Schmid ist dieser Vers unbezeugt. BeDuhn liest in Tert., Adv. Marc. V 8,9: corporis nostri per multa et diversa membra unitatem charismatum variorum compagini adaequavit ein Hinweis auf Vers 11 und gibt dessen Übersetzung in Klammern, doch scheint lediglich der Begriff τὸ ἓν in unitas anzuklingen, allerdings scheint dieser Text besser zu dem nachfolgenden Vers 12 zu stimmen (τὸ σῶμα ἕν ἐστιν καὶ μέλη πολλὰ ἔχει). Es scheint hier vielmehr wieder eine typisch kanonische Duplikation vorzuliegen, indem das Ende von Vers 4 der kanonischen Ebene wieder aufgenommen wird. 2 (1Kor) 441 <?page no="442"?> D. (12,1) περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27; 17,2; *1Kor 8,1; 12,1. ♦ πνευματικός steht 28 / 26 Mal im NT, vorkanonische bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ Zu ἀδελφοί, οὐ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν vgl. *1Kor 10,1: Οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers nur angedeutet ist, scheint er doch aufgrund der Lexik wie oben vorkanonisch gestanden zu sein. (12,2) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Kombination οἴδατε ὅτι steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16; 6,15. 16 ♦ ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ Die Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ εἴδωλον steht 13 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19. ♦ ἄφωνος, das 4 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene bezeugt (Apg 8,32; 1Kor 12,2; 14,10; 2Petr 2,16), allerdings gibt es in einschlägigen Zeugen auch die Variante ἄμορφα, was Hapax legomenon wäre. ♦ Die Kombination ὡς ἄν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 11,34. ♦ ἄγω, das 92 / 67 Mal im NT steht, ist ein beliebtes Verb der kanonischen Ebene, allerdings spärlich auch für die vorkanonische Fassung bezeugt, etwa *Ev 23,1. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 2,8. ♦ ἀπάγω, das 18 Mal im NT steht, ist für die vorkanonische Fassung bezeugt (*Ev 13,15; 22,66). Zur Rekonstruktion: Wie zu Vers 1 ausgeführt und in C. begründet, scheint die Eröffnung von Vers 2 vorkanonisch präsent zu sein. Der weitere Text weist zwei ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (ἄφωνος; ὡς ἄν). Narrativ kommt hinzu, dass dieser Versteil zu dem nächsten Vers 3 gehört, mit dem zusammen eine inhaltliche anitpagane Digression in den Text kommt, die nicht bezeugt, Tertullian aber argumentativ geholfen hätte. Dieser Versteil wird folglich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (12,3) διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *2Kor 4,16; im Vers für *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14, vgl. zu Gal 4,31. ♦ γνωρίζω, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,1; *Laod 3,10; 6,19. ♦ Das kanonisch beliebte οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), das 96 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15; *Laod 5,29. ♦ Die Kombination ὅτι οὐδείς steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 20,7; Lk 1,61, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 5,36; 14,24; 18,29; Joh 6,65; 1Kor 8,4; 12,3; Apk 5,4). ♦ ἐν πνεύματι θεοῦ begegnet nur noch 1 weiteres Mal in Mt 12,28. ♦ Ἀνάθεμα 442 Rekonstruktion <?page no="443"?> ist nur noch ein Mal für die kanonische Ebene belegt (Lk 21,5, auch wenn der Vers vielleicht in *Ev vorhanden war, liegt er nur in kanonischer Überarbeitung vor). ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,40; 16,13. ♦ Die Kombination οὐδεὶς δύναται hingegen begegnet 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 3,11. ♦ εἰπεῖν steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,12. Zur Abwesenheit: Wie bereits zum unbezeugten Teil des voranstehenden Verses 2 angemerkt, führt dieser Vers die inhaltliche Digression auf kanonischer Ebene fort. Die Zugehörigkeit zu dieser Ebene wird durch die Lexik gestützt (ὅτι οὐδείς; ἐν πνεύματι θεοῦ; Ἀνάθεμα; οὐδεὶς δύναται). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,4) διαίρεσις findet sich im NT nur in den Versen 1Kor 12,4-6. Das dazugehörige Verb διαιρέω steht nur auf der kanonischen Ebene (Lk 15,12; 1Kor 12,11). ♦ χάρισμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, allerdings auch für die vorkanonische Fassung bezeugt in *1Kor 7,7; 12,9. ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt nur im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13, vgl. weiter die Verse 8. 11. 25. ♦ τὸ δὲ αὐτό steht 1 weiteres Mal im NT, Phil 2,18. ♦ πνεῦμα steht 340 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,14; 4,6; *1Kor 3,16; 5,5; 12,9; 15,45; *2Kor 3,6; 4,13; *Röm 8,4. 10; *1Thess 5,19. 23; *Laod 1,17. Zur Rekonstruktion: Dem Hinweis Tertullians zufolge scheint er vorkanonisch diesen Vers gelesen zu haben; dies wird durch die Lexik gestützt, die Termini aufweist, die vorkanonisch weiter bezeugt sind bzw. eine Wendung, die nur hier allein steht. Das hier unbezeugte Geistthema scheint aufgrund der Lexik im vorkanonischen Text nicht gestanden zu sein und eine Ergänzung der kanonischen Redaktion zu bilden. (12,5) διακονία steht 35 / 34 Mal im NT, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. Zur Abwesenheit: Der zentrale Begriff in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers (διακονία) steht nur auf der kanonischen Ebene, der Vers wird folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. Es fällt auf, dass αὐτός (Nom. Mask. Sg.) nur in den beiden *Deuteropaulinen *Laod und *Kol bezeugt ist, was erneut die Nähe dieser beiden *Deuteropaulinen zur kanonischen Lexik verdeutlicht. 2 (1Kor) 443 <?page no="444"?> (12,6) ἐνέργημα steht nur hier und 1Kor 12,10 auf der kanonischen Ebene. Das verwandte Verb ἐνεργέω findet sich hingegen 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20. Das wiederum verwandte ἐνεργής, das 7 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu αὐτός (Nom. Mask. Sg.) vgl. zum voranstehenden Vers 12,5. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Formulierung τὰ πάντα ἐν πᾶσιν begegnet wieder in 1Kor 15,28; Eph 1,23; vgl. auch Kol 3,11: [τὰ] πάντα καὶ ἐν πᾶσιν, jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der eng mit dem voranstehenden Vers verbundene, vorka‐ nonisch unbezeugte Text zeichnet sich durch ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehende Elemente aus (ἐνέργημα; τὰ πάντα ἐν πᾶσιν). Auch dieser Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. In ihm stechen zwei Begriffe hervor, die wiederum vorkanonisch nur im *Deuteropaulinum *Laod bezeugt sind (das verwandte Verb ἐνεργέω; αὐτός), αὐτός dann eben auch in *Kol bezeugt, was die Nähe der beiden *Deuteropau‐ linen zur kanonischen Nähe unterstreicht. (12,7) Die Form ἑκάστῳ steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5. ♦ Die Form δίδοται steht 10 Mal im NT, gleich im nächsten Vers vorkanonisch bezeugt. ♦ Das Nomen φανέρωσις, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5. Das verwandte Verb φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist für die vorkanonische Fassung belegt in *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ συμφέρω steht 19 / 15 Mal im NT und begegnet weder in *Ev noch in der vorkanonischen Fassung, sondern stand bereits zwei Mal in 1Kor auf der kanonischen Ebene (6,12; 10,23), und auf dieser Ebene steht der Begriff auch sonst im NT. τὸ συμφέρον begegnet noch 1 weiteres Mal in Hebr 12,10. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwei ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (φανέρωσις; συμφέρω bzw. auch τὸ συμφέρον). Er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und auf der vorkanonischen Ebene gefehlt haben. (12,8) Die Kombination ᾧ διά steht nur hier. ♦ Zur Form δίδοται vgl. zum voranste‐ henden Vers 12,7. ♦ Der Ausdruck λόγος σοφίας steht nur hier. ♦ σοφία steht 56 / 51 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,17. 19. 20. 21. 22; 2,6. 7; 3,19; 12,8; *Röm 11,33. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,29; 9,8. 19; *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ Die Form ἄλλῳ, die 27 Mal im NT steht, ist gleich in den nächsten beiden Versen wieder vorkanonisch bezeugt. ♦ Der Ausdruck λόγος γνώσεως steht nur hier. 444 Rekonstruktion <?page no="445"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Dieses wird von der Lexik gestützt, weil die Termini oder die Formen entweder anderwärts vorkanonisch bezeugt sind oder Kombinationen und Ausdrücke singulär hier bezeugt sind. (12,9) Zu ἄλλος vgl. zu den Versen 8 und 10. ♦ Der Ausdruck ἐν τῷ αὐτῷ πνεύματι steht nur hier. ♦ χάρισμα steht 18 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,7; 12,9. ♦ ἴαμα steht 3 Mal im NT, die beiden anderen Male im selben Brief, auf kanonischer Ebene (1Kor 12,9. 28. 30). Zur Rekonstruktion: Wieder folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Auch hier stützt die Lexik die vorkanonische Präsenz, etwa auch, wenn der seltene Begriff ἴαμα nur weiter kanonisch im selben Kontext begegnet. (12,10) Zu ἄλλος vgl. zuvor zu den Versen 8. 9. ♦ ἐνέργημα steht nur 2 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene (1Kor 12,6. 10). ♦ δύναμις steht 128 / 119 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18; 12,10; 15,43; *2Kor 4,7; 12,9; *Röm 1,16; *2Thess 1,7; 2,9. ♦ προφητεία steht 21 / 19 Mal im NT, wiederum vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,20. ♦ διάκρισις steht nur 3 Mal im NT, die anderen beiden Male auf der kanonischen Ebene (Röm 14,1; Hebr 5,14). ♦ πνεύματα (Pl.) steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle. ♦ γένος steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Phil 3,5. ♦ ἑρμηνεία steht hier und noch ein Mal vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,26. ♦ γλῶσσα, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 14,2. Zur Rekonstruktion: Wiederum folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Erneut stützt die Lexik die Zugehörigkeit zur vorkanonischen Ebene. Nur der seltene Begriff διάκρισις und der Plural πνεύματα sind nicht weiter vorkanonisch bezeugt. (12,11) Die Kombination πάντα δέ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene, vgl. zuvor 9,23. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ ἐνεργέω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20; 2,2. ἐνεργής, das 7 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τὸ ἕν steht nur noch 1 weiteres Mal in Apg 23,6. ♦ τὸ αὐτό (adj. neut.) steht nur noch 2 weitere Male, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 13,8; *2Kor 3,14. ♦ διαιρέω steht nur 2 Mal im NT, Lk 15,12, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und hier. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ Die Form ἑκάστῳ steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5. ♦ βούλομαι steht 41 / 37 Mal im NT, überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. 2 (1Kor) 445 <?page no="446"?> Zur Abwesenheit: Auch wenn einige vorkanonisch bezeugte Elemente in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers stehen, begegnen doch auch ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente (πάντα δέ; τὸ ἕν; διαιρέω; βούλομαι). Der Vers dürfte folglich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorka‐ nonisch gefehlt haben. Wiederum fällt auf, dass ἐνεργέω begegnet, ein Terminus, der vorkanonisch nur durch *Laod bezeugt ist (gleich 2 Mal), was erneut die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik unterstreicht. 12,12 [13] 14 [15-17] 18 19-20 [21-23] 24 [25-26] 27 28 29 [30] 31: Der Leib ist einer Diese Passage ist in ihrer vorkanonischen Argumentation gut bezeugt. Die Aussage lautet, dass der Leib einer ist und von Gott aus vielen Gliedern zusammengefügt wurde, so dass in ihm verschiedene Glieder unterschiedliche Aufgaben gemäß der Charismen wahrnehmen. Die kanonische Redaktion hat auch aus diesem reflexiven Stück eine parä‐ netische Passage gemacht, die erneut, gerade auch mit Blick auf Taufe - wie zuvor bereits in diesem Brief - eine stärker ritualisierte Situation einer in Auseinandersetzungen und Hierarchisierungen befindlichen Gemeinde spiegelt und die Adressaten des Textes exhortativ anspricht. 12 Καθώς γὰρ τὸ σῶμα ἕν ἐστιν καὶ μέλη πολλὰ ἔχει, πάντα τὰ μέλη τοῦ σώματος τοῦ ἑνὸς πολλὰ ὄντα ἕν ἐστιν σῶμα, οὕτως καὶ ὁ Χριστός· 12 Καθάπερ γὰρ τὸ σῶμα ἕν ἐστιν καὶ μέλη πολλὰ ἔχει, πάντα δὲ τὰ μέλη τοῦ σώματος πολλὰ ὄντα ἕν ἐστιν σῶμα, οὕτως καὶ ὁ Χριστός· - 13 καὶ γὰρ ἐν ἑνὶ πνεύματι ἡμεῖς πάντες εἰς ἓν σῶμα ἐβαπτίσθημεν, εἴτε Ἰουδαῖοι εἴτε Ελληνες, εἴτε δοῦλοι εἴτε ἐλεύθεροι, καὶ πάντες ἓν πνεῦμα ἐποτίσθημεν. 14 καὶ γὰρ τὸ σῶμα οὐκ ἔστιν ἓν μέλος ἀλλὰ πολλά. 14 καὶ γὰρ τὸ σῶμα οὐκ ἔστιν ἓν μέλος ἀλλὰ πολλά. - 15 ἐὰν εἴπῃ ὁ πούς, Οτι οὐκ εἰμὶ χείρ, οὐκ εἰμὶ ἐκ τοῦ σώματος, οὐ παρὰ τοῦτο οὐκ ἔστιν ἐκ τοῦ σώματος· 16 καὶ ἐὰν εἴπῃ τὸ οὖς, Οτι οὐκ εἰμὶ ὀφθαλμός, οὐκ εἰμὶ ἐκ τοῦ σώματος, οὐ παρὰ τοῦτο οὐκ ἔστιν ἐκ τοῦ σώματος· 17 εἰ ὅλον τὸ σῶμα ὀφθαλμός, ποῦ ἡ ἀκοή; εἰ ὅλον ἀκοή, ποῦ ἡ ὄσφρησις; 18 νυνὶ δὲ ὁ θεὸς ἔθετο τὰ μέλη ἐν τῷ σώματι καθὼς ἠθέλησεν. 18 νυνὶ δὲ ὁ θεὸς ἔθετο τὰ μέλη, ἓν ἕκαστον αὐτῶν, ἐν τῷ σώματι καθὼς ἠθέλησεν. 19 εἰ ἦν τὰ πάντα ἓν μέλος, ποῦ τὸ σῶμα; 19 εἰ δὲ ἦν τὰ πάντα ἓν μέλος, ποῦ τὸ σῶμα; 446 Rekonstruktion <?page no="447"?> 20 νῦν δὲ πολλὰ μὲν μέλη, ἓν δὲ σῶμα. 20 νῦν δὲ πολλὰ μὲν μέλη, ἓν δὲ σῶμα. - 21 οὐ δύναται δὲ ὁ ὀφθαλμὸς εἰπεῖν τῇ χειρί, Χρείαν σου οὐκ ἔχω, ἢ πάλιν ἡ κεφαλὴ τοῖς ποσίν, Χρείαν ὑμῶν οὐκ ἔχω· 22 ἀλλὰ πολλῷ μᾶλλον τὰ δοκοῦντα μέλη τοῦ σώματος ἀσθενέστερα ὑπάρχειν ἀναγκαῖά ἐστιν, 23 καὶ ἃ δοκοῦμεν ἀτιμότερα εἶναι τοῦ σώματος, τούτοις τιμὴν περισσοτέραν περιτίθεμεν, καὶ τὰ ἀσχήμονα ἡμῶν εὐσχημοσύνην περισσοτέραν ἔχει, 24 ἀλλὰ ὁ θεὸς συνεκέρασεν τὸ σῶμα. 24 τὰ δὲ εὐσχήμονα ἡμῶν οὐ χρείαν ἔχει. ἀλλὰ ὁ θεὸς συνεκέρασεν τὸ σῶμα, τῷ ὑστερουμένῳ περισσοτέραν δοὺς τιμήν, - 25 ἵνα μὴ ᾖ σχίσμα ἐν τῷ σώματι, ἀλλὰ τὸ αὐτὸ ὑπὲρ ἀλλήλων μεριμνῶσιν τὰ μέλη. 26 καὶ εἴτε πάσχει ἓν μέλος, συμπάσχει πάντα τὰ μέλη· εἴτε δοξάζεται ἓν μέλος, συγχαίρει πάντα τὰ μέλη. 27 Ὑμεῖς ἐστε σῶμα Χριστοῦ καὶ μέλη ἐκ μέρους. 27 Ὑμεῖς δέ ἐστε σῶμα Χριστοῦ καὶ μέλη ἐκ μέρους. 28 ὁ κύριος ἔθετο ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ καὶ ἀποστόλους καὶ προφήτας. 28 καὶ οὓς μὲν ἔθετο ὁ θεὸς ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ πρῶτον ἀποστόλους, δεύτερον προφήτας, τρίτον διδασκάλους, ἔπειτα δυνάμεις, ἔπειτα χαρίσματα ἰαμάτων, ἀντιλήμψεις, κυβερνήσεις, γένη γλωσσῶν. 29 μὴ πάντες ἀπόστολοι; μὴ πάντες προφῆται; 29 μὴ πάντες ἀπόστολοι; μὴ πάντες προφῆται; μὴ πάντες διδάσκαλοι; μὴ πάντες δυνάμεις; - 30 μὴ πάντες χαρίσματα ἔχουσιν ἰαμάτων; μὴ πάντες γλώσσαις λαλοῦσιν; μὴ πάντες διερμηνεύουσιν; 31 Πρὸς τὰ χαρίσματα τὰ μείζονα καθ’ ὑπερβολὴν ὁδὸν ὑμῖν δείκνυμι· 31 ζηλοῦτε δὲ τὰ χαρίσματα τὰ μείζονα. Καὶ ἔτι καθ’ ὑπερβολὴν ὁδὸν ὑμῖν δείκνυμι. A. *12,12. 14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,9: Possum dicere, ipsum quod corporis nostri per multa et diversa membra unitatem charismatum variorum compagini adaequavit, eundem et corporis humani et spiritus sancti dominum ostendit, qui merita charismatum noluerit esse in corpore spiritus quae nec in corpore humano collocavit, qui de dilectione quoque omnibus charismatibus praeponenda apostolum instruxerit principali praecepto, quod probavit et Christus. ♦ *12,18: Vgl. Tert., Adv. Marc V 8,9 belegt: qui merita charismatum noluerit esse in corpore 2 (1Kor) 447 <?page no="448"?> 194 Vgl. Ibid. 128. 195 Es ist nicht klar, wie BeDuhn behaupten kann, dass diese Variante „in den meisten Zeugen für den katholischen Text zu finden“ sei, J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 282. 196 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 135. spiritus quae nec in corpore humano collocavit. ♦ *12,24: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 20 (122. 168 H.): ἀλλὰ ὁ θεὸς συνεκέρασεν τὸ σῶμα; Adam., Dial. II 19 (im Mund des Adamantius): ὁ θεός, φησί, συνεκέρασε τὸ σῶμα, τῷ ὑστεροῦντι περισσοτέραν δοὺς τιμήν (Rufin: Deus autem temperauit corpus, cui deerat, ampliorem tribuendo honorem). ♦ *12,28: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,16: Abstulit haereticus, Et prophetarum, oblitus dominum posuisse in ecclesia, sicut apostolos, ita et prophetas. ♦ *12,31: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,9-10: de dilectione quoque omnibus charismatibus praeponenda apostolum instruxerit principali praecepto, quod probavit et Christus, [10] Diliges dominum de totis praecordiis et totis viribus et tota anima tua et proximum tuum tanquam te ipsum. Et si quod in lege scriptum esset commemorat, in aliis linguis et in aliis labiis locuturum creatorem, cum hac commemoratione charisma linguarum confirmat, nec hic potest videri alienum charisma creatoris praedicatione confirmasse. B. (12,12) Post σώματος add τοῦ ἑνός in 01 2 , 06, 018, 044, 630, M, b, sa ms , Ambst; om in P 46vid , 01*, 02, 03, 04, 010, 012, 020, 025, 33 vid , 81, 104, 365, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, lat, sy, sa mss , bo. ♦ (12,24) Die Variante ὑστεροῦντι steht in P 46 , 06, 010, 012, M, Orig, Chrys, Thdt; während ὑστερουμένῳ zu finden ist in 01, 02, 03, 04, 33, 1739, Mel. 194 ♦ (12,28) κύριος anstelle von θεός findet sich im Zeugnis Tertullians. 195 ♦ (12,31) Anstelle von μείζονα findet sich κρείττονα oder κρείσσονα in den Zeugen 06, 010, 012, 018, 020, 044, 1505, 2464, M, it, vg cl , bo mss , Or, Ambst, Pel, Spec, während μείζονα bezeugt wird durch P 46 , 01, 02, 03, 04, 6, 33, 81, 104, 326, 365, 630, 1175, 1241, 1739, 1881, l 846, vg st , co, Eus. Zuntz macht darauf aufmerksam, dass sich die Form κρείττονα oder κρείσσονα sonst nicht weiter bei Paulus oder in den Evangelien findet. 196 C. 1. (12,12) Alle Editoren sehen Anspielungen Tertullians auf Vers 12. Außer der eröffnenden Konjunktion, die BeDuhn in Klammern stellt, gibt er die Übersetzung des kanonischen Texts. Anstelle von καθάπερ, das immer auf der kanonischen Ebene, steht, wird auf der vorkanonischen Ebene vielleicht καθώς gestanden sein. Ein vergleichbares Beispiel ist 1Kor 10,10, wo die vorkanonische Fassung stattdessen ebenfalls wohl καθώς hat. In *1Thess 4,5 haben Schmid (mit Fragezeichen) und BeDuhn richtig 448 Rekonstruktion <?page no="449"?> 197 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 449. erkannt, dass Tertullian nicht καθάπερ sondern vermutlich einfach καὶ gelesen hatte, auch wenn sich diese Lesart nicht in den direkten neutestamentlichen Zeugen niedergeschlagen hat. In seiner Wiedergabe klammert BeDuhn den letzten Teil οὕτως καὶ ὁ Χριστός ein. 2. (12,13) Zahn scheint den Vers in der kanonischen Form anzunehmen. Harnack nimmt ihn lediglich unter die Verse 12 ff auf, für die er Anspielungen bei Tertullian sieht. Schmid und BeDuhn sehen den Vers als unbezeugt. War er auch abwesend? Die Zusammenstellung von Ἰουδαῖοι, Ἕλληνες, δοῦλοι, ἐλεύθεροι ist eine Kombination von 1Kor 1,22-24 („22 Da sowohl die Juden Zeichen fordern wie auch die Griechen Weisheit suchen, 23 verkünden wir hingegen Christus als Gekreuzigten, für Juden ein Ärgernis, für Heiden aber eine Torheit, 24 für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit“), 1Kor 10,32 („Gebt weder Juden noch Griechen, noch der Kirche Gottes Anlass zu einem Vorwurf! “) und 1Kor 7,21-22 („21 Wurdest du als Sklave berufen, kümmere Dich das nicht; doch wenn du frei zu werden vermagst, besser mach Gebrauch davon! 22 Denn wer im Herrn als Sklave berufen wurde, ist Freigelassener des Herrn. Ebenso ist einer, der als Freier berufen wurde, Sklave Christi“), wobei gerade die Zusammenstellung Sklave - Freier auf die kanonische Ebene verweist. 3. (12,14) Sollte es sich hier nicht um eine kanonische Duplikation handeln, kann der Vers sehr wohl in der vorkanonischen Fassung gestanden sein, doch lässt sich Tertullians Anspielung auf diesen Vers nicht von derjenigen auf Vers 12 unterscheiden. BeDuhn rechnet mit diesem Vers und deutet mit Auslassungszeichen danach an, dass er mit weiterem Text rechnet. 4. (12,15-24a) Diese Verse sind nach allen Editoren nicht oder nicht direkt bezeugt, auch wenn BeDuhn wegen des narrativen Zusammenhangs mit der Präsenz der Verse 22-24a rechnet. Allerdings scheint mir Vers 18 durch Tert., Adv. Marc V 8,9 belegt zu sein. Hilgenfeld ist der Meinung, die Aussage Tertullians beziehe sich auf die Verse 21-22, doch darin wird nur expliziert, was zuvor und danach ausgeführt wird. Vergleichen wir darüber hinaus die Lexik, um zu erhellen, ob fie fehlende Bezeugung auch Abwesenheit bedeutet. 5. (12,24) Die Frage ist, ob Adam., Dial. II 19 als Zeuge herangezogen werden kann. Hilgenfeld bejaht sie und sieht Epiphanius und Adamantius „den Dualismus und Doketismus der Marcioniten in Erinnerung“ rufen. 197 Zahn stützt sich auf Adamantius, auch Harnack, doch Schmid lässt ihn beiseite, 2 (1Kor) 449 <?page no="450"?> 198 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 282. und BeDuhn notiert, dass „Adamantius hier vielleicht nicht das Apostolikon benutze“. 198 Zahn sieht den kanonischen Text vorhanden mit der Abweichung von τῷ ὑστεροῦντι. Harnack sieht als Text bezeugt: ἀλλὰ ὁ θεὸς συνεκέρασεν τὸ σῶμα, τῷ ὑστερουμένῳ περισσοτέραν δοὺς τιμήν. Schmid gibt lediglich ἀλλὰ ὁ θεὸς συνεκέρασεν τὸ σῶμα. BeDuhns Übersetzung und Kommentar lässt nicht erkennen, welche Variante er für die ursprüngliche hält, übersetzt jedoch den gesamten Vers. Entscheidend ist hier wieder die Lexik. Inhaltlich bietet die vorkanonische Version die Fortführung der Thematik der Einheit des Leibes, nachdem im ersten Teil von Kapitel 12 (nach den Parteiungen von Kapitel 11) Unterschiedlichkeit der Geistesgaben herausgestellt wurde. Der Leib ist trotz aller Unterschiede (auch der zwischen Mann und Frau von Kapitel 11) nur ein einziger, und zwar so, dass er von Gott zusammengefügt wurde. Erst die kanonische Redaktion erweitert den Text, indem Überlegungen zur Hierarchisierung, der Bedeutung auch der Benachteiligten, der schwächer Scheinenden und doch Unentbehrlichen hinzugefügt werden, damit, wie es dann in den Versen 25-27 heißen wird, kein Zwiespalt entstehe. Auf der kano‐ nischen Ebene spiegelt sich eine deutlich weiterentwickelte Gemeindestruktur verglichen mit dem, was vorkanonisch zu finden ist. 6. (12,25-27) Nach Zahn ist der Wortlaut dieser Verse nicht näher bestimmbar, auch wenn er mit ihrer Präsenz rechnet. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen sie als unbezeugt. Waren sie auch nicht vorhanden? 7. (12,28) Zahn hat dieses Tertullianzitat nicht notiert, doch Harnack verweist darauf und sieht ἔθετο ὁ κύριος ἐν ἐκκλησίᾳ … ἀποστόλους … προφήτας bezeugt. Schmid überzeugte dies nicht, doch BeDuhn schließt sich Harnack an. Sicher ist dieses Zeugnis Tertullians nicht, wie bereits Harnack notiert hat, doch spricht gerade, worauf ebenfalls Harnack hingewiesen hat, die Textvari‐ ante dafür, dass Tertullian hier doch auf die vorkanonische Fassung verwiesen hat, um Markion mit Markions *Paulus zu widerlegen. 8. (12,29-30) Nach allen Editoren sind die Verse 29-30 unbezeugt, auch wenn Zahn mit deren Präsenz in unbestimmbarem Wortlaut rechnet. Varianten liegen nicht vor, doch wie sieht der Vergleich der Lexeme aus? 9. (12,31) Zahn sieht Vers 31 in der kanonischen Form präsent. Harnack ist skeptischer und erkennt lediglich eine „Anspielung“ auf Vers 31 in Verbund mit Kapitel 13, wobei er als Text gibt χαρίσματα … καθ’ ὑπερβολὴν ἀγάπη. Auch Schmid liest in Tertullian lediglich ein „zusammenfassendes Referat“ der Verse 12,31 und 13,1ff. Ihnen schließt sich BeDuhn an, wenn er meint, dass Tertullian die Verse 12,31-13,2 zusammenfassen. Als Text übersetzt er: 12,31 [… Καὶ ἔτι] 450 Rekonstruktion <?page no="451"?> 199 E.L. Titus, Did Paul Write I Corinthians 13? (1959); W.O. Walker, Is First Corinthians 13 a Non-Pauline Interpolation? (1998). καθ’ ὑπερβολὴν ὁδὸν [ὑμῖν δείκνυμι. 13,1 Ἐὰν ταῖς γλώσσαις τῶν ἀνθρώπων λαλῶ καὶ τῶν ἀγγέλων], ἀγάπην [δὲ μὴ ἔχω, γέγονα χαλκὸς ἠχῶν ἢ κύμβαλον ἀλαλάζον. 2 καὶ ἐὰν ἔχω προφητείαν καὶ εἰδῶ τὰ μυστήρια πάντα καὶ πᾶσαν τὴν γνῶσιν, καὶ ἐὰν ἔχω πᾶσαν τὴν πίστιν ὥστε ὄρη μεθιστάναι, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, οὐθέν εἰμι-…]. Nun klingt in Tertullian jedoch nicht nur ἀγάπη an, sondern auch χαρίσματα (charismatibus), τὰ μείζονα … καθ’ ὑπερβολὴν (omnibus … praeponenda), δείκνυμι (instruxerat). Für Vers 31 ist ζηλόω als markionitische Lesart in *Gal 5,20 vermerkt, kann also auch hier im vorkanonischen Text gestanden sein. 1Kor 12,31b-14,1a wurde in der Vergangenheit auch als Interpolation be‐ trachtet. 199 D. (12,12) Καθώς γάρ steht nur hier vorkanonisch. ♦ καθάπερ steht 14 / 13 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 4,6; 12,4; 1Kor 12,12; 1Thess 2,11; im Vers: 1Kor 10,10; 2Kor 3,13. 18; 8,11; 1Thess 3,6. 12; 4,4; Hebr 4,2), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καθάπερ γάρ steht 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und ebenfalls auf der kanonischen Ebene, Röm 12,4. ♦ σῶμα steht 150 / 142 Mal im NT und ist bereits vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus. ♦ Der Ausdruck ἕν ἐστιν steht nur, und gleich 2 Mal, in diesem Vers. ♦ μέλος steht 42 / 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,15; 9,9; 12,12. 14; *Röm 7,23. ♦ Die Kombination von πᾶς (in allen Kasus) + δέ ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,51; *Röm 14,23 und rekonstruiert für *1Kor 11,5. ♦ πολλά, das 64 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,12. 14, vgl. weiter unten die Verse 14 und 20. ♦ Zur Verbform ὄντα, die 17 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *1Kor 1,28. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, auch wenn er nicht alle Teile des Verses bezeugt. Die Lexik stützt die vorkanonische Präsenz des Verses. (12,13) Die Verseröffnung καὶ γὰρ ἐν begegnet 1 weiteres Mal in 2Kor 5,2 auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἑνὶ πνεύματι findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 12,13; Eph 2,18; Phil 1,27). ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3, vgl. weiter unten die Verse 29 und 30. ♦ βαπτίζω, das 90 / 77 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch lediglich im Sinne von „Reinigen“ 2 (1Kor) 451 <?page no="452"?> (vor dem Essen) in *Ev 11,38, während hier im Vers eine Taufsemantik vorliegt. ♦ Die Wendung ἓν πνεῦμα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,17. ♦ ποτίζω begegnet 15 Mal im NT und ist auch für die vorkanonische Fassung bezeugt (*Ev 13,15). ♦ Vgl. zum gesamten Vers die ebenfalls auf der kanonischen Ebene stehenden Verse Gal 3,27-28: 27 ὅσοι γὰρ εἰς Χριστὸν ἐβαπτίσθητε, Χριστὸν ἐνεδύσασθε· 28 οὐκ ἔνι Ἰουδαῖος οὐδὲ Ελλην, οὐκ ἔνι δοῦλος οὐδὲ ἐλεύθερος, οὐκ ἔνι ἄρσεν καὶ θῆλυ· πάντες γὰρ ὑμεῖς εἷς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ und Kol 3,11: ὅπου οὐκ ἔνι Ἕλλην καὶ Ἰουδαῖος, περιτομὴ καὶ ἀκροβυστία, βάρβαρος, Σκύθης, δοῦλος, ἐλεύθερος, ἀλλὰ τὰ πάντα καὶ ἐν πᾶσιν Χριστός. Zur Abwesenheit: Auch wenn einige Termini in diesem vorkanonisch unbe‐ zeugten Vers vorkanonisch bezeugt sind, finden sich Elemente, die ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καὶ γὰρ ἐν; ἐν ἑνὶ πνεύματι; die Semantik des Begriffs βαπτίζω, die Zusammenstellung Sklave - Freier, die auf dieser Ebene in 1Kor 7 zu finden ist). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,14) Die Wendung καὶ γὰρ τό steht 3 Mal im NT, Lk 22,37, in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7. ♦ Die Wendung οὐκ ἔστιν ἕν steht nur hier. ♦ μέλος steht 42 Mal im NT, vorkanonisch nicht nur hier in *1Kor 12,14, sondern auch in *1Kor 6,15; 9,9; 12,12; *Röm 7,23. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πολλά vgl. zuvor zu Vers 12 und weiter unten zu Vers 20. ♦ Die Wendung ἀλλὰ πολλά steht nur hier. Zur Rekonstruktion: Da die Bezeugung bei diesem Vers umstritten ist, ist die Frage der Lexik von größerer Bedeutung. Diese spricht deutlich für die vorka‐ nonische Präsenz aufgrund der vorkanonischen Bezeugung von Wendungen und Termini und deren singuläre Verwendungen in diesem Vers. (12,15) εἴπῃ steht in dieser Aoristform 21 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Satzeröffnung ἐὰν εἴπῃ steht 3 Mal im NT, folglich ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Mk 7,11; 1Kor 12,15. 15). ♦ πούς steht 97 / 93 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25; *Laod 1,22. ♦ Die Verbform εἰμί steht 130 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8, vgl. weiter Vers 16. ♦ Die Wendung ὅτι οὐκ εἰμί steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 18,11; Joh 3,28; 1Kor 12,15. 16). Es ist auffallend, dass sie auch in der Sieben-Briefe Sammlung des Ignatius begegnet (IgnSm 3). ♦ χείρ steht 158 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, wobei auffällt, dass χείρ für *Paulus nicht bezeugt ist. ♦ Die Kombination τοῦτο οὐκ steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 14,20; 2 Mal Joh; Apg 5,4; Röm 11,7; 1Kor 12,15. 16). ♦ Die Wendung ἐκ τοῦ σώματος, die in diesem Vers 2 Mal und im nächsten Vers wieder 2 Mal steht, begegnet 6 Mal im NT, vorkanonisch 452 Rekonstruktion <?page no="453"?> bezeugt für *2Kor 5,8; *Röm 7,24. ♦ παρά steht 217 / 194 Mal im NT vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. Zur Abwesenheit: Auch wenn einige der Termini und Wendungen vorkanonisch bezeugt sind, begegnen in diesem unbezeugten Vers Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἴπῃ; ἐὰν εἴπῃ; Οτι οὐκ εἰμί; τοῦτο οὐκ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,16) Wegen der Ähnlichkeit und z.T. Parallelität dieses Verses zum voranstehenden vgl. zur parallelen Lexik dort. οὖς steht 38 / 37 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *Ev. ♦ ὀφθαλμός findet sich 109 / 100 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,52. Zur Abwesenheit: Hier gelten dieselben Beobachtungen wie zum Vers zuvor. (12,17) ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ Die Wendung εἰ ὅλον steht nur 2 Mal hier in diesem Vers. ♦ ποῦ, das 51 / 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,55, vgl. weiter Vers 19. ♦ ἀκοή steht 24 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὄσφρησις ist Hapax legomenon im NT. Zur Abwesenheit: Dieser unbezeugte Vers steht in engem Verhältnis zu den beiden voranstehenden, auf der kanonischen Ebene sich befindenden. Zudem fällt das nur kanonisch belegte ἀκοή auf, d. h. der Vers wird ebenfalls ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (12,18) Die Satzeröffnung νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13. ♦ τίθημι steht 110 / 100 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ Die Form ἔθετο steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,28. ♦ Die Wendung ἓν ἕκαστον steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in Apg 21,19. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) steht 502 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ Die Wendung καθὼς ἠθέλησεν steht nur 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für die andere Stelle *1Kor 15,38. Zur Rekonstruktion: Nachdem der Befund für die Bezeugung bzw. die fehlende Bezeugung nicht entscheidbar ist, besitzt die Lexik ein desto größeres Gewicht und kann in diesem Fall auch den Ausschlag geben. Mit Ausnahme des ein‐ geschobenen Passus ἓν ἕκαστον αὐτῶν, der auf die kanonische Redaktion zurückzugehen scheint, sind alle anderen Versteile anderweits vorkanonisch bezeugt. Auch narrativ passt der Vers so in den Kontext. Die Bezeugung Tertullians wird sich folglich auf diesen Vers bezogen haben. 2 (1Kor) 453 <?page no="454"?> (12,19) Die auf der kanonischen Ebene stehende Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ Die Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4; *Phil 3,7. ♦ Die Eingangsformulierung εἰ δὲ ἦν steht nur hier. ♦ τὰ πάντα steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 8,6; *Laod 1,10; 3,9; *Kol 1,20. ♦ Zu ποῦ vgl. zuvor zu Vers 17. Zur Rekonstruktion: Bei diesem kurzen, vorkanonisch unbezeugten Vers ist die Entscheidung schwer. Allerdings spricht die Lexik für die vorkanonische Präsenz, unter Absehung der Einleitungsformel. (12,20) νῦν steht 157 / 148 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Zu πολλά vgl. zuvor zu den Versen 12 und 14. ♦ νῦν δὲ steht 25 Mal im NT, Lk 19,42, in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; 22,69. ♦ πολλὰ μέν steht nur hier. Zur Rekonstruktion: Auch für diesen vorkanonisch unbezeugten Vers gilt, wie zum voranstehenden, dass die Lexik die vorkanonische Präsenz stützt, auch narrativ passt er gut in den vorkanonischen Kontext. (12,21) δύναμαι steht 233 / 210 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Satzeröffnung οὐ δύναται steht 27 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (4 Mal Mt; 6 Mal Mk; Lk 14,26. 27. 33; 8 Mal Joh; 1Kor 12,21; 15,50; 2Tim 2,13; 1Joh 3,9; 4,20). ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten εἰπεῖν vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ Die Form τῇ χειρί steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 3,12; Lk 3,17, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Joh 3,35; Apg 12,17; 13,16; 21,40; 1Kor 12,21; 5 Mal in Apk). ♦ χρεία steht 53 / 49 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός) steht 361 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ Die Negation οὐκ ἔχω steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 7,25. ♦ κεφαλή steht 79 / 75 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,27; *1Kor 11,3. 7. 10; *Laod 5,23; *Kol 2,19. ♦ Zu πούς vgl. zuvor zu Vers 15. Zur Abwesenheit: Im Unterschied zu den beiden voranstehenden unbezeugten Versen, weist dieser vorkanonisch unbezeugte Vers eine Lexik auf, die aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente aufweist (Satzeröff‐ nung οὐ δύναται; τῇ χειρί; οὐκ ἔχω). Inhaltlich setzt der Vers die kanonische Argumentation der voranstehenden Verse 15-17 fort. Dieser Vers ist folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 454 Rekonstruktion <?page no="455"?> (12,22) Die Formulierung πολλῷ μᾶλλον steht 10 Mal im NT, Lk 18,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) steht 121 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀσθενέστερος begegnet nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene 1Petr 3,7. ♦ Vgl. auch ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Gal 4,9; *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ♦ δοκέω steht 100 / 63 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9. ♦ ἀναγκαῖος steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers häufen sich die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente (πολλῷ μᾶλλον; ἀσθενέστερος; ἀναγκαῖος). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und fehlte in der vorkanonischen Version. (12,23) Auch wenn sich ἀτιμία in *1Kor 15,43 findet, begegnet doch ἄτιμος, das 4 Mal im NT steht, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4, vgl. weiter Vers 24. ♦ περισσότερον / περισσότερος, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,26. Die Grundform περισσός, die 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 5,37. 47; Mk 6,51; Joh 10,10; Röm 3,1; 2Kor 9,1). ♦ περιτίθημι, steht 9 Mal im NT und findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 21,33; 27,28; Mk 12,1; 15,17. 36; 27,48; Joh 19,29; 1Kor 12,23). ♦ ἀσχήμων ist Hapax legomenon, die verwandten Begriffe ἀσχημονέω und ἀσχημοσύνη stehen ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐσχημοσύνη ist ebenfalls Hapax legomenon, aber auch hier stehen die verwandten Begriff εὐσχημόνως und εὐσχήμων ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἄτιμος; περιτίθημι), daneben auch solche Hapax legomena, deren Wortfamilien lediglich auf der kanonischen Ebene stehen (ἀσχήμων; εὐσχημοσύνη). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,24) Zum unbezeugten Versteil: Wie gerade zum voranstehenden Vers 23 vermerkt, steht εὐσχήμων und verwandte Begriffe ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung οὐ χρείαν ἔχει begegnet nur 1 weiteres Mal in Apk 21,23. Die Wendung οὐ χρείαν + ἔχω begegnet in Lk 15,7, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist aber vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. 2 (1Kor) 455 <?page no="456"?> Zum bezeugten Versteil: Die Wendung ἀλλὰ ὁ θεὸς steht 3 Mal im NT (1Kor 3,6; 12,24; Phil 2,27), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ συγκεράννυμι steht nur hier und auf der kanonischen Ebene in Hebr 4,2. Zum nicht mehr bezeugten Teil: ὑστερέω steht 19 / 16 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ περισσός steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 12,23. ♦ Die Form δούς steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Mt, Mk 13,34; Lk 4,20; 20,2; 3 Mal Apg; Röm 4,20; 1Kor 12,24; 2Kor 1,22; 5,5; 2Thess 2,16; 1Tim 2,6). ♦ τιμή steht 44 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4. Zur Rekonstruktion: Dieser Vers demonstriert, wie bedeutsam die Bezeugung als erstes Kriterium der Rekonstruktion darstellt, denn sowohl die Wendung wie der Terminus sind nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. Gleichwohl ist auffallend, dass es sich zugleich um im NT selten vorkommende Elemente handelt. Wenn etwa im nicht mehr bezeugten Teil der Terminus ὑστερέω 19 / 16 Mal und περισσός 6 Mal im NT belegt sind und dennoch nur kanonisch stehen, hat dies größeres Gewicht, wenn man es zusammen mit der fehlenden Bezeugung nimmt. Im Zusammenblick mit den sonstigen Beobachtungen ist es darum wahrscheinlich, dass tatsächlich nur der bezeugte Teil vorkanonisch gestanden war. (12,25) Die Form ᾖ steht 42 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σχίσμα, das 9 / 8 Mal im NT steht, begegnet ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das Pronomen τὸ αὐτό steht 21 Mal im NT, Lk 6,33, in einem Vers, der in *Ev fehlt, in Lk 17,33 ist es vorkanonisch unbezeugt, d. h. es findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ μεριμνάω steht 24 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22. ♦ συμπάσχειν findet sich nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 8,17. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnetn (ᾖ; σχίσμα; Pronomen τὸ αὐτό; συμπάσχειν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (12,26) πάσχω, das 44 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ δοξάζω steht 68 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. ♦ συμπάσχω steht nur hier und nochmals, wiederum auf der kanonischen Ebene, in Röm 8,17. ♦ συγχαίρω steht 7 Mal im NT, in Lk 1,58; 15,6. 9, in drei Versen, die alle in *Ev fehlen, und ist überhaupt nur auf der kanonischen Ebene zu finden (Lk 1,58; 15,6. 9; 1Kor 12,26; 13,6; Phil 2,17. 18). 456 Rekonstruktion <?page no="457"?> Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen Ele‐ mente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (συμπάσχω; συγχαίρω). Er scheint zur kanonischen Redaktion zu gehören und wird vorka‐ nonisch gefehlt haben. (12,27) Die Verseröffnung Ὑμεῖς δέ ἐστε begegnet auf kanonischer Ebene wieder in Lk 22,28, während in diesem allerdings unbezeugten Vers die mögliche vorkanonische Version καὶ ὑμεῖς ηὐξήθητε lautet (so Klinghardt z. St.). ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ σῶμα Χριστοῦ steht nur hier. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ Die Kombination ἐκ μέρους steht 5 Mal im NT, jedoch lediglich noch im Kontext von 1Kor 13,9. 10. 12, kanonisch belegt. Zur Rekonstruktion: Zwar ist dieser Vers unbezeugt, allerdings ist auffallend, dass die Elemente singulär im NT stehen und in Verbindung zur Rekonstruktion von *1Kor 13,9-12 zu sehen sind. Die Lexik spricht hier nicht gegen die vorkanonische Präsenz des Verses, die leichte adversative Erweiterung des Anfangs ist den in der kanonischen Version voranstehenden Versen geschuldet, die dann auch die Parallele in Lk erklärt. (12,28) Das Personalpronomen οὕς Akk. Mask. Pl., das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *1Kor 10,11. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Form ἔθετο vgl. zuvor zu Vers 12,18. ♦ πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3. ♦ δεύτερος steht 50 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,47. ♦ προφήτης steht 157 / 144 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32; *1Thess 2,15. ♦ τρίτος steht 62 / 56 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,4 (Schmid weist diesen Text als unsichere Lesart aus); *2Kor 12,2. ♦ διδάσκαλος findet sich 60 / 59 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,40; 18,18; 20,39. ♦ δύναμις, das sich 128 / 119 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt. ♦ ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht, davon 8 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 1,18. ♦ ἴαμα, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,9. ♦ ἀντιλαμβάνω steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κυβέρνησις ist Hapax legomenon im NT. ♦ γένος, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; *Phil 3,5. ♦ γλῶσσα, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; 14,2. 2 (1Kor) 457 <?page no="458"?> Zur Rekonstruktion: Erneut ist die weitreichende Übereinstimmung zwischen Bezeugung bzw. fehlender Bezeugung und Lexik auffallend. Beim bezeugten Text finden sich anderweitig vorkanonische Bezeugungen der Termini und Wendungen. Was den unbezeugten Textteil betrifft, können allenfalls noch die ersten beiden Termini der Aufzählung (διδασκάλους; δυνάμεις) gestanden sein, denn mit dem für eine Hinzufügung bereits verräterischen ἔπειτα wird ein Begriff verwendet, der nurmehr kanonisch belegt ist, so auch ἀντιλήμψεις. Falls diese Rekonstruktion korrekt ist, würde sich auch erklären, dass möglicher‐ weise auch der dieselben Begriffe aufführende nächste Vers 29 vorkanonisch gestanden hat, auch wenn er unbezeugt ist. (12,29) Zur Lexik vgl. zum voranstehenden Vers. Zur Rekonstruktion: vgl. die Bemerkung zum voranstehenden Vers. Trotz der Lexik, die für die mögliche vorkanonische Präsenz dieses Verses spricht, weist die rhetorische Form der rhetorischen Fragen, die zuvor nur auf der kanonischen Ebene begegnen, auf diese Ebene hin. Sollte der Vers vorkanonisch gestanden sein, wird man wohl eher anstelle dieser rhetorischen Fragen mit verkürzten Aussagen rechnen müssen. (12,30) ἴαμα, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,9, vgl. zuvor Vers 28. ♦ γλῶσσα steht 54 / 50 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; 14,2. ♦ γλῶσσα + λαλέω steht 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Mk 16,17, im sekundären Markusschluss; 1Kor 12,30; 14,6. 18). ♦ διερμηνεύω, das 8 / 6 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 24,27; Apg 9,36; 1Kor 14,5. 13. 27). Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers spricht die Lexik für die Zuordnung zur kanonischen Ebene aufgrund der ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente (γλῶσσα + λαλέω; διερμηνεύω). Der Vers wird vorkanonisch gefehlt haben. (12,31) ζηλόω steht 20 / 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ζηλοῦτε δέ steht nur noch 1 weiteres Mal, 1Kor 14,1, auch auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ μείζονα steht weiter nur noch in Joh (1,50; 5,20; 14,12). ♦ Die Variante κρείσσων oder κρείττων, die 23 im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὁδός, das 107 / 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 11,33. Zur Rekonstruktion: Wie die Variante bereits ausweist, scheint dieser vorkano‐ nisch bezeugte Vers von der kanonischen Redaktion überarbeitet worden zu 458 Rekonstruktion <?page no="459"?> sein. Aus einer Reflexion wurde der Text in die exhortative Predigtstruktur eingepasst, die bereits zuvor auf der kanonischen Ebene festgestellt wurde. Die Rekonstruktion weist folglich eine leicht veränderte grammatische Struktur auf, die jedoch i.W. den durch Tertullian gegebenen Wortbestand wiedergibt. Kapitel 13 13,1 2-4 [5] 6-7 [8-12] 13: Das Größte ist die Liebe Da dieses Kapitel nur mit einem Hinweis durch Tertullian als präsent bezeugt ist, stellt sich die Frage nach dem möglichen Wortlaut. Hier helfen Handschrif‐ tenvarianten, Lexik und Semantik etwas weiter, auch wenn die Rekonstruktion mit Unsicherheiten belastet ist. Es wird jedoch deutlich, dass das Grundgerüst dieser Ausführungen zur Liebe bereits vorkanonisch vorhanden war, das an etlichen Stellen von der kanonischen Redaktion erweitert wurde. 13,1 Ἐὰν ταῖς γλώσσαις τῶν ἀνθρώπων λαλῶ καὶ τῶν ἀγγέλων, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, γέγονα χαλκὸς ἠχῶν ἢ κύμβαλον ἀλαλάζον. 13,1 Ἐὰν ταῖς γλώσσαις τῶν ἀνθρώπων λαλῶ καὶ τῶν ἀγγέλων, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, γέγονα χαλκὸς ἠχῶν ἢ κύμβαλον ἀλαλάζον. 2 καὶ ἐὰν ἔχω προφητείαν, καὶ εἰδῶ τὰ μυστήρια πάντα καὶ πᾶσαν τὴν γνῶσιν, 2 καὶ ἐὰν ἔχω προφητείαν καὶ εἰδῶ τὰ μυστήρια πάντα καὶ πᾶσαν τὴν γνῶσιν, καὶ ἐὰν ἔχω πᾶσαν τὴν πίστιν ὥστε ὄρη μεθιστάνειν, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, οὐθέν εἰμι. 3 καὶ ἐὰν παραδῶ τὸ σῶμά μου ἵνα καυθήσομαι, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, οὐδὲν ὠφελοῦμαι. 3 κἂν ψωμίσω πάντα τὰ ὑπάρχοντά μου, καὶ ἐὰν παραδῶ τὸ σῶμά μου ἵνα καυχήσωμαι, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, οὐδὲν ὠφελοῦμαι. 4 Ἡ ἀγάπη χρηστεύεται, οὐ ζηλοῖ, οὐ περπερεύεται, 4 Ἡ ἀγάπη μακροθυμεῖ, χρηστεύεται ἡ ἀγάπη, οὐ ζηλοῖ, ἡ ἀγάπη οὐ περπερεύεται, οὐ φυσιοῦται, - 5 οὐκ ἀσχημονεῖ, οὐ ζητεῖ τὰ ἑαυτῆς, οὐ παροξύνεται, οὐ λογίζεται τὸ κακόν, 6 οὐ χαίρει ἐπὶ τῇ ἀδικίᾳ, 6 οὐ χαίρει ἐπὶ τῇ ἀδικίᾳ, συγχαίρει δὲ τῇ ἀληθείᾳ· 7 πάντα πιστεύει, πάντα ἐλπίζει, πάντα ὑπομένει. 7 πάντα στέγει, πάντα πιστεύει, πάντα ἐλπίζει, πάντα ὑπομένει. - 8 Ἡ ἀγάπη οὐδέποτε πίπτει. εἴτε δὲ προφητεῖαι, καταργηθήσονται· εἴτε γλῶσσαι, παύσονται· εἴτε γνῶσις, καταργηθήσεται. 2 (1Kor) 459 <?page no="460"?> 9 ἐκ μέρους γὰρ γινώσκομεν καὶ ἐκ μέρους προφητεύομεν· - 10 ὅταν δὲ ἔλθῃ τὸ τέλειον, τὸ ἐκ μέρους καταργηθήσεται. 11 ὅτε ἤμην νήπιος, ἐλάλουν ὡς νήπιος, ἐφρόνουν ὡς νήπιος, ἐλογιζόμην ὡς νήπιος· ὅτε γέγονα ἀνήρ, κατήργηκα τὰ τοῦ νηπίου. - 12 βλέπομεν γὰρ ἄρτι δι’ ἐσόπτρου ἐν αἰνίγματι, τότε δὲ πρόσωπον πρὸς πρόσωπον· ἄρτι γινώσκω ἐκ μέρους, τότε δὲ ἐπιγνώσομαι καθὼς καὶ ἐπεγνώσθην. 13 νυνὶ δὲ μένει τὰ τρία ταῦτα πίστις, ἐλπίς, ἀγάπη· μείζων δὲ τούτων ἡ ἀγάπη. 13 νυνὶ δὲ μένει πίστις, ἐλπίς, ἀγάπη, τὰ τρία ταῦτα· μείζων δὲ τούτων ἡ ἀγάπη. A. *13,1-13: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,9-10: de dilectione quoque omnibus cha‐ rismatibus praeponenda apostolum instruxerit principali praecepto, quod probavit et Christus, [10] Diliges dominum de totis praecordiis et totis viribus et tota anima tua et proximum tuum tanquam te ipsum. Et si quod in lege scriptum esset commemorat, in aliis linguis et in aliis labiis locuturum creatorem, cum hac commemoratione charisma linguarum confirmat, nec hic potest videri alienum charisma creatoris praedicatione confirmasse. *13,13: Vgl. (Pseudo-? )Ephr., Er‐ klärung des Evangeliums (30 Schäfers): „Denn auch jene Liebe, die der Apostel mehr als alles schätzt, vermögen wir, wenn wir glauben, durch unseren Glauben zu erlangen.“ B. (13,2) μεθιστάναι begegnet in den Zeugen P 46 , 01 1 , 03, 06, 010, 012, 048, 33, 81, 104, 326, 1175, 1241, 1739, Cl, während sich μεθιστάνειν in den Zeugen findet 02, 04, 018, 020, 044, 365, 630, 1505, 1881, 2464, M. ♦ (13,3) Die Variante καυθήσομαι findet sich in den Zeugen 04, 06, 010, 012, 020, 6, 81, 104, 630, 945, 1175, 1881*, latt, sy hmg , Tert, Ambst, Hier mss ; das verwandte, jedoch weniger scharfe καυθήσωμαι bieten 018, 044, 365, 1241, 1739 c , 1881 c , 2464, M. Immer noch eine Reflektion dieser Formulierung bietet das καυθῇ von 1505, sy h , während καυχήσωμαι geboten wird von P 46 , 01, 02, 03, 048, 33, 1739*, co, Hier mss . ♦ (13,4) Post χρηστεύεται add ἡ ἀγάπη in (P 46 ) 01, 02, 03, 06, 010, 012, 018, 020, 044, 048, 0243, 81, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, sy. Das scheint aber das Result der kanonischen Duplikationstendenz zu sein; om in 03, 33, 104, 629, 1175, 2464, lat, sa bo ms , Cl, Ambst. ♦ Post ζηλοῖ add ἡ ἀγάπη in (P 46 ) 01, 02, 03, 06, 010, 012, 018, 020, 044, 048, 0243, 81, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, sy; om 03, 33, 104, 629, 1175, 2464, lat, sa bo ms , Cl, Ambst. ♦ Anstelle von ἀσχημονεῖ bieten P 46 (1241) εὐσχημονεῖ. ♦ (13,8) Die Variante ἐκπίπτει, gewiss die lectio difficilior, bieten die 460 Rekonstruktion <?page no="461"?> 200 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 509. Zeugen 01 2 , 04 3 , 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1505, 1881, 2646, M, lat, Cl pt , sie entspricht auch dem altlateinischen excidit bzw. excidet oder excedit, das erste bezeugt in 88 c , Spec var , das zweite in 51, 75, 76, 78, 89, Pel var , CypTe var , Spec ed , das dritte in 61, 88*, 88 alt , Amst var , Pel var , während πίπτει geboten wird von P 46 , 01*, 02, 03, 04*, 048, 0243, 33, 1241, 1739, (g), Cl pt und in der altlateinischen Tradition in Spm var : cadet, Ambst ad , cadit, weiter ist bezeugt decidit in Spec var , und excidit uel cadit in 77. ♦ Anstelle von καταργηθήσεται findet sich καταργηθήσονται in den Zeugen 02, 06 1 , 010, 012, 365, (01, 33), ar, vg ms , sa ms , bo ms , der Plural ist auch bezeugt in der altlateinischen Tradition 61, 77, Pel var , Ambst var . ♦ (13,10) Die τότε Variante findet sich in den Zeugen 06 1 , 018, 020, 630, 1505, 2464, M, sy, Or pt , während sich τό findet in P 46 , 01, 02, 03, 06*, 010, 012, 025, 044, 0243, 6, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1739, 1881, latt, co, Ir lat , Or pt . ♦ (13,11) Das δέ findet sich in den Zeugen 01 2 , 06 2 , 010, 012, 018, 020, 016, 044, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, b, vg cl , sy, Tert, Cl, Meth, und in der altlateinischen Tradition in 51, 54, 58, 77, 78, 88, 89, während es fehlt in 01*, 02, 03, 06*, 048, 0243, 6, 1739, ar, vg st , Ambst, Pel. ♦ (13,12) Das ὡς nach ἄρτι findet sich in den Zeugen 06, 0243, 81, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, sy p.h** , Cl pt , während 33 δι εσοπτρου ως hat, schließlich findet sich auch noch die Variante δι εσοπτρου και in 020, (44), ar, (Ir lat ), Or. ♦ Anstelle von πίστις, ἐλπίς, ἀγάπη, τὰ τρία ταῦτα findet sich folgende Wortstellung, τὰ τρία ταῦτα πίστις, ἐλπίς, ἀγάπη, in P 46 , (sy p ), Cl, Or. C. 1. (13,1-13) Alle Editoren sind sich darüber einig, dass für das 13. Kapitel außer dem kurzen Hinweis darauf, dass das höchste Gebot das der Liebe ist, „weiter nichts“ bezeugt ist und jede Kenntnis zu diesem Kapitel „im einzelnen ungewiß“ sei, wie Zahn sich ausdrückt. 200 Gleichwohl bietet BeDuhn eine Übersetzung, der folgender Text zugrunde liegt: 1 [Ἐὰν ταῖς γλώσσαις τῶν ἀνθρώπων λαλῶ καὶ τῶν ἀγγέλων,] ἀγάπην [δὲ μὴ ἔχω, γέγονα χαλκὸς ἠχῶν ἢ κύμβαλον ἀλαλάζον. 2 καὶ ἐὰν ἔχω προφητείαν καὶ εἰδῶ τὰ μυστήρια πάντα καὶ πᾶσαν τὴν γνῶσιν, καὶ ἐὰν ἔχω πᾶσαν τὴν πίστιν ὥστε ὄρη μεθιστάναι, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, οὐθέν εἰμι … 8 εἴτε δὲ προφητεῖαι, καταργηθήσονται: εἴτε γλῶσσαι, παύσονται: εἴτε γνῶσις, καταργηθήσεται … 13 … μένει πίστις, ἐλπίς, ἀγάπη,] μείζων δὲ τούτων ἡ ἀγάπη. Seine Begründung lautet, dass Tertullians Zeugnis „vielleicht die Verse 8 und ebenfalls 13 einschließt“; er gibt dann allerdings gleich zu bedenken, dass „die Möglichkeit bestehen bleibt, dass das eigentliche Gedicht der Liebe der Verse 4-7 gefehlt habe“. 201 In der Tat wurde ja die Heraushebung der Liebe 2 (1Kor) 461 <?page no="462"?> 201 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 283. bereits mit 12,31 vorbereitet und scheint direkt das Ende (ἡ ἀγάπη) von 13,13 anzuschließen. Eine, wenn auch unsichere Bezeugung findet sich in (Pseudo-? )Ephr., Erklä‐ rung des Evangeliums, nachdem Verse in dieser Schrift zu finden sind, die aus der *10-Briefe-Sammlung stammen können, ja bei *Gal 5,9 sogar wahrscheinlich ist, dass er dieser Sammlung entnommen ist. Die Rede von den ταῖς γλώσσαις τῶν ἀνθρώπων, auf die dann Tertullian ebenfalls anzuspielen scheint, kann auf Vers 1 hinweisen, entspricht wegen der Abgrenzung (aliis linguis) jedoch eher dem Text, der in 14,2 folgt (ὁ γὰρ λαλῶν γλώσσῃ οὐκ ἀνθρώποις λαλεῖ ἀλλὰ θεῷ), wie schon Harnack gesehen hat, was von BeDuhn jedoch als „unzureichend“ zurückgewiesen wurde. BeDuhn nimmt stattdessen die Verse 13,8 und 14,13 als Bezüge (13,8: Ἡ ἀγάπη οὐδέποτε πίπτει. εἴτε δὲ προφητεῖαι, καταργηθήσονται: εἴτε γλῶσσαι, παύσονται: εἴτε γνῶσις, καταργηθήσεται; 14,13: διὸ ὁ λαλῶν γλώσσῃ προσευχέσθω ἵνα διερμηνεύῃ), doch hier fehlt sowohl diese Abgrenzung wie auch der Gottesbezug, der in Tertullians Argument vorausgesetzt ist. ἄγγελοι waren zuvor bereits *1Kor 4,9 begegnet, und von einem Engel ist auch *Ev 7,27 die Rede. Geht das Liebeslied, oder wesentliche Teile desselben, auf die kanonische Redaktion zurück und wurde es von dieser hier eingefügt? Auch hier kann nur der Vergleich der Lexeme bei der Entscheidung helfen. 2. (13,2) Die auf der kanonischen Ebene zu findende (gg. NA 28 ) nicht kausale präsentische Form μεθιστάνειν ist, wenn keine Verschreibung, dann eine Ver‐ flachung des Arguments. 3. (13,11) Die Weglassung von δέ nach ὅτε geht vielleicht auf eine theologi‐ sche Harmonisierung zurück, die in die Biographie des Paulus keine solche Entwicklung eintragen wollte. D. (13,1) γλῶσσα, das 54 / 50 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; 14,2. ♦ Der Ausdruck γλώσσαις τῶν ἀνθρώπων steht nur hier. ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. ♦ Der Ausdruck μὴ ἔχω steht nur in diesem Zusammenhang, 13,1. 2. 3. ♦ χαλκός, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (Mt 10,9; Mk 6,8; 12,41; 1Kor 13,1; Apk 18,12). ♦ Das im NT sehr seltene ἠχέω steht jedoch nur noch 1 weiteres Mal und zwar auch auf der vorkanonischen Ebene, *Ev 21,25. ♦ κύμβαλον ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀλαλάζω steht nur hier und noch 1 weiteres Mal Mk 5,38. 462 Rekonstruktion <?page no="463"?> Zur Rekonstruktion: Tertullian verrät, dass es in diesem Kapitel um die Liebe geht, die gleich im ersten Vers begegnet. Es liegt zweifelsohne eine sehr spezielle Lexik in diesem Text vor. Desto erstaunlicher ist es, dass mit Ausnahme von χαλκός und ἀλαλάζω, die beide seltene Begriffe im NT sind, alle anderen Termini, z.T. ebenfalls ein selten erim NT, weiter vorkanonisch bezeugt sind bzw. das Hapax legomenon κύμβαλον begegnet. Betrachtet man sich die Semantik, lässt sich feststellen, dass χαλκός hier als Musikinstrument begegnet, während es kanonisch im Sinne von Bronze(münze) steht (Mt 10,9; Mk 6,8; 12,41; Apk 18,12). Hieraus lässt sich schließen, dass der Vers, auch wenn er schlecht bezeugt ist, vermutlich vorkanonisch vorhanden war. (13,2) Die Verseröffnung καὶ ἐὰν ἔχω, die im selben Vers wiederholt wird und nur mit dem καὶ ἐὰν ἔχω mit dem μὴ ἔχω im Vers zuvor und wieder in Vers 4 korrespondiert, kehrt sonst im NT nicht wieder. ♦ προφητεία steht 21 / 19 Mal im NT und ist vorkanonisch bei *Paulus bezeugt. ♦ οἶδα steht 339 / 318 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ μυστήριον steht 30 / 28 Mal im NT und ist bereits *1Kor 2,1 begegnet. ♦ πᾶσαν steht 53 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung πάντα καὶ πᾶσαν steht nur hier. ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8 und *Phil 3,8. ♦ πίστις steht 257 / 243 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. 20; 3,11. 26; 5,6; *1Kor 12,9; *2Kor 4,13; *Röm 1,17; 5,1; *Laod 4,5. Auffallenderweise ist der Begriff im selben Zusammenhang, *1Kor 12,9, bezeugt. ♦ ὄρος, das 68 / 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,24. ♦ μεθίστημι steht 5 Mal im NT, immer nur auf der kanonischen Ebene (Lk 16,4; Apg 13,22; 19,26; 1Kor 13,2; Kol 1,13). ♦ οὐθέν steht 7 Mal im NT, überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8. Zur Rekonstruktion: Für diesen Vers gibt es keinen Zeugnisanhalt bei Tertullian. Aufgrund der Lexik mit μεθίστημι und οὐθέν fallen zwei Termini auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind. Nun stehen beide nicht sehr häufig im NT, aber es muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass der Passus καὶ ἐὰν ἔχω πᾶσαν τὴν πίστιν ὥστε ὄρη μεθιστάναι, ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω, οὐθέν εἰμι eine kanonische Hinzufügung darstellt, das würde auch die schlichte Duplikation des Anfangs im selben Satz und diejenige des ἀγάπην δὲ μὴ ἔχω erklären. (13,3) Die Kontraktion κἄν steht 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ψωμίζω steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene Röm 12,20. ♦ ὑπάρχω, das 66 / 60 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,6. ♦ παραδίδωμι wird auf der vorkanonischen Ebene häufig gebraucht in *Ev und dann in *1Kor 5,5. ♦ καυχάομαι steht 39 / 37 Mal im NT, ausschließlich 2 (1Kor) 463 <?page no="464"?> in der Briefliteratur. Für die vorkanonische Ebene ist der Begriff bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. Eher für die vorkanonische Fassung ist jedoch die Variante καυχήσομαι anzunehmen. ♦ Das Verb καίω steht 17 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,35. ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.) das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,4. ♦ ὠφελέω steht 17 / 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. Zur Rekonstruktion: Auch bei diesem Vers fallen die vorkanonisch nicht be‐ zeugten Elemente auf. Mit κἂν ψωμίσω stehen gleich zwei nebeneinander, vermutlich wird deshalb κἂν ψωμίσω πάντα τὰ ὑπάρχοντά μου ebenfalls eine kanonische Weiterung darstellen. Der Rest dürfte vorkanonisch gestanden sein. (13,4) μακροθυμέω steht 11 / 10 Mal im NT und findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Das Nomen μακροθυμία, das 14 Mal im NT steht, findet sich ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene, ebenso das Adverb μακροθύμως (Apg 26,3). ♦ χρηστεύομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ ζηλόω wurde als markionitische Lesart in *Gal 5,20 notiert. ♦ περπερεύομαι ist Hapax legomenon im NT und fehlt auch in LXX. ♦ φυσιόω, das 7 Mal im NT steht, jedoch nur für die kanonische Ebene bezeugt ist. Zur Rekonstruktion: Wenn wir nach demselben Prinzip auch hier vorgehen, dann könnten die Begriffe μακροθυμεῖ und οὐ φυσιοῦται auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (13,5) ἀσχημονέω steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in 1Kor 7,36, ebenso das Adjektiv ἀσχήμων in 1Kor 12,23 und auch das Nomen ἀσχημοσύνη in Röm 1,27; Apk 16,15. Dasselbe gilt für die Variante εὐσχημονεῖ. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ παροξύνω ist weiter nur ein Mal auf der kanonischen Ebene nachweisbar (Apg 17,16). ♦ Einen wichtigen Hinweis liefert das unscheinbare Verb λογίζομαι, das im NT 43 / 41 Mal steht, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden ist, man betrachte sich etwa nur das in der vorkanonischen Ebene fehlende Kapitel Röm 4 (Röm 4,3. 4. 5. 6. 8. 9. 10. 11. 22. 23. 24). ♦ κακός steht 54 / 50 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6 und *Röm 12,17. Zur Abwesenheit: Dieser Vers scheint aufgrund der Lexik, vorkanonisch gefehlt zu haben. (13,6) χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ ἀδικία, obwohl es lediglich 27 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 16,9; *Röm 1,18 und *2Thess 2,12. ♦ Zu συγχαίρω als Begriff der kanonischen Ebene vgl. zuvor zu 12,26. 464 Rekonstruktion <?page no="465"?> Zur Rekonstruktion: Aufgrund der Lexik stand vielleicht lediglich der Anfang dieses Verses im vorkanonischen Text. (13,7) στέγω, das 4 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene belegt (1Kor 9,12; 13,7; 1Thess 3,1. 5). ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten πιστεύω vgl. zuvor zu Vers 11,18. ♦ ἐλπίζω, das 32 / 31 Mal im NT steht ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; 24,21. ♦ ὑπομένω findet sich der umgekehrte Befund, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12. ♦ Vgl. auch das Nomen ὑπομονή, das 33 / 32 Mal im NT steht, für die vorkanonische Ebene jedoch nur ein Mal bezeugt ist in *Ev 21,19. Zur Rekonstruktion: Hier fällt nur die Eröffnung als nicht vorkanonisch bezeugt auf. Dieser erste Teil könnte eine kanonische Erweiterung sein. (13,8) Einen wichtigen Hinweis bietet die Konjunktion οὐδέποτε die im NT immerhin 18 / 16 Mal begegnet, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, die eine Stelle, in der sie in Lk (15,29) steht, findet sie sich in einer für *Ev von Epiphanius für Markions Evangelium als fehlend angezeigten Perikope. ♦ πίπτω, das 112 / 90 Mal im NT bezeugt ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Derselbe eindeutige Befund gilt auch für die bezeugte Variante ἐκπίπτω, sie steht 13 Mal und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ προφητεία, das 21 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für *Paulus bezeugt. ♦ καταργέω steht 27 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ Zu γλῶσσα vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ παύω begegnet 15 Mal im NT, jedoch ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. Zur Abwesenheit: Aufgrund der Lexik mit Elementen, die auf die kanonische Redaktion zurückgehen (Duplikation, οὐδέποτε; πίπτω oder ἐκπίπτω) wird dieser Vers vorkanonisch gefehlt haben. (13,9) Die Kombination ἐκ μἐρους steht 5 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ γιγνώσκω ist mit 256 Einträgen im NT einer der beliebten Begriffe, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ προφητεύω, das 35 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,64; *1Kor 11,5; 14,1. 24. Zur Abwesenheit: Auch hier spricht die Lexik eher für das vorkanonische Fehlen dieses Verses. (13,10) Die Eröffnung ὅταν δέ steht 21 Mal im NT (17 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,54; *Kol 3,4. ♦ Die Form ἔλθῃ, die 32 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ♦ τέλειος findet sich 18 / 19 Mal im NT, davon ein Mal auf der vorkanonischen Ebene *1Kor 2,6. ♦ τότε, 2 (1Kor) 465 <?page no="466"?> das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54, vgl. weiter Vers 12. Zur Abwesenheit: Die ausschließlich kanonisch belegte Form ἔλθῃ und die erneute Wiederholung von ἐκ μέρους καταργηθήσεται macht skeptisch, was die Präsenz dieses Verses im vorkanonischen Text betrifft. (13,11) ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ ἤμην, das 16 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Das 18 / 15 Mal im NT stehende νήπιος findet sich für die vorkanonische Ebene bezeugt in *Ev 10,21; *Gal 4,3. ♦ φρονέω findet sich 34 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Zu λογίζομαι, das ausschließlich kanonisch steht, vgl. weiter oben zu Vers 5. ♦ καταργέω steht 27 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 Zur Abwesenheit: Aufgrund der Lexik (ἤμην; λογίζομαι), der Duplikation (ὅτε) und des Wechsels von der ersten Person Plural zur ersten Person Singular wird der Vers im vorkanonischen Text gefehlt haben. (13,12) βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev *2Kor 4,18. ♦ ἄρτι, das 40 / 36 Mal im NT steht, ist ein Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ ἔσοπτρον steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene, vgl. Jak 1,23. ♦ αἴνιγμα ist Hapax legomenon. ♦ Zu τότε vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27; 12,56; *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ ἐπιγιγνώσκω steht 64 / 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,2. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, Lk 24,24, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers fällt wieder durch Lexik (ἄρτι) und Dupli‐ kation (ἐκ μέρους) auf. Auch er wird vorkanonisch gefehlt haben. (13,13) νυνί steht 24 / 20 Mal im NT, und zwar nur Apg und in Briefliteratur, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 3,21 und *Laod 2,13. ♦ μένω ist ein sehr beliebter Begriff im NT mit 131 / 118 Belegen, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,28; *1Kor 7,11. ♦ ταῦτα steht 242 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ τούτων, das 72 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 9,15. Zur Rekonstruktion: Der Vers scheint in dieser Fassung aufgrund der Lexik und dem Hinweis des (Pseudo-? )Ephräm vorkanonisch gestanden zu sein. 466 Rekonstruktion <?page no="467"?> Kapitel 14 14,1-2 3-4 [5] 6-7 [8] 9 [10-14] 15 [16] 17 [18] 19: Statt Zungenrede Prophetie Diese Passage ist durch Tertullian weithin nur durch Kernworte angedeutet, doch hilft gerade hier die Lexik weiter. Ähnlich wie beim Philemonbrief, für den es keine Bezeugung gibt, bietet doch der lexikalische Vergleich ein Mittel, um vorkanonischen Textbestand wahrscheinlich zu machen, selbst wenn man im Einzelnen bei Formulierungen keine Gewissheit erreichen kann. Da der Text zunächst ohne Rücksicht auf den Inhalt, sondern allein aufgrund von Bezeugung und Lexik rekonstruiert wurde, ist es umso erstaunlicher, welche Konsistenz der so rekonstruierte Text inhaltlich ergibt. In dem rekonstruierten Passus, der in seiner Argumentation im nachste‐ henden Passus weitergeführt wird, geht es dem vorkanonischen *Paulus um eine klare Ablehnung der Zungenrede, der er zunächst die Prophetie gegenüberstellt, die er zusammenstellt mit Offenbarung, Erkenntnis und Lehre. Zungenrede hält er stattdessen für leblosen, undifferenzierten Schall, unverständliche und unschöne Worte und ein Reden in den Wind. Stattdessen soll man im Geist beten, im Geist Psalmen singen, was ein gutes Danken ist, während die Zungenrede nicht aufbauend wirke. Deshalb heißt es am Ende dieses Abschnitts, dass *Paulus lieber nur fünf Worte „durch das Gesetz“ sagen will, „um auch andere zu unter‐ weisen, als zehntausend Worte in Zungen zu stammeln.“ Der vorkanonische Text hat folglich eine klare Antithese. Die kanonische Redaktion löst diese Antithese auf, zum einen, indem sie Paulus selbst zum Zungenredner macht, zum anderen, indem sie die Antithese scheinbar aufnimmt, zunächst ein Hierarchieverhältnis von Prophetie und der niedriger stehenden Zungenrede herstellt, um dann allerdings Zungenrede und Prophetie auf eine Ebene zu stellen. Damit ihr dies gelingt, hat sie den vorkanonischen Text gründlich umgestaltet und erweitert. 14,1 Διώκετε τὴν ἀγάπην, ζηλοῦτε δὲ τὰ πνευματικά, μᾶλλον δὲ ἵνα προφητεύητε. 14,1 Διώκετε τὴν ἀγάπην, ζηλοῦτε δὲ τὰ πνευματικά, μᾶλλον δὲ ἵνα προφητεύητε. 2 ὁ γὰρ λαλῶν γλώσσῃ οὐκ ἀνθρώποις λαλεῖ ἀλλὰ τῷ θεῷ, οὐδεὶς γὰρ ἀκούει, πνεύμα δὲ λαλεῖ μυστήρια· 2 ὁ γὰρ λαλῶν γλώσσῃ οὐκ ἀνθρώποις λαλεῖ ἀλλὰ θεῷ, οὐδεὶς γὰρ ἀκούει, πνεύματι δὲ λαλεῖ μυστήρια· 3 ὁ δὲ προφητεύων ἀνθρώποις λαλεῖ οἰκοδομὴν καὶ παράκλησιν καὶ παραμυθίαν. 3 ὁ δὲ προφητεύων ἀνθρώποις λαλεῖ οἰκοδομὴν καὶ παράκλησιν καὶ παραμυθίαν. 2 (1Kor) 467 <?page no="468"?> 4 ὁ λαλῶν γλώσσῃ ἑαυτὸν οἰκοδομεῖ· ὁ δὲ προφητεύων ἐκκλησίαν θεοῦ οἰκοδομεῖ. 4 ὁ λαλῶν γλώσσῃ ἑαυτὸν οἰκοδομεῖ· ὁ δὲ προφητεύων ἐκκλησίαν οἰκοδομεῖ. - 5 θέλω δὲ πάντας ὑμᾶς λαλεῖν γλώσσαις, μᾶλλον δὲ ἵνα προφητεύητε· μείζων δὲ ὁ προφητεύων ἢ ὁ λαλῶν γλώσσαις, ἐκτὸς εἰ μὴ διερμηνεύῃ, ἵνα ἡ ἐκκλησία οἰκοδομὴν λάβῃ. 6Ἐὰν μὴ ὑμῖν λαλήσω ἐν ἀποκαλύψει ἐν προφητείᾳ ἢ διδαχῇ, 7 τὰ ἄψυχα φωνὴν διδόντα, ἐὰν διαστολὴν τοῖς φθόγγοις μὴ δῷ, 6 Νῦν δέ, ἀδελφοί, ἐὰν ἔλθω πρὸς ὑμᾶς γλώσσαις λαλῶν, τί ὑμᾶς ὠφελήσω, ἐὰν μὴ ὑμῖν λαλήσω ἢ ἐν ἀποκαλύψει ἢ ἐν γνώσει ἢ ἐν προφητείᾳ ἢ ἐν διδαχῇ; --7 πῶς γνωσθήσεται; 7 ὅμως τὰ ἄψυχα φωνὴν διδόντα, εἴτε αὐλὸς εἴτε κιθάρα, ἐὰν διαστολὴν τοῖς φθόγγοις μὴ δῷ, πῶς γνωσθήσεται τὸ αὐλούμενον ἢ τὸ κιθαριζόμενον; 8 καὶ γὰρ ἐὰν ἄδηλον σάλπιγξ φωνὴν δῷ, τίς παρασκευάσεται εἰς πόλεμον; 9 οὕτως καὶ ὑμεῖς διὰ τῆς γλώσσης ἐὰν μὴ εὔσημον λόγον δῶτε, πῶς γνωσθήσεται τὸ λαλούμενον; ἔσεσθε γὰρ εἰς ἀέρα λαλοῦντες. 9 οὕτως καὶ ὑμεῖς διὰ τῆς γλώσσης ἐὰν μὴ εὔσημον λόγον δῶτε, πῶς γνωσθήσεται τὸ λαλούμενον; ἔσεσθε γὰρ εἰς ἀέρα λαλοῦντες. - 10 τοσαῦτα εἰ τύχοι γένη φωνῶν εἰσιν ἐν κόσμῳ, καὶ οὐδὲν ἄφωνον· 11 ἐὰν οὖν μὴ εἰδῶ τὴν δύναμιν τῆς φωνῆς, ἔσομαι τῷ λαλοῦντι βάρβαρος καὶ ὁ λαλῶν ἐν ἐμοὶ βάρβαρος. 12 οὕτως καὶ ὑμεῖς, ἐπεὶ ζηλωταί ἐστε πνευμάτων, πρὸς τὴν οἰκοδομὴν τῆς ἐκκλησίας ζητεῖτε ἵνα περισσεύητε. 13 διὸ ὁ λαλῶν γλώσσῃ προσευχέσθω ἵνα διερμηνεύῃ. 14 ἐὰν [γὰρ] προσεύχωμαι γλώσσῃ, τὸ πνεῦμά μου προσεύχεται, ὁ δὲ νοῦς μου ἄκαρπός ἐστιν. 15 προσεύξωμαι τῷ πνεύματι· ψαλῶ τῷ πνεύματι. 15 τί οὖν ἐστιν; προσεύξομαι τῷ πνεύματι, προσεύξομαι δὲ καὶ τῷ νοΐ· ψαλῶ τῷ πνεύματι, ψαλῶ δὲ καὶ τῷ νοΐ. - 16 ἐπεὶ ἐὰν εὐλογῇς [ἐν] πνεύματι, ὁ ἀναπληρῶν τὸν τόπον τοῦ ἰδιώτου πῶς ἐρεῖ τὸ Ἀμήν ἐπὶ τῇ σῇ εὐχαριστίᾳ, ἐπειδὴ τί λέγεις οὐκ οἶδεν; 17 σὺ μὲν γὰρ καλῶς εὐχαριστεῖς, ἀλλ’ ὁ ἕτερος οὐκ οἰκοδομεῖται. 17 σὺ μὲν γὰρ καλῶς εὐχαριστεῖς, ἀλλ’ ὁ ἕτερος οὐκ οἰκοδομεῖται. - 18 εὐχαριστῶ τῷ θεῷ, πάντων ὑμῶν μᾶλλον γλώσσαις λαλῶ· 468 Rekonstruktion <?page no="469"?> 19 ἀλλὰ ἐν ἐκκλησίᾳ θέλω πέντε λόγους διὰ τὸν νόμον λαλῆσαι ἵνα καὶ ἄλλους κατηχήσω, ἢ μυρίους λόγους ἐν γλώσσῃ. 19 ἀλλὰ ἐν ἐκκλησίᾳ θέλω πέντε λόγους τῷ νοΐ μου λαλῆσαι, ἵνα καὶ ἄλλους κατηχήσω, ἢ μυρίους λόγους ἐν γλώσσῃ. A. *14,1-2. 6-7. 9. 15: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,4: Nunc de spiritalibus dico. Ibid. V 15,5: Et si exhibuit quod putat, sciat nos quodcunque illud ad formam spiritalis et propheticae gratiae atque virtutis provocaturos, ut et futura praenuntiet et occulta cordis revelet et sacramenta edisserat. Ibid. V 8,12: Exhibeat itaque Marcion dei sui dona, aliquos prophetas, qui tamen non de humano sensu sed de dei spiritu sint locuti, qui et futura praenuntiarint et cordis occulta traduxerint; edat aliquem psalmum, aliquam visionem, aliquam orationem, duntaxat spiritalem, in ecstasi, id est amentia, si qua linguae interpretatio accessit. ♦ *14,19: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 21 (122. 168): Πεπλανημένως ὁ Μαρκίων μετὰ τὸ ἀλλὰ ἐν ἐκκλησίᾳ θέλω πέντε λόγους τῷ νοΐ μου λαλῆσαι, ἵνα καὶ ἄλλους κατηχήσω, ἢ μυρίους λόγους ἐν γλώσσῃ, ἑτέρως δὲ διὰ τὸν νόμον. B. (14,2) Die Hinzufügung des Artikels τῷ vor θεῷ begegnet in den Zeugen 01 2 , 02, 06 2 , 018, 020, 044, 0243, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, während der Artikel fehlt in P 46 , 01*, 03, 06*, 010, 012, 025, 6, 630, 1739. ♦ Anstelle von πνεύματι steht der Nominativ πνεύμα in den Zeugen 010, 012, b, vg mss , er findet sich auch in der altlateinischen Tradition: 51, 54, 75, 76, 77, 89, Ambst a , Pel var . ♦ (14,4) Post ἐκκλησίαν add θεοῦ in 010, 012, b, vg mss und in der altlateinischen Tradition in 51, 58, 77. ♦ (14,5) Die Variante ᾖ ὁ διερμηνεύει steht in den Zeugen 010, 012; hingegen findet sich διερμηνεύει in 020, (044), 81, 104, 630, 1175, 1241, 2464, M, dann τις διερμηνεθεῖ in 1505, 1881, dann τις διερμηνεύη 0243, 1739, dann διερμηνεθῶν in 06* und die kanonische Form in P 46 , 01, 02, 03, 06 2 , 018, 025, 048, 0289 vid , 33, 365, 629, lat. ♦ (14,6) Post ἤ 4 add ἐν in 01 2 , 02, 03, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 048, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1505, 2464, M, lat, Cl, Ambst; om in P 46 , 01*, 06*, 010, 012, 0243, 630, 1739, 1881, vg mss , Pel. ♦ (14,8) Die Wortstellung φωνὴν σάλπιγξ ist bezeugt durch 03, 06, 010, 012, 018, 020, 044, 365, 1175, M, latt, während die umgekehrte Wortstellung sich findet in P 46 , 01, 02, 25, 048, 0243, 0289, 33, 81, 104, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464. ♦ (14,10) Post οὐδέν add αὐτῶν in 01 2 , 06 2 , 018, 020, 044, 104, 630, 1505, M, ar, g, vg mss , sy, auch in der altlateinischen Tradition in 51, 54, 58, 61, 76, 78, 88, 89, Ambst, Pel var ; om in P 46 , 01*, 02, 03, 06*, 010, 012, 025, 048 vid , 0243, 0289, 6, 33, 81, 365, 1175, 1241, 1739, 1881, 2464, b, vg, co, Cl, Ambst. ♦ (14,11) Post λαλῶν add ἐν in 01, 02, 03, 018, 025, 044, 0289, 104, 365, 630, 2464, M; om in P 46 , 06, 010, 012, 0243, 6, 81, 945, 1175, 1739, 1881, latt, co, Cl. ♦ (14,13) Anstelle von διό in den Zeugen P 46 , 01*, 02, 03, 06 s , 010, 012, 025, 048, 0243, 0289, 33, 81, 630, 1241, 2 (1Kor) 469 <?page no="470"?> 202 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 107. 1739, 1881, 2464, findet man διόπερ in den Zeugen 01 2 , 018, 020, 044, 104, 365, 1175, 1505, M. ♦ (14,14) Post ἐάν add γάρ in 01, 06 s , 018, 020, 025, 044, 048, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 2464, M, lat, sy bo; om in P 46 , 03, 010, 012, 0243, 1739, 1881, b, sa, Ambst. Zuntz hält das Fehlen für die ältere Version. 202 ♦ (14,15) Die konjunktivische Form προσεύξωμαι 1 ist bezeugt durch 01, 02, 06 s , 010, 012, 025, 33, 1241, 2464, während προσεύξομαι bezeugt wird durch 03, 018, 020, 044, 0243, 81, 104, 365, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, M, latt, Or. ♦ Die konjunktivische Form προσεύξωμαι 2 ist bezeugt durch 02, 06 s , 010, 012, 025, 33, 2464, während προσεύξομαι 2 bezeugt wird durch 01, 03, 018, 020, 044, 0243, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, latt, Or. ♦ (14,16) Die Aoristzeitform εὐλογήσῃς findet sich bezeugt in P 46 , 010, 012, 018, 020, 044, 048, 630, 1505, M, während das Präsenz εὐλογῇς bezeugt wird durch 01, 02, 03, 06 s , 025, 0243, 6, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1739, 1881, 2464. ♦ Das auf der kanonischen Ebene nachfolgende ἐν om in P 46 , 01*, 01, 010, 012, 0243, 33, 629, 1241, 1881, anstelle dessen steht ein τω in den Zeugen 018, 020, 044, 104, 630, 1505, 1739, 2464, M; add ἐν in 01 2 , 03, 06 s , 025, 81, 365, 1175. ♦ (14,18) Post θεῷ add ὅτι in 010, 012, lat, Pel, stattdessen steht ein μου in den Zeugen 018, 020, 326, 614, 629, 945, (vg cl ), sa. ♦ Post μᾶλλον add ὐπέρ in P 46 . ♦ (14,19) Anstatt des von Epiphanius bezeugten διὰ τὸν νόμον steht τῷ νοΐ μου in 01, 02, 03, 06, 012, 025; ἐν τῷ νόμῳ schreibt Paulinus von Nola (Epist. 23,36 Migne 61,280). C. 1. Tertullian scheint in Adv. Marc. V 8,10 unmittelbar von seinem Hinweis auf Kapitel 13 zu *1Kor 14,19 überzugehen. Hilgenfeld meint, es sei wenig in diesem Kapitel bezeugt, allenfalls die Verse 2. 14. 21. 25 und 34. Zahn rechnet zwar mit den Versen 1-18, jedoch in unbestimmbarer Form. Harnack und Schmid sehen sie als unbezeugt. BeDuhn sieht in Tert., Adv. Marc. V 8,12 jedoch eine Anspielung auf Vers 14. Hilgenfeld verweist mit Blick auf Tert., Adv. Marc. V 15,5 auf Vers 2. Im zweiten Tertullianzitat ist vom Gebet in Zungen und im Geist die Rede, hierfür sind die nähere Parallele tatsächlich die Verse 1-2, wo wir wie bei Tertullian unmittelbar den Zusammenhang von Gottes Gaben und Propheten, die nicht aus menschlichem Verstehen, sondern aus Gottes Geist reden, finden. Überhaupt lässt ein sorgfältiger Vergleich dieser Stelle bei Tertullian mit den Versen weiteres Wortmaterial erkennen, auf das angespielt wird und welches im Text fettgedruckt angezeigt wird. 470 Rekonstruktion <?page no="471"?> 2. (14,1) τὰ πνευματικά führt zurück zu 12,1 (Tert., Adv. Marc. V 8,4: Nunc de spiritalibus dico), das προφητεύητε klingt an in Tert., Adv. Marc. V 15,5: ad formam spiritalis et propheticae gratiae und in ibid. V 8,12: aliquos prophetas. 3. (14,2) λαλῶν γλώσσῃ οὐκ ἀνθρώποις λαλεῖ ἀλλὰ θεῷ (non de humano sensu sed de dei spiritu sint locuti). Die gegebenen Verse sind offenkundig durch die kanonische Redaktion nicht nur erweitert, sondern auch stark überarbeitet worden, wobei πνεύματι in dei spiritu sint und λαλεῖ μυστήρια in occulta traduxerint anklingt, letzteres kann auch weiter unten auf Vers 25 anspielen. 4. (14,5) Die grammatikalisch nicht ganz einfache Konstruktion des Satzes hat den Kopisten und Redakteuren manches Kopfzerbrechen bereitet, wie die Varianten zeigen. Wie die Lexik unten zeigt, wird dieser Vers vorkanonisch gefehlt haben. Inhaltlich verwässert er die zuvor vorkanonisch vorgetragene Kritik an der Zungenrede, indem sie in diesem Vers sogar befürwortet wird („ich wünschte aber, ihr alle würdet in Zungen reden“), auch wenn sie der Prophetie hierarchisch nachgeordnet wird. Doch auch diese Nachordnung wird noch relativiert, indem die Zungenrede dessen, der diese vorträgt und der Gemeinde zum Aufbau übersetzt, sogar mit der Prophetie auf eine Ebene gestellt wird - eine eklatante Abweichung von der vorkanonischen Vorgabe. Diese gegen den vorkanonischen Sinn gehende Aufwertung der Zungenrede wird durch den nachfolgenden Vers noch weiter kanonisch gestützt. 5. (14,6) In Fortsetzung des gerade zu Vers 5 ausgeführten, wird der kanoni‐ sche Paulus nun selbst zu jemandem, der in Zungen zur Gemeinde spricht. Ohne diesen Einschub gehört der verbleibende Teil des Verses zur grammatischen Struktur des nachfolgenden Verses 7. In diesem verbleibenden Teil sind zwei Begriffe durch Tertullian bezeugt, der Versteil wird also vorkanonisch gestanden sein, das wird auch durch die Lexik, wie unten gezeigt, gestützt. 6. (14,7) Wie die Lexik zeigt, weist auch dieser Vers kanonische Elemente auf. Sobald diese ausgeschieden sind, schließt der Vers an Vers 6 an. Die Frage nach der Erkenntnis bezieht sich dann nicht, wie auf der kanonischen Ebene, auf die Instrumente allein, sondern auch auf das Reden mit Bezug auf Offenbarung, Erkenntnis, Prophetie und Lehre, d. h. vorkanonisch ist dies die Weiterführung der Kritik und Ablehnung der Zungenrede. Diese Ablehnung wurde verdeckt durch die kanonischen Zusätze. 7. (14,8) In diesem von der kanonischen Redaktion hinzugefügten Vers werden die kanonisch genannten Musikinstrumente von Vers 7 (Flöte; Harfe) erweitert durch die Trompete. Erkennbar geht es um die weitere argumentative Logik, dass Zungenrede erlaubt sei, so lange sie klar vorgebracht wird. 8. (14,9) Dieser vorkanonische Vers hingegen trägt wieder die vorkanonische Kritik an der Zungenrede vor: Zungenrede ist eine Rede in den Wind, denn sie 2 (1Kor) 471 <?page no="472"?> 203 Ibid. 104. 204 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 509-510. bringt kein verständliches Wort vor und niemand kann das Gesagte verstehen. Dass die kanonische Redaktion hier wieder eine Inkonsistenz stehen ließ, erkennt man am Duktus, denn das in der Übersetzung (Einheitsübersetzung) eingefügte „aber“ („aber kein verständliches Wort hervorbringt“) ist auf der kanonischen Ebene notwendig, hierfür fehlt aber ein griechisches Äquivalent. 9. (14,10) Die Hinzufügung von αὐτῶν hinter οὐδὲν ist die lectio difficilior, wäre aber auch die sinnvollere Lesart. 10. (14,11) Das ἐν ist gewiss auf der kanonischen Ebene unnötig eingedrungen, es fehlt in einschlägigen Zeugen. Allerdings hatte sich Zuntz gegen die Tilgung des ἐν ausgesprochen. 203 11. (14,19) Das Zeugnis des Epiphanius, das an erster Stelle ὁ Μαρκίων aus‐ lässt, hat in der Forschung schon manches Rätselraten erzeugt. Meyboom notiert die Variante. Karl Holl rekonstruiert den Text: Πεπλανημένως ὁ Μαρκίων <μετὰ τὸ> ἀλλὰ ἐν ἐκκλησίᾳ θέλω πέντε λόγους τῷ νοΐ μου λαλῆσαι, ἵνα καὶ ἄλλους κατηχήσω, ἢ μυρίους λόγους ἐν γλώσσῃ, προσέθετο διὰ τὸν νόμον. Zahn kommentiert: „Diese unklare Angabe wird durch die übrigens auch recht ungenaue Bemerkung“ in Epiphanius’ Elenchus „doch deutlicher“, wenn es dort heißt: σὺ δὲ προσέθηκας, ὦ Μαρκίων, τό δία τὸν νόμον, ὡς τοῦ ἀποστόλου λέγοντος θέλω πέντε λόγους ἐν ἐκκλησίᾳ <λαλῆσαι> διὰ τὸν νόμον. Mrc. hatte statt δια του νοος μου“ (018, 020 etc.) „den Schreibfehler δια του νομου vorgefunden, dessen Unabhängigkeit von Mrc. und hohes Alter dadurch verbürgt ist, daß die von Ambrosiaster benutzte lat. Übersetzung ihn voraussetzt (… per legem), ähnlich dem aus τῳ νοϊ μου“ (01, 02, 03, 06, 012, 025) „entstandenen Fehler εν τῳ νομῳ, welchen Paulinus von Nola (Epist. 23,36 Migne 61 col. 280) voraussetzt. Durch die 5 Worte ließ man sich an den Pentateuch erinnern cf. Hieron. epist. 53,8. Welchen Sinn aber Mrc. durch die leise Änderung des sinnlosen und für ihn unerträglichen του νομου in τον νομον herausbringen wollte, wage ich nicht zu sagen“. 204 Im Unterschied zu Zahn hält Harnack die Variante nicht für „eine tendenziöse Korrektur, sondern ein uralter (sic! ) Fehler, den Paulin v. Nola und Ambrosiaster ähnlich bezeugen … In der Bibel der Marcioniten, die Epiph. las, war der Zusatz in den Text neben τῷ νοΐ gekommen oder umgekehrt. Was sie sich dabei gedacht haben, ist dunkel: διὰ τὸν νόμον kann doch nicht heißen: ‚um das Gesetz zu bekämpfen‘. Wahrscheinlich ist διὰ c. Acc. hier = διὰ c. Genet., wie so oft in der 472 Rekonstruktion <?page no="473"?> 205 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 90*. 206 Epiphanius, The Panarion Book I (Sects 1-46) (2009), 325. späteren Zeit“. 205 Außerdem hält er Holls Konjektur προσέθετο für ἑτέρως δέ für korrekt. Schmid gibt als markionitischen Text: ἀλλὰ ἐν ἐκκλησίᾳ θέλω πέντε λόγους διὰ τὸν νόμον λαλῆσαι und gibt den Epiphaniustext ohne die Hollsche Kon‐ jektur wieder. BeDuhn übersetzt Holl mit der Konjektur und verweist auf die englische Übersetzung von Epiphanius’ Text durch Frank Williams, der ihn wie folgt gibt: „Ich will auf der Basis des Gesetzes (nicht mehr als) fünf Worte in der Kirche aufgrund des Gesetzes sprechen“ („I wish to speak [no more than] five words in church on the Law’s account“). 206 Auch BeDuhn hält die Variante für eine ältere Verderbnis durch eine Kom‐ bination zweier existenter Varianten. Bei seiner Übersetzung schließt er sich inhaltlich Williams an und nimmt den Rest des Verses in Klammern hinzu mit angehängten Auslassungszeichen. Ein Stück der Konfusion geht auf den Herausgeber von Epiphanius, K. Holl, zurück. Denn wenn man den Handschriften folgt und ἑτέρως δέ liest, versteht man, auch im Licht des Kommentars von Epiphanius, dass dieser nicht sagen wollte, Markion habe hier einen zusätzlichen Text zu dem vorhandenen τῷ νοΐ μου gelesen, sondern hierfür einen „anderen aber“, nämlich διὰ τὸν νόμον, was ebenfalls aus dem nicht emendierten Text des Kommentars hervorgeht, wo es heißt: ὡς τοῦ ἀποστόλου λέγοντος θέλω πέντε λόγους ἐν ἐκκλησίᾳ διὰ τὸν νόμον. D. (14,1) διώκω, das 47 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ Die Form διώκετε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 14,1; 1Thess 5,15; Hebr 12,14). ♦ ζηλοῦτε δέ steht nur noch 1 weiteres Mal, zuvor 12,31 auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τὰ πνευματικά steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,12. ♦ Die Wendung μᾶλλον δέ steht 5 Mal im NT, ausschließlich kanonisch bezeugt, vgl. weiter unten zu Vers 5. ♦ προφητεύω, das 35 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,64; *1Kor 11,5; 14,1. 24, vgl. weiter die Verse 3. 4. 5. 24. 31. 39. Zur Rekonstruktion: Auch wenn wir dem Zeugnis Tertullians entnehmen können, dass der Vers in irgendeiner Weise vorhanden war und es hier um die Geistesgaben geht, lässt sich leider der Wortlaut dieses Verses nicht sichern. Die 2 (1Kor) 473 <?page no="474"?> Lexik, die Elemente aufweist, welche ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Διώκετε; ζηλοῦτε δέ; μᾶλλον δέ), spricht dafür, dass uns dieser Vers lediglich in einer stark von der kanonischen Redaktion überarbeiten Form vorliegt. (14,2) Die Form λαλῶν steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für hier. ♦ γλῶσσα, das 54 / 50 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; 14,2. ♦ Die Form λαλεῖ steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das kanonisch beliebte οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), das 96 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15; *Laod 5,29. ♦ Die Kombination οὐδεὶς γάρ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 9,39; Joh 3,2; 7,4; Röm 14,7; 1Kor 14,2; Eph 5,29). Zur Rekonstruktion: Selbst bei diesem Vers, der mit einigen Begriffen durch Ter‐ tullian bezeugt ist, besteht die Unsicherheit im Detail, weil, wie die Lexik zeigt (λαλεῖ; οὐδεὶς γάρ), Elemente vorliegen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind und darauf hinweisen, dass der Vers kanonisch erheblich überformt wurde. (14,3) Zu dem nur kanonisch belegten λαλεῖ vgl. zum voranstehenden Vers 14,2. ♦ οἰκοδομή steht 22 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. ♦ παράκλησις steht 30 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ παραμυθία ist Hapax legomenon im NT, das Verb ist nurmehr auf der kanonischen Ebene zu finden ( Joh 11,19. 31; 1Thess 2,11; 5,14). Zur Rekonstruktion: Bei diesem unbezeugten Vers findet sich das nur kanonisch belegte λαλεῖ, es muss also zumindest mit einer kanonischen Überformung gerechnet werden, wenn auch die weiteren Begriffe vorkanonisch bezeugt sind, doch auch hier ist keine Sicherheit gegeben, weil die Bezeugung des οἰκοδομή durch *Laod durchaus auch auf die Nähe zur kanonischen Ebene verweisen könnte. (14,4) ὁ λαλῶν γλώσσῃ ist zuvor in Vers 2 vorkanonisch bezeugt. ♦ οἰκοδομέω steht 47 / 40 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,47; *Gal 2,18. ♦ Die Wendung ἐκκλησία θεοῦ ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers vorkanonisch nicht bezeugt ist, spricht die Lexik mit den beiden vorkanonischen Bezeugungen und der singulären Ver‐ wendung des ungewöhnlichen ἐκκλησία θεοῦ für die vorkanonische Präsenz, auch wenn die Duplikation des οἰκοδομεῖ für eine mögliche kanonisch-redak‐ tionelle Überarbeitung spricht. 474 Rekonstruktion <?page no="475"?> (14,5) Die Eröffnung θέλω δέ steht 8 Mal im NT (5 Mal ergänzt durch ὑμᾶς), ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 20,14; Röm 1,13; 16,19, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 7,7. 32; 10,20; 11,3; 14,5). ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ Die Kombination πάντας ὑμᾶς steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 14,5; 2Kor 2,3. 5; Phil 1,7. 8; 2,26). ♦ Die Wendung μᾶλλον δέ ist nur 5 Mal im NT und immer bei Paulus zu finden, jedoch nur kanonisch bezeugt, vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ ἐκτός, das sich 9 / 8 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination εἰ μή steht 86 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 7,7, ist folglich ein beliebter Ausdruck auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐκτὸς εἰ oder ἐκτὸς εἰ μή steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 14,5; 15,2; 1Tim 5,19). ♦ Die Kombination εἰ μή + irgendein finites Verb steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 5,13; 24,22; Mk 13,20; Joh 9,33; 15,22; 18,30; 19,11; Apg 26,32; 1Kor 14,5). ♦ διερμηνεύω, das 8 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form λάβῃ steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (4 Mal Mk; Lk 18,30; 20,28; 2 Mal Joh; 1Kor 14,5; 1Thess 5,4; Jak 5,7; Apk 3,11). Zur Abwesenheit: Im Unterschied zu den voranstehenden Versen, finden sich in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers vorwiegend Elemente, die ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegt sind (θέλω δέ; πάντας ὑμᾶς; μᾶλλον δέ; ἐκτός; ἐκτὸς εἰ oder ἐκτὸς εἰ μή; εἰ μή + finites Verb; διερμηνεύω; λάβῃ), dazu kommt, dass eine wörtliche Anrede in der 1. Pers. Sg. den Vers eröffnet, ein Merkmal der kanonischen Redaktion. Der Vers ist folglich ein Produkt dieser Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (14,6) νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Kombination νῦν δέ steht 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἔλθω πρὸς ὑμᾶς begegnet noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,21). ♦ ὠφελέω, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. ♦ Die Kombination ἐὰν μή steht 44 Mal im NT, Lk 13,3. 5, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,16; *1Kor 15,36. ♦ Die Form λαλήσω steht nur hier und Joh 12,49. ♦ Die Kombination ἢ ἐν begegnet 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, wobei von besonderem Interesse die verschiedene Bezeugung für das Deuteropaulinum *Kol 2,16 ist, vgl. zu diesem Vers dort. Weiter fällt auf, dass die Wendung in eben demselben Vers 1Kor 4,21 folgt, der gerade schon zu ἔλθω πρὸς ὑμᾶς angeführt wurde. ♦ Die Form ἀποκαλύψει (aliquam visionem) steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für den Vers hier und 2Thess 1,7. ♦ Die Form γνώσει steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διδαχή (aliquam orationem), das 33 / 30 Mal im NT steht, 2 (1Kor) 475 <?page no="476"?> ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,32. ♦ προφητεία, das 21 / 19 Mal Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; *1Thess 5,20. Zur Rekonstruktion: Nach der Eröffnung, die vorkanonisch bezeugt ist, folgt offenkundig ein kanonisch-redaktioneller Einschub, der nur kanonisch belegt ist und vorkanonisch wohl gefehlt hat. Ebenso dürfte dies wohl gelten für die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu findenden und wiederholten ἤ, auch wenn wir hierfür keine Handschriftenvarianten besitzen. Insgesamt hat die kanonische Redaktion mit ihrem Einschub dem Vers eine andere grammatikalische Struktur gegeben, weil der verbleibende Text jetzt auf den Vers 7 verweist. Aus der Liste der Dinge, in denen Paulus spricht ist γνώσει auszuschließen, da es unbezeugt und nur kanonisch weiter belegt ist. (14,7) ὅμως steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 12,42; 1Kor 14,7; Gal 3,15). ♦ ἄψυχος ist Hapax legomenon im NT. ♦ αὐλός ist Hapax legomenon im NT. ♦ κιθάρα steht nur auf der kanonischen Ebene (Apk 5,8; 14,2; 15,2). ♦ διαστολή, das nur 3 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 3,22. ♦ φθόγγος, das nur noch ein Mal begegnet, steht dort auf der kanonischen Ebene (Röm 10,18). ♦ αὐλέω, das 6 Mal im NT steht, begegnet nur noch auf der kanonischen Ebene (Mt 11,17; 14,66; 26,69; Lk 7,32; 1Kor 14,7). ♦ κιθαρίζω steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Apk 14,2. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35, vgl. zu Vers 9 und 16. ♦ Die Form γνωσθήσεται steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,2. Zur Rekonstruktion: Auch wenn einige Begriffe in diesem Vers durch Tertullian bezeugt sind, fallen doch erneut ausschließlich kanonisch belegte Begriffe auf. Auch dieser Vers wurde folglich durch die kanonische Redaktion bearbeitet. Schließt man diese möglicherweise kanonischen Elemente aus, ist der Vers auch der rechte Anschluss an den verbliebenen Teilvers 6. (14,8) Die Eröffnung καὶ γὰρ ἐάν steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, Lk 6,33, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ ἄδηλος findet sich nur noch ein Mal in Lk 11,44. ♦ σάλπιγξ ist nur noch für die kanonische Ebene bezeugt (Mt 24,31; 1Kor 15,52; 1Thess 4,16; Hebr 12,19; Apk 1,10; 4,1; 8,2. 6. 13; 9,14). ♦ παρασκευάζω, das 4 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt (Apg 10,10; 1Kor 14,8; 2Kor 9,2. 3). ♦ Auch das Nomen παρασκευή, das 7 / 6 Mal im NT begegnet, steht nur auf der kanonischen Ebene (Mt 27,62; Mk 15,42; Lk 23,54; Joh 19,14. 31). ♦ πόλεμος, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,9 und *Laod 6,16 (nicht in der parallelen Stelle in Eph). Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fallen wiederum, bereits in der Eröffnung, Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen 476 Rekonstruktion <?page no="477"?> Ebene belegt sind (καὶ γὰρ ἐάν; σάλπιγξ; παρασκευάζω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (14,9) Die Verseröffnung οὕτως καὶ ὑμεῖς steht 12 Mal im NT, 8 Mal davon als Verseröffnung, vorkanonisch als solche bezeugt in *Ev 21,31. ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch nicht als Verseröffnung, aber innerhalb des Verses bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ Der Ausdruck διὰ τῆς γλώσσης steht nur hier. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Kombination ἐὰν μή, die 44 Mal im NT steht, Lk 13,3. 5, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,16; *1Kor 15,36. ♦ εὔσημος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form δῶτε steht nur hier bejaht, verneint zwei Mal auf der kanonischen Ebene (Mt 7,6; Jak 2,16). ♦ Die bereits in Vers 9 begegnende Form γνωσθήσεται steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,2. ♦ τὸ λαλούμενον steht nur hier. ♦ Die Verbform ἔσεσθε steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,22. 35. ♦ ἀήρ, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,17 (wie hier εἰς ἀέρα) und *Laod 2,2, vgl. zuvor zu Vers 7 und später Vers 16. ♦ Die Form λαλοῦντες steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,19. Zur Rekonstruktion: Im Unterschied zu dem voranstehenden vorkanonisch unbezeugten Vers, weist dieser teilweise bezeugte Vers alle Elemente der Lexik auf, die auch anderwärts vorkanonisch bezeugt sind oder singulär stehen. Der Vers wird folglich in der vorliegenden Form in der vorkanonischen Version gestanden sein. (14,10) τοσοῦτος, das 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,9. ♦ τυγχάνω begegnet 13 Mal im NT und steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 10,30; 20,35; Apg 19,11; 24,2; 26,22; 27,3; 28,2; 1Kor 14,10; 15,37; 16,6; 2Tim 2,10; Hebr 8,6; 11,35). ♦ γένος, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; *Phil 3,5. ♦ Die Wendung ἐν κόσμῳ steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 8,4. ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,2; 23,9; *1Kor 8,4. ♦ ἄφωνος, das 4 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen gleich einige Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τυγχάνω; ἐν κόσμῳ; ἄφωνος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (14,11) Die Verseröffnung ἐὰν οὖν steht 10 Mal im NT, 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; 2 (1Kor) 477 <?page no="478"?> *2Thess 1,8, vgl. weiter Vers 16. ♦ Die Form εἰδῶ steht nur noch 1 weiteres Mal, auch auf der kanonischen Ebene (1Kor 14,11). ♦ Die Verbform ἔσομαι steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene in Mt 17,17; Mk 9,19; Lk 9,41; Joh 8,55; 1Kor 14,11; 2Kor 6,16. 18; 12,6; Hebr 1,5; 2,13; 8,10. 12; Apk 21,7. ♦ βάρβαρος, das 6 Mal im NT steht, begegnet nur noch auf der kanonischen Ebene (Apg 28,2. 4; Röm 1,14; Kol 3,11). Zur Abwesenheit: Wie beim voranstehenden und mit diesem inhaltlich verbun‐ denen, jedoch vorkanonisch nicht bezeugten Vers finden sich von der Verser‐ öffnung angefangen einige Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐὰν οὖν; εἰδῶ; ἔσομαι; βάρβαρος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (14,12) Zur vorkanonisch bezeugten Verseröffnung οὕτως καὶ ὑμεῖς vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ ἐπεί steht 29 / 26 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ ζηλωτής steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ πνεύματα (Pl.), das 34 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10, vgl. weiter unten Vers 32. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ οἰκοδομή steht 22 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für *Laod 2,21. ♦ Obwohl das Verb περισσεύω 42 / 39 Mal im NT begegnet, steht es ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Die Eröffnung ist, wie zuvor zu Vers 9 gezeigt, vorkanonisch zwar belegt, doch scheint sie die kanonische Redaktion aus Vers 9 aufgegriffen zu haben, zumal sie auch Material aus Vers 4 hier wieder verwendet. Nach dieser Eröffnung aber finden sich Elemente, die ausschließlich auf kanonischer Ebene belegt sind (ἐπεί; ζηλωτής; περισσεύω), d. h. dass der Vers wohl doch ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. (14,13) διόπερ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Das ὁ λαλῶν γλώσσῃ ist schon in Vers 2 vorkanonisch bezeugt. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ διερμηνεύω, das 8 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte, kurze Vers weist zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (διόπερ; διερμηνεύω), er wird darum wohl ebenfalls auf die kanonische Ebene zurück‐ gehen, zumal die anderen Elemente aus dem unmittelbaren Kontext stammen. 478 Rekonstruktion <?page no="479"?> (14,14) Die Kombination ἐὰν γάρ steht 10 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,15. ♦ Zu προσεύχομαι vgl. sowohl den voranstehenden wie den nachfolgenden Vers. ♦ Die Wendung τὸ πνεῦμά μου steht nur noch 1 weiteres Mal, Lk 1,47, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ νοῦς + μου steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 7,23; 1Kor 14,14. 19), wobei auffällt, dass bei beiden vorkanonisch bezeugten Versen *Röm 7,23 und *1Kor 14,19 im Unterschied zur kanonischen Ebene νοῦς jeweils ohne μου steht. ♦ ἄκαρπος, das 7 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers sind ebenfalls die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnenden Elemente aufschluss‐ reich (ἐὰν γάρ; τὸ πνεῦμά μου; νοῦς + μου; ἄκαρπος). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (14,15) Die Kombination τί οὖν ἐστιν steht 5 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung wie hier, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 3,5. ♦ Zu προσεύχομαι vgl. die beiden voranstehenden Verse 13 und 14. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 7,40. ♦ ψάλλω steht 5 Mal im NT, hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Nachdem Tertullian das spirituelle Gebet und die Psalmen erwähnt (aliquem psalmum-… aliquam orationem, duntaxat spiritalem), werden diese Teile vorkanonisch gestanden sein. Allerdings begegnen ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente (τί οὖν ἐστιν; δὲ καί), die anzeigen, dass der Text kanonisch-redaktionell überformt worden ist. Nimmt man diese Teile aus dem Text, bleibt der vermutlich vorkanonisch gestandene Vers. Die Duplikation des προσεύξωμαι wie die kanonische Kombination δὲ καί mit dem von Tertullian unbezeugten τῷ νοΐ stellt dann eine Hinzufügung der kanonischen Redaktion dar, ebenfalls die weitere Duplikation des ψαλῶ, die wiederum mit der kanonischen Kombination δὲ καί und dem unbezeugten τῷ νοΐ angeschlossen wurde. (14,16) ἐπεί steht 29 / 26 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐλογέω steht 45 / 42 im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,16; *Röm 12,14. ♦ ἀναπληρόω steht 7 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2. ♦ τόπος, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἰδιώτης, das 5 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 4,13; 1Kor 14,23. 24; 2Kor 11,6). ♦ Zu πῶς vgl. zuvor zu den Versen 7. 9. ♦ Die Verbform ἐρεῖ steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 15,35. ♦ ἀμήν steht 175 / 130 Mal im NT und ist vorkanonisch nur substantivisch bezeugt für *2Kor 1,20. ♦ σῇ (Dat. Fem. Sg. von σύ / σός), das 4 Mal im NT steht, steht jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ 2 (1Kor) 479 <?page no="480"?> εὐχαριστία, das 15 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 24,3; 1Kor 14,16; 2Kor 4,15; 9,11. 12; 1Thess 3,9; Eph 5,4; Kol 2,7; 4,2; Phil 4,6; 1Tim 2,1; 4,3. 4; Apk 4,9; 7,12). ♦ Die Variante εὐλογία steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,14. ♦ ἐπειδή, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21. 22; 15,21. ♦ Die Verbform λέγεις steht 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zu οἶδα vgl. zuvor zu Vers 11. ♦ Die Form οὐκ οἶδεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch wenn bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers einige Elemente begegnen, die vorkanonisch bereits bezeugt sind, fällt doch die Anzahl ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegter Elemente auf, angefangen von der Verseröffnung hin zu zentralen Begriffen, die für den Vers sinntragend sind (ἐπεί; ἰδιώτης; εὐχαριστία - hier böte εὐλογία die vorkanonisch nähere Variante; οὐκ οἶδεν). Auch dieser Vers wird damit wohl auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sein und vorkanonisch gefehlt haben. (14,17) Die Kombination σὺ μέν steht nur hier. ♦ μὲν γάρ steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. ♦ καλῶς steht 38 / 37 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. ♦ ἀλλ’ ὁ steht 25 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23 (als Verseröffnung); *2Kor 4,16 (im Vers). ♦ οἰκοδομέω steht 47 / 40 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,47; *Gal 2,18. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers vorkanonisch unbezeugt ist, finden sich doch alle Elemente vorkanonisch bezeugt, d. h. der Vers kann möglicher‐ weise im vorkanonischen Text gestanden sein. Er schließt auch inhaltlich gut an den letzten teilbezeugten Vers 15 und die voranstehende Kritik der Zungenrede an. (14,18) Zum vorkanonisch bezeugten εὐχαριστέω vgl. zum voranstehenden Vers ♦ Der Ausdruck εὐχαριστῶ τῷ θεῷ steht 6 Mal im NT, davon wie hier 5 Mal als Versanfang, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. weiter unten Vers 24. ♦ Die Kombination πάντων ὑμῶν steht 18 Mal im NT ( Joh 13,18; Apg 3,16; Röm 1,8; 15,33, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 14,18; 16,24; 2Kor 2,3; 7,13. 15; 13,13; Phil 1,4. 7; 1Thess 1,2; 2Thess 1,3; 3,16. 18; Tit 3,15; Hebr 13,25), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μᾶλλον steht 85 / 81 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13; *2Kor 3,8. 11; 5,8. ♦ Zum λαλῶν γλώσσῃ vgl. zuvor die Verse 2 (vorkanonisch bezeugt γλώσσῃ λαλῶν); 4 (unbezeugt λαλῶν γλώσσῃ). Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers sind wesentliche Teile ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt (εὐχαριστῶ τῷ θεῷ; 480 Rekonstruktion <?page no="481"?> πάντων ὑμῶν). Er wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorka‐ nonisch gefehlt haben. (14,19) Die Form θέλω steht 35 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,13; *1Kor 7,7; 10,1. ♦ πέντε steht 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für die vorliegende Stelle. ♦ Die Kombination ἵνα καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 4,10. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ κατηχέω, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,6; *1Kor 14,19. ♦ μυρίος, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur hier bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius unter Berück‐ sichtigung der Beobachtungen weiter oben in C. 14,[20] 21 21b-c 22 [23] 24-25 [26-29] 30-31 32-33 [34-40]: Keine Zungenrede, aber die Predigt von Frauen Die vorkanonische Passage setzt die Entwicklung der Antithese Zungenrede - Prophetie fort und stärkt sie, indem sie diese zur Antithese Gesetz - friedens‐ stiftende Prophetie auch von Frauen weiterschreibt. Die kanonische Redaktion hingegen verfolgt weiterhin die Bemühung, diese Antithese aufzulösen und die (durch einen Übersetzer vermittelte) Zungenrede aufrechtzuerhalten. Um sowohl die Antithese zu beseitigen wie die mit ihr verbundene Kritik am Gesetz und der Betonung des Rechts der Frau auf prophe‐ tische Rede, schneidet sie zwei Verse aus und setzt sie an eine andere Stelle (in den Handschriften des kanonischen Textes kommen zwei verschiedene Stellen vor, die jedoch einen ähnlichen Kontext bieten), in welcher gerade das Gegenteil vom ursprünglichen Sinn hervortritt, nämlich ein gesetzesgestütztes Argument für die Zungenrede und gegen das Sprechen der Frau in der Gemeinde. - 20 Ἀδελφοί, μὴ παιδία γίνεσθε ταῖς φρεσίν, ἀλλὰ τῇ κακίᾳ νηπιάζετε, ταῖς δὲ φρεσὶν τέλειοι γίνεσθε. 21 ἐν τῷ νόμῳ γέγραπται ὅτι Ἐν ἑτερογλώσσοις καὶ ἐν χείλεσιν ἑτέροις λαλήσω τὸν λαὸν τούτον. 21 ἐν τῷ νόμῳ γέγραπται ὅτι Ἐν ἑτερογλώσσοις καὶ ἐν χείλεσιν ἑτέρων λαλήσω τῷ λαῷ τούτῳ, καὶ οὐδ’ οὕτως εἰσακούσονταί μου, λέγει κύριος. 21b-c↑34 αἱ γυναῖκες ἐν ἐκκλησίᾳ σιγάτωσαν, οὐ γὰρ ἐπιτρέπεται αὐταῖς λαλεῖν· ἀλλὰ ὑποτάσσεσθαι, καθὼς καὶ ὁ νόμος λέγει, 35 εἰ μὴ μαθεῖν θέλουσιν. ↑ - 2 (1Kor) 481 <?page no="482"?> 22 ὥστε αἱ γλῶσσαι εἰς σημεῖόν εἰσιν οὐ τοῖς πιστεύουσιν ἀλλὰ τοῖς ἀπίστοις, ἡ δὲ προφητεία οὐ τοῖς ἀπίστοις ἀλλὰ τοῖς πιστεύουσιν. 22 ὥστε αἱ γλῶσσαι εἰς σημεῖόν εἰσιν οὐ τοῖς πιστεύουσιν ἀλλὰ τοῖς ἀπίστοις, ἡ δὲ προφητεία οὐ τοῖς ἀπίστοις ἀλλὰ τοῖς πιστεύουσιν. - 23 Ἐὰν οὖν συνέλθῃ ἡ ἐκκλησία ὅλη ἐπὶ τὸ αὐτὸ καὶ πάντες λαλῶσιν γλώσσαις, εἰσέλθωσιν δὲ ἰδιῶται ἢ ἄπιστοι, οὐκ ἐροῦσιν ὅτι μαίνεσθε; 24 ἐὰν δὲ πάντες προφητεύωσιν, εἰσέλθῃ δέ τις ἄπιστος, - 24 ἐὰν δὲ πάντες προφητεύωσιν, εἰσέλθῃ δέ τις ἄπιστος ἢ ἰδιώτης, ἐλέγχεται ὑπὸ πάντων, ἀνακρίνεται ὑπὸ πάντων, 25 καὶ οὕτως τὰ κρυπτὰ τῆς καρδίας αὐτοῦ φανερὰ γίνεται. 25 τὰ κρυπτὰ τῆς καρδίας αὐτοῦ φανερὰ γίνεται, καὶ οὕτως πεσὼν ἐπὶ πρόσωπον προσκυνήσει τῷ θεῷ, ἀπαγγέλλων ὅτι Ὄντως ὁ θεὸς ἐν ὑμῖν ἐστιν. - 26 Τί οὖν ἐστιν, ἀδελφοί; ὅταν συνέρχησθε, ἕκαστος ψαλμὸν ἔχει, διδαχὴν ἔχει, ἀποκάλυψιν ἔχει, γλῶσσαν ἔχει, ἑρμηνείαν ἔχει· πάντα πρὸς οἰκοδομὴν γινέσθω. 27 εἴτε γλώσσῃ τις λαλεῖ, κατὰ δύο ἢ τὸ πλεῖστον τρεῖς, καὶ ἀνὰ μέρος, καὶ εἷς διερμηνευέτω· 28 ἐὰν δὲ μὴ ᾖ διερμηνευτής, σιγάτω ἐν ἐκκλησίᾳ, ἑαυτῷ δὲ λαλείτω καὶ τῷ θεῷ. 29 προφῆται δὲ δύο ἢ τρεῖς λαλείτωσαν, καὶ οἱ ἄλλοι διακρινέτωσαν· 30 ἐὰν δὲ ἄλλῳ ἀποκαλυφθῇ καθημένῳ, ὁ πρῶτος σιγάτω. 30 ἐὰν δὲ ἄλλῳ ἀποκαλυφθῇ καθημένῳ, ὁ πρῶτος σιγάτω. 31 δύνασθε γὰρ καθ’ ἕνα πάντες προφητεύειν, ἵνα πάντες μανθάνωσιν καὶ πάντες παρακαλῶνται, 31 δύνασθε γὰρ καθ’ ἕνα πάντες προφητεύειν, ἵνα πάντες μανθάνωσιν καὶ πάντες παρακαλῶνται, 32 καὶ πνεύμα προφητῶν προφήταις ὑποτάσσεται· 32 καὶ πνεύματα προφητῶν προφήταις ὑποτάσσεται· 33 οὐ γάρ ἐστιν ἀκαταστασίας ἀλλὰ εἰρήνης. 33 οὐ γάρ ἐστιν ἀκαταστασίας ὁ θεὸς ἀλλὰ εἰρήνης. - Ὡς ἐν πάσαις ταῖς ἐκκλησίαις τῶν ἁγίων, ↓34 αἱ γυναῖκες ἐν ταῖς ἐκκλησίαις σιγάτωσαν, οὐ γὰρ ἐπιτρέπεται αὐταῖς λαλεῖν· ἀλλὰ ὑποτασσέσθωσαν, καθὼς καὶ ὁ νόμος λέγει. ↓ 35 εἰ δέ τι μαθεῖν θέλουσιν, ἐν οἴκῳ τοὺς ἰδίους ἄνδρας ἐπερωτάτωσαν, αἰσχρὸν γάρ ἐστιν γυναικὶ λαλεῖν ἐν ἐκκλησίᾳ. 36 ἢ ἀφ’ ὑμῶν ὁ λόγος τοῦ θεοῦ ἐξῆλθεν, ἢ εἰς ὑμᾶς μόνους κατήντησεν; 37 Εἴ τις δοκεῖ προφήτης εἶναι ἢ πνευματικός, 482 Rekonstruktion <?page no="483"?> ἐπιγινωσκέτω ἃ γράφω ὑμῖν ὅτι κυρίου ἐστὶν ἐντολή· 38 εἰ δέ τις ἀγνοεῖ, ἀγνοεῖται. 39 ὥστε, ἀδελφοί [μου], ζηλοῦτε τὸ προφητεύειν, καὶ τὸ λαλεῖν μὴ κωλύετε γλώσσαις· 40 πάντα δὲ εὐσχημόνως καὶ κατὰ τάξιν γινέσθω. A. 14,20: Vgl. (Pseudo-? )Ephr., Erklärung des Evangeliums (12 Schäfers): „Und es bezeugts mir der Apostel in seinem Ausspruche: ’Nicht seid Kinder in eurem Verstande, sondern vom Bösen weg werdet Kinder, denn in eurem Verstande sollt ihr vollendet sein’“. ♦ *14,21: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,10: Et si quod in lege scriptum esset commemorat, in aliis linguis et in aliis labiis locuturum creatorem, cum hac commemoratione charisma linguarum confirmat, nec hic potest videri alienum charisma creatoris praedicatione confirmasse; Epiph., Pan. 42, sch. 22 (122. 170): 21 ἐν τῷ νόμῳ γέγραπται ὅτι Ἐν ἑτερογλώσσοις καὶ ἐν χείλεσιν ἑτέροις λαλήσω τῷ λαῷ τούτῳ πρὸς τὸν λαὸν τοῦτον; Jes 28,11-12 LXX: 11 διὰ φαυλισμὸν χειλέων διὰ γλώσσης ἑτέρας, ὅτι λαλήσουσιν τῷ λαῷ τούτῳ 12 λέγοντες αὐτῷ Τοῦτο τὸ ἀνάπαυμα τῷ πεινῶντι καὶ τοῦτο τὸ σύντριμμα, καὶ οὐκ ἠθέλησαν ἀκούειν. ♦ *14,21b-c = 14,34-35: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,11: Aeque praescribens silentium mulieribus in ecclesia, ne quid discendi duntaxat gratia loquantur (ceterum prophetandi ius et illas habere iam ostendit, cum mulieri etiam prophetanti velamen imponit), ex lege accipit subiciendae feminae auctori‐ tatem, quam, ut semel dixerim, nosse non debuit nisi in destructionem; Epiph., Pan. 42, sch./ elench. 23 (123. 170-171): αἱ γυναῖκες ἐν ἐκκλησίᾳ (ἐκκλησίᾳ] ταῖς ἐκκλησίαις VM 123) σιγάτωσαν, οὐ γὰρ ἐπιτέτραπται (ἐπιτρέπεται) αὐταῖς λαλεῖν, ἀλλ’ ὑποτασσέσθωσαν, καθὼς καὶ ὁ νόμος λέγει; Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius, nachdem er zuvor erklärt hat, dass er aus dem „Apostolos“ des Markion zitieren und ihn mit dem überführen will, was er stehen gelassen habe; Rufin übersetzt: den Kodex des Apostels): λέγει δὲ οὕτως ὁ ἀπόστολος· αἱ γυναῖκες ἐν ἐκκλησίᾳ σιγάτωσαν, οὐ γὰρ ἐπιτέτραπται αὐταῖς λαλεῖν, ἀλλ’ ὑποτάσσεσθαι, καθὼς καὶ ὁ νόμος λέγει (Rufin: Itaque dicit apostolus: Mulieres in ecclesia taceant. Non enim permittitur eis loqui sed subditas esse, sicut et lex dicit). Vgl. Gen 3,16 LXX: καὶ τῇ γυναικὶ εἶπεν πληθύνων πληθυνῶ τὰς λύπας σου καὶ τὸν στεναγμόν σου ἐν λύπαις τέξῃ τέκνα καὶ πρὸς τὸν ἄνδρα σου ἡ ἀποστροφή σου καὶ αὐτός σου κυριεύσει. ♦ *14,22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,12, der mit der Gegenüberstellung von Juden und dem eigenen Volk auch einen Hinweis auf die Ungläubigen und Gläubigen dieser Verse lesen will: Sed ut iam a spiritalibus recedamus, res ipsae probare debebunt quis nostrum temere deo suo vindicet, et an nostrae parti possit opponi, haec et si creator repromisit in suum Christum nondum revelatum, ut Iudaeis 2 (1Kor) 483 <?page no="484"?> 207 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. Zuntz hält dies für eine falsche Lesart Markions, G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 238. 208 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 90*; G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 231. 236. tantum destinatum, suas habitura in suo tempore in suo Christo et in suo populo operationes. ♦ *14,24-25: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,12: prophetas, qui tamen non de humano sensu sed de dei spiritu sint locuti, qui et futura praenuntiarint et cordis occulta traduxerint. ♦ 14,26: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 8,12: edat aliquem psalmum, aliquam visionem, aliquam orationem, duntaxat spiritalem, in ecstasi, id est amentia, si qua linguae interpretatio accessit. ♦ *14,32-33: Vgl. Tert., Adv. Marc. IV 4,5: et si prophetes Marcion, et spiritus prophetarum prophetis erunt subditi, non enim eversionis sunt, sed pacis. B. (14,21) Anstelle von ἑτέρων legt sich die Form ἑτέροις nahe durch die Angabe Tertullians (aliis labiis), außerdem wird sie bezeugt in P 46 , 06 s , 010, 012, 018, 020, 025, 365, 630, 1175, 1505, 1881, M, lat, sy (p) , bo, co, von NA 28 als markionitische Lesart vermerkt, während sich die kanonische Form findet in 01, 02, 03, 044, 0201, 0243, 6, 33, 81, 104, 326, 1241, 1739, 2464. 207 ♦ (14,21b = 14,34) Post γυναῖκες add ὑμῶν in 06, 010, 012, 018, 020, 630, 1505, M, ar, b, sy, Cyp, Ambst; om P 123 , 01, 02, 03, 044, 0243, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1739, 1881, 2464, lat, co, es ist ebenfalls nicht bezeugt für Markions Text. Auf das Fehlen verweist Meyboom. ♦ (14,25) Zu Beginn des Verses liest man καὶ οὕτως in 06 2 , 018, 020, 044, 630, 1505, 1881, M, sy (p) ; om in P 46 , 01, 02, 03, 06*, 010, 012, 048, 0201, 6, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1739, 2464, latt, co. Das vorkanonisch stehende καὶ οὕτως wurde kanonisch an spätere Stelle verschoben, als die Versergänzung vorgenommen wurde. ♦ Anstelle von καρδίας bietet P 46 die Variante διανοίας. ♦ (14,28) Anstelle von διερμηνευτής steht die Variante ὁ ἑρμηνευτής in den Zeugen 03, 06*, 010, 012, (ὁ 365). ♦ (14,32) Anstelle des Plurals steht die Variante πνεύμα in P 123 , 06, 010, 012, 044*, 1241, ar, b, vg mss , sy p , Ambst und in der altlateinischen Tradition in 61. ♦ Post ἀκαταστασίας add θεός in P 46 , 010, 012, die kanonische Version hat ὁ θεός, während Ambst wie Tertullian zeigen, dass ὁ θεός nicht vorhanden war. Harnack und Zuntz sind der Meinung, dass dies die ursprüngliche Form des Verses darstellt. 208 Ὡς ἐν πάσαις ταῖς ἐκκλησίαις τῶν ἁγίων wird von Harnack (mit vielen anderen) als Ende von diesem Vers gelesen, während etwa Lietzmann dagegen hält. 209 NA 28 diesen Passus als Beginn des nächsten Verses sehen: „Wie in allen Kirchen der Heiligen sollen die Frauen 484 Rekonstruktion <?page no="485"?> 209 H. Lietzmann, An die Korinther I, II (1949), 74-75. So auch A. Lindemann, Der Erste Korintherbrief (2000), 315. 210 A. Harnack, Über I. Kor. 14,32ff. und Röm 16,25ff. nach der ältesten Überlieferung und der Marcionitischen Bibel (1931), 180. in den Kirchen schweigen“, was einen „gewaltige[n], in der Religionsgeschichte Epoche machende[n]“ Satz schafft. 210 Ambst: non est enim dissensionis auctor sed pacis, sicut in omnibus ecclesiis sanctorum doceo. Der Hinzufügung von doceo entspricht auch den Zeugen 012 Chrys, die hier διδάσκω schreiben. C. 1. (14,20) Nach allen Editoren ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn Zahn mit seiner Präsenz in unbestimmbarer Form rechnet. Dass (Pseudo-? )Ephr. ausdrücklich auf das „ihm“ gegebene Zeugnis des Apostels verweist, bietet einen Hinweis darauf, dass er hier nicht aus der *10-Briefe-Sammlung zitiert, sondern aus der kanonischen Paulusbriefsammlung. 2. (14,21) Meyboom, Zahn und Harnack sehen den Vers in der von Epiphanius gegebenen Form präsent. Schmid führt an: ἐν τῷ νόμῳ γέγραπται (ὅτι) ἐν ἑτερογλώσσαις καὶ ἐν χείλεσιν ἑτέροις λαλήσω … BeDuhn legt seiner Überset‐ zung den Epiphaniustext zugrunde, ergänzt den Vers aber mit dem kanonischen Text in Klammern. Aufgrund der übereinstimmenden Abgrenzung des von den Zeugen Gegebenen, der Argumentation Tertullians, der diese Prophetie als eine positive Bestätigung anführt (confirmasse), und der Terminologie des εἰσακούω scheint dieser Teil zur kanonischen Ergänzung zu gehören. 3. (14,21b-c = 14,34-35) Alle Editoren rechnen mit der Präsenz dieser Verse. Meyboom verweist auf das Fehlen des in manchen Zeugen bezeugten υμων, und auf den Infinitiv ὑποτάσσεσθαι. Zahn nimmt die kanonische Fassung der Verse 34-35 an, jedoch mit dem Singular ἐν ἐκκλησίᾳ in Vers 34, Harnack mit der Form von Vers 34, die Adamantius gibt, wobei er in Tertullian auch ein Zitat von μαθεῖν θέλουσιν aus Vers 35 sieht, auch wenn er sich außer Stande sieht, diesen Vers wiederherzustellen. Schmid bietet nur den kanonischen Text von Vers 34 und sieht Vers 35 als unbezeugt: αἱ γυναῖκες ἐν (ταῖς ἐκκλησίαις) σιγάτωσαν, οὐ γὰρ ἐπιτέτραπται αὐταῖς λαλεῖν, ἀλλ’ ὑποτασσέσθωσαν, καθὼς καὶ ὁ νόμος λέγει, und BeDuhn legt seiner Übersetzung den Epiphaniustext von Vers 34 zugrunde und die Eröffnung von Vers 35 εἰ δέ τι μαθεῖν θέλουσιν mit Auslassungszeichen am Ende. Die Rekonstruktion ist hier mit mehreren Schwierigkeiten behaftet, erstens der Einordnung der Verse, zweitens dem Zuschnitt und Wortlaut vor allem von Vers 35, drittens dem aus Beidem folgenden Inhalt, der die Kommentare der Häresiologen zu berücksichtigen hat. 2 (1Kor) 485 <?page no="486"?> 211 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 284. Was das zweite Thema betrifft, rechnet schon Harnack mit einer „Textände‐ rung“ in Vers 35 mit Blick auf das Referat Tertullians. Während Tertullian offenkundig einen Text gelesen hat, demzufolge es Frauen in der Versammlung auch dem Gesetz zufolge geboten ist, zu schweigen, sieht er dieses Gebot mit einer Einschränkung versehen, das BeDuhn wie folgt liest: „Frauen sollen nicht sprechen, um etwas zu lernen, doch können sie sprechen in der Ausübung der Charismata“ („women are not to speak to learn something, though they can speak in service of the spiritual gifts“). 211 Dem widerspricht aber Tertullians Referat: ne quid discendi-…, was nicht anders gedeutet werden kann, dass Ter‐ tullian anstelle der adversativen Konjunktion εἰ δέ τι, die BeDuhns Übersetzung voraussetzt, offenkundig ein εἰ μή („es sei denn“, ne quid) gelesen hatte. Das heißt, das Verbot des Sprechens ist noch einschränkender: Frauen haben in der Versammlung zu schweigen und allenfalls dann zu reden, wenn sie etwas lernen wollen. Lehren ist ihnen folglich nach dem Gesetz nicht erlaubt. Tertullian sieht natürlich die Spannung, weshalb er in seinem Kommentar ausdrücklich darauf hinweist, dass an früherer Stelle den Frauen durchaus das prophetische Reden zugestanden wurde. Was die Eröffnung von Vers 34 betrifft, geht diese auf die kanonische Redaktion zurück, wie der Begriff ἅγιοι zeigt. Er dient bereits der Vorbereitung auf die kanonische Erweiterung des Verses 35. Gleichermaßen ist der letzte, nicht mehr bezeugte Teil von Vers 35 Ergänzung der kanonischen Redaktion wie die Lexik weiter unten stützt. Kommen wir zur ersten der drei Schwierigkeiten und damit auch zur dritten, der Deutung dieser beiden Verse: Alle drei Häresiologen nutzen dieses Zitat, um darzulegen, dass Markion in seinem „Apostolos“ sich ausdrücklich und positiv auf das (jüdische) Gesetz stütze, so zumindest erscheint es durch den zitierten Ausschnitt; doch hat BeDuhn zu Recht darauf hingewiesen, dass die Stellung der Verse 34-35 unklar ist. In seiner Übersetzung bietet er sie zwar am Ende von Kapitel 14 unmittelbar vor Kapitel 15, doch in seinem Kommentar weist er darauf hin, dass Tertullian die Diskussion dieser beiden Verse im Anschluss an das Referat zu Vers 14,21 bietet und vor seinen Ausführungen zu 14,24ff. Nach Epiphanius können die Verse zwischen 14,21 und 15,1 gestanden sein. Dass die Stellung dieser beiden Verse instabil ist, zeigen auch die älteren Zeugen. Nach 06, 010, 012, ar, b, vg ms , Ambst finden sich diese beiden Verse nach Vers 14,40, also unmittelbar am Ende dieses Kapitels, wo sie BeDuhn bietet. 486 Rekonstruktion <?page no="487"?> 212 P.B. Payne, Vaticanus Distigme-obelos Symbols Marking Added Text, Including 1 Corinthians 14.34-5 (2017), 615-616. 622. 213 R.G. Fellows, Are There Distigme-Obelos Symbols in Vaticanus? (2019); J. Krans, Paragraphos, Not Obelos, in Codex Vaticanus (2019). 214 P.B. Payne, Critique of Vaticanus Distigme-Obelos Denials (2021). Es ist auch beobachtet worden, dass in 03 die Verse 34-35 am Rand dieses Codex (Vaticanus) durch ein „distigme-obelos“ markiert sind, womit der Schreiber dieses Kodex (oder vielmehr derjenige der älteren Vorlage) anzeigt, dass er die Verse für eine „Transposition innerhalb einer Passage“ bzw. „mehrere Worte umfassende Hinzufügungen“ hielt, in diesem Fall jedoch, da die „distigme mit einem charakteristischen Strich“ versehen ist, eher als eine Hinzufügung wohl aus einer Marginalglosse „als eine Transposition“ betrachtete. 212 Inzwi‐ schen wurden zwei Versuche unternommen, diese Distigme-obelos Marker in 03 zu bestreiten. 213 In einer vornehmen und detaillierten Kritik weist Payne beide Versuche zurück und detailliert noch seine eigene, wohl begründete Gegenar‐ gumentation. Hierzu gibt Payne auch eine Liste seiner früheren Arbeiten zu diesem Thema, mit dem er sich bereits „über 25 Jahre“ beschäftigt hat (ibid.) und verteidigt seine Position. 214 Gehen wir vom ältesten Zeugen für die vorkanonische Version, Tertullian, aus, so scheint es zwei Versuche gegeben zu haben, diese beiden Verse von der ursprünglichen Stelle nach Vers 21 abzulösen und sie ein Mal nach Vers 33 zu setzen, wo vorausgehend gesagt wird, dass Gott „nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens ist“. Ein anderer Versuch war es, die Verse nach Vers 40 einzureihen, in welchem es heißt, dass „alles in Anstand und Ordnung geschehen“ soll. In der Einordnung der Verse nach Vers 21 besitzen die Verse jedoch einen ganz anderen Kontext und erhalten auch eine ganz andere Ausrichtung als an den beiden genannten Stellen nach Vers 33 oder Vers 40. Der andere Kontext nach Vers 21 und die damit verbundene andere Interpretation ist gerade diejenige, gegen die alle drei Häresiologen Stellung beziehen. Denn ihnen zufolge sollen die beiden infrage stehenden Verse 34-35 nach Markion das Gesetz diskreditieren oder zerstören. Doch wieso meinen die Häresiologen, dass Markion mit diesen beiden Versen und ihrer Platzierung nach Vers 21 das Gesetz beschädigen würde? Hatten sie nicht zugleich behauptet, Markion würde sich positiv dieses Gesetzes bedienen? Dass beides keinen Widerspruch darstellt, wird man erkennen, wenn man die Verse nicht, wie die spätere kanonische Redaktion nach Vers 33 oder Vers 40 einordnet, an denen diese Verse das Gesetz zur Begründung für das Schweigen der Frau heranziehen, und damit gesetzeskonform, aber nicht gesetzeszerstörend wirken. 2 (1Kor) 487 <?page no="488"?> Eine Lektüre der beiden infrage stehenden Verse nach Vers 21 gibt hierzu die Erklärung. Im ersten Teil von Kapitel 14 hat *Paulus die Antithese zwischen Zungenrede und Prophetie dargelegt und während er die Zungenrede für eine irrationale und nicht gemeindeaufbauende Rede hielt, lobte er die Prophetie, die, wie in Kapitel 11 dargelegt, auch von Frauen in der Gemeinde geübt wurde. In Vers 19 formulierte *Paulus, er wolle lieber „fünf Worte durch das Gesetz“ reden als „zehntausend Worte in Zungen stammeln“. Das klingt bereits danach, dass ihm beides keine genehmen Weisen sind, weder das Gesetz noch die Zungenrede, auch wenn er in der Gemeinde fünf Worte aus dem Gesetz für weniger übel hält als ein endloses Gestammel. Doch als erstes Zitat aus dem Gesetz bringt *Paulus ausgerechnet eine Selbstzuschreibung des jüdischen Gottes, in welchem er von sich behauptet, er rede „in anderen Sprachen und in anderen Lippen“ zum Volk, d. h. in unverständlichen Worten, die man nach den voranstehenden Ausführungen mit der Zungenrede gleichsetzen muss. Das aber heißt: Die wenigen Worte des Gesetzes stützen die Zungenrede, die *Paulus ausdrücklich ablehnt, es ist also tatsächlich nicht besser als die Zungenrede selbst. Auch das zweite Zitat aus dem Gesetz erweist, dass das Gesetz nicht besser als die Zungenrede ist. Es verbietet den Frauen, in der Versammlung zu lehren, und damit auch prophetisch zu reden. Stattdessen erlaubt es ihnen lediglich, zu hören, sich unterzuordnen und bestenfalls zu fragen, wenn sie etwas lernen wollen. Das Gesetz ist demnach aus zweierlei Gründen nach *Paulus keine Grundlage. Der Gesetzgeber selbst stammelt in fremden Sprachen und verbietet darüber hinaus die Prophetie der Frauen - während *Paulus gerade entgegen der Zungenrede für die Prophetie, und zuvor für die Prophetie der Frau eingetreten war, und auch hier mit dem Gegenbeispiel des Gesetzes auf beidem besteht. Es wird ersichtlich, warum die Häresiologen diese Position für eine Gesetzeszerstö‐ rung hielten, und warum die kanonische Redaktion diese Antithese aufzulösen versuchte. Dies gelang ihr, indem sie die Verse nicht einfach tilgte, sondern sie offenkundig aus dieser Stelle herauslöste und sie in einen neuen Kontext stellte (nicht anders, wie die Replatzierung der Vers *Gal 4,25, welcher nach Eph 1,21 verpflanzt und durch einen neu geschaffenen Vers ersetzt wurde). Die Stelle, auf die *Paulus anspielt, ist Gen 3,16 LXX (καὶ τῇ γυναικὶ εἶπεν Πληθύνων πληθυνῶ τὰς λύπας σου καὶ τὸν στεναγμόν σου, ἐν λύπαις τέξῃ τέκνα· καὶ πρὸς τὸν ἄνδρα σου ἡ ἀποστροφή σου, καὶ αὐτός σου κυριεύσει), zu der auch Jes 28,11-12 LXX mitzulesen ist (11 διὰ φαυλισμὸν χειλέων διὰ γλώσσης ἑτέρας, ὅτι λαλήσουσιν τῷ λαῷ τούτῳ 12 λέγοντες αὐτῷ Τοῦτο τὸ ἀνάπαυμα τῷ πεινῶντι καὶ τοῦτο τὸ σύντριμμα, καὶ οὐκ ἠθέλησαν ἀκούειν). 488 Rekonstruktion <?page no="489"?> Wenn es dann, wie wir sehen werden, in den nächsten drei vorkanonischen Versen heißt, dass Zungenreden „nicht für die Glaubenden“ sind, „sondern für die Ungläubigen“, wohingegen prophetische Reden „ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Glaubenden“ sind, führt *Paulus die zuvor in Kapitel 14 dargelegte Antithese zwischen Zungenrede und Prophetie weiter. Diese Verse unterstreichen die massive Kritik am Gesetz, das vom Gesetzgeber sagt, er rede in anderen Sprachen und in anderen Lippen, und er verbiete Frauen das (prophetische) Reden. Zungenrede wird hier gar als ein Zeichen für Ungläubige bezeichnet, während die prophetische Rede (auch von Frauen) als das Mittel für die Ansprache von Gläubigen gilt. Diese Interpretation erklärt zum einen die heftige Reaktion aller drei Häre‐ siologen, die den Spieß umdrehen und mit ihrer geschickten Argumentation Markion in Selbstwidersprüche verwickeln wollen, indem sie darlegen, er habe sich positiv auf das Gesetz berufen und, was das Reden von Frauen betrifft, sich gegen seine frühere Aussage gekehrt. Den Boden für die Gegenargumentation der Häresiologen lieferte die kano‐ nische Redaktion, die diese Verse an den beiden verschiedenen Stellen später eingeordnet hatte und sie in diesem neuen Kontext zu einer Speerspitze gegen das Reden von Frauen in der Kirche gemacht hatten, ganz im Sinne dessen, was in den kanonischen Paulusbriefen, Eph 5,22-24; Kol 3,18; 1Tim 2,11-12, Tit 2,5 und 1Petr 3,1.5; 4,17 zu lesen ist, jedoch in Spannung zu dem, was man bei Paulus zuvor findet (1Kor 11,5; 14,5. 24 [3x.] 26. 31, wo überall davon die Rede ist, dass „alle“ in der Versammlung sprechen). Folgt man der vorliegenden Erläuterung, ist auch diese Spannung beseitigt, die schon Tertullian wahrgenommen hatte zwischen dem angeblichen Redeverbot der Frauen in der Versammlung und der Erwähnung des *Paulus, dass die Frauen in der Versammlung prophezeien (*1Kor 11,5; 14,5. 24. 26). Sollte die Erklärung der Einfügung der Verse 34-35 als Marginale richtig sein, muss man sich die Textgeschichte so vorstellen, dass die kanonische Redaktion die Verse zunächst aus ihrem Zusammenhang nach 14,21 herausgeschnitten hatte und sie als Marginale an späterer Stelle an den Rand vom Ende des Kapitels nach Vers 40 notierte. Von dort wurde sie - unter Kenntnis ihres Marginalcha‐ rakters - von verschiedenen Schreibern an den beiden unterschiedlichen Stellen eingefügt, in der vermutlich älteren Vorlage (den Bilinguen nach zu urteilen) nach Vers 40 und zur Verdeutlichung später als Verse 34-35. Es ist also inkorrekt - gegen die frühe Bezeugung der beiden Verse - diese als nichtpaulinische, spätere Interpolation anzusehen, wie dies häufig getan wurde. Payne spricht von „mindestens 62 textkritischen Studien“, die für die Interpolationsthese argumen‐ 2 (1Kor) 489 <?page no="490"?> 215 P.B. Payne, Man and woman, one in Christ an exegetical and theological study of Paul’s Letters (2009), 226-267. Vgl. P.B. Payne, Critique of Vaticanus Distigme-Obelos Denials (2021). 216 J.A. Fitzmyer, First Corinthians. A new translation with introduction and commentary (2008), 530. So urteilt auch K. Haines-Eitzen, The gendered palimpsest. Women, writing, and representation in early Christianity (2012), 62. Man vgl. etwa von G. Fitzer, „Das Weib schweige in der Gemeinde“ über den unpaulinischen Charakter der mulier-taceat-Verse in 1. Korinther 14 (1963); J. Murphy-O’Connor, Interpolations in 1 Corinthians (1986), 90-92; G.D. Fee, The First Epistle to the Corinthians (1987), 699-708. Eine Gegenposition bezieht Philip J. Abbott, der zu zeigen versucht, dass der Kontext von 1Kor 14,34-35 misinterpretiert wurde und es eigentlich darum ging, einen geregelten Gottesdienst zu halten, es sich also nicht um eine Interpolation handele, vgl. P.J. Abbott, Bringing Order to 1 Corinthians 14: 34-35 (2015). tieren, von denen er 55 selbst untersucht habe. 215 Mit Verweis auf 20 Forschende meint Fitzmyer sogar, dass „heute die Mehrheit der Kommentatoren“ diese beiden Verse für eine „spätere Hinzufügung“ halten. 216 Sie begegnen jedoch schon in der *10-Briefe-Sammlung, hatten jedoch aufgrund ihrer Stellung einen dem heutigen Verständnis konträren Sinn. 4. (14,22) Auch wenn Zahn die Verse 22 und 23 vorhanden sieht, ohne den Wortlaut bestimmen zu können, sind Harnack, Schmid und BeDuhn der Meinung, dass diese Verse nicht bezeugt sind. Wie der oben herangezogene Kommentar Tertullians jedoch zeigt, muss er die Gegenüberstellung „Ungläu‐ bige“ und „Gläubige“, wie sie in Vers 22 vorliegt, gelesen haben (quis nostrum temere deo suo vindicet, et an nostrae parti possit opponi). 5. (14,24-25) Zahn sieht den Vers als unbezeugt, aber in irgendeiner Form vorhanden. Als Anspielung auf Vers 25 (τὰ κρυπτὰ τῆς καρδίας αὐτοῦ φανερὰ γίνεται) wird dieses Zitat aus Tertullian gelesen von Harnack. Schmid sieht τὰ κρυπτὰ τῆς καρδίας … anklingen. BeDuhn verweist darauf, dass an dieser Stelle nicht nur von den verborgenen Dingen des Herzens, sondern auch von den Propheten die Rede ist, folglich Anspielungen auf Vers 24 wie Vers 25 vorliegen. Das nur kanonisch bezeugte, und vermutlich im vorkanonischen Text feh‐ lende ἰδιώτης greift diesen Terminus aus dem kanonischen Vers 23 auf und stellt den inneren Zusammenhang zwischen diesen beiden Versen her. 6. (14,26) Die Passage aus Tertullian wurde bereits weiter oben zu den Versen 14,6-9 herangezogen, die auch auf den vorliegenden Vers Bezug nehmen könnte. Hilgenfeld nimmt an, dass Tertullians „Anforderungen an Marcion“ Vers 26 voraussetze. Zahn sieht den Vers nach der kanonischen Fassung bezeugt, Harnack meint mit Blick auf diese Tertullianstelle zumindest Anspielungen auf diesen Vers wahrnehmen zu können. Schmid betrachtet den Vers als unbezeugt, und BeDuhn sieht wie Harnack einzelne Elemente bezeugt, wobei hier wie Vers 14,14 auch vom Gebet gesprochen wird, die Lehre sei allerdings übergangen. 490 Rekonstruktion <?page no="491"?> 217 A. Harnack, Über I. Kor. 14,32ff. und Röm 16,25ff. nach der ältesten Überlieferung und der Marcionitischen Bibel (1931), 182. 218 Vgl. hierzu mit älterer Literatur B. Warren, A Text-Critical Approach to Punctuation in the New Testament: 1 Corinthians 14: 33 (2019), 421-422. Schon in der Eröffnung Τί οὖν ἐστιν wird unmittelbar auf 14,15 Bezug genommen, allerdings auf die kanonische Fassung dieses Verses. Damit nimmt dieser Vers bereits mit der Eröffnung Rekurs auf den ersten Teil von Kapitel 14, um erneut die Zungenrede gegen alles Gesagte weiter als gemeindefähig zu behaupten. Mit dem Gedanken, dass die Zungenrede, solange sie übersetzt wird, zum Aufbau der Gemeinde dient, greift der Vers die kanonische Argumentation des kanonischen Verses 14,5 auf. 7. (14,27-31) Die Verse 27-31 sind nach allen Editoren unbezeugt. Haben die Zeugen sie wegen der konkreten Anweisungen, die Paulus gibt, lediglich übergangen? 8. (14,28) Die Variante ὁ ἑρμηνευτής, die in einigen Zeugen steht, setzt den Bezug zu Vers 26 voraus. 9. (14,30-31) Die Lexik spricht weithin dafür, dass diese beiden Verse vorka‐ nonisch präsent waren, auch wenn sie unbezeugt sind. Inhaltlich setzen sie die Diskussion des prophetischen Redens fort. Es wird mehrfach von „allen“ gesprochen, was, gerade nachdem zuvor Diskutierten, hier sicher auch Frauen einschließt. 10. (14,32-33) Nach Zahn, Schmid und BeDuhn sind diese beiden Verse unbezeugt, Harnack aber verweist auf Tert., Adv. Marc. IV 4,5. Allerdings hatte Harnack auch andernorts gemeint, der markionitische Text habe gelautet: „Die Geister der Propheten sind den Propheten unterwürfig; denn sie sind nicht aufsässige, sondern friedfertige Geister, wie in allen Kirchen der Heiligen.“ 217 Woher er die Bezeugung für „wie … Heiligen“ hergenommen hat, wird nicht angegeben. Und auch wenn nicht gewiss ist, dass Tertullian hier aus *Paulus zitiert, so sprechen doch die beiden durch Tertullian bezeugten Varianten, die sich ebenfalls in einschlägigen Zeugen finden, für die Präsenz der beiden Verse in der vorkanonischen Fassung. Von Soden urteilt hier eher abschlägig. Ein Hinweis für den vorliegenden Zuschnitt findet sich jedoch in dem Zeugen 1735, welcher nach 33a einen deutlichen Einschnitt macht mit einem kleineren nach Vers 33. Ähnlich emphatisch ist der Bruch in der Mitte auch in 76, 425, 1247, und einen Schnitt zeigen auch die Zeugen 33, 1874, 945, 1244, 1, 3, 927, 404 an. 218 Jedoch wurde daraus auch der Schluss gezogen, der Vers 33ab habe kodikologisch betrachtet zusammengehört. 219 Nimmt man aber wie Warren den Gebrauch von ὡς bei Paulus hinzu - er zieht die durch Tertullian angedeutete 2 (1Kor) 491 <?page no="492"?> 219 A. Lavrinoviča, 1 Cor 14.34-5 without ‚in All the Churches of the Saints‘: External Evidence (2017), 375-383. 220 M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 482. Möglichkeit des Satzendes nach pacis nicht heran -, dann spricht dieser für die Zusammengehörigkeit. Diese scheint m. E. erst durch die kanonische Redaktion hergestellt worden zu sein. Auf die Parallele zu Lk 10,17-20 wurde in der Forschung bereits hinge‐ wiesen. 220 Sie gilt aber auch für diese Verse in der vorkanonischen Version. 11. (14,36) Nach allen Editoren sind die Verse 36-40 unbezeugt, auch wenn Zahn mit der Präsenz dieser Verse in unbestimmbarer Form rechnet. Waren sie auch abwesend von der vorkanonischen Fassung? D. (14,20) παίδιον steht 55 / 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,7. ♦ φρήν steht in diesem Vers gleich zwei Mal, ist sonst jedoch nicht im NT zu finden. ♦ κακία, das 11 Mal im NT zu finden ist, steht nur auf der kanonischen Ebene (Mt 6,34; Apg 8,22; Röm 1,29; 1Kor 5,8; 14,20; Eph 4,31; Tit 3,3; 1Petr 2,1. 16; Jak 1,21). ♦ νηπιάζω ist Hapax legomenon im NT und begegnet auch nicht in der LXX. ♦ τέλειος findet sich 18 / 19 Mal in NT, davon ein Mal auf der vorkanonischen Ebene *1Kor 2,6. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers führt zwar nur einen Begriff auf, der ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt ist (κακία), aber er greift auf das Thema zurück, das die kanonische Redaktion im vorherigen Kapitel (1Kor 13,11) entwickelt hatte. Wie dieser Vers wird auch der vorliegende ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und in der vorkanonischen Version gefehlt haben. (14,21) Der Ausdruck ἐν τῷ νόμῳ steht 13 Mal im NT, Lk 2,24; 10,25; 24,44, in Versen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,27; *Röm 2,20; 7,23. ♦ ἑτερόγλωσσος ist Hapax legomenon im NT. ♦ χεῖλος steht 8 / 7 Mal im NT, nur hier vorkanonisch belegt. ♦ λαός, das 151 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 10,7. ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 19,9. Für den unbezeugten Versteil: ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Die Kombination ουδ’ οὕτως steht noch 1 weiteres Mal in Mk 14,59. ♦ εἰσακούω steht 5 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Die Wendung λέγει κύριος steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 7,49; 15,17; Röm 12,19; 14,11; 1Kor 14,21; 2Kor 6,17. 18; Hebr 8,8. 9. 10; 10,16; Apk 1,8). 492 Rekonstruktion <?page no="493"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius unter Berück‐ sichtigung von Tertullian. Nachdem beide nur den ersten Teil des Verses bezeugen, ist auffallend, dass auch die Lexik nur diesen Verszuschnitt stützt. Nachdem im längeren ersten Teil nur χεῖλος nicht weiter vorkanonisch bezeugt ist, begegnen im unbezeugten kürzeren Teil gleich mehrere Elemente, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (οὐδ’ οὕτως; εἰσακούω; λέγει κύριος). Diese Beobachtung stützt, dass der zweite Teil Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. Es zeigt sich, dass die Lexik ein wichtiges Kriterium für die Textrekonstruktion darstellt. (14,21b = 14,34) γυνή, das 246 / 215 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 5,1; 7,10; 11,5. 10; *Laod 5,22. 23. 28. ♦ Der Ausdruck ἐν ἐκκλησίᾳ steht nur hier, während auf der kanonischen Ebene an dieser Stelle ἐν ταῖς ἐκκλησίαις steht, das 4 Mal im NT belegt ist (1Kor 7,17; 14,34; 2Kor 8,1; 2Thess 1,4). ♦ σιγάω steht 12 / 10 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, Lk 23,34, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 4,5; *Röm 1,16. ♦ αὐταῖς (Dat. Fem. Pl.) steht 20 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 8,3. ♦ ὑποτάσσω steht 46 / 38 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 10,3; *Laod 1,22; 5,21. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, Lk 24,24, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,1; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6. ♦ Die Wendung ὁ νόμος λέγει steht noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls vorkanonisch bezeugt für *Röm 3,19. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, ergänzt am Ende durch das Tertullians. Der Vers ist ein Vorzeigebeispiel für die Überein‐ stimmung von Bezeugung und Lexik. Bis in Details hinein sind Termini und Wendungen anderwärts vorkanonisch bezeugt und begegnen kanonisch oft auch nur an den Parallelstellen. Der Vers wird, wie hier gegeben, vorkanonisch gestanden sein. (14,21c = 14,35, unter Berücksichtigung dieses weiter unten in der kanonischen Version stehenden Verses) Die Kombination εἰ δέ τι steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 19,39; 1Kor 14,35; Phlm 1,18). Hingegen ist das durch Tertullian sich nahelegende εἰ μή vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 7,7, während etwa εἰ μή + irgendein finites Verb 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, steht. ♦ μανθάνω steht 143 / 25 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 3,10. Für den nicht mehr bezeugten Versteil: Die Angabe ἐν οἴκῳ steht 5 Mal im NT, Lk 1,69, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Mk 2,1; Lk 1,69, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 1Kor 11,34; 13,35; 1Tim 3,5). ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; 2 (1Kor) 493 <?page no="494"?> *1Thess 2,15. ♦ ἐπερωτάω steht 72 / 56 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Allerdings steht der Begriff sehr viel häufiger auf der kanonischen Ebene, und es gibt nur zwei Bezeugungen für Paulus, wieder auf der kanonischen Ebene (Röm 10,20; 1Kor 14,35). ♦ αἰσχρός steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, auch die verwandten Begriffe sind nur kanonisch belegt (αἰσχρότης; αἰσχρολογία; αἰσχροκερδῶς; αἰσχροκερδής). Zur Rekonstruktion: Auch dieser Vers ist ein Vorzeigebeispiel für die Überein‐ stimmung von Bezeugung bzw. fehlender Bezeugung und Lexik. Der Vers wird, wie oben rekonstruiert, vorkanonisch gestanden sein. (14,22) Die hier unbezeugte Konjunktion ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, davon 37 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21 (Verseröffnung); *2Kor 3,7 (im Vers); *Röm 7,12; *2Thess 2,4 (im Vers). ♦ σημεῖον, das 68 & 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *Ev und *1Kor 1,22; *2Thess 2,9. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ ἄπιστος, das 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,46; *2Kor 4,4. ♦ Die Kombination von ἡ δέ steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 4,26. ♦ προφητεία (in diesem und dem nächsten Vers 24), das 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; *1Thess 5,20. ♦ εἰσέρχομαι steht 220 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers durch Tertullian bestenfalls ange‐ deutet ist, bietet die Lexik doch eine gewisse Bestätigung der Präsenz dieses Textes, nachdem bis auf eine Kombination alle Elemente vorkanonisch bezeugt sind. Die Kombination ἡ δέ deutet jedoch darauf hin, dass der Vers möglicher‐ weise kanonisch überarbeitet wurde. (14,23) Die Verseröffnung ἐὰν οὖν steht 10 Mal im NT, 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ συνέρχομαι steht 34 / 30 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3, vgl. nachfolgend in Vers 24 und Vers 31. ♦ ἰδιώτης, das 5 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Verbform ἐροῦσιν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 7,22; Lk 17,21. 23; 23,29; 1Kor 14,23). ♦ μαίνομαι, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene ( Joh 10,20; Apg 12,15; 26,24. 25; 1Kor 14,23). 494 Rekonstruktion <?page no="495"?> Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐὰν οὖν; συνέρχομαι; ἰδιώτης; ἐροῦσιν; μαίνομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (14,24) Die Kombination ἐὰν δέ steht 34 Mal im NT, Lk 22,68, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für Röm 2,25. ♦ πάντες, vgl. zuvor zu Vers 23 und danach zu Vers 31. ♦ εἰσέρχομαι steht 220 / 194 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἄπιστος, das 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,46; *2Kor 4,4. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: Zu ἰδιώτης als kanonischem Begriff vgl. zuvor die Verse 16 und 23. ♦ ἐλέγχω, obwohl 20 / 17 Mal im NT belegt, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene. ♦ Zu πάντων vgl. zuvor zu Vers 18. ♦ Das 16 Mal im NT begegnende ἀνακρίνω findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 23,14; Apg 4,9; 12,19; 17,11; 24,8; 28,18; 1Kor 2,14. 15; 4,3. 4; 9,3; 10,25. 27). Zur Rekonstruktion: Der Text berücksichtigt die von Tertullian angedeuteten und bezeugten Versteile. Der zweite Versteil weist Elemente auf (ἐλέγχω; ἀνακρίνω), die ausschließlich kanonich belegt sind, und wird vorkanonisch gefehlt haben. (14,25) Zu dem bezeugten Versteil: Die Kombination καὶ οὕτως steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *1Kor 15,11. ♦ κρυπτός steht 22 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; *Röm 2,16. 29. ♦ φανερός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,17; *Gal 5,19; *Röm 2,28. Zu dem nicht mehr bezeugten Versteil: πίπτω, das 112 / 90 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ προσκυνέω, das 67 / 60 Mal im NT belegt ist, ist ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ ἀπαγγέλλω, das 52 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,26 ♦ ὄντως, das 14 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. Zur Rekonstruktion: Wie die Lexik beeindruckend bestätigt, stand nur der durch Tertullian bezeugte Teil des Verses vorkanonisch, im nicht mehr bezeugten Teil häufen sich die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente (πίπτω; προσκυνέω; ὄντως; ἐν ὑμῖν). Dieser Teil wird Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (14,26) Die Kombination τί οὖν ἐστιν steht 5 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung wie hier, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 3,5. ♦ συνέρχομαι, das 2 (1Kor) 495 <?page no="496"?> 34 / 30 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu den vorkanonisch bezeugten Begriffen διδαχή, ἀποκάλυψις, γλῶσσα vgl. die Verse 14,1. 6. 15. ♦ ψαλμός ist dort bereits durch das Verb angeklungen, aber vorkanonisch nur bezeugt in *Laod 5,19. ♦ ἑρμηνεία, das 2 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10. ♦ Die Form γινέσθω steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene; vgl. zu 14,26. Zur Abwesenheit: Wie die ausschließlich kanonischen Elemente dieses Verses (τί οὖν ἐστιν; συνέρχομαι; γινέσθω) bestätigen, ist der Vers nicht nur unbezeugt, weil sich Tertullians Bemerkungen auf den ersten Teil des Kapiptels beziehen, sondern er hat vorkanonisch gefehlt. Vers 26 bietet insofern eine kanonisch re‐ daktionelle Duplikation. Der Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. Dass das Nomen ψαλμός nur in *Laod vorkanonisch bezeugt ist, zeigt erneut die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik. (14,27) Der Ausdruck κατὰ δύο steht nur hier. ♦ Der Superlativ πλεῖστος ist bei ( * ) Paulus sonst nicht mehr belegt und kommt ansonsten nur noch auf der kanonischen Ebene vor (Mt 11,20; 21,8; Mk 4,1). ♦ Die Präposition ἀνά steht 19 / 13 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ μέρος, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,46; 24,42; *Kol 2,16. ♦ διερμηνεύω, das 8 / 6 Mal im NT steht, begegnet ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Trotz der Kürze dieses vorkanonisch unbezeugten Verses, ist die Anzahl der ausschließlich kanonisch belegten Elemente bemerkenswert (πλεῖστος; ἀνά; διερμηνεύω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redak‐ tion und hat vorkanonisch gefehlt. (14,28) Die Verseröffnung ἐὰν δὲ μή steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 6,15; 10,13; 18,16; 1Kor 14,28). ♦ Die Form ᾖ steht 42 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διερμηνευτής ist Hapax legomenon im NT. ♦ σιγάω, das 12 / 10 Mal im NT steht, ist für die vorkanonische Ebene bezeugt in *1Kor 14,34. ♦ Die Form σιγάτω wird gleich nochmals auf der kanonischen Ebene in Vers 30 stehen. ♦ ἐν ἐκκλησίᾳ steht 4 Mal im NT, nur in 1Kor, vorkanonisch zuvor in *1Kor 14,19. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist wiederum einige ausschließlich kanonisch bezeugte Elemente auf (Verseröffnung ἐὰν δὲ μή; ᾖ), auch er wird wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. 496 Rekonstruktion <?page no="497"?> (14,29) προφήτης, das 157 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32; *1Thess 2,15, vgl. weiter zu den Versen 32. 37. ♦ δύο ἢ τρεῖς steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene Mt 18,20. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ οἱ ἄλλοι steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Joh 20,25. ♦ διακρίνειν wurde bereits zuvor als der kanonischen Sprache zugehörig erkannt, vgl. die Ausführungen zu 1Kor 6,5. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers spricht die Lexik mit ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu findenden Elemente (δύο ἢ τρεῖς; οἱ ἄλλοι; διακρίνειν) für dessen Zugehörigkeit zur kanonischen Ebene und der Abwesenheit von der vorkanonischen. (14,30) Die Kombination ἐὰν δέ steht 34 Mal im NT, Lk 22,68, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für Röm 2,25. ♦ Zu ἄλλος vgl. zu Vers 29. ♦ Die Form ἄλλῳ steht 27 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8. 10. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ κάθημαι steht 97 / 91 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πρῶτος (ohne πρώτον) steht 90 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,45. 47. Zur Rekonstruktion: Bei diesem kurzen, vorkanonisch unbezeugten Vers sind alle Komponenten vorkanonisch bezeugt, er scheint vorkanonisch gestanden zu sein, zumal er auch eine gute inhaltliche Überleitung von Vers 25 zu den Versen 31-32 darstellt. (14,31) δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination δύνασθε γάρ steht nur hier. ♦ Die Kombination γάρ + κατά steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,5. ♦ Die Kombination καθ’ ἕνα steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene Eph 5,33. ♦ Zu πάντες vgl. zuvor zu den Versen 23 und 24. ♦ προφητεύω steht 35 / 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,64; *1Kor 11,5; 14,1. 24. ♦ ἵνα πάντες steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,7; 5,23; 17,21; 1Kor 14,31). ♦ Das Verb μανθάνω steht 143 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; *1Kor 14,35. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers vorkanonisch unbezeugt ist und auch zwei Elemente begegnen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καθ’ ἕνα, ἵνα πάντες), sprechen doch die vielen anderen Elemente, auch Kombinationen eher dafür, dass der Vers vorkanonisch stand, wenn er auch vielleicht etwas kanonisch bearbeitet wurde. Auch inhaltlich fügt er sich gut zwischen die Verse 30 und 32 ein. 2 (1Kor) 497 <?page no="498"?> 221 Vgl. auch E.-M. Becker, Marcion und die Korintherbriefe nach Tertullian, Adversus Marcionem V (2002), 107. (14,32) Zu πνεύματα (Pl.) vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ Zu προφήτης vgl. zuvor zu Vers 28 und danach Vers 37. ♦ ὑποτάσσω, das 46 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Röm 10,3: *Laod 1,22; 5,21. (14,33) Die Kombination οὐ γάρ ἐστιν steht 12 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,33; vgl. zu Röm 2,11. ♦ ἀκαταστασία steht 5 Mal im NT, ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ ἀλλὰ εἰρήνης steht nur hier. ♦ Ὡς ἐν πάσαις ταῖς ἐκκλησίαις τῶν ἁγίων steht nur hier. ♦ Die Selbstbezeichnung ἅγιοι findet sich erstaunlicherweise in der vorkanonischen Fassung ausschließlich in *Laod, während sie immer wiederkehrt in der kanonischen Fassung und gerade aus den Brieferöffnungen bekannt ist, Röm 1,7; 1Kor 1,2; 2Kor 1,1; Eph 1,1; Phil 1,1; Kol 1,2. Zur Rekonstruktion der beiden Verse: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, der auch nicht den bisweilen als Auftakt von Vers 34 gesehenen letzten Teil von Vers 33 bezeugt. Dieser Teil scheint, wie die Selbstbezeichnung ἅγιοι erweist, auf die kanonische Redaktion zurückzugehen. Die Nähe von *Laod zu dieser wird erneut deutlich. (14,34-35) Vgl. zu Lexik und Rekonstruktion weiter oben zu *1Kor 14,21b-c. 221 (14,36) Die Formel ἢ ἀφ’ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Die Formel ὁ λόγος τοῦ θεοῦ steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 8,11; Joh 10,35; Apg 6,7; 17,13; Röm 9,6; 1Kor 14,36; 2Tim 2,9; Tit 2,5; Hebr 4,12; 1Joh 2,14; Apk 19,13). ♦ Die eher floskelhafte Formel ἐξῆλθεν steht 67 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Und überhaupt ist ἐξέρχομαι, das 258 / 218 Mal im NT steht, nur bezeugt für *Ev, nie für *Paulus. ♦ καταντάω, das 15 / 13 Mal im NT steht, ist hingegen für die vorkanonische Fassung ein Mal bezeugt (*1Kor 10,11), auch wenn der Begriff sonst nur auf der kanonischen Ebene begegnet, insbesondere in der Apostelgeschichte (Apg 16,1; 18,19. 24; 20,15; 21,7; 25,13; 26,7; 27,12; 28,13; Eph 4,13; Phil 3,11). Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (ἢ ἀφ’; ὁ λόγος τοῦ θεοῦ; ἐξῆλθεν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und fehlt vorkanonisch. 498 Rekonstruktion <?page no="499"?> (14,37) Die Formulierung εἴ τις δοκεῖ findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 3,18. ♦ Zu προφήτης vgl. zuvor zu den Versen 28. 32. ♦ Zum Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ πνευματικός steht 28 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ ἐπιγινώσκω steht 64 / 44 Mal im NT und ist auch für die vorkanonische Fassung bezeugt (*Ev und *Röm 10,2). ♦ γράφω ist 213 / 191 Mal im NT belegt, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,19. 31; 3,19; 9,10; 10,7. 11; 14,21; 15,54. ♦ Die Formel ἃ γράφω ὑμῖν kehrt ähnlich wieder in Gal 1,20 auf der kanonischen Ebene als ἃ δὲ γράφω ὑμῖν, während es auf der vorkanonischen Ebene *1Kor 4,14 heißt: ὑμᾶς ταῦτα γράφω. ♦ κυρίου ἐστίν steht noch 1 weiteres Mal im NT, auf kanonischer Ebene in 1Kor 7,22. ♦ ἐντολή, das 76 / 67 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt (*Ev 18,20; *Röm 7,11. 12; *Laod 2,15). In der Tat geht der Rückverweis wohl auf *1Kor 7,10 (vgl. auch *1Kor 3,18). Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwar eine Reihe von vorkanonisch bezeugten Elementen auf, weshalb man von einer vorkano‐ nischen Vorlage ausgehen könnte, aber in der gegebenen Form besitzt er eine Reihe von Elementen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (εἴ τις δοκεῖ; ἃ γράφω ὑμῖν; κυρίου ἐστίν). Der Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück, vielleicht unter Verwendung von vorkanonischem Material. In der hier vorliegenden Form fehlt er im vorkanonischen Text. (14,38) Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ Wie im voranstehenden Vers findet sich die Formulierung εἴ τις δοκεῖ ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 3,18. ♦ ἀγνοέω steht 23 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1; 12,1. Zur Abwesenheit: Auch wenn dieser vorkanonisch unbezeugte Vers wegen seiner Kürze schwer einzuschätzen ist, spricht doch die ausschließlich vorka‐ nonisch belegte Verseröffnung für ein Produkt der kanonischen Redaktion und ein Fehlen im vorkanonischen Text. (14,39) Die hier unbezeugte Konjunktion ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, davon 37 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21 (Verseröffnung); *2Kor 3,7 (im Vers); *Röm 7,12; *2Thess 2,4 (im Vers). ♦ ζηλόω steht 20 / 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κωλύω, das 27 / 23 Mal im NT steht, ist ein auffälliger Begriff, denn er wird von der kanonischen Redaktion an verschiedenen Stellen in die vorkanonische Fassung eingetragen, in der er gefehlt hatte, deutlich etwa Lk 6,29, oder in Lk 23,2 (in lat. Zeugen übersetzt mit prohibere oder vetare), wo in *Ev καταλύοντα stand. So dürfte es auch in Lk 9,49 eingetragen worden sein (mit 2 (1Kor) 499 <?page no="500"?> 222 So die Meinung von J. Weiss, Der erste Korintherbrief (1910), 353. denselben lateinischen Äquivalenten). Folglich wird man auch in *Ev 11,52 für das von Tertullian bezeugte (neque alios) admittebant, kaum ἐκωλύσατε, annehmen, pace Klinghardt, z.St. Harnack hatte hier schon richtig gesehen und diesen Teil des Verses als unbezeugt notiert. Das heißt, dass dieses Verb ausschließlich auf der kanonischen Ebene steht. Zur Abwesenheit: Auch dieser kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist verschiedene Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ζηλόω; κωλύω). Auch er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (14,40) Die Verseröffnung πάντα δέ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, davon 1 weiteres Mal als Verseröffnung in Mt 24,8. ♦ εὐσχήμων, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (Röm 13,13; 1Thess 4,12), so auch das zugehörige Adjektiv. ♦ τάξις, das 10 / 9 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 1,8; 1Kor 14,40; Kol 2,5; Hebr 5,6. 10; 6,20; 7,11. 17. 21). Zur Abwesenheit: Auch dieser letzte Vers des Kapitels, der vorkanonisch unbezeugt ist, weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind (Verseröffnung πάντα δέ; εὐσχήμων; τάξις). Auch hier haben wir es folglich mit einem Produkt der kanonischen Redaktion zu tun, und der Vers hat vorkanonisch gefehlt. Kapitel 15 15,1 [2] 3-4 [5-10] 11-12 [13] 14 [15-20] 21-22 [23] 24 25 26 [27] 28: Über die Auferstehung der Toten? Diese Passage zu dem neuen Thema der Auferstehung der Toten ist vorkano‐ nisch durchgehend gut bezeugt und das Argument nachverfolgbar. Die kanonische Redaktion hat hier die einzelnen argumentativen Schritte leicht umgestellt, durch Weiterungen bearbeitet und auf Paulus hin personali‐ siert. Es fällt ist insbesondere die kanonische Digression (Verse 5-10) auf, 222 die das Apostelsein des Paulus anlässlich der Auferstehung Christi thematisiert und, auch wenn sie Paulus in die Auferstehungszeugen mit aufnimmt, diesen doch eindeutig Kephas, den Zwölfen und allen übrigen Aposteln als der letzte Zeuge nachordnet. Paulus selbst gesteht, dass er der „Letzte der Apostel“ ist, eine gegenüber der vorkanonischen Selbstpositionierung des Paulus in 500 Rekonstruktion <?page no="501"?> *Gal 1,1 geradezu kontrastierende Stelle. Dann folgt eine zweite kanonische Digression (Verse 15-20), die sich mit der Ablehnung der Auferstehung der Toten auseinandersetzt. 15,1 Περὶ ἀναστάσεως νεκρῶν· Γνωρίζω δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί, τὸ εὐαγγέλιον ὃ εὐηγγελισάμην ὑμῖν, 15,1 Γνωρίζω δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί, τὸ εὐαγγέλιον ὃ εὐηγγελισάμην ὑμῖν, ὃ καὶ παρελάβετε, ἐν ᾧ καὶ ἑστήκατε, - 2 δι’ οὗ καὶ σῴζεσθε, τίνι λόγῳ εὐηγγελισάμην ὑμῖν εἰ κατέχετε, ἐκτὸς εἰ μὴ εἰκῇ ἐπιστεύσατε. 3 ὅτι Χριστὸς ἀπέθανεν, 3 παρέδωκα γὰρ ὑμῖν ἐν πρώτοις, ὃ καὶ παρέλαβον, ὅτι Χριστὸς ἀπέθανεν ὑπὲρ τῶν ἁμαρτιῶν ἡμῶν κατὰ τὰς γραφάς, 4 καὶ ἐτάφη καὶ ἐγήγερται μετὰ τρεῖς ἡμέρας, 4 καὶ ὅτι ἐτάφη, καὶ ὅτι ἐγήγερται τῇ ἡμέρᾳ τῇ τρίτῃ κατὰ τὰς γραφάς, - 5 καὶ ὅτι ὤφθη Κηφᾷ, εἶτα τοῖς δώδεκα· 6 ἔπειτα ὤφθη ἐπάνω πεντακοσίοις ἀδελφοῖς ἐφάπαξ, ἐξ ὧν οἱ πλείονες μένουσιν ἕως ἄρτι, τινὲς δὲ ἐκοιμήθησαν· 7 ἔπειτα ὤφθη Ἰακώβῳ, εἶτα τοῖς ἀποστόλοις πᾶσιν· 8 ἔσχατον δὲ πάντων ὡσπερεὶ τῷ ἐκτρώματι ὤφθη κἀμοί. 9 Ἐγὼ γάρ εἰμι ὁ ἐλάχιστος τῶν ἀποστόλων, ὃς οὐκ εἰμὶ ἱκανὸς καλεῖσθαι ἀπόστολος, διότι ἐδίωξα τὴν ἐκκλησίαν τοῦ θεοῦ· 10 χάριτι δὲ θεοῦ εἰμι ὅ εἰμι, καὶ ἡ χάρις αὐτοῦ ἡ εἰς ἐμὲ οὐ κενὴ ἐγενήθη, ἀλλὰ περισσότερον αὐτῶν πάντων ἐκοπίασα, οὐκ ἐγὼ δὲ ἀλλὰ ἡ χάρις τοῦ θεοῦ ἡ σὺν ἐμοί. 11 οὕτως κηρύσσομεν καὶ οὕτως ἐπιστεύσατε. 11 εἴτε οὖν ἐγὼ εἴτε ἐκεῖνοι, οὕτως κηρύσσομεν καὶ οὕτως ἐπιστεύσατε. 12 πῶς λέγουσιν ὑμῖν τινες ὅτι ἀνάστασις νεκρῶν οὐκ ἔστιν; 12 Εἰ δὲ Χριστὸς κηρύσσεται ὅτι ἐκ νεκρῶν ἐγήγερται, πῶς λέγουσιν ἐν ὑμῖν τινες ὅτι ἀνάστασις νεκρῶν οὐκ ἔστιν; - 13 εἰ δὲ ἀνάστασις νεκρῶν οὐκ ἔστιν, οὐδὲ Χριστὸς ἐγήγερται· 14 εἰ Χριστὸς οὐκ ἐγήγερται, μάταιον ἄρα καὶ τὸ κήρυγμα ἡμῶν. 14 εἰ δὲ Χριστὸς οὐκ ἐγήγερται, κενὸν ἄρα καὶ τὸ κήρυγμα ἡμῶν, κενὴ καὶ ἡ πίστις ὑμῶν, - 15 εὑρισκόμεθα δὲ καὶ ψευδομάρτυρες τοῦ θεοῦ, ὅτι ἐμαρτυρήσαμεν κατὰ τοῦ θεοῦ ὅτι ἤγειρεν τὸν Χριστόν, ὃν οὐκ ἤγειρεν εἴπερ ἄρα νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται. 2 (1Kor) 501 <?page no="502"?> 16 εἰ γὰρ νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται, οὐδὲ Χριστὸς ἐγήγερται· 17 εἰ δὲ Χριστὸς οὐκ ἐγήγερται, ματαία ἡ πίστις ὑμῶν, ἔτι ἐστὲ ἐν ταῖς ἁμαρτίαις ὑμῶν. 18 ἄρα καὶ οἱ κοιμηθέντες ἐν Χριστῷ ἀπώλοντο 19 εἰ ἐν τῇ ζωῇ ταύτῃ ἐν Χριστῷ ἠλπικότες ἐσμὲν μόνον, ἐλεεινότεροι πάντων ἀνθρώπων ἐσμέν. 20 Νυνὶ δὲ Χριστὸς ἐγήγερται ἐκ νεκρῶν, ἀπαρχὴ τῶν κεκοιμημένων. 21 ἐπειδὴ δι’ ἀνθρώπου θάνατος, καὶ δι’ ἀνθρώπου ἀνάστασις νεκρῶν· 21 ἐπειδὴ γὰρ δι’ ἀνθρώπου θάνατος, καὶ δι’ ἀνθρώπου ἀνάστασις νεκρῶν· 22 ὥσπερ ἐν τῷ Ἀδὰμ ἀποθνῄσκουσιν, οὕτως καὶ ἐν τῷ Χριστῷ πάντες ζῳοποιηθήσονται. 22 ὥσπερ γὰρ ἐν τῷ Ἀδὰμ πάντες ἀποθνῄσκουσιν, οὕτως καὶ ἐν τῷ Χριστῷ πάντες ζῳοποιηθήσονται. - 23 ἕκαστος δὲ ἐν τῷ ἰδίῳ τάγματι· ἀπαρχὴ Χριστός, ἔπειτα οἱ τοῦ Χριστοῦ ἐν τῇ παρουσίᾳ αὐτοῦ· 24 ὅταν παραδιδῷ τὴν βασιλείαν τῷ θεῷ, ὅταν καταργήσῃ ἀρχὴν καὶ ἐξουσίαν καὶ δύναμιν. 24 εἶτα τὸ τέλος, ὅταν παραδιδῷ τὴν βασιλείαν τῷ θεῷ καὶ πατρί, ὅταν καταργήσῃ πᾶσαν ἀρχὴν καὶ πᾶσαν ἐξουσίαν καὶ δύναμιν. 25 δεῖ γὰρ αὐτὸν βασιλεύειν ἄχρι οὗ θῇ τοὺς ἐχθροὺς αὐτοῦ ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ. 25 δεῖ γὰρ αὐτὸν βασιλεύειν ἄχρι οὗ θῇ πάντας τοὺς ἐχθροὺς ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ. 26 ἔσχατος ἐχθρὸς καταργεῖται ὁ θάνατος· 26 ἔσχατος ἐχθρὸς καταργεῖται ὁ θάνατος· - 27 πάντα γὰρ ὑπέταξεν ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ. ὅταν δὲ εἴπῃ ὅτι πάντα ὑποτέτακται, δῆλον ὅτι ἐκτὸς τοῦ ὑποτάξαντος αὐτῷ τὰ πάντα. 28 τότε αὐτὸς ὁ υἱὸς ὑποταγήσεται, ἵνα ᾖ ὁ θεὸς τὰ πάντα ἐν πᾶσιν. 28 ὅταν δὲ ὑποταγῇ αὐτῷ τὰ πάντα, τότε καὶ αὐτὸς ὁ υἱὸς ὑποταγήσεται τῷ ὑποτάξαντι αὐτῷ τὰ πάντα, ἵνα ᾖ ὁ θεὸς τὰ πάντα ἐν πᾶσιν. A. *15,1: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch./ elench. 24 (123. 171-172): Περὶ ἀναστάσεως νεκρῶν· γνωρίζω δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί, τὸ εὐαγγέλιον, ὃ εὐηγγελισάμην ὑμῖν; Adam., Dial. V 6 (im Mund des Adamantius): γνωρίζω γὰρ ὑμῖν τὸ εὐαγγέλιον ὃ εὐηγγελισάμην ὑμῖν, ὃ καὶ παρελάβετε, ἐν ᾧ καὶ ἑστήκατε (Rufin: Notum autem uobis facio, fratres, euangelium. Quod euangelium? Quod euangelizaui uobis, quod et susceptistis, in quo et statis). ♦ *15,3: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch./ elench. 24 (123. 171-172): ὅτι Χριστὸς ἀπέθανεν (allerdings ist die Reihenfolge, in der 502 Rekonstruktion <?page no="503"?> Epiphanius die Auszüge aus Kapitel 15 gibt, folgende: Vers 1, 14 oder 17, 11, 3-4); Adam., Dial. V 6 (im Mund des Adamantius): δι’ οὗ καὶ σῴζεσθε, τίνι λόγῳ εὐηγγελισάμην ὑμῖν εἰ κατέχετε, ἐκτὸς εἰ μὴ εἰκῇ ἐπιστεύσατε. 3 παρέδωκα γὰρ ὑμῖν ἐν πρώτοις, ὅτι Χριστὸς ἀπέθανεν ὑπὲρ τῶν ἁμαρτιῶν ἡμῶν (Rufin: per quod et salui efficiemini, qua ratione euangelizaui uobis si retinetis, nisi forte sine sausa credidistis. Tradidi enim uobis in primis quia Christus mortuus est pro peccatis nostris secundum scripturas). ♦ *15,4: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch./ elench. 24 (123. 171): καὶ ἐτάφη καὶ ἐγήγερται τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ; im Elenchus gibt er den Vers: καὶ ὅτι τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ ἐγήγερται κατὰ τὰς γραφάς); Adam., Dial. V 6 (im Mund des Adamantius): καὶ ὅτι ἐτάφη, καὶ ὅτι ἐγήγερται τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ (Rufin: et quia sepultus est et quia resurrexit tertia die). Kurz darauf wird dieser Text ibid. wiederholt, jedoch in folgender Form καὶ ἐτάφη καὶ τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ ἐγήγερται (Rufin: et sepultus et die tertia resurrexit). ♦ *15,11: Vgl. Tert., Adv. Marc. IV 4,5: Sive ego, inquit Paulus, sive illi, sic praedicamus; Epiph., Pan. 42, sch./ elench. 24 (123. 171-172): οὕτως κηρύσσομεν καὶ οὕτως ἐπιστεύσατε. ♦ *15,12: Vgl. Tert., Adv. Marc V 9,2: Mortuorum resurrectionem quomodo quidam tunc negarint prius dispiciendum est. ♦ *15,14: Epiph., Pan. 42, sch./ elench. 24 (123. 171-172): εἰ Χριστὸς οὐκ ἐγήγερται, μάταιον καὶ τὰ ἑξῆς. Adam., Dial. V 6 (im Mund des Adamantius): εἰ δὲ Χριστὸς οὐκ ἐγήγερται ἐκ νεκρῶν, φησί, κενὸν καὶ τὸ κήρυγμα, κενὴ καὶ ἡ πίστις ἡμῶν (Rufin: Si autem Christus non resurrexit a mortuis, inanis est praedicatio nostra, et uacua est fides uestra). ♦ 15,20: Vgl. Adam., Dial. V 6 (im Mund des Adamantius): ἀπαρχὴ τῶν κεκοιμημένων (Rufin: Primogenitus ex mortuis). ♦ *15,21-22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 9,3: Nam et ipsum quod mortuorum resurrectio dicitur, exigit defendi proprietates vocabulorum. Ita vocabulum mortuum non est nisi quod amisit animam, de cuius facultate vivebat. Corpus est quod amittit animam et amittendo fit mortuum; ita mortui vocabulum corpori competit. Porro si resurrectio mortui est, mortuum autem non aliud est quam corpus, corporis erit resurrectio. Ibid. V 9,5: Quia per hominem mors, et per hominem resurrectio. Hic mihi et Christi corpus ostenditur in nomine hominis, qui constat ex corpore, ut saepe iam docuimus. Quodsi sic in Christo vivificamur omnes sicut mortificamur in Adam, quando in Adam corpore mortificemur, sic necesse est in Christo corpore vivificemur. Ceterum similitudo non constat si non in eadem substantia mortificationis in Adam, vivificatio concurrat in Christo. Sed interposuit adhuc aliquid de Christo, et propter praesentem disceptationem non omittendum. Vgl. auch Adam., Dial. V 6 (im Mund des Adamantius): ἐπειδὴ γὰρ δι’ ἀνθρώπου θάνατος, καὶ δι’ ἀνθρώπου ἀνάστασις νεκρῶν. ὥσπερ γὰρ ἐν τῷ Ἀδὰμ πάντες ἀποθνῄσκουσιν, οὕτω καὶ ἐν τῷ Χριστῷ πάντες ζῳοποιηθήσονται (Rufin: quia per hominem mors et per hominem resurrectio mortuorum. Sicut enim per Adam omnes moriuntur, ita et in Christo omnes uiuificabuntur). ♦ *15,25: Vgl. Tert. 2 (1Kor) 503 <?page no="504"?> 223 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 90. 224 Vgl. Ibid. 226. 225 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 92*. 226 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 238. 227 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. Zuntz hält dies für eine falsche Lesart Markions, G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 238. Adv. Marc. IV 9,6: Cum dicit, Oportet enim regnare eum, donec ponat inimicos eius sub pedes eius. iam quidem et ex hoc ultorem deum edicit, atque exinde ipsum qui hoc Christo repromiserit: Sede ad dexteram meam donec ponam inimicos tuos scabellum pedum tuorum: virgam virtutis tuae emittet dominus ex Sion, et dominabitur in medio inimicorum tuorum tecum. Ibid. V 9,13: … ut confirmaverim et regni gloriam et inimicorum subiectionem. ♦ 15,27: Vgl. Ps 8,7b LXX: πάντα ὑπέταξας ὑποκάτω τῶν ποδῶν αὐτοῦ. ♦ *15,28: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 9,8: Sed nec, Generavi te, edixisset deus, nisi filio vero. Ibid. V 9,12: Benedictus dominus deus Israelis, qui facit mirabilia solus: Et benedicentur in illo universae gentes. In Salomone nulla natio benedicitur, in Christo vero omnis … benedictum nomen gloriae eius, et replebitur universa terra gloria eius. Ibid. V 9,13: subiecti utique pedibus ipsius-…. B. (15,2) Anstelle von εἰ κατέχετε findet man ὀφείλετε κατέχειν nach den Zeugen 06* .c , 010, 012, ar, b, t, vg ms , Ambst, ὀφείλετε im Indikativ, so dass der Ausdruck kein Imperativ darstellt. Zuntz (wie vor ihm Bentley und Klostermann) hält diese Variante für die ursprüngliche Lesart. 223 ♦ ὃ καὶ παρέλαβον … κατὰ τὰς γραφάς om Iren lat , Ambr, Abst, Hil, Vigil. 224 ♦ (15,14) Das in der kanonischen Form fehlende καί steht in den Zeugen 01*, 02, 06, 010, 012, 018, 025, 33, 81, 326, 1241, Epiph, om in P 46 , 01 2 , 03, 020, 044, 0243, 104, 365, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, 2464, M, ar, b, d, sy, Ir lat , Ambst. ♦ (15,24) Anstelle von παραδιδῷ in P 46 , 01, 02, 06, 044, 0243, 0270, 1505, 1739, (03, 010, 012) findet sich die Variante παραδῷ in den Zeugen 018, 020, 025, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1881, 2464, M, latt. ♦ πᾶσαν und καὶ δύναμιν fehlen in Gregor Nyss, Did, worauf bereits Harnack hingewiesen hatte. 225 ♦ (15,25) Post ἄχρι οὗ add ἄν in 01 c2 . ♦ om πάντας in 010, 012, 044, Tert, Hil, Or lat . Das Fehlen hält Zuntz für eine falsche Lesart Markions. 226 ♦ Post ἐχθρούς add αὐτοῦ, so Tert, aber auch in den einschlägigen Zeugen 02, 010, 012, 33, 104, 629, f, g, r, vg mss , ar, sa, bo, go, sy p , Or, Eus, Did, Cyr, und in der altlateinischen Tradition liest man suos in 61, 64, 78 und eius in 77, und wird von NA 28 als markionitische Lesart bei Tert und Epiph gegeben. 227 ♦ (15,28) Post 504 Rekonstruktion <?page no="505"?> 228 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 284. τότε add καί in 01, 02, 06 2 , 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 2464, M, ar, f, r, vg cl , sy h , bo, Ambst ed , Pel ab und in der altlateinischen Tradition in 61, 64, 78; om 03, 06*, 010, 012, 0243, 33, 1175, 1739, b, vg st , sy p , sa bo ms , Ir lat . ♦ Post θεός add τά in 01, 06 1 , 010, 012, 018, 020, 025, 044, 075, 104, 365, 630, 1175, 1505, 1881, 2464, M; om 02, 03, 06*, 0243, 6, 33, 81, 1241, 1739. C. 1. (15,1) Hilgenfeld und Zahn sehen den bezeugten ersten Teil des Verses anwesend (ohne die Überschrift, die sich in Epiphanius findet), er rechnet auch mit dem zweiten Teil, ohne allerdings den Wortlaut zu geben. Harnack, der sich nicht nur auf Epiphanius stützt, sondern auch auf Adamantius, gibt den gesamten Vers: γνωρίζω δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί, τὸ εὐαγγέλιον, ὃ εὐηγγελισάμην ὑμῖν, ὃ καὶ παρελάβετε, ἐν ᾧ καὶ ἑστήκατε. Schmid und BeDuhn beschränken sich für den bezeugten Text auf das Epiphaniuszitat (wieder ohne Überschrift). Hier kann wiederum nur der Vergleich der Lexeme weiterhelfen. M.E. ist jedoch auch mit der von Epiphanius bezeugten Überschrift zu rechnen. Denn sie entspricht der Überschrift in den früheren Kapiteln dieses Briefes (Περὶ τῶν γάμων, Kap. 7; Περὶ οὖν τῶν εἰδωλοθύτων, Kap. 8; Περὶ τῶν πνευματικῶν, Kap. 12), mit denen große Themenabschnitte eingeführt wurden. 2. (15,2-3) Hilgenfeld meint, die Verse 2-3 klängen in Epiphanius’ Refutatio an. Zahn sieht Vers 2 als unbezeugt, aber in irgendeiner Form vorhanden, Vers 3 sieht er in der kanonischen Form vorhanden. Harnack folgt dem Zeugnis des Adamantius. Schmid und BeDuhn sehen Vers 2 als unbezeugt und aus Vers 3 lediglich als bezeugt, was Epiphanius gibt: ὅτι Χριστὸς ἀπέθανεν. Nun konnten wir bereits in Vers 1 dem Zeugnis des Adamantius aufgrund der Lexik nicht folgen, und BeDuhn weist ausdrücklich darauf hin, „dass es keinen guten Grund für die Annahme gäbe, dass in diesem Stück des Werks Markions Text von Adamantius benutzt wurde“. 228 Doch worauf deutet der Vergleich der Lexeme hin? In seinem Elenchus gibt Epiphanius gar den ganzen Vers, auch mit κατὰ τὰς γραφάς. Auch hier stellt sich die Frage, ob der von Epiphanius und Adamantius gegebene Text zur vorkanonischen Fassung gehörte oder nicht. 3. (15,3) Auffallenderweise lässt dann Adamantius das ὃ καὶ παρέλαβον und κατὰ τὰς γραφάς aus, das sich auch von der Lexik her der kanonischen Ebene zuordnet. In Rufins lateinischer Übersetzung wird zwar das zweite Element übersetzt, doch das erste fehlt. NA 28 gibt keine Varianten. Allerdings hat schon Harnack darauf hingewiesen, dass ὃ καὶ παρέλαβον auch bei den Autoren Irenäus, Tertullian, Hilarius, Ambrosius, Ambrosiaster und anderen fehle. 229 Ihm stimmte Blackman zu. 230 Eine Liste von Vätern und altlateinischen 2 (1Kor) 505 <?page no="506"?> 229 Vgl. A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 91*. 230 E.C. Blackman, Marcion and his influence (1948), 44. 168. 231 J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 111. 119-120. 232 Vgl. J.N. Birdsall, Review of Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul (1990), 633. 233 J.-Heilmann, „Kanonischer Text und historischer Paulus“ (2024), 881. 234 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 510. Zeugen werden von Clabeaux zum Zeugnis dafür angeführt, dass Markions Paulustext diese Worte nicht enthielt. 231 Diese Einschätzung der Zeugen wurde in manchen Punkten korrigiert von Birdsall. 232 BeDuhn verweist aber außer auf Adamantius auch auf Eusebius von Cäsarea, bei dem diese Worte fehlen. Wenn er jedoch schließt, dass diese Väterzeugnisse keine Bestätigung bieten für das Fehlen der Worte in Markions Text, gibt der Vergleich der Lexeme doch zusätzliches Gewicht dafür, dass auch der unbezeugte Teil von Vers 3 vorkanonisch gefehlt hat. J. Heilmann hebt hervor: „Hier ist bei der Edition der 14-Briefesammlung also nicht nur der Hinweis auf die Sündenvergebung und die Schrift hinzugekommen, sondern auch der gesamte Satz »denn ich überlieferte euch als erstes, was ich auch übernahm«. Durch die Ergänzung dieses Satzes wird Paulus in eine Traditionslinie mit den Jerusalemer Aposteln gestellt. Er wird näher an sie herangerückt - eine Tendenz, die sich auch in der Apostelgeschichte findet (vgl. Act 9,26-31; 11,29 f.; 12,25; 15; 21,17-22,26).“ 233 4. (15,4) Zahn sieht den Vers in der kanonischen Form präsent, fragt aber, ob er „abgekürzt“ sei. 234 Harnack folgt Adamantius und bietet als bezeugten Text: καὶ ὅτι ἐτάφη καὶ ὅτι ἐγήγερται τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ; Schmid notiert als Text καὶ (ὅτι) ἐτάφη καὶ (ὅτι) ἐγήγερται τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ …, und BeDuhn folgt in seiner Übersetzung diesem Vorschlag von Schmid. Dass Schmid τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ kursiv setzt und damit eine Unsicherheit bezüglich dieses Versteils andeutet, ist berechtigt. Denn, wie zuvor in A. gezeigt, besitzen wir als Bezeugung für den Vers zunächst nicht das Zeugnis Tertullians. Epiphanius erweist sich, wie in der Einleitung dargelegt, öfter als Zeuge, der vom kanonischen Text beeinflusst ist. An vorliegender Stelle und für den entsprechenden Passus bietet er verschiedene Versionen. Diese sind, wie seine Argumentation im Scholion ausdrücklich sagt, aus dem kanonischen Text genährt (ἐγὼ δὲ κατὰ τὰς γραφὰς ἀσφαλίζομαι ὑμᾶς, womit Markion und die seinen gemeint ist, die nämlich nicht den Schriften gemäß, sondern aus sich heraus, ἀφ’ ἑαυτῶν, hier gelehrt hätten). Das aber bedeutet, dass wir Epiphanius wohl als Zeugen dafür nehmen können, dass im vorkanonischen Text von der 506 Rekonstruktion <?page no="507"?> 235 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 750. 236 Ibid. 750-751. Auferweckung in diesem Vers gesprochen wurde, der Wortlaut, den Epiphanius an beiden Stellen variiert gibt, sich jedoch aus dem kanonischen Text nährt. Dieser Umstand lässt die Frage offen, ob überhaupt eine Terminierung der Auferstehung vorkanonische gegeben wurde. Für die Rekonstruktion hilft uns die Lexik in C. wie die Beobachtung zu *Ev, wonach die Formulierung τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ der kanonischen Redaktion entspricht. Statt ihrer bieten einschlägige handschriftlichen Zeugen (und auch Epiphanius) für *Ev 9,22 μετὰ τρεῖς ἡμέρας. Wir dürfen darum auch an der vorliegenden Stelle mit dieser Formulierung rechnen, wenn es eine Zeitangabe hier gab. Die Bedeutung der verschiedenen Angabe, sei es „nach drei Tagen“ wie im vorkanonischen Text (übernommen auch in Mk 8,31) und der sonstigen kanonischen Gepflogenheit, „am dritten Tag“, hat M. Klinghardt erhellt: „Die Formulierung μ ε τ ὰ τρεῖς ἡμέρας aus *Ev-Mk passt nicht zu der jeweils narrativ entfalteten Chronologie von Grablegung und Auffindung des leeren Grabes am Ostermorgen: Sowohl für *Ev als auch für Mk ist klar, dass Jesus am Freitagabend begraben wurde (Mk 15,42f; *23,[54]56) und die Frauen das Grab bereits am Morgen des folgenden Sonntags leer fanden (Mk 16,1f; *24,1). Die hier vorausgesetzte Zeitspanne ist mit ‚nach drei Tagen‘ nicht angemessen beschrieben: Auch bei einer inklusiven Tageszählung kommt man bestenfalls auf ‚nach zwei Tagen‘.“ 235 Klinghardt verweist sodann auf die „Inkongruenz zwischen der besprochenen und der erzählten Zeit“ oder die zwischen „Passionschronologie“ und „Auferstehungsweissagung“, wie sie in *Ev (und Mk) vorliegt. Im Hintergrund, wie er aufzeigt, liegt das „aus der Danieltradition stammende“ apokalyptische Wochenschema, wonach Gottes letzter Prophet „vom Widersacher überwunden und getötet“, aber nach der halben Woche (3 ½) Tage „wieder auferweckt“ wird. Darum finden sich in verschiedenen Quellen (Commodian, Victorinus u. a.) der Hinweis auf vier Tage oder „nach drei Tagen“. Die Rede vom „dritten Tag“ weicht von dieser Vorlage ab, harmonisiert ingegen „die tatsächlich erzählte Ereignisfolge“ mit der Zeitangabe. 236 Die Beobachtungen decken sich mit der Feststellung, dass *Paulus an dieser Stelle übereinstimmend mit *Ev bewusst an die Danielweissagung kritisch anknüpft. Denn der gerettetete Prophet ist wie in der Danieltradition derjenige, der „Festzeiten und Gesetz“ ändert, „aber im Gegenteil zu Daniel nicht 2 (1Kor) 507 <?page no="508"?> 237 M. Vinzent, Christi Thora. Die Entstehung des Neuen Testaments im 2. Jahrhundert (2022), 197. 238 Vgl. v.-a. Tert., Adv. Marc. V 1. kommt, um zu vernichten, nicht um Könige zu stürzen, und vor allem nicht, um Gericht zu halten“. 237 Nun bestätigt aber auch diese Bezeugung die Beobachtungen zum voranste‐ henden Vers, auch was die Übereinstimmung von Bezeugung und Lexik betrifft. Es lässt sich jedoch fragen, ob nicht das auch in Adamantius bezeugte zweima‐ lige Fehlen von ὅτι auf die kanonisch redaktionelle Tendenz der Duplikation zurückgeht. 5. (15,5-10) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer Präsenz in unbestimmbarer Form rechnet und Harnack auf 1Kor 1,28 hinweist und meint, der Begriff ἐλάχιστος dort sei aus Vers 9 hier entnommen worden, weshalb er folglich mit diesem Vers rechnet. Auch hier können nur Varianten und der Vergleich der Lexeme weitere Einsicht geben. Wie man dieser Übersicht nämlich entnehmen kann, hat diese Passage in der vorkanonischen Fassung gefehlt und geht insgesamt auf die kanonische Redaktion zurück. Es wäre auch ganz erstaunlich, wenn die Passage, die solche Autorität dem Petrus und dem Jakobus als Auferstehungszeugen zumisst und zugleich Paulus als „letzten der Apostel“ bezeichnet, dem Tertullian entgangen wäre, der daraus reiches Material gegen Markions Geringschätzung gegenüber diesen Aposteln hätte ziehen und damit der Überordnung des Paulus gegenüber den Aposteln durch Markion hätte widersprechen können. Vielmehr liest sich die Passage geradezu als Parallelargumentation zu derjenigen, die sich bei Tertullian diesbezüglich findet. 238 6. (15,5) Nachdem οἱ δώδεκα nur auf der kanonischen Ebene steht und im gesamten paulinischen Korpus sich die Zahl 12 nur an der vorliegenden Stelle findet, zeigt sich, dass wir es bei diesem Vers mit einer kanonischen Ergänzung zu tun haben, die die Stellung des Petrus als Erstzeugen untermauert. 7. (15,11) Hilgenfeld verweist darauf, dass Tertullian bereits in den Büchern I-III verschiedentlich auf diesen Vers wie auch auf die Verse 3. 4. 11. 13-14. 51-54 eingegangen sei. Zahn scheint nur die Epiphaniusbezeugung zu akzeptieren, weil er zwar mit Vers 11a rechnet, aber in unbestimmtem Wortlaut, während er Vers 11b im kanonischen Zuschnitt sieht. Harnack hingegen verweist auch auf das Tertullianreferat, doch als bezeugten Text nimmt auch er nur das von Epiphanius Gebotene. Dieser Wahl schließen sich Schmidt und BeDuhn an. Damit treffen die Editoren wohl das Richtige, weil Vers 11a narrativ die als der kanonischen Ebene zugeordneten Verse 5-10 voraussetzt und die Brücke zu ihnen bzw. einen Neueinsatz nach deren Digression darstellt. Letzteres legt sich 508 Rekonstruktion <?page no="509"?> nahe, weil der Vers nach Epiphanius dem Vers 3 voransteht. Was den bezeugten Teil betrifft, stimmt hierzu auch der lexikographische Vergleich. Von Soden ist der Meinung, der Vers sei durch Epiphanius gar als abwesend bezeugt, doch steht die Gewohnheit, mit der Epiphanius nur Verse in den Scholien anführt, die er als präsent glaubt, gegen von Sodens Interpretation der Elenchuspassage. 8. (15,12) Hilgenfeld meint, Tertullian steige erst mit diesem Vers in seiner Kommentierung ein, auch wenn er in früheren Büchern (vgl. zum voranste‐ henden Vers) bereits auf voranstehende Verse eingegangen sei. Zahn sieht den Text bezeugt in der kanonischen Form, Harnack erkennt in Tertullian lediglich eine Anspielung auf folgenden Text: πῶς λέγουσιν τινες ὅτι ἀνάστασις νεκρῶν οὐκ ἔστιν. Schmid sieht ihn nur als Paraphrase, so dass er keinen Wortlaut vorschlägt, doch BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: [πῶς-…] λέγουσιν ἐν ὑμῖν τινες ὅτι ἀνάστασις [τῶν] νεκρῶν οὐκ ἔστιν. Grundsätzlich sind diese Überlegungen wohl korrekt, die Vers 12a in der vorkanonischen Version nicht für präsent halten, wie man auch aus der Argu‐ mentation des Epiphanius in seinem Elenchus zum Scholion 24 ersehen kann, der eben nicht mit Vers 12a, sondern mit den diese Gedanken aufgreifenden Versen 13-14 kontert. Dies wäre nicht notwendig gewesen, hätte er auf Vers 12a zurückgreifen können. 9. (15,13-14) Hier ist bereits die Bezeugung unter den Editoren umstritten. Zahn nimmt diese Bezeugung nicht für die Verse 13-14, die er zwar präsent sieht, aber im Wortlaut unbestimmt, sondern für Vers 17, so auch Harnack. Allerdings ergänzt Harnack Vers 14 aus Adam., Dial. V 6. Meyboom nimmt das Zeugnis des Epiphanius für Vers 14 und verweist auf die Variante μάταιον. Schmid ist unentschlossen und gibt als möglichen Bezug die Verse 14 und 17, BeDuhn zieht Epiphanius zurate und optiert als Bezug für Vers 14, da er in dem Neutrum μάταιον einen Bezug zu τὸ κήρυγμα sieht, auch wenn er zugibt, dass das μάταιον vom Begriff her eher zu ματαία aus Vers 17 stimmen würde. Er ergänzt sodann aus dem Elenchus den Vers 13. Allerdings übersieht dies, dass Epipha‐ nius ausdrücklich die Version des Markion der eigenen Gegenargumentation entgegensetzt und sich brüstet, κατὰ τὰς γραφάς zitieren zu können und zu wollen. Diese Zitate lassen sich folglich nicht zur Rekonstruktion heranziehen, vielmehr gibt die zunächst kurios wirkende Umstellung der zitierten Verse den Hinweis für die Rekonstruktion. Epiphanius hat das Scholion 24 eröffnet mit dem Zitat aus 1Kor 15,1 (Γνωρίζω δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί, τὸ εὐαγγέλιον ὃ εὐηγγελισάμην ὑμῖν), dem lässt er das umstrit‐ tene Zitat (εἰ Χριστὸς οὐκ ἐγήγερται, μάταιον καὶ τὰ ἑξῆς) nachfolgen, welches gefolgt wird von Vers 11 (οὕτως κηρύσσομεν καὶ οὕτως ἐπιστεύσατε). Dass 2 (1Kor) 509 <?page no="510"?> 239 Vgl. hierzu M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 482. *Paulus mit Vers 11 eine Antwort geben will, die dem καὶ τὰ ἑξῆς entspricht, ist aber nur sinnvoll als Ergänzung zu Vers 14 (κενὸν ἄρα καὶ τὸ κήρυγμα ἡμῶν, κενὴ καὶ ἡ πίστις ὑμῶν), nicht zu Vers 17 (ματαία ἡ πίστις ὑμῶν, ἔτι ἐστὲ ἐν ταῖς ἁμαρτίαις ὑμῶν). BeDuhn sieht also wohl richtig, dass eine Anspielung auf Vers 14 und kaum auf Vers 17 vorliegt, auch wenn man die Hinzunahme von Vers 13, wie BeDuhn aus dem Elenchus vorschlägt, nicht übernehmen wird. Das eingangs von Vers 14 in der kanonischen Version stehende δέ, das bei Epiphanius fehlt, setzt Vers 13 voraus, wird also auch wie dieser Vers zu der kanonischen Ebene gehören. 10. (15,15-20) Alle Editoren nehmen an, dass die Verse 15-19 unbezeugt sind, wobei Hilgenfeld die Verse 17-18 bei Epiphanius anklingen hört, BeDuhn vielleicht an Verse 18-20 als Implikate von καὶ τὰ ἑξῆς des Epiphanius denkt, vgl. zum voranstehenden Vers die Lexik. Die Ausnahme stellt für Zahn, Harnack und Schmid, der zwischen Versen 14 und 17 als Referenz schwankt, nur Vers 17 dar, vgl. hierzu aber die Ausführungen in C. 9. Die Passage liest sich auch wie eine Vertiefung und z.T. Duplikation dessen, was bereits ausgeführt wurde, letzteres ein Merkmal der kanonischen Redak‐ tion. Bezüglich Vers 20 gehen die Meinungen der Editoren auseinander. Zahn sieht den Vers unbezeugt, aber irgendwie präsent, Harnack verweist auf Adam., Dial. V 6. Schmid lässt dieses Zeugnis nicht gelten, und BeDuhn ist skeptisch, da der Vers „nicht direkt bezeugt“ sei, erinnert aber, wie bemerkt, an Epiphanius’ καὶ τὰ ἑξῆς, doch in seiner Übersetzung ignoriert er den Vers. Der lexikalische Überblick unten zeigt, dass all diese Verse aufgrund ihrer Lexik, der Duplikation der Inhalte und dem narrativen Zusammenhang der kanonischen Redaktion zugehören. Dazu passt, dass Tert., Adv. Marc. V 9,2 in der Diskussion genau an diesem Punkt weiter ausholt, wenn er schreibt: ceterum corpora aut ignibus statim aut feris aut etiam diligentissime condita temporibus tamen aboleri manifestum est. Si ergo carnis resurrectionem negantes apostolus retundit, utique adversus illos tuetur quod illi negabant, carnis scilicet resurrectionem. Tertullian muss einen Widerspruch des *Paulus gegen die Leugnung der Auferstehung der Toten gelesen haben, wie dieser ihn in Vers 14 formuliert hatte. Die Passage gibt also keinen weiteren Aufschluss zu den Versen 15-20. 11. (15,21-28) Die Passage der Verse 21-28 erinnert an *Ev 10,17-20. 239 12. (15,21-22) Dieser Text wird von keinem der Editoren herangezogen, doch folgt er unmittelbar auf die Diskussion, die sich wohl auf Vers 14 bezogen hat und bietet den Ausdruck (quod dicitur; vocabulum) mortuorum resurrectio, den 510 Rekonstruktion <?page no="511"?> Harnack etwa bei Tertullian vermisste. Dieser Ausdruck steht dann aber in dem von Tertullian bezeugten Vers 21, den dadurch alle Editoren als präsent sehen. Dieser Vers wird von dem Nachfolgevers 22, der ebenfalls von allen Editoren als präsent betrachtet wird, weitergeführt. Als Bezeugung verweisen die Editoren erst auf die spätere Stelle Tert., Adv. Marc. V 9,5. Doch auch die Diskussion in ibid. V 9,4 ist von Relevanz, zeigt sie doch, wie linguistisch Tertullian hier mit dem „re-“ (Griechisch ἀνα-) argumentiert: Sic et resurrectionis vocabulum non aliam rem vindicat quam quae cecidit. Surgere enim potest dici et quod omnino non cecidit, quod semper retro iacuit. Resurgere autem non est nisi eius quod cecidit; iterum enim surgendo, quia cecidit, resurgere dicitur. RE enim syllaba iterationi semper adhibetur. Nach einem Verweis auf das Gesetz führt Tertullian dann in V 9,5 aus: Quia per hominem mors, et per hominem resurrectio. Hic mihi et Christi corpus ostenditur in nomine hominis, qui constat ex corpore, ut saepe iam docuimus. Quodsi sic in Christo vivificamur omnes sicut mortificamur in Adam, quando in Adam corpore mortificemur, sic necesse est in Christo corpore vivificemur. Ceterum similitudo non constat si non in eadem substantia mortificationis in Adam, vivificatio concurrat in Christo. Sed interposuit adhuc aliquid de Christo, et propter praesentem disceptationem non omittendum. Vgl. auch Adam., Dial. V 6 (im Mund des Adamantius): ἐπειδὴ γὰρ δι’ ἀνθρώπου θάνατος, καὶ δι’ ἀνθρώπου ἀνάστασις νεκρῶν. ὥσπερ γὰρ ἐν τῷ Ἀδὰμ πάντες ἀποθνῄσκουσιν, οὕτω καὶ ἐν τῷ Χριστῷ πάντες ζῳοποιηθήσονται (Rufin: quia per hominem mors et per hominem resurrectio mortuorum. Sicut enim per Adam omnes moriuntur, ita et in Christo omnes uiuificabuntur). Hilgenfeld führt lediglich an, dass Tertullian die Verse 21 und 22 berücksich‐ tige, gibt aber nicht die präzise Stelle an, auf die er sich bezieht. Harnack verweist darauf, dass das mortuorum nicht mehr wiederholt wird. Zahn sieht die Verse 21-22 in der kanonischen Form präsent, Harnack meint hingegen, unter Berück‐ sichtigung von Tertullian und Rufins Übersetzung des Adamantiusdialogs sei folgender Text bezeugt: ἐπειδὴ γὰρ δι’ ἀνθρώπου θάνατος, καὶ δι’ ἀνθρώπου ἀνάστασις νεκρῶν: ὥσπερ γὰρ διὰ τοῦ Ἀδὰμ πάντες ἀποθνῄσκουσιν, οὕτω καὶ ἐν τῷ Χριστῷ πάντες ζῳοποιηθήσονται. Schmid liest stärker an den kanonischen Text angelehnt, aber auch stärker Tertullian berücksichtigend: ἐπειδὴ (γὰρ) δι’ ἀνθρώπου (ὁ) θάνατος, καὶ δι’ ἀνθρώπου ἀνάστασις (νεκρῶν): ὥσπερ (γὰρ) ἐν τῷ Ἀδὰμ (πάντες) ἀποθνῄσκουσιν, οὕτως (καὶ) ἐν τῷ Χριστῷ πάντες ζῳοποιηθήσονται. Ihm schließt sich BeDuhn mit seiner Übersetzung an, wobei er in Vers 22 weder πάντες noch καὶ in Klammern setzt. Wie bereits öfters bemerkt, werden gerade für die vorkanonische Fassung bezeugte Verse oder Passagen wie diese beiden hier von der Forschung als 2 (1Kor) 511 <?page no="512"?> 240 So wird 1Kor 15,21-22 als Interpolation angesehen von J.C. O’Neill, Glosses and Interpolations in the Letters of St. Paul (1982), 384-385. 241 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 286. 242 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 92*. 243 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien (2015), 801; M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 888. spätere Interpolationen betrachtet. Darin spiegelt sich das Gespür für die inhaltliche oder auch lexikalische Differenz, wenn sich auch hier herausstellt, dass es sich wohl nicht um Interpolationen handelt, sondern vielmehr um den vorkanonischen Text, der vom kanonischen Kontext absticht. 240 13. (15,23-24) Was die Bezeugung dieser beiden Verse anbetrifft, gehen die Meinungen der Editoren auseinander. Zahn sieht sie als nicht bezeugt, aber in irgendeiner Form präsent. Harnack verweist auf Adam., Dial. V 6, wo an das oben zu den Versen 21-22 Zitierte unmittelbar an ζῳοποιηθήσονται angeschlossen wird: ἀπαρχὴ Χριστός (Rufin: et initium Christus), etwas später in ibid. V 7 gefolgt von: ἀπαρχὴ Χριστός, ἔπειτα οἱ τοῦ Χριστοῦ (Rufin: Initium Christus, deinde hi qui sunt Christi). Schmid lehnt Adamantius als Zeugen ab, so auch BeDuhn, der Harnacks Evidenz als „unzureichend“ zurückweist. 241 14. (15,25) Hilgenfeld notiert, dass Tertullian Vers 25 bezeuge. Zahn nimmt die kanonische Form des Verses an, fragt lediglich, ob aufgrund von Tertullian das πάντας gefehlt habe. Harnack denkt an zwei mögliche Versionen: δεῖ γὰρ αὐτὸν βασιλεύειν ἄχρι οὗ θῇ τοὺς ἐχθροὺς ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ oder δεῖ γὰρ αὐτὸν βασιλεύειν ἄχρι οὗ πάντες οἱ ἐχθροὶ αὐτοῦ ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ θῶνται. Letztere leitet er aus Eznik von Kolb ab: „Ferner das andere Wort des Apostels, welches richtig gesprochen ist, untergraben sie: Wenn er alle Herrschaften und Mächte zerstört haben wird, muß er herrschen, bis daß alle seine Feinde unter seine Füße gestellt sind“. Er hält diese Variante möglicherweise für „die ursprüngliche Marcionitische Lesart“, gegründet auf den Gedanken, „Jesus keine kriegerische Handlungen beizulegen“ und darum „zum Subjekt von v. 24 den Weltschöpfer gemacht“ zu haben, „während in v. 25 Jesus Subjekt ist“. 242 Außerdem sieht er eine „frappierende“ Übereinstimmung mit einer Wortveränderung in Lk 12,46. Zu letzterer aber schreibt Klinghardt, dass diese Überlegungen „nicht nachvoll‐ ziehbar“ seien und „sich das vermeintliche Wissen über Marcions theologische Interessen verselbständigt“ habe. 243 Dennoch gilt Harnacks Beobachtung, dass das Subjekt in dem verbleibenden Satz von Vers 24 nicht Gott sein kann, folglich muss der Weltschöpfer Subjekt des Satzes sein, der die Mächte bekämpft 512 Rekonstruktion <?page no="513"?> und schließlich seine Herrschaft Gott übergibt, d. h. dass dieser Weltschöpfer herrscht, bis er dem wahren Gott seine Feinde unter die Füße gelegt hat. Schmid gibt als bezeugten Text: δεῖ γὰρ αὐτὸν βασιλεύειν ἄχρι(ς) οὗ θῇ (πάντας) τοὺς ἐχθροὺς ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ. BeDuhn schließt sich Schmid an und lässt das πάντας beiseite. 15. (15,26-28) Nach allen Editoren sind die Verse 26-28 unbezeugt, auch wenn Zahn irgendwie mit deren Präsenz rechnet und BeDuhn Vers 26 übersetzt, den Text aber in Klammern setzt. Waren die Verse abwesend? 16. (15,28) Ein wichtiger Hinweis wurde bislang übersehen. Tertullian gibt in Adv. Marc. V 10,1 selbst zu, dass er zuvor eine Digression gemacht hat, indem er die Benutzung der Schrift verteidigt, die ihm von den „Juden“ versagt werde (Adv. Marc. V 9,7: Sed necesse est ad meam sententiam pertinere defendam eas scripturas quas et Iudaei nobis avocare conantur). Doch geht er dabei nicht nur auf solche Texte ein, die seines Erachtens stützen, dass die von ihm vorgebrachten Parallelen zum Gedanken der Unterwerfung der Feinde unter die Füße auch auf Christus hin geschrieben wurden, sondern er fährt fort mit Stellen, die auch die Zeugung und Geburt Christi als des „wahren Sohnes“ betreffen, Adv. Marc. V 9,8: Sed nec, Generavi te, edixisset deus, nisi filio vero. Dieser Gedanke hat nun aber nichts mehr mit den Aussagen zu Christus aus den vorausgegangenen Versen zu tun, sondern kann vielmehr inspiriert sein von Vers 28, wo ausdrücklich von αὐτὸς ὁ υἱός die Rede ist und dessen Verhältnis zu Gott. Dass wir hier nicht übersensibel sind für Tertullians Anspielungen, zeigt auch der nächste Gedanke in der Digression, Adv. Marc. V 9,12, in welchem Tertullian auf „alle Nationen“ zu sprechen kommt, das sich nicht auf Salomo beziehen kann, sondern sich auf Christus richtet, weil in ihm vero omnis gesegnet sei. Auch in der Abfolge zeigt sich, dass Tertullian hier das Ende von Vers 28 im Auge hat (τὰ πάντα ἐν πᾶσιν) und, wie er gleich danach (Adv. Marc. V 9,13) zeigt (subiecti utique pedibus ipsius), auch auf das Unterwerfen in diesem Vers anspielt. Die weitere Anspielung im selben Abschnitt (ut confirmaverim et regni gloriam et inimicorum subiectionem) geht nicht auf Vers 27, sondern Vers 25, weil nur dort von der Unterwerfung „der Feinde“ die Rede ist. Der narrative Zusammenhang spricht zunächst eher gegen eine Präsenz der Verse 27-28 im vorkanonischen Text, und sie erscheinen als Digression. Denn der wieder bezeugte Vers 29 nimmt unmittelbar Bezug auf die Leugnung der Auferstehung der Toten, hat also keinen Bezug zum „Sohn“, zum „letzten Feind“, zur „Unterwerfung“ usw., sondern knüpft an *1Kor 15,12 an und führt die Anfrage dieser Kritiker in *1Kor 15,35 weiter. Allerdings erklärt sich die Digression Tertullians vielleicht auch gerade durch die Digression des *Paulus, und, wie gezeigt, spricht die dreifache Bezugnahme und Anspielung auf Vers 2 (1Kor) 513 <?page no="514"?> 28 („der Sohn“, „alles“, „Unterwerfung“) dafür, dass er durch Vers 28 zu seinen Ausführungen angeregt wurde. Vers 28 wird ihm darum vorgelegen sein. Dieser Vers rundet auch narrativ die voranstehenden Vers 25-26 ab, ein Thema, worauf Tertullian am Ende selbst noch anspielt. D. (15,1) Die unbezeugte Verseröffnung γνωρίζω + δέ ὑμῖν δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί findet sich noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf kanonischer Ebene, 2Kor 8,1. ♦ ἀνάστασις steht 44 / 42 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 21. 42 ♦ Die Formel γνωρίζω δὲ ὑμῖν bzw. Γνωρίζω δέ steht nur hier. ♦ εὐαγγέλιον steht 79 / 76 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ εὐαγγελίζομαι steht 58 / 54 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: παραλαμβάνω steht 54 / 50 Mal im NT, aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὃ καί, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 11,30; 26,10; 1Kor 11,23; 15,1. 3; Gal 2,10; Kol 1,29; 4,3; 2Thess 1,11; 2,14; 1Petr 2,8) und ist ein typisch kanonischer Anschluss, mit dem Hinzufügungen zum vorkanonischen Text angebunden werden (Anschluss an die vorkanonische Version: Gal 2,10; 1Kor 15,1. 3). ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. ♦ ἐν ᾧ καί steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, 1Petr 3,19. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, auch dieser Vers ist ein Vorzeigebeispiel für die Übereinstimmung von Bezeugung bzw. fehlender Bezeugung und Lexik. Während der bezeugte Teil Lexik aufweist, die weiter vorkanonisch bezeugt ist, weist der unbezeugte Teil verschiedene Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (παραλαμβάνω; ὃ καί). Der unbezeugte Teil ist folglich ein Produkt der ka‐ nonischen Redaktion und hat im vorkanonischen Text gefehlt. (15,2) δι’ οὗ καί steht nur hier. ♦ σῴζω ist 112 / 107 Mal im NT belegt, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ τίνι (Dat. Fem. / Mask. / Neut. Sg.) steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,19. ♦ τίνι λόγῳ steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Apg 10,29. ♦ ὀφείλω steht 42 / 35 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. 10. ♦ κατέχω steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,42 und *Röm 1,18. ♦ ἐκτός, das sich 9 / 8 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰκῇ, das 7 / 6 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene (Mt 5,22; Röm 13,4; 1Kor 15,2; Gal 3,4; 4,11; Kol 2,18). ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt 514 Rekonstruktion <?page no="515"?> 244 M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 1275; A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 240*; M. Vinzent, Der Schluß des Lukasevangeliums bei Markion (2002), 84. für *Ev und *1Kor 1,21; 15,11; *Röm 1,16; 10,4; *2Thess 2,12; *Laod 1,13, vgl. auch Vers 11. Zur Abwesenheit: Auch wenn der Vers vorkanonisch nicht bezeugt ist, könnte der erste Teil des Verses der Lexik nach vorkanonisch vorhanden gewesen sein. Narrativ zwingend ist er nicht und, da sich der unbezeugte erste Teil von Vers 3 als kanonisch-redaktionell herausstellt, wird auch Vers 2 vorkanonisch gefehlt haben, denn nur so schließt sich der bezeugte Versteil 3 grammatisch an Vers 1 an. Vers 2 geht also auf die kanonische Redaktion zurück, was mit zwei ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Termini gestützt wird (ἐκτός; εἰκῇ). (15,3) παραδίδωμι steht 134 / 119 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, findet sich jedoch im Sinne von Traditionsweitergabe nur auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ πρῶτος (ohne πρώτον), das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,45. 47, vgl. weiter unten die Verse 45. 47. ♦ παραλαμβάνω wurde bereits zum voranstehenden Vers als ausschließlich für die kanonische Ebene vermerkt, obwohl das Verb 54 Mal im NT begegnet. ♦ Die Formulierung ἐν πρώτοις ist nur hier belegt. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur selten bezeugt, nämlich für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ ὑπὲρ τῶν ἁμαρτιῶν steht bereits in Gal 1,3 mit demselben Wortlaut auf der kanonischen Ebene. Dem entspricht, dass auch die kanonische Redaktion in Lk 24,50 ein ἄφεσιν ἁμαρτιῶν εἰς eingeschoben hat, was Klinghardt herausgehoben und womit Harnack und auch meine eigene frühere Position zu Recht korrigiert hat. 244 ♦ ἡ γραφή als Begriff der kanonischen Redaktion, vgl zu Gal. 4,30. Zur Rekonstruktion: Bei diesem Vers, in welchem nur der letzte Teil vorkano‐ nisch bezeugt ist, fällt wiederum eine Übereinstimmung zwischen Lexik und Bezeugung bzw. fehlender Bezeugung auf. Zwar hätte auch der erste Teil (παρέδωκα γὰρ ὑμῖν ἐν πρώτοις) vielleicht vorkanonisch stehen können, doch er bietet eine gewisse Duplikation des Inhalts von Vers 1 und unterbricht den Anschluss von Vers 3 an Vers 1. (15,4) Die Kombination καὶ ὅτι steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 8,4. ♦ θάπτω begegnet nur 11 Mal im NT, ist aber vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,60. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ τρίτος, 2 (1Kor) 515 <?page no="516"?> das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 12,2. ♦ Die Wendung τῇ ἡμέρᾳ τῇ τρίτῃ steht 3 Mal im NT (Lk 18,33, in einem Vers, der in *Ev fehlt: τῇ ἡμέρᾳ τῇ τρίτῃ ἀναστήσεται; Joh 2,1; 1Kor 15,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die von Epiphanius gegebene Variante τῇ τρίτῃ ἡμέρᾳ steht 7 Mal im NT (3 Mal Mt; Lk 9,22, wo im Parallelvers in *Ev μετὰ τρεῖς ἡμέρας steht; Lk 24,7. 46; Apg 10,40), ebenfalls auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Auch bei diesem Vers stimmen Bezeugung bzw. fehlender Bezeugung und Lexik überein. Der Versbeginn wurde offenkundig durch die kanonische Redaktion überarbeitet, das unbezeugte κατὰ τὰς γραφάς ist eben‐ falls kanonisch-redaktionelle Ergänzung. Zu bemerken ist die sich aus der Bemerkung des Epiphanius, wonach der den kanonischen Text zitiert, aber einen anders lautenden vorkanonischen Text voraussetzt, und die von ihm und einschlägigen Zeugen bezeugte abweichende Lesart für *Ev 9,22 (μετὰ τρεῖς ἡμέρας), die folglich auch für den vorliegenden Vers anzunehmen ist. (15,5) Die Kombination καὶ ὅτι steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 8,4. ♦ Obwohl das Verb ὁράω 754 / 449 Mal im NT belegt ist, ist doch die Aoristform ὤφθη von besonderem Interesse, denn sie begegnet immerhin 18 Mal im NT, auch in Lk 1,11; 22,43; 24,34, steht jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu Κηφᾶς als der kanonisch beliebten Bezeichnung des Petrus vgl. Gal 1,18. ♦ Die Bezeichnung οἱ δώδεκα, die 86 Mal im NT begegnet, steht nur auf der kanonischen Ebene, besonders bezeichnend sind Lk 8,1; 9,1, 18,31; 22,3 wegen der Abweichungen zu *Ev an diesen Stellen. Zur Abwesenheit: Dieser kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (καὶ ὅτι; ὤφθη; οἱ δώδεκα). Da die kanonische Form ὤφθη gleich viermal in unserem Kapitel 15 begegnet (1Kor 15,5. 6. 7. 8), ansonsten nur noch ein Mal im paulinischen Briefkorpus steht (1Tim 3,16) und ansonsten noch Mt 17,3; Mk 9,4; Apg 7,2. 26. 30; 13,31; 16,9; Apk 11,19; 12,1. 3, spricht schon dieser Befund dafür, dass dieser und die folgenden Verse zur kanonischen Ebene gehören und vorkanonisch gefehlt haben. (15,6) Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröff‐ nung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht, davon 8 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 1,18. ♦ Auch hier steht wieder das ὤφθη der kanonischen Redaktion. ♦ πεντακόσια ist nicht minder interessant, denn es steht im NT nur noch ein Mal, in Lk 7,41, ausgerechnet an einer Stelle (Lk 7,41-43), die Klinghardt mit guten Gründen (inhaltliche Spannung zu den 516 Rekonstruktion <?page no="517"?> 245 Vgl. M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 654. 659-661. nachfolgenden Versen, fehlende Bezeugung im Unterschied zu diesen nachfolgenden Versen usw.) aus *Ev ausgeschieden hat. 245 ♦ ἐπάνω steht 22 / 19 Mal im NT, vorka‐ nonisch bezeugt für *Ev 10,19. ♦ ἐφάπαξ steht 5 Mal, nur auf der kanonischen Ebene (Röm 6,10; 1Kor 15,6; Hebr 7,27; 9,12; 10,10). ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ Der Komparativ πλείων ist ebenfalls auffallend, weil er ausgerechnet in Lk an derselben Stelle gleich zwei Mal begegnet, die wir anlässlich dieses Verses hier schon betrachtet haben: Lk 7,42. 43. Dann findet er sich wieder zwei Mal in Lk 11,31. 32, auch hier an einer Stelle, von der dieses Mal Epiphanius berichtet, dass diese Stelle in *Ev nicht zu finden ist. In *Ev 12,23 ist das Wort nicht bezeugt (pace Klinghardt z.St.). πλείων, das 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,5. ♦ μένω ist ein sehr beliebter Begriff im NT mit 131 Belegen, vorkanonisch ist er selten bezeugt, steht aber *Ev 11,28; *1Kor 7,11. ♦ ἄρτι ist bereits mehrfach aufgefallen und, obwohl der Begriff 40 / 36 Mal im NT begegnet, steht er ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.), das 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7; *Phil 1,15, vgl. weiter die Verse 12. 34. ♦ κοιμάω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Wie bereits zu Vers 5 notiert, stützt auch bei diesem vor‐ kanonisch unbezeugten Vers die Lexik dessen Fehlen in der vorkanonischen Version. Eine ganze Reihe von Elementen begegnet, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung τὸ δέ; ἔπειτα; ὤφθη; πεντακόσια; ἐφάπαξ; ἄρτι; κοιμάω). (15,7) ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht, davon 8 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 1,18. ♦ Auch steht wieder ὤφθη der kanonischen Redaktion. ♦ Ἰάκωβος, das sich 51 / 42 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9. ♦ Die Form τοῖς ἀποστόλοις steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Apg; Röm 16,7; 1Kor 15,7). ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. weiter unten Vers 28. Zur Abwesenheit: Man vergleiche den Kommentar zum voranstehenden Vers und bemerke die ausschließlich kanonisch belegten Elemente (ἔπειτα; ὤφθη; τοῖς ἀποστόλοις). (15,8) ἔσχατος steht 60 / 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,59; *1Kor 15,45. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur ein Mal für einen Brief 2 (1Kor) 517 <?page no="518"?> 246 So ibid. 1177. bezeugt, den die Forschung Paulus zuschreibt (*Röm 12,18), dann auffallenderweise gleich drei Mal in *Deuteropaulinen (*Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17), vgl. weiter unten zu den Versen 10 und 19. ♦ ὡσπερεί ist Hapax legomenon im NT. ♦ Wieder steht ὤφθη der kanonischen Redaktion. ♦ Auch ἔκτρωμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ κἀμοί steht nur noch auf der kanonischen Ebene (Lk 1,3; Joh 17,6; Apg 8,19; 10,28). Zur Abwesenheit: Auch hier gilt, was zu den voranstehenden Versen vermerkt wurde, die ausschließlich kanonischen Elemente sind ὤφθη; κἀμοί. (15,9) Die Formel ἐγὼ γάρ εἰμι begegnet noch 1 weiteres Mal im NT, Lk 1,18, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Die kürzere Kombination ἐγὼ γάρ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,17, doch als Verseröffnung findet sie sich 6 Mal, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 21,15; Apg 9,16; 1Kor 11,23; 15,9; Gal 2,19; 2Tim 4,6). ♦ Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8, vgl. weiter Vers 10. ♦ ἐλάχιστος findet sich bereits *1Kor 1,28, doch, wenn Harnack meinte, der Begriff sei von Vers 9 in das frühere Kapitel gekommen, kann die Bezugnahme auch umgekehrt sein, und der Begriff könnte ebenso gut von dort hier eingetragen worden sein. ♦ Die Kombination ὃς οὐκ steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 14,33; 21,6; 2 Mal Apg; 1Kor 10,13; 15,9; Gal 3,10; Hebr 7,16. 27; 1Joh 4,6). ♦ ἱκανός, das 45 / 39 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Deshalb hat bereits Klinghardt den Begriff als typisches Merkmal der kanonischen Redaktion bezeichnet. 246 ♦ διότι, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch bezeugt (*Ev 21,28). ♦ διώκω steht 47 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ Der Ausdruck ἐκκλησία τοῦ θεοῦ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. Gal 1,13. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente auf (ἐγὼ γάρ εἰμι; davon ἐγὼ γάρ als Verseröffnung; ὃς οὐκ; ἱκανός; ἐκκλησία τοῦ θεοῦ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (15,10) Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Zur Verbform εἰμί vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ κενός, das 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. ♦ Die alternative Lesart πτωχός, die 38 / 34 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,9. ♦ Die Kombination οὐ κενή + γίγνομαι steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Thess 2,1. ♦ περισσότερον / περισσότερος, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,26. ♦ Die Grundform περισσός, die 6 Mal im NT 518 Rekonstruktion <?page no="519"?> steht, findet sich ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter Vers 29. ♦ Zu πάντων vgl. zuvor zu Vers 8 und weiter unten zu Vers 19. ♦ Zu κοπιάω, das 26 / 23 Mal im NT steht, bemerke man die Textdifferenz zwischen *Ev 12,27, wo der Begriff nicht begegnet und Lk 12,27, wo er zu finden ist. Überhaupt steht der Begriff nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination οὐκ ἐγώ steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 7,10. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fallen wiederum Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (χάριτι; οὐ κενή + γίγνομαι; κοπιάω; οὐκ ἐγώ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (15,11) Zum nicht bezeugten Versteil: Die Eröffnung εἴτε οὖν steht nur noch ein Mal, in 1Kor 10,31, ebenfalls auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Plural ἐκεῖνοι steht 16 Mal im NT, in Lk 12,38, wo der Begriff fehlt, und in Lk 13,4, in einem Vers, der als ganzer in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6. Zum bezeugten Versteil: οὕτως steht 221 / 208 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,2; *1Kor 7,7; 15,11. 22. 42; *Röm 5,21. ♦ κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ Zu πιστεύω vgl. zuvor zu Vers 2. Zur Rekonstruktion: Die vorkanonisch unbezeugte Verseröffnung weist auf die kanonische Ebene hin, allerdings wird der zweite Versteil von Epiphanius bezeugt und ist von Tertullian gestützt, dieser Teil wird demnach vorkanonisch gestanden sein. (15,12) Zum unbezeugten Versanfang: Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ Εἰ δὲ Χριστός steht 4 Mal im NT, immer als Versanfang und ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 8,10; 1Kor 15,12. 14. 17. ♦ κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. Zum bezeugten Versteil: πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35, vgl. weiter unten Vers 35. ♦ Die Verbform λέγουσιν steht 63 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,21. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.), vgl. zuvor zu Vers 6 und weiter Vers 34. ♦ ἀνάστασις steht 44 / 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 21. 42. ♦ νεκρός, 2 (1Kor) 519 <?page no="520"?> das 138 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch reichlich bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ Die Wendung ἐκ νεκρῶν steht 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,31; 20,35; *Röm 7,4; 8,11; *Laod 1,20, vgl. zu Gal 1,1. Zur Rekonstruktion: Wie in C. näher dargelegt und durch die Lexik gestützt, wird der unbezeugte Versanfang auf die kanonische Redaktion zurückgehen, der Rest des Verses wird so oder ähnlich im vorkanonischen Text gestanden sein. (15,13) Die Verseröffnung dupliziert hier die kanonische des voranstehenden Verses auf derselben Ebene. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,18. ♦ Zu ἀνάστασις vgl. zuvor Vers 12 und weiter die Verse 21. 42. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. Zur Abwesenheit: Auch wenn bei diesem Vers lexikalisch nicht viel zu erheben ist, verraten doch die Duplikationen (Verseröffnung; ἀνάστασις νεκρῶν οὐκ ἔστιν), dass es sich um ein Produkt der kanonischen Redaktion handelt. Der vorkanonisch unbezeugte Vers wird folglich vorkanonisch gefehlt haben. (15,14) Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ μάταιος, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 3,20. ♦ Die Variante κενός, die 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. ♦ ἄρα καί steht nur noch zwei weitere Male im NT (Apg 11,18; 1Kor 15,18), an der zweiten Stelle wird es wohl auch vorkanonisch gestanden sein. ♦ κήρυγμα steht 10 / 9 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 1,21. ♦ Die Formulierung ἡ πίστις ὑμῶν begegnet 7 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2,5. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, das gestützt wird von der Lexik. Da es bei Epiphanius am Ende μάταιον καὶ τὰ ἑξῆς heißt, muss er mehr gelesen haben, was er nicht mehr zitiert. Lexikalisch legt sich nahe, dass nur das oben vorkanonisch gestanden war. (15,15) εὑρίσκω steht 198 / 176 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ Die Verseröffnung εὑρισκόμεθα δέ steht als solche 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 13,46; Lk 24,2, wo Klinghardt an deren Stelle ἐλθοῦσαι δὲ εὗρον schreibt; Joh 12,14; Apg 9,33; 17,6, wo μή vorangesetzt ist; 1Kor 15,15). ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ψευδομάρτυς findet sich insgesamt 3 Mal im NT und begegnet 520 Rekonstruktion <?page no="521"?> sonst nur auf der kanonischen Ebene (Mt 26,60. 61). ♦ μαρτυρέω, das 90 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ein Mal bezeugt (*Röm 10,2). ♦ Das Nomen μαρτυρία, das sich 39 / 37 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,1. ♦ μάρτυς, das 39 / 35 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,1. ♦ κατὰ τοῦ θεοῦ steht 1 weiteres Mal, Mt 26,63. ♦ εἴπερ steht 7 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 8,5. ♦ ἄρα steht 52 / 49 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31; *1Kor 15,14. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers befinden sich gerade in dem Teil, der nicht vorkanonisches Wortmaterial aus der voranstehenden Diskussion wiederholt, Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (εὑρισκόμεθα δέ; δὲ καί; ψευδομάρτυς; κατὰ τοῦ θεοῦ). Der Vers wird folglich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (15,16) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Eine wortnahe Duplikation von Vers 14a. Siehe dort zu den Le‐ xemen. Duplikation wurde bereits oft als Merkmal der kanonischen Redaktion vermerkt. Zur Abwesenheit: Wegen des Charakters einer Duplikation wird dieser vorkanonisch unbezeugte Vers wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (15,17) Wie der Vers zuvor ist auch dieser eine wortnahe Duplikation von Vers 14b. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. Zur Abwesenheit: Vgl. die Diskussion in C. 10 und wegen der Duplikation gilt wie zum voranstehenden Vers, dass auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers auf die kanonische Redaktion zurückgehen dürfte und vorkanonisch gefehlt hat. (15,18) ἄρα steht 52 / 49 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31; *1Kor 15,14. ♦ Auch die Kombination ἄρα καί wurde gerade vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,14. ♦ κοιμάω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung ἐν Χριστῷ begegnet nicht in *Ev, ist allerdings „encheiristisch“ vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13, vgl. zur encheiristischen Semantik den Kommentar zu 1Kor 2 (1Kor) 521 <?page no="522"?> 247 Vgl. S.-210. 1,4. 247 ♦ ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. Zur Abwesenheit: Hier könnte man schwanken, weil nur ein Terminus (κοιμάω) nicht vorkanonisch bezeugt ist. Auch narrativ könnte er in den Kontext passen, wenn er auch nicht notwendig für die Argumentation ist. Da der Vers jedoch eingebunden ist in einen Kontext von Versen, die sich als kanonisch herausge‐ stellt haben, wird wohl auch dieser Vers zur kanonischen Produktion gehört und vorkanonisch gefehlt haben. (15,19) Die Kombination εἰ ἐν steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,12. ♦ ζωή begegnet 142 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,22; *2Kor 4,10; 5,4; *Röm 5,21; 8,10. ♦ Die Kombination ζωή + ταῦτα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐν Χριστῷ vgl. die Bemerkung zum voranstehenden Vers 18. ♦ ἐλπίζω, das 32 / 31 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch in *Ev 6,34; 24,21. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ ἐλεεινός steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Apk 3,17). ♦ ἐλεεινότερος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu πάντων vgl. zuvor zu den Versen 8 und 10, ebenfalls auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ Die Kombination πᾶς + ἄνθρωπος steht 23 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,3. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ζωή + ταῦτα; ἐλεεινός; πάντων; πᾶς + ἄνθρωπος). Auch dieser Vers wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (15,20) Die Satzeröffnung νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13. ♦ Die Wendung ἐκ νεκρῶν steht 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,31; 20,35; *Röm 7,4; 8,11; *Laod 1,20, vgl. zu Gal 1,1. ♦ ἀπαρχή begegnet 9 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ κοιμάω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers stehen zwei zentrale Begriffe, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀπαρχή; κοιμάω). Auch dieser Vers wird auf die kanonische Redaktion zurück‐ gehen und vorkanonisch gefehlt haben. 522 Rekonstruktion <?page no="523"?> (15,21) ἐπειδή, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21. 22, *1Kor 15,21. ♦ Die Kombination ἐπειδὴ γάρ steht hier wie in 1Kor 1,21 jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Der Ausdruck δι’ ἀνθρώπου, der in diesem Vers gleich 2 Mal steht - es gibt also auch gelegentlich Duplikationen auf der vorkanonischen Ebene -, findet sich überhaupt nur an dieser Stelle und noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch wiederum bezeugt für *Gal 1,1; der Begriff gehört damit zum Urgestein der vorkanonischen Lexik. ♦ Zu ἀνάστασις vgl. zuvor die Verse 12. 13 und weiter Vers 42. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik gestützt wird, wir rühren mit δι’ ἀνθρώπου gar an typisch vorkanonische Ausdrucksweise. Der Vers wird, wie gegeben, vorkanonisch gestanden sein. (15,22) ὥσπερ, das 43 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21. ♦ Die auf der kanonischen Ebene stehende Satzeröffnung ὥσπερ γάρ, die 13 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene (4 Mal Mt; Lk 17,24; 2 Mal Joh; Röm 5,19; 6,19; 11,30; 1Kor 11,12; 15,22; Jak 2,26), mit einer Ausnahme, Röm 6,19, immer als Satzeröffnung. ♦ Ἀδάμ, der 9 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch nur an dieser Stelle hier bezeugt. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36 und *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ Die Wendung ἐν τῷ Χριστῷ steht 6 Mal im NT (1Kor 15,22; 2Kor 2,14; Eph 1,10. 12. 20; 3,11), vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,22; *Laod 1,12. 20. ♦ ζωοποιέω steht 12 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,45; *2Kor 3,6; *Röm 8,11. Zur Rekonstruktion: Auch bei diesem Vers folgt der Text dem Zeugnis Tertul‐ lians, das von der Lexik gestützt wird. (15,23) ἕκαστος findet sich 87 / 82 Mal im NT und ist auch vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,40; *1Kor 7,7; *1Thess 4,4. ♦ Die Kombination ἕκαστος δέ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,8. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ τάγμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀπαρχή, das 9 Mal im NT steht, wurde bereits im voranstehenden Vers 22 als Begriff der kanonische Ebene benannt. ♦ ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht, davon 8 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 1,18. ♦ παρουσία steht 24 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist mehrere Ele‐ mente auf, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (ἕκαστος 2 (1Kor) 523 <?page no="524"?> δέ; ἀπαρχή; ἔπειτα). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (15,24) εἶτα steht 16 / 15 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ τέλος findet sich 43 / 40 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11; *Röm 10,4. ♦ ὅταν steht 128 / 123 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54; *Kol 3,4. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5. ♦ Von βασιλεία (τοῦ) θεοῦ ist vorkanonisch die Rede in *Ev 10,11; *Gal 5,21; *1Kor 15,50, jedoch extrem verhalten, während die Wendung auf der kanonischen Ebene, wie die Einleitung zeigt, ein zentrales Thema darstellt, gerade auch in Verbindung mit der Zerstörung von anderen Herrschaften und Mächten. ♦ Die Wendung τῷ θεῷ καὶ πατρί steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Eph 5,20. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten zu Vers 30. ♦ ἀρχή findet sich 67 / 55 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 = *Laod 1,21; *Laod 3,10. ♦ ἐξουσία steht 112 / 102 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,8; *Kol 1,16. ♦ δύναμις findet sich 128 / 119 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18; 12,10; 15,43; *2Kor 4,7; 12,9; *Röm 1,16; *2Thess 1,7; 2,9. Zur Rekonstruktion: Der Anfang des Verses deutet darauf hin, dass dieser vorkanonisch unbezeugte Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion ist. Es begegnen nämlich Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἶτα; πᾶσαν; τῷ θεῷ καὶ πατρί). Da der nachfolgend bezeugte Vers 25 den Inhalt von Vers 24 durch die Erläuterung des Herrschens teilweise voraussetzt, muss dieser jedoch in irgendeiner Form vorkanonisch gestanden sein, offenkundig jedoch redaktionell bearbeitet. Da der nur kanonisch belegte Anfang den Anschluss an den voranstehenden kanonischen Vers 23 bildet, wird dieser vorkanonisch gefehlt haben. Ebenso wohl die maximalisierenden beiden πᾶσαν. Von der Formel τῷ θεῷ καὶ πατρί wird in Vers 28 nur „Gott“ aufgegriffen, vielleicht hat also auch nur τῷ θεῷ ursprünglich gestanden. Harnack scheint damit wohl richtig zu sehen, dass Subjekt in diesem Vers nicht Gott sein kann, sondern der Weltenschöpfer. (15,25) Die Verseröffnung δεῖ γάρ steht 6 Mal im NT (davon 4 Mal als Verseröffnung: 1Kor 11,19; 15,25. 53; Tit 1,7; zusätzlich in Mt 24,6; Lk 21,9), vorkanonisch wieder bezeugt für *1Kor 15,53. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. ♦ βασιλεύω steht 21 Mal im NT und ist auch vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,21. ♦ ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ ἄν steht 205 / 167 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25 524 Rekonstruktion <?page no="525"?> und *1Kor 2,8. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ Das vorkanonisch fehlende πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ Das Verb und Adjektiv ἐχθρός steht 39 / 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,27; *Gal 5,20; *Laod 2,16 und *Kol 1,21. ♦ Zu πούς, das 97 / 93 Mal im NT steht, vgl. weiter Vers 27. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das auch durch die Lexik gestützt wird. (15,26) ἔσχατος, das 60 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,59; *1Kor 4,9; 15,45. ♦ ἐχθρός steht 39 / 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,27; *Gal 5,20; *Laod 2,16; *Kol 1,21. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ θάνατος steht 124 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 15,21. Diese Bezeugungen sind an dieser Stelle jedoch nicht verwunderlich, weil der Vers hier die Verse 21-25 aufgreift und weiterführt. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers vorkanonisch nicht bezeugt ist, spricht doch die Lexik für seine vorkanonische Präsenz. Auch narrativ schließt der Vers gut an den letzten bezeugten Vers 25 gut an. (15,27) πάντα γάρ, auch als Verseröffnung, begegnet nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Mt 6,32. ♦ ὑποτάσσω steht 46 / 38 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Röm 10,3: *Laod 1,22; 5,21. ♦ Zu πούς vgl. zuvor zu Vers 25. ♦ εἴπῃ, das in dieser Aoristform 21 Mal im NT steht, begegnet jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δῆλος, das 5 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκτός, das sich 9 / 8 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung πάντα γάρ; εἴπῃ; δῆλος; ἐκτός). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (15,28) Die Eröffnung ὅταν δέ steht 21 Mal im NT (17 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,54; *Kol 3,4. ♦ ὑποταγή, das 5 / 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,5. ♦ τὰ πάντα steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 8,6; *Laod 1,10; 3,9; *Kol 1,20. ♦ τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54, vgl. weiter Vers 54. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ Die Wendung αὐτὸς ὁ υἱός steht nur hier. ♦ ὑποτάσσω steht 46 / 38 Mal 2 (1Kor) 525 <?page no="526"?> im NT, und ist vorkanonisch bezeugt, vgl. zum voranstehenden Vers 27. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Wendung τὰ πάντα ἐν πᾶσιν steht nochmals in Eph 1,23. Zur Rekonstruktion: Im Unterschied zu dem nichtbezeugten voranstehenden Vers, bietet der teilweise bezeugte Vers hier eine Lexik, die anderwärts vorka‐ nonisch bezeugt ist. Der Vers wird, wie gegeben, vorkanonisch gestanden sein. 15,29 [30-34] 35-55 [56] 57 [58]: Verschlungen ist der Tod vom Sieg Die vorliegende vorkanonische Passage ist durchgehend gut bezeugt und wurde von der kanonischen Redaktion nur durch eine größere Digression erweitert. Sie führt wiederum Paulus personalisierend Paulus ein, kommt auf Ephesus zu sprechen und ermahnt die Zuhörer emphatisch nicht zu sündigen, ein Thema, das auf der kanonischen Ebene nochmals in Vers 56 aufgegriffen wird. Der Personalisierung entspricht auch der kanonische Schluss in Vers 58. 29 τί ποιήσουσιν οἱ βαπτιζόμενοι ὑπὲρ τῶν νεκρῶν; εἰ ὅλως νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται, τί καὶ βαπτίζονται ὑπὲρ τῶν νεκρῶν; 29 Ἐπεὶ τί ποιήσουσιν οἱ βαπτιζόμενοι ὑπὲρ τῶν νεκρῶν; εἰ ὅλως νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται, τί καὶ βαπτίζονται ὑπὲρ αὐτῶν; - 30 τί καὶ ἡμεῖς κινδυνεύομεν πᾶσαν ὥραν; 31 καθ’ ἡμέραν ἀποθνῄσκω, νὴ τὴν ὑμετέραν καύχησιν, ἀδελφοί, ἣν ἔχω ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν. 32 εἰ κατὰ ἄνθρωπον ἐθηριομάχησα ἐν Ἐφέσῳ, τί μοι τὸ ὄφελος; εἰ νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται, Φάγωμεν καὶ πίωμεν, αὔριον γὰρ ἀποθνῄσκομεν. 33 μὴ πλανᾶσθε· Φθείρουσιν ἤθη χρηστὰ ὁμιλίαι κακαί. 34 ἐκνήψατε δικαίως καὶ μὴ ἁμαρτάνετε, ἀγνωσίαν γὰρ θεοῦ τινες ἔχουσιν· πρὸς ἐντροπὴν ὑμῖν λαλῶ. 35 Ἀλλ’ ἐρεῖ τις, Πῶς ἐγείρονται οἱ νεκροί; ποίῳ δὲ σώματι ἔρχονται; 35 Ἀλλ’ ἐρεῖ τις, Πῶς ἐγείρονται οἱ νεκροί; ποίῳ δὲ σώματι ἔρχονται; 36 Ἄϕρων, σὺ ὃ σπείρεις οὐ ζῳοποιεῖται ἐὰν μὴ πρῶτον ἀποθάνῃ· 36 ἄφρων, σὺ ὃ σπείρεις οὐ ζῳοποιεῖται ἐὰν μὴ ἀποθάνῃ· 37 καὶ ὃ σπείρεις, οὐ τὸ σῶμα τὸ γεννησόμενον σπείρεις ἀλλὰ γυμνὸν κόκκον σίτου ἤ τινος τῶν λοιπῶν· 37 καὶ ὃ σπείρεις, οὐ τὸ σῶμα τὸ γενησόμενον σπείρεις ἀλλὰ γυμνὸν κόκκον εἰ τύχοι σίτου ἤ τινος τῶν λοιπῶν· 38 ὁ θεὸς δίδωσιν αὐτῷ σῶμα καθὼς ἠθέλησεν, καὶ ἑκάστῳ τῶν σπερμάτων ἴδιον σῶμα. 38 ὁ δὲ θεὸς δίδωσιν αὐτῷ σῶμα καθὼς ἠθέλησεν, καὶ ἑκάστῳ τῶν σπερμάτων ἴδιον σῶμα. 526 Rekonstruktion <?page no="527"?> 39 οὐ πᾶσα σὰρξ ἡ αὐτὴ σάρξ, ἄλλη μὲν σὰρξ ἀνθρώπου, ἄλλη δὲ σὰρξ κτηνῶν, ἄλλη δὲ σὰρξ πτηνῶν, ἄλλη δὲ ἰχθύων. 39 οὐ πᾶσα σὰρξ ἡ αὐτὴ σάρξ, ἀλλὰ ἄλλη μὲν ἀνθρώπων, ἄλλη δὲ σὰρξ κτηνῶν, ἄλλη δὲ σὰρξ πτηνῶν, ἄλλη δὲ ἰχθύων. 40 καὶ σώματα ἐπουράνια, καὶ σώματα ἐπίγεια· ἀλλὰ ἑτέρα μὲν ἡ τῶν ἐπουρανίων δόξα, ἑτέρα δὲ ἡ τῶν ἐπιγείων. 40 καὶ σώματα ἐπουράνια, καὶ σώματα ἐπίγεια· ἀλλὰ ἑτέρα μὲν ἡ τῶν ἐπουρανίων δόξα, ἑτέρα δὲ ἡ τῶν ἐπιγείων. 41 ἄλλη δόξα ἡλίου, καὶ ἄλλη δόξα σελήνης, καὶ ἄλλη δόξα ἀστέρων. 41 ἄλλη δόξα ἡλίου, καὶ ἄλλη δόξα σελήνης, καὶ ἄλλη δόξα ἀστέρων· ἀστὴρ γὰρ ἀστέρος διαφέρει ἐν δόξῃ. 42 Οὕτω καὶ ἡ ἀνάστασις τῶν νεκρῶν. σπείρεται ἐν φθορᾷ, ἐγείρεται ἐν ἀφθαρσίᾳ· 42 Οὕτως καὶ ἡ ἀνάστασις τῶν νεκρῶν. σπείρεται ἐν φθορᾷ, ἐγείρεται ἐν ἀφθαρσίᾳ· 43 σπείρεται ἐν ἀτιμίᾳ, ἐγείρεται ἐν δόξῃ· σπείρεται ἐν ἀσθενείᾳ, ἐγείρεται ἐν δυνάμει· 43 σπείρεται ἐν ἀτιμίᾳ, ἐγείρεται ἐν δόξῃ· σπείρεται ἐν ἀσθενείᾳ, ἐγείρεται ἐν δυνάμει· 44 σπείρεται σῶμα ψυχικόν, ἐγείρεται σῶμα πνευματικόν. 44 σπείρεται σῶμα ψυχικόν, ἐγείρεται σῶμα πνευματικόν. εἰ ἔστιν σῶμα ψυχικόν, ἔστιν καὶ πνευματικόν. 45 οὕτως καὶ γέγραπται· Ἐγένετο ὁ πρῶτος ἄνθρωπος Ἀδὰμ εἰς ψυχὴν ζῶσαν· ὁ ἔσχατος κύριος εἰς πνεῦμα ζῳοποιοῦν. 45 οὕτως καὶ γέγραπται, Ἐγένετο ὁ πρῶτος ἄνθρωπος Ἀδὰμ εἰς ψυχὴν ζῶσαν· ὁ ἔσχατος Ἀδὰμ εἰς πνεῦμα ζῳοποιοῦν. 46 ἀλλ’ οὐ πρῶτον τὸ πνευματικὸν. 46 ἀλλ’ οὐ πρῶτον τὸ πνευματικὸν ἀλλὰ τὸ ψυχικόν, ἔπειτα τὸ πνευματικόν. 47 ὁ πρῶτος ἄνθρωπος ἐκ γῆς χοϊκός, ὁ δεύτερος ὁ κύριος ἐξ οὐρανοῦ ὁ οὐράνιος. 47 ὁ πρῶτος ἄνθρωπος ἐκ γῆς χοϊκός, ὁ δεύτερος ἄνθρωπος ἐξ οὐρανοῦ. 48 οἷος ὁ χοϊκός, τοιοῦτοι καὶ οἱ χοϊκοί, καὶ οἷος ὁ ἐπουράνιος, τοιοῦτοι καὶ οἱ ἐπουράνιοι· 48 οἷος ὁ χοϊκός, τοιοῦτοι καὶ οἱ χοϊκοί, καὶ οἷος ὁ ἐπουράνιος, τοιοῦτοι καὶ οἱ ἐπουράνιοι· 49 καὶ καθὼς ἐφορέσαμεν τὴν εἰκόνα τοῦ χοϊκοῦ, φορέσωμεν καὶ τὴν εἰκόνα τοῦ ἐπουρανίου. 49 καὶ καθὼς ἐφορέσαμεν τὴν εἰκόνα τοῦ χοϊκοῦ, φορέσομεν καὶ τὴν εἰκόνα τοῦ ἐπουρανίου. 50 Τοῦτο γάρ φημι, ἀδελφοί, ὅτι σὰρξ καὶ αἷμα βασιλείαν θεοῦ οὐ κληρονομήσουσιν, οὐδὲ ἡ φθορὰ τὴν ἀφθαρσίαν κληρονομεῖ. 50 Τοῦτο δέ φημι, ἀδελφοί, ὅτι σὰρξ καὶ αἷμα βασιλείαν θεοῦ κληρονομῆσαι οὐ δύναται, οὐδὲ ἡ φθορὰ τὴν ἀφθαρσίαν κληρονομεῖ. 51 ἰδοὺ μυστήριον ὑμῖν λέγω· πάντες μὲν ἀναστησόμεθα, οὐ πάντες δὲ ἀλλαγησόμεθα, 51 ἰδοὺ μυστήριον ὑμῖν λέγω· πάντες οὐ κοιμηθησόμεθα, πάντες δὲ ἀλλαγησόμεθα, 2 (1Kor) 527 <?page no="528"?> 52 οἱ νεκροὶ ἀναστήσονται ἄφθαρτοι, καὶ ἡμεῖς ἀλλαγησόμεθα ἐν ἀτόμῳ, ἐν ῥοπῇ ὀφθαλμοῦ. 53 δεῖ γὰρ τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀφθαρσίαν καὶ τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀθανασίαν. 52 ἐν ἀτόμῳ, ἐν ῥιπῇ ὀφθαλμοῦ, ἐν τῇ ἐσχάτῃ σάλπιγγι· σαλπίσει γάρ, καὶ οἱ νεκροὶ ἐγερθήσονται ἄφθαρτοι, καὶ ἡμεῖς ἀλλαγησόμεθα. 53 δεῖ γὰρ τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀφθαρσίαν καὶ τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀθανασίαν. 54 ὅταν δὲ τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀθανασίαν, τότε γενήσεται ὁ λόγος ὁ γεγραμμένος, Κατεπόθη ὁ θάνατος εἰς νῖκος. 55 ποῦ σου, θάνατε, τὸ νῖκος; ποῦ σου, θάνατε, τὸ κέντρον; 54 ὅταν δὲ τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀφθαρσίαν καὶ τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀθανασίαν, τότε γενήσεται ὁ λόγος ὁ γεγραμμένος, Κατεπόθη ὁ θάνατος εἰς νῖκος. 55 ποῦ σου, θάνατε, τὸ νῖκος; ποῦ σου, θάνατε, τὸ κέντρον; - 56 τὸ δὲ κέντρον τοῦ θανάτου ἡ ἁμαρτία, ἡ δὲ δύναμις τῆς ἁμαρτίας ὁ νόμος· 57 τῷ θεῷ χάρις τῷ διδόντι ἡμῖν τὸ νῖκος. 57 τῷ δὲ θεῷ χάρις τῷ διδόντι ἡμῖν τὸ νῖκος διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ. - 58 Ὥστε, ἀδελφοί μου ἀγαπητοί, ἑδραῖοι γίνεσθε, ἀμετακίνητοι, περισσεύοντες ἐν τῷ ἔργῳ τοῦ κυρίου πάντοτε, εἰδότες ὅτι ὁ κόπος ὑμῶν οὐκ ἔστιν κενὸς ἐν κυρίῳ. A. *15,29: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,1: Quid, ait, facient qui pro mortuis baptizantur, si mortui non resurgunt? Viderit institutio ista. Kalendae, si forte, Februariae respondebunt illi, pro mortuis petere. Noli ergo apostolum novum statim auctorem aut confirmatorem eius denotare; Adam., Dial. V 23 (im Mund des Adamantius): τί ποιήσουσιν οἱ βαπτιζόμενοι ὑπὲρ τῶν νεκρῶν; εἰ ὅλως νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται, τί καὶ βαπτίζονται ὑπὲρ αὐτῶν (Rufin: Quid facient, inquit, hi qui baptizantur pro mortuis, si omnino mortui non resurgunt? ); Eznik, De Deo 427, 432: „Wenn die Toten nicht auferstehen, was sollen diejenigen tun, welche anstatt der Toten getauft worden sind“. ♦ 15,30-34: Vgl. Adam., Dial. V 23 (im Mund des Adamantius): τί καὶ ἡμεῖς κινδυνεύομεν πᾶσαν ὥραν, καθ’ ἡμέραν ἀποθνῄσκοντες, νὴ τὴν ὑμετέραν καύχησιν, ἀδελφοί, ἣν ἔχω ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν. εἰ κατ’ ἄνθρωπον ἐθηριομάχησα ἐν Ἐφέσῳ, τί μοι τὸ ὄφελος; εἰ νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται, φάγωμεν καὶ πίωμεν, αὔριον γὰρ ἀποθνῄσκομεν. μὴ πλανᾶσθε: φθείρουσιν ἤθη χρηστὰ ὁμιλίαι κακαί. ἐκνήψατε δικαίως καὶ μὴ ἁμαρτάνετε, ἀγνωσίαν γὰρ θεοῦ τινες ἔχουσιν: πρὸς ἐντροπὴν ὑμῖν λαλῶ (Rufin: ut quid et nos periclitamur omni hora? Quotidie morior propter uestram gloriam, fratres, quam habeo in Christo Iesu, domino nostro. Si secundum hominem ad bestias pugnaui Efesi, quod mihi prodest, si mortui non resurgunt? Manducemus et bibamus, cras enim moriemur. Nolite errare. Corrumpunt mores 528 Rekonstruktion <?page no="529"?> bonos colloquia mala. Expergiscimini iusti, et nolite peccare! Ignorantiam enim dei quidam habent. Ad confusionem uobis loquor). ♦ 15,32: Vgl. Jes 22,13 LXX: Φάγωμεν καὶ πίωμεν, αὔριον γὰρ ἀποθνῄσκομεν. ♦ *15,35-36: Vgl. Tert. Adv. Marc. V 10,2-3: 2 Sed dicent quidam, Quomodo mortui resurgent? quo autem corpore venient? 3 … Quomodo resurgent mortui? quo autem corpore venient? ; Adam., Dial. V 23 (im Mund des Adamantius): Ἀλλ’ ἐρεῖ τις, πῶς ἐγείρονται οἱ νεκροί; ποίῳ δὲ σώματι ἔρχονται; ἄφρον, σὺ ὃ σπείρεις οὐ ζῳοποιεῖται ἐὰν μὴ πρῶτον ἀποθάνῃ (Rufin: Sed dicit aliquis: Quomodo resurgent mortui? Quo autem corpore uenient? Insipiens! Tu quod seminas, non uiuificatur, nisi prius moriatur); und etwas später im Mund des Eutropius: ὃ σπείρεις οὐ ζῳοποιεῖται ἐὰν μὴ πρῶτον ἀποθάνῃ. Vgl. auch, worauf Hilgenfeld hinweist, Iren., Adv. Haer. V 7,1: Etenim tu, ait, quod seminas non vivificatur, nisi prius mariatur. ♦ *15,37-41: Vgl. Tert. Adv. Marc. V 10,4: Denique si proponit exempla grani tritici, vel alicuius eiusmodi, quibus det corpus deus prout volet, si unicuique seminum proprium ait esse corpus, ut aliam quidem carnem hominum, aliam vero pecudum et volucrum, et corpora caelestia atque terrena, et aliam gloriam solis, et lunae aliam, et stellarum aliam, nonne carnalem et corporalem portendit resurrectionem, quam per carnalia et corporalia exempla commendat? nonne etiam ab eo deo eam spondet a quo sunt et exempla? ; für Vers 41b, der hier nicht erwähnt ist, vgl. Adv. Marc. V 20,7: Ideo et stella a stella differt in gloria, wobei unklar ist, ob Tertullian aus der vorkanonischen Vorlage zitiert. Vgl. auch Adam., Dial. V 23 (im Mund des Adamantius): καὶ ὃ σπείρεις οὐ τὸ σῶμα τὸ γενησόμενον σπείρεις, ἀλλὰ γυμνὸν κόκκον εἰ τύχοι σίτου ἤ τινος τῶν λοιπῶν: ὁ δὲ θεὸς δίδωσιν αὐτῷ σῶμα καθὼς ἠθέλεσεν, ἑκαστῶν δὲ τῶν σπερμάτων τὸ ἴδιον σῶμα ἀπολαμβάνει. οὐ πᾶσα σὰρξ ἡ αὐτὴ σάρξ, ἄλλη μὲν σὰρξ ἀνθρώπου, ἄλλη δὲ σὰρξ κτηνῶν, ἑτέρα δὲ ἰχθύων. καὶ σώματα ἐπουράνια καὶ σώματα ἐπίγεια: ἀλλ’ ἑτέρα μὲν ἡ τῶν ἐπουρανίων δόξα, ἑτέρα δὲ ἡ τῶν ἐπιγείων. ἄλλη δόξα ἡλίου, καὶ ἄλλη δόξα σελήνης, ἄλλη δόξα ἀστέρων: ἀστὴρ γὰρ ἀστέρος διαφέρει ἐν δόξῃ (Rufin: Et quod seminas, non corpus quod futurum est seminas, sed nudum granum, ut puta tritici aut alicuius caeterorum. Deus autem dat illi corpus, prout uult; et unicuique semini proprium corpus. Non omnis caro eadem caro, sed alia quidem hominum, alia caro uolucrum, alia uero piscium. Et corpora coelestia et corpora terrestria; sed alia quidem coelestium gloria, alia autem terrestrium. Alia gloria solis, et alia gloria lunae, et alia gloria stellarum. Stella enim a stella differt in gloria); und wenig später aus dem Mund des Markioniten, Dial. V 24: οὐ τοῦτο τὸ σῶμα λέγει ἀνίστασθαι, ἀλλ’ ἕτερον ἀπὸ τοῦ λέγειν· ὁ δὲ θεὸς δίδωσιν αὐτῷ σῶμα καθὼς ἠθέλησεν (Rufin: His quae legisti non hoc corpus dicitur resurgere, sed aliud pro hoc, es eo quod dicit: Deus autem dat illi corpus, prout uult); und dann wieder im Mund des Adamantius: ἑκάστῳ δὲ τῶν σπερμάτων τὸ ἴδιον 2 (1Kor) 529 <?page no="530"?> σῶμα δίδωσιν (Rufin: Et unicuique seminum proprium corpus); und schließlich aus dem Mund des Markioniten: οὐ τὸ σῶμα τὸ γενησόμενον σῶμα σπείρεις ἀλλὰ γυμνὸν κόκκον σίτου (Rufin: Non corpus quod futurum est seminatur, sed nudum granum frumenti). ♦ *15,42-44: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,4-6: Sic et resurrectio, inquit. [5] Quomodo? Sicut et granum, corpus seritur corpus resurgit. Seminationem denique vocavit dissolutionem corporis in terram, quia seritur in corruptela, in honestatem, in virtutem. Cuius ille ordo in dissolutione, eius et hic in resurrectione corporis, scilicet sicut et granum. Ceterum si auferas corpus resurrectioni quod dedisti dissolutioni, ubi consistet diversitas exitus? Proinde et si seritur animale, resurgit spiritale, etsi habet aliquod proprium corpus anima vel spiritus, ut possit videri corpus animale animam significare et corpus spiritale spiritum, non ideo animam dicit in resurrectione spiritum futuram, sed corpus, quod cum anima nascendo et per animam vivendo animale dici capit, futurum spiritale dum per spiritum surgit in aeternitatem. [6] Denique si non anima, sed caro seminatur in corruptela, dum dissolvitur in terram, iam non anima erit corpus animale, sed caro quae fuit corpus animale, siquidem de animali efficitur spiritale, sicut et infra dicit, Non primum quod spiritale. Ad hoc enim et de ipso Christo praestruit; vgl. Adam., Dial. V 23 (im Mund des Adamantius): Οὕτω καὶ ἡ ἀνάστασις τῶν νεκρῶν (fehlt in Rufin). ♦ *15,45: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,7-8: Factus primus homo Adam in animam vivam, novissimus Adam in spiritum vivificantem; licet stultissimus haereticus noluerit ita esse, dominum enim posuit novissimum pro novissimo Adam, veritus scilicet ne, si et dominum novissimum haberet Adam, et eiusdem Christum defenderemus in Adam novissimo cuius et primum. [8] Sed falsum relucet. Cur enim primus Adam, nisi quia et novissimus Adam? Vgl. Adam., Dial. II 19 (im Mund des Markioniten): Ἐγένετο ὁ πρῶτος ἄνθρωπος Ἀδὰμ εἰς ψυχὴν ζῶσαν. ὁ ἔσχατος κύριος, εἰς πνεῦμα ζῳοποιοῦν (Rufin: Factus est primus homo, Adam, in animam uiuentem, nouissimus autem, dominus, in spiritum uiuificantem). Vgl. Gen 2,7 LXX: καὶ ἔπλασεν ὁ θεὸς τὸν ἄνθρωπον χοῦν ἀπὸ τῆς γῆς καὶ ἐνεφύσησεν εἰς τὸ πρόσωπον αὐτοῦ πνοὴν ζωῆς, καὶ ἐγένετο ὁ ἄνθρωπος εἰς ψυχὴν ζῶσαν. ♦ *15,46: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,6: sicut et infra dicit, Non primum quod spiritale. ♦ *15,47: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,9: Primus, inquit, homo de humo terrenus, secundus dominus de caelo; ibid. V 10,10: Non enim poterat hominibus terrenis non homines caelestes opposuisse. id., De Carne Christi 8,5: Primus homo de terrae limo, secundus homo de caelo; id, De Res. 49,2: primus, inquit, homo de terra, choicus, id est limacius, id est Adam, secundus homo de caelo, id est sermo dei, id est Christus; ibid. 53,15: et rursus primus homo de terra et secundus de caelo; quia etsi de caelo secundum spiritum, sed homo secundum carnem; vgl. Adam., Dial. II 19 (im Mund des Markioniten): ὁ πρῶτος ἄνθρωπος ἐκ γῆς χοϊκός, ὁ δεύτερος κύριος ἐξ οὐρανοῦ 530 Rekonstruktion <?page no="531"?> (Rufin: primus homo de terra terrenus, secundus, dominus, de coelo). Dann kurz darauf wiederholt im Mund des Adamantius: ὁ πρῶτος ἐκ γῆς χοϊκός ἄνθρωπος, Ἀδαμ, καὶ ὁ δεύτερος ἐξ οὐρανοῦ, κύριος (Rufin: Primus homo de terra, Adam, secundus de coelo, dominus). Und bald darauf durch Eutropius: ὁ ἀπόστολος ἔφη· ὁ δεύτερος ἐξ οὐρανοῦ καθ’ ὑμᾶς κύριος (Rufin: Apostolus dixit: Secundus de coelo, dominus). Und wiederum durch Adamantius: ἐνήλλαξαν τό· ὁ δεύτερος ἄνθρωπος καὶ ἐποίησαν· ὁ δεύτερος, κύριος (Rufin: Ubi dicit: secundus homo, isti fecerunt: secundus dominus). Und bald darauf: τὸ γάρ ἐγένετο ὁ πρῶτος καὶ ὁ δεύτερος (Rufin: factus est primus et secundus). Auffallend sind hier nicht nur die Übereinstimmungen der Zeugen, sondern zu bemerken ist auch die Differenz zwischen Tertullians Zitiergewohnheit und seinem Zitat des Markiontexts. ♦ *15,48: Tert., Adv. Marc. V 10,10: Cum enim dicit apostolus, Qualis qui de terra, homo scilicet, tales et terreni, homines utique, ergo et qualis qui de caelo homo, tales et qui de caelo homines. ♦ *15,49: Tert., Adv. Marc. V 10,10-11: Sicut portavimus, inquit, imaginem terreni, portemus et imaginem caelestis, non ad substantiam ullam referens resurrectionis, sed ad praesentis temporis disciplinam. [11] Portemus enim, inquit, non portabimus, praeceptive, non promissive. ♦ *15,50: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,11: Hoc enim dico, fratres, quia caro et sanguis regnum dei non possidebunt; ibid. V 10,15: et ideo recte apostolus: caro et sanguis regnum dei non consequentur; ibid. V 14,4: caro et sanguis regnum dei consequi non possunt (non consequentur, v.l.); ibid. V 11,6: Si etiam iubet ut mundemus nos ab inquinamento carnis et sanguinis, non substantiam …[lacuna] capere regnum dei; Tert., De Res. 49,9 wird der Vers so wiedergegeben: hoc enim dico, … quod caro et sanguis regnum dei hereditati possidere non possunt; Adam., Dial. V 22 (im Mund des Markioniten): σὰρξ καὶ αἷμα βασιλείαν θεοῦ κληρονομῆσαι οὐ δύνανται, οὔτε ἡ φθορὰ τὴν ἀφθαρσίαν (Rufin: caro et sanguis regnum dei non possidebunt, neque corruptio incorruptionem); Dial. V 26 (zwei Mal im Mund sowohl des Markioniten, wiederholt von Adamantius, nur erhalten in Rufin): Quia caro et sanguis regnum dei non possidebunt, man bemerke die Differenz zwischen Rufins Übersetzung und dem griechischen Text in Adamantius, der offenkundig bereits kanonische Überarbeitungsspuren zeigt; vgl. Eznik von Kolb, De Deo 420, 424: „Die Markioniten sagen: Der Apostel hat gesagt: Der Leib und das Blut erben nicht das Reich Gottes und die Verweslichkeit nicht die Unverweslichkeit“. Man vgl. auch Hegemonius, Acta Arch. 45 (66,11-12 Beeson): possidere non posse. Vgl. auch die Ausführungen zum Rückbezug auf die Stelle hier in *Gal 5,21. ♦ *15,51: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10, 3: Quomodo resurgent mortui? Ibid. V 10,14: Resurgent enim mortui incorrupti, illi scilicet qui fuerant corrupti dilapsis corporibus in interitum. Et nos mutabimur; ibid. V 12,2: Hic enim expressit quod in prima epistula strinxit: Et mortui resurgent incorrupti, qui iam 2 (1Kor) 531 <?page no="532"?> 248 P. Brandhuber, Die sekundären Lesarten bei 1 Kor 15,51. Ihre Verbreitung und Entste‐ hung (1937), 307-313. obierunt, et nos mutabimur, qui in carne fuerimus deprehensi a deo; Adam., Dial. V 23 (im Mund des Adamantius): ἰδοὺ μυστήριον ὑμῖν λέγω: πάντες μὲν οὐ κοιμηθησόμεθα, πάντες δὲ ἀλλαγησόμεθα (Rufin: Ecce mysterium uobis dico. Omnes quidem resurgemus, non omnes autem immutabimur); man bemerke den Unterschied zwischen dem griechischen und dem lateinischen Text aufgrund der Verneinung im lateinischen, die Bakhuyzen ablehnt. 248 Adam., Dial. V 26 (nur Rufin) (im Mund des Markioniten): Ecce mysterium uobis dico. Omnes quidem surgemus, non omnes autem immutabimur. ♦ *15,52-53: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,14: Resurgent enim mortui incorrupti, illi scilicet qui fuerant corrupti dilapsis corporibus in interitum. Et nos mutabimur, in atomo, in oculi momentaneo motu; ibid. V 12,2-3: Et mortui resurgent incorrupti, qui iam obierunt, et nos mutabimur, qui in carne fuerimus deprehensi a deo. Et illi enim resurgent incorrupti, recepto scilicet corpore, et quidem integro, ut ex hoc sint incorrupti; et hi propter temporis ultimum iam momentum et propter merita vexationum antichristi compendium mortis, sed mutati, consequentur superinduti magis quod de caelo est quam exuti corpus. [3] Ita si hi super corpus induent caeleste illud, utique et mortui recipient corpus, super quod et ipsi induant incorruptelam de caelo; quia et de illis ait: Necesse est corruptivum istud induere incorruptelam et mortale istud immortalitatem; Epiph., Pan. 42, elench. 24: δεῖ γὰρ τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀθανασίαν καὶ ἀφθαρσίαν, ἀλλὰ τὸ θνητὸν καὶ φθαρτὸν ἐνδύσασθαι ἀθανασίαν καὶ ἀφθαρσίαν. Adam., Dial. V 23 (im Mund des Adamantius): ἐν ἀτόμῳ, ἐν ῥιπῇ ὀφθαλμοῦ, ἐν τῇ ἐσχάτῃ σάλπιγγι: σαλπίσει γάρ, καὶ οἱ νεκροὶ ἐγερθήσονται ἄφθαρτοι, καὶ ἡμεῖς ἀλλαγησόμεθα. δεῖ γὰρ τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀφθαρσίαν καὶ τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀθανασίαν (Rufin; In momento, in ictuoculi, in nouissima uba. Canit enim tuba, et mortui resurgent incorrupti, et nos immutabimur. Necesse est enim corruptibile hoc induere incorruptelam, et mortale hoc induere immortalitatem); Adamd., Dial. V 24: δεῖ δὲ τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀθανασίαν καὶ τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀθανασίαν (Rufin: Necesse est, corruptibile hoc induere incorruptionem et mortale hoc induere immortalitatem). ♦ *15,54-55: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,3: Ita si hi super corpus induent caeleste illud, utique et mortui recipient corpus, super quod et ipsi induant incorruptelam de caelo; quia et de illis ait: Necesse est corruptivum istud induere incorruptelam et mortale istud immortalitatem; ibid. V 10,16: Si autem tunc fiet verbum quod scriptum est apud creatorem, Ubi est, mors, victoria tua vel contentio tua? (victoria vel contentio tua, v.l., victoria ubi contentio tua, v.l.) Ubi est, mors, aculeus tuus? Vgl. De Res. 47,13: ubi est, mors, aculeus tuus? ubi est, mors, contentio 532 Rekonstruktion <?page no="533"?> 249 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 129, 168. 250 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. tua? ; ibid. 51,6: devorata est mors, dicens, in contentionem. ubi est, mors, aculeus tuus? ubi est, mors, contentio (potentia, v.l.) tua? ; ibid. 54,5: mors … devorata est in contentionem. ubi est, mors, aculeus tuus? ubi est, mors, contentio tua? ; Epiph., Pan. 42, sch. 24: τότε γενήσεται ὁ λόγος ὁ γεγραμμένος, κατεπόθη ὁ θάνατος εἰς νῖκος; Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): τότε γενήσεται ὁ λόγος ὁ γεγραμμένος, κατεπόθη ὁ θάνατος εἰς νῖκος. ποῦ σου, θάνατε, τὸ νῖκος (Rufin: Tunc fiet sermo qui scriptus est: Absorpta est mors in uictoria); Dial. V 27: ὅταν δὲ καταποθῇ τὸ θνητὸν ὑπὸ τῆς ἀθανασίας (Rufin: cum autem absorptum fuerit mortale hoc a vita); (Pseudo-? )Ephr., Erklärung des Evangeliums (28 Schäfers): „Und so ist das Wort, das der Apostel gesagt hat: ‚Verschlungen worden ist der Tod‘, spricht er, ‚vom Leben‘“. Vgl. Jes 25,8 LXX: κατέπιεν ὁ θάνατος ἰσχύσας; Hos. 13,14 LXX: ποῦ ἡ δίκη σου, θάνατε; ποῦ τὸ κέντρον σου, ᾅδη. ♦ *15,57: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 10,16: Nec alii deo gratias dicit quod nobis victoriam utique de morte referre praestiterit, quam illi a quo verbum insultatorium de morte et triumphatorium accepit. Vgl. auch ibid. V 12. B. (15,29) Ἐπεί ante τί om P 46 , Tert., Adam., Eznik. ♦ Auch wenn Tertullian ὅλως nicht bietet und auch Eznik es nicht hat, wird es doch von Adamantius geboten, und es gibt bisweilen keine Handschriftenvarianten. ♦ Anstelle von αὐτῶν, bezeugt durch P 46 , 01, 02, 03, 06*, 010, 012, 018, 025, 044, 075, 0243, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, latt, sy h , co, Or, Epiph, findet sich των νεκρων in 06 2 , 020, M, sy p , bo ms . ♦ (15,31) Wie bei Adamantius fehlt ἀδελφοί in P 46 , 06, 010, 012, 020, 044, 075, 0243, 630, 1505, 1739, 1881, M, b, Ambst, Pel. 249 ♦ Anstelle von Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν schreibt Adamantius κυρίῳ, so auch 06*, b, Ambst, Pel. ♦ (15,34) Anstelle von λαλῶ, das sich in P 46 , 01, 03, 06, 025, 044, 0243, 33, 81, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 2464, lat., steht λέγω in 02, 010, 012, 018, 020, 075, 104, 1881, M, ar. ♦ (15,36) Post ἐὰν μή add Adamantius πρῶτον, so auch in den lateinischen Zeugen Ambst adr , CypTes var , dies ist als markionitische Lesart vermerkt bei v. Soden. 250 ♦ (15,37) Anstelle von γενησόμενον wird γεννησόμενον gelesen von den Zeugen: P 46 , 010, 012, vgl. auch das altlateinische nascetur in 76, 76, 77 oder nasciturum est in 78 gl , futurum nascetur in 89, nascitur in Spm ed . ♦ (15,45) ἄνθρωπος fehlt in den Zeugen 03, 018, 326, 365, Ir lat . ♦ κύριος oder Ἀδάμ fehlt in P 46 , das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die redaktionelle Korrektur zunächst darin bestand, den Text physisch 2 (1Kor) 533 <?page no="534"?> 251 B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 253-254. 252 So vorgeschlagen von U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 109. 253 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. Zuntz hält das γὰρ jedoch für eine falsche Lesart Markions, G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 238. so korrigiert zu haben, dass das Wort κύριος der Vorlage getilgt und das Wort Ἀδάμ dafür nur in die Marginale geschrieben wurde und P 46 an dieser Stelle die Marginale nicht mitkopiert hat. Die Möglichkeit der marginalen Korrektur war bereits bei den Versen 1Kor 14,34-35 begegnet. Adam in ist auch in der altlateinischen Tradition in 54* ausgelassen. ♦ (15,47) ὁ κύριος (ἐξ οὐρανοῦ) ist die Lesart von 630, von NA 28 als die markionitische angezeigt, während ἄνθρωπος ὁ κύριος zu lesen ist in 01 2 , 02, 06, 018, 020, 025, 044, 075, 81, 104, 365, 1241, 1505, 1739 mg , 1881, 2464, M, sy, hingegen bietet P 46 ἄνθρωπος πνευματικός; in der altlateinischen Tradition lässt Pel var das homo aus. Es erstaunt, dass Haupt nicht die Breite der Bezeugungen hier angibt, zumal er hier die Nähe der Bilinguen zur kanonischen Tradition und die Differenz zu Markions Wiedergabe durch Tertullian hätte vorführen können. 251 Die Lesart ανθρωπος ο κυριος scheint eine Kontamination von der Vorlage ὁ κύριος und der kanonischen Korrektur ἄνθρωπος zu sein, die wie P 46 in Vers 45 noch ein Stück der Genese des kanonischen Textes anzeigt. Die kanonische Lesart ἄνθρωπος steht in 01*, 03, 04, 06*, 010, 012, 0243, 6, 33, 1175, 1739*, latt, bo. ♦ Anstelle von ἐξ οὐρανοῦ liest man ὁ οὐράνιος in 010, 012, latt. ♦ (15,49) Die von Tertullian gegenüber Markion diskutierte Verbform φορέσωμεν ist die am häufigsten in den Handschriften anzutreffende, sie steht in P 46 (+ δη), 01, 02, 04, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 075, 0243, 33, 81, 104, 365, 945 txt , 1175, 1241, 1505, 1739, 2464, M, latt, bo, Ir lat , Cl, Or, CypTes var , während φορέσομεν nur zu finden ist in 03, 016, 6, 630, 945 v.l. , 1881, sa. Die Häufigkeit resultiert eventuell daraus, dass man, anders als Harnack, Tertullians Kommentar, der mit seinen Ausführungen in De Res. 49,6-8 übereinstimmt, „nicht polemisch“, „gegen eine marcionitische Lesart (Futur)“ gerichtet sah, sondern als „zustimmende Aufnahme einer marcionitischen Lesart“. 252 ♦ (15,50) Post Τοῦτο liest man γάρ nicht nur in Tertullian, sondern auch in 06, 010, 012, Ir lat , Ambst, und in der altlateinischen Tradition in 75, 76, 77, 89, und wird von NA 28 als die markionitische Lesart angegeben. 253 ♦ Anstelle von κληρονομῆσαι οὐ δύναται, was man in 02, 04, 06, 018, 020, 025, 044, 075, 0243, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy p , Ir gr.lat pt , Cl pt liest, steht οὐ κληρονομήσουσιν nach Tertullian und weiter bezeugt in 534 Rekonstruktion <?page no="535"?> 254 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. In der kanonisch redigierten Version ist eine deutliche Abschwächung dieser definitiven futurischen Aussage zu erkennen. Dennoch hält Zuntz die oben für den vorkanonischen Text gegebene Variante für eine falsche Lesart Markions, G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 238. 255 Vgl. G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 37-39, 104. 256 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 257 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 449. Zur Taufe für Verstorbene, vgl. mit älterer Literatur N.H. Taylor, Baptism for the Dead (1 COR 15: 29)? (2002). 010, 012, f, g, ar, vg ms , bo, Ir lat.pt , Ophites Ir.lat , Or, Chrys, Ambst, Pel var , und in der altlateinischen Tradition in 61, 78, und wird von NA 28 als die markionitische Lesart angegeben. 254 ♦ (15,52) Die Variante ῥοπῇ findet sich in P 46 , 06*, 010, 012, 0243, 6, 1739, Did, GregNyss, während die Variante ῥιπῇ steht in 01, 02, 03, 04, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, Or. Auch wenn Zuntz versucht, gegen die Lesart ῥοπή zu argumentieren, bietet er doch Parallelen, insbesondere mit Hinweis auf ‚Aristeas‘, wonach diese Lesart durchaus eine sinnvolle ist. 255 ♦ Die Variante ἀναστήσονται lässt sich zwar nicht aus Tertullian erheben, doch sie begegnet in einer Reihe lateinischer Zeugen, Or, Chrys, Cyr und weiteren, als markionitische Lesart vermerkt bei von Soden. 256 ♦ (15,54) τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀφθαρσίαν καί om in P 46 , 01*, 04*, 088, 0121, 0243, 1175, 1739* lat sa ms , bo, Ir lat , Ambst; eine Wortumstellung τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀθανασίαν καὶ τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀφθαρσίαν findet sich in 02, 326, sa ms . Der kanonische Text steht in 01 2 , 03, 04 2vid , 06, 018, 020, 025, 044, 075, 81, 104, 614 c , 629 c , 630, 1241, 1505, 1739 c (και 1739 mg ), 1881, 2464 (τὴν ἀθανασίαν 01, 02, 088, τὴν ἀφθαρσίαν 33), M, vg mss , sy. ♦ (15,55) Anstelle der Reihenfolge ποῦ σου, θάνατε, τὸ νῖκος; ποῦ σου, θάνατε, τὸ κέντρον liest man ποῦ σου, θάνατε, τὸ κέντρον νῖκος in den Zeugen 06, 010, 012, Ir lat pt , Tert, Cyp, Eus pt , Ambst, hingegen steht κέντρον ποῦ σου ᾅδη τὸ νῖκος in 01 2 , 02 c , 018, 020, 025, 044, 075, 104, 365, 630, 1505, 1881, M, sy (p) , während νῖκος που σου ᾅδη τὸ κέντρον zu lesen ist in 0121, 0243, 33, 81, 326, 1175, 1739 c , 2464, und der obige kanonische Text steht in P 46 , 01*, 03, 04, 088, 1739*, lat, co, Ir lat pt , Eus pt . C. 1. (15,29) Hilgenfeld nennt den Vers eine „merkwürdige[] Stelle … über die Taufen für Verstorbene“ und meint, dass „die marcionitische Sitte ein sicheres Zeugniß für die unveränderte Beibehaltung des Verses“ sei. 257 Zahn verweist 2 (1Kor) 535 <?page no="536"?> 258 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 510. 259 D. Jeong, Pauline Baptism among the Mysteries. Ritual Messages and the Promise of Initiation (2023). 260 Vgl. aber J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 170; J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 286. 261 D.R. MacDonald, A Conjectural Emendation of 1 Cor 15.31-32: Or the Case of the Misplaced Lion Fight (1980). bereits darauf, dass nach Adamantius aus Markions „Apostolos“ „vorgelesen“ wird. 258 Er rechnet für diesen Vers mit dem kanonischen Text. Harnack sieht folgenden Text bezeugt: τί ποιήσουσιν οἱ βαπτιζόμενοι ὑπὲρ τῶν νεκρῶν; εἰ (ὅλως? ) νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται, τί καὶ βαπτίζονται ὑπὲρ αὐτῶν. Schmid, der das Zeugnis des Adamantius zurückweist, findet folglich ledig‐ lich bezeugt: (Ἐπεὶ) τί ποιήσουσιν οἱ βαπτιζόμενοι ὑπὲρ τῶν νεκρῶν; εἰ (ὅλως) νεκροὶ οὐκ ἐγείρονται. BeDuhn bietet die Übersetzung von Ἐπεί in Klammern, ansonsten folgt er dem Text wie oben. Folgt man der vorkanonischen Semantik von βαπτίζω, die nicht mit „Taufe“, sondern mit „Reinigen“ verbunden ist, erkennt man, dass der Vers seine Fremd‐ heit verliert und nicht eine sonst in der Antike unbekannte Taufe für Tote bedeutet (die begegnet etwa bei Mormonen), sondern mit der Verbindung von Reinigung und Grabstättenbesuch zu tun hat. 259 Gewiss haben Clabeaux und BeDuhn Recht, dass ein Wort wie Ἐπεί am Anfang eines Satzes schnell ausgelassen werden kann, doch fällt hier das Zeugnis des P 46 ins Gewicht, der die Konjunktion nicht enthält. 260 2. (15,30-34) Zahn sieht die Verse der kanonischen Form nach präsent. Harnack nimmt den Text bezeugt wie oben. Schmid, der das Zeugnis des Adamantius ablehnt, sieht die Verse als unbezeugt. BeDuhn folgt dem Text wie oben. Wie die Lexik bestätigt, sind diese Verse jedoch vorkanonisch abwesend. Sie setzen, wie gerade Vers 30 verdeutlicht, das kanonisch-semantische Verständnis von βαπτίζω voraus, nicht das der vorkanonischen Version - was in eine Zeit‐ situation spricht, in welcher eine solche Taufe Todesgefahr heraufbeschwört, d.-h. dieser Vers spricht eher in eine Zeit des späten zweiten Jahrhunderts. 3. (15,31c) Dieser Versteil wird als Interpolation angesehen von McDonald. 261 4. (15,35-36) Zahn und Harnack sehen die Verse in der Form präsent, wie sie Adamantius bietet. Schmid, der das Zeugnis des Adamantius beiseitelässt, bietet als bezeugten Text, sich an Tertullian ausrichtend: Ἀλλὰ ἐροῦσι τινες, πῶς ἐγείρονται οἱ νεκροί; ποίῳ δὲ σώματι ἔρχονται. BeDuhn legt seiner Übersetzung Adamantius zugrunde. 536 Rekonstruktion <?page no="537"?> 5. (15,37-41) Zahn sieht die Verse 37-41 in der kanonischen Form präsent. Harnack folgt Adamantius, bietet aber für Vers 38: ὁ δὲ θεὸς δίδωσιν αὐτῷ σῶμα (spätere Markionitische Korrektur πνεῦμα für σῶμα) καθὼς ἠθέλησεν, ἑκάστον δὲ τῶν σπερμάτων τὸ ἴδιον σῶμα ἀπολαμβάνει, wohl weil Rufins Übersetzung den kanonischen Text reflektiert. Was jedoch die Auslassung von ἄλλη δὲ σὰρξ πτηνῶν, ἄλλη in Vers 39 betrifft, die Rufin ebenfalls nicht spiegelt, weil er alia caro uolucrum hat, übernimmt Harnack jedoch nicht. In Vers 41 lässt er καὶ vor ἄλλη δόξα ἀστέρων wie Adamantius aus, obwohl auch hier Rufin ein et bietet und auch Tertullian es liest. Schmid sieht für diese Verse nur eine „zusammenfassende Anspielung“, ohne dass er den Wortlaut wiedergibt. BeDuhn notiert die Abweichungen des Adamantius, in Vers 38 übersetzt er καὶ ἑκάστον δὲ τῶν σπερμάτων τὸ ἴδιον σῶμα ἀπολαμβάνει, eine Kombination zwischen Adamantius, Harnack und der kanonischen Version. Auch in Vers 39 kombiniert er, wenn er übersetzt: ἄλλη μὲν σὰρξ ἀνθρώπων. Richtigerweise nimmt er den Passus ἄλλη δὲ σὰρξ πτηνῶν in den Text. 6. (15,42-44) Hilgenfeld verweist auf das Zeugnis von Epiph., Pan. 11 zu Vers 42 und auf Tertullian zu den Versen 42-44. Zahn sieht die Verse 42-44 in der kanonischen Form präsent. Harnack gibt den Text wie folgt wieder: Οὕτω καὶ ἡ ἀνάστασις (τῶν νεκρῶν). σπείρεται ἐν φθορᾷ, ἐγείρεται ἐν ἀφθαρσίᾳ: 43 σπείρεται ἐν ἀτιμίᾳ, ἐγείρεται ἐν δόξῃ: σπείρεται ἐν ἀσθενείᾳ, ἐγείρεται ἐν δυνάμει: 44 σπείρεται (σῶμα? ) ψυχικόν, ἐγείρεται (σῶμα? ) πνευματικόν. Schmid schreibt: Οὕτως καὶ ἡ ἀνάστασις (τῶν νεκρῶν). σπείρεται ἐν φθορᾷ … 43 … ἐν δόξῃ … ἐν δυνάμει: 44 σπείρεται (σῶμα) ψυχικόν, ἐγείρεται (σῶμα) πνευματικόν. BeDuhn übersetzt den Text wie oben und setzt am Ende Auslassungszeichen. Die Infragestellung der Präsenz von τῶν νεκρῶν lässt sich weder bestreiten noch beweisen. Da es bereits seit Vers 29 um die Toten geht, kann der Ausdruck durchaus gestanden sein. Ähnlich ist auch die Infragestellung der Verwendung von σῶμα nicht überzeugend, auch wenn Tertullian corpus beide Male auslässt. Doch etwas später bei der Argumentation ist corpus animale und corpus spiri‐ tale wieder vorhanden, Adamantius bietet es zwei Mal und der Begriff wird ausdrücklich von dem Markioniten im Dialog aufgegriffen und mit Blick auf diese Stelle hier differenziert und als pneumatischer Leib begriffen. Andererseits ist der nicht mehr bezeugte Teil (εἰ ἔστιν σῶμα ψυχικόν, ἔστιν καὶ πνευματικόν), den Harnack aus seiner Rekonstruktion auslässt, zu bedenken. Er geht vielleicht auf die kanonische Redaktion zurück, weil er in inhaltlicher Spannung zu den voranstehenden Ausführungen steht, die gerade auf die Differenz abheben, die 2 (1Kor) 537 <?page no="538"?> 262 M. Widmann, 1 Kor 2 6-16: Ein Einspruch gegen Paulus (1979), 47-48. 263 Vgl. zu diesem Vers E.-M. Becker, Marcion und die Korintherbriefe nach Tertullian, Adversus Marcionem V (2002), 102. 264 Vgl. zu diesem Vers auch ibid. 102-103. zwischen den Dingen bestehen, die gesät und damit sterben müssen, bevor sie in anderer Gestalt wieder aufstehen. Gerade dieser letzte Teil von Vers 44 (bis Vers 48) wird als Interpolation angesehen von Widmann. 262 7. (15,45) Hilgenfeld verweist auf Tertullians Kritik an der Textverfälschung des stultissimus haereticus. Zahn notiert als Text: [οὕτως καὶ γέγραπται? ], Ἐγένετο ὁ πρῶτος ἄνθρωπος Ἀδὰμ εἰς ψυχὴν ζῶσαν, ὁ ἔσχατος κύριος εἰς πνεῦμα ζῳοποιοῦν. Harnack ist etwas radikaler und lässt das von Zahn am Anfang Eingeklam‐ merte beiseite, ansonsten folgt er ihm aber. Schmid beginnt mit Auslassungs‐ zeichen für das von Zahn Eingeklammerte und setzt noch den Artikel ὁ vor κύριος in Klammern. In seiner Übersetzung setzt BeDuhn wie Zahn den Anfang in Klammern, ansonsten folgt er Schmid. 263 8. (15,46) Zahn sieht den Vers in der kanonischen Form präsent, Harnack führt als bezeugten Text lediglich den oben fettgedruckten an, so auch Schmid, er fügt jedoch noch in Klammern das ἀλλ’ hinzu. BeDuhn übersetzt ohne das ἀλλ’ und gibt den unbezeugten weiteren Teil des Verses in Klammern. 9. (15,47) Zahn folgt den Zeugen und sieht anstelle des im kanonischen Text an zweiter Stelle stehenden ἄνθρωπος das bei Tertullian, Adamantius und Rufin bezeugte κύριος stehen, ansonsten den kanonischen Text. Harnack und Schmid folgen ihm hierin, wobei Schmid wieder vor κύριος den Artikel ὁ in Klammern hinzusetzt. BeDuhn verweist darauf, dass die Argumentation Tertullians, an ἄνθρωπος gegenüber κύριος festzuhalten, bei Adamantius wiederholt wird, wobei der Schiedsrichter Eutropius nur den markionitischen Wortlaut wiederhole, diesen aber ausdrücklich als καθ’ ὑμᾶς bezeichne - auffallenderweise eine Bemerkung, die Rufin nicht übersetzt, die möglicherweise also auch eine spätere redaktio‐ nelle Ergänzung darstellt. BeDuhns Übersetzung folgt daher dem obigen Text mit Ausnahme des ὁ οὐράνιος. 264 Der in einschlägigen Zeugen enthaltene Ausdruck ὁ οὐράνιος ist argumen‐ tativ die Voraussetzung für den nächsten Vers, fiel aber offensichtlich einer theologischen Korrektur in der kanonischen Redaktion zum Opfer. Die in den Handschriften zu findende Lesart wird gestützt durch Tert., Adv. Marc. V 10,10. 10. (15,48) Hilgenfeld, Zahn, Harnack, Schmid und BeDuhn sehen alle den kanonischen Text präsent. 265 538 Rekonstruktion <?page no="539"?> 265 Das anstelle von ἐπουράνιος gegebene ἐπουράνοις bei Schmid ist ein Druckfehler, wie man am Singularartikel erkennen kann. 266 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 103. 11. (15,49) Zahn sieht wiederum den kanonischen Text bezeugt. Hilgenfeld und Harnack sind derselben Meinung, verweisen aber auf die von Tertullian hervorgehobene futurisch-konjunktivische Verbform (portemus = φορέσωμεν), außerdem stellt Harnack das anfängliche, nicht bezeugte καὶ in Klammern. Ihm folgt Schmid, während BeDuhn dem kanonischen Text folgt bis auf die kritisierte Verbform. 12. (15,50) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den Vers als ganzen präsent, wählt aber die beiden von Tertullian vorauszusetzenden Lesarten (γάρ, κληρονομήσουσιν). Zahn und Harnack sehen den Text wie oben präsent, Schmid, der das Zeugnis des Eznik nicht akzeptiert, beschränkt sich auf den von Tertullian bezeugten Text und no‐ tiert, dass die Stellen bei Tertullian „zeigen, daß der marcionitische Text mit großer Wahrscheinlichkeit die Lesart von F [= 010] G [= 012] lat, οὐ κληρονομήσουσιν, geboten hat, während Tertullian selbst klar die Mehrheits‐ textlesart (mit A [= 02] D [= 06] Ir) bevorzugt“. 266 BeDuhn klammert in seiner Übersetzung das Äquivalent für γάρ ein, gibt aber ansonsten den obigen Text wieder. Für die Eröffnung, bei der bereits Zahn γάρ anstelle von δέ annimmt, könnte man natürlich auch argumentieren, dass Tertullian, der in De Res. 49,9 den kanonischen Vers ebenfalls wiedergibt mit: hoc enim dico, das δέ φημι so umschrieben hat. 13. (15,51) Hilgenfeld sieht durch Adamantius die Verse 51-53 in diesem Wortlaut bezeugt. Zahn sieht den Vers in der kanonischen Form präsent, Harnack ist der Meinung, Tertullian spiele nicht auf Vers 51 an, obwohl er die obigen Tertullianreferenzen anführt. Als Text sieht er bezeugt: ἰδοὺ μυστήριον ὑμῖν λέγω· πάντες μὲν οὐ ἀναστησόμεθα, οὐ πάντες δὲ ἀλλαγησόμεθα. Schmid sieht den Vers als unbezeugt. BeDuhn setzt sich ausführlich mit dem Vers auseinander, indem er zeigt, der Text sei in vier Varianten bezeugt, wobei er die Zeugnisse Tertullians unberücksichtigt lässt. Tatsächlich finden sich nach unseren Zeugnissen fol‐ gende, zahlreichere Varianten, was eine crux für die Rekonstruktion sowohl des vorkanonischen wie des kanonischen Textes darstellt: 2 (1Kor) 539 <?page no="540"?> 267 Für die ich Holger Strutwolf ganz herzlich Danke! 15,51a ἰδοὺ μυστήριον ὑμῖν λέγω: - οἱ πάντες μέν 02 πάντες P 46 03 04* 06* 0243* 1739 b πάντες μέν 01 042 062 010 012 018 020 025 044 075 0243 c 33 81 104 365 630 1175 1241 1505 1881 2464 Byz lat sy h ; Ambst - - 15,51b - κοιμηθησόμεθα οἱ πάντες δέ 02* κοιμηθησόμεθα οὐ πάντες δέ 01 04 0243* 33 1241 1739; Hier mss οὖν κοιμηθησόμεθα οὐ πάντες δέ 010 012 οὐ κοιμηθησόμεθα οὐ πάντες δέ P 46 02 c ἀναστήσομεθα οὐ πάντες δέ 06* lat; Tert, Ambst, Spec οὐ κοιμηθησόμεθα πάντες δέ 03 06 2 018 020 025 044 075 0243 c 81 104 365 630 1175 1505 1881 2464; Byz, sy, co, Hier mss Wie man der Tabelle entnehmen kann, 267 scheint der dem Tertullian vorgelegene vorkanonische Text gelautet zu haben: ἰδοὺ μυστήριον ὑμῖν λέγω: πάντες μὲν ἀναστήσομεθα, οὐ πάντες δὲ ἀλλαγησόμεθα, der Wortlaut, den Harnack in seine Rekonstruktion richtigerweise aufgenommen hat. Offenkundig hat hier die kanonische Redaktion mit der Veränderung von ἀναστήσομεθα nach κοιμηθησόμεθα eine erste Änderung vorgenommen. Mit der Einfügung eines ersten οὐ erfolgte eine Historisierung des Textes, so als würde Paulus damit rechnen, dass die Auferstehung bald eintreten werde. Mehr noch, die Aussage und der Sinn des Geheimnisses wurden durch die kanonische Redaktion auf den Kopf gestellt. Dieses οὐ fehlt außerhalb der lateinischen Tradition in 06*, was jedoch darauf hindeutet, dass es nicht nur einen frühen Fehler in der lateinischen Tradition darstellt. Auffallend ist auch, dass Rufins Übersetzung mit der Bezeugung bei Tertullian übereinstimmt und in 06* lediglich das μέν fehlt. Man wird also wie Harnack hier rekonstruieren dürfen, während BeDuhn 540 Rekonstruktion <?page no="541"?> 268 Vgl. auch die Ausführungen in U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 98-100. 269 Vgl. zur Duplikation die Einleitung, Band I. 270 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 230. übersetzt: ἰδοὺ μυστήριον ὑμῖν λέγω: πάντες μὲν οὐ κοιμηθησόμεθα, οὐ πάντες δὲ ἀλλαγησόμεθα. 14. (15,52-53) Zahn sieht den kanonischen Text der Verse bezeugt, doch die Bezeugungen, was die Anordnung der Verse betrifft, differiert zwischen Tertul‐ lian und Epiphanius. Harnack bemerkt, dass Tertullian Vers 52b vor 52a setzt, sieht aber den kanonischen Text bezeugt. Dann begegnet eine Umstellung auch in Epiphanius, der 53b vor 53a setzt (gegen seine eigene Zitationsgewohnheit, worauf BeDuhn verweist). Auch Adamantius spiegelt diese Inversion. Schmid sieht als bezeugt: ἐν ἀτόμῳ, ἐν ῥιπῇ ὀφθαλμοῦ … οἱ νεκροὶ ἐγερθήσονται ἄφθαρτοι, καὶ ἡμεῖς ἀλλαγησόμεθα. BeDuhn schließt sich Harnack an. Nun kann Tertullians momentaneo motu sowohl ῥιπῇ wie ῥοπῇ bezeichnen, doch wegen der einschlägigen Bezeugung wird wohl letztere Variante im vorkanonischen Text gestanden sein. 15. (15,54) Hilgenfeld verweist für diese Verse auf Epiphanius, Tertullian und Adamantius. Zahn sieht den kanonischen Text präsent. Harnack gibt als Text: ὅταν δὲ τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀθανασίαν, τότε γενήσεται ὁ λόγος ὁ γεγραμμένος, κατεπόθη ὁ θάνατος εἰς νῖκος. ποῦ σου, θάνατε, τὸ νῖκος; ποῦ σου, θάνατε, τὸ κέντρον. Schmid gibt ὅταν δὲ (…? ) τὸ θνητὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀθανασίαν, τότε γενήσεται ὁ λόγος ὁ γεγραμμένος, κατεπόθη ὁ θάνατος εἰς νῖκος. ποῦ σου, θάνατε, τὸ νῖκος; ποῦ σου, θάνατε, τὸ κέντρον. 268 BeDuhn legt seiner Übersetzung den kanonischen Text zugrunde. Der unbezeugte Teil τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀφθαρσίαν καί ist mögli‐ cherweise eine Duplikation der kanonischen Redaktion. 269 Dies wird unterstri‐ chen durch die Varianten in den Handschriften. Das Fehlen des Passus τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσηται ἀφθαρσίαν καὶ τό hält Zuntz für einen Ausfall in Markions Vorlage aufgrund von Homoioteleuton. 270 16. (15,56) Vers 56 ist nach allen Editoren unbezeugt. Zahn rechnet dennoch in irgendeiner Form mit seiner Präsenz und auch BeDuhn nimmt den Vers, wenn auch in Klammern, in seine Übersetzung auf, auch wenn er dies mit dem mark‐ ionitischen Charakter inhaltlich erklärt, was er sonst aus methodologischen Gründen ablehnt. Die Lexik spricht nur mit einem Element (ἡ δέ) gegen die Präsenz des Verses im vorkanonischen Text, doch dies kann auch Zeichen einer kanonischen Überarbeitung sein. Entscheidender ist die Frage: Hätte sich Tertullian einen 2 (1Kor) 541 <?page no="542"?> 271 F.W. Horn, 1 Korinther 15,56---ein exegetischer Stachel (1991). 272 Vgl. T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 585. solchen Satz, den BeDuhn für markionitisch empfindet, zu kommentieren entgehen lassen? 1Kor 15,56 wird als Interpolation angesehen von Horn. 271 17. (15,57) Zahn sieht den Vers nach seiner kanonischen Form präsent. Harnack sieht nur eine „Anspielung“ auf den Text τῷ θεῷ χάρις τῷ διδόντι ἡμῖν τὸ νῖκος. In diesem Zuschnitt sieht auch Schmid den Vers bezeugt. BeDuhn nimmt auch noch das δέ hinzu, beschränkt sich aber in seiner Übersetzung auch auf den bezeugten Teil. Dass die unbezeugte Schlussformel vorkanonisch gefehlt hat, wird gestützt von Tertullians Kommentar, der den nicht bezeugten Teil des Verses geradezu ausschließt, weil der Dank ja ausdrücklich nur dem Gott gilt, von dem das Wort empfangen wurde und der durch die Propheten das Wort (also auch Christus) gesprochen hat (nec alii-… quam illi a quo verbum accepit). 18. (15,58) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn mit seiner Präsenz in irgendeiner Form rechnet und Harnack ἑδραῖοι γίνεσθε in seine Rekonstruktion nimmt mit Blick auf den pseudepigraphen Laodizener‐ brief, Vers 14 (estote firmi). Hinzuzunehmen wäre auch gleich dessen Eröffnung, Vers 3 (permanentes estis). 272 Weder Schmid noch BeDuhn nehmen den Vers in ihre Rekonstruktion. D. (15,29) Das für diesen Vers unbezeugte ἐπεί steht 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Ver‐ seröffnung, und begegnet überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: 1Kor 14,16; 15,29; 2Kor 11,18; 13,3; Hebr 2,14; 4,6; 9,26; 10,2; im Vers: 3 Mal Mt; Mk 15,42; Lk 1,34, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2 Mal Joh; Röm 3,6; 11,6. 22; 1Kor 5,10; 7,14; 14,12; 5 Mal Hebr). ♦ Die Verseröffnung ἐπεὶ τί steht nur hier. ♦ βαπτίζω steht 90 / 77 Mal im NT, sehr häufig im Sinne von Taufen, doch auf der vorkanonischen Ebene begegnet das Verb lediglich im Sinne von Reinigen (vor dem Essen) in *Ev 11,38, folglich wird es auch an dieser Stelle nicht um eine „Taufe für die Toten“, sondern um eine „Reinigung für die Toten“ gehen, vgl. hierzu die Einleitung, Bd I. Auch βαπτισμός, was 5 / 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. βάπτισμα, das 22 / 19 Mal im NT steht, begegnet in *Ev 20,4 lediglich als Taufe des Johannes vorkanonisch. Wenn man in *Laod 4,5 ἓν βάπτισμα liest, stellt sich die Frage, was damit gemeint ist. Erneut zeigt sich die Nähe von *Laod zur kanonischen Ebene, vgl. die Einleitung, Band I. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 542 Rekonstruktion <?page no="543"?> 2,1; 5,14. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ Zu αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ Die kanonische Variante ὑπὲρ αὐτῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 17,19; Röm 10,1; 1Kor 15,29; 2Kor 5,15). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und wird gestützt durch die Lexik. Man beachte auch die unterschiedliche Semantik, bei der βαπτίζω hier nicht im kanonischen Sinn als „Taufe“ misszuverstehen ist, sondern im Sinn der römischen Praxis der Reinigung wegen der Toten im Monat der Kalenden, worauf uns Tertullian verweist. Auch das Ende des Verses ist bemerkenswert, weil die sich aus Tertullian nahelegende Wendung ὑπὲρ τῶν νεκρῶν im gesamten NT nur in diesem Vers vorkommt (vorkanonisch gleich zwei Mal), ist der auf der kanonischen Ebene belegte Ausdruck ὑπὲρ αὐτῶν weiter nur auf der kanonischen Ebene belegt. (15,30) Die Verseröffnung τί καί ist zunächst eine Duplikation der im Vers 29 zuvor kanonisch stehenden Kombination, 1 weiteres Mal steht sie auf der kanonischen Ebene im Satz in Mt 15,3. ♦ κινδυνεύω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὥρα steht 116 / 106 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *Gal 2,5. Zur Abwesenheit: Dieser kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene anzutreffen sind (κινδυνεύω; πᾶσαν). Er ist Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (15,31) ἡμέρα ist mit 414 / 389 Belegen ein häufiger Begriff des NTs, vorkanonisch steht er etwa *Ev und *Gal 4,10; 5,5; *2Kor 4,16. ♦ Die Wendung καθ’ ἡμέραν steht 17 Mal im NT, Lk 9,23; 16,19, in Versteilen oder Versen, die in *Ev fehlen, Lk 16,20 besteht nur das Adamantiuszeugnis, d. h. der Ausdruck steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀποθνήσκω steht 119 / 111 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ νή ist Hapax legomenon im NT. ♦ ὑμέτερος, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ καύχησις begegnet 13 / 11 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. Das verwandte καύχημα, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Der Ausdruck ἣν ἔχω steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 2,4. ♦ Die Wendung ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν steht 3 Mal im NT (immer als Versschluss), ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 6,23; 8,39; 1Kor 15,31). ♦ Die kürzere Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. 2 (1Kor) 543 <?page no="544"?> 273 A. Lindemann, Der Erste Korintherbrief (2000), 353. Dort eine Reihe von Sentenzen anderer Autoren mit ähnlichen Inhalten und Formulierungen. Vgl. auch M.B. Cover, The Divine Comedy at Corinth: Paul, Menander and the Rhetoric of Resurrection (2018). Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers bietet eine Fülle von Elementen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καθ’ ἡμέραν; ὑμέτερος; καύχησις; ἣν ἔχω; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (15,32) Die Wendung εἰ κατά steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, Hebr 7,15. ♦ θηριομαχέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Ἔφεσος steht 17 / 16 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung τί μοι steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 5,7; Lk 8,28; Joh 2,4; 1Kor 15,32). ♦ ὄφελος steht nur noch zwei Mal, auf der kanonischen Ebene ( Jak 2,14. 16). ♦ πίνω, das sich 114 / 73 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4. 7; Röm 14,21. ♦ αὔριον, das 16 / 14 Mal im NT zu finden ist, steht nur auf der kanonischen Ebene, und das obwohl - oder vielleicht gerade deshalb, weil - dieser Begriff Teil des anklingenden Verses Jes 22,13 LXX ist. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers finden sich einige Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰ κατά; Ἔφεσος; τί μοι; ὄφελος; αὔριον). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (15,33) An dieser Stelle muss man berücksichtigen, dass es sich um eine Anspielung vielleicht auf „die sonst unbekannte Komödie ‚Thais‘ des Menander“ handelt, wobei „das Wort … auch dem Tragiker Euripides … zugeschrieben (wird), von dem Menander stark beeinflußt war“. 273 Dennoch soll die Lexik verglichen werden: πλανάω steht 42 / 39 Mal im NT, vorka‐ nonisch bezeugt für *Gal 6,7. ♦ μὴ πλανᾶσθε ist ein Ausdruck der kanonischen Redaktion. Er steht 4 Mal im NT, drei Mal als Verseröffnung (1Kor 6,9, hier nicht als Verseröffnung; 1Kor 15,33; Gal 6,7; Jak 1,16), vgl. mehr zu 6,9. ♦ φθείρω steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,17. ♦ ἦθος gibt es nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 26,3). ♦ χρηστός steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *Ev 6,35. ♦ ὁμιλία ist Hapax legomenon im NT. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *Röm 12,17. Zur Abwesenheit: Dieser kurze vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (μὴ πλανᾶσθε; ἦθος). Er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. 544 Rekonstruktion <?page no="545"?> (15,34) ἐκνήφω ist Hapax legomenon im NT. ♦ δικαίως steht nur 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 23,41; 1Thess 2,10; Tit 2,12; 1Petr 2,23). ♦ ἁμαρτάνω steht 47 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,3. 4; *Röm 2,12; *Laod 4,26. ♦ ἀγνωσία steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in 1Petr 2,15. ♦ Zu τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.) vgl. zuvor zu den Versen 6. 12. ♦ ἐντροπή steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in 1Kor 6,5. ♦ Die Verbform λέγω, die 214 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,51; *Laod 5,32, vgl. weiter Vers 51. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀγνωσία; ἐντροπή). Der Vers wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (15,35) Ἀλλ’ ἐρεῖ τις steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Jak 2,18. ♦ Die Verbform ἐρεῖ, die 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 15,35. ♦ Zu πῶς vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist reichlich bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus. ♦ ποῖος steht 63 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; 12,39; 20,8; *1Kor 15,35; *Laod 2,15. (15,36) ἀφρός, das 7 / 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt in *Ev 12,20. ♦ σπείρω begegnet 58 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 6,8; *1Kor 15,42. 44. ♦ ζωοποιέω, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,45; *2Kor 3,6; *Röm 8,11. ♦ πρῶτον begegnet 70 Mal im NT und ist auch vorkanonisch weiter bezeugt, etwa *1Kor 15,46. Zur Rekonstruktion: Der Text beider Verse folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik weithin gestützt wird. (15,37) σπείρω, das 58 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,8; *1Kor 15,42. 44. ♦ γεννάω, das 98 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23. 24; *1Kor 4,15. ♦ γυμνός steht 16 / 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,3. ♦ κόκκος begegnet 8 / 7 Mal im NT, ist aber auch vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,19 und könnte vielleicht auch 17,6 gestanden sein. ♦ τυγχάνω, das 13 / 12 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σῖτος findet sich 15 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ τινος (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Sg.), das 24 Mal im NT steht, etwa Lk 22,35, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,16. 20; 19,8. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das weithin durch die Lexik gestützt wird. Es scheint nur das unbezeugte und, folglich auch nur kanonisch belegte εἰ τύχοι vorkanonisch gefehlt zu haben. 2 (1Kor) 545 <?page no="546"?> (15,38) Die Kombination ὁ δὲ θεός steht 16 Mal im NT, davon 13 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Lk 18,7; 2 Mal Apg; Röm 15,5. 13. 33; 16,20, in vier Versen, die allesamt in *Röm fehlen; 1Kor 6,14; 15,38; Eph 2,4; Phil 4,19; Hebr 13,20; 1Petr 5,10; im Vers: Lk 16,15; 1Kor 6,13; Gal 3,20), vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,15 (im Vers). ♦ Die Wendung καθὼς ἠθέλησεν steht nur 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für die andere Stelle *1Kor 12,18. ♦ σπέρμα, das 45 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus. ♦ ἀπολαμβάνω steht 14 / 10 Mal im NT, der ausschließlich vorkanonisch steht und nur von Adamantius hier geboten wird. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wiederum dem Zeugnis Tertullians, das eindrucksvoll von der Lexik gestützt wird. (15,39) Zu dem unbezeugten πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29 (und zwar mit derselben Formulierung: πᾶσα σάρξ). ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter Vers 50. ♦ αὐτή (Nom. Fem. Sg.), das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,29; 9,8. 19; *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ κτῆνος steht nur 4 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ πτηνός ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἰχθῦς steht 23 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wieder dem Zeugnis Tertullians, wobei die Lexik weithin diesen Text bestätigt. Vorkanonisch nicht weiter bezeugt sind lediglich das hier unbezeugte αὐτή und das bezeugte κτῆνος. Der Vers dürfte dennoch weithin, wie gegeben, vorkanonisch vorhanden gewesen sein. (15,40) Zu σῶμα vgl. zum voranstehenden Vers 39. ♦ ἐπουράνιος ist 20 / 19 Mal belegt im NT, vorkanonisch nicht nur hier in *1Kor 15,40, sondern gleich wieder in *1Kor 15,48 und dann in *Laod 3,10; 6,12 bezeugt. ♦ ἐπίγειος findet sich 7 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 5,1. ♦ Die Form ἑτέρα steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 17,35; Joh 19,37; Röm 8,39; 13,9; 1Kor 15,40). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians, das wie‐ derum von der Lexik gestützt wird. Der unbezeugte Teil scheint eine Ergänzung der kanonischen Redaktion zu sein, worauf das zweimalige ἑτέρα hinweist. 546 Rekonstruktion <?page no="547"?> (15,41) Für den bezeugten Versteil: Zu ἄλλος vgl. zuvor zu Vers 39. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ ἥλιος steht 36 / 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,41; *Laod 4,26. ♦ σελήνη findet sich 9 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 24,25. ♦ ἀστήρ steht 24 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,25 und zwar finden sich die drei Begriffe dort in derselben Reihenfolge wie hier (… ἐν ἡλιῳ καὶ σελήνῃ καὶ ἄστροις). Für den nicht mehr bezeugten Versteil: διαφέρω steht 13 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck ἐν δόξῃ steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,31; *1Kor 15,43; *2Kor 3,7. 11; *Kol 3,4. Zur Rekonstruktion: Was den bezeugten Teil betrifft, folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, das wiederum durch die Lexik gestützt wird. Im unbezeugten Schluss fällt auf, dass das regierende Verb ausschließlich kanonisch belegt ist, dieser Teil wird folglich auf die kanonische Redaktion zurückgehen, auch wenn der Ausdruck ἐν δόξῃ gut vorkanonisch bezeugt ist. (15,42) Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, 13 Mal wie hier als Verseröff‐ nung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42; *Röm 5,21. ♦ Zu ἀνάστασις vgl. zuvor die Verse 12. 13. 21. ♦ σπείρω, das 58 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,8; *1Kor 15,42. 44. ♦ φθορά steht 9 Mal im NT, doch begegnet der Begriff in ganz ähnlichem Zusammenhang auf der vorkanonischen Ebene in *Gal 6,8: ὁ σπείρων εἰς τὴν φθορὰν ἑαυτοῦ ἐκ τῆς φθορᾶς θερίσει φθοράν, ὁ δὲ σπείρων εἰς τὴν ζωὴν ἐκ τῆς ζωῆς θερίσει ζωήν und wieder in *1Kor 15,50. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ ἀφθαρσία findet sich 8 / 7 Mal im NT, auf der vorkanonischen Ebene gleich zwei Mal weiter bezeugt für *1Kor 15,50. 53. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik eindrücklich gestützt wird. (15,43) Zum vorkanonisch bezeugten σπείρω vgl. den voranstehenden Vers 42. ♦ ἀτιμία findet sich 7 Mal im NT, der Begriff kann evtl. vorkanonisch in *1Kor 11,14 gestanden sein, ist aber hierfür nicht bezeugt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἐγείρω vgl. den voranstehenden Vers 42. ♦ Der Ausdruck ἐν δόξῃ steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,31; *1Kor 15,43; *2Kor 3,7. 11; *Kol 3,4. ♦ ἀσθένεια findet sich 27 / 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,9. 10 und stand eventuell, wenn auch unbezeugt in *Ev 8,2. ♦ δύναμις, das sich 128 / 119 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18; 12,10; 15,43; *2Kor 4,7; 12,9; *Röm 1,16; *2Thess 1,7; 2,9. ♦ Die Formulierung ἐν δυνάμει, die 13 Mal im NT steht, 2 (1Kor) 547 <?page no="548"?> davon ein Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 15,19, in einem Vers, der in *Röm fehlt; im Vers: Mk 9,1; Röm 1,4; 15,13, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 2,5; 4,20; 15,43; 2Kor 6,7; Kol 1,29; 1Thess 1,5; 2Thess 1,11; 1Petr 1,5), ist vorkanonisch weiter bezeugt für *2Thess 2,9. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wieder dem Zeugnis Tertullians und wird weithin durch die Lexik gestützt. (15,44) Zum vorkanonisch bezeugten σπείρω vgl. zuvor Vers 42. ♦ ψυχικός steht 7 / 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ πνευματικός begegnet 28 / 26 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. Zur Rekonstruktion: Wie in C. dargelegt, folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte letzte Teil des Verses geht wohl auf die kanonische Redaktion zurück. (15,45) Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, 13 Mal wie hier als Verseröff‐ nung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42; *Röm 5,21. ♦ γέγραπται ist eine der typischen Weisen (*1Kor 9,9 kann auch ein Mal γέγραφεν stehen), in der in der vorkanonischen Fassung auf die Schrift verwiesen wird - öfter im Unterschied zur kanonischen Fassung, wo im Gegensatz zu dieser gerne von ἡ γραφή die Rede ist -, man vgl. etwa *Gal 4,22. 27; *1Kor 1,19. 31; 3,19; 10,7; 14,21. ♦ πρῶτος findet sich 169 Mal im NT, für die vorkanonische Ebene bezeugt ist der Begriff für *Ev 6,42, *1Kor 15,36. ♦ ἄνθρωπος, das 588 / 551 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,16; 6,7; *1Kor 1,25; 3,21; 4,9; 15,21. 45. 47; *2Kor 4,16; 12,2. 4; *Röm 1,18; 2,16; *2Thess 2,3; *Laod 2,15; 5,31; *Kol 2,8. 22; *Phil 2,7. ♦ Ἀδάμ begegnet 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22. ♦ ψυχή steht 118 / 103 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ ζάω ist mit 171 / 140 Belegen ebenfalls ein beliebter Begriff im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ ἔσχατος, das 60 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,59; *1Kor 4,9; 15,45. ♦ ζωοποιέω steht 12 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,21. 45; *2Kor 3,6; *Röm 8,11. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte Anfang entspricht der vorkanonischen Verseröffnung und wird wohl vorkano‐ nisch gestanden sein. Die Lexik stützt das Zeugnis Tertullians. (15,46) πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,61; 11,37; 12,31; *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πνευματικός vgl. zuvor zu 15,44. ♦ ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht, 548 Rekonstruktion <?page no="549"?> davon 8 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 1,18. Zur Rekonstruktion: Erneut stützt die Lexik die Bezeugung bzw. fehlender Bezeugung. Durch das ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte ἔπειτα wird angezeigt, dass der nichtbezeugte zweite Teil vorkanonisch tatsächlich nicht stand, er wird eine kanonische Ergänzung sein. (15,47) Zu dem vorkanonisch bezeugten πρῶτος (ohne πρώτον) vgl. zuvor zu den Versen 3. 45. ♦ χοϊκός steht hier und noch zwei weitere Male vorkanonisch bezeugt in den folgenden beiden Versen 48 und 49. ♦ δεύτερος, das 50 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,47. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ οὐράνιος steht 9 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, näher erläutert in C. für die Abweichung am Ende des Verses. (15,48) οἷος steht 15 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ χοϊκός ist ein vorkanonisch bezeugter Begriff, vgl. den Vers zuvor und danach. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48. ♦ ἐπουράνιος, das 20 / 19 Mal im NT steht und vorkanonisch nicht nur hier in *1Kor 15,48, sondern schon zuvor in *1Kor 15,40 und wieder in *Laod 3,10; 6,12 bezeugt ist. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und wird von der Lexik gestützt. (15,49) Die Verseröffnung καὶ καθώς steht als Kombination 12 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch als Verseröffnung bezeugt für *Ev 6,31. ♦ φορέω steht 7 / 6 Mal im NT, nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ εἰκών steht 34 / 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,24; *1Kor 11,7; *2Kor 3,18; 4,4; *Kol 1,15. ♦ χοϊκός, ist bereits zwei Mal in den Versen 47. 48 vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ ἐπουράνιος steht 20 / 19 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,40. 48; *Laod 3,10; 6,12. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das bis auf den Begriff φορέω lexikalisch gestützt wird. (15,50) Die Kombination τοῦτο δέ φημι steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, in 1Kor 7,29. ♦ Die Kombination τοῦτο δέ steht 32 Mal im NT, 28 Mal als Verseröffnung, immer auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 9,6. ♦ Die Kombination τοῦτο γὰρ φημι steht nur hier. ♦ φημί, das 73 Mal im NT steht, ist 2 (1Kor) 549 <?page no="550"?> vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19; 15,50. ♦ σάρξ steht 154 / 147 Mal im NT. Es ist, wie schon die Häufigkeit zeigt, ein wichtiger Begriff für die kanonische Redaktion (wie später dann auch für Tertullian), doch der Begriff begegnet nicht in *Ev, wohingegen er ein einziges Mal in Lk 24,39 im Zusammenhang der Auferstehung Jesu steht, während er in *Paulus wiederholt steht, wo dem Fleisch das Himmelreich Gottes abgesprochen wird, unsere Stelle hier und *Röm 8,4. 5, in der Kritik am „ein Fleisch werden“ von ὁ κολλώμενος τῇ πόρνῃ in *1Kor 6,16 und der Aussage *Gal 5,24, dass „Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt“ sind. Hierzu passt etwa auch die Lesart von *Laod 5,28-29. 31, wie zur Stelle zu sehen ist, ebenso *Röm 2,28. σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ αἷμα findet sich 102 / 97 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43. 44, *Laod 2,13 (man bemerke die Differenz zwischen diesem Brief und den sog. authentischen Briefen des *Paulus), doch der Begriff spielt, gerade im Abendmahlszusammenhang, in der kanonischen Redaktion eine viel größere Rolle. ♦ βασιλεία (τοῦ) θεοῦ ist vorkanonisch die Rede in *Ev 10,11; *Gal 5,21. ♦ κληρονομέω steht 26 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,50. ♦ Besonders auffällig ist δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, vorkanonisch lediglich bezeugt für *Ev 9,40; 16,13. 26 (? Adamantiuszeugnis), und an vorliegender Stelle. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, kanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten φθορά, das 9 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu 15,42. ♦ Zum ebenfalls vorkanonisch bezeugten ἀφθαρσία, das 8 / 7 Mal im NT steht, vgl. zum selben Vers 15,42. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und wird eindrück‐ lich von der Lexik gestützt. (15,51) ἰδού steht 200 Mal im NT, ein Ausdruck, der insbesondere auf der kanonischen Ebene zu finden ist, aber auch vorkanonisch bezeugt ist, *Ev 17,21; 23,50; *2Kor 5,17. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ Zur Verbform λέγω vgl. zuvor Vers 34. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ Die Variante κοιμάω, die 20 / 18 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Variante hierzu ἀνίστημι ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,8; *Laod 5,14. ♦ ἀλλάσσω steht 6 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für den nächsten Vers, *1Kor 15,52. Zur Rekonstruktion: Der Text geht zurück auf das Zeugnis Tertullians und wird bis in die Variante hinein von der Lexik gestützt. 550 Rekonstruktion <?page no="551"?> (15,52) νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Paulus, vgl. zuvor 15,35. ♦ Zu ἀνίστημι, das 131 / 108 Mal im Neuen Testament steht und vornehmlich „Aufstehen von den Toten“ im vorkanonischen Text meint, vgl. zuvor zu 10,7. ♦ ἄφθαρτος, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nur hier. ♦ ἀλλάσσω, das 6 Mal im NT steht, ist ebenfalls nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἄτομος ist Hapax legomenon im NT. ♦ ῥιπῇ wie ῥοπῇ sind Hapax legomena im NT. Letzteres passt besser in den eschatologischen Zusammenhang. Doch das kanonisch verwendete ῥιπῇ wird wieder auf kanonischer Ebene aufgegriffen mit dem verwandten Verb ῥιπίζω das als Hapax legomenon im NT in Jak 1,6 begegnet. ♦ ὀφθαλμός, das 109 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und hier. ♦ ἔσχατος, das 60 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,59; *1Kor 4,9; 15,45. ♦ σάλπιγξ steht 12 / 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σαλπίζω steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Tertullian, wobei in der Lexik einige Hapax legomena auffallen, auch zwei Begriffe, die nur hier vorkanonisch bezeugt sind (ἄφθαρτος; ἀλλάσσω). Dass dann im unbezeugten Text zwei weitere Termini nur kanonisch belegt sind (σάλπιγξ; σαλπίζω), spricht dennoch dafür, dass dieser letzte Teil auf die kanonische Redaktion zurückgeht, deren Vorliebe für Instrumente bereits zuvor aufgefallen ist (1Kor 14,7). (15,53) Die Verseröffnung δεῖ γάρ steht 6 Mal im NT (davon 4 Mal als Verseröffnung: 1Kor 11,19; 15,25. 53; Tit 1,7; zusätzlich in Mt 24,6; Lk 21,9), vorkanonisch wieder bezeugt für *1Kor 15,25. ♦ φθαρτός steht 6 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ἐνδύω begegnet 30 / 27 Mal im NT, vorkanonisch gleich für den nächsten Vers *1Kor 15,54 wie auch *Ev 12,22 bezeugt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἀφθαρσία, das 8 / 7 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 15,42. ♦ θνητός steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; 15,53. 54; *2Kor 5,4; *Röm 8,11. ♦ ἀθανασία steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal vorkanonisch bezeugt, für die vorliegende Stelle und den nachfolgenden Vers. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians und Epipha‐ nius, wie in C. diskutiert. Die Lexik stützt deren Zeugnis. (15,54) Die Eröffnung ὅταν δέ steht 21 Mal im NT (17 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch weiter bezeugt für *Kol 3,4. ♦ ἐνδύω begegnet 30 / 27 Mal im NT, vorkanonisch im Vers zuvor, *1Kor 15,53 wie auch *Ev 12,22 bezeugt. ♦ Zu ἀθανασία, das 3 Mal im NT steht, davon 2 Mal vorkanonisch bezeugt, vgl. den voranstehenden Vers. ♦ Zu τότε vgl. zuvor zu Vers 28. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Die Form γεγραμμένος ist nur hier vorkanonisch bezeugt, sie steht noch 2 (1Kor) 551 <?page no="552"?> zwei weitere Male in Joh 15,25; Apk 20,15. ♦ καταπίνω steht 8 / 7 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,4. ♦ νῖκος steht 14 / 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt an drei dieser Stellen, *1Kor 15,54. 55. 57. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und des Epiphanius, das weithin von der Lexik gestützt wird. Lediglich die Form γεγραμμένος ist nicht weiter vorkanonisch bezeugt. Wie die vielen handschriftlichen Varianten für den ausgelassenen Teil veranschaulichen, ist hier entweder früh ein Text ausgefallen, oder, was wahrscheinlicher ist, er wurde als typische Duplikation erst von der kanonischen Redaktion eingefügt. (15,55) σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorka‐ nonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ Die Kombination ποῦ σου steht nur hier, gleich 2 Mal in diesem Vers. ♦ νῖκος begegnet 14 / 4 Mal im NT, bereits im Vers zuvor und nochmals bald danach in Vers 57 vorkanonisch bezeugt. ♦ κέντρον steht wieder im nächsten Vers, wenn auch dort nicht vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Variante Ἅιδης, die sich bei Adamantius und vielen Handschriften findet, steht 14 Mal im NT, etwa Lk 16,22, wo im Parallelvers in *Ev nur Adamantius für den Begriff zeugt, ist also ausschließlich kanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und Epiphanius, auch hier stützt die Lexik weithin deren Zeugnis. Nur κέντρον ist nicht andern‐ orts vorkanonisch weiter bezeugt. (15,56) κέντρον wurde gerade im Vers zuvor vorkanonisch bezeugt. ♦ ἁμαρτία steht 184 / 173 Mal im NT, und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ νόμος, das 204 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; 3,10-11; 4,5; 5,3. 14; 6,2. 13; *1Kor 9,8; 14,21. 34; *Röm 2,12. 13. 14. 20. 25; 3,21; 5,20; 7,4. 7. 12. 14. 23; 8,4; 10,4; 13,8; *Laod 2,15. ♦ Die Kombination von ἡ δέ steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 4,26. Zur Abwesenheit: Bei diesem unbezeugten Vers begegnet zwar nur ein Element (ἡ δέ), das nur auf der kanonischen Ebene belegt ist, doch fällt die Duplikation des κέντρον auf, außerdem greift der Vers die Rede von der Sünde aus 15,17. 34 auf, welche beide Male nur auf der kanonischen Ebene steht. Der Vers führt demnach einen kanonischen Seitengedanken weiter und wird wohl vorkano‐ nisch gefehlt haben. (15,57) Zum vorkanonisch bezeugten νῖκος vgl. zuvor zu Vers 55. ♦ Die Kombination τῷ δέ θεῷ χάρις begegnet 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 2Kor 2,14. ♦ Die verkürzte Form τῷ θεῷ χάρις steht nur hier. 552 Rekonstruktion <?page no="553"?> Zu dem nicht mehr bezeugten Versteil: Die Formel διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 5,1. 11; 15,30, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 15,57; 1Thess 5,9)d. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das von der Lexik gestützt wird. Der unbezeugte Teil wird Ergänzung der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (15,58) Die Verseröffnung Ὥστε, ἀδελφοί μου findet sich 5 Mal im NT (1 weiteres Mal in Phil 4,1 auch mit dem sich anschließenden ἀγαπητοί), immer auf der kanonischen Ebene (Röm 7,4; 1Kor 11,33; 14,39; 15,58; Phil 4,1). ♦ Die kürzere Wendung ἀδελφοί μου steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,11. ♦ ἀγαπητοί allein steht 27 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, auch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,14 ♦ ἑδραῖος, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἀμετακίνητος ist Hapax legomenon. ♦ Obwohl das Verb περισσεύω 42 / 39 Mal im NT begegnet, findet es sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ πάντοτε findet sich 42 / 41 Mal im NT, ausnahmslos auf der kanonischen Ebene, obwohl der Begriff gerade im paulinischen Werk reichlich belegt ist. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 6,9; 2Kor 4,14; Eph 6,8; Kol 3,24; 1Petr 1,18; im Vers: Lk 8,53; Joh 21,12; Röm 5,3; 1Kor 15,58; 2Kor 1,7; 5,6; Eph 6,9; Phil 1,16; Kol 4,1; Jak 3,1), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ κενός steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist mehrere Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Ὥστε, ἀδελφοί μου; ἑδραῖος; περισσεύω; πάντοτε; εἰδότες ὅτι; κόπος; ἐν κυρίῳ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. [Kapitel 16] [16],[1-24]: [Die Geldsammlung und Grüße] Die folgende Passage ist vorkanonisch unbezeugt und geht der Sprache nach zu urteilen auf die kanonische Redaktion zurück. 2 (1Kor) 553 <?page no="554"?> 1 Περὶ δὲ τῆς λογείας τῆς εἰς τοὺς ἁγίους, ὥσπερ διέταξα ταῖς ἐκκλησίαις τῆς Γαλατίας, οὕτως καὶ ὑμεῖς ποιήσατε. 2 κατὰ μίαν σαββάτου ἕκαστος ὑμῶν παρ’ ἑαυτῷ τιθέτω θησαυρίζων ὅ τι ἐὰν εὐοδῶται, ἵνα μὴ ὅταν ἔλθω τότε λογεῖαι γίνωνται. 3 ὅταν δὲ παραγένωμαι, οὓς ἐὰν δοκιμάσητε, δι’ ἐπιστολῶν τούτους πέμψω ἀπενεγκεῖν τὴν χάριν ὑμῶν εἰς Ἰερουσαλήμ· 4 ἐὰν δὲ ἄξιον ᾖ τοῦ κἀμὲ πορεύεσθαι, σὺν ἐμοὶ πορεύσονται. 5 Ἐλεύσομαι δὲ πρὸς ὑμᾶς ὅταν Μακεδονίαν διέλθω, Μακεδονίαν γὰρ διέρχομαι· 6 πρὸς ὑμᾶς δὲ τυχὸν παραμενῶ ἢ καὶ παραχειμάσω, ἵνα ὑμεῖς με προπέμψητε οὗ ἐὰν πορεύωμαι. 7 οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἄρτι ἐν παρόδῳ ἰδεῖν, ἐλπίζω γὰρ χρόνον τινὰ ἐπιμεῖναι πρὸς ὑμᾶς, ἐὰν ὁ κύριος ἐπιτρέψῃ. 8 ἐπιμενῶ δὲ ἐν Ἐφέσῳ ἕως τῆς πεντηκοστῆς· 9 θύρα γάρ μοι ἀνέῳγεν μεγάλη καὶ ἐνεργής, καὶ ἀντικείμενοι πολλοί. 10 Ἐὰν δὲ ἔλθῃ Τιμόθεος, βλέπετε ἵνα ἀφόβως γένηται πρὸς ὑμᾶς, τὸ γὰρ ἔργον κυρίου ἐργάζεται ὡς κἀγώ· 11 μή τις οὖν αὐτὸν ἐξουθενήσῃ. προπέμψατε δὲ αὐτὸν ἐν εἰρήνῃ, ἵνα ἔλθῃ πρός με, ἐκδέχομαι γὰρ αὐτὸν μετὰ τῶν ἀδελφῶν. 12 Περὶ δὲ Ἀπολλῶ τοῦ ἀδελφοῦ, πολλὰ παρεκάλεσα αὐτὸν ἵνα ἔλθῃ πρὸς ὑμᾶς μετὰ τῶν ἀδελφῶν· καὶ πάντως οὐκ ἦν θέλημα ἵνα νῦν ἔλθῃ, ἐλεύσεται δὲ ὅταν εὐκαιρήσῃ. 13 Γρηγορεῖτε, στήκετε ἐν τῇ πίστει, ἀνδρίζεσθε, κραταιοῦσθε· 14 πάντα ὑμῶν ἐν ἀγάπῃ γινέσθω. 15 Παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί· οἴδατε τὴν οἰκίαν Στεφανᾶ, ὅτι ἐστὶν ἀπαρχὴ τῆς Ἀχαΐας καὶ εἰς διακονίαν τοῖς ἁγίοις ἔταξαν ἑαυτούς· 16 ἵνα καὶ ὑμεῖς ὑποτάσσησθε τοῖς τοιούτοις καὶ παντὶ τῷ συνεργοῦντι καὶ κοπιῶντι. 17 χαίρω δὲ ἐπὶ τῇ παρουσίᾳ Στεφανᾶ καὶ Φορτουνάτου καὶ Ἀχαϊκοῦ, ὅτι τὸ ὑμέτερον ὑστέρημα οὗτοι ἀνεπλήρωσαν, 18 ἀνέπαυσαν γὰρ τὸ ἐμὸν πνεῦμα καὶ τὸ ὑμῶν. ἐπιγινώσκετε οὖν τοὺς τοιούτους. 19 Ἀσπάζονται ὑμᾶς αἱ ἐκκλησίαι τῆς Ἀσίας. ἀσπάζεται ὑμᾶς ἐν κυρίῳ πολλὰ Ἀκύλας καὶ Πρίσκα σὺν τῇ κατ’ οἶκον αὐτῶν ἐκκλησίᾳ. 20 ἀσπάζονται ὑμᾶς οἱ ἀδελφοὶ πάντες. Ἀσπάσασθε ἀλλήλους ἐν φιλήματι ἁγίῳ. 21 Ὁ ἀσπασμὸς τῇ ἐμῇ χειρὶ Παύλου. 22 εἴ τις οὐ φιλεῖ τὸν κύριον, ἤτω ἀνάθεμα. Μαρανα θα. 23 ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ μεθ’ ὑμῶν. 24 ἡ ἀγάπη μου μετὰ πάντων ὑμῶν ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. 554 Rekonstruktion <?page no="555"?> 274 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 451. 275 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 289. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (16,1-24) Das gesamte Kapitel 16 ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn die Präsenz in irgendeiner Weise annimmt. Hilgenfeld urteilt: „Ueber Kap. 16. schweigen alle Quellen gänzlich; aber es lässt sich auch gar kein Grund absehen, weshalb sie hier etwas gegen Marcion hätten geltend machen sollen. Für den Zweck der Polemik ist dieser Brief überhaupt so ausgebeutet, daß auch von Dem, worüber die Zeugnisse fehlen, nichts Wesentliches gefehlt haben kann“. 274 BeDuhn rechnet wegen des markionitischen Prologs und der Nennung von Galatien (16,1) und Ephesus (16,8) zumindest mit diesen beiden Versen. Er verweist wie Hilgenfeld darauf, dass die Zeugen Tertullian, Epiphanius und Adamantius dieses Kapitel schlicht deshalb übergangen haben könnten, weil „nichts in diesem Kapitel irgendeinen Dienst für die Argumentation“ geliefert hätte, 275 Wir sind also wiederum auf die Lexik verwiesen. D. (16,1) Die Kombination περὶ δέ steht 14 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 7,1. ♦ Der Begriff λογεία begegnet 8 / 2 Mal im NT und gehört ausschließlich der kanonisch-redaktionellen Ebene zu, wie überhaupt das Thema der Kollekte nur auf dieser Ebene angesprochen und z.T. ausführlich behandelt wird, vgl. die Einleitung, Band I. ♦ ὥσπερ, das 43 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21. ♦ διατάσσω, das 18 / 16 Mal im NT steht, ist jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Γαλάται, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Περὶ δέ; λογεία; διατάσσω. (16,2) κατὰ μίαν steht nur hier. ♦ Σάββατον steht 73 / 68 Mal im NT, in den von der modernen Forschung dem Paulus zugeschriebenen Briefen ist dies jedoch die einzige Stelle, vorkanonisch jedoch bezeugt für *Ev und *Kol 2,16. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ θησαυρίζω steht 8 Mal im NT, nur ein Mal 2 (1Kor) 555 <?page no="556"?> in Lk 12,21 genau in dem Vers dieser Perikope, der in *Ev gefehlt hat, ist also nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8. ♦ Die Kombination ὅ τι ἐάν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 6,23; 1Kor 16,2; Kol 3,17). ♦ εὐοδόω steht 4 Mal im NT und findet sich nur auf der kanonischen Ebene (Röm 1,10; 3Joh 1,2). ♦ τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: θησαυρίζω; ὅ τι ἐάν; εὐοδόω. (16,3) Die Eröffnung ὅταν δέ steht 21 Mal im NT (17 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,54; *Kol 3,4. ♦ Das Personalpronomen οὕς (Akk. Mask. Pl.), das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *1Kor 10,11. ♦ παραγίγνομαι steht 42 / 37 Mal im NT, doch begegnet der Begriff an keiner Stelle in der paulinischen Literatur, ist hingegen ein beliebter Begriff der Apostelgeschichte (Apg 5,21. 22. 25; 9,26. 39; 10,32. 33; 11,23; 13,14; 14,17. 27; 15,4; 17,10; 18,27; 20,18; 21,18; 23,16; 23,35; 24,24; 25,7; 28,21) und steht nur auf der kanonischen Redaktionsstufe. Die Zugehörigkeit zur kanonischen Ebene ist besonders eindrücklich zu sehen in Lk 8,19; 22,52, zwei Stellen, die in *Ev fehlen, in *Ev 11,6 steht an dessen Stelle der Begriff πάρεστιν; und in *Ev 12,51 wird das Zeugnis Tertullians Putatis venisse me pacem mittere in terram (Tert., Adv. Marc. IV 29,13) wohl, wie Harnack richtig vorschlägt, einen Text wie δοκεῖτε ὅτι ἦλθον εἰρήνην βαλεῖν ἐπὶ τὴν γῆν voraussetzen, während das δοκεῖτε ὅτι εἰρήνην παρεγενόμην βαλεῖν ἐπὶ τὴν γῆν auf die kanonische Redaktion zurückzuführen ist. ♦ δοκιμάζω steht 25 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ τούτους (Akk. Mask. Pl.), das 26 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐπιστολή steht 25 / 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀποφέρω steht 6 Mal im NT, überhaupt nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Ἱεροσόλυμα, das 231 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,20; *Gal 2,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παραγίγνομαι; τούτους; ἐπιστολή; ἀποφέρω. (16,4) Die Kombination ἐὰν δέ steht 34 Mal im NT, Lk 22,68, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für Röm 2,25. ♦ ἄξιον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 23,15; 1Kor 16,4; 2Thess 1,3; Apk 5,12). ♦ Die Form ᾖ steht 42 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; 556 Rekonstruktion <?page no="557"?> *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23, vgl. weiter unten Vers 19. ♦ πορεύω, das 146 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, vgl. weiter Vers 6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄξιον; ᾖ. (16,5) Die Form ἐλεύσομαι steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 4,19. ♦ Μακεδονία, das 22 Mal im NT erwähnt wird, ist nur kanonisch belegt. ♦ διέρχομαι steht 46 / 53 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐλεύσομαι; Μακεδονία. (16,6) τυγχάνω, das 13 / 12 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kano‐ nischen Ebene. ♦ παραμένω steht 4 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ παραχειμάζω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Das zugehörige Nomen παραχειμασία, das Hapax legomenon im NT ist, findet sich auf dieser Ebene (Apg 27,12). ♦ προπέμπω, das sich 9 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten Vers 11. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πορεύω vgl. zuvor zu Veres 4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τυγχάνω; παραμένω; παραχειμάζω; προπέμπω. (16,7) Die Wendung οὐ θέλω γάρ steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1. ♦ ἄρτι ist bereits mehrfach aufgefallen und, obwohl es 40 / 36 Mal im NT begegnet, steht es ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάροδος ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐλπίζω steht 32 / 31 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἐλπίζω γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 15,24; 1Kor 16,7; Phlm 1,22). ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, ist immer auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ χρόνος, das 61 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4. ♦ Die Kombination χρόνον τινά steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Apg 18,23. ♦ ἐπιμένω steht 20 / 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιτρέπω steht 28 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,61. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρτι; ἐλπίζω γάρ; τινα; χρόνον τινά; ἐπιμένω. (16,8) Zum kanonischen ἐπιμένω vgl. den voranstehenden Vers 16,7. ♦ Ἔφεσος, das 17 / 16 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ πεντηκοστή steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. 2 (1Kor) 557 <?page no="558"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐπιμένω; Ἔφεσος; πεντηκοστή. (16,9) θύρα steht 40 / 39 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνοίγνυμι steht 102 / 77 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,9; *Laod 6,19. ♦ μέγας, das 209 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 5,32. ♦ ἐνεργής, das 7 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀντίκειμαι steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: θύρα (? ); ἐνεργής; ἀντίκειμαι. (16,10) Die Form ἔλθῃ, die 32 Mal im NT steht, etwa Lk 1,43 und 9,26, in Versen, die in *Ev fehlen, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. zuvor zu 4,5. ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. ♦ ἄφοβος steht 4 Mal im NT, nur kanonisch bezeugt. ♦ ἐργάζομαι steht 51 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔλθῃ; Τιμόθεος; ἄφοβος. (16,11) Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: Joh 7,48; 1Kor 16,11; 2Thess 2,3; im Vers: Mt 24,4; Mk 13,5; 4 Mal Joh; Apg 8,31; 27,42; 1Kor 1,15; 2Kor 8,20; 11,16; 12,6; Eph 2,9; Kol 2,8; 1Thess 5,15; Hebr 12,15; Apk 13,17), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter Vers 12. ♦ ἐξουθενέω, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,14; *1Thess 5,20. ♦ Zum kanonischen προπέμπω vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ Die Wendung ἐν εἰρήνῃ steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur kanonischen Form ἔλθῃ vgl. den voranstehenden Vers 16,10. ♦ ἐκδέχομαι steht 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck μετὰ τῶν ἀδελφῶν steht nur hier und im nächsten Vers 12. ♦ Die Wendung τῶν ἀδελφῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 25,40; 8 Mal Apg; Röm 9,3; 1Kor 16,11. 12; Phil 1,14; 1Joh 3,16; 3 Mal Apk). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μή τις; προπέμπω; ἔλθῃ; ἐκδέχομαι; μετὰ τῶν ἀδελφῶν; τῶν ἀδελφῶν. (16,12) Die Kombination περὶ δέ steht 14 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 7,1. ♦ Ἀπολλῶς steht 558 Rekonstruktion <?page no="559"?> 17 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten παρακαλέω vgl. Vers 14,31. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 11. ♦ Zur kanonischen Form ἔλθῃ vgl. zuvor Vers 16,10. ♦ Die Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *Ev und *1Kor 10,4; *Phil 3,7. ♦ θέλημα steht 65 / 62 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ εὐκαιρέω steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 6,21. 31; Apg 17,21; 1Kor 16,12). Auch das verwandte Nomen εὐκαιρία findet sich nur auf der kanonischen Ebene (Mt 26,16; Lk 22,6), so auch das Adjektiv εὔκαιρος (Mk 6,21; Hebr 4,16) und das Adverb εὐκαίρως (Mk 14,11; 2Tim 4,2). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Περὶ δέ; Ἀπολλῶς; ἔλθῃ; εὐκαιρέω. (16,13) γρηγορέω steht 23 / 22 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ στήκω steht 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνδρίζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ κραταιόω steht 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Lk 1,80; 2,40, in Versen, die in *Ev fehlen; 1Kor 16,13; Eph 3,16). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: γρηγορέω; στήκω; κραταιόω. (16,14) Die Wendung πάντα ὑμῶν begegnet 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22. ♦ Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,21; 16,14; 2Kor 6,6; Eph 1,4; 3,17; 4,2. 15. 16; 5,2; Kol 2,2; 1Thess 5,13; 1Tim 4,12; Jud 1,21). ♦ Die Form γινέσθω steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene; vgl. zu 14,26. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν ἀγάπῃ; γινέσθω. (16,15) Die Verseröffnung παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς ἀδελφοί steht 5 Mal im NT, ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene (Röm 15,30; 16,17, in zwei Versen, die in *Röm fehlen; 1Kor 1,10; 16,15; Hebr 13,22). ♦ οἰκία, das 104 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,5. ♦ Στεφανᾶς, was 3 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter Vers 17. ♦ ἀπαρχή begegnet 9 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Ἀχαία steht 12 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,1. ♦ διακονία steht 35 / 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48; 19,26; *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ τάσσω steht 10 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt, insbesondere für die Apostelgeschichte (Mt 28,16; Lk 1,8; 7,8; Apg 13,48; 15,2; 18,2; 22,10; 28,23; Röm 13,1; 1Kor 16,15). 2 (1Kor) 559 <?page no="560"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς ἀδελφοί; Στεφανᾶς; ἀπαρχή; διακονία; τάσσω. (16,16) Die Kombination ἵνα καί ὑμεῖς steht 5 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröff‐ nung hier, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,34; 19,35; 1Kor 16,16; Kol 4,16; 1Joh 1,3). ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48, vgl. weiter Vers 18. ♦ συνεργέω, das 11 / 5 Mal im NT steht, ist ausnahmslos für die kanonische Ebene bezeugt ist. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἵνα καὶ ὑμεῖς; συνεργέω. (16,17) Die Form χαίρω steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 11,15; Röm 16,19, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,17; 2Kor 7,9. 16; Phil 1,18; 2,17; Kol 1,24). ♦ Zu Στεφανᾶς vgl. zuvor Vers 15. ♦ Φορτουνᾶτος ist Hapax legmonon im NT. ♦ Ἀχαιικός ist Hapax legomenon im NT. ♦ οὗτοι, das 77 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὑμέτερος, das 11 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀναπληρόω steht 7 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χαίρω; Στεφανᾶς; οὗτοι; ὑμέτερος. (16,18) ἀναπαύω steht 15 / 12 Mal im NT, nur bezeugt ist für die kanonische Ebene. ♦ Der Ausdruck τὸ ἐμόν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 1,15. ♦ Zu τοιοῦτος vgl. zuvor zu Vers 16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀναπαύω; τὸ ἐμόν. (16,19) ἀσπάζομαι steht 65 / 59 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt (*Ev 10,4), im Sinne, wie hier, folglich kanonische Semantik. ♦ Die Wendung αἱ ἐκκλησίαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 11,16. ♦ Zu πολλά vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ Ἀκύλας steht 7 / 6 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Apg 18,2. 18. 26; Röm 16,3; 1Kor 16,19; 2Tim 4,19). ♦ Πρίσκα steht 3 Mal im NT, auch die anderen beiden Male auf der kanonischen Ebene (Röm 16,3; 1Kor 16,19; 2Tim 4,19). ♦ Zu σύν vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 560 Rekonstruktion <?page no="561"?> Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; αἱ ἐκκλησίαι; ἐν κυρίῳ; Ἀκύλας; Πρίσκα. Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ. (16,20) Zur kanonischen Semantik hier von ἀσπάζομαι vgl. zum voranstehenden Vers 16,19. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ Der Ausdruck ἐν φιλήματι ἁγίῳ steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 16,16, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,20; 1Thess 5,26; 1Petr 5,14). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; ἐν φιλήματι ἁγίῳ. (16,21) ἀσπασμός steht 11 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,43. ♦ Der Ausdruck τῇ ἐμῇ χειρί steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 16,21; Gal 6,11; Kol 4,18; 2Thess 3,17; Phlm 1,19). ♦ Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; τῇ ἐμῇ χειρί. (16,22) Die Kombination εἴ τις οὐ steht 3 Mal im NT, ein Mal als Verseröffnung hier, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 16,22; 2Thess 3,10; Apk 20,15). ♦ φιλέω steht 25 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Verbform ἤτω steht nur hier und wieder auf der kanonischen Ebene in Jak 5,12. ♦ μαρὰν ἀθά ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἴ τις οὐ; φιλέω; ἤτω. (16,23) Die Wendung ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 16,23; 2Kor 13,13; Phil 4,23; Phlm 1,25; Apk 22,21). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Wendung ist: ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ. 2 (1Kor) 561 <?page no="562"?> (16,24) πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur ein Mal für einen Brief bezeugt, den die Forschung Paulus zuschreibt (*Röm 12,18), dann auffallenderweise gleich drei Mal in *Deuteropaulinen (*Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17). ♦ Der Ausdruck μετὰ πάντων ὑμῶν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 15,33, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,24; 2Kor 13,13; 2Thess 3,16. 18; Tit 3,15; Hebr 13,25). ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μετὰ πάντων ὑμῶν; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. Wie zu jedem einzelnen Vers gezeigt, begegnen in allen Elemente oder Wen‐ dungen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind. Das gesamte Kapitel spiegelt folglich kanonische Lexik, auch Semantik, ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und wird vorkanonisch gefehlt haben. 562 Rekonstruktion <?page no="563"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 119. 2 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 453. 3 (2Kor) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Κορινθίους β΄ - Post actam paenitentiam consolato‐ rias scribit eis a Troade et conlaudans eos hortatur ad meliora. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11, praef.: De epistula secunda ad Corinthios; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): Τρίτη πρὸς Κορινθίους δευτέρα; ibid. (173 H.): Τῆς πρὸς Κορινθίους β· αὕτη δὲ τρίτη κεῖται παρὰ τῷ Μαρκίωνι μετηλλαγμένως δὲ διὰ τὸ πρώτην παρ’ αὐτῷ τετάχθαι τὴν πρὸς Γαλάτας; vgl. auch den antimarkionitischen Prolog. B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. 1 C. Zahn und Harnack geben den obigen Titel ohne Quellenverweis. Titulus und Adressaten gehen jedoch hervor aus den unter A. aufgeführten Zeugnissen. Insgesamt urteilt Hilgenfeld zum Zweiten Korintherbrief: „Auch der zweite Korintherbrief bietet gar keinen Grund für die Annahme weiterer, von den Gegnern übergangener Textlücken dar. Nur lässt es sich bei dem Gewicht, welches Dieselben bei dem ersten Korinthierbrief und auch hier (wie man aus Epiphanius sehen kann) auf beibehaltene alttestamentliche Schriftcitate zu legen pflegen, wohl vermuthen, daß in dem so wenig berührten Abschnitt C. VI-IX wenigstens die ausdrücklichen Schriftcitate VI,2. 16. 17. 18. VIII,15. IX,9 ganz unterdrückt, oder doch wie IV,13 durch Auslassung der Citationsformel um ihre Beweiskraft gebracht waren. Sonst würde man sich solche Anerkennungen des alttestamentlichen Gottes in dem marcionitischen Texte wohl nicht haben entgehen lassen“. 2 Der Zweite Korintherbrief ist von besonderem Interesse, weil thematische Spannungen und Digressionen schon wiederholt Anlass gegeben haben, diesen Brief in verschiedene Briefe aufzuteilen und ihn so als kleine Briefsammlung zu betrachten. Blanton etwa votierte noch jüngst für die Aufteilung dieses Briefes in fünf Briefe (Brief 1: 1,1-2,13; 7,5-16; 13,11-13; Brief 2: 2,14-6,13; Brief 3: 8,1-24; Brief 4: 9,1-15; Brief 5: 10,1-13,10; außerdem rechnet er noch <?page no="564"?> 3 T.R. Blanton IV, Paul’s Covenantal Theology in 2 Corinthians 2.14-7.4 (2012), 61. 4 M.E. Thrall, A critical and exegetical commentary on the second epistle to the Corin‐ thians. Volume I: Introduction and Commentary on II Corinthians I-VII (1994), 1-49; R. Bieringer, Teilungshypothesen zum 2. Korintherbrief. Ein Forschungsüberblick (1994); H.D. Betz, 2. Korinther 8 und 9. Ein Kommentar zu zwei Verwaltungsbriefen des Apostels Paulus (1993), 3-36; P.B. Duff, The Corinthian Correspondence (2022). 5 B. Nongbri, 2 Corinthians and possible material evidence for composite letters in antiquity (2015). mit einem Brieffragment: 6,14-7,1). 3 Zu den verschiedenen Teilungstheorien vergleiche einige Überblicke. 4 Nongbri hat durch historische Vergleiche gezeigt, dass Teilungstheorien nicht ohne Parallelfälle sind, auch wenn die Zeugnisse nicht reichhaltig und teilweise aus späterer Zeit stammen. 5 Kapitel 1 1,1 2 3 [4-5] 6 [7] 8 [9-11]: Gruß und Trost Diese Grußpassage ist nur schwach bezeugt, auch wenn das Bezeugte und die Lexik dafürsprechen, dass einige Verse derselben vorkanonisch gestanden waren. Wie auch öfter sonst hat die kanonische Redaktion diese Verse persona‐ lisiert und ergänzt. 1,1 Παῦλος ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ τῇ ἐκκλησίᾳ τῇ ἐν Κορίνθῳ, τῇ Ἀχαΐᾳ· 1,1 Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ διὰ θελήματος θεοῦ, καὶ Τιμόθεος ὁ ἀδελφός, τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ, σὺν τοῖς ἁγίοις πᾶσιν τοῖς οὖσιν ἐν ὅλῃ τῇ Ἀχαΐᾳ· 2 χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ. 2 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. 3 Εὐλογητὸς ὁ θεὸς τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὁ πατὴρ τῶν οἰκτιρμῶν, 3 Εὐλογητὸς ὁ θεὸς καὶ πατὴρ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὁ πατὴρ τῶν οἰκτιρμῶν καὶ θεὸς πάσης παρακλήσεως, - 4 ὁ παρακαλῶν ἡμᾶς ἐπὶ πάσῃ τῇ θλίψει ἡμῶν, εἰς τὸ δύνασθαι ἡμᾶς παρακαλεῖν τοὺς ἐν πάσῃ θλίψει διὰ τῆς παρακλήσεως ἧς παρακαλούμεθα αὐτοὶ ὑπὸ τοῦ θεοῦ· 5 ὅτι καθὼς περισσεύει τὰ παθήματα τοῦ Χριστοῦ εἰς ἡμᾶς, οὕτως διὰ τοῦ Χριστοῦ περισσεύει καὶ ἡ παράκλησις ἡμῶν. 6 εἴτε δὲ θλιβόμεθα, ὑπὲρ τῆς ὑμῶν παρακλήσεως καὶ σωτηρίας· 6 εἴτε δὲ θλιβόμεθα, ὑπὲρ τῆς ὑμῶν παρακλήσεως καὶ σωτηρίας· 564 Rekonstruktion <?page no="565"?> εἴτε παρακαλούμεθα, ὑπὲρ τῆς ὑμῶν παρακλήσεως τῆς ἐνεργουμένης ἐν ὑπομονῇ τῶν αὐτῶν παθημάτων ὧν καὶ ἡμεῖς πάσχομεν. εἴτε παρακαλούμεθα, ὑπὲρ τῆς ὑμῶν παρακλήσεως τῆς ἐνεργουμένης ἐν ὑπομονῇ τῶν αὐτῶν παθημάτων ὧν καὶ ἡμεῖς πάσχομεν. - 7 καὶ ἡ ἐλπὶς ἡμῶν βεβαία ὑπὲρ ὑμῶν, εἰδότες ὅτι ὡς κοινωνοί ἐστε τῶν παθημάτων, οὕτως καὶ τῆς παρακλήσεως. 8 Οὐ γὰρ θέλομεν ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὑπὲρ τῆς θλίψεως ἡμῶν τῆς γενομένης ἐν τῇ Ἀσίᾳ, ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν ὑπὲρ δύναμιν ἐβαρήθημεν, ὥστε ἐξαπορηθῆναι ἡμᾶς καὶ τοῦ ζῆν· 8 Οὐ γὰρ θέλομεν ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὑπὲρ τῆς θλίψεως ἡμῶν τῆς γενομένης ἐν τῇ Ἀσίᾳ, ὅτι καθ’ ὑπερβολὴν ὑπὲρ δύναμιν ἐβαρήθημεν, ὥστε ἐξαπορηθῆναι ἡμᾶς καὶ τοῦ ζῆν· - 9 ἀλλὰ αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς τὸ ἀπόκριμα τοῦ θανάτου ἐσχήκαμεν, ἵνα μὴ πεποιθότες ὦμεν ἐφ’ ἑαυτοῖς ἀλλ’ ἐπὶ τῷ θεῷ τῷ ἐγείροντι τοὺς νεκρούς· 10 ὃς ἐκ τηλικούτου θανάτου ἐρρύσατο ἡμᾶς καὶ ῥύσεται, εἰς ὃν ἠλπίκαμεν [ὅτι] καὶ ἔτι ῥύσεται, 11 συνυπουργούντων καὶ ὑμῶν ὑπὲρ ἡμῶν τῇ δεήσει, ἵνα ἐκ πολλῶν προσώπων τὸ εἰς ἡμᾶς χάρισμα διὰ πολλῶν εὐχαριστηθῇ ὑπὲρ ἡμῶν. A. *1,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,1: Praestructio superioris epistulae ita duxit, ut de titulo eius non retractaverim, certus et alibi retractari eum posse, communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. Adam., Dial. II 13, wo der Markionit darauf hinweist, dass Paulus von sich selbst schreibt: Παῦλος ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ (Rufin: Paulus apostolus Iesu Christi). ♦ *1,3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,1: benedictus tamen deus domini nostri Iesu Christi non alius quam creator intellegetur qui et universa benedixit, habes Genesim; et ab universis benedicitur, habes Danielem. Proinde si pater potest dici sterilis deus, nullius magis nomine quam creatoris; misericordiarum tamen pater idem erit qui misericors et miserator et misericordiae plurimus est dictus. B. (1,1) Ἰησοῦ Χριστοῦ ist die Reihenfolge in Adam., Dial. II 13 und in *1Kor 1,1, sie findet sich auch in der altlateinischen Tradition in Ambst ad , Pel var (V,G) . C. 1. (1,1) Zahn und Harnack sind der Meinung, dass die beiden ersten Verse unbezeugt sind, Zahn rechnet aber mit ihrer Präsenz, jedoch in unbestimmbarer Form. BeDuhn ist noch etwas ausführlicher aufgrund des Hinweises auf Tert., Adv. Marc. V 5,1-2 und basierend auf Adam., Dial. II 13, so dass er seiner Übersetzung zugrunde legt: Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ [… τῇ ἐκκλησίᾳ 3 (2Kor) 565 <?page no="566"?> 6 „It is not clear …, in what form Marcion received the materials that we have as 2 Corinthians“ (eigene Übers.), J.W. Marshall, Misunderstanding the New Paul: Marcion and the Sonderzeit Paul (2012), 22. τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ …] χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς καὶ κυρίου Ἰησοῦ. Marshall ist zurückhaltend gegenüber dem, was die Zeugen zu Markions Text des Zweiten Korintherbriefs bieten, wenn er meint, „es sei nicht klar, … in welcher Form Markion das Material empfing, das wir als Zweiten Korintherbrief besitzen“. 6 2. (1,2) Wie zu *1Kor 1,1-3 angemerkt, hatte Tertullian auf den Gleichlaut der paulinischen Briefe hingewiesen und dies als Grund dafür genommen, dass er außer beim Ersten Korintherbrief diese Vorworte sonst übergeht. Deshalb ist es gerechtfertigt, auch für die Einleitung hier i.W. den Wortlaut in Parallele zum Ersten Korintherbrief zu rekonstruieren, zumal dies ohne Emendationen möglich ist. Allerdings gilt wie dort auch das gleiche Caveat und darum die Exklusion des διὰ θελήματος θεοῦ. Hätte Tertullian von einer Ko-autorschaft des Timotheus gelesen, hätte er diese für seine Argumentation sicher genutzt. Der Hinweis auf τῇ Ἀχαΐᾳ resultiert aus den Angaben des markionitischen Prologs zum Ersten Korintherbrief. 3. (1,3) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht diesen Vers dem kanonischen Text entsprechend bezeugt, allerdings ohne das καὶ πατήρ. Harnack greift diese Beobachtung auf und gibt als be‐ zeugten Text: Εὐλογητὸς ὁ θεὸς τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ … πατὴρ τῶν οἰκτιρμῶν. Schmid sieht diesen Vers als unbezeugt, doch BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: Εὐλογητὸς ὁ θεὸς [καὶ πατὴρ] τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὁ πατὴρ τῶν οἰκτιρμῶν. 4. (1,4-8) Nach Ausweis aller Editoren sind die Verse 4-8 unbezeugt. Wir sind folglich auf den narrativen Zusammenhang und den lexikalischen Vergleich verwiesen. 5. (1,9-11) Nach Ausweis aller Editoren sind auch die Verse 9-11 unbezeugt. Wieder sind wir auf den narrativen Zusammenhang und den lexikalischen Vergleich verwiesen. D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Wendung Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ steht 6 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,1, vermutlich aber auch stehend in *2Kor 1,1; *Röm 1,1; *1Thess; *2Thess; *Laod; *Kol; *Phil, vgl. zu 1Kor 1,1. ♦ θέλημα steht 65 / 62 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ Der Genitiv 566 Rekonstruktion <?page no="567"?> 7 Vgl. zu diesem Lexem H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateini‐ schen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 120. θελήματος steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,13; Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,1; 7,37; 2Kor 1,1; 8,5; Eph 1,1. 5. 9. 11; Kol 1,1. 9; 2Tim 1,1). ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die gesamte Wendung Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ διὰ θελήματος θεοῦ καὶ Τιμόθεος ὁ ἀδελφός findet sich identisch in Kol 1,1. ♦ Die Verbform οὔσῃ, die 4 Mal im NT steht, findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur Dativkonstruktion mit τῇ οὔσῃ vgl. zu 1Kor 1,2. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23, vgl. weiter unten Vers 21. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Verbform οὖσιν, die 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8. ♦ ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ Ἀχαία, das 12 / 10 Mal im NT steht, ein Mal im lateinischen Prolog zum ersten Korintherbrief. Zur Rekonstruktion: In diesem teilweise vorkanonisch bezeugten Vers scheinen der Lexik nach keine weiteren vorkanonischen Elemente gestanden zu sein. Das entspricht auch dem Zeugnis von Tertullian, dem zufolge die vorkanonischen Brieferöffnungen kurz und gleichförmig waren. (1,2) Zu den Lexemen vgl. zu der Eröffnung von *1Kor. Zur Rekonstruktion: Gemäß den Beobachtungen unter C. und in Rücksicht auf die Lexik wird die obige Rekonstruktion geboten. (1,3) εὐλογητός steht 8 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Das nicht bezeugte πατήρ, der im Singular 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. ♦ Die erweiterte Kombination ὁ θεὸς τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht noch 1 weiteres Mal, Eph 1,17, wohl auch vorkanonisch dort gestanden in *Laod 1,17. ♦ οἰκτιρμός steht 7 / 5 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,36. 7 Zu dem nicht mehr bezeugten Versteil: πάσης (Gen. Fem. Sg.) steht 41 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παράκλησις steht 30 / 29 im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wobei das πάσης im nicht mehr bezeugten Versteil andeutet, dass dieser Teil wohl auch nicht mehr vorkanonisch gestanden war. 3 (2Kor) 567 <?page no="568"?> (1,4) παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Kombination ἐπὶ πάσῃ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 1,4; 7,4; Phil 1,3; 1Thess 3,7. 9). ♦ θλῖψις begegnet 60 / 45 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *Kol 1,24. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ τὸ δύνασθαι steht nur noch 1 weiteres Mal in Eph 6,11, wo an dessen Stelle eine andere Wendung vorkanonisch in diesem Vers steht. ♦ παρακαλέω steht 115 / 109 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ παράκλησις steht 30 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.), das 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; 6,13, vgl. weiter Vers 9. ♦ Die Wendung ὑπὸ τοῦ θεοῦ steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers finden sich meh‐ rere Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind (ἐπὶ πάσῃ; τὸ δύνασθαι; ὑπὸ τοῦ θεοῦ). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (1,5) Die Kombination ὅτι καθώς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 1,5; 10,7; 1Joh 4,17). ♦ Obwohl das Verb περισσεύω 42 / 39 Mal im NT begegnet, ist es nicht ein einziges Mal für die vorkanonische Stufe bezeugt. ♦ πάθημα begegnet 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,24. ♦ Die Wendung εἰς ἡμᾶς steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 3,4; Röm 5,8; 8,18; 2Kor 1,5. 11; Eph 1,8. 19; Hebr 2,3). ♦ Die Wendung διὰ τοῦ Χριστοῦ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 3,4. ♦ παράκλησις ist vorkanonisch bezeugt in *Ev 6,24. ♦ Die Kombination παράκλησις ἡμῶν steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 1Thess 2,3, vgl. auch im nächsten Vers τῆς ὑμῶν παρακλήσεως. Zur Abwesenheit: Deutlicher als im vorausstehenden Vers, finden sich in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegter Elemente (ὅτι καθώς; 2 Mal περισσεύω; εἰς ἡμᾶς; διὰ τοῦ Χριστοῦ; παράκλησις ἡμῶν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,6) Die Wendung εἴτε δέ steht noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch nicht bezeugt, könnte aber vorkanonisch gestanden sein, 1Kor 13,8. ♦ θλίβω findet sich 22 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,8; *Röm 12,12; *2Thess 1,6. 7. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten παρακαλέω vgl. zuvor zu Vers 1,4. ♦ Zu τῆς ὑμῶν παρακλήσεως vgl. im Vers zuvor die Wendung παράκλησις ἡμῶν. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, 568 Rekonstruktion <?page no="569"?> vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20; 2,2 - auffallend ist etwa *Gal 5,6, wo anstelle dieses Wortes eine Variante zu finden ist. ♦ ὑπομονή steht 33 / 32 Mal im NT, für die vorkanonische Ebene ist der Begriff bezeugt in *Ev 21,19. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ πάσχω, das 44 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Auch dieser Vers ist vorkanonisch unbezeugt, doch er entwickelt zusammen mit Vers 4 die kanonisch bezeugte Charakterisierung „Vater, des Erbarmens“. Die durchgehend vorkanonische Lexik jedenfalls stützt die Annahme, dass wir es hier mit einem vorkanonisch stehenden Vers zu tun haben, der auch narrativ an die Verse 3 und 4 anschließt. (1,7) ἐλπίς findet sich 58 / 53 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ βέβαιος steht 9 / 8 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene bezeugt (Röm 4,16; 2Kor 1,21; Hebr 2,2; 3,6. 14; 6,19; 9,17; 2Petr 1,10). ♦ Der Ausdruck τὸ ὑπὲρ ὑμῶν steht 4 Mal im NT, Lk 22,19. 20, in 2 Versen, die in *Ev fehlen, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form εἰδότες steht 26 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. ♦ κοινωνός steht 12 / 10 Mal im NT, wiederum nur auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers bietet eine Reihe von ausschließlich für die kanonische Ebene belegte Elemente (βέβαιος; τὸ ὑπὲρ ὑμῶν; εἰδότες; κοινωνός). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,8) Ἀσία steht 20 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ Vgl. die parallele Formulierung in *1Kor 10,1: Οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί und die, wenn auch nicht bezeugte Formulierung in *1Kor 12,1: ἀδελφοί, οὐ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν. ♦ ὑπερβολή, das nur 8 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,7, mit der Formel καθ’ ὑπερβολήν gar in *1Kor 12,31. ♦ βαρέω findet sich 10 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,34; *2Kor 5,4. ♦ ἐξαπορέω steht 2 Mal im NT, jeweils nur kanonisch belegt. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Zur Rekonstruktion: Auch dieser Vers ist vorkanonisch unbezeugt. Die Schwie‐ rigkeit stellt sich, dass offenkundig vorkanonische Wendungen und Termini vorliegen, dann aber einige ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente begegnen. Da es eine kanonische Tendenz ist, den Text zu histori‐ sieren, könnte die sonst nur auf der kanonischen Ebene begegnende geographi‐ 3 (2Kor) 569 <?page no="570"?> sche Angabe ἐν τῇ Ἀσίᾳ auf diese Redaktion zurückgehen, doch erklärt diese Konkretisierung den nachfolgenden Satz. Und da ἐξαπορέω so selten steht, könnte der Terminus auch hier gestanden sein. Trotz dieser Bedenken könnte der Vers in der vorkanonischen Sammlung gestanden sein, zumal er narrativ den Gedanken vom „Vater des Erbarmens“ erläutert. (1,9) Zu αὐτοί (Nom. Mask. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ Die Wendung ἀλλὰ αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, im selben Brief weiter unten 10,12. ♦ ἀπόκριμα ist Hapax legomenon. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Die Form ἐσχήκαμεν steht noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene, Röm 5,2, könnte aber auch vorkanonisch dort gestanden sein. ♦ πείθω steht 59 / 52 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πεποιθότες steht noch 1 weiteres Mal, in einem Vers, der vorkanonisch bezeugt ist, auch wenn diese Form dort nicht bezeugt ist. ♦ Die Form ὦμεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐφ’ ἑαυτοῖς steht 1 weiteres Mal, Lk 18,9, auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐπὶ τῷ θεῷ steht noch 1 weiteres Mal, Lk 1,47, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ ἐγείρω steht 169 / 144 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ Die Form ἐγείροντι steht nur hier. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers ist vorkanonisch unbezeugt, doch findet sich eine Reihe von Elementen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀλλὰ αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς; ἐσχήκαμεν; πεποιθότες; ὦμεν; ἐφ’ ἑαυτοῖς; ἐπὶ τῷ θεῷ). Narrativ lässt sich eine gewisse Spannung zum Voranstehenden feststellen, hat der Briefschreiber doch zuvor bereits von sich gesprochen, während Vers 9 damit einsetzt („Aber was uns betrifft“), als hätten diese Ausführungen zuvor ihn nicht mitgemeint. Überhaupt wirken diese Verse wie eine Dramatisierung des zuvor Behandelten und entsprechen damit einem Charakteristikum der kanonischen Redaktion. Der Vers wird demnach ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (1,10) τηλικουτοσί findet sich nur 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 1,10; Hebr 2,3; Jak 3,4; Apk 16,18). ♦ Zu θάνατος vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ ῥύομαι, das 22 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43 (Tert. schreibt jedoch: sanguine fluitabat); *Röm 7,24. ♦ Die Kombination εἰς ὅν steht 12 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 12,18; 4 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 6,17; 10,14; 2Kor 1,10; 1Petr 1,8; 2Petr 1,17). ♦ ἐλπίζω, das 32 / 31 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch in *Ev 6,34; 24,21 findet. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; 24,6. 41; *Gal 3,15; *Röm 5,6. 570 Rekonstruktion <?page no="571"?> Zur Abwesenheit: Wie der vorangegangene Vers, scheint auch dieser vorkano‐ nisch unbezeugte Vers auf die kanonische Redaktion zurückzugehen. Es finden sich Elemente, die nur auf der kanonischen Ebene belegt sind (τηλικουτοσί; εἰς ὅν), und der Vers setzt die dramatisierte Digression fort. Er hat vorkanonisch gefehlt. (1,11) συνυπουργέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ δέησις steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,33; *Laod 6,18. ♦ Die Wendung ὑπὲρ ἡμῶν steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,13. ♦ Die Wendung εἰς ἡμᾶς steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 1,5. ♦ χάρισμα steht 18 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,7; 12,9. ♦ διὰ πολλῶν steht noch 1 weiteres Mal, 2Tim 2,2. ♦ εὐχαριστέω steht 43 / 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fallen zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰς ἡμᾶς; διὰ πολλῶν). Allerdings ist auch mitzubedenken, dass εὐχαριστέω weiters bei *Paulus unbezeugt ist, während es im kanonischen Paulus reichlich steht. Auch dieser Vers wird folglich eher der kanonischen Redaktion zuzurechnen sein und vorkanonisch gefehlt haben. 1,[12-19] 20 [21-24]: Gott ist das Ja zu allem Der folgende Abschnitt ist weithin unbezeugt und vorkanonisch abwesend und stellt eine kanonische Digression statt, die an den vorangegangenen kanonischen Grußteil anschließt. Hingegen findet sich vorkanonisch lediglich ein Vers, der an die voran anzunehmenden Verse 6 und 8 anknüpft. - 12 Ἡ γὰρ καύχησις ἡμῶν αὕτη ἐστίν, τὸ μαρτύριον τῆς συνειδήσεως ἡμῶν, ὅτι ἐν ἁπλότητι καὶ εἰλικρινείᾳ τοῦ θεοῦ, [καὶ] οὐκ ἐν σοφίᾳ σαρκικῇ ἀλλ’ ἐν χάριτι θεοῦ, ἀνεστράφημεν ἐν τῷ κόσμῳ, περισσοτέρως δὲ πρὸς ὑμᾶς. 13 οὐ γὰρ ἄλλα γράφομεν ὑμῖν ἀλλ’ ἢ ἃ ἀναγινώσκετε ἢ καὶ ἐπιγινώσκετε, ἐλπίζω δὲ ὅτι ἕως τέλους ἐπιγνώσεσθε, 14 καθὼς καὶ ἐπέγνωτε ἡμᾶς ἀπὸ μέρους, ὅτι καύχημα ὑμῶν ἐσμεν καθάπερ καὶ ὑμεῖς ἡμῶν ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ. 15 Καὶ ταύτῃ τῇ πεποιθήσει ἐβουλόμην πρότερον πρὸς ὑμᾶς ἐλθεῖν, ἵνα δευτέραν χάριν σχῆτε, 16 καὶ δι’ ὑμῶν διελθεῖν εἰς Μακεδονίαν, καὶ πάλιν ἀπὸ 3 (2Kor) 571 <?page no="572"?> 8 ἁπλότητι gilt für als ältere Lesart nach G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 62. Μακεδονίας ἐλθεῖν πρὸς ὑμᾶς καὶ ὑφ’ ὑμῶν προπεμφθῆναι εἰς τὴν Ἰουδαίαν. 17 τοῦτο οὖν βουλόμενος μήτι ἄρα τῇ ἐλαφρίᾳ ἐχρησάμην; ἢ ἃ βουλεύομαι κατὰ σάρκα βουλεύομαι, ἵνα ᾖ παρ’ ἐμοὶ τὸ Ναὶ ναὶ καὶ τὸ Οὒ οὔ; 18 πιστὸς δὲ ὁ θεὸς ὅτι ὁ λόγος ἡμῶν ὁ πρὸς ὑμᾶς οὐκ ἔστιν Ναὶ καὶ Οὔ. 19 ὁ τοῦ θεοῦ γὰρ υἱὸς Ἰησοῦς Χριστὸς ὁ ἐν ὑμῖν δι’ ἡμῶν κηρυχθείς, δι’ ἐμοῦ καὶ Σιλουανοῦ καὶ Τιμοθέου, οὐκ ἐγένετο Ναὶ καὶ Οὔ, ἀλλὰ Ναὶ ἐν αὐτῷ γέγονεν. 20 πᾶσαι γὰρ αἱ ἐπαγγελίαι θεοῦ, ἐν αὐτῷ τὸ Ναί· διὸ καὶ δι’ αὐτοῦ τὸ Ἀμὴν τῷ θεῷ πρὸς δόξαν δι’ ἡμῶν. 20 ὅσαι γὰρ ἐπαγγελίαι θεοῦ, ἐν αὐτῷ τὸ Ναί· διὸ καὶ δι’ αὐτοῦ τὸ Ἀμὴν τῷ θεῷ πρὸς δόξαν δι’ ἡμῶν. - 21 ὁ δὲ βεβαιῶν ἡμᾶς σὺν ὑμῖν εἰς Χριστὸν καὶ χρίσας ἡμᾶς θεός, 22 ὁ καὶ σφραγισάμενος ἡμᾶς καὶ δοὺς τὸν ἀρραβῶνα τοῦ πνεύματος ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν. 23 Ἐγὼ δὲ μάρτυρα τὸν θεὸν ἐπικαλοῦμαι ἐπὶ τὴν ἐμὴν ψυχήν, ὅτι φειδόμενος ὑμῶν οὐκέτι ἦλθον εἰς Κόρινθον. - 24 οὐχ ὅτι κυριεύομεν ὑμῶν τῆς πίστεως, ἀλλὰ συνεργοί ἐσμεν τῆς χαρᾶς ὑμῶν, τῇ γὰρ πίστει ἑστήκατε. A. *1,20: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 25 (123, 173: hier πᾶσαι γὰρ αἱ): ὅσαι γὰρ ἐπαγγελίαι θεοῦ, ἐν αὐτῷ τὸ Ναί: διὸ καὶ δι’ αὐτοῦ τὸ Ἀμὴν τῷ θεῷ; Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): ὅσαι γὰρ ἐπαγγελίαι θεοῦ, ἐν αὐτῷ τὸ Ναί. B. (1,12) Anstelle von ἁπλότητι, das zu finden ist in 01 2 , 06, 010, 012, 020, 104, 1241, 1505, M, Lat, sy, lesen ἁγιότητι P 46 , 01*, 02, 03, 04, 018, 025, 044, 0121, 0243, 33, 81, 365, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, r, co, Clem, Or, Did. 8 ♦ (1,18) Das in der kanonischen Fassung nachstehende ὁ fehlt in den Zeugen P 46 und 06* und scheint erst eine Folge der kanonischen Ergänzung der voranstehenden Verse zu sein. ♦ Die Reihenfolge Ἰησοῦς Χριστός findet sich in den Zeugen P 46 , 01 2 , 03, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 0243, 81, 104, 365, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, M, latt, sy, während die Reihenfolge Χριστὸς Ἰησοῦς zu finden ist in 01*, 02, 04, 0223, 2464, Ἰησοῦς allein steht in 33. ♦ (1,20) διὸ καὶ δι’ αὐτοῦ ist bezeugt 572 Rekonstruktion <?page no="573"?> durch Epiphanius und steht in 01, 02, 03, 04, 010, 012, 025, 044, (δι’ 0223), 0243, 33, 81, 104, 365, 1175, 1739, 2464, lat, (sy p ), co. καὶ δι’ αὐτοῦ ist bezeugt in P 46 , 06*, b; auch bezeugt ist καὶ ἐν αὐτῷ in 06 1 , 018, 020, 1241, 1505, M, sy h , Ambst; 1881 stellt mit διὸ καὶ ἐν αὐτῷ eine Hybridform dar; 630 bietet eine weitere Hybridform: ἐν αὐτῷ τὸ ἀμὴν διὸ καὶ δι’ αὐτοῦ. ♦ (1,23) Anstelle von οὐκέτι steht οὐκ in 010, 012, 1175, 1505, 1881, it, sy p , Ambst. C. 1. (1,12-14) Nach Ausweis aller Editoren sind auch diese Verse unbezeugt. Wir sind folglich wieder auf den narrativen Zusammenhang und den lexikalischen Vergleich verwiesen. 2. (1,15-19) Nach Ausweis aller Editoren sind auch die Verse 15-19 unbezeugt. Wir sind folglich auf die Varianten, den narrativen Zusammenhang und den lexikalischen Vergleich verwiesen. Wenn Tertullian die Erwähnung des Silvanus und Timotheus hier gelesen hätte, wäre es erstaunlich, wenn er dies für seine Argumentation nicht aufge‐ griffen hätte. Auch diese Verse 15-19 werden folglich zur kanonischen Redaktion gehören und in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben, was durch den lexikalischen Vergleich deutlich gestützt wird. Wohl um des argumentativen Übergangs willen für die Einbindung von dem bezeugten Vers 20 hat BeDuhn gegen die fehlende Bezeugung den Vers 18 und Teile des Verses 19 in Klammern in seine Übersetzung aufgenommen, der als Textbestand zugrunde gelegt wurde: 18 πιστὸς δὲ ὁ θεὸς ὅτι ὁ λόγος ἡμῶν ὁ πρὸς ὑμᾶς οὐκ ἔστιν Ναὶ καὶ Οὔ. 19 ὁ τοῦ θεοῦ γὰρ υἱὸς Ἰησοῦς Χριστὸς ὁ ἐν ὑμῖν δι’ ἡμῶν κηρυχθείς … οὐκ ἐγένετο Ναὶ καὶ Οὔ. Doch besteht die Möglichkeit, dass die kanonische Redaktion vorhandenen vorkanonischen Text überarbeitet oder ersetzt hat. Jedenfalls lässt sich aufgrund der Lexik kein vorkanonischer Text für diese Passage erschließen. Dies braucht es wohl auch gar nicht, denn Vers 20 greift den in Vers 3 ausgedrückten Lobpreis Gottes auf, und zwar ausdrücklich mit dem betonten Ja, weil es ein Preis des erbarmenden Vaters ist, der über alle Not, die in den möglicherweise vorhandenen Versen 4. 6. 8 geschildert wird, zu dem steht, was er verheißt. 3. (1,20) Meyboom optiert wohl korrekterweise für die zweite Bezeugung von Epiphanius, die ja auch am weitesten von der kanonischen Fassung entfernt ist, während Harnack und Schmid als bezeugten Text die erste Anführung des Epiphanius annehmen. Die zweite Anführung hält Schmid für eine „Nachläs‐ 3 (2Kor) 573 <?page no="574"?> 9 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 167. 10 2Kor 13,2 lautet: προείρηκα καὶ προλέγω ὡς παρὼν τὸ δεύτερον καὶ ἀπὼν νῦν τοῖς προημαρτηκόσιν καὶ τοῖς λοιποῖς πᾶσιν, ὅτι ἐὰν ἔλθω εἰς τὸ πάλιν οὐ φείσομαι, vgl. hierzu und zu weiteren Parallelen J.H. Kennedy, Are There Two Epistles in 2 Corinthians (1897), 234. sigkeit“. 9 Diesen Text legt BeDuhn auch seiner Übersetzung zugrunde. Der Vers nimmt offenkundig die erschlossenen, unbezeugten Verse 1,6. 8 auf. 4. (1,21-24) Die Verse 21-24 sind nach allen Editoren unbezeugt. Zahn allerdings rechnet mit den Versen in einer nicht näher bestimmbaren Form. Wir sind folglich wieder auf Varianten, Narration und Lexik angewiesen. Vgl. die Ähnlichkeit von Vers 23 zu 2Kor 13,2, auf die Kennedy verwies. 10 D. (1,12) καύχησις steht 13 / 11 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,30. ♦ αὕτη, das 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination von καύχησις und αὕτη findet sich nur auf der kanonischen Ebene, in 2Kor 11,10. ♦ Trotz 32 / 30 Belegen im NT ist συνείδησις ein Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ ἁπλότης ist 9 / 8 Mal im NT belegt, nur auf der kanonischen Ebene zu finden (Röm 12,8; 2Kor 1,12; 8,2; 9,11. 13; 11,3; Eph 6,5; Kol 3,22). ♦ εἰλικρίνεια steht 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ σοφία steht 56 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *1Kor 1,17. 19. 20. 21. 22; 2,6. 7; 3,19; 12,8; *Röm 11,33. ♦ σαρκικός steht 11 / 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σαρκινός steht 4 Mal im NT, ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ ἀναστρέφω steht 11 / 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,3. ♦ περισσοτέρως, das 15 Mal im NT steht, vorwiegend in paulinischen Briefen, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ περισσός, das 6 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist mehrere Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (συνείδησις; ὅτι ἐν; ἁπλότης; εἰλικρίνεια; σαρκικός; χάριτι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,13) Die Wendung οὐ γὰρ ἄλλα steht nur hier. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ γράφω steht 213 / 191 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev; *1Kor 4,14. ♦ Die Form 574 Rekonstruktion <?page no="575"?> γράφομεν begegnet 1 weiteres Mal, 1Joh 1,4. ♦ ἀναγινώσκω findet sich 36 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,3. ♦ Die Wendung ἕως τέλους steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Kor 1,8. ♦ ἐπιγινώσκω steht 64 / 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,31. ♦ ἐλπίζω steht 32 / 31 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἐλπίζω δέ steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,6. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers finden sich Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (γράφομεν; ἕως τέλους; ἐλπίζω δέ). Narrativ gehört er zu den voranstehenden Versen und dem nachfolgenden Vers. Er geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. (1,14) Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, Lk 24,24, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,1; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6. ♦ ἐπιγινώσκω steht 64 / 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,31. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vergleichsweise selten gebraucht auf der vorkanonischen Ebene, bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ μέρος, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Kol 2,16. ♦ Die Kombination ἀπὸ μέρους steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 11,25; 15,15. 24, in zwei Versen, die in *Röm fehlen; 2Kor 1,14; 2,5). ♦ καύχημα, das 11 Mal im NT, steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Die Kombination καύχημα ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 5,6; 2Kor 1,14; Phil 1,26). ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10, vgl. weiter Vers 24. ♦ καθάπερ steht 14 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,12. ♦ Die erweiterte Kombination καθάπερ καί steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 4,6; 2Kor 1,14; 1Thess 3,6. 12; 4,5; Hebr 4,2). ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ ἡμέρα, das 414 / 389 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev und *Gal 4,10; 5,5; *2Kor 4,16. ♦ Die Formulierung ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ begegnet nur auf der kanonischen Ebene, 1Kor 1,8, ähnlich 2Thess 2,2 (ἡ ἡμέρα τοῦ κυρίου), man vgl. aber *1Kor 5,5 (ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου Ἰησοῦ; 1Kor 5,5: ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου Ἰησοῦ). Zur Abwesenheit: Auch in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers stehen eine Reihe von Elementen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀπὸ μέρους; καύχημα ὑμῶν; καθάπερ; ἐν τῇ ἡμέρᾳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. 3 (2Kor) 575 <?page no="576"?> (1,15) Die Wendung καὶ ταύτῃ steht nur hier. ♦ πεποίθησις begegnet 6 Mal im NT, jedoch nur auf der kanonischen Ebene (2Kor 1,15; 3,4; 8,22; 10,2; Eph 3,12; Phil 3,4). ♦ βούλομαι steht 41 / 37 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πρότερος steht 13 / 11 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Vgl. die Kombination ἔλθω πρὸς ὑμᾶς, die nur kanonisch steht, vgl. zu 14,6. ♦ δεύτερος, das 50 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,47. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (πεποίθησις; βούλομαι; πρότερος; ἔλθω πρὸς ὑμᾶς). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,16) Die Kombination δι’ ὑμῶν steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in Röm 15,28, einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ διέρχομαι steht 46 / 43 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1, häufig steht der Begriff in der Apg (Apg 8,4. 40; 9,32. 38; 10,38; 11,19. 22; 12,10; 13,6. 14; 14,24; 15,3. 41; 16,6; 17,23; 18,23. 27; 19,1. 21; 20,2. 25). ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ Μακεδονία, das 22 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Das verwandte Μακεδών, das 6 / 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 16,9; 19,29; 27,2; 2Kor 9,2. 4), man bemerke aber den Hinweis auf die Makedonier im lateinischen Vorwort für *1Kor. ♦ Vgl. wie im voranstehenden Vers die Kombination ἔλθω πρὸς ὑμᾶς, die nur kanonisch steht, vgl. zu 14,6. ♦ προπέμπω findet sich 9 Mal im NT, wiederum ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 15,3; 20,38; 21,5; Röm 15,24; 1Kor 16,6. 11; 2Kor 1,16; Tit 3,13; 3Joh 1,6). ♦ Ἰουδαία, das 47 / 44 Mal im NT steht, findet sich ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers, findet sich fast alle Elemente ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt (δι’ ὑμῶν; Μακεδονία; προπέμπω; ἔλθω πρὸς ὑμᾶς; Ἰουδαία). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,17) Die Verseröffnung τοῦτο οὖν findet sich 5 Mal als solche im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 5,18 mit vorangestelltem διά; Apg 21,23; Röm 15,28, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 1,17; Eph 4,17). ♦ βούλομαι steht 41 / 37 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μήτι, das sich 20 Mal im NT findet, steht jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐλαφρία steht noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in 2Kor 4,17. Das verwandte ἐλαφρός findet sich zusätzlich noch auf der kanonischen Ebene in Mt 11,30. ♦ βουλεύω steht 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene (Lk 14,31; Joh 11,53; 12,10; Apg 5,33; 15,37; 27,39; 2Kor 1,17). ♦ Der Ausdruck κατὰ σάρκα steht 20 Mal im NT, vorkanonisch 576 Rekonstruktion <?page no="577"?> bezeugt für *Gal 4,23; *Röm 8,4. 5. ♦ Die Form ᾖ steht 42 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ Die Formulierung τὸ Ναὶ ναὶ καὶ τὸ Οὒ οὔ findet sich fast gleich zwei weitere Male auf der kanonischen Ebene (Mt 5,37: ναὶ ναί, οὒ οὔ; und identisch mit hier in Jak 5,12: τὸ Ναὶ ναὶ καὶ τὸ Οὒ οὔ). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind (τοῦτο οὖν; βούλομαι; μήτι; ἐλαφρία; βουλεύω; ᾖ; τὸ Ναὶ ναὶ καὶ τὸ Οὒ οὔ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,18) πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. ♦ Die Kombination πιστὸς δέ steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,13. ♦ Zu ναί vgl. zuvor zu Vers 17 und danach zu den Versen 19 und 20. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist trotz der Kürze Elemente auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind (die kanonische Semantik von πιστός, die Verseröffnung πιστὸς δέ und die gerade auf der kanonischen Ebene begegnete Gegenüberstellung von Ναὶ καὶ Οὔ). Auch dieser Vers wird folglich zur kanonischen Ebene gehören und vorkanonisch gefehlt haben, inhaltlich scheinen sich die beiden Verse von dem bezeugten, vorkanonischen Vers 20 inspiriert zu sein. (1,19) Die Kombination θεοῦ γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,9. ♦ Die Wendung ὁ ἐν ὑμῖν steht noch 1 weiteres Mal, 1Joh 4,4. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ κηρύσσω steht 63 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2; *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ Die Wendung δι’ ἐμοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 10,9; 14,6; Röm 15,18, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 1,19; 2Tim 4,17). ♦ Σιλουανός findet sich 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (2Kor 1,19; 1Thess 1,1; 2Thess 1,1; 1Petr 5,12). ♦ Τιμόθεος steht 25 / 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu ναί vgl. zuvor zu den Versen 17 und 18 und danach zu Vers 20. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch nicht bezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (θεοῦ γάρ; ὁ ἐν ὑμῖν; δι’ ἐμοῦ; Σιλουανός; Τιμόθεος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 3 (2Kor) 577 <?page no="578"?> (1,20) Die Eröffnung πᾶσαι γάρ steht nur hier. ♦ Auch die Variante ὅσαι γάρ steht nur hier. ♦ ὅσος, das 121 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ ἐπαγγελία steht 52 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,23; *Laod 1,13; 2,12. ♦ Zu ναί vgl. zuvor zu Vers 17. ♦ Die Wendung διὸ καὶ δι’ steht nur hier. ♦ τὸ Ἀμήν steht nur hier. ♦ πρὸς δόξαν steht nur hier. Zur Rekonstruktion: Wie in C. dargelegt, folgen wir einem der beiden Zeugnisse des Epiphanius. Das Zeugnis wird von der Lexik gestützt. Sie erweist, dass Elemente oft singulär stehen und auf der kanonischen Ebene nur in der direkten Parallelstelle übernommen werden. (1,21) βεβαιόω steht 10 / 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu σύν vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Die Kombination σὺν ὑμῖν steht 4 Mal im NT, Lk 24,44, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2Kor 1,21; 4,14; Kol 2,5, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς Χριστόν steht 12 Mal im NT, mit Ausnahme von *Laod 5,32 immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Auch χρίω, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, am deutlichsten in Lk 4,18 innerhalb einer Passage, die in *Ev fehlt, dann noch Apg 4,27; 10,38; Hebr 1,9. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige aus‐ schließlich kanonisch belegte Elemente auf (βεβαιόω; σὺν ὑμῖν; χρίω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Auffallend ist erneut die Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik (εἰς Χριστόν). (1,22) σφραγίζω findet sich 18 / 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,13. ♦ Die Form δούς steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,24. ♦ Die Kombination καὶ δούς steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 26,26; Mk 13,35; 2Kor 1,22; 2Thess 2,16). ♦ ἀρραβών findet sich nur 3 Mal im NT, auffälligerweise in dem vorkanonisch nicht bezeugten *Laod 1,14, also in engem Zusammenhang zu σφραγίζω, und dann noch ein Mal vorkanonisch bezeugt in *2Kor 5,5. ♦ Die Wendung ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch nicht bezeugte Vers weist zwar am Ende eine Wendung auf, die vorkanonisch in *2Kor bezeugt ist, doch die auffällige Form δούς begegnet nur auf der kanonischen Ebene und die beiden weiteren vorkanonischen Zeugnisse stammen aus *Laod und sprechen eher für die kano‐ nische Nähe dieses *Deuteropaulinums. Der Vers wird darum wohl vermutlich im vorkanonischen Text gefehlt haben. 578 Rekonstruktion <?page no="579"?> (1,23) μάρτυς steht 39 / 35 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,1. ♦ ἐπικαλέω findet sich 35 / 30 Mal im NT, ausschließlich belegt für die kanonische Ebene, insbesondere die Apostelgeschichte (Apg 1,23; 2,21; 4,36; 7,59; 9,14. 21; 10,5. 18. 32; 11,3; 12,12. 25; 15,17. 22; 22,16; 25,11. 12. 21. 25; 26,32; 28,19). Auffallend ist, wie oft die beiden Begriffe μάρτυς und ἐπικαλέω auf der kanonischen Ebene der zweiten kanonischen Redaktion eng beieinander stehen: Apg 1,22-23; 2,21.32; 7,58-59; 10,32. 39. 41; 22,15-16; 2Tim 2,2. 22; Hebr 10,28; 11,16, 12,1. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ φείδομαι steht 10 Mal im NT und ist ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ Das kleine Wörtchen οὐκέτι ist bemerkenswert. Es steht 51 Mal im NT, ausschließlich kanonisch bezeugt. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers, begegnen einige Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐπικαλέω; φείδομαι; οὐκέτι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,24) οὐχ, das 105 Mal im NT steht, findet sich erstaunlich selten vorkanonisch gemessen an der Präsenz auf kanonischer Ebene steht. ♦ Die Kombination οὐχ ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (als Verseröffnung: Joh 6,46; 2Kor 1,24; 3,5; Phil 3,12; 4,11. 17; 2Thess 3,9; ansonsten: Joh 6,26; 7,22; 12,6; 2Kor 7,9; 1Joh 4,10). ♦ κυριεύω steht 7 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ συνεργός findet sich 14 / 13 Mal im NT, und auch dieser Begriff begegnet nur auf der kanonischen Ebene. Das verwandte Verb συνεργέω, das 11 / 5 Mal im NT steht, ist ausnahmslos für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zur Verbform ἐσμέν vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (οὐχ ὅτι; κυριεύω; συνεργός; χαρά). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und fehlt vorkanonisch. Kapitel 2 2,[1-13: ] [Mahnungen] Die nachfolgende Passage ist unbezeugt und nach Ausweis der Lexik hat sie vorkanonisch gefehlt. 3 (2Kor) 579 <?page no="580"?> 11 T.R. Blanton IV, Paul’s Covenantal Theology in 2 Corinthians 2.14-7.4 (2012), 61. 2,1 ἔκρινα γὰρ ἐμαυτῷ τοῦτο, τὸ μὴ πάλιν ἐν λύπῃ πρὸς ὑμᾶς ἐλθεῖν· 2 εἰ γὰρ ἐγὼ λυπῶ ὑμᾶς, καὶ τίς ὁ εὐφραίνων με εἰ μὴ ὁ λυπούμενος ἐξ ἐμοῦ; 3 καὶ ἔγραψα τοῦτο αὐτὸ ἵνα μὴ ἐλθὼν λύπην σχῶ ἀφ’ ὧν ἔδει με χαίρειν, πεποιθὼς ἐπὶ πάντας ὑμᾶς ὅτι ἡ ἐμὴ χαρὰ πάντων ὑμῶν ἐστιν. 4 ἐκ γὰρ πολλῆς θλίψεως καὶ συνοχῆς καρδίας ἔγραψα ὑμῖν διὰ πολλῶν δακρύων, οὐχ ἵνα λυπηθῆτε ἀλλὰ τὴν ἀγάπην ἵνα γνῶτε ἣν ἔχω περισσοτέρως εἰς ὑμᾶς. 5 Εἰ δέ τις λελύπηκεν, οὐκ ἐμὲ λελύπηκεν, ἀλλὰ ἀπὸ μέρους, ἵνα μὴ ἐπιβαρῶ, πάντας ὑμᾶς. 6 ἱκανὸν τῷ τοιούτῳ ἡ ἐπιτιμία αὕτη ἡ ὑπὸ τῶν πλειόνων, 7 ὥστε τοὐναντίον μᾶλλον ὑμᾶς χαρίσασθαι καὶ παρακαλέσαι, μή πως τῇ περισσοτέρᾳ λύπῃ καταποθῇ ὁ τοιοῦτος. 8 διὸ παρακαλῶ ὑμᾶς κυρῶσαι εἰς αὐτὸν ἀγάπην· 9 εἰς τοῦτο γὰρ καὶ ἔγραψα ἵνα γνῶ τὴν δοκιμὴν ὑμῶν, εἰ εἰς πάντα ὑπήκοοί ἐστε. 10 ᾧ δέ τι χαρίζεσθε, κἀγώ· καὶ γὰρ ἐγὼ ὃ κεχάρισμαι, εἴ τι κεχάρισμαι, δι’ ὑμᾶς ἐν προσώπῳ Χριστοῦ, 11 ἵνα μὴ πλεονεκτηθῶμεν ὑπὸ τοῦ Σατανᾶ, οὐ γὰρ αὐτοῦ τὰ νοήματα ἀγνοοῦμεν. 12 Ἐλθὼν δὲ εἰς τὴν Τρῳάδα εἰς τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ, καὶ θύρας μοι ἀνεῳγμένης ἐν κυρίῳ, 13 οὐκ ἔσχηκα ἄνεσιν τῷ πνεύματί μου τῷ μὴ εὑρεῖν με Τίτον τὸν ἀδελφόν μου, ἀλλὰ ἀποταξάμενος αὐτοῖς ἐξῆλθον εἰς Μακεδονίαν. A. Die Verse dieser Passage sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (2,1-13) Die Verse 2Kor 2,1-13 sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer Präsenz in unbestimmbarer Form rechnet. Nachdem BeDuhn betont, dass diese Passage den Häresiologen nichts Kritikwertes bot, müssen Varianten, narrativer Zusammenhang und Lexik befragt werden, ob die Passage nur unbezeugt ist oder ob sie auch abwesend vom vorkanonischen Text war. Nach Blanton und anderen endet in 2Kor 2,13 ein erster Teil des ersten Briefes innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief. 11 Der Hinweis 580 Rekonstruktion <?page no="581"?> 12 Vgl. I.J. Elmer, The Pauline Letters as Community Documents (2015), 37. Eine Identifi‐ zierung dieses Briefes mit dem Abschnitt 2Kor 10-13 findet sich bei A. Hausrath, Der Vier-Capitel-Brief des Paulus an die Korinther (1870). Vgl. auch die Rückbezüge in 2Kor 10-13 zu 2Kor 1,1-2,13; 7,5-16, die herausgestellt werden von J.H. Kennedy, The second and third epistles of St. Paul to the Corinthians with some proofs of their independence and mutual relation (1900); J.H. Kennedy, The Problem of Second Corinthians (1903). 13 M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 1145-1146. in 2Kor 2,4 auf das, was Paulus unter Tränen geschrieben hat, wurde auf einen verlorenen Brief hin gelesen oder auf ein Stück, das in 2Kor integriert wurde. 12 D. (2,1) Gleich das erste Verb κρίνω gehört als positiver Ausdruck zur kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,6. ♦ Die Wendung ἔκρινα γάρ steht nur hier. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ λύπη steht 17 / 16 Mal im NT und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene, das eine Mal, dass der Begriff in Lk 22,45 begegnet, steht er in einer Passage, die textkritisch seit langem als Problem gesehen wurde, vgl. mit weiterführender Literatur Klinghardt. 13 ♦ Der Ausdruck πρὸς ὑμᾶς ἐλθεῖν begegnete bereits 2Kor 1,15 auf der kanonischen Ebene, vgl. auch zu diesem Vers. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem Kapitel, das bis auf Vers 17 unbezeugt ist, wird es eine zusammenfassende Beobachtung am Ende geben, weil in jedem der Verse eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente zu finden sind. (2,2) Die Eröffnung εἰ γὰρ ἐγώ steht nur hier. ♦ Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Öfter als das gerade besprochene Nomen begegnet das dazugehörige Verb λυπέω im NT, insgesamt 30 / 26 Mal. Doch trotz der größeren Häufigkeit findet sich auch das Verb ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐφραίνω, das 16 / 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐξ ἐμοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 15,5; Mk 7,11; 2Kor 2,2; 12,6). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ γάρ; λυπέω; εὐφραίνω; ἐξ ἐμοῦ. 3 (2Kor) 581 <?page no="582"?> (2,3) Die Eröffnung καὶ ἔγραψα steht nur hier. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ Zu dem vorkanonisch unbezeugten λύπη vgl. zuvor Vers 2,1. ♦ Die Form σχῶ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 19,16; Apg 25,26; Röm 1,13; 2Kor 2,3; Phil 2,27), am auffallendsten ist die Nähe dieser Stelle ἵνα μὴ ἐλθὼν λύπην σχῶ zu Phil 2,27: ἵνα μὴ λύπην ἐπὶ λύπην σχῶ. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ Das reflexive με χαίρω steht noch 1 weiteres Mal, Joh 14,28 ♦ πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πεποιθώς steht 5 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: Phil 1,6; Phlm 1,21; im Vers: 2Kor 2,3; Phil 1,25; Hebr 2,13). ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ Die Kombination πάντας ὑμᾶς steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 14,5. ♦ Der Ausdruck ἐπὶ πάντας steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Lk; 5 Mal Apg). ♦ Die Kombination ἡ ἐμή steht 11 Mal im NT, 7 Mal Joh; 1Kor 9,3; 2Kor 2,3, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur ein Mal für einen Brief bezeugt, den die Forschung Paulus zuschreibt (*Röm 12,18), dann auffallenderweise gleich drei Mal in Deuteropaulinen (*Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λύπη; σχῶ; με χαίρω; πεποιθώς; πάντας ὑμᾶς; ἡ ἐμή. (2,4) πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) steht 121 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch bezeugt für *Paulus, nicht für *Ev. ♦ συνοχή steht nur noch 1 weiteres Mal im NT und zwar vorkanonisch in *Ev 21,25. ♦ δακρύω it Hapax legomenon im NT, auf der kanonischen Ebene. δάκρυον steht 12 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Wendung ἵνα γνῶτε steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; 2Kor 2,4; Eph 6,22; Kol 4,8). ♦ περισσοτέρως, das 15 Mal im NT steht, vorwiegend in paulinischen Briefen, und vorkanonisch bezeugt ist für *Phil 1,14. ♦ περισσός, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δακρύω; ἵνα γνῶτε; περισσός. 582 Rekonstruktion <?page no="583"?> (2,5) Die Eröffnung εἰ δέ τις steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 1Kor 3,12. ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ Zu dem vorkanonisch unbezeugten λύπη vgl. zuvor Vers 2,1. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zu Vers 3. ♦ μέρος, das 45 / 42 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,46; 24,42; *Kol 2,16. ♦ Die Kombination ἀπὸ μέρους steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 2Kor 1,14. ♦ ἐπιβαρέω steht nur 3 Mal im NT, auch die beiden anderen Male auf der kanonischen Ebene (1Thess 2,9; 2Thess 3,8). ♦ Die Kombination πάντας ὑμᾶς steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 14,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ τις; εἰ δέ; λύπη; ἀπὸ μέρους ἐπιβαρέω; πάντας ὑμᾶς. (2,6) ἱκανός, das 45 / 39 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48, vgl. weiter Vers 7. ♦ ἐπιτιμία ist Hapax legomenon im NT. Man vergleiche auch das verwandte Verb ἐπιτιμάω, das 34 / 29 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Ev. ♦ αὕτη, das 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πλείων, das 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,5. ♦ Die Pluralform τῶν πλειόνων begegnet nochmals, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 2Kor 4,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἱκανός; τῶν πλειόνων. (2,7) Die Kombination ὥστε τοὐναντίον steht nur hier. ♦ Die Wendung μᾶλλον ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 6,30; Lk 12,28, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2Kor 2,7). ♦ χαρίζω steht 24 / 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13, erneut ein Hinweis auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums in der Lexik zur kanonischen Ebene. ♦ παρακαλέω steht 115 / 109 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Kombination μή πως, die 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 1Kor 8,9. ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καταπίνω steht 8 Mal im NT, vorkanonisch in *1Kor 15,54 und *2Kor 5,4. ♦ Zu τοιοῦτος vgl. zuvor zu Vers 6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μᾶλλον ὑμᾶς; μή πως; πως. (2,8) Zum vorkanonisch bezeugten παρακαλέω vgl. zum voranstehenden Vers 2,8. ♦ κυρόω begegnet im NT nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Gal 3,15. ♦ 3 (2Kor) 583 <?page no="584"?> αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. ♦ Die Kombination εἰς αὐτόν steht 37 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 8,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κυρόω; Kombination εἰς αὐτόν. (2,9) Die Kombination εἰς τοῦτο γάρ steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 1,38; Apg 26,16; und dann immer als Verseröffnung in Röm 14,9; 2Kor 2,9; 1Tim 4,10; 1Petr 2,21; 4,6). ♦ δοκιμή steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 5,4; 2Kor 8,2; 9,13; 13,3; Phil 2,22). ♦ ὑπήκοος begegnet nur 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 2,8, dort aber nicht auf Menschen, sondern auf Christus bezogen. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς τοῦτο γάρ; δοκιμή; Semantik von ὑπήκοος. (2,10) Der Ausdruck ᾧ δέ steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 25,15; Lk 7,47, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2Kor 2,10). ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. ♦ Der Ausdruck ἐν προσώπῳ Χριστοῦ steht 3 Mal im NT, nur in 2Kor, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ᾧ δέ. (2,11) πλεονεκτέω findet sich 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Σατανᾶς, der 72 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 2,9. ♦ νόημα steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,4. ♦ ἀγνοέω, das sich 23 / 22 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1; 12,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: πλεονεκτέω. (2,12) Die Form ἐλθών, die 50 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene; vgl. 2Kor 12,20. ♦ Τρῳάς findet sich 6 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Apg 16,8. 11; 20,5. 6; 2Kor 2,12; 2Tim 4,13). ♦ θύρα steht 40 / 39 Mal im NT, ausnahmslos auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνοίγνυμι steht 102 / 77 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,9; *Laod 6,19. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. 584 Rekonstruktion <?page no="585"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐλθών; Τρῳάς; θύρα. (2,13) ἄνεσις begegnet 5 Mal im NT (Apg 24,23; 2Kor 2,13; 7,5; 8,13; 2Thess 1,7), vorkanonisch bezeugt für *2Thess 1,7. ♦ Die Wendung τῷ πνεύματί μου steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, in Röm 1,9. ♦ εὑρίσκω, das 198 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ Der Infinitiv εὑρεῖν steht 5 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Mt 18,13; Apg 7,46; 19.1; 2Tim 1,18). ♦ Τίτος wird 13 Mal im NT erwähnt, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3. ♦ ἀποτάσσω steht 7 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,61. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ ἐξέρχομαι, das 258 / 218 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐξῆλθον steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 12,44; Mk 1,38; Lk 11,24; 4 Mal Joh; 2Kor 2,13: ἐξῆλθον εἰς Μακεδονίαν; Phil 4,15: ἐξῆλθον ἀπὸ Μακεδονίας). ♦ Μακεδονία, das 22 Mal im NT erwähnt wird, ist nur kanonisch belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τῷ πνεύματί μου; εὑρεῖν; ἐξῆλθον; Μακεδονία. Zur Abwesenheit: Diese komplett unbezeugte Passage weist in jedem Vers verschiedene Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind. Insbesondere in den Versen 1-7 hält sich der nur kanonisch belegte Gedanken von λύπη und λυπέω durch. Die Passage ist ein Produkt der kanoni‐ schen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 2,[14] 15-16 17: Die Kritik des Paulus In diesem Abschnitt ist durch Didymus Vers 17 bezeugt, der jedoch eine narra‐ tive Überleitung zu den zuletzt vorkanonisch stehenden Versen 1,20. 22 braucht. Will man nicht annehmen, die kanonische Redaktion habe einen uns nicht mehr verfügbaren größeren Abschnitt getilgt und durch einen eigenen Text in 2,1-16 ersetzt, ist die hier vorgeschlagene Rekonstruktion aufgrund der Lexik zu präferieren. Sie beschränkt sich mit der Übernahme von zwei Teilversen 15 und 16, die die narrative Brücke zu den voranstehenden vorkanonischen Versen bilden. Allein aus Vers 17 ergibt sich der für die kirchliche Tradition, wie Didymus schildert, anstößige Charakter des vorkanonischen Texts, denn er bezieht sich zurück auf den *Galater- und auf den *Ersten Korintherbrief mit dem Hinweis darauf, dass „die übrigen“, in denen Didymus wohl nicht zu Unrecht die übrigen Apostel gelesen hatte, im Unterschied zu *Paulus einen Messias lehren, der „aus Gott“, also dem jüdischen Demiurgen, stammt. Das beduetet 3 (2Kor) 585 <?page no="586"?> aber, dass sie „gegen den Gott“, d. h. den höchsten und transzendenten Gott des wahren Christus, einem jüdischen Gott anhängen. Es verwundert folglich nicht, dass die kanonische Redaktion zur Abwehr einer solchen Lesart den vorkanoni‐ schen Text gründlich umgearbeitet hat. Ihm wurde zunächst die personalisierte kanonische Fortschreibung aus Kapitel 1 in Kapitel 2 vorangesetzt und eine Selbstbestätigung der neuen kanonischen Version hinzugefügt („Wir verkünden es aufrichtig“). Wie diese Botschaft von dem Gott aussieht, wird im folgenden Kapitel 3 von *Paulus näher dargelegt. - 14 Τῷ δὲ θεῷ χάρις τῷ πάντοτε θριαμβεύοντι ἡμᾶς ἐν τῷ Χριστῷ καὶ τὴν ὀσμὴν τῆς γνώσεως αὐτοῦ φανεροῦντι δι’ ἡμῶν ἐν παντὶ τόπῳ· 2,15 ἐν τοῖς σῳζομένοις καὶ ἐν τοῖς ἀπολλυμένοις, - 15 ὅτι Χριστοῦ εὐωδία ἐσμὲν τῷ θεῷ ἐν τοῖς σῳζομένοις καὶ ἐν τοῖς ἀπολλυμένοις, 16 οἷς μὲν ἐκ θανάτου εἰς θάνατον, οἷς δὲ ἐκ ζωῆς εἰς ζωήν. - 16 οἷς μὲν ὀσμὴ ἐκ θανάτου εἰς θάνατον, οἷς δὲ ὀσμὴ ἐκ ζωῆς εἰς ζωήν. καὶ πρὸς ταῦτα τίς ἱκανός; 17 οὐκ ἐσμὲν ὡς οἱ λοιποὶ καπηλεύοντες τὸν λόγον τοῦ θεοῦ ὡς ἐκ θεοῦ ἐν Χριστῷ διδάσκοντες κατέναντι τοῦ θεοῦ. 17 οὐ γάρ ἐσμεν ὡς οἱ πολλοὶ καπηλεύοντες τὸν λόγον τοῦ θεοῦ, ἀλλ’ ὡς ἐξ εἰλικρινείας, ἀλλ’ ὡς ἐκ θεοῦ κατένωπιον θεοῦ ἐν Χριστῷ λαλοῦμεν. A. *2,15-17: Adam., Dial. II 20 (im Mund des Adamantius): Τῷ δὲ θεῷ, φησί, χάρις τῷ πάντοτε θριαμβεύοντι ἡμᾶς ἐν τῷ Χριστῷ καὶ τὴν ὀσμὴν τῆς γνώσεως αὐτοῦ φανεροῦντι δι’ ἡμῶν ἐν παντὶ τόπῳ: ὅτι Χριστοῦ εὐωδία ἐσμὲν ἐν τοῖς σῳζομένοις καὶ ἐν τοῖς ἀπολλυμένοις, τοῖς μὲν ὀσμὴ ἐκ θανάτου εἰς θάνατον, τοῖς δὲ ὀσμὴ ἐκ ζωῆς εἰς ζωήν (Rufin: Deo autem gratias qui semper triumphat nos in Christo, et odorem scientiae suae manifestat per nos in omni loco, quia Christi bonus odor sumus in his qui salui fiunt et in his qui pereunt, aliis quidem odor de morte in mortem, aliis autem odor uitae ad uitam). Vgl. Didymus (Mai, Novae Patrum IV 2, 122): οὐ προσεκτέον τοῖς ἀπὸ τῶν ἑτεροδόξων λέγουσιν, ὅτι οἱ ἀπόστολοι ἐν Χριστῷ διδάσκοντες κατέναντι τοῦ θεοῦ τοῦ ἑτέρου παρὰ τὸν πατέρα τοῦ σωτῆρος, τουτέστιν ἐνάντια αὐτῷ, φθέγγονται. B. (2,17) Die Lesart οἱ λοιποί steht in P 46 , 06, 010, 012, 020, 6, 326, 614 s , 630, 945, 1505, sy; die Variante οἱ πολλοί findet sich in 01, 02, 03, 04, 018, 025, 044, 0243, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1739, 1881, 2464, M, lat, co, Ir, Ambst, Did. ♦ κατέναντι τοῦ steht in 025, 365, κατέναντι allein findet sich in den Zeugen P 46 , 01*, 02, 03, 04, 0243, 33, 81, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, während sich das 586 Rekonstruktion <?page no="587"?> kanonische, die Schärfe mildernde, κατένωπιον τοῦ in den Zeugen findet: 01 2 , 06 1 , 010, 012, 018, 020, 044, 104, 1241, M, das einfache κατένωπιον 06*, 1505. Auch wenn man, den Handschriften folgend, die Varianten eher umgekehrt hätte, lässt doch der Kommentar des Didymus keinen Zweifel daran, dass an dieser Stelle die gewohnte Zuordnung nicht zutrifft, wobei zu beachten ist, dass die schärfste Form, die Didymus bezeugt, sich nur in zwei Zeugen erhalten hat, 025 und 365, die durchaus öfters für die vorkanonische Fassung zeugen. Die verschiedenen Varianten bezeugen aber, dass sich die Tradition mit diesem Text nicht leichtgetan hat. C. (2,14-17) Hilgenfeld nimmt aufgrund von Adamantius an, die Verse 14-16 seien „unversehrt“ präsent gewesen. Zahn verweist bereits auf die Zeugen Ada‐ mantius und Didymus, sieht die Verse als präsent an, wobei er die Unterschiede zwischen dem kanonischen Text und Adamantius vermerkt und auch einige Handschriftenzeugen angibt, die Lesarten teilen. Harnack folgt Zahn und gibt als Text für seine Rekonstruktion: Τῷ δὲ θεῷ χάρις, τῷ πάντοτε θριαμβεύοντι ἡμᾶς ἐν τῷ Χριστῷ καὶ τὴν ὀσμὴν τῆς γνώσεως αὐτοῦ φανεροῦντι δι’ ἡμῶν ἐν παντὶ τόπῳ, ὅτι Χριστοῦ εὐωδία ἐσμὲν ἐν τοῖς σῳζομένοις καὶ ἐν τοῖς ἀπολλυμένοις, τοῖς μὲν ὀσμὴ ἐκ θανάτου εἰς θάνατον, τοῖς δὲ ὀσμὴ ἐκ ζωῆς εἰς ζωήν. 17 (οὐ γάρ ἐσμεν) ὡς οἱ λοιποὶ (καπηλεύοντες τὸν λόγον τοῦ θεοῦ) … ὡς ἐκ θεοῦ κατέναντι θεοῦ ἐν Χριστῷ λαλοῦμεν. Schmid weicht von beiden Vorgängern radikal ab und sieht die Verse als unbezeugt. Doch BeDuhn verweist erneut auf die beiden Zeugen Adamantius für die Verse 14-16b und auf Didymus (Mai, Novae Patrum IV 2, 122) für Vers 17. Aufgrund dieser Zeugnisse legt BeDuhn seiner Übersetzung den folgenden Text zugrunde: 14 Τῷ θεῷ χάρις τῷ πάντοτε θριαμβεύοντι ἡμᾶς ἐν τῷ Χριστῷ καὶ τὴν ὀσμὴν τῆς γνώσεως αὐτοῦ φανεροῦντι δι’ ἡμῶν ἐν παντὶ τόπῳ: 15 ὅτι Χριστοῦ εὐωδία ἐσμὲν ἐν τοῖς σῳζομένοις καὶ ἐν τοῖς ἀπολλυμένοις, 16 τοῖς μὲν ὀσμὴ ἐκ θανάτου εἰς θάνατον, τοῖς δὲ ὀσμὴ ἐκ ζωῆς εἰς ζωήν. 17 οὐ [γάρ ἐσμεν] ὡς οἱ λοιποὶ [καπηλεύοντες τὸν λόγον τοῦ θεοῦ, … ἀλλ’] ὡς ἐκ θεοῦ κατέναντι θεοῦ ἐν Χριστῷ λαλοῦμεν. Nun gab es bereits wiederholt Anlass, dem Zeugnis des Adamantius grund‐ sätzlich zu misstrauen, insbesondere, wenn Worte in den Mund des Adamantius selbst gelegt sind. Doch selbst wenn sie in diesem Dialog aus dem Mund eines Markioniten kommen, scheinen Zitate bisweilen kanonisch überformt zu sein, auch wenn der Dialog wiederholt für Markion sonst bezeugte Varianten aufweist, öfter in Zitaten, die einem Markioniten denn Adamantius oder dem schiedsrichtenden Euthropius zugeschrieben sind. Ist im vorliegenden Fall der 3 (2Kor) 587 <?page no="588"?> 14 (Eigene Übers.) L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 230. Ähnlich J. Weiss, Das Urchristentum (1917). „The seams in 2: 13/ 14 and 7: 4/ 5 are the best example in the entire New Testament of one large fragment secondarily inserted into another text“, so D. Georgi, The Opponents of Paul in Second Corinthians 335. Zeugniswert höher, weil Adamantius angibt, er zitiere aus der markionitischen Briefsammlung? Wie die Lexik ausweist, scheinen jedoch die Verse 14-16 bis auf ein kleines Stück am Ende von Vers 15 auf die kanonische Redaktion zurückzugehen. Auch wenn es spekulativ ist, könnte die kanonische Redaktion hier auf einem vorkanonischen Bestand die Überformung und Erweiterung vorgenommen haben. Jedenfalls bedarf es keiner weiteren narrativen Brücke, um die letzten vorkanonischen Verse 1,20 22 mit dem nächstbezeugten Vers 2,17 zu verbinden. In der bestehenden Interpretation des kanonischen Zweiten Korintherbriefs wird die vorliegende Passage und mit ihr der ganze Passus 2Kor 2,14-7,4 als Einschub gesehen, der „den Bericht der Suche des Paulus nach Titus von 2,12-13, der scheinbar ungebrochen in 7,5-6 weitergeführt wird, unterbricht“. 14 Nach der vorliegenden Rekonstruktion, bei der die Verse 2Kor 2,1-16 als Teil der kanonischen Redaktion angesehen werden, erübrigt sich diese Sichtweise, der vermeintliche Bruch ist behoben und entstand vielmehr erst durch die Einfügung des Titusberichts auf der Ebene der kanonischen Redaktion. D. (2,14) Die Verseröffnung τῷ δὲ θεῷ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, 2 Mal mit nachfolgendem χάρις (1Kor 15,57; 2Kor 2,14; ohne χάρις in Phil 4,20), wobei besonders auffällig die Stelle 1Kor 15,57 ist, weil dort die Formel ohne δέ steht, das nur durch den von der kanonischen Redaktion eingeschobenen Vers 1Kor 15,56 notwendig wurde. Daraus folgt, dass die Formel eine genuine Kreation der kanonischen Redaktion darstellt. ♦ πάντοτε steht 42 / 41 Mal im NT, darunter 7 Mal als Verseröffnung (2 Mal Mt; Röm 1,10; 2Kor 4,10; Phil 1,4; 1Thess 5,16; 2Tim 3,7), ausschließlich jedoch auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,10. ♦ θριαμβεύω ist nur noch 1 weiteres Mal belegt, für die kanonische Ebene (Kol 2,15). ♦ Die Wendung ἐν τῷ Χριστῷ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,22; *Laod 1,12. 20; vgl. zu 1Kor 15,22. ♦ ὀσμή steht 6 Mal im NT, und zwar nur auf der kanonischen Ebene, es sei denn *Laod 5,2 hätte diesen Terminus enthalten ( Joh 12,3; Eph 5,2; Phil 4,18). ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8; *Phil 3,8, vgl. weiter oben zu Vers 2. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist für die vorkanonische Fassung belegt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ τόπος, das 100 / 94 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt 588 Rekonstruktion <?page no="589"?> für *Ev. ♦ Die Kombination ἐν παντί τόπῳ steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,2; 2Kor 2,14; 1Thess 1,8; 1Tim 2,8). Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung τῷ δὲ θεῷ; πάντοτε; θριαμβεύω; ὀσμή; ἐν παντὶ τόπῳ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,15) ὅτι Χριστοῦ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Mk 9,41. ♦ εὐωδία steht nur 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, es sei denn *Laod 5,2 hätte diesen Terminus enthalten. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10, vgl. weiter Vers 17. ♦ σῴζω, das 112 / 107 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ In derselben Form σῳζομένοις findet sich der Begriff in *1Kor 1,18. ♦ σῴζω, das 112 / 107 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ ἀπόλλυμι steht 107 / 91 im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. ♦ Die Form ἀπολλυμένοις steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18 (und zwar unbezeugt, aber möglicherweise auch *2Kor 4,3; *2Thess 2,10). Zur Rekonstruktion: Zwar ist der vorliegende Vers ebenfalls vorkanonisch un‐ bezeugt, gleichwohl bedarf der narrative Zusammenhang, wie BeDuhn richtig erkannt hat, eines Übergangs hin zu dem bezeugten Vers 17. Der Anfang des vorliegenden Verses weist kanonische Lexik auf, jedoch fällt auf, dass bis in die Wortformen hinein das Ende des Verses markante vorkanonische Lexik besitzt. (2,16) Die Wendung οἷς μέν steht nur hier. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Die Wendung ἐκ θανάτου steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 2,16; Hebr 5,7; Jak 5,20). ♦ Die Wendung εἰς θάνατον findet sich 8 Mal im NT, vorkanonisch möglicherweise bezeugt für *2Kor 4,11. ♦ Die Wendung εἰς ζωήν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,21. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ Die Wendung πρὸς ταῦτα steht 3 Mal im NT (Lk 14,6; Röm 8,31; 2Kor 2,16), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἱκανός, das 45 / 39 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fällt auf, dass anfangs der thematische Anschluss mit οἷς μὲν ὀσμή das nur für die kanonische Ebene belegte Thema des Geruches einführt, dann aber griffige Formulierungen folgen, die vorkanonisch bezeugt sind, so dass es sich auch hier spekulativ nahelegt, dass mit Ausnahme der Einführung der Rest des 3 (2Kor) 589 <?page no="590"?> 15 Vgl. S.-210. Verses vorkanonische Terminologie bietet. Wobei die Schlussfrage erneut auf die kanonische Redaktion zurückzuführen ist. (2,17) Zur Verbform ἐσμέν vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ Die Kombination γάρ ἐσμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ καπηλεύω ist Hapax legomenon im NT. ♦ εἰλικρίνεια findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,14. ♦ οἱ λοιποί steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, es sei denn es stand in *2Kor 2,17. ♦ Auch die Variante οἱ πολλοί, die 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 5,15. 19; 12,5; 1Kor 10,17; 2Kor 2,17). ♦ Das von Didymus gegebene οἱ ἀπόστολοι steht 11 Mal im NT, ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 6,30; Lk 9,10; 17,5; 22,14; 6 Mal Apg; Apk 18,20). ♦ κατέναντι steht nur 8 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Variante hierzu, κατενώπιον, findet sich 5 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (2Kor 12,19; Eph 1,4; Kol 1,22; Jud 1,24). ♦ Die Wendung ἐν Χριστῷ begegnet nicht in *Ev, ist allerdings encheiristisch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13, vgl. zur encheiristischen Semantik zuvor zu 1Kor 1,4. Im vorliegenden Fall ist von Interesse, dass aufgrund der encheiristischen Semantik die Gegner an diesem hohen Anspruch gemessen und kritisiert werden. 15 ♦ διδάσκω steht 102 / 97 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,12. Zur Rekonstruktion: Unter Berücksichtigung der Handschriftenvariante und der Lexik wird der Text nach Didymus gegeben. Kapitel 3 3,[1] 2 3 [4-5] 6-7 [8-10] 11 [12] 13-16 [17] 18: Die neue Thora des Lebens Der vorliegende Passus ist vorkanonisch gut bezeugt. Sie ist, wie schon Hilgen‐ feld gesehen hatte, eine Kernstelle, denn sie entwickelt die Antithese zwischen dem Neuen Testament und dem Alten Testament, zwischen dem neuen, leben‐ digen, in der Herrlichkeit bleibenden Testament Christi, das in die Herzen mit dem Geist geschrieben ist, und das in Steintafeln, in fleischliche Herzen gemeißelte Alte Testament des Mose, dessen Herrlichkeit vergänglich war. Die Entfernung der Hülle ist nicht mit dem Kommen Christi bereits gegeben, sondern wird in Aussicht gestellt, wenn er zu „dem“ Gott zurückkehrt. Die kanonische Redaktion übernimmt weitgehend den vorkanonischen Text, bricht der Antithese jedoch die Spitze, indem sie „Neues Testament“ mit „Brief “ 590 Rekonstruktion <?page no="591"?> und „Dienst“ ersetzt, eine Digression zum „Dienst“ hinzufügt, wiederum den Text auf Paulus hin personalisiert und die Schärfe der Differenz zwischen der Botschaft des Mose und derjenigen Christi mindert. - 3,1 Ἀρχόμεθα πάλιν ἑαυτοὺς συνιστάνειν; ἢ μὴ χρῄζομεν ὥς τινες συστατικῶν ἐπιστολῶν πρὸς ὑμᾶς ἢ ἐξ ὑμῶν; 3,2 ἡ διαθήκη τῆς ζωῆς ἐστε, ἐγγεγραμμένη ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν, γινωσκομένη καὶ ἀναγινωσκομένη ὑπὸ ἀνθρώπων· 2 ἡ ἐπιστολὴ ἡμῶν ὑμεῖς ἐστε, ἐγγεγραμμένη ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν, γινωσκομένη καὶ ἀναγινωσκομένη ὑπὸ πάντων ἀνθρώπων· 3 φανερούμενοι ὅτι ἐστὲ ἡ καινὴ διαθήκη Χριστοῦ, καὶ ἐγγεγραμμένη οὐ μέλανι ἀλλὰ πνεύματι ζῶντος, οὐκ ἐν πλαξὶν λιθίναις ἀλλὰ πλαξὶν καρδίας σαρκίναις 3 φανερούμενοι ὅτι ἐστὲ ἐπιστολὴ Χριστοῦ διακονηθεῖσα ὑφ’ ἡμῶν, ἐγγεγραμμένη οὐ μέλανι ἀλλὰ πνεύματι θεοῦ ζῶντος, οὐκ ἐν πλαξὶν λιθίναις ἀλλ’ ἐν πλαξὶν καρδίαις σαρκίναις. - 4 Πεποίθησιν δὲ τοιαύτην ἔχομεν διὰ τοῦ Χριστοῦ πρὸς τὸν θεόν. 5 οὐχ ὅτι ἀφ’ ἑαυτῶν ἱκανοί ἐσμεν λογίσασθαί τι ὡς ἐξ ἑαυτῶν, ἀλλ’ ἡ ἱκανότης ἡμῶν ἐκ τοῦ θεοῦ, 6 καινὴ διαθήκη, οὐ γράμματος ἀλλὰ πνεύματος· τὸ γὰρ γράμμα ἀποκτέννει, τὸ δὲ πνεῦμα ζῳοποιεῖ. 6 ὃς καὶ ἱκάνωσεν ἡμᾶς διακόνους καινῆς διαθήκης, οὐ γράμματος ἀλλὰ πνεύματος· τὸ γὰρ γράμμα ἀποκτέννει, τὸ δὲ πνεῦμα ζῳοποιεῖ. 7 Εἰ ἡ διαθήκη τοῦ θανάτου ἐν γράμματι ἐντετυπωμένη λίθοις ἐγενήθη ἐν δόξῃ, ὥστε μὴ δύνασθαι ἀτενίσαι τοὺς υἱοὺς Ἰσραὴλ εἰς τὸ πρόσωπον Μωϋσέως διὰ τὴν δόξαν τοῦ προσώπου αὐτοῦ τὴν καταργουμένην, 7 Εἰ δὲ ἡ διακονία τοῦ θανάτου ἐν γράμμασιν ἐντετυπωμένη ἐν λίθοις ἐγενήθη ἐν δόξῃ, ὥστε μὴ δύνασθαι ἀτενίσαι τοὺς υἱοὺς Ἰσραὴλ εἰς τὸ πρόσωπον Μωϋσέως διὰ τὴν δόξαν τοῦ προσώπου αὐτοῦ τὴν καταργουμένην, - 8 πῶς οὐχὶ μᾶλλον ἡ διακονία τοῦ πνεύματος ἔσται ἐν δόξῃ; 9 εἰ γὰρ τῇ διακονίᾳ τῆς κατακρίσεως δόξα, πολλῷ μᾶλλον περισσεύει ἡ διακονία τῆς δικαιοσύνης δόξῃ. 10 καὶ γὰρ οὐ δεδόξασται τὸ δεδοξασμένον ἐν τούτῳ τῷ μέρει εἵνεκεν τῆς ὑπερβαλλούσης δόξης· 11 πολὺ μᾶλλον τὸ μένον ἐν δόξῃ καὶ μὴ καταργούμενον. 11 εἰ γὰρ τὸ καταργούμενον διὰ δόξης, πολλῷ μᾶλλον τὸ μένον ἐν δόξῃ. - 12 Ἔχοντες οὖν τοιαύτην ἐλπίδα πολλῇ παρρησίᾳ χρώμεθα, 3 (2Kor) 591 <?page no="592"?> 13 καὶ οὐ Μωϋσῆς. ἐτίθει κάλυμμα ἐπὶ τὸ πρόσωπον ἑαυτοῦ, πρὸς τὸ μὴ ἀτενίσαι τοὺς υἱοὺς Ἰσραὴλ εἰς τὸ τέλος τοῦ καταργουμένου. 13 καὶ οὐ καθάπερ Μωϋσῆς ἐτίθει κάλυμμα ἐπὶ τὸ πρόσωπον αὐτοῦ, πρὸς τὸ μὴ ἀτενίσαι τοὺς υἱοὺς Ἰσραὴλ εἰς τὸ τέλος τοῦ καταργουμένου. 14 ἀλλ’ ἐπωρώθη τὰ νοήματα τοῦ κόσμου. ἄχρι τῆς σήμερον ἡμέρας τὸ αὐτὸ κάλυμμα ἐπὶ τῇ ἀναγνώσει τῆς παλαιᾶς διαθήκης μένει μὴ ἀνακαλυπτόμενον, ἐν Χριστῷ καταργεῖται· 14 ἀλλὰ ἐπωρώθη τὰ νοήματα αὐτῶν. ἄχρι γὰρ τῆς σήμερον ἡμέρας τὸ αὐτὸ κάλυμμα ἐπὶ τῇ ἀναγνώσει τῆς παλαιᾶς διαθήκης μένει μὴ ἀνακαλυπτόμενον, ὅτι ἐν Χριστῷ καταργεῖται· 15 ἀλλ’ ἕως σήμερον ἡνίκα ἂν ἀναγινώσκηται Μωϋσῆς κάλυμμα ἐπὶ τὴν καρδίαν αὐτῶν κεῖται· 15 ἀλλ’ ἕως σήμερον ἡνίκα ἂν ἀναγινώσκηται Μωϋσῆς κάλυμμα ἐπὶ τὴν καρδίαν αὐτῶν κεῖται· 16 ἡνίκα δὲ ἐὰν ἐπιστρέψῃ πρὸς τὸν θεόν, περιαιρεῖται τὸ κάλυμμα. 16 ἡνίκα δὲ ἐὰν ἐπιστρέψῃ πρὸς κύριον, περιαιρεῖται τὸ κάλυμμα. - 17 ὁ δὲ κύριος τὸ πνεῦμά ἐστιν· οὗ δὲ τὸ πνεῦμα κυρίου, ἐκεῖ ἐλευθερία. 18 ἡμεῖς ἤδη ἀνακεκαλυμμένῳ προσώπῳ τὸν Χριστὸν κατοπτριζόμενοι τὴν αὐτὴν εἰκόνα μεταμορφούμεθα ἀπὸ δόξης εἰς δόξαν, καθώσπερ ἀπὸ κυρίου πνευμάτων. 18 ἡμεῖς δὲ πάντες ἀνακεκαλυμμένῳ προσώπῳ τὴν δόξαν κυρίου κατοπτριζόμενοι τὴν αὐτὴν εἰκόνα μεταμορφούμεθα ἀπὸ δόξης εἰς δόξαν, καθάπερ ἀπὸ κυρίου πνεύματος. A. *3,3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,4: Sic et testamentum novum non alterius erit quam qui illud repromisit; etsi non littera, at eius spiritus; hoc erit novitas. Denique qui litteram tabulis lapideis inciderat, idem et de spiritu edixerat, Ef‐ fundam de meo spiritu in omnem carnem; vgl. Adam., Dial. V 27 (im Mund des Adamantius): φανερώτερον ὅτι ἐστὲ ἐπιστολὴ Χριστοῦ διακονηθεῖσα ὑφ’ ἡμῶν, ἐγγεγραμμένη οὐ μέλανι ἀλλ’ ἐν πνεύματι θεοῦ ζῶντος, οὐκ ἐν πλαξὶ λιθίναις ἀλλ’ ἐν πλαξὶ καρδίαις σαρκίναις (Rufin: Certum est autem quia estis epistola Christi ministrata a nobis et scripta non atramento, sed spiritu dei uiui, non in tabulis lapideis, sed in tabulis cordis carnalibus). Zu πλαξὶν καρδίας σαρκίναις vgl. Ez 36,26 LXX: καὶ δώσω ὑμῖν καρδίαν καινὴν καὶ πνεῦμα καινὸν δώσω ἐν ὑμῖν καὶ ἀφελῶ τὴν καρδίαν τὴν λιθίνην ἐκ τῆς σαρκὸς ὑμῶν καὶ δώσω ὑμῖν καρδίαν σαρκίνην. Überhaupt zur Passage vgl. Jer 38,31-33 LXX: 31 ἰδοὺ ἡμέραι ἔρχονται φησὶν κύριος καὶ διαθήσομαι τῷ οἴκῳ Ισραηλ καὶ τῷ οἴκῳ Ιουδα διαθήκην καινήν. 32 οὐ κατὰ τὴν διαθήκην ἣν διεθέμην τοῖς πατράσιν αὐτῶν ἐν ἡμέρᾳ ἐπιλαβομένου μου τῆς χειρὸς αὐτῶν ἐξαγαγεῖν αὐτοὺς ἐκ γῆς Αἰγύπτου ὅτι αὐτοὶ οὐκ ἐνέμειναν ἐν τῇ διαθήκῃ μου καὶ ἐγὼ ἠμέλησα αὐτῶν φησὶν κύριος. 33 ὅτι αὕτη ἡ διαθήκη ἣν διαθήσομαι τῷ οἴκῳ Ισραηλ μετὰ τὰς ἡμέρας 592 Rekonstruktion <?page no="593"?> ἐκείνας φησὶν κύριος διδοὺς δώσω νόμους μου εἰς τὴν διάνοιαν αὐτῶν καὶ ἐπὶ καρδίας αὐτῶν γράψω αὐτούς καὶ ἔσομαι αὐτοῖς εἰς θεόν καὶ αὐτοὶ ἔσονταί μοι εἰς λαόν. ♦ *3,6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,4: Sic et testamentum novum non alterius erit quam qui illud repromisit … Et si littera occidit, spiritus vero vivificat, eius utrumque est qui ait, Ego occidam et ego vivificabo, percutiam et sanabo. Olim duplicem vim creatoris vindicavimus, et iudicis et boni, littera occidentis per legem et spiritu vivificantis per evangelium. Non possunt duos deos facere quae, etsi diversa, apud unum recenseri praevenerunt; vgl. Hegemonius, Acta Arch. 45 (65,31-66,1 Beeson): In quo et idoneos nos fecit deus ministros non littera, sed spiritu. Littera enim occidit, spiritus autem vivificat. ♦ *3,7. 11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,5 (vv. 6-7. 10-11): Commemorat et de velamine Moysi, quo faciem tegebat incontemplabilem filiis Israel. Si ideo ut claritatem maiorem defenderet novi testamenti quod manet in gloria, quam veteris quod evacuari habebat, hoc et meae convenit fidei praeponenti evangelium legi, et vide ne magis meae. Illic enim erit superponi quid, ubi fuerit et illud cui superponitur; vgl. Adam., Dial. V 27 (v. 11): εἰ γὰρ τὸ καταργούμενον διὰ δόξης, πολὺ μᾶλλον τὸ μένον ἐν δόξῃ καὶ μὴ καταργούμενον; vgl. Hegemonius, Acta Arch. 45 (65,31-66,1 Beeson) (vv. 7-11): Quod si ministerium mortis in litteris formatum in lapidibus factum est in gloria, ita ut non possent intendere filii Istrahel in faciem Moysi propter gloriam vultus eius, quae destruitur, quomodo non magis ministerium spiritus erit in gloria? Si enim ministerium damnationis gloria est, multo magis abundabit ministerium iustitiae ad gloriam. Neque enim glorificatum est quod gloriosum factum est in hac parte, propter eam quae supereminet gloriam; si enim quod destruitur per gloriam, multo magis quod manet in gloria est. ♦ *3,13: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,5 (vv. 6-7. 10-11): Commemorat et de velamine Moysi, quo faciem tegebat incontemplabilem filiis Israel. Si ideo ut claritatem maiorem defenderet novi testamenti quod manet in gloria, quam veteris quod evacuari habebat, hoc et meae convenit fidei praeponenti evangelium legi, et vide ne magis meae. Illic enim erit superponi quid, ubi fuerit et illud cui superponitur. ♦ *3,14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,5: Sed obtunsi sunt sensus mundi, non utique creatoris, sed populi qui in mundo est. De Israele enim dicit, Ad hodiernum usque velamen idipsum in corde eorum; ibid. V 11,7: Cum vero converterit ad deum, auferetur velamen, hoc Iudaeo proprie dicit apud quem et est velamen Moysi, qui cum transierit in fidem Christi, intellegit Moysen de Christo praedicasse; ibid. V 5,7: Sed prius de mundo disceptabo, quatenus subtilissimi haeretici hic vel maxime mundum per dominum mundi interpretantur, nos autem hominem qui sit in mundo intellegimus. ♦ *3,15: Vgl. Tertullian zum voranstehenden Vers (velamen idipsum in corde eorum) und Adv. Marc. V 1,5-6: [5] … Figuram ostendit fuisse velamen faciei in Moyse velaminis cordis in populo, quia nec nunc apud illos perspiciatur Moyses corde, 3 (2Kor) 593 <?page no="594"?> 16 Vgl. zur Duplikation die Einleitung, I, S. 563-568. 17 „Wenig schön ist der Text der meisten Majuskeln ἐν πλαξὶν καρδίαις σαρκίναις, wobei κ. Σ. Als epexegetische Apposition zu πλ. Zu fassen ist. Verlockend ist die Lesart καρδίας, die Marcion F [10] K [18] Iren. Orig. und die meist. Übers. bieten“, H. Windisch, Der zweite Korintherbrief (1924), 106. sicut nec facie tunc. [6]-Quid est ergo adhuc velatum in Moyse quod pertineat ad Paulum, si Christus creatoris a Moyse praedicatus nondum venit? ♦ *3,16: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,7: Denique quod sequitur, Cum vero converterit ad deum, auferetur velamen, hoc Iudaeo proprie dicit apud quem et est velamen Moysi, qui cum transierit in fidem Christi, intellegit Moysen de Christo praedicasse. ♦ *3,18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11 8: Dicit ergo nos iam aperta facie, utique cordis, quod velatum est in Iudaeis, contemplantes Christum eadem imagine transfigurari a gloria, qua scilicet et Moyses transfigurabatur a gloria domini, in gloriam. Ita corporalem Moysi illuminationem de congressu domini et corporale velamen de infirmitate populi proponens, et spiritalem revelationem et spiritalem claritatem in Christo superducens, tanquam a domino, inquit, spirituum, totum ordinem Moysi figuram ignorati apud Iudaeos, agniti vero apud nos Christi fuisse testatur. B. (3,3) Das καί steht in den Zeugen P 46 , 03, 0243, 630, 1175, 1739, 1881, vg, und in der altlateinischen Tradition in 78, während 75, 76, 77, Pel b inscripta lesen, und 89, Ambst lesen scripta. ♦ Der Genitiv καρδίας anstelle des Dativ καρδίαις steht in Adamantius und in den Zeugen 010, 044, 629, 945, 1505, latt (sy p ), Ir lat , Eus; das Wort fehlt in 0243, 630, 1739. 16 ♦ (3,5) Anstelle von λογίσασθαι schreiben die Zeugen 04, 06, 010, 012, 629 λογίζεσθαι. ♦ P 46 om τι. ♦ Anstelle von ἑαυτῶν steht αὐτῶν in 03, 010, 012. ♦ (3,6) Während ἀποκτέννει in den Zeugen P 46c (ἀποκτείνει), 01, 03, 010, 012, 018, 025, 044, 0243, 6, 33, 104, 326, 614s, 945, 1739, co steht, findet sich das gewohntere ἀποκτενεῖ in den Zeugen P 46 *, 02, 03, 06, 020, 81, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464. ♦ (3,7) Der Singular γράμματι steht in den Zeugen 03, 06* .c , 010, 012, sy p . Auffallend ist in der altlateinischen Tradition die Kombination in litteris uel littera in 77, littera in Cass ed , litterae Cass var . ♦ Post ἐντετυπωμένη add ἐν in 01 2 , 6 1 , 018, 020, 044, 104, 365, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, lat, Ambst, was der kanonischen Tendenz zur Duplikation entspricht (nicht in NA 28 ). 17 ♦ (3,9) Die Dativform τῇ διακονίᾳ steht in den Zeugen P 46 , 01, 02, 04, 06*, 010, 012, 044, 0243, 33, 104, 326, 630, 1175, 1739, (b), sy, sa, Ambst, Pel, NA 28 , während der Nominativ zu finden ist in den Zeugen 03, 06 1 , 018, 020, 025, 365, 629 c , 1241, 1881, M, ar, f, vg, bo, διακονία ohne Artikel steht in 81, 629*, 1505, 2464. ♦ Post δικαιοσύνης add ἐν in 01 2 , 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881c, 2464, M, latt, om in P 46 , 01*, 02, 03, 04, 0243, 33, 81, 326, 1739, 1881*. ♦ (3,13) Die Form ἑαυτοῦ bieten die Zeugen 594 Rekonstruktion <?page no="595"?> 18 W.P. Stelzer, A New Reconstruction of the Text of 2 Corinthians in Pelagius’s Commen‐ tary on the Pauline Epistles (2018), 102. 19 Es erstaunt, dass diese Varianten für Pel nicht vermerkt sind in ibid. 20 J.H. Kennedy, The Problem of Second Corinthians (1903), 350-351; L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 232. Vgl. auch P. Schmiedel, Die Briefe an die Thessalonicher und an die Korinther (1891), 61; K. Lake, The earlier epistles of St. Paul their motive and origin (1914), 154; A. Plummer, A Critical and Exegetical Commentary on the Second Epistle of St Paul to the Corinthians (1915), xxxi-xxxiii. 01, 06, 018, 630, 1241, M, während die Mehrzahl die Alternative αὐτοῦ bietet: 02, 03, 04, 010, 012, 020, 025, 044, 0243, 33, 81, 326, 1739, 1881, 2464. ♦ Hier haben einige Zeugen anstelle von τέλος den Terminus πρόσωπον, so 02, b, f*, vg, (bo mss ). ♦ (3,14) Anstelle von αὐτῶν legt Tertullian die Variante τοῦ κόσμου nahe. ♦ (3,16) Anstelle von ἐάν findet sich ἄν in 01 c2 , 03. ♦ (3,17) Anstelle von κυρίου bietet allein 020 die Variante τὸ ἅγιον. ♦ ἐκεῖ findet sich in den Zeugen 01 2 , 06 1 , 010, 012, 018, 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1881, 2464, M, lat, sy h , sa, Epiph, während es fehlt in P 46 , 01*, 02, 03, 04, 06*, 0243, 6, 33, 81, 1175, 1739, r, sy p , bo und in der altlateinischen Tradition in 64, 61, Ambst var , Pel var . Man bemerke allerdings, dass in Pel zwar ein „ubi“ steht, jedoch in der Handschrift B Oxford, Balliol College 157 (15. Jh.) das in den anderen Hss. stehende „autem“ fehlt. 18 ♦ (3,18) πάντες om P 46 , vg ms , Ambst var , Spec ed . ♦ Anstelle von δέ schreibt Harnack richtig ἤδη, was nahe am Buchstabenbestand von δέ liegt, zugleich aber Tertullians ergo … iam berücksichtigt, eine Variante, die auch Pel var begegnet, und auch besser dem itaque entspricht, das sich findet in der altlateinischen Tradition in 61, Ambst, Pel b . 19 ♦ Nach Tertullian, und ihm folgend Harnack und BeDuhn, ist anstelle von τὴν δόξαν κυρίου wohl τὸν Χριστόν zu lesen. ♦ Anstelle von καθάπερ liest man in 03 καθώσπερ. C. 1. (3,1-2) Nach allen Editoren sind die beiden ersten Verse von Kapitel 3 unbezeugt. Ob sie auch vorkanonisch nicht vorhanden waren, kann nur durch die drei Kriterien Textvarianten, Lexik und narrativer Zusammenhang näher bestimmt werden. 2. (3,1) Vers 1 wird manchmal (ähnlich wie 5,12) als Rückverweis auf den älter gedachten Brieftext 2Kor 12,11 (mit Verweis auf πάλιν) betrachtet. 20 3. (3,2) Narrativ schließt *2Kor 3,3 an *2Kor 2,17 an, allerdings könnte auch Vers 2 noch gestanden sein. In *Vers 7, wie wir sehen werden, scheint die kanonische Redaktion den vorkanonisch stehenden Begriff mit einem typisch kanonischen Begriff, διακονία, ersetzt zu haben, so wie an dieser Stelle in Vers 2 der kanonische Begriff ἐπιστολή wohl wegen der Kontrastierung dieser beiden Verse denselben vorkanonischen Begriff ersetzt hatte. Dann aber passt am 3 (2Kor) 595 <?page no="596"?> 21 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 451. ehesten der durch Tertullian für den im nächsten Vers anstelle des kanonischen ἐπιστολή stehenden Begriff (καινὴ) διαθήκη. Das heißt, in Vers 2 wird man „das Testament des Lebens“ (ἡ διαθήκη τῆς ζωῆς) und in Vers 7 „das Testament des Todes“ (ἡ διαθήκη τοῦ θανάτου) zu lesen haben, eine Antithese, die bereits durch *Vers 2,16 vorbereitet wurde. Diese Überlegungen bestätigen damit, dass der Terminus διακονία aus den Versen 7 und 8 auf der vorkanonischen Ebene im Folgetext überhaupt keine Rolle mehr spielt - sondern es geht tatsächlich um das jüdische Testament und um das Neue Testament, von διακονία ist nicht mehr die Rede. Da die weitere Lexik vorkanonisch ist, wird man diesen Vers mit dieser spekulativen Änderung in den vorkanonischen Text setzen dürfen, den dann Vers 3 aufnimmt. Da auch Vers 3 am Anfang unbezeugt ist, mag auch hier die kanonische Redaktion die Spezifizierung zu „Brief “ vorgenommen haben - man bemerke, wie dieselbe Redaktion auch in Vers 1 einen terminus technicus aus der Epistolographie einbrachte. 4. (3,3) Hilgenfeld sieht diesen Vers im Adamantiusdialog „genau an(geführt)“ und bei „Tertullian berücksichtigt …, eine Hauptstelle für die marcionitische Lostrennung des neuen Bundes von dem alten.“ 21 Zahn hingegen liest lediglich Anspielungen auf diesen Vers. Harnack gibt in seiner Rekonstruktion den kanonischen Text. Schmid ist wieder restriktiver und gibt als bezeugten Text: … ἐγγεγραμμένη … πνεύματι … ἐν πλαξὶν λιθίναις … σαρκίναις. BeDuhn übersetzt den kanonischen Text bis auf den Anfang (φανερούμενοι ὅτι), nachdem er die beiden voranstehenden Verse ausgelassen hat. Man könnte natürlich überlegen, ob Tertullian bei seinem Zeugnis nicht in die Reihe seiner Gegenzeugnisse aus der jüdischen Schrift auch aus seiner kanonischen Vorlage zitiert hat. Dagegen spricht allerdings die Art seiner Argumentation, bei der er sich „schließlich“ auf den Text dieses Verses beruft, ihn also zum Kronzeugen macht. Dieser aber kann kaum anders als aus seinem Gegner Markion geschöpft sein, dabei fällt auf, dass schon an dieser Stelle Tertullian vom testamentum novum spricht, was bisher nicht aufgefallen war, weil der Vers ausschließlich für die Bezeugung von Vers 6 herangezogen wurde. Dass dies dem Text m. E. nicht völlig gerecht wird, wird weiter unten zu Vers 6 dargelegt. 5. (3,4-5) Zahn nimmt an, dass die Verse 4-5 der kanonischen Fassung nach präsent waren, auch wenn Tertullian nicht auf sie anspielt. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen sie als unbezeugt, auch wenn BeDuhn wegen des narrativen Zusammenhangs mit dem wieder bezeugten Vers 6 in Klammern auch den 596 Rekonstruktion <?page no="597"?> 22 Vgl. D. Trobisch, On the Origin of Christian Scripture. The Evolution of the New Testament Canon in the Second Century (2023), 56. kanonischen Text der Verse 4-5 in seine Übersetzung nimmt. Wiederum sind wir zusätzlich auf Varianten und Lexik verwiesen. 6. (3,6) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für Vers 6. Zahn sieht den kanonischen Text bezeugt. Nach Harnack und Schmid ist bezeugt καινῆς διαθήκης … οὐ γράμματος ἀλλὰ πνεύματος: τὸ γὰρ γράμμα ἀποκτέννει, τὸ δὲ πνεῦμα ζῳοποιεῖ. BeDuhn nimmt den gesamten kanonischen Text als bezeugt. D. Trobisch hebt hervor, dass mit diesem Vers möglicherweise eine Verbindungslinie zum Titel der vorkanonischen Sammlung („Neues Testament“) vorliegt, 22 was Tertullian wohl auch so gelesen hat. Nun wurde das Tertullian‐ zitat bereits für Vers 3 herangezogen, korrekterweise, denn Tertullian merkt in diesem kurzen Referat an, dass sich das Neue Testament kein anderes sei als das verheißene - das aber spielt auf den Anfang von Vers 3 (φανερούμενοι), gerade nicht auf die Differenzierung, die dann sowohl in Vers 3 wie Vers 6 herausgehoben wird, und die Tertullian eher minimieren will. Er scheint also bereits in Vers 3 ein „Neues Testament“ gelesen zu haben. Wegen der Nähe beider Verse scheint er in seinem Kommentar auf beide Verse in einem Zug zu sprechen gekommen sein. 7. (3,7-11) Hilgenfeld stützt sich auf Adamantius für die Annahme der Präsenz dieses Verses nach der Lesart desselben. Zahn sieht aufgrund der „Anspie‐ lungen“ Tertullians den kanonischen Text der gesamten Passage bezeugt. Auch Harnack sieht Anspielungen auf die Passage, insbesondere auf die Verse 7 ff. und 11, gibt aber nur einen Text für Vers 11, indem er hier Adamantius folgt. Erst BeDuhn verweist auf das zusätzliche Zeugnis des Hegemonius, doch muss man hier vorsichtig sein, weil bereits das Hegemoniuszitat für den voranstehenden Vers 6 dafür zeugt, dass hier möglicherweise der kanonische Text zugrunde lag. Insgesamt bietet BeDuhn die Übersetzung des kanonischen Textes mit der Ergänzung in Vers 11 aus Adamantius, die auch in Tertullian anklingt (quod manet). 8. (3,12) Nach allen Editoren ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn Zahn mit seiner Präsenz in kanonischer Form rechnet. Harnack und Schmid sehen ihn schlicht als unbezeugt und übergehen ihn, während BeDuhn wohl wegen der Narration die Übersetzung des Verses in Klammern gibt. Neben dem narrativen Zusammenhang sind wir wieder auf die Lexik verwiesen. Was die Argumentation betrifft, ist die kanonische Digression mit der Gegenüberstel‐ lung von paulinischem Freimut (παρρησία) und der Verhüllung des Mose zu beachten, welche die vorkanonische Antithese von Vergänglichkeit und 3 (2Kor) 597 <?page no="598"?> 23 H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 125. Bleiben in der Herrlichkeit unterbricht. Einher geht damit inhaltlich, dass die drastische Vergänglichkeit des Mose, die dieser den Israeliten mit dem Schleier vorenthalten wollte, entschärft wird. Die kanonische Redaktion untergräbt damit das vorkanonische Vergänglichkeitsargument und verschiebt mit ihrem Verhüllungsvergleich zwischen dem Neuen Testament und der in Stein gemei‐ ßelten Schrift die Überlegungen auf die ethische Schiene zwischen Freimut der Verkündigung des Paulus und der Verschleierungstaktik des Mose. 9. (3,13) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den kanonischen Text dieses Verses bezeugt, Harnack gibt den obigen Text ohne εἰς τὸ τέλος. Schmid sieht nur „Anspielungen“, ohne dass er eine Rekonstruktion zu geben wagt, während BeDuhn seiner Übersetzung den kanonischen Text zugrunde legt. 10. (3,14) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den Vers bezeugt, jedoch mit einem abweichenden Text: ἀλλ’ ἐπωρώθη τὰ νοήματα τοῦ κόσμου … Harnack schließt sich diesem Vorschlag an und gibt als Text: ἀλλ’ ἐπωρώθη τὰ νοήματα τοῦ κόσμου (τοῦ αἰῶνος? ). ἄχρι γὰρ τῆς σήμερον ἡμέρας τὸ αὐτὸ κάλυμμα ἐπί … Schmid sieht bezeugt ἀλλὰ ἐπωρώθη τὰ νοήματα τοῦ κόσμου (αἰῶνος? ). ἄχρι (γὰρ) τῆς σήμερον (ἡμέρας) τὸ αὐτὸ κάλυμμα … BeDuhn schließt sich im ersten Teil Zahn an, und legt seiner Übersetzung ein eingeklammertes γάρ zugrunde, führt den Vers aber mit dem kanonischen Text in Klammern zu Ende. Anstelle von αὐτῶν legt Tertullian die Variante τοῦ κόσμου nahe, wie bereits Hilgenfeld und Zahn gesehen hatten, die von Harnack ebenfalls angedachte Variante lautet τοῦ αἰῶνος. Beides ist nicht durch Handschriftenvarianten bezeugt. Ein lexikalischer Vergleich zeigt, dass κόσμος für die vorkanonische Ebene in inhaltlicher Nähe etwa zu *Gal 6,14, *1Kor 1,21 und *Ev 12,29 steht. Die Alternative, Tertullians Zeugnis zu übersetzen, ist αἰών, das ebenfalls vorkanonisch bezeugt ist. Der Begriff begegnet vorkanonisch auch im Sinne von κόσμος, doch wenn man *Ev 18,18, *1Kor 2,7 und 10,13 hinzunimmt, erkennt man, dass die vorkanonische Ebene diesen Begriff weiter auffasst und nicht nur bezogen auf mundus liest. Darum scheint wohl eher der Begriff κόσμος dem tertullianschen mundus hier zugrunde zu liegen, wobei αἰών nicht auszu‐ schließen ist. Nach Zimmermann führt die Variante zu einem Textverständnis, das Tertullian kritisiert, wonach „die ‚Welt‘ mit dem Schöpfergott identifiziert“ wird. 23 598 Rekonstruktion <?page no="599"?> 24 Vgl. zu diesem Thema M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 94-95. 25 Vgl. zu diesem Vers auch H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 119. 11. Die Kombination τῆς παλαιᾶς διαθήκης ist Hapax für das gesamte NT, worauf mich Mark Bilby in einer Email vom 14.05.2023 aufmerksam gemacht hat mit der Empfehlung, 2Kor 3,14 der kanonischen Redaktion zuzuschreiben. Als Begründung führte er den auffälligen Umstand an, dass hier von einem „Alten Testament“ gesprochen wird, doch hatte er mit den älteren Editoren nicht die Aufnahme von „Neues Testament“ in den Versen 3 und 6 gesehen. Aufgrund von Letzterem liest sich der zweite Teil von Vers 14 jedoch als Antithese zu diesen Versen, eine Antithese, die allerdings durch die kanonische Redaktion dadurch aufgelöst wurde, indem „Neues Testament“ einmal mit „Brief “, an der zweiten Stelle mit „Dienst“ ersetzt wurde. Vielleicht sind die Zeugen aus ähnlichem Grund über diesen Versteil hinweggegangen. 12. Als inhaltliche Parallele fällt auf der vorkanonischen Ebene *2Kor 4,4 auf mit dem Thema der Verblendung der Ungläubigen durch den Gott dieses Zeitalters, und das Thema wird auch auf der kanonischen Ebene fortgeführt, allerdings dem höchsten Gott selbst zugeschrieben (Röm 11,8: Ἔδωκεν αὐτοῖς ὁ θεὸς πνεῦμα κατανύξεως, ὀφθαλμοὺς τοῦ μὴ βλέπειν καὶ ὦτα τοῦ μὴ ἀκούειν). 24 13. (3,15) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den kanonischen Text dieses Verses 15 bezeugt. Harnack gibt als bezeugten Text jedoch nur κάλυμμα ἐπὶ τὴν καρδίαν αὐτῶν κεῖται. Schmid ist noch sparsamer und gibt als bezeugten Text: … ἐπὶ τὴν καρδίαν αὐτῶν (κεῖται). BeDuhn legt seiner Übersetzung zwar den kanonischen Text des gesamten Verses zugrunde, klammert jedoch alles ein außer ἐπὶ τὴν καρδίαν αὐτῶν κεῖται. 14. (3,16) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht als bezeugten Text: ἡνίκα δὲ ἐὰν ἐπιστρέψῃ πρὸς τὸν θεόν, περιαιρεθήσεται τὸ κάλυμμα. Harnack schließt sich ihm an, verkürzt lediglich δ’ ἐάν und behält die kanonische Verbform περιαιρεῖται bei. Schmid gibt ἡνίκα δὲ ἐὰν ἐπιστρέψῃ πρὸς θεόν, περιαιρεῖται τὸ κάλυμμα, und BeDuhn folgt Schmid. 25 15. (3,17) Nach allen Editoren ist dieser Vers unbezeugt. Zahn sieht ihn zwar in einer unbestimmbaren Form präsent und BeDuhn nimmt ihn in seine Übersetzung in Klammern auf, Harnack und Schmid allerdings übergehen den Vers. 16. (3,18) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Beide, Hilgenfeld und Zahn, sehen den Vers der kanonischen Form nach präsent bis auf die Änderung am Ende zu κυρίου πνευμάτων. 3 (2Kor) 599 <?page no="600"?> 26 C.J. Classen, Philologische Bemerkungen zur Sprache des Apostels Paulus (1994/ 1995), 322; C.J. Classen, St. Paul’s Epistles and Ancient Greek and Roman Rhetoric (1992), 344. Harnack liest ἡμεῖς ἤδη ἀνακεκαλυμμένῳ προσώπῳ τὸν Χριστὸν κατοπτριζόμενοι τὴν αὐτὴν εἰκόνα μεταμορφούμεθα ἀπὸ δόξης τοῦ κυρίου εἰς δόξαν, καθάπερ ἀπὸ κυρίου πνευμάτων. Schmid sieht hingegen nur bezeugt: (ἡμεῖς) ἀνακεκαλυμμένῳ προσώπῳ (τὴν δόξαν τοῦ κυρίου) κατοπτριζόμενοι τὴν αὐτὴν εἰκόνα μεταμορφούμεθα ἀπὸ δόξης εἰς δόξαν καθάπερ ἀπὸ κυρίου πνευμάτων. BeDuhn folgt weithin Tertullian und Harnack und legt seiner Übersetzung zu‐ grunde: (καὶ) ἡμεῖς ἀνακεκαλυμμένῳ προσώπῳ τὸν Χριστὸν κατοπτριζόμενοι τὴν αὐτὴν εἰκόνα μεταμορφούμεθα ἀπὸ δόξης τοῦ κυρίου εἰς δόξαν καθάπερ ἀπὸ κυρίου πνευμάτων. 17. Wenn Harnack und BeDuhn hier nach ἀπὸ δόξης ein τοῦ κυρίου einfügen, scheint mir das nicht gerechtfertigt, weil Tertullian nach a gloria einen Einschub macht (qua scilicet et Moyses transfigurabatur a gloria domini), d. h. offenkundig nur das schlichte a gloria gelesen hatte, das er der antimarkionitischen Argu‐ mentation wegen verdeutlichen wollte und darum das a gloria wiederholte und ihm domini hinzusetzte. Der Zusatz wäre nicht nötig gewesen, hätte im Text bereits a gloria domini gestanden. D. (3,1) ἄρχω begegnet 151 / 86 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2. ♦ Die Form Ἀρχόμεθα steht nur hier. ♦ συνιστάνω steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, dabei erstaunlich häufig in 2Kor (2Kor 4,2; 5,12; 6,4; 10,12. 18). ♦ Die Kombination ἢ μή steht nur noch 1 weiteres Mal, Mk 12,14. ♦ χρῄζω findet sich 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,30. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.), das 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7; *Phil 1,15. ♦ Die Kombination ὥς τινες steht nur noch 1 weiteres Mal in 2Petr 3,9. ♦ συστατικός ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐπιστολή steht 25 / 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zum nächsten Vers. ♦ Als Ausdruck συστατικῶν ἐπιστολῶν stellt es einen Terminus technicus „der griechischen Theorie der Epistolographie“ dar, der hier gebraucht wird. 26 ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, sie steht 3 Mal in Lk: Lk 9,41; 24,44, in zwei Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen; Lk 16,26, in einem Vers, der nur von Adamantius bezeugt ist (4 Mal Mt; 2 Mal Mk, 3 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 1,10. 13; 15,22. 23. 29. 32, in vier Versen, die in *Röm fehlen; 1Kor 2,1. 3; 4,18. 19. 21; 14,6; 16,5. 6. 7. 10. 12; 2Kor 1,12. 15. 16. 18; 2,1; 3,1; 6,11; 7,4. 12; 8,17; 11,9; 12,14. 17. 21; 13,01; Gal 2,5; 4,18. 20; Eph 6,22; Phil 1,26; 2,25; 600 Rekonstruktion <?page no="601"?> Kol 4,8. 10; 1Thess 1,9; 2,1. 2. 18; 3,4. 11; 2Thess 2,5; 3,1. 10; Hebr 9,20; 2Joh 1,10. 12; Apk 12,12). ♦ Die Wendung ἐξ ὑμῶν steht 33 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,11. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (συνιστάνω; ἢ μή; ὥς τινες; ἐπιστολή; πρὸς ὑμᾶς). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,2) ἐπιστολή begegnet 25 / 24 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 9,2; 22,5; 15,30; 23,25. 33; Röm 16,22; 1Kor 5,9; 16,3; 2Kor 3,1. 2; 7,8; 10,9. 10. 11; 1Thess 5,27; 2Thess 2,2. 15; 3,14. 17; Kol 4,16; 2Petr 3,1. 16). ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter Vers 3. ♦ ἀναγινώσκω, das 36 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,3. ♦ Die Wendung ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν steht 5 Mal im NT (Röm 5,5; 2Kor 1,22; 3,2; 4,6; 7,3), vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur ein Mal für einen Brief bezeugt, den die Forschung Paulus zuschreibt (*Röm 12,18), dann auffallenderweise gleich drei Mal in Deuteropaulinen (*Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17). ♦ Die Kombination πᾶς + ἄνθρωπος steht 23 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,3. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers vorkanonisch nicht bezeugt ist, und auch gleich der erste Begriff nur auf der kanonischen Ebene belegt ist, spricht doch die weitere Lexik für die vorkanonische Präsenz des Verses. (3,3) φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, für die vorkanonische Fassung belegt ist in *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ Die Kombination φανερούμενοι ὅτι steht nur hier. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Zu ἐπιστολή vgl. den voranstehenden Vers 3,2. ♦ Die Wendung ἡ καινὴ διαθήκη steht 2 Mal im NT (Lk 22,20; 1Kor 11,25), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ διακονέω steht 50 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt in *Ev 8,3. ♦ die Wendung ὑφ’ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐγγράφω steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für hier. ♦ μέλας, das 8 / 6 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene bezeugt (Mt 5,36; 2Kor 3,3; 2Joh 1,12; 3Joh 1,13; Apk 6,5. 12). ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ πλάξ begegnet nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene Hebr 9,4. ♦ λίθινος steht noch zwei weitere Male im NT, und zwar auf der kanonischen Ebene ( Joh 2,6; Apk 9,20). ♦ Zur nur kanonisch bezeugten Kombination ἀλλ’ ἐν vgl. zuvor zu 1Kor 4,20. ♦ σάρκινος findet sich insgesamt 4 Mal 3 (2Kor) 601 <?page no="602"?> im NT, ebenfalls weiter nur für die kanonische Ebene bezeugt (Röm 7,14; 1Kor 3,1; 2Kor 3,3; Hebr 7,16). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Wie in C. vorge‐ schlagen, wird auch Tertullians ausdrückliche Rede vom „Neuen Testament“ übernommen. Anstelle des kanonischen ἀλλ’ ἐν erscheint, wie kurz zuvor im selben Vers vorkanonisch ἀλλά mit Dativ ohne ἐν zu stehen. Bei diesen sehr speziellen Ausführungen ist die besondere Lexik zu bemerken, die öfter vorkanonisch nicht weiter bezeugt ist, allerdings auch kanonisch sich kaum sonst findet. Gleichwohl scheint das unbezeugte διακονηθεῖσα ὑφ’ ἡμῶν zu‐ nächst aufgrund des nur kanonisch belegten ὑφ’ ἡμῶν, dann aber auch, weil das διακονηθεῖσα den Erzählfaden des kanonischen Dienstthemas aufgreift, vorkanonisch gefehlt zu haben und eine Weiterung der kanonischen Redaktion zu sein. (3,4) πεποίθησις, das 6 Mal im NT steht, nur noch auf der kanonischen Ebene. ♦ πεποίθησιν δέ steht nur hier. ♦ Das verwandte πείθω steht 59 / 52 Mal im NT, vorka‐ nonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48, vgl. weiter Vers 12. ♦ Die Form τοιαύτην steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ Χριστοῦ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 1,5. ♦ Die Wendung πρὸς τὸν θεόν steht 20 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Joh; 3 Mal Apg; Röm 5,1; 10,1; 15,17. 30, in zwei Versen, die in *Röm fehlen; 2Kor 3,4; 13,7; Phil 4,6; 1Thess 1,8. 9; Hebr 2,17; 5,1; 1Joh 3,21; Apk 12,5; 13,6). Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πεποίθησις; τοιαύτην; διὰ τοῦ Χριστοῦ; πρὸς τὸν θεόν). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,5) οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Kombination οὐχ ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung wie hier, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. hierzu 2Kor 1,24. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ ἱκανός, das 45 / 39 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Das gleich nachfolgende Nomen ἱκανότης ist Hapax legomenon im NT, doch das verwandte Verb ἱκανόω, das 18 / 2 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. 602 Rekonstruktion <?page no="603"?> Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fallen die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente auf (Verseröffnung οὐχ ὅτι; ἱκανός; λογίζομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,6) Zum unbezeugten Versanfang: Die Kombination ὃς καί steht 12 Mal im NT, 3 Mal als Verseröffnung im NT (Apg 24,6; 1Kor 1,8; 2Kor 3,6), ausschließlich auf der kanonischen Ebene (über die Verseröffnungen hinaus in: Mt 27,57; Mk 3,19; 15,43; Lk 7,49; Joh 21,20; Röm 8,34; 1Thess 2,13; 5,24). ♦ ἱκανός, das 45 / 39 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ διάκονος steht 36 / 29 Mal im NT, ist jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Zum bezeugten Versteil: καινός steht 47 / 42 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 5,38; *2Kor 5,17. ♦ διαθήκη findet sich 33 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,24, *Laod 2,12. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Kombination καινὴ διαθήκη vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ γράμμα steht 17 / 14 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 2,27. 29. ♦ ἀποκτείνω findet sich 87 / 74 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Thess 2,15; *Laod 2,16. ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ ζωοποιέω, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,36. 45; *Röm 8,11. Zur Rekonstruktion: Beeindruckend zeigt sich die Übereinstimmung von feh‐ lender Bezeugungbzw. Bezeugung und Lexik. Während im unbezeugten Teil alle Termini und Elemente ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind, sind alle Elemente im vorkanonisch bezeugten Teil auch weiters vorkanonisch bezeugt. Das heißt, der unbezeugte Versanfang geht auf die kanonische Redak‐ tion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. (3,7) Zum unbezeugten Versanfang: Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, ist ausschließlich für die kanonische Ebene zu finden. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Zu γράμμα als auch vorkanonisch bezeugtem Terminus vgl. zum voranstehenden Vers 3,6. ♦ ἐντυπόω ist Hapax legomenon im NT. ♦ λίθος, das 70 / 59 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀτενίζω steht 15 / 14 Mal im NT, vielleicht weiter bezeugt in *2Kor 3,13, ansonsten ein Begriff der Apostelgeschichte (Apg 1,10; 3,4. 12; 6,15; 7,55; 10,4; 11,6; 13,9; 14,9; 23,1). ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. 3 (2Kor) 603 <?page no="604"?> 27 Klinghardt ist aufgefallen, dass die kanonische Redaktion οὐχί setzt, wenn etwa im vorkanonischen Text ein ὅτι-recitativum steht wie in *Ev 24,26a, M. Klinghardt, The Oldest Gospel and the Formation of the Canonical Gospels (2021), 1250. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, unter Berücksich‐ tigung dessen, was weiter oben in C. 3 beobachtet wurde. Hieraus erklärt sich auch die Emendation von διακονία zu διαθήκη. (3,8) πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. 27 ♦ Die Kombination πῶς οὐχί steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Röm 8,32. ♦ μᾶλλον begegnet 85 Mal im NT, vorkanonisch gleich nochmals bezeugt in *2Kor 3,11; auch 5,8 und *Ev 11,13 in ähnlicher Wendung (πόσῳ μᾶλλον) wie hier, allerdings ähnlich wie beim Begriff zuvor ist er weitaus beliebter auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination οὐχὶ μᾶλλον hingegen steht nur 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, ist ausschließlich für die kanonische Ebene zu finden. ♦ Die Verbform ἔσται, die 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Der Ausdruck ἐν δόξῃ steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,31; *1Kor 15,43; *2Kor 3,7. 11; *Kol 3,4. Zur Abwesenheit: Auch wenn nur zwei Elemente (οὐχὶ μᾶλλον; διακονία) hier ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind, ist er doch διακονία der zentrale Ausdruck dieses Verses, der den unbezeugten „Dienst“-Diskurs auf der kanonischen Ebene in diesem und dem nächsten Vers fortführt, auch wenn danach überhaupt nicht mehr vom Dienst die Rede ist. Vielmehr geht es, wie man den bezeugten Versen der vorkanonischen Version entnehmen kann, um das Verhältnis zur jüdischen Thora und zu Mose. Hier ist folglich der narrative Zusammenhang das entscheidende Kriterium, gestützt von der Lexik. (3,9) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Zu dem ausschließlich kanonischen διακονία vgl. zu den beiden voranstehenden Versen. ♦ κατάκρισις steht nur noch ein Mal auf der kanonischen Ebene in 2Kor 7,3. ♦ περισσεύω, das 42 / 39 Mal im NT steht, ist ein Begriff der kanonischen Ebene. ♦ δικαιοσύνη steht 97 / 92 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung εἰ γάρ; διακονία; περισσεύω), außerdem gehört er in den nar‐ rativen Zusammenhang des kanonischen „Dienst“-Diskurses, er ist ein Produkt 604 Rekonstruktion <?page no="605"?> der kanonischen Redaktion und wird vorkanonisch gefehlt haben; vgl. zu diesem Vers auch weiter unten die Ausführungen zu 2Kor 11,15. (3,10) Die Verseröffnung καὶ γὰρ οὐκ begegnet nur noch 1 weiteres Mal, auf der ka‐ nonischen Ebene in 1Kor 11,9. ♦ δοξάζω, das 68 / 61 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist für *1Kor 6,20. ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, etwa Lk 1,61; 4,3; 19,19, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt ist für *Ev. ♦ μέρος, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Kol 2,16. ♦ Die Kombination ἐν τούτῳ τῷ steht noch 1 weiteres Mal in 2Petr 1,13. ♦ ἕνεκα findet sich 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ὑπερβάλλω steht 6 Mal im NT, nur noch auf der kanonischen Ebene (2Kor 3,10; 9,14; Eph 1,19; 2,7; 3,19). Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung καὶ γὰρ οὐκ; ἐν τούτῳ τῷ; ὑπερβάλλω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,11) Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten καταργέω vgl. weiter oben zu Vers 7. ♦ Die Kombination διὰ δόξης steht nur 1 weiteres Mal, auf kanonischer Ebene, 2Kor 6,8. ♦ Zu πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 9 und nachfolgend zu Vers 12. ♦ μᾶλλον weiter oben zu Vers 8. Zum bezeugten Versteil: μένω steht 131 / 118 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,28; *1Kor 7,11. ♦ Der Ausdruck ἐν δόξῃ steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,31; *1Kor 15,43; *2Kor 3,7. 11; *Kol 3,4. ♦ Die Wendung καὶ μή steht 86 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,14; *Laod 4,25; vgl. zu Röm 3,8. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt den Zeugnissen des Tertullian und des Hegemonius. Berücksichtigt man die fehlende Bezeugung und die Lexik des Versbeginnes, wird man das εἰ γὰρ τὸ καταργούμενον διὰ δόξης als kanonische Hinzufügung betrachten, die die diakonische Digression anschließen sollte. Ohne diese fügt sich der Text nahtlos an den zuvor bezeugten Vers. (3,12) Die Verseröffnung ἔχοντες οὖν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 3,12; Hebr 4,14; 10,19). ♦ Zu τοιοῦτος vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, auch vorkanonisch in *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ Die Form τοιαύτην steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 9,8; Apg 16,24; 1Kor 11,16; 2Kor 3,4. 12; Hebr 12,3). ♦ Zu πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) vgl. zuvor zu den Versen 9 und 11. ♦ παρρησία steht 32 / 31 Mal im NT, jedoch mit Ausnahme von *Laod 6,19, ausschließlich auf der 3 (2Kor) 605 <?page no="606"?> 28 Vgl. zu diesem Lexem H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateini‐ schen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 120. 29 Zu diesem Lexem vgl. Ibid. kanonischen Ebene. ♦ χράω, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Zur Abwesenheit: Wie die nur kanonisch belegte Verseröffnung andeutet, begegnen in diesem kurzen, vorkanonisch unbezeugten Vers zwei ausschließlich kanonische Elemente (ἔχοντες οὖν; τοιαύτην), d. h. der Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. Dazu stimmt, was weiter oben in C. 8 an narrativer Argumentation beschrieben wurde. (3,13) Die Verseröffnung καὶ οὐ καθάπερ steht nur hier. ♦ καθάπερ steht 14 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,12. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ κάλυμμα findet sich 4 Mal im NT, nur in dieser Passage ( * ) 2Kor 3,13-16. 28 ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für in *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ Die Formel πρὸς τὸ μή, die 3 Mal im NT steht, gehört zum Urgestein vorkanonischer Lexik, sie steht weiter vorkanonisch bezeugt in *1Kor 10,6 und *2Kor 4,4. ♦ ἀτενίζω steht 15 / 14 Mal im NT, möglicherweise nur hier vorkanonisch. ♦ τέλος, das 43 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für*1Kor 10,11; *Röm 10,4. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten καταργέω, das 27 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 6,13. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Die Verseröffnung scheint aufgrund des sonst nur kanonisch bezeugten καθάπερ kanonisch über‐ arbeitet zu sein. Ansonsten stützt die Lexik mit den anderwärts vorkanonischen Bezeugungen der hier bezeugten Terminologie die Rekonstruktion, insbeson‐ dere die hier nicht im Wortlaut bezeugte Formulierung πρὸς τὸ μή. Ob das Verb ἀτενίζω vorkanonisch stand, ist unsicher, es könnte auch eine Überarbeitung durch die kanonische Redaktion darstellen. (3,14) Zum bezeugten Versteil: πωρόω steht 6 / 5 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. 29 ♦ νόημα, das 6 Mal im NT steht, vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 4,4. ♦ ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,25. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch be‐ zeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter Vers 15. ♦ Die Kombination ἄχρι γάρ steht 3 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 5,13; im Vers: 2Kor 3,14; 10,14), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σήμερον findet sich 45 / 41 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt in der Vaterunserbitte *Ev 11,3. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, vorkanonisch weiter 606 Rekonstruktion <?page no="607"?> 30 Vgl. Ibid. 31 Vgl. S.-210. bezeugt für *2Kor 4,13. ♦ κάλυμμα, das nur 4 Mal im NT steht, nur in der vorliegenden Passage des Zweiten Korintherbriefs. 30 Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ἀνάγνωσις steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 13,15; 2Kor 3,14; 1Tim 4,13), das Verb ἀναγινώσκω ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,3. ♦ παλαιός, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,36. 37. ♦ διαθήκη findet sich 33 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,24, *Laod 2,12, vgl. weiter oben zu Vers 6. ♦ Die Kombination von beiden Begriffen τῆς παλαιᾶς διαθήκης ist Hapax für das gesamte NT (Mark Bilby in einer Email vom 14.05.2023). ♦ ἀνακαλύπτω steht nur noch ein Mal, bezeugt für die vorkanonische Ebene in *2Kor 3,18. ♦ μένω steht 131 / 118 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,28; *1Kor 7,11, vgl. weiter oben zu Vers 7. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten καταργέω vgl. weiter oben zu Vers 7. ♦ Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ Die Wendung ἐν Χριστῷ begegnet nicht in *Ev, ist allerdings encheiristisch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13, vgl. zur encheiristischen Semantik zuvor zu 1Kor 1,4. 31 Zur Rekonstruktion: Auch wenn durch Tertullian nur der erste Teil des Verses vorkanonisch bezeugt ist, so sprechen doch die Lexik und der narrative Zusam‐ menhang auch für die vorkanonische Präsenz des zweiten Teils dieses Verses, wenn auch mit der Modifikation des vermutlich fehlenden ὅτι aufgrund der Lexik. (3,15) Die Verseröffnung ἀλλ’ ἕως steht nur hier, doch steht die Kombination ἀλλ’ ἕως noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Mt 18,22. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 2,8. ♦ σήμερον steht 45 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,3. ♦ Die Kombination ἕως σήμερον steht nur hier. ♦ ἡνίκα steht 2 Mal im NT, gleich im nächsten Vers vorkanonisch bezeugt. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten ἀναγινώσκω vgl. zum voranstehenden Vers 3,14. ♦ Μωϋσῆς, der 79 / 80 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13. ♦ Zu dem ebenfalls vorkanonisch bezeugten κάλυμμα vgl. zuvor zu Vers 3,14. ♦ Die Wendung ἐπὶ τὴν καρδίαν ist nur hier vorkanonisch bezeugt und steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Apg 7,23. ♦ Zu αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 14. Zur Rekonstruktion: Auch wenn nur der zweite Teil des Verses durch Tertullian bezeugt ist, scheint aufgrund der vorkanonisch bezeugten Lexik auch der erste Teil des Verses vorkanonisch gestanden zu sein, zumal er auch narrativ in den Kontext passt. 3 (2Kor) 607 <?page no="608"?> 32 Vgl. zu diesem Lexem H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateini‐ schen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 120. 33 Vgl. auch zu diesem Lemma ibid. (3,16) ἡνίκα steht nur an dieser Stelle und im Vers zuvor im NT, während es 110 Mal in der LXX zu finden ist. ♦ Die Variante ἄν steht 205 / 167 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 2,8. ♦ ἐπιστρέφω, das 41 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 17,4; *Gal 4,9. ♦ περιαιρέω begegnet 5 / 4 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und wird bis auf das nur hier bezeugte περιαιρέω gestützt. (3,17) Die Kombination ὁ δὲ κύριος steht 7 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Apg 9,11; 2Kor 3,17; 2Thess 3,5; 2Tim 4,17; inmitten des Verses: Apg 2,47; 22,10; 26,15), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung οὗ δέ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene - etwa in Röm 5,20 ist es gerade dieses Element, welches in dem sonst vorkanonisch bezeugten Text unbezeugt ist (Röm 4,15; 5,20; 2Kor 3,17). ♦ ἐλευθερία, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; 5,1. ♦ Die Variante ἐκεῖ steht 113 / 105 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὁ δὲ κύριος; οὗ δέ). Der Vers wird wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (3,18) Die Kombination ἡμεῖς ἤδη steht nur hier. ♦ Die Kombination ἡμεῖς δέ steht 20 Mal im NT, davon 13 Mal als Verseröffnung wie hier (Lk 24,21; Apg 6,4; 20,6. 13; 21,7; 1Kor 1,23; 2,12; 2Kor 3,18; 10,13; 1Thess 2,17; 5,8; 2Thess 2,13; Hebr 10,39; im Vers: Joh 9,28; Apg 23,15; 1Kor 2,16; 4,10; 9,25; 2Kor 13,7; 3Joh 1,12), jedoch vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 24,21. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ ἀνακαλύπτω begegnete bereits in *2Kor 3,14, wenn dort auch nicht bezeugt. 32 ♦ κατοπτρίζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ αὐτήν, das 110 Mal im NT steht, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. ♦ εἰκών, ein Begriff, der 34 / 23 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 20,24; *1Kor 11,7; *2Kor 3,18; 4,4; *Kol 1,15. ♦ μεταμορφόω steht 5 / 4 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt (Mt 17,2; Mk 9,2; Röm 12,2; 2Kor 3,18). 33 ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Der Plural πνευμάτων in dieser Form steht vorkanonisch in *1Kor 12,10. 608 Rekonstruktion <?page no="609"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Tertullian und wird bis auf den wenig belegten Begriff μεταμορφόω von der Lexik gestützt. Kapitel 4 4,[1-3] 4-11 [12] 13a [13b-15] 16 17 18: Der Schatz im zerbrechlichen Gefäß In der vorliegenden Passage ist der vorkanonische Text gut bezeugt. Er führt das Argument vom Ende des voranstehenden Kapitels unmittelbar weiter, das von der kanonischen Redaktion allerdings unterbrochen wird, indem der kanonische Diskurs zum Thema „Dienst“ und die personalisierte Emphase des Paulus („So empfehlen wir uns vor dem Angesicht Gottes“) dazwischengeschoben wurde, auch wenn dann von diesem Dienst im Text, der dem vorkanonischen folgt, nicht mehr die Rede ist. Während der vorkanonische Text in der 1. Person Plural fort‐ fährt, kehrt nur der kanonische neue Einschub in den Versen 13b-15 zur ersten Person Singular des kanonischen Paulus zurück. Im anschließenden Text, der wieder der kanonischen Vorlage folgt, wird hingegen die 1. Person Plural wieder fortgeführt. Neben der Lexik zeigen diese Wechsel die Textinkonsistenzen, die auf die kanonischen Einschübe zurückgehen. - 4,1 Διὰ τοῦτο, ἔχοντες τὴν διακονίαν ταύτην, καθὼς ἠλεήθημεν, οὐκ ἐγκακοῦμεν, 2 ἀλλὰ ἀπειπάμεθα τὰ κρυπτὰ τῆς αἰσχύνης, μὴ περιπατοῦντες ἐν πανουργίᾳ μηδὲ δολοῦντες τὸν λόγον τοῦ θεοῦ, ἀλλὰ τῇ φανερώσει τῆς ἀληθείας συνιστάνοντες ἑαυτοὺς πρὸς πᾶσαν συνείδησιν ἀνθρώπων ἐνώπιον τοῦ θεοῦ. 3 εἰ δὲ καὶ ἔστιν κεκαλυμμένον τὸ εὐαγγέλιον ἡμῶν, ἐν τοῖς ἀπολλυμένοις ἐστὶν κεκαλυμμένον, 4,4 ἐν οἷς ὁ θεὸς τοῦ αἰῶνος τούτου ἐτύφλωσεν τὰ νοήματα τῶν ἀπίστων πρὸς τὸ μὴ διαυγάσαι τὸν φωτισμὸν τοῦ εὐαγγελίου τῆς δόξης τοῦ Χριστοῦ, ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ. 4 ἐν οἷς ὁ θεός τοῦ αἰῶνος τούτου ἐτύφλωσεν τὰ νοήματα τῶν ἀπίστων εἰς τὸ μὴ αὐγάσαι τὸν φωτισμὸν τοῦ εὐαγγελίου τῆς δόξης τοῦ Χριστοῦ, ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ. 5 οὐ γὰρ ἑαυτοὺς κηρύσσομεν ἀλλὰ Χριστὸν Ἰησοῦν κύριον, ἑαυτοὺς δὲ δούλους ὑμῶν διὰ Ἰησοῦ, 5 οὐ γὰρ ἑαυτοὺς κηρύσσομεν ἀλλὰ Ἰησοῦν Χριστὸν κύριον, ἑαυτοὺς δὲ δούλους ὑμῶν διὰ Ἰησοῦν. 6 ὅτι ὁ θεὸς ὁ εἰπών· Ἐκ σκότους φῶς λάμψαι, κατέλαμψεν ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν πρὸς φωτισμὸν τῆς γνώσεως τῆς δόξης αὐτοῦ ἐν προσώπῳ Χριστοῦ. 6 ὅτι ὁ θεὸς ὁ εἰπών, Ἐκ σκότους φῶς λάμψει, ὃς ἔλαμψεν ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν πρὸς φωτισμὸν τῆς γνώσεως τῆς δόξης τοῦ θεοῦ ἐν προσώπῳ [Ἰησοῦ] Χριστοῦ. 3 (2Kor) 609 <?page no="610"?> 7 Ἔχομεν τὸν θησαυρὸν ἐν ὀστρακίνοις σκεύεσιν, ἵνα ἡ ὑπερβολὴ τοῦ θεοῦ καὶ οὐχ ἡμῶν· 7 Ἔχομεν δὲ τὸν θησαυρὸν τοῦτον ἐν ὀστρακίνοις σκεύεσιν, ἵνα ἡ ὑπερβολὴ τῆς δυνάμεως ᾖ τοῦ θεοῦ καὶ μὴ ἐξ ἡμῶν· 8 θλιβόμενοι ἀλλ’ οὐ στενοχωρούμενοι, ἀπορούμενοι ἀλλ’ οὐκ ἐξαπορούμενοι, 8 ἐν παντὶ θλιβόμενοι ἀλλ’ οὐ στενοχωρούμενοι, ἀπορούμενοι ἀλλ’ οὐκ ἐξαπορούμενοι, 9 διωκόμενοι ἀλλ’ οὐκ ἐγκαταλειπόμενοι, καταβαλλόμενοι ἀλλ’ οὐκ ἀπολλύμενοι, 9 διωκόμενοι ἀλλ’ οὐκ ἐγκαταλειπόμενοι, καταβαλλόμενοι ἀλλ’ οὐκ ἀπολλύμενοι, 10 τὴν νέκρωσιν τοῦ θεοῦ ἐν τῷ σώματι περιφέροντες, ἵνα καὶ ἡ ζωὴ τοῦ Χριστοῦ ἐν τῷ σώματι ἡμῶν φανερωθῇ. 10 πάντοτε τὴν νέκρωσιν τοῦ Ἰησοῦ ἐν τῷ σώματι περιφέροντες, ἵνα καὶ ἡ ζωὴ τοῦ Ἰησοῦ ἐν τῷ σώματι ἡμῶν φανερωθῇ. 11 εἰς θάνατον παραδιδόμεθα, ἵνα καὶ ἡ ζωὴ τοῦ Χριστοῦ φανερωθῇ ἐν ἡμῶν σαρκί. 11 ἀεὶ γὰρ ἡμεῖς οἱ ζῶντες εἰς θάνατον παραδιδόμεθα διὰ Ἰησοῦν, ἵνα καὶ ἡ ζωὴ τοῦ Ἰησοῦ φανερωθῇ ἐν τῇ θνητῇ σαρκὶ ἡμῶν. - 12 ὥστε ὁ θάνατος ἐν ἡμῖν ἐνεργεῖται, ἡ δὲ ζωὴ ἐν ὑμῖν. 13 ἔχοντες δὲ τὸ αὐτὸ πνεῦμα τῆς πίστεως καὶ ἡμεῖς πιστεύομεν, διὸ καὶ λαλοῦμεν, 13 ἔχοντες δὲ τὸ αὐτὸ πνεῦμα τῆς πίστεως, κατὰ τὸ γεγραμμένον, Ἐπίστευσα, διὸ ἐλάλησα, καὶ ἡμεῖς πιστεύομεν, διὸ καὶ λαλοῦμεν, - 14 εἰδότες ὅτι ὁ ἐγείρας τὸν κύριον Ἰησοῦν καὶ ἡμᾶς σὺν Ἰησοῦ ἐγερεῖ καὶ παραστήσει σὺν ὑμῖν. 15 τὰ γὰρ πάντα δι’ ὑμᾶς, ἵνα ἡ χάρις πλεονάσασα διὰ τῶν πλειόνων τὴν εὐχαριστίαν περισσεύσῃ εἰς τὴν δόξαν τοῦ θεοῦ. 16 Διὸ οὐκ ἐγκακοῦμεν, ἀλλ’ εἰ καὶ ὁ ἔξω ἡμῶν ἄνθρωπος διαφθείρεται, ἀλλ’ ὁ ἔσωθεν ἡμῶν ἀνακαινοῦται ἡμέρᾳ καὶ ἡμέρᾳ. 16 Διὸ οὐκ ἐγκακοῦμεν, ἀλλ’ εἰ καὶ ὁ ἔξω ἡμῶν ἄνθρωπος διαφθείρεται, ἀλλ’ ὁ ἔσω ἡμῶν ἀνακαινοῦται ἡμέρᾳ καὶ ἡμέρᾳ. 17 τὸ γὰρ παραυτίκα πρόσκαιρον καὶ ἐλαφρὸν τῆς θλίψεως ἡμῶν καθ’ ὑπερβολὴν εἰς ὑπερβολὴν αἰώνιον βάρος δόξης κατεργάζεται ἡμῖν, 17 τὸ γὰρ παραυτίκα ἐλαφρὸν τῆς θλίψεως ἡμῶν καθ’ ὑπερβολὴν εἰς ὑπερβολὴν αἰώνιον βάρος δόξης κατεργάζεται ἡμῖν, 18 μὴ σκοπούντων ἡμῶν τὰ βλεπόμενα ἀλλὰ τὰ μὴ βλεπόμενα· τὰ βλεπόμενα πρόσκαιρα, τὰ δὲ μὴ βλεπόμενα αἰώνια. 18 μὴ σκοπούντων ἡμῶν τὰ βλεπόμενα ἀλλὰ τὰ μὴ βλεπόμενα· τὰ γὰρ βλεπόμενα πρόσκαιρα, τὰ δὲ μὴ βλεπόμενα αἰώνια. 610 Rekonstruktion <?page no="611"?> A. *4,4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,9-11: Scimus quosdam sensus ambiguitatem pati posse de sono pronuntiationis aut de modo distinctionis, cum duplicitas earum intercedit. Hanc Marcion captavit sic legendo: In quibus deus aevi huius, ut creatorem ostendens deum huius aevi alium suggerat deum alterius aevi. Nos contra sic distinguendum dicimus: In quibus deus, dehinc: aevi huius excaecavit mentes infidelium; In quibus, Iudaeis infidelibus, in quibus opertum est aliquibus evangelium adhuc sub velamine Moysi. Illis enim deus, labiis diligentibus eum, corde autem longe absistentibus ab eo minatus fuerat: Aure audietis et non audietis, oculis videbitis et non videbitis, et: Nisi credideritis nec intellegetis, et: Auferam sapientiam sapientium et prudentiam prudentium irritam faciam. [10] Haec autem non utique de evangelio dei ignoti abscondendo minabatur. Ita etsi huius aevi deus, sed infidelium huius aevi excaecat cor, quod Christum eius non ultro recognoverint de scripturis intellegendum. Et positum in ambiguitate distinctionis hactenus tractasse, ne adversario prodesset, contentus victoriae, nae ultro possum et in totum contentionem hanc praeterisse. [11] Simpliciori responso prae manu erit esse huius aevi dominum diabolum interpretari, qui dixerit, propheta referente, Ero similis altissimi, ponam in nubibus thronum meum; sicut et tota huius aevi superstitio illi mancipata est qui excaecet infidelium corda et inprimis apostatae Marcionis. Denique non vidit occurrentem sibi clausulam sensus: Quoniam deus, qui dixit ex tenebris lucem lucescere, reluxit in cordibus nostris ad illuminationem agnitionis suae in persona Christi. [12] Quis dixit, Fiat lux? Et de illuminatione mundi quis Christo ait, Posui te in lumen nationum, sedentium scilicet in tenebris et in umbra mortis? Cui respondet spiritus in psalmo ex providentia futuri: Significatum est, inquit, super nos lumen personae tuae, domine. Persona autem dei Christus dominus. Unde et apostolus supra, Qui est imago, inquit, dei; Adam., Dial. II 21 (im Mund des Markioniten): Φανερὰν φωνὴν τοῦ ἀποστόλου παρέχομαι, τὴν δεικνύουσαν ὅτι τοῦ κόσμου ἄλλος ἐστὶ θεός· οὕτω γὰρ λέγει· ἐν οἷς, φησίν, ὁ θεὸς τοῦ αἰῶνος τούτου ἐτύφλωσε τὰ νοήματα τῶν ἀπίστων πρὸς τὸ μὴ διαυγάσαι αὐτῶν τὸν φωτισμόν. ἴδε ὅτι πονηρὸν λέγει τὸν θεὸν τούτου τοῦ αἰῶνος, τὸν μὴ ποιοῦντα καταυγάσαι τὸν φωτισμόν (Rufin: Euidentissimam uocem Pauli apostoli proferam, per quam declaratur hic mundus alterius dei esse. Ita etenim dicit: In quibus, inquit, deus huius saeculi excaecauit mentes infidelium, ut non fulgeat illuminatio euangelii. Uides quomodo manifeste malum dicit deum huius mundi qui non faciat fulgere illuminationem euangelii). Vgl. auch Iren., Adv. Haer. III 7,1: Quod autem dicunt, aperte Paulum in secunda ad Corinthios dixisse: In quibus Deus saeculi hujus excaecavit mentes infidelium; et alterum quidem Deum esse saeculi hujus dicunt, alterum vero qui sit super omnem principatum, et initium, et potestatem: non sumus nos in causa, si hi qui quae super Deum sunt mysteria scire se dicunt, ne quidem legere Paulum scient. Si enim 3 (2Kor) 611 <?page no="612"?> quis secundum Pauli consuetudinem, quemadmodum ex multis et alibi ostendimus hyperbatis eum utentem, sic legerit: in quibus Deus, deinde subdistinguens et modicum diastematis faciens, simul et in unum reliqua legerit, saeculi hujus excaecavit mentes infidelium, inveniet verum; ut sit quod dicitur, Deus excaecavit mentes infidelium hujus saeculi. Et hoc per subdistinctionem ostenditur. Non enim Deum hujus saeculi dicit Paulus, quasi super illum alterum aliquem sciens; sed Deum quidem Deum confessus est: infideles autem saeculi hujus dicit, quoniam venturum incorruptelae non haereditabunt saeculum. Quemadmodum autem Deus excaecavit mentes infidelium, ex ipso Paulo ostendemus, proficiente nobis sermone, ut non nunc in multum avocemus mentem nostram a proposito. ♦ *4,5-6: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 26 (123. 174 H.) (vv. 5-6a): οὐ γὰρ ἑαυτοὺς κηρύσσομεν ἀλλὰ Χριστὸν Ἰησοῦν κύριον, ἑαυτοὺς δὲ δούλους ὑμῶν διὰ Ἰησοῦ, ὅτι ὁ (ὁ om 175: VM) θεὸς ὁ εἰπών, Ἐκ σκότους φῶς λάμψει; vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,11 (v. 6): Quoniam deus, qui dixit ex tenebris lucem lucescere, reluxit in cordibus nostris ad illuminationem agnitionis <gloriae> suae in persona Christi; vgl. Adam., Dial. II 19 (aus dem Mund des Adamantius) (v. 6): ὅτι ὁ θεὸς ὁ εἰπών, Ἐκ σκότους φῶς λάμψαι, ὃς ἔλαμψεν ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν πρὸς φωτισμὸν τῆς γνώσεως τῆς δόξης αὐτοῦ ἐν προσώπῳ Χριστοῦ (Rufin: Deus, qui dixit de tenebris lucem fulgere, illuminauit in cordibus uestris lucem scientiae gloriae eius in persona Christi); vgl. Auch Gen 1,3-4 LXX: 3 καὶ εἶπεν ὁ θεός Γενηθήτω φῶς. καὶ ἐγένετο φῶς. 4 καὶ εἶδεν ὁ θεὸς τὸ φῶς ὅτι καλόν. καὶ διεχώρισεν ὁ θεὸς ἀνὰ μέσον τοῦ φωτὸς καὶ ἀνὰ μέσον τοῦ σκότους; Ijob 35,17: ὁ θεὸς ἔθετο ἔργα αὐτοῦ φῶς ποιήσας ἐκ σκότους. ♦ *4,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,14: Quale est autem ut non eiusdem habeatur thesaurus in fictilibus vasis nostris cuius et vasa sunt? Nam si gloria dei est in fictilibus vasis tantum thesauri haberi, vasa autem fictilia creatoris sunt, ergo et gloria creatoris est, cuius vasa eminentiam virtutis dei sapiunt, et virtus ipsa; quia propterea in vasa fictilia commissa sunt, ut eminentia eius probaretur; vgl. id., De Res. 7,5: in testaceis-… uasculis; ibid. 44,2: habere nos thesaurum istum in testaceis uasis; vgl. Adam., Dial. V 27 (im Mund des Adamantius): Ἔχομεν οὖν τὸν θησαυρὸν τοῦτον ἐν ὀστρακίνοις σκεύεσιν, ἵνα ἡ ὑπερβολὴ ᾖ τῆς δυνάμεως τοῦ θεοῦ καὶ οὐχ ἡμῶν (Rufin: Habemus thesaurum istum in uasis fictilibus, <ut> magnitude uirtutis sit dei et non ex nobis). ♦ *4,8-10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,15: Ceterum iam non erit alterius dei gloria ideoque nec virtus, sed magis dedecus et infirmitas, cuius eminentiam fictilia et quidem aliena ceperunt. Quodsi haec sunt fictilia vasa, in quibus tanta nos pati dicit, in quibus etiam mortificationem circumferimus dei, satis ingratus deus et iniustus, si non et hanc substantiam resuscitaturus est, in qua pro fide eius tanta tolerantur, in qua et mors Christi circumfertur, in qua et eminentia virtutis consecratur. Sed enim proponit, Ut et vita Christi manifestetur in corpore nostro, scilicet sicut et mors eius 612 Rekonstruktion <?page no="613"?> circumfertur in corpore. De qua ergo Christi vita dicit? qua nunc vivimus in illo? ♦ *4,11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,15-16: De qua ergo Christi vita dicit? qua nunc vivimus in illo? [16] Et quomodo in sequentibus non ad visibilia nec ad temporalia, sed ad invisibilia et ad aeterna, id est non ad praesentia, sed ad futura exhortatur? Quodsi de futura vita dicit Christi, in corpore eam dicens apparituram, manifeste carnis resurrectionem praedicavit, exteriorem quidem hominem nostrum corrumpi dicens, et non quasi aeterno interitu post mortem, verum laboribus et incommodis, de quibus praemisit adiciens, Et non deficiemus; Adam., Dial. V 27 (im Mund des Adamantius): ἡμεῖς γὰρ οἱ ζῶντες εἰς θάνατον παραδιδόμεθα, ἵνα καὶ ἡ ζωὴ τοῦ Χριστοῦ φανερωθῇ ἐν τῇ θνητῇ ἡμῶν σαρκί. ♦ *4,13: Vgl. Epiph., Pan. 42, sch. 27 (123. 175 H.): ἔχοντες δὲ τὸ αὐτὸ πνεῦμα τῆς πίστεως καὶ ἡμεῖς πιστεύομεν, διό (διό om 123: VM, corr H.) καὶ λαλοῦμεν. ἐξέκοψεν δὲ τὸ κατὰ τὸ γεγραμμένον. Ps. 115,1 LXX: ᾿Επίστευσα, διὸ ἐλάλησα· ἐγὼ δὲ ἐταπεινώθην σφόδρα. ♦ *4,16: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,16: Quodsi de futura vita dicit Christi, in corpore eam dicens apparituram, manifeste carnis resurrectionem praedicavit, exteriorem quidem hominem nostrum corrumpi dicens, et non quasi aeterno interitu post mortem, verum laboribus et incommodis, de quibus praemisit adiciens, Et non deficiemus. Nam et interiorem hominem nostrum renovari de die in diem dicens … ♦ *4,18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,16: Et quomodo in sequentibus non ad visibilia nec ad temporalia, sed ad invisibilia et ad aeterna, id est non ad praesentia, sed ad futura exhortatur? B. (4,4) Anstelle von εἰς τὸ μή findet sich die Variante πρὸς τὸ μή in Adam., Dial. II 21. ♦ Diese Variante διαυγάσαι steht nicht nur in Adam., Dial. II 21, sondern findet sich auch in den Zeugen 02, 012, 33, 104, 326, 2464, sie klingt auch an in der altlateinischen Tradition in peruiderent in 61, Pel b , und in pervideant in Ambst. Hingegen findet sich καταυγάσαι in 04, 06, 016, 365, 1175, Epiph. Die Variante αὐγάσαι steht in P 46 , 01, 03, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 0243, 81, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, Eus. ♦ Post Ἰησοῦν add αὐτοῖς in 06 1 , 018, 020, 025, 044, 0209, 104, 365, 1241, 1505, 2464, M, vg cl , sy, Spec, om in P 46 , 01, 02, 03, 04, 06*, 010, 012, 0243, 33, 81, 326, 630, 1175, 1739, 1881, lat, Ir lat , Eus, Epiph. ♦ (4,5) Die Wortstellung von Χριστὸν Ἰησοῦν nach Epiphanius und den weiteren Zeugen 03, 012, 018 020, 044, 0186, 0209, 0243, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 17390, 1881, M, ar, b, sy p , und in der altlateinischen Tradition in 61, 89, Ambst ed , Pel ab ; die Wortstellung Ἰησοῦν Χριστόν in P 46 , 01, 02, 04, 06, (010, 012), 025, 81, 326, 629, 1505, lat, sy h , Ambst var , Pel var , dann findet sich dominum iesum iesum in 77, iesum dominum in Pel var , christum iesum dominum nostrum in 51, 54, 58, 61, 88, 89, 271, Ambst, Pel ar , Spec var . ♦ Der Genitiv Ἰησοῦ steht in P 46 , 01*, 02 c , 04, 0243, 33, 1739, 1881, bo, co, lat, Epiph; die Form Ἰησοῦν findet sich in 02* vid , 02, 06, 010, 012, 016, 018, 020, 025, 044, 3 (2Kor) 613 <?page no="614"?> 34 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I.-Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 35 Vgl. H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überlie‐ ferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 119; H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 36 Vgl. H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überlie‐ ferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 119; H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. 0209, 81, 104, 365, 1175, 1505, M, hingegen steht Χριστοῦ in 01 1 , 2464, t, vg ms , bo ms . Dann findet sich Ἰησοῦ Χριστοῦ in 0186 und Χριστόν in 326, 1241 und Ἰησοῦν Χριστόν in 629, 630, (ar), b, während in der altlateinischen Tradition der Genitiv nicht begegnet; viemehr steht christum in 51, 271, christum iesum in 61, iesum christum in 89, christum iesum in 61. 34 ♦ (4,6) λάμψαι (Aorist), 3. P. Sg. Opt. ist bezeugt durch Adamantius (im Mund des Markioniten), nicht 2. P. Imperativ. Tertullian ist nicht eindeutig, das Präsens ist durch Epiphanius gegeben und steht in P 46 , 01*, 02, 03, 06*, 0243, 6, 1739, Cl, Epiph, während der Aorist in den Zeugen zu finden ist in 01 2 , 04, 06 2 , 010, 012, 016, 018, 020, 025, 044, 0209, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, (2464), M, latt. Allerdings ist zu bedenken, dass der Optativ sonst sehr beliebt auf der kanonischen Ebene ist. ♦ Nach diesem Verb steht im kanonischen Text ein ὅς, welches fehlt in den Zeugen 06*, 010, 012, 81, d, f, g, r, it, vg mss , Tert., Aug, Ambst. 35 ♦ τῆς δόξης om in 33, vg ms . ♦ Das Pronomen αὐτοῦ steht in P 46 , 04*, 06*, 010, 012, b, d, g, r, Adam, Cyr, Pel var , und eius in der altlateinischen Tradition in 64, 76, 76, 77, 89, suae Ambst ed , es fehlt in 61, stattdessen steht τοῦ θεοῦ in 01, 02, 03, 04, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, t, vg, sy, co. 36 ♦ Χριστοῦ steht in 02, 03, 33, Tert, hingegen Χριστοῦ Ἰησοῦ in 06, 010, 012, 0243, 630, 1739*, 1881, lat, Ambst, und ἸησοῦΧριστοῦ in P 46 , 01, 04, 016, 018, 020, 025, 044, 0209, 81, 104, 265, 1175, 1241, 1505, 1739 c , 1881, lat, Ambst, Pel var und in der altlateinischen Tradition in 88, 271. ♦ (4,10) Anstelle von Ἰησοῦ legt sich die Variante θεοῦ nahe, wie Hilgenfeld und Harnack recht gesehen haben, aufgrund der Tertullianzeugen MR gegen Kroymann dei. Von Soden hatte eingewandt, dass dieses dei anstelle von domini „nach mortificationem kaum erträglich“ sei und mit Blick auf die mögliche Verschreibung der handschriftlichen Kürzel schlägt er mit Kroymann und dem früheren Herausgeber Pamelius die Lesart domini vor. Allerdings bieten die heute verfügbaren Handschriften für Tertullian 614 Rekonstruktion <?page no="615"?> 37 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I.-Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. lediglich dei. Die Zeugen 06, 010, 012 bieten hingegen Χριστοῦ, und so auch die altlateinische Tradition in 75, 76, 77, 78, 89, während domini iesu in Ambst r steht, domini nostri iesu christi in Spec ed , domini iesu christi in Spec var und der Begriff ausgelassen ist in Pel var . Von Soden hält die oben gewählte Form für die markionitische Lesart. 37 Auch wenn Pamelius und Kroymann gegen Hilgenfeld und Harnack recht haben könnten, nähren sich von Sodens Bedenken aus einem anachronistischen theologischen Verständnis, das den späteren Patripassianismus ins späte zweite und frühe dritte Jahrhundert einträgt, in einer Zeit, in der Tertullian in Adversus Praxean sich mit dieser Thematik überhaupt erst beschäftigen muss und keine Schwierigkeit hat, vom Mitleiden Gottes zu sprechen. ♦ Für τῷ σώματι findet sich τοῖς σώμασιν in den Zeugen 01, 0243, 326, 1739, 1881, r, t, vg, sy p , bo pt , Or. ♦ Anstelle von Ἰησοῦ 2 bietet Tertullian nur Christus, doch die Zeugen haben 06, 010, 012 Ἰησοῦ Χριστοῦ, womit sie offenkundig eine Kontamination zwischen vorkanonischer und kanonischer Ebene bieten, so auch die altlateinische Tradition in 75, 76, 77, 89, Pel b , Spm var , und christi iesu in 61, Spm ed . ♦ (4,13) Das Schriftzitat aus Ps 115,1 LXX (ἐπίστευσα, διὸ ἐλάλησα) fehlt auch in den Zeugen 618 und 1738. ♦ (4,16) Die Variante ἐκκακοῦμεν findet sich in den Zeugen 04, 06 2 , 018, 020, 025, 044, 0243, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M, während die Form ἐγκακοῦμεν in den Zeugen steht: P 46 , 01, 03, 06*, 010, 012, 6, 81, 326, 2464, co. ♦ ἔσωθεν ἡμῶν steht in den Zeugen 06 1 , 044, 1505, die Variante ἔσωθεν in den Zeugen 018, 020, 629, 1241, und ἔσω in 025, 323, 945. ♦ (4,17) Der Zusatz πρόσκαιρον καί findet sich in den Zeugen 06*, 010, 012, (latt, sy), Tert. C. 1. (4,1-3) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn mit deren Präsenz in irgendeiner Weise rechnet und BeDuhn die Übersetzung des kanonischen Textes von Vers 3 in Klammern wegen des narrativen Zusam‐ menhangs anführt. Nun stellt sich die Frage, ob die fehlende Bezeugung auch Nichtanwesenheit bedeutet, die wiederum nur durch die drei Kriterien von Lexik, Textvarianten und narrativem Zusammenhang näher beleuchtet werden kann. 2. (4,2) Der Ausdruck τὸν λόγον τοῦ θεοῦ wurde als Verweis auf 2Kor 12,16 gelesen, 38 ein Vers, der auf der kanonischen Ebene steht. 3 (2Kor) 615 <?page no="616"?> 38 Soll ein Rückverweis sein zu 2Kor 12,16, so L.L. Welborn, The Corinthian Correspon‐ dance (2013), 232-233. 39 T. Zahn, Die Dialoge des „Adamantius“ mit den Gnostikern (1888), 231-234. 40 M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 92. 3. (4,4) Hilgenfeld verweist auf Tertullian und Adamantius als Zeugen für diesen Vers, der wieder „eine Hauptbeweisstelle Marcions“ darstelle. Zahn nimmt an, dass die kanonische Form des Verses präsent ist und vermutet in einer eigenen Studie Theophilus von Antiochien als vermutliche Quelle für unsere erwähnten Zeugen Irenäus, Adamantius und Tertullian zu diesem Vers. 39 Harnack, der Adamantius berücksichtigt, sieht jedoch bezeugt: ἐν οἷς ὁ θεὸς τοῦ αἰῶνος τούτου ἐτύφλωσεν τὰ νοήματα τῶν ἀπίστων πρὸς τὸ μὴ διαυγάσαι τὸν φωτισμόν-…, ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ. Schmid, der Adamantius nicht berücksichtigt, sieht noch weniger Text bezeugt: ἐν οἷς ὁ θεὸς τοῦ αἰῶνος τούτου ἐτύφλωσεν τὰ νοήματα τῶν ἀπίστων … ὅς ἐστιν εἰκὼν (τοῦ) θεοῦ. BeDuhn hingegen legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: ἐν οἷς ὁ θεὸς τοῦ αἰῶνος τούτου ἐτύφλωσεν τὰ νοήματα τῶν ἀπίστων πρὸς τὸ μὴ διαυγάσαι τὸν φωτισμὸν τοῦ εὐαγγελίου τῆς δόξης τοῦ Χριστοῦ, ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ. Wie der Argumentation Tertullians zu entnehmen ist, kennt er die Deutung, die auch in Adamantius’ Dialog von dem Markioniten vorgetragen wird, wonach dem „Gott dieser Weltzeit“ (ὁ θεὸς τοῦ αἰῶνος τούτου) vorgeworfen wird, „das Denken der Ungläubigen verblendet“ zu haben, ein Vorwurf, der sich aus verschiedenen biblischen Stellen nähren konnte, wie D. Litwa aufzeigt (Ex 4,21; 7,3-4; 9,12. 35; 2Sam 17,14; 1Kge 22,20-24; Dtn 28,28; Jes 6,10-11; 29,10. 14). 40 Betrachtet man sich die Mühe, mit der Tertullian, wie vor ihm bereits Irenäus, versucht, mit einer anderen Interpunktion des paulinischen Texts der markioni‐ tischen Deutung zu widersprechen, erkennt man die Hilflosigkeit. Zwar gelingt es ihm, den Bezug von τοῦ αἰῶνος τούτου auf τὰ νοήματα τῶν ἀπίστων zu verschieben, doch damit hinkt das ἐν οἷς ὁ θεός, das sich grammatikalisch auf der kanonischen Ebene ἐν τοῖς ἀπολλυμένοις beziehen müsste (auf der kanonischen Ebene bezieht es sich auf die „Geister“ vom Ende von Kapitel 3), reichlich hinterher, wollte man es auf ἡμῶν beziehen. Allerdings folgt Hieronymus den Überlegungen Tertullians, der den „Gott dieser Weltzeit“ auf Satan zu beziehen versucht. Trotz Hieronymus begegnet dennoch die Vorstellung bei einer Reihe 616 Rekonstruktion <?page no="617"?> 41 Etwa Kyrill von Jerusalem, Katechesen VI 28-29; Augustinus, Gegen Faustus XXI 2; Chrysost., Comm. zu 2Kor VIII 2 (PG 61,455). 42 Vgl. R.P. Martin, 2 Corinthians (2014), 222-223; M. A. Seifrid, The second letter to the Corinthians (2014), 196; F.J. Matera, II Corinthians: A Commentary (2003), 101-102; D.R. Brown, The God of This Age. Satan in the Churches and Letters of the Apostle Paul (2015), 130-151. Vermutlich baut die Vorstellung in Joh 8,44, wonach der Herrscher dieser Weltzeit der Vater des Teufels ist ( Joh 8,8) auf der kanonischen Verknüpfung mit dem Teufel auf, doch es zeigt noch die vorkanonische Vorstellung, dass damit der Gott gemeint ist, den die Juden als den ihren bezeichnen ( Joh 8,41), stellt also eine gewisse Fortentwicklung dieser vorkanonischen Vorstellung dar. Selbst wenn man annehmen wollte, dass mit Christi Ankunft die Macht dieses mächtigen Herrschers gebrochen sei, so reicht doch seine Verdunkelung bis in die Gegenwart der „neuen Schöpfung“ (*2Kor 5,17) hinein, wie Litwa im Unterschied zu Bilde herausgestellt hat, vgl. hierzu und zur gesamten Diskussion mit weiteren Quellen und Lit. M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 97; P. Bilde, 2 Cor. 4,4: The View of Satan and the Created World in Paul (1993). 43 Vgl. hierzu M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 93-95. von Vätern, die 2Kor 4,4 weiterhin auf den Schöpfer beziehen. 41 Eine ähnliche Deutung findet sich auch in modernen Kommentaren. 42 Ein Bezug der Diskussion besteht auch zu dem anderen vorkanonischen Vers *2Thess 2,11 (καὶ διὰ τοῦτο πέμπει αὐτοῖς ὁ θεὸς ἐνέργειαν πλάνης εἰς τὸ πιστεῦσαι αὐτοὺς τῷ ψεύδει). Und auffallend ist, dass ein ähnlicher Gedanke auch auf kanonischer Ebene, etwa in Röm 1,28 begegnet (παρέδωκεν αὐτοὺς ὁ θεὸς εἰς ἀδόκιμον νοῦν) und Joh 12,37-40 (37 Τοσαῦτα δὲ αὐτοῦ σημεῖα πεποιηκότος ἔμπροσθεν αὐτῶν οὐκ ἐπίστευον εἰς αὐτόν, 38 ἵνα ὁ λόγος Ἠσαΐου τοῦ προφήτου πληρωθῇ ὃν εἶπεν, Κύριε, τίς ἐπίστευσεν τῇ ἀκοῇ ἡμῶν; καὶ ὁ βραχίων κυρίου τίνι ἀπεκαλύφθη; 39 διὰ τοῦτο οὐκ ἠδύναντο πιστεύειν, ὅτι πάλιν εἶπεν Ἠσαΐας, 40 Τετύφλωκεν αὐτῶν τοὺς ὀφθαλμοὺς καὶ ἐπώρωσεν αὐτῶν τὴν καρδίαν, ἵνα μὴ ἴδωσιν τοῖς ὀφθαλμοῖς καὶ νοήσωσιν τῇ καρδίᾳ καὶ στραφῶσιν, καὶ ἰάσομαι αὐτούς). An der ersten Stelle wird das Verdrehen des Sinns Gott und an der zweiten Stelle das Blenden der Augen und das Verstocken des Herzens Jesus zugeschrieben. In beiden Fällen scheint es die kanonische Reaktion zu sein, die sich mit dem vorkanonischen Vorwurf gegenüber dem Schöpfergott auseinandersetzt, der seinem Volk in Jes 6,10 sagt: „Höret und verstehet’s nicht; sehet und merket’s nicht! “ und dem *Ev 8,8 entgegengesetzt hatte: „Wer Ohren hat, der höre“. Es gibt auch außerkanonische Zeugnisse, die die Vorstellung vortragen oder sich mit ihr auseinandersetzen, wonach Gott Ohren, Augen und Herzen unfähig gemacht hatte, ihn zu erkennen und aufzunehmen. 43 4. (4,5-6) Zahn sieht den kanonischen Text von Vers 5 präsent und in Vers 6 schreibt er λάμψαι, ἔλαμψεν ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν (al. ὑμῶν) πρὸς φωτισμὸν 3 (2Kor) 617 <?page no="618"?> 44 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 98*-99*. 45 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), I/ 329. τῆς γνώσεως αὐτοῦ (oder τῆς δόξης αὐτοῦ) ἐν προσώπῳ Χριστοῦ. Harnack gibt den Aorist, Adamantius folgend und auch der insgesamt in der Vergangenheit angesetzten Konstruktion Tertullians. Schmid gibt den Text wie oben, schreibt lediglich ἔλαμψεν und lässt τῆς γνώσεως aus. BeDuhn übersetzt den Text wie oben und verweist in der Anmerkung auf den Aorist. 5. (4,7) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den Vers in seiner kanonischen Form präsent. Harnack folgt Adamantius. Schmid schreibt: (Ἔχομεν δὲ) τὸν θησαυρὸν (τοῦτον) ἐν ὀστρακίνοις σκεύεσιν, (ἵνα) ἡ ὑπερβολὴ τῆς δυνάμεως (ᾖ τοῦ θεοῦ) … BeDuhn legt seiner Übersetzung den Text oben zugrunde, klammert jedoch das Äquivalent zu τοῦτον ein. 6. (4,8-10) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diese Verse und stellt heraus, dass das mortificationem circumferimus dei in Vers 10 die Lesart τὴν νέκρωσιν τοῦ θεοῦ voraussetze. Zahn hält die Verse nach ihrer kanonischen Form für präsent. Harnack sieht in Tertullian „Anspielungen“, gibt aber lediglich als Textbestand für seine Rekonstruktion τὴν νέκρωσιν τοῦ θεοῦ περιφέροντες … ἵνα καὶ ἡ ζωὴ τοῦ Χριστοῦ φανερωθῇ ἐν τῷ σώματι ἡμῶν. 44 Schmid folgt ihm und spricht, was die Verse 8-9 betrifft, von einer „zusammen‐ fassende(n) Anspielung“. 45 Als bezeugten Textbestand gibt auch er nur solchen von Vers 10: (πάντοτε) τὴν νέκρωσιν τοῦ Χριστοῦ (ἐν τῷ σώματι) περιφέροντες, ἵνα καὶ ἡ ζωὴ τοῦ Χριστοῦ ἐν τῷ σώματι ἡμῶν φανερωθῇ. BeDuhn übersetzt: 8 [ἐν παντὶ θλιβόμενοι … 9 διωκόμενοι …, καταβαλλόμενοι …], 10 πάντοτε τὴν νέκρωσιν τοῦ Χριστοῦ ἐν τῷ σώματι περιφέροντες, ἵνα καὶ ἡ ζωὴ τοῦ Χριστοῦ ἐν τῷ σώματι ἡμῶν φανερωθῇ. Vers 10 setzt allerdings inhaltlich nicht nur die von BeDuhn übernommenen Bedrängnisse voraus, sondern auch die mit ihnen verbundenen Äquivalentstücke, weil ja nur dieses Zusammenspiel den Erweis von Christi Leben im Körper verdeutlicht. Man wird also mit Zahn wohl mit dem kanonischen Text für die vorkanonische Fassung rechnen dürfen. Der Vergleich der Lexeme unter D. rät zur Vorsicht vor der Annahme, auch die Äquivalenzbegriffe hätten in der vorkanonischen Fassung gestanden. Andererseits sind diese Begriffe überhaupt recht selten im NT, was wieder dafürspricht, dass man sie durchaus auch für die vorkanonische Fassung veranschlagen könnte. Vermuten lässt sich, dass bereits die vorkanonische Fassung zumindest ein oder zwei dieser Gegenüberstellungen besaß, wobei in Tertullians Andeutungen der Bedrängnis pati, mortificationem, pro fide eius tanta tolerantur mit dem tanta doch wohl eher mehr als weniger solcher gemeint 618 Rekonstruktion <?page no="619"?> 46 H.U. Meyboom, Marcion en de Marcionieten (1888), 171. sind. Gleichwohl ist nicht ausgeschlossen, dass hier die kanonische Redaktion erweitert und überarbeitet hat. 7. (4,11) Zahn, Harnack und BeDuhn sehen den Vers in der Version des Adamantius präsent. Schmid hält den Vers für unbezeugt. 8. (4,12) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt. 9. (4,13) Hilgenfeld verweist auf Epiphanius als Zeugen und notiert die Text‐ abweichung mit der Auslassung von κατὰ τὸ γεγραμμένον, „wodurch dem Verse der Charakter eines alttestamentlichen Citats aus Ps. 116,10 [sic] genommen war“. Dem entspricht Meybooms Notiz, dass diese Auslassung deutlich eine „markionitische Tendenz“ anzeige. 46 Zahn sieht den Vers wie oben präsent, lässt jedoch das διό aus, Harnack, Schmid und Beduhn bieten den Vers wie oben. BeDuhn versucht die Auslassung durch einen Schreiberfehler (Homoearcton) zu erklären, der von κατά zu καί gesprungen sei, während Epiphanius ausdrücklich von einer bewussten Textänderung des Markion ausgeht. 10. (4,14-15) Nach allen Editoren sind diese beiden Verse unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihnen in unbestimmbarer Gestalt rechnet. Sind sie auch abwe‐ send? Sieht man auf die Lexik, bestätigen sich weithin die fehlende Bezeugung und die Lexik. Auch die narrative Struktur spricht dafür, dass wir es mit einer kanonischen Erweiterung zu tun haben, da Vers 14 eine Digression zum Thema irdene Gefährdung und göttliche Herrlichkeit darstellt, das in den Versen zuvor und auch danach behandelt wird, während die Auferweckung nur ein Mal zuvor in diesem Brief auf der kanonischen Ebene in 2Kor 1,9 anklang. Narrativ würde Vers 15 besser in den vorkanonischen Kontext passen, doch hier spricht die Lexik noch deutlicher für die Zugehörigkeit zur kanonischen Ebene. Die Verse 14-15 werden darum wohl beide von der vorkanonischen Fassung abwesend gewesen sein. Gestützt wird dieses Urteil auch durch Tertullians Kommentar zur Stelle, der ausdrücklich die Frage aufwirft, was es denn bedeute, wenn Christus von dem künftigen Leben spreche und davon, dass dieses im Leib offenkundig werde. Dass er hier selbst den Schluss als manifeste bezeichnet, womit die Auferstehung des Leibes gemeint sei, verdeutlicht, dass in der markionitischen Paulusvorlage, die Tertullian kommentiert, dieses Thema selbst eben nicht angesprochen war. 11. (4,16) Zahn rechnet mit der Präsenz des Verses in kanonischer Form, Harnack sieht lediglich Anspielungen auf diesen Vers und sieht als Text bezeugt: καὶ οὐκ ἐγκακώσομεν … ὁ ἔξω ἡμῶν ἄνθρωπος διαφθείρεται … ὁ ἔσω [ἄνθρωπος] ἡμῶν ἀνακαινοῦται ἡμέρᾳ καὶ ἡμέρᾳ. Schmid gibt als bezeugten Text: … οὐκ ἐγκακώσομεν … ὁ ἔξω ἡμῶν ἄνθρωπος διαφθείρεται (ἀλλ’) ὁ ἔσω ἡμῶν ἀνακαινοῦται ἡμέρᾳ καὶ ἡμέρᾳ. 3 (2Kor) 619 <?page no="620"?> BeDuhn legt seiner Übersetzung zugrunde: [Διὸ] οὐκ ἐγκακοῦμεν, [ἀλλ’ εἰ καὶ] ὁ ἔξω ἡμῶν ἄνθρωπος διαφθείρεται, ἀλλ’ ὁ ἔσω ἄνθρωπος ἡμῶν ἀνακαινοῦται ἡμέρᾳ καὶ ἡμέρᾳ. Das tertulliansche et non lässt mehr erwarten als nur οὐκ, weshalb auch das διό wohl vorhanden war, gerade wie das quidem wiederum Übersetzung des ἀλλ’ εἰ καί sein kann, vor allem mit der Weitführung durch nam et für ἀλλ’. 12. (4,17) Zahn sieht den vorliegenden Vers bezeugt und der kanonischen Form nach präsent in Markions Paulussammlung, während jedoch Harnack, Schmid und BeDuhn ihn für unbezeugt halten. 13. (4,18) Zahn sieht die kanonische Form dieses Verses präsent in Markions Paulus. Harnack sieht lediglich folgenden Textbestand bezeugt: … τὰ βλεπόμενα, τὰ μὴ βλεπόμενα, πρόσκαιρα, αἰώνια. Schmid sieht folgenden Bestand bezeugt: μή … τὰ βλεπόμενα … τὰ μὴ βλεπόμενα: τά … πρόσκαιρα, τά … αἰώνια. BeDuhn legt seiner Übersetzung den obigen Text zugrunde. D. (4,1) διὰ τοῦτο, das 64 Mal im NT steht, davon (ohne weitere vorangesetzte Worte) als Verseröffnung 37 Mal, Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, d. h. alle 37 Verseröffnungen stehen auf der kanonischen Ebene. Die Kombination steht darüber hinaus noch in weiteren Versen, darunter vorkanonisch bezeugt für das Pseudo-Paulinum *2Thess 2,11. ♦ διακονία, ein Begriff, der 35 / 34 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ ταύτην, das 55 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,16. ♦ ἐλεέω steht 33 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,38. ♦ ἐγκακέω steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,16; *Gal 6,9. Zur Abwesenheit: Von der Verseröffnung erweist sich dieser vorkanonisch unbezeugte Vers, in welchem Elemente begegnen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung διὰ τοῦτο; διακονία), als Produkt der kanonischen Redaktion. Er hat vorkanonisch gefehlt. (4,2) ἀπεῖπον ist Hapax legomenon im NT. ♦ κρυπτός steht 22 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; *Röm 2,16. 29. ♦ αἰσχύνη steht 6 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt (Lk 14,9; Phil 3,19; Hebr 12,2; Jud 1,13; Apk 3,18). ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ πανουργία steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,19. ♦ μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9; *Kol 2,21. ♦ δολόω begegnet 4 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,9. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonische bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4, vgl. weiter die Verse 10. 11. ♦ συνίστημι, das 20 Mal im NT 620 Rekonstruktion <?page no="621"?> zu finden ist, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ συνείδησις, das 32 / 30 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck ἐνώπιον τοῦ θεοῦ ist eine Wendung der kanonischen Redaktion. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind (αἰσχύνη; συνίστημι; πᾶσαν; ἐνώπιον τοῦ θεοῦ). Der Vers ist folglich das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Wenn περιπατέω nur in *Laod vorkanonisch bezeugt ist, zeigt dies die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik auf. (4,3) Die Verseröffnung εἰ δὲ καί steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 11,18; 2Kor 4,3; 11,6; zusätzlich steht die Kombination noch ein Mal im Vers, auf der kanonischen Ebene, 1Kor 4,7). ♦ Die kürzere Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ καλύπτω findet sich 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,16. ♦ Die Wendung τὸ εὐαγγέλιον ἡμῶν steht noch 1 Mal, auf kanonischer Ebene 1Thess 1,5. ♦ ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers zeigt schon von der Eröffnung an seine Zugehörigkeit zur kanonischen Ebene, was gestützt wird durch die Wendung τὸ εὐαγγέλιον ἡμῶν. Auch argumentativ ist dieser Vers wie die beiden voranstehenden nicht nötig, denn das Vers 3 eröffnende ἐν οἷς bezieht sich auf die „Geister“ vom Ende vom voranstehenden Kapitel. (4,4) Die Verseröffnung ἐν οἷς steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,3. ♦ Die Wendung ὁ θεός τοῦ αἰῶνος steht nur hier. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. ♦ τυφλόω steht 3 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ νόημα, das 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch wieder bezeugt für *2Kor 3,14. ♦ Die Variante πρὸς τὸ μή, die 3 Mal im NT steht, gehört zum Urgestein vorkanonischer Lexik, sie steht weiter vorkanonisch bezeugt in *1Kor 10,6 und *2Kor 3,13. ♦ Hingegen steht die Variante εἰς τὸ μή 7 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2Thess 2,2; im Vers: Apg 7,19; 1Kor 9,18; 10,6; 2Kor 4,4; Hebr 11,3; 1Petr 3,7), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διαυγάζω steht noch 1 weiteres Mal, auf kanonischer Ebene, in 2Petr 1,19. ♦ αὐγάζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ φωτισμός steht nur hier und nochmals für die vorkanonische Ebene bezeugt in *2Kor 4,6. ♦ εἰκών, ein 3 (2Kor) 621 <?page no="622"?> 47 Vgl. zu diesem Vers und seinen Lexemen H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 120. Begriff, der 34 / 23 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 20,24; *1Kor 11,7; *2Kor 3,18; 4,4; *Kol 1,15. 47 Zur Rekonstruktion: Der Text richtet sich nach dem Zeugnis Tertullians unter Berücksichtigung des Adamantius und wird durch die Lexik bis auf den seltenen Begriff τυφλόω bestätigt. (4,5) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,34; und als Verseröffnung weiter bezeugt für: *Röm 1,16; 2,13. ♦ κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,37; *Gal 4,3. Zur Rekonstruktion: Der Text richtet sich zunächst nach dem Zeugnis des Epiphanius, ergänzt am Ende mit dem Tertullians. Die Lexik stützt diesen Text und erweist wieder einmal die Übereinstimmung zwischen Bezeugung und vorkanonischer Lexik. (4,6) Die Kombination ὅτι ὁ θεός, die 8 Mal im NT steht, findet sich nur hier als Verseröffnung, ansonsten steht sie in Versen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen. ♦ Die Aoristform εἰπών steht 35 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11; 6,12. ♦ φῶς, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 11,14. ♦ λάμπω begegnet 8 / 7 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ καταλάμπω ist Hapax legomenon. ♦ φωτισμός vgl. weiter oben zu Vers 4. ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 12,8; *Phil 3,8. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ Das kanonisch stehende δόξα + τοῦ θεοῦ steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene und dort gleich wieder in 2Kor 4,15 (3 Mal Joh; Röm 3,23; 5,2; 15,7, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 4,6. 15; 3 Mal Apk). ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Die Lexik zeigt eine Reihe von Termini und Wendungen, die in diesem Gebrauch nur an der vorstehenden Stelle und ihrer kanonischen Parallele zu finden sind, dann auch einige Elemente, die nur hier vorkanonisch bezeugt sind (εἰπών; λάμπω). 622 Rekonstruktion <?page no="623"?> 48 Vgl. zu dem Ausdruck ἐν ὀστρακίνοις σκεύεσιν ibid. 121. (4,7) Die Verseröffnung ἔχομεν δέ steht nur hier. ♦ θησαυρός steht 18 / 17 Mal im NT, vorkanonisch auch in *Ev. ♦ τοῦτον, das 63 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ὀστράκινος steht nur noch 1 Mal in 2Tim 2,20. ♦ σκεῦος steht 25 / 23 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt in *1Thess 4,4. 48 ♦ ὑπερβολή steht 8 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,13; *1Kor 12,31. ♦ δύναμις, das sich 128 / 119 Mal im NT findet, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18; 12,10; 15,43; *2Kor 4,7; 12,9; *Röm 1,16; *2Thess 1,7; 2,9. ♦ Auf der kanonischen Ebene steht die Wendung ἐξ ἡμῶν, die sich 9 Mal im NT findet, davon 1 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: 1Joh 2,19; im Vers: Lk 24,22, wo diese Wendung in *Ev fehlt; Apg 15,24; 2Kor 4,7; 7,9; 8,7), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das bis auf ὀστράκινος weiters vorkanonisch bezeugt ist. (4,8) Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2Kor 4,8; 9,11; 1Thess 5,18; im Vers: Apg 10,35; 1Kor 1,5; 2Kor 6,4; 7,5. 11. 16; 8,7; 9,8; 11,6. 9; Eph 5,24; Phil 4,6. 12; Kol 1,10; 4,12; 2Thess 2,17; Hebr 13,21), ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ θλίβω, das sich 22 / 10 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 12,12; *2Thess 1,6. 7. ♦ στενοχωρέω steht nur noch in 2Kor 6,12 auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπορέω steht 6 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐξαπορέω steht nur noch 2Kor 1,8 und erinnert überhaupt an diesen Vers. Zur Rekonstruktion: Dieser nur in zwei Verben angedeutete Vers scheint, wie die Lexik erweist, kanonisch-redaktionell überarbeitet worden zu sein. Der genaue vorkanonische Wortlaut lässt sich nicht mehr herstellen, auch wenn der Vers auf vorkanonischer Grundlage ruht, wie die Anspielungen nahelegen. (4,9) διώκω, das 47 / 45 Mal im NT belegt ist und das sich auch vorkanonisch bezeugt findet. ♦ Die Form διωκόμενοι steht nur noch 1 weiteres Mal in 1Kor 4,12 auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐγκαταλείπω steht 12 / 10 Mal im NT, jedoch nur mehr kanonisch bezeugt. ♦ καταβάλλω steht nur noch 1 Mal in Hebr 6,1. ♦ ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. Zur Rekonstruktion: Aufgrund der Anspielungen wird der Vers vorkanonisch gestanden sein, doch die Lexik weist darauf hin, dass er kanonisch überarbeitet zu sein scheint. 3 (2Kor) 623 <?page no="624"?> 49 Vgl. zu diesem Lexem ibid. (4,10) πάντοτε steht 42 / 41 Mal im NT, darunter 7 Mal wie hier als Verseröffnung (2 Mal Mt; Röm 1,10; 2Kor 4,10; Phil 1,4; 1Thess 5,16; 2Tim 3,7), ausschließlich jedoch auf der kanonischen Ebene. ♦ νέκρωσις steht nur noch 1 Mal, Röm 4,19, auf der kanonischen Ebene. 49 ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist bereits vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus ist. ♦ περιφέρω steht nur noch zwei Mal auf kanonischer Ebene (Mk 6,55; Eph 4,14). ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist für die vorkanonische Fassung weiter bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, unter Auslassung des unbezeugten und, wen wundert es, auch nur auf der kanonischen Ebene bezeugten πάντοτε, das den emphatisierenden Charakter der kanonischen Redaktion unterstreicht. Die nicht weiter vorkanonisch bezeugten Begriffe stehen überhaupt selten, d.-h. die Lexik stützt bedingt die Bezeugung. (4,11) Die Verseröffnung ἀεὶ γάρ steht nur hier. ♦ ἀεί steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἡμεῖς οἱ ζῶντες steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 4,11; 1Thess 4,15. 17). ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *1Kor 5,5. ♦ φανερόω, vgl. zuvor zu den Versen 2 und 10. ♦ θνητός steht nur 6 Mal im NT, davon 5 Mal vorkanonisch bezeugt in *1Kor 6,20; 15,53. 54; 2Kor 5,4; *Röm 8,11. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt den Hinweisen Tertullians. Die Verseröff‐ nung, die mit dem nur kanonischen ἀεί beginnt, auch wenn das Thema der Ewigkeit bei Tertullian anklingt, aber möglicherweise in anderer sprachlicher Gestaltung umgesetzt war, ist Produkt der kanonischen Redaktion, wie auch die kanonische Formulierung ἡμεῖς οἱ ζῶντες verdeutlicht. (4,12) Die Kombination ὥστε ὁ steht 5 Mal, jeweils als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,12; *Röm 7,12, vgl. zu Gal 3,24. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten θάνατος, vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Die Wendung ἐν ἡμῖν steht 26 Mal im NT, Lk 24,32, wo diese Wendung in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,16; *Röm 8,4. ♦ ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch zwei Mal bezeugt für *Laod 1,20; 2,2. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (4 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 10,13; 22,26; 8 Mal Joh; 4 Mal Apg; Röm 624 Rekonstruktion <?page no="625"?> 1,12. 13; 8,9. 10. 11; 12,3; 1Kor 1,6. 10. 11; 2,2; 3,3. 16. 18; 5,1; 6,2. 5. 19; 11,13. 18. 19. 30; 14,25; 15,12; 2Kor 1,19; 4,12; 7,16; 8,7; 10,1. 15; 12,12; 13,3. 5; Gal 3,5; 4,19. 20; Eph 5,3; Phil 1,6; 2,5. 13; Kol 1,6. 27; 3,16; 1Thess 2,13; 5,12; 2Thess 1,4. 12; 3,7. 11; Jak 3,13; 4,1; 5,13. 14. 19; 1Petr 3,15; 4,12; 5,1. 2; 2Petr 2,1; 1Joh 2,8. 14. 24. 27; 4,4). In dieser Liste erstaunt, dass diese Wendung nie in einem der Pastoralbriefe und auch nicht im Hebräerbrief erscheint. Zur Abwesenheit: Den vorkanonisch unbezeugten Vers hätte man nach Ausweis der Verseröffnung und der weiteren Terminologie zunächst der vorkanonischen Version zuordnen können, doch die unverzichtbare und eigentlich den Höhe‐ punkt des Arguments bildende Wendung ἐν ὑμῖν ist so fest eine rein kanonische Formulierung, dass man auch diesen Vers dieser Ebene wird zuschreiben müssen. (4,13) Die Verseröffnung ἔχοντες δέ, die hier bezeugt ist, findet sich auf der kanoni‐ schen Ebene außer der Parallele hier noch zwei weitere Mal (Röm 12,6; 1Tim 6,8). ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 3,14. ♦ Die Wendung τὸ αὐτὸ πνεῦμα steht noch 1 weiteres Mal 1Kor 12,8, allerdings nicht für die vorkanonische Ebene bezeugt, aufgrund des Befundes hier, dort aber vielleicht doch im Text zu vermuten. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, der durch die Lexik gestützt wird. (4,14) εἰδότες begegnet als Form 23 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: Röm 6,9; 2Kor 4,14; 5,11; Gal 2,16; Eph 6,8; Kol 3,24; 1Thess 1,4; 1Petr 1,18; als Kombination im Vers: Mt 22,29; Mk 12,24; Lk 8,53; Joh 21,12; Röm 5,3; 13,11; 1Kor 15,58; 2Kor 1,7; 5,6; Gal 4,8; Eph 6,9; Phil 1,16; Kol 4,1; Jak 3,1; 1Petr 5,9), jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ Die Wendung τὸν κύριον Ἰησοῦν steht 6 Mal im NT (3 Mal Apg; Röm 13,14; 2Kor 4,14; Phlm 1,5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ Die Kombination ἡμᾶς σύν findet sich 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 1,21. ♦ παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3 (2Kor) 625 <?page no="626"?> 50 Vgl. Ibid. 11,2. ♦ Die Kombination σὺν ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 1,21. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung εἰδότες; εἰδότες ὅτι; τὸν κύριον Ἰησοῦν; ἡμᾶς σύν; σὺν ὑμῖν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonische gefehlt. (4,15) Die Kombination τὰ γάρ findet sich 7 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Als Verseröffnung: Röm 1,20; 6,23; 2Kor 4,15; 10,4; als Kombination im Vers: Joh 5,36; 2Kor 4,18; Apk 14,13), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντα steht 135 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,21; 8,6; *3Kor 5,17; *2Thess 2,4; *Eph 1,10. 22; 3,9; *Kol 1,20. ♦ δι’ ὑμᾶς steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,24. ♦ Die Wendung ἵνα ἡ χάρις steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Röm 6,1. ♦ πλεονάζω steht 9 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20. ♦ πλείων, das 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,5. ♦ εὐχαριστία, das 15 Mal im NT steht, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ περισσεύω, das 42 / 39 Mal im NT begegnet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς τὴν δόξαν steht 3 Mal im NT, Lk 24,26, in einem Versteil, der in *Ev fehlt; Röm 3,7; 2Kor 4,15, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δόξα + τοῦ θεοῦ steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 2Kor 4,5. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Mehrzahl von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung τὰ γάρ; ἵνα ἡ χάρις; εὐχαριστία; περισσεύω; εἰς τὴν δόξαν; δόξα + τοῦ θεοῦ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,16) Die Kombination und Verseröffnung διὸ οὐκ steht nur noch 1 weiteres Mal, jedoch nicht als Verseröffnung, Hebr 11,16. ♦ ἐγκακέω, das 6 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,9. 50 ♦ ἔξω, das 69 / 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,16. ♦ Die Kombination ὁ ἔξω steht nur hier. ♦ Die Wendung ἡμῶν ἄνθρωπος steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Röm 6,6. ♦ διαφθείρω findet sich 8 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἔσωθεν steht 13 Mal im NT, vorkanonisch wieder bezeugt in *Ev 11,39. 40. ♦ Die Kombination ὁ ἔσω steht nur hier. ♦ ἀνακαινόω findet sich nur 3 Mal im NT, 1 weiteres Mal vorkanonisch bezeugt für *Kol 3,10. ♦ Die Wendung ἡμέρᾳ καὶ ἡμέρᾳ steht nur hier. 626 Rekonstruktion <?page no="627"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, gestützt durch die Lexik, die eine Reihe von singulären Wendungen und vorkanonisch anderwärts bezeugten Elementen aufweist, auch wenn diese so selten stehen wie ἐγκακέω und ἀνακαινόω. Zwei hier vorkanonisch bezeugte Elemente stehen, die weiters nur auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἡμῶν ἄνθρωπος; διαφθείρω), was durch die Bezeugung anzeigt, dass es sich hier um Übernahmen aus dem vorkanonischen Sprachschatz handelt. (4,17) Die Verseröffnung τὸ γὰρ παραυτίκα steht nur hier. ♦ παραυτίκα ist überra‐ schenderweise Hapax legomenon im NT. ♦ πρόσκαιρος steht 4 Mal im NT und ist gleich im nächsten Vers für die vorkanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐλαφρός steht nur noch 1 Mal in Mt 11,30. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ ὑπερβολή steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,13; *1Kor 12,31; *2Kor 4,7. ♦ βάρος steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2. ♦ κατεργάζομαι steht 25 / 22 Mal im NT, ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Auch wenn der Vers vorkanonisch nicht bezeugt ist, spricht doch die Reihe vorkanonisch be‐ zeugter Elemente dafür, dass der Vers bereits vorkanonisch vorhanden war. Man beachte etwa die seltene stehenden Begriffe ὑπερβολή und βάρος. Gleichwohl ist gerade das Hauptverb κατεργάζομαι nicht weiter vorkanonisch bezeugt und gib damit einen Hinweis darauf, dass der Vers vielleicht kanonisch überarbeitet worden ist. Auch narrativ bietet dieser Vers die notwendige Erläuterung für die Schlussfolgerung, wonach „das Unsichtbare-… ewig“ ist. (4,18) Die Verseröffnung μὴ σκοπούντων steht nur hier. ♦ σκοπέω, das 7 / 6 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ Die Form τὰ βλεπόμενα begegnet nur noch 1 Mal in Hebr 11,3, der plurale Genitiv noch Hebr 11,1. 7. ♦ πρόσκαιρος ist nur hier vorkanonisch bezeugt, stand aber im Vers zuvor, der wohl ebenfalls vorkanonisch stand. ♦ αἰώνιος findet sich 77 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,18; *2Kor 5,1; *Röm 5,21; *2Thess 1,9. Zur Rekonstruktion: Der Text basiert auf der kanonischen Version, wobei Tertullians Zeugnis Elemente des Verses bietet, so dass davon ausgegangen werden muss, dass der Vers vorkanonisch stand. Die nicht bzw. weiter nicht vorkanonisch bezeugten Elemente weisen allerdings darauf hin, dass mit einer kanonischen Überarbeitung dieses Verses gerechnet werden muss. 3 (2Kor) 627 <?page no="628"?> Kapitel 5 5,1-6 [7] 8 [9] 10 [11-16] 17 [18-21]: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden Dieses Kapitel ist vorkanonisch gut bezeugt, und die Argumentation auf dieser Ebene setzt diejenige von Kapitel 4 fort. Es geht weiterhin um die Zerbrech‐ lichkeit des Irdischen, vor allem des äußeren Menschen, seines Fleisches und Körpers, und die Dauerhaftigkeit des inneren Menschen. In diesem Kapitel wird der äußere Mensch mit einem abzubrechenden irdischen Haus verglichen, dem das nicht von Menschenhand, sondern von Gott errichtete ewige Haus im Himmel entgegengesetzt wird. Da diese Welt und der menschliche Leib die Existenz in der Fremde repräsentieren, geht es darum, auszuwandern, um beim Herrn daheim zu sein. Dieses Daheim ist „eine neue Schöpfung“. Die kanonische Redaktion reduziert erneut diese klare Antithese, indem sie den Weg als einen des Glaubens, nicht des Schauens stilisiert (5,7). Sie knüpft an den kanonischen Vers 4,2 an und lässt sich Paulus wieder empfehlen und rühmen (5,12). Zugleich kritisiert Paulus sich selbst (5,13). Der Ausdruck „nicht mehr im Fleisch“ wird nicht mehr auf die eschatologische neue Schöpfung bezogen, sondern auf die Auferweckung Christi (5,15-16) und auf die erfolgte Versöhnung durch Christus (5,19). „Neu“ wird folglich moralisch ausgelegt (5,20-21). 5,1 ἐὰν ἡ ἐπίγειος ἡμῶν οἰκία καταλυθῇ, οἰκοδομὴν ἐκ θεοῦ ἔχομεν οἰκίαν ἀχειροποίητον αἰώνιον ἐν τοῖς οὐρανοῖς. 5,1 Οἴδαμεν γὰρ ὅτι ἐὰν ἡ ἐπίγειος ἡμῶν οἰκία τοῦ σκήνους καταλυθῇ, οἰκοδομὴν ἐκ θεοῦ ἔχομεν οἰκίαν ἀχειροποίητον αἰώνιον ἐν τοῖς οὐρανοῖς. 2 καὶ γὰρ στενάζομεν, τὸ οἰκητήριον ἡμῶν τὸ ἐξ οὐρανοῦ ἐπενδύσασθαι ἐπιποθοῦντες, 2 καὶ γὰρ ἐν τούτῳ στενάζομεν, τὸ οἰκητήριον ἡμῶν τὸ ἐξ οὐρανοῦ ἐπενδύσασθαι ἐπιποθοῦντες, 3 εἴπερ καὶ ἐκδυσάμενοι οὐ γυμνοὶ εὑρεθησόμεθα. 3 εἴ γε καὶ ἐκδυσάμενοι οὐ γυμνοὶ εὑρεθησόμεθα. 4 καὶ γὰρ οἱ ὄντες ἐν τοῦτῳ τῷ σκήνει τοῦ σώματος στενάζομεν βαρούμενοι, ἐφ’ ᾧ οὐ θέλομεν ἐκδύσασθαι ἀλλ’ ἐπενδύσασθαι, ἵνα καταποθῇ τὸ θνητὸν τοῦτο ὑπὸ τῆς ζωῆς, 4 καὶ γὰρ οἱ ὄντες ἐν τῷ σκήνει στενάζομεν βαρούμενοι, ἐφ’ ᾧ οὐ θέλομεν ἐκδύσασθαι ἀλλ’ ἐπενδύσασθαι, ἵνα καταποθῇ τὸ θνητὸν ὑπὸ τῆς ζωῆς. 5 ὁ θεός, ὁ δοὺς ἡμῖν τὸν ἀρραβῶνα τοῦ πνεύματος, 5 ὁ δὲ κατεργασάμενος ἡμᾶς εἰς αὐτὸ τοῦτο θεός, ὁ δοὺς ἡμῖν τὸν ἀρραβῶνα τοῦ πνεύματος. 6 ἐνδημοῦντες ἐν τῷ σαρκὶ ἐκδημοῦμεν ἀπὸ τοῦ κυρίου, 6 Θαρροῦντες οὖν πάντοτε καὶ εἰδότες ὅτι ἐνδημοῦντες ἐν τῷ σώματι ἐκδημοῦμεν ἀπὸ τοῦ κυρίου, 628 Rekonstruktion <?page no="629"?> 7 διὰ πίστεως γὰρ περιπατοῦμεν οὐ διὰ εἴδους 8 εὐδοκοῦμεν μᾶλλον ἐκδημῆσαι ἐκ τοῦ σώματος καὶ ἐνδημῆσαι πρὸς τὸν κύριον. 8 θαρροῦμεν δὲ καὶ εὐδοκοῦμεν μᾶλλον ἐκδημῆσαι ἐκ τοῦ σώματος καὶ ἐνδημῆσαι πρὸς τὸν κύριον. - 9 διὸ καὶ φιλοτιμούμεθα, εἴτε ἐνδημοῦντες εἴτε ἐκδημοῦντες, εὐάρεστοι αὐτῷ εἶναι. 10 τοὺς πάντας ἡμᾶς φανερωθῆναι δεῖ ἔμπροσθεν τοῦ βήματος τοῦ Χριστοῦ, ἵνα κομίσηται ἕκαστος ἃ διὰ τοῦ σώματος ἔπραξεν, εἴτε ἀγαθὸν εἴτε κακόν. 10 τοὺς γὰρ πάντας ἡμᾶς φανερωθῆναι δεῖ ἔμπροσθεν τοῦ βήματος τοῦ Χριστοῦ, ἵνα κομίσηται ἕκαστος τὰ διὰ τοῦ σώματος πρὸς ἃ ἔπραξεν, εἴτε ἀγαθὸν εἴτε φαῦλον. - 11 Εἰδότες οὖν τὸν φόβον τοῦ κυρίου ἀνθρώπους πείθομεν, θεῷ δὲ πεφανερώμεθα· ἐλπίζω δὲ καὶ ἐν ταῖς συνειδήσεσιν ὑμῶν πεφανερῶσθαι. 12 οὐ πάλιν ἑαυτοὺς συνιστάνομεν ὑμῖν, ἀλλὰ ἀφορμὴν διδόντες ὑμῖν καυχήματος ὑπὲρ ἡμῶν, ἵνα ἔχητε πρὸς τοὺς ἐν προσώπῳ καυχωμένους καὶ μὴ ἐν καρδίᾳ. 13 εἴτε γὰρ ἐξέστημεν, θεῷ· εἴτε σωφρονοῦμεν, ὑμῖν. 14 ἡ γὰρ ἀγάπη τοῦ Χριστοῦ συνέχει ἡμᾶς, κρίναντας τοῦτο, ὅτι εἷς ὑπὲρ πάντων ἀπέθανεν· ἄρα οἱ πάντες ἀπέθανον· 15 καὶ ὑπὲρ πάντων ἀπέθανεν ἵνα οἱ ζῶντες μηκέτι ἑαυτοῖς ζῶσιν ἀλλὰ τῷ ὑπὲρ αὐτῶν ἀποθανόντι καὶ ἐγερθέντι. 16 Ὥστε ἡμεῖς ἀπὸ τοῦ νῦν οὐδένα οἴδαμεν κατὰ σάρκα· εἰ καὶ ἐγνώκαμεν κατὰ σάρκα Χριστόν, ἀλλὰ νῦν οὐκέτι γινώσκομεν. 17 εἴ τις ἐν Χριστῷ καινὴ κτίσις· τὰ ἀρχαῖα παρῆλθεν, ἰδοὺ γέγονε καινὰ τὰ πάντα· 17 ὥστε εἴ τις ἐν Χριστῷ, καινὴ κτίσις· τὰ ἀρχαῖα παρῆλθεν, ἰδοὺ γέγονεν καινά· - 18 τὰ δὲ πάντα ἐκ τοῦ θεοῦ τοῦ καταλλάξαντος ἡμᾶς ἑαυτῷ διὰ Χριστοῦ καὶ δόντος ἡμῖν τὴν διακονίαν τῆς καταλλαγῆς, 19 ὡς ὅτι θεὸς ἦν ἐν Χριστῷ κόσμον καταλλάσσων ἑαυτῷ, μὴ λογιζόμενος αὐτοῖς τὰ παραπτώματα αὐτῶν, καὶ θέμενος ἐν ἡμῖν τὸν λόγον τῆς καταλλαγῆς. 20 ὑπὲρ Χριστοῦ οὖν πρεσβεύομεν ὡς τοῦ θεοῦ παρακαλοῦντος δι’ ἡμῶν· δεόμεθα ὑπὲρ Χριστοῦ, καταλλάγητε τῷ θεῷ. 21 τὸν μὴ γνόντα ἁμαρτίαν ὑπὲρ ἡμῶν ἁμαρτίαν ἐποίησεν, ἵνα ἡμεῖς γενώμεθα δικαιοσύνη θεοῦ ἐν αὐτῷ. 3 (2Kor) 629 <?page no="630"?> A. *5,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,1: … (<loco> add Harnack; <ita et dissoluto tabernacula> Kroymann von Soden) Terreni domicilii nostri non sic ait habere nos domum aeternam, non manu factam, in caelo, quia quae manu facta sit creatoris intereat in totum dissoluta post mortem; vgl. hingegen Tert., De Res. 41,1: Scimus enim, inquit, quoniam etsi terrena domus nostri tabernaculi dissolvatur, habemus domum non manufactam aeternam in caelis: id est, pro hoc quod dissolvetur caro nostra per passiones, domicilium consecuturi sumus in caelis. ♦ *5,2-3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,1: Haec enim ad mortis metum et ad ipsius dissolutionis contristationem consolandam retractans etiam per sequentia manifestius, cum subicit ingemere nos de isto tabernaculo corporis terreni, quod de caelo est superindui cupientes; siquidem et despoliati non inveniemur nudi, id est recipiemus quod despoliati sumus, id est corpus; vgl. hingegen Tert., De Res. 41,5: divisionem enim facit apostolus cum subicit, Nam et in hoc gemimus, domicilium nostrum quod de caelo est superinduere desiderantes, siquidem et exuti non nudi inveniemur: id est, ante volumus superinduere virtutem caelestem aeternitatis quam carne exuamur. ♦ *5,4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,1-3: [1] … Et rursus: Etenim qui sumus in isto tabernaculo corporis, ingemimus quod gravemur, nolentes exui sed superindui. [2] … et hi propter temporis ultimum iam momentum et propter merita vexationum antichristi compendium mortis, sed mutati, conse‐ quentur superinduti magis quod de caelo est quam exuti corpus. [3] Ita si hi super corpus induent caeleste illud, utique et mortui recipient corpus, super quod et ipsi induant incorruptelam de caelo … dixit nolentes exui corpore sed superindui, id est nolentes mortem experiri sed vita praeveniri, uti devoretur mortale hoc a vita, dum eripitur morti per superindumentum demutationis; vgl. hingegen Tert., De Res. 42,2: Oportet etenim corruptivum istud induere incorruptelam et mortale istud induere immortalitatem, hoc erit illud domicilium de caelo quod gementes in hac carne superinduere desideramus, utique super carnem in qua deprehendemur, quia gravari nos ait qui simus in tabernaculo, quod nolimus exui sed potius superindui, uti devoretur mortale a vita, scilicet dum demutatur superinduendo quod est de caelis; ibid. 42,5: ut deuoretur [deuoraretur: T] mortale a uita; ibid. 42,9: postremo etsi tunc deuoratum inuenietur mortale in omnibus mortuis; ibid. 42,11: ergo cum a uita habeat deuorari quod mortale est, id exhiberi omnifariam necesse est, ut deuoretur, et deuorari, ut demutetur [et deuorari, ut demutetur; om T]; ibid. 54,1: uti deuoretur mortale a uita; ibid. 54,4; quomodo ergo [ergo: P M X; autem: T] capit? dum deuoratur a uita; Adam., Dial. V 27 (im Mund des Adamantius): ὅταν δὲ καταποθῇ τὸ θνητὸν ὑπὸ τῆς ἀθανασίας (Rufin: Cum autem absorptum fuerit mortale hoc a vita). ♦ *5,5: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,4: Ideo quia ostendit hoc melius esse, ne contristemur mortis si forte praeventu, et arrabonem nos spiritus dicit a deo habere, quasi pignoratos in eandem spem superindumenti. ♦ *5,6: Vgl. 630 Rekonstruktion <?page no="631"?> 51 Vgl. Ibid. 119. Tert., Adv. Marc. V 12,4: et abesse a domino, quamdiu in carne sumus, ac propterea debere boni ducere abesse potius a corpore et esse cum domino, ut et mortem libenter excipiamus; vgl. hingegen Tert., De Res. 43,1: Proinde cum dicit, Itaque confisi semper, et scientes quod cum immoramur in corpore peregrinamur a domino: per fidem enim ambulamus, non per speciem: manifestum est hoc quoque non pertinere ad offuscationem carnis quasi separantis nos a domino. ♦ *5,8: Vgl. Tert. Adv. Marc. V 11,4: et abesse a domino, quamdiu in carne sumus, ac propterea debere boni ducere abesse potius a corpore et esse cum domino. ♦ *5,10: Vgl. Tert., Adv. Marc V 11,4-5: [4] … Atque adeo omnes ait nos oportere manifestari ante tribunal Christi, ut recipiat unusquisque quae per corpus admisit sive bonum sive malum. [5] Et tribunal autem nominando et dispunctionem boni ac mali operis utriusque sententiae iudicem ostendit, et corporum omnium repraesentationem confirmavit; vgl. allerdings Tert., De Res. 43,6: omnes enim manifestari nos oportet pro tribunali Christi Iesu. Si omnes, et totos: si omnes, et interiores et exteriores, id est tam animas quam et corpora. Ut unusquisque, inquit, reportet quae per corpus secundum quae gessit, bonum sive malum. Adam., Dial. I 16 (aus dem Mund des Eutropius): ὅτι ἕκαστος παρὰ Χριστοῦ κομίζεται εἴτε ἀγαθὸν εἴτε κακόν (Rufin: quod a Christo unusquisque recepturus sit prout gessit, siue bona, siue mala). ♦ *5,17: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,6: Si qua ergo conditio nova in Christo, vetera transierunt, ecce nova facta sunt omnia; vgl. Adam., Dial. II 16 (im Mund des Markioniten): εἴ τις ἐν Χριστῷ, καινὴ κτίσις: τὰ ἀρχαῖα παρῆλθεν, ἰδοὺ γέγονε τὰ πάντα καινά (Rufin: Si qua in Christo, noua creatura; uetera transierung, ecce facta sunt omnia noua); Jes 43,19 LXX: ἰδοὺ ποιῶ καινὰ ἃ νῦν ἀνατελεῖ. B. (5,3) Anstelle von εἴ γε steht die Variante εἴπερ in den Zeugen P 46 , 03, 06, 010, 012, 33, 1175. ♦ Die Variante ἐκδυσάμενοι, die sich aus Tertullian (despoliati) nahelegt, worauf bereits Hilgenfeld verweist, findet sich in den Zeugen 06*, 010, 012, d, f, g, ar, fc, Tert, Spec, Ambst, Chrys; hingegen findet sich ἐνδυσάμενοι in den Zeugen P 46 , 01, 03, 04, 06 2 , 018, 020, 025, 044, 0243, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, co. 51 ♦ (5,4) Post ἐν add τοῦτῳ nach Tertullian, diese Hinzufügung findet sich aber auch in weiteren Zeugen: 06, 010, 012, 81, (104), 1505, it, vg cl , sy, bo, go, Ambst, Spec und in der altlateinischen Tradition in 51, 89 hoc habitaculo, dann 58 tabernaculo isto, dann corpore isto 61, Pel b , dann hoc corpore 67, Ambst r , Pel a , habitaculo isto 75,76, dann habitaculo hoc 77, Spm, dann tabernaculo hoc 78, dann hoc tabernaculo isto 88*, dann hoc tabernaculo 88 c , Pel var , dann isto corpore Ambst ed , dann hoc sumus corpore Pel var . ♦ Der Zusatz τοῦ σώματος folgt Tertullian, er findet sich jedoch auch in einigen altlateinischen Zeugen, vgl. auch die voranstehenden Zeugen. 52 ♦ 3 (2Kor) 631 <?page no="632"?> 52 Ibid.; J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 292. 53 Vgl. U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einord‐ nung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 101. 54 Vgl. H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überliefe‐ rung des zweiten Korintherbriefes (1960), 119. 55 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. Die Variante βαρυνόμενοι steht in 06* .c , 010, 012, 1505, Ephr. 53 Doch scheint die Lesart βαρούμενοι die ursprünglichere zu sein aufgrund der Lexik von βαρέω, während βαρύνω Hapax legomenon wäre. ♦ Der Zusatz τοῦτο findet sich auch in 010, 012 und in der altlateinischen Tradition in 61, 77, 89, Ambst, Pel b , Sp m mortale hoc. 54 ♦ (5,6) Als Variante findet sich ἐπιδημοῦντες in den Zeugen 06*, 010, 012, vg, Ambr., jedoch ist ἐνδημοῦντες gleich wieder vorkanonisch bezeugt in Vers 8. ♦ Anstelle von ἐκδημοῦμεν findet sich die Variante ἀποδημοῦμεν in 06, 010, 012, Ambr. ♦ Anstelle von κυρίου bietet die altlateinische Tradition in 61, 75, 76, 77 a deo. ♦ (5,10) Anstelle von τὰ διά deutet Tertullian auf die Variante ἃ διά, die sich auch in den folgenden Zeugen findet: 06*, 010, 012, g, als markionitische Lesart vermerkt von v. Soden. 55 ♦ Anstelle von διά findet sich die Variante ἰδία in den Zeugen P 46.90 , 365, lat, Cyp. ♦ Das auf der kanonischen Ebene auf σώματος folgende πρός fehlt nicht nur in Adamantius, sondern auch in den Zeugen 06*, 010, 012. ♦ Die Variante κακόν steht in den Zeugen P 46 , 03, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 104, 1175,1241, 1505, 2464, M, Athenagoras (im Plural), Cl, während die Variante φαῦλον zu finden ist in den Zeugen 01, 04, 048, 0243, 33, 81, 326, 365, 630, 1739, (1881). ♦ (5,14) Post ὅτι add εἰ in 01 2 , 04*, 048, 0243, 81, 104, 365, 629c, 630, 1175, 1739, l 249, pm, f, vg, sa, bo ms . ♦ (5,16) Die Wortstellung εἰ καί ist zu finden in den Zeugen P 46 , 01*, 03, 06*, 0225, 0243, 33, 326, 1739, 1881, l 249, Eus; καὶ εἰ liest man in 010, 012, hingegen steht εἰ δέ in 018 und εἰ δέ καί in 01 2 , 04 2 , 06 1 , 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 2464, M, sy h . ♦ (5,17) Anstelle von καινά legt sich die Variante καινὰ τὰ πάντα durch Tertullian nahe, die auch zu finden ist in 06 2 , 018, 020, 025, 044, 104, 326, 945, 2464 pm, sy h ; τὰ πάντα καινά steht in Adamantius und in den Zeugen 6, 33, 81, 365, 614, 630, 1241, 1505, 1881 pm, ar, b, vg cl , Ambst ed , Pel b und in der altlateinischen Tradition in 54, 58, 61, 89: omnia nova, während καινά steht in P 46 , 01, 03, 04, 06*, 010, 012, 048, 0243, 629, 1175, l 249, vg st , co, Cl. C. 1. (5,1) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den Vers der kanonischen Gestalt nach präsent. Harnack gibt als bezeugten Text: ἐὰν ἡ ἐπίγειος ἡμῶν οἰκία καταλυθῇ - οἰκίαν αἰώνιον ἐν τῷ οὐρανῷ. 632 Rekonstruktion <?page no="633"?> 56 Vgl. zu diesem Vers H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateini‐ schen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 122-123. 57 B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 256-257. Schmid hingegeben führt ihn an als: … ἡ ἐπίγειος ἡμῶν οἰκία … καταλυθῇ οἰκίαν ἀχειροποίητον αἰώνιον ἐν τοῖς οὐρανοῖς. BeDuhn folgt Schmid und setzt den Anfang in Klammern. Ob οἴδαμεν hier anzunehmen ist? Das nachfolgende Verb steht im Aor. Konj. (non sic ait habere = καταλυθῇ), braucht also ein regierendes Verb. 2. (5,2-3) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers und notiert die Variante ἐκδυσάμενοι. Zahn sieht den Vers in der kanonischen Form präsent. Harnack sieht als Text bezeugt: 2 στενάζομεν, τὸ οἰκητήριον τὸ ἐξ οὐρανοῦ ἐπενδύσασθαι ἐπιποθοῦντες, 3 εἴπερ καὶ ἐκδυσάμενοι οὐχ εὑρεθησόμεθα γυμνοὶ. Schmid gibt als bezeugten Text: 2 στενάζομεν … τὸ ἐξ οὐρανοῦ ἐπενδύσασθαι ἐπιποθοῦντες, 3 εἴπερ καὶ ἐκδυσάμενοι οὐ γυμνοὶ εὑρεθησόμεθα. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: 2 [καὶ γὰρ] ἐν τούτῳ στενάζομεν τὸ οἰκητήριον τὸ ἐξ οὐρανοῦ ἐπενδύσασθαι ἐπιποθοῦντες, 3 εἴ γε καὶ ἐκδυσάμενοι οὐ γυμνοὶ εὑρεθησόμεθα. 3. (5,4) Hilgenfeld verweist auf Tertullian und für den Schluss des Verses auf Adamantius als Zeugen für diesen Vers. 56 Zahn sieht den kanonischen Text mit folgenden Änderungen bezeugt: ἐν τοῦτῳ τῷ σκήνει τοῦ σώματος βαρούμενοι, οὐ θέλομεν ἐκδύσασθαι … τὸ θνητὸν ὑπὸ τῆς ζωῆς. Harnack gibt als bezeugten Text: καὶ γὰρ οἱ ὄντες ἐν τοῦτῳ τῷ σκήνει τοῦ σώματος στενάζομεν βαρούμενοι, οὐ θέλοντες ἐκδύσασθαι ἀλλ’ ἐπενδύσασθαι, ἵνα καταποθῇ τὸ θνητὸν τοῦτο ὑπὸ τῆς ζωῆς. Schmid folgt Harnack, nimmt aber auch noch ἐφ’ ᾧ in den Text hinein. BeDuhn übersetzt Harnack, offenkundig ohne das für den vorkanonischen Text bezeugte τοῦτο. Erstaunlich ist, dass Haupt diese Variante aus Adv. Marc., die gerade die Übereinstimmung mit den beiden Bilinguen 010 und 012 zeigt, unberücksichtigt lässt. 57 4. (5,5) Dieser Satz ist in beiden Fassungen elliptisch. Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den kanonischen Text dieses Verses präsent. Harnack sieht nur Anspielungen auf diesen Vers und gibt als bezeugten Text: θεός, (ὁ δοὺς) ἡμῖν τὸν ἀρραβῶνα τοῦ πνεύματος. Schmid setzt als Text: θεός, (ὁ καὶ δοὺς) ἡμῖν τὸν ἀρραβῶνα τοῦ πνεύματος. BeDuhn legt seiner Übersetzung den kanonischen Text zugrunde, klammert aber den unbezeugten Text ein. 3 (2Kor) 633 <?page no="634"?> 58 Vgl. zu diesem Vers H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateini‐ schen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 123. 59 Vgl. zu diesem Vers ibid. 123-124. 60 Vgl. zu diesem Vers ibid. 124. 5. (5,6) Zahn nimmt den Vers in seiner kanonischen Form für Markions Paulus an. Harnack sieht nur eine Anspielung und nimmt als Textbestand bezeugt: ἐνδημοῦντες ἐν τῷ σώματι ἐκδημοῦμεν ἀπὸ τοῦ κυρίου. Schmid sieht auch nur eine Anspielung, ohne einen Text zu bieten. BeDuhn, der auf die Differenz der Versbezeugung bei Tertullian (Fleisch/ Leib) und dem Zitat in seinem Text De Res. hinweist, legt seiner Übersetzung den folgenden Text zugrunde, wobei er den ersten, unbezeugten Teil in Klammern setzt: [Θαρροῦντες οὖν πάντοτε καὶ εἰδότες ὅτι] ἐνδημοῦντες ἐν τῷ σαρκὶ ἐκδημοῦμεν ἀπὸ τοῦ κυρίου. 58 6. (5,7) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn mit seiner Präsenz in einer unbestimmten Gestalt rechnet und BeDuhn ihn nach der kanonischen Fassung übersetzt und in Klammern gibt. 7. (5,8) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den Vers in seiner kanonischen Form präsent. Harnack gibt als bezeugten Text: εὐδοκοῦμεν ἐκδημῆσαι ἐκ τοῦ σώματος καὶ ἐνδημῆσαι πρὸς τὸν κύριον. Schmid weicht hiervon leicht ab: εὐδοκοῦμεν μᾶλλον (ἐκδημῆσαι) ἐκ τοῦ σώματος καὶ (ἐνδημῆσαι) πρὸς (τὸν) κύριον. BeDuhn übersetzt den Text, wie oben gegeben. Denn auch hier spricht die Lexik (vgl. zu θαρσέω die Ausführungen zu Vers 6) dafür, dass der Versanfang durch die kanonische Redaktion überarbeitet wurde, um ihn an den eingescho‐ benen Vers 7 anzupassen. Möglicherweise haben die Verben nicht wie in der kanonischen Fassung, sondern wie in Vers 6 ἐπιδημοῦντες - ἀποδημοῦμεν gelautet, doch dies lässt sich aus der lateinischen Bezeugung heraus nicht entscheiden. Da es an dieser Stelle keine handschriftlichen Varianten gibt, ist die Annahme gerechtfertigt, dass die Verben so, wie oben angeführt, in der vorkanonischen Version standen. 59 8. (5,9) Nach allen Editoren ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn Zahn mit seiner Präsenz in unbestimmbarer Form rechnet und BeDuhn auf der Grundlage des kanonischen Textes den Vers übersetzt und in Klammern in seine Rekonstruktion einfügt. 9. (5,10) 60 Hilgenfeld verweist auf Tertullian und für Vers 10 auf Adamantius als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht den Anfang des Verses nach der kanonischen Form bestätigt, im zweiten Teil rekonstruiert er: ἕκαστος ἃ διὰ τοῦ σώματος ἔπραξεν, εἴτε ἀγαθὸν εἴτε φαῦλον. Ihm schließt sich Harnack an, der lediglich den Genitivartikel vor σώματος streicht. Schmid gibt den obigen Text als Rekonstruktion mit eingeklammertem γάρ. BeDuhn legt seiner Übersetzung 634 Rekonstruktion <?page no="635"?> 61 Vgl. B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 257-258. 62 Vgl. bereits H. Windisch, Der zweite Korintherbrief (1924), 184-189. 63 Ibid. 188. den obigen Text zugrunde, nur dass er anstelle von κακόν die Variante φαῦλον wählt. Haupt betrachtet lediglich die beiden Bezeugungen des Verses bei Tertullian, bedenkt aber nicht, ob die mit den Bilinguen übereinstimmende und von Tertullian für Markion bezeugte Lesart ein Spezifikum des markionitischen Textes sein könnte. 61 10. (5,11-13) Nach allen Editoren sind die Verse 11-13 unbezeugt, doch es fragt sich, ob sie auch vorkanonisch abwesend waren. 11. (5,14-16) Nach allen Editoren mit Ausnahme von Hilgenfeld, der Vers 14 in Tert., Adv. Marc. III 8 „berührt“ sieht (doch verwechselt er, dass an der dortigen Stelle nicht 2Kor 5,14, sondern 2Kor 6,14 angeführt wird), sind die Verse 14-16 unbezeugt. Zahn allerdings sieht sie in unbestimmbarer Form präsent in Markions Paulussammlung, und BeDuhn schließt deren Übersetzung in Klammern gesetzt in seine Rekonstruktion ein. Gehören sie ausschließlich zur kanonischen Ebene? Gerade die Verse 15-16 wurden bereits in der Vergangenheit diskutiert. Denn Vers 16 war inhaltlich aufgefallen, weil Paulus hiernach behauptet, er und die Korinther hätten früher Christus dem Fleisch nach gekannt. Zur Deutung des Textes wurde in der Forschung schon viel gerätselt. 62 Die Schwierigkeiten der Deutungsmöglichkeiten verringern sich, wenn man den Vers als redaktionellen Zusatz begreift, da dann, wie Windisch bereits ausführt, 63 die Hauptaussage lautete, dass eine „genauere Kenntnis“ des irdischen Jesus „kein Erfordernis für einen Ap.[ostel] war“ und „daß damit nicht gegen ihn [scil. Paulus] agiert werden durfte, daß P.[aulus] selbst die Aneignung und Mitteilung solcher Überlieferungen zwar nicht unterlassen, aber auch nicht als wesentliches Stück betrieben haben kann, daß ein Schüler des P., der ein Evangelium zu schreiben unternahm, dies nicht gerade als Schüler des P. getan haben und den Antrieb dazu nicht gut direkt von P. empfangen haben kann; er läßt weiter darauf schließen, daß der, der so schrieb, in diesem Punkte eine gewisse Schwäche seiner Position und Unterlegenheit fühlte, weil er sich eben nur cum grano salis unter die einrechnen konnte, die den Herrn noch κατὰ σάρκα gekannt haben, und jedenfalls mit reichlichen Kenntnissen in diesem Stück seinen Gemeinden nicht dienen konnte“. Windisch erkennt demnach, dass diese Angabe in Vers 16 gewissermaßen Paulus ein Stück autorisiert, andererseits doch auch deutlich den anderen Autoritäten, die durch die Evangelien und die Apostelgeschichte als Augenzeugen hervorgehoben werden, nachordnet. 3 (2Kor) 635 <?page no="636"?> 64 Vgl. hierzu Zimmermann, der auf diesen Sinnunterschied hingewiesen hat, H. Zimmer‐ mann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 120. 124. 65 Vgl. Ibid. 122. 12. (5,17) Zahn sieht den Vers in obiger Gestalt präsent, Harnack hingegen folgt im Wortlaut Tertullian und sieht den Vers in folgender Bezeugung präsent: ὥστε εἴ τις καινὴ κτίσις ἐν Χριστῷ, τὰ ἀρχαῖα παρῆλθεν, ἰδοὺ καινά γέγονε τὰ πάντα. Schmid bleibt jedoch bei dem kanonischen Wortlaut, wenn er auch aus Tertullian mit Zahn und Harnack die Änderung am Ende übernimmt. BeDuhn verweist ausdrücklich auf Adamantius und dessen Übereinstimmung mit Tertullian an dieser Stelle (entgegen Tert., Adv. Marc. IV 1,6 und 11,9) und übersetzt den oben angegebenen Text, allerdings, ohne auf Tertullian und die lateinische Tradition Rücksicht zu nehmen: „if anyone is in Christos, (that one is) a new creation. The old things have passed away; take note! All things have become new“. Tertullian und mit ihm die altlateinische Tradition bezieht jedoch das τις auf καινὴ κτίσις, was nun allerdings bedeutet: „… so dass, wenn daher in Christus eine neue Schöpfung ist, das Alte vergangen ist, siehe, Neues ist geworden“. 64 13. (5,18-21) Die Schlussverse dieses Kapitels sind nach allen Editoren unbe‐ zeugt. Fehlten sie auch in der vorkanonischen Fassung? Wie die Lexik weiter unten in D. zeigen wird, lassen sich die Verse 18 und 19 deutlich der kanonischen Redaktion zuordnen, weniger deutlich ist dies für die beiden letzten Verse, doch auch für diesen Passus wird man berechtigterweise die vorkanonische Abwesenheit der Verse annehmen dürfen. Dieses Urteil wird dadurch gestärkt, dass, wie bereits BeDuhn herausstellt, man wohl mit Tertullians Referenz auf die Aussage in Vers 18 (τὰ δὲ πάντα ἐκ τοῦ θεοῦ) gerechnet hätte, hätte dieser Vers ihm vorgelegen. Den gleichen Gedanken hätte man auch für die δικαιοσύνη θεοῦ von Vers 21 in Anschlag bringen können. D. (5,1) Die Kombination οἴδαμεν γάρ steht 4 Mal im NT (Röm 7,14; 8,22; 2Kor 5,1; Hebr 10,30), immer als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter die Verse 6. 11. 16. ♦ Die Kombination ὅτι ἐάν steht 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 20,5; Joh 11,40; 2 Mal Apg; Röm 10,9; 2Kor 5,1; 13,2; Gal 5,2; 2Thess 2,3; 1Joh 3,2. 20; 5,14). ♦ ἐπίγειος, das sich 7 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,40. 65 ♦ οἰκία steht 104 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,5. ♦ σκῆνος steht 6 Mal im NT und ist vorkanonisch gleich in *2Kor 636 Rekonstruktion <?page no="637"?> 66 Vgl. Ibid. 5,4 bezeugt. ♦ καταλύω steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,18 (ἃ κατέλυσα ταῦτα ἀνοικοδομῶ). 66 ♦ οἰκοδομή steht 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. ♦ ἀχειροποίητος steht nur 3 Mal im NT, die beiden anderen Male auf der kanonischen Ebene belegt in Mk 14,58; Kol 2,11. ♦ Zu vergleichen ist auch χειροποίητος, das 6 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,11. ♦ αἰώνιος, das sich 77 / 71 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,18; *2Kor 5,1; *Röm 5,21; *2Thess 1,9. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt den Hinweisen Tertullians. Der unbezeugte Anfang wird wohl ohne die kanonische Verseröffnung gestanden sein, auch wenn das οἴδαμεν γάρ vorkanonisch bezeugt ist. Doch dieser Ausdruck setzt einen ὅτι ἐάν Anschluss voraus, der jedoch häufig auf der kanonischen Ebene zu finden ist, jedoch nicht 1 Mal vorkanonisch. Bei der Lexik ist einzig das selten stehende ἀχειροποίητος nicht weiters vorkanonisch bezeugt, allerdings dessen positives Gegenstück χειροποίητος. Der Vers wird also wie oben gegeben im vorkanonischen Text gestanden sein. (5,2) Die unbezeugte Verseröffnung καὶ γὰρ ἐν begegnet 1 weiteres Mal in 1Kor 12,13 auf der kanonischen Ebene, allerdings ist die Kombination καὶ γὰρ vorkano‐ nisch bezeugt für *2Kor 5,4 (als Verseröffnung); *1Kor 5,7 (im Vers). ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 19,9. ♦ Die Kombination ἐν τούτῳ begegnet 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, davon 11 Mal als Verseröffnung, jedoch außer Apg 24,16 nur in johanneischer Literatur. ♦ στενάζω steht 6 Mal im NT und ist gleich in Vers 4 wieder vorkanonisch bezeugt. ♦ οἰκητήριον steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, in Jud 1,6. ♦ Zu οὐρανός vgl. Vers 1 zuvor. ♦ ἐπενδύνω steht auch nur zwei Mal im NT, gleich wieder für die vorkanonische Ebene bezeugt in *2Kor 5,4. ♦ ἐπιποθέω steht 9 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Die unbezeugte Verseröffnung ist vorkanonisch belegt, wird darum wohl im vorkanonischen Text gestanden haben, wenn auch das nachfolgende ebenfalls unbezeugte ἐν τούτῳ auf die kanonische Redaktion zurückgehen wird, ansonsten folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, das auch lexikalisch gestützt wird. (5,3) εἴπερ steht 7 / 6 Mal im NT, könnte auch auf der vorkanonischen Ebene gestanden sein (*Röm 8,9; *2Thess 1,6), dies ist aber nicht gesichert. ♦ Die Variante εἴ γε steht 5 3 (2Kor) 637 <?page no="638"?> 67 Ibid. 123. Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2Kor 5,3; Eph 3,2; 4,21; Kol 1,23; im Vers: Gal 3,4). ♦ ἐκδύω findet sich 6 Mal im NT und ist auch gleich im nächsten Vers für die vorkanonische Ebene nochmals bezeugt. ♦ γυμνός steht 16 Mal im NT und ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ εὑρίσκω, das 198 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. Zur Rekonstruktion: Aus Tertullian lässt sich nicht sicher auf die Verseröffnung schließen, doch hat εἴπερ die größere Wahrscheinlichkeit aufgrund der Lexik. Ansonsten folgt der Vers dem Zeugnis Tertullians, das bei diesem kurzen Satz bis auf γυμνός auch weiter vorkanonisch gestützt wird. (5,4) Die Kombination καὶ γάρ steht 39 Mal im NT, davon 24 Mal als Verseröffnung, weiter vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4 (als Verseröffnung); *1Kor 5,7 (im Vers). ♦ Die Verbform ὄντες steht 26 Mal im NT und ist vorkanonisch vielleicht bezeugt in *Ev 11,13 (Epiphanius bezeugt das Verb nicht, es ist lediglich bezeugt durch Adamantius, dem Klinghardt folgt, auch wenn er in *Ev 20,36 Tertullian folgt, wo M ὄντες bietet), dann auch hier, *2Kor 5,4. ♦ Zu σκῆνος, das 6 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Zu dem zuvor auch vorkanonisch bezeugten στενάζω, das nur 6 Mal im NT steht, vgl. zu Vers 2. ♦ βαρέω steht 10 / 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,34. ♦ Die Variante βαρύνω ist Hapax legomenon. ♦ Zu dem auch zuvor kanonisch bezeugten ἐκδύω vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ καταπίνω, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,54. ♦ θνητός, das 6 Mal im NT steht, ist 5 Mal vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Dieser etwas längere Text folgt dem Zeugnis Tertullians, dass weithin vorkanonisch weiter in der Lexik bestätigt wird. (5,5) Zu dem unbezeugten Anfang: Die Verseröffnung ὁ δὲ κατεργασάμενος steht nur hier. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ Die Wendung εἰς αὐτό steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination αὐτὸ τοῦτο steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,10. Zum bezeugten Teil: Das nur angedeutete ὁ δούς steht 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Lk 20,2; 2Kor 5,5; 1Tim 2,6). ♦ Die Form δούς steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Vers 1Kor 12,24. ♦ ἀρραβών, das sich 3 Mal im NT findet, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,14. 67 Zur Rekonstruktion: Die unbezeugte Verseröffnung ist nur auf der kanonischen Ebene belegt, so auch das εἰς αὐτό, weshalb dieser Teil auf die kanonische 638 Rekonstruktion <?page no="639"?> Redaktion zurückgehen und im vorkanonischen Text gefehlt haben wird. Im bezeugten Teil wird wohl kaum ὁ δούς gestanden sein, wie die weitere kano‐ nische Bezeugung unterstreicht, hier scheint die kanonische Redaktion eine Änderung vorgenommen zu haben. (5,6) Zum unbezeugten Versanfang: Die Verseröffnung θαρροῦντες οὖν steht nur hier. ♦ θαρσέω steht 6 Mal im NT, davon allein 4 Mal in 2Kor, jedoch nicht für die vorkanonische Fassung bezeugt (2Kor 5,8; 7,16; 10,1. 2; Hebr 13,6). ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιδημέω steht nur noch zwei Mal im NT, in Apg 2,10; 17,21. ♦ εἰδότες begegnet als Form 26 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. Zum bezeugten Versteil: Die Variante ἐνδημέω ist noch zwei Mal bezeugt, beide Male in 2Kor 5,8. 9, in *2Kor 5,8 für die vorkanonische Ebene. ♦ ἐκδημέω steht noch zwei Mal im NT, ausschließlich in 2Kor, in *2Kor 5,8 für die vorkanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀποδημέω steht noch 6 Mal im NT, jedoch nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. Zur Rekonstruktion: Die Differenz zwischen dem unbezeugten Versanfang und dem bezeugten Versteil ist, was die Lexik betrifft, schlichtweg krass. Während aus dem Anfang nur Elemente begegnen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind, sind die nachfolgenden Teile vorkanonisch weiter bezeugt. Wie oben gegeben, wird wohl nur der bezeugte Teil im vorkanonischen Text gestanden sein, der Anfang auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (5,7) Die Wendung διὰ πίστεως steht 9 Mal im NT (Röm 3,22; 2Kor 5,7; Gal 2,16; Eph 2,8; Phil 3,9; 2Tim 3,15; Hebr 6,12; 11,33; 1Petr 1,5), nur hier als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,16; *Röm 3,22. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ εἶδος steht 5 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers ist eine Entschei‐ dung über Präsenz oder Nichtpräsenz aus der Lexik heraus schwierig, da wir nur den einen, wenn auch bedeutenden Begriff εἶδος als ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten lesen. Allerdings hilft an dieser Stelle die narrative Struktur, denn, wie die beiden weiteren Verse zeigen, wird das Thema des Unterwegseins nur auf der kanonischen Ebene fortgeführt, das heißt, wir haben es hier mit einem sekundären Thema zu tun, das der vorkanonischen Ebene an 3 (2Kor) 639 <?page no="640"?> dieser Stelle fremd ist. Der Vers wird also auf die kanonische Ebene zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (5,8) Die Verseröffnung θαρροῦμεν δέ steht nur hier. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ εὐδοκέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15; *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19. ♦ μᾶλλον, das 85 Mal im NT begegnet, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13; *2Kor 3,8. 11; 5,8. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist bereits vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus. Zur Rekonstruktion: Wie oben in C. 7 erwähnt, wird wohl der unbezeugte Versanfang vorkanonisch gefehlt haben. Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik gestützt wird. (5,9) Die Kombination διὸ καί steht 11 Mal im NT, 7 Mal als Verseröffnung wie hier (Apg 10,29; Röm 4,22; 15,22, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 5,9; Phil 2,9; Hebr 11,12; 13,12); als Verseröffnung begegnet die Kombination ausschließlich auf der kanonischen Ebene, als Kombination im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20; 4,13. ♦ φιλοτιμέομαι steht 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Röm 15,20; 2Kor 5,9; 1Thess 4,11). ♦ Zu ἐνδημέω als vermutlich kanonischem Terminus vgl. die Beobachtungen weiter oben zu Vers 6. ♦ ἐκδημέω steht gerade zuvor in Vers 8 als vorkanonisch bezeugt. ♦ εὐάρεστος steht 10 / 9 Mal im NT, ausschließlich auf kanonischer Ebene (Röm 12,1. 2; 14,18; 2Kor 5,9; Eph 5,10; Phil 4,18; Kol 3,20; Tit 2,9; Hebr 13,21). ♦ εὐαρεστέω findet sich 5 / 3 Mal im NT, ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene (2Kor 5,9; Hebr 11,5. 6; 13,16). Auch das Adverb εὐαρέστως findet sich dort (Hebr 12,28). ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (Verseröffnung διὸ καί; φιλοτιμέομαι; ἐνδημέω? ; εὐάρεστος), außerdem führt er, wie zu Vers 7 erwähnt, ein kanonisches Seitenthema fort, das vorkanonisch in diesem Kontext nicht begegnet. Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,10) Die Verseröffnung τοὺς γὰρ πάντας oder τοὺς πάντας steht nur hier. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4, vgl. weiter Vers 11. ♦ ἔμπροσθεν, das 52 / 48 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ βῆμα steht 12 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt hier und ebenfalls in *Röm 14,10. ♦ κομίζω steht 10 Mal im NT und ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist 640 Rekonstruktion <?page no="641"?> bereits vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus. ♦ Die Variante κακός steht 54 / 50 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *Röm 12,17. ♦ Die kanonische Variante φαῦλος steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das bis auf ἔμπροσθεν und κομίζω lexikalisch durch weitere vorkanonische Bezeugungen gestützt wird. (5,11) Die Form εἰδότες begegnet 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: Röm 6,9; 2Kor 4,14; 5,11; Gal 2,16; Eph 6,8; Kol 3,24; 1Thess 1,4; 1Petr 1,18; im Vers: Mt 22,29; Mk 12,24; Lk 8,53; Joh 21,12; Röm 5,3; 13,11; 1Kor 15,58; 2Kor 1,7; 5,6; Gal 4,8; Eph 6,9; Phil 1,16; Kol 4,1; Jak 3,1; 1Petr 5,9), jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, ist jedoch nie für die vorkanonische Ebene bezeugt. ♦ πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ ἐλπίζω, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἐλπίζω δέ steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,6. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ συνείδησις, das 32 / 30 Mal im NT belegt ist, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers beginnen die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente bereits mit der Ver‐ seröffnung, gefolgt von weiteren (εἰδότες; φόβος; ἐλπίζω δέ; δὲ καί; συνείδησις). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,12) Die Verseröffnung οὐ πάλιν steht nur hier. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ συνίστημι, das 20 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀφορμή steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,11. ♦ Die Form διδόντες steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καύχημα, das nur 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Die Form ἔχητε steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ὑπὲρ ἡμῶν steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,13. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev 3 (2Kor) 641 <?page no="642"?> fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ Die Wendung καὶ μή steht 86 Mal im NT, 17 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers für *2Kor 3,11; *Röm 12,14; *Laod 4,25; vgl. zu Röm 3,8. ♦ καρδία, das 173 / 157 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; 14,25; *2Kor 3,15; 4,6; *Röm 2,15. ♦ Die Form ἐν καρδίᾳ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Lk 8,15. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die auch vorkanonisch bezeugt sind, daneben aber auch solche, die ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegt sind (συνίστημι; διδόντες; ἔχητε; Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip; ἐν καρδίᾳ). Narrativ gehört der Vers eng zum voranstehenden und nachfolgenden, er ist wie diese ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,13) εἴτε steht 67 / 65 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 12,7. 8; 1Kor 3,22; 10,31; 14,27; 15,11; 2Kor 1,6; 5,13; 8,23; 1Petr 2,14), vorkanonisch bezeugt für als Verseröffnung in *1Kor 3,22; darüber hinaus im Vers für *1Kor 8,5; *2Kor 5,10; *Phil 1,18. ♦ ἐξίστημι steht 13 / 17 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt und scheint geradezu ein typisches Verb der kanonischen Redaktion zu sein. ♦ σωφρονέω steht 6 Mal im NT, und auch dieses Verb ist nur für die kanonische Ebene belegt. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers besitzt mit seinen zwei Verben zwei sonst ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente. Der narrativ eng mit den beiden voranstehenden Versen verbundene Vers ist ebenfalls ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,14) Die Wendung ἡ γάρ steht 24 Mal im NT, davon 15 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,19. ♦ ἀγάπη, das 133 / 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42; *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ συνέχω steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,63. ♦ κρίνω, das 125 / 115 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,3; 11,32; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ Die Wendung εἷς ὑπέρ steht nur noch 1 weiteres Mal, 1Kor 4,6 auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. zum nächsten Vers 15. ♦ Die Wendung ὑπὲρ πάντων steht 7 Mal, ausschließlich für die vorkanonische Ebene belegt. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31; *1Kor 642 Rekonstruktion <?page no="643"?> 15,14. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ Die Kombination οἱ πάντες steht 4 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 19,7; 2Kor 5,14; Eph 4,13; Phil 2,21). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἷς ὑπέρ, das wichtige soteriologische ὑπὲρ πάντων; οἱ πάντες). Zudem ist der Vers fest eingebunden in die nächsten beiden Verse, in denen das Sterben Christi weiter auf der kanonischen Ebene ausgeführt wird. In Vers 15 wird die nur kanonisch belegte Wendung ὑπὲρ πάντων gleich zu Beginn zum Ausgangspunkt genommen. Der Vers ist folglich wie Vers 15 ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,15) Die Verseröffnung καὶ ὑπὲρ πάντων steht nur hier. ♦ Zu πάντων vgl. zum voranstehenden Vers 14. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ Die Kombination ὑπὲρ πάντων steht 7 Mal im NT, jedoch, wie zum voranstehenden Vers gezeigt, ausschließlich auf kanonischer Ebene. ♦ μηκέτι findet sich 22 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter Vers 19. ♦ Die Wendung ὑπὲρ αὐτῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 17,19; Röm 10,1; 1Kor 15,29; 2Kor 5,15). ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. Zur Abwesenheit: Wie bereits zum voranstehenden Vers kommentiert, eröffnet dieser vorkanonisch unbezeugte Vers mit einer nur auf der kanonischen Ebene belegten Wendung (ὑπὲρ πάντων), der weitere solche Elemente folgen (μηκέτι; ὑπὲρ αὐτῶν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,16) Die Verseröffnung ὥστε ἡμεῖς steht nur hier. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Wendung ἀπὸ τοῦ νῦν steht 5 Mal im NT (Lk 1,48; 22,18; 22,69; Joh 8,11; 2Kor 5,16), vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,69. ♦ οὐδένα (Akk. Mask. Sg.), das 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ Die Wendung εἰ καί steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,8; *2Kor 4,16. ♦ Die Variante καὶ εἰ begegnet nur 1Petr 3,1. ♦ Die Variante εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, 3 (2Kor) 643 <?page no="644"?> 68 Vgl. S.-210. gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,18. ♦ Die Kombination ἀλλὰ νῦν steht 3 Mal im NT, Lk 22,36, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2Kor 5,16; Phil 2,12, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ οὐκέτι, das 51 / 47 Mal im NT steht, ist eine Konjunktion der kanonischen Redaktion. ♦ γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist wiederum einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὐδένα; ἀλλὰ νῦν; οὐκέτι). Wie die beiden voranstehenden Verse, mit denen dieser Vers narrativ zusammenhängt, ist auch dieser ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,17) Die Verseröffnung ὥστε εἴ τις oder auch ὥστε εἴ steht nur hier. ♦ Die Kombination εἴ τις (mask.) steht 40 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,9; *1Kor 3,17. ♦ Die Wendung ἐν Χριστῷ begegnet nicht in *Ev, ist allerdings encheiristisch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13, vgl. zur encheiristischen Semantik zuvor zu 1Kor 1,4. 68 ♦ Die Wendung καινὴ κτίσις steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Gal 6,15. ♦ ἀρχαῖος steht 12 / 11 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,8. ♦ παρέρχομαι steht 36 / 30 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik und die handschriftlichen Varianten gestützt wird, auch wenn καινὴ κτίσις weiters nicht vorkanonisch bezeugt ist, sondern 1 Mal auf der kanonischen Ebene begegnet. (5,18) Die Kombination τὰ δὲ πάντα steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (2Kor 5,18; Eph 5,13; innerhalb des Verses: 1Kor 11,12), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ καταλλάσσω steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,11. ♦ Das im selben Vers begegnende Nomen καταλλαγή, das 4 Mal im NT begegnet, steht nur auf der kanonischen Ebene (Röm 5,11; 11,15; 2Kor 5,18. 19). ♦ διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, ausschließlich für die kanonische Ebene. Zur Abwesenheit: Wie bereits die Verseröffnung andeutet, gehört dieser Vers zur kanonischen Ebene, gestützt durch weitere Elemente (καταλλάσσω; διακονία; καταλλαγή). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 644 Rekonstruktion <?page no="645"?> (5,19) Die Verseröffnung ὡς ὅτι steht nur hier, im Vers begegnet es noch auf der kanonischen Ebene in 2Kor 11,21; 2Thess 2,2. ♦ Die Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,4; *1Kor 10,4; *Phil 3,7. ♦ Die Wendung θεὸς ἦν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,1; Apg 10,38; 2Kor 5,19). ♦ Zu καταλλάσσω und καταλλαγή vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ παράπτωμα steht 23 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20 und *Laod 2,1. ♦ Zu αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ Die Form θέμενος begegnet nur noch 1 Mal in 1Tim 1,12. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὡς ὅτι; θεὸς ἦν; καταλλάσσω; καταλλαγή; λογίζομαι; θέμενος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,20) Die Kombination ὑπὲρ Χριστοῦ steht 4 Mal im NT (2Kor 5,20; 12,10; Phil 1,29), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πρεσβεύω steht nur noch 1 Mal, auf der kanonischen Ebene in Eph 6,20. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ δέω steht 112 / 43 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25. 53; *2Kor 5,10. ♦ Zu dem kanonischen καταλλάσσω vgl. 5,18. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist wiederum Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὑπὲρ Χριστοῦ; πρεσβεύω; καταλλάσσω). Wie die voranstehenden Verse, mit denen dieser Vers narrativ verbunden ist, ist er ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,21) Die Verseröffnung τὸν μὴ γνόντα steht nur hier. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ Die Wendung ὑπὲρ ἡμῶν steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,13. ♦ Die Wendung ἁμαρτίαν + ποιέω steht noch 1 weiteres Mal in 2Kor 11,7, kanonisch belegt. ♦ Die Wendung ἵνα ἡμεῖς steht 3 Mal im NT (2Kor 5,21; 13,7; Gal 2,9), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination δικαιοσύνη + θεοῦ steht 3 Mal im NT (Röm 3,21, in einem Vers, der für *Röm bezeugt ist, wo jedoch gerade dieser Teil unbezeugt ist; 2Kor 5,21; Jak 1,20), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. 3 (2Kor) 645 <?page no="646"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind (ἁμαρτίαν + ποιέω; ἵνα ἡμεῖς; δικαιοσύνη + θεοῦ). Im narrativen Verbund mit den voranstehenden unbe‐ zeugten Versen wird auch dieser Vers als Produkt der kanonischen Redaktion anzusehen sein und vorkanonisch gefehlt haben. [Kapitel 6] [6],[1-18]: [Ermahnungen und Selbstempfehlung] Dieses Kapitel ist unbezeugt und hat dem Vergleich der Lexik nach vorkanonisch gefehlt. Auf der kanonischen Ebene setzt es die Mahnpredigt des Paulus an die Gemeinde fort, auch die personalisierte Selbstempfehlung desselben (6,4-18). - 1 Συνεργοῦντες δὲ καὶ παρακαλοῦμεν μὴ εἰς κενὸν τὴν χάριν τοῦ θεοῦ δέξασθαι ὑμᾶς 2 λέγει γάρ, Καιρῷ δεκτῷ ἐπήκουσά σου καὶ ἐν ἡμέρᾳ σωτηρίας ἐβοήθησά σοι· ἰδοὺ νῦν καιρὸς εὐπρόσδεκτος, ἰδοὺ νῦν ἡμέρα σωτηρίας3 μηδεμίαν ἐν μηδενὶ διδόντες προσκοπήν, ἵνα μὴ μωμηθῇ ἡ διακονία, 4 ἀλλ’ ἐν παντὶ συνίσταντες ἑαυτοὺς ὡς θεοῦ διάκονοι, ἐν ὑπομονῇ πολλῇ, ἐν θλίψεσιν, ἐν ἀνάγκαις, ἐν στενοχωρίαις, 5 ἐν πληγαῖς, ἐν φυλακαῖς, ἐν ἀκαταστασίαις, ἐν κόποις, ἐν ἀγρυπνίαις, ἐν νηστείαις, 6 ἐν ἁγνότητι, ἐν γνώσει, ἐν μακροθυμίᾳ, ἐν χρηστότητι, ἐν πνεύματι ἁγίῳ, ἐν ἀγάπῃ ἀνυποκρίτῳ, 7 ἐν λόγῳ ἀληθείας, ἐν δυνάμει θεοῦ· διὰ τῶν ὅπλων τῆς δικαιοσύνης τῶν δεξιῶν καὶ ἀριστερῶν, 8 διὰ δόξης καὶ ἀτιμίας, διὰ δυσφημίας καὶ εὐφημίας· ὡς πλάνοι καὶ ἀληθεῖς, 9 ὡς ἀγνοούμενοι καὶ ἐπιγινωσκόμενοι, ὡς ἀποθνῄσκοντες καὶ ἰδοὺ ζῶμεν, ὡς παιδευόμενοι καὶ μὴ θανατούμενοι, 10 ὡς λυπούμενοι ἀεὶ δὲ χαίροντες, ὡς πτωχοὶ πολλοὺς δὲ πλουτίζοντες, ὡς μηδὲν ἔχοντες καὶ πάντα κατέχοντες. 11 Τὸ στόμα ἡμῶν ἀνέῳγεν πρὸς ὑμᾶς, Κορίνθιοι, ἡ καρδία ἡμῶν πεπλάτυνται· 12 οὐ στενοχωρεῖσθε ἐν ἡμῖν, στενοχωρεῖσθε δὲ ἐν τοῖς σπλάγχνοις ὑμῶν· 13 τὴν δὲ αὐτὴν ἀντιμισθίαν, ὡς τέκνοις λέγω, πλατύνθητε καὶ ὑμεῖς. 14 Μὴ γίνεσθε ἑτεροζυγοῦντες ἀπίστοις· τίς γὰρ μετοχὴ δικαιοσύνῃ καὶ ἀνομίᾳ; ἢ τίς κοινωνία φωτὶ πρὸς σκότος; 15 τίς δὲ συμφώνησις 646 Rekonstruktion <?page no="647"?> 69 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 452. 70 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 100*. 71 Ibid. 102* 72 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 515. Χριστοῦ πρὸς Βελιάρ, ἢ τίς μερὶς πιστῷ μετὰ ἀπίστου; 16 τίς δὲ συγκατάθεσις ναῷ θεοῦ μετὰ εἰδώλων; ἡμεῖς γὰρ ναὸς θεοῦ ἐσμεν ζῶντος· καθὼς εἶπεν ὁ θεὸς ὅτι Ἐνοικήσω ἐν αὐτοῖς καὶ ἐμπεριπατήσω, καὶ ἔσομαι αὐτῶν θεός, καὶ αὐτοὶ ἔσονταί μου λαός. 17 διὸ ἐξέλθατε ἐκ μέσου αὐτῶν καὶ ἀφορίσθητε, λέγει κύριος, καὶ ἀκαθάρτου μὴ ἅπτεσθε· κἀγὼ εἰσδέξομαι ὑμᾶς, 18 καὶ ἔσομαι ὑμῖν εἰς πατέρα, καὶ ὑμεῖς ἔσεσθέ μοι εἰς υἱοὺς καὶ θυγατέρας, λέγει κύριος παντοκράτωρ. A. Das Kapitel ist vorkanonisch unbezeugt. B. (6,16) Die Fassung ἡμεῖς γὰρ ναὸς θεοῦ ἔσμεν findet sich in den Zeugen 03, 06*, 020, 025, 6, 33, 81, (104), 326, 365, 1175, 1881, 2464, co, Or, ihnen folgt NA 28 , hingegen bieten P 46 , 04, 06 2 , 010, 012, 018, 044, 630, 1241, 1505, M, lat, sy, Tert: ὑμεῖς γὰρ ναὸς θεοῦ ἔστε, dann bieten die Zeugen 01 2 , 0209: ὑμεῖς γὰρ ναὸς ἔστε (ἔστε ναὸς 0209) θεοῦ, und 01*, 0243, 1739, Cl: ἡμεῖς γὰρ ναοὶ θεοῦ ἔσμεν. C. 1. (6,1-18) Das gesamte Kapitel 6 gilt nach allen Editoren als unbezeugt. Hilgenfeld notiert: „Über C. VII-IX schweigen die Quellen ganz, nur mit Aus‐ nahme von VII,1, worauf Tertullian kurz anspielt“. 69 Harnack sieht allenfalls eine „ganz unsichere Anspielung“ auf 6,14 (οὐδεμία κοινωνία φωτὶ πρὸς σκότος) in Tert., Adv. Marc. III 8,3: Quomodo autem in semetipso veritatem spiritus fallacia carnis confundens, negatam ab apostolo lucis, id est veritatis, et fallaciae, id est tenebrarum, commisit communicationem? 70 Gleichwohl ist er der Meinung, dass „die großen Lücken, die Tert. in seiner kritischen Behandlung läßt, … nicht als Ausmerzungen M.s in Anspruch genommen werden“ dürfen, da „in diesem Brief … keine größere Auslassung bezeugt“ ist. 71 Harnacks Position ist seine Antwort auf die gegensätzliche von Zahn, der erklärt hatte: Tertullians unmittelbarer „Übergang von 7,1 zu 11,2 bedeutet mehr als ein bloßes Schweigen Tr.s über den großen Abschnitt 7,2-11,1. Man muß schließen, daß dieser gänzlich bei Mrc. fehlte“. 72 BeDuhn verweist auf Adam., Dial. II 20 (im Mund des 3 (2Kor) 647 <?page no="648"?> 73 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 293. 74 T.R. Blanton IV, Paul’s Covenantal Theology in 2 Corinthians 2.14-7.4 (2012), 61. 75 W.K.M. Grossouw, Over de echtheid van 2 Cor 6,14-7,1 (1951); J.A. Fitzmyer, Qumrân and the Interpolated Paragraph in 2 Cor. 6,14-7,1 (1961); J. Gnilka, 2 Cor 6.14-7.1 in the Light of the Qumran Texts and the Testament of the Twelve Patriarchs (1968); H.D. Betz, 2 Cor 6: 14-7: 1: An Anti-Pauline Fragment? (1972); W.O. Walker, Interpolations in the Pauline letters (2001), 199-209; L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 231. Welborn (ibid.) vermerkt, dass diese Passage hapax legomena und eine Reihe von stilistischen Eigenheiten aufweise. Sie erinnere mehr an Qumranliteratur denn an Paulus. Adamantius): τίς κοινονία φωτὶ πρὸς σκότος (Rufin: Et quae esset societas lucis ad tenebras), wobei auch er kritisch anmerkt: „it is doubtful that it is taken from the Apostolikon“. 73 War das ganze Kapitel, das für die vorkanonische Version unbezeugt ist, auch abwesend? Bereits Harnack hatte zudem auf Adam., Dial. III 4 (im Mund des Bardesaniten) hingewiesen: οὐδεμία κοινωνία φωτὶ πρὸς σκότος, οὐδὲ Χριστῷ πρὸς Βελιάρ (Rufin: Nulla societas est luci ad tenebras, neque Christi ad Belial). Nach Blanton und anderen endet in 2Kor 6,13 ein erster Teil des zweiten Briefes, während 2Kor 6,14-7,1 ein Fragmentstück innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief umfasst. 74 2. 2Kor 6,14-7,1 wird in der Forschung von manchen als Interpolation angesehen. 75 D. (6,1) Die Verseröffnung συνεργοῦντες steht nur hier. ♦ συνεργέω steht 11 / 5 Mal im NT, ausnahmslos für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ die Kombination μὴ εἰς steht 11 Mal im NT, Lk 4,26; 12,21, in Versen, die in *Ev fehlen, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Mt 15,24; Mk 6,8; Lk 4,26; 12,21; 18,5; Joh 7,35; Apg 27,17; Röm 14,1; 1Kor 11,34; 2Kor 6,1; 1Tim 3,7). ♦ κενός, das 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. ♦ Die Wendung τὴν χάριν τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ein zusammenfassender Kommentar zur Lexik wird am Ende des Kapitels unten gegeben. Während nach den einzelnen Versen nur kurz die ausschließlich auf der kanonischen Ebenen belegten Elemente angezeigt werden. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συνεργέω; δὲ καί; μὴ εἰς; τὴν χάριν τοῦ θεοῦ. 648 Rekonstruktion <?page no="649"?> (6,2) Die Kombination λέγει γάρ steht 5 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Röm 9,17; 10,11; 2Kor 6,2; 1Tim 5,18; im Vers: Lk 5,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δεκτός steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehend (Lk 4,19. 24; Apg 10,35; 2Kor 6,2; Phil 4,18). ♦ ἐπακούω ist Hapax legomenon im NT. ♦ βοηθέω steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ Die Wendung ἰδοὺ νῦν steht nur hier. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ εὐπρόσδεκτος, das 5 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene (Röm 15,16. 31; 2Kor 6,2; 8,12; 1Petr 2,5). ♦ σοι (Dat. Sg. oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22 und *Laod 5,14. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung λέγει γάρ; δεκτός; βοηθέω; εὐπρόσδεκτος. (6,3) Die Verseröffnung μηδεμίαν, das 7 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene (Apg 13,28; 25,17; 28,18; 1Tim 5,14; Hebr 10,2; 1Petr 3,6). ♦ Die Wendung ἐν μηδενί steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 6,3; 7,9; Phil 1,28; Jak 1,4). ♦ προσκοπή ist Hapax legomenon im NT. Das verwandte προσκόπτω, das sich 9 Mal im NT findet, ist nur kanonisch belegt. ♦ μωμάομαι steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal in diesem Brief auf der kanonischen Ebene (2Kor 6,3; 8,20). ♦ διακονία steht 35 / 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung μηδεμίαν; ἐν μηδενί; μωμάομαι; διακονία. (6,4) Die Kombination ἀλλ’ ἐν παντί steht 5 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, hier und in Apg 10,35 (im Vers: 2Kor 7,5; 11,6; Phil 4,6), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48; 19,26; *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ συνίστημι („empfehlen“) steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διάκονος steht 36 / 29 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen ebene. ♦ ὑπομονή steht 33 / 32 Mal im NT, vorka‐ nonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), das 121 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ θλῖψις steht 60 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ ἀνάγκη steht 19 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ στενοχωρία, das 5 Mal im NT steht, ist nur kanonisch belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ἀλλ’ ἐν παντί; συνίστημι; διάκονος; ἀνάγκη; στενοχωρία. 3 (2Kor) 649 <?page no="650"?> (6,5) πληγή steht 24 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48. ♦ φυλακεία steht 54 / 47 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀκαταστασία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,33. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀγρυπνία steht 2 Mal im NT, und zwar beide Male hier in 2Kor auf der kanonischen Ebene (2Kor 6,5; 11,27). ♦ νηστεία, das 8 / 6 Mal im NT steht, findet sich nur kanonisch bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κόπος; ἀγρυπνία; νηστεία. (6,6) ἁγνότης steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ μακροθυμία steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ χρηστότης steht 11 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν πνεύματι ἁγίῳ steht 13 Mal im NT, Lk 3,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Mt 3,11; Mk 1,8; Lk 3,16; Joh 1,33; Apg 11,16; Röm 9,1; 14,17; 15,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 1Kor 12,3; 2Kor 6,6; 1Thess 1,5; 1Petr 1,12; Jud 1,20). ♦ ἀνυπόκριτος steht 7 / 6 Mal im NT, ist jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Röm 12,9; 2Kor 6,6; 1Tim 1,5; 2Tim 1,4; 1Petr 1,22; Jak 3,17). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἁγνότης; μακροθυμία; χρηστότης; ἐν πνεύματι ἁγίῳ; ἀνυπόκριτος. (6,7) Die Kombination ἐν λόγῳ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,20. ♦ Die Wendung ἐν δυνάμει θεοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 2,5; 2Kor 6,7; 1Petr 1,5). ♦ ὅπλον, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δεξιός steht 56 / 54 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,69; *Laod 1,20. ♦ ἀριστερός steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf kanonischer Ebene (Mt 6,3; Mk 10,37; Lk 23,33; 2Kor 6,7). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν λόγῳ; ἐν δυνάμει θεοῦ; ὅπλον; ἀριστερός. (6,8) Die Kombination διὰ δόξης steht nur 1 weiteres Mal, auf kanonischer Ebene, 2Kor 3,11. ♦ ἀτιμία findet sich nur 7 Mal im NT, der Begriff kann evtl. vorkanonisch in *1Kor 11,14 gestanden sein, ist aber hierfür nicht bezeugt. ♦ δυσφημία und εὐφημία sind Hapax legomena im NT. ♦ ἀλήθω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 24,41; Lk 17,35; 2Kor 6,8). ♦ πλάνος steht 8 / 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀληθής steht 27 / 26 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: διὰ δόξης; ἀτιμία; ἀλήθω; πλάνος; ἀληθής. 650 Rekonstruktion <?page no="651"?> (6,9) ἀγνοέω steht 23 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1; 12,1. ♦ ἐπιγιγνώσκω steht 64 / 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,2. ♦ Die Form ἀποθνῄσκοντες steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 6,9; Hebr 7,8; Apk 14,13). ♦ Die Kombination καὶ ἰδού steht 74 Mal im NT (davon 38 Mal als Versanfang), Lk 1,20. 31. 36; 2,25; 7,37 (pace Klinghardt, jedoch bietet Epiphanius eine andere Wendung); 11,31. 32; 13,30; 24,13. 49, in Vers oder Versteilen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,30; 23,50 (beide Male als Versanfang); im Vers steht damit die Wendung ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ παιδεύω, das 13 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀποθνῄσκοντες; καὶ ἰδού im Vers; παιδεύω. (6,10) ἀεί, das 9 / 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ πλουτίζω steht 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,25. ♦ Die Wendung καὶ πάντα steht 12 Mal im NT, Lk 15,31, in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,29. ♦ κατέχω steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,42; *Röm 1,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀεί; πλουτίζω; μηδέν. (6,11) στόμα, das 80 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19; *Laod 6,19. ♦ ἀνοίγνυμι steht 102 / 77 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,9; *Laod 6,19. ♦ Die Form ἀνέῳγεν steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 1Kor 16,9. ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. ♦ Κορίνθιος steht 2 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene (Apg 18,8; 2Kor 6,11). ♦ Die Wendung ἡ καρδία ἡμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 24,32; 2Kor 6,11; 1Joh 3,21). ♦ πλατύνω steht 3 Mal im NT, noch 1 Mal in Vers 13, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 23,5; 2Kor 6,11. 13). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀνέῳγεν; πρὸς ὑμᾶς; Κορίνθιος; ἡ καρδία ἡμῶν; πλατύνω. (6,12) στενοχωρέω steht 2 / 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἡμῖν steht 26 Mal im NT, Lk 24,32, wo diese Wendung in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,16; *Röm 8,4. ♦ Die Wendung δὲ ἐν τοῖς steht noch 3 (2Kor) 651 <?page no="652"?> 1 Mal, auf der kanonischen Ebene, Joh 5,2. ♦ σπλάγχνον steht 12 / 11 Mal im NT, etwa in Lk 1,78, der einzigen Stelle in einem kanonischen Evangelium, wo der Begriff zu finden ist, und zwar in einem Vers, der in *Ev fehlt, wie er überhaupt nur auf der kanonischen Ebene zu finden ist. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: στενοχωρέω; δὲ ἐν τοῖς; σπλάγχνον. (6,13) αὐτήν, das 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. ♦ ἀντιμισθία steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 1,27. ♦ Zum kanonischen πλατύνω vgl. zuvor Vers 11 auf derselben kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀντιμισθία; πλατύνω. (6,14) Die Wendung μὴ γίνεσθε steht nur hier als Verseröffnung, als Kombination findet sich es sich 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ ἑτεροζυγέω und μετοχή sind Hapax legomena im NT. ♦ ἄπιστος steht 23 Mal im NT, vorkanοnisch bezeugt für *Ev 12,46; *2Kor 4,4. ♦ ἀνομία steht 16 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κοινωνία steht 21 / 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φῶς, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,3 (? ); *2Kor 4,6; 11,14. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11; 6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀνομία; κοινωνία. (6,15) τίς δέ als Kombination und Verseröffnung steht nur hier und im nachfolgenden Vers 6,16. ♦ συμφώνησις und Βελιάρ sind Hapax legomena im NT. ♦ Die Kombination ἢ τίς steht 3 Mal im NT (Lk 15,8; 2Kor 6,14. 15). ♦ μερίς steht 5 Mal im NT, ausschließ‐ lich für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 10,42; Apg 8,21; 16,12; 2Kor 6,15; Kol 1,12). ♦ Die Form πιστῷ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, auch semantisch findet sich πιστός, das 69 / 67 Mal im NT steht, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, d. h. als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudo-Paulinen. ♦ Zu ἄπιστος vgl. zuvor im Vers 6,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τίς δέ; ἢ τίς; μερίς; πιστῷ. 652 Rekonstruktion <?page no="653"?> (6,16) τίς δέ als Kombination und Verseröffnung steht nur hier und im voranstehenden Vers 6,15. ♦ συγκατάθεσις ist Hapax legomenon im NT. ♦ ναός, das 49 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bei bezeugt für *1Kor 3,17; 6,13; *2Thess 2,4. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ εἶπεν, das in dieser Aoristform 611 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐνοικέω findet sich 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ ἐμπεριπατέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Verbform ἔσομαι, die 13 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter Vers 18. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter Vers 17. ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.), das 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; 6,13. ♦ Die Verbform ἔσονται, die 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,31. ♦ λαός steht 151 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,7; 14,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τίς δέ; εἶπεν; ἐνοικέω; ἔσομαι. (6,17) διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, Lk 7,7 (als Verseröff‐ nung), in einem Versteil, der in *Ev fehlt; vorkanonisch nur bezeugt im Vers *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14. ♦ Die Wendung ἐκ μέσου steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,2. ♦ ἐξέρχομαι, das 258 / 218 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐξέλθατε steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Apk 18,4. ♦ Zu αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ ἀφορίζω, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15. ♦ Die Wendung λέγει κύριος steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 14,21. ♦ ἀκάθαρτος, das 33 / 32 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰσδέχομαι ist Hapax legomenon. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung διό; ἐξέλθατε; λέγει κύριος. (6,18) Zur kanonischen Verbform ἔσομαι vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Zur Verbform ἔσεσθε, die 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zur kanonischen Wendung λέγει κύριος vgl. 3 (2Kor) 653 <?page no="654"?> zum voranstehenden Vers und 1Kor 14,21. ♦ παντοκράτωρ steht 9 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf kanonischer Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔσομαι; λέγει κύριος; παντοκράτωρ. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch nicht bezeugten Kapitel fallen in jedem der Verse mehrere ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf, auffallend ist auch die Häufung von Hapax legomena. Die Lexik stützt demnach die fehlende Bezeugung. Auch ist auf die Überlegung hinzuweisen, dass Tertullian sich wohl kaum hätte entgehen lassen, auf die in diesem Kapitel sich findenden Zitate aus der jüdischen Schrift ( Jes 49,8; Ez 37,27; Jes 52,11; Ez 20,34 und 2Sam 7,8. 14) hinzuweisen. Das Kapitel ist vollständig ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Kapitel 7 7,1 [2-16]: Aufruf zur Reinigung In diesem Kapitel ist nur der erste Vers bezeugt mit seinem Aufruf zur Selbst‐ reinigung, möglicherwiese der Ausgangspunkt für die kanonische Digression des voranstehenden Kapitels und die wiederum personalisierten Ausführungen über die eigene Schwäche des Paulus. 7,1 καθαρίσωμεν ἑαυτοὺς ἀπὸ μολυσμοῦ σαρκὸς καὶ ἅιματος, 7,1 ταύτας οὖν ἔχοντες τὰς ἐπαγγελίας, ἀγαπητοί, καθαρίσωμεν ἑαυτοὺς ἀπὸ παντὸς μολυσμοῦ σαρκὸς καὶ πνεύματος, ἐπιτελοῦντες ἁγιωσύνην ἐν φόβῳ θεοῦ. - 2 Χωρήσατε ἡμᾶς· οὐδένα ἠδικήσαμεν, οὐδένα ἐφθείραμεν, οὐδένα ἐπλεονεκτήσαμεν. 3 πρὸς κατάκρισιν οὐ λέγω, προείρηκα γὰρ ὅτι ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν ἐστε εἰς τὸ συναποθανεῖν καὶ συζῆν. 4 πολλή μοι παρρησία πρὸς ὑμᾶς, πολλή μοι καύχησις ὑπὲρ ὑμῶν· πεπλήρωμαι τῇ παρακλήσει, ὑπερπερισσεύομαι τῇ χαρᾷ ἐπὶ πάσῃ τῇ θλίψει ἡμῶν. 5 Καὶ γὰρ ἐλθόντων ἡμῶν εἰς Μακεδονίαν οὐδεμίαν ἔσχηκεν ἄνεσιν ἡ σὰρξ ἡμῶν, ἀλλ’ ἐν παντὶ θλιβόμενοι ἔξωθεν μάχαι, ἔσωθεν φόβοι. 6 ἀλλ’ ὁ παρακαλῶν τοὺς ταπεινοὺς παρεκάλεσεν ἡμᾶς ὁ θεὸς ἐν τῇ παρουσίᾳ Τίτου· 7 οὐ μόνον δὲ ἐν τῇ παρουσίᾳ αὐτοῦ ἀλλὰ καὶ ἐν τῇ παρακλήσει ἧ παρεκλήθη ἐφ’ ὑμῖν, ἀναγγέλλων ἡμῖν τὴν ὑμῶν ἐπιπόθησιν, 654 Rekonstruktion <?page no="655"?> τὸν ὑμῶν ὀδυρμόν, τὸν ὑμῶν ζῆλον ὑπὲρ ἐμοῦ, ὥστε με μᾶλλον χαρῆναι. 8 ὅτι εἰ καὶ ἐλύπησα ὑμᾶς ἐν τῇ ἐπιστολῇ, οὐ μεταμέλομαι· εἰ καὶ μετεμελόμην (βλέπω [γὰρ] ὅτι ἡ ἐπιστολὴ ἐκείνη εἰ καὶ πρὸς ὥραν ἐλύπησεν ὑμᾶς), 9 νῦν χαίρω, οὐχ ὅτι ἐλυπήθητε, ἀλλ’ ὅτι ἐλυπήθητε εἰς μετάνοιαν· ἐλυπήθητε γὰρ κατὰ θεόν, ἵνα ἐν μηδενὶ ζημιωθῆτε ἐξ ἡμῶν. 10 ἡ γὰρ κατὰ θεὸν λύπη μετάνοιαν εἰς σωτηρίαν ἀμεταμέλητον ἐργάζεται· ἡ δὲ τοῦ κόσμου λύπη θάνατον κατεργάζεται. 11 ἰδοὺ γὰρ αὐτὸ τοῦτο τὸ κατὰ θεὸν λυπηθῆναι πόσην κατειργάσατο ὑμῖν σπουδήν, ἀλλὰ ἀπολογίαν, ἀλλὰ ἀγανάκτησιν, ἀλλὰ φόβον, ἀλλὰ ἐπιπόθησιν, ἀλλὰ ζῆλον, ἀλλὰ ἐκδίκησιν· ἐν παντὶ συνεστήσατε ἑαυτοὺς ἁγνοὺς εἶναι τῷ πράγματι. 12 ἄρα εἰ καὶ ἔγραψα ὑμῖν, οὐχ ἕνεκεν τοῦ ἀδικήσαντος, οὐδὲ ἕνεκεν τοῦ ἀδικηθέντος, ἀλλ’ ἕνεκεν τοῦ φανερωθῆναι τὴν σπουδὴν ὑμῶν τὴν ὑπὲρ ἡμῶν πρὸς ὑμᾶς ἐνώπιον τοῦ θεοῦ. 13 διὰ τοῦτο παρακεκλήμεθα. Ἐπὶ δὲ τῇ παρακλήσει ἡμῶν περισσοτέρως μᾶλλον ἐχάρημεν ἐπὶ τῇ χαρᾷ Τίτου, ὅτι ἀναπέπαυται τὸ πνεῦμα αὐτοῦ ἀπὸ πάντων ὑμῶν· 14 ὅτι εἴ τι αὐτῷ ὑπὲρ ὑμῶν κεκαύχημαι οὐ κατῃσχύνθην, ἀλλ’ ὡς πάντα ἐν ἀληθείᾳ ἐλαλήσαμεν ὑμῖν, οὕτως καὶ ἡ καύχησις ἡμῶν ἡ ἐπὶ Τίτου ἀλήθεια ἐγενήθη. 15 καὶ τὰ σπλάγχνα αὐτοῦ περισσοτέρως εἰς ὑμᾶς ἐστιν ἀναμιμνῃσκομένου τὴν πάντων ὑμῶν ὑπακοήν, ὡς μετὰ φόβου καὶ τρόμου ἐδέξασθε αὐτόν. 16 χαίρω ὅτι ἐν παντὶ θαρρῶ ἐν ὑμῖν. A. *7,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,6: Si etiam iubet ut mundemus nos ab inquinamento carnis et sanguinis, non substantiam …[lacuna] capere regnum dei; vgl. hingegen id., De Pud. 15,8: Habentes igitur promissionem istam, dilecti, emundemus nos ab omni inquinamento carnis et spiritus perficientes castimoniam in Dei timore. B. (7,1) Anstelle von πνεύματος liest Tertullian wohl αἵματος, womit der Vers „als Mahnung zum geschlechtlich enthaltsamen Leben aufgefaßt“ wird, „was nach dem Referat Tertullians durch die Verbindung mit 11,2: virginem sanctam 3 (2Kor) 655 <?page no="656"?> 76 H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 125. 77 Vgl. hierzu W. Löhr, Markion (2013), 563; U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 253. 78 T.R. Blanton IV, Paul’s Covenantal Theology in 2 Corinthians 2.14-7.4 (2012), 61. 79 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 293. 80 V.P. Furnish, II Corinthians (1985), 30-41. adsignare Christo noch unterstrichen zu werden scheint“. 76 ♦ Anstelle von ἐν φόβῳ liest P 46 ἐν ἀγάπῃ. 77 C. 1. (7,1) Hilgenfeld sieht in Tertullian eine Anspielung auf diesen Vers. Zahn nimmt am Anfang des Verses den kanonischen Wortlaut an, schreibt dann aber als bezeugten Text: καθαρίσωμεν ἑαυτοὺς ἀπὸ [παντὸς? ] μολυσμοῦ σαρκὸς καὶ ἅιματος, μὴ δυναμένων χωρῆσαι τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ. Harnack meint hingegen, dass lediglich folgender Wortlaut bezeugt sei: καθαρίσωμεν ἑαυτοὺς ἀπὸ μολυσμοῦ σαρκὸς καὶ ἅιματος und verweist darauf, dass Tertullian unmittelbar 2Kor 11,2 anschließt. Schmid gibt als bezeugten Text: … καθαρίσωμεν (ἑαυτοὺς) ἀπὸ (παντὸς) μολυσμοῦ σαρκὸς καὶ ἅιματος-… BeDuhn verweist darauf, dass Tertullian im Anschluss mit 1Kor 15,50 fort‐ fährt (βασιλείαν θεοῦ οὐ κληρονομήσουσιν). Wie ist der nicht bezeugte Anfang und das nicht bezeugte Ende dieses Verses einzuschätzen? Nach Blanton und anderen endet in 2Kor 7,1 das Fragmentstück eines Briefes und beginnt der zweite und letzte Teil (2Kor 7,1-4) des zweiten Briefes innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief. 78 2. (7,2-16) Nach allen Editoren ist der gesamte Rest des Kapitels unbezeugt, nach Zahn ist der Text auch nicht vorhanden. Harnack und Schmid sehen ihn als unbezeugt. BeDuhn vermerkt, dass eine solche Lücke bei Tertullian festzustellen ist, sie reicht übrigens weiter, und zwar bis 11,1. Eine Lücke zwischen 7,2 und 7,10 begegnet in De Paen. 2,3; eine solche zwischen 7,2 und 10,2 bei De Res. 49,11. Diese Lücken lassen BeDuhn fragen, ob Markion und Tertullian gemeinsam einen Text bezeugen, in welchem ein größeres Stück gefehlt habe, verglichen mit dem uns bekannten kanonischen Text. 79 Die Forschung hatte Kapitel 8 und 9 für einen gesonderten Paulusbrief gehalten. 80 BeDuhn nennt auch ein gewichtiges Argument, warum die Kapitel in Tertullians Exemplar gefehlt hätten, denn sie hätten ihm reichlich antimarkionitische Argumente liefern können für die enge Bindung zwischen Paulus, der Jerusalemer Gemeinde und den Aposteln wie auch das Zitat, wonach Gott die Quelle der natürlichen Güter sei (2Kor 9,9-10). 656 Rekonstruktion <?page no="657"?> 81 T.R. Blanton IV, Paul’s Covenantal Theology in 2 Corinthians 2.14-7.4 (2012), 61. 82 Vgl. zu diesem Lexem H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateini‐ schen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 124. Nach Blanton und anderen endet in 2Kor 7,4 der zweite und letzte Teil des zweiten Briefes und 2Kor 7,5-16 umfasse den zweiten Teil des ersten Briefes innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief. 81 D. (7,1) Zum unbezeugten Versanfang: ταύτας steht 9 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ Die Form ἔχοντες steht 46 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31; *Röm 2,14; *Laod 2,12. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 1,13; 2,12. ♦ ἔχω + τὰς ἐπαγγελίας steht 1 weiteres Mal in Hebr 7,6. ♦ ἀγαπητοί steht 27 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,14. Für den bezeugten Versteil: καθαρίζω steht 32 / 31 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. Das verwandte Nomen καθαρισμός, das 8 / 7 Mal im NT steht, findet sich lediglich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das verwandte Adjektiv καθαρός, das 30 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 1 Mal bezeugt für *Ev 11,41. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Das unbezeugte παντός (Gen. Mask. / Neut. Sg.), das 32 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μολυσμός ist Hapax legomenon im NT. 82 ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter Vers 5. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ἐπιτελέω, das 11 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁγιωσύνη findet sich nur 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,4; 1Thess 3,13). ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Wie der lexikalische Vergleich erweist, legt sich für die unbezeugten Teile nahe, dass sie auf die kanonische Redaktion zurückgehen. Für den bezeugten Teil folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, wobei das unbezeugte und nur kanonisch belegte, vermutlich eine kanonische Steigerung ausdrückende παντός ausgelassen wurde. (7,2) χωρέω steht 11 / 10 Mal im NT, weder in *Ev noch in Lk, sondern ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 15,17; 19,11. 12; Mk 2,2; Joh 2,6; 8,37; 21,25; 2Petr 3,9). ♦ οὐδένα (Akk. Mask. Sg.), das 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀδικέω, das sich 32 / 28 Mal im NT findet, steht ausschließlich 3 (2Kor) 657 <?page no="658"?> auf der kanonischen Ebene. ♦ φθείρω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,17, ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ πλεονεκτέω, das nur 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Auch für den Rest dieses Kapitels wird es eine zusammenfassende Bemerkung zur Lexik am Ende des Kapitels geben. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χωρέω; οὐδένα; ἀδικέω; πλεονεκτέω. (7,3) κατάκρισις steht nur 2 Mal im NT, das andere Mal ebenfalls auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination οὐ λέγω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 18,22; Joh 16,26; 2Kor 7,3). ♦ προλέγω steht 18 / 15 Mal im NT und ist auch vorkanonisch bezeugt *Gal 5,21, vielleicht auch *2Kor 13,2. ♦ Die Kombination γὰρ ὅτι steht 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (5 Mal Mt; 4 Mal Mk; Lk 4,10; 20,19; Apg 23,5; Röm 3,2; 7,14. 18; 8,18. 22. 38; 2Kor 5,1; 7,3. 8; Gal 3,10; 4,22; Phil 1,19; Phlm 1,22; Hebr 4 Mal). ♦ Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ καρδία, das 173 / 157 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; 14,25; *2Kor 3,15; 4,6; *Röm 2,15. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ συναποθνήσκω steht nur 3 Mal im NT, die beiden anderen Male ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Mk 14,31; 2Tim 2,11). ♦ Auch συζῶ oder συζάω steht nicht oft, insgesamt nur 4 Mal und nur auf der kanonischen Ebene belegt, in 2Tim 2,11, dann auch in Röm 6,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κατάκρισις; οὐ λέγω; γὰρ ὅτι; ὅτι ἐν; συναποθνήσκω; συζῶ. (7,4) πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), das 121 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Verseröffnung πολλή μοι steht nur hier. ♦ παρρησία, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist kanonisch bezeugt für *Laod 6,19. ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. ♦ καύχησις steht 13 / 11 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,30. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4 und 13,8. ♦ παράκλησις, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ ὑπερπερισσεύω steht nur 2 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für 658 Rekonstruktion <?page no="659"?> *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ Die Kombination θλίψει ἡμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 1,4; 7,4; 1Thess 3,7). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πρὸς ὑμᾶς; ὑπὲρ ὑμῶν; χαρά; θλίψει ἡμῶν. (7,5) Die Kombination καὶ γάρ steht 39 Mal im NT, davon 24 Mal als Verseröffnung, weiter vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4 (als Verseröffnung); *1Kor 5,7 (im Vers). ♦ Μακεδονία steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οὐδεμία(ν) steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄνεσις steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Thess 1,7. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Zu παντί, das 59 Mal im NT steht, vgl. weiter unten Verse 11 und 16. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ Die Wendung ἐν παντὶ θλιβόμενοι steht noch 1 Mal 2Kor 4,8 (vielleicht hier auch vorkanonisch). ♦ ἔξωθεν steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39. 40. ♦ μάχη steht 5 / 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔσωθεν steht 13 / 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39. 40; *2Kor 4,16. ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Μακεδονία; οὐδεμία(ν); ἐν παντὶ θλιβόμενοι; μάχη; φόβος. (7,6) ἀλλ’ ὁ steht 25 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23 (als Verseröffnung); *2Kor 4,16 (im Vers). ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form ὁ παρακαλῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 12,8; 2Kor 1,4; 7,6). ♦ ταπεινός steht 11 / 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,16. ♦ Die Form παρεκάλεσεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 8,31; 16,15; 2Kor 7,6). ♦ παρακαλέω + ἡμᾶς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 1,4; 7,6; 8,6). ♦ Die Wendung ἐν τῇ παρουσίᾳ steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,23. ♦ Τίτος, der 13 Mal im NT erwähnt wird, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ παρακαλῶν; παρεκάλεσεν; παρακαλέω + ἡμᾶς. (7,7) μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Die Kombination οὐ μόνον δέ steht 9 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Apg 19,27; Röm 5,3. 11; 8,23; 9,10; 2Kor 7,7; 8,19; im Vers: 1Tim 5,13; 2Tim 4,8), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonisch bezeugten ἐν τῇ παρουσίᾳ vgl. zum voranstehenden Vers 7,6. ♦ Die erweiterte Form ἐν τῇ παρουσίᾳ 3 (2Kor) 659 <?page no="660"?> αὐτοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν τῇ παρακλήσει steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 9,31; 15,31; Röm 12,8; 2Kor 7,4. 13; 1Tim 4,13). ♦ Die Wendung ἐφ’ ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 16,19, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 7,7; 9,14; 1Thess 3,7). ♦ ἀναγγέλλω steht 20 / 14 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐπιπόθησις steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene (2Kor 7,7. 11). ♦ ὀδυρμός steht noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene (Mt 2,18). ♦ Die Kombination ὥστε με steht 1 weiteres Mal in Röm 15,19 auf der kanonischen Ebene. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12, vgl. weiter die Verse 9. 13. 16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐ μόνον δέ; ἐν τῇ παρουσίᾳ; ἐν τῇ παρακλήσει; ἐφ’ ὑμῖν; ἀναγγέλλω; ὀδυρμός; ὥστε με. (7,8) Die Kombination ὅτι εἰ steht 12 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: Lk 23,31; 2Kor 7,8. 14; Jak 1,23; im Vers: Mt 3 Mal; Lk 10,13; 12,39; 19,42; Gal 4,15; 2Thess 3,10), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λυπέω steht 30 / 26 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιστολή steht 25 / 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μεταμέλομαι steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. ♦ Die Wendung εἰ καί steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,8; *2Kor 4,16. ♦ ἐκεῖνος, das 265 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11; *Laod 2,12. ♦ πρὸς ὥραν steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι εἰ; λυπέω; ἐπιστολή; μεταμέλομαι. (7,9) νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Zum vorkanonischen χαίρω vgl. zuvor zu Vers 7 und weiter Verse 13. 16. ♦ Die Kombination und Verseröffnung νῦν χαίρω steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, Kol 1,24. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6, vgl. weiter unten Vers 12. ♦ Die Kombination οὐχ ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 1,24. ♦ Zum kanonischen λυπέω vgl. den voranstehenden Vers 7,8. ♦ Die Wendung εἰς μετάνοιαν steht 6 Mal im NT, Lk 5,32, in einer Vershälfte, die in *Ev fehlt und die bereits Klinghardt als „eine typische Ergänzung der kanonischen Ausgabe“ gehalten hat (z.St.), ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden (Mt 3,11; Lk 5,32; Röm 2,4; 2Kor 7,9; Hebr 6,6; 2Petr 3,9). ♦ Die Wendung κατὰ θεόν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen 660 Rekonstruktion <?page no="661"?> Ebene (Röm 8,27; 2Kor 7,9. 10. 11; Eph 4,24; 1Petr, 4,6; 5,2). ♦ Die Wendung ἐν μηδενί steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 6,3. ♦ ζημιόω steht 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐξ ἡμῶν steht 9 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: 1Joh 2,19; im Vers: Lk 24,22, wo diese Wendung in *Ev fehlt; Apg 15,24; 2Kor 4,7; 7,9; 8,7), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: νῦν χαίρω; οὐχ ὅτι; λυπέω; εἰς μετάνοιαν; κατὰ θεόν; ἐν μηδενί; ζημιόω; ἐξ ἡμῶν. (7,10) Die Wendung ἡ γάρ steht 24 Mal im NT, davon 15 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,19. ♦ Die Wendung κατὰ θεόν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zum voranstehenden Vers 7,9. ♦ λύπη steht 17 / 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μετάνοια steht 24 / 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ Die Wendung εἰς σωτηρίαν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16. ♦ ἀμεταμέλητος steht nur hier und nochmals auf der kanonischen Ebene in Röm 11,29. ♦ ἐργάζομαι steht 51 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ κατεργάζομαι steht 25 / 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κατὰ θεόν; λύπη; μετάνοια; ἀμεταμέλητος; κατεργάζομαι. (7,11) ἰδοὺ γάρ steht 7 Mal im NT, als Verseröffnung nur hier und auf der kanonischen Ebene in Lk 1,44, in einem Vers, der in *Ev fehlt; im Vers in Lk 1,48; 2,10; 6,20, in drei Versen, die in *Ev fehlen, dann in Apg 9,11 und 2Kor 7,11, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,21. ♦ Die Wendung αὐτὸ τοῦτο steht nur hier. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Wendung κατὰ θεόν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zum voranstehenden Vers 7,9. ♦ Zum kanonischen λυπέω vgl. den voranstehenden Vers 7,8. ♦ πόσος steht 27 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ κατεργάζομαι steht 25 / 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σπουδή steht 12 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene anzutreffen. ♦ ἀπολογία steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich auf 3 (2Kor) 661 <?page no="662"?> der kanonischen Ebene. ♦ ἀγανάκτησις ist Hapax legomenon im NT. ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu dem kanonischen ἐπιπόθησις vgl. zuvor zu Vers 7,7. ♦ ζῆλος steht 22 / 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. ♦ ἐκδίκησις steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,7; Röm 12,19; *2Thess 1,8. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ συνίστημι („stehen mit“) steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁγνός steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33 und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Wendung τῷ πράγματι steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 1Thess 4,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ἰδοὺ γάρ; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; κατὰ θεόν; λυπέω; πόσος; κατεργάζομαι; σπουδή; ἀπολογία; φόβος; ἐπιπόθησις; ἐν παντί; συνίστημι; τῷ πράγματι. (7,12) ἄρα steht 49 Mal im NT, davon 17 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: Mt 7,20; Lk 11,48; Röm 5,18; 7,3; 8,12; 9,16. 18; 10,27; 14,12. 19; 1Kor 15,18; 2Kor 7,12; Gal 6,10; Eph 2,19; 1Thess 5,6; 2Thess 2,15; Hebr 4,9; im Vers: 6 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 1,66; 8,25; 11,20; 12,42; 22,23; 5 Mal Apg; Röm 7,21. 25; 8,1; 1Kor 5,10; 7,14; 15,14. 15; 2Kor 1,17; 5,14; Gal 2,21; 3,7. 29; 5,11; Hebr 12,8), vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31 (als Verseröffnung); 6,10; *1Kor 15,14 ♦ Die Wendung εἰ καί steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,8; *2Kor 4,16. ♦ Die Kombination ἔγραψα ὑμῖν steht 11 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (hier, 1Kor 5,9; 1Joh 2,14) nur auf der kanonischen Ebene, Röm 15,15, in einem Vers, der in *Röm gefehlt hat, 1Kor 5,9. 11; 2Kor 2,4; 7,12; 1Joh 2,14. 21. 26; 5,13, vgl. zuvor 1Kor 5,9. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten οὐχ vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ ἕνεκα steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀδικέω steht 32 / 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ σπουδή steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ὑπὲρ ἡμῶν steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,13. ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. ♦ Die Kombination ἐνώπιον τοῦ θεοῦ steht 25 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔγραψα ὑμῖν; ἀδικέω; σπουδή; πρὸς ὑμᾶς; ἐνώπιον τοῦ θεοῦ. 662 Rekonstruktion <?page no="663"?> (7,13) διὰ τοῦτο, das 64 Mal im NT steht, davon 38 Mal als Verseröffnung, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11 (im Vers). ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten παρακαλέω vgl. zuvor zu Vers 7,6. ♦ Die Kombination ἐπὶ δέ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Lk 5,5. ♦ παράκλησις steht 30 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ Die Form τῇ παρακλήσει steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; Röm 12,8; 2Kor 7,4. 13; 1Tim 4,13). ♦ περισσοτέρως, das 15 Mal im NT steht, vorwiegend in paulinischen Briefen, und vorkanonisch bezeugt ist für *Phil 1,14, vgl. weiter zu Vers 15. ♦ μᾶλλον, das 85 Mal im NT begegnet, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13; *2Kor 3,8. 11; 5,8. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten χαίρω vgl. zuvor zu den Versen 7. 9 und weiter Vers 16. ♦ χαρά steht 62 / 59 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Τίτος begegnet 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3. ♦ ἀναπαύω steht 15 / 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὸ πνεῦμα αὐτοῦ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Apg 17,16. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. weiter unten zu Vers 15. ♦ Die Wendung ἀπὸ πάντων steht 3 Mal im NT, Lk 7,35; 24,27, in zwei Versen, die in *Ev fehlen; 2Kor 7,13, also jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung διὰ τοῦτο; ἐπὶ δέ; τῇ παρακλήσει; χαρά; ἀναπαύω; τὸ πνεῦμα αὐτοῦ; ἀπὸ πάντων. (7,14) Die Kombination ὅτι εἴ steht 12 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Lk 23,31; 2Kor 7,8. 14; Jak 1,23; im Vers: 3 Mal Mt; Lk 10,13; 12,39; 19,42, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Gal 4,15; 2Thess 3,10), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination εἴ τι steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 18,28; Mk 9,22; 11,25; Apg 24,19; 2Kor 2,10; 7,14; Phil 3,15). ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ καυχάομαι steht 39 / 37 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ καταισχύνω steht 14 / 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,17; *1Kor 1,27. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,14. ♦ die Wendung ἐν ἀληθείᾳ steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,14. ♦ Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, davon 18 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 3 Mal Mt; Mk 13,29; Lk 17,10; 21,31; Röm 6,11; 11,31; 1Kor 9,14; 14,9. 12; 15,42. 45; Gal 4,3; Hebr 5,5; 9,28; Jak 2,17; 3,5; im Vers: 2 Mal Mt; Mk 7,18; 2 Mal Joh; Röm 5,15. 18. 19. 21; 6,4; 1Kor 2,11; 11,12; 12,12; 15,22; 16,1; 2Kor 1,7; 7,14; 8,6. 11; 10,7; Gal 4,29; Eph 5,24; Kol 3,13; 1Thess 4,14; 2Tim 3 (2Kor) 663 <?page no="664"?> 3,8; Hebr 4,4; 5,3; Jak 1,11; 2,26), vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42; *Röm 5,21. ♦ καύχησις steht 13 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,31. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ὅτι εἴ; εἴ τι; ὑπὲρ ὑμῶν; ἀλλ’ ὡς. Man bemerke die Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik. (7,15) σπλάγχνον steht 12 / 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten περισσοτέρως vgl. zuvor zu Vers 13. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. ♦ ἀναμιμνήσκω steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu πάντων vgl. zuvor zu Vers 13. ♦ ὑπακοή steht 16 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ τρόμος, das 5 Mal im NT begegnet, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination beider Begriffe findet sich wiederholt auf dieser Ebene, 1Kor 2,3 (ἐν φόβῳ καὶ ἐν τρόμῳ) und Phil 2,12 (μετὰ φόβου καὶ τρόμου), vgl. ähnlich auch Eph 6,5. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: σπλάγχνον; ἀναμιμνήσκω; ὑπακοή; φόβος; τρόμος. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkano‐ nisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. (7,16) Zu χαίρω vgl. zuvor zu den Versen 7. 9. 13. ♦ Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ θαρσέω steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: θαρσέω; ὅτι ἐν; ἐν ὑμῖν. Die Lexik aller Verse, die jeweils mehrere Elemente aufweisen - selbst in dem kurzen Schlussvers - und ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind, erweist, dass diese Verse nicht nur vorkanonisch unbezeugt, sondern ein Produkt der kanonischen Redaktion sind und vorkanonisch gefehlt haben. 664 Rekonstruktion <?page no="665"?> [Kapitel 8] [8],[1-24]: [Die Spendenaktion und Titus] Dieses Kapitel ist vorkanonisch unbezeugt. Der kanonischen Redaktion dient es, das „Liebeswerk“ oder die Spendensammlung einzuführen und Titus als Ansprechpartner hierfür zu präsentieren. - 8,1 Γνωρίζομεν δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί, τὴν χάριν τοῦ θεοῦ τὴν δεδομένην ἐν ταῖς ἐκκλησίαις τῆς Μακεδονίας, 2 ὅτι ἐν πολλῇ δοκιμῇ θλίψεως ἡ περισσεία τῆς χαρᾶς αὐτῶν καὶ ἡ κατὰ βάθους πτωχεία αὐτῶν ἐπερίσσευσεν εἰς τὸ πλοῦτος τῆς ἁπλότητος αὐτῶν· 3 ὅτι κατὰ δύναμιν, μαρτυρῶ, καὶ παρὰ δύναμιν, αὐθαίρετοι 4 μετὰ πολλῆς παρακλήσεως δεόμενοι ἡμῶν τὴν χάριν καὶ τὴν κοινωνίαν τῆς διακονίας τῆς εἰς τοὺς ἁγίους 5 καὶ οὐ καθὼς ἠλπίσαμεν ἀλλὰ ἑαυτοὺς ἔδωκαν πρῶτον τῷ κυρίῳ καὶ ἡμῖν διὰ θελήματος θεοῦ, 6 εἰς τὸ παρακαλέσαι ἡμᾶς Τίτον ἵνα καθὼς προενήρξατο οὕτως καὶ ἐπιτελέσῃ εἰς ὑμᾶς καὶ τὴν χάριν ταύτην. 7 ἀλλ’ ὥσπερ ἐν παντὶ περισσεύετε, πίστει καὶ λόγῳ καὶ γνώσει καὶ πάσῃ σπουδῇ καὶ τῇ ἐξ ἡμῶν ἐν ὑμῖν ἀγάπῃ, ἵνα καὶ ἐν ταύτῃ τῇ χάριτι περισσεύητε. 8 Οὐ κατ’ ἐπιταγὴν λέγω, ἀλλὰ διὰ τῆς ἑτέρων σπουδῆς καὶ τὸ τῆς ὑμετέρας ἀγάπης γνήσιον δοκιμάζων· 9 γινώσκετε γὰρ τὴν χάριν τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὅτι δι’ ὑμᾶς ἐπτώχευσεν πλούσιος ὤν, ἵνα ὑμεῖς τῇ ἐκείνου πτωχείᾳ πλουτήσητε. 10 καὶ γνώμην ἐν τούτῳ δίδωμι· τοῦτο γὰρ ὑμῖν συμφέρει, οἵτινες οὐ μόνον τὸ ποιῆσαι ἀλλὰ καὶ τὸ θέλειν προενήρξασθε ἀπὸ πέρυσι· 11 νυνὶ δὲ καὶ τὸ ποιῆσαι ἐπιτελέσατε, ὅπως καθάπερ ἡ προθυμία τοῦ θέλειν οὕτως καὶ τὸ ἐπιτελέσαι ἐκ τοῦ ἔχειν. 12 εἰ γὰρ ἡ προθυμία πρόκειται, καθὸ ἐὰν ἔχῃ εὐπρόσδεκτος, οὐ καθὸ οὐκ ἔχει. 13 οὐ γὰρ ἵνα ἄλλοις ἄνεσις, ὑμῖν θλῖψις· ἀλλ’ ἐξ ἰσότητος 14 ἐν τῷ νῦν καιρῷ τὸ ὑμῶν περίσσευμα εἰς τὸ ἐκείνων ὑστέρημα, ἵνα καὶ τὸ ἐκείνων περίσσευμα γένηται εἰς τὸ ὑμῶν ὑστέρημα, ὅπως γένηται ἰσότης· 15 καθὼς γέγραπται, Ὁ τὸ πολὺ οὐκ ἐπλεόνασεν, καὶ ὁ τὸ ὀλίγον οὐκ ἠλαττόνησεν. 16 Χάρις δὲ τῷ θεῷ τῷ δόντι τὴν αὐτὴν σπουδὴν ὑπὲρ 3 (2Kor) 665 <?page no="666"?> 83 T.R. Blanton IV, Paul’s Covenantal Theology in 2 Corinthians 2.14-7.4 (2012), 61. ὑμῶν ἐν τῇ καρδίᾳ Τίτου, 17 ὅτι τὴν μὲν παράκλησιν ἐδέξατο, σπουδαιότερος δὲ ὑπάρχων αὐθαίρετος ἐξῆλθεν πρὸς ὑμᾶς. 18 συνεπέμψαμεν δὲ μετ’ αὐτοῦ τὸν ἀδελφὸν οὗ ὁ ἔπαινος ἐν τῷ εὐαγγελίῳ διὰ πασῶν τῶν ἐκκλησιῶν 19 οὐ μόνον δὲ ἀλλὰ καὶ χειροτονηθεὶς ὑπὸ τῶν ἐκκλησιῶν συνέκδημος ἡμῶν σὺν τῇ χάριτι ταύτῃ τῇ διακονουμένῃ ὑφ’ ἡμῶν πρὸς τὴν [αὐτοῦ] τοῦ κυρίου δόξαν καὶ προθυμίαν ἡμῶν 20 στελλόμενοι τοῦτο μή τις ἡμᾶς μωμήσηται ἐν τῇ ἁδρότητι ταύτῃ τῇ διακονουμένῃ ὑφ’ ἡμῶν· 21 προνοοῦμεν γὰρ καλὰ οὐ μόνον ἐνώπιον κυρίου ἀλλὰ καὶ ἐνώπιον ἀνθρώπων. 22 συνεπέμψαμεν δὲ αὐτοῖς τὸν ἀδελφὸν ἡμῶν ὃν ἐδοκιμάσαμεν ἐν πολλοῖς πολλάκις σπουδαῖον ὄντα, νυνὶ δὲ πολὺ σπουδαιότερον πεποιθήσει πολλῇ τῇ εἰς ὑμᾶς. 23 εἴτε ὑπὲρ Τίτου, κοινωνὸς ἐμὸς καὶ εἰς ὑμᾶς συνεργός· εἴτε ἀδελφοὶ ἡμῶν, ἀπόστολοι ἐκκλησιῶν, δόξα Χριστοῦ. 24 τὴν οὖν ἔνδειξιν τῆς ἀγάπης ὑμῶν καὶ ἡμῶν καυχήσεως ὑπὲρ ὑμῶν εἰς αὐτοὺς ἐνδεικνύμενοι εἰς πρόσωπον τῶν ἐκκλησιῶν. A. Das Kapitel ist vorkanonisch unbezeugt. B. (8,3) παρά bieten die Zeugen P 99 , 01, 03, 04, 06, 010, 012, 0243, 6, 33, 81, 1175, 1739, 1881, 2464, das von NA 28 übernommen wurde; an dessen Stelle liest man ὑπέρ in den Zeugen 018, 020, 025, 044, 104, 365, 630, 1241, 1505, M. C. (8,1-24) Dieses Kapitel ist nach allen Editoren unbezeugt und von der vorka‐ nonischen Ebene abwesend. Nach Blanton und anderen stellt 2Kor 8,1-24 ein eigenständiger, dritter Brief innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief dar. 83 D. (8,1) Die Verseröffnung γνωρίζω + δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί findet sich noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene, 1Kor 15,1. ♦ Die Wendung τὴν χάριν τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck ἐν ταῖς ἐκκλησίαις 666 Rekonstruktion <?page no="667"?> steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 14,21b = 14,34. ♦ Μακεδονία steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Auch zu diesem Kapitel wird erst am Ende eine kurze Gesamteinschätzung gegeben, während am Ende eines jeden Verses lediglich die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente aufgezählt werden. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: γνωρίζω + δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί; τὴν χάριν τοῦ θεοῦ; ἐν ταῖς ἐκκλησίαις; Μακεδονία. (8,2) Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 1Kor 1,5; 2Kor 8,2; Kol 1,16. 19; 2,9; im Vers: 2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 2,49; 4,32. 36; 19,17; 23,40; 4 Mal Joh; Apg 4,10; 1Kor 3,13; 14,21; 2Kor 1,12; 3,14; 7,3. 16; Phil 1,20; 4,15; 1Tim 4,1; 2Tim 3,1; Hebr 11,18; 1Joh 2,5; 4,13; 3 Mal Apk), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), das 121 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 12,48; 21,27, vgl. weiter die Verse 4. 15. 22. ♦ δοκιμή, das 7 Mal im NT steht, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ θλῖψις steht 60 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ περισσεία steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 5,17; 2Kor 10,15; Jak 1,21). ♦ χαρά steht 62 / 59 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ βάθος, das 10 / 8 Mal im NT steht und vorkanonisch 1 Mal bezeugt ist für *Röm 11,33. ♦ πτωχεία steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,2. 9; Apk 2,9). ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πλοῦτος steht 31 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt wiederum für *Röm 11,33 und dann für *Laod 1,18. ♦ ἁπλότης steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Kombination ὅτι ἐν; δοκιμή; περισσεία; χαρά; πτωχεία; περισσεύω; ἁπλότης. (8,3) Die Wendung κατὰ δύναμιν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ μαρτυρέω steht 90 / 76 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form μαρτυρῶ steht 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene; vgl. zu Gal 4,15. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37 und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ αὐθαίρετος findet sich 2 Mal im NT, gleich noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene weiter unten in Vers 17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κατὰ δύναμιν; μαρτυρῶ; αὐθαίρετος. 3 (2Kor) 667 <?page no="668"?> (8,4) Zu πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) vgl. zuvor den Vers 2 und nachfolgend die Verse 15 und 22. ♦ Die Wendung μετὰ πολλῆς steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Apg 25,23. ♦ παράκλησις steht 30 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ Die Form δεόμενοι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 21,36; 2Kor 8,4; 1Thess 3,10). ♦ κοινωνία steht 21 / 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διακονία steht 35 / 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς τοὺς ἁγίους steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 16,1; 2Kor 8,4; 9,1). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μετὰ πολλῆς; δεόμενοι; κοινωνία; διακονία; εἰς τοὺς ἁγίους. (8,5) Die Kombination καὶ οὐ steht 205 Mal im NT, davon 32 Mal als Verseröffnung wie hier, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,46; *1Kor 10,20; *Kol 2,19 (als Verseröffnung). ♦ καθώς steht 186 / 182 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,21; *1Kor 1,31; 10,6; 14,34; 15,49; *Laod 5,29; *Kol 1,6. ♦ ἐλπίζω steht 32 / 31 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἔδωκαν steht 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (5 Mal Mt, Mk 15,1; Lk 1,2, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 24,20. 42; Joh 18,35; Apg 1,26; 15,30; 2Kor 8,5; Gal 2,9; Eph 4,19; Apk 11,13; 20,13). ♦ πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3. ♦ Die Wendung τῷ κυρίῳ steht 42 im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,13. ♦ Die Wendung διὰ θελήματος θεοῦ steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,1; 2Kor 1,1; 8,5; Eph 1,1; Kol 1,1; 2Tim 1,1). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔδωκαν; διὰ θελήματος θεοῦ. (8,6) παρακαλέω steht 115 / 109 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten Τίτος vgl. zuvor 7,13. ♦ Die Wendung ἵνα καθώς steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,31. ♦ προενάρχομαι steht nur noch 1 weiteres Mal in Vers 10 auf derselben kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42; *Röm 5,21, vgl. zuvor 7,14. ♦ ἐπιτελέω steht 11 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. ♦ ταύτην, das 55 Mal im NT, etwa Lk 13,6; 18,9; 20,9. 19; 24,21, in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch nur bezeugt für *Ev 13,16. ♦ Die Wendung τὴν χάριν ταύτην steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Röm 5,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: προενάρχομαι; ἐπιτελέω; τὴν χάριν ταύτην. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol 668 Rekonstruktion <?page no="669"?> vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kano‐ nischen Sprache. (8,7) Die Kombination ἀλλ’ ὥσπερ steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröff‐ nung, Gal 4,29. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form πίστει steht 58 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (6 Mal Apg; Röm 3,28; 4,19. 20; 5,2; 11,20; 14,1; 1Kor 16,13; 2Kor 1,24; 8,7; 13,5; Gal 2,20; Phil 1,27; 3,9; Kol 1,23; 2,7; 2Thess 2,13; 1Tim 1,2. 4; 2,7. 15; 3.13; 4,12; 2Tim 1,13; Tit 1,13; 2,2; 3,15; Hebr 4,2 und 18 Mal als Verseröffnung in Hebr; Jak 1,6; 2,5; 1Petr 5,9; 2Petr 1,5; Jud 1,3. 20). ♦ Die Form λόγῳ steht 45 Mal im NT, 18 Mal als Verseröffnung in Hebr, vorkanonisch bezeugt im Vers für *Kol 1,5. ♦ Die Form γνώσει steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 1,5; 8,11; 14,6; 2Kor 6,6; 8,7; 11,6; 2Petr 1,6; 3,18). ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, etwa Lk 7,17, in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch nur bezeugt ist für *2Thess 2,9. ♦ σπουδή, das 12 Mal im NT steht, jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ Die Wendung ἐξ ἡμῶν steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 7,9. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλ’ ὥσπερ; περισσεύω; πίστει; γνώσει; σπουδή; ἐξ ἡμῶν; ἐν ὑμῖν; χάριτι. Wieder ist bemer‐ kenswert, dass ausgerechnet die beiden *Deuteropaulinen *Kol und *2Thess in ihrer Lexik der kanonischen Ebene nahestehen. (8,8) Die Kombination οὐ κατ’ steht 11 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung wie hier (2Kor 8,8; Hebr 8,9; im Vers: Röm 10,2; 1Kor 2,1; 7,6; 2Kor 10,3; 11,17; Kol 2,8; 2Tim 1,9; Hebr 7,11. 16), vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2 (im Vers). ♦ ἐπιταγή steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἀλλὰ διά steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1. ♦ σπουδή, das 12 Mal im NT steht, jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ ὑμέτερος, das 11 Mal im NT steht, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ γνήσιος steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt (2Kor 8,8; Phil 4,3; 1Tim 1,2. 4). ♦ δοκιμάζω steht 25 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung οὐ κατ’; ἐπιταγή; σπουδή; γνήσιος. 3 (2Kor) 669 <?page no="670"?> (8,9) γινώσκετε steht 24 Mal im NT, davon als Verseröffnung 3 Mal (Verseröffnung: 2Kor 8,9; Gal 3,7; Hebr 13,23; im Vers: 4 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 12,39; 21,30. 31), vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,11. ♦ Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. ♦ πτωχεύω ist Hapax legomenon im NT. ♦ πλούσιος steht 30 / 28 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt - allerdings in negativer Bedeutung im Wehruf bzw. im Gleichnis - in *Ev 6,24; 12,16. ♦ Die Verbform ὤν, die 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3. ♦ Zum kanonischen πτωχεία vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ πλουτέω steht 18 / 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung γινώσκετε; πτωχεία; πλουτέω. (8,10) γνώμη steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 19,9. ♦ Die Kombination ἐν τούτῳ begegnet 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, davon 11 Mal als Verseröffnung, vgl. zuvor 5,2. ♦ τοῦτο γάρ steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,10. ♦ συμφέρω steht 19 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Form οἵτινες steht 60 Mal im NT (davon 15 Mal als Verseröffnung), Lk 1,20; 9,30; 15,7 in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Thess 1,9. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Die Kombination οὐ μόνον steht 27 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, im Vers vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25; vgl. zu Röm 9,24. ♦ Der Ausdruck τὸ ποιῆσαι steht nur hier, im voranstehenden Vers 8,10 und Hebr 13,21, also jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck τὸ θέλειν steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Phil 2,13. ♦ προενάρχομαι steht nur noch 1 weiteres Mal in Vers 6 auf derselben kanonischen Ebene. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ πέρυσι steht 2 Mal im NT, 1 weiteres Mal ebenso auf der kanonischen Ebene im selben Brief (2Kor 9,2). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: γνώμη; ἐν τούτῳ; συμφέρω; τὸ ποιῆσαι; τὸ θέλειν; προενάρχομαι; πέρυσι. (8,11) Die Satzeröffnung νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 3,21; 6,22; 7,6. 17; 15,23. 25; 1Koer 12,18; 13,13; 15,20; 2Kor 8,11; Eph 2,13; Kol 1,22; 3,8; Hebr 8,6; im Vers: 2Kor 8,22; Phlm 1,9. 11; Hebr 9,26), vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal 670 Rekonstruktion <?page no="671"?> im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen τὸ ποιῆσαι vgl. zum voranstehenden Vers 8,10. ♦ Zum kanonischen ἐπιτελέω vgl. zuvor 8,6. ♦ ὅπως, das 58 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,4; *1Kor 1,29. ♦ καθάπερ steht 14 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,12. ♦ προθυμία steht 5 Mal im NT (man vgl. auch weiter unten die Verse 12. 19 und 2Kor 9,2, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 17,11; 2Kor 8,11. 12. 19; 2Kor 9,2). ♦ Der Infinitiv θέλειν steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 7,18; 2Kor 8,10. 11; Phil 2,13). ♦ Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42; *Röm 5,21, vgl. zuvor 7,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δὲ καί; τὸ ποιῆσαι; ἐπιτελέω; καθάπερ; προθυμία; θέλειν. (8,12) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Zum kanonischen προθυμία vgl. zum voranstehenden Vers, und dem nachfolgenden Vers 19. ♦ πρόκειμαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,12; Hebr 6,18; 12,1. 2; Jud 1,7). ♦ καθό, das 3 Mal im NT steht, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐπρόσδεκτος steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ γάρ; προθυμία; πρόκειμαι; καθό; εὐπρόσδεκτος. (8,13) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ ἄνεσις steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Thess 1,7. ♦ θλῖψις steht 60 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ἐξ (ἐκ) steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἰσότης steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,13. 14; Kol 4,1). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλ’ ἐξ (ἐκ); ἰσότης. (8,14) Die Kombination ἐν τῷ νῦν steht 5 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 3,26; 11,5; 2Kor 8,13; 1Tim 6,17; Tit 2,12). Auffallenderweise ist diese Kombination in Röm und 2Kor immer mit καιρῷ zusammengebunden, während die Ergänzung in den Pastoralbriefen αἰῶνι lautet. ♦ Die Kombination τὸ ὑμῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ περίσσευμα steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,17. ♦ ἐκεῖνος, 3 (2Kor) 671 <?page no="672"?> das 265 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11; *Laod 2,12. ♦ Die Form ἐκείνων steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὑστέρημα steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,24. ♦ Zu ὅπως vgl. zuvor zu Vers 11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν τῷ νῦν; τὸ ὑμῶν; ἐκείνων. (8,15) Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ Die Kombination ὁ τό steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 25,24; 1Kor 5,2; 2Kor 8,15). ♦ Zu πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) vgl. zuvor zu den Versen 2 und 4 und nachfolgend Vers 22. ♦ Der Ausdruck τὸ πολύ steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 1Petr 1,3. ♦ πλεονάζω steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20. ♦ ὀλίγος steht 46 / 41 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48. ♦ Der Ausdruck τὸ ὀλίγον steht nur hier. ♦ ἐλαττονέω ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Die Verser‐ öffnung καθὼς γέγραπται; ὁ τό; τὸ πολύ. (8,16) Die Kombination χάρις δέ steht 3 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 6,17; 7,25; 2Kor 8,16). ♦ Die Kombination δὲ τῷ θεῷ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 6,11. 17. 22; 7,25; 2Kor 8,6). ♦ αὐτήν, das 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. ♦ σπουδή steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ Der Ausdruck ἐν τῇ καρδίᾳ steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 1Kor 7,37. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten Τίτος vgl. zuvor 7,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Χάρις δέ; δὲ τῷ θεῷ; σπουδή; ὑπὲρ ὑμῶν; ἐν τῇ καρδίᾳ. (8,17) Die Kombination ὅτι τήν steht 6 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, immer aber auf der kanonischen Ebene ( Joh 5,42; 8,45; Apg 8,20; 2Kor 8,17; 1Tim 5,12; Apk 2,4). ♦ παράκλησις steht 30 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ Die Form ἐδέξατο steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,28, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,40; 10,38; 19,6; Apg 7,38; 2Kor 8,17). ♦ σπουδαῖος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form ὑπάρχων steht 15 Mal im NT (davon 1 Mal als Verseröffnung, Apg 7,55), Lk 23,50, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,48; *Gal 1,14; *1Kor 11,7; *Phil 2,6. ♦ αὐθαίρετος, steht 672 Rekonstruktion <?page no="673"?> 2 Mal im NT, vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ ἐξέρχομαι, das 258 / 218 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι τήν; ἐδέξατο; αὐθαίρετος; πρὸς ὑμᾶς. (8,18) συμπέμπω steht hier und 1 weiteres Mal in Vers 22, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung μετ’ αὐτοῦ steht 45 Mal im NT, Lk 6,3, in einem Versteil, der in *Ev fehlt; 1,66; 10,37, in Versen, die in *Ev fehlen, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (10 Mal Mt; 11 Mal Mk; Lk noch 6,4; 7,36; 22,59; 7 Mal Joh; 2 Mal Apg; 1Kor 7,12; 2Kor 8,18; 1Joh 1,6; 6 Mal Apk). ♦ Der Ausdruck τὸν ἀδελφόν steht 37 Mal im NT, 12 Mal in Paulus, ausschließlich kanonisch belegt. ♦ ἔπαινος steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; *Laod 1,12. ♦ Die Wendung ἐν τῷ εὐαγγελίῳ steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 1Kor 9,18. ♦ πασῶν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 6,33; Lk 19,37; Apg 7,10; 2Kor 8,18; 11,28). ♦ Die Form τῶν ἐκκλησιῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,18. 19. 24; 11,28; 1Thess 2,14). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συμπέμπω; μετ’ αὐτοῦ; τὸν ἀδελφόν; ἐν τῷ εὐαγγελίῳ; πασῶν; τῶν ἐκκλησιῶν. (8,19) Die Kombination οὐ μόνον δέ steht 9 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,7. ♦ Zum kanonischen προθυμία vgl. zuvor zu den Versen 11 und 12. ♦ χειροτονέω steht nur noch 1 Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in Apg 14,23. ♦ Zum kanonischen Ausdruck τῶν ἐκκλησιῶν vgl. zum voranstehenden Vers 8,18. ♦ συνέκδημος steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Apg 19,29). ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ Die Form τῇ χάριτι steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Apg; 1Kor 1,4; 2Kor 8,7. 19; Kol 3,16; 2Tim 2,1). ♦ Auch die kürzere Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4.♦ Die Form διακονουμένῃ steht nur hier und im nächsten Vers. ♦ Die Wendung ὑφ’ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 3,3; 8,19. 20). ♦ προθυμία, siehe eingangs des Verses. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐ μόνον δέ; προθυμία; χειροτονέω; συνέκδημος; (τῇ) χάριτι; διακονουμένῃ; ὑφ’ ἡμῶν. (8,20) στέλλω steht nur 2 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,20; 2Thess 3,6). ♦ Die Wendung τοῦτο μή steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Eph 5,17. ♦ Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, ausschließlich 3 (2Kor) 673 <?page no="674"?> auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 16,11. ♦ μωμάομαι, das zuvor bereits auf der kanonischen Ebene im selben Brief steht (2Kor 6,3). ♦ ἁδροτής ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu διακονουμένῃ ὑφ’ ἡμῶν vgl. den voranstehenden Vers 8,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: στέλλω; τοῦτο μή; μή τις; μωμάομαι; διακονουμένῃ; ὑφ’ ἡμῶν. (8,21) προνοέω steht 4 / 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu μόνον vgl. weiter oben zu Vers 10. ♦ Die Kombination οὐ μόνον steht 27 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, im Vers vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25; vgl. zu Röm 9,24. ♦ Die Wendung ἐνώπιον κυρίου steht 3 Mal im NT, Lk 1,76, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2Kor 8,21; Jak 4,10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: προνοέω; ἐνώπιον κυρίου. (8,22) συμπέμπω steht 1 weiteres Mal im Vers 18 zuvor auf derselben kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen τὸν ἀδελφόν vgl. zuvor Vers 8,18. ♦ δοκιμάζω steht 25 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ Die Wendung ἐν πολλοῖς steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, Apg 1,3. ♦ πολλάκις findet sich 19 Mal im NT und steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σπουδαῖος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Der Komparativ σπουδαιότερον steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,22; 2Tim 1,17). ♦ πεποίθησις, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συμπέμπω; τὸν ἀδελφόν; ἐν πολλοῖς; πολλάκις; σπουδαιότερον; πεποίθησις. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropauli‐ nums zur kanonischen Sprache. (8,23) Zur vorkanonisch bezeugten Verseröffnung εἴτε vgl. zuvor zu 5,13. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten Τίτος vgl. zuvor 7,13. ♦ κοινωνός steht 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. ♦ συνεργός, das sich 14 / 13 Mal im NT findet, immer nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κοινωνός; συνεργός. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. (8,24) ἔνδειξις steht 5 / 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καύχησις steht 13 7 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,31. ♦ Die 674 Rekonstruktion <?page no="675"?> Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ Die Wendung εἰς αὐτούς steht 6 Mal im NT, Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 4,15; 5,12; Lk 11,49; Apg 22,30; 2Kor 8,24; 9,13). ♦ ἐνδείκνυμι, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Auch das zugehörige Nomen ἔνδειξις, das 5 / 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf dieser Ebene. ♦ πρόσωπον steht 84 / 76 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ Die Wendung εἰς πρόσωπον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 22,16; Mk 12,14; 2Kor 8,24; 11,20). ♦ Zur kanonischen Wendung τῶν ἐκκλησιῶν vgl. 8,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔνδειξις; ὑπὲρ ὑμῶν; εἰς αὐτούς; ἐνδείκνυμι; εἰς πρόσωπον; τῶν ἐκκλησιῶν. Wie die Liste zu jedem einzelnen Vers dieses Kapitels erweist, bieten alle Verse mehrere Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind. Das Kapitel ist insgesamt ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vor‐ kanonisch gefehlt. Zu bemerken ist die wiederholte Nähe der *Deuteropaulinen *Kol, *2Thess in diesem Kapitel zur kanonischen Lexik. [Kapitel 9] [9],[1-15]: [Aufruf zum großzügigen Spenden] Das Kapitel ist unbezeugt und war, wie die Lexik erweisen wird, auch vorkano‐ nisch nicht vorhanden. Die kanonische Redaktion setzt ihr bereits im Kapitel zuvor begonnene Spendenkampagne fort und erläutert sie den Adressaten. - 9,1 Περὶ μὲν γὰρ τῆς διακονίας τῆς εἰς τοὺς ἁγίους περισσόν μοί ἐστιν τὸ γράφειν ὑμῖν, 2 οἶδα γὰρ τὴν προθυμίαν ὑμῶν ἣν ὑπὲρ ὑμῶν καυχῶμαι Μακεδόσιν ὅτι Ἀχαΐα παρεσκεύασται ἀπὸ πέρυσι, καὶ τὸ ὑμῶν ζῆλος ἠρέθισεν τοὺς πλείονας. 3 ἔπεμψα δὲ τοὺς ἀδελφούς, ἵνα μὴ τὸ καύχημα ἡμῶν τὸ ὑπὲρ ὑμῶν κενωθῇ ἐν τῷ μέρει τούτῳ, ἵνα καθὼς ἔλεγον παρεσκευασμένοι ἦτε, 4 μή πως ἐὰν ἔλθωσιν σὺν ἐμοὶ Μακεδόνες καὶ εὕρωσιν ὑμᾶς ἀπαρασκευάστους καταισχυνθῶμεν ἡμεῖς, ἵνα μὴ λέγω ὑμεῖς, ἐν τῇ ὑποστάσει ταύτῃ. 5 ἀναγκαῖον οὖν ἡγησάμην παρακαλέσαι τοὺς ἀδελφοὺς ἵνα προέλθωσιν εἰς ὑμᾶς καὶ 3 (2Kor) 675 <?page no="676"?> προκαταρτίσωσιν τὴν προεπηγγελμένην εὐλογίαν ὑμῶν, ταύτην ἑτοίμην εἶναι οὕτως ὡς εὐλογίαν καὶ μὴ ὡς πλεονεξίαν. 6 Τοῦτο δέ, ὁ σπείρων φειδομένως φειδομένως καὶ θερίσει, καὶ ὁ σπείρων ἐπ’ εὐλογίαις ἐπ’ εὐλογίαις καὶ θερίσει. 7 ἕκαστος καθὼς προῄρηται τῇ καρδίᾳ, μὴ ἐκ λύπης ἢ ἐξ ἀνάγκης, ἱλαρὸν γὰρ δότην ἀγαπᾷ ὁ θεός. 8 δυνατεῖ δὲ ὁ θεὸς πᾶσαν χάριν περισσεῦσαι εἰς ὑμᾶς, ἵνα ἐν παντὶ πάντοτε πᾶσαν αὐτάρκειαν ἔχοντες περισσεύητε εἰς πᾶν ἔργον ἀγαθόν, 9 καθὼς γέγραπται, Ἐσκόρπισεν, ἔδωκεν τοῖς πένησιν, ἡ δικαιοσύνη αὐτοῦ μένει εἰς τὸν αἰῶνα. 10 ὁ δὲ ἐπιχορηγῶν σπόρον τῷ σπείροντι καὶ ἄρτον εἰς βρῶσιν χορηγήσει καὶ πληθυνεῖ τὸν σπόρον ὑμῶν καὶ αὐξήσει τὰ γενήματα τῆς δικαιοσύνης ὑμῶν· 11 ἐν παντὶ πλουτιζόμενοι εἰς πᾶσαν ἁπλότητα, ἥτις κατεργάζεται δι’ ἡμῶν εὐχαριστίαν τῷ θεῷ 12 ὅτι ἡ διακονία τῆς λειτουργίας ταύτης οὐ μόνον ἐστὶν προσαναπληροῦσα τὰ ὑστερήματα τῶν ἁγίων, ἀλλὰ καὶ περισσεύουσα διὰ πολλῶν εὐχαριστιῶν τῷ θεῷ 13 διὰ τῆς δοκιμῆς τῆς διακονίας ταύτης δοξάζοντες τὸν θεὸν ἐπὶ τῇ ὑποταγῇ τῆς ὁμολογίας ὑμῶν εἰς τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ καὶ ἁπλότητι τῆς κοινωνίας εἰς αὐτοὺς καὶ εἰς πάντας, 14 καὶ αὐτῶν δεήσει ὑπὲρ ὑμῶν ἐπιποθούντων ὑμᾶς διὰ τὴν ὑπερβάλλουσαν χάριν τοῦ θεοῦ ἐφ’ ὑμῖν. 15 χάρις τῷ θεῷ ἐπὶ τῇ ἀνεκδιηγήτῳ αὐτοῦ δωρεᾷ. A. Das Kapitel ist vorkanonisch unbezeugt. B. (9,4) Anstelle von λέγω haben die Zeugen 01, 03, 04 2 , 020, 025, 044, 0209, 0243, 33, 81, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, f, vg, sy, sa mss , bo λέγωμεν, während λέγω geboten wird von den Zeugen P 46 , 04*, 06, 010, 012, 048, ar, ρ, vg mss , sa ms , Ambst. ♦ (9,10) Anstelle von σπόρον, das geboten wird von P 46 , 03, 06*, 010, 012, 1175, findet sich σπέρμα in den Zeugen 01, 04, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 048, 0209, 0243, 33, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M. C. 1. (9,1-15) Dieses Kapitel ist nach allen Editoren unbezeugt und von der vorkanonischen Ebene abwesend. Nach Blanton und anderen stellt 2Kor 9,1-15 676 Rekonstruktion <?page no="677"?> 84 Ibid. 85 Vgl. H.D. Betz, 2. Korinther 8 und 9. Ein Kommentar zu zwei Verwaltungsbriefen des Apostels Paulus (1993). ein eigenständiger, vierter Brief innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief dar. 84 2. (9,1) Der Neueinsatz und die weiteren Ausführungen in diesem Kapitel, die klingen, als hätte Paulus zuvor noch nicht von der Kollekte in diesem Brief gesprochen, sind für manche ein Hinweis darauf, dass hier unterschiedliche Briefe zueinander gestellt wurden. 85 D. (9,1) περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,1; 12,1. ♦ Die Kombination περὶ μέν steht nur noch 1 weiteres Mal, Apg 28,22. ♦ διακονία steht 35 / 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς τοὺς ἁγίους steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 16,1; 2Kor 8,4; 9,1). ♦ περισσός, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung μοί ἐστιν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung γράφειν ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,1; Phil 3,1; 1Thess 4,9; Jud 1,3). Auch für dieses Kapitel wird es am Ende des lexikalischen Vergleichs eine kurze Zusammenfassung geben. Am Ende eines jeden Verses werden die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente kurz aufgezählt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: περὶ μέν; διακονία; εἰς τοὺς ἁγίους; περισσός; μοί ἐστιν; γράφειν ὑμῖν. (9,2) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Form οἶδα steht 56 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Joh 8,37; Röm 7,18; 14,14; 15,29, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 9,2; 12,2; Phil 1,19; 4,12; 6 Mal Apk; im Vers: 5 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 4,34; 13,25. 27; 22,57. 60; 12 Mal Joh; 5 Mal Apg; 1Kor 1,16; 2Kor 12,3; Phil 1,25; 2Tim 1,12; Apk 3,1), vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; 18,20 (jeweils im Vers). ♦ Die Kombination οἶδα γάρ steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung wie hier (Verseröffnung: Röm 7,18; 2Kor 9,2; Phil 1,19; im Vers: Mt 28,5; 2Tim 1,12), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ προθυμία, das 5 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ καυχάομαι steht 39 / 37 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ Μακεδών steht 6 / 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἀχαία, 3 (2Kor) 677 <?page no="678"?> das 12 / 10 Mal im NT steht, findet sich 1 Mal im lateinischen Prolog zum ersten Korintherbrief. ♦ παρασκευάζω, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πέρυσι steht nur 1 weiteres Mal im NT, im Kapitel zuvor, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,10). ♦ ζῆλος steht 22 / 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. ♦ ἐρεθίζω, das 2 Mal im NT steht, auch das andere mal auf der kanonischen Ebene bezeugt (2Kor 9,2; Kol 3,21). ♦ πλείων, das 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,5. ♦ Die Form τοὺς πλείονας steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 9,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröff‐ nung οἶδα; οἶδα γάρ; ὑπὲρ ὑμῶν; προθυμία; Μακεδών; παρασκευάζω; πέρυσι; ἐρεθίζω; τοὺς πλείονας. (9,3) Die Form ἔπεμψα steht 10 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τοὺς ἀδελφούς steht 25 Mal im NT, Lk 22,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Mt; Lk 14,12. 26; 22,32; 2 Mal Joh; 8 Mal Apg; 1Kor 8,12; 2Kor 9,3. 5; 1Thess 4,10; Hebr 7,5; 1Joh 3,14; 3Joh 1,5. 10). ♦ καύχημα steht 13 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,31. ♦ Die Wendung τὸ ὑπέρ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 11,24. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ κενόω steht 6 / 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15; *Phil 2,7. ♦ Der Ausdruck ἐν τῷ μέρει steht noch 1 weiteres Mal im NT, 2Kor 3,10 auf kanonischer Ebene. ♦ Die Verbform ἔλεγον steht 74 Mal im NT und findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen παρασκευάζω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Die Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔπεμψα; τοὺς ἀδελφούς; τὸ ὑπέρ; ὑπὲρ ὑμῶν; ἐν τῷ μέρει; ἔλεγον; παρασκευάζω. (9,4) πως, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination μή πως, die 11 Mal im NT steht, nur hier als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἔλθωσιν steht 4 Mal im NT, Lk 16,28, nur von Adamantius bezeugt, Apg 3,20; 17,15; 2Kor 9,4, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination σὺν ἐμοί steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Apg; 1Kor 15,10; 16,4; 2Kor 9,4; Gal 1,2; 2,3; Phil 2,22; 4,21). ♦ Zum kanonischen Μακεδών vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Die Form εὕρωσιν steht 3 Mal im NT, Lk 9,12, in einem Versteil, der in *Ev fehlt; Lk 6,7; 2Kor 9,4, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπαρασκεύαστος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zur Verbform λέγω vgl. zuvor Vers 34. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 678 Rekonstruktion <?page no="679"?> 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ Die Verbform λέγωμεν ist im NT Hapax legomenon. ♦ ὑπόστασις, das sich 5 Mal im NT findet, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μή πως; ἔλθωσιν; σὺν ἐμοί; Μακεδών; εὕρωσιν; ὑπόστασις. (9,5) ἀναγκαῖον steht 2 Mal im NT, ebenfalls als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene in Phil 2,25. ♦ Die Form ἡγησάμην findet sich ebenfalls nur 2 Mal im NT, an eben denselben Stellen, auch in Phil 2,25. ♦ Die Form παρακαλέσαι steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 26,53; 2Kor 2,7; 8,6; 9,5; 1Thess 3,2). ♦ Zum kanonischen τοὺς ἀδελφούς vgl. 1Kor 8,12. ♦ προέρχομαι steht 9 Mal im NT und ist überhaupt nur bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ προκαταρτίζω ist Hapax legomenon im NT (die mögliche Alternative προκαταγγέλλω findet sich noch zwei Mal in Apg 3,18; 7,52). ♦ προεπαγγέλλω steht nur noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene Röm 1,2. ♦ εὐλογία steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,14. ♦ ταύτην, das 55 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,16. ♦ ἑτοῖμος steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,40. ♦ Zum Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Kombination μὴ ὡς steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,5; Eph 5,15; Phil 2,12; 2Thess 3,15; Phlm 1,14; 1Petr 2,16). ♦ Die weitere Kombination καὶ μὴ ὡς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,5; 2Thess 3,15; 1Petr 2,16). ♦ πλεονεξία steht 10 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀναγκαῖον; ἡγησάμην; παρακαλέσαι; τοὺς ἀδελφούς; προέρχομαι; προκαταγγέλλω; προεπαγγέλλω; μὴ ὡς; πλεονεξία. (9,6) Die Kombination τοῦτο δέ steht 32 Mal im NT, 28 Mal als Verseröffnung wie hier (Verseröffnung: Mt 1,22; 21,4; 25,56; Lk 12,39; Joh 5,54; 6,6. 39; 7,39; 8,6; 11,51; 12,33; 13,28; 21,19; Apg 10,16; 11,10; 16,18; 19,10. 17; 23,7; Röm 1,12; 1Kor 7,6. 29. 35; 11,17; 15,50; 2Kor 9,6; Gal 3,17; 2Tim 3,1; im Vers: Lk 23,46 (Versteil fehlt in *Ev); Hebr 10,33; 2Petr 1,5. 25), immer auf der kanonischen Ebene. ♦ σπείρω steht 58 / 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,8; *1Kor 15,42. 44. ♦ Die Form σπείρων steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,8. ♦ φειδομένως ist Hapax legomenon im NT. ♦ θερίζω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,7. 9. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τοῦτο δέ; die Duplikation φειδομένως φειδομένως, ἐπ’ εὐλογίαις. 3 (2Kor) 679 <?page no="680"?> (9,7) Die Kombination und Verseröffnung ἕκαστος καθώς begegnet 1 weiteres Mal in 1Petr 4,10. ♦ προαιρέω und δότης sind Hapax legomena im NT. ♦ Die Wendung τῇ καρδίᾳ steht 30 Mal im NT, Lk 1,66; 2,19. 51, in Versen, die in *Ev fehlen, dann 24,25. 38, in Versen, wo gerade diese Wendung in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (8 Mal im Mt, Mk 11,23; noch Lk 12,45; Joh 12,40; Apg 5,4; 28,27; Röm 9,2; 10,6. 8. 9; 1Kor 7,37; 2Kor 8,16; 9,7; Eph 5,19; Phil 1,7; Hebr 3,10; Jak 3,14; Apk 18,7). ♦ λύπη steht 17 / 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνάγκη steht 19 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἱλαρός und δότης sind Hapax legomena im NT. ♦ Die Form ἀγαπᾷ steht 9 Mal im NT, Lk 7,47, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,28. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἕκαστος καθώς; τῇ καρδίᾳ; λύπη; ἀνάγκη. Auffallend ist wieder, dass *Laod der Lexik nach in der Nähe der kanonischen Redaktion steht. (9,8) δυνατέω, das 8 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. danach auch Vers 11. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτάρκεια steht 2 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,8; 1Tim 6,6). ♦ Die Wendung εἰς πᾶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,8; Eph 3,19; Kol 2,2; 2Tim 2,21). ♦ Die Wendung ἔργον ἀγαθόν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,8; Phil 1,6; 2Tim 2,21; 3,17; Tit 1,16; 3,1). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δυνατέω; πᾶσαν; περισσεύω; ἐν παντί; πάντοτε; αὐτάρκεια; ἔργον ἀγαθόν. (9,9) Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ σκορπίζω steht 6 / 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 12,30; Lk 11,23; Joh 10,12; 16,32; 2Kor 9,9). ♦ πένης ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination μένει εἰς steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 835; 12,34; 2Kor 9,9; 1Petr 1,25; 1Joh 2,17). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung καθὼς γέγραπται; σκορπίζω; μένει εἰς. (9,10) χορηγέω steht noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,10; 1Petr 4,11). ♦ σπόρον steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene 680 Rekonstruktion <?page no="681"?> (Mk 4,26. 27; Lk 8,5. 11; 2Kor 9,10). ♦ σπείρω steht 58 / 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,8; *1Kor 15,42. 44. ♦ ἄρτος steht 107 / 97 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,28. ♦ βρῶσις steht 12 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,16. ♦ πληθύνω steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὔξησις steht 3 Mal, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,10; Eph 4,16; Kol 2,19). Auch das zugehörige Verb αὐξάνω, das 27 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ γένημα steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 26,29; Mk 14,25; Lk 12,18; 22,18; 2Kor 9,10). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν παντί; χορηγέω; σπόρον; πληθύνω; αὔξησις; γένημα. (9,11) Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2Kor 4,8; 9,11; 1Thess 5,18; im Vers: Apg 10,35; 1Kor 1,5; 2Kor 6,4; 7,5. 11. 16; 8,7; 9,8; 11,6. 9; Eph 5,24; Phil 4,6. 12; Kol 1,10; 4,12; 2Thess 2,17; Hebr 13,21), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu παντί vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ πλουτίζω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁπλότης steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ κατεργάζομαι steht 25/ 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐχαριστία steht 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πλουτίζω; ἁπλότης; κατεργάζομαι; εὐχαριστία. (9,12) διακονία steht 35 / 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λειτουργία steht 6 Mal im NT, findet sich nur auf kanonischer Ebene (Lk 1,23; 2Kor 9,12; Phil 2,17. 30; Hebr 8,6; 9,21). ♦ ταύτης steht 36 Mal im NT, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination οὐ μόνον steht 27 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, im Vers vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25; vgl. zu Röm 9,24. ♦ προσαναπληρόω steht 2 Mal im NT, das andere Mal auch auf der kanonischen Ebene in 2Kor 11,9. ♦ ὑστέρημα steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,24. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen εὐχαριστία vgl. zum voranstehenden Vers 9,11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: διακονία; λειτουργία; ταύτης; προσαναπληρόω; περισσεύω; εὐχαριστία. Man bemerke erneut die Nähe von *Kol zur kanonischen Lexik. 3 (2Kor) 681 <?page no="682"?> (9,13) δοκιμή, das 7 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ταύτης steht wie im vorangegangenen Vers als Verstärkung des voranstehenden Nomens (beide Male Nomen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind), wie wir sie nur auf der kanonischen Ebene finden, vgl. zum Vers zuvor. ♦ ὑποταγή, das 5 / 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,5. ♦ ὁμολογία steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 9,13; 1Tim 6,12. 13; Hebr 3,1; 4,14; 10,23). ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ Die Wendung τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ, die 4 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, in *Gal 1,7 findet sich εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ und τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ könnte vielleicht auch in *1Kor 9,18 gestanden sein. ♦ ἁπλότης steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κοινωνία steht 21 / 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δοκιμή; διακονία; ταύτης; ὁμολογία; ἁπλότης; κοινωνία. (9,14) δέησις steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,33; *Laod 6,18. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ ἐπιποθέω steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,2. ♦ ὑπερβάλλω steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung χάριν τοῦ θεοῦ steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 3,10; 2Kor 6,1; 8,1; 9,14; Gal 2,21; Kol 1,6; 2Thess 1,12; 1Petr 5,12). ♦ Die Wendung ἐφ’ ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 7,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑπὲρ ὑμῶν; ὑπερβάλλω; χάριν τοῦ θεοῦ; ἐφ’ ὑμῖν. (9,15) Die Wendung χάρις τῷ θεῷ steht nur hier, doch die verwandte χάριν τοῦ θεοῦ stand im Vers zuvor, ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ ἀνεκδιήγητος ist Hapax legomenon im NT. ♦ δωρεά steht 20 / 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χάρις τῷ θεῷ; δωρεά. Auch bei diesem Kapitel weisen alle Verse eine solche Dichte an Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind, dass das Kapitel insgesamt ein Produkt der kanonischen Redaktion darstellt, das vorkanonisch gefehlt hat. 682 Rekonstruktion <?page no="683"?> [Kapitel 10] [10],[1-18]: [Der mahnende, strafende, sich durch den Herrn empfehlende Paulus] Auch dieses Kapitel ist unbezeugt und, wie die Lexik erweisen wird, auch vorkanonisch nicht vorhanden. Erneut findet sich eine Selbstvorstellung des Paulus, die zwischen Selbstempfehlung und Selbsterniedrigung schwankt. - 10,1 Αὐτὸς δὲ ἐγὼ Παῦλος παρακαλῶ ὑμᾶς διὰ τῆς πραΰτητος καὶ ἐπιεικείας τοῦ Χριστοῦ, ὃς κατὰ πρόσωπον μὲν ταπεινὸς ἐν ὑμῖν, ἀπὼν δὲ θαρρῶ εἰς ὑμᾶς· 2 δέομαι δὲ τὸ μὴ παρὼν θαρρῆσαι τῇ πεποιθήσει ἧ λογίζομαι τολμῆσαι ἐπί τινας τοὺς λογιζομένους ἡμᾶς ὡς κατὰ σάρκα περιπατοῦντας. 3 ἐν σαρκὶ γὰρ περιπατοῦντες οὐ κατὰ σάρκα στρατευόμεθα 4 τὰ γὰρ ὅπλα τῆς στρατείας ἡμῶν οὐ σαρκικὰ ἀλλὰ δυνατὰ τῷ θεῷ πρὸς καθαίρεσιν ὀχυρωμάτων λογισμοὺς καθαιροῦντες 5 καὶ πᾶν ὕψωμα ἐπαιρόμενον κατὰ τῆς γνώσεως τοῦ θεοῦ, καὶ αἰχμαλωτίζοντες πᾶν νόημα εἰς τὴν ὑπακοὴν τοῦ Χριστοῦ, 6 καὶ ἐν ἑτοίμῳ ἔχοντες ἐκδικῆσαι πᾶσαν παρακοήν, ὅταν πληρωθῇ ὑμῶν ἡ ὑπακοή. 7 Τὰ κατὰ πρόσωπον βλέπετε. εἴ τις πέποιθεν ἑαυτῷ Χριστοῦ εἶναι, τοῦτο λογιζέσθω πάλιν ἐφ’ ἑαυτοῦ ὅτι καθὼς αὐτὸς Χριστοῦ οὕτως καὶ ἡμεῖς. 8 ἐάν τε γὰρ περισσότερόν τι καυχήσωμαι περὶ τῆς ἐξουσίας ἡμῶν, ἧς ἔδωκεν ὁ κύριος εἰς οἰκοδομὴν καὶ οὐκ εἰς καθαίρεσιν ὑμῶν, οὐκ αἰσχυνθήσομαι, 9 ἵνα μὴ δόξω ὡς ἂν ἐκφοβεῖν ὑμᾶς διὰ τῶν ἐπιστολῶν· 10 ὅτι, Αἱ ἐπιστολαὶ μέν, φησίν, βαρεῖαι καὶ ἰσχυραί, ἡ δὲ παρουσία τοῦ σώματος ἀσθενὴς καὶ ὁ λόγος ἐξουθενημένος. 11 τοῦτο λογιζέσθω ὁ τοιοῦτος, ὅτι οἷοί ἐσμεν τῷ λόγῳ δι’ ἐπιστολῶν ἀπόντες, τοιοῦτοι καὶ παρόντες τῷ ἔργῳ. 12 Οὐ γὰρ τολμῶμεν ἐγκρῖναι ἢ συγκρῖναι ἑαυτούς τισιν τῶν ἑαυτοὺς συνιστανόντων· ἀλλὰ αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς ἑαυτοὺς μετροῦντες καὶ συγκρίνοντες ἑαυτοὺς ἑαυτοῖς οὐ συνιᾶσιν. 13 ἡμεῖς δὲ οὐκ εἰς τὰ ἄμετρα καυχησόμεθα, ἀλλὰ κατὰ τὸ μέτρον τοῦ κανόνος οὗ ἐμέρισεν ἡμῖν ὁ θεὸς μέτρου, ἐφικέσθαι ἄχρι καὶ ὑμῶν. 14 οὐ γὰρ ὡς μὴ ἐφικνούμενοι εἰς ὑμᾶς ὑπερεκτείνομεν ἑαυτούς, ἄχρι γὰρ καὶ ὑμῶν ἐφθάσαμεν 3 (2Kor) 683 <?page no="684"?> 86 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 101*. 87 L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 230. 88 T.R. Blanton IV, Paul’s Covenantal Theology in 2 Corinthians 2.14-7.4 (2012), 61. ἐν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ Χριστοῦ· 15 οὐκ εἰς τὰ ἄμετρα καυχώμενοι ἐν ἀλλοτρίοις κόποις, ἐλπίδα δὲ ἔχοντες αὐξανομένης τῆς πίστεως ὑμῶν ἐν ὑμῖν μεγαλυνθῆναι κατὰ τὸν κανόνα ἡμῶν εἰς περισσείαν, 16 εἰς τὰ ὑπερέκεινα ὑμῶν εὐαγγελίσασθαι, οὐκ ἐν ἀλλοτρίῳ κανόνι εἰς τὰ ἕτοιμα καυχήσασθαι. 17 Ὁ δὲ καυχώμενος ἐν κυρίῳ καυχάσθω· 18 οὐ γὰρ ὁ ἑαυτὸν συνιστάνων, ἐκεῖνός ἐστιν δόκιμος, ἀλλὰ ὃν ὁ κύριος συνίστησιν. A. Das Kapitel ist vorkanonisch unbezeugt. B. (10,18) Die Reihenfolge δόκιμός ἐστιν findet sich in den Zeugen 01*, 06, d, r, vg. C. 1. (10,1-18) Nach Zahn, Schmid und BeDuhn ist auch dieses Kapitel unbe‐ zeugt. Allerdings verweisen Hilgenfeld und Harnack für 10,18 auf das Zeugnis des Adam., Dial. II 12 (im Mund des Adamantius): οὐχ ὁ ἑαυτὸν συνιστῶν ἐστι δόκιμος (Rufin: … ille probatus est). Auch wenn BeDuhn dieses Zeugnis zurückweist, verleiht dem Zeugnis die angezeigte Textvariante in 10,18 doch Gewicht. Außerdem führt Harnack aus, „daß im Texte Tert.s sich gerade hier eine Lücke findet …, von der wir nicht wissen, wie groß sie war; es kann ein ganzes Blatt ausgefallen sein“, hinzu komme, dass „die Streichung von 4 ganzen Kapiteln bei M.[arkion] nicht glaublich“ sei, „zumal in diesen Kapiteln vieles steht, was ihm besonders zusagen mußte“, Tertullian „die zweite größere Hälfte des II Kor. auch sonst sehr kurz behandelt“ habe, und Tertullian „eine Lücke von 73 Versen … sicher angemerkt“ hätte, außerdem verweise Ephräm im 36. Lied gegen die Ketzer, c. 7, „höchstwahrscheinlich“ auf 2Kor 8,9 (ἐπτώχευσε). 86 Weder Schmid noch BeDuhn ließen sich von diesen Überlegungen beeindrucken. 2. (10,1) Dieser Vers wird gegenüber 9,15 als eine solche Inhalts- und Tonän‐ derung gesehen, dass der Zusammenhang mit dem Kontext in Frage gestellt wird. 87 Nach Blanton und anderen beginnt in 2Kor 10 ein eigenständiger, fünfter Brief, der bis 2Kor 13,10 reicht innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief. 88 684 Rekonstruktion <?page no="685"?> 89 L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 230. 3. (10,6) Der Vers wird als Widerspruch oder zumindest in Spannung gesehen zu 2Kor 7,15. 89 D. (10,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier, *Gal 1,1 und noch für *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Zur Formel αὐτὸς δὲ ἐγὼ Παῦλος vgl. ἴδε ἐγὼ Παῦλος λέγω ὑμῖν ὅτι aus Gal 5,2. ♦ Die kürzere Wendung ἐγὼ Παῦλος steht 5 Mal im NT (2Kor 10,1; Gal 5,2; Eph 3,1; Kol 1,23; Phlm 1,19), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form παρακαλῶ steht 20 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 12,1; 15,30; 16,17, in zwei Versen, die in *Röm fehlen; 1Kor 1,10; 4,16; 16,15; Eph 4,1; 1Tim 2,1; Phlm 1,10; Hebr 13,22; im Vers: Apg 24,4; 27,34; 2Kor 2,8; 10,1; Phil 4,2; Phlm 1,9; Hebr 13,19; 1Petr 2,11; 5,1), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πραΰτης steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιείκεια steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Apg 24,4). ♦ Die Wendung κατὰ πρόσωπον steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,11. ♦ ταπεινός steht 11 / 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,16. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄπειμι steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ θαρσέω steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Auch für dieses Kapitel wird es am Ende des lexikalischen Vergleichs eine kurze Zusammenfassung geben. Am Ende eines jeden Verses werden die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente kurz aufgezählt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐγὼ Παῦλος; παρακαλῶ; πραΰτης; ἐπιείκεια; ἐν ὑμῖν; ἄπειμι; θαρσέω. (10,2) Die Wendung δέομαι δέ steht noch 1 weiteres Mal in Apg 21,39. ♦ Die Form δέομαι steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 8,28; 9,38; Apg 8,34; 21,39; 26,3; 2Kor 10,2; Gal 4,12). ♦ Die Verneinung μή + πάρειμι steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, 2Petr 1,9. ♦ θαρσέω steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πεποίθησις, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ τολμάω steht 17 / 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ τινας (Akk. Fem. / Mask. Pl.), das 24 Mal im NT steht, findet sich jeweils nur auf der kanonischen Ebene. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 3 (2Kor) 685 <?page no="686"?> 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter den nachfolgenden Vers 3. ♦ περιπατέω steht 104 / 95, vorkanonisch bezeugt für *Lad 2,2; 5,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δέομαι; δέομαι δέ; μή + πάρειμι; θαρσέω; λογίζομαι; τινας. Wiederum ist die Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik zu bemerken. (10,3) Zu σάρξ vgl. zum voranstehenden Vers 2. ♦ Die Wendung ἐν σαρκί steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,9; *Laod 2,11; *Phil 3,3. ♦ περιπατέω steht 104 / 95 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ Die Form περιπατοῦντες steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 11,44; 24,17; 2Kor 4,2; 10,3; Hebr 13,9). ♦ στρατεύω, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: περιπατοῦντες. (10,4) ὅπλον, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ στρατεία steht 2 Mal im NT, beide Male auf kanonischer Ebene (2Kor 10,4; 1Tim 1,18). ♦ σαρκικός steht 11 / 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δυνατός steht 115 / 32 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καθαίρεσις steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 10,4. 8; 13,10). Das verwandte Verb καθαιρέω, das 12 Mal im NT steht (und gleich am Ende des Verses hier begegnet), ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,53. ♦ ὀχύρωμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ λογισμός steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, und zwar auf kanonischer Ebene in Röm 2,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅπλον; στρατεία; σαρκικός; δυνατός; καθαίρεσις; λογισμός. (10,5) Die Kombination καὶ πᾶν steht 9 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2Kor 10,5; Kol 3,17; Apk 5,13; im Vers: Lk 11,42; Joh 15,2; Apg 22,30), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ ὕψωμα ist nur 2 Mal belegt im NT, das andere Mal steht es ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Röm 8,39). ♦ ἐπαίρω, das 21 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ γνῶσις steht 34 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8. ♦ αἰχμαλωτίζω, das 4 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ νόημα steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,4. ♦ ὑπακοή steht 16 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ πᾶν; ὕψωμα; αἰχμαλωτίζω; ὑπακοή. 686 Rekonstruktion <?page no="687"?> (10,6) ἑτοῖμος, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,40. ♦ ἐκδικέω steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,19. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρακοή steht 3 Mal im NT, jeweils auf kanonischer Ebene (Röm 5,19; 2Kor 10,6; Hebr 2,2). ♦ πληρόω steht 91 / 87 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ Die Form πληρωθῇ steht 20 Mal im NT, Lk 22,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,4. ♦ ὑπακοή steht 16 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πᾶσαν; παρακοή; ὑπακοή. (10,7) Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Wendung und Verseröffnung τὰ κατὰ πρόσωπον steht nur hier. ♦ Die Wendung κατὰ πρόσωπον steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,11. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. ♦ πείθω steht 59 / 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πέποιθεν steht nur 1 weiteres Mal, Mt 27,43. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33 und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὅτι καθώς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 1,5. ♦ Zu αὐτός (Nom. Mask. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Die Wendung οὕτως καὶ ἡμεῖς steht 3 Mal im NT, an einer Stelle, Gal 4,3 auch als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 6,4; 2Kor 10,7; Gal 4,3). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Die Kombi‐ nation von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; πέποιθεν; λογίζομαι; ὅτι καθώς; οὕτως καὶ ἡμεῖς. (10,8) Die Kombination und Verseröffnung ἐάν τε γάρ steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, Röm 14,8. ♦ περισσότερον / περισσότερος, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,26. ♦ καυχάομαι steht 39 / 37 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ Die Form καυχήσωμαι 3 (2Kor) 687 <?page no="688"?> steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,1; 12,1. ♦ οἰκοδομή steht 22 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. ♦ Die Wendung εἰς οἰκοδομήν steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung καὶ οὐκ εἰς καθαίρεσιν steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 2Kor 13,10. ♦ Auch die kürzere Wendung οὐκ εἰς, die 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αἰσχύνω steht 7 / 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Lk 16,3; 2Kor 10,8; Phil 1,20; 3,19; Jud 1,13; 1Petr 4,16; 1Joh 2,28). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐάν τε γάρ; καυχήσωμαι; εἰς οἰκοδομήν; καὶ οὐκ εἰς (καθαίρεσιν); οὐκ εἰς; αἰσχύνω. (10,9) Die Kombination ἵνα μή steht 87 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 1Kor 1,15; 12,25; 2Kor 10,9; Hebr 6,12; im Vers: 5 Mal Mt; 5 Mal Mk; Lk 8,12. 31; 9,45, wo der Versteil in *Ev fehlt; 16,28; 18,5; 22,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt. 46; 12 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 11,25; 15,20, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,17; 4,6; 7,5; 8,13; 9,12; 11,32. 34; 16,2; 2Kor 1,9; 2,3. 5; 6,3; 9,3. 4; 12,7; Gal 5,17; Eph 2,9; Phil 2,27; Kol 3,21; 1Thess 4,13; 1Tim 3,6. 7; 6,1; Tit 2,5; 3,14; Phlm 1,19; 6 Mal Hebr; 2 Mal Jak2 Petr 3,17; 1Joh 2,1; 2Joh 1,8; 8 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,37; *1Kor 8,13 (beide Male im Vers). ♦ δοκέω steht 100 / 63 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev; *Gal 2,9. ♦ Die Kombination ὡς ἄν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 11,34. ♦ ἐκφοβέω steht nur noch 1 weiteres Mal, auch auf der kanonischen Ebene (Mk 9,6). Auch das verwandte ἔκφοβος, das 2 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (Mk 9,6; Hebr 12,21). ♦ ἐπιστολή steht 25 / 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ἵνα μή; ὡς ἄν; ἐκφοβέω; ἐπιστολή. (10,10) ἐπιστολή steht 25 / 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φημί, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19; 15,50. ♦ Die Form φησίν steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,16. ♦ βαρύς steht 8 / 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Mt 13,15; 23,4; Apg 20,29; 25,7; 28,27; 2Kor 10,10; 1Thess 2,6; 1Joh 5,3). ♦ ἰσχυρός, das 27 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,21; *1Kor 1,27. ♦ παρουσία steht 24 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23. ♦ ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ♦ ἐξουθενέω, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,14; *1Thess 5,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐπιστολή; βαρύς. 688 Rekonstruktion <?page no="689"?> (10,11) λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48. ♦ Die Wendung ὁ τοιοῦτος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τῷ λόγῳ steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur in der Form ἐν τῷ λόγῳ in *Kol 1,5. ♦ οἷος, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,48. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Zum kanonischen ἐπιστολή, vgl. zum voranstehenden Vers 10,10. ♦ ἄπειμι steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάρειμι steht 25 / 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,10; *Kol 1,6. ♦ Die Formulierung τῷ ἔργῳ steht noch 1 weiteres Mal im NT, auf kanonischer Ebene in 1Kor 15,58. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λογίζομαι; ὁ τοιοῦτος; ἐπιστολή; ἄπειμι; τῷ ἔργῳ. (10,12) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ τολμάω steht 17 / 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ ἐγκρίνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ συγκρίνω steht 2 / 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ τισιν (Dat. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 10,12; 1Tim 1,3; 5,24; Hebr 10,25). ♦ συνίημι steht 31 Mal im NT und ist nur kanonisch belegt. ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.), das 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; 6,13. ♦ Die Wendung ἀλλὰ αὐτοί steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, im selben Brief weiter oben 1,9. ♦ μετρέω steht 13 / 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συγκρίνω; τισιν; συνίημι; ἀλλὰ αὐτοί; μετρέω. (10,13) Die Kombination ἡμεῖς δέ steht 20 Mal im NT, davon 13 Mal als Verseröffnung wie hier, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 24,21, vgl. 2Kor 3,18. ♦ Die Wendung οὐκ εἰς steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 11,17; 2Kor 10,8. 13. 15; 13,10; Gal 6,4; Phil 2,16). ♦ ἄμετρος steht nur hier und nochmals auf der kanonischen Ebene in 2Kor 10,15. ♦ Die Wendung ἀλλὰ κατὰ τό steht noch 1 weiteres Mal, Tit 3,5. ♦ μέτρον steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,38. Zu dem verwandten μετρέω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ κανών steht 5 / 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μερίζω, das 16 / 14 Mal im NT im Sinne von zuteilen begegnet, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐφικνέομαι steht nur hier und nochmals im nächsten Vers, also beide Male auf der kanonischen Ebene. 3 (2Kor) 689 <?page no="690"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐκ εἰς; ἄμετρος; ἀλλὰ κατὰ τό; μέτρον; μετρέω; κανών; ἐφικνέομαι. (10,14) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ Die Kombination ὡς μή steht 8 Mal im NT, ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,7. 18; 7,29. 30. 31; 2Kor 10,14). ♦ Zum kanonischen ἐφικνέομαι vgl. zum voranstehenden Vers 10,13. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. ♦ ὑπερεκτείνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ φθάνω steht 7 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination ἄχρι γάρ steht 3 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 5,13; im Vers: 2Kor 3,14; 10,14), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ Χριστοῦ steht noch 1 weiteres Mal, 1Thess 3,2 auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὡς μή; ἐφικνέομαι; φθάνω; ἄχρι γάρ; ἐν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ Χριστοῦ. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. (10,15) Die Wendung οὐκ εἰς steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 10,13. ♦ ἄμετρος steht nur hier und zwei Verse zuvor in Vers 13 auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form καυχώμενοι steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,3. ♦ ἀλλότριος steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,11. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐλπίς + ἔχω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 24,15; Röm 15,4, in einem Vers, der in *Röm fehlt). ♦ αὐξάνω steht 27 / 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τῆς πίστεως ὑμῶν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 10,15; Phil 2,17; 1Thess 3,2. 10; 1Petr 1,9). ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μεγαλύνω steht 8 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Zum kanonischen κανών vgl. zuvor 10,13. ♦ περισσεία steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐκ εἰς; ἄμετρος; κόπος; ἐλπίς + ἔχω; αὐξάνω; ἐν ὑμῖν; μεγαλύνω; κανών; περισσεία. (10,16) ὑπερέκεινα ist Hapax legomenon im NT. ♦ εὐαγγελίζομαι steht 58 / 54 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. ♦ Die Form ἀλλοτρίῳ steht noch 1 weiteres Mal, Joh 10,5. ♦ Zum kanonischen κανών vgl. zuvor 10,13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἑτοῖμος vgl. zu Vers 6. ♦ Die Form καυχήσασθαι steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 12,6. 690 Rekonstruktion <?page no="691"?> 90 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien (2015), 867. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλοτρίῳ; κανών; καυχήσασθαι. (10,17) Dieser kleine Vers ist lediglich eine durch δέ erweiterte Wiederholung von (*) 1Kor 1,31: Ὁ καυχώμενος ἐν κυρίῳ καυχάσθω. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. (10,18) Zur vorkanonisch bezeugten Kombination οὐ γάρ vgl. zuvor zu 10,14. ♦ συνίστημι, das 20 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ ἐκεῖνος, das 265 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11; *Laod 2,12. ♦ Die Wendung ἐκεῖνός ἐστιν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δόκιμος, das sich 7 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 11,19. ♦ Auktoriales ὁ κύριος hat schon Klinghardt als deutliches Merkmal der kanonischen Redaktion gesehen. 90 Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συνίστημι; ἐκεῖνός ἐστιν; ὁ κύριος. Auch in diesem Kapitel zeichnen sich alle Verse durch eine Reihe von Elementen aus, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind. Das Kapitel ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Kapitel 11 11,[1] 2 [3-12] 13-14 [15]: Reinheit und Transparenz Δας Argument der Reinheit und Transparenz wird auf der vorkanonischen Ebene in den bezeugten Versen weitergeführt mit der die Kritik an den Pseu‐ daposteln, die sich für Apostel ausgeben - nicht anders als sich der Satan für einen Engel ausgibt. Die kanonische Redaktion verwässert diese Kritik mit viel Wortmaterial, das bereits zum Eingang dieses Kapitels auf Gen 3, die Schlange und Eva zurückgreift. Ihr Ziel ist es, die Kritik an den Pseudaposteln, die im Galaterbrief bereits vom vorkanonischen Paulus vorgetragen wurde, zu relativieren. Dies gelingt ihr wiederum, indem der kanonische Paulus sich zwar zu verteidigen scheint, aber in den Augen der Leserschaft sich tatsächlich in nicht geringer Weise wiederum kritisiert („Andere Gemeinden habe ich 3 (2Kor) 691 <?page no="692"?> ausgeplündert und Geld von ihnen genommen … als ich zu Euch kam und in Schwierigkeiten geriet“). - 1 Ὄφελον ἀνείχεσθέ μου μικρόν τι ἀφροσύνης· ἀλλὰ καὶ ἀνέχεσθέ μου. 2 παρθένον ἁγνὴν παραστῆσαι τῷ Χριστῷ· 2 ζηλῶ γὰρ ὑμᾶς θεοῦ ζήλῳ, ἡρμοσάμην γὰρ ὑμᾶς ἑνὶ ἀνδρὶ παρθένον ἁγνὴν παραστῆσαι τῷ Χριστῷ· - 3 φοβοῦμαι δὲ μή πως, ὡς ὁ ὄφις ἐξηπάτησεν Εὕαν ἐν τῇ πανουργίᾳ αὐτοῦ, φθαρῇ τὰ νοήματα ὑμῶν ἀπὸ τῆς ἁπλότητος [καὶ τῆς ἁγνότητος] τῆς εἰς τὸν Χριστόν. 4 εἰ μὲν γὰρ ὁ ἐρχόμενος ἄλλον Ἰησοῦν κηρύσσει ὃν οὐκ ἐκηρύξαμεν, ἢ πνεῦμα ἕτερον λαμβάνετε ὃ οὐκ ἐλάβετε, ἢ εὐαγγέλιον ἕτερον ὃ οὐκ ἐδέξασθε, καλῶς ἀνέχεσθε. 5 λογίζομαι γὰρ μηδὲν ὑστερηκέναι τῶν ὑπερλίαν ἀποστόλων· 6 εἰ δὲ καὶ ἰδιώτης τῷ λόγῳ, ἀλλ’ οὐ τῇ γνώσει, ἀλλ’ ἐν παντὶ φανερώσαντες ἐν πᾶσιν εἰς ὑμᾶς. 7 Ἢ ἁμαρτίαν ἐποίησα ἐμαυτὸν ταπεινῶν ἵνα ὑμεῖς ὑψωθῆτε, ὅτι δωρεὰν τὸ τοῦ θεοῦ εὐαγγέλιον εὐηγγελισάμην ὑμῖν; 8 ἄλλας ἐκκλησίας ἐσύλησα λαβὼν ὀψώνιον πρὸς τὴν ὑμῶν διακονίαν, 9 καὶ παρὼν πρὸς ὑμᾶς καὶ ὑστερηθεὶς οὐ κατενάρκησα οὐθενός· τὸ γὰρ ὑστέρημά μου προσανεπλήρωσαν οἱ ἀδελφοὶ ἐλθόντες ἀπὸ Μακεδονίας· καὶ ἐν παντὶ ἀβαρῆ ἐμαυτὸν ὑμῖν ἐτήρησα καὶ τηρήσω. 10 ἔστιν ἀλήθεια Χριστοῦ ἐν ἐμοὶ ὅτι ἡ καύχησις αὕτη οὐ φραγήσεται εἰς ἐμὲ ἐν τοῖς κλίμασιν τῆς Ἀχαΐας. 11 διὰ τί; ὅτι οὐκ ἀγαπῶ ὑμᾶς; ὁ θεὸς οἶδεν. 12 Ὃ δὲ ποιῶ καὶ ποιήσω, ἵνα ἐκκόψω τὴν ἀφορμὴν τῶν θελόντων ἀφορμήν, ἵνα ἐν ᾧ καυχῶνται εὑρεθῶσιν καθὼς καὶ ἡμεῖς. 13 οἱ καὶ ψευδαπόστολοι ἐργάται δόλιοι, μετασχηματιζόμενοι εἰς ἀποστόλους. 13 οἱ γὰρ τοιοῦτοι ψευδαπόστολοι, ἐργάται δόλιοι, μετασχηματιζόμενοι εἰς ἀποστόλους Χριστοῦ. 14 αὐτὸς γὰρ ὁ Σατανᾶς μετασχηματίζεται εἰς ἄγγελον φωτός· 14 καὶ οὐ θαῦμα, αὐτὸς γὰρ ὁ Σατανᾶς μετασχηματίζεται εἰς ἄγγελον φωτός· - 15 οὐ μέγα οὖν εἰ καὶ οἱ διάκονοι αὐτοῦ μετασχηματίζονται ὡς διάκονοι δικαιοσύνης, ὧν τὸ τέλος ἔσται κατὰ τὰ ἔργα αὐτῶν. 692 Rekonstruktion <?page no="693"?> 91 Vgl. NA 28 zur Stelle und G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 62. 92 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 294. 93 Vgl. zur Lexik in diesem Vers H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateinischen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 124. A. *11,2: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,6: Si et virginem sanctam destinat ecclesiam adsignare Christo utique ut sponsam sponso. ♦ 11,3: Vgl. Gen 3,13 LXX: καὶ εἶπεν κύριος ὁ θεὸς τῇ γυναικί τί τοῦτο ἐποίησας καὶ εἶπεν ἡ γυνή ὁ ὄφις ἠπάτησέν με καὶ ἔφαγον. ♦ *11,13-14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,6-7: [6] … Si et pseudapostolos dicit operarios dolosos transfiguratores sui per hypocrisin scilicet, conversationis non praedicationis adulteratae reos taxat. [7] … Si transfiguratur satanas in angelum lucis, non potest hoc dirigi in creatorem. Vgl. id., Praescr. 6,6: angelum seductionis, transfigurantem se in angelum lucis; id., De An. 57,8: ipse satanas transfiguretur in angelum lucis; id., De Res. 55,12: et ipse satanas, cum in angelum lucis transfiguratur. B. (11,3) καὶ τῆς ἁγνότητος gibt es eine Reihe von Varianten. 91 C. 1. (11,1) Nach allen Editoren ist dieser Vers unbezeugt. BeDuhn nimmt ihn auch nicht in Klammern in seine Rekonstruktion auf. Tertullians geht unmittelbar von Vers 7,1 zu Vers 11,2 über. BeDuhn sieht einen unmittelbaren inhaltlichen Zusammenhang zwischen 5,16-17, 7,1b und 11,2, nicht aber 11,1, auch wenn er kritisch fragt, ob dieser Vers nicht doch ein ausgewähltes Argument aus Markions Vorwort widerspiegele. 92 2. (11,2) Zahn sieht als bezeugten Text: … ἡρμοσάμην γὰρ ὑμᾶς-… παρθένον ἁγνήν … τῷ Χριστῷ. Harnack und Schmid geben als bezeugten Text: παρθένον ἁγνὴν παραστῆσαι τῷ Χριστῷ. Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. BeDuhn gibt in Klammern den ersten Teil von Vers 2 und fügt dann die Übersetzung des bezeugten Teils nach der Rekonstruktion von Harnack und Schmid bei. Tertullian scheint auch den Gedanken der ehelichen Verbindung im Text gelesen zu haben (ut sponsam sponso), doch bezieht sich dies nicht auf das ἑνὶ ἀνδρί, und es bedarf auch nicht, wie von Zahn vorgeschlagen, der Grammatik und narrativen Struktur wegen des ἡρμοσάμην γὰρ ὑμᾶς, denn der bezeugte Versteil schließt unmittelbar an den letzten bezeugten Vers 7,1b an. 93 3. (11,3-12) Die Verse 3-12 sind nach allen Editoren unbezeugt. 4. (11,3) Mit BeDuhn kann man fragen, ob sich Tertullian diesen Bezug auf Gen. 3 hätte entgehen lassen, wenn er ihn in der Sammlung des Markion gelesen hätte. 3 (2Kor) 693 <?page no="694"?> 94 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 294. 95 Zur Satanologie des ( * ) Paulus, vgl. E.H. Pagels, Satans Ursprung (1998); M. A. De la Torre and A. Hernández, The Quest for the Historical Satan (2011). 96 Vgl. B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019). 5. (11,13-14) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diese beiden Verse. Zahn sieht diese beiden Verse in der kanonischen Form präsent. Harnack und Schmid geben die oben fettgedruckt und unterstrichenen Teile als bezeugt. BeDuhn notiert ebenfalls beide Verse wie Zahn, fügt aber die Bemerkung hinzu, der narrative Zusammenhang erfordere, dass „einige Teile des unmittelbar vor‐ angehenden Textes vorhanden gewesen sein müssen, um diese Passage sinnvoll erscheinen zu lassen“. 94 BeDuhn sieht richtig, doch ist dieser Bezug nicht durch die unmittelbar voranstehenden Verse gegeben, sondern durch die Verse 4-5, in denen zunächst im Singular (Vers 4) und im Plural (Vers 5) von solchen gesprochen wird, die „einen anderen Jesus“ verkünden, so dass die Adressaten „einen anderen Geist“ empfangen, „oder ein anderes Evangelium“ annehmen. Sowohl in Vers 5 wie in Vers 13 findet sich dieser unvermittelte Übergang vom Singular zum Plural. Sollte, wie die Lexik zeigt, Vers 5 zur kanonischen Ebene gehören, wird dieser Übergang durch die kanonische Redaktion verursacht sein. BeDuhn sieht einen Bezug von Vers 13 zu Vers 4 und nimmt darum, in Klammern, auch die Übersetzung der Verse 2-4 in seine Rekonstruktion auf. 95 Was das Zeugnis Tertullians betrifft, fällt die Verwendung des Passivs (transfiguratur), während Tertullian etwa in De Praescr. 6,6 auch das Partizip (transfigurantem) verwenden kann. Auch Ambrosiaster verwendet das Passiv. Möglich ist, dass Ambrosiaster auf Tertullian zurückgegriffen hat. 96 6. (11,15) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt. Gerade die Semantik von διάκονοι stützt die Zuweisung des Verses zur kanonischen Ebene. Denn der Begriff ist vorkanonisch unbelegt und wird auf der kanonischen Ebene sowohl positiv wie negativ gesehen, z. B. als Diener Gottes oder Diener Christi, dann aber auch als „Diener der Sünde“ (Gal 2,17), auch „Götzendiener“ (1Kor 5,10; 6,9; 10,7; Eph 5,5), auch „Diener des Buchstabens“ (2Kor 3,6) und nennt sogar Christus einen „Diener der Beschnittenen“ (Röm 15,8). Wenn in 2Kor 11,15 dann auch noch die Diener Satans sich als „Diener der Gerechtigkeit“ tarnen, wird die Drastik deutlich, die sich mit der Rede von dem „Dienst der Gerechtigkeit“ von 2Kor 3,9 und dem christlichen Dienst abhebt. Dass Tertullian die Kritik des Verses 14 auf die in *Gal geschilderte Auseinandersetzung des Paulus mit Petrus und Jakobus hin gelesen hat, macht seine Verteidigung der Apostel (conversa‐ tionis non praedicationis) deutlich, indem er diese Auseinandersetzung nicht auf Lehrunterschiede, sondern lediglich auf Verhaltensweisen zu reduzieren 694 Rekonstruktion <?page no="695"?> versucht. Der Vers erklärt auch die daran anschließende Digression, in welcher sich der kanonische Paulus wie bereits zuvor durch Schwäche stark redet, doch damit auch seine Schwäche darlegt und zum Ende des Kapitels in eine Lobrede seiner selbst verfällt: „Wenn schon geprahlt sein muss, will ich mit meiner Schwachheit prahlen“ (11,30). D. (11,1) ὄφελον steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2Kor 11,1; Gal 5,12; im Vers: 1Kor 4,8; Apk 3,15), immer auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνέχω findet sich 17 Mal im NT, vorkanonisch in *Ev 9,41. ♦ μικρός steht 46 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,2; *Gal 5,9. ♦ ἀφροσύνη ist 4 Mal belegt im NT (Mk 7,22; 2Kor 11,1. 17. 21), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch wenn dies ein kurzer Vers ist, begegnen zwei Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind. Außerdem führt der Vers die persönliche Ansprache des Paulus von den voranstehenden Kapiteln auf der kanonischen Ebene weiter, der Vers gehört zu dieser Redaktionsstufe und hat vorkanonisch gefehlt. (11,2) Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination und Verseröffnung ζηλῶ γάρ steht nur hier. ♦ ζηλόω steht 20 / 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁρμόζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Auch das verwandte ἁρμός, das Hapax legomenon im NT (Hebr 4,12). ♦ ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,14. 30; 23,50; *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23. Zu dem bezeugten Versteil: παρθένος steht 17 / 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für diese Stelle. ♦ ἁγνός, das 8 Mal im NT steht, ist ebenfalls vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ Auch παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wobei wir sehen, dass Teile des Verses nicht bezeugt sind. Was die unbezeugten Textteile betrifft, spricht sowohl die Lexik wie auch der kanonische narrative Zusammenhang dafür, dass der erste Halbvers vorkanonisch gefehlt hat. (11,3) Die Form φοβοῦμαι steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Als Verseröffnung: 2Kor 11,3; 12,20; Gal 4,11; im Vers: Lk 18,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ φοβέω steht 110 / 95 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,12. ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung δὲ μή πως steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Kor 8,6. ♦ ὄφις steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἐξαπατάω, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen 3 (2Kor) 695 <?page no="696"?> Ebene. ♦ Εὕα wird nur noch erwähnt in 1Tim 2,13. ♦ πανουργία, das nur 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,19. ♦ φθείρω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,17. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ νόημα, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,4. ♦ ἁπλότης, das 9 / 8 Mal im NT belegt ist, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁγνότης steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Ver‐ seröffnung φοβοῦμαι; πως; δὲ μή πως; ἐξαπατάω; Εὕα; ἁπλότης; ἁγνότης). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,4) Die Kombination εἰ μέν steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Apg 19,38; 25,11; 2Kor 11,4; Hebr 7,11; 8,4; im Vers: Apg 18,14; Hebr 11,15), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck ὁ ἐρχόμενος steht 17 Mal im NT, Lk 6,47; 13,35, in Versen, die in *Ev fehlen, dann 19,38, wo der Teilvers in *Ev fehlt, findet sich also ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal in Mt; Mk 11,9; Lk 6,47; 7,19. 20; 13,35; 19,38; 3 Mal in Joh; 2Kor 11,4; Hebr 10,37; 3 Mal Apk). ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ Die Form ἐκηρύξαμεν steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 1Thess 2,9. ♦ λαμβάνω steht 292 / 260 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,14; *1Kor 3,14; *Röm 7,11; *Phil 2,7. ♦ Die Form λαμβάνετε steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; Apg 2,15; 2Kor 11,4; Jak 4,3). ♦ Die Form ἐλάβετε steht 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Mt; Mk 11,24; 3 Mal Apg; Röm 8,15; 1Kor 15,1; 2Kor 11,4; Gal 1,9; 3,2; Phil 4,9; Kol 2,6; 1Thess 4,1; 1Joh 2,27). ♦ δέχομαι steht 62 / 56 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ Die Form ἐδέξασθε steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2Kor 7,15; 11,4; Gal 4,14; 1Thess 2,13; Hebr 10,34). ♦ ἀνέχω, das sich 17 / 15 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41. ♦ Die Form ἀνέχεσθε steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von aus‐ schließlich für die kanonische Ebene belegte Elemente auf (εἰ μέν; ὁ ἐρχόμενος; ἐκηρύξαμεν; λαμβάνετε; ἐλάβετε; ἐδέξασθε; ἀνέχεσθε). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 696 Rekonstruktion <?page no="697"?> (11,5) λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,25. ♦ ὑστερέω steht 19 / 16 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὑπερλίαν steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 2Kor 12,11. Zur Abwesenheit: Der etwas kürzere Vers, der vorkanonisch unbezeugt ist, weist dennoch einige Elemente auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind (λογίζομαι; μηδέν; ὑστερέω; ὑπερλίαν). Auch dieser Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,6) Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ ἰδιώτης, das 5 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Form τῷ λόγῳ steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur in der Form ἐν τῷ λόγῳ in *Kol 1,5. ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8; *Phil 3,8. ♦ Die Form τῇ γνώσει steht nur noch 1 weiteres Mal, 2Petr 1,6. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. Zur Abwesenheit: Auch in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (δὲ καί; ἰδιώτης; τῷ λόγῳ ohne ἐν; τῇ γνώσει; ἐν παντί). Auch dieser Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,7) ἤ als Verseröffnung findet sich 31 Mal im NT (8 Mal Mt; Lk 11,12; 13,4, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14,31; 15,8; 2 Mal Apg; Röm 2,4; 3,29; 6,3; 7,1; 9,21; 10,7; 11,35; 1Kor 6,2. 9. 16; 9,6. 10; 10,22; 14,36; 2Kor 11,7; Jak 4,5), vorkanonisch nur bedingt bezeugt für *Ev 11,12, da es sich hier nicht um eine Verseröffnung handelt, die einen Einschnitt macht, sondern lediglich um die weitere Reihung innerhalb einer Sequenz. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ Die Form ἐποίησα steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (6 Mal Joh; Apg 26,10; 2Kor 11,7; 1Tim 1,13; Hebr 8,9). ♦ Die Form ἐμαυτόν steht 18 Mal im NT, etwa Lk 7,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,18. ♦ ταπεινόω steht 21 / 14 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,16. ♦ ὑψόω findet sich 25 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ δωρεά steht 20 / 11 Mal im NT, nur bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal 3 (2Kor) 697 <?page no="698"?> im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. ♦ Die Form εὐηγγελισάμην steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,1. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (ἤ als Verseröffnung; ἐποίησα; ἐμαυτόν; δωρεά). Auch dieser Vers ist ein Produkt der kanonischen Ebene sein und hat vorkanonisch gefehlt. (11,8) Zu ἄλλος vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ συλάω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ὀψώνιον steht nur 4 Mal im NT, nur belegt für die kanonische Ebene (Lk 3,14; Röm 6,23; 1Kor 9,7; 2Kor 11,8). ♦ διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Deser kürzere Vers, der vorkanonisch unbezeugt ist, weist dennoch zwei gewichtige Begriffe auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὀψώνιον; διακονία). Auch dieser Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (11,9) Die Eröffnung καὶ παρών steht nur hier. ♦ πάρειμι findet sich 25 / 24 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,10; *Kol 1,6. ♦ ὑστερέω steht 19 / 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 5. ♦ καταναρκάομαι steht 3 Mal im NT, ausschließlich in diesem Umfeld (s. auch 2Kor 12,13. 14), und ist für die vorkanonische Ebene unbezeugt. ♦ οὐθέν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Variante οὐδενός (Gen. Mask. / Neut. Sg.), die 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Genitivform οὐθενός findet sich nur noch 1 weiteres Mal im NT, Lk 22,35, auffallenderweise in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ ὑστέρημα findet sich 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,24. ♦ προσαναπληρόω steht nur 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene zuvor in 2Kor 9,12. ♦ ἀπό steht 711 / 646 Mal im NT, vgl. zu Vers 3. ♦ Μακεδονία, das 22 Mal im NT erwähnt wird, ist nur kanonisch belegt. ♦ Zu παντί vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ ἀβαρής ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form ἐμαυτόν steht 18 Mal im NT, etwa Lk 7,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,18. ♦ τηρέω steht 81 Mal im NT, insbesondere der johanneischen Literatur, also nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Ele‐ menten auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὑστερέω; καταναρκάομαι; οὐθέν; οὐδενός; οὐθενός; προσαναπληρόω; Μακεδονία; ἐμαυτόν; τηρέω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 698 Rekonstruktion <?page no="699"?> (11,10) καύχησις, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,30. ♦ αὕτη, das 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination von καύχησις und αὕτη findet sich nur auf der kanonischen Ebene wieder in 2Kor 1,10. ♦ φράσσω steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 3,19. ♦ Die Wendung εἰς ἐμέ steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Mt, Mk 9,42; 10 Mal Joh; Apg 26,18; 1Kor 15,10; 2Kor 11,10; 12,6). ♦ κλίμα findet sich 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἀχαία begegnet 12 / 10 Mal im NT, 1 Mal im lateinischen Prolog zum ersten Korintherbrief. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Kombination von καύχησις und αὕτη; εἰς ἐμέ; κλίμα). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,11) Die Frage διὰ τί steht 26 Mal im NT, davon 5 Mal wie hier als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 15,2; Joh 8,43; 12,5; Röm 9,32; 2Kor 11,11; im Vers: 6 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 5,30; 19,31, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 20,5; 24,38, wo der Teilvers in *Ev fehlt; 3 Mal Joh; Apg 5,3; 1Kor 6,7; Apk 17,7), vorkanonisch bezeugt im Vers *Ev 11,38; 20,5. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς οἶδεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 11,11; 12,2. 3). Zur Abwesenheit: Obwohl es sich bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers um einen sehr kurzen Text handelt, fallen die Elemente auf, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (Verseröffnung διὰ τί; ὁ θεὸς οἶδεν). Auch dieser Vers wird folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (11,12) Die Kombination ὃ δέ steht 6 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mk 13,37; 2Kor 11,12; im Vers: Apg 3,6; Röm 6,10; 9,21; Gal 2,20), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκκόπτω steht 10 Mal im NT, davon 3 Mal in Lk 3,9; 13,7. 9, in Versen, die in *Ev nicht vorhanden sind und auch sonst nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀφορμή steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,11. ♦ Die Form τῶν θελόντων steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 12,38; Lk 20,48; 2Kor 11,12). ♦ Die Wendung ἵνα ἐν ᾧ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 11,12; 1Petr 2,12; 3,16). ♦ Die Form καυχῶνται steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 2Kor 11,18. ♦ εὑρίσκω, das 198 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, Lk 24,24, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6. 3 (2Kor) 699 <?page no="700"?> 97 Vgl. zu diesem Vers H. Zimmermann, Untersuchungen zur Geschichte der altlateini‐ schen Überlieferung des zweiten Korintherbriefes (1960), 125. Zur Abwesenheit: Auch in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen einige Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὃ δέ; ἐκκόπτω; τῶν θελόντων; ἵνα ἐν ᾧ; καυχῶνται). Auch dieser Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,13) Die vorkanonisch unbezeugte, kanonische Verseröffnung οἱ γὰρ τοιοῦτοι begegnet 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 16,18, in einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48. ♦ ψευδαπόστολος ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐργάτης steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27. ♦ δόλιος ist wiederum Hapax legomenon. ♦ μετασχηματίζω steht 5 Mal im NT, vielleicht vorkanonisch in *1Kor 4,6, dann aber gleich wieder in *2Kor 11,14 und auch *Phil 3,21, wir haben es also mit einem für die vorkanonische Ebene charakteristischen Begriff zu tun. ♦ Die Form ἀποστόλους steht 15 Mal im NT, Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, 24,10, wo der Teilvers in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6.13; 10,1; 24,50; *1Kor 12,28. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wie näher in C. begründet. (11,14) Zum nicht bezeugten Versanfang: Die Wendung καὶ οὐ θαῦμα steht nur hier. θαῦμα steht nur noch 1 Mal im NT, auf kanonischer Ebene in Apk 17,6. ♦ Die Wendung αὐτὸς γάρ steht 10 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mk 6,17; Lk 20,42; Joh 4,44; 16,27; Eph 2,14; im Vers: Mt 1,21; Joh 2,25; 6,6; 2Kor 11,14; Hebr 13,5), vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,14 (Verseröffnung). Zum bezeugten Versteil: Σατανᾶς, der 72 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *2Kor 12,7; *2Thess 2,9. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ Zu μετασχηματίζω vgl. den voranstehenden Vers, wo es weiter vorkanonisch bezeugt ist. ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. ♦ φῶς steht 75 / 73 Mal im NT, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6. 97 Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das bis auf die unbezeugte und vorkanonisch nicht weiter belegte Verseröffnung durch die Lexik bestätigt wird. Dass in der Verseröffnung αὐτὸς γάρ stand, legt die Lexik und auch der grammatische Anschluss nahe. 700 Rekonstruktion <?page no="701"?> (11,15) Die Verseröffnung οὐ μέγα steht nur hier. ♦ μέγας steht 209 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 5,32. ♦ Die neutrale Form μέγα steht 19 Mal, die etwa in Lk 13,19; 14,16 an zwei Stellen zu finden ist, an denen der Begriff in *Ev fehlt. In *Ev 16,26 steht sie lediglich bezeugt durch Adamantius und vorkanonisch einzig in *Laod 5,32. ♦ Die Wendung εἰ καί steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,8; *2Kor 4,16. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μετασχηματίζω steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,13. 14; *Phil 3,21. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ τέλος, das 43 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11; *Röm 10,4. ♦ Die Wendung ὧν τὸ τέλος steht 1 weiteres Mal in Phil 3,19. ♦ ἔργον, ein Begriff, der 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ Die Verbform ἔσται, die 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ Die Wendung τὰ ἔργα αὐτῶν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2Kor 11,15; 2 Mal Apk). Zur Abwesenheit: Der Vers ist vorkanonisch nicht bezeugt und weist einige Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (διάκονοι; ὧν τὸ τέλος; τὰ ἔργα αὐτῶν). Er wird folglich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. 11,[16-32]: [Prahlen mit Schwachheit] Die nachfolgende Passage ist vorkanonisch unbezeugt. Was sich wie ein bio‐ graphisiertes Selbstlob liest, bietet bei näherer Betrachtung erneut eine Mixtur zwischen Selbstkritik und Selbsterhebung. Von besonderer Bedeutung ist die Verknüpfung dieses Motives mit einer Kritik an den Hebräern und Israeliten und dem Verweis auf Abraham. Der kanonische Paulus berichtet, was er alles unter den Hebräern und Israeliten erleiden musste, Mühsalen, bei denen diese Übeltäter mit Naturbedrohungen parallelisiert werden. Erneut trägt die kanonische Redaktion so dick auf, dass sie Gott braucht, um diesen Text zu authentifizieren: „31 Der Gott und Vater des Herrn Jesus, der gepriesen sei in Ewigkeit, weiß, dass ich nicht lüge.“ 3 (2Kor) 701 <?page no="702"?> 16 Πάλιν λέγω, μή τίς με δόξῃ ἄφρονα εἶναι· εἰ δὲ μή γε, κἂν ὡς ἄφρονα δέξασθέ με, ἵνα κἀγὼ μικρόν τι καυχήσωμαι. 17 ὃ λαλῶ οὐ κατὰ κύριον λαλῶ, ἀλλ’ ὡς ἐν ἀφροσύνῃ, ἐν ταύτῃ τῇ ὑποστάσει τῆς καυχήσεως. 18 ἐπεὶ πολλοὶ καυχῶνται κατὰ σάρκα, κἀγὼ καυχήσομαι. 19 ἡδέως γὰρ ἀνέχεσθε τῶν ἀφρόνων φρόνιμοι ὄντες· 20 ἀνέχεσθε γὰρ εἴ τις ὑμᾶς καταδουλοῖ, εἴ τις κατεσθίει, εἴ τις λαμβάνει, εἴ τις ἐπαίρεται, εἴ τις εἰς πρόσωπον ὑμᾶς δέρει. 21 κατὰ ἀτιμίαν λέγω, ὡς ὅτι ἡμεῖς ἠσθενήκαμεν· ἐν ᾧ δ’ ἄν τις τολμᾷ, ἐν ἀφροσύνῃ λέγω, τολμῶ κἀγώ. 22 Ἑβραῖοί εἰσιν; κἀγώ. Ἰσραηλῖταί εἰσιν; κἀγώ. σπέρμα Ἀβραάμ εἰσιν; κἀγώ. 23 διάκονοι Χριστοῦ εἰσιν; παραφρονῶν λαλῶ, ὑπὲρ ἐγώ· ἐν κόποις περισσοτέρως, ἐν φυλακαῖς περισσοτέρως, ἐν πληγαῖς ὑπερβαλλόντως, ἐν θανάτοις πολλάκις· 24 ὑπὸ Ἰουδαίων πεντάκις τεσσεράκοντα παρὰ μίαν ἔλαβον, 25 τρὶς ἐρραβδίσθην, ἅπαξ ἐλιθάσθην, τρὶς ἐναυάγησα, νυχθήμερον ἐν τῷ βυθῷ πεποίηκα· 26 ὁδοιπορίαις πολλάκις, κινδύνοις ποταμῶν, κινδύνοις λῃστῶν, κινδύνοις ἐκ γένους, κινδύνοις ἐξ ἐθνῶν, κινδύνοις ἐν πόλει, κινδύνοις ἐν ἐρημίᾳ, κινδύνοις ἐν θαλάσσῃ, κινδύνοις ἐν ψευδαδέλφοις, 27 κόπῳ καὶ μόχθῳ, ἐν ἀγρυπνίαις πολλάκις, ἐν λιμῷ καὶ δίψει, ἐν νηστείαις πολλάκις, ἐν ψύχει καὶ γυμνότητι· 28 χωρὶς τῶν παρεκτὸς ἡ ἐπίστασίς μοι ἡ καθ’ ἡμέραν, ἡ μέριμνα πασῶν τῶν ἐκκλησιῶν. 29 τίς ἀσθενεῖ, καὶ οὐκ ἀσθενῶ; τίς σκανδαλίζεται, καὶ οὐκ ἐγὼ πυροῦμαι; 30 Εἰ καυχᾶσθαι δεῖ, τὰ τῆς ἀσθενείας μου καυχήσομαι. 31 ὁ θεὸς καὶ πατὴρ τοῦ κυρίου Ἰησοῦ οἶδεν, ὁ ὢν εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας, ὅτι οὐ ψεύδομαι. 32 ἐν Δαμασκῷ ὁ ἐθνάρχης Ἁρέτα τοῦ βασιλέως ἐφρούρει τὴν πόλιν Δαμασκηνῶν πιάσαι με, 33 καὶ διὰ θυρίδος ἐν σαργάνῃ ἐχαλάσθην διὰ τοῦ τείχους καὶ ἐξέφυγον τὰς χεῖρας αὐτοῦ. A. Diese Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (11,28) ἐπίστασις steht in den Zeugen P 46.99 , 01, 03, 06, 010, 012, 015*, 0243, 0278, 33, 81, 326, 1175, 1739, 1881; stattdessen findet sich ἐπισύστασις in den Zeugen 015 c , 016, 018, 020, 025, 044, 0121, 104, 365, 630, 1241, 1505, 2464, M. 702 Rekonstruktion <?page no="703"?> 98 M. Klinghardt, Abraham als Element der Kanonischen Redaktion (2018), 235. C. 1. (11,16-32) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt. 2. (11,22) M. Klinghardt rechnet mit diesem Vers für die vorkanonische Ebene. 98 3. (11,31) Die ähnliche Beteuerung, wie sie dieser Vers bietet, begegnet ebenfalls auf der kanonischen Ebene in Gal 1,20. D. (11,16) Bereits das eröffnende πάλιν - der Terminus steht 159 Mal im NT - verweist auf die kanonische Ebene. ♦ Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 16,11. ♦ Die Form δόξῃ steht noch 1 weiteres Mal, Joh 16,2. ♦ ἄφρων steht 13 Mal im NT, vorkanonisch mit der Form ἄφρον bezeugt für *Ev 12,20; *1Kor 15,36. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33 und *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Wendung εἰ δὲ μή γε steht 8 Mal im NT, Lk 13,9, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,36. ♦ Die Kontraktion κἄν, die 18 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form δέξασθε steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 11,16; Eph 6,17; Kol 4,10; Jak 1,21). ♦ Die Kombination ἵνα κἀγώ steht 1 weiteres Mal im NT, Phil 2,19. ♦ μικρός, das 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt, vgl. oben die Anmerkung zu Vers 1. ♦ Die Form καυχήσωμαι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch nicht bezeugte Vers weist verschiedene Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πάλιν; μή τις; δόξῃ; κἄν; δέξασθε; ἵνα κἀγώ; καυχήσωμαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,17) Die Verseröffnung ὃ λαλῶ steht nur hier. ♦ Die Wendung κατὰ κύριον steht nur hier. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,14. ♦ ἀφροσύνη steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν ταύτῃ steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt, vgl. 1Kor 7,20. ♦ ὑπόστασις findet sich 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καύχησις steht 13 / 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,31. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀλλ’ ὡς; ἀφροσύνη; ἐν ταύτῃ; ὑπόστασις). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 3 (2Kor) 703 <?page no="704"?> (11,18) Das für diesen Vers unbezeugte ἐπεί steht 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, und begegnet überhaupt nur auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 15,29. ♦ Die Form καυχῶνται steht noch 1 weiteres Mal, 2Kor 11,12. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ Die Form καυχήσομαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene belegt. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist trotz seiner Kürze Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐπεί; καυχῶνται; καυχήσομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,19) ἡδέως steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνέχω, das sich 17 / 15 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt, vgl. Vers 1. ♦ Die Form ἀνέχεσθε steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φρόνιμος, das 15 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Verbform ὄντες, die 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte, eng mit den Vorgängerversen narrativ verbundene Vers weist weitere Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἡδέως; ἀνέχεσθε). Auch er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (11,20) Zu dem kanonischen ἀνέχεσθε, vgl. den voranstehenden Vers 11,19. ♦ Die Kombination εἴ τις (Mask.) steht 40 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,9; *1Kor 3,17. ♦ καταδουλόω findet sich 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4. ♦ κατεσθίω, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λαμβάνω, das 292 / 260 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt, vgl. weiter oben zu Vers 4. ♦ Die Form λαμβάνει steht 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπαίρω steht 21 / 19 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung εἰς πρόσωπον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 22,16; Mk 12,14; 2Kor 8,24; 11,20). ♦ δέρω, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,47. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀνέχεσθε; κατεσθίω; λαμβάνει; εἰς πρόσωπον). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,21) Die Wendung κατὰ ἀτιμίαν steht nur hier. ♦ ἀτιμία steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ὡς ὅτι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 5,9; 11,21; 2Thess 2,2). ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im 704 Rekonstruktion <?page no="705"?> NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ Die Wendung ἐν ᾧ δ’ steht noch 1 weiteres Mal, Joh 5,7. ♦ Der Ausdruck δ’ ἄν steht 23 Mal im NT, nur an dieser Stelle in Paulus, dann Lk 20,18, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,5. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25 und *1Kor 2,8. ♦ Die Kombination ἄν τις steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 2,45; 4,35; 2Kor 11,21). ♦ τολμάω, das 17 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ ἀφροσύνη steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κἀγώ steht 93 / 84 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀτιμία; ὡς ὅτι; ἐν ᾧ δ’; ἄν τις; ἀφροσύνη; κἀγώ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Ebene und hat vorkanonisch gefehlt. (11,22) Ἑβραῖος steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,5. ♦ Zum kanonischen κἀγώ vgl. zum voranstehenden Vers 11,21. ♦ Ἰσραηλίτης findet sich 9 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ σπέρμα, das 45 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38. ♦ Ἀβραάμ, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,22; *Röm 4,2. ♦ Der Ausdruck σπέρμα Ἀβραάμ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Eben ( Joh 8,33. 37; Röm 9,7; 2Kor 11,22); τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα begegnet auf der kanonischen Ebene in Gal 3,29. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (κἀγώ; Ἰσραηλίτης; τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,23) διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παραφρονέω ist Hapax legomenon im NT. Auch das zugehö‐ rige Nomen παραφρονία ist Hapax legomenon im NT und steht ebenfalls auf der kanonischen Ebene (2Petr 2,16). ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ περισσοτέρως, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ φυλακεία, das 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐν φυλακαῖς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 26,10; 2Kor 6,5; 11,23). ♦ πληγή, das 24 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48. ♦ Die Form ἐν πληγαῖς steht 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 2Kor 6,5. ♦ ὑπερβαλλόντως ist Hapax legomenon im NT. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ πολλάκις steht 19 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 3 (2Kor) 705 <?page no="706"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehende Elemente auf (διάκονος; παραφρονέω; κόπος; ἐν φυλακαῖς; ἐν πληγαῖς; πολλάκις). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,24) ὑπὸ Ἰουδαίων steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 26,2. 7; 2Kor 11,24). ♦ πεντάκις ist Hapax legomenon im NT. ♦ τεσσεράκοντα steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37; *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ Die Form ἔλαβον steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 10,18; Apg 20,24; 1Kor 11,23; 15,3; 2Kor 11,24; 12,16; Gal 1,12; Phil 3,12; Apk 10,10). Zur Abwesenheit: Trotz der relativen Kürze dieses vorkanonisch nicht be‐ zeugten Verses weist er Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὑπὸ Ἰουδαίων; τεσσεράκοντα; ἔλαβον). Der Vers wird folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (11,25) τρίς, das sich 13 / 12 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,1. ♦ ῥαβδίζω steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 16,22; 2Kor 11,25). ♦ ἅπαξ steht 15 / 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λιθάζω steht 11 / 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ναυαγέω steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Tim 1,19). ♦ νυχθήμερος und βυθός sind Hapax legomena im NT. ♦ Die Form πεποίηκα steht noch 1 weiteres Mal, Joh 13,12. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ῥαβδίζω; ἅπαξ; λιθάζω; πεποίηκα). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,26) ὁδοιπορία steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene ( Joh 4,6). ♦ πολλάκις steht 19 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κίνδυνος steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Röm 8,35). ♦ ποταμός steht 18 / 17 Mal im NT und findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λῃστής steht 15 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ γένος, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10 und *Phil 3,5. ♦ Auch die Form ἐκ γένους, die 4 Mal im NT steht ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,5. ♦ Die Wendung ἐξ ἐθνῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 15,14. 23; Röm 9,24; 2Kor 11,26; Gal 2,15). ♦ πόλις steht 174 / 164 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. Auch das verwandte πολίτης, das 706 Rekonstruktion <?page no="707"?> 4 Mal im NT steht, ist Ausdruck für die größere Bedeutung von Stadt, die sich in der kanonischen Redaktion findet, denn der Begriff steht Lk 15,15; 19,14, beide Male in Versen, die in *Ev fehlen, und dann noch in Apg 21,39; Hebr 8,11. ♦ Die Wendung ἐν πόλει steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 2,11, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 11,5; 2Kor 11,26). ♦ ἐρημία steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν θαλάσσῃ steht nur hier. ♦ ψευδάδελφος steht 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers bietet eine ganze Fülle an Elementen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὁδοιπορία; πολλάκις; κίνδυνος; ποταμός; λῃστής; ἐξ ἐθνῶν; ἐν πόλει; ἐρημία). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,27) κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μόχθος steht 3 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Man bemerke vor allem dieselbe Zusammenstellung von κόπος und μόχθος in 1Thess 2,9. ♦ ἀγρυπνία steht noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf kanonischer Ebene, 2Kor 6,5. ♦ Zum kanonischen πολλάκις vgl. zum voranstehenden Vers 11,26. ♦ λιμός steht 13 / 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt an der eschatologischen Stelle in *Ev 21,11. ♦ Die Form ἐν λιμῷ steht noch 1 weiteres Mal im NT, Apk 6,8. ♦ δίψος steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene (2Kor 11,27; Apk 22,17). ♦ νηστεία, das 8 / 6 Mal im NT steht, nur kanonisch bezeugt. ♦ ψῦχος steht 3 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ γυμνότης steht nur 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Fülle von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegter Elemente auf (κόπος; μόχθος; Zusammenstellung von κόπος und μόχθος; ἀγρυπνία; πολλάκις; ἐν λιμῷ; δίψος; νηστεία; ψῦχος; γυμνότης). Der Vers ist ein Produkt der kanoni‐ schen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,28) χωρίς steht 40 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mk 4,34; 2Kor 11,28; Phlm 1,14; Hebr 7,7; 11,6; im Vers: 3 Mal Mt; Lk 6,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2 Mal Joh; Röm 3,21. 28; 4,6; 7,8. 9; 10,14; 1Kor 4,8; 11,11; 2Kor 12,3; Eph 2,12; Phil 2,14; 1Tim 2,8; 5,21; 10 Mal Hebr; Jak 2,18. 20. 26), vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,12. ♦ παρεκτός steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπίστασις steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Apg 24,12, und zwar in den Zeugen P 74 , 01, 02, 03, 08, 044, 1739). ♦ Die Variante ἐπισύστασις findet sich ebenfalls nurmehr an derselben Stelle von Apg 24,12 (und zwar in den Zeugen 020, 323, 614, 945, 1241, 1505, M) auf der kanonischen Ebene, man bemerke die 3 (2Kor) 707 <?page no="708"?> teilweise Übereinstimmung der Zeugen. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ μέριμνα steht 8 / 6 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,34. ♦ πασῶν, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen Ausdruck τῶν ἐκκλησιῶν vgl. zum voranstehenden Vers 8,18. Zur Abwesenheit: Wie bereits die voranstehenden Verse weist auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers eine Fülle von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (παρεκτός; ἐπίστασις/ ἐπισύστασις; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; πασῶν; τῶν ἐκκλησιῶν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Außerdem bemerke man die Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik (χωρίς). (11,29) ἀσθενέω steht 47 / 33 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ σκανδαλίζω steht 30 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,13. ♦ Die Wendung καὶ οὐκ ἐγώ steht noch 1 weiteres Mal im NT, 2Joh 1,1. ♦ πυρόω steht 9 / 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,15. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers findet sich nur die eine Formulierung (καὶ οὐκ ἐγώ), die nur auf der kanonischen Ebene weiter belegt ist. Allerdings ist der Vers so eng in den Kontext der kanonischen Verse eingebunden und besitzt keine Verbindung zu dem vorkanonischen Text, so dass wohl auch dieser Vers zur Komposition der kanonischen Redaktion gehört und vorkanonisch gefehlt haben wird. (11,30) Die Form καυχᾶσθαι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung καυχᾶσθαι δεῖ wird gleich wieder auf der kanonischen Ebene in 2Kor 12,1 aufgenommen. ♦ Die Form τῆς ἀσθενείας steht nur noch 1 weiteres Mal Lk 13,12 auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form καυχήσομαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene belegt. Zur Abwesenheit: Trotz der Kürze dieses vorkanonisch unbezeugten Verses bietet er dennoch Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καυχᾶσθαι; καυχᾶσθαι δεῖ; τῆς ἀσθενείας; καυχήσομαι). Der Vers ist Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 708 Rekonstruktion <?page no="709"?> (11,31) Die Wendung ὁ θεὸς καὶ πατήρ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2Kor 1,3; 11,31; Eph 1,3; 1Thess 3,11; 1Petr 1,3). ♦ Der Ausdruck ὁ ὤν steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (6 Mal Joh; Röm 9,5; 2Kor 11,31; 5 Mal Apk). ♦ εὐλογητός steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3. ♦ Die Wendung εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,25; 9,5; 2Kor 11,31). ♦ Die verräterische Aussage οὐ ψεύδομαι steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Wie die vielsagende Behauptung οὐ ψεύδομαι in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers bereits durchscheinen lässt, was durch die Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind, gestützt wird (ὁ θεὸς καὶ πατήρ; ὁ ὤν; εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας; οὐ ψεύδομαι), ist dieser Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,32) Δαμασκός steht 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐθνάρχης und Ἁρέτας sind Hapax legomena im NT. ♦ φρουρέω, das 4 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Δαμασκηνός ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu πόλις vgl. zuvor zu Vers 26. ♦ πιάζω steht 12 Mal im NT, insbesondere in der johanneischen Literatur, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers, der vorkanonisch unbezeugt ist, weist Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Δαμασκός; φρουρέω; πιάζω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (11,33) θυρίς steht noch 1 weiteres Mal, Apg 20,9. ♦ σαργάνη ist Hapax legomenon im NT. ♦ χαλάω steht 7 Mal, jeweils für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ τεῖχος steht 10 / 9 Mal im NT, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκφεύγω steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὰς χεῖρας αὐτοῦ steht noch 1 weiteres Mal, Lk 24,50 auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch in diesem Schlussvers des Kapitels, der vorkanonisch unbezeugt ist, finden wir Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (θυρίς; χαλάω; τεῖχος; ἐκφεύγω; τὰς χεῖρας αὐτοῦ). Auch dieser Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Wie dieser Überblick zeigt, hat die gesamte Passage vorkanonisch gefehlt und geht auf die kanonische Redaktion zurück. 3 (2Kor) 709 <?page no="710"?> Kapitel 12 12,[1] 2 [3] 4 [5-6] 7-9: Entrückung und Vollendung der Kraft in der Schwachheit In dieser Passage setzt sich der vorkanonische *Paulus von den Pseudaposteln ab, die im vorangegangenen Kapitel vorkanonisch erwähnt worden waren und von denen gesagt wurde, dass sie sich lediglich unehrlich als Apostel getarnt hätten. Während *Paulus auf die Schwäche des Leibes hingewiesen hatte (vor allem in den Kapiteln 4-5) und ausdrücklich davon sprach, dass er nicht sich selbst verkünde (4,5), unterstrich er doch zugleich, dass bereits jetzt die Verwandlung von Herrlichkeit zu Herrlichkeit stattfinde und der innere Mensch täglich erneuert werde, also eine neue Schöpfung erfolge, Altes vergeht und Neues werde. Damit dieses geschehen kann, ist Selbstbescheidung erforderlich, nicht aber Selbstüberhebung, wie sie die Lügenapostel verkörpern, die sich selbst als Apostel stilisieren. Die Autorität des *Paulus kommt aus der Offenbarung, gepaart von seiner Bindung an ein Fleisch, das ihm nicht erlaubt, sich selbst zu erheben. Aus diesem Ansatz webt die kanonische Redaktion einen Diskurs, der die hier anklingende Spannung zwischen Erniedrigung und Erhöhung, mit der eine Antithese zwischen der eigenen Autorität und der Selbstautorisierung der Pseudapostel geschaffen wurde, diese Antithese reduziert, wenn nicht sogar auflöst, indem die Spannung in die Person des Paulus selbst verlegt wird. Was Paulus gegenüber den Pseudapostel kritisierte wird nun zu einer Selbstkritik des Paulus umgearbeitet. - 12,1 Καυχᾶσθαι δεῖ· οὐ συμφέρον μέν, ἐλεύσομαι δὲ εἰς ὀπτασίας καὶ ἀποκαλύψεις κυρίου. 12,2 ὁ θεὸς οἶδεν ἄνθρωπον ἐν Χριστῷ ἁρπαγέντα ἕως τρίτου οὐρανοῦ - 2 οἶδα ἄνθρωπον ἐν Χριστῷ πρὸ ἐτῶν δεκατεσσάρων εἴτε ἐν σώματι οὐκ οἶδα, εἴτε ἐκτὸς τοῦ σώματος οὐκ οἶδα, ὁ θεὸς οἶδεν ἁρπαγέντα τὸν τοιοῦτον ἕως τρίτου οὐρανοῦ. - 3 καὶ οἶδα τὸν τοιοῦτον ἄνθρωπον εἴτε ἐν σώματι εἴτε χωρὶς τοῦ σώματος οὐκ οἶδα, ὁ θεὸς οἶδεν 4 εἰς τὸν παράδεισον καὶ ἤκουσεν ἄρρητα ῥήματα ἃ οὐκ ἐξὸν ἀνθρώπῳ λαλῆσαι 4 ὅτι ἡρπάγη εἰς τὸν παράδεισον καὶ ἤκουσεν ἄρρητα ῥήματα ἃ οὐκ ἐξὸν ἀνθρώπῳ λαλῆσαι. 710 Rekonstruktion <?page no="711"?> 5 ὑπὲρ τοῦ τοιούτου καυχήσομαι, ὑπὲρ δὲ ἐμαυτοῦ οὐ καυχήσομαι εἰ μὴ ἐν ταῖς ἀσθενείαις. 6 ἐὰν γὰρ θελήσω καυχήσασθαι, οὐκ ἔσομαι ἄφρων, ἀλήθειαν γὰρ ἐρῶ· φείδομαι δέ, μή τις εἰς ἐμὲ λογίσηται ὑπὲρ ὃ βλέπει με ἢ ἀκούει [τι] ἐξ ἐμοῦ 7 καὶ τῇ ὑπερβολῇ τῶν ἀποκαλύψεων. διό, ἵνα μὴ ὑπεραίρωμαι, ἐδόθη μοι σκόλοψ τῇ σαρκί, ἄγγελος Σατανᾶ, ἵνα με κολαφίζῃ, ἵνα μὴ ὑπεραίρωμαι. 7 καὶ τῇ ὑπερβολῇ τῶν ἀποκαλύψεων. διό, ἵνα μὴ ὑπεραίρωμαι, ἐδόθη μοι σκόλοψ τῇ σαρκί, ἄγγελος Σατανᾶ, ἵνα με κολαφίζῃ, ἵνα μὴ ὑπεραίρωμαι. 8 ὑπὲρ τούτου τρὶς τὸν κύριον παρεκάλεσα ἵνα ἀποστῇ ἀπ’ ἐμοῦ· 8 ὑπὲρ τούτου τρὶς τὸν κύριον παρεκάλεσα ἵνα ἀποστῇ ἀπ’ ἐμοῦ· 9 ἡ δὲ δύναμις ἐν ἀσθενείᾳ τελεῖται. 9 καὶ εἴρηκέν μοι, Ἀρκεῖ σοι ἡ χάρις μου· ἡ γὰρ δύναμις ἐν ἀσθενείᾳ τελεῖται. ἥδιστα οὖν μᾶλλον καυχήσομαι ἐν ταῖς ἀσθενείαις μου, ἵνα ἐπισκηνώσῃ ἐπ’ ἐμὲ ἡ δύναμις τοῦ Χριστοῦ. A. *12,2. 4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,8: De paradiso … Hic illud forte mirabor, si proprium potuit habere paradisum deus nullius terrenae dispositionis, nisi si etiam paradiso creatoris precario usus est, sicut et mundo. Et tamen hominem tollere ad caelum creatoris exemplum est in Helia; Eznik, De Deo 362, 379: „Aber Paulus, sagen sie, wurde in den dritten Himmel entrückt, und er hörte (diese) unaussprechlichen Worte (welche wir predigen). Aber siehe, Paulus sagt, was die Menschen nicht aussprechen dürfen“, „Er wurde ins Paradies entrückt“, „Und ich hörte unaussprechliche Worte, welche niemand aussprechen darf “. ♦ *12,7-9: Vgl. Tert., Adv. Marc V 12,8: Magis vero mirabor dominum optimum, percutiendi et saeviendi alienum, nec proprium saltem sed creatoris angelum satanae colaphizando apostolo suo applicuisse, et ter ab eo obsecratum non concessisse. Emendat igitur et deus Marcionis secundum creatorem elatos aemulantem, ut deponentem scilicet de solio dynastas. Aut numquid ipse est qui et in corpus Iob dedit satanae potestatem, ut virtus in infirmitate comprobaretur? B. (12,1) Post ἐλεύσομαι liest man δέ in P 46 , 01, 010, 012, 016, 025, 0243, 0278, 33, 81, 1175, 1739, 2464, lat, während γάρ geboten wird in 06, 018, 020, 044, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1881, M, sy. C. 1. (12,1) Nach allen Editoren ist der erste Vers unbezeugt. 2. (12,2-4) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für Vers 4. Zahn sieht die Verse 2-4 nach der kanonischen Fassung präsent. Harnack sieht folgende 3 (2Kor) 711 <?page no="712"?> 99 M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 1243. Textteile bezeugt: 2 παράδεισον … ἄνθρωπον ἁρπαγέντα ἕως τρίτου οὐρανοῦ. 3 καὶ ἤκουσεν ἄρρητα ῥήματα ἃ οὐκ ἐξὸν ἀνθρώπῳ λαλῆσαι. Schmid sieht ebenfalls Anspielungen auf den Vers 4, ohne dass er einen bestimmten Text gibt. BeDuhn übersetzt den folgenden Text 2 [οἶδα] ἄνθρωπον [… πρὸ ἐτῶν δεκατεσσάρων εἴτε ἐν σώματι οὐκ οἶδα, εἴτε ἐκτὸς τοῦ σώματος οὐκ οἶδα, ὁ θεὸς οἶδεν] ἁρπαγέντα τὸν τοιοῦτον ἕως τρίτου οὐρανοῦ. 3 [καὶ οἶδα τὸν τοιοῦτον ἄνθρωπον εἴτε ἐν σώματι εἴτε χωρὶς τοῦ σώματος οὐκ οἶδα, ὁ θεὸς οἶδεν 4 ὅτι ἡρπάγη] εἰς τὸν παράδεισον [καὶ] ἤκουσεν ἄρρητα ῥήματα [ἃ οὐκ ἐξὸν ἀνθρώπῳ λαλῆσαι]. Nachdem aus den Versen 2 und 4 jeweils Stücke bezeugt sind, stellt sich die Frage, ob auch der Rest und ob Vers 3 zur vorkanonischen Ebene gehört haben. 3. (12,4) Das Paradiesmotiv in diesem Vers ist von Bedeutung. Es findet sich nämlich auch auf kanonischer Ebene in Lk 23,43 und nach Epiphanius fehlt dieser Vers im Markionevangelium. Klinghardt gibt hierzu eine aufschlussreiche Erläuterung: „Das narrative Profil der Szene in *Ev zielte … lediglich auf die un‐ terschiedliche Haltung der beiden Übeltäter gegenüber Jesus: Der eine schmäht ihn (ἐβλασϕήμει αὐτόν), ohne dass der Inhalt dieser Blasphemie benannt würde, der andere zeigt die Erwartung, dass Jesus, seiner Kreuzigung zum Trotz, »in seine βασιλεία kommen« werde. Damit kontert er die Verspottung Jesu als βασιλεὺς τῶν Ἰουδαίων durch die Soldaten. Eine Reaktion Jesu auf dieses Bekenntnis hin ist nicht notwendig und war ursprünglich auch nicht im Text enthalten: Dass Jesus den »guten Schächer« für seinen Glauben durch die Verheißung belohnt, er werde »heute noch im Paradies« sein, ist erst von der lk Redaktion hinzugefügt worden.“ 99 Nun kann man natürlich weiterfragen, warum die kanonische Redaktion diese Erweiterung angebracht hat. Eine mögliche Erklärung ist möglicherweise, dass es ein Motiv der kanonischen Re‐ daktion darstellt. Demnach würde der exklusive Anspruch des vorkanonischen *Paulus auf das Eingehen in das Paradies (*2Kor 12,4) duch die Analogie des reuigen Schächers eingehegt. wonach ein Eintreten in das Paradies, wie an dieser Stelle hier in *2Kor 12,4 vermerkt ist, nicht Paulus von sich allein geltend machen kann, wie es hier in *2Kor 12,4 geschieht, ja der sich bekehrt habende Paulus gewissermaßen auf dieselbe Ebene des reuigen Schächers gestellt wird. Diese Reduktion der Autorität des Paulus entspricht der kanonischen Tendenz. 712 Rekonstruktion <?page no="713"?> 100 Vgl. S.-210. 4. (12,5-6) Nach Zahn sind diese Verse der kanonischen Form nach präsent, während Harnack, Schmid und BeDuhn sie als unbezeugt betrachten. BeDuhn bietet jedoch eine Übersetzung derselben, die er in Klammern setzt. 5. (12,7-9) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für die Verse 7-9. Zahn sieht auch die Verse 7-9 nach der kanonischen Form präsent. Harnack ist zurückhaltender und gibt als bezeugten Textbestand lediglich: 7 … ἄγγελος Σατανᾶ, ἵνα με κολαφίζῃ … 8 … τρὶς τὸν κύριον παρεκάλεσα … 9-… δύναμις ἐν ἀσθενείᾳ τελεῖται. Schmid sieht nur Andeutungen, aus denen er keinen Text zu rekonstruieren wagt. BeDuhn übersetzt den folgenden Text: 7 [καὶ τῇ ὑπερβολῇ τῶν ἀποκαλύψεων. διό, ἵνα μὴ ὑπεραίρωμαι], ἐδόθη μοι [σκόλοψ τῇ σαρκί], ἄγγελος Σατανᾶ, ἵνα με κολαφίζῃ, [ἵνα μὴ ὑπεραίρωμαι. 8 ὑπὲρ τούτου] τρὶς τὸν κύριον παρεκάλεσα ἵνα ἀποστῇ ἀπ’ ἐμοῦ: 9 καὶ εἴρηκέν μοι, [Ἀρκεῖ σοι ἡ χάρις μου: ἡ γὰρ] δύναμις ἐν ἀσθενείᾳ τελεῖται. D. (12,1) καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, und zwar ausschließlich in der Briefliteratur, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ Die Wendung καυχᾶσθαι δεῖ stand zuvor auf der kanonischen Ebene in 2Kor 11,30 ♦ Die Form ἐλεύσομαι steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 1Kor 4,19. ♦ συμφέρω, das 19 / 15 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ὀπτασία steht 4 Mal im NT und ist nur kanonisch bezeugt. ♦ ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,6; *2Thess 1,7. (12,2) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter zu Vers 3. ♦ Die Form οἶδα steht 56 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,34; 13,25; 18,20; *1Kor 1,16. ♦ πρό, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27 (πρὸ προσώπου σου); 11,38 (πρὸ τοῦ ἀρίστου); 21,12 (πρὸ δὲ τούτων); 22,15 (πρὸ τοῦ με παθεῖν); *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ ἔτος, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 3,1; *Gal 2,1. ♦ Die Wendung ἐν Χριστῷ begegnet nicht in *Ev, ist allerdings encheiristisch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13, vgl. zur encheiristischen Semantik zuvor zu 1Kor 1,4. 100 ♦ δεκατεσσάρων, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für Gal 2,1. ♦ εἴδω, das 339 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt, auch die Perfektform οἶδα findet sich in *Ev und in *Paulus bezeugt. ♦ ἐκτός findet sich 9 / 8 Mal im NT, in 1Kor 6,9 steht dieselbe Wendung nur 3 (2Kor) 713 <?page no="714"?> für die kanonische Ebene bezeugt (ἐκτὸς τοῦ σώματoς) und das Wort ist überhaupt nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἁρπάζω steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,17. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48, vgl. weiter Verse 3. 5. ♦ τρίτος, das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,4 (Schmid weist diesen Text als unsichere Lesart aus); *2Kor 12,2, vgl. weiter Vers 14. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und Ezniks. Der narrativen Kohärenz wegen muss am Anfang das unbezeugte, aber vorkanonisch gut bezeugte οἶδα gestanden sein, dass auch ἐν Χριστῷ nicht erst von der kanoni‐ schen Redaktion hinzugefügt wurde, lässt sich aus der encheiristischen Semantik dieser Wendung ablesen (vgl. zu 1Kor 1,4). Während die Verse 2 und 4 diese ontologische Interpretation stützen, führt die wiederholte Selbstpropaganda, die die eingeschobenen Versteile von 2 und 3 auf der kanonischen Ebene hinzufügen zu einer semantischen Verschiebung zur Selbstautorisierung des Paulus. (12,3) Die Wendung καὶ οἶδα steht noch zwei weitere Male im NT, davon 1 Mal wie hier als Verseröffnung (Verseröffnung: Joh 12,50; im Vers: Joh 5,32). ♦ Zu οἶδα vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Zu τοιοῦτος vgl. zuvor zu Vers 2 und danach Vers 5. ♦ ἐν σώματι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 12,2. 3; Hebr 13,3). ♦ χωρίς findet sich 43 / 41 Mal im NT, das einzige Mal, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,12. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς οἶδεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 11,11; 12,2. 3). Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist verschiedene Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (Verser‐ öffnung καὶ οἶδα; ἐν σώματι; ὁ θεὸς οἶδεν). Der Vers ist ein Produkt der kano‐ nischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Zu bemerken ist wiederum die Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik (χωρίς). (12,4) παράδεισος steht 3 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt (Lk 23,43; Apk 2,7). ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Form ἤκουσεν steht 17 Mal im NT, Lk 15,25, in einem Vers, der in *Ev fehlt, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄρρητος ist Hapax legomenon. ♦ ῥῆμα steht 72 / 68 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,4; 13,1. ♦ Die Wendung ἃ οὐκ steht 3 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt (Apg 16,212; 25,7; 2Kor 12,4). ♦ ἔξειμι steht 10 / 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur hier. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wiederum dem Zeugnis Tertullians und vor allem dem Ezniks. Die unbezeugte und auch nicht vorkanonisch weiter belegte 714 Rekonstruktion <?page no="715"?> Form ἤκουσεν wird tentativ gegeben; sie mag vorkanonisch anders gelautet haben, weil die Passage, wie die Verse 2 und 3 zeigen, kanonisch überarbeitet wurde. (12,5) Die Form καυχήσομαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Zu τοιοῦτος vgl. zuvor zu den Versen 2. 3. ♦ Die Wendung εἰ μὴ ἐν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; 1Kor 12,3. 5; Gal 6,14). ♦ ἀσθένεια, das 27 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,9. 10. ♦ Die Form ταῖς ἀσθενείαις steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 12,5. 9; Hebr 4,15). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καυχήσομαι; εἰ μὴ ἐν; ταῖς ἀσθενείαις). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (12,6) Die Kombination ἐὰν γάρ steht 10 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,15. ♦ θέλω steht 228 / 209 Mal im NT und ist auch vorkanonisch bezeugt, etwa *Ev 5,13; *1Kor 7,7; 10,1. ♦ Die Verbform ἔσομαι, die 13 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu ἄφρων, das 13 Mal im NT steht und vorkanonisch mit der Form ἄφρον bezeugt ist, vgl. zuvor zu 11,16. ♦ ἀλήθεια, das 112 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,15; *Laod 1,13. ♦ Die Verbform ἐρῶ steht 8 Mal im NT und findet sich überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ φείδομαι, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,11. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Wendung ἐξ ἐμοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 2,2. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung ἐὰν γάρ; ἔσομαι; ἐρῶ; φείδομαι; μή τις; λογίζομαι; ἐξ ἐμοῦ). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,7) ὑπερβολή steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,13; *1Kor 12,31; *2Kor 4,7. ♦ ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,6; *2Thess 1,7. ♦ διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, Lk 7,7 (als Verseröffnung), in einem Versteil, der in *Ev fehlt; vorkanonisch nur bezeugt im Vers *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14. ♦ ὑπεραίρω steht nur 3 Mal im NT, die anderen beiden Male vorkanonisch ebenfalls bezeugt in *2Thess 2,4. ♦ Die Wendung ἐδόθη μοι 3 (2Kor) 715 <?page no="716"?> steht noch zwei weitere Male, nur auf der kanonischen Ebene in Mt 28,18; Apk 11,1. ♦ σκόλοψ ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung τῇ σαρκί steht 12 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 7,5. 18; *Kol 1,24 (jeweils mit vorangesetztes ἐν). ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. ♦ Σατανᾶς, der 72 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 11,14; 12,7. ♦ κολαφίζω, das 5 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, auch wenn nur Teile des Verses durchklingen. Hier allerdings hilft die Lexik, so dass wohl der oben gegebene Wortlaut im vorkanonischen Text gestanden war. (12,8) Die Verseröffnung ὑπὲρ τούτου steht nur hier. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. ♦ τρίς findet sich 13 / 12 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 13,1. ♦ Auf die besondere Bedeutung der Dreimaligkeit für *Ev verweist Klinghardt zu *Ev 22,34. 61. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 16,25. ♦ ἀφίστημι steht 15 Mal im NT, vielleicht vorkanonisch stehend in *Ev 13,27 (falls hier, wie Klinghardt zur Stelle vorschlägt, nicht ἀποχωρεῖτε stand); 24,51 (bezeugt durch 05). ♦ Die Kombination ἀπ’ ἐμοῦ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 8,46; 13,27. Zur Rekonstruktion: Auch wenn die Verseröffnung nicht bezeugt ist, spricht die singuläre Präsenz dafür, dass sie vorkanonisch stand. Daran anschließend folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, gestützt von einer Lexik, die weiter vorkanonisch bezeugt ist. (12,9) Die Form εἴρηκεν steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung καὶ εἴρηκέν μοι steht nur hier. ♦ ἀρκέω steht 9 / 8 Mal im NT und zwar ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀσθένεια, das 27 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,9. 10. ♦ σοι (Dat. Sg. oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 5,14. ♦ τελέω steht 30 / 28 Mal im NT und findet sich sonst nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Steigerung ἥδιστα steht 2 Mal, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 12,9. 15). ♦ μάλα steht 85 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13; *2Kor 3,8.10. ♦ Die Form καυχήσομαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ ἐπισκηνόω ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Wie die Lexik unterstreicht, hat der unbezeugte Beginn des Verses ebenso gefehlt wie das unbezeugte Ende. Auch narrativ entspricht sowohl dieser Anfang wie das Ende dem kanonischen Diskurs der paradoxen Selbsterhöhung durch -erniedrigung des kanonischen Paulus. 716 Rekonstruktion <?page no="717"?> 12,[10-21]: [Selbstkritik des Paulus] Die vorliegende Passage ist vorkanonisch unbezeugt und stellt eine Fortsetzung der kanonischen Internalisierung der Selbstkritik dar, von der zuvor gerade die Rede war. - 10 διὸ εὐδοκῶ ἐν ἀσθενείαις, ἐν ὕβρεσιν, ἐν ἀνάγκαις, ἐν διωγμοῖς καὶ στενοχωρίαις, ὑπὲρ Χριστοῦ· ὅταν γὰρ ἀσθενῶ, τότε δυνατός εἰμι. 11 Γέγονα ἄφρων· ὑμεῖς με ἠναγκάσατε· ἐγὼ γὰρ ὤφειλον ὑφ’ ὑμῶν συνίστασθαι. οὐδὲν γὰρ ὑστέρησα τῶν ὑπερλίαν ἀποστόλων, εἰ καὶ οὐδέν εἰμι· 12 τὰ μὲν σημεῖα τοῦ ἀποστόλου κατειργάσθη ἐν ὑμῖν ἐν πάσῃ ὑπομονῇ, σημείοις τε καὶ τέρασιν καὶ δυνάμεσιν. 13 τί γάρ ἐστιν ὃ ἡσσώθητε ὑπὲρ τὰς λοιπὰς ἐκκλησίας, εἰ μὴ ὅτι αὐτὸς ἐγὼ οὐ κατενάρκησα ὑμῶν; χαρίσασθέ μοι τὴν ἀδικίαν ταύτην. 14 Ἰδοὺ τρίτον τοῦτο ἑτοίμως ἔχω ἐλθεῖν πρὸς ὑμᾶς, καὶ οὐ καταναρκήσω· οὐ γὰρ ζητῶ τὰ ὑμῶν ἀλλὰ ὑμᾶς, οὐ γὰρ ὀφείλει τὰ τέκνα τοῖς γονεῦσιν θησαυρίζειν, ἀλλὰ οἱ γονεῖς τοῖς τέκνοις. 15 ἐγὼ δὲ ἥδιστα δαπανήσω καὶ ἐκδαπανηθήσομαι ὑπὲρ τῶν ψυχῶν ὑμῶν. εἰ περισσοτέρως ὑμᾶς ἀγαπῶ[ν], ἧσσον ἀγαπῶμαι; 16 ἔστω δέ, ἐγὼ οὐ κατεβάρησα ὑμᾶς· ἀλλὰ ὑπάρχων πανοῦργος δόλῳ ὑμᾶς ἔλαβον. 17 μή τινα ὧν ἀπέσταλκα πρὸς ὑμᾶς, δι’ αὐτοῦ ἐπλεονέκτησα ὑμᾶς; 18 παρεκάλεσα Τίτον καὶ συναπέστειλα τὸν ἀδελφόν· μήτι ἐπλεονέκτησεν ὑμᾶς Τίτος; οὐ τῷ αὐτῷ πνεύματι περιεπατήσαμεν; οὐ τοῖς αὐτοῖς ἴχνεσιν; 19 Πάλαι δοκεῖτε ὅτι ὑμῖν ἀπολογούμεθα; κατέναντι θεοῦ ἐν Χριστῷ λαλοῦμεν· τὰ δὲ πάντα, ἀγαπητοί, ὑπὲρ τῆς ὑμῶν οἰκοδομῆς. 20 φοβοῦμαι γὰρ μή πως ἐλθὼν οὐχ οἵους θέλω εὕρω ὑμᾶς, κἀγὼ εὑρεθῶ ὑμῖν οἷον οὐ θέλετε, μή πως ἔρις, ζῆλος, θυμοί, ἐριθείαι, καταλαλιαί, ψιθυρισμοί, φυσιώσεις, ἀκαταστασίαι· 21 μὴ πάλιν ἐλθόντος μου ταπεινώσῃ με ὁ θεός μου πρὸς ὑμᾶς, καὶ πενθήσω πολλοὺς τῶν προημαρτηκότων καὶ μὴ μετανοησάντων ἐπὶ τῇ ἀκαθαρσίᾳ καὶ πορνείᾳ καὶ ἀσελγείᾳ ἧ ἔπραξαν. A. Die Passage ist vorkanonisch unbezeugt. 3 (2Kor) 717 <?page no="718"?> 101 M.M. Mitchell, Paul’s Letters to Corinth: The Interpretive Intertwining of Literary and Historical Reconstruction (2005), 324-333. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (12,10-21) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt. Zahn rechnet allerdings mit ihrer Präsenz in unbestimmbarer Textgestalt. 2. Die Aufzählung in diesem Vers erinnert an die andere auf der kanonischen Ebene zuvor in 2Kor 6,4-7 (4 ἀλλ’ ἐν παντὶ συνίσταντες ἑαυτοὺς ὡς θεοῦ διάκονοι, ἐν ὑπομονῇ πολλῇ, ἐν θλίψεσιν, ἐν ἀνάγκαις, ἐν στενοχωρίαις, 5 ἐν πληγαῖς, ἐν φυλακαῖς, ἐν ἀκαταστασίαις, ἐν κόποις, ἐν ἀγρυπνίαις, ἐν νηστείαις, 6 ἐν ἁγνότητι, ἐν γνώσει, ἐν μακροθυμίᾳ, ἐν χρηστότητι, ἐν πνεύματι ἁγίῳ, ἐν ἀγάπῃ ἀνυποκρίτῳ, 7 ἐν λόγῳ ἀληθείας, ἐν δυνάμει θεοῦ). 3. (12,17) Dieser Vers soll sich auf 2Kor 8,6. 22 zurückbeziehen, wonach 2Kor 8 der älteste der korinthischen Briefe ist, die den Zweiten Korintherbrief ausmachen. 101 D. (12,10) εὐδοκέω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15; *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ ὕβρις ist nur noch zwei weitere Male auf der kanonischen Ebene bezeugt (Apg 27,10. 21). ♦ ἀνάγκη steht 19 / 18 Mal im NT, jedoch nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Form ἐν ἀνάγκαις steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene und in einer parallelen Stelle in 2Kor 6,4. ♦ διωγμός steht 10 Mal im NT, ist jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ στενοχωρία, das 4 Mal im NT steht und ist immer nur kanonisch belegt ist. ♦ Die Kombination ὅταν γάρ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 3,4. ♦ Die Kombination ὑπὲρ Χριστοῦ steht 4 Mal im NT (2Kor 5,20; 12,10; Phil 1,29), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. ♦ δυνατός steht 115 / 32 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers ist ein Vorzeigebeispiel für kanonische Lexik. Fast alle Elemente dieses Verses begegnen ausschließlich auf der kanonischen Ebene (ὕβρις; ἀνάγκη; ἐν ἀνάγκαις; διωγμός; στενοχωρία; ὅταν γάρ; ὑπὲρ Χριστοῦ; δυνατός). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 718 Rekonstruktion <?page no="719"?> (12,11) Die Form γέγονα steht 5 Mal im NT (nur hier als Verseröffnung), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,22. ♦ Zum vorkanonisch anklingenden ἄφρων, vgl. 2Kor 12,6. ♦ Die Kombination ὑμεῖς με steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 15,16; 16,27; 1Kor 16,6; 2Kor 12,11). ♦ ἀναγκάζω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3. ♦ Die Kombination ἐγὼ γάρ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,17. ♦ ὀφείλω, das sich 42 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. 10. ♦ Die Form ὤφειλον steht nur hier. ♦ Die Kombination ὑφ’ ὑμῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 4,11; Röm 15,24, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 4,3; 2Kor 1,16; 12,11). ♦ συνίστημι steht 10 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Die Kombination οὐδὲν γάρ, die 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,4. ♦ ὑστερέω, das 19 / 16 Mal im NT steht, ist nur kanonisch belegt. ♦ ὑπερλίαν, das nur 2 Mal im NT steht, ist beide Male auf der kanonischen Ebene zu finden (vgl. auch den parallelen Ausdruck zu 2Kor 11,5: ὑστερηκέναι τῶν ὑπερλίαν ἀποστόλων). ♦ Die Kombination εἰ καί steht 15 Mal im NT, Lk 11,8, wo diese Kombination in *Ev fehlt, vorkanonisch belegt für *1Kor 9,8; *2Kor 4,16. ♦ Die Kombination οὐδέν εἰμι steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Kor 13,2. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὑμεῖς με; ὑφ’ ὑμῶν; συνίστημι; οὐδὲν γάρ; ὑστερέω; ὑπερλίαν; οὐδέν εἰμι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,12) σημεῖον, das 86 / 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *2Thess 2,9. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ ὑπομονή, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ τέρας steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen zwar nur zwei Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (κατεργάζομαι; ἐν ὑμῖν), doch fällt die Nähe zu dem vorkanonisch bezeugten Vers *2Thess 2,9 auf (οὗ ἐστιν ἡ παρουσία κατ’ ἐνέργειαν τοῦ Σατανᾶ ἐν πάσῃ δυνάμει καὶ σημείοις καὶ τέρασιν ψεύδους). Hinzu kommt die enge narrative Einbindung des Verses in den kanonischen Kontext. Es scheint folglich *2Thess 2,9 die vorkanonische Vorlage für den vorliegenden Vers gewesen zu sein, den dieselben kanonischen Redakteure, die den Brief vor der vorkanonischen Redaktion verfasst hatten, bei ihrer Bearbeitung von *2Kor aufgegriffen haben. 3 (2Kor) 719 <?page no="720"?> (12,13) Die Kombination τί γάρ findet sich 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 5,12. ♦ Die erweiterte Kombination und Verseröffnung τί γάρ ἐστιν begegnet ebenfalls als Verseröffnung an einer weiteren Stelle auf der kanonischen Ebene, Mt 9,5. ♦ ἡσσάομαι steht 3 Mal im NT, auch die beiden anderen Male auf der kanonischen Ebene in 2Petr 2,19. 20. ♦ Die Kombination εἰ μή ὅτι begegnet 1 weiteres Mal in Eph 4,9. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ Die Kombination αὐτὸς ἐγώ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 7,25; 9,3; 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 12,13). ♦ καταναρκάομαι, das 3 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. ♦ ταύτην, das 55 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,16. Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen einige Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τί γάρ ἐστιν; ἡσσάομαι; εἰ μὴ ὅτι; αὐτὸς ἐγώ; καταναρκάομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,14) ἰδού steht 200 Mal im NT, davon 22 Mal als Verseröffnung. Während das Lexem vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 17,21; 23,50; *2Kor 5,17, steht es vorkanonisch nie als Verseröffnung. ♦ Zu τρίτος vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Die Form τρίτον steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 14,41; Joh 21,17; 2Kor 12,14; 13,1; 3 Mal Apk). ♦ ἑτοίμως steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔχω + Verb findet sich 6 Mal im NT, Lk 12,50, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Lk 12,50; Joh 4,32; 10,18; 19,10; 2Kor 12,14; Jak 2,18). ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. ♦ Wieder steht καταναρκάομαι, das 3 Mal im NT steht, unbezeugt für die vorkanonische Ebene. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die Form ζητῶ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ γονεύς findet sich 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,1. ♦ θησαυρίζω, das 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung ἰδού; τρίτον; ἑτοίμως; ἔχω + Verb; πρὸς ὑμᾶς; καταναρκάομαι; ζητῶ; θησαυρίζω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Der Terminus γονεύς zeigt erneut die Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik. 720 Rekonstruktion <?page no="721"?> (12,15) Die Kombination ἐγὼ δέ steht 33 Mal im NT, davon 21 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 6 Mal Mt; Lk 22,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 4 Mal Joh; 3 Mal Apg; Röm 7,9. 10; 1Kor 9,15; 2Kor 1,23; 12,15; Gal 5,11; im Vers: Lk 15,17, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 22,27, in einem Vers, der eine andere Formulierung bietet; 2 Mal Joh; Apg 22,28; Röm 7,14; 1Kor 1,12; 7,28; 15,10; Eph 5,32), im Vers vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,32. ♦ ἡδέως steht 3 / 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δαπανάω steht 5 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκδαπανάω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ Die Wendung ὑπὲρ τῶν ψυχῶν ὑμῶν steht noch 1 weiteres Mal in Hebr 13,17. ♦ περισσοτέρως, das 15 Mal im NT steht, vorwiegend in paulinischen Briefen, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ περισσός, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. ♦ ἥσσων steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Kor 11,17. Zur Abwesenheit: Der kanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Ele‐ menten auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verser‐ öffnung ἐγὼ δέ; ἡδέως; δαπανάω; ὑπὲρ τῶν ψυχῶν ὑμῶν; ἥσσων). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,16) ἔστω, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,8. ♦ Die Kombination ἔστω δέ steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 5,37; 2Kor 12,16; im Vers: Jak 1,19; 5,12), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐγὼ οὐ steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15, vgl. zu diesem Vers *1Kor 9,15. ♦ καταβαρέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form ὑπάρχων steht 15 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,48; *Gal 1,14; *1Kor 11,7; *Phil 2,6; vgl. zu 2Kor 8,17. ♦ πάνουργος ist Hapax legomenon im NT. ♦ δόλος steht 11 Mal im NT, ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. ♦ Die Form ἔλαβον steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,24. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἔστω δέ; δόλος; ἔλαβον). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkano‐ nisch gefehlt. (12,17) μή τινα steht als Kombination und Verseröffnung nur hier. ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ ἀποστέλλω steht 142 / 132 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἀπέσταλκα steht 1 weiteres Mal in Apg 10,20. ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet 3 (2Kor) 721 <?page no="722"?> sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. ♦ πλεονεκτέω, das nur 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀπέσταλκα; πρὸς ὑμᾶς; πλεονεκτέω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (12,18) παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form παρεκάλεσα steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,8. ♦ Τίτος, der 13 Mal im NT erwähnt wird, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3. ♦ συναποστέλλω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Bezeichnung von Titus als Bruder begegnet an der weiteren Stelle 2Kor 2,13. ♦ μήτι, das sich 20 Mal im NT findet, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πλεονεκτέω, das nur 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τῷ αὐτῷ πνεύματι findet sich als Wendung noch 1 weiteres Mal in *1Kor 12,9 und in der parallelen kanonischen Stelle. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ ἴχνος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 4,12; 2Kor 12,18; 1Petr 2,21). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Bezeichnung von Titus als Bruder; μήτι; πλεονεκτέω; ἴχνος). Auch dieser Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und wird vorkanonisch gefehlt haben. (12,19) πάλαι steht 7 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ δοκέω steht 100 / 63 Mal im NT. ♦ Die Form δοκεῖτε steht 10 Mal im NT, Lk 13,2. 4, in Versen, die in *Ev fehlen, d. h. sie findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ὅτι ὑμῖν steht 3 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröffnung (Phil 1,29), jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 13,11; 2Kor 12,19; Phil 1,29). ♦ ἀπολογέομαι steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,14. ♦ κατέναντι steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,17. ♦ Die Semantik von ἐν Χριστῷ ist kanonisch denotiert - es geht um die Selbstautorisierung des Paulus, nicht um den für die vorkanonische Ebene charakteristischen eincheiristischen Gebrauch. ♦ Die Kombination τὰ δὲ πάντα steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,18. ♦ ἀγαπητοί steht 27 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,14. ♦ ὑπὲρ τῆς ὑμῶν steht 3 Mal im NT, weiter auf der kanonischen Ebene in 2Kor 1,6. 722 Rekonstruktion <?page no="723"?> Zur Abwesenheit: In diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen einige Elemente, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (πάλαι; δοκεῖτε; ὅτι ὑμῖν; Semantik von ἐν Χριστῷ; τὰ δὲ πάντα; ἀγαπητοί; ὑπὲρ τῆς ὑμῶν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkano‐ nisch gefehlt. (12,20) Die Form φοβοῦμαι steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Als Verseröffnung: 2Kor 11,3; 12,20; Gal 4,11; im Vers: Lk 18,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ φοβέω, das 110 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,12. ♦ Die Kombination γὰρ μή steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 14,2; Joh 8,24; 16,7; 2Kor 12,20; Gal 4,30; 2Petr 1,9; 1Joh 4,20). ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Entsprechend begegnet auch die Kombination μή πως, die 11 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἐλθών steht 50 Mal im NT, Lk 10,32; 15, 6. 17, in Versen, die in *Ev fehlen, und überhaupt ausschließlich auf der kanonischen Ebene (14 Mal Mt; 7 Mal Mk; Lk 7,3; 8,51; 10,32; 12,37. 43; 14,9; 15,6. 17; 18,8; 19,23; 22,45; 7 Mal Joh; Apg 21,11; 22,13; Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 2,1; 2Kor 2,3. 12; 12,20; Eph 2,17; Phil 1,27; 1Joh 5,6). ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ οἷος, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,48. ♦ εὑρίσκω steht 198 / 176 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ Die Form εὑρεθῶ steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Phil 3,9. ♦ ἔρις steht 15 / 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20; *Phil 1,15. ♦ ζῆλος steht 22 / 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. ♦ θυμός steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt wieder für *Gal 5,20. ♦ ἐριθεία steht 10 / 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20; *Phil 1,17. ♦ καταλαλία steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Petr 2,1). Auch das verwandte Verb καταλαλέω, das 3 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ( Jak 4,11; 1Petr 2,12; 3,16). Das Adjektiv κατάλαλος, das 2 Mal im NT steht, befindet sich nur auf der kanonischen Ebene (Röm 1,30; Jak 4,11). ♦ ψιθυρισμός ist Hapax legomenon im NT. Auch das verwandte ψιθυριστής, das in Röm 1,29 steht, ist Hapax legomenon im NT, aber auch nur auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ φυσίωσις ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀκαταστασία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,33. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (Verseröffnung φοβοῦμαι; γὰρ μή; πως; μή πως; ἐλθών; εὑρεθῶ; καταλαλιά). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Man bemerke die Nähe zu *Gal 5,20. 3 (2Kor) 723 <?page no="724"?> 102 Vgl. zu der bemerkten Spannung L.L. Welborn, The Corinthian Correspondance (2013), 230. (12,21) πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ταπείνωσις steht 7 / 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,21. ♦ Die Wendung ὁ θεός μου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 15,34; Joh 20,28; 2Kor 12,21). ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. ♦ πενθέω, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,25. ♦ προαμαρτάνω steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ μετανοέω steht 36 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zum verwandten μετάνοια, das 24 / 22 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ ἀκαθαρσία steht 11 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ πορνεία steht 27 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,13. 18; *1Thess 4,3. ♦ ἀσέλγεια steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ πράσσω steht 43 / 39 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10; *Röm 2,25. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (ὁ θεός μου; πρὸς ὑμᾶς; προαμαρτάνω; μετανοέω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Ebene und hat vorkanonisch gefehlt. Wie der voranstehende Vers an *Gal 5,20 erinnert, so erinnert dieser an *Gal 5,19. 21. Wie dieser lexikalische Überblick zeigt, atmet die gesamte Passage die Lexik der kanonischen Redaktion, es stimmen somit die fehlende Bezeugung und die Lexik überein. Auffallend ist auch die enge Berührung mit anderen Passagen der kanonischen Redaktion, die sich durch die Wiederholung von Verweisen auf dieselben Fußnoten ausdrückt. Außerdem scheint der Text von *Gal 5,19-21 abhängig zu sein. In der Vergangenheit hat man auf eine Spannung hingewiesen zwischen 2Kor 12,20-21 und 7,10-11, die jedoch beide zur kanonischen Redaktion gehören. 102 Kapitel 13 13,1-2 [3-7] 8 [9] 10 [11-13]: Schluss - die Aufforderung aus der Ferne Die zentrale vorkanonische Aussage ist gut belegt. Die kanonische Redaktion hat diese reichlich ausgeweitet. 724 Rekonstruktion <?page no="725"?> 13,1 τριῶν μαρτύρων σταθήσεται πᾶν ῥῆμα. 13,1 Τρίτον τοῦτο ἔρχομαι πρὸς ὑμᾶς· ἐπὶ στόματος δύο μαρτύρων καὶ τριῶν σταθήσεται πᾶν ῥῆμα. 2 προείρηκα καὶ προλέγω -οὐ φείσομαι, 2 προείρηκα καὶ προλέγω ὡς παρὼν τὸ δεύτερον καὶ ἀπὼν νῦν τοῖς προημαρτηκόσιν καὶ τοῖς λοιποῖς πᾶσιν, ὅτι ἐὰν ἔλθω εἰς τὸ πάλιν οὐ φείσομαι, - 3 ἐπεὶ δοκιμὴν ζητεῖτε τοῦ ἐν ἐμοὶ λαλοῦντος Χριστοῦ· ὃς εἰς ὑμᾶς οὐκ ἀσθενεῖ ἀλλὰ δυνατεῖ ἐν ὑμῖν. 4 καὶ γὰρ ἐσταυρώθη ἐξ ἀσθενείας, ἀλλὰ ζῇ ἐκ δυνάμεως θεοῦ. καὶ γὰρ ἡμεῖς ἀσθενοῦμεν ἐν αὐτῷ, ἀλλὰ ζήσομεν σὺν αὐτῷ ἐκ δυνάμεως θεοῦ εἰς ὑμᾶς. 5 Ἑαυτοὺς πειράζετε εἰ ἐστὲ ἐν τῇ πίστει, ἑαυτοὺς δοκιμάζετε· ἢ οὐκ ἐπιγινώσκετε ἑαυτοὺς ὅτι Ἰησοῦς Χριστὸς ἐν ὑμῖν; εἰ μήτι ἀδόκιμοί ἐστε. 6 ἐλπίζω δὲ ὅτι γνώσεσθε ὅτι ἡμεῖς οὐκ ἐσμὲν ἀδόκιμοι. 7 εὐχόμεθα δὲ πρὸς τὸν θεὸν μὴ ποιῆσαι ὑμᾶς κακὸν μηδέν, οὐχ ἵνα ἡμεῖς δόκιμοι φανῶμεν, ἀλλ’ ἵνα ὑμεῖς τὸ καλὸν ποιῆτε, ἡμεῖς δὲ ὡς ἀδόκιμοι ὦμεν. 8 οὐ γὰρ δυνάμεθά τι κατὰ τῆς ἀληθείας, ἀλλὰ ὑπὲρ τῆς ἀληθείας. 8 οὐ γὰρ δυνάμεθά τι κατὰ τῆς ἀληθείας, ἀλλὰ ὑπὲρ τῆς ἀληθείας. - 9 χαίρομεν γὰρ ὅταν ἡμεῖς ἀσθενῶμεν, ὑμεῖς δὲ δυνατοὶ ἦτε· τοῦτο καὶ εὐχόμεθα, τὴν ὑμῶν κατάρτισιν. 10 ταῦτα ἀπὼν γράφω, ἵνα παρὼν μὴ ἀποτόμως χρήσωμαι κατὰ τὴν ἐξουσίαν ἣν ὁ κύριος ἔδωκέν μοι. 10 διὰ τοῦτο ταῦτα ἀπὼν γράφω, ἵνα παρὼν μὴ ἀποτόμως χρήσωμαι κατὰ τὴν ἐξουσίαν ἣν ὁ κύριος ἔδωκέν μοι, εἰς οἰκοδομὴν καὶ οὐκ εἰς καθαίρεσιν. - 11 Λοιπόν, ἀδελφοί, χαίρετε, καταρτίζεσθε, παρακαλεῖσθε, τὸ αὐτὸ φρονεῖτε, εἰρηνεύετε, καὶ ὁ θεὸς τῆς ἀγάπης καὶ εἰρήνης ἔσται μεθ’ ὑμῶν. 12 ἀσπάσασθε ἀλλήλους ἐν ἁγίῳ φιλήματι. ἀσπάζονται ὑμᾶς οἱ ἅγιοι πάντες. 13 Ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ καὶ ἡ ἀγάπη τοῦ θεοῦ καὶ ἡ κοινωνία τοῦ ἁγίου πνεύματος μετὰ πάντων ὑμῶν. A. *13,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,9: Quid et formam legis adhuc tenet Galatarum castigator, in tribus testibus praefiniens staturum omne verbum? Ibid. V 1,3: Ipse se, inquit, apostolum est professus, et quidem non ab hominibus nec per hominem, sed per Iesum Christum. Plane profiteri potest semetipsum quis, verum professio eius alterius auctoritate conficitur. Alius scribit, alius subscribit, alius 3 (2Kor) 725 <?page no="726"?> obsignat, alius actis refert. Nemo sibi et professor et testis est. Vgl. Adam., Dial. II 18 (aus dem Mund des Adamantius): Τρίτον τοῦτο ἔρχομαι πρὸς ὑμᾶς. ἐπὶ στόματος δύο ἢ τριῶν μαρτύρων σταθήσεται πᾶν ῥῆμα. Zahn rekonstruiert: Τρίτον τοῦτο ἔρχομαι πρὸς ὑμᾶς. ἐπὶ στόματι (γὰρ? ) δύο ἢ (oder καὶ) τριῶν μαρτύρων σταθήσεται πᾶν ῥῆμα. Dtn 19,15 LXX: ἐπὶ στόματος δύο μαρτύρων καὶ ἐπὶ στόματος τριῶν μαρτύρων σταθήσεται πᾶν ῥῆμα. ♦ *13,2: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,9: Quid et non parsurum se peccatoribus comminatur, lenissimi dei praedicator? ♦ *13,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 12,9: Immo et ipsam durius agendi in praesentia potestatem a domino datam sibi affirmat. B. (13,1) Für ἔρχομαι liest man ἑτοίμως ἔχω ἐλθεῖν in den Zeugen 02, vg ms . ♦ (13,2) Post νῦν add γράφω in 06 2 , 018, 020, 025, 044, 104, 365, 1241, 1505, 2464, M, vg ms , sy, sa, (bo), Ambst, om in P 46 , 01, 02, 03, 06* .c , 010, 012, 016, 0243, 6, 33, 81, 630, 1175, 1739, 1881, lat. Das γράφω wird in Vers 10 wieder aufgenommen. C. 1. (13,1) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Harnack gibt als Wortlaut des Verses folgende Rekonstruktion: Τρίτον τοῦτο ἔρχομαι πρὸς ὑμᾶς: ἐπὶ στόματος δύο τριῶν μαρτύρων σταθήσεται πᾶν ῥῆμα. Schmid sieht nur Anspielungen, ohne eine Textrekonstruktion vorzuschlagen, BeDuhn folgt in seiner Übersetzung dem Text Harnacks. Die Frage stellt sich wieder, ob die unbezeugten Teile vorkanonisch präsent waren. Tertullian kommt angesichts seiner Gegenargumentation auf seine Ausfüh‐ rungen im Kommentar zum Galaterbrief. Dort hatte er nämlich diese Behaup‐ tung des *Paulus mit den zwei oder drei Zeugen zurückgewiesen, indem er ihm entgegenhielt, er, *Paulus, bezeuge sich lediglich selbst und erfülle damit nicht die Bedingung von drei Zeugen. Doch liest sich der vorkanonische Text nicht als Behauptung, es brauche drei Zeugen für die Beglaubigung einer Sache, sondern der Text bezieht sich unter Absehung des kanonischen Zusatzes zu Anfang von Vers 13,1 zurück auf die letztbezeugten Verse 12,8-9, wo davon die Rede war, dass *Paulus zwar dreimal den Herrn angefleht hatte, von ihm abzulassen, aber „die Kraft … in der Schwachheit vollendet“ werde; *Paulus wies also darauf hin, dass er dreimal von Gott geschlagen wurde, eben weil alles durch ein dreimaliges Zeugnis befestigt werde. Tertullian hatte folglich ein Statement aus dem vorkanonischen Text genommen und es mit Blick auf die kanonische Version hin gelesen. 2. (13,2) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Nach Zahn ist dieser Vers in seiner kanonischen Form präsent. Harnack hingegen sieht als Textbestand nur bezeugt: οὐ φείσομαι τοῖς ἡμαρτηκόσιν. Schmid sieht 726 Rekonstruktion <?page no="727"?> 103 Mark Bilby hat stilistische und lexikographische Gründe hinzugefügt, die die obige Version stützen (Email vom 16.05.2023). 104 T.R. Blanton IV, Paul’s Covenantal Theology in 2 Corinthians 2.14-7.4 (2012), 61. 105 Ibid. erneut nur Andeutungen, ohne eine Textrekonstruktion zu geben, und BeDuhn legt seiner Übersetzung den Text Harnacks zugrunde. 103 3. Der Ausdruck τοῖς λοιποῖς πᾶσιν, zu dem in Phil 1,13 auch noch ἐν ὅλῳ hin‐ zugefügt wird, spiegelt die kanonisch redaktionelle Tendenz, die geographische Reichweite auszudehnen und eine überregionale Bewegung zu signalisieren. Paulus gerät so zu einer Konsolidierungsfigur, wie Bilby dies in seiner Email an mich treffend formulierte. 4. (13,3-9) Diese Verse sind nach Zahn, Schmid und BeDuhn unbezeugt. Harnack verweist für Vers 3 auf Adam., Dial. V 6 (aus dem Mund des Adaman‐ tius): ἢ δοκιμὴν ζητεῖτε τοῦ ἐν ἐμοὶ λαλοῦντος Χριστοῦ. Für Vers 4 verweist er auf Adam., Dial. V 12 (aus dem Mund des Adamantius): καὶ γὰρ εἰ καὶ ἐσταυρώθη ἐξ ἀσθενείας, ἀλλὰ ζῇ ἐκ δυνάμεως θεοῦ. Hieraus leitet Harnack ab, dass diese Textteile Bestand des markionitischen Paulus waren. 5. (13,10) Zahn sieht den Vers in der kanonischen Form präsent, Harnack sieht den oben fettgedruckt und unterstrichenen Textteil bezeugt, so auch Schmid, der das κατά einklammert. BeDuhn legt seiner Übersetzung den obigen Text zugrunde, wobei er die unbezeugten Teile in Klammern gibt und auch das μή einklammert. Nach Blanton und anderen endet in 2Kor 13,10 der eigenständige, fünfte Brief (2Kor 10,1-13,10) innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief. 104 6. (13,11-13) Die Verse 11-13 gelten nach allen Editoren als unbezeugt, Zahn rechnet allerdings mit ihrer Präsenz in unbestimmbarer Form. Wieder sind wir auf den lexikalischen Vergleich angewiesen. Nach Blanton und anderen endet in 2Kor 13,11-13 der dritte und letzte Teil des ersten Briefes innerhalb der Sammlung von Briefen im Zweiten Korintherbrief. 105 D. (13,1) Zum unbezeugten Versanfang: Die Form τρίτον steht 8 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἔρχομαι steht 20 Mal im NT, Lk 13,7, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Lk 13,7; 19,13; 9 Mal Joh; 2Kor 13,1; 1Tim 4,13; 7 Mal Apk). ♦ στόμα steht 80 / 78 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19; *Laod 6,19. ♦ Die Form ἐπὶ στόματος steht noch 1 weiteres Mal in Mt 18,16. ♦ δύο steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 3 (2Kor) 727 <?page no="728"?> Zum bezeugten Versteil: μάρτυς, das 39 / 35 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *2Kor 13,1; *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. ♦ Die Form σταθήσεται steht 5 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ ῥῆμα, das 72 / 68 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,4; 13. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der lexikalische Vergleich deutet darauf hin, dass der unbezeugte Versanfang auf die kanonische Redaktion zurückgeht und vermutlich lediglich der bezeugte Text im vorkano‐ nischen Text stand. (13,2) προλέγω steht 18 / 15 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21. ♦ ὡς + Partizip findet sich nicht bei *Paulus, die Kombination ist jedoch ein wiederholtes Phänomen bei Paulus (Röm 4,17; 15,15; 1Kor 5,3; 7,25; 2Kor 6,9. 10; 13,2; Kol 3,20) und steht insgesamt 23 Mal im kanonischen NT. ♦ πάρειμι steht 25 Mal im NT und findet sich kurz danach in *2Kor 13,10 vorkanonisch bezeugt. ♦ δεύτερος, das 50 / 43 Mal im NT steht und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,47. ♦ ἄπειμι steht 8 Mal im NT und dürfte auch an derselben Stelle *2Kor 13,10 gestanden sein. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ προαμαρτάνω steht nur 2 Mal im NT, zuvor auf der kanonischen Ebene in 2Kor 12,21. Außerdem gibt es, worauf Bilby in seiner Email verweist, eine Verbindung zwischen 2Kor 12,21 und 2Kor 13,2, was für die kanonische redaktionelle Arbeit spricht. ♦ λοιπός findet sich 60 / 55 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,17; *Laod 2,3. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Wendung τοῖς λοιποῖς steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 16,13, im sekundären Markusschluss; Lk 24,9; 2Kor 13,2; Phil 1,13; Apk 2,24). ♦ Die Wendung τοῖς λοιποῖς πᾶσιν ist weder für *Paulus noch *Ev bezeugt, während er auf kanonischer Ebene in Phil 1,13 zu finden ist. ♦ εἰς τὸ πάλιν ist, worauf Bilby hinweist, ein höchst unübliches, aus der LXX gewonnenes Trigramm, das sich selbst im TLG vor dem 4. Jh. n. Chr. selten findet. ♦ φείδομαι, das 10 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene belegt. Zur Rekonstruktion: Auf der Basis der Andeutungen bei Tertullian und unter Berücksichtigung der Lexik lässt sich der obenstehende Text vorkanonisch annehmen, der Rest dürfte auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (13,3) ἐπεί steht 29 / 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: 1Kor 14,16; 15,29; 11,18; 13,3; Hebr 2,14; 4,6; 9,26; 10,2; im Vers: 3 Mal Mt; Mk 15,42; Joh 13,29; 19,31; Röm 3,6; 11,6. 22; 1Kor 728 Rekonstruktion <?page no="729"?> 5,10; 7,14; 14,12; Hebr 5,2. 11; 6,13; 9,17; 11,11). ♦ δοκιμή, das 7 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,19; 20,19; *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ Vgl. ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9, *1Kor 1,25. 27; *Röm 5,6. ♦ δυνατέω steht 8 / 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Besonders auffällig ist dabei der Befund in 1Kor 1,26, der einzige Vers, der unbezeugt ist für die vorkanonische Ebene in der Sequenz von 1Kor 1,18-27 und gerade in diesem Vers findet sich der Begriff, der auch sonst auf der kanonischen Ebene in der Apostelgeschichte, im Römerbrief und den beiden Korintherbriefen begegnet (Apg 25,5; Röm 14,4; 15,1; 1Kor 1,26; 2Kor 9,8; 13,9). ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser kanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐπεί auch als Verser‐ öffnung; δοκιμή; δυνατέω; ἐν ὑμῖν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (13,4) Die Kombination καὶ γάρ steht 39 Mal im NT, davon 24 Mal als Verseröffnung, weiter vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4 (als Verseröffnung); *1Kor 5,7 (im Vers). ♦ σταυρόω steht 62 / 46 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,33; 24,7; *Gal 5,24; 6,14; *1Kor 2,8; *Laod 2,16; *Kol 1,20; *Phil 2,8. ♦ Die Form ἐσταυρώθη steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; Röm 6,6; 1Kor 1,13; 2Kor 13,4; Apk 11,8). ♦ ἀσθένεια, das 27 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,9. 10. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ Die Form ζῇ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 7,39. ♦ γὰρ ἡμεῖς steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 4,20; 2Kor 4,11; 13,4). ♦ Die Wendung ἐν αὐτῷ (Mask.) steht 72 Mal im NT, Lk 13,1, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,8; *2Kor 1,20; *Röm 1,17; *Laod 2,16; 6,20. ♦ Die Form ζήσομεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 6,2. 8; 2Kor 13,4; 2Tim 2,11; Hebr 12,9; Jak 4,15). ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist verschiedene Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐσταυρώθη; ζῇ; γὰρ ἡμεῖς; ζήσομεν). Der Vers wird wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. 3 (2Kor) 729 <?page no="730"?> (13,5) πειράζω findet sich 42 / 38 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ πίστις, das 257 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. 20; 3,11. 26; 5,6; *1Kor 12,9; *2Kor 4,13; *Röm 1,17; 5,1; *Laod 4,5. ♦ Die Wendung ἐν τῇ πίστει steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ μήτι, das sich 20 Mal im NT findet, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἢ οὐκ begegnet 13 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. 1Kor 6,2. ♦ ἐπιγιγνώσκω steht 64 / 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,16. 31; *Röm 10,2. ♦ Die Form ἐπιγινώσκετε steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 2Kor 1,13. ♦ Zum kanonischen ἐν ὑμῖν, vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ μήτι, das sich 20 Mal im NT findet, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀδόκιμος, das 8 Mal im NT steht und ist nur für die kanonische Ebene belegt. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist noch deutlicher als der Vers zuvor eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πειράζω; ἐν τῇ πίστει; μήτι; ἢ οὐκ; ἐπιγινώσκετε; ἐν ὑμῖν; ἀδόκιμος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (13,6) Die Kombination ἐλπίζω δέ steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2Kor 13,6; Phil 2,19; 3Joh 1,14; im Vers: 2Kor 1,13; 5,11), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ Die Form γνώσεσθε steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 4,13; 34 Mal Joh; 2Cor 13,6). ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Die Wendung οὐκ ἐσμέν steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31. ♦ Zum kanonischen ἀδόκιμος vgl. den voranstehenden Vers. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Kombination und Verseröffnung ἐλπίζω δέ; γνώσεσθε; ἀδόκιμος). Auch dieser Vers wird wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (13,7) εὔχομαι steht 10 / 7 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Form εὐχόμεθα begegnet gleich wieder in 2Kor 13,9. ♦ Die Wendung πρὸς τὸν θεόν steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,1. ♦ Die Form ποιῆσαι steht 51 Mal im NT, Lk 11,42; 17,10, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, 730 Rekonstruktion <?page no="731"?> vorkanonisch bezeugt für *Paulus. ♦ Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,25. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,40; 24,3; *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Kombination οὐχ ἵνα steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 7,35. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ἵνα steht 19 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Joh 14,31; 15,25; Apg 4,17; im Vers: 2 Mal Mk; 9 Mal Joh; 2Kor 13,7; Eph 5,27; 2Thess 3,9; 1Joh 2,19; Apk 9,5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δόκιμος, das sich 7 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀδόκιμος, das 8 Mal im NT steht, vgl. zu Vers 5. ♦ φαίνω steht 34 / 31 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Form φανῶμεν steht nur hier. ♦ καλός steht 109 / 101 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,9. ♦ Die Wendung τὸ καλόν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 13,37; Röm 7,18. 21; 2Kor 13,7; 1Thess 5,21; Jak 2,7). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Ele‐ menten auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εὔχομαι; die Verseröffnung εὐχόμεθα; μηδέν; οὐχ ἵνα; ἀδόκιμος; ἀλλ’ ἵνα; τὸ καλόν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (13,8) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form δυνάμεθα steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 20,22; Mk 10,39; Joh 14,5; Apg 4,16. 20; 17,19; 2Kor 13,8; 1Thess 3,9; 1Tim 6,7). ♦ Die Kombination τι κατά steht 1 weiteres Mal, in Mt 5,23. ♦ Die Wendung κατὰ τῆς ἀληθείας steht 1 weiteres Mal, Jak 3,14. Zur Abwesenheit: Der kanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (δυνάμεθα; τι κατά; κατὰ τῆς ἀληθείας). Auch wenn die Verseröffnung kanonisch belegt ist, spricht doch das wichtige Verb mit der Verbform δυνάμεθα eher dafür, dass dieser Vers auf die kanonische Redaktion zurückgeht. Andererseits könnte der Vers die Begründung liefern für die Strenge, die in dem letztbezeugten Vers 2 und wieder in Vers 10 aufgegriffen wird. Weil auch die Formulierungen am Ende kaum weiter verwendet werden (Mt; Jak), wird man mit aller Vorsicht den Vers vorkanonisch setzen, auch wenn keine größere Gewissheit zu gewinnen ist. (13,9) χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12, vgl. weiter Vers 11. ♦ Die Form χαίρομεν steht nur 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, 1Thess 3,9. ♦ ὅταν steht 128 / 123 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54; *Kol 3,4. ♦ Die Kombination γὰρ ὅταν steht nur hier. 3 (2Kor) 731 <?page no="732"?> ♦ Zu ἀσθενέω vgl. zuvor zu den Versen 3 und 4. ♦ Kombination ὑμεῖς δέ begegnet 37 Mal im NT und findet sich nur auf der kanonischen Ebene, vgl. hierzu zuvor zu 1Kor 3,24. ♦ Die Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ κατάρτισις steht nur hier und noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in 1Petr 5,10. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (χαίρομεν; ὑμεῖς δέ; κατάρτισις). Der Vers wird wohl auf die kanonische Ebene zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Überblickt man die Lexik der Verse dieser unbezeugten Passage, begegnen zwar immer wieder Begriffe, die auch vorkanonisch bezeugt sind, doch die Reihe solcher, die ausschließlich oder vorwiegend der kanonischen Redaktion zugehören, ist weitaus größer. Damit stimmen weithin die fehlende Bezeugung und die Lexik überein, die Verse dürften also mit Ausnahme von Vers 8 auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sein. Dies gilt auch für die Verse 3 und 4, für die Harnack das Zeugnis des Adamantius benutzt hatte. Für eine Zuordnung der Passage zur kanonischen Redaktion spricht auch der narrative Zusammenhang, da der wieder bezeugte Vers 10, vielleicht gestützt durch Vers 8, an den zuletzt bezeugten Vers 2 anschließt. (13,10) Zum unbezeugten Versanfang: διὰ τοῦτο, das 64 Mal im NT steht, davon 38 Mal als Verseröffnung, ist vorkanonisch nicht als Verseröffnung, sondern lediglich im Vers bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ An das vielleicht vorkanonisch bezeugte ἄπειμι, das 8 / 7 Mal im NT steht, vgl. zuvor die Ausführungen zu Vers 2. ♦ γράφω steht 213 / 191 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,19. 31; 3,19; 9,10; 10,7. 11; 14,21; 15,54. Zum bezeugten Versteil: Zum vorkanonisch bezeugten πάρειμι, das sich 25 / 24 Mal im NT findet, vgl. ebenfalls Vers 2. ♦ ἀπότομος steht nur hier und noch 1 Mal auf kanonischer Ebene in Tit 1,13. ♦ χράω, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt. Zum nicht mehr bezeugten Versende: οἰκοδομή, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. ♦ καθαίρεσις steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene in 2Kor 10,4. 8. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Wegen des nar‐ rativen und grammatikalischen Zusammenhangs wird auch ein Teil des unbe‐ zeugten Anfangs dieses Verses vorkanonisch gestanden sein. Die Verseröffnung und das Ende des Verses scheinen auf die kanonische Redaktion zurückzugehen. 732 Rekonstruktion <?page no="733"?> Im nichtbezeugten Versende zeigt das nur von *Laod vorkanonisch bezeugte οἰκοδομή wiederum die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik auf. (13,11) λοιπός, das sich 60 / 55 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,17; *Laod 2,3, nicht allerdings mit der Form λοιπόν, die immerhin 14 Mal auf der kanonischen Ebene begegnet. ♦ Die Verseröffnung λοιπόν findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 13,11; 1Thess 4,1; 2Tim 4,8). ♦ Zu χαίρω vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ Die Form χαίρετε findet sich 12 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 5,12; Phil 4,4; im Vers: Mt 28,9; Lk 10,20; 2Kor 13,11; Phil 2,18; 3,1; 1Thess 5,16; 1Petr 4,13), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καταρτίζω steht 15 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Aufforderung φρονεῖτε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 13,11; Phil 2,5; Kol 3,2). ♦ εἰρηνεύω steht 4 Mal im NT, vorkanonisch in *Röm 12,18 in der Form εἰρηνεύοντες, während das Verb auf der kanonischen Ebene immer wie hier in derselben Form εἰρηνεύετε gebraucht wird (Mk 9,50; 2Kor 13,11; 1Thess 5,13). ♦ ἀγάπη, das 133 / 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42; *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς τῆς ἀγάπης steht nur hier. ♦ Auch die Kombination ἀγάπη καὶ εἰρήνη findet sich nur hier. ♦ Die Verbform ἔσται, die 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination μεθ’ ὑμῶν steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; 24,6. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung λοιπόν; χαίρετε; καταρτίζω; φρονεῖτε; εἰρηνεύετε). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (13,12) ἀσπάζομαι steht 65 / 59 Mal im NT, doch ist das Verb positiv allein auf der kanonischen Ebene gebraucht, das einzige Mal, dass das Verb vorkanonisch begegnet, findet es sich in der negativen Aussage, wonach die Apostel niemanden grüßen sollen, *Ev 10,4. ♦ Die Form ἀλλήλους steht 67 Mal im NT, Lk 20,14, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,10. ♦ φίλημα, das 7 Mal im NT steht, findet sich nur 1 Mal in *Ev 22,48 negativ (als Judaskuss). ♦ ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Die Form οἱ ἅγιοι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,2. 3 (2Kor) 733 <?page no="734"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf (die Semantik von ἀσπάζομαι; φίλημα; οἱ ἅγιοι), die nur auf der kanonischen Ebene begegnen. Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (13,13) Die Wendung Ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 3 Mal im NT (2Kor 13,13; Phil 4,23; Phlm 1,25), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἡ ἀγάπη τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 5,5; 2Kor 13,13; 4 Mal in 1Joh). ♦ κοινωνία, das 21 / 19 Mal im NT steht, findet sich im Sinne von Gemeinschaft ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck μετὰ πάντων ὑμῶν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 16,24. Zur Abwesenheit: Wie der Vergleich der Wendungen eindrücklich zeigt, ist dieser vorkanonisch unbezeugte Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 734 Rekonstruktion <?page no="735"?> Texte und Arbeiten zum neutestamentlichen Zeitalter (TANZ) herausgegeben von Matthias Klinghardt, Günter Röhser, Stefan Schreiber und Manuel Vogel Bisher sind erschienen: Frühere Bände finden Sie unter: https: / / www.narr.de/ theologie/ reihen/ tanz/ 50 Christian Kurzewitz Weisheit und Tod Die Ätiologie des Todes in der „Sapientia Salomonis“ 2009, 194 Seiten €[D] 49,- ISBN 978-3-7720-8349-5 51 Sascha Flüchter Die Anrechnung des Glaubens zur Gerechtigkeit Auf dem Weg zu einer sozialhistorisch orientierten Rezeptionsgeschichte von Gen 15,6 in der neutestamentlichen Literatur 2010, 399 Seiten €[D] 78,- ISBN 978-3-7720-8373-0 52 Philipp Kurowski Der menschliche Gott aus Levi und Juda Die „Testamente der zwölf Patriarchen“ als Quelle judenchristlicher Theologie 2010, 201 Seiten €[D] 49,- ISBN 978-3-7720-8384-6 53 Jochen Wagner Die Anfänge des Amtes in der Kirche Presbyter und Episkopen in der frühchristlichen Literatur 2011, 358 Seiten €[D] 68,- ISBN 978-3-7720-8411-9 54 Stephan Hagenow Heilige Gemeinde - Sündige Christen Zum Umgang mit postkonversionaler Sünde bei Paulus und in weiteren Texten des Urchristentums 2011, 370 Seiten €[D] 68,- ISBN 978-3-7720-8419-5 55 Soham Al-Suadi Essen als Christusgläubige Ritualtheoretische Exegese paulinischer Texte 2011, 347 Seiten €[D] 68,- ISBN 978-3-7720-8421-8 56 Matthias Klinghardt, Hal Taussig (Hrsg.) 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Bartholomä The Johannine Discourses and the Teaching of Jesus in the Synoptics A Contribution to the Discussion Concerning the Authenticity of Jesus` Words in the Fourth Gospel 2012, 505 Seiten €[D] 78,- ISBN 978-3-7720-8457-7 <?page no="736"?> 58 Wichard von Heyden Doketismus und Inkarnation Die Entstehung zweier gegensätzlicher Modelle von Christologie 2014, 567 Seiten €[D] 88,- ISBN 978-3-7720-8524-6 59 Julian Petkov Altslavische Eschatologie Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur in kirchenslavischer Überlieferung 2016, 495 Seiten €[D] 78,- ISBN 978-3-7720-8531-4 60 Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 1: Untersuchung || Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten 2020, 1480 Seiten €[D] 218,- ISBN 978-3-7720-8742-4 60/ 1 | 60/ 2 Matthias Klinghardt Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band I: Untersuchung | Band II: Rekonstruktion, Übersetzung, Varianten 2015, 1296 Seiten €[D] 198,- ISBN 978-3-7720-8549-9 60/ 1 Matthias Klinghardt Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 1: Untersuchung 2020, 543 Seiten €[D] 109,- ISBN 978-3-7720-8737-0 60/ 2 Matthias Klinghardt Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten 2020, 937 Seiten €[D] 149,- ISBN 978-3-7720-8741-7 61 Jan Heilmann, Matthias Klinghardt (Hrsg.) Das Neue Testament und sein Text im 2. Jahrhundert 2018, 322 Seiten €[D] 118,- ISBN 978-3-7720-8640-3 62 Nathanael Lüke Über die narrative Kohärenz zwischen Apostelgeschichte und Paulusbriefen 2019, 302 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-7720-8677-9 63 Alexander Goldmann Über die Textgeschichte des Römerbriefs Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund 2020, 254 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-7720-8709-7 64 Viktor Löwen Die zwölf Jünger Jesu Exegetische Untersuchungen zum Kreis der zwölf Jünger im Matthäusevangelium 2021, 656 Seiten €[D] 128,- ISBN 978-3-7720-8724-0 65 Jan-A. Bühner Jesus und die himmlische Welt Das Motiv der kultischen Mittlung zwischen Himmel und Erde im frühen Judentum und in der von Jesus ausgehenden Christologie 2020, 490 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-7720-8725-7 66 Jan Heilmann Lesen in Antike und frühem Christentum Kulturgeschichtliche, philologische sowie kognitionswissenschaftliche Perspektiven und deren Bedeutung für die neutestamentliche Exegese 2021, 707 Seiten €[D] 128,- ISBN 978-3-7720-8729-5 <?page no="737"?> 67 Tobias Flemming Die Textgeschichte des Epheserbriefes Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief 2022, 236 Seiten €[D] 88,- ISBN 978-3-7720-8738-7 68 Manuel Vogel (Hrsg.) Heiliger Krieg Religiöse Konzeptionen und Kontexte des Krieges im Alten Testament, im antiken Judentum und im frühen Christentum 2023, 300 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-7720-8787-5 69 Matthias Klinghardt Mahl und Kanon Gesammelte Aufsätze zum 65. Geburtstag. Herausgegeben von Jan Heilmann und Kevin Künzl 2022, 508 Seiten €[D] 128,- ISBN 978-3-7720-8779-0 70 Markus Vinzent (Hrsg.) Concordance to the Precanonical and Canonical New Testament 2023, 320 Seiten €[D] 118,- ISBN 978-3-381-10601-1 71 Aaron Graser Das Fremdzeugnis für Jesus Untersuchung der narrativen Darstellung des Zeugnisgebens für Jesus im Johannesevangelium 2024, 429 Seiten €[D] 118,- ISBN 978-3-381-11001-8 72/ 1 | 72/ 2 | 72/ 3 Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil I: Untersuchung | Teil II: Rekonstruktion-- Übersetzung | Teil III: Rekonstruktion - Übersetzung 2025, 2296 Seiten €[D] 420,- ISBN 978-3-381-12691-0 72/ 1 Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil I: Untersuchung 2025, 880 Seiten €[D] 209,- ISBN 978-3-381-12561-6 72/ 2 Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil II: Rekonstruktion - Übersetzung 2025, 734 Seiten €[D] 139,- ISBN 978-3-381-12571-5 72/ 3 Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil III: Rekonstruktion - Übersetzung 2025, 682 Seiten €[D] 129,- ISBN 978-3-381-14211-8 <?page no="738"?> ISBN 978-3-381-12571-5 www.narr.de T A N Z T A N Z T A N Z TEXTE UND ARBEITEN ZUM NEUTESTAMENTLICHEN ZEITALTER Für die Anfänge des Christentums sind lediglich zwei Sammlungen christlicher Texte bekannt, die als „Neues Testament“ bezeichnet wurden - eine vor der Mi e des 2. Jh.s entstandene, die von Markion von Sinope veranstaltet wurde, und die uns bekannte des später kanonischen Neuen Testaments, die aus der Zeit um Irenäus von Lyon gegen Ende des 2. Jh.s zusammengebracht wurde. Der griechische Text der 10-Briefe Sammlung des Paulus, die von den Kirchenvätern dem „Neuen Testament“ des Markion von Sinope zugeordnet wird, wird hier erstmals rekonstruiert. In Teil II und III wird der rekonstruierte griechische Text geboten, der parallel zu dem des kanonischen Textes der zehn Briefe gesetzt ist, versehen mit Apparaten zu den altkirchlichen Zeugen und den signifikanten Varianten, ergänzt mit einer kurzen inhaltlichen Kommentierung zu einzelnen Briefabschni en und einer Vers für Vers bezogenen lexikographischen Analyse. Teil II umfasst Gal, 1Kor, 2Kor. Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil II Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil II: Rekonstruktion - Übersetzung
