Fit für Deutsch im Studium: Zugangsprüfungen – Hochschule – Studienalltag
Mit digitalem Prüfungstraining
0302
2026
978-3-381-13182-2
978-3-381-13181-5
Gunter Narr Verlag
Jörg Roche
10.24053/9783381131822
Fit für Deutsch im Studium präsentiert übersichtlich und gut verständlich alle wichtigen Textsorten und Informationen, die für die Prüfungsvorbereitung und die Kommunikation in Alltag und Studium nötig sind. Der Band gibt zudem einen Überblick über alles, was für das Bestehen einer der Zugangsprüfungen (telc, DSH, TestDaF, DSD) wichtig ist, inklusive wissenschaftlich fundierter Strategien und Techniken für das Hör- und Leseverstehen, das Schreiben und das Sprechen. Fit für Deutsch im Studium vermittelt und übt alle relevanten Aufgabentypen und enthält ein interaktives digitales Prüfungstraining. Viele nützliche Hilfen für die Selbstevaluation und die Wahrnehmungsschulung erleichtern die Prüfungsvorbereitung.
Musterlösungen und weiterführende Hinweise und Tipps ergänzen das Vorbereitungsspektrum: ein komplettes Paket für die optimale Studien- und Prüfungsvorbereitung, individuell oder im Kursformat.
9783381131822/9783381131822.pdfhttps://narr.kwaest.io/learning#knoten?knoten-id=p_35
<?page no="0"?> ISBN 978-3-381-13181-5 Fit für Deutsch im Studium präsentiert übersichtlich und gut verständlich alle wichtigen Textsorten und Informationen, die für die Prüfungsvorbereitung und die Kommunikation in Alltag und Studium nötig sind. Der Band gibt zudem einen Überblick über alles, was für das Bestehen einer der Zugangsprüfungen (telc, DSH, TestDaF, DSD, Prüfungsteil Deutsch der Feststellungsprüfung an deutschen Studienkollegs) wichtig ist, inklusive wissenschaftlich fundierter Strategien und Techniken für das Hör- und Leseverstehen, das Schreiben und das Sprechen. Fit für Deutsch im Studium vermittelt und übt alle relevanten Aufgabentypen und enthält ein interaktives digitales Prüfungstraining. Viele nützliche Hilfen für die Selbstevaluation und die Wahrnehmungsschulung erleichtern die Prüfungsvorbereitung. Musterlösungen und weiterführende Hinweise und Tipps ergänzen das Vorbereitungsspektrum: ein komplettes Paket für die optimale Studien- und Prüfungsvorbereitung, individuell oder im Kursformat. Roche Fit für Deutsch im Studium: Zugangsprüfungen - Hochschule - Studienalltag Fit für Deutsch im Studium: Zugangsprüfungen - Hochschule - Studienalltag Mit digitalem Prüfungstraining Jörg Roche <?page no="1"?> Zusatzmaterial & digitales Prüfungstraining Zu diesem Band gibt es Zusatzmaterialien sowie ein digitales Prüfungstraining. Beides können Sie kostenfrei online abrufen. Erstellen Sie gleich einen persönlichen Account auf unserer eLibrary und erhalten Sie mit Ihrem Gutscheincode kostenfreien Zugriff auf das digitale Prüfungstraining und die Zusatzmaterialien zum Buch. So geht’s gutschein.narr.digital besuchen den Schritten zum Aktivieren des Gutscheincodes folgen Zusatzmaterialien herunterladen & Prüfungstraining starten Ihr Gutscheincode Fit für Deutsch im Studium: Zugangsprüfungen - Hochschule - Studienalltag 1318-VU3K-xCNq-jqse <?page no="3"?> Jörg Roche unter Mitarbeit von Laura Mair Fit für Deutsch im Studium: Zugangsprüfungen - Hochschule - Studienalltag Mit digitalem Prüfungstraining <?page no="4"?> DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 9783381131822 © 2026 · Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor: innen oder Herausgeber: innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich. Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de Druck: Elanders Waiblingen GmbH ISSN 0941-8105 ISBN 978-3-381-13181-5 (Print) ISBN 978-3-381-13182-2 (ePDF) ISBN 978-3-381-13183-9 (ePub) Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. <?page no="5"?> Jörg-Matthias Roche, Professor em. für Deutsch als Fremd‐ sprache an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Assoziierter Professor an der Deutsch-Jordanischen Hochschule Amman. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Spra‐ chenerwerb, Mehrsprachigkeit, Interkulturelle Kommunikation, Wissenschaftssprache und die Didaktiken von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. <?page no="7"?> 1 11 15 2 17 2.1 20 2.2 21 2.3 23 2.4 23 2.5 24 3 27 3.1 27 3.2 53 3.3 72 3.4 85 107 4 109 5 111 111 112 114 115 117 117 Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Teil 1 - Prüfungstraining . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie sehen Zugangsprüfungen aus? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die telc-Prüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der digitale TestDaF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das DSD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die DSH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eine Prüfung absolvieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Prüfungstraining . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leseverstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hörverstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schreiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sprechen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Teil 2 - Selbsteinschätzung und Wahrnehmungsschulung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Selbsteinschätzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wahrnehmungsschulung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fokus 1: Wie kann ich erkennen, ob ich schon weitgehend über die notwendigen Sprachkompetenzen verfüge? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fokus 2: Was genau muss ich im Test zeigen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fokus 3: Worauf muss ich mich bei den mir zum Teil noch unbekannten Aufgabentypen einstellen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fokus 4: Woran erkenne ich, worauf ich zurückgreifen kann, um mich weiter zu verbessern? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fokus 5: Wie kann ich mich im Hinblick auf sprachliches Handeln in der Hochschule weiterhin vorbereiten? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <?page no="8"?> 121 124 125 6 127 6.1 128 6.2 129 7 133 7.1 133 7.1.1 133 7.1.2 135 7.1.3 138 7.2 141 7.2.1 141 7.2.2 144 7.2.3 145 7.3 146 7.3.1 146 7.3.2 149 7.3.3 150 7.4 152 7.4.1 152 7.4.2 156 7.5 157 7.5.1 157 7.5.2 164 7.5.3 165 7.6 166 7.6.1 166 7.6.2 169 7.6.3 171 7.7 175 7.7.1 175 7.7.2 183 8 187 8.1 187 8.2 193 Fokus 6: Gibt es für mich sinnvolle Strategien, um die Sprachprüfung zu bestehen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Teil 3 - Wissenschaftssprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Studium und Forschung in deutschsprachigen Ländern . . . . . . . . . . . . . . . . . Wissensgenerierung und Wissenschaftliche Kommunikation . . . . . . . Wissensgenerierung, Wissensorganisation, Wissensmanagement . . . Wissenschaftliche Textsorten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Exposé . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Struktur eines Exposés . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Textbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Struktur einer Zusammenfassung (Beispiel Abstract) . . . . . . . . . . . . . . Textbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mitschrift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Struktur einer Mitschrift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Textbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Referat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Struktur eines Referats . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Argumentativer Text . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Struktur eines argumentativen Textes: Kontrastierung . . . . . . . . . . . . Textbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Laborbericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Struktur eines Laborberichts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Textbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seminararbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Struktur einer empirischen Seminararbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lösungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Transkripte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Inhalt <?page no="9"?> 9 205 10 207 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 9 <?page no="11"?> 1 Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen. Die Niveaustufen des GER. https: / / www .europaeischer-referenzrahmen.de/ 1 Vorwort Herzlich willkommen zu Fit für Deutsch im Studium, die Prüfungsvorbereitung und das Prüfungstraining für alle Hochschul-Sprachprüfungen (Zugangsprüfungen wie telc, DSH, DSD 2, TestDaF, Feststellungsprüfungen der Studienkollegs). Mit diesem Material können Sie sich 1. perfekt auf alle Formate vorbereiten und 2. die Prüfungsformate einüben. Da diese sich ändern, ist es gut, sich auf die grundlegenden kommunikativen Anforderungen von Studium und Forschung zuerst vorzubereiten und dann ein Trai‐ ning anzuschließen. Prüfungsvorbereitung und -training können mit Fit für Deutsch im Studium im Kurs oder auch im Selbststudium durchgeführt werden. Beide werden Ihre Erwartungen erfüllen, denn sie basieren auf langjähriger fundierter Sprachforschung und umfangreichen Erfahrungen von Dozentinnen und Dozenten und Prüferinnen und Prüfern. Aber worum geht es bei den sprachlichen Anforderungen für das Studium in deutschsprachigen Ländern eigentlich? Nach der Beschreibung des Gemeinsamen Eu‐ ropäischen Referenzrahmens für Sprachen (kurz: GER) grenzt sich das Sprachniveau C als Level der ‚kompetenten Sprachverwendung‘ von dem darunterliegenden B-Niveau (‚selbständige Sprachverwendung‘) ab. Folgende Globalbeschreibung zeigt Ihnen, was Sie für das Sprachniveau C1 beherrschen müssen: Kann ein breites Spektrum anspruchsvoller, längerer Texte verstehen und auch implizite Bedeutungen erfassen. Kann sich spontan und fließend ausdrücken, ohne öfter deutlich erkennbar nach Worten suchen zu müssen. Kann die Sprache im gesellschaftlichen und beruflichen Leben oder in Ausbildung und Studium wirksam und flexibel ge‐ brauchen. Kann sich klar, strukturiert und ausführlich zu komplexen Sachverhalten äußern und dabei verschiedene Mittel zur Textverknüpfung angemessen verwenden. 1 Laut Informationen der Kultusministerkonferenz (https: / / www.kmk.org/ themen/ deuts ches-sprachdiplom-dsd/ deutsche-sprachkenntnisse-fuer-den-hochschulzugang.html) müssen Studierende, die ihre Hochschulzugangsberechtigung nicht an einer deutsch‐ sprachigen Einrichtung erworben haben, für die Aufnahme eines Studiums an einer Hochschule in Deutschland in der Regel neben der fachlichen Hochschulzugangsbe‐ rechtigung auch die nötigen Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen. Die Rege‐ lungen für den Nachweis von deutschen Sprachkenntnissen für den Hochschulzugang haben die Kultusministerkonferenz und die Hochschulrektorenkonferenz in einem ge‐ meinsamen Beschluss festgelegt, der Rahmenordnung über deutsche Sprachprüfungen für das Studium an deutschen Hochschulen (RO-DT). Gemäß dieser Rahmenordnung können die erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache neben dem Deutschen Sprachdiplom - Zweite Stufe auch durch eine Deutsche <?page no="12"?> Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH), den Test Deutsch als Fremdsprache (TestDaF) und den Prüfungsteil Deutsch der Feststellungsprüfung an deutschen Studi‐ enkollegs nachgewiesen werden. Die Rahmenordnung benennt zudem Möglichkeiten, vom Nachweis des Bestehens einer der vier oben genannten Prüfungen befreit zu werden, zum Beispiel für Absolven‐ tinnen und Absolventen deutschsprachiger oder germanistischer Studiengänge oder für ausländische Studienbewerber mit ausländischem Bildungsnachweis zum Studium an deutschen Hochschulen. Die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) wird von Hochschulen und Studienkollegs abgehalten und verantwortet. Die Prüfungsordnungen der Hoch‐ schulen und Studienkollegs müssen bei der Hochschulrektorenkonferenz registriert werden. Der Fachverband Deutsch als Fremdsprache ist mit der Förderung der Einheit‐ lichkeit und der Qualitätssicherung beauftragt. Die Prüfungen variieren jedoch je nach der ausführenden Institution und dem Zeitpunkt. Der Test Deutsch als Fremdsprache (TestDaF) dient vor allem zum Nachweis von Deutschkenntnissen für den Studien- und Wissenschaftsbereich und kann weltweit an lizensierten Testzentren abgelegt werden. Der Prüfungsteil Deutsch wird im Rahmen der Feststellungsprüfung an Studienkollegs in Deutschland abgelegt. Studienkollegs dienen vor allem der Studienvorbereitung für diejenigen Studienbewerber, die mit ihrer Hochschulzugangsberechtigung in Deutsch‐ land keinen direkten Hochschulzugang erhalten. Inhaberinnen und Inhaber eines Zeugnisses über das bestandene Goethe-Zertifikat C 2: Großes Deutsches Sprachdiplom, eines Zeugnisses über die bestandene Prüfung telc Deutsch C1 Hochschule, das bestan‐ dene Österreichische Sprachdiplom C2 (ÖSD C2) oder von ausländischen Zeugnissen, die gemäß Ziffer 3, 4. der Vereinbarung Zugang von ausländischen Studienbewerbern mit ausländischem Bildungsnachweis zum Studium an deutschen Hochschulen: Nachweis der deutschen Sprachkenntnisse (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 02.06.1995 i. d. F. vom 12.03.2024) ausgewiesen sind, sind vom Nachweis durch eine der o. g. Prüfungen befreit. Am Anfang einer Prüfungsvorbereitung sollten Sie sich daher ein Bild verschaffen, wie gut Ihre aktuellen Kompetenzen in der deutschen Campussprache wirklich sind. Falls Sie eine solche Diagnose gerade gemacht haben, gut. Wenn Sie ansonsten eine verlässliche Einschätzung bekommen wollen, dann können Sie die schnell zum Beispiel über https: / / www.sprachtest.de/ oder verschiedene Lehrbuchverlage erhalten. Sie sollten jedenfalls genau wissen, wo Sie stehen, bevor Sie sich zur Prüfung anmelden. Wenn Ihre Ergebnisse unter GER C1-Niveau oder im Grenzbereich liegen, dann sollten Sie die grundlegenden Kapitel dieses Bandes bearbeiten und am besten noch einen Kurs belegen, bevor Sie sich dem Prüfungstraining hier widmen. Sehr gute sprachliche Kenntnisse sind nämlich erforderlich, damit das Prüfungstraining wirklich gut greifen kann. Das Training macht Sie vertraut mit den Anforderungen und dem Prüfungsformat und vermittelt Prüfungsstrategien für alle Zugangsprüfungen. Es ersetzt aber nicht die nötige Vorbereitung auf das erforderliche Sprachniveau. In diesem Band bekommen Sie viele hilfreiche Tipps zur Vorbereitung, zum Beispiel in Bezug 12 1 Vorwort <?page no="13"?> auf die Feststellung und Einübung von Lernstrategien, in Bezug auf die akademische Sprache (Campussprache) und ihre typischen Textsorten und in Bezug auf Lese-, Hör-, Sprech- und Schreibstrategien. Insofern helfen Ihnen die Materialien hier zweifach: in der Vorbereitungs- und in der Trainingsphase. Fit für Deutsch im Studium gibt Ihnen einen Überblick über alles, was für die Prüfung wichtig ist. Sie lernen die Aufgabentypen kennen und können am Schluss einen authentischen Modellsatz bearbeiten. Fit für Deutsch im Studium gibt Ihnen darüber hinaus aber auch vertiefende Informationen über das Studium und die Wissenschafts‐ sprache. So wird Ihnen die Kenntnis der vielen akademischen Textsorten sehr helfen, Ihr Studium in einem deutschsprachigen Kontext zu meistern. Fit für Deutsch im Studium gibt Ihnen zudem Hilfen für die Selbstevaluation und die Wahrnehmung Ihres Prüfungstyps und enthält auch Musterlösungen und weiterführende Hinweise auf Literatur und andere Ressourcen. Ein komplettes Paket also für die optimale Vorbereitung auf alle Prüfungen für den Hochschulzugang und den Campus-Alltag. Sämtliche für das Prüfungstraining benötigten Zusatzmaterialien (Hörtexte, Videos) können Sie direkt aus dem E-Book über die grünen Icons am Rand abrufen. Ein besonderer Dank gebührt Laura Mair für die Mitarbeit am Manuskript, vor allem an Kapitel 3 und 7, und Frau Professorin Karin Kleppin für ihren Beitrag zu Kapitel 5. Das Autorenteam und der Verlag wünschen Ihnen dabei viel Erfolg und auch viel Spaß bei der Beschäftigung mit der akademischen deutschen Sprache. Digitales Prüfungstraining zum Buch Zu diesem Buch steht Ihnen ein ergänzendes digitales Prüfungstraining zur Ver‐ fügung. Sie können es mit dem im Buch abgedruckten Gutscheincode freischalten und anschließend direkt online nutzen. Das Prüfungstraining enthält einen Modelltest für Hochschul-Sprachprüfungen, der sich eng an realen Prüfungsaufgaben orientiert. Damit können Sie überprü‐ fen, wie sicher Sie die Inhalte des Buches beherrschen, und gezielt feststellen, in welchen Bereichen Sie noch üben möchten. Durch die wiederholte Bearbeitung der Aufgaben vertiefen Sie Ihr Wissen und gewinnen Routine im Umgang mit typischen Prüfungssituationen. Das digitale Training ist genau auf die Kapitel des Buches abgestimmt und deckt alle Kompetenzbereiche - Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen - ab. So können Sie die Inhalte passend zu Ihrem Lernfortschritt trainieren und sich systematisch auf Ihre Sprachprüfung vorbereiten. Nutzen Sie den folgenden Link oder QR-Code, um direkt auf das digitale Prüfungstraining zuzugreifen: https: / / s.narr.digital/ t2vhs 1 Vorwort 13 <?page no="15"?> Teil 1 - Prüfungstraining <?page no="17"?> 2 https: / / www-docs.b-tu.de/ elearning/ public/ tagderlehre/ 2021/ TdL_Session_I_Vortrag_Peters.pdf 2 Wie sehen Zugangsprüfungen aus? Eine Sprachprüfung für akademische Kommunikation sollte immer einen direkten Bezug zur Situation der intendierten Sprachverwendung aufweisen und nach Möglich‐ keit ein breites Spektrum an sprachlichen Aufgaben aus dieser Situation abdecken. Die Aufgaben sollten folgerichtig auf einem handlungsorientierten Sprachmodell kommunikativer Kompetenz aufbauen und sich an Kommunikationssituationen ori‐ entieren, wie sie an deutschen Hochschulen typisch sind. Die Erklärungen und Aufgaben hier berücksichtigen daher in ihren sprachlichen Anforderungen zentrale Kompetenzen und kognitive Verarbeitungsprozesse, die in einem Studium zu bewälti‐ gen sind. Folgende Anforderungen wurden als fachübergreifend relevant klassifiziert und sind in den meisten Prüfungen wie etwa dem digitalen TestDaF abgebildet 2 : • Positionen/ Einstellungen anderer erkennen, wiedergeben und gegenüberstellen, • persönliche Meinung und Sachargument unterscheiden, • mündlich oder schriftlich Stellung nehmen, • Unterschiede bzw. Übereinstimmungen erkennen und wiedergeben, • kausale Zusammenhänge erkennen und ausdrücken, • Grafiken erfassen und Informationen daraus versprachlichen, • Notizen anfertigen und verarbeiten, • Informationen aus Zusammenfassungen verarbeiten und Zusammenfassungen produzieren. Diese Anforderungen haben sowohl rezeptive als auch produktive Anteile und gehören zu typischen kommunikativen Aufgaben im Studium. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Fertigkeiten bzw. Teilkompetenzen. Sie werden bemerken, dass die in Kapitel 7 vorgestellten wissenschaftlichen Textsorten auf genau diesen Kompeten‐ zen basieren. Die vier Teilkompetenzen Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen werden oft getrennt erfasst, das heißt möglichst ohne Beteiligung anderer Teilkom‐ petenzen, aber neuerdings auch in verschiedenen Kombinationen kompetenzübergrei‐ fend in integrierten Testaufgaben. Diese Integration folgt der Logik der modernen handlungsorientierten Sprachdidaktik. Die Themen stammen dabei aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und der Technik und Medizin sowie den Wirtschaftswissenschaften und Humanwissen‐ schaften. Sie sind für Nicht-Spezialisten verständlich aufbereitet. Beachten Sie aber unbedingt, dass die Aufgaben bei allen Prüfungen aus der Perspektive deutscher Institutionen gemacht sind. Sie beschäftigen sich also primär mit Themen, die im deutschsprachigen Kontext relevant sind, wie zum Beispiel Bildungsthemen, soziale Themen, Umwelt- und Klimathemen und ähnliches. Es empfiehlt sich daher, zur Prüfungsvorbereitung auch die aktuellen Themen und Debatten zu verfolgen, die in <?page no="18"?> Deutschland relevant scheinen, zum Beispiel über die Nachrichtensendungen der Deut‐ schen Welle, der ARD, des ZDF, des ORF und/ oder deutschsprachige Tageszeitungen wie die Neue Züricher Zeitung (NZZ), die Süddeutsche Zeitung (SZ), die Frankfurter Rundschau (FR), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die vielen weiteren regionalen und überregionalen Zeitungen und Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Die meisten sind auch im Ausland online erhältlich und besitzen verschiedene Erklärungsfunktionen wie Untertitel bei Fernsehsendungen oder im Internet. Lesen Der Prüfungsteil Lesen prüft in der Regel, ob Sie geschriebene Texte aus dem Hoch‐ schulkontext angemessen verstehen und auswerten können. Andere Prüfungsteile bauen unter Umständen darauf auf. In den Prüfungsteilen Hören, Schreiben und Sprechen des TestDaF werden so zum Beispiel Lesetexte für kompetenzübergreifende Aufgaben nach der Lektüre weiterverarbeitet. Dafür sollten Sie folgende Aspekte beachten: • explizite Informationen in einem Text schnell auffinden und verstehen können; • die Kohärenz-Bezüge in einem Text rekonstruieren und - in produktiven Texten - auch selbst herstellen können; • Hauptaussagen, Themenschwerpunkte, wichtige Fakten und zentrale Argumente identifizieren und verstehen können; • implizite Bedeutungen erschließen können; • verschiedene Informationen aus einem Text kategorisieren und aufeinander bezie‐ hen können, vor allem im Aufbau der Argumentation und bei kausalen Folgen. Die Textausschnitte in den Prüfungen stammen entweder aus wissenschaftlichen oder journalistischen Quellen, die auch von recht allgemeiner Natur sein können (vor allem beim DSD). Quellen sind unter anderem: • Wissenschaftsmagazine, • populärwissenschaftliche Zeitschriften oder Rubriken, • Lehrbücher unterschiedlicher Niveaus, aber eher mit allgemein verständlichen Inhalten, • Forschungsberichte. Hören Der Prüfungsteil Hören überprüft anhand gesprochener Texte aus dem Hochschulkon‐ text, ob Sie mündliche Beiträge, etwa aus Vorlesungen, Seminaren, Lerngruppen und Diskussionen, angemessen verstehen und im Hinblick auf eine bestimmte Fragestellung auswerten können. Gelegentlich sind die Aufgaben auch mit Tabellen, Grafiken, Folien, Fotos oder Videos versehen. Sie sollen die Situation, die betroffenen Akteure oder den Inhalt illustrieren oder vertiefen. 18 2 Wie sehen Zugangsprüfungen aus? <?page no="19"?> Dafür sollten Sie folgende Aspekte beachten: • alle Ebenen der Hörtexte hinreichend dekodieren können, auf der Laut- und Buchstabenebene (Phonem-Graphem-Korrespondenz) und der Wortebene (den Inhalt über Schlüsselvokabular erfassen und Wichtiges von Unbedeutendem un‐ terscheiden); • das konzeptuelle Gerüst des Hörtextes (mentales Modell) und dabei auch implizite Informationen und die kommunikative Funktion der Äußerung (Pragmatik) ver‐ stehen können; • die Organisation des Hörtextes erkennen und verstehen können und kausale Bezüge zwischen einzelnen Aussagen und Argumenten nachvollziehen können. Schreiben Der Prüfungsteil Schreiben überprüft, ob Sie angemessen relevante Schreibhandlungen ausführen und sich schriftlich angemessen im Hochschulkontext ausdrücken können. Das Schreiben geschieht wie in allen Kompetenzbereichen in verschiedenen Textsorten, die für das Studium zentral sind und in diesem Band auch ausführlich dargestellt werden. Dafür sollten Sie folgende Aspekte beachten: • kohärente und strukturierte Texte im betreffenden Textmuster schreiben können; • eigene Ideen und eine eigene Position adressaten- und situationsgerecht schriftlich formulieren können; • Ihre Produktionen selbständig überarbeiten und nötigenfalls korrigieren könen; • andere Positionen fair und sachlich korrekt wiedergeben und in Ihre Argumenta‐ tion integrieren können; • Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenfassen können, auch wenn diese andere Terminologien oder Argumentationsstränge verfolgen. Sprechen Der Prüfungsteil Sprechen überprüft, inwieweit Sie sich in verschiedenen wissen‐ schaftlichen Situationen angemessen äußern können, etwa in Seminaren, bei Präsen‐ tationen, im Kontakt mit dem International Office oder der Verwaltung, in Lerngruppen oder in der Sprechstunde. Dafür sollten Sie folgende Aspekte beachten: • zentrale Informationen in einem Lesetext erkennen und stichwortartig notieren und mündlich zusammenfassen können; • Positionen zum vorgegebenen Thema klar strukturieren können; • entsprechende Textsorten und Register angemessen einhalten und umsetzen können; 2 Wie sehen Zugangsprüfungen aus? 19 <?page no="20"?> 3 https: / / www.telc.net/ sprachpruefungen/ infos-fuer-pruefungszentren/ pruefungen-papierbasiert-hy brid-digital/ • unterschiedliche Positionen sachlich korrekt wiedergeben und in Ihre Argumen‐ tation sinnvoll integrieren können; • frei sprechen können (nicht ablesen). 2.1 Die telc-Prüfung Die telc-Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. In der schriftlichen Prüfung geht es darum, Texte zu lesen oder zu hören. Die Aufgabenfor‐ mate umfassen unterschiedliche Multiple-Choice-Aufgaben und das Zuordnen von Lösungen. Aufgaben zur Grammatik und Lexik überprüfen die Kenntnisse in diesen Bereichen. Teilnehmende belegen ihre Fähigkeiten im Bereich der Mediation. Sie fassen die Informationen eines Vortrags in Form von Stichpunkten zusammen. Hinzu kommt das freie Schreiben. Die mündliche Prüfung besteht aus zwei Teilen: einer Präsentation mit Zusammen‐ fassung und Anschlussfragen sowie einer Diskussion über ein vorgegebenes Thema. Der Fokus liegt auf dem direkten Austausch der Prüfungsteilnehmenden untereinan‐ der. Subtest Anzahl der Teile Dauer in Minuten Sonstiges Schriftliche Prüfung Lesen 3 90 20 Minuten Pause Sprachbausteine 1 Hören 3 40 Schreiben 1 70 Mündliche Prüfung Sprechen 2 16 i.d.R. 2 Teilnehmende 20 Minuten Vorberei‐ tungszeit Die telc-Prüfung kann entweder als papierbasierte, hybride oder digitale Prüfung abgelegt werden. Was ist eine papierbasierte Prüfung? 3 Eine papierbasierte telc-Prüfung wird folgendermaßen durchgeführt: • Durchführung der schriftlichen Prüfung auf Papier, gemäß den Allgemeinen Richtlinien zur Durchführung; • Abnahme der mündlichen Prüfung von Prüfenden vor Ort in der Sprachschule. 20 2 Wie sehen Zugangsprüfungen aus? <?page no="21"?> 4 https: / / www.testdaf.de/ de/ teilnehmende/ der-digitale-testdaf/ auswertung-des-digitalen-testdaf/ . [21.11.2023]. Was ist eine hybride Prüfung? Eine hybride telc-Prüfung wird folgendermaßen durchgeführt: • Durchführung der schriftlichen Prüfung nach dem telc-Standard auf Papier; • Abnahme der mündlichen Prüfung über eine Konferenzsoftware im virtuellen Prüfungsraum. Was ist eine digitale Prüfung? Eine digitale telc-Prüfung besteht aus zwei Teilen: • der schriftlichen Prüfung nach dem telc-Standard am PC und • der mündlichen Prüfung über eine Konferenzsoftware im virtuellen Prüfungs‐ raum. Was sind die Unterschiede zwischen der digitalen und der hybriden Prüfung? Sie sind bis auf die Durchführung beide gleichermaßen anerkannt und inhaltlich gleich. Bei der digitalen Prüfung wird auch der schriftliche Teil am Computer durchgeführt. Bei hybriden Prüfungen findet der schriftliche Teil hingegen klassisch papierbasiert statt, für die mündliche Prüfung werden die Prüfenden aber über eine Konferenzsoft‐ ware zugeschaltet. Vorteile der digitalen Prüfung Digitale Prüfungen bieten den Vorteil, eine sichere Durchführung zu gewährleisten und die Auswertung der Prüfungsunterlagen zu beschleunigen. Es müssen keine Unterlagen per Post versendet werden. Die mündliche Prüfung wird wie bei der hybriden Prüfung über online zugeschaltete Prüfende im virtuellen Prüfungsraum abgenommen. 2.2 Der digitale TestDaF 4 Der digitale TestDaF hat folgende Aufgabenverteilung. Lesen 7 Aufgaben 55 Min. Hören 7 Aufgaben 40 Min. Schreiben 2 Aufgaben 60 Min. Sprechen 7 Aufgaben 35 Min. Die vier Prüfungsteile werden im digitalen TestDaF getrennt ausgewertet. In den Prüfungsteilen Lesen und Hören werden Ihre Antworten oder Lösungen au‐ tomatisch gespeichert und ausgewertet. Im Prüfungsteil Hören werden Ihre Lösungen 2.2 Der digitale TestDaF 21 <?page no="22"?> in den drei Aufgaben mit Kurzantworten von erfahrenen und geschulten Beurteilenden des TestDaF-Instituts bewertet. Der Prüfungsteil Schreiben umfasst zwei unterschiedliche Aufgabentypen. Speziell geschulte Beurteilende lesen und bewerten Ihre Texte. Dabei spielen folgende Aspekte eine Rolle: • Bezieht sich Ihr Text auf das Thema der Aufgabe? • Werden alle Punkte der Aufgabenstellung ausreichend berücksichtigt? • Werden die in der Aufgabenstellung geforderten Schreibhandlungen erfolgreich umgesetzt (z. B. einen argumentativen Text schreiben oder Informationen aus einem Text und einer Grafik zusammenfassen)? • Sind die Informationen - sofern gefordert - aus den Quellen in Bezug auf die Fragestellung korrekt und mit eigenen Worten zusammengefasst? • Haben Sie sich angemessen und präzise ausgedrückt? Variieren Sie grammatikali‐ sche Strukturen? Ist Ihr Wortschatz abwechslungsreich? Verwenden Sie angemes‐ sene Redemittel? • Ist Ihre Äußerung trotz einiger Fehler noch verständlich? Die so ermittelte Beurteilung wird in Punktwerte auf der Skala von 0-20 übertragen. Der Prüfungsteil Sprechen umfasst sieben unterschiedliche Aufgabentypen. Spe‐ ziell geschulte Beurteilende hören und bewerten Ihre Äußerungen. Dabei spielen folgende Aspekte eine Rolle: • Bezieht sich die Äußerung auf das Thema der Aufgabe? • Werden alle Punkte der Aufgabenstellung ausreichend berücksichtigt? • Passt Ihre Äußerung zu der Aufgabe und der Situation? Werden die in der Aufgabenstellung geforderten Sprechhandlungen erfolgreich umgesetzt (z. B. Zu‐ sammenfassen, Abwägen, Kritik äußern, Stellung nehmen, Begründen, Vorschläge machen)? • Sind die Informationen - sofern gefordert - aus den Quellen korrekt und mit eigenen Worten wiedergegeben oder zusammengefasst? • Sprechen Sie flüssig, klar, verständlich? Machen Ihre Aussprache und Intonation das Verstehen leicht? • Haben Sie sich angemessen und präzise ausgedrückt? Variieren Sie grammatikali‐ sche Strukturen? Ist Ihr Wortschatz abwechslungsreich? Verwenden Sie angemes‐ sene Redemittel? • Ist Ihre Äußerung trotz einiger Fehler noch verständlich? Das Ergebnis der Bewertungen wird in die TestDaF-Niveaustufe 3, 4 oder 5 übertragen (ca. B2.1 - C1.1). Normalerweise erhalten Sie mit einer TestDaF-Niveaustufe 4 in allen Prüfungsteilen Zugang zu fast allen Studiengängen. Informieren Sie sich jedoch im Zweifel bei der jeweiligen Hochschule. 22 2 Wie sehen Zugangsprüfungen aus? <?page no="23"?> 2.3 Das DSD Mit den Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz werden Kenntnisse der deutschen Sprache und wissenschaftspropädeutische Bildung und Studierfähigkeit nachgewiesen. Diese umfassen funktionale kommunikative Kompetenzen und politische, histori‐ sche, soziale, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen. Die Prüfungen zum Deut‐ schen Sprachdiplom unterscheiden sich daher im thematischen Fokus und im Format von den anderen Prüfungen. Sie umfassen vier gleich gewichtete Prüfungsteile zu den Kompetenzbereichen: a. Leseverstehen (LV), (Teile 1 - 3), 60 Minuten + 10 Minuten für die Übertragung der Lösungen; b. Hörverstehen (HV), (Teile 1 - 3), 30 Minuten + 10 Minuten für die Übertragung der Lösungen; c. Schriftliche Kommunikation (SK), einen Aufsatz schreiben (Textinput), 120 Minu‐ ten; d. Mündliche Kommunikation (MK), Teil 1 (zusammenhängender Vortrag mit Stel‐ lungnahme zum vorgegebenen Thema, anschließend kurze Diskussion), Teil 2 (zusammenhängender Vortrag mit Stellungnahme zum vorgegebenen Thema, anschließend auf Nachfragen und Einwände reagieren), insgesamt ca. 20 Minuten + 20 Minuten Vorbereitungszeit. Grundlage der Prüfung ist ein kontinuierlicher, kompetenzorientierter Unterricht an einer Schule, der die Genehmigung zur Durchführung der Prüfung erteilt wurde. Fit für Deutsch im Studium bereitet auf die Aufgaben der Prüfungsteile des DSD gut vor, auch wenn das DSD-Format und die Inhalte variabel sind. 2.4 Die DSH Die DSH besteht aus einer schriftlichen und einer mündlichen Teilprüfung und wird von verschiedenen Hochschulen in wenig standardisierter, an traditionelle Prüfungs‐ formate angepasster Form angeboten. Das Format enthält viele Multiple-Choice-, Zuordnungs- und Einsetzübungen und kann je nach Prüfungsort und -zeit variieren. Die Bestehensgrenze für die Teilprüfungen liegt bei 57 % der maximal erreichbaren Punktzahl, aber zwischen 67 % und 81 % wird die Niveaustufe DSH 2 angesetzt, ab 82 % DSH 3. Die bestandene DSH 2 gilt als uneingeschränkt ausreichend für den Hochschulzu‐ gang. Die schriftliche Prüfung dauert drei bis vier Zeitstunden und umfasst folgende Aufgabenbereiche: • Verstehen und Verarbeiten eines Hörtextes, • Verstehen und Bearbeiten eines Lesetextes, 2.3 Das DSD 23 <?page no="24"?> • Vorgabenorientierte Textproduktion, • Verstehen und Bearbeiten wissenschaftssprachlicher Strukturen. Der Aufgabenbereich „Verstehen und Verarbeiten eines Hörtextes“ prüft, ob Kandi‐ datinnen und Kandidaten Vorlesungen und Vorträgen aus dem wissenschaftlichen Bereich mit Verständnis folgen und ob sie die gewonnenen Informationen sinnvoll nutzen können. Der Hörtext ist 50 bis 100 Zeilen lang, dafür stehen insgesamt 50 Minuten Bearbeitugszeit zur Vefügung. Vor der Präsentation wird das Thema bekanntgegeben. Der Text wird dann ein- oder zweimal vorgelesen. Dabei dürfen Notizen gemacht werden. Das Verständnis wird überprüft durch • die Beantwortung von Fragen • oder die Wiedergabe oder Zusammenfassung des Textes. Die vorgabenorientierte Textproduktion umfasst insgesamt 70 Minuten. Das Verstehen und Verarbeiten eines wissenschaftsorientierten Lesetextes und wissenschaftssprach‐ licher Strukturen umfasst insgesamt 90 Minuten einschließlich der Lesezeit. Bei der Be‐ wertung werden inhaltliche Gesichtspunkte stärker berücksichtigt als die sprachliche Richtigkeit. Beim Schreiben geht es darum, sich selbstständig und zusammenhängend zu einem studienbezogenen und wissenschaftsorientierten Thema schriftlich äußern zu können. Die mündliche Prüfung umfasst studienrelevante sprachliche Handlungen (Erläu‐ tern, Bewerten, Exemplifizieren, Informieren, etc.), die spontan, fließend und ange‐ messen auszuführen und zu rezipieren sowie mit relevanten Interaktionsstrategien (Sprecherwechsel, Kooperieren, um Klärung bitten, etc.) zu versehen sind. Zum Bestehen der Gesamtprüfung müssen beide Teilprüfungen bestanden werden. Das Gesamtergebnis wird jedoch nicht gemittelt, so dass besser und schlechter bewer‐ tete Teile nur bedingt ausgeglichen werden können. An verschiedenen Prüfungsorten muss zunächst der schriftliche Teil bestanden sein, bevor man zur mündlichen Prüfung zugelassen wird. Trotz hoher Variabilität der DSH bietet Fit für Deutsch im Studium auch für DSH-Prüfungen alle relevanten Hintergrundinformationen und uneingeschränkte Vorbereitungsmöglichkeiten. 2.5 Eine Prüfung absolvieren Eine Prüfung zu machen, ist sicher nicht das Angenehmste der Welt. Oft ist die Vorbereitung darauf mit Anspannung und Angst und einer totalen Fokussierung auf das Endergebnis verbunden, bei Sprachprüfungen also auf den geschriebenen oder gesprochenen Text oder die beantworteten Verständnisfragen. Diese Fokussierung auf das Endprodukt lässt Prüflinge oft vergessen, dass rezeptive und produktive Sprache in Prozessen entsteht und nicht einfach aus „dem Ärmel geschüttelt“ werden kann. Es ist daher sinnvoll, auch in einer Prüfungssituation die einzelnen Prozesse 24 2 Wie sehen Zugangsprüfungen aus? <?page no="25"?> beim Verstehen und Produzieren zu beachten, auch wenn in einer Prüfungssituation besondere Bedingungen herrschen: • Sie haben weniger Zeit. • Sie müssen gut vorbereitet sein und Ihr Wissen schnell abrufen können. • Sie haben keine Ressourcen, die Sie konsultieren können und bekommen auch keine direkte Rückmeldung von authentischen Kommunikationspartnern/ Kom‐ munikationspartnerinnen (Adressaten) in der Kommunikationssituation. • Prüferinnen und Prüfer haben in der Regel keine authentischen Kommunikations‐ rollen, sondern sind am ehesten in einer Beobachterperspektive dabei und geben in der Regel erst nach der Kommunikation Rückmeldung. • Es wird angenommen, dass Sie den Kontext der Kommunikationssituation und auch das Thema sehr gut kennen oder rekonstruieren können und daher spontan reagieren können. Trotz dieser einschränkenden Kommunikationsbedingungen ist es wichtig, „einen kühlen Kopf “ zu bewahren und die Kommunikationsbedingungen der jeweiligen Situation „im Auge zu behalten“. Was heißt das für Sie prüfungsstrategisch? • Bedenken Sie die Besonderheiten der jeweiligen Kommunikationssituation: In welcher Rolle hören, lesen, sprechen oder schreiben Sie? Als Studentin/ Student, als Expertin/ Experte, als Auskunftgebende, als Kommilitonin/ Kommilitone, als Vermieterin/ Vermieter …? Handelt es sich um eine konzeptuell schriftliche oder konzeptuell mündliche Situation und in welchem Medium? • Was ist die konkrete Forschungsfrage, zu der Sie Stellung nehmen oder die Sie verstehen sollen? Machen Sie diese zu Ihrem Leitmedium. • Machen Sie sich entsprechend Notizen für die unterschiedlichen Schritte des Textverstehens und der Produktion. • Teilen Sie sich die knappe Zeit ein. Beachten Sie: Eine kommunikative Handlung • geschieht in einem bestimmten Kontext, hat also in der Regel eine Vorgeschichte und ist situiert, • beginnt mit einer irgendwie gearteten Planung einer Aufgabe unter Berücksich‐ tigung der Situation und der Zielsetzung, • erfordert irgendeine Art der Information und Organisation der Ressourcen, • benötigt Koordination und gegebenenfalls auch einen organisierten Rahmen, • muss unter authentischen Bedingungen durchgeführt werden, • verursacht authentische Rückmeldung durch Adressaten und generiert Interak‐ tion, • löst irgendeine Art „Erfolgskontrolle“, Bewertung und Reflexion des Erfolgs der kommunikativen Handlung aus. 2.5 Eine Prüfung absolvieren 25 <?page no="26"?> Natürlich kann man auch einfach „drauflosreden“ oder schreiben oder andere Men‐ schen „zutexten“, aber damit ist der kommunikative Erfolg gefährdet und in der wissenschaftlichen Kommunikation ist solche Planlosigkeit nicht akzeptiert. Das bedeutet konkret: Angenommen, Sie sollen einen Vortrag halten oder einen Artikel schreiben, dann werden Sie sich sinnvollerweise • zuerst über den Rahmen, die Adressatengruppe und das Thema orientieren, • dann Informationen aus allen möglichen Quellen sammeln und prüfen, • Ihren Vortrag/ Beitrag strukturieren und organisieren und die richtigen Medien aussuchen und ausarbeiten, • üben (zum Beispiel vor Kommilitoninnen und Kommilitonen) oder sich selbst aufnehmen beziehungsweise anderen kompetenten Leuten Entwürfe Ihres Textes zeigen, zum Beispiel beim Verfassen einer Seminararbeit oder eines Laborberichtes, • möglichst perfekt durchführen, • auf positive Rückmeldungen der Zuhörerschaft/ Leserschaft hoffen und darüber diskutieren, wodurch sich vermutlich weitere Einsichten in den Stoff und die sprachliche Handlung ergeben. 26 2 Wie sehen Zugangsprüfungen aus? <?page no="27"?> 3 Prüfungstraining In diesem Kapitel führen wir Sie exemplarisch durch die Prüfungsteile Leseverstehen, Hörverstehen, Schreiben und Sprechen, wie sie in den einzelnen Prüfungsformaten erscheinen können. Zuerst finden Sie immer ein Prüfungstraining, das Ihnen hilft, die jeweils zugrundeliegenden sprachlichen Rezeptions- und Produktionsprozesse zu verstehen und konkrete Techniken zu erlernen. Anschließend erklären wir das Format der einzelnen Aufgaben (Situierung, Anforderungen etc.). Schließlich erproben Sie in den Übungen schrittweise verschiedene Aspekte der Aufgabenstellungen. Tipp: Im Übungsteil finden Sie zu Beginn immer eine Beispielsaufgabe, und dazu passende Übungen. Wir empfehlen Ihnen, sich zuerst die jeweilige Beispielaufgabe genau durchzulesen, um anschließend die Übungen zu absolvieren. Erst danach sollten Sie versuchen, die Beispielaufgabe zu lösen. 3.1 Leseverstehen Das Lesen ist ein besonders wichtiger Kompetenzbereich, da die Verschriftlichung von Texten auch ein gutes Hilfsmittel zum Verstehen von Hörtexten sein kann. Schriftliche Texte weisen durch ihre Darstellung eine Reihe von entscheidenden Verständnishilfen auf: so gibt die Getrenntschreibung von Wörtern Lernern und Lernerinnen wichtige Hinweise auf die Wort- und Bedeutungsgrenzen. Auch die Großschreibung bietet eine schnelle Orientierungshilfe, die besonders für das globale Lesen von großer Bedeutung ist, weil sie dem Leser eine schnelle Identifikation der wichtigsten Elemente einer Äußerung erlaubt. Ähnliches gilt auch für die Satzzeichen. Die grundlegenden Informationen eines Textes lassen sich durch W-Fragen ermitteln: wer, was, wann, wo, wie, warum. Bei argumentativen Texten oder Erörterungen von Problemen kann es sinnvoller sein, zu fragen: Was ist das Problem? Wodurch wurde es verursacht? Wie kann es gelöst werden? Auch Konnektoren, die Aussagen miteinander verbinden, erleichtern das Erfassen der Argumentationsstruktur eines Textes. Sie können beispielsweise zeitliche Bezüge ausdrücken („bevor, danach, anschließend, …“), etwas begründen („denn, weil, …“), ein Ziel oder einen Zweck angeben („damit, um … zu …“). Es empfiehlt sich, den Text abschnittsweise zu erarbeiten. Bei der Vermittlung von Lesekompetenzen werden meist drei unterschiedliche Dekodierungs-Strategien empfohlen. Diese finden Sie zum Beispiel in der telc-Prüfung explizit genannt: <?page no="28"?> • das globale Lesen zur (ersten) Groborientierung über das Thema und die Darstellung im Text (Globalverstehen), • das selektive Lesen zur Aufnahme einzelner spezifischer Informationen und • das totale oder intensive Lesen zur Aufnahme aller Detailinformationen eines Textes (Detailverstehen). Zwei Techniken zur globalen Lektüre können Lernern die Aufgabe wesentlich erleich‐ tern, fremde Texte schnell zu entschlüsseln: • Das Skimming dient der ersten Orientierung des Lesers über Textsorte, Gliederung, grafische Präsentation und Kernbegriffe eines Textes (orientie‐ rendes Lesen). Es vermittelt durch ein „Absahnen“ des Textes nur einen groben Eindruck von den wichtigsten Informationen im Text und kann so helfen, erste Propositionen zu erkennen. Das geschieht zum Beispiel durch das Erkennen wichtiger Wörter wie etwa der (großgeschriebenen) Nomen im Deutschen. • Das Scanning setzt voraus, dass der Leser bereits eine Idee von dem hat, was er liest. Das heißt, er versucht, bestimmte Begriffe wiederzufinden, die er auf Grund eines ersten mentalen Modells aus einer Kontextsituierung und mit Hilfe des Vorwissens erwartet oder die normalerweise zum Thema und Schema gehören (Lesen mit Suchfragen, suchendes Lesen). Bei der Lektüre eines Unfallberichtes in der Zeitung sucht ein Leser erwartungsgemäß nach Angaben zu den Ursachen, Folgen und dem Ablauf des Geschehens. Sie gehören zum Schema eines Unfalls und zu den grundlegenden Elementen der Textsorte. Mit der Suche nach der Information füllt der Leser also vorhandene Leerstellen. Beim Lesen von Texten (und auch beim Hören) ist die Textoberfläche eine von drei Ebenen, die Sie beachten müssen. Aber diese Oberfläche ist nicht das Wichtigste. Von den Zeichen an der Oberfläche müssen Sie zu den Inhalten, den sogenannten Propositionen, gelangen. Es geht also um die Frage: Was bedeuten die einzelnen Inhalte des Textes? Schließlich tragen sie wie die Oberfläche zur Konstruktion eines mentalen Modells bei. Und darum geht es eigentlich: welche Bedeutung und welche Funktion hat der Text in seiner besonderen Umgebung? Um mentale Modelle erzeugen zu können, muss man den Kontext kennen und am besten auch einiges vom Fach und von der Kultur verstehen. Das Leseverstehen von Texten geschieht sinnvollerweise in folgenden Schritten: 28 3 Prüfungstraining <?page no="29"?> • Orientierung über die anstehende Aufgabe, die Anforderungen, den kommunika‐ tiven und fachlichen Kontext, den Schwierigkeitsgrad, die erwartbaren Ergebnisse. • Sammlung von Informationen und vorhandenem Material, Recherchen zum Ver‐ stehen. • Rekonstruktion des Ziels des Textes, Plan für die Dekodierungsaufgabe. • Sukzessiver Verstehensprozess in Bezug auf Oberfläche, Propositionen, mentales Modell. • Integration, Plausibilitätsprüfung in Bezug auf Vor- und Kontextwissen. • Revision und ggf. weitere Recherchen. Hier die wichtigsten Strategien für die unterschiedlichen Phasen des Lesens: Selektives Lesen: • Absuchen des Textes nach bestimmten Stichwörtern oder Inhalten (Scan‐ ning), • Auffinden von passenden Textstellen, • Zuordnung von Aussagen, • Textgerüst entwerfen oder Text gliedern, Mindmaps erstellen, • Fragen zum Text beantworten, • Hypothesen überprüfen und belegen, • vorgegebene Elemente aus einer Tabelle entnehmen. Totales Lesen: • wichtige Elemente unterstreichen, • Überflüssiges herausstreichen, Fehlendes ergänzen, • Abbildungen zum Text zuordnen, • genaues Flussdiagramm des Textverlaufs erstellen, • Tabelle mit Detailinformationen erstellen, • Texte vergleichen, • Richtig-Falsch-Fragen und andere Detailfragen beantworten, • für Übungszwecke: Texte aus Textteilen rekonstruieren lassen (zum Beispiel als Puzzle), • wichtige Elemente des Textes aus einem Schüttelkasten auswählen. Verfahren zum Testen der globalen Lesekompetenz: • Erfassen des Hauptthemas und der wichtigsten Elemente des Handlungs‐ schemas, • Einordnung der Hauptinformationen in eine vorgegebene Fragestellung und Bewertung der Wichtigkeit. 3.1 Leseverstehen 29 <?page no="30"?> Verständnis-Checkliste • Berücksichtigung der Situativität: Kommunikationskontext und -rollen: Wer kommuniziert mit wem über welches Thema in welcher Situation? • Klarheit über die Forschungsfrage/ Kommunikatives Ziel: Welche Fragen sol‐ len beantwortet werden? Was ist die Aufgabe? Was sind die Anforderungen? • Planung: Welche Makrostruktur/ Textsortenstruktur ist vorhanden? Handelt es sich um eine eher konzeptionell mündliche oder schriftliche Ausprägung? Wie positioniert sich der Autor/ die Autorin dazu? Ist Selbstreferenz ange‐ messen? Wie subjektiv/ objektiv ist der Text strukturiert? Wie hörer- oder sprecherorientiert ist er? Übungen Aufgabe 1 Lesen Sie den Lückentext. Entscheiden Sie, welches Wort aus der Liste unten jeweils in die Lücken passt. Für jede Lücke gibt es genau eine richtige Lösung. Sie haben 4 Minuten Zeit. Die Sprache der Katzen Viele Menschen sind fasziniert von Katzen und ihrer ganz eigenen Art der Kommuni‐ kation. Ihre Emotionen (1) _________ sich oft anhand ihrer Körpersprache. Wenn eine Katze aufmerksam ist, stellt sie die Ohren nach vorne und die Pupillen sind geweitet. Ihr Körper wirkt angespannt, weil sie bereit ist zu reagieren. Bei Angst (2) _________ sie die Ohren eng an den Kopf, die Augen sind weit geöffnet und der Schwanz wird oft eingeklemmt. Ärger erkennt man daran, dass die Ohren zur Seite oder nach hinten zeigen und die Augen (3) _________ werden. In solchen Momenten sollte man die Katze besser in Ruhe lassen. Auch positive Gefühle zeigen Katzen: Wer genau hinhört, bemerkt das Schnurren als Zeichen von (4) _________. Das Reiben am Bein eines Menschen ist ebenfalls Ausdruck von Vertrauen und Zuneigung. Ein häufig übersehenes (5) _________ ist das Schwanzzucken - es kann auf leichte Erregung oder Konzentration hinweisen. 1) a) beweisen b) charakterisieren c) veranschaulichen d) zeigen 2) a) führt b) legt 30 3 Prüfungstraining <?page no="31"?> c) setzt d) stellt 3) a) dünn b) schmal c) vorsichtig d) zierlich 4) a) Furcht b) Panik c) Traurigkeit d) Zufriedenheit 5) a) Geräusch b) Merkmal c) Signal d) Symptom Tipp: Die Arbeitsanweisung Jede Aufgabe zum Leseverstehen enthält eine Überschrift, eine kurze Arbeitsan‐ weisung und das Zeitlimit. Die Aufgabenstellungen sind immer gleich, nur die Lesetexte variieren. Merken Sie sich daher die jeweiligen Aufgabenstellungen, sodass Sie in der Prüfung die Arbeitsanweisungen nur überfliegen müssen. Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie einen Lückentext ausfüllen. Sie können bei jeder Lücke aus vier Wörtern auswählen, nur eine Antwort ist richtig. Sie müssen aus dem Kontext auf das korrekte Wort schließen. Das heißt, dass Sie nicht nur einzelne Informationen verstehen müssen, sondern ebenso die Hauptaussagen des Textes. Es ist daher wichtig, dass Sie den Text insgesamt verstehen und nicht nur die Sätze mit den Items lesen. Bevor Sie mit der Aufgabe beginnen, legen Sie sich eine passende Strategie zurecht. Ü1 Wie sollte man beim Lösen der Aufgabe vorgehen? Bringen Sie die Handlungen in die richtige Reihenfolge. __ Am Ende lese ich den Text noch einmal, um meine Antworten zu kontrollieren. __ Ich entscheide mich für eine Auswahlmöglichkeit. Wenn ich mir bei den Auswahl‐ möglichkeiten nicht sicher bin, dann lese ich die davorbzw. dahinterstehenden Sätze noch einmal. __ Ich lese den Text genau und sehe mir die Auswahlmöglichkeiten an. 3.1 Leseverstehen 31 <?page no="32"?> __ Ich lese die Überschrift. __ Ich überfliege den Text, ohne auf die Items zu achten. Ü2 Zeichnen Sie zu jeder der vier Auswahlmöglichkeiten der Frage 5 aus der Aufgabe 1 eine Mindmap. Was assoziieren Sie mit dem Wort? Geräusch … akustisch Merkmal Symptom Signal Ü3 Welches Wort passt? Kreisen Sie ein. Warum hören Menschen in allen Kulturen Musik? Musik spielt in allen bekannten Kulturen eine wichtige Rolle - unabhängig von geografischer Lage oder historischen Entwicklungen. Wissenschaftlerinnen und Wis‐ senschaftler vermuten, dass Musik eine evolutionäre Funktion erfüllt. Sie könnte etwa dabei helfen, soziale (1) ________ zu stärken. Gemeinsames Musizieren oder Tanzen fördert das Gemeinschaftsgefühl und schafft (2) ________ zwischen den Beteiligten. Darüber hinaus reagiert das menschliche Gehirn auf Musik mit der Ausschüttung von Dopamin - einem Botenstoff, der für Glücksgefühle sorgt. Das bedeutet: Musik macht nicht nur Spaß, sondern beeinflusst auch unsere (3) _________. Studien zeigen, dass Musik beim Stressabbau helfen und sogar Schmerzen lindern kann. Ob der Genuss von Musik (4) ________ oder anerzogen ist, bleibt eine offene Frage. Sicher ist jedoch: Musik ist ein (5) ________ Phänomen - und für viele Menschen ein unverzichtbarer Teil des Lebens. 1) a) Bewegungen b) Bindungen 2) a) Unterhaltung b) Vertrauen 3) a) Emotionen b) Entwicklung 32 3 Prüfungstraining <?page no="33"?> 4) a) angeboren b) ansteckend 5) a) lokales b) universelles Ü4 Bilden Sie mit den Wörtern, die in Ü3 nicht passend waren, Sätze. 1_____________________________________________________________ ______________________________________________________________ 2_____________________________________________________________ ______________________________________________________________ 3_____________________________________________________________ ______________________________________________________________ 4_____________________________________________________________ ______________________________________________________________ 5_____________________________________________________________ ______________________________________________________________ Aufgabe 2 Lesen Sie die Textabschnitte. Bringen Sie die Textabschnitte in die richtige Reihenfolge (1 - 5). Es gibt genau eine richtige Reihenfolge. Sie haben 5 Minuten Zeit. a) Beim Lachen kommt zusätzlich eine spezifische Lautäußerung (haha) dazu. Die Emotionsforschung hat in den letzten Jahren differenzierte Methoden entwickelt, um die Mimik in zwischenmenschlichen Interaktionen anhand von Videoauf‐ zeichnungen detailliert zu analysieren und objektiv zu erfassen. b) Dies belegen Untersuchungen zur Ärgerregulierung bei Paaren. In gut funktio‐ nierenden Beziehungen erwidern die Partner jeweils das Lächeln und Lachen des Gegenübers, was wesentlich zur Konfliktentschärfung beiträgt und das gemeinsame Erleben von Wohlbefinden ermöglicht. c) Lächeln ist eines der wichtigsten und häufigsten mimischen Signale der zwi‐ schenmenschlichen Kommunikation. Die Grundform des Lächelns wird in der Forschung definiert als eine beobachtbare Bewegung eines bestimmten Gesichts‐ muskels, ein Anheben der Mundwinkel. d) Lächeln ist zur Konfliktregulierung besonders geeignet, weil damit dem Partner trotz des Auftretens negativer Emotionen immer wieder emotionale Verbunden‐ heit signalisiert werden kann. 3.1 Leseverstehen 33 <?page no="34"?> e) Mithilfe dieser Methoden konnte gezeigt werden, dass wiederholtes Lächeln und Lachen einen wesentlichen Einfluss auf die Regulierung zwischenmenschlicher Interaktionen haben und - oft auch unbewusst - das Wohlbefinden aller Beteilig‐ ten beeinflussen können. 1) ____ 2) ____ 3) ____ 4) ____ 5) ____ Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie fünf Textabschnitte in die richtige Reihenfolge bringen. Die Textabschnitte sind logisch und sprachlich miteinander verknüpft. Das bedeutet, dass sich die Aussagen im Text aufeinander beziehen und diese Beziehungen beispiels‐ weise über Pronomen und Konnektoren markiert werden. Ü1 Wie gehen Sie bei der Aufgabe vor? Kreuzen Sie an. - ja nein Ich achte auf Verbindungswörter wie „deshalb“, „aber“ und „weil“. - - Ich achte auf Verweiswörter wie „dies“, „das“ oder „damit“. - - Ich fasse jeden Textabschnitt in einem Satz zusammen. - - Ich suche im ersten Schritt den Anfang des Textes. - - Ich versuche, die Hauptaussage des Textabschnitts zu verstehen. - - Ich versuche, jedes einzelne Wort zu verstehen. - - Ü2 Schreiben Sie zu dem folgenden Text einen passenden Einleitungssatz. Notieren Sie sich kurz, was in einem Einleitungssatz stehen muss. ________________________________________________________________________. Das Forschungsteam untersucht dabei, ob das vermehrte Angebot von Obst und Ge‐ müse in der Schulmensa einen Effekt auf die Leistungen der Schüler und Schülerinnen hat. Denn es wird schon länger vermutet, dass insbesondere Kinder und Jugendliche bei ihren kognitiven Leistungen von einer gesunden Ernährung profitieren. Ob sich diese Vermutungen bestätigen lassen, werden wir erst im Herbst erfahren. Dann werden nämlich die ersten Studienergebnisse von der Universität Innsbruck veröffentlicht. Was steht normalerweise im Einleitungssatz? - 34 3 Prüfungstraining <?page no="35"?> Tipp: Verbindungen erkennen Sätze in einem Text sind über verschiedene Arten von Verknüpfungen miteinander verbunden, das nennt man auch Kohäsionsmittel. Diese Kohäsionsmittel sind zum Beispiel Konnektoren („aber“, „allerdings“), Pronomen („die Sportart“ → „sie“) und Synonyme/ Oberbegriffe („Schwimmen“ → „Ausdauersportart“). Achten Sie also beim Lesen auf unterschiedliche Kohäsionsmittel. Ü3 Worauf beziehen sich die fett markierten Textstellen? Unterstreichen Sie. _______________________________________________________________________ _____________. Das Forschungsteam untersucht dabei, ob das vermehrte Angebot von Obst und Gemüse in der Schulmensa einen Effekt auf die Prüfungsleistung der Schüler und Schülerinnen hat. Denn es wird schon länger vermutet, dass insbesondere Kinder und Jugendliche bei ihren kognitiven Leistungen von einer gesunden Ernährung profitieren. Ob sich diese Vermutungen bestätigen lassen, werden wir erst im Herbst erfahren. Dann werden nämlich die ersten Studienergebnisse von der Universität Innsbruck veröffentlicht. Ü4 Bringen Sie die Sätze in die richtige Reihenfolge. Markieren Sie die Verknüpfungen, an denen Sie sich orientiert haben. ___Allerdings ist der Herstellungsprozess dieses speziellen Stoffes energieintensiver als herkömmliches Lithium. ___Damit soll das Gewicht der Batterie bei gleichbleibender Leistung um 20 % gesenkt werden. ___Deshalb ist es noch fraglich, ob die Batterie jemals in der Industrie zum Einsatz kommen wird. ___Die Forscherinnen und Forscher experimentieren dabei mit einer speziellen Form von Lithium. ___Ein aktuelles Forschungsprojekt der TU München beschäftigt sich mit der Entwick‐ lung einer besonders leichten Batterie. Aufgabe 3 Lesen Sie den Text. Beantworten Sie die Fragen 1 -7. Welche der vorgeschlagenen Lösungen a)-d) passt jeweils? Kreuzen Sie an. Für jede Frage gibt es genau eine richtige Lösung. Sie haben 15 Minuten Zeit. Die Entwicklung der Roboter: Anfänge und Gegenwart (1) Der Begriff „Roboter“ wurde erstmals im Jahr 1920 von dem tschechischen Schriftsteller Karel Čapek verwendet. In seinem Theaterstück „R.U.R. - Rossum’s 3.1 Leseverstehen 35 <?page no="36"?> Universal Robots“ beschreibt er künstliche Arbeiter, die wie Menschen aussehen und arbeiten, aber keine Gefühle haben. Das Wort stammt vom altslawischen „robota“, was so viel wie „Zwangsarbeit“ bedeutet. Čapeks Bruder Josef schlug das Wort vor und es gewann schnell an Popularität. Heute wird der Begriff in verschiedenen Sprachen verwendet, um Maschinen zu bezeichnen, die Aufgaben selbstständig ausführen. (2) Ein wesentliches Merkmal eines Roboters ist seine Fähigkeit zur autonomen Bewegung und Entscheidung. Während ferngesteuerte Maschinen nur funktio‐ nieren, wenn ein Mensch sie direkt steuert, können Roboter eigenständig arbeiten. Sie sind mit Sensoren und Prozessoren ausgestattet, um Informationen aus ihrer Umgebung zu verarbeiten und auf diese zu reagieren. Dadurch können sie Aufgaben wie Navigation, Objekterkennung oder sogar einfache Kommunikation ohne menschliches Eingreifen bewältigen. Die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit Robotern beschäftigt, nennt sich „Robotik“. Ein immer wichtigeres Forschungsgebiet innerhalb der Robotik ist die Verknüpfung der Roboter mit Künstlicher Intelligenz. (3) Obwohl der Begriff „Roboter“ relativ jung ist, gibt es schon seit Jahrhunderten Bestrebungen, Tätigkeiten von Maschinen autonom ausführen zu lassen. In China beispielsweise wurden im ersten Jahrtausend nach Christus wasserbetriebene Uhren konstruiert. Auch in der arabischen Welt, vor allem in Baghdad, wurden in dieser Zeit mechanische Figuren gebaut, die Musik spielten oder sich bewegten. Das berühmte Buch „Kitab al-Haiyal“ beschreibt diese Vorrichtungen und galt als Standardwerk. In Europa entstanden im Mittelalter sogenannte Automaten - oft kunstvolle Konstruktionen, die mit Zahnrädern angetrieben wurden. Beispielhaft sind die beweglichen Figuren auf mittelalterlichen Turmuhren, die zu bestimmten Uhrzeiten erscheinen und sich bewegen. (4) In den 1950er-Jahren entwickelte der britische Neurowissenschaftler William Grey Walter zwei kleine Maschinen namens „Elsie“ und „Elmer“, die aufgrund ihrer Form als „Roboterschildkröten“ bezeichnet wurden. Diese galten als bahn‐ brechend, weil sie in der Lage waren, Lichtquellen zu erkennen und sich danach auszurichten. Sie bewegten sich auf Rädern und veränderten ihre Richtung, wenn sich das Licht änderte. Obwohl sie technisch einfach waren, bewiesen sie, dass Maschinen mit nur wenigen Bauteilen komplexes Verhalten zeigen können - ein Meilenstein in der Entwicklung autonomer Systeme. (5) In den 1960er-Jahren wurden Roboter erstmals in der industriellen Produktion eingesetzt. Der erste kommerzielle Industrieroboter, „Unimate“, wurde 1961 in einer Autofabrik in den USA verwendet. Er konnte schwere Metallteile heben und präzise platzieren. Damit begann eine neue Ära in der Fertigung. Roboter über‐ nahmen in der Autoindustrie monotone, gefährliche oder körperlich anstrengende Arbeiten. Seitdem haben sich Industrie-Roboter weltweit verbreitet, besonders in der Automobil- und Elektronikproduktion. 36 3 Prüfungstraining <?page no="37"?> (6) Heute werden Roboter nicht nur in Fabriken eingesetzt. Sie spielen eine wichtige Rolle bei gefährlichen Aufgaben, wie zum Beispiel der Bombenentschärfung oder dem Löschen von Bränden. Dort schützen sie Menschen, indem sie anstelle von Feuerwehrleuten oder Spezialkräften eingesetzt werden. Auch im Pflegebereich kommen Roboter zunehmend zum Einsatz: Sie helfen bei der Mobilisierung älterer Menschen, erinnern an Medikamenteneinnahmen oder unterstützen Pflegekräfte im Alltag. Damit zeigen sie ihr großes Potenzial - nicht nur als Maschinen, sondern als Helfer des Menschen. Frage 1: Woher stammt laut Absatz 1 der Begriff „Roboter“ ursprünglich? a) aus einem Film b) aus einem Lied c) aus einem literarischen Text d) aus der Wissenschaft Frage 2: Was unterscheidet laut Absatz 2 Roboter von ferngesteuerten Maschinen? a) Sie können mit Menschen interagieren. b) Sie können sich autonom bewegen. c) Sie sind aus speziellem Material gefertigt. d) Sie sind schneller als ferngesteuerte Maschinen. Frage 3: Welche der folgenden Überschriften passt inhaltlich am besten zu Absatz 3? a) Eine lange Tradition der Automatisierung b) Erste Roboter im Mittelalter c) Frühe Mechanisierung in Bagdad d) Vom alten China bis heute Frage 4: Was war laut Absatz 4 das Innovative an den Roboterschildkröten „Elmer“ und „Elsie“? a) Sie konnten Lichtreize erfassen und darauf reagieren. b) Sie bewegten sich im begrenzten Radius. c) Sie waren mit sehr wenigen Bauteilen konstruiert worden. d) Sie ahmten das Verhalten von Schildkröten nach. Frage 5: Laut Absatz 5 werden Roboter in der Autoindustrie unter anderem für Tätigkeiten eingesetzt, die … a) dringend sind. b) langweilig sind. c) ungesund sind. d) wichtig sind. Frage 6: Welche der folgenden Aussagen fasst am besten den Inhalt aus Absatz 6 zusammen? a) Roboter führen schwierige Missionen durch. b) Roboter sind für wenige Tätigkeiten geeignet. 3.1 Leseverstehen 37 <?page no="38"?> c) Roboter übernehmen heutzutage vielfältige Aufgaben. d) Roboter werden vor allem im Militär eingesetzt. Frage 7: Hauptanliegen des Textes ist es, … a) den Einsatz von Robotern zu kritisieren. b) die Geschichte des Roboters darzustellen. c) die Technik von Robotern zu erklären. d) die Zukunft von Robotern zu diskutieren. Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie zu einem längeren Text sieben Fragen mit je vier Antwortmöglichkeiten beantworten, das nennt sich Multiple-Choice-Fragen. Die Be‐ antwortung der Fragen fällt leichter, wenn man versteht, wie diese Aufgaben eigentlich konzipiert werden. Formulieren Sie deshalb selbst ein Item und beobachten Sie, wie Sie dabei vorgehen. Ü1 Lesen Sie den Textabschnitt und dann die Frage. Formulieren Sie zwei falsche Antwortmöglichkeiten und eine richtige. In den 1960er-Jahren wurden Roboter erstmals in der industriellen Produktion ein‐ gesetzt. Der erste kommerzielle Industrieroboter, „Unimate“, wurde 1961 in einer Autofabrik in den USA verwendet. Er konnte schwere Metallteile heben und präzise platzieren. Damit begann eine neue Ära in der Fertigung. Roboter übernahmen in der Autoindustrie monotone, gefährliche oder körperlich anstrengende Arbeiten. Seitdem haben sich Industrie-Roboter weltweit verbreitet, besonders in der Automobil- und Elektronikproduktion. In welchem Industriezweig kam der erste kommerziell erhältliche Roboter zum Ein‐ satz? A______________ B______________ C______________ Tipp: Antwortmöglichkeiten unterscheiden Die Antwortmöglichkeiten A, B, C und D sind oft sehr ähnlich. Wenn Sie nicht genau wissen, welche Lösung richtig ist, markieren Sie in den Items Schlüsselwör‐ ter, in denen sich die Items unterscheiden. Achten Sie im jeweiligen Absatz auf Synonyme dieser Schlüsselwörter. Ü2 Markieren Sie 1-2 Schlüsselwörter bei jeder Antwortmöglichkeit der Frage 2. Lesen Sie dann den Absatz 2 noch einmal und markieren Sie dort ebenfalls Schlüsselwörter. Kreuzen Sie anschließend die richtige Lösung der Frage 2 an. 38 3 Prüfungstraining <?page no="39"?> Frage 2: Was unterscheidet laut Absatz 2 Roboter von ferngesteuerten Maschinen? a) Sie können mit Menschen interagieren. b) Sie können sich autonom bewegen. c) Sie sind aus speziellem Material gefertigt. d) Sie sind schneller als ferngesteuerte Maschinen. Tipp: die Frage 7 Das letzte Item der Aufgabe bezieht sich nicht auf einen Absatz, sondern auf den gesamten Text. Es stellt sicher, ob Sie die Hauptaussage des Textes verstanden haben. Lesen Sie den Text der Aufgabe 3 noch einmal, bevor Sie die nächste Übung machen. Ü3 Ergänzen Sie die Zusammenfassung des Textes mit den angegebenen Wörtern. Bombenentschärfung # Entwicklung # Industrie # Reaktion # selbstständig # Wort Der Text beschreibt die (1)________ und den heutigen Gebrauch von Robotern. Roboter sind Maschinen, die (2)_______ verschiedene Tätigkeiten ausführen können. Der Begriff „Roboter“ ist vom altslawischen (3)______ für Zwangsarbeit („robota“) abgeleitet und wurde erstmals 1920 in einem Theaterstück des Schriftstellers Karel Ĉapek verwendet. Die Geschichte der Automatisierung geht allerdings weit bis in das erste Jahrtausend nach Christus zurück. Die (4)______ von Robotern auf Lichtreize war eine bahnbrechende Innovation, die in den 1950er Jahren bei den sogenannten „Roboterschildkröten“ gelang. In den 1960er Jahren wurden Roboter erstmals in der (5)________ eingesetzt, insbesondere in der Autoindustrie. Heute werden Roboter in vielen Bereichen genutzt, darunter gefährliche, wie bei der (6)________, oder im Pflegebereich. Ü4 Wie gehen Sie vor, wenn Sie Probleme bei der Aufgabe haben? Kreuzen Sie an. - ja nein Wenn ich am Ende der Zeit bei einer Frage die Lösung nicht weiß, kreuze ich trotzdem eine Antwortmöglichkeit an. - - Wenn ich bei der Frage 7 die Antwort nicht kenne, dann überfliege ich den gesamten Text noch einmal. - - Wenn ich die Frage 7 nicht beantworten kann, dann lese ich den Absatz 6 noch einmal. - - Wenn ich eine Frage nicht sofort beantworten kann, gehe ich zur nächs‐ ten, um keine Zeit zu verlieren. - - Wenn ich eine Frage nicht verstehe, dann lese ich den Absatz so lange, bis ich sie beantworten kann. - - 3.1 Leseverstehen 39 <?page no="40"?> Aufgabe 4 Lesen Sie den Text. Ordnen Sie die Textstellen (1-4) den Aussagen zu. Die Zahlen beziehen sich immer auf den nachfolgenden Satz. Für jede Textstelle gibt es genau eine richtige Lösung. Sie haben 6 Minuten Zeit. Kommentar eines Experten zur Energiewende: Die Europäische Union (EU) verfolgt mit ihrer Energiewende das Ziel, bis 2050 klima‐ neutral zu werden. (1) „Klimaneutral“ bedeutet, dass die EU so viele C02-Emissionen beseitigt, wie sie produziert. Um dies zu erreichen, sollen fossile Energieträger wie Kohle, Gas und Öl schrittweise durch erneuerbare Energiequellen ersetzt werden. (2) Es ist klar, dass Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft die zentralen Säulen dieser neuen Energiepolitik sein werden. Doch es müssen auch die sozialen Folgen diskutiert werden, die diesen Transforma‐ tionsprozess begleiten. Die Abkehr von fossilen Energieträgern wird in auf Kohleabbau ausgerichteten Regionen zu einem breiten Verlust von Arbeitsplätzen führen. (3) Die Politik muss deshalb gezielt diese Regionen fördern, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und einer Verunsicherung der Bürger und Bürgerinnen entgegenzuwirken. Ein anderes Problem ist die Gestaltung passender Infrastruktur für die Energie‐ wende. Erfreulicherweise wird derzeit intensiv an effizienten Speicherlösungen, zum Beispiel in Form großer Batterien, geforscht, um die Versorgungssicherheit konstant zu gewährleisten. Denn Wind- und Solaranalagen produzieren nur bei passendem Wetter Strom. (4) Problematisch ist hingegen, dass aktuell der Ausbau der Stromnetze massiv hinterherhinkt. Das könnte die Integration erneuerbarer Energien langfristig erschweren. Denn selbst wenn innovative Batterien die Versorgungssicherheit garan‐ tieren, braucht es viel mehr Leitungen, um den Strom aus Wind-, Wasserkraft- und Solaranlagen überall dorthin zu transportieren, wo er gebraucht wird. a) Der Experte argumentiert gegen etwas. b) Der Experte bezweifelt etwas. c) Der Experte erklärt etwas. d) Der Experte empfiehlt etwas. e) Der Experte kritisiert etwas. f) Der Experte prognostiziert etwas. g) Der Experte vermutet etwas. h) Der Experte warnt vor etwas. Die Aufgabenstellung In dieser Aufgabe müssen Sie die Sprechabsichten erkennen, die in vier markierten Sätzen geäußert werden. Zur Auswahl stehen Ihnen acht Items, die unterschiedliche Sprechabsichten darstellen. 40 3 Prüfungstraining <?page no="41"?> Ü1 Was sind eigentlich „Sprechabsichten“? Schreiben Sie Ihre Assoziationen in eine Mindmap. Tipp: Sprechabsichten erkennen Bei einer Sprechabsicht handelt es sich um das kommunikative Ziel einer Äußerung - möchte die Person beispielsweise vor etwas warnen oder empfiehlt sie etwas? Diese Absichten kommen oft implizit zum Ausdruck. Das heißt, dass sie nicht direkt ausgesprochen werden, sondern erschlossen werden müssen. Ü2 Welche Sprechabsicht wird in dem Satz zum Ausdruck gebracht? Kreuzen Sie an. 1) Leider würdigt die Politik nur bedingt die Leistungen der Lehrkräfte. a) Der Experte bedauert etwas. b) Der Experte vermutet etwas. 2) Die Idee eines „digitalen Klassenzimmers“ ist nicht umsetzbar. a) Der Experte bezweifelt etwas. b) Der Experte lehnt etwas ab. 3) In vielen Schulen gibt es immer noch zu wenig Computer. a) Der Experte kritisiert etwas. b) Der Experte warnt vor etwas. 4) Es ist sinnvoll, regelmäßig Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte anzubieten. a) Der Experte empfiehlt etwas. b) Der Experte prognostiziert etwas. 5) Unerwarteterweise schreiben Schülerinnen und Schüler lieber auf dem Papier als auf dem Laptop. a) Der Experte ist von etwas überrascht. b) Der Experte zweifelt an etwas. Ü3 Jetzt sind Sie dran! Schreiben Sie einen kurzen Text zum Thema „Migration“, in dem unter anderem folgende Sprechabsichten zum Ausdruck gebracht werden: 3.1 Leseverstehen 41 <?page no="42"?> etwas prognostizieren # etwas bezweifeln # etwas begrüßen Schreiben Sie außerdem einen Einleitungs- und Schlusssatz. - - - - - - - - - - Ü4 Ordnen Sie den Textstellen (1-3) die Sprechabsichten (a-f) zu. Die Zahlen beziehen sich immer auf den nachfolgenden Satz. Stadtbibliotheken stärken Die Stadtbibliotheken spielen für das öffentliche und kulturelle Gemeindeleben eine zentrale Rolle. (1) Umso bedauerlicher ist es, dass der Stadtrat für das kommende Jahr eine Budgetkürzung der Bibliotheken beschlossen hat. Diese wird unter anderem dazu führen, dass mehrere Leseinitativen für Kinder und Jugendliche nicht mehr durchge‐ führt werden können. (2) In den Zeiten, in denen immer mehr unter 18-Jährige teils gravierende Leseschwächen aufweisen, halten wir diese Entscheidung für ein falsches Signal. (3) Deshalb möchten wir an den Stadtrat appellieren, eine Kompromisslösung zu finden, die die Stadtbibliotheken vor solch drastischen Kürzungen verschont. a) etwas bedauern b) etwas erklären c) etwas kritisieren d) etwas vermuten e) für etwas plädieren f) vor etwas warnen Aufgabe 5 Lesen Sie den Text. Ordnen Sie die Aussagen 1-7 zu: Entscheiden Sie für jede Aussage, ob sie zum Ausdauersport, zum Kraftsport, zu beiden oder gar nicht passt. Für jede Aussage gibt es genau eine richtige Lösung. Die Aussagen folgen nicht dem Textverlauf. Sie haben 9 Minuten Zeit. 42 3 Prüfungstraining <?page no="43"?> Kraft oder Ausdauer? Wenn der Arzt oder die Waage drohen, müssen sich Sportmuffel entscheiden: Soll es Kraft- oder Ausdauertraining sein? Zumindest für den Sportanfänger ist die Sache klar: Es ist egal, ob er im Park joggt oder Gewichte stemmt. Kondition und Widerstandsfä‐ higkeit gegen Krankheiten verbessern sich in jedem Fall, solange er sich dabei ähnlich verausgabt. Studien belegen, dass Kraftwie Ausdauertraining den Blutdruck senken. Bemer‐ kenswert ist zudem, dass bei einer Reihe wichtiger Blutwerte kaum Unterschiede zwischen den Trainingsformen existieren. Alle in Studien untersuchten Probanden zeigen leichte Verbesserungen des Blut-Cholesterins, außerdem sinkt der mittlere Blutzuckerspiegel. Damit bieten beide Trainingsformen Schutz vor Herz-Kreislauf-Er‐ krankungen, Diabetes Typ II und sogar Krebs. Wer aber mehr will als gelegentliches Training zur Verbesserung der Gesundheit, muss sich entscheiden. So verbrennen Ausdauerathleten mehr Fett als Kraftsportler, bauen dafür aber weniger Muskelmasse auf. Auch sinkt der Ruhepuls durch Ausdau‐ ertraining stärker als beim Üben mit Gewichten. Bei Kraftsportlern hingegen steigt der Energieverbrauch in Ruhe stärker. Sie verbrennen also beim Herumlungern auf dem Sofa mehr Kalorien. Das Gewichtestemmen hat noch einen weiteren Vorteil: „Neben der Kraft wächst auch die Knochendichte deutlich“, sagt Michael Behringer vom Institut für Trainings‐ wissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS). „Das zeigt nicht nur unsere Metaanalyse von 27 Studien, sondern auch Erfahrungen aus der Raumfahrtme‐ dizin“. In vielen Fällen empfehlen Sportmediziner die Kombination von Kraft und Ausdauer. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2012 zeigt, dass dies deutlich effektiver ist als die einzelnen Übungsformen für sich allein. Dabei verliert man unter anderem deutlich mehr Gewicht. Bei leistungsorientierten Ausdauersportlern beugt Krafttraining zudem Verletzungen vor, etwa am Rücken. Segensreich ist das Kombitraining auch in der Reha: 2012 kam eine Metaanalyse von zwölf Studien zu dem Schluss, dass für Herzpatienten ein kombiniertes Training geeigneter als ein reines Ausdauer-Training ist. Aber es gibt auch einen Wermutstropfen. Wer in erster Linie abnehmen möchte, wird das mit Sport allein kaum hinbekommen. Er sollte auch seine Ernährung umstellen, damit die Kalorienbilanz negativ wird. Anfangs können Untrainierte durch Sport sogar zunehmen. Sie bauen dann nämlich zwar Fettmasse ab, zugleich aber Muskelmasse auf. Die Gesundheit profitiert aber in jedem Fall. 3.1 Leseverstehen 43 <?page no="44"?> Ausdauersport Kraftsport beide passt nicht 1. Bei dieser Sportart ver‐ brennt man besonders Fett. - - - - 2. Bei dieser Sportart wächst die Knochendichte. - - - - 3. Diese Sportart hemmt den Appetit. - - - - 4. Diese Sportart hilft, den Blutdruck zu senken. - - - - 5. Diese Sportart schützt vor Herzkreislauf-Erkran‐ kungen. - - - - 6. Diese Sportart senkt den Ruhepuls. - - - - 7. Ein Vorteil dieser Sport‐ art sind die sozialen Inter‐ aktionen. - - - - Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie sieben Aussagen bestimmten Kategorien zuordnen. Es stehen vier Kategorien zur Auswahl, wovon zwei Kategorien auch im Text vorkommen, zum Beispiel Stadt und Land, Mensch und Tier, Kinder und Erwachsene. Die anderen zwei Kategorien sind für Aussagen, die beispielsweise auf beide Textkategorien zutref‐ fen („beide“) oder auf keine von beiden („passt nicht“). Ü1 Lesen Sie die Aufgabenstellung der Aufgabe 5 und überlegen Sie sich in 5-7 Schritten, wie Sie beim Lösen der Aufgabe vorgehen wollen. - - - - - - Ü2 Lesen Sie den Text und schreiben Sie in Ihren eigenen Worten je ein Merkmal des Fremdsprachenerwerbs bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Generell besteht die Annahme, dass Kinder Fremdsprachen schneller und müheloser lernen als Erwachsene. Man geht davon aus, dass es nach Beginn der Pubertät nicht mehr möglich ist, eine Fremdsprache perfekt zu lernen. Studien haben gezeigt, dass jüngere Lernende einen klaren Vorteil haben, wenn es um den Erwerb der Aussprache geht. Nach Ansicht einiger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nimmt die 44 3 Prüfungstraining <?page no="45"?> Wahrscheinlichkeit bereits ab einem Alter von ca. sechs Jahren deutlich ab, jemals eine muttersprachliche Kompetenz zu erreichen. Es gibt allerdings auch Bereiche, in denen ältere Lernende einen klaren Vorteil haben. Das betrifft vor allem das Fremd‐ sprachenlernen unter unterrichtlichen Bedingungen. So ist unter anderem belegt, dass Jugendliche Fremdsprachen im Unterricht meist schneller lernen als Kinder. Auch in Bezug auf den Erwerb des Wortschatzes sind ältere Lernende Kindern meist überlegen, denn Jugendliche und Erwachsene können beim Erlernen von Wörtern, aber auch von Konzepten auf mehr Lernerfahrung zurückgreifen. Zudem haben ältere Lernende auch den Vorteil, dass sie über ein metalinguistisches Bewusstsein verfügen, das den Lernprozess unterstützt, das heißt sie wissen, wie Sprache aufgebaut ist und sind in der Lage, Sprache zu analysieren und kreativ zu verändern. 1. Kinder: ______________________________________________________ 2. Jugendliche: __________________________________________________ 3. Erwachsene: __________________________________________________ Tipp: Passt nicht? Bei der Aufgabe müssen Sie auch erkennen, ob eine Aussage auf gar keine der vorhandenen Kategorien passt. Markieren Sie beim ersten Lesen die Items, bei denen Sie das Gefühl haben, dass sie nicht im Text vorkommen. Markieren Sie anschließend die Schlüsselwörter dieser Items und lesen Sie noch einmal gezielt den Text. Suchen Sie nach Synonymen dieser Schlüsselwörter. Ü3 Lesen Sie die folgenden Aussagen und kreuzen Sie an, welche Aussagen laut dem Text aus der Ü2 auf Kinder zutreffen. - passt passt nicht 1. Sie eignen sich Wortschatz schneller als Erwachsene an. - - 2. Sie haben wahrscheinlich einen Vorteil beim Erlernen der Aussprache. - - 3. Sie haben wenig Lernerfahrung. - - 4. Sie können analysieren, wie eine Sprache aufgebaut ist. - - 5. Sie lernen Sprachen am schnellsten im Unterricht. - - Ü4 Lesen Sie die folgenden Aussagen und markieren Sie, wo im Text aus der Ü2 die Informationen zu finden sind. Achtung: Eine Aussage steht nicht im Text! 1. Ältere Lernende haben einen Vorteil gegenüber Kindern, wenn der Fremdsprach‐ erwerb über einen Unterricht erfolgt. 2. Ältere Lernende haben eine bessere Lernroutine als Kinder. 3.1 Leseverstehen 45 <?page no="46"?> 3. Bei Kindern ist es wahrscheinlicher, dass sie eine korrekte Aussprache erwerben. 4. Jugendliche und Erwachsene verfügen über mehr Lernerfahrung als Kinder. 5. Viele nehmen an, dass Kinder besser als Erwachsene eine Fremdsprache lernen können. Aufgabe 6 Lesen Sie den Text. Entscheiden Sie, welche Aussagen stimmen und ordnen Sie die Aussagen an die passende Stelle in der Tabelle unten ein. Es müssen vier Aussagen zugeordnet werden. Sie haben 7 Minuten Zeit. Umfragen zufolge ist das Vertrauen in das Gesundheitswesen und die Menschen, die darin arbeiten, in Deutschland nach wie vor hoch, doch es nimmt ab. Die Mehrheit der Patienten heute wünscht sich mehr Mitsprachemöglichkeiten im Behandlungs‐ zimmer - das heißt ein neues Arzt-Patienten-Verhältnis, in dem der Arzt seinen Patienten nicht auf einen vorgegebenen Behandlungsweg schickt. Das bedeutet zunächst einmal, dass der Arzt ausführlich die verschiedenen Optionen für eine Behandlung nennt. „Die meisten Patienten wissen nicht, dass es in aller Regel nicht den einen richtigen Behandlungsweg gibt“, sagt Tanja Krones, Medizinethikerin und Vorsitzende des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. In der Realität ist oft das Problem, dass die empfohlenen Behandlungen von den Fächern abhängen, aus denen die Ärzte stammen. Bei Verdacht auf Prostatakrebs rät die Urologin vielleicht zur Operation, der Radioonkologe hingegen zur Bestrahlung. Denn tatsächlich gibt es in der Medizin selten Schwarz und Weiß. Verschiedene Behandlungsmethoden weisen oft ähnliche Sterblichkeitsraten auf, haben allerdings unterschiedliche Ne‐ benwirkungen. Der Arzt müsste deshalb nicht nur alle möglichen Wege sowie deren Vor- und Nachteile ansprechen, sondern sollte zudem auf die Lebenssituation sowie die Wertvorstellungen des Patienten eingehen. Dafür braucht es vor allem Zeit. Denn es ist kaum möglich, in einem 20-minütigen Gespräch alle Informationen zu vermitteln, die ein Patient benötigt, um über einen Therapieweg zu entscheiden. Im derzeitigen Gesundheitssystem werden Gespräche allerdings kaum honoriert, Ope‐ rationen dagegen umso mehr. „Wenn wir den mündigen Patienten wollen, müssen wir Gespräche so incentivieren, dass es sich für Ärzte und Ärztinnen lohnt, diese zu führen“, sagt Krones. Es fehlen finanzielle Anreize, um Patienten ausführlich bei ihrer Therapieentscheidung zu unterstützen und ihnen bei der Entscheidungsfindung auf Augenhöhe zu begegnen. 1) Ärzte bekommen kein Geld für die Durchführung einer Operation. 2) Ärzte raten zu einer bestimmten Behandlungsmethode aufgrund ihrer Fächer. 3) Ausführliche Patientengespräche lohnen sich für Ärzte nicht. 4) Man berücksichtigt die Lebensumstände des Patienten. 46 3 Prüfungstraining <?page no="47"?> 5) Man spricht über unterschiedliche Therapieansätze. 6) Unterschiedliche Behandlungsmethoden haben unterschiedliche Nebenwirkun‐ gen. Maßnahmen für ein neues Arzt-Patienten-Verhältnis a) b) Probleme bei der Verwirklichung c) d) Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie vier von sechs Aussagen zwei Kategorien zuordnen. Zwei Aussagen passen nicht. Die zwei Kategorien stehen als Begriffspaare in einer logischen Beziehung zueinander, zum Beispiel „neue Maßnahmen“ und „Probleme bei der Umsetzung“. Beim Lösen der Aufgabe müssen Sie also entscheiden, ob eine Aussage eine neue Maßnahme oder ein Problem bei der Umsetzung beschreibt. Ü1 Überlegen Sie: Welche logischen Begriffspaare könnten sich für die Aufgabe 6 eignen? Finden Sie jeweils eine passende Kategorie! Probleme bei der Umsetzung Maßnahmen Argument ------------------ Problem -------------------- Ursache -------------------- Mittel ----------------------- Tipp: Logische Zusammenhänge erkennen Für die Lösung der Aufgabe ist es essenziell, dass Sie die logischen Verknüpfungen in dem Text verstehen. Das bedeutet beispielsweise, dass Sie erkennen, ob es sich bei einem Satz um die Konsequenz einer Maßnahme oder um ein Problem derselben handelt. Ein Hinweis können Konnektoren sein: So leitet „weil“ oft die Begründung für ein Argument ein. 3.1 Leseverstehen 47 <?page no="48"?> Ü2 Welche Formulierung passt? Kreisen Sie ein. 1) Bei Verdacht auf Prostatakrebs rät die Urologin zur Operation, aber/ im Gegensatz dazu/ trotzdem befürwortet der Radioonkologe eine Bestrahlung. 2) Allerdings/ Weil/ Obwohl die Behandlungsmethoden sehr unterschiedlich sind, weisen sie oft ähnliche Sterblichkeitsraten auf. 3) Der Arzt muss auf alle Behandlungsmethoden eingehen, damit/ deshalb/ weil sich Patienten selbstbestimmt für einen Therapieweg entscheiden. 4) Der Arzt muss nicht nur/ weder/ zwar die Nebenwirkungen berücksichtigen, sondern auch die Lebenssituation des Patienten. 5) Informationsgespräche mit Patienten werden meist kurzgehalten, aber/ da‐ mit/ weil diese Gespräche gering vergütet werden. Ü3 Lesen Sie den folgenden Text, in dem ein Problem beschrieben wird. Formulieren Sie eine passende Lösung dazu. Junge Lesemuffel In Deutschland sind Jugendliche Lesemuffel. Das belegt die JIM-Studie aus dem Jahr 2021, welche sich mit dem Medienumgang der 12-19-Jährigen beschäftigt. Nur knapp ein Drittel der befragten Jugendlichen greift regelmäßig zum gedruckten Buch. Das erscheint besorgniserregend, da Lesen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Sprachkompetenz und kognitiver Fähigkeiten spielt. Was ist das Problem? - Mögliche Lösung: - - Ü4 Lesen Sie den zweiten Teil des Textes aus der Ü3. Handelt es sich bei den Aussagen um ein Argument oder um eine Begründung? Kreuzen Sie an. Die Folgen einer geringen Lesekompetenz bei Jugendlichen können unterschiedlich ausfallen. Beispielsweise kann eine geringe Lesekompetenz dazu führen, dass Jugend‐ liche auch in anderen Schulfächern als Deutsch eine schlechte Leistung aufweisen. Das hängt damit zusammen, dass auch in Fächern wie Mathematik oder Geschichte die Aufgabenstellungen als Texte verfasst sind, die wiederum Jugendliche mit geringer Lesekompetenz schlechter verstehen. 48 3 Prüfungstraining <?page no="49"?> Argument Begründung Viele Schulfächer beinhalten Aufgabenstellungen, für die man entsprechende Lesekompetenzen braucht. - - Eine verminderte Lesekompetenz führt nicht nur im Fach Deutsch zu geringen Leistungen. - - Aufgabe 7 Lesen Sie den Text. Beachten Sie auch die Informationen aus der Grafik. Unten sehen Sie eine Zusammenfassung. Die Zusammenfassung folgt nicht dem Textverlauf. Markieren Sie die Sätze in der Zusammenfassung, die inhalt‐ lich falsch sind. Es gibt genau drei inhaltlich falsche Sätze. Sie haben 7 Minuten Zeit. Kunststoffverbrauch in Europa: Risiken für Gesundheit und Umwelt Der Verbrauch von Kunststoff ist in Europa nach wie vor hoch - die Kunststoffpro‐ duktion betrug im Jahr 2021 57 Tonnen. Besonders problematisch ist die Verwendung von Einwegplastik, also Verpackungen und Produkten, die nur einmal genutzt und anschließend entsorgt werden. Dazu gehören etwa Plastiktüten, To-go-Becher oder Einwegflaschen. Solche Gegenstände machen eine Mehrheit des täglichen Kunststoff‐ abfalls aus. Ein Teil des Kunststoffabfalls landet in der Natur, wo er langfristige Umweltschäden verursacht. Die Produktion von Kunststoffen basiert außerdem meist auf fossilen Brennstof‐ fen wie Erdöl oder Erdgas. Ihre Förderung und Verarbeitung sind mit einem hohen Energieverbrauch verbunden und führen zu einer erheblichen Umweltbelastung, ins‐ besondere durch den Ausstoß von Treibhausgasen. Die Abhängigkeit von diesen nicht erneuerbaren Rohstoffen erschwert eine nachhaltige Entwicklung zusätzlich. Neben der ökologischen Problematik gerät auch die menschliche Gesundheit zuneh‐ mend in den Fokus. Immer mehr Studien zeigen, dass bei der Nutzung bestimmter Kunststoffprodukte gesundheitsschädliche Substanzen freigesetzt werden können. Mikroplastik, das durch den Zerfall größerer Plastikstücke entsteht, wurde inzwi‐ schen in Lebensmitteln, Trinkwasser und sogar im menschlichen Blut nachgewiesen. Die genaue Gesundheitsbelastung ist noch nicht vollständig geklärt, doch erste For‐ schungsergebnisse weisen auf mögliche Schäden an Zellen sowie Störungen des Hormonhaushalts hin. Ein Umdenken ist jedoch bereits spürbar. Viele Menschen greifen bewusst zu umweltfreundlicheren Alternativen wie der Mehrwegflasche, die nach Gebrauch beim Händler zurückgegeben werden kann und die nach einer Reinigung erneut in den Umlauf kommt. Auch gesetzliche Maßnahmen der Europäischen Union, etwa das Verbot bestimmter Einwegartikel, zeigen erste Erfolge. 3.1 Leseverstehen 49 <?page no="50"?> Grafik: Abbildung: Kunststoffproduktion. Quelle: https: / / de.statista.com/ infografik/ 30891/ weltweite-kunststoff produktion/ Zusammenfassung: (1) Die Kunststoffproduktion in Europa ist in den letzten Jahren konstant gestiegen. (2) Der Kunststoffabfall belastet die Natur und die Gesundheit des Menschen. (3) Denn die Herstellung von Kunststoff basiert meist auf erneuerbaren Brennstoffen wie Erdöl oder Erdgas, die umweltschädlich sind. (4) Es gibt auch immer mehr Studien, die sich dem potentiell negativen Einfluss von Kunststoff auf den menschlichen Körper widmen. (5) Dabei wurde beispielsweise Mikroplastik im menschlichen Blut nachgewiesen, die genauen Gesundheitsfolgen sind jedoch noch nicht abschließend erforscht. (6) Immer mehr Menschen nutzen mittlerweile umweltfreundliche Alternativen wie Mehrwegflaschen. (7) Die EU hat das Problem erkannt und diskutiert aktuell ein Verbot von Einwegartikeln. 50 3 Prüfungstraining <?page no="51"?> Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie Informationen aus drei verschiedenen Quellen mitein‐ ander vergleichen: einem Lesetext, einer Grafik und einer Zusammenfassung. Die Zusammenfassung enthält drei fehlerhafte Sätze, die Sie markieren müssen. Ü1 Was wird bei der Aufgabe 7 von Ihnen gefordert? Kreuzen Sie an. - ja nein Detailinformationen abgleichen - - eine gute Zusammenfassung schreiben - - eine Grafik richtig interpretieren - - Hauptaussagen verstehen - - Sätze in Kategorien ordnen - - sich auf verschiedene Quellen gleichzeitig konzentrieren - - Synonyme und Paraphrasen erkennen - - Ü2 Umschreiben Sie die unterstrichenen Begriffe, indem Sie den Satz vervollständigen. Einwegplastik ist eine Art von Plastik, die man__________________________ Fossile Brennstoffe sind zum Beispiel __________________________________ Gesundheitsbelastung bedeutet, dass___________________________________ Kunststoffabfall ist Müll, der__________________________________________ Eine Mehrwegflasche ist eine Flasche, die man___________________________ Umweltschaden heißt, dass ___________________________________________ Tipp: Informationen abgleichen Bei dieser Aufgabe wird von Ihnen gefordert, dass Sie Informationen aus ver‐ schiedenen Quellen miteinander vergleichen können und erkennen, wenn eine Information falsch wiedergegeben wird. In den nachfolgenden Übungen sollen Sie korrekte Paraphrasen identifizieren. Ü3 Lesen Sie die Aussagen zum Thema „Graphic Novels“ und kreuzen Sie an, welche Paraphrase korrekt ist. 1) Ursprünglich aus dem Comic-Genre entstanden, haben sich Graphic Novels als eigenständige Kunstform etabliert. a) Obwohl sie vom Comic abstammen, gelten Graphic Novels heute als eine eigene künstlerische Ausdrucksform. b) Graphic Novels und traditionelle Comics sind eng miteinander verwandt. 3.1 Leseverstehen 51 <?page no="52"?> 2) Viele Graphic Novels behandeln ernste Themen wie Krieg, Identität oder soziale Ungerechtigkeit. a) Graphic Novels widmen sich oft humoristischen Themen. b) In Graphic Novels werden häufig tiefgründige Inhalte verarbeitet. 3) Der visuelle Stil einer Graphic Novel kann stark variieren - von realistisch bis abstrakt. a) Die Gestaltung von Graphic Novels kann sehr unterschiedlich sein. b) Graphic Novels umfassen ein breites Themenspektrum. 4) Zahlreiche Festivals ehren inzwischen die künstlerische und erzählerische Leis‐ tung von Graphic Novels. a) Es gibt mittlerweile viele Festivals, auf denen Graphic Novels ausgezeichnet werden. b) Die Anzahl an Verstaltungen speziell zu Graphic Novels hat stark zugenommen. 5) Graphic Novels finden zunehmend ihren Platz in Schulen, etwa im Literatur- oder Geschichtsunterricht. a) Immer öfter werden Graphic Novels im Bildungsbereich verwendet b) Der Einsatz von Graphic Novels im Unterricht wird kritisch diskutiert. Ü4 Betrachten Sie die Grafik und kreuzen Sie an, welche Aussagen mit der Grafik übereinstimmen. Abbildung: Bocksch, René (2023): Rekordzahl inhaftierter Journalist: innen. Statista. Statista GmbH. Zugriff: 02. Mai 2023. https: / / de.statista.com/ infografik/ 29875/ anzahl-wegen-ihres-berufes-inhaftierte r-journalisten/ 52 3 Prüfungstraining <?page no="53"?> stimmt stimmt nicht 1. Das Jahr 2015 weist die geringste Anzahl inhaftierter Journalist: innen auf. - - 2. Im Jahr 2020 wurden mehr Männer als Frauen inhaftiert. - - 3. Im Jahr 2021 hat die Anzahl der gefangenen Journa‐ list: innen erstmals 300 überschritten. - - 4. Im Jahr 2022 waren so viele Journalist: innen im Gefäng‐ nis wie noch nie. - - 5. Seit 2015 hat sich die Zahl der gefangenen Journalist: in‐ nen mehr als verdoppelt. - - 6. Zwischen 2012 und 2014 hat sich die Anzahl der inhaf‐ tierten Journalist: innen fast halbiert. - - 3.2 Hörverstehen Die meisten der bei der Fertigkeit Lesen genannten Techniken und Strategien können in abgewandelter Weise auch beim Hörverstehen eingesetzt werden. Das Ziel ist das gleiche: der Aufbau eines mentalen Modells. Auch am Beispiel des Hörverstehens lässt sich der Nutzen der Handlungs- und Aufgabenorientierung gut illustrieren, der bei den Schreibstrategien ausführlicher dargestellt wird. Das Hörverstehen von Texten geschieht sinnvollerweise in folgenden Schritten: • Orientierung über die anstehende Aufgabe/ die Identifizierung der Quaestio (die dem Text zugrundeliegende Frage), die Anforderungen, den kommunikativen und fachlichen Kontext, den Schwierigkeitsgrad, die erwartbaren Ergebnisse. • Sammlung von Informationen und vorhandenem Material, Recherchen zum Ver‐ stehen. • Rekonstruktion der Quaestio, Plan für die Dekodierungsaufgabe. • Sukzessiver Verstehensprozess in Bezug auf Oberfläche, Propositionen, mentales Modell. • Integration, Plausibilitätsprüfung in Bezug auf Vor- und Kontextwissen. • Revision und ggf. weitere Recherchen. Mit den folgenden Techniken kann das Hörverstehen optimiert werden: Globales Hörverstehen: Der Lerner oder die Lernerin muss nicht alles verstehen, sondern er/ sie soll die zentralen Informationen eines Textes erfassen (beispielsweise Schlüsselbegriffe oder die Makrostruktur des Textes), um damit eine Textrepräsenta‐ tion (das mentale Modell) aufbauen zu können. Bereits beim ersten Hören sollte es dem Lerner oder der Lernerin gelingen, zumindest grob zu verstehen, worum es im Text geht. Mit diesen ersten Ansatzpunkten kann er/ sie sein/ ihr Vorwissen aktivieren 3.2 Hörverstehen 53 <?page no="54"?> und Hypothesen bilden, die er/ sie beim weiteren Hören überprüfen kann. Das globale Hörverstehen umfasst alle drei genannten Verstehensprozesse, von der Textoberfläche über die propositionale Textbasis bis zum mentalen Modell. Selektives Hörverstehen: Hier handelt es sich um ein zielgerichtetes, oft aufgaben‐ gesteuertes, Hörverstehen bezüglich bestimmter Informationen aus dem Text (wie etwa Namen, Daten, Zahlen, bestimmte Wörter, Definitionen, Argumente oder Thesen). Dazu muss der Lerner oder die Lernerin besonders auf die Textoberfläche achten, um damit die propositionale Basis verbreitern zu können. Selegierendes Hörverstehen: Das Hörverstehen erfolgt aufgrund individueller Ent‐ scheidungen und persönlicher Relevanz, es ist also stark vom Vorwissen und der Perspektivik des Lerners/ der Lernerin, also top down, gesteuert. Dem Hörtext sollen wesentliche Inhaltsmomente entnommen werden, um ihn beispielsweise zusammen‐ fassen zu können. Inferenzen müssen wahrgenommen und verstanden werden. Detailliertes Hörverstehen: Hörtexte sollen im Detail erfasst werden. Es werden die Makro- und Mikrostruktur, also besonders die propositionale Basis und die Textober‐ fläche erfasst sowie logische Relationen und Sprecherintentionen (nach Kühn 1996: 21 f.). Es entsteht ein detailliertes mentales Modell. Grundlegende Hörverstehensstrategien und -techniken • Durch Bruchstellen, die Anfang und Ende einzelner Elemente markieren. Dies kann durch Pausen zwischen Begriffen und Sätzen oder durch Betonun‐ gen von Anfangssilben und wichtigen Wörtern geschehen. Auch langsames Sprechen liefert Bruchstellen. • Durch Parallelinformation, das heißt die Laute begleitende visuelle, taktile und andere Handlungs-Information. Auch die Verschriftlichung von Lauten kann diese Information liefern. Lautliche Begleitinformation kann dann helfen, wenn sie den Hörtext nicht überlagert, sondern koordiniert begleitet. • Durch Strategien für die erfolgreiche lautliche Segmentierung zur Bewusst‐ machung von Wortbildungsprinzipien und zur Vermittlung von Instrumen‐ ten der Wortbildung (Flexion, Komposition, Derivation, Konversion, Reduk‐ tion). • Durch deutliche Intonationskonturen und Intonationsmuster, wie zum Bei‐ spiel die Fragemarkierung durch steigende Intonation oder durch starke Betonung. 54 3 Prüfungstraining <?page no="55"?> Verständnis-Checkliste • Berücksichtigung der Situativität: Kommunikationskontext und -rollen: wer kommuniziert mit wem über welches Thema in welcher Situation? • Klarheit über die Forschungsfrage/ Kommunikatives Ziel/ die Quaestio: Wel‐ che Fragen sollen beantwortet werden? Was ist die Aufgabe? Was sind die Anforderungen? • Planung: Welche Makrostruktur/ Textsortenstruktur ist vorhanden? Handelt es sich um eine eher konzeptionell mündliche oder schriftliche Ausprägung? Wie positioniert sich der Autor/ die Autorin dazu? Ist Selbstreferenz ange‐ messen? Wie subjektiv/ objektiv ist der Text strukturiert? Wie hörer- oder sprecherorientiert ist er? Tipps für aktives Zuhören • Ermitteln Sie das/ ein Thema und einen roten Faden des Sprechers/ der Spre‐ cherin. Ermitteln Sie die Quaestio. Wer ohne Zielsetzung oder Orientierung zuhören muss, verliert sich, den Inhalt und das Interesse. • Sie können sich auf Vorlesungen und andere Texte vorbereiten, indem Sie empfohlene Aufsätze, Skripte, Unterlagen vorher lesen. • Hören Sie aktiv, nach Inhalten und Kontexten suchend zu. Blenden Sie Wider‐ sprüche, Gegensätze und offene Fragen/ Lücken nicht aus. • Notieren Sie zentrale Stichpunkte, zum Beispiel in Form einer Mindmap, und auch offene Punkte. Entwickeln Sie dafür ein System, das eine sinnvolle Strukturierung ermöglicht. • Bereiten Sie Vorträge immer auch nach. Recherchieren Sie Dinge, für die beim Zuhören vielleicht nicht genug Zeit war. • Tauschen Sie sich ggf. mit anderen aus: Sprechen Sie darüber, was gesagt wurde. Übungen Aufgabe 1 Sie hören ein Gespräch zwischen zwei Studierenden zum Thema „Jobmesse für soziale Berufe“. Sie hören das Gespräch einmal. Ergänzen Sie beim Hören die fünf leeren Felder in der Tabelle. Nach dem Hören haben Sie noch 20 Sekunden Zeit, um Ihre Antworten zu kontrol‐ lieren. Sie haben jetzt 15 Sekunden Zeit, um sich die Tabelle anzuschauen. 3.2 Hörverstehen 55 <?page no="56"?> Anmeldung für die Workshops über: 1. _____________ - - Mo Di Mi Do Workshop „Einstieg in die soziale Arbeit“ „Das Rote Kreuz“ „Praktikum im Kindergarten“ - Wann? 2. _______ - 09: 00 - 12: 00 09: 00 - 11: 30 - Pause Workshop „Berufsbild Sozi‐ alassistenz“ 3. ______: -„Alltag in der Al‐ tenpflege“ „Bewerbungs‐ training für so‐ ziale Berufe“ -bitte mitbringen: 4.___________ - Vortrag: 5.__________ __________ Wann? 14: 00 - 16: 00 13: 00 - 14: 30 13: 30 - 16: 30 15: 00 - 16: 00 Uhr Hörtext: Gespräch zwischen zwei Studierenden zum Thema „Jobmesse für soziale Berufe“ Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie aus einem informellen Gespräch zwischen Studierenden Informationen erfassen und diese in einer Tabelle ergänzen. Lesen Sie also im ersten Schritt die Tabelle und überlegen Sie sich, auf welche Art von Informationen Sie achten müssen. Wird eine Zeit, ein Ort, ein Jobtitel oder ein Name genannt werden? Ü1 Lesen Sie die Tabelle der Aufgabe 1 und überlegen Sie, nach welchen Arten von Informationen gesucht wird. Schreiben Sie je ein Beispiel für eine Antwortmöglichkeit. Art der Information Mögliche Antwort 1. - 2. - 3. - 4. - 5. - Tipp: Synonyme Formulierungen Bei vielen Prüfungen hören Sie selten wortwörtlich das gesuchte Schlüsselwort. Stattdessen benutzen die Sprecher und Sprecherinnen synonyme Formulierungen, 56 3 Prüfungstraining <?page no="57"?> die Sie erkennen müssen. Versuchen Sie in Ihrer Vorbereitung, Umschreibungen für wichtige Wörter zu finden. Ü2: Welche Begriffe gehören zusammen? Es handelt sich entweder um Ober-/ Unter‐ begriffe oder Synonyme. Verbinden Sie. Dozentin Beruf Job Lehrpersonal Hochschule Lehrveranstaltung Seminar Präsentation Vortrag Universität Ü3: Lesen Sie den Seminarplan und die Seminartitel. Hören Sie anschließend das Gespräch zwischen Stella und Maciej. Ergänzen Sie die Lücken mit den passenden Seminartiteln im Seminarplan von Maciej. # Digitale Transformation # Marketing # Wirtschaftsrecht # Statistik I # Wirtschafts‐ informatik - Mo Di Mi Do Fr 08: 00 - 10: 00 Wirtschafts‐ mathematik II - - - - 10: 00 - 12: 00 - - - - - 12: 00 - 14: 00 - Personalmanagement - - - 14: 00 - 16: 00 - - - - - 16: 00 - 18: 00 - - - - - Hörtext: Gespräch zwischen Stella und Maciej Ü4: Lesen Sie den Lückentext über eine Lerngruppe, die sich treffen will. Hören Sie anschließend den Hörtext und ergänzen Sie die Lücken. Kieu My: Hi Robin, wir wollten uns ja diese Woche zum Lernen treffen. Weißt du schon, wann du Zeit hast? Robin: Ich habe am ______ ab 14 Uhr Zeit. Wenn du willst, dann können wir uns ______ treffen. Hast du dir schon überlegt, wie wir das Ganze angehen wollen? Kieu My: Ich würde gern die Fragen aus der ______ durchgehen. Das sind ungefähr __ Stück, das sollten wir an einem Tag schaffen. 3.2 Hörverstehen 57 <?page no="58"?> Robin: Okay, kannst du dann bitte _______ mitbringen? Kieu My: Ja, klar. Hörtext: Gespräch zwischen Kieu My und Robin Aufgabe 2 Sie hören einen Ausschnitt aus der Podiumsdiskussion zum Thema „Anwesenheits‐ pflicht an der Uni“. Sie hören das Gespräch einmal. Notieren Sie für jede Person auf der linken Seite, welche Forderung die Person nennt, und auf der rechten Seite ein dazugehöriges Argument in Stichpunkten. Nach dem Hören haben Sie 3 Minuten Zeit, um Ihre Antworten zu kontrollieren. - Forderung Argument Frau Lehel - - Herr Boroditskij - - Video: Podiumsdiskussion zum Thema „Anwesenheitspflicht an der Uni“ Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe hören Sie eine Diskussion zwischen zwei Parteien, die unterschied‐ liche Positionen vertreten. Sie müssen Stichpunkte zu einem Begriffspaar notieren, beispielsweise welche Ursachen und welche Lösungen die zwei Parteien nennen. Es geht bei dieser Aufgabe nicht um Detailinformationen, sondern um ein globales Verstehen. Sie müssen die Struktur des Gesprächs erfassen und zwischen den beiden Begriffen differenzieren. Ü1: Aktivieren Sie Ihr Vorwissen und markieren Sie die richtige Antwort. 1) Eine Anwesenheitspflicht an der Universität bedeutet, … a) dass die Kursanmeldung obligatorisch ist. b) dass man bei Lehrveranstaltungen anwesend sein muss. c) dass man zur Teilnahme an Vorlesungen verpflichtet ist. 2) Eine Lehrveranstaltung ist beispielsweise … a) eine Arbeitsgruppe. b) ein Meeting. c) ein Seminar. 3) Ein studentischer Nebenjob bedeutet, … a) dass man an der Fachhochschule studiert. b) dass man neben dem Studium arbeitet. c) dass man Vollzeit arbeitet. 58 3 Prüfungstraining <?page no="59"?> Ü2: Lesen Sie die Aussagen und kreuzen Sie die zutreffende Kategorie des Begriffspaars an. 1) Das würde zu einer erhöhten Teilnahme an den Vorlesungen führen. a) Maßnahme b) Folge 2) Bei Studierenden mit Kindern handelt es sich beispielsweise um eine Gruppe, die besonders flexibel sein muss. a) Argument b) Beispiel 3) Ich denke, dass eine Anwesenheitspflicht nur bei Seminaren sinnvoll ist. a) Meinung b) Begründung Ü3: Lesen Sie die Aussagen aus der Ü2 noch einmal und markieren Sie die Redemittel, anhand derer Sie die zutreffende Kategorie erkannt haben. Ergänzen Sie damit die Tabelle und fügen Sie eigene Redemittel hinzu. Maßnahme Folge Argument Beispiel Meinung Begründung --------- - - - - - Ü4: Hören Sie den Anfang einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Gratis ins Museum? Pro und Kontra“ und notieren Sie die Meinung und die Begründung von Frau Richter und Herrn Trockel. - Meinung Begründung Frau Richter - - Herr Trockel - - Video: Podiumsdiskussion mit dem Titel „Gratis ins Museum? Pro und Kontra“ Aufgabe 3 Sie hören einen Ausschnitt aus einer Vorlesung im Fach Geschichte zum Thema „Konsum in der DDR“. Sie hören den Text einmal. Machen Sie sich beim Hören Notizen. 3.2 Hörverstehen 59 <?page no="60"?> Sie müssen nicht jedes Detail notieren. Nach dem Hörtext sehen Sie eine schriftliche Zusammenfassung. Zwei Sätze in der Zusammenfassung enthalten falsche Informationen. Welche sind das? Nach dem Hören haben Sie 2 Minuten und 30 Sekunden Zeit, um die Aufgabe zu bearbeiten. Hörtext: Vorlesung im Fach Geschichte zum Thema „Konsum in der DDR“ Zusammenfassung: In der DDR regelte der Staat die Wirtschaft durch die Verstaatli‐ chung von Industrie, Handel und Landwirtschaft. Der Staat erstellte Fünfjahrespläne, nach denen die Unternehmen produzieren mussten. Aufgrund der genauen Planung der staatlichen Kommissionen kam es allerdings nie zu Versorgungsengpässen bei der Bevölkerung. Der Staat garantierte eine Grundversorgung zu Fixpreisen, wie beispielsweise bei Brötchen. Auch importierte Produkte wie Kaffee waren überall erhältlich. Elektrogeräte und Autos hingegen galten als Luxusartikel und hatten lange Wartezeiten. Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie die Informationen aus einer Vorlesung mit einer geschriebenen Zusammenfassung vergleichen, die erst nach Ende des Hörtextes ein‐ geblendet wird. Sie hören eine Vorlesung, notieren sich wesentliche Informationen und lesen anschließend die Zusammenfassung der Vorlesung. Sie müssen die Informationen markieren, die nicht mit der Vorlesung übereinstimmen. Es geht darum, Hauptaussagen des Hörtextes zu erfassen, nicht Detailinformationen. Ü1: Aktivieren Sie Ihr Vorwissen und überlegen Sie, was Ihnen zu dem Thema „DDR“ einfällt. Zeichnen Sie eine Mindmap. Tipp Notieren Sie beim Hören nur in Stichpunkten und versuchen Sie sich, auf die wesentlichen Informationen zu konzentrieren. Wenn Sie versuchen, alles mitzu‐ schreiben, können Sie der Vorlesung nicht mehr folgen. 60 3 Prüfungstraining <?page no="61"?> Ü2: Hören Sie und notieren Sie die wesentliche Information in max. fünf Stichworten. Hörtext: 1. - 2. - 3. - 4. - 5. - Ü3: Hören Sie einen Ausschnitt aus einem Vortrag zum Thema „Fahrzeugsicherheit“ und notieren Sie sich den Inhalt in Stichpunkten. Hörtext: Ausschnitt aus einem Vortrag zum Thema „Fahrzeugsicherheit“ - - - - - - - - - Ü4: Lesen Sie die Aussagen. Hören Sie den Ausschnitt aus der Ü3 noch einmal und kreuzen Sie an, ob die Aussagen mit der Vorlesung übereinstimmen. - Ja nein 1. Die Geschichte der Sicherheitstests von Fahrzeugen reicht bis in die 1920er-Jahre zurück. - - 2. Bei einem Crashtest wird ein Auto kontrolliert gegen ein Hindernis gefahren. - - 3. Der erste Crashtest in Deutschland wurde erst in dem Jahr 1970 durch‐ geführt. - - 4. Unabhängige Organisationen führen mit Fahrzeugen regelmäßig Sicher‐ heitstests durch. - - Aufgabe 4 Sie sehen eine Podiumsdiskussion zum Thema „E-Scooter“. Sie sehen das Video einmal. Kreuzen Sie an, zu wem die Aussagen 1-6 passen. Für jede Aussage gibt es genau eine richtige Lösung. Nach dem Video haben Sie 45 Sekunden Zeit, um Ihre Antworten zu kontrollieren. Sie haben jetzt 45 Sekunden Zeit, um die Aussagen zu lesen. 3.2 Hörverstehen 61 <?page no="62"?> Herr Rückner Frau Barre beide keiner 1. E-Scooter brauchen wenig Platz zum Parken. - - - - 2. E-Scooter produzieren weniger Emissionen als Autos. - - - - 3. E-Scooter sind praktisch für Men‐ schen, die körperliche Einschrän‐ kungen haben. - - - - 4. Diese Person bezieht sich auf eine wissenschaftliche Studie. - - - - 5. Man sollte E-Scooter aus recycel‐ ten Materialien herstellen. - - - - 6. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Scooter ist sinnvoll. - - - - Video: Podiumsdiskussion zum Thema „E-Scooter“ Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie Aussagen aus einem Gespräch den richtigen Personen zuordnen. Es kann auch sein, dass manche Aussagen von beiden Personen oder von niemandem geäußert wurden. Um die Personen besser auseinanderzuhalten, sehen Sie ein Video des Gesprächs. Ü1: Aktivieren Sie Ihr Vorwissen und überlegen Sie, was Sie zum Thema „Mobilität in der Stadt“ wissen. Ordnen Sie die Begriffe den passenden Kategorien zu. Einzelne Begriffe können mehreren Kategorien zugeordnet werden. Begriffe: # Bus # U-Bahn # S-Bahn # Auto # E-Scooter # Fahrrad # Motorrad # Moped # E-Bike privat öffentlich für eine Person für mehr als eine Person ------ - - - Ü2: Hören Sie die jeweilige Aussage zum Thema Mobilität und kreuzen Sie an, ob a) oder b) die Aussage am besten wiedergibt. 62 3 Prüfungstraining <?page no="63"?> Hörtexte: Aussagen zum Thema Mobilität 1. a) Autos sollten in Innenstädten verboten sein. b) Ohne Autos sinkt die Lebensqualität in Innenstädten. 2. a) Die Anzahl der durch die Österreichische Bundesbahn transportierten Fahrgäste stieg von 2021 auf 2022 um 38 %. b) Die Anzahl der transportierten Fahrgäste der Österreichischen Bundesbahn erhöhte sich im Jahr 2022 auf 38 %. 3. a) Auf dem Land braucht man meistens ein Auto. b) Auf dem Land hat man mehr Platz für Autos. 4. a) Im Jahr 2050 wird die Mehrheit der Autos autonom fahren. b) Im Jahr 2050 wird fast die Hälfte der Autos autonom fahren. 5. a) Fahrradfahren ist gesünder und vor allem günstiger als Autofahren. b) Mehr Fahrradwege führen dazu, dass Menschen auf ihr Auto verzichten. Tipp: Zustimmung oder Ablehnung? Bei dieser Aufgabe müssen Sie verstehen, wenn Äußerungen implizit getätigt werden. Beispielsweise kann es sein, dass eine Person eine Aussage tätigt und die andere Person ihre Zustimmung mit „Sie haben Recht“ ausdrückt. In diesem Fall müssen Sie in der Tabelle bei der betreffenden Aussage „beide“ ankreuzen. Ü3: Sammeln Sie Redemittel, die entweder Zustimmung oder Ablehnung ausdrücken. Zeichnen Sie zwei Mindmaps. 3.2 Hörverstehen 63 <?page no="64"?> Ü4: Sie hören ein Gespräch zwischen Romana und Sven zum Thema Rauchverbot. Kreuzen Sie an, welche Person welche Position vertritt. Hörtext: Gespräch zwischen Romana und Sven zum Thema Rauchverbot - Romana Sven beide 1. Es sollte ein komplettes Rauchverbot geben. - - - 2. Rauchen schädigt die Mitmenschen. - - - 3. Ein Rauchverbot ist schwierig umzusetzen. - - - Aufgabe 5 Sie sehen einen Ausschnitt aus einer Vorlesung im Fach Astronomie zum Thema „Schwarze Löcher“. Sie sehen das Video einmal. Ergänzen Sie beim Hören die Gliederungspunkte in den Textfeldern in Stich‐ punkten. Nennen Sie zu jedem Gliederungspunkt eine Antwort. Nach dem Video haben Sie 3 Minuten Zeit, um Ihre Antworten zu kontrollieren. Sie haben jetzt 10 Sekunden Zeit, sich die Gliederungspunkte anzuschauen. Beobachtung Schwarzer Löcher nur mithilfe von: - Erkenntnisse der Astronomen und Astronominnen der Europäischen Südsternwarte (1 Beispiel): - Mithilfe des Schwarzen Lochs lässt sich erforschen (1 Beispiel): - noch nicht erforscht (1 Beispiel): - Video: Ausschnitt aus einer Vorlesung im Fach Astronomie zum Thema „Schwarze Löcher“ 64 3 Prüfungstraining <?page no="65"?> Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie einer Vorlesung folgen und zu vorgegebenen Gliede‐ rungspunkten Stichworte ergänzen. Sie sehen ein Video mit einem Sprecher oder einer Sprecherin sowie Präsentationsfolien. Diese Folien sollen das Verständnis erleichtern, sind aber nicht notwendig, um die Aufgabe zu lösen. Lesen Sie vor Beginn des Videos sorgfältig die Gliederungspunkte und achten Sie während des Hörens auf synonyme Formulierungen. Ü1: Finden Sie synonyme Formulierungen zu den Begriffen in den Gliederungspunkten. erforschen: __________________________ Beobachtung: ________________________ mithilfe von …: _______________________ Erkenntnis: __________________________ Tipp: Wissenschaftliche Formulierungen In Zugangsprüfungen werden oft Texte genutzt, die sich auf Forschungsergebnisse beziehen. Es ist daher wichtig, dass Sie einige Formulierungen kennen, die in wissenschaftlichen Texten immer wieder vorkommen. Ü2: Ordnen Sie den Nomen die passenden Verben zu. Achtung: Zu den Nomen können mehrere Verben passen. aufstellen # auswerten # belegen # durchführen # kritisieren # lauten # widerlegen # zeigen # zum Schluss kommen Die Behauptung_______________ Die Daten ____________________ Die Hypothese ________________ Die Studie____________________ Die Forschung ________________ Die Untersuchung _____________ Ü3: Was könnten passende Stichworte zu dem Gliederungspunkt sein? Hören Sie die drei Abschnitte einer Vorlesung zu dem Thema „Gehirn und Ernährung“ und kreuzen Sie an. Hörtext: drei Abschnitte einer Vorlesung zu dem Thema „Gehirn und Ernährung“ 1. Verbindung zwischen Gehirn und Darm a) Gehirn und Darm kommunizieren über Flüssigkeiten. b) Informationen aus dem Darm werden nur verzögert weitergeleitet. c) Informationen aus dem Darm werden über Nervenverbindungen an das Gehirn weitergeleitet. 3.2 Hörverstehen 65 <?page no="66"?> 2. Unterschied zwischen den zwei Probandengruppen a) Eine Gruppe bekommt einen Pudding mit mehr Fett und Zucker als die andere. b) Eine Gruppe bekommt einen zuckerhaltigen Milchshake, die andere nicht. c) Eine Gruppe muss mehr Kilokalorien essen als die andere. 3. Forschungsergebnis der Studie a) Der Konsum von zucker- und fetthaltigen Speisen führt zu einer Gewichtszunahme. b) Regelmäßiger Konsum von zucker- und fetthaltigen Speisen führt zu neuen Nerven‐ verbindungen. c) Zucker- und fetthaltige Speisen stören die Entwicklung des Gehirns. Ü4: Hören Sie einen Ausschnitt aus einer Vorlesung zum Thema „Postkoloniale Literatur“ und notieren Sie zu jedem Gliederungspunkt Stichworte. Hörtext: Ausschnitt aus einer Vorlesung zum Thema „Postkoloniale Literatur“ Postkoloniale Literatur Definition postkoloniale Literatur: ________________________ ________________________ Themen der postkolonialen Literatur (1 Beispiel): ________________________ ________________________ Sprachen der postkolonialen Literatur (1 Beispiel): ________________________ ________________________ Aufgabe 6 Sie hören einen Ausschnitt aus einem Vortrag zum Thema „Stottern“. Sie hören den Text einmal. Beantworten Sie die Fragen 1-5, indem Sie entscheiden, welche Lösung passt. Für jede Frage gibt es genau eine richtige Lösung. Nach dem Hören haben Sie 1 Minute und 30 Sekunden Zeit, um Ihre Antworten zu kontrollieren. Sie haben jetzt 1 Minute und 30 Sekunden Zeit, um die Fragen zu lesen. 1. Was könnte eine Ursache für Stottern sein? a) Genetik b) Mobbing c) soziale Ängste d) zu wenig Schlaf 2. Wie viele stotternde Kinder hören von selbst auf ? a) 10 % b) 20 % 66 3 Prüfungstraining <?page no="67"?> c) 50 % d) 80 % 3. Was passiert im Gehirn von Stotternden im Moment des Stotterns? a) Es gibt eine mangelnde Abstimmung der Sprachareale im Gehirn. b) Es kommt zu einer Überstimulation der Sprachareale. c) Es gibt zu schwache Signale für die Sprechbewegung. d) Es gibt zu wenige Rezeptoren im Gehirn. 4. Wie versuchen Stotternde, das Stottern zu umgehen? a) Indem sie bestimmte Wörter vermeiden. b) Indem sie die Worte schneller sprechen als üblich. c) Indem sie lauter sprechen als üblich. d) Indem sie mehr Pausen zwischen den Worten machen. 5. Das Hauptanliegen des Vortrags besteht darin, … a) bekannte Auslöser von Stottern in Zweifel zu ziehen. b) den gesellschaftlichen Umgang mit Stotterern zu kritisieren. c) neue Therapieansätze gegen Stottern vorzustellen. d) über die Ursachen und Folgen von Stottern aufzuklären. Hörtext: Ausschnitt aus einem Vortrag zum Thema „Stottern“ Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe hören Sie einen Ausschnitt aus einer Vorlesung und müssen dazu fünf Multiple-Choice-Fragen beantworten. Bei jeder Frage wählen Sie aus vier Antwortmöglichkeiten. Die Fragen können sich auf die Detailinformationen, die Hauptaussagen im Vortrag oder die Textorganisation beziehen. Das letzte Item prüft immer das globale Textverständnis ab. Ü1: Notieren Sie in Stichwörtern, was Sie zu dem Thema „Stottern“ wissen. - - - - - Tipp: Signalwörter in Items Sie haben bei dieser Aufgabe 90 Sekunden Zeit, um die Fragen und die Antwort‐ möglichkeiten zu lesen. Dann beginnt der Vortrag. Achten Sie beim Lesen bereits auf die Signalwörter in den Fragen - sie werden wortgleich oder als Synonym in dem Vortrag vorkommen. 3.2 Hörverstehen 67 <?page no="68"?> Ü2: Markieren Sie die Signalwörter in den Items und schreiben Sie synonyme Formu‐ lierungen. 1) Was könnte eine Ursache für Stottern sein? 2) Wie viele stotternde Kinder hören von selbst auf ? 3) Was passiert im Gehirn von Stotternden im Moment des Stotterns? 4) Wie versuchen Stotternde, das Stottern zu umgehen? 1. - 2. - 3. - 4. - Ü3: Lesen Sie die folgenden Fragen und Antwortmöglichkeiten. Hören Sie anschließend den Ausschnitt aus einem Vortrag zu dem Thema „Hyperinflation in Deutschland: Eine Krise der 1920er Jahre“ und kreuzen Sie die richtige Antwort an. 1. Wie kam es nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland zur Inflation? a) Die Banken verschuldeten sich. b) Die Regierung druckte immer mehr Geld. 2. Wie viel kostete ein Kilo Roggenbrot im November 1923 in Deutschland? a) 233 Milliarden Mark b) 130 Millionen Mark 3. Wozu wurden Geldbündel auch genutzt? a) zum Bauen b) zum Heizen 4. Welche Maßnahmen wurden getroffen, um die Inflation zu beenden? a) Eine neue Währung wurde eingeführt. b) Preise wurden per Gesetz stabil gehalten. Hörtext: Ausschnitt aus einem Vortrag zu dem Thema „Hyperinflation in Deutschland: Eine Krise der 1920er Jahre“ Ü4 Hören Sie den Vortrag aus der Ü3 noch einmal und formulieren Sie die Hauptaus‐ sage. Hauptaussage: __________________________________________ __________________________________________ 68 3 Prüfungstraining <?page no="69"?> Aufgabe 7 Sie hören einen Text zum Thema „Zimmerpflanzen“, den Sie gleichzeitig mitlesen müssen. Hörtext und schriftlicher Text sind nicht identisch. Vier Wörter sind unter‐ schiedlich. Sie hören den Text einmal. Markieren Sie beim Hören die vier Wörter, die nicht dem Hörtext entsprechen. Nach dem Hören haben Sie 20 Sekunden Zeit, um Ihre Antworten zu kontrollieren. Hörtext zum Thema „Zimmerpflanzen“ In vielen Haushalten befinden sich im Wohnzimmer Pflanzen. Oft sind sie mehr als nur Dekoration - sie verbessern das Raumklima und wirken beruhigend. Studien zeigen: Der Kontakt zu Pflanzen kann bei Menschen Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern. Dies ist besonders in Großstädten praktisch, in denen es nur wenig Grün gibt. Mit Zimmerpflanzen kann man sich ein Stück Natur in die eigenen vier Wände holen. Solch eine grüne Oase kann zumindest ein bisschen die Stimmung heben - ganz ohne Garten oder Balkon. Die Aufgabenstellung In dieser Aufgabe müssen Sie einen schriftlichen Text mit einem Hörtext vergleichen. Sie müssen die vier Wörter in dem schriftlichen Text markieren, die anders sind. Diese Wörter unterscheiden sich nur wenig von dem Hörtext, beispielsweise lesen Sie „dann“ und hören Sie „denn“. Sie müssen also sehr genau hinhören und auf die Schreibung der einzelnen Wörter achten. Ü1: Die Aufgabe 7 ist ein wenig anders als andere Aufgaben. Lesen Sie die Aufgaben‐ stellung der Aufgabe 7 und kreuzen Sie an, was Sie tun müssen. ☐ Ich muss den Text während des Hörens lesen. ☐ Ich muss die Hauptaussage des Textes verstehen. ☐ Ich muss die Textorganisation verstehen. ☐ Ich muss die Unterschiede zwischen den gehörten und den geschriebenen Wörtern erkennen. ☐ Ich muss Fragen zum Text beantworten. ☐ Ich muss genau auf die Schreibung der einzelnen Wörter achten. ☐ Ich muss jedes Wort genau lesen. Tipp: Vokale Die Unterscheidung zweier verschiedener Vokale, beispielsweise [o] oder [u], ist eine große Herausforderung. Darüber hinaus können Vokale im Deutschen auch kurz oder lang sein. Sprechen Sie nacheinander die Wörter „Hüte“ und „Hütte“ laut aus. Sie merken, dass „Hüte“ lang und „Hụ̈tte“ kurz ausgesprochen wird. 3.2 Hörverstehen 69 <?page no="70"?> Ü2: Sie hören immer zwei Wörter hintereinander. Schreiben Sie „1“ in das Kästchen des Wortes, das Sie zuerst hören. Schreiben Sie „2“ in das Kästchen des Wortes, das Sie als zweites hören. Markieren Sie anschließend die Wörter, die einen langen Vokal haben, grün und die Wörter, die einen kurzen Vokal haben, rot. Hörtext 1. a) ☐ Rum ☐ Ruhm b) ☐ Staat ☐ Stadt c) ☐ in ☐ ihn d) ☐ Ofen ☐ offen e) ☐ wen ☐ wenn Hörtext 2. f) ☐ Hölle ☐ Höhle g) ☐ fühlen ☐ füllen h) ☐ säen ☐ sehen i) ☐ leben ☐ lieben j) ☐ Kuchen ☐ kochen Hörtext 3. k) ☐ kennen ☐ können l) ☐ Mutter ☐ Mütter m) ☐ Tür ☐ Tier n) ☐ Maus ☐ Mäuse o) ☐ Laute ☐ Leute Tipp: Konsonanten Welche Konsonantenpaare Ihnen Schwierigkeiten bereiten, hängt auch von Ihrer Muttersprache ab. Machen Sie deshalb nach der Ü3 eine Fehleranalyse und schreiben Sie sich auf, welche Unterscheidungen Ihnen besonders schwergefallen sind. War es zum Beispiel das Paar [l] und [r] oder eher [b] und [p]? Schenken Sie diesen Konsonantenpaaren in Ihrer Vorbereitung besondere Aufmerksamkeit. 70 3 Prüfungstraining <?page no="71"?> Ü3: Welches Wort hören Sie? Kreisen Sie ein. Notieren Sie anschließend die Konsonan‐ tenpaare, die besonders schwierig für Sie waren. Hörtext 1. a) Kirche - Kirsche b) Raute - Laute c) hin - in d) für - wir e) Panne - Pfanne Hörtext 2. f) reißen - reisen g) Masse - Masche h) Kurs - kurz i) Buch - Busch j) dick - dich Hörtext 3. k) Engel - Enkel l) ja - Jahr m) Liter - Lieder n) Kasse - Gasse o) Keim - kein Schwierige Konsonantenpaare: _______________________ _______________________ _______________________ Ü4: Lesen Sie den Lückentext. Hören Sie den Text zum Thema „Kinderbetreuung“ und füllen Sie parallel den Lückentext aus. Eine gute und zuverlässige Kinderbetreuung ist für Eltern (1)_______. Doch obwohl in Deutschland ein Rechtsanspruch auf eine Kindertagesbetreuung besteht, (2)_____ es überall an Plätzen. Experten und Expertinnen berechneten, dass im Jahr 2023 über 380.000 Plätze in Kindertagesstätten fehlten. Grund dafür ist ein eklatanter Fachkräftemangel: Es gibt zu wenig (3)________ Personal, das die Kinder in den Kin‐ dertagesstätten betreut. Durch den Personalmangel werden die bestehenden Erzieher und Erzieherinnen noch stärker (4)________, da sie sich um zu viele Kinder gleichzeitig kümmern müssen. Deshalb fordern sowohl Eltern als auch Erzieher und Erzieherinnen 3.2 Hörverstehen 71 <?page no="72"?> von der Regierung, mehr Geld in die (5)_________ von pädagogischen Fachkräften zu investieren. Hörtext zum Thema „Kinderbetreuung“ 3.3 Schreiben Gerade das Schreiben bietet durch die zusätzlichen Möglichkeiten der sprachlichen Planung und die besseren Möglichkeiten der Kontrolle der Korrektheit eine Reihe von Hilfestellungen beim Sprachenlernen. Die sprachliche Planung ist meist intensiv und durch die dauerhafte schriftliche Fixierung lässt sich die Form besser kontrollieren als in flüchtigen mündlichen Texten. Auch beim Schreiben ist es wichtig, die konkrete Situation zu bedenken. Was ist also zu beachten? • Berücksichtigung der Situativität (Kommunikationskontext und -rollen): Wer kommuniziert mit wem über welches Thema in welcher Situation? • Klarheit über die Forschungsfrage/ Kommunikatives Ziel: Welche Fragen sollen beantwortet werden? Was ist die Aufgabe? Was sind die Anforderungen? • Planung: Welche Makrostruktur/ Textsortenstruktur ist erforderlich? Handelt es sich um eine eher konzeptionell mündliche oder schriftliche Ausprägung? Wie positioniere ich mich als Autorin/ Autor dazu? Ist Selbstreferenz erlaubt, wie ist sie zu gestalten? Wie subjektiv/ objektiv muss der Text strukturiert sein? Wie leser- oder schreiberorientiert ist er zu gestalten? • Ideensammlung (wichtige Elemente, die vertextet werden sollen); • Sortieren und Systematisieren von Ideen; • Aktivierung von Vor- und Situationswissen; • Inneres Formulieren (die Verfertigung der Gedanken beim Schreiben); • Kontinuierliches Abstimmen mit Textentwürfen und Textteilen; • Entwicklung eines mentalen Modells; • Übergang zum äußeren Text/ Textstruktur und Oberfläche gestalten; • Festlegung der Elemente der Proposition/ Aussagen; • Festlegung der Elemente des Textmusters; • Kohäsionselemente; • Redaktionsprozess und Prüfung von Plausibilität und Kohärenz vornehmen. Dabei sind die Prozesse der internen Modellbildung und die der Externalisierung in einem interaktiven Verhältnis. Sie wechseln sich ab. Schreiben ist kein linearer Prozess und besteht nicht nur aus der physischen Tätigkeit des äußeren Schreibens mit der Hand oder maschinell, sondern beginnt mit der Planung und endet mit der Redaktion des geschriebenen Entwurfs. 72 3 Prüfungstraining <?page no="73"?> Grundlegende Schreibstrategien und -techniken • Zu Beginn hilft ein Überblick über die verschiedenen Textsorten und deren formale Besonderheiten beim Verfassen eines Textes. • Außerdem ist es hilfreich, passende Redemittel zu sammeln. Es empfiehlt sich, eine thematisch sortierte Liste mit Redemitteln anzulegen, die kontinu‐ ierlich ergänzt wird. • Die Gliederung des Textes in formale, inhaltliche und sprachliche Aspekte erleichtert das Verfassen eines Textes. • Eine weitere Möglichkeit ist die Unterteilung einzelner Antworten in Ab‐ schnitte. Dabei sollte jeder neue Gedankengang einen neuen Abschnitt be‐ ginnen. Es muss in diesem Zusammenhang beachtet werden, dass Textsorten in der Regel einen spezifischen Aufbau haben, wie Gliederung/ Inhaltsver‐ zeichnis, Einleitung, Hauptteil, Schluss. • Bei einem logischen Aufbau ist nicht nur die sinnvolle Abfolge der Aspekte wichtig, sondern auch deren gedankliche und argumentative Verknüpfung. Aneinander gereihte Einzelsätze ergeben keinen sinnvollen Text. • Falls ein Wort nicht zur Verfügung steht oder Unsicherheit über die korrekte Verwendung besteht, hilft eine Umschreibung oder die Suche nach einer gleichbedeutenden Wendung oder einer einfacheren Konstruktion. Die Ver‐ wendung von Internationalismen ist eine weitere Möglichkeit. • Wichtige formale Kriterien bei schriftlichen Texten sind Rechtschreibung und Zeichensetzung. Es ist sinnvoll, den Text am Ende daraufhin immer noch einmal zu kontrollieren. Die Textstruktur einer wissenschaftlichen Arbeit ist gekennzeichnet durch • eine Einleitung, die zur eigenen Fragestellung hinführt und der Leserin oder dem Leser Hinweise auf Begründung, Zielsetzung, Methode und Aufbau der eigenen Arbeit gibt; • einen Hauptteil, in dem die eigene Fragestellung entwickelt wird und zwar ausgehend von der Formulierung einer Hypothese und deren Begründung durch eine wissenschaftliche Argumentation, bei der das dargelegte Wissen durch Beobachtung und Dokumentation objektiv nachprüfbar sein soll; • einen Schluss, in dem gegebenenfalls das eigene Vorhaben wiederaufgenommen, die erzielten Ergebnisse zusammengefasst und kritisch reflektiert, Schlussfolge‐ rungen gezogen und weitere Forschungsdesiderata formuliert werden. 3.3 Schreiben 73 <?page no="74"?> Relevante Redemittel Wichtige Redemittel für wissenschaftliche Textsorten sind • Text strukturierende und gliedernde Konnektoren: zunächst, dann, schließ‐ lich/ anschließend, erstens/ zweitens/ drittens, zum einen/ zum anderen; • Logische Konnektoren für Angaben der Folge, Kausalität, Gegensätze, Ver‐ gleiche: während, hingegen, dagegen, allerdings, jedoch, einerseits/ anderer‐ seits; • Konnektoren für Begründungen: zumal, da, weil, daher. Begründungen können auch der Rechtfertigung einer Fragestellung sowie der Kritik an gewissen Theorien und Forschungspositionen dienen. Auf die weiteren Textelemente verschiedener Textsorten, ihre Strukturelemente und Redemittel geht Kapitel 7 genauer ein. Übungen Aufgabe 1 Auf einer Lernplattform diskutieren Sie mit Ihrem Dozenten und anderen Seminar‐ teilnehmenden über das Thema „Digitalisierung in der Schule“. Schreiben Sie einen Beitrag. Erläutern und begründen Sie, welche positiven und negativen Aspekte es für Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte haben kann, wenn im Schulun‐ terricht nur noch mit Laptops gearbeitet wird. Schreiben Sie mindestens 200 Wörter. Sie haben 30 Minuten Zeit. Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie einen Diskussionsbeitrag für Seminarteilnehmende und Ihren Dozenten beziehungsweise Ihre Dozentin schreiben. Deshalb sollten Sie auf um‐ gangssprachliche und emotionale Ausdrücke verzichten. In dem Text diskutieren Sie eine Fragestellung und versetzen sich dabei in zwei unterschiedliche Gruppen. Diese Gruppen können zum Beispiel Eltern und Kinder, Arbeitnehmer/ Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeber/ Arbeitgeberinnen, Lehrkräfte und Studierende sein. Sie müssen die Vor- und Nachteile für die jeweiligen Gruppen abwägen und Ihren eigenen Standpunkt zu dem Thema darstellen und begründen. Ü1 Lesen Sie die Aufgabenstellung der Aufgabe 1 und überlegen Sie, was Sie können müssen. Kreuzen Sie an. 74 3 Prüfungstraining <?page no="75"?> ja nein die eigene Meinung zu einer Position formulieren und begründen - - die Vor- und Nachteile einer Position diskutieren - - fremde Ideen korrekt wiedergeben - - für oder gegen etwas argumentieren - - sich in zwei verschiedene Rollen hineinversetzen - - wichtige Informationen aus einer Quelle identifizieren - - wissenschaftliche Literatur zitieren - - Ü2 Lesen Sie die folgende Aufgabenstellung und notieren Sie die Fragestellung und die zwei Gruppen, um die es geht. Auf einer Lernplattform diskutieren Sie mit Ihrer Dozentin und anderen Seminarteil‐ nehmenden über das Thema „verpflichtendes Auslandssemester“. Schreiben Sie einen Beitrag. Erläutern und begründen Sie, welche Vor- und Nachteile es für Studierende und die Universität haben kann, wenn Studierende dazu verpflichtet werden, mindestens ein Semester im Ausland zu studieren. Schreiben Sie mindestens 200 Wörter. Sie haben 30 Minuten Zeit. Fragestellung: ___________________________ Gruppe 1: _______________________________ Gruppe 2: _______________________________ Tipp: Ideen sammeln und strukturieren Für Ihren Text müssen Sie Argumente sammeln, die für oder gegen eine Position sprechen. Außerdem sollten Sie sich Gedanken machen, wie Ihre eigene Meinung zu dem Thema lautet. Notieren Sie sich deshalb im ersten Schritt in Stichworten Ihre Ideen zu dem Thema. Achten Sie allerdings darauf, dass Sie sie von Beginn an strukturiert festhalten. Das erleichtert Ihnen später die Textgliederung. Ü3 Lesen Sie noch einmal die Aufgabenstellung aus der Ü2 und notieren Sie hier in Stichworten Ihre Ideen. 3.3 Schreiben 75 <?page no="76"?> 1. Einleitung: - - 2. Hauptteil: - a) Vorteile für Gruppe 1 - - b) Vorteile für Gruppe 2 - - c) Nachteile für Gruppe 1 - - d) Nachteile für Gruppe 2 - - e) eigene Meinung (dafür/ dagegen, warum? ) - - 3. Schluss: Fazit - - Ü4 Kreuzen Sie die passenden Einleitungssätze zu dem Thema „verpflichtendes Auslandssemester“ an. Mehrere Lösungen sind möglich. ☐ Die Idee eines verpflichtenden Auslandssemesters an Universitäten ist nicht neu, wirft jedoch verschiedene Fragen auf. ☐ Für die Studierenden kostet ein Auslandssemester beispielsweise viel Geld. ☐ Ich habe in meinem Bachelorstudium ein Auslandssemester absolviert und kann davon nur abraten. ☐ Ich persönlich finde, dass ein Auslandssemester viele Vorteile hat. ☐ Immer wieder wird an den Universitäten diskutiert, ob ein obligatorisches Aus‐ landssemester für alle Studierenden eingeführt werden soll. 76 3 Prüfungstraining <?page no="77"?> Tipp: Argumente begründen Es ist essenziell, dass Sie Ihre Argumente begründen und Beispiele nennen. Bei‐ spielsweise ist das Stichwort „längere Studienzeiten“ alleine noch kein Argument. Sie müssen im Text genau erklären, warum und für wen dieser Punkt negativ oder positiv ist. Ü5 Ordnen Sie den Argumenten (1-5) Begründungen und Beispiele (a-e) zu. 1) Mithilfe eines Aufenthalts in einem fremdsprachigen Land können Studierende ihre Sprachkenntnisse verbessern. 2) Aufgrund eines Auslandssemesters verlängert sich die Studienzeit. 3) Ein Auslandsaufenthalt kann Studierenden helfen, sich interkulturelle Kompetenzen anzueignen. 4) Ein Aufenthalt an einer ausländischen Uni ermöglicht es den Studierenden, sich mit anderen Lehr- und Forschungsansätzen auseinanderzusetzen. 5) Ein verpflichtendes Auslandssemester bedeutet einen hohen Verwaltungsaufwand für die Universitäten. a) Beispielsweise muss genau festgelegt werden, wie die Noten aus dem Ausland angerechnet werden. b) Damit erhöhen sie ihre Karrierechancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt. c) Damit erweitern die Studierenden ihre Fachkenntnisse und bringen neue Impulse an die heimischen Universitäten. d) Das führt zu höheren Kosten für die Studierenden. e) Zum Beispiel lernen sie andere Wertvorstellungen zu tolerieren. Den Text strukturieren In Ihrem Text sollen die Vor- und Nachteile des Diskussionsthemas ausgewogen dargestellt werden. Dabei ist es Ihnen überlassen, ob Sie zuerst alle Vorteile und dann alle Nachteile nennen, oder ob Sie die einzelnen Vor- und Nachteile einander gegenüberstellen. Wichtig ist nur, dass die Abfolge der Argumente logisch ist: Wenn beispielsweise das Argument „längere Studienzeiten“ ein Nachteil sowohl für die Universität als auch für die Studierenden ist, dann sollten Sie diesen Punkt unbedingt miteinander verknüpfen. Die Kontrastierung und die Verbindung von Argumenten gelingen Ihnen über sprachliche Mittel. Ü6 Markieren Sie im folgenden Text die sprachlichen Mittel, die die einzelnen Argu‐ mente miteinander verknüpfen. Für ein verpflichtendes Auslandssemester spricht die Verbesserung der Fremdspra‐ chenkenntnisse, was zu höheren Karrierechancen auf dem Arbeitsmarkt führt. Denn in unserer globalisierten Welt spielen Fremdsprachenkenntnisse für das Berufsleben eine große Rolle. Außerdem ermöglicht ein Auslandssemester Studierenden, ihren 3.3 Schreiben 77 <?page no="78"?> fachlichen Horizont zu erweitern und andere Forschungsansätze kennenzulernen. Davon profitieren auch die heimischen Universitäten. Allerdings gibt es auch Argumente gegen ein verpflichtendes Auslandssemester. Erstens bedeutet die Organisation der Auslandssemester einen hohen Verwaltungsauf‐ wand für die Universitäten. Beispielsweise müssen sie sich um die Kursanrechnung kümmern. Zweitens können die Kosten eines Auslandsaufenthalts eine Hürde für Studierende darstellen. Das kann dazu führen, dass sich generell weniger junge Menschen für ein Studium entscheiden. Tipp: Ein Fazit ziehen Am Ende der Stellungnahme ziehen Sie ein Fazit. Überwiegen die Vor- oder die Nachteile? Sie können dabei Ihre persönliche Meinung zu dem Thema ausdrücken und Stellung beziehen. Ü7 Vervollständigen Sie die Sätze, um ein Fazit zu ziehen und Ihre Meinung auszudrü‐ cken. Vorteile eines verpflichtenden Auslandssemesters überwiegen: Meiner Meinung nach _________________________________________________ Mein Standpunkt ist, dass ______________________________________________ Ich finde, dass die Vorteile überwiegen, weil _______________________________ Nachteile eines verpflichtenden Auslandssemesters überwiegen: Ich meine, dass ______________________________________________________ Ich bin der Meinung, dass _____________________________________________ Ich finde, dass die Nachteile überwiegen, weil _____________________________ Tipp: Den Text korrigieren Nehmen Sie sich am Ende fünf Minuten Zeit, um Ihren geschriebenen Text sorg‐ fältig zu lesen und zu korrigieren. Schreiben Sie sich am besten eine persönliche Checkliste, worauf Sie bei der Fehlerkorrektur achten. Dabei sollten Sie wissen, welche Fehler Sie am häufigsten machen, zum Beispiel Syntax- oder Artikelfehler. Eine Checkliste könnte ungefähr so aussehen: ☐ Ich habe alle Aufgabenpunkte bearbeitet. ☐ Ich habe den Text logisch strukturiert. ☐ Ich habe Sätze sinnvoll miteinander verknüpft. ☐ Ich habe mich präzise und eindeutig ausgedrückt. ☐ Ich habe einen Einleitungs- und einen Schlusssatz geschrieben. ☐ Mein Text besitzt eine angemessene Textlänge. ☐ Ich habe auf meine „Lieblingsfehler“ geachtet. Das sind: ________________ 78 3 Prüfungstraining <?page no="79"?> Ü8 Kreuzen Sie die korrekten Sätze an. 1) a) Ein Auslandsaufenthalt kann sehr teuer sein, was sich können viele Studierende nicht leisten. b) Ein Auslandsaufenthalt kann sehr teuer sein, was sich nicht leisten können viele Studierende. c) Ein Auslandsaufenthalt kann sehr teuer sein, was sich viele Studierende nicht leisten können. 2) a) Nicht alle Studierenden können im Ausland gut integrieren. Dies kann zu Frustration und höheren Abbruchsquoten führen b) Nicht alle Studierenden können sich im Ausland gut integrieren. Dies kann zu Frustration und höheren Abbruchsquoten führen. c) Nicht alle Studierenden können sich im Ausland gut migrieren. Dies kann zu Frustration und höheren Abbruchsquoten führen. 3) a) Ein Auslandssemester kann eine große Herausforderung sein. Wenn Studierende diese meistern, stärkt das ihr Selbstbewusstsein. b) Ein Auslandssemester kann eine große Herausforderung sein. Wenn Studierende diese meistern, stärken das ihr Selbstbewusstsein. c) Ein Auslandssemester kann eine große Herausforderung sein. Wenn Studierende diese meistert, stärkt das ihr Selbstbewusstsein. 4) a) Universitäten profitieren davon, falls Studierende im Ausland internationale Kon‐ takte knüpfen. b) Universitäten profitieren davon, wenn Studierende im Ausland internationale Kontakte knüpfen. c) Universitäten profitieren davon, weil Studierende im Ausland internationale Kon‐ takte knüpfen. Aufgabe 2 In Ihrem Seminar für Soziologie schreiben Sie eine Hausarbeit zum Thema „Woh‐ nungsnot in deutschen Städten“. In einem Abschnitt wollen Sie sich mit folgender Frage beschäftigen: Welche Ursachen und Lösungen hat die Wohnungsnot in Deutschland? Fassen Sie zu dieser Frage Informationen aus dem Text und der Grafik zusammen. Benutzen Sie eigene Formulierungen. Das Abschreiben von Textpassagen ist nicht erlaubt. Schreiben Sie ca. 100-150 Wörter. Sie haben 30 Minuten Zeit. 3.3 Schreiben 79 <?page no="80"?> Lesetext: In den deutschen Großstädten fehlen rund 1,9 Millionen günstige Wohnungen, darun‐ ter etwa 1,4 Millionen günstige Apartments unter 45 Quadratmetern für Einpersonen‐ haushalte. Am stärksten betroffen sind Singles mit geringen Einkommen, aber auch Familien mit fünf und mehr Personen haben zunehmend Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Die Gründe dafür gehen auf politische Entscheidungen zurück, die Ende des 20. Jahr‐ hunderts getroffen wurden. Der soziale Wohnungsbau ist seit Ende der 1980er-Jahre in Deutschland immer mehr eingeschlafen. Darüber hinaus schaffte die Regierung 1990 auch die sogenannte „Wohngemeinnützigkeit“ ab. Seither ist es nicht mehr möglich, Unternehmen, die günstigen Wohnraum für Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen anbieten, durch Steuererleichterungen zu fördern. Dabei haben gemeinnützige Wohnungsunternehmen zwischen 1950 und 1985 mehr als 3,6 Millionen Wohnungen errichtet und damit erheblich zur Linderung des Wohnungsmangels beigetragen. Heute steht der Mangel an - bezahlbaren - Wohnungen wieder oben auf der sozialpolitischen Tagesordnung. So ist auch die Wiedereinführung der „Wohngemein‐ nützigkeit“ seit einigen Jahren im Gespräch. Ebenso wird derzeit über die Erhöhung des Wohngelds diskutiert. Das Wohngeld ist eine staatliche Unterstützung für Menschen mit geringem Einkommen, um die Miete für ihre Wohnung zu bezahlen. Insbesondere in Großstädten, wo die Mietpreise oft sehr hoch sind, könnte das Wohngeld dazu beitragen, dass Menschen mit niedrigem Einkommen nicht gezwungen wären, in überfüllten Wohnungen zu leben. Auch kann das Wohngeld dazu beitragen, dass ältere Menschen oder Familien mit Kindern in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können, anstatt aus Kostengründen umziehen zu müssen. Abbildung: Anzahl der Sozialwohnungen 2006-2018. Quelle: Hans Böckler Stiftung, 14.12.2022. Die Aufgabenstellung Bei dieser Aufgabe müssen Sie relevante Informationen aus zwei verschiedenen Quellen auswählen und sie in eigenen Worten wiedergeben. „Relevant“ bedeutet, dass 80 3 Prüfungstraining <?page no="81"?> sich die Informationen auf die Fragestellung der Aufgabe beziehen. Stellen Sie sich am besten vor, Sie würden eine Hausarbeit schreiben und dafür verschiedene Quellen zusammenfassen. Es ist unwahrscheinlich, dass alle Informationen aus den Quellen wichtig für Ihre Hausarbeit sind. Stattdessen wählen Sie gezielt die Details aus, die in Ihrer Hausarbeit vorkommen sollen. Ü1 Lesen Sie die Aufgabenstellung von Aufgabe 2 und überlegen Sie, welche Kompe‐ tenzen von Ihnen gefordert sind. - ja nein den gesamten Text zusammenfassen - - die eigene Meinung zu der Fragestellung diskutieren - - die Grafik detailliert wiedergeben - - die Informationen identifizieren, die einen Bezug zur Fragestellung besitzen - - die Vor- und Nachteile einer Position diskutieren - - relevante Informationen in eigenen Worten wiedergeben - - wichtige Informationen aus Text und Grafik miteinander verknüpfen - - Ü2 Wie gehen Sie bei der Aufgabe 2 vor? Bringen Sie die Handlungen in die richtige Reihenfolge! __ Ich bringe die notierten Informationen in eine logische Reihenfolge. __ Ich gebe die ausgewählten Informationen in meinen eigenen Worten wieder und achte darauf, sie miteinander zu verknüpfen. __ Ich lese die Aufgabenstellung und markiere die Fragestellung. __ Ich lese den Text und die Grafik. __ Ich lese die Überschriften des Textes und der Grafik, um mich zu orientieren. __ Ich lese meinen geschriebenen Text noch einmal Korrektur. __ Ich notiere mir wichtige Informationen aus den beiden Quellen in Stichpunkten. Ü3 Lesen Sie den Text und unterstreichen Sie Informationen, die Ihnen helfen, folgende Frage zu beantworten: Warum wenden sich junge Menschen von sozialen Netzwerken ab? Junge Menschen kehren Social Media den Rücken Immer mehr Jugendliche reduzieren ihre Nutzung sozialer Medien oder kehren ihnen ganz den Rücken. Ein Faktor scheint dabei die Überflutung mit irrelevanten Inhalten zu sein. Der „Social-Media-Atlas 2024“ zeigt, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer sozialer Medien erstmals seit Jahren zurückgegangen ist. Unter anderem wird dies auf die wachsende Menge an belanglosen Beiträgen zurückgeführt. 3.3 Schreiben 81 <?page no="82"?> Eine weitere Ursache könnte auch der zunehmende Kontakt mit problematischen Inhalten sein: Die JIM-Studie („Jugend, Information, Medien“) aus dem Jahr 2024 stellte fest, dass 61 % der 12bis 19-Jährigen im letzten Monat mit Fake News konfrontiert worden waren. Über die Hälfte der Jugendlichen berichtete von Beleidigungen und Inhalten mit extremen politischen Ansichten. Ein Drittel der Befragten gab außerdem an, bereits einmal im Internet sexuell belästigt worden zu sein. Dabei zeigten sich deutliche Geschlechtsunterschiede: Während 77 % der Jungen angaben, noch nie im Internet sexuell belästigt worden zu sein, lag der Wert bei Mädchen nur bei 65 %. Tipp: neutrale Wiedergabe Es ist nicht erlaubt, Textpassagen der Aufgabe abzuschreiben. Sie müssen die Informationen in Ihren eigenen Worten wiedergeben, also Synonyme und Para‐ phrasen nutzen. Achten Sie allerdings darauf, dass Sie die Informationen neutral wiedergeben. Das bedeutet, dass Sie sie ohne Wertung beschreiben und nichts hinzufügen, weil Sie beispielsweise mehr über das Thema wissen, als in der Quelle steht. Wichtige Schlüsselbegriffe dürfen Sie allerdings wörtlich übernehmen. Ü4 Formulieren Sie die folgenden Sätze mithilfe des Lückentextes und den vorgegebe‐ nen Formulierungen um. # Belästigung # Kontakt # unwichtigen # zwei Drittel # 30 % 1) Ein Drittel der Befragten gab außerdem an, bereits einmal im Internet sexuell belästigt worden zu sein. ______ der Jugendlichen berichtete von sexueller _____ im Internet. 2) Ein Faktor scheint dabei die Überflutung mit irrelevanten Inhalten zu sein. Ein möglicher Grund könnte sein, dass die Jugendlichen das Gefühl haben, mit einer großen Menge an ____ Inhalten konfrontiert zu werden. 3) Die JIM-Studie („Jugend, Information, Medien“) aus dem Jahr 2024 stellte fest, dass 61 % der 12bis 19-Jährigen im letzten Monat mit Fake News konfrontiert worden waren. Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 hatten __________ der 12bis 19-Jährigen in den letzten vier Wochen _____ mit Fake News. Ü5 Betrachten Sie die Grafik und kreuzen Sie an, welche Aussagen in Bezug auf die Fragestellung relevant sind. 82 3 Prüfungstraining <?page no="83"?> Abbildung: „Bye bye Social Media“, 09.03.2023. https: / / de.statista.com/ infografik/ 29464/ abkehr-von-s ozialen-netzwerken/ Fragestellung: Welche Gründe gibt es für die Abkehr von sozialen Netzwerken? relevant nicht relevant - - - Der Anteil der Befragten, die sich von allen Plattformen ab‐ gemeldet haben, liegt bei den 65-75-Jährigen am höchsten. - - Der häufigste Grund für die Abkehr von sozialen Netzwer‐ ken ist der langweilige Inhalt. - - Ein Fünftel der Befragten nannte die Datensicherheit als Grund für ihren Rückzug von sozialen Netzwerken. - - Fast 20 % der 18-24-Jährigen haben sich von mindestens einem sozialen Netzwerk abgemeldet. - - 30 % der Befragten gab an, sich Sorgen um ihre Privatsphäre zu machen. 3.3 Schreiben 83 <?page no="84"?> Ü6 Formulieren Sie die Sätze um. Nutzen Sie die vorgeschlagenen Formulierungen. # doppelt so hoch # dreimal so hoch # ein Zehntel # ein Drittel # ein Fünftel 11 % der 65-75-Jährigen haben sich von allen sozialen Netzwerken abgewandt. - Fast 20 % der 18-24-Jährigen haben sich von mindestens einem sozialen Netzwerk abgemeldet. - 30 % der Befragten gab an, sich Sorgen um ihre Privatsphäre zu machen. - Der Anteil der Befragten, die sich von allen sozialen Netzwerken abgewandt haben, ist bei den 65-75-Jährigen zweimal so hoch wie bei den 25-34-Jährigen. - 18 % der befragten 18-24-Jährigen haben sich von mindestens einer Plattform abge‐ meldet, wohingegen dies nur 6 % der 65-75-Jährigen getan haben. - Ü7 Betrachten Sie noch einmal den Text aus der Ü3 und die Grafik aus der Ü5. Vervollständigen Sie jeweils einen Einleitungssatz. In dem Text „Junge Menschen kehren Social Media den Rücken“ geht es um - - Die Grafik „Bye bye Social Media“ behandelt - - Tipp: Einen kohärenten Text schreiben Achten Sie beim Schreiben darauf, dass Ihr Text zusammenhängend geschrieben ist. Verwenden Sie dazu Satzverbindungen wie beispielsweise Konnektoren oder Adverbien. Folgen Sie in Ihrer Zusammenfassung nicht einfach dem Textverlauf, sondern überlegen Sie sich, in welcher Reihenfolge die Informationen sinnvoll präsentiert werden können. Ü8 Markieren Sie in dem folgenden Text die richtigen Satzverbindungen. 84 3 Prüfungstraining <?page no="85"?> Immer mehr Menschen melden sich von Sozialen Netzwerken ab. Die Gründe sind da‐ bei verschieden: (1) Außerdem/ Deshalb/ Einerseits sehen sich Nutzer und Nutzerinnen zunehmend mit falschen oder irreführenden Informationen („Fake News“) konfron‐ tiert. (2) Andererseits/ Zweitens/ Deswegen machen sich viele Menschen auch Sorgen um ihre Privatsphäre und ihre Datensicherheit. In der Studie „Bye bye Social Media“ gab beispielsweise ein Drittel der Befragten an, (3) damit/ durch/ wegen ihrer Privatsphäre besorgt zu sein. Um die Datensicherheit machten sich (4) aufgrund / hingegen/ leider ein Fünftel der Befragten Gedanken. Als häufigsten Grund, sich von Social Media zurückgezogen zu haben, nannten die Befragten (5) allerdings/ trotzdem/ obwohl den langweiligen Inhalt. 3.4 Sprechen Auch beim Sprechen kommt es auf die Situation und die Beteiligten an und natürlich auf die Merkmale der gewählten Textsorte (mehr dazu in Kapitel 7). Eine Sprechauf‐ gabe kann man ähnlich planen und vorbereiten wie eine Schreibaufgabe. Besondere Herausforderungen stellen aber natürlich die Aussprache und die richtige Betonung der zentralen Elemente einer Äußerung dar. Tipps fürs Sprechen • Wichtige formale Kriterien beim mündlichen Ausdruck sind Aussprache und Intonation. Jede Gelegenheit für Gespräche mit anderen Lernern und Sprechern der Zielsprache sollten Lerner nutzen. Das Nachsprechen und Aufnehmen eines Textes sind eine Alternative für Übungszwecke. • In gesprochenen Texten ist die inhaltliche Gliederung nicht sichtbar, aber hörbar. Dies geschieht mit Hilfe von Wörtern und Ausdrücken wie „erstens/ zweitens“, „zum einen/ zum anderen“, „als Einleitung“, „zum Schluss“, „im Allgemeinen“. Eine Sprechpause kann beispielsweise auf den Beginn eines neuen Sinnabschnitts hinweisen. • Umschreibungen, Ausweichen auf eine einfachere Konstruktion sowie die Verwen‐ dung von Internationalismen sind Ausweichmöglichkeiten, wenn einem Lerner ein Wort nicht einfällt oder Unsicherheit über die korrekte Verwendung besteht. • Im Gespräch hilft auch der Gesprächspartner: Er kann durch sein Welt- und Situationswissen Lücken füllen. Wörter und Wendungen, die eine Denkpause verschaffen, geben Zeit, über eine geeignete Antwort, das passende Wort oder dessen Verwendung nachzudenken. Beispiele hierfür sind: „in meinen Augen ist das so, dass …“, „Also, was ich meine, ist Folgendes: …“, „Sehen Sie, meiner Ansicht nach …“. 3.4 Sprechen 85 <?page no="86"?> Checkliste fürs Sprechen • Berücksichtigung der Situation: Kommunikationskontext und -rollen: Wer kommuniziert mit wem über welches Thema in welcher Situation? • Klarheit über die Forschungsfrage/ Kommunikatives Ziel: Welche Fragen sol‐ len beantwortet werden? Was ist die Aufgabe? Was sind die Anforderungen? • Planung: Welche Makrostruktur/ Textsortenstruktur ist angemessen? Handelt es sich um eine eher konzeptionell mündliche oder schriftliche Ausprägung? Wie positioniere ich mich als Autorin/ Autor dazu? Wie ist die Selbstreferenz zu gestalten? Wie subjektiv/ objektiv soll der Text strukturiert sein? Wie hörer- oder sprecherorientiert soll er sein? Wie verschiedene Fertigkeiten in einer mündlichen Aufgabe kombiniert werden können, illustriert die folgende Aufgabe. Die Aufgabe der Lerner besteht in diesem Fall darin, eine passende Wohnung zu suchen. Dazu stehen ihnen verschiedene Wohnungs‐ anzeigen zur Verfügung, die sie zunächst lesen und auswerten sollen. Sie sollen dann die angegebene Telefonnummer anrufen und die Ansage des Anrufbeantworters hören. Anschließend sollen sie, wie das in authentischen Situationen üblich ist, eine Nachricht auf dem Band hinterlassen. Diese können sie allerdings überprüfen und ändern, bevor sie sie abschicken. Abschließend tauschen sich die Lerner (Wohnungssuchende) mit der Tutorin (Vermieterin) oder anderen Lernern über die Wohnung aus und verfassen gegebenenfalls eine schriftliche Bewerbung. In diesem Szenario sind verschiedene Rollenspiele und Erweiterungen denkbar. Familien aufgepasst: frisch sanierte 3-Zimmer-Wohnung mit großer Außenterrasse Adresse Vogelbeerenstraße ■ , 21614 Buxtehude, Stade (Kreis), Telefon: 02161- ■■■■ Auf Karte zeigen Was kostet ein Umzug hierher? Fahrzeit (zum Beispiel zur Arbeit, Kita …) Lassen Sie sich die Fahrzeit dieser Immobilie zu anderen Orten berechnen. 834,78 € Kaltmiete 3 Zi. 82,22 m² Fläche 1.046,78 € Warmmiete Balkon/ Terrasse Typ Erdgeschosswohnung Wohnfläche ca. 82,22 m² Bezugsfrei ab 02.03.23 Zimmer 3 86 3 Prüfungstraining <?page no="87"?> Sehen wir uns ein anderes Beispiel an, eine Diskussion im wissenschaftlichen Kontext. Eine Diskussion besteht aus mehr als den einzelnen Positionen: Sie findet in einem bestimmten Kontext (Seminar, öffentliche Diskussion …) statt und hat in der Regel irgendwelche Ziele (Ziele der Veranstaltung). Diskussionen haben einen Inhalt, über den diskutiert wird, und Diskussionen sind ein Prozess, der von den Beteiligten bewusst oder unbewusst auf ein Ziel gesteuert wird. Auch in einer Prüfungssituation sind Sie nicht nur passives oder reaktives Mitglied, sondern Sie können • Vorschläge zum Vorgehen machen: Wie soll vorgegangen, in welcher Reihenfolge sollen die verschiedenen Aspekte eines Themas behandelt werden? • den Diskussionsverlauf mitstrukturieren, inhaltlich, fachlich, durch Zusammen‐ fassungen, Positionierungen, Korrekturen, Verbinden von Argumenten und Stand‐ punkten … • Zustimmung oder Ablehnung äußern und deutlich machen, dass und warum Sie eine Auffassung insgesamt oder partiell teilen oder nicht. • Fragen stellen bei unverständlichen Informationen. • Schlussfolgerungen prüfen. • Konsequenzen abwägen, die Machbarkeit von Vorschlägen prüfen, Kommentieren, welche Konsequenzen sich aus einer Schlussfolgerung oder einem Vorschlag ergeben. • abwägen, ob alle Vor- und Nachteile bedacht wurden, ob die Voraussetzungen zur Umsetzung eines Vorschlags gegeben sind. Fertigen Sie sich einen Redeplan an, der mit dem Schluss Ihres Beitrags beginnt. Was ist der Kern Ihrer Aussage/ Ihres Argumentes? Gehen Sie dann rückwärts: Welche Argumente gibt es dafür, welche Einleitung passt dazu im gegebenen Kontext der Aufgabe? Abbildung: Denkplan (Franck 2013: 270) Es ist wichtig, auch bei der Umsetzung eines solchen Strategieplans immer auf eine hinreichende explizite Situierung zu achten und dann explizite Signale für die Hörer/ Leser zu geben, in welche Richtung sich der Beitrag weiterentwickelt, zum Beispiel zum Hauptteil und dann zur Lösung/ Schlussfolgerung. Dabei spielt auch eine angemessene Betonung eine wichtige Rolle. Nutzen Sie den Satzakzent im Deutschen für die Betonung der wichtigsten Komponenten und Nebenakzente oder Wortakzente für dazugehörige Aspekte. 3.4 Sprechen 87 <?page no="88"?> Neben der inhaltlichen Ausprägung spielen auch Signale eine wichtige Rolle, die die Beziehungen der Beteiligten an der Kommunikation untereinander regeln. Diese sollten auch bei kontroversen Themen • Höflichkeit und Respekt vor der anderen Meinung ausdrücken, • der anderen Meinung Raum geben (zum Beispiel ausreden lassen), • keine kontradiktorischen Körpersignale enthalten (zum Beispiel durch mangelnde Aufmerksamkeit, Verschränkungen oder durch Ablenkungen sondern Zugewandt‐ heit, Blickkontakt, freundliches Auftreten), • keine Unsicherheiten enthalten, • Wertschätzung des Gegenübers ausdrücken. Auf leere, floskelhafte Ausdrücke sollten Sie verzichten. Das schließt repetitive Modal- und Gradpartikel (da, ja, irgendwie) und auch Nachfragen wie ne? , ja? ein. Nützliche Redemittel • Hieraus kann man schließen … • Daraus ergibt sich … • Ich behaupte … Diese Behauptung begründe ich … • Aus diesen Überlegungen ziehe ich den Schluss … • Ich komme daher zu dem Ergebnis (der Schlussfolgerung) … • Diese Argumente verdichte ich in der These … Wie kann man Zeit zur Planung gewinnen? Häufig entstehen gute Gedanken erst beim Sprechen (oder Schreiben). Daher ist es auch in einer Prüfungssituation gut, Strategien für die Zeitgewinnung zu kennen, diese aber natürlich nur sparsam einzusetzen. Das geht unter anderem durch 1. Formulierung eines Überbrückungssatzes: Geben Sie mir kurz Zeit …/ Lassen Sie mich kurz nachdenken, um Ihre Frage so konkret wie möglich beantworten zu können …/ Gehen wir vielleicht nochmal einen Schritt zurück … 2. Gliederung der Antwort: Ihre Frage spricht verschiedene Aspekte an. Ich will zunächst auf … eingehen, dann auf … und schließlich auf die Frage nach … 3. Analyse der Frage: Diese Frage setzt einiges voraus … Die Frage enthält eine Annahme/ Voraussetzung (einen Gegensatz), die (den) ich nicht teile …. Darauf komme ich aber gleich zu sprechen/ Ich gehe aber gerne auf das angesprochene Problem ein … Wenn ich recht sehe, haben Sie drei Fragen gestellt. Ich antworte zunächst auf die aus meiner Sicht wichtigste Frage: … 4. Sammlung von Fragen und anschließende Beantwortung in der Reihenfolge, die am leichtesten fällt. 88 3 Prüfungstraining <?page no="89"?> In Prüfungssituationen weniger geeignet sind 1. Schmeicheleien: Das ist eine sehr wichtige/ interessante/ spannende/ zentrale/ die ent‐ scheidende Frage … 2. Das Stellen von Gegenfragen: Können Sie die Frage etwas präziser (konkreter) formulieren? Meinen Sie …? Was meinen Sie? Wenn man beim Antworten Schwierigkeiten hat, dann gibt es folgende Strategien, die Antwort zu fokussieren und dabei unter Umständen Zeit zu gewinnen: 1. Die Frage einengen oder eine Alternative formulieren: Ich beziehe mich auf folgenden Aspekt … Ich beantworte die Frage am besten an einem konkreten Beispiel … Man könnte sich dem Thema auch folgendermaßen nähern … Alternativ könnte man fragen …. 2. Die Frage kontextualisieren und ggf. ausweiten: Der größere Kontext dazu ist … Ich verstehe das Thema unter dem folgenden Aspekt: …. Ohne den größeren Kontext kann man die Frage nicht angemessen beantworten … 3. Offen sagen, dass man zu dieser Frage keine Antwort hat. Da Sprache in Texten und nicht in einzelnen Sätzen oder Wörtern vorkommt und dabei viele Kriterien eine Rolle spielen, die kulturell bedingt (Situationalität, Akzeptabilität, Intentionalität und Informativität) beziehungsweise sprachkulturell genormt sind (Intertextualität, Textsorten), kann Sprache auch nicht nur anhand der formellen Eigenschaften erfolgreich gelernt werden. Wie bei den Strategien zum Sprechen dargestellt, können Sie auch beim Ablesen Ihres Vortragsmanuskriptes vorgehen. Dabei helfen • große Schrift im Manuskript, • kurze und klare Sätze, • Stichwörter zu frei sprechbaren Segmenten, • am besten unterspezifizierte Texte mit wesentlichen Stichwörtern, wie man sie etwa auf PowerPoint-Folien verwendet, • eine Textvorlage, die ein natürlich gesprochenes Intonationsmuster erlaubt, • Souveränität zum Beispiel auch durch Reduktion komplexer Inhaltselemente, • nur Inhalte, die man selbst voll verstanden hat, • eine semantisch oder paradigmatisch schlüssige Struktur des Beitrags, • Blickkontakt-Möglichkeiten zum Publikum. Prüfungsformat Informieren Sie sich rechtzeitig, wie der mündliche Teil der von Ihnen gewählten Zu‐ gangsprüfung aussieht. Bei telc muss unter anderem eine Diskussion über ein Zitat mit einem Gesprächspartner/ einer Gesprächspartnerin geführt werden. Bei dem digitalen TestDaF hört man über ein Headset am Computer einen fiktiven Gesprächspartner oder eine fiktive Gesprächspartnerin und muss angemessen reagieren. 3.4 Sprechen 89 <?page no="90"?> Übungen Aufgabe 1 Ihr Freund Philipp studiert Internationale Kommunikation. Er hat auf der Website seiner Fakultät gelesen, dass man sich für ein Auslandspraktikum in den Semesterferien bewerben kann. Er überlegt, ob er ein Praktikum im Ausland absolvieren soll und fragt Sie um Rat. Sagen Sie Philipp, wozu Sie ihm raten. Vorbereitungszeit: 00: 30 Min. Sprechzeit: 00: 45 Min. Ü1: Markieren Sie in der Aufgabenstellung als erstes immer die wichtigen Informatio‐ nen zu Adressaten, Handlungssituation, Thema und Ziel der Aufgabe: Ihr Freund Philipp studiert Internationale Kommunikation. Er hat auf der Website seiner Fakultät gelesen, dass man sich für ein Auslandspraktikum in den Semesterferien bewerben kann. Er überlegt, ob er ein Praktikum im Ausland absolvieren soll und fragt Sie um Rat. Sagen Sie Philipp, wozu Sie ihm raten. Die Aufgabenstellung Das Gespräch hier findet in einer privaten Situation mit einer bekannten, vielleicht sogar befreundeten Person statt. Sie sind auf der gleichen sozialen Stufe und/ oder es gibt Normen, die Ihnen das informellere „Du“ erlauben (zum Beispiel im Sport oder unter Studentinnen und Studenten). Ü2: Welche Redemittel passen? 1 __________________________ ich persönlich würde gern ein Praktikum machen, um zu sehen, was mir beruflich gefällt. a) Ach, wissen Sie Philipp, b) Ach, weißt du Philipp, c) Hallo, Philipp, 2 __________________________ ich würde gern mal im Ausland arbeiten. Dort lernt man bestimmt interessante Leute kennen. a) Also, Philipp, b) Sicherlich, Philipp, c) Deshalb, Philipp, 3 __________________________ fällt es mir selbst schwer, mich da zu entscheiden. Ein Auslandsaufenthalt ist auch sehr teuer. a) Ach, Philipp, eigentlich b) Ach, Philipp, wirklich c) Wirklich 90 3 Prüfungstraining <?page no="91"?> Tipp: Was würden Sie tun? Sie sprechen in einer persönlichen Situation und sollen auf die Frage antworten, was Sie an Philipps Stelle machen würden. Es ist also eine hypothetische und unverbindliche Situation. Mit Konstruktionen wie „würde + Infinitiv“ drückt man das Mögliche aus. In der Umgangssprache werden fast nur noch die Hilfsverben und Modalverben ohne „würde“ gebildet (müsste, dürfte, könnte, sollte, wollte, hätte, wäre) und vielleicht noch einige Verben, die sehr häufig sind wie („ginge“, „käme“, „sagte“, „machte“). Ü3: Was würden Sie an der Stelle Ihres Freundes tun? Ergänzen Sie die Sätze und nutzen Sie die folgenden Formulierungen. 1. In dieser Situation________________________________________________ 2. An deiner Stelle__________________________________________________ 3. Also ich_________________________________________________________ 4. Könnte ich wählen, so _____________________________________________ 5. Wenn ich an deiner Stelle wäre, _____________________________________ 6. Wenn ich du wäre,________________________________________________ nicht lange überlegen sofort wissen, was man möchte sich nur schwer entscheiden können einen anderen Freund fragen weiter recherchieren nicht lange nachdenken müssen in den Semesterferien zu Hause bleiben und lernen sich für ein Praktikum im Ausland bewerben Tipp: Die Begründung Geben Sie Begründungen und Argumente für Ihre Ratschläge. Sie können dafür auch verschiedene Argumente aufzählen und nutzen Sie nach Möglichkeit pas‐ sende Konjunktionen wie „weil“, „da“ oder „denn“ zum Ausdruck von Kausalität. Ü4: Was passt? Achten Sie auf die Wortstellung. 1 Ich würde in den Semesterferien ein Praktikum im Ausland machen, denn/ des‐ halb/ weil ich später auch mal im Ausland arbeiten will. 2 Ich würde in den Semesterferien lieber zu Hause bleiben und lernen, da/ denn/ deswegen mir sind gute Noten sehr wichtig. 3 Ich habe nicht so viel Geld, darum/ wegen/ weil könnte ich mir derzeit einen Aus‐ landsaufenthalt nicht leisten. 3.4 Sprechen 91 <?page no="92"?> 4 Denn/ Wegen/ Deshalb der Arbeitserfahrung würde ich gern ein Praktikum machen, da/ denn/ weil ich später damit bestimmt leichter einen Job finden werde. Aufgabe 2 Sie sitzen mit Mitstudierenden in der Mensa Ihrer Hochschule und diskutieren über ein kostenloses Nahverkehrsticket. Ihre Freundin Amira sagt, dass Bus und U-Bahn für alle gratis sein sollten, um den Autoverkehr in Städten zu reduzieren. Amira fragt Sie nach Ihrer Meinung. Wägen Sie positive und negative Folgen eines kostenlosen Tickets für Bus und U-Bahn ab. Legen Sie Ihren eigenen Standpunkt dar und begründen Sie Ihre Meinung. Vorbereitungszeit: 45 Sek. Sprechzeit: 01: 30 Ü1: Markieren Sie in der Aufgabenstellung als erstes immer die wichtigen Informatio‐ nen zu Adressaten, Handlungssituation, Thema und Ziel der Aufgabe. Aufgabenstellung Sie sitzen mit Mitstudierenden in der Mensa Ihrer Hochschule und diskutieren über ein kostenloses Nahverkehrsticket. Ihre Freundin Amira sagt, dass Bus und U-Bahn für alle gratis sein sollten, um den Autoverkehr in Städten zu reduzieren. Amira fragt Sie nach Ihrer Meinung. Wägen Sie positive und negative Folgen eines kostenlosen Tickets für Bus und U-Bahn ab. Legen Sie Ihren eigenen Standpunkt dar und begründen Sie Ihre Meinung. Tipp: Argumente abwägen In dieser Situation sprechen Sie mit einer Freundin und Kommilitonin („Du“ und Vornamen). Es handelt sich um eine informelle Kommunikationssituation. Für das Thema gibt es viele Pro- und Contra-Argumente. Am besten ist es, diese erstmal zu sammeln und aufzulisten und danach abzuwägen und die eigene Meinung zu formulieren, zum Beispiel aus dem Pro und Contra abzuleiten. „Also …“. Aber in einer solchen informellen Situation gibt es wenige Regeln. Sie können Ihre Meinung daher auch an den Anfang stellen. Ü2: Notieren Sie in Stichworten, was für und gegen ein kostenloses Nahverkehrsticket spricht. 92 3 Prüfungstraining <?page no="93"?> pro contra - - - - - - - - - - - - Ü3: Vervollständigen Sie die folgenden Sätze mit Argumenten aus Ü2. a) Argumentation für ein kostenloses Nahverkehrsticket Für ein kostenloses Nahverkehrsticket spricht in erster Linie, dass _________ _________________________________________________________________ Außerdem ________________________________________________________ Ein weiteres wichtiges Argument dafür ist, dass ________________________ _________________________________________________________________ Schließlich ist auch vorteilhaft, dass __________________________________ _________________________________________________________________ Und wir verbessern nicht nur die Luftqualität, sondern ___________________ _________________________________________________________________ b) Argumentation gegen ein kostenloses Nahverkehrsticket Ein Nachteil von einem kostenlosen Ticket ist natürlich, dass _____________ Hinzu kommt, dass du durch das Ticket________________________________ _________________________________________________________________ Gegen das Ticket spricht auch, dass ___________________________________ _________________________________________________________________ Nicht vergessen sollte man auch, dass _________________________________ _________________________________________________________________ Das letzte und wichtigste Gegenargument ist, dass man _________________________________________________________________ _________________________________________________________________ Ü4: Ergänzen Sie die folgenden Sätze. dagegen # Vorschlag # einerseits # einfach # Lass # muss # Auf diese Weise # Nachteile # schwierige # spontan # überlegen # welche # könnte # wie # Außerdem # Andererseits 1. Amira, da _______________ (1) ich auch kurz _______________ (2). Das ist nicht so _____________________ (3). Ein kostenloses Ticket hat Vor- und _________________ (4). 2. Das ist wirklich eine ______________ (5) Frage. __________ (6) uns kurz überlegen, ___________________ (7) Vor- und Nachteile so ein Ticket hat. 3. So __________________ (8) weiß ich jetzt auch nicht, ________________ (9) ich mich dazu positionieren soll. Es gibt gute Argumente dafür, aber auch gute Argumente ________________ (10). 3.4 Sprechen 93 <?page no="94"?> 4. Ich glaube, dass es ______________________ (11), sehr wichtig ist, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern. __________________ (12) wäre ein kostenloses Ticket für den Staat sehr teuer. __________________ (13) glaube ich nicht, dass die Leute Bus und U-Bahn nutzen werden, wenn alles immer so unpünktlich ist. 5. Also ich finde, dass das ein guter ________________ (14) ist. __________________ (15) hätten wir weniger Stau in den Innenstädten. Darüber hinaus ____________________ (16) man die Parkplätze in Grünflächen umwandeln. Natürlich gibt es auch ein paar Nachteile, zum Beispiel … Aufgabe 3 In einer Lerngruppe an Ihrer Hochschule behandeln Sie gerade das Thema Sport und Kognition. Sie haben dazu einen interessanten Artikel gelesen und wollen ihn für Ihre Mitstudierenden zusammenfassen. Lesen Sie den Text. Er ist 4 Minuten lang zu sehen. Fassen Sie danach die wesentlichen Informationen zusammen (2 Minuten). Macht Sport doch nicht schlauer? Dass moderate Aktivität gesund ist und den körperlichen Allgemeinzustand verbessert, ist wissenschaftlich bekannt und weitgehend unbestritten. Immer wieder heißt es allerdings, Sport verbessere zusätzlich auch die kognitiven Funktionen wie Gedächt‐ nisleistung, Aufmerksamkeitsfähigkeit und Informationsverarbeitung. Sogar die Welt‐ gesundheitsorganisation WHO hat dies vor einigen Jahren offiziell in ihre Richtlinien und Empfehlungen aufgenommen. Eine Forschungsgruppe um Luis Ciria von der Universidad de Granada in Spanien hat sich jetzt die Studienlage angesehen und festgestellt: Es gibt derzeit keinen handfesten Beleg dafür, dass diese Behauptung stimmt. Die Ergebnisse hat sie in der Fachzeitschrift „Nature Human Behaviour“ veröffentlicht. Die Forschungsgruppe schaute sich 109 Studien mit insgesamt 11 266 gesunden Teilnehmern an. Das Team stellte fest, dass die anfänglich kleinen, statistisch signi‐ fikanten positiven Auswirkungen körperlicher Betätigung auf die Kognition nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren (wie etwa Unterschiede zwischen den Kontrollgruppen und den Ausgangssituationen der Studien) und nach Korrektur der Publikationsverzerrungen verschwanden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die in früheren metaanalytischen Übersichten berichteten Auswirkungen von körperlicher Betätigung auf die Kognition wahrscheinlich überschätzt wurden“, heißt es in dem aktuellen Fachaufsatz. Ein kausaler Effekt von regelmäßiger körperlicher Bewegung auf die Kognition könne nicht belegt, allerdings auch nicht final ausgeschlossen werden. Es gebe sicherlich Unterschiede zwischen den untersuchten Sportarten, der Intensität des Trainings und den Anforderungen. So könne Yoga etwa andere Auswirkungen auf die Kognition haben als Fußball oder Aerobic. 94 3 Prüfungstraining <?page no="95"?> Das Team kommt zu dem Schluss, dass die Vorteile körperlicher Bewegung für das menschliche Wohlbefinden an sich schon ausreichen, um gesundheitspolitische Maßnahmen zu rechtfertigen. Dazu brauche es keine zusätzlichen kognitiven Effekte. „Sport bringt zudem nicht nur körperliche, sondern auch soziale Vorteile, da die Teilnahme an kollektiven Aktivitäten ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt.“ Und schließlich dürfe man nicht vergessen, dass der Wert einer sportlichen Betätigung einfach darin liegen könne, dass es Spaß macht. Vorbereitungszeit: 04: 00 Min. Sprechzeit: 02: 00 Min. Ü1: Markieren Sie in der Aufgabenstellung als erstes immer die wichtigen Informatio‐ nen zu Adressaten, Handlungssituation, Thema und Ziel der Aufgabe. Aufgabenstellung: In einer Lerngruppe an Ihrer Hochschule behandeln Sie gerade das Thema Sport und Kognition. Sie haben dazu einen interessanten Artikel gelesen und wollen ihn für Ihre Mitstudierenden zusammenfassen. Lesen Sie den Text. Er ist in der Prüfungssituation 4 Minuten lang zu sehen. Fassen Sie danach die wesentlichen Informationen zusammen. Tipp: Wichtige Informationen identifizieren Im Strategietraining zum Leseverstehen haben Sie bereits unterschiedliche Lese‐ strategien kennengelernt. Für den vorliegenden Lesetext genügt ein globales Lesen, das heißt, dass Sie sich grob im Text orientieren und unwichtige Details ausblenden. Sie müssen die Hauptaussagen des Textes verstehen, um ihn für Ihre Mitstudierenden zusammenzufassen. Ü2: Lesen Sie den Text der Übungsaufgabe und markieren Sie in jedem Absatz 1-2 wichtige Aussagen. Tipp: Synonyme Sie müssen den Text mit ihren eigenen Worten korrekt wiedergeben. Das bedeutet, dass Sie keine Informationen hinzufügen und keine Sätze aus dem Text abschreiben sollen. Notieren Sie sich beim Lesen lieber nur Stichpunkte, so greifen Sie beim Sprechen automatisch auf Ihren eigenen Wortschatz zurück. Ü3: Lesen Sie folgenden Textabschnitt und ergänzen Sie den Lückentext sinngemäß. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die in früheren metaanalytischen Über‐ sichten berichteten Auswirkungen von körperlicher Betätigung auf die Kognition 3.4 Sprechen 95 <?page no="96"?> wahrscheinlich überschätzt wurden“, heißt es in dem aktuellen Fachaufsatz. Ein kausaler Effekt von regelmäßiger körperlicher Bewegung auf die Kognition könne nicht belegt, allerdings auch nicht final ausgeschlossen werden. Es gebe sicherlich Unterschiede zwischen den untersuchten Sportarten, der Intensität des Trainings und den Anforderungen. So könne Yoga etwa andere Auswirkungen auf die Kognition haben als Fußball oder Aerobic. Effekte # bestätigt # beispielsweise # Sport# überbewertet # sportlichen Tätigkeit In dem Fachaufsatz wird festgestellt, dass die Auswirkungen von ______ auf die Kognition in früheren Metaanalysen höchstwahrscheinlich _______ wurden. Ein definitiver kausaler Effekt von regelmäßiger körperlicher Bewegung auf die Kognition kann weder _______ noch ausgeschlossen werden. Unterschiede zwischen Sportarten, wie ______ Yoga oder Fußball, der Intensität der ____und den Anforderungen können unterschiedliche _______ haben. Ü4: Lesen Sie noch einmal Ihre markierten Textstellen aus der Übung 2 und schreiben Sie mithilfe dieser eine Zusammenfassung des Textes in Stichpunkten und formulieren Sie die Hauptaussage des Textes. Tragen Sie Ihre Zusammenfassung anschließend laut vor und stoppen Sie die Zeit. Hauptaussage des Textes: - Zusammenfassung in Stichpunkten: - - - - - - - - - Aufgabe 4 In Ihrem sozialwissenschaftlichen Seminar sprechen Sie über Sorgearbeit, auch „Care-Arbeit“ genannt. Das sind meist unbezahlte Tätigkeiten wie Hausarbeit, Kinder‐ betreuung oder Pflege von älteren Familienmitgliedern. Gibt es dabei Unterschiede nach Geschlechtern, werden diese als „Gender Care Gap“ bezeichnet. Ihre Dozentin, Frau Dr. Slimani, hat eine Grafik mitgebracht und bittet die Seminarteilnehmenden um eine Stellungnahme. 96 3 Prüfungstraining <?page no="97"?> Hören Sie, was ein Seminarteilnehmer zum Thema sagt. Nehmen Sie Stellung zu der gehörten Aussage. Beziehen Sie sich dabei auch auf die vorliegende Grafik. Lesezeit (Grafik): 30 Sek. Abbildung: Zeit für Sorgearbeit nach Geschlecht und Haushaltsform Redebeitrag des Seminarteilnehmers Vorbereitungszeit: 01: 30 Min. Sprechzeit: 01: 30 Min. Ü1: Markieren Sie in der Aufgabenstellung als erstes immer die wichtigen Informatio‐ nen zu Adressaten, Handlungssituation, Thema und Ziel der Aufgabe. Aufgabenstellung In Ihrem sozialwissenschaftlichen Seminar sprechen Sie über Sorgearbeit, auch „Care-Arbeit“ genannt. Das sind unbezahlte Tätigkeiten wie Hausarbeit, Kinderbe‐ treuung oder Pflege von älteren Familienmitgliedern. Gibt es dabei Unterschiede nach Geschlechtern, werden diese als „Gender Care Gap“ bezeichnet. Ihre Dozentin, Frau Dr. Slimani, hat eine Grafik mitgebracht und bittet die Seminarteilnehmenden um eine Stellungnahme. 3.4 Sprechen 97 <?page no="98"?> Hören Sie, was ein Seminarteilnehmer zum Thema sagt. Nehmen Sie Stellung zu der gehörten Aussage. Beziehen Sie sich dabei auch auf die vorliegende Grafik. Tipp: Grafik analysieren In dieser Aufgabe müssen Sie Informationen aus der Grafik mit dem Redebeitrag eines Studenten oder einer Studentin abgleichen und dann Stellung zu der Aussage beziehen. Im ersten Schritt ist es also wichtig, dass Sie die vorliegende Grafik wirklich verstehen und daraus Argumente ableiten, warum Sie dem gehörten Redebeitrag zustimmen oder nicht. Ü2: Notieren Sie die wichtigsten Informationen der Grafik der Aufgabe 4 in Stichpunk‐ ten. 1. Thema der Grafik: ______________________________________________________ 2. Werte (hier: Kategorien) der X-Achse: _____________________________________ 3. Werte der Y-Achse: _____________________________________________________ 4. Unterschied Männer vs. Frauen: __________________________________________ 5. Unterschied Paare ohne Kinder vs. Paare mit Kindern: ________________________ 6. Hauptaussage der Grafik: _______________________________________________ Ü3: Hören Sie die Aussagen der Seminarteilnehmerin und kreuzen Sie an, ob ihre Äußerungen mit den Informationen aus der Grafik übereinstimmen. Notieren Sie eine Begründung und beziehen Sie sich auf genaue Stellen in der Grafik. Aussage passt zur Grafik passt nicht zur Grafik Begründung 1. - - - 2. - - - Tipp: Eigene Stellungnahme Nachdem Sie die Grafik und den Redebeitrag verglichen haben, müssen Sie sich entscheiden, ob Sie Ihrem Kommilitonen zustimmen oder nicht. Verknüpfen Sie Ihre Stellungnahme mit einem Argument und beziehen Sie sich dabei auf die Grafik. Ü4: Bringen Sie folgende Stellungnahmen in eine logische Reihenfolge. ☐ Deshalb ist meine Meinung, dass aktuell die unbezahlte Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen nicht fair aufgeteilt wird. ☐ Dieser Trend zeigt sich sowohl bei kinderlosen Paaren als auch bei Paaren mit Kindern. ☐ Ich stimme meinem Kommilitonen nicht zu. 98 3 Prüfungstraining <?page no="99"?> ☐ Wenn Paare Kinder haben, dann beträgt der Unterschied sogar über 80 %. ☐ Die Grafik zeigt eindeutig, dass Frauen insgesamt mehr Zeit mit Care-Arbeit verbringen als ihre Partner. Aufgabe 5 Sie haben für Ihr Tutorium eine Kurzpräsentation zum Thema „Migration“ vorbereitet. Ihre Tutorin, Frau Dr. Hader, bittet Sie, Ihre Präsentation vorzutragen. Erläutern Sie zunächst den Aufbau Ihrer Präsentation. Gehen Sie dann auf die einzelnen Punkte näher ein und heben Sie wichtige Einzelheiten hervor. Präsentation zum Thema „Migration“ • Gründe für Migration • Migration im 20. Jahrhundert • Migration heutzutage Vorbereitungszeit: 02: 00 Min. Sprechzeit: 02: 30 Min. Ü1: Markieren Sie in der Aufgabenstellung als erstes immer die wichtigen Informatio‐ nen zu Adressaten, Handlungssituation, Thema und Ziel der Aufgabe. Aufgabenstellung: Sie haben für Ihr Tutorium eine Kurzpräsentation zum Thema „Migration“ vorbereitet. Ihre Tutorin, Frau Dr. Hader, bittet Sie, Ihre Präsentation vorzutragen. Erläutern Sie zunächst den Aufbau Ihrer Präsentation. Gehen Sie dann auf die einzelnen Punkte näher ein und heben Sie wichtige Einzelheiten hervor. Tipp: Brainstorming Sie müssen spontan eine Präsentation zu einem Thema halten, das Sie nicht selbst ausgewählt haben. Das ist nicht leicht. Notieren Sie sich daher im ersten Schritt in Stichworten, was Ihnen zu den drei Themenpunkten einfällt. Ihnen steht frei, was Sie genau in der Präsentation sagen. Folgende Fragen können Ihnen helfen, Ideen zu sammeln. • Was wissen Sie bereits darüber? • Wie ist die Situation in Ihrem Heimatland? • Wen betrifft das Thema? • Wie hat sich unsere Perspektive auf das Thema geändert? Ü2: Notieren Sie Stichpunkte zu dem Thema „Migration“. 3.4 Sprechen 99 <?page no="100"?> Gründe für Migration: - - - Migration im 20. Jahrhundert: - - - Migration heutzutage: - - - Tipp: Aufbau erläutern Bevor man eine Präsentation beginnt, erläutert man den Aufbau, um Zuhörern und Zuhörerinnen Orientierung zu bieten. Ü3: Ergänzen Sie die folgenden Sätze. geht # diskutiere # Drittens # gegliedert # Zum Schluss # erstens # Thema # Am Anfang # fortfahren # schließlich # Abschnitten # anschließend # beginnen 1. Einstieg: Das _______________ (1) meiner heutigen Präsentation ist Migration. In dem heutigen Referat _______________ (2) es um Migration. 2. Überblick: Ich habe meinen Vortrag in drei Punkte _____________________ (3). Meine Präsentation setzt sich aus drei _________________ (4) zusammen. 3. Vortragspunkte erläutern: Ich werde mit den Gründen für Migration ______________ (5) und spreche daran __________ (6) über Migration im 20. Jahrhundert. ___________________ (7) erläutere ich die Perspektive auf Migration heutzutage. Ich präsentiere __________________ (8) verschiedene Gründe für Migration. Zwei‐ tens ________________ (9) ich die Entwicklung der Migration im 20. Jahrhundert. ________________ (10) erkläre ich aktuelle Gründe für Migration. ______________________ (11) spreche ich allgemein über die Gründe für Migra‐ tion. Dann werde ich mit dem zweiten Punkt, Migration im 20. Jahrhundert, __________________ (12). Am Ende spreche ich __________________ (13) über Mi‐ grationsbewegungen heutzutage. 100 3 Prüfungstraining <?page no="101"?> Tipp: Einen Fehler gemacht? Den Faden verloren? In einer Prüfungssituation kann es sein, dass man nervös ist, etwas vergisst oder dass bestimmte Wörter fehlen oder man sich korrigieren muss. Alles kein Problem. Hier kann man durch Lückenfüller Zeit gewinnen, zum Beispiel indem man noch etwas länger über einen anderen Aspekt redet oder Routineformeln verwendet, um Zeit zu gewinnen. Wenn Sie etwas korrigieren wollen, dann bringen Sie erst Ihren Gedanken zu Ende und korrigieren Sie anschließend. Das ist besser, als verschie‐ dene unvollständige Gedanken zu produzieren oder Äußerungen abzubrechen. Ü4: Was sagt man, wenn man aus dem Konzept gekommen ist (A), einen Fehler gemacht hat (B) oder das richtige Wort nicht finden kann (C)? Markieren Sie A, B oder C. 1. A B C Augenblick bitte, ach ja, jetzt weiß ich wieder, was ich sagen wollte. 2. A B C … beziehungsweise … 3. A B C Entschuldigung, aber ich habe den Faden verloren. 4. A B C Ich finde das richtige Wort jetzt nicht, aber … 5. A B C Jetzt habe ich leider vergessen, was … 6. A B C Mir fällt das Wort jetzt nicht ein, aber … 7. A B C Nein, ich wollte sagen, … 8. A B C Nein, das ist nicht richtig. Es muss heißen … 9. A B C … oder besser/ genauer gesagt … 10. A B C Was wollte ich noch sagen? Verzeihen Sie bitte! Ich weiß es gleich wieder. Ach ja … 11. A B C Verzeihung. Ich muss ganz kurz noch einmal in meinen Notizen nachschauen. Aufgabe 6 In Ihrem politikwissenschaftlichen Seminar diskutieren Sie heute über die Senkung des Wahlalters von 18 Jahren auf 16 Jahre. Eine Seminarteilnehmerin äußert sich zu dem Thema. Ihr Dozent, Herr Dr. Koblitz, bittet Sie, zu der Äußerung Stellung zu nehmen. Geben Sie die Argumente Ihrer Kommilitonin wieder und nehmen Sie Stellung zu ihren Argumenten. Begründen Sie Ihren eigenen Standpunkt zum Thema. Vorbereitungszeit: 01: 30 Min. Sprechzeit: 02: 00 Min. Ü1: Markieren Sie in der Aufgabenstellung als erstes immer die wichtigen Informatio‐ nen zu Adressaten, Handlungssituation, Thema und Ziel der Aufgabe. Aufgabenstellung In Ihrem politikwissenschaftlichen Seminar diskutieren Sie heute über die Senkung des Wahlalters von 18 Jahren auf 16 Jahre. Eine Seminarteilnehmerin äußert sich zu dem Thema. Ihr Dozent, Herr Dr. Koblitz, bittet Sie, zu der Äußerung Stellung zu nehmen. 3.4 Sprechen 101 <?page no="102"?> Geben Sie die Argumente Ihrer Kommilitonin wieder und nehmen Sie Stellung zu ihren Argumenten. Begründen Sie Ihren eigenen Standpunkt zum Thema. Tipp: Argumente wiedergeben Ein wichtiger Teil der Aufgabenstellung ist, die Argumente der Kommilitonin wiederzugeben. Dazu notieren Sie sich während des Hörens zentrale Aussagen in Stichpunkten. Dabei geben Sie die Aussagen nicht wortwörtlich wieder, sondern Sie formulieren sie um. Achten Sie dabei auf die Wortstellung: Politiker und Politikerinnen müssen sich mit 16-Jährigen als Wählergruppe beschäftigen. → Sie argumentiert, dass Politiker und Politikerinnen sich mit 16-Jährigen als Wählergruppe beschäftigen müssen. Ü2: Bilden Sie Sätze mit den folgenden Wörten. eine # Kommilitonin # Senkung des # ist # für # Wahlalters # Meine - damit # Sie # dass # verschaffen # Jugendliche # sich # Gehör # meint, # können - argumentiert, # ernst # Politik # Menschen # dass # nehmen # Bedürfnisse # muss # Sie # die # dadurch # junger # die - Darüber # fördern # bei # denkt # können # sie # politische # hinaus # wir # die # jungen # dass # Menschen # Bildung # so - Tipp: Eigene Stellungnahme Sie sollen in der Prüfung nicht nur die Argumente Ihrer Kommilitonin wiederge‐ ben, sondern dazu Stellung beziehen. Das bedeutet, dass Sie Ihre Meinung sagen und sich mit den Argumenten auseinandersetzen. Welche Meinung Sie vertreten, ist dabei für die Prüfung nicht entscheidend. Wichtig ist, dass Sie Ihre Position begründen. Ü3: Kreisen Sie die Sätze ein, mit denen Sie Ihre Stellungnahme einleiten können. Es sind mehrere richtige Antworten möglich. Wenn Sie eine Formulierung unpassend finden, notieren Sie in Stichworten, warum. 102 3 Prüfungstraining <?page no="103"?> Sätze Begründung A) Ich stimme meiner Kommilitonin über‐ haupt nicht zu. Das ist wirklich Blödsinn. - B) Ich teile die Ansicht meiner Studienkollegin. - C) Ich weiß nicht genau, was ich dazu sagen soll. Es hat Vor- und Nachteile. - D) Ich lehne meine Studienkollegin ab. - E) Ich finde ihre Position super, sie hat voll‐ kommen Recht. - F) Ich bin mit der Position meiner Kommilito‐ nin nicht einverstanden. - Ü4: Verbinden Sie die Sätze. Verwenden Sie die angegebenen Redemittel. 1. einerseits - andererseits 16-Jährige sollen in der Politik mitbestimmen dürfen. - Menschen in diesem Alter sind oft emotional und impulsiv. 2. allerdings Das Wahlrecht ab 16 Jahren fördert die politische Bildung. - Das Wahlrecht allein wird nichts an der Bildung ändern. 3. zwar - aber Die Politik muss die Bedürfnisse junger Menschen ernst nehmen. - Junge Menschen sind leichter beeinflussbar. 4. obwohl Es ist gut, wenn Jugendliche in der Politik eine Rolle spielen. - Sie können in dem Alter noch keine wichtigen politischen Entscheidungen treffen. Aufgabe 7 Sie haben auf der Internetseite Ihrer Hochschule gelesen, dass der Theaterclub an der Uni geschlossen wird. Auf einer Informationsveranstaltung wird diese Maßnahme vorgestellt. Als Mitglied des Studierendenparlaments möchten Sie sich zu dem Vorha‐ ben äußern. Äußern Sie Kritik an der geplanten Maßnahme. Begründen Sie diese Position. Sagen Sie, wie man den Theaterclub trotzdem fortführen könnte. Ende für Theaterclub Aufgrund von Sparmaßnahmen kann der studentische Theaterclub leider nicht mehr fortgeführt werden. Es werden daher keine Theateraufführungen mehr stattfinden. 3.4 Sprechen 103 <?page no="104"?> Vorbereitungszeit: 01: 30 Min. Sprechzeit: 01: 30 Min. Ü1: Markieren Sie in der Aufgabenstellung als erstes immer die wichtigen Informatio‐ nen zu Adressaten, Handlungssituation, Thema und Ziel der Aufgabe. Aufgabenstellung Sie haben auf der Internetseite Ihrer Hochschule gelesen, dass der Theaterclub an der Uni geschlossen wird. Auf einer Informationsveranstaltung wird diese Maßnahme vorgestellt. Als Mitglied des Studierendenparlaments möchten Sie sich zu dem Vorha‐ ben äußern. Äußern Sie Kritik an der geplanten Maßnahme. Begründen Sie diese Position. Sagen Sie, wie man den Theaterclub trotzdem fortführen könnte. Tipp: Kritik äußern An der Hochschule müssen Sie sich immer wieder mit Vorschlägen kritisch auseinandersetzen. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Meinung äußern und begründen. Beachten Sie allerdings, dass Sie dabei höflich und respektvoll bleiben. Ü2: Welcher Einleitungssatz passt? Kreuzen Sie an. a) Also für uns Studenten ist das echt nicht so gut. Das sollte man nicht umsetzen. b) Ja, das ist für uns Studenten natürlich total blöd. Sie sollten den Theaterclub offen lassen. c) Herr Brussig, wir würden dir gern ein paar Vorschläge machen, wie man den Theaterclub trotzdem fortführen könnte. d) Das ist eine schlechte Idee. Wir, das Studierendenparlament, haben bessere Ideen. e) Herr Brussig, wir würden gern Vorschläge machen, wie man den Theaterclub erhalten könnte. Tipp: Brainstorming Sie sollen Ihre Position sagen und diese begründen. Sammeln Sie in der Vorberei‐ tungszeit Argumente, warum die Maßnahmen schlecht für die Studierenden sind. Außerdem sollen Sie Vorschläge für Kompromisslösungen machen. Das bedeutet, dass Sie erklären, wie die Uni Geld sparen und trotzdem Angebote des Theaterclubs fortführen kann. 104 3 Prüfungstraining <?page no="105"?> Ü3: Sammeln Sie Argumente und Vorschläge. Argumente gegen die Maßnahme 1. - 2. - 3. - Vorschläge für einen Kompromiss 1. - 2. - 3. - Tipp: Vorschläge machen Um Vorschläge zu machen, verwenden wir oft den Konjunktiv II von „können“ mit dem Infinitiv: Wir könnten den Theaterclub verkleinern. Das drückt eine Möglichkeit aus. Eine weitere wichtige Form des Konjunktivs II ist wäre (von dem Verb sein): Eine Idee wäre, den Theaterclub zu verkleinern. Ü4 Füllen Sie den Lückentext aus. Es passen max. 2 Wörter in eine Lücke. Der Theaterclub (1) _______ versuchen, die Kosten für die Aufführungen zu reduzieren, indem er zum Beispiel auf teure Kostüme (2) _______. Eine Möglichkeit (3) ______, dass die Mitglieder (4) _______ selbst gestalten. Man könnte auch die (5) _______ der Aufführungen reduzieren, (6)_____ Beispiel nur noch eine pro Jahr. Eine weitere Idee ist, Partnerschaften mit lokalen Theatergruppen einzugehen, um die (7)_______ für die Aufführungen zu teilen. Der Theaterclub (8)______ außerdem versuchen, Spenden von Kulturinstitutio‐ nen zu (9)_____, um seine Finanzierung zu sichern. (10)______ könnte ein Fundrai‐ sing-Event organisiert werden. Ein weiterer (11) ________ wäre, mehr Eintritt für die Aufführungen zu (12)________, sodass sich der Theaterclub selbst finanzieren kann. 3.4 Sprechen 105 <?page no="107"?> Teil 2 - Selbsteinschätzung und Wahrnehmungsschulung <?page no="109"?> 4 Selbsteinschätzung Um festzustellen, ob Sie nahe an dem erforderlichen Prüfungsniveau sind, sollten Sie zwei Dinge tun: erstens eine grobe Einschätzung nach dem Europäischen Re‐ ferenzrahmen für Sprachen vornehmen und zweitens in einer feinabgestimmten Wahrnehmungsschulung Ihre Stärken und Schwächen ermitteln und auf dieser Basis erfolgreiche Wege zum Bestehen der Prüfung einleiten. Davon handeln die folgenden Kapitel. Die grobe Beschreibung des C1-Niveaus des GER sieht fachkundige Sprachkennt‐ nisse vor (siehe Vorwort). C1 - Fachkundige Sprachkenntnisse Kann ein breites Spektrum anspruchsvoller, längerer Texte verstehen und auch impli‐ zite Bedeutungen erfassen. Kann sich spontan und fließend ausdrücken, ohne öfter deutlich erkennbar nach Worten suchen zu müssen. Kann die Sprache im gesellschaft‐ lichen und beruflichen Leben oder in Ausbildung und Studium wirksam und flexibel gebrauchen. Kann sich klar, strukturiert und ausführlich zu komplexen Sachverhalten äußern und dabei verschiedene Mittel zur Textverknüpfung angemessen verwenden. Auf die vier Kompetenzbereiche heruntergebrochen bedeutet das als Kann-Beschrei‐ bung: Hörverstehen Ich kann längeren Redebeiträgen folgen, auch wenn diese nicht klar strukturiert sind und wenn Zusammenhänge nicht explizit ausgedrückt sind. Ich kann ohne allzu große Mühe Fernsehsendungen und Spielfilme verstehen. Ich kann Vorlesungen und Reden in meinem Studium verstehen, auch wenn sie inhaltlich und sprachlich komplex sind. Leseverstehen Ich kann lange, komplexe Sachtexte und literarische Texte verstehen und Stilunter‐ schiede wahrnehmen. Ich kann Fachartikel und Berichte in meinem Studium und längere technische Anleitungen verstehen, auch wenn sie inhaltlich und sprachlich komplex sind. Sprechen Ich kann mich spontan und fließend ausdrücken, ohne öfter deutlich erkennbar nach Worten suchen zu müssen. Ich kann die Sprache im gesellschaftlichen und beruflichen Leben wirksam und flexibel gebrauchen. Ich kann meine Gedanken und Meinungen präzise ausdrücken, in einer Debatte mithalten, meine Position vertreten und meine eigenen Beiträge geschickt mit denen anderer verknüpfen. Ich kann komplexe Sachverhalte ausführlich darstellen und dabei Themenpunkte miteinander verbinden, bestimmte Aspekte besonders ausführen und meinen Beitrag angemessen abschließen. <?page no="110"?> Schreiben Ich kann mich schriftlich klar, gut strukturiert und kohärent ausdrücken und meine Ansicht ausführlich darstellen. Ich kann in Briefen, Aufsätzen oder Berichten über komplexe Sachverhalte schreiben und die für mich wesentlichen Aspekte hervorheben. Ich kann in meinen schriftlichen Texten den Stil wählen, der für die jeweiligen Leser und Leserinnen angemessen ist. Wenn Sie diese Kann-Beschreibungen bejahen können, dann sind Ihre Kenntnisse auf dem C1-Niveau anzusiedeln. Unter Umständen gehen sie sogar darüber hinaus. Sollten Sie bei einer oder mehreren Kann-Beschreibungen Probleme oder Zweifel haben, dann besteht vermutlich noch Nachholbedarf. Die folgende Wahrnehmungsschulung gibt Ihnen weitere Hilfen, um Ihre ermittelten Kompetenzen detailliert auf die Anforderung des Tests abzustimmen. Sie vertieft die in diesem Band präsentierten Inhalte und Prüfungsstrategien, indem sie die Perspektive auf die Ermittlung Ihrer individuellen Stärken und Schwächen lenkt. Sie gibt Ihnen dazu viele Impulse und weitere Übungsmöglichkeiten für eine eigenständige Vorbereitung auf die Prüfung. 110 4 Selbsteinschätzung <?page no="111"?> 5 Kapitel verfasst von Karin Kleppin. 5 Wahrnehmungsschulung 5 „Bevor ich sinnlos übe, muss ich wissen, was in den Testaufgaben von mir erwartet wird.“ Karin Kleppin Einleitung In den Sprachprüfungen für den Hochschulzugang wird in der Regel kein Fachwissen vorausgesetzt, sondern es sollen nur die sprachlichen Kompetenzen geprüft werden. Natürlich kann man die vielfältigen und notwendigen sprachlichen Handlungen nicht direkt testen, indem man Lerner einfach in diese Situationen versetzt, beobachtet und dann einzeln beurteilt. Dies wäre nicht leistbar. Die hochschulrelevanten sprachlichen Kompetenzen werden indirekt überprüft. Sie müssen (nicht nur) in der Prüfungsvor‐ bereitung zielorientiert entwickelt werden. Für eine möglichst erfolgreiche Vorbereitung auf eine Prüfung ist es außerdem sinn‐ voll, sich kontinuierlich bewusst zu machen, was genau mit den jeweiligen Aufgaben überprüft werden soll, was also in der jeweiligen Aufgabe von den Testteilnehmenden erwartet wird. Ein transparentes Training der relevanten Sprachkompetenzen wird also ergänzt durch eine Wahrnehmungsschulung im Hinblick auf die Kompetenzen, die in den jeweiligen Aufgaben eine Rolle spielen. Die Ergebnisse in der Prüfung können darüber hinaus auch durch einen sinnvollen Einsatz konstruktrelevanter Test-Taking Strategien beeinflusst werden, das heißt von einem möglichst geschickten Umgang mit der Prüfung. Daher werden hier außerdem Strategien vorgestellt, die sich auf die Vorbereitung, die Durchführung und den nachträglichen Umgang mit den erhaltenen Ergebnissen beziehen. Grundsätzlich geht es bei Prüfungen also darum, dass Sie zeigen sollen, ob Ihre Sprachkenntnisse für einen Studienbeginn in Deutschland ausreichen. Die entscheidende Frage, die Sie also bei Ihrer Vorbereitung beachten müssen, ist daher: Was muss ich sprachlich in studienrelevanten Situationen an einer Hochschule bewältigen können? Dazu gehören v. a. das Verstehen von wichtigen Argumenten in Hör- und Lesetexten, das Erstellen von Notizen bei einem Vortrag, Interaktionen mit Hochschulangehörigen, das Verfassen eines strukturierten Textes. Dies müssen Sie einerseits trainieren. Es nützt wenig, wenn Sie nur versuchen, Modelltestaufgaben zu lösen oder sich auf Aufgaben konzentrieren, die Sie im Internet finden. Denn dann konzentrieren Sie sich vor allem auf bestimmte Inhalte, die Sie in einigen Aufgaben kennengelernt haben und vermuten, dass diese Inhalte häufig vorkommen. Das ist nicht der Fall, auch wenn man davon ausgehen kann, dass grundsätzlich vor allem <?page no="112"?> Inhalte vorkommen, die in Hochschulkontexten eine Rolle spielen können. Dazu gehören sowohl Alltagssituationen wie zum Beispiel Gespräche mit Studierenden als auch hochschulspezifische Situationen wie Verhalten in Seminaren, in der Verwaltung, in Sprechstunden. Es nützt Ihnen mehr, wenn Sie versuchen, Texte im Netz bei der Deutschen Welle oder in Online-Zeitschriften zu finden, die mit hochschulrelevanten Themen zu tun haben. Es geht nicht um Fachtexte, sondern um allgemeinere Inhalte, die aktuell diskutiert werden. Sie können auch selbst Texte zu hochschulrelevanten Themen generieren, indem Sie zum Beispiel den KI-Chat-BOT ChatGPT nutzen. In diesem Teil geht es vor allem um Folgendes: Sie sollten sich bewusst machen, was genau mit den jeweiligen Aufgaben überprüft werden soll, was also in der jeweiligen Aufgabe von Ihnen erwartet wird. Ihre Weiterentwicklung des Lese- und Hörverstehens, des Sprechens und des Schreibens für Hochschulsituationen sollten Sie also ergänzen durch Überlegungen, was genau in den jeweiligen Aufgaben eine Rolle spielt. Ihre Ergebnisse in der Prüfung können darüber hinaus auch durch einen möglichst geschickten Umgang mit der Prüfung positiv beeinflusst werden. Daher können Ihnen Prüfungsstrategien helfen, die sich auf die Vorbereitung, die Durchführung und den nachträglichen Umgang mit den erhaltenen Ergebnissen beziehen. Fokus 1: Wie kann ich erkennen, ob ich schon weitgehend über die notwendigen Sprachkompetenzen verfüge? Die Prüfungen orientieren sich in ihren Niveaustufen nicht nur am Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER), sondern auch an dem sogenannten Begleitband (Europarat 2020). Versuchen Sie sich an den Beschreibungen zu orientieren und dann konkrete Beispiele für die Umsetzung zu finden. Beispiel zum Sprechen (als Selbstein‐ schätzung formuliert) Das kann ich zum Beispiel zu folgendem Thema sagen Ich kann mich in typischen Kommunikations‐ situationen an der Hochschule mündlich an‐ gemessen ausdrücken: Ich vertrete in einem Seminar meinen Standpunkt, beteilige mich an einer Diskussion oder spreche zum Bei‐ spiel mit Lehrpersonen oder anderen Studie‐ renden. Ich kann auch einen längeren Rede‐ beitrag klar und gut strukturieren und meine Argumente mit Beispielen stützen. Sie können hier sowohl schriftlich notieren, was Sie ausdrücken können. -Sie können sich aber einfach auch nur aufneh‐ men. 112 5 Wahrnehmungsschulung <?page no="113"?> Wenn Sie sich allein vorbereiten, dann hören Sie sich selbst noch einmal an. Vielleicht sind Sie schon stolz auf Ihre ‚Performance‘. Vielleicht hören Sie einige Fehler, die Sie im Grunde schon selbst korrigieren können. Wenn Sie sich mit einem Lernpartner/ einer Lernpartnerin zusammen vorbereiten, dann können Sie sich gut gegenseitig Feedback geben. Einige von Ihnen arbeiten vielleicht auch mit ChatGPT oder anderen Sprachmodellen, das heißt, Sie geben einige wichtige Stichwörter aus den von Ihnen gewählten Inhalten ein und erhalten dann ein - hoffentlich - nützliches Modell, an dem Sie sich ein wenig orientieren können. Überlegen Sie auch, was darüber hinaus noch für sprachliches Handeln an der Hochschule von Bedeutung ist. Hilfe können Sie, wenn Sie sich intensiv mit den Beschreibungen beschäftigen wollen, im Begleitband des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (Stuttgart 2020) finden. Schauen Sie sich zum Bei‐ spiel die Beschreibungen (Niveaus B2 und C1) an zu ‚Gespräche zwischen anderen Sprechenden verstehen‘ (S. 60); ‚Audiomedien und Tonaufnahmen verstehen‘ (S. 63); ‚zur Orientierung lesen‘ (S. 67); ‚Information und Argumentation verstehen‘ (S. 68); ‚zusammenhängendes monologisches Sprechen: Argumentieren‘ (S. 78); ‚Berichte und Aufsätze schreiben‘ (S. 83); ‚mündliche Interaktion allgemein‘ (S. 88); ‚zielorientierte Argumentation‘ (S. 95); ‚spezifische Informationen weitergeben‘ (S. 116); ‚Daten (in Grafiken, Diagrammen, Schaubildern usw.) mündlich und schriftlich erklären‘ (S. 118); ‚Verarbeitung von Texten‘ (S. 120 und S. 122). Überlegen Sie, was die Kann-Beschreibungen für Ihre Kontexte bedeuten könnten, welche konkreten sprachlichen Handlungen dafür in Betracht kommen und ob Sie schon Erfahrungen mit solchen Situationen hatten. Folgende Fragestellungen, die Sie - eventuell auch mit anderen - bearbeiten können, sind unter anderem: • Welche Erfahrungen habe ich bisher mit fremdsprachlichem Leseverstehen, Hör‐ verstehen, Schreiben und Sprechen gemacht? Starten Sie mit einer Teilkompetenz und gehen Sie dann weiter zu den anderen. • Welche Situationen kenne ich im Hinblick auf ein (zukünftiges) Studium an einer Hochschule in meinem Land? Was erscheint mir besonders wichtig? • Was weiß ich über solche Situationen in Deutschland? Dazu gehören zum Beispiel solche Sprachhandlungen wie ‚nachfragen‘, ‚um Erklärungen bitten‘, ‚zustimmen‘, ‚in Stichworten zusammenfassen‘, ‚ein Argument wiedergeben‘ ‚ein Argument anführen‘, ‚einem Argument widersprechen‘ ‚etwas zusammenfassen‘. • Wie gehe ich momentan beim Leseverstehen, Hörverstehen, Schreiben und Spre‐ chen vor? Beobachten Sie sich bei diesen Tätigkeiten und beschreiben Sie, was Sie tun. Versuchen Sie, laut zu denken, während Sie zum Beispiel einen Text lesen und versuchen, ihn zu verstehen. • Wenn Sie schon an einem Test teilgenommen haben: Versuchen Sie zu klären: Was genau sagt das Ergebnis über meine Kompetenzen aus? Für welche Bereiche gilt dies? Wie erkläre ich mir die Tatsache, dass ich in anderen Prüfungen andere Fokus 1 113 <?page no="114"?> Ergebnisse hatte? Wie erkläre ich mir die Differenz zum Beispiel zwischen meiner eigenen Einschätzung und der erreichten Niveaustufe im Test? • Woran erkenne ich, was mir schon gelungen ist? Wie kann ich dies erkennen? • Woran liegt es, dass ich Probleme mit bestimmten Testaufgaben hatte? Gilt meine Ursachenzuschreibung, woran ich dies also festmache? Ist diese Ursachenzuschrei‐ bung für mich dienlich oder frustriert sie mich? Gibt es möglicherweise noch andere Gründe für meine Probleme mit bestimmten Aufgaben, die ich zu erkennen versuche, damit ich beim nächsten Mal einen größeren Erfolg habe? • Was ist mir während der Prüfung durch den Kopf gegangen, was nicht sehr zielführend war? Worauf beruhten bestimmte Emotionen? Welche Möglichkeiten habe ich, Ängste abzubauen? • Welche Emotionen verbinde ich mit Prüfungen? Worauf beruhen diese Emotionen? Welche Möglichkeiten habe ich, Ängste abzubauen, die möglicherweise hemmend gewirkt haben? Wie kann ich diese Emotionen ‚in den Griff bekommen‘? Fokus 2: Was genau muss ich im Test zeigen? Hier geht es darum zu erkennen, was der Test misst. Möglicherweise meinen Sie, dass Sie vor allem auf grammatische Korrektheit achten müssen. Dies ist nicht der Fall. Es geht in erster Linie um ein adäquates sprachliches Verhalten im Hochschulkontext. Die relevanten Prüfungen wenden sich an Adressaten, die ein bestimmtes Alter und einen recht hohen Bildungshintergrund haben und die prinzipiell höhere kognitive Verarbeitungsprozesse beherrschen. Auch die kommunikativen Aufgaben, die Sie bewältigen müssen, stammen aus dem Hochschulbereich. Es geht dabei sowohl um informelle als auch formelle Kontexte. Ausgehend von Lesetexten und Graphiken können Sie zum Beispiel eine Textproduktion erwarten, die hochschulspezifischen Genres zuzuordnen ist, wie zum Beispiel Zusammenfassungen von Informationen aus verschiedenen Quellen. Um die Prüfung zu bestehen, hilft es Ihnen zu wissen, was die jeweiligen Aufga‐ ben genau überprüfen. Sie müssen sich also bei den jeweiligen Aufgaben aus dem Modelltest fragen: Was genau soll ich hier zeigen? Selbst wenn Ihnen eine genaue Beschreibung nicht gelingt, wird Ihnen allein die Beschäftigung mit dieser Frage schon dabei helfen, sich besser auf die Aufgabe einzustellen. Ein Beispiel: Bei der folgenden Aufgabe im Teil Hörverstehen wird überprüft, ob ich wichtige Informationen, nach denen gefragt wird, erkennen und in Stichpunkten wiedergeben kann. Was genau sind Stichpunkte? Ich habe verstanden, dass es um die wichtigen Inhaltspunkte und nicht um korrekte ganze Sätze geht. 114 5 Wahrnehmungsschulung <?page no="115"?> Fragen Sie sich also bei jeder Aufgabe: • Was will die Aufgabe von mir? • Was genau soll ich bei der Lösung zeigen? • Worauf achte ich besonders bei der Bearbeitung der jeweiligen Aufgabe? • Worauf achte ich, wenn ich die Möglichkeit habe, zum Beispiel meine schriftliche Produktion noch einmal zu überarbeiten? Weitere wichtige Fragen, die Ihnen dabei helfen können zu erkennen, wo Sie im Hinblick auf die erforderlichen Kompetenzen stehen, können darüber hinaus sein: • Bei welchen Aufgaben fühle ich mich schon recht sicher? Wo vermute ich die meisten Schwierigkeiten? • Was genau muss ich können? Zum Beispiel: In dieser Aufgabe geht es um die Begründung Ihres Standpunkts zu einem Thema: Was heißt das für mich, einen eigenen Standpunkt zu begründen? Was tue ich bisher, wenn ich meinen Stand‐ punkt begründe? Wie gehe ich dabei genau vor? Was heißt das, widersprüchliche Informationen zu erkennen? Woran sehe ich, dass sich Informationen widerspre‐ chen? Woran erkenne ich, was ein Argument und was ein Beispiel ist? Was heißt das, Stichpunkte aufzuführen? Schreibe ich bisher ganze Sätze? Ist das sinnvoll? • Worauf muss ich mich bei der Aufgabe ‚kurze mündliche Präsentation auf der Basis einer vorgegebenen Graphik und einer vorgegebenen Anweisung‘ besonders konzentrieren? Wo ordne ich auf einer Skala von 1-10 die folgenden Bereiche an, wobei 1 überhaupt nicht wichtig und 10 ganz besonders wichtig bedeutet: korrekte Grammatik, korrekter Wortschatz, komplexe Satzstrukturen, Aufbau der Präsentation etc.? Schauen Sie nach solchen eigenständigen Wahrnehmungsübungen auch die Webseiten der Prüfungsanbieter noch einmal an, von denen Sie differenzierte Hinweise erhalten. Fokus 3: Worauf muss ich mich bei den mir zum Teil noch unbekannten Aufgabentypen einstellen? Wahrscheinlich verwirren Sie zunächst die Ihnen unbekannten Aufgabentypen einer Prüfung. Sicherlich hilft Ihnen das Lösen von Modellaufgaben, sich darauf einzustellen. Tutorials mancher Prüfungsanbieter wie telc und TestDaF zeigen Ihnen Schritt für Schritt auf, wie Sie vorgehen können. Darüber hinaus sollten Sie sich beim Lösen von Modellaufgaben kontinuierlich bewusst machen, welche Herausforderungen für Sie bei den besonderen Formaten existieren. Besondere Herausforderungen sind sicherlich auch bedingt durch Ihre Lern- und Prüfungsvorerfahrungen, durch Ihr Vorgehen beim Sprachenlernen, durch Ihre Vorlieben und Lernstile. Dazu gehört zum Beispiel auch, ob Sie grundsätzlich eher analytisch vorgehen und sich genau auf Einzelheiten konzentrieren oder ob Sie eher zufrieden sind, wenn Sie zum Beispiel die Grundzüge und den wesentlichen Fokus 3 115 <?page no="116"?> Inhalt eines Textes verstanden haben. Bei Lernaufgaben im Unterricht geht es häufig darum, die wesentlichen Inhalte zu verstehen. Daran schließen sich weitere Aufgaben zur Verarbeitung an. Bei Testaufgaben hingegen müssen Sie sich genaustens auf die Aufgabenstellung einlassen. Denn bei Multiple-Choice-Aufgaben, bei Entscheidungen, welche Aussagen im Hinblick auf den Lesebeziehungsweise Hörtext stimmen, müssen die Testersteller grundsätzlich plausible Optionen zum Anklicken bereitstellen. Sie haben daher manchmal den Eindruck, dass alles sehr ähnlich ist. Sie müssen also genau hinschauen bzw. hinhören. Sie sollten sich dann erst für die richtigen Antworten entscheiden. Gefragt sind bei Sprachprüfungen im Hochschulbereich auch hohe analytische Fähigkeiten, wenn Sie zum Beispiel zwei unterschiedliche Textsorten wie bei einem Aufgabentyp im Leseverstehen (Texte und Graphik) zusammenführen müssen und dann in der vorgelegten Zusammenfassung inhaltliche Fehler entdecken müssen. Auch die Verbindung zwischen Forderungen und den in diesen Forderungen vertretenen Argumenten (Aufgabentypen im Hörverstehen) könnte eine Herausforderung für Sie sein. Sie müssen nicht nur das jeweilige Argument erkennen, sondern dies auch noch in Stichpunkten darstellen. Ganze Sätze sind hier nicht immer gefragt. Die Aufgabenformate sind für Sie dann einfacher zu meistern, wenn Sie Ihre analytischen Fähigkeiten weiterentwickeln. Üben Sie daher zum Beispiel auch allein, argumentative Texte in Stichpunkten zusammenzufassen. Am besten arbeiten Sie anschließend mit einem Lernpartner/ einer Lernpartnerin zusammen und versuchen gemeinsam, sich kritisch mit den Stichpunkten auseinanderzusetzen. Fragen Sie sich: Ist in diesen Stichpunkten wirklich die bedeutende Information enthalten? Was ist noch überflüssig? Was fehlt noch? Beispielfragen zu den Aufgabentypen und -formaten: • Mit welchem Aufgabentyp komme ich bisher besonders gut zurecht? Woran liegt das? • Mit welchem Aufgabentyp habe ich noch Schwierigkeiten? Kann ich diese Schwie‐ rigkeiten beschreiben? • Woran kann ich erkennen, worauf ich achten muss? Auch wenn Ihnen der Umgang mit solchen Fragen sicherlich in einem Vorbereitungs‐ kurs leichter fällt, können Sie versuchen, sich selbst bei der Lösung von Modelltestaufgaben zu beobachten. Notieren Sie, was Sie genau tun, zum Beispiel woran sie erkennen, was ein Argument, eine Begründung, eine Schlussfolgerung ist. Schauen Sie sich genau an, wie Sie bei Kurzantworten vorgehen. Vergleichen Sie Ihr Vorgehen mit den Lösungsvorschlägen in diesem Band oder zusätzlich auch mit dem vorge‐ schlagenen Vorgehen der Prüfungsanbieter. Wollen Sie Ihr Vorgehen an solche Tipps angleichen? Oder sind Sie überzeugt von Ihrem Vorgehen? Hat dies schon häufiger zum gewünschten Erfolg geführt? 116 5 Wahrnehmungsschulung <?page no="117"?> Fokus 4: Woran erkenne ich, worauf ich zurückgreifen kann, um mich weiter zu verbessern? Hierbei geht es um sogenannte externe und interne Ressourcen. Interne Ressourcen sind Fähigkeiten, über die Sie aus sich selbst heraus schon verfügen. Dazu können Strategien zur Stressbewältigung gehören. Weiterhin könnte bei Ihnen eine gute Merkfähigkeit vorliegen, die Sie beim Hörverstehen zielgerichtet einsetzen. Als externe Ressource kann zum Beispiel für die Vorbereitung auf eine mündliche Interaktion ein deutschsprachiger Tandempartner oder eine Person gelten, die mit Ihnen auf Deutsch kommuniziert. Beispielfragen zu internen und externen Ressourcen: • Was hilft mir momentan schon bei der Bewältigung der einzelnen Aufgaben? Welche meiner Fähigkeiten gehören dazu? Was fällt mir zum Beispiel leicht? • Bei welchen Aufgaben habe ich noch besondere Schwierigkeiten? Kann ich diese Schwierigkeiten beschreiben? Warum habe ich sie? • Was mache ich, wenn ich eine bestimmte Aufgabe löse? Warum gehe ich so vor? Was hilft mir am meisten? Was scheint nicht so gut zu wirken? Wie viel Zeit kann ich im Weiteren für meine Vorbereitung aufwenden? • Was könnte ich tun, um die Schwierigkeiten zu überwinden? Wobei brauche ich vor allem noch Hilfe von außen? • Kann ich mir besonders gut etwas merken, was ich gehört habe? Habe ich Ideen, wie ich das zum Beispiel beim Hörverstehen nutzen kann? • Bei mündlichen Prüfungen muss man oft eine Position beziehen. Wie gehe ich dabei am liebsten vor? Wie erkenne ich, was für meine Stellungnahme von Bedeutung ist? Wie sieht eine sinnvolle Stellungnahme meiner Meinung nach aus? Habe ich schon einmal Stellungnahmen in Texten (zum Beispiel in Zeitungstexten) im Internet angeschaut? Wie sehen diese Stellungnahmen genau aus? Was fällt mir sprachlich besonders auf ? • Ich muss in einem Teil ein Gespräch mit einem Kommilitonen/ einer Kommilitonin führen. Was kann ich tun, um ein Gespräch vorzubereiten? Mit wem kann ich das trainieren? Fokus 5: Wie kann ich mich im Hinblick auf sprachliches Handeln in der Hochschule weiterhin vorbereiten? Bisher ging es auch darum, dass Ihnen bewusst ist, was in der Prüfung tatsächlich überprüft wird und welche Kompetenzen Sie entwickeln müssen. Wenn Sie diese Fähigkeiten trainieren, dann haben Sie auch große Chancen, diese Prüfung zu bestehen. Prinzipiell sind alle Übungen zur Vorbereitung geeignet, die den Kontext der Zielsituation (zum Beispiel Studienalltag, Verhalten in Seminaren, Gespräche mit anderen Studierenden oder Lehrenden) berücksichtigen, auf den die Prüfung vorbe‐ Fokus 4 117 <?page no="118"?> reitet. Hierfür brauchen Sie allerdings wahrscheinlich einen Vorbereitungskurs, in dem diese Fähigkeiten entwickelt werden. Wenn Sie sich mit einem Lernpartner/ ei‐ ner Lernpartnerin vorbereiten, dann könnten Sie auch auf folgende beispielhafte Trainingsvorschläge zurückgreifen. Beispiel 1: Möglicherweise haben Sie - wie auch andere Prüflinge weltweit - nur wenige Vorerfahrungen mit der Formulierung angemessener Kurzantworten, die in einigen Aufgabentypen im Teil Hören erforderlich sind. Sie können dann auch die entspre‐ chende Aufgabe nicht erfolgreich bewältigen, das heißt die erforderliche Kompetenz ‚Entnahme gezielter Informationen aus einem Hörtext‘ wird nicht nachgewiesen. Diese Fähigkeit könnte man zunächst anhand schriftlicher Texte entwickeln, da dadurch die Selbstüberprüfung der Ergebnisse durch Sie möglich ist: Vorgehen: • Ihr Partner und Sie selbst suchen sich zwei unterschiedliche Texte, die im weitesten Sinn mit dem Kontext Hochschule zu tun haben. Nutzen Sie ruhig auch hier ChatGPT. • Jeder Partner/ jede Partnerin schreibt aus seinem/ ihrem Text die vermutlich wich‐ tigen Stichpunkte heraus. • Die Stichpunkte werden zwischen den Partnern ausgetauscht; jeder Partner/ jede Partnerin erhält also Stichpunkte zu einem für ihn/ sie unbekannten Text. • Jede/ r rekonstruiert mündlich anhand der erhaltenen Stichpunkte die Informatio‐ nen aus dem Text des Partners/ der Partnerin. • Sie tauschen sich dann darüber aus, ob diese rekonstruierten Informationen den Informationen in Ihrem Text entsprechen. Versuchen Sie, Unterschiede und Abweichungen herauszufinden und sich über die Adäquatheit ihrer jeweiligen Rekonstruktionen auszutauschen. • Besprechen Sie dann, wie Sie die Stichpunkte adäquater formulieren können. Beispiel 2: Die Fähigkeit, kausale Verbindungen zu verstehen und zuordnen können, stellt beson‐ dere Anforderungen an Sie. Am besten arbeiten Sie auch bei dieser Aufgabe mit einem Lernpartner/ einer Lernpartnerin. Sie können es aber auch allein probieren. • Versuchen Sie anhand von selbst gesuchten Texten, in denen etwas begründet wird (s. auch Aufgabe 6 zum Leseverstehen), herauszufinden, was kausale Verbindungen sind, zum Beispiel durch Markieren der Stellen im Text, Reduktion der entspre‐ chenden Stellen auf Stichworte, eine graphische Darstellung der Verbindungen (durch Pfeile, etc.). • Nehmen Sie dann zur Selbstüberprüfung die jeweiligen Modellaufgaben zu Hilfe. 118 5 Wahrnehmungsschulung <?page no="119"?> Beispiel 3: Bei Aufgaben zum Lesen gilt es oft, die Logik des Testaufbaus zu erkennen und dementsprechend Textteile zusammenzufügen. • Sie kennen wahrscheinlich eine typische Lernaufgabe, die dem Testformat prinzi‐ piell entspricht. Schneiden Sie Texte auseinander oder ändern Sie die Reihenfolge des Textes auf dem Computer. Das Textpuzzle setzen Sie dann wieder in die richtige Reihenfolge und überprüfen Ihr Vorgehen anhand des Originaltextes. Manchmal sind Texte so aufgebaut, dass sich nicht unbedingt nur eine sinnvolle Reihenfolge ergibt. Das macht für Ihr Training nichts. • Markieren Sie Hinweise, die auf Bezüge der Textteile untereinander verweisen. Die Vorbereitung auf den Nachweis der produktiven Kompetenzen kann man in größerer Nähe zur tatsächlichen Verwendungssituation gestalten. Beispiel 4: In einer Aufgabe zum Schreiben geht es um das Verfassen eines argumentativen Textes. Möglich ist das folgende Training: • Suchen Sie Stellungnahmen und argumentative Texte im Internet, die Ihnen als Modelltexte dienen können. • Markieren Sie dann die Aussagen, die für das Thema von besonderer Bedeutung sind. Wo genau finden Sie die Argumente (für und wider)? Finden sich bei diesen Argumenten wiederkehrende Strukturen und Ausdrücke? Können Sie einen klaren Aufbau erkennen? Wie sieht es bei der Hinführung zum Thema und beim Fazit aus? • Notieren Sie dann Redemittel, Beispiele und Kontexte, die Sie für wichtig halten. • Falls Sie sich mit einem Partner/ einer Partnerin vorbereiten, können Sie sich darüber austauschen, welche Wendungen, kurzen Passagen etc. sinnvoll für eigene Texte zu nutzen sind. Beispiel 5: Eine besondere Schwierigkeit dürfte die integrative Aufgabe beim Schreiben bein‐ halten. Bei dieser Aufgabe geht es nicht um eine eigene Stellungnahme, an die Sie schon gewöhnt sind. Vielmehr soll eine hochschuladäquate Zusammenfassung erstellt werden, die sich auf Informationen aus einem schriftlichen und graphischen Input (ca. 250-300 Wörter) stützen soll. Der grafische Input enthält zum Teil ergän‐ zende, aber auch widersprüchliche Informationen. Beide Quellen müssen zunächst verarbeitet, gegenübergestellt und verglichen werden. Bei der Zusammenfassung ist ausgehend von der gestellten Aufgabe darauf zu achten, welche Informationen in welcher Weise in die eigene Produktion eingehen. Da Sie zumeist kaum Erfahrungen mit einer solchen Aufgabe in Ihrer Lebenswirklichkeit haben, werden Sie dazu Fokus 5 119 <?page no="120"?> neigen, Teile aus den beiden Quellen ohne eigene Verarbeitung zu übernehmen und sie eher beschreibend gegenüberzustellen. Das ist allerdings nicht gefordert. Vielmehr müssen Sie versuchen, aus beiden Quellen die für die Aufgabenstellung wichtigen Informationen herauszuarbeiten und sie dann miteinander in Verbindung zu bringen. Bei dem vorgeschlagenen Training geht es noch nicht darum, den gesamten Erar‐ beitungsprozess bei der Lösung der Testaufgabe nachzuvollziehen. Vielmehr sollten Sie zunächst versuchen, einige wichtige Schritte im Hinblick auf das Vorgehen zu verstehen. Möglich ist das folgende Training: • Falls möglich, suchen Sie zwei unterschiedliche Quellen zu einem Thema. • Versuchen Sie dann herauszufinden, wo genau sich Unterschiede und Gemeinsam‐ keiten erkennen lassen, wo sich ergänzende Informationen aufzufinden sind, wo es Kausalbeziehungen gibt. Eventuell können Sie diese Stellen auch unterschiedlich farblich markieren. • Fassen Sie dann die wichtigen Beziehungen mit Ihren eigenen Worten zusammen. Vermeiden Sie es, Ihre eigene Meinung mit einzubringen. Es geht nur um eine Analyse, die möglichst präzise sein sollte. Achten Sie auch darauf, dass Sie nicht einfach Passagen aus den Texten übernehmen. • Falls Sie sich gemeinsam mit einem Lernpartner/ einer Lernpartnerin vorbereiten, dann können Sie sich zu Ihren Analysen austauschen. Bei diesem Austausch können Sie sich ruhig ‚streiten‘. Achten Sie darauf, ob Sie bei Ihrem Partner, Ihrer Partnerin Passagen finden, die abgeschrieben wurden. Dieses Verfahren benötigt zunächst recht viel Zeit, Sie verstehen danach allerdings besser, was unter anderem von Ihnen in dieser Aufgabe gefordert ist. Darüber hinaus gibt es auch oft beim Sprechen integrative Aufgaben, bei denen Sie einen grafischen Input erhalten, eine kurze Aussage anhören und dann allerdings Ihren eigenen Standpunkt unter Berücksichtigung der Informationen aus dem grafischen Input darlegen müssen (Aufgabe 4 zum Sprechen). Beispiel 6: Die Überprüfung des Sprechens besteht aufgrund des Formats Simulated Oral Pro‐ ficiency Interview zumeist aus Aufgaben mit einem hohen monologischen Anteil. Allerdings sind grundsätzlich fiktive Adressaten in der Aufgabe verankert, deren Hörinteresse in der Situierung und der Anweisung der Aufgabe benannt wird. Folgende - durchaus immer schon eingesetzte - Trainingsmöglichkeiten bieten sich an: 120 5 Wahrnehmungsschulung <?page no="121"?> • Bei einer Aufgabe geht es um einen Rat, den Sie geben sollen. Sie können sehr gut mit einem Partner/ einer Partnerin Situationen sammeln, in denen Sie einen Rat geben können. Am besten überlegen Sie, in welchen Situationen an einer Hochschule man einen Rat geben kann. Dazu gehören zum Beispiel Ratschläge zu Lehrveranstaltungen, zum Verhalten in Seminaren oder in einem Praktikum, zu Freizeitaktivitäten an der Hochschule, zur Fachliteratur etc. • Versuchen Sie dann zu überlegen, wie Sie diese Ratschläge sprachlich realisieren können. • Häufig werden im mündlichen Teil kurze Simulationen verwendet. Solche Simu‐ lationen können sich auf das Abwägen von Für und Wider von Optionen im Hochschulalltag beziehen. In mehreren Aufgaben geht es um Stellungnahmen, die im Hochschulkontext häufig vorkommen und immer mit einer nachvollziehbaren Begründung zu versehen sind. Wenn Sie mit einem Lernpartner/ einer Lernpartne‐ rin zusammenarbeiten, dann fragen Sie bei Stellungnahmen immer nach: Wie bist du zu dieser Meinung gekommen? Was heißt für dich gut? Warum meinst du, ist das so? Damit trainieren Sie, bei Begründungen analytischer und sicherer zu werden. • Im Hinblick auf Kurzvorträge (Aufgabe 5) können Sie (am besten gemeinsam) Themen sammeln, Kurzvorträge vorbereiten und dann gemeinsam erproben. Sie sollten dann eventuelle ‚Zuhörer‘ bitten, nach dem Kurzvortrag mindestens eine Frage zu stellen und Feedback zu geben. • Eine ‚interkulturelle Herausforderung‘ könnten Aufgaben darstellen, bei denen Sie höflich Kritik äußern müssen. Hier geht es um ein sprachlich angemessenes Verhalten. Versuchen Sie, sich dann Situationen vorzustellen oder gemeinsam zu sammeln, in denen man jemanden höflich kritisieren kann. Fokus 6: Gibt es für mich sinnvolle Strategien, um die Sprachprüfung zu bestehen? Gehen Sie davon aus, dass es geschicktere und weniger geschickte Vorgehen bei einer Sprachprüfung gibt. Sicherlich ist es sinnvoll, sich zum Beispiel zunächst einmal intensiv mit der Aufgabenstellung zu befassen. Planen Sie auch die Zeit bei einer Schreibaufgabe so, dass genügend Raum für eine angemessene Überarbeitung bleibt. Beim Sprechen geht es darum, gezielt auf Argumente einzugehen und dafür können Sie in ihrer Antwort etwas abgewandelt wiederaufnehmen. Sie können etwas paraphra‐ sieren, also anders ausdrücken, wenn Ihnen Wörter fehlen. Das heißt, Sie setzen so genannte Test-Taking-Strategien ein und erhöhen dadurch Ihre Erfolgschancen. Solche Strategien können sowohl in der Prüfung als auch in einer realen Sprachverwendungs‐ situation genutzt werden. Grundsätzlich kann man Strategien nutzen wie zum Beispiel Fokus 6 121 <?page no="122"?> Strategien vor der Prüfung • Wissen über die Prüfung und Bewertungskriterien nutzen: Wie bereite ich mich auf bestimmte Aufgabenformate vor? Wie bereite ich mich so vor, dass ich möglichst optimal im Hinblick auf die Bewertungskriterien vorgehe? • Managementstrategien verfolgen: Wie manage ich am besten meine Trainingszeit? Wie bereite ich mich zeitökonomisch vor? Arbeite ich zum Beispiel kontinuierlich jeden Tag eine bestimmte Zeitdauer? Wie teile ich mir den Stoff ein? • Affektive und motivationale Kontrollstrategien einsetzen: Was mache ich gegen Prüfungsangst? Strategien während der Prüfung • Wissen über die Prüfung und Bewertungskriterien nutzen: Achte ich zum Beispiel bei einer Schreibaufgabe besonders darauf, keine Fehler zu machen, weil die Fehleranzahl wichtig ist? Versuche ich lieber, Inhalte komplex darzustellen und Argumente gegeneinander abzuwägen, bevor ich eigene Schlussfolgerungen ziehe, weil das in die Bewertung eingeht und nehme dabei Fehler in Kauf ? • Managementstrategien verfolgen: Wie teile ich mir bei der Schreibaufgabe die Zeit ein? Wie viel Zeit verwende ich auf die abschließende Überarbeitung? • Affektive und motivationale Kontrollstrategien einsetzen: Wie schaffe ich es, bei der Prüfung möglichst konzentriert zu bleiben? Strategien nach der Prüfung • Wissen über die Prüfung und Bewertungskriterien nutzen: Wie kann ich die Rückmeldung, die ich zu meinen Leistungen in der Prüfung erhalte, für meine weitere Arbeit nutzen? Wie erbitte ich ein Feedback, das mir nützt? • Managementstrategien verfolgen: Wie plane ich meine nächsten Schritte für weitere Prüfungen? • Affektive und motivationale Kontrollstrategien einsetzen: Wie schaffe ich es, auch mit einem schlechten Ergebnis so umzugehen, dass es mich nicht entmutigt? Wenn Sie sich mit den sogenannten Test-Taking-Strategien beschäftigen wollen, dann ist es zunächst einmal sinnvoll, bei den individuell schon eingesetzten Strategien zu beginnen. Hierfür bieten sich auch fiktive Statements an, die nicht nur so genannte hilfreiche Strategien behandeln, sondern die Sie zum Nachdenken anregen sollen. Vielleicht finden Sie weitere Strategien, die Sie entweder schon einsetzen oder die Sie einsetzen wollen. 122 5 Wahrnehmungsschulung <?page no="123"?> Beispiele für einige Statements Schon häufiger haben Sie die Empfehlung erhalten, sich für eine möglichst zielge‐ richtete Prüfungsvorbereitung mit anderen Prüfungskandidaten und -kandidatinnen auszutauschen. Wenn Sie dies also bei den Test-Taking-Strategien vorhaben, dann könnten Sie folgendermaßen vorgehen: • Welche Strategien haben Ihnen bisher bei Prüfungen geholfen? Was ging häufig schief ? Tauschen Sie sich zu Erfolgen und Misserfolgen aus. Wie sind Sie zum Beispiel mit Prüfungsangst umgegangen? Wovon sind Sie so überzeugt, dass Sie ein solches Vorgehen auch anderen raten würden? • Was möchten Sie demnächst - möglichst risikofrei - ausprobieren, also zum Beispiel bei einem Beispiel- oder Modelltest? • Tauschen Sie sich dann - falls möglich - noch einmal über die gemachten Erfahrungen aus. Fokus 6 123 <?page no="124"?> Checkliste für meine Vorbereitungsplanung Möglicherweise nutzt Ihnen eine kurze Checkliste zu Ihren Vorbereitungsaktivi‐ täten. Ziele Berücksichtigt Meine Aktivitäten Klärung meines Ausgangspunktes im Hin‐ blick auf die sprachlichen Kompetenzen in Hochschulen - - Verstehen, was die Aufgabe von mir fordert - - Mein Umgang mit den Aufgabentypen - - Besondere Kenntnisse und Fähigkeiten, auf die ich schon gut zurückgreifen kann - - Was mir noch fehlt - - Meine Übungen - - Meine sinnvollen Strategien beim Vorge‐ hen in der Prüfung - - Meine weiteren Ziele …… - - Fazit Die meisten Prüfungen sind so aufgebaut, dass sie sinnvolle sprachliche Handlungen in den entsprechenden Teilkompetenzen überprüfen. Prinzipiell müssen Sie also genau diese Kompetenzen entwickeln. Auch wenn Sie vorher einen anderen, zum Beispiel allgemeinen Sprachtest bestanden haben, heißt dies nicht unbedingt, dass Sie eine Prüfung für den Hochschulzugang ebenso erfolgreich bewältigen. Versuchen Sie also grundsätzlich bei jeder Prüfung, die genauen Ziele zu verstehen und für sich dann nutzbar zu machen. Die hier vorgeschlagene Wahrnehmungsschulung ist darauf ausgerichtet, dass Sie die Anforderungen, die ein Test an Sie stellt, durchschauen und sich Fragen stellen wie zum Beispiel: Welche sprachlichen Kompetenzen brauche ich für ein Studium in Deutschland, für ein Praktikum, für eine bestimmte berufliche Tä‐ tigkeit? Welche Kompetenzen davon überprüfen die einzelnen Testaufgaben? Welche Kompetenzen muss ich entwickeln, um sowohl im Test als auch in realen Situationen sprachlich erfolgreich zu sein? Wie kann ich meine schon vorhandenen Ressourcen adäquat einsetzen? 124 5 Wahrnehmungsschulung <?page no="125"?> Teil 3 - Wissenschaftssprache <?page no="127"?> 6 Studium und Forschung in deutschsprachigen Ländern Die deutschsprachigen Länder sind attraktive Forschungs- und Studienstandorte. Fast 420.000 ausländische Studentinnen und Studenten waren in den letzten Semestern allein an den deutschen Hochschulen eingeschrieben. Deutschland ist damit einer der wichtigsten internationalen Studien-Standorte überhaupt. Es ist nicht ungewöhn‐ lich, wenn auch an kleineren Hochschulen über 100 Nationalitäten vertreten sind. Diese bereichernde sprachliche Vielfalt wird in den Studiengängen und im Alltag unterschiedlich intensiv genutzt. Deutsch ist und bleibt hier aber weitestgehend die Lingua Franca, auch im Umfeld englischsprachiger Studiengänge. In Bezug auf die weltweite Anzahl der Sprecherinnen und Sprecher rangiert Deutsch unter den zehn bis zwölf meist verbreiteten Sprachen der Welt. Es ist auf allen Kontinenten in unterschiedlichen Varietäten als Erstsprache präsent und ist die meist‐ gesprochene Sprache in der EU. Nach Meinung einiger Studien wie dem britischen Ethnoglobe, die Wirtschafts- und Gesellschaftsfaktoren einbeziehen, rangiert Deutsch als zweitwichtigste Weltsprache nach Englisch. 30 % der Patentanmeldungen des Europäischen Patentamtes erfolgen auf Deutsch. Eine große Anzahl von Nobelpreisträgerinnen und -trägern haben in deutschsprachi‐ gen Ländern studiert oder geforscht und dabei gute Deutschkenntnisse erworben. Weltweit lernen ca. 15 Millionen Menschen Deutsch. Auch in den „Exportstudiengän‐ gen“ deutscher Hochschulen im Ausland (Deutsch-Jordanische Hochschule in Amman, German University of Technology in Oman, Environmental Engineering (Umweltin‐ genieurwesen) und Information Technology (Informationstechnologie) in Shanghai, Deutsch-Türkische Universität, Deutsch-Vietnamesische Universität, Deutsch-Kasa‐ chische Universität und weitere) hat das Deutsche als Wissenschaftssprache ein besonderes Gewicht. Dabei kann jeder Mensch, der eine Sprache gelernt hat, auch eine zweite problemlos lernen, oder eine dritte oder vierte. Je mehr Sprachen man lernt, desto leichter fällt oft der Sprachenerwerb. Das gilt auch für den Erwerb des Deutschen, einer Sprache, die in Wirklichkeit gar nicht schwer zu erlernen ist, wie manche das gerne behaupten. Mit ihrem systematischen und logischen Aufbau eignet sie sich besonders auch als Wissenschaftssprache. Die deutsche Sprache ist zudem extrem kosmopolitisch und entlehnt sehr gerne Wörter aus anderen Sprachen, die sie aber in der Regel ins System einpasst: „Kiosk“, „Schach“ und „Orange“ aus dem Persischen, immer mit der deutschen Aussprache nach den Regeln der deutschen Wortbildung und mit der deutschen Grammatik, „Vampir“ und „Schmetterling“ aus den slawischen Sprachen, „Tomate“ und „Kakao“ aus dem Nahuatl (aztekische Sprache), „Sofa“ und „Zucker“ aus dem Arabischen, „Bankrott“, „Pizza“ und „Spagat“ aus dem Italienischen, „bugsieren“ und „Rabauke“ aus dem Niederländischen, „Hummer“ und „Knäckebrot“ aus den skandinavischen Sprachen, „Tabu“ aus den polynesischen Sprachen, „Roboter“ aus dem Tschechischen, „Kosmonaut“ und „Mammut“ aus dem Russischen, „Gletscher“ aus <?page no="128"?> dem Rätoromanischen, „Dolmetscher“ und „Joghurt“ aus dem Türkischen, „Tollpatsch“ und „Paprika“ aus dem Ungarischen und vieles mehr. So gibt es auch zahlreiche Mischkomposita und Ableitungen (durchchecken, Nonstopflug, Softeis, stressig) oder Erweiterungen der Bedeutung von Entlehnungen im Deutschen (etwa der Art des Wortfeldes Start/ starten, das im Englischen weit begrenzter und anders entwickelt ist: Start eines Flugzeuges, in den Tag starten) oder brandneu, lautlich angelehnt an Brand, aber eigentlich von „branding“ kommend. Der internationale Wortschatz, aber auch die Wortbildungsprinzipien und die Klammerstruktur in der deutschen Grammatik und Lexik machen es gerade in fachlichen Kontexten vergleichsweise leicht, Deutsch als fremde Sprache zu lernen. In diesem Prüfungstraining zeigen wir Ihnen immer wieder, wie Sie Ihre guten Sprachkenntnisse durch entsprechende Strategien noch weiter optimieren und sich idealerweise auf Prüfungen vorbereiten können. 6.1 Wissensgenerierung und Wissenschaftliche Kommunikation In Ihrem Hochschul-Alltag sind Sie oft in der Situation, neue Informationen in Ihr Wissenssystem aufzunehmen, aber auch Wissen an andere weiterzugeben. Und alles läuft über Sprache. Ohne Sprache gibt es keine Wissenschaft. Dabei geht es nicht um „totes“ Wissen oder reines Faktenwissen, sondern um verschiedene Wissenselemente aus unterschiedlichen Quellen, die in ein dynamisches Wissenssystem integriert werden müssen, das sich ständig verändert. Dabei müssen Sie sprachlich darlegen, dass das, was Sie berichten, zutrifft, überprüfbar ist und wie es entstanden ist. Auch in der Prüfungssituation geht es daher nicht um ein Erzählen oder die neutrale Wiedergabe von Wissensfakten („knowledge telling“), sondern darum zu zeigen, dass Sie das Wissen vernetzen können. Die eigentliche Aufgabe, für die Sie das Wissen benötigen, steht also im Fokus, nicht das Wiederholen von Wissensfakten. Zu den wichtigsten Funktionen der Kommunikation im wissenschaftlichen Alltag gehören nach Kuhn 2007: 160 die folgenden: Für die diversen Aufgaben der wissenschaftlichen Kommunikation gibt es unterschied‐ liche Textmuster und Textsorten, die die wissenschaftssprachlichen Funktionen am 128 6 Studium und Forschung in deutschsprachigen Ländern <?page no="129"?> besten abbilden und Ihnen daher auch helfen, effizient zu kommunizieren. Wichtig ist aber: Die Funktionen zeigen sich nicht nur in den Strukturierungsprinzipien, sondern auch in passenden Redemitteln. Das macht es leichter, die Aufgaben zu bewältigen, weil Sie ein Gerüst und die nötigen Redemittel haben. Am Beispiel der Typologie schriftlicher Textsorten der Naturwissenschaften von Göpferich (1995) lassen sich die wichtigsten funktionalen Kategorien wissenschaftlicher Sprache darstellen. Das Mo‐ dell unterscheidet vier Haupt-Fachtexttypen, nämlich • juristisch-normative Texte wie Normen und Gesetzestexte, • Forschungsarbeiten (fortschrittsorientierte, aktualisierende Texte) wie For‐ schungsberichte, Dissertationen und ähnliches, • Lehrtexte (didaktisch-instruktive Texte) wie Lehrbücher oder Anleitungen, • Wissenszusammenstellende Texte wie Handbücher, Enzyklopädien und For‐ melsammlungen. Man kann hier erkennen, wie sich Textsorten funktional unterscheiden und ob es sich um Primär- und Sekundärtextsorten handelt. Den inneren Zusammenhalt einer Textsorte bezeichnet man als ‚Textualität‘. Sie wird unter anderem durch Kohärenz und äußerlich auch durch Kohäsionsmittel hergestellt. Gute Sprache erkennt man daran, dass sie diese Textualität aufweist und nicht nur aus einer Aneinanderreihung von Sätzen oder Wörtern besteht. 6.2 Wissensgenerierung, Wissensorganisation, Wissensmanagement In der Erfüllung der jeweiligen Aufgabenstellung der Prüfungsteile sollen Sie für das Niveau C1 eine sachlich richtige und selbständige Erläuterung des fachlichen Problems sowie eine fundierte Argumentation vorweisen können. Dabei ist darauf zu achten, dass der Prüfungsteil als kommunikativer Akt verstanden wird, an dem Sie sich der Kommunikationssituation entsprechend angemessen beteiligen. In einem Fachgespräch oder einem Vortrag mit anschließender Diskussion bezieht sich dies zum Beispiel auf das Leiten des Gesprächs anhand von Inhaltsfragen oder das Beantworten von Fragen seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In einem Seminar kann dies auch bedeuten, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Workshopteil aktiv durchführen. In einem Beratungsgespräch stellt die angemessene Beteiligung unter anderem das sichere Leiten des Gespräches dar, ohne dabei in einen Monolog zu verfallen. Im Bereich der Lexik (Wortschatz) fällt zunächst die Unterscheidung zwischen Berufs- und Laiensprache ins Auge (Sprachregister). Wo Kommunikation mit Kollegen und Kolleginnen im berufssprachlichen Alltag unter Verwendung von Fachbegriffen erfolgt, muss dies auch in der Fachsprachenprüfung geschehen. Gespräche mit Patien‐ tinnen und Patienten müssen jedoch sowohl im Berufsalltag als auch in einer fachlichen Diskussion mit der Verwendung laiensprachlicher Begriffe geführt werden. Des Weite‐ 6.2 Wissensgenerierung, Wissensorganisation, Wissensmanagement 129 <?page no="130"?> Abbildung: Schriftliche Textsorten der Naturwissenschaften/ Technik, Göpferich 1995: 124 130 6 Studium und Forschung in deutschsprachigen Ländern <?page no="131"?> ren muss der Wortschatz ein breites Spektrum sprachlicher Mittel abbilden, wobei ein offensichtliches Suchen nach Wörtern selten sein soll. Gliederungselemente zum Verknüpfen von Texten ermöglichen die Darbietung gut strukturierter Redebeiträge. Außerdem ist eine richtige Verwendung von fachsprachlichen Kollokationen ge‐ fordert (= Kombinierbarkeit sprachlicher Einheiten, zum Beispiel „eine Untersuchung anordnen“, „sich bei xyz vorstellen“, „eine Maschine in Betrieb nehmen“, „eine Position beziehen“). In der Grammatik muss die Beherrschung der erwarteten Kompetenzen in der Ver‐ wendung der für die jeweilige Fachsprache typischen grammatischen Strukturen und Kohäsionsmittel im festgelegten Umfang nachgewiesen werden. Syntax, Kon‐ jugation, Deklination, der Einsatz von Präpositionen etc. müssen so korrekt ausgeführt werden, dass Fehler selten sind oder kaum auffallen und das Sprechtempo sowie die Flexibilität der Sprachverwendung nicht erheblich einschränken. Aussagen, Redebeiträge und sprachliche Wendungen müssen in sich schlüssig und kohärent sein. Letztlich müssen auch Aussprache und Intonation einschließlich der Schlüsselwör‐ ter der Fachsprache so eingesetzt werden, dass es zu keiner Beeinträchtigung des kommunikativen Akts zwischen Ihnen und Ihren Gesprächspartnern kommt. Dabei gilt es zu beachten, dass auch Bedeutungsnuancen durch die adäquate Verwendung der Intonation ausgedrückt werden können, was vor allem im Hinblick auf die praxisorientierten Kommunikationsszenarien in einem Gespräch von Bedeutung ist. Sie haben schon gesehen und häufig erlebt, dass Sprache und Kommunikation mehr als nur die Addition von Wörtern und Sätzen sind. Vieles in der Kommunikation spielt sich auch „zwischen den Zeilen“ ab. Auch wenn Sprache unvollständig oder missverständlich sein kann, kann und sollte immer der „innere Zusammenhang“ für die jeweilige Situation und die jeweiligen Adressaten deutlich werden. Sonst klappt Kommunikation gar nicht. Man spricht hier von Textualität, also der sprachlichen Vernetzung. Sie entsteht durch explizite sprachliche Mittel und den jeweiligen Ver‐ wendungskontext. Aus der expliziten Verbindung von Wörtern, Teilsätzen und Sätzen durch sprachliche Mittel wie Pronomen, Konjunktionen, Konjunktionaladverbien, Artikel oder Tempusmarkierungen ergibt sich die Kohäsion eines Textes. In dem Beispielsatz Im Folgenden wird ein Thema behandelt, das in der Wissenschaft schon lange eine wichtige Rolle spielt: die Frage nach der Wahrheit. verweist der unbestimmte Artikel ein auf Elemente, die im Text bisher nicht eingeführt sind. Er signalisiert die Erwartung, dass dazu noch Informationen folgen werden. Die bestimmten Artikel und das Relativpronomen (das) verweisen dagegen auf Informa‐ tionen, die zuvor gegeben wurden oder allgemein bekannt sind, wie die Wissenschaft. Textualität ist also ein Mittel, um unterschiedliche Wissensstände von Hörer/ Leser und Sprecher/ Schreiber auszugleichen. In diesem Sinne sind solche verweisenden 6.2 Wissensgenerierung, Wissensorganisation, Wissensmanagement 131 <?page no="132"?> Elemente auch Instruktionen an die Leser/ Hörer. Auch Pronomen und das Tempus und andere sprachliche Mittel verweisen auf bekannte und gleichbleibende Bezüge oder markieren Änderungen. Bei einem gleichbleibenden Tempus etwa weiß man, dass die ursprüngliche Referenz weiter bestehen bleibt. Wenn sich das Tempus ändert, ändern sich auch verschiedene Bezüge und Bedeutungen. Durch einen nachvollziehbaren inhaltlichen Zusammenhalt logischer, zeitlicher oder anderer Beziehungen, die nicht immer ausdrücklich markiert sein müssen, entsteht die Kohärenz eines Textes. Neben den textzentrierten Kriterien bestimmen vor allem die folgenden verwenderzentrierten Kriterien die Textualität sprachlicher Produktionen (Texte): • die Einstellung und Absicht des Textproduzenten (Intentionalität), • die Relevanz des Textes und seine Einbettung in einer bestimmten Situation (Situationalität), • die Erfüllung bestimmter Akzeptabilitätsansprüche und Normen (Akzeptabili‐ tät), • der Informationsgehalt (Informativität) • und die Übereinstimmung von Merkmalen einer Textklasse und Textsorte (Inter‐ textualität) (weiter dazu in Kapitel 7). Da Sprache in Texten und nicht in einzelnen Sätzen oder Wörtern vorkommt und dabei viele Kriterien eine Rolle spielen, die kulturell bedingt beziehungsweise sprachkulturell genormt sind, kann Sprache eben nicht nur anhand der formalen Eigenschaften erfolgreich gelernt werden. Die Verwendung der Wissenschaftssprache ist verbunden mit dem Erwerb und der Re-Organisation von Wissen. 132 6 Studium und Forschung in deutschsprachigen Ländern <?page no="133"?> 7 Wissenschaftliche Textsorten Die Merkmale bestimmter Kommunikationssituationen führen zur Ausprägung be‐ stimmter mündlicher und schriftlicher Textsorten. Diese Merkmale erlauben Ihnen die schnelle Orientierung in einem Text und auch das strukturierte Formulieren eigener Texte. Textsorten sind also ein effizientes Mittel für die Kommunikation. Ihre Gesprächspartner erwarten daher auch die Einhaltung der Strukturen und Redemittel einer Textsorte. Im Folgenden präsentieren wir die wichtigsten Textsorten, die für Ihr Studium und die akademische Arbeit in deutschsprachigen Ländern bedeutend sind. Damit können Sie Ihr Wissen über die Wissenschaftskommunikation im Deutschen vertiefen und in Ihrem gesamten Studium produktiv nutzen. Diese Textsorten sind auch für alle Sprachprüfungen zum Hochschulzugang relevant. 7.1 Exposé Das Wichtigste in Kürze • Das Exposé ist der Entwurf eines Schreibprojekts. Es ist klar strukturiert und beschränkt sich auf wesentliche Informationen. • Sie informieren über und argumentieren für Ihr Schreibprojekt. • Schreiben Sie prägnant und sachlich mit adäquater Fachsprache. Achten Sie dabei auf Lesefreundlichkeit. 7.1.1 Überblick Das Exposé ist der schriftliche Entwurf eines Schreibvorhabens, zum Beispiel einer Seminararbeit oder eines Forschungsprojekts. Es richtet sich an den Betreuer oder die Betreuerin Ihres Schreibprojekts, zum Beispiel an den Dozenten in Ihrem Seminar. Falls Sie promovieren und sich um ein Stipendium bewerben wollen, brauchen Sie für die Bewerbung auch ein Exposé. Ein Exposé schreiben Sie für andere und für sich selbst. 1. Für andere Sie informieren Ihren Betreuer oder Ihre Betreuerin, welchen Inhalt Ihr Schreibpro‐ jekt haben soll. Er oder sie kann Sie zur Durchführung beraten und Änderungen vorschlagen. Das Exposé hilft also Übereinstimmung zwischen Ihnen und Ihrem Betreuer oder Ihrer Betreuerin zu erzeugen. Wichtig ist, dass Sie argumentieren, warum Sie Ihr Schreibprojekt so durchführen wollen. Zum Beispiel, warum die <?page no="134"?> Fragestellung relevant für die Forschung ist. Das ist ganz besonders wichtig bei Exposés für Doktorarbeiten. 2. Für sich selbst Ein Exposé ist ein Instrument des Schreibprozesses, um Ihre Ideen zu sortieren und festzuhalten. Durch das Exposé sind Sie gezwungen, eine genaue Fragestellung zu nennen, notwendige Arbeitsschritte schriftlich festzuhalten und mögliche Probleme bei der Umsetzung zu reflektieren. Damit gewinnen Sie an Sicherheit für das gesamte Schreibprojekt. Länge und Detailliertheit des Exposés variieren naturgemäß aufgrund der Größe des Schreibprojekts und der Konventionen der unterschiedlichen Fächer. Für eine Hausarbeit reicht ein Exposé von ca. 1 - 2 Seiten, für ein Dissertationsprojekt verfassen Sie 10 - 20 Seiten. Ein Exposé ist informationsverdichtend, das bedeutet, dass Informationen auf das Wesentliche reduziert werden. Das kann geschehen über: • Nominalisierungen, • Fachbegriffe, • Listen mit Aufzählungszeichen, • Darstellung in Tabellen und Grafiken. Vergessen Sie trotz aller Informationsverdichtung nicht, zentrale Begriffe kurz zu definieren, um Mehrdeutigkeiten zu vermeiden. Wie bei anderen wissenschaftlichen Textsorten sollten Sie eine sachliche und distanzierte Sprache nutzen. Achten Sie auch darauf, dass Ihr Exposé lesefreundlich bleibt. Dazu gehören: • transparente Überschriften und Zwischenüberschriften, • Kommentierungen des Textverlaufs, • einfache Sätze anstatt unnötig komplizierter Schachtelsätze. Kommentierung des Textverlaufs • Arbeitsschritte erläutern: Zunächst wird X analysiert; Anschließend soll …; Ausgehend von X wird Y untersucht; Schließlich …; • Überleitungen: Im Folgenden wird erläutert/ beschrieben/ skizziert; das Be‐ schriebene soll mit einem Beispiel verdeutlicht werden; • Definition: X wird hier als XY definiert; X wird fortan als X1 bezeichnet; Gewisse Abschnitte des Exposés sind intertextuell, das heißt, es wird auf andere Texte verwiesen: Hier müssen Sie klar markieren, von wem welche Aussage stammt. 134 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="135"?> Intertextualität • Zwei wichtige Studien zu dieser Fragestellung stammen von X und Y. • Laut XY ist … • Die Dissertation von XY untersucht/ geht der Frage nach/ erforscht … Verwenden Sie den Konjunktiv I, um Positionen anderer kenntlich zu machen. Konjunktiv I • „Manche Bienenarten sind vom Aussterben bedroht“ → Die Expertin be‐ hauptet, manche Bienenarten seien vom Aussterben bedroht. • „Die Gesellschaft produziert immer mehr Müll.“ → Es heißt, die Gesellschaft produziere immer mehr Müll. 7.1.2 Struktur eines Exposés Deckblatt Das Deckblatt umfasst allgemeine Informationen wie • den eigenen Namen, das Studienfach, die Matrikelnummer sowie die E-Mail-Adresse, • den Namen des Betreuers/ der Betreuerin, der Lehrveranstaltung sowie der Uni‐ versität, • Arbeitstitel des Schreibprojekts, • Datum und Semester. Bei längeren Exposés kann sich an das Deckblatt ein Inhaltsverzeichnis anschließen, das schnelle Orientierung ermöglicht. Thema Das Thema wird eingeführt, indem zum Beispiel die aktuelle Relevanz erklärt wird. Es wird in den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Kontext eingeordnet. Forschungsstand Dieser Abschnitt zeigt erste Ergebnisse der eigenen Literaturrecherche und -analyse: Er ordnet Forschungspositionen ein und analysiert, inwiefern das gewählte Thema bereits wissenschaftlich untersucht wurde. Beachten Sie: 7.1 Exposé 135 <?page no="136"?> • dieser Abschnitt ist intertextuell, was entsprechend markiert werden muss (siehe oben), • der Forschungsstand wird nach Chronologie oder nach Wichtigkeit und möglichst argumentativ strukturiert, • Forschungspositionen dürfen nicht nur aufgezählt werden, sondern müssen ver‐ glichen und reflektiert werden. Sie ziehen eine Schlussfolgerung, wo es noch Forschungslücken gibt. Das sind Themen, zu denen bisher noch wenig geforscht wurde. • Gegensätze ausdrücken: Im Gegensatz zu …. vertritt XY die Position …; anders als X argumentiert Y …; • Chronologische Abfolge: Frühe Studien kamen zu dem Schluss …; im Laufe des 20. Jahrhunderts …; neueste Untersuchungen von … zeigen …; • Relevanz: Die wichtigste Untersuchung zu dieser Fragestellung stammt von X; Y wird als Standardwerk betrachtet; das Forschungsdesign von Y hat sich etabliert …. Fragestellung Aus dem aktuellen Forschungsstand und der dadurch identifizierten Forschungslücke ergibt sich die Fragestellung. Dabei handelt es sich um eine möglichst präzise Frage, die die Grundlage des Schreibprojekts bildet und die am Ende beantwortet werden kann. • Verknüpfung der Fragestellung mit dem vorangegangenen Text: Aus der skizzier‐ ten Forschungslücke ergibt sich folgende Fragestellung …; die Forschungsfrage lautet daher …. • Zielsetzung: Das Ziel der Arbeit ist X; die Studie untersucht …; die Arbeit geht der Frage nach … Methode Im Methodikteil des Exposés wird argumentiert, warum genau diese Methode sich eignet, die Fragestellung zu beantworten. Alternative Forschungsmethoden dürfen nicht nur benannt werden, sondern ihre Vor- und Nachteile müssen besprochen werden. 136 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="137"?> • Kausale Verknüpfung: Aufgrund der Beschaffenheit der Daten …; wegen der geringen Anzahl …; daher muss … • Vor- und Nachteile: Diese Forschungsmethode weist allerdings folgende Nachteile auf …; der Vorteil der hier genannten Methode ist …; einerseits … andererseits Material Unter diesem Gliederungspunkt erfolgt eine Beschreibung des Datenmaterials, wie • Umfang der Daten, • Art der Daten, • Schritte zu deren Erhebung. Bei dem Material kann es sich um Daten aus Befragungen, Laborerhebungen oder Sprachkorpora handeln. Dieser Abschnitt kann - je nach Länge - auch in den Methodenteil integriert werden. • Temporaladverbien, um zeitliche Abfolgen der Arbeitsschritte zu markieren: zuerst, anschließend, schließlich; es erfolgt …. Vorläufige Gliederung Sie stellen eine vorläufige Gliederung Ihrer Arbeit vor. Folgendes trägt zur Prägnanz bei: • Nominalisierungen und Komposita: Datenerhebung, Datenauswertung, • Gedankenstriche und Doppelpunkte: Vergleich: Forschungspositionen in Kanada und Großbritannien, • Fachbegriffe und allgemeinwissenschaftliche Begriffe: Pilotierung. Zeitplan Hier listen Sie in tabellarischer Form einzelne Arbeitsschritte und den benötigten Zeitaufwand auf. Nennen Sie dabei nicht nur Kapitelüberschriften, sondern auch damit verbundene Tätigkeiten. 7.1 Exposé 137 <?page no="138"?> nicht: besser: ……. - ……. - empirischer Teil 2 Monate Pilotierung 2 Wochen - - Datenerhebung 4 Wochen - - Datenauswertung 4 Wochen Vergessen Sie nicht, eine Überarbeitungsphase und Pufferzeiten einzukalkulie‐ ren. Diese sind wichtige Bestandteile wissenschaftlichen Arbeitens und der Zeitplan soll Auskunft darüber geben, ob das Schreibvorhaben realistisch umsetzbar ist. Im Gegensatz zu anderen Gliederungspunkten zeigt der Zeitplan nicht (nur) fachliche Kompetenzen, sondern vor allem Ihre Fähigkeit zur realistischen Selbsteinschätzung und zum Projektmanagement. Ausgewählte Literatur Geben Sie einen Überblick über die wichtigste Literatur. Das zeigt auch, dass Sie bereits über ein grundlegendes Verständnis der relevanten Forschungspositionen verfügen. Beschränken Sie sich an dieser Stelle aber auf die wesentlichen Titel. 7.1.3 Textbeispiel Deckblatt […] Abstract In der Hausarbeit soll herausgestellt werden, wie kompositorische Prinzipien der elektronischen Musik (Techno, Rave) sich als poetologisches Prinzip im literarischen Text finden lassen, exemplarisch vorgeführt an der Erzählung Rave von Rainald Goetz. Es wird die These überprüft, dass im Erzählprozess (discours) eine Art Mimesis simuliert wird, die das ‚Erleben‘ des Textes dem Erleben der Musik ähnlich machen soll. Grundbegriffe, Thema und Fragestellung Musik und Literatur - die zentralen Kategorien dieser Arbeit - scheinen zunächst unterschiedlichen Kategorien anzugehören, die allerdings einige Berührungs‐ punkte zulassen. Naheliegend ist das Vorkommen von Musik als Motiv innerhalb der Diegese eines literarischen Textes - so zum Beispiel im Doktor Faustus von Thomas Mann. Weiterhin haben Musik und (literarischer) Text gemeinsam, dass sie beide erst als Elemente im Rahmen symbolischer Zeichensysteme überhaupt greifbar werden und als solche bis zu einem gewissem Grad Übersetzungen ineinander erlauben. Die trennende Hürde ist hier vor allem das ‚körperliche‘ 138 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="139"?> 6 Vgl. Ulf Poschardt: DJ-Culture. Discjockeys und Popkultur. Aktualisiert und mit einem Nachwort von Westbam. Stuttgart: Tropen 2015. Ursprünglich erschienen 1995. 7 Vgl. Florence Feiereisen: Der Text als Soundtrack - der Autor als DJ. Postmoderne und postkoloniale Samples bei Thomas Meinecke. Würzburg: Königshausen & Neumann 2011. 8 Vgl. Johannes Windrich: Technotheater. Dramaturgie und Philosophie bei Rainald Goetz und Thomas Bernhard. München: Fink 2007. Erleben der Musik, das sich vorgeblich einer zeichenhaften Beschreibung ent‐ zieht und auch von der Schrift des literarischen Textes nicht eingeholt werden kann. Wie aber - so lautet die Fragestellung - kann dieses ‚körperliche‘ Erleben der Musik in einem literarischen Text simuliert werden? Ein Beispiel für einen solchen Annäherungsversuch findet sich in der Erzählung Rave von Rainald Goetz, die nicht nur thematisch um (elektronische) Musik kreist, sondern auch deren Strukturmerkmale imitiert. Forschungsstand Die Dissertation DJ-Culture von Ulf Poschardt 6 stellt für alle neueren Arbeiten zur Verflechtung von (elektronischer) Musik und literarischem Text einen wich‐ tigen Bezugspunkt dar. Zahlreiche der dort ausgebreiteten Ideen finden sich heute im Diskurs der Forschung, u. a. in Der Text als Soundtrack - der Autor als DJ von Florence Feiereisen. 7 Aus den sehr zahlreichen Publikationen zu Musik und Text erwiesen sich diese beiden Publikationen als besonders ergiebig, da sie ganz ähnliche Phänomene beschreiben wie in dem analysierten Text von Goetz. Konkret zur Musik bei Goetz ist insbesondere der Band Technotheater von Johannes Windrich hervorzuheben, 8 der aber in seinen theoretischen Ansätzen etwas von dem hier konzipierten Vorhaben abweicht und auch lediglich die Dramen des Autors behandelt. Trotzdem dient der Band immer wieder als Referenz, da dort vor allem die wichtigen Bezüge zu den theoretischen Schriften von Nietzsche ausgearbeitet werden. Hypothesen Die zu überprüfende These lautet, dass die Kompositionsprinzipien der elektro‐ nischen Musik mit einer akribischen Gründlichkeit abstrahiert, dem Medium der Schrift entsprechend adaptiert und auf eine systematische Art und Weise bei der Textkomposition angewendet werden. Elektronische Musik dient demnach als poetologische Matrize der Erzählung Rave von Rainald Goetz. Zudem werden Aspekte des (ekstatischen) Musikerlebens sowohl als Motiv wie auch als Struktur für die Gestaltung des Textes verwendet und erschaffen so beim Lesen ein stark mimetisches Gefühl. Einen wichtigen Bezugspunkt stellen dabei in der Diegese die metafiktionalen Überlegungen dar, in denen Friedrich Nietzsches Gedanken zur Musik und dem Tanz, mal offen, mal versteckt, zitiert werden. Methode und Theorie Einen wichtigen theoretischen Bezugspunkt stellen poststrukturalistische Au‐ torschaftsmodelle dar (Sampling, fehlende Genialität), die sich einer hermeneu‐ 7.1 Exposé 139 <?page no="140"?> 9 Roland Barthes: „Der Tod des Autors“. In: Fotis Jannidis et al. (Hg.): Texte zur Theorie der Autorschaft. Stuttgart: Reclam 2000, S. 185-193. 10 Vgl. Poschardt: DJ-Culture (Anm. 1), S. 337 et passim. 11 Vg. Silke Lahn und Jan Christoph Meister: Einführung in die Erzähltextanalyse. Stuttgart: Metzler 2016, 3, akt. u. erw. Aufl., hier vor allem Kap. IV. tischen Perspektive widersetzen und stattdessen das (nicht originelle) Kombinie‐ ren als Leistung der Autor-Instanz betonen. 9 Zusätzlich wird die Theorie des „Sampling“ wie von Poschardt dargelegt 10 - als ein Theoriebaustein herangezo‐ gen, um die Gemeinsamkeiten der musikalischen Muster und der poetologischen Paradigmen plausibel zu machen. Konkret sollen die Bezüge musikalischer Prinzipien in der Erzählung Rave im Rahmen eines close reading auf möglichst vielen Ebenen nachverfolgt werden: auf der Ebene der Darstellung (Stimme/ Polyphonie); auf der Ebene der Perspektive (Fokalisierung, Zeit, Figuren) und auf der Ebene der Parameter der Geschichte (Handlung, Figuren, Raum) - wobei die letzte Kategorie aber nur gestreift wird. Insgesamt dominiert die Methode der strukturalen Erzähltextanalyse, wie sie von Lahn und Meister vorgelegt wurde. 11 Analysekorpus Die Erzählung Rave von Rainald Goetz, erschienen 1998 im Rahmen des Zyklus „Heute Morgen“, kann als paradigmatisches Beispiel dafür gelten, dass Prinzipien musikalischer Komposition auf die poetologische Gestalt eines literarischen Textes übertragen werden. Als Textgrundlage dient die Erstausgabe. Vorläufige Gliederung 1 Einleitung: (elektronische) Musik und Literatur 2 Begriffe und Theorien: Autorschaft und Kompositionsprinzipien 2.1 Historische Poetiken: ‚Literatur komponieren‘ 2.2 ‚Sampling‘: Der Autor als DJ 3 Die Musikalität von Rave 3.1 Narrative und stilistische Aspekte 3.1.1 Satzfetzen: Fokalisierung und Strukturierung der Diegese 3.1.2 Gesampelte Erzählung: der plot aus einer Metaperspektive 3.2 Musik als Thematik in der Diegese: Teilnahme der Figuren 3.3 Religiosität, Musik und Literatur: der Bezug zu Nietzsche 4 Fazit: Rave als musikalisch komponierter Erlebenstext 140 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="141"?> Geplanter Umfang: ca. 14-16 Seiten. Arbeitsplan […] Bibliographie […] Quelle Textbeispiel: Handreichung zum Verfassen eines Exposés, Technische Universität Dortmund, 7. Aufl., Stand: 07.2021. Link: https: / / div.kuwi.tu-dor tmund.de/ storages/ div-kuwi/ r/ Daten_der_Mitarbeiter_innen/ Handreichungen_ und_Merkblaetter_Team_Nieberle/ Handreichung_Expose_7._Aufl._07.2021.pdf (zuletzt abgerufen: 02.03.2023). 7.2 Zusammenfassung Das Wichtigste in Kürze • Eine Zusammenfassung informiert neutral und knapp über die Kernaussagen einer Primärquelle. • Es gibt verschiedene Arten der Zusammenfassung und sie kann mündlich oder schriftlich erfolgen. • Je nach Art der Zusammenfassung müssen Sie die verwendeten Quellen angeben. 7.2.1 Überblick Eine Zusammenfassung informiert kurz und verständlich über die wichtigsten Inhalte eines Textes und kann mündlich oder schriftlich erfolgen. Sie müssen relevante Informationen identifizieren und diese in eigenen Worten korrekt und objektiv formu‐ lieren. Informationsdichte Ein wissenschaftlicher Text hat eine hohe Informationsdichte. Da eine Zusammen‐ fassung kürzer als der Text ausfällt, auf den sie sich bezieht (Primärtext), muss hier die Informationsdichte noch weiter erhöht werden. Dazu muss man wesentliche Inhalte von unwesentlichen unterscheiden - eine Zusammenfassung setzt dementsprechend als erstes ein gutes Verständnis des Primärtextes voraus. Stellen Sie die relevanten Informationen so knapp wie möglich dar: 7.2 Zusammenfassung 141 <?page no="142"?> • Verwenden Sie Oberbegriffe und Fachbegriffe, um Tätigkeiten zusammenzu‐ fassen: Die Studie wurde diskutiert und mit einer anderen Probandengruppe 2018 wiederholt → Die Replikation der Studie erfolgte 2018. • Nutzen Sie Nominalisierungen und Komposita: Die Daten wurden im Jahr 2020 erhoben. → Im Erhebungsjahr 2020 … • Nutzen Sie Nominalisierungen und Genitivattribute: Die Ergebnisse sind eindeutig und lassen daher folgende Schlussfolgerungen zu. → Die Eindeu‐ tigkeit der Ergebnisse lässt folgende Schlussfolgerungen zu. Wichtig: Formulieren Sie in eigenen Worten und schreiben Sie Sätze nicht einfach ab. Schlüsselbegriffe dürfen Sie aus der Primärquelle übernehmen. Objektivität Um eine Zusammenfassung objektiv zu schreiben, achten Sie darauf, dass Sie den Inhalt korrekt wiedergeben und keine Wertungen vornehmen. Beispiele für Wertungen: • die Ergebnisse sind herausragend, • eine großartige Studie zu diesem Thema liefert …, • Ich finde die Gründe nachvollziehbar. Versuchen Sie stattdessen Informationen neutral und unpersönlich wiederzugeben: • die Ergebnisse sind überzeugend/ schlüssig, • eine maßgebende/ vielfach zitierte/ einflussreiche Studie, • die Gründe erscheinen/ wirken nachvollziehbar. Wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Ausdruck wertend ist, überlegen Sie, inwieweit er gemessen werden könnte: Bei dem Satz „eine großartige Studie“ fällt es schwer, wissenschaftlich nachvollziehbare Kriterien zu finden, die „großartig“ definieren. Bei den Beschreibungen „vielfach zitiert“ oder „einflussreich“ ist das schon leichter: Sie würden in diesem Fall einfach die Anzahl der Zitationen in Fachartikeln oder der Replikationen durch andere Forscher und Forscherinnen zählen. Verständlichkeit Stellen Sie sicher, dass Sie Informationen so darstellen, dass man die Zusammenfassung verstehen kann, auch wenn man die Primärquelle nicht gelesen hat. Das bedeutet, dass die Zusammenfassung trotz Informationsverdichtung nachvollziehbar und verständlich formuliert sein muss. Dies trifft insbesondere auf mündliche Zusammen‐ fassungen zu. 142 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="143"?> Achten Sie beim Aufbau einer Zusammenfassung darauf, die Inhalte klar zu struk‐ turieren. Dazu gehören auch sinnvolle Absätze, in denen jeweils eine Kernaussage formuliert wird, sowie eine klare Markierung von Zitaten. Nutzen Sie Aufzählungen, um die Zusammenfassung zu strukturieren und Positionen einzuordnen. Aufzählungen • Erstens …. Zweitens … Drittens … • unterschiedliche Relevanz markieren: Als wichtigste Ursache erscheint … Darüber hinaus … • chronologische Reihenfolge: Zuerst … Anschließend … Zum Schluss … In Ihrem Studium werden Sie verschiedene Arten von Zusammenfassungen formulie‐ ren müssen. Zwei wichtige Beispiele sind das Exzerpt und das Abstract. Beim Exzerpieren fassen Sie eine oder mehrere Quellen zusammen, die Sie beispiels‐ weise für ein Schreibprojekt oder eine Klausur benötigen. Sie notieren in einem Do‐ kument oder einer Zitiersoftware die wichtigsten Kernaussagen der Primärquelle(n) mit den jeweiligen bibliographischen Angaben. Durch das Exzerpieren • kontrollieren Sie das eigene Textverständnis, • lesen Sie den Primärtext genauer und aufmerksamer, • haben Sie für die Lernphase oder das Schreibprojekt schriftliche Notizen, mit denen Sie arbeiten können. Beim Exzerpieren fassen Sie selten die gesamte Quelle zusammen, sondern Sie wählen die Informationen aus, die einen Bezug zu Ihrer Fragestellung haben. Seien Sie beim Lesen kritisch und fragen Sie sich: Was ist wichtig für meine Fragestellung? Wichtig: Notieren Sie sich bei Exzerpten immer die genauen bibliographischen Angaben (Autor/ Autorin, Titel, Erscheinungsjahr, Verlag, Seitenzahl), um das Ge‐ lesene in Ihrem Schreibprojekt korrekt zu zitieren. Auch bei anderen Arten der Zusammenfassung sollten Sie Ihre Quellen angeben: Bei einem Referat hilft eine Auflistung aller Primärtexte Kommilitonen und Kommilitoninnen, das Gehörte später nachzulesen und damit zu arbeiten. Wenn Sie im Studium Zusammenfassungen schreiben, informieren Sie sich, welche Quellen Sie angeben müssen und wie. Denn die Normen dafür variieren in den Fächern. Achtung: Bei Zusammenfassungen in der TestDaF-Prüfung müssen Sie keine Quel‐ len angeben. Im Gegensatz zum Exzerpt schreiben Sie ein Abstract nicht für sich selbst, sondern für ein Fachpublikum. Ein Abstract ist die vollständige Zusammenfassung einer wis‐ senschaftlichen Arbeit, die dem Leser oder der Leserin helfen soll, deren Relevanz für das eigene Projekt einzuschätzen. Das Abstract wird zusammen mit dem Primärtext publiziert und ist bis zu 250 Wörter lang. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, 7.2 Zusammenfassung 143 <?page no="144"?> das Abstract zu strukturieren: In einem Textabstract werden alle Inhaltspunkte ausformuliert und miteinander sprachlich verknüpft. Nachdem beispielsweise die Fragestellung skizziert wurde, wird der Methodikteil mit den Worten „Daraus folgt für die Untersuchung …“ eingeleitet. Im Strukturabstract sind die Inhaltselemente stan‐ dardisiert und stehen relativ isoliert untereinander. Sie werden mittels Überschriften klar markiert. Das erleichtert dem Leser oder der Leserin eine schnelle Orientierung. 7.2.2 Struktur einer Zusammenfassung (Beispiel Abstract) Der Aufbau eines Abstracts orientiert sich an der Struktur der Primärquelle. Im Gegensatz zum Exzerpt werden hier nicht Informationen in Bezug auf eine bestimmte Fragestellung selektiert, sondern das Ziel ist, den Inhalt möglichst vollständig mit allen Eckpunkten des Primärtextes (von der Forschungsfrage bis zu den Schlussfolge‐ rungen) darzustellen. Hintergrund Dieser Punkt ist als Einleitung verfasst. Das Thema sollte prägnant eingeführt werden und auf die zugrundeliegende Fragestellung überleiten. Fragestellung Versuchen Sie, die Fragestellung in möglichst einem Satz zusammenzufassen. Überle‐ gen Sie: Welche Frage wird mithilfe der Untersuchung beantwortet? Methodik Beschreiben Sie knapp die verwendete Methode. Geben Sie Eckdaten der Untersuchung (beispielsweise Anzahl der Probanden und Probandinnen oder Korpusumfang) an. Ergebnisse In diesem Abschnitt wird das zentrale Ergebnis der Untersuchung präsentiert. Schlussfolgerungen Sie erklären, welche Konsequenzen sich aus dem Untersuchungsergebnis für Gesell‐ schaft oder Forschung ergeben. 144 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="145"?> 7.2.3 Textbeispiel Hintergrund Die Erfahrung von (Bürger-)Krieg, von politischen, wirtschaftlichen sowie so‐ zialen Krisen im Herkunftsland, das Erleben von Bedrohung, Ausbeutung auf der Flucht und die Wahrnehmung von Abwertung und Ablehnung im Aufnahmeland stellen Belastungserlebnisse dar, die die psychische Gesundheit von Geflüchteten beeinträchtigen können. Fragestellung Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, ob das Gefühl „willkommen zu sein“ im Aufnahmeland Deutschland im direkten oder indirekten Zusammen‐ hang mit der psychischen Gesundheit der Geflüchteten steht und inwieweit die Lebenszufriedenheit als Mediator den Zusammenhang zwischen dem Gefühl „willkommen zu sein“ und der psychischen Gesundheit der Geflüchteten erklä‐ ren kann. Methodik Die Studie basiert auf der IAB-BAMF-SOEP-Befragung. Die Daten von 4321 Geflüchteten aus dem Erhebungsjahr 2018, welche in Deutschland zwischen Januar 2013 und Dezember 2016 einen Asylantrag gestellt haben, sind ausgewer‐ tet worden. Zur Beantwortung der Fragestellung ist eine Mediationsanalyse durchgeführt worden. Ergebnisse Das Gefühl „willkommen zu sein“ wirkt sich indirekt über die Lebenszufrieden‐ heit als Mediator auf die psychische Gesundheit der Geflüchteten aus. Schlussfolgerungen Deutschland kann durch die Entwicklung der Willkommenskultur Einfluss auf das Gefühl „willkommen zu sein“ nehmen und damit die Lebenszufriedenheit der Geflüchteten fördern und in der Folge ihre psychische Gesundheit stärken. Quelle des Textbeispiels: Keller, A.M., Hajji, R. Die psychische Gesundheit von Geflüchteten in Deutschland. Präv Gesundheitsf 16, 354-360 (2021). https: / / doi -org.emedien.ub.uni-muenchen.de/ 10.1007/ s11553-021-00833-0 7.2 Zusammenfassung 145 <?page no="146"?> 7.3 Mitschrift Das Wichtigste in Kürze • Eine Mitschrift hält wichtige Inhalte eines mündlich präsentierten Vortrags schriftlich fest. • Sie kann als eigene Lerngrundlage dienen oder in Form eines Protokolls für andere zugänglich gemacht werden. • Versuchen Sie nicht, jedes Wort mitzuschreiben, sondern konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Inhalte. 7.3.1 Überblick Eine Mitschrift wird während eines mündlichen Vortrags verfasst, um die wichtigsten Inhalte zu notieren und das vermittelte Wissen zu dokumentieren. Man unterscheidet zwei Arten von Mitschriften: Objektive Mitschrift Eine objektive Mitschrift gibt einen Vortrag in Bezug auf Inhalt und Struktur wieder, ohne eigene Gedanken hinzuzufügen. Sie dient als Grundlage eines Protokolls, das zum Beispiel mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Vorlesung geteilt wird. Das Protokoll soll den Vortrag nachvollziehbar machen, dabei kommt es auf Vollständigkeit und Verständlichkeit an. Es ist möglich, dass Sie das angefertigte Protokoll als Leistungsnachweis bei der Dozentin oder dem Dozenten abgeben müssen. Subjektive Mitschrift Eine subjektive Mitschrift dient als eigene Lerngrundlage. Sie können die Mitschrift um eigene Thesen und Verknüpfungen zu anderen Vorlesungsinhalten ergänzen oder erste Ideen für ein Hausarbeitsthema notieren. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre eigenen Ergänzungen markieren, damit Sie diese später von den Inhalten des Vortrags unterscheiden können. Wichtig: Überlegen Sie sich immer im Vorfeld, warum und für wen Sie eine Mitschrift anfertigen. Entscheiden Sie, ob es eine objektive oder eine subjektive Mitschrift werden soll. Vor dem Vortrag Bereiten Sie sich auf den Vortrag vor. Es ist einfacher, einem Vortrag zu folgen, wenn Sie bereits Vorwissen dazu haben. 146 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="147"?> • Lesen Sie aufmerksam die Vortragsbeschreibung. Klären Sie die Bedeutung unbe‐ kannter Begriffe und notieren Sie, worum es in dem Vortrag geht. • Schauen Sie sich die Materialien an, die vor dem Vortrag zur Verfügung stehen, z. B. Präsentationsfolien oder Handouts. • Wenn Sie in Präsenz teilnehmen: Kommen Sie rechtzeitig vor dem Vortrag, damit Sie einen Platz bekommen, an dem Sie dem Vortrag akustisch und visuell gut folgen können. Achten Sie darauf, dass Ihre Stifte funktionieren bzw. der Akku Ihres Notebooks oder Tablets geladen ist. • Wenn Sie online teilnehmen: Prüfen Sie rechtzeitig die Technik und den Link zur Veranstaltung. Räumen Sie alles vom Schreibtisch, was Sie nicht brauchen oder was Sie stören oder ablenken könnte. In vielen Vorträgen werden Präsentationsfolien gezeigt. Teilen Sie Ihren Bildschirm in zwei Bereiche auf, sodass sie während des Vortrags die Folien sehen und gleichzeitig mitschreiben können. Optimal wäre hier ein zweiter Bildschirm. Während des Vortrags zuhören Wenn Sie einem Vortrag zuhören, müssen Sie auf wichtige Informationen achten, denn Sie können nicht alles mitschreiben, was gesagt wird. Die große Herausforderung ist also, wichtige Inhalte von unwichtigen zu unterscheiden und nur diese stichpunktartig zu verschriftlichen. Sie erhalten während des Vortrags verschiedene Hinweise auf wichtige Informatio‐ nen: • Informationen, die wiederholt werden, • Signalwörter und -ausdrücke wie „klausurrelevant“, „von zentraler Bedeutung“ oder „das heißt“, • Aufforderungen wie „Beachten Sie …“, • Sprechstil der vortragenden Person (Pausen und eine besondere Betonung) oder Gesten. Darüber hinaus ist wichtig zu erkennen, welche sprachlichen Handlungen die vortra‐ gende Person ausführt. Das hilft Ihnen, die gehörten Informationen einzuordnen. Denn es macht einen Unterschied, ob Ihre Dozentin beispielsweise eine Studie als Beispiel für gute Forschung nennt oder sich von ihr distanziert. Sprachliche Handlungen sind zum Beispiel: • etwas wiedergeben, • etwas oder jemanden zitieren, • ein Beispiel geben, • etwas zusammenfassen, • für oder gegen etwas argumentieren, 7.3 Mitschrift 147 <?page no="148"?> • Kritik üben, • sich distanzieren, • eine Prognose treffen. Wenn Sie sich einen aufgezeichneten Vortrag anhören, stoppen Sie diesen möglichst nicht dauernd. Arbeiten Sie genauso wie in einer Präsenzveranstaltung. Sie verlieren sonst zu viel Zeit. Sie können den Vortrag in Blöcke aufteilen (z. B. 3 x 30 Minuten), nach denen Sie jeweils einmal pausieren, um Ihre Notizen zu überprüfen oder eine kurze Pause zu machen. Während des Vortrags mitschreiben Notieren Sie nur die wesentlichen Inhalte eines Vortrags in Stichworten. • Notieren Sie wichtige Begriffe (Schlüsselwörter), die von zentraler Bedeutung für das Thema oder die Unterthemen sind. Diese sind bei Präsentationen auf den Folien zu sehen. • Notieren Sie wichtige Definitionen möglichst wörtlich. Wenn das nicht möglich ist, markieren Sie den betreffenden Begriff und schlagen Sie ihn später nach. • Ordnen Sie, wenn möglich, die Inhalte direkt bei der Verschriftlichung ein (siehe oben: sprachliche Handlungen), wie zum Beispiel „Kritik“ oder „Beispiel“. • Arbeiten Sie mit Abkürzungen und Symbolen. Das spart Zeit und kann Ihre Mitschrift übersichtlicher machen. Erstellen Sie eine Liste für allgemeine Abkür‐ zungen (z. B., d. h., bzw.), die Sie verwenden möchten. Sie finden diese in vielen Wörterbüchern und im Internet. Sie können auch eigene Abkürzungen erfinden. Diese sollten Sie aber nur in Ihren eigenen Mitschriften verwenden. Erstellen Sie auch eine Liste mit Abkürzungen, die Sie für Ihr Fachgebiet brauchen, z. B. „BGB“ (Bürgerliches Gesetzbuch) oder KII (Konjunktiv II). Arbeiten Sie mit Symbolen wie „! “ (wichtig), „( )“ (klausurrelevant) oder „*“ (Beispiel). • Beginnen Sie einen neuen Gedanken in einer neuen Zeile. Lassen Sie genügend Abstand zwischen einzelnen Inhalten und einen Rand, um Informationen hinzu‐ zufügen. 148 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="149"?> Tipp: So nutzen Sie Ihre Mitschrift als Lerngrundlage Titel der Veranstaltung Dozentin Datum Thesen/ Ideen/ Begriffe Notizen zum Inhalt Zusammenfassung: - Teilen Sie eine Seite in vier Bereiche ein. Oben notieren Sie den Namen von Veranstaltung und Dozentin. In der Mitte rechts schreiben Sie die Inhalte des Vortrags. Nach der Veranstaltung schreiben Sie in die linke Spalte Schlüsselbegriffe, wichtige Daten oder kurze Thesen. Am Ende fassen Sie das Wichtigste kurz zusammen und formulieren eine Frage zu dem Vorlesungsinhalt. Dieser Nachbearbeitungsschritt hilft Ihnen, schnell einen Überblick über die Vorlesung zu erhalten, z. B. wenn Sie sich auf eine Prüfung vorbereiten müssen. Nachbereitung Überarbeiten Sie Ihre Mitschrift nach dem Vortrag zeitnah. Kontrollieren Sie Ihre Notizen und achten Sie auf offene Punkte oder zu knappe Formulierungen. Klären Sie die Bedeutung der Begriffe, die Sie nicht (genau) verstanden haben. Notieren Sie sich Inhalte, die Sie nicht verstanden haben, und fragen Sie in der nächsten Vorlesungssitzung nach. 7.3.2 Struktur einer Mitschrift Jede Mitschrift sollte eine Kopfzeile, den Vortragsinhalt und einen Abschnitt mit offenen Fragen oder eigenen Gedanken aufweisen. Kopfzeile Schreiben Sie zu Beginn jeder Vorlesungssitzung das Datum und den Namen der Ver‐ anstaltung und des Dozenten/ der Dozentin. Nutzen Sie am Computer Formatvorlagen für Überschriften. 7.3 Mitschrift 149 <?page no="150"?> Vortragsinhalt Den größten Teil der Mitschrift nehmen die Vortragsinhalte ein. Notieren Sie sie in knappen Stichworten und überarbeiten Sie sie im Anschluss an die Sitzung. Eigene Ideen und Fragen Wenn Sie die Mitschrift in Form eines Protokolls abgeben müssen, notieren Sie sich nach der Vorlesung offene Fragen, die Sie recherchieren und beantworten wollen, bevor Sie das Protokoll abgeben. Wenn die Mitschrift nicht in Form eines Protokolls abgegeben werden muss, ist ein Teil davon für Ihre eigenen Gedanken reserviert. Notieren Sie sich Fragen für die nächste Sitzung und Assoziationen mit anderen Vorlesungsinhalten. Wenn Sie am Ende der Vorlesung eine Hausarbeit anfertigen müssen, können Sie hier erste Ideen zum Thema festhalten. Wenn Sie eine Klausur schreiben müssen, überlegen Sie sich 2-3 Fragen zum Lernstoff, die in der Sitzung beantwortet wurden. Nutzen Sie diese später in der Klausurvorbereitung, um Ihr Wissen abzufragen. 7.3.3 Textbeispiel Mitschrift (Ausschnitt) Vortrag „Einführung in die Computerlinguistik“, am 05.04.2022, von Aikater‐ ini-Lida Kalouli (https: / / www.youtube.com/ watch? v=XK0SDPV7vGk) Video der Serie „Star Trek“ zeigt „Universal Translator“ [Beispiel] • Erkennung/ Unterscheidung der Sprachen • Verstehen und Verarbeitung für die Übersetzung • Aussprache des Texts → Science Fiction? Realität? Computerlinguistik (=CL): Linguistik: Beschreibung/ Erklärung natürlichsprachlicher Phänomene → Def. CL: maschinelle Verarbeitung natürlicher Sprache (nicht Computersprache! ) Oberbegriff: CL (=Speech and Language Processing) vier Ausprägungen/ Fachgebiete: • Theoretische CL: Sprachwissenschaft → linguist. Fragestellungen maschi‐ nell beantworten • Linguist. Datenverarbeitung: Philologien → Wie kann man ältere Texte digitalisieren? 150 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="151"?> • Maschinelle Sprachverarbeitung: Informatik [? ? ? ] • Sprachtechnologie: Ingenieurwissenschaft [? ? ? ] Geschichte: 1932: Turing-Maschine: Grundlage der modernen Informatik […] 2000er: Machine Learning → große Datenmengen, Statikstik wird wichtiger 2010er: Machine Learning und Deep Learning sind dominant, Neuronale Netze etablieren sich → Computerlinguistik junges Fachgebiet, aber enorme Fortschritte [Schlussfol‐ gerung] Anwendungen der theoret. CL: Phonetik/ Phonologie Aufgabe: phonolog. Informationen (= sehr datenintensiv) verarbeiten und reprä‐ sentieren → anhand der Daten sollen Modelle definiert werden bisher: phonolog. Analyse/ Datenauswertung mit „pen and paper“ mit CL: automat. Erstellung von Modellen anhand der erhobenen Daten erste computerbasierte phonolog. Analysen: Finite-State Transducer Morphologie: Aufgabe für CL: automat. Erkennung von Wörtern, Silben, Komposita etc. Lösung: (a) wenn regel-basiert: mit Finite-State Transducer (FST) möglich Regel definieren: man definiert States (=Standpunkte) → zum Beispiel Wie bilde ich den Plural? Standpunkt: • Reg-noun: fish → q1 fish; cat → q2: cats • Irreg pl noun: potato -es (b) deep learning (heutzutage): Algorithmus bekommt sehr viele Daten und versucht daraus zu lernen; eigene Regeln werden erfunden Syntax: Aufgabe für CL: Syntaxbäume automat. erstellen Problem: nicht vollständige Sätze, Tippfehler, Nicht-Muttersprachler Modelle: Lexical Functional Grammar (1993); Minimalist Grammar (Stabler 2010) 7.3 Mitschrift 151 <?page no="152"?> Semantik/ Pragmatik: Aufgabe für CL: Modelle automat. erstellen, die pragmat. Aspekte abbilden Problem: Es ist sehr schwierig, automat. Schlussfolgerung ziehen zu lassen und reasoning Aufgaben zu lösen (zum Beispiel „Hund rennt“, das heißt „ein Tier rennt“ → ein Computer muss Implikationen verstehen) Lösung (bisher): logische-formale (zum Beispiel: first-order logic); Semantic Role Labeling (Wer macht was? Wo? ) Lösung (heutzutage): graphbasierte Ansätze, Ansätze, die auf Deep Learning und Textkorpora basieren eigene Zusammenfassung: In der CL geht es um die maschinelle Verarbeitung natürlicher Sprache. Sie ist ein vergleichsweise junges Fachgebiet, das sich enorm entwickelt hat. Die Anwendungsbereiche der theoret. CL umfassen Phonologie, Morphologie, Semantik etc., welche jeweils eigene Herausforderungen und Lösungen (zum Beispiel deep learning) aufweisen. offene Punkte: Wodurch charakterisieren sich die Fachgebiete „maschinelle Sprachverarbeitung“ und „Sprachtechnologie“? Recherchieren! [….] 7.4 Referat Das Wichtigste in Kürze • Ein Referat ist eine mündliche Präsentation, die zum Beispiel in einem Seminar abgehalten wird. • Orientieren Sie sich am Vorwissen Ihres Publikums und unterstützen Sie die Informationsverarbeitung mit Handout und (digitalen) Medien. Es ist wichtig, einen mündlichen Stil zu nutzen, Kernaussagen zu wiederholen und den Aufbau des Referats zu erläutern. 7.4.1 Überblick Ein Referat ist eine mündliche Präsentation, die Wissen zu einem bestimmten Thema vermittelt und von Studierenden entweder allein oder in einer Gruppe abgehalten wird. Die Dauer variiert je nach Lehrveranstaltung und Gegenstand - sie kann nur 15 Minuten oder eine ganze Seminarsitzung umfassen. Oft handelt es sich bei dem Referat um den (benoteten) Leistungsnachweis eines Seminars. Die Referatsthemen werden im Vorfeld des Seminars oder in den ersten Sitzungen vergeben. 152 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="153"?> Wichtig: Da ein Referatsthema oft nur grob vorgegeben wird, klären Sie mit der Dozentin oder dem Dozenten frühzeitig ab, welcher Schwerpunkt gesetzt werden soll. Gehen Sie in die Sprechstunde und präsentieren Sie einen Gliederungsentwurf. Davon ausgehend kann das Referat eingegrenzt werden. Die primäre Funktion eines Referats ist, Ihre Kommilitonen und Kommilitoninnen objektiv und auf Fachliteratur basierend zu einem Thema zu informieren. Das bedeutet, dass ein gelungenes Referat zwei essentielle Komponenten aufweist: • eine fundierte Vorbereitung, die es Ihnen erlaubt, kompetent und sachlich über ein Thema zu sprechen, • eine überzeugende Präsentation, mithilfe derer sich Ihre Mitstudierenden mög‐ lichst viel Wissen aneignen. 1. Vorbereitung Als Erstes sollten Sie sich fragen: Wer ist meine Zielgruppe? Im Falle eines Referats an der Universität richten Sie sich in der Regel primär an Ihre Kommilitonen und Kommilitoninnen, das heißt an ein fachlich gebildetes und interessiertes Publikum. Davon ausgehend müssen Sie sich fragen: • Welche Inhalte kann ich bei meiner Zielgruppe voraussetzen? • Welche Inhalte soll sie am Ende meiner Präsentation verstanden haben? Recherchieren Sie verschiedene Fachpublikationen zu Ihrem Thema und exzerpieren Sie wesentliche Inhalte. Es ist wichtig, beim Lesen kritisch zu bleiben und ggf. Posi‐ tionen und Gegenpositionen ausgewogen in Ihrem Referat widerzuspiegeln. Versuchen Sie, je nach Länge Ihrer Präsentation, zwei bis vier Kernaussagen zu formulieren und diese in Themenabschnitte zu ordnen. Kürzen Sie im Zweifelsfall Informationen, um Ihr Publikum nicht zu überfordern. Viele Leute sind nervös vor einem Vortrag in der Öffentlichkeit. Mindern Sie Ihr Lampenfieber, indem Sie sich nicht nur inhaltlich auf das Referat vorbereiten, sondern ebenso Ihre Präsentation gut planen. • Denken Sie daran: Ein abgelesenes Manuskript wirkt leicht langweilig und ermü‐ dend für die Zuhörerschaft. Besser ist es, frei zu reden, zum Beispiel mithilfe von Karteikarten. • Verwenden Sie Karteikarten, auf denen Sie jeweils einen Themenabschnitt in Stichpunkten notieren. Schreiben Sie auf jede Karte eine Zeitangabe und ggf. die Nummer der Präsentationsfolie, die Sie zeigen wollen. Schreiben Sie groß und deutlich. • Üben Sie Ihre Präsentation am besten vor Zuhörern und Zuhörerinnen und bitten Sie diese um Feedback. Falls das nicht möglich ist, nehmen Sie sich auf Video oder Audio auf. Stellen Sie sich dafür - wenn möglich - ein Bild Ihrer Zuhörergruppe auf und reden Sie zu dieser, nicht über sie hinweg. 7.4 Referat 153 <?page no="154"?> • Stoppen Sie in jedem Fall die Zeit, um das vorgegebene Limit nicht zu überschreiten, und planen Sie ausreichend Puffer ein, um Zwischenfragen zu klären. Die meisten Referentinnen und Referenten reden zu lange, weil sie sich zu viel vornehmen. Falls Sie sehr nervös sind, können Sie planen, die einleitenden und abschließenden Sätze eines Referats abzulesen: Bei der Einleitung stellen Sie so sicher, dass Sie trotz Lampenfiebers Ihr Thema verständlich einführen und bei den Schlussworten fassen Sie alle Kernaussagen korrekt zusammen. Halten Sie den Hauptteil auf jeden Fall in der freien Rede. Wichtig: Oft wird beim Referat vorausgesetzt, dass ein Handout ausgeteilt wird. Dabei handelt es sich um ein kurzes Dokument, das die wichtigsten Kernaussagen des Referats schriftlich festhält und damit eine Orientierungshilfe bietet. Es sollte folgende Punkte enthalten: • Angaben zum Referat (Ihren Namen sowie der der Veranstaltung, Datum, Titel des Referats), • wichtige Kernaussagen, insbesondere relevante Zahlen und Namen, • alle verwendeten Literaturquellen. Nutzen Sie weitere mediale Unterstützung wie beispielsweise PowerPoint oder Prezi, um Schlüsselwörter zu verschriftlichen und Ihr Referat zu strukturieren. Ach‐ ten Sie darauf, die Präsentationsfolien nicht mit Informationen zu überfrachten, da ansonsten die Aufmerksamkeit weniger auf Ihren mündlichen Vortrag gerichtet wird. Um eine reibungslose Nutzung der Medien sicherzustellen, kommen Sie bei Präsenzver‐ anstaltungen 15 Minuten früher, sodass Sie in Ruhe Ihren Computer anschließen und die Technik ausprobieren können. Bringen Sie einen Adapter mit, falls ein Kabelanschluss nicht vorhanden sein sollte. Wenn die Veranstaltung online stattfindet, üben Sie zuvor mit der jeweiligen Software den Bildschirm zu teilen. Nutzen Sie möglichst einen zweiten Bildschirm, um gleichzeitig die Präsentation und die Teilnehmenden zu sehen. 2. Das Referat halten Es ist wichtig, dass Sie eine mündliche Sprache wählen, um gut verstanden zu werden. Lange und komplexe Sätze, wie sie in schriftlichen Texten vorkommen, sind ermüdend für die Zuhörer und Zuhörerinnen. Mündlicher Stil • Einfacher Satzbau: Ich spreche heute über X und Y. Anschließend können Fragen gestellt werden. • Verben statt Substantivierungen: Die Dauer des Experiments beträgt 30 Minuten → Das Experiment dauert 30 Minuten. • Erklärungen und Wiederholungen einbauen: Das heißt …, das bedeutet …, mit anderen Worten: …. 154 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="155"?> Falls Ihre Sprache nicht immer leicht verständlich sein könnte, helfen Sie sich mit Folgendem: • Informationen visuell darstellen: Illustrieren Sie komplexe Daten mit Tabellen und Diagrammen. Schreiben Sie Schlüsselwörter auf Präsentationsfolien oder Handouts. • Halten Sie Blickkontakt mit dem Publikum, um das Verständnis zu kontrollieren. • Sprechen Sie während der Präsentation langsam, laut und deutlich und lassen Sie bewusst Zeit für Pausen, in denen Verständnisfragen gestellt werden können. Ein wichtiges Mittel, um Verständnis sicherzustellen, sind Zusammenfassungen. Fassen Sie nach jedem Themenabschnitt noch einmal die Kernaussage zusammen und wiederholen Sie im Laufe des Vortrags wichtige Schlüsselwörter. Zusammenfassungen • Um noch einmal zusammenzufassen: … • Ich möchte kurz die wichtigsten Punkte zusammenfassen: … • Mit anderen Worten: … Der Aufbau eines Referats sollte klar strukturiert und vor allem gut kommuniziert werden. Indem Sie zu Beginn der Präsentation die Struktur erläutern, können die Zuhörer und Zuhörerinnen dem Referat leichter folgen. Aufbau erläutern • Überblick: Ich habe meinen Vortrag in X Punkte gegliedert/ Meine Präsenta‐ tion setzt sich aus Y Teilen zusammen. • Abschnitte erläutern: Ich beginne mit …, bevor ich zu … übergehen werde. Anschließend spreche ich über …/ Ich präsentiere erstens …, zweitens … und drittens … • Diskussionsteil ankündigen: Im Anschluss wird es eine Diskussion ge‐ ben./ Nach dem Referat können Sie gern Fragen stellen. In der Regel schließt sich an die Präsentation ein Diskussionsteil an, in dem Fragen gestellt und die Kernaussagen diskutiert werden. Haben Sie keine Angst vor diesem Teil - es ist ein wichtiger Part des wissenschaftlichen Arbeitens und er gibt Ihnen Gelegenheit, Unklarheiten zu beseitigen und Aussagen kritisch zu prüfen. Überlegen Sie sich am besten vorab, welche Fragen offenbleiben und welche Einwände formuliert werden könnten und notieren Sie sich kurz die Antwort. Wenn Sie auf eine Frage keine Antwort wissen, geben Sie es offen zu - der Dozent oder die Dozentin kann Ihnen weiterhelfen. Oder Sie können anbieten, weiter zu recherchieren und Details nachzuliefern. 7.4 Referat 155 <?page no="156"?> 7.4.2 Struktur eines Referats Einleitung Zu Beginn des Referats teilen Sie ggf. das Handout aus und begrüßen Ihre Mitstudier‐ enden kurz. Führen Sie anschließend in das Thema ein und erklären Sie die Gliederung. Einstieg • In dem heutigen Referat geht es um … • Thema der Präsentation ist … • Wir werden über … sprechen. Hauptteil Der Hauptteil des Referats sollte in drei bis vier Themenabschnitte unterteilt werden, in denen jeweils eine Kernaussage formuliert wird. Signalisieren Sie bewusst einen Abschnittswechsel, indem Sie • eine neue Folie einblenden, • eine Zusammenfassung des Abschnitts ankündigen, • erneut den Referatsaufbau zeigen, auf der der betreffende Punkt abgehakt ist. Das erleichtert Ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen nicht nur, dem Vortrag zu folgen, sondern gibt kurzzeitig unaufmerksamen Studierenden die Möglichkeit, wieder in das Thema einzusteigen. Schluss Nachdem Sie den letzten Themenabschnitt erläutert haben, kündigen Sie deutlich an, dass Sie hiermit das Referat abschließen. Fassen Sie alle Kernaussagen zusammen und benutzen Sie Schlüsselwörter. Es ist üblich, sich am Ende bei den Zuhörern und Zuhörerinnen zu bedanken und sich nach Fragen zu erkundigen bzw. den Diskussionsteil einzuleiten. Schluss • Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. • Gibt es noch Fragen/ Unklarkheiten? • Die nächsten Minuten sind für Fragen und Diskussionen reserviert. 156 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="157"?> Diskussionsteil Gehen Sie im Diskussionsteil sachlich auf Kritik ein und geben Sie zu, wenn Sie eine Frage nicht beantworten können. Am besten Sie notieren sich jede Frage in Stichpunk‐ ten, um während Ihrer Beantwortung keine Teilfrage zu vergessen beziehungsweise um die Antwort später zu recherchieren. Diskussionen leiten • Wertschätzung zeigen: Danke für Ihre Frage/ Ihr Feedback/ Ihren Beitrag. • Antworten: Ich würde gern Ihre Frage in zwei Schritten beantworten: Erstens … zweitens …/ Es ist wichtig zu verstehen, dass … • Missverständnisse vorbeugen: Könnten Sie Ihre Frage noch einmal wieder‐ holen? / Könnten Sie das erläutern? 7.5 Argumentativer Text Das Wichtigste in Kürze • Argumentative Fähigkeiten brauchen Sie nicht nur im Studium, sondern ebenso im Alltag und im Berufsleben. Argumente in der Wissenschaft unterscheiden sich aber von Argumenten im Alltag. • Eine wissenschaftliche Argumentation muss das Fachpublikum überzeugen und wesentliche Informationen erklären. Dazu gehört auch, Gegenargu‐ mente vorauszusehen und zu entkräften sowie Belege anzuführen. Argumentationen können ganz unterschiedlich aufgebaut sein: Beispielsweise kontrastieren Sie unterschiedliche Argumente miteinander und positionieren sich anschließend oder Sie arbeiten systematisch Argumente in Kategorien ab und führen dann zu einer Schlussfolgerung. 7.5.1 Überblick Der argumentative Text ist keine rein wissenschaftliche Textsorte - der Austausch von Argumenten findet nicht nur an der Universität statt, sondern ebenso im Beruf und bei Diskussionen mit Freunden und Freundinnen. Dennoch kommt dieser Textsorte im Studium ein besonderer Stellenwert zu, da sie die Basis wissenschaftlicher Arbeit bildet: Wissenschaft bedeutet, neue Erkenntnisse zu generieren und die Richtigkeit sowie die Relevanz dieser gegenüber einem Fachpublikum darzustellen. Insbesondere im letzten 7.5 Argumentativer Text 157 <?page no="158"?> Arbeitsschritt erweist sich das Argumentieren also als eine Schlüsselkompetenz, da die kritische Forschungsgemeinschaft erst überzeugt werden muss. Das kann • das methodische Vorgehen betreffen, wie beispielsweise die Wahl des Auswer‐ tungsverfahrens oder die Art der Datenerhebung; • eine Positionierung gegenüber der Forschungsliteratur sein, wie beispielsweise die Übernahme eines theoretischen Standpunkts oder die Kritik an einer Aussage; • die Textorganisation betreffen, wie beispielsweise den Umfang des Theorieteils oder die Begutachtung einer bestimmten Studie. Der Modus des Argumentierens kann mündlich oder schriftlich sein, beispielsweise in Form einer Stellungnahme im Seminar oder einer Hausarbeit, oder eher monologisch oder dialogisch ausgerichtet sein, beispielsweise in einem Vortrag oder in einer Gruppendiskussion. Es gibt nicht den einen Bauplan für ein gelungenes Argument. Nach einem vereinfach‐ ten Modell des Philosophen Stephen Toulmin (1958) verfügt ein Argument in der Regel aber über folgende Komponenten: • Behauptung, • Begründung, • Schlusssatz, • Beleg, • Konzession. Betrachten wir zunächst ein Argument, wie es im Alltag geäußert wird: „Denise ist eine großartige Geigenspielerin. Sie spielt bei den Wiener Philharmonikern.“ • Behauptung: Denise ist eine großartige Geigenspielerin. • Begründung: Weil sie bei den Wiener Philharmonikern spielt. Argumente im Alltag bestehen meist lediglich aus einer Behauptung und einer Begründung: • Belege in Form von Studien oder Bildmaterial sind meist nicht notwendig. • Konzessionen, also das Einräumen und Entkräften von Gegenargumenten, ergeben sich erst im Laufe eines Gesprächs. • „Schlusssätze“ erläutern die Logik des Zusammenhangs zwischen Behauptung und Begründung und bleiben im Alltag oft implizit, da sie sich auf gemeinsames (kulturspezifisches) Wissen stützen. Sie beantworten die Frage „Warum ist das eine Begründung für diese Behauptung? “ Im Fall von Denise wäre also die Frage, warum eine Arbeit bei den Wiener Philharmonikern bedeutet, dass sie gut Geige spielen kann. Der implizit gehaltene Schlusssatz würde antworten: Wer Teil der Wiener Philharmoniker ist, muss sein Instrument virtuos beherrschen, da dieses Orchester für seine musikalische Leistung weltweit hoch angesehen ist. 158 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="159"?> In der Wissenschaft werden allerdings komplexere Sachverhalte behandelt, die sich nicht (nur) auf ein gesellschaftliches Wissen stützen. Deshalben muss auf mehrere argumentative Komponenten zurückgegriffen werden, um eine Behauptung stützen zu können. Wenn Sie nur eine Behauptung und eine Begründung anführen, dann kann es sein, dass Ihr Argument nicht verstanden oder akzeptiert wird. Eine zentrale Rolle spielen dabei Belege, die in Form von Studien oder Laborergebnissen erbracht werden. Beispiel: „Die ab Wintersemester 19/ 20 verpflichtende Einführung von sogenannten „Deutschförderklas‐ sen“ in Österreich ist zu kritisieren, da sie die positiven Effekte des peer-to-peer-Kontakts vernachlässigt. 1990 stellte Röhr-Sendlmeier in einer Studie fest, dass der Kontakt mit deutsch‐ sprachigen Peers den wichtigsten Faktor bei der Verbesserung der Zweitsprachkompetenz Deutsch darstellt. Deutschförderklassen, in denen Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen separaten Unterricht bekommen, erlauben hingegen nur wenig Kontakt mit gleichaltrigen Mitschülern und verhindern damit eher eine effektive Verbesserung der Zweitsprachkompetenz. Obwohl die Integration dieser Kinder in reguläre Klassen auf den ersten Blick arbeitsintensiver erscheint, profitieren am Ende alle beteiligten Akteure und Akteurinnen von einer schnellen Sprachkom‐ petenzsteigerung.“ • Behauptung: Die ab Wintersemester 19/ 20 verpflichtende Einführung von soge‐ nannten „Deutschförderklassen“ in Österreich ist zu kritisieren. • Begründung: Da sie die positiven Effekte des peer-to-peer-Kontakts vernachläs‐ sigt. • Beleg: 1990 stellte Röhr-Sendlmeier in einer Studie fest, dass der Kontakt mit deutschsprachigen Peers den wichtigsten Faktor bei der Verbesserung der Zweit‐ sprachkompetenz Deutsch darstellt. • Schlusssatz: Deutschförderklassen, in denen Kindern mit mangelnden Deutsch‐ kenntnissen separaten Unterricht bekommen, erlauben hingegen nur wenig Kon‐ takt mit gleichaltrigen Mitschülern und verhindern damit eher eine effektive Verbesserung der Zweitsprachkompetenz. • Konzession: Obwohl die Integration dieser Kinder in reguläre Klassen auf den ers‐ ten Blick arbeitsintensiver erscheint, profitieren am Ende alle beteiligten Akteure und Akteurinnen von einer schnellen Sprachkompetenzsteigerung. Gerade bei wissenschaftlichen Texten ist der Punkt Konzession sehr wichtig. Kon‐ zession bedeutet, dass Sie sich mit möglichen Gegenargumenten zu Ihrer Arbeit auseinandersetzen und sie versuchen, zu entkräften. Besonders in schriftlichen Texten wie in einer Hausarbeit ist es wichtig, dass Sie Kritik vorwegnehmen, da Sie sich im Gegensatz zu einer Diskussion auf einer Konferenz nach Abgabe nicht mehr ‚äußern‘ können. Sie simulieren also eine Art Dialog mit der Forschungsgemeinschaft, welcher Ihnen eine vertiefte Auseinandersetzung mit Ihren Thesen erlaubt. Diese Aufgabe verlangt jedoch von Ihnen eine hohe fachliche Kompetenz und Fähigkeiten im logischen Denken. Sie müssen: 7.5 Argumentativer Text 159 <?page no="160"?> • Ihre eigenen Argumente gut kennen, • Schwachstellen identifizieren, zu denen Gegenargumente formuliert werden kön‐ nen, • überzeugende Antworten auf die Gegenargumente finden. In dem Beispiel oben sehen Sie, wie man konzessiv argumentiert. Ein Gegenargument zu dem Vorschlag der Autorin hätte sein können: „Wenn Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen reguläre Klassen besuchen, bedeutet das mehr Arbeit für die Lehrkräfte. Diese Zeit haben sie nicht.“ Die Autorin des Beispiels antizipiert dieses Gegenargument und schreibt deshalb, dass die Integration zwar arbeitsintensiver sei, sich aber langfristig für alle lohne. Ein argumentativer Text besteht aber nicht nur aus einem einzigen Argument. Gerade im wissenschaftlichen Kontext besteht ein Text aus mehreren aufeinander aufbauenden Argumenten, die eine übergeordnete Behauptung (= These) stützen. Das nennt man Argumentation. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Argumentation aufzubauen und einzelne Argumente miteinander zu verknüpfen. Eine häufig anzutreffende Struktur in Prüfungen ist die Kontrastierung von Pro- und Kontraargumenten, die zu einer Positionierung führt. Nehmen wir an, es handelt sich um das Thema „Homeoffice - Fluch oder Segen für Arbeitnehmer und Arbeitge‐ ber? “. Aus dem Titel (der Frage) lässt sich ableiten, dass der Text die Vor- und Nachteile von Homeoffice für zwei Gruppen reflektieren soll. Wenn Sie in der Vorbereitung Ihre Argumente sammeln, könnten Sie diese in folgender Spalte anordnen: Vorteil für Gruppe 1 Nachteil für Gruppe 1 Vorteil für Gruppe 2 Nachteil für Gruppe 2 eigene Position - - - - - Beim Textaufbau können Sie zuerst alle Vorteile und dann alle Nachteile für beide Gruppen schreiben oder Sie diskutieren zuerst die Vor- und Nachteile für Gruppe 1 und anschließend für Gruppe 2. Die konkrete Anordnung sollte immer einem System folgen und davon beeinflusst sein, wie authentisch sich die einzelnen Argumente miteinander verknüpfen lassen. Kontrastierung • Einerseits … Andererseits … • Hingegen/ Dagegen … • Im Gegensatz dazu … • Aber/ Doch/ Allerdings … 160 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="161"?> Die Kontrastierung einzelner Argumente führt anschließend zu der eigenen Positio‐ nierung, der Konklusion/ Schlussfolgerung. Wichtig: Aus dem Text muss erschlossen werden können, wie Ihre eigene Positionie‐ rung begründet ist. Vermeiden Sie auswendig gelernte Wendungen wie „Die Vorteile überwiegen“, wenn in Ihrem Text nicht ersichtlich ist, warum dies der Fall ist. Begründen Sie Ihre Position. Neben einer Kontrastierung besteht die Möglichkeit, Argumente linear miteinander zu verknüpfen: Bei Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten widmen Sie sich üblicher‐ weise einer Fragestellung und stellen dazu eine oder mehrere These(n) auf. Diese These(n) belegen Sie schrittweise über Argumente, die aufeinander aufbauen und nach Kategorien geordnet sind. Jedes Fach unterscheidet sich selbstverständlich in seinen Analysekategorien. Wenn Sie beispielsweise in dem Fach Literaturwissenschaften die These aufstellen, dass Christian Krachts Roman „Eurotrash“ ein Beispiel der zeitge‐ nössischen autofiktionalen Literatur darstellt, dann könnten Sie folgende Kategorien wählen und sie zur Vorbereitung in einer Tabelle ordnen: Kategorie Textstellen Figuren … Schauplätze … Sprache … Wichtig: Um eine These zu belegen, müssen Sie zuerst reflektieren, welche Kategorien relevant sind. In diesem Beispiel definieren Sie im ersten Schritt den Begriff „Autofik‐ tion“ und überlegen dann, welche Merkmale erfüllt sein müssen, um einen Roman als „autofiktional“ einzuordnen. Andere literaturwissenschaftliche Kategorien können beispielsweise „Motive“ oder „Form“ sein. Eine besondere Form des Argumentierens findet sich vor allem in folgender mündlicher Textsorte: einer Stellungnahme zu einem gehörten Redebeitrag. Dies kann beispiels‐ weise während einer Gruppendiskussion in einem Seminar oder nach einem Referat gefordert sein. Sie müssen also auf ein Argument Ihres Gegenübers mit einem eigenen reagieren und sich dabei ggf. auf Materialien, wie eine Textstelle oder eine Grafik, beziehen. • Notieren Sie sich deshalb im ersten Schritt das gehörte Argument. • Prüfen Sie anschließend die Belege, auf die sich Ihr Gegenüber bezieht. Stützen diese das Argument oder können sie auch anders interpretiert werden? Mit welcher Methodik wurden sie erhoben? Wie sind sie belegt? • Formulieren Sie Ihre eigene Position: Stimmen Sie zu oder lehnen Sie das Argument ab? 7.5 Argumentativer Text 161 <?page no="162"?> Bei komplexen Sachverhalten kann es sinnvoll sein, das eben Gehörte kurz zusammen‐ zufassen, um sicherzugehen, dass Sie das Argument korrekt verstanden haben oder um es etwas umzuformulieren, damit Sie besser darauf reagieren können. Stellungnahme Zusammenfassung • Der Kommilitone/ Die Kommilitonin hat unter anderem gesagt, dass … • X vertritt den Standpunkt, dass … Er/ Sie begründet das damit, dass … • Habe ich Sie richtig verstanden, dass …? Positionierung • Dagegen möchte ich einwenden, dass … • Dabei wird allerdings übersehen, dass … • Ich stimme Ihnen (nicht) zu, weil … Die Sprache eines argumentativen Textes ist sachlich und unpersönlich. Im Vorder‐ grund stehen Ihre Belege und die darauf basierenden Argumente und nicht Wertungen oder emotionale Perspektiven. Es gibt eine Vielzahl von argumentativen Verknüpfungen, die Sie in Ihrem Text nutzen können. Achten Sie darauf, dass Sie diese nicht einfach auswendig lernen und irgendwo im Text platzieren, sondern genau verstehen, welche Funktion sie in Ihrem Text erfüllen sollen. Anders gesagt: Wenn Sie einen Satz mit „Daraus lässt sich schließen“ einleiten, überprüfen Sie, ob dieser tatsächlich die Schlussfolgerung der vorangehenden Sätze repräsentiert. Kausale Verknüpfungen stellen Ursache und Wirkung in einen Zusammenhang, wie beispielsweise „Ich würde gern in Ihre Sprechstunde kommen, weil ich noch Fragen zu meinem Hausarbeitsthema habe“. Kausale Verknüpfungen • Aufgrund/ Wegen: „Wegen der Klimakrise beschließt die Regierung ein neues Energiegesetz.“ • Deshalb/ Daher: „Ich muss aus meiner Wohnung ausziehen. Deshalb bewerbe ich mich im Studentenwohnheim.“ • Unterordnende Konjunktionen: „Das Ergebnis lässt sich gut in den Forschungs‐ diskurs integrieren, weil es mit vorhandenen Untersuchungsergebnissen über‐ einstimmt.“/ „Da ich im Urlaub war, bin ich mit meiner Hausarbeit im Verzug.“ • Nebenordnende Konjunktionen: „Seine Antwort auf die Vorwürfe ist unklar, denn er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.“ 162 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="163"?> Konzessive Verknüpfungen haben die Funktion, Gegenargumente einzuräumen, um sie anschließend zu entkräften. Sie sind, wie oben erwähnt, wichtiger Bestandteil einer wissenschaftlichen Argumentation und erfordern die genaue Kenntnis der eigenen argumentativen Schwachstellen. Konzessives Argumentieren kann innerhalb eines Satzes erfolgen, oder sich über mehrere Sätze oder gar Seiten ziehen. Konzessive Verknüpfung innerhalb eines Satzes • Trotz: „Trotz der geringen Anzahl an Probanden und Probandinnen, …“ • Zwar …, aber/ allerdings: „Zwar handelt es sich hierbei um eine kleine Stichprobengröße, aber …“ • Obwohl … (so) …: „Obwohl das Testergebnis nicht hochsignifikant ist, (so) zeigt sich …“ Konzessive Verknüpfung zweier Sätze • Es stimmt, dass … Jedoch … • Gewiss … Trotzdem … • Es mag so sein, dass … Dennoch … Konsekutive Verknüpfungen erlauben die sprachliche Darstellung, dass B die Konsequenz aus A ist, und stehen häufig am Ende von Argumentationen. Konsekutive Verknüpfungen • Daraus ergibt sich/ folgt/ lässt sich ableiten, dass … • Folglich/ Infolgedessen: „Eine Standardisierung der Ladenöffnungszeiten ist folglich zu bevorzugen.“/ „Infolgedessen ist eine Standardisierung der Laden‐ öffnungszeiten zu bevorzugen.“ Zu wissenschaftlichen Argumentationen gehören auch Beispiele, die Ihr Argument veranschaulichen. 7.5 Argumentativer Text 163 <?page no="164"?> Beispiele einführen • Beispielsweise: „Organe der Europäischen Union sind beispielsweise das Europäische Parlament oder der Europäische Rat.“ • Exemplarisch: „Die Schwächen eines gemeinsamen europäischen Wirt‐ schaftsraums lassen sich exemplarisch an folgenden Problemen zeigen …“ • Zum Beispiel: „Eine viel zitierte EU-Verordnung ist zum Beispiel die ‚Gur‐ kenverordnung‘.“ 7.5.2 Struktur eines argumentativen Textes: Kontrastierung Prüfungen verlangen gerne, verschiedene Argumente miteinander zu kontrastieren. Daher finden Sie im Folgenden dafür eine idealtypische Struktur. Einleitung In der Einleitung benennen Sie das Thema (seine Relevanz und Reichweite) und stellen einen Bezug für den Leser oder die Leserin her. Folgende Fragen können Ihnen helfen, einen Einstieg zu finden: • Handelt es sich um ein besonders aktuelles Problem? • Ist es weit verbreitet in Deutschland, in Ihrem Heimatland oder in der restlichen Welt? • Spielt das Thema in der Gegenwart eine Rolle oder bezieht es sich vor allem auf eine Änderung in der Zukunft? Stellen Sie außerdem die Perspektiven vor, die Sie miteinander kontrastieren wollen. Welche Akteure und Akteurinnen betrifft dieses Thema? Hauptteil Im Hauptteil stellen Sie die Vor- und Nachteile für die verschiedenen Gruppen einander gegenüber. Dabei müssen Sie sich zum Beispiel in die Rolle eines Arbeitgebers oder einer Arbeitnehmerin hineinversetzen und verschiedene Perspektiven miteinander kontrastieren. Die Argumentationsstruktur könnte so aussehen: • Argument 1: Vorteil für Gruppe 1 • Argument 2: Vorteil für Gruppe 2 • Argument 3: Nachteil für Gruppe 1 • Argument 4: Nachteil für Gruppe 2 164 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="165"?> Achten Sie darauf, die Perspektiven der einzelnen Gruppen möglichst objektiv darzu‐ stellen und vermeiden Sie emotionale Formulierungen. Begründen Sie Ihre Behaup‐ tungen und nennen Sie unbedingt Beispiele, um diese zu veranschaulichen. Schluss Zum Schluss ziehen Sie ein Fazit aus den im Hauptteil präsentierten Argumenten: Überwiegen die Vor- oder Nachteile? Warum? Formulieren Sie eine Stellungnahme, in der Sie eine Schlussfolgerung aus den Argumenten ableiten. Je nach Kontext bieten sich unpersönliche oder persönliche Formulierungen an, wobei die persönlichen im wissenschaftlichen Kontext eher zu vermeiden sind. Eigene Positionierung unpersönlich • Daraus ergibt sich (der Schluss/ die Schlussfolgerung), dass … • Es ist festzuhalten, dass … persönlich • Meiner Meinung nach … • Ich bin der Ansicht, dass … 7.5.3 Textbeispiel Homeoffice - Fluch oder Segen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber? Spätestens seit der Corona-Pandemie ist das Homeoffice, das heißt das Arbeiten von zu Hause aus, aus dem Berufsalltag zahlreicher Deutscher nicht mehr wegzudenken. Forderungen, ein Recht auf Homeoffice auch in postpandemischen Zeiten gesetzlich zu verankern, mehren sich. Wenn Menschen von zu Hause aus arbeiten, bringt das Vorteile, allerdings auch Nachteile für Arbeitnehmer/ Arbeitnehmerinnen sowie Arbeitge‐ ber/ Arbeitgeberinnen mit sich. Einerseits liegen gerade für die Arbeiternehmer und Arbeitnehmerinnen die Vorteile auf der Hand: Viele sparen sich lange Anfahrtswege zum Büro, die nicht nur Zeit, sondern auch Geld kosten. Darüber hinaus lässt sich der Alltag im Homeoffice viel flexibler gestalten. Beispielsweise können kranke Kinder notfalls nebenbei betreut werden oder Handwerkertermine in der Wohnung wahrgenommen werden. Andererseits kann genau diese Flexibilität für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen belastend sein. Arbeit und Freizeit sind nicht mehr räumlich getrennt, wenn man zum Beispiel am Küchentisch zu jeder Tageszeit E-Mails beantworten kann. 7.5 Argumentativer Text 165 <?page no="166"?> Für Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen bringt das Homeoffice vor allem finanzielle Vorteile: Wenn ihre Mitarbeitenden vermehrt von zu Hause aus arbeiten, verringern sich infolge‐ dessen Energie- und Instandhaltungskosten des Büros. Außerdem können kleinere Büros gemietet werden, wenn eingeplant wird, dass ein Teil der Belegschaft immer im Homeoffice arbeitet. Im Gegensatz dazu entziehen sich die Mitarbeitenden im Homeoffice größtenteils der Kontrolle, was zu einer geringen Produktivität führen kann und folglich einen finanziellen Schaden für das Unternehmen darstellt. Obwohl das Homeoffice mehrere Nachteile aufweist, bin ich der Ansicht, dass die Vorteile überwiegen. Zwar kann eine zu große Flexibilität belastend sein und zu einer geringen Produktivität führen. Doch mit Kontrollmechanismen von der Arbeitgeberseite, wie beispielsweise Zeiterfassungssoftwa‐ res, kann sichergestellt werden, dass die Arbeitnehmer und Arbeiternehmerinnen weder zu viel noch zu wenig arbeiten. So können mit Homeoffice alle Beteiligten Geld sparen und aufgrund der erhöhten Flexibilität erfahren die Arbeitnehmer und Arbeiternehmerinnen mehr Gestaltungsfreiheit in ihrem Berufsleben, was zu mehr Zufriedenheit führen sollte. 7.6 Laborbericht Das Wichtigste in Kürze • Der Laborbericht ist klar strukturiert und hält alle Einzelschritte des ex‐ perimentellen Arbeitens fest. Er enthält Fragestellung, Hypothesen und Ergebnisse des Experiments. • Es gibt eine Trennung zwischen Präsentation und Diskussion der Ergebnisse. • Er basiert auf den während des Experiments gemachten Notizen, die Sie in einem Laborbuch festhalten. 7.6.1 Überblick Laborberichte diskutieren Fragestellung, Hypothesen und Ergebnisse eines naturwis‐ senschaftlich-technischen Experiments und dokumentieren die einzelnen Phasen des experimentellen Arbeitens. Im Studium werden sie beispielsweise nach einem Labor‐ praktikum als Leistungsnachweis verfasst. Die Funktion eines Laborberichts ist, das jeweilige Experiment theoretisch und praktisch nachvollziehbar zu machen. Eine theoretische Nachvollziehbarkeit be‐ deutet, dass der wissenschaftliche Hintergrund und die Bedeutung des Experiments erläutert werden. Sie erklären, warum das Experiment durchgeführt wurde und welche Erwartungen damit verknüpft wurden. Eine praktische Nachvollziehbarkeit heißt, dass aus dem Experiment gewonnene Ergebnisse jederzeit überprüft und reproduziert 166 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="167"?> werden können. Deshalb geben Sie als Verfasser oder Verfasserin eine genaue Anlei‐ tung zur Versuchsdurchführung. Stellen Sie sich diese Anleitung wie ein Kuchenrezept vor: Wenn jemand den gleichen Kuchen wie Sie backen möchte, kann dies nur gelingen, wenn das Rezept die jeweiligen Arbeitswerkzeuge, Zutaten und Arbeitsschritte präzise erfasst. Grundlage für dieses „Rezept“ ist das Laborbuch, auch Laborjournal oder Protokollbuch genannt, in dem Sie während eines Experiments alle wichtigen Details notieren, um damit anschließend einen Laborbericht zu formulieren. Achten Sie auf folgende Punkte: • Notieren Sie alles in einem Buch. Schreiben Sie darin Ihren Namen und Ihre Adresse, falls es verloren geht. • Notieren Sie sich jedes Detail, wie beispielsweise Messeinstellungen oder Stoff‐ mengen. Notieren Sie es sofort. Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Gedächtnis. • Wenn Sie als Werkstudent oder Werkstudentin in Forschungslaboren der Industrie arbeiten, kann es sein, dass die Laborbücher Eigentum des Unternehmens sind. Sie müssen diese zurückgeben, wenn Sie das Unternehmen verlassen. Wichtig: Es gibt mittlerweile Elektronische Laborbücher (ELN - electronic lab notebooks), die Bestandteil größerer Laborinformationssysteme sind. Diese sind durchsuchbar und automatisieren wiederkehrende Aufgaben. Die Website der Fraun‐ hofer-Gesellschaft gibt einen Überblick über gängige ELN: https: / / websites.fraunho fer.de/ lost-in-life-sciences/ ? p=52. Informieren Sie sich bei Ihrer Universität, welche Lizenzen verfügbar sind. Mithilfe des Laborbuchs schreiben Sie am Ende den Laborbericht, den Sie bei Ihrem Dozenten oder Ihrer Dozentin abgeben. Der Laborbericht folgt in seinem Aufbau der Logik des experimentellen Arbeitens: • Fragestellung und Hypothesen: Damit wird konkretisiert, welche Erkenntnisse durch das Experiment überhaupt gewonnen werden sollen. • Versuchsaufbau und -durchführung: Anschließend erfolgt die genaue Schilderung des Experiments. Denken Sie daran, dass Sie alle Arbeitsschritte und verwendeten Materialien dokumentieren müssen, damit das Experiment reproduziert werden kann. Nutzen Sie Skizzen, um den Versuchsaufbau nachvollziehbar zu gestalten. • Präsentation und Diskussion der Ergebnisse sind getrennt: Im ersten Schritt werden die gewonnen Ergebnisse präsentiert. Dazu bieten sich Tabellen und Diagramme an. Im zweiten Schritt werden die Ergebnisse diskutiert, das heißt interpretiert und in den Forschungsdiskurs eingeordnet. Sie beantworten Fra‐ gen wie „Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus den Ergebnissen ziehen? “, „Konnten meine Hypothesen belegt werden? “ und „Kamen andere Forscher und Forscherinnen zu ähnlichen Ergebnissen? “ 7.6 Laborbericht 167 <?page no="168"?> Die Sprache des Laborberichts orientiert sich am Selbstverständnis des naturwissen‐ schaftlichen-technischen Experimentierens, allgemeingültige Sachverhalte zu erfor‐ schen und Gesetzmäßigkeiten zu entdecken. Dieses Selbstverständnis manifestiert sich im Laborbericht im Verzicht auf persönliche Formulierungen wie „Ich habe beobachtet, dass …“. In dem Laborbericht geht es nicht um Sie als beobachtende Person, sondern um die einzelnen Schritte des experimentellen Arbeitens. Nutzen Sie stattdessen unpersönliche Konstruktionen, um als handelndes Subjekt zurückzutreten und das Experiment in den Fokus zu stellen. Unpersönliche Konstruktionen • Passiv: Um DNA-Reste loszuwerden, führe ich als nächsten Schritt die DNAse-Behandlung durch. → Um DNA-Reste loszuwerden, wird als nächs‐ ter Schritt die DNAse-Behandlung durchgeführt. • „man“: Nach der Inbetriebnahme der Schaltung stelle ich eine Spannung von −0,5 V ein → Nach der Inbetriebnahme der Schaltung stellt man eine Spannung von −0,5 V ein. • Adjektivsuffixe wie -fähig, -förmig, -bar, -lich: Ich kann die Achse drehen → Die vordere Achse ist drehbar. • Subjektivwechsel: Ich gebe nach zwei Minuten 100 µl Chloroform hinzu. → Die Zugabe von 100 µl Chloroform erfolgt nach zwei Minuten. Bei der Beschreibung eines Experiments müssen Sie häufig Vorgänge schildern, die in einer konditionalen Beziehung zueinanderstehen. Das bedeutet, dass die Handlung A die Bedingung ist, damit die Handlung B geschieht: Wenn beispielsweise A gedrückt wird, dann setzt sich B in Bewegung. Bedingungen ausdrücken • Konjunktion „wenn“: „Wenn sich der Druck ändert, dann entweicht die Luft aus dem Ballon.“ • Verbinitialstellung: Die Verbinitialstellung bedeutet, dass das Verb an erster Stelle steht und auf die Konjunktion „wenn“ verzichtet wird. Dadurch verkürzt sich der Satz. → „Ändert sich der Druck, entweicht die Luft aus dem Ballon.“ • Syntaktische Kondensation: Ebenfalls verkürzen lässt sich ein Satz, indem ein Kompositum gebildet wird. → „Bei Druckänderung entweicht die Luft aus dem Ballon.“ 168 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="169"?> Tipp: Konjunktiv II Nutzen Sie den Konjunktiv II, um einen nicht vorhandenen oder realisierbaren Vorgang während des Experiments zu beschreiben. • „Die Flüssigkeit träte durch die Öffnung A in den Hohlraum ein.“ → Aus verschiedenen Gründen ist das nicht erfolgt. Achten Sie im Laborbericht auf eine korrekte wissenschaftliche Terminologie. Infor‐ mieren Sie sich zu den Nomenklaturen Ihres Fachs, das sind die Regeln der fachlichen Begriffsbildung, und vermeiden Sie Übersetzungsfehler: Aus historischen Gründen haben sich in verschiedenen Sprachen oft unterschiedliche Begriffe etabliert. Beispiels‐ weise heißt „Sodium“ (engl.) auf Deutsch „Natrium“. „X-Ray“ (engl.) bezieht sich im Deutschen auf den Eigennamen des Erfinders Röntgen („Röntgenstrahlen“). 7.6.2 Struktur eines Laborberichts Titelblatt Auf dem Titelblatt finden sich die wesentlichen Informationen, um das Experiment eindeutig zuzuordnen: • der eigene Name sowie Matrikelnummer, Studiengang, Semester, • Name der Hochschule und des Instituts, • Titel und Versuchsnummer des Experiments, • Zeit und Ort des Experiments, • Name der Betreuung. Einleitung In der Einleitung erklären Sie den Hintergrund des Experiments, indem Sie eine Fra‐ gestellung formulieren, Hypothesen aufstellen und auf die Relevanz der Erkenntnisse eingehen. Warum wurde das Experiment durchgeführt? Welche Ergebnisse wurden erwartet? Materialliste Geben Sie alle benötigten Materialien an, um den Versuch durchzuführen. Dazu gehören beispielsweise: • Messgeräte, Glasware, • verwendete Chemikalien, • genaue Beschreibungen der Versuchsorganismen sowie Herkunft und Verbleib. 7.6 Laborbericht 169 <?page no="170"?> Methodik Sie beschreiben die eingesetzte Analyse- und Messmethode und begründen Ihre Wahl. Dazu gehört auch, dass Sie den Versuchsaufbau genau beschreiben: Gehen Sie auf die Zusammensetzung der einzelnen Teile ein und nutzen Sie zur Veranschaulichung eine Skizze. Versuchsdurchführung Schildern Sie in Einzelschritten (! ) unter Zeitangaben die Abfolge des Versuchs. Ergebnisse Dokumentieren Sie in tabellarischer Form die Rohdaten, welche Sie bei der Geräteab‐ lesung erhalten. Die Rohdaten sind wichtig, um spätere Umrechnungsfehler o. ä. zu identifizieren und Ergebnisse zu rekonstruieren. Ergebnisdiskussion In der Diskussion interpretieren Sie Ihre Daten: Sie gleichen die Ergebnisse mit den zuvor aufgestellten Hypothesen ab und ordnen Sie in den Forschungsdiskurs ein, das heißt Sie überprüfen, ob ähnliche Experimente zu ähnlichen Ergebnissen kamen. Zu einer anspruchsvollen Ergebnisdiskussion gehört auch eine kritische Auseinanderset‐ zung, in der Sie etwaige Messfehler und andere Einschränkungen der Aussagekraft diskutieren. Literatur Wie in anderen wissenschaftlichen Textsorten müssen Sie die verwendete Fachlitera‐ tur angeben. Dazu gehören auch die im Labor genutzten Versuchsanleitungen und Arbeitsvorschriften. 170 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="171"?> 7.6.3 Textbeispiel Versuchstechnisches Praktikum Aeroakustik Dozentin: Dipl.-Ing. Sabine Henriksen - Hochschule München -Verfasser: -Robin Müller - Matrikelnummer: 0137685 - Studiengang: Fahrzeugtechnik - Semester: 5. Semester -Versuchstermin: -28.05.2022, Hochschule München -Versuchsnummer: -VTPA-02 -Abgabetermin: -11.06.2022 1. Einführung Die Aeroakustik behandelt die Entstehung und Ausbreitung aerodynamisch erzeugter Geräusche. Im Bereich der Fahrzeugtechnik spielt die Aeroakustik inzwischen eine bedeutende Rolle. […] Das durchgeführte Experiment mit der Versuchsnummer VTPA-02 untersucht das Innengeräusch und somit die Belastung des Gehörs unter einem Motorradhelm bei Anströmung im Windkanal. Bei Geschwindigkeiten von 100 km/ h überschreiten diese bereits deutlich den gesetzlich zulässigen Höchstwert an Arbeitsplätzen. Die bei diesem Versuch entstehenden Erkenntnisse sind wichtig für die Weiterentwicklung von Motorradhelmen. […] In diesem Versuch wird das Innengeräusch einmal bei ungestörter Anströmung und einmal im Gebiet einer Scherströmung gemessen. 2. Materialliste und Versuchsvorgaben [….] 3. Methodik Der Testperson wird der zu testende Motorradhelm, hier ein serienmäßiger BMW Systemhelm 4 mit Klappvisier, aufgesetzt. […] 7.6 Laborbericht 171 <?page no="172"?> Abbildung: Versuch mit ungestörter Anströmung Abbildung: Versuch in Scherströmung Bei der ersten Variante mit ungestörter Anströmung sitzt die Testperson auf einem Stuhl. Um den Versuch im Gebiet der Scherströmung zu messen, sitzt die Testperson auf einem Klotz mit deutlich niedrigerer Höhe. 4. Versuchsdurchführung Versuch 1: ungestörte Anströmung Die Testperson sitzt mit aufgesetztem Helm auf ei‐ nem Stuhl. Der Kopf befindet sich mittig vor dem Düsenquerschnitt. Sobald die Testperson richtig po‐ sitioniert ist, wird der Windkanal auf 400 U/ min be‐ schleunigt. Dies entspricht einer austretenden Wind‐ geschwindigkeit von 10 m/ s bzw. 36 km/ h. Dann wird die Messung gestartet. Beide Mikrofone messen das Innengeräusch für 20 Sekunden. Dies entspricht der Zeitspanne, die das menschliche Gehör benötigt, um sich ein Schallereignis merken zu können. Der Laptop zeigt zeitgleich das Frequenzspektrum und Zeitsignal. Versuch 2: Scherströmung Bei der zweiten Variante sitzt die Testperson auf einem Holzklotz, wodurch sich der Kopf auf einer deutlich niedrigeren Höhe befindet. Die Helmposi‐ tion liegt nun im unteren Gebiet der Scherströmung, so dass der Kinnbereich in das Wirbelgebiet ein‐ taucht. Somit bildet der Helm die Abströmkante eines Windschilds. Auch hier wird der Windkanal wieder auf 400 U/ min beschleunigt und anschließend eine 20-sekündige Messung durchgeführt. 5. Ergebnisse In der nachfolgenden Tabelle sind Messwerte der beiden Versuche nach Frequenzen dargestellt. Außerdem ist zu jeder Messreihe der Gesamtschallpegel eingetragen. Dieser wurde mit der folgenden Formel berechnet. 172 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="173"?> links rechts links rechts 1 12,5 15,9 16,9 36,5 37,2 2 16 23,5 23,7 35,4 35,8 3 20 27,5 27,5 43,0 43,0 4 25 32,0 31,2 48,6 48,4 5 32 37,6 37,1 52,6 52,3 6 40 41,7 39,8 57,3 56,7 7 50 44,3 42,8 60,6 60,1 8 63 49,1 48,1 64,4 63,6 9 80 53,1 52,4 66,1 65,5 10 100 55,4 54,4 67,1 66,9 11 125 66,2 66,0 69,2 69,1 12 160 61,0 60,8 68,4 68,8 13 200 64,0 63,8 68,7 68,8 14 250 66,6 66,3 69,3 69,2 15 315 68,3 69,0 71,2 71,6 16 400 70,8 70,6 70,6 71,5 17 500 69,0 67,4 67,8 68,6 18 630 67,7 66,8 68,3 66,8 19 800 68,6 67,5 69,1 67,5 20 1000 66,3 64,7 65,6 63,9 21 1250 59,2 58,5 57,2 56,8 22 1600 54,5 55,1 55,0 55,7 23 2000 52,8 53,6 53,0 53,5 24 2500 51,8 51,8 52,0 52,5 25 3150 51,7 51,9 51,9 52,4 26 4000 52,0 52,4 52,3 52,7 27 5000 52,4 53,0 52,7 53,3 28 6300 52,9 53,8 53,0 53,7 29 8000 53,4 53,9 53,5 54,0 30 10000 54,2 54,7 54,2 54,7 1. Messung in dB 2. Messung in dB Terzmittenfrequenz [Hz] Zeit [s] Tabelle: Messwerte Versuch Innengeräusch Motorradhelm 7.6 Laborbericht 173 <?page no="174"?> 6. Diskussion der Ergebnisse Diagramm 1: Messwerte am linken Ohr Diagramm 2: Messwerte am rechten Ohr In den Diagrammen 1 und 2 wurden jeweils die Messwerte für das linke bzw. rechte Ohr aufgetragen. In beiden Diagrammen ist bei Messung 1 bei den tiefen bis mittleren Frequenzen ein geringerer Pegel zu erkennen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass bei Versuch 2 (tiefere Helmposition) der Helm anders angeströmt wird. Dabei prallt die Scherschicht auf die Kinnpartie des Helms. Diese entsteht im Grenzbereich zwischen 174 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="175"?> bewegter und ruhiger Luft. Somit entsteht ein großer Wirbel, welcher den Helm tieffrequent anregt. […] Ein deutlicher Peak in Messung 1 ist bei 125 Hz zu erkennen. Dieser tritt sowohl links als auch rechts auf. Da dieser aber nur in Messung 1 und nicht in Messung 2 auftritt, kann man davon ausgehen, dass dies keine Antriebsgeräusche des Windkanals sind. Diese Geräusche entstehen vermutlich durch Schwingungen im Lüftungskanal hinter dem Ohr oder durch Verwirbelungen an der Kinnöffnung. […] Als Schlussfolgerung ist zu ziehen, dass sich Windkanalversuche gut eignen, um die Innengeräusche im Helm zu optimieren, da sich durch Referenzmessungen die Wind‐ kanalgeräusche bestimmen und somit berücksichtigen lassen. Durch verschiedene Versuche und Veränderungen am Helm können die Ursachen der Geräusche bestimmt und verbessert werden. Es ist allerdings erforderlich, dass nur die Windgeräusche eliminiert werden. Motorengeräusche und zum Beispiel Sirenen oder Hupen müssen jedoch weiterhin gut hörbar sein. 7 Literatur [….] 8 Abbildungsverzeichnis […] 7.7 Seminararbeit Das Wichtigste in Kürze • Eine Seminararbeit ist eine schriftliche Arbeit, die Sie im Rahmen eines Seminars selbstständig verfassen. • Sie bearbeiten ein Thema, indem eine Forschungsfrage beantwortet wird. Die Seminararbeit ist eine „wissenschaftliche“ Arbeit, das heißt sie strebt Objek‐ tivität an und basiert auf wissenschaftlichen Methoden, setzt sich mit vorhande‐ nem Wissen kritisch, reflektiv und argumentativ auseinander und versucht, neue Erkenntnisse zu schaffen. 7.7.1 Überblick Eine Seminararbeit oder Hausarbeit ist eine schriftliche Arbeit, die Sie selbstständig nach Rücksprache mit Ihrer Dozentin oder Ihrem Dozenten im Rahmen eines Seminars 7.7 Seminararbeit 175 <?page no="176"?> zu einem bestimmten Thema verfassen. Diese Arbeit kann auf einem Referat basieren, das Sie zuvor im Seminar gehalten haben. Sie verfassen die Seminararbeit, indem Sie • eine klare Forschungsfrage formulieren, • eine gezielte Literaturrecherche durchführen, Fachliteratur lesen und diese auch ganz genau angeben, • darauf basierend Hypothesen ableiten, • mithilfe einer wissenschaftlichen Argumentation und wissenschaftlicher Me‐ thoden die Fragestellung beantworten. Diese Teilschritte ziehen sich über mehrere Wochen, während derer Sie idealerweise von dem Betreuer oder der Betreuerin Ihrer Arbeit unterstützt werden: Diskutieren Sie mit ihm oder ihr auf jeden Fall die Gliederung sowie die Forschungsfrage der Arbeit und besuchen Sie, wenn notwendig, die Sprechstunden. Die Funktion einer Seminararbeit ist, das wissenschaftliche Arbeiten einzuüben und Sie auf Ihre Abschlussarbeit vorzubereiten. Wissenschaftliches Arbeiten bedeu‐ tet, sich kritisch mit vorhandenem Wissen auseinanderzusetzen und unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden neues Wissen zu generieren. Im Rahmen einer Seminar‐ arbeit ist es meist nicht möglich, wirklich neue Erkenntnisse zu schaffen. Hier geht es eher darum, vorhandenes Wissen aus einer neuen Perspektive zu betrachten, Theorien zu vergleichen und erste Erfahrungen im empirischen Arbeiten zu sammeln. Sie stützen sich auf vorhandenes Fachwissen und setzen sich damit auseinander, wenn Sie • wichtige Termini oder Theorien einführen, • Sie den Forschungsstand erläutern, indem Sie verschiedene Forschungspositionen miteinander vergleichen, • die zugrundeliegende Methodik erklären und sich auf das Forschungsdesign anderer Studien beziehen, • Ihre Ergebnisse mit denen anderer Untersuchungen vergleichen. Zitat Sie sehen also, dass die Seminararbeit beziehungsweise das wissenschaftliche Arbeiten per se intertextuell ist. Intertextualität bedeutet, dass man sich in einem Text auf andere Texte bezieht. Ein wichtiges Phänomen der Intertextualität ist das Zitat. Je nach Fach gibt es verschiedene Zitierstile, die meist auf der Website des Instituts erklärt werden. Abgesehen von Zitierstilen kann man verschiedene Zitatformen unterscheiden: Es gibt direkte und indirekte Zitate. Ein direktes Zitat ist eine wörtliche Übernahme des Originals. Beispiel: In dem im Jahr 2021 erschienenen Text von H. Becker steht auf Seite 22 „Wir müssen die getroffenen Maßnahmen scharf kritisieren“. Dann schreiben Sie in Ihrer Arbeit: „H. Becker (2021: 22) argumentiert: ‚Wir müssen die getroffenen Maßnahmen scharf kritisieren.‘“ Achten Sie beim direkten Zitat auf folgende Punkte: 176 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="177"?> • „Wörtliche Übernahme“ bedeutet, dass Sie wirklich jedes Wort übernehmen müs‐ sen - auch bei einem Fehler im Originaltext. Markieren Sie den Fehler, indem Sie in eckigen Klammern [sic! ] schreiben. Wenn beispielsweise im Originaltext fälschlicherweise „wiederspiegeln“ anstatt „widerspiegeln“ steht, dann zitieren Sie den Satz so: Er stellt fest, dass „sich Simone de Beauvoirs autobiographisches Schreiben in Annie Ernaux’ Werken wiederspiegelt [sic! ].“ • Markieren Sie Auslassungen oder Umstellungen: H. Becker hebt hervor, dass „wir […] die getroffenen Maßnahmen scharf kritisieren [müssen].“ Mit den eckigen Klammern zeigen Sie, dass Sie den Satz leicht verändert haben. • Das direkte Zitat ist sinnvoll, wenn es Ihnen um den genauen Wortlaut des Originals geht oder wenn Sie Begriffe einführen wollen. Das indirekte Zitat formuliert mit eigenen Worten den Sinn des Originals. Wenn beispielsweise eine Studie von C. Müller aus dem Jahr 2022 zeigt, dass die Mehrheit der Lehrkräfte am Gymnasium unzufrieden mit den neuen Lehrplänen ist, dann schreiben Sie in Ihrer Arbeit: „Eine Untersuchung von C. Müller (2022) kommt zu dem Ergebnis, dass 55 % der befragten Lehrkräfte die Lehrpläne als nicht zufriedenstellend betrachten.“ Beachten Sie beim indirekten Zitat: • Mit einem indirekten Zitat können Sie wenige Sätze, mehrere Seiten oder eine ganze Studie zusammenfassen. • Formulieren Sie mit Ihren eigenen Worten und achten Sie darauf, den Inhalt des Originaltexts nicht zu verfälschen. • Das indirekte Zitat ist sinnvoll, wenn Sie Informationen zusammenfassen wollen und es Ihnen nicht um den genauen Wortlaut geht. Zitate einleiten • Zwei wichtige Studien zu dieser Fragestellung stammen von X und Y. • Laut XY ist … • Die Arbeit von XY untersucht/ geht der Frage nach/ erforscht … Es ist sehr wichtig, dass Sie angeben, woher ein Zitat stammt. So kann der Leser oder die Leserin das Zitat überprüfen und den Originaltext für die eigene Arbeit verwenden. Wenn Sie nicht angeben, dass es sich um ein Zitat handelt, dann begehen Sie ein Plagiat. Ein Plagiat ist die unrechtmäßige Aneignung fremder Gedanken. Sie tun also so, als würde es sich um Ihre Ideen handeln, obwohl Sie sie von anderen übernommen haben. Das ist nicht erlaubt. Seien Sie in Bezug auf Zitate transparent und überprüfen Sie die Aussagen in Ihrer Seminararbeit kritisch. Die Qualität einer Arbeit ist nicht geringer, wenn man viele Zitate und Quellen verwendet. Eine Arbeit wird aber wertlos, wenn die Quellen nicht korrekt angegeben sind. Wichtig: Insbesondere bei längeren Seminararbeiten und Abschlussarbeiten ist dringend zu empfehlen, ein Literaturverwaltungsprogramm zu verwenden. Das 7.7 Seminararbeit 177 <?page no="178"?> ist ein Computerprogramm, das Fachliteratur und die damit verbundenen Zitate archiviert und hilft, sie in die wissenschaftliche Arbeit einzubinden und automatisiert ein Literaturverzeichnis zu erstellen. So verlieren Sie nicht den Überblick. Gängige Softwares sind beispielsweise Citavi (Windows), Endnote (Windows, Mac) oder Zotero (Windows, Mac). Informieren Sie sich bei Ihrer Universität, welche Lizenzen verfügbar sind. Forschungsfrage Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet, sich mit vorhandenem Wissen auseinanderzu‐ setzen und neues Wissen zu erschaffen. Dazu müssen Sie in Ihrer Seminararbeit eine Fragestellung entwickeln. Das ist eine Leitfrage für Ihre Arbeit, die eine Forschungs‐ lücke abdeckt. Eine Forschungslücke bedeutet, dass sich noch niemand oder nur sehr wenige Forschende mit einem bestimmten Aspekt beschäftigt haben. Sie finden diese, indem Sie Fachliteratur lesen und den Diskussionen im Seminar folgen. Wenn Sie beispielsweise Psychologie studieren und Ihnen auffällt, dass es kaum Untersuchungen zur psychischen Gesundheit ukrainischer Geflüchteter in Hamburg gibt, dann kann das die Forschungsfrage Ihrer Arbeit sein. Beachten Sie: In einer Seminararbeit ist es nicht immer möglich, eine Forschungslücke abzudecken. Bei einer Abschlussarbeit sollten Sie allerdings eine Forschungsfrage finden, die bisher kaum behandelt wurde. Eine Forschungsfrage • formuliert klar den Untersuchungsgegenstand, • lässt sich mithilfe wissenschaftlicher Methoden und Theorien beantworten, • ist offen gestellt, sodass man Argumente entwickeln kann, und sie wird am Ende der Arbeit beantwortet. Achten Sie darauf, eine Forschungsfrage zu entwickeln, die Sie auch beantworten können. Das bezieht sich nicht nur auf die Methode, sondern auch auf den Umfang der Forschungsfrage. Meistens wählen Studierende eine zu große Forschungsfrage, die in einer Seminararbeit aber gar nicht beantwortet werden kann. Grenzen Sie Ihre Forschungsfrage mithilfe folgender Aspekte ein: • zeitlich: zum Beispiel 1990er Jahre, 2021 - 2022, • geographisch: in der Stadt München, in Deutschland etc., • nach Institutionen: zum Beispiel an der Universität, an Grundschulen, KFZ-Be‐ triebe, • nach Personengruppen: zum Beispiel demografische Merkmale wie Alter, Ge‐ schlecht, Bildungshintergrund, Religionszugehörigkeit, • nach Quellen: zum Beispiel historische Quellen wie Briefe oder Gesetzestexte, • nach Personen: zum Beispiel die Dramen der Schriftstellerin Elfriede Jelinek, die Briefe der Psychoanalytikerin Sabina Spielrein, • nach Theorieansätzen bzw. Erklärungskonzepten: zum Beispiel das Sprachmodell nach Karl Bühler, • nach empirischen Rahmenbedingungen. 178 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="179"?> Wissenschaftssprache Eine wichtige Frage, die sowohl die Funktion als auch die Sprache der Seminararbeit betrifft, ist, wen diese eigentlich adressiert. Stellen Sie sich am besten vor, Sie schreiben Ihre Seminararbeit für eine interessierte Leserin aus Ihrem Fach, die bisher kaum zu Ihrem Thema gearbeitet hat. Das bedeutet, dass Sie allgemeine Fachbegriffe vorausset‐ zen können. Sie müssen allerdings • zentrale Begriffe Ihres Themas definieren, • die Leserin von Ihrer Vorgehensweise und der Relevanz des Themas überzeugen, • explizit die Fragestellung und Hypothesen erläutern, auch wenn diese bereits in der Sprechstunde besprochen wurden. Es ist vollkommen normal, wenn Sie anfangs Probleme haben, sich auf Deutsch „wissenschaftlich“ auszudrücken. Es ist wie bei einer Fremdsprache, die Sie sich nach und nach aneignen müssen: Diese „Fremdsprache“ lernen Sie über Fachtexte, Diskussionen im Seminar oder Vorlesungen. Natürlich hat jedes Fach eigene fachsprachliche Begriffe, Konstruktionen und Abkürzungen, die Sie im Studium mehr oder weniger explizit lernen. Darüber hinaus gibt es allerdings Merkmale und sprachliche Mittel, die fachübergreifend existieren. Diese „deutsche Wissenschaftssprache“ folgt fachübergreifend folgenden Prinzipien: • Objektivität: In wissenschaftlichen Arbeiten sollten keine subjektiven Wertungen erfolgen und keine Emotionen präsent sein. • Distanz: Selbstreferenz wird stark vermieden, um den Untersuchungsgegenstand in den Vordergrund zu rücken und nicht die forschende Person. • Präzision und Prägnanz: Sie nutzen Fachbegriffe und allgemeinwissenschaftliche Begriffe, um viel Information kurz und genau auszudrücken. Vermeiden Sie subjektive Einstellungen („ich“, „glauben, meinen, denken …“) und wertende Adjektive wie „großartig“, „schrecklich“, „genial“. Schreiben Sie beispiels‐ weise nicht „Die Methode X wird ausgewählt, weil sie großartig ist.“ Schreiben Sie stattdessen: „Die Methode X wird ausgewählt, weil sie aus folgenden Gründen eine präzise Erfassung des Gegenstandes erlaubt/ weil sie sich in der Forschung bewährt hat/ weil sie Probleme anderer Methoden vermeidet.“ Objektivität, Distanz und Prägnanz lassen sich mithilfe verschiedener sprachlicher Mittel ausdrücken, die fachübergreifend funktionieren. Unpersönliche Konstruktionen • Passivkonstruktionen: Ich beschreibe jetzt meine Ergebnisse. → Die Ergeb‐ nisse werden im Folgenden beschrieben. • Infinitivkonstruktion: Ich denke, dass die Ergebnisse toll sind. → Es ist anzunehmen, dass die Ergebnisse aussagekräftig sind. 7.7 Seminararbeit 179 <?page no="180"?> • Modalverb und Passiv: Ich zeige, dass das Argument nicht gut ist. → Im Folgenden soll gezeigt werden, dass das Argument problematisch ist. • Adjektivsuffix -bar: Die Achse kann gedreht werden → Die Achse ist drehbar. • Es-Konstruktionen: Es ergeben sich folgende Resultate … Es zeigt sich, dass … Nomen • Nominalisierung: Ich erhöhe die Spannung nach 20 Minuten → Die Span‐ nungserhöhung erfolgt nach 20 Minuten. • Subjektwechsel: Ich untersuche, ob … → Die Studie untersucht, ob … • Komposita verkürzen und präzisieren: Ich habe die Daten im Jahr 2020 erhoben. → Im Erhebungsjahr 2020 … Ein weiterer wichtiger Aspekt wissenschaftlicher Arbeiten ist die Kohärenz: Das bedeutet die logisch-thematische Verknüpfung einzelner Kapitel, Textteile und Sätze. Beachten Sie, dass jedes Kapitel in einer wissenschaftlichen Arbeit zweckmäßig ist, das heißt, es spielt bei der Beantwortung der Forschungsfrage eine Rolle und baut auf dem vorhergehenden auf. Von der Makroebene bis zur Mikroebene können Sie sich immer wieder verschiedene Fragen stellen, um die Kohärenz einzelner Teile zu überprüfen: • Wie ist dieses Kapitel mit dem vorhergehenden verbunden? Wie passen die einzelnen Abschnitte zueinander? • Warum ist dieser Arbeitsschritt relevant? Gibt es logische Zusammenhänge? • Was ist der Zweck des Kapitels? Für potentielle Leser und Leserinnen Ihrer Seminararbeit ist wichtig, diese Verknüp‐ fung auch sprachlich sichtbar zu machen. Dazu geben Sie ihnen explizite Signale, die zeigen, dass jetzt der Übergang zum nächsten Kapitel kommt oder eine Schlussfolge‐ rung eingeleitet wird. Diese Signale • helfen bei der Orientierung im Text, • legen die Struktur des Textes offen, was das Verständnis erleichtert, • erschaffen einen stimmigen Text, der „zusammenpasst“. 180 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="181"?> Orientierung geben • Thema klar benennen: „Diese Arbeit geht der Frage nach […].“ • Gliederung vorstellen: „Im ersten Schritt wird die Theorie XY skizziert, anschließend soll der Einfluss von XY auf Z untersucht werden.“ • Vorgehen beschreiben und logisch begründen: „Aufgrund der großen Bedeu‐ tung der kognitiven Linguistik für die Spracherwerbsforschung sollen die Ergebnisse der neuesten Studien im Folgenden diskutiert werden …“ Kapitel strukturieren und verknüpfen • Fassen Sie wichtige Erkenntnisse am Ende eines Kapitels in einem Satz zusammen: „Knapp zusammengefasst orientiert sich der Forschungsdiskurs in den USA an anderen Zielgruppen.“ • Markieren Sie den Übergang zum nächsten Kapitel: „Das nächste Kapitel widmet sich der Frage …“/ „Im folgenden Kapitel soll diese Hypothese unter‐ sucht werden.“ Der Aufbau einer Seminararbeit folgt der groben Struktur Einleitung - Hauptteil - Schluss. Die Funktion einer Einleitung ist, dem Leser oder der Leserin darüber Orientie‐ rung zu geben, was sie in der Arbeit erwartet. Dazu gehören: • Hinführung zum Thema: Sie erklären die Relevanz Ihres Themas, sowohl in der Gesellschaft als auch im jeweiligen Forschungsfeld. Oft wird ein Bezug zu aktuellen Problemen und Herausforderungen gestellt. • Forschungsfrage und Untersuchungsgegenstand: Sie definieren Ihren Untersu‐ chungsgegenstand und benennen Ihre Fragestellung. Welche Frage soll beantwor‐ tet werden? • Methode: Sie benennen kurz die verwendete Methodik. Wie gehe ich beim Beant‐ worten der Fragestellung vor? • Aufbau der Arbeit: Sie schildern und begründen die Gliederung der Arbeit. Zielsetzung der Arbeit • Diese Arbeit geht der Frage nach, … • Thema der Arbeit ist … • Diese Arbeit beschäftigt sich mit … 7.7 Seminararbeit 181 <?page no="182"?> Der Hauptteil setzt sich aus einem Theorieteil und einem Analyseteil zusammen. Im Theorieteil legen Sie die Grundlagen für Ihre spätere analytische Arbeit: Sie geben einen Überblick über die bisherige Forschung, führen Definitionen ein und erläutern wichtige Theorien. Daraus resultiert eine konkrete Frage (Forschungsfrage) an Ihren Untersuchungsgegenstand: Was wollen Sie genau herausfinden? In manchen Fällen bietet es sich an, Hypothesen zu formulieren. Das sind Annahmen zum Untersuchungsergebnis, die sich falsifizieren lassen. Sie werden so formuliert, dass sie messbar sind. Im Analyseteil versuchen Sie, die Forschungsfragen zu Ihrem Untersuchungsge‐ genstand zu beantworten. Wenn Sie mithilfe praktischer Methoden Daten sammeln, wie beispielsweise über Umfragen oder Beobachtungen, dann arbeiten Sie empirisch. In diesem Fall müssen Sie genau erklären, wie die Daten erhoben wurden und wie diese zusammengesetzt sind. Üblicherweise stellen Sie zuerst in Form von Tabellen oder Abbildungen die Daten vor und interpretieren sie anschließend in Bezug auf Ihre Forschungsfrage. Wenn Sie vorhandene Fachliteratur auswerten und verschiedene Theorien einander gegenüberstellen, dann verfassen Sie eine Literaturarbeit, auch theoretische Arbeit genannt. In diesem Fall entfällt die Angabe zur Datenerhebung. Stattdessen erfolgt im Analyseteil die Auswertung der Literatur. Der Schlussteil einer Arbeit besteht nicht nur aus einer Zusammenfassung, die alle Ergebnisse noch einmal bespricht. Gute Schlusskapitel bilden zusammen mit der Einleitung eine Art Rahmen der Arbeit: In der Einleitung erfolgt der Überblick über die Arbeit, im Schlussteil die Reflexion. Dazu gehören folgende Aspekte: • Schlussfolgerung: Sie fassen die Ergebnisse Ihrer Arbeit zusammen und reflek‐ tieren, welche Schlussfolgerungen sich für Gesellschaft und Forschung ergeben könnten. Was können Ihre Ergebnisse zeigen? Gibt es Anweisungen oder Forde‐ rungen, die sich aus Ihren Ergebnissen ableiten lassen? • Einschränkungen: Sie benennen problematische Aspekte Ihrer Arbeit, die die Aussagekraft der Ergebnisse einschränken könnten. War die Stichprobe zu klein? Gab es Temperaturschwankungen im Labor? Könnte der Fragebogen Ergebnisse verzerren? Versuchen Sie zu begründen, warum Ihre Ergebnisse trotz der Ein‐ schränkungen relevant sind. • Ausblick: Sie geben Anhaltspunkte, welche weitere Forschung man an Ihrem Untersuchungsgegenstand durchführen könnte. Auf welche Aspekte wären Sie noch gern eingegangen? 182 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="183"?> 7.7.2 Struktur einer empirischen Seminararbeit Deckblatt Das Deckblatt umfasst allgemeine Informationen wie • den eigenen Namen, das Studienfach, die Matrikelnummer sowie die E-Mail-Adresse, • den Namen des Betreuers/ der Betreuerin, der Lehrveranstaltung sowie der Uni‐ versität, • Seminararbeitstitel, • Datum und Semester. Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis zeigt die Gliederung der Arbeit und erlaubt der Leserin oder dem Leser eine schnelle Orientierung. Nutzen Sie auf jeden Fall für Überschriften Formatvorlagen, um automatisiert ein Inhaltsverzeichnis erstellen zu lassen. Einleitung In der Einleitung geben Sie Leser und Leserinnen Orientierung in Bezug auf Ihre Arbeit. Sie führen in das Thema ein und geben einen kurzen Überblick über Fragestellung, Untersuchungsgegenstand und Methodik. Anschließend erläutern und begründen Sie den Aufbau der Arbeit. Forschungsstand: Definitionen und theoretischer Hintergrund Hier führen Sie zentrale Begriffe ein und erläutern den theoretischen Hintergrund bzw. den Forschungsstand Ihrer Arbeit. Wenn Sie beispielsweise zu Gestik bei deutsch- und italienischsprachigen Studierenden schreiben wollen, müssen Sie zuerst erklären, was Sie unter „Gestik“ genau verstehen. Der Forschungsstand ordnet wichtige Forschungspositionen ein und analysiert, inwiefern das gewählte Thema bereits wissenschaftlich untersucht wurde. Er kann nach Chronologie oder Relevanz strukturiert sein. Forschungspositionen dürfen nicht nur aufgezählt werden, sondern müssen verglichen und reflektiert werden. Forschungsfragen und Hypothesen Aus dem Forschungsstand ergibt sich meist eine Forschungslücke. Das bedeutet, dass ein Aspekt noch wenig oder gar nicht untersucht wurde. Diese Forschungslücke ergibt sich aus dem Versuch, die Forschungsfrage zu beantworten: Dabei handelt es sich um eine möglichst präzise Frage, die am Ende der Arbeit mithilfe wissenschaftlicher Me‐ thoden beantwortet werden kann. Aus dem Forschungsstand ergeben sich Hypothesen, 7.7 Seminararbeit 183 <?page no="184"?> wie Ihre Forschungsfrage beantwortet werden kann. Diese Hypothesen schließen den Forschungsstand ab. Sie sind sein Ergebnis. Methodik Im Methodikkapitel stellen Sie dar, wie Sie die Hypothesen überprüfen wollen, mit welchen Methoden, mit welchem Versuchsaufbau, mit welchen Mitteln und Personen. Sie können hier auch begründen, warum Sie bestimmte Methoden wählen und andere nicht. Sie erläutern die Schritte der Datenerhebung sowie Umfang und Beschaffenheit der Daten. Ergebnisse Sie listen Ihre Untersuchungsergebnisse in übersichtlicher Form, beispielsweise in Tabellen, auf. Dabei nennen Sie alle relevanten Werte. Diskussion der Ergebnisse Im Diskussionsteil der Arbeit projizieren Sie die Analyse auf Ihre ursprünglichen Hypothesen und damit auf den früheren Forschungsstand und reflektieren, inwieweit die Hypothesen und die Forschungsliteratur bestätigt werden oder eben nicht und was noch zu tun ist. Ausblick Das Schlusskapitel wird oft als „Ausblick“ bezeichnet. Sie fassen Ihre Ergebnisse zusam‐ men und ziehen Schlussfolgerungen. Sie weisen auf Einschränkungen der Ergebnisse hin und geben einen Ausblick, woran man noch in diesem Zusammenhang forschen könnte. Eine solche Seminararbeit ist schon eine kleine Diplom- oder Masterarbeit. Aber so sollten Sie auch größere empirische Arbeiten aufbauen. Im Seminar sind Ihre Möglichkeiten natürlich zeitlich und in Bezug auf den Umfang begrenzt. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Das Abbildungs- und Tabellenverzeichnis listet ähnlich dem Inhaltsverzeichnis alle Abbildungen und Tabellen sowie die jeweilige Seitenzahl auf. Nutzen Sie Formatvor‐ lagen, um die Verzeichnisse automatisiert zu erstellen. Literaturverzeichnis Das Literaturverzeichnis beinhaltet vollständige bibliographische Angaben aller zitier‐ ten Werke. Es ist alphabetisch geordnet und kann in Quellen (Primär- und Sekundär‐ 184 7 Wissenschaftliche Textsorten <?page no="185"?> literatur) eingeteilt werden. Wie immer Sie auch die Quellen angeben: Das Verzeichnis muss vollständig und einheitlich sein. Wenn Sie bei Autorinnen die Vornamen nennen, dann bei allen. Wenn Sie Zeitschriftenbeiträge in einer bestimmten Form angeben, dann alle im gleichen Format. Eidesstattliche Erklärung In der eidesstattlichen Erklärung bestätigen Sie mit Ihrer Unterschrift, dass Sie die Arbeit selbstständig verfasst und alle verwendeten Quellen angegeben haben. Vorlagen werden meist von der Universität zur Verfügung gestellt. 7.7 Seminararbeit 185 <?page no="187"?> 8 Anhang 8.1 Lösungen Leseverstehen, Aufgabe 1 1 d; 2 b; 3 b; 4 d; 5 c; Leseverstehen, Aufgabe 2 1 c; 2 a; 3 e; 4 b; 5 d; Leseverstehen, Aufgabe 3 1 c; 2 b; 3 a; 4 a; 5 b; 6 c; 7 b; Leseverstehen, Aufgabe 4 1 c; 2 f; 3 d; 4 e; Leseverstehen, Aufgabe 5 - Ausdauersport Kraftsport beide passt nicht 1. Bei dieser Sportart ver‐ brennt man besonders Fett. x - - - 2. Bei dieser Sportart wächst die Knochendichte. - x - - 3. Diese Sportart hemmt den Appetit. - - - x 4. Diese Sportart hilft, den Blutdruck zu senken. - - x - 5. Diese Sportart schützt vor Herzkreislauf-Erkran‐ kungen. - - x - 6. Diese Sportart senkt den Ruhepuls. x - - - 7. Ein Vorteil dieser Sportart sind die sozialen Interaktio‐ nen. - - - x Leseverstehen, Aufgabe 6 a) 4; b) 5; c) 3; d) 2; Leseverstehen, Aufgabe 7 Zusammenfassung: (1) Die Kunststoffproduktion in Europa ist in den letzten Jahren konstant gestiegen. (2) Der Kunststoffabfall belastet die Natur und die Gesundheit des Menschen. (3) Denn die Herstellung von Kunststoff basiert meist auf erneuerbaren <?page no="188"?> Brennstoffen wie Erdöl oder Erdgas, die umweltschädlich sind. (4) Es gibt auch immer mehr Studien, die sich dem potentiell negativen Einfluss von Kunststoff auf den menschlichen Körper widmen. (5) Dabei wurde beispielsweise Mikroplastik im menschlichen Blut nachgewiesen, die genauen Gesundheitsfolgen sind jedoch noch nicht abschließend erforscht. (6) Immer mehr Menschen nutzen mittlerweile umwelt‐ freundliche Alternativen wie Mehrwegflaschen. (7) Die EU hat das Problem erkannt und diskutiert aktuell ein Verbot von Einwegartikel. Hörverstehen, Aufgabe 1 Anmeldung für die Workshops über: 1. Website der Jobmesse - Mo Di Mi Do Workshop „Einstieg in die soziale Arbeit“ „Das Rote Kreuz“ „Praktikum im Kindergarten“ - Wann? 2. 10 - 11: 30 Uhr - 09: 00 - 12: 00 09: 00 - 11: 30 - Pause Workshop „Berufsbild Sozi‐ alassistenz“ 3. Präsentation: -„Alltag in der Al‐ tenpflege“ „Bewerbungstrai‐ ning für soziale Berufe“ -bitte mitbringen: 4. aktuellen Le‐ benslauf - Vortrag: 5. Zukunft der Pflege Wann? 14: 00 - 16: 00 13: 00 - 14: 30 13: 30 - 16: 30 15: 00 - 16: 00 Uhr Hörverstehen, Aufgabe 2 Mögliche Lösungen: - Forderung Argument Frau Stanišić Anwesenheitspflicht mangelnde Anwesenheit wirkt sich auf Leistung aus/ Uni ist für Studierende ver‐ antwortlich Herr Müller keine Anwesenheitspflicht Anwesenheitspflicht macht Studierende unflexibler, schwierig wegen Nebenjobs Hörverstehen, Aufgabe 3 Zusammenfassung: In der DDR regelte der Staat die Wirtschaft durch die Verstaatli‐ chung von Industrie, Handel und Landwirtschaft. Der Staat erstellte Fünfjahrespläne, nach denen die Unternehmen produzieren mussten. Aufgrund der genauen Planung der staatlichen Kommissionen kam es allerdings nie zu Versorgungsengpässen bei 188 8 Anhang <?page no="189"?> der Bevölkerung. Der Staat garantierte eine Grundversorgung zu Fixpreisen, wie beispielsweise bei Brötchen. Auch importierte Produkte wie Kaffee waren überall erhältlich. Elektrogeräte und Autos hingegen galten als Luxusartikel und hatten lange Wartezeiten. Hörverstehen, Aufgabe 4 - Herr Rück‐ ner Frau Barre beide keiner 1. E-Scooter brauchen wenig Platz zum Parken. - x - - 2. E-Scooter produzieren weniger Emissionen als Autos. - - x - 3. E-Scooter sind praktisch für Men‐ schen, die körperliche Einschrän‐ kungen haben. - - x - 4. Diese Person bezieht sich auf eine wissenschaftliche Studie. x - - - 5. Man sollte E-Scooter aus recycel‐ ten Materialien herstellen. - - - x 6. Eine Geschwindigkeitsbegren‐ zung für Scooter ist sinnvoll. - - x - Hörverstehen, Aufgabe 5 Mögliche Lösungen: Beobachtung Schwarzer Löcher nur mithilfe von: Sternen/ Sternbahnen/ Bahngeschwindigkeiten der Sterne Erkenntnisse der Astronomen und Astronominnen der Europäischen Südsternwarte (1 Beispiel): Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße ist su‐ perschwer/ kompakt und massereich/ Millionen Mal so groß wie Sonne ODER: unsere Entfernung zum Zen‐ trum der Milchstraße beträgt 26.700 Lichtjahre Mithilfe des Schwarzen Lochs lässt sich erforschen (1 Beispiel): Entstehung von Sternen/ Entwicklung von Sternsyste‐ men noch nicht erforscht (1 Beispiel): Entstehung/ Entwicklung superschwerer Schwarzer Löcher/ Bedeutung superschwerer Schwarzer Löcher für Galaxien Hörverstehen, Aufgabe 6 1 a; 2 d; 3 a; 4 a; 5 d; 8.1 Lösungen 189 <?page no="190"?> Hörverstehen, Aufgabe 7 In vielen Haushalten befinden sich im Wohnzimmer Pflanzen. Oft sind sie mehr als nur Dekoration - sie verbessern das Raumklima und wirken beruhigend. Studien zeigen: Der Kontakt zu Pflanzen kann bei Menschen Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern. Dies ist besonders in Großstädten praktisch, in denen es nur wenig Grün gibt. Mit Zimmerpflanzen kann man sich ein Stück Natur in die eigenen vier Wände holen. Solch eine grüne Oase kann zumindest ein bisschen die Stimmung heben - ganz ohne Garten oder Balkon. Sie hören: • Wohnzimmer - Wohnraum • oft - oftmals • dies - das • Solch - So Schreiben, Aufgabe 1 Hier ein paar Punkte, die Sie notiert haben könnten: - Vorteile Nachteile Schüler und Schülerinnen lernen früh digitale Kompeten‐ zen → werden immer wichtiger Laptops kosten viel Geld → große finanzielle Belastung Lehrkräfte können auf mehr Unterrichts‐ methoden zurückgreifen, zum Beispiel Online-Quiz Laptops bieten auch Ablen‐ kung, zum Beispiel über Chats und soziale Netzwerke → Schüler und Schülerin‐ nen sind im Unterricht unauf‐ merksamer Schreiben, Aufgabe 2 Hier ein paar Punkte, die Sie notiert haben könnten: Ursachen der Wohnungsnot (Text und Grafik): • seit den letzten Jahrzehnten immer weniger Sozialwohnungen, 2006 gab es noch über zwei Millionen Sozialwohnungen, 2018 nur noch ca. 1 Millionen → Anzahl hat sich halbiert! • Das Prinzip der „Wohngemeinnützigkeit“ wurde abgeschafft → Unternehmen, die billige Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen bauen, werden nicht mehr steuerlich begünstigt. Lösungen der Wohnungsnot (Text): • erneute Einführung der „Wohngemeinnützigkeit“ • Erhöhung des Wohngelds 190 8 Anhang <?page no="191"?> Sprechen, Aufgabe 1 So könnten Ihre Notizen aussehen, wenn Sie Philipp raten, ein Praktikum zu absolvie‐ ren. Für Auslandspraktikum: • sammelt Berufserfahrung • verbessert Fremdsprachenkenntnisse • wichtige Qualifikation für zukünftige Jobs Sprechen, Aufgabe 2 Hier ein paar Punkte, die Sie notiert haben könnten: Vorteile Nachteile Eigene Position • weniger Autoverkehr in Innenstädten → bessere Luftqualität • sehr hohe Kosten für die Stadt → das Geld fehlt dann für andere wichtige Projekte, z. B. Bildung gegen die Idee weil: • Stadt sollte Geld inves‐ tieren, um den Nahver‐ kehr nicht billiger, son‐ dern besser zu machen → dann wollen die Men‐ schen auf das Auto ver‐ zichten Sprechen, Aufgabe 3 Diese Punkte könnten Sie für Ihre Zusammenfassung aus dem Text notieren: • Es heißt, Sport verbessere die kognitiven Fähigkeiten. • Forschungsgruppe hat dazu Studien ausgewertet → kein Effekt belegt, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden → Möglicherweise Unterschiede zwischen verschiedenen Sportarten. • Aber: Sport hat ganz viele andere Vorteile, zum Beispiel soziale. Sprechen, Aufgabe 4 Folgende Punkte könnten Sie für die Bearbeitung der Aufgabe notieren: Kommilitone: - Sorgearbeit ist bei Männern und Frauen in Beziehungen fair aufgeteilt Widerspruch zur Grafik: - Gender-Care-Gap liegt insgesamt bei über 50 %, bei Paaren mit Kindern liegt der Unterschied zwischen Männern und Frauen sogar bei über 80 % - Eigene Stellungnahme: Frauen in Beziehungen investieren mehr Zeit in unbezahlte Sorgearbeit als ihre Partner → Kinder führen sogar noch zu einer größeren Ungleich‐ heit Sprechen, Aufgabe 5 Hier ein paar Punkte, die Sie notiert haben könnten: 8.1 Lösungen 191 <?page no="192"?> Einstieg Hauptteil Schlussteil • Begrüßung • Thema der Präsenta‐ tion • Aufbau Gründe: • z. B. wirtschaftliche Situation, Hungerkatastrophen aufgrund von Dürre, Kriege 20. Jahrhundert: • viel Migration aufgrund der Weltkriege und Zusammen‐ brüche politischer Systeme Migration: • wichtiges Thema in der Politik • besonders relevant wegen des Fachkräftemangels • Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit Sprechen, Aufgabe 6 So könnten Ihre Notizen aussehen, wenn Sie selbst teilweise für die Senkung des Wahlalters sind: Kommilitonin ist für Senkung des Wahlalters Ihre Argumente Meine Meinung Jugendliche können sich an politischen Ent‐ scheidungen beteiligen aber in dem Alter ist man noch leichter mani‐ pulierbar Politik muss deswegen Jugendliche ernster nehmen ja, stimmt Anreiz für Jugendliche, sich überhaupt für Politik zu interessieren aber das ist nicht nur Aufgabe der Jugendli‐ chen, sondern v. a. der Eltern und der Schule Eigene Meinung: teilweise für die Senkung des Wahlalters • Es ist wichtig, dass sich die Politik auch an Jugendliche orientiert; • Aber: es muss mehr in politische Bildung investiert werden, bevor das Wahlalter gesenkt wird. Sprechen, Aufgabe 7 Kritik Lösungsvorschläge • Theaterclub ist wichtig für das kulturelle Leben an der Universität • Sponsoren finden • Eintrittsgeld erhöhen • Anzahl der Aufführungen reduzieren 192 8 Anhang <?page no="193"?> 8.2 Transkripte Hörverstehen, Aufgabe 1 Claudia: Hey Tizian, wie geht’s dir so? Tizian: Hi Claudia. Ich bin gerade auf dem Weg zum Organisationstreffen für die Jobmesse. Claudia: Ah, die Jobmesse, die in zwei Wochen stattfindet? Worum geht es da noch mal? Tizian: Wir wollen Studierende über soziale Berufe informieren und ihnen helfen, mit zukünftigen Arbeitgebern in Kontakt zu kommen. Es wird ganz viele Workshops und Präsentationen geben. Claudia: Cool, da wollte ich sowieso vorbeischauen. Mein Professor für Gesundheits‐ management hat das schon angesprochen. Findet die Messe an der Uni statt? Tizian: Ja genau, im Hauptgebäude. Die Workshops sind dann irgendwo entweder im Erdgeschoss oder im 1. Stock. Claudia: Weißt du, welche Workshops es so gibt? Tizian: Also ich hab mich zum Beispiel für den Workshop „Einstieg in die soziale Arbeit“ angemeldet. Der findet am Montag von 10: 00 bis 11: 30 Uhr statt. Am Mittwoch gehe ich dann zu dem Workshop „Bewerbungstraining für soziale Berufe“ um 13: 30 Uhr. Am Montagnachmittag findet noch ein interessanter Workshop zu dem Thema „Berufsbild Sozialassistenz“ statt, aber da habe ich leider keine Zeit. Claudia: Der Workshop zum Bewerbungstraining klingt total spannend. Ich mache ja nächstes Semester meinen Abschluss und sollte mich mal wirklich damit auseinan‐ dersetzen. Muss man dafür was mitbringen? Tizian: Ja, am besten deinen aktuellen Lebenslauf. Im Workshop bekommt man dann Tipps zur Verbesserung. Du hast dich wahrscheinlich noch nicht angemeldet, oder? Claudia: Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich dachte, dass man da einfach vorbeischauen kann. Tizian: Die Anmeldung geht super einfach auf der Website der Jobmesse. Da musst du dich nur registrieren und dann kannst du dich für die Workshops deiner Wahl anmelden. Aber du musst schon schnell sein, die Plätze sind nämlich begrenzt. Claudia: Alles klar, danke. Weißt du, ob es auch Vorträge zum Thema Pflege gibt? Ich schreibe ja meine Bachelorarbeit dazu. Und ich könnte mir vorstellen, mal in dem Bereich zu arbeiten. Tizian: Hmm … Also am Donnerstag um 15: 00 Uhr findet auf jeden Fall der Abschluss‐ vortrag mit dem Thema „Zukunft der Pflege“ statt. Ich glaube, es gibt außerdem am Dienstag um 13 Uhr noch eine Präsentation zu dem Alltag in der Altenpflege. Claudia: Ah, okay danke, dann informiere ich mich mal über die Webseite. Übung 3 Stella: Maciej, sag mal, hast du schon deinen Stundenplan für dieses Semester? Maciej: Ja, ich bin auch in fast alle Kurse reingekommen, für die ich mich angemeldet hatte. Der Montag beginnt bei mir gleich mit Wirtschaftsmathematik, dann habe ich 8.2 Transkripte 193 <?page no="194"?> um 10 Uhr die Vorlesung zu Marketing. Am Nachmittag habe ich dann, warte das muss ich kurz nachschauen. [Sprechpause 3 Sek.] Ah, ja, um 14 Uhr habe ich die Vorlesung zum Wirtschaftsrecht. Stella: Hast du eigentlich am Dienstagvormittag frei? Ich und Sebastian haben uns da beim Hochschulsport zum Yoga-Kurs angemeldet. Möchtest du da auch mitmachen? Maciej: Nein, am Dienstag habe ich um 10 Uhr Statistik I. Ich bin ja leider durch die Prüfung gefallen und muss den Kurs wiederholen. Um 12 Uhr habe ich dann Personalmanagement bei Frau Prof. Krüger. Bist du da auch drin? Stella: Nein, leider nicht. Ich habe keinen Platz bekommen. Aber bist du in dem Seminar zum Thema digitale Transformation? Das ist am Donnerstag um 10. Ich glaube, das wird super. Maciej: Ja, da bin ich reingekommen. Ich freue mich da auch drauf. Bist du auch bei der Übung für Wirtschaftsinformatik? Ich glaube, die ist am Donnerstag um 2. Stella: Nein, ich habe ein anderes Wahlfach. Ich habe was zu Nachhaltigkeit in der Wirtschaft belegt. Hast du eigentlich am Mittwoch und am Freitag keine Kurse? Maciej: Nein, Gott sei Dank nicht. Da muss ich arbeiten. Übung 4 Kieu My: Hi Robin, wir wollten uns ja diese Woche zum Lernen treffen. Weißt du schon, wann du Zeit hast? Robin: Ich habe am Dienstag ab 14 Uhr Zeit. Wenn du willst, dann können wir uns bei mir treffen. Hast du dir schon überlegt, wie wir das Ganze angehen wollen? Kieu My: Ich würde gern die Fragen aus der Probeklausur durchgehen. Das sind ungefähr 30 Stück, das sollten wir an einem Tag schaffen. Robin: Okay, kannst du dann bitte deine Notizen mitbringen? Kieu My: Ja, klar. Hörverstehen, Aufgabe 2 Moderatorin: Herzlich willkommen! Seit einigen Monaten wird wieder mal über eine Anwesenheitspflicht an Hochschulen diskutiert. Heute zu Gast bei mir sind Frau Lehel, Vertreterin der Universität Bochum, und Herr Boroditskij, Mitglied der Studierenden‐ vertretung. Frau Lehel, wie blicken Sie auf das Thema Anwesenheitspflicht? Frau Lehel: Ja, also ich fordere schon seit Jahren eine Anwesenheitspflicht. Das würde uns, dem Hochschulpersonal, helfen, den Studierenden ein strukturiertes Studium zu ermöglichen. Wir haben leider festgestellt, dass viele Studierende kaum noch Lehrveranstaltungen besuchen, und das wirkt sich negativ auf ihre Leistungen aus. Durch eine Anwesenheitspflicht können Studierende zu einer regelmäßigen Teilnahme an Lehrveranstaltungen - naja - motiviert werden. Moderatorin: Herr Boroditskij, wie sehen Sie das? Herr Boroditskij: Ich bin strikt dagegen. Ich denke, dass eine Anwesenheitspflicht eher abschreckend wirkt und nicht wirklich motivierend ist. Gerade bei Vorlesungen ist es doch oft so, dass die Studierenden sich den Stoff auch selbst aneignen können und 194 8 Anhang <?page no="195"?> nicht zwingend anwesend sein müssen. Es sollte uns selbst überlassen sein, wie wir das Studium gestalten. Moderatorin: Frau Lehel, was sagen Sie dazu? Frau Lehel: Ich verstehe Ihre Kritik, Herr Boroditskij, aber wir können nicht einfach jedem Studierenden freie Hand lassen. Schließlich stehen wir als Hochschule in der Verantwortung, dass unsere Absolventen und Absolventinnen eine fundierte und umfassende Ausbildung erhalten. Wenn die Studierenden gar nicht anwesend sind, können wir diese Qualität nicht gewährleisten. Herr Boroditskij: Ja, ich stimme Ihnen da schon zu. Aber Sie müssen auch die finanzielle Situation der Studierenden berücksichtigen: Viele sind auf Nebenjobs angewiesen. Diese Studierenden müssen an manchen Tagen arbeiten und holen erst dann abends die Vorlesung nach. Eine Anwesenheitspflicht würde sie viel unflexibler machen. Sie könnten so ihren Nebenjob verlieren und sich das Studium nicht mehr leisten. Moderatorin: Frau Lehel, was entgegnen Sie darauf ? Frau Lehel: Ja, das verstehe ich schon. Ich würde sagen, dass wir als Hochschule das Thema Anwesenheitspflicht differenziert betrachten müssen. Wir werden dies intern diskutieren und überlegen, wie wir eine solche Pflicht an den Bedürfnissen unserer Studierenden ausrichten können. Moderatorin: Vielen Dank für Ihre Diskussion. Übung 4 Moderator: Herzlich willkommen! Wir diskutieren heute über die Frage, ob staatliche Museen gratis für alle Besucher und Besucherinnen sein sollten. Wir haben heute den Museumspädagogen Herrn Dr. Richter und die Kuratorin Frau Dr. Trockel zu Gast. Herr Dr. Richter, Sie sagen, dass Museen für alle gratis zugänglich sein sollten. Warum? Herr Richter: Genau, ich denke, dass es enorm wichtig ist, allen Menschen Zugang zu den kulturellen Institutionen unseres Landes zu bieten. Wenn wir keinen Eintritt für Museen verlangen, dann wird der Besuch für jeden möglich, ganz unabhängig von der finanziellen Ausgangslage. Das fördert die gesellschaftliche Teilhabe und ermöglicht es Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, sich mit Kunst und Kultur auseinanderzusetzen. Moderator: Vielen Dank, Herr Dr. Richter. Frau Dr. Trockel, wie stehen Sie zu diesem Vorschlag? Frau Trockel: Ja, ich kann Herrn Richters Argument nachvollziehen, aber es berück‐ sichtigt leider nicht die finanzielle Realität vieler Museen. Sie wissen ja, dass kulturelle Institutionen wie Museen erhebliche Kosten verursachen, und wir stemmen diese Kosten unter anderem über Eintrittsgelder. Wenn der Eintritt gratis wäre, würde das die Qualität der Ausstellungen beeinträchtigen. Deshalb bin ich dagegen, das Eintrittsgeld vollkommen abzuschaffen. Moderator: Vielen Dank für Ihren Beitrag Frau Dr. Trockel. Wir führen die Diskussion in wenigen Augenblicken weiter. Zuerst sehen wir allerdings eine kurze Reportage meiner Kollegin über das Kunstmuseum in Basel. 8.2 Transkripte 195 <?page no="196"?> Hörverstehen, Aufgabe 3 Wie Sie wissen, beschäftigen wir uns an unserem Institut mit Konsumgeschichte im 20. Jahrhundert, vor allem in der DDR-Zeit. Heute werden wir deshalb über die Grundlagen des Wirtschaftssystems in der DDR sprechen. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, existierte die DDR, also die Deutsche Demokratische Republik, von 1949 bis 1990 und wies ein sozialistisches Wirtschaftssystem auf. Ein zentrales Merkmal dieses Systems war die staatliche Kontrolle über die gesamte Wirtschaft. Das bedeutete konkret: Industrie, Handel und Landwirtschaft wurden verstaatlicht. Private Unternehmen wurden nach und nach abgeschafft oder in soge‐ nannte „Volkseigene Betriebe“ umgewandelt. „Volkseigene Betriebe“ kürzt man auch mit VEB ab. Der Staat übernahm jedenfalls die Rolle des Planers und Organisators aller wirtschaftlichen Aktivitäten. Eine wichtige Grundlage der Wirtschaftsplanung in der DDR waren die sogenannten Fünfjahrespläne. Diese Pläne legten für jeweils fünf Jahre fest, wie viel produziert werden sollte, welche Güter Priorität hatten und wohin die Ressourcen fließen sollten. Die Unternehmen mussten sich strikt an diese Pläne halten - es gab kaum Raum für Flexibilität oder eigene Entscheidungen. Ein Ziel des Staates war es, die Grundversorgung der Bevölkerung zu sichern. Das bedeutete, dass bestimmte Produkte des täglichen Bedarfs, wie Milch oder Brötchen, zu festen, niedrigen Preisen verkauft wurden. Ein Brötchen kostete zum Beispiel jahrzehntelang fünf Pfennig. Der Staat garantierte diese Preise, unabhängig davon, wie hoch die tatsächlichen Produktionskosten waren. Das sollte soziale Gerechtigkeit schaffen und den Alltag für alle bezahlbar machen. Allerdings hatte dieses System auch deutliche Schwächen. Es kam leider regelmäßig zu Versorgungsengpässen. Das bedeutet, dass bestimmte Produkte - wie zum Beispiel Importware wie Kaffee - im Laden fehlten oder nur in geringen Mengen verfügbar waren. Lange Schlangen vor Geschäften waren ein vertrauter Anblick im DDR-Alltag. Diese Engpässe wurden teilweise über sogenannte „Westpakete“ kompensiert - das sind Pakete von Verwandten aus der Bundesrepublik, die dann schwer erhältliche Produkte wie eben Kaffee oder Schokolade enthielten. Als Dank schickte man meist ein Paket mit ostdeutschen Spezialitäten zurück: Vielleicht kennen Sie ja die berühmten „Dresdner Christstollen“, das ist eine Art Kuchen. Besonders auffällig war die Versorgungssituation bei technischen Geräten und Fahrzeugen. Ein Fernseher, ein Kühlschrank oder ein Auto waren Luxusgüter. Für einen „Trabant“, das bekannteste Auto der DDR, musste man oft zehn Jahre oder länger warten. Das können Sie sich heutzutage vielleicht gar nicht mehr vorstellen. Die schlechte Versorgungslage hatte auch Auswirkungen auf das Vertrauen in den Staat. Viele DDR-Bürger und -Bürgerinnen zweifelten zunehmend an der Effizienz der staatlichen Planung. Zwar wurde offiziell betont, dass der Sozialismus dem Kapitalismus überlegen sei, doch die Lebensrealität der Menschen zeigte oft ein anderes Bild. 196 8 Anhang <?page no="197"?> Dazu forschen wir auch gerade am Institut und untersuchen beispielsweise die Aus‐ wirkungen der Versorgungsengpässe auf die Menschen und die politische Stimmung in der DDR. Übung 2 1. Der Name DDR ist eine Abkürzung und bedeutet „Deutsche Demokratische Republik“. 2. Die DDR war ein sozialistischer Staat, der nach dem Zweiten Weltkrieg, genauer gesagt 1949, gegründet wurde. 3. Die DDR existierte bis 1990 auf dem Gebiet der heutigen ostdeutschen Bundeslän‐ der. 4. Zentral für die DDR-Politik war das sogenannte Einparteiensystem. 5. Die politische Opposition in der DDR wurde systematisch unterdrückt und über‐ wacht. Übung 3 Die Sicherheit von Fahrzeugen ist ein wichtiges Thema in der Automobilentwicklung. Sicherheitstests haben eine lange Geschichte, die bis in die 1920er-Jahre zurückreicht. Schon damals begannen Ingenieure und Ingenieurinnen damit, Fahrzeuge gezielt zu testen, um die Folgen von Unfällen besser zu verstehen. Ziel war es, Fahrzeuginsassen bei Kollisionen bestmöglich zu schützen. Während diese frühen Tests noch relativ einfach aufgebaut waren, hat sich die Me‐ thodik im Laufe der Jahrzehnte stark weiterentwickelt. Heute ist die Unfallforschung wirklich hochkomplex. Der bekannteste Bestandteil ist der sogenannte Crashtest. Hierbei wird ein Fahrzeug kontrolliert gegen ein Hindernis gefahren, um das Verhalten des Autos bei einem Aufprall zu analysieren. Dabei wird geprüft, wie gut Fahrzeugin‐ sassen vor Verletzungen geschützt sind. Es werden spezielle Puppen eingesetzt, die im Auto platziert werden und dabei präzise Daten liefern. Übrigens: Der erste Crashtest in Deutschland wurde erst 1959 durchgeführt. Natürlich spielt beim Autokauf die Sicherheit für viele Menschen eine zentrale Rolle. Um verlässliche Informationen über die Sicherheit eines Fahrzeugs zu erhalten, führen unabhängige Organisationen regelmäßig Sicherheitstests durch. Fahrzeuge erhalten nach Abschluss der Tests eine Gesamtbewertung in Form von Sternen. Maximal gibt es fünf Sterne. Hörverstehen, Aufgabe 4 Moderatorin: In unserer heutigen Diskussion geht es um das Thema E-Scooter. Die Elektrotretroller werden von einer Person gefahren und haben in den letzten Jahren eine enorme Verbreitung in Städten gefunden. Zu Gast sind heute Frau Barre, Ge‐ schäftsführerin des Unternehmens „E-Mobil“ und Herr Rückner, Mitglied bei „Jugend für die Verkehrswende“. Herzlich willkommen! Ich freue mich, dass Sie da sind. Frau Barre, Ihr Unternehmen produziert E-Scooter und Sie glauben, dass diese eine sinnvolle Alternative zu anderen Verkehrsmitteln in der Stadt darstellen. 8.2 Transkripte 197 <?page no="198"?> Frau Barre: Ja, das tun sie definitiv. E-Scooter sind ein sehr umweltfreundliches Fortbewegungsmittel, da sie im Vergleich zu Autos deutlich weniger CO2 produzieren. Darüber hinaus sind sie sehr praktisch, da sie flexibel einsetzbar sind und nur geringe Parkflächen benötigen. Wir sehen gerade eine große Nachfrage nach E-Scootern, und ich denke, dass sie in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Mobilität spielen werden. Herr Rückner: Ja, natürlich produzieren E-Scooter weniger Emissionen als Autos, da stimme ich Frau Barre schon zu. Allerdings denke ich nicht, dass sie die Lösung für unsere Verkehrsprobleme sind. Die Herstellung von E-Scootern erfordert ebenfalls Energie, und viele Menschen benutzen sie nur für kurze Strecken, die auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden könnten. Eine gerade veröffentlichte Studie der Uni Münster hat ergeben, dass mit E-Scootern im Durchschnitt nur 1,8 Kilometer zurückgelegt werden. Das erscheint mir kaum sinnvoll. Frau Barre: Herr Rückner, Sie müssen aber bedenken, dass viele Menschen unter körperlichen Einschränkungen leiden. Für die kann es eine echte Erleichterung sein, wenn sie auch nur kurze Strecken nicht zu Fuß gehen müssen. Oder sie sind körperlich gar nicht in der Lage, ein Fahrrad zu benutzen. Herr Rückner: Ja, gut, das verstehe ich. Man könnte dieses Problem aber auch über ein dichteres Busnetz lösen. Davon abgesehen habe ich auch Sorge wegen der Sicherheit. Es kommt immer wieder zu Unfällen mit E-Scootern. Frau Barre: Ja, ich verstehe Ihre Bedenken bezüglich der Sicherheit. Wir arbeiten jedoch intensiv daran, adäquate Maßnahmen umzusetzen. Wir haben bereits eine Helmpflicht erlassen, um die Sicherheit der Fahrer und Fahrerinnen zu gewährleisten. Außerdem wollen wir die Geschwindigkeit der Scooter begrenzen. Da sind wir derzeit in Gesprächen mit der Stadt. Herr Rückner: Ich unterstütze diese Maßnahmen auf jeden Fall, das sind schon mal positive Entwicklungen. Aber ich denke trotzdem, dass wir uns auf andere Mobili‐ tätslösungen konzentrieren sollten, wie zum Beispiel den Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln. Scooter könnten eine Ergänzung sein, aber sie sollten nicht das Hauptaugenmerk unserer Mobilitätsstrategie sein. Frau Barre: Ich stimme Ihnen zu, dass wir uns auf verschiedene Mobilitätslösungen konzentrieren sollten. E-Scooter können jedoch eine wichtige Rolle in der Verkehrs‐ wende spielen. Übung 2 1. Ich denke, dass nur autofreie Innenstädte eine hohe Lebensqualität für die Bewoh‐ ner und Bewohnerinnen garantieren können. 2. Im Jahr 2022 wurden von der Österreichischen Bundesbahn 38 % mehr Fahrgäste transportiert als im Vorjahr. 3. Meiner Ansicht nach ist man vor allem in ländlichen Gegenden stark auf das Auto angewiesen. 4. Laut einer Studie des Prognos-Forschungsinstituts werden im Jahr 2050 70 % der Autos autonom fahren. 198 8 Anhang <?page no="199"?> 5. Die Fahrradwege müssen ausgebaut werden, um die Menschen zu animieren, ihr Auto stehen zu lassen. Übung 4 Sven: Hey Romana, ich habe heute einen ganz interessanten Artikel über das Thema Rauchverbot gelesen. Es ging darum, ob man Rauchen komplett verbieten sollte. Romana: Du meinst, dass keine Zigaretten mehr verkauft werden dürfen? Sven: Ja, genau. Ich finde, das ist eine tolle Idee. An Rauchen gibt es gar nichts Gutes. Es schädigt stark die Gesundheit und es macht süchtig. Romana: Ja, das stimmt schon, aber ich finde, jeder darf nun mal mit dem eigenen Körper machen, was er möchte. Man sollte das Rauchen nicht einfach komplett verbieten. Sven: Ja, aber Rauchen schädigt ja nicht nur deinen eigenen Körper, sondern auch andere. Wenn zum Beispiel Eltern vor ihren Kindern rauchen, dann ist das auch schlecht für die Gesundheit des Kindes. Romana: Okay, da hast du natürlich Recht. Trotzdem denke ich, dass so ein komplettes Rauchverbot nicht umsetzbar ist. Wenn du etwas verbietest, dann führt es meist dazu, dass es illegal verkauft wird, wie zum Beispiel beim Alkoholverbot in den USA vor 100 Jahren. Sven: Ja, also ich denke nicht, dass man das vergleichen kann. Der Staat hat doch mittlerweile mehr Möglichkeiten Verbote zu kontrollieren und durchzusetzen. Hörverstehen, Aufgabe 5 Heute möchte ich mit Ihnen über aktuelle Forschungsergebnisse zu Schwarzen Löchern sprechen. Ich beziehe mich dabei vor allem auf Ergebnisse der Europäischen Südstern‐ warte. Das ist ein ganz wichtiges Forschungsinstitut, das seinen Standort in Chile hat. Das sollten Sie kennen. Zuvor möchte ich allerdings noch ein paar Grundlagen wiederholen. Ich denke, Sie wissen bereits, dass man Schwarze Löcher nicht direkt beobachten kann, da sie kein Licht aussenden. Stattdessen beobachten wir Sterne, die um Schwarze Löcher kreisen. Wir berechnen ihre Geschwindigkeiten und untersuchen ganz genau ihre Umlaufbahnen. Dadurch lassen sich indirekt sehr viele Rückschlüsse auf das jeweilige Schwarze Loch ziehen. Man kann zum Beispiel auch die Masse berechnen. Diese Vorgehensweise nutzen natürlich auch Forschende der Europäischen Süd‐ sternwarte, abegekürzt ESO. Im Zentrum unserer Milchstraße haben diese Forscher und Forscherinnen jahrelange Sterne beobachtet und dadurch ein sogenanntes super‐ schweres Schwarzes Loch entdeckt. Es hat eine Masse, die Millionen Mal so groß ist wie die unserer Sonne. Die genaue Analyse der umlaufenden Sterne ergab: Dieses Objekt muss extrem kompakt und massereich sein. Außerdem ist es ihnen gelungen, unsere Entfernung zum Zentrum der Milchstraße ziemlich genau zu berechnen. Sie beträgt ganze 26.700 Lichtjahre. Eine unglaubliche Distanz, wenn Sie sich das vorstellen. 8.2 Transkripte 199 <?page no="200"?> Doch Schwarze Löcher sind nicht nur faszinierende Forschungsobjekte. Sie sind für uns auch eine Art Forschungslabor. Ihre enorme Anziehungskraft beeinflusst ja die Bewegung umliegender Sterne. Dadurch lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die Entstehung von Sternen sowie auf die Entwicklung ganzer Sternensysteme ziehen. Zum Abschluss des heutigen Vortrags möchte ich Ihnen noch einen kleinen For‐ schungsausblick geben. Ein wichtiger Aspekt, der uns in der Forschung beschäftigt, ist die Frage nach der Entstehung superschwerer Schwarzer Löcher. Ist ihre Entwicklung an die Geburt von Galaxien gebunden? Möglicherweise. Sie werden zwar mit den Zentren von Galaxien assoziiert, aber noch fehlen genaue empirische Belege. In diesem Zusammenhang stimmt uns die Entwicklung neuer Technologien optimistisch. Weltraumteleskope der neuesten Generation liefern uns faszinierende Daten und bringen uns den Geheimnissen der Schwarzen Löcher - und des Weltraums insgesamt - ein wenig näher. Auch das europäische Projekt LISA - also L I S A, wie der Name „Lisa“ - ist in diesem Kontext erwähnenswert. Dabei sollen Satelliten Graviationswellen von superschweren Löchern messen, was uns wiederum Hinweise auf ihre Entwicklung geben könnte. Dieses Projekt wird allerdings nicht vor 2035 starten. Wir müssen uns also noch ein wenig gedulden, was die Auswertung dieser Daten anbelangt. Übung 3 1. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts konnte zeigen, dass sich das Gehirn durch den regelmäßigen Konsum von stark fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln verändert. Es ist schon länger bekannt, dass Informationen aus dem Darm über Nervenverbindungen direkt an das Gehirn weitergeleitet werden. So kann das, was wir essen, unser Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln beeinflussen. Diese Kommunikation zwischen Darm und Gehirn wird oft als „Darm-Hirn-Achse“ bezeichnet. 2. Um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen, wurden zwei Gruppen von Versuchspersonen miteinander verglichen. Beide Gruppen aßen über einen länge‐ ren Zeitraum zusätzlich zu ihren Mahlzeiten einen Pudding. Der Pudding wies jeweils die gleiche Anzahl an Kilokalorien auf. In der Gruppe 1 enthielt er jedoch mehr Zucker und Fett als in der Gruppe 2. Vor und nach diesem Zeitraum mussten die Versuchspersonen Milchshakes trinken. Dabei stellte sich heraus, dass die Versuchspersonen der Gruppe 1 die besonders zucker- und fetthaltigen Milchshakes bevorzugten. 3. Mithilfe bildgebender Verfahren konnten bei der Gruppe 1 messbare Veränderun‐ gen im Gehirn festgestellt werden. Es hatten sich offenbar neue Nervenverbindun‐ gen entwickelt, insbesondere in den Bereichen, die für Motivation und Belohnung zuständig sind. Das bedeutet: Wer oft fett- und zuckerreiche Lebensmittel isst, programmiert sein Gehirn gewissermaßen um - mit der Folge, dass das Verlangen nach solchen Speisen weiter steigt. 200 8 Anhang <?page no="201"?> Übung 4 In der heutigen Sitzung werden wir uns mit postkolonialer Literatur beschäftigen. Dazu müssen wir zuerst die Begriffe klären. Wie Sie wissen, bedeutet Kolonialismus ja die gewaltsame Besetzung von Territorien durch die sogenannten Kolonialmächte, wie zum Beispiel Frankreich und Deutschland im 19. Jahrhundert. Aber natürlich betrifft der Kolonialismus sehr viel mehr Länder und Zeiträume, als wir heute diskutieren werden. Wichtig zu wissen ist: Postkoloniale Literatur bezeichnet nicht nur Literatur, die aus ehemaligen kolonialisierten Gebieten stammt. Es handelt sich dabei vielmehr um literarische Texte, die sich kritisch mit dem Kolonialismus auseinandersetzen. Wichtige Themen der postkolonialen Literatur sind beispielsweise Identität und Sprache. Welche Konsequenzen hat die lange koloniale Unterdrückung für die eigene Familiengeschichte? In welchen Sprachen schreibt und spricht man miteinander? Sie müssen verstehen: Oft wurden die Muttersprachen der einheimischen Bevölkerung von den Kolonialmächten verboten. Stattdessen musste die Bevölkerung beispielsweise Englisch, Deutsch oder Niederländisch lernen. Das bringt uns zu einem nächsten, ganz wichtigen Punkt: Die Sprache, in der die literarischen Texte verfasst sind. Wie bereits erwähnt, wurden einheimische Sprachen in der Kolonialzeit unterdrückt. Die Schrift‐ steller und Schriftstellerinnen schrieben ihre Texte deshalb meist in europäischen Sprachen, auch um sich an ein internationales Publikum zu richten. Doch es gibt - glücklicherweise kann man sagen - viele Ausnahmen. Interessante postkoloniale Literatur wurde beispielsweise in den südafrikanischen Sprachen Zulu und Xhosa verfasst. Hörverstehen, Aufgabe 6 Ich möchte Ihnen heute einen Überblick über eine der häufigsten Sprechstörungen geben, die wir kennen: Wir sprechen über das Stottern. Beim Stottern handelt es sich um eine sogenannte „Redeflussstörung“, die durch die Wiederholung von Lauten, Sil‐ ben und Worten gekennzeichnet ist. Es kann auch zu kompletten Blockaden kommen. Beginnen wir mit den möglichen Ursachen des Stotterns. Die Forschung zeigt, dass genetische Faktoren eine bedeutende Rolle spielen. In Familien, in denen ein Elternteil stottert, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch Kinder stottern. Das deutet auf eine gewisse Vererbbarkeit hin. Studien, in denen Zwillinge untersucht wurden, belegen das ebenfalls: Auch wenn eineiige Zwillinge getrennt aufwuchsen, stottern meistens beide. Ein verbreiteter Mythos ist, dass Stottern etwas mit sozialen Ängsten oder einer besonders strengen Erziehung zu tun hätte. Darüber denken wir mittlerweile in der Forschung anders: Heute werden soziale Phobien nicht als Ursache, sondern als mögliche Folge von Stottern betrachtet. Interessanterweise zeigt sich, dass etwa 80 % der stotternden Kinder im Laufe ihrer Entwicklung wieder flüssig sprechen lernen - ganz ohne therapeutische Behandlung. Das geschieht meist bis zum Alter von sieben Jahren. Warum genau das bei dem Großteil der Kinder passiert und bei den anderen 20 % nicht, ist noch Gegenstand aktueller Forschung. 8.2 Transkripte 201 <?page no="202"?> Doch schauen wir uns mal die neurologischen Abläufe genauer an. Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren haben ergeben, dass die Sprachareale im Gehirn von Stotternden nicht optimal miteinander kommunizieren. Es kommt also im Moment des Sprechens zu Abstimmungsproblemen zwischen den Hirnregionen, die für Sprachpla‐ nung, Artikulation und motorische Ausführung zuständig sind. Dadurch entstehen Sprechpausen, Wiederholungen oder Blockaden. Das ist ganz wichtig zu verstehen: Stotternde wissen meist genau, was sie sagen wollen, aber sie können es in dem Moment nicht artikulieren. Stottern hat nicht nur sprachliche, sondern auch psychosoziale Auswirkungen. Viele Betroffene entwickeln früh sogenannte Vermeidungsstrategien. Sie versuchen, bestimmte Wörter zu umgehen oder Gesprächssituationen zu vermeiden, aus Angst vor Ablehnung oder Spott. Das kann auf Dauer das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und sogar zu sozialem Rückzug führen. Wichtig ist daher, das Stottern nicht nur als medizinisches Problem zu betrachten. Es ist ein komplexes Zusammenspiel aus biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. Um das Stottern zu behandeln, gibt es unterschiedliche Therapieansätze, von denen manche speziell auf Kinder zugeschnitten sind. Denn es gilt: Je früher Betroffene Unterstützung erhalten, desto besser lassen sich negative Folgen verhindern. Aber auch Erwachsene können lernen, ihr Stottern deutlich zu reduzieren und damit ihren Leidensdruck zu verringern. Häufig ist dabei zu beobachten, dass sich in der Therapie nach einer kurzen Zeit deutliche Verbesserungen einstellen, es jedoch immer wieder auch zu - naja - Rückschlägen kommt. Das ist leider normal. Die Herausforderung besteht unter anderem darin, die in der Therapie erlernten Techniken langfristig umzusetzen. Übung 3 Nach dem Ersten Weltkrieg geriet Deutschland in eine schwere wirtschaftliche Krise. Die Regierung hatte hohe Reparationszahlungen zu leisten und kaum Mittel, um sie zu finanzieren. Um ihre Schulden zu begleichen, druckte sie immer mehr Geld - eine Maßnahme, die dramatische Folgen hatte. Im Jahr 1923 war die Inflation außer Kontrolle geraten. Die Preise stiegen täglich, manchmal sogar stündlich. Ein Kilogramm Roggenbrot kostete beispielsweise im November 1923 unglaubliche 233 Milliarden Mark. Ein Kilogramm Rindfleisch sogar 4,8 Billionen Mark. Stellen Sie sich vor: Die Geldscheine wurden so wertlos, dass ganze Geldbündel zum Heizen verwendet wurden. Diese Zeit war wirklich geprägt von Verzweiflung und Unsicherheit. Um die Inflation zu beenden, führte die Regierung Ende 1923 eine neue Währung ein: die Rentenmark. Nach und nach stabilsierte sich zwar die wirtschaftliche Lage. Dennoch ist die Zeit der Hyperinflation als Trauma in die deutsche Geschichte eingegangen. 202 8 Anhang <?page no="203"?> Hörverstehen, Aufgabe 7 In vielen Haushalten befinden sich im Wohnraum Pflanzen. Oftmals sind sie mehr als nur Dekoration - sie verbessern das Raumklima und wirken beruhigend. Studien zeigen: Der Kontakt zu Pflanzen kann bei Menschen Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern. Das ist besonders in Großstädten praktisch, in denen es nur wenig Grün gibt. Mit Zimmerpflanzen kann man sich ein Stück Natur in die eigenen vier Wände holen. So eine grüne Oase kann zumindest ein bisschen die Stimmung heben - ganz ohne Garten oder Balkon. Übung 2 1. a) Rum - Ruhm, b) Stadt - Staat, c) ihn - in, d) Ofen - offen, e) wenn - wen; 2. f) Höhle - Hölle, g) füllen - fühlen, h) säen - sehen, i) leben - lieben, j) Kuchen - kochen; 3. k) kennen - können, l) Mutter - Mütter, m) Tür - Tier, n) Mäuse - Maus, o) Laute - Leute. Übung 3 1. a) Kirsche, b) Laute, c) hin, d) wir, e) Pfanne; 2. f) reißen, g) Masse, h) Kurs, i) Busch, j) dick; 3. k) Enkel, l) Jahr, m) Liter, n) Kasse, o) kein. Übung 4 Eine gute und zuverlässige Kinderbetreuung ist für Eltern essentiell. Doch obwohl in Deutschland ein Rechtsanspruch auf eine Kindertagesbetreuung besteht, mangelt es überall an Plätzen. Experten und Expertinnen berechneten, dass im Jahr 2023 über 380.000 Plätze in Kindertagesstätten fehlten. Grund dafür ist ein eklatanter Fachkräftemangel: Es gibt zu wenig qualifiziertes Personal, das die Kinder in den Kin‐ dertagesstätten betreut. Durch den Personalmangel werden die bestehenden Erzieher und Erzieherinnen noch stärker belastet, da sie sich um zu viele Kinder gleichzeitig kümmern müssen. Deshalb fordern sowohl Eltern als auch Erzieher und Erzieherinnen von der Regierung, mehr Geld in die Ausbildung von pädagogischen Fachkräften zu investieren. Sprechen, Aufgabe 4 Redebeitrag des Seminarteilnehmers: Ich denke, dass Männer und Frauen heutzu‐ tage die Sorgearbeit fair aufteilen. Die meisten Paare wollen doch eine gleichberechtigte Beziehung führen und teilen sich die Hausarbeit und die Kinderbetreuung zu 50-50. Auch wenn Paare Kinder haben, können sich beide fair an der Sorgearbeit beteiligen. 8.2 Transkripte 203 <?page no="204"?> Übung 3 1. Besonders wenn Paare Kinder haben, steigt der Unterschied, wie viel Zeit Männer und Frauen mit Sorgearbeit verbringen. 2. Ich denke, dass der Gender-Care-Gap besonders hoch bei Paaren ohne Kinder ist. Sprechen, Aufgabe 6 Redebeitrag einer Kommilitonin: Also ich bin auf jeden Fall für ein Wahlrecht ab 16 Jahren. Jüngere Menschen haben oft das Gefühl, dass ihre Stimmen nicht gehört werden und dass Politiker und Politikerinnen ihre Interessen nicht berücksichtigen. Das Senken des Wahlalters würde Jugendlichen die Möglichkeit geben, direkt an der politischen Entscheidungsfindung teilzunehmen und sich Gehör zu verschaffen. Außerdem würde es die Politik zwingen, junge Menschen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Denn Politiker und Politikerinnen müssten sich dann mit 16-Jährigen als Wählergruppe beschäftigen. Darüber hinaus denke ich, dass man so die politische Bildung bei Jugendlichen fördern könnte. Also, wenn man schon ab 16 Jahren wählen darf, dann gibt es doch den Anreiz, sich bereits als junger Mensch mit Politik auseinanderzusetzen. 204 8 Anhang <?page no="205"?> 9 Literatur Brinker, Klaus (2008): Textsorten des Bereichs Hochschule und Wissenschaft. In: Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft/ Handbooks of Linguistics and Communica‐ tion Science (HSK), Berlin, Boston: De Gruyter Mouton. Busch-Lauer, Ines-Andrea (2012): Abstracts - eine facettenreiche Textsorte der Wissenschaft. In: Linguistik online 52 (2), S. 5-22. Ebel, Hans F.; Bliefert, Claus; Greulich, Walter (2006): Schreiben und Publizieren in den Naturwissenschaften. 5. Auflage. Weinheim: Wiley-VCH Verlag. Ehlich, Konrad (1995) Die Lehre der deutschen Wissenschaftssprache: sprachliche Strukturen, didaktische Desiderate. In: Heinz Leo Kretzenbacher und Harald Weinrich (Hg.): Linguistik der Wissenschaftssprache. Berlin: De Gruyter, S. 325-352. Ehlich, Konrad (1999): Alltägliche Wissenschaftssprache. In: Info DaF 26 (1), S. 3-24. Ehlich, Konrad (2003): Universitäre Textarten, universitäre Struktur. In: Konrad Ehlich und Angelika Steets (Hg.), Wissenschaftlich schreiben - lehren und lernen. Berlin, New York: De Gruyter, S. 13-28. 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Aufgabe 4, „Kommentar eines Experten zur Energiewende“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutschlernende“, Ausgabe von ChatGPT, 20.06.2025. Aufgabe 4, Übung 4, „Stadtbibliotheken stärken“: Eigener Text. Aufgabe 5, „Kraft oder Ausdauer? “: Mertin, Ansgar: „Kraft oder Ausdauer“, Spiegel.de vom 21.11.2015. https: / / www.spiegel.de/ gesundheit/ ernaehrung/ krafttraining-oder-ausdauertrai ning-was-ist-besser-a-1062165.html. Aufgabe 5 Übung 2: Salomo, Dorothé: „Besser früher oder später? Fremdsprachenlernen und Alter“, https: / / www.goethe.de/ prj/ dlp/ dlapi/ v1/ index.cfm? endpoint=/ tlm/ download&file_ID =1939&tlm_ID=796 [Stand 27.10.2025]. © Goethe-Institut. Aufgabe 6, Böhnke, Andrea: „Herr Doktor, Sie müssen mir zuhören! “, Zeit Online 27.12.2022. https: / / www.zeit.de/ zeit-wissen/ 2023/ 01/ arzt-patienten-verhaeltnis-behandlungsweg-aufkl aerung-gesundheitswesen/ komplettansicht. Aufgabe 6, Übung 3+ 4, „Junge Lesemuffel“: Eigener Text. Aufgabe 7, Text „Kunststoffverbrauch in Europa: Risiken für Gesundheit und Umwelt“: Über‐ arbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutschlernende“, Ausgabe von ChatGPT, 20.06.2025. Aufgabe 7, Grafik „Kunststoffproduktion“, https: / / de.statista.com/ infografik/ 30891/ weltweite-k unststoffproduktion. CC BY-ND 3.0. Aufgabe 7, Übung 3, „Graphic Novels“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutschlernende“, Ausgabe von ChatGPT, 02.06.2025. Aufgabe 7, Übung 4, Bocksch, René (2023): Rekordzahl inhaftierter Journalist: innen. Statista. Statista GmbH. https: / / de.statista.com/ infografik/ 29875/ anzahl-wegen-ihres-berufes-inhafti erter-journalisten/ [Stand: 02.05.2023]. CC BY-ND 3.0. <?page no="208"?> 3.2 Hörverstehen Aufgaben 1+2: Eigene Texte. Aufgabe 3, „Konsum in der DDR“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutsch‐ lernende“, Ausgabe von ChatGPT, 23.06.2025. Aufgabe 3, Übung 3, „Fahrzeugsicherheit“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutschlernende“, Ausgabe von ChatGPT, 02.06.2025. Aufgabe 4: Eigene Texte. Aufgabe 5, „Schwarze Löcher“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutsch‐ lernende“, Ausgabe von ChatGPT, 02.06.2025. Aufgabe 5, Übung 3, „Gehirn und Ernährung“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutschlernende“, Ausgabe von ChatGPT, 02.06.2025. Aufgabe 5, Übung 4, „Postkoloniale Literatur“: Eigener Text. Aufgabe 6, „Stottern“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutschlernende“, Ausgabe von ChatGPT, 02.06.2025. Aufgabe 6, Übung 3, „Hyperinflation in Deutschland: Eine Krise der 1920er Jahre“: Überar‐ beitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutschlernende“, Ausgabe von ChatGPT, 23.05.2025. Aufgabe 7, „Zimmerpflanzen“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutsch‐ lernende“, Ausgabe von ChatGPT, 16.05.2025. Aufgabe 7, Übung 4 „Kinderbetreuung“: Eigener Text. 3.3 Schreiben Aufgabe 1: Eigene Texte. Aufgabe 2, Text „Wohnungsnot in deutschen Städten“ + Grafik „Sozialwohnungen“: Hans Böckler Stiftung, „Wohnungsnot in Großstädten“, aktualisiert am 14.12.2022. Link: https: / / w ww.boeckler.de/ de/ auf-einen-blick-17945-20782.htm. Aufgabe 2, Übung 3, „Junge Menschen kehren Social Media den Rücken“: Überarbeitung eines KI-generierten Textes, „Text für Deutschlernende“, Ausgabe von ChatGPT, 19.05.2025. Aufgabe 2, Übung 5, Grafik „Bye bye, Social Media“: 09.03.2023. https: / / de.statista.com/ infogra fik/ 29464/ abkehr-von-sozialen-netzwerken. CC BY-ND 3.0. Aufgabe 2, Übung 8, Text zu sozialen Netzwerken: Eigener Text. 3.4 Sprechen Aufgabe 1+2: Eigene Texte. Aufgabe 3, Katharina Menne: „Macht Sport doch nicht schlauer? “, Spektrum der Wissenschaft 28.03.2023. Link: https: / / www.spektrum.de/ news/ macht-sport-doch-nicht-schlauer/ 2124126. Aufgabe 4, Grafik zur Care-Arbeit: Eigene Darstellung auf der Grundlage des Zweiten Gleichstel‐ lungsberichts der Bundesregierung (2018), hg. v. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2. Auflage. Aufgaben 5-7: Eigene Texte. 208 10 Quellenverzeichnis <?page no="209"?> Hilfsmittel ChatGPT version 4o, OpenAi: https: / / openai.com/ . Erstellung von Textentwürfen mithilfe eines Prompts: „Verfasse einen Text für Deutschlernende auf dem B2-/ C1-Niveau mit folgenden Merkmalen: - Länge: XX Wörter, - Thema: XX - Stil: einfacher wissenschaftlicher Text - Wichtig: Folgende Begriffe müssen vorkommen XXX“ 10 Quellenverzeichnis 209 <?page no="210"?> ISBN 978-3-381-13181-5 Fit für Deutsch im Studium präsentiert übersichtlich und gut verständlich alle wichtigen Textsorten und Informationen, die für die Prüfungsvorbereitung und die Kommunikation in Alltag und Studium nötig sind. Der Band gibt zudem einen Überblick über alles, was für das Bestehen einer der Zugangsprüfungen (telc, DSH, TestDaF, DSD, Prüfungsteil Deutsch der Feststellungsprüfung an deutschen Studienkollegs) wichtig ist, inklusive wissenschaftlich fundierter Strategien und Techniken für das Hör- und Leseverstehen, das Schreiben und das Sprechen. Fit für Deutsch im Studium vermittelt und übt alle relevanten Aufgabentypen und enthält ein interaktives digitales Prüfungstraining. Viele nützliche Hilfen für die Selbstevaluation und die Wahrnehmungsschulung erleichtern die Prüfungsvorbereitung. Musterlösungen und weiterführende Hinweise und Tipps ergänzen das Vorbereitungsspektrum: ein komplettes Paket für die optimale Studien- und Prüfungsvorbereitung, individuell oder im Kursformat. Roche Fit für Deutsch im Studium: Zugangsprüfungen - Hochschule - Studienalltag Fit für Deutsch im Studium: Zugangsprüfungen - Hochschule - Studienalltag Mit digitalem Prüfungstraining Jörg Roche
