Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung
Teil III: Rekonstruktion - Übersetzung (Röm - Phlm)
0922
2025
978-3-381-14212-5
978-3-381-14211-8
A. Francke Verlag
Markus Vinzent
10.24053/9783381142125
Für die Anfänge des Christentums sind lediglich zwei Sammlungen christlicher Texte bekannt, die als "Neues Testament" bezeichnet wurden - eine vor der Mitte des 2. Jh.s entstandene, die von Markion von Sinope, veranstaltet wurde, und die uns bekannte des später kanonischen Neuen Testaments, die aus der Zeit um Irenäus von Lyon gegen Ende des 2. Jh.s zusammengebracht wurde.
Der griechische Text der 10-Briefe Sammlung des Paulus, die von den Kirchenvätern dem "Neuen Testament" des Markion von Sinope zugeordnet wird, wird hier erstmals rekonstruiert.
In Teil II und III wird der rekonstruierte griechische Text geboten, der parallel zu dem des kanonischen Textes der zehn Briefe gesetzt ist, versehen mit Apparaten zu den altkirchlichen Zeugen und den signifikanten Varianten, ergänzt mit einer kurzen inhaltlichen Kommentierung zu einzelnen Briefabschnitten und einer Vers für Vers bezogenen lexikographischen Analyse.
Teil III umfasst Röm, 1Thess, 2Thess, Laod = Eph, Kol, Phil, Phlm.
9783381142125/9783381142125.pdf
<?page no="0"?> ISBN 978-3-381-14211-8 www.narr.de T A N Z T A N Z T A N Z TEXTE UND ARBEITEN ZUM NEUTESTAMENTLICHEN ZEITALTER Für die Anfänge des Christentums sind lediglich zwei Sammlungen christlicher Texte bekannt, die als „Neues Testament“ bezeichnet wurden - eine vor der Mi e des 2. Jh.s entstandene, die von Markion von Sinope veranstaltet wurde, und die uns bekannte des später kanonischen Neuen Testaments, die aus der Zeit um Irenäus von Lyon gegen Ende des 2. Jh.s zusammengebracht wurde. Der griechische Text der 10-Briefe Sammlung des Paulus, die von den Kirchenvätern dem „Neuen Testament“ des Markion von Sinope zugeordnet wird, wird hier erstmals rekonstruiert. In Teil II und III wird der rekonstruierte griechische Text geboten, der parallel zu dem des kanonischen Textes der zehn Briefe gesetzt ist, versehen mit Apparaten zu den altkirchlichen Zeugen und den signifikanten Varianten, ergänzt mit einer kurzen inhaltlichen Kommentierung zu einzelnen Briefabschni en und einer Vers für Vers bezogenen lexikographischen Analyse. Teil III umfasst Röm, 1Thess, 2Thess, Laod = Eph, Kol, Phil, Phlm. Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil III Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil III: Rekonstruktion - Übersetzung <?page no="1"?> Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung <?page no="2"?> T A N Z TEXTE UND ARBEITEN ZUM NEUTESTAMENTLICHEN ZEITALTER 72/ III herausgegeben von Matthias Klinghardt, Günter Röhser, Stefan Schreiber und Manuel Vogel <?page no="3"?> Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Mit Mark G. Bilby, Jack Bull, K. Lance Lotharp Unter Mitarbeit von Günter Röhser Teil III: Rekonstruktion - Übersetzung (Röm - Phlm) <?page no="4"?> ISBN 978-3-381-14211-8 (Print) ISBN 978-3-381-14212-5 (ePDF) ISBN 978-3-381-1421 3 - 2 (ePub) Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: / / dnb.dnb.de abrufbar. DOI: https: / / doi.org/ 10.24053/ 97833811 42125 © 2025 · Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 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(Röm) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1 [2-4] 5 [6] 7 [8-15]: Brieferöffnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,16-18: Das Evangelium - eine Kraft Gottes . . . . . . . . . . . . 1,[19-20] 21-22 [23-32]: Inkonsequente Erkenntnis Gottes . Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[1] 2 [3-11] 12-14 [15] 16 [17-19] 20-21 [22-23] 24-25 [26] 27-29: Nicht das Gesetz hören, sondern es tun . . . . . . . . . . . Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[1-18]: [Der Nutzen der Beschneidung] . . . . . . . . . . . . . . . 3,19-22: Damals war das Gesetzt, jetzt ist die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[23-31]: [Gott macht Beschnittene und Unbeschnitte gerecht] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [Kapitel 4] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [4],[1-25]: [Abraham und seine Nachkommen] . . . . . . . . . . Kapitel 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,1 [2-5] 6 [7-9] 10: Frieden mit Gott nicht aus dem Gesetz 5,[11-19] 20-21: Die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zum Leben durch Jesus, den Christus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [Kapitel 6] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [6],[1-23]: [Sünde, Taufe, Tod und ewiges Leben] . . . . . . . . Kapitel 7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7,[1-3]: [Das Gesetz hat nur Geltung, solange jemand lebt] 7,4-5 6 7 [8-10] 11-14 [15-17] 18 19 [20-22] 23-24 [25]: Ist das Gesetz Sünde? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8,[1-2] 3-5 6-7 [8] 9-11: Der Leib ist tot, der Geist ist Leben 8,[12-22]: [Das Seufzen der Schöpfung] . . . . . . . . . . . . . . . . . 8,[23-39]: [Die Erstlingsgabe des Geistes] . . . . . . . . . . . . . . . <?page no="6"?> 167 167 176 184 184 189 195 199 199 205 207 210 214 219 219 223 231 233 233 237 241 244 244 259 259 270 278 280 280 288 290 291 5 294 294 [Kapitel 9] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [9],[1-18]: [Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht] [9],[19-33]: [Israel ging es um die Gerechtigkeit aus Werken] Kapitel 10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10,1-4: Das Gebet für Israel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10,[5-13]: [Heilende Nähe Christi] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10,[14-21]: [Israel - ein ungehorsames Volk] . . . . . . . . . . . . Kapitel 11 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11,[1-10]: [Das nicht verstoßene Volk und der erwählte Rest] 11,[11-15]: [Israel und die Heidenchristen] . . . . . . . . . . . . . . 11,[16-24]: Die Erstlingsgabe vom Teig und der Ölbaum . . . 11,[25-32]: [Das Geheimnis der Errettung ganz Israels] . . . 11,33-35 [36]: O Tiefe des Reichtums und der Weisheit Gottes Kapitel 12 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12,[1-8]: Einleitende Ermahnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12,9-10 [11] 12 [13] 14 [15] 16-19: Anweisungen . . . . . . . . . 12,[20-21]: [Weitere Anweisungen] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13,[1-7]: [Das Verhältnis zur staatlichen Gewalt] . . . . . . . . . 13,8-10: Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes . . . . . . . . . 13,[11-14]: [Eschatologische Rahmung] . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 14 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14,1 2 3 [4-9] 10 [11-16] 17 [18-20] 21 [22] 23: Tue nichts, was einen Bruder oder eine Schwester verletzt . . . . . . . . . . [Kapitel 15] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [15],[1-13]: [Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [15],[14-29]: [Selbstautorisierung des Paulus] . . . . . . . . . . . . [15],[30-33]: [Bitte um Gebet für Paulus] . . . . . . . . . . . . . . . . [Kapitel 16] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [16],[1-16]: [Empfehlung der Phöbe und Grüße] . . . . . . . . . [16],[17-20]: [Warnung vor Streit] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [16],[21-24]: [Weitere Grüße] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [16],[25-27]: [Doxologie] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1Thess) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Inhalt <?page no="7"?> 294 294 297 302 302 310 314 317 317 320 325 325 328 334 341 341 349 6 357 357 357 357 359 361 365 368 368 378 381 381 386 7 391 391 Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1: Anschrift und Gruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[2-10]: [Der vorbildliche Glaube der Gemeinde] . . . . . . . . Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[1-13]: [Die Gründung der Gemeinde] . . . . . . . . . . . . . . . . 2,14-15: Leiden aufgrund der Mitbürger . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[16-20]: [Satan hindert Paulus, die Gemeinde zu besuchen] Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,1 [2] 3-4: Die Bedrängnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[5-13]: [Behaltet mich in guter Erinnerung] . . . . . . . . . . . . Kapitel 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,[1-2]: [Weitere Ermahnungen] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,3-5 [6] 7 [8-9] 10 [11-12]: Gottes Wille - Eure Heiligung . 4,[13-14] 15-17 [18]: Wir übrigen werden als erste auferstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,[1-18]: [Dringliche Ermahnungen] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,19-20 21-22 23 [24-28]: Verachtet nicht prophetisches Reden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (2Thess) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1 2: Anschrift und Gruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[3-5]: [Lob der Thessalonicher] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,6-9: Vergeltung und ewiges Verderben für die Bedränger 1,[10-12]: [Paränetischer Schluss] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,1 [2] 3-4 [5-8] 9-12: Zur Ankunft des Herrn . . . . . . . . . . . . 2,[13-17]: [Standhaftigkeit und Tradition] . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[1-9] 10: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen . . . 3,[11-18]: [Letzte Mahnungen und eigenhändiger Gruss] . . (Laod = Eph) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 7 <?page no="8"?> 392 392 405 411 411 416 419 436 436 440 444 449 449 451 457 465 470 470 481 493 493 496 499 510 8 513 513 513 513 518 523 530 Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1 2-3 [4] 5-7 [8] 9-10 [11] 12-13: Anschrift, Gruß, Erhebung zur Sohnschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[14-16] 17-20 [21] 22 [23]: Der Geist und der Reichtum des Erbes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,1-3: Wir waren tot und gefangen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[4-9]: [Gott hat uns gerettet] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,10-21 [22]: Die Versöhnung der Fernen und Nahen . . . . . Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[1-2] 3 [4-7]: Die Offenbarung des Paulus . . . . . . . . . . . . . 3,8-10: Die Weisheit Gottes bekannt machen . . . . . . . . . . . . 3,[11-21]: [Paulus beugt seine Knie] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,[1-4]: [Paulus, der Gefangene im Herrn] . . . . . . . . . . . . . . . 4,5-6 [7] 8 [9] 10: Der eine Herr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,[11-21] 22-24: Die Ämter und ein Leben nicht wie die Heiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,25-26 27 [28-32]: Legt die Lüge ab, zürnt nicht! . . . . . . . . . Kapitel 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,[1] 2 [3-7] 8 [9-10] 11 [12-13] 14 [15] 16 [17] 18 -19 [20]: Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis! . . . . . . 5,[21] 22-23 [24] 25 [26-27] 28-29 30 31-32 [33]: Das Verhältnis von Frau und Mann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6,1-2 [3] 4: Das Verhältnis von Kindern und Eltern . . . . . . . 6,[5-10]: [Über Sklaven] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6,11-12 [13] 14-16 [17] 18-20: Umgürtet eure Hüften mit Wahrheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6,[21-24]: [Persönlicher Schluss] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Kol) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1-2 [3-4] 5-6: Anschrift, Gruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[7-14]: [Persönliche Worte an die Leserschaft] . . . . . . . . . 1,15 [16] 17 [18] 19-22: Das Wort Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[23] 24 [25-29]: Die eigenen Bedrängnisse als Ergänzung derer Christi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Inhalt <?page no="9"?> 535 535 538 542 544 554 554 560 570 570 573 9 581 581 582 582 584 589 599 602 602 605 610 614 619 619 622 628 633 635 635 Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[1-3]: [Persönliche Erklärung] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,4 [5-7] 8: Niemand werde getäuscht von Überredungskünsten der Philosophie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[9-12]: [Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben und auferweckt] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,13 [14-15] 16-22 23: Die Wirklichkeit ist Christus . . . . . . . Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[1-2] 3-4 [5-8] 9-10: Der neue Mensch . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[11-25]: [Paränese an die Erwählten Gottes] . . . . . . . . . . . [Kapitel 4] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [4],[1-9]: [Ermahnungen] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [4],[10-18]: [Schlussgrüße] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Phil) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1 2: Anschrift und Gruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[3-11]: [Dank an Gott] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,12-18 [19-22] 23: Auf jede Weise wird Christus verkündigt 1,[24-30]: [Lasst Euch nicht von den Gegnern einschüchtern] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[1-5]: [Paränetische Ermahnungen] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,6-8 [9-11]: Christus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[12-18]: [Paränetische Ermahnungen] . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,[19-30]: [Die Gesandten des Paulus] . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[1-2]: [Eröffnung] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,3 [4] 5 [6] 7-9: Die Beschnittenen sind diejenigen, die ihre Gerechtigkeit aus Gott besitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,[10-19]: [Personalisierung und Moralisierung der Botschaft] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,20-21: Die Verwandlung des Leibes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [Kapitel 4] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [4],[1-9]: [Personen, Ermahnungen und Bitten] . . . . . . . . . . Inhalt 9 <?page no="10"?> 640 645 10 648 648 648 652 663 [4],[10-20]: [Die Bedrängnis des Paulus] . . . . . . . . . . . . . . . . [4],[21-23]: [Grüße und Schluss] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Phlm) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titulus und Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,1 [2] 3: Anschrift und Gruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,[4-8] 9 10 11-13 [14] 15 [16-21] 22 [23-25]: Bitte für Onesimus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Inhalt <?page no="11"?> Rekonstruktion <?page no="13"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 119. In Abweichung von meiner Edition, bei der ich der Lesart „a Corintho“ gefolgt war, würde ich nach der Argumentation von Goldmann jetzt die ebenfalls bezeugte Form „ab Athenis“ wählen, denn es ist tatsächlich kaum einsehbar, wie nach der Zirkulation des 16-Kapitel umfassenden Römerbriefs eine Veränderung von „a Corinthos“ zu „ab Athenis“ hätte erfolgen können, während die umgekehrte Bearbeitungstendenz leicht vorstellbar ist, nachdem der 16-Kapitel umfassende Römerbrief sich weithin durchgesetzt hatte, vgl. A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 157-159. 4 (Röm) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Ρωμαίους - Romani sunt in partibus Italiae. hi praeventi sunt a falsis apostolis et sub nomine domini nostri Iesu Christi in legem et prophetas erant inducti. hos revocat apostolus ad veram evan‐ gelicam fidem scribens eis ab Athenis. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13, praef.: De epistula ad Romanos; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): Τετάρτη πρὸς Ῥωμαίους; ibid. (118 H.): Τῆς πρὸς Ῥωμαίους, παρ’ αὐτῷ δ, ἐν δὲ τῷ ἀποστολικῷ α; ibid. (175 H.): Τῆς πρὸς Ῥωμαίους οὕτως γάρ ἐστι παρὰ τῷ Μαρκίωνι κειμένη, ἵνα μηδὲν ὀρθὸν παρ’ αὐτῷ εἴη; vgl. auch den markionitischen Prolog. B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. 1 C. Zahn und Harnack geben als Adressat und Titulus ohne Quellenverweis: Πρὸς Ρωμαίους. Kapitel 1 1,1 [2-4] 5 [6] 7 [8-15]: Brieferöffnung Die vorkanonische Brieferöffnung ist zwar nicht bezeugt, dürfte aber, wenn man Tertullians Angaben zum Ersten Korintherbrief folgt, auch hier nicht viel anders gelautet haben. Allerdings deutet die bekannte Handschriftenvariante in <?page no="14"?> 2 Dennoch gilt die Frage, „wer die Adressatinnen und Adressaten des Römerbriefs waren und in welcher Situation sie sich befanden … seit Langem zu den Schlüsselfragen der Paulusexegese“, K. Schwarz, Der Römerbrief in der neueren Forschungsdiskussion. Tendenzen und offene Fragen (2024), 6. einschlägigen Zeugen daraufhin, dass im Text keine bestimmte lokale Adress‐ angabe stand, auch wenn sich diese aus dem Prolog erschließen lässt. 2 Die kanonische Redaktion, erweitert, wie bereits gewohnt, die Eröffnung, indem sie insbesondere auf die Davidslinie dem Fleisch nach für die Genealogie Christi verweist. Des Weiteren führt die kanonische Eröffnung gegen Ende eine Reihe Information zu Paulus an, mit der auf die solidarische Nähe zwischen ihm und seinen Adressaten hingewiesen wird. 1,1 Παῦλος, ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ 1,1 Παῦλος δοῦλος Χριστοῦ Ἰησοῦ, κλητὸς ἀπόστολος, ἀφωρισμένος εἰς εὐαγγέλιον θεοῦ, - 2 ὃ προεπηγγείλατο διὰ τῶν προφητῶν αὐτοῦ ἐν γραφαῖς ἁγίαις, 3 περὶ τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ τοῦ γενομένου ἐκ σπέρματος Δαυὶδ κατὰ σάρκα, 4 τοῦ ὁρισθέντος υἱοῦ θεοῦ ἐν δυνάμει κατὰ πνεῦμα ἁγιωσύνης ἐξ ἀναστάσεως νεκρῶν, Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ κυρίου ἡμῶν, 5ἐν τοῖς ἔθνεσιν, 5 δι’ οὗ ἐλάβομεν χάριν καὶ ἀποστολὴν εἰς ὑπακοὴν πίστεως ἐν πᾶσιν τοῖς ἔθνεσιν ὑπὲρ τοῦ ὀνόματος αὐτοῦ, - 6 ἐν οἷς ἐστε καὶ ὑμεῖς κλητοὶ Ἰησοῦ Χριστοῦ, 7 πᾶσιν ἐν-ἀγάπῃ θεοῦ, χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ. 7 πᾶσιν τοῖς οὖσιν ἐν Ῥώμῃ ἀγαπητοῖς θεοῦ, κλητοῖς ἁγίοις· χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. - 8 Πρῶτον μὲν εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ περὶ πάντων ὑμῶν, ὅτι ἡ πίστις ὑμῶν καταγγέλλεται ἐν ὅλῳ τῷ κόσμῳ. 9 μάρτυς γάρ μού ἐστιν ὁ θεός, ᾧ λατρεύω ἐν τῷ πνεύματί μου ἐν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ, ὡς ἀδιαλείπτως μνείαν ὑμῶν ποιοῦμαι 10 πάντοτε ἐπὶ τῶν προσευχῶν μου, δεόμενος εἴ πως ἤδη ποτὲ εὐοδωθήσομαι ἐν τῷ θελήματι τοῦ θεοῦ ἐλθεῖν πρὸς ὑμᾶς. 11 ἐπιποθῶ γὰρ ἰδεῖν ὑμᾶς, ἵνα τι μεταδῶ χάρισμα ὑμῖν πνευματικὸν εἰς τὸ στηριχθῆναι ὑμᾶς, 12 τοῦτο δέ 14 Rekonstruktion <?page no="15"?> 3 Detering folgt dem kanonischen Text, vgl. H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 164. 4 Detering sieht die Verse 2-6 als fehlend an, vgl. Ibid. 19-25. 164 ἐστιν συμπαρακληθῆναι ἐν ὑμῖν διὰ τῆς ἐν ἀλλήλοις πίστεως ὑμῶν τε καὶ ἐμοῦ. 13 οὐ θέλω δὲ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, ὅτι πολλάκις προεθέμην ἐλθεῖν πρὸς ὑμᾶς, καὶ ἐκωλύθην ἄχρι τοῦ δεῦρο, ἵνα τινὰ καρπὸν σχῶ καὶ ἐν ὑμῖν καθὼς καὶ ἐν τοῖς λοιποῖς ἔθνεσιν. 14 Ελλησίν τε καὶ βαρβάροις, σοφοῖς τε καὶ ἀνοήτοις ὀφειλέτης εἰμί· 15 οὕτως τὸ κατ’ ἐμὲ πρόθυμον καὶ ὑμῖν τοῖς ἐν Ῥώμῃ εὐαγγελίσασθαι. A. *1,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5, praef. 1: De epistula ad Corinthios prima. [1]-Praestructio superioris epistulae ita duxit, ut de titulo eius non retractaverim, certus et alibi retractari eum posse, communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. ♦ *1,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,1-2: [1] … Praestructio superioris epistulae ita duxit, ut de titulo eius non retractaverim, certus et alibi retractari eum posse, communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. Quod non utique salutem praescribit eis quibus scribit, sed gratiam et pacem, non dico … Haec cum a deo patre nostro et domino Iesu annuntians communibus nominibus utatur, competentibus nostro quoque sacramento, non puto dispici posse quis deus pater et dominus Iesus praedicetur, nisi ex accedentibus cui magis competant. B. (1,7) Anstelle von Ῥώμῃ findet sich ἀγάπη θεοῦ in 06, 0139, Or 1739mg ; om 010, 012 (jeweils mit Lakune). ♦ κυρίου steht auch in Pel, während sich domino nostro findet in der altlateinischen Tradition (89), Ruf var , hingegen nach christo iesu stehend domino nostro in Ambst var . Was den Titel Ἰησοῦ Χριστοῦ betrifft, vgl. man die altlateinische Tradition, hier liest man iesu christo in 89, Ruf var , Pel. C. 1. (1,1) Der erste Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, gleichwohl nimmt Zahn die Präsenz desselben an und auch BeDuhn führt ihn nach folgendem Textbestand in Klammern gesetzt an: [Παῦλος δοῦλος Χριστοῦ Ἰησοῦ, κλητὸς ἀπόστολος], wobei er den Brief nach dem Zeugen 012 direkt mit Vers 5a fortschreiten lässt. Hierfür spricht auch, dass diese Eröffnung eng dem lateinisch erhaltenen Prolog entspricht. 3 2. (1,2-4) Diese Verse gelten ebenfalls nach allen Editoren als unbezeugt, auch wenn Zahn wiederum ihre Präsenz in unbestimmbarer Form annimmt. 4 Harnack verwies bereits auf Origenes’ Johanneskommentar, 5 in welchem dieser 4 (Röm) 15 <?page no="16"?> 5 Allerdings auf X 24, während sich die Stelle in X 6 findet. 6 ἐγὼ δ’οἶμαι καὶ τὸν Μαρκίωνα παρεκδεξάμενος ὑγιεῖς λόγους, ἀθετοῦντα αὐτοῦ τὴν ἐκ Μαρίας γένεσιν κατὰ τὴν θείαν αὐτοῦ φύσιν, ἀποφήνασθαι ὡς ἄρα οὐκ ἐγεννήθη ἐκ Μαρίας, καὶ διὰ τοῦτο τετολμηκέναι περιγράψαι τούτους τοὺς τόπους ἀπὸ τοῦ εὐαγγελίου (176,812 GCS). Vgl. A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 102*; U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 238. 7 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 294. 8 Wie gerade vorgeführt, ist dieses Urteil m. E. überzogen, auch wenn das Origeneszitat nicht sogleich belastbar ist. 9 J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 262; U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 238. berichte, dass bei der Diskussion der vorliegenden Verse des Römerbriefes, ins‐ besondere Röm 1,3, Markion „die Erwähnung Davids aus Röm. 1,3 gestrichen“ habe. 6 BeDuhn präzisiert, Origenes habe lediglich ausgeführt, „Markion habe die Geburtsgeschichte aus seinem Evangelientext ausgelassen, weil er ’die Geburt aus Maria verworfen habe, was seine göttliche Natur betreffe‘“. 7 Nun ist die Terminologie des Origenes recht eindeutig. Wenn er davon spricht, er sei der Meinung (οἶμαι), Markion habe richtige Worte falsch ver‐ standen und die Geburt aus Maria „ausgelassen“ bzw. „gestrichen“ (ἀθετοῦντα), so benutzt er hier einen Terminus der Textkritik, spricht also davon, was seiner Meinung nach eine Textelimination sei, wobei natürlich vorausgesetzt ist, dass Origenes wie Tertullian und vor ihnen Irenäus davon ausgegangen waren, Markion habe eine ältere - eben die von ihnen als korrekt und von uns als kanonisch bekannte - Version bearbeitet, gekürzt und verstümmelt. Dass Origenes vermutlich nicht nur Röm 1,3 im Blick hat, sondern sich das Fehlen auf die Verse 2-4 bezieht, legt auch das Schweigen Tertullians, was diese Verse betrifft, nahe. Hätte er nämlich in Markions *Paulus gelesen, Christus sei durch die „Propheten im Voraus verheißen“ worden „in heiligen Schriften“ und dass er „als Nachkomme Davids“ gekommen sei, wäre ihm dies Wasser auf die Mühlen seiner rhetorischen Tirade gegen Markion gewesen. Wenn Lieu darauf hinweist, dass Schmid gegen Harnack argumentiere, das Origeneszitat trage nichts aus für die Textkritik, 8 verschweigt sie allerdings, dass Schmid in seiner Rekonstruktion Röm 1,2-4 auch nicht für bezeugt hält. 9 Wichtig ist die Beobachtung, dass die kanonische Fassung des Präskripts mit 72 Wörtern „zweieinhalbmal so lang wie die zweitlängste [Selbstvorstellung des Paulus] (Gal 1,1-2a mit 26 Wörtern) und mehr als 14 mal so lang wie die kürzeste (1Thess 1,1 mit 5 Wörtern)“ ist und sich „mit der Beschreibung des paulinischen Auftrags in 15,15-21 recht weitgehend überschneidet … Auf diese Weise entsteht 16 Rekonstruktion <?page no="17"?> 10 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 76-77. 11 Mit weiteren Argumenten und unter Berufung und Angabe von älterer Literatur W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 32-39. eine Inklusion, die noch dadurch verstärkt wird, dass die Entsprechungen sich in den jeweils folgenden Abschnitten (1,8-17 / / 15,22-32) fortsetzen“. 10 Nachdem all diese Passagen (bis auf 1,16-17) nur für die kanonische Ebene bezeugt sind, bzw. Kap. 15-16 für die vorkanonische Version als abwesend bezeugt ist, wird man folglich die Aufblähung des Präskripts ebenfalls auf die kanonische Redaktion zurückführen, und die Inklusion als Versuch werten, die beiden letzten Kapitel des Römerbriefs als integrale Bestandteile den Lesenden zu suggerieren, was als Strategie bis heute offenkundig weithin funktioniert. Van Manen verweist darauf, dass die Verse Röm 1,2-6 „mehr als ein un‐ schuldiger Zwischensatz“ sind, wobei Vers 6 das vorwegnehme, „was er noch sagen muss, nämlich: wer die Leser des Briefes sind, an dessen Abfassung er sich macht“. Schon wegen der ungewöhnlichen Länge der Zwischensätze in einer Brieferöffnung denkt er „an Interpolation“ und kommt nach langen Ausführungen zum Schluss: „Wenn wir uns … versichert halten, dass die Adresse des Briefs ihre jetzige Form erhalten hat durch Erweiterung einer älteren und kürzeren, und dass V. 2-6 den Bearbeiter verrät, dann erhebt sich die Frage, ob das Übrige, V. 1 und 7, ganz unverändert übernommen sein wird“. 11 3. (1,5) Nach allen Editoren ist der Vers unbezeugt, doch BeDuhn verweist auf den Zeugen 012, der im Anschluss an Vers 1 unmittelbar Vers 5b anschließt. 4. (1,6) Der Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn mit seiner Präsenz in irgendeiner unbestimmbaren Form rechnet. 5. (1,7) Wiederum erfolgt hier der Verweis auf die Passage Tertullians, in welcher er auf die Eintönigkeit der Eröffnungen des Paulus in seinen Briefen abhebt. BeDuhn schreibt: „[to those who are in Rome]“. Allerdings ist von Gewicht, dass wiederum in einschlägigen Zeugen die Ortsangabe Rom fehlt und stattdessen ἐν ἀγάπη θεοῦ steht. Gewiss ist nicht sicher, dass die Ortsangabe hier gefehlt hat, jedoch spricht BeDuhn selbst gegen seine eigene Gegenargu‐ mentation, wonach Tertullian und Epiphanius diesen Brief als an die Römer gerichtet kennen, wenn er für den markionitischen Ursprung des lateinischen Prologs argumentiert, da dort ja die Adressaten genannt werden, auch wenn dies kein Hinweis auf die Ortsangabe hier bietet. Es kann also durchaus sein, dass die kanonische Redaktion in dem Vers hier die Ortsangabe Rom aus dem Titel eingefügt hat, ein Zusatz, der eben weder Origenes noch dem Zeugen 06 bekannt war, der aber auch in 010 und 012 mit einer Lakune als fehlend gekennzeichnet ist. Allerdings kann man auch umgekehrt argumentieren: „Die Streichung der Ortsangabe diente wahrscheinlich dem Zweck, dem Brief für liturgischen 4 (Röm) 17 <?page no="18"?> 12 U. Wilckens, Der Brief an die Römer. Teilband 1. Röm 1 - 5 (1978), 68. Wilckens stützt sich auf H. Lietzmann, Einführung in die Textgeschichte der Paulusbriefe. An die Römer (1933), 27. 13 J. Suggs, ‚The Word is near to you‘: Romans 10: 6-10 Within the Purpose of the Letter (1967). 14 Vgl. zu dieser komplexen Frage jetzt das Votum, wonach die Ortsangabe im ursprüng‐ lichen Text gefehlt habe, mit einer Reihe von überzeugenden Argumenten in A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 166-168. 15 W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 32. 16 „Der Interpolator hat … die Bedeutung und Wichtigkeit des paulinischen Evange‐ liums … als … das in heiligen Schriften längst vorausverkündet(e)“ beschrieben, D. Völter, Die Komposition der Paulinischen Hauptbriefe. I. Der Römer- und Galaterbrief (1890), 30. 17 U. Wilckens, Der Brief an die Römer. Teilband 1. Röm 1---5 (1978), 90. Gebrauch ökumenischen Charakter zu geben“. 12 Auch auf Streichung hinzielend geht die Auffassung, wonach das Schreiben als Zirkularschreiben dienen sollte, ein Charakter, den es ursprünglich hatte und wozu es die Streichung wieder machte. 13 Beide Hypothesen sind aber wenig überzeugend, weil ihnen zufolge mit mehr Zeugen zu rechnen wäre, die das Fehlen dieser Adresse aufwiesen und nicht gerade die Bilinguen, die der vermutlichen Bilingue der vorkano‐ nischen Sammlung am nächsten stehen. Findet sich die Ortsangabe Rom in der vorkanonischen Version nicht, dann führte die kanonische Redaktion mit der Hinzufügung derselben zu einer Betonung Roms, die wegen der starken Verbreitung dieser redaktionellen Version sich in fast allen weiteren Zeugen findet, die Ausnahmen böten hier noch die Spur zur früheren Version. 14 Bereits van Manen hatte die Eröffnung für „nicht ursprünglich“ erklärt 15 und schon Völters sah lediglich den Anfang von Vers 1 (allerdings mit Einschluss von δοῦλος) Παῦλος δοῦλος Χριστοῦ Ἰησοῦ und Vers 7 für ursprünglich. 16 6. (1,8-15) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn wiederum mit deren Präsenz in nicht näher bestimmbarer Form rechnet. Überblickt man die lexikalischen Vergleiche von D. der unbezeugten Verse 8-15 ergibt sich eine weitreichende Übereinstimmung zwischen fehlender Bezeugung und Lexik, die Verse sind folglich der kanonischen Redaktion zuzuordnen und waren in der vorkanonischen Fassung abwesend. Überhaupt hat man schon kritisch zum Inhalt dieser Ausführungen zu Beginn des Briefes geurteilt, zum einen, weil der Text „die übliche Form des Proömiums“ über‐ schreitet, indem Paulus „eigentümlich“ seinen Besuch bei den römischen Christen ankündigt und anstelle seiner „höchst polemischen Ausführungen des Galaterbriefes in neu reflektierter Weise unpolemisch, jedoch mit durchge‐ hend antijüdischer Spitze wiederholt und ausführt“. 17 Andererseits hat man 18 Rekonstruktion <?page no="19"?> 18 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 101. 19 Nach Lietzmann stellt dies eine „at.(alttestamentliche) Redeweise“ dar, mit Belegen H. Lietzmann, Einführung in die Textgeschichte der Paulusbriefe. An die Römer (1933), 25. auch auf den besonderen Stil dieses Abschnittes verwiesen. Nachdem (wie im vorkanonisch bezeugten Vers 16a) über zehn finite Verben in der 1. Pers. Sg. stehen und „bis einschließlich V. 15“ Paulus „durchweg in Beziehung zu den Adressaten“ spricht (Ausnahme V. 14), liegt hier „eine deutlich erkennbare Kohärenz“ vor, die diesen Teil von den V. 16b-17 unterscheidet. 18 D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Wendung Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ steht 6 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,1, vermutlich aber auch stehend in *2Kor 1,1; *Röm 1,1; *1Thess; *2Thess; *Laod; *Kol; *Phil, vgl. zu 1Kor 1,1. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, ist als Verhältnisbestimmung des Menschen zu Gott oder Christus ein kanonisch semantisch konnotiertes Lexem. ♦ Die Wendung δοῦλος Χριστοῦ Ἰησοῦ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Kol 4,12. ♦ κλητός steht 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀφορίζω, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15. 19 ♦ Die Wendung εὐαγγέλιον θεοῦ steht nur hier. Zur Rekonstruktion: Gemäß dem Kommentar Tertullians zum Ersten Korinther‐ brief darf man auch hier mit der einfachen Eröffnung wie dort rechnen, die von der kanonischen Redaktion erweitert und verändert wurde. (1,2) προεπαγγέλλω steht nur noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene 2Kor 9,5. ♦ προφήτης, das 157 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32; *1Thess 2,15. ♦ Die Wendung διὰ τῶν προφητῶν steht 3 Mal im NT, Mt 2,23; Lk 18,31, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 1,2. ♦ γραφή steht 54 / 51 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers verweist mit seinen aus‐ schließlich kanonisch belegten Elementen (προεπαγγέλλω; διὰ τῶν προφητῶν; γραφή) auf dessen Entstehung durch die kanonische Redaktion, er hat vorka‐ nonisch gefehlt. (1,3) περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,1; 12,1, vgl. weiter Vers 8, auf derselben kanonischen Ebene stehend. ♦ Die Wendung περὶ τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ steht noch 2 weitere Male, 1Koh 5,9. 10. ♦ Der Ausdruck 4 (Röm) 19 <?page no="20"?> 20 Vgl. U. Wilckens, Der Brief an die Römer. Teilband 1. Röm 1 - 5 (1978), 57; E. Peterson, Frühkirche, Judentum und Gnosis. Studien und Untersuchungen (1959), 346-354, 349-351. τοῦ γενομένου steht noch 1 weiteres Mal, Apg 1,16. ♦ σπέρμα steht 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38. ♦ Die Wendung ἐκ σπέρματος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,3; 11,1; 2Tim 2,8). ♦ Δαυίδ steht 63 / 59 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Der Ausdruck κατὰ σάρκα steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *Röm 8,4. 5. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (περὶ τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ; τοῦ γενομένου; ἐκ σπέρματος). Außerdem, wie in C. 2 dargelegt, wäre es schwer verständlich, wenn Tertullian sich diesen Vers nicht zunutze gemacht hätte. Der Vers geht folglich auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. (1,4) ὁρίζω steht 17 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Kombination υἱὸς θεοῦ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 1,1; 15,39; Lk 1,35; Joh 19,7; Röm 1,4). ♦ ἁγιωσύνη, steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der kombinierte Ausdruck πνεῦμα ἁγιωσύνης ist Hapax legomenon im NT, er begegnet jedoch in jüdischer Literatur, TestL 18,11, und auf einem jüdischen Amulett. 20 ♦ ἀνάστασις, das 44 / 42 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,14; 20,27. 33. 35. 36; *1Kor 15,12. 21. 42 ist. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὁρίζω; υἱὸς θεοῦ; ἁγιωσύνη). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,5) ἀποστολή, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ὑπακοή steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. weiters Vers 7. Zur Rekonstruktion: Der Vers wird also bis auf das ἐν τοῖς ἔθνεσιν in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben. (1,6) Die Kombination ἐν οἷς (Neut.) steht 12 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Lk 12,1; Apg 26,12; Röm 1,6; Kol 3,7; im Vers: Lk 1,78; Apg 11,14; Phil 4,11; 2Tim 3,14; Hebr 6,18; 13,9; 2Petr 2,12; Apk 19,20), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; 20 Rekonstruktion <?page no="21"?> *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ κλητός findet sich 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die nur auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐν οἷς; κλητός) und greift mit κλητός das sinntragende Moment des Verses auf. Es ist derselbe Begriff aus Vers 1, der dort auf der kanonischen Ebene steht. Somit wird wohl auch dieser Vers hier auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Dass nur *Laod ἐν οἷς vorkanonisch bezeugt, spricht wiederum für die Nähe dieses Briefes zur kanonischen Lexik. (1,7) πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. zuvor zu Vers 5. ♦ Die Verbform οὖσιν, die 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8. ♦ Ausschließlich auf der kanonischen Ebene findet sich gerade in den Brieferöffnungen die Wendung τοῖς οὖσιν, Röm 1,7: πᾶσιν τοῖς οὖσιν ἐν Ῥώμῃ; 12,3: τῆς δοθείσης μοι παντὶ τῷ ὄντι ἐν ὑμῖν; 1Kor 1,2: τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ; 2Kor 1,1: τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ; Eph 1,1: τοῖς ἁγίοις τοῖς οὖσιν [ἐν Ἐφέσῳ]; Phil 1,1: τοῖς οὖσιν ἐν Φιλίπποις, und wiederum in Apg 20,34: τοῖς οὖσιν μετ’ ἐμοῦ. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Ῥώμη steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Allerdings findet es sich im lateinischen Prolog. ♦ Der Ausdruck ἐν Ῥώμῃ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,7. 15; 2Tim 1,17). ♦ ἀγαπητός steht 64 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,13; *1Kor 1,28. ♦ Zu dem kanonischen κλητός vgl. zuvor zu 1,6. ♦ Die Wendung χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ ist bezeugt für *1Kor 1,3. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers unbezeugt ist, spricht die alternative Lesart ἀγάπῃ θεοῦ und der Hinweis Tertullians auf die Gleichförmigkeit der Brieferöffnungen dafür, den obenstehenden Text vorkanonisch anzunehmen. Umgekehrt stützt die nur auf der kanonischen Ebene belegte alternative Lexik diesen Rekonstruktionsvorschlag. (1,8) πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3, vgl. weiter unten Vers 16. ♦ Die Kombination πρῶτον μέν steht 5 Mal im NT (2 Mal als Verseröffnung), ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu den Stellen 1Kor 11,18. ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ Die Wendung εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου steht 4 Mal im NT, davon 3 4 (Röm) 21 <?page no="22"?> Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,4. ♦ Die Kombination διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,1; *Röm 5,21. ♦ Zu περί vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ Die Wendung περὶ πάντων ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,18; Röm 1,8; 1Thess 1,2). ♦ πίστις, das 257 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. 20; 3,11. 26; 5,6; *1Kor 12,9; *2Kor 4,13; *Röm 1,17; 5,1; *Laod 4,5. ♦ Die Formulierung ἡ πίστις ὑμῶν begegnet 7 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 2,5. ♦ καταγγέλλω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,17. 18. ♦ ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ κόσμος steht 196 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,29; *Gal 4,3; 6,14; *1Kor 1,20. 21. 27; 3,19. 22; 4,9; 6,14; *Laod 2,2. 12; *Kol 1,6; 2,8. ♦ Der Ausdruck ἐν ὅλῳ τῷ κόσμῳ steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Mt 26,13. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elementen auf (πρῶτον μέν; vorliegende Semantik von εὐχαριστέω; εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου; περὶ πάντων ὑμῶν; ἡ πίστις ὑμῶν; ἐν ὅλῳ τῷ κόσμῳ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,9) μάρτυς, das 39 / 35 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,1. ♦ Die Wendung μάρτυς γάρ μού ἐστιν ὁ θεός kehrt ohne ἐστιν wieder auf der kanonischen Ebene in Phil 1,8. ♦ λατρεύω steht 23 / 21 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt und ein typischer Begriff der kanonischen Redaktion, abzulesen etwa an der Präsenz des Begriffes spezifisch in den Teilen von Lk, die in *Ev fehlen (Mt 4,10; Lk 1,74; 2,37; 4,8. ♦ Die Wendung τῷ πνεύματί μου steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, 2Kor 2,13. ♦ Die Wendung ἐν τῷ εὐαγγελίῳ steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 9,18. ♦ ἀδιάλειπτος steht als Adverb noch weitere 3 Male im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene in 1Thess (1,2; 2,13; 5,17), das Adjektiv steht 2 Mal, ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene (Röm 9,2; 2Tim 1,3). ♦ μνεία findet sich 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 1,9; Eph 1,16; 1Thess 1,2; 3,6; Phil 1,3; 2Tim 1,3; Phlm 1,4). Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonische Vers weist eine Fülle von aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elementen auf (μάρτυς γάρ μού ἐστιν ὁ θεός; λατρεύω; τῷ πνεύματί μου; ἐν τῷ εὐαγγελίῳ; ἀδιάλειπτος; μνεία). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 22 Rekonstruktion <?page no="23"?> (1,10) πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ προσεύχομαι steht 104 / 86 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ Die Wendung ἐπὶ τῶν προσευχῶν μου steht 4 Mal im NT (Röm 1,10; Eph 1,16; 1Thess 1,2: hier mit ἡμῶν; Phlm 1,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δέομαι steht 112 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,12; *1Kor 15,24. ♦ Die Form δεόμενος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 10,2; 17,25; Röm 1,10). ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Folglich findet sich auch die Kombination εἴ πως, die 4 Mal im NT steht, davon 2 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: Röm 11,14; Phil 3,11; im Vers: Apg 27,12; Röm 1,10). ♦ Die Kombination ἤδη ποτέ steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Phil 4,10. ♦ εὐοδόω steht noch drei weitere Male, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Kor 16,2; 3Joh 1,2). ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ Die Form τῷ θελήματι steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Lk 23,25. ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind (πάντοτε; ἐπὶ τῶν προσευχῶν μου; δεόμενος; εἴ πως; ἤδη ποτέ; εὐοδόω; τῷ θελήματι; πρὸς ὑμᾶς). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,11) ἐπιποθέω, das 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὁράω + ὑμᾶς steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 16,22; Röm 1,11; Phil 1,27; Hebr 13,23). ♦ μεταδίδωμι, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ χάρισμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,7; 12,9. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ στηρίζω findet sich 16 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐπιποθέω; ὁράω + ὑμᾶς; μεταδίδωμι; στηρίζω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,12) Die Wendung τοῦτο δέ ἐστιν steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: Joh 6,39; Röm 1,12; im Vers: 1Petr 1,25). ♦ συμπαρακαλέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination τοῦτο δέ steht 32 Mal im NT, 28 Mal als Verseröffnung, immer auf der kanonischen Ebene, 4 (Röm) 23 <?page no="24"?> vgl. 2Kor 9,6. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἀλλήλοις steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 9,50; Joh 13,35; Röm 1,12; 15,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt). ♦ Die Form ἀλλήλοις steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor Gal 5,13. ♦ Der Ausdruck πίστεως ὑμῶν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 1,12; 2Kor 10,15; Phil 2,17; Kol 2,5; 1Thess 3,2. 10; 1Petr 1,9). ♦ Die Kombination τε καί steht 51 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,30. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τοῦτο δέ ἐστιν; ἐν ὑμῖν; ἐν ἀλλήλοις; ἀλλήλοις; πίστεως ὑμῶν; τε καί). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,13) Die Wendung οὐ θέλω δέ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 1Kor 10,20. ♦ Die Kombination θέλω δὲ ὑμᾶς steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 7,32. ♦ ἀγνοέω, das sich 23 / 22 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1; 12,1. ♦ πολλάκις, das sich 19 / 18 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ προτίθημι steht nur noch weitere 2 Mal, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,9. ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. ♦ κωλύω, das 27 / 23 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ δεῦρο steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ καρπός steht 71 / 66 Mal im NT, vorkanonisch wohl in *Ev 6,43; 21,30. ♦ Die Form σχῶ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 2,3. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, in Lk 24,24, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6. ♦ λοιπός, das sich 60 / 55 Mal im NT findet, vorkanonisch bezeugt für *Paulus. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὐ θέλω δέ; θέλω δὲ ὑμᾶς; πολλάκις; πρὸς ὑμᾶς; κωλύω; δεῦρο; τινα; σχῶ; ἐν ὑμῖν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Darüber hinaus zeigt die Bezeugung von προτίθημι in *Laod die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik. 24 Rekonstruktion <?page no="25"?> (1,14) Ἕλλην steht 29 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3; *1Kor 1,22. ♦ Die Kombination τε καί steht 51 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,30. ♦ βάρβαρος, das 6 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σοφός, das 24 / 20 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 1,25; 3,18. 19. ♦ ἀνόητος findet sich 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25. ♦ ὀφειλέτης steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. ♦ Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (2 Mal τε καί; βάρβαρος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,15) τὸ κατά steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 7,11. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Wendung κατ’ ἐμέ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,15; Eph 6,21; Phil 1,12; Kol 4,7). ♦ πρόθυμος steht nur noch weitere 2 Male auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen ἐν Ῥώμῃ vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt in *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τὸ κατά; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; κατ’ ἐμέ; πρόθυμος; ἐν Ῥώμῃ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorka‐ nonisch gefehlt. 1,16-18: Das Evangelium - eine Kraft Gottes Diese vorkanonische Kernpassage des Eröffnungskapitels ist gut bezeugt und nur wenig durch die kanonische Redaktion erweitert worden. Wie im Abschnitt zuvor, wird auch hier die Verbundenheit zur jüdischen Tradition durch den Hinweis auf Habakuk durch die kanonische Redaktion hergestellt. 16 Οὐ γὰρ ἐπαισχύνομαι τὸ εὐαγγέλιον, δύναμις γὰρ θεοῦ ἐστιν 16 Οὐ γὰρ ἐπαισχύνομαι τὸ εὐαγγέλιον, δύναμις γὰρ θεοῦ ἐστιν εἰς σωτηρίαν 4 (Röm) 25 <?page no="26"?> 21 Vgl. A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 110-111; H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Text‐ geschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. εἰς σωτηρίαν παντὶ τῷ πιστεύοντι, Ἰουδαίῳ καὶ Ἕλληνι· παντὶ τῷ πιστεύοντι, Ἰουδαίῳ τε πρῶτον καὶ Ἕλληνι· 17 δικαιοσύνη γὰρ θεοῦ ἐν αὐτῷ ἀποκαλύπτεται ἐκ πίστεως εἰς πίστιν. 17 δικαιοσύνη γὰρ θεοῦ ἐν αὐτῷ ἀποκαλύπτεται ἐκ πίστεως εἰς πίστιν, καθὼς γέγραπται, Ὁ δὲ δίκαιος ἐκ πίστεως ζήσεται. 18 Ἀποκαλύπτεται γὰρ ὀργὴ ἀπ’ οὐρανοῦ ἐπὶ ἀσέβειαν καὶ ἀδικίαν ἀνθρώπων τῶν τὴν ἀλήθειαν ἐν ἀδικίᾳ κατεχόντων, 18 Ἀποκαλύπτεται γὰρ ὀργὴ θεοῦ ἀπ’ οὐρανοῦ ἐπὶ πᾶσαν ἀσέβειαν καὶ ἀδικίαν ἀνθρώπων τῶν τὴν ἀλήθειαν ἐν ἀδικίᾳ κατεχόντων, A. *1,16-17: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,2: Itaque et hic, cum dicit, Non enim me pudet evangelii, virtus enim dei est in salutem omni credenti, Iudaeo et Graeco, quia iustitia dei in eo revelatur ex fide in fidem, sine dubio et evangelium et salutem iusto deo deputat, non bono, ut ita dixerim secundum haeretici distinctionem, transferenti ex fide legis in fidem evangelii, suae utique legis et sui evangelii. Vgl. Hab 2,4 LXX: ὁ δὲ δίκαιος ἐκ πίστεώς μου ζήσεται. ♦ *1,18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13, 2-3: [2] Quoniam et (et om Harnack) iram (dei add Kroymann; om Harnack von Soden) dicit revelari de caelo super impietatem et iniustitiam hominum qui veritatem (<in> add Kroymann Harnack; om von Soden) iniustitia detineant. [3]-Cuius dei ira? Utique creatoris. Ergo et veritas eius erit cuius et ira quae revelari habet in ultionem veritatis. B. (1,16) Post εὐαγγέλιον add τοῦ Χριστοῦ in 06 2 , 018, 020, 025, 044, 104, 630, 1175, 1241, 2464, M; om in P 46 , 01, 02, 03, 04, 06* .c , 012, 33, 81, 1505, 1506, 1739, 1881, lat, sy, co. ♦ εἰς σωτηρίαν om in 012. ♦ Post Ἰουδαίῳ pm τε πρῶτον in Tertullian; πρῶτον om in 03, 012, sa, Ephr, und in der altlateinischen Tradition in 77. 21 ♦ (1,18) θεοῦ om in 1908. C. 1. (1,16-17) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diese beiden Verse im obigen Zuschnitt. Außerdem bemerkt er, dass das in der kanonischen Fassung stehende Zitat von 2Kor 4,13, eine „bequeme Waffe“ gegen Markion darstellt, will aber nur das καθὼς γέγραπται als fehlend sehen, nicht aber das Zitat selbst. Dieser Logik ist nur schwer zu folgen, stellt doch der Inhalt und nicht 26 Rekonstruktion <?page no="27"?> 22 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 515. Detering streicht πρῶτον, vgl. H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 27-29. 23 So auch H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 165. 24 J.M. Lieu, Marcion and the Making of a Heretic: God and Scripture in the Second Century (2015), 253. 25 S. Finamore, The Gospel and the Wrath of God in Romans 1 (1998), 138-140. 26 Vgl. auch die Benutzung in Hebr 10,36-39; vgl. auch 1QpHab 8,1-3 27 U. Wilckens, Der Brief an die Römer. Teilband 1. Röm 1---5 (1978), 88. der Verweis die eigentliche Waffe dar. Nach Zahn ist der obige Text bezeugt; was jedoch das τε πρῶτον betrifft, schwankt seine Meinung: „Ἰουδαίῳ [τε πρῶτον oder doch πρῶτον] καὶ Ελληνι“. 22 Harnack gibt den obigen Text (ohne τε) als bezeugt 23 und verweist darauf, dass Tertullians direkter Anschluss von Vers 18a an den obigen Text ausschließe, dass der unbezeugte Vers 17b in seiner Vorlage stand. Schmid schließt sich Harnack an, rechnet aber mit der Möglichkeit, dass auch das τε noch im Text stand. BeDuhn folgt ebenso Harnack, meint aber, dass auch das Schriftwort folgte, wenn er in Klammern in seiner Übersetzung den Text voraussetzt: [καθὼς …]. Lieu hält es für weniger gesichert, dass Hab 2,4 auch hier zu stehen kam. 24 2. (1,17) Den eschatologischen Charakter des Verses hat Finamore herausge‐ stellt. 25 Der Schriftvers Hab 2,4 LXX wurde bereits *Gal 3,4 angeführt, allerdings als Hinweis darauf, dass der Gerechte aus einem Glauben leben wird, der dem Gesetz unterworfen ist, aus welchem uns Christus herausgekauft hatte. Dieser Deutung wird mit der Anführung des Verses auf der kanonischen Ebene geradezu widersprochen. 26 Während auf der vorkanonischen Ebene, konsistent mit *Gal 3,4, das Evangelium als die Offenbarung und Christus als der Offenbarer gesehen wird, der aus dem Glauben in den Glauben führt, ist es auf kanonischer Ebene jetzt das Gesetz (Gal 3,4) bzw. sind es die Propheten (Hab 2,4), in Kontinuität zu welchen Christus die Gerechtigkeit offenbart und in den Glauben führt. Wilckens hat folglich den antithetischen Charakter dieses und des nächsten Verses hervorgehoben und spricht von einer „grundsätzlichen Antithese gegenüber dem Offenbarungsanspruch der Tora! “ 27 3. (1,18) Von Soden zeigt, dass die Emendation in unnötig ist, da iniustitia als instrumenteller Ablativ gelesen werden kann. Hilgenfeld verweist auf das Zeugnis Tertullians für diesen Vers. Zahn sieht im Text nicht Ἀποκαλύπτεται ὀργὴ θεοῦ, sondern nur ὀργή bezeugt, ebenfalls sieht er das πᾶσαν unbezeugt. Harnack folgt ihm in beidem und verweist darauf, dass nach ὀργή das θεοῦ auch in der Minuskel 47 gefehlt habe (ob dies ein Irrtum Harnacks ist, da diese Nummer eine Evangelienminuskel bezeichnet), der Genitiv fehlt hingegen in der Minuskel 1908 aus dem 11. Jh. 28 Schmid klammert darum sowohl θεοῦ wie 4 (Röm) 27 <?page no="28"?> 28 Vgl. M. Mayordomo, Argumentiert Paulus logisch? Eine Analyse vor dem Hintergrund antiker Logik. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 188 (2019), 172. 29 S. Finamore, The Gospel and the Wrath of God in Romans 1 (1998). 30 H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 165. 31 Vgl. W.O. Walker, Interpolations in the Pauline letters (2001), 166-189. 32 Vgl. J. Schröter, Sammlungen der Paulusbriefe und die Entstehung des neutestamentli‐ chen Kanons (2018), 808. auch πᾶσαν wegen der fehlenden Bezeugung ein. BeDuhn verweist jedoch, was θεοῦ betrifft, darauf, dass Tertullian ja wenig später die Frage Cuius dei ira? stellt und leitet daraus ab, dass das θεοῦ darum im Text gestanden habe. Doch diese Frage Tertullians verrät m. E. gerade das Gegenteil. Erst das Fehlen hat die interpretierende Frage provoziert, der Begriff dürfte also tatsächlich nicht im Text gestanden sein. Zur exegetischen Frage des Zornes Gottes, allerdings ohne auf Tertullian oder Markion einzugehen, kommt Finamore zu sprechen. 29 Detering gibt den Text wie oben. 30 4. (1,18-2,29) Walker betrachtet Röm 1,18-2,29 als Interpolation. 31 D. (1,16) ἐπαισχύνομαι steht 11 Mal im NT, vorkanonisch in *Ev 9,26. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung δύναμις γὰρ θεοῦ steht nur hier. ♦ σωτηρία findet sich 50 Mal im NT, vorkanonisch in *Ev 19,9; 21,13; *Röm 1,16. ♦ Die Wendung εἰς σωτηρίαν steht 12 Mal im NT, nur hier vorkanonisch nach Tertullian bezeugt. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48; 19,26; *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ Vgl. zur Wendung παντὶ τῷ πιστεύοντι die Parallele Apg 13,39. 32 ♦ Zu πρώτον / πρῶτος vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ Die Wendung τε πρῶτον καί steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten Röm 2,9. ♦ Ἕλληνι steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 2,10. ♦ Ἕλλην, das 29 / 25 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3; *1Kor 1,22, vgl. weiter oben zu Vers 14. Zur Rekonstruktion: Der Text, weithin gestützt von der Lexik, folgt dem Zeugnis Tertullians unter Auslassung des unbezeugten τε πρῶτον, das auch lexikalisch nur für die kanonische Ebene belegt ist. Unsicher ist das εἰς σωτηρίαν, das zwar 28 Rekonstruktion <?page no="29"?> durch Tertullian bezeugt ist, jedoch in 012 fehlt und, da es weitere 11 Mal im NT nur auf der kanonischen Ebene steht, vielleicht auch im vorkanonischen Text gefehlt haben könnte. Da es jedoch nur in dem einen handschriftlichen Zeugen fehlt, wird es hier unter Anzeige der Unsicherheit im vorkanonischen Text geführt. (1,17) δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ Die Wendung ἐν αὐτῷ (Neut.) steht 4 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,20. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ Die Form ἀποκαλύπτεται steht 4 Mal im NT (Lk 17,30; Röm 1,17. 18; 1Kor 3,13) und ist weiter vorkanonisch bezeugt im nachfolgenden Vers 18. ♦ Die Wendung ἐκ πίστεως steht 23 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,11; *Röm 5,1; 14,23. ♦ Die Wendung εἰς πίστιν steht nur hier. ♦ Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Zur Rekonstruktion: Der Text, gestützt von der Lexik, folgt dem Zeugnis Tertullians. Wie der Vergleich der Lexeme zeigt, besteht eine Übereinstimmung zwischen Bezeugung und Lexik bzw. zwischen fehlender Bezeugung und Lexik. (1,18) ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ Die Form ἀποκαλύπτεται steht 4 Mal im NT (Lk 17,30; Röm 1,17. 18; 1Kor 3,13) und ist weiter vorkanonisch bezeugt im voranstehenden Vers 17. ♦ ὀργή steht 37 / 36 Mal im NT und ist weiter vorkanonisch bezeugt in *Laod 2,3. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9). ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ Die Wendung ἀπ’ οὐρανοῦ steht 7 Mal im NT (Lk 17,29; 21,11; 22,43; Röm 1,18; 1Thess 4,16; 2Thess 1,7; 1Petr 1,12), in Lk 23,41, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,11; *2Thess 1,7. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀσέβεια findet sich nur 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Wendung ἐπὶ (πᾶσαν) ἀσέβειαν steht nur hier. ♦ ἀδικία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,9; *Röm 1,18; *2Thess 2,12. ♦ ἀλήθεια, das 112 / 109 Mal im NT steht, ist ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, der dennoch zwei Mal vorkanonisch bezeugt ist. ♦ κατέχω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 4,42. 4 (Röm) 29 <?page no="30"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis von Tertullian, gestützt von der Lexik, insbesondere fällt auf, dass das unbezeugte πᾶσαν auch sonst vorkanonisch nicht bezeugt ist, das heißt, wohl auf die kanonische Redaktion zurückgeht. 1,[19-20] 21-22 [23-32]: Inkonsequente Erkenntnis Gottes Auch wenn die nachfolgende Passage vorkanonisch unbezeugt ist, sprechen doch der narrative Zusammenhang und die Lexik dafür, dass einige Teile dieses Abschnittes vorkanonisch vorhanden waren, auch wenn sich der genaue Wort‐ laut nicht mehr mit Sicherheit herstellen lässt. Die kanonische Redaktion hat hier i.W. die Konkretisierung mit Blick auf die moralischen Laster vorgenommen und den Lasterkatalog selbst deutlich erweitert. - 19 διότι τὸ γνωστὸν τοῦ θεοῦ φανερόν ἐστιν ἐν αὐτοῖς· ὁ θεὸς γὰρ αὐτοῖς ἐφανέρωσεν. 20 τὰ γὰρ ἀόρατα αὐτοῦ ἀπὸ κτίσεως κόσμου τοῖς ποιήμασιν νοούμενα καθορᾶται, ἥ τε ἀΐδιος αὐτοῦ δύναμις καὶ θειότης, εἰς τὸ εἶναι αὐτοὺς ἀναπολογήτους· 21 διότι γνόντες τὸν θεὸν οὐχ ὡς θεὸν ἐδόξασαν ἢ ηὐχαρίστησαν, ἀλλ’ ἐματαιώθησαν ἐν τοῖς διαλογισμοῖς αὐτῶν καὶ ἐσκοτίσθη ἡ ἀσύνετος αὐτῶν καρδία. 21 διότι γνόντες τὸν θεὸν οὐχ ὡς θεὸν ἐδόξασαν ἢ ηὐχαρίστησαν, ἀλλ’ ἐματαιώθησαν ἐν τοῖς διαλογισμοῖς αὐτῶν καὶ ἐσκοτίσθη ἡ ἀσύνετος αὐτῶν καρδία. 22 φάσκοντες εἶναι σοφοὶ ἐμωράνθησαν. 22 φάσκοντες εἶναι σοφοὶ ἐμωράνθησαν, - 23 καὶ ἤλλαξαν τὴν δόξαν τοῦ ἀφθάρτου θεοῦ ἐν ὁμοιώματι εἰκόνος φθαρτοῦ ἀνθρώπου καὶ πετεινῶν καὶ τετραπόδων καὶ ἑρπετῶν. - 24 Διὸ παρέδωκεν αὐτοὺς ὁ θεὸς ἐν ταῖς ἐπιθυμίαις τῶν καρδιῶν αὐτῶν εἰς ἀκαθαρσίαν τοῦ ἀτιμάζεσθαι τὰ σώματα αὐτῶν ἐν αὐτοῖς, 25 οἵτινες μετήλλαξαν τὴν ἀλήθειαν τοῦ θεοῦ ἐν τῷ ψεύδει, καὶ ἐσεβάσθησαν καὶ ἐλάτρευσαν τῇ κτίσει παρὰ τὸν κτίσαντα, ὅς ἐστιν εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας· ἀμήν. 26 διὰ τοῦτο παρέδωκεν αὐτοὺς ὁ θεὸς εἰς πάθη ἀτιμίας· αἵ τε γὰρ θήλειαι αὐτῶν μετήλλαξαν τὴν φυσικὴν χρῆσιν εἰς τὴν παρὰ φύσιν, 27 ὁμοίως τε καὶ οἱ ἄρσενες ἀφέντες τὴν φυσικὴν χρῆσιν τῆς θηλείας ἐξεκαύθησαν ἐν τῇ ὀρέξει 30 Rekonstruktion <?page no="31"?> 33 Detering tilgt die Verse 1,19-2,1, vgl. H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprüng‐ lichen Gestalt (2005), 32-40. 165-166. 34 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 453. αὐτῶν εἰς ἀλλήλους, ἄρσενες ἐν ἄρσεσιν τὴν ἀσχημοσύνην κατεργαζόμενοι καὶ τὴν ἀντιμισθίαν ἣν ἔδει τῆς πλάνης αὐτῶν ἐν ἑαυτοῖς ἀπολαμβάνοντες. 28 καὶ καθὼς οὐκ ἐδοκίμασαν τὸν θεὸν ἔχειν ἐν ἐπιγνώσει, παρέδωκεν αὐτοὺς ὁ θεὸς εἰς ἀδόκιμον νοῦν, ποιεῖν τὰ μὴ καθήκοντα, 29 πεπληρωμένους πάσῃ ἀδικίᾳ πονηρίᾳ πλεονεξίᾳ κακίᾳ, μεστοὺς φθόνου φόνου ἔριδος δόλου κακοηθείας, ψιθυριστάς, 30 καταλάλους, θεοστυγεῖς, ὑβριστάς, ὑπερηφάνους, ἀλαζόνας, ἐφευρετὰς κακῶν, γονεῦσιν ἀπειθεῖς, 31 ἀσυνέτους, ἀσυνθέτους, ἀστόργους, ἀνελεήμονας· 32 οἵτινες τὸ δικαίωμα τοῦ θεοῦ ἐπιγνόντες, ὅτι οἱ τὰ τοιαῦτα πράσσοντες ἄξιοι θανάτου εἰσίν, οὐ μόνον αὐτὰ ποιοῦσιν ἀλλὰ καὶ συνευδοκοῦσιν τοῖς πράσσουσιν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (1,31) Post ἄστοργος add ἀσπόνδους in 01 2 , 04, 06 2 , 018, 020, 025, 044, (33), 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, vg, sy. C. 1. (1,19-32) Alle Editoren stimmen überein, dass diese Verse unbezeugt sind. 33 Hilgenfeld notiert: „Beachtenswerth ist es, dass er [Tertullian] von hier aus sogleich zu II,2 überspringt, ohne aus dem Abschnitt I,19/ 31 irgend eine Waffe zu entnehmen. Dieser Umstand spricht für das Fehlen dieses Abschnitts, weil es kaum erklärlich ist, daß Tertullian sich die weitere Ausführung der göttlichen Strafgerechtigkeit in der vorchristlichen Geschichte der heidnischen Mensch‐ heit, die Anerkennung einer natürlichen Gotteserkenntnis des Menschen (V. 21. 31) u.s.w. gegen die gnostische Lehre von einem erst durch Christus geoffenbarten Gott sollte entgehen gelassen haben. Er geht ja überdieß mit dem Ausdruck ‚etiam adjiciens‘ zu C. II über, was ebenso, wie bei Gal. 3, 14 und 26, auf eine unmittelbare Verbindung hinweist“. 34 Zahn rechnet dennoch mit der Präsenz der Verse in unbestimmbarer Text‐ form. Harnack, der wiederum von der Position ausgeht, dass der Text des *Paulus von Markion redigiert und gekürzt wurde, ist der Meinung, was diese Verse betrifft, dass sie „sehr wahrscheinlich getilgt“ waren. 35 Schmid hält die Verse 4 (Röm) 31 <?page no="32"?> 35 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 103*. 36 P.N. Harrison, Paulines and Pastorales (1964), 79-85; J. BeDuhn, The First New Testa‐ ment. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 296. 37 Orig., Comm. in Rom. 1,18 (PG 14,865C): Marcion ergo, et omnes qui de schola ejus velut serpentiium germina pullularunt, horum obsolutiones ne extremo quidem digito attingere audebunt: quippe qui propter hujuscemodi quaestiones Vetus Instrumentum, sicubi forte in eo tale aliquid legerant, abjecerunt. 38 So die Deutung bei BeDuhn, ibid. schlicht für unbezeugt. BeDuhn verweist darauf, dass Harrison die Verse 1,19-2,1 als Interpolation betrachtet und *Röm die ursprüngliche Fassung des Briefes bewahrt hat. 36 BeDuhn wendet allerdings ein, dass Tertullian in Adv. Marc. IV 25,10 rhetorisch ausführt, Markioniten und andere Häretiker behaupteten, die Heiden würden Gott von Natur aus erkennen (Atque ita Christus ignotum deum praedicavit. Hinc enim et alii haeretici fulciuntur, opponentes creatorem omnibus notum, et Israeli secundum familiaritatem et nationibus secundum naturam. Et quomodo ipse testatur nec Israeli cognitum se? ). Dieser Hinweis, der verbunden ist mit Tertullians Zitat von Jes 1,8, bietet jedoch kaum einen Anhalt dafür, dass ihm die hier diskutierten Verse aus Gal 1,19-2,1 in der vorkanonischen Fassung vorgelegen waren. Deutlicher ist die Diskussion bei Origenes. In seinem Kommentar zum Römerbrief führt er zunächst in I 18,2 den Vers Röm 1,24 an, um dann in I 18,3 zu erklären, dass „Markion und alle, die von seiner Schule wie eine Schlangenbrut herkommen, es nicht wagen, die Lösung dieser Dinge zu berühren, nicht einmal mit ihren Fingerspitzen, da sie das Alte Testament wegen solcher Themen verworfen hätten, wo immer sie auch solche Dinge darin gelesen hätten.“ 37 Demnach fragt Origenes nicht nur „rhetorisch, wie Markioniten mit Röm 1,24 umgegangen sind“, 38 sondern er sagt ausdrücklich, dass Markion diesen Vers gemieden hatte, er also nicht in seinem Paulustext stand. Diese Deutung wird gestützt von den Ausführungen des Origenes in seinem Werk De Oratione (XXIX 12-13, PG 11,537 B-D), in welchem er die Verse Röm 1,22-24 zitiert und dann ausführt, dass man sie denjenigen entgegenhalten und vorlesen soll, die den Schöpfergott von dem guten Gott trennen wollen. Ähnlich hält Origenes auch seinen kanonischen Text den Markioniten entgegen in De Princ. II 5. 2. (1,25) Van Manen ist die Duplikation zu Vers 23 aufgefallen: 23 καὶ ἤλλαξαν τὴν δόξαν τοῦ ἀφθάρτου θεοῦ ἐν ὁμοιώματι εἰκόνος φθαρτοῦ ἀνθρώπου καὶ πετεινῶν καὶ τετραπόδων καὶ ἑρπετῶν. 25 οἵτινες μετήλλαξαν τὴν ἀλήθειαν τοῦ θεοῦ ἐν τῷ ψεύδει, καὶ ἐσεβάσθησαν καὶ ἐλάτρευσαν τῇ κτίσει παρὰ τὸν κτίσαντα, ὅς ἐστιν εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας: ἀμήν. Er hält den zweiten 32 Rekonstruktion <?page no="33"?> 39 W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 48. 40 J.P. Mathur and M. Vinzent, Pre-canonical Paul. His Views Towards Sexual Immorality (2018); H. Debel, „Unnatural Intercourse“ in Rom 1,26-27 (2009). 41 W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 48. 42 Vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. Zu alttestamentlichen Vorlagen vgl. W. Schmithals, Der Römerbrief. Ein Kommentar (1988), 81. 43 W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 48-49. 44 J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. Vers, auch mit der „unangemessenen Weise“, den „Schöpfer“ zu preisen, für das Zeugnis einer späteren Hand. 39 3. (1,26-27) Diese Verse wurde bereits in der Forschung diskutiert, 40 und van Manen hielt Vers 26 „überdies“ für „eine matte Wiederholung von V. 24“. 41 4. (1,29-31) Diesen traditionellen Lasterkatalog sieht Weisse als Zeugnis einer späteren Hand 42 und van Manen meint: „So schreibt niemand, der sich frei bewegt, sondern nur jemand, der sich an übernommene Worte gebunden glaubt. V. 29-31 ist eine anderswoher entlehnte Liste, die ursprünglich nicht zu V. 28 gehörte, sondern durch unsern Redaktor daran angeknüpft wurde“. 43 5. (1,32) Als „sekundäre Glosse“ wird der Vers bezeichnet von Fitzmyer. 44 D. (1,19) διότι, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ γνωστός findet sich 17 / 15 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt, insbesondere für die Apostelgeschichte. ♦ Die Form γνωστόν steht 10 Mal im NT, davon 4 Mal als Versanfang in der Apg, außerhalb unserer Stelle hier überhaupt nur in der Apg. ♦ φανερός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,17; *Gal 5,19; *Röm 2,28. ♦ Die Form φανερόν steht 6 Mal im NT, vorkanonisch wohl bezeugt für *Ev 8,17. ♦ ἐν αὐτοῖς steht 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,17 (in Abänderung formuliert die kanonische Version μετ’ αὐτῶν); *Gal 3,12. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,19; 14,3; Phil 2,13). ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11, vgl. weiter Vers 24. ♦ Die Form ἐφανέρωσεν steht 4 Mal im NT, ansonsten auf der kanonischen Ebene ( Joh 2,11; 21,1; Röm 1,19; Tit 1,3). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Wendungen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (γνωστός/ γνωστόν; 4 (Röm) 33 <?page no="34"?> 45 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 15-16. ὁ θεὸς γάρ; ἐφανέρωσεν). Der Vers scheint auf die kanonische Redaktion zurückzugehen und vorkanonisch gefehlt zu haben. (1,20) ἀόρατος steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,15. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ κτίσις, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,17. ♦ νοέω steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ποίημα, das 2 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,10. ♦ καθοράω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀΐδιος steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene ( Jud 1,6). ♦ θειότης ist Hapax legomenon. ♦ Zum Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6, vgl. weiter Vers 22. ♦ Die kürzere Wendung εἰς τὸ εἶναι steht 8 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,12. 45 ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10, vgl. weiter die Verse 24. 26. 28. ♦ ἀναπολόγητος steht noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (Röm 2,1). Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (νοέω; ἀΐδιος; ἀναπολόγητος). Darüber hinaus begegnen zwei Elemente, die vorkanonisch nur für *Laod bezeugt sind (ποίημα; εἰς τὸ εἶναι) und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (1,21) Zu διότι vgl. Vers 19. ♦ γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorka‐ nonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ Die Form γνόντες steht 5 Mal im NT, unsicher vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9 in ähnlicher Formulierung (γνόντες θεόν), ansonsten Mk 6,38; Lk 9,11; Gal 2,9; 4,9. ♦ Die Kombination γινώσκω + τὸν θεόν steht nur hier und drei weitere Mal im Ersten Johannesbrief (1Joh 4,6. 7. 8). ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Wendung (οὐχ) ὡς θεόν steht nur hier. ♦ δοξάζω steht 68 / 61 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. ♦ Die Form ἐδόξασαν steht 4 Mal im NT, nur kanonisch belegt (Mt 9,8; 15,31; Apg 11,18; Röm 1,21). ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ ματαιόω, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,20. ♦ διαλογισμός steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,20. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, 34 Rekonstruktion <?page no="35"?> vgl. weiter Verse 24. 26. 27. ♦ σκοτίζω steht 8 / 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,45. ♦ ἀσύνετος steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Auch dieser Vers ist vorkanonisch unbezeugt; doch wie bereits die Verseröffnung andeutet und die weitere Lexik (bis auf das seltene ἀσύνετος) zeigt, kann der Vers vorkanonisch gestanden sein. Das wird durch die narrative Einbindung in den argumentativen Kontext gestärkt. (1,22) φάσκω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form φάσκοντες steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Apg 24,9. ♦ Zum Infinitiv εἶναι vgl. zuvor zu Vers 20. ♦ σοφός, das 24 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 3,18. 19. ♦ Die Wendung εἶναι σοφοί steht nur hier. ♦ μωραίνω, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *1Kor 1,20. Zur Rekonstruktion: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fällt auf, dass selbst ein so seltenes Verb wie μωραίνω vorkanonisch bezeugt ist, auch dieser Vers scheint darum und wegen des narrativen Zusammenhangs wohl bereits vorkanonisch gestanden zu sein. (1,23) ἀλλάσσω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,52. ♦ ἄφθαρτος, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonische bezeugt für *1Kor 15,52. ♦ ὁμοίωμα, das nur 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,3; *Phil 2,7. ♦ φθαρτός, das 6 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πετεινός steht 15 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ τετράπους findet sich nur noch zwei weitere Male auf der kanonischen Ebene (Apg 10,12; 11,6). ♦ ἑρπετόν, das nur 4 Mal im NT steht, findet sich wiederum nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Begriffe auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (φθαρτός; τετράπους; ἑρπετόν), dann fällt die Semantik von ὁμοίωμα auf, die der kanonischen entspricht. Der Vers wird demnach auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (1,24) παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, vgl. weiter unten die Verse 26 und 28. ♦ Die Form παρέδωκεν steht 17 Mal im NT (3 Mal Mt, 2 Mal Mk; Lk 23,25; 2 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 1,24. 26. 28; 8,23; Eph 5,2. 25; 2Petr 2,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. ♦ ἀκαθαρσία, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ ἀτιμάζω, das 7 Mal im NT steht, ist nur kanonisch belegt. ♦ Zu αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 19. 4 (Röm) 35 <?page no="36"?> Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (παρέδωκεν; ἀτιμάζω). Der Vers scheint eher ein Produkt der kanonischen Redaktion zu sein und vorkanonisch gefehlt zu haben. (1,25) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Form οἵτινες steht 60 Mal im NT (davon 15 Mal als Verseröffnung), Lk 1,20; 9,30; 15,7 in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Thess 1,9. ♦ μεταλλάσσω steht nur noch 1 Mal im nächsten Vers. ♦ ψευδής steht 6 / 3 Mal im NT, möglicherweise in *2Thess 2,9 vorkanonisch bezeugt, während ψεῦδος 11 / 10 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *2Thess 2,9 und *Laod 4,25. ♦ σεβάζομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ λατρεύω steht 23 / 21 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κτίσις, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,17. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37 und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ κτίζω findet sich 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,10. 15; 3,9. ♦ εὐλογητός, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3. ♦ ἀμήν steht 175 / 130 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt nur als Substantiv τὸ Ἀμήν für *2Kor 1,20. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers be‐ gegnen Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (μεταλλάσσω; λατρεύω; nicht substantivisches ἀμήν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,26) διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, vgl. zuvor Vers 24, weiter unten Vers 28. ♦ Die Form παρέδωκεν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Röm 1,24. ♦ πάθος steht nur 4 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἀτιμία, das sich nur 7 Mal im NT findet, hat vorkanonisch vielleicht in *1Kor 11,14 gestanden. ♦ Die Kombination τε γάρ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,26; 7,7; 14,8; 2Kor 10,8; Hebr 2,11). ♦ θῆλυς, das nur 5 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt, vgl. der nächste Vers. ♦ μεταλλάσσω steht nur noch 1 Mal im voranstehenden Vers. ♦ φυσικός steht nur 3 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene, 1 Mal im nächsten Vers und weiter in 2Petr 2,12. ♦ χρῆσις steht nur hier und im folgenden Vers. ♦ Zu παρά vgl. zuvor zu Vers 25. ♦ φύσις, das 16 / 14 Mal im NT steht, findet sich nur in der Briefliteratur und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8; *Röm 2,14; *Laod 2,3. ♦ Die Wendung παρὰ φύσιν steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Röm 11,24. 36 Rekonstruktion <?page no="37"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist wiederum aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (παρέδωκεν; πάθος; τε γάρ; θῆλυς; φυσικός; παρὰ φύσιν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,27) ὁμοίως steht 33 / 30 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination τε καί steht 51 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,30. ♦ ἄρσην steht 12 / 9 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἀφίημι steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen φυσικός vgl. zum voranstehenden Vers 26. ♦ χρῆσις steht nur hier und im voranstehenden Vers. ♦ θῆλυς, das nur 5 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. den voranstehenden Vers. ♦ ἐκκαίω und ὄρεξις sind Hapax legomena im NT. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ ἀσχημοσύνη steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (Apk 16,15). ♦ κατεργάζομαι steht 25 / 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀντιμισθία steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (2Kor 6,13). ♦ πλάνη steht 13 / 10 Mal im NT, vorkanonisch 1 Mal bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ ἀπολαμβάνω steht 14 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38. Zur Abwesenheit: Wie im zweiten Teil des voranstehenden Verses, begegnen in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elementen (ὁμοίως; τε καί; ἄρσην; ἀφίημι; φυσικός; θῆλυς; ἀσχημοσύνη; κατεργάζομαι). Der Vers dürfte demnach auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (1,28) Die Verseröffnung καὶ καθώς steht als Kombination 12 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch als Verseröffnung bezeugt für *Ev 6,31. ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ ἐπίγνωσις steht 21 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, als Begriff auch der vorkanonischen Ebene, vgl. zuvor Verse 24, 26. ♦ Die Form παρέδωκεν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Röm 1,24. ♦ ἀδόκιμος, das 8 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ νοῦς, ein Begriff, der 25 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,34 und in gleicher Formulierung für *1Kor 2,16. ♦ Der Infinitiv ποιεῖν steht 25 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (4 Mal Mt; Mk 2,23; 10 Mal Joh; 6 Mal Apg; Röm 1,28; 7,21; Jak 4,17). ♦ καθήκω steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 22,22). 4 (Röm) 37 <?page no="38"?> Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (παρέδωκεν; ἀδόκιμος; ποιεῖν; καθήκω). (1,29) πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4 und 13,8. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ ἀδικία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,9; *Röm 1,18; *2Thess 2,12. ♦ πονηρία steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39; *Laod 6,12. ♦ πλεονεξία, das 10 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ κακία, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μεστός steht 10 / 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φθόνος steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21 und *Phil 1,15. ♦ φόνος findet sich 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,19. 25. ♦ ἔρις, das 15 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20; *Phil 1,15. ♦ δόλος, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κακοήθεια und ψιθυριστής sind Hapax legomena im NT. Zur Rekonstruktion: Auch dieser Vers weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen (πλεονεξίας; κακία; μεστός; δόλος). Er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion gewesen sein und vorkanonisch gefehlt habe. (1,30) κατάλαλος steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene ( Jak 4,11), ebenso das verwandte Verb καταλαλέω, das 8 Mal im NT steht und so auch das Nomen καταλαλιά. ♦ θεοστυγής ist Hapax legomenon. ♦ ὑβριστής steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (1Tim 1,13). ♦ ὑπερήφανος steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀλαζών steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (2Tim 3,2). ♦ ἐφευρετής ist Hapax legomenon im NT. ♦ γονεύς, das sich 21 / 20 Mal im NT findet, ist 1 Mal vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,1. ♦ ἀπειθής steht 7 / 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, auch das verwandte Nomen ἀπείθεια, das 8 / 7 Mal im NT steht, findet sich nur auf dieser Ebene, und das Verb ἀπειθέω, das sich 22 / 14 Mal im NT findet, steht etwa nur 1 Mal im Lukasevangelium, in Lk 1,17, in einem Vers, der in *Ev fehlt. Zur Abwesenheit: Im Unterschied zu den voranstehenden vorkanonisch un‐ bezeugten Versen, die u. a. vorkanonische Lexik aufwiesen, besticht dieser Vers mit kanonischer Lexik (κατάλαλος/ καταλαλέω/ καταλαλιά; ὑβριστής; ὑπερήφανος; ἀλαζών; ἀπειθής/ ἀπείθεια), er wird darum wohl gänzlich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Das in 38 Rekonstruktion <?page no="39"?> *Laod vorkanonisch bezeugte γονεύς weist auf die Nähe des *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik hin. (1,31) ἀσύνετος, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 21. ♦ ἀσύνθετος ist Hapax legomenon. ♦ ἄστοργος steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (2Tim 3,3). ♦ ἀνελεήμων ist wiederum Hapax legomenon. ♦ Die Variante ἀσπόνδους ist nochmals auf kanonischer Ebene zu finden (2Tim 3,3). Zur Abwesenheit: Dieser kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist wieder einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀσύνετος; ἄστοργος; ἀσπόνδους). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und hat vorkanonisch gefehlt. (1,32) Zu ὅστις vgl. zuvor zu Vers 25. ♦ δικαίωμα steht 11 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,4. ♦ Die Form οἵτινες steht 60 Mal im NT (davon 15 Mal als Verseröffnung), in Lk 1,20; 9,30; 15,7 in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Gal 2,4; *2Thess 1,9. ♦ δικαίωμα steht 11 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,4. ♦ ἐπιγιγνώσκω, das 64 / 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,2. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48. ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10 und *Röm 2,25. ♦ Die Kombination οἱ τὰ τοιαῦτα πράσσοντες findet sich wörtlich *Gal 5,21. ♦ Das ἄξιος im Sinne von würdig einer Strafe steht nur hier; ἄξιος steht 44 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48. ♦ ἀξιόω steht 11 / 7 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ αὐτά (Nom. / Akk. Neut. Pl.), das 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12. ♦ συνευδοκέω steht 6 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. Zur Abwesenheit: Bei diesem Vers ist die Entscheidung nicht leicht. Die Verser‐ öffnung weist in Richtung kanonische Redaktion, dann begegnen Termini, die auf die vorkanonische Ebene hinweisen (δικαίωμα; ἐπιγιγνώσκω; οἱ τὰ τοιαῦτα πράσσοντες; besondere Semantik von ἄξιος), doch zum Schluss begegnet wieder ein nur kanonisch belegter Terminus (συνευδοκέω). Da der Anschluss im nächsten Kapitel (2,2) den vorliegenden Vers nicht benötigt, wird man 4 (Röm) 39 <?page no="40"?> 46 Vgl. zu dieser Parallele A.E. Barnett, Paul Becomes a Literary Influence (1941), 95. 47 Vgl. hierzu A. Taschl-Erber, Zwischen Römer- und Epheserbrief. Zur Kontextualisie‐ rung des Kolosserbriefs (2021), 156. ihn vorsichtshalber wegen der kanonischen Termini dieser Ebene zuweisen. Auffallend ist die Parallele in 1Klem 35,5-6. 46 Kapitel 2 2,[1] 2 [3-11] 12-14 [15] 16 [17-19] 20-21 [22-23] 24-25 [26] 27-29: Nicht das Gesetz hören, sondern es tun Die zentralen vorkanonischen Gedanken dieses Kapitels sind gut bezeugt. Es setzt die Argumentation des vorangegangenen Kapitels fort. Während zunächst weiterhin Nichtjuden im Blick sind, wobei ab Vers 20 mit denjenigen, die andere, aber nicht sich selbst lehren, Juden in den Blick kommen, womit ein Argument beginnt, das im nächsten Kapitel fortgesetzt wird. Sowohl zu Beginn wie mit den Versen 3-11 fügt die kanonische Redaktion eine die Adressaten direkt ansprechende homiletische Mahnung ein, die das Gericht vor Augen stellt. Eine ähnliche direkte Adressierung nimmt sie auch in Vers 17-19 an die Juden in den Text hinein. Bemerkenswert ist die vorkanonische Herausstellung der Unbeschnittenheit derer, die das Gesetz erfüllen, gegenüber denen, die zwar beschnitten sind, aber das Gesetz nicht erfüllen, und von diesen ins Unrecht gestellt werden (Verse 25. 27); sie wird von der kanonischen Redaktion fortgeführt, so dass in Vers 26 sogar die Unbeschnittenheit als „Beschnittenheit“ bezeichnet wird. Dem entspricht der kanonische Vers Kol 3,11, wo ebenfalls die Unterscheidung Beschneidung/ Unbeschnittensein aufgehoben wird. 47 - 2,1 Διὸ ἀναπολόγητος εἶ, ὦ ἄνθρωπε πᾶς ὁ κρίνων· ἐν ᾧ γὰρ κρίνεις τὸν ἕτερον, σεαυτὸν κατακρίνεις, τὰ γὰρ αὐτὰ πράσσεις ὁ κρίνων. 2,2 οἴδαμεν δὲ ὅτι τὸ κρίμα τοῦ θεοῦ ἐστιν κατὰ ἀλήθειαν ἐπὶ τοὺς τὰ τοιαῦτα πράσσοντας. 2 οἴδαμεν δὲ ὅτι τὸ κρίμα τοῦ θεοῦ ἐστιν κατὰ ἀλήθειαν ἐπὶ τοὺς τὰ τοιαῦτα πράσσοντας. - 3 λογίζῃ δὲ τοῦτο, ὦ ἄνθρωπε ὁ κρίνων τοὺς τὰ τοιαῦτα πράσσοντας καὶ ποιῶν αὐτά, ὅτι σὺ ἐκφεύξῃ τὸ κρίμα τοῦ θεοῦ; 4 ἢ τοῦ πλούτου τῆς χρηστότητος αὐτοῦ καὶ τῆς ἀνοχῆς καὶ τῆς μακροθυμίας καταφρονεῖς, ἀγνοῶν ὅτι τὸ χρηστὸν τοῦ θεοῦ εἰς μετάνοιάν 40 Rekonstruktion <?page no="41"?> σε ἄγει; 5 κατὰ δὲ τὴν σκληρότητά σου καὶ ἀμετανόητον καρδίαν θησαυρίζεις σεαυτῷ ὀργὴν ἐν ἡμέρᾳ ὀργῆς καὶ ἀποκαλύψεως δικαιοκρισίας τοῦ θεοῦ, 6 ὃς ἀποδώσει ἑκάστῳ κατὰ τὰ ἔργα αὐτοῦ, 7 τοῖς μὲν καθ’ ὑπομονὴν ἔργου ἀγαθοῦ δόξαν καὶ τιμὴν καὶ ἀφθαρσίαν ζητοῦσιν, ζωὴν αἰώνιον· 8 τοῖς δὲ ἐξ ἐριθείας καὶ ἀπειθοῦσι τῇ ἀληθείᾳ πειθομένοις δὲ τῇ ἀδικίᾳ, ὀργὴ καὶ θυμός 9 θλῖψις καὶ στενοχωρία ἐπὶ πᾶσαν ψυχὴν ἀνθρώπου τοῦ κατεργαζομένου τὸ κακόν, Ἰουδαίου τε πρῶτον καὶ Ελληνος· 10 δόξα δὲ καὶ τιμὴ καὶ εἰρήνη παντὶ τῷ ἐργαζομένῳ τὸ ἀγαθόν, Ἰουδαίῳ τε πρῶτον καὶ Ἕλληνι· 11 οὐ γάρ ἐστιν προσωπολημψία παρὰ τῷ θεῷ. 12 ὅσοι ἀνόμως ἥμαρτον, ἀνόμως καὶ ἀπολοῦνται· καὶ ὅσοι ἐν νόμῳ ἥμαρτον, διὰ νόμου κριθήσονται· 12 ὅσοι γὰρ ἀνόμως ἥμαρτον, ἀνόμως καὶ ἀπολοῦνται· καὶ ὅσοι ἐν νόμῳ ἥμαρτον, διὰ νόμου κριθήσονται· 13 οὐ γὰρ οἱ ἀκροαταὶ νόμου δίκαιοι παρὰ θεῷ, ἀλλ’ οἱ ποιηταὶ νόμου δικαιωθήσονται. 13 οὐ γὰρ οἱ ἀκροαταὶ νόμου δίκαιοι παρὰ θεῷ, ἀλλ’ οἱ ποιηταὶ νόμου δικαιωθήσονται. 14 ὅταν οἱ μὴ νόμον ἔχοντες φύσει τὰ νόμου ποιῶσιν, οἱ τοιοῦτοι νόμον μὴ ἔχοντες ἑαυτοῖς εἰσιν νόμος· 14 ὅταν γὰρ ἔθνη τὰ μὴ νόμον ἔχοντα φύσει τὰ τοῦ νόμου ποιῶσιν, οὗτοι νόμον μὴ ἔχοντες ἑαυτοῖς εἰσιν νόμος· - 15 οἵτινες ἐνδείκνυνται τὸ ἔργον τοῦ νόμου γραπτὸν ἐν ταῖς καρδίαις αὐτῶν, συμμαρτυρούσης αὐτῶν τῆς συνειδήσεως καὶ μεταξὺ ἀλλήλων τῶν λογισμῶν κατηγορούντων ἢ καὶ ἀπολογουμένων, 16 ἐν ἡμέρᾳ ὅτε κρίνει ὁ θεὸς τὰ κρυπτὰ τῶν ἀνθρώπων κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου διὰ Χριστοῦ, 16 ἐν ἡμέρᾳ ὅτε κρίνει ὁ θεὸς τὰ κρυπτὰ τῶν ἀνθρώπων κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου διὰ Χριστοῦ Ἰησοῦ. - 17 Εἰ δὲ σὺ Ἰουδαῖος ἐπονομάζῃ καὶ ἐπαναπαύῃ νόμῳ καὶ καυχᾶσαι ἐν θεῷ 18 καὶ γινώσκεις τὸ θέλημα καὶ δοκιμάζεις τὰ διαφέροντα κατηχούμενος ἐκ τοῦ νόμου, 19 πέποιθάς τε σεαυτὸν ὁδηγὸν εἶναι τυφλῶν, φῶς τῶν ἐν σκότει, 20 ἔχοντα τὴν μόρφωσιν τῆς γνώσεως καὶ τῆς ἀληθείας ἐν τῷ νόμῳ. 20 παιδευτὴν ἀφρόνων, διδάσκαλον νηπίων, ἔχοντα τὴν μόρφωσιν τῆς γνώσεως καὶ τῆς ἀληθείας ἐν τῷ νόμῳ 4 (Röm) 41 <?page no="42"?> 21 ὁ διδάσκων ἕτερον, σεαυτὸν οὐ διδάσκεις; ὁ κηρύσσων μὴ κλέπτειν, κλέπτεις; 21 ὁ οὖν διδάσκων ἕτερον σεαυτὸν οὐ διδάσκεις; ὁ κηρύσσων μὴ κλέπτειν κλέπτεις; - 22 ὁ λέγων μὴ μοιχεύειν μοιχεύεις; ὁ βδελυσσόμενος τὰ εἴδωλα ἱεροσυλεῖς; 23 ὃς ἐν νόμῳ καυχᾶσαι, διὰ τῆς παραβάσεως τοῦ νόμου τὸν θεὸν ἀτιμάζεις; 24 τὸ ὄνομα τοῦ θεοῦ δι’ ὑμᾶς βλασφημεῖται. 24 τὸ γὰρ ὄνομα τοῦ θεοῦ δι’ ὑμᾶς βλασφημεῖται ἐν τοῖς ἔθνεσιν, καθὼς γέγραπται. 25 περιτομὴ μὲν γὰρ ὠφελεῖ ἐὰν νόμον πράσσῃς· ἐὰν δὲ παραβάτης νόμου ᾖς, ἡ περιτομή σου ἀκροβυστία γέγονεν. 25 περιτομὴ μὲν γὰρ ὠφελεῖ ἐὰν νόμον πράσσῃς· ἐὰν δὲ παραβάτης νόμου ᾖς, ἡ περιτομή σου ἀκροβυστία γέγονεν. - 26 ἐὰν οὖν ἡ ἀκροβυστία τὰ δικαιώματα τοῦ νόμου φυλάσσῃ, οὐχ ἡ ἀκροβυστία αὐτοῦ εἰς περιτομὴν λογισθήσεται; 27 καὶ κρινεῖ ἡ ἐκ φύσεως ἀκροβυστία τὸν νόμον τελοῦσα σὲ τὸν διὰ γράμματος καὶ περιτομῆς παραβάτην νόμου. 27 καὶ κρινεῖ ἡ ἐκ φύσεως ἀκροβυστία τὸν νόμον τελοῦσα σὲ τὸν διὰ γράμματος καὶ περιτομῆς παραβάτην νόμου. 28 οὐ γὰρ ὁ ἐν τῷ φανερῷ Ἰουδαῖός ἐστιν, οὐδὲ ἡ ἐν τῷ φανερῷ ἐν σαρκὶ περιτομή· 28 οὐ γὰρ ὁ ἐν τῷ φανερῷ Ἰουδαῖός ἐστιν, οὐδὲ ἡ ἐν τῷ φανερῷ ἐν σαρκὶ περιτομή· 29 ἀλλ’ ὁ ἐν τῷ κρυπτῷ Ἰουδαῖος, καὶ περιτομὴ καρδίας ἐν πνεύματι οὐ γράμματι, οὗ ὁ ἔπαινος οὐκ ἐξ ἀνθρώπων. 29 ἀλλ’ ὁ ἐν τῷ κρυπτῷ Ἰουδαῖος, καὶ περιτομὴ καρδίας ἐν πνεύματι οὐ γράμματι, οὗ ὁ ἔπαινος οὐκ ἐξ ἀνθρώπων ἀλλ’ ἐκ τοῦ θεοῦ. A. *2,2: Vgl. Tert., [Adv. Marc. V 13,3: Ergo et veritas eius erit cuius et ira quae revelari habet in ultionem veritatis. Etiam adiciens, Scimus autem iudicium dei secundum veritatem esse, et iram ipsam probavit, ex qua venit iudicium pro veritate, et veritatem rursus eiusdem dei confirmavit cuius iram probavit probando iudicium. ♦ *2,12-13: Vgl. Epiph., Pan. 42, Sch. 28 (118 [ohne δίκαιοι παρὰ τῷ θεῷ, ἀλλ’ οἱ ποιηταὶ τοῦ νόμου]. 175 H.): ὅσοι ἀνόμως ἥμαρτον, ἀνόμως καὶ ἀπολοῦνται, καὶ ὅσοι ἐν νόμῳ ἥμαρτον, διὰ νόμου κριθήσονται. οὐ γὰρ οἱ ἀκροαταὶ τοῦ (τοῦ 175: om V, corr H.) νόμου δίκαιοι παρὰ τῷ θεῷ, ἀλλ’ οἱ ποιηταὶ τοῦ (τοῦ om 175: VM) νόμου δικαιωθήσονται. ♦ *2,14-16: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,4-5: [4] … Si enim iudicabit deus occulta hominum, tam eorum qui in lege deliquerunt quam eorum qui sine lege, quia et hi legem ignorant et natura faciunt quae sunt legis, utique is deus iudicabit cuius sunt et lex et ipsa natura, quae legis est instar ignorantibus legem. Iudicabit autem quomodo? [5] 42 Rekonstruktion <?page no="43"?> Secundum evangelium, inquit, per Christum. Ergo et evangelium et Christus illius sunt cuius et lex et natura, quae per evangelium et Christum vindicabuntur a deo illo iudicio dei quod et supra, secundum veritatem. Vgl. Orig., Comm. in Ioh. V 7: ἔτι προσθήσω εἰς τὴν τούτου ἀπόδειξιν ῥητὸν ἀποστολικὸν μὴ νενοημένον ὑπὸ τῶν Μαρκίωνος καὶ διὰ τοῦτο ἀθετούντων τὰ εὐαγγέλια· τῷ γὰρ τὸν ἀπόστολον λέγειν· Κατὰ τὸ εὐαγγέλιον μου ἐν Χριστῷ Ἰησου. Vgl. Adam., Dial. I 6 (im Mund des Markioniten): κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου (Rufin: secundum euangelium meum); Dial. II 5 (im Mund des Adamantius): κρίνει ὁ θεὸς τὰ κρυπτὰ τῶν ἀνθρώπων κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ (Rufin: Deus iudicabit occulta hominum secundum euangelium meum per Iesum Christum). ♦ *2,20: Vgl. Epiph., Pan. 42, Schol. 30 (118, 176 H.): ἔχοντα τὴν μόρφωσιν τῆς γνώσεως καὶ τῆς ἀληθείας ἐν τῷ νόμῳ. ♦ *2,21: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,6: Et ideo vehitur in transgressores legis, docentes non furari et furantes. Vgl. ibid. II 28,2: Porro malum factum deputabitur neglegentia salutis humanae, non nisi per paenitentiam emendata apud deum vestrum. Mandavit fraudem deus noster, sed auri et argenti. Quanto autem homo pretiosior auro et argento, tanto fraudulentior deus vester, qui hominem domino et factori suo eripit. ♦ *2,24: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,7: ut ingesserit propheticam increpationem: Propter vos nomen dei blasphematur. Vgl. Jes 52,5 LXX: τάδε λέγει κύριος. δι᾽ ὑμᾶς διὰ παντὸς τὸ ὄνομά μου βλασφημεῖται ἐν τοῖς ἔθνεσιν. ♦ *2,25: Epiph, Pan. 42, Sch. 29 (118, 176 H.): περιτομὴ μὲν γὰρ ὠφελεῖ ἐὰν νόμον πράσσῃς: ἐὰν δὲ παραβάτης νόμου ᾖς, ἡ περιτομή σου ἀκροβυστία γέγονεν; vgl. Adam., Dial. II 20 (im Mund des Adamantius): περιτομὴ μὲν γὰρ ὠφελεῖ ἐὰν νόμον πράσσῃς (Rufin: Circumcisio quidem prodest, si legem custodias); Orig., Comm. in Rom. II 13,27 (PG13 910A): Marcion sane cui per allegoriam nihil placet intelligi, quomodo exponat quod dicit apostolus circumcisionem prodesse, omnino non inveniet. ♦ *2,27-29: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 23,7: Praefert et circumcisionem cordis praeputiationi; apud deum legis est facta circumcisio cordis, non carnis, spiritu, non littera. Quodsi haec est circumcisio Hieremiae: Et circumcidemini praeputia cordis, sicut et Moyses: Circumcidemini duricordiam vestram, eius erit spiritus circumcidens cor cuius et littera metens carnem, eius et Iudaeus qui in occulto cuius et Iudaeus in aperto, quia nec Iudaeum nominare vellet apostolus non Iudaeorum dei servum; Hegemonius, Acta Arch. 45 (66,15-16 Beeson; zu Vers 28): non esse Iudaeum eum qui <in manifesto est neque quae> in manifesto in carne est circumcisio neque secundum litteram legem quicquam utilitatis retinere. B. (2,2) Anstelle von δέ wird γάρ gelesen von den Zeugen 01, 04, 044*, 33, Ambst var , vg und in der altlateinischen Tradition in 75, hingegen schreiben autem 61, 77, 86, 89, Ambst ed , Ruf, Pel, Sp m . ♦ (2,13) Post δικαιωθήσονται add παρὰ θεῷ in 012. ♦ (2,14) Anstelle von οὗτοι steht die Variante οἱ τοιούτοι in 012. Auch 4 (Röm) 43 <?page no="44"?> 48 R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1947), 200. Der Aufsatz ist wieder gedruckt als R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1967). Gegen diese Position richten sich J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 298-299; O. Wischmeyer, Römer 2.1-24 als Teil der Gerichtsrede des Paulus gegen die Menschheit (2006), 364. 49 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 454. 50 Detering nimmt auch nur diesen Teil als anwesend, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 40-41. 166. 51 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 454. Detering tilgt die Verse 3-10, Vers 11 nimmt er nach dem kanonischen Text, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 41-44. 166-167. wenn diese Variante schwach bezeugt ist, ist sie doch aufgrund des Prinzips der größeren Entfernung vom kanonischen Text für den kanonischen anzunehmen. Diese Entscheidung wird gestützt durch den lexikographischen Vergleich. ♦ Anstelle von ἡμέρᾳ ὅτε schreibt 03 ᾗ ἡμέρᾳ und 02 schreibt ἡμέρᾳ ᾗ, den Text wie oben bieten 01, 06, 012, 018, 020, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy h , Spec. ♦ (2,17) Anstelle von εἰ δέ findet sich ἴδε in den Zeugen 06 2 , 020, 33, 365, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, sy h , während sich εἰ δέ findet in 01, 02, 03, 06*, 012, 018, 044, 81, 104, 630, 1506, latt, sy p , co, Cl. ♦ (2,25) Anstelle von πράσσῃς findet sich φυλάσσης in 06*, latt. ♦ (2,26) οὐχ wird geboten von den Zeugen 01, 03, 044, 945, 1506 und ist von NA 28 gewählt, hingegen bieten die Zeugen 06, 012, 018, 020, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M die Variante οὐχί. C. 1. (2,1) Nach allen Editoren ist Vers 1 unbezeugt. Zahn, Harnack und BeDuhn rechnen mit seiner Abwesenheit, nach Schmid ist er schlicht unbezeugt. Der Vers greift mit ἀναπολόγητος auf Vers Röm 1,20 zurück, und zwar auf den Teil, der für die kanonische Ebene vermutet wird. Röm 2,1 wird als Glosse bezeichnet von R. Bultmann. 48 2. (2,2) Hilgenfeld verweist auf das Zeugnis Tertullians für diesen Vers und notiert: „Und da nun Tertullian … sogleich zu V. 16 übergeht, so ist es von vorn herein zu vermuthen, daß auch zwischen V. 2 und V. 16 Etwas fehlte. Wie hätte Tertullian auch wohl die Einheit der Gerechtigkeit und der Güte Gottes, welche in V. 3-5 deutlich liegt, gegen Marcion unbeachtet gelassen? Gleichwohl muß wenigstens V. 11-15 vorhanden gewesen sein.“ 49 Zahn und Harnack sehen den oben fett gedruckten und unterstrichenen Versteil als bezeugt, 50 den Rest des Verses als abwesend. Schmid klammert noch den Artikel vor κρίμα ein. BeDuhn legt seiner Übersetzung denselben Text zugrunde. 3. (2,3-11) Nach allen Editoren sind die Verse 3-11 unbezeugt. Hilgenfeld rechnet damit, dass „wohl nur V. 4-10 gefehlt haben“. 51 Zahn rechnet dennoch in 44 Rekonstruktion <?page no="45"?> 52 Pace J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 296-297. 53 W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 49-52. 54 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. 55 W. Schmithals, Der Römerbrief. Ein Kommentar (1988), 87. irgendeiner unbestimmbaren Form mit ihnen. Harnack vermerkt den folgenden Kommentar Tertullians, den dieser im Anschluss an seinen Kommentar zu Vers 2 anfügt, Tert., Adv. Marc. V 13,4: Quantas autem foveas in ista vel maxime epistula Marcion fecerit, auferendo quae voluit, de nostri instrumenti integritate parebit. Mihi sufficit, quae proinde eradenda non vidit, quasi neglegentias et caecitates eius accipere („Wieviele Gräben aber hat Markion insbesondere in diesem Brief geschaffen, indem er entfernte, was er wollte, was sich aus der Vollständigkeit unseres Werks ergibt. Mir genügt es, lediglich das aufzugreifen was wohl aus seiner Nachlässigkeit und Blindheit stehen blieb und was er nicht als gleichermaßen zu tilgen sah“). Harnack bezog diese Aussage auf die vorangegangene Auslassung, Schmid auf die vorliegenden Verse 3-11, BeDuhn stellt heraus, dass das Zitat sich sowohl auf die einen wie auf die anderen Verse beziehen könne und dass Tertullian nicht genau gesagt habe, worauf er seinen Kommentar bezogen haben möchte. Doch vielleicht ist dies gerade Tertullians Absicht, indem er im Anschluss an einen bezeugten Vers auf die erneute größere Auslassung hinweisen wollte. Dies jedenfalls scheint in dem quantas zu stecken, das sich eben weder ausschließ‐ lich auf das Vorangehende noch auf das Nachfolgende, sondern auf beides bezieht weswegen Tertullian dem „Werk“ (instrumentum) des Markion sein eigenes entgegenhält. Jedenfalls genügt es Tertullian, aus dem erstmals wieder bezeugten Vers 12 dasselbe Thema von Gott als dem Richter zu benennen und auf dieses hinzuweisen. Damit sagt er aber deutlich, dass die Verse 3-11 ihm nicht vorgelegen waren, er also an dieser Stelle nicht nur ein Thema übergehen wollte, das er vorher schon behandelt hatte. 52 Van Manen bietet eine kritische Lektüre, die den größten Teil dieser Passage als von einer späteren Hand kommend erklärt. 53 4. (2,9-11) Wiederum wird hier die Vorrangstellung der Juden notiert. Weisse sieht dies als ein traditionelles Stück, das eine spätere Hand verrät. 54 Schmithals denkt an eine mögliche synagogale Bußpredigt als Vorlage. 55 5. (2,12-13) Hilgenfeld verweist auf Epiphanius als Zeugen für diese beiden Verse und führt auch Tertullian an, weil dieser zu Vers 16 „ausdrücklich auf diejenigen qui in lege und sine lege sündigten“ von V. 12 zu sprechen komme und auf diejenigen hinweise, „die von Natur des Gesetzes Werke erfüllen“ (Vers 15). Zahn übernimmt diese Argumente, schreibt jedoch ἐννόμως ἥμαρτον, διὰ νόμου 4 (Röm) 45 <?page no="46"?> 56 Detering folgt für Vers 12 dem kanonischen Text, Vers 13 tilgt er, Vers 16 nimmt er wie oben den fettgedruckten und unterstrichenen Teil, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 45-46. 167. 57 Detering nimmt den kanonischen Text für die Verse 14-15, ibid. 167. 58 Detering nimmt den kanonischen Text für diese Verse, ibid. 168. 59 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 454. κριθήσονται. Harnack folgt dem Wortlaut des Epiphanius, Schmid ebenfalls, allerdings klammert er die Artikel τοῦ, τῷ und τοῦ ein. BeDuhn legt seiner Übersetzung den Text des Epiphanius zugrunde. 56 6. (2,14-16) Wie oben bereits angeführt, verweist Hilgenfeld auf das Zeugnis Tertullians für ein Stück aus Vers 15; er schließt hieraus und aus den oben genannten Bezeugungen auf die Präsenz der Verse 11-16 im kanonischen Zuschnitt. 57 Vers 16 sieht er als „eine Hauptbeweisstelle der Marcioniten für die Einzigkeit des Evangeliums“. Nach Zahn ist der kanonische Text von Vers 14 bezeugt, allerdings sieht er zwei Mal τοῦ νόμου stehen. Vers 15 gilt ihm als unbezeugt und unbestimmbar, jedoch vorhanden. Vers 16 sieht er wiederum nach dem kanonischen Text stehen bis auf die Formulierung τὸ εὐαγγέλιόν μου (? ) διὰ [Ἰησοῦ? ] Χριστοῦ. Harnack nimmt eine Anspielung auf die Verse 14 und 16 an, wobei er folgenden Text bezeugt sieht: 14 τὰ μὴ νόμον ἔχοντα φύσει τὰ τοῦ νόμου ποιοῦσιν. 16 κρίνει ὁ θεὸς τὰ κρυπτὰ τῶν ἀνθρώπων κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου Χριστοῦ. Schmid sieht den oben angegebenen fettgedruckten und unterstrichenen Text der beiden Verse 14 und 16 bezeugt, wobei er das μου in Vers 16 einklammert. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: 14 ὅταν [γὰρ ἔθνη] τὰ μὴ νόμον ἔχοντα φύσει τὰ τοῦ νόμου ποιῶσιν, [οὗτοι νόμον μὴ ἔχοντες ἑαυτοῖς εἰσιν νόμος: 15 οἵτινες ἐνδείκνυνται τὸ ἔργον τοῦ νόμου γραπτὸν ἐν ταῖς καρδίαις αὐτῶν, συμμαρτυρούσης αὐτῶν τῆς συνειδήσεως καὶ μεταξὺ ἀλλήλων τῶν λογισμῶν κατηγορούντων ἢ καὶ ἀπολογουμένων, 16 ἐν ἡμέρᾳ ὅτε] κρίνει ὁ θεὸς τὰ κρυπτὰ τῶν ἀνθρώπων κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ. 7. (2,17-19) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt. Zahn sieht sie jedoch in unbestimmbarer Textgestalt präsent. Harnack und Schmid machen keine Angaben. 58 BeDuhn nimmt jedoch die Übersetzung des folgenden Textes in Klammern in seine Rekonstruktion auf: [17 Εἰ δὲ σὺ Ἰουδαῖος ἐπονομάζῃ καὶ ἐπαναπαύῃ νόμῳ καὶ καυχᾶσαι ἐν θεῷ 18 καὶ γινώσκεις τὸ θέλημα … ἐκ τοῦ νόμου, 19 πέποιθάς τε σεαυτὸν ὁδηγὸν εἶναι τυφλῶν, φῶς τῶν ἐν σκότει]. 8. (2,20) Hilgenfeld sieht durch Epiphanius diesen Vers „verbürgt“. 59 Alle anderen Editoren sehen nur den oben fettgedruckten und unterstrichenen 46 Rekonstruktion <?page no="47"?> 60 So auch H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 168. 61 So auch ibid. 62 M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 78. Textbestand bezeugt, 60 allerdings nimmt Zahn auch den unbezeugten Versteil in nicht mehr bestimmbarer Textform an. Harnack macht keine weiteren Aus‐ führungen, und auch Schmid beschränkt sich auf den bezeugten Textbestand. BeDuhn legt seiner Übersetzung jedoch auch den unbezeugten Anfang des kanonischen Textes in Klammern zugrunde. 9. (2,21) Hilgenfeld sieht Tertullian als Bürgen für diesen Vers. Zahn rechnet mit der Präsenz der kanonischen Form dieses Verses. 61 Harnack und Schmid sehen jedoch lediglich Anspielungen auf diesen Vers und nehmen als bezeugten Text an: ὁ κηρύσσων μὴ κλέπτειν κλέπτεις. BeDuhn verweist jedoch zu Recht darauf, dass Tertullian mit docentes eigentlich das ὁ διδάσκων aus dem ersten Versteil bezeuge, nicht aber das ὁ κηρύσσων aus dem zweiten Versteil. Möglich ist jedoch, dass Tertullian hier den Vers verkürzt wiedergegeben hat. 10. Litwa hat richtig erkannt, dass im Hintergrund die Frage steht, die in den Antithesen Markions angesprochen wurde, ob dem Schöpfergott eine böse Tat (malum factum) zuzuschreiben ist (mit Blick auf Ex 3,22; 11,2; 12,35f.), nämlich das Übertreten der eigenen Gebote, das Entwenden des ägyptischen Golds und Silbers und damit Diebstahls, wie es Tertullians Kommentar ausdrücklich anspricht. 62 Tertullian bestreitet denn auch gar nicht diese Taten Gottes, sondern gibt den Vorwurf lediglich zurück. Schon vor ihm hatten Philo, Vita Mosis 1,140-142, Josephus, Ant. 2,314, aber auch Jub 48,18; Weish 10,17 versucht, ähnliche Vorwürfe gegenüber Gott abzuwehren. 11. (2,22-23) Diese Verse sind nach Harnack, Schmid und BeDuhn unbezeugt, Zahn sieht die Verse jedoch nach dem kanonischen Wortlaut präsent. BeDuhn nimmt allerdings wegen des narrativen Zusammenhangs den folgenden kano‐ nischen Text aus Vers 23 in seine Rekonstruktion als Übersetzung in Klammern mit hinein: [ὃς ἐν νόμῳ καυχᾶσαι, διὰ τῆς παραβάσεως τοῦ νόμου τὸν θεὸν ἀτιμάζεις]. 12. (2,24-25) Hilgenfeld sieht Tertullian als Bürgen für Vers 24, Epiphanius und Adamantius für Vers 25. Zahn rechnet mit der Präsenz dieser beiden Verse nach der kanonischen Form. Harnack und Schmid sehen wiederum nur Anspielungen auf Vers 24, während sie für Vers 25 dem Wortlaut des Epiphanius folgen. BeDuhn sieht folgenden Text bezeugt, den er seiner Übersetzung zugrunde legt: 24-…] τὸ ὄνομα τοῦ θεοῦ δι’ ὑμᾶς βλασφημεῖται … 25 περιτομὴ μὲν γὰρ ὠφελεῖ 4 (Röm) 47 <?page no="48"?> 63 Detering gibt den kanonischen Text für die beiden Verse ohne am Ende von Vers 24 καθὼς γέγραπται, vgl. H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 168. 64 So auch ibid. 65 So auch ibid. 52-54. 168. ἐὰν νόμον πράσσῃς: ἐὰν δὲ παραβάτης νόμου ᾖς, ἡ περιτομή σου ἀκροβυστία γέγονεν. 63 Der in Vers 24 unbezeugte kanonische Textanteil hebt - gegen die Kommen‐ tierung des Verses durch Tertullian - darauf ab, dass die Blasphemie durch die Adressaten unter Heiden erfolge, doch scheint die vorkanonische Fassung eher auf ein innerjüdisches Milieu hinzudeuten, was auch besser an Vers 22 anschließt. 13. (2,26) Während Zahn diesen Vers der kanonischen Form nach präsent sieht, 64 sind Harnack, Schmid und BeDuhn der Meinung, er sei unbezeugt. Bei BeDuhn fehlt er auch in seiner Rekonstruktion. 14. (2,27-29) Hilgenfeld sieht die Verse 28-29 bei Tertullian berücksichtigt. Zahn sieht die Verse 27-29 der kanonischen Fassung nach bezeugt. 65 Harnack ist zurückhaltender und gibt als bezeugten Text lediglich: 27 ἡ ἀκροβυστία … 28 ὁ ἐν τῷ φανερῷ Ἰουδαῖός-… 29 ὁ ἐν τῷ κρυπτῷ Ἰουδαῖος-… περιτομὴ καρδίας ἐν πνεύματι οὐ γράμματι. Schmid ist noch vorsichtiger und gibt überhaupt keinen gesicherten Textbestand. Hingegen beruht BeDuhns Übersetzung auf folgender Textgrundlage: 28 οὐ [γὰρ] ὁ ἐν τῷ φανερῷ Ἰουδαῖός ἐστιν, οὐδὲ ἡ ἐν τῷ φανερῷ ἐν σαρκὶ περιτομή: 29 ἀλλ’ ὁ ἐν τῷ κρυπτῷ Ἰουδαῖος, καὶ περιτομὴ καρδίας ἐν πνεύματι οὐ γράμματι. Gewiss kann Tertullians Erwähnung der Vorhaut (praeputio = ἡ ἀκροβυστία) auch auf Vers 25 bezogen werden, doch liegt Vers 27 aufgrund seines Kommen‐ tars näher. D. (2,1) διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *2Kor 4,16; im Vers für *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14, vgl. zu Gal 4,31. ♦ ἀναπολόγητος steht nur hier und zuvor in Röm 1,20. ♦ Die Verbform εἶ, die 89 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Der Ausdruck ὦ ἄνθρωπε steht 5 Mal im NT, 1 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 9,20; im Vers: Röm 2,1. 3; 1Tim 6,11; Jak 2,20), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck ὁ κρίνων steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 2,1. 3; 14,4; Jak 4,12). ♦ Die Wendung ἐν ᾧ (Neut.) steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 14,21; *Laod 1,13. ♦ Die erweiterte Wendung ἐν ᾧ γάρ steht noch 2 weitere Mal, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 7,2; Hebr 2,18). ♦ Die Form κρίνεις steht 5 Mal im NT, 48 Rekonstruktion <?page no="49"?> jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 2,1; 14,10; Jak 4,11; Apk 6,10). ♦ Der Ausdruck τὸν ἕτερον steht 6 Mal im NT, in Lk 16,13 ist er nicht vorkanonisch bezeugt und findet sich überhaupt nur für die kanonische Ebene bezeugt, in dem bezeugten Vers *Röm 13,8 steht an seiner Stelle vorkanonisch τὸν πλησίον. ♦ σεαυτοῦ, das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,14; *Gal 5,14; *Röm 13,9, vgl. weiter die Verse 5. 19. 21. ♦ κατακρίνω steht 20 / 18 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination τὰ γάρ findet sich 7 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 4,15. ♦ Zu αὐτά (Nom. / Akk. Neut. Pl.), das 53 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12, vgl. weiter Vers 3. ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10 und *Röm 2,25. ♦ Zu ὁ κρίνων vgl. zuvor im Vers. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀναπολόγητος; ὦ ἄνθρωπε; ὁ κρίνων; ἐν ᾧ γάρ; κρίνεις; τὸν ἕτερον; κατακρίνω; τὰ γάρ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,2) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Kombination οἴδαμεν δέ steht 5 Mal im NT, immer als Verseröffnung, vorkanonisch hier bezeugt und wohl auch *Röm 3,19 stehend, ansonsten auf der kanonischen Ebene zu finden in Röm 8,28; 1Tim 1,8; 1Joh 5,20. ♦ κρίμα, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,10; *1Kor 11,29. ♦ ἀλήθεια, das 112 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 2,14; *Laod 1,13; 6,14; *Phil 1,18; *Kol 1,5; *2Thess 2,10. 11. 12. ♦ Die Wendung κατὰ ἀλήθειαν steht nur hier. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48. ♦ Die Kombination ἐπὶ τούς steht 31 Mal im NT, Lk 15,5 in einem Versteil, der in *Ev fehlt, ist aber vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,35; 10,1. ♦ Die Wendung τὰ τοιαῦτα steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21 (οἱ τὰ τοιαῦτα πράσσοντες). ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10 und *Röm 2,25. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, doch spricht die Lexik dafür, dass auch der zweite, unbezeugte Teil des Verses ebenfalls vorkanonisch gestanden war. Auch narrativ fügt sich dieser Teil gut in den Kontext ein. (2,3) λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ Der Ausdruck ὦ ἄνθρωπε steht 5 Mal im NT, 1 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2,1. ♦ Der Ausdruck ὁ κρίνων steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 2,1. ♦ τοὺς τὰ τοιαῦτα 4 (Röm) 49 <?page no="50"?> πράσσοντας greift die Wendung aus Vers 2,2 auf. ♦ ποῖος, das 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35; *Laod 2,15. ♦ Zu αὐτά (Nom. / Akk. Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ ἐκφεύγω, das 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ τὸ κρίμα τοῦ θεοῦ greift ebenfalls eine Wendung aus dem voranstehenden Vers 2,2 auf. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist zum einen einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (λογίζομαι; ὦ ἄνθρωπε; ὁ κρίνων; ἐκφεύγω), zum anderen Duplikationen, die typisch für die kanonische Redaktion sind (τοὺς τὰ τοιαῦτα πράσσοντας; τὸ κρίμα τοῦ θεοῦ). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,4) πλοῦτος steht 31 / 22 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 1,18. ♦ χρηστότης, das 11 / 10 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνοχή steht nur noch 1 Mal in Röm 3,26 auf kanonischer Ebene. ♦ μακροθυμία, das 14 Mal im NT steht, findet sich im selben Zusammenhang wie χρηστότης in Gal 5,22 und auch sonst nur auf der kanonischen Ebene. ♦ καταφρονέω, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀγνοέω, das sich 23 / 22 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1; 12,1. ♦ χρηστός, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,35. ♦ μετάνοια steht 24 / 22 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (χρηστότης; ἀνοχή; μακροθυμία; καταφρονέω; μετάνοια). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,5) Die Kombination κατὰ δέ steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 27,15; Mk 15,6; Apg 16,25; 17,2; Röm 2,5; im Vers: Mt 23,3; Röm 11,28), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σκληρότης und ἀμετανόητος sind Hapax legomena im NT. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25, vgl. weiter Vers 25. ♦ θησαυρίζω, das 8 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Zu σεαυτοῦ vgl. zuvor zu Vers 1 und danach zu den Versen 19 und 21. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht und ein beliebter Terminus der kanonischen Redaktion ist, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *1Kor 14,6; *2Thess 1,7. ♦ Die alternative Lesart hierzu, ἀνταπόδοσις steht nur noch 1 Mal auf kanonischer Ebene Kol 3,24. ♦ δικαιοκρισία ist Hapax legomenon im NT. 50 Rekonstruktion <?page no="51"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (κατὰ δέ; θησαυρίζω; ἀνταπόδοσις). Auch dieser Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,6) ἀποδίδωμι, das 56 / 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *Röm 12,17. ♦ Die Wendung ἀποδώσει ἑκάστῳ steht noch 1 weiteres Mal in Mt 16,27. ♦ Die Wendung κατὰ τὰ ἔργα steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 2,6; 2Kor 11,15; 2Tim 1,9; 4,14; Apk 2,23; 18,6; 20,12. 13). Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀποδώσει ἑκάστῳ; κατὰ τὰ ἔργα). Auch dieser Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,7) Die Wendung τοῖς μέν steht noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18. ♦ ὑπομονή, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4. ♦ Die Wendung δόξαν καὶ τιμήν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 2,7; 1Petr 1,7; Apk 4,9). ♦ Die Wendung δόξα καὶ τιμή in allen Kasus begegnet noch zwei weitere Male in Hebr 2,7. 9. ♦ ἀφθαρσία, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,50. 53. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die Wendung ζωὴν αἰώνιον steht 31 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,18. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers ist die Entschei‐ dung schwierig. Lexikalisch fällt lediglich die Wendung δόξαν καὶ τιμήν als ausschließlich kanonische auf, die übrigen Termini und Wendungen sind vorka‐ nonisch anderwärts bezeugt. Allerdings stützt die narrative und argumentative Einbindung in den kanonischen Kontext das vorkanonische Fehlen dieses Verses. (2,8) Die Kombination τοῖς δέ steht 8 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 2,8; 1Kor 7,10. 12; 2Thess 3,12; Apk 21,8; im Vers: Lk 8,10; 1Kor 1,18; Tit 1,15), vorkanonisch bezeugt im Vers für *1Kor 1,18. ♦ ἐριθεία, das 10 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20; *Phil 1,17. ♦ ἀπειθέω, das sich 22 / 14 Mal im NT findet, steht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τῇ ἀληθείᾳ steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,12. ♦ πείθω steht 59 / 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ ἀδικία steht 27 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,9; *Röm 1,18; *2Thess 2,12. ♦ Die Form τῇ ἀδικίᾳ steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,12. ♦ ὀργή steht 37 / 36 Mal 4 (Röm) 51 <?page no="52"?> im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ θυμός, das 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers sprechen zunächst die vielen anderwärts vorkanonisch bezeugten Begriffe für dessen vorkanonische Präsenz. Allerdings fällt auf, dass die Wendung der Verseröff‐ nung τοῖς δέ nur innerhalb eines Verses vorkanonisch bezeugt ist, dass ἀπειθέω nur auf der kanonischen Ebene belegt ist, der Vers narrativ in die anderen kanonischen Verse eingebunden ist und τῇ ἀληθείᾳ sich nur in dem kanonnahen *2Thess vorkanonisch findet. Auch dieser Vers wird folglich eher der kanoni‐ schen Redaktion zuzuschreiben sein, als dass er bereits in der vorkanonischen Fassung stand. (2,9) θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ στενοχωρία steht 5 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *2Kor 5,10; *Röm 12,17. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *Röm 1,16; *1Thess 2,14. ♦ πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3, vgl. weiter Vers 10. ♦ Die Wendung τε πρῶτον καί steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,16; 2,9. 10). ♦ Ἕλλην, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Paulus, vgl. weiter oben zu Vers 14. Zur Abwesenheit: Deutlicher als der vorangehende Vers weist dieser vorkano‐ nisch unbezeugte Vers Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (στενοχωρία; πᾶσαν; κατεργάζομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,10) δόξα steht 178 / 166 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ εἰρήνη steht 98 / 92 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ ἐργάζομαι steht 51 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ Die Form ἐργαζομένῳ steht 3 Mal im NT, jeweils auf 52 Rekonstruktion <?page no="53"?> der kanonischen Ebene (Röm 2,10; 4,4. 5). ♦ Der Ausdruck τὸ ἀγαθόν (Nom. / Akk.) steht 13 Mal im NT, nur belegt für die kanonische Ebene (Lk 6,45; Röm 2,10; 12,2; 13,3. 4; 14,16; 15,2; 16,19, hier in zwei Versen, die in *Röm fehlen; Gal 6,10; Eph 4,28; 1Thess 5,15; Phlm 1,4; 3Joh 1,11). ♦ Zu πρώτον / πρῶτος vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ Zu dem kanonischen Ausdruck τε πρῶτον καί vgl. zum voranstehenden Vers 2,9. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (δὲ καί; ἐργαζομένῳ; τὸ ἀγαθόν; τε πρῶτον καί). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,11) Die Kombination οὐ γάρ ἐστιν steht 12 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröff‐ nung (Verseröffnung: Mk 4,22; Lk 6,43, wo das γάρ vorkanonisch fehlt; 8,17; Röm 2,11; 10,12; 14,17; 1Kor 11,8; 14,33), als Verseröffnung vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,33. ♦ προσωποληψία steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37 und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ Die Kombination παρὰ τῷ θεῷ steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,19-20. Zur Abwesenheit: Auch wenn die Verseröffnung dieses kurzen, vorkanonisch unbezeugten Verses vorkanonisch bezeugt ist, finden sich doch die weiteren Elemente nur für die kanonische Ebene belegt (προσωποληψία; παρὰ τῷ θεῷ). Der Vers wird folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. Der Vergleich der Lexeme stützt die Zuordnung dieser Passage zur kanoni‐ schen Redaktion. Zwar begegnen ab und zu Termini, die auch vorkanonisch be‐ zeugt sind, doch sind dies meistens häufige und dann auch auf der kanonischen Ebene beliebte Begriffe, doch in jedem Vers finden sich markante, ausschließlich für die kanonische Ebene belegte Begriffe oder Wendungen. (2,12) ὅσος, das 121 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20. ♦ Das Adverb ἀνόμως ist Hapax legomenon. ♦ ἁμαρτάνω, das 47 / 43 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 4,26. ♦ ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19. ♦ κρίνω, das 125 / 115 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,3; 11,32; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ Die Form κριθήσονται steht nur hier. (2,13) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 1,16 (als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ ἀκροατής steht 5 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; 4 (Röm) 53 <?page no="54"?> *Röm 7,12; *2Thess 1,6. ♦ Zu παρά vgl. zuvor zu Vers 11 mit derselben Wendung. ♦ Die Kombination παρὰ θεῷ steht 6 Mal im NT (Mk 10,27; Lk 2,52; Röm 2,13; 1Kor 7,24; 2Thess 1,6; 1Petr 2,20), vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,27; *Röm 2,13. ♦ ποιητής steht 7 / 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. ♦ Die Form δικαιωθήσονται steht nur hier. Zur Rekonstruktion dieser beider Verse: Der Text folgt weithin dem Zeugnis des Epiphanius, allerdings scheinen die bereits von Schmid eingeklammerten Artikel τοῦ vor den beiden νόμου und τῷ vor θεῷ (wie im kanonischen Text) gefehlt zu haben. (2,14) Die Kombination ὅταν γάρ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene, vgl. 1Kor 3,4. ♦ ὅταν allein begegnet 128 / 123 Mal im NT, davon 34 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch als Verseröffnung bezeugt für *1Kor 15,54; *Kol 3,4; im Vers vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ φύσις, das 16 / 14 Mal im NT steht, jedoch nur in der Briefliteratur, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8; *Röm 2,14; *Laod 2,3, vgl. weiter Vers 27. ♦ οὗτοι, das 77 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Variante τοιοῦτοι steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,48. ♦ Die Formulierung μὴ ἔχοντες steht 5 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,12. ♦ Die Wendung ἑαυτοῖς εἰσιν steht nur hier. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Die unbezeugte Er‐ öffnung scheint aufgrund der Lexik schlicht ὅταν gelautet zu haben. Ansonsten wird das Zeugnis Tertullians auch durch die Lexik gestützt. (2,15) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Form οἵτινες steht 60 Mal im NT (davon 15 Mal als Verseröffnung), in Lk 1,20; 9,30; 15,7 in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Gal 2,4; *2Thess 1,9. ♦ ἐνδείκνυμι, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ ἔργον ist ein Begriff, der 187 / 169 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ γραπτός ist Hapax legomenon im NT. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ συμμαρτυρέω steht 3 Mal im NT, die beiden anderen Male auch auf der kanonischen Ebene (Röm 8,16; 9,1). ♦ συνείδησις, das 32 / 30 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Redaktion bezeugt. ♦ μεταξύ steht 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. 54 Rekonstruktion <?page no="55"?> ♦ λογισμός ist ein Wort, das nur noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene steht. ♦ κατηγορέω steht 30 / 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,7; 23,2, nicht aber für *Paulus, sondern ist vielmehr ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, vor allem der Apostelgeschichte. Zur Abwesenheit: Im Unterschied zum voranstehenden Vers ist dieser Vers hier vorkanonisch nicht bezeugt und weist dementsprechend eine Reihe aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene belegter Elemente auf (ἐνδείκνυμι; συμμαρτυρέω; συνείδησις; μεταξύ; λογισμός). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,16) Die Wendung ἐν ἡμέρᾳ steht 15 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,46. ♦ κρυπτός steht 22 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; *Röm 2,16. 29. ♦ ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ κρίνω steht 125 / 115 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,3; 11,32; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ Die Form κρίνει, die 9 Mal im NT steht (2 Mal Joh; Röm 2,16; 14,5; 1Kor 2,15; 4,7; Jak 4,11; Apk 19,11), ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Wendung τὰ κρυπτά steht 3 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; 14,24, stellt folglich ein Urgestein vorkanonischer Lexik dar. ♦ Der Ausdruck κατὰ τὸ εὐαγγέλιον steht 4 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt, und wieder aufgenommen auf der kanonischen Ebene im Parallelvers und in Röm 16,25, in einem Vers, der in *Röm fehlt, und in 1Tim 1,11; 2Tim 2,8. ♦ Die Wendung διὰ Χριστοῦ steht 2 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Vers folgt dem Zeugnis Tertullians und, was das κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου betrifft, dem übereinstimmenden Zeugnis des Origenes und Adamantius. Die Lexik bestätigt einige wichtige Begriffe wie τὰ κρυπτά, auch wenn einige der Elemente nur hier vorkanonisch bezeugt sind. Andererseits stützt die Lexik, dass auch die Verseröffnung vorkanonisch gestanden war. Dieser lexikalische Vergleich ist ein Beispiel für die Differenz zwischen wenigstens zum Teil bezeugten Versen und unbezeugten Versen. Während die Verse 14 und 16 sich lexikalisch hinreichend der vorkanonischen Ebene zuordnen lassen, ist Vers 15 deutlich von der kanonischen Sprache geprägt. (2,17) Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 65 Mal als Verseröffnung, gleich an welcher Stelle, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ Die Variante ἴδε steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 15,4; 4 Mal Joh; Röm 11,22). ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ Die Kombination σὺ Ἰουδαῖος steht 3 Mal 4 (Röm) 55 <?page no="56"?> im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 4,9; Röm 2,17; Gal 2,14). ♦ ἐπονομάζω ist Hapax legomenon. ♦ ἐπαναπαύω steht 2 Mal im NT, das andere Mal in Lk 10,6, auf der kanonischen Ebene. ♦ καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ Die Wendung ἐν θεῷ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 3,21; Röm 2,17; 1Thess 1,1; 2Thess 1,1; Jud 1,1). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰ δέ oder ἴδε; σὺ Ἰουδαῖος; ἐπαναπαύω; ἐν θεῷ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,18) Die Form γινώσκεις steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 10,26, in einem Versteil, der in *Ev fehlt; 3 Mal Joh; 3 Mal Apg, Röm 2,18; 2Tim 1,18). ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ Die Wendung τὸ θέλημα steht 25 Mal im NT, Lk 11,2, in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch auch nicht bezeugt für *Ev 12,47 (pace Klinghardt z.St.), sondern ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ διαφέρω, das 13 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κατηχέω, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,6; *1Kor 14,19. ♦ Die Form κατηχούμενος steht noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,6. ♦ Die Wendung ἐκ τοῦ νόμου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 12,34; Röm 2,18; 4,16; 10,5). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind (γινώσκεις; τὸ θέλημα; διαφέρω; ἐκ τοῦ νόμου). Der Vers wird folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (2,19) Die Form πέποιθας steht nur hier. ♦ Zu σεαυτοῦ vgl. zuvor zu den Versen 1. 5 und danach Vers 21. ♦ ὁδηγός steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ τυφλός findet sich 59 / 50 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,35. ♦ Die Form τυφλῶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 15,14; Joh 5,3; 10,21; Röm 2,19). ♦ φῶς, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6; 11,14. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11; 6,12. ♦ Die Wendung ἐν σκότει steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 4,16; Lk 1,29; Röm 2,19; 1Thess 5,4). Zur Abwesenheit: Auch wenn in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers einige vorkanonisch belegte Elemente begegnen, finden sich doch auch ausschließlich 56 Rekonstruktion <?page no="57"?> auf der kanonischen Ebene belegte (ὁδηγός; τυφλῶν; ἐν σκότει). Auch dieser Vers dürfte wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (2,20) Zum unbezeugten Versanfang: παιδευτής steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Hebr 12,9. ♦ Die Form ἀφρόνων steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 2,20; 2Kor 11,19; 1Petr 2,15). ♦ διδάσκαλος, das sich 60 / 59 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ νήπιος steht 18 / 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *Gal 4,3. ♦ Die Form νηπίων steht 1 weiteres Mal, Mt 21,16. Zum bezeugten Versteil: Die Form ἔχοντα steht 22 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,5; 24,39; *Röm 2,14. ♦ μόρφωσις steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene 2Tim 3,5. ♦ Die Wendung τῆς γνώσεως steht 8 Mal im NT, Lk 11,52, in einem Vers, der für *Ev bezeugt ist, wobei diese Wendung unbezeugt ist, aber vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 4,6; *Phil 3,8, womit wir wieder ein Stück vorkanonisches Urgestein vor uns haben. ♦ Die Wendung τῆς ἀληθείας steht 25 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *2Thess 2,10; *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Der Ausdruck ἐν τῷ νόμῳ steht 13 Mal im NT, Lk 2,24; 10,25; 24,44, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,27; *Röm 7,23. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius. Wie die Lexik nahelegt, geht der von Epiphanius unbezeugte erste Versteil auf die kanonische Redaktion zurück und hat im vorkanonischen Text gefehlt. Die Lexik stützt durch die weitere vorkanonische Bezeugung der Elemente mit Ausnahme von μόρφωσις das Zeugnis des Epiphanius. (2,21) Die Kombination ὁ οὖν steht 11 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διδάσκω, das 102 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,12. ♦ Der Ausdruck ὁ διδάσκων steht nur hier, und zwar nur vorkanonisch. ♦ Zu σεαυτοῦ vgl. zuvor zu den Versen 1. 5. 19. ♦ Diese unbezeugte Gegenüberstellung ἕτερον, σεαυτόν begegnete auf kanonischer Ebene bereits zuvor in Vers 2,1. ♦ κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ κλέπτω steht 13 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 18,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Wegen des narra‐ tiven Zusammenhangs und der Argumentation Tertullians wird wohl auch der nicht direkt bezeugte mittlere Teil vorkanonisch gestanden sein, der dann bereits in Vers 2,1 aufgegriffen wurde. (2,22) Die Verbform λέγων, die 194 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Der Ausdruck ὁ λέγων steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als 4 (Röm) 57 <?page no="58"?> Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 2,22; 1Joh 2,4. 6. 9; 2Joh 1,11; im Vers: Mt 7,21; Joh 4,10), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μοιχεύω findet sich 20 / 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,18; 18,20 (man bemerke dieselbe Verserwähnung zum vorangegangenen Vers 21). ♦ βδελύσσω steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Apk 21,8. ♦ εἴδωλον, das 13 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19. ♦ Die Form τὰ εἴδωλα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 2,22; 1Kor 12,2; Apk 9,20). ♦ ἱεροσυλέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Das zugehörige Adjektiv ἱερόσυλος findet sich 1 Mal auf kanonischer Ebene (Apg 19,37). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers eröffnet bereits mit einer nur kanonisch belegten Wendung und weist weitere Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind (βδελύσσω; τὰ εἴδωλα), er wird folglich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (2,23) ἐν νόμῳ steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,12. ♦ καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ παράβασις, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀτιμάζω, das sich 7 Mal im NT findet, steht nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwar zu Beginn auch vorkanonisch bezeugte Elemente auf, doch gerade bei der Schlussfolgerung begegnen zwei ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Termini (παράβασις; ἀτιμάζω), darum wird wohl auch dieser Vers auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sein und vorkanonisch gefehlt haben. (2,24) Die Kombination τὸ γάρ steht 12 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Lk 12,12; Röm 2,24; 8,6; 13,9; 2Kor 4,17; 2Thess 2,7; im Vers: Mt 1,20; Röm 6,21; 7,18; 1Kor 2,10; 2Kor 3,6; Apk 19,8), vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,12; *Röm 13,9. ♦ Die Wendung τὸ ὄνομα τοῦ θεοῦ steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, 1Tim 6,1. ♦ βλασφημέω, das 37 / 34 Mal im NT steht, findet sich nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. Zur Rekonstruktion: Auch wenn die unbezeugten Teile dieses Verses aufgrund der Lexik durchaus gestanden haben könnten, spricht der narrative Zusammen‐ hang eher dafür, dass nur der bezeugte Teil vorkanonisch stand. 58 Rekonstruktion <?page no="59"?> (2,25) περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,29; *Laod 2,11. ♦ ὠφελέω, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur an dieser Stelle hier bezeugt. ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10. ♦ Die alternative Lesart φυλάσσω, die 35 / 31 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,21 (man bemerke den wiederholten Bezug auf diese Stelle) und *Gal 6,13. ♦ Die Kombination ἐὰν δέ steht 34 Mal im NT, Lk 22,68, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch hier vorkanonisch bezeugt. ♦ παραβάτης, das 5 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Verbform ᾖς ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός) vgl. zuvor zu Vers 5. ♦ ἀκροβυστία, das 22 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 2,27; *Laod 2,11. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, wobei einige Termini und Wendungen auftauchen, die nur hier vorkanonisch bezeugt sind (ὠφελέω; ἐὰν δέ; παραβάτης). (2,26) Die Verseröffnung ἐὰν οὖν steht 10 Mal im NT, 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀκροβυστία, das 22 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt, vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ δικαίωμα, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,4. ♦ φυλάσσω, das 35 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,21; *Gal 6,13, vgl. den voranstehenden Vers.♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Variante οὐχί steht 62 / 53 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten περιτομή vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. Zur Abwesenheit: Auch wenn dieser vorkanonisch unbezeugte Vers einige Begriffe verwendet, die auch vorkanonisch bezeugt sind, zeigen doch die Verseröffnung und das Verb am Ende auf die kanonische Redaktion als Ursprung dieses Verses, der darum wohl vorkanonisch gefehlt hat. (2,27) κρίνω, das 125 / 115 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,37; 12,57; *1Kor 5,3; 11,32; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ Zu φύσις vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ τελέω, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,9. ♦ Die Wendung ἐκ φύσεως steht nur hier. ♦ ἀκροβυστία, das 22 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt, vgl. zum voranstehenden Vers 2,25. ♦ τελέω steht 30 / 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,9. ♦ Zu σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός) vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ γράμμα, das 17 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,27. 29. ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 4 (Röm) 59 <?page no="60"?> bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ παραβάτης, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 2,25. Zur Rekonstruktion: Dieser nur von Tertullian angedeutete Vers erweist sich zudem aufgrund der verschiedenen vorkanonisch bezeugten Termini und Ele‐ mente als vorkanonischer Textbestand. (2,28) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ φανερός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 8,17; *Gal 5,19. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten περιτομή vgl. den Vers zuvor. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis von Tertullian und Hegemo‐ nius, doch die Lexik stützt nicht nur diesen bezeugten Teil, sondern auch den unbezeugten dieses Verses, der wohl, wie gegeben, im vorkanonischen Text gestanden war. (2,29) Die Wendung ἀλλ’ ὁ steht 25 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23 (als Verseröffnung); *2Kor 4,16 (im Vers). ♦ κρυπτός steht 22 / 17 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 8,17; 11,33; 12,2; *1Kor 4,5; *Röm 2,16. ♦ Zu Ἰουδαῖος vgl. zum Vers zuvor. ♦ Zum vorkanonisch weiter bezeugten περιτομή vgl. den voranstehenden Vers 25. ♦ καρδία, das 173 / 157 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; 14,25; *2Kor 3,15; 4,6; *Röm 2,15. ♦ ἔπαινος, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; *Laod 1,12. ♦ Die Wendung ἐξ ἀνθρώπων steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,4. 6. ♦ Die Wendung ἀλλ’ ἐκ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,13; 7,22; Röm 2,29; 9,12; 2Kor 8,13; 1Joh 2,16). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und Hegemonius’, doch, wie die Lexik erweist, wird zumindest mit dem ersten Stück auch des unbezeugten Endes und dem Beginn des Verses vorkanonisch zu rechnen sein. 60 Rekonstruktion <?page no="61"?> Kapitel 3 3,[1-18]: [Der Nutzen der Beschneidung] Diese Passage ist unbezeugt und ist eine Digression der kanonischen Redaktion, die vorkanonisch gefehlt hat. Sie mündet in den Versen 10-18 in ein ausführli‐ ches Zitat von Ps 13 LXX. -- 3,1 Τί οὖν τὸ περισσὸν τοῦ Ἰουδαίου, ἢ τίς ἡ ὠφέλεια τῆς περιτομῆς; 2 πολὺ κατὰ πάντα τρόπον. πρῶτον μὲν [γὰρ] ὅτι ἐπιστεύθησαν τὰ λόγια τοῦ θεοῦ. 3 τί γὰρ εἰ ἠπίστησάν τινες; μὴ ἡ ἀπιστία αὐτῶν τὴν πίστιν τοῦ θεοῦ καταργήσει; 4 μὴ γένοιτο· γινέσθω δὲ ὁ θεὸς ἀληθής, πᾶς δὲ ἄνθρωπος ψεύστης, καθὼς γέγραπται, Οπως ἂν δικαιωθῇς ἐν τοῖς λόγοις σου καὶ νικήσεις ἐν τῷ κρίνεσθαί σε. 5 εἰ δὲ ἡ ἀδικία ἡμῶν θεοῦ δικαιοσύνην συνίστησιν, τί ἐροῦμεν; μὴ ἄδικος ὁ θεὸς ὁ ἐπιφέρων τὴν ὀργήν; κατὰ ἄνθρωπον λέγω. 6 μὴ γένοιτο· ἐπεὶ πῶς κρινεῖ ὁ θεὸς τὸν κόσμον; 7 εἰ δὲ ἡ ἀλήθεια τοῦ θεοῦ ἐν τῷ ἐμῷ ψεύσματι ἐπερίσσευσεν εἰς τὴν δόξαν αὐτοῦ, τί ἔτι κἀγὼ ὡς ἁμαρτωλὸς κρίνομαι; 8 καὶ μὴ καθὼς βλασφημούμεθα καὶ καθώς φασίν τινες ἡμᾶς λέγειν ὅτι Ποιήσωμεν τὰ κακὰ ἵνα ἔλθῃ τὰ ἀγαθά; ὧν τὸ κρίμα ἔνδικόν ἐστιν. - 9 Τί οὖν; προεχόμεθα; οὐ πάντως, προῃτιασάμεθα γὰρ Ἰουδαίους τε καὶ Ελληνας πάντας ὑφ’ ἁμαρτίαν εἶναι, 10 καθὼς γέγραπται ὅτι Οὐκ ἔστιν δίκαιος οὐδὲ εἷς, 11 οὐκ ἔστιν ὁ συνίων, οὐκ ἔστιν ὁ ἐκζητῶν τὸν θεόν. 12 πάντες ἐξέκλιναν, ἅμα ἠχρεώθησαν· οὐκ ἔστιν ὁ ποιῶν χρηστότητα, [οὐκ ἔστιν] ἕως ἑνός. 13 τάφος ἀνεῳγμένος ὁ λάρυγξ αὐτῶν, ταῖς γλώσσαις αὐτῶν ἐδολιοῦσαν, ἰὸς ἀσπίδων ὑπὸ τὰ χείλη αὐτῶν, 14 ὧν τὸ στόμα ἀρᾶς καὶ πικρίας γέμει· 15 ὀξεῖς οἱ πόδες αὐτῶν ἐκχέαι αἷμα, 16 σύντριμμα καὶ ταλαιπωρία ἐν ταῖς ὁδοῖς αὐτῶν, 17 καὶ ὁδὸν εἰρήνης οὐκ ἔγνωσαν. 18 οὐκ ἔστιν φόβος θεοῦ ἀπέναντι τῶν ὀφθαλμῶν αὐτῶν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. 3,10-13: Vgl. Ps 13,1-3 LXX: 1 Εἰς τὸ τέλος· ψαλμὸς τῷ Δαυιδ. Εἶπεν ἄφρων ἐν καρδίᾳ αὐτοῦ Οὐκ ἔστιν θεός· διέφθειραν καὶ ἐβδελύχθησαν ἐν ἐπιτηδεύμασιν, οὐκ ἔστιν ποιῶν χρηστότητα, 4 (Röm) 61 <?page no="62"?> 66 Detering hält die Verse 3,1-18 für abwesend, vgl. Ibid. 54-60. 168-170. 67 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 455. 68 Ibid. οὐκ ἔστιν ἕως ἑνός. 2 κύριος ἐκ τοῦ οὐρανοῦ διέκυψεν ἐπὶ τοὺς υἱοὺς τῶν ἀνθρώπων τοῦ ἰδεῖν εἰ ἔστιν συνίων ἢ ἐκζητῶν τὸν θεόν. 3 πάντες ἐξέκλιναν, ἅμα ἠχρεώθησαν, οὐκ ἔστιν ποιῶν χρηστότητα, οὐκ ἔστιν ἕως ἑνός. τάφος ἀνεῳγμένος ὁ λάρυγξ αὐτῶν, ταῖς γλώσσαις αὐτῶν ἐδολιοῦσαν· ἰὸς ἀσπίδων ὑπὸ τὰ χείλη αὐτῶν, ὧν τὸ στόμα ἀρᾶς καὶ πικρίας γέμει· ὀξεῖς οἱ πόδες αὐτῶν ἐκχέαι αἷμα· σύντριμμα καὶ ταλαιπωρία ἐν ταῖς ὁδοῖς αὐτῶν, καὶ ὁδὸν εἰρήνης οὐκ ἔγνωσαν· οὐκ ἔστιν φόβος θεοῦ ἀπέναντι τῶν ὀφθαλμῶν αὐτῶν. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (3,1-8) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn sie in unbestimmbarer Textform vorhanden sieht. 66 Hilgenfeld hingegen hatte argumentiert: „Es lässt sich kaum begreifen, daß er [Tertullian], wenn Marcion’s Text hier unverstümmelt gewesen wäre, über alles Andre hinweggegangen sein sollte“, er argumentiert darum für die Abwesenheit dieser und der nach‐ folgenden Verse, bis inklusive Vers 8. 67 Überhaupt hält er diese Verse „wegen der den Juden anvertrauten Orakel und auch wegen der Erwartung eines Weltgerichts von Seite des höchsten Gottes“ für „so antimarcionitisch, daß sich die Uebergehung dieses Abschnitts bei den Gegnern ohne sein wirkliches Fehlen ebensowenig begreifen lässt, als es bei C. IV der Fall ist“. 68 Zur Stütze dafür, dass sie abwesend waren, verweist auch BeDuhn darauf, dass Tertullian und Epiphanius wohl Vers 2 in ihrer antimarkionitischen Polemik genutzt hätten, wäre diese Passage vorhanden gewesen, weswegen die Tatsache, dass sie mit keinem Wort darauf eingehen, dafürspreche, dass die Verse abwesend waren. Hinzuzufügen wäre, dass sich Tertullian kaum hätte entgehen lassen, dass Paulus in Röm 3,4 die Psalmen zitiert (Ps 115,2; 50,6 LXX). 2. (3,9-18) Auch diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt. Erneut meint Zahn, sie seien in unbestimmbarer Form vorhanden gewesen. Harnack nimmt für Vers 12 den pseudepigraphen Laodizenerbrief (Vers 5) in Anspruch, um aus Vers 12 die Wendung ποιῶν χρηστότητα bezeugt zu sehen. Schmid folgt dem nicht, sondern sieht den Text schlichtweg als unbezeugt, während BeDuhn wegen des narrativen Zusammenhanges mit den ihm zufolge bezeugten Vers 19 den Schluss zieht, dass man mit der Präsenz der Verse 9-18 zu rechnen habe. In seiner Rekonstruktion wagt er es allerdings nicht, diese Verse in den Text aufzunehmen. 62 Rekonstruktion <?page no="63"?> 69 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. 70 J.C. O’Neill, Glosses and Interpolations in the Letters of St. Paul (1982), 383-384. 71 W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 54. Da es sich bei diesen Versen lediglich um ein Zitat von Ps 13 LXX handelt, lässt sich kaum vorstellen, Tertullian hätte sich eine solch dichte Bezugnahme auf die jüdische Schrift entgehen lassen, wenn sie ihm im markionitischen Text vorgelegen wäre. Dass die kanonische Redaktion hier ein ausführliches Schriftzitat verwendet, das zum nachfolgenden Text passt, besagt nicht, dass die Verse 19-22 die voranstehenden voraussetzen. Auch hier gilt das Urteil der früheren Editoren Harnack und Schmid und, wie seine Übersetzung ausweist, auch BeDuhn, dass die Verse in *Röm gefehlt haben. Weisse hält sie für das Produkt einer späteren Hand. 69 Gestützt wird diese Einschätzung durch die Lexik, die eine Reihe von ausschließlich kanonisch belegten Elementen und Hapax legomena aufweist. 3. (3,12-18). Diese Verse werden als Glosse betrachtet von O’Neill. 70 Van Manen sieht gar 3,10-18 als spätere Hinzufügung, vor allem im Kontrast zu den älteren Versen 19-20 (auch Vers 9 hält er für älter). 71 D. (3,1) Diese Wendung (nom.) τί οὖν steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Apg 21,22; Röm 3,1; 1Kor 3,5; 14,15; 14,26, im Vers: Lk 20,17; Joh 1,21), jeweils auf der kanonischen Ebene, wobei sie in Lk begegnet (Lk 20,17) in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Der anonyme Fragesteller begegnet auf der vorkanonischen Ebene im Römerbrief nur ein einziges Mal (*Röm 7,7: τί οὖν ἐροῦμεν), während er für die kanonische Version geradezu typisch ist: Röm 3,1. 3. 5. 7. 9. 31; 4,1; 6,1. 15; 7,7. 13; 9,14. 19. 30; 11,1. 7. 11. ♦ περισσός, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ ὠφέλεια steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Jud 1,16. ♦ Zum vorkanonisch weiter bezeugten περιτομή vgl. 2,25. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τί οὖν; περισσός; ὠφέλεια). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorka‐ nonisch gefehlt. (3,2) πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) steht 121 Mal im NT und ist vorkanonisch belegt für *Ev. ♦ τρόπος begegnet 14 / 13 Mal im NT, das einzige Mal, dass der Terminus in Lk zu finden ist (Lk 13,34), steht er in einem Vers, der in *Ev fehlt. 4 (Röm) 63 <?page no="64"?> Auch sonst begegnet er nur auf der kanonischen Ebene. ♦ πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3. ♦ Die Kombination πρῶτον μέν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 11,18. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες), vgl. weiter unten Vers 22. ♦ λόγιον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Man vergleiche auch das verwandte λογεία, das 8 / 2 Mal im NT steht und ausschließlich zur kanonischen Ebene gehört. ♦ λογισμός, das 2 Mal im NT steht, findet sich beide Male auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τρόπος; πρῶτον μέν; λόγιον). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,3) Die Kombination τί γάρ steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 5,12. ♦ ἀπιστέω steht 20 / 8 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,4. ♦ Die Form ἠπίστησάν steht noch 1 weiteres Mal, Mk 16,11, im sekundären Markusschluss. ♦ ἀπιστία begegnet 12 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.), das 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7; *Phil 1,15, vgl. weiter Vers 8. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter die Verse 13. 15. 16. 18. ♦ Die Wendung πίστις τοῦ θεοῦ steht nur hier. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τί γάρ; ἠπίστησάν; ἀπιστία). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorka‐ nonisch gefehlt. (3,4) Die Wendung μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung wie hier (Verseröffnung: Röm 3,4. 6; 6,2; im Vers: Lk 20,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 3,31; 6,15; 7,7. 13; 9,14; 11,1. 11; 1Kor 6,15; Gal 2,17; 3,21; 6,14), vorkanonisch bezeugt im Vers in *1Kor 6,15; *Röm 7,7. ♦ Die Form γινέσθω steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene; vgl. zu 1Kor 14,26. ♦ ἀληθής, das 27 / 26 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς ἀληθής steht noch 1 weiteres Mal in Joh 3,33. ♦ Das Gegenstück ψεύστης, das 10 Mal im NT zu finden ist, steht ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 64 Rekonstruktion <?page no="65"?> ♦ Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ ὅπως, das 58 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,4; *1Kor 1,29. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25 und *1Kor 2,8. ♦ δικαιόω steht 59 / 39 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,15; 18,14, *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ Die Wendung ἐν τοῖς λόγοις steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Thess 4,18. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ νικάω steht 29 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form κρίνεσθαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,1. ♦ κρίνω als positiver Ausdruck gehört zur kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 5,3. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung μὴ γένοιτο; γινέσθω; ἀληθής; ὁ θεὸς ἀληθής; ἐν τοῖς λόγοις; νικάω). Außerdem fällt die kanonische Semantik von κρίνω auf. Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,5) Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 64 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (mit Ausnahme der Wendung εἰ δὲ μή γε in *Ev 5,36), vgl. zu Gal 5,18. ♦ ἀδικία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,9; *Röm 1,18; *2Thess 2,12. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ συνίστημι im Sinne von „stehen mit“ begegnet 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἐροῦμεν steht 7 Mal im NT, ausschließlich in diesem Brief hier, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ ἄδικος steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,11. ♦ ἐπιφέρω steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ Der Ausdruck κατὰ ἄνθρωπον λέγω begegnet noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,15. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰ δέ; συνίστημι; ἐπιφέρω). Obwohl der Vers einige vorkanonisch bezeugte Termini und Wen‐ dungen aufweist, wird er doch das Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben, insbesondere, wenn man die in C.1 vorgetragenen Argumente, was Tertullians Interesse betrifft, hinzunimmt. 4 (Röm) 65 <?page no="66"?> (3,6) Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, etwa Lk 20,16 in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ ἐπεί steht 29 / 26 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ Die Wendung κρινεῖ ὁ θεός begegnet noch 1 weiteres Mal in Hebr 13,4. ♦ Die Form τὸν κόσμον steht 45 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,2. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐπεί; κρινεῖ ὁ θεός; τὸν κόσμον). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,7) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ Der Ausdruck ἡ ἀλήθεια τοῦ θεοῦ steht nur hier. ♦ Der Ausdruck ἐν τῷ ἐμῷ begegnet nur 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 1Kor 11,25. ♦ ψεῦσμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ Obwohl das Verb περισσεύω 42 / 39 Mal im NT begegnet, ist es nicht ein einziges Mal für die vorkanonische Stufe bezeugt. ♦ Die Wendung εἰς τὴν δόξαν steht 3 Mal im NT, Lk 24,26 (ebenfalls mit nachstehendem αὐτοῦ), in einem Versteil, der in *Ev fehlt; Röm 3,7; 2Kor 4,15, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ Die Kombination τί ἔτι steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 22,71; Röm 3,7; Gal 5,11; Hebr 11,32). ♦ ἁμαρτωλός, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist ein auffälliger Begriff der kanonischen Redaktion, auch wenn er 1 Mal in *Ev auch vorkanonisch bezeugt ist. ♦ Die Form κρίνομαι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 23,6; 24,21; Röm 3,7). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰ δέ; ἐν τῷ ἐμῷ; περισσεύω; εἰς τὴν δόξαν; τί ἔτι; κρίνομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,8) Die Kombination καὶ μή steht 86 Mal im NT, davon 17 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 3 Mal Mt; Mk 2,4; Lk 2,45; 5,19; 6,37, nicht bezeugt für *Ev, pace Klinghardt z.St.; 6,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 24,23; Röm 3,8; 4,19; 12,2; im Vers: Lk 12,21; 18,16, in einem Vers bzw. Versteil, der in *Ev fehlt), vorkanonisch bezeugt im Vers für *Röm 12,14; *2Kor 3,11; *Laod 4,25. ♦ βλασφημέω, das 37 / 34 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φημί, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19; 15,50. ♦ Zu τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ Die Verbform λέγειν steht 41 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *2Kor 5,10; *Röm 12,17. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 66 Rekonstruktion <?page no="67"?> Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ κρίμα, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,10; *1Kor 11,29. ♦ ἔνδικος steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Hebr 2,2). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung καὶ μή; βλασφημέω; λέγειν; ἔνδικος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Überblickt man den lexikalischen Vergleich zu den Versen 1-8, so begegnen zwar hier und da auch vorkanonisch bezeugte Termini, aber insgesamt über‐ wiegen die typischen Elemente der kanonischen Redaktion, die Verse dürften demnach vollständig auf die kanonische Redaktion zurückgehen und in *Röm gefehlt haben. (3,9) Diese Wendung (im Akkusativ) τί οὖν steht 23 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mk 12,9; Röm 4,9; 4,1; 6,1. 15; 7,7; 8,31; 9,14. 30; 11,7; 1Kor 10,19; Gal 3,19; im Vers: 3 Mal Mt; Mk 11,31; Lk 3,10; 20,15. 17, in Versen, die in *Ev fehlen; Joh 1,25; Apg 19,3; Röm 9,19), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19; *Röm 7,7 vgl. Röm 3,9. ♦ προέχω und προαιτιάομαι sind Hapax legomena im NT. ♦ πάντως, das 9 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Form Ἰουδαίους steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,20. ♦ Die Kombination τε καί steht 51 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,30. ♦ Die Form Ἕλληνας steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 7,35; 3 Mal Apg; Röm 3,9). ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9, vgl. weiter unten Vers 22. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ Der Ausdruck ὑφ’ ἁμαρτίαν steht noch 1 weiteres Mal, auf kanonischer Ebene in Gal 3,22. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6, vgl. weiter Vers 26. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πάντως; τε καί; Ἕλληνας; ὑφ’ ἁμαρτίαν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,10) Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ Die erweiterte Kombination καθὼς γέγραπται ὅτι steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und immer auf der kanonischen Ebene (Röm 3,10; 4,17; 8,36). ♦ Die Wendung ὅτι οὐκ ἔστιν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, 4 (Röm) 67 <?page no="68"?> vgl. Gal 1,11. ♦ δίκαιος steht 84 / 79 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Die Kombination οὐδὲ εἷς steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, in Apg 4,32. Zur Abwesenheit wird wegen des Zusammenhangs mit den Versen, die Ps 13 LXX zitieren, ein summarisches Urteil am Ende von Vers 18 gegeben. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung καθὼς γέγραπται; ὅτι οὐκ ἔστιν; οὐδὲ εἷς. (3,11) Die Kombination οὐκ ἔστιν ὁ steht in dieser Form nur hier und im nächsten Vers 12. ♦ συνίημι, das 31 / 26 Mal im NT steht, ist nur kanonisch belegt. ♦ ὑφ’ ἁμαρτίαν ἐκζητέω steht 8 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Das verwandte Nomen ἐκζήτησις steht nur auf dieser Ebene in 1Tim 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐκ ἔστιν ὁ; συνίημι; ὑφ’ ἁμαρτίαν ἐκζητέω. (3,12) πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3, vgl. weiters Vers 23. ♦ ἐκκλίνω steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἅμα steht 10 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀχρειόω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu οὐκ ἔστιν ὁ vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ ποῖος, das 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35; *Laod 2,15, vgl. weiter unten Vers 27. ♦ χρηστότης steht 11 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἕως steht 159 / 146 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,16; *2Kor 12,2. ♦ Die Wendung ἕως ἑνός steht nur hier. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐκκλίνω; ἅμα; οὐκ ἔστιν ὁ; χρηστότης. (3,13) τάφος steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνοίγνυμι steht 102 / 77 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,9; *Laod 6,19. ♦ λάρυγξ ist Hapax legomenon im NT. ♦ δολιόω steht 2 Mal im NT, das andere Mal vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,13. ♦ ἰός ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀσπίς ist Hapax legomenon im NT. ♦ χεῖλος steht 8 / 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente ist: τάφος, es fallen aber die verschiedenen Hapax legomena auf, die auf den Psalmtext zurückgehen. (3,14) Zum vorkanonisch bezeugten Personalpronomen ὧν vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ στόμα, das 80 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19; *Laod 6,19, vgl. weiter Vers 19. ♦ αἴρω, das 106 / 107 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 68 Rekonstruktion <?page no="69"?> bezeugt für *Ev. ♦ πικρία steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ γέμω steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element dieses kurzen Verses ist: πικρία. (3,15) ὀξύς steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πούς, das 97 / 93 Mal Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,38. 44; 9,5; 24,39; *1Kor 15,25; *Laod 1,22. ♦ ἐκχέω steht 35 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὀξύς; ἐκχέω. (3,16) σύντριμμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ ταλαιπωρία steht noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf kanonischer Ebene ( Jak 5,1). ♦ Das verwandte Verb ταλαιπωρέω steht ebenfalls auf dieser Ebene ( Jak 4,9), wenn auch das Adjektiv ταλαίπωρος, das zwei Mal im NT steht, vorkanonisch für *Röm 7,24 bezeugt ist. ♦ ὁδός, das 107 / 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 11,33. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ταλαιπωρία. (3,17) Zu ὁδός vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ εἰρήνη steht 98 / 92 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ Die Kombination ὁδὸν εἰρήνης begegnet 1 weiteres Mal in Lk 1,79, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Die Wendung οὐκ ἔγνωσαν steht 9 Mal im NT, in Lk 2,43, in einem Vers, der in *Ev fehlt, folglich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 24,39; Lk 2,43; Joh 8,27 als Verseröffnung; 10,6; 12,16; 16,3; Röm 3,17; Hebr 3,10; Apk 2,24). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁδὸν εἰρήνης; οὐκ ἔγνωσαν. (3,18) Die Kombination φόβος + θεοῦ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 2Kor 7,1. ♦ ἀπέναντι steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὀφθαλμός steht 109 / 100 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,52. ♦ Die Verbindung ὀφθαλμός (Pl.) + αὐτῶν steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Mt; Lk 24,16; 3 Mal Apg; Röm 3,18; 11,10; Apk 7,17; 21,4). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: φόβος + θεοῦ; ὀφθαλμός (Pl.) + αὐτῶν. 4 (Röm) 69 <?page no="70"?> 72 Detering nimmt den Vers nach dem kanonischen Text, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 170. 3,19-22: Damals war das Gesetzt, jetzt ist die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden Die vorkanonischen Gedanken in diesem Abschnitt sind gut bezeugt, jedoch wiederum von der kanonischen Redaktion so erweitert worden, dass an die Stelle der vorkanonischen Antithese eine heilsgeschichtliche Entwicklung auf der kanonischen Ebene hervortritt. 3,19 Οἴδαμεν δὲ ὅτι ὅσα ὁ νόμος λέγει τοῖς ἐν τῷ νόμῳ λαλεῖ, ἵνα πᾶν στόμα φραγῇ καὶ ὑπόδικος γένηται πᾶς ὁ κόσμος· 19 Οἴδαμεν δὲ ὅτι ὅσα ὁ νόμος λέγει τοῖς ἐν τῷ νόμῳ λαλεῖ, ἵνα πᾶν στόμα φραγῇ καὶ ὑπόδικος γένηται πᾶς ὁ κόσμος τῷ θεῷ· 20 τότε νόμος, 20 διότι ἐξ ἔργων νόμου οὐ δικαιωθήσεται πᾶσα σὰρξ ἐνώπιον αὐτοῦ, διὰ γὰρ νόμου ἐπίγνωσις ἁμαρτίας. 21 νυνὶ δὲ χωρὶς νόμου δικαιοσύνη θεοῦ πεφανέρωται, 21 Νυνὶ δὲ χωρὶς νόμου δικαιοσύνη θεοῦ πεφανέρωται, μαρτυρουμένη ὑπὸ τοῦ νόμου καὶ τῶν προφητῶν, 22 διὰ πίστεως Χριστοῦ. Τίς ἐστιν διαστολή; 22 δικαιοσύνη δὲ θεοῦ διὰ πίστεως Ἰησοῦ Χριστοῦ, εἰς πάντας τοὺς πιστεύοντας· οὐ γάρ ἐστιν διαστολή· A. *3,19: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,11: Propter hoc omnia concluserat lex creatoris sub delictum, et totum mundum deduxerat in reatum, et omne os obstruxerat, ne qui gloriaretur per illam, ut gratia servaretur in gloriam Christi, non creatoris, sed Marcionis? ♦ *3,20-22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,8: Tunc lex, nunc iustitia dei per fidem Christi. Quae est ista distinctio? Servivit deus tuus dispositioni creatoris, dans ei tempus et legi eius: an eius tunc cuius et nunc? Eius lex cuius et fides Christi; distinctio dispositionum est, non deorum. Vgl. Hegemonius, Acta Arch. 45 (66,18 Beeson): tantummodo agnitionem peccat per legem fieri. Vgl. Orig., Com. In Rom. III 6,9: per legem agnitio peccati. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (3,19) Nach Zahn und Schmid ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn Zahn mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnet. 72 Doch Harnack sieht bereits Anspielungen und gibt als bezeugten Text πᾶν στόμα φραγῇ καὶ ὑπόδικος γένηται πᾶς ὁ κόσμος. BeDuhn verweist auf die hier zitierte 70 Rekonstruktion <?page no="71"?> 73 Detering gibt Vers 20 nach dem kanonischen Text und von Vers 21 gibt er τότε νόμος, νυνὶ δικαιοσύνη θεοῦ διὰ πίστεως Χριστοῦ, ibid. Tertullianstelle, die die Elemente γένηται πᾶς ὁ κόσμος und πᾶν στόμα φραγῇ in dieser Reihenfolge anführt. BeDuhn gibt als rekonstruierten Text: [Οἴδαμεν δὲ ὅτι ὅσα ὁ νόμος λέγει τοῖς ἐν τῷ νόμῳ λαλεῖ], ἵνα πᾶν στόμα φραγῇ καὶ [ὑπόδικος] γένηται πᾶς ὁ κόσμος [τῷ θεῷ]. Der Vers schließt unmittelbar an *Röm 2,28-29 an, was die Vermutung stützt, dass die Verse Röm 3,1-18 eine Digression der kanonischen Redaktion darstellen. 2. (3,20-22) Zahn hält auch die Verse 20-21 für präsent, wenn auch in unbe‐ stimmbarer Textform, während er für Vers 22 eine Bezeugung des kanonischen Textes sieht. Harnack ist hier differenzierter, wenn er lediglich Anspielungen auf die Verse 20 (διὰ γὰρ νόμου ἐπίγνωσις ἁμαρτίας) und 21 sieht und dann einen unmittelbaren Übergang Tertullians in seinem Kommentar der Verse 20-21 zu *Röm 4,25 und 5,1 vermerkt. Außerdem hält er das Referat Tertullians mit tunc lex nicht nur für eine Zusammenfassung, sondern für eine direkte Wiedergabe des ihm vorliegenden Textes. Außerdem notiert er, dass das χωρὶς νόμου aus Vers 21 mit dem οὐκ ἐκ νόμου in 5,1 aufgegriffen wird. Schmid schließt sich Harnack teilweise an und vermerkt als Text, auf den Tertullian anspielt und den Schmid als mögliche Randglosse benennt: τότε νόμος, νυνὶ δικαιοσύνη θεοῦ διὰ πίστεως Χριστοῦ. Trotz seiner kritischen Einwände schließt sich BeDuhn bei seiner Rekon‐ struktion doch Harnack und Schmid an und legt seiner Übersetzung als Text zugrunde: 20 [διότι ἐξ ἔργων νόμου οὐ δικαιωθήσεται πᾶσα σὰρξ ἐνώπιον αὐτοῦ], διὰ νόμου ἐπίγνωσις ἁμαρτίας. 21 Νυνὶ [δέ] … δικαιοσύνη [θεοῦ πεφανέρωται … 22 …] διὰ πίστεως Χριστοῦ, [εἰς πάντας τοὺς πιστεύοντας]: οὐ γάρ ἐστιν διαστολή. Außerdem weist BeDuhn darauf hin, Origenes gebe nicht an, den Text bei den Markioniten gelesen zu haben. 73 Der von Schmid erschlossene Text scheint keine Randglosse darzustellen, sondern die von Tertullian gelesene Antithese wiederzugeben. Auch wenn, wie die Lexik unter D. zeigt, der kanonische Text auch vorkanonisch gestanden haben könnte, scheint die prägnantere Formulierung sich durch Tertullians Zeugnis näher zu legen. Es lässt sich nicht gut vorstellen, dass Tertullian hier den Text schärfer formuliert hat, als er ihm vorgelegen war. D. (3,19) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Kombination οἴδαμεν 4 (Röm) 71 <?page no="72"?> δέ steht 5 Mal im NT, immer als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,2, vgl. zu dieser Stelle. ♦ ὅσος, das 121 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ Die Wendung ὁ νόμος λέγει steht noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,21b-c↑34. ♦ Der Ausdruck ἐν τῷ νόμῳ steht 13 Mal im NT, Lk 2,24; 10,25; 24,44, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,27; *Röm 2,20; 7,23. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ Zu στόμα vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ φράσσω, das 3 Mal im NT steht, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ὑπόδικος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendungen πᾶς ὁ κόσμος und ὁ κόσμος τῷ θεῷ stehen nur hier. Zur Rekonstruktion: Der von Tertullian in Auszügen gebotene und angedeutete Vers lässt sich aufgrund der Lexik mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ergänzen und vorkanonisch herstellen. Die beiden unbezeugten Teile (οἴδαμεν δέ; ἐν τῷ νόμῳ) sind anderwärts vorkanonisch bezeugt, die Formulierung am Ende des Verses (πᾶς ὁ κόσμος τῷ θεῷ) steht nur hier, wir dürfen folglich davon ausgehen, dass der Vers, wie oben gegeben, vorkanonisch stand. (3,20) Für den nicht bezeugten Versteil: διότι, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ ἔργον, ein Begriff, der 187 / 169 Mal im NT steht, findet sich vornehmlich auf der kanonischen Ebene, ist aber vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29 (mit der Formulierung: πᾶσα σάρξ). ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ ἐνώπιον steht 100 / 94 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt den Angaben Tertullians, auch wenn die Lexik dafürspricht, dass der kanonische Text vorkanonisch gestanden haben könnte. (3,21) Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13 (Verseröffnung), vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ χωρίς steht 43 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,12. ♦ Die Wendung χωρὶς νόμου steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 7,9. ♦ Die Wendung 72 Rekonstruktion <?page no="73"?> δικαιοσύνη θεοῦ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 2Kor 5,21. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ μαρτυρέω, das 90 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ Die Wendung ὑπὸ τοῦ νόμου steht noch 1 weiteres Mal in Jak 2,9. ♦ προφήτης, das 157 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32; *1Thess 2,15. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wieder dem Zeugnis Tertullians. Ob das unbezeugte δὲ χωρὶς νόμου stand, ist unsicher, der Satz wäre auch ohne diesen Passus verständlich. Der unbezeugte Schluss des Verses scheint auf die kanonische Redaktion zurückzugehen, wie das ὑπὸ τοῦ νόμου andeutet. (3,22) Die Wendung δικαιοσύνη δὲ θεοῦ greift das δικαιοσύνη θεοῦ von Vers 21 auf und wirkt wie eine kanonische Duplikation, die den Gedanken spezifiziert. ♦ Die Wendung διὰ πίστεως Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 1 weiteres Mal in Gal 2,16, während dort die vorkanonisch bezeugte Wendung διὰ πίστεως lautet. ♦ Zu πάντας vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ Die Wendung εἰς πάντας steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 3,22; 5,12. 18; 10,12; 16,19; 2Kor 9,13; Eph 1,15; Kol 1,4; 1Thess 3,12; 4,10; 5,15; Phlm 1,5; Jud 1,25). ♦ Zu πιστεύω vgl. zuvor Vers 2. ♦ διαστολή, das 3 Mal im NT begegnet, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Wendung οὐ γάρ ἐστιν διαστολή begegnet noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 10,12. Zur Rekonstruktion: Wiederum folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Wie der Ausdruck εἰς πάντας und die Wendung οὐ γάρ ἐστιν διαστολή stützen, scheinen die nichtbezeugten Versteile vorkanonisch gefehlt zu haben. 3,[23-31]: [Gott macht Beschnittene und Unbeschnitte gerecht] Diese für die vorkanonische Version unbezeugte und der Lexik zufolge auch fehlende Passage ist eine kanonische Erweiterung. Sie detailliert, wie sie sich das Verhältnis Gottes zu Beschnittenen und Unbeschnittenen vorstellt. - 23 πάντες γὰρ ἥμαρτον καὶ ὑστεροῦνται τῆς δόξης τοῦ θεοῦ, 24 δικαιούμενοι δωρεὰν τῇ αὐτοῦ χάριτι διὰ τῆς ἀπολυτρώσεως τῆς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ· 25 ὃν προέθετο ὁ θεὸς ἱλαστήριον διὰ [τῆς] πίστεως ἐν τῷ αὐτοῦ αἵματι εἰς ἔνδειξιν τῆς δικαιοσύνης αὐτοῦ διὰ τὴν πάρεσιν τῶν προγεγονότων ἁμαρτημάτων 26 ἐν τῇ ἀνοχῇ τοῦ θεοῦ, πρὸς τὴν ἔνδειξιν τῆς δικαιοσύνης αὐτοῦ ἐν τῷ νῦν καιρῷ, εἰς τὸ εἶναι αὐτὸν δίκαιον καὶ δικαιοῦντα 4 (Röm) 73 <?page no="74"?> 74 Detering nimmt den kanonischen Text der Verse 22b-24, 27-28, die anderen Verse für abwesend, ibid. 75 M. Klinghardt, Abraham als Element der Kanonischen Redaktion (2018), 249-250. 76 C.H. Talbert, A Non-Pauline Fragment at Romans 3: 24-26? (1966). τὸν ἐκ πίστεως Ἰησοῦ. 27 Ποῦ οὖν ἡ καύχησις; ἐξεκλείσθη. διὰ ποίου νόμου; τῶν ἔργων; οὐχί, ἀλλὰ διὰ νόμου πίστεως. 28 λογιζόμεθα γὰρ δικαιοῦσθαι πίστει ἄνθρωπον χωρὶς ἔργων νόμου. 29 ἢ Ἰουδαίων ὁ θεὸς μόνον; οὐχὶ καὶ ἐθνῶν; ναὶ καὶ ἐθνῶν, 30 εἴπερ εἷς ὁ θεός, ὃς δικαιώσει περιτομὴν ἐκ πίστεως καὶ ἀκροβυστίαν διὰ τῆς πίστεως. 31 νόμον οὖν καταργοῦμεν διὰ τῆς πίστεως; μὴ γένοιτο, ἀλλὰ νόμον ἱστάνομεν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (3,30) Anstelle von εἴπερ findet sich die Variante ἐπείπερ in 01 2 , 06*, 010, 012, 020, 025, 044, 33, 104, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, Ir lat . C. (3,23-31) Zahn nimmt an, dass die Verse 23-30 in unbestimmbarer Wortform präsent sind, während Vers 31 fehle. 74 Wie zu den Versen 20-21 zuvor vermerkt, rechnet Harnack mit einem unmittelbaren Übergang von Vers 21 zu *Röm 4,25 und 5,1. Schmid sieht alle Verse 3,22-4,25 als unbezeugt. BeDuhn notiert ebenfalls die fehlende Bezeugung der Verse 23-30, doch gibt er wegen des narrativen Zusammenhangs eine Übersetzung des folgenden Wortbestands in Klammern: [23 πάντες γὰρ ἥμαρτον καὶ ὑστεροῦνται τῆς δόξης τοῦ θεοῦ, 24 δικαιούμενοι δωρεὰν τῇ αὐτοῦ χάριτι διὰ τῆς ἀπολυτρώσεως τῆς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ: 27 Ποῦ οὖν ἡ καύχησις; ἐξεκλείσθη]. Matthias Klinghardt nimmt *Röm 3,25. 27-31 als präsent an. 75 Röm 3,24-26 wird als Interpolation gesehen von C.H. Talbert. 76 D. (3,23) Zu πάντες vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ Die Kombination πάντες γάρ steht 14 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 11,13; Mk 6,50; 12,44; Lk 21,4; Röm 3,23; Gal 3,26; 1Thess 5,5), vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Gal 3,26; im Vers steht es in Lk 20,38, in einem Vers, der in *Ev fehlt und weiter auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁμαρτάνω, das 47 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 2,12; *Laod 4,26. ♦ ὑστερέω steht 19 / 16 Mal im NT, nur 74 Rekonstruktion <?page no="75"?> 77 Dass dieser Begriff auf die Septuaginta verweist, zeigt T.J. Do, The LXX Background of ΙΛΑΣΤΗΡΙΟΝ in Rom 3,25 (2009). für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ δόξα + τοῦ θεοῦ steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑστερέω; δόξα + τοῦ θεοῦ. (3,24) δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ δωρεάν steht 14 / 9 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,52, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 3 Mal Apg; Röm 3,24; 5,15; 11,6; 1Kor 1,4; 10,30; 15,10; 2Kor 1,12; 8,7. 19; Gal 1,6; Eph 2,5. 8; Kol 3,16; 4,6; 2Thess 2,16; 2Tim 2,1; Tit 3,7; Hebr 2,9; 13,9; 2Petr 3,18). ♦ ἀπολύτρωσις, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χάριτι; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. (3,25) προτίθημι, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,9. ♦ ἱλαστήριος steht nur hier und nochmals auf der kanonischen Ebene (Hebr 9,5). 77 ♦ ἔνδειξις steht 5 / 4 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Auch das zugehörige Verb ἐνδείκνυμι, das 12 / 11 Mal im NT steht, begegnet nur auf dieser Ebene. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist ein bedeutender Begriff der kanonischen Redaktion, wenn er auch vorkanonisch bezeugt ist für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ πάρεσις und προγίγνομαι sind Hapax legomena im NT. ♦ ἁμάρτημα, das 6 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἱλαστήριος; ἔνδειξις; ἁμάρτημα. Auffallend ist, dass *Laod wieder ein Zeuge für das sonst nur kanonisch stehende προτίθημι ist, was wiederum die Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik unterstreicht. (3,26) ἀνοχή, das nur noch 1 weiteres Mal im NT in Röm 3,25 steht, findet sich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu dem kanonischen Begriff ἔνδειξις vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Kombination ἐν τῷ νῦν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,14. ♦ καιρός steht 90 / 86 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ Die Wendung ἐν τῷ 4 (Röm) 75 <?page no="76"?> 78 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 15-16. νῦν καιρῷ steht 3 Mal im NT, je auf der kanonischen Ebene (Röm 3,26; 11,5; 2Kor 8,14). ♦ Zum Infinitiv εἶναι vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. ♦ Die Wendung εἰς τὸ εἶναι αὐτόν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. 78 ♦ Die kürzere Wendung εἰς τὸ εἶναι steht 8 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,12. ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ Die Form δικαιοῦντα steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 4,5. ♦ Die Formulierung ἐκ πίστεως Ἰησοῦ steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Gal 3,22. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀνοχή; ἔνδειξις; ἐν τῷ νῦν καιρῷ; εἰς τὸ εἶναι αὐτόν; δικαιοῦντα; ἐκ πίστεως Ἰησοῦ. Erneut sticht *Laod heraus als einziger Zeuge für eine sonst kanonische Lexik (εἰς τὸ εἶναι). (3,27) ποῦ, das 51 / 48 Mal im NT steht, davon 4 Mal als Verseröffnung (Röm 3,27; 1Kor 1,20; 15,55; Gal 4,15), ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,55. ♦ Die Erweiterung ποῦ οὖν steht noch 1 weiteres Mal als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene in Gal 4,15. ♦ καύχησις, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,30. ♦ ἐκκλείω steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Gal 4,17. ♦ Zu ποῖος vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ Die Wendung διὰ νόμου steht 7 Mal im NT (Röm 2,12; 3,27; 4,13; 7,7; Gal 2,19. 21; Jak 2,12), vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,12; 7,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ποῦ οὖν; ἐκκλείω. (3,28) λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ δικαιόω steht 59 / 39 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ χωρὶς ἔργων steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 3,28; 4,6; Jak 2,26). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λογίζομαι; χωρὶς ἔργων. 76 Rekonstruktion <?page no="77"?> (3,29) μόνον, das 73 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Zu οὐχί vgl. zuvor zu Vers 27. ♦ οὐχὶ καί steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 5,46. 47; Röm 3,29; 8,32; 1Thess 2,19). ♦ ναί, das 37 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *2Kor 1,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element dieses kurzen Verses ist: οὐχὶ καί. (3,30) εἴπερ, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,3 und stand auch vielleicht in *Röm 8,9; *2Thess 1,6. ♦ Die Variante ἐπείπερ ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung εἷς ὁ θεός begegnet 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 2,7; 10,8; Lk 18,19; Röm 3,30). ♦ δικαιόω steht 59 / 39 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ Das Nomen δικαίωσις steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ περιτομή steht 38 / 36 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ Die Wendung ἐκ πίστεως steht 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,11; *Röm 1,17; 5,1; 14,23. ♦ ἀκροβυστία steht 22 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. 27; *Laod 2,11. ♦ Die Wendung διὰ τῆς πίστεως steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,14. Ein ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: εἷς ὁ θεός. (3,31) καταργέω, das 27 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten διὰ τῆς πίστεως vgl. zum voranstehenden Vers 3,30. ♦ Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, etwa Lk 20,16 in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *2Kor 13,1; *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. Wie gerade dieser Vers belegt, führt der lexikalische Vergleich nicht für alle Verse zum gleichen Ergebnis. Allein aufgrund der Lexik könnte Vers 31 durchaus im vorkanonischen Text gestanden sein, doch sind die fehlende Bezeugung und der narrative Zusammenhang mitzuberücksichtigen. Zum einen ist der Vers eng in den Kontext der voranstehenden, durch fehlende Bezeugung und Lexik der kanonischen Redaktion zuzuweisenden Verse eingebunden, zum anderen antwortet er nicht auf die Frage, die der letztbezeugte vorkanonische Vers *Röm 3,22 aufgeworfen hatte und die dann im nächstangedeuteten Vers *Röm 4,2 aufgegriffen wird. Röm 3,31 wird daher der kanonischen Redaktion zuzuschreiben sein, genau wie (aufgrund fehlender Bezeugung und Lexik) die vorangehenden Verse 3,23-30. Diejenigen früheren Editoren haben folglich richtig gesehen, die in Tertullians Übergehen von dieser Passage mit ihrem Fehlen rechneten. 4 (Röm) 77 <?page no="78"?> [Kapitel 4] [4],[1-25]: [Abraham und seine Nachkommen] Dieses Kapitel hat nach allem, was wir wissen, vorkanonisch gefehlt. Die kanonische Redaktion erläutert weiter, was sie als Frage zum Ende von Kapitel 3 aufgeworfen hat: Heben wir das Gesetz durch den Glauben auf ? Dort hatte sie schon geantwortet: Nein, wir bestätigen es. Zur Stütze dient Kapitel 4. Das Gesetz und damit die Schrift wird nicht verworfen, sondern sie dient dem Argument. Abraham kann gepriesen werden, wenn auch nicht vor Gott. Denn dass man ihn rühmt, bezieht sich nur auf das Fleisch, weshalb sich erklärt, dass es kein Ruhm vor Gott sein kann. Dann folgt in den Versen 4,3ff. eine Schriftdeutung, auf die in §12 der Einleitung näher eingegangen wird. - 4,1 Τί οὖν ἐροῦμεν εὑρηκέναι Ἀβραὰμ τὸν προπάτορα ἡμῶν κατὰ σάρκα; - 2 εἰ γὰρ Ἀβραὰμ ἐξ ἔργων ἐδικαιώθη, ἔχει καύχημα· ἀλλ’ οὐ πρὸς θεόν. - 3 τί γὰρ ἡ γραφὴ λέγει; Ἐπίστευσεν δὲ Ἀβραὰμ τῷ θεῷ, καὶ ἐλογίσθη αὐτῷ εἰς δικαιοσύνην. 4 τῷ δὲ ἐργαζομένῳ ὁ μισθὸς οὐ λογίζεται κατὰ χάριν ἀλλὰ κατὰ ὀφείλημα· 5 τῷ δὲ μὴ ἐργαζομένῳ, πιστεύοντι δὲ ἐπὶ τὸν δικαιοῦντα τὸν ἀσεβῆ, λογίζεται ἡ πίστις αὐτοῦ εἰς δικαιοσύνην, 6 καθάπερ καὶ Δαυὶδ λέγει τὸν μακαρισμὸν τοῦ ἀνθρώπου ᾧ ὁ θεὸς λογίζεται δικαιοσύνην χωρὶς ἔργων, 7 Μακάριοι ὧν ἀφέθησαν αἱ ἀνομίαι καὶ ὧν ἐπεκαλύφθησαν αἱ ἁμαρτίαι· 8 μακάριος ἀνὴρ οὗ οὐ μὴ λογίσηται κύριος ἁμαρτίαν. 9 ὁ μακαρισμὸς οὖν οὗτος ἐπὶ τὴν περιτομὴν ἢ καὶ ἐπὶ τὴν ἀκροβυστίαν; λέγομεν γάρ, Ἐλογίσθη τῷ Ἀβραὰμ ἡ πίστις εἰς δικαιοσύνην. 10 πῶς οὖν ἐλογίσθη; ἐν περιτομῇ ὄντι ἢ ἐν ἀκροβυστίᾳ; οὐκ ἐν περιτομῇ ἀλλ’ ἐν ἀκροβυστίᾳ· 11 καὶ σημεῖον ἔλαβεν περιτομῆς, σφραγῖδα τῆς δικαιοσύνης τῆς πίστεως τῆς ἐν τῇ ἀκροβυστίᾳ, εἰς τὸ εἶναι αὐτὸν πατέρα πάντων τῶν πιστευόντων δι’ ἀκροβυστίας, εἰς τὸ λογισθῆναι [καὶ] αὐτοῖς [τὴν] δικαιοσύνην, 12 καὶ πατέρα περιτομῆς τοῖς οὐκ ἐκ περιτομῆς μόνον ἀλλὰ καὶ τοῖς στοιχοῦσιν τοῖς ἴχνεσιν τῆς ἐν ἀκροβυστίᾳ πίστεως τοῦ πατρὸς ἡμῶν Ἀβραάμ. 78 Rekonstruktion <?page no="79"?> 13 Οὐ γὰρ διὰ νόμου ἡ ἐπαγγελία τῷ Ἀβραὰμ ἢ τῷ σπέρματι αὐτοῦ, τὸ κληρονόμον αὐτὸν εἶναι κόσμου, ἀλλὰ διὰ δικαιοσύνης πίστεως· - 14 εἰ γὰρ οἱ ἐκ νόμου κληρονόμοι, κεκένωται ἡ πίστις καὶ κατήργηται ἡ ἐπαγγελία· 15 ὁ γὰρ νόμος ὀργὴν κατεργάζεται· οὗ δὲ οὐκ ἔστιν νόμος, οὐδὲ παράβασις. 16 διὰ τοῦτο ἐκ πίστεως, ἵνα κατὰ χάριν, εἰς τὸ εἶναι βεβαίαν τὴν ἐπαγγελίαν παντὶ τῷ σπέρματι, οὐ τῷ ἐκ τοῦ νόμου μόνον ἀλλὰ καὶ τῷ ἐκ πίστεως Ἀβραάμ (ὅς ἐστιν πατὴρ πάντων ἡμῶν, 17 καθὼς γέγραπται ὅτι Πατέρα πολλῶν ἐθνῶν τέθεικά σε) κατέναντι οὗ ἐπίστευσεν θεοῦ τοῦ ζῳοποιοῦντος τοὺς νεκροὺς καὶ καλοῦντος τὰ μὴ ὄντα ὡς ὄντα· 18 ὃς παρ’ ἐλπίδα ἐπ’ ἐλπίδι ἐπίστευσεν εἰς τὸ γενέσθαι αὐτὸν πατέρα πολλῶν ἐθνῶν κατὰ τὸ εἰρημένον, Οὕτως ἔσται τὸ σπέρμα σου· 19 καὶ μὴ ἀσθενήσας τῇ πίστει κατενόησεν τὸ ἑαυτοῦ σῶμα [ἤδη] νενεκρωμένον, ἑκατονταετής που ὑπάρχων, καὶ τὴν νέκρωσιν τῆς μήτρας Σάρρας, 20 εἰς δὲ τὴν ἐπαγγελίαν τοῦ θεοῦ οὐ διεκρίθη τῇ ἀπιστίᾳ ἀλλ’ ἐνεδυναμώθη τῇ πίστει, δοὺς δόξαν τῷ θεῷ 21 καὶ πληροφορηθεὶς ὅτι ὃ ἐπήγγελται δυνατός ἐστιν καὶ ποιῆσαι. 22 διὸ καὶ ἐλογίσθη αὐτῷ εἰς δικαιοσύνην. 23 Οὐκ ἐγράφη δὲ δι’ αὐτὸν μόνον ὅτι ἐλογίσθη αὐτῷ, 24 ἀλλὰ καὶ δι’ ἡμᾶς οἷς μέλλει λογίζεσθαι, τοῖς πιστεύουσιν ἐπὶ τὸν ἐγείραντα Ἰησοῦν τὸν κύριον ἡμῶν ἐκ νεκρῶν, 25 ὃς παρεδόθη διὰ τὰ παραπτώματα ἡμῶν καὶ ἠγέρθη διὰ τὴν δικαίωσιν ἡμῶν. A. 4,2: Vgl. Hegemonius, Acta Arch. 45 (66,17-18 Beeson): Abraham habet gloriam, sed non apud deum. Vgl. aber Tert., Adv. Marc. V 4,8: sed ut furibus solet aliquid excidere de praeda in indicium, ita credo et Marcionem novissimam Abrahae mentionem dereliquisse, nulla magis auferenda, etsi ex parte convertit. Vgl. auch die Capitula Amiatina, die als Sektionskennung Röm 3,27 und dann wieder Röm 5,1 aufführen. ♦ 4,3: Vgl. Gen 15,6 LXX: καὶ ἐπίστευσεν Αβραμ τῷ θεῷ, καὶ ἐλογίσθη αὐτῷ εἰς δικαιοσύνην. ♦ 4,7-8: Vgl. Ps 31,1-2 LXX: 1 Μακάριοι ὧν ἀφέθησαν αἱ ἀνομίαι καὶ ὧν ἐπεκαλύφθησαν αἱ ἁμαρτίαι. 2 μακάριος ἀνήρ, οὗ οὐ μὴ λογίσηται κύριος ἁμαρτίαν, οὐδὲ ἔστιν ἐν τῷ στόματι 4 (Röm) 79 <?page no="80"?> 79 So auch Detering, der das gesamte Kapitel 4 für abwesend hält, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 60-71. 171-173. 80 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 94-105. 81 Ibid. 89-90. αὐτοῦ δόλος. ♦ 4,18: Vgl. Gen 15,5-6 LXX: 5 … καὶ εἶπεν Οὕτως ἔσται τὸ σπέρμα σου. 6 καὶ ἐπίστευσεν Αβραμ τῷ θεῷ, καὶ ἐλογίσθη αὐτῷ εἰς δικαιοσύνην. B. (4,1) Für den Passus εὑρηκέναι Ἀβραὰμ τὸν προπάτορα ἡμῶν, den NA 28 bietet und der sich in den Zeugen 01*, 02, 04*, 81. 365. 1506. Sa, bo? , Or lem findet, gibt es folgende Varianten: εὑρηκέναι ist ausgelassen in 03, 6, 1739; Ἀβραὰμ τὸν πατέρα ἡμῶν εὑρηκέναι bieten 018, 020, 025, 33, 104, 630, 1175, 1241, 1505. 1881, 2464, M; εὑρηκέναι Ἀβραὰμ τὸν πατέρα ἡμῶν bieten 01 1 , 04 3 , 06, 010, 012, 044, 629, 1739, latt. ♦ (4,22) Post διό om καί in 03, 06*, 010, 012, b, m, syp, co, add in 01, 04, 061, 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1506, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy h . C. 1. (4,1-12) Die Verse 1-12 werden von allen Editoren als unbezeugt angesehen. Zahn sieht sie darüber hinaus auch als abwesend von dem Römerbrief in Markions Sammlung. 79 Man bedenke Tertullians Hinweis auf das Fehlen von Abraham bei Markion anlässlich *Gal 4,22: Tert., Adv. Marc. V 4,8. Vgl. zum unmittelbaren Übergang von Röm 3,27 zu Röm 5,1 die sog. Capitula Amiatina und Capitula Regalia, die jüngst eingehend von Goldmann besprochen und für die Frage nach Röm 4 herangezogen wurden. 80 Dabei deutet er die Kapitel‐ angabe (Capitula Amiatina: De iustificatione hominis per fidem sine operibus; Capitula Regalia: De iustificatione hominis per fidem) als Referenz auf Röm 3,28 („Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes“), doch dieser Vers ist von Tertullian nicht bezeugt. Die Referenz geht vielmehr auf *Röm 3,21-22 (*Röm 3,21-22: „unabhängig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes… durch Glauben an Christus“), hier fehlt nur der Begriff „Mensch“, der jedoch in dem „wir“ von Vers *Röm 3,19 gefasst sein kann. Goldmann weist bei der Besprechung von Tertullians Aussagen zu Abraham darauf hin, dass diese Ausführungen bereits zur Diskussion von *Gal 4,22-26 gemacht werden, nicht hier zum Römerbrief. 81 Zudem unterstrichen die beiden Capitula, dass das Abrahamkapitel 4 des Rö‐ merbriefes in den zugrundeliegenden Handschriften, für die diese Kapitellisten ursprünglich hergestellt wurden, gänzlich nicht enthalten war, gestützt durch „die beiden Kapitelverzeichnisse als metatextuelle Belege einer Textfassung des Römerbriefes-… in dem das Abrahamkapitel vollständig fehlte.“ 82 80 Rekonstruktion <?page no="81"?> 82 Ibid. 104. 83 Vgl. zu diesen Passagen B. Kowalski, Zur Funktion der Schriftzitate in Röm 9,19-29: Gottes Zorn und Erbarmen (2009), 713. 84 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 350*. Es sticht natürlich ins Auge, dass nicht nur die Abrahamstellen in *Paulus fehlen sollen, sondern überhaupt etwa in *Röm die drei „zentral(en)“ Abschnitte mit jüdischen Schriftzitaten und Beweisen, „Röm 4,1-25; 9,6-11,36; 15,1-12“ für *Röm als (weithin) abwesend bezeugt sind. 83 Wenn nun Tertullian und die Capitula *Röm 4 als abwesend erweisen, wie steht es mit dem Zeugnis des Hegemonius? Betrachtet man sich die Stelle bei Hegemonius und sieht, dass kurz zuvor Gal 2,18 nach dem kanonischen Text zitiert wird, wird er auch Röm 4,2 nach dieser Version angeführt haben, fällt folglich als vorkanonischer Zeuge für diesen Vers aus. 2. (4,1) Auch wenn, wie der lexikalische Vergleich weiter unten erweist, dies‐ bezüglich nichts gegen die vorkanonische Anwesenheit dieses Verses spricht, ist die Bezeichnung Abrahams als Vorvater dem Fleisch nach zu bedenken. Nachdem vorkanonisch in *Gal 4,21-26. 31 ausdrücklich von *Paulus bestritten wird, dass die Gläubigen nicht Kinder der Sklavin, sondern im Unterschied zu den Kindern des ersten Testaments Nachkommen der Freien sind und ausdrücklich darauf verwiesen wird, dass die Kinder der Sklavin „dem Fleisch nach“ gezeugt wurden, die Kinder des zweiten Testaments jedoch „aufgrund der Verheißung“ gezeugt wurden, lässt sich eine Vorvaterschaft Abrahams „dem Fleisch nach“ lediglich aus den Überlegungen auf der kanonischen Ebene ableiten, wie sie in den Versen Gal 4,27-30 angestellt werden. Denn dort wird der Gegensatz „dem Fleisch nach“ - „der Verheißung nach“ nur mehr allegorisch und nicht mehr literal verstanden. Denn Isaak wird als „der Verheißung nach“ Gezeugter eingeführt und als Bruder derjenigen bezeichnet, die Kinder des zweiten Bundes sind. Nur bei einer solchen Interpretation lässt sich auch Röm 4,1 formulieren. Dieser Vers gehört folglich zur kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 3. (4,2) BeDuhn verweist für diesen Vers auf das Zeugnis des Hegemonius, Acta Arch. 45. Harnack hatte jedoch bereits unter Kenntnis dieser Quelle geur‐ teilt, dass „bei M. dieser Vers wahrscheinlich nicht“ zu finden war. 84 Goldmann zitiert diese Meinung Harnacks, betont auch, dass diese Passage aus den Acta Archelai des Hegemonius aus dem 4. Jh., in welchen Markion nur zwei Mal erwähnt wird, in Wahrheit über Mani handele, woraus er - gegen BeDuhn - schließt, dass „grundsätzlich keinerlei stichhaltige Hinweise erkennbar sind, dass in der (fiktiven) Disputation mit Mani tatsächlich Zitate aus der Bibel 4 (Röm) 81 <?page no="82"?> 85 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 92. Marcions verwendet wurden“. 85 Das scheint mir jedoch eine petitio principii zu sein, die weder widerlegt noch bewahrheitet werden kann. Denn, da wir erst den Bibeltext, den Markion bezeugt, aus den Quellen rekonstruieren müssen, für diese Stelle aber lediglich die Acta Archelai zeugen, lässt sich allenfalls deren Widerspruch zu Tertullians Aussage herausstellen, wonach Markion den Namen Abraham mit Ausnahme von *Gal 4,22 überall getilgt habe. Der lexikalische Befund, wie unten in D. gezeigt, stützt das Zeugnis des Hegemonius. Aufgrund dieser Basis könnte man folglich mit BeDuhn und gegen Tertullian (und Goldmann) den bezeugten Text in die Rekonstruktion hineinnehmen. Allerdings bedarf es immer auch eines Blickes auf das weitere Kriterium der narrativen Konsistenz. Und auch dieses spricht für die Präsenz von Vers 2. Auch wenn der nächstbezeugte und im Text auch vorhandene Vers *Röm 5,1 unmittelbar an *Röm 3,19-22 angeschlossen werden könnte, ein Zusammenhang, der auch bei Tertullian gegeben ist und auf den Harnack wiederum zur Stelle verwiesen hat, so fügt sich doch Vers 2 zu Abraham in die Argumentation ein. In den Versen 3,19-22 wird vom „Unterschied“ gesprochen zwischen einer Gerechtigkeit derer, „die unter dem Gesetz leben“ und derer, die „unabhängig vom Gesetz … durch Glauben an Christus“ „die Gerechtigkeit“ erkannt haben. Am Ende von Vers 3,22 wird die Frage „Was ist der Unterschied? “ gestellt, sie wird mit den Versen *Röm 4,2 und in *Röm 5,1 beantwortet. Abraham mag man zwar Ruhm zugestehen, doch dies ist kein Ruhm vor Gott (*Röm 4,2). „Gerecht gemacht“ wird man nur „aus dem Glauben Christi, nicht aus dem Gesetz“ (*Röm 5,1). Auch wenn der Vers nicht zwingend notwendig ist, da weder Gesetz noch Werke erwähnt werden, dient er doch der Verdeutlichung der Antithese. Letztlich erklärt sich erst aus dieser Erwähnung des Abraham als Teil der Antithese, warum die kanonische Redaktion einen langen Exkurs zu Abraham hinzufügt. Mit dem von Hegemonius in den Acta Archelai bezeugten Vers wird die narrative Konsistenz jedoch gestärkt. Wenn dem so ist, wäre zu erklären, warum Tertullian über den Vers hinweggegangen ist und bereits zur Galaterstelle auf diesen ganzen Zusammenhang zu sprechen kam und ausführte, Markion habe alle andere Erwähnungen Abrahams gestrichen. Mag sein, dass Tertullian dies auf die wiederholte Erwähnung des Abraham und damit auf das gesamte Kapitel 4 bezogen hat, den einen Vers hätte er dann übergangen. Vielleicht gibt es aber auch einen inhaltlichen Grund für Tertullian, bietet der Vers 4,2 doch eine massive Kritik des *Paulus an Abraham - er wird nicht nur in Gegensatz zu den an Christus Glaubenden gestellt, sondern Abraham wird als 82 Rekonstruktion <?page no="83"?> 86 M. Klinghardt, Abraham als Element der Kanonischen Redaktion (2018), 230. 87 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 298. 88 J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. 89 Ibid. jemand betrachtet, der den falschen Ruhm erstrebt hat, nämlich keinen solchen „vor Gott“. Eine solche Tertullian entgegenstehende Abrahamsvorstellung mag der Rhetor vielleicht absichtlich unterschlagen haben und grosso motto von Markions Tilgung des gesamten Kapitels gesprochen haben. Gewissheit werden wir hier nicht erlangen, doch aufgrund des äußeren Zeugnisses in den Capitula Amiatina und Capitula Regalia wird man letztlich doch von der Abwesenheit des Kapitels als Ganzes ausgehen können. 4. (4,3-12) Wie zu den Versen 1-2 vermerkt, nehmen alle Editoren diese Verse für unbezeugt an. Mit dieser Passage und dem Rest des Kapitels 4 reagiert die kanonische Redaktion auf die vorkanonisch in Vers 2 geäußerte Kritik an Abraham und bemüht sich, diese zu relativieren. 5. (4,9-12) Mit der ständigen Wiederholung des kanonischen λογίζομαι erweisen sich diese Verse als ebenfalls zur kanonischen Redaktion gehörend. 6. (4,13) Alle Editoren halten diesen Vers für unbezeugt, für Zahn hat er auch bei *Paulus gefehlt. In seine Rekonstruktion nimmt auch BeDuhn weder Vers 13 noch die anderen Verse 3-25 auf. Matthias Klinghardt rechnet damit, dass Röm 4,13 wie überhaupt das ganze Kapitel 4 in der vorkanonischen Fassung fehlt. 86 7. (4,14-25) Alle Editoren sehen die Verse 14-24 als unbezeugt an. Zahn rechnet auch mit ihrer Abwesenheit von *Röm. BeDuhn vermerkt zu Recht, dass zwar weder Tertullian noch Epiphanius von einer größeren Auslassung in Kapitel 4 sprechen, aber dass man „von ihnen erwarten würde, dass sie etwas aus dem gegen Markion sprechenden Inhalt zitieren würden“ (eigene Übers.). 87 8. (4,14) Dieser Vers wird als „sekundäre Glosse“ betrachtet durch J.A. Fitzmyer. 88 9. (4,17-19) Diese Verse werden als „sekundäre Glosse“ betrachtet durch J.A. Fitzymer. 89 10. (4,17) Das Zitat aus Gen 17,5 LXX wird weder von Tertullian noch von Epiphanius für den Römerbrief des Markion angezeigt. 11. (4,18) Erneut liegt ein Zitat aus Gen vor, hier Gen 15,5 LXX, das weder von Tertullian noch von Epiphanius für den Römerbrief Markions reklamiert wird. D. (4,1) Die Wendung τί οὖν ἐροῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich im Römerbrief und stets als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ εὑρίσκω, das 4 (Röm) 83 <?page no="84"?> 90 Vgl. A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020). 198 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ προπάτωρ ist Hapax legomenon im NT. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2, vgl. auch weiters die Verse 11. 12. 16. 17. 18. ♦ Der Ausdruck κατὰ σάρκα steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *Röm 8,4. 5. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Lexik auf, derzufolge der Vers vorkanonisch gestanden haben könnte. Doch hier sind die inhaltlichen Überlegungen zu berücksichtigen, die in C. 2 angestellt werden und das vorkanonische Fehlen des Verses begründen. (4,2) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Ἀβραάμ, der 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,22; *Röm 4,2. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist in der Wendung τὸ ἔργον νόμου vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,16; 5,19, jedoch in negativer Deutung. Auch wenn hier τὸ ἔργον ohne Erweiterung von νόμου steht, so bezieht sich der Vers doch auf die kanonischen Verse Röm 3,21-22, einen Zusammenhang, der τὸ ἔργον auf νόμος bezieht. Die Differenz, die Goldmann etwa zwischen dem spezifischen Gebrauch von τὸ ἔργον νόμου gegenüber einer unbestimmten Verwendung von τὸ ἔργον sieht, folgt eigentlich erst in den Ausführungen von Röm 4,4-6. 90 ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ Die Form ἐδικαιώθη steht 6 Mal im NT, in Lk 7,35 in einem Vers, der in *Ev fehlt und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Mt 11,19; Lk 7,35; Röm 4,2; 1Tim 3,16; Jak 2,21. 25). ♦ καύχημα, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Die Kombination ἀλλ’ οὐ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *1Kor 10,5; im Vers für *Röm 10,2. ♦ Die Wendung πρὸς θεόν steht nur hier. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Ele‐ menten auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen (Verseröffnung εἰ γάρ; Semantik von ἔργον; ἐδικαιώθη). (4,3) Die Kombination τί γάρ steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 5,12. ♦ ἡ γραφή ist ein Begriff der kanonischen Redaktion, vgl. zu Gal 4,30. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT 84 Rekonstruktion <?page no="85"?> steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,11; 20,5; 22,67; 24,25; *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες), vgl. außerdem die Verse 5. 11. 17. 18. 24. ♦ Die Form Ἀβραὰμ ἐπίστευσεν steht 14 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (5 Mal Joh; 3 Mal Apg; Röm 4,3. 17. 18; 10,16; Gal 3,6: Ἀβραὰμ ἐπίστευσεν τῷ θεῷ εἰς δικαιοσύνην; Jak 2,23: Ἐπίστευσεν δὲ Ἀβραὰμ τῷ θεῷ). ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ Die Wendung εἰς δικαιοσύνην steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,4. ♦ Zum gesamten Vers vergleiche Jak 2,23: καὶ ἐπληρώθη ἡ γραφὴ ἡ λέγουσα, Ἐπίστευσεν δὲ Ἀβραὰμ τῷ θεῷ, καὶ ἐλογίσθη αὐτῷ εἰς δικαιοσύνην, καὶ φίλος θεοῦ ἐκλήθη. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers stellt i.W. ein Zitat von Gen 15,6 LXX dar. Die Verseröffnung weist bereits auf die kanonische Ebene hin, Tertullian hätte sich den Vers auch kaum entgehen lassen, zumal er auf die Abwesenheit der Erwähnungen Abrahams bei Markion bereits im Kommentar zum Galaterbrief hingewiesen hatte. Der Vers wird folglich vorkanonisch gefehlt haben. Für die nachfolgenden Verse werden lediglich die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente hervorgehoben und am Ende des Passus eine summarische Bewertung gegeben. (4,4) Die Kombination τῷ δέ steht 12 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,16. ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ μισθός, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,7; *1Kor 3,14. ♦ Zum kanonischen λογίζομαι vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Die Wendung κατὰ χάριν steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 4,16. ♦ ὀφείλημα steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (Mt 6,12). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τῷ δέ; λογίζομαι; κατὰ χάριν; ὀφείλημα. (4,5) Zur kanonischen Kombination τῷ δέ vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἐργάζομαι vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ πιστεύοντι (Präs. Part. Akt. Dat. Mask. Sg.) steht 4 Mal im NT, Mk 9,23; Röm 1,16; 4,5; 10,4, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 10,4. ♦ ἀσεβής steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ Zum kanonischen λογίζομαι vgl. zuvor Vers 4,3. ♦ Zu dem auch vorkanonisch bezeugten εἰς δικαιοσύνην vgl. zuvor zu Vers 1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τῷ δέ; λογίζομαι. 4 (Röm) 85 <?page no="86"?> (4,6) καθάπερ steht 14 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,12. ♦ Δαυίδ steht 63 / 59 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ μακαρισμός, das 3 Mal im NT steht, ist nur kanonisch belegt. ♦ Zum kanonischen λογίζομαι vgl. zuvor Vers 4,3. ♦ Die Wendung χωρὶς ἔργων steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 3,28. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καθάπερ; μακαρισμός; λογίζομαι; χωρὶς ἔργων. (4,7) μακάριος steht 49 / 50 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Das Perso‐ nalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ ἀφίημι steht 22 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνομία, das 16 / 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπικαλύπτω ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀφίημι; ἀνομία. Zu bemerken ist, dass es sich i.W. um ein Zitat aus Ps 31,1 LXX handelt. Hätte Tertullian dieser Text vorgelegen, wäre er wohl darauf zu sprechen gekommen, dass hier die jüdische Schrift zitiert wird. (4,8) Zum vorkanonisch bezeugten μακάριος vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23. ♦ Die Kombination οὗ οὐ steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 3,11; Mk 1,7; Lk 3,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2 Mal Joh; Apg 13,25; Röm 4,8; 10,14; Apk 13,8). ♦ Zum kanonischen λογίζομαι vgl. zuvor Vers 4,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὗ οὐ; λογίζομαι. Zu bemerken ist, dass es sich i.W. um ein Zitat aus Ps 31,2 LXX handelt. Hätte Tertullian dieser Text vorgelegen, wäre er wohl darauf zu sprechen gekommen, dass hier die jüdische Schrift zitiert wird. (4,9) Zum kanonischen μακαρισμός vgl. zuvor zu Vers 4,6. ♦ Die Kombination οὖν οὗτος steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Joh 21,23. ♦ οὗτος steht 192 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zu den vorkanonisch bezeugten περιτομή und ἀκροβυστία vgl. zuvor zu Vers 3,30. ♦ Die Verbform λέγομεν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὖν οὗτος; λέγομεν. Hier wird nochmals aus Vers 4,3 das Zitat Gen 15,6 LXX angeführt. (4,10) πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ Die Kombination πῶς οὖν steht 7 Mal im NT, davon als Verseröffnung 3 Mal 86 Rekonstruktion <?page no="87"?> 91 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 15-16. (Verseröffnung: Mt 26,54; Röm 4,10; 10,14; im Vers: 2 Mal Mt; 2 Mal Joh), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen λογίζομαι vgl. zuvor Vers 4,3. ♦ Zu den vorkanonisch bezeugten περιτομή und ἀκροβυστία vgl. zuvor zu Vers 3,30. ♦ Die Verbform ὄντι steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πῶς οὖν; λογίζομαι. (4,11) σημεῖον, das 86 / 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *2Thess 2,9. ♦ Die Form ἔλαβεν steht 31 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. zu 1Kor 11,23. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten περιτομή vgl. zuvor zu Vers 3,30. ♦ σφραγίς steht 17 / 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δικαιοσύνη steht 97 / 92 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἀκροβυστία vgl. zuvor zu Vers 3,30. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6, vgl. weiter die Verse 13. 16. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25; *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter die Verse 13. 18. 23. ♦ Die Wendung εἰς τὸ εἶναι αὐτόν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. 91 ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. weiter unten Vers 16. ♦ Zum kanonischen λογίζομαι vgl. zuvor Vers 4,3. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔλαβεν; σφραγίς; εἰς τὸ εἶναι αὐτόν. (4,12) Zum kanonisch bezeugten περιτομή vgl. zuvor zu Vers 3,30. ♦ Die Formulierung ἐκ περιτομῆς steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,12. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Die Kombination ἀλλὰ καί steht 44 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung wie hier (Verseröffnung: Lk 12,7, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 24,22; Joh 11,22; Röm 4,24; Gal 1,8; im Vers: Lk 16,21; 3 Mal Joh; 4 Mal Apg; Röm 1,32; 4,12. 16; 5,3. 11; 6,5; 8,23; 9,10. 24; 13,5; 16,4, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 7,7; 8,10. 19. 21; 9,12; 11,1; Eph 1,21; Phil 1,18. 29; 2,4. 27; 1Thess 1,5; 2,8; 1Tim 5,13; 2Tim 2,20; 4,8; Hebr 12,26; 1Petr 2,18; 1Joh 2,2; 2Joh 1,1), jedoch vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,8 (Verseröffnung); 4,25 ↑*Laod 1,21 (im Vers). ♦ Die erweiterte Kombination μόνον ἀλλὰ καί steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; Röm 4,12. 16; 1Thess 1,5; 1Joh 4 (Röm) 87 <?page no="88"?> 2,2). ♦ στοιχέω steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἴχνος, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἀκροβυστία vgl. zuvor zu Vers 3,30. ♦ Die Formulierung τοῦ πατρὸς ἡμῶν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 11,10: David; Joh 4,12: Jakob; 8,53: Abraham; Apg 4,25: David; Röm 4,12: Abraham; 9,10: Isaak). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μόνον ἀλλὰ καί; στοιχέω; ἴχνος; τοῦ πατρὸς ἡμῶν. Zur Abwesenheit: Die Lexik stützt die fehlende Bezeugung, und beides spricht dafür, dass die vorliegende Passage als Ganze auf die kanonische Redaktion zurückgeht und vorkanonisch gefehlt hat. (4,13) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ Die Wendung διὰ νόμου steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,12; 7,7; vgl. zu Röm 3,27. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. ♦ Der Ausdruck τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα steht auf der kanonischen Ebene in Röm 8,7; 2Kor 11,22 und Gal 3,29. ♦ σπέρμα, das 45 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38, vgl. auch die weiteren Verse 16. 18. ♦ κληρόνομος, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum Infinitiv εἶναι vgl. zuvor zu Vers 11 und nachfolgend Vers 16. ♦ Die Wendung διὰ δικαιοσύνης begegnet noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 5,21. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist von der Verseröff‐ nung Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung οὐ γάρ; die Vorstellung des τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα; κληρόνομος; διὰ δικαιοσύνης). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,14) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Es begegnet sogleich wieder der kanonische Begriff κληρόνομος (vgl. zum voranstehenden Vers). ♦ κενόω, das 6 / 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15; *Phil 2,7. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἐπαγγελία vgl. den voranstehenden Vers 4,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ γάρ; κληρόνομος. 88 Rekonstruktion <?page no="89"?> 92 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. Ibid. (4,15) Die Kombination ὁ γάρ steht 37 Mal im NT, davon 21 Mal als Verseröffnung (4 Mal Mt; 2 Mal Joh; Röm 4,15; 6,7; 8,2; 14,18; 1Kor 7,22; 11,29; 14,2; Gal 2,8; 5,14; Eph 5,9; Kol 3,25; Hebr 4,10; Jak 2,11; 1Petr 3,10; Apk 17,17 im Vers: Mk 11,13; Lk 9,44. 48; Joh 5,13; 3 Mal Apg; Röm 10,12; 13,8; 1Kor 3,17; Jak 1,6. 13; 1Joh 4,20; 3 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Gal 5,14; Röm 13,8; im Vers für *Ev 9,44; *Röm 13,8. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ Die Wendung οὗ δέ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene - etwa in Röm 5,20 ist es gerade dieses Element, welches in dem sonst vorkanonisch bezeugten Text unbezeugt ist, vgl. zu 2Kor 3,17. ♦ Die Wendung οὐκ ἔστιν νόμος steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Gal 5,23. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ παράβασις, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὗ δέ; οὐκ ἔστιν νόμος; παράβασις. (4,16) διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, davon 38 Mal als Verseröffnung, ist vorkanonisch bezeugt nur im Vers für *2Thess 2,11. ♦ Die Wendung ἐκ πίστεως steht 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,11; *Röm 1,17; 5,1; 14,23. ♦ Die Wendung κατὰ χάριν steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 4,4. ♦ Zum Infinitiv εἶναι vgl. zuvor zu den Versen 11. 16. ♦ Zur Wendung εἰς τὸ εἶναι + Infinitiv vgl. zu Röm 1,20. 92 ♦ βέβαιος, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἐπαγγελία vgl. den voranstehenden Vers 4,13. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ Zu σπέρμα vgl. zuvor zu Vers 13 und danach Vers 18. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Die Wendung ἐκ τοῦ νόμου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 2,18. ♦ Zu πάντων vgl. zuvor zu Vers 11. ♦ Die Wendung πατὴρ πάντων steht noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Laod 4,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: διὰ τοῦτο als Verseröffnung; κατὰ χάριν; βέβαιος. Man bemerke das ausschließlich für *Laod vorkanonisch bezeugte πατὴρ πάντων, das auf die Nähe dieses *Deuter‐ paulinums zur kanonischen Lexik verweist. 4 (Röm) 89 <?page no="90"?> 93 „Das auf die Zukunft sich richtende Element des Verheißungsglaubens παρ’ ἐλπίδα ἐπ’ ἐλπίδι (Rm 4,18) ist für Paulus ansonsten genauso wenig belegt wie das Verständnis des Glaubens als nicht zweifelndes Vertrauen (4,20). Beide Elemente begegnen dagegen in der Definition von Hebr 11,1: Glaube ist das feste Stehen zu dem Erhofften (ἐλπιζομένων ὑπόστασις) und der Beweis für die Dinge, die man nicht sieht (πραγμάτων ἔλεγχος οὐ βλεπομένων)“, M. Klinghardt, Abraham als Element der Kanonischen Redaktion (2018), 251. (4,17) Die Kombination καθὼς γέγραπται ὅτι steht 3 Mal im NT, jeweils als Verser‐ öffnung und immer auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 3,10. ♦ Die Wendung πολλῶν ἐθνῶν steht gleich 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene im nächsten Vers 4,18. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ Die Form τέθεικα steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Apg 13,47. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ κατέναντι, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,17. ♦ ζωοποιέω, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,36. 45; *2Kor 3,6; *Röm 8,11. ♦ νεκρός steht 138 / 128 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 2,1; 5,14. ♦ Die Verbform ὄντα, die 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καθὼς γέγραπται ὅτι; πολλῶν ἐθνῶν; τέθεικα. (4,18) ὅς steht 217 Mal im NT, davon 58 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 9,24. 26; *Röm 14,2; *Phil 2,6. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37; *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ Die Wendung ἐπ’ ἐλπίδι steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; Röm 4,18; 5,2; 8,20; 1Kor 9,10; Tit 1,2). 93 ♦ Die Wendung εἰς τὸ γενέσθαι steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 7,4. ♦ Die Wendung πατέρα πολλῶν ἐθνῶν stand im Vers zuvor auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form εἰρημένον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, in Lk 2,24, in einem Vers, der in *Ev fehlt, dann Apg 2,16; 13,40; Röm 4,18. ♦ Die Verbform ἔσται steht 116 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zu σπέρμα vgl. zuvor zu den Versen 13. 16. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐπ’ ἐλπίδι; εἰς τὸ γενέσθαι; πατέρα πολλῶν ἐθνῶν; εἰρημένον. Das Ende des Verses bietet ein Zitat von Gen 15,5 LXX. 90 Rekonstruktion <?page no="91"?> (4,19) Die Kombination καὶ μή steht 86 Mal im NT, davon 17 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers für *Röm 12,14; *2Kor 3,11; *Laod 4,25, vgl. zu Vers 3,8. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ κατανοέω steht 14 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ νεκρόω steht nur 3 Mal im NT, jeweils für die kanonische Ebene. ♦ ἑκατονταετής ist Hapax legomenon im NT. ♦ που steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 27,29; Röm 4,19; Hebr 2,6; 4,4). ♦ Die Form ὑπάρχων steht 15 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,48; *Gal 1,14; *1Kor 11,7; *Phil 2,6; vgl. zu 2Kor 8,17. ♦ νέκρωσις steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,10. ♦ μήτρα steht noch 1 weiteres Mal in Lk 2,23, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Σάρρα steht 4 Mal im NT, stets auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung καὶ μή; κατανοέω; που; μήτρα; Σάρρα. (4,20) εἰς δέ steht 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und ebenfalls auf der kanonischen Ebene in Hebr 9,7. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἐπαγγελία vgl. den vorausgegangenen Vers 4,13. ♦ διακρίνω steht 21 / 19 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀπιστία steht 12 / 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐνδυναμόω steht 8 / 7 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ Die Form δούς steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,24. ♦ δόξαν τῷ θεῷ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς δέ; διακρίνω; ἀπιστία; ἐνδυναμόω; δούς; δόξαν τῷ θεῷ. (4,21) πληροφορέω steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Auch das verwandte Nomen πληροφορία, das 5 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπαγγέλλω, das 15 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δυνατός steht 115 / 32 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ποιῆσαι steht 51 Mal im NT, Lk 11,42; 17,10, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πληροφορέω; ἐπαγγέλλω; δυνατός. (4,22) Die Kombination διὸ καί steht 11 Mal im NT, 7 Mal als Verseröffnung wie hier; als Verseröffnung begegnet die Kombination ausschließlich auf der kanonischen Ebene, als Kombination im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20; 4,13, vgl. zu 2Kor 5,9. ♦ Die Variante διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *2Kor 4,16; im Vers für *2Kor 1,20; 4,13; 4 (Röm) 91 <?page no="92"?> *Laod 5,14, vgl. zu Gal 4,31. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ Zu dem auch vorkanonisch bezeugten εἰς δικαιοσύνην vgl. zuvor zu Vers 1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung διὸ καί; λογίζομαι. (4,23) Die Form ἐγράφη steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,10; 10,11. ♦ Die Wendung δι’ αὐτόν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 27,19; Joh 7,43; 12,11; Röm 4,23). ♦ Zu μόνον vgl. weiter oben zu Vers 16. ♦ Die Kombination μόνον ὅτι begegnet 1 weiteres Mal in Joh 8,29. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δι’ αὐτόν; μόνον ὅτι; λογίζομαι. (4,24) Die Kombination ἀλλὰ καί steht 44 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung wie hier, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,8; 4,25 ↑*Laod 1,21 (im Vers). ♦ μέλλω steht 129 / 109 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,44; *1Kor 3,22; *Kol 2,17. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ Die Kombination ἐπὶ τόν steht 51 Mal im NT, in Lk 15,20; 19,35, in Versen, die in *Ev fehlen; vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,1; *1Kor 3,12. ♦ Die Form ἐγείραντα steht nur 1 weiteres Mal in 1Petr 1,21. ♦ Die Wendung Ἰησοῦν τὸν κύριον ἡμῶν steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 1Kor 9,1. ♦ Die Wendung ἐκ νεκρῶν steht 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,31; 20,35; *Röm 7,4; 8,11; *Laod 1,20, vgl. zu Gal 1,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λογίζομαι; ἐγείραντα; Ἰησοῦν τὸν κύριον ἡμῶν. (4,25) ὅς steht 217 Mal im NT, davon 58 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 9,24. 26; *Röm 14,2; *Phil 2,6. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5. ♦ παράπτωμα, das 23 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20 und *Laod 2,1. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ Die Form ἠγέρθη steht 18 Mal im NT, in Lk 24,6, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (6 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 7,16; 9,7; 24,6. 34; Joh 11,29; Apg 9,8; Röm 4,25; 6,4). ♦ δικαίωσις, das 3 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἠγέρθη; δικαίωσις. 92 Rekonstruktion <?page no="93"?> Für diese insgesamt vorkanonisch unbezeugte Passage gilt, dass die Lexik für das Nichtvorhandensein der Verse im vorkanonischen Text spricht. Besonders auffallend ist das fast refrainartig wiederholte λογίζομαι, das nur kanonisch belegt ist. Hinzu kommen die Schriftzitate aus Genesis und dem Psalmbuch und die Abwesenheitsnotiz Tertullians zu Abraham. Bis auf Vers 2 dürfte demnach das Kapitel 4 im vorkanonischen Text gefehlt haben. Kapitel 5 5,1 [2-5] 6 [7-9] 10: Frieden mit Gott nicht aus dem Gesetz Die Grundgedanken des vorkanonischen Textes sind gut bezeugt. Sie wurden mit persönlichen Referenzen des kanonischen Paulus durch die kanonische Redaktion ergänzt. 5,1 Δικαιωθέντες ἐκ πίστεως Χριστοῦ, οὐκ ἐκ νόμου, εἰρήνην ἔχωμεν πρὸς τὸν θεόν, 5,1 Δικαιωθέντες οὖν ἐκ πίστεως εἰρήνην ἔχομεν πρὸς τὸν θεὸν διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, - 2 δι’ οὗ καὶ τὴν προσαγωγὴν ἐσχήκαμεν τῇ πίστει εἰς τὴν χάριν ταύτην ἐν ἧ ἑστήκαμεν, καὶ καυχώμεθα ἐπ’ ἐλπίδι τῆς δόξης τοῦ θεοῦ. 3 οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καὶ καυχώμεθα ἐν ταῖς θλίψεσιν, εἰδότες ὅτι ἡ θλῖψις ὑπομονὴν κατεργάζεται, 4 ἡ δὲ ὑπομονὴ δοκιμήν, ἡ δὲ δοκιμὴ ἐλπίδα· 5 ἡ δὲ ἐλπὶς οὐ καταισχύνει, ὅτι ἡ ἀγάπη τοῦ θεοῦ ἐκκέχυται ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν διὰ πνεύματος ἁγίου τοῦ δοθέντος ἡμῖν, 6 ἔτι γὰρ Χριστὸς ὄντων ἡμῶν ἀσθενῶν ἔτι κατὰ καιρὸν ὑπὲρ ἀσεβῶν ἀπέθανεν 6 ἔτι γὰρ Χριστὸς ὄντων ἡμῶν ἀσθενῶν ἔτι κατὰ καιρὸν ὑπὲρ ἀσεβῶν ἀπέθανεν. - 7 μόλις γὰρ ὑπὲρ δικαίου τις ἀποθανεῖται· ὑπὲρ γὰρ τοῦ ἀγαθοῦ τάχα τις καὶ τολμᾷ ἀποθανεῖν· 8 συνίστησιν δὲ τὴν ἑαυτοῦ ἀγάπην εἰς ἡμᾶς ὁ θεὸς ὅτι ἔτι ἁμαρτωλῶν ὄντων ἡμῶν Χριστὸς ὑπὲρ ἡμῶν ἀπέθανεν. 9 πολλῷ οὖν μᾶλλον δικαιωθέντες νῦν ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ σωθησόμεθα δι’ αὐτοῦ ἀπὸ τῆς ὀργῆς. 10 ἐχθροὶ ὄντες 10 εἰ γὰρ ἐχθροὶ ὄντες κατηλλάγημεν τῷ θεῷ διὰ τοῦ θανάτου τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ, πολλῷ μᾶλλον καταλλαγέντες σωθησόμεθα ἐν τῇ ζωῇ αὐτοῦ· 4 (Röm) 93 <?page no="94"?> 94 So auch H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 71. 173. A. *5,1: Vgl. Tert., Adv. Marc V 13,9: Monet iustificatos ex fide Christi, non ex lege, pacem ad deum habere. ♦ *5,6: Vgl. Epiph., Pan. 42, Sch. 31 (118; 177 H.): ἔτι γὰρ Χριστὸς ὄντων ἡμῶν ἀσθενῶν ἔτι κατὰ καιρὸν ὑπὲρ ἀσεβῶν ἀπέθανεν. ♦ *5,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,9: Cuius nusquam fuimus hostes. Vgl. Adam., Dial. V 12 (im Mund des Adamantius): 8 συνίστησι δὲ τὴν ἑαυτοῦ ἀγάπην ὁ θεὸς εἰς ἡμᾶς ὅτι ἁμαρτωλῶν ὄντων ἡμῶν Χριστὸς ὑπὲρ ἡμῶν ἀπέθανε· πολλῷ μᾶλλον δικαιωθέντες ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ σωθησόμεθα ἀπὸ τῆς ὀργῆς (Rufin: Commendat autem deus caritatem suam in nobis quia si, cum adhuc peccatores essemus, Christus pro nobis mortuus est, multo magis iustificati in sanguine eius salui erimus ab ira per ipsum). B. (5,1) Die Variante ἔχωμεν findet sich auch in den Zeugen 01*, 02, 03*, 04, 06, 018, 020, 33, 81, 630, 1175, 1739* pm, lat, bo, in der altlateinischen Tradition in 54, und sie wird von NA 28 auch als Markions Lesart angegeben, während ἔχομεν zu finden ist in den Zeugen 01 1 , 03 2 , 010, 012, 025, 044, 0220 vid , 104, 365, 1241, 1505, 1506, 1739c, 1881, 2464, l846 pm, vg mss , in der altlateinischen Tradition in 61. ♦ (5,2) Post ἐσχήκαμεν add τῇ πίστει in 01 *.c , 04, 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, während ἐν τῇ πίστει zu finden ist in 01 1 , 02, vg mss , om in 03, 06, 010, 012, 0220, sa, Ambst. ♦ (5,6) εἰς τί γάρ steht in den einschlägigen Zeugen 06 1 , 010, 012, lat, Ir lat ; ἔτι γάρ findet sich bei Epiphanius, darüber hinaus jedoch auch in den Zeugen 01, 02, 04, 06 *.2 , 018, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, während εἰ γε zu lesen ist in den Zeugen 03, 945; stattdessen liest man εἰ γάρ γε in den Zeugen 1852, vg mss , und ἔτι δέ in 020. ♦ Post ἀσθενῶν om ἔτι in 06 1 , 018, 020, 025, 044, 33, 630, 1175, 1739, 1881, 2464, M. C. 1. (5,1) Hilgenfeld sieht diesen Vers durch Tertullian „berührt“ und vermerkt auch die Variante ἔχωμεν. Auch Zahn sieht den Vers in der kanonischen Form präsent mit Ausnahme von ἔχωμεν. 94 Harnack schlägt eine näher an Tertullians Referat liegende Rekonstruktion vor: Δικαιωθέντες οὖν ἐκ πίστεως Χριστοῦ, οὐκ ἐκ νόμου, εἰρήνην ἔχωμεν πρὸς τὸν θεόν. Schmid hingegen hält am kanonischen Text fest und sieht folgenden Text bezeugt: Δικαιωθέντες οὖν ἐκ πίστεως εἰρήνην ἔχομεν πρὸς τὸν θεόν. Unter Abwägung der Überlegungen von Schmid, entschließt sich BeDuhn zu Recht, dem Vorschlag Harnacks zu folgen. Da Fitzmyer *Röm 5,1 als „sekundäre Glosse“ betrachtet, begegnen wir erneut dem Phänomen, dass aus der traditionellen Betrachtung heraus die vor‐ 94 Rekonstruktion <?page no="95"?> 95 Vgl. J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. 96 Detering nimmt sie dem kanonischen Text nach, so auch die Verse 6 und 7, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 173. 97 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 323. 98 Ibid. 325. kanonische Fassung öfter als Fremdkörper im kanonischen Paulustext gesehen wird oder, wie die apologetische Position des Irenäus und seiner Leserschaft meinen, als eine Verkürzung des kanonischen, ursprünglichen Paulustextes durch Markion. 95 2. (5,2-5) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt. Zahn nimmt allerdings, an, dass die Verse in nicht näher bestimmbarer Form vorhanden waren. 96 BeDuhn ist der Meinung, die Passage böte den Kritikern Markions keinen Anhalt, auf sie näher einzugehen, und er rechnet darum damit, dass sie wohl in Markions *Paulus vorhanden war. In seiner Rekonstruktion führt er allerdings lediglich die Übersetzung des kanonischen Textes vom Ende von Vers 1 und daran anschließend von Vers 2a in Klammern an: [διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, 2 δι’ οὗ καὶ τὴν προσαγωγὴν ἐσχήκαμεν τῇ πίστει εἰς τὴν χάριν ταύτην ἐν ἧ ἑστήκαμεν]. Wir sind also wieder auf den lexikalischen Vergleich und den narrativen Zusammenhang angewiesen. BeDuhn hat aus dem narrativen Zusammenhang heraus argumentierend den ersten Teil von Vers 2 in seine Rekonstruktion hinzugenommen, doch ergibt der Befund der Lexeme, dass auch dieser Vers von der kanonischen Redaktion geschaffen wurde. Dies wird auch deutlich für die Verse 3-5, die inhaltlich mit Vers zwei zusammengehören und die Erläuterung von Vers 2 (δι’ οὗ) noch weiterführen (οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί). 3. (5,2) Bezüglich der Überleitung im kanonischen Text οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί stellt Wolter ihren elliptischen Charakter heraus, sie will „ergänzen und zuspitzen“. 97 Außerdem sieht er überhaupt „eine auffällige Nähe zwischen Röm 5,3-4 und Jak 1,2-4 sowie 1Petr 1,6-7“, was den kanonisch-redaktionellen Zusammenhang noch verstärkt. 98 4. (5,6) Alle Editoren rechnen mit der Anwesenheit dieses Verses gemäß dem Text des Epiphanius. Auch dieser vorkanonisch bezeugte Vers wird wiederum als nachpaulinische Interpolation betrachtet, und wir begegnen erneut dem Phänomen, dass die vorkanonische Fassung von der der kanonischen Redaktion geschieden wird, allerdings aufgrund der apologetischen Auffassung des höheren Alters der kanonischen Fassung, der gegenüber diejenige Markions eine Verkürzung 4 (Röm) 95 <?page no="96"?> 99 L.E. Keck, The Post-Pauline Interpretation of Jesus’ Death in Rom 5,6-7 (1979). 100 Detering gibt als Text der Verse 8 und 9 wie folgt, Vers 10 nach dem kanonischen Text: 8 συνίστησιν δὲ τὴν ἑαυτοῦ ἀγάπην εἰς ἡμᾶς ὅτι ἔτι ἁμαρτωλῶν ὄντων ἡμῶν Χριστὸς ὑπὲρ ἡμῶν ἀπέθανε. 9 πολλῷ μᾶλλον δικαιωθέντες νῦν ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ σωθησόμεθα ἀπὸ τῆς ὀργῆς, vgl. H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 72. 173. 101 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 329. 102 Ibid. 330. 103 Ibid. 358. darstelle, führt dies bei L.E. Keck zur Schlussfolgerung, dass Röm 5,6 (und auch Röm 5,7) eine Interpolation darstelle. 99 5. (5,7-10) Diese Verse werden von Zahn als unbezeugt angenommen, auch wenn er mit der Präsenz dieser Verse in unbestimmter Textform rechnet. Nach Harnack sind lediglich die Verse 7. 10 unbezeugt, weil er mit Hinweis auf Adam., Dial. V 12 mit der Präsenz der Verse 8-9 nach dem Zeugnis des Adamantius rechnet. Schmid und BeDuhn sehen jedoch, wie Zahn, die gesamte Passage als unbezeugt. 100 BeDuhn wendet gegen Harnack ein, dass Adamantius sich hier nicht auf Markions *Paulustext stütze. Von Soden hat zu Recht auf den Passus bei Tert., Adv. Marc. V 13,9 aufmerksam gemacht. Dieser bezeugt zumindest ein Stück aus Vers 10. Wolter erkennt in Vers 7 einen „Einschub“ in den kanonischen Text. 101 Dieser soll das zuvor Gesagte „zuspitzen“. 102 Die aus Vers 10 entwickelte kanonische Weiterung dient dazu, die Schärfe des wieder bezeugten Verses 20 zu mildern. Wenn es dort heißt, „das Gesetz aber ist dazwischen hineingekommen, damit die Übertretung mächtiger werde“, so besagt der Text „von V. 13-14 her gelesen-…, dass das Gesetz zusätzlich zu Sünde und Tod in die Welt gekommen ist“. 103 D. (5,1) δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ Die Form δικαιωθέντες ist nur hier vorkanonisch bezeugt, findet sich jedoch noch weiter auf der kanonischen Ebene in Röm 5,9; Tit 3,7. ♦ Die Wendung ἐκ πίστεως steht 23 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 3,11; *Röm 1,17; 14,23. ♦ Die Wendung ἐκ πίστεως Χριστοῦ steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Gal 2,16. ♦ Die Formulierung ἐκ νόμου steht nur hier auf der vorkanonischen Ebene. ♦ εἰρήνη + ἔχω findet sich noch 1 weiteres Mal in Joh 16,33. ♦ Die Wendung πρὸς τὸν θεόν steht 20 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ Die nicht mehr bezeugte Formel διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,57. 96 Rekonstruktion <?page no="97"?> Zur Rekonstruktion: Auch wenn einige Elemente weiter nicht vorkanonisch bezeugt sind, scheint nach dem Zeugnis Tertullians der obige Text vorkanonisch gestanden zu sein, während die unbezeugte Formel am Ende des Verses auf die kanonische Redaktion zurückzugehen scheint. (5,2) Die Kombination δι’ οὗ steht 13 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung wie hier (Verseröffnung: Röm 1,5; 5,2; im Vers: 2 Mal Mt; Mk 14,21; Lk 17,1; 22,22; Röm 5,11; 1Kor 1,9; 8,6; Gal 6,14; Hebr 1,2; 2,10), vorkanonisch bezeugt in *Ev 22,22. ♦ προσαγωγή begegnet 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod. 2,18. ♦ Die Form ἐσχήκαμεν steht noch 1 weiteres Mal, auf kanonischer Ebene, 2Kor 1,9. ♦ ταύτην, das 55 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,16. ♦ Die Wendung τὴν χάριν ταύτην steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 8,6. ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *2Kor 13,1; *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. ♦ Die Form ἑστήκαμεν steht nur hier. ♦ καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, auch in den Versen 29 und 31, ist sehr beliebt auf der kanonischen Ebene, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ ἐλπίς findet sich 58 / 53 Mal im NT, auch vorkanonisch. ♦ Die Wendung ἐπ’ ἐλπίδι steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 4,18. ♦ δόξα + τοῦ θεοῦ steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,5. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung δι’ οὗ; ἐσχήκαμεν; τὴν χάριν ταύτην; ἐπ’ ἐλπίδι; δόξα + τοῦ θεοῦ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,3) Die Kombination οὐ μόνον δέ steht 9 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,7. ♦ Die Überleitung im kanonischen Text οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί begegnet wieder in Röm 5,11; 8,23; 9,10; 2Kor 8,19 (vgl. auch 2Kor 7,7); 1Tim 5,13; 2Tim 4,8, und steht an allen Stellen ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form καυχώμεθα steht nur hier und im voranstehenden Vers 5,2. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ Die Wendung ἐν ταῖς θλίψεσιν steht 3 Mal im NT (Röm 5,3; Eph 3,13; 1Thess 3,3), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form εἰδότες begegnet 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,11. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. ♦ ὑπομονή, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. 4 (Röm) 97 <?page no="98"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὐ μόνον δέ; ἀλλὰ καί; καυχώμεθα; ἐν ταῖς θλίψεσιν; εἰδότες; εἰδότες ὅτι; κατεργάζομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,4) Zu dem vorkanonisch bezeugten ὑπομονή vgl. den voranstehenden Vers 5,3. ♦ δοκιμή, das 7 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwar nur einen Terminus auf, der ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt ist (δοκιμή), doch ist dies der Zentralbegriff, der gleich zweimal in diesem Vers steht. Der Vers wird folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (5,5) καταισχύνω, das 14 / 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,17; *1Kor 1,27. ♦ ἀγάπη, das 133 / 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42; *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ Die Wendung ἡ ἀγάπη τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 5,5; 2Kor 13,13; 4 Mal in 1Joh). ♦ ἐκχέω, das 35 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6, vgl. zu 2Kor 3,2; die Verknüpfung mit dem Heiligen Geist verbindet diese Stelle hier jedoch mit der kanonischen 2Kor 1,22 (… καὶ δοὺς τὸν ἀρραβῶνα τοῦ πνεύματος ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν). ♦ Die Wendung διὰ πνεύματος steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; Röm 5,5; 2Thess 2,2; 23Tim 1,14; Hebr 9,14). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἡ ἀγάπη τοῦ θεοῦ; ἐκχέω; ἐν ταῖς καρδίαις ἡμῶν, verbunden mit dem Heiligen Geist; διὰ πνεύματος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,6) Zu ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, etwa Lk 1,15; 15,20; 18,22; 24,44, in Versen und Teilversen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; 24,6. 41; *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ Die Variante εἰς τί γάρ steht nur hier, gemäß den enschlägigen Handschriften, wohl vorkanonisch. ♦ Die Variante ἔτι γάρ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,3. ♦ Die Verbform ὄντων steht 6 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ἀσθενής, das 35 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,9; *1Kor 1,25. 27. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle hier. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29. ♦ 98 Rekonstruktion <?page no="99"?> Das verwandte ἀσεβής, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt nur für die Stelle hier belegt. Das verwandte ἀσεβέω steht 8 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ἀσέβεια, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt bis auf die Eröffnungsformel dem Zeugnis des Epiphanius. Es fällt auf, dass eine Reihe von Elementen nur hier im Vers vorkanonisch bezeugt sind (ὄντων; καιρός; ἀσεβής). (5,7) μόλις steht 7 / 6 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Apg 27,8; Röm 5,7; im Vers: 3 Mal Apg; 1Petr 4,18), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die alternative Lesart μόγις findet sich nur 1 Mal für die kanonische Ebene bezeugt in Lk 9,39. ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ Die Wendung ὑπὲρ γάρ steht noch 1 weiteres Mal in 2Kor 1,7. ♦ ἀγαθός steht 109 / 102 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12; 12,9. ♦ τάχα steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Phlm 1,15). ♦ τολμάω steht 17 / 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (μόλις; ὑπὲρ γάρ; τάχα). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,8) συνίστημι im Sinne von „stehen mit“, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀγάπη steht 133 / 116 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42; *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ Die Wendung εἰς ἡμᾶς steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,5. ♦ Die Kombination ὅτι ἔτι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 4,35; Röm 5,8; 2Thess 2,5). ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15. ♦ ἁμαρτωλός steht 49 / 47 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Verbform ὄντων vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ Auch ὄντων ἡμῶν Χριστὸς ὑπέρ … ἀπέθανεν ist eine nur der Wortstellung nach verschiedene Übernahme aus dem vorkanonischen Vers 6. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Semantik von συνίστημι; εἰς ἡμᾶς; ὅτι ἔτι). Nicht nur diese Elemente weisen in Richtung kanonische Redaktion; vielmehr ist auch sondern der zweite Teil des Verses i.W. eine Übernahme aus dem vorkanonischen Vers 6, was zur Tendenz der 4 (Röm) 99 <?page no="100"?> 104 Mit weiterer Literatur ibid. 334. Duplikation der kanonischen Redaktion passt. Aus diesen Argumenten lässt sich erschließen, dass der Vers wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. (5,9) Der Ausdruck πολλῷ μᾶλλον begegnet 10 Mal im NT, nur auf der kanoni‐ schen Ebene. Die Argumentationsfigur findet auch „in der rabbinischen Literatur Verwendung-… und gilt als die erste der sieben Auslegungsregeln Rabbi Hillels“. 104 ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) steht 121 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, vgl. weiter auch die Verse 10. 15. 17. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ Die Kombination νῦν ἐν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 10,30; Joh 16,29; Röm 5,9; 1Joh 4,3). ♦ Die Wendung ἐν τῷ αἵματι steht 9 Mal im NT, in Lk 22,20 (ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ), in einem Vers, der in *Ev fehlt, weiters kanonisch in Mt 23,30; Röm 5,9; Eph 2,13; Hebr 10,19; 1Joh 5,6; 3 Mal in Apk, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13 (ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ). ♦ σῴζω, das 112 / 107 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ Die Form σωθησόμεθα begegnet gleich wieder im Vers Röm 5,10. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ Die Wendung ἀπὸ τῆς ὀργῆς steht 1 weiteres Mal in Apk 6,16. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πολλῷ μᾶλλον; νῦν ἐν; ἀπὸ τῆς ὀργῆς). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,10) Die unbezeugte Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ ἐχθρός, das 39 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,20; *Laod 2,16; *Kol 1,21. ♦ Die Verbform ὄντες, die 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch vielleicht bezeugt in *Ev 11,13, dann *2Kor 5,4; *Röm 8,5. ♦ καταλλάσσω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,11. ♦ Die Kombination καταλλάσσω + τῷ θεῷ begegnet noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene in 2Kor 5,20. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. Dieser Begriff begegnet wieder in diesem Kapitel in den Versen 12. 14. 17. 21. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ θανάτου steht 3 Mal im NT (Röm 5,10; Kol 1,22; Hebr 2,14), vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,22. ♦ Die Wendung τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,3. 9; 5,10; 8,29; 1Kor 1,9; Gal 4,6; 5 Mal in 1Joh). ♦ Zu πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) 100 Rekonstruktion <?page no="101"?> vgl. zuvor Vers 9 und nachfolgend die Verse 15 und 17. ♦ Zum kanonischen πολλῷ μᾶλλον vgl. den voranstehenden Vers 9. ♦ καταλλάσσω wurde bereits zuvor in diesem Vers aufgeführt. ♦ σωθησόμεθα steht im voranstehenden Veres 9. ♦ Die Wendung ἐν τῇ ζωῇ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 16,25; Röm 5,10; 1Kor 15,19). Zur Rekonstruktion: In diesem Vers ist lediglich ein kleines Stück bezeugt, und nach Ausweis der Lexik scheint der unbezeugte Teil Hinzufügung der kanonischen Redaktion gewesen zu sein, die vorkanonisch gefehlt hat. 5,[11-19] 20-21: Die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zum Leben durch Jesus, den Christus Die vorkanonische Antithese zwischen Gesetzt und Gnade wird in den Versen 20-21 deutlich und gut bezeugt vorgetragen. Voran stellt die kanonische Redak‐ tion eine längere Digression, um die Schärfe dieser Antithese durch theologische Überlegungen zu mindern. Diese Digression wird in dem vorkanonisch unbe‐ zeugten Kapitel 6 fortgesetzt. - 11 οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καὶ καυχώμενοι ἐν τῷ θεῷ διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, δι’ οὗ νῦν τὴν καταλλαγὴν ἐλάβομεν. 12 Διὰ τοῦτο ὥσπερ δι’ ἑνὸς ἀνθρώπου ἡ ἁμαρτία εἰς τὸν κόσμον εἰσῆλθεν καὶ διὰ τῆς ἁμαρτίας ὁ θάνατος, καὶ οὕτως εἰς πάντας ἀνθρώπους ὁ θάνατος διῆλθεν, ἐφ’ ᾧ πάντες ἥμαρτον 13 ἄχρι γὰρ νόμου ἁμαρτία ἦν ἐν κόσμῳ, ἁμαρτία δὲ οὐκ ἐλλογεῖται μὴ ὄντος νόμου· 14 ἀλλὰ ἐβασίλευσεν ὁ θάνατος ἀπὸ Ἀδὰμ μέχρι Μωϋσέως καὶ ἐπὶ τοὺς μὴ ἁμαρτήσαντας ἐπὶ τῷ ὁμοιώματι τῆς παραβάσεως Ἀδάμ, ὅς ἐστιν τύπος τοῦ μέλλοντος. 15 Ἀλλ’ οὐχ ὡς τὸ παράπτωμα, οὕτως καὶ τὸ χάρισμα· εἰ γὰρ τῷ τοῦ ἑνὸς παραπτώματι οἱ πολλοὶ ἀπέθανον, πολλῷ μᾶλλον ἡ χάρις τοῦ θεοῦ καὶ ἡ δωρεὰ ἐν χάριτι τῇ τοῦ ἑνὸς ἀνθρώπου Ἰησοῦ Χριστοῦ εἰς τοὺς πολλοὺς ἐπερίσσευσεν. 16 καὶ οὐχ ὡς δι’ ἑνὸς ἁμαρτήσαντος τὸ δώρημα· τὸ μὲν γὰρ κρίμα ἐξ ἑνὸς εἰς κατάκριμα, τὸ δὲ χάρισμα ἐκ πολλῶν παραπτωμάτων εἰς δικαίωμα. 17 εἰ γὰρ τῷ τοῦ ἑνὸς παραπτώματι ὁ θάνατος ἐβασίλευσεν διὰ τοῦ ἑνός, πολλῷ μᾶλλον οἱ τὴν περισσείαν τῆς χάριτος καὶ τῆς 4 (Röm) 101 <?page no="102"?> 105 Detering nimmt Vers 11 nach dem kanonischen Text, rechnet aber mit der Abwesenheit der Verse 12-19, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 72-84. 173-174. δωρεᾶς τῆς δικαιοσύνης λαμβάνοντες ἐν ζωῇ βασιλεύσουσιν διὰ τοῦ ἑνὸς Ἰησοῦ Χριστοῦ. 18 Ἄρα οὖν ὡς δι’ ἑνὸς παραπτώματος εἰς πάντας ἀνθρώπους εἰς κατάκριμα, οὕτως καὶ δι’ ἑνὸς δικαιώματος εἰς πάντας ἀνθρώπους εἰς δικαίωσιν ζωῆς· 19 ὥσπερ γὰρ διὰ τῆς παρακοῆς τοῦ ἑνὸς ἀνθρώπου ἁμαρτωλοὶ κατεστάθησαν οἱ πολλοί, οὕτως καὶ διὰ τῆς ὑπακοῆς τοῦ ἑνὸς δίκαιοι κατασταθήσονται οἱ πολλοί. 20 νόμος δὲ παρεισῆλθεν ἵνα πλεονάσῃ τὸ παράπτωμα. ὑπερεπερίσσευσεν ἡ χάρις, 20 νόμος δὲ παρεισῆλθεν ἵνα πλεονάσῃ τὸ παράπτωμα· οὗ δὲ ἐπλεόνασεν ἡ ἁμαρτία, ὑπερεπερίσσευσεν ἡ χάρις, 21 ἵνα ὥσπερ ἐβασίλευσεν ἡ ἁμαρτία ἐν τῷ θανάτῳ, οὕτως καὶ ἡ χάρις βασιλεύσῃ ἐν δικαιοσύνῃ εἰς ζωὴν διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ. 21 ἵνα ὥσπερ ἐβασίλευσεν ἡ ἁμαρτία ἐν τῷ θανάτῳ, οὕτως καὶ ἡ χάρις βασιλεύσῃ διὰ δικαιοσύνης εἰς ζωὴν αἰώνιον διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ κυρίου ἡμῶν. A. Die Verse 11-19 sind unbezeugt. *5,20-21: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,10: Lex autem, inquit, subintroivit, ut abundaret delictum. Quare? ut superabundaret, inquit, gratia. Cuius dei gratia, si non cuius et lex? Nisi si creator ideo legem intercalavit, ut negotium procuraret gratiae dei alterius et quidem aemuli, ne dixerim ignoti, ut, quemadmodum apud ipsum regnaverat peccatum in mortem, ita et gratia regnaret in iustitia in vitam per Iesum Christum, adversarium ipsius; Orig., Comm. in Rom. V 6,2 (PG 14,1032B): Si quidem, antequam lex per Mosen daretur, nemo peccasset, volentes accusare legem ex his apostoli verbis Marcion et caeteri haeretici occasionem capere viderentur tamquam haec fuerit causa datae legis, ut peccatum, quod ante legem non fuerat, abundaret. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (5,11-19) Diese Verse werden von Zahn als unbezeugt angenommen, auch wenn er mit der Präsenz dieser Verse in unbestimmter Textform rechnet. Nach Harnack sind lediglich die Verse 11-19 unbezeugt. Schmid und BeDuhn sehen jedoch, wie Zahn, die gesamte Passage als unbezeugt. 105 2. (5,12-19) Wenn wiederum Röm 5,12-19 (zusammen mit 20-21) als Interpo‐ lation gesehen wird, dann bestätigt sich die Beobachtung, dass die Forschung 102 Rekonstruktion <?page no="103"?> 106 Als Interpolation wird Röm 5,12-21 gesehen von J.C. O’Neill, Glosses and Interpolations in the Letters of St. Paul (1982), 384-385. 107 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 35. 108 J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. 109 Detering nimmt Vers 20 nach dem kanonischen Text, Vers 21 gibt er wie oben, schreibt jedoch εἰς τὸν θάνατον, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 84-86. 174-175. 110 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 299. bereits die Differenz zwischen den beiden Fassungen vorkanonischer und kanonischer Ebene wahrgenommen hat, allerdings aus der konventionell-apo‐ logetischen Sicht heraus die zeitliche Abfolge derselben invertiert hatte. 106 Als Interpolation wurden die Verse 5,13-14. 17 von Weisse betrachtet. 107 3. (5,17) Dieser Vers wird als „sekundäre Glosse“ bezeichnet von F.A. Fitz‐ myer. 108 4. (5,20-21) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für beide Verse. 109 Zahn sieht den kanonischen Text bezeugt, notiert jedoch: 20 … ἵνα πλεονάσῃ τὸ παράπτωμα ἵνα ὑπερεπερίσσευσεν ἡ χάρις, 21 … ἡ ἁμαρτία εἰς θάνατον … βασιλεύσῃ ἐν δικαιοσύνῃ εἰς ζωὴν [αἰώνιον] διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ (τοῦ κυρίου ἡμῶν). Harnack gibt als bezeugten Text: 20 νόμος δὲ παρεισῆλθεν ἵνα πλεονάσῃ τὸ παράπτωμα … ὑπερεπερίσσευσεν ἡ χάρις, 21 ἵνα ὥσπερ ἐβασίλευσεν ἡ ἁμαρτία εἰς τὸν θάνατον, οὕτως καὶ ἡ χάρις βασιλεύσῃ ἐν δικαιοσύνῃ εἰς ζωὴν διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ. Schmid hält sich näher an den kanonischen Text: 20 νόμος δὲ παρεισῆλθεν ἵνα πλεονάσῃ τὸ παράπτωμα … ὑπερεπερίσσευσεν ἡ χάρις, 21 ἵνα ὥσπερ ἐβασίλευσεν ἡ ἁμαρτία ἐν τῷ θανάτῳ, οὕτως καὶ ἡ χάρις βασιλεύσῃ διὰ δικαιοσύνης εἰς ζωὴν (αἰώνιον) διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ. BeDuhn wiederholt Harnacks Überlegung, dass Tertullian die beiden Verse schlicht verbindet, indem er das οὗ δὲ ἐπλεόνασεν ἡ ἁμαρτία paraphrasierend übergeht und meint, Tertullian spiele im Anschluss daran auf Gal 3,22, *Röm 3,19 und vielleicht *Laod 2,9 an. 110 Allerdings scheint Tertullian hier nicht die vorkanonische Fassung, sondern die kanonische als Gegenzeugnis zum Anschlag zu bringen, weil Gal 3,22 nicht vorkanonisch bezeugt ist. Bezüglich der Präpositionen von Vers 21 schließt sich BeDuhn Zahn und Harnack an. D. (5,11) μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Die Kombination οὐ μόνον δέ steht 9 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, 4 (Röm) 103 <?page no="104"?> ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,7. ♦ Die Überleitung im kanonischen Text οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί begegnet auch in 2Kor 8,19 (vgl. auch 2Kor 7,7); Röm 5,3; 8,23; 9,10; 1Tim 5,13; 2Tim 4,8, und steht an allen Stellen ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 5,3. ♦ καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ Die Wendung ἐν τῷ θεῷ steht 6 Mal im NT (Röm 5,11; Eph 3,9; Kol 3,3; 1Thess 2,2; 1Joh 4,15. 16), vorkanonisch bezeugt für *Kol 3,3. 4. ♦ Die Formel διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,57. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ καταλλαγή, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λαμβάνω, das 292 / 260 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,14; *1Kor 3,14; *Röm 7,11; *Phil 2,7. ♦ Die Form ἐλάβομεν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 16,7; Lk 5,5; Joh 1,16; Röm 1,5: δι’ οὗ ἐλάβομεν; 5,11; 1Kor 2,12; 2Joh 1,4). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Ele‐ menten auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί; διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ; καταλλαγή; ἐλάβομεν). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Zu bemerken ist auch, dass die Wendung ἐν τῷ θεῷ vorkanonisch nur in *Kol - gleich zwei Mal - bezeugt ist, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik verweist. (5,12) διὰ τοῦτο, das 64 Mal im NT steht, davon 38 Mal als Verseröffnung, findet sich als Verseröffnung nur auf der kanonischen Ebene, im Vers vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ ὥσπερ, das 43 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21, vgl. weiter die Verse 19. 21. ♦ Die Wendung δι’ ἑνός steht 4 Mal im NT, nur in diesem Zusammenhang hier, auf der kanonischen Ebene (Röm 5,12. 16. 18). ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ Die Wendung εἰς τὸν κόσμον steht 22 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mk 16,15, im sekundären Markusschluss; 13 Mal Joh; Röm 5,12; 1Tim 1,15; 6,7; Hebr 10,5; 1Joh 4,1. 9; 2Joh 1,7). ♦ εἰσέρχομαι steht 220 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9, vgl. weiter unten zu Vers 18. ♦ Die Wendung εἰς πάντας ἀνθρώπους steht 3 Mal im NT, ebenfalls nur in diesem Zusammenhang hier (Röm 5,12. 18). ♦ διέρχομαι, das 46 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1. ♦ Die Form διῆλθεν steht nur noch 1 weiteres Mal, Apg 10,38. ♦ Die Wendung ἐφ’ ᾧ steht 4 Mal im NT (Röm 5,12; 2Kor 5,4; Phil 3,12; 4,10), vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 104 Rekonstruktion <?page no="105"?> 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ ἁμαρτάνω, das 47 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,3. 4; *Röm 2,12; *Laod 4,26. ♦ Die Form ἥμαρτον steht 4 Mal im NT (Röm 2,12; 3,23; 5,12), vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,12. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung διὰ τοῦτο; δι’ ἑνός; εἰς τὸν κόσμον; εἰς πάντας ἀνθρώπους; διῆλθεν). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,13) ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ Die Kombination ἄχρι γάρ steht 3 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 5,13; im Vers: 2Kor 3,14; 10,14), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung νόμου ἁμαρτία steht 1 weiteres Mal, Röm 7,8 auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,4; *1Kor 10,4; *Phil 3,7. ♦ Die Wendung ἐν κόσμῳ steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 8,4. ♦ ἐλλογέω steht 3 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Verbform ὄντος, die 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,20. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἄχρι γάρ; νόμου ἁμαρτία; ἐν κόσμῳ; ἐλλογέω). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Zu bemerken ist auch, dass die Form ὄντος vorkanonisch nur in *Laod bezeugt ist, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik verweist. (5,14) ἀλλὰ steht 638 Mal im NT, davon 119 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch 6 Mal bezeugt als Verseröffnung und 27 Mal insgesamt. ♦ βασιλεύω, das 21 Mal im NT steht, ist vorkannonisch bezeugt für *Röm 5,21. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ Ἀδάμ, der 9 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22. ♦ Μωϋσῆς findet sich 79 / 80 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13. ♦ ἁμαρτάνω steht 47 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 2,12; *Laod 4,26. ♦ ὁμοίωμα, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,3; *Phil 2,7. ♦ Die Form τῷ ὁμοιώματι steht noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene in Röm 6,5. ♦ παράβασις, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ τύπος, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6. ♦ μέλλω steht 129 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,44; *1Kor 3,22 und *Kol 2,17. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind 4 (Röm) 105 <?page no="106"?> (τῷ ὁμοιώματι; παράβασις). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,15) οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ die Kombination ἀλλ’ οὐ steht 34 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung wie hier, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *1Kor 10,5; im Vers für *Röm 10,2. ♦ Die Kombination ὡς τό steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Joh 15,6; Röm 5,15; 1Joh 2,27; Apk 22,12). ♦ παράπτωμα steht 23 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20; *Laod 2,1. ♦ Die Kombination οὕτως καὶ τό steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 2Kor 8,11. ♦ χάρισμα steht 18 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,7; 12,9. ♦ Die Kombination εἰ γάρ steht 37 Mal im NT, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8; vgl. zu 2Kor 3,9. ♦ Die Wendung τῷ τοῦ ἑνὸς παραπτώματι steht gleich noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Vers 5,17. ♦ Die Form ἀπέθανον steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 8,23; Lk 20,31; 3 Mal Joh; Röm 5,15; 2Kor 5,14; Hebr 11,13. 37; Apk 8,11). ♦ Zu πολλῷ μᾶλλον als Ausdruck der kanonischen Redaktion vgl. weiter oben zu Vers 9. ♦ Zu πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) vgl. zuvor zu den Versen 9 und 10 und nachfolgend Vers 17. ♦ δωρεά, das 20 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὡς τό; οὕτως καὶ τό; τῷ τοῦ ἑνὸς παραπτώματι; ἀπέθανον; πολλῷ μᾶλλον; δωρεά). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,16) Zu οὐχ vgl. zum voranstehenden Vers 15. ♦ Die Kombination καὶ οὐχ ὡς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 7,29; Mk 1,22; Röm 5,16). ♦ Die Wendung δι’ ἑνός steht 4 Mal im NT, nur in diesem Zusammenhang hier, auf der kanonischen Ebene (Röm 5,12. 16. 18). ♦ δώρημα steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene ( Jak 1,17). ♦ κρίμα, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,10; *1Kor 11,29. ♦ κατάκριμα steht nur 3 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Röm 5,16. 18; 8,1). ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ δικαίωμα, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,4. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καὶ οὐχ ὡς; δι’ ἑνός; δώρημα; κατάκριμα). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 106 Rekonstruktion <?page no="107"?> (5,17) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Die Wendung τῷ τοῦ ἑνὸς παραπτώματι steht gleich zuvor noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Vers 5,15. ♦ Zu πολλῷ μᾶλλον als Ausdruck der kanonischen Redaktion vgl. wiederum weiter oben zu Vers 9. ♦ Zu πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) vgl. zuvor zu den Versen 9. 10. 15. ♦ περισσεία, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λαμβάνω, das 292 / 260 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,14; *1Kor 3,14; *Röm 7,11; *Phil 2,7. ♦ Die Form λαμβάνοντες steht (mit Komponentia) 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 17,24; Joh 5,44; Röm 1,27; 5,17; Hebr 7,5; 12,28; 3Joh 1,7). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung εἰ γάρ; τῷ τοῦ ἑνὸς παραπτώματι; πολλῷ μᾶλλον; περισσεία; λαμβάνοντες). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,18) Zu ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, vgl. zu *1Kor 15,14. ♦ Zu πάντας vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ Die Wendung οὕτως καὶ διά steht gleich weiter im nächsten Vers 5,19. ♦ Die Wendung δι’ ἑνός steht 4 Mal im NT, nur in diesem Zusammenhang hier, auf der kanonischen Ebene (Röm 5,12. 16. 18). ♦ Die Wendung εἰς πάντας ἀνθρώπους steht 3 Mal im NT, ebenfalls nur in diesem Zusammenhang hier (Röm 5,12. 18). ♦ κατάκριμα steht nur 3 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 16. ♦ δικαίωσις, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὕτως καὶ διά; δι’ ἑνός; εἰς πάντας ἀνθρώπους; κατάκριμα; δικαίωσις). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,19) Zu ὥσπερ vgl. zuvor zu Vers 12 und danach Vers 21. ♦ Die Kombination ὥσπερ γάρ, die 13 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρακοή, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τοῦ ἑνὸς ἀνθρώπου steht noch 1 weiteres Mal im selben Zusammenhang, Röm 5,15. ♦ ἁμαρτωλός steht 49 / 47 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37. ♦ καθίστημι steht 17 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung οὕτως καὶ διά stand gerade zuvor in Vers 5,18. ♦ ὑπακοή steht 16 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 4 (Röm) 107 <?page no="108"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὥσπερ γάρ; παρακοή; τοῦ ἑνὸς ἀνθρώπου; καθίστημι; οὕτως καὶ διά; ὑπακοή). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Überblickt man den lexikalischen Vergleich, zeigt sich, dass zwar einige Termini auch vorkanonisch bezeugt sind, doch begegnet ein großer Anteil gerade auch kleinerer Begriffe und Wendungen, die kennzeichnend für die kanonische Redaktion sind. Auch hier stimmen demnach weithin die fehlende Bezeugung und die Lexik überein. Die gesamte Passage dürfte darum auf die kanonische Redaktion zurückgehen. (5,20) παρεισέρχομαι, das 2 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; da das Wort nur in den Parallelversen auf der kanonischen Ebene steht, handelt es sich wieder um Urgestein der vorkanonischen Lexik. ♦ πλεονάζω, das 9 Mal im NT steht, ist nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ παράπτωμα, das 23 / 20 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,1. ♦ Die Wendung οὗ δέ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene - etwa hier in Röm 5,20 ist es gerade dieses Element, welches in dem sonst vorkanonisch bezeugten Text unbezeugt ist, vgl. zu 2Kor 3,17. ♦ ὑπερπερισσεύω steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, und zwar auf kanonischer Ebene (2Kor 7,4). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, gestützt durch das seltene, aber vorkanonisch bezeugte παρεισέρχομαι. Umgekehrt bestätigt die Lexik, dass das unbezeugte Zwischenstück οὗ δὲ ἐπλεόνασεν ἡ ἁμαρτία wohl vorkanonisch gefehlt hat. (5,21) Zu ὥσπερ vgl. zuvor die Verse 12. 19. ♦ Die Kombination ἵνα ὥσπερ steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 6,4. ♦ βασιλεύω, das 21 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Die Wendung ἐν τῷ θανάτῳ steht noch 1 weiteres Mal in 1Joh 3,14. ♦ Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42, vgl. zuvor 7,14. ♦ Die Wendung ἐν δικαιοσύνῃ steht 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt, kanonisch in Apg 17,31; Eph 4,24; 2Tim 3,16; Tit 3,5; 2Petr 1,1; Apk 19,11. ♦ Die Wendung διὰ δικαιοσύνης steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 4,13. ♦ Die Kombination διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,1. ♦ Die erweiterte Formel διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ κυρίου ἡμῶν steht nur 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 7,25. 108 Rekonstruktion <?page no="109"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wieder dem Zeugnis Tertullians. Auch wenn einige Begriffe nur hier vorkanonisch bezeugt sind, fallen doch auch weiter vorkanonisch bezeugte Begriffe und Wendungen auf. [Kapitel 6] [6],[1-23]: [Sünde, Taufe, Tod und ewiges Leben] Dieses unbezeugte Kapitel führt die in Kapitel 5,7 begonnene kanonische Argu‐ mentation, was die Sünde betrifft, fort und hat im vorkanonischen Text gefehlt. - 6,1 Τί οὖν ἐροῦμεν; ἐπιμένωμεν τῇ ἁμαρτίᾳ, ἵνα ἡ χάρις πλεονάσῃ; 2 μὴ γένοιτο· οἵτινες ἀπεθάνομεν τῇ ἁμαρτίᾳ, πῶς ἔτι ζήσομεν ἐν αὐτῇ; - 3 ἢ ἀγνοεῖτε ὅτι ὅσοι ἐβαπτίσθημεν εἰς Χριστὸν Ἰησοῦν εἰς τὸν θάνατον αὐτοῦ ἐβαπτίσθημεν; 4 συνετάφημεν οὖν αὐτῷ διὰ τοῦ βαπτίσματος εἰς τὸν θάνατον, ἵνα ὥσπερ ἠγέρθη Χριστὸς ἐκ νεκρῶν διὰ τῆς δόξης τοῦ πατρός, οὕτως καὶ ἡμεῖς ἐν καινότητι ζωῆς περιπατήσωμεν. 5 εἰ γὰρ σύμφυτοι γεγόναμεν τῷ ὁμοιώματι τοῦ θανάτου αὐτοῦ, ἀλλὰ καὶ τῆς ἀναστάσεως ἐσόμεθα· 6 τοῦτο γινώσκοντες, ὅτι ὁ παλαιὸς ἡμῶν ἄνθρωπος συνεσταυρώθη, ἵνα καταργηθῇ τὸ σῶμα τῆς ἁμαρτίας, τοῦ μηκέτι δουλεύειν ἡμᾶς τῇ ἁμαρτίᾳ· 7 ὁ γὰρ ἀποθανὼν δεδικαίωται ἀπὸ τῆς ἁμαρτίας. 8 εἰ δὲ ἀπεθάνομεν σὺν Χριστῷ, πιστεύομεν ὅτι καὶ συζήσομεν αὐτῷ· 9 εἰδότες ὅτι Χριστὸς ἐγερθεὶς ἐκ νεκρῶν οὐκέτι ἀποθνῄσκει, θάνατος αὐτοῦ οὐκέτι κυριεύει. 10 ὃ γὰρ ἀπέθανεν, τῇ ἁμαρτίᾳ ἀπέθανεν ἐφάπαξ· ὃ δὲ ζῇ, ζῇ τῷ θεῷ. 11 οὕτως καὶ ὑμεῖς λογίζεσθε ἑαυτοὺς [εἶναι] νεκροὺς μὲν τῇ ἁμαρτίᾳ ζῶντας δὲ τῷ θεῷ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. 12 Μὴ οὖν βασιλευέτω ἡ ἁμαρτία ἐν τῷ θνητῷ ὑμῶν σώματι εἰς τὸ ὑπακούειν ταῖς ἐπιθυμίαις αὐτοῦ, 13 μηδὲ παριστάνετε τὰ μέλη ὑμῶν ὅπλα ἀδικίας τῇ ἁμαρτίᾳ, ἀλλὰ παραστήσατε ἑαυτοὺς τῷ θεῷ ὡσεὶ ἐκ νεκρῶν ζῶντας καὶ τὰ μέλη ὑμῶν ὅπλα δικαιοσύνης τῷ θεῷ· - 14 ἁμαρτία γὰρ ὑμῶν οὐ κυριεύσει, οὐ γάρ ἐστε ὑπὸ νόμον ἀλλὰ ὑπὸ χάριν. - 15 Τί οὖν; ἁμαρτήσωμεν ὅτι οὐκ ἐσμὲν ὑπὸ νόμον ἀλλὰ ὑπὸ χάριν; μὴ γένοιτο. 16 οὐκ 4 (Röm) 109 <?page no="110"?> 111 Detering gibt das gesamte Kapitel nach dem kanonischen Text mit kleinen Varianten, vgl. H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 86-88. 175-176. οἴδατε ὅτι ᾧ παριστάνετε ἑαυτοὺς δούλους εἰς ὑπακοήν, δοῦλοί ἐστε ᾧ ὑπακούετε, ἤτοι ἁμαρτίας εἰς θάνατον ἢ ὑπακοῆς εἰς δικαιοσύνην; 17 χάρις δὲ τῷ θεῷ ὅτι ἦτε δοῦλοι τῆς ἁμαρτίας ὑπηκούσατε δὲ ἐκ καρδίας εἰς ὃν παρεδόθητε τύπον διδαχῆς, 18 ἐλευθερωθέντες δὲ ἀπὸ τῆς ἁμαρτίας ἐδουλώθητε τῇ δικαιοσύνῃ· - 19 ἀνθρώπινον λέγω διὰ τὴν ἀσθένειαν τῆς σαρκὸς ὑμῶν. ὥσπερ γὰρ παρεστήσατε τὰ μέλη ὑμῶν δοῦλα τῇ ἀκαθαρσίᾳ καὶ τῇ ἀνομίᾳ εἰς τὴν ἀνομίαν, οὕτως νῦν παραστήσατε τὰ μέλη ὑμῶν δοῦλα τῇ δικαιοσύνῃ εἰς ἁγιασμόν. - 20 ὅτε γὰρ δοῦλοι ἦτε τῆς ἁμαρτίας, ἐλεύθεροι ἦτε τῇ δικαιοσύνῃ. - 21 τίνα οὖν καρπὸν εἴχετε τότε ἐφ’ οἷς νῦν ἐπαισχύνεσθε; τὸ γὰρ τέλος ἐκείνων θάνατος. 22 νυνὶ δέ, ἐλευθερωθέντες ἀπὸ τῆς ἁμαρτίας δουλωθέντες δὲ τῷ θεῷ, ἔχετε τὸν καρπὸν ὑμῶν εἰς ἁγιασμόν, τὸ δὲ τέλος ζωὴν αἰώνιον. 23 τὰ γὰρ ὀψώνια τῆς ἁμαρτίας θάνατος, τὸ δὲ χάρισμα τοῦ θεοῦ ζωὴ αἰώνιος ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν. A. 6,13: Vgl. Adam., Dial. I 27 (im Mund des Adamantius, nur erhalten bei Rufin: Peccatum in nobis ultra iam non dominabitur). B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (6,1-2) Nach Hilgenfeld, Zahn, Schmid und BeDuhn sind diese beiden Verse unbezeugt. 111 Harnack verweist jedoch auf das μὴ γένοιτο, auf das Tertullian in Adv. Marc. I 27,5 anspiele: Age itaque, qui deum non times quasi bonum, quid non in omnem libidinem ebullis, summum, quod sciam, fructum vitae omnibus qui deum non timent? Quid non frequentas tam sollemnes voluptates circi furentis et caveae saevientis et scenae lascivientis? Quid non et in persecutionibus statim oblata acerra animam negatione lucraris? Absit, inquis, absit. Ergo iam times delictum, et timendo probasti illum timeri qui prohibet delictum. Aliud est si eadem dei tui perversitate quem non times observas, qua et ille quod non vindicat prohibet. Allerdings ist die Anspielung mit dem gegebenen Zusammenhang 110 Rekonstruktion <?page no="111"?> 112 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 364. keine solche, die spezifisch auf Röm 6,1-2 geht, im Gegenteil, mit den Beispielen kann etwa auch auf das vorkanonisch bezeugte μὴ γένοιτο von *1Kor 6,15 angespielt werden oder, wie BeDuhn meint, eventuell auf Röm 7,7. Jedenfalls ist dieser Hinweis nicht spezifisch genug, um hieraus die Präsenz der beiden sonst unbezeugten Verse abzuleiten. Wolter verweist darauf, dass mit Röm 6,1 „ein neuer thematischer Zusammenhang beginnt“. 112 Das ist jedoch nur bedingt korrekt, denn bereits die Formulierung von Vers 1 (ἐπιμένωμεν τῇ ἁμαρτίᾳ, ἵνα ἡ χάρις πλεονάσῃ) verweist auf diejenige der kanonischen Ebene von Vers 5,20 (ἐπλεόνασεν ἡ ἁμαρτία, ὑπερεπερίσσευσεν ἡ χάρις). 2. (6,3-13) Diese Verse werden von Zahn, Schmid und BeDuhn als unbezeugt angesehen, auch wenn Zahn mit ihrer Präsenz in unbestimmbarer Form rechnet. Hilgenfeld und Harnack jedoch verweisen auf Adam., Dial. III 7 und V 11-12, durch den Harnack die Verse 3,9-10 bezeugt sieht (für Vers 3 gibt er als bezeugten Text: ἢ ἀγνοεῖτε ὅτι ὅσοι ἐβαπτίσθημεν εἰς Χριστὸν, εἰς τὸν θάνατον αὐτοῦ ἐβαπτίσθητε; für die Verse 9 und 10: 9 ὁ δὲ Χριστὸς ἀναστὰς οὐκέτι ἀποθνῄσκει, θάνατος αὐτοῦ οὐκέτι κυριεύει. 10 ὃ γὰρ ἀπέθανεν, τῇ ἁμαρτίᾳ ἀπέθανεν ἐφάπαξ: ὃ δὲ ζῇ, ζῇ τῷ θεῷ). Doch wendet BeDuhn zu Recht ein, dass hier nicht erweisbar ist, dass Markions Paulustext zitiert wird. Außerdem führt Harnack für die Präsenz des Verses 4 an: Hieron., Contra Ioannem Hierosolymitam 36 (PL 23,388 C-D: Nuper de Marcionis quidam schola: Vae, inquit, ei qui in hac carne, et in his ossibus resurrexerit. Gaudens animus statim intulit: Consepulti enim sumus, et consurreximus cum Christo per baptismus), und für Vers 5 zitiert er den antimarkionitischen Syrer („Denn wenn wir Zusammengepflanzte für den Tod unseres Herrn geworden sind, so gleicherweise auch für seine Auferstehung“). Im ersten Fall sagt Hieronymus bereits selbst, dass er nicht aus Markions *Paulus zitiert, sondern sich in seiner antimarkionitischen Diskussion auf irgendeinen Markioniten beruft, der ihm angeblich dieses Zeugnis aus Röm geliefert habe. Und auch im zweiten Fall ist die Quelle im Zeugniswert für den vorkanonischen Text unsicher. Andererseits gibt BeDuhn zu bedenken, dass der Inhalt von Röm 6 den Kritikern Markion, Tertullian und Epiphanius keinen Anhalt geboten habe, auf diese Texte einzugehen, und doch hat er keinen Vers aus Röm 6,1-13 in seine Rekonstruktion aufgenommen. So bleibt erneut nur der Vergleich der Lexeme. Wie dieser weiter unten erweist, zeigen insbesondere die von Harnack aufgrund von Adamantius in seine Rekonstruktion aufgenommenen Verse deutlich die kanonische Handschrift. Der Vers, der sich am engsten an den vorkanonischen Text, insbesondere *Gal 5,24 anlehnt, ist Vers 12, doch beginnt dieser mit 4 (Röm) 111 <?page no="112"?> 113 W.H. Hagen, Two Deutero-Pauline Glosses in Romans 6 (1981). 114 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 105*. 115 Adamantius, W.H.v.d. Sande Bakhuyzen and Adamantius, Der Dialog des Adamantius Peri tēs eis theon orthēs pisteōs (1901), 56-57. Vgl. auch Adamantius, R.A. Pretty and G.W. Trompf, Dialogue on the true faith in God = De recta in Deum fide (1997), 73. 116 R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1947), 202. Vgl. hierzu auch die Neupublikation R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1967). einer für die kanonische Version typischen Verseröffnung, wird also auch nur kanonisch gestanden sein. 3. (6,13) Dieser Vers gilt W.H. Hagen als deuterokanonische Glosse. 113 4. (6,14) Zahn und Schmid sehen diesen Vers als unbezeugt, auch wenn ihn Zahn für irgendwie präsent hält. Harnack verweist hingegen wiederum auf Adamantius, auch wenn er gesteht, dass diese wie die anderen Stellen „nicht si‐ cher marcionitisch“ ist. 114 Van der Sande Bakhuyzen war allerdings der Meinung, Rufin und nicht die griechischen Zeugen hätten hier den ursprünglichen Text des Dialogs bewahrt. 115 Adamantius weist zwei Abweichungen gegenüber dem kanonischen Text auf (nobis und ultra non), worauf bereits BeDuhn hingewiesen hat, weshalb er diesen Vers auch mit folgendem zugrundeliegenden Text in seine Rekonstruktion aufgenommen hat: ἁμαρτία γὰρ ἡμῶν οὐκέτι κυριεύσει, οὐ γάρ ἐστε ὑπὸ νόμον ἀλλὰ ὑπὸ χάριν. Diese Abweichungen haben sich jedoch nicht anderwärtig in der Handschriftentradition niedergeschlagen. Wieder sind wir auf den Vergleich der Lexik angewiesen. 5. (6,15-18) Diese Verse gelten allen Editoren als unbezeugt, auch wenn Zahn sie in irgendeiner Form als präsent annimmt. BeDuhn hat sie jedoch nicht in seine Rekonstruktion aufgenommen. 6. (6,17) Dieser Vers wird von R. Bultmann als Glosse gesehen. 116 7. (6,19) Der Vers ist nach Zahn und Schmid unbezeugt, auch wenn Zahn seine irgendwie geartete Präsenz annimmt. Harnack und BeDuhn verweisen auf Adam., Dial. III 7: ὥσπερ παρεστήσατε τὰ μέλη ὑμῶν δοῦλα τῇ ἀδικίᾳ καὶ τῇ ἀκαθαρσίᾳ εἰς ἀνομίαν, οὕτω παραστήσατε τὰ μέλη τῷ θεῷ δοῦλα τῇ δικαιοσύνῃ (Rufin: Sicut enim exhibuistis membra uestra seruire iniustitiae et immunditiae ad iniquitatem, ita nunc exhibete membra uestra Deo seruire in iustitia). Harnack sieht als bezeugten Text: ὥσπερ γὰρ παρεστήσατε τὰ μέλη ὑμῶν δουλεύειν τῇ ἀδικίᾳ καὶ τῇ ἀκαθαρσίᾳ εἰς ἀνομίαν, οὕτω νῦν παραστήσατε τὰ μέλη τῷ θεῷ δουλεύειν ἐν τῇ δικαιοσύνῃ. BeDuhn legt seiner Übersetzung den griechischen Text des Adamantius zugrunde. Doch, wie BeDuhn selbst angibt, ist er unsicher, dass Adamantius (im Mund des Adamantius) hier wirklich aus Markions *Paulus zitiert, denn 112 Rekonstruktion <?page no="113"?> 117 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 299. 118 W.H. Hagen, Two Deutero-Pauline Glosses in Romans 6 (1981). 119 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 417. 120 W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 63-67. im Dialog werde an dieser Stelle ein Bardesanit diskutiert, plötzlich von dem Markioniten Megethius unterbrochen, dem dann Adamantius mit diesem Zitat begegnet, vielleicht aus einer antimarkionitischen Quelle. 117 Wenn Röm 6,19 als deuterokanonische Glosse gesehen wird, begegnet uns erneut das Phänomen, dass die charakteristische Besonderheit der kanonischen Redaktion zwar erkannt wurde, jedoch eingebettet in den Rahmen der traditio‐ nellen Sicht von der späteren Datierung von Markions *Paulus. Als Interpolation wird Röm 6,19 betrachtet durch W.H. Hagen. 118 8. (6,20) Zahn und Schmid betrachten auch diesen Vers als unbezeugt, auch wenn Zahn ihn wiederum als irgendwie präsent annimmt. Harnack und BeDuhn verweisen jedoch auf Adam., Dial. I 27 (im Mund des Adamantius): ὅτε ἦτε δοῦλοι τῆς ἁμαρτίας, ἐλεύθεροι ἦτε τῇ δικαιοσύνῃ (Rufin: Cum autem essetis serui peccati, liberi eratis iustitiae). Harnack gibt als bezeugten Text: ὅτε δὲ ἦτε δοῦλοι τῆς ἁμαρτίας, ἐλεύθεροι ἦτε τῇ δικαιοσύνῃ. Obwohl BeDuhn aus‐ drücklich darauf verweist, dass man nicht sicher sein könne, dass Adamantius hier den *Paulus des Markion zitiert, fügt er doch in seine Rekonstruktion eine Übersetzung folgenden griechischen Textes ein: ὅτε [γὰρ] ἦτε δοῦλοι τῆς ἁμαρτίας, ἐλεύθεροι ἦτε τῇ δικαιοσύνῃ-… 9. (6,21-23) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnet. Wolter hat auf die Nähe zu Röm 7,5-6 hingewiesen. 119 Das deutet auf eine gewisse Duplikation hin, die typisch für die redaktionelle Arbeit ist. 10. (Kapitel 6) hält van Manen für weithin sekundär und Vers 5,20-21 (vielleicht nur 5,20) für die letzten älteren Verse. 120 D. (6,1) Die Verbform ἐροῦμεν, die 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7, vgl. zu Röm 4,1. ♦ Die Wendung τί οὖν ἐροῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich im Römerbrief und stets als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ ἐπιμένω, das 20 / 17 Mal im NT steht, findet sich jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τῇ ἁμαρτίᾳ steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 8,21; Röm 6,1. 2. 6. 10. 11. 13). ♦ πλεονάζω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20. 4 (Röm) 113 <?page no="114"?> 121 Hierauf weist hin J. Schröter, Sammlungen der Paulusbriefe und die Entstehung des neutestamentlichen Kanons (2018), 808. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐπιμένω; τῇ ἁμαρτίᾳ. (6,2) Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Form ἀπεθάνομεν steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 6,8. ♦ Zur kanonischen Form τῇ ἁμαρτίᾳ vgl. zum voranstehenden Vers 6,1. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ Die Form ζήσομεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,4. ♦ αὐτῇ (Dat. Fem. Sg.), das 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἐν αὐτῇ steht 28 Mal im NT (3 Mal Mt; Mk 11,13; Lk 10,9; 13,6. 31; 20,19; 24,18; 4 Mal Apg; Röm 6,2; Kol 4,2; Jak 3,9; 2Petr 3,10; 2Joh 1,6; 8 Mal Apk), in Lk 13,6. 31, in Versen, die in *Ev fehlen; 20,19, in einem Teilvers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀπεθάνομεν; τῇ ἁμαρτίᾳ; ζήσομεν. (6,3) ἀγνοέω, das sich 23 / 22 Mal im NT findet, ist vorkanonisch belegt für *1Kor 10,1; 12,1. ♦ Die Kombination ἢ ἀγνοεῖτε steht 2 Mal im NT, beide Male als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 6,3; 7,1). ♦ ὅσος, das 121 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ βαπτίζω, das 90 / 77 Mal im NT steht, gehört im Sinn von „Taufen“ ausschließlich zur kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἐβαπτίσθημεν steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Kor 12,13. ♦ Die Wendung εἰς Χριστὸν Ἰησοῦν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Es gibt eine Nähe zu εἰς τὸ ὄνομα Παύλου ἐβαπτίσθητε zu Apg 8,16; 19,5 und 1Kor 1,35. 15, allesamt auf der kanonischen Ebene stehend. 121 ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. Dieser Begriff begegnet wieder im selben Kapitel in den Versen 4. 5. 9. 16. 21. 23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἢ ἀγνοεῖτε; Semantik von βαπτίζω; ἐβαπτίσθημεν; εἰς Χριστὸν Ἰησοῦν. (6,4) συνθάπτω steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Kol 2,2). ♦ Die Kombination οὖν αὐτῷ steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene und außer dieser Stelle nur in Joh. ♦ βάπτισμα steht 22 / 19 Mal im NT, in Lk 114 Rekonstruktion <?page no="115"?> 7,29; 12,50, in Versen, die in *Ev fehlen, vorkanonisch nur bezeugt für die Taufe des Johannes, *Ev 20,4; wofür das Wort vorkanonisch bezeugt in *Laod 4,5 steht, ist unklar. ♦ Die Wendung εἰς τὸν θάνατον steht nur noch 1 weiteres Mal, im voranstehenden Vers 6,3. ♦ ὥσπερ, das 43 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21, vgl. weiter Vers 19. ♦ Die Kombination ἵνα ὥσπερ steht nur noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,21. ♦ Die Form ἠγέρθη steht 18 Mal im NT, in Lk 24,6, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 4,25. ♦ Die Wendung διὰ τῆς δόξης steht nur hier. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42, vgl. zuvor 7,14. ♦ καινότης steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συνθάπτω; οὖν αὐτῷ; Semantik von βάπτισμα; εἰς τὸν θάνατον; ἠγέρθη; καινότης. Auffallend sind die vorkanonischen Bezeugungen durch *Laod (βάπτισμα; περιπατέω), die auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik hinweisen. (6,5) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ σύμφυτος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form γεγόναμεν steht 1 weiteres Mal, Hebr 3,14. ♦ ὁμοίωμα, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,3; *Phil 2,7. ♦ ἀνάστασις, das 44 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 21. 42. ♦ Die Verbform ἐσόμεθα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung εἰ γάρ; γεγόναμεν; ἐσόμεθα. (6,6) γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ Die Form γινώσκοντες steht 9 Mal im NT (inkl. Komposita), jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 26,5; Röm 6,6; Eph 3,4; 5,5; Hebr 10,34; Jak 1,3; 3 Mal 2 Petr). ♦ παλαιός, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,36. 37. ♦ ὁ παλαιός … ἄνθρωπος begegnet noch 1 Mal, vorkanonisch bezeugt für *Kol 3,9. ♦ συσταυρόομαι, das 6 Mal im NT steht, findet sich immer nur auf der kanonischen Ebene. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ μηκέτι, das sich 22 Mal im NT findet, findet sich nur für die kanonische 4 (Röm) 115 <?page no="116"?> Ebene bezeugt. ♦ δουλεύω findet sich 26 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13 und *Gal 4,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: γινώσκοντες; συσταυρόομαι; μηκέτι. (6,7) Die Kombination ὁ γάρ steht 37 Mal im NT, davon 21 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Gal 5,14; im Vers für *Ev 9,44; *Röm 13,8, vgl. zu Röm 4,15. ♦ Die Form ἀποθανών steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 6,7; 8,34; Hebr 11,4). ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Die Wendung ἀπὸ τῆς ἁμαρτίας steht 3 Mal im NT, ausschließlich in diesem Kapitel (Röm 6,7. 18. 22). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀποθανών; ἀπὸ τῆς ἁμαρτίας. (6,8) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ Die Form ἀπεθάνομεν steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 6,2. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ Die Wendung σὺν Χριστῷ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 8,6; Phil 1,23; Kol 2,20). ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ Die Form πιστεύομεν steht 6 Mal im NT ( Joh 4,42; 16,30; Apg 15,11; Röm 6,8; 2Kor 4,13; 1Thess 4,4), vorkanonische bezeugt für *2Kor 4,13. ♦ συζῶ, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ; ἀπεθάνομεν; σὺν Χριστῷ; συζῶ. (6,9) Die Form εἰδότες begegnet 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,11. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. ♦ Die Form ἐγερθείς steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (9 Mal Mt; Lk 11,8; Joh 21,14; Röm 6,9; 8,34). ♦ οὐκέτι steht 51 / 47 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἀποθνῄσκει steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 21,23; Röm 6,9; 14,7; 116 Rekonstruktion <?page no="117"?> Hebr 10,28). ♦ κυριεύω, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰδότες; εἰδότες ὅτι; ἐγερθείς; οὐκέτι; ἀποθνῄσκει; κυριεύω. (6,10) Die Kombination ὃ γάρ steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 6,7. ♦ Zur kanonischen Form τῇ ἁμαρτίᾳ vgl. zum voranstehenden Vers 6,1. ♦ ἐφάπαξ, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ζάω steht auch in den Versen 11 und 13, vgl. zu Vers 2. ♦ Die Form ζῇ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 7,39. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὃ γάρ; τῇ ἁμαρτίᾳ; ἐφάπαξ; ζῇ. (6,11) Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42, vgl. zuvor 7,14. ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 13,5. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Zur kanonischen Form τῇ ἁμαρτίᾳ vgl. zum voranstehenden Vers 6,1. ♦ Die Form ζῶντας steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 6,11. 13; 2Tim 4,1; 1Petr 4,5). ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λογίζομαι; τῇ ἁμαρτίᾳ; ζῶντας; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. (6,12) Die Kombination μὴ οὖν steht 9 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung (5 Mal Mt; Röm 6,12; Eph 5,7; Kol 2,16; 2Tim 1,8), vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,16. ♦ βασιλεύω, das 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,21. ♦ θνητός, das 6 Mal im NT steht, ist 5 Mal vorkanonisch bezeugt. ♦ ὑπακούω steht 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25; *2Thess 1,8; *Laod 6,1. ♦ ἐπιθυμία steht 40 / 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. ♦ Die Form ταῖς ἐπιθυμίαις steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,24; *Laod 2,3. Kein ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element, man bemerke aber die Nähe zu *Gal 5,24 und die ausschließlich für *Kol bezeugte Kombination μὴ οὖν. 4 (Röm) 117 <?page no="118"?> (6,13) μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, davon 9 Mal als Verseröffnung, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9 (beide Male als Verseröffnung); *Kol 2,21 (im Vers). ♦ παριστάνω steht nur noch zwei weitere Male auf der kanonischen Ebene (Röm 6,16. 19). ♦ παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, insbesondere in der Apostelgeschichte. ♦ ὡσεί steht 35 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ μέλος, das 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,15; 9,9; 12,12. 14; *Röm 7,23. ♦ Die Wendung τὰ μέλη ὑμῶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene im Zusammenhang hier (Röm 6,13. 19). ♦ ὅπλον steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀδικία steht 27 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,9; *Röm 1,18; *2Thess 2,12. ♦ Zur kanonischen Form τῇ ἁμαρτίᾳ vgl. zum voranstehenden Vers 6,1. ♦ ὡσεί steht 35 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zur kanonischen Form ζῶντας vgl. zuvor zu Vers 6,11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παριστάνω; τὰ μέλη ὑμῶν; ὅπλον; τῇ ἁμαρτίᾳ; ζῶντας. (6,14) κυριεύω, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter Vers 16. ♦ Die Wendung οὐ γάρ ἐστε steht 1 weiteres Mal, Mk 13,11. ♦ Die Wendung ὑπὸ νόμον steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; 4,5; *1Kor 9,20. ♦ Die Wendung οὐ γάρ ἐστε ὑπὸ νόμον begegnet 1 weiteres Mal (ohne γάρ) in Gal 5,18. ♦ Die Wendung ἀλλὰ ὑπὸ χάριν steht nur noch 1 weiteres Mal im nächsten Vers, ebenfalls auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κυριεύω; οὐ γάρ ἐστε; οὐ γάρ ἐστε ὑπὸ νόμον; ἀλλὰ ὑπὸ χάριν. (6,15) Die Wendung (im Akkusativ) τί οὖν steht 23 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mk 12,9; Röm 4,9; 4,1; 6,1. 15; 7,7; 8,31; 9,14. 30; 11,7; 1Kor 10,19; Gal 3,19; im Vers: 3 Mal Mt; Mk 11,31; Lk 3,10; 20,15. 17, in Versen, die in *Ev fehlen; Joh 1,25; Apg 19,3; Röm 9,19), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19 (Verseröffnung); *Röm 7,7 (Verseröffnung), vgl. Röm 3,9. ♦ ἁμαρτάνω steht 47 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,3. 4; *Röm 2,12; *Laod 4,26. ♦ Die Wendung οὐκ ἐσμὲν ὑπὸ νόμον greift die kanonische Wendung οὐ γάρ ἐστε ὑπὸ νόμον des voranstehenden Verses 6,14 auf. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Die Wendung ἀλλὰ ὑπὸ χάριν steht nur noch 1 weiteres Mal im voranstehenden Vers, ebenfalls auf der kanonischen Ebene. 118 Rekonstruktion <?page no="119"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐκ ἐσμὲν ὑπὸ νόμον; ἀλλὰ ὑπὸ χάριν. (6,16) Die Kombination οὐκ οἴδατε ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröff‐ nung (Verseröffnung: Röm 6,16; 1Kor 3,16; 6,3. 15; 9,13. 24), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16; 6,15 (Verseröffnung); *1Kor 6,16 (im Vers). ♦ παριστάνω steht nur hier und zwei weitere Male auf kanonischer Ebene, zuvor in Röm 6,13 und danach in Vers 19, greift also diesen kanonischen Vers auf. ♦ Die alternative Ableitung ist παρίστημι, vgl. hierzu Vers 6,13. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, jedoch als Selbstbezeichnung im Verhältnis zu Gott oder Christus auf der vorkanonischen Ebene fehlt. ♦ Zur Verbform ἐστε vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ ὑπακοή, das 16 Mal im NT steht, ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ ἤτοι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zum auch vorkanonisch bezeugten Verb ὑπακούω vgl. weiter oben zu Vers 12, den dieser Vers hier ebenfalls aufgreift. ♦ Zu dem auch vorkanonisch bezeugten εἰς δικαιοσύνην vgl. zuvor zu Vers 4,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παριστάνω; Semantik von δοῦλος; ὑπακοή. (6,17) Die Kombination χάρις δέ steht 3 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,16. ♦ Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12, vgl. weiter Vers 20. ♦ Zur kanonischen Semantik von δοῦλος vgl. zum voranstehenden Vers 6,16. ♦ ὑπακούω steht 24 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25; *2Thess 1,8; *Laod 6,1. ♦ Die Kombination εἰς ὅν steht 12 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,10. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, wohl auch in *Gal 2,20, wenn hierfür auch unbezeugt. ♦ τύπος, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6. ♦ διδαχή steht 33 Mal im NT, vorkanonisch in *Ev 4,32 für Jesu Lehren, ansonsten ist es jedoch ein typischer Begriff der kanonischen Redaktion, der in *Paulus nicht begegnet. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χάρις δέ; εἰς ὅν. (6,18) ἐλευθερόω steht 15 / 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,1. ♦ ἀπό steht 711 / 646 Mal im NT, vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ Die Form ἐλευθερωθέντες steht noch 1 weiteres Mal in Röm 6,22 auf der kanonischen Ebene. ♦ δουλόω steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. ♦ Die Wendung ἀπὸ τῆς ἁμαρτίας steht 3 Mal im NT, ausschließlich in diesem Kapitel (Röm 6,7. 18. 22). ♦ Die Form τῇ δικαιοσύνῃ steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,3. 4 (Röm) 119 <?page no="120"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἐλευθερωθέντες; Semantik von δουλόω. (6,19) ἀνθρώπινος, das 8 / 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀσθένεια, das 27 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,9. 10. ♦ Die Wendung τῆς σαρκὸς ὑμῶν steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Kol 2,13. ♦ Die Kombination ὥσπερ γάρ, die 13 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὰ μέλη ὑμῶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene im Zusammenhang hier (Röm 6,13. 19). ♦ ἀκαθαρσία, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ ἀνομία, das 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Wendung οὕτως νῦν steht nur hier. ♦ Zur kanonischen Semantik von δοῦλος vgl. zum voranstehenden Vers 6,16. ♦ Die Form τῇ δικαιοσύνῃ steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,3. ♦ ἁγιασμός, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3. 7. ♦ Die Wendung εἰς ἁγιασμόν begegnet noch 1 weiteres Mal in Röm 6,22. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀνθρώπινος; τῆς σαρκὸς ὑμῶν; ὥσπερ γάρ; τὰ μέλη ὑμῶν; ἀνομία; Semantik von δοῦλος; εἰς ἁγιασμόν. (6,20) ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ Die Kombination ὅτε γάρ steht 2 Mal im NT, beide Male als Verseröffnung (Röm 6,20; 7,5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, fehlt jedoch als Selbstbezeichnung im Verhältnis zu Gott oder Christus auf der vorkanonischen Ebene. ♦ Zur Verbform ἦτε vgl. zuvor zu Vers 17. ♦ ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,22. 23. ♦ Die Form τῇ δικαιοσύνῃ steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτε γάρ; Semantik von δοῦλος. (6,21) τίνα (Nom. / Akk. Neut. Pl. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.) steht 27 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ καρπός, das 71 / 66 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form εἴχετε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 9,41; Röm 6,21; 1Joh 2,7). ♦ τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. ♦ Zu νῦν vgl. zum voranstehenden Vers 6,19. ♦ ἐπαισχύνομαι, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,26. ♦ τέλος, das 43 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11; *Röm 10,4. ♦ ἐκεῖνος, das 265 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11; *Laod 2,12. 120 Rekonstruktion <?page no="121"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καρπός; εἴχετε. (6,22) νυνί, das 24 Mal im NT steht, und zwar nur Apg und in Briefliteratur, ist vorkanonisch nur für *Röm 3,21 und *Laod 2,13 bezeugt. ♦ Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13 (Verseröffnung), vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten ἐλευθερόω vgl. zuvor zu Vers 6,18. ♦ Die Form ἐλευθερωθέντες steht noch 1 weiteres Mal in Röm 6,18 auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπό steht 711 / 646 Mal im NT, vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ Die Wendung ἀπὸ τῆς ἁμαρτίας steht 3 Mal im NT, ausschließlich in diesem Kapitel (Röm 6,7. 18. 22). ♦ Zur kanonischen Semantik von δοῦλος vgl. zuvor zu Vers 6,20. ♦ Zum kanonischen καρπός vgl. den Vers zuvor 6,21. ♦ Zum nur kanonisch stehenden εἰς ἁγιασμόν vgl. zuvor zu Vers 6,19. ♦ Die Form ζωὴν αἰώνιον steht 31 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐλευθερωθέντες; ἀπὸ τῆς ἁμαρτίας; Semantik von δοῦλος; καρπός; εἰς ἁγιασμόν. (6,23) ὀψώνιον, das 4 Mal im NT steht, ist nur belegt für die kanonische Ebene. ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Wendung τῷ κυρίῳ ἡμῶν steht 6 Mal im NT, davon 4 Mal als Versschluss (Versschluss: Röm 6,23; 8,39; 1Kor 15,31; Eph 3,11; im Vers: Röm 16,18; 1Tim 1,12), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die weitere Wendung ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,31. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὀψώνιον; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; τῷ κυρίῳ ἡμῶν; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν. Zwar begegnen in diesem Kapitel eine Reihe von Elementen, die nur hier vorkommen und darum einen Anteil der kanonischen Elemente bilden, dennoch bleiben reichlich weitere Elemente, die das Kapitel als Ganzes und die einzelnen Verse auf die kanonische Ebene verweisen. Das gesamte Kapitel geht folglich auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. 4 (Röm) 121 <?page no="122"?> 122 Detering gibt die Verse nach dem kanonischen Text, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 176-177. 123 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 411-412. Kapitel 7 7,[1-3]: [Das Gesetz hat nur Geltung, solange jemand lebt] Das Kapitel beginnt mit einer kanonischen Digression, welche das Gesetzes‐ thema des auf der kanonischen Ebene eingeschobenen Kapitels 6 fortführt. Diese Eröffnung hat vorkanonisch gefehlt. - 7,1 Ἢ ἀγνοεῖτε, ἀδελφοί, γινώσκουσιν γὰρ νόμον λαλῶ, ὅτι ὁ νόμος κυριεύει τοῦ ἀνθρώπου ἐφ’ ὅσον χρόνον ζῇ; 2 ἡ γὰρ ὕπανδρος γυνὴ τῷ ζῶντι ἀνδρὶ δέδεται νόμῳ· ἐὰν δὲ ἀποθάνῃ ὁ ἀνήρ, κατήργηται ἀπὸ τοῦ νόμου τοῦ ἀνδρός. 3 ἄρα οὖν ζῶντος τοῦ ἀνδρὸς μοιχαλὶς χρηματίσει ἐὰν γένηται ἀνδρὶ ἑτέρῳ· ἐὰν δὲ ἀποθάνῃ ὁ ἀνήρ, ἐλευθέρα ἐστὶν ἀπὸ τοῦ νόμου, τοῦ μὴ εἶναι αὐτὴν μοιχαλίδα γενομένην ἀνδρὶ ἑτέρῳ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (7,1-3) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt. 122 Zahn nimmt an, dass sie in irgendeiner Form präsent waren und auch BeDuhn rechnet mit dieser Möglichkeit. Er fügt aus Vers 1 die Übersetzung folgenden griechischen Textes in Klammern hinzu: [Ἢ ἀγνοεῖτε, ἀδελφοί, γινώσκουσιν γὰρ νόμον λαλῶ, ὅτι ὁ νόμος κυριεύει τοῦ ἀνθρώπου ἐφ’ ὅσον χρόνον ζῇ; ]. Wolter verweist darauf, es handele sich bei dieser Stelle „vermutlich“ um einen „Rückgriff auf 1Kor 7,39“, weil es umfangreiche Überschneidungen zwischen beiden Stellen gäbe, hier lediglich ergänzt durch den Bezug auf das Gesetz. 123 Aufgrund des lexikalischen Vergleichs weiter unten kann dieses Urteil Wolters präzisiert werden: Es handelt sich um eine Relation, wenn nicht teilweise Duplikation der Verse auf der kanonischen Ebene, wie das parallele, nur kanonisch bezeugte, ἐλευθέρα ἐστίν zeigt. Darüber hinaus fällt auf, dass die Passage in Vers 1 gleich auf das „Gesetz“ zu sprechen kommt, dessen Kenntnis bei den Adressaten ausdrücklich vorausgesetzt wird. Hierzu passt, dass dann in Vers 2 eine Formulierung ὕπανδρος γυνή begegnet, die im Gesetz zu finden ist (Num 5,19. 20, 29 LXX). 124 122 Rekonstruktion <?page no="123"?> 124 Vgl. auch Spr 6,24. 29; Sir 9,9; 41,23; TestAbrB 12,2; TestRub 3,10; vgl. auch Theoph., Ad Autolyc. 3,13. Zu diesen und weiteren Stellen ibid. 413. 125 Vgl. zur Duplikation die Einleitung, I, S. 563-568. Der kanonische Charakter der Stelle wird auch durch die für diese Redaktion typische Duplikation untermauert. 125 D. (7,1) Die Kombination ἢ ἀγνοεῖτε steht 2 Mal im NT, beide Male als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 6,3; 7,1). ♦ γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ κυριεύω, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὅσος, das 121 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ χρόνος steht 61 / 54 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4. ♦ Die Kombination ἐφ’ ὅσον χρόνον steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 7,39. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Hier im Kapitel findet es sich auch in den Versen 2, 3 und 9. ♦ Die Form ζῇ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. erneut zu 1Kor 7,39. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἢ ἀγνοεῖτε; κυριεύω; ἐφ’ ὅσον χρόνον; ζῇ. (7,2) ὕπανδρος ist Hapax legomenon im NT. ♦ γυνή, das 246 / 215 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,1; 7,2 (? ). 10; 11,5. 10; 14,34; *Laod 5,22. 23. 28. ♦ Die Form τῷ ζῶντι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 7,2; 3 Mal Apk). ♦ ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23. ♦ Die Form δέδεται steht nur 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 7,2; 1Kor 7,39: δέδεται νόμῳ; 2Tim 2,9). ♦ Die Kombination ἐὰν δέ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. ♦ Die Form ἀποθάνῃ steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,36. ♦ καταργέω steht 27 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15. ♦ Die Wendung ἀπὸ τοῦ νόμου steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 5,18; Röm 7,2. 3. 6; 8,2). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τῷ ζῶντι; δέδεται νόμῳ; ἀπὸ τοῦ νόμου. (7,3) Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ Zu ἀνήρ vgl. zu Vers 2. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zu Vers 2. ♦ μοιχαλίς steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ χρηματίζω findet sich 9 Mal im NT, 4 (Röm) 123 <?page no="124"?> ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἀποθάνῃ vgl. zum voranstehenden Vers 7,2. ♦ Die Kombination ἐλευθέρα ἐστίν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. erneut zu 1Kor 7,39. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ αὐτήν, das 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρα οὖν; μοιχαλίς; χρηματίζω; ἐλευθέρα ἐστνί. 7,4-5 6 7 [8-10] 11-14 [15-17] 18 19 [20-22] 23-24 [25]: Ist das Gesetz Sünde? Der vorkanonische Gedankengang in dieser Passage ist gut bezeugt und lässt sich dementsprechend nachvollziehen. Durch die Zugehörigkeit der Adres‐ sierten zu Christus und von den Toten Auferstandenen sind die Lesenden „tot für das Gesetz“, auch wenn gerade durch das Gesetz die Leidenschaften der Sünden im Leib wirken. Mit der Beseitigung des „Gesetzes des Todes“ eröffnet sich die neue Antithese zwischen der „neuen Wirklichkeit des Geistes“, die vom Dienst gegenüber „der alten Wirlkichkeit des Buchstabens“ löst. Daraus will *Paulus aber nicht schließen, dass das Gesetz selbst Sünde ist, es dient der Erkenntnis der Sünde, die sich des Gesetzes bedient, während das Gesetz selbst „heilig, gerecht und gut“ ist, allerdings lediglich in der Funktion, um die Sünde aufzudecken. Während das Gesetz selbst als „geistlich“ apostrophiert wird, eröffnet sich die weitere Antithese zwischen Geist und Fleisch, in welchem „nichts Gutes“ wohnt. Hieraus folgt die Frage: „Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten? “ Die Antwort auf diese Frage wird im folgenden Kapitel 8 gegeben. Auf der kanonischen Ebene wird die Frage zunächst am konkreten Fall, wie lange eine Ehefrau durch das Gesetz an den Mann gebunden ist, eingeführt. Außerdem kommt das neue Thema des Begehrens in einer Digression (Verse 7b-10) hinein. Im letzten Teil der Ausführungen finden sich auf der kanonischen Ebene verschiedene Duplikationen, die eher verwirrend wirken, vor allem aber die Emphase unterstreichen sollen, mit der der kanonische Paulus predigt. 7,4 καὶ ὑμεῖς ἐθανατώθητε τῷ νόμῳ διὰ τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ, εἰς τὸ γενέσθαι ὑμᾶς ἑτέρῳ, τῷ ἐκ νεκρῶν ἐγερθέντι. 4 ὥστε, ἀδελφοί μου, καὶ ὑμεῖς ἐθανατώθητε τῷ νόμῳ διὰ τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ, εἰς τὸ γενέσθαι ὑμᾶς ἑτέρῳ, τῷ ἐκ νεκρῶν ἐγερθέντι, ἵνα καρποφορήσωμεν τῷ θεῷ. 5 ἐν τῇ σαρκί τὰ παθήματα τῶν ἁμαρτιῶν τὰ διὰ τοῦ νόμου ἐνηργεῖτο ἐν τοῖς μέλεσιν. 5 ὅτε γὰρ ἦμεν ἐν τῇ σαρκί, τὰ παθήματα τῶν ἁμαρτιῶν τὰ διὰ τοῦ 124 Rekonstruktion <?page no="125"?> νόμου ἐνηργεῖτο ἐν τοῖς μέλεσιν ἡμῶν εἰς τὸ καρποφορῆσαι τῷ θανάτῳ· 6 νυνὶ δὲ καταργεῖται ὁ νόμος τοῦ θανάτου ἐν ᾧ κατειχόμεθα, ὥστε δουλεύειν ὑμᾶς ἐν καινότητι πνεύματος καὶ οὐ παλαιότητι γράμματος. 6 νυνὶ δὲ κατηργήθημεν ἀπὸ τοῦ νόμου, ἀποθανόντες ἐν ᾧ κατειχόμεθα, ὥστε δουλεύειν ἡμᾶς ἐν καινότητι πνεύματος καὶ οὐ παλαιότητι γράμματος. 7 Τί οὖν ἐροῦμεν; ὅτι ὁ νόμος ἁμαρτία; μὴ γένοιτο· ἀλλὰ τὴν ἁμαρτίαν οὐκ ἔγνων εἰ μὴ διὰ νόμου, 7 Τί οὖν ἐροῦμεν; ὁ νόμος ἁμαρτία; μὴ γένοιτο· ἀλλὰ τὴν ἁμαρτίαν οὐκ ἔγνων εἰ μὴ διὰ νόμου, τήν τε γὰρ ἐπιθυμίαν οὐκ ᾔδειν εἰ μὴ ὁ νόμος ἔλεγεν, Οὐκ ἐπιθυμήσεις. - 8 ἀφορμὴν δὲ λαβοῦσα ἡ ἁμαρτία διὰ τῆς ἐντολῆς κατειργάσατο ἐν ἐμοὶ πᾶσαν ἐπιθυμίαν· χωρὶς γὰρ νόμου ἁμαρτία νεκρά. 9 ἐγὼ δὲ ἔζων χωρὶς νόμου ποτέ· ἐλθούσης δὲ τῆς ἐντολῆς ἡ ἁμαρτία ἀνέζησεν, 10 ἐγὼ δὲ ἀπέθανον, καὶ εὑρέθη μοι ἡ ἐντολὴ ἡ εἰς ζωὴν αὕτη εἰς θάνατον· 11 ἡ ἁμαρτία ἀφορμὴν λαβοῦσα διὰ τῆς ἐντολῆς ἐξηπάτησεν, 11 ἡ γὰρ ἁμαρτία ἀφορμὴν λαβοῦσα διὰ τῆς ἐντολῆς ἐξηπάτησέν με καὶ δι’ αὐτῆς ἀπέκτεινεν. 12 ὥστε ὁ μὲν νόμος ἅγιος, καὶ ἡ ἐντολὴ ἁγία καὶ δικαία καὶ ἀγαθή. 12 ὥστε ὁ μὲν νόμος ἅγιος, καὶ ἡ ἐντολὴ ἁγία καὶ δικαία καὶ ἀγαθή. 13 ἵνα φανῇ ἁμαρτία, ἵνα γένηται καθ’ ὑπερβολὴν ἁμαρτωλὸς ἡ ἁμαρτία διὰ τῆς ἐντολῆς. 13 Τὸ οὖν ἀγαθὸν ἐμοὶ ἐγένετο θάνατος; μὴ γένοιτο· ἀλλὰ ἡ ἁμαρτία, ἵνα φανῇ ἁμαρτία, διὰ τοῦ ἀγαθοῦ μοι κατεργαζομένη θάνατον· ἵνα γένηται καθ’ ὑπερβολὴν ἁμαρτωλὸς ἡ ἁμαρτία διὰ τῆς ἐντολῆς. 14 ὁ νόμος πνευματικός ἐστιν. 14 οἴδαμεν γὰρ ὅτι ὁ νόμος πνευματικός ἐστιν· ἐγὼ δὲ σάρκινός εἰμι, πεπραμένος ὑπὸ τὴν ἁμαρτίαν. - 15 ὃ γὰρ κατεργάζομαι οὐ γινώσκω· οὐ γὰρ ὃ θέλω τοῦτο πράσσω, ἀλλ’ ὃ μισῶ τοῦτο ποιῶ. 16 εἰ δὲ ὃ οὐ θέλω τοῦτο ποιῶ, σύμφημι τῷ νόμῳ ὅτι καλός. 17 νυνὶ δὲ οὐκέτι ἐγὼ κατεργάζομαι αὐτὸ ἀλλὰ ἡ οἰκοῦσα ἐν ἐμοὶ ἁμαρτία. 18 οὐκ οἰκεῖ ἐν ἐμοί, τοῦτ’ ἔστιν ἐν τῇ σαρκί μου, ἀγαθόν· 18 οἶδα γὰρ ὅτι οὐκ οἰκεῖ ἐν ἐμοί, τοῦτ’ ἔστιν ἐν τῇ σαρκί μου, ἀγαθόν· τὸ γὰρ θέλειν παράκειταί μοι, τὸ δὲ κατεργάζεσθαι τὸ καλὸν οὔ: 19 οὐ γὰρ ὃ θέλω ποιῶ ἀγαθόν, ἀλλὰ ὃ οὐ θέλω κακὸν τοῦτο πράσσω. 19 οὐ γὰρ ὃ θέλω ποιῶ ἀγαθόν, ἀλλὰ ὃ οὐ θέλω κακὸν τοῦτο πράσσω. 20 εἰ δὲ ὃ οὐ θέλω ἐγὼ τοῦτο ποιῶ, οὐκέτι 4 (Röm) 125 <?page no="126"?> 126 Zu den ungenannten Häretikern werden u. a. markionitische Christen gezählt, so M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 111. ἐγὼ κατεργάζομαι αὐτὸ ἀλλὰ ἡ οἰκοῦσα ἐν ἐμοὶ ἁμαρτία. 21 Εὑρίσκω ἄρα τὸν νόμον τῷ θέλοντι ἐμοὶ ποιεῖν τὸ καλὸν ὅτι ἐμοὶ τὸ κακὸν παράκειται· 22 συνήδομαι γὰρ τῷ νόμῳ τοῦ θεοῦ κατὰ τὸν ἔσω ἄνθρωπον, 23 ἕτερον νόμον ἐν τοῖς μέλεσίν μου ἀντιστρατευόμενον τῷ νόμῳ τοῦ νοός μου καὶ ἐν τῷ νόμῳ τῆς ἁμαρτίας τῷ ὄντι ἐν τοῖς μέλεσίν μου ἔστιν. 23 βλέπω δὲ ἕτερον νόμον ἐν τοῖς μέλεσίν μου ἀντιστρατευόμενον τῷ νόμῳ τοῦ νοός μου καὶ αἰχμαλωτίζοντά με ἐν τῷ νόμῳ τῆς ἁμαρτίας τῷ ὄντι ἐν τοῖς μέλεσίν μου. 24 ταλαίπωρος ἐγὼ ἄνθρωπος· τίς με ῥύσεται ἐκ τοῦ σώματος τοῦ θανάτου τούτου; 24 ταλαίπωρος ἐγὼ ἄνθρωπος· τίς με ῥύσεται ἐκ τοῦ σώματος τοῦ θανάτου τούτου; - 25 χάρις δὲ τῷ θεῷ διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ κυρίου ἡμῶν. ἄρα οὖν αὐτὸς ἐγὼ τῷ μὲν νοῒ δουλεύω νόμῳ θεοῦ, τῇ δὲ σαρκὶ νόμῳ ἁμαρτίας. A. *7,4-5: Vgl. Tert. Adv. Marc. V 13,12: Possum et hic de substantia Christi praestruere ex prospectu quaestionis subsecuturae. Mortuos enim nos inquit legi <per corpus Christi>. Ergo corpus Christi, et potest corpus contendi, non statim caro. Sed et quaecunque substantia sit, cum eius nominat corpus quem subicit ex mortuis resurrexisse, non potest aliud corpus intellegi quam carnis, in quam lex mortis est dicta; vgl. Adam., Dial. V 22 (im Mund des Adamantius): ὅτε γὰρ ἦτε ἐν σαρκί, τὰ παθήματα τῶν ἁμαρτιῶν, τὰ διὰ τῆς σαρκός, ἐνηργεῖτο ἐν ὑμῖν (Rufin: Cum enim essetis in carne uitia peccatorum quae per legem sunt operabantur in uobis). ♦ *7,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,13: Ecce autem et testimonium perhibet legi, et causa delicti eam excusat. Quid ergo dicemus? quia lex peccatum? absit. Erubesce, Marcion. Absit. Abominatur apostolus criminationem legis. Sed ego delictum non scio nisi per legem; vgl. Adv. Marc. I 27,3. 5: Atque adeo prae se ferunt Marcionitae quod deum suum omnino non timeant. … Absit, inquis, absit. Ergo iam times delictum, et timendo probasti illum timeri qui prohibet delictum. Aliud est si eadem dei tui perversitate quem non times observas, qua et ille quod non vindicat prohibet; Clem. Alex., Strom. II 7,24,4: γὰρ αἱμάτων μετέχοντες θησαυρίζουσιν ἑαυτοῖς κακά· πῶς οὖν ἔτι οὐκ ἀγαθὸς ὁ νόμος πρός τινων αἱρέσεων λέγεται ἐπιβοωμένων τὸν ἀπόστολον λέγοντα διὰ γὰρ νόμου γνῶσις ἁμαρτίας; πρὸς οὕς φαμεν· ὁ νόμος οὐκ ἐποίησεν, ἀλλ’ ἔδειξεν τὴν ἁμαρτίαν; 126 Hegemonius, Acta Arch. 45 (66,18 Beeson): … tantummodo agnitionem peccati 126 Rekonstruktion <?page no="127"?> per legem fieri. Vgl. Ex 20,7 LXX: οὐκ ἐπιθυμήσεις τὴν γυναῖκα τοῦ πλησίον σου. οὐκ ἐπιθυμήσεις τὴν οἰκίαν τοῦ πλησίον σου-… ♦ *7,11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,14: O summum ex hoc praeconium legis, per quam <non> licuit delictum latere! Non ergo lex seduxit, sed peccatum per praecepti occasionem. Quid deo imputas legis quod legi eius apostolus imputare non audet? Vgl. Gen 3,13: καὶ εἶπεν ἡ γυνή ῾Ο ὄφις ἠπάτησέν με … ♦ *7,12: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,14-15: [14] … Atquin et accumulat: Lex sancta, et praeceptum eius iustum et bonum. [15] Si taliter veneratur legem creatoris, quomodo ipsum destruat nescio. Quis discernit duos deos, iustum alium, bonum alium, cum is utrumque debeat credi cuius praeceptum et bonum et iustum est? Epiph., Pan. 42, Sch. 32 (118; 177 H.): ὥστε ὁ μὲν νόμος ἅγιος, καὶ ἡ ἐντολὴ ἁγία καὶ δικαία καὶ ἀγαθή; Adam., Dial. II 20 (im Mund des Adamantius): ὥστε ὁ μὲν νόμος ἅγιος, καὶ ἡ ἐντολὴ ἁγία καὶ δικαία καὶ ἀγαθή (Rufin: Itaque lex quidem sancta, et mandatum sanctum et iustum et bonum). ♦ *7,13: Vgl. den bisher übersehenen Hinweis in Tert., Adv. Marc. V 13,14: per quam <non> licuit delictum latere! Adam., Dial. II 20 (im Mund des Adamantius): ἡ ἁμαρτία, ἵνα φανῇ ἁμαρτία, διὰ τοῦ ἀγαθοῦ μοι κατεργαζομένη θάνατον (Rufin: Ut peccatum appareat peccatum, per bonum mihi operatum est mortem). ♦ *7,14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 13,15: Si autem et spiritalem confirmat legem, utique et propheticam, utique et figuratam. ♦ *7,18: Vgl. Clem. Alex., Strom. III 11,76: κἂν οἱ ἀντιτασσόμενοι τῶν ἑτεροδόξων προσαποτεινόμενον τὸν Παῦλον τῷ κτίστῃ εἰρηκέναι ὑπολάβωσι τὰ ἑξῆς οἶδα γὰρ ὅτι οὐκ οἰκεῖ ἐν ἐμοί, τοῦτέστιν ἐν τῇ σαρκί μου, ἀγαθόν. ♦ *7,23: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,1: Peccatum enim carni supra adscripsit, et illam fecit legem peccati habitantem in membris suis et adversantem legi sensus; vgl. Hegemonius, Acta Arch. 45 (66,19-20 Beeson): lex ipsa peccatum sit. ♦ *7,24: Adam., Dial. V 21 (im Mund des Markioniten): ταλαίπωρος ἐγὼ ἄνθρωπος: τίς με ῥύσεται ἐκ τοῦ σώματος τοῦ θανάτου τούτου (Rufin: Miser ego homo! quis me liberabit de corpore mortis huius? ). ♦ 7,25: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,1: Peccatum enim carni supra adscripsit. Zahn hat wohl diesen Hinweis bereits als Bezeugung des letzten Teils von Vers 25 betrachtet. Harnack verweist hingegen auf Adam., Dial. V 27 (im Mund des Adamantius): ἄρα γὰρ αὐτὸς ἐγὼ τῷ μὲν νοῒ δουλεύω νόμῳ τοῦ θεοῦ, τῇ δὲ σαρκὶ νόμῳ ἁμαρτίας (Rufin: Ego ipse mente quidem seruio legi dei, carne autem legi peccati). B. (7,4) Das ἡμᾶς ist wohl fehlerhaft ausgefallen in den Zeugen 03, 010, 012, 629, während in 1505 ὑμᾶς steht. ♦ (7,6) Anstelle von νόμου ἀποθανόντες steht τοῦ θανάτου in den Zeugen 06, 010, 012, it, vg cl , Or lat mss , Ambst. ♦ (7,18) Post τὸ καλὸν οὔ add οὐχ εὑρίσκω in 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 33, 104, 1175, 1241, 1505, 1506, 2464, M, latt, sy, Ir lat ; om in 01, 02, 03, 04, 6, 81, 1739, 1881, co, Meth, Did, NA 28 . 4 (Röm) 127 <?page no="128"?> 127 Detering nimmt beide Verse nach dem kanonischen Text, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 177. 128 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 417. 129 So auch H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 177. C. 1. (7,4-5) Nach Hilgenfeld „berührt“ Tertullian Vers 4. Zahn hält den kanoni‐ schen Text von Vers 4 für bezeugt und rechnet auch mit der Präsenz von Vers 5, den er aber für unbezeugt hält. 127 Harnack hingegen hält folgenden Textbestand dieser beiden Verse für be‐ zeugt, wobei er auch das Zeugnis des Adamantius miteinbezieht: 4 ἐθανατώθητε τῷ νόμῳ διὰ τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ … τῷ ἐκ νεκρῶν ἐγερθέντι. 5 ὅτε γὰρ ἦμεν ἐν τῇ σαρκί, τὰ παθήματα τῶν ἁμαρτιῶν τὰ διὰ τοῦ νόμου ἐνηργεῖτο ἐν ἡμῖν. Schmid rechnet lediglich mit folgendem bezeugten Textbestand: ἐθανατώθητε τῷ νόμῳ διὰ τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ. BeDuhn verweist zu Recht darauf, dass das Adamantiuszeugnis nicht Mark‐ ions *Paulus wiedergibt, da die Passage vor derjenigen steht, in der der Dialog ausdrücklich auf den vorkanonischen Text wieder zurückkehrt, dass allerdings mit dem Passus quam carnis, in quam lex mortis est dicta zumindest Anspielungen auf Vers 5 vorliegen. Er basiert seine Übersetzung auf folgenden griechischen Text: 4 ὑμεῖς ἐθανατώθητε τῷ νόμῳ διὰ τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ, [εἰς τὸ γενέσθαι ὑμᾶς ἑτέρῳ], τῷ ἐκ νεκρῶν ἐγερθέντι, [ἵνα καρποφορήσωμεν τῷ θεῷ. 5 ὅτε γὰρ ἦμεν ἐν] τῇ σαρκί, [τὰ παθήματα τῶν ἁμαρτιῶν τὰ διὰ τοῦ νόμου ἐνηργεῖτο ἐν τοῖς μέλεσιν ἡμῶν εἰς τὸ καρποφορῆσαι] τῷ θανάτῳ. Auf die Nähe zwischen den Versen 5-6 und Röm 6,20-22 hat Wolter auf‐ merksam gemacht. 128 Dies erweist die frühere Stelle als eine gewisse redaktio‐ nelle Duplikation. 2. (7,6) Dieser 6 gilt nach allen Editoren als unbezeugt, auch wenn Zahn mit einerPräsenz des Verses rechnet, deren Wortlaut unbestimmt bleibt. Auch BeDuhn schließt ihn in seine Rekonstruktion ein, indem er den kanonischen Text zugrundelegt, vermutlich aus inhaltlichen Gründen. 129 Nicht aus diesen, sondern eher aufgrund der Variante, die vom Gesetz als einem Gesetz des Todes spricht, was an „das Testament des Todes“ von *2Kor 3,7 erinnert, könnte der Vers vorkanonisch gestanden sein - eine Bezeichnung des Gesetzes, das dort wie hier von der kanonischen Redaktion in verschiedener Weise getilgt wurde. Problematisch ist auf der kanonischen Ebene der Wechsel von der Anrede der Adressaten zur 1. Pers. Pl. in Röm 7,6 (κατηργήθημεν) wie auch die Formulierung ἀπὸ τοῦ νόμου. Falls der Vers stand, wird man eher in Anlehnung an *1Kor 15,26 ein καταργεῖται ὁ νόμος in den Text aufnehmen. 128 Rekonstruktion <?page no="129"?> 130 Vgl. J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. 131 Detering bietet den kanonischen Text, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprüng‐ lichen Gestalt (2005), 177. 132 J. Dochhorn, Neue Erkundungen zum Werden und Wesen der Theologie des Paulus. Ein Bericht aus eigener Forschung mit Fokus auf der Nomologie (2024). 133 So auch H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 177. J.A. Fitzmyer betrachtet diesen Vers als „sekundäre Glosse“, nimmt also einen Unterschied zwischen kanonischer und vorkanonischer Ebene wahr, auch wenn er die zeitliche Anordnung der Fassungen gemäß der traditionellen Sicht umgekehrt vornimmt. 130 3. (7,7) Nach Hilgenfeld „berührt“ Tertullian diesen Vers. Zahn sieht den folgenden Text bezeugt: Τί οὖν ἐροῦμεν; ὁ νόμος ἁμαρτία; μὴ γένοιτο: ἀλλ’ ἐγὼ τὴν ἁμαρτίαν οὐκ οἶδα (? ) εἰ μὴ διὰ νόμου. Den Rest von Vers 7 sieht er zwar als unbezeugt an, jedoch rechnet er mit dessen Präsenz in unbestimmbarer Form. Harnack rekonstruiert wie folgt: Τί οὖν ἐροῦμεν; ὅτι νόμος ἁμαρτία; μὴ γένοιτο: ἀλλ’ ἐγὼ τὴν ἁμαρτίαν οὐ γιγνώσκω εἰ μὴ διὰ νόμου. Schmid hält sich näher an den kanonischen Text, auch wenn er von Harnack die Angleichung an Tertullian durch die Einfügung von ὅτι übernimmt, jedoch noch den Artikel grammatikalisch korrekt hinzusetzt: Τί οὖν ἐροῦμεν; ὅτι ὁ νόμος ἁμαρτία; μὴ γένοιτο: ἀλλὰ τὴν ἁμαρτίαν οὐκ ἔγνων εἰ μὴ διὰ νόμου … Da Schmid jedoch anders als Zahn und Harnack das Partizip ἔγνων (Tertullian: ego … scio) nicht ändert und damit die Konstruktion Tertullians nicht übernimmt - die ja tatsächlich seiner rhetorischen Umgestaltung als direkte Ansprache an Markion geschuldet ist - müsste er auch mit dem Folgetext rechnen. BeDuhn schließt sich Harnacks Rekonstruktion an und lässt konsequenter‐ weise auch den Rest von Vers 7 beiseite. 131 Für diesen Vers und die gesamte Passage bis Vers 25 ist die Untersuchung von J. Dochhorn von Bedeutung, der nachweist, dass die kanonische Passage abhängig ist von der „Apokalypse des Mose“, insbesondere von Apoc Mos 15-30. Doch fast alle Verweise, die er anführt, insbesondere Röm 7,22 (dann auch Gal 3,4; 2Kor 2,13; 7,5; 10,4; Röm 2,1-11 [vorkanonisch nur Vers 2]; 3,23; 5,12; 6,12; 7,8. 16; 8,13; 16,20; Eph 5,26-27) fehlen in der vorkanonischen Version und finden sich lediglich auf der kanonischen Ebene. 132 Das bedeutet, die Vorstellung von einem zwanghaften „Sündigenmüssen“ ist kanonischer Eintrag in den vorkanonischen Text. 4. (7,8-11) Zahn sieht Vers 8 nach dem kanonischen Wortlaut bezeugt, 133 während er die Verse 9-11 für unbezeugt hält, jedoch in unbestimmbarer Form mit deren Präsenz rechnet. 4 (Röm) 129 <?page no="130"?> 134 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 106*. 135 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 438. 136 So auch H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 177. Auch für die Verse 13-25 folgt er dem kanonischen Text. 137 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 107*. Harnack sieht in Tertullians Kommentar eine Anspielung auf Vers 8 „kombi‐ niert mit 11“. 134 Er gibt folgenden Text als bezeugt: 8 ἁμαρτία ἀφορμὴν λαβοῦσα διὰ τῆς ἐντολῆς ἐξηπάτησέν. Schmid sieht keinen Hinweis auf die Verse 8-10, sondern folgenden Text aus Vers 11 bezeugt: ἡ (γὰρ) ἁμαρτία ἀφορμὴν λαβοῦσα διὰ τῆς ἐντολῆς ἐξηπάτησεν. BeDuhn ist der Meinung, dass Tertullian gleichermaßen auf die fast iden‐ tischen Formulierungen aus den Versen 8 und 11 anspielen kann. Seiner Übersetzung legt er folgenden griechischen Text zugrunde: 8 ἁμαρτία ἀφορμὴν δὲ λαβοῦσα διὰ τῆς ἐντολῆς … 11 … ἐξηπάτησέν [με καὶ δι’ αὐτῆς ἀπέκτεινεν]. Das vorangestellte peccatum deutet jedoch darauf hin, dass, wie Schmid richtig gesehen hat, Tertullian nicht Vers 8 im Blick hat, sondern Vers 11; andererseits verweist das sed auf das δὲ von Vers 8. Was die sicher unbezeugten Verse 9-10 betrifft, fällt die Personalisierung des Inhalts auf mit der Aussage, dass Paulus selbst einmal ohne das Gesetz gelebt habe, eine offene Flanke, die Tertullian wohl kaum ausgelassen hätte, um Markion hiermit zu treffen, hätte er dies im Text gelesen. Der unten aufgeführte Vergleich der Lexeme für die drei Verse hilft, den näheren Zuschnitt des vermutlich vorkanonischen Textes zu bestimmen. Das δέ in Vers 8 wurde wohl wegen des Schriftzitats in den kanonischen Text eingeführt und passt trotz Tertullians Bericht nur zu dieser Ebene. Derselben Redaktion wird man auch die beiden nächsten Verse 9 und 10 zuordnen. Auffallend ist die Duplikation, vergleicht man die Teilübereinstimmung der Verse 8-10 und 11, auf die Wolter hinweist. 135 Vers 11 könnte eine Anspielung auf Gen 3,13 sein. 5. (7,12) Für Hilgenfeld berührte Tertullian diesen Vers, und Epiphanius halte sich an ihn. Nach Zahn ist der kanonische Text dieses Verses bezeugt. 136 Harnack ist der Meinung, Tertullian habe „die Abkürzungen von ἅγιος und αὐτός … wahrscheinlich verwechselt“. 137 Wahrscheinlicher ist wohl, dass Tertullian in seinen Kommentar seine Interpretation einfließen lässt, wonach Markion diesen Vers auf den transzendenten Gott, nicht auf den Schöpfergott bezogen hat. Harnack gibt in seiner Rekonstruktion den Text des Epiphanius. Ihm schließen sich Schmid und BeDuhn an. 130 Rekonstruktion <?page no="131"?> 138 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. 6. (7,13) Nach Hilgenfeld „berührt“ Tertullian diesen Vers. Zahn sieht den kanonischen Wortlaut des gesamten Verses bezeugt. Harnack gibt lediglich den durch Adamantius zitierten Text. Schmid sieht den Vers als unbezeugt, und BeDuhn gibt zu bedenken, dass das Zeugnis des Adamantius nicht sicher ist, nimmt den Vers aber dennoch in seine Rekonstruktion auf, wobei folgender griechischer Text seiner Übersetzung zugrunde liegt: [ἀλλὰ] ἡ ἁμαρτία, ἵνα φανῇ ἁμαρτία, διὰ τοῦ ἀγαθοῦ μοι κατεργαζομένη θάνατον-… 7. (7,14) Nach Hilgenfeld „berührt“ Tertullian diesen Vers. Zahn rechnet er‐ neut mit dem kanonischen Text des Verses. Harnack ist wieder zurückhaltender und sieht lediglich ὁ νόμος πνευματικός bezeugt. Schmid nimmt noch das ἐστιν als bezeugt hinzu. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: [οἴδαμεν γὰρ ὅτι] ὁ νόμος πνευματικός ἐστιν: [ἐγὼ δὲ σάρκινός εἰμι-…]. 8. (7,15-17) Diese Verse sind nach dem Urteil aller Editoren unbezeugt. Zahn rechnet jedoch mit ihrer Präsenz in unbestimmbarer Form, doch BeDuhn nimmt sie nicht in seine Rekonstruktion auf. 9. (7,18. 21) Weisse ist die Duplikation aufgefallen zwischen diesen beiden Versen und hat sie darum einer späteren Hand zugeschrieben 138 - wie hier zu sehen ist, bezieht sich dies nur auf den unbezeugten Teil von Vers 18, stützt also, dass es sich um die kanonischen Ergänzungen handelt, die sich öfters durch Duplikationen auszeichnen: 18 … τὸ γὰρ θέλειν παράκειταί μοι, τὸ δὲ κατεργάζεσθαι τὸ καλὸν οὔ. 21 Εὑρίσκω ἄρα τὸν νόμον τῷ θέλοντι ἐμοὶ ποιεῖν τὸ καλὸν ὅτι ἐμοὶ τὸ κακὸν παράκειται. 10. (7,19-22) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, gleichwohl rechnet Zahn mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz. 11. (7,23) Zahn sieht den kanonischen Text dieses Verses bezeugt. Harnack will hingegen nur eine „Anspielung“ Tertullians sehen und gibt als bezeugten Text: (ἕτερον) νόμον ἐν τοῖς μέλεσίν μου ἀντιστρατευόμενον τῷ νόμῳ τοῦ νοός μου. Schmid klammert auch das μου noch ein. BeDuhn legt seiner Übersetzung zugrunde: [βλέπω] ἕτερον νόμον ἐν τοῖς μέλεσίν μου ἀντιστρατευόμενον τῷ νόμῳ τοῦ νοός μου-… τῷ νόμῳ τῆς ἁμαρτίας τῷ ὄντι ἐν τοῖς μέλεσίν μου. 12. (7,24) Was die Bezeugung betrifft, gehen die Meinungen der Editoren auseinander. Zahn, Schmid und BeDuhn sehen den Vers als unbezeugt, doch Harnack verweist auf Adam., Dial. V 21 (im Mund des Markioniten). BeDuhn meint, diese Passage zitiere nicht Markions *Paulustext, doch ist auffallend, dass das Zitat im Mund des Markioniten und nicht des Adamantius begegnet und Adamantius vielmehr darauf reagiert. 4 (Röm) 131 <?page no="132"?> 139 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 455. 140 R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1947), 198-199. Vgl. auch die Neupublikation in R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1967). 141 Mit Literatur und den Vertretern der verschiedenen Positionen M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 463. Ausführlich argumentiert für den Charakter einer Glosse O. Hofius, Paulusstudien Band II (2019), 151-152. 13. (7,25) Hilgenfeld verweist auf Adamantius als Zeugen für diesen Vers und notiert: „Die Gegner haben hier [in diesem Kapitel] so sehr Alles, was eine Anerkennung des Gesetzes enthält, hervorgehoben, daß alles Uebrige gewiss vorhanden war“. 139 Harnack sieht diesen Textbestand durch Adamantius bezeugt. Schmid sieht den Vers als unbezeugt, und auch wenn BeDuhn zuvor gerade kritisch gegenüber Adamantius war, lässt er hier den Zeugniswert des Adamantius gelten. Röm 7,25b wird als Glosse betrachtet von R. Bultmann. 140 Wolter verweist darauf, dass Vers 25 „mit dem Ausruf χάρις (δὲ) τῷ θεῷ … nicht mehr das Ich, son‐ dern Paulus“ spreche und damit an Vers 7,6 anknüpfe, „zahlreiche Interpreten haben diese Inkohärenz dadurch zu heilen versucht, dass sie diesen Schlusssatz für eine nachpaulinische Glosse halten, die sekundär in den Text geraten sei“, andere stellen den Vers „zwischen V. 23 und V. 24“, während es „aber auch Kommentatoren (gibt), die beiden Konjekturen skeptisch gegenüberstehen“. 141 D. (7,4) Die hier unbezeugte Konjunktion ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, davon 37 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21 (Verseröffnung); *2Kor 3,7 (im Vers); *Röm 7,12; *2Thess 2,4 (im Vers). ♦ Die Wendung ἀδελφοί μου steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,11. ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ θανατόω steht 11 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Form τῷ νόμῳ steht 18 Mal im NT (2 Mal Mt; Lk 2,24, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 10,26, wo der Teilvers in *Ev fehlt; 24,44, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 5 Mal Joh; Röm 2,20; 3,19; 7,4. 16. 22. 23; 1Kor 14,21), vorkanonisch weiters bezeugt für *Ev 6,27; *1Kor 14,21; *Röm 2,20; 7,23. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist bereits vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus und bezeugt für *Ev und *Gal 6,17; *1Kor 6,13. 15. 16. 20; 11,24. 29; 12,12. 24; 15,35. 37. 38. 40; *2Kor 4,10; 5,8. 10; *Röm 7,4; 8,10. 11; *1Thess 5,23; *Kol 1,24; 2,17; *Phil 3,21. ♦ Die unbezeugte Wendung εἰς τὸ γενέσθαι steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 7,4. ♦ Zur Wendung εἰς τό + Infinitiv vgl. zu Röm 1,20. 142 ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; 132 Rekonstruktion <?page no="133"?> 142 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 15-16. 143 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. Ibid. *Laod 1,20; 5,14. ♦ καρποφορέω steht 8 Mal im NT, ist jedoch nur für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Auffallenderweise sind gerade die unbezeugten Teile (εἰς τὸ γενέσθαι; καρποφορήσωμεν) nur kanonisch belegt, an Stelle des ersten könnte eine andere Formulierung vorka‐ nonisch gestanden sein, der ἵνα-Satz scheint schon wegen des Wechsels von der Ansprache zur 1. Pers. Plural vorkanonisch gefehlt zu haben. (7,5) Zum bezeugten Versteil: ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ Die Kombination ὅτε γάρ steht 2 Mal im NT, beide Male als Verseröffnung (Röm 6,20; 7,5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἦμεν, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu den Versen 18. 25. ♦ Die Wendung ἐν τῇ σαρκί steht 7 Mal im NT (Röm 7,5. 18; 8,3; Gal 4,14; Eph 2,14; Phil 1,24; Kol 1,24), vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,18; *Laod 2,14; *Kol 1,24. ♦ πάθημα, das 16 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,24. ♦ ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20; 2,2. ♦ Die Form τοῖς μέλεσιν begegnet 4 Mal im NT (Röm 7,5. 23; Jak 3,6; 4,1), vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,23. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: Zur Wendung εἰς τό + Infinitiv vgl. zu Röm 1,20. 143 ♦ Zu καρποφορέω, das 8 Mal im NT zu finden ist, vgl. zum voranstehenden Vers 7,4. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. Zur Rekonstruktion: Für diesen Vers ist das Zeugnis Tertullians noch dürftiger, doch nimmt man die Lexik zu Hilfe, wird man den unbezeugten und nur kanonisch belegten Versanfang für eine kanonische Ergänzung halten, ebenso den Schlussteil des Verses (εἰς τὸ καρποφορῆσαι τῷ θανάτῳ). (7,6) Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13 (Verseröffnung), vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15. ♦ Die Wendung ἀπὸ τοῦ νόμου steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 5,18; Röm 7,2. 3. 6; 8,2). ♦ Die Formulierung νόμος + τοῦ θανάτου erinnert an *2Kor 4 (Röm) 133 <?page no="134"?> 3,7: ἡ διαθήκη τοῦ θανάτου. ♦ δουλεύω, das 26 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ καινότης steht 1 weiteres Mal in Röm 6,4 auf der kanonischen Ebene. ♦ παλαιότης ist Hapax legomenon im NT. ♦ γράμμα steht 17 / 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,6 (? ). 7 (? ); 23,38; *Röm 2,27. 29. Zur Rekonstruktion: Der hier vorgelegte Text ist hypothetisch - dass der vorkanonisch unbezeugte Vers vorkanonisch gestanden haben kann, macht sich an der auffallenden Textvariante τοῦ θανάτου in einschlägigen Handschriften fest. Da die kanonische Redaktion zuvor zur 1. Pers. Pl. gewechselt war (die 1. Pers. Pl. in Vers 7 ist hingegen nur der grammatikalischen Form nach eine solche), wird vermutlich auch in diesem Vers entweder eine Anrede oder die hier gewählte Formulierung gestanden sein. Da καινότης nur ein weiteres Mal an anderer Stelle im NT begegnet, allerdings auf der kanonischen Ebene, jedoch zu dem παιλαιότης ein Pendant erforderlich ist, ergibt sich der oben gegebene hypothetische Vorschlag - alternativ wird man den Vers als vorkanonisch fehlend einstufen können. (7,7) Zum bezeugten Versteil: Die Wendung τί οὖν ἐροῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich im Römerbrief, nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, vorkanonisch ebenfalls nur hier bezeugt. ♦ Die Form ἔγνων, die 6 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,46. ♦ Die Wendung εἰ μή steht 86 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ Der Ausdruck διὰ νόμου, der 7 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,12. Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination τε γάρ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. Röm 1,26. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. ♦ Die Form ᾔδειν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Joh; Apg 23,5; Röm 7,7). ♦ ἐπιθυμέω steht 16 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6. ♦ Die Verbform ἔλεγεν steht 74 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die aus der LXX genommene Form ἐπιθυμήσεις steht noch 1 weiteres Mal im NT, Röm 13,9 auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das gestützt wird durch Klemens von Alexandrien und Hegemonius. Im unbezeugten Teil häufen sich die Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τε γάρ; ᾔδειν; ἔλεγεν; ἐπιθυμήσεις). Dieser Teil ist eine kanonische Ergänzung und hat vorkanonisch gefehlt. (7,8) ἀφορμή, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,11. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische 134 Rekonstruktion <?page no="135"?> Ebene belegt. ♦ Der Ausdruck διὰ τῆς ἐντολῆς steht 3 Mal im NT, nur in diesem Zusammenhang hier, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,11. ♦ Die Kombination ἐν ἐμοί, die 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιθυμία steht 40 / 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. ♦ Die Kombination χωρὶς γάρ steht nur hier. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 2,1; 5,14. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwei vorkanonische Elemente auf, sodann liest sich der Vers wie eine Duplikation des vorkanonisch bezeugten Verses 11, dennoch scheint Tertullians Zeugnis nicht auf diesen, son‐ dern auf Vers 11 zu gehen, weil doch auch Elemente begegnen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (κατεργάζομαι; πᾶσαν). (7,9) Die Kombination ἐγὼ δέ steht 33 Mal im Neuen Testament, davon 21 Mal als Verseröffnung, nur im Vers vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,32, vgl. zuvor zu 2Kor 12,15. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ Die Form ἔζων steht nur hier. ♦ Die Wendung χωρὶς νόμου steht noch 1 weiteres Mal, in Röm 3,21, dort vermutlich vorkanonisch, wenn auch nicht ausdrücklich bezeugt. ♦ ἀναζάω findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung ἐγὼ δέ; ἀναζάω). Hinzu kommt die persönliche Wendung auf die Person des Paulus, die ein Charakteristikum der kanonischen Redaktion ist. Der Vers dürfte also ein Produkt dieser Redaktion sein und im vorkanonischen Text gefehlt haben. (7,10) Zur kanonischen Verseröffnung ἐγὼ δέ vgl. zum voranstehenden Vers 7,9. ♦ Die Form ἀπέθανον steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 5,15. ♦ εὑρίσκω, das 198 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ αὕτη, das 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung εἰς θάνατον findet sich 8 Mal im NT, vorkanonisch möglicherweise bezeugt für *2Kor 4,11. Zur Abwesenheit: Die Duplikation der nur kanonisch belegten Verseröffnung spricht bereits für die Zugehörigkeit des Verses zur kanonischen Ebene, dies wird gestärkt durch die Form ἀπέθανον, auch wenn die weiteren Elemente 4 (Röm) 135 <?page no="136"?> vorkanonisch bezeugt sind. Der Vers wird wohl im vorkanonischen Text gefehlt haben. (7,11) ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ ἀφορμή steht 7 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Das nicht mehr bezeugte αὐτῆς, das 151 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene. ♦ Die Form ἀπέκτεινεν steht noch 1 weiteres Mal im NT, in Lk 13,4, in einem Vers, der in *Ev fehlt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians; wie die Lexik ausweist, scheint der zweite, unbezeugte Teil des Verses im vorkanonischen Text nicht gestanden zu sein. (7,12) Die Kombination ὥστε ὁ steht 5 Mal, jeweils als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,12; *Röm 7,12, vgl. zu Gal 3,24. ♦ νόμος, das 204 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch reichlich bezeugt für *Ev und *Paulus. ♦ ἅγιος, das 257 / 233 Mal im NT steht und ein beliebter Begriff der kanonischen Fassung ist, findet sich weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,18. ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; *2Thess 1,6. ♦ ἀγαθός, das 109 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12; 12,9. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, das von Ter‐ tullian wie auch der weiteren vorkanonischen Bezeugung der Lexeme gestützt wird. (7,13) Die Kombination und Verseröffnung τὸ οὖν steht nur hier. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt zuvor zu *Röm 7,7. ♦ φαίνω, das 34 / 31 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Kombination ἵνα γένηται begegnet 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Lk 4,3, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 7,13; 15,16, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 3,18; Kol 1,18). ♦ ὑπερβολή, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,13; *1Kor 12,31; *2Kor 4,7. ♦ ἁμαρτωλός, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἐντολή, das 76 / 67 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 18,20; *Röm 7,11. 12; *Laod 2,15. Zur Rekonstruktion: Die Präsenz des Verses ergibt sich aus dem bislang über‐ sehenen Zeugnis Tertullians, allerdings weisen die verschiedenen Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (φαίνω; κατεργάζομαι; 136 Rekonstruktion <?page no="137"?> ἵνα γένηται) darauf hin, dass der Vers durch die kanonische Redaktion gründlich überarbeitet worden ist, was auch durch den Wechsel von der negativen Formulierung <non> licuit … latere hin zu der positiven Aussage φανῇ, die vorkanonisch nicht belegt ist, bestätigt wird. (7,14) Zu οἶδα vgl. zuvor zu Vers 7 und nachfolgend Vers 18. ♦ Die Kombination οἴδαμεν γάρ steht 4 Mal im NT, immer als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,1. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist vorkano‐ nisch weiter bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Laod 6,12. ♦ Die Kombination ἐγὼ δέ steht 33 Mal im Neuen Testament, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,32. ♦ σάρκινος, das 4 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8. ♦ πιπράσκω steht 10 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung ὑπὸ τὴν ἁμαρτίαν steht nur hier. Zur Rekonstruktion: Wie die Lexik erweist, scheint nur der von Tertullian bezeugte Textbestand vorkanonisch gestanden zu sein, während der Rest auf das Konto der kanonischen Redaktion zurückzuführen ist. Erneut zeigt sich die personalisierende Tendenz dieser Redaktion mit dem ἐγὼ δέ, die dann im nächsten Vers auf der kanonischen Ebene fortgesetzt wird. (7,15) Die Kombination ὃ γάρ steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 6,7. ♦ Wieder begegnet κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, jedoch nur für die kanonische Ebene belegt ist. ♦ Die Wendung οὐ γινώσκω steht noch 1 weiteres Mal, in Lk 1,34, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Die Wendung οὐ γὰρ ὅ begegnet gleich wieder in Vers 19 und stellt, wie überhaupt das Nachfolgende in diesem Vers, eine gewisse Duplikation zu Vers 19 dar, vgl. weiter zu Vers 19. ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10 und *Röm 2,25. ♦ μισέω steht 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 5,29. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (ὃ γάρ; κατεργάζομαι; οὐ γινώσκω). Außerdem wirkt der Vers wie eine Duplikation dessen, was in Vers 19 fast wörtlich gleich gesagt wird. Der vorliegende Vers dürfte folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (7,16) Die Kombination εἰ δέ ὅ steht 3 Mal im NT, stets auf der kanonischen Ebene (Röm 7,16. 20; 8,25). ♦ Die Wendung οὐ θέλω τοῦτο ποιῶ ist eine Duplikation zu dem kanonischen Vers 15. ♦ σύμφημι ist Hapax legomenon im NT. ♦ καλός, das 109 / 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,9. 4 (Röm) 137 <?page no="138"?> Zur Abwesenheit: Wie bereits die nur kanonisch belegte Verseröffnung an‐ deutet, handelt es sich bei diesem Vers um ein Produkt der kanonischen Redaktion, was sich auch durch die Duplikation von οὐ θέλω τοῦτο ποιῶ erweist. Der Vers wird vorkanonisch gefehlt haben. (7,17) Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13 (Verseröffnung), vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ οὐκέτι, das 51 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu dem kanonischen κατεργάζομαι vgl. die beiden voranstehenden Verse. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13, vgl. weiter Vers 20. ♦ οἰκέω, das 39 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16. ♦ παράκειμαι steht nur hier und gleich nochmals in Vers 21 auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν ἐμοί, die 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Der kanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (οὐκέτι; κατεργάζομαι; παράκειμαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Die vorkanonische Bezeugung der Verseröffnung in *Laod erweist erneut die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik. (7,18) Zur unbezeugten Verseröffnung: Die Kombination οἶδα γάρ steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung wie hier, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,2. Zum bezeugten Versteil: Zum vorkanonisch bezeugten οἰκέω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ τουτ’ ἔστιν steht 24 Mal im NT (2 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 22,19; Joh 6,29; 3 Mal Apg; Röm 7,18; 9,8; 10,6. 7. 8; Phlm 1,12; 6 Mal Hebr; 1Petr 3,20; 1Joh 4,3), vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,19 (τοῦτό ἐστιν τὸ σῶμά μου). ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu Vers 5 und danach zu Vers 25. ♦ Die Wendung ἐν τῇ σαρκί steht 7 Mal im NT (Röm 7,5. 18; 8,3; Gal 4,14; Eph 2,14; Phil 1,24; Kol 1,24), vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,18; *Laod 2,14; *Kol 1,24. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἀγαθός vgl. zuvor zu Vers 7,12. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: παράκειμαι steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 7,21. ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ Zu dem kanonischen κατεργάζομαι vgl. zu Vers 7,17. Zur Rekonstruktion: Dieser Vers ist ein schönes Beispiel, wie verlässlich die lexikalischen Beobachtungen sind und wie sehr Bezeugung bzw. fehlende Bezeugung und Lexik sich gegenseitig bestätigen. Der Vers wird in der von 138 Rekonstruktion <?page no="139"?> Klemens von Alexandrien bezeugten Form vorkanonisch gestanden sein, der Rest ist kanonisch redaktionelle Ergänzung. (7,19) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ Die weiteren Elemente sind, wie zu den Versen 15-16 zuvor gezeigt, vorkanonisch belegt. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers vorkanonisch unbezeugt ist, spricht doch die Lexik für seine vorkanonische Präsenz, er passt auch in den narrativ-ar‐ gumentativen Kontext, da der bezeugte Vers 18 einer Begründung bedarf, oder diese zumindest nahelegt. Dass die Verse 15-16 diese vorkanonische Vorlage adaptieren und duplizieren, entspricht der kanonischen Tendenz. (7,20) Die Kombination εἰ δέ ὅ steht 3 Mal im NT, stets auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 7,16. ♦ Die Wendung οὐ θέλω ἐγὼ τοῦτο ποιῶ greift erneut die Wendung aus Vers 19 auf. ♦ οὐκέτι, das 51 / 47 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Wieder begegnet das kanonische κατεργάζομαι, vgl. zu Vers 7,17. ♦ Zu αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 17. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰ δὲ ὅ; οὐκέτι; κατεργάζομαι), dazu noch die Duplikation der Formulierung aus Vers 19. Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (7,21) εὑρίσκω, das 198 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ Die Form εὑρίσκω steht 6 Mal im NT, in Lk 13,7, in einem Vers, der in *Ev fehlt, dann Lk 23,4; 3 Mal Joh; Röm 7,21, also jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄρα steht 52 / 49 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31; 6,10; *1Kor 15,14. ♦ Wiederum steht auch das kanonische παράκειμαι, vgl. Vers 7,18. Zur Abwesenheit: Der kurze vorkanonisch unbezeugte Vers, der erneut Wort‐ material aus Vers 19 aufgreift, weist Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εὑρίσκω; παράκειμαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (7,22) συνήδομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Rede vom νόμος τοῦ θεοῦ steht noch 1 weiteres Mal in Röm 8,7 auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔσω steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,16. ♦ Der ἔσω ἄνθρωπος begegnet 1 weiteres Mal in Eph 3,16 auf der kanonischen Ebene (τὸν ἔσω ἄνθρωπον). Zur Abwesenheit: Bei diesem kurzen vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen wieder Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind 4 (Röm) 139 <?page no="140"?> (νόμος τοῦ θεοῦ; ἔσω ἄνθρωπος), auch er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (7,23) Zur unbezeugten Eröffnung: βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. ♦ Die Form βλέπω steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 8,24; 2 Mal Joh; Röm 7,23; 2Kor 7,8). ♦ Die Wendung βλέπω δέ steht nur hier. Zum bezeugten Versteil: Die Wendung ἐν τοῖς μέλεσιν steht 5 Mal im NT, voraus zuvor möglicherweise, wenn auch unbezeugt, in *Röm 7,5, weiter auf der kanonischen Ebene in Jak 3,6; 4,1. ♦ ἀντιστρατεύομαι ist Hapax legomenon ♦ Die Verbform ὄντι, die 4 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ αἰχμαλωτίζω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 21,24; Röm 7,23; 2Kor 10,5; 2Tim 3,6). Zur Rekonstruktion: Unter Auslassung der nur kanonisch belegten Elemente (die Form βλέπω; αἰχμαλωτίζοντά με) folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, auch wenn dessen Umstellung der zwei Partizipialsätze vielleicht auf sein Referat zurückgeht, die hier nicht übernommen wird. (7,24) ταλαίπωρος steht noch 1 weiteres Mal im NT, Apk 3,17. ♦ Die Wendung ἐγὼ ἄνθρωπος steht 5 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt (Mt 8,9; Lk 7,8; 19,22; Apg 21,39; Röm 7,24). ♦ ῥύομαι steht 22 / 17 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 8,43. ♦ Die Wendung ἐκ τοῦ σώματος begegnet 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 5,8. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. Zur Rekonstruktion: Auch wenn zwei Elemente begegnen, die weiters nicht vorkanonisch bezeugt sind und man dem Zeugnis des Adamantius kritischer noch als Tertullian und Epiphanius gegenüberstehen muss, scheint doch der vorliegende, von Adamantius bezeugte Vers vorkanonisch gestanden zu sein. Hierfür sprechen auch die weiteren vorkanonischen Bezeugungen von ῥύομαι und der Wendung ἐκ τοῦ σώματος. (7,25) Die Kombination χάρις δέ steht 3 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,16. ♦ Die erweiterte Formel διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ κυρίου ἡμῶν steht nur 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 5,21. ♦ Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ δουλεύω findet sich 26 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13 und *Gal 4,8.♦ Zu σάρξ vgl. zu den Versen 5. 18. 140 Rekonstruktion <?page no="141"?> Zur Abwesenheit: Dieser m. E. vorkanonisch unbezeugte Vers weist bereits mit der Verseröffnung auf die kanonische Ebene hin (χάρις δέ), hierfür bietet er auch weitere Elemente (διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ κυρίου ἡμῶν). Auch wenn ἄρα οὖν hier im Vers steht, markiert es doch den Anfang einer Sinneinheit, ist also wie eine Verseröffnung zu werten. Der lexikalische Vergleich stützt demnach die fehlende Bezeugung und die Abwesenheit des Verses von der vorkanonischen Version. Kapitel 8 8,[1-2] 3-5 6-7 [8] 9-11: Der Leib ist tot, der Geist ist Leben Der vorkanonische Gedanke ist gut bezeugt. Anhand der Überlegung, dass Gott den Sohn in die Gestalt des sündigen Fleisches gesandt hat, damit er, der Christus aus den Toten lebendig machen wird, dies auch den toten Leibern zukommen lassen wird. Leben aber ist nicht im Fleisch oder Leib, sondern im Geist. Die kanonische Redaktion führt über diese Gedanken hinaus, indem eine pneumatologische Dimension hinzugefügt wird. Um die vorkanonische Anti‐ these Fleisch/ Leib - Geist zu mindern, wird vom Geist Gottes bzw. Geist Christi gesprochen, der in den Zuhörern wohnt bzw. einwohnt und damit dieses Lebendigmachen offenkundig nicht erst für künftig in Aussicht stellt, sondern bereits präsentisch annimmt. Diese Auffassung führt denn auch zu einer Abgrenzungsidentität: Wer im Fleisch ist, kann Gott nicht gefallen (Vers 8) und wer den Geist Christi nicht besitzt, gehört ihm nicht (Vers 9). - 8,1 Οὐδὲν ἄρα νῦν κατάκριμα τοῖς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ· 2 ὁ γὰρ νόμος τοῦ πνεύματος τῆς ζωῆς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ ἠλευθέρωσέν σε ἀπὸ τοῦ νόμου τῆς ἁμαρτίας καὶ τοῦ θανάτου. 8,3 ὁ θεὸς υἱὸν πέμψας ἐν ὁμοιώματι σαρκὸς ἁμαρτίας, 3 τὸ γὰρ ἀδύνατον τοῦ νόμου, ἐν ᾧ ἠσθένει διὰ τῆς σαρκός, ὁ θεὸς τὸν ἑαυτοῦ υἱὸν πέμψας ἐν ὁμοιώματι σαρκὸς ἁμαρτίας καὶ περὶ ἁμαρτίας κατέκρινεν τὴν ἁμαρτίαν ἐν τῇ σαρκί, 4 ἵνα τὸ δικαίωμα τοῦ νόμου πληρωθῇ ἐν ἡμῖν τοῖς μὴ κατὰ σάρκα περιπατοῦσιν ἀλλὰ κατὰ πνεῦμα. 4 ἵνα τὸ δικαίωμα τοῦ νόμου πληρωθῇ ἐν ἡμῖν τοῖς μὴ κατὰ σάρκα περιπατοῦσιν ἀλλὰ κατὰ πνεῦμα. 5 οἱ μὲν κατὰ σάρκα ὄντες τὰ τῆς σαρκὸς φρονοῦσιν, οἱ δὲ κατὰ πνεῦμα τὰ τοῦ πνεύματος. 5 οἱ γὰρ κατὰ σάρκα ὄντες τὰ τῆς σαρκὸς φρονοῦσιν, οἱ δὲ κατὰ πνεῦμα τὰ τοῦ πνεύματος. 4 (Röm) 141 <?page no="142"?> 6 τὸ γὰρ φρόνημα τῆς σαρκὸς θάνατος, τὸ δὲ φρόνημα τοῦ πνεύματος ζωὴ καὶ εἰρήνη. 6 τὸ γὰρ φρόνημα τῆς σαρκὸς θάνατος, τὸ δὲ φρόνημα τοῦ πνεύματος ζωὴ καὶ εἰρήνη· 7 διότι τὸ φρόνημα τῆς σαρκὸς ἔχθρα εἰς θεόν, τῷ γὰρ νόμῳ τοῦ θεοῦ οὐχ ὑποτάσσεται, οὐδὲ γὰρ δύναται. 7 διότι τὸ φρόνημα τῆς σαρκὸς ἔχθρα εἰς θεόν, τῷ γὰρ νόμῳ τοῦ θεοῦ οὐχ ὑποτάσσεται, οὐδὲ γὰρ δύναται· - 8 οἱ δὲ ἐν σαρκὶ ὄντες θεῷ ἀρέσαι οὐ δύνανται. 9 ὑμεῖς οὐκ ἐστὲ ἐν σαρκὶ ἀλλὰ ἐν πνεύματι. 9 ὑμεῖς δὲ οὐκ ἐστὲ ἐν σαρκὶ ἀλλὰ ἐν πνεύματι, εἴπερ πνεῦμα θεοῦ οἰκεῖ ἐν ὑμῖν. εἰ δέ τις πνεῦμα Χριστοῦ οὐκ ἔχει, οὗτος οὐκ ἔστιν αὐτοῦ. 10 τὸ μὲν σῶμα ἐστιν νεκρὸν διὰ ἁμαρτίαν, τὸ δὲ πνεῦμα ζωὴ διὰ δικαιοσύνην. 10 εἰ δὲ Χριστὸς ἐν ὑμῖν, τὸ μὲν σῶμα νεκρὸν διὰ ἁμαρτίαν, τὸ δὲ πνεῦμα ζωὴ διὰ δικαιοσύνην. 11 ὁ ἐγείρας Χριστὸν ἐκ νεκρῶν ζῳοποιήσει καὶ τὰ θνητὰ σώματα ὑμῶν. 11 εἰ δὲ τὸ πνεῦμα τοῦ ἐγείραντος τὸν Ἰησοῦν ἐκ νεκρῶν οἰκεῖ ἐν ὑμῖν, ὁ ἐγείρας Χριστὸν ἐκ νεκρῶν ζῳοποιήσει καὶ τὰ θνητὰ σώματα ὑμῶν διὰ τοῦ ἐνοικοῦντος αὐτοῦ πνεύματος ἐν ὑμῖν. A. *8,3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,1-2: Hunc si pater misit in similitudinem carnis peccati, non ideo phantasma dicetur caro quae in illo videbatur. Peccatum enim carni supra adscripsit, et illam fecit legem peccati habitantem in membris suis et adversantem legi sensus. Ob hoc igitur missum filium in similitudinem carnis peccati, ut peccati carnem simili substantia redimeret. [2] Non enim magnum, si spiritus dei carnem remediaret, sed si caro consimilis peccatrici, dum caro est, sed non peccati. Ita similitudo ad titulum peccati pertinebit, non ad substantiae mendacium. Nam nec addidisset Peccati, si substantiae similitudinem vellet intellegi, ut negaret veritatem; tantum enim Carnis posuisset, non et Peccati. Cum vero tunc sic struxit, Carnis peccati, et substantiam confirmavit, id est carnem, et similitudinem ad vitium substantiae retulit, id est ad peccatum. ♦ *8,4: Vgl. Epiph., Pan. 42, Sch. 33 (118; 177 H.): ἵνα τὸ δικαίωμα τοῦ νόμου πληρωθῇ ἐν ἡμῖν; vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,3: Spiritus non diceretur carnis similitudo, quia nec caro similitudinem spiritus caperet; sed phantasma diceretur, si id quod non erat videbatur. Similitudo autem dicitur, cum est quod videtur. Est enim, dum alterius par est. Phantasma autem, qua hoc tantum est, non est similitudo; vgl. Adam., Dial. V 22 (im Mund des Adamantius): ἵνα τὸ δικαίωμα τοῦ νόμου πληρωθῇ ἐν ἡμῖν <τοῖς> μὴ κατὰ σάρκα περιπατοῦσιν ἀλλὰ κατὰ πνεῦμα (Rufin: Ut iustificatio legis impleatur in nobis, qui non secundum carnem ambulamus sed secundum 142 Rekonstruktion <?page no="143"?> 144 Vgl. mit weiteren Lesarten H.A.G. Houghton, C.M. Kreinecker, R.F. MacLachlan and C.J. Smith, The Principal Pauline Epistles. A Collation of Old Latin Witnesses (2019), 94. Vgl. hierzu B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 228. Warum Haupt allerdings Schmids Überlegung ablehnt, wonach an dieser Stelle die Verschiedenheit der Zitiergewohnheit Tertullians darauf hinweist, dass Tertullian in Adv. Marc. den Text Markions zitiert, legt er nicht dar. Die oben gewählte Lesart kommt, wie auch NA 28 richtig gesehen hat, Tertullian am nächsten, auch wenn grundsätzlich die Lesart mit bestimmtem Artikel von ihm so übersetzt werden konnte. spiritum). ♦ *8,5-6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,4: ut scilicet non simus in operibus carnis, ostendit hac ratione scripsisse, Caro et sanguis regnum dei consequi non possunt, non substantiam damnans sed opera eius; quae quia possunt non admitti a nobis in carne adhuc positis, non ad reatum substantiae sed ad conversationis pertinebunt. Vgl. Adam., Dial. V 22 (im Mund des Adamantius): οἱ γὰρ κατὰ σάρκα περιπατοῦντες τὰ τῆς σαρκὸς φρονοῦσιν, οἱ δὲ κατὰ πνεῦμα τὰ τοῦ πνεύματος. τὸ γὰρ φρόνημα τῆς σαρκὸς ἔχθρα εἰς θεόν. τὸ δὲ φρόνημα τοῦ πνεύματος ζωὴ καὶ εἰρήνη (Rufin: Qui enim secundum carnem ambulant quae carnis sunt sapiunt, qui uero secundum spiritum quae sunt spiritus. Prudentia enim carnis inimica est deo, prudentia uero spiritus vita et pax). ♦ *8,9: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,4: Et hic autem ipse edisserens quomodo nolit esse nos in carne, cum simus in carne. ♦ *8,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,4: Item si corpus quidem mortuum propter delictum, adeo non animae, sed corporis mors est; spiritus autem vita propter iustitiam cui mors obvenit propter delictum, id est corpori. ♦ *8,11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,5: Nam subiungit: Qui suscitavit Christum a mortuis, vivificabit et mortalia corpora vestra. Vgl. Tert. De Res. 46,6: Si enim, inquit, spiritus eius, qui suscitauit Iesum, habitat in uobis, qui suscitauit Iesum [habitat - Iesum: om T] a mortuis [a mortuis: om C] suscitabit [suscitabit: M P X; suscitauit: T; uiuificabit: C] et mortalia corpora uestra propter inhabitantem spiritum eius in uobis; id., Adv. Prax. 28,13: qui suscitauit Christum suscitaturus est et mortalia corpora uestra. B. (8,10) ἐστιν legt sich nahe aufgrund von Tert. und wird auch geboten von 010, 012 lat, Ambst., Spec. ♦ (8,11) Χριστὸν ἐκ νεκρῶν bieten die Zeugen 03, 062, 010, 012, 1505, Ir lat , Aug var , Ruf ed , Pel b , Sp m , Spec, und die altlateinische Tradition in 77, 78, 86*, in NA 28 als Lesart für Markion notiert; τὸν Χριστὸν ἐκ νεκρῶν findet sich in den Zeugen 012, 018, 020, 025, 044, 33, 1175, 1241, 2464, M; ἐκ νεκρῶν Χριστὸν Ἰησοῦν in den Zeugen 01*, 02, 630, 1506, 1739, 1881; ἐκ νεκρῶν Ἰησοῦν Χριστὸν in den Zeugen 04, 81; Χριστὸν Ἰησοῦν ἐκ νεκρῶν in den Zeugen 06*, bo; Ἰησοῦν Χριστὸν (l 249) ἐκ νεκρῶν in den Zeugen 104, l 249, lat, sy p . ἐκ νεκρῶν fehlt in 424 c , 1319, 1573, 2147. 144 C. 4 (Röm) 143 <?page no="144"?> 145 Detering nimmt die ersten 4 Verse von Kapitel 8 nach dem kanonischen Text, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 178-179. 146 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 456. 147 R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1947), 198-199. Vgl. auch die Neupublikation in R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1967). 1. (8,1-2) Zahn sieht die Verse 1 und 2 nach dem kanonischen Wortlaut bezeugt. 145 Wie bereits zu Röm 7,25b meint Harnack, auch diese beiden Verse seien durch Adam., Dial. V 27 bezeugt: Οὐδὲν ἄρα νῦν κατάκριμα τοῖς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ: ὁ γὰρ νόμος τοῦ πνεύματος τῆς ζωῆς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ ἠλευθέρωσέν ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ νόμου τῆς ἁμαρτίας καὶ τοῦ θανάτου (Rufin: Nihil ergo nunc <damnationis est> his, qui sunt in Christo Iesu. Lex enim spiritus uitae in Christo Iesu liberauit nos a lege peccati et mortis). Schmid ist jedoch der Auffassung, die beiden Verse seien unbezeugt. BeDuhn folgt Harnack. Hilgenfeld betont, dass „V. 2 die Befreiung der ganzen Schöpfung von der Vergänglichkeit so deutlich mit der Herrlichkeit der Kinder Gottes verbunden [ist], daß dieser Vers eine starke Waffe gegen Marcions Grundlehre von der Verschiedenheit des christlichen Gottes und des Gottes der materiellen Welt darbot“. 146 Er rechnet folglich mit der Abwesenheit dieses Verses. 2. (8,1) Dieser Vers wird als Glosse betrachtet von R. Bultmann. 147 3. (8,2) Auch wenn der Vers der fehlenden Bezeugung und der Lexik ent‐ sprechend auf der kanonischen Ebene anzusiedeln ist, bestätigt der Vers mit der Formulierung ἀπὸ τοῦ νόμου τῆς ἁμαρτίας καὶ τοῦ θανάτου doch die Rekonstruktion von *Röm 7,6 (ὁ νόμος τοῦ θανάτου). Die Vorstellung, dass es sich um ein Gesetz des Todes (und der Sünde) handelt, hatte sich folglich auch in den kanonischen Text eingetragen. 4. (8,3) Hilgenfeld nimmt Tertullian als Zeugen für Vers 3. Zahn sieht den Vers nach dem kanonischen Wortlaut bezeugt. Harnack sieht nur eine Anspielung Tertullians und gibt als bezeugten Text: (τὸν ἑαυτοῦ υἱὸν) πέμψας ἐν ὁμοιώματι σαρκὸς ἁμαρτίας. Schmid weicht ein wenig von Harnack ab und gibt: (ὁ θεὸς τὸν ἑαυτοῦ) υἱὸν πέμψας ἐν ὁμοιώματι σαρκὸς ἁμαρτίας. BeDuhn vermerkt, dass Tertullian nicht Gott, sondern den Vater erwähnt, der den Sohn gesendet hat oder sendet, doch fragt er sich, ob Tertullian hier paraphrasiert. Man bemerke, dass Tertullian in seinem Kommentar dem Wortlaut des *Paulus widerspricht, der vom „Fleisch der Sünde“ redet, worum Tertullian natürlich weiß, weshalb er sein Argument der Substanz nachschiebt. Dass er 144 Rekonstruktion <?page no="145"?> 148 W. Schmithals, Der Römerbrief. Ein Kommentar (1988), 267. Weniger deutlich ist D.J. Moo, The Epistle to the Romans (1996), 487-489. Zur Stelle ebenfalls Watson, der die Diskrepanz zwischen Markion und Tertullian als „zwei im Wettbewerb stehende exegetische Optionen“ bezeichnet, „ohne Ausschau auf eine klare Entscheidung“, F. Watson, Pauline Reception and the Problem of Docetism (2018), 65. Er verweist ebenfalls auf die Parallelstelle *Phil 2,7. 149 So auch (mit Ausnahme, dass er anstelle von ὄντες schreibt: περιπατοῦντες), der auch die Verse 6-11, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 179. dennoch dem *Paulustext nicht gerecht wird, zeigt etwa die Substanzinterpre‐ tation der Stelle bei W. Schmithals. 148 5. (8,4) Hilgenfeld führt Epiphanius als Zeugen für diesen Vers an. Zahn sieht den kanonischen Text des Verses bezeugt. Harnack stützt sich über Epiphanius hinaus auf Adamantius, auch wenn hier Adamantius selbst spricht. Schmid lässt wiederum nur das Zeugnis des Epiphanius gelten und bietet diesen Text, und auch BeDuhn optiert mit Schmid, weil er beobachtet, dass die Stelle noch nicht die Wendung des Dialogs hin zu Markions *Paulustext vollzogen habe. Keiner der bisherigen Editoren hat jedoch die Anspielung auf den Gegensatz von Fleisch und Geist in der hier gegebenen Tertullianstelle beachtet. 6. (8,5-6) Hilgenfeld sieht Vers 5 durch Tertullian bezeugt. Nach Zahn ist der kanonische Text des Verses bezeugt. 149 Harnack verweist erneut auf Adam., Dial. V 22, womit er die beiden Verse 5 und 6 bezeugt sieht. Trotz der Übereinstimmung von Rufin mit dem griechischen Text, übernimmt Harnack nicht die zweite Abweichung und schreibt anstelle von ἔχθρα εἰς θεόν: <θάνατος>, allerdings scheint auch das erste περιπατοῦντες nicht vertrauenswürdig zu sein, folgt es doch Tertullians Argument gegen die Substanzinterpretation der Stelle, erweist sich folglich als kanonische Glättung der Aussage. Schmid sieht in der angegebenen Tertullianstelle nur eine tertulliansche „Zusammenfassung“ der Verse 5-9. BeDuhn hält Schmid entgegen, dass Tertullian sich jedoch nur auf Vers 9 beziehe. Folglich lässt er die Verse 5-8 in seiner Rekonstruktion beiseite. Dem widerspricht allerdings, dass Tertullian nicht nur vom Sein im Fleisch spricht (simus), sondern davon, dass wir „in Werken des Fleisches“ sind, dem entspricht aber in der gesamten Passage lediglich Vers 5: οἱ γὰρ κατὰ σάρκα ὄντες τὰ τῆς σαρκός … Tertullian scheint demnach mehr als nur Vers 9 gelesen zu haben, was auch seine weitere Argumentation zeigt, durch die er bemüht ist, die Aussagen hier nichtsubstanziell zu lesen, um so die Radikalkritik am Fleisch zu entschärfen. Auch wenn damit Vers 5 notwendig ist, muss man sich die Frage 4 (Röm) 145 <?page no="146"?> 150 F. Refoulé, Unité de l’Epître aux Romains et histoire du salut (1987). nach dem Wortlaut stellen, hierzu ist wiederum die Lexik weiter unten zu D. zu berücksichtigen. 7. (8,9) Hilgenfeld nimmt Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn sieht auch diesen Vers dem kanonischen Text nach bezeugt. Harnack verweist wiederum auf Adam., Dial. V 22, eine Passage, die sich gerade für die Verse 4-6 zuvor als nur z.T. verlässlich erwiesen hatte. Hier heißt es unmittelbar im Anschluss an die Verse 4-6 für Vers 9: ὑμεῖς δὲ οὐκ ἐστὲ ἐν σαρκὶ ἀλλ’ ἐν πνεύματι … νῦν δὲ οὐκ ἐστὲ ἐν σαρκὶ ἀλλ’ ἐν πνεύματι (Rufin: Uos autem non estis in carne sed in spiritu). Harnack rekonstruiert: νῦν δὲ οὐκ ἐστὲ ἐν σαρκὶ ἀλλ’ ἐν πνεύματι. Schmid gibt keinen Text, weil er Tertullian nur als Anspielung sieht. BeDuhn legt seiner Rekonstruktion folgenden griechischen Text zugrunde: ὑμεῖς οὐκ ἐστὲ ἐν σαρκὶ [ἀλλ’ ἐν πνεύματι]. 8. (8,10) Hilgenfeld nimmt Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn rechnet wieder mit dem kanonischen Text. Harnack, Schmid und BeDuhn sehen folgenden Text bezeugt: τὸ μὲν σῶμα νεκρὸν διὰ ἁμαρτίαν, τὸ δὲ πνεῦμα ζωὴ διὰ δικαιοσύνην. 9. (8,11) Hilgenfeld nimmt Tertullian als Zeugen für diesen Vers. Zahn rechnet mit dem kanonischen Text für diesen Vers, allerdings unter Weglassung von ἐκ νεκρῶν. Harnack sieht folgenden Text bezeugt: ὁ ἐγείρας Χριστὸν ἐκ νεκρῶν ζῳοποιήσει καὶ τὰ θνητὰ σώματα ὑμῶν. Schmid fügt noch den Artikel ein: ὁ ἐγείρας Χριστὸν ἐκ νεκρῶν ζῳοποιήσει καὶ τὰ θνητὰ σώματα ὑμῶν. BeDuhn legt seiner Übersetzung als griechischen Text zugrunde: … ὁ ἐγείρας Χριστὸν [Ἰησοῦν] ἐκ νεκρῶν ζῳοποιήσει καὶ τὰ θνητὰ σώματα ὑμῶν [διὰ τοῦ ἐνοικοῦντος αὐτοῦ πνεύματος ἐν ὑμῖν]. 10. (8,9-11) Diese Verse werden als Interpolation angesehen durch F. Re‐ foulé. 150 D. (8,1) οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,4. ♦ Die Form οὐδέν steht 22 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mk 7,15; Lk 12,2; Röm 8,1; im Vers: 4 Mal Mt; Lk 10,19; 23,15; Joh 8,54; 3 Mal Apg; Röm 14,14; 1Kor 7,19; 8,4; 13,2; 14,10; 2Kor 12,11; 1Tim 4,4; Tit 1,15), vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,2 (Verseröffnung), *1Kor 8,4 (im Vers). ♦ ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31; 6,10; *1Kor 15,14. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ κατάκριμα, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der 146 Rekonstruktion <?page no="147"?> kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (κατάκριμα; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ). Der Vers wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (8,2) Die Wendung νόμος τοῦ πνεύματος steht nur hier. ♦ Das kanonische ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet gerade wieder, vgl. zum voranstehenden Vers 8,1. ♦ ἐλευθερόω steht 15 / 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,1. ♦ Die Form ἠλευθέρωσεν steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für Gal 5,1. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἀπὸ τοῦ νόμου steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene stehen (ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; ἀπὸ τοῦ νόμου). Der Vers wird folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und wahrscheinlich vorkanonisch gefehlt haben. (8,3) Zum unbezeugten Versteil: ἀδύνατος steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ᾧ (Mask.) steht 26 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Laod 1,7. 13; 2,21. 22; 3,12; im Vers für *Röm 7,6. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu den Versen 4. 5. 6. 7. 8. 9. 12. 13. ♦ Die Wendung διὰ τῆς σαρκός steht nur hier. Zum bezeugten Versteil: πέμπω, das 86 / 79 Mal im NT steht, wie auch die Form πέμψας, die 16 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt nur hier. ♦ ὁμοίωμα, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Phil 2,7 (ἐν ὁμοιώματι). ♦ Der Ausdruck σάρξ + ἁμαρτίας steht nur hier. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: Der Ausdruck περὶ ἁμαρτίας steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal Joh; Röm 8,3; 4 Mal Hebr). ♦ κατακρίνω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,58. ♦ Die Wendung ἐν τῇ σαρκί steht 7 Mal im NT (Röm 7,5. 18; 8,3; Gal 4,14; Eph 2,14; Phil 1,24; Kol 1,24), vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,18; *Laod 2,14; *Kol 1,24. Zur Rekonstruktion: Wie die Lexik zeigt, wird wohl lediglich der bezeugte Teil des Verses vorkanonisch gestanden sein, während Anfang und Ende des Verses 4 (Röm) 147 <?page no="148"?> der kanonischen Redaktion zuzuschreiben ist und vorkanonisch gefehlt haben wird. (8,4) Die Kombination ἵνα τό steht 6 Mal im NT, 3 Mal als Verseröffnung (Verseröff‐ nung: Röm 8,4; Phil 1,26; 1Petr 1,7; im Vers: 1Kor 1,10; 5,5; Phil 2,2), vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 5,5 (im Vers). ♦ δικαίωμα, das 11 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 13,8. ♦ Die Wendung ἐν ἡμῖν steht 26 Mal im NT, Lk 24,32, wo diese Wendung in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 7,16. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius und ergänzend dem Tertullians. Mit Ausnahme des Begriffes δικαίωμα, der nur hier vorkano‐ nisch bezeugt ist, finden sich die weiteren Elemente vorkanonisch bezeugt (ἵνα τό zwar nicht als Verseröffnung, jedoch im Vers). Der Vers wird vermutlich, wie gegeben, im vorkanonischen Text gestanden sein. (8,5) Die Kombination οἱ γάρ steht 13 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2 Mal Mk 7,3; 12,23; Apg 13,27; Röm 8,5; 13,3; 16,18, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 11,13; 1Thess 5,7; 1Tim 3,13; Hebr 11,4; im Vers: Mk 12,23; Lk 20,33; 1Kor 10,17), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Verbform ὄντες, die 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch vielleicht bezeugt für *Ev 11,13, deutlich jedoch weiter bezeugt für *2Kor 5,4; *Laod 2,13. ♦ Der Ausdruck τὰ τῆς σαρκός steht nur hier. ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik gestützt wird. Da sowohl οἱ γάρ wie bestimmter Artikel + κατά im Akkusativ nur auf der kanonischen Ebene stehen, wird die mit dem zweiten Teil des Verses korrespondierende Eröffnung gewählt. (8,6) φρόνημα steht nur 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, allerdings nur in diesem Umfeld (Röm 8,6. 7. 27). ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Die Wendung τῆς σαρκὸς θάνατος steht nur hier. ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: 148 Rekonstruktion <?page no="149"?> *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ ζωή, das 142 / 135 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,22; *2Kor 4,10; 5,4; *Röm 5,21; 8,10. ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ Die Wendung ζωὴ καὶ εἰρήνη steht nur hier. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers vorkanonisch unbezeugt ist und der Begriff φρόνημα hier und an den beiden weiteren Stellen im engeren Umfeld unbezeugt ist - allerdings ist kurz zuvor das Verb erwähnt, welches vorkano‐ nisch bezeugt ist -, die weiteren Elemente jedoch vorkanonisch bezeugt sind bzw. hier singulär stehen, ist es möglich, dass der Vers vielleicht vorkanonisch gestanden war. Narrativ jedenfalls entwickelt er den vorkanonischen Gedanken der Verse 4 und 5 weiter. (8,7) διότι, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ Zu φρόνημα vgl. zuvor zu Vers 6 und weiter zu Vers 27. ♦ ἐχθρός, das 39 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,27; *Gal 5,20; *Laod 2,16; *Kol 1,21. ♦ Die Wendung εἰς θεόν steht 8 Mal im NT, in Lk 12,21, in einem Vers, der in *Ev fehlt und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (Lk 12,21; Apg 20,21; Röm 8,7; Hebr 8,10; 3 Mal 1Petr). ♦ Die Form τῷ νόμῳ steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,27; *1Kor 14,21; *Röm 2,20; 7,23. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6; vgl. zu Röm 7,4. ♦ ὑποτάσσω, das 46 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Röm 10,3: *Laod 1,22; 5,21. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Die Kombination οὐδὲ γάρ steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *Gal 6,13, und wird wohl auch in *Gal 1,12 gestanden sein. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Auch dieser Vers ist vorkanonisch unbezeugt, aber wenn man Vers 6 vorkanonisch annehmen will, wird man durch die Lexik und den narrativen Zusammenhang auch diesen Vers in die Rekonstruktion mit hineinnehmen müssen. (8,8) Zur vorkanonisch bezeugten Verbform ὄντες vgl. zuvor zu Vers 5. ♦ Die Wendung ἐν σαρκί steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,9; *Laod 2,11; *Phil 3,3. ♦ ἀρέσκω steht 21 / 17 Mal im NT, darunter häufig bei Paulus, findet sich aber lediglich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu δύναμαι vgl. zum voranstehenden Vers. Zur Rekonstruktion: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwar auch einen Terminus (ἀρέσκω) auf, der vorkanonisch nicht bezeugt ist, doch auch hier könnte der Vers wegen der weiteren Lexik und des narrativen Zusammenhanges gestanden sein, vielleicht von der kanonischen Redaktion überarbeitet. 4 (Röm) 149 <?page no="150"?> (8,9) Zum bezeugten Versteil: Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Wendung ἐν σαρκί vgl. zum voranstehenden Vers 8,8. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: εἴπερ, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,3 und stand auch vielleicht in *Röm 8,9; *2Thess 1,6. ♦ Die Wendung πνεῦμα θεοῦ steht nur hier. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκέω, das 39 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16. ♦ Die Kombination εἰ δέ τις steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 1Kor 3,12. ♦ οὗτος steht 192 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25; 9,35. Zur Rekonstruktion: Der bezeugte Teil folgt Tertullian, allerdings wird aufgrund der Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐν ὑμῖν; εἰ δέ τις), der nachfolgende, nicht mehr bezeugte Teil eine Hinzufügung der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (8,10) Zum unbezeugten Versanfang: Die Wendung Χριστὸς ἐν ὑμῖν begegnet 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, sie ähnelt auch der kanonischen Formulierung von Gal 2,20 (ἐν ὑμῖν ἐν ἐμοὶ Χριστός), Eph 3,17 (τὸν Χριστὸν διὰ τῆς πίστεως ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν). ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ein zentraler Begriff für *Ev und *Paulus ist. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 2,1; 5,14. ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ ζωή, das 142 / 135 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,22; *2Kor 4,10; 5,4; *Röm 5,21; 8,10. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. Zur Rekonstruktion: Der unbezeugte Versanfang wird wegen der nur kanonisch belegten Wendung Χριστὸς ἐν ὑμῖν Ergänzung der kanonischen Redaktion sein, zumal auch der Vers ohne diesen gut an das Voranstehende anschließt. Der weitere Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik gestützt wird. (8,11) Zum unbezeugten Versanfang: Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ Die Kombination εἰ δὲ τό steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 8,11; 11,12; Phil 1,22). ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ Der Ausdruck τοῦ ἐγείραντος steht 3 Mal im NT (Röm 8,11; Gal 1,1; Kol 2,12), vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1. ♦ οἰκέω, das 39 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16. ♦ Die Wendung οἰκεῖ ἐν 150 Rekonstruktion <?page no="151"?> ὑμῖν steht 3 Mal im NT (Röm 8,9. 11; 1Kor 3,16), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zum bezeugten Versteil: Zum vorkanonisch bezeugten νεκρός vgl. zum voranste‐ henden Vers. ♦ ζωοποιέω, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,36. 45; *2Kor 3,6. ♦ θνητός, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 6,20; 15,53. 54; *2Kor 5,4. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ἐνοικέω, das sich 6 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Wieder steht das nur kanonisch belegte ἐν ὑμῖν. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Dass der kon‐ ditionale Anfangssatz des Verses vermutlich nicht nur unbezeugt, sondern auch gefehlt hat, legt sich durch die Wendung οἰκεῖ ἐν ὑμῖν nahe. Ebenfalls unterstreicht die Lexik, dass das nicht mehr bezeugte Endstück des Verses vorkanonisch gefehlt hat. Wir haben es bei diesem Vers mit einem schönen Beispiel zu tun, das die Validität des lexikalischen Vergleiches unterstreicht. 8,[12-22]: [Das Seufzen der Schöpfung] Die nachfolgende Passage ist unbezeugt und der Lexik nach zu urteilen fehlte sie auch vorkanonisch. In ihr bereitet die kanonische Redaktion das Thema der Erbschaft vor, das in den folgenden Kapiteln auf dieser Ebene weiterentwickelt wird. Zum Teil ist, was ausgeführt wird, auch eine Duplikation des auf der vorkanonischen und kanonischen Ebene zuvor Ausgeführten. - 12 Ἄ ἄρα οὖν, ἀδελφοί, ὀφειλέται ἐσμέν, οὐ τῇ σαρκὶ τοῦ κατὰ σάρκα ζῆν· 13 εἰ γὰρ κατὰ σάρκα ζῆτε μέλλετε ἀποθνῄσκειν, εἰ δὲ πνεύματι τὰς πράξεις τοῦ σώματος θανατοῦτε ζήσεσθε. 14 ὅσοι γὰρ πνεύματι θεοῦ ἄγονται, οὗτοι υἱοὶ θεοῦ εἰσιν. 15 οὐ γὰρ ἐλάβετε πνεῦμα δουλείας πάλιν εἰς φόβον, ἀλλὰ ἐλάβετε πνεῦμα υἱοθεσίας, ἐν ᾧ κράζομεν, Αββα ὁ πατήρ· - 16 αὐτὸ τὸ πνεῦμα συμμαρτυρεῖ τῷ πνεύματι ἡμῶν ὅτι ἐσμὲν τέκνα θεοῦ. 17 εἰ δὲ τέκνα, καὶ κληρονόμοι· κληρονόμοι μὲν θεοῦ, συγκληρονόμοι δὲ Χριστοῦ, εἴπερ συμπάσχομεν ἵνα καὶ συνδοξασθῶμεν. 18 Λογίζομαι γὰρ ὅτι οὐκ ἄξια τὰ παθήματα τοῦ νῦν καιροῦ πρὸς τὴν μέλλουσαν δόξαν ἀποκαλυφθῆναι εἰς ἡμᾶς. 4 (Röm) 151 <?page no="152"?> 151 Detering nimmt jedoch diese wie auch die Verse 16-20 nach dem kanonischen Text, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 179-180. 152 F. Watson, Receptions of Paul in early Christianity. The person of Paul and his writings through the eyes of his early interpreters (2018), 62. 153 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 116-118. 154 Ibid. 118. 19 ἡ γὰρ ἀποκαραδοκία τῆς κτίσεως τὴν ἀποκάλυψιν τῶν υἱῶν τοῦ θεοῦ ἀπεκδέχεται· 20 τῇ γὰρ ματαιότητι ἡ κτίσις ὑπετάγη, οὐχ ἑκοῦσα ἀλλὰ διὰ τὸν ὑποτάξαντα, ἐφ’ ἑλπίδι 21 ὅτι καὶ αὐτὴ ἡ κτίσις ἐλευθερωθήσεται ἀπὸ τῆς δουλείας τῆς φθορᾶς εἰς τὴν ἐλευθερίαν τῆς δόξης τῶν τέκνων τοῦ θεοῦ. 22 οἴδαμεν γὰρ ὅτι πᾶσα ἡ κτίσις συστενάζει καὶ συνωδίνει ἄχρι τοῦ νῦν· A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. ♦ 8,19. 22: Vgl. Basilides, in Hippol., Ref. VII 25: καὶ ἡ κτίσις αὐτὴ συστενάζει καὶ συνωδίνει τὴν ἀποκάλυψιν τῶν υἱῶν τοῦ θεοῦ ἐκδεχομένη. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (12-15) Alle Editoren sehen diese Verse als unbezeugt. 151 Tatsächlich gibt Tert., Adv. Marc. V 14,6 bezüglich Röm 10,1-2 die folgende Bemerkung: Salio et hic amplissimum abruptum intercisae scripturae. Interessanterweise spricht Watson, ohne Angabe irgendeines Argumentes davon, wonach es „unplausibel sei, anzunehmen, dass Röm 8,12-10,2 eine nachpaulinische Interpolation sei“; aus dieser petitio principii leitet er ab, dass es sich folglich um eine „nachpauli‐ nische Auslassung“ handeln müsse, und wenn Markion eine solche Auslassung in den Römerbriefen vorgenommen habe, dann seien die Apologeten im Recht, wenn sie ihn auch als Verstümmler des Evangeliums bezeichneten. 152 Doch fragt sich zunächst, ob mit dieser Auslassung tatsächlich alle Verse von Röm 8,12-9,33 oder gar Röm 8,12-10,2 gemeint sind. Eine ausführliche Deutung dieses Problems gibt jetzt A. Goldmann. 153 Ihm zufolge sei damit nicht gemeint, Tertullian habe von der vollständigen Abwesenheit eines Abschnittes gesprochen, sondern deute „eher auf mehrere Textdifferenzen“ zwischen der vorkanonischen und kanonischen Version hin, 154 überblickt man aber den weiteren Verlauf seiner Untersuchung, fügt Goldmann keine Verse in seiner 152 Rekonstruktion <?page no="153"?> 155 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), I/ 333. 156 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. Rekonstruktion zu *Röm hinzu, die nicht ausdrücklich durch Tertullian bezeugt sind. Schmid merkt an: „Auslassung(en) zwischen Röm 8,12 und 10,1, aber unklar, welchen Umfangs“. 155 Zahn rechnet denn auch mit deren Präsenz in irgendeiner unbestimmbaren Form. BeDuhn verweist auf Adam., Dial. II 19 (im Mund des Markioniten): ἀλλ’ εἶπεν· εἰς υἱοθεσίαν ἐλήφθημεν (Rufin: Sed dixit quia in adoptione nos susciperet) und meint, dass nur Elemente dieses Zitates an anderen Stellen vorhanden seien, etwa in Gal 4,5 (τὴν υἱοθεσίαν ἀπολάβωμεν) und Eph 1,5 (προορίσας ἡμᾶς εἰς υἱοθεσίαν), daher diese Stelle die größte Nähe besäße und darum Adamantius den markionitischen Paulustext böte. Er legt folglich seiner Übersetzung der Verse 14-15 folgenden griechischen Text zugrunde: [14 ὅσοι γὰρ πνεύματι θεοῦ ἄγονται, οὗτοι υἱοὶ θεοῦ εἰσιν. 15 οὐ γὰρ ἐλάβομεν πνεῦμα δουλείας πάλιν εἰς φόβον, ἀλλὰ] ἐλάβομεν [πνεῦμα] υἱοθεσίας, [ἐν ᾧ κράζομεν, Αββα ὁ πατήρ]. Doch gilt zu bedenken, dass *Gal 4,5 nicht den kanonischen Text aufweist; denn folgt man Tertullians Zitat, dann findet sich, wie zu dieser Stelle rekon‐ struiert, exakt der Text des vorliegenden Adamantiuszitats, vgl. zur Stelle. Das heißt aber, dass Adamantius als Zeuge für die vorliegende Stelle ausfällt und der Text demnach unbezeugt ist. 2. Auf die fast wörtliche Parallele von ἐν ᾧ κράζομεν, Αββα ὁ πατήρ zu Gal 4,6 (vgl. *Gal 4,6: Ὅτι δέ ἐστε υἱοὶ τοῦ θεοῦ, ἐξαπέστειλεν τὸ πνεῦμα αὐτοῦ εἰς τὰς καρδίας ἡμῶν, κρᾶζον, Αββα ὁ πατήρ) hat Weisse aufmerksam gemacht, was ihn dazu veranlasste, die vorliegende Stelle als Entlehnung aus der Galaterstelle und damit als Interpolation anzusehen. 156 Sie ist ein weiterer Beleg für die Tendenz der kanonischen Redaktion, die Texte miteinander zu harmonisieren und dabei Duplikationen zu schaffen. 3. (8,16-18) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn sie nach Zahn in irgendeiner unbestimmbaren Form als präsent angesehen werden. Gleichwohl nimmt BeDuhn Vers 17 in seine Rekonstruktion auf und legt der Übersetzung folgenden Text zugrunde: [εἰ δὲ τέκνα, καὶ κληρονόμοι: κληρονόμοι μὲν θεοῦ, συγκληρονόμοι δὲ Χριστοῦ]. 4. (8,19-22) Diese Verse sind nach den Editoren Zahn, Harnack und Schmid unbezeugt. Während Hilgenfeld das ganze Kapitel als markionitisch präsent sieht, 157 räumt er ein, dass „nur über gänzliche oder theilweise Beibehaltung von 4 (Röm) 153 <?page no="154"?> 157 Detering sieht lediglich Vers 21 als abwesend, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 95. 180. 158 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 455. 159 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 108*. 160 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 302; Origenes, T.P. Scheck, S.E. Hieronymus and Origenes, Homilies 1-14 on Ezekiel (2010), 37. V. 19-22 … man zweifelhaft sein“ kann. 158 Harnack meint sogar ausdrücklich, dass Markion sie „gestrichen“ habe. 159 Zur Begründung verweist er auf Orig., Hom. in Ez I 7,2 (PG 13,675A-B; 332 GCS 33): Nam exspectatio creaturae revelationem filiorum Dei exspectat. Et licet nolint ii qui Scripturas apostolicas interpolaverunt istiusmodi sermones inesse libris eorum quibus possit creator Christus approbari, exspectat tamen omnis creatura filios Dei, quando liberentur a delicto, quando auferantur de Zabuli manu, quando regenerentur a Christo. Be‐ Duhn führt die englische Übertragung dieser Stelle durch Th. Scheck an, der der Meinung ist, Origenes habe hier (im Gegensatz zu der Deutung Harnacks) nicht davon gesprochen, dass seine Gegner diese Stelle in ihren Büchern ausgelassen hätten, sondern lediglich, dass die Gegner die Identifizierung von Christus mit dem Schöpfer abgelehnt hätten, wobei sie mit diesem Vers widerlegt werden könnten, der Vers sei also geradezu für Markions *Paulus belegt. BeDuhn meint hierzu, „alles hänge von dem Bezug des ibi ab, ob man ‚in den apostolischen Schriften‘ oder in ‚ihren Büchern‘ lese“. 160 Nun findet sich zwar kein ibi im nur lateinisch erhaltenen Text, doch muss man die Interpretation Schecks, der BeDuhn folgt und darum Vers 19 bezeugt sieht, ernsthaft erwägen. Jedenfalls nimmt BeDuhn aus diesem Grund und wegen des narrativen Zusammenhangs den folgenden Text in seine Rekonstruktion, welcher als griechischer Text zugrunde liegt: 19 ἡ γὰρ ἀποκαραδοκία τῆς κτίσεως τὴν ἀποκάλυψιν τῶν υἱῶν τοῦ θεοῦ ἀπεκδέχεται: [20 τῇ γὰρ ματαιότητι ἡ κτίσις ὑπετάγη, οὐχ ἑκοῦσα ἀλλὰ διὰ τὸν ὑποτάξαντα, ἐφ’ ἑλπίδι 21 ὅτι καὶ αὐτὴ ἡ κτίσις ἐλευθερωθήσεται ἀπὸ τῆς δουλείας τῆς φθορᾶς εἰς τὴν ἐλευθερίαν τῆς δόξης τῶν τέκνων τοῦ θεοῦ. 22 οἴδαμεν γὰρ ὅτι πᾶσα ἡ κτίσις συστενάζει καὶ συνωδίνει ἄχρι τοῦ νῦν]. D. (8,12) ἄρα, das 52 / 49 Mal im NT steht, und dem vorkanonischen Charakter dieser Konjunktion. ♦ Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ ὀφείλω, das sich 42 / 35 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. 10. ♦ Die Form ὀφειλέται steht 3 Mal im NT, in Lk 13,4, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 15,27, in einem Vers, der in *Röm fehlt, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 154 Rekonstruktion <?page no="155"?> ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10, vgl. weiter Vers 16. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Das Verb steht auch im nachfolgenden Vers 13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρα οὖν; ὀφειλέται; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ. (8,13) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung; als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ μέλλω, das 129 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,44; *1Kor 3,22; *Kol 2,17. ♦ Die Form μέλλετε steht noch 1 weiteres Mal, Apg 5,35. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ Der Infinitiv ἀποθνῄσκειν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (4 Mal Joh; Röm 8,13). ♦ Die Kombination εἰ δέ steht 90 Mal im NT, davon 64 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 3,5. ♦ πρᾶξις steht 6 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ θανατόω, das 11 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,4. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ζάω vgl. zum voranstehenden Vers 8,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ γάρ; μέλλετε; ἀποθνῄσκειν; εἰ δέ; πρᾶξις. (8,14) Die Kombination ὅσοι γάρ steht 5 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 2,12; 8,14; Gal 3,10. 27; im Vers: Apg 4,34), vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10 (im Vers). ♦ ἄγω, das 92 / 67 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ οὗτοι, das 77 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Der Ausdruck υἱοὶ θεοῦ steht 4 Mal im NT (Mt 5,9; Röm 8,14; 9,26; Gal 3,26), wieder auf der kanonischen Ebene in Röm 9,26, zu vergleichen auf derselben Ebene ist 2Kor 6,18 (καὶ ἔσομαι ὑμῖν εἰς πατέρα, καὶ ὑμεῖς ἔσεσθέ μοι εἰς υἱοὺς καὶ θυγατέρας). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ὅσοι γάρ; οὗτοι; υἱοὶ θεοῦ. 4 (Röm) 155 <?page no="156"?> (8,15) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ Die Form ἐλάβετε steht 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,4. ♦ δουλεία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; 5,1. ♦ Die Wendung πνεῦμα δουλείας steht nur hier. ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ υἱοθεσία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,5; *Laod 1,5. ♦ Die Wendung πνεῦμα υἱοθεσίας steht nur hier. ♦ κράζω steht 71 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,6, und zwar in einer Wendung, die der vorliegenden völlig parallel ist: Ὅτι δέ ἐστε υἱοὶ θεοῦ, ἐξαπέστειλεν τὸ πνεῦμα αὐτοῦ εἰς τὰς καρδίας ὑμῶν, κρᾶζον, Αββα ὁ πατήρ. ♦ Die Wendung Αββα ὁ πατήρ steht 3 Mal im NT (Mk 14,36; Röm 8,15; Gal 4,6), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐλάβετε; φόβος. Für die vorkanonische Abwesenheit dieser vorkanonisch unbezeugten Passage sprechen die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente, be‐ sonders in Vers 14 das markante υἱοὶ θεοῦ, obwohl gerade Vers 15 in mancherlei Hinsicht an Gal 4 erinnert, allerdings an die kanonische Version dieses Kapitels, wie gerade das υἱοὶ θεοῦ anzeigt. (8,16) αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13, vgl. weiter Vers 26. ♦ συμμαρτυρέω, das 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur Verbform ἐσμέν, vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ τέκνον steht 103 / 99 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,31; *Laod 2,3; 6,1. ♦ Der Ausdruck τέκνα θεοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 8,16; Phil 2,15; 1Joh 3,1. 2). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συμμαρτυρέω; τέκνα θεοῦ. (8,17) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ τέκνον vom vorangehenden Vers wird gleich wieder aufgegriffen. ♦ κληρόνομος, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf kanonischer Ebene. ♦ συγκληρόνομος steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ εἴπερ, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,3 und stand auch vielleicht in *Röm 8,9; *2Thess 1,6. ♦ συμπάσχω, das 2 Mal im NT begegnet, steht beide Male auf der kanonischen Ebene. συνδοξάζω ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ; κληρόνομος; συγκληρόνομος; συμπάσχω. 156 Rekonstruktion <?page no="157"?> (8,18) λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 13,5. ♦ Die Wendung γὰρ ὅτι οὐκ steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 7,18. ♦ ἄξιος, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48. ♦ πάθημα, das 16 Mal im NT zu finden ist, findet sich vorkanonisch in *Gal 5,24. ♦ Die Verbindung von νῦν + καιρός steht 5 Mal im NT (Röm 3,26; 8,18; 11,5; 2Kor 6,2; 8,14), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten μέλλω vgl. zuvor zu Vers 8,13. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ Die Wendung εἰς ἡμᾶς steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λογίζομαι; γὰρ ὅτι οὐκ; νῦν + καιρός; εἰς ἡμᾶς. Auch für diese vorkanonisch unbezeugte Passage bestätigt die Lexik die Abwe‐ senheit derselben von der vorkanonischen Version. (8,19) Die Wendung ἡ γάρ steht 24 Mal im NT, davon 15 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,19. ♦ ἀποκαραδοκία steht nur 2 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt (Röm 8,19, Phil 1,20). ♦ ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,6; *2Thess 1,7, jedoch ausschließlich für eine Offenbarung, die auf den Herrn bezogen ist. ♦ Wie zuvor in Vers 14 die υἱοὶ θεοῦ nur auf der kanonischen Ebene standen, findet sich der Plural ebenfalls nicht vorkanonisch mit Artikel υἱοὶ τοῦ θεοῦ, der Ausdruck steht nur hier. ♦ ἀπεκδέχομαι, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀποκαραδοκία; Semantik von ἀποκάλυψις; υἱοὶ τοῦ θεοῦ. (8,20) ματαιότης steht 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ ὑποτάσσω, das 46 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Röm 10,3: *Laod 1,22; 5,21. ♦ Zu οὐχ vgl. auf derselben kanonischen Ebene zuvor Vers 7. ♦ ἑκών steht nur hier und noch 1 Mal auf kanonischer Ebene in 1Kor 9,17. ♦ Auch ἑκούσιος steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Phlm 1,14. ♦ Die Wendung ἐφ’ ἑλπίδι steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; Röm 4,18; 5,2; 8,20; 1Kor 9,10; Tit 1,2). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ματαιότης; ἑκών; ἐφ’ ἑλπίδι. (8,21) Die Kombination ὅτι καί steht 22 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 8,21; Phil 4,16; 1Petr 3,18; im Vers: Mt 8,27; Mk 9,13; Lk 4,43; 3 Mal Apg; Röm 6,8; 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 1,10; Eph 4,9; Phil 2,24; 4 (Röm) 157 <?page no="158"?> Kol 4,1; 2Tim 1,5; Phlm 1,19. 21; Hebr 11,19; 12,17; 1Petr 2,21; 1Joh 2,29), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτή (Nom. Fem. Sg.), das 11 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐλευθερόω steht 15 / 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,1. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zu Vers 8,2. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten δουλεία vgl. zu Vers 8,15. ♦ φθορά steht 9 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,8; *1Kor 15,50. ♦ ἐλευθερία, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; 5,1. ♦ Die Wendung εἰς τὴν ἐλευθερίαν steht nur hier. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ Zu τέκνον vgl. weiter oben zu Vers 16. ♦ Der Plural τῶν τέκνων τοῦ θεοῦ steht nur hier, doch der Plural τέκνα θεοῦ steht, wie zu Vers 8,16 gezeigt, nur kanonisch. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι καί; αὐτή; τῶν τέκνων τοῦ θεοῦ. (8,22) Die Kombination οἴδαμεν γάρ steht 4 Mal im NT, immer als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,1. ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ συστενάζω und συνωδίνω sind Hapax legomena im NT. ♦ ὠδίνω, das 5 / 3 Mal im NT belegt ist, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ Die Wendung ἄχρι τοῦ νῦν steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Phil 1,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Οἴδαμεν γάρ; ἄχρι τοῦ νῦν. Auch diese vorkanonisch unbezeugte Passage weist eine Lexik auf, die die Verse auf die kanonische Ebene verweisen. Die Lexik spricht dafür, dass Vers 19 zur kanonischen Ebene gehört, unbhängig davon, wie man die Origenesstelle interpretiert. Demnach ist der gesamte zwei Teil von Kapitel 8 mit den Versen 12-22 ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 8,[23-39]: [Die Erstlingsgabe des Geistes] Diese vorkanonisch unbezeugte Passage entwickelt das kanonische pneumato‐ logische Thema weiter, das die kanonische Redaktion zum vorkanonischen Text des ersten Teils von Kapitel 8 hinzugefügt hat. - 23 οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καὶ αὐτοὶ τὴν ἀπαρχὴν τοῦ πνεύματος ἔχοντες ἡμεῖς καὶ αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς στενάζομεν υἱοθεσίαν ἀπεκδεχόμενοι, 158 Rekonstruktion <?page no="159"?> τὴν ἀπολύτρωσιν τοῦ σώματος ἡμῶν. 24 τῇ γὰρ ἐλπίδι ἐσώθημεν· ἐλπὶς δὲ βλεπομένη οὐκ ἔστιν ἐλπίς· ὃ γὰρ βλέπει τίς ἐλπίζει; 25 εἰ δὲ ὃ οὐ βλέπομεν ἐλπίζομεν, δι’ ὑπομονῆς ἀπεκδεχόμεθα. 26 Ὡσαύτως δὲ καὶ τὸ πνεῦμα συναντιλαμβάνεται τῇ ἀσθενείᾳ ἡμῶν· τὸ γὰρ τί προσευξώμεθα καθὸ δεῖ οὐκ οἴδαμεν, ἀλλὰ αὐτὸ τὸ πνεῦμα ὑπερεντυγχάνει στεναγμοῖς ἀλαλήτοις· 27 ὁ δὲ ἐραυνῶν τὰς καρδίας οἶδεν τί τὸ φρόνημα τοῦ πνεύματος, ὅτι κατὰ θεὸν ἐντυγχάνει ὑπὲρ ἁγίων. 28 οἴδαμεν δὲ ὅτι τοῖς ἀγαπῶσιν τὸν θεὸν πάντα συνεργεῖ εἰς ἀγαθόν, τοῖς κατὰ πρόθεσιν κλητοῖς οὖσιν. 29 ὅτι οὓς προέγνω, καὶ προώρισεν συμμόρφους τῆς εἰκόνος τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ, εἰς τὸ εἶναι αὐτὸν πρωτότοκον ἐν πολλοῖς ἀδελφοῖς· 30 οὓς δὲ προώρισεν, τούτους καὶ ἐκάλεσεν· καὶ οὓς ἐκάλεσεν, τούτους καὶ ἐδικαίωσεν· οὓς δὲ ἐδικαίωσεν, τούτους καὶ ἐδόξασεν. 31 Τί οὖν ἐροῦμεν πρὸς ταῦτα; εἰ ὁ θεὸς ὑπὲρ ἡμῶν, τίς καθ’ ἡμῶν; 32 ὅς γε τοῦ ἰδίου υἱοῦ οὐκ ἐφείσατο, ἀλλὰ ὑπὲρ ἡμῶν πάντων παρέδωκεν αὐτόν, πῶς οὐχὶ καὶ σὺν αὐτῷ τὰ πάντα ἡμῖν χαρίσεται; 33 τίς ἐγκαλέσει κατὰ ἐκλεκτῶν θεοῦ; θεὸς ὁ δικαιῶν· 34 τίς ὁ κατακρινῶν; Χριστὸς [Ἰησοῦς] ὁ ἀποθανών, μᾶλλον δὲ ἐγερθείς, ὃς καί ἐστιν ἐν δεξιᾷ τοῦ θεοῦ, ὃς καὶ ἐντυγχάνει ὑπὲρ ἡμῶν. 35 τίς ἡμᾶς χωρίσει ἀπὸ τῆς ἀγάπης τοῦ Χριστοῦ; θλῖψις ἢ στενοχωρία ἢ διωγμὸς ἢ λιμὸς ἢ γυμνότης ἢ κίνδυνος ἢ μάχαιρα; - 36 καθὼς γέγραπται ὅτι Ενεκεν σοῦ θανατούμεθα ὅλην τὴν ἡμέραν, ἐλογίσθημεν ὡς πρόβατα σφαγῆς. 37 ἀλλ’ ἐν τούτοις πᾶσιν ὑπερνικῶμεν διὰ τοῦ ἀγαπήσαντος ἡμᾶς. 38 πέπεισμαι γὰρ ὅτι οὔτε θάνατος οὔτε ζωὴ οὔτε ἄγγελοι οὔτε ἀρχαὶ οὔτε ἐνεστῶτα οὔτε μέλλοντα οὔτε δυνάμεις 39 οὔτε ὕψωμα οὔτε βάθος οὔτε τις κτίσις ἑτέρα δυνήσεται ἡμᾶς χωρίσαι ἀπὸ τῆς ἀγάπης τοῦ θεοῦ τῆς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. ♦ 8,36: Vgl. Ps 43,23 LXX: ὅτι ἕνεκα σοῦ θανατούμεθα ὅλην τὴν ἡμέραν, ἐλογίσθημεν ὡς πρόβατα σφαγῆς. 4 (Röm) 159 <?page no="160"?> 161 Als die ältere Lesart gehalten von G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 62. 162 Auch Detering nimmt all diese Verse bis auf einen nach dem kanonischen Text, lediglich für Vers 36 gibt er folgenden Text: Ενεκά σοῦ θανατούμεθα ὅλην τὴν ἡμέραν, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 98. 181. 163 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 108*. 164 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 302. 165 W. Carr, Angels and Principalities. The Background, Meaning, and Development of the Pauline phrase hai archai kai hai exousiai (1981). B. (8,24) Anstelle von ἐλπίζει steht ὑπομένει in 01*, 02, 1739 mg , sy p , co. 161 C. 1. (8,23-35) Nach allen Editoren außer Hilgenfeld sind die Verse 23-35 unbe‐ zeugt, wenn Zahn diese auch nicht näher bestimmbar präsent sieht. 162 Hilgenfeld nimmt Epiphanius als möglichen Zeugen für Vers 33, weil dieser sich in seiner Refutatio darauf stütze. Allerdings gibt er keine Stellenangabe, und im Text lässt sich dieses Argument nicht verifizieren. BeDuhn nimmt allerdings Vers 23 in seine Rekonstruktion auf und legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: [23 οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καὶ αὐτοὶ τὴν ἀπαρχὴν τοῦ πνεύματος ἔχοντες ἡμεῖς καὶ αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς στενάζομεν υἱοθεσίαν ἀπεκδεχόμενοι]. 2. (8,27-28) Man beachte die Nähe dieser Verse mit dem ebenfalls der kano‐ nischen Ebene zuzurechnenden Passage in 1Kor 2,9-15. 3. (8,36-39) Diese Verse sind nach allen Editoren bis auf Hilgenfeld, der Vers 36 in Adamantius behandelt sieht (καθὼς γέγραπται), unbezeugt. Zwar nimmt Zahn an, dass die Verse in unbestimmbarer Form präsent waren, und Harnack verweist für Vers 36 ebenfalls auf Adam., Dial. I 21 (im Mund des Adamantius) (ὅθεν καὶ Παῦλος, τῇ αὐτῇ προφητικῇ φωνῇ χρησάμενος, ἔλεγεν· ἕνεκα σοῦ θανατούμεθα ὅλην τὴν ἡμέραν, Rufin: Sed et propheta dicit: Propter te morte afficimur tota die)llerdings meint bereits Harnack, dass „es … nicht sicher (ist), daß diese Worte aus M.s Bibel geschöpft sind“. 163 Auch BeDuhn verweist auf diese Adamantiusstelle und führt aus, dass, „wenn man das Zeugnis“ für Mark‐ ions Paulus „gelten lasse, man ‚die große Lücke‘ Tertullians stark eingrenzen könne“, 164 doch auch er macht von Adamantius für die Rekonstruktion hier keinen Gebrauch. In der Tat wäre es erstaunlich, hätte Tertullian das Psalmzitat in Vers 36 nicht vermerkt, hätte er es in seinem Text des Markion gelesen. 4. (8,38-39) Es fällt die Dämonisierung des Pantheons der Heiden auf, die eine kanonische Fortentwicklung von *1Kor 10,20 darstellt. 165 D. 160 Rekonstruktion <?page no="161"?> (8,23) Die Kombination οὐ μόνον δέ steht 9 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,7. ♦ Die Überleitung im kanonischen Text οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί begegnet auch in 2Kor 8,19 (vgl. auch 2Kor 7,7); Röm 5,3; 8,23; 9,10; 1Tim 5,13; 2Tim 4,8, und steht an allen Stellen ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 5,3. ♦ Die Kombination καὶ αὐτοί steht 21 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,17. ♦ ἀπαρχή, das 9 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.), das 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; 6,13. Die Wendung αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ στενάζω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,2. 4. ♦ υἱοθεσία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,5; *Laod 1,5. ♦ ἀποδέχομαι findet sich 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπολύτρωσις, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί; καὶ αὐτοί; ἀπαρχή; αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς; ἀποδέχομαι. (8,24) ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ σῴζω, das 112 / 107 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5; *2Thess 2,10. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18, vgl. weiter Vers 25. ♦ Die Kombination ὃ γάρ steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 6,7. ♦ Die Form ἐλπίζει steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 26,7; Röm 8,24; 1Kor 13,7). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὃ γάρ; ἐλπίζει. (8,25) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ Zu βλέπω vgl. zuvor zu Vers 24. ♦ Die Form βλέπομεν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 9,41; Röm 8,25; 1Kor 13,12; Hebr 2,9; 3,19). ♦ ὑπομονή, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ Zum kanonischen ἀποδέχομαι vgl. zuvor oben zu Vers 19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ; βλέπομεν. (8,26) ὡσαύτως steht 20 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombi‐ nation δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ συναντιλαμβάνομαι ist nur noch 1 Mal bezeugt auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀσθένεια, das 27 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,9. 10. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ καθό steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ 4 (Röm) 161 <?page no="162"?> Zum vorkanonisch bezeugten αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ ὑπερεντυγχάνω is Hapax legomenon im NT. ♦ στεναγμός steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 7,34). ♦ ἀλάλητος ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὡσαύτως; δὲ καί; συναντιλαμβάνομαι; καθό; στεναγμός. (8,27) ἐρευνάω, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung οἶδεν τί steht 1 weiteres Mal in Joh 15,15. ♦ Zum kanonischen φρόνημα vgl. zuvor zu den Versen 6 und 7. ♦ Die Wendung κατὰ θεόν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,9. ♦ ἐντυγχάνω findet sich 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἅγιος, das 257 / 233 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 7,12; *Laod 1,13. 18; 2,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐρευνάω; οἶδεν τί; φρόνημα; κατὰ θεόν; ἐντυγχάνω. (8,28) Die Kombination οἴδαμεν δέ steht 5 Mal im NT, immer als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,2, vgl. zu dieser Stelle. ♦ Die Wendung τοῖς ἀγαπῶσιν begegnet 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 2,9. ♦ συνεργέω, das 11 / 5 Mal im NT steht, findet sich ausnahmslos auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ πρόθεσις steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung κατὰ πρόθεσιν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 8,28; Eph 1,11; 3,11). ♦ κλητός findet sich 12 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform οὖσιν, die 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τοῖς ἀγαπῶσιν; συνεργέω; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; πρόθεσις; κλητός. (8,29) Die Wendung ὅτι οὕς steht noch 1 weiteres Mal, Joh 18,9. ♦ Das Personalpro‐ nomen οὕς (Akk. Mask. Pl.), das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *1Kor 10,11. ♦ προγιγνώσκω steht 7 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ προορίζω, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σύμμορφος steht nur noch 1 Mal, 162 Rekonstruktion <?page no="163"?> 166 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 15-16. vorkanonisch bezeugt (*Phil 3,21). ♦ εἰκών steht 34 / 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,24; *1Kor 11,7; *2Kor 3,18; 4,4; *Kol 1,15. ♦ Die Wendung τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 5,10. ♦ Die Wendung εἰς τὸ εἶναι αὐτόν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur Wendung εἰς τό + Infinitiv vgl. zu Röm 1,20. 166 ♦ πρωτότοκος steht 9 Mal im NT, ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. ♦ ἀδελφός, ein Begriff, der 367 / 343 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,31; *1Kor 8,13; 10,1; 15,1; 15,50. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι οὕς; προγιγνώσκω; προορίζω; τοῦ υἱοῦ αὐτοῦ; εἰς τὸ εἶναι αὐτόν; πρωτότοκος. (8,30) Die Kombination οὓς δέ steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 8,30; Jud 1,23; im Vers: Mk 12,5; Apg 27,44), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu dem Personalpronomen οὕς (Akk. Mask. Pl.) vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ προοράω steht 6 / 4 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vor allem in Apg (Apg 2,25. 31; 21,29; Röm 8,30; Gal 3,8). ♦ Auch die alternative Ableitung προορίζω steht, wie im voranstehenden Vers zu sehen, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τούτους (Akk. Mask. Pl.), das 26 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ δοξάζω, das 68 / 61 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὓς δέ; προοράω/ προορίζω; τούτους. (8,31) Die Wendung τί οὖν ἐροῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich im Römerbrief, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ Die Wendung πρὸς ταῦτα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 2,16. ♦ Die Wendung ὑπὲρ ἡμῶν steht 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,13. ♦ Die Wendung καθ’ ἡμῶν steht 3 Mal im NT (Mk 9,40; Röm 8,31; Kol 2,14), jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πρὸς ταῦτα; καθ’ ἡμῶν. (8,32) ὅς steht 217 Mal im NT, davon 58 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 9,24. 26; *Röm 14,2; *Phil 2,6. ♦ Die Kombination ὅς γε steht 4 (Röm) 163 <?page no="164"?> nur hier. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ φείδομαι, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ὑπὲρ ἡμῶν vgl. zum voranstehenden Vers 8,31. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18); *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 29. ♦ Die Form παρέδωκεν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Röm 1,24. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ οὐχί, das 62 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20. ♦ Die Kombination πῶς οὐχί steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 3,8. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: φείδομαι; παρέδωκεν; πῶς οὐχί. (8,33) ἐγκαλέω steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκλεκτός steht 24 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,7 in einem Kontext, der stark an den vorliegenden erinnert: ὁ δὲ θεὸς οὐ μὴ ποιήσῃ τὴν ἐκδίκησιν τῶν ἐκλεκτῶν αὐτοῦ. ♦ Die Wendung ἐκλεκτῶν θεοῦ steht 1 weiteres Mal, Tit 1,1. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐγκαλέω; ἐκλεκτῶν θεοῦ. (8,34) κατακρίνω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,58. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ Die Form ἀποθανών steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 6,7. ♦ μᾶλλον δέ, eine Wendung, die 5 Mal im NT steht, immer bei Paulus, ist nur kanonisch bezeugt. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ ἐν δεξιᾷ τοῦ θεοῦ steht 4 Mal im NT (Röm 8,34; Kol 3,1; Hebr 10,12; 1Petr 3,22), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐντυγχάνω, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 27. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀποθανών; μᾶλλον δέ; ἐν δεξιᾷ τοῦ θεοῦ; ἐντυγχάνω. 164 Rekonstruktion <?page no="165"?> (8,35) χωρίζω, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,10. 11. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ ἀγάπη, das 133 / 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42; *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42; *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ στενοχωρία, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ λιμός, das 13 Mal im NT steht, und zwar 1 Mal in eschatologischem Zusammenhang in *Ev, jedoch ansonsten nur auf der kanonischen Ebene. ♦ γυμνότης, das 3 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ κίνδυνος, das 2 Mal im NT steht, findet sich beide Male auf der kanonischen Ebene. ♦ μάχαιρα, ein Begriff, der 40 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: στενοχωρία; γυμνότης; κίνδυνος; μάχαιρα. Der lexikalische Vergleich stützt die fehlende Bezeugung dieser Passage, folglich dürften all diese Verse Produkte der kanonischen Redaktion sein und vorkano‐ nisch gefehlt haben. (8,36) Die Kombination καθὼς γέγραπται ὅτι steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröff‐ nung und immer auf der kanonischen Ebene (Röm 3,10; 4,17; 8,36). ♦ ἕνεκα steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ πρόβατον findet sich 43 / 39 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 15,6. ♦ σφαγή steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 8,32; Röm 8,36; Jak 5,5). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καθὼς γέγραπται ὅτι; λογίζομαι; σφαγή. (8,37) Die Wendung ἐν τούτοις steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Wendung τοῦ ἀγαπήσαντος steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Gal 2,20. ♦ ὑπερνικάω ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν τούτοις; τοῦ ἀγαπήσαντος. (8,38) Die Form πέπεισμαι steht 5 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 8,38; 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; im Vers: Röm 14,14; 2Tim 1,5. 12), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination γὰρ ὅτι steht 4 (Röm) 165 <?page no="166"?> 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 7,3. ♦ οὔτε, das 106 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,6. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7; *Kol 2,18. ♦ ἀρχή, das sich 67 / 55 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 = *Laod 1,21; *Laod 3,10. ♦ ἐνίστημι, das 9 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22. ♦ Auffallenderweise begegnet die Form μέλλοντα nur 2 Mal im NT, und wiederum an der hier bereits aufgeführten Stelle *1Kor 3,22, was neben weiteren sprachlichen Parallelen darauf hinweist, dass wir es bei Röm 8,38 mit einer Duplikation der vorkanonischen Stelle zu tun haben. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πέπεισμαι; γὰρ ὅτι. (8,39) ὕψωμα steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ βάθος, das 10 / 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33. ♦ Die Form ἑτέρα steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,40. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten χωρίζω vgl. weiter oben die Anmerkung zu Vers 35. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Die Kombination ἀγάπη + τοῦ θεοῦ steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42. ♦ Die Wendung ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,31. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὕψωμα; ἑτέρα; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν. Auch wenn gerade in den letzten beiden Versen eine Reihe von Termini verwendet werden, die vorkanonisch bezeugt sind, zeigt doch die Lexik in diesen wie in den vorangegangenen Versen, dass sie der kanonischen Redaktion zuzuordnen sind. Blickt man auf das gesamte Kapitel 8, insbesondere auf die unbezeugten und wohl auch abwesenden Teile 2 und 3 dieses Kapitels (Verse 12-39), wird man schließen müssen, dass die große Lücke, von der Tertullian spricht, tatsächlich diese beiden Teile des Kapitels betrifft. Sie waren also nicht von Tertullian und den anderen Zeugen übergangen worden, sondern bildeten eine kanonische Ergänzung dieses Briefkapitels. 166 Rekonstruktion <?page no="167"?> 167 *Laod/ Eph 4,25: ἀποθέμενοι τὸ ψεῦδος λαλεῖτε ἀλήθειαν ἕκαστος πρὸς τὸν πλησίον’ (Eph: μετὰ τοῦ πλησίον αὐτοῦ). 168 Röm 9,5 wird als „sekundäre Glosse“ betrachtet von J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. [Kapitel 9] [9],[1-18]: [Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht] Diese vorkanonisch unbezeugte und der Lexik nach auch nicht vorhandene Pas‐ sage ist ein Produkt der kanonischen Redaktion, die, wie bereits die Eröffnung durchblicken lässt, sich der Fiktionalität dieses höchst persönlich fingierten Berichts auch bewusst ist und die sich des vollkommenen Vertrauens ihrer Leserschaft versichern will - darum die Eröffnung mit „der Wahrheit“, dazu noch „in Christus“ und der Beteuerung, dass der fiktive Paulus „nicht lügt“, ganz ähnlich wie der *Deuteropaulus in *Laod/ Eph 4,25 formuliert: „Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, jeder gegenüber dem Nächsten“ 167 - für kritische Lesende vermutlich des Guten an beiden Stellen ein bisschen zu viel. - 9,1 Ἀλήθειαν λέγω ἐν Χριστῷ, οὐ ψεύδομαι, συμμαρτυρούσης μοι τῆς συνειδήσεώς μου ἐν πνεύματι ἁγίῳ, 2 ὅτι λύπη μοί ἐστιν μεγάλη καὶ ἀδιάλειπτος ὀδύνη τῇ καρδίᾳ μου. 3 ηὐχόμην γὰρ ἀνάθεμα εἶναι αὐτὸς ἐγὼ ἀπὸ τοῦ Χριστοῦ ὑπὲρ τῶν ἀδελφῶν μου τῶν συγγενῶν μου κατὰ σάρκα, - 4 οἵτινές εἰσιν Ἰσραηλῖται, ὧν ἡ υἱοθεσία καὶ ἡ δόξα καὶ αἱ διαθῆκαι καὶ ἡ νομοθεσία καὶ ἡ λατρεία καὶ αἱ ἐπαγγελίαι, 5 ὧν οἱ πατέρες, καὶ ἐξ ὧν ὁ Χριστὸς τὸ κατὰ σάρκα· ὁ ὢν ἐπὶ πάντων θεὸς εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας, ἀμήν. 168 6 Οὐχ οἷον δὲ ὅτι ἐκπέπτωκεν ὁ λόγος τοῦ θεοῦ. οὐ γὰρ πάντες οἱ ἐξ Ἰσραήλ, οὗτοι Ἰσραήλ· 7 οὐδ’ ὅτι εἰσὶν σπέρμα Ἀβραάμ, πάντες τέκνα, ἀλλ’, Ἐν Ἰσαὰκ κληθήσεταί σοι σπέρμα. 8 τουτ’ ἔστιν, οὐ τὰ τέκνα τῆς σαρκὸς ταῦτα τέκνα τοῦ θεοῦ, ἀλλὰ τὰ τέκνα τῆς ἐπαγγελίας λογίζεται εἰς σπέρμα· 9 ἐπαγγελίας γὰρ ὁ λόγος οὗτος, Κατὰ τὸν καιρὸν τοῦτον ἐλεύσομαι καὶ ἔσται τῇ Σάρρᾳ υἱός. 10 οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καὶ Ῥεβέκκα ἐξ ἑνὸς κοίτην ἔχουσα, Ἰσαὰκ τοῦ πατρὸς ἡμῶν· 11 μήπω γὰρ γεννηθέντων μηδὲ πραξάντων τι ἀγαθὸν ἢ φαῦλον, ἵνα ἡ κατ’ ἐκλογὴν πρόθεσις 4 (Röm) 167 <?page no="168"?> 169 Detering sieht die Verse 1-29 dieses Kapitels als abwesend, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 181-183. 170 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 456. τοῦ θεοῦ μένῃ, 12 οὐκ ἐξ ἔργων ἀλλ’ ἐκ τοῦ καλοῦντος, ἐρρέθη αὐτῇ ὅτι Ὁ μείζων δουλεύσει τῷ ἐλάσσονι· 13 καθὼς γέγραπται, Τὸν Ἰακὼβ ἠγάπησα, τὸν δὲ Ἠσαῦ ἐμίσησα. 14 Τί οὖν ἐροῦμεν; μὴ ἀδικία παρὰ τῷ θεῷ; μὴ γένοιτο· 15 τῷ Μωϋσεῖ γὰρ λέγει, Ἐλεήσω ὃν ἂν ἐλεῶ, καὶ οἰκτιρήσω ὃν ἂν οἰκτίρω. 16 ἄρα οὖν οὐ τοῦ θέλοντος οὐδὲ τοῦ τρέχοντος, ἀλλὰ τοῦ ἐλεῶντος θεοῦ. 17 λέγει γὰρ ἡ γραφὴ τῷ Φαραὼ ὅτι Εἰς αὐτὸ τοῦτο ἐξήγειρά σε ὅπως ἐνδείξωμαι ἐν σοὶ τὴν δύναμίν μου, καὶ ὅπως διαγγελῇ τὸ ὄνομά μου ἐν πάσῃ τῇ γῇ. 18 ἄρα οὖν ὃν θέλει ἐλεεῖ, ὃν δὲ θέλει σκληρύνει. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,6: Salio et hic amplissimum abruptum intercisae scripturae, sed apprehendo testimonium perhibentem apostolum Israeli, quod zelum dei habeant, sui utique, non tamen per scientiam. ♦ 9,7: Vgl. Gen 21,12 LXX: εἶπεν δὲ ὁ θεὸς τῷ Αβρααμ … ἐν Ισαακ κληθήσεταί σοι σπέρμα; Hebr 11,18: ὅτι Ἐν Ἰσαὰκ κληθήσεταί σοι σπέρμα. ♦ 9,9: Vgl. Gen 18,10. 14 LXX: 10 εἶπεν δέ Ἐπαναστρέφων ἥξω πρὸς σὲ κατὰ τὸν καιρὸν τοῦτον εἰς ὥρας, καὶ ἕξει υἱὸν Σαρρα ἡ γυνή σου. 14 … μὴ ἀδυνατεῖ παρὰ τῷ θεῷ ῥῆμα; εἰς τὸν καιρὸν τοῦτον ἀναστρέψω πρὸς σὲ εἰς ὥρας, καὶ ἔσται τῇ Σαρρα υἱός. ♦ 9,12: Vgl. Gen 25,23 LXX: … ὁ μείζων δουλεύσει τῷ ἐλάσσονι. ♦ 9,13: Vgl. Mal 1,2-3 LXX: 2 … λέγει κύριος· καὶ ἠγάπησα τὸν Ιακωβ, 3 τὸν δὲ Ησαυ ἐμίσησα. ♦ 9,15: Vgl. Ex 33,19 LXX: … ἐλεήσω ὃν ἂν ἐλεῶ, καὶ οἰκτιρήσω ὃν ἂν οἰκτίρω. ♦ 9,17: Ex 9,16 LXX: καὶ ἕνεκεν τούτου διετηρήθης, ἵνα ἐνδείξωμαι ἐν σοὶ τὴν ἰσχύν μου, καὶ ὅπως διαγγελῇ τὸ ὄνομά μου ἐν πάσῃ τῇ γῇ. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (9,1-3) Alle Editoren sehen das gesamte Kapitel 9 für unbezeugt. 169 Hilgen‐ feld gesteht gleich zu: „C. IX-XI muß bei Marcion Vieles gefehlt haben … es ist daher begreiflich, dass wir für dieses Capitel [IX] auch nicht ein einziges Zeugnis haben, es kann nur V. 1-3 beibehalten sein. … Aber auch noch in C. X und XI müssen große Lücken gewesen sein“. 170 Keine Erklärung gibt er, wie er auf die Beibehaltung dieser ersten drei Verse von Kapitel 9 kommt. 168 Rekonstruktion <?page no="169"?> 171 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 108*. 172 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), I/ 333. 173 Vgl. zu amplissimum abruptum intercisae scripturae die philologischen Bemerkungen, die zur Übersetzung „ein gewaltiges Trümmerfeld aus zerstückelter (gefälschter) Schrift“ führt, so A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Per‐ spektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 116-118. Dennoch scheint mir das „amplissimus“ mit „gewaltig“ weniger geeignet übersetzt zu sein, als mit „sehr weit“ oder „sehr breit“. Dann aber legt sich für „abrumpere“ nahe, dieses mit „abgebrochen“ zu übersetzen, weshalb das Bild eines „sehr großen Bruches“ sich näher legt, als das eines „gewaltigen Trümmerfelds“. 174 E. Käsemann, Commentary on Romans (1980), 258. 175 Mit weiterer Literatur W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 72. 176 E. Käsemann, An die Römer (1973), 241. Zahn sieht das Kapitel als fehlend an, Harnack ist etwas vorsichtiger und formuliert: „Große Lücke, sehr wahrscheinlich das ganze IX. Kapitel umfas‐ send“. 171 Nach Schmid gibt es „Auslassung(en) zwischen Röm 8,12 und 10,1, aber unklar, welchen Umfangs! “ 172 BeDuhn sieht hingegen die Verse 1-3 lediglich als unbezeugt, während er die Verse 9,4-10,1 für fehlend hält. Als Begründung für die Inklusion der Verse 1-3 in seine Rekonstruktion führt er Tert., Adv. Marc. V 14,6 an, 173 wobei Tertullians Hinweis auf „Israel“ in diesem Zusammenhang entweder Elemente aus Kapitel 9 voraussetze (und, wie BeDuhn richtig aufführt, wird Israel in 9,4. 6. 27 und 31 erwähnt), oder er beziehe sich auf 10,1 gemäß einigen Handschriftenzeugen, in denen es heißt: Ἀδελφοί, ἡ μὲν εὐδοκία τῆς ἐμῆς καρδίας καὶ ἡ δέησις πρὸς τὸν θεὸν ὑπὲρ τοῦ Ἰσραὴλ ἐστιν εἰς σωτηρίαν. BeDuhn folgt dann aber Käsemann, der darauf verwiesen hatte, dass sich zwischen 9,3 und 9,4 ein Bruch finde, da die Sorgen, die in den Versen 1-3 ausgedrückt werden, erst mit 10,1 wieder aufgegriffen würden. 174 BeDuhn argumentiert demnach mit dem narrativen Zusammenhang, denn gerade in den ersten drei Versen des 9. Kapitels findet sich der Hinweis auf Israel nicht. Die einfachere und mit den Zeugen übereinstimmende Lösung ist die von Harnack vorgeschlagene, wonach von Tertullian erst wieder das Kapitel 10 bezeugt ist und Kapitel 9 komplett gefehlt hat. Van Manen meint, „dass ein Zusammenhang“ mit dem Kontext der Kapitel 9-11 „tatsächlich nicht besteht und vielmehr gesucht wird als gegeben ist“. 175 In neuerer Zeit wiederholt dies Ernst Käsemann in eigenen Worten: „Von c. 16 abgsehen, ist kein Briefteil so in sich geschlossen und deshalb so leicht und, wie es scheint, so risikolos aus dem Ganzen zu lösen“ wie die Kapitel 9,1-11,36. 176 4 (Röm) 169 <?page no="170"?> 177 Vgl. etwa schon T. Whittaker, The Origins of Christianity with an Outline of Van Manen’s Analysis of the Pauline Literature (1904), 113-114. 2. (9,1) Verräterisch für einen Redakteur, der eine bewusste Umformung einer Vorlage vornimmt, ist die emphatische Eröffnung: Ἀλήθειαν λέγω ἐν Χριστῷ, οὐ ψεύδομαι, συμμαρτυρούσης-… Die Semantik von ἐν Χριστῷ ist kanonisch denotiert - es geht um die Selbstautorisierung des Paulus, nicht um den für die vorkanonische Ebene charakteristischen „encheiristischen“ Gebrauch. 3. (9,4-18) Alle Editoren gehen davon aus, dass diese Verse unbezeugt sind. Schon Zahn hielt sie darüber hinaus auch für fehlend, während, wie zitiert, Harnack zurückhaltender formuliert. 4. Seit langem hat man erkannt, dass Kapitel 9 (bis Kapitel 11) ein eigenstän‐ diges Stück darstellt, das den Argumentationsfluss eher unterbricht. 177 D. (9,1) ἀλήθεια, das 112 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonische bezeugt für *Gal 2,14; *Laod 1,13; 6,14; *Phil 1,18; *Kol 1,5; *2Thess 2,10. 11. 12. ♦ ψεύδομαι, das 10 / 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 2,11. ♦ συμμαρτυρέω steht 3 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ συνείδησις, das 32 / 30 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν πνεύματι ἁγίῳ steht 13 Mal im NT, Lk 3,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 6,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἐν Χριστῷ; συμμαρτυρέω; συνείδησις; ἐν πνεύματι ἁγίῳ. (9,2) λύπη, das 17 / 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μέγας steht 209 / 243 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 5,32. ♦ ἀδιάλειπτος, das 4 Mal im NT steht, findet sich ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὀδύνη steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Tim 6,10). ♦ Die Wendung τῇ καρδίᾳ steht 30 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λύπη; ἀδιάλειπτος; ὀδύνη; τῇ καρδίᾳ. (9,3) εὔχομαι, das 10 / 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ ἀνάθεμα, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,9. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Kombination αὐτὸς ἐγώ steht 4 Mal im 170 Rekonstruktion <?page no="171"?> NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 12,13. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ Die Wendung ὑπὲρ τῶν ἀδελφῶν steht 1 weiteres Mal, 1Joh 3,16. ♦ Die Wendung τῶν ἀδελφῶν μου steht 1 weiteres Mal in Mt 25,40. ♦ συγγενής steht 13 Mal im NT, nur bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu den Versen 5. 8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εὔχομαι; αὐτὸς ἐγώ; ὑπὲρ τῶν ἀδελφῶν; τῶν ἀδελφῶν μου; συγγενής. Der Vergleich der Lexik könnte kaum deutlicher sein. In jedem der drei Verse finden sich eine Reihe von ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente. Die Verse sind Produkte der kanonischen Redaktion und haben im vorkanonischen Text gefehlt. (9,4) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Kombination οἵτινές εἰσιν steht 2 Mal im NT (Röm 9,4; 16,7, in einem Vers, der in *Röm fehlt), nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἰσραηλίτης, das 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ υἱοθεσία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,5; *Laod 1,5. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ διαθήκη, das 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *2Kor 3,3; *Laod 2,12. ♦ νομοθεσία ist Hapax legomenon im NT. ♦ λατρεία steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οἵτινές εἰσιν; Ἰσραηλίτης; λατρεία. (9,5) Zu dem Personalpronomen ὧν vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ πατέρες, das im Plural 20 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26; 11,47; *1Kor 10,1; *Laod 6,4. ♦ Die Wendung ἐξ ὧν steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 1Kor 15,6. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; 4 (Röm) 171 <?page no="172"?> Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. zuvor zu Vers 3 und weiter zu Vers 8. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ Der Ausdruck ὁ ὤν steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,31. ♦ ἐπὶ πάντων steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt in *Laod 4,6 (und Eph 4,6). ♦ εὐλογητός, das 8 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3. ♦ Die Wendung εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,31. ♦ Die Wendung εἰς τοὺς αἰῶνας, ἀμήν steht 5 Mal im NT, davon 4 Mal in Röm, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,35; 9,5; 11,36; 16,27, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Petr 5,11). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐξ ὧν; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; ὁ ὤν; εὐλογητὸς εἰς τοὺς αἰῶνας; εἰς τοὺς αἰῶνας, ἀμήν. (9,6) οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,40; 24,3; *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ οἷος, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,48. ♦ Die Formel ὁ λόγος τοῦ θεοῦ steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vg. Zu 1Kor 13,36. ♦ ἐκπίπτω, das 13 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3, vgl. weiters Vers 7. ♦ Ἰσραήλ steht 74 / 68 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1; *Laod 2,12. ♦ οὗτοι, das 77 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ λόγος τοῦ θεοῦ; ἐκπίπτω; οὗτοι. (9,7) οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Der Ausdruck τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα steht weiter auf der kanonischen Ebene in 2Kor 11,22 und Gal 3,29. ♦ σπέρμα, das 45 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38, vgl. weiter die Verse 8. 29. ♦ Ἀβραάμ, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,22; *Röm 4,2. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πάντες vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für. ♦ Ἰσαάκ steht 25 / 20 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form κληθήσεται steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (3 Mal in Mt; Mk 11,17; Lk 1,32. 35. 60; 2,23, alles Verse, die in *Ev fehlen; Röm 9,7; Hebr 11,18). ♦ σοι (Dat. Sg. oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 172 Rekonstruktion <?page no="173"?> 18,22; *Laod 5,14, vgl. weiter Vers 17. ♦ Das ganze Zitat aus Gen 21,12 LXX steht 1 weiteres Mal in Hebr 11,18: ὅτι Ἐν Ἰσαὰκ κληθήσεταί σοι σπέρμα. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα; Ἰσαάκ; κληθήσεται. (9,8) τοῦτ’ ἔστιν steht 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,19 (Τοῦτό ἐστιν τὸ σῶμά μου), vgl. zu Röm 7,18. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu den Versen 3. 5. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ Die Wendung τέκνα τοῦ θεοῦ steht 1 weiteres Mal in 1Joh 3,10. ♦ ἐπαγγελία steht 52 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ Zu σπέρμα vgl. zuvor zu Vers 7 und danach Vers 29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τέκνα τοῦ θεοῦ; λογίζομαι. (9,9) Zum vorkanonisch bezeugten ἐπαγγελία vgl. zum voranstehenden Vers 9,8. ♦ οὗτος steht 192 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ὁ λόγος οὗτος steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 28,15; Lk 4,36; 7,17; Joh 6,60; 7,36; Röm 9,9). ♦ τοῦτον, das 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung κατὰ τὸν καιρόν steht 1 weiteres Mal, in Apg 19,23. ♦ Die Form ἐλεύσομαι steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 1Kor 4,19. ♦ Die Verbform ἔσται, die 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Σάρρα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ λόγος οὗτος; κατὰ τὸν καιρόν; ἐλεύσομαι; Σάρρα. (9,10) Die Verseröffnung im kanonischen Text οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί begegnet auch in 2Kor 8,19 (vgl. auch 2Kor 7,7); Röm 5,3; 8,23; 9,10; 1Tim 5,13; 2Tim 4,8, und steht an allen Stellen ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 5,3. ♦ Ῥεβέκκα ist Hapax legomenon im NT. ♦ κοίτη steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἰσαάκ steht 25 / 20 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Formulierung τοῦ πατρὸς ἡμῶν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 4,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐ μόνον δέ, ἀλλὰ καί; Ῥεβέκκα; κοίτη; Ἰσαάκ; τοῦ πατρὸς ἡμῶν. (9,11) μήπω steht 1 weiteres Mal, im Vers, Hebr 9,8. ♦ γεννάω, das 98 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23. 24; *1Kor 4,15. ♦ μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9; *Kol 2,21. ♦ Die Form 4 (Röm) 173 <?page no="174"?> πραξάντων steht 1 weiteres Mal, Apg 19,19. ♦ φαῦλος, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Wendung κατ’ ἐκλογήν steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 11,5. ♦ πρόθεσις steht 12 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form μένῃ steht 4 weitere Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μήπω; πραξάντων; φαῦλος; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; κατ’ ἐκλογήν; πρόθεσις; μένῃ. (9,12) Die Wendung οὐκ ἐξ ἔργων steht 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 9,12; Eph 2,9; Tit 3,5; im Vers: Gal 2,16; Jak 2,21. 25), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐκ τοῦ καλοῦντος begegnet 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 9,12. ♦ Die Verbformen ἐρρέθη / ἐρρέθησαν, die 11 Mal im NT stehen, finden sich jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter Vers 26. ♦ αὐτῇ (Dat. Fem. Sg.), das 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Der Ausdruck ὁ μείζων steht 3 Mal im NT (Mt 18,4; Lk 22,26; Röm 9,12), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δουλεύω steht 26 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ ἐλάσσων steht 4 Mal, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐκ ἐξ ἔργων; ἐκ τοῦ καλοῦντος; ὁ μείζων; ἐλάσσων. (9,13) Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ Ἰακώβ steht 31 / 27 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἠγάπησα steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Joh; Röm 9,13; Apk 3,9). ♦ Ἠσαῦ findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ μισέω steht 40 / 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,22; *Laod 5,29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung καθὼς γέγραπται; Ἰακώβ; ἠγάπησα; Ἠσαῦ. 174 Rekonstruktion <?page no="175"?> (9,14) Die Wendung τί οὖν ἐροῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich im Römerbrief, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ ἀδικία steht 27 / 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,9; *Röm 1,18; *2Thess 2,12. ♦ Die Kombination παρὰ τῷ θεῷ steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,19-20. ♦ Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt zuvor für *Röm 7,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: παρὰ τῷ θεῷ. Man bemerke die Nähe zu *Röm 7,7. (9,15) Μωϋσῆς, der 79 / 80 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13. ♦ ἐλεάω steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὃν ἄν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 26,48; Mk 14,44; Joh 1,33; Röm 9,15). ♦ οἰκτίρω ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐλεάω; ὃν ἄν. (9,16) Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ Die Wendung τοῦ θέλοντος steht nur hier. ♦ Zu οὐδέ vgl. weiter oben zu Vers 7. ♦ τρέχω, das 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2. ♦ Zu dem nur kanonisch belegten ἐλεάω vgl. zum voranstehenden Vers 9,15. ♦ Die alternative Herleitung ἐλεέω steht 33 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,38. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρα οὖν; ἐλεάω. (9,17) Die Wendung λέγει γὰρ ἡ γραφή steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 9,17; 10,11; 1Tim 5,18). ♦ Φαραώ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ὅτι εἰς steht 6 Mal im NT (Apg 21,29; Röm 9,17; 1Kor 1,15; Phil 1,16; 1Thess 3,3; 1Petr 3,9), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς αὐτό steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,5. ♦ Die Wendung εἰς αὐτὸ τοῦτο steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 9,17; 13,6; 2Kor 5,5; Eph 6,22; Kol 4,8). ♦ Die Kombination αὐτὸ τοῦτο steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,10. ♦ ἐξεγείρω begegnet zwei Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,14. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ὅπως, das 58 / 53 Mal im NT steht, davon 12 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 5,45; 6,4. 18; 8,17; 13,35; 23,35; Lk 24,20; Apg 3,20; 15,17; 1Kor 1,29; 2Thess 1,12; Phlm 1,6; im Vers: 11 Mal Mt; Mk 3,6; Lk 2,35, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 7,3; 10,2; 11,37; 16,26. 28; Joh 11,57; 12 Mal Apg; Röm 3,4; 9,17; 2Kor 8,11. 14; Gal 1,4; Hebr 2,9; 9,15; Jak 5,16; 1Petr 2,9), ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,4 (im Vers); *1Kor 1,29 (Verseröffnung). ♦ Die Kombination σε ὅπως steht 1 weiteres Mal in 4 (Röm) 175 <?page no="176"?> Apg 23,20. ♦ ἐνδείκνυμι steht 12 / 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν σοί steht 20 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,8. ♦ διαγγέλλω steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,60. ♦ Die Wendung τὸ ὄνομά μου steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Mk 13,13; Lk 21,17; Joh 15,21; Apg 9,15; Röm 9,17; 4 Mal Apk). ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ Die Wendung τῇ γῇ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Mt; Lk 12,51; Röm 9,17). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λέγει γὰρ ἡ γραφή; Φαραώ; ὅτι εἰς; εἰς αὐτὸ τοῦτο; αὐτὸ τοῦτο; σε ὅπως; ἐνδείκνυμι; ἐν σοί; τὸ ὄνομά μου; τῇ γῇ. (9,18) Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ Die Form θέλει steht 19 Mal im NT, Lk 5,39; 13,31, in Versen, die in *Ev fehlen, und überhaupt nur kanonisch belegt, vgl. zu 1Kor 7,39. ♦ ἐλεέω steht 33 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,38. ♦ Die Wendung ὃν δέ steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Lk 20,18; 23,33; Apg 13,37; Röm 9,18). ♦ σκληρύνω steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρα οὖν; θέλει; ὃν δέ; σκληρύνω. Aus dem lexikalischen Vergleich dieser Passage ergibt sich, dass die vorkano‐ nisch unbezeugten Verse allesamt auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sind und vorkanonisch gefehlt haben. [9],[19-33]: [Israel ging es um die Gerechtigkeit aus Werken] Diese für die vorkanonische Version unbezeugte Passage führt die Diskussion des Verhältnisses der Adressaten zu Israel fort, indem rhetorische Fragen angeführt und in Auseinandersetzung mit der jüdischen Schrift beantwortet werden. - 19 Ἐρεῖς μοι οὖν, Τί οὖν ἔτι μέμφεται; τῷ γὰρ βουλήματι αὐτοῦ τίς ἀνθέστηκεν; 20 ὦ ἄνθρωπε, μενοῦνγε σὺ τίς εἶ ὁ ἀνταποκρινόμενος τῷ θεῷ; μὴ ἐρεῖ τὸ πλάσμα τῷ πλάσαντι, Τί με ἐποίησας οὕτως; 21 ἢ οὐκ ἔχει ἐξουσίαν ὁ κεραμεὺς τοῦ πηλοῦ ἐκ τοῦ αὐτοῦ φυράματος ποιῆσαι ὃ μὲν εἰς τιμὴν σκεῦος, ὃ δὲ 176 Rekonstruktion <?page no="177"?> εἰς ἀτιμίαν; 22 εἰ δὲ θέλων ὁ θεὸς ἐνδείξασθαι τὴν ὀργὴν καὶ γνωρίσαι τὸ δυνατὸν αὐτοῦ ἤνεγκεν ἐν πολλῇ μακροθυμίᾳ σκεύη ὀργῆς κατηρτισμένα εἰς ἀπώλειαν, 23 καὶ ἵνα γνωρίσῃ τὸν πλοῦτον τῆς δόξης αὐτοῦ ἐπὶ σκεύη ἐλέους, ἃ προητοίμασεν εἰς δόξαν, 24 οὓς καὶ ἐκάλεσεν ἡμᾶς οὐ μόνον ἐξ Ἰουδαίων ἀλλὰ καὶ ἐξ ἐθνῶν; 25 ὡς καὶ ἐν τῷ Ὡσηὲ λέγει, Καλέσω τὸν οὐ λαόν μου λαόν μου καὶ τὴν οὐκ ἠγαπημένην ἠγαπημένην· 26 καὶ ἔσται ἐν τῷ τόπῳ οὗ ἐρρέθη αὐτοῖς, Οὐ λαός μου ὑμεῖς, ἐκεῖ κληθήσονται υἱοὶ θεοῦ ζῶντος. 27 Ἠσαΐας δὲ κράζει ὑπὲρ τοῦ Ἰσραήλ, Ἐὰν ᾖ ὁ ἀριθμὸς τῶν υἱῶν Ἰσραὴλ ὡς ἡ ἄμμος τῆς θαλάσσης, τὸ ὑπόλειμμα σωθήσεται· 28 λόγον γὰρ συντελῶν καὶ συντέμνων ποιήσει κύριος ἐπὶ τῆς γῆς. 29 καὶ καθὼς προείρηκεν Ἠσαΐας, Εἰ μὴ κύριος Σαβαὼθ ἐγκατέλιπεν ἡμῖν σπέρμα, ὡς Σόδομα ἂν ἐγενήθημεν καὶ ὡς Γόμορρα ἂν ὡμοιώθημεν. 30 Τί οὖν ἐροῦμεν; ὅτι ἔθνη τὰ μὴ διώκοντα δικαιοσύνην κατέλαβεν δικαιοσύνην, δικαιοσύνην δὲ τὴν ἐκ πίστεως· 31 Ἰσραὴλ δὲ διώκων νόμον δικαιοσύνης εἰς νόμον οὐκ ἔφθασεν. 32 διὰ τί; ὅτι οὐκ ἐκ πίστεως ἀλλ’ ὡς ἐξ ἔργων· προσέκοψαν τῷ λίθῳ τοῦ προσκόμματος, 33 καθὼς γέγραπται, Ἰδοὺ τίθημι ἐν Σιὼν λίθον προσκόμματος καὶ πέτραν σκανδάλου, καὶ ὁ πιστεύων ἐπ’ αὐτῷ οὐ καταισχυνθήσεται. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. 9,20-21: Vgl. Jes 29,16 LXX: μὴ ἐρεῖ τὸ πλάσμα τῷ πλάσαντι Οὐ σύ με ἔπλασας; ἢ τὸ ποίημα τῷ ποιήσαντι Οὐ συνετῶς με ἐποίησας; ♦ 9,25: Vgl. Hos 2,25 LXX: … ἐλεήσω τὴν Οὐκ ἠλεημένην καὶ ἐρῶ τῷ Οὐ-λαῷ-μου Λαός μου εἶ σύ, καὶ αὐτὸς ἐρεῖ Κύριος ὁ θεός μου εἶ σύ. ♦ 9,26-28: Vgl. Hos 2,1 LXX: Καὶ ἦν ὁ ἀριθμὸς τῶν υἱῶν Ισραηλ ὡς ἡ ἄμμος τῆς θαλάσσης, ἣ οὐκ ἐκμετρηθήσεται οὐδὲ ἐξαριθμηθήσεται· καὶ ἔσται ἐν τῷ τόπῳ, οὗ ἐρρέθη αὐτοῖς Οὐ λαός μου ὑμεῖς, ἐκεῖ κληθήσονται υἱοὶ θεοῦ ζῶντος; Jes 10,22 LXX: καὶ ἐὰν γένηται ὁ λαὸς Ισραηλ ὡς ἡ ἄμμος τῆς θαλάσσης, τὸ κατάλειμμα αὐτῶν σωθήσεται· λόγον γὰρ συντελῶν καὶ συντέμνων ἐν δικαιοσύνῃ; Jes 28,22 LXX: … διότι συντετελεσμένα καὶ συντετμημένα πράγματα ἤκουσα παρὰ κυρίου σαβαωθ, ἃ ποιήσει ἐπὶ πᾶσαν τὴν γῆν. ♦ 9,29: Vgl. Jes 1,9 LXX: … εἰ μὴ κύριος σαβαωθ ἐγκατέλιπεν ἡμῖν σπέρμα, ὡς Σοδομα ἂν ἐγενήθημεν καὶ ὡς Γομορρα ἂν ὡμοιώθημεν. ♦ 9,33: 4 (Röm) 177 <?page no="178"?> 178 Detering schließt sich dem an, sieht jedoch die Verse 30-32 nach dem kanonischen Text als präsent, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 183-184. 179 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. Vgl. Jes 28,16 LXX: … λέγει κύριος ᾿Ιδοὺ ἐγὼ ἐμβαλῶ εἰς τὰ θεμέλια Σιων λίθον πολυτελῆ ἐκλεκτὸν ἀκρογωνιαῖον ἔντιμον εἰς τὰ θεμέλια αὐτῆς, καὶ ὁ πιστεύων ἐπ᾽ αὐτῷ οὐ μὴ καταισχυνθῇ. B. (9,27) Anstelle von ὑπόλειμμα, das bezeugt ist von 01*, 02, 03, 81, 1739 c , Eus, findet sich κατάλειμμα in den Zeugen P 46 , 011, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1506, 1739*, 1881, 2464, M. ♦ (9,32) Anstelle von ἔργων, das bezeugt ist in 01*, 02, 03, 010, 012, 6, 629, 630, 1739, 1881, lat, co, steht ἔργων νόμου in 01 2 , 06, 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1505, 1506, 2464, M, vg ms , sy. C. (9,19-33) Nach allen Editoren sind die vorliegenden Verse 19-33 unbezeugt. Zahn hielt sie darüber hinaus für abwesend von Markions Paulusbriefsamm‐ lung. 178 Harnack war wieder zurückhaltender Schmid ebenfalls. Vorsichtig formuliert auch BeDuhn. Es würde überraschen, wären Tertullian die vielen Zitate der Schriftstellen in dieser Passage entgangen oder hätte er sie mit Stillschweigen übergangen, wenn er sie im vorkanonischen Text gelesen hätte. Hieraus und aus dem lexikalischen Vergleich, der zahlreiche ausschließlich kanonisch bezeugte Elemente aufweist, lässt sich schließen, dass wohl diese Passage und das gesamte Kapitel 9 in der vorkanonischen Fassung gefehlt hat und auf die kanonische Redaktion zurückgeht. Auch Weisse hat solche Zitate als Charakteristika einer späteren Hand angesehen. 179 D. (9,19) Die Verbform ἐρεῖς steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verser‐ öffnung: Röm 9,19; 11,19; im Vers: Mt 7,4; Apg 23,5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung (im Akkusativ) τί οὖν steht 23 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19 (Verseröffnung); *Röm 7,7 (Verseröffnung), vgl. Röm 3,9; 6,15. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ μέμφομαι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ βούλημα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ ἀνθίστημι steht 16 / 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 178 Rekonstruktion <?page no="179"?> 21,15; *Gal 2,11. ♦ Die Form ἀνθέστηκεν steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 13,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐρεῖς; τί οὖν im Vers; μέμφομαι; βούλημα; ἀνθέστηκεν. (9,20) Der Ausdruck ὦ ἄνθρωπε steht 5 Mal im NT, 1 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2,1. ♦ μενοῦνγε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 9,20; 10,18; Phil 3,8). ♦ Die Kombination σὺ τίς εἶ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Joh; Röm 9,20; 14,4). ♦ ἀνταποκρίνομαι steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Lk 14,6. ♦ Die Verbform ἐρεῖ, die 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 15,35. ♦ πλάσμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ πλάσσω steht 2 Mal im NT, das andere Mal ebenfalls auf der kanonischen Ebene (1Tim 2,13). ♦ Die Kombination τί με steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 18,19; 3 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 9,20). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὦ ἄνθρωπε; μενοῦνγε; σὺ τίς εἶ; ἀνταποκρίνομαι; πλάσσω; τί με. (9,21) Die Kombination ἢ οὐκ steht 13 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,2. ♦ Der Ausdruck ἐξουσίαν + ἔχω findet sich 4 Mal im NT, Lk 19,17, wo gerade dieses Element im Text von *Ev fehlt, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 7,37. ♦ κεραμεύς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πηλός steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4. ♦ Der Ausdruck εἰς τιμήν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 9,21; 2Tim 2,20. 21). ♦ σκεῦος, das 25 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,4, vgl. die weiteren Verse 22. 23. ♦ Die Wendung εἰς ἀτιμίαν steht 1 weiteres Mal, 2Tim 2,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἢ οὐκ; ἐξουσίαν + ἔχω; κεραμεύς; πηλός; εἰς τιμήν; εἰς ἀτιμίαν. (9,22) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ ἐνδείκνυμι steht 12 / 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ὀργή steht 37 / 36 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ γνωρίσαι steht 3 Mal im NT (Röm 9,22; Eph 6,19; Kol 1,27), vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,19. ♦ δυνατός steht 115 / 32 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φέρω steht 71 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν πολλῇ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 9,22; 2Kor 8,2; 1Thess 2,17). ♦ μακροθυμία steht 14 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σκεύη ist 4 (Röm) 179 <?page no="180"?> Hapax legomenon im NT. ♦ Zu σκεῦος vgl. zuvor Vers 21 und nachfolgend Vers 23. ♦ καταρτίζω steht 15 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπώλεια steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 2,3. ♦ Die Wendung εἰς ἀπώλειαν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 8,20; Röm 9,22; Hebr 10,39; Apk 17,8. 11). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ; ἐνδείκνυμι; γνωρίσαι; δυνατός; φέρω; ἐν πολλῇ; μακροθυμία; σκεύη; καταρτίζω; εἰς ἀπώλειαν. (9,23) Die Kombination καὶ ἵνα steht 7 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 9,23; 2Thess 3,2; Apk 13,17; im Vers: Mk 3,14; Joh 20,31; Apk 6,2. 4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form γνωρίσῃ steht nur hier. ♦ πλοῦτος steht 31 / 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 1,18. ♦ Die Kombination πλοῦτος + τῆς δόξης steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, besonders auffällig ist Eph 1,18, wo im bezeugten vorkanonischen Parallelvers nur πλοῦτος steht, jedoch nicht τῆς δόξης. ♦ Zum kanonischen σκεύη vgl. zu den voranstehenden Versen 21 und 22. ♦ ἔλεος, das 35 / 27 Mal im NT steht, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ προετοιμάζω steht nur noch 1 weiteres Mal in Eph 2,10 auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ ἵνα; πλοῦτος + τῆς δόξης; ἔλεος; προετοιμάζω. (9,24) Die Wendung οὓς καί steht 4 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 3,14; Lk 6,13; Röm 9,24; Hebr 6,7). ♦ Das Personalpro‐ nomen οὕς Akk. Mask. Pl., das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *1Kor 10,11. ♦ Die Form ἐκάλεσεν steht 13 Mal im NT (3 Mal Mt; Mk 1,20; Lk 14,16; Röm 8,30; 9,24; 2Kor 7,6; 1Thess 4,7; 2Thess 2,14), vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,16. ♦ Die Kombination οὐ μόνον steht 27 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (immer οὐ μόνον δέ), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 25 ↑*Laod 1,21. ♦ Ἰουδαῖος steht 250 / 195 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ Die Wendung ἐξ ἐθνῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,26. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὓς καί; ἐξ ἐθνῶν. (9,25) Die Kombination ὡς καί steht 18 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Apg 22,5; Röm 9,25; 2Petr 3,16; im Vers: 2 Mal Mt; 2 Mal Apg; 1Kor 7,7; Eph 2,3; 5,23; 2Tim 3,9; Hebr 3,2; 13,3; 1Petr 3,7; 2Petr 2,1; Apk 6,11; 18,6), vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 2,3; 5,23, jeweils im Vers. ♦ Ὡσηέ ist Hapax legomenon 180 Rekonstruktion <?page no="181"?> im NT. ♦ λαός, das 151 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,7; 14,21, vgl. weiter Vers 26. ♦ Die Wendungn λαόν μου steht noch 1 weiteres Mal in Mt 2,6. ♦ Die Form ἠγαπημένην findet sich 1 weiteres Mal in Apk 20,9. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ὡς καί; λαόν μου; ἠγαπημένην. (9,26) Die Verbform ἔσται ist vorkanonisch bezeugt, vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ τόπος, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἐν τῷ τόπῳ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (4 Mal Joh; Apg 7,7; Röm 9,26). ♦ Zu den Verbformen ἐρρέθη / ἐρρέθησαν vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ Zu λαός vgl. zum voranstehenden Vers 25. ♦ Die Wendung λαός μου steht 1 weiteres Mal in Apk 18,4. ♦ ἐκεῖ steht 113 / 105 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form κληθήσονται steht 3 Mal im NT (Mt 5,4. 9; Röm 9,26), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck υἱοὶ θεοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,14. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν τῷ τόπῳ; ἐρρέθη; λαός μου; κληθήσονται; υἱοὶ θεοῦ. (9,27) Ἠσαΐας steht 24 / 22 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ κράζω steht 71 / 56 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,6. ♦ Ἰσραήλ steht 74 / 68 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1; *Laod 2,12. ♦ Die Form τοῦ Ἰσραήλ steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Lk 1,68; 2,25, in Versen, die in *Ev fehlen; 22,30; 3 Mal Joh; Apg 28,20; Röm 9,27; 11,2; Eph 2,12). ♦ Die Wendung ἐὰν ᾖ steht 3 Mal im NT (Apg 5,38; Röm 9,27; 1Kor 7,36), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀριθμός steht 21 / 18 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination υἱῶν Ἰσραήλ steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 27,9; Lk 1,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 9,27; Hebr 11,22; 3 Mal Apk). ♦ ἄμμος steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὑπόλειμμα und κατάλειμμα sind Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Ἠσαΐας; τοῦ Ἰσραήλ; ἐὰν ᾖ; ἀριθμός; υἱῶν Ἰσραήλ; ἄμμος. (9,28) συντελέω steht 8 Mal im NT, nur auf kanonischer Ebene. ♦ συντέμνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form ποιήσει steht 18 Mal (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 18,8; 20,15, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2 Mal Joh; Apg 13,22; Röm 8,11; 9,28; 1Kor 7,37. 38; 10,13; 1Thess 5,24; Hebr 13,6; Apk 11,7), jeweils auf der kanonischen Ebene. 4 (Röm) 181 <?page no="182"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συντελέω; ποιήσει. (9,29) Die Kombination καὶ καθώς steht 12 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung wie hier, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,31. ♦ Zum kanonischen Ἠσαΐας,vgl. zuvor zu Vers 9,27. ♦ Die Kombination εἰ μή steht 86 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Joh 9,33; 15,22; 1Kor 7,17; im Vers: 13 Mal Mt; 13 Mal Mk; Lk 4,26. 27, beide Male in Versen, die in *Ev fehlen; 5,21; 6,4; 8,51; 10,22; 11,29, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 17,18; 18,19; 12 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 7,7; 9,29; 11,15; 13,1. 8; 14,14; 1Kor 1,14; 2,2. 11; 8,4; 10,13; 12,3; 14,5; 2Kor 2,2; 12,5. 13; Gal 1,7; 6,14; Eph 4,9; Phil 4,15; 1Tim 5,19; Hebr 3,18; 1Joh 2,22; 5,5; 6 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,21; 8,21; 10,22; 17,18; *Röm 7,7. ♦ Σαβαώθ steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf kanonischer Ebene ( Jak 5,4). ♦ ἐγκαταλείπω steht 12 / 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu σπέρμα vgl. zuvor zu den Versen 7. 8. ♦ Σόδομα steht 10 / 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἐγενήθημεν steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,9. ♦ Γόμορρα steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 2,8. ♦ ὁμοιόω steht 17 / 15 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Ἠσαΐας; Σαβαώθ; ἐγκαταλείπω; Σόδομα; Γόμορρα; ὁμοιόω. (9,30) Die Wendung τί οὖν ἐροῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich im Römerbrief, vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,7. ♦ (τὰ) ἔθνη steht 23 Mal im NT, Lk 24,47, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,30; *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ διώκω steht 47 / 45 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ δικαιοσύνη steht 97 / 92 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ καταλαμβάνω, das 20 / 15 Mal im NT, steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐκ πίστεως steht 23 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 3,11; *Röm 1,17; 14,23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: καταλαμβάνω. (9,31) Zum vorkanonisch bezeugten Ἰσραήλ vgl. zu Vers 9,27. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten διώκω vgl. den voranstehenden Vers 9,30. ♦ Die Wendung εἰς νόμον steht noch 1 weiteres Mal in Jak 1,25. ♦ φθάνω, das 7 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς νόμον; φθάνω. 182 Rekonstruktion <?page no="183"?> 180 Man bemerke die Variante ἐξ ἔργων νόμου, Goldmann weist darauf hin, dass der vorka‐ nonische Paulus immer von ἔργα νόμου spricht, nicht von Werken ohne die Ergänzung „Gesetz“, glaubt hier aber wegen der Variante, dass der Vers vorkanonisch vorhanden war, A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 144-145. (9,32) Die Kombination διὰ τί steht 26 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,38; 20,5 (beide Male im Vers), vgl. zu 2Kor 11,11. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,14. ♦ Die Wendung ἐξ ἔργων steht 16 Mal im NT (Röm 3,20; 4,2; 9,12. 32; 11,6; Gal 2,16; 3,2. 5. 10; Eph 2,9; Tit 3,5; Jak 2,21. 24. 25), vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,16. 180 ♦ προσκόπτω findet sich 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λίθος, das 70 / 59 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form τῷ λίθῳ steht 1 weiteres Mal, Lk 4,3. ♦ πρόσκομμα, das 6 Mal im NT begegnet, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung διὰ τί; ἀλλ’ ὡς; προσκόπτω; τῷ λίθῳ; πρόσκομμα. (9,33) Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ Die Form τίθημι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Joh; Röm 9,33; 1Petr 2,6). ♦ Σιών steht 7 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ Zu λίθος vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Zum kanonischen πρόσκομμα vgl. den voranstehenden Vers 9,32. ♦ πέτρα, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,4. ♦ πέτρα + σκανδάλου steht 1 weiteres Mal, 1Petr 2,8. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ Der Ausdruck ὁ πιστεύων steht 18 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 3 Mal Joh; 1Joh 5,10; im Vers: 8 Mal Joh; Apg 13,39; Röm 9,33; 10,11; 1Petr 2,6; 1Joh 5,1. 5), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καταισχύνω steht 14 / 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,17; *1Kor 1,27. ♦ Der gesamte Ausdruck ὁ πιστεύων ἐπ’ αὐτῷ οὐ καταισχυνθήσεται steht als Duplikat auf der kanonischen Ebene erneut in Röm 10,11. ♦ Die Kombination ἐπ’ αὐτῷ steht 13 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 12,17; Lk 15,7; 23,38; Joh 12,16; Apg 8,2; Röm 9,33; 10,11; 15,12; 1Tim 1,16; Hebr 2,13; Jak 5,7; 1Petr 2,6; 1Joh 3,3). 4 (Röm) 183 <?page no="184"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung καθὼς γέγραπται; die Form τίθημι; Σιών; πρόσκομμα; πέτρα + σκανδάλου; ὁ πιστεύων; ὁ πιστεύων ἐπ’ αὐτῷ οὐ καταισχυνθήσεται. Kapitel 10 10,1-4: Das Gebet für Israel Wichtige Elemente des vorkanonischen Textes aus diesem Passus sind gut bezeugt. Der Passus ist nur leicht von der kanonischen Redaktion erweitert. 10,1 ἡ μὲν εὐδοκία τῆς ἐμῆς καρδίας καὶ ἡ δέησις πρὸς τὸν θεὸν ὑπὲρ τοῦ Ἰσραὴλ ἐστιν εἰς σωτηρίαν. 10,1 Ἀδελφοί, ἡ μὲν εὐδοκία τῆς ἐμῆς καρδίας καὶ ἡ δέησις πρὸς τὸν θεὸν ὑπὲρ αὐτῶν εἰς σωτηρίαν. 2 ζῆλον θεοῦ ἔχουσιν, ἀλλ’ οὐ κατ’ ἐπίγνωσιν· 2 μαρτυρῶ γὰρ αὐτοῖς ὅτι ζῆλον θεοῦ ἔχουσιν, ἀλλ’ οὐ κατ’ ἐπίγνωσιν· 3 θεὸν γὰρ ἀγνοοῦντες καὶ τὴν ἰδίαν δικαιοσύνην στῆσαι ζητοῦντες, οῦχ ὑπετάγησαν τῇ δικαιοσύνῃ τοῦ θεοῦ· 3 ἀγνοοῦντες γὰρ τὴν τοῦ θεοῦ δικαιοσύνην, καὶ τὴν ἰδίαν δικαιοσύνην ζητοῦντες στῆσαι, τῇ δικαιοσύνῃ τοῦ θεοῦ οὐχ ὑπετάγησαν· 4 τέλος γὰρ νόμου Χριστὸς εἰς δικαιοσύνην παντὶ τῷ πιστεύοντι. 4 τέλος γὰρ νόμου Χριστὸς εἰς δικαιοσύνην παντὶ τῷ πιστεύοντι. A. *10,1-2: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,6: Salio et hic amplissimum abruptum intercisae scripturae, sed apprehendo testimonium perhibentem apostolum Israeli, quod zelum dei habeant, sui utique, non tamen per scientiam; vgl. 2Kge 10,16 LXX: Δεῦρο μετ᾽ ἐμοῦ καὶ ἰδὲ ἐν τῷ ζηλῶσαί με τῷ κυρίῳ Σαβαωθ; Jes 1,3 LXX: Ισραηλ δέ με οὐκ ἔγνω, καὶ ὁ λαός με οὐ συνῆκεν. ♦ *10,3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,6-9: [6] … Deum enim, inquit, ignorantes, et suam iustitiam sistere quaerentes, non subiecerunt se iustitiae dei; finis etenim legis Christus in iustitiam (iustitiam Pamelius Harnack von Soden; iustitia MR) omni credenti. [7] Hic erit argumentatio haeretici, quasi deum superiorem ignoravcrint Iudaei, qui adversus eum iustitiam suam, id est legis suae, constituerint, non recipientes Christum, finem legis. Cur ergo zelo eorum erga deum proprium testimonium perhibet, si non et inscitiam erga eundern deum eis exprobrat? quod zelo quidem dei agerentur, sed non per scientiam, ignorantes scilicet eum, dum dispositiones eius in Christo ignorant consummationem legi staturo, atque ita suam iustitiam tuentur adversus illum. [8] Atque adeo ipse creator et ignorantiam erga se eorum contestatur: Israel me non agnovit et populus me non intellexit; et quod iustitiam suam magis sisterent, docentes doctrinas praecepta hominum, nec non et congregati essent adversus 184 Rekonstruktion <?page no="185"?> 181 Vgl. hierzu U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 140; A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 121. 182 Vgl. J.S. Semler, Vorbereitung zur theologischen Hermeneutik zu weiterer Beförderung des Fleisses angehender Gottesgelerten 3,2 = 4. Worin von dem griechischen Text und Handschriften der Briefe u.s.w. Beobachtungen vorkommen (1769), 60. 183 Detering nimmt Vers 1 als abwesend, Vers 2 nach dem kanonisch Text als präsent, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 184. dominum et adversus Christum ipsius, ex inscitia scilicet. Nihil igitur potest in alium deum exponi quod competit in creatorem, quia et alias immerito apostolus Iudaeos de ignorantia suggillasset erga deum ignotum. [9] Quid enim deliquerant, si iustitiam dei sui adversus eum sistebant quem ignorabant? Vgl. Clem. Alex., Quis div. sit salv. 11,3: ἀγνοοῦντες θεὸν καὶ δικαιοσύνην θεοῦ; Ambr., Comm. in Lc. 5,22: ignorantes enim deum suam iustitiam quaerentes statuere (CSEL 32,4, 188). ♦ *10,4: Vgl. die Tertullianstelle zuvor und Epiph., Pan. 42, Sch. (118; 178 H.): τέλος γὰρ νόμου Χριστὸς εἰς δικαιοσύνην παντὶ τῷ πιστεύοντι. B. (10,1) Anstelle von αὐτῶν εἰς σωτηρίαν, das zu finden ist in P 46 , 01*, 02, 03, 06, 010, 012, 6, 365, 1506, 1739, 1881, l249 m; Ambst, steht αὐτῶν ἐστιν in 012, 025, 044, 33, 1505, und τοῦ Ἰσραὴλ ἐστιν εἰς σωτηρίαν in 018, 020, 81, 104, 629, 630, 1175, 1241, 2464, M. ♦ (10,3) Zu der Form θεόν statt des kanonischen τὴν τοῦ θεοῦ δικαιοσύνην vgl. auch Clem. Alex., Quis div. sit salv. 11,3 (ἀγνοοῦντες θεὸν καὶ δικαιοσύνην θεοῦ); Ambr., Comm. in Lc. 5,22: ignorantes enim deum suam iustitiam quaerentes statuere (CSEL 32,4, 188). 181 ♦ Anstelle von τὴν ἰδίαν δικαιοσύνην, das zu finden ist in P 46 , 01, 010, 012, 018, 020, 044, 33, 104, 1175, 1241, 1505, 2464, l249, M, (b), d*, Ir lat , Tert, steht τὴν ἰδίαν in 02, 03, 06, 025, 81, 365, 629, 630, 1506, 1739, 1881, ar, vg, co, Clem Al. ♦ (10,4) Anstelle von Χριστός liest man in 06* θεός, hingegen findet man in der altlateinischen Tradition in 75 christus, wie auch von Tertullian und Epiphanius bezeugt, wohingegen der Begriff in Ambst var fehlt. 182 C. 1. (10,1-2) Hilgenfeld nimmt Tertullian als Zeugen dieser Verse. Nach Zahn ist Vers 1 zwar präsent, 183 lässt sich aber dem Wortlaut nach nicht mehr bestimmen, während er für Vers 2 den kanonischen Text annimmt. Harnack sieht folgendes Wortmaterial für die Verse 1-2 bezeugt: 1 Ἰσραήλ. 2 μαρτυρῶ αὐτοῖς ὅτι ζῆλον θεοῦ ἔχουσιν, ἀλλ’ οὐ κατ’ ἐπίγνωσιν, denn er hatte aufgrund der angegebenen Zeugen die Erwähnung von Ἰσραήλ gefunden, die Tertullian bezeugt. Diese Erwähnung von Israel nimmt Harnack nicht aus Versen des Kapitel 9, sondern aus 10,1. Die kanonische Redaktion hat wohl aufgrund 4 (Röm) 185 <?page no="186"?> 184 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 124. 185 Vgl. hierzu kritisch gegenüber Schmid: ibid. 119-120. Detering bietet den Text und auch Vers 4 wie oben, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 184. 186 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 118-122. 187 Ibid. 121. Für ein nicht-intentionelles Verstehen der Variante, gedeutet als Haplogra‐ phie, vgl. R.J. Jewett, Romans. A Commentary (2007), 606. ihrer Einfügung von Kapitel 9 eine Textkorrektur vorgenommen, die sich in den Handschriften niederschlug, wie diese Redaktion überhaupt wegen der ursprünglichen Erwähnung Israels in Vers 10,1 und die Kritik an Israel und dem Gesetz in den anschließenden Versen 2-4 die Abschnitte 8,12-9,33 kreiert hatte. Schmid sieht Vers 1 nur angedeutet, während er für Vers 2 rekonstruiert: (μαρτυρῶ γὰρ αὐτοῖς) ὅτι ζῆλον θεοῦ ἔχουσιν, ἀλλ’ οὐ κατ’ ἐπίγνωσιν. BeDuhn lässt Vers 1 bei seiner Rekonstruktion aus und legt seiner Übersetzung von Vers 2 den folgenden griechischen Text zugrunde: μαρτυρῶ γὰρ Ισραηλ ὅτι ζῆλον θεοῦ ἔχουσιν, ἀλλ’ οὐ κατ’ ἐπίγνωσιν. Goldmann plädiert dafür, dass die Verse 1-4 vorkanonisch vorhanden waren. 184 2. (10,3) Hilgenfeld nimmt Tertullian als Zeugen dieses Verses. Zahn sieht den kanonischen Text präsent mit Ausnahme der Anfangsformulierung, die er wie folgt rekonstruiert: ἀγνοοῦντες γὰρ τὸν θεὸν καί-… Harnack hält sich noch näher an Tertullian und rekonstruiert den Vers: θεὸν γὰρ ἀγνοοῦντες καὶ τὴν ἰδίαν δικαιοσύνην στῆσαι ζητοῦντες, οῦχ ὑπετάγησαν τῇ δικαιοσύνῃ τοῦ θεοῦ. Schmid und BeDuhn übernehmen die Rekonstruktion von Harnack, auch wenn sich Schmid nicht völlig sicher ist und auch die kanonische Form des Anfangs von Vers 3 für möglich hält (τὴν τοῦ θεοῦ δικαιοσύνην statt des von Tertullian bezeugten θεόν). 185 Goldmann handelt ausführlich von diesem Vers und gibt einen Text für die *10-Briefe-Sammlung, der nicht völlig dem von Tertullian bezeugten, auch nicht dem von Clemens von Alexandrien gebotenen entspricht, sondern näher an den des Ambrosiaster herankommt (auch wenn er alle drei als Zeugen für diesen Text in Anspruch nimmt): ἀγνοοῦντες γὰρ τὸν θεὸν καὶ τὴν ἰδίαν δικαιοσύνην θεοῦ ζητοῦντες στῆσαι, τῇ δικαιοσύνῃ τοῦ θεοῦ οὐχ ὑπετάγησαν. 186 Richtig aber sieht Goldmann, dass die kanonische Variante in P 46 eine Zwischenstufe darstellt, die er als „Konflation“ zwischen der vorkanonischen und der vor‐ kanonischen Variante begreift. 187 Aus der vorkanonischen „schwerwiegend anmutende(n) Verfehlung der Juden, Gott nicht erkannt zu haben“, liest man auf kanonischer Ebene eine „klar abgeschwächte() Form. Nunmehr verkannten die Juden zwar die göttliche Gerechtigkeit, keinesfalls aber Gott selbst.“ 188 Wer 186 Rekonstruktion <?page no="187"?> 188 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 122. wird für eine solche Position im frühen Christentum namhaft gemacht, muss man fragen, die die Gotteserkenntnis der Juden und derer, die wie sie an den jüdischen Schöpfergott glauben, bestreitet, es sei denn Markion von Sinope? P 46 ist in der Tat, wie auch die einschlägigen Handschriften, die die Inklusion des δικαιοσύνην bezeugen, ein markanter Zwischenschritt auf der Entwicklung von der Textgestalt der *10-Briefe-Sammlung hin zur 14-Briefe-Sammlung. Dieser Zwischenschritt stützt die oben in der Einleitung in § 5 b. 5 gemachten Beobachtungen, wonach gerade die Handschriften 010, 012 stärker noch als andere Textcharakteristiken mit der *10-Briefe-Sammlung teilen und dieser näher stehen als etwa P 46 oder andere Textzeugen. Wie der Vergleich zwischen der vorkanonischen und der kanonischen Fas‐ sung zeigt, setzt die kanonische Redaktion die Ausführungen aus Kapitel 9 fort, indem sie die Härte der Kritik an Israel mindert. Israel wird nicht mehr wie in der vorkanonischen Fassung vorgeworfen, sie hätten Gott nicht gekannt, obwohl sie, wie in Vers 1 zuvor zugestanden wurde, sie sich um ihn bemüht hätten, auch wenn sie ihn nicht erkannten, sondern lediglich, dass ihnen Gottes Gerechtigkeit unbekannt blieb. In der vorkanonischen Fassung lesen wir hingegen, dass ihnen Gott selbst unbekannt war und sie darum versuchten, ihre eigene Gerechtigkeit zu errichten, anstatt sich derjenigen Gottes zu unterwerfen. Das heißt, der vorkanonischen Fassung nach konnte Israel sich gar nicht der Gerechtigkeit Gottes hingeben, was sie diesbezüglich gewissermaßen wieder entschuldet, weil sie deren Subjekt nicht gekannt hatten. Die kanonische Redaktion mindert folglich die ontologische Aussage und verschiebt sie in die Observanz. Tertullian verweist ausdrücklich auf die andere Ausrichtung des markionitischen Textes, der nun seiner Meinung nach die Aussage Markions enthält, wonach die Juden nicht den höheren Gott kannten und sich darum ihre eigene Gerechtigkeit schufen, ihr eigenes Gesetz, in Antithese und Verwerfung Christi, der das Ende dieses Gesetzes darstelle. 3. (10,4) Aufgrund der Übereinstimmung der Bezeugung des kanonischen Wortlauts von Vers 4 durch Epiphanius und dem Zeugnis Tertullians sehen alle Editoren diesen Vers entsprechend präsent. D. (10,1) ἀδελφοί steht 106 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 10,1; 1Kor 14,20; Gal 3,15; 6,1; Phil 3,13; 1Thess 5,25; Jak 2,1; 5,19; im Vers: 16 Mal Apg; Röm 1,13; 7,1. 4; 8,12; 11,25; 12,1; 15,30, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 4 (Röm) 187 <?page no="188"?> 16,17, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,10. 11. 26; 2,1; 3,1; 4,6; 7,24. 29; 10,1; 11,33; 12,1; 14,6. 26. 39; 15,1. 31. 50. 58; 16,15; 2Kor 1,8; 8,1; 13,11; Gal 1,11; 4,12. 28. 31; 5,11. 13; 6,18; Phil 1,12; 3,1. 174,1. 8; 1Thess 1,5; 2,1. 9. 14. 17; 3,7; 4,1. 10. 13; 5,1. 4. 12. 14; 2Thess 1,3; 2,13. 15; 3,1. 6. 13; Hebr 3,1. 12; 10,19; 13,22; 13 Mal Jak; 2Petr 1,10; 1Joh 3,13), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; 1Kor 10,1; 15,1. 50 (jeweils im Vers). ♦ εὐδοκία steht 12 / 9 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,9; *Phil 1,15. ♦ Der Ausdruck τῆς ἐμῆς καρδίας steht nur hier. ♦ Die Form καρδίας (Gen. Sg.) steht 32 Mal im NT (3 Mal Mt; 4 Mal Mk; Lk 1,51, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 6,45; 8,12; 9,47; 10,27; 3 Mal Apg; Röm 2,29; 6,17; 10,1; 1Kor 14,25; 2Kor 2,4; Eph 1,18; 4,18; 6,5; Kol 3,22; 1Tim 1,5; 2Tim 2,22; Hebr 4,121; 10,22; 1Petr 1,22; 3,4; 1Joh 3,20), vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *1Kor 14,25; *2Kor 3,3; *Röm 2,29; *Laod 1,18. ♦ δέησις steht 19 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,33; *Laod 6,18. ♦ Die Wendung πρὸς τὸν θεόν steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,1. ♦ Die Wendung ὑπὲρ τοῦ Ἰσραήλ steht nur hier. ♦ Die kanonische Variante ὑπὲρ αὐτῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,29. ♦ Die Wendung εἰς σωτηρίαν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16. Zur Rekonstruktion: Auch wenn nur „Israel“ aus diesem Vers durch Tertullian bezeugt ist, spricht doch die Lexik des Verses mit Ausnahme der Verseröffnung ἀδελφοί, die sonst nur kanonisch zu finden ist, für die Anwesenheit des Verses im vorkanonischen Text. (10,2) μαρτυρέω steht 90 / 76 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form μαρτυρῶ steht 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene; vgl. zu Gal 4,15. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11, vgl. weiter Vers 5. ♦ ζῆλος, das 22 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,20. ♦ Die Kombination ζῆλος + θεοῦ steht nur hier. ♦ Die Form ἔχουσιν steht 36 Mal im NT, in Lk 15,7, einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31; 14,14. ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16, vgl. weiter Vers 10. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte Versanfang wird aufgrund der Lexik wohl im vorkanonischen Text gefehlt haben. (10,3) ἀγνοέω, das sich 23 / 22 Mal im NT findet, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1; 12,1. ♦ Die Form ἀγνοοῦντες steht nur hier, vorkanonisch bezeugt, und 1 weiteres Mal, Apg 17,23. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. 188 Rekonstruktion <?page no="189"?> ♦ Die Wendung ἰδίαν δικαιοσύνην steht nur hier. ♦ Die Wendung θεοῦ δικαιοσύνην steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 3,5; 10,3; Phil 3,9). ♦ ἵστημι steht 191 / 154 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *Röm 10,3; *Laod 6,11. ♦ Die Form στῆσαι steht 7 Mal im NT (Mk 3,26; Apg 8,38; Röm 10,3; 14,4; Eph 6,11. 13; Jud 1,24), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die Form ζητοῦντες steht 13 Mal im NT (4 Mal Mt; 2 Mal Mk, Lk 2,45, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Joh 6,24; 2 Mal Apg; Röm 10,3; Gal 2,17; 1Thess 2,6), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ ὑποτάσσω, das 46 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Laod 1,22; 5,21. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians unter Berücksichti‐ gung auch von Klemens von Alexandrien und Ambrosius. Die Lexik stützt diese Zeugnisse teilweise, da sich auch zwei Formen finden, die nur hier vorkanonisch bezeugt sind (στῆσαι; ζητοῦντες). (10,4) τέλος, das 43/ 40 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11. ♦ νόμος, das 204 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; 3,10-11; 4,5; 5,3. 14; 6,2. 13; *1Kor 9,8; 14,21. 34; *Röm 2,12. 13. 14. 20. 25; 3,21; 5,20; 7,4. 7. 12. 14. 23; 8,4; 10,4; 13,8; *Laod 2,15. ♦ Die Wendung εἰς δικαιοσύνην steht 9 Mal im NT, vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες), vgl. die weiteren Verse 9. 10. 11. 14. 16. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, der durch Tertullian und die Lexik gestützt wird. 10,[5-13]: [Heilende Nähe Christi] Von Mose, mit dem dieser kanonische Abschnitt beginnt, war zuvor im Gebet nicht die Rede. Dagegen nimmt die kanonische Redaktion den Gedanken auf, den sie zuvor in dem vorkanonisch fehlenden Kapitel 9 entwickelt hatte (Röm 9,15-33). - 5 Μωϋσῆς γὰρ γράφει τὴν δικαιοσύνην τὴν ἐκ τοῦ νόμου ὅτι ὁ ποιήσας αὐτὰ ἄνθρωπος ζήσεται ἐν αὐτοῖς. - 6 ἡ δὲ ἐκ πίστεως δικαιοσύνη οὕτως λέγει, Μὴ εἴπῃς ἐν τῇ καρδίᾳ σου, 4 (Röm) 189 <?page no="190"?> 189 Vgl. Ibid. 132-145. Τίς ἀναβήσεται εἰς τὸν οὐρανόν; τοῦτ’ ἔστιν Χριστὸν καταγαγεῖν· 7 ἤ, Τίς καταβήσεται εἰς τὴν ἄβυσσον; τουτ’ ἔστιν Χριστὸν ἐκ νεκρῶν ἀναγαγεῖν. 8 ἀλλὰ τί λέγει; Ἐγγύς σου τὸ ῥῆμά ἐστιν, ἐν τῷ στόματί σου καὶ ἐν τῇ καρδίᾳ σου· τουτ’ ἔστιν τὸ ῥῆμα τῆς πίστεως ὃ κηρύσσομεν. 9 ὅτι ἐὰν ὁμολογήσῃς ἐν τῷ στόματί σου κύριον Ἰησοῦν, καὶ πιστεύσῃς ἐν τῇ καρδίᾳ σου ὅτι ὁ θεὸς αὐτὸν ἤγειρεν ἐκ νεκρῶν, σωθήσῃ· 10 καρδίᾳ γὰρ πιστεύεται εἰς δικαιοσύνην, στόματι δὲ ὁμολογεῖται εἰς σωτηρίαν. - 11 λέγει γὰρ ἡ γραφή, Πᾶς ὁ πιστεύων ἐπ’ αὐτῷ οὐ καταισχυνθήσεται. 12 οὐ γάρ ἐστιν διαστολὴ Ἰουδαίου τε καὶ Ελληνος, ὁ γὰρ αὐτὸς κύριος πάντων, πλουτῶν εἰς πάντας τοὺς ἐπικαλουμένους αὐτόν· 13 Πᾶς γὰρ ὃς ἂν ἐπικαλέσηται τὸ ὄνομα κυρίου σωθήσεται. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. 10,5-13: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 15,9: Atquin exclamat: O profundum divitiarum et sapientiae dei, et investigabiles viae eius! Unde illa eruptio? Ex recordatione scilicet scripturarum quas retro revolverat, ex contemplatione sacramentorum quae supra disseruerat in fidem Christi ex lege venientem. Haec si Marcion de industria erasit, quid apostolus eius exclamat, nullas intuens divitias dei, tam pauperis et egeni quam qui nihil condidit, nihil praedicavit, nihil denique habuit, ut qui in aliena descendit? Sed enim et opes et divitiae creatoris olim absconditae, nunc reseratae; vgl. Lev 18,5 LXX: ἃ ποιήσας ἄνθρωπος ζήσεται ἐν αὐτοῖς· ἐγὼ κύριος ὁ θεὸς ὑμῶν. Die Capitula Regalia bieten keinen Bezug zu Kapitel 10. 189 ♦ 10,10: Vgl. Dtn 30,12-14 LXX: 12 οὐκ ἐν τῷ οὐρανῷ ἄνω ἐστὶν λέγων Τίς ἀναβήσεται ἡμῖν εἰς τὸν οὐρανὸν καὶ λήμψεται αὐτὴν ἡμῖν; καὶ ἀκούσαντες αὐτὴν ποιήσομεν. 13 οὐδὲ πέραν τῆς θαλάσσης ἐστὶν λέγων Τίς διαπεράσει ἡμῖν εἰς τὸ πέραν τῆς θαλάσσης καὶ λήμψεται ἡμῖν αὐτήν; καὶ ἀκουστὴν ἡμῖν ποιήσει αὐτήν, καὶ ποιήσομεν. 14 ἔστιν σου ἐγγὺς τὸ ῥῆμα σφόδρα ἐν τῷ στόματί σου καὶ ἐν τῇ καρδίᾳ σου καὶ ἐν ταῖς χερσίν σου αὐτὸ ποιεῖν. ♦ 10,11: Vgl. Jes 28,16 LXX: διὰ τοῦτο οὕτως λέγει κύριος Ἰδοὺ ἐγὼ ἐμβαλῶ εἰς τὰ θεμέλια Σιων λίθον πολυτελῆ ἐκλεκτὸν ἀκρογωνιαῖον ἔντιμον εἰς τὰ θεμέλια αὐτῆς, καὶ ὁ πιστεύων ἐπ᾽ αὐτῷ οὐ μὴ καταισχυνθῇ. B. Keine wesentlichen Varianten. 190 Rekonstruktion <?page no="191"?> 190 So schon, Hahn ausdrücklich zustimmend, H.U. Meyboom, Marcion en de Marcionieten (1888), 185-186. Gegenteiliger Meinung ist van Manen: „In keinem Fall dürfen wir aus dem Erguss Tertullians mit Hahn den Schluss ziehen, dass 10,5-11,32 bei Marcion nicht vorkam“, W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 100; A. Hahn, Das Evangelium Marcions in seiner ursprünglichen Gestalt, nebst dem vollstän‐ digsten Beweise dargestellt, daß es nicht selbstständig, sondern ein verstümmeltes und verfälschtes Lukas-Evangelium war (1823), 61. Detering sieht die Verse 10,5-11,32 für abwesend, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 184-188. C. 1. (10,5) Alle Editoren sind übereinstimmend der Meinung, dass dieser Vers unbezeugt ist. Zahn, Harnack und BeDuhn nehmen auch an, dieser Vers habe gefehlt, weil die oben angeführte Aussage Tertullians sich auf die gesamte Passage Röm 10,4-11,32 beziehe. 190 Tertullians Kritik an dem Vers 11,32 bezieht sich ausdrücklich darauf, Markion habe die Schriftzitate und Überlegungen diesbezüglich zuvor getilgt. Schmid gibt vorsichtigerweise zu bedenken, dass damit nicht zwingend ge‐ sagt sei, der gesamte Textbestand zwischen Röm 10,4-11,32 sei damit nicht vorhanden gewesen, wie dies von Zahn und Harnack angenommen wurde. Insbesondere verweist Schmid - entgegen seiner sonstigen Position, weitere Anspielungen auf markionitische Lehren in Zeugen außer Tertullian und Epi‐ phanius äußerst skeptisch zu betrachten - hier auf den Hinweis in Iren., Adv. Haer. I 27,3, wo von dem markionitischen Glauben an den Deszensus Christi in den Hades gesprochen wird, welcher nach Schmid die Verse Röm 10,6-10 voraussetze. Doch selbst Schmid hat hieraus nicht geschlossen, diese Verse in seine Rekonstruktion aufzunehmen, und BeDuhn spricht sich ausdrücklich gegen ihre Berücksichtigung für die Rekonstruktion aus. 2. (10,6-10) Unter den Editoren hatte nur Schmid die Frage aufgeworfen, ob diese Verse eventuell präsent gewesen seien, die anderen hielten sie für abwesend. Doch wie zuvor zu Vers 4 ausgeführt, hat selbst Schmid diese Verse nicht in seine Rekonstruktion aufgenommen. Es wäre auch erstaunlich, wenn Tertullian eine solch christliche Auslegung der Deuteronomiumverse nicht vermerkt hätte; stattdessen stellt er ausdrücklich die Abwesenheit von Schriftzitaten fest. Das Urteil der Editoren wird durch die Lexik gestützt. Die Verse gehen folglich auf die kanonische Redaktion zurück und zeichnen diese als bewusste christlich überformte Schriftreferenzierung aus, die im Weiteren noch fortgesetzt wird. 3. (10,9) Dieser Vers wird als „sekundäre Glosse“ betrachtet von J.A. Fitz‐ myer. 191 4 (Röm) 191 <?page no="192"?> 191 J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. D. (10,5) Μωϋσῆς, der 79 / 80 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13. ♦ Die Kombination Μωϋσῆς γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und auf der kanonischen Ebene stehend (Mk 7,10; Apg 15,21; Röm 10,5). ♦ Die Wendung ἐκ τοῦ νόμου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 2,18. ♦ Die Wendung ὁ ποιήσας steht 10 Mal im NT, in Lk 10,37, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,40; *Laod 2,14. ♦ αὐτά (Nom. / Akk. Neut. Pl.), das 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12. ♦ Zu αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; 3,12; *1Kor 9,14. ♦ Die Wendung Ὁ ποιήσας αὐτὰ ζήσεται ἐν αὐτοῖς stammt aus Lev 18,5 und begegnet als Zitat auch (*) Gal 3,12. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Μωϋσῆς γάρ; ἐκ τοῦ νόμου), der zweite Teil des Verses besteht aus einem Zitat aus Lev 18,5, das auch vorkanonisch in *Gal 3,12 zitiert wird. Der kurze erste Teil des Verses wie auch das Duplikat des Schriftzitats wird folglich auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sein und vorkanonisch gefehlt haben. (10,6) εἴπῃς steht in dieser Aoristform 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25, vgl. weiter die Verse 8. 9. ♦ Die Wendung ἐν τῇ καρδίᾳ σου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 5,4; Röm 10,6. 8. 9). ♦ ἀναβαίνω, das 89 / 82 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,1 und *Laod 4,10. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ τουτ’ (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 17 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ κατάγω steht 12 Mal im NT und ist überhaupt nur für die kanonische Ebene bezeugt, insbesondere als Begriff der Apostelgeschichte. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἴπῃς; ἐν τῇ καρδίᾳ σου; τοῦτ’; κατάγω. (10,7) ἤ steht 384 / 343 Mal im NT, davon 31 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung: *Ev 11,12; im Vers: *Ev 6,9; 7,19; 11,11; 13,15; 14,12; 20,4; 16,17; 17,2; und *Gal 1,8; 2,2; *1Kor 7,11; *Kol 2,16, vgl. zu Gal 1,8. ♦ καταβαίνω steht 192 Rekonstruktion <?page no="193"?> 91 / 82 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form καταβήσεται steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 1Thess 4,16. ♦ ἄβυσσος findet sich 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,31, ansonsten steht der Begriff nur noch in der Apokalypse. ♦ Zu τουτ’ (Nom. / Akk. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 6 und danach zu Vers 8. ♦ ἀνάγω steht 24 / 23 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt, insbesondere als Begriff der Apostelgeschichte. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καταβήσεται; τοῦτ’; ἀνάγω. (10,8) Die Wendung ἀλλὰ τί λέγει steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 4,30. ♦ ἐγγύς steht 32 / 31 Mal im NT, vorkanonisch belegt für *Ev 21,31; *Laod 2,13. 17. ♦ Zu σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός) vgl. zuvor zu Vers 6 und danach Vers 9. ♦ Der Ausdruck τὸ ῥῆμα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, in Lk 18,34, in einem Vers, der in *Ev fehlt, Röm 10,8; 1Petr 1,25. ♦ στόμα, das 80 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19; *Laod 6,19, vgl. weiter die Verse 9. 10. ♦ Die Wendung ἐν τῷ στόματί steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 10,8. 9; 1Petr 2,22; 4 Mal Apk). ♦ Die kanonische Wendung ἐν τῇ καρδίᾳ σου, vgl. zuvor zu Vers 10,6. ♦ Zu τουτ’ (Nom. / Akk. Neut. Sg.) vgl. zu den voranstehenden Versen 7 und 8. ♦ ῥῆμα, das 72 / 68 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,4; 13,1, vgl. weiter die Verse 17. 18. ♦ Die Form κηρύσσομεν steht 4 Mal im NT (Röm 10,8; 1Kor 1,23; 15,11; 2Kor 4,5), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,11; *2Kor 4,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλὰ τί λέγει; τὸ ῥῆμα; ἐν τῷ στόματί; ἐν τῇ καρδίᾳ σου. (10,9) Die Kombination ὅτι ἐάν steht 17 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 10,9; 1Joh 3,20; im Vers: 2 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 20,5; Joh 11,40; 2 Mal Apg; 2Kor 5,1; 13,2; Gal 5,2; 2Thess 2,3; 3 Mal 1Joh), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὁμολογέω steht 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,8. ♦ Zur kanonischen Wendung ἐν τῷ στόματί, vgl. der voranstehende Vers 10,8. ♦ Die Wendung κύριον Ἰησοῦν steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Apg; Röm 10,9; 13,14; 2Kor 4,14; Phil 3,20; Phlm 1,5). ♦ Zur kanonischen Wendung ἐν τῇ καρδίᾳ σου vgl. zuvor zu Vers 10,6. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter Vers 12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι ἐάν; ἐν τῷ στόματι; κύριον Ἰησοῦν; ἐν τῇ καρδίᾳ σου. 4 (Röm) 193 <?page no="194"?> (10,10) Die Form καρδίᾳ steht 35 Mal im NT, davon nur hier als Verseröffnung und nur auf der kanonischen Ebene (8 Mal Mt; Mk 11,23; Lk 1,66; 2,19. 51, allesamt Verse, die in *Ev fehlen; 8,15; 12,45; 24,25. 38, wiederum in zwei Versen, die in *Ev fehlen; Joh 12,40; 2 Mal Apg; Röm 9,2; 10,6. 8. 9; 1Kor 7,37; 2Kor 5,12; 8,16; 9,7; Eph 5,19; Phil 1,7; 1Thess 2,17; Hebr 3,10; Jak 3,14; Apk 18,7). ♦ Die Wendung εἰς δικαιοσύνην steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,4. ♦ Zu στόμα vgl. zuvor zu den Versen 8. 9. ♦ ὁμολογέω steht 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,8. ♦ Zu σωτηρία vgl. zuvor Vers 1. ♦ Die Wendung εἰς σωτηρίαν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: καρδίᾳ. (10,11) Die Wendung λέγει γὰρ ἡ γραφή steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanoni‐ schen Ebene, vgl. zu Röm 9,17. ♦ γραφή steht 54 / 51 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der gesamte Ausdruck ὁ πιστεύων ἐπ’ αὐτῷ οὐ καταισχυνθήσεται steht als Duplikat auf der kanonischen Ebene erneut in Röm 9,33. ♦ Die Kombination ἐπ’ αὐτῷ steht 13 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 9,33. ♦ καταισχύνω, das 14 / 13 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 13,17; *1Kor 1,27. ♦ Wie angegeben, stellt der Vers i.W. ein Zitat aus Jes 28,16 LXX dar. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λέγει γὰρ ἡ γραφή; ὁ πιστεύων ἐπ’ αὐτῷ οὐ καταισχυνθήσεται; ἐπ’ αὐτῷ. (10,12) Die Kombination οὐ γάρ ἐστιν steht 12 Mal im NT, davon 8 Mal als Verser‐ öffnung, als Verseröffnung vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,33; vgl. zu Röm 2,11. ♦ διαστολή, das nur 3 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 3,22. ♦ Die Wendung οὐ γάρ ἐστιν διαστολή begegnet noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in eben diesem Vers Röm 3,22. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ Die Kombination τε καί steht 51 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,30. ♦ Ἕλλην, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3; *1Kor 1,22. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ πλουτέω, das 18 / 12 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ ἐπικαλέω, das 35 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 9. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐ γάρ ἐστιν διαστολή; τε καί; πλουτέω; ἐπικαλέω. 194 Rekonstruktion <?page no="195"?> (10,13) Die Kombination πᾶς γάρ steht 10 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 7,8; Mk 9,49; Lk 11,10; Joh 3,20; Röm 10,13; 4 Mal Hebr; im Vers: Mk 11,18), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 2,8. ♦ Lk 9,48, wo der Versteil in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,18; 12,8; 16,18, vgl. zu 1Kor 11,27. ♦ Zum kanonischen ἐπικαλέω vgl. zu Vers 12. ♦ Die Wendung ὄνομα κυρίου steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form σωθήσεται steht jedoch 13 Mal im NT, immer nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πᾶς γάρ; ἐπικαλέω; ὄνομα κυρίου; σωθήσεται. Auch dieser lexikalische Vergleich der Verse 11-13 stützt die Abwesenheit dieser Verse von der vorkanonischen Fassung und deren Zugehörigkeit zur kanonischen Redaktionsstufe. 10,[14-21]: [Israel - ein ungehorsames Volk] Der nachfolgende Abschnitt ist unbezeugt und, der Lexik nach zu urteilen, auch von der vorkanonischen Version abwesend gewesen. - 14 Πῶς οὖν ἐπικαλέσωνται εἰς ὃν οὐκ ἐπίστευσαν; πῶς δὲ πιστεύσωσιν οὗ οὐκ ἤκουσαν; πῶς δὲ ἀκούσωσιν χωρὶς κηρύσσοντος; 15 πῶς δὲ κηρύξωσιν ἐὰν μὴ ἀποσταλῶσιν; καθὼς γέγραπται, Ὡς ὡραῖοι οἱ πόδες τῶν εὐαγγελιζομένων τὰ ἀγαθά. 16 Ἀλλ’ οὐ πάντες ὑπήκουσαν τῷ εὐαγγελίῳ· Ἠσαΐας γὰρ λέγει, Κύριε, τίς ἐπίστευσεν τῇ ἀκοῇ ἡμῶν; 17 ἄρα ἡ πίστις ἐξ ἀκοῆς, ἡ δὲ ἀκοὴ διὰ ῥήματος Χριστοῦ. 18 ἀλλὰ λέγω, μὴ οὐκ ἤκουσαν; μενοῦνγε, Εἰς πᾶσαν τὴν γῆν ἐξῆλθεν ὁ φθόγγος αὐτῶν, καὶ εἰς τὰ πέρατα τῆς οἰκουμένης τὰ ῥήματα αὐτῶν. 19 ἀλλὰ λέγω, μὴ Ἰσραὴλ οὐκ ἔγνω; πρῶτος Μωϋσῆς λέγει, Ἐγὼ παραζηλώσω ὑμᾶς ἐπ’ οὐκ ἔθνει, ἐπ’ ἔθνει ἀσυνέτῳ παροργιῶ ὑμᾶς. 20 Ἠσαΐας δὲ ἀποτολμᾷ καὶ λέγει, Εὑρέθην [ἐν] τοῖς ἐμὲ μὴ ζητοῦσιν, ἐμφανὴς ἐγενόμην τοῖς ἐμὲ μὴ ἐπερωτῶσιν. 21 πρὸς δὲ τὸν Ἰσραὴλ λέγει, Ολην τὴν ἡμέραν ἐξεπέτασα τὰς χεῖράς μου πρὸς λαὸν ἀπειθοῦντα καὶ ἀντιλέγοντα. 4 (Röm) 195 <?page no="196"?> 192 R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1947), 199. Vgl. auch die Neupublikation R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1967). A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. 10,15: Vgl. Jes 52,7 LXX: ὡς ὥρα ἐπὶ τῶν ὀρέων, ὡς πόδες εὐαγγελιζομένου ἀκοὴν εἰρήνης, ὡς εὐαγγελιζόμενος ἀγαθά; Nah 2,1 LXX: Ἰδοὺ ἐπὶ τὰ ὄρη οἱ πόδες εὐαγγελιζομένου καὶ ἀπαγγέλλοντος εἰρήνην. ♦ 10,16: Vgl. Jes 53,1 LXX: κύριε, τίς ἐπίστευσεν τῇ ἀκοῇ ἡμῶν; vgl. Joh 12,38: ἵνα ὁ λόγος Ἠσαΐου τοῦ προφήτου πληρωθῇ ὃν εἶπεν, Κύριε, τίς ἐπίστευσεν τῇ ἀκοῇ ἡμῶν. ♦ 10,18: Ps 18,5 LXX: εἰς πᾶσαν τὴν γῆν ἐξῆλθεν ὁ φθόγγος αὐτῶν καὶ εἰς τὰ πέρατα τῆς οἰκουμένης τὰ ῥήματα αὐτῶν. ♦ 10,19: Dtn 32,24 LXX: αὐτοὶ παρεζήλωσάν με ἐπ᾽ οὐ θεῷ, παρώργισάν με ἐν τοῖς εἰδώλοις αὐτῶν· κἀγὼ παραζηλώσω αὐτοὺς ἐπ᾽ οὐκ ἔθνει, ἐπ᾽ ἔθνει ἀσυνέτῳ παροργιῶ αὐτούς. ♦ 10,20: Jes 65,1 LXX: Ἐμφανὴς ἐγενόμην τοῖς ἐμὲ μὴ ζητοῦσιν, εὑρέθην τοῖς ἐμὲ μὴ ἐπερωτῶσιν. ♦ 10,21: Jes 65,2 LXX: ἐξεπέτασα τὰς χεῖράς μου ὅλην τὴν ἡμέραν πρὸς λαὸν ἀπειθοῦντα καὶ ἀντιλέγοντα. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (10,14-21) Alle Editoren nehmen an, dass die Verse Röm 10,14-21 unbezeugt sind, Hilgenfeld, Zahn, Harnack und BeDuhn sind darüber hinaus der Meinung, sie seien auch nicht präsent gewesen wegen der Notiz Tertullians zu Vers *Röm 11,32, die weiter oben zu Vers 4 behandelt wurde. Nur Schmid meint, man könne die Lücke nicht präzise fassen. 2. (10,17) Dieser Vers wird von R. Bultmann als Glosse betrachtet. 192 D. (10,14) Die Kombination πῶς οὖν steht 7 Mal im NT, davon als Verseröffnung 3 Mal, vgl. zu Röm 4,10. ♦ Zum kanonischen ἐπικαλέω vgl. zu Vers 12. ♦ Die Kombination εἰς ὅν steht 12 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,10. ♦ Die Kombination πῶς δέ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἤκουσαν steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Mk 11,18; Lk 1,58; 2,20, in Versen, die in *Ev fehlen; 10,24; 6 Mal Joh; 4 Mal Apg; Röm 10,14. 18; Apk 11,12). ♦ Die Form ἀκούσωσιν steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 13,15; 3 Mal Mk; Lk 8,13; Apg 28,27; Röm 10,14; 2Tim 4,17). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πῶς οὖν; ἐπικαλέω; εἰς ὅν; πῶς δέ; ἤκουσαν; ἀκούσωσιν. (10,15) Zum kanonischen πῶς δέ vgl. zum voranstehenden Vers 10,14. ♦ κηρύσσω steht 63 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2; *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 196 Rekonstruktion <?page no="197"?> 4,5. ♦ ἀποστέλλω steht 142 / 132 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,31. ♦ ὡραῖος steht 5 / 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πούς, das 97 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25; *Laod 1,22. ♦ Der Ausdruck τὰ ἀγαθά steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 12,18; 16,25; Joh 5,29; Röm 10,15). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πῶς δέ; ὡραῖος; τὰ ἀγαθά. Außerdem bemerke man, dass das Schriftzitat bzw. die Schriftzitate den zweiten Teil des Verses ausmachen. (10,16) Die Kombination ἀλλ’ οὐκ steht 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 8,7. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch jedoch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ ὑπακούω steht 24 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25; *2Thess 1,8; *Laod 6,1. ♦ Die Wendung τῷ εὐαγγελίῳ steht 11 Mal im NT (Mk 1,15; Röm 1,9; 10,16; 1Kor 9,12. 18; 2Kor 8,18; 10,14; Phil 4,3; 1Thess 3,2; 2Thesss 1,8; 2Tim 1,8), vorkanonisch bezeugt in der nahe stehenden Passage in *2Thess 1,8 (τοῖς μὴ ὑπακούουσιν τῷ εὐαγγελίῳ). ♦ Zum kanonischen Ἠσαΐας vgl. zuvor zu Vers 9,27. ♦ Das Jesajazitat 53,1 steht 1 weiteres Mal in Joh 12,38. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλ’ οὐκ; Ἠσαΐας; das Jesajazitat 53,1. (10,17) ἄρα steht 52 / 49 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31; 6,10; *1Kor 15,14. ♦ ἀκοή, das 24 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ Zu ῥῆμα vgl. zuvor den Vers 8 und danach Vers 18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἀκοή. (10,18) ἀλλὰ λέγω steht 3 Mal im NT (Mk 9,13; Röm 10,18. 19), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination μὴ οὐκ steht 3 Mal im NT (Röm 10,18; 1Kor 9,4. 5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ μενοῦν steht 6 Mal im NT, vorkanonische bezeugt für *Ev 11,28. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐξέρχομαι stejt 258 / 218 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ φθόγγος, das nur 2 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,7. ♦ πέρας steht 4 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zu αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ οἰκουμένη steht 16 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, insbesondere als Begriff der Apostelgeschichte. ♦ Zu ῥῆμα vgl. zuvor zu den Versen 8 und 17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλὰ λέγω; μὴ οὐκ; πᾶσαν; πέρας; οἰκουμένη. 4 (Röm) 197 <?page no="198"?> (10,19) Zum kanonischen ἀλλὰ λέγω vgl. zum voranstehenden Vers 18. ♦ Ἰσραήλ, das sich 74 / 68 Mal im NT findet, auch vorkanonisch gut belegt, jedoch ein wichtiger Begriff der kanonischen Redaktion ist. ♦ Die Kombination οὐκ ἔγνω steht 6 Mal im NT (2 Mal Joh; Röm 10,19; 1Kor 1,21; 2 Mal 1Joh), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21. ♦ πρῶτος (ohne πρώτον), das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,45. 47. ♦ Μωϋσῆς, der 79 / 80 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13. ♦ παραζηλόω, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀσύνετος, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ παροργίζω steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, für die kanonische Ebene bezeugt in Eph 6,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλὰ λέγω; παραζηλόω; ἀσύνετος; παροργίζω. (10,20) Zum kanonischen Ἠσαΐας vgl. zuvor zu Vers 9,27. ♦ ἀποτολμάω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ εὑρίσκω steht 198 / 176 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ Die Kombination τοῖς ἐμέ steht 3 Mal im NT (Röm 10,20; 1Kor 9,3), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐμφανής findet sich nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Apg 10,40. ♦ ἐπερωτάω steht 72 / 56 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Ἠσαΐας; ἐμφανής. (10,21) Die Kombination πρὸς δέ steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und auf der kanonischen Ebene, Hebr 1,8. ♦ Ἰσραήλ steht 74 / 68 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1; *Laod 2,12. ♦ ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ ἐκπετάννυμι ist Hapax legomenon im NT. ♦ λαός, das 151 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,7; 14,21. ♦ ἀπειθέω, das sich 22 / 14 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀντιλέγω steht 14 / 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πρὸς δέ; ἀπειθέω; ἀντιλέγω. Der Vergleich der Lexeme in dieser Passage mit den ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten Elementen bzw. solchen, die in der kanonischen Redaktion sehr beliebt sind, und die vielen jüdischen Schriftzitate, die Tertullian kaum übergangen hätte, stützen den Schluss, dass die gesamte vorliegende Passage auf die kanonische Redaktion zurückgeht und vorkanonisch gefehlt hat. 198 Rekonstruktion <?page no="199"?> 193 Vgl. hierzu die Deutung in A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 125-130. Allerdings scheint mir seine Interpretation von „tanta“, der er „omnia“ entgegensetzt nicht überzeugend, da im zitierten Tertulliantext das „tanta“ dem „ista“ entgegensteht, d. h. die gegenüber einem etwaigen „omnia“ ausgesparten bzw. als vorhandenen Texte anzunehmenden, könnten schlicht die Worte der Doxologie *Röm 11,33-35 sein, die auf Jes 40,13-14 LXX zurückgehen, wie auch Goldmann notiert, ibid. 143 Kapitel 11 11,[1-10]: [Das nicht verstoßene Volk und der erwählte Rest] Diese Passage ist wie das gesamte Kapitel 11 bis auf drei Verse am Schluss (Verse 33-35) für die vorkanonische Version unbezeugt und wird, der Lexik zufolge, darin auch gefehlt haben. - 11,1 Λέγω οὖν, μὴ ἀπώσατο ὁ θεὸς τὸν λαὸν αὐτοῦ; μὴ γένοιτο· καὶ γὰρ ἐγὼ Ἰσραηλίτης εἰμί, ἐκ σπέρματος Ἀβραάμ, φυλῆς Βενιαμίν. 2 οὐκ ἀπώσατο ὁ θεὸς τὸν λαὸν αὐτοῦ ὃν προέγνω. ἢ οὐκ οἴδατε ἐν Ἠλίᾳ τί λέγει ἡ γραφή; ὡς ἐντυγχάνει τῷ θεῷ κατὰ τοῦ Ἰσραήλ, 3 Κύριε, τοὺς προφήτας σου ἀπέκτειναν, τὰ θυσιαστήριά σου κατέσκαψαν, κἀγὼ ὑπελείφθην μόνος, καὶ ζητοῦσιν τὴν ψυχήν μου. 4 ἀλλὰ τί λέγει αὐτῷ ὁ χρηματισμός; Κατέλιπον ἐμαυτῷ ἑπτακισχιλίους ἄνδρας, οἵτινες οὐκ ἔκαμψαν γόνυ τῇ Βάαλ. 5 οὕτως οὖν καὶ ἐν τῷ νῦν καιρῷ λεῖμμα κατ’ ἐκλογὴν χάριτος γέγονεν· 6 εἰ δὲ χάριτι, οὐκέτι ἐξ ἔργων, ἐπεὶ ἡ χάρις οὐκέτι γίνεται χάρις. 7 τί οὖν; ὃ ἐπιζητεῖ Ἰσραήλ, τοῦτο οὐκ ἐπέτυχεν, ἡ δὲ ἐκλογὴ ἐπέτυχεν· οἱ δὲ λοιποὶ ἐπωρώθησαν, 8 καθὼς γέγραπται, Ἔδωκεν αὐτοῖς ὁ θεὸς πνεῦμα κατανύξεως, ὀφθαλμοὺς τοῦ μὴ βλέπειν καὶ ὦτα τοῦ μὴ ἀκούειν, ἕως τῆς σήμερον ἡμέρας. 9 καὶ Δαυὶδ λέγει, Γενηθήτω ἡ τράπεζα αὐτῶν εἰς παγίδα καὶ εἰς θήραν καὶ εἰς σκάνδαλον καὶ εἰς ἀνταπόδομα αὐτοῖς, 10 σκοτισθήτωσαν οἱ ὀφθαλμοὶ αὐτῶν τοῦ μὴ βλέπειν, καὶ τὸν νῶτον αὐτῶν διὰ παντὸς σύγκαμψον. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,10: Qui tanta de scripturis ademisti, quid ista servasti, quasi non et haec creatoris? 193 ♦ 11,2: 1Sam 12,22 LXX: ὅτι οὐκ ἀπώσεται κύριος τὸν λαὸν αὐτοῦ διὰ τὸ ὄνομα 4 (Röm) 199 <?page no="200"?> αὐτοῦ τὸ μέγα, ὅτι ἐπιεικέως κύριος προσελάβετο ὑμᾶς αὑτῷ εἰς λαόν; Ps 93,14 LXX: ὅτι οὐκ ἀπώσεται κύριος τὸν λαὸν αὐτοῦ καὶ τὴν κληρονομίαν αὐτοῦ οὐκ ἐγκαταλείψει. ♦ 11,3: 1Kge 19,10. 14 LXX: 10 καὶ εἶπεν Ηλιου Ζηλῶν ἐζήλωκα τῷ κυρίῳ παντοκράτορι, ὅτι ἐγκατέλιπόν σε οἱ υἱοὶ Ισραηλ· τὰ θυσιαστήριά σου κατέσκαψαν καὶ τοὺς προφήτας σου ἀπέκτειναν ἐν ῥομφαίᾳ, καὶ ὑπολέλειμμαι ἐγὼ μονώτατος, καὶ ζητοῦσι τὴν ψυχήν μου λαβεῖν αὐτήν. 14 καὶ εἶπεν Ηλιου Ζηλῶν ἐζήλωκα τῷ κυρίῳ παντοκράτορι, ὅτι ἐγκατέλιπον τὴν διαθήκην σου οἱ υἱοὶ Ισραηλ· τὰ θυσιαστήριά σου καθεῖλαν καὶ τοὺς προφήτας σου ἀπέκτειναν ἐν ῥομφαίᾳ, καὶ ὑπολέλειμμαι ἐγὼ μονώτατος, καὶ ζητοῦσι τὴν ψυχήν μου λαβεῖν αὐτήν. ♦ 11,4: 1Kge 19,18 LXX: καὶ καταλείψεις ἐν Ισραηλ ἑπτὰ χιλιάδας ἀνδρῶν, πάντα γόνατα, ἃ οὐκ ὤκλασαν γόνυ τῷ Βααλ, καὶ πᾶν στόμα, ὃ οὐ προσεκύνησεν αὐτῷ. ♦ 11,8: Vgl. Dtn 29,3 LXX: καὶ οὐκ ἔδωκεν κύριος ὁ θεὸς ὑμῖν καρδίαν εἰδέναι καὶ ὀφθαλμοὺς βλέπειν καὶ ὦτα ἀκούειν ἕως τῆς ἡμέρας ταύτης; Jes 29,10 LXX: ὅτι πεπότικεν ὑμᾶς κύριος πνεύματι κατανύξεως καὶ καμμύσει τοὺς ὀφθαλμοὺς αὐτῶν καὶ τῶν προφητῶν αὐτῶν καὶ τῶν ἀρχόντων αὐτῶν, οἱ ὁρῶντες τὰ κρυπτά; Jes 6,9-10 LXX: 9 καὶ εἶπεν Πορεύθητι καὶ εἰπὸν τῷ λαῷ τούτῳ Ἀκοῇ ἀκούσετε καὶ οὐ μὴ συνῆτε καὶ βλέποντες βλέψετε καὶ οὐ μὴ ἴδητε· 10 ἐπαχύνθη γὰρ ἡ καρδία τοῦ λαοῦ τούτου, καὶ τοῖς ὠσὶν αὐτῶν βαρέως ἤκουσαν καὶ τοὺς ὀφθαλμοὺς αὐτῶν ἐκάμμυσαν, μήποτε ἴδωσιν τοῖς ὀφθαλμοῖς καὶ τοῖς ὠσὶν ἀκούσωσιν καὶ τῇ καρδίᾳ συνῶσιν καὶ ἐπιστρέψωσιν καὶ ἰάσομαι αὐτούς. ♦ 11,9: Ps 68,23-24 LXX: 23 γενηθήτω ἡ τράπεζα αὐτῶν ἐνώπιον αὐτῶν εἰς παγίδα καὶ εἰς ἀνταπόδοσιν καὶ εἰς σκάνδαλον· 24 σκοτισθήτωσαν οἱ ὀφθαλμοὶ αὐτῶν τοῦ μὴ βλέπειν, καὶ τὸν νῶτον αὐτῶν διὰ παντὸς σύγκαμψον; Ps 34,8 LXX: ἐλθέτω αὐτοῖς παγίς, ἣν οὐ γινώσκουσιν, καὶ ἡ θήρα, ἣν ἔκρυψαν, συλλαβέτω αὐτούς, καὶ ἐν τῇ παγίδι πεσοῦνται ἐν αὐτῇ. B. (11,2) Am Ende des Verses add λέγων in 01*, 020, 104, 639, 1175, 1241, 2464, M, sy p , om in 01 2 , 02, 03, 04, 06, 010, 012, 025, 044, 6, 81, 365, 1505, 1506, 1739, 1881, latt, sy h , Eus. C. 1. (11,1-10) Was kurz zuvor zu der Einschätzung der Editoren zu den Versen Röm 10,11-21 gesagt wurde, trifft auch auf die vorliegenden Verse Röm 11,1-32 zu, d. h. auch wenn Schmid der Meinung ist, es sei „unklar, welchen Umfangs“ die Auslassung sei, von der Tertullian spricht, und Goldmann darauf verweist, Tertullian spreche von tanta de scripturis, nicht von omnia de scripturis, sind sich doch alle Editoren einig, dass es vor den Versen 11,33-35, auf die Tertullian 200 Rekonstruktion <?page no="201"?> 194 Ibid. 126 195 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 456. 196 M. Klinghardt, Abraham als Element der Kanonischen Redaktion (2018), 235. 197 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 145. 198 J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. 199 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. zu sprechen kommt, eine große Auslassung gegeben habe. 194 Hilgenfeld ist der Meinung, es sei „vergeblich … gegen eine große Textlücke, mindestens von X,11 an bis XI,32 anzukämpfen“. 195 2. (11,1) M. Klinghardt sieht diesen Vers möglicherweise als vorkanonisch anwesend. 196 3. (11,5-6) Nach A. Goldmann sind diese Verse vorkanonisch vorhanden, auch wenn hier ἔργα οhne νόμου steht, was eigentlich gegen den sonstigen vorkanonischen Gebrauch gehe. 197 4. (11,6) Dieser Vers wird als „sekundäre Glosse“ betrachtet von J.A. Fitz‐ myer. 198 5. (11,8-10) Diese Verse wurden als Interpolation betrachtet von P. Weisse. 199 D. (11,1) Die Kombination λέγω οὖν steht nur 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und auf der kanonischen Ebene (Röm 11,1. 11). ♦ ἀπωθέω steht 6 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ λαός, das 151 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,7; 14,21, vgl. weiter Vers 2. ♦ Die Wendung καὶ γὰρ ἐγώ steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 8,9; Lk 7,8; im Vers: Röm 11,1; 2Kor 2,10), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἰσραηλίτης, das sich 9 Mal im NT findet, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8, vgl. weiter Vers 13. ♦ Der Ausdruck ἐκ σπέρματος Ἀβραάμ steht nur hier, doch er erinnert an τοῦ Ἀβραὰμ σπέρμα, der weiter auf der kanonischen Ebene in steht 2Kor 11,22 und Gal 3,29. Ἀβραάμ, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,22; *Röm 4,2. ♦ σπέρμα, das 45 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38. ♦ φυλή, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,5 (hier in derselben Wendung wie an der vorliegenden Stelle: φυλῆς Βενιαμίν). ♦ Βενιαμ(ε)ίν steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,5. 4 (Röm) 201 <?page no="202"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λέγω οὖν; ἀπωθέω; καὶ γὰρ ἐγώ; Ἰσραηλίτης; ἐκ σπέρματος Ἀβραάμ. (11,2) Zum kanonischen ἀπωθέω vgl. zu Vers 1. ♦ λαός, vgl. ebenfalls Vers 1. ♦ προγιγνώσκω, das 7 / 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Ἠλίας findet sich 33 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev, bei Paulus jedoch nur an der vorliegenden Stelle auf kanonischer Ebene. ♦ ἡ γραφή als Begriff der kanonischen Redaktion, vgl. zu Gal. 4,30. ♦ ἐντυγχάνω, das sich 5 Mal im NT findet, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Ἰσραήλ steht 74 / 68 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1; *Laod 2,12. ♦ Die Verbform λέγων, die 194 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung κατὰ τοῦ Ἰσραήλ steht nur hier. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀπωθέω; ἡ γραφή; ἐντυγχάνω; λέγων. (11,3) Die Form κύριε, die 119 Mal im NT steht, findet sich als Versanfang nur hier. ♦ προφήτης, das 157 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32; *1Thess 2,15. ♦ Die Form τοὺς προφήτας steht 11 Mal im NT, in Lk 13,34, einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,30. 31; 23,2. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25, vgl. weiter Vers 21. ♦ ἀποκτείνω, das sich 87 / 74 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Thess 2,15; *Laod 2,16. ♦ θυσιαστήριον findet sich 23 Mal im NT und steht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ κατασκάπτω steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, auf kanonischer Ebene (Apg 15,16). ♦ ὑπολείπω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form μόνος steht 20 Mal im NT (2 Mal Mt; Mk 6,47; Lk 5,21; 9,36; 24,18; 5 Mal Joh; Röm 11,3; 16,4, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 9,6; 1Tim 6,15. 16; 2Tim 4,11; Hebr 9,7; 2Joh 1,1; Apk 15,4), vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,21. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die Form ζητοῦσιν steht 9 Mal im NT (Mt 6,32; 2 Mal Mk; Lk 12,30; Joh 7,25; Röm 11,3; 1Kor 1,22; Phil 2,21; Hebr 11,14, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,22. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ Die Wendung τὴν ψυχήν μου steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Joh; Apg 2,27; Röm 11,3). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: θυσιαστήριον; κατασκάπτω; τὴν ψυχήν μου. 202 Rekonstruktion <?page no="203"?> (11,4) Die Wendung ἀλλὰ τί λέγει steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 4,30. ♦ χρηματισμός ist Hapax legomenon im NT. ♦ καταλείπω findet sich 28 / 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,31. ♦ ἑπτακισχίλιοι ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Form οἵτινες steht 60 Mal im NT, davon 15 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 5 Mal Apg; Röm 1,25. 32; 2,15; 9,4; 16,4; Eph 4,19; 2Thess 1,9; 2Tim 2,18; Hebr 8,5; Jak 4,14; im Vers: 5 Mal Mt; 4 Mal Mk; Lk 1,20, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,15, wenn auch unbezeugt; 9,30, in einem Versteil, der in *Ev fehlt; 15,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt; 13 Mal Apg; Röm 6,2; 11,4; 16,7; 1Kor 3,17; 2Kor 8,10; Gal 2,4; 5,4; Kol 4,11; 2Tim 2,2; Tit 1,11; Hebr 13,7; 2Petr 2,1; 5 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Thess 1,9. ♦ κάμπτω steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ γόνυ steht 12 Mal im NT, vorkanonisch belegt für *Ev 22,41. ♦ Βάαλ ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλὰ τί λέγει; κάμπτω. Man bemerke die nur vorkanonische Bezeugung für *Laod von καταλείπω, was erneut auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik hindeutet. (11,5) Die Kombination οὕτως οὖν steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 6,9; Lk 14,33; Röm 11,5). ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ λεῖμμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ἐν τῷ νῦν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,14. ♦ Die Wendung ἐν τῷ νῦν καιρῷ steht 3 Mal im NT, je auf der kanonischen Ebene, vgl. ebenfalls zu 2Kor 8,14. ♦ λεῖμμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐκλογή steht 7 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὕτως οὖν; ἐν τῷ νῦν καιρῷ; ἐν τῷ νῦν; ἐκλογή. (11,6) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ οὐκέτι steht 51 / 47 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπεί steht 29 / 26 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ; οὐκέτι; ἐπεί. (11,7) Die Wendung (im Akkusativ) τί οὖν steht 23 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19 (Verseröffnung); *Röm 7,7 4 (Röm) 203 <?page no="204"?> (Verseröffnung), vgl. Röm 3,9; 6,15. ♦ ἐπιζητέω steht 17 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Ἰσραήλ steht 74 / 68 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1; *Laod 2,12. ♦ Die Kombination τοῦτο οὐκ steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,15. ♦ ἐπιτυγχάνω findet sich 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination οἱ δὲ λοιποί steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 22,6; 27,49; Röm 11,7). ♦ πωρόω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐπιζητέω; τοῦτο οὐκ; ἐπιτυγχάνω; οἱ δὲ λοιποί. (11,8) Die Formulierung καθὼς γέγραπται, die 25 Mal im NT steht, davon 10 Mal als Verseröffnung, ist nur in *1Kor 1,31 mit vorangestelltem ἵνα vorkanonisch bezeugt, vgl. dort. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11, vgl. weiter die Verse 9. 17. 27. ♦ κατάνυξις ist Hapax legomenon im NT. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18, vgl. weiter Vers 10. ♦ Die Kombination und Form μὴ βλέπειν begegnet gleich wieder in Röm 11,10 auf kanonischer Ebene. ♦ ἕως steht 159 / 146 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,16; *2Kor 12,2. ♦ Die Wendung τῆς σήμερον ἡμέρας steht 3 Mal im NT (Mt 28,15; Röm 11,8; 2Kor 3,14), vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung καθὼς γέγραπται; μὴ βλέπειν. (11,9) Δαυίδ steht 63 / 59 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung Δαυὶδ λέγει steht 4 Mal im NT (Mk 12,37; Lk 20,42; Röm 4,6; 11,9), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ τράπεζα, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter die Verse 10. 11. 12. 14. 15. 27. ♦ παγίς steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,35. ♦ θήρα ist Hapax legomenon im NT. ♦ σκάνδαλος, das 16 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,23. ♦ ἀνταπόδομα findet sich 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Δαυὶδ λέγει; τράπεζα. (11,10) σκοτίζω, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zu βλέπω vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ νῶτον und συγκάμπτω sind Hapax legomena im NT. ♦ παντός (Gen. Mask. / Neut. Sg.), das 32 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 204 Rekonstruktion <?page no="205"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: παντός. Der lexikalische Vergleich stützt die fehlende Bezeugung und Tertullians Abwesenheitsnotiz. Hinzu kommt, dass es erstaunlich wäre, wenn Tertullian die vielen Schriftbezüge schlicht unerwähnt übergangen hätte. Die Verse sind demnach Produkt der kanonischen Redaktion und haben vorkanonisch gefehlt. 11,[11-15]: [Israel und die Heidenchristen] Wieder begegnet eine kanonische Passage, in der Paulus emphatisch sich selbst mit in die Behandlung des Themas einbringt. - 11 Λέγω οὖν, μὴ ἔπταισαν ἵνα πέσωσιν; μὴ γένοιτο· ἀλλὰ τῷ αὐτῶν παραπτώματι ἡ σωτηρία τοῖς ἔθνεσιν, εἰς τὸ παραζηλῶσαι αὐτούς. 12 εἰ δὲ τὸ παράπτωμα αὐτῶν πλοῦτος κόσμου καὶ τὸ ἥττημα αὐτῶν πλοῦτος ἐθνῶν, πόσῳ μᾶλλον τὸ πλήρωμα αὐτῶν. 13 Ὑμῖν δὲ λέγω τοῖς ἔθνεσιν. ἐφ’ ὅσον μὲν οὖν εἰμι ἐγὼ ἐθνῶν ἀπόστολος, τὴν διακονίαν μου δοξάζω, 14 εἴ πως παραζηλώσω μου τὴν σάρκα καὶ σώσω τινὰς ἐξ αὐτῶν. 15 εἰ γὰρ ἡ ἀποβολὴ αὐτῶν καταλλαγὴ κόσμου, τίς ἡ πρόσλημψις εἰ μὴ ζωὴ ἐκ νεκρῶν; A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. Vergleiche zu diesem Passus die Beobachtungen zu den Versen 1-10. D. (11,11) Die Kombination λέγω οὖν steht nur 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröff‐ nung und auf der kanonischen Ebene (Röm 11,1. 11). ♦ πταίω steht 6 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ πίπτω, das 112 / 90 Mal im NT bezeugt ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten Vers 22. ♦ Die Form πέσωσιν steht 1 weiteres Mal, Apg 27,11. ♦ Der Ausdruck μὴ γένοιτο steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt zuvor für *Röm 7,7. ♦ παράπτωμα, das 23 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20; *Laod 2,1. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ Die Form τοῖς ἔθνεσιν steht 26 Mal im NT, in Lk 18,32, einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,50; *Gal 1,16; *1Kor 5,1. ♦ παραζηλόω, das 4 Mal im NT steht, jeweils nur für die kanonische Ebene bezeugt für Paulus. ♦ Zur Wendung 4 (Röm) 205 <?page no="206"?> 200 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. Ibid. 15-16. εἰς τό + Infinitiv vgl. zu Röm 1,20. 200 ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist *Ev und *2Thess 2,10, vgl. weiter Vers 23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λέγω οὖν; πταίω; πέσωσιν; παραζηλόω. (11,12) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ Die Kombination εἰ δὲ τό steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,11. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten παράπτωμα vgl. zum voranstehenden Vers 11,11. ♦ πλοῦτος, das 31 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 1,18. ♦ ἥττημα steht nur hier und noch 1 Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, in 1Kor 6,7. ♦ Die Wendung πόσῳ μᾶλλον steht 8 Mal im NT (2 Mal Mt; Lk 11,13; 12,24. 28; Röm 11,12. 24; Hebr 9,14), vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4; *Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ; ἥττημα. (11,13) Die Kombination ὑμῖν δὲ λέγω steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und auf der kanonischen Ebene, Apk 2,24. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten τοῖς ἔθνεσιν vgl. zuvor zu Vers 11,11. ♦ Die Kombination ἐφ’ ὅσον steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Mt; Röm 11,13; 2Petr 1,13). ♦ Die Kombination μὲν οὖν steht 39 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,4. ♦ Zur Verbform εἰμί vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ διακονία steht 35 / 34 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δοξάζω steht 68 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑμῖν δὲ λέγω; ἐφ’ ὅσον; μὲν οὖν; διακονία. (11,14) Die Kombination εἴ πως, die 4 Mal im NT steht, davon 2 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1,10. ♦ παραζηλόω, das 4 Mal im NT steht, jeweils nur für die kanonische Ebene bezeugt für Paulus. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ τινας (Akk. Fem. / Mask. Pl.), das 24 Mal im NT steht, ist jeweils nur für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἴ πως; παραζηλόω; τινας. 206 Rekonstruktion <?page no="207"?> (11,15) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ ἀποβολή steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 27,22). ♦ καταλλαγή, das 4 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ πρόσληψις ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ γάρ; ἀποβολή; καταλλαγή. Der Vergleich der Lexik auch in diesem Abschnitt stützt die fehlende Be‐ zeugung bzw. die Abwesenheitsnotiz Tertullians, d. h. er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 11,[16-24]: Die Erstlingsgabe vom Teig und der Ölbaum Die kanonische Redaktion entwickelt ihre Israeltheologie weiter anhand des Beispiels vom Ölbaum und dem technischen Vergleich des Einpropfens. - 16 εἰ δὲ ἡ ἀπαρχὴ ἁγία, καὶ τὸ φύραμα· καὶ εἰ ἡ ῥίζα ἁγία, καὶ οἱ κλάδοι. 17 Εἰ δέ τινες τῶν κλάδων ἐξεκλάσθησαν, σὺ δὲ ἀγριέλαιος ὢν ἐνεκεντρίσθης ἐν αὐτοῖς καὶ συγκοινωνὸς τῆς ῥίζης τῆς πιότητος τῆς ἐλαίας ἐγένου, 18 μὴ κατακαυχῶ τῶν κλάδων· εἰ δὲ κατακαυχᾶσαι, οὐ σὺ τὴν ῥίζαν βαστάζεις ἀλλὰ ἡ ῥίζα σέ. 19 ἐρεῖς οὖν, Ἐξεκλάσθησαν κλάδοι ἵνα ἐγὼ ἐγκεντρισθῶ. 20 καλῶς· τῇ ἀπιστίᾳ ἐξεκλάσθησαν, σὺ δὲ τῇ πίστει ἕστηκας. μὴ ὑψηλὰ φρόνει, ἀλλὰ φοβοῦ· 21 εἰ γὰρ ὁ θεὸς τῶν κατὰ φύσιν κλάδων οὐκ ἐφείσατο, [μή πως] οὐδὲ σοῦ φείσεται. 22 ἴδε οὖν χρηστότητα καὶ ἀποτομίαν θεοῦ· ἐπὶ μὲν τοὺς πεσόντας ἀποτομία, ἐπὶ δὲ σὲ χρηστότης θεοῦ, ἐὰν ἐπιμένῃς τῇ χρηστότητι, ἐπεὶ καὶ σὺ ἐκκοπήσῃ. 23 κἀκεῖνοι δέ, ἐὰν μὴ ἐπιμένωσιν τῇ ἀπιστίᾳ, ἐγκεντρισθήσονται· δυνατὸς γάρ ἐστιν ὁ θεὸς πάλιν ἐγκεντρίσαι αὐτούς. 24 εἰ γὰρ σὺ ἐκ τῆς κατὰ φύσιν ἐξεκόπης ἀγριελαίου καὶ παρὰ φύσιν ἐνεκεντρίσθης εἰς καλλιέλαιον, πόσῳ μᾶλλον οὗτοι οἱ κατὰ φύσιν ἐγκεντρισθήσονται τῇ ἰδίᾳ ἐλαίᾳ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. 4 (Röm) 207 <?page no="208"?> B. (11,20) Der Ausdruck ὑψηλὰ φρόνει findet sich in den Zeugen P 46 , 01, 02 vid , 03, 81, hingegen lesen 04, 06, 010, 012 020, 025, 044, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M ὑψηλοφρόνει. C. Vergleiche zu diesem Passus die Beobachtungen zu den Versen 1-10. D. (11,16) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ ἀπαρχή, das 9 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ῥίζα steht 17 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ κλάδος steht 12 / 11 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ; ἀπαρχή; ῥίζα; κλάδος. (11,17) Zum kanonischen εἰ δέ vgl. zuvor zu Vers 3,5 und Gal 5,18. ♦ Zum kanonischen κλάδος vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ ἐκκλάω steht nur noch zwei weitere Male im selben Zusammenhang auf der kanonischen Ebene (Röm 11,19. 20). ♦ ἀγριέλαιος steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Röm 11,24). ♦ Die Verbform ὤν, die 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3. ♦ ἐγκεντρίζω steht 6 Mal im NT, und zwar im selben Zusammenhang auf der kanonischen Ebene (Röm 11,17. 19. 23. 24). ♦ συγκοινωνός, das 4 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zum kanonischen ῥίζα vgl. zuvor zu Vers 11,16. ♦ πιότης ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐλαία steht 15 / 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,37. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ; κλάδος; ἐκκλάω; ἀγριέλαιος; ἐγκεντρίζω; συγκοινωνός; ῥίζα. (11,18) κατακαυχάομαι steht 4 Mal im NT und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zum kanonischen κλάδος und zur ῥίζα als Begriffe der kanonischen Ebene vgl. zu Vers 11,16. ♦ βαστάζω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *Gal 5,10; 6,2. 17. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist für *Ev, vgl. weiter Vers 22. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κατακαυχάομαι; κλάδος; ῥίζα. (11,19) Die Verbform ἐρεῖς steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verser‐ öffnung: Röm 9,19; 11,19; im Vers: Mt 7,4; Apg 23,5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu den kanonischen ἐκκλάω, κλάδος und ἐγκεντρίζω vgl. zu Vers 11,17. 208 Rekonstruktion <?page no="209"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐρεῖς; ἐκκλάω; κλάδος; ἐγκεντρίζω. (11,20) Wieder zum kanonischen ἐκκλάω vgl. zu Vers 11,17. ♦ Die Form ἕστηκας steht noch 1 weiteres Mal, Apg 7,33. ♦ ὑψηλός steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,15. ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Variante ὑψηλοφρονέω steht nur hier und wieder auf der kanonischen Ebene in 1Tim 6,17. ♦ Die Verbform φοβοῦ steht 13 Mal im NT (Mk 5,36; Lk 1,13. 30, in Versen, die in *Ev fehlen; 5,10; 8,50; 12,32; Joh 12,15; 2 Mal Apg; Röm 11,20; 13,4; Apk 1,17; 2,10), jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐκκλάω; ἕστηκας; ὑψηλοφρονέω; Verbform φοβοῦ. (11,21) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ φύσις, das 16 / 14 Mal im NT steht, jedoch nur in der Briefliteratur und auch vorkanonisch bezeugt ist für *Gal 4,8; *Röm 2,14; *Laod 2,3, vgl. weiter Vers 24. ♦ Zum kanonischen κλάδος vgl. wieder zu Vers 11,17. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός) vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ φείδομαι, das 10 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Fassung bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung εἰ γάρ; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; κλάδος; πως; φείδομαι. (11,22) Die Form ἴδε steht 6 Mal im NT, davon nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 15,4; 4 Mal Joh; Röm 11,22). ♦ χρηστότης, das 11 / 10 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀποτομία ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zum kanonischen πίπτω vgl. zuvor zu Vers 11,11. ♦ ἐπιμένω, das 20 / 17 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός) vgl. zuvor zu Vers 18. ♦ ἐκκόπτω, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 4 (Röm) 209 <?page no="210"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἴδε; χρηστότης; πίπτω; ἐπιμένω; ἐκκόπτω. (11,23) κἀκεῖνος, das 23 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen ἐπιμένω vgl. den Vers zuvor. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen ἐγκεντρίζω vgl. zu Vers 11,17. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten αὐτούς (Akk. Mask. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 11,11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κἀκεῖνος; ἐπιμένω; ἐγκεντρίζω. (11,24) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Zur kanonischen Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ vgl. zuvor zu Vers 21 ♦ Zu φύσις vgl. zuvor zu Vers 11,21. ♦ Zum kanonischen ἐκκόπτω vgl. zu Vers 11,22. ♦ Zum kanonischen ἀγριέλαιος vgl. wiederum zu Vers 11,17. ♦ οὗτοι, das 77 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6, vgl. weiter zu den Versen 25 und 27. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πόσῳ μᾶλλον vgl. zuvor zu Vers 11,12. ♦ Zu den kanonischen ἐγκεντρίζω und ἐλαία vgl. zu Vers 11,17. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ καλλιέλαιος ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung εἰ γάρ; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; ἐκκόπτω; οὗτοι; ἐγκεντρίζω; ἐλαία. Der Vergleich der Lexik bietet bei diesem Abschnitt eine deutliche Stütze für die vorkanonische Abwesenheit der Passage, sie ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 11,[25-32]: [Das Geheimnis der Errettung ganz Israels] Eine Hoffnung auf Errettung verbleibt nach kanonischer Auffassung für ganz Israel, doch erst, wenn die Vollzahl der Heiden gläubig geworden ist. 210 Rekonstruktion <?page no="211"?> 201 Ibid. 16. 25 Οὐ γὰρ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, τὸ μυστήριον τοῦτο, ἵνα μὴ ἦτε παρ’ ἑαυτοῖς φρόνιμοι, ὅτι πώρωσις ἀπὸ μέρους τῷ Ἰσραὴλ γέγονεν ἄχρις οὗ τὸ πλήρωμα τῶν ἐθνῶν εἰσέλθῃ, 26 καὶ οὕτως πᾶς Ἰσραὴλ σωθήσεται· καθὼς γέγραπται, Ηξει ἐκ Σιὼν ὁ ῥυόμενος, ἀποστρέψει ἀσεβείας ἀπὸ Ἰακώβ· 27 καὶ αὕτη αὐτοῖς ἡ παρ’ ἐμοῦ διαθήκη, ὅταν ἀφέλωμαι τὰς ἁμαρτίας αὐτῶν. 28 κατὰ μὲν τὸ εὐαγγέλιον ἐχθροὶ δι’ ὑμᾶς, κατὰ δὲ τὴν ἐκλογὴν ἀγαπητοὶ διὰ τοὺς πατέρας· 29 ἀμεταμέλητα γὰρ τὰ χαρίσματα καὶ ἡ κλῆσις τοῦ θεοῦ. 30 ὥσπερ γὰρ ὑμεῖς ποτε ἠπειθήσατε τῷ θεῷ, νῦν δὲ ἠλεήθητε τῇ τούτων ἀπειθείᾳ, 31 οὕτως καὶ οὗτοι νῦν ἠπείθησαν τῷ ὑμετέρῳ ἐλέει ἵνα καὶ αὐτοὶ [νῦν] ἐλεηθῶσιν· 32 συνέκλεισεν γὰρ ὁ θεὸς τοὺς πάντας εἰς ἀπείθειαν ἵνα τοὺς πάντας ἐλεήσῃ. A. 11,26-27: Vgl. Jes 59,20-21 LXX: 20 καὶ ἥξει ἕνεκεν Σιων ὁ ῥυόμενος καὶ ἀποστρέψει ἀσεβείας ἀπὸ Ιακωβ. 21 καὶ αὕτη αὐτοῖς ἡ παρ᾽ ἐμοῦ διαθήκη, εἶπεν κύριος· τὸ πνεῦμα τὸ ἐμόν, ὅ ἐστιν ἐπὶ σοί, καὶ τὰ ῥήματα, ἃ ἔδωκα εἰς τὸ στόμα σου, οὐ μὴ ἐκλίπῃ ἐκ τοῦ στόματός σου καὶ ἐκ τοῦ στόματος τοῦ σπέρματός σου, εἶπεν γὰρ κύριος, ἀπὸ τοῦ νῦν καὶ εἰς τὸν αἰῶνα; Jes 27,9 LXX: διὰ τοῦτο ἀφαιρεθήσεται ἡ ἀνομία Ιακωβ, καὶ τοῦτό ἐστιν ἡ εὐλογία αὐτοῦ, ὅταν ἀφέλωμαι αὐτοῦ τὴν ἁμαρτίαν-… B. (11,25) Anstelle von παρ’ bieten die Zeugen 02, 03, 630 die Partikel ἐν, om in P 46 , 010, 012, 044, 6, 1506, 1739, lat; das von NA 28 übernommene παρά bieten die Zeugen 01, 04, 06, 020, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241, 1505, 1881, 2464, M, b, sy h . C. Vergleiche zu diesem Passus die Beobachtungen zu den Versen 1-10. Dazu kommt die auffallende Nähe zwischen Vers 32 und Gal 3,22 (ἀλλὰ συνέκλεισεν ἡ γραφὴ τὰ πάντα ὑπὸ ἁμαρτίαν ἵνα ἡ ἐπαγγελία ἐκ πίστεως Ἰησοῦ Χριστοῦ δοθῇ τοῖς πιστεύουσιν), auf die schon Weisse hingewiesen hat, der den vorlie‐ genden Vers als Übernahme aus der Galaterstelle und damit als Interpolation betrachtete. 201 Er ist ein Beispiel für die Strategie der kanonischen Redaktion, von ihr in verschiedenen paulinischen Briefen eingefügte Mehrtexte über Briefe hinweg miteinander so zu verzahnen, dass sie Erinnerungswert besitzen und den Eindruck eines einzigen Gefüges erwecken, auch wenn mitunter Duplikationen in Kauf genommen werden. 4 (Röm) 211 <?page no="212"?> D. (11,25) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ ἀγνοέω, das sich 23 / 22 Mal im NT findet, ist vorkanonisch belegt für *1Kor 10,1; 12,1; *Röm 10,3. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten παρά vgl. zuvor zu Vers 11,24. ♦ Die Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ Die Kombination παρ’ ἑαυτοῖς steht noch 1 weiteres Mal, Röm 12,16, vorkanonisch ebd. bezeugt. ♦ φρόνιμος steht 15 / 14 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ πώρωσις ist nur zwei weitere Male bezeugt, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἀπὸ μέρους steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 2Kor 1,14. ♦ Ἰσραήλ, das sich 74 / 68 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1; *Laod 2,12. ♦ Die Kombination ἄχρις οὗ steht 8 Mal im NT, Lk 21,24, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, und damit ausschließlich auf der kanonischen Ebene vgl. zu 1Kor 11,26. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4; *Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. ♦ εἰσέρχομαι, das 220 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: φρόνιμος; πώρωσις; ἀπὸ μέρους; ἄχρις οὗ. (11,26) Die Kombination καὶ οὕτως steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *1Kor 15,11. ♦ Die Form σωθήσεται steht jedoch 13 Mal im NT, immer nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,15. ♦ ἥκω steht 25 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,46. ♦ Σιών, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ ῥύομαι, das 22 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43 (? Tert: sanguine fluitabat); *Röm 7,24. ♦ ἀποστρέφω steht 11 / 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,2. ♦ ἀσέβεια steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18. ♦ Ἰακώβ steht 31 / 27 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: σωθήσεται; Σιών; Ἰακώβ. (11,27) Die Kombination καὶ αὕτη steht 10 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 7,12. ♦ Die Wendung παρ’ ἐμοῦ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Joh 4,9; Röm 11,27; 2Tim 1,13; 2,2; Apk 3,18). ♦ ἀφαιρέω steht 11 / 10 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Form τὰς ἁμαρτίας αὐτῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. 212 Rekonstruktion <?page no="213"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ αὕτη; παρ’ ἐμοῦ; ἀφαιρέω; τὰς ἁμαρτίας αὐτῶν. (11,28) Die Kombination κατὰ μέν steht nur hier. ♦ Auch die Wendung κατὰ μὲν τὸ εὐαγγέλιον steht nur hier. ♦ Hingegen findet sich κατὰ τὸ εὐαγγέλιον 4 Mal im NT (Röm 2,16; 16,25, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Tim 1,11; 2Tim 2,8), vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,16. ♦ ἐχθρός steht 39 / 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,27; *Gal 5,20; *Laod 2,16; *Kol 1,21. ♦ Die Kombination δι’ ὑμᾶς steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,24. ♦ Zum kanonischen ἐκλογή vgl. weiter oben zu Vers 11,5. ♦ Die Form ἀγαπητοί steht 4 Mal im NT (Röm 11,28; 1Thess 2,8; Phil 4,1; 1Tim 6,2), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τοὺς πατέρας steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 1,55, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8 Mal in Apg; Röm 11,28). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐκλογή; ἀγαπητοί; τοὺς πατέρας. (11,29) ἀμεταμέλητος, das nur 2 Mal im NT steht, findet sich beide Male auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τὰ χαρίσματα steht noch 1 weiteres Mal im NT, 1Kor 12,31, ebd. auch vorkanonisch bezeugt. ♦ κλῆσις, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,18. ♦ Die Kombination κλῆσις + τοῦ θεοῦ steht 1 weiteres Mal in Phil 3,14 auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀμεταμέλητος; κλῆσις + τοῦ θεοῦ. Dass κλῆσις vorkanonisch nur in *Laod bezeugt ist, zeigt erneut die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik. (11,30) Die Kombination ὥσπερ γάρ, die 13 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene. ♦ ποτε steht 29 Mal im NT (Lk 22,32; Joh 9,13; Röm 1,10; 7,9; 11,30; 1Kor 9,7; Gal 1,13. 23; 2,6; Eph 2,2. 3. 11. 13; 5,8. 29; Phil 4,10; Kol 1,21; 3,7; 1Thess 2,5; Tit 3,3; Phlm 1,11; Hebr 1,5. 13; 1Petr 2,10; 3,5. 20; 2Petr 1,10. 21), in Lk 22,32, einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,11. 13; 5,29; *Kol 1,21. ♦ ἀπειθέω, das 22 / 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu νῦν vgl. weiter oben zu Vers 5 und den nächsten Vers 31. ♦ ἐλεέω steht 33 / 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,38. ♦ ἔλεος, das 35 / 27 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Form ἐλέει steht 1 weiteres Mal, Eph 2,4. ♦ τούτων, das 72 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 9,15. ♦ ἀπείθεια steht 8 / 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὥσπερ γάρ; ἀπειθέω; ἔλεος; ἐλέει; ἀπείθεια. Dass ποτε vorkanonisch nur durch *Laod und 4 (Röm) 213 <?page no="214"?> *Kol bezeugt ist, zeigt erneut die Nähe dieser beiden *Deuteropaulinen zur kanonischen Lexik. (11,31) Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42, vgl. zuvor 7,14. ♦ Zu οὗτοι vgl. zuvor zu Vers 24. ♦ Zum kanonischen ἀπειθέω vgl. den voranstehenden Vers. ♦ ὑμέτερος, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἔλεος, das 35 / 27 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination ἵνα καί αὐτοί steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 17,21; Röm 11,31; 2Tim 2,10). ♦ Die Kombination καὶ αὐτοί steht 21 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀπειθέω; ὑμέτερος; ἔλεος; ἵνα καὶ αὐτοί; καὶ αὐτοί. (11,32) συγκλείω, das 5 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen ἀπειθέω, vgl. den voranstehenden Vers 30. ♦ Zum kanonischen πάντας vgl. zuvor den Vers 10,12. ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.), das 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; 6,13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἐλεέω vgl. den voranstehenden Vers 11,30. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συγκλείω; ἀπειθέω; πάντας. Erneut stützt der Vergleich der Lexik die Abwesenheit dieser Passage von der vorkanonischen Version, d. h. die bisher unbezeugten Verse von Kapitel 11 sind Produkte der kanonischen Redaktion und haben vorkanonisch gefehlt. 11,33-35 [36]: O Tiefe des Reichtums und der Weisheit Gottes Die ersten drei dieser Schlussverse des Kapitels sind vorkanonisch gut bezeugt, während der letzte Vers eine Ergänzung der kanonischen Redaktion zu sein scheint. 33 Ὦ βάθος πλούτου καὶ σοφίας θεοῦ· ὡς καὶ ἀνεξιχνίαστοι αἱ ὁδοὶ αὐτοῦ. 33 Ὦ βάθος πλούτου καὶ σοφίας καὶ γνώσεως θεοῦ· ὡς ἀνεξεραύνητα τὰ κρίματα αὐτοῦ καὶ ἀνεξιχνίαστοι αἱ ὁδοὶ αὐτοῦ. 34 Τίς γὰρ ἔγνω νοῦν κυρίου; ἢ τίς σύμβουλος αὐτοῦ ἐγένετο; 34 Τίς γὰρ ἔγνω νοῦν κυρίου; ἢ τίς σύμβουλος αὐτοῦ ἐγένετο; 35 Τίς προέδωκεν αὐτῷ, καὶ ἀνταποδοθήσεται αὐτῷ; 35 ἢ τίς προέδωκεν αὐτῷ, καὶ ἀνταποδοθήσεται αὐτῷ; - 36 ὅτι ἐξ αὐτοῦ καὶ δι’ αὐτοῦ καὶ εἰς αὐτὸν τὰ πάντα· αὐτῷ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας· ἀμήν. 214 Rekonstruktion <?page no="215"?> 202 So auch bis auf die Auslassung zu Beginn von Vers 35 von ἢ, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 188. A.*11,33-35: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,9-10: Atquin exclamat: O profundum divitiarum et sapientiae dei, et investigabiles viae eius! Unde illa eruptio? Ex recordatione scilicet scripturarum quas retro revolverat, ex contemplatione sacra‐ mentorum quae supra disseruerat in fidem Christi ex lege venientem. Haec si Marcion de industria erasit, quid apostolus eius exclamat, nullas intuens divitias dei, tam pauperis et egeni quam qui nihil condidit, nihil praedicavit, nihil denique habuit, ut qui in aliena descendit? Sed enim et opes et divitiae creatoris olim absconditae, nunc reseratae. Sic enim repromiserat: Et dabo illis thesauros occultos, invisibiles aperiam eis. [10] Inde ergo exclamatum est: O profundum divitiarum et sapientiae dei! cuius iam thesauri patebant. Id Esaiae: et sequentia de eiusdem prophetae instrumento: Quis enim cognovit sensum domini, aut quis consiliarius eius fuit? quis porrexit ei, et retribuetur illi? Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,9: Et quare adhuc eodem et deus instrumento et apostolus nititur? Quid illi cum sententiis prophetarum ubique? Quis enim cognovit sensum domini, et quis illi consiliarius fuit? Esaias est. Quid illi etiam cum exemplis dei nostri? Vgl. Jes 40,13-14 LXX: 13 τίς ἔγνω νοῦν κυρίου, καὶ τίς αὐτοῦ σύμβουλος ἐγένετο, ὃς συμβιβᾷ αὐτόν; 14 ἢ πρὸς τίνα συνεβουλεύσατο καὶ συνεβίβασεν αὐτόν; ἢ τίς ἔδειξεν αὐτῷ κρίσιν; ἢ ὁδὸν συνέσεως τίς ἔδειξεν αὐτῷ. ♦ *11,35: Vgl. Job 41,2-3 LXX: 2 … τίς γάρ ἐστιν ὁ ἐμοὶ ἀντιστάς; 3 ἢ τίς ἀντιστήσεταί μοι καὶ ὑπομενεῖ-… B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (11,33-35) Alle Editoren sehen diese Verse als bezeugt an, auch wenn Hilgenfeld sich zu Vers 33 nicht äußert. Zahn sieht folgenden Textbestand bezeugt: Ὦ βάθος πλούτου καὶ σοφίας θεοῦ: καὶ ἀνεξιχνίαστοι αἱ ὁδοὶ αὐτοῦ. 34 Τίς γὰρ ἔγνω νοῦν κυρίου; ἢ τίς σύμβουλος αὐτοῦ ἐγένετο; 35 ἢ τίς προέδωκεν αὐτῷ, καὶ ἀνταποδοθήσεται αὐτῷ. 202 Harnack schließt sich Zahn an mit der winzigen Abweichung, dass er das ἢ zu Beginn von Vers 35 tilgt. Schmid gibt als bezeugten Text: 33 Ὦ βάθος πλούτου καὶ σοφίας (καὶ γνώσεως) τοῦ θεοῦ … καὶ ἀνεξιχνίαστοι αἱ ὁδοὶ αὐτοῦ. 34 Τίς γὰρ ἔγνω νοῦν κυρίου; ἢ τίς σύμβουλος αὐτοῦ ἐγένετο; 35 (ἢ) τίς προέδωκεν αὐτῷ, καὶ ἀνταποδοθήσεται αὐτῷ. BeDuhn verweist zurück auf *1Kor 2,16, wo diese Jesajastelle bereits einmal - wie hier - abweichend vom Text der kanonischen Redaktion zitiert wurde. BeDuhn legt seiner Übersetzung den folgenden Text zugrunde: 33 Ὦ βάθος 4 (Röm) 215 <?page no="216"?> 203 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 128. 204 Ibid. 127; J.N. Lüke, Über die narrative Kohärenz zwischen Apostelgeschichte und Paulusbriefen (2019), 201. 205 J.N. Lüke, Über die narrative Kohärenz zwischen Apostelgeschichte und Paulusbriefen (2019), 201. 206 Ibid. πλούτου καὶ σοφίας [καὶ γνώσεως] θεοῦ: ὡς ἀνεξεραύνητα [τὰ κρίματα αὐτοῦ καὶ ἀνεξιχνίαστοι] αἱ ὁδοὶ αὐτοῦ. 34 Τίς γὰρ ἔγνω νοῦν κυρίου; ἢ τίς σύμβουλος αὐτοῦ ἐγένετο; 35 τίς προέδωκεν αὐτῷ, καὶ ἀνταποδοθήσεται αὐτῷ. Goldmann ist mit Schmid der Meinung, das im Referat Tertullians fehlende καὶ γνώσεως gehe auf Tertullians Zitiergewohnheit zurück, habe also im vorkanonischen Text gestanden, überhaupt sei der gesamte Vers 11,33 vorka‐ nonisch präsent. 203 Goldmann stellt auch Lükes Beobachtung heraus, dass „die Annahme eines Fehlens des kompletten Textabschnitts 10,5-11,32 impliziere, dass sich der Freudenausbruch des Paulus in 11,33 anstatt auf die in Kap. 11 explizierte Errettung Israels in diesem Fall tatsächlich auf die in 10,2f zu lesende Feststellung bezieht, dass Israel Gott nicht erkannt hätte“, 204 was, wie Lüke meint, sowenig glaublich erscheint, wie dass Paulus sich darüber freuen würde, dass Gott „seine Verheißungen an Israel nicht erfüllen würde“. 205 Auch wenn der Bezug auf Röm 10,2-3 für Lüke nicht plausibel erscheint, stellt Tertullian doch heraus, dass nach Markion der Römerbrief einen an‐ deren Bezug aufweist als der kanonische, weshalb Tertullian polemisiert (quid apostolus eius exclamat …? ). Schließlich erwähnt Tertullian, wie angeführt, Markion habe die „Erinnerung an die Schriften“, die der kanonische Paulus aufführe, und damit „die Betrachtung der Geheimnisse“, die „zum Glauben an Christus“ führen, wonach der Glaube „aus dem Gesetz kommt“, „absichtlich herausgestrichen“. Gleichwohl interpretiert Lüke: „Der Gedankengang und die Argumentationslinien [in *Röm] entsprechen im Groben denen, wie wir sie im neutestamentlichen Rm vorfinden. Denn ‚der ausgedehnte Flickenteppich herausgeschnittener Schrift‘, den Tertullian bemängelt, bezieht sich m. E. nicht auf den Argumentationsgang des Paulus zwischen Rm 8,12-10,1 resp. 9-11, sondern auf die fehlende Unterfütterung der paulinischen Argumentation mit alttestamentlichen Zitaten.“ 206 Mit dieser Einschätzung verkürzt Lüke allerdings die Aufzählung Tertullians auf die Schriftzitate allein, was m. E. gegen den Text Tertullians geht. Der lexikalische Vergleich, der weiter unten durchgeführt wird, stützt eine Interpretation der Tertullianstelle, wonach nicht nur die alttestamentlichen Zitate, sondern tatsächlich auch die theologische „Betrach‐ 216 Rekonstruktion <?page no="217"?> 207 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 457. 208 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 129. 209 H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 188. tung der Geheimnisse“ und die Ableitung des Glaubens aus dem Gesetz im vorkanonischen Römertext gefehlt haben. 2. (11,36) Alle Editoren sehen diesen Vers als unbezeugt. Hilgenfeld aber nimmt lediglich ein Fehlen der „ersten Hälfte von V. 36“ an. 207 Zahn geht davon aus, dass der Vers in unbestimmbarer Form präsent war. Auch Goldmann ist der Meinung, dass das Fehlen dieses Verses „relativ unwahrscheinlich“ sei, gibt aber keine Begründung für seine Präsenz. 208 Detering sieht den Vers als abwesend. 209 3. Zur Formulierung ἐξ αὐτοῦ καὶ δι’ αὐτοῦ καὶ εἰς αὐτὸν τὰ πάντα gibt es folgende Parallelen: 1Kor 1,30: ἐξ αὐτοῦ - - *1Kor 8,6: ἐξ οὗ τὰ πάντα - - 1Kor 8,6: ἐξ οὗ τὰ πάντα καὶ ἡμεῖς εἰς αὐτόν δι’ οὗ τὰ πάντα καὶ ἡμεῖς δι’ αὐτοῦ Eph 4,15: εἰς αὐτὸν τὰ πάντα - - Kol 1,16: τὰ πάντα δι’ αὐτοῦ καὶ εἰς αὐτόν Betrachtet man sich diese Formel, wird man den unbezeugten Vers doch wohl am ehesten der kanonischen Redaktion zuschreiben. Dieser Schluss wird durch die Lexik gestützt, die etwa die Formulierung εἰς αὐτόν als ausschließlich kanonische aufweist. D. (11,33) Die Form ὦ steht 17 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 9,20; 11,33; Gal 3,1; 1Tim 6,20; im Vers: 2 Mal Mt; Mk 9,19; Lk 9,41; 24,25; 4 Mal Apg; Röm 2,1. 3; 1Tim 6,11; Jak 2,20), vorkanonisch bezeugt an dieser Stelle als Verseröffnung und *Ev 9,41; 24,25 (beide Male im Vers). ♦ βάθος, das 10 / 8 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ πλοῦτος, das 31 / 22 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,18. ♦ σοφία, das 56 / 51 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *1Kor 1,17. 19. 20. 21. 22; 2,6. 7; 3,19; 12,8; *Röm 11,33. ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8; *Phil 3,8. ♦ ἀνεξερεύνητος ist Hapax legomenon im NT. ♦ κρίμα, das 28 Mal im NT 4 (Röm) 217 <?page no="218"?> steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,10; *1Kor 11,29. ♦ ἀνεξιχνίαστος steht nur noch 1 Mal, bezeugt für die kanonische Ebene (Eph 3,8). ♦ ὁδός, das 107 / 101 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Ob καὶ γνώσεως von Tertullian aufgrund der gnostischen Terminologie übergangen wurde oder ob dieses Element im vorkanonischen Text gefehlt hat, lässt sich nicht mehr bestimmen. Unsicher ist auch, ob das unbezeugte ἀνεξεραύνητα τὰ κρίματα αὐτοῦ vorkanonisch gefehlt hat. (11,34) Die Kombination τίς γάρ (Mask.) steht 9 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 23,17; Lk 14,28; 22,27; Röm 11,34; 1Kor 2,11. 16; 4,7; 1Thess 2,19; im Vers: Mt 23,17; Apg 19,35), weiter vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung in *1Kor 2,16 (Τίς γὰρ ἔγνω! ). ♦ Die Wendung τίς γὰρ ἔγνω νοῦν κυρίου steht noch 1 weiteres Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 2,16. ♦ Auch die Wendung τίς σύμβουλος αὐτοῦ ἐγένετο steht fast wörtlich in *1Kor 2,16, und zwar nur auf der vorkanonischen Ebene: τίς αὐτοῦ σύμβουλος ἐγένετο. Zur Rekonstruktion: Erneut folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Aufgrund der weitreichenden Übereinstimmung der vorkanonischen Verse *Röm 11,34 und *1Kor 2,16 stoßen wir auf vorkanonisches Urgestein, zumal sich gerade der kanonische Vers im Ersten Korintherbrief im Wortlaut von der vorkanonischen Version unterscheidet. (11,35) Die Kombination ἢ τίς (Mask.) steht 7 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröff‐ nung (Verseröffnung: Röm 10,7; 11,35; im Vers: Mk 11,28; Lk 20,2; Joh 9,21; Röm 11,34; 1Kor 9,7), vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,34 (im Vers). ♦ προδίδωμι ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀνταποδίδωμι steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt mit exakt derselben Verbform für *Ev 14,14, auch wenn in *2Thess 1,6 vermutlich nur das verbum simplex ἀποδίδωμι steht. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wieder dem Zeugnis Tertullians, wobei der Vergleich der Lexik dieses Zeugnis stützt, wobei ein Begriff wie ἀνταποδίδωμι auf die Nähe der Lexik von *Ev und *Paulus verweist. (11,36) Die Kombination αὐτῷ ἡ δόξα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 11,36; Eph 3,21; 2Petr 3,18; Apk 1,6). ♦ Die Kombination εἰς αὐτόν steht 37 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 8,6. ♦ Die weitere Wendung εἰς αὐτὸν τὰ πάντα steht 1 weiteres Mal in Eph 4,15. ♦ Die Wendung εἰς τοὺς αἰῶνας, ἀμήν steht 5 Mal im NT, davon 4 Mal in Röm, jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Aufgrund des obigen Vergleichs zu Parallelformulierungen und auch, was die Schlusswendungen betrifft (αὐτῷ ἡ δόξα; εἰς αὐτόν; εἰς τοὺς 218 Rekonstruktion <?page no="219"?> 210 „Niemand wir ein sogenanntes ermahnendes Stück erwarten, nachdem er den Schluss von Kap.-11, V. 33-36, gelesen hat“, W.C. van Manen, Die Unechtheit des Römerbriefes (1906), 82. 211 Wiederum sieht van Manen scharf, wenn er meint: „Schon die Form weist beim Vergleich von 12,1-8. 9-19 und 20-21 auf verschiedene Herkunft“, ibid. 85. αἰῶνας, ἀμήν), wie hier aufgeführt, ist der vorkanonisch unbezeugte Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Kapitel 12 12,[1-8]: Einleitende Ermahnungen Diese vorkanonisch unbezeugten Verse bilden predigtartige Ermahnungen, die mit dem Voranstehenden unverknüpft sind 210 und Elemente aufgreifen, 211 welche in 1Kor 4 und 12 begegnen. Wie die Lexik unterstreicht, sind diese Verse Produkt der kanonischen Redaktion und haben vorkanonisch gefehlt. - 12,1 Παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς, ἀδελφοί, διὰ τῶν οἰκτιρμῶν τοῦ θεοῦ, παραστῆσαι τὰ σώματα ὑμῶν θυσίαν ζῶσαν ἁγίαν εὐάρεστον τῷ θεῷ, τὴν λογικὴν λατρείαν ὑμῶν· 2 καὶ μὴ συσχηματίζεσθε τῷ αἰῶνι τούτῳ, ἀλλὰ μεταμορφοῦσθε τῇ ἀνακαινώσει τοῦ νοός, εἰς τὸ δοκιμάζειν ὑμᾶς τί τὸ θέλημα τοῦ θεοῦ, τὸ ἀγαθὸν καὶ εὐάρεστον καὶ τέλειον. 3 Λέγω γὰρ διὰ τῆς χάριτος τῆς δοθείσης μοι παντὶ τῷ ὄντι ἐν ὑμῖν μὴ ὑπερφρονεῖν παρ’ ὃ δεῖ φρονεῖν, ἀλλὰ φρονεῖν εἰς τὸ σωφρονεῖν, ἑκάστῳ ὡς ὁ θεὸς ἐμέρισεν μέτρον πίστεως. 4 καθάπερ γὰρ ἐν ἑνὶ σώματι πολλὰ μέλη ἔχομεν, τὰ δὲ μέλη πάντα οὐ τὴν αὐτὴν ἔχει πρᾶξιν, 5 οὕτως οἱ πολλοὶ ἓν σῶμά ἐσμεν ἐν Χριστῷ, τὸ δὲ καθ’ εἷς ἀλλήλων μέλη. 6 ἔχοντες δὲ χαρίσματα κατὰ τὴν χάριν τὴν δοθεῖσαν ἡμῖν διάφορα, εἴτε προφητείαν κατὰ τὴν ἀναλογίαν τῆς πίστεως, 7 εἴτε διακονίαν ἐν τῇ διακονίᾳ, εἴτε ὁ διδάσκων ἐν τῇ διδασκαλίᾳ, 8 εἴτε ὁ παρακαλῶν ἐν τῇ παρακλήσει, ὁ μεταδιδοὺς ἐν ἁπλότητι, ὁ προϊστάμενος ἐν σπουδῇ, ὁ ἐλεῶν ἐν ἱλαρότητι. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. 4 (Röm) 219 <?page no="220"?> 212 Den kanonischen Text präsent sieht H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprüngli‐ chen Gestalt (2005), 188-189. C. (12,1-8) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer Präsenz in unbestimmbarer Form rechnet. 212 D. (12,1) Die Wendung παρακαλῶ οὖν steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 12,1; 1Kor 4,16; Eph 4,1; 1Tim 2,1), vgl. zu 1Kor 4,16. ♦ Die erweiterte Wendung παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 12,1; 1Kor 4,16; Eph 4,1), vgl. ebenfalls zu 1Kor 4,16. ♦ οἰκτιρμός steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,36; *2Kor 1,3. ♦ παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2 (παραστῆσαι), jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, insbesondere in der Apostelgeschichte. ♦ θυσία, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ εὐάρεστος, das 10 / 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der paulinisch-kanonischen Ebene (Röm 12,1. 2; 14,18; Eph 5,10; Phil 4,18; Kol 3,20; Tit 2,9; Hebr 13,21). ♦ λογικός steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (1Petr 2,2). ♦ λατρεία, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς; εὐάρεστος; λογικός; λατρεία. Zu bemerken ist θυσία, das vorkano‐ nisch nur für *Laod bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (12,2) Die Kombination καὶ μή steht 86 Mal im NT, davon 17 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers für *Röm 12,14; *2Kor 3,11; *Laod 4,25, vgl. zu Vers 3,8. ♦ ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ steht 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25. ♦ συσχηματίζω steht auffallenderweise nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (1Petr, 1,14). ♦ τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 19,9. ♦ μεταμορφόω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,18. ♦ ἀνακαίνωσις steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Tit 3,5). ♦ νοῦς, ein Begriff, der 25 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,34 und in gleicher Formulierung *1Kor 2,16. ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ Zur Wendung εἰς τό + Infinitiv vgl. zu Röm 1,20. 213 ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ Die Wendung 220 Rekonstruktion <?page no="221"?> 213 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 15-16. 214 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. Ibid. θέλημα τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT (Röm 12,2; Gal 1,4; 1Thess 4,3; Eph 6,6; 1Petr 2,15; 3,17), vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3. ♦ ἀγαθός, das 109 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12; 12,9. ♦ Die Wendung τὸ ἀγαθόν (Nom.) steht 4 Mal im NT (Röm 12,2; 14,16; Gal 6,10; Phlm 1,14), vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,10. ♦ Zum kanonischen εὐάρεστος vgl. zum Vers zuvor. ♦ τέλειος findet sich 18 / 19 Mal in NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung καὶ μή; συσχηματίζω; ἀνακαίνωσις; εὐάρεστος. (12,3) Die Kombination λέγω γάρ steht 12 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2 Mal Mt; Lk 10,24; 14,24, wo die Kombination nicht bezeugt ist, pace Klinghardt z.St.; 22,16, einem Vers, der in *Ev fehlt. 18. 37, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 12,3; 15,8, in einem Vers, der in *Ev fehlt), also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ Die Verbform ὄντι, die 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,23. ♦ ὑπερφρονέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37; *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16; *2Thess 1,6. ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16, vgl. weiter unten Vers 16. ♦ σωφρονέω, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zur Wendung εἰς τό + Infinitiv vgl. zu Röm 1,20. 214 ♦ μερίζω, das 16 / 14 Mal im NT im Sinne von „zuteilen“ begegnet, begegnet ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μέτρον, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λέγω γάρ; σωφρονέω; μερίζω. (12,4) καθάπερ, das 14 Mal im NT steht, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 4,6; 12,4; 1Kor 12,12; 1Thess 2,11), findet sich ausschließlich in paulinischen Briefen, allein auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καθάπερ γάρ steht 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 1Kor 12,12. ♦ Die Wendung ἐν ἑνὶ σώματι steht 3 Mal im NT (Röm 12,4; Eph 2,16; Kol 3,15), vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,16. ♦ πολλά, das 64 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,12. 14. ♦ μέλος, das 42 / 34 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,15; 9,9; 12,12. 14; *Röm 7,23. ♦ αὐτήν, das 4 (Röm) 221 <?page no="222"?> 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. ♦ πρᾶξις, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καθάπερ; καθάπερ γάρ; πρᾶξις. Es ist bemerkenswert, dass die Wendung ἐν ἑνὶ σώματι nur in *Laod 2,16 vorkanonisch bezeugt ist (dann aber auch Kol 3,15 begegnet), was die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik unterstreicht. (12,5) οὕτως steht 208 Mal im NT, davon 45 Mal als Verseröffnung (als Verseröffnung: 9 Mal Mt; Mk 13,29; Lk 12,21, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 15,10; 17,10; 21,31; Joh 3,16; 3 Mal Apg; Röm 1,15; 6,11; 11,5. 31; 12,5; 15,20, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 4,1; 8,12; 9,14; 14,9. 12; 15,42. 45; Gal 3,3; 4,3; Eph 5,28; 1Thess 2,8; Hebr 5,5; 9,28; 3 Mal Jak; 1Petr 3,5; 2Petr 1,11; 2 Mal Apk; im Vers: 23 Mal Mt; 9 Mal Mk; Lk 1,25; 2,48, in zwei Versen, die in *Ev fehlen; Lk 9,15; 10,21; 11,30; 12,28, in zwei Versen, die in *Ev fehlen. 38. 43. 54; 15,7; 17,24. 26; 19,31, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 22,26; 24,24. 46, in zwei Versen, die in *Ev fehlen; 13 Mal Joh; 23 Mal Apg; Röm 4,18; 5,12. 15. 18. 19. 21; 6,4. 19; 9,20; 10,6; 11,26; 1Kor 2,11; 3,15; 5,3; 6,5; 7,7. 17. 26. 40; 9,15. 24. 26; 11,12. 28; 12,12; 15,21. 25; 15,11. 22; 16,1; 2Kor 1,5. 7; 7,14; 8,6. 11; 9,5; 10,7; Gal 1,6; 4,29; 6,2; Eph 4,20; 5,33; Phil 3,17; 4,1; Kol 3,13; 1Thess 2,4; 4,14. 27; 5,2; 2Thess 3,172Tim 3,8; 6 Mal Hebr; 3 Mal Jak; 1Petr 2,15; 2 Mal 2Petr; 2 Mal 1Joh; 5 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt als Versanfang: *Ev 21,31; *1Kor 15,11. 42; im Vers: *Ev 6,31; *Gal 6,2; *1Kor 7,7; 15,22; *Röm 5,21. ♦ Der Ausdruck οἱ πολλοί steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,17 ♦ Die Kombination ἓν σῶμα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. wiederum zu 1Kor 10,17. ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Die Wendung καθ’ εἷς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 14,19; Joh 8,9). ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ μέλος steht 42 / 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,15; 9,9; 12,12. 14; *Röm 7,23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οἱ πολλοί; ἓν σῶμα; καθ’ εἷς. (12,6) Die Verseröffnung ἔχοντες δέ steht 3 Mal im NT (Röm 12,6; 1Kor 4,13; 1Tim 6,8), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,13. ♦ χάρισμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,7; 12,9. ♦ Die Wendung Κατὰ τὴν χάριν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,10. ♦ Die Kombination τὴν χάριν τὴν δοθεῖσαν + Dativ begegnet nur auf kanonischer Ebene bei Paulus, vgl. zu Gal 2,9. ♦ διάφορος steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Hebr. 222 Rekonstruktion <?page no="223"?> 9,10). ♦ προφητεία, das 21 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; *1Thess 5,20. ♦ ἀναλογία ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Κατὰ τὴν χάριν; τὴν χάριν τὴν δοθεῖσαν + Dativ; διάφορος. (12,7) διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διδάσκω steht 102 / 97 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,12; *Röm 2,21. ♦ διδασκαλία, das 21 Mal im NT steht, meistens in den Pastoralbriefen, ist vorkanonisch für *Kol 2,22. ♦ Die Form ἐν τῇ διδασκαλίᾳ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 12,7; Tit 1,9; 2,7). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: διακονία; ἐν τῇ διδασκαλίᾳ. (12,8) παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form ὁ παρακαλῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,6. ♦ παράκλησις, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ Die Wendung ἐν τῇ παρακλήσει steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,7. ♦ μεταδίδωμι, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἁπλότης, das 9 / 8 Mal im NT belegt ist, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ προΐστημι steht 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, insbesondere in den Pastoralbriefen (Röm 12,8; 1Thess 5,12; 1Tim 3,4. 5. 12; 5,17; Tit 3,8. 14). ♦ σπουδή, das 12 Mal im NT steht, begegnet ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐλεέω, das 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἱλαρότης ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ παρακαλῶν; ἐν τῇ παρακλήσει; μεταδίδωμι; ἁπλότης; προΐστημι; σπουδή. Der Vergleich der Lexeme stützt mit seiner Häufung von ausschließlich über‐ wiegend kanonisch bezeugten Termini die Zuschreibung dieser Verse an die kanonische Redaktion. Der gesamte Passus ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und war vorkanonisch abwesend. 12,9-10 [11] 12 [13] 14 [15] 16-19: Anweisungen Die nachfolgend für die vorkanonische Version bezeugten knappen Anwei‐ sungen, die antithetisch orientiert sind (Böses - Gutes; Freude in Hoffnung - Geduld in Bedrängnis; Segnen - Verfluchen; Hinausstreben - Demütig bleiben) und den Schlussmahnungen (kein Vergelten von Bösem mit Bösen; 4 (Röm) 223 <?page no="224"?> keine Selbstvergeltung; Frieden halten) und an *Ev und die Feldpredigt erinnert (*Ev 6,27-38), bildeten wohl die Grundlage für die vorangehenden kanonischen Erweiterungen und die Weiterungen, die diese Verse selbst auf der kanonischen Stufe erfahren haben. 9 μισοῦντες τὸ πονηρόν, κολλώμενοι τῷ ἀγαθῷ· 10 τῇ φιλαδελφίᾳ εἰς ἀλλήλους φιλόστοργοι, 9 Ἡ ἀγάπη ἀνυπόκριτος. ἀποστυγοῦντες τὸ πονηρόν, κολλώμενοι τῷ ἀγαθῷ· 10 τῇ φιλαδελφίᾳ εἰς ἀλλήλους φιλόστοργοι, τῇ τιμῇ ἀλλήλους προηγούμενοι, - 11 τῇ σπουδῇ μὴ ὀκνηροί, τῷ πνεύματι ζέοντες, τῷ κυρίῳ δουλεύοντες, 12 τῇ ἐλπίδι χαίροντες, τῇ θλίψει ὑπομένοντες, 12 τῇ ἐλπίδι χαίροντες, τῇ θλίψει ὑπομένοντες, τῇ προσευχῇ προσκαρτεροῦντες, - 13 ταῖς χρείαις τῶν ἁγίων κοινωνοῦντες, τὴν φιλοξενίαν διώκοντες. 14 εὐλογεῖτε καὶ μὴ καταρᾶσθε. 14 εὐλογεῖτε τοὺς διώκοντας [ὑμᾶς], εὐλογεῖτε καὶ μὴ καταρᾶσθε. - 15 χαίρειν μετὰ χαιρόντων, κλαίειν μετὰ κλαιόντων. 16 μὴ τὰ ὑψηλὰ φρονοῦντες ἀλλὰ τοῖς ταπεινοῖς συναπαγόμενοι. μὴ ἔστε φρόνιμοι παρ’ ἑαυτοῖς. 17 μηδενὶ κακὸν ἀντὶ κακοῦ ἀποδιδόντες· ↑19 μὴ ἑαυτοὺς ἐκδικοῦντες↑. ↓18 μετὰ ἀνθρώπων εἰρηνεύοντες.↓ 16 τὸ αὐτὸ εἰς ἀλλήλους φρονοῦντες, μὴ τὰ ὑψηλὰ φρονοῦντες ἀλλὰ τοῖς ταπεινοῖς συναπαγόμενοι. μὴ γίνεσθε φρόνιμοι παρ’ ἑαυτοῖς. 17 μηδενὶ κακὸν ἀντὶ κακοῦ ἀποδιδόντες· προνοούμενοι καλὰ ἐνώπιον πάντων ἀνθρώπων· 18 εἰ δυνατόν, τὸ ἐξ ὑμῶν μετὰ πάντων ἀνθρώπων εἰρηνεύοντες· 19 μὴ ἑαυτοὺς ἐκδικοῦντες, ἀγαπητοί, ἀλλὰ δότε τόπον τῇ ὀργῇ, γέγραπται γάρ, Ἐμοὶ ἐκδίκησις, ἐγὼ ἀνταποδώσω, λέγει κύριος. A. *12,9-10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,11: Plane novi dei praecepta videamus. Odio, inquit, habentes malum, et bono adhaerentes. Aliud est enim apud creatorem, Aufertemalum de vobis, et, Declina a malo et fac bonum? Amore fraternitatis invicem affectuosi; non enim id ipsum est, Diliges proximum tanquam te? ♦ *12,12: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,11: Spe gaudentes, utique dei; Bonum est enim sperare in dominum, quam sperare in magistratus. Pressuram sustinentes: Exaudiet enim te dominus in die pressurae. Habes psalmum. ♦ *12,14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,11: Benedicite, et nolite maledicere: quis hoc docebit quam qui omnia benedictionibus condidit? ♦ *12,16-19: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 11,12-13: [12] Non altum sapientes, sed humilibus assentantes, ne sitis apud vos sapientes: 224 Rekonstruktion <?page no="225"?> 215 Detering sieht beide Verse und auch die Verse 11-17 nach der kanonischen Form vorhanden (bis auf Vers 14, den er mit dem Text gibt, der oben angegeben ist), H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 189. 216 J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. Vae enim audiunt per Esaiam. Malum pro malo nemini retribueritis: Et malitiae fratris tui ne memineris. Nec vosmet ipsos ulciscentes: Mihi enim vindictam et ego vindicabo, dicit dominus. [13] Pacem cum hominibus (hominibus Pamelius Kroymann Harnack? von Soden? ; omnibus MR 3 ; hominibus R 1 ) habetote: ergo et legalis talio non retributionem iniuriae permittebat, sed inceptionem metu retributionis comprimebat. Merito itaque totam creatoris disciplinam principali praecepto eius conclusit, Diliges proximum tanquam te. Hoc legis supplementum si ex ipsa lege est, quis sit deus legis iam ignoro. Metuo ne deus Marcionis. Si vero evangelium Christi hoc praecepto adimpletur, Christi autem non est creatoris, quo iam contendimus? Vgl. Lev 19,18 LXX: καὶ οὐκ ἐκδικᾶταί σου ἡ χείρ, καὶ οὐ μηνιεῖς τοῖς υἱοῖς τοῦ λαοῦ σου καὶ ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν· ἐγώ εἰμι κύριος. Dtn 32,35 LXX: ἐν ἡμέρᾳ ἐκδικήσεως ἀνταποδώσω, ἐν καιρῷ, ὅταν σφαλῇ ὁ ποὺς αὐτῶν· ὅτι ἐγγὺς ἡμέρα ἀπωλείας αὐτῶν, καὶ πάρεστιν ἕτοιμα ὑμῖν; Hebr 10,30: Ἐμοὶ ἐκδίκησις, ἐγὼ ἀνταποδώσω. B. (12,9) Anstelle von ἀποστυγοῦντες findet sich μισοῦντες in 010, 012, lat, sy, Tert und in der altlateinischen Tradition in 88, Ambst var : odientes, während execrantes zu finden ist in 61, Pel b , abhorrentes in Ambst ed . ♦ (12,17) Post καλά steht in den Zeugen 010, 012, 629, lat der Zusatz οὐ μόνον ἐνώπιον τοῦ θεοῦ ἀλλὰ καί, und in 02 1 : ἐνώπιον τοῦ θεοῦ καί. ♦ Post ἐνώπιον steht anstelle von πάντων lediglich τῶν in den Zeugen P 46 , 02 1 , 06*, 010, 012, it, Lcf, Ambst. C. 1. (12,9-10) Hilgenfeld nimmt Tertullian und Adamantius als Zeugen für beide Verse. Zahn sieht Vers 9 und Vers 10a nach der kanonischen Form präsent, Vers 10b sieht er nicht bezeugt und in der Form nicht bestimmbar. 215 Harnack hält folgenden Text für bezeugt: 9 ἀποστυγοῦντες τὸ πονηρόν καὶ κολλώμενοι τῷ ἀγαθῷ: 10 τῇ φιλαδελφίᾳ εἰς ἀλλήλους φιλόστοργοι. Schmid schließt sich Harnack an, lässt jedoch, Tertullian folgend, lediglich das von Harnack hinzugefügte καί wieder aus. BeDuhn schließt sich mit seiner Übersetzung dem Textvorschlag Schmids an. 2. (12,11) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn mit seiner Präsenz in unbestimmbarer Form rechnet. Die Sonderstellung dieses Verses ist auch bereits in der Vergangenheit aufgefallen, wenn Röm 12,11 als „sekundäre Glosse“ betrachtet wird von J.R. Fitzmyer. 216 4 (Röm) 225 <?page no="226"?> 217 S. Alkier and T. Paulsen, Philologisch-kritische Beobachtungen zur sprachlichen Ge‐ staltung des Römerbriefes (2024), 37. 3. (12,12) Zahn sieht als Text bezeugt: τῇ ἐλπίδι χαίροντες, τὴν θλίψιν ὑπομένοντες, τῇ προσευχῇ προσκαρτεροῦντες. Harnack gibt nur folgenden Text als bezeugt: τῇ ἐλπίδι χαίροντες, τῇ θλίψει ὑπομένοντες. Ihm schließen sich Schmid und in seiner Übersetzung BeDuhn an. 4. (12,13) Dieser Vers ist nach allen Editoren wieder unbezeugt, auch wenn Zahn mit der unbestimmbaren Präsenz dieses Verses rechnet. 5. (12,14) Alle Editoren außer Hilgenfeld, der den gesamten Vers für bezeugt hält, sehen den ersten Teil des Verses als unbezeugt, wenn auch Zahn ihn in einer unbestimmbaren Form als präsent annimmt. Harnack nimmt als bezeugten Text lediglich: εὐλογεῖτε καὶ μὴ καταρᾶσθε, und ihm schließen sich Schmid und BeDuhn an. Wenn S. Alkier und T. Paulsen meinen, die Satzperiode Röm 12,9-13 enthalte kein Prädikat und sei darum „ein sehr gutes Beispiel für den intensiven Gebrauch von Partizipien“ des Paulus, 217 so gilt doch auf vorkanonischer Ebene, dass diese Periode zu Vers 14 gehört, wo wir das vermisste Prädikat finden; es ist nur durch die kanonischen Weiterungen aus dem Blick geraten. 6. (12,15) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn wiederum mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnet. Der Vers ist 1Kor 7,30 nahe, der ebenfalls für die vorkanonische Fassung unbezeugt ist. 7. (12,16-19) Nach allen Editoren sind diese Verse bezeugt, wobei bereits Zahn auf die umgekehrte Reihenfolge der Verse 18-19 aufmerksam macht. Er sieht folgenden Text bezeugt: 16 [τὸ αὐτὸ εἰς ἀλλήλους φρονοῦντες,] μὴ τὰ ὑψηλὰ φρονοῦντες ἀλλὰ τοῖς ταπεινοῖς συναπαγόμενοι. μὴ γίνεσθε φρόνιμοι παρ’ ἑαυτοῖς. 17 μηδενὶ κακὸν ἀντὶ κακοῦ ἀποδίδοτε: προνοούμενοι καλὰ ἐνώπιον πάντων ἀνθρώπων: 19 μὴ ἑαυτοὺς ἐκδικοῦντες, Ἐμοὶ γὰρ ἐκδίκησις, κἀγὼ ἐκδικήσω, λέγει κύριος 18 μετὰ πάντων ἀνθρώπων εἰρηνεύετε. Harnack rekonstruiert: 16 μὴ τὰ ὑψηλὰ φρονοῦντες, ἀλλὰ τοῖς ταπεινοῖς συναπαγόμενοι, μὴ γίνεσθε παρ’ ἑαυτοῖς φρόνιμοι. 17 κακὸν ἀντὶ κακοῦ μηδενὶ ἀποδιδόντες: 19 μὴ ἑαυτοὺς ἐκδικοῦντες· ἐμοὶ γὰρ ἐκδίκησις, κἀγὼ ἀνταποδώσω, λέγει κύριος. 18 εἰρηνεύοντες μετὰ πάντων (ἀνθρώπων). Schmid hält sich stärker an den kanonischen Text und gibt als bezeugten Bestand: 16 μὴ τὰ ὑψηλὰ φρονοῦντες ἀλλὰ τοῖς ταπεινοῖς συναπαγόμενοι. μὴ γίνεσθε φρόνιμοι παρ’ ἑαυτοῖς. 17 μηδενὶ κακὸν ἀντὶ κακοῦ ἀποδιδόντες: 18 μετὰ πάντων (ἀνθρώπων) εἰρηνεύοντες: 19 μὴ ἑαυτοὺς ἐκδικοῦντες. BeDuhn verweist auf Tertullian, der in Vers 17 über den kanonischen Text hinaus aus Lev 19,18 zitiert und legt seiner Übersetzung folgenden Text zu‐ 226 Rekonstruktion <?page no="227"?> 218 Detering gibt als Text für die Verse 18-19: 18 μὴ ἑαυτοὺς ἐκδικοῦντες, Ἐμοὶ γὰρ ἐκδίκησις, ἐγὼ ἀνταποδώσω, λέγει κύριος 19 εἰρηνεύοντες μετὰ πάντων ἀνθρώπων, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 189. grunde: 16 … μὴ τὰ ὑψηλὰ φρονοῦντες ἀλλὰ τοῖς ταπεινοῖς συναπαγόμενοι. μὴ γίνεσθε φρόνιμοι παρ’ ἑαυτοῖς. 17 μηδενὶ κακὸν ἀντὶ κακοῦ ἀποδιδόντες: Et malitiae fratris tui ne memineris. 18 μετὰ πάντων εἰρηνεύοντες: 19 μὴ ἑαυτοὺς ἐκδικοῦντες, … [γέγραπται γάρ,] Ἐμοὶ ἐκδίκησις, ἐγὼ ἀνταποδώσω, λέγει κύριος. Allerdings ist zu bemerken, dass es wohl eher wahrscheinlich ist, dass Tertul‐ lian hier nur ohne Stellenangabe seiner Gewohnheit folgt, dem markionitischen Paulustext eine passende Stelle aus der jüdischen Schrift hinzuzufügen, sie ist also, wie Harnack schon sah, nicht für Markions Paulustext zu benutzen. Dasselbe gilt dann allerdings auch für das letzte Zitat, das Zahn, Harnack und BeDuhn in ihre Rekonstruktion aufgenommen haben; hier urteilt Schmid m. E. korrekt, schon von Soden hatte hier wie Schmid das Richtige gesehen. 218 Weiter ist zu bemerken, dass nach Tertullian wohl nicht γίνεσθε zu lesen ist, sondern ἔσεσθε, vgl. unten zur Lexik. Die Versumstellung scheint auf die kanonische Redaktion zurückzugehen und im Zusammenhang der Erweiterung des Verses erfolgt zu sein. Tertul‐ lian greift die vorkanonische Version auf, indem er unter ihrer Benutzung seine Reihe jüdischer alttestamentlicher Schriftzitate fortsetzt und so seinen vermeintlichen Siegeszug gegen Markions Argumentation führt. 8. (12,18) εἰ δυνατόν, τὸ ἐξ ὑμῶν ist eine Entschärfung, die von Tertullian nicht bezeugt ist. Sie geht vielleicht auf die kanonische Redaktion zurück. D. (12,9) Der unbezeugte Versanfang: ἡ ἀγάπη steht 25 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Röm 12,9; 13,10; 1Kor 13,4. 8; 16,24; im Vers: Mt 24,12; Joh 17,26; Röm 5,5; 13,13; 2Kor 13,13; Phil 1,9; 2Thess 1,3; 8 Mal 1Joh; 2Joh 1,6), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνυπόκριτος, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Für den bezeugten Versteil: μισέω, das 42 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,22; *Laod 5,29. ♦ ἀποστυγέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ πονηρός, das 81 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Kol 1,21. ♦ κολλάω, das 12 Mal im NT steht, ist weiter kanonisch bezeugt für *1Kor 7,16. ♦ ἀγαθός, das 109 / 102 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12. 4 (Röm) 227 <?page no="228"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte Versanfang weist zwei Elemente auf, die ausschließlich kanonisch belegt sind (ἡ ἀγάπη; ἀνυπόκριτος), er wird folglich auf die kanonische Redaktion zurück‐ gehen und vorkanonisch gefehlt haben. Hingegen ist der bezeugte Versteil in seiner Lexik weiters vorkanonisch bezeugt. (12,10) φιλαδελφία steht 6 Mal im NT und ist nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2. ♦ φιλόστοργος ist Hapax legomenon im NT. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4. ♦ προηγέομαι ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wiederum dem Zeugnis Tertullians, nur der Terminus φιλαδελφία ist weiters nicht vorkanonisch bezeugt. (12,11) σπουδή, das 12 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist, vgl. weiter oben zu Vers 8. ♦ ὀκνηρός steht 3 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ ζέω steht nur noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene (Apg 18,25). ♦ δουλόω (bzw. dem Nomen δοῦλος), das 51 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,37. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf (σπουδή; ὀκνηρός; ζέω), die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind. Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (12,12) ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30, vgl. weiter Vers 15. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ ὑπομένω, das 19 / 17 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ♦ προσευχή, das 42 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,12. ♦ Das verwandte προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ προσκαρτερέω steht 11 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene, insbesondere für die Apostelgeschichte, bezeugt (Mk 3,9; Röm 12,12; 13,6; Apg 1,14; 2,42. 46; 6,4; 8,13; 10,7; Eph 6,18; Kol 4,2). Zur Rekonstruktion: Im bezeugten Versteil fällt lediglich das Verb ὑπομένω als nicht weiters bezeugtes Element auf. Auch wenn προσευχή für *Ev bezeugt ist, spricht doch das vorkanonisch unbezeugte προσκαρτερέω dafür, dass dieser Versteil vorkanonisch gefehlt hat und auf die kanonische Redaktion zurückgeht. 228 Rekonstruktion <?page no="229"?> (12,13) χρεία, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. ♦ Die Form χρείαις steht noch 1 weiteres Mal in Apg 20,34. ♦ Die Form τῶν ἁγίων steht 27 Mal im NT, in Lk 9,26, wo der Teilvers in *Ev fehlt, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,19. ♦ κοινωνέω, das 15 / 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,6. ♦ φιλοξενία steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Hebr 13,2). ♦ διώκω, das 47 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf (χρείαις; φιλοξενία), die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind. Der Vers dürfte wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Dass τῶν ἁγίων vorkanonisch nur durch *Laod bezeugt ist, unterstreicht die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik. (12,14) εὐλογέω, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,16. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten διώκω vgl. Vers 13. ♦ καταράομαι steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,28. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Da bereits in Vers 13 der Begriff διώκω auf der kanonischen Ebene steht und dort wie hier unbezeugt ist, wird er wohl auch hier wiederum auf derselben Ebene anzusiedeln sein. Das zweimalige εὐλογεῖτε, das von Tertullian nur einfach gegeben ist, entspricht der typischen kanonisch-redaktionellen Tendenz zur Duplikation und wird auf diese zurückgehen. (12,15) Zu χαίρω vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ Die Infinitivform χαίρειν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; Röm 12,15; 2Kor 2,3; Jak 1,1; 2Joh 1,10. 11). ♦ κλαίω, das 44 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist ein Element (χαίρειν) auf, das nur auf der kanonischen Ebene belegt ist. Der Vers wird ver‐ mutlich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (12,16) αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ Die Kombination des absolut stehenden τὸ αὐτό findet sich 21 Mal im NT (3 Mal Mt; Lk 6,33, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 17,35; 6 Mal Apg; Röm 15,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,10; 7,5; 11,20; 12,25; 14,23; 2Kor 13,11; Phil 2,2; 4,2), davon 1 Mal als Verseröffnung hier, vorkanonisch nur bezeugt im adjektivischen Zusammenhang, *1Kor 13,8: τὸ αὐτὸ πνεῦμα; *2Kor 3,14: τὸ αὐτὸ κάλυμμα. 4,13: τὸ αὐτὸ πνεῦμα. ♦ Die Wendung εἰς ἀλλήλους steht 11 Mal im Neuen Testament ( Joh 13,22; Röm 1,27; 12,10. 16; 14,19; Eph 4,32; Kol 3,9; 1Thess 3,12; 5,15; 4 (Röm) 229 <?page no="230"?> 2Thess 1,3; 1Petr 4,9), vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9. ♦ ὑψηλός, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,15. ♦ Zum vorkanonisch nur hier bezeugten φρονέω vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ Die Form φρονοῦντες steht 4 Mal im NT (Röm 12,16; Phil 2,2; 3,19), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ταπεινός steht 11 Mal im NT, vorkanonisch vielleicht weiter stehend in *Ev 14,11; 18,14. ♦ συναπάγω, das 3 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ φρόνιμος, das 15 / 14 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 7,37; *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; *2Thess 1,6. ♦ Die Wendung παρ’ ἑαυτοῖς steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 11,25. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte Versanfang mit dem absolut stehenden τὸ αὐτό, das nur auf der kanonischen Ebene begegnet, könnte auf die kanonische Redaktion zurückgehen, wobei allerdings das εἰς ἀλλήλους kurz zuvor vorkanonisch bezeugt ist, vielleicht also auch hier gestanden haben kann. Dass φρονοῦντες jedoch gleich wieder wiederholt wird, deutet eher daraufhin, dass der gesamte Einsatzteil τὸ αὐτὸ εἰς ἀλλήλους φρονοῦντες auf die kanonische Redaktion zurückzuführen ist und vorkanonisch gefehlt hat. (12,17) μηδενί steht 16 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 12,17; 13,8; im Vers: 3 Mal Mt; 4 Mal Mk; Lk 5,14; 8,56; 9,21; 3 Mal Apg; 1Tim 5,22), vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 10,6; *2Kor 5,10. ♦ ἀποδίδωμι, das 56 / 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 19,8; 20,25. Der nicht mehr bezeugte Teil: προνοέω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ Die Kombination ἐνώπιον πάντων steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 14,10; 2 Mal Apg; Röm 12,17; 1Tim 5,20). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Da im nicht mehr bezeugten Teil sowohl das προνοέω wie auch die Kombination ἐνώπιον πάντων nur auf der kanonischen Ebene belegt sind, wird dieser Teil wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (12,18) Zum unbezeugten Versanfang: Die Kombination εἰ δυνατόν steht 7 Mal im NT, davon hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 4,15. ♦ Die Wendung ἐξ ὑμῶν steht 33 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,11. Zum vorkanonisch bezeugten Versteil: Zu πάντων vgl. zum voranstehenden Vers 17. ♦ Die Wendung μετὰ πάντων steht 12 Mal im Neuen Testament, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 12,18; 15,33, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 230 Rekonstruktion <?page no="231"?> 16,24; 2Kor 13,13; Eph 6,24; 1Thess 3,13; 2Thess 3,16. 18; Tit 3,15; Hebr 12,14; 13,25; Apk 22,21). Bemerke hierzu die Varianten - offenkundig liegt im Zusatz „allen“ eine kanonische Redaktion vor. Dies wird gestützt von der Kombination πᾶς + ἄνθρωπος, die 23 Mal im NT steht, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,3. ♦ εἰρηνεύω, das 4 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt (an den kanonischen Stellen findet sich ebenfalls dieselbe Form εἰρηνεύετε). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte Versanfang scheint im vorkanonischen Text abwesend gewesen zu sein, nachdem die Wendung εἰ δυνατόν weiters nicht vorkanonisch bezeugt ist. (12,19) Für den bezeugten Versteil: Die Wendung μὴ ἑαυτούς steht nur hier. ♦ ἐκδικέω steht 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἐκδίκησις steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,7; *2Thess 1,8 (man bemerke allerdings den seman‐ tischen Unterschied zwischen der positiven Konnotation an den vorkanonischen Stellen und der negativen auf der kanonischen Ebene). Für den nicht mehr bezeugten Versteil: ἀγαπητοί steht 27 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 1Petr 2,11; 4,12; 1Joh 2,7; 3,2. 21; 4,1. 7. 11; Jud 1,3 im Vers: Röm 12,19; 1Kor 10,14; 15,58; 2Kor 7,1; 12,19; Phil 2,12; 4,1; Hebr 6,9; Jak 1,16. 19; 2Petr 3,1. 8. 14. 17; Jud 1,17. 20), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form δότε steht 19 Mal im NT, in Lk 15,22, in einem Vers, der in *Ev fehlt, 12,33, in einem Teilvers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,41 ♦ τόπος, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ Die Form ὀργῇ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 12,19; Hebr 3,11; 4,3). ♦ Die Kombination γέγραπται γάρ steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,19; 3,19; 9,9, vgl. zu 1Kor 4,22. ♦ Das an Dtn 32,35 LXX angelehnte Zitat begegnet wörtlich wieder in Hebr 10,30: Ἐμοὶ ἐκδίκησις, ἐγὼ ἀνταποδώσω. ♦ Zur kanonischen Wendung λέγει κύριος vgl. zu 1Kor 14,21. Zur Rekonstruktion: Der bezeugte Versanfang folgt im Text dem Zeugnis Tertullians, der nicht mehr bezeugte Teil weist eine Lexik auf, die von Anfang an (ἀγαπητοί; ὀργῇ; ἐμοὶ ἐκδίκησις, ἐγὼ ἀνταποδώσω; λέγει κύριος) kanonisch geprägt ist und insbesondere mit Hebr korreliert. Diese Korrelation betrifft auch die negative Semantik von ἐκδίκησις auf der kanonischen Ebene. 12,[20-21]: [Weitere Anweisungen] Mit den beiden Schlussversen von Kapitel 12, die vorkanonisch unbezeugt sind, und der Eröffnung mit dem Zitat aus Prov 25,21-22 LXX bietet die kanonische Redaktion den alttestamentlichen Bezug zur Bergpredigt, wie sie 4 (Röm) 231 <?page no="232"?> 219 Detering sieht Vers 20 als abwesend, Vers 21 nach dem kanonischen Text vorhanden, ibid. in Mt 5,6 (μακάριοι οἱ πεινῶντες καὶ διψῶντες τὴν δικαιοσύνην, ὅτι αὐτοὶ χορτασθήσονται) vorliegt, während das Dürsten (διψῶντες) weder in *Ev noch Lk begegnet. Überhaupt wendet die kanonische Redaktion die vorangegangenen Anweisungen mit Vers 21 auf die moralische Ebene, womit sie die paränetische Eröffnung von Röm 12,1-8 fortsetzt und das Kapitel rahmt. - 20 ἀλλὰ ἐὰν πεινᾷ ὁ ἐχθρός σου, ψώμιζε αὐτόν· ἐὰν διψᾷ, πότιζε αὐτόν· τοῦτο γὰρ ποιῶν ἄνθρακας πυρὸς σωρεύσεις ἐπὶ τὴν κεφαλὴν αὐτοῦ. 21 μὴ νικῶ ὑπὸ τοῦ κακοῦ, ἀλλὰ νίκα ἐν τῷ ἀγαθῷ τὸ κακόν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. ♦ 12,20: Vgl. Prov 25,21-22 LXX: 21 ἐὰν πεινᾷ ὁ ἐχθρός σου, τρέφε αὐτόν, ἐὰν διψᾷ, πότιζε αὐτόν· 22 τοῦτο γὰρ ποιῶν ἄνθρακας πυρὸς σωρεύσεις ἐπὶ τὴν κεφαλὴν αὐτοῦ, ὁ δὲ κύριος ἀνταποδώσει σοι ἀγαθά. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (12,20-21) Die Schlussverse des 12. Kapitels sind nach allen Editoren unbe‐ zeugt. Es wäre wenig einsichtig, wenn Tertullian diese Verse stillschweigend übergangen hätte, nachdem er sich zuvor so sehr bemüht hatte, die alttestament‐ lichen Entsprechungen zu Markions Paulusaussagen zusammenzustellen. 219 D. (12,20) πεινάω, das 24 / 23 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ ψωμίζω steht nur noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene (1Kor 13,3). ♦ αὐτόν, das 841 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. ♦ διψάω steht 18 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ποτίζω, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ποῖος, das 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35; *Laod 2,15. ♦ ἄνθραξ ist Hapax legomenon im NT. ♦ σωρεύω steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (2Tim 3,6). 232 Rekonstruktion <?page no="233"?> Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers bildet ein Zitat aus Prov 25,21-22 LXX. Auch die Lexik verweist den Vers auf die kanonische Ebene. Das Zitat wurde von der kanonischen Redaktion hier eingebracht und hat vorkanonische gefehlt. (12,21) νικάω, das 29 / 28 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Form τοῦ κακοῦ steht noch 1 weiteres Mal, Joh 18,23. ♦ Die Wendung τῷ ἀγαθῷ steht 3 Mal im NT (Röm 12,9. 21; 13,3), vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9. ♦ Die Form τὸ κακόν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 2,9; 12,21; 13,4; 16,19, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 13,5; 3 Joh 1,11). Zur Abwesenheit: Dieser kanonisch unbezeugte Vers weist zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (νικάω; τὸ κακόν). Auch er wird wie der zuvor platzierte Vers auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Kapitel 13 13,[1-7]: [Das Verhältnis zur staatlichen Gewalt] In diesen vorkanonisch unbezeugten Anfangsversen von Kapitel 13 legt die kanonische Redaktion dar, wie sie das Verhältnis der Adressaten zum römischen Staat sieht. - 13,1 Πᾶσα ψυχὴ ἐξουσίαις ὑπερεχούσαις ὑποτασσέσθω. οὐ γὰρ ἔστιν ἐξουσία εἰ μὴ ὑπὸ θεοῦ, αἱ δὲ οὖσαι ὑπὸ θεοῦ τεταγμέναι εἰσίν· 2 ὥστε ὁ ἀντιτασσόμενος τῇ ἐξουσίᾳ τῇ τοῦ θεοῦ διαταγῇ ἀνθέστηκεν, οἱ δὲ ἀνθεστηκότες ἑαυτοῖς κρίμα λήμψονται. 3 οἱ γὰρ ἄρχοντες οὐκ εἰσὶν φόβος τῷ ἀγαθῷ ἔργῳ ἀλλὰ τῷ κακῷ. θέλεις δὲ μὴ φοβεῖσθαι τὴν ἐξουσίαν; τὸ ἀγαθὸν ποίει, καὶ ἕξεις ἔπαινον ἐξ αὐτῆς· 4 θεοῦ γὰρ διάκονός ἐστιν σοὶ εἰς τὸ ἀγαθόν. ἐὰν δὲ τὸ κακὸν ποιῇς, φοβοῦ· οὐ γὰρ εἰκῇ τὴν μάχαιραν φορεῖ· θεοῦ γὰρ διάκονός ἐστιν, ἔκδικος εἰς ὀργὴν τῷ τὸ κακὸν πράσσοντι. 5 διὸ ἀνάγκη ὑποτάσσεσθαι, οὐ μόνον διὰ τὴν ὀργὴν ἀλλὰ καὶ διὰ τὴν συνείδησιν. 6 διὰ τοῦτο γὰρ καὶ φόρους τελεῖτε, λειτουργοὶ γὰρ θεοῦ εἰσιν εἰς αὐτὸ τοῦτο προσκαρτεροῦντες. 7 ἀπόδοτε πᾶσιν τὰς ὀφειλάς, τῷ τὸν φόρον τὸν φόρον, τῷ τὸ τέλος τὸ τέλος, τῷ τὸν φόβον τὸν φόβον, τῷ τὴν τιμὴν τὴν τιμήν. 4 (Röm) 233 <?page no="234"?> 220 Detering rechnet mit deren Abwesenheit, hingegen mit der Anwesenheit der restlichen Verse nach dem kanonischen Text (mit Ausnahme von Vers 9, in welchem er Οὐκ ἐπιθυμήσεις auslässt, ibid. 190. 221 vgl. E. Barnikol, Römer 13: Der nichtpaulinische Ursprung der absoluten Obrigkeitsbe‐ jahung von Römer 13,1-7 (1961); J. Kallas, Romans xiii.1-7: An Interpolation (1965); W. Schmithals, Der Römerbrief als historisches Problem (1975), 185-197; H.-M. Schenke and K.M. Fischer, Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments. I Die Briefe Des Paulus und Schriften des Paulinismus (1978), 142; W. Munro, Authority in Paul and Peter: The Identification of a Pastoral Stratum in the Pauline Corpus and 1 Peter (1983), 16-19, 56-57; W. Munro, Romans 13: 1-7: Apartheid’s Last Biblical Refuge (1990); W.O. Walker, Interpolations in the Pauline letters (2001), 221-231. 222 So A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020), 505-506. 223 R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1947), 200. Vgl. auch die Neupublikation R. Bultmann, Glossen im Römerbrief (1967). A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (13,1-7) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, gleichwohl rechnet Zahn mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz. 220 Allerdings hat man schon lange Röm 13,1-7 als nichtpaulinisch und als spätere Glosse betrachtet. 221 Im Gegensatz hierzu wurde die Passage historisiert in die frühe Regierungszeit Neros gesetzt und gilt als Aufforderung durch Paulus, sich dem Kaiser zu unterwerfen, der gar als Diener Gottes bezeichnet wird, und ihm Steuern zu zahlen. 222 2. (13,5) Dieser Vers wird als Glosse betrachtet von R. Bultmann. 223 D. (13,1) πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ Die Wendung πᾶσα ψυχή steht 3 Mal im NT (Apg 3,23; Röm 13,10; Apk 16,3), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. ♦ ὑπερέχω steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,8. ♦ ὑποτάσσω, das 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Röm 10,3: *Laod 1,22; 5,21. ♦ Die Kombination εἰ μή steht 86 Mal im NT, vgl. zu Röm 9,29, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 7,7. ♦ Die Wendung ὑπὸ θεοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 13,1; Gal 4,9). ♦ Die Verbform οὖσαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ 234 Rekonstruktion <?page no="235"?> τάσσω, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πᾶσα ψυχή; ὑπὸ θεοῦ; τάσσω. (13,2) Die Kombination ὥστε ὁ steht 5 Mal, jeweils als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,12; *Röm 7,12, vgl. zu 2Kor 4,12. ♦ ἀντιτάσσω steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Wendung τῇ ἐξουσίᾳ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 9,12. ♦ διαταγή steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 7,53). ♦ ἀνθίστημι, das 16 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Gal 2,11. ♦ Die Form ἀνθέστηκεν steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 9,19. ♦ κρίμα, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,10; *1Kor 11,29. ♦ λαμβάνω, das 292 / 260 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,14; *1Kor 3,14; *Röm 7,11; *Phil 2,7. ♦ Die Kombination κρίμα + λαμβάνω steht noch 1 weiteres Mal Jak 3,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀντιτάσσω; τῇ ἐξουσίᾳ; διαταγή; ἀνθέστηκεν; κρίμα + λαμβάνω. (13,3) ἄρχω, das 151 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,2. ♦ Die Form ἄρχοντες steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 20,25; Lk 23,35; 24,20; Joh 7,26; 3 Mal Apg; Röm 13,3). ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, jedoch nie für die vorkanonische Ebene bezeugt ist. ♦ ἔργον, ein Begriff, der 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ κακός steht 54 / 50 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *2Kor 5,10; *Röm 12,17 ♦ Die Kombination θέλεις δέ steht 1 weiteres Mal in Jak 2,20. ♦ φοβέω, das 110 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,12. ♦ ἕξις, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22. ♦ ἔπαινος, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; *Laod 1,12. ♦ αὐτῆς, das 151 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρχοντες; φόβος; αὐτῆς. (13,4) Die Kombination θεοῦ γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,9. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, jedoch ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ σοι (Dat. Sg. oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22 und *Laod 5,14. ♦ Der Ausdruck τὸ ἀγαθόν (Nom. / Akk.) steht 13 Mal im NT, nur belegt für die kanonische Ebene, vgl. zu Röm 2,10. ♦ Zum kanonischen φόβος vgl. zu Vers 3. ♦ εἰκῇ, 4 (Röm) 235 <?page no="236"?> das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ μάχαιρα, ein Begriff, der 40 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φορέω, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,49. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ ἔκδικος steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (1Thess 4,6). ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10; *Röm 2,25. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: θεοῦ γάρ; διάκονος; τὸ ἀγαθόν; φόβος; μάχαιρα; εἰκῇ; ἔκδικος. (13,5) Die Variante διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, vorkano‐ nisch bezeugt als Verseröffnung für *2Kor 4,16; im Vers für *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14, vgl. zu Gal 4,31. ♦ ἀνάγκη, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ὑποτάσσω vgl. zu Vers 1. ♦ Die Form ὑποτάσσεσθαι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 13,5; Tit 2,9; 3,1). ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Die Kombination οὐ μόνον steht 27 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (immer οὐ μόνον δέ), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 25 ↑*Laod 1,21. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ συνείδησις steht 32 / 30 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀνάγκη; ὑποτάσσεσθαι; συνείδησις. (13,6) διὰ τοῦτο, das 64 Mal im NT steht, davon 38 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung nur auf der kanonischen Ebene, im Vers vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ Die Kombination γὰρ καί steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 11,19. ♦ φόρος steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,2. ♦ τελέω, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,9. ♦ λειτουργός steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ Die Kombination αὐτὸ τοῦτο steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,10. ♦ προσκαρτερέω, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene, insbesondere für die Apostelgeschichte (auch Eph 6,18), bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Die Verser‐ öffnung διὰ τοῦτο; γὰρ καί; λειτουργός; αὐτὸ τοῦτο; προσκαρτερέω. (13,7) ἀποδίδωμι, das 56 / 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,17. ♦ Die Form ἀπόδοτε steht 5 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung 236 Rekonstruktion <?page no="237"?> (Verseröffnung: Röm 13,7; Apk 18,6; im Vers: Mt 22,21; Mk 12,17; Lk 20,25), vorkano‐ nisch bezeugt im Vers für *Ev 20,25. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ ὀφειλή, das 3 Mal im NT, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten φόρος vgl. Vers 6. ♦ Zum kanonischen φόβος vgl. Vers 3. ♦ τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ἀπόδοτε; ὀφειλή; φόβος. Wie der Vergleich der Lexeme nachdrücklich herausstellt, atmet die gesamte, nichtbezeugte Passage mit den vielen ausschließlich für die kanonische Redak‐ tion bezeugten oder typischen Elementen der kanonischen Redaktion deren Sprachgebrauch. Die Verse gehen als ganze auf die kanonische Redaktion zurück und haben vorkanonisch gefehlt. 13,8-10: Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes Diese vorkanonisch bezeugten Verse knüpfen unmittelbar an die zuvor be‐ zeugten vorkanonischen Verse *Röm 12,9-10. 12. 14. 16-18 an, indem sie das dort Vorgetragene weiterführen und genau in diesem Zusammenschnitt gerahmt wiedergeben (*Röm 13,10 entspricht *Röm 12,9-10). Die Erfüllung des Gesetzes wird folglich nicht nur durch das Summarium *Röm 13,9 („Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst“) angegeben, sondern ruht auf der Erfüllung der voranstehenden Anweisungen, welche auf die neue Thora Christi in der Feldpredigt von *Ev verweist. Diese Thora Christi gipfelt in dem Summarium von *Röm 13,9. Die kanonische Redaktion erweitert das aus dem jüdischen Gesetz Zitierte mit „und alle anderen Gebote“, um so eine Ausweitung auf das weitere jüdische Gesetzeswerk vorzunehmen, das für die kanonischen Redakteure wohl nicht im vorkanonischen Text enthalten war. 8 ὁ γὰρ ἀγαπῶν τὸν πλησίον νόμον πεπλήρωκεν. 8 Μηδενὶ μηδὲν ὀφείλετε, εἰ μὴ τὸ ἀλλήλους ἀγαπᾶν· ὁ γὰρ ἀγαπῶν τὸν ἕτερον νόμον πεπλήρωκεν. 9 τὸ γὰρ οὐ φονεύσεις, οὐ μοιχεύσεις, οὐ κλέψεις, οὐ ψευδομαρτυρήσεις ἀνακεφαλαιοῦται ἐν τῷ Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον ὡς σεαυτόν. 9 τὸ γὰρ Οὐ μοιχεύσεις, Οὐ φονεύσεις, Οὐ κλέψεις, Οὐκ ἐπιθυμήσεις, καὶ εἴ τις ἑτέρα ἐντολή, ἐν τῷ λόγῳ τούτῳ ἀνακεφαλαιοῦται, [ἐν τῷ] Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. 4 (Röm) 237 <?page no="238"?> 10 ἡ ἀγάπη τῷ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται· πλήρωμα οὖν νόμου ἡ ἀγάπη, 10 ἡ ἀγάπη τῷ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται· πλήρωμα οὖν νόμου ἡ ἀγάπη. A. *13,8-10: Vgl. Epiph., Pan. 42, Sch. 35 (118; 178 H.): ὁ γὰρ ἀγαπῶν τὸν πλησίον νόμον πεπλήρωκε; Tert., Adv. Marc. V 13-14: [13] … Merito itaque totam creatoris disciplinam principali praecepto eius conclusit, Diliges proximum tanquam te. Hoc legis supplementum … [14] Bene autem quod et in clausula tribunal Christi comminatur, utique iudicis et ultoris, utique creatoris, illum certe constituens promerendum quem intentat timendum, etiamsi alium praedicaret. Adam., Dial. II 17 (im Mund des Adamantius): οὐ φονεύσεις, οὐ μοιχεύσεις, φησίν. οὐ κλέψεις, καὶ εἴ τις ἑτέρα ἐντολή, ἐν τούτῳ τῷ λόγῳ ἀνακεφαλαιοῦται, ἐν τῷ Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. ἡ ἀγάπη τῷ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται: πλήρωμα οὖν νόμου ἡ ἀγάπη (Rufin: Non occides, non adulterabis, non furaberis, et si quid aliud est mandatum, in hoc verbo restauratur: Diliges proximum tuum sicut te ipsum. Caritas proximo malum non operatur; plenitudo ergo legis est caritas). ♦ *13,9: Lev 19,18 LXX: … ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν; *Ev 10,27: Ἀγαπήσεις κύριον τὸν θεόν σου ἐξ ὅλης τῆς καρδίας σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ ψυχῇ σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ ἰσχύϊ σου; Lk 10,27: ὁ δὲ ἀποκριθεὶς εἶπεν, Ἀγαπήσεις κύριον τὸν θεόν σου ἐξ ὅλης [τῆς] καρδίας σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ ψυχῇ σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ ἰσχύϊ σου καὶ ἐν ὅλῃ τῇ διανοίᾳ σου, καὶ τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. *Gal 5,14: ὁ γὰρ πᾶς νόμος ὑμῖν πεπλήρωται: ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. B. (13,8) Anstelle von τὸν ἕτερον findet sich die Variante τὸν πλησίον bei Epiphanius, gestützt von Tertullian, und in den Handschriftenzeugen 1735. Dazu passt auch die altlateinische Tradition, die proximum liest in Aug var , proximum suum in 54, 75, 77, 89, Pel var . ♦ (13,9) Ante τὸ γάρ add γέγραπται in 010, 012, b. ♦ Die andere Reihenfolge οὐ φονεύσεις, οὐ μοιχεύσεις in Adamantius. Außerdem lassen Adamantius, der Handschriftenzeuge 1734 und Clemens Alexandrinus οὐκ ἐπιθυμήσεις aus. ♦ Post οὐκ ἐπιθυμήσεις add οὐ ψευδομαρτυρήσεις (ψευδομαρτυρήσης 025) in 01, 025, 048, 81, 104, 365, (1505), 1506, pm ar, b, vg cl , (sy b ), bo, während sich der obige Text der kanonischen Ebene findet in P 46 , 02, 03, 06, 010, 012, 020, 044, 6, 33, 630, 1175, 1241, 1739, 1881, pm vg st , sy p , sa, (Cl), Ambst. ♦ ἐν τῷ om P 46vid , 03, 010, 012, add 01, 02, 06, 020, 025, 044, 048, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1506, 1739, 1881, M, sy h , co, Cl. ♦ ἑαυτόν lesen die Zeugen 010, 012, 020, 025, 044, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1506, 1881 pm, während σεαυτόν zu finden ist in P 46 , 01, 02, 03, 06, 048, 6, 81, 1505, 1739 238 Rekonstruktion <?page no="239"?> 224 C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 16. pm, Cl. ♦ (13,10) Anstelle von οὐκ ἐργάζεται findet sich ου κατεργάζεται in den Zeugen 06*, 33, 365, 1505, 1881. C. 1. (13,8-10) Nach allen Editoren sind diese drei Verse für die vorkanonische Version bezeugt. Zahn gibt als bezeugten Text ὁ γὰρ ἀγαπῶν τὸν πλησίον νόμον πεπλήρωκεν. 9 τὸ γὰρ Οὐ φονεύσεις, Οὐ μοιχεύσεις, Οὐ κλέψεις, καὶ εἴ τις ἑτέρα ἐντολή, ἐν τούτῳ τῷ λόγῳ-… 10-… οὐ συνεργάζεται-… Harnack rekonstruiert: ὁ γὰρ ἀγαπῶν τὸν πλησίον νόμον πεπλήρωκε. 9 τὸ γὰρ Οὐ φονεύσεις, Οὐ μοιχεύσεις, Οὐ κλέψεις, καὶ εἴ τις ἑτέρα ἐντολή, ἐν τούτῳ τῷ λόγῳ ἀνακεφαλαιοῦται, ἐν τῷ Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. 10 ἡ ἀγάπη τῷ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται: πλήρωμα οὖν νόμου ἡ ἀγάπη. Schmid ist zurückhaltender und sieht folgenden Bestand bezeugt: … ὁ γὰρ ἀγαπῶν τὸν πλησίον νόμον πεπλήρωκεν. 9 … (ἀνακεφαλαιοῦται), (ἐν τῷ) Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον (σου) ὡς σεαυτόν. BeDuhn legt seiner Übersetzung den folgenden Text zugrunde: ὁ γὰρ ἀγαπῶν τὸν πλησίον νόμον πεπλήρωκε. 9 τὸ γὰρ Οὐ φονεύσεις, Οὐ μοιχεύσεις, Οὐ κλέψεις, καὶ εἴ τις ἑτέρα ἐντολή, ἐν τούτῳ τῷ λόγῳ ἀνακεφαλαιοῦται, ἐν τῷ Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. 10 ἡ ἀγάπη τῷ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται: πλήρωμα οὖν νόμου ἡ ἀγάπη. 2. (13,9) Das Gebot mit dem Wortlaut Τὰς ἐντολὰς †οἶδα†· Μὴ ϕονεύσῃς, Μὴ μοιχεύσῃς, Μὴ κλέψῃς, Μὴ ψευδομαρτυρήσῃς, Τίμα τὸν πατέρα σου καὶ τὴν μητέρα begegnet in *Ev 18,20. Auch wenn Tertullian τὸ γὰρ Οὐ φονεύσεις, Οὐ κλέψεις, Οὐκ ἐπιθυμήσεις, καὶ εἴ τις ἑτέρα ἐντολή, ἐν τῷ λόγῳ τούτῳ nicht bezeugt, sondern ausschließlich auf das Liebesgebot abhebt, könnte das seiner Argumentation geschuldet sein. Schließlich fällt auf, dass Adamantius vom kanonischen Text abweicht, indem er wie andere Zeugen (siehe weiter unten) Οὐκ ἐπιθυμήσεις anführt. Vielleicht ist das in weiteren Zeugen (siehe unten) angeführte οὐ ψευδομαρτυρήσεις in den Text mit aufzunehmen, wobei aufgrund der Lexik wohl der Passus καὶ εἴ τις ἑτέρα ἐντολή, ἐν τῷ λόγῳ τούτῳ vorkanonisch gefehlt zu haben scheint. Vers 10, wenn auch nur von Adamantius bezeugt, kann vorkanonisch gestanden sein. 3. (13,10) Auf die Nähe dieses Verses zu Gal 5,14 (ὁ γὰρ πᾶς νόμος ἐν ἑνὶ λόγῳ πληροῦται, ἐν τῷ Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν) verwies bereits Weisse, der den vorliegenden Vers als Übernahme der Galaterstelle verstand und ihn darum für eine Interpolation hielt. 224 Doch scheint hier nur eine gedankliche und teilweise sprachliche Nähe der beiden vorkanonischen Verse vorzuliegen. 4 (Röm) 239 <?page no="240"?> D. (13,8) Zum nicht bezeugten Versteil: Die Formulierung μηδενὶ μηδέν begegnet nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Mk 1,44. ♦ Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,25. ♦ ὀφείλω, das sich 42 / 35 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. 10. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ Der Infinitiv ἀγαπᾶν steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 12,33; Röm 13,8; Eph 5,28; 1Thess 4,9; 1Petr 3,10; 1Joh 4,11. 20). Zum bezeugten Versteil: Die Form ἀγαπῶν steht 14 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 5,28. ♦ Die Form τὸν πλησίον ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,14; *Röm 13,9. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4 und 13,8. Zur Rekonstruktion: Wie die Lexik erweist, ist der Versanfang nicht nur unbe‐ zeugt, sondern offenkundig eine Erweiterung durch die kanonische Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, das von Tertullian gestützt wird. Man beachte auch die Nähe zum vorkanonischen Vers *Gal 5,14. (13,9) Die Kombination τὸ γάρ steht 12 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,12, vgl. zu Röm 2,24. ♦ φονεύω steht 15 Mal im NT, vorknonisch weiter bezeugt für *Ev 18,20. ♦ μοιχεύω steht 20 / 15 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 16,18; 18,20. ♦ κλέπτω, das 10 Mal im NT steht, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 18,20. ♦ Das hier nicht bezeugte ἐπιθυμέω, das 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6. ♦ Das hier nicht bezeugte ψευδομαρτυρέω steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,20. ♦ die Kombination εἴ τις (fem.), steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 7,13. ♦ Die Form ἑτέρα steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 15,40. ♦ ἐντολή steht 76 / 67 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,20; *Röm 7,11. 12; *Laod 2,15. ♦ Das hier unbezeugte τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 19,9. ♦ Die Wendung ἐν τῷ λόγῳ τούτῳ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; Röm 13,9). ♦ Die kürzere Wendung ἐν τῷ λόγῳ steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,5. ♦ Das wieder bezeugte ἀνακεφαλαιόομαι steht nur noch 1 weiteres Mal, und zwar vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,10. Nach Classen, der das Vergleichsmaterial bietet, handelt es sich hierbei um einen terminus technicus der Rhetorik, der „stets die zusammenfassende Rekapitulation der wichtigsten Elemente 240 Rekonstruktion <?page no="241"?> 225 C.J. Classen, Philologische Bemerkungen zur Sprache des Apostels Paulus (1994/ 1995), 322-323. 226 Ibid. 323. einer Rede“ darstellt. 225 Der Terminus ist Classen zufolge dem Verfasser nicht nur bekannt, er vermag „ihn auch höchst wirkungsvoll einzusetzen“. 226 ♦ πλήσιος, das 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 12,9; *Gal 5,3. 14; *Laod 4,25. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ σεαυτοῦ, das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,14; *Gal 5,14; *Röm 13,9. ♦ Die Wendung ὡς σεαυτόν steht 7 Mal im NT, in Lk 10,27, in einem Vers, der in *Ev fehlt, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,14 (ὁ γὰρ πᾶς νόμος ὑμῖν πεπλήρωται: ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν). Zur Rekonstruktion: Wie in C. angegeben, folgt der Text dem Zeugnis Tertul‐ lians unter Berücksichtigung von Adamantius (aufgrund der Parallele zu *Ev). (13,10) Zum vorkanonisch bezeugten ὁ πλήσιον vgl. zum voranstehenden Vers 13,9. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *2Kor 5,10; *Röm 12,17. ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4; *Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. Zur Rekonstruktion: Vielleicht darf man, auch aufgrund der Lexik, hier wieder dem Zeugnis des Adamantius vertrauen und diesen Vers in den vorkanonischen Text aufnehmen. 13,[11-14]: [Eschatologische Rahmung] Diese vorkanonisch unbezeugten Verse, die, nach der Lexik zu urteilen, auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben, stellen die voranstehenden vorkanonischen und kanonischen Anweisungen in einen eschatologischen Rahmen, der ihnen eine erhöhte Dringlichkeit verleiht. - 11 Καὶ τοῦτο εἰδότες τὸν καιρόν, ὅτι ὥρα ἤδη ὑμᾶς ἐξ ὕπνου ἐγερθῆναι, νῦν γὰρ ἐγγύτερον ἡμῶν ἡ σωτηρία ἢ ὅτε ἐπιστεύσαμεν. 12 ἡ νὺξ προέκοψεν, ἡ δὲ ἡμέρα ἤγγικεν. ἀποθώμεθα οὖν τὰ ἔργα τοῦ σκότους, ἐνδυσώμεθα δὲ τὰ ὅπλα τοῦ φωτός. 13 ὡς ἐν ἡμέρᾳ εὐσχημόνως περιπατήσωμεν, μὴ κώμοις καὶ μέθαις, μὴ κοίταις καὶ ἀσελγείαις, μὴ ἔριδι καὶ ζήλῳ· 4 (Röm) 241 <?page no="242"?> 14 ἀλλὰ ἐνδύσασθε τὸν κύριον Ἰησοῦν Χριστόν, καὶ τῆς σαρκὸς πρόνοιαν μὴ ποιεῖσθε εἰς ἐπιθυμίας. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (13,11-14) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, Hilgenfeld, Zahn und Harnack rechnen aber mit iher Anwesenheit. D. (13,11) Die Kombination καὶ τοῦτο steht 22 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,6. ♦ Die Form εἰδότες begegnet 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,11. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ ὥρα, das 116 / 106 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *Gal 2,5. ♦ ἤδη steht 68 / 61 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ὕπνος steht 6 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Die Form ἐγερθῆναι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Mk 14,28; Lk 9,22; Röm 13,11). ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Der Komparativ ἐγγύτερος steht nur an der vorliegenden Stelle im NT. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ Die Form ἐπιστεύσαμεν steht 1 weiteres Mal im NT, auf der kanonischen Ebene in Gal 2,16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ τοῦτο; εἰδότες; ἤδη; ὕπνος; ἐγερθῆναι; ἐπιστεύσαμεν. (13,12) νύξ, das 71 / 61 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ προκόπτω, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐγγίζω steht 45 / 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀποτίθημι steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 4,25. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11; 6,12. ♦ ἐνδύω, das 30 / 27 Mal im NT steht, 242 Rekonstruktion <?page no="243"?> ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22; *1Kor 15,54. ♦ ὅπλον, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φῶς, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6; 11,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: προκόπτω; ὅπλον. Auffallend ist die ausschließlich vorkanonische Bezeugung von ἀποτίθημι für *Laod, die auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanoni‐ schen Lexik hinweist. (13,13) εὐσχήμων, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ Die Form περιπατήσωμεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ κῶμος, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21. ♦ μέθη, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,34; *Gal 5,21. ♦ κοίτη, das 4 Mal im NT steht, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀσέλγεια, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ ἔρις, das 15 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20; *Phil 1,15. ♦ ζῆλος, das 22 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εὐσχήμων; περιπατήσωμεν; κοίτη. (13,14) Die Wendung τὸν κύριον Ἰησοῦν Χριστόν steht 3 Mal im NT (Apg 11,17; Röm 13,14; Phlm 1,5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ πρόνοια steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 24,2). ♦ ἐπιθυμία steht 40 / 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. ♦ Die Form ἐπιθυμίας steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 8,44; Röm 13,14; 1Tim 6,9; 2Tim 2,22; 4,3; Tit 2,12; 2Petr 3,3; Jud 1,16. 18). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τὸν κύριον Ἰησοῦν Χριστόν; πρόνοια; ἐπιθυμίας. Der lexikalische Vergleich dieser Verse stützt, dass die fehlende Bezeugung dieser Passage deren vorkanonische Abwesenheit bedeutet, sie also ein Produkt der kanonischen Redaktion darstellt. Wie der wiederholte Verweis zu den Versen 11-13 zeigt, liegt eine enge Parallele vor zu *Gal 5,19-21. 4 (Röm) 243 <?page no="244"?> Kapitel 14 14,1 2 3 [4-9] 10 [11-16] 17 [18-20] 21 [22] 23: Tue nichts, was einen Bruder oder eine Schwester verletzt Der vorkanonische Gedanke ist gut bezeugt. Es wird das Thema des Fleischessens aus *1Kor 8,13 aufgegriffen, das offenkundig als bekannt vorausgesetzt wird. 14,1 μὴ εἰς διακρίσεις διαλογισμῶν. 14,1 Τὸν δὲ ἀσθενοῦντα τῇ πίστει προσλαμβάνεσθε, μὴ εἰς διακρίσεις διαλογισμῶν. 2 ὃς μὲν πιστεύει φαγεῖν πάντα, ὁ δὲ ἀσθενῶν λάχανα ἐσθίει. 2 ὃς μὲν πιστεύει φαγεῖν πάντα, ὁ δὲ ἀσθενῶν λάχανα ἐσθίει. 3 ὁ ἐσθίων τὸν μὴ ἐσθίοντα μὴ ἐξουθενείτω, ὁ δὲ μὴ ἐσθίων τὸν ἐσθίοντα μὴ κρινέτω. 3 ὁ ἐσθίων τὸν μὴ ἐσθίοντα μὴ ἐξουθενείτω, ὁ δὲ μὴ ἐσθίων τὸν ἐσθίοντα μὴ κρινέτω, ὁ θεὸς γὰρ αὐτὸν προσελάβετο. 4 σὺ τίς εἶ ὁ κρίνων ἀλλότριον οἰκέτην; τῷ ἰδίῳ κυρίῳ στήκει ἢ πίπτει· σταθήσεται δέ, δυνατεῖ γὰρ ὁ κύριος στῆσαι αὐτόν. - 5 ὃς μὲν [γὰρ] κρίνει ἡμέραν παρ’ ἡμέραν, ὃς δὲ κρίνει πᾶσαν ἡμέραν· ἕκαστος ἐν τῷ ἰδίῳ νοῒ πληροφορείσθω. - 6 ὁ φρονῶν τὴν ἡμέραν κυρίῳ φρονεῖ· καὶ ὁ ἐσθίων κυρίῳ ἐσθίει, εὐχαριστεῖ γὰρ τῷ θεῷ· καὶ ὁ μὴ ἐσθίων κυρίῳ οὐκ ἐσθίει, καὶ εὐχαριστεῖ τῷ θεῷ. 7 οὐδεὶς γὰρ ἡμῶν ἑαυτῷ ζῇ, καὶ οὐδεὶς ἑαυτῷ ἀποθνῄσκει· 8 ἐάν τε γὰρ ζῶμεν, τῷ κυρίῳ ζῶμεν, ἐάν τε ἀποθνῄσκωμεν, τῷ κυρίῳ ἀποθνῄσκομεν. ἐάν τε οὖν ζῶμεν ἐάν τε ἀποθνῄσκωμεν, τοῦ κυρίου ἐσμέν. 9 εἰς τοῦτο γὰρ Χριστὸς ἀπέθανεν καὶ ἔζησεν ἵνα καὶ νεκρῶν καὶ ζώντων κυριεύσῃ. 10 σὺ δὲ τί κρίνεις τὸν ἀδελφόν σου; ἢ καὶ σὺ τί ἐξουθενεῖς τὸν ἀδελφόν σου; πάντες γὰρ παραστησόμεθα τῷ βήματι τοῦ Χριστοῦ· 10 σὺ δὲ τί κρίνεις τὸν ἀδελφόν σου; ἢ καὶ σὺ τί ἐξουθενεῖς τὸν ἀδελφόν σου; πάντες γὰρ παραστησόμεθα τῷ βήματι τοῦ θεοῦ· - 11 γέγραπται γάρ, Ζῶ ἐγώ, λέγει κύριος, ὅτι ἐμοὶ κάμψει πᾶν γόνυ, καὶ πᾶσα γλῶσσα ἐξομολογήσεται τῷ θεῷ. 12 ἄρα οὖν ἕκαστος ἡμῶν περὶ ἑαυτοῦ λόγον δώσει τῷ θεῷ. 13 Μηκέτι οὖν ἀλλήλους κρίνωμεν· ἀλλὰ τοῦτο κρίνατε μᾶλλον, τὸ μὴ τιθέναι πρόσκομμα τῷ ἀδελφῷ ἢ σκάνδαλον. 14 οἶδα καὶ πέπεισμαι ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ ὅτι οὐδὲν κοινὸν δι’ 244 Rekonstruktion <?page no="245"?> ἑαυτοῦ· εἰ μὴ τῷ λογιζομένῳ τι κοινὸν εἶναι, ἐκείνῳ κοινόν. 15 εἰ γὰρ διὰ βρῶμα ὁ ἀδελφός σου λυπεῖται, οὐκέτι κατὰ ἀγάπην περιπατεῖς. μὴ τῷ βρώματί σου ἐκεῖνον ἀπόλλυε ὑπὲρ οὗ Χριστὸς ἀπέθανεν. 16 μὴ βλασφημείσθω οὖν ὑμῶν τὸ ἀγαθόν. 17 οὐ γάρ ἐστιν ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ βρῶσις καὶ πόσις, ἀλλὰ δικαιοσύνη καὶ εἰρήνη. 17 οὐ γάρ ἐστιν ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ βρῶσις καὶ πόσις, ἀλλὰ δικαιοσύνη καὶ εἰρήνη καὶ χαρὰ ἐν πνεύματι ἁγίῳ· - 18 ὁ γὰρ ἐν τούτῳ δουλεύων τῷ Χριστῷ εὐάρεστος τῷ θεῷ καὶ δόκιμος τοῖς ἀνθρώποις. 19 ἄρα οὖν τὰ τῆς εἰρήνης διώκωμεν καὶ τὰ τῆς οἰκοδομῆς τῆς εἰς ἀλλήλους· 20 μὴ ἕνεκεν βρώματος κατάλυε τὸ ἔργον τοῦ θεοῦ. πάντα μὲν καθαρά, ἀλλὰ κακὸν τῷ ἀνθρώπῳ τῷ διὰ προσκόμματος ἐσθίοντι. 21 καλὸν τὸ μὴ φαγεῖν κρέα μηδὲ πιεῖν οἶνον μηδὲ ἐν ᾧ ὁ ἀδελφός ἢ σκανδαλίζεται ἢ ἀσθενεῖ. 21 καλὸν τὸ μὴ φαγεῖν κρέα μηδὲ πιεῖν οἶνον μηδὲ ἐν ᾧ ὁ ἀδελφός σου προσκόπτει. - 22 σὺ πίστιν ἣν ἔχεις κατὰ σεαυτὸν ἔχε ἐνώπιον τοῦ θεοῦ. μακάριος ὁ μὴ κρίνων ἑαυτὸν ἐν ᾧ δοκιμάζει· 23 πᾶν δὲ ὃ οὐκ ἐκ πίστεως ἁμαρτία ἐστίν. 23 ὁ δὲ διακρινόμενος ἐὰν φάγῃ κατακέκριται, ὅτι οὐκ ἐκ πίστεως· πᾶν δὲ ὃ οὐκ ἐκ πίστεως ἁμαρτία ἐστίν. A. *14,2: Eznik, De Deo 408: „Aber, sagen sie, der Apostel sagt, dass es besser ist, keinerlei Fleisch zu essen noch Wein zu trinken, noch das wodurch mein Bruder verletzt würde … So gibt es den, der glaubt, alles essen zu dürfen.“ ♦ 14,5: Adam., Dial. II 5 (im Mund des Adamantius): 5 ὃς μὲν κρίνει ἡμέραν παρ’ ἡμέραν, ὃς δὲ κρίνει πᾶσαν ἡμέραν. ♦ *14,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 14,14: Bene autem quod et in clausula tribunal Christi comminatur. Vgl. auch Tert., De praescr. 44,1: … quo omnes nos necesse est apud Christi tribunal astare. ♦ 14,11: Vgl. Jes 49,18 LXX: ζῶ ἐγώ, λέγει κύριος; Jer 22,24 LXX: ζῶ ἐγώ, λέγει κύριος; Ez 5,11 LXX: Ζῶ ἐγώ, λέγει κύριος; Jes 45,23 LXX: ὅτι ἐμοὶ κάμψει πᾶν γόνυ καὶ ἐξομολογήσεται πᾶσα γλῶσσα τῷ θεῷ. ♦ *14,21: Vgl. Eznik, De Deo 408: „Sie sagen, daß der Apostel sagt: Es ist besser, kein Fleisch zu essen und kein Wein zu trinken oder irgendetwas, wodurch mein Bruder geärgert würde. Und wiederum: Ich werde niemals Fleisch essen, wodurch mein Bruder geärgert würde“. ♦ *14,23: Vgl. Orig., Comm. in Rom. X 43,2 (PG 14,1290A-B), wo er schreibt: Caput hoc Marcion, 4 (Röm) 245 <?page no="246"?> 227 Zur gotischen Lesart, die allerdings als „nichtwestliche“ eingestuft wird, vgl. C. Falluo‐ mini, The Gothic Version within the New Testament Tradition (2020), 113; C. Falluo‐ mini, The Gothic Version of the Gospels and Pauline Epistles. Cultural Background, Transmission and Character (2015), 165. 228 Zuntz hält χριστοῦ für eine falsche Lesart Markions, G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 238. 229 Detering nimmt die Verse 1-23 nach dem kanonischen Text als präsent (mit Ausnahme von 10, bei dem er am Ende anstelle von τοῦ θεοῦ schreibt: τοῦ Χριστοῦ, und Vers 11 als abwesend betrachtet), H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 191-192. 230 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 110*. a quo scripturae evangelicae atque apostolicae interpolatae sunt, de hac epistola penitus abstulit; et non solum hoc, sed et ab eo loco ubi scriptum est: omne autem quod non est ex fide peccatum est, usque ad finem cuncta dissecuit. B. (14,10) Anstelle von τοῦ θεοῦ findet sich die Variante Χριστοῦ in den Zeugen 01 2 , 04 2 , 020, 025, 044, 048, 0209, 33, 81, 104, 365, 1175, 1505, 1881, M, r, vg cl , sy, go, 227 Polyc, Ambst und NA 28 (Mit Verweis auf Markion). Die Lesart τοῦ θεοῦ findet sich in den Zeugen 01*, 02, 03, 04*, 06, 010, 012, 630, 1506, 1739, lat, co. 228 ♦ (14,19) Die Lesart διώκωμεν findet sich in den Zeugen 01, 02, 03, 010, 012, 020, 025, 048, 0209, 6, 326, 629; hingegen lesen διόκωμεν die Zeugen 04, 06, 044 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1506, 1739, 1881, M, latt, co. ♦ Post ἀλλήλους add φυλάξωμεν die Zeugen 06*, 010, 012, it, vg ww , φυλάσσωμεν liest 629. ♦ (14,21) Post ἀδελφός om σου in Pel b *. ♦ Anstelle des in der kanonischen Fassung nachfolgenden προσκόπτει steht in den Zeugen 01*, 025 λυπεῖται. ♦ Die Ergänzung ἢ σκανδαλίζεται ἢ ἀσθενεῖ findet sich in den Zeugen P 46vid , 01 2 , 03, 06, 010, 012, 020, 025, 044, 0209, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, M, lat, sy h , sa, während sie fehlt in 01*, 02, 04, 048, 81, 945, 1506, 1739, r, sy p , bo. Das σκανδαλίζεται wird auch durch Eznik, De Deo 408 bestätigt. C. 1. (14,1-4) Nach Zahn, Schmid und BeDuhn sind die Verse 1-4 unbezeugt, auch wenn Zahn der Meinung ist, die Verse seien in unbestimmbarer Weise präsent. 229 Harnack verweist für Vers 2 jedoch auf Eznik, allerdings verbunden mit der Frage: „ob aus M.s Text? “ 230 Gleichwohl nimmt er Vers 2 wie auch die anderen Verse 1 und 3-4 nicht in seine Rekonstruktion auf. Eznik bezieht sich an dieser Stelle (De Deo 408) ausdrücklich auf Markioniten und zitiert aus deren Apostel. Es fällt auf, dass gerade in den ersten drei Versen vorkanonisch bezeugte Begriffe begegnen, auch wenn mit προσλαμβάνω ein kanonisches Verb auf‐ 246 Rekonstruktion <?page no="247"?> 231 C. Eschner, Essen im antiken Judentum und Urchristentum. Diskurse zur sozialen Bedeutung von Tischgemeinschaft, Speiseverboten und Reinheitsvorschriften (2019), 321. 232 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 2: Röm 9-16 (2019), 354. 233 J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. taucht, was dafürspricht, dass der erste Teil von Vers 1 und der letzte Teil von Vers 3 kanonische Ergänzungen sind. Nimmt man die Bezeugung durch Eznik von Vers 2 hinzu, so scheint es sehr wahrscheinlich zu sein, dass die Eröffnungsverse 1-3 auf die vorkanonische Version zurückgehen, auch wenn die Verse leicht durch die kanonische Redaktion ergänzt wurden. Das am Ende des vorkanonischen Verses 3 stehende μὴ κρινέτω bietet dann auch den Einstieg in den Anschlussgedanken des wieder bezeugten Verses 10. Vers 4 hingegen scheint gänzlich auf die kanonische Redaktion zurückzugehen, wie der lexikalische Vergleich weiter unten verdeutlicht. Das gilt auch für die spezifische Terminologie von κοινός und καθαρός (Vers 20), die C. Eschner zufolge darauf hindeute, dass es auf der kanonischen Ebene „um Speisefragen“ geht, die „offenbar in der Zusammensetzung der Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen“ entstanden. 231 Mit Blick auf den vorkanonischen Text könnte man vielleicht auch an „neupythagoreischen Vegetarismus“ denken. 232 2. (14,5) Hilgenfeld verweist auf Adamantius als Zeugen dieses Verses. Nach den Editoren Zahn, Harnack und Schmid ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn sie ihn irgendwie präsent sehen. BeDuhn verweist ebenfalls auf Adam., Dial. II 5. Auch wenn ungewiss ist, ob dieses Zitat aus Markions Paulus entnommen ist, nimmt er diesen Vers in seine Übersetzung auf. Wie die Lexik zeigt, wird der Vers zur kanonischen Ebene gehören. Was den narrativen Zusammenhang betrifft, der durch die Bezeugung von *Röm 14,10 gegeben ist (insbesondere, wenn man wie BeDuhn auch die durch die Lexik ge‐ stützte Eröffnung dieses Verses hinzunimmt), so schließt *Röm 14,10 problemlos an *Röm 13,8-10; 14,1-3 an, die schwache Bezeugung durch Adamantius für Vers 5 ist folglich von geringem Gewicht. 3. (14,6-9) Auch diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Hilgenfeld, Zahn und Harnack wieder mit deren nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. Hingegen hält J.A. Fitzmyer diesen Vers für eine „sekundäre Glosse“. 233 4. (14,10) Alle Editoren sehen übereinstimmend als Text bezeugt: … τῷ βήματι τοῦ Χριστοῦ, man vgl. zu diesem Ausdruck auch die Parallele des vorkanonisch bezeugten *2Kor 5,10. Hilgenfeld verweist darauf, dass dieser Vers in der „clausula des Briefes stand“, ein weiteres Zeugnis für das Ende des *Röm mit 4 (Röm) 247 <?page no="248"?> 234 R. Steck, Der Galaterbrief nach seiner Echtheit untersucht nebst kritischen Bemer‐ kungen zu den paulinischen Hauptbriefen (1888), 157. 235 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 457. Kapitel 14. BeDuhn geht jedoch noch weiter und legt aufgrund des narrativen Zusammenhangs seiner Übersetzung zu Grunde: [σὺ δὲ τί κρίνεις τὸν ἀδελφόν σου; ἢ καὶ σὺ τί ἐξουθενεῖς τὸν ἀδελφόν σου; ] πάντες γὰρ παραστησόμεθα τῷ βήματι τοῦ θεοῦ. Für die Hinzunahme der Eröffnung von Vers 10 kann man auch die Lexik zur Stütze hinzunehmen, da die zentralen Begriffe, wie zu den Versen 3 gezeigt, auch vorkanonisch bezeugt sind. 5. (14,11-20) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Hilgenfeld, Zahn und Harnack in irgendeiner Form mit ihrer Präsenz rechnen. Dennoch begegnet, wie unten in D. deutlich wird, in diesen unbezeugten Versen eine gehäufte Zahl ausschließlich kanonisch bezeugter bzw. beliebter Elemente der kanonischen Redaktion, die darauf hindeuten, dass diese Verse bis auf einen Teil von Vers 17 der kanonischen Redaktion zuzuordnen sind. Hinzu kommt, dass Tertullian sich wohl kaum das prophetische Mischzitat des Eingangsverses hätte entgehen lassen. Auch der narrative Zusammenhang der vorkanonischen Version macht die Passage bis auf Vers 17 entbehrlich. Die Passage wird also weithin auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. 6. (14,13. 15) Man bemerke die Nähe dieser kanonischen Verse zu den ebenfalls auf kanonischer Ebene stehenden Verse 1Kor 8,9. 11 (9 βλέπετε δὲ μή πως ἡ ἐξουσία ὑμῶν αὕτη πρόσκομμα γένηται τοῖς ἀσθενέσιν. 11 ἀπόλλυται γὰρ ὁ ἀσθενῶν ἐν τῇ σῇ γνώσει, ὁ ἀδελφὸς δι’ ὃν Χριστὸς ἀπέθανεν). 234 7. (14,21-22) Zahn, Harnack und Schmid sehen diese Verse als unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer Präsenz in irgendeiner Weise rechnet. BeDuhn verweist für Vers 21 jedoch auf Eznik, De Deo 408. Wie oben zu 1Kor 8,13 bereits ausgeführt, spricht das Zeugnis des Eznik für die Bezeugung des Anfangs von Vers 21. Außerdem führen die Verse 21. 23 die Diskussion der Verse 1-3. 10 unmittelbar fort. Dass der Brief mit Vers 23 endet, sieht Hilgenfild in der oben zu Vers 11 genannten Angabe Tertullians, dieser Vers stehe in der „clausula des Briefes“, wie auch im Zeugnis des Origenes im Römerkommentar zu Röm 16,25. Grundsätzlich formuliert Hilgenfeld aber zu den Kapiteln 12-14, dass in ihnen die Gegner Markions „wesentlich erschöpfend für ihren Zweck ausbeuten [konnten], so kann hier nichts Erhebliches gefehlt haben oder geändert worden sein“. 235 8. (14,21) Da sowohl προσκόπτω wie λυπέω nur auf der kanonischen Ebene bezeugt ist, stellt sich die Frage, ob keines der beiden Verben im vorkanonischen Text stand und vielmehr die beiden nachfolgenden Verben ursprünglich waren, 248 Rekonstruktion <?page no="249"?> 236 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 519-520, 520. 237 Vgl. M.-J. Lagrange, Saint Paul. Epître aux Romains (1916), 381; Origen, Commentary on the Epistle to the Romans (2002), 307, n. 350. 238 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 110*. Vgl. D. De Bruyne, La finale marcionite de la lettre aux romains retrouvée (1911). die dann erst von der kanonischen Redaktion durch eines der vorgenannten Verben ersetzt wurden, zumal das σκανδαλίζεται noch durch Eznik, De Deo 408 bezeugt ist. 9. (14,23) Zahn hat ausführlich argumentiert, dass mit der in A. zitierten Bemerkung des Origenes, vor allem wenn man dissecuit nicht mit „abschneiden“, sondern „zerschneiden“ übersetzt, gesagt sein soll, Markion habe nicht die beiden Kapitel 15 und 16 abgeschnitten, sondern nur einige Teile hieraus ent‐ fernt, er habe also „manches daraus auch beibehalten“. 236 Zahn haben sich einige Forscher angeschlossen. 237 Harnack hatte aber bereits Zahn widersprochen und auf de Bruyne hingewiesen, der „wahrscheinlich gemacht (hat), daß aus einer fragmentarisch erhaltenen Handschrift von Monza sich der Marcionitische Schluß des Briefs noch ermitteln läßt“ (Gratia cum omnibus sanctis, in Harnacks Retroversion: ἡ χάρις μετὰ πάντων ἁγίων). 238 Zwar argumentiert de Bruyne auf der älteren Basis, wonach Markion die Kapitel 15 und 16 ausgelassen habe und er darum diese kurze Grußformel als deren Ersatz angefügt habe, doch umgekehrt scheint die kanonische Redaktion diese Grußformel entweder gestrichen zu haben, oder sie wurde in einigen Handschriften vor die Doxologie in Röm 16,25-27 gestellt. Überhaupt folgt in den folgenden Zeugen die Doxologie von Röm 16,25-27 (Τῷ δὲ δυναμένῳ ὑμᾶς στηρίξαι κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου καὶ τὸ κήρυγμα Ἰησοῦ Χριστοῦ, κατὰ ἀποκάλυψιν μυστηρίου χρόνοις αἰωνίοις σεσιγημένου φανερωθέντος δὲ νῦν διά τε γραφῶν προφητικῶν κατ’ ἐπιταγὴν τοῦ αἰωνίου θεοῦ εἰς ὑπακοὴν πίστεως εἰς πάντα τὰ ἔθνη γνωρισθέντος, μόνῳ σοφῷ θεῷ διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ ᾧ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας: ἀμήν) an dieser Stelle: 02, 020, 025, 044, 0209 vid , 33, 104, 1175, 1241, 1505, 1506, 1881, M, m vid , sy h , Or lat mss ; während diese Verse an dieser Stelle nicht geboten werden von den Zeugen P 46 , 01, 03, 04, 06, 010, 012, 048 vid , 81, 365, 629, 630, 1739, lat, sy p , co, Or lat mss , Hier mss . BeDuhn hat sich, was Zahns Argument betrifft, an diesen angeschlossen und de Bruynes Vorschlag nicht akzeptiert. Die Lexik weiter unten in D. gibt BeDuhn insofern Recht, als ἅγιος (sanctis) für die Kennzeichnung von Menschen besonders in der kanonischen Fassung bezeugt ist, während es vorkanonisch nur *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,18 begegnet. 4 (Röm) 249 <?page no="250"?> 239 H.Y. Gamble, The textual history of the letter to the Romans: a study in textual and literary criticism (1977). 240 P. Corssen, Zur Überlieferungsgeschichte des Römerbriefes (1909); J. Dupont, Pour l’histoire de la doxologie finale de l’épître aux Romains (1948). 241 F.C. Baur, Paulus, der Apostel Jesu Christi. Sein Leben und Wirken, seine Briefe und seine Lehre; ein Beitrag zu einer kritischen Geschichte des Urchristenthums (1845). Ihm hat sich angeschlossen W.H. Ryder, The Authorship of Romans XV, XVI (1898). 242 L.I. Rückert, Commentar über den Brief Pauli an die Römer 2 Erklärung von K. IX - XVI und all. Erörterungen (1839), 340-353; J.B. Lightfoot, Biblical essays (1893), 289-293. 243 K. Lake, The earlier epistles of St. Paul: their motives and origin (1911), 361-370. 244 H.Y. Gamble, The textual history of the letter to the Romans: a study in textual and literary criticism (1977); J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 305. Vgl. jetzt zu einer neuen Studie dieses Problems, die an die Position von Gamble (und die Arbeiten von Klinghardt) anschließt, A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020). 245 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 149. Der *Römerbrief der vorkanonischen Fassung scheint demnach ohne Schluss‐ formel gewesen zu sein, die uns erhalten geblieben wäre. In der Tat gibt es Zeugnisse (siehe zu diesen die weiter unten angeführte Arbeit von Goldmann) für eine 14-Kapitel Ausgabe des Römerbriefes. 239 Der Zeuge 012, auf den BeDuhn verweist, teilt etwa die Kapitel 15-16 von den voranstehenden durch sechs Leerzeilen ab, auch wenn dieser Befund verschieden interpretiert und die Mei‐ nung vorgetragen wurde, dies sei lediglich das Zeichen der Unsicherheit, wohin der Kopist die Doxologie habe setzen sollen. 240 Außerdem hatte schon Baur vorgeschlagen, die 14-Kapitel-Fassung des Römerbriefs als die ursprüngliche anzunehmen, weil er die Kapitel 15-16 für unpaulinisch hielt. 241 Andere sehen diese beiden Kapitel als Zusammenschnitte aus anderen Briefen des Paulus. 242 Dann wurde die Meinung vorgetragen, Paulus habe den Brief selbst in zwei verschiedenen Versionen ausgehen lassen. 243 BeDuhn hält schließlich die Position für überzeugend, wonach die 14-Ka‐ pitel-Version nicht auf Markion zurückgehe, sondern eine ältere Kürzung des ursprünglich 16 Kapitel umfassenden Römerbriefs sei, der in Umlauf war und dessen sich Markion nur bedient habe. 244 Hingegen argumentiert Goldmann aufgrund vor allem paratextueller Beobachtungen und mit Verweis auf das Origeneszitat (ut nunc est positum), dass der ursprüngliche Römerbrief nur 14 Kapitel umfasst habe und der ursprüngliche Platz der Doxologie nach 14,23 gewesen sei. 245 Allerdings sei nicht Markion für die Gestalt des Römerbriefes verantwortlich, sondern dieser gehe in dieser Form auf Paulus selbst zurück. Zur Stütze führt Goldmann an, dass das Kapitelverzeichnis der Capitula Amiatina nicht nur das Fehlen der Kapitel 15-16, sondern auch von Kapitel 4 und von 250 Rekonstruktion <?page no="251"?> 246 Ibid. 153. 247 Weitere Argumente finden sich in der Einleitung, § 12 b. 2. h. 248 A. Goldmann, Über die Textgeschichte des Römerbriefs. Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund (2020), 164. großen Teilen der Kapitel 9-11 bestätigen, demnach also ein Zeuge nicht nur für eine 14-Kapitel-Version des Römerbriefes sei, sondern auch ein solcher für einen kürzeren Römerbrief, wie er für die Sammlung des Markion bezeugt sei. 246 Dass dieser kurze Römerbrief „nicht auf Markion zurückgeführt werden“ kann, leitet Goldmann aus dem Zeugnis des Origenes ab, wonach es auch andere 14-Kapitel-Handschriften des Römerbriefes gegeben habe, die sich der Hand des Markion entzogen hätten. Hier schleicht sich allerdings ein Denkfehler in Goldmanns Argumentation ein. Wenn er davon ausgeht, dass es 14-Kapitel-Handschriften des Römerbriefes gegeben habe, die katholisch und nicht markionitisch waren, dann kann es sich doch zumindest nach Meinung des Origenes keinesfalls um solch kurze handeln, in denen die Kapitel 4 und weithin die Kapitel 9-11 gefehlt hatten. Wie hätte er diese als katholische Zeugen bezeichnen können? Man müsste also annehmen, dass es nach Origenes nichtmarkionitische 14-Kapitel-Handschriften gab, in denen diese Kapitel 4, 9-11 vorhanden waren, neben anderen, die markionitisch waren und in denen auch diese Kapitel gefehlt hätten; aber dann kann man nicht mit Goldmann postulieren, dass der um die Kapitel 4 und die Kapitel 9-11 gekürzte Römerbrief von Origenes als katholisch betrachtet wurde. 247 Wenn Goldmann also die Verneinung der Autorschaft des Markion daran knüpft, dass man „die HSS dieser Textform (Position der Doxologie nach 14,23)“ nicht „in enge Nähe zu Marcion“ setzt, dann nimmt ihm gerade Origenes, auf den er sich stützt, die Grundlage für sein Argument. 248 D. (14,1) ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ Die Form ἀσθενοῦντα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 25,39; Röm 14,1; 2Tim 4,20). ♦ Die Form πίστει steht 58 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,7. ♦ προσλαμβάνω steht 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene mit erstaunlicher Konzentration auf die letzten Kapitel des Römerbriefs und der Apostelgeschichte. ♦ διάκρισις, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10. ♦ Die Form (εἰς) διακρίσεις steht nur hier. ♦ διαλογισμός, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,20. 4 (Röm) 251 <?page no="252"?> Zur Rekonstruktion: Die Lexik zeigt mit ihren ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene belegten Elementen (ἀσθενοῦντα; πίστει; προσλαμβάνω) an, dass der erste Teil des Verses ein Produkt der kanonischen Redaktion ist, der einen Übergang zu den voranstehenden kanonischen Versen des Kapitels 13 darstellt, während die vorkanonische Version unmittelbar anschließt an *Röm 13,10. (14,2) Die Kombination ὃς μέν steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 14,2. 5; im Vers: Mt 22,5; 1Kor 11,21), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἀσθενέω vgl. zuvor zu Vers 1 und weiter unten zu Vers 21. ♦ λάχανον steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42. ♦ ἐσθίω steht 196 / 158 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Eznik, gestützt von der Lexik, die wahrscheinlich macht, dass auch der zweite Teil des Verses vorkanonisch gestanden war. (14,3) ἐξουθενέω, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,14; *1Thess 5,20. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter Vers 4. ♦ προσλαμβάνω als kanonisches Verb, vgl. zu Vers 1. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers vorkanonisch unbezeugt ist, spricht doch die Lexik dafür, dass der Vers zumindest bis auf den Schlussteil vorkano‐ nisch gestanden war. Hierfür spricht auch der inhaltliche Zusammenhang. (14,4) Die Kombination σὺ τίς εἶ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 9,20. ♦ οἰκέτης steht 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ στήκω, das 12 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ πίπτω, das 112 / 90 Mal im NT bezeugt ist, steht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *2Kor 13,1; *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. ♦ δυνατέω, das 8 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 3. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (σὺ 252 Rekonstruktion <?page no="253"?> τίς εἶ; οἰκέτης; στήκω; δυνατέω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (14,5) Die Kombination ὃς μέν steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt zuvor für Vers 14,2. ♦ κρίνω, das 125 / 115 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,3; 11,32; *Röm 2,12; *2Thess 2,12; *Kol 2,16. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37; *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16 *2Thess 1,6. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἡμέρα, das 414 / 389 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 5,5; *2Kor 4,16. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ Die Wendung ἐν τῷ ἰδίῳ steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41. ♦ πληροφορέω, das 6 Mal im NT steht, begegnet ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers begegnen zwar einige vorkanonisch bezeugte Elemente, allerdings auch solche, die ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πᾶσαν; πληροφορέω). Da diese beiden Begriffe sinntragend für den Vers sind, können sie nicht als kanonisch redaktionelle Erweiterungen betrachtet werden, so dass wohl der gesamte Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion ist, der das vorangegangene Thema des Essens ausweitet, eine Ausweitung, die in den Folgeversen 6-9 auf der kanonischen Ebene fortgeführt werden. (14,6) φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers führt inhaltlich das kanonisch neu eingeführte Thema von Vers 5 zusammen zu dem Thema der vorkanonischen Verse 1-3, er lässt es gipfeln im Begriff des εὐχαριστέω, der hier mit der Anspielung auf Sterben und Leben Christi Bezüge zur Eucharistie herstellt, die der kanonischen Semantik entspricht. Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion, der den kanonischen Vers 5 fortführt. (14,7) Die Kombination οὐδεὶς γάρ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 14,2. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. Zur Abwesenheit: Dieser kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist bereits durch die Verseröffnung auf die kanonische Ebene hin, er führt auch inhaltlich 4 (Röm) 253 <?page no="254"?> die vorangegangenen beiden Verse weiter, wird folglich auch zur kanonischen Redaktion gehören und vorkanonisch gefehlt haben. (14,8) Die Kombination und Verseröffnung ἐάν τε γάρ steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 2Kor 10,8. ♦ Auch die kürzere Kombination ἐάν τε steht nur an diesen beiden Stellen. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. Zur Abwesenheit: Für diesen vorkanonisch unbezeugten Vers gelten die Beob‐ achtungen zum voranstehenden Vers. Auch er gehört zur kanonischen Redak‐ tion und hat vorkanonisch gefehlt. (14,9) Die Kombination εἰς τοῦτο γάρ steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröff‐ nung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 2,9. ♦ κυριεύω, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch dieser vorkanonisch unbezeugte Vers führt das voran‐ stehende kanonische Thema weiter. Die Lexik unterstreicht die Zugehörigkeit des Verses zur kanonischen Ebene und das Fehlen von der vorkanonischen Version. (14,10) Die Kombination σὺ δὲ τί steht nur hier im NT. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἐξουθενέω vgl. zuvor zu 14,3. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25, vgl. weiter die Verse 15. 21. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2. ♦ βῆμα, das 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,10 und *Röm 14,10. Zur Rekonstruktion: Der Vers ist vorkanonisch zum Teil bezeugt durch Tertul‐ lian, doch die Lexik spricht dafür, dass der gesamte Vers vorkanonisch mit diesem Wortlaut präsent war. (14,11) Die Kombination γέγραπται γάρ steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,19; 3,19; 9,9, vgl. zu 1Kor 4,22. ♦ Zur kanonischen Wendung λέγει κύριος vgl. zu 1Kor 14,21. ♦ κάμπτω, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, zu finden in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ γόνυ steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,41. ♦ Die Wendung πᾶν γόνυ steht noch 1 weiteres Mal im NT, Phil 2,10 (πᾶν γόνυ κάμψῃ). ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ γλῶσσα steht 54 / 50 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; 14,2. ♦ ἐξομολογέομαι steht 10 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. 254 Rekonstruktion <?page no="255"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λέγει κύριος; κάμπτω; πᾶν γόνυ: ἐξομολογέομαι. (14,12) Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ Die Kombination ἕκαστος ἡμῶν steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Röm 15,2, in einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,1; 12,1. ♦ Die Kombination περὶ ἑαυτοῦ steht 4 Mal im NT, in Lk 24,27, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Joh 9,21; Apg 8,34; Röm 14,12, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination λόγος + δίδωμι gibt es nur 1 weiteres Mal im NT, 1Kor 14,9 (λόγον δῶτε), vorkanonisch bezeugt, allerdings in einem anderen semantischen Zuschnitt. Während der Ausdruck in Rom 14,12 „Rechenschaft“ bedeutet, meint er in *1Kor das „geäußerte Wort“. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρα οὖν; ἕκαστος ἡμῶν; περὶ ἑαυτοῦ; die Semantik von λόγος + δίδωμι. (14,13) μηκέτι, das sich 22 Mal im NT findet, davon 2 Mal als Verseröffnung (Röm 14,13; 1Tim 5,23), ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀλλήλων, was 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ Die Kombination ἀλλὰ τοῦτο steht 1 weiteres Mal, Apk 2,6. ♦ Die Aufforderung κρίνατε steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,15. ♦ τίθημι, das 110 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,10. 11; 12,18. 28; 15,25. ♦ Die Form τιθέναι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 8,7; Apg 5,15; Röm 14,13). ♦ πρόσκομμα, das 6 Mal im NT steht, findet sich immer nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ σκάνδαλος, das 16 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μηκέτι; ἀλλὰ τοῦτο; κρίνατε; τιθέναι; πρόσκομμα. (14,14) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Form οἶδα steht 56 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; 18,20 (jeweils im Vers), vgl. zu 2Kor 9,2. ♦ Die Kombination οἶδα καί steht zwei weitere Male im NT (Röm 14,14; Phil 4,12), beidemale auf der kanonischen Ebene, davon 1 weiteres Mal als Verseröffnung. ♦ πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πέπεισμαι steht 5 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,38. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ steht 4 Mal im NT (Röm 14,14; Phil 2,19; 1Thess 4,1; 2Thess 3,12), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ οὐδέν (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,4. ♦ κοινός steht 4 (Röm) 255 <?page no="256"?> 23 / 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene und vornehmlich in der Apostelgeschichte. Auch das verwandte Verb κοινόω, das 15 / 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 13,5. ♦ ἐκεῖνος in diesem und dem folgenden Vers, das 265 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11; *Laod 2,12, und auch bei Paulus immer wieder in solchen Passagen stehend, die in *Paulus fehlen. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung οἶδα; οἶδα καί; πέπεισμαι; ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ; κοινός; λογίζομαι. (14,15) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ βρῶμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,13; *1Kor 10,3. ♦ Zu σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός) vgl. zuvor zu Vers 10 und nachfolgend Vers 21. ♦ λυπέω, das 30 / 26 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ οὐκέτι steht 51 / 47 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. ♦ Die Kombination ὑπὲρ οὗ steht zwei weitere Male im NT, Joh 1,30; Eph 6,20, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ γάρ; λυπέω; οὐκέτι; ὑπὲρ οὗ. Zu bemerken ist, dass περιπατέω vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist, was erneut die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik anzeigt. (14,16) βλασφημέω, das 37 / 34 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,24. ♦ Die Kombination μή + βλασφημέω steht noch 1 weiteres Mal im NT, 1Tim 1,20. ♦ Die Kombination οὖν ὑμῶν steht noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 1Kor 11,20. ♦ ἀγαθός, das 109 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12; 12,9. ♦ Der Ausdruck τὸ ἀγαθόν (Nom. / Akk.) steht 13 Mal im NT, nur belegt für die kanonische Ebene, vgl. zu Röm 2,10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μή + βλασφημέω; οὖν ὑμῶν; τὸ ἀγαθόν. (14,17) Die Kombination οὐ γάρ ἐστιν steht 12 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,33; vgl. zu Röm 2,11. ♦ 256 Rekonstruktion <?page no="257"?> Die Wendung ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ steht 21 Mal im NT (2 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 6,20; 10,9. 11; 11,20; 13,18; 16,16; 17,20. 21; 18,16; 19,11, in einem Versteil, der in *Ev fehlt; 21,31; 22,18; Röm 14,17; 1Kor 4,20; Apk 12,10), vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,9. 11; 11,20; 16,16; 17,20. 21; 21,31. ♦ βρῶσις, das 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,16. ♦ πόσις steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,16. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ εἰρήνη, ein Begriff, der 98 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Wendung ἐν πνεύματι ἁγίῳ steht 13 Mal im NT, Lk 3,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 6,6. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers vorkanonisch unbezeugt ist, sticht ins Auge, dass alle Elemente, bis auf das Ende des Verses (χαρά; ἐν πνεύματι ἁγίῳ) anderwärts vorkanonisch bezeugt sind. Auch inhaltlich passt der Vers vorkanonisch als Brücke zwischen den beiden bezeugten Versen *Röm 14,10 und 14,21. Wir dürfen folglich annehmen, dass der Vers bis auf die Verserweiterung am Ende vorkanonisch gestanden war. (14,18) Die Kombination ὁ γάρ steht 37 Mal im NT, davon 21 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Gal 5,14; im Vers für *Ev 9,44; *Röm 13,8, vgl. zu Röm 4,15. ♦ Die Kombination ἐν τούτῳ begegnet 28 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, davon 11 Mal als Verseröffnung, vgl. zuvor zu 2Kor 5,2. ♦ δουλεύω, das 26 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ εὐάρεστος, das 10 / 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der paulinisch-kanonischen Ebene. ♦ δόκιμος, das sich 7 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 11,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν τούτῳ; εὐάρεστος. (14,19) Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ διώκω, das 47 / 45 Mal im NT belegt ist, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ οἰκοδομή, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. ♦ Die Wendung εἰς ἀλλήλους steht 11 Mal im Neuen Testament, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9, vgl. zu Röm 12,16. ♦ Die Variante φυλάσσω steht 35 / 31 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,21; *Gal 6,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἄρα οὖν. Angesichts der vorkanonischen Bezeugung vieler Elemente in diesem Vers wie auch der Varianten könnte man sich fragen, ob der Vers vorkanonisch 4 (Röm) 257 <?page no="258"?> gestanden war und lediglich die Verseröffnung kanonisch ge- oder überformt worden ist. Da der Vers allerdings eng mit dem vorangegangenen und dem nachfolgenden verbunden ist, wird er wohl wie diese auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (14,20) ἕνεκα, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination μὴ ἕνεκεν steht nur hier. ♦ καταλύω, das 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,18. ♦ Die Kombination ἔργον + τοῦ θεοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 6,28. 29; 9,3; Röm 14,20). ♦ καθαρός steht 30 / 27 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,41. ♦ πρόσκομμα, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔργον + τοῦ θεοῦ; πρόσκομμα. Aufgrund der Lexik scheint bis auf den Teil von Vers 17 die gesamte Passage auf die kanonische Redaktion zurückzugehen und vorkanonisch gefehlt zu haben. (14,21) καλός, das 109 / 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,9. ♦ ἐσθίω, das 196 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. ♦ κρέας steht noch 1 weiteres Mal im NT, im gleichen Zusammenhang des von Eznik bezeugten Themas in *1Kor 8,13 und ist ein ausgeprägt vorkanonischer Begriff. ♦ μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9; *Kol 2,21. ♦ πίνω, das sich 114 / 73 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,4. 7; Röm 14,21. ♦ οἶνος steht 36 / 34 Mal im NT und findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀδελφός steht 367 / 343 Mal im NT und ist vorkanonisch belegt für *Ev und *Gal 4,31; *1Kor 8,13; 10,1; 15,1; 15,50. ♦ Zum vorkanonisch nichtbezeugten σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός) vgl. zuvor zu den Versen 5. 15. ♦ προσκόπτω, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die alternative Lesart λυπέω steht 30 / 26 Mal im NT steht und ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ σκανδαλίζω steht 30 / 29 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,13. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Eznik. Lexikalisch kann auch das am Ende des Verses unbezeugte ἢ ἀσθενεῖ gestanden sein. (14,22) Die Wendung σὺ πίστιν steht 1 weiteres Mal in Jak 2,18 im Vers. ♦ Die Wendung ἣν ἔχεις steht noch 1 weiteres Mal in Phlm 1,5. ♦ σεαυτοῦ, das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,14; *Gal 5,14; *Röm 13,9. ♦ ἐνώπιον, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ μακάριος, das 49 / 50 Mal im 258 Rekonstruktion <?page no="259"?> NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (σὺ πίστιν; ἣν ἔχεις). Er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (14,23) Zum unbezeugten Versanfang: διακρίνω, das 21 / 19 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κατακρίνω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,58. Zum bezeugten Versteil: Zu πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 11. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; *2Thess 2,3. Zur Rekonstruktion: Der Text basiert auf dem Zeugnis des Origenes und wird durch die Lexik gestützt. [Kapitel 15] [15],[1-13]: [Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat] Dieses gänzlich als vorkanonisch fehlend bezeugte Kapitel geht, wie auch die Lexik stützt, auf die kanonische Redaktion zurück. In diesem ersten Abschnitt wird die typisch kanonische Paränese fortgesetzt. - 15,1 Ὀφείλομεν δὲ ἡμεῖς οἱ δυνατοὶ τὰ ἀσθενήματα τῶν ἀδυνάτων βαστάζειν, καὶ μὴ ἑαυτοῖς ἀρέσκειν. 2 ἕκαστος ἡμῶν τῷ πλησίον ἀρεσκέτω εἰς τὸ ἀγαθὸν πρὸς οἰκοδομήν· 3 καὶ γὰρ ὁ Χριστὸς οὐχ ἑαυτῷ ἤρεσεν· ἀλλὰ καθὼς γέγραπται, Οἱ ὀνειδισμοὶ τῶν ὀνειδιζόντων σε ἐπέπεσαν ἐπ’ ἐμέ. 4 ὅσα γὰρ προεγράφη, εἰς τὴν ἡμετέραν διδασκαλίαν ἐγράφη, ἵνα διὰ τῆς ὑπομονῆς καὶ διὰ τῆς παρακλήσεως τῶν γραφῶν τὴν ἐλπίδα ἔχωμεν. 5 ὁ δὲ θεὸς τῆς ὑπομονῆς καὶ τῆς παρακλήσεως δῴη ὑμῖν τὸ αὐτὸ φρονεῖν ἐν ἀλλήλοις κατὰ Χριστὸν Ἰησοῦν, 6 ἵνα ὁμοθυμαδὸν ἐν ἑνὶ στόματι δοξάζητε τὸν θεὸν καὶ πατέρα τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ. 7 Διὸ προσλαμβάνεσθε ἀλλήλους, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς προσελάβετο ὑμᾶς, εἰς δόξαν τοῦ θεοῦ. 8 λέγω γὰρ Χριστὸν 4 (Röm) 259 <?page no="260"?> 249 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 520. διάκονον γεγενῆσθαι περιτομῆς ὑπὲρ ἀληθείας θεοῦ, εἰς τὸ βεβαιῶσαι τὰς ἐπαγγελίας τῶν πατέρων, 9 τὰ δὲ ἔθνη ὑπὲρ ἐλέους δοξάσαι τὸν θεόν· καθὼς γέγραπται, Διὰ τοῦτο ἐξομολογήσομαί σοι ἐν ἔθνεσιν, καὶ τῷ ὀνοματί σου ψαλῶ. 10 καὶ πάλιν λέγει, Εὐφράνθητε, ἔθνη, μετὰ τοῦ λαοῦ αὐτοῦ. 11 καὶ πάλιν, Αἰνεῖτε, πάντα τὰ ἔθνη, τὸν κύριον, καὶ ἐπαινεσάτωσαν αὐτὸν πάντες οἱ λαοί. 12 καὶ πάλιν Ἠσαΐας λέγει, Ἔσται ἡ ῥίζα τοῦ Ἰεσσαί, καὶ ὁ ἀνιστάμενος ἄρχειν ἐθνῶν· ἐπ’ αὐτῷ ἔθνη ἐλπιοῦσιν. 13 ὁ δὲ θεὸς τῆς ἐλπίδος πληρώσαι ὑμᾶς πάσης χαρᾶς καὶ εἰρήνης ἐν τῷ πιστεύειν, εἰς τὸ περισσεύειν ὑμᾶς ἐν τῇ ἐλπίδι ἐν δυνάμει πνεύματος ἁγίου. A. Die Verse sind als abwesend bezeugt, vgl. die Belege in Goldmann zu 14,23. ♦ 15,3: Vgl. Ps 68,10 LXX: οἱ ὀνειδισμοὶ τῶν ὀνειδιζόντων σε ἐπέπεσαν ἐπ᾽ ἐμέ. ♦ 15,9: Vgl. Ps 17,40 LXX: διὰ τοῦτο ἐξομολογήσομαί σοι ἐν ἔθνεσιν, κύριε, καὶ τῷ ὀνόματί σου ψαλῶ; 2Sam 22,50 LXX: διὰ τοῦτο ἐξομολογήσομαί σοι, κύριε, ἐν τοῖς ἔθνεσιν καὶ ἐν τῷ ὀνόματί σου ψαλῶ. ♦ 15,10: Vgl. Dtn 32,43 LXX: … εὐφράνθητε, ἔθνη, μετὰ τοῦ λαοῦ αὐτοῦ-… ♦ 15,11: Vgl. Ps 116,1 LXX: Αἰνεῖτε τὸν κύριον, πάντα τὰ ἔθνη, ἐπαινέσατε αὐτόν, πάντες οἱ λαοί. ♦ 15,12: Vgl. Jes 11,10 LXX: ἔσται ἐν τῇ ἡμέρᾳ ἐκείνῃ ἡ ῥίζα τοῦ Ιεσσαι καὶ ὁ ἀνιστάμενος ἄρχειν ἐθνῶν, ἐπ᾽ αὐτῷ ἔθνη ἐλπιοῦσιν-… B. (15,13) ἐν τῷ πιστεύειν om P 46 , 06*, 010, 012, it, Spec. C. 1. (15,1-13) Nach Ausweis aller Editoren ist das Kapitel 15 unbezeugt. Ori‐ genes ist der Meinung, Markion habe den Römerbrief nach 14,23 beschnitten: caput hoc Marcion … de hac epistula penitus abstulit; et non solum hoc sed et ab eo loco ubi scriptum est: omne autem quod non est ex fide peccatum est (14,23) usque ad finem cuncta dissecuit, so Orig., Comm. in Rom. X 43,7-11. Harnack, BeDuhn und Goldmann sind der Meinung, dass dieses Kapitel in Markions *Röm gefehlt hat. Zahn hingegen führt aus, man müsse das penitus abstulit und das ad finem cuncta dissecuit wie folgt verstehen: „Mrc. hat also Vieles von Rom 15,1-16,24 gestrichen, aber Manches daraus auch beibehalten.“ 249 In der Forschung unterschiedlich wird die Frage beantwortet, ob Origenes richtig liegt 260 Rekonstruktion <?page no="261"?> 250 K. Aland, Der Schluss und die ursprüngliche Gestalt des Römerbriefes (1979). mit seiner Einschätzung, dass Markion für die Kürzung verantwortlich ist, wie bereits zu Röm 14,23 ausgeführt. Ein Überblick über die Überlieferung gibt Kurt Aland in der folgenden Übersicht (Die zugehörigen Fußnoten stammen ebenfalls von Aland): 250 A = Röm 14,14-23 B = Röm 15,1-16,23 B 1 = Röm 15,1-33 B 2 = Röm 16,1-23 C = Röm 16,24 C 1 = Röm 16,24 in verkürzter Form: gratia cum omnibus sanctis D = Röm 16,25-27 Das Gesamtbild ist folgendes: 1. A B : (bisher handschriftlich nicht nachgewiesen) 2. A : Marcion um 150 3. A D : Capitula Fuldensia 546 - : Capitula Amiatina vor 716 4. A B C : D 06 Vorlage vor VI - : F 010 gr 6 IX - : G 012 7 IX - : (g) [77] - - : 629 gr 6 XIV - : 1941 corr8 XIII - : Γ B Mailand E 26 inf. XIII 5. A B D : P 61vid9 um 700 - : א 01 IV - : B 03 IV - : C 04 V - : 048 vid10 V - : 81 1044 - : 623 1037 - : 1739 X - : 2127 XII - : 2464 11 X - : bo - - : sa - 4 (Röm) 261 <?page no="262"?> : b [89] 12 um 800 - : vg F (Fuldensis) 547 - : vg A (Amiatinus) vor 716 - : vg Z H * (Harleianus) um 800 - : vg R (Reginensis) VIII - : vg M (Monacensis) VIII/ IX - : vg C (Cavenis) IX - : vg H = Θ H (Hubertianus) IX - : vg G * (Sangermanensis) IX - : vg L * (Langobardus) IX - : vg Θ = Θ M (Mesmianus) IX 6. A B C D : D (d) 06 13 VI - : F 010 lat 14 IX - : 296 15 XVI - : 629 lat 16 XIV - : 1104 1702 - : 1869 1688 - : 1882 XV - : 1903 1636 - : 1909 corr XII - : 1911 XVI - : 1931 XVI - : 2200 XIV - : ar [61] IX - : c = Ω C (Colbertinus) XII - : vg K (Karolinus) IX - : vg O * (Laudianus) IX - : vg V = Φ V (Vallicellianus) IX - : vg U (Ulmensis) IX - : vg T = Σ T (Toletanus) X - : vg Λ = Λ L (Gothicus) 960 - : vg dem λ D (Demidovianus) XIII - : vg W = Ω W (Sarisburiensis) 1254 - : Pelagius vor 410 7. A B D C : 256 XI/ XII - : 263 XIII - : 365 XIII - : 436 XI - : 1319 XII 262 Rekonstruktion <?page no="263"?> : 1537 * XII/ XIII - : 1852 XIII - : 1962 XI - : Ambrosiaster 363/ 384 - : vg L corr (Langobardus) - - : sy P - - : äth - - : altkirchenslawisch - 8. A D B : 919 XI 9. A C 1 D B C : m [86] Monza 18 X - : vg München Clm 17043 X - : vg München Clm 17040 XI 10. A D B C : L 020 IX - : Ψ 044 VIII/ IX - : 0209 vid19 VII - : die Handschriften des Mehrheitstextes - (rund 500 sind überprüft worden) - : sy h - - : georg 20 - - : got 21 - 11. A D B D : A 02 V - : 0151 IX - : 5 XIV - : 621 XIV - : 2110 X 12. A D B C D : 88 XII - : 1909 XII - : vg Florenz Plut. XXV, 2 mg XI - : vg Florenz Plut. XV,10 XII - : vg Florenz Bibl. Riccard. Ms. 222 XIII - : vg Madrid A 7 XIII 13. A D B D C : P 025 IX - : 33 IX - : 104 1087 - : 441 XIII - : 459 1092 - : 1243 XI - : 1573 corr22 - - : 1838 XI 4 (Röm) 263 <?page no="264"?> 14. A B 1 D B 2 : P 46 um 200 15. A D B 1 D : 1506 1320 Fußnoten: 6 Lat.-griech. Bilingue, im griechischen Text ist nach 16,24 Raum freigelassen, offensichtlich zur evtl. Einfügung von D. 7 Zwischen A und B ist Raum freigelassen, zur evtl. Einfügung von D? 8 In 1941 läuft der Text mit A D B C, der Korrektor hat D eingeklammert. 9 Nur 16,23-26 erhalten 10 Nur bis 15,9 erhalten. 11 Unsicher, da 14,23 Lücke. 12 Aber 15,23-27 nach Vulgata. 13 Unter Auslassung von 20b. 14 Vgl. Anm. 6. 15 Unter Auslassung von 20b. 16 Vgl. Anm. 6. 17 Nach dem Codex Christinopolitanus, 12. Jhdt. Und dem Codex Hiersol. Patr. Slav., 16. Jhdt. (mittelbulgarische Redaktion). 18 Rekonstruktion von C 1 unsicher. 19 Nur Röm. 14,9-15,3. 20 Bei der Ausgabe von Sanidze, Tbilisi 1974, die Handschriftengruppen C (Cod. Tbilisi A 584, 11. Jhdt.; Athos, Iviron 78, 11. Jhdt.; Tbilisi A 34, 13. Jhdt.) und D (Tbilisi A 137, 14. Jhdt.; Tbilisi A 677, 11./ 12. Jhdt.); Leningrad, Or. Inst. D. Akad. D. Wissenschaften K 4, 13. Jhdt.); die älteren Handschriftengruppen A (10. Jhdt.) und B (10./ 11. Jhdt.) haben A D B D + Gal 6,18 statt C. 21 Lücke 14,20-15,3 und 15,13-16,21. Für 16,24 ist Streitbergs griechische Rekon‐ struktion unrichtig; hier liegt nicht C, sondern Gal 6,18 zugrunde (vgl. Anm. 5; ebenso bei einem Teil der georgischen Überlieferung, s.-o. Anm. 20). 22 D das erste Mal in marg“, so der Überblick in (Aland, 1979, 287-290)“ Aus all dem schließt Aland unter der von den Apologeten vorgegebenen An‐ nahme, Markion habe Text gekürzt, dass es einen Archetypen gab, in welchem A B stand (A = Röm 1,14-23 + B = Röm 15,1-16,23). Für diesen Archetypen aber vermerkt er, dass dieser „bisher handschriftlich nicht nachgewiesen ist“. Sodann nimmt er parallel auf der einen Seite Markions Kürzung an, auf der anderen Seite die Existenz zweier Varianten, zum einen ABC (A = Röm 1,14-23 + B = Röm 15,1-16,23 + C = Röm 16,24) und zum anderen ABD (A = Röm 1,14-23 + B 264 Rekonstruktion <?page no="265"?> 251 Ibid. 291-294. 252 M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014), 20. 253 Detering sieht die beiden Kapitel 15 und 16,24 als abwesend, H. Detering, Der Römer‐ brief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 192-197. 254 L.E. Keck, Romans 15.4: An Interpolation? (1990). = Röm 15,1-16,23 + D = Röm 16,25-27). 251 Zu einem anderen Schluss gelangt auf derselben Datenbasis Wolter: „Anders als von Origenes angenommen, ist es aber wohl nicht Markion gewesen, der für den Abbruch nach 14,23 verantwortlich war. Zweifel an dieser Auskunft entstehen schon durch Tertullian, der ebenfalls voraussetzt, dass der Römerbrief mit Kap. 14 endet, ohne mit einem einzigen Wort anzudeuten, dass hierbei Markion seine Hand im Spiel hatte. Die aus 1,1-14,23 bestehende Kurzfassung des Römerbriefes war genauso vor- und neben-markionisch verbreitet, wie ihre Ergänzung um die Doxologie 16,25-27 ebenfalls unabhängig von Markion erfolgte. Der Verlust von Kap. 15-16 fand vermutlich bereits vor Markion statt und ist wohl einem mechanischen Defekt geschuldet, wovon Handschriften gerade an ihrem Ende nicht selten betroffen sind“. 252 Nun arbeiten aber beide mit ungedeckten Annahmen von vormarkio‐ nitischen Texten, für die, wie sie selbst zugeben müssen, keine handschriftlichen Zeugnisse vorliegen. Nimmt man noch die Datierung hinzu, wonach Markion das früheste Zeugnis für den Umfang des Römerbriefes darstellt, müsste ein vorsichtiges Urteil zunächst einmal nicht mit Hypothesen, sondern mit dem von Aland korrekt dargestellten Befund beginnen. Das Argument Wolters bezüglich des Schweigens von Tertullian entkräftet sich schon dadurch, dass Tertullian nur selten bei seiner Kommentierung die von ihm als solche qualifizierten Auslassungen hervorhebt und sie stattdessen meist stillschweigend übergeht. Näher am Befund orientiert urteilt darum Goldmann, wie oben vermerkt. 253 2. (15,4) Dieser Vers wird als Interpolation betrachtet von L.E.Keck. 254 D. (15,1) ὀφείλω, das sich 42 / 35 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. 10. ♦ Die Form ὀφείλομεν steht 7 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 17,29; Röm 15,1; 2Thess 1,3; 2,13; 1Joh 3,16; 4,11; 3Joh 1,8). ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ δυνατός steht 115 / 32 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Das verwandte Verb δυνατέω, das 8 / 3 Mal im NT steht, ist ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Der Ausdruck οἱ δυνατοί steht nur hier im NT. ♦ ἀσθένημα ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀδυνατέω steht 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Mt 17,20; Lk 1,37, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 15,1, in einem Vers, der in 4 (Röm) 265 <?page no="266"?> *Röm fehlt). ἀδύνατος, das 9 Mal im NT steht, ist wie δύνατος nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ βαστάζω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *Gal 5,10; 6,2. 17. ♦ Der Infinitiv βαστάζειν steht 1 weiteres Mal im NT, Joh 16,12. ♦ ἀρέσκω, das 21 / 17 Mal im NT begegnet, darunter häufig bei Paulus, findet sich immer nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὀφείλομεν; δυνατός; ἀδυνατέω/ ἀδύνατος; βαστάζειν; ἀρέσκω. (15,2) Die Kombination ἕκαστος ἡμῶν steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, im Vers von Röm 14,12. ♦ πλήσιος, das 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9; 13,9; *Gal 5,3. 14; *Laod 4,25. ♦ Zum kanonischen ἀρέσκω vgl. zum vorangegangenen Vers. ♦ Der Ausdruck τὸ ἀγαθόν (Nom. / Akk.) steht 13 Mal im NT, nur belegt für die kanonische Ebene, vgl. zu Röm 2,10. ♦ οἰκοδομή, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἕκαστος ἡμῶν; ἀρέσκω; τὸ ἀγαθόν. Wiederum fällt auf, dass ein Begriff, hier οἰκοδομή, vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist, was auf die Nähe dieses *Deuteropau‐ linums zur kanonischen Lexik hinweist. (15,3) Die Kombination καὶ γάρ steht 39 Mal im NT, davon 24 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4 (als Verseröffnung); *1Kor 5,7 (im Vers). ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Zum kanonischen ἀρέσκω vgl. wieder zu Vers 1. ♦ ὀνειδισμός steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Röm 15,3; 1Tim 3,7; Hebr 10,33; 11,26; 13,13). ὀνειδίζω steht 10 / 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,22. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πίπτω, das 112 Mal / 90 im NT bezeugt ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀρέσκω; ὀνειδισμός; πίπτω. (15,4) ὅσος, das 121 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ Die Form ὅσα steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 15,4; Phil 4,8). ♦ προγράφω steht 5 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἡμέτερος, das 8 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ διδασκαλία, das 21 Mal im NT steht, meistens in den Pastoralbriefen, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,22. ♦ ὑπομονή, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ παράκλησις, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἡ γραφή als Begriff der kanonischen 266 Rekonstruktion <?page no="267"?> Redaktion, vgl zu Gal. 4,30. ♦ Die Kombination ἐλπίς + ἔχω begegnet 1 weiteres Mal im NT, Apg 24,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅσα; προγράφω; ἡμέτερος; ἡ γραφή; ἐλπίς + ἔχω. In diesem Vers fällt der Begriff διδασκαλία auf, der vorkanonisch nur für *Kol bezeugt ist, was erneut auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik hinweist. (15,5) Die Kombination ὁ δὲ θεός steht 16 Mal im NT, davon 13 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,15 (im Vers), vgl. zu 1Kor 15,38. ♦ Zu den vorka‐ nonisch bezeugten ὑπομονή und παράκλησις vgl. den voranstehenden Vers. ♦ Die Form δῴη steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 15,5; 2Thess 3,16; 2Tim 1,16. 18). ♦ Der Ausdruck δῴη ὑμῖν steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 2Thess 3,16. ♦ Die Kombination des absolut stehenden τὸ αὐτό findet sich 21 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt im adjektivischen Zusammenhang, vgl. zu Röm 12,16. ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Wendung ἐν ἀλλήλοις steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 1,12. ♦ Die Form ἀλλήλοις steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor Gal 5,13. ♦ Der Ausdruck κατὰ Χριστόν begegnet 1 weiteres Mal im NT, auf der kanonischen Ebene in Kol 2,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ὁ δὲ θεός; δῴη; δῴη ὑμῖν; absolut stehendes τὸ αὐτό; ἐν ἀλλήλοις; ἀλλήλοις; κατὰ Χριστόν. (15,6) ὁμοθυμαδόν steht 12 / 11 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt und außer der vorliegenden Stelle überhaupt nur in der Apostelgeschichte nachweisbar (Apg 1,14; 2,1. 46; 4,24; 5,12; 7,57; 8,6; 12,20; 15,25; 18,12; 19,29; Röm 15,6). ♦ στόμα, das 80 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19; *Laod 6,19. ♦ Die Wendung ἐν ἑνὶ στόματι steht nur hier im NT. ♦ δοξάζω steht 68 / 61 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. ♦ Die Kombination δοξάζω + τὸν θεόν steht 18 Mal im NT (2 Mal Mt; Mk 2,12; Lk 5,25. 26, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 7,16; 13,13; 17,15; 18,43, wo der Teilvers in *Ev fehlt; 23,47; Joh 21,19; 3 Mal Apg; Röm 15,6. 9, in Versen, die in *Ev fehlen; 2Kor 9,13; 1Petr 2,12), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁμοθυμαδόν; δοξάζω + τὸν θεόν. 4 (Röm) 267 <?page no="268"?> (15,7) διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch nur bezeugt im Vers *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14, vgl. zu 2Kor 12,7. ♦ προσλαμβάνω, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ δόξα + τοῦ θεοῦ steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung διό; προσλαμβάνω; δόξα + τοῦ θεοῦ. (15,8) Die Kombination λέγω γάρ steht 12 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 12,3. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ Die Kombination ἀλήθεια + θεοῦ steht nur hier im NT. ♦ βεβαιόω, das 10 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. ♦ πατέρες, das im Plural 20 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26; 11,47; *1Kor 10,1; *Laod 6,4. ♦ Die Kombination ἐπαγγελία + τῶν πατέρων steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λέγω γάρ; διάκονος; βεβαιόω. (15,9) ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ ἔλεος, das 35 / 27 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zur kanonischen Kombination δοξάζω + τὸν θεόν vgl. zuvor zu Vers 15,6. ♦ διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ ἐξομολογέομαι, das 10 Mal im NT steht, ist ausschließlich kanonisch belegt. ♦ σοι (Dat. Sg. oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Laod 5,14. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ ψάλλω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔλεος; δοξάζω + τὸν θεόν; ἐξομολογέομαι. Zu bemerken ist die vorkanonische Bezeugung von διὰ τοῦτο in *2Thess, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik hinweist. (15,10) Die Kombination καὶ πάλιν, die 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt (auch als Verseröffnung) in *1Kor 3,20, vgl. ebd. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT 268 Rekonstruktion <?page no="269"?> steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐφραίνω, das 16 / 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ λαός, das 151 / 142 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,7; 14,21, vgl. weiter Vers 11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: εὐφραίνω. (15,11) Zum vorkanonisch bezeugten καὶ πάλιν vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ αἰνέω steht 10 / 8 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐπαινέω, das 7 Mal im NT, etwa findet sich nur bei Paulus auf der kanonischen Ebene und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25; *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. ♦ Die Wendung πάντα τὰ ἔθνη steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,8. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten λαός vgl. zuvor zu Vers 10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: αἰνέω; ἐπαινέω; πάντα τὰ ἔθνη. (15,12) Zum vorkanonisch bezeugten καὶ πάλιν vgl. zuvor zu 15,10. ♦ Ἠσαΐας, der 24 / 22 Mal im NT begegnet, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἔσται, die 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ῥίζα, das 17 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Ἰεσσαί ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀνίστημι, das 131 / 108 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt, jedoch im theologischen Sinn nur für *1Thess 4,16 und *Laod 5,14. ♦ ἄρχω, das 151 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,2; *Laod 2,2. ♦ Die Kombination ἐπ’ αὐτῷ steht 13 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 9,33. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Ἠσαΐας; ῥίζα; ἐπ’ αὐτῷ. (15,13) Zur kanonischen Verseröffnung ὁ δὲ θεός vgl. zuvor zu 15,5. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ πάσης (Gen. Fem. Sg.), das 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. auch den nachfolgenden Vers 14. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ Die Wendung ἐν τῷ πιστεύειν steht nur hier im NT. ♦ 4 (Röm) 269 <?page no="270"?> 255 Die Formel εἰς τό + Infinitiv ist bereits Weisse aufgefallen und verdächtig gewesen, vgl. zuvor zu Röm 1,20, vgl. C. Weisse, Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe an die Galater, Römer, Philipper und Kolosser (1867), 15-16. περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur Wendung εἰς τό + Infinitiv vgl. zu Röm 1,20. 255 ♦ Die Wendung ἐν δυνάμει πνεύματος steht 1 weiteres Mal in Röm 15,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ὁ δὲ θεός; πάσης; χαρά; περισσεύω; ἐν δυνάμει πνεύματος. [15],[14-29]: [Selbstautorisierung des Paulus] Der kanonische Charakter dieses Abschnittes wird sowohl durch die Lexik als auch durch die vorgetragene Selbstautorisierung des kanonischen Paulus mit Berufung auf Christus bestätigt. - 14 Πέπεισμαι δέ, ἀδελφοί μου, καὶ αὐτὸς ἐγὼ περὶ ὑμῶν, ὅτι καὶ αὐτοὶ μεστοί ἐστε ἀγαθωσύνης, πεπληρωμένοι πάσης [τῆς] γνώσεως, δυνάμενοι καὶ ἀλλήλους νουθετεῖν. 15 τολμηρότερον δὲ ἔγραψα ὑμῖν ἀπὸ μέρους, ὡς ἐπαναμιμνῄσκων ὑμᾶς διὰ τὴν χάριν τὴν δοθεῖσάν μοι ὑπὸ τοῦ θεοῦ 16 εἰς τὸ εἶναί με λειτουργὸν Χριστοῦ Ἰησοῦ εἰς τὰ ἔθνη, ἱερουργοῦντα τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ, ἵνα γένηται ἡ προσφορὰ τῶν ἐθνῶν εὐπρόσδεκτος, ἡγιασμένη ἐν πνεύματι ἁγίῳ. 17 ἔχω οὖν τὴν καύχησιν ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τὰ πρὸς τὸν θεόν· 18 οὐ γὰρ τολμήσω τι λαλεῖν ὧν οὐ κατειργάσατο Χριστὸς δι’ ἐμοῦ εἰς ὑπακοὴν ἐθνῶν, λόγῳ καὶ ἔργῳ, 19 ἐν δυνάμει σημείων καὶ τεράτων, ἐν δυνάμει πνεύματος [θεοῦ]· ὥστε με ἀπὸ Ἰερουσαλὴμ καὶ κύκλῳ μέχρι τοῦ Ἰλλυρικοῦ πεπληρωκέναι τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ, 20 οὕτως δὲ φιλοτιμούμενον εὐαγγελίζεσθαι οὐχ ὅπου ὠνομάσθη Χριστός, ἵνα μὴ ἐπ’ ἀλλότριον θεμέλιον οἰκοδομῶ, 21 ἀλλὰ καθὼς γέγραπται, Οἷς οὐκ ἀνηγγέλη περὶ αὐτοῦ ὄψονται, καὶ οἳ οὐκ ἀκηκόασιν συνήσουσιν. 22 Διὸ καὶ ἐνεκοπτόμην τὰ πολλὰ τοῦ ἐλθεῖν πρὸς ὑμᾶς· 23 νυνὶ δὲ μηκέτι τόπον ἔχων ἐν τοῖς κλίμασι τούτοις, ἐπιποθίαν δὲ ἔχων τοῦ ἐλθεῖν πρὸς ὑμᾶς ἀπὸ πολλῶν ἐτῶν, 24 ὡς ἂν πορεύωμαι εἰς τὴν Σπανίαν· 270 Rekonstruktion <?page no="271"?> ἐλπίζω γὰρ διαπορευόμενος θεάσασθαι ὑμᾶς καὶ ὑφ’ ὑμῶν προπεμφθῆναι ἐκεῖ ἐὰν ὑμῶν πρῶτον ἀπὸ μέρους ἐμπλησθῶ 25 νυνὶ δὲ πορεύομαι εἰς Ἰερουσαλὴμ διακονῶν τοῖς ἁγίοις. 26 εὐδόκησαν γὰρ Μακεδονία καὶ Ἀχαΐα κοινωνίαν τινὰ ποιήσασθαι εἰς τοὺς πτωχοὺς τῶν ἁγίων τῶν ἐν Ἰερουσαλήμ. 27 εὐδόκησαν γάρ, καὶ ὀφειλέται εἰσὶν αὐτῶν· εἰ γὰρ τοῖς πνευματικοῖς αὐτῶν ἐκοινώνησαν τὰ ἔθνη, ὀφείλουσιν καὶ ἐν τοῖς σαρκικοῖς λειτουργῆσαι αὐτοῖς. 28 τοῦτο οὖν ἐπιτελέσας, καὶ σφραγισάμενος αὐτοῖς τὸν καρπὸν τοῦτον, ἀπελεύσομαι δι’ ὑμῶν εἰς Σπανίαν· 29 οἶδα δὲ ὅτι ἐρχόμενος πρὸς ὑμᾶς ἐν πληρώματι εὐλογίας Χριστοῦ ἐλεύσομαι. A. Die Verse sind als abwesend bezeugt, vgl. die Belege bei Goldmann zu 14,23. ♦ 15,21: Vgl. Jes 52,15 LXX: … ὅτι οἷς οὐκ ἀνηγγέλη περὶ αὐτοῦ, ὄψονται, καὶ οἳ οὐκ ἀκηκόασιν, συνήσουσιν. B. (15,14) ἀλλήλους findet sich in den Zeugen P 46 , 01, 02, 03, 04, 06, 010, 012, 025, 044, 630, 1175, 1505, 1506, 1739, 1881, latt, sy h , während ἄλλους zu lesen ist in 020, 33, 81, 104, 365, 1241, M, sy p . ♦ (15,22) τὰ πολλά steht in den folgenden Zeugen: 01, 02, 04, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1241, 1505, 1739, 1881, M, so auch NA 28 ; hingegen findet sich an dessen Stelle πολλάκις in den Zeugen P 46 , 03, 06, 010, 012. C. Vergleiche die Bemerkungen zum voranstehenden Abschnitt. D. (15,14) πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Kombination πέπεισμαι δέ, die nur hier als Verseröffnung steht, begegnet 1 weiteres Mal in 2Tim 1,5. ♦ Die Wendung ἀδελφοί μου steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,11. ♦ Die Kombination αὐτὸς ἐγώ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 12,13. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Kombination καὶ αὐτοί steht 21 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,17. ♦ μεστός, das 10 / 9 Mal im NT steht, ist ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ ἀγαθωσύνη, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, vgl. zu 4 (Röm) 271 <?page no="272"?> Vers 13. ♦ Die Form πεπληρωμένοι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Phil 1,11; Kol 2,10). ♦ Zum kanonischen πάσης (Gen. Fem. Sg.) vgl. zum voranstehenden Vers 13. ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8; *Phil 3,8. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἀλλήλων vgl. zuvor zu Vers 15,7. ♦ Die Variante ἄλλος, die 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ νουθετέω, das 9 Mal im NT steht, ist immer nur für die kanonische Ebene belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πέπεισμαι δέ; ἀδελφοί μου; αὐτὸς ἐγώ; περὶ ὑμῶν; καὶ αὐτοί; μεστός; ἀγαθωσύνη; πεπληρωμένοι; πάσης; νουθετέω. (15,15) τολμηρός ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ἔγραψα ὑμῖν steht 11 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, nur auf der kanonischen Eben anzutreffen, vgl. zuvor 1Kor 5,9. ♦ Die Kombination ἀπὸ μέρους steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 2Kor 1,14. ♦ ἐπαναμιμνῄσκω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung τὴν δοθεῖσάν μοι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,10. ♦ Überhaupt steht die Kombination τὴν χάριν τὴν δοθεῖσαν + Dativ nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 2,9. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἔγραψα ὑμῖν; ἀπὸ μέρους; τὴν δοθεῖσάν μοι; τὴν χάριν τὴν δοθεῖσαν + Dativ. (15,16) Die Wendung εἰς τὸ εἶναι steht 8 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 15,16; Eph 1,12; im Vers: Röm 1,20; 3,26; 4,11. 16; 8,29; Jak 1,18), vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,12 (als Verseröffnung). ♦ λειτουργός, das 6 / 5 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἱερουργέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 1,14; Röm 15,16, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Thess 2,2. 8. 9). ♦ προσφορά steht 10 / 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ εὐπρόσδεκτος, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁγιάζω, das 30 / 28 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λειτουργός; τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ; εὐπρόσδεκτος; ἁγιάζω. Zu verweisen ist auf die vorkanonische Bezeugung der Wendung εἰς τὸ εἶναι in *Laod, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik verweist. 272 Rekonstruktion <?page no="273"?> (15,17) Die Verseröffnung und Kombination ἔχω οὖν steht nur hier im NT. ♦ καύχησις, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,30. ♦ Zum kanonischen ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ vgl. zuvor zu 8,1. ♦ Die Wendung τὰ πρὸς τὸν θεόν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 15,17; Hebr 2,17; 5,1). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; τὰ πρὸς τὸν θεόν. (15,18) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ τολμάω, das 17 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Wendung δι’ ἐμοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene vgl. zu 2Kor 1,19. ♦ ὑπακοή, das 16 Mal im NT steht, ist wiederum ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Eine ähnliche Wendung wie λόγῳ καὶ ἔργῳ begegnet in Apg 7,22 (ἐν λόγοις καὶ ἔργοις). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κατεργάζομαι; δι’ ἐμοῦ; ὑπακοή; λόγῳ καὶ ἔργῳ. (15,19) Die Formulierung ἐν δυνάμει, die 13 Mal im NT steht, davon 1 Mal als Verseröffnung, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,43; *2Thess 2,9 (jeweils im Vers). ♦ σημειόω ist Hapax legomenon im NT. Man vgl. auch σημεῖον, das 86 / 77 Mal im NT steht und vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *1Kor 1,22; *2Thess 2,9. ♦ τέρας, das 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ Die Kombination σημεῖον + καί + τέρας steht 8 Mal im NT (Mk 13,22; Joh 4,48; 4 Mal Apg; Röm 15,19, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Thess 2,9), vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ Die Wendung ἐν δυνάμει σημείων καὶ τεράτων erinnert an *2Thess 2,9 (ἐν πάσῃ δυνάμει καὶ σημείοις καὶ τέρασιν). ♦ Die Wendung ἐν δυνάμει πνεύματος steht 1 weiteres Mal in Röm 15,13. ♦ Die Kombination ὥστε με steht 1 weiteres Mal in 2Kor 7,7 auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἀπὸ Ἰερουσαλήμ steht 5 Mal im NT, in Lk 10,30, einem Vers, der in *Ev fehlt; 24,13. 47, in einem Vers, der wieder in *Ev fehlt, folglich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (zu den drei Lk-Stellen noch Apg 8,26; Röm 15,19). ♦ κύκλος steht 9 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ μέχρι steht 21 / 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἰλλυρικόν ist Hapax legomenon im NT. ♦ πληρόω steht 91 / 87 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ Die Wendung τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ, die 4 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,13. 4 (Röm) 273 <?page no="274"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ἐν δυνάμει; ἐν δυνάμει πνεύματος; ὥστε με; ἀπὸ Ἰερουσαλήμ; κύκλος; μέχρι; τὸ εὐαγγέλιον τοῦ Χριστοῦ. Zu bemerken ist die ausschließlich vorkanonische Bezeugung von τέρας und überhaupt die Nähe dieses Verses hier zu *2Thess 2,9, was erneut auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik hinweist. (15,20) Die Kombination οὕτως δέ steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene, vgl. zuvor zu 1Kor 3,15. ♦ φιλοτιμέομαι, das 3 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. ♦ Die Form εὐαγγελίζεσθαι steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 1Kor 1,17. ♦ Zu οὐχ vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ ὅπου, das 84 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,57. ♦ Die Kombination οὐχ ὅπου steht nur hier im NT. ♦ ὀνομάζω, das 11 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἵνα μή steht 87 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,37; *1Kor 8,13 (beide Male im Vers), vgl. zu 2Kor 10,9. ♦ Die Wendung ἐπ’ ἀλλότριον steht nur hier im NT. ♦ θεμέλιος, das 16 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,10. 11. 12; *Laod 2,20. ♦ οἰκοδομέω, das 47 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,47; *Gal 2,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὕτως δέ; φιλοτιμέομαι; ὀνομάζω. (15,21) Die Wendung ἀλλὰ καθὼς γέγραπται steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 15,21; 1Kor 2,9; im Vers: Röm 15,3), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination οἷς οὐκ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 12,24; Apg 15,24; Röm 15,21; 16,4, jeweils in Versen, die in *Röm fehlen), was erneut auf die Nähe zwischen Apg und den beiden letzten Kapiteln von Röm hinweist. ♦ ἀναγγέλλω, das 20 Mal im NT steht, nie in *Ev oder Lk, ist überhaupt nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination περὶ αὐτοῦ steht 29 Mal im NT, in Lk 2,27. 33. 38; 4,14; 5,15, in Versen, die in *Ev fehlen; 23,8, wo der Teilvers in *Ev fehlt, und überhaupt ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 26,24; 3 Mal Mk; Lk 2,27. 33. 38; 4,14. 37; 5,15; 7,17; 23,8; 11 Mal Joh; 4 Mal Apg; Röm 15,21, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Hebr 5,3). ♦ συνίημι, das 31 / 26 Mal im NT steht, findet sich nur kanonisch belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλὰ καθὼς γέγραπται; ἀναγγέλλω; περὶ αὐτοῦ; συνίημι. (15,22) Die Kombination διὸ καί steht 11 Mal im NT, 7 Mal als Verseröffnung wie hier; als Verseröffnung begegnet die Kombination ausschließlich auf der kanonischen 274 Rekonstruktion <?page no="275"?> Ebene, als Kombination im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20; 4,13, vgl. zu 2Kor 5,9. ♦ ἐγκόπτω, das 5 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ πολλά, das 64 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,12. 14. ♦ Die Variante πολλάκις steht 19 / 18 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τοῦ ἐλθεῖν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 8,40; Röm 15,22. 23). ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung διὸ καί; ἐγκόπτω; τοῦ ἐλθεῖν; πρὸς ὑμᾶς. (15,23) Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13 (Verseröffnung), vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ μηκέτι, das sich 22 Mal im NT findet, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ τόπος, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ κλίμα, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιποθέω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,2. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ Die Form πολλῶν steht 16 Mal im NT, in Lk 12,7, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung πολλῶν ἐτῶν steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Apg 24,10. ♦ ἔτος, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 3,1; *Gal 2,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μηκέτι; κλίμα; πολλῶν; πολλῶν ἐτῶν. Zu bemerken ist die singuläre vorkanonische Bezeugung von νυνὶ δέ in *Laod, die auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanoni‐ schen Lexik hinweist. (15,24) Die Kombination ὡς ἄν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 11,34. ♦ πορεύω, das 146 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, vgl. weiter Vers 25. ♦ Σπανία begegnet nur hier und in Vers 28. ♦ Die Kombination ἐλπίζω γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,7. ♦ διαπορεύω steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,36. ♦ θεάομαι steht 24 Mal im NT, stets auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑφ’ ὑμῶν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 12,11. ♦ προπέμπω, das sich 9 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκεῖ, das 113 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3. ♦ Die Kombination ἀπὸ μέρους steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 2Kor 1,14. ♦ ἐμπίμπλημι steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,25. 4 (Röm) 275 <?page no="276"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὡς ἄν; Σπανία; ἐλπίζω γάρ; θεάομαι; ὑφ’ ὑμῶν; προπέμπω; ἀπὸ μέρους. (15,25) Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13 (Verseröffnung), vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πορεύω vgl. zuvor Vers 24. ♦ Die Wendung εἰς Ἰερουσαλήμ steht 32 Mal im NT, in Lk 2,41. 45; 4,9; 9,51. 53; 18,31, in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene (außer den bereits aufgezählten Lk-Versen noch in Lk 17,11; 24,33. 52; 20 Mal Apg; Röm 15,25. 31, in Versen, die in *Röm fehlen; 1Kor 16,3). ♦ διακονέω, das 50 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für *Ev 8,3 bezeugt ist. ♦ ἅγιος, das 257 / 233 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,18. ♦ Die Kombination διακονέω + τοῖς ἁγίοις begegnet 1 weiteres Mal in Hebr 6,10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς Ἰερουσαλήμ; διακονέω + τοῖς ἁγίοις. Zu bemerken ist wiederum die singuläre vorkanonische Bezeugung von νυνὶ δέ in *Laod, die auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik hinweist. (15,26) εὐδοκέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15; *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19, und der Begriff stand vielleicht auch in *Ev 12,32. ♦ Die Kombination εὐδόκησαν γάρ steht gleich im nächsten Vers noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene. ♦ Μακεδονία, das 22 Mal im NT steht, ist nur kanonisch belegt. ♦ Ἀχαία, das 12 / 10 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch 1 Mal im lateinischen Prolog zum ersten Korintherbrief. ♦ κοινωνία, das 21 / 19 Mal im NT steht, findet sich im Sinne von „Gemeinschaft“ ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ποιήσασθαι steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Lk 17,33. ♦ πτωχός, das 38 / 34 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,9. ♦ Zu ἅγιος, das 257 / 233 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 25. ♦ Die Wendung ἐν Ἰερουσαλήμ steht 11 Mal im NT, in Lk 2,25. 43; 9,31, jeweils auf der kanonischen Ebene; 7 Mal Apg; Röm 15,26, in einem Vers, der in *Röm fehlt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εὐδόκησαν γάρ; Μακεδονία; die Semantik von κοινωνία; τινα; ποιήσασθαι; ἐν Ἰερουσαλήμ. (15,27) Zur kanonischen Kombination εὐδόκησαν γάρ vgl. zu Vers 26. ♦ ὀφείλω, das sich 42 Mal im NT findet, vgl. zu Vers 1. ♦ Die Form ὀφειλέται steht 3 Mal im NT, in Lk 13,4, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 8,12 und 15,27, in einem Vers, der in *Röm fehlt, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; 276 Rekonstruktion <?page no="277"?> *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ κοινωνέω, das 15 / 8 Mal im NT steht, ist 1 Mal vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,6. ♦ σαρκικός, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ λειτουργέω steht 2 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 13,2; Röm 15,27). ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11, vgl. weiter Vers 28. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εὐδόκησαν γάρ; ὀφειλέται; σαρκικός; λειτουργέω. (15,28) Die Verseröffnung τοῦτο οὖν findet sich 5 Mal als solche im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 5,18 mit vorangestelltem διά; Apg 21,23; Röm 15,28, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 1,17; Eph 4,17). ♦ ἐπιτελέω, das 11 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σφραγίζω, das sich 18 / 15 Mal im NT findet, ist 1 Mal vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.) vgl. zum Vers 27. ♦ καρπός, das 71 / 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ τοῦτον, das 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀπέρχομαι, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination δι’ ὑμῶν steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene in 2Kor 1,16. ♦ Zu Σπανία vgl. zu Vers 24. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τοῦτο οὖν; ἐπιτελέω; δι’ ὑμῶν; Σπανία. (15,29) Die Form οἶδα steht 56 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev 13,25; 18,20 (jeweils im Vers), vgl. zu 2Kor 9,2. ♦ Die Kombination οἶδα δέ steht nur hier im NT. ♦ Die Form ἐρχόμενος steht 26 Mal im NT, in Lk 6,47; 13,35; 15,25; 19,38, allesamt Verse oder Versteile, die in *Ev fehlen, dazu in Lk 7,19. 20; 7 Mal Joh; Röm 15,29; 2Kor 11,4; 2Tim 4,13; Hebr 10,37; Apk 1,4. 8; 4,8, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die unscheinbare Wendung πρὸς ὑμᾶς, die 71 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 3,1. ♦ πλήρωμα steht 18 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4; Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. ♦ Die Form ἐν πληρώματι steht nur hier im NT. ♦ εὐλογία steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,14. ♦ Die Form ἐλεύσομαι steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 1Kor 4,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung οἶδα; ἐρχόμενος; πρὸς ὑμᾶς; ἐλεύσομαι. 4 (Röm) 277 <?page no="278"?> [15],[30-33]: [Bitte um Gebet für Paulus] Dieses Gebet gehört zur kanonischen Selbstvorstellung des Paulus, in der eine gewisse Ambiguität vorherrscht, da im Gebet einerseits sein Selbstanspruch begegnet, andererseits eine gewisse Notwendigkeit anklingt, dass die noch ungesicherte Autorität erst noch anerkannt werden muss. - 30 Παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί, διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ καὶ διὰ τῆς ἀγάπης τοῦ πνεύματος, συναγωνίσασθαί μοι ἐν ταῖς προσευχαῖς ὑπὲρ ἐμοῦ πρὸς τὸν θεόν, 31 ἵνα ῥυσθῶ ἀπὸ τῶν ἀπειθούντων ἐν τῇ Ἰουδαίᾳ καὶ ἡ διακονία μου ἡ εἰς Ἰερουσαλὴμ εὐπρόσδεκτος τοῖς ἁγίοις γένηται, 32 ἵνα ἐν χαρᾷ ἐλθὼν πρὸς ὑμᾶς διὰ θελήματος θεοῦ συναναπαύσωμαι ὑμῖν. 33 ὁ δὲ θεὸς τῆς εἰρήνης μετὰ πάντων ὑμῶν· ἀμήν. A. Die Verse sind als abwesend bezeugt, vgl. die Belege bei Goldmann zu 14,23. B. Keine nennenswerten Varianten. C. Vergleiche die Bemerkungen zum ersten Kapitelabschnitt. D. (15,30) Die Verseröffnung παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς ἀδελφοί steht 5 Mal im NT, ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,15. ♦ Die Formel διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,57. ♦ Die Wendung διὰ τῆς ἀγάπης steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Gal 5,13. ♦ συναγωνίζομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ προσευχή, das 42 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,12. ♦ ῥύομαι, das 22 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43 (Tert. bietet jedoch: sanguine fluitabat); *Röm 7,24. ♦ ἀπειθέω, das 22 / 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἰουδαία, das 47 / 44 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, steht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen εὐπρόσδεκτος vgl. weiter oben zu Vers 16. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἅγιος vgl. weiter oben zu Vers 25. ♦ Die Wendung ὑπὲρ ἐμοῦ steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,38; Apg 8,24; Röm 15,30; 2Kor 7,7; Gal 2,20; Eph 6,19; Phil 4,10). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς ἀδελφοί; διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ; διὰ τῆς ἀγάπης; ἀπειθέω; Ἰουδαία; διακονία; εὐπρόσδεκτος; ὑπὲρ ἐμοῦ. 278 Rekonstruktion <?page no="279"?> (15,31) ῥύομαι steht 22 / 17 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43 (Tert. bietet jedoch: sanguine fluitabat); *Röm 7,24. ♦ Zu ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ Die Form τῶν ἀπειθούντων steht 1 weiteres Mal, 1Petr 4,17. ♦ Ἰουδαία, das 47 / 44 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν τῇ Ἰουδαίᾳ steht 7 Mal im NT, in Lk 21,21, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Mt 24,16; Mk 13,14; Joh 7,1; Apg 11,29; Röm 15,31, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Thess 2,4, d. h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zur kanonischen Wendung εἰς Ἰερουσαλήμ vgl. zuvor zu Vers 25. ♦ Zum kanonischen εὐπρόσδεκτος vgl. zuvor zu Vers 16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τῶν ἀπειθούντων; Ἰουδαία; εἰς Ἰερουσαλήμ; εὐπρόσδεκτος. (15,32) Die Kombination ἵνα ἐν steht 18 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Phil 2,10; im Vers: Joh 16,33; 1Kor 4,6; 2Kor 7,9; 9,8; 11,12; Gal 6,13; Eph 2,10; 6,20; 1Tim 1,16; Jak 4,3; 4 Mal 1Petr; 2Joh 1,6; Apk 19,15), vorkanonisch bezeugt im Vers: *Laod 6,20. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς, vgl. zuvor zu Vers 29. ♦ Die Wendung διὰ θελήματος θεοῦ steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,5. ♦ συναναπαύομαι ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ἵνα ἐν; χαρά; πρὸς ὑμᾶς; διὰ θελήματος θεοῦ. (15,33) Zur kanonischen Verseröffnung ὁ δὲ θεός vgl. zuvor zu 15,5. ♦ Die Wendung θεὸς τῆς εἰρήνης steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 15,33; 16,20, in zwei Versen, die in *Röm fehlen; Phil 4,9; 1Thess 5,23; Hebr 13,20). ♦ Der Ausdruck μετὰ πάντων ὑμῶν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 16,24. ♦ ἀμήν steht 175 / 130 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt nur als Substantiv τὸ Ἀμήν für *2Kor 1,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ δὲ θεός; θεὸς τῆς εἰρήνης; μετὰ πάντων ὑμῶν; nicht substantivisches ἀμήν. Wie der Vergleich der Lexeme aufgrund der Häufung von ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugten oder für diese Ebene beliebten Elementen nach‐ drücklich aufweist, ist aufgrund der fehlenden Bezeugung und der Lexik das gesamte Kapitel der kanonischen Ebene zuzuordnen. Die Angabe des Origenes, dass der von Markion gebotene Römerbrief tatsächlich mit dem Schluss von Kapitel 14 endete und das Schweigen unserer weiteren Zeugen wird demnach von der Lexik deutlich gestützt. Umgekehrt bietet gerade dieses Kapitel eine Be‐ 4 (Röm) 279 <?page no="280"?> stätigung der bisherigen Beobachtung, wonach sich ein deutlich verschiedenes, je eigenständiges Profil der vorkanonischen und der kanonischen Versionen plausibel machen lässt. [Kapitel 16] [16],[1-16]: [Empfehlung der Phöbe und Grüße] Wie das voranstehende Kapitel 15, ist auch dieses Kapitel 16 als vorkanonisch abwesend bezeugt. Die Grüße an die genannten Personen - ob diese fiktive oder historische Figuren sind, sei dahingestellt - dienen als Hyperlinks, um die kanonische Form des Briefes mit weiteren Schriften der kanonischen Sammlung zusammenzuschweißen und den Lesern das Gefühl von deren ursprünglichen Zusammengehörigkeit zu vermitteln. - 16,1 Συνίστημι δὲ ὑμῖν Φοίβην τὴν ἀδελφὴν ἡμῶν, οὖσαν [καὶ] διάκονον τῆς ἐκκλησίας τῆς ἐν Κεγχρεαῖς, 2 ἵνα αὐτὴν προσδέξησθε ἐν κυρίῳ ἀξίως τῶν ἁγίων, καὶ παραστῆτε αὐτῇ ἐν ᾧ ἂν ὑμῶν χρῄζῃ πράγματι, καὶ γὰρ αὐτὴ προστάτις πολλῶν ἐγενήθη καὶ ἐμοῦ αὐτοῦ. 3 Ἀσπάσασθε Πρίσκαν καὶ Ἀκύλαν τοὺς συνεργούς μου ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, 4 οἵτινες ὑπὲρ τῆς ψυχῆς μου τὸν ἑαυτῶν τράχηλον ὑπέθηκαν, οἷς οὐκ ἐγὼ μόνος εὐχαριστῶ ἀλλὰ καὶ πᾶσαι αἱ ἐκκλησίαι τῶν ἐθνῶν, 5 καὶ τὴν κατ’ οἶκον αὐτῶν ἐκκλησίαν. ἀσπάσασθε Ἐπαίνετον τὸν ἀγαπητόν μου, ὅς ἐστιν ἀπαρχὴ τῆς Ἀσίας εἰς Χριστόν. 6 ἀσπάσασθε Μαρίαν, ἥτις πολλὰ ἐκοπίασεν εἰς ὑμᾶς. 7 ἀσπάσασθε Ἀνδρόνικον καὶ Ἰουνιᾶν τοὺς συγγενεῖς μου καὶ συναιχμαλώτους μου, οἵτινές εἰσιν ἐπίσημοι ἐν τοῖς ἀποστόλοις, οἳ καὶ πρὸ ἐμοῦ γέγοναν ἐν Χριστῷ. 8 ἀσπάσασθε Ἀμπλιᾶτον τὸν ἀγαπητόν μου ἐν κυρίῳ. 9 ἀσπάσασθε Οὐρβανὸν τὸν συνεργὸν ἡμῶν ἐν Χριστῷ καὶ Στάχυν τὸν ἀγαπητόν μου. 10 ἀσπάσασθε Ἀπελλῆν τὸν δόκιμον ἐν Χριστῷ. ἀσπάσασθε τοὺς ἐκ τῶν Ἀριστοβούλου. 11 ἀσπάσασθε Ἡρῳδίωνα τὸν συγγενῆ μου. ἀσπάσασθε τοὺς ἐκ τῶν Ναρκίσσου τοὺς ὄντας ἐν κυρίῳ. 12 ἀσπάσασθε Τρύφαιναν καὶ Τρυφῶσαν τὰς κοπιώσας ἐν κυρίῳ. ἀσπάσασθε Περσίδα τὴν ἀγαπητήν, ἥτις πολλὰ ἐκοπίασεν ἐν κυρίῳ. 13 ἀσπάσασθε Ῥοῦφον τὸν 280 Rekonstruktion <?page no="281"?> 256 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 519-520. 257 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 111*. ἐκλεκτὸν ἐν κυρίῳ καὶ τὴν μητέρα αὐτοῦ καὶ ἐμοῦ. 14 ἀσπάσασθε Ἀσύγκριτον, Φλέγοντα, Ἑρμῆν, Πατροβᾶν, Ἑρμᾶν, καὶ τοὺς σὺν αὐτοῖς ἀδελφούς. 15 ἀσπάσασθε Φιλόλογον καὶ Ἰουλίαν, Νηρέα καὶ τὴν ἀδελφὴν αὐτοῦ, καὶ Ὀλυμπᾶν, καὶ τοὺς σὺν αὐτοῖς πάντας ἁγίους. 16 Ἀσπάσασθε ἀλλήλους ἐν φιλήματι ἁγίῳ. Ἀσπάζονται ὑμᾶς αἱ ἐκκλησίαι πᾶσαι τοῦ Χριστοῦ. A. Die Verse sind vorkanonisch als abwesend bezeugt, vgl. die Belege bei Goldmann zu 14,23. B. (16,1) δέ om 06*, 010, 012, m ♦ Anstelle von ἡμῶν, das bezeugt ist in 01, 03, 04, 06, 020, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M, f, vg, sy, Ambst, steht ὑμῶν in P 46 , 01, 010, 012, 025, it, bo ms , Pel. ♦ καί om 01*, 02, 042, 06, 010, 012, 020, 025, 044, 33, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M, latt, sy, sa, add-P 46 , 01 2 , 03, 04*, 81, bo. ♦ (16,6) Μαρίαν findet sich in den Zeugen P 118vid , 02, 03, 04, 25, 44, 104, 365, 1505, 1739, co, während Μαρίαμ zu finden ist in den Zeugen P 46 , 01, 06, 010, 012, 020, 81, 630, 1175, 1241, 1881, M. C. 1. (16,1-27) Die Editoren halten dieses (wie das voranstehende) Kapitel für unbezeugt. Zahn sieht den Text zwar in irgendeiner Weise präsent, indem er angibt, es sei „ungewiß wieviel fehlte“. 256 Harnack hingegen ist der Meinung, Markion habe Kapitel 16 wie 15 komplett „gestrichen bez. nicht geboten“. 257 Der sonst vorsichtige Schmid lässt den vorkanonischen Brief, wie Origenes angibt, mit 14,23 enden, und auch BeDuhn lässt nach diesem Vers nichts mehr in seiner Übersetzung aus diesem Brief folgen. Überhaupt hatte es in der Forschung zum Römerbrief über die zum vorigen Kapitel angeführten Einschätzungen zu den Kapiteln 15 und 16 hinaus bereits Kritik gegen die Zugehörigkeit gerade von Kapitel 16 zum Römerbrief gegeben, die Schmithals zusammengetragen hat. Sein Argument fasst Wolter zusammen, dass „Paulus in einer ihm persönlich unbekannten christlichen Gemeinde kaum so viele Menschen gekannt haben dürfte, wie er hier grüßen lässt, dass er in seinen Gemeindebriefen sonst nie einzelne Mitglieder der Gemeinde grüßt und 4 (Röm) 281 <?page no="282"?> 258 So mit älterer Literatur, die seine Position vertreten M. Wolter, Der Brief an die Römer. Teilband 1: Röm 1-8 (2014). Für die Kritik vgl. W. Schmithals, Der Römerbrief als historisches Problem (1975), 143-147; H.-M. Schenke and K.M. Fischer, Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments. I Die Briefe Des Paulus und Schriften des Paulinismus (1978), 137-138. 259 U. Schnelle, Einleitung in das Neue Testament (2023); W.-H. Ollrog, Die Abfassungs‐ verhältnisse von Röm 16 (1980), 128-130; P. Lampe, Die stadtrömischen Christen in den ersten beiden Jahrhunderten. Untersuchungen zur Sozialgeschichte (1989), 234-236. 260 J. Knox, The Epistle to the Romans (Introduction and Exegesis) (1954), 365-368, 654. 261 J.A. Fitzmyer, Romans. A new translation with introductions and commentary (1993), 65. dass er die Adressaten seines Briefes kaum auffordern könne, einzelne unter ihnen zu grüßen“aber dem hält Wolter entgegen, dass „inzwischen plausibel gemacht werden (konnte), dass gerade einer solchen Grußliste in einem Brief an Adressaten, denen der Briefschreiber weithin unbekannt ist, eine sinnvolle Funktion zukommt: Sie soll in ihrer Gesamtheit die Fremdheit zwischen Autor und Adressaten abbauen“. 258 Das Gegenargument Wolters trifft allerdings die Kritik nicht, der es ja nicht um die Absicht einer solchen Grußliste geht - die Möglichkeit einer solchen Absicht wird nur bedingt in Abrede gestellt -, sondern der es um die Unmöglichkeit geht, dass ein Fremder eine solch detail‐ lierte Grußliste überhaupt hätte zusammenstellen können. Hiergegen allerdings bringt Schnelle die Überlegung vor, gestützt auf Ollrog und Lampe, wonach 12 der 26 namentlich genannten Personen Paulus persönlich bekannt gewesen seien und „wahrscheinlich … Paulus durch seine bisherigen Mitarbeiter über diesen Personenkreis (der ihm unbekannten 14 Personen) und die Verhältnisse in Rom unterrichtet“ wurde. 259 Das ist allerdings, wie das „wahrscheinlich“ verdeutlicht, Spekulation. Vergleicht man die Entwicklung und Erweiterung der Ignatiusbriefsamm‐ lung von einer Drei-Briefezu einer Sieben-Briefe- und schließlich zu einer Vierzehn-Briefe-Sammlung wird man feststellen, dass die Hinzufügung von Grußlisten wenig oder vielleicht sogar nichts mit realen historischen Bezügen zu tun hat, sondern ein rhetorisch-literarisches Mittel darstellt, um intertextuelle Kohärenzen zwischen pseudepigraphisch hinzugefügten Briefen mit existie‐ renden Briefen, in welche solche Grußlisten eingefügt werden, herzustellen. Das ganze Kapitel 16 wird als Interpolation betrachtet von J. Knox. 260 2. (16,5) Dieser Vers wird als „sekundäre Glosse“ betrachtet von J.A. Fitz‐ myer. 261 3. (16,16) Th. Wittacker macht darauf aufmerksam, dass die Aussage, dass „alle Gemeinden Christi“ hier einen Gruß bestellen, kaum wahr sein kann, sondern vielmehr „Fiktion“ sein müsse. 262 282 Rekonstruktion <?page no="283"?> 262 T. Whittaker, The Origins of Christianity with an Outline of Van Manen’s Analysis of the Pauline Literature (1904), 106. D. (16,1) συνίστημι, im Sinne von „Empfehlen“, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φοίβη ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Verbform οὖσαν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Κεγχρεαί begegnet nur noch ein anderes Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 18,18) und zeigt die Verbindung zwischen diesem Kapitel und der Apostelgeschichte. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von συνίστημι; οὖσαν; διάκονος; Κεγχρεαί. (16,2) Die Wendung ἵνα αὐτήν steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 16,2; Eph 5,26; im Vers: Kol 4,17; Apk 12,15), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ προσδέχομαι steht 15 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,36. ♦ Das Adverb ἀξίως, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ ἀξίως steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, Eph 4,1. ♦ ἅγιος, das 257 / 233 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 15,25. ♦ παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion, insbesondere in der Apostelgeschichte. ♦ αὐτῇ (Dat. Fem. Sg.), das 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 2,8. ♦ χρῄζω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,30. ♦ πρᾶγμα, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Redaktionsstufe bezeugt. ♦ αὐτή (Nom. Fem. Sg.), das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πρόστατις ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Form πολλῶν steht 16 Mal im NT, in Lk 12,7, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung καὶ ἐμοῦ steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Röm 1,12: ὑμῶν τε καὶ ἐμοῦ; 16,2: καὶ ἐμοῦ αὐτοῦ. 13: αὐτοῦ καὶ ἐμοῦ). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἵνα αὐτήν; ἀξίως; ἐν κυρίῳ ἀξίως; πρᾶγμα; αὐτή; πολλῶν; καὶ ἐμοῦ. (16,3) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden; vgl. weiter ebenso in den Versen 3. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 21. 22. 23. ♦ Πρίσκα, die nur 3 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἀκύλας, der 7 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ συνεργός, das sich 14 / 13 Mal im NT findet, steht immer nur 4 (Röm) 283 <?page no="284"?> auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter Vers 9. 21. ♦ τράχηλος steht 7 Mal im NT, bei Paulus nur hier, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,2. ♦ ὑποτίθημι steht nur 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf kanonischer Ebene (1Tim 4,6). ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; Πρίσκα; Ἀκύλας; συνεργός; ὑποτίθημι. (16,4) Die Form οἵτινες steht 60 Mal im NT (davon 15 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4 (im Vers); *2Thess 1,9 (Verseröffnung), vgl. zu Röm 11,4. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, etwa Lk 1,46; 2,35, in Versen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 6,9; 9,24; 10,27; 12,20. 22. 23; *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ Die Kombination ψυχή + μου steht 13 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Mk 14,34; Lk 1,46, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 12,19; 4 Mal Joh; Apg 2,27; Röm 11,3; 16,4, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Hebr 10,38). ♦ τράχηλος steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,2. ♦ ὑποτίθημι steht 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 1Tim 4,6. ♦ Die Kombination οἷς οὐκ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, was erneut auf die Nähe zwischen Apg und den beiden letzten Kapiteln von Röm hinweist, vgl. zu Röm 15,21. ♦ Die Kombination οὐκ ἐγώ steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 7,10. ♦ Die Kombination ἐγὼ μόνος steht 1 weiteres Mal im NT, 2Joh 1,1. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten εὐχαριστέω vgl. zum voranstehenden Vers 3. ♦ Die Kombination ἀλλὰ καί steht 44 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,8; 4,25 ↑*Laod 1,21 (im Vers). ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29, vgl. weiter unten Vers 16. ♦ Die Wendung αἱ ἐκκλησίαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 11,16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ψυχή + μου; ὑποτίθημι; οἷς οὐκ; οὐκ ἐγώ; ἐγὼ μόνος; αἱ ἐκκλησίαι. (16,5) Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Kombination κατ’ οἶκον steht 6 Mal im NT, meist in Verbindung mit ἐκκλησία, immer auf der kanonischen Ebene (Apg 2,46; 5,42; Röm 16,5; 1Kor 16,19; Kol 4,15; Phlm 1,2), was erneut auf die Nähe zwischen Apg, Röm 16 und 1Kor 16 hinweist. ♦ Die Kombination κατ’ οἶκον αὐτῶν + ἐκκλησία steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der 284 Rekonstruktion <?page no="285"?> kanonischen Ebene, 1Kor 16,19, was erneut auf die Nähe von Röm 16 und 1Kor 16 hinweist. ♦ ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ ἐπαινέω, das 7 Mal im NT steht, findet sich nur ein einziges Mal in Lk (16,8), und hier in einem Vers, der in *Ev fehlt, also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὸν ἀγαπητόν μου steht 3 Mal im NT, nur hier in Röm 16 (16,5. 8. 9). ♦ ἀπαρχή, das 9 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ Ἀσία steht 29 / 18 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς Χριστόν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,32. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Die Kombi‐ nation von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; κατ’ οἶκον; κατ’ οἶκον αὐτῶν + ἐκκλησία; Semantik von ἀσπάζομαι; ἐπαινέω; τὸν ἀγαπητόν μου; ἀπαρχή; Ἀσία. Zu beachten ist wieder die einzige vorkanonische Bezeugung von εἰς Χριστόν für *Laod, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik hinweist. (16,6) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der ka‐ nonischen Ebene zu finden. ♦ Μαρία steht 45 / 27 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ Die Variante Μαριάμ steht 29 / 27 Mal im NT, ebenfalls nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu ὅστις vgl. zuvor zu Vers 4, auch die nachfolgenden Verse 7 und 12. ♦ πολλά, das 64 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,12. 14, vgl. weiter unten Vers 19. ♦ κοπιάω, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; Μαρία/ Μαριάμ; κοπιάω. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkano‐ nisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. (16,7) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Ἀνδρόνικος und Ἰουνία sind Hapax legomena im NT. ♦ συγγενής, das 13 Mal im NT steht, ist nur bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ συναιχμάλωτος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 16,7; Kol 4,10; Phlm 1,23). ♦ Zu ὅστις vgl. zuvor zu den Versen 4 und 7 und dem nachfolgenden Vers 12. ♦ ἐπίσημος steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τοῖς ἀποστόλοις steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Apg; Röm 16,7; 1Kor 15,7). ♦ πρό, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27 (πρὸ προσώπου σου); 11,38 (πρὸ τοῦ ἀρίστου); 21,12 (πρὸ δὲ τούτων); 22,15 (πρὸ τοῦ με παθεῖν); *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ Die Wendung πρὸ ἐμοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, 4 (Röm) 285 <?page no="286"?> vgl. zu Gal 1,17. ♦ Die Semantik von ἐν Χριστῷ ist kanonisch denotiert - es geht um die Selbstautorisierung des Paulus, nicht um den für die vorkanonische Ebene charakteristischen encheiristischen Gebrauch, wie auch Vers 10 verdeutlicht. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; συγγενής; συναιχμάλωτος; ἐπίσημος; τοῖς ἀποστόλοις; Semantik von ἐν Χριστῷ. (16,8) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Ἀμπλιᾶτος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zur kanonischen Wendung τὸν ἀγαπητόν μου vgl. zu Röm 16,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; τὸν ἀγαπητόν μου. (16,9) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Οὐρβανός ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zum kanonischen συνεργός vgl. weiter oben zu Vers 3 und weiter zu Vers 21. ♦ Στάχυς als Name ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zur kanonischen Wendung τὸν ἀγαπητόν μου, vgl. zu Röm 16,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; συνεργός; τὸν ἀγαπητόν μου. (16,10) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Ἀπελλῆς und Ἀριστόβουλος sind Hapax legomena im NT. ♦ δόκιμος, das sich 7 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 11,19. ♦ Die Semantik von ἐν Χριστῷ ist kanonisch denotiert - es geht um Autorisierung, nicht um den für die vorkanonische Ebene charakteristischen encheiristischen Gebrauch. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; Semantik von ἐν Χριστῷ. (16,11) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Ἡρῳδίων ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zum kanonischen συγγενής vgl. weiter oben zu Vers 7. ♦ νάρκισσος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Verbform ὄντας steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; συγγενής. (16,12) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Τρύφαινα, Τρυφῶσα und Περσίς sind Hapax legomena im NT. ♦ Die Form τὴν ἀγαπητήν steht nur hier im NT, man vgl. aber τὸν 286 Rekonstruktion <?page no="287"?> ἀγαπητόν, das 4 Mal im NT steht, in Lk 20,13, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 16,5. 8. 9, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ὅστις vgl. zuvor zu den Versen 4. 6. 7. ♦ Zum ebenfalls vorkanonisch bezeugten πολλά vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ Zum kanonischen κοπιάω vgl. weiter oben zu Vers 6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; κοπιάω. (16,13) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Ῥοῦφος steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Mt 15,21), was auf die Verknüpfungsintention der kanonischen Redaktion zwischen Röm 16 und Mt hinweist. ♦ ἐκλεκτός, das 24 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,7. ♦ Die Wendung καὶ ἐμοῦ steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 16,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; Ῥοῦφος; καὶ ἐμοῦ. (16,14) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Ἀσύγκριτος als Name ist Hapax legomenon im NT. ♦ Φλέγων ist Hapax legomenon im NT. ♦ Ἑρμῆς begegnet noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 14,12) und zeigt erneut die Nähe zwischen Apg und Röm 16. ♦ Πατροβᾶς und Ἑρμᾶς sind Hapax legomena im NT. ♦ Die Wendung τοὺς σὺν αὐτοῖς begegnet 3 Mal im NT, in Lk 24,33, wo dieses Element im allerdings unbezeugten Vers in *Ev fehlt; Röm 16,14. 15, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; Ἑρμῆς; τοὺς σὺν αὐτοῖς. (16,15) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Φιλόλογος, Ἰουλία, Νηρεύς und Ὀλυμπᾶς sind Hapax legomena im NT. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ Zum kanonischen τοὺς σὺν αὐτοῖς vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ ἅγιος, das 257 / 233 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu den Versen 15,25 und 16,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von; τοὺς σὺν αὐτοῖς. (16,16) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10, jedoch ein typischer Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ φίλημα, das 7 Mal im NT steht, wird nur 1 Mal in *Ev 22,48 negativ (als Judaskuss) gebraucht, während es positiv genommen nur auf der 4 (Röm) 287 <?page no="288"?> kanonischen Ebene steht. ♦ Die Wendung αἱ ἐκκλησίαι steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 11,16. ♦ Zu πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; die Semantik von φίλημα; αἱ ἐκκλησίαι. [16],[17-20]: [Warnung vor Streit] Diese Bitte des Paulus gegen Zwistigkeiten und Ärgernisse scheint in die aufkommenden Streitigkeiten im späten zweiten Jahrhundert zu gehören. - 17 Παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί, σκοπεῖν τοὺς τὰς διχοστασίας καὶ τὰ σκάνδαλα παρὰ τὴν διδαχὴν ἣν ὑμεῖς ἐμάθετε ποιοῦντας, καὶ ἐκκλίνετε ἀπ’ αὐτῶν· 18 οἱ γὰρ τοιοῦτοι τῷ κυρίῳ ἡμῶν Χριστῷ οὐ δουλεύουσιν ἀλλὰ τῇ ἑαυτῶν κοιλίᾳ, καὶ διὰ τῆς χρηστολογίας καὶ εὐλογίας ἐξαπατῶσιν τὰς καρδίας τῶν ἀκάκων. 19 ἡ γὰρ ὑμῶν ὑπακοὴ εἰς πάντας ἀφίκετο· ἐφ’ ὑμῖν οὖν χαίρω, θέλω δὲ ὑμᾶς σοφοὺς εἶναι εἰς τὸ ἀγαθόν, ἀκεραίους δὲ εἰς τὸ κακόν. 20 ὁ δὲ θεὸς τῆς εἰρήνης συντρίψει τὸν Σατανᾶν ὑπὸ τοὺς πόδας ὑμῶν ἐν τάχει. ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ μεθ’ ὑμῶν. A. Die Verse sind als abwesend bezeugt, vgl. die Belege bei Goldmann zu 14,23. B. Keine nennenswerten Varianten. C. Vergleiche die Bemerkungen zum ersten Kapitelabschnitt. D. (16,17) Die Verseröffnung παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς ἀδελφοί steht 5 Mal im NT, ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,15. ♦ σκοπέω, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ διχοστασία, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. ♦ σκάνδαλος, das 16 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,23. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37; *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16 *2Thess 1,6. ♦ διδαχή, das 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,32, allerdings nur für die Lehren Jesu. ♦ μανθάνω, das 143 / 25 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; *1Kor 15,35. ♦ ἐκκλίνω, das 4 Mal 288 Rekonstruktion <?page no="289"?> im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς ἀδελφοί; σκοπέω; die Semantik von διδαχή; ἐκκλίνω. (16,18) Die vorkanonisch unbezeugte, kanonische Verseröffnung οἱ γὰρ τοιοῦτοι begegnet 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 2Kor 11,13. ♦ Die Wendung τῷ κυρίῳ ἡμῶν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 6,23; 8,39; 16,18; 1Kor 15,31; Eph 3,11; 1Tim 1,12). ♦ δουλεύω, das 26 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ κοιλία, das 24 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; vielleicht auch in *1Kor 6,13. ♦ χρηστολογία ist Hapax legomenon im NT. ♦ εὐλογία, das 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,14. ♦ ἐξαπατάω, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄκακος begegnet nur 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Hebr 7,26). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οἱ γὰρ τοιοῦτοι; τῷ κυρίῳ ἡμῶν; ἐξαπατάω; ἄκακος. (16,19) ὑπακοή, das 16 Mal im NT steht, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu 15,18. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πάντας vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ Die Wendung εἰς πάντας steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 3,22. ♦ ἀφικνέομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ Die Kombination θέλω δὲ ὑμᾶς steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 7,32. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Der Ausdruck τὸ ἀγαθόν (Nom. / Akk.) steht 13 Mal im NT, nur belegt für die kanonische Ebene, vgl. zu Röm 2,10. ♦ ἀκέραιος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 10,16; Röm 16,19; Phil 2,15). ♦ Die Form τὸ κακόν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 12,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑπακοή; εἰς πάντας; θέλω δὲ ὑμᾶς; τὸ ἀγαθόν; ἀκέραιος; τὸ κακόν. (16,20) Zur kanonischen Verseröffnung ὁ δὲ θεός vgl. zuvor zu 15,5. ♦ Die Wendung θεὸς τῆς εἰρήνης steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,33. ♦ συντρίβω steht 10 / 7 Mal im NT, etwa in Lk 4,18, einem Vers, der in *Ev fehlt, d. h. er findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Σατανᾶς, der 72 / 36 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 11,14; 12,7. ♦ πούς, das 97 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25; *Laod 1,22. ♦ 4 (Röm) 289 <?page no="290"?> 263 Vgl. die die detaillierten Beobachtungen Alands in C. zu 15,1-13, dazu auch Goldmann zu 14,23. τάχος steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 16,20; Gal 6,18; 1Thess 5,28; 2Thess 3,18; 1Tim 1,14). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ δὲ θεός; θεὸς τῆς εἰρήνης; συντρίβω; τάχος; ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν. [16],[21-24]: [Weitere Grüße] Die Schlussgrüße erinnern an die in 1Kor 16, ebenfalls ein Kapitel, das von der kanonischen Redaktion dem Brief zugefügt wurde. - 21 Ἀσπάζεται ὑμᾶς Τιμόθεος ὁ συνεργός μου, καὶ Λούκιος καὶ Ἰάσων καὶ Σωσίπατρος οἱ συγγενεῖς μου. 22 ἀσπάζομαι ὑμᾶς ἐγὼ Τέρτιος ὁ γράψας τὴν ἐπιστολὴν ἐν κυρίῳ. 23 ἀσπάζεται ὑμᾶς Γάϊος ὁ ξένος μου καὶ ὅλης τῆς ἐκκλησίας. ἀσπάζεται ὑμᾶς Ἔραστος ὁ οἰκονόμος τῆς πόλεως καὶ Κούαρτος ὁ ἀδελφός. A. Die Verse sind vorkanonisch als abwesend bezeugt, vgl. die Belege bei Goldmann zu 14,23. B. (16,24) ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ (- Ἰησοῦ Χριστοῦ 010, 012, 629) μετὰ πάντων ὑμῶν (μεθ’ ὑμῶν 630) add 06, 010, 012, 020, 044, 629, 630, 1175, 1241, 1505, 1881, M, ar, vg cl , sy h (p. [25-27] 33, 104, 365, sy p , bo ms , Ambst; sed - ἡμῶν P); om P 46.61 , 01, 02, 03, 04, 81, 1739, 2464, b, vg st , co. 263 C. 1. Vergleiche die Bemerkungen zum ersten Kapitelabschnitt. 2. (16,24) Dieser Vers fehlt in NA 28 , denn er stellt die Ergänzung dar, die sich nur in einigen Zeugen findet, vgl. zu B. D. (16,21) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen συνεργός vgl. weiter oben zu den Versen 3. 9. ♦ Λούκιος steht nur noch 1 weiteres Mal 290 Rekonstruktion <?page no="291"?> auf der kanonischen Ebene (Apg 13,1), was wiederum die Nähe zwischen Apg und Röm 16 anzeigt. ♦ Ἰάσων, der 5 Mal im NT steht, findet sich nur noch wieder in der Apostelgeschichte auf kanonischer Ebene (Apg 17,5. 6. 7. 9; Röm 16,21), hier gilt dieselbe Beobachtung. ♦ Σωπάτρειος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zum kanonischen συγγενής vgl. weiter oben zu den Versen 7 und 11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; Τιμόθεος; συνεργός; Λούκιος; Ἰάσων; συγγενής. (16,22) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Τέρτιος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Der Ausdruck ὁ γράψας begegnet 1 weiteres Mal, Joh 21,24, was die Nähe zwischen diesen beiden Versen anzeigt. ♦ ἐπιστολή, das 25 / 24 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; ὁ γράψας; ἐπιστολή. (16,23) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der ka‐ nonischen Ebene zu finden. ♦ Γάϊος, der 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ξένος steht 15 / 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,12. 19. ♦ ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ Ἔραστος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκόνομος, das 10 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ πόλις, das 174 / 164 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Κούαρτος ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; Γάϊος; Ἔραστος; οἰκόνομος. Zu bemerken ist auch die ausschließ‐ liche vorkanonische Bezeugung von ξένος für *Laod, was erneut auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik verweist. [16],[25-27]: [Doxologie] Auch die Doxologie ist ein Produkt der kanonischen Redaktion. Wie ihre un‐ terschiedliche Stellung in den Handschriften andeutet, hatte der vorkanonische Römerbrief, der mit Kapitel 14 endete, eine erhebliche Auswirkung auf die Rezeption dieses kanonischen Schlusses. - Τῷ 25 δὲ δυναμένῳ ὑμᾶς στηρίξαι κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου καὶ τὸ κήρυγμα Ἰησοῦ Χριστοῦ, κατὰ ἀποκάλυψιν 4 (Röm) 291 <?page no="292"?> 264 Detering sieht die Doxologie präsent mit folgendem Text: 25 Τῷ δὲ δυναμένῳ ὑμᾶς στηρίξαι κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου κατὰ ἀποκάλυψιν μυστηρίου χρόνοις αἰωνίοις σεσιγημένου 26 φανερωθέντος δὲ νῦν κατ’ ἐπιταγὴν τοῦ αἰωνίου θεοῦ εἰς 27 μόνῳ σοφῷ θεῷ διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ ᾧ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας: ἀμήν, H. Detering, Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt (2005), 197. 265 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 520. 266 U. Schnelle, Einleitung in das Neue Testament (2023), 144. μυστηρίου χρόνοις αἰωνίοις σεσιγημένου 26 φανερωθέντος δὲ νῦν διά τε γραφῶν προφητικῶν κατ’ ἐπιταγὴν τοῦ αἰωνίου θεοῦ εἰς ὑπακοὴν πίστεως εἰς πάντα τὰ ἔθνη γνωρισθέντος, 27 μόνῳ σοφῷ θεῷ διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ ᾧ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας· ἀμήν. A. Zur komplexen handschriftlichen Bezeugung dieser Verse, die an unter‐ schiedlichen Stellen im Text von Röm eingeordnet sind bzw. auch fehlen oder anders zugeschnitten werden, vgl. zuvor zu 15,1-13 die von Aland zitierte Aufstellung und die Belege bei Goldmann zu 14,23. B. Zu den Varianten vergleiche man ebenfalls Aland und Goldmann. C. Nach Hilgenfeld, Harnack, Schmid und BeDuhn fehlte dieser Teil im vor‐ kanonischen Text. 264 Nach Zahn ist vieles, aber nicht alles von Kapitel 16 gestrichen, was allerdings genau, sei unklar, aber er meint, Markion habe „soviel historischen Geschmack“ gehabt, den Brief mit einem ordentlichen Schluss zu beenden. 265 Schnelle ist der Meinung, dass die Verse 25-27 wegen ihres Fehlens „bei Markion“ und aufgrund der „Parallelen im deuteropaulinischen Schrifttum (vgl. Kol 1,26f.; 2,2; 4,3; Eph 1,9; 3,3f.9; 6,19; ferner Jud 24 f. [! ]“ den Schluss nahelegen, dass „diese Verse nicht zum ursprünglichen Text des Röm zu rechnen“ sind. 266 D. (16,25) Die Kombination τῷ δέ δυναμένῳ steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung (Röm 16,25; Eph 3,20; Jud 1,24), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ στηρίζω, das sich 16 / 13 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Der Ausdruck κατὰ τὸ εὐαγγέλιον steht 4 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt, und wieder aufgenommen auf der kanonischen Ebene in Röm 16,25; 1Tim 1,11; 2Tim 2,8. 292 Rekonstruktion <?page no="293"?> ♦ Der Ausdruck τὸ κήρυγμα steht 3 Mal im NT, in Lk 11,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt, dazu Mt 12,41; Röm 16,25. ♦ Der Ausdruck κατὰ ἀποκάλυψιν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 16,25; Gal 2,2; Eph 3,3), auch wenn er vielleicht in *Gal 2,2 stand. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ χρόνος, das 61 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4. ♦ Die Kombination χρόνος + αἰώνιος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 16,25; 2Tim 1,9; Tit 1,2). ♦ σιγάω, das 12 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,34. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τῷ δὲ δυναμένῳ; στηρίζω; κατὰ τὸ εὐαγγέλιον; τὸ κήρυγμα; χρόνος + αἰώνιος. (16,26) φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, für die vorkanonische Fassung belegt ist in *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ Die Kombination φανερωθέντος δέ steht nur hier im NT. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; 22,69; *Gal 2,20. ♦ Die Kombination διά τε steht nur hier im NT. ♦ γραφή steht 54 / 51 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ προφητικός steht 3 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐπιταγή, das 8 Mal im NT steht, ist nur bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ ὑπακοή, das 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu 15,18; 16,19. ♦ Die Kombination εἰς πάντα steht 4 Mal im NT, in Lk 24,47, in einem Vers, der in *Ev fehlt, dazu in Mk 13,10; Röm 16,26; 2Kor 2,9, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die erweiterte Wendung εἰς πάντα τὰ ἔθνη steht 3 Mal im NT, an den vorgenannten Stellen, außer 2Kor 2,9. ♦ Die Form γνωρισθέντος steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: γραφή; προφητικός; ἐπιταγή; ὑπακοή; εἰς πάντα; εἰς πάντα τὰ ἔθνη. (16,27) Die Form μόνος steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,21; vgl. zu Röm 11,3. ♦ (μόνος +) σοφός + θεός steht nur hier im NT. ♦ Die Kombination διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *Röm 5,21. ♦ Die Wendung ᾧ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας begegnet 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 16,27; Gal 1,5; 2Tim 4,18; Hebr 13,21). ♦ ἀμήν steht 175 / 130 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt nur als Substantiv τὸ Ἀμήν für *2Kor 1,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ᾧ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας; ἀμήν. 4 (Röm) 293 <?page no="294"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 119-120. 5 (1Thess) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Θεσσαλονικεῖς α’ - Thessalonicenses sunt Macedones in Christo Iesu. hi accepto verbo veritatis perstiterunt in fide etiam in persecu‐ tione civium suorum; praeterea nec receperunt ea quae a falsis apostolis dicebantur. hos conlaudat apostolus scribens eis ab Athenis. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 15, praef.: De epistula ad Thessalonicenses prima; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): Πέμπτη πρὸς Θεσσαλονικεῖς; ibid. (119 H.): Πρὸς Θεσσαλονικεῖς α, <παρ’ αὐτῷ ε>, παρ’ ἡμῖν δὲ η; ibid. (178 H.): Τῆς πρὸς Θεσσαλονικεῖς, πέμπτης ἐπιστολῆς οὕτω γὰρ κεῖται ἐν τῷ Μαρκίωνι, ὀγδόης δὲ αὔσης παρὰ τῷ ἀποστόλῳ, τὰ πάντα τοῦ Μαρκίωνος διεστραμμένως ἀπ’ αὐτῆς ἔχοντος οὐδὲν ἐξ αὐτῆς παραθέμεθα; vgl. auch den markionitischen Prolog. B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. 1 C. Ohne Quellenangabe geben Zahn und Harnack als Adressat und Titulus: Πρὸς Θεσσαλονικεῖς α’, παρ’ ἡμῖν δὲ η. Bemerkenswert ist wiederum, dass Epiphanius den Ersten Thessalonicherbrief nicht zählt, sondern lediglich den Zweiten Thessalonicherbrief als solchen bezeichnet, dasselbe Phänomen ist uns bereits bei den Korintherbriefen begegnet. Kapitel 1 1,1: Anschrift und Gruß Die vorkanonische Anschrift ist zum Teil bezeugt, der nachfolgende Gruß nicht. 1,1 Παῦλος, ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ τῇ ἐκκλησίᾳ Θεσσαλονικέων χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ. 1,1 Παῦλος καὶ Σιλουανὸς καὶ Τιμόθεος τῇ ἐκκλησίᾳ Θεσσαλονικέων ἐν θεῷ πατρὶ καὶ κυρίῳ Ἰησοῦ Χριστῷ· χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη. <?page no="295"?> 2 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 111. A. *1,1: Vgl. die Angaben zum Titulus. Tert., Adv. Marc. V 15,1: De epistula ad Thessalonicenses prima. [1] Brevioribus quoque epistulis non pigebit intendere. Est sapor et in paucis. Vgl. ibid. V 5,1: communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. B. (1,1) Post πατρί add ἡμῶν die Zeugen 02, 81, (629), ar, r, vg s , sa mss . ♦ Post Χριστῷ add ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν (- 06) καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ die Zeugen 01, 02, 06, 016, 018, 020, 025, 33, 81, 104, (365), 630, 1175, 1241, 1505, 2464, M, (m), vg mss , sy h** , bo, om in 03, 010, 012, 044, 0278, 629, 1739, 1881, lat, sy p , sa, NA 28 . C. 1. (1,1) Zur schlichten Briefadresse und -eröffnung vgl. die Ausführungen zur Eröffnung von 1Kor. 2. Die Eröffnung ist nach Hilgenfeld, Zahn, Harnack und Schmid unbezeugt, BeDuhn allerdings verweist sowohl auf die hier angeführte Stelle bei Tertullian wie auch auf den oben angeführten Prolog. Zu diesen Zeugnissen ist allerdings auch Tert., Adv. Marc. V 21,1 hinzuzunehmen: Soli huic epistulae brevitas sua profuit ut falsarias manus Marcionis evaderet. Und, was den Ersten Thessalo‐ nicherbrief als Ganzes betrifft, vergleiche man Epiphanius, der geradezu das Gegenteil von Tertullian behauptet und, wie Hilgenfeld schon sah, „mit der Bemerkung [über die Thessalonicherbriefe] hinweggeht“, weil „sie bei Marcion gänzlich verfälscht seien“, vgl. Epiph., Pan. 42 (119 H.): Πρὸς Θεσσαλονικεῖς ᾱ; (178 H.): Τῆς πρὸς Θεσσαλονικεῖς <ᾱ>, πέμπτης ἐπιστολῆς (οὕτω γὰρ κεῖται ἐν τῷ Μαρκίωνι), ὀγδόης δὲ οὔσης παρὰ τῷ ἀποστόλῳ, τὰ πάντα τοῦ Μαρκίωνος διεστραμμένως ἀπ’ αὐτῆς ἔχοντος οὐδὲν ἐξ αὐτῆς παρεθέμεθα. Harnack interpretiert das letzte Zitat wie folgt: „Epiphanius hatte sich, als er vor Jahren die Auszüge aus den Paulusbriefen machte, nichts aus diesen Briefen angemerkt und deutete dies, den Tatbestand vergessend, nun so, als seien die Briefe hoffnungslos verfälscht und verkehrt“. 2 Wenn man zu dem Epiphaniuszeugnis jedoch noch Tertullians Referat zum Eingang hinzunimmt, mit dem Tertullian in Hinsicht auf Markions Einfluss auf den Brief geradezu das Gegenteil sagt und dann darauf verweist, dass selbst in der Kürze dieser Briefe (brevioribus quoque epistulis), ja gerade in dem Wenigen (in paucis) der sapor (doch wohl des Fälschers Markion) liegt, dann wird man Harnack nur so richtig verstehen können, dass Epiphanius der Unterschied zwischen beiden Fassungen ins Auge gestochen sein muss, die er als drastische Verfälschung gelesen hat. Was Epiphanius als völlige Veränderung der Briefe bezeichnet und darum zum 5 (1Thess) 295 <?page no="296"?> 3 Pace ibid. 113*. 4 „It is not clear …, whether or how far Marcion differentiated what stand in the New Testament canon as 1 and 2 Thessalonians“, eigene Übers., J.W. Marshall, Misunders‐ tanding the New Paul: Marcion and the Sonderzeit Paul (2012), 22. Verzicht auf Zitate aus diesem Brief geführt hat, spornt Tertullian hingegen an, aus dem Wenigen noch das typisch Markionitische zu erheben, um dessen Distortion zu verdeutlichen. In seiner Einleitung zu dem kleinen Philemonbrief schreibt Tertullian ausdrücklich, dass der Philemonbrief der einzige der kleinen Briefe sei, der von Markion nicht verändert worden sei. Harnacks Urteil, nachdem „in diesem Brief [1Thess]… größere Streichungen nicht nachweisbar“ seien, ist darum insofern fehlgeleitet, als sowohl nach Epiphanius wie Tertullian mit größeren Differenzen zwischen beiden Versionen zu rechnen ist, auch wenn diese nach der hier angenommenen Bearbeitungsrichtung nicht in Streichungen durch Markion, sondern im Aufblähen eines sehr kurzen Briefes durch die kanonische Redaktion bestanden hat. 3 Wie Marshall zu dem Urteil gelangt, „es sei nicht klar, ob und in wieweit Markion zwischen dem, was im Kanon des Neuen Testaments als Erster und Zweiter Thessalonicher steht, unterschied“, ist unklar. 4 D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,1 und noch für *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Wendung Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ steht 6 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,1, vermutlich aber auch stehend in *2Kor 1,1; *Röm 1,1; *1Thess; *2Thess; *Laod; *Kol; *Phil, vgl. zu 1Kor 1,1. ♦ Σιλουανός steht 4 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene bezeugt (2Kor 1,19; 1Thess 1,1; 2Thess 1,1; 1Petr 5,12). ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν θεῷ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 2,17. ♦ Die Wendung ἐν πατρὶ καὶ κυρίῳ Ἰησοῦ Χριστῷ steht nur 1 weiteres Mal, ebenfalls vorkanonisch unbezeugt in 2Thess 1,1. ♦ Ansonsten vergleiche die Lexeme zu *1Kor 1,1. Zur Rekonstruktion: Wohl lediglich die bezeugten Teile und der kurze, vorka‐ nonisch unbezeugte Wunsch am Ende dürften vorkanonisch gestanden sein, vor allem auch nach dem Zeugnis Tertullians zur Eröffnung von *1Kor. 296 Rekonstruktion <?page no="297"?> 1,[2-10]: [Der vorbildliche Glaube der Gemeinde] Dieser Passus ist vorkanonisch unbezeugt und nach Ausweis der Lexik vorka‐ nonisch nicht vorhanden. - 2 Εὐχαριστοῦμεν τῷ θεῷ πάντοτε περὶ πάντων ὑμῶν, μνείαν ποιούμενοι ἐπὶ τῶν προσευχῶν ἡμῶν, ἀδιαλείπτως 3 μνημονεύοντες ὑμῶν τοῦ ἔργου τῆς πίστεως καὶ τοῦ κόπου τῆς ἀγάπης καὶ τῆς ὑπομονῆς τῆς ἐλπίδος τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ ἔμπροσθεν τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς ἡμῶν, 4 εἰδότες, ἀδελφοὶ ἠγαπημένοι ὑπὸ [τοῦ] θεοῦ, τὴν ἐκλογὴν ὑμῶν, 5 ὅτι τὸ εὐαγγέλιον ἡμῶν οὐκ ἐγενήθη εἰς ὑμᾶς ἐν λόγῳ μόνον ἀλλὰ καὶ ἐν δυνάμει καὶ ἐν πνεύματι ἁγίῳ καὶ [ἐν] πληροφορίᾳ πολλῇ, καθὼς οἴδατε οἷοι ἐγενήθημεν ἐν ὑμῖν δι’ ὑμᾶς. 6 καὶ ὑμεῖς μιμηταὶ ἡμῶν ἐγενήθητε καὶ τοῦ κυρίου, δεξάμενοι τὸν λόγον ἐν θλίψει πολλῇ μετὰ χαρᾶς πνεύματος ἁγίου, 7 ὥστε γενέσθαι ὑμᾶς τύπον πᾶσιν τοῖς πιστεύουσιν ἐν τῇ Μακεδονίᾳ καὶ ἐν τῇ Ἀχαΐᾳ. 8 ἀφ’ ὑμῶν γὰρ ἐξήχηται ὁ λόγος τοῦ κυρίου οὐ μόνον ἐν τῇ Μακεδονίᾳ καὶ [ἐν τῇ] Ἀχαΐᾳ, ἀλλ’ ἐν παντὶ τόπῳ ἡ πίστις ὑμῶν ἡ πρὸς τὸν θεὸν ἐξελήλυθεν, ὥστε μὴ χρείαν ἔχειν ἡμᾶς λαλεῖν τι· 9 αὐτοὶ γὰρ περὶ ἡμῶν ἀπαγγέλλουσιν ὁποίαν εἴσοδον ἔσχομεν πρὸς ὑμᾶς, καὶ πῶς ἐπεστρέψατε πρὸς τὸν θεὸν ἀπὸ τῶν εἰδώλων δουλεύειν θεῷ ζῶντι καὶ ἀληθινῷ, 10 καὶ ἀναμένειν τὸν υἱὸν αὐτοῦ ἐκ τῶν οὐρανῶν, ὃν ἤγειρεν ἐκ τῶν νεκρῶν, Ἰησοῦν τὸν ῥυόμενον ἡμᾶς ἐκ τῆς ὀργῆς τῆς ἐρχομένης. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (1,5) Post ἐγενήθημεν add ἐν in den Zeugen 01, 02, 04, 025, 048, 33, 81, 104, 326*, 945, 1739, 1881, vg st , om in 03, 06, 010, 012, 018, 020, 044, 0278, 326 c , 365, 630, 1175, 1241, 1505, 2464, M, it, vg cl.ww , sy (p) . C. (1,2-10) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn sie nach Zahn in irgendeiner Form präsent waren und Harnack meint, dass „in diesem 5 (1Thess) 297 <?page no="298"?> 5 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 113*. Brief … größere Streichungen nicht nachweisbar“ seien. 5 Ob Harnack richtig urteilt, ist durch den lexikalischen Vergleich und die narrative Einbindung des nächstbezeugten Verses, 1Thess 2,14, zu prüfen. D. (1,2) εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ Die Form εὐχαριστοῦμεν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Kol 1,3; 1Thess 1,2; 2,13; Apk 11,17). ♦ Die weitere Kombination εὐχαριστοῦμεν τῷ θεῷ steht 3 Mal im NT, wie zuvor, jedoch nicht in Apk 11,17. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ περί, das 354 / 333 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 8,1; 12,1, vgl. weiters Vers 9. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ Die Wendung περὶ πάντων ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 1,8. ♦ Auch die kürzere Wendung περὶ πάντων, die 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,18; Röm 1,8; Eph 6,18; 1Thess 1,2; 1Joh 2,27). ♦ μνεία, das sich 7 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene (auch Eph 1,16). ♦ Die Wendung ἐπὶ τῶν προσευχῶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, an den weiteren Stellen jeweils ergänzt mit μου (Röm 1,10; Eph 1,16; 1Thess 1,2; Phlm 1,4). ♦ ἀδιάλειπτος, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εὐχαριστοῦμεν; εὐχαριστοῦμεν τῷ θεῷ; πάντοτε; περὶ πάντων ὑμῶν; μνεία; ἐπὶ τῶν προσευχῶν; ἀδιάλειπτος. Wie die Lexik erweist, beginnt die Passage mit einem durch und durch von kanonischer Lexik durchzogenen Vers. (1,3) μνημονεύω, das 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch sowohl für *Ev wie für *Paulus belegt. ♦ Die Form μνημονεύοντες steht nur 1 weiteres Mal, Apg 20,31. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist in der Wendung τὸ ἔργον νόμου vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,16; 5,19, jedoch in negativer Deutung, während es hier als ἔργον τῆς πίστεως positiv gewendet ist. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὑπομονή, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. ♦ ἔμπροσθεν, das 52 / 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,10. ♦ Die Wendung ἔμπροσθεν τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς ἡμῶν steht 1 weiteres Mal im NT, auf der kanonischen 298 Rekonstruktion <?page no="299"?> Ebene in 1Thess 3,13. ♦ Die Kombination ἔμπροσθεν τοῦ + κύριος oder θεός findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μνημονεύοντες; die positive Semantik von ἔργον; κόπος; ἔμπροσθεν τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς ἡμῶν; ἔμπροσθεν τοῦ + κύριος oder θεός. (1,4) Die Form εἰδότες begegnet 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,11. ♦ Die Wendung ἀδελφοὶ ἠγαπημένοι ὑπό steht noch 1 weiteres Mal, 2Thess 2,13, auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκλογή, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰδότες; ἀδελφοὶ ἠγαπημένοι ὑπό; ἐκλογή. (1,5) Die Wendung τὸ εὐαγγέλιον ἡμῶν steht noch 1 weiteres Mal, auf kanonischer Ebene in 2Kor 4,3. ♦ Die Wendung ἐγενήθη εἰς steht 5 Mal im NT, in Lk 20,17, in einem Vers, der in *Ev fehlt, dann Mt 21,42; Mk 12,10; 1Thess 1,5; 1Petr 2,7, also jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν λόγῳ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,20. ♦ Die Kombination μόνον ἀλλὰ καί steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. Röm 4,12. ♦ Die Kombination ἀλλὰ καὶ ἐν steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch in *Gal 4,25 ↑*Laod 1,21. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ἐν (an unserer Stelle erweitert mit einem eingeschobenen καὶ) begegnet 29 Mal im NT, davon 22 Mal im kanonischen Paulus, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, wie zu 1Kor 2,5 gezeigt, dort steht auch wörtlich die erweiterte Kombination ἀλλ’ ἐν δυνάμει, die erneut auf kanonischer Ebene begegnet in 1Kor 4,20. ♦ Die Wendung ἐν πνεύματι ἁγίῳ steht 13 Mal im NT, Lk 3,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und überhaupt nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 6,6. ♦ πληροφορία findet sich 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (1Thess 1,5; Kol 2,2; Hebr 6,11; 10,22). ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) ist nicht für *Paulus bezeugt und vorkanonisch nur belegt für *Ev, vgl. auch den nachfolgenden Vers 6. ♦ οἷος, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,48. ♦ Die Form ἐγενήθημεν steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,9, vgl. zu dieser Stelle. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Es ist bemerkenswert, dass NA 28 hier ἐν einklammert, wo dies doch die kanonisch-harmonisierte Lesart zu sein scheint, während der Sprachgebrauch der Benutzung des Dativs ὑμῖν ohne ἐν dem vorkanonischen entspricht. ♦ Die Kombination δι’ ὑμᾶς steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,24. 5 (1Thess) 299 <?page no="300"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τὸ εὐαγγέλιον ἡμῶν; ἐγενήθη εἰς; ἐν λόγῳ; μόνον ἀλλὰ καί; ἐν πνεύματι ἁγίῳ; πληροφορία; ἐν ὑμῖν. (1,6) Die Wendung καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, die Verseröffnungen findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ μιμητής, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene. ♦ Das verwandte μιμέομαι, das 11 / 4 Mal im NT steht, ist ebenfalls ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Form ἐγενήθητε steht 5 Mal im NT (Eph 2,13; 1Thess 1,6; 2,8. 14; 1Petr 3,6), vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13. ♦ δέχομαι, das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) vgl. zuvor Vers 5. ♦ χαρά, das zwar 62 / 59 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ ὑμεῖς; μιμητής; χαρά. Man beachte die ausschließlich vorkanonische Bezeugung von ἐγενήθητε für *Laod, was auf die sprachliche Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Ebene hinweist. (1,7) Die hier unbezeugte Konjunktion ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, davon 37 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21 (Verseröffnung); *2Kor 3,7 (im Vers); *Röm 7,12; *2Thess 2,4 (im Vers). ♦ Die Kombination γενέσθαι ὑμᾶς steht noch 1 weiteres Mal, nicht kanonisch bezeugt in dem sonst bezeugten Vers *Röm 7,4. ♦ τύπος, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, etwa Lk 1,20. 45; 17,21, in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,11; 20,5; 22,67; 24,25; *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ Μακεδονία, das 22 Mal im NT erwähnt wird, ist nur kanonisch belegt. ♦ Ἀχαία, das 12 / 10 Mal im NT steht, 1 Mal im lateinischen Prolog zum Ersten Korintherbrief, findet sich ansonsten nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ὥστε; γενέσθαι ὑμᾶς; Μακεδονία. (1,8) Die Kombination ἀφ’ ὑμῶν steht 12 Mal im NT, davon nur hier als Verseröffnung (vgl. aber mit voranstehendem ἤ in 1Kor 14,36, ebenfalls auf der kanonischen Ebene), ausschließlich im kanonischen Paulus belegt. ♦ ἐξηχέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung ὁ λόγος τοῦ κυρίου steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen 300 Rekonstruktion <?page no="301"?> Ebene (Apg 13,49; 1Thess 1,8; 2Thess 3,1). ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Die Kombination οὐ μόνον steht 27 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (immer οὐ μόνον δέ), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 25 ↑*Laod 1,21. ♦ Zu den nur kanonisch bezeugten Μακεδονία und Ἀχαία vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ τόπος, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἐν παντί τόπῳ steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 2,14. ♦ Die Formulierung ἡ πίστις ὑμῶν begegnet 7 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 2,5. ♦ ἐξέρχομαι, das 258 / 218 Mal im NT ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐξελήλυθεν steht 1 weiteres Mal, Mk 7,29. ♦ χρεία, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. ♦ Die Kombination χρείαν + ἔχω steht 32 Mal im NT, in Lk 15,7; 19,31. 34, jeweils in Versen oder Teilversen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31 (auch in der negativen Form). ♦ Die Kombination λαλέω + τι steht 1 weiteres Mal in Apg 28,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀφ’ ὑμῶν; ὁ λόγος τοῦ κυρίου; Μακεδονία; ἐν παντὶ τόπῳ; ἡ πίστις ὑμῶν; ἐξελήλυθεν; λαλέω + τι. (1,9) Die Kombination αὐτοὶ γάρ steht 10 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 1Thess 1,9; 2,1; 5,2; 2Thess 3,7; im Vers: Lk 22,71; 2 Mal Joh; 1Thess 3,3; 4,9; Hebr 13,17), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination περὶ ἡμῶν steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 28,15; Eph 6,22; Kol 4,3. 8; 1Thess 1,9; 5,25; 2Thess 3,1; Tit 2,8; Hebr 11,40; 13,18). ♦ ἀπαγγέλλω, das 52 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,26. ♦ ὁποῖος, das sich 5 Mal im NT findet, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ εἴσοδος steht 5 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 13,24; 1Thess 1,9; 2,1; Hebr 10,19; 2Petr 1,11). ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zuvor zu Vers Röm 15,29. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ ἐπιστρέφω, das 41 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,4; *Gal 4,9; *2Kor 3,16. ♦ εἴδωλον, das 13 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,19. ♦ δουλεύω, das 26 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ ἀληθινός steht 30 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,11. ♦ Die Wendung θεῷ ζῶντι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Thess 1,9; 1Tim 4,10; Hebr 9,14). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: αὐτοὶ γάρ; περὶ ἡμῶν; ὁποῖος; εἴσοδος; πρὸς ὑμᾶς; θεῷ ζῶντι. 5 (1Thess) 301 <?page no="302"?> (1,10) ἀναμένω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung τὸν υἱὸν αὐτοῦ steht 7 Mal im NT (Mt 21,37; Gal 1,16; 4,4; 1Thess 1,10; Jak 2,21; 1Joh 4,9. 10), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ Die Wendung ἐκ τῶν οὐρανῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 3,17; Mk 1,11; 1Thess 1,10). ♦ Die Wendung ὃν ἤγειρεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 12,1. 9; 1Thess 1,10). ♦ Die Wendung ἐκ τῶν νεκρῶν steht 3 Mal im NT (Eph 5,14; Kol 1,18; 1Thess 1,10), vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,14. ♦ ῥύομαι, das 22 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43 (Tert. bietet jedoch: sanguine fluitabat); *Röm 7,24. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐκ τῶν οὐρανῶν; ὃν ἤγειρεν. Auffallend ist die vorkanonische Bezeugung von ἐκ τῶν νεκρῶν für *Laod, was wieder auf die sprachliche Nähe dieses *Deuteropauli‐ nums zur kanonischen Ebene hinweist. Auch für diese Verse ist es eindrücklich, welche Häufung an ausschließlich be‐ zeugten und beliebten Elementen der kanonischen Redaktion begegnet, folglich sind diese Verse Produkte der kanonischen Redaktion und haben vorkanonisch gefehlt. Kapitel 2 2,[1-13]: [Die Gründung der Gemeinde] Diese vorkanonisch unbezeugte Passage wurde, wie auch die Lexik stützt, von der kanonischen Redaktion eingeschoben. Wie bereits an früheren Stellen, bietet auch hier der kanonische Paulus ein Selbstzeugnis, das ihn als einen sich Mühenden, auch um seine Reputation Kämpfenden zeigt, was ihn erneut in einem gewissen Zwielicht erscheinen lässt. Er muss sich sogar gegenüber dem Vorwurf der Habgier und dem der Ehrsucht verteidigen. Liest man den Text als Antwort auf den vorkanonischen *Paulus, versteht man, warum der kanonische Paulus wie jemand klingt, der seinen früheren Kampf und Anspruch auf Autorität selbst kritisiert und sich nun zurücknimmt. 302 Rekonstruktion <?page no="303"?> 2,1 Αὐτοὶ γὰρ οἴδατε, ἀδελφοί, τὴν εἴσοδον ἡμῶν τὴν πρὸς ὑμᾶς ὅτι οὐ κενὴ γέγονεν, 2 ἀλλὰ προπαθόντες καὶ ὑβρισθέντες καθὼς οἴδατε ἐν Φιλίπποις ἐπαρρησιασάμεθα ἐν τῷ θεῷ ἡμῶν λαλῆσαι πρὸς ὑμᾶς τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ ἐν πολλῷ ἀγῶνι. 3 ἡ γὰρ παράκλησις ἡμῶν οὐκ ἐκ πλάνης οὐδὲ ἐξ ἀκαθαρσίας οὐδὲ ἐν δόλῳ, 4 ἀλλὰ καθὼς δεδοκιμάσμεθα ὑπὸ τοῦ θεοῦ πιστευθῆναι τὸ εὐαγγέλιον οὕτως λαλοῦμεν, οὐχ ὡς ἀνθρώποις ἀρέσκοντες ἀλλὰ θεῷ τῷ δοκιμάζοντι τὰς καρδίας ἡμῶν. 5 οὔτε γάρ ποτε ἐν λόγῳ κολακείας ἐγενήθημεν, καθὼς οἴδατε, οὔτε ἐν προφάσει πλεονεξίας, θεὸς μάρτυς, 6 οὔτε ζητοῦντες ἐξ ἀνθρώπων δόξαν, οὔτε ἀφ’ ὑμῶν οὔτε ἀπ’ ἄλλων, 7 δυνάμενοι ἐν βάρει εἶναι ὡς Χριστοῦ ἀπόστολοι, ἀλλὰ ἐγενήθημεν νήπιοι ἐν μέσῳ ὑμῶν. ὡς ἐὰν τροφὸς θάλπῃ τὰ ἑαυτῆς τέκνα, 8 οὕτως ὁμειρόμενοι ὑμῶν εὐδοκοῦμεν μεταδοῦναι ὑμῖν οὐ μόνον τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ ἀλλὰ καὶ τὰς ἑαυτῶν ψυχάς, διότι ἀγαπητοὶ ἡμῖν ἐγενήθητε. 9 μνημονεύετε γάρ, ἀδελφοί, τὸν κόπον ἡμῶν καὶ τὸν μόχθον· νυκτὸς καὶ ἡμέρας ἐργαζόμενοι πρὸς τὸ μὴ ἐπιβαρῆσαί τινα ὑμῶν ἐκηρύξαμεν εἰς ὑμᾶς τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ. 10 ὑμεῖς μάρτυρες καὶ ὁ θεός, ὡς ὁσίως καὶ δικαίως καὶ ἀμέμπτως ὑμῖν τοῖς πιστεύουσιν ἐγενήθημεν, 11 καθάπερ οἴδατε ὡς ἕνα ἕκαστον ὑμῶν ὡς πατὴρ τέκνα ἑαυτοῦ 12 παρακαλοῦντες ὑμᾶς καὶ παραμυθούμενοι καὶ μαρτυρόμενοι εἰς τὸ περιπατεῖν ὑμᾶς ἀξίως τοῦ θεοῦ τοῦ καλοῦντος ὑμᾶς εἰς τὴν ἑαυτοῦ βασιλείαν καὶ δόξαν. 13 Καὶ διὰ τοῦτο καὶ ἡμεῖς εὐχαριστοῦμεν τῷ θεῷ ἀδιαλείπτως, ὅτι παραλαβόντες λόγον ἀκοῆς παρ’ ἡμῶν τοῦ θεοῦ ἐδέξασθε οὐ λόγον ἀνθρώπων ἀλλὰ καθώς ἐστιν ἀληθῶς λόγον θεοῦ, ὃς καὶ ἐνεργεῖται ἐν ὑμῖν τοῖς πιστεύουσιν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (2,7) νήπιος ist zu finden in den Zeugen P 65 , 01*, 03, 04*, 06*, 010, 012, 016, 044*, 104*, 326 c , it, vg cl.ww , sa ms , bo, hingegen steht ἤπιος in den Zeugen 01 c , 02, 04 2 , 06 2 , 018, 020, 025, 044 c , 0278, 33, 81, 104 c , 326*, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, vg st , (sy), sa mss , Cl. 5 (1Thess) 303 <?page no="304"?> 6 K.G. Eckart, Der zweite echte Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher (1961); B.A. Pearson, 1 Thessalonians 2.13-16 (1971); D. Schmidt, 1 Thess 2.13-16: Linguistic Evidence for an Interpolation (1983); W.O. Walker, Interpolations in the Pauline letters (2001), 210-220. Vgl. hingegen jedoch I. Broer, Der ganze Zorn ist schon über sie gekommen. Bemerkungen zur Interpolationshypothese und zur Interpretation von 1 Thess 2,14-16 (1990). C. 1. (2,1-13) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz auf der vorkanonischen Ebene rechnet. 2. Die Stelle 1Thess 2,13-16 wird von einigen Forschenden als Interpolation angesehen. 6 D. (2,1) Die Kombination αὐτοὶ γάρ steht 10 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 1,9. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 3,34; 5,24; 9,33; 11,13; 12,30. 39; 13,25; 18,20; *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter die Verse 2. 5. 11. ♦ Die Kombination αὐτοὶ γὰρ οἴδατε steht 3 Mal im NT, nur in den Thessalonicherbriefen, jeweils auf der kanonischen Ebene, davon 1 Mal als Verseröffnung hier (1Thess 2,1; 3,3; 2Thess 3,7). ♦ εἴσοδος, das 5 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. zuvor 1Thess 1,8. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zuvor zu Vers Röm 15,29. ♦ κενός, das 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: αὐτοὶ γάρ; αὐτοὶ γὰρ οἴδατε; εἴσοδος; πρὸς ὑμᾶς. (2,2) προπάσχω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ὑβρίζω steht 5 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung καθὼς οἴδατε steht 3 Mal im NT, nur hier in diesem Brief, 1Thess 1,5; 2,2. 5, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Φίλιπποι, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,1. ♦ παρρησιάζομαι steht 10 / 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,20. ♦ Die Wendung ἐν τῷ θεῷ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 3,3. 4, vgl. zu Röm 5,11. ♦ Die Kombination τῷ θεῷ ἡμῶν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Thess 2,2; Apk 5,10; 7,10. 12; 19,5). ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zuvor zu Vers Röm 15,29. ♦ Die Wendung τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 1,14; Röm 15,16, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Thess 2,2. 8. 9). ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), das 121 Mal im NT 304 Rekonstruktion <?page no="305"?> steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev, vgl. weiter Vers 17. ♦ ἀγών steht 8 / 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑβρίζω; καθὼς οἴδατε; τῷ θεῷ ἡμῶν; πρὸς ὑμᾶς; τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ; ἀγών. Zu beachten ist, dass gleich zwei Fälle vorliegen, in denen Elemente ausschließlich in einem der drei *Deuteropaulinen vorkanonisch bezeugt sind: παρρησιάζομαι in *Laod und ἐν τῷ θεῷ in *Kol, was auf die Nähe dieser beiden *Pseudopaulinen zur kanonischen Sprache hinweist. (2,3) παράκλησις, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ Die Kombination παράκλησις ἡμῶν steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, 2Kor 1,5. ♦ πλάνη, das 13 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Die Variante οὔτε, die 106 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,6, vgl. die Verse weiter unten 5 und 6. ♦ ἀκαθαρσία, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ δόλος, das 11 Mal im NT steht, ist ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παράκλησις ἡμῶν; πλάνη; δόλος. (2,4) Die Kombination ἀλλὰ καθώς begegnet nur 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 2,9 ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ Die Wendung ὑπὸ τοῦ θεοῦ steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,11; 20,5; 22,67; 24,25; *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες), vgl. weiter die Verse 10 und 13. ♦ εὐαγγέλιον steht 79 / 76 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung οὕτως λαλοῦμεν steht 1 weiteres Mal in Hebr 6,9. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Wendung οὐχ ὡς ἀνθρώποις steht nur hier im NT. ♦ ἀρέσκω, das 21 / 17 Mal im NT begegnet, darunter häufig bei Paulus, steht immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἀλλὰ θεῷ steht 1 weiteres Mal im NT, 1Kor 14,2, auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὰς καρδίας ἡμῶν steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀλλὰ καθώς; ὑπὸ τοῦ θεοῦ; οὕτως λαλοῦμεν; ἀρέσκω; ἀλλὰ θεῷ. 5 (1Thess) 305 <?page no="306"?> (2,5) Die Kombination οὔτε γάρ steht 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls als Verseröff‐ nung, auf der kanonischen Ebene in Gal 6,15. ♦ Die Kombination γάρ ποτε steht 5 Mal im NT (Eph 5,8. 29; 1Thess 2,5; Tit 3,3; 1Petr 3,5), vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,29. ♦ Die Kombination ἐν λόγῳ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,20. ♦ κολακεία ist Hapax legomenon im NT. ♦ πρόφασις steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,18. ♦ Die Form ἐγενήθημεν steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,9, vgl. zu dieser Stelle. ♦ Die Wendung καθὼς οἴδατε steht 3 Mal im NT, nur hier in diesem Brief, 1Thess 1,5; 2,2. 5, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πρόφασις steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,18. ♦ πλεονεξία, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μάρτυς, das 39 / 35 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 13,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὔτε γάρ; ἐν λόγῳ; καθὼς οἴδατε; πλεονεξία. Zu bemerken ist die ausschließlich vorka‐ nonische Bezeugung von γάρ ποτε für *Laod, was wiederum die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache anzeigt. (2,6) Zu οὔτε vgl. zuvor die Verse 3 und 5. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, etwa Lk 2,45. 48. 49; 11,10; 19,10. 47, in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, jedoch vorkanonisch bezeugt ist für *Ev 6,19; 20,19; *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die Form ζητοῦντες steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,3, vgl. zu Röm 10,3. ♦ Die Wendung ἐξ ἀνθρώπων steht 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,4. 6. ♦ Die Kombination ἀφ’ ὑμῶν steht 12 Mal im NT, ausschließlich im kanonischen Paulus belegt, vgl. zu 1Thess 1,8. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἀφ’ ὑμῶν. (2,7) Die Form δυνάμενοι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 2,4; Röm 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Thess 2,7). ♦ βαρύς, das 8 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Die Wendung ὡς Χριστοῦ steht nur hier im NT. ♦ Die Form ἐγενήθημεν steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,9, vgl. zu dieser Stelle. ♦ Die Variante νήπιος, die 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *Gal 4,3. ♦ Hingegen findet sich die Variante ἤπιος 1 weiteres Mal im NT auf der kanonischen Ebene, 2Tim 2,24. ♦ μέσος, das 67 / 58 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,30. ♦ Die Form ἐν μέσῳ ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 22,27; Apg 2,22; 1Thess 2,7). ♦ Die Wendung ὡς ἐάν steht nur hier im NT. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 306 Rekonstruktion <?page no="307"?> 13,25; *1Kor 2,8. ♦ τροφός ist Hapax legomenon im NT. ♦ θάλπω steht nur 2 Mal im NT, das andere Mal vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,29. ♦ τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,31; *1Kor 4,14; *Laod 2,3; 6,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δυνάμενοι; βαρύς; ἤπιος; ἐν μέσῳ ὑμῶν. Hervorzuheben ist, dass θάλπω vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist, was wiederum auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik verweist. (2,8) οὕτως steht 221 / 208 Mal im NT, davon 45 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,31; 21,31 (als Verseröffnung); *Gal 6,2; *1Kor 7,7; 15,11 (Verseröff‐ nung). 22. 42; *Röm 5,21, hier jedoch nicht dramatisierend oder floskelhaft, sondern mit Bedacht eingesetzt, während es vielfach auf der kanonischen Ebene als Füllwort begegnet, vgl. zu Gal 1,6. ♦ ὁμείρομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ εὐδοκέω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19. ♦ μεταδίδωμι, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ διότι, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ ἀγαπητός, das sich 64 / 61 Mal im NT findet, ist vorkanonisch belegt für *Ev 9,35; *1Kor 1,28. ♦ Die Form ἐγενήθητε steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13, vgl. zuvor zu 1,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μεταδίδωμι; τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ. Auffallend ist die singuläre vorkanonische Bezeugung von ἐγενήθητε für *Laod, die wieder auf die Nähe von *Laod zur kanonischen Sprache verweist. (2,9) μνημονεύω, das 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,22; *Gal 2,10. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT und findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μόχθος, das 3 Mal im NT steht, findet sich ebenfalls nur für die kanonische Ebene bezeugt; man bemerke vor allem dieselbe Zusammenstellung von κόπος und μόχθος in 2Kor 11,27 und 2Thess 3,8. ♦ Der Ausdruck νυκτὸς καὶ ἡμέρας steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 5,5; 1Thess 2,9; 3,10; 2Thess 3,8; 1Tim 5,5; 2Tim 1,3). ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ ἐπιβαρέω, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Dieselbe Kombination von ἐπιβαρέω und τινα steht auch 2Thess 3,8. ♦ κηρύσσω, 5 (1Thess) 307 <?page no="308"?> 7 M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 218. das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ Die Wendung τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κόπος; μόχθος; ἐπιβαρέω; τινα; τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ. (2,10) μάρτυς, das 39 / 35 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *2Kor 13,1. ♦ Das Adverb ὁσίως steht nur an dieser Stelle im NT, das Adjektiv ὅσιος steht 8 Mal, immer für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ δικαίως, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,34. ♦ Das verwandte δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ ἄμεμπτος steht als Adverb nur hier und nochmals für die vorkanonische Ebene bezeugt in *1Thess 5,23, während das Adjektiv 5 Mal im NT steht, und zwar nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Verbindung δικαίως καὶ ἀμέμπτως erinnert unmittelbar an den kanonischen Vers Lk 1,6 (ἦσαν δὲ δίκαιοι ἀμφότεροι ἐναντίον τοῦ θεοῦ, πορευόμενοι ἐν πάσαις ταῖς ἐντολαῖς καὶ δικαιώμασιν τοῦ κυρίου ἄμεμπτοι), was, wie Goulder notiert, an Job 12,4 LXX (δίκαιος γὰρ ἀνὴρ καὶ ἄμεμπτος ἐγενήθη εἰς χλεύασμα) angelehnt ist. 7 ♦ Zu πιστεύω vgl. zuvor zu Vers 4 und nachfolgend Vers 13. ♦ Die Form ἐγενήθημεν steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,9, vgl. zu dieser Stelle. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἄμεμπτος. (2,11) καθάπερ, das 14 Mal im NT steht, davon 4 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich in paulinischen Briefen, allein auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 12,4. ♦ Die Kombination ὡς ἕνα steht 1 weiteres Mal, Lk 15,19, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Die Kombination ἕνα ἕκαστον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 16,5; Apg 2,3; 20,31; 1Thess 2,11). ♦ Die Kombination ἕκαστον ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Thess 2,11; 4,4; Hebr 6,11). ♦ τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist auch vorkanonisch gut bezeugt, jedoch ein beliebter Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καθάπερ; ὡς ἕνα; ἕνα ἕκαστον; ἕκαστον ὑμῶν. (2,12) παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, etwa Lk 3,18; 15,28, in Versen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Kombination παρακαλέω + ὑμᾶς steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen 308 Rekonstruktion <?page no="309"?> Ebene (2 Mal Apg; 2Kor 2,8; 10,1; 1Thess 2,12). ♦ παραμυθέομαι steht 4 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt ( Joh 11,19. 31; 1Thess 2,11; 5,14). ♦ μαρτυρέω, das 90 / 76 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ Der Infinitiv περιπατεῖν steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 12,38; Lk 20,46; Joh 7,1; 2 Mal Apg; Eph 4,17; 1Thess 2,12; 4,1; 1Joh 2,6; Apk 9,20). ♦ Das Adverb ἀξίως steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Das Adjektiv ἄξιος, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung τοῦ καλοῦντος ὑμᾶς steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Gal 5,8. ♦ Die Abfolge von βασιλεία und δόξα findet sich nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παρακαλέω + ὑμᾶς; παραμυθέομαι; μαρτυρέω; περιπατεῖν; ἀξίως; τοῦ καλοῦντος ὑμᾶς. Auch in diesem Vers begegnet wieder ein Terminus, der vorkanonisch ausschließlich für *Laod bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanoni‐ schen Lexik verweist. (2,13) Die Kombination καὶ διὰ τοῦτο steht 7 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Joh 5,16; 1Thess 2,13; 2Thess 2,11; Hebr 9,15; im Vers: Mt 14,2; Mk 6,14; Lk 14,20), vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, ist ebenfalls vorkanonisch nur in dem Deuteropaulinum *2Thess 2,11 bezeugt. ♦ Die Kombination διὰ τοῦτο καί steht 7 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: Mt 24,44; Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Joh 12,18; Eph 1,15; Kol 1,9; 1Thess 3,5; mit vorgeschaltetem καί in 1Thess 2,13). ♦ Die Kombination εὐχαριστοῦμεν τῷ θεῷ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Thess 1,2. ♦ ἀδιάλειπτος, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. ♦ παραλαμβάνω, das 54 / 50 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀκοή, das 24 Mal im NT steht, ist ebenfalls ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung παρ’ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, nur in den Thessalonicherbriefen, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Thess 2,13; 4,1; 2Thess 3,6). ♦ δέχομαι, das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ Die Kombination καθώς ἐστιν steht 6 Mal im NT, nur in Phil 1,7 als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; Eph 4,21; Phil 1,7; 1Thess 2,13; 1Joh 3,2). ♦ ἀληθῶς steht 21 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἀλλὰ καθώς begegnet 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 2,9. ♦ ἀληθής, das 27 / 26 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20; 2,2. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 5 (1Thess) 309 <?page no="310"?> 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu πιστεύω vgl. zuvor zu den Versen 4 und 10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: διὰ τοῦτο καί; εὐχαριστοῦμεν τῷ θεῷ; ἀδιάλειπτος; παραλαμβάνω; ἀκοή; παρ’ ἡμῶν; ἀληθῶς; ἀλλὰ καθώς; ἀληθής; ἐν ὑμῖν. Zu bemerken ist, dass die Kombination (καὶ) διὰ τοῦτο (vgl. auch δέχομαι) vorkanonisch nur für *2Thess bezeugt ist, und dass ἐνεργέω gleich mehrfach nur für das *Deuteropaulinum *Laod belegt ist, was die Nähe dieser *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache erweist. Die Lexik mit den fast durchgehend in allen Versen vorhandenen Elementen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind, stützt den Schluss, dass die unbezeugte Passage als Ganze ein Produkt der kanonischen Redaktion darstellt und vorkanonisch gefehlt hat. Dazu passt, dass der nachfolgende vor‐ kanonisch bezeugte Vers direkt an den letzten zuvor bezeugten Vers anschließt. 2,14-15: Leiden aufgrund der Mitbürger Trotz einer vorkanonisch unbezeugten Einleitung, die die Verknüpfung mit dem von der kanonischen Redaktion eingeschobenen voranstehenden Passage gewährleisten soll, und einer Ergänzung am Ende von Vers 15, die wieder das kanonische Thema der Selbstbetrachtung des kanonischen Paulus aus dem Vor‐ spann aufgreift und zum unbezeugten weiteren Teil des Kapitels hinüberführt, ist der Rest des Verses 14 und Vers 15 vorkanonisch bezeugt. Es ist der eigentliche vorkanonische Einstieg in diesen Ersten Thessalonicherbrief. 14 τὰ αὐτὰ ἐπάθετε ὑπὸ τῶν ἰδίων συμφυλετῶν καθὼς αὐτοὶ ὑπὸ τῶν Ἰουδαίων, 14 ὑμεῖς γὰρ μιμηταὶ ἐγενήθητε, ἀδελφοί, τῶν ἐκκλησιῶν τοῦ θεοῦ τῶν οὐσῶν ἐν τῇ Ἰουδαίᾳ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, ὅτι τὰ αὐτὰ ἐπάθετε καὶ ὑμεῖς ὑπὸ τῶν ἰδίων συμφυλετῶν καθὼς καὶ αὐτοὶ ὑπὸ τῶν Ἰουδαίων, 15 τῶν καὶ τὸν κύριον ἀποκτεινάντων Ἰησοῦν καὶ τοὺς ἰδίους προφήτας. 15 τῶν καὶ τὸν κύριον ἀποκτεινάντων Ἰησοῦν καὶ τοὺς προφήτας, καὶ ἡμᾶς ἐκδιωξάντων, καὶ θεῷ μὴ ἀρεσκόντων, καὶ πᾶσιν ἀνθρώποις ἐναντίων, A. *2,14-15: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 15,1: Occiderant Iudaei prophetas suos. Possum dicere, Quid ad apostolum dei alterius, et quidem optimi, qui nec suorum delicta damnare dicatur, quique et ipse prophetas eosdem destruendo quodammodo perimat? Quid enim mali admisit apud illum Israel, si occidit quos et ille reprobavit, si prior inimicam in eos sententiam statuit? Deliquit autem apud deum ipsorum. 310 Rekonstruktion <?page no="311"?> Is exprobrabit iniquitatem ad quem pertinet laesus; certe quivis alius quam adversarius laesi. Sed nec onerasset illos imputando etiam domini necem, Qui et dominum interfecerunt, dicendo, et prophetas suos; licet suos adiectio sit haeretici. Vgl. Adam., Dial. V 12 (im Mund des Adamantius): ὅτι αὐτὰ ἐπάθετε ὑπὸ τῶν ἰδίων συμφυλετῶν καθὰ καὶ αὐτοὶ ὑπὸ τῶν Ἰουδαίων, τῶν καὶ τὸν κύριον ἀποκτεινάντων Ἰησοῦν καὶ τοὺς προφήτας (Rufin: Quia et uos eadem passi estis a contribulibus uestris, sicut et nos a Iudaeis, qui et dominum occiderunt Iesum). B. (2,15) Post καὶ τούς add ἰδίους in 06 1 , 018, 020, 044, 104, 365, 630, 1241, 1505, 2464, M, sy, von NA 28 als Lesart Markions angezeigt, om in 01, 02, 03, 06*, 010, 012, 016, 025, 0208, 6, 33, 81, 629, 1739, 1881, latt, co, Or. C. 1. (2,14-15) Die Meinungen der Editoren, was die Bezeugung der beiden Verse angeht, ist nicht einheitlich. Hilgenfeld und Zahn sehen Vers 14 unbezeugt, auch wenn Zahn der Meinung ist, der Vers sei in irgendeiner Form in der vorkanonischen Version präsent gewesen, während er Vers 15 wie folgt bezeugt sieht: τῶν καὶ τὸν κύριον ἀποκτεινάντων καὶ τοὺς προφήτας αὐτῶν καὶ ἡμᾶς ἐκδιωξάντων, καὶ θεῷ μὴ ἀρεσκόντων, καὶ πᾶσιν ἀνθρώποις ἐναντίων. Harnack gibt als bezeugten Text: ὅτι καὶ ὑμεῖς ταὐτὰ ἐπάθετε ὑπὸ τῶν ἰδίων συμφυλετῶν καθὰ καὶ αὐτοὶ ὑπὸ τῶν Ἰουδαίων, τῶν καὶ τὸν κύριον ἀποκτεινάντων (Ἰησοῦν) καὶ τοὺς ἰδίους προφήτας. Schmid führt den Text lediglich wie folgt an: τῶν καὶ τὸν κύριον ἀποκτεινάντων (Ἰησοῦν) καὶ τοὺς ἰδίους προφήτας-… BeDuhn hingegen legt seiner Übersetzung den folgenden Text zugrunde: 14 [ὑμεῖς μιμηταὶ ἐγενήθητε, ἀδελφοί, τῶν ἐκκλησιῶν τοῦ θεοῦ τῶν οὐσῶν ἐν τῇ Ἰουδαίᾳ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, ὅτι τὰ αὐτὰ ἐπάθετε καὶ ὑμεῖς ὑπὸ τῶν ἰδίων συμφυλετῶν καθὼς καὶ αὐτοὶ] ὑπὸ τῶν Ἰουδαίων, 15 τῶν καὶ τὸν κύριον ἀποκτεινάντων [Ἰησοῦν] καὶ τοὺς ἰδίους προφήτας-… Nun bietet aber Tertullian in seinem Referat zweifelsohne mit Occiderant Iudaei … apud illum Israel, si occidit quos et ille reprobavit einen Bezug zu Vers 14, und nimmt man noch den Prolog hinzu, dann ist zumindest der letzte Teil dieses Verses ebenso bezeugt wie der Anfangsteil von Vers 15, unabhängig davon, ob man das oft sehr unsichere Zeugnis des Adamantius berücksichtigen will oder nicht. 2. Vgl. zur Verfolgung von Christen auch *Gal 6,12, außerdem vergleiche man den oben angeführten Prolog zu diesem Brief: perstiterunt in fide etiam in persecutione civium suorum. 5 (1Thess) 311 <?page no="312"?> 8 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 457. 9 Seinem Urteil schließt sich BeDuhn an, so J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 117; J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 306. 10 G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 238. 11 B.A. Pearson, 1 Thessalonians 2.13-16 (1971); K.G. Eckart, Der zweite echte Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher (1961). 3. (2,15) Zu dem zusätzlichen ἰδίους, das Tertullian als Zusatz Markions „rügt“, urteilt Hilgenfeld: „Es ist dieses jedoch nur die auch sonst vorkommende Lesart τοὺς ἰδίους προφήτας“. 8 In der Tat findet sich das gegenüber der kanonischen Form eingefügte ἰδίους in etlichen Zeugen und wird auch von NA 28 als Lesart Markions angezeigt. Clabeaux schließt aus der weiteren Bezeugung des ἰδίους, dass im Gegensatz zu der Behauptung Tertullians der Begriff nicht auf Markion zurückzuführen sei, sondern bereits vor ihm weit verbreitet in der katholischen Tradition gewesen sei. 9 Dies geschieht jedoch aus der bislang unbelegten Annahme, dass Markion lediglich ein Rezipient dieser ihm vorausliegenden katholischen Tradition und nicht der Ursprung derselben sei. Zuntz hingegen hält den Zusatz für eine falsche Lesart Markions. 10 Es ist immer wieder erstaunlich, wie markionkritische Urteile Tertullians von der modernen Forschung akzeptiert werden, jedoch Angaben wie der vor‐ liegenden widersprochen wird. Grundsätzlich muss man, wie in der Einleitung gezeigt, jeglichen Aussagen Tertullians kritisch gegenüberstehen, vor allem denjenigen, die seinen apologetischen Zielen dienen. Wenn er, wie an dieser Stelle, eine textkritische Bemerkung macht, bei der der apologetische Zweck sich nicht gleich erschließt, sondern sich erst aus der Gegenargumentation Tertullians erkennen lässt, spricht dieser Umstand eher für die Verlässlichkeit Tertullians bei dieser Angabe. 4. (2,13-16) Pearson hatte diese Verse als Interpolation betrachtet, wobei er allerdings insbesondere auf die Verse 15b-16 abhebt, die ihm zufolge unpauli‐ nisch seien. 11 D. (2,14) Zum unbezeugten Versanfang: Die Kombination ὑμεῖς γάρ steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Gal 5,13; 1Thess 2,14. 20; im Vers: Mt 23,13), jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,13. ♦ μιμητής, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Form ἐγενήθητε steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13, vgl. zuvor zu 1,6. ♦ Die Wendung ὑμεῖς γὰρ μιμηταὶ ἐγενήθητε ist eine fast identische 312 Rekonstruktion <?page no="313"?> kanonische Duplikation des in 1,6 stehenden καὶ ὑμεῖς μιμηταὶ ἡμῶν ἐγενήθητε. ♦ Die Kombination ἡ ἐκκλησία + τοῦ θεοῦ steht 1 Mal in Apg und 9 Mal bei Paulus, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,2. ♦ Die Verbform οὐσῶν ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung ἐν τῇ Ἰουδαίᾳ steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,31. ♦ Zum kanonischen ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ vgl. zuvor zu Röm 8,1. Zum bezeugten Versteil: αὐτά (Nom. / Akk. Neut. Pl.), das 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26; 10,21; *Gal 3,12. ♦ Die Form τὰ αὐτά steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26. ♦ πάσχω, das 44 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐπάθετε steht 1 weiteres Mal, Gal 3,4, auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7; *1Thess 2,15. ♦ Die Form τῶν ἰδίων steht 4 Mal im NT (Apg 24,23; 1Thess 2,14; 1Tim 3,12; 5,8), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ συμφυλέτης ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die unbezeugte Kombination καὶ αὐτοί steht 21 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,17. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ Die Kombination ὑπὸ τῶν Ἰουδαίων steht 4 Mal im NT (3 Mal Apg; 1Thess 2,14), nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Wenig überraschend ist inzwischen, dass der unbezeugte Teil von Vers 14 sich auch lexikalisch der kanonischen Redaktion zuordnen lässt, wobei der bezeugte Teil eine Reihe von vorkanonisch bezeugten Elementen aufweist. Auch das voranstehende unbezeugte τὰ αὐτά dürfte aufgrund der vorkanonischen Bezeugung hier gestanden sein. Dass Adamantius hier nicht aus seinem eigenen Exemplar, sondern aus dem des Markion zitiert, legt sich nahe, da er nicht auf den ersten Teil des Verses rekurriert. Dieser erste Teil dürfte demnach zur kanonischen Redaktion gehören, und man wird wohl Adamantius an dieser Stelle als einen vorkanonischen Zeugen heranziehen dürfen. (2,15) Zum bezeugten Versteil: ἀποκτείνω, das sich 87 / 74 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Laod 2,16. ♦ προφήτης, das 157 / 144 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32. ♦ Das von Tertullian für Markion bezeugte ἴδιος, das 123 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,41; *Gal 6,9; *1Kor 7,7. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: ἐκδιώκω steht nur noch 1 weiteres Mal, in Lk 11,49, einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ ἀρέσκω steht 21 / 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Kombination πᾶς + ἄνθρωπος 5 (1Thess) 313 <?page no="314"?> steht 23 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,3. ♦ ἐναντίος steht 14 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die vorkanonische Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Auch bei diesem Vers begegnet das gleiche Phänomen wie im voranstehenden Vers. Lexikalisch finden sich im bezeugten Teil vorka‐ nonisch bezeugte Elemente, während im unbezeugten Teil gleich drei Begriffe folgen, die allesamt nur auf der kanonischen Ebene bezeugt sind. Aufgrund der Übereinstimmung von Bezeugung und Lexik bzw. fehlender Bezeugung und Lexik wird man den unbezeugten Teil von Vers 15 der kanonischen Redaktion zuordnen. 2,[16-20]: [Satan hindert Paulus, die Gemeinde zu besuchen] Dieser vorkanonisch unbezeugte Passus setzt scheinbar die Aussagen der Verse 14 und 15 fort, doch führt der Diskurs tatsächlich die kanonischen Ausführungen der Verse 1-13, 14a und 15b weiter. Paulus entschuldigt sich erneut, dieses Mal dafür, dass er die Gemeinde zwar besuchen wollte, sie aber nicht besuchen konnte - als Grund wird das Einwirken des Satan genannt. - 16 κωλυόντων ἡμᾶς τοῖς ἔθνεσιν λαλῆσαι ἵνα σωθῶσιν, εἰς τὸ ἀναπληρῶσαι αὐτῶν τὰς ἁμαρτίας πάντοτε. ἔφθασεν δὲ ἐπ’ αὐτοὺς ἡ ὀργὴ εἰς τέλος. 17 Ἡμεῖς δέ, ἀδελφοί, ἀπορφανισθέντες ἀφ’ ὑμῶν πρὸς καιρὸν ὥρας, προσώπῳ οὐ καρδίᾳ, περισσοτέρως ἐσπουδάσαμεν τὸ πρόσωπον ὑμῶν ἰδεῖν ἐν πολλῇ ἐπιθυμίᾳ. 18 διότι ἠθελήσαμεν ἐλθεῖν πρὸς ὑμᾶς, ἐγὼ μὲν Παῦλος καὶ ἅπαξ καὶ δίς, καὶ ἐνέκοψεν ἡμᾶς ὁ Σατανᾶς. 19 τίς γὰρ ἡμῶν ἐλπὶς ἢ χαρὰ ἢ στέφανος καυχήσεως ἢ οὐχὶ καὶ ὑμεῖς ἔμπροσθεν τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ ἐν τῇ αὐτοῦ παρουσίᾳ; 20 ὑμεῖς γάρ ἐστε ἡ δόξα ἡμῶν καὶ ἡ χαρά. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (2,16-20) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn wieder mit ihrer nicht näher bestimmbaren vorkanonischen Präsenz rechnet. 314 Rekonstruktion <?page no="315"?> D. (2,16) κωλύω, das 27 / 23 Mal im NT steht, ist ein auffälliger Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Die Form κωλυόντων steht noch 1 weiteres Mal, auch als Verseröffnung und auch auf der kanonischen Ebene im NT, in 1Tim 4,3. ♦ Die Form σωθῶσιν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 8,12; 1Kor 10,33; 1Thess 2,16). ♦ ἀναπληρόω, das 7 / 6 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch für *Gal 6,2 bezeugt. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ Die Form τὰς ἁμαρτίας steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Mt 3,6; Mk 1,5; Lk 11,4, wo an dessen Stelle τὰ ὀϕειλήματα steht; Joh 20,23; Apg 3,19; 22,16; Röm 11,27; 1Thess 2,16; Hebr 2,17; Jak 5,16; 1Petr 2,24; 1Joh 1,9; 3,5). ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἔφθασεν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Lk 11,20, wo an dessen Stelle ἤγγικεν steht; Röm 9,31; 1Thess 2,16). ♦ Die Kombination ἐπ’ αὐτούς steht 16 Mal im NT (Mk 6,34; Lk 9,5, wo genau dieses Element unbezeugt ist, pace Klinghardt; 19,27, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 7 Mal Apg; Gal 6,16; 1Thess 2,16; 4 Mal Apk), d.-h. ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ τέλος, das 43 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11; *Röm 10,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κωλυόντων; σωθῶσιν; τὰς ἁμαρτίας; πάντοτε; ἔφθασεν; ἐπ’ αὐτούς. (2,17) Die Kombination ἡμεῖς δέ steht 20 Mal im NT, davon 13 Mal als Verseröffnung wie hier, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 24,21, vgl. 2Kor 3,18. ♦ ἀπορφανίζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ἀφ’ ὑμῶν steht 12 Mal im NT, ausschließlich im kanonischen Paulus belegt, vgl. zu 1Thess 1,8. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ Die Kombination πρὸς καιρόν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 8,13; 1Kor 7,5; 1Thess 2,17). ♦ ὥρα, das 116 / 106 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *Gal 2,5. ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ Die Form προσώπῳ steht 7 Mal im NT (2Κor 2,10; 3,18; 4,6; 5,12; Gal 1,22; 1Thess 2,17; Hebr 9,24), lediglich als auf Christus bezogenes Wort vorkanonisch bezeugt *2Kor 3,18; 4,6), ansonsten auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ περισσός, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. ♦ σπουδάζω, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zu πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.) vgl. zuvor Vers 2. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. 5 (1Thess) 315 <?page no="316"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀφ’ ὑμῶν; πρὸς καιρόν; die Semantik von προσώπῳ; περισσός; σπουδάζω. (2,18) διότι, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zuvor zu Vers Röm 15,29. ♦ Die Kombination ἐγὼ μέν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 5,3 ♦ Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ ἅπαξ, das 15 / 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ δίς steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐγκόπτω, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Σατανᾶς, der 72 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 11,14; 12,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πρὸς ὑμᾶς; ἐγὼ μέν; ἅπαξ; δίς; ἐγκόπτω. (2,19) Die Kombination τίς γάρ (Mask.) steht 9 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröff‐ nung (Verseröffnung: Mt 23,17; Lk 14,28; 22,27; Röm 11,34; 1Kor 2,11. 16; 4,7; 1Thess 2,19; im Vers: Mt 23,17; Apg 19,35), vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung in *1Kor 2,16 (Τίς γὰρ ἔγνω); *Röm 11,34 (τίς γὰρ ἔγνω); vgl. zu Röm 11,34. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ στέφανος, das 25 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ καύχησις steht 13 / 11 Mal im NT, ausschließlich in der Briefliteratur, und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15, 31. ♦ οὐχὶ καί steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 3,29. ♦ ἔμπροσθεν steht 52 / 48 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,10. ♦ Die Kombination ἔμπροσθεν τοῦ + κύριος oder θεός findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρουσία, das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23. ♦ Die Wendung ἐν τῇ παρουσίᾳ steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χαρά; στέφανος; οὐχὶ καί; ἔμπροσθεν τοῦ + κύριος oder θεός. (2,20) Die Kombination ὑμεῖς γάρ steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,13, vgl. zuvor zu Vers 2,14. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ Die Wendung ἡ δόξα ἡμῶν steht nur hier im NT. ♦ Zum kanonischen χαρά vgl. zuvor zu Vers 19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑμεῖς γάρ; χαρά. 316 Rekonstruktion <?page no="317"?> 12 Für καὶ συνεργὸν τοῦ θεοῦ als die ältere Lesart plädiert G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 62. Der Vergleich der Lexik führt wiederum vor Augen, dass wir mit einer Häufung von ausschließlich kanonisch bezeugten oder zumindest für die kanonische Ebene beliebten Elementen konfrontiert werden, die eine merkliche Überein‐ stimmung von fehlender Bezeugung und Lexik aufzeigt. Die Verse sind folglich der kanonischen Redaktion zuzuschreiben. Narrativ allerdings schließen die nächstbezeugten Verse 4,3-5 nicht unmittelbar an die vorliegenden Verse an; es wird also zu prüfen sein, welche Verse dazwischen einen möglichen Anschluss bieten. Kapitel 3 3,1 [2] 3-4: Die Bedrängnis Von diesem Passus ist nur die Ortszeichnung „Athen“ vorkanonisch bezeugt, al‐ lerdings lässt sich aufgrund der Lexik und auch des narrativen Zusammenhangs darauf schließen, dass doch noch etwas Text vorkanonisch stand. 3,1 Διότι εὐδοκήσαμεν καταλειφθῆναι ἐν Ἀθήναις 3,1 Διὸ μηκέτι στέγοντες εὐδοκήσαμεν καταλειφθῆναι ἐν Ἀθήναις μόνοι, - 2 καὶ ἐπέμψαμεν Τιμόθεον, τὸν ἀδελφὸν ἡμῶν καὶ συνεργὸν τοῦ θεοῦ ἐν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ Χριστοῦ, εἰς τὸ στηρίξαι ὑμᾶς καὶ παρακαλέσαι ὑπὲρ τῆς πίστεως ὑμῶν 3 τὸ μηδένα σαίνεσθαι ἐν ταῖς θλίψεσιν - 3 τὸ μηδένα σαίνεσθαι ἐν ταῖς θλίψεσιν ταύταις. αὐτοὶ γὰρ οἴδατε ὅτι εἰς τοῦτο κείμεθα· 4 προελέγομεν ὑμῖν ὅτι μέλλομεν θλίβεσθαι, καθὼς καὶ ἐγένετο. 4 καὶ γὰρ ὅτε πρὸς ὑμᾶς ἦμεν, προελέγομεν ὑμῖν ὅτι μέλλομεν θλίβεσθαι, καθὼς καὶ ἐγένετο καὶ οἴδατε. A. Vgl. den lateinischen Prolog: hos conlaudat apostolus scribens eis ab Athenis. B. (3,1) Anstelle von διό findet man διότι in 03. ♦ (3,2) καὶ συνεργὸν τοῦ θεοῦ findet sich in 06*, 33, b, Ambst, καὶ συνεργόν bieten 03, vg mss , καὶ διάκονον τοῦ θεοῦ bieten 01, 02, 025, 044, 0278, 6, 81, 1241, 1739, 1881, 2464, lat, co, Bas, καὶ διάκονον τοῦ θεοῦ καὶ συνεργὸν ἡμῶν bieten 06 2 , 018, 020, 104, 365, 630, 1505, M, vg mss , sy p.h **, διάκονον καὶ συνεργὸν τοῦ θεοῦ bieten 010, 012. 12 ♦ Die von 5 (1Thess) 317 <?page no="318"?> 13 R.S. Ascough, 1 & 2 Thessalonians (2022), 365. NA 28 gewählte Lesart ὑπέρ wird bezeugt durch 01, 02, 03, 06*, 010, 012, 016, 018, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 1505, 1739, 1881, 2464, während an dessen Stelle περί begegnet in den Zeugen 06 2 , 020, 365, 630, 1175, 1241, M. C. (3,1-2) Nach allen Editoren sind diese Verse (wie auch die weiteren des Kapi‐ tels 3) unbezeugt, auch wenn Zahn wieder mit iher nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnet. Beduhn verweist jedoch auf den Prolog mit der dortigen Nennung von Athen. Aus dieser Stadt soll der Apostel den Brief geschrieben haben, weshalb BeDuhn seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde legt: 1 [… εὐδοκήσαμεν καταλειφθῆναι ἐν Ἀθήναις μόνοι, 2 καὶ ἐπέμψαμεν Τιμόθεον, τὸν ἀδελφὸν ἡμῶν καὶ συνεργὸν τοῦ θεοῦ ἐν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ Χριστοῦ, εἰς τὸ στηρίξαι ὑμᾶς καὶ παρακαλέσαι ὑπὲρ τῆς πίστεως ὑμῶν.] … Vgl. den Prolog: hos conlaudat apostolus scribens eis ab Athenis. Ascough sieht die Inkonsistenz, die er als eine der „grammatical infelicities“ bezeichnet: Sie besteht in der Mehrfachautorschaft des Briefes, wie sie in der kanonischen Version gegeben ist (Paulus, Silvanus, Timotheus), und der Entscheidung der Gruppe, zu der Timotheus ja gehöre, Timotheus zurück nach Thessaloniki zu senden (1Thess 3,2). 13 Bereits in 1Thess 2,18 findet sich eine solche, typisch kanonische, Inkonsistenz. D. (3,1) διό steht 56 / 53 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,20; *Laod 5,14. ♦ διότι steht 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ μηκέτι, das sich 22 Mal im NT findet, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ στέγω, das 4 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ εὐδοκέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,15; *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19, der Begriff stand vielleicht auch in *Ev 12,32. ♦ καταλείπω, das sich 28 / 24 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,31. ♦ Ἀθῆναι steht 4 Mal im NT, hier durch den Prolog vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Form μόνοι, die 4 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Die geographische Angabe im lateinischen Prolog spricht dafür, dass zumindest ein Teil dieses Verses vorkanonisch vorhanden war. Vor allem fällt auf, dass der zweite Teil bis Athen vorkanonisch bezeugte Elemente aufweist, während davor kanonische begegnen. Das μόνοι am Ende nimmt Bezug auf die Ausdehnung der Verfasserschaft des Briefes durch die kanonische 318 Rekonstruktion <?page no="319"?> Redaktion, die dem Paulus noch Silvanus und Timotheus zur Seite gestellt hat, was dann auf kanonischer Ebene auch im nächsten Vers gleich weitergeführt wird. Ob am Anfang διό oder διότι stand, lässt sich nicht mehr entscheiden, allein nach dem Prinzip der vom kanonischen Text entferntesten Variante wird hier die erste verwendet. (3,2) πέμπω, das 86 / 79 Mal im NT steht, ist trotz einmaliger vorkanonischer Bezeu‐ gung für *Röm 8,3 ein typischer Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὸν ἀδελφὸν ἡμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,22: συνεπέμψαμεν δὲ αὐτοῖς τὸν ἀδελφὸν ἡμῶν; Hebr 13,23: τὸν ἀδελφὸν ἡμῶν Τιμόθεον). ♦ συνεργός, das sich 14 / 13 Mal im NT findet, steht immer nur auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung ἐν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ Χριστοῦ steht noch 1 weiteres Mal, 2Kor 10,14 auf der kanonischen Ebene. ♦ στηρίζω, das sich 16 / 13 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Wendung τῆς πίστεως ὑμῶν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 10,15. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Τιμόθεος; τὸν ἀδελφὸν ἡμῶν; συνεργός; ἐν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ Χριστοῦ; στηρίζω; τῆς πίστεως ὑμῶν). Der Vers ist folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,3) Die Form μηδένα steht 8 Mal im NT (Lk 3,14; 10,4; 3 Mal Apg; 1Thess 3,3; 2Thess 2,3; Tit 3,2), in Lk 3,14, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,4. ♦ σαίνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ ταύταις steht 12 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ αὐτοί (Nom. Mask. Pl.), das 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; 6,13. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter Vers 4. ♦ Die Kombination αὐτοὶ γὰρ οἴδατε steht 3 Mal im NT, nur in den Thessalonicherbriefen, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2,1. ♦ κεῖμαι, das 30 / 24 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Auch in diesem Vers fällt der Anfang des Verses auf, der vorkanonisch weiter bezeugte Elemente aufweist. Anders präsentiert sich 5 (1Thess) 319 <?page no="320"?> der weitere Versteil, der von kanonischer Lexik geprägt ist mit Elementen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ταύταις; αὐτοὶ γὰρ οἴδατε; κεῖμαι). Auch wenn der Vers unbezeugt ist, könnte der Anfang vorkanonisch vorhanden gewesen sein, der durch die kanonische Redaktion ergänzt wurde. (3,4) ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ Die Kombination καὶ γὰρ ὅτε steht nur hier und 1 weiteres Mal in 2Thess 3,10 in einem vorkanonisch bezeugten Vers, auch wenn die Verseröffnung nicht bezeugt ist. ♦ Die Verbform ἦμεν, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zuvor zu Vers Röm 15,29. ♦ προλέγω, das 18 / 15 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21, vielleicht auch für *2Kor 13,2. ♦ μέλλω, das 129 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,44; *1Kor 3,22; *Kol 2,17. ♦ θλίβω steht 22 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,8; *Röm 12,12; *2Thess 1,6. 7. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ Die Wendung καὶ οἴδατε steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 7,28; Apg 3,16; 1Thess 3,4; 1Joh 2,20; 3,5. 15). Zur Rekonstruktion: Während der Versbeginn Elemente aufweist, die aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καὶ γὰρ ὅτε; πρὸς ὑμᾶς), weist der nächste Teil des Verses wieder weiters vorkanonisch bezeugte Ele‐ mente auf bis auf den Schluss (καὶ οἴδατε), der wieder von der kanonischen Redaktion ergänzt zu sein scheint. 3,[5-13]: [Behaltet mich in guter Erinnerung] Das vorkanonische Thema der Bedrängnis wird im folgenden durch die kano‐ nische Redaktion mit dem hinzugefügten Teil dieses Kapitels verlassen, um das zuvor bereits auf dieser Ebene behandelte Thema des Versuchs des kanonischen Paulus, seine Stellung in den Augen der Leserschaft, zu sichern. Erneut wird die Zwiespältigkeit deutlich, die diesen Paulus kennzeichnet. - 5 διὰ τοῦτο κἀγὼ μηκέτι στέγων ἔπεμψα εἰς τὸ γνῶναι τὴν πίστιν ὑμῶν, μή πως ἐπείρασεν ὑμᾶς ὁ πειράζων καὶ εἰς κενὸν γένηται ὁ κόπος ἡμῶν. 6 Ἄρτι δὲ ἐλθόντος Τιμοθέου πρὸς ἡμᾶς ἀφ’ ὑμῶν καὶ εὐαγγελισαμένου ἡμῖν τὴν πίστιν καὶ τὴν ἀγάπην ὑμῶν, καὶ ὅτι ἔχετε μνείαν ἡμῶν ἀγαθὴν πάντοτε, ἐπιποθοῦντες ἡμᾶς ἰδεῖν καθάπερ καὶ ἡμεῖς ὑμᾶς, 7 320 Rekonstruktion <?page no="321"?> διὰ τοῦτο παρεκλήθημεν, ἀδελφοί, ἐφ’ ὑμῖν ἐπὶ πάσῃ τῇ ἀνάγκῃ καὶ θλίψει ἡμῶν διὰ τῆς ὑμῶν πίστεως, 8 ὅτι νῦν ζῶμεν ἐὰν ὑμεῖς στήκετε ἐν κυρίῳ. 9 τίνα γὰρ εὐχαριστίαν δυνάμεθα τῷ θεῷ ἀνταποδοῦναι περὶ ὑμῶν ἐπὶ πάσῃ τῇ χαρᾷ ἧ χαίρομεν δι’ ὑμᾶς ἔμπροσθεν τοῦ θεοῦ ἡμῶν, 10 νυκτὸς καὶ ἡμέρας ὑπερεκπερισσοῦ δεόμενοι εἰς τὸ ἰδεῖν ὑμῶν τὸ πρόσωπον καὶ καταρτίσαι τὰ ὑστερήματα τῆς πίστεως ὑμῶν; 11 Αὐτὸς δὲ ὁ θεὸς καὶ πατὴρ ἡμῶν καὶ ὁ κύριος ἡμῶν Ἰησοῦς κατευθύναι τὴν ὁδὸν ἡμῶν πρὸς ὑμᾶς· 12 ὑμᾶς δὲ ὁ κύριος πλεονάσαι καὶ περισσεύσαι τῇ ἀγάπῃ εἰς ἀλλήλους καὶ εἰς πάντας, καθάπερ καὶ ἡμεῖς εἰς ὑμᾶς, 13 εἰς τὸ στηρίξαι ὑμῶν τὰς καρδίας ἀμέμπτους ἐν ἁγιωσύνῃ ἔμπροσθεν τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς ἡμῶν ἐν τῇ παρουσίᾳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ μετὰ πάντων τῶν ἁγίων αὐτοῦ. ἀμήν. A. Diese Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (3,13) Post τῶν ἁγίων αὐτοῦ add ἀμήν in 01*, 02, 06*, 81, 629, lat, bo, NA 28 , hingegen om 01 2 , 03, 06 2 , 010, 012, 018, 020, 044, 0278, 103, 365, 630, 1175, 2141, 1505, 1739, 1881, 2464, M, it, vg mss , sy, sa, bo mss . C. (3,5-13) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnet. D. (3,5) Die Kombination διὰ τοῦτο καί steht 7 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, etwa in Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,13. ♦ διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, etwa Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist vorkanonisch nur in dem *Deuteropaulinum *2Thess 2,11 bezeugt. ♦ Die weitere Wendung διὰ τοῦτο καί steht 7 Mal im NT, immer als Verseröffnung (Mt 24,44; Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Joh 12,18; Eph 1,15; Kol 1,9; 1Thess 2,13; 3,5), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen μηκέτι vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ στέγω, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πέμπω vgl. zu Vers 2. ♦ Die Form ἔπεμψα steht 10 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πειράω, das 12 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen 5 (1Thess) 321 <?page no="322"?> Ebene. ♦ Das verbum simplex πειράζω, das sich 42 / 38 Mal im NT findet, steht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Hingegen findet sich das Kompositverb ἐκπειράζω, das 4 Mal im NT steht, gleich zwei Mal vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,25; *1Kor 10,9. ♦ κενός, das 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Deutlich werden die kanonischen Verse 1Thess 2,3. 9 aufgegriffen. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung διὰ τοῦτο καί; μηκέτι; στέγω; ἔπεμψα; πειράω; πως; πειράζω; κόπος. Dass διὰ τοῦτο vorkanonisch nur in *2Thess belegt ist, weist auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hin. (3,6) ἄρτι, das 40 / 36 Mal im NT begegnet, davon 2 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 1,10. ♦ Zum kanonischen Τιμόθεος vgl. zu Vers 2. ♦ Die Kombination πρὸς ἡμᾶς steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Mk 6,3; Lk 12,41; 16,26; 23,15; 2 Mal Apg; 1Thess 3,6). ♦ Die Kombination ἀφ’ ὑμῶν steht 12 Mal im NT, ausschließlich im kanonischen Paulus belegt, vgl. zu 1Thess 1,8. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. ♦ μνεία, das sich 7 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Auch ἐπιποθέω, das 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καθάπερ steht 14 / 13 Mal im NT und findet sich wiederum ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,12. ♦ Die erweiterte Kombination καθάπερ καί steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 6 und zu 2Kor 1,14. ♦ Die Kombination ἡμεῖς ὑμᾶς steht 1 weiteres Mal, Apg 13,32. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρτι; Τιμόθεος; πρὸς ἡμᾶς; ἀφ’ ὑμῶν; μνεία; πάντοτε; ἐπιποθέω; καθάπερ; καθάπερ καί; ἡμεῖς ὑμᾶς. (3,7) διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, etwa Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist vorkanonisch nur in dem *Deuteropaulinum *2Thess 2,11 bezeugt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten παρακαλέω vgl. zu Vers 2. ♦ Die Wendung ἐφ’ ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 2Kor 7,7. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ Die Kombination ἐπὶ πάσῃ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,4. ♦ ἀνάγκη, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten θλῖψις vgl. oben zu Vers 3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐφ’ ὑμῖν; ἐπὶ πάσῃ; ἀνάγκη. Es fällt auf, dass die Form πάσῃ und die Wendung διὰ τοῦτο 322 Rekonstruktion <?page no="323"?> vorkanonisch singulär bezeugt sind für *2Thess, was wiederum die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache erweist. (3,8) Die Wendung ὅτι νῦν steht nur hier im NT. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ Die Kombination ἐὰν ὑμεῖς steht 1 weiteres Mal im NT, in Joh 8,31. ♦ Zu dem kanonischen στέγω vgl. zu Vers 5. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐὰν ὑμεῖς; στέγω; ἐν κυρίῳ. (3,9) τίνα (Nom. / Akk. Neut. Pl. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination τίνα γάρ steht nur hier im NT. ♦ εὐχαριστία, das 15 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀνταποδίδωμι, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,14, *Röm 11,35; *2Thess 1,6. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Kombination ἐπὶ πάσῃ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,4. ♦ Zu dem nur für *2Thess bezeugten πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ Zu dem kanonischen χαρά vgl. zuvor zu Vers 19. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ Die Kombination δι’ ὑμᾶς steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,24. ♦ Zur kanonischen Kombination ἔμπροσθεν τοῦ + κύριος oder θεός vgl. zuvor Vers 19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εὐχαριστία; περὶ ὑμῶν; ἐπὶ πάσῃ; χαρά; ἔμπροσθεν τοῦ + κύριος oder θεός. Erneut fällt die vorkanonisch singuläre Bezeugung von πάσῃ für *2Thess auf, was die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache anzeigt. (3,10) Der Ausdruck νυκτὸς καὶ ἡμέρας steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,9. ♦ Das Adverb ὑπερεκπερισσοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils für die kanonische Ebene bezeugt (Eph 3,20; 1Thess 3,10; 5,13). ♦ Das verwandte ἐκπερισσός, das 5 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ δέομαι, das 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,40. ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6; *2Thess 1,9. ♦ καταρτίζω, das 15 / 13 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὑστέρημα, das sich 9 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,24. ♦ Die Wendung τῆς πίστεως ὑμῶν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 10,15. 5 (1Thess) 323 <?page no="324"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: νυκτὸς καὶ ἡμέρας; ὑπερεκπερισσοῦ; καταρτίζω; τῆς πίστεως ὑμῶν. Zu bemerken ist die vorkanonisch singuläre Bezeugung von ὑστέρημα in *Kol, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Lexik verweist. (3,11) Die Kombination αὐτὸς δέ ὁ θεός steht 1 weiteres Mal, ebenfalls in 1Thess und ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 1Thess 5,23. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2, vgl. weiter Vers 13. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς καὶ πατήρ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,31. ♦ Die Wendung ὁ κύριος ἡμῶν Ἰησοῦς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Thess 3,11; 2Thess 2,16; 2Petr 1,14). ♦ κατευθύνω steht 3 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὁδός, das 107 / 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 11,33. ♦ Die Wendung τὴν ὁδὸν ἡμῶν steht nur hier im NT. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zuvor zu Vers Röm 15,29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: αὐτὸς δὲ ὁ θεός; ὁ θεὸς καὶ πατήρ; ὁ κύριος ἡμῶν Ἰησοῦς; κατευθύνω; πρὸς ὑμᾶς. (3,12) Die Kombination ὑμᾶς δέ steht 4 Mal im NT (Lk 13,28; Joh 15,15; 1Kor 16,6; 1Thess 3,12), davon nur an dieser Stelle hier als Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 13,28. ♦ Der Ausdruck ὁ κύριος, der 108 Mal im NT steht, wurde bereits von Klinghardt als typisches Merkmal der kanonischen Redaktion erkannt, vgl. die Einleitung zu der vorliegenden Studie. ♦ πλεονάζω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς ἀλλήλους steht 11 Mal im Neuen Testament, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9, vgl. zu Röm 12,16. ♦ Die Wendung εἰς πάντας steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 3,22. ♦ καθάπερ steht 14 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,12. ♦ Die erweiterte Kombination καθάπερ καί steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 6 und zu 2Kor 1,14. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ κύριος; περισσεύω; εἰς πάντας; καθάπερ; καθάπερ καί. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. (3,13) Die Kombination εἰς τό steht 236 Mal im NT (33 Mal Mt; 25 Mal Mk; Lk 2,27, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 4,35; 5,4. 17. 19, wo der Teil des Verses in *Ev fehlt; 6,8. 12; 8,22; 9,28; 11,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 12,10; 13,9, in einem Vers, der in *Ev 324 Rekonstruktion <?page no="325"?> fehlt. 11; 18,10; 19,4. 45, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 21,1. 37; 22,39. 66), davon 7 Mal als Verseröffnung (Röm 15,16, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 2Kor 8,6; Eph 1,12; Phil 1,10; 1Thess 3,13; 2Thess 2,2; 1Petr 4,2), vorkanonisch als Verseröffnung bezeugt für *Laod 1,12; *2Thess 2,2; im Vers: *Ev 21,37; 22,66; 24,50; *2Kor 3,7; *2Thess 2,10; *Laod 1,18. ♦ στηρίζω, das sich 16 / 13 Mal im NT finde, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 2. ♦ Das Adjektiv ἄμεμπτος, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἁγιωσύνη, das sich 3 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἔμπροσθεν τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς ἡμῶν steht 1 weiteres Mal im NT, auf der kanonischen Ebene in 1Thess 3,13. ♦ Die Kombination ἔμπροσθεν τοῦ + κύριος oder θεός findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πατήρ im Singular vgl. zuvor zu Vers 11. ♦ παρουσία, das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen ist fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt, allerdings auch in *Ev und *Laod 1,19. ♦ ἀμήν steht 175 / 130 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt nur als Substantiv τὸ Ἀμήν für *2Kor 1,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: στηρίζω; ἄμεμπτος; ἁγιωσύνη; ἔμπροσθεν τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς ἡμῶν; ἔμπροσθεν τοῦ + κύριος oder θεός; ἀμήν. Der Vergleich der Lexeme ist wiederum erstaunlich klar. Die Verse zeichnen sich alle deutlich durch Elemente aus, die der kanonischen Sprachwelt zugehören. Sie sind Produkte der kanonischen Redaktion und haben vorkanonisch gefehlt. Zu bemerken ist, wie oft singuläre Bezeugungen in den *Deuteropaulinen begegnen, was dafürspricht, dass nicht nur diese *Deuteropaulinen eine Nähe zur kanonischen Sprache aufweisen, sondern auch *1Thess eine, wenn auch geringere, doch merkliche Nähe zu ihr verrät. Kapitel 4 4,[1-2]: [Weitere Ermahnungen] Diese beiden vorkanonisch unbezeugten Verse setzen die auf der kanonischen Ebene vorangegangenen Ermahnungen fort und zeigen weiter das paränetische Profil der kanonischen Redaktion. 5 (1Thess) 325 <?page no="326"?> 14 J.A.D. Weima, 1-2 Thessalonians (2014), 254. Vgl. A.J. Malherbe, The letters to the Thessalonians. A new translation with introduction and commentary (2004), 218; G. Milligan, St. Paul’s epistles to the Thessalonians the Greek text with introduction and notes (1908), 45; A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020), 369. 15 G. Friedrich, 1 Thessalonicher 5,1-11, der apologetische Einschub eines Späteren (1973); K.G. Eckart, Der zweite echte Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher (1961). 16 Vgl. J.A.D. Weima, 1-2 Thessalonians (2014), 253. 4,1 Λοιπὸν οὖν, ἀδελφοί, ἐρωτῶμεν ὑμᾶς καὶ παρακαλοῦμεν ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ, ἵνα καθὼς παρελάβετε παρ’ ἡμῶν τὸ πῶς δεῖ ὑμᾶς περιπατεῖν καὶ ἀρέσκειν θεῷ, καθὼς καὶ περιπατεῖτε, ἵνα περισσεύητε μᾶλλον. 2 οἴδατε γὰρ τίνας παραγγελίας ἐδώκαμεν ὑμῖν διὰ τοῦ κυρίου Ἰησοῦ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (4,1-2) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, wenn auch Zahn wiederum von deren nicht näher bestimmbaren Präsenz ausgeht. J.A.D. Weima wie andere Kommentatoren liest die Eröffnung als Bezugnahme zu dem unmittelbar Vorangehenden. 14 Das bedeutet, dass die Eröffnung des Kapitels auf der kanonischen Ebene direkt an den Text vom Ende von Kapitel 3 auf derselben Ebene anschließt. 2. (4,1-8) Diese Passage wird von einigen in der Forschung als Interpolation angesehen. 15 D. (4,1) λοιπός, das sich 60 / 55 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,17; *Laod 2,3, nicht allerdings in der Form λοιπόν, die immerhin 14 Mal auf der ka‐ nonischen Ebene begegnet. ♦ Die Kombination der Lexeme λοιπὸν οὖν begegnet nur hier im NT. 16 ♦ ἐρωτάω steht 71 / 63 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form παρακαλοῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,13. ♦ Die Formulierung παρακαλοῦμεν ἐν κυρίῳ steht 1 weiteres Mal in 2Thess 3,12. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen 326 Rekonstruktion <?page no="327"?> 17 Ibid. 250. 18 Zu diesem Lexem und seinem Bezug zu Apg 15,20-29 mit der angeblichen Auflage, die ein Apostelkonzil gemacht haben soll, vgl. den Versuch der historischen Deutung in A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020), 371-375. Ebene, vgl. zu Röm 14,14. ♦ Die Wendung ἵνα καθώς steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,31. ♦ παραλαμβάνω, das 54 / 50 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung παρ’ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, nur in den Thessalonicherbriefen, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor Vers 3,12. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ Die Kombination τὸ πῶς steht 4 Mal im NT (Lk 22,2. 4; Apg 4,21; 1Thess 4,1), vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,4. ♦ Die Kombination δεῖ ὑμᾶς steht 3 Mal im NT ( Joh 3,7; Kol 4,6: πῶς δεῖ ὑμᾶς; 1Thess 4,1), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2. Es wurde darauf hingewiesen, dass dieser Begriff wieder aufgenommen wird in Vers 12, 17 der ebenfalls auf der kanonischen Ebene steht. ♦ Der Infinitiv περιπατεῖν steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,12. ♦ ἀρέσκω steht 21 / 17 Mal im NT, darunter häufig bei Paulus, jedoch immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Auch bei diesem Begriff gilt, dass er wenig später, in Vers 10, wieder aufgegriffen wird (Vers 1: περισσεύητε μᾶλλον; Vers 10: περισσεύειν μᾶλλον). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind (ἐρωτάω; παρακαλοῦμεν; παρακαλοῦμεν ἐν κυρίῳ; ἐν κυρίῳ; ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ; παραλαμβάνω; παρ’ ἡμῶν; δεῖ ὑμᾶς; περιπατεῖν; ἀρέσκω; περισσεύω). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,2) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter die Verse 4. 5. ♦ Die Kombination οἴδατε γάρ steht 3 Mal im NT (2 Mal Mk; 1Thess 4,2), davon nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ τίνας (Akk. Fem. / Mask. Pl.) steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,18). ♦ παραγγελία steht 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt (Apg 5,28; 16,24; 1Thess 4,2; 1Tim 1,5. 18). 18 ♦ Die Form ἐδώκαμεν steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ κυρίου steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 5,1. 11; 15,30, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 15,57; 1Thess 4,2; 5,9; Hebr 2,3). 5 (1Thess) 327 <?page no="328"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind (οἴδατε γάρ; τίνας; παραγγελία; διὰ τοῦ κυρίου). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Ebene und hat vorkanonisch gefehlt. 4,3-5 [6] 7 [8-9] 10 [11-12]: Gottes Wille - Eure Heiligung Die folgenden Gedanken von Gottes Willen und der Enthaltung von Unzucht sind vorkanonisch gut bezeugt. 4,3 τοῦτο ἐστιν θέλημα τοῦ θεοῦ, ὁ ἁγιασμὸς ὑμῶν, ἀπέχεσθαι ὑμᾶς ἀπὸ τῆς πορνείας, 3 τοῦτο γάρ ἐστιν θέλημα τοῦ θεοῦ, ὁ ἁγιασμὸς ὑμῶν, ἀπέχεσθαι ὑμᾶς ἀπὸ τῆς πορνείας, 4 εἰδέναι ἕκαστον τὸ ἑαυτοῦ σκεῦος κτᾶσθαι ἐν τιμῇ, 4 εἰδέναι ἕκαστον ὑμῶν τὸ ἑαυτοῦ σκεῦος κτᾶσθαι ἐν ἁγιασμῷ καὶ τιμῇ, 5 μὴ ἐν ἐπιθυμίᾳ καὶ τὰ ἔθνη. 5 μὴ ἐν πάθει ἐπιθυμίας καθάπερ καὶ τὰ ἔθνη τὰ μὴ εἰδότα τὸν θεόν, - 6 τὸ μὴ ὑπερβαίνειν καὶ πλεονεκτεῖν ἐν τῷ πράγματι τὸν ἀδελφὸν αὐτοῦ, διότι ἔκδικος κύριος περὶ πάντων τούτων, καθὼς καὶ προείπαμεν ὑμῖν καὶ διεμαρτυράμεθα. 7 οὐ γὰρ ἐκάλεσεν ἡμᾶς ὁ θεὸς ἐπὶ ἀκαθαρσίᾳ ἀλλ’ ἐν ἁγιασμῷ. 7 οὐ γὰρ ἐκάλεσεν ἡμᾶς ὁ θεὸς ἐπὶ ἀκαθαρσίᾳ ἀλλ’ ἐν ἁγιασμῷ. - 8 τοιγαροῦν ὁ ἀθετῶν οὐκ ἄνθρωπον ἀθετεῖ ἀλλὰ τὸν θεὸν τὸν διδόντα τὸ πνεῦμα αὐτοῦ τὸ ἅγιον εἰς δόντα ὑμᾶς. 9 Περὶ δὲ τῆς φιλαδελφίας οὐ χρείαν ἔχετε γράφειν ὑμῖν, αὐτοὶ γὰρ ὑμεῖς θεοδίδακτοί ἐστε εἰς τὸ ἀγαπᾶν ἀλλήλους· 10 καὶ γὰρ ποιεῖτε αὐτὸ τοὺς ἀδελφοὺς ἐν Μακεδονίᾳ. 10 καὶ γὰρ ποιεῖτε αὐτὸ εἰς πάντας τοὺς ἀδελφοὺς τοὺς ἐν ὅλῃ τῇ Μακεδονίᾳ. παρακαλοῦμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί, περισσεύειν μᾶλλον, - 11 καὶ φιλοτιμεῖσθαι ἡσυχάζειν καὶ πράσσειν τὰ ἴδια καὶ ἐργάζεσθαι ταῖς [ἰδίαις] χερσὶν ὑμῶν, καθὼς ὑμῖν παρηγγείλαμεν, 12 ἵνα περιπατῆτε εὐσχημόνως πρὸς τοὺς ἔξω καὶ μηδενὸς χρείαν ἔχητε. 328 Rekonstruktion <?page no="329"?> A. *4,3-5: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 15,3: Quam autem sanctitatem nostram voluntatem dei dicat, ex contrariis quae prohibet agnosceres. Abstinere enim, inquit, a stupro, non a matrimonio. Scire unumquemque suum vas in honore tractare. Quomodo? Dum non in libidine, qua gentes. Libido autem nec apud gentes matrimonio adscribitur, sed extraordinariis et non naturalibus et portentuosis luxuriae; vgl. id., De Cas. 1,3: uoluntas dei est sanctificatio nostra; De Pud. 17,2: quid denique et Thessalonicensibus scribit … haec est uoluntas Dei, sanctimonia uestra, abstinere uos a fornicatione. ♦ *4,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,3: <sanctitas> est turpitudini quoque et immunditiae contraria, quae non matrimonium excludat sed libidinem, quae vas nostrum in honore matrimonii tractet. Hunc autem locum salva alterius, id est plenioris, sanctitatis praelatione tractaverim. B. (4,8) Post τὸν θεὸν τόν om καί in 02, 03, 061, 016, 0278, 33, 365, 614, 1739*, 2464, b, t, sy p , sa ms , bo, Ambst, Spec, add 01, 06* .c , 010, 012, 018, 020, 044, 81, 104, 630, 1175, 1241, 1505, 1739 c , 1881, M, lat, sy h , sa mss , Cl. ♦ δόντα om 01*, 03, 06, 010, 012, 016, 365, 2464, add 01 2 , 02, 018, 020, 044, 0278, 33, 81, 104, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M, sy, co, Cl. ♦ Anstelle der Variante ἡμᾶς steht εἰς ἡμᾶς in den Zeugen 02, 6, 365, 1505, 1739, 1881, a, f, m, t, vg cl , sy h , Ambst, Spec. ♦ (4,9) Die Variante ἔχομεν steht in den Zeugen 01 2 , 06*, 010, 012, 044, 0278, 6, 104, 365, 1505, 1739, 1881, 2464, lat, sy h , während εἴχομεν zu finden ist in den Zeugen 03, 016, t, vg mss , hingegen findet sich die von NA 28 gewählte Form in den Zeugen 01*, 02, 06 1 , 016, 018, 020, 33, 81, 630, 1175, 1241, M, sy p , co, Aug. ♦ Anstelle von γράφειν gibt es die Variante γράφεσθαι in den Zeugen 016, 81, Aug. ♦ (4,10) Post αὐτό add καί 03, καὶ τούς in 044, 0278. ♦ τούς add 01 2 , 03, 06 1 , 016, 018, 020, 33 vid , 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, M, vg mss , om 01*, 02, 06*, 010, 012, 629, lat. C. 1. (4,3-5) Hilgenfeld verweist auf Tertullians Zeugnis für die Verse 3 und 4. Zahn sieht den kanonischen Text der Verse 3-5 bezeugt, Harnack gibt als bezeugten Text: 3 τοῦτο … θέλημα τοῦ θεοῦ, ὁ ἁγιασμὸς ὑμῶν, ἀπέχεσθαι ὑμᾶς ἀπὸ τῆς πορνείας, 4 εἰδέναι ἕνα ἕκαστον τὸ ἑαυτοῦ σκεῦος κτᾶσθαι ἐν τιμῇ, außerdem sieht er noch eine Anspielung auf Vers 5: μὴ ἐν ἐπιθυμίᾳ καθάπερ τὰ ἔθνη. Schmid und BeDuhn schließen sich Harnack an, wobei Schmid in Klammern und mit Fragezeichen καί anstelle von καθάπερ vermutet. BeDuhn lässt (ver‐ mutlich aus Versehen) bei seiner Übersetzung den Passus τοῦτο … θέλημα τοῦ θεοῦ, ὁ ἁγιασμὸς ὑμῶν aus. 2. (4,6-12) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn sie wieder in unbestimmbarer Form präsent sieht. Übersehen wurde 5 (1Thess) 329 <?page no="330"?> 19 Vgl. A.J. Malherbe, The letters to the Thessalonians. A new translation with introduction and commentary (2004), 217; G.L. Green, The Letters to the Thessalonians (2002), 182. 20 J.A.D. Weima, 1-2 Thessalonians (2014), 250; A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epi‐ thymía in Roman Imperial Texts (2020), 370. 21 G. Friedrich, 1 Thessalonicher 5,1-11, der apologetische Einschub eines Späteren (1973); K.G. Eckart, Der zweite echte Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher (1961). dabei, dass Tertullian im unmittelbaren Anschluss an das zuvor Zitierte, weiter kommentiert, vgl. Tert., Adv. Marc. V 5,3, wie in A. zitiert. Hiermit gibt er uns aber auch ein Stück Text von Vers 7: (<sanctitas> est turpitudini quoque et immunditiae contraria: οὐ γὰρ ἐκάλεσεν ἡμᾶς ὁ θεὸς ἐπὶ ἀκαθαρσίᾳ ἀλλ’ ἐν ἁγιασμῷ). 3. (4,9) Περὶ δέ könnte, wie manche Kommentatoren meinen, einen Übergang zu einem neuen Thema einführen, 19 vielleicht auch eine Substrukturierung anzeigen, 20 doch diese Eröffnung scheint erst auf der Ebene der kanonischen Redaktion erfolgt zu sein, die den vorkanonischen Gedankengang unterbricht. 4. (4,10b-12) Diese Verse werden von einigen in der Forschung als Interpola‐ tion angesehen. 21 D. (4,3) Die Kombination τοῦτο (Akk.) γάρ ἐστιν steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Mt 26,28; Joh 6,40; 1Thess 4,3; im Vers: Eph 6,1; 1Tim 5,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination τοῦτο ἐστιν steht nur hier im NT. ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 1,9. ♦ Die Wendung θέλημα τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἁγιασμός, das 10 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt in Vers 7. ♦ ἀπέχω steht 20 Mal im NT, vorkanonisch weiter belegt für *Ev 6,24. ♦ ἀπό, das 711 / 646 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 6; 4,24; *1Kor 1,3; 7,10; *2Kor 3,18; 7,1; 12,8; *Röm 1,18; *1Thess 4,3; *2Thess 1,7. 9; *Laod 3,9. ♦ πορνεία, das 27 / 25 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch wieder bezeugt in *1Kor 6,18. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, auch wenn zwei Elemente nur hier vorkanonisch bezeugt sind. (4,4) Die Form εἰδέναι steht 11 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt wohl für *Laod 1,18. ♦ ἕκαστος, das sich 87 / 82 Mal im NT findet, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,40; 13,15; *1Kor 3,13; 4,5; *2Kor 5,10; *Laod 4,25. ♦ σκεῦος, das 25 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ κτάομαι, das 7 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Das hier unbezeugte ἁγιασμός ist jedoch vorkanonisch 330 Rekonstruktion <?page no="331"?> 22 Vgl. zu diesem Nomen A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020). Auch wenn dies eine gründliche Arbeit ist, zeigt sie doch auch die Ausschnitthaftigkeit, mit der sie gearbeitet ist. Die über 600-seitige Monographie behandelt nach der Forschungsgeschichte römisch-kaiserzeitliche Texte, solche der Stoa, Lukian, Kynik, jüdische Literatur aus der Zeit des zweiten Tempels und schließlich die weithin unbestrittenen Briefe des Paulus, doch den Parallelvers zu *Ev, Lk 22,15 sucht man vergeblich im Register bezeugt für den voranstehenden Vers 3. ♦ τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, auch wenn einige Elemente nur hier vorkanonisch bezeugt sind. (4,5) Das hier unbezeugte πάθος, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24. 22 Die Kombination καθάπερ καί steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,14. ♦ Die Wendung τὰ μὴ εἰδότα τὸν θεόν steht nur hier im NT. Zur Rekonstruktion: Wieder folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, weshalb anstelle von πάθει ἐπιθυμίας nur ἐπιθυμίᾳ geschrieben wird (πάθος findet sich nur für die kanonische Ebene belegt) und anstelle von καθάπερ καί lediglich καί geschrieben wird (καθάπερ καί ist im Übrigen nur kanonisch belegt). (4,6) ὑπερβαίνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ πλεονεκτέω, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πρᾶγμα, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διότι, das 26 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ ἔκδικος steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung περὶ πάντων τούτων steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 7,18; Apg 24,8; 1Thess 4,6). ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ προλέγω, das 18 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21. ♦ διαμαρτύρομαι steht 16 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apostelgeschichte. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πλεονεκτέω; πρᾶγμα; ἔκδικος; περὶ πάντων τούτων; διαμαρτύρομαι). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 5 (1Thess) 331 <?page no="332"?> (4,7) Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀκαθαρσία, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,19. ♦ Zum vorkanonisch weiter bezeugten ἁγιασμός vgl. Vers 3. Zur Rekonstruktion: Der Vers klingt an in Tertullian, und der Text wird von der Lexik, die weiter vorkanonisch bezeugt ist, bestätigt. (4,8) τοιγαροῦν steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene (Hebr 12,1). ♦ Überhaupt sind Konjunktionen mit 9 Buchstaben Länge sehr selten in Paulus und finden sich nur an den gerade genannten Stellen. Sie fehlen völlig in *Paulus. Solche mit 8 Buchstaben Länge begegnen ebenfalls nicht in *Paulus, allerdings 3 Mal im kanonischen Paulus (Röm 9,20; 10,18; Phil 3,8) und nochmals in Hebr 12,1. Auch solche mit 7 und mehr Buchstaben Länge bieten nur die gerade genannten Stellen bei Paulus. Wenn wir solche mit 6 oder mehr Buchstaben Länge suchen, finden sich immer noch keine bei *Paulus, allerdings 8 im kanonischen Paulus (Röm 9,20; 10,18; 1Kor 4,8; 2Kor 11,1; Gal 5,12; Phil 3,8; 1Thess 4,8; 2Tim 2,19) und insgesamt 21 im kanonischen Neuen Testament (inkl. μέντοι und ὄφελον). ♦ ἀθετέω, das 17 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,16; *1Kor 1,19. ♦ οὐκ ἄνθρωπον ist unbezeugt für die vorkanonische Sammlung und Hapax legomenon im kanonischen Neuen Testament, weitet man die Suche jedoch auf alle Fälle, Singular und Plural aus, findet man einen vorkanonischen Beleg in *1Kor 14,2 und 5 Belege für den kanonischen Paulus und insgesamt 7 für das kanonische Neue Testament. ♦ Die Kombination ἀλλὰ τόν ist unbezeugt für *Paulus, nur an dieser Stelle im kanonischen Paulus vorhanden, jedoch insgesamt 4 Mal im Neuen Testament zu finden. ♦ Die Verbform διδόντα ist unbezeugt für *Paulus, für den kanonischen Paulus nur für diese Stelle hier bezeugt, sie findet sich jedoch noch 1 weiteres Mal im Neuen Testament ( Joh 13,11). ♦ Erweitert man die Suche nach dem Verb δίδωμι + Artikel ὁ in jeder Form + πνεῦμα in jedem Kasus, ist die Kombination unbezeugt für *Paulus, begegnet jedoch insgesamt 5 Mal im Neuen Testament ( Joh 3,34; 19,30; Apg 8,18; 15,8, 1Thess 4,8). ♦ Die Kombination des Verbs δίδωμι + πνεῦμα in jedem Kasus ist unbezeugt für *Paulus, findet sich jedoch noch 2 weitere Male auf der kanonischen Ebene (Lk 11,13; Apk 13,15). ♦ Die Kombination τὸ πνεῦμα αὐτοῦ findet sich 1 Mal vorkanonisch in *Gal 4,6, jedoch nicht in dem kanonischen Parallelvers, könnte jedoch von dort hier in den vorliegenden Vers gewandert zu sein. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT ( Joh 15,21; 3 Mal Apg; Röm 16,6, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 14,36; 2Kor 2,4; 7,15; 8,6. 22. 23; 9,5. 8; 10,1. 14; 11,6; 13,3. 4; Gal 4,11; 5,10; Eph 3,2; Kol 1,6. 25; 1Thess 1,5; 2,9; 3,12; 4,8; 5,18; 3 Mal 1Petr; 2Petr 3,9), vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6. 332 Rekonstruktion <?page no="333"?> Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die nicht bei *Paulus bzw. ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind (τοιγαροῦν; οὐκ ἄνθρωπον; ἀλλὰ τόν; διδόντα; δίδωμι + πνεῦμα). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Dass εἰς ὑμᾶς vorkanonisch nur für *Kol bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. (4,9) Die Kombination περὶ δέ steht 14 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 7,1. ♦ φιλαδελφία steht 6 Mal im NT, vorkanonisch 1 Mal bezeugt für *Röm 12,10. ♦ χρεία, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist 1 Mal vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. ♦ Die Wendung γράφειν ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,1. ♦ Die Kombination αὐτοὶ γάρ steht 10 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 1,9. ♦ θεοδίδακτος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ Die Wendung εἰς τὸ ἀγαπᾶν steht nur hier im NT. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die nicht bei *Paulus bzw. ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind (περὶ δέ; γράφειν ὑμῖν; αὐτοὶ γάρ). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,10) Die Kombination καὶ γάρ steht 39 Mal im NT, davon 24 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4 (als Verseröffnung); *1Kor 5,7 (im Vers). ♦ Die Form ποιεῖτε steht 18 Mal im NT, Lk 22,19, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,31. 46. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ Die Wendung εἰς πάντας steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 3,22. ♦ Die Wendung ἐν ὅλῃ steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27. ♦ Μακεδονία, das 22 Mal im NT erwähnt wird, ist nur hier kanonisch belegt. ♦ Die Wendung παρακαλοῦμεν δὲ ὑμᾶς steht 1 weiteres Mal in 1Thess 5,14 auf der kanonischen Ebene. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Die Erwähnung von Makedonien im lateinischen Prolog macht es wahrscheinlich, dass dieser Vers hier vorkanonisch stand, wenn er nicht wegen der Erwähnung dort, hier von der kanonischen Redaktion eingefügt wurde. Gegen die spätere Hinzufügung spricht die Lexik, die bis auf die typisch 5 (1Thess) 333 <?page no="334"?> kanonische Emphatisierung εἰς πάντας und den ebenfalls steigernden Schluss παρακαλοῦμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί. περισσεύειν μᾶλλον vorkanonisch ist. (4,11) φιλοτιμέομαι, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἡσυχάζω steht 5 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,56. ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10 und *Röm 2,25. ♦ Der Infinitiv πράσσειν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 22,23; 2 Mal Apg; 1Thess 4,11). ♦ Der Ausdruck τὰ ἴδια steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,12; Eph 4,28; 1Thess 4,11). ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ χείρ, das 158 / 178 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ παραγγέλλω, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,11 und *2Thess 3,10. ♦ Die Form παρηγγείλαμεν steht 1 weiteres Mal in Apg 5,28. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden sind (φιλοτιμέομαι; πράσσειν; τὰ ἴδια; παρηγγείλαμεν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,12) περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ εὐσχήμων, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔξω, das 69 / 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,16. ♦ Die Wendung πρὸς τοὺς ἔξω steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Kol 4,5 (περιπατεῖτε πρὸς τοὺς ἔξω). ♦ Zum vorkanonisch bezeugten χρεία vgl. zu Vers 9. ♦ Die Kombination χρείαν + ἔχω steht 32 Mal im NT, in Lk 15,7; 19,31. 34, jeweils in Versen oder Teilversen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31 (auch in der negativen Form). Zur Abwesenheit: Auch wenn dieser vorkanonisch unbezeugte Vers einige Elemente aufweist, die vorkanonisch bezeugt sind, begegnen doch auch zwei, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εὐσχήμων; πρὸς τοὺς ἔξω). Da diese selten sind, könnte man für eine vielleicht überarbeitete Präsenz dieses Verses im vorkanonischen Text plädieren, allerdings ist der Vers inhaltlich eng in den kanonischen Text eingebunden, so dass dieser Kontext doch eher für die vorkanonische Abwesenheit des Verses spricht. 4,[13-14] 15-17 [18]: Wir übrigen werden als erste auferstehen Der zentrale vorkanonische Gedanke, dass die noch Lebenden und die in Christus Verstorbenen als erste auferstehen werden, ist gut bezeugt. 334 Rekonstruktion <?page no="335"?> 23 A. Hilgenfeld, Messias Judaeorum, libris eorum Paulo ante et Paulo post Christum natum conscriptis illustratus (1869), 99. Die kanonische Redaktion hat diesen Gedanken eingebunden in die voran‐ stehenden paränetischen Ausführungen und sie am Ende mit bildhaften und biblischen Assoziationen ausgestattet. - 13 Οὐ θέλομεν δὲ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί, περὶ τῶν κοιμωμένων, ἵνα μὴ λυπῆσθε καθὼς καὶ οἱ λοιποὶ οἱ μὴ ἔχοντες ἐλπίδα. 14 εἰ γὰρ πιστεύομεν ὅτι Ἰησοῦς ἀπέθανεν καὶ ἀνέστη, οὕτως καὶ ὁ θεὸς τοὺς κοιμηθέντας διὰ τοῦ Ἰησοῦ ἄξει σὺν αὐτῷ. 15 οἱ περιλειπόμενοι εἰς τὴν παρουσίαν τοῦ Χριστοῦ 15 Τοῦτο γὰρ ὑμῖν λέγομεν ἐν λόγῳ κυρίου, ὅτι ἡμεῖς οἱ ζῶντες οἱ περιλειπόμενοι εἰς τὴν παρουσίαν τοῦ κυρίου οὐ μὴ φθάσωμεν τοὺς κοιμηθέντας· 16 καὶ οἱ νεκροὶ ἐν Χριστῷ ἀναστήσονται πρῶτοι, 17 ἁρπαγησόμεθα ἐν νεφέλαις εἰς ὑπάντησιν τοῦ κυρίου εἰς ἀέρα. 16 ὅτι αὐτὸς ὁ κύριος ἐν κελεύσματι, ἐν φωνῇ ἀρχαγγέλου καὶ ἐν σάλπιγγι θεοῦ, καταβήσεται ἀπ’ οὐρανοῦ, καὶ οἱ νεκροὶ ἐν Χριστῷ ἀναστήσονται πρῶτον, - 17 ἔπειτα ἡμεῖς οἱ ζῶντες οἱ περιλειπόμενοι ἅμα σὺν αὐτοῖς ἁρπαγησόμεθα ἐν νεφέλαις εἰς ἀπάντησιν τοῦ κυρίου εἰς ἀέρα· καὶ οὕτως πάντοτε σὺν κυρίῳ ἐσόμεθα. 18 Ὥστε παρακαλεῖτε ἀλλήλους ἐν τοῖς λόγοις τούτοις. A. *4,15-17: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 15,4: Ait eos qui remaneant in adventum Christi cum eis qui mortui in Christo primi resurgent, quod in nubibus auferentur in aerem obviam domino. Vgl. Adam., Dial. I 25 (im Mund des Adamantius): ἐν κελεύσματι θεοῦ, ἐν φωνῇ ἀρχαγγέλου, ἐν τῇ ἐσχάτῃ σάλπιγγι καταβήσεται κύριος ἀπ’ οὐρανοῦ, καὶ οἱ νεκροὶ ἐγερθήσονται πρῶτοι, 17 ἔπειτα καὶ ἡμεῖς οἱ περιλειπόμενοι εἰς τὴν παρουσίαν αὐτοῦ ἅμα σὺν αὐτοῖς ἁρπαγησόμεθα ἐν νεφέλαις εἰς ἀπάντησιν αὐτοῦ (Rufin: in iussu die, in uoce archangeli, in nouissima tuba descendet de coelis, et mortui resurgunt primi, deinde nos qui uiuimus, qui reliqui sumus in aduentu eius, simul cum ipsis rapiemur in nubibus obuiam Christo in aera). Das auch vorkanonisch bezeugte Wort Christi in *1Kor 7,10 hat mit diesem Vers wenig zu tun, auch wenn es als Parallele in NA 28 vermerkt ist. Eher erinnert 4Esr 13,24 daran (hier in der griech. Retroversion von Hilgenfeld): ἴσθι οὖν, ὅτι μᾶλλεν ἐμακαρίσθησαν οἱ περιλειπόμενοι ὑπὲρ τοὺς ἀποθανόντας. 23 5 (1Thess) 335 <?page no="336"?> 24 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2030. 25 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 307. B. (4,16) Anstelle von πρῶτον legt das Zeugnis von Tertullian πρῶτοι nahe, sie findet sich auch bei Eus. 24 ♦ Anstelle von ἀπάντησιν findet sich die Variante ὑπάντησιν in den Zeugen 06*, 010, 012 und wurde schon von Schmid in Erwägung gezogen. C. 1. (4,13-14) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt. Zahn sieht sie wiederum in unbestimmbarer Form präsent, auch Harnack, ohne jedoch den Text zu rekonstruieren. Auch BeDuhn bietet die Verse nicht. 2. (4,15-17) Hilgenfeld verweist auf Tertullian als Zeugen für diese Verse sowie auf Adamantius für die Verse 16 und 17. Zahn sieht nur die Verse 16-17 bezeugt, rechnet aber in irgendeiner Weise auch mit Vers 14. In Vers 16 verweist er auf Tertullian für den abweichenden Text: ἀναστήσονται πρῶτοι. Harnack gibt als bezeugten Text den folgenden an, meint aber, dass die Verse 16 und 17 „noch umfassender bezeugt“ seien: 15 οἱ περιλειπόμενοι εἰς τὴν παρουσίαν τοῦ κυρίου (oder τοῦ Χριστοῦ). 16b οἱ νεκροὶ ἐν Χριστῷ ἀναστήσονται πρῶτοι, 17 οἱ περιλειπόμενοι εἰς τὴν παρουσίαν αὐτοῦ ἅμα σὺν αὐτοῖς ἁρπαγησόμεθα ἐν νεφέλαις εἰς ἀπάντησιν τοῦ κυρίου εἰς ἀέρα. Schmid ist ein wenig zurückhaltender als Harnack und gibt als bezeugten Text: 15 … οἱ περιλειπόμενοι εἰς τὴν παρουσίαν τοῦ κυρίου … 16 … οἱ νεκροὶ ἐν Χριστῷ ἀναστήσονται πρῶτοι, 17 … ἅμα σὺν (αὐτοῖς) ἁρπαγησόμεθα ἐν νεφέλαις εἰς ἀπάντησιν (vel ὑπάντησιν) τοῦ κυρίου εἰς ἀέρα-… BeDuhn sieht ebenfalls Vers 15 als unbezeugt, liest aus Tertullian aber eine umgekehrte Anordnung der Verse 16b und 17, d. h. er meint, Tertullian zitiere zunächst Vers 17 und komme dann auf Vers 16b zu sprechen. Außerdem verweist BeDuhn darauf, dass das Adamantiuszeugnis unsicher sei. Überhaupt äußert BeDuhn sich kritisch und meint: „Insgesamt bieten diese Verse ein gutes Beispiel dafür, wie unsere Quellen ein klares Zeugnis für die Präsenz des Inhalts bieten, während sie keine konsistente Information zum exakten Wortbestand der Passage im Apostolikon geben“. 25 Dennoch legt BeDuhn seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde, der u. a. auch Adamantius berücksichtigt: 15 [Τοῦτο γὰρ ὑμῖν λέγομεν ἐν λόγῳ κυρίου, ὅτι … 16 …] ὅτι ὁ κύριος ἐν κελεύσματι θεοῦ, ἐν φωνῇ ἀρχαγγέλου καὶ ἐν τῇ ἐσχάτῃ σάλπιγγι, καταβήσεται κύριος ἀπ’ οὐρανοῦ, καὶ οἱ νεκροὶ ἐν Χριστῷ ἀναστήσονται 336 Rekonstruktion <?page no="337"?> 26 G. Friedrich, 1 Thessalonicher 5,1-11, der apologetische Einschub eines Späteren (1973); K.G. Eckart, Der zweite echte Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher (1961). πρῶτον, 17 ἔπειτα καὶ ἡμεῖς οἱ περιλειπόμενοι ἅμα σὺν αὐτοῖς ἁρπαγησόμεθα ἐν νεφέλαις εἰς ἀπάντησιν τοῦ κυρίου εἰς ἀέρα. 3. (4,18) Zahn hält diesen Vers für unbezeugt, aber irgendwie präsent. Hilgenfeld und Harnack äußern sich zu diesem Vers nicht. Schmid und BeDuhn sehen ihn als unbezeugt. Bereits früher wurde dieser Vers als Interpolation angesehen. 26 4. Was die gesamte Passage (4,13-18) betrifft, belegt der lexikalische Vergleich in D. eine bemerkenswert weitreichende Übereinstimmung von Bezeugung bzw. fehlender Bezeugung und Lexik auf. Die kanonische Redaktion hat mit der Priorisierung der bereits Verstorbenen eine deutliche inhaltliche Korrektur der vorkanonischen Vorlage vorgenommen, die dann auch wieder inhaltlich auf der kanonischen Ebene zu diskutieren war. Die vorkanonische Version hat hingegen die noch Lebenden mit den bereits Verstorbenen schlicht auf eine Ebene gesetzt, eine Gleichsetzung, die Tertullian aufgreift und offenkundig auch nicht anstößig findet, lediglich auf denselben Gott bezogen sehen will, vgl. Tert., Adv. Marc. V 15,4: Agnosco his iam tunc prospectis mirari substantias caelestes ipsam Hierusalem quae sursum est, et per Esaiam pronuntiare, Quinam huc velut nubes volant, tanquam columbae cum pullis ad me? Hunc ascensum si Christus nobis praeparavit, ille erit Christus de quo Amos: Qui ascensum suum aedificat in caelos, utique sibi et suis. Exinde a quo sperabo nunc, nisi a quo haec audivi? D. (4,13) Die Kombination οὐ θέλομεν steht 3 Mal im NT (in Lk 19,14, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2Kor 5,4; 1Thess 4,13), davon 1 Mal als Verseröffnung hier, vorkanonisch im Vers bezeugt für *2Kor 5,4. ♦ Die Wendung ὑμᾶς ἀγνοεῖν steht 6 Mal im NT (Röm 1,13: οὐ θέλω δὲ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί; 11,25: Οὐ γὰρ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί; 1Kor 10,1: Οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί; 12,1: ἀδελφοί, οὐ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν; 2Kor 1,8: Οὐ γὰρ θέλομεν ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί; 1Thess 4,13), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,1: Οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί. ♦ Zu περί vgl. zuvor zu den Versen 6 und 9. ♦ κοιμάω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ λυπέω, das 30 / 26 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ Die Formulierung μὴ ἔχοντες steht 5 Mal im NT, 5 (1Thess) 337 <?page no="338"?> vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,12. ♦ οἱ λοιποί ist 5 Mal im NT bezeugt, 1 Mal vorkanonisch für *Laod 1,3. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zunächst einige Elemente auf, die es nahelegen, dass der Vers vorkanonisch stand (οὐ θέλομεν δὲ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί). Allerdings begegnet diese Formulierung gerade in der ersten Person Plural nicht auf der vorkanonischen, sondern der kanonischen Ebene (2Kor 1,8). Dazu kommt, dass gleich zwei Elemente folgen, die ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind (κοιμάω; λυπέω), gefolgt von zwei Elementen, die vorkanonisch nur in *Laod bezeugt sind (οἱ λοιποί; μὴ ἔχοντες). Der Vers scheint also doch eher ein Produkt der kanonischen Ebene zu sein und vorkanonisch gefehlt zu haben, wobei οἱ λοιποί und μὴ ἔχοντες auf die Nähe des *Deuteropaulinums *Laod zur kanonischen Sprache verweisen. (4,14) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröff‐ nung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ Die Form πιστεύομεν steht 6 Mal im NT, vorkanonische bezeugt für *2Kor 4,13, vgl. zu Röm 6,8. ♦ Die Form ἀπέθανεν steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,3: Χριστὸς ἀπέθανεν; *Röm 5,6: Χριστός-… ἀπέθανεν, wobei das Subjekt jeweils Christus, nicht Jesus ist. Überhaupt findet sich Jesus als Subjekt für ἀπέθανεν nur hier bei Paulus. ♦ Die Wendung καὶ ἀνέστη steht 4 Mal im NT (Mk 9,27; Lk 4,16; 8,55; 1Thess 4,14), in Lk 4,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt, folglich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42, vgl. zuvor Röm 7,14. ♦ Zum kanonischen κοιμάω vgl. den voranstehenden Vers 13. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ Ἰησοῦ steht nur hier im NT. ♦ ἄγω, das 92 / 67 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung σὺν αὐτῷ steht 29 Mal im NT (2 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 5,9 (fehlt in *Ev); 8,1 (fehlt in *Ev). 38 (fehlt in *Ev). 51; 9,32 (fehlt in *Ev); 22,14. 56; 23,32; Joh 12,2; 8 Mal Apg; Röm 8,32; 2Kor 13,4; Kol 2,13; 3,4; 1Thess 4,14; 5,10; 2Petr 1,18), vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; 23,32; *Kol 2,13 - auch wenn diese Wendung vorkanonisch bezeugt ist, so ist sie doch deutlich eine beliebte der kanonischen Redaktion. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt sind (εἰ γάρ; καὶ ἀνέστη; Jesus Subjekt von ἀπέθανεν; κοιμάω). Der Vers ist wohl ein Produkt der kanonischen Ebene und hat vorkanonisch gefehlt. (4,15) Zum unbezeugten Versanfang: Die Kombination τοῦτο γάρ steht 13 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Eph 5,5; 1Thess 4,15; im Vers: Mk 1,38; Apg 26,16; Röm 12,20; 13,6; 14,9; 2Kor 2,9; 1Tim 4,10. 16; Hebr 7,27; 1Petr 2,21; 4,6), 338 Rekonstruktion <?page no="339"?> vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,50 als Versanfang. ♦ Die Verbform λέγομεν, die 4 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν λόγῳ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,20. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Zum bezeugten Versteil: περιλείπομαι steht nur hier und zwei Verse weiter, eines der beiden ist zumindest für die vorkanonische Version bezeugt. ♦ παρουσία, das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Thess 5,23. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: φθάνω, das 7 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐγγίζω, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ κοιμάω, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der vorliegende Vers ist ein hervorragendes Beispiel für die Übereinstimmung zwischen Bezeugung bzw. fehlender Bezeugung und Lexik und die Dienstbarkeit der Letzteren für die Rekonstruktion. Während τοῦτο γάρ zwar 1 Mal vorkanonisch bezeugt ist, jedoch eine beliebte Formulierung der kanonischen Redaktion darstellt, begegnen die weiteren Elemente nur auf der kanonischen Ebene. Folglich wird der unbezeugte Anfang des Verses auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Sobald die Bezeugung einsetzt, finden sich weitere auf der vorkanonischen Ebene bezeugte Elemente. Die Situation für das unbezeugte Ende des Verses weist wiederum mehrere nur kanonisch belegte Elemente auf, auch dieser Teil wird folglich vorkanonisch gefehlt haben, außerdem scheint die kanonische Redaktion Χριστοῦ durch das kanonisch beliebte κυρίου ausgetauscht zu haben. Die Lexik bestätigt einmal mehr Tertullians Zeugnis. (4,16) Zum unbezeugten Versanfang: Die Wendung ὅτι αὐτός steht 9 Mal im NT, nur an dieser Stelle als Verseröffnung (Mt 16,20; Lk 6,35; 24,21; 2 Mal Apg; 2Kor 12,13; 1Thess 4,16; 1Joh 4,10. 19), vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,35; 24,21. ♦ Der Ausdruck ὁ κύριος, der 108 Mal im NT steht, wurde bereits von Klinghardt als typisches Merkmal der kanonischen Redaktion erkannt, vgl. die Einleitung zu der vorliegenden Studie. ♦ Die Wendung ἐν φωνῇ steht 6 Mal im NT, sonst nur in Apk. ♦ κέλευσμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἀρχάγγελος steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene bezeugt ( Jud 1,9). ♦ σάλπιγξ steht 12 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ καταβαίνω, das 91 / 82 Mal im NT steht (Lk 17,29; 21,11; 22,43, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Röm 1,18; 1Thess 4,16; 2Thess 1,7; 1Petr 1,12) und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἀπ’ οὐρανοῦ steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,11; *Röm 1,18; *2Thess 1,7, vgl. zu Röm 1,18.Zum bezeugten Versteil: ἀνίστημι, das 131 / 108 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,16 5 (1Thess) 339 <?page no="340"?> und *Laod 5,14. ♦ πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3. Zur Rekonstruktion: Auch in diesem Fall bestätigt die Lexik, dass der unbezeugte Anfang des Verses auf die kanonische Redaktion zurückgeht und Tertullian seine Vorlage korrekt wiedergibt. Seine Wendung cum eis qui mortui lässt sich am ehesten mit dem einfachen Anschluss καὶ οἱ νεκροί auflösen. (4,17) Zum unbezeugten Versanfang: ἔπειτα, das 17 / 16 Mal im NT steht, davon 8 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 1,18. ♦ Die Wendung ἡμεῖς οἱ ζῶντες steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,11. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten περιλείπομαι vgl. zu Vers 15. ♦ ἅμα steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination σὺν αὐτοῖς steht 13 Mal im NT (Lk 7,6; 24,29. 33 (Versteil, der in *Ev fehlt); 7 Mal Apg; Röm 16,14. 15, in zwei Versen, die in *Röm fehlen; 1Thess 4,17), also ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zum bezeugten Versteil: ἁρπάζω, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 12,2. ♦ νεφέλη, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,34. 35; *1Kor 10,1. ♦ ἀπάντησις steht 5 / 3 Mal im NT, immer für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die alternative Lesart ὑπάντησις findet sich 3 weitere Male im NT (Mt 8,34; 25,1; Joh 12,13) und ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀήρ, das 7 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2. ♦ Die Form εἰς ἀέρα steht 1 weiteres Mal im NT, in 1Kor 14,9, zwar dort nicht vorkanonisch bezeugt, aber womöglich vorkanonisch dort stehend. Zum wieder unbezeugten Versteil: Die Kombination καὶ οὕτως steht 15 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *1Kor 15,11. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἐσόμεθα, die 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wieder dem Zeugnis Tertullians. Auch bei diesem Vers fällt auf, dass die Lexik einerseits die nichtbezeugten Teile in ihrer Abwesenheit stützt, wie sie umgekehrt die bezeugten Teile in ihrer Präsenz bekräftigt. (4,18) Die hier unbezeugte Konjunktion ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, davon 37 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21 (Verseröffnung); *2Kor 3,7 (im Vers); *Röm 7,12; *2Thess 2,4 (im Vers). ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form παρακαλεῖτε steht 3 Mal im NT, jeweils nahe dem Versanfang und jeweils auf der kanonischen Ebene (1Thess 4,18; 5,11; Hebr 3,13). ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ Die Wendung εἰς ἀλλήλους steht 340 Rekonstruktion <?page no="341"?> 11 Mal im Neuen Testament, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9, vgl. zu Röm 12,16. ♦ Die Wendung ἐν τοῖς λόγοις steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 1Thess 4,18. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (παρακαλεῖτε; ἐν τοῖς λόγοις). Der Vers wird wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Kapitel 5 5,[1-18]: [Dringliche Ermahnungen] Im Stil und Inhalt der kanonischen Redaktion werden auf dieser Ebene zu Beginn des Kapitels weitere paränetische Ermahnungen gegeben, die mit Dringlichkeitsmahnungen der unmittelbar erwarteten Wiederkunft des Herrn dramatisiert werden. - 5,1 Περὶ δὲ τῶν χρόνων καὶ τῶν καιρῶν, ἀδελφοί, οὐ χρείαν ἔχετε ὑμῖν γράφεσθαι, 2 αὐτοὶ γὰρ ἀκριβῶς οἴδατε ὅτι ἡμέρα κυρίου ὡς κλέπτης ἐν νυκτὶ οὕτως ἔρχεται. 3 ὅταν λέγωσιν, Εἰρήνη καὶ ἀσφάλεια, τότε αἰφνίδιος αὐτοῖς ἐφίσταται ὄλεθρος ὥσπερ ἡ ὠδὶν τῇ ἐν γαστρὶ ἐχούσῃ, καὶ οὐ μὴ ἐκφύγωσιν. 4 ὑμεῖς δέ, ἀδελφοί, οὐκ ἐστὲ ἐν σκότει, ἵνα ἡ ἡμέρα ὑμᾶς ὡς κλέπτης καταλάβῃ, 5 πάντες γὰρ ὑμεῖς υἱοὶ φωτός ἐστε καὶ υἱοὶ ἡμέρας. οὐκ ἐσμὲν νυκτὸς οὐδὲ σκότους· 6 ἄρα οὖν μὴ καθεύδωμεν ὡς οἱ λοιποί, ἀλλὰ γρηγορῶμεν καὶ νήφωμεν. 7 οἱ γὰρ καθεύδοντες νυκτὸς καθεύδουσιν, καὶ οἱ μεθυσκόμενοι νυκτὸς μεθύουσιν· 8 ἡμεῖς δὲ ἡμέρας ὄντες νήφωμεν, ἐνδυσάμενοι θώρακα πίστεως καὶ ἀγάπης καὶ περικεφαλαίαν ἐλπίδα σωτηρίας· 9 ὅτι οὐκ ἔθετο ἡμᾶς ὁ θεὸς εἰς ὀργὴν ἀλλὰ εἰς περιποίησιν σωτηρίας διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, 10 τοῦ ἀποθανόντος ὑπὲρ ἡμῶν ἵνα εἴτε γρηγορῶμεν εἴτε καθεύδωμεν ἅμα σὺν αὐτῷ ζήσωμεν. 11 Διὸ παρακαλεῖτε ἀλλήλους καὶ οἰκοδομεῖτε εἷς τὸν ἕνα, καθὼς καὶ ποιεῖτε. 12 Ἐρωτῶμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί, εἰδέναι τοὺς κοπιῶντας ἐν ὑμῖν καὶ προϊσταμένους ὑμῶν ἐν κυρίῳ καὶ νουθετοῦντας ὑμᾶς, 13 καὶ ἡγεῖσθαι 5 (1Thess) 341 <?page no="342"?> 27 G. Friedrich, 1 Thessalonicher 5,1-11, der apologetische Einschub eines Späteren (1973). 28 K.G. Eckart, Der zweite echte Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher (1961). αὐτοὺς ὑπερεκπερισσοῦ ἐν ἀγάπῃ διὰ τὸ ἔργον αὐτῶν. εἰρηνεύετε ἐν ἑαυτοῖς. 14 παρακαλοῦμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί, νουθετεῖτε τοὺς ἀτάκτους, παραμυθεῖσθε τοὺς ὀλιγοψύχους, ἀντέχεσθε τῶν ἀσθενῶν, μακροθυμεῖτε πρὸς πάντας. 15 ὁρᾶτε μή τις κακὸν ἀντὶ κακοῦ τινι ἀποδῷ, ἀλλὰ πάντοτε τὸ ἀγαθὸν διώκετε [καὶ] εἰς ἀλλήλους καὶ εἰς πάντας. 16 Πάντοτε χαίρετε, 17 ἀδιαλείπτως προσεύχεσθε, 18 ἐν παντὶ εὐχαριστεῖτε· τοῦτο γὰρ θέλημα θεοῦ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ εἰς ὑμᾶς. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (5,3) Post ὅταν add δέ die Zeugen 01 2 , 03, 06, 0226, 6, 104, 1505, 1739, 1881, 2464, sy h . ♦ Für αὐτοῖς ἐφίσταται, das zu finden ist in 02 vid , 06, 018, 025, 044, 0278, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 2464, M, Ir lat , gibt es folgende Varianten: αὐτοῖς ἐπίσταται 01, 020, 33, 326, 1881; ἐπίσταται αὐτοῖς 03, 226 vid , (lat); αὐτοῖς φανήσεται 010, 012, b, d, Aug pt . C. 1. (5,1-18) Nach allen Editoren sind die Verse 1-18 unbezeugt. Zahn und Harnack rechnen mit ihrer Präsenz, ohne dass der Text näher bestimmt werden könnte. 2. (5,1-11) 1Thess 5,1-11 wird als Interpolation angesehen durch G. Friedrich. 27 3. (5,3) Zu bemerken ist der handschriftliche Befund, wonach hier zwei Varianten existieren (ἐφίστημι, vorkanonisch bezeugt; ἐπίσταμαι vorkanonisch unbezeugt). Auffällig ist darüber hinaus, dass zwei Begriffe kombiniert stehen (ἐφίστημι; αἰφνίδιος), die im selben Vers im vorkanonischen Evangelium be‐ gegnen (*Ev 21,34). Insbesondere ἐφίστημι findet sich dann häufig gerade in den kanonischen Ergänzungen zum Evangelium und der Apostelgeschichte, aber auch auf der kanonischen Ebene der Paulusbriefe. 4. (5,12-22) 1Thess 5,12-22 wird als Interpolation angesehen durch K.G. Eckart. 28 D. (5,1) Die Kombination περὶ δέ steht 14 Mal im NT, immer als Verseröffnung und ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ χρόνος, das 61 / 54 Mal im NT steht, 342 Rekonstruktion <?page no="343"?> ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ Die Kombination χρείαν + ἔχω steht 32 Mal im NT, in Lk 15,7; 19,31. 34, jeweils in Versen oder Teilversen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. ♦ Zu dem Ausdruck οὐ χρείαν ἔχετε ὑμῖν γράφεσθαι vgl. den nur kanonisch bezeugten Ausdruck zuvor in 1Thess 4,9 οὐ χρείαν ἔχετε γράφειν ὑμῖν, der hier wieder aufgegriffen wird. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: περὶ δέ; οὐ χρείαν ἔχετε ὑμῖν γράφεσθαι. (5,2) Die Kombination αὐτοὶ γάρ steht 10 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 1,9. ♦ ἀκριβής steht 7 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination οὐκ οἴδατε ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 6,16; 1Kor 3,16; 6,3. 15; 9,13. 24), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16; 6,15 (Verseröffnung); *1Kor 6,16 (im Vers). ♦ ἡμέρα κυρίου steht 1 weiteres Mal im NT, 2Petr 3,10. ♦ κλέπτης, das 18 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39. ♦ Die Wendung ἐν νυκτί steht 1 weiteres Mal im NT, Apg 18,9. ♦ Die Form ἔρχεται steht 90 Mal im NT, wobei Lk 12,39 an die Wendung hier erinnert, jedoch als solche nicht in *Ev bezeugt ist: ὁ κλέπτης ἔρχεται. Auch Lk 17,1 findet sich die Form, Tertullian legt für *Ev jedoch eine andere Formulierung nahe (auctori scandalorum), allerdings ist diese Form vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: αὐτοὶ γάρ; ἀκριβής; ἡμέρα κυρίου; ἐν νυκτί. (5,3) ὅταν allein begegnet 128 / 123 Mal im NT, davon 34 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch als Verseröffnung bezeugt für *1Kor 15,54; *Kol 3,4; im Vers vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Eröffnungsvariante ὅταν δέ steht 21 Mal im NT (17 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,54; *Kol 3,4. ♦ Die Verbform λέγωσιν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ ἀσφάλεια steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. ♦ αἰφνίδιος steht nur noch 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,34 und im parallelen kanonischen Vers. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ ἐφίστημι steht 24 / 21 Mal im NT, jedoch im selben Vers vorkanonisch bezeugt wie das zuvor besprochene αἰφνίδιος. ♦ Die Variante ἐπίσταμαι findet sich 16 / 14 Mal im NT und ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὄλεθρος findet sich 4 Mal 5 (1Thess) 343 <?page no="344"?> im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,5 und *2Thess 1,9. ♦ ὥσπερ, das 43 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,22; *Röm 5,21. ♦ ὠδίς steht 4 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ γαστήρ steht 9 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ Die Kombination καὶ οὐ μή steht 15 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Hebr 8,11; Apk 21,27; im Vers: Mt 13,14; Mk 13,19; Lk 6,37; Joh 10,28; Apg 28,26; 1Thess 5,3; 4 Mal Apk), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐκφεύγω, das 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λέγωσιν; ἀσφάλεια; (ἐπίσταμαι); ὠδίς; γαστήρ; καὶ οὐ μή; Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip. (5,4) Die Kombination ὑμεῖς δέ, ἀδελφοί steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 4,28. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter Vers 5. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11; 6,12. ♦ Die Wendung ἐν σκότει steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 2,19. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten Begriff ἡμέρα, mit 414 Belegen insgesamt, vgl. zuvor zu Vers 5,2. ♦ Zu dem ebenfalls vorkanonisch bezeugten Begriff κλέπτης, der 18 Mal im NT steht, vgl. zum selben Vers 5,2. ♦ καταλαμβάνω steht 20 / 15 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑμεῖς δέ, ἀδελφοί; ἐν σκότει; καταλαμβάνω. (5,5) Die Kombination πάντες γάρ steht 14 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Gal 3,26, vgl. zu Röm 3,23. ♦ φῶς, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6; 11,14. ♦ Die erweiterte Kombination πάντες γὰρ ὑμεῖς steht 1 weiteres Mal, Gal 3,28, auf kanonischer Ebene. ♦ Der Ausdruck υἱοὶ φωτός steht 1 weiteres Mal im NT, Joh 12,36 (ὡς τὸ φῶς ἔχετε, πιστεύετε εἰς τὸ φῶς, ἵνα υἱοὶ φωτὸς γένησθε. Ταῦτα ἐλάλησεν Ἰησοῦς). Allerdings sieht Jörg Frey im Ausdruck „Söhne von …“ einen distinktiv semitisch-palästinisch-jü‐ dischen Einfluss mit Parallelen in den „Visionen von Amram“ und im „Traktat der 344 Rekonstruktion <?page no="345"?> 29 J. Frey and J.N. Cerone, Qumran and Christian origins (2022), 437. Skeptisch, was die Existenz derselben betrifft, ist M. Klinghardt (Anmerkung zu dieser Stelle bei seiner Durchsicht des Manuskripts). zwei Geister“, beides Texte aus Qumran, jedoch älter als die Sekte selbst. 29 ♦ Zur Verbform ἐστε vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ Zu σκότος vgl. zum voranstehenden Vers 4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πάντες γὰρ ὑμεῖς; υἱοὶ φωτός; (5,6) Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ καθεύδω steht 22 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,14. ♦ οἱ λοιποί, das 5 Mal bezeugt ist, findet sich vorkanonisch in *Laod 1,3. ♦ γρηγορέω, das 23 / 22 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ νήφω steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρα οὖν; γρηγορέω; νήφω. Zu bemerken ist, dass gleich zwei Elemente (καθεύδω; οἱ λοιποί) vorkanonisch ausschließlich für *Laod bezeugt sind, was erneut auf die Nähe der Sprache dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen hinweist. (5,7) Die Kombination οἱ γάρ steht 13 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene; vgl. zu Röm 8,5. ♦ Das vorkanonisch für *Laod bezeugte καθεύδω, vgl. zu den Versen 6 und 10. ♦ Zu νύξ, vgl. zu Vers 2. ♦ μεθύσκω steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,18. ♦ Das verwandte μεθύω, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: οἱ γάρ. Hinzu kommen zwei Begriffe, die ausschließlich für *Laod vorkanonisch bezeugt sind (καθεύδω; μεθύσκω) und wiederum die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache erweisen. (5,8) Die Kombination ἡμεῖς δέ steht 20 Mal im NT, davon 13 Mal als Verseröffnung, jedoch vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 24,21, vgl. zu 2Kor 3,18. ♦ Die Verbform ὄντες, die 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4; *Röm 8,5; *Laod 2,13. ♦ Zum kanonischen νήφω vgl. zu Vers 6. ♦ ἐνδύω, das 30 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22; *1Kor 15,54; *Kol 3,10. ♦ θώραξ steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,14. ♦ Die Wendung πίστεως καὶ ἀγάπης steht 1 weiteres Mal, 1Tim 1,14. In verschiedenen Kasus steht 5 (1Thess) 345 <?page no="346"?> diese Kombination zwei weitere Mal in den Pastoralbriefen: 1Tim 2,15; 2Tim 1,13. ♦ περικεφάλαιος steht nur noch 1 weiteres Mal, Eph 6,17. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16, vgl. weiter Vers 9. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: νήφω; πίστεως καὶ ἀγάπης. Wieder fällt das *Deuteropaulinum *Laod auf, für welches θώραξ vorkanonisch bezeugt ist, was erneut auf die Nähe desselben zur kano‐ nischen Lexik hinweist. (5,9) Die Wendung ὅτι οὐκ steht 92 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mk 7,19; Lk 1,37, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 2,27; Eph 6,12; 1Thess 5,9), jeweils auf der kanonischen Ebene und ist eine zwar nicht häufig stehende, aber typisch kanonische Eröffnung wie Lk 1,37 und die andere für Eph 6,12 parallele vorkanonische Eröffnung in *Laod zeigt. ♦ Die Form ἔθετο steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,28. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ Die Wendung εἰς ὀργήν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 13,4; 1Thess 5,9; Jak 1,19). ♦ Die Kombination ἀλλὰ εἰς steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 11,17. ♦ περιποίησις findet sich 5 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt, auch wieder mit einer Epheserstelle (Eph 1,14; 1Thess 5,9; 2Thess 2,14; Hebr 10,39; 1Petr 2,9). ♦ Zu dem kanonisch bezeugten σωτηρία vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ Die Formel διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,57. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι οὐκ; εἰς ὀργήν; ἀλλὰ εἰς; περιποίησις; διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ. (5,10) ἀποθνήσκω steht 119 / 111 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ὑπὲρ ἡμῶν vgl. zu Röm 8,31. ♦ Die Kombination ἵνα εἴτε steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Phil 1,27. ♦ Zum kanonischen γρηγορέω vgl. zu Vers 6. ♦ Zum vorkanonisch für *Laod bezeugten καθεύδω vgl. zu den Versen 6 und 10. ♦ ἅμα, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung σὺν αὐτῷ steht 29 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Kol 2,13, vgl. zu 1Thess 4,14. ♦ Die Form ζήσωμεν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Thess 5,10; Tit 2,12; 1Petr 2,24; 1Joh 4,9). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἵνα εἴτε; γρηγορέω; ἅμα; ζήσωμεν. Auch hier begegnet wieder ein Terminus, der nur für *Laod bezeugt ist, was wiederum die Nähe zur kanonischen Lexik anzeigt. 346 Rekonstruktion <?page no="347"?> (5,11) διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch nur bezeugt für Vers *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14, vgl. zu 2Kor 12,7. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form ἀλλήλους steht 67 Mal im NT, Lk 20,14, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,10. ♦ οἰκοδομέω, das 47 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,47; *Gal 2,18. ♦ Die Form τὸν ἕνα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 6,24; Lk 16,13; 1Thess 5,11). ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ Die Form ποιεῖτε steht 18 Mal im NT, Lk 22,19, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,31. 46. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung διό; τὸν ἕνα. (5,12) ἐρωτάω, das 71 / 63 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐρωτῶμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί steht 1 weiteres Mal in 2Thess 2,1. ♦ Die Form εἰδέναι steht 11 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,4 und wohl auch *Laod 1,18. ♦ κοπιάω, der 26 / 23 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ προΐστημι, das 8 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ νουθετέω, das 9 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐρωτάω; ἐρωτῶμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί; κοπιάω; ἐν ὑμῖν; προΐστημι; ἐν κυρίῳ; νουθετέω. (5,13) ἡγέομαι steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 2,6; 3,7. 8. ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ ὑπερεκπερισσοῦ, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Das verwandte ἐκπερισσός, das 5 Mal im NT steht, findet sich ebenfalls jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,14. ♦ Die Wendung διὰ τὸ ἔργον steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Phil 2,30. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ εἰρηνεύω, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18 in der Form εἰρηνεύοντες, doch die hier vorliegende Form εἰρηνεύετε begegnet nur zwei weitere Male auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἑαυτοῖς steht 21 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen 5 (1Thess) 347 <?page no="348"?> Ebene (6 Mal Mt; 4 Mal Mk; Lk 3,8, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 7,49; 3 Mal Joh; 2Kor 1,9; 10,12; 1Thess 5,13; Jak 2,4). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑπερεκπερισσοῦ; ἐν ἀγάπῃ; διὰ τὸ ἔργον; εἰρηνεύοντες; ἐν ἑαυτοῖς. (5,14) παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, etwa Lk 3,18; 15,28, in Versen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Wendung παρακαλοῦμεν δὲ ὑμᾶς steht 1 weiteres Mal in 1Thess 5,14 auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen νουθετέω vgl. Vers 12. ♦ ἄτακτος steht 3 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene belegt. Das zugehörige Verb ἀτακτέω steht als Hapax legomenon auf der kanonischen Ebene in 2Thess 3,7. ♦ παραμυθέομαι, das 4 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὀλιγόψυχος ist ein weiteres Hapax legomenon im NT. ♦ ἀντέχω steht 4 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ μακροθυμέω, das 11 / 10 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Auch das Nomen μακροθυμία, das 14 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9, vgl. weiter unten zu den Versen 15 und 26. ♦ Die Wendung πρὸς πάντας steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 9,23, wo der Teilvers in *Ev fehlt; 12,41; Apg 22,15; Gal 6,10; 1Thess 5,14; 2Tim 2,24; Tit 3,2). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παρακαλοῦμεν δὲ ὑμᾶς; νουθετέω; ἄτακτος; παραμυθέομαι; ἀντέχω; μακροθυμέω. (5,15) Die Kombination ὁρᾶτε μή steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 18,10; 1Thess 5,15; im Vers: Mt 24,6). ♦ Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,11. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *2Kor 5,10; *Röm 12,17. ♦ Die Wendung ἀντὶ κακοῦ steht 3 Mal im NT (Röm 12,17; 1Thess 5,15; 1Petr 3,9), vorkanonisch bezeugt für Röm 12,17. ♦ τινι (Dat. Fem. / Mask. / Neut. Sg.), das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1. ♦ ἀποδίδωμι, das 56 / 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,17. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διώκω, das 47 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ Die Wendung εἰς ἀλλήλους steht 11 Mal im Neuen Testament, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9, vgl. zu Röm 12,16. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πάντας vgl. zuvor zu Vers 14 und unten zu Vers 26. ♦ Die Wendung εἰς πάντας steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 3,22. 348 Rekonstruktion <?page no="349"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁρᾶτε μή; μή τις; πάντοτε; εἰς πάντας. (5,16) πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ Die Form χαίρετε findet sich 12 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 13,11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πάντοτε; χαίρετε. (5,17) ἀδιάλειπτος, das 6 / 2 Mal im NT steht, ist ausschließlich belegt für die kano‐ nische Ebene. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15, vgl. weiter unten Vers 25. ♦ Die Form προσεύχεσθε steht 13 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (4 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 6,28; 22,40. 46; 1Thess 5,17. 25; 2Thess 3,1; Hebr 13,18). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀδιάλειπτος; προσεύχεσθε. (5,18) Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν παντί (Neut.); ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. Auch bei dieser langen Eingangspassage des fünften Kapitels fallen die vielen, ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente auf, die stützen, dass die unbezeugten Verse 1-18 Produkte der kanonischen Redaktion sind und vorkanonisch gefehlt haben. 5,19-20 21-22 23 [24-28]: Verachtet nicht prophetisches Reden Ganz entsprechend der vorkanonischen Argumentation von *1Kor, plädiert der vorkanonische *Paulus auch an dieser Stelle gegen die Verachtung der 5 (1Thess) 349 <?page no="350"?> prophetischen Rede, die zugleich die Präsenz des Geistes bedeutet, aber auch die Ganzheit des Menschen bei der Parousie des Herrn. 19 τὸ πνεῦμα μὴ σβέννυτε· 19 τὸ πνεῦμα μὴ σβέννυτε, 20 προφητείας μὴ ἐξουθενεῖτε· 20 προφητείας μὴ ἐξουθενεῖτε· 21 πάντα δοκιμάζετε· 21 πάντα δὲ δοκιμάζετε, τὸ καλὸν κατέχετε, 22 ἀπὸ πονηροῦ ἀπέχεσθε. 22 ἀπὸ παντὸς εἴδους πονηροῦ ἀπέχεσθε. 23 Αὐτὸ τὸ πνεῦμα ὑμῶν καὶ τὸ σῶμα καὶ ἡ ψυχὴ ἀμέμπτως ἐν τῇ παρουσίᾳ τοῦ κυρίου καὶ σωτῆρος ἡμῶν Χριστοῦ συντηρηθείη. 23 Αὐτὸς δὲ ὁ θεὸς τῆς εἰρήνης ἁγιάσαι ὑμᾶς ὁλοτελεῖς, καὶ ὁλόκληρον ὑμῶν τὸ πνεῦμα καὶ ἡ ψυχὴ καὶ τὸ σῶμα ἀμέμπτως ἐν τῇ παρουσίᾳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ τηρηθείη. - 24 πιστὸς ὁ καλῶν ὑμᾶς, ὃς καὶ ποιήσει. 25 Ἀδελφοί, προσεύχεσθε [καὶ] περὶ ἡμῶν. - 26 Ἀσπάσασθε τοὺς ἀδελφοὺς πάντας ἐν φιλήματι ἁγίῳ. - 27 Ἐνορκίζω ὑμᾶς τὸν κύριον ἀναγνωσθῆναι τὴν ἐπιστολὴν πᾶσιν τοῖς ἀδελφοῖς. 28 Ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ μεθ’ ὑμῶν. A. *5,19-20: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 15,5: Quem spiritum prohibet extingui, et quas prophetias vetat nihil haberi? ♦ *5,21: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 15, 5-6 heißt: [5] … Utique non creatoris spiritum, nec creatoris prophetias, secundum Marcionem: quae enim destruit, ipse iam extinxit et nihil fecit, nec potest prohibere quae nihil fecit. Ergo incumbit Marcioni exhibere hodie apud ecclesiam suam exinde spiritum dei sui qui non sit extinguendus, et prophetias quae non sint nihil habendae. Et si exhibuit quod putat, sciat nos quodcunque illud ad formam spiritalis et propheticae gratiae atque virtutis provocaturos, ut et futura praenuntiet et occulta cordis revelet et sacramenta edisserat. [6] Cum nihil tale protulerit ac probarit, nos proferemus et spiritum et prophetias creatoris secundum ipsum praedicantes. Atque ita constabit apostolus de quibus dixerit, de eis scilicet quae futura erant in ecclesia eius dei qui dum est, spiritus quoque eius operatur et promissio celebratur. ♦ *5,23: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 15,7-8: [7] Age nunc, qui salutem carnis abnuitis, et si quando corpus in huiusmodi praenominatur, aliud nescio quid interpretamini illud quam substantiam carnis, quomodo apostolus omnes in nobis substantias certis nominibus distinxit et omnes in uno voto constituit 350 Rekonstruktion <?page no="351"?> salutis, optans ut spiritus noster et corpus et anima sine querela in adventu domini et salutificatoris nostri Christi conserventur? [8] Nam et animam posuit et corpus, tam duas res quam diversas. Licet enim et anima et corpus sit aliquod suae qualitatis, sicut et spiritus, cum tamen et corpus et anima distincte nominantur, habet anima suum vocabulum proprium, non egens communi vocabulo corporis; id relinquitur carni, quae non nominata proprio, communi utatur necesse est. Etenim aliam substantiam in homine non video post spiritum et animam cui vocabulum corporis accommodetur praeter carnem, hanc totiens in corporis nomine intellegens quotiens non nominatur; multo magis hic, cum quae dicitur corpus suo nomine appellatur. Vgl. Tert. De Res. 47,17-18: [17] Age nunc, quod ad Thessalonicenses ut ipsius solis radio putem scriptum, ita claret, qualiter accipient lucifugae isti scripturarum? Ipse autem deus pacis sanctificet vos totos. Non sufficit? [18] Sed et exsequitur, Et integrum corpus vestrum et anima et spiritus sine querela conserventur in praesentia domini. Habes omnem substantiam hominis saluti destinatam, nec alio tempore quam in adventu domini qui clavis est resurrectionis. B. (5,21) Post πάντα om δέ 01*, 02, 33, 81, 104, 614, 629, 630, 945, pm, f*, vg ms , sy p , Did. ♦ (5,27) ἐνορκίζομαι ist bezeugt durch P 46 , 02, 03, 06*, 0278, 6, 33, 323, 945, 1739, 1881. Die Variante ὀρκίζω steht hingegen in 01, 06 1 , 010, 012, 018, 020, 024, 044, 81, 104, 365, 1505, 1739, 1881, 2464, b, sy h , sa, Ambst. C. 1. (5,19-20) Alle Editoren sehen die beiden Verse 19 und 20 durch Tertullian als bezeugt, und zwar nach dem kanonischen Text. Die Lexik stützt die Bezeugung und auch inhaltlich schließen die Verse gut an den letzten bezeugten Vers *1Thess 4,17 an, wie sie sich überhaupt in die vorkanonische Argumentation für die prophetische Rede von *1Kor einfügen. 2. (5,21) Alle Editoren sind der Meinung, dass dieser Vers unbezeugt ist, auch wenn Zahn und Harnack mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. Wenn man jedoch Tertullians Ausführungen sorgsam liest, scheint er auf diesen Vers hier zu reagieren, wenn gleich im Anschluss an das zuvor Zitierte der Kommentar von Tert., Adv. Marc. V 15, 5-6 folgt. Tertullians Gedanke, dass feststehe, was der Apostel gesagt habe und was in der Kirche künftig an Prophetien gelte (Atque ita constabit apostolus de quibus dixerit, de eis scilicet quae futura erant in ecclesia eius dei qui dum est), widerspricht dem *Paulus des Markion, dass bezüglich des Geistes und der Prophetie erst noch alles zu prüfen sei. Vermutlich hat erst die kanonische Redaktion den positiven Zusatz τὸ καλὸν κατέχετε hinzugesetzt. 3. (5,22) Alle Editoren sind der Meinung, dass dieser Vers unbezeugt ist, auch wenn Zahn und Harnack wieder mit seiner nicht näher bestimmbaren 5 (1Thess) 351 <?page no="352"?> 30 Man vgl. hierzu auch die Diskussion der Varianten bei U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulus‐ briefausgabe (2012), 104-105. Präsenz rechnen. Die Lexik stützt, dass dieser Vers teilweise auf die kanonische Redaktion zurückgeht. Zusammen mit dem vorangehenden, vielleicht verkürzt vorkanonisch stehenden Vers, führt er die Betonung der Geistgaben und der Prophetie bei gleichzeitiger Prüfung derselben und dem Sich-Enthalten von Schlechtem aus. Während diese Inhalte gut zu dem im nachfolgenden bezeugten Teil von Vers 23, insbesondere mit ἀμέμπτως, harmoniert, scheint die kanoni‐ sche Redaktion wieder den Vers emphatisiert zu haben. 4. (5,23) Alle Editoren sehen diesen Vers durch Tertullian bezeugt. Hilgenfeld verweist auf die oben übernommene Formulierung τοῦ κυρίου καὶ σωτῆρος ἡμῶν Χριστοῦ. Zahn macht auf die andere Reihenfolge aufmerksam, in der Tertullian von Geist, Körper und Seele spricht, auch auf den anderen Titel Christi, und schlägt als Textkonstruktion für diesen Teil des Verses vor: … καὶ τὸ πνεῦμα ὑμῶν καὶ τὸ σῶμα καὶ ἡ ψυχὴ ἀμέμπτως ἐν τῇ παρουσίᾳ τοῦ κυρίου ἡμῶν καὶ σωτῆρος Χριστοῦ τηρηθείη. Harnack wandelt die Reihenfolge gegenüber Tertullians Strukturierung ab und gibt als Textrekonstruktion: τὸ πνεῦμα ὑμῶν καὶ ἡ ψυχὴ καὶ τὸ σῶμα ἀμέμπτως ἐν τῇ παρουσίᾳ τοῦ κυρίου καὶ σωτῆρος ἡμῶν Χριστοῦ τηρηθείη. Schmid ändert erneut leicht ab: … ὑμῶν τὸ πνεῦμα καὶ τὸ σῶμα καὶ ἡ ψυχὴ ἀμέμπτως ἐν τῇ παρουσίᾳ τοῦ κυρίου καὶ σωτῆρος ἡμῶν Χριστοῦ τηρηθείη, wobei er einen Mittelweg zwischen Tertullian und Zahn geht und das vorgezogene ὑμῶν aus der kanonischen Fassung nimmt. BeDuhn stellt nochmals die verschiedene Ordnung der drei Begriffe heraus, verweist auch auf Tert., De Res. 47, eine Passage, die, wie die gleichlautende Eröffnung zeigt, nicht unabhängig voneinander geschrieben wurde. In dieser Passage bietet Tertullian allerdings die Reihenfolge corpus vestrum et anima et spiritus, die sich sowohl von der ersten Anführung wie vom kanonischen Text entfernt. 30 5. (5,24-25) Nach allen Editoren sind diese beiden Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack wiederum mit ihnen in unbestimmter Form rechnen. 6. (5,26) Von allen Editoren hat nur Harnack diesen Vers als bezeugt an‐ gesehen, gegründet auf den späten „gefälschten Laodizenerbrief “ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ), wobei er bereits zugibt, dass „der Vers … dort nicht sicher ursprünglich“ sei. 31 BeDuhn hat dieses Zeugnis ausdrücklich verworfen. Zahn rechnet mit der Präsenz, ohne den Wortlaut angeben zu können. 352 Rekonstruktion <?page no="353"?> 31 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 113*. 32 K.G. Eckart, Der zweite echte Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher (1961). 7. (5,27-28) Die beiden letzten Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack wieder mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 8. (5,27) 1Thess 5,27 wird als Interpolation angesehen durch K.G. Eckart. 32 D. (5,19) σβέννυμι steht 8 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,16. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Selbst bei diesem kurzen Vers fällt auf, dass das Verb auch weiter vorkanonisch bezeugt ist, wenn auch nur im *Deuteropaulinum *Laod. (5,20) προφητεία, das 21 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10. ♦ ἐξουθενέω, das 11 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,14. Zur Rekonstruktion: Wieder folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, und auch bei diesem kurzen Vers begegnen wir demselben Phänomen: Die Termini sind weiter vorkanonisch bezeugt. (5,21) δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ Die Wendung τὸ καλόν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,7. ♦ κατέχω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,42; *Röm 1,18. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers vorkanonisch durch Tertullian nur angedeutet ist, könnte zumindest der erste Teil desselben vorkanonisch gestanden sein. (5,22) παντός (Gen. Mask. / Neut. Sg.), das 32 Mal im NT steht, findet sich ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἀπὸ παντός steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 2,5; 1Thess 5,22; 2Tim 4,18). ♦ εἶδος, das 5 Mal im NT steht, etwa Lk 3,22, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πονηρός, das 81 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Kol 1,21. ♦ ἀπέχω, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 6,24 und *1Thess 4,3. ♦ Die Kombination ἀπό + ἀπέχω ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3. 5 (1Thess) 353 <?page no="354"?> Zur Rekonstruktion: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (παντός; ἀπὸ παντός; εἶδος), doch neben diesen begegnen solche, die vorkanonisch bezeugt sind und sich außer dem ἀπό auf den Schlussteil beziehen, der mit seinen Elementen vorkanonisch bezeugt ist. Unter Berücksichtigung der Andeutungen Tertullians, die bereits für Vers 21 angeführt wurden, könnte man auch den oben gegebenen Versanteil vorkanonisch verorten. (5,23) Zum unbezeugten Versteil: αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ Die Kombination αὐτὸς δέ steht 22 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung, und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,44 (als Verseröffnung), vgl. zu 1Kor 3,15. ♦ Die Kombination αὐτὸς δέ ὁ θεός steht 1 weiteres Mal, ebenfalls in 1Thess und ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 1Thess 3,11. ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ Die Wendung θεὸς τῆς εἰρήνης steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,33. ♦ ἁγιάζω, das 30 / 28 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ὁλοτελής ist Hapax legomenon im NT. ♦ ὁλόκληρος steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene ( Jak 1,4). Zum bezeugten Versteil: Die Wendung τὸ πνεῦμα steht 60 Mal im NT (Mt 10,20; 5 Mal Mk; Lk 1,47, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,55; 5 Mal Joh; 19 Mal Apg; Röm 8,11. 16. 26; 1Kor 2,11; 3,16; 5,5; 14,14; 2Kor 3,17; 7,13; 1Thess 5,23; 2 Mal Hebr; 2Mal 1Joh; 10 Mal Apk), in Lk 23,36, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,2; *Gal 4,6; *1Kor 3,16; 5,5; *1Thess 5,19. ♦ Die Wendung τὸ σῶμα steht 27 Mal im NT (6 Mal Mt; Mk 14,22; Lk 11,34. 36; 12,23; 17,37; 22,19; 23,55; Joh 20,12; Röm 6,6; 1Kor 6,19; 11,24; 12,12. 14. 17. 19; Eph 1,23; 4,16; Kol 2,19; 1Thess 5,23; Jak 2,26), in Lk 23,52. 54, in Versen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,4. 23; 22,19; 23,53; 24,3; *1Kor 11,24; 12,12. 14. 24; *Phil 3,21. ♦ Die Wendung ἡ ψυχή steht 9 Mal im NT (3 Mal Mt; Mk 14,34; Lk 1,46, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Joh 12,27; 1Thess 5,23; Hebr 10,38; 3Joh 1,2) und ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ἄμεμπτος steht als Adverb nur hier vorkanonisch bezeugt und nochmals für die kanonische Ebene in 1Thess 2,10, ♦ Das Adjektiv ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ παρουσία, das 24 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15. ♦ Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. ♦ τηρέω, das 81 / 70 Mal im NT steht, insbesondere in der johanneischen Literatur, ist vorkanonisch nicht belegt, doch legt sich viel näher, dass an vorliegender Stelle - auch wenn diese Variante keine Spuren bisher in den Handschriften zurückgelassen hat - das Tertullians conservare näher stehende 354 Rekonstruktion <?page no="355"?> συντηρέω benutzt worden ist. Dieses Kompositverb, das 4 / 3 Mal im NT begegnet, steht weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,38. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte Versanfang scheint aufgrund der Lexik von der kanonischen Redaktion parä‐ netisch erweitert worden zu sein, was die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente stützen (αὐτὸς δὲ ὁ θεός; θεὸς τῆς εἰρήνης; ἁγιάζω; ὁλόκληρος). Hingegen sind die bezeugten Versteile weithin weiter vorkano‐ nisch bezeugt. (5,24) πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ὃς καί steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 3,6. ♦ Die Form ποιήσει steht 18 Mal, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 9,28 Zur Abwesenheit: Deser vorkanonisch unbezeugte Vers weist trotz seiner Kürze verschiedene Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (die positive Semantik von πιστός; ὃς καί; ποιήσει). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,25) ἀδελφοί steht 106 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch nur bezeugt im Vers für *Gal 4,31; 1Kor 10,1; 15,1. 50, vgl. zu Röm 10,1. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15, vgl. weiter oben Vers 17. ♦ Die Form προσεύχεσθε steht 13 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 17. ♦ Die Kombination περὶ ἡμῶν steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 1,9. Zur Abwesenheit: Auch dieser kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung ἀδελφοί; προσεύχεσθε; περὶ ἡμῶν). Der Vers ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,26) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist jedoch positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πάντας vgl. zuvor zu den Versen 14 und 15, die auf derselben kanonischen Ebene stehen. ♦ φίλημα, das 7 Mal im NT steht, ist nur negativ vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,48 (als Judaskuss), während es positiv genommen nur auf der kanonischen Ebene steht. Zur Abwesenheit: Trotz der Kürze dieses vorkanonisch unbezeugten Verses begegnen wieder Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Semantik von ἀσπάζομαι die von φίλημα). Auch dieser Vers wird damit 5 (1Thess) 355 <?page no="356"?> wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (5,27) ἐνορκίζομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Variante ὀρκίζω steht 3 / 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Das verwandte Nomen ὅρκος steht 10 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. Wieder steht auch das weiter verwandte ὁρκωμοσία, das 3 Mal in Hebr begegnet, auf dieser Ebene. ♦ ἀναγινώσκω, das sich 36 / 32 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,3. ♦ ἐπιστολή, das 25 / 24 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Wendung τοῖς ἀδελφοῖς steht 12 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 28,10; 6 Mal Apg; Eph 6,23; 1Thess 5,27; 1Tim 4,6; Hebr 2,12. 17). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugt Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὀρκίζω; ἐπιστολή; τοῖς ἀδελφοῖς). Er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (5,28) Die Formel χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ μετά oder μεθ’ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 6,18. Zur Abwesenheit: Wie die kanonische Formel anzeigt, ist der Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Wie der Schlussgruß vorkanonisch gelautet hat, falls der Brief einen solchen trug, lässt sich nicht mehr ermitteln. 356 Rekonstruktion <?page no="357"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 119-120. 6 (2Thess) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Θεσσαλονικεῖς β’ - Ad Thessalonicenses scribit et notum facit eis de temporibus novissimis et de adversarii detectione. scribit ab Athenis. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16, praef.: De epistula ad Thessalonicenses secunda; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): ἕκτη πρὸς Θεσσαλονικεῖς δευτέρα; ibid. (119 H.): Πρὸς Θεσσαλονικεῖς β‘, παρ’ ἡμῖν δὲ θ; ibid. (178 H.): Τῆς πρὸς Θεσσαλονικεῖς δευτέρας, ἕκτης κειμένης παρὰ τῷ Μαρκίωνι, ἐνάτης δὲ οὔσης παρὰ τῷ ἀποστόλῳ, ὁμοίως διαστραφείσης ὑπ’ αὐτοῦ τοῦ Μαρκίωνος, πάλιν οὐδὲν ἐξεθέμεθα; vgl. auch den markionitischen Prolog. B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. 1 C. Ohne Quellenangabe geben Zahn und Harnack als Adressaten und Titulus: Πρὸς Θεσσαλονικεῖς β’. Kapitel 1 1,1 2: Anschrift und Gruß Die vorkanonische Anschrift ist zum Teil bezeugt, der nachfolgende Gruß nicht. 1,1 Παῦλος, ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ τῇ ἐκκλησίᾳ Θεσσαλονικέων· 1,1 Παῦλος καὶ Σιλουανὸς καὶ Τιμόθεος τῇ ἐκκλησίᾳ Θεσσαλονικέων ἐν θεῷ πατρὶ ἡμῶν καὶ κυρίῳ Ἰησοῦ Χριστῷ· 2 χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ. 2 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς [ἡμῶν] καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. A. *1,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,1: De epistula ad Thessalonicenses secunda. [1] Cogimur quaedam identidem iterare, ut cohaerentia eis confirmemus; vgl. ibid. V 5,1: communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. Zur schlichten Briefadresse und -eröffnung vgl. zuvor zu 1Kor 1,1. <?page no="358"?> 2 Zur modernen Forschung, die insbesondere die Deuteropaulinität herausgearbeitet hat, vgl. T. Nicklas, Der zweite Thessalonicherbrief (2019); T. Nicklas, Studien zum Petrusevangelium (2021); C.M. Kreinecker, 2. Thessaloniker (2010); S. Schreiber, Der zweite Brief an die Thessalonicher (2019). 3 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 458. B. (1,2) Post πατρός om ἡμῶν in 03, 06, 025, 0111 vid , 33, 1739, 1881, m, bo pt , add 01, 02, 010, 012, 016, 018, 020, 0278, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 2464, M, lat, sy, sa, bo pt . C. (1,1-2) Was den Zweiten Thessalonicherbrief als Ganzen betrifft, vgl. man neben den Ausführungen zum Ersten Thessalonicherbrief Harnacks Interpre‐ tation auch dieser Stelle hier. 2 Auch hier gilt es wieder die Ausführungen Tertullians hinzuzulesen, wonach er sich gezwungen sieht, auf die Ähnlichkeit seiner Ausführungen zum Ersten Thessalonicherbrief zu verweisen. Auch hier also dürfte Harnack falsch liegen, wenn er meinte, die beiden Versionen des Briefes hätten sich nur unmerklich unterschieden, denn beide Zeugen verweisen auf die Ähnlichkeit der beiden Briefe, was ihre Einschätzung des Textes in Markions Sammlung betrifft im Vergleich zu der kanonischen Fassung derselben. Dann gilt aber auch das Urteil Tertullians zu *1Thess, so dass auch davon auszugehen ist, dass *2Thess erheblich kürzer war als dieser in der kanonischen Version vorliegt, dass aber zugleich wiederum selbst in der Kürze dieses Briefes (brevioribus quoque epistulis), also in dem Wenigen (in paucis) der sapor (Markions) zu greifen sei. Hilgenfeld ist der Meinung, was die beiden Thessalonicherbriefe betrifft, dass man „keine weitern Textlücken annehmen [darf], da sie für die Widerlegung Marcions hinreichend ausgebeutet sind“. 3 Die Eröffnung ist nach Zahn, Harnack, Schmid und BeDuhn unbezeugt. Anders als zu der Brieferöffnung von *1Thess verweist BeDuhn für Vers 1 nicht auf die hier angeführten Stellen bei Tertullian und den oben angeführten Prolog, doch trägt er für Vers 2 die obige Stelle aus Tert., Adv. Marc. V 5,1 (und 2) nach. In seine Übersetzung nimmt er einen Anfang an, dem folgender griechischer Text zugrunde liegt: [Παῦλος … τῇ ἐκκλησίᾳ Θεσσαλονικέων …-] 2 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς καὶ κυρίου Ἰησοῦ. Zu bedenken ist, dass nach der modernen Forschung dieser Brief zu den drei Deuteropaulinen gehört. Die lexikalische Sonderstellung von *2Thess gegenüber den 7 *Paulinen wurde bereits in der Einleitung, Band I, vermerkt und der Brief in die Nähe der beiden anderen *Deuteropaulinen *Laod und *Kol gerückt. Denn insgesamt zeigen diese drei Briefe Merkmale der kanonischen Sprache auf, in denen sie eine gewisse Zwischenstellung zwischen den sieben 358 Rekonstruktion <?page no="359"?> *Paulinen und der kanonischen Redaktion einnehmen. Dieser Befund zeigt an, dass der vorkanonische Redaktor bereits auf eine Sammlungsvorlage dieser drei Briefe zurückgriff, die aus dem kanonischen Milieu stammte. Darum ist es von Bedeutung, im Folgenden darauf zu achten, inwieweit in *2Thess noch diese Vorlage km 2Thess durchscheint. D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Wendung Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ steht 6 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,1, vermutlich aber auch stehend in *2Kor 1,1; *Röm 1,1; *1Thess; *2Thess; *Laod; *Kol; *Phil, vgl. zu 1Kor 1,1. ♦ Σιλουανός steht 4 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form τῇ ἐκκλησίᾳ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,28. ♦ Vgl. ansonsten zu den Lexemen in 1Kor 1,1. (1,2) Zur Lexik, vgl. zu 1Kor 1,1. Zur Rekonstruktion beider Verse vergleiche man ebenfalls die Ausführungen zu 1Kor 1,1. 1,[3-5]: [Lob der Thessalonicher] Dieser vorkanonisch unbezeugte Passus erinnert im Inhalt an die Ausführungen des markionitischen Prologs zum ersten Thessalonicherbrief und mag hieraus von der kanonischen Redaktion gestaltet worden sein. - 3 Εὐχαριστεῖν ὀφείλομεν τῷ θεῷ πάντοτε περὶ ὑμῶν, ἀδελφοί, καθὼς ἄξιόν ἐστιν, ὅτι ὑπεραυξάνει ἡ πίστις ὑμῶν καὶ πλεονάζει ἡ ἀγάπη ἑνὸς ἑκάστου πάντων ὑμῶν εἰς ἀλλήλους, 4 ὥστε αὐτοὺς ἡμᾶς ἐν ὑμῖν ἐγκαυχᾶσθαι ἐν ταῖς ἐκκλησίαις τοῦ θεοῦ ὑπὲρ τῆς ὑπομονῆς ὑμῶν καὶ πίστεως ἐν πᾶσιν τοῖς διωγμοῖς ὑμῶν καὶ ταῖς θλίψεσιν αἷς ἀνέχεσθε, 5 ἔνδειγμα τῆς δικαίας κρίσεως τοῦ θεοῦ, εἰς τὸ καταξιωθῆναι ὑμᾶς τῆς βασιλείας τοῦ θεοῦ, ὑπὲρ ἧς καὶ πάσχετε, A. Diese Verse sind vorkanonisch unbezeugt. 6 (2Thess) 359 <?page no="360"?> B. Keine nennenswerten Varianten. C. (1,3-5) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack wieder mit der nicht näher bestimmbaren Präsenz dieser Verse rechnen. D. (1,3) εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. ♦ Die Form ὀφείλομεν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,1. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17). ♦ ἄξιος, das 44 / 41 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἄξιόν ἐστιν steht 1 weiteres Mal, Apk 5,12. ♦ ὑπεραυξάνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Formulierung ἡ πίστις ὑμῶν begegnet 7 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 2,5. ♦ πλεονάζω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20. ♦ Die Wendung ἑνὸς ἑκάστου steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 17,27; 21,26; 2Thess 1,3). ♦ Die Kombination πάντων ὑμῶν steht 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 14,18. ♦ Die Wendung εἰς ἀλλήλους steht 11 Mal im Neuen Testament, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9, vgl. zu Röm 12,16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὀφείλομεν; πάντοτε; περὶ ὑμῶν; ἄξιόν ἐστιν; ἡ πίστις ὑμῶν; ἑνὸς ἑκάστου; πάντων ὑμῶν. (1,4) Die Konjunktion ὥστε steht 86 / 83 Mal im NT, davon 37 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,21 (Verseröffnung); *2Kor 3,7 (im Vers); *Röm 7,12; *2Thess 2,4 (im Vers). ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐγκαυχάομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Der Ausdruck ἐν ταῖς ἐκκλησίαις steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 14,21b = 14,34. ♦ ὑπομονή steht insgesamt 33 / 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. weiter unten zu Vers 10. ♦ διωγμός, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ ἀνέχω, das sich 17 / 15 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41. 360 Rekonstruktion <?page no="361"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν ὑμῖν; ἐν ταῖς ἐκκλησίαις; διωγμός. (1,5) ἔνδειγμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ κρίσις steht 50 / 47 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καταξιόω steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,35. ♦ βασιλεία, das 169 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,21; *1Kor 15,50. ♦ πάσχω, das 44 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δίκαιος; κρίσις. Der Vergleich der Lexik stützt die fehlende Bezeugung dieser Passage und weist sie der kanonischen Redaktion zu. Sie hat vorkanonisch gefehlt. 1,6-9: Vergeltung und ewiges Verderben für die Bedränger Der folgende Passus ist vorkanonisch gut bezeugt und von der kanonischen Redaktion weithin übernommen worden. 6 δίκαιον παρὰ κυρίῳ ἀποδοῦναι τοῖς θλίβουσιν ὑμᾶς θλῖψιν, 6 εἴπερ δίκαιον παρὰ θεῷ ἀνταποδοῦναι τοῖς θλίβουσιν ὑμᾶς θλῖψιν 7 καὶ τοῖς θλιβομένοις ἄνεσιν ἐν τῇ ἀποκαλύψει τοῦ κυρίου Ἰησοῦ ἀπ’ οὐρανοῦ μετ’ ἀγγέλων δυνάμεως αὐτοῦ 7 καὶ ὑμῖν τοῖς θλιβομένοις ἄνεσιν μεθ’ ἡμῶν ἐν τῇ ἀποκαλύψει τοῦ κυρίου Ἰησοῦ ἀπ’ οὐρανοῦ μετ’ ἀγγέλων δυνάμεως αὐτοῦ 8 διδοῦς ἐκδίκησιν τοῖς μὴ εἰδόσιν θεὸν καὶ τοῖς μὴ ὑπακούουσιν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ 8 ἐν πυρὶ φλογός, διδόντος ἐκδίκησιν τοῖς μὴ εἰδόσιν θεὸν καὶ τοῖς μὴ ὑπακούουσιν τῷ εὐαγγελίῳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ, 9 οἵτινες δίκην τίσουσιν ὀλέθριον αἰώνιον ἀπὸ προσώπου τοῦ κυρίου καὶ ἀπὸ τῆς δόξης τῆς ἰσχύος αὐτοῦ. 9 οἵτινες δίκην τίσουσιν ὄλεθρον αἰώνιον ἀπὸ προσώπου τοῦ κυρίου καὶ ἀπὸ τῆς δόξης τῆς ἰσχύος αὐτοῦ, A. *1,6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,1: Dominum et hic retributorem utriusque meriti dicimus circumferri ab apostolo, aut creatorem aut, quod nolit Marcion, parem creatoris, apud quem iustum sit afflictatoribus nostris rependi afflicta‐ tionem. Vgl. Adam., Dial. II 5-6 (im Mund des Adamantius): 5 … εἴπερ, φησί, δίκαιον παρὰ κυρίῳ ἀποδοῦναι τοῖς θλίβουσιν ὑμᾶς θλῖψιν … 6 (im Mund des Megethius) … εἴπερ, φησί, παρὰ θεῷ δίκαιον ἀποδοῦναι τοῖς θλίβουσιν ὑμᾶς θλῖψιν … (Rufin: 5 … Si tamen, inquit, iustum est apud deum retribuere 6 (2Thess) 361 <?page no="362"?> tribulantibus uos tribulationem … 6-… Siquidem iustum est apud deum retribuere tribulantibus uos tribulationem et uobis, qui tribulamini, refrigerium). ♦ *1,7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,1: et nobis qui afflictemur requietem, in revelatione domini Iesu venientis a caelo cum angelis virtutis suae. Vgl. Adam., Dial. II 5-6 (im Mund des Adamantius): 5 … καὶ ὑμῖν τοῖς θλιβομένοις ἄνεσιν … 6 (im Mund des Megethius) … καὶ ὑμῖν τοῖς θλιβομένοις ἄνεσιν (Rufin: et uobis, qui tribulamini, refrigerium-… 6-… et uobis, qui tribulamini, refrigerium). ♦ *1,8: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,1-2: [1] … et in flamma ignis. Sed flammam et ignem delendo haereticus extinxit, ne scilicet nostratem deum faceret. Lucet tamen vanitas liturae. [2] Cum enim ad ultionem venturum scribat apostolus dominum exigendam de eis qui deum ignorent et qui non obaudiant evangelio. quos ait poenam luituros exitialem, aeternam, a facie domini et a gloria valentiae eius, sequitur ut flammam ignis inducat, scilicet veniens ad puniendum. ♦ *1,9: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,2: quos ait poenam luituros exitialem, aeternam, a facie domini et a gloria valentiae eius, sequitur ut flammam ignis inducat, scilicet veniens ad puniendum. B. (1,7-8) Anstelle von δίδοντος in Vers 8 findet sich διδούς in den Zeugen 06*, 010, 012, 044, 1505, b, vg ms ; dazu passt, dass dem Vers 7 am Anfang voraus ein καί in den Zeugen 010, 012, b, d, Ir lat , Tert gegeben wird. ♦ (1,8) Eine geänderte Reihenfolge ἐν φλογὶ πυρός steht in den Zeugen 03, 06, 010, 012, 044, 1505, 2464, lat, sy, co, Ir lat , Tert, die von NA 28 gewählte Reihenfolge in den Zeugen 01, 02, 018, 020, 025, 0111 vid , 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1739, 1881, M, (b), d, m, sy hmg , Ambst. C. 1. (1,6) Nach allen Editoren ist dieser Vers bezeugt, Zahn nimmt den kano‐ nischen Text an, bis auf ein κυρίῳ anstelle des θεῷ. Harnack schließt sich dem Urteil weithin an, ändert aber mit Adamantius auch das ἀνταποδοῦναι in ἀποδοῦναι. Schmid schreibt: (εἴπερ) δίκαιον παρὰ (θεῷ) ἀνταποδοῦναι τοῖς θλίβουσιν ὑμᾶς θλῖψιν. BeDuhn hingegen folgt nicht der Auffassung Schmids, sondern schließt sich Harnack mit seiner Übersetzung an. Die Übereinstimmung zwischen dem Zeugnis Tertullians und Adamantius (hier nicht nur aus dem Mund des Adamantius, sondern auch des Megethius! ) - man achte auf die Abweichung des Rufin, der dem kanonischen Text folgt, was κυρίῳ (dominum) und ἀποδοῦναι (retributio) betrifft - ist bemerkenswert, demnach dürfte vielleicht auch das von Adamantius bezeugte, bei Tertullian nicht genannte εἴπερ als bezeugt genommen werden, auch wenn sonst große Vorsicht vor dem Adamantiuszeugnis angebracht ist, allerdings vor allem dann, wenn es nur dem Adamantius in den Mund gelegt ist. 362 Rekonstruktion <?page no="363"?> 4 Vgl. J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 37. 2. (1,7) Wiederum nehmen alle Editoren die Bezeugung dieses Verses an. Hilgenfeld hält den kanonischen Text für bezeugt, Tertullian übersetze lediglich „frei“. Zahn sieht den kanonischen Text bezeugt mit folgender Änderung: … Ἰησοῦ ἐρχομένου ἀπ’ οὐρανοῦ μετ’ ἀγγέλων δυνάμεως αὐτοῦ. Harnack hin‐ gegen nimmt den kanonischen Text in Gänze, klammert lediglich als nichtbe‐ zeugt das μεθ’ ἡμῶν ein. Ihm folgt Schmid, der auch noch das ὑμῖν gegen Anfang als unbezeugt einklammert. BeDuhn gibt den kanonischen Text wieder, fügt jedoch aus Adamantius noch das von Zahn vorgeschlagene ἐρχομένου dem seiner Übersetzung zugrundeliegenden griechischen Text hinzu. 3. (1,8) Auch diesen Vers sehen alle Editoren als durch Tertullian bezeugt an. Hilgenfeld und Zahn verweisen auf Tertullians Rüge, wonach das ἐν πυρὶ φλογός bei Markion gefehlt habe (Sed flammam et ignem delendo haereticus extinxit). Clabeaux hat hieraus und aus der Tatsache, dass sich diese Auslassung in keinen Handschriften niedergeschlagen hat, auf eine der wenigen ausschließ‐ lich auf Markion zurückgehenden redaktionellen Änderungen geschlossen. 4 Als bezeugten Text sieht er folgenden weiteren, vom kanonischen leicht abwei‐ chenden Text des *Paulus: εἰς ἐκδίκησιν τοῖς … τῷ εὐαγγελίῳ (τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ). Harnack rekonstruiert: ἐρχομένου εἰς ἐκδίκησιν τοῖς μὴ εἰδόσιν θεὸν καὶ τοῖς μὴ ὑπακούουσιν τῷ εὐαγγελίῳ. Auch Schmid nimmt an, dass ἐν πυρὶ φλογός im Text gefehlt habe, gibt aber ansonsten den kanonischen Text, wobei er vermerkt, das τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ sei zwar nicht bezeugt sei, vermutet aber dessen Präsenz. BeDuhn schließt sich Schmid an. 4. (1,9) Auch bei diesem Vers sind sich die Editoren einig, dass er durch Tertullian bezeugt ist. Zahn sieht den kanonischen Text präsent mit einer kleinen Änderung (ὀλέθριον). Harnack schließt sich Zahn an, ebenfalls Schmid, der lediglich das τοῦ in Klammern setzt - doch die An- oder Abwesenheit von Artikeln sind bei der lateinischen Bezeugung durch Tertullian überhaupt schwer abschätzbar - und BeDuhn folgt Harnack und Schmid. D. (1,6) εἴπερ, das 7 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene sicher bezeugt. ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12, vgl. weiter oben zu Vers 5. ♦ Die Kombination παρὰ θεῷ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,27; *Röm 2,13, vgl. zu Röm 2,13. ♦ ἀποδίδωμι, das 56 / 48 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,17. ♦ ἀνταποδίδωμι, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt 6 (2Thess) 363 <?page no="364"?> für *Ev 14,14, *Röm 11,35. ♦ θλίβω steht 22 / 10 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 4,8; *Röm 12,12; *2Thess 1,7. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 12,12, *Kol 1,24. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und des Adaman‐ tius, wobei auffällt, dass fast alle Elemente des Verses weiters auch vorkanonisch bezeugt sind. (1,7) Die Kombination καὶ ὑμῖν steht 5 Mal im NT (Mt 6,14; 25,9; Lk 11,46; Joh 13,33; Röm 1,15; 2Thess 1,7; 1Joh 1,3), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch weiter bezeugten θλίβω, das sich 22 / 10 Mal im NT findet, vgl. zum voranstehenden Vers 6. ♦ ἄνεσις, das 5 Mal im NT begegnet, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 14,6. ♦ Die Wendung ἐν τῇ ἀποκαλύψει steht noch 1 weiteres Mal, 1Petr 4,13, nur an der vorliegenden Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Wendung ἀπ’ οὐρανοῦ steht 7 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,11; *Röm 1,18, vgl. zu Röm 1,18. ♦ ἄγγελος, der 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *Kol 2,18. ♦ Die Wendung μετ’ ἀγγέλων steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung δυνάμεως αὐτοῦ steht 7 Mal im NT (1Kor 6,14; Eph 1,19; 3,7; 2Thess 1,7; Hebr 1,3; 2Petr 1,3; Apk 15,8), nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das mit Ausnahme des Versanfangs - der auch nur auf der kanonischen Ebene bezeugt ist - weithin den vollen Wortlaut bietet. Zu bemerken ist, dass einige Elemente nur hier vorkanonisch bezeugt sind (ἄνεσις; ἐν τῇ ἀποκαλύψει; δυνάμεως αὐτοῦ), was auf die Nähe von *2Thess zur kanonischen Sprache hinweist, vgl. weiter unten die Bemerkungen in D. zu *2Thess 2,9. (1,8) Die Wendung ἐν πυρί steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,13. ♦ φλόξ, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist nicht nur ausdrücklich als abwesend bezeugt für *2Thess 1,8, es ist auch von *Ev abwesend. ♦ ἐκδίκησις, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 18,7; Röm 12,19. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4. ♦ Die Form εἰδόσιν steht im NT nur hier. ♦ ὑπακούω, das 24 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Laod 6,1. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5. ♦ Die Wendung τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ steht 42 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3, vgl. zu 1Kor 5,4. 364 Rekonstruktion <?page no="365"?> Zur Rekonstruktion: Wie oben unter C. ausgeführt, ist der Beginn ἐν πυρὶ φλογός als abwesend bezeugt, was auch durch die Lexik gestützt wird. Dass die unbezeugte Schlussformel vorkanonisch gestanden sein mag, legt sich durch die Lexik nahe, zumal diese ohne das kanonisch hinzugesetzte Χριστοῦ für die vorkanonische Version markant ist. (1,9) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *Phil 3,7. ♦ Die Form οἵτινες steht 60 Mal im NT (davon 14 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4 (im Vers); *2Thess 1,9 (Verseröffnung), vgl. zu Röm 11,4. ♦ δίκη steht 4 / 3 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ τίνω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ὄλεθρος, das sich 4 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,5. ♦ Tertullian liest allerdings ὀλέθριος das nur hier im NT steht. ♦ αἰώνιος, das sich 77 / 71 Mal im NT findet, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,18; *2Kor 5,1; *Röm 5,21. ♦ πρόσωπον, das sich 84 / 76 Mal im NT findet, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,11; *2Kor 3,18; 4,6. ♦ Die Wendung ἀπὸ προσώπου steht 6 Mal im NT (3 Mal Apg; 2Thess 1,9; 2 Mal Apk), vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ἰσχύς steht 11 / 10 Mal im NT und ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Laod 1,19. ♦ Die Wendung τῆς ἰσχύος αὐτοῦ steht 3 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,19. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das in vielen Elementen durch weitere vorkanonische Bezeugung gestützt wird. Wieder fällt aber auf, dass einige Elemente nur hier vorkanonisch bezeugt sind (Verseröff‐ nung οἵτινες; δίκη; ἀπὸ προσώπου), was auf die Nähe von *2Thess zur kanoni‐ schen Sprache hinweist, ebenso die weiteren vorkanonischen Bezeugungen in *Laod (ἰσχύς; τῆς ἰσχύος αὐτοῦ), welche die Nähe von *2Thess und *Laod zur kanonischen Sprache stützt, vgl. hierzu die Beobachtungen zu 1,7 und wieder weiter unten die Bemerkungen in D. zu *2Thess 2,9. 1,[10-12]: [Paränetischer Schluss] Dieser vorkanonisch unbezeugte kanonische Schluss bietet wiederum eine kanonisch-redaktionelle Paränese, mit der sich Paulus als Fürbitter herausstellt. - 10 ὅταν ἔλθῃ ἐνδοξασθῆναι ἐν τοῖς ἁγίοις αὐτοῦ καὶ θαυμασθῆναι ἐν πᾶσιν τοῖς πιστεύσασιν, ὅτι ἐπιστεύθη τὸ μαρτύριον ἡμῶν ἐφ’ ὑμᾶς, ἐν τῇ ἡμέρᾳ ἐκείνῃ. 11 εἰς ὃ καὶ προσευχόμεθα πάντοτε περὶ ὑμῶν, ἵνα ὑμᾶς ἀξιώσῃ τῆς κλήσεως ὁ θεὸς ἡμῶν καὶ πληρώσῃ πᾶσαν εὐδοκίαν ἀγαθωσύνης καὶ ἔργον πίστεως ἐν 6 (2Thess) 365 <?page no="366"?> δυνάμει, 12 ὅπως ἐνδοξασθῇ τὸ ὄνομα τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ ἐν ὑμῖν, καὶ ὑμεῖς ἐν αὐτῷ, κατὰ τὴν χάριν τοῦ θεοῦ ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (1,10-12) Die verbleibenden Verse des ersten Kapitels sind nach übereinstim‐ mender Meinung aller Editoren unbezeugt, auch wenn sie Zahn und Harnack wieder als präsent annehmen. D. (1,10) Die Kombination ὅταν ἔλθῃ steht 9 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Mk 8,38; Lk 9,26; 14,10; 4 Mal Joh; 2Thess 1,10; Apk 17,10), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐνδοξάζομαι steht nur hier und ein zweites Mal zwei Verse weiter in 2Thess 1,12. ♦ ἅγιος, das 257 / 233 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,19. ♦ Die Wendung ἐν τοῖς ἁγίοις αὐτοῦ steht abgewandelt 1 weiteres Mal als αὐτοῦ ἐν τοῖς ἁγίοις auf der kanonischen Ebene in Eph 1,18, während die vorkanonische Fassung in *Laod 1,18 nur ἐν τοῖς ἁγίοις ohne αὐτοῦ lautet. ♦ θαυμάζω, das 50 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,9. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. zuvor Vers 4. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,11; 20,5; 22,67; 24,25; *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ μαρτύριον, das 36 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἐφ’ ὑμᾶς steht 16 Mal im NT (3 Mal Mt; Lk 10,6. 9; 11,20; 12,14; 21,12. 34; 24,49; Apg 1,8; 2Thess 1,10; 3,4; Jak 2,7; 1Petr 4,14; Apk 2,24), in Lk 10,9. 11; 24,49, in Versen oder Versteilen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; 12,14. ♦ ἐκεῖνος, das 265 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 10,6. 11; *Laod 2,12. ♦ Die Wendung ἐν τῇ ἡμέρᾳ ἐκείνῃ steht 4 Mal im NT (Mt 13,1; Lk 10,12, wo gerade diese Wendung in *Ev fehlt; Apg 2,41; 2Thess 1,10). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅταν ἔλθῃ; ἐνδοξάζομαι; ἐν τοῖς ἁγίοις αὐτοῦ; ἐν τῇ ἡμέρᾳ ἐκείνῃ. (1,11) Die Kombination εἰς ὃ καί steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Kol 1,29; 2Thess 1,11; 2,14; im Vers: 1Petr 2,8), jeweils auf der 366 Rekonstruktion <?page no="367"?> kanonischen Ebene. ♦ Die kürzere Kombination εἰς ὅ steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Kol 1,29; 2Thess 1,11; 2,14; 1Tim 2,7; 2Tim 1,11; im Vers: Phil 3,16; 1Petr 2,8), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu περί vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Kombination ἵνα ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Thess 1,11; 1Petr 3,18; 5,6). ♦ ἀξιόω, das 11 / 7 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ κλῆσις, das 11 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch für *Laod 1,18 bezeugt. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς ἡμῶν steht 6 Mal im NT (Mk 12,29; Apg 2,39; 2Thess 1,11; Hebr 12,29; Apk 4,11; 19,6), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4 und 13,8. ♦ Die Form πληρώσῃ steht 3 Mal im NT (Eph 4,10; Phil 2,30; 2Thess 1,11), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐδοκία, das 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,9; *Phil 1,15. ♦ ἀγαθωσύνη, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ Die Wendung ἔργον πίστεως steht nur hier im NT. ♦ Die Formulierung ἐν δυνάμει, die 13 Mal im NT steht, davon 1 Mal als Verseröffnung, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,43; *2Thess 2,9 (jeweils im Vers), vgl. zu Röm 15,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς ὃ καί; εἰς ὅ; πάντοτε; περὶ ὑμῶν; ἵνα ὑμᾶς; ἀξιόω; ὁ θεὸς ἡμῶν; πληρώσῃ; πᾶσαν; ἀγαθωσύνη. Zu beachten ist die vorkanonische Bezeugung von κλῆσις für *Laod, die auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (1,12) ὅπως, das 58 / 53 Mal im NT steht, davon 12 Mal als Verseröffnung, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,4 (im Vers); *1Kor 1,29 (Verseröffnung), vgl. zu Röm 9,17 ♦ Zum kanonischen ἐνδοξάζομαι vgl. weiter oben zu Vers 10. ♦ Die Wendung τὸ ὄνομα τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, 1Kor 1,2. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination καὶ ὑμεῖς steht 64 Mal im NT, davon 8 Mal als kanonische Verseröffnung, vorkanonisch im Vers bezeugt für *Ev 20,21; *Röm 7,4; *1Thess 2,14; *Laod 1,13; vgl. zu 1Kor 5,2. ♦ Die Wendung ἐν αὐτῷ (Mask.) steht 72 Mal im NT, Lk 13,1, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ιστ jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,8; *2Kor 1,20; *Röm 1,17; *Laod 2,16; 6,20. ♦ Die Wendung κατὰ τὴν χάριν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,10. ♦ Die Wendung καὶ κυρίου 6 (2Thess) 367 <?page no="368"?> Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 16 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 28,31; Röm 1,7; 1Kor 1,3; 6,11; 2Kor 1,2; 13,13; Gal 1,3; Eph 1,2; 6,23; Phil 1,2; 4,23; 2Thess 1,2. 12; Phlm 1,3. 25; Jak 1,1). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐνδοξάζομαι; τὸ ὄνομα τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ; ἐν ὑμῖν; κατὰ τὴν χάριν; καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. Die Fülle der Elemente, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind, erweist diese Passage als Produkt der kanonischen Redaktion, sie hat vorkanonisch gefehlt. Kapitel 2 2,1 [2] 3-4 [5-8] 9-12: Zur Ankunft des Herrn Die vorkanonischen Grundgedanken dieses Passus sind gut bezeugt. Die kano‐ nische Redaktion ergänzt und reduziert die Dringlichkeit (trotz emphatisierter Sprache), die sich aus der Parusieerwartung des vorkanonischen *Paulus ergibt, wie man gleich am Vers 2 ablesen kann, womit zugleich eine Kritik an der vorkanonischen *paulinischen prophetischen Rede geübt wird. 2,1 ὑπὲρ τῆς παρουσίας τοῦ Χριστοῦ. 2,1 Ἐρωτῶμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί, ὑπὲρ τῆς παρουσίας τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ καὶ ἡμῶν ἐπισυναγωγῆς ἐπ’ αὐτόν, - 2 εἰς τὸ μὴ ταχέως σαλευθῆναι ὑμᾶς ἀπὸ τοῦ νοὸς μηδὲ θροεῖσθαι μήτε διὰ πνεύματος μήτε διὰ λόγου μήτε δι’ ἐπιστολῆς ὡς δι’ ἡμῶν, ὡς ὅτι ἐνέστηκεν ἡ ἡμέρα τοῦ κυρίου. 3 πρῶτον ἀποκαλυφθῇ ὁ ἄνθρωπος τῆς ἀμαρτίας, ὁ υἱὸς τῆς ἀπωλείας, 3 μή τις ὑμᾶς ἐξαπατήσῃ κατὰ μηδένα τρόπον· ὅτι ἐὰν μὴ ἔλθῃ ἡ ἀποστασία πρῶτον καὶ ἀποκαλυφθῇ ὁ ἄνθρωπος τῆς ἀνομίας, ὁ υἱὸς τῆς ἀπωλείας, 4 ὁ ὑπεραιρόμενος ἐπὶ πάντα λεγόμενον θεὸν ἢ σέβασμα, ὥστε αὐτὸν εἰς τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ καθίσαι, ἀποδεικνύντα ἑαυτὸν ὅτι ἔστιν θεός, 4 ὁ ἀντικείμενος καὶ ὑπεραιρόμενος ἐπὶ πάντα λεγόμενον θεὸν ἢ σέβασμα, ὥστε αὐτὸν εἰς τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ καθίσαι, ἀποδεικνύντα ἑαυτὸν ὅτι ἔστιν θεός. - 5 Οὐ μνημονεύετε ὅτι ἔτι ὢν πρὸς ὑμᾶς ταῦτα ἔλεγον ὑμῖν; 6 καὶ νῦν τὸ κατέχον οἴδατε, εἰς τὸ ἀποκαλυφθῆναι αὐτὸν ἐν τῷ ἑαυτοῦ καιρῷ. 7 τὸ γὰρ μυστήριον ἤδη ἐνεργεῖται τῆς ἀνομίας· μόνον ὁ 368 Rekonstruktion <?page no="369"?> κατέχων ἄρτι ἕως ἐκ μέσου γένηται. 8 καὶ τότε ἀποκαλυφθήσεται ὁ ἄνομος, ὃν ὁ κύριος [Ἰησοῦς] ἀνελεῖ τῷ πνεύματι τοῦ στόματος αὐτοῦ καὶ καταργήσει τῇ ἐπιφανείᾳ τῆς παρουσίας αὐτοῦ, 9 οὗ ἐστιν ἡ παρουσία κατ’ ἐνέργειαν τοῦ Σατανᾶ ἐν πάσῃ δυνάμει καὶ σημείοις καὶ τέρασιν ψεύδους 9 οὗ ἐστιν ἡ παρουσία κατ’ ἐνέργειαν τοῦ Σατανᾶ ἐν πάσῃ δυνάμει καὶ σημείοις καὶ τέρασιν ψεύδους 10 καὶ ἐν πάσῃ ἀπάτῃ ἀδικίας τοῖς ἀπολλυμένοις, ἀνθ’ ὧν τὴν ἀγάπην τῆς ἀληθείας οὐκ ἐδέξαντο εἰς τὸ σωθῆναι αὐτούς. 10 καὶ ἐν πάσῃ ἀπάτῃ ἀδικίας τοῖς ἀπολλυμένοις, ἀνθ’ ὧν τὴν ἀγάπην τῆς ἀληθείας οὐκ ἐδέξαντο εἰς τὸ σωθῆναι αὐτούς. 11 καὶ διὰ τοῦτο πέμπει αὐτοῖς ὁ θεὸς ἐνέργειαν πλάνης εἰς τὸ πιστεῦσαι αὐτοὺς τῷ ψεύδει, 11 καὶ διὰ τοῦτο πέμπει αὐτοῖς ὁ θεὸς ἐνέργειαν πλάνης εἰς τὸ πιστεῦσαι αὐτοὺς τῷ ψεύδει, 12 ἵνα κριθῶσιν πάντες οἱ μὴ πιστεύσαντες τῇ ἀληθείᾳ, ἀλλὰ εὐδοκήσαντες τῇ ἀδικίᾳ. 12 ἵνα κριθῶσιν πάντες οἱ μὴ πιστεύσαντες τῇ ἀληθείᾳ ἀλλὰ εὐδοκήσαντες τῇ ἀδικίᾳ. A. *2,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,4: Quis est autem homo delicti, filius perditionis, quem revelari prius oportet ante domini adventum, extollens se super omne quod deus dicitur et omnem religionem, consessurus in templo dei et deum se iactaturus? ♦ *2,3-4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,4: Quis est autem homo delicti, filius perditionis, quem revelari prius oportet ante domini adventum, extollens se super omne quod deus dicitur et omnem religionem, consessurus in templo dei et deum se iactaturus? Vgl. id., De Res. 24,15: qui aduersatur et superextollitur in omne, quod dicitur deus uel religio, uti sedeat in templo dei, adfirmans deum se. Vgl. Iren., Adv. Haer. 5,25,2; vgl. 5,25,1.4. ♦ *2,9-12: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,4-6: [4] … secundum vero Marcionem nescio ne sit Christus creatoris. Nondum venit apud illum. Quisquis est autem ex duobus, quaero cur veniat in omni virtute et signis et ostentis mendacii? [5] Propterea, inquit, quod dilectionem veritatis non susceperint ut salvi essent, et propter hoc erit [erit] dabit Kroyman] eis [<in> Evans] instinctum fallaciae, ut iudicentur omnes qui non crediderunt veritati sed consenserunt iniquitati. Igitur si antichristus, et secundum creatorem, deus erit creator qui eum mittit ad impingendos eos in errorem qui non crediderunt veritati ut salvi fierent, eiusdem erit veritas et salus qui eas summissu erroris ulciscitur, id est creatoris, cui et competit zelus ipse errore decipere quos veritate non cepit. Si vero non est antichristus secundum nos, [6] Et quale erit ut ad ulciscendam veritatem suam Christum creatoris summittat? Sed et si de antichristo consentit, proinde dixerim, Quale est ut illi satanas, angelus creatoris, sit necessarius, et occidatur ab eo, habens fallaciae operatione fungi creatori? In summa, si indubitatum est 6 (2Thess) 369 <?page no="370"?> 5 J.S. Semler, Vorbereitung zur theologischen Hermeneutik zu weiterer Beförderung des Fleisses angehender Gottesgelerten 3,2 = 4. Worin von dem griechischen Text und Handschriften der Briefe u.s.w. Beobachtungen vorkommen (1769), 67. 6 Ibid. eius esse et angelum et veritatem et salutem cuius et ira et aemulatio et fallaciae immissio adversus contemptores et desultores, etiam adversus ignorantes (ut iam et Marcion de gradu cedat, deum quoque suum zeloten concedens), quis dignius irascetur? B. (2,3) Anstelle von ἀνομίας, das zu finden ist in 01, 03, 0278, 6,81, 104, 326, 365, 1739, 1881, 2464, m, co, steht ἀμαρτίας in 02, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 630, 1175, 1241, 1505, M, lat, sy, Ir lat , Eus. ♦ (2,4) Anstelle von ὥστε bietet 010 ἵνα. 5 ♦ (2,11) Anstelle von πέμπει, das sich findet in 01*, 02, 03, 06*, 010, 012, 6, 33, 1739, 1881, b, vg st.ww , sa ms , Ir gr. lat pt. arm , findet sich πέμψει in 01 2 , 06 2 , 018, 020, 025, 044, 0278, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1505, 2464, M, it, vg cl , sa mss , bo, Ir lat pt , Tert, Ambst. ♦ (2,12) In welchem Zeugen Semler anstelle von ἵνα ein ὥστε gelesen hat, bleibt verschlossen. 6 C. 1. (2,1-2) Nach Zahn, Harnack und Schmid sind die beiden ersten Verse nicht bezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit der Präsenz der beiden Verse rechnen. Jedoch verweist BeDuhn zu Recht auf die Erwähnung der Parusie des Herrn in dem hier angeführten Tertullianzitat (domini adventum), was auf Vers 1 verweist. Allerdings muss man bedenken, dass Tertullian hier möglicherweise den kanonischen Sprachgebrauch verwendet. Da in *1Thess 4,15 im Unterschied zur kanonischen Version nicht von der Parusie des Herrn, sondern von derjenigen Christi die Rede war, wird man wohl auch hier eher annehmen, dass vorkanonisch von der Parusie Christi gesprochen wurde, die dann kanonisch zu der ausführlicheren, auch vorkanonisch benutzen Wendung τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ erweitert wurde. 2. (2,3-4) Hilgenfeld und Zahn sehen die Verse 3 und 4 in der kanoni‐ schen Form präsent. Harnack notiert folgenden Text als bezeugt: 3 ἐὰν μὴ … ἀποκαλυφθῇ ὁ ἄνθρωπος τῆς ἀνομίας, ὁ υἱὸς τῆς ἀπωλείας, 4 ὁ ὑπεραιρόμενος ἐπὶ πάντα λεγόμενον θεὸν καὶ πᾶν σέβασμα, ὥστε αὐτὸν εἰς τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ καθίσαι (θεὸν ἑαυτὸν ἐπαγγελλόμενον). Schmid rekonstruiert als bezeugten Text: 3 … πρῶτον … ἀποκαλυφθῇ ὁ ἄνθρωπος τῆς ἀμαρτίας, υἱὸς τῆς ἀπωλείας, 4 ὁ (ἀντικείμενος καὶ) ὑπεραιρόμενος ἐπὶ πάντα λεγόμενον θεὸν (ἢ) σέβασμα, ὥστε αὐτὸν εἰς τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ καθίσαι, (καὶ) ἀποδεικνύντα ἑαυτὸν ὅτι ἔστιν θεός. 370 Rekonstruktion <?page no="371"?> 7 S. Schreiber, Orientierungsmarken? Im Irrgarten „klassischer“ und neuerer Datierungen der neutestamentlichen Pseudepigraphen (2021), 11. Vgl. J. Kreyher, L. Annaeus Seneca und seine Beziehungen zum Urchristentum (1887), 139-147; G.H. van Kooten, „Wrath Will Drip in the Plains of Macedonia“: Expectations of Nero’s Return in the Egyptian Sibylline Oracles (Book 5), 2 Thessalonians, and Ancient Historical Writings (2005); G.H. van Kooten, The Jewish War and the Roman Civil War of 68-69 C.E.: Jewish, Pagan, and Christian Perspectives (2011), 427-433; T. Roh, Der zweite Thessalonicher‐ brief als Erneuerung apokalyptischer Zeitdeutung (2007), 88-108; M. Crüsemann, Die pseudepigraphen Briefe an die Gemeinde in Thessaloniki. Studien zu ihrer Abfassung und zur jüdisch-christlichen Sozialgeschichte (2010), 269-276; J.R. Harrison, Paul and the Imperial Authorities at Thessalonica and Rome (2011), 71-95. 8 S. Schreiber, Orientierungsmarken? Im Irrgarten „klassischer“ und neuerer Datierungen der neutestamentlichen Pseudepigraphen (2021), 12. BeDuhn legt seiner Übersetzung den folgenden griechischen Text zugrunde: 3 … ὅτι ἐὰν μὴ ἀποκαλυφθῇ ὁ ἄνθρωπος τῆς ἀμαρτίας, ὁ υἱὸς τῆς ἀπωλείας, 4 … ὁ ὑπεραιρόμενος ἐπὶ πάντα λεγόμενον θεὸν καὶ σέβασμα, ὥστε αὐτὸν εἰς τὸν ναὸν τοῦ θεοῦ καθίσαι, ἀποδεικνύντα ἑαυτὸν ὅτι ἔστιν θεός. Wie Tertullian in seinem Kommentar verdeutlicht, rätselte er bereits, wer mit dem Menschen der Gesetzlosigkeit gemeint sein kann. Jüngere Forschung hat diese vage Angabe im Text, der auch vorkanonisch bezeugt ist, für eine mögliche Datierung von 2Thess genommen und den Menschen mit verschiedenen Kaisern zu identifizieren versucht (Kreyer und van Kooten: Nero; Roh: Vespasian; Harrison: Caligula), doch „die Vielzahl der konkreten Identifizierungen erklärt sich damit, dass der Text keine Anhaltspunkte für die Identifizierung mit einem konkreten Kaiser enthält.“ 7 S. Schreiber verweist auf die Erwähnung des Tempels Gottes und schlägt Titus vor, 8 allerdings dürfte diese Erwähnung bestenfalls einen terminus post quem angeben, da auch im sogenannten Bar Kokhba Aufstand (und später) der Tempel als Thema begegnet. 3. (2,5-8) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt. Zahn und Harnack rechnen mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz, Schmid und BeDuhn berücksichtigen sie nicht für ihre Rekonstruktion. Doch es fällt auf, dass bereits zu Beginn von Vers 5 die Adressaten direkt angesprochen werden und in emphatischer Sprache diese ermahnt werden. Die Emphase hebt sich vom diskursiven Stil der bezeugten vorkanonischen Verse 3-4 und 9-12 markant ab, entspricht hingegen dem kanonischen Stil. Die Lexik, wie sich unten zu D. zeigt, stützt die Herkunft dieser Passage von der kanonischen Redaktion. 4. (2,9-12) Hilgenfeld und Zahn sehen diese Verse nach der kanonischen Version präsent, wobei Zahn folgende Änderung für Vers 11 notiert: καὶ διὰ τοῦτο ἔσται αὐτοῖς ἐνέργεια πλάνης und meint, das εἰς τὸ πιστεῦσαι αὐτοὺς τῷ ψεύδει habe im Text gefehlt. 6 (2Thess) 371 <?page no="372"?> 9 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 308. Harnack rekonstruiert: 9 (οὗ ἐστιν ἡ παρουσία κατ’ ἐνέργειαν) τοῦ Σατανᾶ … ἐν πάσῃ δυνάμει καὶ σημείοις καὶ τέρασιν ψεύδους 10 ἀνθ’ ὧν τὴν ἀγάπην τῆς ἀληθείας οὐκ ἐδέξαντο εἰς τὸ σωθῆναι αὐτούς. 11 καὶ διὰ τοῦτο ἔσται αὐτοῖς εἰς ἐνέργειαν πλάνης, 12 ἵνα κριθῶσιν ἅπαντες οἱ μὴ πιστεύσαντες τῇ ἀληθείᾳ ἀλλὰ εὐδοκήσαντες τῇ ἀδικίᾳ. Schmid hält sich an den kanonischen Text und gibt folgenden Text als bezeugt: 9-… ἐν πάσῃ δυνάμει καὶ σημείοις καὶ τέρασιν ψεύδους 10 … ἀνθ’ ὧν τὴν ἀγάπην τῆς ἀληθείας οὐκ ἐδέξαντο εἰς τὸ σωθῆναι αὐτούς. 11 καὶ διὰ τοῦτο (πέμπει) αὐτοῖς (ὁ θεὸς) ἐνέργειαν πλάνης (εἰς τὸ πιστεῦσαι αὐτοὺς τῷ ψεύδει), 12 ἵνα κριθῶσιν πάντες οἱ μὴ πιστεύσαντες τῇ ἀληθείᾳ ἀλλὰ εὐδοκήσαντες τῇ ἀδικίᾳ. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 9 [… οὗ] ἐστιν ἡ παρουσία κατ’ ἐνέργειαν τοῦ Σατανᾶ ἐν πάσῃ δυνάμει καὶ σημείοις καὶ τέρασιν ψεύδους 10 [καὶ ἐν πάσῃ ἀπάτῃ ἀδικίας τοῖς ἀπολλυμένοις], ἀνθ’ ὧν τὴν ἀγάπην τῆς ἀληθείας οὐκ ἐδέξαντο εἰς τὸ σωθῆναι αὐτούς. 11 καὶ διὰ τοῦτο πέμπει αὐτοῖς ὁ θεὸς ἐνέργειαν πλάνης [εἰς τὸ πιστεῦσαι αὐτοὺς τῷ ψεύδει], 12 ἵνα κριθῶσιν πάντες οἱ μὴ πιστεύσαντες τῇ ἀληθείᾳ ἀλλὰ εὐδοκήσαντες τῇ ἀδικίᾳ. 5. (2,11) Für diesen Vers bezeugt Tertullian weder πέμπει noch ὁ θεός. Die Tertullianeditoren Kroymann und Evans haben bereits verschiedene Emenda‐ tionen für die Stelle vorgeschlagen, wie oben vermerkt. Zahn und Harnack stellten die Differenz zwischen Tertullian und dem kanonischen Text heraus und machten verschiedene Rekonstruktionsvorschläge, die offenkundig weder Schmid noch BeDuhn überzeugten. BeDuhn argumentiert an dieser Stelle inhaltlich, indem er Tertullian den Text theologisch korrigierend wiedergeben lässt, es sei eine „fromme Emendation des Textes, um zu vermeiden Gott mit der Ursache des Irrtums zu identifizieren“. 9 Damit könnte BeDuhn richtig liegen, weil das Zitat eng in die Diskussion Tertullians zur Frage, wer denn mit dem Sünder mit satanischer Gewalt gemeint sei, Satan selbst, wie Tertullian meint, oder der Christus des Schöpfergottes, wie Tertullian Markion verstehen will. Möglicherweise hat Tertullian hier den Text richtig gedeutet, denn der kanonische Text kann als Reaktion auf eine solche Interpretation verstanden werden. Tertullians Futur (erit) könnte die Variante πέμψει widerspiegeln. 372 Rekonstruktion <?page no="373"?> D. (2,1) Zum unbezeugten Versanfang: ἐρωτάω, das 71 / 63 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, außerdem ist er selbst für Paulus sehr selten belegt. ♦ Die Wendung ἐρωτῶμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί steht 1 weiteres Mal in 1Thess 5,12. Zum bezeugten Teil des Verses: παρουσία steht 24 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Thess 4,15, wo allerdings von der Parusie Christi gesprochen wird. Zum unbezeugten Schlussteil des Verses: Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. ♦ ἐπισυναγωγή steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Hebr 10,25). ♦ Die Wendung ἐπ’ αὐτόν steht 38 Mal im NT (4 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 1,112; 2,25; 3,22, alles Verse, die in *Ev fehlen; 10,6; 14,31; 20,19; 22,52; 7 Mal Joh; 6 Mal Apg; 2Thess 2,1; Jak 5,14; 1Petr 5,7; 8 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,19. Zur Rekonstruktion: Offenkundig stand vorkanonisch nicht mehr als die Über‐ schrift, die durch das Zeugnis Tertullians angedeutet wird. Sowohl die Einlei‐ tung des Verses (ἐρωτάω; ἐρωτῶμεν δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί) wie auch die Fortsetzung (ἐπισυναγωγή) atmet kanonische Lexik und hat vorkanonisch gefehlt. (2,2) Die Wendung εἰς τὸ μή steht 7 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröffnung hier und findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 4,4. ♦ ταχέως, das 10 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,21 und *Gal 1,6. Das verwandte ταχύς, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur in der Form ταχέως bezeugt. ♦ σαλεύω steht 17 / 15 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,26. ♦ νοῦς steht 25 / 24 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,34; *1Kor 2,16. ♦ μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9; *Kol 2,21. ♦ θροέω steht 4 / 3 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ μήτε steht 38 / 34 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung διὰ πνεύματος steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 5,5. ♦ Die Wendung διὰ λόγου steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; 2Thess 2,2. 15; 1Tim 4,5; 1Petr 1,23). ♦ ἐπιστολή, das 25 / 24 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐνίστημι, das 9 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Zur Wendung ἡ ἡμέρα τοῦ κυρίου vgl. zu 1Kor 1,14. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἰς τὸ μή; θροέω; μήτε; διὰ πνεύματος; διὰ λόγου; ἐπιστολή; ἐνίστημι). Er ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 6 (2Thess) 373 <?page no="374"?> (2,3) Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination μή τις ὑμᾶς steht 4 Mal im NT, hier als Verseröffnung (Mt 24,4; Mk 13,5; Kol 2,8; 2Thess 2,3), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,11. ♦ ἐξαπατάω, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung κατὰ μηδένα steht nur hier im NT. ♦ τρόπος, das 14 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination ὅτι ἐάν steht 17 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 10,9. ♦ Zur kanonischen Form ἔλθῃ vgl. 1Kor 16,10. ♦ ἀποστασία steht nur noch 1 weiteres Mal, für die kanonische Ebene bezeugt in Apg 21,21. ♦ Das verwandte ἀποστασίου findet sich 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Zum bezeugten Versteil: πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7. ♦ Das sich durch Tertullian nahelegende ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23. ♦ Der alternative Terminus, ἀνομία, steht 16 / 15 Mal im NT, findet sich jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπώλεια, das 19 / 18 Mal im NT steht, findet sich nur an der vorliegenden Stelle vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wobei der starke Kontrast auffällt zwischen den durch ihn nicht bezeugten Versteilen, die etliche Elemente aufweisen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (μή τις ὑμᾶς; μή τις; ἐξαπατάω; τρόπος; ὅτι ἐάν; ἔλθῃ; ἀποστασία), und dem bezeugten Versteil, wo bis auf ἀπώλεια alle Elemente weiter vorkanonisch bezeugt sind. (2,4) Das unbezeugte ἀντίκειμαι, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὑπεραίρω steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal vorkanonisch bezeugt (*2Kor 12,7). ♦ Die Wendung ἐπὶ πάντα steht nur hier im NT. ♦ Die Verbform λεγόμενον steht 10 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ σέβασμα steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Apg 17,23). ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 1 und weiter Vers 6. ♦ ναός, das 49 / 45 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,7. ♦ καθίζω, das 52 / 46 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7; *Laod 1,20. ♦ ἀποδείκνυμι, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Wieder folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Auffallend ist die Häufigkeit von Elementen, die nur an der vorliegenden Stelle vorkano‐ nisch bezeugt sind (λεγόμενον; σέβασμα; ἀποδείκνυμι), was auf die Nähe dieses 374 Rekonstruktion <?page no="375"?> *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist; dennoch stützt die Lexik die Abwesenheit solcher Elemente, die nicht durch Tertullian bezeugt sind. (2,5) οὐ μνημονεύετε steht 1 weiteres Mal im NT, das andere Mal nicht als Verseröff‐ nung, aber als Versschluss, in Mk 8,18. ♦ μνημονεύω, das 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,22; *Gal 2,10. ♦ Die Kombination ὅτι ἔτι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 5,8. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ Die Verbform ὤν, die 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zu Vers Röm 15,29. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ Die Verbform ἔλεγον, die 74 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐ μνημονεύετε; ὅτι ἔτι; πρὸς ὑμᾶς; ἔλεγον. (2,6) Die Kombination καὶ νῦν steht 26 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung und 1 Mal als Versschluss (Verseröffnung: 2 Mal Joh; 7 Mal Apg; 2Thess 2,6; 1Joh 2,28; 2Joh 1,5; Versschluss: Gal 4,29; im Vers: 4 Mal Joh; 3 Mal Apg; Phil 1,20. 30; 2Petr 3,18; 1Joh 2,18; 4,3; Jud 1,25), immer auf der kanonischen Ebene. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ κατέχω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,42; *Röm 1,18. ♦ Die Form τὸ κατέχον steht nur hier im NT. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ Die Form ἀποκαλυφθῆναι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 8,18: πρὸς τὴν μέλλουσαν δόξαν ἀποκαλυφθῆναι; Gal 3,23: εἰς τὴν μέλλουσαν πίστιν ἀποκαλυφθῆναι; 2Thess 2,6; 1Petr 1,5: εἰς σωτηρίαν ἑτοίμην ἀποκαλυφθῆναι). ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu den Versen 1. 4. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ νῦν; ἀποκαλυφθῆναι. (2,7) Die Kombination τὸ γάρ steht 12 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,12, vgl. zu Röm 2,24. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ ἤδη, das 68 / 61 Mal im NT steht, findet sich lediglich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20; 2,2. ♦ ἀνομία, das 16 / 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 3. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 6 (2Thess) 375 <?page no="376"?> bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ ἄρτι, das 40 / 36 Mal im NT begegnet, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἕως steht 159 / 146 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,16; *2Kor 12,2. ♦ μέσος, das 67 / 58 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,30; *1Kor 5,2. ♦ Die Wendung ἐκ μέσου steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἤδη; ἀνομία; ἄρτι. Zu bemerken ist die vorkanonische Bezeugung von ἐνεργέω für *Laod, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (2,8) Die Kombination καὶ τότε steht 21 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 3 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 21,27; 2Thess 2,8; im Vers: 6 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 6,42; 14,9; 1Kor 4,5; Gal 6,4), vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,27. ♦ τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ Die Form ἀποκαλυφθήσεται steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 10,26; Lk 12,2; 2Thess 2,8). ♦ ἄνομος, das 10 Mal im NT zu finden ist, steht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀναιρέω steht 28 / 24 Mal im NT, insbesondere in der Apostelgeschichte und nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Der Ausdruck ὁ κύριος, der 108 Mal im NT steht, wurde bereits von Klinghardt als typisches Merkmal der kanonischen Redaktion erkannt, vgl. die Einleitung zu der vorliegenden Studie. ♦ στόμα, das 80 / 78 mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19; *Laod 6,19. ♦ ἀναλίσκω, das 3 / 2 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6; *Laod 2,15 und vielleicht *2Kor 3,11. 13. ♦ ἐπιφάνεια steht 6 Mal im NT und begegnet nur auf der kanonischen Ebene, und zwar weiters ausschließlich in den sog. Pastoralbriefen. ♦ παρουσία, das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀποκαλυφθήσεται; ἄνομος; ὁ κύριος; ἀναιρέω; ἀναλίσκω; ἐπιφάνεια. Auch dieser Vergleich der Lexik weist die Passage der Verse 5-8 deutlich der kanonischen Redaktion zu. Sie hat vorkanonisch gefehlt. (2,9) Die Kombination οὗ ἐστιν steht 2 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung und 1 Mal im Vers in Apg 21,11. ♦ παρουσία, das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23, vgl. zuvor zu Vers 8. ♦ ἐνέργεια, das 8 Mal im NT steht und gleich nochmals in Vers 11 vorkanonisch bezeugt ist, vgl. dort; man vgl. auch *Laod 1,19. ♦ Die Wendung κατ’ ἐνέργειαν steht 1 weiteres Mal im NT, Eph 4,16, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Σατανᾶς, der 72 / 36 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 11,14; 12,7. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 376 Rekonstruktion <?page no="377"?> Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt, vgl. weiter unten zu Vers 10. ♦ σημεῖον, das 86 / 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,29; 21,11. 25; *1Kor 1,22. ♦ τέρας, das 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ψεῦδος, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 4,25. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Es fällt auf, dass einige Elemente nur hier vorkanonisch bezeugt sind (Verseröffnung οὗ ἐστιν; ἐνέργεια; κατ’ ἐνέργειαν; πάσῃ; τέρας). Wie zu erwarten, sind einige Elemente auch weiters vorkanonisch bezeugt, doch ist zu bemerken, dass zwei solcher vorkanonischen weiteren Bezeugungen im weiteren *Deuteropaulinum *Laod erfolgen (ἐνέργεια; ψεῦδος). Diese Beobachtungen sprechen für die Sonderstel‐ lung von *2Thess gegenüber den 7 *Paulinen, aber auch für seine Nähe zu *Laod und beider zur kanonischen Sprache. (2,10) Zu dem nur hier vorkanonisch bezeugten πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ Die Wendung καὶ ἐν πάσῃ steht noch 1 weiteres Mal, jedoch nur hier als Verseröffnung; im Vers auf der kanonischen Ebene in Apg 1,8. ♦ ἀπάτη steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,8. ♦ ἀδικία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,9; *Röm 1,18. ♦ ἀπόλλυμι, das 107 / 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 19; *Röm 2,12. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,34. ♦ ἀγάπη, das 133 / 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,42; *Gal 5,6; *1Kor 13,1; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ ἀλήθεια, das 112 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 2,14; *Laod 1,13; 6,14; *Phil 1,18; *Kol 1,5; *2Thess 2,11. 12. ♦ δέχομαι, das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ σῴζω, das 112 / 107 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18. 21; 5,5. ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev, vgl. weiter Vers 11. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians, doch auch die unbezeugten Teile scheinen der vorkanonischen Lexik zufolge im vorkanonischen Text gestanden zu sein. (2,11) Die Kombination καὶ διὰ τοῦτο steht 7 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröff‐ nung, vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle hier, vgl. 1Thess 2,13. ♦ διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ πέμπω, das 86 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 3,12. ♦ ἐνέργεια, das 8 Mal im NT steht und gleich nochmals in Vers 11 vorkanonisch bezeugt ist, vgl. dort; man vgl. auch *Laod 1,19. ♦ πλάνη, das 13 / 10 Mal im NT 6 (2Thess) 377 <?page no="378"?> steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες), vgl. auch den nachfolgenden Vers 12. ♦ Zu αὐτούς (Akk. Mask. Pl.) vgl. zum voranstehenden Vers 10. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians. Wieder fallen einige Elemente auf, die nur hier vorkanonisch bezeugt sind (καὶ διὰ τοῦτο; διὰ τοῦτο; πλάνη), was auf die Nähe von *2Thess zur kanonischen Sprache verweist. Auf die Nähe zu *Laod deutet das dort weiter bezeugte ἐνέργεια hin. (2,12) Die Kombination ἵνα κριθῶσιν steht 1 weiteres Mal in 1Petr 4,6 im Vers, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ κρίνω, das 125 / 115 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,37; 12,57; *1Kor 5,3; 11,32; *Röm 2,12; *Kol 2,16. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *Laod 2,3. ♦ Zu πιστεύω vgl. zuvor Vers 11. ♦ Zu dem vorkanonisch bezeugten ἀλήθεια vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ εὐδοκέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,15; *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *Kol 1,19. ♦ ἀδικία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,9; *Röm 1,18, vgl. zuvor zu Vers 10. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians, das durch die häufigen weiteren vorkanonischen Bezeugungen gestützt wird. 2,[13-17]: [Standhaftigkeit und Tradition] In der Folge der reduzierten Dringlichkeit, was die Parusie betrifft, die die kanonische Redaktion durch Vers 2 charakterisiert, insistiert in dieser Passage die kanonische Redaktion auf Standhaftigkeit und Tradition. Die Rettung wird als bereits geschehene apostrophiert, weshalb auch der Dank ein dauernder ist. Also auch mit dieser Schlusspassage konterkariert der kanonische Paulus die Botschaft der parusieorientierten Vorlage des *Paulus. - 13 Ἡμεῖς δὲ ὀφείλομεν εὐχαριστεῖν τῷ θεῷ πάντοτε περὶ ὑμῶν, ἀδελφοὶ ἠγαπημένοι ὑπὸ κυρίου, ὅτι εἵλατο ὑμᾶς ὁ θεὸς ἀπαρχὴν εἰς σωτηρίαν ἐν ἁγιασμῷ πνεύματος καὶ πίστει ἀληθείας, 14 εἰς ὃ καὶ ἐκάλεσεν ὑμᾶς διὰ τοῦ εὐαγγελίου ἡμῶν, εἰς περιποίησιν δόξης τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ. 15 ἄρα οὖν, ἀδελφοί, στήκετε, καὶ κρατεῖτε τὰς 378 Rekonstruktion <?page no="379"?> παραδόσεις ἃς ἐδιδάχθητε εἴτε διὰ λόγου εἴτε δι’ ἐπιστολῆς ἡμῶν. 16 Αὐτὸς δὲ ὁ κύριος ἡμῶν Ἰησοῦς Χριστὸς καὶ [ὁ] θεὸς ὁ πατὴρ ἡμῶν, ὁ ἀγαπήσας ἡμᾶς καὶ δοὺς παράκλησιν αἰωνίαν καὶ ἐλπίδα ἀγαθὴν ἐν χάριτι, 17 παρακαλέσαι ὑμῶν τὰς καρδίας καὶ στηρίξαι ἐν παντὶ ἔργῳ καὶ λόγῳ ἀγαθῷ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (2,13-17) Nach allen Editoren sind die Schlussverse von Kapitel 2 unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit deren nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. D. (2,13) Die Kombination ἡμεῖς δέ steht 20 Mal im NT, davon 13 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 24,21, vgl. zu 2Kor 3,18. ♦ ὀφείλω, das sich 42 / 35 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. 10. ♦ Die Form ὀφείλομεν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,1. ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21. ♦ Die Wendung ἡμεῖς δὲ ὀφείλομεν εὐχαριστεῖν τῷ θεῷ πάντοτε περὶ ὑμῶν, ἀδελφοί greift die in 2Thess 1,3 auf der kanonischen Ebene vorausgegangene Wendung εὐχαριστεῖν ὀφείλομεν τῷ θεῷ πάντοτε περὶ ὑμῶν, ἀδελφοί wieder auf. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Wendung ἀδελφοὶ ἠγαπημένοι ὑπό steht noch 1 weiteres Mal, 1Thess 1,4, auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑπὸ κυρίου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 7,25. ♦ αἱρέομαι steht 17 mal im NT, ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. Das verwandte αἱρέω steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀπαρχή, das 9 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ Die Wendung εἰς σωτηρίαν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16. ♦ ἁγιασμός, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3. 7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὀφείλομεν; ἡμεῖς δὲ ὀφείλομεν εὐχαριστεῖν τῷ θεῷ πάντοτε περὶ ὑμῶν, ἀδελφοί; πάντοτε; περὶ ὑμῶν; ἀδελφοὶ ἠγαπημένοι ὑπό; ὑπὸ κυρίου; αἱρέομαι; ἀπαρχή. 6 (2Thess) 379 <?page no="380"?> (2,14) Die Kombination εἰς ὃ καί steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Thess 1,11. ♦ Die kürzere Kombination εἰς ὅ steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. ebenfalls zu 2Thess 1,11. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐκάλεσεν steht 13 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,16, vgl. zu Röm 9,24. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ εὐαγγελίου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,15. ♦ περιποίησις, das sich 5 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς ὃ καί; εἰς ὅ; διὰ τοῦ εὐαγγελίου; περιποίησις. (2,15) Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ στήκω, das 12 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ κρατέω steht 48 / 47 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,19. ♦ παράδοσις, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,8. ♦ διδάσκω, das 102 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,12; *Röm 2,21. ♦ Die Form ἐδιδάχθητε steht 3 Mal im NT (Eph 4,21; Kol 2,7; 2Thess 2,15), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung διὰ λόγου steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Thess 2,2. ♦ ἐπιστολή, das 25 / 24 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben im selben Kapitel zu Vers 2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄρα οὖν; στήκω; ἐδιδάχθητε; διὰ λόγου; ἐπιστολή. Es fällt auf, dass gleich zwei Ter‐ mini vorkanonisch nur im *Deuteropaulinum *Kol bezeugt sind (κρατέω; παράδοσις), was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweist. (2,16) Die Kombination αὐτὸς δέ steht 22 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung, und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,44 (als Verseröffnung), vgl. zu 1Kor 3,15. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ Die Wendung ὁ κύριος ἡμῶν Ἰησοῦς Χριστός steht 1 weiteres Mal in 2Petr 1,14. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Wendung [ὁ] θεὸς ὁ πατὴρ ἡμῶν steht nur hier im NT. ♦ Die Form ἀγαπήσας steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 13,1; 2Thess 2,16; 2Tim 4,10). ♦ Die Form δούς 380 Rekonstruktion <?page no="381"?> steht 16 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,24. ♦ Die Kombination καὶ δούς steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,22. ♦ παράκλησις, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ αἰώνιος, das sich 77 / 71 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,18; *2Kor 5,1; *Röm 5,21; *2Thess 1,9. ♦ Die Wendung παράκλησιν αἰωνίαν in allen Kasus findet sich nur hier im NT. ♦ ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ ἀγαθός, das 109 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12; 12,9. ♦ Auch die Wendung ἐλπίδα ἀγαθήν in allen Kasus steht nur hier im NT. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ κύριος ἡμῶν Ἰησοῦς Χριστός; ἀγαπήσας; δούς; καὶ δούς; χάριτι. (2,17) παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ καρδία, das 173 / 157 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; 14,25; *2Kor 3,15; 4,6; *Röm 2,15. 29. ♦ στηρίζω, das sich 16 / 13 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.), die 20 Mal im NT steht, davon 3 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ Die Wendung ἔργῳ καὶ λόγῳ steht 1 weiteres Mal im NT, Lk 24,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: στηρίζω; ἐν παντί; ἔργῳ καὶ λόγῳ. Vergleicht man die Lexik der Verse dieser Passage, fällt die hohe Zahl ausschließ‐ lich kanonisch bezeugter oder sehr beliebter kanonischer Termini auf. Die Verse sind Produkte der kanonischen Redaktion und haben vorkanonisch gefehlt. Kapitel 3 3,[1-9] 10: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen Dieses bis auf einen Vers vorkanonisch unbezeugte Kapitel ist eine paränetische Ergänzung der kanonischen Redaktion, die aus dem einen vorkanonischen Vers ein ganzes Kapitel heraus entwickelt hat. Während die vorkanonische Version das Gebot (wer nicht arbeiten will, … soll auch nicht essen) als Erklärung zu den Versen *2Thess 2,1. 3-4. 9-12 formuliert, wonach diejenigen, die sich dem Irrtum überlassen und sich deshalb richten und nicht belohnen, weil sie sich nicht 6 (2Thess) 381 <?page no="382"?> bemühen, entwickelt die kanonische Redaktion eine Liste von paränetischen Ermahnungen des kanonischen Paulus mit einer selbstkritischen Note, mit der er um seine eigene Anerkennung wirbt. - 3,1 Τὸ λοιπὸν προσεύχεσθε, ἀδελφοί, περὶ ἡμῶν, ἵνα ὁ λόγος τοῦ κυρίου τρέχῃ καὶ δοξάζηται καθὼς καὶ πρὸς ὑμᾶς, 2 καὶ ἵνα ῥυσθῶμεν ἀπὸ τῶν ἀτόπων καὶ πονηρῶν ἀνθρώπων· οὐ γὰρ πάντων ἡ πίστις. 3 πιστὸς δέ ἐστιν ὁ κύριος, ὃς στηρίξει ὑμᾶς καὶ φυλάξει ἀπὸ τοῦ πονηροῦ. 4 πεποίθαμεν δὲ ἐν κυρίῳ ἐφ’ ὑμᾶς, ὅτι ἃ παραγγέλλομεν [καὶ] ποιεῖτε καὶ ποιήσετε. 5 Ὁ δὲ κύριος κατευθύναι ὑμῶν τὰς καρδίας εἰς τὴν ἀγάπην τοῦ θεοῦ καὶ εἰς τὴν ὑπομονὴν τοῦ Χριστοῦ. 6 Παραγγέλλομεν δὲ ὑμῖν, ἀδελφοί, ἐν ὀνόματι τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, στέλλεσθαι ὑμᾶς ἀπὸ παντὸς ἀδελφοῦ ἀτάκτως περιπατοῦντος καὶ μὴ κατὰ τὴν παράδοσιν ἣν παρελάβοσαν παρ’ ἡμῶν. 7 αὐτοὶ γὰρ οἴδατε πῶς δεῖ μιμεῖσθαι ἡμᾶς, ὅτι οὐκ ἠτακτήσαμεν ἐν ὑμῖν 8 οὐδὲ δωρεὰν ἄρτον ἐφάγομεν παρά τινος, ἀλλ’ ἐν κόπῳ καὶ μόχθῳ νυκτὸς καὶ ἡμέρας ἐργαζόμενοι πρὸς τὸ μὴ ἐπιβαρῆσαί τινα ὑμῶν· 9 οὐχ ὅτι οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν, ἀλλ’ ἵνα ἑαυτοὺς τύπον δῶμεν ὑμῖν εἰς τὸ μιμεῖσθαι ἡμᾶς. 3,10 τοῦτο παρηγγέλλομεν ὑμῖν, ὅτι οὐ θέλει ἐργάζεσθαι μηδὲ ἐσθιέτω. 10 καὶ γὰρ ὅτε ἦμεν πρὸς ὑμᾶς, τοῦτο παρηγγέλλομεν ὑμῖν, ὅτι εἴ τις οὐ θέλει ἐργάζεσθαι μηδὲ ἐσθιέτω. A. *3,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 16,7: Iubere autem operari eum qui velit manducare eius disciplina est qui bovi trituranti os liberum iussit. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (3,1-9) Nach allen Editoren, außer Hilgenfeld, der Vers 8 durch Tertullian bezeugt sieht, ohne eine Begründung anzugeben, sind diese Verse 1-9 unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack wiederum mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 2. (3,10) Nach Zahn ist der kanonische Text dieses Verses bezeugt. Harnack gibt als bezeugten Text: (τοῦτο) παρηγγέλλομεν (ὑμῖν, ὅτι εἴ τις οὐ θέλει) ἐργάζεσθαι (μηδὲ) ἐσθιέτω, nimmt jedoch wie Zahn auch die Existenz dieses Verses nach der kanonischen Fassung an. Schmid sieht nur Anspielungen auf 382 Rekonstruktion <?page no="383"?> Vers 10, und BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden bezeugten griechischen Text zugrunde: εἴ τις οὐ θέλει ἐργάζεσθαι μηδὲ ἐσθιέτω. D. (3,1) Die Kombination τὸ λοιπόν steht 7 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Phil 3,1; 4,8; 2Thess 3,1; Hebr 10,13; im Vers: Mt 26,45; Mk 14,41; 1Kor 7,29), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ Die Form προσεύχεσθε steht 13 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 5,25. ♦ Die Kombination περὶ ἡμῶν steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 1,9. ♦ Die Wendung ὁ λόγος τοῦ κυρίου steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Thess 1,8. ♦ τρέχω, das 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2. ♦ δοξάζω steht 68 / 61 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zu Vers Röm 15,29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τὸ λοιπόν; προσεύχεσθε; περὶ ἡμῶν; ὁ λόγος τοῦ κυρίου; πρὸς ὑμᾶς. (3,2) Die Kombination καὶ ἵνα steht 7 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 9,23. ♦ ῥύομαι, das 22 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43 (? Tert: sanguine fluitabat); *Röm 7,24. ♦ ἄτοπος steht 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ πονηρός, das 81 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Kol 1,21. ♦ Die Kombination πονηρῶν ἀνθρώπων in allen Kasus und Zahl steht noch 1 weiteres Mal in Mt 12,35. ♦ Die Kombination οὐ γάρ steht 80 Mal im NT, davon 46 Mal als Verseröffnung, Lk 23,34, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16; 2,13 (beide Male als Verseröffnung); *1Kor 21b-c↑34 im Vers. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. weiter unten zu den Versen 16 und 18. ♦ πίστις, das 257 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. 20; 3,11. 26; 5,6; *1Kor 12,9; *2Kor 4,13; *Röm 1,17; 5,1; *Laod 4,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ ἵνα; ἄτοπος; πονηρῶν ἀνθρώπων. (3,3) πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudo-Paulinen, vgl. zum vorangehenden Vers. ♦ Die Kombination πιστὸς δέ steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, 6 (2Thess) 383 <?page no="384"?> jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,13. ♦ Der Ausdruck ὁ κύριος, der 108 Mal im NT steht, wurde bereits von Klinghardt als typisches Merkmal der kanonischen Redaktion erkannt, vgl. die Einleitung zu der vorliegenden Studie. ♦ στηρίζω, das sich 16 / 13 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φυλάσσω, das 35 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,21; *Gal 6,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von πιστός; πιστὸς δέ; ὁ κύριος; στηρίζω. (3,4) Die Kombination πείθω + δέ steht 8 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 15,14, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Phil 2,24; 2Thess 3,4; Hebr 6,9), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ Die Wendung ἐφ’ ὑμᾶς steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; 12,14, vgl. zu 2Thess 1,10. ♦ παραγγέλλω, das 33 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,11; *2Thess 3,10. ♦ Die Form παραγγέλλομεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Thess 3,4. 6. 12). ♦ Die Form ποιήσετε steht 1 weiteres Mal in Mt 21,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πείθω + δέ; ἐν κυρίῳ; παραγγέλλομεν; ποιήσετε. (3,5) Die Kombination ὁ δὲ κύριος steht 7 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 3,17. ♦ κατευθύνω, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὴν ἀγάπην τοῦ θεοῦ steht 3 Mal im NT (Lk 11,42; Joh 5,42; 2Thess 3,5), vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42. ♦ ὑπομονή steht 33 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ δὲ κύριος; κατευθύνω. (3,6) Zu παραγγέλλω vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ Die Form παραγγέλλομεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 3,4. ♦ ὄνομα, das 248 / 231 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 2,24, und, auf den Herrn bezogen (τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ), ein Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Die Wendung ἐν ὀνόματι τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht wörtlich wieder in Eph 5,20 auf der kanonischen Ebene. ♦ στέλλω, das 2 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἄτακτος steht 3 Mal im NT, nur kanonisch bezeugt (1Thess 5,14; 2Thess 3,6. 11). ♦ Auch das in Vers 7 begegnende Verb ἀτακτέω steht als Hapax legomenon im NT auf der kanonischen Ebene. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ παράδοσις, das 13 Mal im 384 Rekonstruktion <?page no="385"?> NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,8. ♦ παραλαμβάνω, das 54 / 50 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung παρ’ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, nur in den Thessalonicherbriefen, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 1Thess 3,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παραγγέλλομεν; Semantik von ὄνομα; ἐν ὀνόματι τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ; στέλλω; ἄτακτος; παραλαμβάνω; παρ’ ἡμῶν. Auffallend ist, dass zum einen περιπατέω nur für *Laod und παράδοσις nur für *Kol vorkanonisch bezeugt ist, was zwei Hinweise darauf sind, dass diese beiden *Deuteropaulinen der Sprache der kanonischen Redaktion nahestehen. (3,7) Die Kombination αὐτοὶ γὰρ οἴδατε steht 3 Mal im NT, nur in den Thessalonicher‐ briefen, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,1. ♦ Die Kombination πῶς δεῖ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Kol 4,6; 1Thess 4,1; 2Thess 3,7; 1Tim 3,15). ♦ μιμέομαι, das 11 / 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Zum kanonischen ἀτακτέω vgl. zum vorangegangenen Vers. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: αὐτοὶ γὰρ οἴδατε; πῶς δεῖ; μιμέομαι; ἀτακτέω. (3,8) οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ δωρεά, das 20 / 11 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἄρτος, das 107 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,28. ♦ ἐσθίω, das 196 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. ♦ κόπος steht 21 / 18 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τινος (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Sg.), das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ μόχθος, das 3 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt; man bemerke vor allem dieselbe Zusammenstellung von κόπος und μόχθος in 2Kor 11,27 und 1Thess 2,9. ♦ Der Ausdruck νυκτὸς καὶ ἡμέρας steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,9 - überhaupt ist die Parallelität zu diesem Vers bemerkenswert (νυκτὸς καὶ ἡμέρας ἐργαζόμενοι πρὸς τὸ μὴ ἐπιβαρῆσαί τινα ὑμῶν). ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13, vgl. weiter unten zu Vers 10 und zu 1Thess 2,9. ♦ ἐπιβαρέω, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Dieselbe Kombination von ἐπιβαρέω und τινα steht bereits 1Thess 2,9. 6 (2Thess) 385 <?page no="386"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δωρεά; κόπος; μόχθος; ἐπιβαρέω; νυκτὸς καὶ ἡμέρας ἐργαζόμενοι πρὸς τὸ μὴ ἐπιβαρῆσαί τινα ὑμῶν. (3,9) Die Kombination οὐχ ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 1,24. ♦ Die Kombination οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 9,4. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ἵνα steht 19 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,7. ♦ τύπος, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6. ♦ μιμέομαι, das 11 / 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐχ ὅτι; οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν; ἀλλ’ ἵνα; μιμέομαι. Wie der lexikalische Vergleich zeigt, findet sich eine hohe Übereinstimmung zwischen fehlender Bezeugung und Lexik, die Verse gehen gänzlich auf die kanonische Redaktion zurück und haben im vorkanonischen Text gefehlt. (3,10) Die Kombination καὶ γὰρ ὅτε steht nur hier und 1 weiteres Mal in 2Thess 3,4 auf der kanonischen Ebene. ♦ Verbform ἦμεν, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zu Vers Röm 15,29. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten παραγγέλλω, vgl. zu den Versen 4. 6. 12. ♦ Die bezeugte Form παρηγγέλλομεν steht nur hier im NT. ♦ Die Kombination εἴ τις οὐ steht 3 Mal im NT, 1 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,22. ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13, vgl. weiter oben zu Vers 8 und unten zu Vers 12. ♦ μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9; *Kol 2,21. ♦ ἐσθίω, das 196 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt den Hinweisen Tertullians. Der unbezeugte Anfang geht aufgrund der Lexik bis auf das τοῦτο wohl auf die kanonische Redaktion zurück, so auch das bedingende εἴ τις. 3,[11-18]: [Letzte Mahnungen und eigenhändiger Gruss] Der Passus greift die kanonische Paränetik der ersten neun Verse des Kapitels auf und fügt zur Authentifizierung der kanonischen Ergänzungen noch den Hinweis auf die Eigenhändigkeit hinzu, mit der der kanonische Paulus nicht nur diese Ergänzungen, sondern überhaupt die kanonische Briefsammlung beglaubigt. Die kanonische Ausgabe will durchweg faktual sein und behauptet 386 Rekonstruktion <?page no="387"?> die Übereinstimmung mit der außertextlichen Welt, auch und gerade wie in diesem Fall, wenn die Behauptung gefälscht ist. - 11 ἀκούομεν γάρ τινας περιπατοῦντας ἐν ὑμῖν ἀτάκτως, μηδὲν ἐργαζομένους ἀλλὰ περιεργαζομένους· 12 τοῖς δὲ τοιούτοις παραγγέλλομεν καὶ παρακαλοῦμεν ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ Χριστῷ ἵνα μετὰ ἡσυχίας ἐργαζόμενοι τὸν ἑαυτῶν ἄρτον ἐσθίωσιν. 13 Ὑμεῖς δέ, ἀδελφοί, μὴ ἐγκακήσητε καλοποιοῦντες. 14 εἰ δέ τις οὐχ ὑπακούει τῷ λόγῳ ἡμῶν διὰ τῆς ἐπιστολῆς, τοῦτον σημειοῦσθε, μὴ συναναμίγνυσθαι αὐτῷ, ἵνα ἐντραπῇ· 15 καὶ μὴ ὡς ἐχθρὸν ἡγεῖσθε, ἀλλὰ νουθετεῖτε ὡς ἀδελφόν. 16 Αὐτὸς δὲ ὁ κύριος τῆς εἰρήνης δῴη ὑμῖν τὴν εἰρήνην διὰ παντὸς ἐν παντὶ τρόπῳ. ὁ κύριος μετὰ πάντων ὑμῶν. 17 Ὁ ἀσπασμὸς τῇ ἐμῇ χειρὶ Παύλου, ὅ ἐστιν σημεῖον ἐν πάσῃ ἐπιστολῇ· οὕτως γράφω. 18 ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ μετὰ πάντων ὑμῶν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (3,12) Die Form διὰ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ findet sich in den Zeugen 01 2 , 06 2 , 018, 020, 044, 630, 1505, 1241, 1505, M, sy h , während sich die von NA 28 gewählte Version findet in 01*, 02, 03, (06*), 010, 012 (- Χριστῷ 025, bo), 0278, 33, 81, 104, 365, 1739, 1881, 2464, lat (sy p , sa, bo ms ). C. (3,12-18) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. D. (3,11) Die Form ἀκούομεν steht 3 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 2,8. 11; 2Thess 3,11). ♦ τινας (Akk. Fem. / Mask. Pl.), das 24 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen ἄτακτος, das 3 Mal im NT steht, vgl. weiter oben zu Vers 6. ♦ Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,25. ♦ περιεργάζομαι ist Hapax legomenon im NT. 6 (2Thess) 387 <?page no="388"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀκούομεν; τινας; ἐν ὑμῖν; ἄτακτος; μηδέν. Bemerkenswert ist, dass περιπατέω allein für *Laod vorkanonisch bezeugt ist, was erneut auf die Nähe dieses *Deuteropauli‐ nums zur kanonischen Sprache hinweist. (3,12) Die Kombination τοῖς δέ steht 8 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers für *1Kor 1,18, zu 1Kor 1,18. ♦ Zu παραγγέλλω vgl. zu den Versen 4. 6. 10. ♦ Die Form παραγγέλλομεν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 3,4. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form παρακαλοῦμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,13. ♦ Die erweiterte Formulierung παρακαλοῦμεν ἐν κυρίῳ steht 1 weiteres Mal in 1Thess 4,1. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ ἡσυχία steht 4 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt (Apg 22,2; 2Thess 3,12; 1Tim 2,11. 12). ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ ἐσθίω, das 196 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 14,2; *1Kor 10,3. 7; *2Thess 3,10, vgl. weiter oben zu Vers 10. ♦ ἄρτος, das 107/ 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,28, vgl. zu Vers 8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παραγγέλλομεν; παρακαλοῦμεν ἐν κυρίῳ; ἐν κυρίῳ; ἡσυχία. (3,13) Die Kombination ὑμεῖς δέ steht 37 Mal im NT, davon 18 Mal als Verseröff‐ nung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 4,28. ♦ Die erweiterte Kombination ὑμεῖς δέ, ἀδελφοί steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung, auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 4,28. ♦ ἐγκακέω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,16; *Gal 6,9. ♦ καλοποιέω ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑμεῖς δέ; ὑμεῖς δέ, ἀδελφοί. (3,14) Die Kombination εἰ δέ τις steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 1Kor 3,12. ♦ Zu οὐχ vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ ὑπακούω, das 24 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25; *2Thess 1,8; *Laod 6,1. ♦ Die Kombination ὁ λόγος + ἡμῶν steht noch 1 weiteres Mal in 2Kor 1,18 auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιστολή, das 25 / 24 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τοῦτον, das 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ σημειόω ist Hapax legomenon im NT. ♦ συναναμείγνυμι, das 4 / 3 388 Rekonstruktion <?page no="389"?> Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐντρέπω, das 9 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δέ τις; ὁ λόγος + ἡμῶν; ἐπιστολή; συναναμείγνυμι; ἐντρέπω. (3,15) Die Kombination μὴ ὡς steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,5. ♦ Die weitere Kombination καὶ μὴ ὡς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. ebenfalls zu 2Kor 9,5. ♦ ἐχθρός, das 39 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,27; *Gal 5,20; *Laod 2,16; *Kol 1,21. ♦ ἡγέομαι, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 2,6 und wieder im selben Brief *Phil 3,7. 8. ♦ νουθετέω, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Die Kombination ὡς + ἀδελφός steht 1 weiteres Mal in 1Tim 5,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μὴ ὡς; καὶ μὴ ὡς; νουθετέω; ὡς + ἀδελφός. (3,16) Die Kombination αὐτὸς δέ steht 22 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung, und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,44 (als Verseröffnung), vgl. zu 1Kor 3,15. ♦ Der Ausdruck ὁ κύριος, der 108 Mal im NT steht, wurde bereits von Klinghardt als typisches Merkmal der kanonischen Redaktion erkannt, vgl. die Einleitung zu der vorliegenden Studie. ♦ Die Wendung ὁ κύριος τῆς εἰρήνης steht im NT nur hier. ♦ Die Kombination δῴη ὑμῖν steht noch 1 weiteres Mal, Röm 15,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ παντός (Gen. Mask. / Neut. Sg.), das 32 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ Der Ausdruck μετὰ πάντων ὑμῶν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 16,24. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ κύριος; δῴη ὑμῖν; παντός; παντί; μετὰ πάντων ὑμῶν. (3,17) ἀσπασμός, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ὁ ἀσπασμός steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 1Kor 16,21; Kol 4,18; 2Thess 3,17; im Vers: Lk 1,29, in einem Vers, der in *Ev fehlt), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ χείρ, das 158 / 178 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ὁ ἀσπασμὸς τῇ ἐμῇ χειρί steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und auf der kanonischen Ebene (1Kor 16,21; Kol 4,18; 2Thess 3,17). ♦ Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 6 (2Thess) 389 <?page no="390"?> 1,1; *Kol 1,1. ♦ σημεῖον, das 86 / 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *2Thess 2,9. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ γράφω, das 213 / 191 Mal im NT belegt ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,19. 31; 3,19; 9,10; 10,7. 11; 14,21; 15,54. ♦ Die Kombination οὕτως + γράφειν steht noch 1 weiteres Mal, in Lk 24,46, in einem Vers, der in *Ev fehlt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ ἀσπασμός; ὁ ἀσπασμὸς τῇ ἐμῇ χειρί; οὕτως + γράφειν. (3,18) Die Wendung ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Gal 6,18; 1Thess 5,28; 2Thess 3,18; im Vers: Röm 16,20, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Tim 1,14), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die erweiterte Wendung ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht drei Mal im NT, jeweils als Verseröffnung (Gal 6,18; 1Thess 5,28; 2Thess 3,18) und jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck μετὰ πάντων ὑμῶν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 16,24. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν; ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ; μετὰ πάντων ὑμῶν. Eindrücklich belegt der lexikalische Vergleich, dass dieser unbezeugte Passus ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. 390 Rekonstruktion <?page no="391"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 120. 2 „And certainly more than the opponents of Marcion, Ephesians emphasizes repeatedly the exaltation of Christ and his own to ‚the heavenly places‘ [ἐν τοῖς ἐπουρανίοις] and the fore-ordination of God’s purpose ‚before the foundation of the world‘ [πρὸ καταβολῆς κόσμου]. And unlike Paul, Ephesians has a very attenuated eschatology“, J.W. Marshall, Misunderstanding the New Paul: Marcion and the Sonderzeit Paul (2012), 23. 7 (Laod = Eph) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Λαοδικέας vel Λαοδικεῖς - Laodicensis sunt Asiani. Hos con‐ laudat beatus apostolus Paulus quod semel accepta fidem evangelicam pers‐ titerunt in verbo veritatis scribens eis. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17, praef.: De epistula ad Laodicenos; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): ἕβδόμη πρὸς Ἐφεσίοις … ἔχει δὲ καὶ τῆς πρὸς Λαοδικέας λεγομένης μέρη; ibid. (119 H.): Τῆς πρὸς Ἐφεσίους ζ, παρ’ ἡμῖν δὲ ε; ibid. (178 H.): Τῆς πρὸς Ἐφεσίους, ζ οὔσης παρὰ τῷ Μαρκίωνι, ε δὲ παρὰ τῷ ἀποστόλῳ κειμένης; vgl. auch den markionitischen Prolog. B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. 1 C. Zahn gibt ohne Quellenangabe als Adresse: Πρὸς Λαοδικεῖς, Harnack eben‐ falls ohne Quellenangabe hingegen: Πρὸς Λαοδικέας. Schmid gibt als Titulus: ΠΡΟΣ ΛΑΟΔΙΚΕΙΣ/ ΛΑΟΔΙΚΕΑΣ. Marshall meint, der Laodizenerbrief (Epheserbrief) sei deshalb für Markion so attraktiv gewesen, weil er mehr als Paulus selbst „und gewiss mehr als die Gegner Markions wiederholt die Erhöhung Christi und seiner selbst ‚in den himmlischen Bereich‘ (ἐν τοῖς ἐπουρανίοις) und die Vorherbestimmung von Gottes Absicht ‚vor der Gründung der Welt‘ (πρὸ καταβολῆς κόσμου)“ betont habe. „Und anders als Paulus, habe der Epheserbrief eine abgeschwächte Escha‐ tologie“. 2 Auch wenn man Marshall grundsätzlich zustimmen kann, bezieht sich das von ihm Zitierte allerdings auf Eph 1,4, einen Vers, der in *Laod fehlt. <?page no="392"?> Kapitel 1 1,1 2-3 [4] 5-7 [8] 9-10 [11] 12-13: Anschrift, Gruß, Erhebung zur Sohnschaft Die vorkanonischen Gedanken dieses von der kanonischen Redaktion im Verhältnis zu den voranstehenden Briefen in dieser Passage relativ wenig erweiterten Textes sind gut bezeugt. Gegenüber den sieben *Paulusbriefen zeichnet sich dieses *Deuteropaulinum bereits durch diesen theologischen Passus aus und reflektiert mit ihm die kanonische Gewohnheit einer theologi‐ schen Ausführung zu Anfang eines Briefes. 1,1 Παῦλος ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῖς ἐν Λαοδικείᾳ· - 1,1 Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ διὰ θελήματος θεοῦ τοῖς ἁγίοις τοῖς οὖσιν ἐν Ἐφέσῳ καὶ πιστοῖς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, 2 χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ. 2 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. 3 Εὐλογητὸς ὁ θεὸς καὶ πατὴρ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὁ εὐλογήσας ἡμᾶς ἐν πάσῃ εὐλογίᾳ πνευματικῇ ἐν τοῖς ἐπουρανίοις ἐν Χριστῷ, 3 Εὐλογητὸς ὁ θεὸς καὶ πατὴρ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὁ εὐλογήσας ἡμᾶς ἐν πάσῃ εὐλογίᾳ πνευματικῇ ἐν τοῖς ἐπουρανίοις ἐν Χριστῷ, - 4 καθὼς ἐξελέξατο ἡμᾶς ἐν αὐτῷ πρὸ καταβολῆς κόσμου εἶναι ἡμᾶς ἁγίους καὶ ἀμώμους κατενώπιον αὐτοῦ 5 εἰς υἱοθεσίαν ἐλήμφθημεν διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ, κατὰ τὴν εὐδοκίαν τοῦ θελήματος αὐτοῦ, 5 ἐν ἀγάπῃ προορίσας ἡμᾶς εἰς υἱοθεσίαν διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ εἰς αὐτόν, κατὰ τὴν εὐδοκίαν τοῦ θελήματος αὐτοῦ, 6 εἰς ἔπαινον δόξης τῆς χάριτος αὐτοῦ, ἧς ἐχαρίτωσεν ἡμᾶς ἐν τῷ ἠγαπημένῳ, 6 εἰς ἔπαινον δόξης τῆς χάριτος αὐτοῦ ἧς ἐχαρίτωσεν ἡμᾶς ἐν τῷ ἠγαπημένῳ. 7 ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν διὰ τοῦ αἵματος αὐτοῦ, 7 Ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν διὰ τοῦ αἵματος αὐτοῦ, τὴν ἄφεσιν τῶν παραπτωμάτων, κατὰ τὸ πλοῦτος τῆς χάριτος αὐτοῦ - 8 ἧς ἐπερίσσευσεν εἰς ἡμᾶς, ἐν πάσῃ σοφίᾳ καὶ φρονήσει, 9 γνωρίσαι ἡμῖν τὸ μυστήριον τοῦ θελήματος αὐτοῦ, κατὰ τὴν εὐδοκίαν ἣν προέθετο 9 γνωρίσας ἡμῖν τὸ μυστήριον τοῦ θελήματος αὐτοῦ, κατὰ τὴν εὐδοκίαν αὐτοῦ ἣν προέθετο ἐν αὐτῷ 10 εἰς οἰκονομίαν τοῦ πληρώματος τῶν καιρῶν, ἀνακεφαλαιώσασθαι τὰ πάντα ἐν τῷ Χριστῷ, τὰ ἐν τοῖς οὐρανοῖς καὶ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς 10 εἰς οἰκονομίαν τοῦ πληρώματος τῶν καιρῶν, ἀνακεφαλαιώσασθαι τὰ πάντα ἐν τῷ Χριστῷ, τὰ ἐπὶ τοῖς οὐρανοῖς καὶ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς ἐν αὐτῷ 392 Rekonstruktion <?page no="393"?> 11 Ἐν ᾧ καὶ ἐκληρώθημεν προορισθέντες κατὰ πρόθεσιν τοῦ τὰ πάντα ἐνεργοῦντος κατὰ τὴν βουλὴν τοῦ θελήματος αὐτοῦ 12 εἰς τὸ εἶναι ἡμᾶς εἰς ἔπαινον δόξης τοὺς προηλπικότας ἐν τῷ Χριστῷ. 12 εἰς τὸ εἶναι ἡμᾶς εἰς ἔπαινον δόξης αὐτοῦ τοὺς προηλπικότας ἐν τῷ Χριστῷ. 13 Ἐν ᾧ καὶ ὑμεῖς ἀκούσαντες τὸν λόγον τῆς ἀληθείας, τὸ εὐαγγέλιον, ἐν ᾧ πιστεύσαντες ἐσφραγίσθητε τῷ πνεύματι τῆς ἐπαγγελίας τῷ ἁγίῳ, 13 Ἐν ᾧ καὶ ὑμεῖς ἀκούσαντες τὸν λόγον τῆς ἀληθείας, τὸ εὐαγγέλιον τῆς σωτηρίας ὑμῶν, ἐν ᾧ καὶ πιστεύσαντες ἐσφραγίσθητε τῷ πνεύματι τῆς ἐπαγγελίας τῷ ἁγίῳ, A. *1,1: Vgl. Tert., Adv Marc. V 17, praef.-1: De Epistula ad Laodicenos. [1] Ecclesiae quidem veritate epistulam istam ad Ephesios habemus emissam, non ad Laodicenos; sed Marcion ei titulum aliquando interpolare gestiit, quasi et in isto diligentissimus explorator. Nihil autem de titulis interest, cum ad omnes apostolus scripserit dum ad quosdam, certe tamen eum deum praedicans in Christo cui competunt quae praedicantur. Cui ergo competet secundum boni existimationem, quam proposuerit in sacramento voluntatis suae, in dispensationem adimpletionis temporum (ut ita dixerim, sicut verbum illud in Graeco sonat) recapitulare (id est ad initium redigere vel ab initio recensere) omnia in Christum quae in caelis et quae in terris, nisi cuius omnia erunt ab initio, etiam ipsum initium, a quo et tempora et temporum adimpletionis dispensatio, ob quam omnia ad initium recensentur in Christo? ♦ *1,5: Adam., Dial. II 19 (im Mund des Markioniten): ἀλλ’ εἶπεν· εἰς υἱοθεσίαν ἐλήφθημεν (Rufin: Sed dixit quia in adoptione nos susciperet). ♦ *1,6-7: Adam., Dial. V 12 (im Mund des Adamantius): ἐχαρίτωσεν ἡμᾶς ἐν τῷ ἠγαπημένῳ υἱῷ αὐτοῦ ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν διὰ τοῦ αἵματος αὐτοῦ (Rufin: Gratificauit nos in dilecto filio suo, in quo habemus redemptionem per sanguinem eius). ♦ *1,9-10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,1-3: [1] … Cui ergo competet secundum boni existimationem, quam proposuerit in sacramento voluntatis suae, in dispensationem adimpletionis temporum (ut ita dixerim, sicut verbum illud in Graeco sonat) recapitulare (id est ad initium redigere vel ab initio recensere) omnia in Christum quae in caelis et quae in terris, nisi cuius omnia erunt ab initio, etiam ipsum initium, a quo et tempora et temporum adimpletionis dispensatio, ob quam omnia ad initium recensentur in Christo? [2] Alterius autem dei quod initium, id est unde, cuius opus nullum? quae tempora sine initio? quae adimpletio sine temporibus? quae dispensatio sine adimpletione? Denique quid in terris egit iam olim, ut longa aliqua temporum adimplendorum dispensatio reputetur, ad recensenda omnia in Christo, etiam quae in caelis? [3] Nec in caelis autem res ab altero actas existimabimus, quaecunque sunt, quam ab eo a quo et in terris actas omnibus constat. Quodsi non capit alterius omnia ista deputari ab initio 7 (Laod = Eph) 393 <?page no="394"?> 3 „Alle genannten Handschriften, in denen die Adresse fehlt, notieren nun auch als Überschrift πρὸς Ἐφεσίους und stellen damit klar, dass es sich um einen Brief an die Epheser handelt. Diese Notizen gehen aber zurück und sind eben nicht Teil des ältesten erreichbaren Texts“, L. Bormann, Zur Datierung des sogenannten Epheserbriefs (2021), 175. Auf dasselbe Ergebnis führt unabhängig T. Flemming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief (2022), 30-49. 4 Vgl. H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2029. quam creatoris, quis credet ab alio ea recenseri in Christum alium, et non a suo auctore et in suum Christum? Si creatoris sunt, diversa sint necesse est a diverso deo; si diversa, utique contraria. Quomodo ergo contraria recenseantur in eum a quo denique destruuntur? Vgl. id., De Mon. 5,2: dicit et apostolus scribens ad ephesios deum proposuisse in semetipso ad dispensationem adimpletionis temporum ad caput id est ad initium reciprocare uniuersa in christo quae sunt super caelos et super terras in ipso. ♦ *1,12-13: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,3-4: Nam et sequentia quem renuntiant Christum, cum dicit, Ut simus in laudem gloriae nos qui praesperavimus in Christum? Qui enim praesperasse potuerunt, id est ante sperasse in deum quam venisset, nisi Iudaei, quibus Christus praenuntiabatur ab initio? [4] Qui ergo praenuntiabatur, ille et praesperabatur. Atque adeo hoc ad se, id est ad Iudaeos, refert, ut distinctionem faciat conversus ad nationes: In quo et vos, cum audissetis sermonem veritatis, evangelium, in quo credidistis et signati estis spiritu promissionis eius sancto. Cuius promissionis? factae per Ioelem: In novissimis diebus effundam de meo spiritu in omnem carnem, id est et in nationes. Ita et spiritus et evangelium in eo erit Christo qui praesperabatur, dum praedicabatur. B. (1,1) Anstelle von τοῖς ἁγίοις τοῖς οὖσιν ἐν Ἐφέσῳ καὶ πιστοῖς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ heißt es in 01*, 03*, 1739: τοῖς ἁγίοις τοῖς οὖσιν καὶ πιστοῖς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, während P 46 schreibt: τοῖς ἁγίοις οὖσιν καὶ πιστοῖς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. Die Wendung ἐν Ἐφέσῳ fehlt in 6, Tert, Epiph, beide aber kennen den Brief als einen solchen nach Laodizäa, was vielleicht auch Λαοδικείᾳ nahelegt, hingegen enthält 01 c , 03 c ἐν Ἐφέσῳ. 3 ♦ Wortfolge Ἰησοῦ Χριστοῦ findet sich in den Zeugen 01, 02, 010, 012, 018, 020, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241, 1739, 1881, 2464, M, it, vg cl , sy p ; während die umgekehrte Wortfolge der von NA 28 gewählten Form in den folgenden Zeugen steht: P 46 , 03, 06, 025, 0278, 33, 1505, b, v gst.ww , sy h . ♦ (1,9) Anstelle von γνωρίσας ist die Form γνωρίσαι bezeugt durch 010, 012 (latt). ♦ Post τὴν εὐδοκίαν om αὐτοῦ in d, g, go, bo, Tert, MVict, Hil. 4 ♦ Post προέθετο add ἑαυτῷ in 025. ♦ (1,10) τὰ ἐν leitet sich nicht nur aus Tertullian her, diese Variante findet sich auch in einer Reihe von Zeugen: 02, 010, 012, 018, 025, 044, 394 Rekonstruktion <?page no="395"?> 5 Vgl. Ibid. 2029-2030. 6 Ibid. 2030. 7 J. Muddiman, The Epistle to the Ephesians. A commentary (2001), 29; J.W. Marshall, Misunderstanding the New Paul: Marcion and the Sonderzeit Paul (2012), 23. 8 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 111. 9 vgl. hierzu G. Röhser, Der Schluss als Schlüssel: Zu den Epistolaria des Kolosserbriefes (2009); T. Flemming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief (2022), 51-97. 10 L. Bormann, Zur Datierung des sogenannten Epheserbriefs (2021), 173. Bormann konnte noch nicht Kenntnis nehmen von T. Flemming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief 33, 81, 104, 365, 1175, 1739, 1881, 2464 pm, sy h ; τε ἐν bieten 01 2 , 323, 945, Ambr; hingegen findet man die von NA 28 gewählte Variante τὰ ἐπί in P 46 , 01*, 03, 06, 020, 6, 629, 630, 1241, 1505 pm. ♦ (1,12) Post ἔπαινον δόξης om αὐτοῦ in 06*, 010, 012, d, g, it mss, Tert. 5 ♦ (1,13) Die Variante ὑμεῖς bieten die Zeugen P 46 , 01* .2b , 03, 06, 010, 012, 025, 33, 81, 104, 365, 1175, 1505, 1739; 1881, M, latt, sy, co, Ir lat , während sich ἡμεῖς findet in den Zeugen 01 2a , 02, 018, 020, 044, 326, 629, 630, 1241, 2464. ♦ Die von NA 28 gewählten Zeugen fügen hier ein weiteres καί ein, das bei Tertullian fehlt, doch es findet sich ebenfalls nicht in d, g, am, go, bo, Ir, MVict, Did, Ambr, und dieses Fehlen wird als markionitische Lesart verzeichnet von H.v.B. Soden. 6 C. 1. (1,1) Die Frage wurde aufgeworfen, ob Tertullian, als er zur Kommentierung des Laodizenerbriefs kam, bereits einer gewissen Ermüdung ausgesetzt war und darum diesen Brief weniger extensiv als die übrigen behandelt habe. 7 Doch bereits dieser Vers und die weiteren Verse des ersten Kapitels belegen, dass Tertullian diesen Brief gut dokumentiert. 2. Das ἐν Ἐφέσῳ fehlt in einigen Zeugen und nach Tertullian und Epiphanius fehlt die Ortsangabe auch in *Paulus, auch wenn Schmid der Meinung ist, dass Tertullians Information sich nicht auf den titulus beziehen müsse, sondern die Adresse in Eph 1,1 gemeint sein könne. 8 Lieu hat Schmid gegenüber jedoch darauf hingewiesen, dass Tert., Adv. Marc. IV 2,3 titulus für die superscriptio verwendet, also wohl auch hier von dieser spricht. Wenn Tertullian und Epiphanius dennoch den Brief an die Laodizener gerichtet sehen, setzt dies die Existenz des Titels und wohl auch des Prologs voraus. 9 In jüngerer Zeit hat sich die Forschung intensiv mit *Laod auseinandergesetzt, und Tertullians Notiz, wonach er den Brief „An die Laodicener“ gerichtet sieht, als „älteste textexterne Bezeugung“ bezeichnet. 10 Dass Tertullian Markion als „diligentis‐ simus explorator“ apostrophiert, belegt für Bormann und andere, dass auch 7 (Laod = Eph) 395 <?page no="396"?> (2022). Dieser Vorschlag wurde bereits gemacht von G. Sellin, Studien zu Paulus und zum Epheserbrief (2009), 165-166. 11 L. Bormann, Zur Datierung des sogenannten Epheserbriefs (2021), 173-174; T. Flem‐ ming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundle‐ gend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief (2022); P. Vielhauer, Geschichte der urchristlichen Literatur. Einleitung in das Neue Testament, die Apokryphen und die Apostolischen Väter (1975), 205. 12 N.A. Dahl, Studies in Ephesians. Introductory questions, text- & edition-critical issues, interpretation of texts and themes (2000), 63; J. Becker and U. Luz, Die Briefe an die Galater, Epheser und Kolosser (1998), 108. 13 Man erinnere sich an die Duplikation als Merkmal der kanonischen Redaktion, was Mayerhoff dazu veranlasst hat, dem Verfasser des Kolosserbriefs „Gedankenarmuth“ zuzuschreiben, E.T. Mayerhoff, Der Brief an die Colosser mit vornehmlicher Berück‐ sichtigung der drei Pastoralbriefe (1838), 46. 14 Vgl. die Einleitung, Teil II § 7. 8. l zu seinem Namen. 15 L. Bormann, Zur Datierung des sogenannten Epheserbriefs (2021), 177. Mit Verweis auf A.T. Lincoln, Ephesians (1990), lxxxii; G. Sellin, Studien zu Paulus und zum Epheserbrief (2009), 491. Tertullian ein Brief vorlag, der noch nicht an die Epheser gerichtet war, denn er „stellt Markion nicht als Fälscher oder Unwissenden dar, sondern geht auf dessen Argumentation für eine Adressierung ad Laodicenos ein.“ 11 Zu anderen Lösungen, etwa die von Dahl, der von mehreren gleichlautenden Briefen mit unterschiedlichen Adressaten ausgeht, oder von Luz, der den Brief als Rundschreiben oder Zirkularbrief auffasst, fehlen altchristliche Parallelen. 12 Hingegen zeigt sich die ingeniöse Praxis der kanonischen Redaktion darin, dass sie in das letzte Kapitel vor dem Schlussgruß dieses Briefes Τύχικος als Botschafter und Nachrichtenüberbringer eingefügt („6,21 Damit auch ihr erfahrt, wie es mir geht und was ich tue, wird euch Tychikus, der geliebte Bruder und treue Diener im Herrn, alles berichten. 22 Ihn habe ich eigens zu euch gesandt, damit ihr alles über uns erfahrt und er eure Herzen ermutige“). Dieser wurde auch in Kol 4,7 in derselben Funktion eingebracht („7 Was mich betrifft, wird euch Tychikus, der geliebte Bruder und treue Diener und Mitknecht im Herrn, alles berichten. 8 Ihn habe ich eigens zu euch gesandt, damit ihr alles über uns erfahrt und er eure Herzen ermutige“). 13 In der Apostelgeschichte werden er und Trophimus als Ἀσιανοί bezeichnet, und neben einer weiteren Stelle in den Pastoralbriefen 14 heißt es in 2Tim 4,12, Tychikus sei nach Ephesus entsandt worden. „Nach antikem Textverständnis ist mit den Tychikusnotizen in Eph 6,21, Apg 20,4 und 2 Tim 4,12 die Verbindung des ursprünglichen Textes ohne die Adresse ἐν Ἐφέσῳ mit dieser Stadt plausibel hergestellt.“ 15 Der Epheserbrief ist darum jedoch nicht, wie Bormann meint, „das einzige Schreiben in der paulinischen Briefsammlung, das die fundamentale Frage nach der vom Autor intratextual intendierten Adresse unbeantwortet lässt“; denn „mit der Nennung 396 Rekonstruktion <?page no="397"?> 16 L. Bormann, Zur Datierung des sogenannten Epheserbriefs (2021), 177. 17 T. Flemming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief (2022), 165ff. des Tychikus, des einzigen Namens, der neben Paulus im Epheserbrief genannt wird, [wird] eine geographische Spur, die auf Kleinasien verweist und über 2 Tim 4,12 mit Ephesus konkretisiert werden kann“, 16 gelegt. Wie bereits die Einbindung der Apostelgeschichte und der Pastoralbriefe in dieses Konstrukt erweist, handelt es sich um ein kanonisch-redaktionelles Ergebnis, aus einem intratextuell gegebenen Adressatenbrief nach Laodizäa, der zu einem Brief nach Ephesus umfunktioniert wurde. Dies gelang, indem die kanonische Redaktion über den Praxapostolos und die 14-Briefe-Sammlung mit Tychikus ein Netzwerk spannte, der diesen Brief für Ephesus plausibilisierte, weil sie wusste, dass der konkurrierende Brief nach Laodizäa bekannt war. Dies schien manchen Kopisten noch bekannt, weshalb es Handschriften gibt, in denen die Adresse ausgelassen wurde und andere, in denen Ephesus erst nachträglich eingetragen wurde. 17 3. (1,3-4) Nach übereinstimmender Meinung aller Editoren sind diese beiden Verse unbezeugt, auch wenn Zahn mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnet. 4. (1,3) Auch wenn dieser Vers nicht bezeugt ist, findet sich der Wortlaut bezeugt für *2Kor 1,3. Da diese Wendung nirgends sonst auf der kanonischen Ebene bei Paulus begegnet, scheint sie nicht der kanonisch redaktionellen Sprache zuzugehören. Sie passt überdies narrativ in den vorkanonischen Zu‐ sammenhang, wird also wohl dort gestanden sein. Schließlich findet sie sich nochmals in 1Petr 1,3 (Εὐλογητὸς ὁ θεὸς καὶ πατὴρ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ), was vielleicht der Versuch einer Imitation darstellt, wie Mark Bilby in einer Email an mich meint (17.5.23), oder eine bewusste Verknüpfung mit Eph 1,4 herstellen soll. 5. (1,5) Was diesen Vers betrifft, gehen die Urteile der Editoren auseinander. Hilgenfeld, Zahn, Harnack und Schmid sehen den Vers als unbezeugt, wobei Zahn und Harnack den Vers irgendwie präsent sehen. BeDuhn verweist vor‐ sichtig auf das Zeugnis von Adam., Dial. II 19 (im Mund des Markioniten). Wie die Lexik zeigen wird, hat BeDuhn hier eine richtige Spur gewählt. 6. (1,6-7) Auch was diese Verse betrifft, gehen die Urteile der Editoren aus‐ einander. Hilgenfeld, Zahn, Schmid und BeDuhn sehen die Verse als unbezeugt, doch Harnack rechnet mit ihrer Bezeugung durch Adam., Dial. V 12 (im Mund des Adamantius). Sowohl Zahn wie Harnack sehen die Verse demnach als präsent an. Schmid lässt dieses Zeugnis nicht gelten, und BeDuhn meint, „es 7 (Laod = Eph) 397 <?page no="398"?> 18 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 310. 19 Ibid. 20 Vgl. A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 53*; G. Quispel, De Bronnen van Tertullianus’ Adversus Marcionem (1943), 108-109; T.P. O’Malley, Tertullian and the Bible. Language, Imagery, Exegesis (1967), 61; M. Wellstein, Nova Verba in Tertullians Schriften gegen die Häretiker aus montanistischer Zeit (1999), 50-53; B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 263-264. Vgl. hierzu auch die Einleitung, Band I. gäbe keinen Grund dafür anzunehmen, Adam. V 12 zitiere die Verse 6-7 des markionitischen Kanons“. 18 7. (1,8) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 8. (1,9-10) Hilgenfeld und Zahn sehen diese beiden Verse in ihrer kanonischen Form präsent, außer dass Zahn annimmt, αὐτοῦ fehle nach εὐδοκίαν. Harnack gibt als bezeugten Text: κατὰ τὴν εὐδοκίαν, ἣν προέθετο ἐν τῷ μυστηρίῳ τοῦ θελήματος αὐτοῦ 10 εἰς οἰκονομίαν τοῦ πληρώματος τῶν καιρῶν, ἀνακεφαλαιώσασθαι τὰ πάντα εἰς τὸν Χριστόν, τὰ ἐπὶ τοῖς οὐρανοῖς καὶ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς. Schmid führt als bezeugten Text an: 9 … τὸ μυστήριον τοῦ θελήματος αὐτοῦ, κατὰ τὴν εὐδοκίαν ἣν προέθετο …10 εἰς οἰκονομίαν τοῦ πληρώματος τῶν καιρῶν, ἀνακεφαλαιώσασθαι τὰ πάντα ἐν τῷ Χριστῷ, τὰ ἐπὶ τοῖς οὐρανοῖς καὶ ἐπὶ τῆς γῆς-… BeDuhn hält Harnacks Rekonstruktion für eine „spekulative Neuformulie‐ rung und Umstellung“. 19 Er legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 9 [… γνωρίσας ἡμῖν] τὸ μυστήριον τοῦ θελήματος αὐτοῦ, κατὰ τὴν εὐδοκίαν αὐτοῦ ἣν προέθετο [ἐν αὐτῷ] 10 εἰς οἰκονομίαν τοῦ πληρώματος τῶν καιρῶν, ἀνακεφαλαιώσασθαι τὰ πάντα ἐν τῷ Χριστῷ, τὰ ἐπὶ τοῖς οὐρανοῖς καὶ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς. Zu diesen Versen gibt es die Diskussion, ob die Passage für eine griechische (Quispel, Wellstein, Haupt) oder lateinische (Harnack) Vorlage Tertullians spricht, oder, ob der Fall unentscheidbar ist (O’Malley). 20 9. (1,11) Dieser Vers ist nach übereinstimmendem Urteil aller Editoren unbezeugt. Nach Zahn und Harnack war er aber in irgendeiner Weise präsent. 10. (1,12-13) Übereinstimmend sehen alle Editoren diese beiden Verse als bezeugt an, und zwar in der oben gegebenen Form, mit Ausnahme von Harnack, der in Vers 12 als kleine Änderung vorschlägt: εἶς τὸν Χριστόν, und BeDuhn, der in Vers 13 aufgrund von Tertullian ein αὐτοῦ hinzunimmt: τῆς αὐτοῦ ἐπαγγελίας τῷ ἁγίῳ. Dieses αὐτοῦ könnte sich jedoch aus der Argumentation 398 Rekonstruktion <?page no="399"?> Tertullians heraus erklären, der eben darauf verweisen möchte, dass es gerade dieser Christus der Juden ist, von dem hier die Rede sei. D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Wendung Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ steht 6 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,1, vermutlich aber auch stehend in *2Kor 1,1; *Röm 1,1; *1Thess; *2Thess; *Laod; *Kol; *Phil, vgl. zu 1Kor 1,1. ♦ θέλημα steht 65 / 62 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ Der Genitiv θελήματος steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,13; Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,1; 7,37; 2Kor 1,1; 8,5; Eph 1,1. 5. 9. 11; Kol 1,1. 9; 2Tim 1,1). ♦ Ausschließlich auf der kanonischen Ebene findet sich gerade in den Brieferöffnungen die Wendung τοῖς οὖσιν, Röm 1,7: πᾶσιν τοῖς οὖσιν ἐν Ῥώμῃ; 12,3: τῆς δοθείσης μοι παντὶ τῷ ὄντι ἐν ὑμῖν; 1Kor 1,2: τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ; 2Kor 1,1: τῇ ἐκκλησίᾳ τοῦ θεοῦ τῇ οὔσῃ ἐν Κορίνθῳ; Eph 1,1: τοῖς ἁγίοις τοῖς οὖσιν [ἐν Ἐφέσῳ]; Phil 1,1: τοῖς οὖσιν ἐν Φιλίπποις, und wiederum in Apg 20,34: τοῖς οὖσιν μετ’ ἐμοῦ. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Ἔφεσος steht 17 / 16 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form πιστοῖς steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 1,1; Kol 1,2; 1Tim 4,3; 2Tim 2,2). ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Zur Rekonstruktion: Gemäß dem Zeugnis Tertullians zu 1Kor 1,1 und dem Zeugnis des Adamantius (im Mund des Markioniten) wird die Eröffnung gegeben. Wie bei den anderen Briefen zeigt die Lexik, dass der Rest dieses Verses auf die kanonische Redaktion zurückgeht. (1,2) Zur Lexik, vgl. die Angaben zu 1Kor 1,3. (1,3) εὐλογέω, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,16; *Röm 12,14. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς καὶ πατήρ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,31. ♦ Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9, vgl. weiter unten Vers 8. ♦ εὐλογία, das 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,14. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ ἐπουράνιος, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,40. 48; *Laod 3,10; 6,12. 7 (Laod = Eph) 399 <?page no="400"?> Zur Rekonstruktion: Zwar ist dieser Vers unbezeugt, doch fällt auf, dass bis auf die Wendung ὁ θεὸς καὶ πατήρ alle weiteren Elemente vorkanonisch bezeugt sind. Da, wie in der Einleitung ausgeführt, dieses *Deuteropaulinum eine Nähe zur kanonischen Sprache aufweist, ist es durchaus möglich, dass eine solche kanonische Wendung auch vorkanonisch stand. Dass der unbezeugte Passus vorkanonisch vorhanden war, ist umso wahrscheinlicher, als er trotz der grundsätzlichen Nähe zur kanonischen Sprache viele vorkanonische Elemente aufweist. (1,4) καθώς steht 182 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mk 1,2; Lk 1,2. 55. 70; 2,23, in vier Versen, die in *Ev fehlen; 11,30; Joh 10,15; 15,9; 17,18; Apg 7,17; Röm 3,10; 4,17; 8,36; 9,13. 33; 11,8; 1Kor 1,6; 10,33; 2Kor 1,14; 8,15; 9,9; Gal 3,6; Eph 1,4; Phil 1,7; Kol 1,7; 1Tim 1,3; Hebr 5,6; im Vers: 3 Mal Mt; 7 Mal Mk; Lk 2,20, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 5,14; 6,31. 36; 11,1; 17,26. 28; 19,32; 22,13. 29; 24,39; 26 Mal Joh; 10 Mal Apg; Röm 1,13. 17. 28; 2,24; 3,4. 8; 9,29; 10,15; 11,26; 15,3. 7. 9. 21; 1Kor 1,31; 2,9; 4,17; 5,7; 8,2; 10,6, 7. 8. 9; 11,1. 2; 12,11. 18; 13,12; 14,34; 15,38. 49; 2Kor 1,5; 4,1; 6,16; 8,5. 6; 9,3. 7; 10,7; 11,12; Gal 2,7; 5,21; Eph 3,3; 4,4. 7. 21. 32; 5,2. 3. 25. 29; Phil 2,12; 3,17; Kol 1,6; 2,7; 3,13; 1Thess 1,5; 2,2. 4. 5. 13. 14; 3,4; 4,1. 6. 11. 13; 5,11; 2Thess 1,3; 3,1; Hebr 3,7; 4,3. 7; 5,3; 8,5; 10,25; 11,12; 1Petr 4,10; 2Petr 1,14; 3,15; 8 Mal 1Joh; 2 Mal 2Joh; 2 Mal 3Joh), in Lk 11,30 (als Verseröffnung); 19,32 (im Vers); 24,24 (im Vers), in Versen, die in *Ev fehlen, ist jedoch vorkanonisch bezeugt im Vers für *Ev 6,31. 36; 11,1; *Gal 5,21; *1Kor 1,21; 10,6; 13,34; 15,38. 49; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6; als Verseröffnung: *Ev 24,39. ♦ ἐκλέγω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,13; *1Kor 1,27. 28. ♦ πρό, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27 (πρὸ προσώπου σου); 11,38 (πρὸ τοῦ ἀρίστου); 21,12 (πρὸ δὲ τούτων); 22,15 (πρὸ τοῦ με παθεῖν); *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ Die Wendung ἐν αὐτῷ (Mask.) steht 72 Mal im NT, Lk 13,1, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,8; *2Kor 1,20; *Röm 1,17; *Laod 2,16; 6,20. ♦ καταβολή steht 11 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6, vgl. weiter Vers 12. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen ist fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt, allerdings auch in *Ev und *Laod 1,19. ♦ ἄμωμος findet sich 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ κατενώπιον, das 5 / 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καταβολή; ἄμωμος; κατενώπιον). Dazu kommen Vorlieben auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung καθώς; Semantik von ἅγιος). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. 400 Rekonstruktion <?page no="401"?> (1,5) Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,14. ♦ προορίζω, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ υἱοθεσία, das 5 Mal im NT steht, ist 1 weiteres Mal vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,5. ♦ Die Kombination διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *Röm 5,21. ♦ Die Kombination εἰς αὐτόν steht 37 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 8,6. ♦ εὐδοκία, das 12 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,9; *Phil 1,15. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Adamantius (im Mund des Markioniten) und auch in der lateinischen Version des Rufin. Nachdem auch einige Elemente weiter vorkanonisch bezeugt sind (υἱοθεσία; διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ; εὐδοκία), scheint der gesamte Vers bis auf den unbezeugten und auch lexikalisch nur auf kanonischer Ebene nachweisbaren Anfang und ohne die Wendung εἰς αὐτόν vorkanonisch gestanden zu sein. (1,6) Zum unbezeugten Versteil: ἔπαινος, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; *Laod 1,12. ♦ Die Wendung εἰς ἔπαινον steht 4 Mal im NT (Eph 1,6. 12. 14; 1Petr 1,7), nur hier als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,12. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt ist für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. Zum bezeugten Versteil: χαριτόω steht nur noch 1 weiteres Mal, und zwar auf der kanonischen Ebene (Lk 1,28, in einem Vers, der in *Ev fehlt). ♦ ἀγαπάω steht 157 / 143 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *Röm 13,8. 9. ♦ Die Form ἠγαπημένῳ steht nur hier im NT. Zur Rekonstruktion: Auch wenn das Zeugnis des Adamantius öfter unzuver‐ lässig ist, gerade auch wenn es Adamantius selbst zugewiesen wird, so scheint es im vorliegenden Vers doch gelten zu dürfen. Bereits die Verseröffnung weist Elemente auf, die weiter vorkanonisch bezeugt sind, dann aber auch von der kanonischen Redaktion nicht groß weiterverwendet werden, wie man an der Wendung εἰς ἔπαινον sehen kann. Ähnliches gilt für den bezeugten Teil, wo (ἐν τῷ) ἠγαπημένῳ auffällt, das sonst nicht weiter in der kanonischen Sammlung begegnet. (1,7) Zum bezeugten Versteil: Die Wendung ἐν ᾧ ἔχομεν steht 3 Mal im NT (Eph 1,7; 3,12; Kol 1,14), jeweils als Verseröffnung, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἀπολύτρωσις, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ αἷμα, das 102 / 97 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,13. Zum unbezeugten Versteil: ἄφεσις steht 18 / 17 Mal im NT und ist nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ παράπτωμα, das 23 / 20 Mal im NT steht, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *Röm 5,20; *Laod 2,1. ♦ πλοῦτος, das 31 / 22 Mal im NT steht, ist 7 (Laod = Eph) 401 <?page no="402"?> vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 1,18. ♦ Die Wendung κατὰ τὸ πλοῦτος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 1,7; 3,16; Phil 4,19). Zur Rekonstruktion: Wiederum besitzen wir nur das Zeugnis des Adamantius, doch wie bereits zu Vers 1,6 fällt auch hier eine Wendung auf, ἐν ᾧ ἔχομεν, die nur in diesem Zusammenhang von *Laod/ Eph und *Kol begegnet, was zeigt, dass die Wendung außerhalb dieser *Deuteropaulinen keine weitere Verwendung fand, ein Umstand, der dafürspricht, dass sie vorkanonisch gestanden zu sein scheint, aber wenig der Sprache der Redaktion entspricht. Da das ἄφεσις sonst nur kanonisch belegt ist, wird man τὴν ἄφεσιν τῶν παραπτωμάτων der kano‐ nischen Redaktion zuweisen, und da die Wendung κατὰ τὸ πλοῦτος ebenfalls nur kanonisch belegt ist, wird auch der Schluss des Verses der kanonischen Redaktion zugehören. (1,8) περισσεύω steht 42 / 37 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς ἡμᾶς steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,5. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) vgl. weiter oben in Vers 3. ♦ Die Wendung ἐν πάσῃ σοφίᾳ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 7,22; Eph 1,8; Kol 1,9. 28; 3,16). ♦ φρόνησις steht nur noch 1 weiteres Mal, und zwar in Lk 1,17, in einem Vers, der in *Ev fehlt. Das verwandte Verb φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Form φρονήσει steht 1 weiteres Mal in Lk 1,17, in einem Vers, der in *Ev fehlt. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (περισσεύω; εἰς ἡμᾶς; ἐν πάσῃ σοφίᾳ; φρονήσει). Der Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. (1,9) γνωρίζω, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,1; *Laod. 3,10; 6,19. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 3,9; 5,32; 6,19. ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Thess 4,3. ♦ Der Ausdruck τὸ μυστήριον τοῦ θελήματος steht nur hier im NT. ♦ εὐδοκία, das 12 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,15. ♦ προτίθημι, das 3 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, der bis auf προτίθημι auch durch die Lexik gestützt wird. (1,10) οἰκονομία, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 3,9. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,4; 402 Rekonstruktion <?page no="403"?> *Röm 13,10; *Kol 1,19. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,42. 56, *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ ἀνακεφαλαιόομαι, das nur 2 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9. ♦ Auch der Ausdruck τὰ πάντα begegnet weiter vorkanonisch in *1Kor 8,6. ♦ Die Wendung ἐν τῷ Χριστῷ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,22; *Laod 1,12. 20; vgl. zu 1Kor 15,22. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ Die Wendung τοῖς οὐρανοῖς steht 24 Mal im NT (10 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 10,20; 12,33; 18,22; 2Kor 5,1; Eph 1,10; Kol 1,5. 16. 20; Hebr 8,1; 9,23), vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 18,22 (ἐν τοῖς οὐρανοῖς); *2Kor 5,1 (ἐν τοῖς οὐρανοῖς); *Kol 1,5 (ἐν τοῖς οὐρανοῖς). ♦ Die Wendung τὰ ἐπὶ τῆς γῆς steht 4 Mal im NT (Eph 1,10; Kol 1,20; 3,2. 5), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Wendung ἐν αὐτῷ (Mask.) steht 72 Mal im NT, Lk 13,1, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,8; *2Kor 1,20; *Röm 1,17; *Laod 2,16; 6,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Das unbezeugte ἐν αὐτῷ am Ende scheint eine kanonische ergänzende Überleitung zu sein, mit der der nachfolgende kanonische Vers angeschlossen werden sollte. (1,11) Die Kombination ἐν ᾧ καί steht 6 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, ausschließlich in den ( * ) Deuteropaulinen *Laod/ Eph und Kol (Verseröffnung: Eph 1,11. 13; 2,22; Kol 2,11; im Vers: Kol 2,12), vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,13. ♦ κληρόω steht 3 / 1 Mal im NT, jeweils für die kanonische Ebene bezeugt (Eph 1,11; Kol 1,12; 1Petr 5,3). ♦ Interessant ist der Vergleich mit dem verwandten Verb κληρονομέω, das 26 / 18 Mal im NT steht, es ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,50. Auch von Bedeutung ist das verwandte κληρονομία, das 14 Mal im NT steht und vorkanonisch für *Ev 12,13 wie für *Laod 1,18 bezeugt ist. ♦ προορίζω, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 5. ♦ πρόθεσις, das 12 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten τὰ πάντα vgl. zum voranstehenden Vers 10. ♦ ἐνεργέω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20; 2,2. ♦ βουλή steht 14 / 12 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Das θελήματος αὐτοῦ stand gerade vorkanonisch zuvor in *Laod 1,9, möglicherweise auch in *Laod 1,5 und begegnet an deren Parallelstellen in Eph und in Kol 1,9. Zur Abwesenheit: Wie in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers die Reihe der ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elemente belegt (κληρόω; προορίζω; πρόθεσις; βουλή), ist der Vers ein Produkt der kanonischen Redak‐ tion und hat vorkanonisch gefehlt. Dass darüber hinaus weitere Elemente nur in *Laod vorkanonisch bezeugt sind (ἐν ᾧ καί; ἐνεργέω) zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache an. 7 (Laod = Eph) 403 <?page no="404"?> (1,12) Die Wendung εἰς τὸ εἶναι steht 8 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle hier, vgl. zu Röm 15,16, einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ ἔπαινος, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 4,5. ♦ προελπίζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung ἐν τῷ Χριστῷ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,22; *Laod 1,20; vgl. zu 1Kor 15,22. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das teilweise von der Lexik gestützt wird. Zum anderen Teil fallen der Terminus ἔπαινος sowie die Verseröffnung auf, die auch als Wendung nur hier vorkanonisch bezeugt sind, was auf die Nähe von *Laod zur kanonischen Sprache verweist. (1,13) Die Kombination ἐν ᾧ καί steht 6 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, ausschließlich in den ( * ) Deuteropaulinen *Laod/ Eph und Kol, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,13, vgl. zu Eph 1,11. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Kol 1,5. ♦ Die Wendung ἀκούσαντες τὸν λόγον steht 3 Mal im NT, die anderen Male auf der kanonischen Ebene (Mt 15,12; Lk 8,15). ♦ ἀλήθεια, das 112 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 2,14; *Laod 1,13; 6,14; *Phil 1,18; *Kol 1,5; *2Thess 2,10. 11. 12. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Das nicht bezeugte σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες), vgl. den späteren Vers 19. ♦ Die Form πιστεύσαντες steht 7 Mal im NT (Lk 8,12; 2 Mal Joh; Apg 19,2; Eph 1,13; 2Thess 2,12; Hebr 4,3), vorkanonisch weiter bezeugt für *2Thess 2,12. ♦ Das nachfolgende σφραγίζω, das sich 18 / 15 Mal im NT findet, ist nur an dieser Stelle hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 2,12. Zur Rekonstruktion: Ähnlich wie zum voranstehenden Vers, stechen auch hier die Elemente hervor, die weiter auf der vorkanonischen Ebene bezeugt sind, dann aber auch wiederum solche, die nur in diesem *Deuteropaulinum vorkanonisch bezeugt sind (ἐν ᾧ καί; ἀκούσαντες τὸν λόγον; σφραγίζω), dann auch πιστεύσαντες, das weiter lediglich im *Deuteropaulinum *2Thess bezeugt ist. Der Befund stützt die Nähe dieser beiden *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache. 404 Rekonstruktion <?page no="405"?> 1,[14-16] 17-20 [21] 22 [23]: Der Geist und der Reichtum des Erbes Auch in diesem vorkanonischen Passus sind die Gedanken, die wiederum nur wenig von der kanonischen Redaktion erweitert wurden, gut bezeugt zu erkennen. - 14 ὅ ἐστιν ἀρραβὼν τῆς κληρονομίας ἡμῶν, εἰς ἀπολύτρωσιν τῆς περιποιήσεως, εἰς ἔπαινον τῆς δόξης αὐτοῦ. 15 Διὰ τοῦτο κἀγὼ ἀκούσας τὴν καθ’ ὑμᾶς πίστιν ἐν τῷ κυρίῳ Ἰησοῦ καὶ τὴν ἀγάπην τὴν εἰς πάντας τοὺς ἁγίους 16 οὐ παύομαι εὐχαριστῶν ὑπὲρ ὑμῶν μνείαν ποιούμενος ἐπὶ τῶν προσευχῶν μου, 17 ἵνα ὁ θεὸς τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὁ πατὴρ τῆς δόξης, δώῃ ὑμῖν πνεῦμα σοφίας καὶ ἀποκαλύψεως ἐν ἐπιγνώσει αὐτοῦ, 17 ἵνα ὁ θεὸς τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ, ὁ πατὴρ τῆς δόξης, δώῃ ὑμῖν πνεῦμα σοφίας καὶ ἀποκαλύψεως ἐν ἐπιγνώσει αὐτοῦ, 18 πεφωτισμένους τοὺς ὀφθαλμοὺς τῆς καρδίας εἰς τὸ εἰδέναι ὑμᾶς τίς ἐστιν ἡ ἐλπὶς τῆς κλήσεως, τίς ὁ πλοῦτος τῆς κληρονομίας ἐν τοῖς ἁγίοις, 18 πεφωτισμένους τοὺς ὀφθαλμοὺς τῆς καρδίας [ὑμῶν] εἰς τὸ εἰδέναι ὑμᾶς τίς ἐστιν ἡ ἐλπὶς τῆς κλήσεως αὐτοῦ, τίς ὁ πλοῦτος τῆς δόξης τῆς κληρονομίας αὐτοῦ ἐν τοῖς ἁγίοις, 19 - τῆς ἰσχύος αὐτοῦ. 19 καὶ τί τὸ ὑπερβάλλον μέγεθος τῆς δυνάμεως αὐτοῦ εἰς ἡμᾶς τοὺς πιστεύοντας κατὰ τὴν ἐνέργειαν τοῦ κράτους τῆς ἰσχύος αὐτοῦ. 20 Ἣν ἐνήργησεν ἐν τῷ Χριστῷ, ἐγείρας αὐτὸν ἐκ νεκρῶν καὶ καθίσας ἐν δεξιᾷ αὐτοῦ ἐν τοῖς ἐπουρανίοις. 20 Ἣν ἐνήργησεν ἐν τῷ Χριστῷ ἐγείρας αὐτὸν ἐκ νεκρῶν καὶ καθίσας ἐν δεξιᾷ αὐτοῦ ἐν τοῖς ἐπουρανίοις - 21 ὑπεράνω πάσης ἀρχῆς καὶ ἐξουσίας καὶ δυνάμεως καὶ κυριότητος καὶ παντὸς ὀνόματος ὀνομαζομένου, οὐ μόνον ἐν τῷ αἰῶνι τούτῳ ἀλλὰ καὶ ἐν τῷ μέλλοντι· 22 πάντα ὑπέταξεν ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ. 22 καὶ πάντα ὑπέταξεν ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ καὶ αὐτὸν ἔδωκεν κεφαλὴν ὑπὲρ πάντα τῇ ἐκκλησίᾳ, - 23 ἥτις ἐστὶν τὸ σῶμα αὐτοῦ, τὸ πλήρωμα τοῦ τὰ πάντα ἐν πᾶσιν πληρουμένου. A. *1,17-20: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,5-6: [5] Sed et pater gloriae ille est cuius Christus rex gloriae canitur in psalmo ascendens: Quis est iste rex gloriae? dominus virtutum ipse est rex gloriae. Ab illo spiritus sapientiae optatur apud 7 (Laod = Eph) 405 <?page no="406"?> quem haec quoque spiritalium species enumeratur inter septem spiritus per Esaiam. Ille dabit illuminatos cordis oculos qui etiam exteriores oculos luce ditavit, cui displicet caecitas populi: Et quis caecus nisi pueri mei? et, Excaecati sunt famuli dei. [6] Apud illum sunt et divitiae haereditatis in sanctis qui eam haereditatem ex vocatione nationum repromisit: Postula de me, et dabo tibi gentes haereditatem tuam. ♦ *1,22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,6: Ille inoperatus est in Christum valentiam suam, suscitando eum a mortuis, et collocando eum ad dexteram suam, et subiciendo omnia, qui et dixit, Sede ad dexteram meam, donec ponam inimicos tuos scabellum pedum tuorum; quia et alibi spiritus ad patrem de filio, Omnia subiecisti sub pedibus eius. Si ex his alius deus et alius Christus infertur quae recognoscuntur in creatore, quaeramus iam creatorem. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (1,14-16) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 2. (1,17-20) Nach allen Editoren sind zumindest Teile dieser Verse bezeugt. Hilgenfeld meint, Tertullian berühre alle vier Verse. Zahn rechnet mit dem kanonischen Text derselben. Harnack gibt den folgenden Text als bezeugt: 17 ὁ πατὴρ τῆς δόξης … πνεῦμα σοφίας, 18 πεφωτισμένους τοὺς ὀφθαλμοὺς τῆς καρδίας ὁ πλοῦτος τῆς κληρονομίας ἐν τοῖς ἁγίοις, 20 ἐνήργηκεν ἐν Χριστῷ ἰσχὺν αὐτοῦ, ἐγείρας αὐτὸν ἐκ νεκρῶν καὶ καθίσας αὐτὸν ἐν δεξιᾷ αὐτοῦ. Schmid führt folgenden Text als bezeugt an: 17 … ὁ πατὴρ τῆς δόξης … πνεῦμα σοφίας … 18 πεφωτισμένους τοὺς ὀφθαλμοὺς τῆς καρδίας … ὁ πλοῦτος (τῆς δόξης) τῆς κληρονομίας αὐτοῦ ἐν τοῖς ἁγίοις, 19 … τῆς ἰσχύος αὐτοῦ. 20 Ἣν ἐνήργησεν ἐν τῷ Χριστῷ ἐγείρας αὐτὸν ἐκ νεκρῶν καὶ καθίσας ἐν δεξιᾷ αὐτοῦ … BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 17 ὁ πατὴρ τῆς δόξης δώῃ ὑμῖν πνεῦμα σοφίας [καὶ ἀποκαλύψεως ἐν ἐπιγνώσει αὐτοῦ], 18 πεφωτισμένους τοὺς ὀφθαλμοὺς τῆς καρδίας ὑμῶν [εἰς τὸ εἰδέναι ὑμᾶς τίς ἐστιν ἡ ἐλπὶς τῆς κλήσεως αὐτοῦ, τίς] ὁ πλοῦτος [τῆς δόξης] τῆς κληρονομίας αὐτοῦ ἐν τοῖς ἁγίοις, 19 [καὶ τί τὸ ὑπερβάλλον μέγεθος] τοῦ κράτους τῆς ἰσχύος αὐτοῦ [εἰς ἡμᾶς τοὺς πιστεύοντας. 20 Ἣν] ἐνήργησεν ἐν τῷ Χριστῷ ἐγείρας αὐτὸν ἐκ νεκρῶν καὶ καθίσας ἐν δεξιᾷ αὐτοῦ [ἐν τοῖς ἐπουρανίοις]. Nun ist gleich zu Beginn zu bemerken, dass Tertullian mit den beiden Begriffen „Christus“ (Christus) und „Herr“ (dominus) argumentiert, also auch diese bezeugt. Ebenso kommt er auf κλῆσις zu sprechen (ex vocatione), was bisher übersehen wurde. Was Vers 19 betrifft, sieht Schmid das Rechte. 406 Rekonstruktion <?page no="407"?> 3. (1,21-22) Übereinstimmend sehen alle Editoren nur den ersten Teil von Vers 22 bezeugt. Zu Vers 21, der Verschiebung von *Gal 4,25 nach Eph 1,21 und der redaktionellen Bearbeitung dieses Verses sowie zur Lexik von Eph 1,21, vgl. die Ausführungen zu *Gal 4,25. Zahn nimmt an, dass die Verse 21 und 22 in irgendeiner Form vorkanonisch präsent waren. Harnack sieht nur Vers 22 bezeugt: καὶ πάντα ὑπέταξεν, so auch Schmid. BeDuhn legt seiner Übersetzung als griechischen Text zugrunde: καὶ] πάντα ὑπέταξεν [ὑπὸ τοὺς πόδας αὐτοῦ-…]. BeDuhn sieht richtig, dass das anfängliche καί von Tertullian nicht bezeugt ist. Allerdings führt Tertullian auch im Schriftzitat das sub pedibus eius an, womit er in seiner Argumentation doch wohl darauf aufbaut, dass auch dieser Teil in seiner Vorlage vorhanden war. 4. (1,23) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. D. (1,14) Die Wendung ὅ ἐστιν steht 29 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, vorkano‐ nisch bezeugt für *Kol 1,24. ♦ ἀρραβών, das sich 3 Mal im NT findet (2Kor 1,22; 5,5; Eph 1,14), ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,5; *Laod 1,14. ♦ κληρονομία, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,13; *Laod 1,18, vgl. weiter oben zu Vers 11. ♦ ἀπολύτρωσις, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ περιποίησις, das sich 5 Mal im NT findet, ist ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. Zur Rekonstruktion: Der vorliegende Vers ist vorkanonisch unbezeugt. Auch wenn ἀρραβών ein markanter Terminus darstellt, der bei dreimaliger Präsenz gleich 2 Mal vorkanonisch bezeugt ist, spricht doch die fehlende Bezeugung von περιποίησις und die ausschließlich für das *Deuteropaulinum *Kol bezeugte Verseröffnung ὅ ἐστιν dafür, dass wir es mit einem Vers zu tun haben, der der kanonischen Redaktion zuzuordnen ist - zumal er auch den Gedankengang der zuvor und danach bezeugten vorkanonischen Verse (1,13; 1,17) unterbricht. Für das vorkanonische Fehlen spricht auch die für die kanonische Redaktion typische Duplikation, die mit εἰς ἔπαινον τῆς δόξης αὐτοῦ vorliegt, eine Wen‐ dung, die aus dem vorkanonisch bezeugten Vers 12 genommen ist. Gleichwohl zeigt der Vers die Nähe der *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache, was die Entscheidung, ob dieser Vers vorkanonisch stand oder abwesend war, erschwert. (1,15) Die Kombination διὰ τοῦτο καί steht 7 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröff‐ nung, etwa in Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, und findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,13. ♦ διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, 7 (Laod = Eph) 407 <?page no="408"?> ist vorkanonisch nur in dem *Deuteropaulinum *2Thess (2,11) bezeugt. ♦ Die Form ἀκούσας steht 33 Mal im NT (8 Mal Mt; 5 Mal Mk; Lk 6,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 7,3. 9. 29; 8,50; 14,15; 18,22. 23. 36; 23,6; 6 Mal Joh; 3 Mal Apg; Eph 1,15), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Wendung καθ’ ὑμᾶς steht 4 Mal im NT, 3 Mal Apg und hier Eph 1,15, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν τῷ κυρίῳ (Ἰησοῦ) steht nur hier im NT. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, begegnet fast nur in der kanonischen Fassung, allerdings auch gleich weiter unten in *Laod 1,18. ♦ Die Wendung εἰς πάντας τοὺς ἁγίους steht 3 Mal im NT, jeweils als Versschluss, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 1,15; Kol 1,4; Phlm 1,5). Zur Abwesenheit: Ähnlich wie bei dem voranstehenden, vorkanonisch unbe‐ zeugten Vers, findet sich auch bei diesem hier die Verseröffnung nur in einem der drei *Deuteropaulinen, in diesem Fall *2Thess, vorkanonisch bezeugt. Es folgen weitere Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (διὰ τοῦτο καί; ἀκούσας; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; καθ’ ὑμᾶς; εἰς πάντας τοὺς ἁγίους), und solche, die nur hier in Eph (ἐν τῷ κυρίῳ Ἰησοῦ) oder durch *Laod bezeugt sind (Semantik von ἅγιος). Der Befund stützt die Abwesenheit des Verses von der vorkanonischen Version, aber auch die Nähe von *Laod und *2Thess zur kanonischen Sprache. (1,16) παύω, das 15 Mal im NT begegnet, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ Auch das zugehörige Adjektiv εὐχάριστος, das 3 Mal im NT begegnet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ μνεία, das sich 7 Mal im NT findet, begegnet erneut ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. Zur Abwesenheit: Der Vers ist vorkanonisch unbezeugt und weist Elemente auf, die ausschließlich für die kanonische Ebene belegt sind (παύω; ὑπὲρ ὑμῶν; μνεία). Auch dieser Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion, der vorkanonisch gefehlt hat. 408 Rekonstruktion <?page no="409"?> (1,17) Die Kombination ἵνα ὁ θεός steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, Kol 4,3, auf der kanonischen Ebene und innerhalb des Verses. ♦ Die Wendung ὁ θεὸς τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht nur 1 weiteres Mal im NT, und zwar nicht auf der kanonischen, sondern nur auf der vorkanonischen Ebene in *2Kor 1,3. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Wendung πατὴρ τῆς δόξης steht nur hier im NT. ♦ ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,6; *2Thess 1,7. ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. Zur Rekonstruktion: Auch wenn Tertullian nur Teile dieses Verses bezeugt, wird die vorkanonische Präsenz dieses Verses doch durch die Lexik bestätigt. Die Verseröffnung ist idiomatisch und findet sich (wohl sekundär) nurmehr in einem Deuteropaulinum (Kol) und sonst nirgendwo sonst im kanonischen Neuen Testament, könnte also auch hier vorkanonisch gestanden sein. Die theologische Wendung ὁ θεὸς τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ findet sich sonst überhaupt nur vorkanonisch, wird darum wohl auch hier vorkanonisch bereits gestanden sein, wobei sie im kanonischen Parallelvers erstaunlicherweise unverändert blieb. Auch der Rest des Verses scheint, wie kanonisch geboten, vorhanden gewesen sein. (1,18) φωτίζω, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,36; *1Kor 4,5; *Laod 3,9. ♦ ὀφθαλμός, das 109 / 100 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,52. ♦ καρδία, das 173 / 157 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,45; 10,27; 16,15; 21,24; *1Kor 4,5; 14,25; *2Kor 3,15; 4,6; *Röm 2,15. 29. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ κλῆσις, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ πλοῦτος, das 31 / 22 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33, vgl. weiter oben zu Vers 7. ♦ κληρονομία, das 14 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,13, vgl. weiter oben zu den Versen 11 und 14. ♦ ἅγιος ist als Kennzeichnung von Menschen fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt, findet sich allerdings auch in *Ev und *Laod 1,19. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das mit Ausnahme von κλῆσις vorkanonisch durch die Lexik gestützt wird. (1,19) Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination καὶ τί τό steht 4 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung (Mt 24,3; Mk 13,4; Lk 21,7; Eph 1,19), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ὑπερβάλλω, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen 7 (Laod = Eph) 409 <?page no="410"?> Ebene. ♦ μέγεθος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung εἰς ἡμᾶς steht 8 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,5. ♦ Zu πιστεύω vgl. zuvor Vers 13. ♦ ἐνέργεια, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. 11. ♦ Die Wendung κατὰ τὴν ἐνέργειαν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 1,19; 3,7; Phil 3,21; Kol 1,29). ♦ κράτος steht 15 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,19. Zum bezeugten Versteil: ἰσχύς, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 10,27. Zur Rekonstruktion: Der vorkanonisch unbezeugte Anfangsteil des Verses scheint bis auf den bezeugten Schluss der Lexik zufolge im vorkanonischen Text gefehlt zu haben. Auffällig sind wiederum die ausschließlich in den *Deuteropaulinen *2Thess und *Kol vorkanonisch bezeugten Termini ἐνέργεια und κράτος, die wiederum die Nähe dieser beiden *Deuteropaulinen zur kano‐ nischen Sprache anzeigen. (1,20) ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,2. ♦ Die Wendung ἐν τῷ Χριστῷ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,22; *Laod 1,12; vgl. zu 1Kor 15,22. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 5,14. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 1 und weiter zu Vers 22. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 2,1; 5,14. ♦ καθίζω steht 52 / 46 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 6,4; 10,7; *2Thess 2,4. ♦ δεξιός, das 56 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 22,69. ♦ ἐπουράνιος steht 20 / 19 im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,40. 48; *Laod 3,10; 6,12. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die vorkanonische Lexik gestützt wird. (1,21) Für die Lexik vgl. zu *Gal 4,25. Der Vers steht in der vorkanonischen Version als *Gal 4,25. (1,22) Die Kombination καὶ πάντα steht 12 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 21,22; Eph 1,22; im Vers: 2 Mal Mt; Lk 21,29; 2 Mal Joh; 3 Mal Apg; 2Kor 6,10; Hebr 9,21), vorkanonisch bezeugt im Vers für *Ev 21,22. ♦ ὑποτάσσω, das 46 / 38 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Röm 10,3: *Laod 5,21. ♦ πούς, das 97 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25; *Laod 1,22. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu den Versen 1. 20. ♦ κεφαλή, das 79 / 75 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,27; 410 Rekonstruktion <?page no="411"?> *1Kor 11,3. 7. 10; *Laod 5,23; *Kol 2,19. ♦ ἐκκλησία, das 120 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,19; *Laod 3,10; 5,23. 29. 32; *Kol 1,24. Zur Reproduktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wobei das anfäng‐ liche καί nicht nur unbezeugt, sondern der Lexik nach wohl auch vorkanonisch gefehlt hat. Hingegen scheint der zweite, unbezeugte Teil, der Lexik nach zu urteilen, vorkanonisch vorhanden gewesen zu sein, was auch zu *Laod 5,23 passt. (1,23) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Kombination ἥτις ἐστίν steht 12 Mal im NT, an dieser Stelle als Verseröffnung (Mt 27,62; Lk 8,26; 12,1; Gal 4,24. 26; Eh 1,23; 3,13; 6,2; Phil 1,28; Kol 3,5; 1Tim 3,15), vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,1; *Gal 4,25. ♦ σῶμα, das 150 / 142 Mal im NT steht,ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,17; *1Kor 6,13. 15. 16. 20; 11,24. 29; 12,12. 24; 15,35. 37. 38. 40; *2Kor 4,10; 5,8. 10; *Röm 7,4; 8,10. 11; *1Thess 5,23; *Kol 1,24; 2,17; *Phil 3,21. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4; *Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. ♦ Die Formulierung τὰ πάντα ἐν πᾶσιν findet sich noch zwei weitere Male, jedoch nur auf der kanonischen Ebene (1Kor 12,6; 15,29). ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4 und 13,8. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fallen einige vorkanonisch bezeugte Elemente auf, jedoch auch die sonst nur kanonisch be‐ zeugte Formulierung τὰ πάντα ἐν πᾶσιν. Vermutlich wird der Vers vorkanonisch gefehlt haben. Kapitel 2 2,1-3: Wir waren tot und gefangen Die vorkanonischen Gedanken der ersten Verse sind gut bezeugt. Sie wurden von der kanonischen Redaktion fast unverändert übernommen. 2,1 Καὶ ὑμᾶς ὄντας νεκροὺς τοῖς παραπτώμασιν καὶ ταῖς ἁμαρτίαις ὑμῶν, 2 ἐν αἷς περιεπατήσατε κατὰ τὸν αἰῶνα τοῦ κόσμου τούτου, κατὰ τὸν ἄρχοντα τῆς ἐξουσίας τοῦ ἀέρος, τοῦ ἐνεργοῦντος ἐν τοῖς υἱοῖς τῆς ἀπειθείας· 2,1 Καὶ ὑμᾶς ὄντας νεκροὺς τοῖς παραπτώμασιν καὶ ταῖς ἁμαρτίαις ὑμῶν, 2 ἐν αἷς ποτε περιεπατήσατε κατὰ τὸν αἰῶνα τοῦ κόσμου τούτου, κατὰ τὸν ἄρχοντα τῆς ἐξουσίας τοῦ ἀέρος, τοῦ πνεύματος τοῦ νῦν ἐνεργοῦντος ἐν τοῖς υἱοῖς τῆς ἀπειθείας· 7 (Laod = Eph) 411 <?page no="412"?> 21 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2030. 3 ἐν οἷς καὶ ἡμεῖς πάντες ἀνεστράφημέν ἐν ταῖς ἐπιθυμίαις τῆς σαρκὸς ἡμῶν ποιοῦντες τὰ θελήματα τῆς σαρκὸς, καὶ ἤμεθα φύσει τέκνα ὀργῆς ὡς καὶ οἱ λοιποί· 3 ἐν οἷς καὶ ἡμεῖς πάντες ἀνεστράφημέν ποτε ἐν ταῖς ἐπιθυμίαις τῆς σαρκὸς ἡμῶν ποιοῦντες τὰ θελήματα τῆς σαρκὸς καὶ τῶν διανοιῶν, καὶ ἤμεθα τέκνα φύσει ὀργῆς ὡς καὶ οἱ λοιποί· A. *2,1-2: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,7-8: [7] Plane puto invenimus, cum dicit illos delictis mortuos in quibus ingressi erant secundum aevum mundi huius, secundum principem potestatis aeris qui operatur in filiis incredulitatis. Sed mundum non potest et hic pro deo mundi Marcion interpretari. Non enim simile est creatum creatori, factum factori, mundus deo. Sed nec princeps potestatis aeris dicetur qui est princeps potestatis saeculorum. [8] Nunquam enim praeses superiorum de inferioribus notatur, licet et inferiora ipsi deputentur. Sed nec incredulitatis operator videri potest, quam ipse potius et a Iudaeis et a nationibus patitur. Sufficit igitur si haec non cadunt in creatorem. Si autem et est in quem magis competant, utique magis hoc apostolus sciit. Quis iste? Sine dubio ille qui ipsi creatori filios incredulitatis obstmit, aere isto potitus, sicut dicere eum propheta refert: Ponam in nubibus thronum meum, ero similis altissimo. ♦ *2,3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,9-10: [9] … Non quia interposuit de delictis in quibus et nos omnes conversati sumus, ideo delictorum dominum et principem aeris huius creatorem praestat intellegi, sed quia in Iudaismo unus fuerat de filiis incredulitatis, diabolum habens operatorem, cum persequeretur ecclesiam et Christum creatoris, propter quod et, Iracundiae filii fuimus, inquit; [10] sed natura, ne quia filios appellavit Iudaeos creator, argumentetur haereticus dominum irae creatorem. Cum enim dicit, Fuimus natura filii iracundiae, creatoris autem non natura sunt filii Iudaei sed allectione patrum, irae filios ad naturam retulit non ad creatorem, ad summam subiungens, Sicut et ceteri, qui utique filii dei non sunt. B. (2,1) Anstelle von ἁμαρτία findet sich ἐπιθυμία in 03. ♦ (2,3) Anstelle von ἡμεῖς bieten die nachfolgenden Zeugen ὑμεῖς: 02, 06*, 81*, 326, 365, om 010, 012, 020, während die nachfolgenden Zeugen ἡμεῖς bieten: P 46 , 01, 02, 03, 06 1 , 018, 025, 044, 0278, 33, 81 c , 104, 630, 1175, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, sa bo, Tert.♦ πάντες om sy p . ♦ Anstelle von ἤμεθα liest man ἦμεν in 02. ♦ Die Reihenfolge φύσει τέκνα ist angezeigt durch Tertullian, jedoch auch bezeugt in 02, lat, sy h , bo, go, Or, Did, Thdt und eine Reihe anderer Zeugen, auch als markionitische Lesart vermerkt von H.v.B. Soden. 21 412 Rekonstruktion <?page no="413"?> C. 1. (2,1-2) Hilgenfeld sieht Vers 2 durch Tertullian bezeugt (ohne τοῦ πνεύματος); alle anderen Editoren stimmen darin überein, dass die vorliegenden beiden Verse durch Tertullian bezeugt sind. Zahn rechnet mit ihrer kanonischen Form, wobei er im Text die folgenden Elemente für fehlend hält: In Vers 1 καὶ ταῖς ἁμαρτίαις ὑμῶν und in Vers 2 ποτε (jeweils mit Fragezeichen versehen), dann in Vers τοῦ πνεύματος und νῦν, während er hinter ἀέρος ein mögliches τούτου stehen sieht. Harnack gibt als bezeugten Text: 1 ὑμᾶς ὄντας τοῖς παραπτώμασιν νεκροὺς, 2 ἐν οἷς περιεπατήσατε κατὰ τὸν αἰῶνα τοῦ κόσμου τούτου, κατὰ τὸν ἄρχοντα τῆς ἐξουσίας τοῦ ἀέρος, τοῦ ἐνεργοῦντος ἐν τοῖς υἱοῖς τῆς ἀπιστίας. Das von Harnack vorgeschlagene ἀπιστία ist dem zwei Mal von Tertullian genannten incredulitas nicht näher als ἀπείθεια. Schmid hält sich wiederum näher an den kanonischen Text und sieht fol‐ genden Text als bezeugt: 1 (Καὶ ὑμᾶς ὄντας) νεκροὺς τοῖς παραπτώμασιν …, 2 ἐν αἷς (ποτε) περιεπατήσατε κατὰ τὸν αἰῶνα τοῦ κόσμου τούτου, κατὰ τὸν ἄρχοντα τῆς ἐξουσίας τοῦ ἀέρος-… BeDuhn weist darauf hin, dass Schmid offenkundig den letzten von Tertullian bezeugten Passus von Vers 2 übersehen hatte und legt seiner Übersetzung den folgenden griechischen Text zugrunde: 1 … ὑμᾶς ὄντας νεκροὺς τοῖς παραπτώμασιν (ὑμῶν), 2 ἐν οἷς [ποτε] περιεπατήσατε κατὰ τὸν αἰῶνα τοῦ κόσμου τούτου, κατὰ τὸν ἄρχοντα τῆς ἐξουσίας τοῦ ἀέρος, [τοῦ πνεύματος] τοῦ νῦν ἐνεργοῦντος ἐν τοῖς υἱοῖς τῆς ἀπειθείας. Der Hintergrund dieser beiden Verse bildet die Diskussion der Frage, wer mit dem Herrscher der Macht der Luft gemeint ist. Nach Tertullian hatte Markion die Meinung vertreten, es sei der Schöpfer, Adv. Marc. V 17,7-8. Litwa gesteht zu, dass Markion bzw. die Markioniten den Schöpfer nie „Teufel“ nannten, auch wenn Tertullian wieder die Aussage verschärft haben mag, wenn er zu Eph 6,11 bemerkt, mögliche Konsequenzen von Markions Kritik am Schöpfer seien es, dass man Schöpfer und Teufel identifizieren oder zwei verschiedene Teufel kreieren müsse, Adv. Marc. V 18,12-13: [12] … Aut si diabolus creator est, quis erit diabolus apud creatorem? An sicut duo dii, ita et duo diaboli, et pluraliter potestates et munditenentes? [13] Sed quomodo creator et diabolus et deus idem, cum diabolus non idem et deus et diabolus? Aut enim ambo et dei, si ambo iam diaboli, aut qui deus hic et non diabolus, sicut nec diabolus deus. Ipsum vocabulum diaboli quaero ex qua delatura competat creatori. Litwa schließt hieraus, dass Markion als Feind des Gesetzes dieses völlig zerstörte, während Tertullian das Gesetz, das Christus erfüllt habe, als Helferin betrachtete. Nimmt man jedoch zu *Laod 2,15, aus welchem man die radikale Position Litwas durchaus ziehen könnte, noch 7 (Laod = Eph) 413 <?page no="414"?> 22 Vgl. M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 116-119. Vers *Laod 2,14. 16 hinzu (vgl. weiter unten), dann wird man auf eine gemilderte Position des vorkanonischen Textes schließen dürfen, die Tertullian durchaus in all ihren - auch teilweise grotesken - Konsequenzen vorzuführen sucht. 22 2. (2,3) Übereinstimmend sehen alle Editoren diesen Vers bezeugt. Zahn nimmt die kanonische Fassung als bezeugt an. Harnack gibt als bezeugten Text: ἐν οἷς καὶ ἡμεῖς πάντες ἀνεστράφημεν καὶ ἤμεθα τέκνα φύσει ὀργῆς ὡς καὶ οἱ λοιποί. Schmid schließt sich Harnack an, lässt lediglich das mittlere καὶ aus. BeDuhn weist zu Recht auf Tertullians von Harnack und Schmid übersehenen Kommentar hin (delicta et concupiscentias carnis et incredulitatem), womit auch das von diesen beiden Editoren ausgelassene Zwischenstück zumindest andeutungsweise bezeugt ist; er legt seiner Übersetzung darum folgenden griechischen Text zugrunde: ἐν οἷς καὶ ἡμεῖς πάντες ἀνεστράφημέν [ποτε] ἐν ταῖς θελήμασιν καὶ ἐπιθυμίαις τῆς σαρκὸς (ἡμῶν) …, ἤμεθα τέκνα φύσει ὀργῆς ὡς καὶ οἱ λοιποί. D. (2,1) Die Verbform ὄντας, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,21, vgl. weiter Vers 5. ♦ Die Kombination ὑμᾶς ὄντας steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Phil 1,7. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 5,14. ♦ παράπτωμα, das 23 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. ♦ Das alternative ἐπιθυμία steht 40 / 38 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das von der vorkanonischen Lexik bestätigt wird. Der Versanfang Καὶ ὑμᾶς ὄντας, der singulär für diese Stelle bezeugt ist, kann darum wohl auch vorkanonisch gestanden sein. Auffallend ist die Form ὄντας, die nur in *Kol vorkanonisch bezeugt ist, was für die Nähe von *Kol und *Laod sprechen würde. (2,2) Die Kombination ἐν αἷς steht 12 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung (2 Mal Mt; Mk 15,40; Lk 13,14; 21,6; 23,29; 2 Mal Apg; Eph 2,2; Hebr 10,32; 2Petr 3,1. 16), vorkanonisch nur bezeugt für diese Stelle hier. ♦ ποτέ, das 31 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41; *Laod 2,11. 13; *Kol 1,21. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ αἰών, das 146 / 122 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 7. 8; 10,11; 414 Rekonstruktion <?page no="415"?> *2Kor 4,4; *Laod 3,9. ♦ κόσμος, das 196 / 186 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,29; *Gal 4,3; 6,14; *1Kor 1,20. 21. 27; 3,19. 22; 4,9; 6,14; *Laod 2,12; *Kol 1,6; 2,8. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 6,12. ♦ ἄρχω, das 151 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 23,2. ♦ ἄρχων, das 39 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,15; *1Kor 2,6. 8. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 5,24; 9,1; 10,19; 12,5; 20,8; *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 3,10; 6,12. ♦ ἀήρ, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Thess 4,17. ♦ Das vorkanonisch unbezeugt νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Zu dem wieder bezeugten ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 1,20. ♦ ἀπείθεια, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist nur für die vorliegende Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ Die von Harnack vorgeschlagene Alternative, ἀπιστία, begegnet 12 / 11 Mal im NT, findet sich ansonsten ausschließlich auf der kanonischen Ebene und wäre ebenfalls hier das einzige Mal vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das nur teilweise von der kanonischen Lexik bestätigt wird. Wie bereits zuvor fallen auch hier die Elemente auf, die ausschließlich in *Laod vorkanonisch bezeugt sind (ἐν αἷς; περιπατέω; ἐνεργέω; ἀπείθεια), bzw. auch ποτέ, bezeugt für *Ev, *Laod und *Kol; ἄρχω für *Ev und *Laod. Der Befund zeigt zum einen die Nähe von *Laod zur kanonischen Sprache und auch diejenige zu *Kol und *Ev. (2,3) Die Wendung ἐν οἷς καὶ steht 1 weiteres Mal im NT, Apg 17,34, im Vers. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12. ♦ ἀναστρέφω, das 11 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur an der vorliegenden Stelle bezeugt. ♦ ποτέ, das 31 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41; *Laod 2,11. 13; *Kol 1,21. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. ♦ Die Wendung ἐν ταῖς ἐπιθυμίαις steht 1 weiteres Mal in Röm 1,24. ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter Verse 11. 15. ♦ διάνοια steht 14 / 12 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,21. ♦ Die Form ἤμεθα steht 5 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,3. ♦ ἦμεν, eine Verbform, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. ♦ τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 4,31; *1Kor 4,14; *Laod 6,1. ♦ φύσις, das 16 / 14 Mal im NT steht, jedoch nur in der Briefliteratur, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8; *Röm 2,14; *Laod 2,3. ♦ Die Form φύσει steht 5 Mal im NT (Röm 2,14; Gal 2,15; 4,8; Eph 2,3; 7 (Laod = Eph) 415 <?page no="416"?> Jak 3,7), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8; *Röm 2,14. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 1,18. ♦ οἱ λοιποί, das 5 Mal bezeugt ist, ist nur an der vorliegenden Stelle vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Wie bereits zuvor, begegnen auch hier neben vorkanonisch weiter bezeugten Elementen solche, die ausschließlich hier und überhaupt in *Laod vorkanonisch bezeugt sind (ἐν οἷς καὶ; ἀναστρέφω; οἱ λοιποί), oder in *Ev, *Laod und *Kol (ποτέ). Dies spricht erneut für die Nähe von *Laod (und *Kol) zur kanonischen Sprache. 2,[4-9]: [Gott hat uns gerettet] Diese Passage ist vorkanonisch unbezeugt und war nach Ausweis der Lexik auch vorkanonisch nicht vorhanden. Diese positiven Aussagen über Gottes Erbarmen, das auf die voranstehenden vorkanonisch negativen Aussagen repli‐ zieren, gehen auf die kanonische Redaktion zurück. - 4 ὁ δὲ θεὸς πλούσιος ὢν ἐν ἐλέει, διὰ τὴν πολλὴν ἀγάπην αὐτοῦ ἣν ἠγάπησεν ἡμᾶς, 5 καὶ ὄντας ἡμᾶς νεκροὺς τοῖς παραπτώμασιν συνεζωοποίησεν τῷ Χριστῷ,- χάριτί ἐστε σεσῳσμένοι- 6 καὶ συνήγειρεν καὶ συνεκάθισεν ἐν τοῖς ἐπουρανίοις ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, 7 ἵνα ἐνδείξηται ἐν τοῖς αἰῶσιν τοῖς ἐπερχομένοις τὸ ὑπερβάλλον πλοῦτος τῆς χάριτος αὐτοῦ ἐν χρηστότητι ἐφ’ ἡμᾶς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. 8 Τῇ γὰρ χάριτί ἐστε σεσῳσμένοι διὰ πίστεως· καὶ τοῦτο οὐκ ἐξ ὑμῶν, θεοῦ τὸ δῶρον· 9 οὐκ ἐξ ἔργων, ἵνα μή τις καυχήσηται. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (1,5) Die NA 28 Lesart παραπτώμασιν findet sich in den Zeugen 01, 02, 06 2 , 018, 020, 025, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, l 249, M, co, Cl, hingegen findet sich τοῖς σώμασιν in P 46 , ταῖς ἁμαρτίαις in 06, τῇ ἁμαρτίαᾳ in 010, 012, τοῖς παραπτώμασιν καὶ ταῖς ἁμαρτίαις in 044, Or lat . ♦ Post συνεζωοποίησεν add εν in P 46 , 03, 33, ar, (g), vg cl , Ambst, Chr. ♦ Post Χριστῷ add οὗ in (+ τῇ 06*), 06*, 010, 012, ar, b, vg cl , sy p , MVict, Ambst, Aug. C. (2,4-9) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen und auch BeDuhn 416 Rekonstruktion <?page no="417"?> aufgrund des narrativen Zusammenhangs durch den wiederbezeugten Vers 10 die folgenden Elemente aus diesen Versen für notwendig hält: 4 [ὁ δὲ θεὸς-… 5 καὶ ὄντας ἡμᾶς νεκροὺς τοῖς παραπτώμασιν συνεζωοποίησεν τῷ Χριστῷ, 6 καὶ συνήγειρεν καὶ συνεκάθισεν ἐν τοῖς ἐπουρανίοις ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, … 8 Τῇ γὰρ χάριτί ἐστε σεσῳσμένοι διὰ πίστεως· … 9 οὐκ ἐξ ἔργων], ἵνα μή τις καυχήσηται. D. (2,4) Zur kanonischen Verseröffnung ὁ δὲ θεός vgl. zuvor zu Röm 15,5. ♦ πλούσιος, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - allerdings in negativer Bedeutung im Wehruf bzw. im Gleichnis - in *Ev. ♦ Die Verbform ὤν, die 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3. ♦ ἔλεος, das 35 / 27 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Form ἐλέει steht 1 weiteres Mal, Röm 11,31. ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), das 121 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἠγάπησεν ἡμᾶς begegnet 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 2,4; 5,2; 1Joh 4,10. 11. 19). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ δὲ θεός; Semantik von πλούσιος; ἔλεος; ἠγάπησεν ἡμᾶς. (2,5) Die Kombination καὶ ὄντας steht nur hier im NT. ♦ Die Verbform ὄντας, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,21, vgl. weiter oben zu Vers 1. ♦ παράπτωμα steht 23 / 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20; *Laod 2,1. ♦ συζωοποιέω steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13, vgl. weiter unten zu diesem Vers. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19, vgl. weiter die Verse 8. 19. ♦ Die Form σεσῳσμένοι steht 1 weiteres Mal, weiter unten in Eph 2,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χάριτι; σεσῳσμένοι. Auch bei diesem kurzen Vers fällt auf, dass Elemente ausschließlich hier in *Laod (καὶ ὄντας) oder in *Kol (ὄντας; συζωοποιέω) bezeugt sind, was auf die Nähe dieser beiden *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache hinweist. (2,6) Die Kombination καὶ συνήγειρεν steht nur hier im NT. ♦ συνεγείρω steht nur noch in Kol auf der kanonischen Ebene (Kol 2,12; 3,1). ♦ συγκαθίζω steht ebenfalls nur noch 1 Mal, in Lk 22,55, auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπουράνιος steht 20 / 19 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,40. 48; *Laod 3,10; 6,12. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. 7 (Laod = Eph) 417 <?page no="418"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συνεγείρω; συγκαθίζω; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. (2,7) Die Kombination ἵνα ἐνδείξηται steht nur hier im NT. ♦ ἐνδείκνυμι, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αἰών, das 146 / 122 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 7. 8; 10,11; *2Kor 4,4; *Laod 2,2; 3,9. ♦ ἐπέρχομαι steht 11 / 9 Mal im NT und findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ὑπερβάλλω, das 5 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ πλούσιος, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - allerdings in negativer Bedeutung im Wehruf bzw. im Gleichnis - in *Ev, vgl. zu Vers 4. ♦ χρηστότης, das 11 / 10 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐνδείκνυμι; ἐπέρχομαι; ὑπερβάλλω; Semantik von πλούσιος; χρηστότης; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. (2,8) Die Kombination τῇ γὰρ χάριτί steht nur hier im NT. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Verbform ἐστε vgl. zuvor zu Vers 5 und nachfolgend Vers 19. ♦ Die Form σεσῳσμένοι steht nur noch 1 Mal, zuvor in 2,5. ♦ Die Wendung διὰ πίστεως steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,16; *Röm 3,22, vgl. zu 2Kor 5,7 ♦ δῶρον steht 20 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χάριτι; σεσῳσμένοι; δῶρον. (2,9) Die Wendung οὐκ ἐξ ἔργων steht 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 9,12 ♦ Die Kombination ἵνα μή τις steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,15. ♦ Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,11. ♦ καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, und zwar ausschließlich in der Briefliteratur, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐκ ἐξ ἔργων; ἵνα μή τις; μή τις. Wie der lexikalische Vergleich deutlich zeigt, geht diese gesamte Passage der Verse 4-9 auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. 418 Rekonstruktion <?page no="419"?> 2,10-21 [22]: Die Versöhnung der Fernen und Nahen Diese theologisch zentrale Stelle für die Frage des Verhältnisses von Beschnit‐ tenen und „unbeschnitten“ Genannten ist vorkanonisch gut bezeugt und nur geringfügig von der kanonischen Redaktion bearbeitet worden. 10 αὐτοῦ ἐσμεν ποίημα, κτισθέντες ἐν Χριστῷ. 10 αὐτοῦ γάρ ἐσμεν ποίημα, κτισθέντες ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ ἐπὶ ἔργοις ἀγαθοῖς οἷς προητοίμασεν ὁ θεός, ἵνα ἐν αὐτοῖς περιπατήσωμεν. 11 μνημονεύοντες ὑμεῖς ποτε τὰ ἔθνη ἐν σαρκί, οἱ λεγόμενοι ἀκροβυστία ὑπὸ τῆς λεγομένης περιτομῆς ἐν σαρκὶ χειροποιήτῳ, 11 Διὸ μνημονεύετε ὅτι ποτὲ ὑμεῖς τὰ ἔθνη ἐν σαρκί, οἱ λεγόμενοι ἀκροβυστία ὑπὸ τῆς λεγομένης περιτομῆς ἐν σαρκὶ χειροποιήτου, 12 ὅτι ἦτε ἐν τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν καὶ τῆς ἐπαγγελίας, ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ τούτῳ. 12 ὅτι ἦτε τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν τῆς ἐπαγγελίας, ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ. 13 νυνὶ δὲ ἐν Χριστῷ ὑμεῖς οἵ ποτε ὄντες μακρὰν ἐγενήθητε ἐγγὺς ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ. 13 νυνὶ δὲ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ ὑμεῖς οἵ ποτε ὄντες μακρὰν ἐγενήθητε ἐγγὺς ἐν τῷ αἵματι τοῦ Χριστοῦ. 14 Αὐτὸς γάρ ἐστιν ἡ εἰρήνη ἡμῶν, ὁ ποιήσας τὰ ἀμφότερα ἓν καὶ τὸ μεσότοιχον λύσας τὴς ἔχθρας ἐν τῇ σαρκὶ, 14 Αὐτὸς γάρ ἐστιν ἡ εἰρήνη ἡμῶν, ὁ ποιήσας τὰ ἀμφότερα ἓν καὶ τὸ μεσότοιχον τοῦ φραγμοῦ λύσας, τὴν ἔχθραν ἐν τῇ σαρκὶ αὐτοῦ, 15 τὸν νόμον τῶν ἐντολῶν δόγμασιν καταργήσας, ἵνα τοὺς δύο κτίσῃ ἐν ἑαυτῷ εἰς ἕνα καινὸν ἄνθρωπον ποιῶν εἰρήνην, 15 τὸν νόμον τῶν ἐντολῶν ἐν δόγμασιν καταργήσας, ἵνα τοὺς δύο κτίσῃ ἐν αὐτῷ εἰς ἕνα καινὸν ἄνθρωπον ποιῶν εἰρήνην 16 ἀποκαταλλάξῃ τοὺς ἀμφοτέρους τῷ θεῷ ἐν ἑνὶ σώματι διὰ τοῦ σταυροῦ, ἀποκτείνας τὴν ἔχθραν ἐν αὐτῷ. 16 καὶ ἀποκαταλλάξῃ τοὺς ἀμφοτέρους ἐν ἑνὶ σώματι τῷ θεῷ διὰ τοῦ σταυροῦ, ἀποκτείνας τὴν ἔχθραν ἐν αὐτῷ. 17 εὐηγγελίσατο εἰρήνην τοῖς μακρὰν καὶ τοῖς ἐγγύς 17 καὶ ἐλθὼν εὐηγγελίσατο εἰρήνην ὑμῖν τοῖς μακρὰν καὶ εἰρήνην τοῖς ἐγγύς· 18 τὴν προσαγωγὴν τοῖς ἀμφοτέροις πρὸς τὸν πατέρα. 18 ὅτι δι’ αὐτοῦ ἔχομεν τὴν προσαγωγὴν οἱ ἀμφότεροι ἐν ἑνὶ πνεύματι πρὸς τὸν πατέρα. 19 Ἄρα οὐκ ἐστὲ ξένοι καὶ πάροικοι ἀλλὰ συμπολῖται τῶν ἁγίων, ἀλλ’ οἰκεῖοι τοῦ θεοῦ, 19 Ἄρα οὖν οὐκέτι ἐστὲ ξένοι καὶ πάροικοι ἀλλ’ ἐστὲ συμπολῖται τῶν ἁγίων καὶ οἰκεῖοι τοῦ θεοῦ, 7 (Laod = Eph) 419 <?page no="420"?> 20 ἐποικοδομηθέντες ἐπὶ τῷ θεμελίῳ τῶν ἀποστόλων, ὄντος ἀκρογωνιαίου λίθου αὐτοῦ Χριστοῦ, 20 ἐποικοδομηθέντες ἐπὶ τῷ θεμελίῳ τῶν ἀποστόλων καὶ προφητῶν, ὄντος ἀκρογωνιαίου αὐτοῦ Χριστοῦ Ἰησοῦ, 21 ἐν ᾧ πᾶσα οἰκοδομὴ συναρμολογουμένη. 21 ἐν ᾧ πᾶσα οἰκοδομὴ συναρμολογουμένη αὔξει εἰς ναὸν ἅγιον ἐν κυρίῳ, 22 ἐν ᾧ καὶ ὑμεῖς συνοικοδομεῖσθε εἰς κατοικητήριον τοῦ θεοῦ ἐν πνεύματι. A. *2,10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,11: Ipsius, inquit, sumus factura, conditi in Christo. Aliud est facere, aliud condere. Sed utrumque uni dedit. Homo autem factura creatoris est. Idem ergo condidit in Christo qui et fecit. Quantum enim ad substantiam, fecit; quantum ad gratiam, condidit. ♦ *2,11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,12: Inspice et cohaerentia. Memores vos aliquando nationes in carne, qui appellamini praeputium ab ea quae dicitur circumcisio in carne manu facta; Epiph., Pan. 42 (119): μνημονεύοντες ὑμεῖς ποτε τὰ ἔθνη ἐν σαρκί, οἱ λεγόμενοι ἀκροβυστία ὑπὸ τῆς λεγομένης περιτομῆς ἐν σαρκὶ χειροποιήτου; ibid. (178-179): μνημονεύετε ὑμεῖς ποτε τὰ ἔθνη ἐν σαρκί, οἱ λεγόμενοι ἀκροβυστία ὑπὸ τῆς λεγομένης περιτομῆς ἐν σαρκὶ χειροποιήτου; Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): μνημονεύοντες ὅτι ποτὲ ὑμεῖς, τὰ ἔθνη, οἱ λεγόμενοι ἀκροβυστία ὑπὸ τῆς λεγομένης περιτομῆς ἐν σαρκὶ χειροποιήτου (Rufin: Qui uos aliquando gentes, qui dicebamini praeputium ab ea quae dicitur circumcisio in carne manufacta). ♦ *2,12: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,12: quod essetis illo in tempore sine Christo, alienati a conversatione Israelis et peregrini testamentorum et promissionis eorum, spem non habentes, et sine deo, in mundo. Sine quo autem deo fuerunt nationes, et sine quo Christo? Utique eo cuius erat conversatio Israelis et testamenta et promissio; ibid. V 11,12-13: [12] … Praetereo hic et de alia epistula, quam nos ad Ephesios praescriptam habemus, haeretici vero ad Laodicenos. [13] Ait enim meminisse nationes quod illo in tempore cum essent sine Christo, alieni ab Israele, sine conversatione et testamentis et spe promissionis, etiam sine deo essent, in mundo utique, etsi de creatore. Ergo si nationes sine deo dixit esse, deus autem illis diabolus est, non creator, apparet dominum aevi huius eum intellegendum quem nationes pro deo receperunt, non creatorem, quem ignorant; Epiph., Pan. 42 (119 H.): ἦτε τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν τῆς ἐπαγγελίας, ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ; ibid. (179 H.): ὅτι ἦτε τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν τῆς ἐπαγγελίας, ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ; Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): ὅτι ἦτε ἐν τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν 420 Rekonstruktion <?page no="421"?> τῆς ἐπαγγελίας, ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ (Rufin: qui eratis illo tempore sine Christo, alienati a conuersatione Israel et peregrini testamentorum et promissionis spem habentes et sine deo in mundo). ♦ *2,13: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,12: At nunc, inquit, in Christo vos qui eratis longe facti estis prope in sanguine eius; Epiph., Pan. 42 (119 H.): νυνὶ δὲ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ ὑμεῖς οἱ ποτὲ ὄντες μακρὰν ἐγενήθητε ἐγγὺς ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ; ibid. (179 H.): νυνὶ δὲ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ ὑμεῖς οἱ ποτὲ ὄντες μακρὰν ἐγενήθητε ἐγγὺς τῷ αἵματι αὐτοῦ; Adam., Dial. II 18 (im Mund des Adamantius): νυνὶ δὲ ὑμεῖς οἵ ποτε ὄντες μακρὰν ἐγενήθητε ἐγγὺς ἐν τῷ αἵματι τοῦ Χριστοῦ (Rufin: Nunc autem uos, qui aliquando eratis longe, facti estis prope in sanguine Christi). ♦ *2,14: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,14: Tam enim iustitia quam et pax creatoris in Christo annuntiabatur, ut saepe iam ostendimus. Itaque ipse est, inquit, pax nostra, qui fecit duo unum, Iudaicum scilicet populum et gentilem, quod prope et quod longe, soluto medio pariete inimicitiae, in carne sua. Sed Marcion abstulit Sua, ut inimicitiae daret carnem, quasi carnali vitio, non Christo aemulae. Sic uti alibi dixi, et hic, non Marrucine sed Pontice, cuius supra sanguinem confessus es hic negas carnem; Epiph., Pan. 42 (119 = 179 H.): αὐτὸς γάρ ἐστιν ἡ εἰρήνη ἡμῶν, ὁ ποιήσας τὰ ἀμφότερα ἓν, καὶ τὰ ἑξῆς. ♦ *2,15-16: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,15: Si legem praeceptorum sententiis vacuam fecit, adimplendo certe legem (vacat enim iam, Non adulterabis, cum dicitur, Nec videbis ad concupiscendum; vacat, Non occides, cum dicitur, Nec maledices) adversarium legis de adiutore non potes facere. Ut duos conderet in semetipso (qui fecerat idem condens secundum quod et supra: Ipsius enim factura sumus, conditi in Christo) in unum novum hominem, faciens pacem (si vere novum, vere et hominem, non phantasma, novum autem et nove natum ex virgine dei spiritu), ut reconciliet ambos deo, et deo quem utrumque genus offenderat, et Iudaicum et gentilem populum in uno corpore, inquit, cum interfecisset inimicitiam in eo per crucem. ♦ *2,17-20: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,16: Hoc itaque annuntiante pacem eis qui prope et eis qui longe, accessum consecuti simul ad patrem, iam non sumus peregrini et (et M Harnack von Soden; nec R Kroymann) advenae, sed concives sanctorum, sed domestici dei (utique eius a quo supra ostendimus alienos fuisse nos et longe constitutos), superaedificati super fundamentum apostolorum. Abstulit haereticus, Et prophetarum, oblitus dominum posuisse in ecclesia, sicut apostolos, ita et prophetas. Timuit scilicet ne et super veterum prophetarum fundamenta aedificatio nostra constaret in Christo, cum ipse apostolus ubique nos de prophetis exstruere non cesset. Unde enim accepit summum lapidem angularem (lapidem angularem R uulgo; angularem M Kroymann Harnack von Soden) dicere Christum, nisi de psalmi significatione: Lapis quem reprobaverunt aedificantes, iste factus est in summo anguli? Adam., Dial. II 29 (Verse 17-18) (im Mund des Adamantius): καὶ ἐλθὼν εὐηγγελίσατο εἰρήνην ὑμῖν τοῖς μακρὰν καὶ τοῖς ἐγγύς· ὅτι δι’ αὐτοῦ 7 (Laod = Eph) 421 <?page no="422"?> 23 Vgl. hierzu die Bemerkungen weiter unten zu Eph 3,1-7. 24 J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 106. 25 Vgl. V.F. Bucher, A Marcionite Reading in Ephrem’s Commentary on the Pauline Epistles (1928). ἔχομεν τὴν προσαγωγὴν οἱ ἀμφότεροι ἐν ἑνὶ πνεύματι πρὸς τὸν πατέρα (Rufin: Et ueniens euangelizauit pacem his qui longe et his qui prope, quia per ipsum habemus accessum utrique in uno spiritu ad patrem); Dial. V 28 (im Mund des Eutropius): ὃς ἐλθὼν εὐηγγελίσατο εἰρήνην τοῖς μακρὰν καὶ τοῖς ἐγγύς (nicht in Rufin). Vgl. Jes 28,6 LXX: διὰ τοῦτο οὕτως λέγει κύριος ἰδοὺ ἐγὼ ἐμβαλῶ εἰς τὰ θεμέλια Σιων λίθον πολυτελῆ ἐκλεκτὸν ἀκρογωνιαῖον ἔντιμον εἰς τὰ θεμέλια αὐτῆς καὶ ὁ πιστεύων ἐπ᾽ αὐτῷ οὐ μὴ καταισχυνθῇ. ♦ *2,21: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 17,16: Timuit scilicet ne et super veterum prophetarum fundamenta aedificatio nostra constaret in Christo, cum ipse apostolus ubique nos de prophetis exstruere non cesset. Unde enim accepit summum lapidem angularem dicere Christum, nisi de psalmi significatione: Lapis quem reprobaverunt aedificantes, iste factus est in summo anguli? ♦ 2,22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,1: De manibus haeretici praecidentis non miror si syllabas subtrahit, cum paginas totas plerumque subducit. 23 B. (2,11) Anstelle von διό findet sich die Variante διὰ τοῦτο in 010, 012, während die Zeugen 104, d, MVict, Ambst keine Konjunktion hier bieten. ♦ Anstelle von μνημονεύετε findet sich die Variante μνημονεύοντες in 012, it mss. ♦ Anstelle von χειροποιήτου findet sich die Variante χειροποιήτῳ in 06*, 012. ♦ (2,12) Post ὅτι ἦτε add ἐν in P 46 , Tert, Adam. ♦ Post διαθηκῶν add καί in 010, 012, it mss, Tert, Rufin. ♦ Post κόσμῳ add τούτῳ in 012. ♦ (2,13) Anstelle von ἐν Χριστῷ ὑμεῖς, das Tertullian las, aber auch in 020, it mss, Iren, Or zu lesen ist, liest Adamantius ἐν ὑμεῖς, während Epiphanius ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ ὑμεῖς hat, was den meisten Zeugen des kanonischen Textes entspricht, doch schon Clabeaux hielt Tertullians Lesart für die älteste. 24 ♦ (2,13) Anstelle von τοῦ Χριστοῦ bezeugen Tert und Epiph αὐτοῦ, während 0278 Ἰησοῦ bietet, om P 46 , 03. ♦ (2,15) ἐν δόγμασιν om ιn P 46 , vg ms . ♦ Die Variante ἐν ἑαυτῷ legt sich durch Tertullian nahe, ist aber auch bezeugt durch 01 2 , 06, 012, 018, 020, 044, 81, 365, 630, 1241 s , 1505, 2464, M, latt; NA 28 gibt sie als markionitische Lesart an, bezeugt durch Tert und angeblich Epiph - warum Epiph ist mir rätselhaft -, hingegen steht αὐτῷ in 01*, 02, 03, 010, 025 und weiteren. 25 ♦ Anstelle von καινόν bieten die Zeugen P 46 , 010, 012 κοινός. ♦ (2,17) Das im Text von NA 28 nachfolgende εἰρήνην fehlt auch in den Zeugen 018, 020, 044, 81, 104, 630, 1241 s , 1505, M, sy h , Tyc, und wird von NA 28 als markionitische Lesart angegeben, während es in folgenden Zeugen steht: P 46 , 422 Rekonstruktion <?page no="423"?> 26 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2030. 01, 02, 03, 06, 010, 012, 025, 33, 365, 1175, 1739, 1881, 2464, l 249, latt, co, Cyp, Eus, Did. ♦ (2,19) οὖν om P 46vid , 010, 012, 044, 1739, 1881, sy p . ♦ Das bei NA 28 im Text auf ἀλλά folgende ἐστέ fehlt nicht nur nach Tertullian, sondern auch in den einschlägigen Zeugen 06 2 , 018, 020, 025, 044, 81, 365, 630, 1241s, 1505, M, Hier, während es steht in den Zeugen 01, 02, 03, 04, 06*, 010, 012, 33, 104, 1175, 2464, latt, ein καί wird hinzugefügt durch 1739, 1881. ♦ Anstelle von καὶ οἰκεῖοι legt Tertullian nahe ἀλλ’ οἰκεῖοι, das weiter nicht belegt ist. ♦ (2,20) καὶ προφητῶν om 112, l1 +a . ♦ Post ἀκρογωνιαίου add λίθου in 06*, 010, 012, 629, latt, Or pt , Tert, Euseb, Chrys. Als markionitische Lesart vermerkt diese Hinzufügung H.v.B. Soden. 26 C. 1. (2,10) Nach allen Editoren ist der erste Teil des Verses bezeugt, Zahn und Harnack rechnen jedoch auch mit der Präsenz des vollen Verses, auch wenn sie nur den ersten Teil im kanonischen Wortlaut bestätigt sehen. Schmid beobachtet scharfsinnig, dass das γάρ nicht bezeugt ist, was BeDuhn jedoch verwirft, da er mit dieser Konjunktion den Anschluss herstellt zu den von ihm angenommenen Versen 4, 5, 6, 8, 9, die jedoch, wie wir gesehen haben, aufgrund der fehlenden Bezeugung und dem lexikalischen Befund nicht zur vorkanonischen Fassung gehört haben. Dies wird durch die unbezeugte und wohl auch abwesende Konjunktion hier in Vers 10 bestätigt. 2. (2,11) Alle Editoren stimmen überein, dass der vorliegende Vers bezeugt ist, Zahn vermerkt allerdings, dass gegenüber dem kanonischen Text, der in Markions Sammlung bezeugte Wortlaut das anfängliche διό, dann vielleicht das ὅτι und das erste ἐν σαρκί nicht aufwies. Harnack ist ebenfalls vorsichtig und gibt als Rekonstruktionstext: μνημονεύετε ὑμεῖς ποτε τὰ ἔθνη (Tert., ἐν σαρκί), οἱ λεγόμενοι ἀκροβυστία ὑπὸ τῆς λεγομένης περιτομῆς ἐν σαρκὶ χειροποιήτου. Schmid schließt sich eng an die Bezeugung bei Epiphanius in dessen ersten Liste an, ergänzt durch Tertullian: (διὸ) μνημονεύοντες ὑμεῖς ποτε τὰ ἔθνη ἐν σαρκί, οἱ λεγόμενοι ἀκροβυστία ὑπὸ τῆς λεγομένης περιτομῆς ἐν σαρκὶ χειροποιήτου. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: … μνημονεύοντες ὑμεῖς ποτε τὰ ἔθνη ἐν σαρκί, οἱ λεγόμενοι ἀκροβυστία ὑπὸ τῆς λεγομένης περιτομῆς ἐν σαρκὶ χειροποιήτου. 7 (Laod = Eph) 423 <?page no="424"?> 27 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 458. Tertullian verdeutlicht in seinem Kommentar, dass Markion zwischen dem „Erzeugnis“-Sein (ποίημα) und dem „Gestaltet“-Sein (κτισθέντες) eine Differenz, wohl gar einen Gegensatz gelesen hat, weshalb er zu Beginn des Kommentars zu Vers 11 ausdrücklich auf die Kohärenz zwischen beiden Begriffen hinweist: Inspice et cohaerentia. Wenn diese im vorkanonischen Text gefehlt hat, dann wurde der erste Versteil auf den Zorn aus Vers 3 bezogen, was sofort erklärt, warum die kanonische Redaktion die Verse 4-9 eingeschoben hatte und so die von Tertullian angemahnte Kohärenz hergestellt hat. Im vorkanonischen Text erinnern sich jedoch die von Christus Erschaffenen einer Zeit vor dieser Rettung, als sie noch Gefangene des Zornes waren, Heiden dem Fleisch nach, von den äußerlich Beschnittenen gar „Unbeschnittene genannt“, wie Vers 11 ausführt. Auf die rettende Gestaltung durch Christus kommt die vorkanonische Version erst in Vers 13 mit dem Hinweis auf das „Jetzt“ zu sprechen. 3. (2,12) Hilgenfeld sieht den Vers durch Tertullian und Epiphanius bezeugt. Zahn bietet folgende Rekonstruktion: ὅτι ἦτε ἐν τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν καὶ τῆς ἐπαγγελίας (αὐτῶν? ), ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ. Harnack nimmt das Zeugnis des Adamantius hinzu und präzisiert: ὅτι ἦτε (Adam., Dial. ἐν) τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν (Tert. καὶ ἐπαγγ. αὐτῶν, καί auch Rufin), τῆς ἐπαγγελίας, ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ. Schmid hält sich wiederum enger an den kanonischen Text mit seiner Wiedergabe: ὅτι ἦτε τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν τῆς ἐπαγγελίας, ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ. BeDuhn legt seiner Übersetzung den folgenden griechischen Text zugrunde: ὅτι ἦτε ἐν τῷ καιρῷ ἐκείνῳ χωρὶς Χριστοῦ, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραὴλ καὶ ξένοι τῶν διαθηκῶν καὶ τῆς ἐπαγγελίας, ἐλπίδα μὴ ἔχοντες καὶ ἄθεοι ἐν τῷ κόσμῳ. Will man hier Tertullian folgen, der den besseren Text zu haben scheint, wird man wie Harnack und Beduhn den Text geben. 4. (2,13) Übereinstimmend sehen alle Editoren diesen Vers als bezeugt an. Hilgenfeld hält am kanonischen Text fest, weil „die Auslassungen Tertul‐ lians-… aus seiner freiern Anführungsweise zu erklären“ seien. 27 Zahn versieht wegen des Tertullianzeugnisses den Namen Ἰησοῦ mit einem Fragezeichen, ebenso das ποτε, und sieht am Ende mit Tertullian (was auch Adamantius und Ephräm der Syrer bieten) anstelle von Χριστοῦ ein αὐτοῦ. 424 Rekonstruktion <?page no="425"?> 28 Ibid. 29 Vgl. J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 311; J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 120-121; U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 112. 30 T. Flemming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief (2022), 221. 31 Ibid.; B.D. Ehrman, The orthodox corruption of Scripture the effect of early Christolo‐ gical controversies on the text of the New Testament (2011), 276-277. Harnack misstraut dem ποτέ nicht, schließt sich aber ansonsten Zahn an. So urteilt auch Schmid. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: νυνὶ δὲ ἐν Χριστῷ ὑμεῖς οἵ [ποτε] ὄντες μακρὰν ἐγενήθητε ἐγγὺς ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ. 5. (2,14) Wiederum stimmen die Editoren überein, dass der Vers bezeugt ist. Hilgenfeld weist auf Tertullians Bemerkung zur Textabweichung hin: soluto medio pariete inimicitiae, in carne sua. Sed Marcion abstulit Sua und fügt hinzu: „So war hier also von einer σάρξ Christi nicht mehr die Rede“. 28 Zahn sieht das erste καί und den Begriff τοῦ φραγμοῦ fehlen, den Genitiv τῆς ἔχθρας setzt er mit Fragezeichen und markiert das αὐτοῦ am Ende als abwesend. Harnack sieht folgenden Text bezeugt: αὐτὸς γάρ ἐστιν ἡ εἰρήνη, ἡμῶν, ὁ ποιήσας τὰ ἀμφότερα ἓν καὶ τὸ μεσότοιχον τῆς ἔχθρας ἐν λύσας. Schmid rekonstruiert: αὐτὸς γάρ ἐστιν ἡ εἰρήνη ἡμῶν, ὁ ποιήσας τὰ ἀμφότερα ἓν λύσας τὸ μεσότοιχον τῆς ἔχθρας ἐν τῇ σαρκί, wobei auch er ausdrücklich das αὐτοῦ am Ende fehlen sieht. BeDuhn vermerkt ebenfalls die Abwesenheit dieses αὐτοῦ, auf welches Tertullian ausdrücklich aufmerksam macht (Marcion abstulit Sua). Während Clabeaux meinte, es fehle auch bei Ambrosius, Hieronymus und Quodvultdeus, zeigt Schmid, woran BeDuhn erinnert, dass dem nicht so ist. 29 Kürzlich hat Flemming hinzugefügt, dass das αὐτοῦ keine Auslassung Markions sei, sondern vielmehr der redaktionellen Tendenz der kanonischen Redaktion entspreche, die Leiblichkeit Christi herauszustellen. 30 Damit widerspricht er Ehrmann, der diese Variante als Resultat „einer individuellen Textänderung eines einzelnen Schreibers“ angesehen hatte. 31 BeDuhn verweist auch darauf, dass Tertullian in diesem Vers zwei Elemente mit Ephräm, dem Syrer, gemeinsam hat, zum einen ἔχθρας im Genitiv und die Auslassung von τοῦ φραγμοῦ. Man wird also diese beiden Änderungen übernehmen. 6. (2,15-16) Erneut stimmen die Editoren mit der Bezeugung dieser beiden Verse überein. 7 (Laod = Eph) 425 <?page no="426"?> 32 M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 109. 33 Ibid. 34 Vgl. zum Thema Markion, Paulus und Gesetz, ibid. 110; M. Klinghardt, „Gesetz“ bei Markion und Lukas (2006); W. Löhr, Die Auslegung des Gesetzes bei Markion, den Gnostikern und Manichäern (1996). Und zu Paulus und Gesetz vgl. etwa E.P. Sanders, Paul, the law, and the Jewish people (1983); E.P. Sanders, God gave the law to condemn providence in Paul and Josephus (2007); E.P. Sanders and P. Richardson, Paul on the Law, his opponents, and the Jewish people in Philippians 3 and 2 Corinthians 11 (1986); H. Hübner, Das Gesetz bei Paulus. Ein Beitrag zum Werden der paulinischen Theologie (1991); J. Lambrecht, Gesetzesverständnis bei Paulus (1986); H. Räisänen, Paul and the Law (1983); P. Frederiksen, Paul: The Pagans’ Apostle (2017), 108-130; K. O. Sandnes, Paul Perceived: An Interactionist Perspective on Paul and the Law (2018); K. O. Sandnes, Reverse of the Curse: Paul, Wisdom, and the Law (2000), 212-223. Zahn sieht folgenden Text bezeugt, zunächst den kanonischen von Vers 15 bis auf die Änderung von ἐν αὐτῷ zu ἐν ἑαυτῷ. Für Vers 16 stellt er die Satzstruktur um: καὶ ἀποκαταλλάξῃ τοὺς ἀμφοτέρους τῷ θεῷ ἐν ἑνὶ σώματι, ἀποκτείνας τὴν ἔχθραν ἐν αὐτῷ διὰ τοῦ σταυροῦ. Harnack übernimmt die Vorschläge Zahns bis auf das Ausscheiden des ἐν vor δόγμασιν. Schmid, der sonst Satzstrukturumstellungen, die durch Tertullian nahege‐ legt werden, ablehnt, folgt jedoch in diesem Fall ebenfalls weithin Zahn und Harnack und gibt als bezeugten Text: 15 τὸν νόμον τῶν ἐντολῶν (ἐν) δόγμασιν καταργήσας, ἵνα τοὺς δύο κτίσῃ ἐν ἑαυτῷ εἰς ἕνα καινὸν ἄνθρωπον ποιῶν εἰρήνην 16 (καὶ) ἀποκαταλλάξῃ τοὺς ἀμφοτέρους τῷ θεῷ ἐν ἑνὶ σώματι διὰ τοῦ σταυροῦ, ἀποκτείνας τὴν ἔχθραν ἐν αὐτῷ. BeDuhn legt seiner Übersetzung den Text Harnacks zugrunde. Nun kann natürlich sententiis sowohl instrumental gelesen werden, wie Harnack und BeDuhn es tun, oder aber auch im Sinne eines gewöhnlichen Dativs, wie Zahn es versteht. Der instrumentalen Lesart schließt sich an M. D. Litwa an. 32 Doch waren es nicht nur „Markions Feinde“, 33 die darauf pochten, das Gesetz sei „heilig, gerecht und gut“, diese Worte standen im vorkanonischen *Paulus (*Röm 7,12). Gewiss heißt es an anderen vorkanonischen Stellen, das Gesetz habe die Übertretung mächtiger gemacht, allerdings dadurch auch die Gnade übergroß (*Röm 5,20), es sei ein Gesetz des „tötenden Buchstaben“ (*2Kor 3,6-7), der „Sklaverei“ und „Knechtschaft“ (*Gal 4,5; 5,1) und des „Fluches“ (*Gal 3,10), doch dem allem schließt sich die kanonische Redaktion an und kritisiert darüber hinaus das Gesetz als „Gesetz der Sünde“ (Röm 7,25; 8,2), als „Gefangenschaft“ (Röm 7,6; Gal 3,22), und behauptet, es führe zu „Zorn“ (Röm 4,15). 34 7. Auch wenn die früheren Editoren der Meinung waren, Tertullian bezeuge das τοῦ φραγμοῦ nicht, so ist es doch möglich, dass seine Umschreibung 426 Rekonstruktion <?page no="427"?> der nicht einfach aufzulösenden, grammatisch schwierigen Konstruktion mit dreifachem Genitiv (τὸ μεσότοιχον τοῦ φραγμοῦ λύσας τὴς ἔχθρας) zu dem gedrängteren Ausdruck soluto medio pariete inimicitiae geführt hat, bildet doch auch das Griechische τὸ μεσότοιχον τοῦ φραγμοῦ eine Verdopplung der Aus‐ sage, die etwa auch in modernen Übersetzungen geglättet (Einheitsübersetzung: „riss die trennende Wand … nieder“) oder aufgelöst wird (neue Lutherüberset‐ zung: „den Zaun abgebrochen, der dazwischen war“); der Begriff könnte also auch in *Laod 2,14 gestanden sein. 8. (2,15) Dass der vorliegende Vers bereits früh Probleme bereitete, zeigt die Variante in den Zeugen, in denen ἐν δόγμασιν fehlt. Die Logik des Verses ist jedoch besser bewahrt durch den Dativ, da im voranstehenden und nachfol‐ genden Teil des Verses ja gerade von dem Frieden gesprochen wird und davon, dass Gott in sich beide vereint hat, die δόγματα also nicht im ablativischen Sinne von Mitteln verstanden werden sollen, mithilfe derer das Gesetz der Gebote aufgehoben, zerstört oder abgeschafft werden sollte. Vielmehr sollten durch diese δόγματα hindurch das Alte im Neuen geeint bleiben. In dieser Hinsicht hat die kanonische Version mit dem ἐν die Verbindung verdeutlicht. Doch schon die vorkanonische Stelle spricht dafür, dass in ihr keine Antithese, sondern eher eine dazu komplementäre Vorstellung der Beziehung von Juden und Christen vorliegt. Es ist ein weiterer Hinweis, dass die Vorlage für *Laod aus dem kanonischen Milieu stammt. Zugleich zeigen die Unterschiede zwischen beiden Versionen dennoch Elemente, in der die theologischen Vorstellungen beider Versionen auseinandergehen. Tertullian und später Epiphanius lesen diese Stelle radikalisiert (allerdings gegen das, was in *Laod 2,14. 16 steht! ), Tert., Adv. Marc. IV 36,11: Quid vis caecum credidisse? Ab illo deo descendisse Iesum ad deiectionem creatoris, ad destructionem legis et prophetarum? non illum esse qui ex radice Iesse et ex fructu lumborum David destinabatur, caecorum quoque remunerator? Sed nondum, puto, eiusmodi tunc caeci erant qualis Marcion, ut haec fuerit caeci illius fides qua crediderit in voce, Iesu fili David; Epiph., Pan. 42: Χριστὸν δὲ λέγει ἄνωθεν ἀπὸ τοῦ ἀοράτου καὶ ἀκατονομάστου πατρὸς καταβεβηκέναι ἐπὶ σωτηρίᾳ τῶν ψυχῶν καὶ ἐπὶ ἐλέγχῳ τοῦ θεοῦ τῶν Ἰουδαίων καὶ νόμου καὶ προφητῶν καὶ τῶν τοιούτων. Auch heute wird die Stelle bisweilen radikalisiert verstanden, doch erfolgt eine solche Lektüre durch die retrospektive Interpretation der Stelle aus dem Blickwinkel der kanonischen Redaktion und der Häresiologen. Zu *Laod 2,15 etwa heißt es bei Litwa: „Juden und Christen zu einen, war nicht die vorherr‐ schende Intention Markions“, während „seine Ziele besser an Kol 2,14 ablesbar 7 (Laod = Eph) 427 <?page no="428"?> 35 M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 114-119, 119. seien“. 35 Doch Kol 2,14 gehört eben nicht zu *Paulus, sondern bietet die kanoni‐ sche Vorstellung. Auch Markions Evangelium ist mit der nichthäresiologischen Deutung kohärent, wenn es in *Ev 23,2 heißt, dass es die Kritiker Jesu sind, die ihm vorwerfen, er sei „gekommen, das Gesetz und die Propheten zu zerstören“. Es gab offensichtlich noch eine antithetische Mittelposition, die vorkanonisch vertreten war, wonach das Gesetz und die Propheten keine Geltung, Notwen‐ digkeit und keinen Heilswert mehr besaßen, aber darum nicht aufhörten zu existierten. Auch in *Ev 5,36-38 geht es nicht darum, die alten Schläuche zu zerreißen oder das alte Kleidungsstück oder gar das Ganze zu zerstören, sondern darum, dass „beide erhalten“ bleiben, der neue Wein und die neuen Schläuche, aber auch das ganze Kleidungsstück, und dass das Neue „für das Alte einen Nutzen“ hat, eine Nuance, die leider in der Markionlektüre der Häresiologen untergegangen ist. 9. (2,17-20) Übereinstimmend sehen die Editoren diese Verse als bezeugt. Hilgenfeld verweist auf Tertullians Bemerkung zum Fehlen von καὶ προφητῶν in Vers 20. Mit Verweis auf Tertullian und Adamantius sieht Zahn in Vers 17 das zweite εἰρήνην abwesend, während er Vers 18 nach dem kanonischen Wortlaut nimmt. In Vers 19 schlägt er aufgrund von Tertullian folgende Rekonstruktion vor: Ἄρα οὖν οὐκέτι ἐστὲ ξένοι καὶ πάροικοι ἀλλὰ συμπολῖται τῶν ἁγίων, ἀλλὰ οἰκεῖοι τοῦ θεοῦ. In Vers 20 sieht er wegen der Angabe Tertullians (Abstulit haereticus, Et prophetarum-…) das καὶ προφητῶν fehlen. Harnack gibt folgende Rekonstruktion: 17 καὶ ἐλθὼν εὐηγγελίσατο εἰρήνην (ὑμῖν fehlt bei Tert. u. Dial. V, 28) τοῖς μακρὰν καὶ τοῖς ἐγγύς· 18 ὅτι δι’ αὐτοῦ ἔχομεν τὴν προσαγωγὴν οἱ ἀμφότεροι ἐν ἑνὶ πνεύματι πρὸς τὸν πατέρα. 19 … οὐκέτι ἐστὲ ξένοι καὶ πάροικοι ἀλλὰ συμπολῖται τῶν ἁγίων, ἀλλ’ οἰκεῖοι τοῦ θεοῦ, 20 ἐποικοδομηθέντες ἐπὶ τῷ θεμελίῳ τῶν ἀποστόλων, ὄντος ἀκρογωνιαίου Χριστοῦ. Schmid sieht als Text bezeugt: 17 (καὶ ἐλθὼν) εὐηγγελίσατο εἰρήνην (ὑμῖν) τοῖς μακρὰν καὶ (εἰρήνην) τοῖς ἐγγύς· 18 (ὅτι δι’ αὐτοῦ) ἔχομεν τὴν προσαγωγὴν οἱ ἀμφότεροι (ἐν ἑνὶ πνεύματι) πρὸς τὸν πατέρα. 19 (Ἄρα οὖν) οὐκέτι ἐστὲ ξένοι καὶ πάροικοι, ἀλλὰ ἐστὲ συμπολῖται τῶν ἁγίων (καὶ) οἰκεῖοι τοῦ θεοῦ, 20 ἐποικοδομηθέντες ἐπὶ τῷ θεμελίῳ τῶν ἀποστόλων [καὶ προφητῶν], ὄντος ἀκρογωνιαίου αὐτοῦ Χριστοῦ (Ἰησοῦ). BeDuhn verweist darauf, dass Tertullian das καὶ ἐλθών am Anfang von Vers 17 nicht bezeugt, während es in Adamantius zu finden sei. In Vers 18 lasse 428 Rekonstruktion <?page no="429"?> 36 J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 1-3, 111, 121. 37 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 112. Tertullian sowohl das δι’ αὐτοῦ wie ἐν ἑνὶ πνεύματι aus, während Adamantius beides böte. Was die Nichtnennung des Heiligen Geistes betrifft, wäre es sehr verwunder‐ lich, wenn Tertullian, der so großes Gewicht auf den Geist legt, diese Erwähnung schlicht übergangen hätte, wäre sie ihm im Text vorgelegen. Die redaktionelle Hinzufügung dieses zweiten εἰρήνην arbeitet gegen die Tendenz dieses Schrift‐ verses, der gerade die intime Einheit der zunächst zwei eigenständigen Entitäten (siehe die mehrfache Betonung von οἱ ἀμφότεροι) herausstellen will. In Vers 19 entspricht dem Tertullianschen Anfang iam weder das sonst vorkanonisch unbezeugte οὐκέτι noch die kanonische Versöffnung ἄρα οὖν, sondern am ehesten schlicht ein ἄρα, zumal das οὖν in einer ganzen Reihe von Zeugen fehlt. In Vers 20 spricht Tertullian ausdrücklich von der Auslassung von καὶ προφητῶν. Während Harnack dies als markionitische Tendenztilgung sieht, versucht Clabeaux zu zeigen, dass es sich lediglich um eine Auslassung handele, die auch sonst in Zeugen begegne, außerdem sei dies ein Homoioteleuton aufgrund des voranstehenden ἀποστόλων. 36 Schmid korrigiert die patristische Zeugnisliste von Clabeaux. 37 BeDuhn fügt hinzu, dass bei derselben Kombina‐ tion von „Apostel und Propheten“ in Laod 3,5 und 4,11 die Propheten nicht fehlen, doch, wie die vorliegende Konstruktion zeigt, sind beide Verse für *Laod nicht zu reklamieren. Flemming argumentiert in eine ähnliche Richtung wie BeDuhn. Doch all diese Versuche lassen, wie in der Einleitung zu § 11 d gezeigt, die Berücksichtigung des Kontextes aus, der für Tertullians Interpretation spricht. Was die Auslassung bzw. Hinzufügung von λίθου betrifft, so ist der Liste bei Schmid das Zeugnis Tertullians hinzuzufügen (mit einschlägigen Hand‐ schriften bezeugt er diesen Terminus, der keine „sekundäre Hinzufügung“ zu sein scheint), etwa in Anpassung an 1Petr 2,6 (διότι περιέχει ἐν γραφῇ, Ἰδοὺ τίθημι ἐν Σιὼν λίθον ἀκρογωνιαῖον ἐκλεκτὸν ἔντιμον, καὶ ὁ πιστεύων ἐπ’ αὐτῷ οὐ μὴ καταισχυνθῇ), wo zur Stütze ausdrücklich auf die Schrift verwiesen wird ( Jes 28,6 LXX: διὰ τοῦτο οὕτως λέγει κύριος ἰδοὺ ἐγὼ ἐμβαλῶ εἰς τὰ θεμέλια Σιων λίθον πολυτελῆ ἐκλεκτὸν ἀκρογωνιαῖον ἔντιμον εἰς τὰ θεμέλια αὐτῆς καὶ ὁ πιστεύων ἐπ᾽ αὐτῷ οὐ μὴ καταισχυνθῇ). 10. (2,21-22) Was die Bezeugung dieser beiden Verse betrifft, gehen die Meinungen der Editoren auseinander. Hilgenfeld sieht den Vers durch Tertullian 7 (Laod = Eph) 429 <?page no="430"?> bezeugt. Zahn verweist zu Recht auf die Rede Tertullians von dem „Gebäude“ (aedificatio = οἰκοδομή), das nur in Vers 21 begegnet, folglich ein Hinweis für die Präsenz dieses Verses bildet, dessen Gestalt er für die kanonische hält. Harnack, Schmid und BeDuhn allerdings übergehen diesen Hinweis und halten beide Verse für unbezeugt. D. (2,10) Zum bezeugten Versteil: Die Kombination αὐτοῦ (γάρ) ἐσμεν steht nur hier im NT: ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Die Kombination γάρ ἐσμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ ποίημα, das nur noch 1 weiteres Mal im NT steht, findet sich auf der kanonischen Ebene in Röm 1,20. ♦ κτίζω, das sich 15 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,10. 15; 3,9. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die kürzere Wendung ἐν Χριστῷ begegnet nicht in *Ev, ist allerdings encheiristisch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13, vgl. zur encheiristischen Semantik zuvor zu 1Kor 1,4. Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination von ἔργον + ἀγαθός findet sich 12 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 9,36; Röm 2,7; 2Kor 9,8; Eph 2,10; Phil 1,6; Kol 1,10; 1Tim 2,10; 5,10; 2Tim 2,21; 3,17; Tit 1,16; 3,1), erweist sich also deutlich als kanonischer Ausdruck. ♦ προετοιμάζω steht nur noch 1 weiteres Mal in Röm 9,23 auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Zur Rekonstruktion: Deutlich erweist sich der unbezeugte Versteil mit aus‐ schließlich kanonisch belegten Elementen (ἔργον + ἀγαθός; προετοιμάζω; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ) als Produkt der kanonischen Redaktion. Doch auch hier ist von Interesse, dass περιπατέω vorkanonisch in *Laod bezeugt ist, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweist. Im ersten, bezeugten Versteil fällt wiederum auf, dass Elemente ausschließlich hier bzw. in *Laod bezeugt sind (αὐτοῦ ἐσμεν; ποίημα; κτίζω). Wie die nur kanonisch bezeugte Wendung γάρ ἐσμεν belegt, hat Tertullian das γάρ nicht überlesen, sondern dies stand nicht im vorkanonischen Text. Gleichermaßen zeigt die nur kanonisch begegnende Wendung ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, dass Tertullian wiederum mit der Wiedergabe des auch sonst vorkanonisch belegten ἐν Χριστῷ nicht Ἰησοῦ überlesen hat, sondern der Name „Jesus“ vorkanonisch an dieser Stelle nicht stand. 430 Rekonstruktion <?page no="431"?> (2,11) διό steht 53 Mal im NT, davon 42 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *2Kor 4,16; im Vers für *2Kor 1,20; 4,13; *Laod 5,14, vgl. zu Gal 4,31. ♦ μνημονεύω, das 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 17,22; *Gal 2,10. ♦ ποτέ, das 31 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,41; *Laod 2,13; *Kol 1,21. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ Zu σάρξ vgl. zuvor zu Vers 3 und weiter zu Vers 15. ♦ Die Verbform λεγόμενοι steht 2 Mal im NT, wieder vorkanonisch bezeugt in *1Kor 8,5. ♦ ἀκροβυστία, das 22 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 2,25. 27. ♦ Die Verbform λεγομένης steht 2 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29. ♦ χειροποίητος, das 6 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Auch wenn am Versanfang διό aufgrund der vorkanoni‐ schen Lexik gestanden haben könnte, sprechen doch die Zeugen gegen diese Konjunktion. Hingegen scheint aufgrund der Bezeugungen das von Epiphanius gegebene μνημονεύοντες gestanden zu sein, dass sich auch in einigen Zeugen findet. Ansonsten ist der bezeugte Text auch lexikalisch weithin vorkanonisch bestätigt, allerdings fallen erneut Elemente auf, die nur hier Bezeugung finden (λεγομένης; χειροποίητος), was auf die Nähe der Sprache dieses *Deuteropau‐ linums zur kanonischen spricht. (2,12) Die Kombination ὅτι ἦτε steht 2 Mal im NT (Röm 6,17; Eph 2,12), nur hier als Verseröffnung und zugleich vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 5,7. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ ἐκεῖνος, das 265 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 10,11. ♦ ἀπαλλοτριόω steht nur noch 2 weitere Male, 1 Mal wieder vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,21, 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Eph 4,18). ♦ πολιτεία steht nur 1 weiteres Mal, und zwar auf der kanonischen Ebene (Apg 22,28). ♦ Ἰσραήλ, das sich 74 / 68 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1. ♦ ξένος, das 15 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,19, vgl. weiter unten zu Vers 19. ♦ διαθήκη, das 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,24; *2Kor 3,3. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13. ♦ ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 12,12; *Kol 1,5. ♦ ἄθεος ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und des Epiphanius, der von der Lexik ein Stück weit gestützt wird, auch wenn wieder Elemente auffallen, die nur hier bzw. in *Laod vorkanonisch bezeugt sind (ὅτι ἦτε; 7 (Laod = Eph) 431 <?page no="432"?> πολιτεία; ξένος), oder wieder in *Kol (ἀπαλλοτριόω). Erneut wird die Nähe von *Laod und *Kol zur Sprache der kanonischen Redaktion deutlich. (2,13) Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt nur für diese Stelle hier, vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ νυνί, das 24 / 20 Mal im NT steht, und zwar nur Apg und in Briefliteratur, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 3,21. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die kürzere Wendung ἐν Χριστῷ begegnet nicht in *Ev, ist allerdings encheiristisch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13, vgl. zur encheiristischen Semantik zuvor zu 1Kor 1,4. ♦ ποτέ, das 31 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,41; *Laod 2,13; *Kol 1,21. ♦ μακράν steht 12 / 10 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,17. ♦ Das verwandte und nicht immer zu unterscheidende μακρός steht 15 / 5 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,17. ♦ Die Verbform ὄντες, die 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 5,4; *Röm 8,5. ♦ ἐγγύς, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Laod 2,17. ♦ αἷμα, das 102 / 97 Mal im NT zu finden ist, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Der Text berücksichtigt das Zeugnis Tertullians (ἐν Χριστῷ), aber auch des Epiphanius (ποτε), wofür die Lexik spricht. Auch bei diesem Vers fallen wieder Elemente auf, die nur durch *Laod weiter vor‐ kanonisch bezeugt sind (νυνὶ δέ; μακράν/ μακρός), oder auch durch *Ev und *Laod (ἐγγύς; αἷμα). Wieder fällt auch das neben *Ev nur für *Laod und *Kol vorkanonisch bezeugte ποτέ auf. Erneut scheint die Nähe zwischen *Laod, *Kol und der kanonischen Sprache durch. (2,14) Die Kombination αὐτὸς γάρ steht 10 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch nur hier belegt, stand jedoch wohl auch in 2Kor 11,14, vgl. zu diesem Vers. ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,15. 17; 6,15. ♦ ἀμφότερος steht 15 Mal im NT und ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,38, *Laod 2,16. 18. ♦ μεσότοιχον ist Hapax legomenon im NT. ♦ φραγμός steht 4 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,23. ♦ λύω, das 48 Mal im NT, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 13,15. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ Die Wendung ἐν τῇ σαρκί steht 7 Mal im NT (Röm 7,5. 18; 8,3; Gal 4,14; Eph 2,14; Phil 1,24; Kol 1,24), vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,18; *Laod 2,14; *Kol 1,24. 432 Rekonstruktion <?page no="433"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, folglich wird gegenüber dem kanonischen Text τοῦ φραγμοῦ und αὐτοῦ gefehlt haben, auch wenn man τοῦ φραγμοῦ, wie oben in C. diskutiert, durchaus auch in den vorkanonischen Text nehmen könnte. Auch bei diesem Vers fallen wieder Elemente auf, die nur in *Laod (αὐτὸς γάρ) oder *Ev und *Laod (ἀμφότερος; λύω) bezeugt sind. (2,15) νόμος, das 204 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; 3,10-11; 4,5; 5,3. 14; 6,2. 13; *1Kor 9,8; 14,21. 34; *Röm 2,12. 13. 14. 20. 25; 3,21; 5,20; 7,4. 7. 12. 14. 23; 8,4; 10,4; 13,8. ♦ ἐντολή, das 76 / 67 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 18,20; *Röm 7,11. 12. ♦ δόγμα steht 5 Mal im NT, nur an der vorliegenden Stelle vorkanonisch bezeugt. Es ist deshalb mühsam, etwa aus der Parallele zu Kol 2,14 den Sinn des Begriffes für die vorkanonische Version zu erschließen. ♦ καταργέω, das 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 1,28; 2,6. ♦ δύο, das 147 / 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 4,22. 24; *1Kor 6,16; *Laod 5,31. ♦ κτίζω, das sich 15 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,10; 3,9. ♦ καινός, das 47 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 5,38; *2Kor 3,3; 5,17. ♦ Die alternative Lesart κοινός, die 23 / 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vornehmlich in der Apostelgeschichte. ♦ ποῖος, das 63 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das weithin von der Lexik bestätigt wird, auch wenn wieder auffällt, dass zwei Elemente nur durch *Laod vorkanonisch bezeugt werden (δόγμα; κτίζω), was wieder auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (2,16) ἀποκαταλλάσσω ist ein weiterer Terminus, der den besonderen Charakter von *Laod erhellt, weil er erneut nur hier und gleich wieder in *Kol 1,20. 22 vorkanonisch bezeugt ist und nur noch 1 weiteres Mal in Kol 1,21 überhaupt im NT begegnet. ♦ Diese Beobachtung wird gestützt durch ἀμφότερος, das 15 Mal im NT steht und nur für *Ev und *Laod vorkanonisch bezeugt ist, vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 1,18; Phil 2,8; *Kol 1,20. ♦ ἀποκτείνω, das sich 87 Mal im NT findet, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Thess 2,15. ♦ ἔχθρα, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,20 und *Laod 2,15. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians bis auf die Wort‐ umstellung, die oft auf Tertullians eigene Zitiergewohnheit zurückzuführen ist. Die Lexik stützt den Text, auch wenn erneut Elemente auffallen, die nur durch *Laod, *Kol und *Ev vorkanonisch bezeugt sind (ἀποκαταλλάσσω; ἀμφότερος). 7 (Laod = Eph) 433 <?page no="434"?> (2,17) εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1. ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15; 6,15. ♦ μακράν steht 12 / 10 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,17. Das verwandte und nicht immer zu unterscheidende μακρός steht 15 / 5 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,17. ♦ ἐγγύς, das 32/ 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Laod 2,13, vgl. ebenfalls weiter oben zu Vers 13. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik gestützt wird. Auch hier fallen mit μακράν/ μακρός; ἐγγύς Elemente auf, die nur durch *Laod vorkanonisch bezeugt sind und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweisen. (2,18) Die Kombination ὅτι + διά (Präp. Gen.) findet sich 5 Mal im NT (3 Mal Apg; Eph 2,18; Phlm 1,22), nur hier als Verseröffnung. ♦ προσαγωγή steht 3 Mal im NT und ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ἀμφότερος steht 15 Mal im NT und ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,38, *Laod 2,14. 16. ♦ Die hier unbezeugte Wendung ἐν ἑνὶ πνεύματι findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,13. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Wendung πρὸς τὸν πατέρα steht 16 Mal im NT (Lk 15,18. 20, in Versen, die in *Ev fehlen; 9 Mal Joh; Eph 2,18; 3,14; 1Koh 1,2; 2,1), vorkanonisch bezeugt nur hier. Zur Rekonstruktion: Wie in den Versen zuvor folgt auch hier der Text dem Zeugnis Tertullians, und wiederum fällt trotz der Kürze des Verses auf, dass Elemente nur durch *Laod (προσαγωγή; πρὸς τὸν πατέρα) oder auch *Ev (ἀμφότερος) vorkanonisch bezeugt sind, was die Nähe von *Laod zur kanoni‐ schen Sprache stärkt. Der unbezeugte Versanfang und die hier unbezeugte Wendung ἐν ἑνὶ πνεύματι gehen auf die kanonische Redaktion zurück und haben im vorkanonischen Text gefehlt. (2,19) Die Kombination ἄρα οὖν steht 12 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 3,41. ♦ ἄρα steht 52 / 49 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,20; *Gal 4,31; 6,10; *1Kor 15,14. ♦ Zur vorkanonisch bezeugten Verbform ἐστε vgl. zuvor zu den Versen 5. 8. ♦ ξένος, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,12, vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ πάροικος steht 4 Mal im NT, nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ Das zugehörige Verb παροικέω steht zwei Mal im NT, jeweils auf kanonischer Ebene (Lk 24,18; Hebr 11,9). Auch das Nomen παροικία steht 2 Mal, ebenfalls jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 13,17; 1Petr 1,17). ♦ συμπολίτης ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἅγιος 434 Rekonstruktion <?page no="435"?> als Kennzeichnung von Menschen ist fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt, allerdings auch in *Ev und hier. ♦ οἰκεῖος, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt allein für unsere Stelle hier bezeugt. Zur Rekonstruktion: Die Beobachtungen wiederholen sich. Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wobei erneut einige Elemente nur durch *Laod vorkano‐ nisch bezeugt sind (ξένος; πάροικος; συμπολίτης; οἰκεῖος), was wiederum auf die Nähe von *Laod zur kanonischen Sprache hinweist. (2,20) ἐποικοδομέω, das 9 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 3,12. ♦ θεμέλιος, das 16 / 15 Mal im NT steht, ist an derselben Stelle, *1Kor 3,12, weiter vorkanonisch bezeugt. Dass beide Stellen in einer Beziehung zueinanderstehen, lässt sich kaum ausschließen. ♦ ἀπόστολος, das 83 / 80 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 17. ♦ Das vorkanonisch fehlende προφήτης steht 157 / 144 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32; *1Thess 2,15. ♦ Die Verbform ὄντος, die 15 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,20. ♦ ἀκρογωνιαῖος, das 2 Mal im NT zu finden ist, steht nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Auch in diesem Vers folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, und es begegnen wieder Elemente, die nur in *Laod vorkanonisch bezeugt sind (ὄντος; ἀκρογωνιαῖος), ein weiterer Hinweis für die Nähe von *Laod zur kanonischen Sprache. Enge Bezüge bestehen zwischen *Laod 2,20 und *1Kor 3,12. (2,21) Die Kombination ἐν ᾧ (Rel. Pr. Dat. Mask. Sg.) steht 26 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, und zwar als solche ausschließlich in Apg, Eph, Kol und 1Petr (Verseröffnung: Apg 7,20; Eph 1,7. 11. 13; 2,21. 22; 3,12; Kol 1,14; 2,3. 11; 1Petr 1,6; im Vers: 2 Mal Mt; Mk 2,19; Lk 5,34; 19,13; 2 Mal Joh; Apg 4,31; 17,23; 19,16; Röm 7,6; Eph 5,18; 6,16; Kol 2,12), vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,7 (als Verseröffnung). 13 (2 x, als Verseröffnung und im Vers). ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ οἰκοδομή, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ συναρμολογέω steht nur hier und noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene (Eph 2,21; 4,16). Für den nicht mehr bezeugten Versteil: αὐξάνω, das 27 / 23 Mal im NT steht, begegnet ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ναός, das 49 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,17; 6,13; *2Thess 2,4. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zur Rekonstruktion: Auch wenn der Vers von Tertullian nur angedeutet ist, könnte aufgrund der Lexik der Versanfang vorkanonisch vorhanden gewesen 7 (Laod = Eph) 435 <?page no="436"?> sein, so vielleicht auch das συναρμολογέω. Der Rest des Verses wird wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben, worauf αὐξάνω und die Wendung ἐν κυρίῳ hindeuten. (2,22) Zu ἐν ᾧ als Versanfang vgl. zum voranstehenden Vers 21. ♦ συνοικοδομέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ κατοικητήριον steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Eph 2,22; Apk 18,2). ♦ ἐν πνεύματι erinnert an das nur auf der kanonischen Ebene stehende ἐν ἑνὶ πνεύματι zuvor in Vers 18. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers scheint gemäß der Lexik und dem inhaltlichen Verweis auf den Geist (man vgl. zu Vers 18) ein Produkt der kanonischen Redaktion zu sein und vorkanonisch gefehlt zu haben. Kapitel 3 3,[1-2] 3 [4-7]: Die Offenbarung des Paulus Bis auf *Laod 3,3 sind die Verse dieses Abschnittes vorkanonisch unbezeugt und gehen, wie bereits die biographisierende Rhetorik zeigt, auf die kanonische Redaktion zurück. Sie scheinen aus den vorkanonisch bezeugten Versen dieses Kapitels 3,8-10 heraus gesponnen worden zu sein. ----3 κατὰ ἀποκάλυψιν ἐγνωρίσθη μοι τὸ μυστήριον 3,1 Τούτου χάριν ἐγὼ Παῦλος ὁ δέσμιος τοῦ Χριστοῦ [Ἰησοῦ] ὑπὲρ ὑμῶν τῶν ἐθνῶν 2 - εἴ γε ἠκούσατε τὴν οἰκονομίαν τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ τῆς δοθείσης μοι εἰς ὑμᾶς, 3 [ὅτι] κατὰ ἀποκάλυψιν ἐγνωρίσθη μοι τὸ μυστήριον, καθὼς προέγραψα ἐν ὀλίγῳ, 4 πρὸς ὃ δύνασθε ἀναγινώσκοντες νοῆσαι τὴν σύνεσίν μου ἐν τῷ μυστηρίῳ τοῦ Χριστοῦ, 5 ὃ ἑτέραις γενεαῖς οὐκ ἐγνωρίσθη τοῖς υἱοῖς τῶν ἀνθρώπων ὡς νῦν ἀπεκαλύφθη τοῖς ἁγίοις ἀποστόλοις αὐτοῦ καὶ προφήταις ἐν πνεύματι, 6 εἶναι τὰ ἔθνη συγκληρονόμα καὶ σύσσωμα καὶ συμμέτοχα τῆς ἐπαγγελίας ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ διὰ τοῦ εὐαγγελίου, 7 οὗ ἐγενήθην διάκονος κατὰ τὴν δωρεὰν τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ τῆς δοθείσης μοι κατὰ τὴν ἐνέργειαν τῆς δυνάμεως αὐτοῦ. A. 3,1-7: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,1: De manibus haeretici praecidentis non miror si syllabas subtrahit, cum paginas totas plerumque subducit. ♦ *3,3: Iren., 436 Rekonstruktion <?page no="437"?> 38 Für die ältere Version gehalten von G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 62. 39 A.J. Dickinson, The Literary Sources and Historical Implications of Ephesians (1914), 256-257. 40 HCSB, NRSV, Phillips, vgl. hierzu (mit weiterer Lit. zur Stelle) G.C. Leonard, Paul and the Revealed Mystery, Ephesians 3: 1-13 (2015), 39. Adv. haer. III 13,1: Eos autem qui dicunt solum Paulum veritatem cognovisse, cui per revelationem manifestatum est mysterium. B. (3,5) ἀποστόλοις om 03, b, Ambst. 38 C. 1. (3,1-7) Nach Übereinstimmung aller Editoren sind die Verse 1-7 unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. Allerdings wurde die in A. zitierte Angabe Tertullians bislang über‐ sehen, in welcher der Kommentator zu Beginn seiner Ausführungen zu Kapitel 3 vermerkt, dass er wohl mehr als eine Seite gegenüber seinem kanonischen Vergleichstext vermisste. Wir haben also einen deutlichen Hinweis darauf, dass in Markions Ausgabe die Verse 2,22-3,7 nicht vorhanden waren. 2. (3,3) Irenäus bezeugt diesen Vers als präkanonisch vorhanden und bestätigt damit auch, dass in *Gal 1: 12 διʼ ἀποκαλύψεως vorhanden war. Der Vers hier schließt unmittelbar an den nächst bezeugten Vers *Laod 3,8 an. Da sowohl γνωρίζω wie μυστήριον aus diesem Vers hier wieder in *Gal 1,11-12 begegnen, scheint der Rückverweis von dieser Stelle hier in Vers 3 (καθὼς προέγραψα ἐν ὀλίγῳ) auch auf die vorkanonisch stehende Stelle des Galaterbriefs zu gehen, scheint aber wegen der mangelnden Bezeugung erst kanonisch eingetragen worden zu sein. Grundsätzlich könnte wegen des Verweises auf die Apokalypse 2Kor 12 dieser Vers als (weitere) Bezugsstelle gelten, für letztere etwa plädiert A.J. Dickinson. 39 Dickinson rechnet allerdings mit zwei verschiedenen Briefen, wobei der zweite Brief mit Kapitel 3 beginne. Einige moderne Übersetzungen verstehen den Rückverweis als briefinterne Referenz. 40 D. (3,1) τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 5,31; 6,12. ♦ χάριν im Sinne von „dank …“, findet sich 7 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination τούτου χάριν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, jeweils als Verseröffnung (Eph 3,1. 14; Tit 1,5). ♦ Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die kürzere Wendung ἐγὼ Παῦλος steht 5 Mal im 7 (Laod = Eph) 437 <?page no="438"?> NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 10,1 ♦ δέσμιος steht 17 / 16 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von χάριν; ἐγὼ Παῦλος; δέσμιος; ὑπὲρ ὑμῶν. (3,2) εἴ γε, das 5 Mal im NT begegnet, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 1Kor 5,3; Eph 3,2; 4,21; Kol 1,23; im Vers: Gal 3,4), findet sich ausschließlich in der paulinischen Briefliteratur und immer nur auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκονομία, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,10; 3,9. ♦ Die Wendung τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 20,24; Eph 3,2. 7; Hebr 12,15). ♦ Die Kombination (τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ) τῆς δοθείσης μοι findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 12,3: διὰ τῆς χάριτος τῆς δοθείσης μοι παντὶ; Eph 3,7: τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ τῆς δοθείσης μοι). ♦ εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Die Verser‐ öffnung εἴ γε; τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ; (τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ) τῆς δοθείσης μοι. Dass εἰς ὑμᾶς nur durch *Kol vorkanonisch bezeugt ist, zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache, ähnlich zeigt das vorkanonisch nur in *Laod bezeugte οἰκονομία für die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache. (3,3) ἀποκάλυψις, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,6; *2Thess 1,7. ♦ Der Ausdruck κατὰ ἀποκάλυψιν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, auch wenn er vielleicht in *Gal 2,2 stand, vgl. zu Röm 16,25. ♦ γνωρίζω, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,1; *Laod 3,10; 6,19. ♦ Die Form ἐγνωρίσθη steht nur hier und 1 weiteres Mal in Eph 3,5. ♦ Die Kombination γνωρίζω + μοι steht 1 weiteres Mal, Apg 2,28. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ προγράφω steht 5 Mal im NT und findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ὀλίγος, das 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48. ♦ Die Wendung ἐν ὀλίγῳ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; Eph 3,3). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κατὰ ἀποκάλυψιν; ἐγνωρίσθη; γνωρίζω + μοι; προγράφω; ἐν ὀλίγῳ. 438 Rekonstruktion <?page no="439"?> (3,4) Die Kombination πρὸς ὅ steht nur hier im NT. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀναγινώσκω, das sich 36 / 32 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,3. ♦ νοέω, das 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form νοῆσαι begegnet 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Apg; Eph 3,4; Apk 2,21). ♦ σύνεσις, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18. ♦ Zu μυστήριον vgl. den voranstehenden Vers. ♦ Die Kombination μυστήριον + τοῦ Χριστοῦ steht 1 weiteres Mal, Kol 4,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: νοέω; νοῆσαι; μυστήριον + τοῦ Χριστοῦ. (3,5) γενεά steht 44 / 43 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zu γνωρίζω vgl. zu Vers 3. ♦ Die Form ἐγνωρίσθη steht nur 1 weiteres Mal in Eph 3,3. ♦ Der Ausdruck τοῖς υἱοῖς τῶν ἀνθρώπων steht noch 1 weiteres Mal in Mk 3,28. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Kombination ὡς νῦν steht nur hier im NT. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. ♦ Die Form ἀπεκαλύφθη steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 12,38; 1Petr 1,12). ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen ist fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. ♦ ἀπόστολος, das 83 / 80 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 17; *Laod 2,20. ♦ Die Kombination ἅγιος + ἀπόστολος steht nur hier im NT. ♦ προφήτης, das 157 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32; *1Thess 2,15. ♦ Die Wendung ἐν πνεύματι stand zuvor im kanonischen Vers 2,2 und erinnert an das nur auf der kanonischen Ebene stehende ἐν ἑνὶ πνεύματι zuvor in Vers 2,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐγνωρίσθη; τοῖς υἱοῖς τῶν ἀνθρώπων; ἀπεκαλύφθη. (3,6) Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ Zu ἔθνος vgl. zu Vers 1. ♦ συγκληρόνομος, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σύσσωμος ist Hapax legomenon im NT. ♦ συμμέτοχος steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene (Eph 5,7). ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; 7 (Laod = Eph) 439 <?page no="440"?> *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ εὐαγγελίου steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συγκληρόνομος; συμμέτοχος; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; διὰ τοῦ εὐαγγελίου. (3,7) Die Kombination οὗ ἐγενήθην steht nur hier im NT. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ δωρεά, das 20 / 11 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zur kanonischen Wendung τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ τῆς δοθείσης μοι vgl. zuvor zu Vers 3,2. ♦ ἐνέργεια, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. 11. ♦ Die Wendung κατὰ τὴν ἐνέργειαν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 1,19; 3,7; Phil 3,21; Kol 1,29). ♦ δύναμις, das sich 128 / 119 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,18; 12,10; 15,43; *2Kor 4,7; 12,9; *Röm 1,16; *2Thess 1,7; 2,9. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: διάκονος; δωρεά; τῆς χάριτος τοῦ θεοῦ τῆς δοθείσης μοι; κατὰ τὴν ἐνέργειαν. Der lexikalische Vergleich stützt, dass die fehlende Bezeugung hier auch eine Abwesenheit der Passage vom vorkanonischen Text bedeutet und die Passage auf die kanonische Redaktion zurückgeht. 3,8-10: Die Weisheit Gottes bekannt machen Dieser Passus ist vorkanonisch gut bezeugt und von der kanonischen Redaktion übernommen worden. 3,8 Ἐμοὶ τῷ ἐλαχιστοτέρῳ πάντων ἐδόθη ἡ χάρις αὕτη, τοῖς ἔθνεσιν εὐαγγελίσασθαι τὸν ἀνεξιχνίαστον πλοῦτον τοῦ Χριστοῦ 8 Ἐμοὶ τῷ ἐλαχιστοτέρῳ πάντων ἁγίων ἐδόθη ἡ χάρις αὕτη, τοῖς ἔθνεσιν εὐαγγελίσασθαι τὸ ἀνεξιχνίαστον πλοῦτος τοῦ Χριστοῦ 9 καὶ φωτίσαι πάντας τίς ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων τῷ θεῷ τῷ τὰ πάντα κτίσαντι, 9 καὶ φωτίσαι [πάντας] τίς ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων ἐν τῷ θεῷ τῷ τὰ πάντα κτίσαντι, 10 ἵνα γνωρισθῇ ταῖς ἀρχαῖς καὶ ταῖς ἐξουσίαις ἐν τοῖς ἐπουρανίοις διὰ τῆς ἐκκλησίας ἡ πολυποίκιλος σοφία τοῦ θεοῦ· 10 ἵνα γνωρισθῇ νῦν ταῖς ἀρχαῖς καὶ ταῖς ἐξουσίαις ἐν τοῖς ἐπουρανίοις διὰ τῆς ἐκκλησίας ἡ πολυποίκιλος σοφία τοῦ θεοῦ, A. *3,8-10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,1-2: [1] De manibus haeretici praecidentis non miror si syllabas subtrahit, cum paginas totas plerumque subducit. Datam 440 Rekonstruktion <?page no="441"?> 41 Vgl. hierzu U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 112-113; J.W. Marshall, Misunderstanding the New Paul: Marcion and the Sonderzeit Paul (2012), 25. Marshall sieht in dieser Textform eine Kongenialität zu Markions Denkstruktur, während er den kanonischen Epheserbrief „vielleicht als redaktionell bearbeitet“ sieht, „weg von einer Form, die so kongenial zu markionitischem Gebrauch war“ („perhaps the canonical Ephesians was redacted away from a form that was so congenial to Marcionite usage“, eigene Übers.) (ibid.). inquit sibi apostolus gratiam novissimo omnium, illuminandi omnes quae dispen‐ satio sacramenti occulti ab aevis in deo qui omnia condidit. Rapuit haereticus In praepositionem, et ita legi facit: Occulti ab aevis deo qui omnia condidit. Sed emicat falsum. [2] Infert enim apostolus, Ut nota fiat principatibus et potestatibus in supercaelestibus per ecclesiam multifaria sapientia dei; Adam. II 20 (im Mund des Adamantius): Ἐμοί, φησί, τῷ ἐλαχιστοτέρῳ πάντων ἁγίων ἐδόθη ἡ χάρις αὕτη ἐν τοῖς ἔθνεσιν εὐαγγελίσασθαι τὸν ἀνεξιχνίαστον πλοῦτον τοῦ Χριστοῦ καὶ φωτίσαι πάντας τίς ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων ἐν τῷ θεῷ τῷ τὰ πάντα κτίσαντι. B. (3,8) Ante τοῖς add ἐν in 06, 010, 012, 018, 020, 044, 33, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 1881, M, latt, om in P 46 , 01, 02, 03, 05, 025, 81, 104, 2464, co. (3,9) πάντας om in 01*, 02, 6, 1739, 1881, Ambst, Aug, add Tertullian und Adamantius und P 46 , 01 2 , 03, 05, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 2464, M, latt, sy, co. ♦ (3,10) Post γνωρισθῇ om νῦν in Tertullian und den Zeugen lat, sy p , Or. ♦ (3,11) Post πάντων om ἁγίων in P 46 , Tert, Epistula Apostolorum 31-33. ♦ Die maskuline Akkusativform τὸν ἀνεξιχνίαστον πλοῦτον nach Adamantius, während NA 28 das Neutrum bietet. ♦ Post αἰώνων om ἐν in Tertullian, 01*, 614. 41 ♦ Post κτίσαντι add διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ in 06 2 , 018, 020, 104, 630, 1241 s , 1881, M, sy h **, διὰ Χριστοῦ Ἰησοῦ in 0278, om in P 46 , 01, 02, 03, 05, 06*, 010, 012, 025, 044, 33, 81, 365, 1175, 1505, 1739, 2464, latt, sy p , co. C. (3,8-10) Nach übereinstimmender Überzeugung aller Editoren sind diese Verse bezeugt. Hilgenfeld notiert Tertullians Bemerkung zur Textabweichung in Vers 9, die er durch den Adamantiustext bestätigt sieht: καὶ φωτίσαι πάντας τίς ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων τῷ θεῷ τῷ τὰ πάντα κτίσαντι. Zahn notiert als bezeugten Text: 8 Ἐμοὶ τῷ ἐλαχιστοτέρῳ πάντων ἁγίων ἐδόθη ἡ χάρις αὕτη ἐν τοῖς ἔθνεσιν εὐαγγελίσασθαι τὸν ἀνεξιχνίαστον πλοῦτον τοῦ Χριστοῦ 9 καὶ φωτίσαι πάντας τίς ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ 7 (Laod = Eph) 441 <?page no="442"?> 42 Vgl. J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 312; J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 121-122. Die Gegenposition, die sich auf den Text stützt und die markionitische Lesart behauptet bietet H. Detering, The Falsified Paul. Early Christianity in the Twilight (2003), 114. ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων [ἐν] τῷ θεῷ τῷ τὰ πάντα κτίσαντι, 10 ἵνα γνωρισθῇ [νῦν] ταῖς ἀρχαῖς καὶ ταῖς ἐξουσίαις ἐν τοῖς ἐπουρανίοις διὰ τῆς ἐκκλησίας ἡ πολυποίκιλος σοφία τοῦ θεοῦ. Harnack präzisiert diese Rekonstruktion: 8 Ἐμοὶ τῷ ἐλαχιστοτέρῳ (ἐλαχίστῳ? ) πάντων ἁγίων (hat vielleicht bei Tert. gefehlt) ἐδόθη ἡ χάρις αὕτη, τοῖς ἔθνεσιν εὐαγγελίσασθαι τὸν ἀνεξιχνίαστον πλοῦτον τοῦ Χριστοῦ 9 καὶ φωτίσαι πάντας τίς ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων τῷ θεῷ τῷ τὰ πάντα κτίσαντι, 10 ἵνα γνωρισθῇ ταῖς ἀρχαῖς καὶ ταῖς ἐξουσίαις ἐν τοῖς ἐπουρανίοις διὰ τῆς ἐκκλησίας ἡ πολυποίκιλος σοφία τοῦ θεοῦ. Schmid gibt: 8 Ἐμοὶ τῷ ἐλαχιστοτέρῳ πάντων (ἁγίων) ἐδόθη ἡ χάρις … 9 (καὶ) φωτίσαι πάντας τίς ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων [ἐν] τῷ θεῷ τῷ τὰ πάντα κτίσαντι, 10 ἵνα γνωρισθῇ ταῖς ἀρχαῖς καὶ ταῖς ἐξουσίαις ἐν τοῖς ἐπουρανίοις διὰ τῆς ἐκκλησίας ἡ πολυποίκιλος σοφία τοῦ θεοῦ. BeDuhn verweist darauf, dass Admantius allein Vers 8b bezeugt, dort aber wie Ephräm, der Syrer, ἐν τοῖς ἔθνεσιν liest, was Zahn übernommen hat. In Vers 9 sieht er Tertullian und Adamantius darin übereinstimmen, dass sie φωτίσαι πάντας τίς haben. Insbesondere stellt er Tertullians Argument für die Eliminierung der Präposition ἐν heraus, verweist aber darauf, dass dieses ἐν auch in einer Reihe anderer Zeugen fehlt, vor allem, dass man den Text ohne diese Präposition nicht unbedingt im Sinne Markions lesen müsse, worauf bereits Clabeaux verwiesen hatte. 42 Clabeaux meinte, auch dieser Wegfall hier könne durch Homöoteleuton erklärbar zu sein (voranstehendes αἰώνων), vor allem habe ja auch Adamantius dieses ἐν. BeDuhn legt schließlich seiner Überset‐ zung folgenden griechischen Text zugrunde: 8 Ἐμοὶ τῷ ἐλαχιστοτέρῳ πάντων ἁγίων ἐδόθη ἡ χάρις αὕτη, ἐν τοῖς ἔθνεσιν εὐαγγελίσασθαι τὸν ἀνεξιχνίαστον πλοῦτον τοῦ Χριστοῦ 9 καὶ φωτίσαι πάντας τίς ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων τῷ θεῷ τῷ τὰ πάντα κτίσαντι, 10 ἵνα γνωρισθῇ [νῦν] ταῖς ἀρχαῖς καὶ ταῖς ἐξουσίαις ἐν τοῖς ἐπουρανίοις-… D. (3,8) ἐμοὶ als Verseröffnung begegnet 4 Mal im NT (1Kor 4,3; Gal 6,14; Eph 3,8; Phil 1,21), nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἐλαχιστότερος ist Hapax legomenon im NT. 442 Rekonstruktion <?page no="443"?> ♦ Das nicht mehr bezeugte αὕτη, das 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. ♦ Die Form ἐδόθη steht 31 Mal im NT (2 Mal Mt; Lk 12,48; 2 Mal Joh; 2Kor 12,7; Gal 3,21; Eph 3,8; 4,7; 1Tim 4,14; 18 Mal Apk), vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 12,7. ♦ Die Wendung ἐδόθη ἡ χάρις steht 3 Mal im NT ( Joh 1,17; Eph 3,8; 4,7), vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ εὐαγγελίζομαι, das 58 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,6; *Gal 1,9. 16; *1Kor 15,1; *Laod 2,17. ♦ ἀνεξιχνίαστος steht nur zwei Mal im NT, das andere Mal bezeugt für die vorkanonische Ebene (*Röm 11,33). ♦ πλοῦτος, das 31 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 1,18. Zur Rekonstruktion: Auch wenn nur die erste Hälfte des Verses durch Tertullian bezeugt wird, spricht die vorkanonisch bezeugte Lexik (ἔθνος; εὐαγγελίζομαι; ἀνεξιχνίαστος; πλοῦτος) des zweiten Teils doch für die Präsenz auch dieses Versteils im vorkanonischen Text. (3,9) φωτίζω, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,36; *1Kor 4,5; *Laod 1,18. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10. ♦ οἰκονομία, das 9 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,10. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 5,32; 6,19. ♦ ἀποκρύπτω, das 6 / 4 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 2,7 (ἐν μυστηρίῳ, τὴν ἀποκεκρυμμένην), man vgl. auch auf kanonischer Ebene Kol 1,26 (τὸ μυστήριον τὸ ἀποκεκρυμμένον ἀπὸ τῶν αἰώνων). ♦ Die Wendung ἀπὸ τῶν αἰώνων steht 1 weiteres Mal in der gerade angeführten Stelle Kol 1,26. ♦ Die Wendung ἐν τῷ θεῷ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 3,3. 4, vgl. zu Röm 5,11. ♦ Die Wendung τῷ τὰ πάντα κτίσαντι steht nur hier im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Tertullians Zeugnis, das durch die Lexik weithin bestätigt wird, wobei wieder auffällt, dass einige Elemente, die im kanonischen Text stehen, nur in *Laod vorkanonisch bezeugt sind (οἰκονομία; ἀπὸ τῶν αἰώνων), was für die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache spricht. (3,10) Die Kombination ἵνα γνωρισθῇ steht nur hier im NT. ♦ ἀρχή, das sich 67 / 55 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,25 = *Laod 1,21; *Laod 3,10. ♦ Allerdings findet sich ἀρχαί, das 11 Mal im NT steht, etwa in Eph 6,12, wo dieser Passus im parallelen Vers *Laod 6,12 fehlt, nur hier vorkanonisch bezeugt, 7 (Laod = Eph) 443 <?page no="444"?> ansonsten findet man den Begriff nur auf kanonischer Ebene (Mk 13,8; Lk 12,11; Apg 10,11; 11,5; Röm 8,38; Eph 3,10; 6,12; Kol 1,16; 2,15; Tit 3,1; Hebr 1,10). ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. ♦ ἐπουράνιος, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,40. 48; *Laod 6,12. ♦ Die Wendung διὰ τῆς ἐκκλησίας steht nur hier im NT. ♦ πολυποίκιλος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung σοφία τοῦ θεοῦ steht 1 weiteres Mal in Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt wieder dem Zeugnis Tertullians, das weithin durch die Lexik bestätigt wird, wobei erneut Elemente auffallen, die im kano‐ nischen Text stehen, aber nur durch *Laod vorkanonisch bezeugt sind (ἀρχή; ἀρχαί; σοφία τοῦ θεοῦ), was für die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache spricht. 3,[11-21]: [Paulus beugt seine Knie] Dieser vorkanonisch unbezeugte Passus folgt dem kanonischen Muster der paränetischen Ausführungen, in denen die Person des Paulus in den Mittelpunkt gestellt wird, zugleich aber auch seine Autorität heruntergespielt wird (etwa Vers 20: „Dem aber, der gemäß der Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder erdenken-…“). - 11 κατὰ πρόθεσιν τῶν αἰώνων ἣν ἐποίησεν ἐν τῷ Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν, 12 ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν παρρησίαν καὶ προσαγωγὴν ἐν πεποιθήσει διὰ τῆς πίστεως αὐτοῦ. 13 διὸ αἰτοῦμαι μὴ ἐγκακεῖν ἐν ταῖς θλίψεσίν μου ὑπὲρ ὑμῶν, ἥτις ἐστὶν δόξα ὑμῶν. 14 Τούτου χάριν κάμπτω τὰ γόνατά μου πρὸς τὸν πατέρα, 15 ἐξ οὗ πᾶσα πατριὰ ἐν οὐρανοῖς καὶ ἐπὶ γῆς ὀνομάζεται, 16 ἵνα δῷ ὑμῖν κατὰ τὸ πλοῦτος τῆς δόξης αὐτοῦ δυνάμει κραταιωθῆναι διὰ τοῦ πνεύματος αὐτοῦ εἰς τὸν ἔσω ἄνθρωπον, 17 κατοικῆσαι τὸν Χριστὸν διὰ τῆς πίστεως ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν, ἐν ἀγάπῃ ἐρριζωμένοι καὶ τεθεμελιωμένοι, 18 ἵνα ἐξισχύσητε καταλαβέσθαι σὺν πᾶσιν τοῖς ἁγίοις τί τὸ πλάτος καὶ μῆκος καὶ ὕψος καὶ βάθος, 19 γνῶναί τε τὴν ὑπερβάλλουσαν τῆς γνώσεως ἀγάπην τοῦ Χριστοῦ, ἵνα πληρωθῆτε εἰς πᾶν τὸ πλήρωμα τοῦ θεοῦ. 20 Τῷ δὲ δυναμένῳ ὑπὲρ πάντα ποιῆσαι 444 Rekonstruktion <?page no="445"?> 43 T. Flemming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief (2022), 221. ὑπερεκπερισσοῦ ὧν αἰτούμεθα ἢ νοοῦμεν κατὰ τὴν δύναμιν τὴν ἐνεργουμένην ἐν ἡμῖν, 21 αὐτῷ ἡ δόξα ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ καὶ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ εἰς πάσας τὰς γενεὰς τοῦ αἰῶνος τῶν αἰώνων, ἀμήν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (3,11-21) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, wobei Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. Kürzlich hat Flemming darauf aufmerksam gemacht, dass in Vers 14 in einer Reihe von Zeugen (vgl. zur Stelle) der Einschub „Vater“ stehe, was betone, dass „der Schöpfergott zugleich der Vater Jesu Christi ist“ und dass „durch diesen Einschub … eine theologische Verknüpfung zwischen Christus und dem Alten Testament hervorgehoben“ werde. Diese theologische Tendenz entspreche je‐ doch der katholischen Redaktion, weshalb er dies als Merkmal der kanonischen „Überarbeitung des Laodicenerbriefes im Rahmen der 14-Briefe-Sammlung“ wertet. 43 2. (3,15) Die vorkanonische Bezeugung von ὀνομάζω in *Gal 4,25 findet sich in einem Vers, den die kanonische Redaktion in ihrem Epheserbrief besitzt (Eph 1,21). Aufgrund des sonst vorkanonisch unbezeugten ὀνομάζω scheint es so gewesen zu sein, dass zum Zeitpunkt, als *Laod den sieben *Paulusbriefen zu‐ gefügt wurde oder umgekehrt diese dem *Laod (*Kol und *2Thess) hinzugefügt wurden, der Vers noch in *Laod stand, bevor ihn die vorkanonische Redaktion nach *Gal genommen hat. Vgl. zu diesen Überlegungen die Ausführungen zu *Gal 4,25. D. (3,11) πρόθεσις, das 12 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung κατὰ πρόθεσιν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,28. ♦ αἰών, das 146 / 122 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,6. 7. 8; 10,11; *2Kor 4,4; *Laod 2,2; 3,9. ♦ Die Wendung ἐν τῷ Χριστῷ Ἰησοῦ τῷ κυρίῳ ἡμῶν steht nur hier im NT. ♦ Die kürzere Wendung ἐν τῷ Χριστῷ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,22; *Laod 1,12; 7 (Laod = Eph) 445 <?page no="446"?> vgl. zu 1Kor 15,22. ♦ Die Wendung τῷ κυρίῳ ἡμῶν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 16,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πρόθεσις; κατὰ πρόθεσιν; τῷ κυρίῳ ἡμῶν. (3,12) Die Kombination ἐν ᾧ (Rel. Pr. Dat. Mask. Sg.) steht 26 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, und zwar als solche ausschließlich in Apg, Eph, Kol und 1Petr, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,7 (als Verseröffnung). 13 (2 x, als Verseröffnung und im Vers), vgl. zu Eph 2,21. ♦ Die weitere Wendung ἐν ᾧ ἔχομεν steht 3 Mal im NT (Eph 1,7; 3,12; Kol 1,14), vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,7. ♦ παρρησία, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,19. ♦ προσαγωγή, das 3 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod. 2,18. ♦ πεποίθησις, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten διὰ τῆς πίστεως vgl. zu Röm 3,30. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: πεποίθησις. Auffallend ist, dass Elemente ausschließlich durch *Laod vorkanonisch bezeugt sind (ἐν ᾧ; ἐν ᾧ ἔχομεν; παρρησία; προσαγωγή), was wieder auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (3,13) διό, das 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,20; *Laod 5,14. ♦ αἰτέω, das 78 / 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev; *1Kor 1,22. ♦ ἐγκακέω, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,16; *Gal 6,9. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ ὅστις, das 165 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ὑπὲρ ὑμῶν. (3,14) Zu τούτου, auch als Eröffnung des Satzes, vgl. zuvor Vers 1. ♦ Die Kombination τούτου χάριν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, jeweils als Verseröffnung, vgl. zu Eph 3,1. ♦ κάμπτω, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ γόνυ, das 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 22,41. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Wendung πρὸς τὸν πατέρα steht 16 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,18, vgl. zu diesem Vers. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τούτου χάριν; κάμπτω. Auch in diesem Vers fällt πρὸς τὸν πατέρα auf, das ausschließlich für *Laod vorkanonisch bezeugt ist. 446 Rekonstruktion <?page no="447"?> (3,15) πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ πατριά steht 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene (Lk 2,4; Apg 3,25; Eph 3,15). ♦ ὀνομάζω steht 11 / 10 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ Die Wendung ἐν οὐρανοῖς steht 12 Mal im NT (6 Mal Mt; Eph 3,15; 6,9; Phil 3,20; Hebr 12,23; 1Petr 1,4), vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,20. ♦ Die Wendung ἐπὶ γῆς steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 8,5, vgl. zu diesem Vers. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: πατριά. (3,16) Die Kombination ἵνα δῷ steht noch 1 weiteres Mal im Vers in Eph 4,29. ♦ Die Wendung κατὰ τὸ πλοῦτος steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 1,7. ♦ Die Kombination τὸ πλοῦτος + τῆς δόξης αὐτοῦ steht 1 weiteres Mal, Röm 9,23. ♦ κραταιόω, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ διὰ τοῦ πνεύματος begegnet 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8, vgl. zu 1Kor 2,10. ♦ Der ἔσω ἄνθρωπος begegnet 1 weiteres Mal in Eph 3,16 auf der kanonischen Ebene (τὸν ἔσω ἄνθρωπον). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἵνα δῷ; κατὰ τὸ πλοῦτος; τὸ πλοῦτος + τῆς δόξης αὐτοῦ; ἔσω ἄνθρωπος. (3,17) κατοικέω steht 48 / 44 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,19. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten διὰ τῆς πίστεως vgl. zu Röm 3,30. ♦ Die Wendung ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 9,4; Mk 2,8; Lk 5,22; 21,14; Eph 3,17; Kol 3,15. 16; 1Petr 3,15; 2Petr 1,19). ♦ Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,14. ♦ ῥιζόω steht 3 / 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 11,20; Eph 3,18; Kol 2,7). ♦ θεμελιόω steht 8 / 5 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν; ἐν ἀγάπῃ; ῥιζόω; θεμελιόω. Zu bemerken ist κατοικέω, das vorkanonisch nur für *Kol bezeugt ist, was die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache anzeigt. (3,18) ἐξισχύω ist Hapax legomenon im NT. ♦ καταλαμβάνω, das 20 / 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Kombination σὺν πᾶσιν, das 4 Mal im NT steht (Apg 16,32; 20,36; 1Kor 1,2; Eph 3,18), findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. ♦ πλάτος steht 3 / 4 Mal 7 (Laod = Eph) 447 <?page no="448"?> im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μῆκος steht 2 / 3 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene. ♦ ὕψος steht 8 / 6 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ βάθος, das 10 / 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καταλαμβάνω; σὺν πᾶσιν; πλάτος; μῆκος; ὕψος; βάθος. (3,19) Die Form γνῶναι steht 14 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene, vgl. zu 1Kor 8,2. ♦ ὑπερβάλλω, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἀγάπη + τοῦ Χριστοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 8,35; 2Kor 5,14; Eph 3,19). ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ Die Form πληρωθῆτε steht 1 weiteres Mal, Eph 3,19. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ Die Wendung εἰς πᾶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,8. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4, Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. ♦ Die Wendung τὸ πλήρωμα τοῦ θεοῦ steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: γνῶναι; ὑπερβάλλω; ἀγάπη + τοῦ Χριστοῦ; πληρωθῆτε; εἰς πᾶν. (3,20) Die Kombination τῷ δέ δυναμένῳ steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung (Röm 16,25; Eph 3,20; Jud 1,24), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ὑπὲρ πάντα (Adj. Indef. Akk. Neut. Pl.) steht noch 1 weiteres Mal in Eph 1,22. ♦ ὑπερεκπερισσοῦ, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. Das verwandte ἐκπερισσός steht 5 Mal im NT, ebenfalls jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten αἰτέω vgl. weiter oben zu Vers 13. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ νοέω, das 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τῷ δὲ δυναμένῳ; ὑπὲρ πάντα; ὑπερεκπερισσοῦ/ ἐκπερισσός; νοέω. (3,21) Die Kombination αὐτῷ ἡ δόξα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 11,36; Eph 3,21; 2Petr 3,18; Apk 1,6). ♦ Der Ausdruck ἐν τῇ ἐκκλησίᾳ steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,28; *2Thess 1,1. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ πάσας (Akk. Neut. Pl.) steht 10 Mal im NT, ausschließlich 448 Rekonstruktion <?page no="449"?> auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀμήν steht 175 / 130 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt nur als Substantiv τὸ Ἀμὴν für *2Kor 1,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: αὐτῷ ἡ δόξα; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; πάσας; ἀμήν. Der lexikalische Überblick zeigt mit seiner fast durchgehenden Häufung von ausschließlich oder vornehmlich für die kanonische Ebene belegten Termino‐ logie eine hohe Übereinstimmung zwischen fehlender Bezeugung und Lexik. Ebenfalls begegnen eine Reihe von Begriffen, die nur in *Laod vorkanonisch bezeugt sind. Der gesamte Passus geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat in der vorkanonischen Fassung gefehlt. Kapitel 4 4,[1-4]: [Paulus, der Gefangene im Herrn] Das Kapitel beginn mit einer weiteren Paränese, in der der kanonische Paulus die Angesprochenen ermahnt. - 4,1 Παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς ἐγὼ ὁ δέσμιος ἐν κυρίῳ ἀξίως περιπατῆσαι τῆς κλήσεως ἧς ἐκλήθητε, 2 μετὰ πάσης ταπεινοφροσύνης καὶ πραΰτητος, μετὰ μακροθυμίας, ἀνεχόμενοι ἀλλήλων ἐν ἀγάπῃ, 3 σπουδάζοντες τηρεῖν τὴν ἑνότητα τοῦ πνεύματος ἐν τῷ συνδέσμῳ τῆς εἰρήνης· 4 Ἓν σῶμα καὶ ἓν πνεῦμα, καθὼς καὶ ἐκλήθητε ἐν μιᾷ ἐλπίδι τῆς κλήσεως ὑμῶν· A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (4,1-4) Nach Übereinstimmung aller Editoren sind die ersten vier Verse dieses Kapitels unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer Präsenz in unbestimmter Form rechnen. D. (4,1) Die Wendung παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. ebenfalls zu 1Kor 4,16. ♦ δέσμιος, das 17 / 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. ♦ Das Adverb ἀξίως, 7 (Laod = Eph) 449 <?page no="450"?> das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich belegt für die kanonische Ebene. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ ἀξίως steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, Eph 4,1. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ κλῆσις, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,18. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐκλήθητε steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,13. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παρακαλῶ οὖν ὑμᾶς; δέσμιος; ἀξίως; ἐν κυρίῳ; ἐν κυρίῳ ἀξίως. Bemerkenswert ist, dass zwei Elemente ausschließlich durch *Laod vorkanonisch bezeugt sind (περιπατέω; κλῆσις), was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanoni‐ schen Sprache verweist. (4,2) πάσης (Gen. Fem. Sg.), das 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten die Verse 16 und 19, auf derselben kanonischen Ebene stehend. ♦ ταπεινοφροσύνη steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,18. ♦ πραΰτης, das 22 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ μακροθυμία, das 14 Mal im NT steht, findet sich wiederum nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀνέχω, das sich 17 / 15 Mal im NT findet, steht vorkanonisch in *Ev 9,41. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πάσης; πραΰτης; μακροθυμία; ἐν ἀγάπῃ. Zu bemerken ist ταπεινοφροσύνη, das vorka‐ nonisch nur für *Kol bezeugt ist, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweist. (4,3) σπουδάζω, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ τηρέω, das 81 / 70 Mal im NT steht, insbesondere in der johannei‐ schen Literatur, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἑνότης steht nur noch 1 weiteres Mal, auch auf der kanonischen Ebene (Eph 4,13). ♦ σύνδεσμος steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Apg 8,23; Eph 4,3; Kol 2,19; 3,14). ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: σπουδάζω; τηρέω; ἑνότης; σύνδεσμος. 450 Rekonstruktion <?page no="451"?> (4,4) Die Kombination ἓν σῶμα steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,17. ♦ Die Wendung ἓν πνεῦμα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,17. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,16. 17, vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ κλῆσις, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,18, vgl. ebenfalls zu Vers 1. ♦ Die Form τῆς κλήσεως steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἓν σῶμα; ἓν πνεῦμα. Zu bemerken ist κλῆσις und die Form τῆς κλήσεως, die vorkanonisch in *Laod bezeugt sind, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanoni‐ schen Sprache verweist. Der Vergleich der Lexeme zu diesen Versen zeigt eine solche Häufung von ausschließlich oder vornehmlich der kanonischen Redaktion zugehörenden Terminologie, dass aufgrund dieser Übereinstimmung von fehlender Bezeugung und Lexik die Verse der kanonischen Redaktion zugeordnet werden können, sie werden also im vorkanonischen Text gefehlt haben. Vers 4 stellt einen Übergang her zu dem vorkanonischen Text von Vers 5. Der Übergang hingegen vom letztbezeugten Vers 3,10 zu dem wiederbezeugten Vers 4,5 hier ist bruchlos. 4,5-6 [7] 8 [9] 10: Der eine Herr Der vorkanonische Text dieser Passage ist gut bezeugt, ihre Gedanken lassen sich klar erfassen. Sie knüpft unmittelbar an den letztbezeugten Vers 3,10 an, in welchem von Gottes Weisheit die Rede war, die durch die Kirche „den Hoheiten und Herrschaften des himmlischen Bereichs“ bekannt werden soll. Dabei geht es um die Erkenntnis des einzigen Herrn, dessen Glaube und Taufe, derselbe, der in allen ist, rettet, herabstieg und hinaufstieg. 4,5 εἷς κύριος, μία πίστις, ἓν βάπτισμα, 5 εἷς κύριος, μία πίστις, ἓν βάπτισμα, 6 εἷς Χριστός, εἷς θεὸς καὶ πατὴρ πάντων, ὁ ἐπὶ πάντων καὶ διὰ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν ἡμῖν. 6 εἷς θεὸς καὶ πατὴρ πάντων, ὁ ἐπὶ πάντων καὶ διὰ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν. - 7 Ἑνὶ δὲ ἑκάστῳ ἡμῶν ἐδόθη ἡ χάρις κατὰ τὸ μέτρον τῆς δωρεᾶς τοῦ Χριστοῦ. 7 (Laod = Eph) 451 <?page no="452"?> 44 H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2030. 8 διὸ λέγει· ᾐχμαλώτευσεν αἰχμαλωσίαν, ἔδωκεν δόματα τοῖς ἀνθρώποις, 8 διὸ λέγει· ἀναβὰς εἰς ὕψος ᾐχμαλώτευσεν αἰχμαλωσίαν, ἔδωκεν δόματα τοῖς ἀνθρώποις. - 9 τὸ δὲ ἀνέβη τί ἐστιν, εἰ μὴ ὅτι καὶ κατέβη εἰς τὰ κατώτερα μέρη τῆς γῆς; 10 ὁ καταβὰς αὐτός ἐστιν καὶ ὁ ἀναβὰς ὑπεράνω πάντων τῶν οὐρανῶν, ἵνα πληρώσῃ τὰ πάντα. 10 ὁ καταβὰς αὐτός ἐστιν καὶ ὁ ἀναβὰς ὑπεράνω πάντων τῶν οὐρανῶν, ἵνα πληρώσῃ τὰ πάντα. A. *4,5-6: Vgl. Epiph., Pan. 42, Sch. 40 (120 H.): πρὸς Λαοδικεῖς … εἷς κύριος, μία πίστις, ἓν βάπτισμα, εἷς θεὸς καὶ πατὴρ πάντων, ὁ ἐπὶ πάντων καὶ διὰ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν. (182 H.): προσέθετο (sc. Markion) δὲ ἐν τῷ ἰδίῳ ἀποστολικῷ καλουμένῳ καὶ τῆς καλουμένης πρὸς Λαοδικέας … εἷς κύριος, μία πίστις, ἓν βάπτισμα, εἷς Χριστός, εἷς θεὸς καὶ πατὴρ πάντων, ὁ ἐπὶ πάντων καὶ διὰ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν; Adam., Dial. II 19 (im Mund des Adamantius): εἷς θεὸς καὶ πατὴρ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν ἡμῖν (Rufin: Unus deus et pater omnium, qui super omnes, et per omnes et in omnibus nobis) und (im Mund des Eutropius): οὐ γὰρ εἶπεν ὁ ἀπόστολος ὅτι εἷς πατὴρ πιστῶν, ἀλλὰ πάντων καὶ διὰ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν (Rufin: Non enim dixit apostolus quia unus pater fidelium, sed unus deus, pater omnium, qui est super omnes et per omnes et in omnibus nobis). ♦ *4,8: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,5: Volo nunc et ego tibi de allegoriis apostoli controversiam nectere. Quas novus in prophetis habuisset formas? Captivam, inquit, duxit captivitatem. Quibus armis? quibus proeliis? de cuius gentis vastatione? De cuius civitatis eversione? quas feminas quos pueros quosve regulos catenis victor inseruit? Ps 67,19 LXX: ἀνέβης εἰς ὕψος, ᾐχμαλώτευσας αἰχμαλωσίαν, ἔλαβες δόματα ἐν ἀνθρώπῳ, καὶ γὰρ ἀπειθοῦντες τοῦ κατασκηνῶσαι. κύριος ὁ θεὸς εὐλογητός. ♦ *4,9: Vgl. Adam., Dial. V 7 (im Mund des Markioniten): ὁ καταβὰς αὐτός ἐστιν καὶ ὁ ἀναβάς … ὁρᾷς ὅτι τηλαυγῶς λέγει αὐτὸν ἐξ οὐρανοῦ ἐληλυθέναι (Rufin: Qui descendit ipse est et qui ascendit … Uides quam perspciue dicit eum de coelo uenisse). B. (4,6) Post πᾶσιν add ἡμῖν in Adam, lat, sy u. a., als markionitische Lesart vermerkt durch H.v.B. Soden. 44 ♦ (4,9) Post ὅτι καί add πρῶτον in 01 2 , 03, 04 3 , 018, 020, 025 vid , 044, 104, 365, 630, 1175, 1505, 2464, M, f, m c , vg, sy, sa mss , Eus, om in P 46 , 01*, 02, 04*, 06, 010, 012, 014 vid , 082, 6, 33, 81, 1241 s , 1739, 1881, it, vg mss , sa ms , bo, Ir lat , Cl exThd , Ambst. ♦ Post κατώτερα add μέρη in 01, 02, 03, 04, 06 2 , 014, 452 Rekonstruktion <?page no="453"?> 018, 020, 025, 044, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 1881, 2464, M, f, vg, om in P 46 , 06*, 010, 012, it, Ir lat , Cl exThd , Ambst. C. 1. (4,5-6) Nach übereinstimmender Meinung der Editoren, sind diese beiden Verse bezeugt. Allerdings differieren die Rekonstruktionsversuche, weil Schmid das Zeugnis des Adamantius nicht gelten lässt und die weiteren Editoren das bei Epiphanius selbst differierende Zeugnis unterschiedlich einschätzen. Zahn, der Vers 5 in der kanonischen Fassung gegeben sieht, vertraut für Vers 6 dem Zeugnis des Adamantius und gibt folgenden Text für Vers 6: εἷς θεὸς καὶ πατὴρ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν ἡμῖν. Harnack hingegen rekonstruiert: 5 εἷς κύριος, μία πίστις, ἓν βάπτισμα, εἷς Χριστός, 6 εἷς θεὸς καὶ (? ) πατὴρ πάντων, ὁ ἐπὶ πάντων καὶ διὰ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν ἡμῖν. BeDuhn legt seiner Übersetzung den folgenden griechischen Text zugrunde: 5 εἷς κύριος, μία πίστις, ἓν βάπτισμα, 6 εἷς θεὸς καὶ πατὴρ πάντων, ὁ ἐπὶ πάντων καὶ ἐν πᾶσιν. Die erste Frage ist, ob das bei Epiphanius an zweiter Stelle aufgenommene εἷς Χριστός zum ursprünglichen Bestand gehört hatte. Dafür spricht, dass kaum ersichtlich ist, wie dieser Zusatz bei Epiphanius in sein Zeugnis gelangt wäre, da der zu dieser Zeit und später bekanntere kanonische Text diese Formulierung nicht aufwies. Auch ein formales Argument stützt die Zugehörigkeit der Formu‐ lierung zum älteren Text, denn durch das εἷς Χριστός ergibt sich eine auffällige dreifache Dreierreihung, die in ihrer Form durch den Wegfall von εἷς Χριστός gestört wird. Es scheint eher wahrscheinlich, dass eine vollkommene Form im Laufe der Tradition gestört wird, als dass eine unvollendete Form durch einen Zeugen - zumal in unterschiedener Weise seiner beiden Zeugnisse - komplet‐ tiert würde. Die moderne Edition, die diese Komplettierung angenommen und sie wieder entfernt hat, entspricht genau dem, was hier als editorisches Prinzip zur Begründung angeführt wird: Editoren harmonisieren Texte, insbesondere, wenn es kanonische Vorlagen gibt. Der einzige Gegengrund, wonach es wenig erklärlich ist, warum das εἷς Χριστός von einem Redakteur fallengelassen worden wäre, bietet ein weiteres Indiz dafür, wie man sich die Entwicklung von *Laod und Eph vielleicht vorzustellen hat, vgl. die Einleitung, Band I. Die nächste Problematik liegt für Vers 6 in der Rekonstruktion des letzten Passus. Diejenigen Editoren, die auf das nur bei Adamantius bezeugte ἡμῖν am Ende verzichten, trauen entweder dem Zeugnis grundsätzlich nicht oder verweisen darauf, dass Epiphanius dieses Wort nicht bietet. Nun besitzt dieses Argument kein großes Gewicht, da Epiphanius sein Zitat möglicherweise zuvor beendet hat, es ist also kein Wort, das sein Zitat als fehlend ausweist. 7 (Laod = Eph) 453 <?page no="454"?> 45 B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 265-266. 46 A.v. Harnack, Marcion: das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1921), 119*. 47 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 313. Gewichtiger ist m. E. hier, dass in der Diskussion zwischen Adamantius, dem Markioniten und dem Richter Eutropius es gerade Eutropius ist, der bestätigt, dass es bei dieser Diskussion um dieses Pronomen ἡμῖν geht. Es scheint also einen Anstoß zur Diskussion geliefert zu haben, was dafürspricht, dass es dem Text zuzuordnen ist. 2. (4,7) Nach allen Editoren ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 3. (4,8) Für Hilgenfeld „bestätigt“ Tertullian die Präsenz des Verses, er nimmt aber in Analogie zu 2Kor 4,13 an, dass die unbezeugte Zitationsformel διὸ λέγει fehlte. Nach allen anderen Editoren ist ein kleines Stück dieses Verses bezeugt, wobei Zahn und Harnack annehmen, dass der Vers dem kanonischen Wortlaut nach vorhanden war. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: [διὸ λέγει· ἀναβὰς εἰς ὕψος] ᾐχμαλώτευσεν αἰχμαλωσίαν… Keiner der Editoren hat erstaunlicherweise den Kommentar Tertullians berücksichtigt, demzufolge er auf die „Allegorien“ des Apostels verweist, mit denen auch er sich mit seinem Gesprächspartner gegenüber auseinandersetzen will. Das setzt aber voraus, dass ein Hinweis auf eine übertragene Redeweise im Text stand, also eine Formulierung wie διὸ λέγει. Nachdem dieselbe Formulierung im nächsten Kapitel ausdrücklich für die vorkanonische Ebene in *Laod 5,14 bezeugt ist, wird man sie auch hier als präsent annehmen dürfen. Haupt hingegen sieht in dieser Formulierung einen Hinweis darauf, Tertullian habe ad hoc aus dem Griechischen übersetzt. 45 4. (4,9-10) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn wiederum Zahn und Harnack ihre Präsenz in unbestimmbarer Form annehmen. Darüber hinaus verwies Harnack vorsichtig („unsicher, ob nach Marcion“) für Vers 10 auf das Zeugnis des Adamantius. 46 BeDuhn hat die Skepsis aufgegriffen und geurteilt, „es gäbe keinerlei Grund, der Meinung zu sein“, Adamantus zitiere aus „Markions Kanon“. 47 Der Vergleich der Lexeme wird uns eines Besseren belehren. D. (4,5) κύριος steht 805 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3. 31; 2,8. 16; 3,20; 5,5; 6,13. 14; 7,39; 11,23; 15,47; *2Kor 1,3; 13,10; *Röm 11,34; *1Thess 2,15; 4,15. 17; 5,23; *2Thess 1,7. 9; *Laod 4,5; 6,4; für Gott ist dieser Titel vorkanonisch belegt für 454 Rekonstruktion <?page no="455"?> *Ev 20,44; *1Kor 6,13. 14, auch wenn er nicht zuletzt wegen seiner alttestamentlichen Sprache inflationär auf der kanonischen Ebene Verwendung findet. ♦ Der Ausdruck εἷς κύριος steht 1 weiteres Mal in 1Kor 8,6. ♦ πίστις, das 257 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. 20; 3,11. 26; 5,6; *1Kor 12,9; *2Kor 4,13; *Röm 1,17; 5,1; *Laod 4,5. ♦ Der Ausdruck μία πίστις steht nur hier im NT. ♦ βάπτισμα, das 22 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch mit Ausnahme einer Erwähnung in Jesu Kritik in *Ev 20,4 nur an der vorliegenden Stelle. Nach dem Zusammenhang bezeichnet der Terminus nicht die Taufe des Menschen, sondern diejenige des Herrn, Christus, wie der nur kanonisch bezeugte Anfang von Vers 6 bezeugt. ♦ Der Ausdruck ἓν βάπτισμα steht nur hier im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, der durch die Lexik gestützt wird. (4,6) Die Ausdruck εἷς Χριστός steht nur hier im NT. ♦ εἷς θεός begegnet nochmals vorkanonisch in *1Kor 8,6. An dieser Stelle wird dieser auch mit ὁ πατήρ gleichgesetzt. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 5,31; 6,2. ♦ Die Wendung πατὴρ πάντων steht noch 1 weiteres Mal, Röm 4,16. ♦ Der ἐπὶ πάντων θεός begegnet nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Röm 9,5. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. weiter unten zu Vers 10. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Form ἐν πᾶσιν steht 10 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 6,6. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius, der durch die vorkanonische Lexik teilweise gestützt wird. (4,7) ἕκαστος, das 87 / 82 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,13; 4,5; *2Kor 5,10; *1Thess 4,4; *Laod 4,25. ♦ Die Kombination ἑνὶ δὲ ἑκάστῳ steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung ἐδόθη ἡ χάρις steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 3,8, vgl. zu diesem Vers. ♦ μέτρον, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,38. ♦ δωρεά, das 20 / 11 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination δωρεά + τοῦ Χριστοῦ steht nur hier im NT. Zur Abwesenheit: Der vorliegende Vers ist vorkanonisch nicht bezeugt; es findet sich das zentrale Wort δωρεά nur auf der kanonischen Ebene. Außerdem fällt auf, man vergleiche die parallele Stelle 1Kor 8,6, dass die Heilsmittlerschaft Christi ein Konzept der kanonischen Redaktion darstellt. 7 (Laod = Eph) 455 <?page no="456"?> (4,8) Die Kombination διὸ λέγει steht 3 Mal im NT (Eph 4,8; 5,14; Jak 4,6), vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 5,14. ♦ ἀναβαίνω, das 89 / 82 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,1 und *Laod 4,10. ♦ ὕψος steht 8 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ αἰχμαλωτεύω steht noch 1 weiteres Mal, nur an dieser Stelle hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Auch αἰχμαλωσία steht noch 1 weiteres Mal, wiederum nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ δόμα steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13. Zur Rekonstruktion: Dieser teilweise vorkanonisch bezeugte Vers ist, wie die Eröffnung zeigt, ein Zitat aus Ps 67,19 LXX. Von daher ist wenig erstaunlich, dass die beiden bezeugten Termini nur für diese Stelle vorkanonisch ausgewiesen sind. Dann wird man aber auch annehmen dürfen, dass der weitere Teil des Psalmzitats wie auf der kanonischen Ebene gestanden haben kann, zumal bis auf ὕψος die Termini vorkanonisch bezeugt sind. (4,9) Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröff‐ nung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ Das vorkanonisch bezeugte ἀναβαίνω, das 89 / 82 Mal im NT begegnet, vgl. die Ausführungen zum voranstehenden Vers 8. ♦ Die Kombination τί ἐστιν steht 16 Mal im NT (2 Mal Mt; 4 Mal Mk; Lk 5,23; 4 Mal Joh; 2 Mal Apg; Eph 4,9; 5,10; Hebr 2,6), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰ μὴ ὅτι steht 1 weiteres Mal, 2Kor 12,13, vgl. zu diesem Vers. ♦ Die Kombination ὅτι καί steht 22 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,21. ♦ πρώτον / πρῶτος, das 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,46; *1Thess 4,16; *2Thess 2,3. ♦ καταβαίνω, das 91 / 82 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 4,10. ♦ Die Form κατώτερος steht nur an dieser Stelle hier im NT. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung τὸ δέ; τί ἐστιν; εἰ μὴ ὅτι; ὅτι καί). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,10) Zu den vorkanonisch weiter bezeugten ἀναβαίνω und καταβαίνω vgl. die beiden voranstehenden Verse. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17, vgl. weiter Vers 11. ♦ ὑπεράνω, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,21. ♦ Zum vorkanonisch gerade in *Laod und *Kol bezeugten πάντων vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 456 Rekonstruktion <?page no="457"?> 8,4; 13,8. ♦ Die Form πληρώσῃ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 4,10; Phil 2,30; 2Thess 1,11). Zur Rekonstruktion: Auch wenn das Zeugnis des Adamantius kritisch zu betrachten ist, scheint es für diesen Vers doch wertvoll zu sein, da ansonsten das voran bezeugte Psalmzitat keinen inhaltlichen Kontext besäße. Die vorkanoni‐ sche Lexik stützt das Zeugnis, wobei lediglich die Verbform πληρώσῃ auffällt, die nur kanonisch bezeugt ist. Wie jedoch bereits vielfach deutlich wurde, weist *Laod oft eine sprachliche Nähe zur kanonischen Ebene auf (vgl. hier etwa ὑπεράνω), so dass auch diese Form hier ein Ausdruck derselben sein könnte. Man vergleiche auch das für *Ev und *Laod bezeugte καταβαίνω und das für *Ev, *Laod und *Kol bezeugte αὐτός. 4,[11-21] 22-24: Die Ämter und ein Leben nicht wie die Heiden Die folgenden, nicht für die vorkanonische Version bezeugten Verse bieten zunächst erneut die kanonische Paränese, in welcher zum einen eine Formalisie‐ rung und Institutionalisierung durchscheint, zum anderen eine Abgrenzung ge‐ genüber dem heidnischen Leben. Sie führt dann zu moralischen Ermahnungen, die offenkundig aus den beiden Mahnungen des zwar unbezeugten, aber vor‐ kanonisch wohl vorhandenen *Paulustextes der Verse 24-25 herausgesponnen wurden. - 11 Καὶ αὐτὸς ἔδωκεν τοὺς μὲν ἀποστόλους, τοὺς δὲ προφήτας, τοὺς δὲ εὐαγγελιστάς, τοὺς δὲ ποιμένας καὶ διδασκάλους, 12 πρὸς τὸν καταρτισμὸν τῶν ἁγίων εἰς ἔργον διακονίας, εἰς οἰκοδομὴν τοῦ σώματος τοῦ Χριστοῦ, 13 μέχρι καταντήσωμεν οἱ πάντες εἰς τὴν ἑνότητα τῆς πίστεως καὶ τῆς ἐπιγνώσεως τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ, εἰς ἄνδρα τέλειον, εἰς μέτρον ἡλικίας τοῦ πληρώματος τοῦ Χριστοῦ, 14 ἵνα μηκέτι ὦμεν νήπιοι, κλυδωνιζόμενοι καὶ περιφερόμενοι παντὶ ἀνέμῳ τῆς διδασκαλίας ἐν τῇ κυβείᾳ τῶν ἀνθρώπων, ἐν πανουργίᾳ πρὸς τὴν μεθοδείαν τῆς πλάνης, 15 ἀληθεύοντες δὲ ἐν ἀγάπῃ αὐξήσωμεν εἰς αὐτὸν τὰ πάντα, ὅς ἐστιν ἡ κεφαλή, Χριστός, 16 ἐξ οὗ πᾶν τὸ σῶμα συναρμολογούμενον καὶ συμβιβαζόμενον διὰ πάσης ἁφῆς τῆς ἐπιχορηγίας κατ’ ἐνέργειαν ἐν μέτρῳ ἑνὸς ἑκάστου μέρους τὴν αὔξησιν τοῦ σώματος ποιεῖται εἰς 7 (Laod = Eph) 457 <?page no="458"?> οἰκοδομὴν ἑαυτοῦ ἐν ἀγάπῃ. 17 Τοῦτο οὖν λέγω καὶ μαρτύρομαι ἐν κυρίῳ, μηκέτι ὑμᾶς περιπατεῖν, καθὼς καὶ τὰ ἔθνη περιπατεῖ ἐν ματαιότητι τοῦ νοὸς αὐτῶν, 18 ἐσκοτωμένοι τῇ διανοίᾳ ὄντες, ἀπηλλοτριωμένοι τῆς ζωῆς τοῦ θεοῦ διὰ τὴν ἄγνοιαν τὴν οὖσαν ἐν αὐτοῖς, διὰ τὴν πώρωσιν τῆς καρδίας αὐτῶν, 19 οἵτινες ἀπηλγηκότες ἑαυτοὺς παρέδωκαν τῇ ἀσελγείᾳ εἰς ἐργασίαν ἀκαθαρσίας πάσης ἐν πλεονεξίᾳ. 20 Ὑμεῖς δὲ οὐχ οὕτως ἐμάθετε τὸν Χριστόν, 21 εἴ γε αὐτὸν ἠκούσατε καὶ ἐν αὐτῷ ἐδιδάχθητε, καθώς ἐστιν ἀλήθεια ἐν τῷ Ἰησοῦ, 22 ἀποθέσθαι ὑμᾶς κατὰ τὴν προτέραν ἀναστροφὴν τὸν παλαιὸν ἄνθρωπον τὸν φθειρόμενον κατὰ τὰς ἐπιθυμίας τῆς ἀπάτης, 22 ἀποθέσθαι ὑμᾶς κατὰ τὴν προτέραν ἀναστροφὴν τὸν παλαιὸν ἄνθρωπον τὸν φθειρόμενον κατὰ τὰς ἐπιθυμίας τῆς ἀπάτης, 23 ἀνανεοῦσθαι δὲ τῷ πνεύματι τοῦ νοὸς ὑμῶν 23 ἀνανεοῦσθαι δὲ τῷ πνεύματι τοῦ νοὸς ὑμῶν 24 καὶ ἐνδύσασθαι τὸν καινὸν ἄνθρωπον. 24 καὶ ἐνδύσασθαι τὸν καινὸν ἄνθρωπον τὸν κατὰ θεὸν κτισθέντα ἐν δικαιοσύνῃ καὶ ὁσιότητι τῆς ἀληθείας. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (4,11-24) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. D. (4,11) Die Kombination καὶ αὐτός steht 41 Mal im NT, davon 15 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 3 Mal Mk; Lk 2,28; 3,23; 4,15, in drei Versen, die in *Ev fehlen; 5,14; 6,20; 16,24; 22,41; 24,25; Eph 4,11; Kol 1,17. 18; im Vers: Mk 6,47; Lk 1,22, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 5,1. 17. 37; 8,1, in einem Vers, der in *Ev fehlt. 22; 9,51, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 15,14, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 17,11. 16; 19,2, in einem Vers, in dem der Ausdruck in *Ev fehlt; 24,15, in einem Vers, wo der Ausdruck in *Ev nicht bezeugt ist, pace Klinghardt. 28. 31; Joh 4,12; Hebr 1,5; 3 Mal 1Joh; 4 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,20, ein Zeugnis, das angesichts des sonstigen Befundes fragwürdig ist. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten αὐτός (Nom. Mask. Sg.), vgl. zu Vers 4,10. ♦ ἀπόστολος, das 83 / 80 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 17; *Laod 2,20, vgl. zum voranstehenden Vers 10. ♦ προφήτης, das 458 Rekonstruktion <?page no="459"?> 157 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 12,28; 14,32; *1Thess 2,15. ♦ εὐαγγελιστής steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 21,8; Eph 4,11; 2Tim 4,5). ♦ ποιμήν steht 18 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ διδάσκαλος, das sich 60 / 59 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ αὐτὸς (? ); εὐαγγελιστής; ποιμήν. (4,12) Die Kombination πρὸς τόν steht 94 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung. ♦ καταρτισμός ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, findet sich lediglich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἔργον διακονίας steht nur hier im NT. ♦ οἰκοδομή, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. ♦ ἑνότης steht noch 1 weiteres Mal im NT, auf der kanonischen Ebene zuvor in Eph 4,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: διακονία; ἑνότης. Wieder fällt ein Terminus auf, der nur in *Laod vorkanonisch bezeugt ist (οἰκοδομή). (4,13) μέχρι steht 21 / 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καταντάω, das 15/ 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ Die Kombination οἱ πάντες steht 4 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,14. ♦ ἑνότης steht 1 weiteres Mal im NT, Eph 4,13. ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ Die Wendung τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ steht 4 Mal im NT, vgl. zu Gal 2,20. ♦ ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23. ♦ τέλειος, das sich 18 / 19 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,6. ♦ μέτρον, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,38, vgl. weiter oben zu Vers 7. ♦ ἡλικία steht 9 / 8 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4, Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μέχρι; οἱ πάντες; ἑνότης; τοῦ υἱοῦ τοῦ θεοῦ; ἡλικία. 7 (Laod = Eph) 459 <?page no="460"?> (4,14) μηκέτι, das sich 22 Mal im NT findet, steht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ νήπιος, das 18 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *Gal 4,3. ♦ κλυδωνίζω ist Hapax legomenon im NT. ♦ περιφέρω, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,10. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ ἄνεμος steht 33 / 31 Mal im NT, außer dieser Stelle nicht weiter bei Paulus, ist jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,24. 25. ♦ διδασκαλία, das 21 Mal im NT steht, findet sich meistens in den Pastoralbriefen, ist aber vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,22. ♦ κυβεία ist Hapax legomenon im NT. ♦ πανουργία, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,19. ♦ μεθοδεία steht 2 Mal im NT, das andere Mal im selben Brief auf vorkanonischer Ebene in *Laod 6,11. ♦ πλάνη, das 13 / 10 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μηκέτι; πλάνη. Auffallend ist διδασκαλία, das vorkanonisch nur für *Kol, und μεθοδεία, das nur für *Laod bezeugt ist, was auf die Nähe dieser beiden *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache hinweist. (4,15) ἀληθεύω, das 2 Mal im NT steht, findet sich beide Male auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,14. ♦ αὐξάνω, das 27 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter Vers 21. ♦ Die Kombination εἰς αὐτόν steht 37 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 8,6. ♦ Die weitere Wendung εἰς αὐτὸν τὰ πάντα steht 1 weiteres Mal in Röm 11,36. ♦ κεφαλή, das 79 / 75 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,27; *1Kor 11,3. 7. 10; *Laod 5,23; *Kol 2,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀληθεύω; ἐν ἀγάπῃ; αὐξάνω; εἰς αὐτόν; εἰς αὐτὸν τὰ πάντα. (4,16) Die Kombination ἐξ οὗ steht 4 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Eph 3,15; 4,16; im Vers: 1Kor 8,6; Kol 2,19), vorkanonisch bezeugt im Vers in *1Kor 8,6. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ συναρμολογέω, das zwei Mal im NT steht, findet sich beide Male im selben Brief und auf der kanonischen Ebene. ♦ συμβιβάζω, das 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene (bei Paulus: 1Kor 2,16; Eph 4,16; Kol 2,2. 19). ♦ πάσης (Gen. Fem. Sg.), das 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 2 und nachfolgend Vers 19. ♦ ἁφή steht 6 / 2 Mal im NT, jeweils für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐπιχορηγία steht 2 Mal im NT, beide Male 460 Rekonstruktion <?page no="461"?> auf der kanonischen Ebene (Eph 4,16; Phil 1,19). ♦ μέτρον, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,38. ♦ ἕκαστος, das sich 87 / 82 Mal im NT findet, steht vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,13; 4,5; *2Kor 5,10; *1Thess 4,4; *Laod 4,25. ♦ μέρος, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Kol 2,16. ♦ αὔξησις, das 3 / 2 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Auch das zugehörige Verb αὐξάνω, das 27 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκοδομή, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. ♦ Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,14. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ἐξ οὗ; συναρμολογέω; συμβιβάζω; πάσης; ἁφή; ἐπιχορηγία; αὔξησις; ἐν ἀγάπῃ. Als Termini fallen auf: μέρος, der vorkanonisch nur für *Ev und *Kol belegt ist, und οἰκοδομή, der vorkanonisch nur in *Laod steht. Sie zeigen die Nähe dieser beiden *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache an. (4,17) Die Verseröffnung τοῦτο οὖν findet sich 5 Mal als solche im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebenem vgl. zu Röm 15,28. ♦ μαρτύρομαι, das 14 / 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ μηκέτι, das sich 22 Mal im NT findet, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2, vgl. zuvor zu Vers 1. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ ματαιότης, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ νοῦς, ein Begriff, der 25 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,34 und in gleicher Formulierung *1Kor 2,16. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter Vers 18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τοῦτο οὖν; ἐν κυρίῳ; μηκέτι; ματαιότης. (4,18) σκοτόω steht noch zwei weitere Male im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apk 9,2; 16,10). ♦ διάνοια, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,21. ♦ Die Form τῇ διανοίᾳ steht 4 Mal im NT (Mt 22,37; Lk 10,27, in einem Vers, in welchem dieser Versteil fehlt; Eph 4,18; Kol 1,21, in einem Vers, der den Genitiv bietet), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ὄντες, die 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4; *Röm 8,5; *Laod 2,13. ♦ ἀπαλλοτριόω, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,12 und *Kol 1,21. ♦ ἄγνοια 7 (Laod = Eph) 461 <?page no="462"?> steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform οὖσαν, die 6 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ πώρωσις, das 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), vgl. zuvor zu Vers 17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: σκοτόω; ἄγνοια; οὖσαν; πώρωσις. (4,19) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Form οἵτινες steht 60 Mal im NT (davon 14 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4 (im Vers); *2Thess 1,9 (Verseröffnung), vgl. zu Röm 11,4. ♦ ἀπαλγέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5. ♦ ἀσέλγεια, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ ἐργασία steht 7 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀκαθαρσία, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch an derselben Stelle wie ἀσέλγεια, *Gal 5,19, bezeugt. ♦ Zum kanonischen πάσης (Gen. Fem. Sg.), vgl. zuvor zu den Versen 2 und 16. ♦ πλεονεξία das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐργασία; πάσης; πλεονεξία. Man bemerke die einzige vorkanonische Bezeugung von οἵτινες als Verseröffnung in *2Thess, was auf die Nähe dieses *Deuteropauli‐ nums zur kanonischen Sprache verweist. (4,20) Die Kombination ὑμεῖς δέ steht 37 Mal im NT, davon 18 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 4,28. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Kombination οὐχ οὕτως steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 20,26; Mk 10,43; Lk 22,26; Eph 4,20). ♦ μανθάνω, das 143 / 25 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; *1Kor 15,35. ♦ Die Form ἐμάθετε, die sich 4 Mal im NT findet (Röm 16,17, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Eph 4,20; Phil 4,9; Kol 1,7), steht jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑμεῖς δέ; οὐχ οὕτως; ἐμάθετε. (4,21) εἴ γε, das 5 Mal im NT begegnet, findet sich ausschließlich in der paulinischen Briefliteratur und nur auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτόν, vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; 462 Rekonstruktion <?page no="463"?> *Kol 1,5. ♦ Die Form ἠκούσατε steht 26 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 4 Mal Mt; Mk 14,64; Joh 14,28; Gal 1,13; im Vers: 2 Mal Mt; Lk 7,22; 2 Mal Joh; Apg 1,4; Eph 3,2; 4,21; Phil 2,26; 4,9; Kol 1,6. 23; Jak 5,11; 4 Mal 1Joh; 2Joh 1,6), vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,5. ♦ διδάσκω, das 102 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,12; *Röm 2,21. ♦ Die Form ἐδιδάχθητε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Thess 2,15. ♦ Die Kombination καθώς ἐστιν steht 6 Mal im NT, nur in Phil 1,7 als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,13. ♦ Die Wendung ἐν τῷ Ἰησοῦ steht 1 weiteres Mal, Apg 4,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἴ γε; ἐδιδάχθητε; καθώς ἐστιν; ἐν τῷ Ἰησοῦ. Die nur für *Kol vorkanonisch bezeugte Form ἠκούσατε zeigt die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache an. (4,22) ἀποτίθημι, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 4,25. ♦ ἀναστροφή, das 13 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ παλαιός, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung τὸν παλαιὸν ἄνθρωπον steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Kol 3,9. ♦ φθείρω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,17. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. ♦ ἀπάτη, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,8. Zur Rekonstruktion: Der Vers ist zwar vorkanonisch unbezeugt, doch weist ihn die durchgehend vorkanonisch bezeugte Lexik möglicherweise der vorka‐ nonischen Version zu. Da der Vers inhaltlich mit dem nachfolgenden, ebenfalls unbezeugten Vers, dann aber auch mit den danach stehenden beiden bezeugten Versen zusammenhängt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er im vorka‐ nonischen Text vorhanden war. Durchgehend zeigt sich in ihm auch wegen der Bezeugungen von Termini in *Laod und *Kol die Nähe dieser *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache, was die Schwierigkeit der Zuweisung eines solchen unbezeugten Verses anzeigt. (4,23) ἀνανεόομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination νοῦς + ὑμῶν steht nur hier. Zur Rekonstruktion: Wie zum voranstehenden Vers gilt auch hier, dass dieser Vers zwar unbezeugt ist, jedoch im Zusammenhang mit dem voranstehenden aufgrund der Lexik und des inhaltlichen Kontextes vorkanonisch gestanden sein mag. 7 (Laod = Eph) 463 <?page no="464"?> (4,24) ἐνδύω, das 30 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22; *1Kor 15,54; *Kol 3,10. ♦ καινός, das 47 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,38; *2Kor 3,3; 5,17. ♦ Die Wendung καινὸν ἄνθρωπον steht 1 weiteres Mal im NT, zuvor in Eph 2,15, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,15. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Wendung τὸν κατὰ θεὸν κτισθέντα steht nur hier im NT. ♦ Die kürzere Wendung κατὰ θεόν steht allerdings 7 Mal im NT, immer nur im kanonischen Paulus (Röm 8,27; 2Kor 7,9. 10. 11; Eph 4,24) und im Ersten Petrusbrief (1Petr 4,6; 5,2). ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά + Nomen im Akkusativ + Partizip findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 8,4; Gal 4,29; Eph 4,24). ♦ Bei der Ausweitung der Kombination auf den bestimmten Artikel + eine Präposition im Akkusativ + ein Nomen im Akkusativ + ein Partizip kommen zu den gerade genannten drei Stellen lediglich als neue hinzu Gal 4,21 (dieser Vers mag vorkanonisch gestanden sein, ist aber nur in der kanonischen Fassung überliefert) und Apk 18,17. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ Die Wendung ἐν δικαιοσύνῃ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 17,31; Eph 4,24; 2Tim 3,16; Tit 3,5; 2Petr 1,1; Apk 19,11). ♦ ὁσιότης steht 2 Mal im NT, das andere Mal in Lk 1,75, in einem Vers, der in *Ev fehlt. Auch das verwandte Adjektiv ὅσιος, das 8 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. Zur Rekonstruktion: Wiederum ist dieser Vers vorkanonisch unbezeugt, doch der erste Teil des Verses weist eine Lexik auf, die auch in diesem Zusammenhang vorkanonisch bezeugt ist und auch inhaltlich sich gut in den Kontext einfügt, während der zweite Teil solche Elemente aufweist, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Die verschiedenen, oben angezeigten Kombi‐ nationen; ἐν δικαιοσύνῃ; ὁσιότης). Folglich wird man allenfalls den ersten Teil der vorkanonischen Ebene zuweisen. 464 Rekonstruktion <?page no="465"?> 4,25-26 27 [28-32]: Legt die Lüge ab, zürnt nicht! Das vorkanonische Argument ist gut bezeugt, wurde dann aber von der kano‐ nischen Redaktion insbesondere mit Blick auf den Heiligen Geist weitergeführt. 25 ἀποθέμενοι τὸ ψεῦδος λαλεῖτε ἀλήθειαν ἕκαστος πρὸς τὸν πλησίον, ὅτι ἐσμὲν ἀλλήλων μέλη. 26 ὀργίζεσθε καὶ μὴ ἁμαρτάνετε· ὁ ἥλιος μὴ ἐπιδυέτω ἐπὶ τῷ παροργισμῷ ὑμῶν, 25 Διὸ ἀποθέμενοι τὸ ψεῦδος λαλεῖτε ἀλήθειαν ἕκαστος μετὰ τοῦ πλησίον αὐτοῦ, ὅτι ἐσμὲν ἀλλήλων μέλη. 26 ὀργίζεσθε καὶ μὴ ἁμαρτάνετε· ὁ ἥλιος μὴ ἐπιδυέτω ἐπὶ [τῷ] παροργισμῷ ὑμῶν, 27 μηδὲ δίδοτε τόπον τῷ διαβόλῳ. 27 μηδὲ δίδοτε τόπον τῷ διαβόλῳ. - 28 ὁ κλέπτων μηκέτι κλεπτέτω, μᾶλλον δὲ κοπιάτω ἐργαζόμενος ταῖς [ἰδίαις] χερσὶν τὸ ἀγαθόν, ἵνα ἔχῃ μεταδιδόναι τῷ χρείαν ἔχοντι. 29 πᾶς λόγος σαπρὸς ἐκ τοῦ στόματος ὑμῶν μὴ ἐκπορευέσθω, ἀλλ’ εἴ τις ἀγαθὸς πρὸς οἰκοδομὴν τῆς χρείας, ἵνα δῷ χάριν τοῖς ἀκούουσιν. 30 καὶ μὴ λυπεῖτε τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον τοῦ θεοῦ, ἐν ᾧ ἐσφραγίσθητε εἰς ἡμέραν ἀπολυτρώσεως. 31 πᾶσα πικρία καὶ θυμὸς καὶ ὀργὴ καὶ κραυγὴ καὶ βλασφημία ἀρθήτω ἀφ’ ὑμῶν σὺν πάσῃ κακίᾳ. 32 γίνεσθε [δὲ] εἰς ἀλλήλους χρηστοί, εὔσπλαγχνοι, χαριζόμενοι ἑαυτοῖς, καθὼς καὶ ὁ θεὸς ἐν Χριστῷ ἐχαρίσατο ὑμῖν. A. *4,25-26: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,6: Agnosce igitur iam et armaturam et militiam eius spiritalem, si iam didicisti esse captivitatem spiritalem, ut et hanc illius agnoscas, vel quia et captivitatis huius mentionem de prophetis apostolus sumpsit, a quibus et mandata. Deponentes mendacium loquimini veritatem ad proximum quisque, et Irascimini et nolite delinquere (ipsis verbis quibus psalmus exponeret sensus eius), sol ut non occidat super iracundiam vestram. Vgl. Adam., Dial. I 13 (im Mund des Markioniten): ὁ ἥλιος μὴ ἐπιδυέτω ἐπὶ τῷ παροργισμῷ ὑμῶν (Rufin: Sol non occidat super iracundiam uestram) und wieder (im Mund des Adamantius): ὁ ἥλιος μὴ ἐπιδυέτω ἐπὶ τῷ παροργισμῷ ὑμῶν (Rufin: Sol non occidat super iracundiam uestram). Vgl. Zach 4,25 LXX: οὗτοι οἱ λόγοι οὓς ποιήσετε λαλεῖτε ἀλήθειαν ἕκαστος πρὸς τὸν πλησίον αὐτοῦ καὶ κρίμα εἰρηνικὸν κρίνατε ἐν ταῖς πύλαις ὑμῶν; vgl. Ps 4,5 LXX: ὀργίζεσθε καὶ μὴ ἁμαρτάνετε ·ὁ ἥλιος μὴ ἐπιδυέτω ἐπὶ τῷ παροργισμῷ ὑμῶν. B. (4,25) διό om in P 49 , 01*, 02, 03, 1739*. ♦ Anstelle von μετὰ τοῦ findet sich die Variante πρὸς τόν in 01*, die schon Harnack für die mit Tertullian 7 (Laod = Eph) 465 <?page no="466"?> übereinstimmende Lesart gewählt hatte. ♦ (4,26) Post ἐπιδυέτω ἐπί om τῷ in P 49 , 01*, 02, 03, 1739 (auch Harnack hat es ausgelassen), add in 01 2 , 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739 c , 1881, 2464, M, Cl. C. 1. (4,25-26) Die Editoren sind übereinstimmend der Meinung, dass diese beiden Verse bezeugt sind. Zahn nimmt Vers 25 dem kanonischen Wortlaut nach, für Vers 26 schlägt er folgenden bezeugten Text vor: ὀργίζεσθε καὶ μὴ ἁμαρτάνετε· ὁ ἥλιος ἵνα μὴ ἐπιδύῃ ἐπὶ τῷ παροργισμῷ ὑμῶν. Harnack gibt als Text: ἀποθέμενοι τὸ ψεῦδος λαλεῖτε ἀλήθειαν πρὸς τὸν πλησίον ἕκαστος. 26 ὀργίζεσθε καὶ μὴ ἁμαρτάνετε· ὁ ἥλιος μὴ ἐπιδυέτω ἐπὶ τῷ παροργισμῷ ὑμῶν. Schmid ist zurückhaltender als Harnack und gibt: (διὸ) ἀποθέμενοι τὸ ψεῦδος λαλεῖτε ἀλήθειαν ἕκαστος (μετὰ τοῦ) πλησίον (αὐτοῦ) … 26 ὀργίζεσθε καὶ μὴ ἁμαρτάνετε· ὁ ἥλιος μὴ ἐπιδυέτω ἐπὶ (τῷ) παροργισμῷ ὑμῶν. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: [Διὸ] ἀποθέμενοι τὸ ψεῦδος λαλεῖτε ἀλήθειαν ἕκαστος μετὰ τοῦ πλησίον αὐτοῦ … 26 ὀργίζεσθε καὶ μὴ ἁμαρτάνετε· ὁ ἥλιος μὴ ἐπιδυέτω ἐπὶ τῷ παροργισμῷ ὑμῶν. BeDuhn verweist darauf, dass der Markionit Vers 26 als Spruch Jesu ansieht. Dem ist noch hinzuzufügen, dass die Adamantiusstelle tatsächlich einen bedeu‐ tenden hermeneutischen Hinweis enthält. Denn das hier Zitierte ist lediglich der zweite Teil einer Antithese, die der Markionit formuliert, und die er aus Josua 10,12-14 und Eph 4,26 konstruiert. Während „der jüdische Prophet des Schöpfergottes, um die Mehrzahl der Kämpfer zu töten, die Sonne stillstehen ließ, auf dass sie nicht unterging bis zur Vollendung, indem er die gegen das Volk Kämpfenden töte“ - im jüdischen Buch, das in der Septuaginta den Namen „Jesus“ (Ιησοῦς) trägt, steht weniger drastisch geschrieben, dass „die Sonne stillstand, und der Mond blieb stehen, bis Gott ihre Feinde abgewehrt hatte. Und dass die Sonne inmitten des Himmels stillstand und nicht voranschritt zum völligen Untergang des ersten Tages“ (καὶ ἔστη ὁ ἥλιος καὶ ἡ σελήνη ἐν στάσει, ἕως ἠμύνατο ὁ θεὸς τοὺς ἐχθροὺς αὐτῶν. καὶ ἔστη ὁ ἥλιος κατὰ μέσον τοῦ οὐρανοῦ, οὐ προεπορεύετο εἰς δυσμὰς εἰς τέλος ἡμέρας μιᾶς) -, so habe „der Herr jedoch, der gut ist, gesagt: Die Sonne soll über Eurem Zorn nicht untergehen“. Damit wird deutlich, dass der Markionit die *paulinische Interpretation von Ps 4,5, einem Vers, auf den er *Paulus nur anspielen lässt, durch die radikalisierte Lesart von Josua 10,13 verschärft. Damit gestaltet er *Laod 4,26 als Antithese zu beiden Stellen. Adamantius greift dies natürlich kritisierend auf, indem er ähnlich wie Tertullian die Antithese nicht gelten lassen will. Dass das Zitat des *Paulus von dem Markioniten als ein Wort „des 466 Rekonstruktion <?page no="467"?> Herrn, der gut ist“ aufgefasst wird, zeigt erneut, dass das *Evangelium des Markion von den Markioniten sowohl Paulus wie Christus selbst zugeschrieben wurde. 2. (4,27-32) Nach Übereinstimmung aller Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack wiederum mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. D. (4,25) Zum bezeugten Versteil: ἀποτίθημι, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für vorliegende Stelle bezeugt. ♦ ψεῦδος, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für die vorliegende Stelle und für *2Thess 2,9 bezeugt. ♦ ἕκαστος, das sich 87 / 82 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 3,13; 4,5; *2Kor 5,10; *1Thess 4,4. ♦ πλήσιος, das 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch im Zitat von Lev 19,18 bezeugt in *Gal 5,24; *Röm 12,9 und nochmals im Vers hier. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Die Kombination ὅτι ἐσμέν steht 1 weiteres Mal in Röm 8,16. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ μέλος, das 42 / 34 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,15; 9,9; 12,12. 14; *Röm 7,23. ♦ Die Form μέλη steht 12 Mal im NT (Röm 12,4. 5; 1Kor 6,15; 12,12. 20. 22. 25. 26. 27; Eph 4,25; 5,30), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,15; 12,12. 18. Zur Rekonstruktion: Für den bezeugten Textteil folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Auch wenn die sonst nur kanonisch bezeugte Wendung ὅτι ἐσμέν im unbezeugten Versteil begegnet, mag dieser vielleicht doch vorkanonisch gestanden sein, wie etwa die Formen ἐσμέν und μέλη nahelegen. (4,26) ὀργίζω steht 8 Mal im NT, vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ ἁμαρτάνω, das 47 / 43 im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 17,3. 4; *Röm 2,12. ♦ ἥλιος, das 36 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 15,41. ♦ ἐπιδύω und παροργισμός Hapax legomena im NT. ♦ Das zugehörige Verb παροργίζω steht nur 2 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene (Röm 10,19; Eph 6,4). Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und des Adaman‐ tius. Wie bereits in den Versen zuvor fällt die Häufigkeit auf, in der Elemente nur durch *Laod vorkanonisch bezeugt sind, was auf die Nähe dieses *Deutero‐ paulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (4,27) μηδέ steht 56 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9 (beide Verseröffnungen); *Röm 14,21 (im Vers); *Kol 2,21 (im Vers), 7 (Laod = Eph) 467 <?page no="468"?> vgl. zu 1Kor 5,8. ♦ τόπος, das 100 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ διάβολος steht 38 / 37 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,11. Zur Rekonstruktion: Erneut ist auch dieser Vers vorkanonisch unbezeugt, doch nach Ausweis der Lexik und im inhaltlichen Kontext kann er durchaus vorkanonisch gestanden sein. (4,28) κλέπτω, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,20; *Röm 13,9. ♦ μηκέτι, das sich 22 Mal im NT findet, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung μᾶλλον δέ, die 5 Mal im NT steht, ist jeweils bei Paulus zu finden, jedoch nur auf der kanonischen Ebene. ♦ κοπιάω, das 26 / 23 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. ♦ χείρ, das 158 / 178 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀγαθός, das 109 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,6. 10; *2Kor 5,10; *Röm 7,12; 12,9. ♦ Der Ausdruck τὸ ἀγαθόν (Nom. / Akk.) steht 13 Mal im NT, nur belegt für die kanonische Ebene, vgl. zu Röm 2,10. ♦ μεταδίδωμι, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ χρεία, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. Zur Abwesenheit: Im Unterschied zum voranstehenden Vers finden sich in diesem vorkanonisch unbezeugten Vers einige Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (μηκέτι; μᾶλλον δέ; κοπιάω; τὸ ἀγαθόν; μεταδίδωμι). An die kanonische Redaktion erinnert auch die Duplikation von κλέπτω. Der Vers ist folglich ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,29) Die Wendung πᾶς λόγος steht nur hier im NT. ♦ σαπρός steht 8 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,43. ♦ στόμα, das 80 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19; *Laod 6,19. ♦ Die Wendung ἐκ τοῦ στόματος steht 18 Mal im NT (2 Mal Mt; Lk 4,22, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 11,54; 19,22; Apg 22,14; Eph 4,29; Kol 3,8; 8 Mal Apk), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die erweiterte Wendung ἐκ τοῦ στόματος ὑμῶν steht 1 weiteres Mal in Kol 3,8. ♦ ἐκπορεύω steht 36 / 34 Mal im NT und begegnet nur auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκοδομή, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,21. ♦ χρεία, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31, vgl. zum voranstehenden Vers 28. ♦ Die Kombination ἵνα δῷ steht noch 1 weiteres Mal im Vers in Eph 3,16. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (ἐκ τοῦ στόματος; ἐκ 468 Rekonstruktion <?page no="469"?> τοῦ στόματος ὑμῶν; ἐκπορεύω; ἵνα δῷ). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,30) λυπέω, das 30 / 26 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 3,29; Lk 3,22, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 3 Mal Apg; Eph 4,30). ♦ Die Kombination ἐν ᾧ (Rel. Pr. Dat. Neut. Sg.) steht 28 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 7,2; Apg 10,12; 2Tim 2,9; 3 Mal Hebr; 2 Mal 1Petr; im Vers: Mk 4,24; 2 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 2,1; 8,3. 15; 14,21. 22; 16,2, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 7,24; 15,1; 2Kor 11,12. 21; Eph 4,30; Hebr 10,29; 2 Mal 1Petr), vorkanonisch bezeugt für *Röm 14,21. ♦ σφραγίζω, das sich 18 / 15 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,13. ♦ Die Wendung εἰς ἡμέραν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 4,30; Phil 1,10; 2,16; 2Pet 2,9; 3,7. 18). ♦ ἀπολύτρωσις, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (λυπέω; τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον; εἰς ἡμέραν). Auch dieser Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,31) πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ πικρία, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ θυμός, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ κραυγή steht 7 / 6 Mal im NT und findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ βλασφημία steht 22 / 18 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ αἴρω, das 106 / 107 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination ἀφ’ ὑμῶν steht 12 Mal im NT, ausschließlich im kanonischen Paulus belegt, vgl. zu 1Thess 1,8. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ κακία, das 11 Mal im NT zu finden ist, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (πικρία; κραυγή; βλασφημία; ἀφ’ ὑμῶν; κακία). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (4,32) Der Imperativ γίνεσθε steht 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,36; *1Kor 10,7; *Röm 12,16. ♦ Die Wendung εἰς ἀλλήλους steht 11 Mal im Neuen 7 (Laod = Eph) 469 <?page no="470"?> Testament, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,9, vgl. zu Röm 12,16. ♦ χρηστός, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,35. ♦ εὔσπλαγχνος steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in 1Petr 3,8. ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. ♦ Die Wendung καθὼς καὶ ὁ θεὸς ἐν Χριστῷ ἐχαρίσατο ὑμῖν ähnelt derjenigen, die auf der kanonischen Ebene in Kol 3,13 begegnet: καθὼς καὶ ὁ κύριος ἐχαρίσατο ὑμῖν. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente auf (εὔσπλαγχνος; καθὼς καὶ ὁ θεὸς ἐν Χριστῷ ἐχαρίσατο ὑμῖν). Darüber hinaus fällt χαρίζω bzw. χαρίζομαι auf, das vorkanonisch nur in *Kol bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deutero‐ paulinums zur kanonischen Sprache hinweist. Auch der vorliegende Vers dürfte auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sein und vorkanonisch gefehlt haben. Kapitel 5 5,[1] 2 [3-7] 8 [9-10] 11 [12-13] 14 [15] 16 [17] 18 -19 [20]: Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis! Die vorkanonischen Ermahnungen sind gut bezeugt, auch wenn die kanonische Redaktion sie teilweise überarbeitet und teilweise ergänzt hat. -5,2 περιπατεῖτε καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς παρέδωκεν ἑαυτὸν ὑπὲρ ἡμῶν προσφορὰν καὶ θυσίαν τῷ θεῷ εἰς ὀσμὴν εὐωδίας. 5,1 Γίνεσθε οὖν μιμηταὶ τοῦ θεοῦ ὡς τέκνα ἀγαπητὰ 2 καὶ περιπατεῖτε ἐν ἀγάπῃ, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς ἠγάπησεν ὑμᾶς καὶ παρέδωκεν ἑαυτὸν ὑπὲρ ὑμῶν προσφορὰν καὶ θυσίαν τῷ θεῷ εἰς ὀσμὴν εὐωδίας. - 3 Πορνεία δὲ καὶ ἀκαθαρσία πᾶσα ἢ πλεονεξία μηδὲ ὀνομαζέσθω ἐν ὑμῖν, καθὼς πρέπει ἁγίοις, 4 καὶ αἰσχρότης καὶ μωρολογία ἢ εὐτραπελία, ἃ οὐκ ἀνῆκεν, ἀλλὰ μᾶλλον εὐχαριστία. 5 τοῦτο γὰρ ἴστε γινώσκοντες, ὅτι πᾶς πόρνος ἢ ἀκάθαρτος ἢ πλεονέκτης, ὅ ἐστιν εἰδωλολάτρης, οὐκ ἔχει κληρονομίαν ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ Χριστοῦ καὶ θεοῦ. 6 Μηδεὶς ὑμᾶς ἀπατάτω κενοῖς λόγοις· διὰ ταῦτα γὰρ ἔρχεται ἡ ὀργὴ τοῦ θεοῦ ἐπὶ τοὺς υἱοὺς τῆς ἀπειθείας. 7 μὴ οὖν γίνεσθε συμμέτοχοι αὐτῶν· 8 ἦτε γάρ ποτε σκότος, νῦν δὲ φῶς· 8 ἦτε γάρ ποτε σκότος, νῦν δὲ φῶς ἐν κυρίῳ· ὡς τέκνα φωτὸς περιπατεῖτε 470 Rekonstruktion <?page no="471"?> 9 - ὁ γὰρ καρπὸς τοῦ φωτὸς ἐν πάσῃ ἀγαθωσύνῃ καὶ δικαιοσύνῃ καὶ ἀληθείᾳ- 10 δοκιμάζοντες τί ἐστιν εὐάρεστον τῷ κυρίῳ, 11 μὴ συγκοινωνεῖτε τοῖς ἔργοις τοῦ σκότους. 11 καὶ μὴ συγκοινωνεῖτε τοῖς ἔργοις τοῖς ἀκάρποις τοῦ σκότους, μᾶλλον δὲ καὶ ἐλέγχετε. - 12 τὰ γὰρ κρυφῇ γινόμενα ὑπ’ αὐτῶν αἰσχρόν ἐστιν καὶ λέγειν, 13 τὰ δὲ πάντα ἐλεγχόμενα ὑπὸ τοῦ φωτὸς φανεροῦται, 14 πᾶν γὰρ τὸ φανερούμενον φῶς ἐστιν. διὸ λέγει· ἔγειρε, ὁ καθεύδων, καὶ ἀνάστα ἐκ τῶν νεκρῶν, καὶ ἐπιφαύσει σοι ὁ Χριστός. 14 πᾶν γὰρ τὸ φανερούμενον φῶς ἐστιν. διὸ λέγει· ἔγειρε, ὁ καθεύδων, καὶ ἀνάστα ἐκ τῶν νεκρῶν, καὶ ἐπιφαύσει σοι ὁ Χριστός. - 15 Βλέπετε οὖν ἀκριβῶς πῶς περιπατεῖτε μὴ ὡς ἄσοφοι ἀλλ’ ὡς σοφοί, 16 ἐξαγοραζόμενοι τὸν καιρόν, ὅτι αἱ ἡμέραι πονηραί εἰσιν. 16 ἐξαγοραζόμενοι τὸν καιρόν, ὅτι αἱ ἡμέραι πονηραί εἰσιν. - 17 διὰ τοῦτο μὴ γίνεσθε ἄφρονες, ἀλλὰ συνίετε τί τὸ θέλημα τοῦ κυρίου. 18 καὶ μὴ μεθύσκεσθε οἴνῳ, - 18 καὶ μὴ μεθύσκεσθε οἴνῳ, ἐν ᾧ ἐστιν ἀσωτία, ἀλλὰ πληροῦσθε ἐν πνεύματι, 19 ψαλμοῖς καὶ ὕμνοις ᾄδοντες τῷ θεῷ, 19 λαλοῦντες ἑαυτοῖς ἐν ψαλμοῖς καὶ ὕμνοις καὶ ᾠδαῖς πνευματικαῖς, ᾄδοντες καὶ ψάλλοντες τῇ καρδίᾳ ὑμῶν τῷ κυρίῳ, - 20 εὐχαριστοῦντες πάντοτε ὑπὲρ πάντων ἐν ὀνόματι τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ τῷ θεῷ καὶ πατρί. A. *5,2: Vgl. Ephräm, der Syrer (Lied 36,3 gegen die Ketzer): „Es steht für sie (sc. die Markioniten) und für uns über den Sohn Gottes geschrieben, dass er ein Opfer und Wohlgeruch für Gott geworden ist“. ♦ *5,11: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,6: Nolite communicare operibus tenebrarum. ♦ *5,14: Vgl. Epiph., Pan. 42, Sch. 37 (119 H.): διὸ λέγει· ἔγειρε, ὁ καθεύδων, ἐπιφαύσει σοι ὁ Χριστός. Ibid. (180 H.): ἔγειρε, ὁ καθεύδων, καὶ ἀνάστα ἐκ τῶν νεκρῶν, καὶ ἐπιφαύσει σοι ὁ Χριστός. Der Verweis ist nicht näher zu bestimmen, am ehesten könnte man noch an Jes 51,17 LXX denken: ᾿Εξεγείρου ἐξεγείρου ἀνάστηθι. Vgl. auch Jes 26,19 LXX: ἀναστήσονται οἱ νεκροί, καὶ ἐγερθήσονται οἱ ἐν τοῖς μνημείοις, καὶ εὐφρανθήσονται οἱ ἐν τῇ γῇ· ἡ γὰρ δρόσος ἡ παρὰ σοῦ ἴαμα αὐτοῖς ἐστιν, ἡ δὲ 7 (Laod = Eph) 471 <?page no="472"?> 48 Zuntz hält diese Lesart möglicherweise für ursprünglich, G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 94-95. Sie war vielleicht eine Harmonisierung mit Kol 3,16 (ψαλμοῖς ὕμνοις ᾠδαῖς πνευματικαῖς), was beide Male auf der kanonischen Ebene nur begegnet. γῆ τῶν ἀσεβῶν πεσεῖται; Jes 60,1 LXX: Φωτίζου φωτίζου, Ιερουσαλημ, ἥκει γάρ σου τὸ φῶς, καὶ ἡ δόξα κυρίου ἐπὶ σὲ ἀνατέταλκεν. ♦ *5,18-19: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,7: Sic et, Inebriari vino dedecori, inde est ubi sanctorum inebriatores increpantur: Et potum dabatis sanctis meis vinum; quod prohibitus erat potare et Aaron sacerdos et filii eius, cum adirent ad sancta. Et psalmis et hymnis deo canere docere illius est qui cum tympanis potius et psalteriis vinum bibentes incusari a deo norat. B. (5,2) ὑμᾶς steht in 01* 2b , 02, 03, 025, 81, 326, 1175, 1241 s , it, co, Cl pt , MVict, Ambst, Spec, während ἡμᾶς zu finden ist in P 46 , 01 2a , 06, 010, 012, 018, 020, 044, 0278, 33, 105, 365, 630, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, Cl pt , Hier. ♦ Anstelle von ὑπὲρ ἡμῶν findet sich stattdessen ὑπὲρ ὑμῶν in 03, 0278 c , 1175, b, m*, co, MVict, Ambst, Spec. ♦ (5,14) Anstelle von ἐπιφαύσει σοι ὁ Χριστός findet sich ἐπιψαύσεις τοῦ Χριστοῦ in 06*, b, MVict, Ambst, Chr mss . ♦ (5,19) Ante ψαλμοῖς om ἐν in 01, 02, 06, 010, 012, 018, 020, 044, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1881, 2464, M, vg ms , add in P 46 , 03, 025, 0278, 6, 33, 1739, lat. ♦ Der Zeuge 02 liest πνευματικαῖς ἐν χαρίτι, das πνευματικαῖς fehlt in den Zeugen P 46 , 03, b, d, Ambst. 48 C. 1. (5,1-2) Die Editoren sind sich im Fall dieser beiden Verse, was die Bezeugung betrifft, uneinig, insbesondere mit Blick auf den Zeugniswert Ephräms. Für Hilgenfeld sind beide Verse unbezeugt. Nach Zahn und Harnack ist Vers 2 bezeugt, während für Schmid beide Verse unbezeugt sind. BeDuhn schließt sich Zahn und Harnack an und legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: [καὶ περιπατεῖτε ἐν ἀγάπῃ, καθὼς καὶ] ὁ Χριστὸς [ἠγάπησεν ἡμᾶς καὶ παρέδωκεν ἑαυτὸν ὑπὲρ ἡμῶν] προσφορὰν καὶ θυσίαν τῷ θεῷ [εἰς ὀσμὴν εὐωδίας]. 2. (5,3-10) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 3. (5,11) Der Vers ist nach Hilgenfeld unbezeugt, nach den anderen Editoren ist er für den vorkanonischen Text zumindest teilweise bezeugt. Zahn und Harnack rechnen mit dem kanonischen Text, wenn auch Harnack lediglich den folgenden Textbestand als bezeugt annimmt: μὴ συγκοινωνεῖτε τοῖς ἔργοις τοῦ σκότους. Schmid bietet ebenfalls nur diesen Text. Diesen beiden schließt sich BeDuhn in seiner Übersetzung an. 472 Rekonstruktion <?page no="473"?> 49 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 164. 4. (5,12-13) Diese Verse sind nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack wiederum mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. BeDuhn führt sie nicht in seiner Übersetzung an. 5. (5,14) Nach allen Editoren ist der zweite Teil dieses Verses durch Epiphanius bezeugt, auch wenn Zahn und Harnack auch mit dem Anfang des Verses präkanonisch rechnen. Schmid hat auf die differierende Bezeugung der Stelle bei Epiphanius hingewiesen, da in der ersten Liste von Exzerpten καὶ ἀνάστα ἐκ τῶν νεκρῶν, καί fehlt, auch wenn dieser Passus von Holl emendiert wurde. Schmid urteilt umsichtig: „Die Annahme, daß in einer früheren Epiphanius-HS hier eine Zeile (mit 23 Buchstaben) ausgefallen ist, ist immerhin möglich. Es bleibt allerdings zu bedenken, daß kein sinnvoller Anstoß (Homoioarkton, -teleuton o.ä.) für einen mechanischen Fehler gegeben ist … Schließlich wird man auch die … Texte nicht außer Acht lassen dürfen, die so etwas wie eine ‚tendency toward economy‘ für die erste Anführung sichtbar machen, so daß es sich nahelegt, die besprochenen textlichen Differenzen auf einer Ebene anzusiedeln“. 49 6. (5,15-17) Nach allen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit der nicht näher bestimmbaren Präsenz der Verse rechnen. 7. (5,18-19) Übereinstimmend sehen die Editoren diese Verse durch Tertullian zumindest in Teilen bezeugt. Zahn rechnet mit dem kanonischen Text, Harnack gibt als bezeugte Teile: 18 μεθύσκεσθαι οἴνῳ αἰσχρόν. 19 ψαλμοῖς καὶ ὕμνοις τῷ θεῷ. Schmid hält sich enger an den kanonischen Text und sieht als bezeugt: 18 καὶ μὴ μεθύσκεσθε οἴνῳ-… 19-… ψαλμοῖς καὶ ὕμνοις-… (τῷ κυρίῳ). BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 18 [καὶ μὴ] μεθύσκεσθε οἴνῳ, [ἐν ᾧ ἐστιν ἀσωτία, ἀλλὰ πληροῦσθε ἐν πνεύματι], 19 ᾄδοντες [ἑαυτοῖς] ψαλμοῖς καὶ ὕμνοις [καὶ ᾠδαῖς πνευματικαῖς]-… τῷ θεῷ. 8. (5,19) Das in manchen Zeugen fehlende ἐν scheint erst durch die kanonische Redaktion eingefügt worden zu sein, um die grammatische Struktur mit dem unbezeugten λαλοῦντες ἑαυτοῖς zu erleichtern. 9. (5,20) Nach Übereinstimmung aller Editoren ist der Vers 20 unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit dessen nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 7 (Laod = Eph) 473 <?page no="474"?> D. (5,1) μιμητής, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Das verwandte μιμέομαι, das 11 / 4 Mal im NT steht, ist ebenfalls ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Der Ausdruck μιμηταὶ τοῦ θεοῦ steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung ὡς τέκνα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 5,1. 8; 1Petr 1,14, vgl. aber auch 1Kor 4,14). ♦ ἀγαπητός, das sich 64 / 61 Mal im NT findet, wovon die Anrede ἀγαπητοί allein 30 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,13; *1Kor 1,28. Zur Abwesenheit: Der vorkanonische Vers weist einige Elemente auf, die aus‐ schließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (μιμητής/ μιμέομαι; ὡς τέκνα). Der Vers scheint darum wohl auf die kanonische Redaktion zurückzugehen und vorkanonisch gefehlt zu haben. (5,2) περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ Die Form περιπατεῖτε steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 12,35; Gal 5,16; Eph 5,2. 8; Kol 2,6; 4,5). ♦ Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,14. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25. 29; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ Die weitere Wendung καθὼς καὶ ὁ Χριστός steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,29. ♦ Die Wendung ἠγάπησεν ἡμᾶς begegnet 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 2,4; 5,2; 1Joh 4,10. 11. 19). ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, vgl. weiter unten zu Vers 25. ♦ Die Form παρέδωκεν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Röm 1,24. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ὑπὲρ ἡμῶν vgl. zu Röm 8,31. ♦ προσφορά, das 10 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ θυσία, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist ebenfalls vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ ὀσμή, das 6 Mal im NT steht, ist wiederum nur für diese Stelle hier vorkanonisch bezeugt. ♦ εὐωδία steht 3 Mal im NT, die beiden anderen Male auf der kanonischen Ebene. ♦ Man bemerke übrigens dieselbe Kombination von ὀσμή mit εὐωδία an den drei Stellen, an denen der Begriff begegnet (2Kor 2,15; Eph 5,2; Phil 4,18), nur hier vorkanonisch stehend. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt Ephräms Hinweisen, gleichwohl zeigt die Lexik, dass der Vers von der kanonischen Redaktion in den unbezeugten Teilen überarbeitet zu sein scheint. Diese Beobachtung ist allerdings mit der Unsicherheit verbunden, die sich aus der Nähe von *Laod zur kanonischen Lexik ergibt. Denn auch einige der bezeugten Elemente in diesem Vers sind nur durch *Laod vorkanonisch bezeugt. 474 Rekonstruktion <?page no="475"?> (5,3) πορνεία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,13. 18; *1Thess 4,3. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ ἀκαθαρσία, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ πλεονεξία steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9; *Kol 2,21. ♦ ὀνομάζω steht 11 / 10 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 (= Eph 1,21). ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πρέπω, das 8 / 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δὲ καί; πλεονεξία; ἐν ὑμῖν; πρέπω. (5,4) αἰσχρότης, μωρολογία und εὐτραπελία sind Hapax legomena im NT. ♦ Die Kombination ἃ οὐκ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; Eph 5,4; Apk 3,4). ♦ ἀνίημι steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀνήκω, worauf die Form auch zurückgeführt werden kann, steht 4 Mal im NT, ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἀλλὰ μᾶλλον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 27,24; Mk 5,26; Eph 5,4; 1Tim 6,2). ♦ εὐχαριστία, das 15 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἃ οὐκ; ἀνίημι/ ἀνήκω; ἀλλὰ μᾶλλον; εὐχαριστία. (5,5) Die Kombination τοῦτο γάρ steht 13 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,50 als Versanfang, vgl. zu 1Thess 4,15. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Form γινώσκοντες steht 9 Mal im NT (inkl. Komposita), jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 6,6. ♦ πόρνος, das 12 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀκάθαρτος, das 33 / 32 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εἰδωλολάτρης, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. ♦ κληρονομία, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,18. ♦ βασιλεία, das 169 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,21; *1Kor 15,50. ♦ Die Wendung ἐν τῇ βασιλείᾳ steht 18 Mal im NT (9 Mal Mt; Mk 14,25; Lk 7,28; 13,28, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14,15; 22,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt. 30; Eph 5,5), vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,28. ♦ Die erweiterte 7 (Laod = Eph) 475 <?page no="476"?> Wendung ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ Χριστοῦ steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT (Mk 14,25; Lk 7,28; 13,28, in einem Vers, der in *Ev fehlt. 29; 14,15; 22,16, in einem Vers, der in *Ev fehlt), vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,28. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: γινώσκοντες; πόρνος; ἀκάθαρτος. (5,6) Die Kombination μηδεὶς ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Eph 5,6; Kol 2,18; im Vers: Kol 2,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπατάω steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κενός, das 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. ♦ Die Kombination κενός + λόγος steht nur hier im NT. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7. ♦ ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ Die Wendung ὀργὴ τοῦ θεοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 3,36; Eph 5,6; Kol 3,6). ♦ ἀπείθεια, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2. ♦ Die Wendung ἐπὶ τοὺς υἱοὺς τῆς ἀπειθείας steht 1 weiteres Mal, Kol 3,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μηδεὶς ὑμᾶς; ἀπατάω; ὀργὴ τοῦ θεοῦ; ἐπὶ τοὺς υἱοὺς τῆς ἀπειθείας. Bemerkenswert ist auch die Nähe dieses Verses zu Kol 3,6. (5,7) Die Kombination μὴ οὖν steht 9 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung, vorkano‐ nisch bezeugt für *Kol 2,16, vgl. zu Röm 6,12. ♦ Der Imperativ γίνεσθε steht 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,36; *1Kor 10,7; *Röm 12,16. ♦ συμμέτοχος steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene (Eph 3,6). ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15, vgl. weiter Vers 12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: συμμέτοχος. Man bemerke jedoch die ausschließlich für *Kol vorkanonisch bezeugte Wen‐ dung μὴ οὖν. (5,8) Die Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ Die Kombination γάρ ποτε steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,29, vgl. zu 1Thess 2,5. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11; 6,12, vgl. weiter zu dem vorkanonisch bezeugten Vers 11. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Kombination νῦν δέ steht 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ φῶς, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6; 11,14, vgl. weiter die Verse 9. 13. ♦ Die Wendung 476 Rekonstruktion <?page no="477"?> ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ Die Wendung ὡς τέκνα steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 5,1. 8; 1Petr 1,14, vgl. aber auch 1Kor 4,14). ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ Die Form περιπατεῖτε steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 5,2. Zur Rekonstruktion: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist im ersten Versteil eine Lexik auf, die vorkanonisch bezeugt ist und bietet damit eventuell einen Textbestand, der vorkanonisch vorhanden gewesen sein kann. Er würde auch gut als Überleitung zum nächstbezeugten Vers 11 dienen. Lediglich das kanoni‐ sche ἐν κυρίῳ wird vorkanonisch gefehlt haben. (5,9) καρπός steht 71 / 66 Mal im NT und *Ev. ♦ Zu φῶς vgl. zuvor zu Vers 8 und weiter Vers 13. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ ἀγαθωσύνη, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. ♦ ἀλήθεια, das 112 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,14; *2Thess 2,10. 11. 12; *Laod 1,13; 6,14; *Phil 1,18; *Kol 1,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἀγαθωσύνη. (5,10) δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist *Ev 12,56; *1Kor 3,13. ♦ Die Kombination τί ἐστιν steht 16 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 4,9. ♦ εὐάρεστος, das 10 / 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der paulinisch-kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τί ἐστιν; εὐάρεστος. (5,11) συγκοινωνέω begegnet nur 3 Mal im NT, die beiden anderen Male jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔργον, ein Begriff, der 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ Das hier unbezeugte ἄκαρπος, das 7 Mal im NT steht, ist nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 6,12. Zu dem nicht mehr bezeugten Versteil: Die Wendung μᾶλλον δέ steht 5 Mal im NT, immer bei Paulus, jedoch nur kanonisch bezeugt. ♦ Die Kombination δὲ καί begegnet 41 Mal im NT, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ Zu ἐλέγχω, das 20 / 17 Mal im NT belegt ist, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten ebenfalls auf der kanonischen Ebene zu Vers 13. 7 (Laod = Eph) 477 <?page no="478"?> Zur Rekonstruktion: Dem lexikalischen Vergleich nach zu urteilen spricht viel dafür, dass die unbezeugten Teile (καί, ἄκαρπος, μᾶλλον δέ bis Ende des Verses) auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sind. Das einführende καί wurde erst notwendig, um die von der Redaktion eingeschobenen Verse 9 und 10 mit dem Folgevers zu verbinden, während Vers 11 mit seiner Aufforderung unmittelbar an Vers 8 anschließt. Für den bezeugten Teil ist wieder die Sonder‐ terminologie von *Laod auffällig (συγκοινωνέω), die das *Deuteropaulinum in die Nähe der kanonischen Sprache rückt. (5,12) κρυφῇ ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.) vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ Die Wendung ὑπ’ αὐτῶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 17,12; 2 Mal Apg; Eph 5,12). ♦ αἰσχρός, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐλέγχω, das 20 / 17 Mal im NT belegt ist, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben, ebenfalls auf der kanonischen Ebene zu Vers 11. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ φῶς, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6; 11,14. ♦ Die Verbform λέγειν, die 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὑπ’ αὐτῶν; αἰσχρός; ἐλέγχω; λέγειν. (5,13) Die Kombination τὰ δὲ πάντα steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,18. ♦ Zum kanonischen ἐλέγχω vgl. zum voranstehenden Vers 12. ♦ φανερόω steht 54 / 49 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τὰ δὲ πάντα; ἐλέγχω. (5,14) πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ Zu φανερόω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ καθεύδω, das 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle bezeugt. ♦ ἀνίστημι, das 131 / 108 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt, jedoch im theologischen Sinn nur für *1Thess 4,16. ♦ ἐπιφαύσκω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Variante ἐπιψαύω ist ebenfalls Hapax legomenon im NT. ♦ σοι (Dat. Sg. oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Laod 5,14. 478 Rekonstruktion <?page no="479"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis des Epiphanius. Betrachtet man die Lexik, kann man den unbezeugten ersten Teil des Verses durchaus für den vorkanonischen Text annehmen. Dazu kommt, dass der nur von Epiphanius be‐ zeugte Text wegen seiner Argumentation durchaus entsprechend zugeschnitten sein kann. Ausschlaggebend ist hier der narrative Zusammenhang, der für die Präsenz auch des Anfangs des Verses spricht. (5,15) βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. ♦ Die Kombination βλέπετε οὖν steht 3 Mal im NT (Lk 8,18, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 13,40; Eph 5,15), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀκριβής, das 7 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ πῶς, das 109 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,35. ♦ Die Form περιπατεῖτε steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 5,2. ♦ Die Kombination μὴ ὡς steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,5. ♦ ἄσοφος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 4,14. ♦ σοφός, das 24 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 3,18. 19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: βλέπετε οὖν; ἀκριβής; περιπατεῖτε; μὴ ὡς; ἀλλ’ ὡς. (5,16) ἐξαγοράζω, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,13; 4,5. ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6; *Laod 1,10. ♦ πονηρός, das 81 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Kol 1,21. Zur Rekonstruktion: Der vorliegende Vers ist zwar nicht vorkanonisch bezeugt, doch die Lexik ist durchgehend vorkanonischen Charakters, er kann also durchaus in der vorkanonischen Version gestanden sein. Auch inhaltlich passt er gut in den Kontext. (5,17) διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ Die Wendung μὴ γίνεσθε steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16, vgl. zu diesem Vers. ♦ ἄφρων, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch mit der Form ἄφρον bezeugt für *Ev 12,20; *1Kor 15,36. ♦ συνίημι, das 31 / 26 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τί τό steht 11 Mal im NT (Mt 24,3; Mk 13,4; Lk 21,7; Röm 12,2; Eph 1,19; 3,18; 5,17; Kol 1,27; Jak 2,14. 16; 1Petr 4,17), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ θέλημα, das 65 / 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. 7 (Laod = Eph) 479 <?page no="480"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἄφρονες; συνίημι; τί τό. Bei diesem lexikalischen Vergleich sticht ein Vers heraus - Vers 16. Während sich in den beiden anderen Versen 15 und 17 eine Reihe von ausschließlich zur kanonischen Ebene gehörender Elemente findet, auch mit der Besonderheit von einigen Termini, die speziell für *Laod bezeugt sind, deutet die Lexik darauf hin, dass Vers 16 bereits zur vorkanonischen Fassung gehört haben könnte. Dafür spricht dann insbesondere auch der argumentative Zusammenhang. Man wird also diesen Vers der vorkanonischen Ebene zuordnen, die beiden anderen der kanonischen Redaktion. (5,18) μεθύσκω, das 5 / 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle bezeugt. ♦ οἶνος, das 36 / 34 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Röm 14,21. ♦ Das nicht mehr bezeugte ἀσωτία steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Das ebenfalls unbezeugte πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, und der Lexik nach scheint auch nicht mehr als der bezeugte Text im vorkanonischen Vers gestanden zu sein. (5,19) Das bezeugte ψαλμός steht 8 / 7 Mal im NT und ist vorkanonisch nur für diese Stelle bezeugt. ♦ ὕμνος ist ebenfalls nur an vorliegender Stelle vorkanonisch bezeugt, 1 weiteres Mal steht der Begriff auf kanonischer Ebene in Kol 3,16. ♦ Das nicht mehr bezeugte ᾠδή steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ Das bezeugte ἀείδω findet sich 14 Mal im NT, nur an dieser Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ Das nicht mehr bezeugte ψάλλω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,14. Zur Rekonstruktion: Wiederum folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Der Lexik nach scheint auch nicht mehr vorkanonisch gestanden zu sein. Allerdings fällt auf, dass die hier bezeugten zentralen Begriffe nur durch *Laod vorkano‐ nisch bezeugt sind, was wiederum auf die Nähe des *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweist. (5,20) εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17. ♦ ὄνομα, das 248 / 231 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 480 Rekonstruktion <?page no="481"?> 2,24, und ist auf den Herrn bezogen (τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ) ein Begriff der kanonischen Redaktion. ♦ Die Formel τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 34 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 1,3; *1Thess 5,23; *Laod 1,17. ♦ Die Formel τῷ θεῷ καὶ πατρί steht 1 weiteres Mal, 1Kor 15,24, doch bereits dort wurde vermerkt, dass im Falle, dass diese Formel vorkanonisch gestanden wäre, vermutlich nur τῷ θεῷ stand. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πάντοτε; Semantik von ὄνομα; τῷ θεῷ καὶ πατρί). 5,[21] 22-23 [24] 25 [26-27] 28-29 30 31-32 [33]: Das Verhältnis von Frau und Mann Das große Geheimnis, das der vorkanonische Text nennt, ist die Gemeinschaft als Christi Fleisch und Glieder, als solche sehen sich Frau und Mann, im selben Verhältnis, das Christus zur Kirche hat. Die kanonische Redaktion verkehrt hier den Sinn der Stelle in ihr Gegenteil und macht daraus eine Abhandlung über die Ehe. - 21 Ὑποτασσόμενοι ἀλλήλοις ἐν φόβῳ Χριστοῦ 22 αἱ γυναῖκες τοῖς ἀνδράσιν ὑποτάσσεσθε, 23 ὅτι ἀνήρ ἐστιν κεφαλὴ τῆς γυναικὸς ὡς καὶ ὁ Χριστὸς κεφαλὴ τῆς ἐκκλησίας· 22 αἱ γυναῖκες τοῖς ἰδίοις ἀνδράσιν ὡς τῷ κυρίῳ, 23 ὅτι ἀνήρ ἐστιν κεφαλὴ τῆς γυναικὸς ὡς καὶ ὁ Χριστὸς κεφαλὴ τῆς ἐκκλησίας, αὐτὸς σωτὴρ τοῦ σώματος·24 ἀλλ’ ὡς ἡ ἐκκλησία ὑποτάσσεται τῷ Χριστῷ, οὕτως καὶ αἱ γυναῖκες τοῖς ἀνδράσιν ἐν παντί. 25 καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς ἠγάπησεν τὴν ἐκκλησίαν, 25 Οἱ ἄνδρες, ἀγαπᾶτε τὰς γυναῖκας, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς ἠγάπησεν τὴν ἐκκλησίαν καὶ ἑαυτὸν παρέδωκεν ὑπὲρ αὐτῆς, - 26 ἵνα αὐτὴν ἁγιάσῃ καθαρίσας τῷ λουτρῷ τοῦ ὕδατος ἐν ῥήματι, 27 ἵνα παραστήσῃ αὐτὸς ἑαυτῷ ἔνδοξον τὴν ἐκκλησίαν, μὴ ἔχουσαν σπίλον ἢ ῥυτίδα ἤ τι τῶν τοιούτων, ἀλλ’ ἵνα ᾖ ἁγία καὶ ἄμωμος. 28 καὶ οἱ ἄνδρες ὀφείλουσιν ἀγαπᾶν τὰς ἑαυτῶν γυναῖκας. ὁ ἀγαπῶν τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα τὴν ἑαυτοῦ σάρκα ἀγαπᾷ. 28 οὕτως ὀφείλουσιν καὶ οἱ ἄνδρες ἀγαπᾶν τὰς ἑαυτῶν γυναῖκας ὡς τὰ ἑαυτῶν σώματα. ὁ ἀγαπῶν τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα ἑαυτὸν ἀγαπᾷ. 7 (Laod = Eph) 481 <?page no="482"?> 29 Οὐδεὶς γάρ ποτε τὴν ἑαυτοῦ σάρκα μισεῖ, ἀλλ’ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. 29 Οὐδεὶς γάρ ποτε τὴν ἑαυτοῦ σάρκα ἐμίσησεν ἀλλ’ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν, 30 ὅτι μέλη ἐσμὲν τοῦ σώματος αὐτοῦ ἐκ τὴς σαρκὸς αὐτοῦ καὶ ἐκ τῶν ὀστέων αὐτοῦ, 30 ὅτι μέλη ἐσμὲν τοῦ σώματος αὐτοῦ. 31 ἀντὶ τοῦ καταλείψει ἄνθρωπος πατέρα καὶ μητέρα, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. 32 τὸ μυστήριον τοῦτο μέγα ἐστίν· ἐγὼ δὲ λέγω εἰς Χριστὸν καὶ ἐκκλησίαν. 31 ἀντὶ τούτου καταλείψει ἄνθρωπος τὸν πατέρα καὶ τὴν μητέρα καὶ προσκολληθήσεται πρὸς τὴν γυναῖκα αὐτοῦ, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. 32 τὸ μυστήριον τοῦτο μέγα ἐστίν· ἐγὼ δὲ λέγω εἰς Χριστὸν καὶ εἰς τὴν ἐκκλησίαν. - 33 πλὴν καὶ ὑμεῖς οἱ καθ’ ἕνα, ἕκαστος τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα οὕτως ἀγαπάτω ὡς ἑαυτόν, ἡ δὲ γυνὴ ἵνα φοβῆται τὸν ἄνδρα. A. *5,21-23: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,8: Ceterum mulieres viris subiectas esse debere unde confirmat? Quia vir, inquit, caput est mulieris. Dic mihi, Marcion, de opere creatoris deus tuus legi suae astruit auctoritatem? Hoc iam plane minus est, cum et ipsi Christo suo et ecclesiae eius inde statum sumit: Sicut et Christus caput est ecclesiae. ♦ *5,25: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,8: Similiter et cum dicit, Carnem suam diligit qui uxorem suam diligit, sicut et Christus ecclesiam. ♦ *5,28: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,8: Similiter et cum dicit, Carnem suam diligit qui uxorem suam diligit, sicut et Christus ecclesiam: vides comparari operi creatoris Christum tuum et ecclesiam tuam. Quantum honoris carni datur in ecclesiae nomine! ♦ *5,29: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,9: Nemo, inquit, carnem suam odio habet (nisi plane Marcion solus), sed et nutrit et fovet eam, sicut et Christus ecclesiam. At tu solus eam odisti, auferens illi resurrectionem. Odisse debebis et ecclesiam, quia proinde diligitur a Christo. At enim Christus amavit et carnem sicut ecclesiam. Nemo non diliget imaginem quoque sponsae, immo et servabit illam et honorabit et coronabit. Habet similitudo cum veritate honoris consortium. ♦ 5,30: Vgl. Gen 2,23 LXX: καὶ εἶπεν Αδαμ Τοῦτο νῦν ὀστοῦν ἐκ τῶν ὀστέων μου καὶ σὰρξ ἐκ τῆς σαρκός μου· αὕτη κληθήσεται γυνή, ὅτι ἐκ τοῦ ἀνδρὸς αὐτῆς ἐλήμφθη αὕτη. ♦ *5,31-32: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,9: Laborabo ego nunc eundem deum probare masculi et Christi, mulieris et ecclesiae, carnis et spiritus, ipso apostolo sententiam creatoris adhibente, immo et disserente: Propter hanc relinquet homo patrem et matrem, et erunt duo in carne una: sacramentum hoc magnum est? … sed ego autem dico, inquit, in Christum et ecclesiam. Epiph., Pan. 42, Sch. 38 (119 H.): ἀντὶ τούτου καταλείψει ἄνθρωπος τὸν πατέρα αὐτοῦ καὶ τὴν μητέρα καὶ κολληθήσεται τῇ γυναικὶ, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν, παρὰ τό τῇ γυναικί. Ibid. im Elench. 482 Rekonstruktion <?page no="483"?> 50 Vgl. den Parallelfall in 2Kor 7,1. Führt er weiter an: Ἀποδέδεικται πολλάκις μὴ ἀλλότρια εἶναι τὰ ἐν τῷ νόμῳ τοῖς ὑπὸ τοῦ ἀποστόλου διδασκομένοις, κἄν τε σύ, ὦ Μαρκίων, παρακόψῃς τό „<τῇ> γυναικί“. ἀπὸ τοῦ γάρ „ἔσονται εἰς σάρκα μίαν“ δήλη σου ἔσται ἡ πᾶσα ῥᾳδιουργία. Ibid. (180 H.): ἀντὶ τοῦ καταλείψει ἄνθρωπος τὸν πατέρα αὐτοῦ καὶ τὴν μητέρα καὶ κολληθήσεται τῇ γυναικὶ, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν, παρὰ τό τῇ γυναικί. Vgl. Gen 2,24 LXX: ἕνεκεν τούτου καταλείψει ἄνθρωπος τὸν πατέρα αὐτοῦ καὶ τὴν μητέρα αὐτοῦ καὶ προσκολληθήσεται πρὸς τὴν γυναῖκα αὐτοῦ, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. B. (5,21) Anstelle von ἐν φόβῳ Χριστοῦ findet sich in sy p das Äquivalent für ἐν ἀγάπῃ Χριστοῦ. 50 ♦ (5,22) Post ἀνδράσιν add ὑποτάσσεσθε in (06, 010, 012), 018, 020, 630, M, sy, ὑποτασσέσθωσαν in 01, 02, 016, 025, (044), 0278, 6, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 1881, 2464, lat, sy hmg , co, om P 46 , 03, Cl, Hier mss , NA 28 . ♦ (5,28) ὀφείλουσιν οἱ ἄνδρες bieten die Zeugen 01, 018, 020, 044, 0278, 81, 104, 365, 630, 1241 s , 1739, 1881, 2464, M, sy p , Did, Meth, καὶ οἱ ἄνδρες ὀφείλουσιν findet sich in den Zeugen 02, 06, 010, 012, 025, 048 vid , 0285 vid , 629, lat, Cl, die von NA 28 gewählte Form steht in P 46 , 03, 33, 1175, 1505, sy h . ♦ (5,29) Anstelle von καὶ ὁ Χριστός findet sich καὶ ὁ κύριος in den Zeugen 06 2 , 018, 020, 630, M, während die von Tertullian bestätigte Lesart καὶ ὁ Χριστός zu finden ist in den Zeugen P 46 , 01, 02, 03, 06*, 010, 012, 025, 044, 048, 0278, 0285, 33, 81, 104, 365, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 1881, 2464, latt, sy, co. Inkonsistenterweise führt NA 28 die von Tertullian gewählte Lesart auf, auch wenn καὶ ὁ κύριος gewiss die kanonische Lesart darstellt; die vorkanonische Lesart hat sich in einer Fülle von Zeugen niedergeschlagen. ♦ (5,30) Post ἐσμὲν τοῦ σώματος αὐτοῦ add ἐκ τῆς σαρκὸς αὐτοῦ καὶ ἐκ τῶν ὀστέων (ἐκ τοῦ σώματος 018) αὐτοῦ in 01 2 , 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 0278, 0285 vid , 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739 mg , M, lat, sy (p) , Ir, om in P 46 , 01*, 02, 03, 048, 6, 33, 81, 1739 txt , 1881, 2464, vg ms , co, Meth, Hier. ♦ (5,31) Die Variante ἀντὶ τοῦ steht in den Handschriften zu Epiph., Pan. 42, Sch. 38 (180 H.), auch wenn der Herausgeber hier an die Variante ἀντὶ τούτου angleicht, die sich findet in Epiph., Pan. 42, Sch. 38 (119), was eine Entsprechung in Handschriften Tertullians hat, wobei sich in einigen Handschriften auch die Variante propter hanc findet, was sich unter Auslassung von Vers 30 auf ecclesia bezieht. ♦ Das Fehlen in beiden Fällen des bestimmten Artikels vor „Vater“ und „Mutter“ ist trotz Epiphanius angezeigt, denn es fehlt in den Zeugen 03, 06*, 010, 012, während sowohl Epiphanius wie auch eine Fülle von Zeugen der kanonischen Redaktion mit der mit Gen 2,24 LXX harmonisierten Lesart übereinstimmen: P 46 , 01, 02, 062, 018, 020, 025, 044, 048, 0278, 0285 vid , 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 1881, 2464, M, Or. ♦ Das im kanonischen Text 7 (Laod = Eph) 483 <?page no="484"?> nachfolgende καὶ προσκολληθήσεται πρὸς τὴν γυναῖκα αὐτοῦ fehlt auch in den Textzeugen 6, 1739 txt , Cyp, Hier, während es steht in 01 2 , 03, 06 2 , 018, 020, (025), 044, 0278, 104, 365, 630, 1175, 1505, 1739 mg , 1881, 2464, M, Or. Die Variante καὶ κολληθήσεται τῇ γυναικὶ αὐτοῦ steht in P 46 , 02, 06*, 010, 012, 0285, 33, 81, 1241 s , latt, und καὶ κολληθήσεται τῇ γυναικί in 01* .1 ♦ (5,32) Ante τὴν ἐκκλησίαν om εἰς in 03, 018, Ptol Ir , Tert, Cyp, Epiph. C. 1. (5,21-23) Nach Übereinstimmung aller Editoren, spielt Tertullian auf Vers 22 an, BeDuhn verweist darauf, dass das regierende Verb (subiectas esse) nicht diesem Vers, sondern dem voranstehenden Vers 21 entnommen ist. Demnach wäre dieser Vers nicht, wie Hilgenfeld, Zahn, Harnack und Schmid annehmen völlig unbezeugt. Doch ist BeDuhns Argument verkürzt, denn Tertullian spricht von subiectas esse debere, womit der Imperativ ausgedrückt wird, der nicht in Vers 21, sondern für Vers 22 anzunehmen ist, was auch durch die Textvariante gedeckt ist, auch wenn das Verb aus Vers 21 genommen ist, wie BeDuhn richtig erkannt hat. Hilgenfeld sieht den kanonischen Text präsent. Zahn rechnet mit folgendem bezeugtem Text: 22 αἱ γυναῖκες τοῖς ἀνδράσιν ὑποτασσέσθωσαν, 23 ὅτι ἀνήρ ἐστιν κεφαλὴ τῆς γυναικὸς ὡς καὶ ὁ Χριστὸς κεφαλὴ τῆς ἐκκλησίας. Harnack rekonstruiert: 22 αἱ γυναῖκες τοῖς ἀνδράσιν ὑποτάσσεσθε, 23 ὅτι ἀνήρ κεφαλὴ ἐστιν τῆς γυναικὸς ὡς καὶ ὁ Χριστὸς κεφαλὴ ἐστιν τῆς ἐκκλησίας. Schmid gibt als bezeugten Text: 22 αἱ γυναῖκες τοῖς (ἰδίοις) ἀνδράσιν … 23 ὅτι ἀνήρ ἐστιν κεφαλὴ τῆς γυναικὸς ὡς καὶ ὁ Χριστὸς κεφαλὴ τῆς ἐκκλησίας … 2. (5,24-27) Hilgenfeld sieht in Tertullians Kommentar zu Vers 28 auch eine Anspielung auf Vers 25, denn das tertulliansche „sicut et Christus ecclesiam“ kann sich nicht auf Vers 29 beziehen, zum einen wegen des dort fehlenden Verbs, zum anderen aber auch wegen des völlig anderen Inhalts. Doch nach dem übereinstimmenden Urteil der anderen Editoren sind die Verse 24-27 unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 3. (5,28) Übereinstimmend sehen alle Editoren zumindest einen Teil des Verses durch Tertullian bezeugt. Zunächst gibt Zahn als bezeugten Text folgende vom kanonischen Text stark abweichende Rekonstruktion, wobei er den ersten Teil des Verses als unbezeugt, aber irgendwie vorhanden, wertet: τῆν ἑαυτοῦ σάρκα ἀγαπᾷ ὁ γυναῖκα ἀγαπῶν. 484 Rekonstruktion <?page no="485"?> 51 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 313. 52 Vgl. J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 122-125. 53 T. Flemming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief (2022), 129. Harnack schließt sich dieser Rekonstruktion weithin an und schreibt: τῆν ἑαυτοῦ σάρκα ἀγαπᾷ ὁ τῆν ἑαυτοῦ γυναῖκα ἀγαπῶν, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. Auch Schmid, der sonst eher dem kanonischen Text folgt und Wort- oder Satz‐ umstellungen aufgrund von Tertullianreferaten vermeidet, notiert: … ἑαυτοῦ σάρκα ἀγαπᾷ ὁ ἀγαπῶν τῆν ἑαυτοῦ γυναῖκα καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. BeDuhn sieht diesen Vers als ein „gutes Beispiel, das uns Vorsicht lehren lässt bei der Benutzung von Tertullians Zeugnis“. 51 Er hält es für verfehlt, Tertullians Zeugnis als Zitat zu werten, vor allem, weil Tertullian danach den vollen Vers 29 zitiert, so dass er vermutet, dass die Formulierung καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν gar nicht zu Vers 28, sondern ausschließlich zu Vers 29 gehört. Vor allem spreche auch die Absicht, Markion aus seinem eigenen Text zu widerlegen, dagegen, dass er an dieser Stelle schließlich in Vers 29 zu seinem eigenen kanonischen Text wechselte. Die Rekonstruktion von Clabeaux hält er für „kühn“. 52 BeDuhn legt folglich seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: [οὕτως ὀφείλουσιν οἱ ἄνδρες ἀγαπᾶν τὰς ἑαυτῶν γυναῖκας ὡς τὰ ἑαυτῶν σώματα.] ὁ ἀγαπῶν τῆν ἑαυτοῦ γυναῖκα τὴν ἑαυτοῦ σάρκα ἀγαπᾷ. Flemmings Übersetzung setzt folgenden griechischen Text voraus: ὁ ἀγαπῶν τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν τὴν ἑαυτοῦ σάρκα ἀγαπᾷ. 53 4. (5,29) Übereinstimmend sehen alle Editoren diesen Vers durch Tertullian bezeugt. Zahn rekonstruiert: Οὐδεὶς τὴν ἑαυτοῦ σάρκα μισεῖ ἀλλ’ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. Harnack schließt sich diesem Vorschlag weithin an: Οὐδεὶς τὴν ἑαυτοῦ σάρκα μισεῖ ἀλλὰ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς <καὶ> ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. Schmid notiert: Οὐδεὶς (γάρ ποτε) τὴν ἑαυτοῦ σάρκα (vel σάρκα αὐτοῦ) ἐμίσησεν ἀλλὰ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς (καὶ) ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: Οὐδεὶς [γάρ] ποτε τὴν ἑαυτοῦ σάρκα μισεῖ ἀλλ’ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. 7 (Laod = Eph) 485 <?page no="486"?> 54 Ibid. 129-131. Nun kann das betonende inquit durchaus für γάρ ποτε stehen, dieser An‐ schluss sollte also nicht ausgelassen werden, während das Präsenz μισεῖ bei Tertullian Anhalt hat, auch wenn es hierfür keine textlichen Varianten in unseren weiteren Zeugen gibt. Flemmings Übersetzung setzt folgenden griechischen Text voraus: Οὐδεὶς γάρ ποτε τὴν ἑαυτοῦ σάρκα μισεῖ ἀλλ’ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. Flemmings Übersetzung dupliziert damit den Passus καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν, indem er Tertullians Angabe entsprechend auswertet, doch fragt sich, ob eine solche Duplikation - Duplikationen sind kein Merkmal der vorkanonischen Version - korrekt ist, und Tertullian nicht vielmehr sinngemäß bereits den Text an der ersten Stelle kontrahiert hat, wie ihn die älteren Editoren verstanden haben. Allerdings sieht er wohl recht, dass an dieser Stelle mit „Fleisch“ der Nachwuchs („die eigenen Kinder“) gemeint ist, worauf die beiden Verben „nähren“ und „aufziehen“ hinweisen und womit der Anschluss an das Thema „Kinder“ von *Laod 6,1 gegeben ist. 54 5. (5,30) Nach allen Editoren ist dieser kurze Vers unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. Nun könnte man argumentieren, dass Tertullian es sich kaum hätte entgehen lassen, auf die anklingende Schriftstelle zu verzichten, doch scheint er hier der kano‐ nischen Redaktion gefolgt zu sein, die diesen vorkanonischen Schriftverweis ausgelassen hat, um somit die mit ihr verbundene markionitische Antithese zu beseitigen, die mit den nächsten beiden Versen verbunden war. 6. (5,31-32) Übereinstimmend sehen alle Editoren Vers 31 durch beide Zeugen und Vers 32 durch Tertullian belegt. Meyboom verweist auf die Auslassung von τῇ γυναικί und sieht den Vers wie oben. Hilgenfeld und Zahn nehmen für Vers 31 folgenden Wortlaut an: ἀντὶ ταύτης καταλείψει ἄνθρωπος τὸν πατέρα καὶ τὴν μητέρα, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. Für Vers 32 nimmt Zahn den kanonischen Text an. Ihm schließt sich Harnack an, lässt lediglich das zweite εἰς in Vers 32 aus. Schmid gibt: 31 ἀντὶ τούτου καταλείψει ἄνθρωπος (τὸν) πατέρα καὶ (τὴν) μητέρα [καὶ προσκολληθήσεται πρὸς τὴν γυναῖκα αὐτοῦ], καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. 32 τὸ μυστήριον τοῦτο μέγα ἐστίν· ἐγὼ δὲ λέγω εἰς Χριστὸν καὶ (εἰς τὴν) ἐκκλησίαν. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 31 ἀντὶ τούτου καταλείψει ἄνθρωπος τὸν πατέρα καὶ τὴν μητέρα [καὶ 486 Rekonstruktion <?page no="487"?> 55 J. Schäfers, Eine altsyrische antimarkionitische Erklärung von Parabeln des Herrn und zwei andere altsyrische Abhandlungen zu Texten des Evangeliums. Mit Beiträgen zu Tatians Diatessaron und Markions Neuem Testament (1917), 213-214. 56 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 167. 57 J.J. Clabeaux, A Lost Edition of the Letters of Paul. A Reassessment of the Text of the Pauline Corpus attested by Marcion (1989), 112, 125-126; U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 340. κολληθήσεται], καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. 32 τὸ μυστήριον τοῦτο μέγα ἐστίν· ἐγὼ δὲ λέγω εἰς Χριστὸν καὶ τὴν ἐκκλησίαν. Doch Zahn hat bereits darauf hingewiesen, dass die Angabe des Epiphanius, wonach τῇ γυναικί gefehlt habe, unvollständig sein muss, zum einen, weil auch das καὶ προσκολληθήσεται bei Tertullian keine Entsprechung hat und es auch ohne τῇ γυναικί in der Luft hinge (diesem Argument stimmt Harnack bei). Darüber hinaus scheint mir, dass Epiphanius überhaupt moniert, dass der Text hier auf die Vereinigung mit der Frau nicht mehr ausgerichtet ist. Demnach sieht Schäfer das Richtige, der hier die Vereinigung mit der Kirche (und man müsste ergänzen: mit Christus) liest. 55 Zahn macht sich noch Gedanken um Form und Übersetzung des Anfangs von Vers 32, weil im lateinischen Text Tertullians sowohl propter hanc wie propter hoc überliefert ist, wohinter die Lesarten ἀντὶ τούτου und ἀντὶ ταύτης stehen können. Dass bei Epiphanius aber nicht nur ἀντὶ τούτου, sondern an der zweiten Stelle ἀντὶ τοῦ erwähnt wird, übergehen Zahn, Harnack und BeDuhn (wohl geführt von Holl in der kritischen Edition, der das τούτου auch an der zweiten Stelle in den Text gesetzt hatte). Erst Schmid diskutiert das ἀντὶ τοῦ, der dies jedoch als „ein Mißverständnis“ bei der Anführung „des Zitates aus Gen 2,24“ versteht, und zwar „dergestalt, daß der Anfang des Textes selbst (ἀντὶ τούτου = deshalb) zu einer Bemerkung über die Gestalt des Zitates wird (ἀντὶ τοῦ = anstelle von)“. 56 Meines Erachtens sieht Schmid damit z.T. etwas Richtiges, zieht aber nicht den richtigen Schluss, denn die stärkste Abweichung vom kanonischen Text scheint hier die ursprüngliche Lesart wiederzugeben. Wie alle Editoren bisher die Antithese übersehen haben, urteilt auch Clabeaux aus falschen Voraussetzungen, indem er nicht verstehen kann, warum Markion den Bezug zur Frau hätte tilgen wollen, wenn er den Ausdruck, dass „die zwei ein Fleisch werden“ beibehalten hat, auch wenn er, wie Schmid, Tertullian an dieser Stelle für vertrauenswürdig hält. 57 7 (Laod = Eph) 487 <?page no="488"?> 58 Vgl. G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 221. 237. Zuntz hält wiederum am Ende von Vers 32 das fehlende zweite εἰς für die älteste Lesart, und dieses ist auch die vom kanonischen Text am entferntesten liegende Variante. 58 7. (5,31) Nach allen Editoren ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. D. (5,21) ὑποτάσσω, das 46 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Röm 10,3: *Laod 1,22; 5,21. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ Die Form ἀλλήλοις steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor Gal 5,13. ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, steht nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Bis auf das Verb am Anfang, das jedoch vorkanonisch im nächsten Vers 22 wiederkehrt, weist der vorkanonisch unbezeugte Vers Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀλλήλοις; φόβος). Er ist das Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,22) γυνή steht 246 ( 215 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,1; 7,2 (? ). 10; 11,5. 10; 14,34; *Laod 5,22. 23. 28. ♦ ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23, vgl. zu den Versen 23. 24. 25. 28. 33. ♦ Die Wendung τοῖς ἰδίοις ἀνδράσιν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 5,22; Tit 2,5; 1Petr 3,1. 5). ♦ Die Wendung ὡς τῷ κυρίῳ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 5,22; 6,7; Kol 3,23). ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ὑποτάσσω vgl. den voranstehenden Vers 21. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das auch durch die Lexik gestützt wird. (5,23) Zum vorkanonisch bezeugten ἀνήρ vgl. zum voranstehenden Vers 22. ♦ κεφαλή, das 79 / 75 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,27; *1Kor 11,3. 7. 10; *Laod 5,23; *Kol 2,19. ♦ Die Kombination ὡς καί steht 18 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 2,3; 5,23, vgl. zu Röm 9,25. ♦ Die Wendung καὶ ὁ Χριστός steht 8 Mal im NT (Röm 15,7, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 12,12; Eph 5,2. 23. 25. 29; Hebr 5,5; 9,28), vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 5,25. 29. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ σωτήρ steht 24 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,23. 488 Rekonstruktion <?page no="489"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wobei trotz Lexik der letzte Passus (αὐτὸς σωτὴρ τοῦ σώματος) wohl kaum vorkanonisch gestanden war, weil man sich nicht gut vorstellen kann, dass Tertullian sich diesen Passus, der seiner Argumentation gedient hätte, hätte entgangen lassen. Hingegen spricht eine antimarkionitische Reaktion für eine kanonische Kor‐ rektur. (5,24) Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene, vgl. 1Kor 4,14. ♦ Die Kombination οὕτως καί steht 47 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,31 (Verseröffnung); *1Kor 15,22. 42, vgl. zuvor Röm 7,14. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Mask.), die 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 1Kor 1,5. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀλλ’ ὡς; ἐν παντί), und das, obwohl er im Wesentlichen wiederholt, was gerade in den Versen 22-23 gesagt wurde, indem er jedoch den kanonisch redaktionellen Inhalt des ebenfalls redaktionellen Verses 21 bestärkt. (5,25) Die Wendung οἱ ἄνδρες, ἀγαπᾶτε τὰς γυναῖκας steht 1 weiteres Mal, Kol 3,19. ♦ Die Wendung καὶ ὁ Χριστός steht 8 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 5,23. 29. ♦ Die Wendung ἠγάπησεν τὴν ἐκκλησίαν steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung καὶ ἑαυτόν steht nur hier im NT. ♦ παραδίδωμι, das 134 / 119 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 5,5, vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ αὐτῆς, das 151 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt ist. Zur Rekonstruktion: Auch wenn nur der mittlere Teil des Verses durch Tertullian bezeugt ist, könnte aufgrund des Inhalts und der Lexik auch der vordere Teil vorkanonisch gestanden sein, der dann in Kol wieder aufgegriffen würde. Er wäre auch notwendig, weil der bezeugte Versteil nicht an den zuvor bezeugten Vers 23 anschließen würde. Allerdings werden die Ausführungen zu Vers 28 zeigen, dass eine Variante zur Verseröffnung vorliegt, die verdeutlicht, dass Vers 25 gar nicht grammatikalisch an Vers 23, sondern vielmehr an Vers 28 anschließt, so dass der unbezeugte Anfang von Vers 25 sich als kanonisch-redaktionelle Änderung herausstellt, die vorgenommen werden musste, weil die kanonischen Verse 26-27 eingeschoben wurden, so dass sich die Konstruktion vom Anfang von Vers 28 ändern musste. Der unbezeugte Anfang von Vers 25 hat folglich vorkanonisch nicht gestanden. Der letzte Passus ist unbezeugt, was auch durch die Lexik als abwesend gestützt wird. (5,26) αὐτήν, das 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29, vgl. weiter Vers 29. ♦ Die Wendung ἵνα αὐτήν steht 4 Mal im NT, 7 (Laod = Eph) 489 <?page no="490"?> davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 16,2. ♦ ἁγιάζω, das 30 / 28 Mal im NT steht, etwa in der Vaterunserbitte bei Lk 11,2 - dem einzigen lukanischen Beleg für diesen Begriff -, in einer Bitte, die in *Ev fehlt, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ καθαρίζω, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 7,1. ♦ λουτρόν findet sich 2 Mal im NT, das andere Mal auch auf der kanonischen Ebene (Eph 5,26; Tit 3,5). ♦ ὕδωρ steht 82 / 78 Mal im NT, begegnet jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ῥῆμα, das 72 / 68 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,4; 13,1. ♦ Die Wendung ἐν ῥήματι steht nur hier im NT. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἵνα αὐτήν; ἁγιάζω; λουτρόν; ὕδωρ). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,27) παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2. ♦ Die Wendung αὐτὸς ἑαυτῷ steht nur hier im NT. ♦ ἔνδοξος, das 4 Mal im NT belegt, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἐκκλησία, das 120 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,19; *Laod 3,10; 5,23. 29. 32; *Kol 1,24. ♦ σπίλος steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene (Eph 5,27; 2Petr 2,13). ♦ ῥυτίς ist Hapax legomenon im NT. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48. ♦ Zur Kombination von ἅγιος und ἄμωμος vgl. Eph 1,4 und Kol 1,22. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. ♦ ἄμωμος findet sich 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (σπίλος; Kombination von ἅγιος und ἄμωμος; ἄμωμος). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (5,28) Zum nicht bezeugten Versteil: ὀφείλω, das sich 42 / 35 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. 10. ♦ Zu ἀνήρ und γυνή vgl. zuvor zu Vers 22. ♦ Die Wendung τὰ ἑαυτῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 5,28; Phil 2,4. 21). Zum bezeugten Versteil: Die Wendung τὰς ἑαυτῶν γυναῖκας steht nur hier im NT. Zur Rekonstruktion: Wie zu Vers 25 zuvor ausgeführt ist, bietet die in einschlägigen Zeugen vorhandene Variante zum Versanfang den direkten Anschluss zu dem bezeugten Teil von Vers 25; der Anfang des Verses wird 490 Rekonstruktion <?page no="491"?> folglich vorkanonisch gestanden sein, auch wenn der Teil ὡς τὰ ἑαυτῶν σώματα aufgrund der Lexik vermutlich gefehlt hat. Ansonsten schließt sich der Text an das Zeugnis Tertullians an. (5,29) Das kanonisch beliebte οὐδείς (Nom. Mask. Sg.), das 96 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 2,8; 9,15. ♦ Die Verseröffnung οὐδεὶς γάρ ποτε steht nur hier im NT. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu den Versen 30 und 31. ♦ μισέω, das 42 / 40 Mal im NT, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,22; *Röm 12,9. ♦ ἐκτρέφω steht 3 / 2 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 6,4. ♦ θάλπω, das 2 Mal im NT steht, das andere Mal auf der kanonischen Ebene in 1Thess 2,7. ♦ Zu αὐτήν vgl. zuvor zu Vers 26. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25; *Kol 1,6, vgl. zu Röm 1,13. ♦ Die Wendung καὶ ὁ Χριστός steht 8 Mal im NT (Röm 15,7, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 12,12; Eph 5,2. 23. 25. 29; Hebr 5,5; 9,28), vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 5,25. ♦ ἐκκλησία, das 120 / 114 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 14,19; *Laod 3,10; 5,23. 32; *Kol 1,24. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, auch wenn das von ihm nicht erwähnte γάρ ποτε wohl vorkanonisch gestanden war, da die Verseröffnung οὐδεὶς γάρ ποτε nur hier im NT zu finden ist. Sie fügt sich auch inhaltlich gut ein. Ähnlich dürfte auch das καὶ ὁ Χριστός aufgrund der Lexik gestanden sein. (5,30) μέλος, das 42 / 34 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,15; 9,9; 12,12. 14; *Röm 7,23. ♦ Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ σῶμα steht 150 / 142 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 6,17; *1Kor 6,13. 15. 16. 20; 11,24. 29; 12,12. 24; 15,35. 37. 38. 40; *2Kor 4,10; 5,8. 10; *Röm 7,4; 8,10. 11; *1Thess 5,23; *Kol 1,24; 2,17; *Phil 3,21. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten σάρξ vgl. zuvor zu Vers 29 und danach zu Vers 31. ♦ ὀστέον steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt (für Christus) in *Ev 24,39. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers vorkanonisch unbezeugt ist und überdies einen Schriftbezug herstellt, spricht lexikalisch nichts dagegen, dass dieser kurze Teilvers ebenfalls im vorkanonischen Text gestanden sein könnte. Dafür spricht auch, dass gerade Handschriften, die typischerweise den vorka‐ nonischen Text bieten, eine Variante mit einer gewissen Nähe zu Gen 2,23 LXX kennen. Wie gleich im nächsten Vers zu sehen sein wird, bereitet Vers 30 mit 7 (Laod = Eph) 491 <?page no="492"?> diesem Zusatz die Antithese zu Gen 2,24 vor, wie sie sich in den Versen 31 und 32 findet. (5,31) Die Wendung ἀντὶ τοῦ als Verseröffnung steht 1 weiteres Mal in Jak 4,15. ♦ Die Kombination ἀντὶ τούτου als Verseröffnung steht nur hier im NT. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. ♦ καταλείπω, das sich 28 / 24 Mal im NT findet, ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 6,2. ♦ προσκολλάω steht 3 / 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ κολλάω, das 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,16; *Röm 12,9. ♦ Die Verbform ἔσονται, die 29 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ σάρξ, das 154 / 1147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29; *Phil 3,4, vgl. zuvor zu den Versen 29. 30. Zur Rekonstruktion: Vergleiche die oben geführte Diskussion in C. 6. Es fällt auf, dass wiederum eine Reihe von Elementen nur in *Laod vorkanonisch bezeugt sind, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (5,32) μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt in *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32. ♦ μέγας, das 209 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἐγὼ δὲ λέγω steht 7 Mal im NT, 6 Mal in Mt, vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. Zur Rekonstruktion: Vgl. wieder die Diskussion in C. 6. Und wiederum fällt die Nähe der Sprache von *Laod zur kanonischen auf. (5,33) πλήν, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 1,18. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Kombination καθ’ ἕνα steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 1Kor 14,31, vielleicht aber auch vorkanonisch vorhanden. ♦ ἕκαστος, das sich 87 / 82 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,13; 4,5; *2Kor 5,10; *1Thess 4,4; *Laod 4,25. ♦ Die Wendung ὡς ἑαυτόν findet sich 1 weiteres Mal in Mk 12,33. ♦ φοβέω, das 110 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,12. 492 Rekonstruktion <?page no="493"?> Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers finden sich zwei Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; καθ’ ἕνα; ὡς ἑαυτόν). Der Vers wird wohl auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Dafür spricht auch, dass Tertullian es sich wohl kaum hätte entgehen lassen, dass hier nochmals auf den Gehorsam der Frau gegenüber dem Mann hingewiesen wird. Kapitel 6 6,1-2 [3] 4: Das Verhältnis von Kindern und Eltern Die vorkanonisch gut bezeugten Gedanken zu diesem Thema werden nur leicht (und durch einen Vers) von der kanonischen Redaktion ergänzt. 6,1 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν ὑμῶν. - 6,1 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν ὑμῶν ἐν κυρίῳ· τοῦτο γάρ ἐστιν δίκαιον. 2 τίμα τὸν πατέρα καὶ τὴν μητέρα. 2 τίμα τὸν πατέρα σου καὶ τὴν μητέρα, ἥτις ἐστὶν ἐντολὴ πρώτη ἐν ἐπαγγελίᾳ, - 3 ἵνα εὖ σοι γένηται καὶ ἔσῃ μακροχρόνιος ἐπὶ τῆς γῆς. 4 Καὶ οἱ πατέρες, ἐκτρέφετε τὰ τέκνα ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου. 4 Καὶ οἱ πατέρες, μὴ παροργίζετε τὰ τέκνα ὑμῶν ἀλλ’ ἐκτρέφετε αὐτὰ ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου. A. *6,1-2. 4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,11: Obaudiant et parentibus filii. Nam etsi Marcion abstulit, Hoc est enim primum in promissione praeceptum, lex loquitur, Honora patrem et matrem, et, Parentes enutrite filios in disciplina et correptione domini. Audisti enim et veteribus dictum, Narrabitis haec in auribus filiorum vestrorum, et filii vestri aeque in auribus filiorum suorum. Quo iam mihi duos deos, si una est disciplina? Etsi duo sunt, illum sequar qui prior docuit. Sed adversus munditenentes luctatio si nobis, o quanti iam dii creatores! Vgl. Ex 10,12 LXX: τίμα τὸν πατέρα σου καὶ τὴν μητέρα, ἵνα εὖ σοι γένηται, καὶ ἵνα μακροχρόνιος γένῃ ἐπὶ τῆς γῆς τῆς ἀγαθῆς, ἧς κύριος ὁ θεός σου δίδωσίν σοι. B. (6,1) Post ὑμῶν om ἐν κυρίῳ in 03, 06*, 010, 012, b, Tert, Cyp, Ambst, was von NA 28 als markionitische Lesart vermerkt wird. 7 (Laod = Eph) 493 <?page no="494"?> 59 Vgl. U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einord‐ nung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 94-95. 113. C. (6,1-4) Nach allen Editoren bezeugt Tertullian zumindest Teile der Verse 1-4, auch wenn Schmid mit der Präsenz des gesamten kanonischen Bestandes dieser Verse rechnet, also auch mit Vers 3 (mit Ausnahme des von Tertullian ausdrücklich als abwesend geltenden Passus ἥτις ἐστὶν ἐντολὴ πρώτη ἐν ἐπαγγελίᾳ). 59 An dieser Stelle sind Zahn und Harnack etwas zurückhaltender. Zahn gibt folgende Rekonstruktion: 1 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν ὑμῶν ἐν κυρίῳ· τοῦτο γάρ ἐστιν δίκαιον. 2 τίμα τὸν πατέρα σου καὶ τὴν μητέρα, 4 καὶ οἱ γονεῖς ἐκτρέφετε τὰ τέκνα ὑμῶν ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου. Harnack rekonstruiert, indem er Zahn folgt: 1 Anspielung auf τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν ὑμῶν. 2 τίμα τὸν πατέρα καὶ μητέρα. 4b ἐκτρέφετε τὰ τέκνα ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου. In Schmids Liste der Bezeugungen führt er lediglich an: 1 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν ὑμῶν … 2 τίμα τὸν πατέρα (σου) καὶ τὴν μητέρα, 4 Καὶ οἱ πατέρες-… ἀλλὰ ἐκτρέφετε (αὐτὰ) ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 1 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν ὑμῶν … 2 τίμα τὸν πατέρα σου καὶ τὴν μητέρα, 4 Καὶ οἱ πατέρες ἐκτρέφετε τὰ τέκνα σου ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου. Auffallenderweise zitieren *Ev (Tert.: diligendi patrem et matrem, pace Klinghardt, der hier Adamantius folgt) wie *Laod 6,2 hier das Elterngebot ohne die Personalpronomen. D. (6,1) τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,31; *1Kor 4,14; *Laod 2,3; 6,1. ♦ ὑπακούω, das 24 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25; *2Thess 1,8; *Laod 6,1. ♦ γονεύς, das sich 21 / 20 Mal im NT findet, ist nur an dieser Stelle hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ Die Wendung τοῦτο γάρ ἐστιν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 26,28; Joh 6,40; Eph 6,1; 1Thess 4,3; 1Tim 5,4). ♦ Das hier nicht bezeugte δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte Passus τοῦτο γάρ ἐστιν δίκαιον hat, wie die Lexik verdeutlicht, vorkanonisch gefehlt. 494 Rekonstruktion <?page no="495"?> (6,2) τιμάω steht 22 / 21 Mal im NT und ist vorkanonisch wieder bezeugt im Zitat von Ex 20,12 in *Ev 18,20. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25. ♦ μήτηρ steht 91 / 83 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,26; *Laod 5,31; 6,2. Zu dem als abwesend bezeugten Versteil: Die Kombination ἥτις ἐστίν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,1; *Gal 4,25, vgl. zu Eph 1,23. ♦ ἐντολή, das 76 / 67 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,20; *Röm 7,11. 12; *Laod 2,15. ♦ Die Form πρώτη steht 12 Mal im NT (Mt 22,38; Mk 12,28. 29; Lk 2,2, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Eph 6,2; 4 Mal Hebr; 3 Mal Apk), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπαγγελία, das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23; *2Kor 1,20; *Laod 1,13; 2,12. ♦ Die Wendung ἐν ἐπαγγελίᾳ steht nur hier im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik gestützt wird. Im unbezeugten Versteil begegnet als ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugtes Element πρώτη. Da dieser unbezeugte Teil auf den nächsten Vers verweist, muss die Ab- oder Anwesenheit dieses Verses mit dem Urteil über den folgenden Vers verknüpft werden. (6,3) Die Kombination ἵνα εὖ σοι steht nur hier im NT. ♦ εὖ steht 6 Mal im NT, nur bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ σοι (Dat. Sg. oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Laod 5,14. ♦ Die Verbform ἔσῃ steht 9 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ μακροχρόνιος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung ἐπὶ τῆς γῆς steht 57 Mal im NT (8 Mal Mt; 9 Mal Mk; Lk 5,24; 18,8; 21,23. 25; 2 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 9,28; Eph 1,10; 6,3; Kol 1,16. 20; 3,2. 5; Hebr 11,13; Jak 5,5. 17; 17 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,24; 21,25; *Laod 1,10. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εὖ; ἔσῃ). Er scheint eher ein Produkt der kanonischen Ebene zu sein, wodurch auch die un‐ bezeugte Versergänzung im voranstehenden Vers 2 der kanonischen Redaktion zuzurechnen ist und beide im vorkanonischen Text gefehlt haben. (6,4) Die Form πατέρες steht 20 Mal im NT (Lk 6,23. 26; 11,47; 4 Mal Joh; 7 Mal Apg; Röm 9,5; 1Kor 10,1; Eph 6,4; Kol 3,21; Hebr 3,9; 2Petr 3,4), ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,23. 26; 11,47; *1Kor 10,1. ♦ Das nichtbezeugte παροργίζω steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, Röm 10,19. ♦ Das wieder bezeugte ἐκτρέφω, das 3 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,29. ♦ παιδεία steht 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ νουθεσία, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 7 (Laod = Eph) 495 <?page no="496"?> weiter bezeugt für *1Kor 10,11. ♦ αὐτά (Nom. / Akk. Neut. Pl.), das 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12, vgl. weiter Vers 9. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Auffallend ist, dass das von ihm nicht erwähnte Äquivalent für παροργίζω nur kanonisch belegt ist, während das bezeugte für ἐκτρέφω anderwärts vorkanonisch bestätigt wird. Gleichwohl gibt es auch wieder παιδεία, das nur hier vorkanonisch bezeugt ist und die Nähe von *Laod zur kanonischen Sprache anzeigt. 6,[5-10]: [Über Sklaven] Die folgende Passage ist vorkanonisch unbezeugt und auch der Lexik nach eine Ergänzung der kanonischen Redaktion. - 5 Οἱ δοῦλοι, ὑπακούετε τοῖς κατὰ σάρκα κυρίοις μετὰ φόβου καὶ τρόμου ἐν ἁπλότητι τῆς καρδίας ὑμῶν ὡς τῷ Χριστῷ, 6 μὴ κατ’ ὀφθαλμοδουλίαν ὡς ἀνθρωπάρεσκοι ἀλλ’ ὡς δοῦλοι Χριστοῦ ποιοῦντες τὸ θέλημα τοῦ θεοῦ ἐκ ψυχῆς, 7 μετ’ εὐνοίας δουλεύοντες ὡς τῷ κυρίῳ καὶ οὐκ ἀνθρώποις, 8 εἰδότες ὅτι ἕκαστος ἐάν τι ποιήσῃ ἀγαθόν, τοῦτο κομίσεται παρὰ κυρίου εἴτε δοῦλος εἴτε ἐλεύθερος. 9 Καὶ οἱ κύριοι, τὰ αὐτὰ ποιεῖτε πρὸς αὐτούς, ἀνιέντες τὴν ἀπειλήν, εἰδότες ὅτι καὶ αὐτῶν καὶ ὑμῶν ὁ κύριός ἐστιν ἐν οὐρανοῖς καὶ προσωπολημψία οὐκ ἔστιν παρ’ αὐτῷ. 10 Τοῦ λοιποῦ, ἐνδυναμοῦσθε ἐν κυρίῳ καὶ ἐν τῷ κράτει τῆς ἰσχύος αὐτοῦ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (6,5-10) Nach übereinstimmender Meinung aller Editoren sind diese Verse unbezeugt. D. (6,5) Der Ausdruck οἱ δοῦλοι steht 9 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Eph 6,5; Kol 3,22; im Vers: 2 Mal Mt; Lk 12,37; 2 Mal Joh; 2 Mal Apk), vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,37 (im Vers). ♦ Die erweiterte Wendung οἱ δοῦλοι, ὑπακούετε steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Kol 3,22. ♦ ὑπακούω, 496 Rekonstruktion <?page no="497"?> das 24 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25; *2Thess 1,8; *Laod 6,1, vgl. weiter oben zu Vers 1. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Wendung τοῖς κατὰ σάρκα κυρίοις steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Kol 3,22. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu Vers 12. ♦ Der Plural κύριοι findet sich 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τρόμος, das 5 Mal im NT begegnet, steht vier Mal in Kombination mit φόβος und immer auf der kanonischen Ebene. ♦ ἁπλότης, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τῆς καρδίας ὑμῶν steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Eph 1,18. ♦ Die Wendung ὡς τῷ Χριστῷ steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung Οἱ δοῦλοι; Οἱ δοῦλοι, ὑπακούετε; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; τοῖς κατὰ σάρκα κυρίοις; κύριοι; φόβος; τρόμος; ἁπλότης; τῆς καρδίας ὑμῶν. (6,6) ὀφθαλμοδουλεία und ἀνθρωπάρεσκος begegnen 2 Mal im NT, auch das andere Mal nur auf der kanonischen Ebene belegt (Eph 6,6; Kol 3,22). ♦ Die Kombination ἀλλ’ ὡς steht 17 Mal im NT, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, nicht in Lk jedoch u. a. in Paulus (Röm 9,32; 1Kor 3,1; 4,14; 2Kor 2,17; 7,14; 11,17; Gal 3,16; 4,14; Eph 5,15. 24; 6,6). ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, ist ein kanonischer Begriff für die Verhältnisbestimmung des Menschen zu Gott oder Christus. ♦ Die Wendung θέλημα τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für 1Thess 4,3. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ Die Formulierung ἐκ ψυχῆς steht 1 weiteres Mal, auf kanonischer Ebene, in Kol 3,23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὀφθαλμοδουλεία; ἀνθρωπάρεσκος; ἀλλ’ ὡς; Semantik von δοῦλος; ἐκ ψυχῆς. (6,7) εὔνοια, das 2 Mal im NT steht, beide Male auf der kanonischen Ebene (1Kor 7,3; Eph 6,7). ♦ δουλεύω, das 26 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ Die Wendung ὡς τῷ κυρίῳ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der 7 (Laod = Eph) 497 <?page no="498"?> kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 5,22. ♦ Die Wendung καὶ οὐκ ἀνθρώποις steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, in Kol 3,23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εὔνοια; ὡς τῷ κυρίῳ; καὶ οὐκ ἀνθρώποις. (6,8) Die Form εἰδότες begegnet 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,11. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. ♦ ἕκαστος, das sich 87 / 82 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,13; 4,5; *2Kor 5,10; *1Thess 4,4; *Laod 4,25. ♦ Die Kombination ἐάν τι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 14,14; Eph 6,8; 1Joh 5,14). ♦ Die Verbform ποιήσῃ steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ κομίζω, das 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,10. ♦ Die Wendung παρὰ κυρίου steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 21,42; Mk 12,11; Lk 1,45, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Eph 6,8; 2Tim 1,18; 2Petr 2,11). ♦ ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,22. 23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰδότες; εἰδότες ὅτι; ἐάν τι; ποιήσῃ; παρὰ κυρίου. (6,9) Zum kanonischen κύριοι vgl. weiter oben zu Vers 5. ♦ Der Ausdruck οἱ κύριοι steht 4 Mal im NT (Lk 19,33, in einem Vers, der in *Ev fehlt; Apg 1,19; Eph 6,9; Kol 4,1), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὰ αὐτά steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26. ♦ Die Form ποιεῖτε steht 18 Mal im NT, Lk 22,19, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,31. 46. ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ Die Kombination πρὸς αὐτούς steht 77 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene: 2 Mal Mt; 7 Mal Mk; dann sagenhafte 43 Mal in Lk: 2,18. 20. 49; 3,13; 4,21, jeweils in Versen, die in *Ev fehlen. 23. 43; 5,22. 31. 34. 36, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 6,3. 9; 8,21. 22; 9,3. 13; 10,2; 11,5; 12,15. 16; 13,23, wo das Element fehlt; 14,5. 7. 25; 15,3; 16,30, wo das Element nur durch Adamantius bezeugt ist; 18,31, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 19,13. 33, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 20,3. 19 (in einem Teilvers, der in *Ev fehlt). 23. 25. 41; 22,15 (wo das Element unbezeugt ist, pace Klinghardt. 70); 23,12. 13. 22; 24,17. 25 (wo das Element unbezeugt ist, pace Klinghardt). 44, in einem Vers, der in *Ev fehlt. Überhaupt steht das Element nur bei Paulus an dieser Stelle hier, dann noch Hebr 10,16. ♦ ἀνίημι, das 6 / 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπειλή steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene und ansonsten nur noch in der Apostelgeschichte. ♦ Die Form εἰδότες begegnet 26 Mal im NT, davon 8 Mal als 498 Rekonstruktion <?page no="499"?> Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,11. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. ♦ Der Ausdruck ὁ κύριος, der 108 Mal im NT steht, wurde bereits von Klinghardt als typisches Merkmal der kanonischen Redaktion erkannt, vgl. die Einleitung zu der vorliegenden Studie. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ Die Wendung ἐν οὐρανοῖς steht 12 Mal im NT (6 Mal Mt; Eph 3,15; 6,9; Phil 3,20; Hebr 12,23; 1Petr 1,4), vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,20. ♦ προσωποληψία, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung παρ’ αὐτῷ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 11,37; 2 Mal Joh; Apg 21,8; Eph 6,9). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: κύριοι; πρὸς αὐτούς; ἀνίημι; ἀπειλή; εἰδότες; εἰδότες ὅτι; ὁ κύριος; προσωποληψία; παρ’ αὐτῷ. Auffallend ist die Bezeugung von αὐτούς für *2Thess, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweist. (6,10) τοῦ λοιποῦ steht 2 Mal im NT, beide Male als Verseröffnung auf der kanonischen Ebene, Gal 6,17. ♦ λοιπός, das sich 60 / 55 Mal im NT findet, etwa in Lk 14,10, doch nicht in *Ev, aber vorkanonisch bezeugt für *Paulus in *2Kor 2,17; *Laod 2,3. ♦ ἐνδυναμόω, das 8 / 7 Mal im NT steht, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ κράτος, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,19. ♦ ἰσχύς, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Laod 1,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τοῦ λοιποῦ; ἐν κυρίῳ; ἐνδυναμόω. Zu bemerken ist κράτος, das nur für *Kol vorkanonisch bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. Wie der lexikalische Befund ergibt, ist diese gesamte, vorkanonisch unbe‐ zeugte Passage ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat im vorkanoni‐ schen Text gefehlt. 6,11-12 [13] 14-16 [17] 18-20: Umgürtet eure Hüften mit Wahrheit Die vorkanonisch gut bezeugten Ausführungen um den Kampf gegen das Böse sind nur geringfügig von der kanonischen Redaktion erweitert worden. 7 (Laod = Eph) 499 <?page no="500"?> 11 ἐνδύσασθε τὴν πανοπλίαν τοῦ θεοῦ τὸ στῆναι πρὸς τὰς μεθοδείας τοῦ διαβόλου· 11 ἐνδύσασθε τὴν πανοπλίαν τοῦ θεοῦ πρὸς τὸ δύνασθαι ὑμᾶς στῆναι πρὸς τὰς μεθοδείας τοῦ διαβόλου· 12 ὅτι ἔστιν ὑμῖν ἡ πάλη πρὸς τὰς ἐξουσίας, πρὸς τοὺς κοσμοκράτορας τοῦ σκότους τούτου, πρὸς τὰ πνευματικὰ τῆς πονηρίας ἐν τοῖς ἐπουρανίοις. 12 ὅτι οὐκ ἔστιν ἡμῖν ἡ πάλη πρὸς αἷμα καὶ σάρκα ἀλλὰ πρὸς τὰς ἀρχάς, πρὸς τὰς ἐξουσίας, πρὸς τοὺς κοσμοκράτορας τοῦ σκότους τούτου, πρὸς τὰ πνευματικὰ τῆς πονηρίας ἐν τοῖς ἐπουρανίοις. - 13 διὰ τοῦτο ἀναλάβετε τὴν πανοπλίαν τοῦ θεοῦ, ἵνα δυνηθῆτε ἀντιστῆναι ἐν τῇ ἡμέρᾳ τῇ πονηρᾷ καὶ ἅπαντα κατεργασάμενοι στῆναι. 14 στῆτε οὖν περιζωσάμενοι τὴν ὀσφὺν ὑμῶν ἐν ἀληθείᾳ καὶ ἐνδυσάμενοι τὸν θώρακα τῆς δικαιοσύνης 14 στῆτε οὖν περιζωσάμενοι τὴν ὀσφὺν ὑμῶν ἐν ἀληθείᾳ καὶ ἐνδυσάμενοι τὸν θώρακα τῆς δικαιοσύνης 15 καὶ ὑποδησάμενοι τοὺς πόδας ἐν ἑτοιμασίᾳ τοῦ εὐαγγελίου τῆς εἰρήνης, 15 καὶ ὑποδησάμενοι τοὺς πόδας ἐν ἑτοιμασίᾳ τοῦ εὐαγγελίου τῆς εἰρήνης, 16 οὐ τοῦ πολέμου ἐν ᾧ πάντα τὰ βέλη τοῦ πονηροῦ τὰ πεπυρωμένα σβέσαι 16 ἐν πᾶσιν ἀναλαβόντες τὸν θυρεὸν τῆς πίστεως, ἐν ᾧ δυνήσεσθε πάντα τὰ βέλη τοῦ πονηροῦ [τὰ] πεπυρωμένα σβέσαι· - 17 καὶ τὴν περικεφαλαίαν τοῦ σωτηρίου δέξασθε καὶ τὴν μάχαιραν τοῦ πνεύματος, ὅ ἐστιν ῥῆμα θεοῦ. 18 διὰ δεήσεως ἐν καιρῷ, - 18 Διὰ πάσης προσευχῆς καὶ δεήσεως προσευχόμενοι ἐν παντὶ καιρῷ ἐν πνεύματι, καὶ εἰς αὐτὸ ἀγρυπνοῦντες ἐν πάσῃ προσκαρτερήσει καὶ δεήσει περὶ πάντων τῶν ἁγίων 19 ἵνα δοθῇ λόγος ἐν ἀνοίξει τοῦ στόματός, ἐν παρρησίᾳ γνωρίσαι τὸ μυστήριον - 19 καὶ ὑπὲρ ἐμοῦ, ἵνα μοι δοθῇ λόγος ἐν ἀνοίξει τοῦ στόματός μου, ἐν παρρησίᾳ γνωρίσαι τὸ μυστήριον τοῦ εὐαγγελίου, 20 ἐν ἁλύσει, ἵνα ἐν αὐτῷ παρρησιάσωμαι. 20 ὑπὲρ οὗ πρεσβεύω ἐν ἁλύσει, ἵνα ἐν αὐτῷ παρρησιάσωμαι ὡς δεῖ με λαλῆσαι. A. *6,11-12: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,11-14: [11] … Sed adversus munditenentes luctatio si nobis, o quanti iam dii creatores! [12] Cur enim non et hoc vindicem, unum munditenentem nominari debuisse, si creatorem significabat cuius essent quas praemisit potestates? Porro cum supra quidem induere nos iubeat armaturam in qua stemus ad machinationes diaboli, iam ostendit diaboli esse quae diabolo subiungit, potestates et munditenentcs tenebrarum istarum, quae et nos diabolo 500 Rekonstruktion <?page no="501"?> deputamus. Aut si diabolus creator est, quis erit diabolus apud creatorem? An sicut duo dii, ita et duo diaboli, et pluraliter potestates et munditenentes? [13] Sed quo‐ modo creator et diabolus et deus idem, cum diabolus non idem et deus et diabolus? Aut enim ambo et dei, si ambo iam diaboli, aut qui deus hic et non diabolus, sicut nec diabolus deus. Ipsum vocabulum diaboli quaero ex qua delatura competat creatori. Fortasse detulit aliquam dei superioris intentionem, quod ipse ab archangelo passus est, et quidem mentito: non ideo enim interdixerat illius arbusculae gustum ne dei fierent, sed ne de transgressione morerentur. Nec spiritalia autem nequitiae ideo creatorem significabunt quia adiecit, In caelis: [14] sciebat enim et apostolus in caelis operata esse spiritalia nequitiae, angelorum scandalizatorum in filias hominum. Et quale erat ut ambiguitatibus et per aenigmata nescio quae creatorem taxaret, qui in catenis iam constitutus ob libertatem praedicationis constantiam manifestandi sacramenti in apertione oris, quam ibi expostulare a deo mandabat, ecclesiae utique praestabat? Vgl. Adam., Dial. I 19 (im Mund des Markioniten): ἐνδύσασθε τὴν πανοπλίαν τοῦ θεοῦ πρὸς τὸ δύνασθαι τὰ βέλη τοῦ πονηροῦ τὰ πεπυρωμένα σβέσαι (Rufin: Induite uos arma Dei, ut possitis iacula maligni ignita exstinguere). ♦ *6,14-16: Vgl. Tert., Adv. Marc. III 14, 4-5: [4] Quodsi Ioannem agnitum non vis, habes communem magistrum Paulum, praecingentem lumbos nostros veritate et lorica iustitiae, et calciantem nos praeparationem evangelii pacis, non belli, adsumerc iubentem scutum fidei, in quo possimus omnia diaboli ignita tela extinguere, et galeam salutaris, et gladium spiritus, quod est, inquit, dei sermo. [5] Hanc et dominus ipse machaeram venit mittere in teram, non pacem. Si tuus Christus est, ergo et ipse bellator est. Si bellator non est, machaeram intentans allegoricam, licuit ergo et Christo creatoris in psalmo sine bellicis rebus ense sermonis praecingi figurato, cui supradicta tempestivitas congruat et gratia labiorum, quem tunc iam cingebatur super femur apud David, quandoque missurus in terram. Vgl. ibid. II 28,2-30: [2] Multos saevitia dei mei absumpsit. [3] Tuus quoque deus quos salvos non facit utique in exitium disponit. Deus meus aliquem iussit occidi. Tuus semetipsum voluit interfici, non minus homicida in semetipsum quam in eum a quo vellet occidi. ♦ *6,18-20: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 18,14: in catenis iam constitutus ob libertatem praedicationis constantiam manifestandi sacramenti in apertione oris, quam ibi expostulare a deo mandabat, ecclesiae utique praestabat? B. (6,11) Post δύνασθαι om ὑμᾶς in P 46 , 018, Tert, add in 03, 010, 012, 025, 230, 1739, pm, στῆναι ὑμᾶς 04, 06. ♦ (6,12) Anstelle von ἡμῖν lesen ὑμῖν die Zeugen P 46 , 03, 06*, 010, 012, 044, 81, 1175, d, e, g c , f, it, vg ms , sy p , Lcf, Ambst, Spec, während die von NA 28 gewählte Form zu finden ist in den Zeugen 01, 02, 04, 06 2 , 016, 018, 020, 025, 0278, 33, 104, 230, 365, 630, 1241 s , 1505, 1739, 1881, 2464, M, ar, g*, vg, sy h , co, Cl, Or. ♦ Anstelle von ἀρχᾶς πρὸς τὰς ἐξουσίας bietet 7 (Laod = Eph) 501 <?page no="502"?> 60 G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 62; G. Zuntz, The Text of the Epistles. A Disquisition upon the Corpus Paulinum (1953), 95. P 46 μεθοδίας. ♦ Post σκότους add τοῦ αἰῶνος in 01 2a , 06 2 , 018, 020, 025, 044, 81, 104, 365, 630, 1241 s , 1739 mg , 1881, 2464, M, s yh **, Tert, om in P 46 , 01* 2b , 02, 03, 06*, 010, 012, 0278, 6, 33, 1175, 1739 txt , latt, sy p , co, Cl, Or, Eus. ♦ Post πονηρίας om ἐν τοῖς ἐπουρανίοις in P 46 , Did. ♦ (6,16) Ante ἐν ᾧ add οὐ τοῦ πολέμου, Tert. ♦ (6,17) δέξασθε om in P 46 , 03, 06*, 010, 012, add in 01, 02, 062, 018, 020, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 1881, 2464, M. ♦ (6,19) Post μυστήριον om τοῦ εὐαγγελίου in 03, 010, 012, b, m*, Tert, MVict, Ambst, add in 01, 02, 06, 016, 018, 020, 025, 044, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, co. Zuntz und Kilkpatrick halten den Zusatz für eine nachträgliche Einfügung bzw. eine eingedrungene Glosse. 60 C. 1. (6,11-12) Nach übereinstimmender Meinung der Editoren sind diese Verse durch Tertullian bezeugt. Beim Adamantiuszeugnis gehen die Meinungen aus‐ einander. Hilgenfeld und Zahn rechnen mit der Präsenz des kanonischen Textes. Harnack sieht als bezeugt: 11 ἐνδύσασθε τὴν πανοπλίαν τοῦ θεοῦ ἐν ᾗ στῶμεν πρὸς τὴν μεθοδίαν τοῦ διαβόλου· 12 πρὸς τὰς ἐξουσίας … τοὺς κοσμοκράτορας τοῦ σκότου τούτου, τὰ πνευματικὰ τῆς πονηρίας ἐν τοῖς ἐπουρανίοις. Schmid gibt als bezeugten Text: 11 ἐνδύσασθε τὴν πανοπλίαν (τοῦ θεοῦ πρὸς τὸ δύνασθαι) ὑμᾶς στῆναι πρὸς τὰς μεθοδείας τοῦ διαβόλου· 12 ἡ πάλη … πρὸς τὰς ἐξουσίας, (πρὸς) τὰ πνευματικὰ τῆς πονηρίας ἐν τοῖς ἐπουρανίοις. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 11 ἐνδύσασθε τὴν πανοπλίαν [τοῦ θεοῦ] πρὸς τὸ δύνασθαι ὑμᾶς στῆναι πρὸς τὰς μεθοδείας τοῦ διαβόλου· 12 [ὅτι οὐκ] ἔστιν ἡμῖν ἡ πάλη [πρὸς αἷμα καὶ σάρκα ἀλλὰ πρὸς τὰς ἀρχάς,] πρὸς τὰς ἐξουσίας, πρὸς τοὺς κοσμοκράτορας τοῦ σκότου τούτου, πρὸς τὰ πνευματικὰ τῆς πονηρίας ἐν τοῖς ἐπουρανίοις. Hilgenfeld hält diese beiden Verse zusammen mit den Versen 13-14 für „eine Hauptstelle Marcions“. Was das Zeugnis des Adamantius betrifft, urteilt BeDuhn, Adamantius habe die Verse 13 und 16 miteinander verbunden, weshalb er auch in seine Übersetzung Vers 13 mit aufnimmt. Doch wie bereits Harnack richtig gesehen hat (Zahn hatte allerdings bereits den Bezug zu Vers 13 hergestellt), handelt es sich beim ersten Teil nicht um Vers 13 (διὰ τοῦτο ἀναλάβετε τὴν πανοπλίαν τοῦ θεοῦ, ἵνα δυνηθῆτε ἀντιστῆναι ἐν τῇ ἡμέρᾳ τῇ πονηρᾷ καὶ ἅπαντα κατεργασάμενοι στῆναι), sondern um den Anfang von Vers 11. Schmid lässt das Adamantiuszeugnis nicht gelten. Tatsächlich scheint Adamantius an dieser 502 Rekonstruktion <?page no="503"?> 61 Vgl. hierzu M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 87-88. 62 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 315. Stelle nicht völlig verlässlich, denn von τὸ δύνασθαι (Rufin: possitis) ist bei Tertullian nicht die Rede, die auch grammatisch ungelenke Doppelung des πρὸς τό-… scheint folglich nicht in der vorkanonischen Version zu stehen. 2. Der Hintergrund dieser Verse, einschließlich der nachfolgenden Verse 14-17, erschließt sich aus ihrem Kontrast zu Jes 5,25-28 LXX (und vielleicht auch 4Esra 16,13): 25 καὶ ἐθυμώθη ὀργῇ κύριος σαβαωθ ἐπὶ τὸν λαὸν αὐτοῦ, καὶ ἐπέβαλεν τὴν χεῖρα αὐτοῦ ἐπ᾽ αὐτοὺς καὶ ἐπάταξεν αὐτούς, καὶ παρωξύνθη τὰ ὄρη, καὶ ἐγενήθη τὰ θνησιμαῖα αὐτῶν ὡς κοπρία ἐν μέσῳ ὁδοῦ. καὶ ἐν πᾶσι τούτοις οὐκ ἀπεστράφη ὁ θυμός, ἀλλ᾽ ἔτι ἡ χεὶρ ὑψηλή. 26 τοιγαροῦν ἀρεῖ σύσσημον ἐν τοῖς ἔθνεσιν τοῖς μακρὰν καὶ συριεῖ αὐτοῖς ἀπ᾽ ἄκρου τῆς γῆς, καὶ ἰδοὺ ταχὺ κούφως ἔρχονται· 27 οὐ πεινάσουσιν οὐδὲ κοπιάσουσιν οὐδὲ νυστάξουσιν οὐδὲ κοιμηθήσονται οὐδὲ λύσουσιν τὰς ζώνας αὐτῶν ἀπὸ τῆς ὀσφύος αὐτῶν, οὐδὲ μὴ ῥαγῶσιν οἱ ἱμάντες τῶν ὑποδημάτων αὐτῶν· 28 ὧν τὰ βέλη ὀξεῖά ἐστιν καὶ τὰ τόξα αὐτῶν ἐντεταμένα, οἱ πόδες τῶν ἵππων αὐτῶν ὡς στερεὰ πέτρα ἐλογίσθησαν, οἱ τροχοὶ τῶν ἁρμάτων αὐτῶν ὡς καταιγίς· Während dem Schöpfergott vorgeworfen wird, wie Tert., Adv. Marc. II 28,2-3 (Zitat des Textes weiter unten zu den Versen 14-17) anführt, er sei ein kriegerischer Gott, wehrt sich Tertullian wiederum nicht, indem er diesen Vorwurf zurückweist, sondern ihn zurückgibt, während *Paulus die militärische Sprache ausdrücklich auf den spirituellen, nicht den physischen Kampf bezieht. 61 3. (6,13) Bezüglich Vers 13 sind Zahn, Harnack und Schmid der Meinung, dass der Vers unbezeugt ist, Hilgenfeld und BeDuhn sehen ihn bezeugt, und BeDuhn verweist auf Adam., Dial. I 19, vgl. zum Text und den Überlegungen die Ausführungen zu Vers 11. 4. (6,14-15) Was diese Verse 15 betrifft, gehen die Meinungen der Editoren auseinander. Zahn und Harnack sehen die Verse durch die Ausführungen Tertullians belegt. Zahn sieht deren kanonischen Text präsent, Harnack sieht folgenden Text bezeugt: 14 περιζωσάμενοι τὴν ὀσφὺν ὑμῶν ἐν ἀληθείᾳ καὶ τὸν θώρακα τῆς δικαιοσύνης 15 καὶ ὑποδησάμενοι ἐν ἑτοιμασίᾳ τοῦ εὐαγγελίου τῆς εἰρήνης. Schmid und BeDuhn sehen die Verse als unbezeugt, und BeDuhn gibt zu bedenken, dass wir nicht sicher sein können, ob Tertullian „Markions Text in diesem Teil seines Werkes berücksichtigte“. 62 7 (Laod = Eph) 503 <?page no="504"?> Allerdings hatte auch von Soden für die Präsenz dieser Verse plädiert wegen der Einleitung: habes communem magistrum Paulum. Man wird wohl mit Zahn und Harnack die Eingangsinformation ernst nehmen müssen, wonach Tertullian ausdrücklich auf den Paulustext, den er mit seinem Gegner gemeinsam hat, für sein Argument abhebt, indem er anschließend mit einigen Mühen die pazifistische Aussage dieser Verse zu relativieren versucht. 5. (6,14) Was die Formulierung περιζωσάμενοι τὴν ὀσφὺν ὑμῶν ἐν ἀληθείᾳ betrifft, bemerke man auch den Hinweis im markionitischen Vorwort: Hos con‐ laudat beatus apostolus Paulus quod semel accepta fidem evangelicam perstiterunt in verbo veritatis scribens eis. 6. (6,16) Wiederum sind die Meinungen der Editoren geteilt. Hilgenfeld, Zahn, Harnack und BeDuhn sehen den Vers durch Adam., Dial. I 19 (siehe zu dem Text die Ausführungen zu Vers 11) bezeugt, während Schmid dieses Zeugnis ablehnt. Zahn sieht den kanonischen Text vorhanden, Harnack gibt als bezeugten Text: ἀναλαβόντες τὸν θυρεὸν τῆς πίστεως, ἐν ᾧ δυνήσεσθε πάντα τὰ βέλη τοῦ πονηροῦ τὰ πεπυρωμένα σβέσαι. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: ἀναλαβόντες τὸν θυρεὸν τῆς πίστεως, πρὸς τὸ δύνασθαι πάντα τὰ βέλη τοῦ πονηροῦ τὰ πεπυρωμένα σβέσαι. Die Änderung (πρὸς τὸ δύνασθαι) leitet er aus Adamantius her, doch gehört dieser Passus noch zu dem Zitat aus Vers 11, ist also nicht für den Text von Vers 16 in Anschlag zu bringen. Adamantius bezeugt erst den Teil des Verses danach. Gleich zu Beginn des Verses fügt die kanonische Redaktion wieder ein δύναμαι ein, womit dieselbe Ungewissheit in den Text gefügt wird, die bereits an den früheren Stellen zu bemerken ist (Eph 6,11. 13). Die Hinzufügung οὐ τοῦ πολέμου, die Tertullian vorgibt, hat zwar keinen Anhalt in Textvarianten und Harnack hat bereits bezweifelt, dass dieser Zusatz auf Markion zurückgehe, doch wieso sollte Tertullian sein eigenes Argument durch diesen Zusatz erschweren? 7. (6,17) Auch was diesen Vers betrifft, gehen die Meinungen der Editoren wegen der unterschiedlichen Bewertung des Tertulliantextes auseinander. Zahn sieht wiederum den kanonischen Text präsent, Harnack gibt als be‐ zeugten Text: καὶ τὴν περικεφαλαίαν τοῦ σωτηρίου καὶ τὴν μάχαιραν τοῦ πνεύματος, ὅ ἐστιν ῥῆμα θεοῦ. Schmid hält den Vers für unbezeugt und BeDuhn schließt sich ihm an, setzt den Vers jedoch in Klammern in seine Rekonstruktion. Von Soden geht nicht im Detail auf die Stelle ein, sieht aber insgesamt die Verse 14-17 als bezeugt an. 504 Rekonstruktion <?page no="505"?> 63 J. McCollum, Bayesian Textual Criticism: Evolutionary Genetics and the Transmission of New Testament Texts (2022). 8. (6,18-20) Auch, was diese Verse betrifft, sind sich die Editoren uneins. Hilgenfeld und Zahn sehen den kanonischen Text für diese drei Verse bis auf die Auslassung von τοῦ εὐαγγελίου in Vers 19 präsent. Harnack gibt, auch wenn er grundsätzlich mit der Präsenz der drei Verse rechnet, als bezeugte Textteile: 19 ἵνα μοι δοθῇ, ἐν ἀνοίξει τοῦ στόματός, ἐν παρρησίᾳ γνωρίσαι τὸ μυστήριον, 20 ἐν ἁλύσει, ἵνα ἐν αὐτῷ παρρησιάσωμαι. Schmid sieht die Verse als unbezeugt. BeDuhn hingegen legt seiner Überset‐ zung folgenden griechischen Text zugrunde: 18 [Διὰ πάσης προσευχῆς καὶ] δεήσεως [προσευχόμενοι ἐν παντὶ καιρῷ ἐν πνεύματι …], 19 καὶ ὑπὲρ ἐμοῦ, ἵνα μοι δοθῇ λόγος ἐν ἀνοίξει τοῦ στόματός μου ἐν παρρησίᾳ γνωρίσαι τὸ μυστήριον [τοῦ εὐαγγελίου, 20 ὑπὲρ οὗ πρεσβεύω] ἐν ἁλύσει… BeDuhn urteilt richtig, dass Tertullian am Ende (ibi expostulare a deo man‐ dabat) in der Tat auch ein Stück von Vers 18 bezeugt, wobei nicht nur das δεήσεως (expostulare), sondern überhaupt der gesamte Ausdruck - lediglich ohne das παντί - anklingt (δεήσεως προσευχόμενοι ἐν καιρῷ). 9. (6,19) Der Vergleich mit Eph 3,3-9, den McCollum anstellt, belegt, dass die Erweiterung τοῦ εὐαγγελίου Teil der kanonischen Redaktion ist, denn wieso sollte dieser Ausdruck eine schwache Verdeutlichung sein bzw. wieso sollte er ausgelassen worden sein, um eine Harmonisierung mit der „isolierten Benutzung in 3,3. 9“ darzustellen, wie von McCollum vorgeschlagen? 63 Man wird auch kaum bei einem so wichtigen Begriff wie „Evangelium“, gerade dann, wenn er in *Laod und Eph so selten begegnet, mit einem reinen Schreibversehen rechnen können. D. (6,11) ἐνδύω, das 30 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,22; *1Kor 15,54; *Kol 3,10. ♦ πανοπλία steht 3 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,22; *Laod 6,13. ♦ Das unbezeugte δύναμαι steht 233 / 210 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἵστημι, das 193 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *2Kor 13,1; *2Kor 13,1; *Röm 10,3. ♦ μεθοδεία, das 2 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ διάβολος, das 38 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur bezeugt für diese Stelle hier. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Auffallend ist, dass gerade das hier unbezeugte δύναμαι nur für *Ev vorkanonisch bezeugt ist. Nur μεθοδεία ist weiter nicht vorkanonisch bezeugt. 7 (Laod = Eph) 505 <?page no="506"?> (6,12) πάλη ist Hapax legomenon im NT. ♦ αἷμα, das 102 / 97 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,13. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu Vers 29. ♦ ἀρχή, das 67 / 55 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 = *Laod 1,21; *Laod 3,10. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10. ♦ κοσμοκράτωρ ist Hapax legomenon im NT. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14. ♦ πονηρία, das 7 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,39. ♦ ἐπουράνιος, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,40. 48; *Laod 3,10. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der Vergleich der Lexeme zeigt eine häufigere vorkanonische Bezeugung einer Reihe von Termini und damit eine gewisse Übereinstimmung von Bezeugung und Lexik; allerdings ist auch wiederum die Eigensprache von *Laod hervorzuheben, die bei Elementen zu bemerken ist, die nur hier oder auch nur an anderer Stelle in *Laod oder *Kol belegt sind. Was die unbezeugten Elemente (πρὸς αἷμα καὶ σάρκα ἀλλὰ πρὸς τὰς ἀρχάς) betrifft, sind diese zwar nicht aufgrund der Lexik auszuschließen, doch dass Tertullian gleich mehrfach τὰς ἀρχάς nicht erwähnt, worauf BeDuhn zur Stelle hingewiesen hat, lässt doch vermuten, dass dieser Passus tatsächlich in der vorkanonischen Fassung gefehlt hat. Allerdings sieht Schmid recht, dass auch das ἡ πάλη von Tertullian bezeugt ist (luctatio), doch hätte er auch noch das ὅτι οὐκ ἔστιν ἡμῖν mit hinzunehmen müssen, da auch dieses von Tertullian bezeugt ist (luctatio si nobis), allerdings nicht in den Abschnitten 12-14, die er und BeDuhn angeben, sondern in 11-14, wie bereits Zahn und Harnack erkannt hatten, auch wenn Harnack Abschnitt 11 im Unterschied zu Schmid nicht verwertet hat. (6,13) διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, etwa Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,11. ♦ ἀναλαμβάνω steht 19 / 13 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene belegt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πανοπλία vgl. zuvor zu Vers 11. ♦ Wiederum steht auf der kanonischen Ebene, in Duplikation zum voranstehenden Vers, δύναμαι, vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ ἀνθίστημι, das 16 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Gal 2,11. ♦ πονηρός, das 81 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 506 Rekonstruktion <?page no="507"?> 1,4; *Kol 1,21. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἵστημι vgl. zuvor zu Vers 11. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀναλαμβάνω; κατεργάζομαι). Auffallend ist διὰ τοῦτο, das vorkanonisch nur für *2Thess be‐ zeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (6,14) Die Form στῆτε steht 1 weiteres Mal im NT, 1Petr 5,12. ♦ Die Kombination στῆτε οὖν steht nur hier im NT. ♦ Zu ἵστημι vgl. zuvor zu den Versen 11 und 13. ♦ περιζώννυμι steht 7 / 6 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,35. ♦ ὀσφῦς steht 8 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 12,35. ♦ Das hier unbezeugte ἐνδύω, das 30 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22; *1Kor 15,54; *Kol 3,10. ♦ θώραξ, das 5 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Die Verseröffnung στῆτε οὖν steht nur hier im NT, was wahrscheinlich macht, dass es keine kanonische, sondern eher eine vorkanonische Formulierung ist, die Tertullian übergangen hat. Sie ist auch grammatikalisch für den Text der Verse 14-15 notwendig und wird folglich vorkanonisch gestanden sein. Das von Tertullian unbezeugte ἐνδυσάμενοι scheint der Lexik nach auch auf dieser Ebene vor‐ handen gewesen zu sein. Der vorkanonisch sonst nicht bezeugte Begriff θώραξ (und im nächsten Vers ὑποδέω) fällt auf, doch zeigt sich darin wieder die eigentümliche Sprache von *Laod, die der kanonischen nahesteht. (6,15) ὑποδέω steht 3 / 4 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Zum nicht sicher bezeugten πούς (auch wenn dieser Begriff durchaus in Tertullians calciantem mit gemeint sein kann), das 97 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25; *Laod 1,22. ♦ ἑτοιμασία ist Hapax legomenon im NT. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians. Auch das von Tertullian nur angedeutete τοὺς πόδας dürfte der Lexik zufolge vor‐ kanonisch gestanden sein. Wie der Vergleich der Lexeme zeigt, ergibt sich insbesondere eine Nähe der Verse zu dem vorkanonischen Vers *Ev 12,35. 7 (Laod = Eph) 507 <?page no="508"?> (6,16) Zum unbezeugten Versteil: Die Form ἐν πᾶσιν steht 10 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 6,6. ♦ ἀναλαμβάνω steht 19 / 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ θυρεός ist Hapax legomenon im NT. Zum bezeugten Versteil: πόλεμος, das 20 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,9. ♦ Die Kombination ἐν ᾧ (Rel. Pr. Dat. Neut. Sg.) steht 28 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 14,21, vgl. zu Eph 4,30. ♦ βέλος ist Hapax legomenon im NT. ♦ πονηρός, das 81 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,22. 35. 45; 11,13; *Gal 1,4; *Kol 1,21, vgl. zu Vers 13. ♦ πυρόω, das 9 / 6 Mal im NT steht, ist nur für die vorliegende Stelle vorkanonisch bezeugt. ♦ σβέννυμι, das 8 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,19. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, und auch die Lexik stützt, dass der unbezeugte Versanfang auf die kanonische Redaktion zurückgeht und vorkanonisch gefehlt hat, vermutlich als Ersatz für das vorka‐ nonisch stehende οὐ τοῦ πολέμου. Auf die kanonische Redaktion dürfte auch das unbezeugte δυνήσεσθε zurückgehen, was durch die Lexik gestützt wird. (6,17) περικεφάλαιος steht nur noch 1 weiteres Mal, und zwar wie das zuvor in Vers 14 erwähnte θώραξ in 1Thess 5,8 auf kanonischer Ebene. ♦ σωτήριος steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form δέξασθε steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,16. ♦ μάχαιρα, ein Begriff, der 40 / 29 Mal im NT steht, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ῥῆμα, das 72 / 68 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,4; 13,1. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch in seiner Bezeugung umstrittene Vers wird aufgrund der Lexik, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente aufweist (περικεφάλαιος; σωτήριος; δέξασθε; μάχαιρα), deutlich der kanonischen Redaktion zugewiesen. (6,18) Die Kombination διὰ πάσης steht 1 weiteres Mal in Eph 4,16. ♦ πάσης (Gen. Fem. Sg.), das 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δέησις steht 19 / 18 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 5,33. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. Das verwandte προσευχή, das 42 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,12. ♦ Man bemerke auch dieselbe Kombination dieser beiden Begriffe auf kanonischer Ebene in Phil 4,6. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Mask.), die 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 1Kor 1,5. ♦ Die Wendung εἰς αὐτό steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,5. ♦ ἀγρυπνέω steht 4 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ προσκαρτέρησις ist Hapax legomenon im 508 Rekonstruktion <?page no="509"?> NT. Das verwandte προσκαρτερέω, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, insbesondere für die Apostelgeschichte. ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. weiter unten zu Vers 24. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. Zur Rekonstruktion: Der Vers ist nur durch das Zeugnis Tertullians angedeutet, doch aufgrund der Lexik scheint auch kaum mehr im vorkanonischen Text gestanden zu sein als das oben Angegebene. (6,19) Die Wendung ὑπὲρ ἐμοῦ steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,30. ♦ ἀνοίγνυμι, das 102 / 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,9. Das verwandte ἀνοίγω steht noch 1 weiteres Mal, dort auf der kanonischen Ebene in Apk 3,7. ♦ στόμα, das 80 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19. ♦ παρρησία, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist nur an dieser Stelle hier vorkanonisch bezeugt. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *2Thess 1,8; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Was die vorka‐ nonisch unbezeugte Verseröffnung betrifft, so unterstützt die Lexik, dass das καὶ ὑπὲρ ἐμοῦ vorkanonisch gefehlt hat. Auch wenn τοῦ εὐαγγελίου nicht bezeugt ist, könnte es lexikalisch gesehen, vorkanonisch gestanden sein, wird aber aufgrund von Tertullians oft präziser Bezeugung hier nicht mit in den vorkanonischen Text genommen. (6,20) Die Kombination ὑπὲρ οὗ steht zwei weitere Male im NT, Joh 1,30; 1Kor 10,30, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πρεσβεύω steht nur noch 1 weiteres Mal in 2Kor 5,20. ♦ ἅλυσις steht 12 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ παρρησιάζομαι, das 10 Mal im NT steht, ist ebenfalls nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die nicht mehr bezeugte Wendung ὡς δεῖ με λαλῆσαι steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Kol 4,4. Zur Rekonstruktion: Auch in diesem Vers erweist der lexikalische Vergleich, dass Tertullians Zeugnis den vorkanonischen Text zuverlässig wiedergibt und die weiteren, unbezeugten Teile auf die kanonische Redaktion zurückzuführen sind und vorkanonisch gefehlt haben. 7 (Laod = Eph) 509 <?page no="510"?> 6,[21-24]: [Persönlicher Schluss] Der für den vorkanonischen Text unbezeugte Schlusspassus des Briefes geht auch der Lexik nach auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. - 21 Ἵνα δὲ εἰδῆτε καὶ ὑμεῖς τὰ κατ’ ἐμέ, τί πράσσω, πάντα γνωρίσει ὑμῖν Τύχικος ὁ ἀγαπητὸς ἀδελφὸς καὶ πιστὸς διάκονος ἐν κυρίῳ, 22 ὃν ἔπεμψα πρὸς ὑμᾶς εἰς αὐτὸ τοῦτο, ἵνα γνῶτε τὰ περὶ ἡμῶν καὶ παρακαλέσῃ τὰς καρδίας ὑμῶν. - 23 Εἰρήνη τοῖς ἀδελφοῖς καὶ ἀγάπη μετὰ πίστεως ἀπὸ θεοῦ πατρὸς καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. - 24 ἡ χάρις μετὰ πάντων τῶν ἀγαπώντων τὸν κύριον ἡμῶν Ἰησοῦν Χριστὸν ἐν ἀφθαρσίᾳ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. ♦ 6,21-22: Vgl. die parallele Wen‐ dung auf der kanonischen Ebene von Kol 4,7-8: Τὰ κατ’ ἐμὲ πάντα γνωρίσει ὑμῖν Τύχικος ὁ ἀγαπητὸς ἀδελφὸς καὶ πιστὸς διάκονος καὶ σύνδουλος ἐν κυρίῳ. 8 ὃν ἔπεμψα πρὸς ὑμᾶς εἰς αὐτὸ τοῦτο, ἵνα γνῶτε τὰ περὶ ἡμῶν καὶ παρακαλέσῃ τὰς καρδίας ὑμῶν. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (6,21-24) Nach Übereinstimmung aller Editoren sind diese Schlussverse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit deren nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. D. (6,21) Die Kombination ἵνα δὲ εἰδῆτε steht 4 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung (Mt 9,6; Mk 2,10; Lk 5,24; Eph 6,21), vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,24. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Kombination τὰ κατ’ ἐμέ steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, in Kol 4,7. ♦ πράσσω, das 43 Mal im 510 Rekonstruktion <?page no="511"?> NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10 und *Röm 2,25. ♦ Die Form πράσσω findet sich 4 Mal im NT (Röm 7,15. 19; 1Kor 9,17; Eph 6,21), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Τυχικός begegnet 5 Mal im NT, ausschließlich kanonisch belegt. ♦ ἀγαπητός, das sich 65 / 61 Mal im NT findet, wovon die Anrede ἀγαπητοί allein 30 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,35. ♦ πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, ist vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Deuteropaulinen. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers spricht bereits die große Parallelität zu Kol 4 dafür, dass auch dieser Passus auf die kanonische Redaktion zurückzuführen ist. Dies wird durch einige Elemente gestützt, die nur auf der kanonischen Ebene belegt sind (Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; τὰ κατ’ ἐμέ; πράσσω; Τυχικός; Semantik von πιστός; διάκονος; ἐν κυρίῳ). (6,22) πέμπω, das 86 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,3. ♦ Die Form ἔπεμψα steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zu Vers Röm 15,29. ♦ Die Wendung εἰς αὐτὸ τοῦτο steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 9,17. ♦ Die Kombination αὐτὸ τοῦτο steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,10. ♦ Die Wendung ἵνα γνῶτε steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; 2Kor 2,4; Eph 6,22; Kol 4,8). ♦ Die Wendung τὰ περὶ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 28,15; Eph 6,22; Kol 4,8). ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Wendung καὶ παρακαλέσῃ τὰς καρδίας ὑμῶν steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, in Kol 4,8. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἔπεμψα; πρὸς ὑμᾶς; εἰς αὐτὸ τοῦτο; αὐτὸ τοῦτο; ἵνα γνῶτε; τὰ περὶ ἡμῶν; καὶ παρακαλέσῃ τὰς καρδίας ὑμῶν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (6,23) εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ Die Wendung τοῖς ἀδελφοῖς steht 12 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 5,27. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 7 (Laod = Eph) 511 <?page no="512"?> 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ Die Wendung ἀπὸ θεοῦ πατρὸς καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ steht nur hier im NT. Zur Abwesenheit: Bei diesem vorkanonisch unbezeugten Vers fällt die Wendung τοῖς ἀδελφοῖς auf, die nur auf der kanonischen Ebene steht. Überhaupt enden die vorkanonischen Briefe ausnahmslos ohne Segenswunsch, so dass wohl auch dieser Vers vorkanonisch gefehlt hat. (6,24) Zu πάντων vgl. zuvor zu Vers 18. ♦ Die Wendung μετὰ πάντων τῶν steht 1 weiteres Mal, 1Thess 3,13. ♦ Der Plural ἀγαπῶντοι steht 9 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀφθαρσία, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,50. 53. ♦ ἀμήν steht 175 / 130 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt nur als Substantiv τὸ Ἀμὴν für *2Kor 1,20. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (μετὰ πάντων τῶν; ἀγαπῶντοι; ἀμήν). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat wie der gesamte Schlusspassus vorkanonisch gefehlt. 512 Rekonstruktion <?page no="513"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 121. 8 (Kol) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Κολασσαεῖς - Colossenses et hi sicut Laodicenses sunt Asiani. et ipsi praeventi erant a pseudoapostolis, nec ad hos accessit ipse apostolus, sed et hos per epistulam recorrigit. audierant enim verbum ab Archippo qui et ministerium in eos accepit. ergo apostolus iam ligatus scribit eis ab Epheso. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19, praef.: De epistula ad Colossenses; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): ὀγδόη πρὸς Κολασσαεῖς; ibid. (181 H.): Τῆς πρὸς Κολοσσαεῖς, η παρὰ τῷ Μαρκίωνι κειμένης, παρὰ δὲ τῷ ἀποστόλῳ ζ κειμένης; vgl. auch den markionitischen Prolog. B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. 1 C. Zahn gibt ohne Quellenangabe als Adresse: Πρὸς Κολασσαεῖς, Harnack ebenso ohne Quellenangabe. Schmid gibt keinen Titulus. Kapitel 1 1,1-2 [3-4] 5-6: Anschrift, Gruß Der vorkanonische Gruß lässt sich aus Tertullian erschließen, die Erläuterung ist ebenfalls bezeugt, wie üblich hat die kanonische Redaktion den Gruß etwas ausgedehnt. 1,1 Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ - 1,1 Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ διὰ θελήματος θεοῦ καὶ Τιμόθεος ὁ ἀδελφὸς 2 τοῖς ἐν Κολοσσαῖς, χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν 2 τοῖς ἐν Κολοσσαῖς ἁγίοις καὶ πιστοῖς ἀδελφοῖς ἐν Χριστῷ, χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν. <?page no="514"?> 3 Εὐχαριστοῦμεν τῷ θεῷ πατρὶ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ πάντοτε περὶ ὑμῶν προσευχόμενοι, 4 ἀκούσαντες τὴν πίστιν ὑμῶν ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ καὶ τὴν ἀγάπην ἣν ἔχετε εἰς πάντας τοὺς ἁγίους 5 διὰ τὴν ἐλπίδα τὴν ἀποκειμένην ἐν τοῖς οὐρανοῖς, ἣν ἠκούσατε ἐν τῷ λόγῳ τῆς ἀληθείας τοῦ εὐαγγελίου 5 διὰ τὴν ἐλπίδα τὴν ἀποκειμένην ὑμῖν ἐν τοῖς οὐρανοῖς, ἣν προηκούσατε ἐν τῷ λόγῳ τῆς ἀληθείας τοῦ εὐαγγελίου 6 τοῦ παρόντος εἰς ὑμᾶς, καθὼς καὶ ἐν παντὶ τῷ κόσμῳ ἐστὶν· 6 τοῦ παρόντος εἰς ὑμᾶς, καθὼς καὶ ἐν παντὶ τῷ κόσμῳ ἐστὶν καρποφορούμενον καὶ αὐξανόμενον καθὼς καὶ ἐν ὑμῖν, ἀφ’ ἧς ἡμέρας ἠκούσατε καὶ ἐπέγνωτε τὴν χάριν τοῦ θεοῦ ἐν ἀληθείᾳ· A. *1,1-2: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19, praef: De epistula ad Colossenses; Adv. Marc. V 5,1: communem scilicet et eundem in epistulis omnibus; Adam., Dial. II 12 (im Mund des Markioniten): αὐτὸς ὑπὲρ αὑτοῦ γράφει λέγων· Παῦλος, ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ (Rufin: Ipse de se scripsit dicens: Paulus apostolus Iesu Christi). ♦ *1,5-6: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,1-2: [1] Soleo in praescriptione adversus haereses omnes de testimonio temporum compendium figere, priorem vindicans regulam nostram omni haeretica posteritate. Hoc nunc probabit et apostolus dicens, De spe reposita in caelis, quam audistis in sermone veritatis evangelii, quod pervenit ad vos, sicut et in totum mundum. Nam si iam tum traditio evangelica ubique manaverat, quanto magis nunc? [2] Porro si nostra est quae ubique manavit, magis quam omnis haeretica, nedum Antoniniani Marcionis, nostra erit apostolica. Marcionis autem cum totum impleverit mundum, ne tunc quidem se defendere poterit de apostolica. Eam enim et sic constabit esse quae prior mundum replevit, illius scilicet dei evangelio qui et haec cecinit de praedicationibus eius: In omnem terram exiit sonus eorum, et in terminos orbis verba eorum. B. (1,2) Anstelle von Κολοσσαῖς steht Κολασσαῖς in 016, 018, 025, 044, 075, 6, 33, 81, 104, 326, 614, 629, 630, 1241 s , 1505, 1739, 1881, pm sy, (bo), während Κολοσσαῖς sich findet in 01, 03, 06, 010, 012, 020, 365, 1175, 2464, pm sa. ♦ Post ἡμῶν add καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ in 01, 02, 04, 010, 012, 016, 075, 104, 365, 630, 1241 s , 2464, M, it, vg cl , (sy h** ), bo, Hier, καὶ Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῦ κυρίου ἡμῶν in 025, om 03, 06, 018, 020, 044, 33, 81, 1175, 1505, 1739, 1881, ar, m, vg st.ww , sy p , sa, Ambst, NA 28 . C. 1. (1,1-2) Nach den Editoren Hilgenfeld, Zahn, Harnack und Schmid sind die beiden ersten Verse nicht bezeugt, doch BeDuhn verweist auf den markioniti‐ 514 Rekonstruktion <?page no="515"?> 2 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 121*. 3 E.T. Mayerhoff, Der Brief an die Colosser mit vornehmlicher Berücksichtigung der drei Pastoralbriefe (1838), 46. schen Prolog, der auch die enge Verbindung dieses Briefes mit dem voranste‐ henden an die Laodizener erweist. Hinzuzufügen sind natürlich die hier und zuvor angeführten Angaben Tertullians und Epiphanius, die in Übereinstim‐ mung mit dem markionitischen Prolog Titel und Adressaten des Briefes nennen. Aus der weiteren, wiederholt angeführten Information Tertullians, wonach die Briefe alle weithin gleich begonnen haben, darf man zumindest annehmen, dass dieser Brief im Proöm nicht drastisch von den anderen abwich. Hinzu kommt die nicht näher referenzierte Aussage des Markioniten im Adamantiusdialog, die wohl zur Standarderöffnung gehörte, wie sie Tertullian kannte. Hätte etwa neben Paulus auch noch Timotheus als Briefabsender gestanden, hätte Tertullian dies wohl vermerkt. 2. (1,3-4) Nach Übereinstimmung aller Editoren sind diese beiden Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. Wohl des narrativen Zusammenhangs wegen nimmt BeDuhn in seine Übersetzung ein Stück, dem folgender griechischer Text aus Vers 3 zugrunde liegt: Εὐχαριστοῦμεν τῷ θεῷ. 3. (1,5-6) Nach übereinstimmender Meinung der Editoren sind zumindest Teile dieser Verse durch Tertullian bezeugt. Zahn sieht für Vers 5 lediglich das ὑμῖν abwesend und erschließt aus Tertullian für ἣν προηκούσατε die Form ἣν ἠκούσατε. Harnack, der mit beiden Versen rechnet, gibt als bezeugten Text: 5 τὴν ἐλπίδα τὴν ἀποκειμένην … ἐν τοῖς οὐρανοῖς, ἣν ἠκούσατε ἐν τῷ λόγῳ τῆς ἀληθείας τοῦ εὐαγγελίου 6 τοῦ παρόντος εἰς ὑμᾶς, καθὼς καὶ ἐν παντὶ τῷ κόσμῳ. In seinen Anmerkungen fragt er jedoch kritisch: „Hat M.[arkion] wirklich ἠκούσατε (sonst unbezeugt) > προηκούσατε gelesen? “. 2 Schmid bietet als bezeugten Text: 5 τὴν ἐλπίδα τὴν ἀποκειμένην (ὑμῖν) ἐν τοῖς οὐρανοῖς, ἣν προηκούσατε ἐν τῷ λόγῳ τῆς ἀληθείας τοῦ εὐαγγελίου 6 τοῦ παρόντος εἰς ὑμᾶς, καθὼς καὶ ἐν παντὶ τῷ κόσμῳ-… BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden Text zugrunde: 5 διὰ] τὴν ἐλπίδα τὴν ἀποκειμένην [ὑμῖν] ἐν τοῖς οὐρανοῖς, ἣν ἠκούσατε ἐν τῷ λόγῳ τῆς ἀληθείας τοῦ εὐαγγελίου 6 τοῦ παρόντος εἰς ὑμᾶς, καθὼς καὶ ἐν παντὶ τῷ κόσμῳ ἐστὶν … Bemerkenswert ist, dass Mayerhoff dem Kolosserbrief „eine offenbare Ge‐ dankenarmuth“ zuschreibt, die sich „deutlich genug schon in der unmäßigen Synonymenhäufung, die den Stoff erweitern soll“, zeige. 3 Interessanterweise ist es gerade der vorkanonisch nicht bezeugte zweite Teil von Vers 6 (ἀφ’ ἧς 8 (Kol) 515 <?page no="516"?> ἡμέρας ἠκούσατε καὶ ἐπέγνωτε τὴν χάριν τοῦ θεοῦ ἐν ἀληθείᾳ), den er für eine Duplikation von Vers 5 (ἣν προηκούσατε ἐν τῷ λόγῳ τῆς ἀληθείας τοῦ εὐαγγελίου) hält. D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Wendung Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ steht 6 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,1, vermutlich aber auch stehend in *2Kor 1,1; *Röm 1,1; *1Thess; *2Thess; *Laod; *Kol; *Phil, vgl. zu 1Kor 1,1. ♦ θέλημα steht 65 / 62 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,3; *Laod 1,9. ♦ Der Genitiv θελήματος steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,13; Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 1,1; 7,37; 2Kor 1,1; 8,5; Eph 1,1. 5. 9. 11; Kol 1,1. 9; 2Tim 1,1). ♦ Zu weiteren Lexemen vgl. zur Eröffnung von *1Kor 1,1. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis von Tertullian und Epiphanius. (1,2) Zu den Lexem vgl. zur Eröffnung von *1Kor 1,1. Wie im Pröom des Laodizener‐ briefs wird ἁγίοις gefehlt haben, da ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19 zu finden ist. ♦ πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Hinweis Tertullians zur Eröffnung von *1Kor 1,1. (1,3) εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ Die Wendung τῷ θεῷ πατρὶ steht noch 1 weiteres Mal in Kol 3,17. ♦ πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15, vgl. weiter unten Vers 9. ♦ Die Kombination dieser beiden Begriffe πάντοτε und προσεύχομαι zusammen mit dem περὶ ὑμῶν findet sich auf der kanonischen Ebene in 2Thess 1,11: προσευχόμεθα πάντοτε περὶ ὑμῶν. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τῷ θεῷ πατρί; πάντοτε; περὶ ὑμῶν; Kombination von πάντοτε, προσεύχομαι und περὶ ὑμῶν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 516 Rekonstruktion <?page no="517"?> (1,4) ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ Die Wendung εἰς πάντας steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 3,22. ♦ Zu ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen vgl. zum Proöm. ♦ Die Wendung εἰς πάντας τοὺς ἁγίους steht 3 Mal im NT, jeweils als Versschluss, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 1,15. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; εἰς πάντας; εἰς πάντας τοὺς ἁγίους). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,5) Die Wendung διὰ τὴν ἐλπίδα steht nur hier im NT. ♦ ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12. ♦ ἀπόκειμαι steht 4 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ Die Wendung ἐν τοῖς οὐρανοῖς steht 23 Mal im NT (10 Mal Mt; 3 Mal Mk; Lk 10,20; 12,33; 18,22; 2Kor 5,1; Kol 1,5. 16. 20; Hebr 8,1; 9,23), vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 18,22; *2Kor 5,1; *Laod 1,10. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἀκούω vgl. den voranstehenden Vers 4. ♦ Die kanonische Variante προακούω ist Hapax legomenon im NT und zeugt für die Vorliebe von Kompositbegriffen der kanonischen Redaktion. ♦ Die Wendung ἐν τῷ λόγῳ steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur hier. ♦ εὐαγγέλιον steht 79 / 76 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Die Elemente ἀπόκειμαι und ἐν τῷ λόγῳ, die nur in *Kol vorkanonisch bezeugt sind, weisen auf die Nähe der Sprache dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen hin. (1,6) Zum bezeugten Versteil: πάρειμι, das sich 25 / 24 Mal im NT findet, ist vorka‐ nonisch bezeugt für *2Kor 13,10. ♦ Die Wendung εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für diese Stelle hier, vgl. 1Thess 4,8. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25, vgl. zu Röm 1,13. ♦ Die Wendung ἐν παντὶ (Mask.), die 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,5. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: καρποφορέω, das 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. weiter unten auf der kanoni‐ 8 (Kol) 517 <?page no="518"?> schen Ebene Vers 10. ♦ αὐξάνω, das 27 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. ebenfalls weiter unten zu Vers 10. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὴν χάριν τοῦ θεοῦ steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Deutlicher als hier könnte man den Unterschied zwischen dem bezeugten und dem unbezeugten Text anhand der Lexik kaum aufzeigen. Der unbezeugte Teil geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. 1,[7-14]: [Persönliche Worte an die Leserschaft] Diese gänzlich vorkanonisch unbezeugten Verse führen nicht nur einen Mitar‐ beiter, Epaphras, ein, sie drücken auch auf typisch kanonisch-redaktionelle Weise persönliche Worte des kanonischen Paulus zur Erbauung der Hörerschaft aus. - 7 καθὼς ἐμάθετε ἀπὸ Ἐπαφρᾶ τοῦ ἀγαπητοῦ συνδούλου ἡμῶν, ὅς ἐστιν πιστὸς ὑπὲρ ὑμῶν διάκονος τοῦ Χριστοῦ, 8 ὁ καὶ δηλώσας ἡμῖν τὴν ὑμῶν ἀγάπην ἐν πνεύματι. 9 Διὰ τοῦτο καὶ ἡμεῖς, ἀφ’ ἧς ἡμέρας ἠκούσαμεν, οὐ παυόμεθα ὑπὲρ ὑμῶν προσευχόμενοι καὶ αἰτούμενοι, ἵνα πληρωθῆτε τὴν ἐπίγνωσιν τοῦ θελήματος αὐτοῦ ἐν πάσῃ σοφίᾳ καὶ συνέσει πνευματικῇ, 10 περιπατῆσαι ἀξίως τοῦ κυρίου εἰς πᾶσαν ἀρεσκείαν, ἐν παντὶ ἔργῳ ἀγαθῷ καρποφοροῦντες καὶ αὐξανόμενοι τῇ ἐπιγνώσει τοῦ θεοῦ, 11 ἐν πάσῃ δυνάμει δυναμούμενοι κατὰ τὸ κράτος τῆς δόξης αὐτοῦ εἰς πᾶσαν ὑπομονὴν καὶ μακροθυμίαν. Μετὰ χαρᾶς 12 εὐχαριστοῦντες τῷ πατρὶ τῷ ἱκανώσαντι ὑμᾶς εἰς τὴν μερίδα τοῦ κλήρου τῶν ἁγίων ἐν τῷ φωτί· 13 ὃς ἐρρύσατο ἡμᾶς ἐκ τῆς ἐξουσίας τοῦ σκότους καὶ μετέστησεν εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ υἱοῦ τῆς ἀγάπης αὐτοῦ, 14 ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν, τὴν ἄφεσιν τῶν ἁμαρτιῶν· A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. 518 Rekonstruktion <?page no="519"?> 4 Ibid. 46-47. C. 1. (1,7-14) Nach übereinstimmender Meinung der Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. BeDuhn fragt sich, wo der Bezug zu finden ist, um den Anschluss des wieder bezeugten Teils in Vers 15 anzuhängen. Er nimmt darum den folgenden Passus in seine Übersetzung mit hinein, dem der nachfolgende griechische Text zugrunde liegt: 12 [εὐχαριστοῦντες τῷ πατρὶ τῷ ἱκανώσαντι ὑμᾶς εἰς τὴν μερίδα τοῦ κλήρου τῶν ἁγίων ἐν τῷ φωτί· 13 ὃς ἐρρύσατο ἡμᾶς ἐκ τῆς ἐξουσίας τοῦ σκότους καὶ μετέστησεν εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ υἱοῦ τῆς ἀγάπης αὐτοῦ, 14 ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν, τὴν ἄφεσιν τῶν ἁμαρτιῶν]. Der von BeDuhn im nächsten wieder bezeugten Vers 15 vermisste Anhaltspunkt ist nicht dort, sondern in den zuletzt bezeugten Versen 5 und 6 zu finden, nämlich im Logos der Wahrheit des Evangeliums. Wie das Evangelium dieses wahren Logos bei den Adressaten und im ganzen Kosmos ist, so ist der Logos εἰκὼν τοῦ θεοῦ τοῦ ἀοράτου. Wenn Tertullian nicht vom Logos, sondern vom „Christus des Vaters“ bzw. von Christus spricht, so ist dies, wie er selbst zugesteht, bereits Teil seiner Argumentation (dicimus patrem Christi). 2. (1,7-9) Auch diese beiden Verse hält Mayerhoff für eine Duplikation dessen, was zuvor in 1,3 formuliert wurde: „I., 8. enthält mit Angabe der die Gemein[d]e und Paulus vermittelnden Person das schon I., v. 3. Gesagte: ἀκούσαντες τὴν πίστιν ὑμῶν ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ καὶ τὴν ἀγάπην und v. 8. ὁ δηλώσας ἡμῖν τὴν ὑμῶν ἀγάπην ἐν πνεύματι, und noch einmal, v. 9. διὰ τοῦτο καὶ ἡμεῖς, ἀφ’ ἧς ἡμέρας ἠκούσαμεν. Epaphras erhält I., 7. dieselben Beinamen, wie Tychicus IV., 7, oder vielmehr, was vom Tychicus im Briefe an die Epheser gesagt war, überträgt unser Verf. auch auf den Epaphras.“ 4 3. (1,14) Für den Vers zu vergleichen ist: *Laod 1,7 Eph 1,7 Kol 1,14 ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν διὰ τοῦ αἵματος αὐτοῦ. ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν διὰ τοῦ αἵματος αὐτοῦ, τὴν ἄφεσιν τῶν παραπτωμάτων, κατὰ τὸ πλοῦτος τῆς χάριτος αὐτοῦ ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν, τὴν ἄφεσιν τῶν ἁμαρτιῶν· Aus diesem Vergleich legt sich die folgende Genese nahe: Der vorkanonische Vers wurde von der kanonischen Redaktion für Eph 1,7 übernommen und kanonisch ergänzt. 8 (Kol) 519 <?page no="520"?> 5 P.N. Harrison, Paulines and Pastorales (1964), 65-78; F.F. Bruce, The Epistles to the Colossians, to Philemon, and to the Ephesians (1984), 31. Dieselbe Redaktion hat denselben vorkanonischen Teil verkürzt in Kol als Vers 14 eingetragen und mit einem ebenfalls verkürzten und leicht veränderten kanonischen Versteil von Eph 1,7 ergänzt. 4. (1,9b-25) Diese Verse gelten nach P.N. Harrison i.W. als spätere Interpolation. 5 D. (1,7) μανθάνω, das 143 / 25 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; *1Kor 15,35. ♦ Ἐπαφρᾶς, der 3 Mal im NT zu finden ist, steht nur auf der kanonischen Ebene (Kol 1,7; 4,12; Phlm 1,23). ♦ ἀγαπητός, das sich 64 / 61 Mal im NT findet, wovon die Anrede ἀγαπητοί allein 30 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 6,13; *1Kor 1,28. ♦ σύνδουλος steht 11 / 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht der Terminus nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Ἐπαφρᾶς; σύνδουλος; Semantik von πιστός; ὑπὲρ ὑμῶν; διάκονος. (1,8) δηλόω, das 7 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: δηλόω. (1,9) Die Kombination διὰ τοῦτο καί steht 7 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, etwa in Lk 11,49, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,13. ♦ διὰ τοῦτο, das 59 Mal im NT steht, vorkanonisch in dem *Deuteropaulinum *2Thess 2,11 bezeugt. ♦ Die Wendung ἀφ’ ἧς ἡμέρας steht 1 weiteres Mal, in Kol 1,9. ♦ Die Form ἠκούσαμεν steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 14,58; Lk 4,23; 22,71; Joh 12,34; 4 Mal Apg; Kol 1,9; 2Petr 1,18). ♦ παύω, das 15 Mal im NT begegnet, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten προσεύχομαι vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ αἰτέω, das 78 / 70 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev; *1Kor 1,22. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 520 Rekonstruktion <?page no="521"?> 8,4; 13,8. ♦ Die Form πληρωθῆτε steht 1 weiteres Mal, Eph 3,19. ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9, vgl. die Verse weiter unten 11 und 23 und 29. ♦ Die Wendung ἐν πάσῃ σοφίᾳ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 1,8. ♦ σύνεσις, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: διὰ τοῦτο καί; ἀφ’ ἧς ἡμέρας; ἠκούσαμεν; παύω; ὑπὲρ ὑμῶν; πληρωθῆτε; ἐν πάσῃ σοφίᾳ. Zu bemerken sind die Wendung διὰ τοῦτο und die Form πάσῃ, die vorkanonisch für *2Thess bezeugt sind, sowie das für *Kol bezeugte ἀφ’ ἧς ἡμέρας; dies sind Hinweise auf die Nähe dieser *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache. (1,10) περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, aber nur 1 Mal in *Laod 2,2; 5,2 vorkanonisch bezeugt ist. ♦ Das Adverb ἀξίως, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. danach auch Vers 11. ♦ Die Wendung εἰς πᾶσαν steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 3,3; 10,1; Röm 10,18; 2Kor 9,11; Kol 1,10. 11; Apk 5,6). ♦ ἀρέσκεια ist Hapax legomenon im NT. ♦ Zu παντί vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ καρποφορέω, das 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene belegt, vgl. weiter oben auf der kanonischen Ebene Vers 6. ♦ αὐξάνω, das 27 / 23 im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. ebenfalls weiter oben zum selben Vers 6. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten ἐπίγνωσις vgl. zum voranstehenden Vers. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀξίως; πᾶσαν; εἰς πᾶσαν; ἐν παντί; καρποφορέω; αὐξάνω. (1,11) Zu πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 9 und weiter unten zu den Versen 23 und 29. ♦ δυναμόω steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Kol 1,11; Hebr 11,34). ♦ κράτος, das 15 / 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,19. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ Zu den kanonischen πᾶσαν und εἰς πᾶσαν vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ ὑπομονή steht 33 / 32 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,19. ♦ μακροθυμία, das 14 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ χαρά, das zwar 62 / 59 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. 8 (Kol) 521 <?page no="522"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δυναμόω; πᾶσαν; εἰς πᾶσαν; μακροθυμία; χαρά. (1,12) εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. ♦ ἱκανόω, das 18 / 2 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μερίς, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ κλῆρος steht 13 / 11 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev und *Laod 1,19. ♦ φῶς, das 75 / 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,6; 11,14. ♦ Die Wendung ἐν τῷ φωτί steht 8 Mal im NT (Mt 10,27; Lk 12,3; Joh 5,35; Kol 1,12; 3 Mal 1Joh), vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἱκανόω; μερίς; κλῆρος. (1,13) ῥύομαι, das 22 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,43 (Tert bietet jedoch: sanguine fluitabat); *Röm 7,24. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. ♦ Die Wendung ἐκ τῆς ἐξουσίας steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Lk 23,7. ♦ σκότος, das sich 31 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *1Kor 4,5; *2Kor 4,6; *Laod 5,11; 6,12. ♦ μεθίστημι, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς τὴν βασιλείαν steht 18 Mal im NT (6 Mal Mt; 4 Mal Mk; Lk 18,24. 25, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 23,42; Joh 3,5; Apg 14,22; Kol 1,13; 4,11; 2Tim 4,18), immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τῆς ἀγάπης αὐτοῦ steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐκ τῆς ἐξουσίας; μεθίστημι; εἰς τὴν βασιλείαν. (1,14) ἀπολύτρωσις, das 10 Mal im NT steht und vorkanonisch für *Ev bezeugt ist. ♦ ἄφεσις steht 18 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene belegt. ♦ ἁμαρτία, das 184 / 173 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,4; *Röm 5,21; 7,7. 11; 8,3. 10; 14,23; *2Thess 2,3. Der Vers ist i.W. eine Parallele zu dem vorkanonisch bezeugten Vers Eph 1,7 (ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν διὰ τοῦ αἵματος αὐτοῦ, τὴν ἄφεσιν τῶν παραπτωμάτων) und dürfte eine typisch kanonisch-redaktionelle Duplikation sein, die beide Briefe miteinander verschränken soll. 522 Rekonstruktion <?page no="523"?> 6 Zur Deutung, der Betonung, es handele sich nicht um einen Hymnus, und zur frühen Rezeptionsgeschichte und den Quellen, vgl. J.R. Strawbridge, The Pauline Effect. The Use of the Pauline Epistles by Early Christian Writers (2015), 135-181. 1,15 [16] 17 [18] 19-22: Das Wort Gottes Die vorkanonischen Ausführungen, die den Logos der Wahrheit des Evange‐ liums näher erläutern, sind gut bezeugt. Erneut nimmt die kanonische Redaktion eine Ausweitung dieser Überlegungen vor und bildet die Basis einer langen Rezeption, insbesondere, was die von ihr eingebrachten Titel dieses Textes betrifft. 6 15 ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ τοῦ ἀοράτου, - 15 ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ τοῦ ἀοράτου, πρωτότοκος πάσης κτίσεως, - 16 ὅτι ἐν αὐτῷ ἐκτίσθη τὰ πάντα ἐν τοῖς οὐρανοῖς καὶ ἐπὶ τῆς γῆς, τὰ ὁρατὰ καὶ τὰ ἀόρατα, εἴτε θρόνοι εἴτε κυριότητες εἴτε ἀρχαὶ εἴτε ἐξουσίαι· τὰ πάντα δι’ αὐτοῦ καὶ εἰς αὐτὸν ἔκτισται· 17 καὶ αὐτός ἐστιν πρὸ πάντων. 17 καὶ αὐτός ἐστιν πρὸ πάντων καὶ τὰ πάντα ἐν αὐτῷ συνέστηκεν, - 18 καὶ αὐτός ἐστιν ἡ κεφαλὴ τοῦ σώματος τῆς ἐκκλησίας· ὅς ἐστιν ἀρχή, πρωτότοκος ἐκ τῶν νεκρῶν, ἵνα γένηται ἐν πᾶσιν αὐτὸς πρωτεύων, 19 ἐν ἑαυτῷ εὐδόκησεν πᾶν τὸ πλήρωμα κατοικῆσαι 19 ὅτι ἐν αὐτῷ εὐδόκησεν πᾶν τὸ πλήρωμα κατοικῆσαι 20 καὶ ἀποκαταλλάξαι τὰ πάντα εἰς ἑαυτόν, εἰρηνοποιήσας διὰ τοῦ αἵματος τοῦ σταυροῦ αὐτοῦ. - 20 καὶ δι’ αὐτοῦ ἀποκαταλλάξαι τὰ πάντα εἰς αὐτόν, εἰρηνοποιήσας διὰ τοῦ αἵματος τοῦ σταυροῦ αὐτοῦ, [δι’ αὐτοῦ] εἴτε τὰ ἐπὶ τῆς γῆς εἴτε τὰ ἐν τοῖς οὐρανοῖς. 21 καὶ ὑμᾶς ποτε ὄντας ἀπηλλοτριωμένους καὶ ἐχθροὺς τῆς διανοίας ἐν τοῖς ἔργοις τοῖς πονηροῖς, 22 νυνὶ δὲ ἀποκατήλλαξεν ἐν τῷ σώματι αὐτοῦ διὰ τοῦ θανάτου. 21 Καὶ ὑμᾶς ποτε ὄντας ἀπηλλοτριωμένους καὶ ἐχθροὺς τῇ διανοίᾳ ἐν τοῖς ἔργοις τοῖς πονηροῖς, 22 νυνὶ δὲ ἀποκατήλλαξεν ἐν τῷ σώματι τῆς σαρκὸς αὐτοῦ διὰ τοῦ θανάτου παραστῆσαι ὑμᾶς ἁγίους καὶ ἀμώμους καὶ ἀνεγκλήτους κατενώπιον αὐτοῦ, 8 (Kol) 523 <?page no="524"?> A. *1,15. 17: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,3-5: [3] Invisibilis dei imaginem ait Christum. Sed nos enim invisibilem dicimus patrem Christi, scientes filium semper retro visum, si quibus visus est, in dei nomine, ut imaginem ipsius; ne quam et hinc differentiam scindat dei visibilis et invisibilis, cum olim dei nostri sit definitio: Dominum nemo videbit et vivet. [4] Si non est Christus primogenitus conditionis, ut sermo creatoris per quem omnia facta sunt et sine quo nihil factum est, si non in illo condita sunt universa in caelis et in terris, visibilia et invisibilia, sive throni sive dominationes sive principatus sive potestates, si non cuncta per illum et in illo sunt condita (haec enim Marcioni displicere oportebat), non utique tam nude posuisset apostolus, Et ipse est ante omnes. Quomodo enim ante omnes, si non ante omnia? Quomodo ante omnia, si non primogenitus conditionis, si non sermo creatoris? Unde ante omnes probabitur fuisse qui post omnia apparuit? Quis scit priorem fuisse quem esse nesciit? [5] Quomodo item boni duxit omnem plenitudinem in semetipso habitare? Primo enim, quae est ista plenitudo, nisi ex illis quae Marcion detraxit, conditis in Christo, in caelis et in terris, angelis et hominibus, nisi ex illis invisibilibus et visibilibus, nisi ex thronis et dominationibus et principatibus et potestatibus? Aut si haec pseudapostoli nostri et Iudaici evangelizatores de suo intulerint, edat plenitudinem dei sui Marcion, qui nihil condidit. Ceterum quale est ut plenitudinem creatoris aemulus et destructor eius in suo Christo habitare voluerit? ♦ 1,18: Vgl. Iren., Adv. haer. IV 2,4: Qui autem spernunt (Abraham et Moysen et prophetas) et ab altera substantia eos esse dicunt, neque primogenitum mortuorum sciunt. ♦ *1,19-21: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,5-6: [5] Quomodo item boni duxit omnem plenitudinem in semetipso habitare? Primo enim, quae est ista plenitudo, nisi ex illis quae Marcion detraxit, conditis in Christo, in caelis et in terris, angelis et hominibus, nisi ex illis invisibilibus et visibilibus, nisi ex thronis et dominationibus et principatibus et potestatibus? Aut si haec pseudapostoli nostri et Iudaici evangelizatores de suo intulerint, edat plenitudinem dei sui Marcion, qui nihil condidit. Ceterum quale est ut plenitudinem creatoris aemulus et destructor eius in suo Christo habitare voluerit? Cui denique reconciliat omnia in semetipsum, pacem faciens per crucis suae sanguinem, nisi quem offenderant universa, adversus quem rebellaverant per transgressionem, cuius novissime fuerant? Conciliari enim extraneo possent, reconciliari vero non alii quam suo. [6] Ita et nos quondam alienatos et inimicos sensu in malis operibus creatori redigit in gratiam, cuius admiseramus offensam, colentes conditionem adversus creatorem. Sicubi autem et ecclesiam corpus Christi dicit esse, ut hic ait adimplere se reliqua pressurarum Christi in carne pro corpore eius, quod est ecclesia, non propterea et in totum mentionem corporis transferes a substantia carnis. Nam et supra reconciliari nos ait in corpore eius per mortem; utique in eo corpore, in quo mori potuit per carnem, 524 Rekonstruktion <?page no="525"?> 7 U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einordnung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 103; J. BeDuhn, The First New Testa‐ ment. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 316. 8 Zur meist späteren frühchristlichen Verwendung dieser Verse, vgl. J.R. Strawbridge, The Pauline Effect. The Use of the Pauline Epistles by Early Christian Writers (2015), 140-160. 9 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 461. 10 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 316. mortuus est, non per ecclesiam, plane propter ecclesiam, corpus commutando pro corpore, carnale pro spiritali. B. (1,21) Anstelle von τῇ διανοίᾳ liest Tert., De Res. 23,1 einen Genitiv (τῆς διανοίας), der sich auch in 06*, 010 findet, worauf BeDuhn und Schmid zur Stelle hingewiesen haben. 7 C. 1. (1,15-17) Die Editoren stimmen überein, dass der obige Text derjenige ist, den Tertullian für Markions paulinischen Text bezeugt, wobei Tertullian ausdrücklich auf die Auslassung der Verse 15b und 16 hinweist, allerdings Vers 17b übergeht. 8 Hilgenfeld meint deshalb: „so muß doch das Uebrige von V. 15 und der ganze V. 16 gefehlt haben-…“ 9 Zu Vers 17 äußert er sich nicht. BeDuhn legt in seinem Kommentar nahe, dass möglicherweise dies der ursprüngliche Text darstellt, weil er in Vers 17 der katholischen Version eher ein οὖν vermutet hätte als ein καί, da Vers 17 wie eine Redundanz bzw. Duplikation der Verse 15b-16 klinge. Wenn mit der formalen Gestalt des Hymnus argumentiert wird und man von seiner Ausgeglichenheit spricht, müsste man auch die Verse 12-14 der katholischen Fassung mit hinzunehmen, die die gleichen formalen Besonderheiten aufweisen wie die nachfolgenden Verse. Gegenüber der katholischen Form des Hymnus sei die von Tertullian für Markion bezeugte von „gleich klarer Struktur und kohärenter Bedeutung ohne die Verse 15b-16 (und mit oder ohne Vers 18)“. 10 Allerdings setzt BeDuhn dann auch den unbezeugten zweiten Teil von Vers 17 in der kanonischen Form in seine Übersetzung in Klammern hinein. Nimmt man die Duplikation als typisches Merkmal der kanonischen Redak‐ tion hinzu, zeigt sich schon hierin eine Spur derselben in der Bearbeitung der vorkanonischen Fassung. Auffallenderweise trägt Tertullian das gegnerische Argument des Markion vor, der behauptet haben soll, dass „diese eure Pseud‐ apostel und jüdischen Prediger des Evangeliums“ den Text ergänzt hatten (haec pseudapostoli nostri et Iudaici evangelizatores de suo intulerint). 8 (Kol) 525 <?page no="526"?> 2. (1,18) Dieser Vers ist nach allen Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit seiner nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen, und BeDuhn den kanonischen Text in Klammern in seine Übersetzung hineinnimmt. Der Auslassungshinweis des Irenäus bestätigt jedoch die vorkanonische Abwesen‐ heit des Verses. 3. (1,19-22) Nach Übereinstimmung aller Editoren sind zumindest größere Teile dieser Verse durch Tertullian bezeugt. Hilgenfeld hält den obigen Textzuschnitt für präsent. Zahn sieht den kano‐ nischen Text dieser Verse präsent. Harnack vermerkt als bezeugten Text: 19 ἐν ἑαυτῷ εὐδόκησεν πᾶν τὸ πλήρωμα κατοικῆσαι. 20 καὶ … ἀποκαταλλάξαι τὰ πάντα εἰς ἑαυτόν, εἰρηνοποιήσας διὰ τοῦ αἵματος τοῦ σταυροῦ αὐτοῦ-… 21 Καὶ ὑμᾶς ποτὲ ὄντας ἀπηλλοτριωμένους καὶ ἐχθροὺς τῇ διανοίᾳ ἐν τοῖς ἔργοις τοῖς πονηροῖς … ἀποκατήλλαξεν 22 ἐν τῷ σώματι αὐτοῦ. Schmid folgt Harnack weithin, bietet am Anfang jedoch das kanonische ἐν αὐτῷ, dann auch εἰς αὐτόν und setzt am Ende noch hinzu διὰ τοῦ θανάτου, das Tertullian tatsächlich auch noch wiedergibt und Harnack übersehen hatte (per mortem; utique in eo corpore, in quo mori potuit per carnem, mortuus est). BeDuhn verweist hingegen, wie Harnack, darauf, dass Tertullian am Anfang ein ἐν ἑαυτῷ und dann ein εἰς ἑαυτόν gelesen hatte. Seiner Übersetzung liegt folgender griechischer Text zugrunde: 19 ὅτι] ἐν ἑαυτῷ εὐδόκησεν πᾶν τὸ πλήρωμα κατοικῆσαι 20 [καὶ δι’ αὐτοῦ] ἀποκαταλλάξαι τὰ πάντα εἰς ἑαυτόν, εἰρηνοποιήσας διὰ τοῦ αἵματος τοῦ σταυροῦ αὐτοῦ … 21 [Καὶ] ὑμᾶς ποτε ὄντας ἀπηλλοτριωμένους καὶ ἐχθροὺς τῇ διανοίᾳ ἐν τοῖς ἔργοις τοῖς πονηροῖς, 22 [νυνὶ] ἀποκατήλλαξεν ἐν τῷ σώματι αὐτοῦ διὰ τοῦ θανάτου. D. (1,15) Zum bezeugten Versteil: Die Kombination ὅς ἐστιν steht 18 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 3,11; *2Kor 4,4 (ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ). ♦ εἰκών steht 34 / 23 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 20,24; *1Kor 11,7; *2Kor 3,18; 4,4. ♦ ἀόρατος, das 5 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: πρωτότοκος, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten Vers 18. ♦ πάσης (Gen. Fem. Sg.), das 41 Mal im NT steht, ist ebenfalls ausschließlich auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ κτίσις, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,17. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, der auch ausdrück‐ lich auf das Fehlen der unbezeugten Zwischenteile, Vers 15b und 16 hinweist. Das wird bis auf ἀόρατος, das nur hier vorkanonisch bezeugt wird, gestützt. Im 526 Rekonstruktion <?page no="527"?> als abwesend bezeugten Teil fallen zwei Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (πρωτότοκος; πάσης), was Tertullians Aussage stützt. (1,16) Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ κτίζω, das sich 15 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,10. 15; 3,9. ♦ Die Form ἐκτίσθη steht 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, in 1Kor 11,9. ♦ Zum vorkanonischen οὐρανός vgl. zuvor zu Vers 5 und weiter unten zu den Versen 20 und 23. ♦ Die Wendung ἐπὶ τῆς γῆς steht 57 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,24; 21,25; *Laod 1,10, vgl. zu Eph 6,3. ♦ ὁρατός ist Hapax legomenon im NT. ♦ εἴτε, das 67 / 65 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 8,5; *2Kor 5,10; *Phil 1,18. ♦ ἀόρατος steht 5 Mal im NT und ist nur zuvor in Vers 15 vorkanonisch bezeugt. ♦ θρόνος steht 70 / 62 Mal im NT, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apokalypse. ♦ κυριότης, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀρχαί, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 3,10. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter Vers 20. ♦ Vgl. die Wendung δι’ αὐτοῦ καὶ εἰς αὐτὸν (τὰ πάντα), die nochmals auf der kanonischen Ebene in Röm 11,36 steht (mit nachgestelltem τὰ πάντα). Zur Abwesenheit: Der von Tertullian als von der vorkanonischen Version als abwesend bezeugte Vers weist in der Tat Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὅτι ἐν; ἐκτίσθη; θρόνος; κυριότης; δι’ αὐτοῦ καὶ εἰς αὐτόν). Zu bemerken sind κτίζω und ἀρχαί, die nur für *Laod vorkanonisch bezeugt sind und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweisen. (1,17) Zum bezeugten Versteil: Die Kombination καὶ αὐτός ἐστιν steht noch 1 weiteres Mal im nächsten Vers auf der kanonischen Ebene, hier aber vorkanonisch bezeugt. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14, vgl. weiter Vers 18. ♦ πρό, das 49 / 47 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,27 (πρὸ προσώπου σου); 11,38 (πρὸ τοῦ ἀρίστου); 21,12 (πρὸ δὲ τούτων); 22,15 (πρὸ τοῦ με παθεῖν); *1Kor 2,7 (πρὸ τῶν αἰώνων); *Kol 1,17 (πρὸ πάντων). ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: Die Formulierung τὰ πάντα ἐν findet sich noch zwei weitere Male, jedoch nur auf der kanonischen Ebene (1Kor 12,6; 15,29). ♦ 8 (Kol) 527 <?page no="528"?> συνίστημι im Sinne von „stehen mit“, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Erneut stützt die Lexik den durch Tertullian gegebenen, von ihm bezeugten Text; mehr noch, der von ihm nicht mehr zitierte Text ist aufgrund der Lexik der kanonischen Redaktion zuzuschreiben und wird vorkanonisch gefehlt haben. (1,18) Die Kombination καὶ αὐτός ἐστιν greift die Verseröffnung des voranstehenden, vorkanonischen bzw. kanonischen Verses auf. ♦ κεφαλή, das 79 / 75 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,27; *1Kor 11,3. 7. 10; *Laod 5,23; *Kol 2,19. ♦ πρωτότοκος, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich belegt für die kanonische Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 15. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 2,1; 5,14. ♦ Die Wendung ἐκ τῶν νεκρῶν steht 3 Mal im NT (Eph 5,14; Kol 1,18; 1Thess 1,10), vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,14. ♦ Die Kombination ἵνα γένηται begegnet 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 7,13. ♦ Die Form ἐν πᾶσιν steht 10 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 6,6. ♦ πρωτεύω ist Hapax legomenon im NT. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (πρωτότοκος; ἵνα γένηται). Bemerkenswert ist die Wendung ἐκ τῶν νεκρῶν, die vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (1,19) Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ εὐδοκέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 1,15; *1Kor 1,21; 10,5; *2Kor 5,8; *2Thess 2,12; *Kol 1,19. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter belegt im Zitat von Dtn 19,15 in *Röm 3,19. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,4, Röm 13,10; *Laod 1,10. ♦ κατοικέω, das 48 / 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für die Stelle hier bezeugt. ♦ αἷμα, das 102 / 97 Mal im NT zu finden ist, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,13. Zur Rekonstruktion: Wie die Lexik ausweist, fehlt der unbezeugte Anfang ὅτι vorkanonisch. Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das bis auf κατοικέω vorkanonisch durch die Lexik bestätigt wird. (1,20) Die hier unbezeugte Wendung καὶ δι’ αὐτοῦ steht 1 weiteres Mal auf kanoni‐ scher Ebene in Röm 11,36. ♦ ἀποκαταλλάσσω, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 528 Rekonstruktion <?page no="529"?> weiter bezeugt für *Laod 2,16; *Kol 1,22. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 16. ♦ εἰρηνοποιέω steht 2 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ αἵματος steht 3 Mal im NT (Apg 20,28; Eph 1,7; Kol 1,20), vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 1,7. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; Phil 2,8. ♦ Die Wendung τὰ ἐπὶ τῆς γῆς steht 4 Mal im NT (Eph 1,10; Kol 1,20; 3,2. 5), vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,10 (τὰ ἐπὶ τοῖς οὐρανοῖς καὶ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς ἐν αὐτῷ). ♦ Zum vorkanonisch bezeugten οὐρανός vgl. zuvor Verse 5 und 16 und danach Vers 23. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Wie im vorigen Vers scheint die nur auf der kanonischen Ebene begegnende Verseröffnung vorkanonisch gefehlt zu haben. Diese zeigt an, dass die kanonische Redaktion die Verse überarbeitet hat. Auf diese Überarbeitung scheint auch der vorkano‐ nisch unbezeugte letzte Teil des Verses zurückzugehen, wodurch dieser Vers an Eph 1,10 angepasst wurde. (1,21) Die Verseröffnung καὶ ὑμᾶς ποτε steht nur hier im NT. ♦ Die Verb‐ form ὄντας, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ἀπαλλοτριόω, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 2,12. ♦ ἐχθρός, das 39 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 5,20; *Laod 2,16. ♦ διάνοια, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19. ♦ πονηρός, das 81 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,22. 35. 45; 11,13; *Gal 1,4; *Laod 6,16. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians. Die nur hier und im kanonischen Parallelvers stehenden Elemente (καὶ ὑμᾶς ποτε) verweisen darauf, dass wir es hier mit einer vorkanonischen Verseröffnung zu tun haben, die von der kanonischen Redaktion nicht weiter verwendet wurde. Die Nähe des Verses zu *Laod wird auch in der Lexik deutlich. (1,22) Zum bezeugten Versteil: Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13, vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ Zum vorkanonisch für *Laod und *Kol weiter bezeugten ἀποκαταλλάσσω vgl. zuvor zu Vers 20. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu Vers 24. ♦ Die Wendung διὰ τοῦ θανάτου steht 3 Mal im NT (Röm 5,10; Kol 1,22; Hebr 2,14), vorkanonisch nur bezeugt für die Stelle hier. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2. ♦ Zur Kombination von ἅγιος und ἄμωμος 8 (Kol) 529 <?page no="530"?> 11 Vgl. diese Deutung des Verses in A. Taschl-Erber, Zwischen Römer- und Epheserbrief. Zur Kontextualisierung des Kolosserbriefs (2021), 138. vgl. Eph 1,4; 5,24. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19 zu finden ist. ♦ ἄμωμος findet sich 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀνέγκλητος, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κατενώπιον, das 5 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. Zur Rekonstruktion: Auch wenn die Verseröffnung dieses Verses vorkanonisch nicht bezeugt ist, stützt die Lexik doch die Möglichkeit, dass sie vorkanonisch gestanden war. Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, während der zweite Versteil aufgrund der ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Ele‐ mente (Kombination von ἅγιος und ἄμωμος; ἄμωμος; ἀνέγκλητος; κατενώπιον) auf die kanonische Redaktion zurückgeht und vorkanonisch gefehlt hat. 1,[23] 24 [25-29]: Die eigenen Bedrängnisse als Ergänzung derer Christi Der nachfolgende Passus ist bis auf den einen bezeugten Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion, das aus diesem Vers herausgesponnen wurde. Im vorkanonischen Vers 24 wird drastisch auf die Heilsbedeutung des *Paulus hingewiesen, 11 welche die kanonische Redaktion durch die Hinzufügung des unbezeugten ὑπὲρ ὑμῶν auf die genannte Kirche ausrichtet, was dann den Ausgangspunkt bildet für die nachfolgenden kanonischen Verse 25-29. - 23 εἴ γε ἐπιμένετε τῇ πίστει τεθεμελιωμένοι καὶ ἑδραῖοι καὶ μὴ μετακινούμενοι ἀπὸ τῆς ἐλπίδος τοῦ εὐαγγελίου οὗ ἠκούσατε, τοῦ κηρυχθέντος ἐν πάσῃ κτίσει τῇ ὑπὸ τὸν οὐρανόν, οὗ ἐγενόμην ἐγὼ Παῦλος διάκονος. 24 ἀνταναπληρῶ τὰ ὑστερήματα τῶν θλίψεων τοῦ Χριστοῦ ἐν τῇ σαρκί ὑπὲρ τοῦ σώματος αὐτοῦ, ὅ ἐστιν ἡ ἐκκλησία. 24 Νῦν χαίρω ἐν τοῖς παθήμασιν ὑπὲρ ὑμῶν καὶ ἀνταναπληρῶ τὰ ὑστερήματα τῶν θλίψεων τοῦ Χριστοῦ ἐν τῇ σαρκί μου ὑπὲρ τοῦ σώματος αὐτοῦ, ὅ ἐστιν ἡ ἐκκλησία, 530 Rekonstruktion <?page no="531"?> 25 ἧς ἐγενόμην ἐγὼ διάκονος κατὰ τὴν οἰκονομίαν τοῦ θεοῦ τὴν δοθεῖσάν μοι εἰς ὑμᾶς πληρῶσαι τὸν λόγον τοῦ θεοῦ, 26 τὸ μυστήριον τὸ ἀποκεκρυμμένον ἀπὸ τῶν αἰώνων καὶ ἀπὸ τῶν γενεῶν - νῦν δὲ ἐφανερώθη τοῖς ἁγίοις αὐτοῦ, 27 οἷς ἠθέλησεν ὁ θεὸς γνωρίσαι τί τὸ πλοῦτος τῆς δόξης τοῦ μυστηρίου τούτου ἐν τοῖς ἔθνεσιν, ὅ ἐστιν Χριστὸς ἐν ὑμῖν, ἡ ἐλπὶς τῆς δόξης· 28 ὃν ἡμεῖς καταγγέλλομεν νουθετοῦντες πάντα ἄνθρωπον καὶ διδάσκοντες πάντα ἄνθρωπον ἐν πάσῃ σοφίᾳ, ἵνα παραστήσωμεν πάντα ἄνθρωπον τέλειον ἐν Χριστῷ· 29 εἰς ὃ καὶ κοπιῶ ἀγωνιζόμενος κατὰ τὴν ἐνέργειαν αὐτοῦ τὴν ἐνεργουμένην ἐν ἐμοὶ ἐν δυνάμει. A. *1,24: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,6: Sicubi autem et ecclesiam corpus Christi dicit esse, ut hic ait adimplere se reliqua pressurarum Christi in carne pro corpore eius, quod est ecclesia, non propterea et in totum mentionem corporis transferes a substantia carnis. Nam et supra reconciliari nos ait in corpore eius per mortem; utique in eo corpore, in quo mori potuit per carnem, mortuus est, non per ecclesiam, plane propter ecclesiam, corpus commutando pro corpore, carnale pro spiritali. B. (1,23) Anstelle von διάκονος steht κῆρυξ in 01* 025, m, hingegen steht κῆρυξ zusätzlich zu διάκονος in 02, sy hmg , sa ms . C. 1. (1,23) Nach allen Editoren ist dieser Vers unbezeugt. 2. (1,24) Hilgenfeld sieht den Vers durch Tertullian bezeugt. Nach Überein‐ stimmung der übrigen Editoren ist nur der zweite Teil von Vers 24 durch Tertullian bezeugt. Zahn rechnet mit dem kanonischen Text. Harnack gibt folgenden Text als bezeugt: ἀνταναπληρῶ τὰ ὑστερήματα τῶν θλίψεων τοῦ Χριστοῦ ἐν τῇ σαρκί ὑπὲρ τοῦ σώματος αὐτοῦ, ὅ ἐστιν ἡ ἐκκλησία. Schmid präzisiert: ἀνταναπληρῶ τὰ ὑστερήματα τῶν θλίψεων τοῦ Χριστοῦ ἐν (τῇ) σαρκί (μου) ὑπὲρ τοῦ σώματος αὐτοῦ, ὅ ἐστιν ἡ ἐκκλησία. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: [Νῦν χαίρω ἐν τοῖς παθήμασιν ὑπὲρ ὑμῶν καὶ] ἀνταναπληρῶ τὰ ὑστερήματα τῶν θλίψεων τοῦ Χριστοῦ ἐν τῇ σαρκί ὑπὲρ τοῦ σώματος αὐτοῦ, ὅ ἐστιν ἡ ἐκκλησία. 3. (1,25-29) Nach dem übereinstimmenden Urteil aller Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 8 (Kol) 531 <?page no="532"?> 12 „Again, Colossians reflects a familiarity with Pauline ideas, but no strong link with precise wording contained in other letters,“ so P. Foster, Colossians (2016), 82. D. (1,23) εἴ γε, das 5 Mal im NT begegnet, findet sich ausschließlich in der paulinischen Briefliteratur und immer nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιμένω, das 20 / 17 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ θεμελιόω, das 8 / 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἑδραῖος, das 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μετακινέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Vgl. zur Wendung ἐπιμένετε τῇ πίστει τεθεμελιωμένοι καὶ ἑδραῖοι καὶ μὴ μετακινούμενοι ἀπὸ τῆς ἐλπίδος τοῦ εὐαγγελίου die ebenfalls auf der kanonischen Ebene stehende Aufforderung ἀδελφοί μου ἀγαπητοί, ἑδραῖοι γίνεσθε, ἀμετακίνητοι in 1Kor 15,58. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9, vgl. zuvor zu den Versen 9. 11 und danach 29. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten οὐρανός vgl. zuvor die Verse 5. 16 und 20. ♦ Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Laod 1,1; *Kol 1,1. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Varia lectio κῆρυξ findet sich 4 / 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (1Tim 2,7; 2Tim 1,11; 2Petr 2,5). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Fülle von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (εἴ γε; ἐπιμένω; θεμελιόω; ἑδραῖος; διάκονος/ κῆρυξ). Eine Parallele wurde zwischen diesem Vers und dem ebenfalls auf der kanonischen Ebene stehenden Vers 1Kor 15,58 festgestellt. 12 Zu bemerken ist πάσῃ, das vorkanonisch nur für *2Thess bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (1,24) Zum unbezeugten Versteil: νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ Die Kombination und Verseröffnung νῦν χαίρω steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene, 2Kor 7,9. ♦ πάθημα, das 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,24. ♦ 532 Rekonstruktion <?page no="533"?> Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. Zum bezeugten Versteil: ἀνταναπληρόω ist Hapax legomenon im NT. ♦ ὑστέρημα, das sich 9 Mal im NT findet, ist vorkanonisch nur bezeugt für die Stelle hier. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten σάρξ vgl. weiter zuvor zu Vers 22. ♦ Die Wendung ἐν τῇ σαρκί steht 7 Mal im NT (Röm 7,5. 18; 8,3; Gal 4,14; Eph 2,14; Phil 1,24; Kol 1,24), vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,18; *Laod 2,14; *Kol 1,24. Zur Rekonstruktion: Wie die Lexik erweist, ist der unbezeugte erste Versteil offenkundig eine Ergänzung der kanonischen Redaktion, mit der diese den Anschluss an den von ihr geschaffenen Vers 23 hergestellt hat. Hier begegnen Elemente (Verseröffnung νῦν χαίρω; ὑπὲρ ὑμῶν), die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind. (1,25) Zur vorkanonisch bezeugten Form ἐγενόμην vgl. zu 1Kor 9,20. ♦ Die Wendung ἐγενόμην ἐγώ steht nur 1 weiteres Mal im NT, zuvor in Vers 23 auf kanonischer Ebene, auf den dieser Vers unmittelbar zurückgreift. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, vgl. zuvor zu Vers 23. ♦ οἰκονομία, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,10; 3,9. ♦ Die Wendung τὴν δοθεῖσάν μοι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 3,10. ♦ Die Wendung εἰς ὑμᾶς steht 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,6, vgl. 1Thess 4,8. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ Die Wendung τὸν λόγον τοῦ θεοῦ steht 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,28. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐγενόμην ἐγώ; διάκονος; τὴν δοθεῖσάν μοι. Es fällt auch auf, dass εἰς ὑμᾶς nur vorkanonisch bezeugt ist in *Kol und οἰκονομία in *Laod, was die Nähe dieser beiden *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache anzeigt. (1,26) μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, vorkanonisch bezeugt in *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ ἀποκρύπτω, das 6 / 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *1Kor 2,7 (ἐν μυστηρίῳ, τὴν ἀποκεκρυμμένην); *Laod 3,9 (ἡ οἰκονομία τοῦ μυστηρίου τοῦ ἀποκεκρυμμένου ἀπὸ τῶν αἰώνων). ♦ γενεά, das 44 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41; 11,29. ♦ Die Wendung ἀπὸ τῶν αἰώνων steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Laod 3,9. ♦ γενεά steht 44 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination νῦν δέ steht 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ Die 8 (Kol) 533 <?page no="534"?> Form ἐφανερώθη steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen auf der kanonischen Ebene vgl. zum Proöm. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἐφανερώθη. Zu bemerken ist die Nähe dieses Verses zu *Laod. (1,27) Die Form ἠθέλησεν steht 8 Mal im NT (2 Mal Mt; Mk 6,26; Joh 1,43; Apg 16,3; 1Kor 12,18; 15,38; Kol 1,27), vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38. ♦ γνωρίζω, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,1; *Laod. 3,10; 6,19. ♦ Die Wendung τί τό steht 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 5,17. ♦ πλοῦτος, das 31 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 1,18. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ Die Kombination ὁ πλοῦτος + τῆς δόξης steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 9,23; Eph 1,18; 3,16; Kol 1,27), in Eph 1,18 klar als kanonisch redaktionelles Element. ♦ Zu μυστήριον vgl. den Vers zuvor. ♦ ἔθνος, das 175 / 162 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9; *1Thess 4,5; *Laod 2,11. ♦ τούτου, das 69 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,34; *1Kor 2,6. 8; 3,19; *2Kor 4,4; *Röm 7,24; *Laod 2,2; 6,12. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐλπίς, das sich 58 / 53 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5, vgl. weiter oben im Kapitel Vers 4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τί τό; ὁ πλοῦτος + τῆς δόξης; ἐν ὑμῖν. (1,28) καταγγέλλω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,17. 18. ♦ νουθετέω, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung πάντα ἄνθρωπον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanoni‐ schen Ebene ( Joh 1,9; Kol 1,28). ♦ Die Kombination πᾶς + ἄνθρωπος steht 23 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,3. ♦ διδάσκω, das 102 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,12; *Röm 2,21. ♦ Zum für *2Thess vorkanonisch bezeugten πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) vgl. zuvor zu den Versen 9. 11. 23. ♦ Die Wendung ἐν πάσῃ σοφίᾳ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 1,8. ♦ παρίστημι, das 42 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2. ♦ τέλειος findet sich 18 / 19 Mal in NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: νουθετέω; πάντα ἄνθρωπον; πᾶς + ἄνθρωπος; ἐν πάσῃ σοφίᾳ. Man bemerke die dreima‐ lige Wiederholung des kanonischen πάντα ἄνθρωπον. 534 Rekonstruktion <?page no="535"?> (1,29) Die Kombination εἰς ὃ καί steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Thess 1,11. ♦ κοπιάω, das 26 / 23 Mal im NT steht, bemerke man die Textdifferenz zwischen *Ev 12,27, wo der Begriff nicht begegnet und Lk 12,27, wo er zu finden ist. Überhaupt steht der Begriff nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀγωνίζομαι, das 8 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ ἐνέργεια, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch für bezeugt für *2Thess 2,9. 11. ♦ ἐνεργέω, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20; 2,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς ὃ καί; κοπιάω; ἀγωνίζομαι. Bemerkenswert sind ἐνέργεια (vorkanonisch nur für *2Thess bezeugt) und ἐνεργέω (das vorkanonisch nur für *Laod bezeugt) als Hinweise für die Nähe dieser *Deuteropaulinen zur kanonischen Sprache. Der lexikalische Vergleich dieser Passage unterstreicht, dass er nicht nur unbezeugt ist, sondern ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorka‐ nonisch gefehlt hat. Kapitel 2 2,[1-3]: [Persönliche Erklärung] Diese persönliche Erklärung des kanonischen Paulus ist vorkanonisch unbe‐ zeugt und der Lexik zufolge im vorkanonischen Text auch abwesend. - 2,1 Θέλω γὰρ ὑμᾶς εἰδέναι ἡλίκον ἀγῶνα ἔχω ὑπὲρ ὑμῶν καὶ τῶν ἐν Λαοδικείᾳ καὶ ὅσοι οὐχ ἑόρακαν τὸ πρόσωπόν μου ἐν σαρκί, 2 ἵνα παρακληθῶσιν αἱ καρδίαι αὐτῶν συμβιβασθέντες ἐν ἀγάπῃ καὶ εἰς πᾶν πλοῦτος τῆς πληροφορίας τῆς συνέσεως, εἰς ἐπίγνωσιν τοῦ μυστηρίου τοῦ θεοῦ, Χριστοῦ, 3 ἐν ᾧ εἰσιν πάντες οἱ θησαυροὶ τῆς σοφίας καὶ γνώσεως ἀπόκρυφοι. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (2,1) Post ἔχω findet sich ὑπέρ in P 46 , 01, 02, 03, 061, 015, 025, 044, 075, 0278, 33, 81, 104, 365, 1175, 1505, 1739, 1881, 2464, lat, Ambst, NA 28 ; hingegen findet sich an dessen statt περί in 06 *.2 , 010, 012, 018, 020, 0208, 630, 1241 s , M, m. ♦ (2,2) Wie sich die theologische Diskussion gerade in die Titel Christi bei den Redakteuren und Kopisten einträgt, kann man an den Varianten zum Ende dieses Verses ersehen: τοῦ θεοῦ, Χριστοῦ, der von NA 28 gewählte Text begegnet nur in 8 (Kol) 535 <?page no="536"?> den Zeugen P 46 , 03, vg ms , Hil; τοῦ θεοῦ hierfür bieten 06 1 , 015, 024, 1881, 2464, sa ms ; Χριστοῦ bietet 1739; τοῦ Χριστοῦ bieten 81, 1241 s , b, Fulg; τοῦ θεοῦ ὅ ἐστιν Χριστός bieten 06*, ar, vg mss , Aug; τοῦ θεοῦ ἐν Χριστῷ bieten 33, (Cl), Ambst; τοῦ θεοῦ πατρὸς τοῦ (- 01*, 048) Χριστοῦ bieten 01*, 02, 04, 048 vid , 1175, vg mss , sa mss , bo, (m vg st.ww , sy p ); τοῦ θεοῦ καὶ πατρὸς τοῦ Χριστοῦ bieten 01 2 , 044, 365, 945, 1505, vg ms , (bo ms ); τοῦ θεοῦ καὶ (- 075, 0208, 0278) πατρὸς καὶ τοῦ Χριστοῦ bieten 06 2 , 018, 020, 085, 0208, 0278, 104, 630, M, (vg cl ), sy h** . C. (2,1-3) Nach übereinstimmender Meinung aller Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. Mit Blick auf die Varianten ὑπέρ und περί liegt ein Hinweis darauf vor, dass wir nicht nur von einer kanonischen Redaktion sprechen können, sondern vielmehr von zwei kanonischen Redaktionen, vgl. die Einleitung, Band I. D. (2,1) Die Wendung θέλω γὰρ ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung, doch 2 Mal in verneinter Form οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς (Röm 1,13: οὐ θέλω δὲ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί; 11,25: οὐ γὰρ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί; 1Kor 10,1: οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί; 16,7: οὐ θέλω γὰρ ὑμᾶς … ἰδεῖν; vgl. auch 1Kor 12,1: ἀδελφοί, οὐ θέλω ὑμᾶς ἀγνοεῖν; 2Kor 1,8: οὐ γὰρ θέλομεν ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί; 1Thess 4,13: οὐ θέλομεν δὲ ὑμᾶς ἀγνοεῖν, ἀδελφοί), vorkanonisch verneint bezeugt für *1Kor 10,1. ♦ ἡλίκος steht 2 Mal im NT, das andere Mal ebenfalls auf kanonischer Ebene ( Jak 3,5). ♦ ἀγών, das 8 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ Λαοδίκεια steht 6 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Kol 2,1; 4,13. 15. 16; Apk 1,11; 3,14), vgl. aber Titel und Vorwort von *Laod und das Vorwort von *Kol. ♦ ὅσος, das 121 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 1,17; 2,6. ♦ Die Form ἑόρακαν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 9,36; Joh 15,24; Kol 2,1). ♦ Die Wendung τὸ πρόσωπόν μου steht 1 weiteres Mal im NT, Apg 20,25. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4, vgl. weiter zu den Versen 5. 11. 13. 18. 23. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἡλίκος; ἀγών; ὑπὲρ ὑμῶν; ἑόρακαν; τὸ πρόσωπόν μου. 536 Rekonstruktion <?page no="537"?> (2,2) παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ συμβιβάζω, das 8 / 7 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἀγάπῃ steht 13 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,14. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19, vgl. weiter unten zu Versen 9 und 19. ♦ Die Wendung εἰς πᾶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,8. ♦ πλοῦτος, das 31 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 1,18. ♦ πληροφορία, das 5 / 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ σύνεσις, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18. ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ Die Wendung εἰς ἐπίγνωσιν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Kol 2,2; 3,10; 1Tim 2,4; 2Tim 2,25; 3,7). ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: συμβιβάζω; ἐν ἀγάπῃ; εἰς πᾶν; πληροφορία; εἰς ἐπίγνωσιν. (2,3) Die Wendung ἐν ᾧ (Mask.) steht 26 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Laod 1,7. 13; 2,21. 22; 3,12; im Vers für *Röm 7,6. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ θησαυρός, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und 2Kor 4,7. ♦ σοφία, das 56 / 51 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *1Kor 1,17. 19. 20. 21. 22; 2,6. 7; 3,19; 12,8; *Röm 11,33. ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8. ♦ ἀπόκρυφος steht 3 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἀπόκρυφος. Auch wenn im letzten Vers nur ein vorkanonisch nicht bezeugter Terminus steht, zeigen doch die beiden anderen Verse, dass dieser Passus zur kanonischen Redaktion gehört und vorkanonisch gefehlt hat. 8 (Kol) 537 <?page no="538"?> 2,4 [5-7] 8: Niemand werde getäuscht von Überredungskünsten der Philosophie Das vorkanonische Argument, dass man nicht von philosophischer Redekunst beeindruckt werden soll, ist gut bezeugt. Die kanonische Redaktion münzt dies hin auf den kanonischen Paulus und biographisiert das Argument. 2,4 Τοῦτο λέγω, ἵνα μηδεὶς ὑμᾶς παραλογίζηται ἐν πιθανολογίᾳ - 4 Τοῦτο λέγω, ἵνα μηδεὶς ὑμᾶς παραλογίζηται ἐν πιθανολογίᾳ. - 5 εἰ γὰρ καὶ τῇ σαρκὶ ἄπειμι, ἀλλὰ τῷ πνεύματι σὺν ὑμῖν εἰμι, χαίρων καὶ βλέπων ὑμῶν τὴν τάξιν καὶ τὸ στερέωμα τῆς εἰς Χριστὸν πίστεως ὑμῶν. 6 Ὡς οὖν παρελάβετε τὸν Χριστὸν Ἰησοῦν τὸν κύριον, ἐν αὐτῷ περιπατεῖτε, 7 ἐρριζωμένοι καὶ ἐποικοδομούμενοι ἐν αὐτῷ καὶ βεβαιούμενοι τῇ πίστει καθὼς ἐδιδάχθητε, περισσεύοντες ἐν εὐχαριστίᾳ. 8τῆς φιλοσοφίας καὶ κενῆς ἀπάτης κατὰ τὴν παράδοσιν τῶν ἀνθρώπων, κατὰ τὰ στοιχεῖα τοῦ κόσμου· 8 Βλέπετε μή τις ὑμᾶς ἔσται ὁ συλαγωγῶν διὰ τῆς φιλοσοφίας καὶ κενῆς ἀπάτης κατὰ τὴν παράδοσιν τῶν ἀνθρώπων, κατὰ τὰ στοιχεῖα τοῦ κόσμου καὶ οὐ κατὰ Χριστόν· A. *2,4. 8: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,7: At cum monet cavendum a subtililoquentia et philosophia, ut inani seductione, quae sit secundum elementa mundi, non secundum caelum aut terram dicens, sed secundum litteras saeculares et secundum traditionem, scilicet hominum subtililoquorum et philosophorum, longum est quidem et alterius operis ostendere hac sententia omnes haereses damnari, quod omnes ex subtililoquentiae viribus et philosophiae regulis constent. Vgl. ibid. V 19,8: … Stulta enim mundi elegit deus, ut confundat sapientes, ille sine dubio qui ex respectu huius suae dispositionis perditurum se sapientiam sapientium praemina‐ batur. Hac simplicitate veritatis contraria subtililoquentiae et philosophiae nihil perversi possumus sapere. Vgl. auch id., De Praescr. 7,7: scribens ad Colossenses: uidete ne qui [qui: Kroymann; quis: rell.] sit circumueniens [circumueniat: C Pamelius] uos per philosophiam et inanem seductionem, secundum traditionem hominum. Vgl. auch die Benutzung von subtililoquentia in Iren., Adv. Haer. III 14,4: hi uero qui a Valentino sunt cessabunt a plurimo uaniloquio suo: ex hoc enim multas occasiones subtililoquii sui acceperunt, interpretari audentes male quae ab hoc bene sunt dicta. Vgl. Mk 7,6-9. 13: 6 ὁ δὲ εἶπεν αὐτοῖς, Καλῶς ἐπροφήτευσεν Ἠσαΐας περὶ ὑμῶν τῶν ὑποκριτῶν, ὡς γέγραπται [ὅτι] Οὗτος 538 Rekonstruktion <?page no="539"?> ὁ λαὸς τοῖς χείλεσίν με τιμᾷ, ἡ δὲ καρδία αὐτῶν πόρρω ἀπέχει ἀπ’ ἐμοῦ·7 μάτην δὲ σέβονταί με, διδάσκοντες διδασκαλίας ἐντάλματα ἀνθρώπων. 8 ἀφέντες τὴν ἐντολὴν τοῦ θεοῦ κρατεῖτε τὴν παράδοσιν τῶν ἀνθρώπων. 9 Καὶ ἔλεγεν αὐτοῖς, Καλῶς ἀθετεῖτε τὴν ἐντολὴν τοῦ θεοῦ, ἵνα τὴν παράδοσιν ὑμῶν στήσητε. … 13 ἀκυροῦντες τὸν λόγον τοῦ θεοῦ τῇ παραδόσει ὑμῶν ᾗ παρεδώκατε· καὶ παρόμοια τοιαῦτα πολλὰ ποιεῖτε. ♦ 2,7: Vgl. Jes 29,13 LXX: Καὶ εἶπεν κύριος Ἐγγίζει μοι ὁ λαὸς οὗτος τοῖς χείλεσιν αὐτῶν τιμῶσίν με, ἡ δὲ καρδία αὐτῶν πόρρω ἀπέχει ἀπ᾽ ἐμοῦ, μάτην δὲ σέβονταί με διδάσκοντες ἐντάλματα ἀνθρώπων καὶ διδασκαλίας. B. (2,4) Post τοῦτο add δέ in 01 2 , 02 c , 04, 06, 018, 020, 025, 044, 049, 075, 0208, 33, 104, 365, 630, 1175, 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, Cl, om in P 46 , 01*, 02* vid , 03, 81, 1241 s , Ambst, Aug. ♦ μηδείς steht in den Zeugen 01*, 02, 03, 04, 06, 015, 025, 048, 0208, 33, 81, 326, 365, 1175, 1241 s , 1739, 1881, 2464, Cl pt , hingegen findet sich μή τις in den Zeugen 01 2 , 018, 020, 044, 075, 0278, 104, 630, 1505, M, sy, Cl pt . C. 1. (2,4-8) Alle Editoren stimmen überein, dass Tertullian auf Vers 4 anspielt und dann Vers 8 vor Augen hat, jedoch die Verse 5-7 unbezeugt sind, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit ihnen rechnen. Zahn nimmt die kanonischen Form für beide Verse 4 und 8 an. Harnack gibt als bezeugte Textteile: 4 παραλογίζηται ἐν πιθανολογίᾳ … 8 διὰ τῆς φιλοσοφίας καὶ κενῆς ἀπάτης κατὰ τὴν παράδοσιν τῶν ἀνθρώπων, κατὰ τὰ στοιχεῖα τοῦ κόσμου. Schmid ist vorsichtiger und sieht das παραλογίζηται als nicht bezeugt, obwohl dies gewiss die Übertragung des Tertullianschen seductione darstellt, jedoch korrekterweise sieht er als unbezeugt das διά und das nachfolgende καί, während er sich ansonsten Harnack anschließt. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 4 [Τοῦτο λέγω,] ἵνα μηδεὶς ὑμᾶς [παραλογίζηται] ἐν πιθανολογίᾳ … διὰ τῆς φιλοσοφίας, κενῆς ἀπάτης κατὰ τὴν παράδοσιν τῶν ἀνθρώπων, κατὰ τὰ στοιχεῖα τοῦ κόσμου [καὶ οὐ κατὰ Χριστόν]. Mit Interesse liest man die unmittelbare Kombination der Verse 4 und 8, also genau der vorkanonisch bezeugten, bei A. Taschl-Erber, die in diesen beiden Versen auf die philosophischen Bezüge verweist, παραλογίζηται (Arist., Politika 1307b35), πιθανολογίᾳ (Plato, Theaitetos 162e); Vers 8: κενῆς ἀπάτης (Sib. Or. 3,586). Überdies hat man schon früher diesen Vers 8 in pythagoräische 8 (Kol) 539 <?page no="540"?> 13 Vgl. Ibid. 145. Vgl. zum pythagoräischen Hintergrund von Vers 8 H. Diels, Die Fragmente der Vorsokratiker griechisch und deutsch (1903), 448; E. Schweizer, Christianity of the Circumcised and Judaism of the Uncircumcised: The Background of Matthew and Colossians (1976), 251; J. Waddell, The Shadow and the Substance: Early Reception of Paul the Jew in the Letter to the Colossians (2019). 14 A. Taschl-Erber, Zwischen Römer- und Epheserbrief. Zur Kontextualisierung des Kolosserbriefs (2021), 146. 15 P.N. Harrison, Paulines and Pastorales (1964), 65-78; F.F. Bruce, The Epistles to the Colossians, to Philemon, and to the Ephesians (1984), 31. Nähe gerückt (vgl. Diog. Laert. VIII 24 ff.). 13 Außerdem führt Taschl-Erber Mk 7,6-13 vor Augen und die Parallele in Jes 19,13. 14 Tatsächlich klingt mit der Kritik an der „Überlieferung der Menschen“ die auf der vorkanonischen Ebene fortgesetzte Kritik von *Kol 2,16. 22 an den Speisegeboten an - was in Mk 7 mit derselben apologetischen Strategie pariert wird, wie es Tertullian in seinem Kommentar zu den *Paulusbriefen tut: mit Rekurs auf Prophetentexte, die diese Kritik an menschlichen Geboten bereits vorweggenommen hätten. Vorkanonisch verbindet sich Vers 8 mit der Warnung in *Röm 14,3. 10. 17, sich nicht auf Speisegewohnheiten einzulassen. 2. (2,8) Die Passage von Vers 8 bis Vers 23 wird als Interpolation betrachtet von P.N. Harrison. 15 D. (2,4) Die Wendung τοῦτο (δὲ) λέγω steht nur hier im NT, während es an 5 anderen Stellen (davon 4 Mal als Verseröffnung) heißt: διὰ τοῦτο λέγω (3 Mal Mt; Mk 11,24; Lk 12,22). ♦ Die Kombination τοῦτο δέ steht 32 Mal im NT, 28 Mal als Verseröffnung, immer auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 9,6. ♦ μηδείς, das 93 / 89 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,17. ♦ παραλογίζομαι steht 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene in Jak 1,22, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ πιθανολογία ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Obwohl unbezeugt, scheint der Anfang vorkanonisch gestanden zu sein, weil die Verseröffnung sonst auf der kanonischen Ebene nicht begegnet und die Varianten anzeigen, dass hier die kanonische Redaktion den Versanfang angepasst hat. Ansonsten folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. (2,5) Die Kombination εἰ γάρ findet sich 37 Mal im NT, davon 29 Mal als Verseröffnung, als Verseröffnung findet sie sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,8, vgl. zu 1Kor 9,17. ♦ ἄπειμι, das 2 Mal im NT, ist beide Male auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ σύν, das 136 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,14; *Gal 2,3; 5,24; *Thess 4,17; *Kol 2,13; 3,3. 4; *Phil 1,23, vgl. weiter die Verse 13. 20. ♦ Die Kombination σὺν ὑμῖν steht 4 Mal 540 Rekonstruktion <?page no="541"?> im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 1,21. ♦ Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ βλέπω, das sich 135 / 133 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. ♦ τάξις, das 10 / 9 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ στερέωμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ Der Ausdruck πίστεως ὑμῶν steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 1,12. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung εἰ γάρ; ἄπειμι; σὺν ὑμῖν; τάξις; πίστεως ὑμῶν). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,6) Die Kombination ὡς οὖν steht 7 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 5 Mal Joh; Kol 2,6; im Vers: Joh 20,11), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ παραλαμβάνω, das 54 / 50 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination Χριστός + Ἰησοῦς + ὁ + κύριος steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 6,23; 8,39; 1Kor 15,31; Eph 3,11; Phil 3,8; Kol 2,6; 1Tim 1,2. 12; 2Tim 1,2). ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὡς οὖν; παραλαμβάνω; Χριστός + Ἰησοῦς + ὁ + κύριος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Das nur für *Laod vorkanonisch bezeugte περιπατέω verweist auf die Nähe von *Laod zur kano‐ nischen Sprache. (2,7) ῥιζόω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐποικοδομέω, das 9 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,12; *Laod 2,12. ♦ βεβαιόω, das 10 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διδάσκω, das 102 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,12; *Röm 2,21. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐχαριστία, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ῥιζόω; βεβαιόω; περισσεύω; εὐχαριστία). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 8 (Kol) 541 <?page no="542"?> (2,8) Zum unbezeugten Versteil: Die Imperativform βλέπετε, die 24 Mal im NT steht, davon 12 Mal als Verseröffnung, ist vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 8,18, vgl. zu 1Kor 1,26. ♦ Die Kombination μή τις steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,11. ♦ κλῆσις begegnet 11 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt in *Laod 1,18. ♦ Die Kombination μή τις ὑμᾶς steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Thess 2,3. ♦ Die Verbform ἔσται, die 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ συλαγωγέω ist Hapax legomenon im NT. Zum bezeugten Versteil: φιλοσοφία ist Hapax legomenon im NT. ♦ κενός, das 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 2,2. ♦ ἀπάτη, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ παράδοσις, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ στοιχεῖον, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 4,3. 9. Zum nicht mehr bezeugten Schluss: κατὰ Χριστόν steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in dem in *Röm fehlenden Vers Röm 15,5. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, nach welchem der Vers unmittelbar an den zuvor bezeugten Vers 4 anschließt. Auch wenn nur μή τις ὑμᾶς bzw. μή τις aus dem unbezeugten Versteil ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnet, scheint doch wegen des Anschlusses der erste Versteil vorkanonisch nicht gestanden zu sein. Ebenfalls scheint das Schlussstück vorkanonisch gefehlt zu haben. 2,[9-12]: [Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben und auferweckt] Diese Passage ist vorkanonisch unbezeugt, und, wie das Thema der Taufe nahelegt, ist sie vorkanonisch auch nicht vorhanden. - 9 ὅτι ἐν αὐτῷ κατοικεῖ πᾶν τὸ πλήρωμα τῆς θεότητος σωματικῶς, 10 καὶ ἐστὲ ἐν αὐτῷ πεπληρωμένοι, ὅς ἐστιν ἡ κεφαλὴ πάσης ἀρχῆς καὶ ἐξουσίας. 11 Ἐν ᾧ καὶ περιετμήθητε περιτομῇ ἀχειροποιήτῳ ἐν τῇ ἀπεκδύσει τοῦ σώματος τῆς σαρκός, ἐν τῇ περιτομῇ τοῦ Χριστοῦ, 12 συνταφέντες αὐτῷ ἐν τῷ βαπτισμῷ, ἐν ᾧ καὶ συνηγέρθητε διὰ τῆς πίστεως τῆς ἐνεργείας τοῦ θεοῦ τοῦ ἐγείραντος αὐτὸν ἐκ νεκρῶν· A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. 542 Rekonstruktion <?page no="543"?> B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (2,9-12) Nach Übereinstimmung aller Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack von ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz ausgehen. 2. (2,9) Auffallend ist, wie deutlich sich dieser Vers an den vorkanonisch bezeugten Vers *Kol 1,19 anlehnt und ihn nicht nur wiederholt, sondern, was vorkanonisch vor die Schöpfung in die Transzendenz verlegt ist, auf die Leiblichkeit hin verdeutlicht. 3. (2,10) Auch dieser Vers greift auf die Passage zurück, diesmal jedoch auf die beiden Verse der kanonischen Redaktion Kol 1,16 und 1,19. D. (2,9) Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ κατοικέω, das 48 / 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,19. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), vgl. weiter oben zu Vers 2 und danach zu Vers 19. ♦ πλήρωμα, das 18 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,4; *Röm 13,10; *Laod 1,10; *Kol 1,19. ♦ θεότης ist Hapax legomenon im NT. ♦ σωματικῶς ist Hapax legomenon im NT. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwar nur die Verseröffnung auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt ist, doch ist der Vers eine Duplikation des vorkanonisch bezeugten Verses *Kol 1,19. Außerdem schließt er an das nichtbezeugte καὶ οὐ κατὰ Χριστόν von Vers 8 an. (2,10) Die Verbform ἐστε/ ἔστε, die 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,26; 4,6; *1Kor 3,16; 5,7; 10,7; *Röm 8,9; 12,16; *Laod 2,19. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ Die Form πεπληρωμένοι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,14. ♦ κεφαλή, das 79 / 75 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,27; *1Kor 11,3. 7. 10; *Laod 5,23; *Kol 2,19. ♦ πάσης (Gen. Fem. Sg.), das 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀρχή, das sich 67 / 55 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 = *Laod 1,21; *Laod 3,10. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist wiederum nur ein Element, hier πάσης, auf, das ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt ist, doch im Verbund mit dem Kontext, der das unbezeugte καὶ οὐ κατὰ 8 (Kol) 543 <?page no="544"?> Χριστόν von Vers 8 weiterentwickelt, dürfte auch dieser Vers auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (2,11) Die Kombination ἐν ᾧ καί steht 6 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, ausschließlich in den ( * ) Deuteropaulinen *Laod/ Eph und Kol, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,13, vgl. zu Eph 1,11. ♦ περιτέμνω, das 20 / 17 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3; 5,3; 6,13. ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ ἀχειροποίητος, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,1. ♦ ἀπέκδυσις ist Hapax legomenon im NT. Das Verb zu diesem Nomen, ἀπεκδύομαι, steht 2 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 3,9. Zur Abwesenheit: Würde dieser vorkanonisch unbezeugte Vers nicht in diesem Kontext stehen, in welchem er die weitere Ausfaltung des καὶ οὐ κατὰ Χριστόν von Vers 8 ist, würde man ihn der Lexik nach dem vorkanonischen Text zu‐ schreiben. Hier gilt aber das Rekonstruktionsprinzip, dass Bezeugung vor Lexik geht und die Beobachtungen zur Lexik in den grammatikalisch-inhaltlichen Kontext einzubinden sind. (2,12) συνθάπτω steht nur noch 1 weiteres Mal wieder auf der kanonischen Ebene (Röm 6,4). ♦ βαπτισμός steht 5 / 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ συνεγείρω, das 3 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene (Eph 2,6; Kol 2,12; 3,1). ♦ ἐνέργεια, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. 11. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 2,1; 5,14. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (συνθάπτω; βαπτισμός; συνεγείρω), außerdem steht er im Zusammenhang mit den voran‐ stehenden Erläuterungen zu Christus von Vers 8 der kanonischen Redaktion und wird darum dieser zuzuordnen sein. Dieser Vers und die gesamte Passage haben vorkanonisch gefehlt. 2,13 [14-15] 16-22 23: Die Wirklichkeit ist Christus Die Grundgedanken des vorkanonischen Textes sind gut bezeugt. Sie sind von der kanonischen Redaktion nur leicht erweitert worden. 544 Rekonstruktion <?page no="545"?> 13 Θεὸς συνεζωοποίησεν ὑμᾶς σὺν αὐτῷ, χαρισάμενος ἡμῖν πάντα τὰ παραπτώματα. 13 καὶ ὑμᾶς νεκροὺς ὄντας [ἐν] τοῖς παραπτώμασιν καὶ τῇ ἀκροβυστίᾳ τῆς σαρκὸς ὑμῶν, συνεζωοποίησεν ὑμᾶς σὺν αὐτῷ, χαρισάμενος ἡμῖν πάντα τὰ παραπτώματα. - 14 ἐξαλείψας τὸ καθ’ ἡμῶν χειρόγραφον τοῖς δόγμασιν ὃ ἦν ὑπεναντίον ἡμῖν, καὶ αὐτὸ ἦρκεν ἐκ τοῦ μέσου προσηλώσας αὐτὸ τῷ σταυρῷ· 15 ἀπεκδυσάμενος τὰς ἀρχὰς καὶ τὰς ἐξουσίας ἐδειγμάτισεν ἐν παρρησίᾳ, θριαμβεύσας αὐτοὺς ἐν αὐτῷ. 16 Μὴ οὖν τις ὑμᾶς κρινέτω ἐν βρώσει ἢ πόσει ἢ μέρει ἑορτῆς ἢ νεομηνίας ἢ σαββάτων· 17 ὅ ἐστιν σκιὰ τῶν μελλόντων, τὸ δὲ σῶμα τοῦ Χριστοῦ. 16 Μὴ οὖν τις ὑμᾶς κρινέτω ἐν βρώσει καὶ ἐν πόσει ἢ ἐν μέρει ἑορτῆς ἢ νεομηνίας ἢ σαββάτων· 17 ἅ ἐστιν σκιὰ τῶν μελλόντων, τὸ δὲ σῶμα τοῦ Χριστοῦ. 18 μηδεὶς ὑμᾶς καταβραβευέτω θέλων ἐν ταπεινοφροσύνῃ καὶ θρησκείᾳ τῶν ἀγγέλων, ἃ μὴ ἑόρακεν ἐμβατεύων, 18 μηδεὶς ὑμᾶς καταβραβευέτω θέλων ἐν ταπεινοφροσύνῃ καὶ θρησκείᾳ τῶν ἀγγέλων, ἃ ἑόρακεν ἐμβατεύων, εἰκῇ φυσιούμενος ὑπὸ τοῦ νοὸς τῆς σαρκὸς αὐτοῦ, 19 καὶ οὐ κρατῶν τὴν κεφαλήν. 19 καὶ οὐ κρατῶν τὴν κεφαλήν, ἐξ οὗ πᾶν τὸ σῶμα διὰ τῶν ἁφῶν καὶ συνδέσμων ἐπιχορηγούμενον καὶ συμβιβαζόμενον αὔξει τὴν αὔξησιν τοῦ θεοῦ. 20 Εἰ ἀπεθάνετε σὺν Χριστῷ ἀπὸ τῶν στοιχείων τοῦ κόσμου, τί δογματίζεσθε; 20 Εἰ ἀπεθάνετε σὺν Χριστῷ ἀπὸ τῶν στοιχείων τοῦ κόσμου, τί ὡς ζῶντες ἐν κόσμῳ δογματίζεσθε; 21 μὴ ἅψῃ μηδὲ γεύσῃ 21 μὴ ἅψῃ μηδὲ γεύσῃ μηδὲ θίγῃς, 22 κατὰ τὰ ἐντάλματα καὶ διδασκαλίας τῶν ἀνθρώπων. 22 ἅ ἐστιν πάντα εἰς φθορὰν τῇ ἀποχρήσει, κατὰ τὰ ἐντάλματα καὶ διδασκαλίας τῶν ἀνθρώπων, 23 ἅτινά ἐστιν λόγον μὲν ἔχοντα σοφίας ἐν ἐθελοθρησκίᾳ καὶ ταπεινοφροσύνῃ τοῦ νοὸς καὶ ἀφειδίᾳ σώματος, οὐκ ἐν τιμῇ τινι πρὸς πλησμονὴν τῆς σαρκός. 23 ἅτινά ἐστιν λόγον μὲν ἔχοντα σοφίας ἐν ἐθελοθρησκίᾳ καὶ ταπεινοφροσύνῃ [καὶ] ἀφειδίᾳ σώματος, οὐκ ἐν τιμῇ τινι πρὸς πλησμονὴν τῆς σαρκός. A. *2,13: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,9: Denique si nos deus cum Christo vivificat, donans delicta nobis, non possumus credere ab eo delicta donari in quem admissa non fuerint, ut retro ignotum. ♦ *2,16-17: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,9: Age iam, cum dicit, Nemo vos iudicet in cibo et potu et in parte diei festi et neomeniae et sabbati, quae est umbra futurorum, corpus autem Christi, quid tibi videtur, Marcion? De lege iam non retractamus, nisi quod et hic quemadmodum exclusa sit edocet, dum scilicet de umbra transfertur in corpus, id est de figuris ad veritatem, 8 (Kol) 545 <?page no="546"?> 16 So auch H.v.B. Soden, Die Schriften des Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt. Hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Untersuchungen, III. Abteilung: Die Textformen. B. Der Apostolos mit Apokalypse (1911), 2030. quod est Christus. Ergo et umbra eius cuius et corpus, id est et lex eius <cuius> et Christus. Segrega alii deo legem, et alii deo Christum, si potes aliquam umbram ab eo corpore cuius umbra est separare. Manifeste legis est Christus, si corpus est umbrae. Epiph., Pan. 42, Sch. 39 (119 H.): Μὴ οὖν τις ὑμᾶς κρινέτω ἐν βρώσει καὶ ἐν πόσει ἢ ἐν μέρει ἑορτῆς ἢ νεομηνίας καὶ σαββάτων· ὅ ἐστιν σκιὰ τῶν μελλόντων. Ibid (181 H.): Μὴ οὖν τις ὑμᾶς κρινέτω ἐν βρώσει ἢ ἐν πόσει ἢ ἐν μέρει ἑορτῆς ἢ νεομηνίας καὶ σαββάτων· ὅ ἐστιν σκιὰ τῶν μελλόντων. ♦ *2,18-22: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,10-11: Si autem et aliquos taxat qui ex visionibus angelicis dicebant cibis abstinendum (ne attigeris ne gustaveris), volentes in humilitate sensus incedere, non tenentes caput, non ideo legem et Moysen pulsat, quasi de angelica superstitione constituerit interdictionem quorundam edulium. [11] Moysen enim a deo accepisse legem constat. Denique hanc disciplinam, Secundum praecepta, inquit, et doctrinam hominum, deputavit in eos qui caput non tenerent, id est ipsum in quo omnia recensentur, in Christum ad initium revocata etiam indifferentia escarum. ♦ *2,23: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,11: Cetera praeceptorum, ut eadem, satis sit iam alibi docuisse quam a creatore manarint. B. (2,16) Anstelle von ἐν βρώσει καί steht die Variante ἐν βρώσει ἤ in 01, 02, 04, 06, 010, 012, 016, 018, 020, 025, 044, 075, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 2464, M, lat, sy h , Eus, und wird von NA 28 als Lesart Markions nach Epiphanius angegeben, der aber sowohl diese Variante wie die von NA 28 bietet; Tertullian bietet ein et, allerdings ist diese Variante durch weitaus weniger Zeugen vertreten: P 46 , 03, 1739, 1881, b, vg ms . ♦ (2,17) Anstelle von ἅ ἐστιν wird ὅ ἐστιν geboten von 03, 010, 012, 614, b, d, g, go, Aug, Ambst, Spec; NA 28 gibt diese Variante als Lesart Markions nach Epiphanius. 16 ♦ (2,18) Post θέλων om ἐν in 01*. ♦ Post ἅ add μή in 01 2 , 04, 061, 018, 020, 026, 044, 075, 0278, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1881, 2464, M, Hier mss , οὔκ add 010, 012, om P 46 , 01*, 02, 03, 06*, 016, 6, 33, 1739, b, vg mss , co, Or, Ambst, Hier mss , Spec. ♦ (2,19) Post κεφαλήν add Χριστόν 06*, 1505, (b), sy h , Nov (MVict). ♦ (2,20) Post εἰ add οὖν 01 ( * ) , 0278 c , 6 326, 365, 614, 629, 630, 1505, ar, m, vg mss , sy h , Ambr, Spec. ♦ (2,23) Post ταπεινοφροσύνῃ add τοῦ νοός 010, 012, it, (bo), Hil, Ambst, Spec. ♦ Ante ἀφειδίᾳ add καί 01, 02, 04, 06, 010, 012, 018, 020, 025, 044, 075, 0278, 33, 81, 194, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1881, 2464, M, lat, sy, Cl, om P 46 , 03, 1739, b, m, vg mss , Hil, Ambst, Spec. C. 546 Rekonstruktion <?page no="547"?> 17 Pace M.D. Litwa, The Evil Creator. Origins of an Early Christian Idea (2021), 110. 1. (2,13) Übereinstimmend sehen die Editoren den zweiten Teil von Vers 13 durch Tertullian bezeugt. Zahn hält die kanonische Form des Verses präsent, Harnack spezifiziert die bezeugten Teile wie folgt: συνεζωοποίησεν ὑμᾶς σὺν αὐτῷ, χαρισάμενος ἡμῖν πάντα τὰ παραπτώματα. Schmid gibt als bezeugten Text: … συνεζωοποίησεν ὑμᾶς σὺν αὐτῷ, χαρισάμενος (ἡμῖν πάντα) τὰ παραπτώματα, wobei Tertullian deutlich das ἡμῖν (nobis) bietet. BeDuhn legt seiner Übersetzung den von Harnack gegebenen griechischen Text zugrunde. 2. (2,14-15) Nach übereinstimmender Meinung der Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. BeDuhn, der sonst den Text eher nichtmarkionitisch liest, sieht im Übergehen dieser beiden, seiner Auffassung nach markionitisch klin‐ genden Verse eine antimarkionitische Reaktion der Zeugen und nimmt darum zumindest den Anfang von Vers 14 in seine Übersetzung in Klammern mit auf, welcher der folgende griechische Text zugrunde liegt: ἐξαλείψας τὸ καθ’ ἡμῶν χειρόγραφον τοῖς δόγμασιν ὃ ἦν ὑπεναντίον ἡμῖν. Auch wenn man Vers 14 gerne als Begründung für Vers 16 lesen möchte und darum für den vorkanonischen Text postulieren könnte, steht doch der lexikalische Befund gegen diese Annahme. Es scheint vielmehr die kanonische Redaktion gewesen zu sein, die eine Verbreiterung der theologischen Begrün‐ dung vorzunehmen versuchte. 17 3. (2,15) Die Kombination von ἀρχαί und ἐξουσία zeigt einen deutlichen Bezug zur früheren Stelle, Kol 1,16, die hier aufgenommen wird und durch diesen Bezug die gemeinsame Zugehörigkeit zur selben kanonischen Redakti‐ onsstufe untermauert. Allerdings scheinen beide Stellen auch in Beziehung zur vorkanonisch bezeugten Stelle *Laod 3,10 zu stehen. 4. (2,16-17) Übereinstimmend sehen die Editoren die beiden Verse durch Tertullian und Epiphanius bezeugt. Zahn rechnet mit dem kanonischen Text bis auf zwei kleine Änderungen, er schreibt καὶ σαββάτων in Vers 16, und in Vers 17 übernimmt er aus Epiphanius ὅ ἐστιν. Harnack geht mit Epiphanius (181 H.), setzt als Möglichkeit auch noch in Klammern σαββάτου. Schmid hält sich wieder näher an den kanonischen Text und an Tertullian und gibt: 16 Μὴ (οὖν) τις ὑμᾶς κρινέτω ἐν βρώσει καὶ (ἐν) πόσει ἢ ἐν μέρει 8 (Kol) 547 <?page no="548"?> ἑορτῆς ἢ νεομηνίας ἢ σαββάτου· 17 ἅ ἐστιν σκιὰ τῶν μελλόντων, τὸ δὲ σῶμα (τοῦ) Χριστοῦ. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 16 Μὴ [οὖν] τις ὑμᾶς κρινέτω ἐν βρώσει καὶ πόσει ἢ ἐν μέρει ἑορτῆς ἢ νεομηνίας ἢ σαββάτου· 17 ἅ ἐστιν σκιὰ τῶν μελλόντων, τὸ δὲ σῶμα τοῦ Χριστοῦ. Nun stellt sich die Frage, ob τὸ δὲ σῶμα τοῦ Χριστοῦ aus Tertullian mit in die Rekonstruktion zu nehmen ist oder nicht. Für Harnacks Entscheidung spricht, dass Epiphanius τὸ δὲ σῶμα τοῦ Χριστοῦ nicht mit zitiert, aber im Kommentar zum Scholion (181 H.) den Eindruck erweckt, als habe dieser Passus nicht mehr im Text gestanden, wenn er argumentiert, dass es ohne Leiblichkeit keinen Schatten geben könne, und, was im Gesetz im Schatten geschrieben sei, in Christus vollendet wurde. Das Argument funktioniert aber auch, wenn der Passus tatsächlich im Text gestanden hat und, wie Tertullian in seiner Gegenargumentation verdeutlicht, man lediglich den Schatten als Gegensatz zur Wirklichkeit Christi auffasst, wie er Markions Verständnis des Textes wiederzugeben versucht. Man wird also doch mit diesem Passus im Text rechnen dürfen. Das von Epiphanius gebotene οὖν ist durch Tertullian bezeugt, wobei es aufgrund des Duktus seiner Argumentation ausgelassen sein kann, allerdings scheint das οὖν zumindest angedeutet durch den Anschluss denique. 5. (2,18-22) Nach übereinstimmender Meinung der Editoren gibt Tertullian Teile der Verse 18-22 wieder, wobei Verse 19b und 20 ausgespart scheinen, wie schon Zahn bemerkt hat. Hilgenfeld erwähnt Vers 21 nicht, aber verweist zuvor für Vers 18 darauf, dass Tertullian die Lesart ἃ ἑόρακεν voraussetzt. Er geht wie Zahn von der Präsenz der gesamten Passage aus, Zahn gibt aber folgende Abweichungen vom kanonischen Text: 18 … θέλων ἐν ταπεινοφροσύνῃ [καὶ θρησκείᾳ? ], τῶν ἀγγέλων ἃ (oder οὓς) ἑώρακεν, ἐμβατεύειν. Harnack gibt als bezeugten Text: 18 θέλων ἐν ταπεινοφροσύνῃ, θρησκείᾳ τῶν ἀγγέλων, ἃ ἑόρακεν ἐμβατεύων, 19 οὐ κρατῶν τὴν κεφαλήν, 21 μὴ ἅψῃ μηδὲ γεύσῃ, 22 κατὰ τὰ ἐντάλματα καὶ διδασκαλίας τῶν ἀνθρώπων. Schmid sieht als bezeugte Textteile: 18 … θέλων ἐν ταπεινοφροσύνῃ καὶ θρησκείᾳ τῶν ἀγγέλων, (ἃ ἑόρακεν) ἐμβατεύων …, 19 καὶ οὐ κρατῶν τὴν κεφαλήν …21 μὴ ἅψῃ μηδὲ γεύσῃ … 22 … κατὰ τὰ ἐντάλματα καὶ διδασκαλίας τῶν ἀνθρώπων. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 18 [μηδεὶς ὑμᾶς καταβραβευέτω] θέλων ἐν ταπεινοφροσύνῃ καὶ παρουσίαις (ὁράσαις, ὀπτασίαις? ) τῶν ἀγγέλων …, 19 … οὐ κρατῶν τὴν κεφαλήν, [ἐξ οὗ πᾶν 548 Rekonstruktion <?page no="549"?> 18 Pace Harnack, der meinte, „M. las ἑόρακεν ohne μή“, so A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 123*. τὸ σῶμα διὰ τῶν ἁφῶν καὶ συνδέσμων ἐπιχορηγούμενον καὶ συμβιβαζόμενον αὔξει τὴν αὔξησιν τοῦ θεοῦ. 20 Εἰ ἀπεθάνετε σὺν Χριστῷ ἀπὸ τῶν στοιχείων τοῦ κόσμου, τί ὡς ζῶντες ἐν κόσμῳ δογματίζεσθε;] 21 μὴ ἅψῃ μηδὲ γεύσῃ …, 22 [ἅ ἐστιν πάντα εἰς φθορὰν τῇ ἀποχρήσει,] κατὰ τὰ ἐντάλματα καὶ διδασκαλίας τῶν ἀνθρώπων-… Harnack sieht für Tertullians visio als griechisches Äquivalent θρησκεία, während BeDuhn παρουσία oder ähnliche Begriffe vorschlägt. Die Verneinung in diesem Vers ἃ μὴ ἑόρακεν setzt *Paulus, der aufgrund einer Vision Autorität besitzt, denjenigen gegenüber, die ohne eine solche Vision ihre einschränkenden Gebote vorbringen. Wenn diese Verneinung durch die kanonische Redaktion beseitigt wird, zeigt sich hierin eine deutliche Kritik an der Argumentation des sich auf Visionen stützenden *Paulus in *Gal. Dass die Verneinung im vorkanonischen Text stand, erkennt man daran, dass sie Tertullian bereits kennt, umschrieben mit volentes in humilitate sensus incedere. 18 Hätte Tertullian das ἐξ οὗ πᾶν τὸ σῶμα (Vers 19) im Text gelesen, wäre er wohl in seiner Argumentation darauf zu sprechen gekommen, wie er es zuvor zu dem Bezugspunkt aus Vers 17 (τὸ δὲ σῶμα τοῦ Χριστοῦ) getan hat. Man bemerke überhaupt die Nähe zu den Versen der kanonischen Ebene Eph 4,15-16. Es fragt sich natürlich, ob Tertullian hier größere Passagen übersprungen hat, wie das BeDuhn annimmt. Der Begriff μηδείς klingt zumindest an in Tertullians aliquos wie auch das nachfolgende τί in Vers 20. 6. (2,23) Nach Übereinstimmung aller Editoren ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit seiner Präsenz in unbestimmbarer Form rechnen. Allerdings beachte man den oben angegebenen Hinweis Tertul‐ lians und die Lexik weiter unten in D. D. (2,13) Zum unbezeugten Versteil: Die Kombination καὶ ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,21. ♦ νεκρός, das 138 / 128 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 29. 35. 52; *Röm 8,10. 11; *1Thess 4,16; *Laod 1,20; 2,1; 5,14. ♦ Die Verbform ὄντας, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,21. ♦ παράπτωμα, das 23 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20; *Laod 2,1. ♦ ἀκροβυστία, das 22 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. 27; *Laod 2,11. 8 (Kol) 549 <?page no="550"?> Zum bezeugten Versteil: συζωοποιέω, das nur noch 1 weiteres Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ Die Wendung σὺν αὐτῷ steht 29 Mal im NT, weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev, vgl. zu 1Thess 4,14. ♦ σὺν-Χριστῷ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Was den unbe‐ zeugten Versanfang betrifft, ist nicht einfach zu entscheiden, ob dieser der vorkanonischen oder der kanonischen Ebene zugehört. Hier hilft der narrative Zusammenhang, da der erste Teil des Verses mit dem Hinweis auf das Unbe‐ schnittensein ein Thema der kanonischen Verse 9-11 aufgreift und weiterführt, folglich als kanonisches Element der Verknüpfung des Rests von Vers 13 mit diesen Versen zu verstehen ist und darum auch zu dieser Redaktionsstufe gehören wird. Subjekt des Satzes ist θεός, wie Tertullian den Satz einführt, auch wenn es hierfür keine Textvarianten gibt. (2,14) ἐξαλείφω steht 5 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung καθ’ ἡμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,31. ♦ χειρόγραφος ist Hapax legomenon im NT. ♦ δόγμα steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,15. ♦ Die Verbform ἦν, die 301 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,4; *1Kor 10,4; *Phil 3,7. ♦ ὑπεναντίος steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Hebr 10,27). ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ αἴρω, das 106 / 107 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ μέσος, das 67 / 58 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,30; *1Kor 5,2. ♦ προσηλόω ist Hapax legomenon im NT. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; Phil 2,8; *Kol 1,20. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Reihe von Ele‐ menten auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐξαλείφω; καθ’ ἡμῶν; ὑπεναντίος). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Zu bemerken ist δόγμα, das vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (2,15) ἀπεκδύομαι, das 2 Mal im NT steht, findet sich beide Male im selben Brief hier auf kanonischer Ebene, vgl. kurz zuvor zu Vers 11. ♦ ἀρχαί, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 3,10. ♦ ἐξουσία, das 112 / 102 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,25; *1Kor 11,10; *2Kor 13,10; *Laod 2,2; 3,10; 6,12. ♦ δειγματίζω steht nur hier und noch 1 weiteres Mal auf kanonischer Ebene (Mt 1,19). ♦ παρρησία, das 32 / 31 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,19. ♦ θριαμβεύω steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen 550 Rekonstruktion <?page no="551"?> Ebene (2Kor 2,14). ♦ αὐτούς (Akk. Mask. Pl.), das 340 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἀπεκδύομαι; δειγματίζω; θριαμβεύω). Zu bemerken sind ἀρχαί und παρρησία, die vorkano‐ nisch nur durch *Laod bezeugt sind und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweisen. Der Vergleich der Lexik führt die früher zu diesem Brief gemachten Beobach‐ tungen fort. Die Bezugnahmen auf frühere kanonische Verse und die ausschließ‐ lich oder bevorzugt für die kanonische Ebene bezeugten Termini sprechen für die Zugehörigkeit beider Verse zur kanonischen Redaktion, das gilt gerade auch für den von BeDuhn aus dem Anfang von Vers 14 in seine Übersetzung aufgenommenen Passus. Zugleich zeigt sich die Nähe von *Laod und *Kol zur kanonischen Sprache. (2,16) Die Kombination μὴ οὖν steht 9 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung, vorka‐ nonisch nur bezeugt für diese Stelle hier, vgl. zu Röm 6,12. ♦ κρίνω, das 125 / 115 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 6,37; 12,57; *1Kor 5,3; 11,32; *Röm 2,12; *2Thess 2,12. ♦ βρῶσις, das 12 / 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ πόσις, das 10 / 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ebenfalls nur hier bezeugt. ♦ μέρος, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ ἑορτή findet sich 28 / 26 Mal im NT, ist jedoch weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,1. ♦ νεομηνία ist Hapax legomenon im NT. ♦ Σάββατον, das 73 / 68 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Es fällt auf, dass mehrere Elemente nur hier vorkanonisch bezeugt sind (μὴ οὖν; βρῶσις; πόσις), was auf die Nähe von *Kol zur kanonischen Sprache hinweist. (2,17) σκιά steht 7 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ μέλλω, das 129 / 109 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,44; *1Kor 3,22. ♦ Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ Die Wendung σῶμα τοῦ Χριστοῦ steht nur hier im NT. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, gestützt von Epi‐ phanius. Auch bei diesem kurzen Vers fällt ein Element auf, das ausschließlich durch diese Zeugnisse vorkanonisch bezeugt ist (σκιά) und auf die Nähe von *Kol zur kanonischen Sprache hinweist. 8 (Kol) 551 <?page no="552"?> (2,18) Der unbezeugte Versanfang: μηδείς, das 93 / 89 Mal im NT steht, ist vorkano‐ nisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,17, vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ Die Kombination μὑμᾶς steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Eph 5,6; Kol 2,18; im Vers: Kol 2,4), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ καταβραβεύω ist Hapax legomenon im NT. Der bezeugte Versteil: ταπεινοφροσύνη, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für unsere Stelle hier, *Kol 2,18, bezeugt. ♦ θρησκεία steht 4 Mal im NT, vorkanonisch nur hier bezeugt. ♦ Die möglichen Alternativen: παρουσία steht 24 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23. ♦ ὀπτασία steht 4 Mal im NT und wäre nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ὅρασις steht 6 / 4 Mal im NT und wäre nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ ἄγγελος, das 186 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 4,9; 6,3; 11,10; *2Kor 11,14; 12,7; *2Thess 1,7. ♦ ἐμβατεύω ist Hapax legomenon im NT. Der nicht mehr bezeugte Versteil: εἰκῇ, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ φυσιόω, das 7 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ νοῦς, das 25 / 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,34 und in gleicher Formulierung für*1Kor 2,16. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Was den unbe‐ zeugten Versanfang betrifft, wird man mit einer möglichen kanonisch-redak‐ tionellen Überarbeitung rechnen oder, weil die Kombination μηδεὶς ὑμᾶς nur auf der kanonischen Ebene in Eph und Kol begegnet, wohl eher mit einer vorkanonischen Wendung, da sie sonst kanonisch nicht mehr aufgegriffen wird. Der bezeugte Versteil weist wiederum Begriffe auf, die nur hier vorkanonisch bezeugt sind (ταπεινοφροσύνη; θρησκεία/ ὀπτασία/ ὅρασις), was auf die Nähe von *Kol zur kanonischen Sprache hinweist. Weitere Beobachtungen oben in C. 5. (2,19) Der bezeugte Versanfang: κρατέω, das 48 / 47 Mal im NT steht, ist nur an dieser Stelle hier, *Kol 2,19, vorkanonisch bezeugt. ♦ κεφαλή, das 79 / 75 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 21,27; *1Kor 11,3. 7. 10; *Laod 5,23. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: Zu πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu den Versen 2 und 9. ♦ ἁφή, das 6 / 2 Mal im NT steht, ist nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ σύνδεσμος, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπιχορηγέω, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ συμβιβάζω, das 8 / 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischene Ebene. ♦ αὐξάνω, das 27 / 23 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αὔξησις, das 3 / 2 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. 552 Rekonstruktion <?page no="553"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das durch die Lexik gestützt wird. Im nicht mehr bezeugten Versteil finden sich mehrere Elemente, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἁφή; σύνδεσμος; ἐπιχορηγέω; συμβιβάζω; αὐξάνω; αὔξησις), dieser Versteil ist folglich Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (2,20) Zum unbezeugten Versteil: ἀποθνήσκω, das 119 / 111 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,36; *1Kor 15,3. 22; *Röm 5,6. ♦ Die Wendung σὺν Χριστῷ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 8,6; Phil 1,23; Kol 2,20). ♦ στοιχεῖον, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 9; *Kol 2,8. ♦ Die Kombination στοιχεῖον + τοῦ κόσμου steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3; *Kol 2,8. ♦ ζάω, das 171/ 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ δογματίζω ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Auch wenn diese Passage im Referat Tertullians bis auf das τί δογματίζω (dicebant cibis abstinendum) nicht anklingt, würde die Lexik und der narrative Zusammenhang für die Präsenz dieses Verses im vorkanonischen Text sprechen, begegnete nicht als zentrales Element die Wendung σὺν Χριστῷ, die nur kanonisch sonst belegt ist. Auch der bei Tertullian unbezeugte Nebensatz ὡς ζῶντες ἐν κόσμῳ dürfte auf die kanonische Redaktion zurückgehen und stellt möglicherweise eine redaktionelle Einschränkung der deutlichen Gesetzeskritik des Verses dar. (2,21) ἅπτω, das 46 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 10,7. 9. ♦ γεύω steht 15 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 14,24. ♦ θιγγάνω steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Kol 2,21; Hebr 11,28; 12,20). Zur Rekonstruktion: Auch der vorliegende Vers ist ein gutes Beispiel für die Verlässlichkeit der vorkanonischen Bezeugung Tertullians und für die Methode des lexikalischen Vergleichs. Während die ersten beiden Begriffe (ἅπτω; γεύω) vorkanonisch bezeugt sind, ist der dritte Begriff in Reihe, der von Tertullian nicht mehr bezeugt wird, auch nur für die kanonische Ebene belegt, er wird eine kanonisch-redaktionelle Ergänzung sein, die vorkanonisch gefehlt hat und die eine typisch kanonische Verstärkung der Leiblichkeit widerspiegelt. (2,22) Zum unbezeugten Versanfang: Die Kombination ἅ ἐστιν steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Kol 2,17. 22; im Vers: Apk 21,12), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ φθορά, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,8; *1Kor 15,50. ♦ ἀπόχρησις ist Hapax legomenon im NT. 8 (Kol) 553 <?page no="554"?> Zum bezeugten Versteil: ἔνταλμα steht 3 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ διδασκαλία, das 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Dass der unbe‐ zeugte Versanfang auf die kanonische Redaktion zurückzuführen ist, zeigt die Verseröffnung an, insbesondere die Differenz zur Variation der Eröffnung in *Kol 2,17. Auch inhaltlich schließt der bezeugte Versteil unmittelbar an den bezeugten Textbestand von Vers 21 an. (2,23) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Die Kombination ἅτινά ἐστιν steht 3 Mal im NT (Gal 4,24; 5,19; Kol 2,23), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24. ♦ ἐθελοθρησκεία ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die weiter oben in Vers 18 vorkanonisch bezeugte und negativ qualifizierte ταπεινοφροσύνη wird hier im selben Sinn wieder aufgegriffen, verstärkt noch mit dem Blick auf den Verstand. ♦ ἀφειδία ist Hapax legomenon im NT. ♦ τιμή, das 44 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,20; *1Thess 4,4. ♦ τινι (Dat. Fem. / Mask. / Neut. Sg.), das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,1. ♦ πλησμονή ist Hapax legomenon im NT. Zur Rekonstruktion: Auch wenn dieser Vers vorkanonisch unbezeugt ist, spricht die Lexik doch für eine vorkanonische Präsenz des Verses. Bereits die Verseröffnung ist vorkanonisch bezeugt, es begegnen ausschließlich vorka‐ nonisch bezeugte Begriffe (ταπεινοφροσύνη; τιμή; τινι) oder Hapax legomena (ἐθελοθρησκεία; ἀφειδία; πλησμονή). Vermutlich hat Tertullian diese harsche Kritik an der Askese übergangen, was er übrigens mit seinem Schlusswort zu diesem Kapitel andeutet, das gleich noch aufgegriffen werden muss, wenn es um die Bezeugung bzw. die fehlende Bezeugung der Kapitel 3 und 4 geht, vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,11. Kapitel 3 3,[1-2] 3-4 [5-8] 9-10: Der neue Mensch Die Grundgedanken des vorkanonischen Textes sind gut bezeugt, sie scheinen nur leicht an die kanonischen Überlegungen durch die kanonische Redaktion angepasst worden zu sein. - 3,1 Εἰ οὖν συνηγέρθητε τῷ Χριστῷ, τὰ ἄνω ζητεῖτε, οὗ ὁ Χριστός ἐστιν ἐν δεξιᾷ τοῦ θεοῦ καθήμενος· 2 τὰ ἄνω φρονεῖτε, μὴ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς. 554 Rekonstruktion <?page no="555"?> 3,3 κέκρυπται γὰρ ἡ ζωὴ ἡμῶν σὺν τῷ Χριστῷ ἐν τῷ θεῷ. 3 ἀπεθάνετε γὰρ καὶ ἡ ζωὴ ὑμῶν κέκρυπται σὺν τῷ Χριστῷ ἐν τῷ θεῷ· 4 ὅταν δὲ ὁ Χριστὸς φανερωθῇ, ἡ ζωὴ ἡμῶν, σὺν τῷ Χριστῷ ἐν τῷ θεῷ φανερωθησόμεθα ἐν δόξῃ. 4 ὅταν ὁ Χριστὸς φανερωθῇ, ἡ ζωὴ ὑμῶν, τότε καὶ ὑμεῖς σὺν αὐτῷ φανερωθήσεσθε ἐν δόξῃ. - 5 Νεκρώσατε οὖν τὰ μέλη τὰ ἐπὶ τῆς γῆς, πορνείαν ἀκαθαρσίαν πάθος ἐπιθυμίαν κακήν, καὶ τὴν πλεονεξίαν, ἥτις ἐστὶν εἰδωλολατρία, 6 δι’ ἃ ἔρχεται ἡ ὀργὴ τοῦ θεοῦ [ἐπὶ τοὺς υἱοὺς τῆς ἀπειθείας]. 7 ἐν οἷς καὶ ὑμεῖς περιεπατήσατέ ποτε, ὅτε ἐζῆτε ἐν τούτοις· 8 νυνὶ δὲ ἀπόθεσθε καὶ ὑμεῖς τὰ πάντα, ὀργήν, θυμόν, κακίαν, βλασφημίαν, αἰσχρολογίαν ἐκ τοῦ στόματος ὑμῶν· 9 ἀπεκδυσάμενοι τὸν παλαιὸν ἄνθρωπον - 9 μὴ ψεύδεσθε εἰς ἀλλήλους, ἀπεκδυσάμενοι τὸν παλαιὸν ἄνθρωπον σὺν ταῖς πράξεσιν αὐτοῦ 10 καὶ ἐνδυσάμενοι τὸν νέον τὸν ἀνακαινούμενον. 10 καὶ ἐνδυσάμενοι τὸν νέον τὸν ἀνακαινούμενον εἰς ἐπίγνωσιν κατ’ εἰκόνα τοῦ κτίσαντος αὐτόν, A. *3,3-4: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,11: Cetera praeceptorum, ut eadem, satis sit iam alibi docuisse quam a creatore manarint. Adam., Dial. V 28 (im Mund des Eutropius): κέκρυπται γὰρ ἡ ζωὴ ἡμῶν σὺν τῷ Χριστῷ ἐν τῷ θεῷ. ὅταν δὲ ὁ Χριστὸς φανερωθῇ, ἡ ζωὴ ἡμῶν, σὺν τῷ Χριστῷ ἐν τῷ θεῷ φανερωθησόμεθα ἐν δόξῃ. ♦ *3,9-10: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 19,11: Cetera praeceptorum, ut eadem, satis sit iam alibi docuisse quam a creatore manarint, qui cum vetera praedicaret transitura, nova facturus universa, mandans etiam, Novate vobis novamen novum, iam tum docebat exponere veterem hominem et novum induere. Vgl. auch Carmen adv Marc. 5,90: veterem (hominem), quem dicitis hostem. B. (3,4) Anstelle von ὑμῶν, das zu finden ist in P 46 , 01, 04, 06*, 010, 012, 025, 044, 075, 33, 81, 104, 365, 945, 1881, latt, bo, Cyp, steht ἡμῶν in den Zeugen 03 ( * ) , 06 1 , 015, 018, 020, 0278, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 2464, M, sy, sa, Meth, Amb. ♦ (3,5) Post τὰ μέλη add ὑμῶν in 01 2 , 04 3 , 06, 010, 012, 015, 018, 020, 025, 075, 0278, 104, 365, 630, 945 c , 1505, 1881, M, lat sy, Ir lat , om in P 46 , 01*, 03, 04*, 044, 33, 81, 945*, 1175, 1241 s , 1739, 2464, m*, vg ms , Cl, Or, Epiph. ♦ κακήν om in P 46 . ♦ (3,6) Anstelle von δι’ ἅ steht δι’ ὅ in 04* vid , 010, 012, vg mss , hingegen steht ταῦτα γάρ in P 46 , sy p . ♦ ἐπὶ τοὺς υἱοὺς τῆς ἀπειθείας om in P 46 , 03, v, sa, Ambst, add in 01, 02, 04, 06, 010, 012, 015, 016, 018, 020, 025, 044, 075, 0278, 33, 81, 104, 365, 630, 1175, 1241 s , 1505, 1739, 1881, 2464, M, lat, sy, bo. ♦ (3,7) Anstelle von ἐν τούτοις 8 (Kol) 555 <?page no="556"?> steht ἐν αὐτοῖς in 06 2 , (010), 012, 018, 020, 048, 104, 630, 1739, 1881, M, lat sy p , während ἐν τούτοις zu finden ist in P 46 , 01, 02, 03, 04, 06*, 015, 016, 025, 044, 075, 0278, 33, 81, 365, 1175, (1241 s ), 1505, 2464. C. 1. (3,1-8) Nach Übereinstimmung aller Editoren sind diese Verse unbezeugt, wobei Hilgenfeld, Harnack und BeDuhn ausdrücklich auf das hier aus Tertullian Zitierte verweisen, womit dieser Zeuge erkläre, dass er im Folgenden den Text, den er vor sich hat, willentlich übergeht, bevor er auf das nächste ausdrückliche Zeugnis zu Vers 9 zu sprechen kommt. Es stellt sich also die Frage, ob und falls ja, was vom Text möglicherweise vorkanonisch vorhanden war. Hilgenfeld sieht einen Hinweis auf die Verse 5-6. Zahn gibt keinen Hinweis auf Textbestand aus diesen 8 Versen. Auch Harnack und Schmid bieten nichts. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text aus dieser Pas‐ sage zugrunde: 5 [Νεκρώσατε οὖν τὰ μέλη τὰ ἐπὶ τῆς γῆς, πορνείαν ἀκαθαρσίαν πάθος ἐπιθυμίαν κακήν, καὶ τὴν πλεονεξίαν, ἥτις ἐστὶν εἰδωλολατρία … 7 ἐν οἷς καὶ ὑμεῖς περιεπατήσατέ ποτε, ὅτε ἐζῆτε ἐν τούτοις· 8 νυνὶ δὲ ἀπόθεσθε καὶ ὑμεῖς τὰ πάντα, ὀργήν, θυμόν, κακίαν, βλασφημίαν, αἰσχρολογίαν ἐκ τοῦ στόματος ὑμῶν]. Vergleicht man die Lexik, scheiden für die vorkanonische Fassung zunächst die beiden ersten Verse aus, während sich in den Versen 3-4 vorkanonische Sprache findet. Die Verse 5-8 sind wieder der kanonischen Ebene zuzuordnen, die allerdings auch Paralleltermini zu *Laod/ Eph aufweisen. Harnack hat den richtigen Hinweis auf Adamantius gegeben, wo im Mund des Eutropius vom kanonischen Text abweichend formuliert wird. Man bemerke auch, dass die in Vers 8 gebotene Liste eine gewisse Duplikation der in Vers 5 voranstehenden Liste darstellt und Duplikation ein Merkmal der kanonischen Redaktion ist. 2. (3,9-10) Hilgenfeld äußert sich nicht zu diesem Vers. Zahn sieht die kanonische Fassung der beiden Texte präsent. Harnack ist vorsichtig und gibt lediglich als bezeugten Text aus Vers 9: τὸν παλαιὸν ἄνθρωπον. Schmid sieht die Verse als unbezeugt. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 9 [μὴ ψεύδεσθε εἰς ἀλλήλους,] ἀπεκδυσάμενοι τὸν παλαιὸν ἄνθρωπον [σὺν ταῖς πράξεσιν αὐτοῦ] 10 καὶ ἐνδυσάμενοι τὸν νέον-… Früher wurde übersehen, dass Tertullian in der Tat auf die von BeDuhn an‐ gegebenen Textteile (exponere veterem hominem = ἀπεκδυσάμενοι τὸν παλαιὸν ἄνθρωπον und et novum induere = καὶ ἐνδυσάμενοι τὸν νέον) verweist, außerdem muss man noch ergänzen, dass Tertullian ebenfalls eine weitere Anspielung bietet: Novate vobis novamen novum auf τὸν ἀνακαινούμενον. 556 Rekonstruktion <?page no="557"?> D. (3,1) Die Kombination εἰ οὖν steht 12 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2 Mal Mt; Lk 11,13. 36; 12,26; 16,11; Joh 13,14; Apg 11,17; Kol 3,1; Phlm 1,17; im Vers: Mt 6,23; Joh 18,8), vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13. ♦ συνεγείρω, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἄνω, das 10 / 9 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ δεξιός, das 56 / 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,69; *Laod 1,20. ♦ Die Wendung ἐν δεξιᾷ steht 8 Mal im NT (Röm 8,34; Eph 1,20; Kol 3,1; 4 Mal Hebr; 1Petr 3,22), vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20. ♦ ἐν δεξιᾷ τοῦ θεοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,34. ♦ κάθημαι, das 97 / 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,69 (καθήμενος ἐκ δεξιῶν τῆς δυνάμεως τοῦ θεοῦ). Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte bzw. möglicherweise als ab‐ wesend bezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (συνεγείρω; ἄνω; ἐν δεξιᾷ τοῦ θεοῦ). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Zu bemerken ist ἐν δεξιᾷ, das vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (3,2) Zum kanonischen ἄνω vgl. zu Vers 1. ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Aufforderung φρονεῖτε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,11. ♦ Die Wendung τὰ ἐπὶ τῆς γῆς steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,10. Zur Abwesenheit: Der kurze, vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwei Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἄνω; φρονεῖτε). Er wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Wieder ist eine Wendung zu notieren, τὰ ἐπὶ τῆς γῆς, die vorka‐ nonisch nur für *Laod bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweist. (3,3) Zum unbezeugten Versanfang: Die Form ἀπεθάνετε steht 1 weiteres Mal im NT, Kol 2,20, dort vorkanonisch unbezeugt, aber möglicherweise im vorkanonischen Text vorhanden. Zum bezeugten Versteil: κρύπτω, das 24 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung ἡ ζωὴ ἡμῶν ist gleich wieder vorkanonisch bezeugt in Vers 4. ♦ Die Wendung σὺν τῷ Χριστῷ (ἐν τῷ θεῷ) steht nur hier und im nächsten Vers im NT. 8 (Kol) 557 <?page no="558"?> Zur Rekonstruktion: Dieser Vers ist zwar nur durch Adamantius bezeugt, scheint aber aufgrund der Lexik möglicherweise im vorkanonischen Text gestanden zu sein. Dafür sprechen auch die sonst kanonisch - außer in den unmittelbaren Parallelversen zum vorkanonischen Text - nicht weiter zu findenden Wendungen ἡ ζωὴ ἡμῶν, σὺν τῷ Χριστῷ (ἐν τῷ θεῷ). (3,4) Die Eröffnung ὅταν δέ steht 21 Mal im NT (17 Mal als Verseröffnung), vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 15,54. ♦ φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21. ♦ ζωή, das 142 / 135 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 3,22; *2Kor 4,10; 5,4; *Röm 5,21; 8,10. ♦ Das hier unbezeugte τότε, das 164 / 160 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,54. ♦ Die Wendung σὺν τῷ Χριστῷ (ἐν τῷ θεῷ) steht nur hier und im voranstehenden Vers im NT. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ Der Ausdruck ἐν δόξῃ steht 9 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,31; *1Kor 15,43; *2Kor 3,7. 11. Zur Rekonstruktion: Wieder ist der Vers nur durch Adamantius vorkanonisch bezeugt, doch auch hier fällt die Wendung σὺν τῷ Χριστῷ (ἐν τῷ θεῷ) auf, zu der zum voranstehenden Vers bereits vorgetragen wurde, dass sie eher für eine vorkanonische Präsenz des Verses spricht. Dafür spricht auch, dass die weiteren Elemente vorkanonisch weiter bezeugt sind, angefangen von der Verseröffnung. Auch dieser Vers wird darum wohl vorkanonisch anzunehmen sein. (3,5) νεκρόω, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung τὰ μέλη ὑμῶν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 6,13. ♦ Die Wendung τὰ ἐπὶ τῆς γῆς steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,10. ♦ πορνεία, das 27 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 6,13. 18; *1Thess 4,3. ♦ ἀκαθαρσία, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,19. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; *Gal 5,24; *1Thess 4,5. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *2Kor 5,10; *Röm 12,17. ♦ πλεονεξία, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ εἰδωλολατρία, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (νεκρόω; τὰ μέλη ὑμῶν; πλεονεξία). Der Vers wird auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Zu bemerken ist die Wendung τὰ ἐπὶ τῆς 558 Rekonstruktion <?page no="559"?> γῆς, die nur in *Laod vorkanonisch bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (3,6) ὀργή, das 37 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ Die Wendung ὀργὴ τοῦ θεοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 5,6. ♦ ἀπείθεια, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2. ♦ Die Wendung ἐπὶ τοὺς υἱοὺς τῆς ἀπειθείας steht 1 weiteres Mal, Kol 3,6. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist vorwiegend Ele‐ mente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ὀργὴ τοῦ θεοῦ; ἐπὶ τοὺς υἱοὺς τῆς ἀπειθείας). Der Vers geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. Es fällt die große Nähe zur kanonischen Ebene von *Laod auf. (3,7) Die Kombination ἐν οἷς (Neut.) steht 12 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Lk 12,1; Apg 26,12; Röm 1,6; Kol 3,7; im Vers: Lk 1,78; Apg 11,14; Phil 4,11; 2Tim 3,14; Hebr 6,18; 13,9; 2Petr 2,12; Apk 19,20), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2 (ἐν αἷς ποτε περιεπατήσατε); 5,2. ♦ ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. Zur Abwesenheit: Wie bereits die Verseröffnung demonstriert, ist der vorka‐ nonisch unbezeugte Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. Er lehnt sich eng an den vorkanonischen und kanonischen Text von *Laod/ Eph 2,2 an. (3,8) Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13, vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ ἀποτίθημι, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 4,25. ♦ Zu ὀργή vgl. zu Vers 6. ♦ θυμός, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. ♦ κακία, das 11 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ βλασφημία, das 22 / 18 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ αἰσχρολογία ist Hapax legomenon im NT. ♦ στόμα, das 80 / 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,15; *Röm 3,19; *Laod 6,19. ♦ Die Wendung ἐκ τοῦ στόματος steht 18 Mal im NT (2 Mal Mt; Lk 4,22, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 11,54; 19,22; Apg 22,14; Eph 4,29; Kol 3,8; 8 Mal Apk), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die erweiterte Wendung ἐκ τοῦ στόματος ὑμῶν steht 1 weiteres Mal in Eph 4,29. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (κακία; βλασφημία; 8 (Kol) 559 <?page no="560"?> ἐκ τοῦ στόματος; ἐκ τοῦ στόματος ὑμῶν). Er ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,9) ψεύδομαι, das 10 / 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 2,11. ♦ Die Form ψεύδεσθε steht 1 weiteres Mal im NT, Jak 3,14. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ ἀπεκδύομαι, das 2 Mal im NT steht, und zwar im selben Brief, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. ♦ παλαιός, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 5,36. 37. ♦ Das hier unbezeugte πρᾶξις, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte Anfang scheint, wie das nur noch in Jak belegte ψεύδεσθε anzeigt, vorkanonisch nicht vorhanden gewesen zu sein, zumal dieser kanonische Vorspann dem Duktus der auf der kanonischen Ebene voranstehenden Verse folgt. Auch der unbezeugte Nachspann wird, wie πρᾶξις verdeutlicht, auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (3,10) ἐνδύω, das 30 / 27 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22; *1Kor 15,54. ♦ νέος, das 15 / 24 Mal im NT, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 5,37. 38. ♦ ἀνακαινόω, das 3 / 2 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,16. ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ Die Wendung εἰς ἐπίγνωσιν steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Kol 2,2. ♦ εἰκών, ein Begriff, der 34 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 20,24; *1Kor 11,7; *2Kor 3,18; 4,4; *Kol 1,15. ♦ κτίζω, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,10. 15; 3,9. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der unbezeugte zweite Versteil ist gestützt durch die Lexik (εἰς ἐπίγνωσιν) ein Produkt der ka‐ nonischen Redaktion und war vorkanonisch nicht vorhanden. Gerade die zweite unbezeugte Passage hätte sich Tertullian wohl kaum entgehen lassen, wenn sie im vorkanonischen Text gestanden wäre, betont sie doch den Schöpfergott, den Tertullian immer wieder gegen Markion herausstellt. 3,[11-25]: [Paränese an die Erwählten Gottes] Die nachfolgenden Ausführungen sind gänzlich vorkanonisch unbezeugt und sind der Lexik zufolge ein Produkt der kanonischen Redaktion und haben vorkanonisch gefehlt. 560 Rekonstruktion <?page no="561"?> 11 ὅπου οὐκ ἔνι Ἕλλην καὶ Ἰουδαῖος, περιτομὴ καὶ ἀκροβυστία, βάρβαρος, Σκύθης, δοῦλος, ἐλεύθερος, ἀλλὰ [τὰ] πάντα καὶ ἐν πᾶσιν Χριστός. 12 Ἐνδύσασθε οὖν, ὡς ἐκλεκτοὶ τοῦ θεοῦ ἅγιοι καὶ ἠγαπημένοι, σπλάγχνα οἰκτιρμοῦ χρηστότητα ταπεινοφροσύνην πραΰτητα μακροθυμίαν, 13 ἀνεχόμενοι ἀλλήλων καὶ χαριζόμενοι ἑαυτοῖς ἐάν τις πρός τινα ἔχῃ μομφήν· καθὼς καὶ ὁ κύριος ἐχαρίσατο ὑμῖν, οὕτως καὶ ὑμεῖς· 14 ἐπὶ πᾶσιν δὲ τούτοις τὴν ἀγάπην, ὅ ἐστιν σύνδεσμος τῆς τελειότητος. 15 καὶ ἡ εἰρήνη τοῦ Χριστοῦ βραβευέτω ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν, εἰς ἣν καὶ ἐκλήθητε ἐν ἑνὶ σώματι· καὶ εὐχάριστοι γίνεσθε. 16 Ὁ λόγος τοῦ Χριστοῦ ἐνοικείτω ἐν ὑμῖν πλουσίως, ἐν πάσῃ σοφίᾳ διδάσκοντες καὶ νουθετοῦντες ἑαυτούς, ψαλμοῖς ὕμνοις ᾠδαῖς πνευματικαῖς ἐν [τῇ] χάριτι ᾄδοντες ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν τῷ θεῷ· 17 καὶ πᾶν ὅ τι ἐὰν ποιῆτε ἐν λόγῳ ἢ ἐν ἔργῳ, πάντα ἐν ὀνόματι κυρίου Ἰησοῦ, εὐχαριστοῦντες τῷ θεῷ πατρὶ δι’ αὐτοῦ. 18 Αἱ γυναῖκες, ὑποτάσσεσθε τοῖς ἀνδράσιν ὡς ἀνῆκεν ἐν κυρίῳ. 19 Οἱ ἄνδρες, ἀγαπᾶτε τὰς γυναῖκας καὶ μὴ πικραίνεσθε πρὸς αὐτάς. 20 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν κατὰ πάντα, τοῦτο γὰρ εὐάρεστόν ἐστιν ἐν κυρίῳ. 21 Οἱ πατέρες, μὴ ἐρεθίζετε τὰ τέκνα ὑμῶν, ἵνα μὴ ἀθυμῶσιν. 22 Οἱ δοῦλοι, ὑπακούετε κατὰ πάντα τοῖς κατὰ σάρκα κυρίοις, μὴ ἐν ὀφθαλμοδουλίᾳ ὡς ἀνθρωπάρεσκοι, ἀλλ’ ἐν ἁπλότητι καρδίας φοβούμενοι τὸν κύριον. 23 ὃ ἐὰν ποιῆτε, ἐκ ψυχῆς ἐργάζεσθε ὡς τῷ κυρίῳ καὶ οὐκ ἀνθρώποις, 24 εἰδότες ὅτι ἀπὸ κυρίου ἀπολήμψεσθε τὴν ἀνταπόδοσιν τῆς κληρονομίας. τῷ κυρίῳ Χριστῷ δουλεύετε· 25 ὁ γὰρ ἀδικῶν κομίσεται ὃ ἠδίκησεν, καὶ οὐκ ἔστιν προσωπολημψία. A. Diese Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (3,11) Post οὐκ ἔνι add ἄρσεν καὶ θῆλυ in 06*, 010, 012, 629, it, vg s , Hil, Ambr hinzu. ♦ (3,13) Anstelle von μομφή findet sich die Variante μέμψις in 06*, die weitere Variante ὀργή in 010, 012. ♦ (3,14) Anstelle von τελειότης steht die Variante ἑνότης in 06*, 010, 012, it, vg mss , Ambst. ♦ (3,23) Die Zeugen 104, 326, Cl setzen dem Vers vorweg: καὶ πᾶν ὅ; die Zeugen 01 2 , 075, 0278: πᾶν ὅ; die Zeugen 06 1 , 018, 020, 630, M: καὶ πᾶν ὅ τι; die Zeugen 044, 1505, (sy h ): πᾶν ὅ τι; der von 8 (Kol) 561 <?page no="562"?> 19 P.N. Harrison, Paulines and Pastorales (1964), 65-78; F.F. Bruce, The Epistles to the Colossians, to Philemon, and to the Ephesians (1984), 31. 20 Dieser Vergleich ist das Beispiel der deutlichsten Parallele zwischen *Laod/ Eph und Kol. Er kann hier nur paradigmatisch angeführt werden. Eine Untersuchung aller paralleler Passagen zwischen *Laod/ Eph und *Kol/ Kol ist einer künftigen Studie vorbehalten. NA 28 gewählte Text begegnet in den Zeugen P 46 , 01*, 02, 03, 04, 06* .c , 010, 012, 33, 81, 365, 1175, 1241 s , 1739, 1881, 2464. C. 1. (3,11-25) Nach übereinstimmendem Urteil aller Editoren, sind diese Verse und der Vers 4,1 unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. BeDuhn sieht aus dem narrativen Zusammenhang folgenden Text präsent: 12 [Ἐνδύσασθε οὖν, ὡς ἐκλεκτοὶ τοῦ θεοῦ ἅγιοι καὶ ἠγαπημένοι, σπλάγχνα οἰκτιρμοῦ χρηστότητα ταπεινοφροσύνην πραΰτητα μακροθυμίαν … 14 ἐπὶ πᾶσιν δὲ τούτοις τὴν ἀγάπην, ὅ ἐστιν σύνδεσμος τῆς τελειότητος-…]. 2. (3,11) Zunächst ist zu diesem Vers die Dublette zu dem ebenfalls für die vorkanonische Fassung unbezeugten Vers Gal 3,28 zu vermerken: οὐκ ἔνι Ἰουδαῖος οὐδὲ Ελλην, οὐκ ἔνι δοῦλος οὐδὲ ἐλεύθερος, οὐκ ἔνι ἄρσεν καὶ θῆλυ: πάντες γὰρ ὑμεῖς εἷς ἐστε ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. Auch die Parallele zu dem ebenfalls auf der kanonischen Ebene stehenden Vers Röm 1,14: Ελλησίν τε καὶ βαρβάροις, σοφοῖς τε καὶ ἀνοήτοις ὀφειλέτης εἰμί. Nimmt man die Ergänzung in Kol 3,11 nach dem anfänglichen οὐκ ἔνι aus den Zeugen 06*, 010, 012, 629, it, vg s , Hil, Ambr hinzu, die hier ἄρσεν καὶ θῆλυ einfügen, ist der komplette Vers aus Gal 3,28 aufgenommen und ergänzt mit vier weiteren Stücken, das erste auch als Paar gestaltet, welches Röm 1,14 mit Gal 3,28 und dieser Kolosserstelle hier verknüpft. Nicht nur die Duplikation, sondern auch die Herstellung solcher intertextueller Verknüpfungen ist ein Merkmal der kanonischen Redaktion, wie in der Einleitung, Band I, gezeigt wird. 3. (3,14) Nachdem Vers 12 eine Parallele zu Eph 4,2 bietet, weist dieser Vers eine Nähe zu Eph 4,3 auf. 19 4. (3,14-16) Nach P.N. Harrison sind diese Verse eine Interpolation. 4. (3,16) Wenn es nach dem vorkanonisch in *Laod 5,19 bezeugten ᾄδοντες auf kanonischer Ebene in Eph 5,19 weiters heißt: καὶ ψάλλοντες τῇ καρδίᾳ ὑμῶν τῷ κυρίῳ, so hat auch dies seine Parallele mit Kol 3,16 (ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν τῷ θεῷ). 5. (3,18-4,1) Zu dieser Passage beachte man folgenden Vergleich: 20 562 Rekonstruktion <?page no="563"?> *Laod 5,22-6,9 Eph 5,21-6,10 Kol 3,18-4,1 --5,22 αἱ γυναῖκες τοῖς ἀνδράσιν ὑποτάσσεσθε, 23 ὅτι ἀνήρ ἐστιν κεφαλὴ τῆς γυναικὸς ὡς καὶ ὁ Χριστὸς κεφαλὴ τῆς ἐκκλησίας· 5,21 Ὑποτασσόμενοι ἀλλήλοις ἐν φόβῳ Χριστοῦ 22 αἱ γυναῖκες τοῖς ἰδίοις ἀνδράσιν ὡς τῷ κυρίῳ, 23 ὅτι ἀνήρ ἐστιν κεφαλὴ τῆς γυναικὸς ὡς καὶ ὁ Χριστὸς κεφαλὴ τῆς ἐκκλησίας, αὐτὸς σωτὴρ τοῦ σώματος· --3,18 Αἱ γυναῖκες, ὑποτάσσεσθε τοῖς ἀνδράσιν ὡς ἀνῆκεν ἐν κυρίῳ. ------25 καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς ἠγάπησεν τὴν ἐκκλησίαν 24 ἀλλ’ ὡς ἡ ἐκκλησία ὑποτάσσεται τῷ Χριστῷ, οὕτως καὶ αἱ γυναῖκες τοῖς ἀνδράσιν ἐν παντί. 25 Οἱ ἄνδρες, ἀγαπᾶτε τὰς γυναῖκας, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς ἠγάπησεν τὴν ἐκκλησίαν καὶ ἑαυτὸν παρέδωκεν ὑπὲρ αὐτῆς, 26 ἵνα αὐτὴν ἁγιάσῃ καθαρίσας τῷ λουτρῷ τοῦ ὕδατος ἐν ῥήματι, 27 ἵνα παραστήσῃ αὐτὸς ἑαυτῷ ἔνδοξον τὴν ἐκκλησίαν, μὴ ἔχουσαν σπίλον ἢ ῥυτίδα ἤ τι τῶν τοιούτων, ἀλλ’ ἵνα ᾖ ἁγία καὶ ἄμωμος. ----19 Οἱ ἄνδρες, ἀγαπᾶτε τὰς γυναῖκας καὶ μὴ πικραίνεσθε πρὸς αὐτάς. 28 καὶ οἱ ἄνδρες ὀφείλουσιν ἀγαπᾶν τὰς ἑαυτῶν γυναῖκας. ὁ ἀγαπῶν τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα τὴν ἑαυτοῦ σάρκα ἀγαπᾷ. 28 οὕτως ὀφείλουσιν καὶ οἱ ἄνδρες ἀγαπᾶν τὰς ἑαυτῶν γυναῖκας ὡς τὰ ἑαυτῶν σώματα. ὁ ἀγαπῶν τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα ἑαυτὸν ἀγαπᾷ. - 29 Οὐδεὶς γάρ ποτε τὴν ἑαυτοῦ σάρκα μισεῖ ἀλλ’ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν. 29 Οὐδεὶς γάρ ποτε τὴν ἑαυτοῦ σάρκα ἐμίσησεν ἀλλ’ ἐκτρέφει καὶ θάλπει αὐτήν, καθὼς καὶ ὁ Χριστὸς τὴν ἐκκλησίαν, - 30 ὅτι μέλη ἐσμὲν τοῦ σώματος αὐτοῦ ἐκ τὴς σαρκὸς αὐτοῦ καὶ ἐκ τῶν ὀστέων αὐτοῦ, 30 ὅτι μέλη ἐσμὲν τοῦ σώματος αὐτοῦ. - 31 ἀντὶ τοῦ καταλείψει ἄνθρωπος πατέρα καὶ μητέρα, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. 32 τὸ μυστήριον τοῦτο μέγα ἐστίν· ἐγὼ δὲ 31 ἀντὶ τούτου καταλείψει ἄνθρωπος τὸν πατέρα καὶ τὴν μητέρα καὶ προσκολληθήσεται πρὸς τὴν γυναῖκα αὐτοῦ, καὶ ἔσονται οἱ δύο εἰς σάρκα μίαν. 32 τὸ - 8 (Kol) 563 <?page no="564"?> λέγω εἰς Χριστὸν καὶ ἐκκλησίαν. μυστήριον τοῦτο μέγα ἐστίν· ἐγὼ δὲ λέγω εἰς Χριστὸν καὶ εἰς τὴν ἐκκλησίαν. - 33 πλὴν καὶ ὑμεῖς οἱ καθ’ ἕνα, ἕκαστος τὴν ἑαυτοῦ γυναῖκα οὕτως ἀγαπάτω ὡς ἑαυτόν, ἡ δὲ γυνὴ ἵνα φοβῆται τὸν ἄνδρα. - 6,1 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν ὑμῶν· 2 τίμα τὸν πατέρα καὶ τὴν μητέρα. -4 Καὶ οἱ πατέρες, ἐκτρέφετε τὰ τέκνα ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου. 6,1 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν ὑμῶν ἐν κυρίῳ· τοῦτο γάρ ἐστιν δίκαιον. 2 τίμα τὸν πατέρα σου καὶ τὴν μητέρα, ἥτις ἐστὶν ἐντολὴ πρώτη ἐν ἐπαγγελίᾳ, 3 ἵνα εὖ σοι γένηται καὶ ἔσῃ μακροχρόνιος ἐπὶ τῆς γῆς. 4 Καὶ οἱ πατέρες, μὴ παροργίζετε τὰ τέκνα ὑμῶν ἀλλ’ ἐκτρέφετε αὐτὰ ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου. 20 Τὰ τέκνα, ὑπακούετε τοῖς γονεῦσιν κατὰ πάντα, τοῦτο γὰρ εὐάρεστόν ἐστιν ἐν κυρίῳ. ---21 Οἱ πατέρες, -μὴ ἐρεθίζετε τὰ τέκνα ὑμῶν, ἵνα μὴ ἀθυμῶσιν. - 5 Οἱ δοῦλοι, ὑπακούετε τοῖς κατὰ σάρκα κυρίοις μετὰ φόβου καὶ τρόμου ἐν ἁπλότητι τῆς καρδίας ὑμῶν ὡς τῷ Χριστῷ, 6 μὴ κατ’ ὀφθαλμοδουλίαν ὡς ἀνθρωπάρεσκοι ἀλλ’ ὡς δοῦλοι Χριστοῦ ποιοῦντες τὸ θέλημα τοῦ θεοῦ ἐκ ψυχῆς, 7 μετ’ εὐνοίας δουλεύοντες ὡς τῷ κυρίῳ καὶ οὐκ ἀνθρώποις, 8 εἰδότες ὅτι ἕκαστος ἐάν τι ποιήσῃ ἀγαθόν, τοῦτο κομίσεται παρὰ κυρίου εἴτε δοῦλος εἴτε ἐλεύθερος. 9 Καὶ οἱ κύριοι, τὰ αὐτὰ ποιεῖτε πρὸς αὐτούς, ἀνιέντες τὴν ἀπειλήν, εἰδότες ὅτι καὶ αὐτῶν καὶ ὑμῶν ὁ κύριός ἐστιν ἐν οὐρανοῖς καὶ προσωπολημψία οὐκ ἔστιν παρ’ αὐτῷ. 10 Τοῦ λοιποῦ, ἐνδυναμοῦσθε ἐν κυρίῳ καὶ ἐν τῷ κράτει τῆς ἰσχύος αὐτοῦ. 22 Οἱ δοῦλοι, ὑπακούετε κατὰ πάντα τοῖς κατὰ σάρκα κυρίοις, μὴ ἐν ὀφθαλμοδουλίᾳ ὡς ἀνθρωπάρεσκοι, ἀλλ’ ἐν ἁπλότητι καρδίας φοβούμενοι τὸν κύριον. 23 ὃ ἐὰν ποιῆτε, ἐκ ψυχῆς ἐργάζεσθε ὡς τῷ κυρίῳ καὶ οὐκ ἀνθρώποις, 24 εἰδότες ὅτι ἀπὸ κυρίου ἀπολήμψεσθε τὴν ἀνταπόδοσιν τῆς κληρονομίας. τῷ κυρίῳ Χριστῷ δουλεύετε· 25 ὁ γὰρ ἀδικῶν κομίσεται ὃ ἠδίκησεν, καὶ οὐκ ἔστιν προσωπολημψία. -1 Οἱ κύριοι, τὸ δίκαιον καὶ τὴν ἰσότητα τοῖς δούλοις παρέχεσθε, εἰδότες ὅτι καὶ ὑμεῖς ἔχετε κύριον ἐν οὐρανῷ. Diesem Vergleich lässt sich entnehmen, dass bei der Redaktion von *Kol zu Kol nicht nur Eph vorgelegen war, sondern auch *Laod. Dies ergibt sich gleich in der Eröffnung durch die größere Nähe von Kol 3,18 zu *Laod 5,22 (man bemerke das 564 Rekonstruktion <?page no="565"?> Fehlen von τοῖς ἰδίοις in Kol 3,18) im Vergleich zu Eph 5,22. Dann aber fällt auf, dass sowohl die Redaktion von Eph wie Kol sich dieser Vorlage verschieden be‐ dienen. Während Eph der Vorlage weiter folgt, was die theologischen Aussagen betrifft, und diese weithin integriert und mit eigenen Überlegungen ergänzt, meidet Kol die meisten dieser theologischen Begründungen aus *Laod, aber auch solche aus Eph. An die Stelle von theologischen Argumenten wird in Kol nur eingangs kurz darauf verwiesen, dass „es sich im Herrn gebührt“ (z.T. in Übereinstimmung mit Eph), dass Frauen sich den Männern unterordnen. Weiter werden sozial-anthropologische Argumente gesetzt. Männer sollen nicht „bitter“ gegenüber den Frauen sein, Kinder sollen ihren Eltern gehorchen, weil es „im Herrn wohlgefällig“ sei (εὐάρεστόν ἐστιν, während *Laod und Eph hier δίκαιον schreiben), Väter sollen ihre Kinder nicht „kränken“, damit diese nicht „verzagen“. Kol steht lediglich parallel zu der längeren Passage von Eph 6,5-9, in welcher keine großen theologischen Ausführungen gemacht werden. Gleichwohl macht die Redaktion von Kol größeren Gebrauch von Eph als von *Laod, wie sich dies gerade an dieser Parallelpassage Eph 6,5-9/ / Kol 3,22-4,1 zeigt; solches lässt sich aber auch etwa an Eph 6,4 und Kol 3,21 zeigen, wo das ἐρεθίζετε aus Kol dem παροργίζετε nahesteht, hingegen die zwischen *Laod und Eph parallele Formulierung ἐν παιδείᾳ καὶ νουθεσίᾳ κυρίου in Kol übergangen wird. Der eigenständige Charakter von Kol zeigt sich auch in weiteren Auslassungen in Kol gegenüber *Laod/ / Eph, etwa das Weglassen der Ehrung von Vater und Mutter. Hatte die Redaktion von Eph diesen Gedanken aus *Laod 6,2 geradezu verstärkt und biblisch untermauernd als das erste Gebot bezeichnet, fehlt es in Kol. Vermutlich hängt dies mit dem weiteren Anstoß zusammen, den die Redaktion von Kol beseitigt hat, nämlich die von *Laod als großes Geheimnis bezeichnete Antithese zwischen dem Gliedsein am Leib Christi, der Kirche, und dem biblisch begründeten Verlassen von Vater und Mutter und Einswerden im Fleisch, ein Geheimnis, das *Laod ausdrücklich nicht auf das Einssein von Mann und Frau, sondern auf Christus und Kirche bezieht. Weggelassen wird in Kol auch die Korrektur dieser Antithese, die nun das Einssein von Mann und Frau als das große Geheimnis liest - wobei das im Text von Eph 5,32 verbliebene ἐγὼ δὲ λέγω noch die ursprünglich Lesart dieser Passage andeutet, die sich als Gegenrede zum vorkanonischen Text erweist. Mag sein, dass sich die Redaktion von Kol mit diesem wie auch mit den anderen theologischen Themen nicht beschäftigen wollte, denn es fehlt in Kol auch jeder Bezug zur ἐκκλησία, der sowohl in *Laod wie in Eph prominent ist. Umgekehrt führt die Redaktion von Kol gerade die sozial-anthropologischen Aspekte weiter, indem etwa im Verhältnis zwischen Herren und Sklaven nicht mehr nur wie in Eph allgemein formuliert wird (οἱ κύριοι, τὰ αὐτὰ ποιεῖτε 8 (Kol) 565 <?page no="566"?> πρὸς αὐτούς [nämlich den Sklaven]), sondern ausdrücklich angemahnt wird, die Herren sollen den Sklaven τὸ δίκαιον καὶ τὴν ἰσότητα bereiten, um dann allerdings drastisch Eph einzuschränken, wenn der Herr im Himmel nur noch als ein solcher der Herren, nicht aber mehr wie in Eph der Herr der Herren und Sklaven bezeichnet wird. D. (3,11) ὅπου, das 84 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,57. ♦ Die Kombination ὅπου οὐκ steht 7 Mal im NT, nur an dieser Stelle hier als Verseröffnung (3 Mal Mt; 2 Mal Mk, Joh 21,18; Kol 3,11), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἕλλην, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,3; *1Kor 1,22. ♦ Ἰουδαῖος, das 250 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,24; *1Kor 9,20; 15,20; *Röm 1,16; 2,29; *1Thess 2,14. ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ ἀκροβυστία, das 22 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,25. 27; *Laod 2,11. ♦ βάρβαρος steht 6 Mal im NT und findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Σκύθης ist Hapax legomenon im NT, begegnet aber etwa in der LXX (RiB 1,27, RiA 1,27, Jdt 3,10, 2Makk 4,47; 12,29; 3Makk 7,5). ♦ ἐλεύθερος, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,22. 23. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, jedoch als Bezeichnung von Menschen weniger häufig begegnet (also nicht mit Blick auf Christus), vgl. die vorkanonische Bezeugung in *2Kor 4,5. ♦ Die Formulierung τὰ πάντα ἐν πᾶσιν begegnet wieder in 1Kor 12,6; 15,28; Eph 1,23, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅπου οὐκ; βάρβαρος; τὰ πάντα ἐν πᾶσιν. (3,12) Hier wird der vorkanonisch bezeugte Vers 9 aufgegriffen, vgl. darum zu ἐνδύω, das 30 / 27 Mal im NT steht, ebendort. ♦ ἐκλεκτός, das 24 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,7. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. ♦ Als Bezeichnung Christi findet sich ἠγαπημένος in dieser Perfektform in *Laod 1,7, für die Bezeichnung von Menschen gibt es für sie jedoch nur kanonische Belege (Röm 9,25; 1Thess 1,4; 2Thess 2,13). ♦ σπλάγχνον, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκτιρμός, das 7 / 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,36; *2Kor 1,3. ♦ Auf dieselbe Eph 4,2 Stelle führen die nächsten drei Begriffe, auch in derselben Reihenfolge: ταπεινοφροσύνη, πραΰτης, μακροθυμία. ♦ ταπεινοφροσύνη, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,18. ♦ πραΰτης, das 22 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich 566 Rekonstruktion <?page no="567"?> für die kanonische Ebene belegt ist. ♦ μακροθυμία steht 14 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἠγαπημένος; σπλάγχνον; πραΰτης; μακροθυμία. (3,13) ἀνέχω, das sich 17 / 15 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,41. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. ♦ τινα (Nom. / Akk. Neut. oder Akk. Fem. / Mask. Sg.), das 46 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐάν τις steht 33 Mal im NT, etwa Lk 16,31, in einem Vers, der in *Ev fehlt (und überhaupt in *Ev nur bezeugt wird durch Adamantius), und findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἔχῃ steht 11 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μομφή ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Variante μέμψις ist sonst im NT nicht bezeugt, während der verwandte Terminus μεμψίμοιρος auf kanonischer Ebene in Jud 1,16 steht. ♦ Die weitere Variante ὀργή steht 37 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,18; *Laod 2,3. ♦ Die Kombination καθὼς καί steht 28 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,1; *1Kor 14,21b [= 1Kor 14,34]; *1Thess 2,14; *Laod 5,25, vgl. zu Röm 1,13. ♦ Der Ausdruck ὁ κύριος, der 108 Mal im NT steht, wurde bereits von Klinghardt als typisches Merkmal der kanonischen Redaktion erkannt, vgl. die Einleitung zu der vorliegenden Studie. ♦ Die Kombination οὕτως καὶ ὑμεῖς steht 12 Mal im NT, 8 Mal davon als Verseröffnung, vorkanonisch als solche bezeugt in *Ev 21,31. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τινα; ἐάν τις; ἔχῃ; οὕτως καὶ ὑμεῖς im Vers. (3,14) Die Wendung ἐπὶ πᾶσιν steht 8 Mal im NT (Mt 24,47; Lk 2,20; 3,20, in zwei Versen, die in *Ev fehlen; 9,43; 12,44; 13,17; 24,25; Kol 3,14), nur an vorliegender Stelle als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σύνδεσμος, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene (auch in Eph 4,3). ♦ τελειότης steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Hebr 6,1. ♦ Die Variante ἑνότης steht zwei weitere Male im NT, und zwar auf der kanonischen Ebene (Eph 4,3. 13). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐπὶ πᾶσιν; σύνδεσμος; τελειότης/ ἑνότης. (3,15) εἰρήνη, das sich 98 / 92 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ βραβεύω ist Hapax legomenon im NT, so auch das Kol 2,18 stehende verwandte Kompositum καταβραβεύω. ♦ Die Wendung 8 (Kol) 567 <?page no="568"?> ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 3,17. ♦ καλέω, das 173 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐκλήθητε steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 5,13. ♦ εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. εὐχάριστος, das 3 Mal im NT begegnet, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν; ἐκλήθητε. Semantik von εὐχαριστέω. (3,16) Die Wendung ὁ λόγος τοῦ Χριστοῦ steht nur hier im NT. ♦ ἐνοικέω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,16. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das Adverb πλουσίως steht 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9. ♦ διδάσκω steht 102 / 97 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,12; *Röm 2,21. ♦ νουθετέω, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die nachfolgende Liste von drei Termini gibt uns einen wichtigen Aufschluss zur kanonischen Zugehörigkeit auch dieser Kolosserstelle. Denn es finden sich die beiden ersten Termini zunächst auch in derselben Reihenfolge parallel zu *Laod 5,19: ἐν ψαλμοῖς καὶ ὕμνοις, doch nur auf der kanonischen Ebene von Eph 5,19 wird hinzugefügt καὶ ᾠδαῖς πνευματικαῖς, so dass sich die Dreierliste ergibt, die uns auch an dieser Stelle in Kol 3,16 vorliegt. ♦ ψαλμός, das 8 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 14,26; *Laod 5,19. ♦ ὕμνος steht noch 1 weiteres Mal im NT, eben an der hier erwähnten vorkanonisch bezeugten Stelle *Laod 5,19. ♦ ᾠδή, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πνευματικός, das 28 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,3. 4; 12,1; 14,1; 15,46; *Röm 7,14; *Laod 6,12. ♦ ἀείδω, das 14 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Wendung ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 3,17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν ὑμῖν; πλουσίως; νουθετέω; ᾠδή; ἀείδω; χάριτι; ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν. (3,17) Die Kombination καὶ πᾶν steht 9 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 10,5. ♦ Die Kombination ὅ τι ἐάν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,2. ♦ Die Kombination ἐν λόγῳ steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 4,20. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ ὄνομα, das 568 Rekonstruktion <?page no="569"?> 248 / 231 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 2,24, und, auf den Herrn bezogen (τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ), ein Begriff der kanonischen Redaktion ist. ♦ Zu εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 15. ♦ Die Wendung τῷ θεῷ πατρί steht noch 1 weiteres Mal in Kol 1,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ πᾶν; ὅ τι ἐάν; ἐν λόγῳ; Verwendung von ὄνομα; τῷ θεῷ πατρί. (3,18-4,1) Verse 18-4,1: Hier liegt, wie lange bekannt ist, eine direkte Parallele zu Eph 5,22-6,9 vor. Zur Lexik, siehe dort. Es folgen lediglich solche Elemente, die in Eph nicht behandelt wurden. (3,18) ἀνήρ, das 227 / 216 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 7,10. 11; 11,3. 7. 8; *Laod 5,22. 23. ♦ ἀνίημι, das 6 / 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. (3,19) Zu ἀνήρ vgl. zum voranstehenden Vers 18. ♦ πικραίνω steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur noch sonst in der Apokalypse. ♦ αὐτάς steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. (3,20) εὐάρεστος, das 10 / 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der paulinisch-kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. (3,21) ἐρεθίζω, das 2 Mal im NT steht, findet sich auch das andere Mal auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀθυμέω ist Hapax legomenon im NT. (3,23) Zu πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 17. ♦ ἐργάζομαι, das 51 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 6,10; *2Kor 11,13. (3,24) ἀπολαμβάνω, das 14 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,38. ♦ ἀνταπόδοσις begegnet noch 1 Mal als variante Lesart in Röm 2,5. ♦ κληρονομία, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,18. ♦ ἀδικέω, das 32 / 28 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. (4,1) δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ ἰσότης, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ παρέχω, das 17 / 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Wie der lexikalische Vergleich mit den vielfachen Elementen in jedem der Verse ergibt, handelt es sich bei der gesamten Passage um ein Produkt der kanonischen Redaktion, die vorkanonisch gefehlt hat. 8 (Kol) 569 <?page no="570"?> [Kapitel 4] [4],[1-9]: [Ermahnungen] In dieser vorkanonisch unbezeugten Passage gibt der kanonische Paulus Ermah‐ nungen, wobei, wie bereits öfters, seine Autorität gepaart wird mit zwiespältigen Wünschen, die diese Autorität wieder infrage stellen (Vers 3-4: „3 Betet auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffnet für das Wort und wir vom Geheimnis Christi sprechen können, um dessentwillen ich im Gefängnis bin; 4 betet, damit ich es so kundtue, wie davon zu sprechen meine Pflicht ist! “). - 4,1 Οἱ κύριοι, τὸ δίκαιον καὶ τὴν ἰσότητα τοῖς δούλοις παρέχεσθε, εἰδότες ὅτι καὶ ὑμεῖς ἔχετε κύριον ἐν οὐρανῷ. - 2 Τῇ προσευχῇ προσκαρτερεῖτε, γρηγοροῦντες ἐν αὐτῇ ἐν εὐχαριστίᾳ, 3 προσευχόμενοι ἅμα καὶ περὶ ἡμῶν, ἵνα ὁ θεὸς ἀνοίξῃ ἡμῖν θύραν τοῦ λόγου λαλῆσαι τὸ μυστήριον τοῦ Χριστοῦ, δι’ ὃ καὶ δέδεμαι, 4 ἵνα φανερώσω αὐτὸ ὡς δεῖ με λαλῆσαι. 5 Ἐν σοφίᾳ περιπατεῖτε πρὸς τοὺς ἔξω τὸν καιρὸν ἐξαγοραζόμενοι. 6 ὁ λόγος ὑμῶν πάντοτε ἐν χάριτι, ἅλατι ἠρτυμένος, εἰδέναι πῶς δεῖ ὑμᾶς ἑνὶ ἑκάστῳ ἀποκρίνεσθαι. 7 Τὰ κατ’ ἐμὲ πάντα γνωρίσει ὑμῖν Τύχικος ὁ ἀγαπητὸς ἀδελφὸς καὶ πιστὸς διάκονος καὶ σύνδουλος ἐν κυρίῳ, 8 ὃν ἔπεμψα πρὸς ὑμᾶς εἰς αὐτὸ τοῦτο, ἵνα γνῶτε τὰ περὶ ἡμῶν καὶ παρακαλέσῃ τὰς καρδίας ὑμῶν, 9 σὺν Ὀνησίμῳ τῷ πιστῷ καὶ ἀγαπητῷ ἀδελφῷ, ὅς ἐστιν ἐξ ὑμῶν· πάντα ὑμῖν γνωρίσουσιν τὰ ὧδε. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (4,1) Zu diesem Vers vergleiche man die Ausführungen zum voranste‐ henden Kapitel, den Versen 11-25. 2. (4,2-9) Nach übereinstimmender Meinung aller Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 3. (4,3) Nach A. Standhartinger spricht dieser Vers zwar von der Freilassung des Wortes, nicht aber von der des Paulus, weshalb sie annimmt, dass der Vers die 570 Rekonstruktion <?page no="571"?> 21 A. Standhartinger, Studien zur Entstehungsgeschichte und Intention des Kolosserbriefs (1999), 3; A. Taschl-Erber, Zwischen Römer- und Epheserbrief. Zur Kontextualisierung des Kolosserbriefs (2021), 136. Kenntnis vom Tod des Paulus voraussetzt, was A. Taschl-Erber „die imaginierte Abfassungssituation“ nennt. 21 4. (4,7-8) Man bemerke die unmittelbare Parallele auf der kanonischen Ebene in Eph 6,21-22: 21… πάντα γνωρίσει ὑμῖν Τύχικος ὁ ἀγαπητὸς ἀδελφὸς καὶ πιστὸς διάκονος ἐν κυρίῳ 22 ὃν ἔπεμψα πρὸς ὑμᾶς εἰς αὐτὸ τοῦτο, ἵνα γνῶτε τὰ περὶ ἡμῶν καὶ παρακαλέσῃ τὰς καρδίας ὑμῶν. D. (4,1) Der Ausdruck οἱ κύριοι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 6,9. ♦ δίκαιος steht 84 / 79 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ ἰσότης steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, jedoch als Bezeichnung von Menschen weniger häufig begegnet (also nicht mit Blick auf Christus), vgl. die vorkanonische Bezeugung in *2Kor 4,5. ♦ παρέχω steht 17 / 16 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form εἰδότες begegnet 26 Mal im NT, davon 8 Mal als Verseröffnung, jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,11. ♦ Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; *Laod 1,10; *Kol 1,5; *Phil 3,20. ♦ Die Form ἐν οὐρανῷ steht 12 Mal im NT, Lk 11,2, in einem Vers, der in *Ev fehlt, 19,38, wo der Vers nicht für *Ev bezeugt ist, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 8,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οἱ κύριοι; παρέχω; εἰδότες; εἰδότες ὅτι. (4,2) προσευχή, das 42 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,12. Das verwandte προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15, vgl. den nachfolgenden Vers 3. ♦ προσκαρτερέω, das 11 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apostelgeschichte (auch Eph 6,18). ♦ γρηγορέω, das 23 / 22 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτῇ (Dat. Fem. Sg.), das 101 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,29; 12,12. ♦ εὐχαριστία, das 15 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: προσκαρτερέω; γρηγορέω; εὐχαριστία. 8 (Kol) 571 <?page no="572"?> (4,3) Zu προσεύχομαι vgl. zum voranstehenden Vers 2. ♦ ἅμα, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination περὶ ἡμῶν steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 1,9. ♦ Die Kombination ἵνα ὁ θεός steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, Eph 1,17, auf der kanonischen Ebene, könnte dort aber vorkanonisch gestanden sein. ♦ ἀνοίγνυμι, das 102 / 77 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,9; *Laod 6,19. ♦ θύρα, das 40 / 39 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μυστήριον, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,1. 7; *Laod 1,9; 3,9; 5,32; 6,19. ♦ Die Wendung τὸ μυστήριον + τοῦ Χριστοῦ steht 1 weiteres Mal in Eph 3,4. ♦ δέω steht 112 / 43 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,25. 53; *2Kor 5,10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἅμα; θύρα; τὸ μυστήριον + τοῦ Χριστοῦ. (4,4) φανερόω, das 54 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,14; 3,3; 4,10. 11; 5,10; *Röm 3,21; *Kol 3,4. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13, vgl. weiter Vers 8. ♦ Die nicht mehr bezeugte Wendung ὡς δεῖ με λαλῆσαι steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Eph 6,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὡς δεῖ με λαλῆσαι. (4,5) Die Kombination ἐν σοφίᾳ steht 4 Mal im NT, davon hier als Verseröffnung, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 2,5. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ ἔξω, das 69 / 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,20; 13,28; *2Kor 4,16. ♦ Die Wendung πρὸς τοὺς ἔξω steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 1Thess 4,12 (περιπατῆτε εὐσχημόνως πρὸς τοὺς ἔξω). ♦ καιρός, das 90 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,10; 6,9. 10; *1Kor 7,29; *Röm 5,6. ♦ ἐξαγοράζω, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν σοφίᾳ; πρὸς τοὺς ἔξω. Man bemerke den Terminus περιπατέω, der ausschließlich für *Laod vorkanonisch bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (4,6) Die Wendung ὁ λόγος ὑμῶν steht 1 weiteres Mal im NT, Mt 5,37. ♦ πάντοτε, das 42 / 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form χάριτι steht 24 Mal im NT und findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ ἅλας steht 8 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene 572 Rekonstruktion <?page no="573"?> bezeugt. ♦ ἀρτύω steht 3 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8. ♦ Die Kombination δεῖ ὑμᾶς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 4,1. ♦ Die Wendung ἑνὶ ἑκάστῳ steht 1 weiteres Mal im NT, in Lk 4,40. ♦ ἀποκρίνω steht 265 / 232 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ λόγος ὑμῶν; πάντοτε; χάριτι; ἅλας; ἀρτύω; ἑνὶ ἑκάστῳ; ἀποκρίνω. (4,7-8): Wegen der Parallele zu Eph 6,21-22, vgl. zur Lexik dort; die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). (4,9) Ὀνήσιμος findet sich nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene in Phlm 1,10, allerdings ist er bezeugt durch den markionitischen Prolog zu diesem Brief. ♦ πιστός steht 69 / 67 Mal im NT, vorkanonisch nur negativ bezeugt für *Ev 16,11. 12, als positive (und negative) Charakterisierung steht es nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apg und den Pseudopaulinen. ♦ Die Kombination ἀγαπητός + ἀδελφός steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 6,21; Kol 4,7. 9). ♦ Die Wendung ἐστιν ἐξ ὑμῶν steht 1 weiteres Mal im NT, Mt 7,9. ♦ ὧδε, das 71 Mal im NT steht, ist 1 Mal vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von πιστός; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; ἀγαπητός + ἀδελφός; ἐστιν ἐξ ὑμῶν. Der lexikalische Vergleich dieser vorkanonisch unbezeugten Passage stützt die Zuweisung derselben zur kanonischen Redaktion und die Abwesenheit dieser Verse vom vorkanonischen Text. [4],[10-18]: [Schlussgrüße] Die nachfolgenden Verse sind vorkanonisch unbezeugt und, wie die Lexik erweist, Produkt der kanonischen Redaktion und vorkanonisch nicht vor‐ handen. 8 (Kol) 573 <?page no="574"?> 10 Ἀσπάζεται ὑμᾶς Ἀρίσταρχος ὁ συναιχμάλωτός μου καὶ Μᾶρκος ὁ ἀνεψιὸς Βαρναβᾶ (περὶ οὗ ἐλάβετε ἐντολάς, ἐὰν ἔλθῃ πρὸς ὑμᾶς, δέξασθε αὐτόν) 11 καὶ Ἰησοῦς ὁ λεγόμενος Ἰοῦστος, οἱ ὄντες ἐκ περιτομῆς, οὗτοι μόνοι συνεργοὶ εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ, οἵτινες ἐγενήθησάν μοι παρηγορία. 12 ἀσπάζεται ὑμᾶς Ἐπαφρᾶς ὁ ἐξ ὑμῶν, δοῦλος Χριστοῦ [Ἰησοῦ], πάντοτε ἀγωνιζόμενος ὑπὲρ ὑμῶν ἐν ταῖς προσευχαῖς, ἵνα σταθῆτε τέλειοι καὶ πεπληροφορημένοι ἐν παντὶ θελήματι τοῦ θεοῦ. 13 μαρτυρῶ γὰρ αὐτῷ ὅτι ἔχει πολὺν πόνον ὑπὲρ ὑμῶν καὶ τῶν ἐν Λαοδικείᾳ καὶ τῶν ἐν Ἱεραπόλει. 14 ἀσπάζεται ὑμᾶς Λουκᾶς ὁ ἰατρὸς ὁ ἀγαπητὸς καὶ Δημᾶς. - 15 Ἀσπάσασθε τοὺς ἐν Λαοδικείᾳ ἀδελφοὺς καὶ Νύμφαν καὶ τὴν κατ’ οἶκον αὐτῆς ἐκκλησίαν. 16 καὶ ὅταν ἀναγνωσθῇ παρ’ ὑμῖν ἡ ἐπιστολή, ποιήσατε ἵνα καὶ ἐν τῇ Λαοδικέων ἐκκλησίᾳ ἀναγνωσθῇ, καὶ τὴν ἐκ Λαοδικείας ἵνα καὶ ὑμεῖς ἀναγνῶτε. 17 καὶ εἴπατε Ἀρχίππῳ· βλέπε τὴν διακονίαν ἣν παρέλαβες ἐν κυρίῳ, ἵνα αὐτὴν πληροῖς. 18 Ὁ ἀσπασμὸς τῇ ἐμῇ χειρὶ Παύλου. μνημονεύετέ μου τῶν δεσμῶν. ἡ χάρις μεθ’ ὑμῶν. A. 4,10-14: Vgl. Adam., Dial. I 5 (im Mund des Adamantius): 10 Ἀσπάζεται ὑμᾶς, φησίν, Ἀρίσταρχος ὁ συναιχμάλωτός μου, καὶ Μᾶρκος ὁ ἀνεψιὸς Βαρναβᾶ, περὶ οὗ ἐλάβετε ἐντολάς, ἵνα ἔλθῃ πρὸς ὑμᾶς, δέξασθε οὖν αὐτόν 11 καὶ Ἰησοῦς ὁ λεγόμενος Ἰοῦστος, οἱ ὄντες ἐκ περιτομῆς, οὗτοι μόνοι μου εἰσι συνεργοὶ εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ, οἵτινες ἐγενήθησάν μοι παρηγορία καὶ τὰ ἑξῆς. 14 ἀσπάζεται ὑμᾶς Λουκᾶς καὶ Δημᾶς (Rufin: Salutat uos, inquit, Aristarchus, concaptiuus meus, et Marcus, consobrinus Barnabae, de quo acceptistis mandata, ut, si uenerit ad uos, suscipiatis eum, et Iesus, qui dicitur Iustus, qui sunt ex circumcisione. Isti enim soli sunt adiutores mei in regno die qui mihi solatio fuerunt. Et reliqua. Et iterum: Salutat uos Lucas et Demas. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (4,10-14) Was die Bezeugung dieser Verse betrifft, gehen die Meinungen der Editoren auseinander. Schon Hilgenfeld und Zahn haben aufgrund dieser Stelle 574 Rekonstruktion <?page no="575"?> 22 Vgl. M. Klinghardt, Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band-1: Untersuchung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage (2020), 36. die Verse 10-11 und 14 für bezeugt gehalten. Ihnen folgt Harnack. Doch Schmid, der sich eingehend mit dem Adamantiusdialog auseinandergesetzt hat, weist diesem keinen Zeugniswert zu, lässt also auch das Zeugnis für diese Verse nicht gelten. Hingegen kehrt BeDuhn an dieser Stelle zu der älteren Position zurück und verweist insbesondere darauf, dass in der Diskussion ausdrücklich darauf verwiesen werde, dass Adamantius aus dem „Apostolikum“, wie die Schrift hier genannt wird, lese. Nun hat sich aber im Laufe der bisherigen Untersuchung herausgestellt, dass Zitate, die Adamantius selbst in diesem Dialog vorträgt, erheblich zweifelhafter sind als diejenigen, die im Mund der Markioniten angeführt werden, wobei auch letztere nicht immer verlässlich sind. Und auch wenn BeDuhn recht hat mit dem Hinweis auf die Lektüre aus dem „Apostolikum“, so steht doch vorweg die Zurückweisung des Markioniten von Adamantius’ Behauptung, Markus und Lukas - um sie und ihre Verfasserschaft an den beiden Evangelien geht es in der Diskussion - hätten zusammen mit Paulus das Evangelium verbreitet. Wie hätte der Markionit behaupten können, dass dies „unmöglich sei“ und dass „niemand beweisen könnte, dass diese Paulus je gesehen hatten“, wenn in seinem Exemplar von Kolosser die Verse 4,10-14 gestanden hätten? Prompt antwortet Adamantius, dass er beweisen könne, dass Paulus die beiden, Markus und Lukas, bezeuge. Und auch hiergegen wehrt sich der Markionit, indem er Adamantius entgegenhält, er vertraue nicht „seinem verfälschten Apostolikon“. Gleichwohl liest Adamantius aus seinem „Apostolikon“ vor, natürlich mit den Versen 4,10-11 (und etc.). 14, und der benannte heidnische Richter beschließt die Diskussion im Sinne des Adamantius. Obwohl M. Klinghardt diesen kriti‐ schen Hinweis des Markioniten (Megethius) auf den „verfälschten“ Apostolos griechisch anführt, deutet er die Stelle, wonach die Lektüre aus dem Apostolos die Namen Lukas und Demas enthält und zieht den Schluss, dass auch Kol 4,14 in der *10-Briefe-Sammlung gestanden war. 22 Dieser Schluss, den bereits Zahn, Harnack und BeDuhn gezogen haben, lässt sich meines Erachtens hieraus gerade nicht ziehen, sondern es legt sich vielmehr nahe, dass Adamantius aus einer Fassung des „Apostolikons“ zitiert, die der Markionit als verfälscht betrachtet, während der Markionit aus der eigenen Fassung seines „Apostels“ argumentiert, auf die er sich beruft. In ihr jedoch steht der oder die hier in Frage stehenden Verse nicht. Insofern ist an dieser Stelle Schmid zu folgen, der diese Verse als unbezeugt betrachtet. 8 (Kol) 575 <?page no="576"?> 23 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 528. 24 T. Flemming, Die Textgeschichte des Epheserbriefes. Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief (2022), 58; J.B. Lightfoot, Saint Paul’s Epistles to the Colossians and to Philemon. A Revised Text with Introductions, Notes, and Dissertations (1879). Vgl. auch die verschiedenen Identifikationsversuche, die vorgestellten werden in P.L. Tite, The Apocryphal Epistle to the Laodiceans. An Epistolary and Rhetorical Analysis (2012), 1-8. 25 A. Standhartinger, Studien zur Entstehungsgeschichte und Intention des Kolosserbriefs (1999), 287. 2. (4,15-18) Auch bezüglich dieser Verse gehen die Meinungen der Editoren auseinander, was die Bezeugung betrifft. Zahn rechnet mit der Bezeugung von Vers 16 nach dem kanonischen Text auf‐ grund der, wie er meint, „hieraus geschöpfte(n) Überschrift des Epheserbriefs“. 23 Auch Harnack sieht Vers 16 bezeugt, allerdings verweist er auf den „ge‐ fälschten Laod.-Brief v. 20“ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ), wo es heißt: Et facite legi Colosensibus, et Colosensium vobis. Schmid führt die gesamte Passage als unbezeugt an. BeDuhn hingegen sieht nur Vers 17 für angedeutet an aufgrund der Erwäh‐ nung von Archippus im markionitischen Prolog. Dieses Argument könnte natürlich auch in die umgekehrte Richtung gekehrt werden, falls die kanonische Redaktion den Prolog kannte, könnte aus diesem heraus auch der ihm entspre‐ chende Vers 17 gebildet worden sein. Wieder sind wir auf die Lexik und den narrativen Zusammenhang angewiesen. 3. (4,16) Die Frage, was für ein Brief mit dem in diesem kanonischen Vers an‐ gesprochenen Laodizenerbrief gemeint sei, wurde in der Forschungsgeschichte verschieden beantwortet, eine Bandbreite, die bereits Lightfoot in drei Gruppen gegliedert hat und von Flemming neu vorgestellt wurden: „1. Es handelt sich um einen Brief, der von den Laodicenern geschrieben wurde (an Paulus, Epaphras oder die Kolosser). 2. Es handelt sich um einen Brief, den Paulus von Laodicea aus geschrieben hat (1Tim, 1Thess oder 2Thess). 3. Es handelt sich um einen Brief, der an die Laodicener adressiert war (ein unbe‐ kannter Brief von Epaphras oder Lukas, oder auch ein an die Laodicener adressierter Brief des Paulus selbst - in Frage kommt dann ein verloren gegangener Brief oder einer der kanonischen Briefe [1Joh, Hebräer-, Philemon- oder Epheserbrief] oder der apokryphe Laodicenerbrief).“ 24 Hinzugesellt hat Flemming noch die Position, wonach der Brief „eine Fiktion“ ist. 25 Doch auch diejenige von St. E. Porter und K. D. Clarke kennt er, die 576 Rekonstruktion <?page no="577"?> 26 S.E. Porter and K.D. Clarke, Canonical-Critical Perspective and the Relationship of Colossians and Ephesians (1997), 76-77. Ähnlich bereits A. Harnack, Die Adresse des Epheserbriefs des Paulus (1910), 706-708. 27 L. Bormann, Zur Datierung des sogenannten Epheserbriefs (2021), 179-180; J. Becker and U. Luz, Die Briefe an die Galater, Epheser und Kolosser (1998), 190; J.D.G. Dunn, The Epistles to the Colossians and to Philemon. A Commentary on the Greek Text (1996), 38-39. den ohne Ortsangabe „in Ephesus“ stehenden Laodizenerbrief aus Markions *10-Briefe-Sammlung mit diesem Brief identifizieren. 26 4. (4,18) Der letzte uns bekannte vorkanonische Briefvers ist 3,10. Es ist nicht auszuschließen, dass dieses deutliche Wort vom Wechsel des alten zum neuen Menschen die Schlusspassage des Briefes darstellte. Ob es der ursprüngliche Briefschluss war, ist fraglich, doch, wie dieser ausgesehen hat, lässt sich mit dem vorhandenen Material nicht mehr ermitteln. Auffallend ist, dass gerade im Verlaufe von Kapitel 4 der kanonischen Fassung die Bezugnahmen auf *Laod immer stärker abnehmen und stärker Parallelen zum kanonischen Eph begegnen. Aufgrund der durchgehenden Präsenz der kanonischen Sprache, lässt sich jedoch kein *Kol dahinter vermuten. Auch hinter den Versen 3,11-25, die sich wie eine zweite Bearbeitung von *Laod 5,22-6,9 liest, lässt sich kein solcher annehmen. Der Eigenhändigkeitsverweis (ὁ ἀσπασμὸς τῇ ἐμῇ χειρὶ Παύλου) wurde u. a. von Luz als Hinweis darauf genommen, dass Timotheus der Verfasser des Kolosserbriefes sei, den er Paulus „zur Unterschrift vorgelegt habe“, doch Bormann wendet ein, dass dieses Argument „angesichts der Forschung zu Eigenhändigkeitsvermerken im Corpus Paulinum und in antiken Papyri, nach denen diese in der Regel nicht von einer zweiten Hand eingetragen sind, nicht viel“ Überzeugungskraft besitze. 27 D. (4,10) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, findet sich positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἀρίσταρχος begegnet 5 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ συναιχμάλωτος, das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Μάρκος begegnet 9 / 8 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀνεψιός ist Hapax legomenon im NT. ♦ Βαρναβᾶς, der 31 / 28 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐντολή, das 76 / 67 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,20; *Röm 7,11. 12; *Laod 2,15. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zu Vers Röm 15,29. ♦ δέχομαι, das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,11; 10,10; *2Thess 2,10. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 8 (Kol) 577 <?page no="578"?> 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20. ♦ Die Form δέξασθε steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀσπάζομαι; Ἀρίσταρχος; συναιχμάλωτος; Μάρκος; Βαρναβᾶς; πρὸς ὑμᾶς; δέξασθε. (4,11) Ἰησοῦς steht 1080 / 919 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 1,3; *2Kor 1,3; 4,5; *Röm 5,21. ♦ Die Verbform λεγόμενος steht 12 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene. ♦ Ἰοῦστος steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ὄντες, die 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch vielleicht bezeugt für *Ev 11,13 (Epiphanius bezeugt das Verb nicht, es ist lediglich bezeugt durch Adamantius, dem Klinghardt folgt, auch wenn er in *Ev 20,36 Tertullian folgt, wo M ὄντες bietet), jedoch deutlich bezeugt für *2Kor 5,4; *Röm 8,5; *Laod 2,13. ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, findet sich vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ Die Formulierung ἐκ περιτομῆς steht 5 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,12. ♦ οὗτοι, das 77 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ συνεργός, das 14 / 13 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Das verwandte Verb συνεργέω, das 11 / 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ παρηγορία ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: λεγόμενος; Ἰοῦστος; οὗτοι; συνεργός. (4,12) Zum kanonischen Sprachgebrauch von ἀσπάζομαι vgl. zu Vers 10. ♦ Ἐπαφρᾶ, der 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, jedoch als Bezeichnung von Menschen weniger häufig begegnet (also nicht mit Blick auf Christus), vgl. die vorkanonische Bezeugung in *2Kor 4,5. ♦ Zum kanonischen πάντοτε vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ ἀγωνίζομαι, das 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene, insbesondere den Pseudopaulinen. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten προσευχή vgl. zu Vers 2. ♦ Die Wendung ἐν ταῖς προσευχαῖς steht 1 weiteres Mal im NT, Röm 15,30, in einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ ἵστημι, das 191 / 154 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *2Kor 13,1; *2Kor 13,1; *Röm 10,3; *Laod 6,11. ♦ τέλειος, das sich 18 / 19 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,6. ♦ πληροφορέω, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene bezeugt, vgl. zu 2Kor 9,11. 578 Rekonstruktion <?page no="579"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀσπάζομαι; Ἐπαφρᾶ; πάντοτε; ἀγωνίζομαι; ὑπὲρ ὑμῶν; πληροφορέω; ἐν παντί. (4,13) μαρτυρέω steht 90 / 76 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form μαρτυρῶ steht 6 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließ‐ lich auf der kanonischen Ebene; vgl. zu Gal 4,15. ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), das 121 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πόνος steht 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ὑπὲρ ὑμῶν steht 23 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,13. ♦ Λαοδίκεια, das 6 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἱεράπολις ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μαρτυρέω; μαρτυρῶ; πόνος; ὑπὲρ ὑμῶν; Λαοδίκεια. (4,14) Zum kanonischen Sprachgebrauch von ἀσπάζομαι vgl. zu Vers 10. ♦ Λουκᾶς begegnet 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἰατρός steht 8 / 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. ♦ ἀγαπητός, das sich 65 / 61 Mal im NT findet, wovon die Anrede ἀγαπητοί allein 30 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,35. ♦ Δημᾶς steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀσπάζομαι; Λουκᾶς; Δημᾶς. (4,15) Zum kanonischen Sprachgebrauch von ἀσπάζομαι vgl. zu Vers 10. ♦ Zum kanonischen Λαοδίκεια vgl. zu Vers 13. ♦ Νύμφα ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Kombination κατ’ οἶκον steht 6 Mal im NT, meist in Verbindung mit ἐκκλησία, immer auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 16,5. ♦ αὐτῆς, das 151 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀσπάζομαι; Λαοδίκεια; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; κατ’ οἶκον; αὐτῆς. (4,16) Die Kombination καὶ ὅταν steht 17 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Mt 6,5; 4 Mal Mk; Lk 12,55; Kol 4,16; 4 Mal Apk; im Vers: Mt 23,15; 2 Mal Mk; Lk 6,22, in einem Versteil, der in *Ev fehlt; Joh 2,10; Apk 17,10). ♦ ἀναγινώσκω 8 (Kol) 579 <?page no="580"?> steht 36 / 32 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,3. ♦ ἐπιστολή, das 25 / 24 Mal im NT steht, begegnet jedoch ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen Λαοδίκεια vgl. zu Vers 13. ♦ Die Kombination ἵνα καί ὑμεῖς steht 5 Mal im NT, davon 1 Mal als Verseröffnung hier, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ ὅταν; ἐπιστολή; Λαοδίκεια; ἵνα καὶ ὑμεῖς. (4,17) Die Kombination καὶ εἴπατε steht 3 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung (Mt 26,18; Lk 20,3; Kol 4,17), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἄρχιππος steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene (Kol 4,17; Phlm 1,2). ♦ διακονία, das 35 / 34 Mal im NT belegt ist, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παραλαμβάνω, das 54 / 50 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ αὐτήν, das 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ εἴπατε; Ἄρχιππος; διακονία; παραλαμβάνω; ἐν κυρίῳ. (4,18) Die Wendung ὁ ἀσπασμὸς τῇ ἐμῇ χειρί steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Thess 3,17. ♦ ἀσπασμός, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,43. ♦ χείρ, das 158 / 178 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ μνημονεύω, das 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,22; *Gal 2,10; *Laod 2,11. ♦ Die Form μνημονεύετε steht 4 Mal im NT (Lk 17,32; Eph 2,11; Kol 4,18; Hebr 13,7), vorkanonisch bezeugt für *Ev 17,32. ♦ δεσμός steht 22 / 18 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Der Gruss ἡ χάρις μεθ’ ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Kol 4,18; 1Tim 6,21; 2Tim 4,22). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ ἀσπασμὸς τῇ ἐμῇ χειρί; ἡ χάρις μεθ’ ὑμῶν. Der lexikalische Vergleich mit den häufig für die kanonische Ebene aus‐ schließlich bezeugten oder bevorzugten Begriffen stützt, dass die Verse der kanonischen Redaktion zuzuschreiben sind und in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben. 580 Rekonstruktion <?page no="581"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 121. 2 Vgl. zur frühen Geschichte der Redaktionshypothesen V. Koperski, The Early History of the Dissection of Philippians (1993). Zum Für und Wider diesbezüglich gibt einen guten Überblick mit reichlich weiterführender Literatur A. Standhartinger, Der Philipperbrief und die Entstehung der Paulusbriefsammlung (2021), 435-436. 3 A. Standhartinger, Philippians and Philemon (2022), 356. 9 (Phil) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Φιλιππησίους - Philippenses ipsi sunt Macedones. hi accepto verbo veritatis perstiterunt in fide, nec receperunt falsos apostolos. hos apostolus conlaudat scribens eis a Roma de carcere per Epaphroditum. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 20, praef.: De epistula ad Philippenses; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): δεκάτη πρὸς Φιλιππησίους; ibid. (182 H.): Πρὸς Φιλιππησίους ι; vgl. auch den markionitischen Prolog. B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. 1 C. Zahn und Harnack geben Adresse und Titulus auch wie oben, allerdings ohne Quellenverweise. Zum Philipperbrief ist die Forschung geteilt, wobei die Meinung vertreten wird, der Brief sei aus mehreren Briefen zusammengesetzt. 2 So hatte man bereits im 19. Jh. in Phil 3,2-4,23 einen zweiten Brief erkennen wollen, wobei manche nochmals Phil 3,2-21 (und vielleicht 4,1-3) „als späteres Schreiben, das gegen jüdische Häretiker warnte“, verstanden. 3 Standhartinger optiert für drei Briefe, 1. Brief (Phil 4,10-20); 2. Brief (Phil 1,1-3,1; 4,1-7. 21-23); 3. Brief (Phil 3,2-21). Nun fällt auf, dass „der erste Brief “ aus dieser Liste gänzlich auf der kanonischen Ebene steht. Auch der zweite Brief ist bis auf wenige vorkanonisch bezeugte Abschnitte der kanonischen Redaktion geschuldet, während der dritte im Wesentlichen - mit einer erheblichen Erweiterung in Phil 3,10-19 - den vorkanonischen Text (Phil 3,3-21) umfasst. Wie in 2Kor erklären sich die Tei‐ lungstheorien am ehesten durch die Überarbeitungsspuren, die die kanonische Redaktion bei ihrer Revision des vorkanonischen Textes hinterlassen hat. Was als unterschiedliche Briefe wahrgenommen wird, ist im Wesentlichen eine <?page no="582"?> 4 B. Nongbri, 2 Corinthians and possible material evidence for composite letters in antiquity (2015); D. Trobisch, Die Entstehung der Paulusbriefsammlung: Studien zu den Anfängen christlicher Publizistik (1989). nicht immer konsistente kanonisch-redaktionelle Erweiterung. Zu historischen Parallelen von Briefkompositen, vgl. D. Trobisch und B. Nongbri. 4 Kapitel 1 1,1 2: Anschrift und Gruß Dieser Passus ist gut bezeugt, wurde jedoch von der kanonischen Redaktion erweitert, so dass im Unterschied zur vorkanonischen Version, die *Paulus allein verantwortet, in der kanonischen Version ihm Timotheus als Mitabsender an die Seite gegeben wurde. 1,1 Παῦλος, ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ τοῖς ἐν Φιλίπποις· - 1,1 Παῦλος καὶ Τιμόθεος δοῦλοι Χριστοῦ Ἰησοῦ πᾶσιν τοῖς ἁγίοις ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ τοῖς οὖσιν ἐν Φιλίπποις σὺν ἐπισκόποις καὶ διακόνοις· 2 χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ. 2 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. A. *1,1: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 20 praef.: De epistula ad Philippenses. Epiph, Pan. 42 (120 H.): Πρὸς Φιλιππησίους. Ibid. (182 H.): Πρὸς Φιλιππησίους ῑ. οὕτως γὰρ παρὰ τῷ Μαρκίωνι κεῖται ἐσχάτη καὶ δεκάτη, παρὰ δὲ τῷ ἀποστόλῳ ἕκτη. ὡσαύτως οὐδὲ ἀπ’ αὐτῆς διὰ τὸ διαστρόφως παρ’ αὐτῷ κεῖσθαι, οὐδὲν ἐξελεξάμεθα. Vgl. Tert., Adv. Marc. V 21,1 hinzuzunehmen: Soli huic epistulae brevitas sua profuit ut falsarias manus Marcionis evaderet. B. (1,1) Anstelle von ἐπισκόποις findet sich die Variante συνεπισκόποις in 03 2 , 06 2 , 018, 025 vid , 075, 33, 1241, 1881, r, Cass pt . C. 1. (1,1-2) Der Kommentar des Epiphanius zu diesem Brief im Vergleich zur kanonischen Version erinnert stark an seine Einschätzung des Ersten Thessa‐ lonicherbriefes, in welcher es (178 H.) hieß: Τῆς πρὸς Θεσσαλονικεῖς <ᾱ>, πέμπτης ἐπιστολῆς (οὕτω γὰρ κεῖται ἐν τῷ Μαρκίωνι), ὀγδόης δὲ οὔσης παρὰ τῷ ἀποστόλῳ, τὰ πάντα τοῦ Μαρκίωνος διεστραμμένως ἀπ’ αὐτῆς ἔχοντος οὐδὲν ἐξ αὐτῆς παρεθέμεθα. Zur Diskussion von Harnacks Schlussfolgerung aus diesem Kommentar, vgl. zur dortigen Stelle. Wenn nun Epiphanius beide Male die Briefe für so verdorben hielt, dass er sich keine Notizen daraus machte 582 Rekonstruktion <?page no="583"?> 5 A. Hilgenfeld, Das Apostolikon Marcion’s (1855), 462. 6 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 124*. 7 J. BeDuhn, The First New Testament. Marcion’s Scriptural Canon (2013), 318. - obwohl Tertullian zum Ersten Thessalonicherbrief verdeutlichte, dass trotz der Verkürzung (Adv. Marc. V 15,1): Est sapor et in paucis, also noch der markionitische Geist aus dem Wenigen spricht, so stellt sich auch die Frage, wie kurz die vorkanonische Form des Philipperbriefs war mit Blick auf das von Tertullian aus ihm Bezeugten. Sodann lässt sich fragen, welche weiteren Aufschlüsse uns Textvarianten in den Handschriften, die Lexik und der narrative Zusammenhang geben. Hilgenfeld war der Auffassung: „Bei diesem Briefe erwähnt Tertullian gar keine Textabweichungen ausdrücklich, obwohl Marcion nur den Brief an Philemon unverfälscht gelassen haben soll. In keinem Falle kann hier also etwas Wesentliches von Marcion geändert worden sein“. 5 Dann ist vor allem auch zu prüfen, ob Harnack richtig gesehen hat, wenn er im „gefälschten Laodizenerbrief “ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) „zahlreiche Stellen aus dem Philipperbrief M.s überliefert“ sieht. 6 Schmid hat diese nicht berücksichtigt und BeDuhn weist sie ausdrücklich zurück. 7 Zum Briefbeginn muss man wieder den Kommentar zum Ersten Korinther‐ brief beachten (Tert., Adv. Marc. V 5,1: communem scilicet et eundem in epistulis omnibus). Die Eröffnung ist nach Hilgenfeld, Zahn, Harnack und Schmid unbezeugt, BeDuhn allerdings verweist sowohl auf die hier angeführte Stelle bei Tertullian wie auch auf den oben angeführten Prolog. Zu diesen Zeugnissen ist allerdings auch Tert., Adv. Marc. V 21,1 hinzuzunehmen. Wie Tertullian bereits zum Ersten Korintherbrief ausführte, schienen ihm die Brieferöffnungen in allen Briefen dieselbe zu sein. Dass es dennoch eine gewisse Bandbreite auch vorkanonisch gab, ist bereits aufgrund der vorhandenen Zeug‐ nisse anzunehmen, vgl. hierzu die Einleitung, Band I. Wir dürfen darum, auch wenn wir kein ausdrückliches Zeugnis vorliegen haben, hier einen ähnlichen Briefanfang vermuten, wobei weder Timotheus noch die Selbstbezeichnung „Sklave Christi“ noch die Anrede ἁγίοις vorhanden gewesen waren. Tertullian hätte wohl auf diese Abweichungen hingewiesen, dann scheinen diese Angaben, wie oben zu Gal 1,10 ausgeführt, weder in Röm 1,1 noch hier vorhanden gewesen zu sein, außerdem ergibt sich, wie öfter gezeigt, aus dem lexikalischen Befund, dass diese Erweiterungen der kanonischen Redaktion zugehören. Harnack hat aus dem „gefälschten Laodizenerbrief “ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) darauf geschlossen, dass folgender Textbestand für Vers 2 bezeugt sei: χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ, wobei das 9 (Phil) 583 <?page no="584"?> 8 W. Schenk, Die Philipperbriefe des Paulus. Kommentar (1984), 78-82, 334. ἡμῶν in allen Handschriften fehle. Nimmt man als Vergleich die Brieferöffnung von *Gal, könnte man durchaus ein Argument für das Fehlen von ἡμῶν an dieser Stelle vorbringen, doch wird dies von der Gesamteinschätzung des Zeugniswertes des „gefälschten Laodizenerbriefes“ abhängen. 2. (1,1) Der Passus σὺν ἐπισκόποις καὶ διακόνοις wurde als Interpolation angesehen von W. Schenk. 8 D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Kol 1,1. ♦ Die Wendung Παῦλος ἀπόστολος Χριστοῦ Ἰησοῦ steht 6 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,1, vermutlich aber auch stehend in *2Kor 1,1; *Röm 1,1; *1Thess; *2Thess; *Laod; *Kol, vgl. zu 1Kor 1,1. ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. auch weiter unten die Verse 13 und 25. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Verbform οὖσιν, die 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,8. ♦ Φίλιπποι steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur hier. ♦ ἐπίσκοπος steht 5 Mal im NT, immer nur auf der kanonischen Stufe. ♦ Die Variante συνεπισκόποις ist Hapax legomenon im NT und begegnet erstmals anderweitig als Terminus im vierten Jahrhundert. ♦ διάκονος, das 36 / 29 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians und dem des Epiphanius unter Berücksichtigung der Überlegungen von C. (1,2) Vgl. zu *1Kor 1,1. 1,[3-11]: [Dank an Gott] Die folgende Passage ist für die vorkanonische Version unbezeugt. Sie entspricht der typisch redaktionellen Art, Briefgrüße mit Paränese zu ergänzen. 584 Rekonstruktion <?page no="585"?> 9 J.A. Quigley, Divine accounting theo-economics in early Christianity (2021). 3 Εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου ἐπὶ πάσῃ τῇ μνείᾳ ὑμῶν, - 4 πάντοτε ἐν πάσῃ δεήσει μου ὑπὲρ πάντων ὑμῶν μετὰ χαρᾶς τὴν δέησιν ποιούμενος, 5 ἐπὶ τῇ κοινωνίᾳ ὑμῶν εἰς τὸ εὐαγγέλιον ἀπὸ τῆς πρώτης ἡμέρας ἄχρι τοῦ νῦν, 6 πεποιθὼς αὐτὸ τοῦτο, ὅτι ὁ ἐναρξάμενος ἐν ὑμῖν ἔργον ἀγαθὸν ἐπιτελέσει ἄχρι ἡμέρας Χριστοῦ Ἰησοῦ· 7 καθώς ἐστιν δίκαιον ἐμοὶ τοῦτο φρονεῖν ὑπὲρ πάντων ὑμῶν, διὰ τὸ ἔχειν με ἐν τῇ καρδίᾳ ὑμᾶς, ἔν τε τοῖς δεσμοῖς μου καὶ ἐν τῇ ἀπολογίᾳ καὶ βεβαιώσει τοῦ εὐαγγελίου συγκοινωνούς μου τῆς χάριτος πάντας ὑμᾶς ὄντας. 8 μάρτυς γάρ μου ὁ θεός, ὡς ἐπιποθῶ πάντας ὑμᾶς ἐν σπλάγχνοις Χριστοῦ Ἰησοῦ. 9 καὶ τοῦτο προσεύχομαι, ἵνα ἡ ἀγάπη ὑμῶν ἔτι μᾶλλον καὶ μᾶλλον περισσεύῃ ἐν ἐπιγνώσει καὶ πάσῃ αἰσθήσει, 10 εἰς τὸ δοκιμάζειν ὑμᾶς τὰ διαφέροντα, ἵνα ἦτε εἰλικρινεῖς καὶ ἀπρόσκοποι εἰς ἡμέραν Χριστοῦ, 11 πεπληρωμένοι καρπὸν δικαιοσύνης τὸν διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ εἰς δόξαν καὶ ἔπαινον θεοῦ. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (1,3) Was die Frage der Bezeugung dieses Verses anbetrifft, gehen Zahn, Schmid und BeDuhn davon aus, dass er unbezeugt ist. Zahn - wie übrigens Harnack auch - nimmt an, dass der Vers jedoch präsent war. Doch Harnack plädiert dafür, dass aufgrund des „gefälschten Laodizenerbriefes“ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) folgender Textbestand bezeugt sei: Εὐχαριστῶ Χριστῷ μου ἐν πάσῃ δεήσει μου. 2. (1,4-11) Diese Verse sind nach Übereinstimmung aller Editoren unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit ihrer nicht näher bestimm‐ baren Präsenz rechnen. 3. (1,3-11) Zur Parallelität von 1,3-11 und 4,10-20 vgl. J.A. Quigley. 9 9 (Phil) 585 <?page no="586"?> 10 M.D. Goulder, Luke. A New Paradigm (1989), 336. D. (1,3) εὐχαριστέω, das 43 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt - jedoch nicht im eucharistischen Zusammenhang - für *Ev 10,21. ♦ Die Wendung εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,4. ♦ πάσῃ (Dat. Fem. Sg.), das 44 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,9, vgl. weiters zu den Versen 4. 9. 20. ♦ μνεία, das 7 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die von Harnack vorgeschlagene Variante δέησις steht 19 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,33; *Laod 6,18. ♦ ὑμῶν steht 462 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,21; 6,15; *2Kor 4,5; *Röm 8,11; *1Thess 4,3; 5,23; *Laod 4,26; 6,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου; μνεία. Zu bemerken ist πάσῃ, das vorkanonisch nur *2Thess bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweist. Der von Harnack in die Überlegung eingebrachte „gefälschte Laodizenerbrief “ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) scheint hier vielmehr den Text mit Blick auf *Laod oder Eph gelesen zu haben. (1,4) πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ Zu πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 2 und den weiteren Versen 9 und 20. ♦ Zu δέησις vgl. zuvor zum voranstehenden Vers 3. ♦ Goulder verweist darauf, dass die Verbindung τὴν δέησιν ποιούμενος eine Formel darstellt. 10 Diese Formel begegnet nur auf der kanonischen Ebene (Lk 5,33; Phil 1,4; 1Tim 2,1). ♦ πάντων, das 132 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,18; *Laod 3,8; 4,6; *Kol 1,17, vgl. weiter unten Vers 7. ♦ Die Kombination ὑπὲρ πάντων steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,14. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene belegt ist. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πάντοτε; τὴν δέησιν ποιούμενος; ὑπὲρ πάντων. (1,5) κοινωνία, das 21 / 19 Mal im NT steht, findet sich im Sinne von Gemeinschaft ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς τὸ εὐαγγέλιον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 2,12; 9,13; Phil 1,5; 2,22). ♦ Die Kombination τῆς πρώτης steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 27,64; Phil 1,5; Hebr 9,8). ♦ ἄχρι, das 55 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,25; *2Kor 3,14. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Wendung ἄχρι τοῦ νῦν steht noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in Röm 8,22. 586 Rekonstruktion <?page no="587"?> 11 C.J. Classen, Philologische Bemerkungen zur Sprache des Apostels Paulus (1994/ 1995). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von κοινωνία; εἰς τὸ εὐαγγέλιον; τῆς πρώτης; ἄχρι τοῦ νῦν. (1,6) πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πεποιθώς steht 5 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 2,3. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ Die Kombination αὐτὸ τοῦτο steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,10. ♦ ἐνάρχομαι steht 1 weiteres Mal, ebenfalls für die kanonische Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἔργον ἀγαθόν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,8. ♦ ἐπιτελέω, das 11 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἄχρι ἡμέρας steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πεποιθώς; αὐτὸ τοῦτο; ἐνάρχομαι; ἐν ὑμῖν; ἔργον ἀγαθόν; ἐπιτελέω. (1,7) Die Kombination καθώς ἐστιν steht 6 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Thess 2,13. ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ Die Kombination δίκαιον ἐμοί steht nur hier im NT. ♦ φρονέω, das 34 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Kombination ὑπὲρ πάντων steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,14. ♦ δεσμός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,13. 14. ♦ ἡ ἀπολογία, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ βεβαίωσις steht 3 / 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. „Im attischen Griechisch“ steht es „in der Bedeutung ’Bestätigung, Bekräftigung seiner Meinung‘ … als Fachausdruck begegnet es in der Rechtssprache und im Geschäftsverkehr (‚Verbürgung, Sicherstellung, Gewährleistung‘), seit Anaximenes ist es ebenso geläufig in der rhetorischen Theorie, um eine From der Bekräftigung zu bezeichnen“. 11 Der Gebrauch hier könnte auf Rhetorik oder Gerichtsrede hinweisen. ♦ βεβαιόω, das 10 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ συγκοινωνός, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Die Kombination πάντας ὑμᾶς steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 14,5. ♦ Die Verbform ὄντας, die 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,21. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καθώς ἐστιν; ὑπὲρ πάντων; ἡ ἀπολογία; βεβαίωσις/ βεβαιόω; συγκοινωνός; πάντας ὑμᾶς. 9 (Phil) 587 <?page no="588"?> 12 Nicht vermerkt in A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observa‐ tions on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020). Man bemerke ὄντας, das vorkanonisch nur für *Kol bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (1,8) Die Wendung μάρτυς γάρ μού (ἐστιν) ὁ θεός kehrt mit ἐστιν wieder auf der kanonischen Ebene in Röm 1,9. ♦ ἐπιποθέω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,2. ♦ Die Kombination πάντας ὑμᾶς steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 14,5. ♦ σπλάγχνον, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μάρτυς γάρ μου ὁ θεός; πάντας ὑμᾶς; σπλάγχνον. (1,9) προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ ἔτι, das 96 / 93 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,15; *Röm 5,6. ♦ μᾶλλον, das 85 / 81 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13; *2Kor 3,8. 11; 5,8. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination μᾶλλον + περισσεύω hat eine Parallele zu den ebenfalls auf der kanonischen Ebene stehenden Versen 1Thess 4,1 (περισσεύητε μᾶλλον). 10 (περισσεύειν μᾶλλον). 12 ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ Zu πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) vgl. zuvor zu den Versen 3. 4 und danach zu Vers 20, alle auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ αἴσθησις ist Hapax legomenon im NT. ♦ αἰσθάνομαι steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: περισσεύω; μᾶλλον + περισσεύω; πάσῃ; αἰσθάνομαι. (1,10) Die Wendung εἰς τὸ δοκιμάζειν ὑμᾶς steht 1 weiteres Mal, in Röm 12,2 auf der kanonischen Ebene. ♦ δοκιμάζω, das 25 / 22 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ διαφέρω, das 13 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἦτε, die 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 5,7; *Laod 2,12. ♦ εἰλικρινής steht 2 Mal im NT, das andere Mal wieder auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπρόσκοπος, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung εἰς ἡμέραν Χριστοῦ steht 1 weiteres Mal, Phil 2,16. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς τὸ δοκιμάζειν ὑμᾶς; δοκιμάζω; διαφέρω; εἰλικρινής; ἀπρόσκοπος. 588 Rekonstruktion <?page no="589"?> (1,11) πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ Die Form πεπληρωμένοι steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,14. ♦ καρπός, das 71 / 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9; *Laod 6,14. ♦ Die Kombination διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *Röm 5,21. ♦ Die Wendung διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ εἰς steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, in Eph 1,5. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ ἔπαινος, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; *Laod 1,12. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πεπληρωμένοι; διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ εἰς. Der lexikalische Vergleich der Verse dieser Passage weist eine Fülle von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind; sie ist insgesamt ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 1,12-18 [19-22] 23: Auf jede Weise wird Christus verkündigt Der vorkanonisch bezeugte Teil ist gut dokumentiert. Er wurde von der kano‐ nischen Redaktion in einen paränetischen Rahmen gestellt, der die kurzen vorkanonischen Hinweise auf *Paulus detailliert und ausführt. 12 Γινώσκειν δὲ ὑμᾶς βούλομαι, ἀδελφοί, ὅτι τὰ κατʼ ἐμὲ μᾶλλον εἰς προκοπὴν τοῦ εὐαγγελίου ἐλήλυθεν, 12 Γινώσκειν δὲ ὑμᾶς βούλομαι, ἀδελφοί, ὅτι τὰ κατ’ ἐμὲ μᾶλλον εἰς προκοπὴν τοῦ εὐαγγελίου ἐλήλυθεν, 13 ὥστε 13 ὥστε τοὺς δεσμούς μου φανεροὺς ἐν Χριστῷ γενέσθαι ἐν ὅλῳ τῷ πραιτωρίῳ καὶ τοῖς λοιποῖς πάσιν, 14 τοὺς πεποιθότας τοῖς δεσμοῖς μου περισσοτέρως τολμᾶν ἀφόβως τὸν λόγον λαλεῖν. - 14 καὶ τοὺς πλείονας τῶν ἀδελφῶν ἐν κυρίῳ πεποιθότας τοῖς δεσμοῖς μου περισσοτέρως τολμᾶν ἀφόβως τὸν λόγον λαλεῖν. 15 Τινὲς μὲν καὶ διὰ φθόνον καὶ ἔριν, τινὲς καὶ δι’ εὐδοκίαν τὸν Χριστὸν κηρύσσουσιν· 15 Τινὲς μὲν καὶ διὰ φθόνον καὶ ἔριν, τινὲς δὲ καὶ δι’ εὐδοκίαν τὸν Χριστὸν κηρύσσουσιν· 16 πολλοὶ ἐξ ἀγάπης, - 16 οἱ μὲν ἐξ ἀγάπης, εἰδότες ὅτι εἰς ἀπολογίαν τοῦ εὐαγγελίου κεῖμαι, 9 (Phil) 589 <?page no="590"?> 17 ἕτεροι δὲ ἐξ ἐριθείας τὸν Χριστὸν καταγγέλλουσιν, οὐχ ἁγνῶς. - 17 οἱ δὲ ἐξ ἐριθείας τὸν Χριστὸν καταγγέλλουσιν, οὐχ ἁγνῶς, οἰόμενοι θλῖψιν ἐγείρειν τοῖς δεσμοῖς μου. 18 πλὴν ὅτι παντὶ τρόπῳ, εἴτε προφάσει εἴτε ἀληθείᾳ, Χριστὸς καταγγέλλεται. 18 τί γάρ; πλὴν ὅτι παντὶ τρόπῳ, εἴτε προφάσει εἴτε ἀληθείᾳ, Χριστὸς καταγγέλλεται, καὶ ἐν τούτῳ χαίρω· ἀλλὰ καὶ χαρήσομαι, - 19 οἶδα γὰρ ὅτι τοῦτό μοι ἀποβήσεται εἰς σωτηρίαν διὰ τῆς ὑμῶν δεήσεως καὶ ἐπιχορηγίας τοῦ πνεύματος Ἰησοῦ Χριστοῦ, 20 κατὰ τὴν ἀποκαραδοκίαν καὶ ἐλπίδα μου ὅτι ἐν οὐδενὶ αἰσχυνθήσομαι, ἀλλ’ ἐν πάσῃ παρρησίᾳ ὡς πάντοτε καὶ νῦν μεγαλυνθήσεται Χριστὸς ἐν τῷ σώματί μου, εἴτε διὰ ζωῆς εἴτε διὰ θανάτου. 21 ἐμοὶ γὰρ τὸ ζῆν Χριστὸς καὶ τὸ ἀποθανεῖν κέρδος. 22 εἰ δὲ τὸ ζῆν ἐν σαρκί, τοῦτό μοι καρπὸς ἔργου· καὶ τί αἱρήσομαι οὐ γνωρίζω. 23 ἔχω τὴν ἐπιθυμίαν τὸ ἀναλῦσαι καὶ σὺν τῷ κύριῳ εἶναι, 23 συνέχομαι δὲ ἐκ τῶν δύο, τὴν ἐπιθυμίαν ἔχων εἰς τὸ ἀναλῦσαι καὶ σὺν Χριστῷ εἶναι, πολλῷ γὰρ μᾶλλον κρεῖσσον· A. *1,14-18: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 20,1-2: [1] Cum praedicationis enumerat varietatem, quod alii ex fiducia vinculorum eius audentius sermonem enuntiarent, alii per invidiam et contentionem, quidam vero et per sermonis existimationem, plerique ex dilectione, nonnulli ex aemulatione, iam aliqui et ex simultate Christum praedicarent, erat utique vel hic locus taxandae ipsius praedicationis de diversitate sententiae, quae tantam efficeret etiam animorum varietatem. Sed causas solas animorum, non regulas sacramentorum, in diversitate proponens unum tamen Christum et unum eius deum quocunque consilio praedicatum confirmat, et ideo. Nihil mea, inquit, sive causatione sive veritate Christus annuntietur, quia unus annuntiabatur sive ex causatione sive ex veritate fidei. [2] Ad fidem enim praedicationis retulit mentionem veritatis, non ad regulae ipsius, quia una quidem erat regula, sed fides praedicantium quorundam vera, id est simplex, quorundam nimis docta. Quod cum ita sit, apparet eum Christum praedicatum qui semper annuntiabatur. Nam si alius longe ab apostolo induceretur, fecisset diversitatem novitas rei. Nec enim defuissent qui praedicationem evangelicam nihilominus in Christum creatoris interpretarentur, cum et hodie maior pars sit omnibus in locis sententiae nostrae quam haereticae. Quo nec hic apostolus de diversitatis denotatione et increpatione tacuisset. Ita cum diversitas ne taxatur quidem, novitas 590 Rekonstruktion <?page no="591"?> 13 Kilpatrick hält die vorkanonische Version für die „not only intrinsically … more probable reading but also the one with the earlier attestation“, so G.D. Kilpatrick, Western Text and Original Text in the Epistles (1944), 61. 14 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 124*. 15 Vgl. T. Morgan, Being ‚in Christ‘ in the Letters of Paul (2020), 248. non probatur. ♦ *1,23: Vgl. Eznik, De Deo 420: „Sie sagen, der Apostel hat gesagt: Ich verlange herauszugehen aus dem Leibe und mit dem Herrn zu sein“. B. (1,14) Post τὸν λόγον add τοῦ θεοῦ in 01, 02, 03, (06*), 025, 044, 048 vid , 075, 0278, 33, 81, 104, 326, 365, 629, 1175, 1241, 2464, lat, sy p.h** , co, Clem, κυρίου findet sich in 010, 012, om P 46 , 06 2 , 020, 630, 1505, 1739, 1881, M, r, vg ms , von NA 28 als Lesart Markions gegeben. 13 ♦ (1,23) Post ἔχων om εἰς in P 46c , 06, 010, 012. ♦ Post εἶναι add πόλλῳ μᾶλλον in 01*, 06 2 , 018, 020, 025, 044, 630, 1505, 2464, M, lat, sy h , πόσῳ μᾶλλον in 06*, 010, 012, πόλλῳ γάρ in P 46 , 0278, Cl, und die von NA 28 gewählte Form steht in 01 1 , 02, 03, 04, 075, 6, 33, 81, 104, 326, 365, 1175, 1241, 1739, 1881, vg mss , Aug. C. 1. (1,12) Nur Harnack hat aufgrund des von ihm berücksichtigten Zeugen des „gefälschten Laodizenerbriefs“ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) den vorliegenden Vers für bezeugt gehalten, und zwar mit folgendem bezeugtem Text: οἱ ἐξ ἐμοῦ εἰς προκοπὴν τῆς ἀληθείας τοῦ εὐαγγελίου <ἐληλύθασιν πρὸς ἡμᾶς>. Er notiert: „Vielleicht erst von den Schülern tendenziös und verschlagen gefälscht“. 14 Harnack, wie vor ihm schon Zahn, rechnet grundsätzlich mit der Präsenz dieses wie auch der zuvor- und danach stehenden Verse, während Schmid und BeDuhn sie schlicht als unbezeugt betrachten. 2. (1,13) Auch für diesen Vers, den alle anderen Editoren für unbezeugt halten, bietet Harnack als Zeuge den gefälschten Laodizenerbrief und schlägt folgenden Text als bezeugt vor: τοὺς δεσμοὺς φανεροὺς ἐν Χριστῷ. Doch wird man das Zeugnis auch für diese Stelle als zu unsicher einschätzen. Vor allem spricht gegen eine Zugehörigkeit zum vorkanonischen Text die Formel ἐν Χριστῷ, die nur der kanonische Paulus zur Stilisierung seiner besonderen Autorität regelmäßig gebraucht. 15 Harnack plädiert für den Zeugniswert des gefälschten Laodizenerbriefes. BeDuhns Übersetzung, die zwar erst mit Vers 14 wieder einsetzt, vermittelt den Eindruck, dass diesem Vers verlorener Textbestand vorausgegangen ist. 3. (1,14-18) Bis auf Hilgenfeld stimmen die Editoren überein, dass Teile der Verse 14-18 durch Tertullian bezeugt sind, Hilgenfeld sieht nur die Verse 15-18 bezeugt. 9 (Phil) 591 <?page no="592"?> Zahn rechnet mit dem kanonischen Text, sieht aber die Versteile 16b und 18b als nicht bezeugt und gibt folgende Abweichung für Vers 15 an: Τινὲς μὲν καὶ διὰ φθόνον καὶ ἔριν, τινὲς δὲ καὶ δι’ οἴησιν (εὐδοκίμησιν) λόγου, und für die Verse 17-18a: 17 οἱ δὲ ἐξ ἐριθείας, ἤδη δὲ καί τινες ἐκ μίσους (? ) τὸν Χριστὸν κηρύσσουσιν, οὐχ ἁγνῶς, οἰόμενοι θλῖψιν ἐγείρειν τοῖς δεσμοῖς μου. 18 οὐδέν μοι διαφέρει, εἴτε προφάσει εἴτε ἀληθείᾳ, Χριστὸς καταγγέλλεται. Harnack gibt als bezeugten Text für die gesamte Passage erstmals lediglich aus Vers 18 an: (ἐν τούτῳ) χαίρω, dann aber setzt er hinzu: 14 πεποιθότας τοῖς δεσμοῖς μου περισσοτέρως τολμᾶν τὸν λόγον λαλεῖν, 15 τινὲς διὰ φθόνον καὶ ἔριν, τινὲς δὲ διὰ λόγου δόξαν, 16 οἱ μὲν ἐξ ἀγάπης, 17 οἱ δὲ ἐξ ἐριθείας, ἤδη δὲ καί τινες ἐξ ἀγῶνος τὸν Χριστὸν καταγγέλλουσιν. 18 οὐδέν μοι διαφέρει, εἴτε προφάσει εἴτε ἀληθείᾳ, Χριστὸς καταγγέλλεται. Schmid gibt als bezeugte Versteile: 14 (καὶ) τοὺς πλείονας (τῶν ἀδελφῶν ἐν κυρίῳ) πεποιθότας τοῖς δεσμοῖς μου περισσοτέρως τολμᾶν (ἀφόβως) τὸν λόγον λαλεῖν. 15 Τινὲς (μὲν καὶ) διὰ φθόνον καὶ ἔριν, τινὲς δὲ καὶ δι’ εὐδοκίαν … 16 οἱ (μὲν) ἐξ ἀγάπης … 17 οἱ (δὲ) ἐξ ἐριθείας (τὸν) Χριστὸν καταγγέλλουσιν, οὐχ ἁγνῶς … 18 τί γάρ; (πλὴν ὅτι παντὶ τρόπῳ), εἴτε προφάσει εἴτε ἀληθείᾳ, Χριστὸς καταγγέλλεται-… BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 14 [… τοὺς πλείονας] πεποιθότας τοῖς δεσμοῖς μου περισσοτέρως τολμᾶν ἀφόβως τὸν λόγον λαλεῖν. 15 Τινὲς διὰ φθόνον καὶ ἔριν, τινὲς δὲ καὶ δι’ εὐδοκίαν, 16 οἱ μὲν ἐξ ἀγάπης … 17 οἱ δὲ ἐξ ἐριθείας τὸν Χριστὸν καταγγέλλουσιν, … 18 [τί γάρ]; εἴτε προφάσει εἴτε ἀληθείᾳ, Χριστὸς καταγγέλλεται-… Zu den Rekonstruktionsversuchen ist zu bemerken: dass BeDuhn auch das ἀφόβως nach τολμᾶν für bezeugt hält, erschließt er aus Tertullians fiducia, was möglich, aber unsicher ist. Ob Tertullian das πλείονας τῶν ἀδελφῶν ἐν κυρίῳ unterschlagen hätte, wenn er es gelesen hätte? Tertullians alii … quidam vero et … setzt die griechische Konstruktion τινὲς μὲν καί … τινὲς δὲ καί voraus. Auch das τὸν Χριστὸν κηρύσσουσιν ist zumindest zusammenfassend in dem per sermonis existimationem angedeutet bzw. durch die Entsprechung κηρύσσουσιν - sermonem auf den Punkt gebracht. Auch die Differenzierung zwischen plerique ex … nonnulli ex funktioniert nur, wenn im Griechischen 16 οἱ (μὲν) ἐξ … 17 οἱ δὲ ἐξ im Text stand. Aufgrund der Lexik scheint vorkanonisch der Text wohl 16 οἱ ἐξ … 17 οἱ δὲ ἐξ gelautet zu haben. Den Ausdruck εἰδότες ὅτι εἰς ἀπολογίαν τοῦ εὐαγγελίου κεῖμαι hätte sich der Rhetor und Apologet wohl kaum entgehen lassen, hätte er ihn gelesen. Wegen der Lexik (οἴομαι), dürfte auch der unbe‐ zeugte Passus οἰόμενοι θλῖψιν ἐγείρειν τοῖς δεσμοῖς μου in der vorkanonischen Fassung gefehlt haben. Möglicherweise hat Tertullian den Ausdruck ἐξ ἐριθείας τὸν Χριστὸν καταγγέλλουσιν in zwei Glieder aufgeteilt bei seiner Übersetzung 592 Rekonstruktion <?page no="593"?> 16 Vgl. U. Schmid, Marcion und sein Apostolos. Rekonstruktion und historische Einord‐ nung der marcionitischen Paulusbriefausgabe (2012), 33. mit nonnulli ex aemulatione, iam aliqui et ex simultate Christum praedicarent, oder es lag ihm ein weiteres Glied vor, das bereits Zahn wiederherzustellen versuchte, das aber nicht mehr sicher zu gewinnen ist und sich auch nicht in den Textzeugen niedergeschlagen hat. Was τί γάρ; πλὴν ὅτι παντὶ τρόπῳ betrifft, so ist Tertullians nihil mea, inquit zwar eine starke Verkürzung, trifft aber zumindest den Inhalt, auch wenn es eventuell einen anderen vorkanonischen Text voraussetzt (Zahn schlägt vor: οὐδέν μοι διαφέρει), zumal das τί γάρ nur auf der kanonischen Ebenezu finden ist. Ähnlich wie zuvor, fasst er mit fidei das Χριστὸς καταγγέλλεται zusammen. Das wird deutlich gleich im nächsten, von den Editoren bisher nicht mehr berücksichtigten Abschnitt, in dem diese fides als eum Christum praedicatum gedeutet wird. Dass Tertullian am Ende von probatur des Apostels spricht, bezieht sich wohl auf Vers 18, nicht aber auf den auch von den bisherigen Editoren als unbezeugt angesehenen Passus καὶ ἐν τούτῳ χαίρω: ἀλλὰ καὶ χαρήσομαι. 4. (1,19-22) Zahn, Schmid und BeDuhn halten diese Verse für unbezeugt, auch wenn Zahn an ihrer Präsenz festhält. Harnack sieht aus diesen Versen, gestützt auf den gefälschten Laodizener‐ brief, folgenden Textbestand bezeugt: 19 τοῦτό μοι (ἀποβήσεται) εἰς σωτηρίαν διὰ τῶν ὑμῶν δεήσεων καὶ ἐπιχορηγίας πνεύματος, 20 εἴτε διὰ ζωῆς εἴτε διὰ θανάτου, 21 ἐστιν γάρ μοι τὸ ζῆν ἐν Χριστῷ καὶ τὸ ἀποθανεῖν χαρά. 5. (1,23) Auch bei diesem Vers gehen die Meinungen der Editoren auseinander. Hilgenfeld und Zahn sehen den Vers als unbezeugt. Harnack verweist jedoch auf das Zeugnis des Eznik von Kolb und sieht folgenden Text als bezeugt: τὴν ἐπιθυμίαν ἔχων εἰς τὸ ἐξιέναι ἐκ τοῦ σώματος (τὸ ἀναλῦσαι) καῖ σὺν τῷ κύριῳ (Χριστῷ? ) εἶναι. Schmid verwirft das Zeugnis des Eznik mit einem kurzen Hinweis, ohne ihn einer genauen Prüfung unterzogen zu haben. 16 BeDuhn akzeptiert Harnacks Vorschlag für seine Übersetzung und legt folgenden griechischen Text zugrunde: τὴν ἐπιθυμίαν ἔχων εἰς τὸ τὸ ἀναλῦσαι ἐκ τοῦ σώματος καῖ σὺν Χριστῷ εἶναι. Doch man wird wohl entweder, wie Harnack, das „aus dem Leib herausgehen“ griechisch deuten als τὸ ἐξιέναι ἐκ τοῦ σώματος oder das kanonisch überlieferte τὸ ἀναλῦσαι aufgreifen. Harnack bedenkt ebenfalls beides als Optionen. Da keine Textvarianten vorliegen und das τὸ ἀναλῦσαι durchaus mit „aus dem Leib herausgehen“ übersetzt werden kann, wird man eher am schlichten τὸ ἀναλῦσαι 9 (Phil) 593 <?page no="594"?> festhalten. τῷ κύριῳ und Χριστῷ ist wegen der Abkürzungen der Nomina Sacra in den Handschriften schnell zu verlesen, hier wird man wohl eher Eznik folgen. D. (1,12) γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ Die Form γινώσκειν steht 3 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 2,24; Apg 23,15; Phil 1,12). ♦ βούλομαι steht 41 / 37 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ findet sich 49 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (Lk 2,39, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 19,47, wiederum in einem Vers, der in *Ev fehlt; 14 Mal in Apg; Röm 1,15; 8,12. 28; 9,5. 11; 11,21. 24; 16,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 16,19; 2Kor 7,11; 10,7; 11,28; Gal 4,29; Eph 1,15; 4,24; 5,33; 5,6. 21; Phil 1,12; Kol 3,22; 4,7. 15; 1Tim 6,3; Tit 1,1. 9; Phlm 1,2; Hebr 11,7; Jak 3,9; 1Petr 1,3). ♦ Die Wendung κατ’ ἐμέ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 1,15. ♦ Die Kombination μᾶλλον εἰς steht 1 weiteres Mal, Mk 5,26. ♦ προκοπή steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die Form ἐλήλυθεν steht 8 Mal im NT (Mk 9,13; Lk 7,33. 34, in zwei Versen, die in *Ev fehlen; 4 Mal Joh; Phil 1,12), jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (γινώσκειν; βούλομαι; Die Kombination von bestimmtem Artikel + κατά im Akkusativ; κατ’ ἐμέ; μᾶλλον εἰς; προκοπή; ἐλήλυθεν). (1,13) Zum vorkanonisch in *Phil bezeugten δεσμός vgl. weiter oben zu Vers 7. ♦ φανερός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,17; *Gal 5,19; *Röm 2,28. ♦ ὅλος, das 123 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,27; *Gal 5,3. 9. ♦ Bilby hat in einer Email an mich vom 16.05.2023 darauf hingewiesen, dass das Bigramm ἐν ὅλῳ für *Paulus unbezeugt ist, jedoch 4 Mal in Paulus begegnet (Röm 1,8; 2Kor 1,1; 1Thess 4,10; Phil 1,13) und überhaupt 18 Mal im NT zu finden ist. ♦ πραιτώριον steht 9 / 8 Mal im NT und ist nur kanonisch belegt. ♦ λοιπός, das 60 / 55 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 2,17; *Laod 2,3. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Wendung τοῖς λοιποῖς steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mk 16,13, im sekundären Markusschluss; Lk 24,9; 2Kor 13,2; Phil 1,13; Apk 2,24). ♦ τοῖς λοιποῖς πάσιν steht weder in *Paulus noch in *Ev, ist jedoch wieder zu finden in 2Kor 13,2. 594 Rekonstruktion <?page no="595"?> Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (ἐν ὅλῳ; πραιτώριον; τοῖς λοιποῖς; τοῖς λοιποῖς πάσιν). (1,14) Zum unbezeugten Versanfang: πλείων, das 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,5. ♦ Die Form τοὺς πλείονας steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 9,19. ♦ Die Wendung τῶν ἀδελφῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,11. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zum bezeugten Versteil: πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist nur an dieser Stelle hier vorkanonisch bezeugt. ♦ δεσμός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorka‐ nonisch weiter bezeugt für *Phil 1,14. ♦ περισσοτέρως, das 15 Mal im NT steht, vorwiegend in paulinischen Briefen, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ περισσότερον / περισσότερος, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,26. ♦ περισσός, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonischen Ebene bezeugt. ♦ τολμάω, das 17 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ ἄφοβος, das 4 Mal im NT steht, findet sich nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Die Lexik stützt, dass der unbezeugte Versanfang auf die kanonische Redaktion zurückgeht und vorkanonisch gefehlt hat. Allerdings weist auch der bezeugte Textbestand ein hohes Maß an Elementen auf, die nur hier vorkanonisch bezeugt sind, was auf eine Nähe von *Phil zur kanonischen Sprache verweist. (1,15) τινες (Nom. Fem. / Mask. Pl.), das 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 10,7. ♦ Die Wendung τινὲς μέν steht nur hier im NT. ♦ Die Kombination μὲν καί steht nur hier im NT. ♦ φθόνος, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,21. ♦ ἔρις, das 15 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,20. ♦ Das in der kanonischen Version stehende δέ ist für die vorkanonische Fassung unbezeugt. Dass dies nicht zufällig ist, erweist die auffällige Präsenz des Funktionswortes im Vergleich von vorkanonischer und kanonischer Fassung des Neuen Testaments. Nun fällt auf, dass der Begriff nicht nur gerade in solchen Versen steht, die in der vorkanonischen Version fehlen, er steht dann in diesen Versen auch oft in langen Sequenzen. Solche Reihungen begegnen ganz selten in der vorkanonischen Fassung, wo der Begriff meist argumentativ eingesetzt wird, was sowohl für *Ev wie *Paulus gilt. ♦ εὐδοκία, das 12 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Laod 1,9. ♦ κηρύσσω, das 63 / 61 Mal im NT begegnet, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,2 und *1Kor 1,23; 15,11; *2Kor 4,5. 9 (Phil) 595 <?page no="596"?> Zur Rekonstruktion: Wie in C. näher ausgeführt, folgt der Text dem Zeugnis Tertullians, das durchgehend von der Lexik gestützt wird. Man bemerke εὐδοκία, das vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (1,16) Zum bezeugten Versteil: Die Wendung οἱ μέν steht 20 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 9 Mal Apg; Phil 1,16; Hebr 12,10; im Vers: Mt 16,14; 2 Mal Joh; 3 Mal Apg; 3 Mal Hebr), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐξ ἀγάπης steht nur hier im NT. Zum unbezeugten Versteil: Die Wendung εἰδότες ὅτι steht 15 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 6,9; 2Kor 4,14; Eph 6,8; Kol 3,24; 1Petr 1,18; im Vers: Lk 8,53; Joh 21,12; Röm 5,3; 1Kor 15,58; 2Kor 1,7; 5,6; Eph 6,9; Phil 1,16; Kol 4,1; Jak 3,1), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter die Verse 19. 25. ♦ ἀπολογία, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ κεῖμαι, das 30 / 24 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Wieder folgt der Text dem Zeugnis Tertullians. Wie in C. erläutert, wird wohl vorkanonisch anstelle von οἱ μέν lediglich οἱ gestanden sein. Der unbezeugte Versteil ist der Lexik zufolge Ergänzung der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,17) Zum bezeugten Versteil: ἐριθεία, das 10 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Gal 5,20. ♦ Die Alternative μῖσος, die Zahn vorschlägt, ist Hapax legomena im NT. ♦ Harnacks Vorschlag, ἀγών steht 8 / 6 Mal im NT, ist aber ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ καταγγέλλω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Phil 1,18. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Röm 10,3; *Phil 2,6. ♦ ἁγνῶς ist Hapax legomenon im NT. Zum unbezeugten Versteil: οἴομαι steht 5 / 3 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. ♦ ἐγείρω, das 169 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 15,4. 14. 17. 29. 35. 44; *Röm 8,11; *Laod 1,20; 5,14. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten δεσμός vgl. oben zu Vers 14. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Wie bereits die Eröffnung des unbezeugten Versteiles zeigt, wird dieser Ergänzung der kanoni‐ schen Redaktion sein und womöglich vorkanonisch gefehlt haben. (1,18) Das vorkanonisch nicht bezeugte τί γάρ findet sich lediglich auf der kanoni‐ schen Ebene (Lk 9,25; 1Kor 5,12 und 2Kor 12,13). ♦ πλήν, das 32 / 31 Mal im NT 596 Rekonstruktion <?page no="597"?> steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die von Zahn vorgeschlagene Alternative διαφέρω, das 13 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ παντί, das 59 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,48; 19,26; *Röm 1,16; 10,4; *Kol 1,16. ♦ τρόπος, das 14 Mal im NT, findet sich ansonsten nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ πρόφασις, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für die vorliegende Stelle bezeugt. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: τούτῳ (Dat. Mask. / Neut. Sg.), das 88 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 19,9. ♦ Die Wendung καὶ ἐν τούτῳ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: 2 Mal 1Joh; im Vers: Phil 1,18; 1Joh 3,24). ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Der nicht mehr bezeugte Schluss des Verses wird wohl aufgrund der Lexik Ergänzung der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. (1,19) Zu οἶδα vgl. zuvor zu Vers 16 und nachfolgend Vers 25. ♦ Die Kombination οἶδα γάρ steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung wie hier, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,2. ♦ Die Wendung τοῦτό μοι steht noch 1 weiteres Mal im NT, gleich weiter in Phil 1,22 auf derselben kanonischen Ebene. ♦ ἀποβαίνω steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16, vgl. weiter Vers 28. ♦ Die Wendung εἰς σωτηρίαν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,16. ♦ δέησις, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,33; *Laod 6,18. ♦ ἐπιχορηγία, das 2 Mal im NT steht, findet sich beide Male auf der kanonischen Ebene. ♦ Von einem πνεῦμα Ἰησοῦ Χριστοῦ ist nur hier im NT die Rede. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οἶδα γάρ; τοῦτό μοι; ἀποβαίνω; ἐπιχορηγία. (1,20) ἀποκαραδοκία, das 2 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐλπίς, das 58 / 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12; *Laod 2,12; *Kol 1,5. ♦ Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ οὐδενί, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ αἰσχύνω, das 7 / 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen πάσῃ (Dat. Fem. Sg.) vgl. zuvor zu den Versen 2. 4. 9, alle auf der kanonischen Ebene stehend. ♦ παρρησία, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,19. ♦ πάντοτε, das 42 / 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ μεγαλύνω, das 8 Mal 9 (Phil) 597 <?page no="598"?> 17 A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020). im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν τῷ σώματί μου steht 1 weiteres Mal, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,17. ♦ Die Wendung διὰ ζωῆς steht nur hier im NT. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Die Wendung διὰ θανάτου steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀποκαραδοκία; ὅτι ἐν; αἰσχύνω; πάσῃ; πάντοτε; μεγαλύνω. (1,21) Die Kombination ἐμοὶ γάρ steht 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Gal 2,6. ♦ ζάω, das 171 / 140 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,5; *Gal 2,20; *1Kor 9,14. ♦ Der Ausdruck τὸ ζῆν steht gleich 1 weiteres Mal im nächsten Vers. ♦ Die Wendung τὸ ἀποθανεῖν steht nur hier im NT. ♦ κέρδος steht 3 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐμοὶ γάρ; τὸ ζῆν. (1,22) Die Kombination εἰ δὲ τό steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,11. ♦ Der Ausdruck τὸ ζῆν stand gleich im Vers zuvor. ♦ Die Wendung τοῦτό μοι stand ebenfalls kurz zuvor, in Phil 1,19. ♦ καρπός, das 71 / 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ αἱρέομαι, das 17 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das verwandte αἱρέω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ γνωρίζω, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,1; *Laod 3,10; 6,19. ♦ Die Kombination ἐλπίζω γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,7. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰ δὲ τό; τὸ ζῆν; τοῦτό μοι; αἱρέομαι. Der lexikalische Vergleich stützt, dass diese unbezeugten Verse gänzlich auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. (1,23) Zum bezeugten Versteil: συνέχω, das 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,63. ♦ ἐπιθυμία, das 40 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,5, *Laod 2,3; *Phil 1,23. Überhaupt liegt eine Nähe der Passage zu *1Thess 4,5 vor, wenn auch nicht vermerkt von A. Bowden. 17 ♦ Auffallend ist, dass auf der vorkanonischen Ebene τὴν ἐπιθυμίαν ἔχων formuliert wird, was auch auf 598 Rekonstruktion <?page no="599"?> der kanonischen Ebene an dieser Stelle übernommen wird, doch derselbe Inhalt, den Bowden als „zusammengehöriges Syntagma“ („common syntagm“) begreift, begegnet auf der kanonischen Ebene drei weitere Male mit dem Verb ἐπιποθέω (1Thess 1,8; 2,26; 4,1), wobei dieses Verb überhaupt 9 Mal im NT steht, 1 Mal auch vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,2. Zum nicht mehr bezeugten Versteil: πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), das 121 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Steigerungsform κρείσσων oder κρείττων, die 23 im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Der Eingangsteil folgt dem Zeugnis des Eznik, und dieses wird lexikalisch gestützt. Was den zweiten, unbezeugten Versteil betrifft, spricht das κρείσσων wie die emphatische Verstärkung für eine Hinzufügung durch die kanonische Redaktion. 1,[24-30]: [Lasst Euch nicht von den Gegnern einschüchtern] Die paränetischen Ermahnungen sind vorkanonisch unbezeugt und, wie die Lexik stützt, auch vorkanonisch nicht vorhanden gewesen. - 24 τὸ δὲ ἐπιμένειν ἐν τῇ σαρκὶ ἀναγκαιότερον δι’ ὑμᾶς. 25 καὶ τοῦτο πεποιθὼς οἶδα ὅτι μενῶ καὶ παραμενῶ πᾶσιν ὑμῖν εἰς τὴν ὑμῶν προκοπὴν καὶ χαρὰν τῆς πίστεως, 26 ἵνα τὸ καύχημα ὑμῶν περισσεύῃ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ ἐν ἐμοὶ διὰ τῆς ἐμῆς παρουσίας πάλιν πρὸς ὑμᾶς. 27 Μόνον ἀξίως τοῦ εὐαγγελίου τοῦ Χριστοῦ πολιτεύεσθε, ἵνα εἴτε ἐλθὼν καὶ ἰδὼν ὑμᾶς εἴτε ἀπὼν ἀκούω τὰ περὶ ὑμῶν, ὅτι στήκετε ἐν ἑνὶ πνεύματι, μιᾷ ψυχῇ συναθλοῦντες τῇ πίστει τοῦ εὐαγγελίου, 28 καὶ μὴ πτυρόμενοι ἐν μηδενὶ ὑπὸ τῶν ἀντικειμένων, ἥτις ἐστὶν αὐτοῖς ἔνδειξις ἀπωλείας, ὑμῶν δὲ σωτηρίας, καὶ τοῦτο ἀπὸ θεοῦ· 29 ὅτι ὑμῖν ἐχαρίσθη τὸ ὑπὲρ Χριστοῦ, οὐ μόνον τὸ εἰς αὐτὸν πιστεύειν ἀλλὰ καὶ τὸ ὑπὲρ αὐτοῦ πάσχειν, 30 τὸν αὐτὸν ἀγῶνα ἔχοντες οἷον εἴδετε ἐν ἐμοὶ καὶ νῦν ἀκούετε ἐν ἐμοί. A. Diese Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (1,25) Anstelle von μένω steht die Variante συμπαραμένω in 06 2 , 018, 020, 025, 075, 0278 c , 365, 630, 1505, 2464, 1505, 1881, 2464, M. 9 (Phil) 599 <?page no="600"?> C. (1,24-30) Was diese Verse angeht, herrscht wieder Einmütigkeit bei den Editoren, die diese Verse als unbezeugt ansehen, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich von ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz ausgehen. D. (1,24) Die Kombination τὸ δέ (Nom.) steht 31 Mal im NT, davon 11 Mal als Verseröff‐ nung, vorkanonisch bezeugt im Vers: *Ev 11,39; *2Kor 3,6; *Röm 8,10; *Kol 2,17, vgl. zu Gal 4,25. ♦ ἐπιμένω, das 20 / 17 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν τῇ σαρκί steht 7 Mal im NT (Röm 7,5. 18; 8,3; Gal 4,14; Eph 2,14; Phil 1,24; Kol 1,24), vorkanonisch bezeugt für *Röm 7,18; *Laod 2,14; *Kol 1,24. ♦ Das Adverb ἀναγκαιότερον ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination δι’ ὑμᾶς steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,24. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung τὸ δέ; ἐπιμένω. (1,25) Die Kombination καὶ τοῦτο steht 22 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,6. ♦ πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πεποιθώς steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 2,3. ♦ Die Kombination οἶδα ὅτι steht 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (7 Mal Joh; 4 Mal Apg; Phil 1,25). ♦ μένω steht 131 / 118 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,28; *1Kor 7,11. ♦ παραμένω, das 4 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Variante συμπαραμένω ist Hapax legomenon im NT, wobei die Kompositverben zum Stil der kanonischen Redaktion gehören (siehe Einleitung, Band I). ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. zuvor die Verse 1 und 13. ♦ Die Kombination πᾶσιν ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ προκοπή steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 12. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ τοῦτο; πεποιθώς; οἶδα ὅτι; παραμένω; πᾶσιν ὑμῖν; προκοπή; χαρά. (1,26) καύχημα, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Die Wendung καύχημα ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 5,6. ♦ περισσεύω steht 42 / 39 Mal im NT und findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 9. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Kombination ἐν ἐμοί, die 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt 600 Rekonstruktion <?page no="601"?> für *Ev. ♦ παρουσία, das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zu Vers Röm 15,29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καύχημα ὑμῶν; περισσεύω; ἐν Χριστῷ; πρὸς ὑμᾶς. (1,27) μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Das Adverb ἀξίως, das 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung εὐαγγέλιον + τοῦ Χριστοῦ steht 8 Mal im NT (Röm 15,19, in einem Vers, der in *Röm fehlt; 1Kor 9,12; 2Kor 2,12; 9,13; 10,14; Gal 1,7; Phil 1,27; 1Thess 3,2), vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,7. ♦ πολιτεύω steht nur noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf kanonischer Ebene. ♦ Die Kombination ἵνα εἴτε steht 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene in 1Thess 5,10. ♦ ἄπειμι, das 8 / 7 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ στήκω, das 12 / 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἑνὶ πνεύματι findet sich 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 12,13. ♦ ψυχή, das 118 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ συναθλέω steht nur noch 1 weiteres Mal, im selben Brief und auf derselben kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀξίως; πολιτεύω; ἵνα εἴτε; ἄπειμι; περὶ ὑμῶν; στήκω; ἐν ἑνὶ πνεύματι; συναθλέω. (1,28) πτύρομαι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung ἐν μηδενί steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 2Kor 6,3. ♦ ἀντίκειμαι, das 9 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt ist. ♦ Die Kombination ἥτις ἐστίν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,1; *Gal 4,25, vgl. zu Eph 1,23. ♦ αὐτοῖς (Dat. Mask. / Neut. Pl.), das 543 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12; *2Thess 2,11. ♦ ἔνδειξις, das 5 / 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἀπώλεια, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,3. ♦ Die Wendung ὑμῶν δέ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 10,30; 13,16; Lk 12,30; Phil 1,28; 2,25). ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ Die Wendung καὶ τοῦτο ἀπὸ θεοῦ steht nur hier im NT. 9 (Phil) 601 <?page no="602"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν μηδενί; ἀντίκειμαι; ἔνδειξις; ὑμῶν δέ. (1,29) Die Wendung ὅτι ὑμῖν steht 3 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 13,11; 2Kor 12,19; Phil 1,29). ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. ♦ Die Wendung τὸ ὑπέρ steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 11,24. ♦ Zu μόνον vgl. zuvor zu Vers 27. ♦ Die Kombination οὐ μόνον steht 27 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung (immer οὐ μόνον δέ), vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 25 ↑*Laod 1,21. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im Neuen Testament steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter Vers 30. ♦ πιστεύω, das 265 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21 (τοὺς πιστεύοντας); 15,11; *Röm 1,16 (τῷ πιστεύοντι); 10,4 (τῷ πιστεύοντι); *2Thess 2,12 (οἱ μὴ πιστεύσαντες); *Laod 1,13 (πιστεύσαντες). ♦ πάσχω, das 44 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι ὑμῖν; τὸ ὑπέρ. (1,30) Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 29. ♦ Zu ἀγών als kanonisch belegtem Begriff vgl. zuvor zu Vers 17. ♦ οἷος, das 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,48. ♦ Die Form εἴδετε steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 7,22; Joh 6,26; Phil 1,30; 4,9; Jak 5,11). ♦ Die Kombination καὶ νῦν steht 26 Mal im NT, davon 12 Mal als Verseröffnung und 1 Mal als Versschluss, immer auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Thess 2,6. ♦ Die Kombination ἐν ἐμοί, die 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀγών; εἴδετε; καὶ νῦν. Auch der lexikalische Vergleich für diese Passage stützt, dass die nichtbe‐ zeugten Verse auf die kanonische Redaktion zurückgehen und vorkanonisch gefehlt haben. Kapitel 2 2,[1-5]: [Paränetische Ermahnungen] Diese vorkanonisch unbezeugte Passage bringt im typisch kanonischen Stil paulinische Ermahnungen zur Einheit, die an die vorkanonischen Äußerungen zu den unterschiedlichen Motivationen, aus denen heraus Christus verkündigt wird (*Phil 1,14-18. 23), anknüpfen, auch wenn vorkanonisch gerade nicht auf eine gewünschte einheitliche Gesinnung verwiesen wurde, sondern lediglich darauf, dass in jedem Fall Christus verkündigt wird. 602 Rekonstruktion <?page no="603"?> 2,1 Εἴ τις οὖν παράκλησις ἐν Χριστῷ, εἴ τι παραμύθιον ἀγάπης, εἴ τις κοινωνία πνεύματος, εἴ τις σπλάγχνα καὶ οἰκτιρμοί, 2 πληρώσατέ μου τὴν χαρὰν ἵνα τὸ αὐτὸ φρονῆτε, τὴν αὐτὴν ἀγάπην ἔχοντες, σύμψυχοι, τὸ ἓν φρονοῦντες, 3 μηδὲν κατ’ ἐριθείαν μηδὲ κατὰ κενοδοξίαν, ἀλλὰ τῇ ταπεινοφροσύνῃ ἀλλήλους ἡγούμενοι ὑπερέχοντας ἑαυτῶν, 4 μὴ τὰ ἑαυτῶν ἕκαστος σκοποῦντες, ἀλλὰ καὶ τὰ ἑτέρων ἕκαστοι. 5 τοῦτο φρονεῖτε ἐν ὑμῖν ὃ καὶ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (2,1-5) Nach Zahn, Schmid und BeDuhn sind die Verse 1-4 unbezeugt, auch wenn Zahn grundsätzlich von der Präsenz des Verses ausgeht; doch Harnack, der wie Zahn von der Präsenz ausgeht, schlägt folgenden bezeugten Text vor: τὴν αὐτὴν ἀγάπην ἔχοντες, ἵνα τὸ αὐτὸ φρονῆτε. Zu den Versen 1-4 vergleiche man die ihnen nahestehenden Ausführungen in Kol 3,12-13 auf kanonischer Ebene (die parallelen Begriffe sind kursiv gesetzt): 12 Ἐνδύσασθε οὖν, ὡς ἐκλεκτοὶ τοῦ θεοῦ ἅγιοι καὶ ἠγαπημένοι, σπλάγχνα οἰκτιρμοῦ χρηστότητα ταπεινοφροσύνην πραΰτητα μακροθυμίαν, 13 ἀνεχόμενοι ἀλλήλων καὶ χαριζόμενοι ἑαυτοῖς ἐάν τις πρός τινα ἔχῃ μομφήν· καθὼς καὶ ὁ κύριος ἐχαρίσατο ὑμῖν, οὕτως καὶ ὑμεῖς. BeDuhn nimm auch noch ein Stück aus Vers 5 in seine Übersetzung in Klammern mit hinein und sieht aus diesem Vers „Christus Jesus“ bezeugt, was den folgenden griechischen Text voraussetzt: [τοῦτο φρονεῖτε ἐν ὑμῖν ὃ καὶ ἐν] Χριστῷ Ἰησοῦ. D. (2,1) Die Kombination εἴ τις (fem.) steht 7 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Phil 2,1; 1Tim 5,16; im Vers: Röm 13,9; 1Kor 7,13; Phil 4,8), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ παράκλησις, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ Die Wendung ἐν Χριστῷ begegnet nicht in *Ev, ist allerdings nur encheiristisch vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,4; *2Kor 2,17; 3,14; 5,17; *1Thess 4,15; *Laod 2,10. 13; *Phil 1,13, nicht, wie hier, zur Verstärkung der Paränese, vgl. zur encheiristischen Semantik zuvor zu 1Kor 1,4. ♦ Die Kombination εἴ τι steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,14. ♦ παραμύθιον ist Hapax legomenon im NT, doch das verwandte Verb παραμυθέομαι, das 4 Mal im NT steht, 9 (Phil) 603 <?page no="604"?> 18 C.J. Classen, Philologische Bemerkungen zur Sprache des Apostels Paulus (1994/ 1995), 327. ist nur für die kanonische Ebene bezeugt. Das Verb gehört zur „Praxis der Trostrede“ und παραμυθικόν ist „Terminus technicus für einen Teil der Leichenrede“. 18 ♦ κοινωνία, das 21 / 19 Mal im NT steht, im Sinne von Gemeinschaft, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung κοινωνία πνεύματος steht nur hier im NT. ♦ σπλάγχνον, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ οἰκτιρμός, das 7 / 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,36; *2Kor 1,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἴ τις; Se‐ mantik von ἐν Χριστῷ; εἴ τι; σπλάγχνον. (2,2) πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ Die Form πληρώσατε steht 1 weiteres Mal im NT, Mt 23,32. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13, vgl. weiter Vers 18. ♦ Die Kombination des absolut stehenden τὸ αὐτό findet sich 21 Mal im NT, vorkanonisch nur bezeugt im adjektivischen Zusammenhang, vgl. zu Röm 12,16. ♦ φρονέω, das 34 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16, vgl. weiter Vers 5. ♦ Die Kombination ἀγάπην + ἔχω steht 1 weiteres Mal, Joh 13,35. ♦ αὐτήν, das 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,24; *2Kor 3,18; *Laod 5,29. ♦ σύμψυχος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Der Ausdruck τὸ ἕν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Phil 2,2; 1Joh 5,8). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πληρώσατε; χαρά; τὸ αὐτό; ἀγάπην + ἔχω; τὸ ἕν. (2,3) Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,25. ♦ ἐριθεία, das 10 / 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20; *Phil 1,17. ♦ μηδέ, das 63 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,7. 9; *Kol 2,21. ♦ κενοδοξία ist Hapax legomenon im NT. Das verwandte Adjektiv κενόδοξος ist ebenfalls ein Hapax legomenon auf der kanonischen Ebene in Gal 5,25. ♦ ταπεινοφροσύνη, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,18. ♦ ἀλλήλων, das 107 / 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2; *Röm 12,10. ♦ ἡγέομαι, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 2,6; 3,7. 8. ♦ ὑπερέχω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: μηδέν. (2,4) Die Kombination μὴ τά steht 3 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, im Vers vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16. ♦ Die Wendung τὰ ἑαυτῶν steht 3 Mal im NT, 604 Rekonstruktion <?page no="605"?> jeweils auf der kanonischen Ebene (Eph 5,28; Phil 2,4. 21). ♦ σκοπέω, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἀλλὰ καί steht 44 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,8; 4,25 ↑*Laod 1,21 (im Vers). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τὰ ἑαυτῶν; σκοπέω. (2,5) Zu φρονέω vgl. weiter oben zu Vers 2. ♦ Die Aufforderung φρονεῖτε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,11. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: φρονεῖτε; ἐν ὑμῖν; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. Auch in dieser Passage findet sich ein hoher Anteil an ausschließlich oder be‐ vorzugt auf der kanonischen Ebene begegnender Terminologie. Dies stützt das Urteil, dass die nichtbezeugten Verse der kanonischen Redaktion zuzuschreiben sind und vorkanonisch gefehlt haben. Zu bemerken ist auch die Parallele zu Kol 3 auf der kanonischen Ebene. 2,6-8 [9-11]: Christus Dieses bekenntnisartige Summarium ist vorkanonisch gut bezeugt und wurde von der kanonischen Redaktion erweitert. 2,6 ὃς ἐν μορφῇ θεοῦ ὑπάρχων οὐχ ἁρπαγμὸν ἡγήσατο τὸ εἶναι ἴσα θεῷ, 6 ὃς ἐν μορφῇ θεοῦ ὑπάρχων οὐχ ἁρπαγμὸν ἡγήσατο τὸ εἶναι ἴσα θεῷ, 7 ἀλλὰ ἑαυτὸν ἐκένωσεν μορφὴν δούλου λαβών, ἐν ὁμοιώματι ἀνθρώπου καὶ σχήματι εὑρεθεὶς ἄνθρωπος 7 ἀλλὰ ἑαυτὸν ἐκένωσεν μορφὴν δούλου λαβών, ἐν ὁμοιώματι ἀνθρώπων γενόμενος· καὶ σχήματι εὑρεθεὶς ὡς ἄνθρωπος 8 ἐταπείνωσεν ἑαυτὸν γενόμενος ὑπήκοος θανάτου, θανάτου σταυροῦ. 8 ἐταπείνωσεν ἑαυτὸν γενόμενος ὑπήκοος μέχρι θανάτου, θανάτου δὲ σταυροῦ. - 9 διὸ καὶ ὁ θεὸς αὐτὸν ὑπερύψωσεν καὶ ἐχαρίσατο αὐτῷ τὸ ὄνομα τὸ ὑπὲρ πᾶν ὄνομα, 10 ἵνα ἐν τῷ ὀνόματι Ἰησοῦ πᾶν γόνυ κάμψῃ ἐπουρανίων καὶ ἐπιγείων καὶ καταχθονίων, 11 καὶ πᾶσα γλῶσσα ἐξομολογήσηται ὅτι κύριος Ἰησοῦς Χριστὸς εἰς δόξαν θεοῦ πατρός. 9 (Phil) 605 <?page no="606"?> 19 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 126*. A. *2,6-8: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 20,3-5: [3] Plane de substantia Christi putant et hic Marcionitae suffragari apostolum sibi, quod phantasma carnis fuerit in Christo, cum dicit quod in effigie dei constitutus non rapinam existimavit pariari deo, sed exhausit semetipsum accepta effigie servi, non veritate, et in similitudine hominis, non in homine, et figura inventus homo, non substantia, id est non carne; [4] quasi non et figura et similitudo et effigies substantiae quoque accedant. Bene autem quod et alibi Christum imaginem dei invisibilis appellat. Numquid ergo et hic, qua in effigie eum dei collocat, aeque non erit deus Christus vere, si nec homo vere fuit in effigie hominis constitutus? Utrobique enim veritas necesse habebit excludi, si effigies et similitudo et figura phantasmati vindicabitur. Quodsi in effigie et in imagine, qua filius patris, vere deus, praeiudicatum est etiam in effigie et imagine hominis, qua filius hominis, vere hominem inventum. [5] Nam et inventum ratione posuit, id est certissime hominem. Quod enim invenitur, constat esse. Sic et deus inventus est per virtutem, sicut homo per carnem, quia nec morti subditum pronuntiasset non in substantia mortali constitutum. Plus est autem quod adiecit, Et mortem crucis. Non enim exaggeraret atrocitatem extollendo virtutem subiectionis, quam imaginariam phantasmate scisset, frustrato potius eam quam experto, nec virtute functo in passione sed lusu. Vgl. Eznik, De Deo 375 (eigene Übers.): „Doch die andere Sache, die sie vorbringen, ist noch unglaublicher als alles, nämlich: Als der Gute kam, der im dritten Himmel thronte, bewegt aus Mitleid für die Menge der Seelen, Seelen von 29 Generationen, von Qualen geplagt in der Hölle, sandte er Jesus, seinen Sohn, um die Form eines Sklaven anzunehmen und unter dieser menschlichen Form sich zu erschaffen.“ B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (2,6-8) Alle Editoren sind der Auffassung, dass Teile dieser Verse durch Tertullian bezeugt sind. Zahn nimmt Vers 6 nach der kanonischen Fassung, in Vers 7 sieht er den Singular ἀνθρώπου γενόμενος angezeigt und nimmt an, das ὡς sei abwesend. Auch Vers 8 liest er nach der kanonischen Fassung. Harnack sieht folgenden Text bezeugt: 6 ἐν μορφῇ θεοῦ ὑπάρχων οὐχ ἁρπαγμὸν ἡγήσατο τὸ εἶναι ἴσα θεῷ, 7 ἀλλ’ ἐκένωσεν ἑαυτὸν μορφὴν δούλου λαβών, ἐν ὁμοιώματι ἀνθρώπου καὶ σχήματι εὑρεθεὶς ἄνθρωπος. Für Vers 8 sieht er eine „Anspielung: auf den Gehorsam gegenüber dem Tod und dem Kreuzestod“. 19 606 Rekonstruktion <?page no="607"?> 20 E. Barnikol, Philipper 2. Der marcionitische Ursprung des Mythos-Satzes Phil 2,6 - 7 (1932). Schmid bietet folgenden Text an: 6 ὃς ἐν μορφῇ θεοῦ ὑπάρχων οὐχ ἁρπαγμὸν ἡγήσατο (τὸ) εἶναι ἴσα θεῷ, 7 ἀλλὰ ἑαυτὸν ἐκένωσεν μορφὴν δούλου λαβών, ἐν ὁμοιώματι ἀνθρώπου (γενόμενος): καὶ σχήματι εὑρεθεὶς (ὡς) ἄνθρωπος 8 … ὑπήκοος (μέχρι) θανάτου, θανάτου (δὲ) σταυροῦ. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 5 [τοῦτο φρονεῖτε ἐν ὑμῖν ὃ καὶ ἐν] Χριστῷ Ἰησοῦ, 6 ὃς ἐν μορφῇ θεοῦ ὑπάρχων οὐχ ἁρπαγμὸν ἡγήσατο τὸ εἶναι ἴσα θεῷ, 7 ἀλλὰ ἑαυτὸν ἐκένωσεν μορφὴν δούλου λαβών, ἐν ὁμοιώματι ἀνθρώπων εὑρεθεὶς ἄνθρωπος 8 [ἐταπείνωσεν ἑαυτὸν γενόμενος] ὑπήκοος μέχρι θανάτου, θανάτου δὲ σταυροῦ. Der narrative Zusammenhang, aus dem BeDuhn heraus Vers 5 mit aufnimmt, wird allerdings schon dadurch hergestellt, dass der Vers 2,6 unmittelbar auf 1,23 folgt und von dort das Subjekt „Christus“ erhält, d. h. Vers 5 ist die kanonisch redaktionelle Brücke, die das kanonische Stück der voranstehenden Verse mit den Versen 6-8 verknüpfen soll. Man vergleiche auch die Parallelstelle zu Vers 7 in *Röm 8,3. Der Vergleich der Lexeme stützt die Präsenz der Verse 6-8 in der vorkanoni‐ schen Fassung, auch wenn wieder der eigensprachliche Charakter von *Phil deutlich wird. Auch wenn ἐταπείνωσεν ἑαυτὸν γενόμενος in Vers 8 unbezeugt ist, spricht die Lexik doch für die Präsenz dieses Passus, gestützt von dem argumentativen Zusammenhang, der ihn vorauszusetzen scheint. Auffallend ist allerdings die inhaltliche Verschiebung, die sich durch die Veränderung des ὁμοιώματι ἀνθρώπων γενόμενος: καὶ σχήματι εὑρεθεὶς ὡς ἄνθρωπος ergibt und worauf Tertullian breit eingeht. Es springt der Plural ἀνθρώπων in Vers 8 auf der kanonischen Ebene ins Auge, auch die Behauptung, dass Christus ἐν ὁμοιώματι ἀνθρώπων „geworden“ ist, während die von Christus gewählte Form nicht, wie in der vorkanonischen Fassung, als „Mensch“, sondern lediglich ὡς ἄνθρωπος bezeichnet wird. Wie schon Harnack richtig gesehen hat, wird in der Version von Markions Sammlung Christus nicht nur „ähnlich einem Menschen“ erfunden, sondern „als Mensch“. Auch spätere Autoren, wie Chrysostom (Hom. 7 in Phil.) und Eznik (De Deo 176. 177) kritisieren Markion für diese Position. 2. (2,6-7) Die beiden Verse werden von E. Barnikol als Interpolation be‐ trachtet. 20 3. (2,9-11) Hilgenfeld sieht in Epiphanius eine Berührung mit Vers 10, doch nach dem übereinstimmenden Urteil aller anderen Editoren sind diese Verse unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 9 (Phil) 607 <?page no="608"?> D. (2,6) ὅς, das Relativpronomen, steht 213 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 2,16; 3,11; 7,7; *2Kor 4,4; *Kol 1,15. ♦ μορφή steht 3 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für Vers 7. ♦ ὑπάρχω, das 66 / 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. ♦ οὐχ, das 105 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 11,40; 24,3; *Röm 10,3; *Phil 1,17. ♦ ἁρπαγμός ist Hapax legomenon im NT. ♦ ἡγέομαι, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Phil 3,7. 8. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23. ♦ ἴσος steht 8 Mal im NT und ist vorkanonisch nur für die Stelle hier bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, das bis auf ἴσος weiter vorkanonisch bezeugt ist. (2,7) Die unbezeugte Wendung ἀλλὰ ἑαυτόν steht nur hier im NT. ♦ κενόω, das 6 / 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Zu μορφή vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ δοῦλος, das 51 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *2Kor 4,5. ♦ ὁμοίωμα, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Röm 8,3. ♦ σχῆμα steht nur noch 1 weiteres Mal im NT, für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ εὑρίσκω, das 198 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians, das bis auf σχῆμα weiter vorkanonisch bezeugt ist. (2,8) ταπεινόω, das 21 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,16. ♦ ὑπήκοος steht 3 Mal im NT, vorkanonisch nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22. ♦ Das unbezeugte μέχρι steht 21 / 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; *Kol 1,20. Zur Rekonstruktion: Auch bei diesem Vers folgt der Text dem Zeugnis Tertul‐ lians. Da das von Tertullian nicht bezeugte μέχρι nur auf der kanonischen Ebene belegt ist, wird es eine kanonisch-redaktionelle Ergänzung darstellen und vorkanonisch gefehlt haben. Erneut erweist sich, wie eng Bezeugung und Lexik zusammenstimmen. (2,9) Die Kombination διὸ καί steht 11 Mal im NT, 7 Mal als Verseröffnung wie hier; als Verseröffnung begegnet die Kombination ausschließlich auf der kanonischen Ebene, als Kombination im Vers ist sie vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,20; 4,13, vgl. zu 2Kor 5,9. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 608 Rekonstruktion <?page no="609"?> *1Kor 2,16; 15,25; *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter die Verse 27. 28. 29. ♦ ὑπερυψόω ist Hapax legomenon im NT. ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. ♦ πᾶν (Nom. / Akk. / Vok. Neut. Sg.), das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt im Zitat von Dtn 19,15, in *Röm 3,19 und in *Kol 1,19. ♦ ὄνομα, das 248 / 231 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 2,24, und, auf den Herrn bezogen (τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ), ein Begriff der kanonischen Redaktion ist. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung διὸ καί; Semantik von ὄνομα). Er wird ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. Man bemerke χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das vorkanonisch nur für *Kol bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropauli‐ nums zur kanonischen Sprache hinweist. (2,10) Die Kombination ἵνα ἐν steht 18 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Röm 15,32, in einem Vers, der in *Röm fehlt; Phil 2,10; im Vers: Joh 16,33; 1Kor 4,6; 2Kor 7,9; 9,8; 11,12; Gal 6,13; Eph 2,10; 6,20; 1Tim 1,16; Jak 4,3; 4 Mal 1Petr; 2Joh 1,6; Apk 19,15), vorkanonisch bezeugt im Vers: *Laod 6,20. ♦ Zur kanonischen Semantik von ὄνομα vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ γόνυ, das 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,41. ♦ Die Wendung πᾶν γόνυ steht noch 1 weiteres Mal im NT, Röm 14,11 (κάμψει πᾶν γόνυ). ♦ κάμπτω, das 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ ἐπουράνιος, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,40. 48; *Laod 3,10; 6,12. ♦ ἐπίγειος, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,40; *2Kor 5,1. ♦ καταχθόνιος ist Hapax legomenon im NT. Zur Abwesenheit: Dieser vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Verseröffnung ἵνα ἐν; Semantik von ὄνομα; πᾶν γόνυ; κάμπτω). (2,11) Die Kombination καὶ πᾶσα steht 10 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Phil 2,11; Apk 16,20; im Vers: 3 Mal Mt; Röm 14,11: καὶ πᾶσα γλῶσσα; Hebr 2,2; 1Petr 1,24; Apk 16,3), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσα(ι) (Nom. / Vok. Fem. Sg. / Pl.), das 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. ♦ γλῶσσα, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,10; 14,2. ♦ Die Wendung καὶ πᾶσα γλῶσσα steht 1 weiteres Mal, Röm 14,11. ♦ ἐξομολογέομαι, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung κύριος Ἰησοῦς Χριστός steht 1 weiteres Mal im NT, 1Kor 8,6. ♦ δόξα, das 178 / 166 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 2,7. 8; 15,41. 43; *2Kor 3,7. 18; 4,6; *2Thess 1,9; *Laod 1,12. 17; *Phil 3,21. ♦ Die Wendung 9 (Phil) 609 <?page no="610"?> εἰς δόξαν θεοῦ steht 1 weiteres Mal, 1Kor 10,31 - und hat, wenn auch unbezeugt, möglicherweise vorkanonisch dort gestanden. ♦ Die weitere Wendung εἰς δόξαν θεοῦ πατρός steht nur hier im NT. ♦ πατήρ im Singular, der 297 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; 5,1; *Laod 1,17; 2,18; 4,6; 5,31; 6,2, vgl. auch Vers 22. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (καὶ πᾶσα; καὶ πᾶσα γλῶσσα; ἐξομολογέομαι; κύριος Ἰησοῦς Χριστός). Der lexikalische Vergleich weist einige vorkanonisch bezeugte Begriffe auf, jedoch auch eine Reihe von ausschließlich oder bevorzugt auf der kanonischen Ebene zu findende Termini. Für den argumentativen Zusammenhang ist die Passage nicht zwingend. Sie ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. 2,[12-18]: [Paränetische Ermahnungen] Diese vorkanonisch unbezeugte Passage führt mit kanonischer Semantik parä‐ netische paulinische Ermahnungen an, wobei wiederum eine implizite Selbst‐ kritik des Paulus ausgedrückt wird (Vers 16: „… damit ich nicht vergeblich gelaufen bin oder mich umsonst abgemüht habe“). - 12 Ὥστε, ἀγαπητοί μου, καθὼς πάντοτε ὑπηκούσατε, μὴ ὡς ἐν τῇ παρουσίᾳ μου μόνον ἀλλὰ νῦν πολλῷ μᾶλλον ἐν τῇ ἀπουσίᾳ μου, μετὰ φόβου καὶ τρόμου τὴν ἑαυτῶν σωτηρίαν κατεργάζεσθε· 13 θεὸς γάρ ἐστιν ὁ ἐνεργῶν ἐν ὑμῖν καὶ τὸ θέλειν καὶ τὸ ἐνεργεῖν ὑπὲρ τῆς εὐδοκίας. 14 πάντα ποιεῖτε χωρὶς γογγυσμῶν καὶ διαλογισμῶν, - 15 ἵνα γένησθε ἄμεμπτοι καὶ ἀκέραιοι, τέκνα θεοῦ ἄμωμα μέσον γενεᾶς σκολιᾶς καὶ διεστραμμένης, ἐν οἷς φαίνεσθε ὡς φωστῆρες ἐν κόσμῳ, 16 λόγον ζωῆς ἐπέχοντες, εἰς καύχημα ἐμοὶ εἰς ἡμέραν Χριστοῦ, ὅτι οὐκ εἰς κενὸν ἔδραμον οὐδὲ εἰς κενὸν ἐκοπίασα. 17 ἀλλὰ εἰ καὶ σπένδομαι ἐπὶ τῇ θυσίᾳ καὶ λειτουργίᾳ τῆς πίστεως ὑμῶν, χαίρω καὶ συγχαίρω πᾶσιν ὑμῖν· 18 τὸ δὲ αὐτὸ καὶ ὑμεῖς χαίρετε καὶ συγχαίρετέ μοι. 610 Rekonstruktion <?page no="611"?> A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (2,12-14) Zahn, Schmid und BeDuhn sehen diese Verse als unbezeugt Harnack schlägt folgenden Text als bezeugt vor: 12 Ὥστε, ἀγαπητοί μου, καθὼς ἠκούσατε τὴν παρουσίαν μου, οὕτω κρατεῖτε καὶ πράσσετε ἐν φόβῳ θεοῦ (was Harnack als „tendenziöse grobe Fälschung“ bezeichnet), 13 ἔστιν γὰρ ὁ θεὸς ὁ ἐνεργῶν ἐν ὑμῖν. 14 ποιεῖτε χωρὶς διαλογισμοῦ ὃ τι ἂν ποιῆτε. 2. (2,15-18) Die Editoren stimmen darin überein, dass die Verse 15-18 unbe‐ zeugt sind, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit der nicht näher bestimmbaren Präsenz dieser Verse rechnen. D. (2,12) ἀγαπητοί steht 27 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,14. ♦ Das nach Harnack nicht bezeugte πάντοτε, das sich 42 / 41 Mal im NT findet, steht ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Das ebenfalls nach Harnack unbezeugte ὑπακούω, das 24 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25; *2Thess 1,8; *Laod 6,1. Das verbum simplex, ἀκούω, steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ παρουσία, das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 4,15; 5,23. ♦ μόνον, das 73 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,10; *1Kor 7,39. ♦ Die Kombination μόνον ἀλλά steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (3 Mal Joh; Röm 4,12. 16; Phil 2,12; 1Thess 1,5; 1Joh 2,2; 5,6). ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Kombination ἀλλὰ νῦν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Lk 22,36, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2Kor 5,16; Phil 2,12). ♦ Das von Harnack vorgeschlagene κρατέω, das 48 / 47 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,19. ♦ Das weitere, von Harnack vorgeschlagene πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10; *Röm 2,25. ♦ πολλῷ μᾶλλον steht 10 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ πολύς, πολλή, πολύ (inkl. Nom. / Gen. / Dat. / Akk. Sg.), das 121 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἀπουσία ist Hapax legomenon im NT. ♦ φόβος, das 61 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τρόμος, das 5 Mal im NT begegnet, vier Mal in Kombination mit φόβος, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ σωτηρία, das 50 / 46 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,16. ♦ κατεργάζομαι, das 25 / 22 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. 9 (Phil) 611 <?page no="612"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀγαπητοί; πάντοτε; μόνον ἀλλά; ἀλλὰ νῦν; πολλῷ μᾶλλον; φόβος; τρόμος; κατεργάζομαι. (2,13) Die Kombination θεὸς γάρ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 1,19; 14,3; Phil 2,13). ♦ ἐνεργής, das 7 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ὑμῖν steht 89 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Ausdruck τὸ θέλειν steht nur noch 1 weiteres Mal, auf der kanonischen Ebene, 2Kor 8,10. ♦ ἐνεργέω steht 22 / 21 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,20; 2,2. ♦ εὐδοκία, das 12 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,9; *Phil 1,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: θεὸς γάρ; ἐνεργής; ἐν ὑμῖν; τὸ θέλειν. Zu bemerken ist ἐνεργέω, das vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (2,14) Die Form ποιεῖτε steht 18 Mal im NT, Lk 22,19, in einem Vers, der in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,31. 46. ♦ χωρίς steht 43 / 41 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,12. ♦ γογγυσμός steht 4 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ διαλογισμός, das 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,20. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: γογγυσμός. (2,15) Die Kombination ἵνα γένησθε steht 1 weiteres Mal im NT, im Vers vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,18. ♦ ἄμεμπτος, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,23. ♦ ἀκέραιος, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,31; *1Kor 4,14; *Laod 2,3; 6,1. ♦ Der Ausdruck τέκνα θεοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,16. ♦ ἀμώμητος steht 2 / 1 Mal im NT, beide Male auf der kanonischen Ebene. Das verwandte ἄμωμος steht 9 / 8 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ἄμωμον das 3 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ μέσος, das 67 / 58 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 4,30. ♦ γενεά, das 44 / 43 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ σκολιός steht 4 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene. ♦ διαστρέφω, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,2. ♦ φαίνω, das 34 / 31 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ φωστήρ steht 2 Mal im NT, das andere Mal ebenfalls auf kanonischer Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀκέραιος; τέκνα θεοῦ; ἀμώμητος/ ἄμωμος/ ἄμωμον; σκολιός; φαίνω; φωστήρ. 612 Rekonstruktion <?page no="613"?> (2,16) Die Kombination λόγον ζωῆς steht nur hier im NT. ♦ ἐπέχω steht 5 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene belegt. ♦ καύχημα, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 9,15. ♦ Die Wendung εἰς ἡμέραν steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 4,30. ♦ Die Wendung εἰς ἡμέραν Χριστοῦ steht 1 weiteres Mal, Phil 1,10. ♦ κενός, das 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2; *Kol 2,8. ♦ Die Wendung εἰς κενόν steht 5 Mal im NT (2Kor 6,1; Gal 2,2: εἰς κενὸν ἔδραμον; Phil 2,16; 1Thess 3,5), vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2. ♦ τρέχω steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,2. ♦ οὐδέ, das 161 / 144 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; 2,3. 5; 6,13. ♦ κοπιάω, das 26 / 23 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐπέχω; εἰς ἡμέραν; εἰς ἡμέραν Χριστοῦ; κοπιάω. (2,17) Die Kombination ἀλλά εἰ steht 7 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Phil 2,17; 1Petr 3,14; im Vers: Mk 9,22; 1Kor 7,21; 2Kor 4,16; Eph 4,29; 1Petr 2,20), vorkanonisch bezeugt im Vers für *2Kor 4,16. ♦ σπένδω steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ θυσία, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ λειτουργία, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene, dann auch λειτουργέω, das 2 Mal zu finden ist, und λειτουργός, das 6 / 5 Mal im NT steht. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12, vgl. weiter die Verse 18. 28. ♦ συγχαίρω steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ Die Kombination πᾶσιν ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Verseröffnung ἀλλά εἰ; σπένδω; λειτουργία; συγχαίρω; πᾶσιν ὑμῖν. Zu bemerken ist θυσία das einzig für *Laod vorkanonisch bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deute‐ ropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (2,18) Die Wendung τὸ δὲ αὐτό steht 1 weiteres Mal im NT, 1Kor 12,4. ♦ Zu αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.) vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Zu χαίρω und συγχαίρω vgl. zum davorstehenden Vers 17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τὸ δὲ αὐτό; συγχαίρω. Der lexikalische Vergleich stützt erneut, dass die vorkanonisch unbezeugte Passage auf die kanonische Redaktion zurückzuführen ist und vorkanonisch gefehlt hat. 9 (Phil) 613 <?page no="614"?> 2,[19-30]: [Die Gesandten des Paulus] In dieser vorkanonisch unbezeugten Passage verweist der kanonische Paulus auf seine Gesandten Timotheus und Epaphroditus. - 19 Ἐλπίζω δὲ ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ Τιμόθεον ταχέως πέμψαι ὑμῖν, ἵνα κἀγὼ εὐψυχῶ γνοὺς τὰ περὶ ὑμῶν. 20 οὐδένα γὰρ ἔχω ἰσόψυχον ὅστις γνησίως τὰ περὶ ὑμῶν μεριμνήσει, 21 οἱ πάντες γὰρ τὰ ἑαυτῶν ζητοῦσιν, οὐ τὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ. 22 τὴν δὲ δοκιμὴν αὐτοῦ γινώσκετε, ὅτι ὡς πατρὶ τέκνον σὺν ἐμοὶ ἐδούλευσεν εἰς τὸ εὐαγγέλιον. 23 τοῦτον μὲν οὖν ἐλπίζω πέμψαι ὡς ἂν ἀφίδω τὰ περὶ ἐμὲ ἐξαυτῆς· 24 πέποιθα δὲ ἐν κυρίῳ ὅτι καὶ αὐτὸς ταχέως ἐλεύσομαι. 25 Ἀναγκαῖον δὲ ἡγησάμην Ἐπαφρόδιτον τὸν ἀδελφὸν καὶ συνεργὸν καὶ συστρατιώτην μου, ὑμῶν δὲ ἀπόστολον καὶ λειτουργὸν τῆς χρείας μου, πέμψαι πρὸς ὑμᾶς, 26 ἐπειδὴ ἐπιποθῶν ἦν πάντας ὑμᾶς, καὶ ἀδημονῶν διότι ἠκούσατε ὅτι ἠσθένησεν. 27 καὶ γὰρ ἠσθένησεν παραπλήσιον θανάτῳ· ἀλλὰ ὁ θεὸς ἠλέησεν αὐτόν, οὐκ αὐτὸν δὲ μόνον ἀλλὰ καὶ ἐμέ, ἵνα μὴ λύπην ἐπὶ λύπην σχῶ. 28 σπουδαιοτέρως οὖν ἔπεμψα αὐτὸν ἵνα ἰδόντες αὐτὸν πάλιν χαρῆτε κἀγὼ ἀλυπότερος ὦ. 29 προσδέχεσθε οὖν αὐτὸν ἐν κυρίῳ μετὰ πάσης χαρᾶς, καὶ τοὺς τοιούτους ἐντίμους ἔχετε, 30 ὅτι διὰ τὸ ἔργον Χριστοῦ μέχρι θανάτου ἤγγισεν, παραβολευσάμενος τῇ ψυχῇ ἵνα ἀναπληρώσῃ τὸ ὑμῶν ὑστέρημα τῆς πρός με λειτουργίας. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (2,30) παραβολεύομαι steht in P 46 , 01, 02, 03, 06, 010, 012, 0278 vid , 1175, sa, bo pt , während παραβουλεύομαι sich findet in 04, 018, 020, 025, 044, 075, 33, 81, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, 2464, M, sy, bo pt . C. 1. (2,19-30) Die Editoren stimmen darin überein, dass die Verse 19-30 unbe‐ zeugt sind, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit der nicht näher bestimmbaren Präsenz dieser Verse rechnen, BeDuhn nimmt in Klammern die Übersetzung von Vers 25 in seine Rekon‐ struktion hinein, und zwar wegen der Erwähnung des Epaphroditus, dessen 614 Rekonstruktion <?page no="615"?> Name hier wie im markionitischen Prolog begegnet. Doch wie im Kolosserbrief mit Archippus, im Philemonbrief mit Onesimus, ist auch hier nicht klar, ob der Name vom Text in den Prolog oder vom Prolog in den Text gewandert ist. Es muss also jeder Fall einzeln bedacht werden. 2. (2,25) Man vergleiche die Parallele dieses Versanfanges (ἀναγκαῖον δὲ ἡγησάμην Ἐπαφρόδιτον τὸν ἀδελφόν) zu 2Kor 9,5: ἀναγκαῖον οὖν ἡγησάμην παρακαλέσαι τοὺς ἀδελφούς. 3. (2,30) Auffallenderweise bezieht sich der Vers nun zurück auf den letzten, vorkanonisch bezeugten Vers 8 weiter oben (μέχρι θανάτου). D. (2,19) Die Kombination ἐλπίζω δέ steht 5 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,6. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 14,14. ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ταχέως, das 10 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 14,21; *Gal 1,6, vgl. weiter Vers 24. ♦ πέμπω, das 86 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,3. ♦ Die Kombination ἵνα κἀγώ steht 1 weiteres Mal im NT, 2Kor 11,16. ♦ εὐψυχέω ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination περὶ ὑμῶν steht 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐλπίζω δέ; ἐν κυρίῳ; ἐν κυρίῳ Ἰησοῦ; Τιμόθεον; ἵνα κἀγώ; περὶ ὑμῶν. (2,20) οὐδένα (Akk. Mask. Sg.), das 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination οὐδένα γάρ steht nur hier im NT. ♦ ἰσόψυχος und γνησίως sind Hapax legomena im NT. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ Zur kanonischen Kombination περὶ ὑμῶν vgl. zum voranstehenden Vers 2,19. ♦ μεριμνάω, das 24 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐδένα; περὶ ὑμῶν. (2,21) Die Kombination οἱ πάντες steht 4 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 5,14. ♦ Die Wendung τὰ ἑαυτῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 5,28. ♦ ζητέω, das 130 / 117 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,22; *Röm 10,3. ♦ Die 9 (Phil) 615 <?page no="616"?> Form ζητοῦσιν steht 9 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,22, vgl. zu Röm 11,3. ♦ Die Wendung οὐ τά steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οἱ πάντες; τὰ ἑαυτῶν. (2,22) δοκιμή, das 7 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ γιγνώσκω, das 256 / 222 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ Zu πατήρ im Singular vgl. zuvor zu Vers 11. ♦ Zu τέκνον vgl. weiter oben zu Vers 15. ♦ Die Kombination σὺν ἐμοί steht 10 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,4. ♦ δουλεύω, das 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,13; *Gal 4,8. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung εἰς τὸ εὐαγγέλιον steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Phil 1,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: δοκιμή; σὺν ἐμοί; εἰς τὸ εὐαγγέλιον. (2,23) τοῦτον, das 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination μὲν οὖν steht 39 Mal im NT, nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,4. ♦ ἐλπίζω steht 32 / 31 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev, vgl. zuvor zu Vers 19. ♦ Zu πέμπω vgl. zuvor zu Vers 19 und weiter unten zu den Versen 25 und 28. ♦ ἄν, das 205 / 167 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,25; *1Kor 2,8. ♦ Die Kombination ὡς ἄν steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor 11,34. ♦ ἀφοράω steht noch 1 weiteres Mal, auch auf kanonischer Ebene. ♦ Die Kombination περὶ ἐμέ steht 1 weiteres Mal im NT, Apg 22,6. ♦ ἐξαυτῆς steht 7 / 6 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μὲν οὖν; ὡς ἄν; ἀφοράω; περὶ ἐμέ; ἐξαυτῆς. (2,24) πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πέποιθα steht 1 weiteres Mal im NT, Gal 5,10. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ αὐτός (Nom. Mask. Sg.), das 153 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,14; *Kol 1,17. ♦ Die Wendung ὅτι καὶ αὐτός steht nur hier im NT. ♦ Zu ταχέως vgl. zuvor zu Vers 19. ♦ Die Form ἐλεύσομαι steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu 1Kor 4,19. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πέποιθα; ἐν κυρίῳ; ἐλεύσομαι. 616 Rekonstruktion <?page no="617"?> 21 A. Bowden, Desire in Paul’s Undisputed Epistles. Semantic Observations on the Use of epithymeō, ho epithymētēs, and epithymía in Roman Imperial Texts (2020), 406. (2,25) ἀναγκαῖος, das 7 / 8 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ Die Form ἀναγκαῖον steht 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und wiederum auf der kanonischen Ebene, in 2Kor 9,5. ♦ ἡγέομαι, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 2,6; 3,7. 8. ♦ Die Form ἡγησάμην steht ebenfalls 1 weiteres Mal in 2Kor 9,5. ♦ Ἐπαφρόδιτος steht nur noch 1 weiteres Mal im selben Brief, auch auf kanonischer Ebene, ist allerdings auch im Briefprolog erwähnt. ♦ συνεργός, das 14 / 13 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ συστρατιώτης steht nur noch 1 weiteres Mal, auch auf der kanonischen Ebene (Phil 2,25; Phlm 1,2). ♦ Die Wendung ὑμῶν δέ steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀπόστολος, das 83 / 80 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1. 17; *Laod 2,20. ♦ λειτουργός, das 6 / 5 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 17. ♦ χρεία, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. ♦ Zu πέμπω vgl. zuvor zu den Versen 19 und 23. ♦ Zum kanonischen πρὸς ὑμᾶς vgl. zu Vers Röm 15,29. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἀναγκαῖον; ἡγησάμην; συνεργός; συστρατιώτης; ὑμῶν δέ; λειτουργός; πρὸς ὑμᾶς. (2,26) ἐπειδή, das 11 / 10 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,21. 22, *1Kor 15,21. ♦ ἐπιποθέω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,2. Der Begriff knüpft allerdings an den früheren Gebrauch in Phil 1,8 (ἐπιποθῶ πάντας ὑμᾶς) an. 21 ♦ πάντας, das 90 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,28; *2Kor 5,10; *Laod 3,9. ♦ Die Kombination πάντας ὑμᾶς steht 6 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 14,5. ♦ ἀδημονέω steht 3 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ διότι steht 26 / 23 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,28. ♦ ἀσθενέω, das 47 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,6. ♦ Die Form ἠσθένησεν steht 1 weiteres Mal im NT, Phil 2,27. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πάντας ὑμᾶς; ἀδημονέω; ἠσθένησεν. (2,27) Die Kombination καὶ γάρ steht 39 Mal im NT, davon 24 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4 (als Verseröffnung); *1Kor 5,7 (im Vers). ♦ Zu ἀσθενέω und ἠσθένησεν vgl. zum Vers zuvor. ♦ παραπλήσιος ist Hapax legomenon, auch das Adverb παραπλησίως ist Hapax legomenon im NT und steht auf der kanonischen Ebene in Hebr 2,14. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. ♦ Die Wendung ἀλλὰ ὁ θεός steht 3 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für 1Kor 9 (Phil) 617 <?page no="618"?> 12,24, vgl. zu dieser Stelle. ♦ Die Wendung οὐκ αὐτὸν δὲ μόνον steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung μόνον ἀλλά steht 1 weiteres Mal im NT, Joh 12,9. ♦ Die Kombination ἀλλὰ καί steht 44 Mal im NT, davon 6 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,8; 4,25 ↑*Laod 1,21 (im Vers). ♦ ἐλεάω, das 5 / 4 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μόνον, vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ λύπη, das 17 / 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form σχῶ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 2,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἠσθένησεν; μόνον ἀλλά; ἀλλὰ καί; ἐλεάω; λύπη; σχῶ. (2,28) Das Adverb σπουδαιοτέρως ist Hapax legomenon im NT und auch die ver‐ wandten Begriffe σπουδάζω, das 11 Mal im NT steht und σπουδή, das 12 Mal im NT steht, finden sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu πέμπω vgl. zuvor zu den Versen 19, 23 und 25. ♦ Die Wendung οὖν ἔπεμψα steht 1 weiteres Mal im NT, Apg 10,33. ♦ Zu χαίρω vgl. zuvor die Verse 17. 18. ♦ ἄλυπος bzw. ἀλυπότερος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Verbform ὦ steht 2 Mal im NT, auch das andere Mal ( Joh 9,5) auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὖν ἔπεμψα; ὦ. (2,29) προσδέχομαι, das 15 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,36. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ πάσης (Gen. Fem. Sg.), das 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter oben zu Vers 2. ♦ τοιοῦτος, das 62 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *1Kor 15,48. ♦ ἔντιμος, das 4 Mal im NT steht, etwa Lk 7,2, wo an dessen Stelle im parallelen Vers in *Ev wohl τίμιος stand (wenn auch unbezeugt), findet sich wie auch an den anderen Stellen nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐν κυρίῳ; πάσης; χαρά; ἔντιμος. (2,30) Die Kombination ὅτι διά steht 5 Mal im NT, nur hier als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔργον, das 187 / 169 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,48; *Gal 2,16; 3,10; 5,19; *1Kor 3,13. 14; 5,2, 5,19; *Kol 1,21. ♦ Die Wendung τὸ ἔργον Χριστοῦ steht nur hier im NT. ♦ Zu θάνατος vgl. zuvor zu Vers 27. ♦ μέχρι steht 21 / 17 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐγγίζω, das 45 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ παραβολεύομαι und die Variante παραβουλεύομαι sind Hapax legomena im NT. ♦ ψυχή, das 118 Mal im NT 618 Rekonstruktion <?page no="619"?> steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,45; *1Thess 5,23. ♦ ἀναπληρόω, das 7 / 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,2. ♦ ὑστέρημα, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 1,24. ♦ λειτουργία, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene, vgl. zuvor zu Vers 17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι διά; μέχρι; λειτουργία. Zu bemerken ist ὑστέρημα, das vorkanonisch nur für *Kol bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. Der lexikalische Vergleich zeigt deutlich, dass die gesamte unbezeugte Pas‐ sage aufgrund der Fülle ausschließlich kanonisch bezeugter oder bevorzugter Elemente ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und in der vorkanoni‐ schen Fassung gefehlt hat. Dies gilt insbesondere auch für den von BeDuhn aufgenommenen Vers 25, so dass sich das Abhängigkeitsverhältnis zwischen diesem Vers und dem markionitischen Proöm gegenüber BeDuhns Annahme der Bearbeitungsrichtung *Phil 2,25 > *Proöm umgekehrt vorgestellt werden muss: *Proöm > Phil 2,25. Kapitel 3 3,[1-2]: [Eröffnung] Die beiden vorkanonisch unbezeugten Verse bieten eine kanonische Einführung und Erläuterung, die implizit den Charakter einer Erweiterung der vorkanoni‐ schen Vorlage deutlich macht (Vers 1: „… Euch dasselbe zu schreiben, wird mir nicht lästig-…“). - 3,1 Τὸ λοιπόν, ἀδελφοί μου, χαίρετε ἐν κυρίῳ. τὰ αὐτὰ γράφειν ὑμῖν ἐμοὶ μὲν οὐκ ὀκνηρόν, ὑμῖν δὲ ἀσφαλές. 2 Βλέπετε τοὺς κύνας, βλέπετε τοὺς κακοὺς ἐργάτας, βλέπετε τὴν κατατομήν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (3,1-2) Nach Zahn, Schmid und BeDuhn sind die beiden ersten Verse unbe‐ zeugt, auch wenn Zahn grundsätzlich von ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz ausgeht. Harnack hingegen sieht folgenden Text von Vers 1 vorkano‐ nisch bezeugt: Τὸ λοιπόν, ἀδελφοί μου, χαίρετε ἐν Χριστῷ. 9 (Phil) 619 <?page no="620"?> 22 P. Ewald, Der Brief des Paulus an die Philipper (1917), 163; B. Weiss, Der Philipper-Brief ausgelegt und die Geschichte seiner Auslegung kritisch dargestellt (1859), 219. A. Standhartinger verweist des Weiteren auf Theodoret, Comm. in Phil 3,1 (PG 82,577), der das Urteil von Theodor teilt, vgl. A. Standhartinger, Der Philipperbrief und die Entstehung der Paulusbriefsammlung (2021), 435. Vgl. Severian von Gabala, in: K. Staab, Pauluskommentare aus der griechischen Kirche (1933), 313; J.H. Heinrichs, Pavlli Epistolae Ad Philippenses et Colossenes Graeca perpetua annotatione illustratae (1803), 83; H.E.G. Paulus, Philologisch-kritischer und historischer Commentar über das Neue Testament (1812), 702-704. 23 K. Grayston, The letters of Paul to the Philippians and to the Thessalonians commentary (1967), 36. 24 J. Hargreaves, A guide to Philippians (1983), 82. 25 E. Lohmeyer, Der Brief an die Philipper (1974), 124. 26 Ibid. 27 Ähnlich urteilt P. Bonnard and C. Masson, L’ épître de Saint Paul aux Philippiens (1950), 60. J.-F. Collange, L’ épître de Saint Paul aux Philippiens (1973), 110. 28 W. Schenk, Die Philipperbriefe des Paulus. Kommentar (1984), 243. 29 A. Standhartinger, Der Philipperbrief und die Entstehung der Paulusbriefsammlung (2021), 435. Berücksichtigt man für beide Verse das Kriterium des argumentativen Zu‐ sammenhangs, fällt vor allem der Rückverweis von Vers 1 auf. P. Ewald meint, bei dem Verweis handele es sich „nicht um die Rückbeziehung auf Geschriebenes im vorliegenden Briefe oder auf früher mündlich Gesagtes“, wobei er mit dem ersten Gedanken die Position von Weiß, mit dem zweiten Theodor von Mopsuestia (In epp. B. Pauli Comm., z.St.) bestreitet, sondern auf „früher … nach Philippi“ Geschriebenes. 22 K. Grayston trägt als stützendes Argument vor, dass in Phil 3,2-41 wiederholt auf Warnungen hingewiesen wird, die in früheren Briefen gegeben worden seien, also dass dieser Brief Teil einer Korrespondenz mit Philippi sei, die sich nicht erhalten hat. 23 Dieser Position folgt 1983 noch J. Hargreaves. 24 Stattdessen versteht E. Lohmeyer den Rückverweis briefintern. 25 Er meint: „alle Versuche, das αὐτά auf etwas bisher nicht Erwähntes zu beziehen, scheitern an dem Wortlaut und erübrigen sich vor dieser einfachen Deutung. Auch ein Bruch oder eine Diktierpause … braucht nicht angenommen zu werden. Die Frage nach anderen Philipperbriefen des Pls. (Polyc. Ad Phil 3,2 spricht von ἐπιστολαί) ist ebensowenig an diesen Text heranzutragen“. 26 J.-F. Collange denkt an eine Kritik an Gegnern mit Blick auf die Ausführungen von Kapitel 2. 27 W. Schenke sieht den Verweis als Bezug zu Phil 1,26 und 2,28-29. 28 „In Modifikation einer These von Severian von Gabala (gest. 408) vermuten Johann Heinrich Heinrichs und Heinrich Eberhard Gottlob Paulus, der Abschnitt 3,2-4,20 richte sich entweder an Eingeweihte oder an die Gemeindeleitung“. 29 Bezieht man den Rückverweis intern wie Schenk, wird man zu Stellen geführt, die auf der kanonischen Ebene stehen. 620 Rekonstruktion <?page no="621"?> D. (3,1) Die Kombination τὸ λοιπόν steht 7 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Phil 3,1. ♦ Die Wendung ἀδελφοί μου steht 19 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,11. ♦ χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12. ♦ Die Form χαίρετε findet sich 12 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 13,11. ♦ Die Wendung χαίρετε ἐν κυρίῳ steht 1 weiteres Mal in Phil 4,4. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ αὐτά (Nom. / Akk. Neut. Pl.), das 53 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,12. ♦ Die Wendung τὰ αὐτά steht 8 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,23. 26. ♦ γράφω, das 213 / 191 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,19. 31; 3,19; 9,10; 10,7. 11; 14,21; 15,54, vielleicht sogar auch in einer sehr ähnlichen Formulierung (*1Kor 4,14: ὑμᾶς ταῦτα γράφω). ♦ Die Wendung γράφειν ὑμῖν steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,1. ♦ ὀκνηρός, das 3 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀσφαλής, das 5 Mal im NT begegnet, steht immer auf der kanonischen Ebene. Das verwandte Nomen ἀσφάλεια, das 3 Mal im NT steht, begegnet nur auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist eine Fülle von Elementen auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (τὸ λοιπόν; ἀδελφοί μου; ἐν κυρίῳ; χαίρετε; χαίρετε ἐν κυρίῳ; γράφειν ὑμῖν; ὀκνηρός; ἀσφαλής). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (3,2) Die Imperativform βλέπετε, die 24 Mal im NT steht, davon 12 Mal als Verseröff‐ nung, ist vorkanonisch bezeugt als Verseröffnung für *Ev 8,18, vgl. zu 1Kor 1,26. ♦ βλέπω, das 135 / 133 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 4,18. ♦ κύων steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ κακός, das 54 / 50 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6; *2Kor 5,10; *Röm 12,17. ♦ ἐργάτης, das 18 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27. ♦ κατατομή ist Hapax legomenon im NT. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist zwar nur ein Ele‐ ment auf, das ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt ist (κύων), doch bietet er die dreimalige Wiederholung von βλέπετε, was die kanonische Tendenz zur Wiederholung spiegelt. Hinzu kommt der argumentative Zusammenhang mit dem voranstehenden Vers 1. Auch der vorliegende Vers wird darum wohl ein Produkt der kanonischen Redaktion sein und vorkanonisch gefehlt haben. 9 (Phil) 621 <?page no="622"?> 3,3 [4] 5 [6] 7-9: Die Beschnittenen sind diejenigen, die ihre Gerechtigkeit aus Gott besitzen Der vorkanonische Gedankengang dieser Passage ist gut bezeugt. Die kanoni‐ sche Redaktion hat die kurzen, auch biographischen Angaben des *Paulus, erweitert, im Rückgriff auf die Verfolgung der Kirche durch *Paulus dramatisiert und, wie der nächste Abschnitt zeigen wird, moralisiert. 3,3 ἡμεῖς ἐσμεν ἡ περιτομή, οἱ καυχώμενοι ἐν σαρκί 3 ἡμεῖς γάρ ἐσμεν ἡ περιτομή, οἱ πνεύματι θεοῦ λατρεύοντες καὶ καυχώμενοι ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ καὶ οὐκ ἐν σαρκὶ πεποιθότες, - 4 καίπερ ἐγὼ ἔχων πεποίθησιν καὶ ἐν σαρκί. εἴ τις δοκεῖ ἄλλος πεποιθέναι ἐν σαρκί, ἐγὼ μᾶλλον· 5 περιτομῇ ἐκ γένους Ἑβραίων, ἐξ Ἑβραίων, ἐκ φυλῆς Βενιαμίν, Φαρισαῖος, 5 περιτομῇ ὀκταήμερος, ἐκ γένους Ἰσραήλ, φυλῆς Βενιαμίν, Ἑβραῖος ἐξ Ἑβραίων, κατὰ νόμον Φαρισαῖος, - 6 κατὰ ζῆλος διώκων τὴν ἐκκλησίαν, κατὰ δικαιοσύνην τὴν ἐν νόμῳ γενόμενος ἄμεμπτος. 7 ἅτινα ἦν μοι κέρδη, ταῦτα ἥγημαι διὰ τὸν Χριστὸν ζημίαν 7 [ἀλλὰ] ἅτινα ἦν μοι κέρδη, ταῦτα ἥγημαι διὰ τὸν Χριστὸν ζημίαν. 8 διὰ τὸ ὑπερέχον τῆς γνώσεως Χριστοῦ, - καὶ ἡγοῦμαι σκύβαλα 8 ἀλλὰ μενοῦνγε καὶ ἡγοῦμαι πάντα ζημίαν εἶναι διὰ τὸ ὑπερέχον τῆς γνώσεως Χριστοῦ Ἰησοῦ τοῦ κυρίου μου, δι’ ὃν τὰ πάντα ἐζημιώθην, καὶ ἡγοῦμαι σκύβαλα ἵνα Χριστὸν κερδήσω 9 ἔχων μὴ ἐμὴν δικαιοσύνην τὴν ἐκ νόμου, ἀλλὰ τὴν δι’ αὐτοῦ τὴν ἐκ θεοῦ. 9 καὶ εὑρεθῶ ἐν αὐτῷ, μὴ ἔχων ἐμὴν δικαιοσύνην τὴν ἐκ νόμου ἀλλὰ τὴν διὰ πίστεως Χριστοῦ, τὴν ἐκ θεοῦ δικαιοσύνην ἐπὶ τῇ πίστει, A. *3,3: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 20,6: Quae autem retro lucri duxerat, quae et supra numerat, gloriam carnis, notam circumcisionis, generis Hebraei ex Hebraeo censum. ♦ *3,5: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 20,6: notam circumcisionis, generis Heb‐ raei ex Hebraeo censum, titulum tribus Beniamin, pharisaeae candidae dignitatem. ♦ *3,7-9: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 20,6: haec modo detrimento sibi deputat, non deum, sed stuporem, Iudaeorum. Haec ac si stercora existimat prae comparatione agnitionis Christi, non prae reiectione dei creatoris, habens iustitiam non suam iam quae ex lege, sed quae per ipsum, scilicet Christum, ex deo. Ergo, inquis, hac distinctione lex non ex deo erat Christi. Subtiliter satis. Accipe itaque subtilius. 622 Rekonstruktion <?page no="623"?> 30 Vgl. hierzu A. Standhartinger, Philippians and Philemon (2022), 349-350; A. Standhar‐ tinger, Der Philipperbrief (2021), 255-258. Cum enim dicit, Non quae ex lege, sed quae per ipsum, non dixisset Per ipsum de alio quam cuius fuit lex. B. Keine nennenswerten Varianten. C. 1. (3,3) Was die Bezeugung dieses Verses betrifft, gehen die Meinungen der Editoren auseinander. Hilgenfeld und Zahn halten den Vers für unbezeugt, so auch Harnack und BeDuhn. Aber Schmid gibt - ganz gegen seine sonstige Zurückhaltung - an, Tertullian biete eine „Anspielung“ auf die Verse 3,3f. Der Hinweis notam circumcisionis, der unmittelbar weitergeführt wird mit generis Hebraei ex Hebraeo censum, scheint diese Anspielung jedoch nicht auf die περιτομή von Vers 3 auszurichten, sondern lässt zunächst eher an die Erwähnung der Beschneidung von Vers 5 denken. Allerdings muss die gloria auf das καυχώμενοι gehen, doch dieses Rühmen ist nach der kanonischen Version zunächst gerade nicht ein solches des Fleisches, sondern im Geist Gottes und in Christus und wird erst in Vers 4 zu einer solchen auch des Fleisches, eine Überlegung, die der vorkanonischen offenkundig widerspricht, nach welcher *Paulus sich schlicht der Beschneidung und seines Fleisches gerühmt hatte. Meines Erachtens gibt Harnack den entscheidenden Hinweis, den er jedoch nicht auf Vers 3, sondern auf Vers 4 bezieht. Er hebt nämlich hervor, dass Tertullian davon spricht, dass et supra von der gloria carnis die Rede sei, d. h. das Herausstellen des Fleisches muss bereits vor der Erwähnung der Beschneidung von Vers 5 in rühmender Weise angeklungen sein. Das geschieht jedoch nur, wenn man wie Schmid tatsächlich die Verse 3 und 4 voraussetzt. Was Vers 3 betrifft, wird mit den Stichworten Beschneidung 30 und Ruhm jedoch nur ein Stück dieses Verses bezeugt, was wiederum, wie gleich zu zeigen sein wird, mit dem lexikalischen Befund einhergeht. Wenn BeDuhn Vers 3 in seiner Übersetzung ausspart und den Anfang von Vers 4 in Klammern setzt, scheint auch er eine Überarbeitung der Vorlage für den kanonischen Text anzunehmen. Für eine solche spricht auch die lexikalische Beobachtung zu den Versen 3 und 4. 2. (3,4) Was die Bezeugung dieses Verses betrifft, sind sich bis auf Hilgenfeld, der den Vers für unbezeugt hält, die übrigen Editoren im Ergebnis einig; jedoch variieren die Begründung für die Bezeugungen. 9 (Phil) 623 <?page no="624"?> 31 Vgl. zu dieser Selbstbezeichnung A. Standhartinger, Philippians and Philemon (2022), 350-352. 32 Vgl. P. A. Holloway, Philippians. A Commentary (2017), 155. Zahn bezieht die gloria carnis auf Vers 4, auf den mit denselben Worten auch Schmid zu Vers 3 angespielt sieht, ohne dass er einen genauen Text gibt. BeDuhn schließt sich diesen an, und seiner Übersetzung liegt folgender griechischer Text zugrunde: [εἴ τις δοκεῖ ἄλλος] πεποιθέναι ἐν σαρκί, [ἐγὼ μᾶλλον]. Harnack hingegen sieht Vers 4 angezeigt, wie zuvor zu Vers 3 ausgeführt, durch den Hinweis Tertullians auf das (et supra) numerat gloriam carnis. Au‐ ßerdem fügt er aus dem gefälschten Laodizenerbrief noch den Text πεποίθησιν ἐν σαρκί hinzu. 3. (3,5) Hilgenfeld hält den Vers für unbezeugt. Zahn sieht den kanonischen Text dieses Verses für bezeugt. Harnack gibt als bezeugten Textbestand: Ἑβραῖος ἐξ Ἑβραίων, φυλῆς Βενιαμίν, Φαρισαῖος. Aus Tertullian ergänzt er nichts. Schmid führt als bezeugten Text an: … ἐκ γένους (Ἰσραήλ), φυλῆς Βενιαμίν, Ἑβραῖος ἐξ Ἑβραίων, (κατὰ νόμον) Φαρισαῖος. BeDuhns Übersetzung liegt folgender griechischer Text zugrunde: περιτομῇ ἐκ φυλῆς Βενιαμίν, Ἑβραῖος ἐξ Ἑβραίων, Φαρισαῖος. Es ist auffallend, dass die drei Zeugnisse der Selbstbezeichnung des Paulus als Israelit in seinen Briefen ausschließlich auf der kanonischen Ebene begegnen (2Kor 11,22; Röm 11,1; Phil 3,5). 31 Die Interpretation der kanonischen Form Ἑβραῖος ἐξ Ἑβραίων ist umstritten, wird jedoch am ehesten so ausgelegt, wie die vorkanonische Formulierung lautet und Tertullian sie gelesen hat. 32 4. (3,6) Nach Übereinstimmung aller Editoren ist dieser Vers unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack von dessen nicht näher bestimmbaren Präsenz ausgehen. 5. (3,7-9) Alle Editoren stimmen überein, dass Tertullian hier Teile dieser Verse bezeugt. Hilgenfeld schließt daraus, dass die Verse das in den Versen 3-6 Voranste‐ hende voraussetzen. Zahn rechnet mit der kanonischen Form der Verse 7 und 8, für Vers 9 sieht er folgenden Text bezeugt: καὶ εὑρεθῶ ἐν αὐτῷ, μὴ ἔχων ἐμὴν δικαιοσύνην τὴν ἐκ νόμου, ἀλλὰ τὴν δι’ αὐτοῦ ἐκ θεοῦ δικαιοσύνην. Harnack bietet als bezeugte Stücke: 7 ἅτινα ἦν μοι κέρδη, ταῦτα νῦν ἥγημαι ζημίαν. 8 διὰ τὸ ὑπερέχον τῆς γνώσεως Χριστοῦ ἡγοῦμαι σκύβαλα 9 ἔχων δικαιοσύνην μὴ ἐμὴν ἤδη τὴν ἐκ νόμου, ἀλλὰ τὴν δι’ αὐτοῦ ἐκ θεοῦ. 624 Rekonstruktion <?page no="625"?> Schmid gibt folgenden Text als bezeugt: 7 ἅτινα ἦν μοι κέρδη, ταῦτα ἥγημαι (διὰ τὸν Χριστὸν) ζημίαν. 8 … διὰ τὸ ὑπερέχον τῆς γνώσεως (τοῦ) Χριστοῦ (Ἰησοῦ) … καὶ ἡγοῦμαι σκύβαλα … 9 … μὴ ἔχων δικαιοσύνην ἐμὴν τὴν ἐκ νόμου ἀλλὰ τὴν δι’ αὐτοῦ, τὴν ἐκ θεοῦ. BeDuhn legt seiner Übersetzung folgenden griechischen Text zugrunde: 7 [ἀλλὰ] ἅτινα ἦν μοι κέρδη, ταῦτα ἥγημαι ζημίαν … 8 … διὰ τὸ ὑπερέχον τῆς γνώσεως Χριστοῦ … ἡγοῦμαι σκύβαλα … 9 … μὴ ἔχων ἐμὴν δικαιοσύνην τὴν ἐκ νόμου ἀλλὰ δι’ αὐτοῦ, τὴν ἐκ θεοῦ. Bezeugt ist allerdings auch das von den Editoren in Vers 7 unbezeugt gesehene διὰ τὸν Χριστόν (Tertullian: per ipsum, scilicet Christum), wenn auch nachgeschoben. Harnack sieht richtig, dass nach Tertullian sich die Verneinung nicht auf das ἔχων bezieht, wie im kanonischen Text, sondern auf das ἐμήν. Die weniger inversive Rekonstruktion besteht in der Umdrehung der Begriffe zu ἔχων μὴ ἐμήν, auch wenn sich dies nicht in Varianten niedergeschlagen hat. Für diese Korrektur spricht auch, dass der Ausdruck μὴ ἔχων ein kanonisch belegter ist, vgl. zu 1Kor 7,37. D. (3,3) Die Verbform ἐσμέν, die 54 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,31; *Laod 2,10. ♦ Die Kombination γάρ ἐσμεν steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene ♦ περιτομή, das 38 / 36 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,9; 5,6; *Röm 2,25. 29; *Laod 2,11. ♦ λατρεύω, das 23 / 21 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καυχάομαι, das 39 / 37 Mal im NT steht, und zwar ausschließlich in der Briefliteratur, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,29. 31; 3,21. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Kombination καὶ οὐκ steht 205 Mal im kanonischen NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,15. ♦ πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πεποιθότες steht noch 1 weiteres Mal im NT, 2Kor 1,9. Zur Rekonstruktion: Wie in C. angegeben, folgt der Text den Hinweisen Tertullians. Berücksichtigt man die Lexik, wird man das γάρ vorkanonisch fehlen sehen, weil es den Anschluss an die kanonischen Verse 1-2 bildet. Auch das unbezeugte πνεύματι wird wohl gefehlt haben. Aus dem zweiten Versteil kann aufgrund der Lexik und des argumentativen Zusammenhangs lediglich das ἐν σαρκί gestanden sein. (3,4) καίπερ steht 5 Mal im NT, immer nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zu πείθω vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Die Formulierung εἴ τις δοκεῖ findet sich ausschließlich 9 (Phil) 625 <?page no="626"?> auf der kanonischen Ebene, vgl. 3,18. ♦ δοκέω, das 100 / 63 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,9. ♦ ἄλλος, das 172 / 155 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,7; *1Kor 12,8. 9. 10; 14,19. ♦ πεποίθησις, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐγὼ μᾶλλον steht nur hier im NT. Zur Abwesenheit: Wie in C. ausgeführt, bietet Tertullian nur einen Hinweis auf diesen Vers, der auf das ἐν σαρκί geht, doch ob auf dasjenige von Vers 3 oder hier von Vers 4 macht für die Rekonstruktion keinen Unterschied. Da bereits die Verseröffnung kanonisch ist, dann auch die Weiterführung mit εἴ τις δοκεῖ und dem nur kanonisch belegten πεποίθησις, scheint der gesamte Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion zu sein und vorkanonisch gefehlt zu haben. (3,5) Zum vorkanonisch bezeugten περιτομή vgl. zuvor zu Vers 3. ♦ Das unbezeugte ὀκταήμερος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Das bezeugte γένος, das 22 / 21 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt in *1Kor 12,10. ♦ Das unbezeugte Ἰσραήλ, das sich 74 / 68 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Kor 3,7. 13; *Röm 10,1; *Laod 2,12. ♦ φυλή, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle hier, *Phil 3,5 (und zwar in derselben Wendung wie in Röm 11,1: φυλῆς Βενιαμίν), bezeugt. ♦ Ἑβραῖος, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch ebenfalls nur für diese Stelle hier bezeugt. ♦ Das nichtbezeugte νόμος, das 204 / 195 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; 3,10-11; 4,5; 5,3. 14; 6,2. 13; *1Kor 9,8; 14,21. 34; *Röm 2,12. 13. 14. 20. 25; 3,21; 5,20; 7,4. 7. 12. 14. 23; 8,4; 10,4; 13,8; *Laod 2,15. ♦ Φαρισαῖος steht 114 / 99 Mal im NT und ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev. Die vorliegende Stelle ist die einzige, an der der Begriff in einem der neutestamentlichen Briefe erwähnt wird. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Die Lexik gibt hier keine Hinweise darauf, ob Tertullian Stücke übergangen hat oder ob diese im vorkanonischen Text gefehlt haben. (3,6) ζῆλος, das 22 / 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,20. ♦ διώκω, das 47 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ Die Form διώκων steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Röm 9,31; Gal 1,23; Phil 3,6). ♦ δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 1,17; 3,21; 5,21; 8,10; 10,3. 4; *Phil 3,9; *Laod 6,14. ♦ Zu νόμος vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ ἐν νόμῳ steht 7 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 2,12. ♦ Die Kombination bestimmter Artikel + Präposition + Nomen + Partizip findet sich 29 Mal im Neuen Testament, ausschließlich auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; 2 Mal Mk; Lk 7,32, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 8,4; 21,23; 2 Mal Joh; 5 Mal Apg; Röm 14,20; 1Kor 9,24; 10,25; 2Kor 5,12; Gal 4,21. 29; Eph 4,24; Phil 3,6; 1Thess 626 Rekonstruktion <?page no="627"?> 5,3; 1Tim 2,2; Hebr 2,2; 12,25; 2Petr 2,18; 2 Mal Apk). ♦ ἄμεμπτος, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,23. Zur Abwesenheit: Auch wenn dieser Vers vorkanonisch unbezeugt ist, deutet die Lexik zunächst darauf hin, dass er womöglich vorkanonisch gestanden war. Lediglich die Form διώκων spräche dagegen, dafür sprächen aber die seltenen Elemente ἐν νόμῳ und ἄμεμπτος, die beide vorkanonisch belegt sind. Auch ar‐ gumentativ passt Vers 6 in den vorkanonischen Zusammenhang, weil das ζημία des nächsten Verses dann eine inhaltliche Füllung besäße. Hingegen, und dies ist wohl ausschlaggebend, spricht die angegebene sprachliche Kombination, die oft und immer nur auf der kanonischen Ebene belegt ist, dagegen. Außerdem hätte Tertullian wohl die Erwähnung der Verfolgung der Kirche durch *Paulus hier für seine Argumentation genutzt, erst recht, wenn *Paulus in seinem Text behauptet hätte, untadelig gemäß dessen gewesen zu sein, was das Gesetz fordert. Der Vers 6 wird also nicht nur unbezeugt, sondern in der vorkanonischen Fassung auch abwesend gewesen sein. (3,7) ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9. ♦ Die Verbform ἦν steht 301 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 20,4; *1Kor 10,4. ♦ κέρδος, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für die Stelle hier, *Phil 3,7, bezeugt. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11. ♦ ἡγέομαι, das 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Phil 2,6; 3,8. ♦ ζημία steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt nur für den Vers hier. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians, wobei Termini nur hier vorkanonisch bezeugt sind (κέρδος; ζημία). (3,8) Zum nicht bezeugten Versteil: μενοῦν, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonische bezeugt für *Ev 11,28. ♦ μενοῦνγε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 9,20. ♦ Zu ἡγέομαι und ζημία vgl. zum voranstehenden Vers. Zum wieder bezeugten Versteil: ὑπερέχω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle bezeugt. ♦ γνῶσις, das 34 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 12,8; *Phil 3,8. ♦ Die nicht bezeugte Kombination δι’ ὅν steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 8,11. ♦ Das ebenfalls unbezeugte ζημιόω, das 7 / 6 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. ♦ σκύβαλον ist Hapax legomenon im NT. ♦ Das nicht mehr bezeugte κερδαίνω, das 20 / 17 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. 9 (Phil) 627 <?page no="628"?> Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians. Wie bereits das nur kanonisch belegte, emphatisierende μενοῦνγε anzeigt, aber auch die Duplikation von ἡγέομαι im selben Vers und das Wiederaufgreifen von ζημία aus dem vo‐ ranstehenden Vers, wird der unbezeugte Versanfang eine kanonische Ergänzung sein, vermutlich verursacht durch die sprachlich unschöne Aneinanderreihung zweier διά-Konstruktionen. Nachdem sich in dem unbezeugten Zwischenstück das nur kanonisch belegte ζημιόω findet und dieses Stück auch noch mit dem nur kanonisch belegten δι’ ὅν eröffnet, wird wohl auch dieser Teil eine kanonische Ergänzung darstellen. Für das unbezeugte Schlussstück ἵνα Χριστὸν κερδήσω, in welchem das nur auf der kanonischen Ebene belegte κερδαίνω steht, dürfte dasselbe gelten, es hat vorkanonisch gefehlt. (3,9) εὑρίσκω, das 198 / 176 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 2,7. ♦ Die Form εὑρεθῶ steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in 2Kor 12,20. ♦ Das wieder bezeugte und vorkanonisch belegte δικαιοσύνη, das 97 / 92 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten νόμος, das 204 / 195 Mal im NT steht, vgl. zuvor zu Vers 5. ♦ Die Wendung δι’ αὐτοῦ steht 21 Mal im NT (4 Mal Joh; 2 Mal Apg; Röm 5,9; 11,36; 1Kor 8,6; 2Kor 1,20; 12,17; Eph 2,18; Kol 1,16. 20; 3,17; Hebr 7,25; 13,15; 1Petr 1,21; 2,14; 1Joh 4,9), vorkanonisch weiter bezeugt für *2Kor 1,20. ♦ Die Wendung ἐκ θεοῦ steht 6 Mal im NT, nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians. Der Vers‐ anfang καὶ εὑρεθῶ ἐν αὐτῷ mit dem nur kanonisch belegten εὑρεθῶ wird wohl eine kanonische Ergänzung sein. 3,[10-19]: [Personalisierung und Moralisierung der Botschaft] In diesem vorkanonisch unbezeugten Passus entwickelt die kanonische Redak‐ tion in ihrem bereits bekannten Stil eine Personalisierung der Botschaft, in der sich der kanonische Paulus der Christusförmigkeit empfiehlt, um seiner eigenen Autorität Ausdruck zu verleihen (Vers 15: „Wir Vollkommenen“), was jedoch zugleich wieder in Frage gestellt wird. Er ist Vorbild, zugleich aber ist die Lebensweise gefährdet. - 10 τοῦ γνῶναι αὐτὸν καὶ τὴν δύναμιν τῆς ἀναστάσεως αὐτοῦ καὶ [τὴν] κοινωνίαν [τῶν] παθημάτων αὐτοῦ, συμμορφιζόμενος τῷ θανάτῳ αὐτοῦ, 11 εἴ πως καταντήσω εἰς τὴν ἐξανάστασιν τὴν ἐκ νεκρῶν. 12 Οὐχ ὅτι ἤδη ἔλαβον 628 Rekonstruktion <?page no="629"?> ἢ ἤδη τετελείωμαι, διώκω δὲ εἰ καὶ καταλάβω, ἐφ’ ᾧ καὶ κατελήμφθην ὑπὸ Χριστοῦ [Ἰησοῦ]. 13 ἀδελφοί, ἐγὼ ἐμαυτὸν οὐ λογίζομαι κατειληφέναι· ἓν δέ, τὰ μὲν ὀπίσω ἐπιλανθανόμενος τοῖς δὲ ἔμπροσθεν ἐπεκτεινόμενος, 14 κατὰ σκοπὸν διώκω εἰς τὸ βραβεῖον τῆς ἄνω κλήσεως τοῦ θεοῦ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. 15 Οσοι οὖν τέλειοι, τοῦτο φρονῶμεν· καὶ εἴ τι ἑτέρως φρονεῖτε, καὶ τοῦτο ὁ θεὸς ὑμῖν ἀποκαλύψει· 16 πλὴν εἰς ὃ ἐφθάσαμεν, τῷ αὐτῷ στοιχεῖν. 17 Συμμιμηταί μου γίνεσθε, ἀδελφοί, καὶ σκοπεῖτε τοὺς οὕτω περιπατοῦντας καθὼς ἔχετε τύπον ἡμᾶς. 18 πολλοὶ γὰρ περιπατοῦσιν οὓς πολλάκις ἔλεγον ὑμῖν, νῦν δὲ καὶ κλαίων λέγω, τοὺς ἐχθροὺς τοῦ σταυροῦ τοῦ Χριστοῦ, 19 ὧν τὸ τέλος ἀπώλεια, ὧν ὁ θεὸς ἡ κοιλία καὶ ἡ δόξα ἐν τῇ αἰσχύνῃ αὐτῶν, οἱ τὰ ἐπίγεια φρονοῦντες. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (3,12) Post ἔλαβον add ἡ ἤδη δεδικαίωμαι in P 46 , 06 *.c , (010, 012), ar (b, Ir lat ), Ambst. ♦ (3,16) Anstelle von τῷ αὐτῷ στοιχεῖν, das in den Zeugen P 16.46 , 01*, 02, 03, 016, 6, 33, 1739, b, co, Hil, Aug zu finden ist, bieten die Zeugen 01 2 , 018, 020, 025, 044, 075, 630, 1505, 2464, M, sy (p) : τῷ αὐτῷ στοιχεῖν κανόνι τὸ αὐτὸ φρονεῖν, die Zeugen 06, 81, 104, 365, 629, 1175, 1241, (vg): τὸ αὐτὸ φρονεῖν (+ καί 629) τῷ αὐτῷ (αὐτοί 6*) κανονὶ (- 06*) στοιχεῖν (+ κανονί 06 2 ), die Zeugen 010, 012: τὸ αὐτὸ φρονεῖν τῷ αὐτῷ συνστοιχεῖν, der Zeuge 1881: τὸ αὐτὸ φρονεῖν. C. 1. (3,10-19) Nach Übereinstimmung aller Editoren gelten diese Verse als unbezeugt, auch wenn Zahn und Harnack grundsätzlich mit ihrer nicht näher bestimmbaren Präsenz rechnen. 2. (3,14) Die Nähe zwischen dieser Stelle und Jak 3 geht möglicherweise auf die kanonische Redaktion zurück. D. (3,10) Die Form γνῶναι steht 14 Mal im NT, ausschließlich bezeugt für die kanonische Ebene, vgl. zu 1Kor 8,2. ♦ αὐτόν, das 841 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 1,1; *1Kor 2,16; 15,25l *2Thess 2,4; *Laod 1,20; *Kol 1,20, vgl. weiter Vers 21. ♦ ἀνάστασις, das 44 / 42 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 15,12. 21. 42. ♦ κοινωνία, das 21 / 19 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάθημα, das 16 Mal im NT steht, ist vorkanonisch 9 (Phil) 629 <?page no="630"?> bezeugt für *Gal 5,24. ♦ συμμορφίζομαι / συμμορφόομαι sind Hapax legomena im NT. Man vgl. aber das weiter unten für Vers 21 vorkanonisch bezeugte σύμμορφος. ♦ θάνατος, das 124 / 120 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 3,22; 4,11; 15,21. 54. 55; *Röm 5,21; *Kol 1,22; *Phil 2,8. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: γνῶναι; κοινωνία. (3,11) Die Kombination εἴ πως, die 4 Mal im NT steht, davon 2 Mal als Verseröffnung, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1,10. ♦ πως, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ καταντάω, das 15 / 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11. ♦ ἐξανάστασις ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung τὴν ἐκ νεκρῶν steht 1 weiteres Mal im NT, Apg 4,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἴ πως; πως; τὴν ἐκ νεκρῶν. (3,12) Die Kombination οὐχ ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 1,24. ♦ ἤδη, das 68 / 61 Mal im NT steht, findet sich lediglich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἔλαβον steht 9 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 11,24. ♦ τελέω, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 12,9. ♦ δικαιόω, das 59 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16; *Röm 2,13. ♦ διώκω, das 47 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,12; *Gal 6,12. ♦ Die Kombination εἰ καί steht 15 Mal im NT, Lk 11,8, wo diese Kombination in *Ev fehlt, vorkanonisch belegt für *1Kor 9,8; *2Kor 4,16. ♦ καταλαμβάνω, das 20 / 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐφ’ ᾧ steht 4 Mal im NT (Röm 5,12; 2Kor 5,4; Phil 3,12; 4,10), vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4. ♦ Die erweiterte Wendung ἐφ’ ᾧ καί steht 1 weiteres Mal im NT, Phil 4,10. ♦ Die Wendung ὑπὸ Χριστοῦ [Ἰησοῦ] steht nur hier im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐχ ὅτι; ἤδη; ἔλαβον; καταλαμβάνω; ἐφ’ ᾧ καί. (3,13) Die Form ἐμαυτόν steht 18 Mal im NT, etwa Lk 7,7, in einem Versteil, der in *Ev fehlt, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 2,18. ♦ λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. ♦ Zum kanonischen καταλαμβάνω vgl. zum Vers zuvor. ♦ Die Wendung τὰ μέν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 25,33; Phil 3,13; Hebr 9,23). ♦ ὀπίσω steht 39 / 35 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἐπιλήθω steht 8 Mal im NT, nur auf 630 Rekonstruktion <?page no="631"?> 33 Vgl. zu beiden Begriffen E.-M. Becker, Σοφία ἄνωθεν versus ἄνω κλῆσις? Jas 3: 15, 17 and Phil 3: 14 (2022). der kanonischen Ebene. ♦ ἔμπροσθεν, das 52 / 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,10. ♦ ἐπεκτείνω ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐμαυτόν; λογίζομαι; καταλαμβάνω; τὰ μέν; ἐπιλήθω. (3,14) σκοπός ist Hapax legomenon im NT, das verwandte Verb σκοπέω, das 7 / 6 Mal im NT steht, ist ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten διώκω vgl. zuvor zu Vers 12. ♦ τὸ βραβεῖον ist sonst nur in 1Kor 9,24 für die kanonische Ebene bezeugt, das Verb βραβεύειν ist Hapax legomenon im NT und nur für Kol 3,15, ebenfalls auf der kanonischen Ebene bezeugt. ♦ ἄνω, das 10 / 9 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. ♦ κλῆσις, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 1,18. 33 ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τὸ βραβεῖον; ἄνω; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. (3,15) ὅσος, das 121 / 110 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; *Gal 3,10; *2Kor 1,20; *Röm 2,12. ♦ τέλειος, das 18 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,6. ♦ φρονέω, das 34 / 26 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16, vgl. weiter Verse 16. 19. ♦ Die Kombination εἴ τι steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 7,14. ♦ ἑτέρως ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination καὶ τοῦτο steht 22 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,6. ♦ ἀποκαλύπτω steht 33 / 26 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 1,17. 18; *2Thess 1,7, 2,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἴ τι; καὶ τοῦτο. (3,16) πλήν, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 1,18. ♦ Die Kombination εἰς ὅ steht 7 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Thess 1,11. ♦ φθάνω, das 7 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ στοιχέω, das 5 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu φρονέω vgl. zuvor zu Vers 15 und weiter Vers 19. 9 (Phil) 631 <?page no="632"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: εἰς ὅ; φθάνω; στοιχέω. (3,17) συμμιμητής ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Wendung μου γίνεσθε steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (1Kor 4,16; 11,1; Phil 3,17). ♦ Zum kanonischen σκοπέω vgl. zuvor zu Vers 14. ♦ οὕτω steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ περιπατέω, das 104 / 95 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,2; 5,2. ♦ τύπος, das 17 / 15 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μου γίνεσθε; σκοπέω; οὕτω. (3,18) Die Kombination πολλοὶ γάρ steht 6 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröff‐ nungen und jeweils auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: 2 Mal Mt; Mk 14,56; Apg 8,7; Phil 3,18; im Vers: Lk 21,8). ♦ Zu περιπατέω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Das Personalpronomen οὕς (Akk. Mask. Pl.), das 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27; *1Kor 10,11. ♦ πολλάκις, das 19 / 18 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἔλεγον, die 74 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ νῦν, das 157 / 148 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,20. ♦ Die Kombination νῦν δέ steht 25 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die weitere Kombination νῦν δέ καί steht 1 weiteres Mal im NT, Joh 15,24. ♦ κλαίω, das 44 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ ἐχθρός, das 39 / 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,27; *Gal 5,20; *Laod 2,16; *Kol 1,21. ♦ σταυρός, das 31 / 27 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 1,18; *Laod 2,16; Phil 2,8; *Kol 1,20. ♦ Vom Kreuz Christi ist 3 Mal die Rede im NT, vorkanonisch vermutlich in *Gal 6,12 und bezeugt für *1Kor 1,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: πολλοὶ γάρ; πολλάκις; ἔλεγον; νῦν δὲ καί. (3,19) Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ τέλος, das 43 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 10,11; *Röm 10,4 und kann vielleicht auch in *Ev 18,5; 21,9 gestanden sein. ♦ ἀπώλεια, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Thess 2,3. ♦ κοιλία, das 24 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,27. ♦ αἰσχύνη, das 6 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ αὐτῶν (Gen. Fem. / Mask. / Neut. Pl.), das 502 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,19; 10,5. 7; *2Kor 3,15. ♦ ἐπίγειος, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,40; *2Kor 5,1. ♦ Die Wendung τὰ ἐπίγεια steht 1 weiteres Mal im NT, Joh 3,12. ♦ Zu φρονέω vgl. zuvor zu den Versen 15. 16. 632 Rekonstruktion <?page no="633"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: αἰσχύνη; τὰ ἐπίγεια. Auch wenn in diesem Passus der Verse 10-19 viele Termini begegnen, die auch vorkanonisch bezeugt sind, finden sich doch in jedem der Verse mehrere Elemente, die ausschließlich oder vorwiegend auf der kanonischen Ebene belegt sind. Zu den Kriterien der fehlenden Bezeugung, der Lexik und des argumenta‐ tiven Zusammenhangs kommt auch die Frage, ob Tertullian sich diese Passage, in der sich Paulus kritisch zu sich selbst äußert, hätte entgehen lassen. Aufgrund dieser kumulativen Bedenken wird man die Passage der kanonischen Redaktion zuschreiben. Argumentativ schließen die wieder bezeugten Verse 20-21 direkt an die zuletzt bezeugten Verse 7-9 an. 3,20-21: Die Verwandlung des Leibes Der wichtige vorkanonische Zentralgedanke ist gut bezeugt und von der kanonischen Redaktion nur leicht ergänzt worden. 20 ἡμῶν γὰρ τὸ πολίτευμα ἐν οὐρανοῖς ὑπάρχει, ἐξ οὗ ἀπεκδεχόμεθα Χριστόν, 20 ἡμῶν γὰρ τὸ πολίτευμα ἐν οὐρανοῖς ὑπάρχει, ἐξ οὗ καὶ σωτῆρα ἀπεκδεχόμεθα κύριον Ἰησοῦν Χριστόν, 21 ὃς μετασχηματίσει τὸ σῶμα τῆς ταπεινώσεως ἡμῶν σύμμορφον τῷ σώματι τῆς δόξης αὐτοῦ. 21 ὃς μετασχηματίσει τὸ σῶμα τῆς ταπεινώσεως ἡμῶν σύμμορφον τῷ σώματι τῆς δόξης αὐτοῦ κατὰ τὴν ἐνέργειαν τοῦ δύνασθαι αὐτὸν καὶ ὑποτάξαι αὐτῷ τὰ πάντα. A. *3,20-21: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 20,7: Noster, inquit, municipatus in caelis. Agnosco veterem ad Abraham promissionem creatoris: Et faciam semen tuum tanquam stellas in caelo. Ideo et stella a stella differt in gloria. Quodsi Christus adveniens de caelis transfigurabit corpus humilitatis nostrae conformale corpori gloriae suae, resurget ergo corpus hoc nostrum, quod humiliatur in passionibus, et in ipsa lege mortis in terram deiectum. Quomodo enim transfigurabitur, si nullum erit? Aut si de eis dictum qui in adventu dei deprehensi in carne demutari habebunt, quid facient qui primi resurgent? Non habebunt de quo transfigurentur? Atquin, Cum illis, dicit, simul rapiemur in nubibus obviam domino. Si cum illis sublati, utique cum illis et transfigurati. Vgl. ibid. III 24,3: et politeuma nostrum, id est municipatum, in caelis esse pronuntians, alicui utique caelesti ciuitati eum deputat; id., De Mart. 3,3: politia in caelis; id., De Res. 47,15: et quidem de terra in caelum, ubi nostrum municipatum [municipatum expect.: T] Philippenses quoque ab apostolo discunt, unde et salutificatorem nostrum expectamus Iesum Christum; id., 9 (Phil) 633 <?page no="634"?> 34 Weitere Zeugen in J.S. Semler, Vorbereitung zur theologischen Hermeneutik zu weiterer Beförderung des Fleisses angehender Gottesgelerten 3,2 = 4. Worin von dem griechi‐ schen Text und Handschriften der Briefe u.s.w. Beobachtungen vorkommen (1769), 57. 35 B.D. Haupt, Tertullian’s Text of the New Testament outside the Gospels. Diss. (2019), 270. De Cor. 13,4: noster, inquit, municipatus in caelis. Vgl. (Pseudo-? )Ephr., Erklärung des Evangeliums (26 Schäfers): „… und durch unsern Sinn und Glauben flogen wir und schwangen uns auf und erhoben wir uns über alle Zerstreuungen der Erde und alle bösen Gedanken, und von da ab fürwahr wussten wir, daß unsere Wohnung im Himmel ist, woher wir unsern lebendigmachenden Herrn Jesus Christus erwarten“. B. (3,20) Post ταπεινώσεως add εἰς τὸ γενέσθαι αὐτό in 06 1 , 018, 020, 025, 044, 075, 33, 104, 365, 630, 1505, 2464, M, sy, Ir, Ambr, om in 01, 02, 03, 06*, 010, 012, 6, 81, 323, 1175, 1241, 1739, 1881, latt, co, Ir lat , Tert. 34 C. 1. (3,20-21) Übereinstimmend sind die Editoren der Meinung, dass beide Schlussverse von Kapitel 3, die Verse 20-21 durch Tertullian bezeugt werden. Es sind tatsächlich auch die letzten Verse, die er aus diesem Brief kommentiert. Zahn rechnet mit dem kanonischen Text, Harnack bietet folgende bezeugte Textstücke, wobei er sich wieder auf den „gefälschten Laodizenerbrief “ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) stützt: 20 ἡμῶν τὸ πολίτευμα ἐν οὐρανοῖς 21 … μετασχηματίσει τὸ σῶμα τῆς ταπεινώσεως ἡμῶν σύνμορφον τῷ σώματι τῆς δόξης αὐτοῦ. Schmid gibt folgenden Text: 20 ἡμῶν (γὰρ? ) τὸ πολίτευμα ἐν οὐρανοῖς-… 21 (ὃς) μετασχηματίσει τὸ σῶμα τῆς ταπεινώσεως ἡμῶν σύμμορφον τῷ σώματι τῆς δόξης αὐτοῦ-… BeDuhns Übersetzung liegt folgender griechischer Text zugrunde: 20 ἡμῶν [γὰρ] τὸ πολίτευμα ἐν οὐρανοῖς ὑπάρχει, [ἐξ οὗ καὶ σωτῆρα ἀπεκδεχόμεθα κύριον Ἰησοῦν] Χριστόν, 21 [ὃς] μετασχηματίσει τὸ σῶμα τῆς ταπεινώσεως ἡμῶν σύμμορφον τῷ σώματι τῆς δόξης αὐτοῦ. 2. Haupt sieht in municipatum Tertullians linguistische Innovation. 35 Dass municipatum aber nach der Transkription politeuma des griechischen Begriffes erfolgt, könnte natürlich auch ein Hinweis auf eine bilinguale Vorlage sein. D. (3,20) Die Kombination ἡμῶν γάρ steht nur hier im NT. ♦ πολίτευμα ist Hapax legomenon im NT. ♦ οὐρανός, das 300 Mal im NT steht, ist vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev und *Gal 1,8; *1Kor 8,5; 15,47; 5,1. 2; 12,2; *Röm 1,18; *2Thess 1,7; 634 Rekonstruktion <?page no="635"?> 36 Vgl. zu dieser Wortfamilie E.-M. Becker, Σοφία ἄνωθεν versus ἄνω κλῆσις? Jas 3: 15, 17 and Phil 3: 14 (2022). *Laod 1,10; *Kol 1,5. ♦ Die Wendung ἐν οὐρανοῖς steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Phil 3,20, vgl. zu Eph 6,9. ♦ Das hier nicht bezeugte ὑπάρχω, das 66 / 60 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7; *Phil 2,6. ♦ Das ebenfalls nicht bezeugte σωτήρ, das 24 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Thess 5,23. ♦ Das wieder bezeugte ἀπεκδέχομαι, das 8 Mal im NT steht, ist nur hier vorkanonisch bezeugt. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt dem Zeugnis Tertullians unter Berücksich‐ tigung der Lexik. (3,21) Zu dem bezeugten Versteil: μετασχηματίζω, das 5 Mal im NT steht, ist vorka‐ nonisch weiter bezeugt für *2Kor 11,14. ♦ ταπείνωσις, das 7 Mal im NT steht, ist vorkanonisch nur für diese Stelle bezeugt. Die verwandten Begriffe ταπεινοφροσύνη, ταπεινόω und ταπεινός sind alle vorkanonisch bezeugt. ♦ σύμμορφος steht nur noch 1 Mal auf der kanonischen Ebene. 36 Zu dem nicht mehr bezeugten Versteil: ἐνέργεια, das 8 Mal im NT steht, ist vorka‐ nonisch bezeugt für *2Thess 2,9. 11. ♦ δύναμαι, das 233 / 210 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Zu αὐτόν vgl. zuvor zu Vers 10. ♦ ὑποτάσσω, das 46 / 38 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,20; *1Kor 14,32; *Röm 10,3; *Laod 1,22; 5,21. Zur Rekonstruktion: Der Text folgt weiter dem Zeugnis Tertullians. Nachdem bereits zu Eph 6 bemerkt wurde, dass es eine Tendenz der kanonischen Re‐ daktion ist, eine gewisse Unbestimmtheit in den Text einzutragen, wird auch im vorliegenden Fall der nicht mehr bezeugte Schlussteil dieses Verses im vorkanonischen Text gefehlt haben. [Kapitel 4] [4],[1-9]: [Personen, Ermahnungen und Bitten] Diese Passage ist wie das gesamte Kapitel 4 vorkanonisch unbezeugt. Wie die Lexik zeigen wird, geht dieses Kapitel auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. - 4,1 Ὥστε, ἀδελφοί μου ἀγαπητοὶ καὶ ἐπιπόθητοι, χαρὰ καὶ στέφανός μου, οὕτως στήκετε ἐν κυρίῳ, ἀγαπητοί. 2 Εὐοδίαν παρακαλῶ καὶ Συντύχην 9 (Phil) 635 <?page no="636"?> παρακαλῶ τὸ αὐτὸ φρονεῖν ἐν κυρίῳ. 3 ναὶ ἐρωτῶ καὶ σέ, γνήσιε σύζυγε, συλλαμβάνου αὐταῖς, αἵτινες ἐν τῷ εὐαγγελίῳ συνήθλησάν μοι μετὰ καὶ Κλήμεντος καὶ τῶν λοιπῶν συνεργῶν μου, ὧν τὰ ὀνόματα ἐν βίβλῳ ζωῆς. 4 Χαίρετε ἐν κυρίῳ πάντοτε· πάλιν ἐρῶ, χαίρετε. 5 τὸ ἐπιεικὲς ὑμῶν γνωσθήτω πᾶσιν ἀνθρώποις. ὁ κύριος ἐγγύς. 6 μηδὲν μεριμνᾶτε, ἀλλ’ ἐν παντὶ τῇ προσευχῇ καὶ τῇ δεήσει μετὰ εὐχαριστίας τὰ αἰτήματα ὑμῶν γνωριζέσθω πρὸς τὸν θεόν. 7 καὶ ἡ εἰρήνη τοῦ θεοῦ ἡ ὑπερέχουσα πάντα νοῦν φρουρήσει τὰς καρδίας ὑμῶν καὶ τὰ νοήματα ὑμῶν ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. 8 Τὸ λοιπόν, ἀδελφοί, ὅσα ἐστὶν ἀληθῆ, ὅσα σεμνά, ὅσα δίκαια, ὅσα ἁγνά, ὅσα προσφιλῆ, ὅσα εὔφημα, εἴ τις ἀρετὴ καὶ εἴ τις ἔπαινος, ταῦτα λογίζεσθε· 9 ἃ καὶ ἐμάθετε καὶ παρελάβετε καὶ ἠκούσατε καὶ εἴδετε ἐν ἐμοί, ταῦτα πράσσετε· καὶ ὁ θεὸς τῆς εἰρήνης ἔσται μεθ’ ὑμῶν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (4,1-9) Zahn, Schmid und Beduhn sind der Meinung, dass das gesamte Kapitel 4 unbezeugt ist. Harnack hingegen, der sich wieder auf den „gefälschten Laodizenerbrief “ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) stützt, gibt folgenden Text der Verse 6, 8: 6 πάντα τὰ αἰτήματα ὑμῶν γνωριζέσθω πρὸς τὸν θεόν. 8 ὅσα ὁλόκληρα καὶ ἀληθῆ καὶ σεμνά καὶ δίκαια καὶ προσφιλῆ, πράσσετε, καὶ ἃ ἠκούσατε καὶ παρελάβετε, ἐν τῇ καρδίᾳ κρατεῖτε, καὶ ἔσται ἡμῖν ἡ εἰρήνη. D. (4,1) Die Verseröffnung ὥστε, ἀδελφοί μου findet sich 5 Mal im NT (1 weiteres Mal in Phil 4,1, auch mit dem sich anschließenden ἀγαπητοί), immer auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 15,58. ♦ ἀγαπητοί steht 27 Mal im NT, davon 9 Mal als Verseröff‐ nung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,14. ♦ ἐπιπόθητος ist Hapax legomenon im NT. ♦ χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ στέφανος, das 25 / 18 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ στήκω, das 12 / 10 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. 636 Rekonstruktion <?page no="637"?> 37 Vgl. zu Euodia und der im selben Vers genannten Syntyche, vgl. L. Portefaix, Sisters Rejoice: Paul’s Letter to the Philippians and Luke-Acts as Received by First-Century Philippian Women (1988); R.F. Hull, Constructing Euodia and Syntyche (2016); R.G. Fellows and A.C. Stewart, Euodia, Syntyche and the Role of Syzygos: Phil 4: 2-3 (2018); N. Dahl, Euodia and Syntyche and Paul’s Letter to the Philippians (1995). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὥστε, ἀδελφοί μου; ἀγαπητοί; χαρά; στέφανος; στήκω; ἐν κυρίῳ. (4,2) Εὐοδία ist Hapax legomenon im NT. 37 ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form παρακαλῶ steht 20 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 10,1. ♦ Συντύχη ist Hapax legomenon im NT. ♦ αὐτό (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 100 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,13. ♦ φρονέω, das sich 34 / 26 Mal im NT findet, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,16, vgl. weiter Vers 10. ♦ Die Wendung τὸ αὐτὸ φρονεῖν steht 1 weiteres Mal im NT, Röm 15,5, in einem Vers, der in *Röm fehlt. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: παρακαλῶ; τὸ αὐτὸ φρονεῖν; ἐν κυρίῳ. (4,3) ναί, das 37 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *2Kor 1,20. ♦ ἐρωτάω, das 71 / 63 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σέ (Akk. / Vok. Mask. Sg. von σύ / σός), das 185 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Wendung καὶ σέ steht 1 weiteres Mal im NT, Mt 18,33. ♦ γνήσιος, das 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σύζυγος ist Hapax legomenon im NT. ♦ συλλαμβάνω, das 20 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich hier in den paulinischen Briefen und nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ὅστις, das 165 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3; *Gal 2,4; 4,24. 26; 5,19; *2Thess 1,9; *Phil 3,7. ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ Die Wendung ἐν τῷ εὐαγγελίῳ steht 7 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 9,18. ♦ συναθλέω steht nur noch 1 weiteres Mal im selben Brief und auf derselben kanonischen Ebene. ♦ Κλήμης ist Hapax legomenon im NT. ♦ συνεργέω, das 11 / 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Das verwandte Nomen συνεργός, das sich 14 / 13 Mal im NT findet, steht ebenfalls immer nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Das Personalpronomen ὧν, das 78 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,34; *2Thess 2,10. ♦ βίβλος steht 10 Mal im NT, nur auf 9 (Phil) 637 <?page no="638"?> der kanonischen Ebene bezeugt. Das verwandte Diminutiv βιβλίον, das 37 Mal im NT steht, findet sich nur in Lukasversen, die in *Ev fehlen, und auch sonst begegnet der Begriff ausschließlich auf der kanonischen Ebene, insbesondere in der Apokalypse. ♦ ζωή, das 142 / 135 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,22; *2Kor 4,10; 5,4; *Röm 5,21; 8,10. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐρωτάω; καὶ σέ; γνήσιος; συλλαμβάνω; ἐν τῷ εὐαγγελίῳ; συναθλέω; συνεργέω; συνεργός; βίβλος. (4,4) χαίρω, das 76 / 74 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,8; *1Kor 7,30; *Röm 12,12, vgl. weiter Vers 10. ♦ Die Form χαίρετε findet sich 12 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 13,11. ♦ Die Wendung χαίρετε ἐν κυρίῳ steht 1 weiteres Mal in Phil 3,1. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ πάντοτε, das 42 / 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πάλιν, das 159 / 141 Mal im NT steht, etwa Lk 6,42, wo im parallelen Vers in *Ev der Begriff fehlt, findet sich mit Ausnahme von *1Kor 3,20 (in der Kombination καὶ πάλιν als Hinweis auf ein weiteres Schriftzitat) alleinstehend nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Verbform ἐρῶ, die 8 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: χαίρετε; χαίρετε ἐν κυρίῳ; ἐν κυρίῳ; πάντοτε; ἐρῶ. (4,5) ἐπιεικής steht 5 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene. ♦ γιγνώσκω, das 256 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,21; 2,8. 16; 3,20; 8,3; *Röm 7,7; 11,34. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6, vgl. weiter unten Vers 12. ♦ Die Wendung πᾶσιν ἀνθρώποις steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Phil 4,5; 1Thess 2,15; Tit 2,11). ♦ ἐγγύς, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 2,13. 17. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐπιεικής; πᾶσιν ἀνθρώποις. (4,6) Die Form μηδέν steht 31 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 10,25. ♦ μεριμνάω, das 24 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 12,22. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,11, vgl. weiter unten zu Vers 12. ♦ προσευχή, das 42 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,12. ♦ Das verwandte προσεύχομαι, das 104 / 86 638 Rekonstruktion <?page no="639"?> Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ δέησις, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,33; *Laod 6,18. ♦ Dieselbe Kombination dieser beiden Begriffe auf kanonischer Ebene findet sich in Eph 6,18. ♦ εὐχαριστία, das 15 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ αἴτημα steht 3 Mal im NT, nur für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ γνωρίζω, das 29 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 15,1; *Laod 3,10; 6,19. ♦ Die Wendung πρὸς τὸν θεόν steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,1. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: μηδέν; ἐν παντί; εὐχαριστία; αἴτημα. (4,7) Die Wendung καὶ ἡ εἰρήνη steht 1 weiteres Mal im NT, auch als Verseröffnung, auch auf der kanonischen Ebene, Kol 3,15. ♦ εἰρήνη, das 98 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,3; *Röm 5,1; *Laod 2,14. 15. 17; 6,15. ♦ ὑπερέχω, das 5 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt im selben Brief hier für *Phil 3,8. ♦ νοῦς steht 25 / 24 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 2,16 und in gleicher Formulierung in *Röm 11,34. ♦ φρουρέω, das 4 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ καρδία, das 173 / 157 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 4,5; 14,25; *2Kor 3,15; 4,6; *Röm 2,15. 29; *Laod 1,18. ♦ νόημα, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 3,14; 4,4. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: καὶ ἡ εἰρήνη; φρουρέω; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. (4,8) Die Kombination Τὸ λοιπόν, ἀδελφοί steht 1 weiteres Mal im NT, auch als Verseröffnung, auch auf der kanonischen Ebene, Phil 3,1. ♦ Die Wendung ὅσα ἐστίν steht nur hier im NT. ♦ ἀληθής, das 27 / 26 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ σεμνός steht 4 Mal im NT, immer auf der kanonischen Ebene (Phil 4,8; 1Tim 3,8. 11; Tit 2,2). ♦ δίκαιος, das 84 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 3,11; *Röm 2,13; 7,12; *2Thess 1,6. ♦ ἁγνός, das 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *2Kor 11,2. ♦ προσφιλής und εὔφημος sind Hapax legomena im NT. ♦ ἀρετή steht 6 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur noch in den Petrusbriefen (Phil 4,8; 1Petr 2,9; 2Petr 1,3. 5). ♦ Die Kombination εἴ τις (fem.) steht 7 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung (Verseröffnung: Phil 2,1; 1Tim 5,16; im Vers: Röm 13,9; 1Kor 7,13; Phil 4,8), jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ ἔπαινος, das 11 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 4,5; *Laod 1,12. ♦ ταῦτα, das 242 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,18; *1Kor 9,8; 10,11; *Phil 3,7, vgl. den nachfolgenden Vers 9. ♦ 9 (Phil) 639 <?page no="640"?> λογίζομαι steht 43 / 41 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 13,5. Unter Berücksichtung des von Harnack vorgeschlagenen, deutlich abweichenden Texts: ὁλόκληρος, das 2 Mal im NT steht, finden sich beide Male auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Τὸ λοιπόν, ἀδελφοί; ἀληθής; σεμνός; ἀρετή; εἴ τις; λογίζομαι. (4,9) Die Wendung ἃ καί steht nur hier im NT. ♦ μανθάνω, das 143 / 25 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 3,10; *1Kor 15,35. ♦ Die Form ἐμάθετε, die sich 4 Mal im NT findet, steht jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 4,20. ♦ παραλαμβάνω, das 54 / 50 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Form εἴδετε steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Phil 1,30. ♦ Zu ταῦτα vgl. zum voranstehenden Vers 8. ♦ πράσσω, das 43 / 39 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,21; *2Kor 5,10 und *Röm 2,25. ♦ Die Form πράσσετε steht 1 weiteres Mal im NT, Lk 3,13, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ Zu εἰρήνη vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ Die Wendung θεὸς τῆς εἰρήνης steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,33. ♦ Die Verbform ἔσται, die 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Kombination μεθ’ ὑμῶν steht 20 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 22,15; 24,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐμάθετε; παραλαμβάνω; εἴδετε; πράσσετε; θεὸς τῆς εἰρήνης. Der lexikalische Vergleich stützt nachdrücklich, dass die vorkanonisch unbe‐ zeugten Verse von den Zeugen nicht übergangen wurden, sondern im vorkano‐ nischen Text nicht vorhanden waren. [4],[10-20]: [Die Bedrängnis des Paulus] Erneut liegt eine vorkanonisch unbezeugte Passage vor, in der der kanonische Paulus über seine prekäre Lage spricht und eine Mischung zwischen Autoritäts‐ anspruch und seinem Zweifel an der eigenen Autorität bietet. - 10 Ἐχάρην δὲ ἐν κυρίῳ μεγάλως ὅτι ἤδη ποτὲ ἀνεθάλετε τὸ ὑπὲρ ἐμοῦ φρονεῖν, ἐφ’ ᾧ καὶ ἐφρονεῖτε ἠκαιρεῖσθε δέ. 11 οὐχ ὅτι καθ’ ὑστέρησιν λέγω, ἐγὼ γὰρ ἔμαθον ἐν οἷς εἰμι αὐτάρκης εἶναι. 640 Rekonstruktion <?page no="641"?> 12 οἶδα καὶ ταπεινοῦσθαι, οἶδα καὶ περισσεύειν· ἐν παντὶ καὶ ἐν πᾶσιν μεμύημαι καὶ χορτάζεσθαι καὶ πεινᾶν, καὶ περισσεύειν καὶ ὑστερεῖσθαι. 13 πάντα ἰσχύω ἐν τῷ ἐνδυναμοῦντί με. 14 πλὴν καλῶς ἐποιήσατε συγκοινωνήσαντές μου τῇ θλίψει. 15 Οἴδατε δὲ καὶ ὑμεῖς, Φιλιππήσιοι, ὅτι ἐν ἀρχῇ τοῦ εὐαγγελίου, ὅτε ἐξῆλθον ἀπὸ Μακεδονίας, οὐδεμία μοι ἐκκλησία ἐκοινώνησεν εἰς λόγον δόσεως καὶ λήμψεως εἰ μὴ ὑμεῖς μόνοι· 16 ὅτι καὶ ἐν Θεσσαλονίκῃ καὶ ἅπαξ καὶ δὶς εἰς τὴν χρείαν μοι ἐπέμψατε. 17 οὐχ ὅτι ἐπιζητῶ τὸ δόμα, ἀλλὰ ἐπιζητῶ τὸν καρπὸν τὸν πλεονάζοντα εἰς λόγον ὑμῶν. 18 ἀπέχω δὲ πάντα καὶ περισσεύω· πεπλήρωμαι δεξάμενος παρὰ Ἐπαφροδίτου τὰ παρ’ ὑμῶν, ὀσμὴν εὐωδίας, θυσίαν δεκτήν, εὐάρεστον τῷ θεῷ. 19 ὁ δὲ θεός μου πληρώσει πᾶσαν χρείαν ὑμῶν κατὰ τὸ πλοῦτος αὐτοῦ ἐν δόξῃ ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. 20 τῷ δὲ θεῷ καὶ πατρὶ ἡμῶν ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων· ἀμήν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (4,10-20) Zahn, Harnack, Schmid und Beduhn sind der Meinung, dass diese Passage unbezeugt ist. D. (4,10) Die Form ἐχάρην steht 3 Mal im NT, jeweils als Verseröffnung und immer auf der kanonischen Ebene (Phil 4,10; 2Joh 1,4; 3Joh 1,3). ♦ Zu χαίρω vgl. zuvor zu Vers 4. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ Das Adverb μεγάλως, dann auch ἀναθάλλω und ἀκαιρέω sind Hapax legomena im NT. ♦ ἤδη, das 68 / 61 Mal im NT steht, findet sich lediglich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἤδη ποτέ steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene, Röm 1,10. ♦ Die Wendung ὑπὲρ ἐμοῦ steht 7 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 15,30. ♦ Zu φρονέω vgl. zuvor zu Vers 2. ♦ Die Wendung ἐφ’ ᾧ steht 4 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *2Kor 5,4, vgl. zu Phil 3,12. ♦ Die erweiterte Wendung ἐφ’ ᾧ καὶ steht 1 weiteres Mal im NT, vgl. zu Phil 3,12. 9 (Phil) 641 <?page no="642"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἐχάρην; ἐν κυρίῳ; ἤδη; ἤδη ποτέ; ὑπὲρ ἐμοῦ; ἐφ’ ᾧ καί. (4,11) Die Kombination οὐχ ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 1,24. ♦ ὑστέρησις steht noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Mk 12,44). ♦ Die Kombination ἐγὼ γάρ steht 14 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,17. ♦ μανθάνω, vgl. zuvor zu Vers 9. ♦ Die Kombination ἐν οἷς (Neut.) steht 12 Mal im NT, davon 4 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Kol 3,7. ♦ αὐτάρκης ist ein weiteres Hapax legomenon im NT. ♦ Die Verbform εἰμί, die 130 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 21,8. ♦ Der Infinitiv εἶναι, der 125 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 9,33; *1Kor 10,6; *Laod 1,12; *Phil 1,23; 2,6. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐχ ὅτι; ὑστέρησις; ἐν οἷς. (4,12) οἶδα, das 339 / 318 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 3,16; 6,15. 16; 8,4; *Röm 2,2; 7,7; *1Thess 4,4; *2Thess 1,8, vgl. weiter Vers 15. ♦ Die Kombination οἶδα καί steht 3 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene (Verseröffnung: Röm 14,14; Phil 4,12; im Vers: Phil 4,12). ♦ ταπεινόω, das 21 / 14 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Röm 12,16. ♦ περισσεύω, das 42 / 39 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten παντί vgl. zuvor zu Vers 6. ♦ Die Kombination ἐν παντί (Neut.) steht 20 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 9,11. ♦ πᾶσιν, das 91 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,25; *Gal 6,6; *1Kor 15,28; *Laod 4,6. ♦ μυέω ist ein Hapax legomenon im NT. ♦ χορτάζω steht 16 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,21. ♦ πεινάω, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,21. 25. ♦ Zu περισσεύω vgl. zuvor zum selben Vers. ♦ ὑστερέω, das 19 / 16 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οἶδα καί; περισσεύω; ἐν παντί; ὑστερέω. (4,13) ἰσχύω, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,6. ♦ Die Form ἰσχύω steht 1 weiteres Mal im NT, Lk 16,3. ♦ ἐνδυναμόω, das 8 / 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Die Form ἰσχύω; ἐνδυναμόω. (4,14) πλήν, das 32 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Phil 1,18. ♦ καλῶς steht 38 / 37 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐποιήσατε 642 Rekonstruktion <?page no="643"?> steht 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Mt; Lk 19,46, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2 Mal Apg; Phil 4,14). ♦ συγκοινωνέω, das 3 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,11. ♦ θλῖψις, das 60 / 45 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 12,12, *2Thess 1,6; *Kol 1,24. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegtes Element ist: ἐποιήσατε. Man bemerke συγκοινωνέω, das vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist, was auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (4,15) Die Kombination οἴδατε δέ steht nur 1 weiteres Mal, ebenfalls als Verseröffnung und auf der kanonischen Ebene in Gal 4,13. ♦ Φιλιππήσιος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination ὅτι ἐν steht 35 Mal im NT, davon 5 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 8,2. ♦ ἀρχή, das 67 / 55 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,25 = *Laod 1,21; *Laod 3,10. ♦ Die Wendung ἐν ἀρχῇ steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene ( Joh 1,1. 2; Apg 11,15; Phil 4,15). ♦ εὐαγγέλιον, das 79 / 76 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,6; 2,2. 14; *1Kor 4,15; 9,14; 15,1; *Röm 1,16; 2,16; *Laod 1,13; 6,15; *Kol 1,5; *2Thess 1,8. ♦ ὅτε, das 112 / 103 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,3. 4. ♦ ἐξέρχομαι, das 258 / 218 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ Die Form ἐξῆλθον steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 12,44; Mk 1,38; Lk 11,24; 4 Mal Joh; 2Kor 2,13: ἐξῆλθον εἰς Μακεδονίαν; Phil 4,15: ἐξῆλθον ἀπὸ Μακεδονίας). ♦ Μακεδονία, das 22 Mal im NT erwähnt wird, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ κοινωνέω, das 15 / 8 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 6,6. ♦ Die Wendung εἰς λόγον steht 1 weiteres Mal im NT, Phil 4,17. ♦ δόσις steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene (Phil 4,15; Jak 1,17). ♦ λῆψις ist Hapax legomenon im NT. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οἴδατε δέ; ὅτι ἐν; ἐν ἀρχῇ; ἐξῆλθον; Μακεδονία; εἰς λόγον; δόσις. (4,16) Die Kombination ὅτι καί steht 22 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 8,21. ♦ Θεσσαλονίκη steht 5 / 4 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἅπαξ, das 15 / 14 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ δίς steht 6 Mal im NT, ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt. ♦ χρεία, das 53 / 49 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 5,31. ♦ πέμπω, das 86 / 79 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 8,3. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὅτι καί; Θεσσαλονίκη; ἅπαξ; δίς. 9 (Phil) 643 <?page no="644"?> (4,17) Die Kombination οὐχ ὅτι steht 12 Mal im NT, davon 7 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 2Kor 1,24. ♦ ἐπιζητέω, das 17 / 13 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ δόμα, das 4 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13. ♦ καρπός, das 71 / 66 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ πλεονάζω, das 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 5,20. ♦ Die Wendung εἰς λόγον steht 1 weiteres Mal im NT, Phil 4,15. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: οὐχ ὅτι; ἐπιζητέω; εἰς λόγον. (4,18) ἀπέχω, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24; *1Thess 4,3. ♦ Zu περισσεύω als kanonischem Begriff vgl. weiter oben zu Vers 12. ♦ πληρόω, das 91 / 87 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 5,3. 14; *Röm 8,4; 13,8. ♦ δέχομαι, das 62 / 56 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *2Thess 2,10. ♦ παρά, das 217 / 194 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 7,37; *Gal 1,8. 12; *1Kor 3,19; *Röm 2,13; 12,16 *2Thess 1,6. ♦ Ἐπαφρόδιτος steht nur noch 1 weiteres Mal im selben Brief, auch auf kanonischer Ebene. ♦ Die Wendung τὰ παρ’ ὑμῶν steht nur hier im NT. ♦ ὀσμή, das 6 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ εὐωδία steht 3 Mal im NT, ebenfalls vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ θυσία, das 30 / 28 Mal im NT steht, ist ebenfalls vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ Und auch προσφορά, das 10 / 9 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,2. ♦ εὐάρεστος, das 10 / 9 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der paulinisch-kanonischen Ebene (Röm 12,1. 2; 14,18; Eph 5,10; Phil 4,18; Kol 3,20; Tit 2,9; Hebr 13,21). Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: περισσεύω; Ἐπαφρόδιτος. Zu bemerken ist, dass die Begriffe ὀσμή; εὐωδία; θυσία und προσφορά alle vorkanonisch nur für *Laod 5,2 bezeugt sind, was zum einen auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist, aber auch auf die Nähe dieses Verses hier zu dem von *Laod/ Eph 5,2. (4,19) Zur kanonischen Verseröffnung ὁ δὲ θεός vgl. zuvor zu Röm 15,5. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten πληρόω vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ πᾶσαν, das 53 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum vorkanonisch bezeugten χρεία vgl. zuvor Vers 16. ♦ πλοῦτος, das 31 / 22 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 11,33; *Laod 1,18. ♦ Der Ausdruck ἐν δόξῃ steht 9 Mal im NT, vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 9,31; *1Kor 15,43; *2Kor 3,7. 11. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. 644 Rekonstruktion <?page no="645"?> Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ὁ δὲ θεός; πᾶσαν; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. (4,20) Die Verseröffnung τῷ δὲ θεῷ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 2,14. ♦ Die Wendung καὶ πατρὶ ἡμῶν steht nur hier im NT. ♦ Die Wendung ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας begegnet 6 Mal im NT (Röm 11,36; 16,27; Gal 1,5; Phil 4,20; 2Tim 4,18; Hebr 13,21), jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 16,27. ♦ Die weitere Wendung ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων: ἀμήν steht 4 Mal im NT (Gal 1,5; Phil 4,20; 2Tim 4,18; Hebr 13,21), jeweils auf der kanonischen Ebene. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: τῷ δὲ θεῷ; ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας; ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας τῶν αἰώνων: ἀμήν. Auch dieser lexikalische Vergleich ist eine nachdrückliche Bestätigung, dass die hier vorkanonisch unbezeugten Verse Produkte der kanonischen Redaktion sind und vorkanonisch gefehlt haben. [4],[21-23]: [Grüße und Schluss] Auch die hier folgenden Grüße und der Schluss sind vorkanonisch unbezeugt; nach Ausweis der Lexik gehen sie auf die kanonische Redaktion zurück und haben vorkanonisch gefehlt. - 21 Ἀσπάσασθε πάντα ἅγιον ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ. ἀσπάζονται ὑμᾶς οἱ σὺν ἐμοὶ ἀδελφοί. 22 ἀσπάζονται ὑμᾶς πάντες οἱ ἅγιοι, μάλιστα δὲ οἱ ἐκ τῆς Καίσαρος οἰκίας. 23 ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μετὰ τοῦ πνεύματος ὑμῶν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (4,21-23) Zahn, Schmid und BeDuhn sind der Meinung, dass auch diese Passage von Kapitel 4 unbezeugt ist. Harnack hingegen, der sich auf den „gefälschten Laodizenerbrief “ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) stützt, gibt folgenden Text der Verse 22 und 23: 22 ἀσπάζονται ὑμᾶς οἱ ἅγιοι, 23 ἡ χάρις. 2. (4,18) Man bemerke die Kombination von ὀσμή mit εὐωδία an den drei Stellen, an denen der Begriff begegnet (2Kor 2,15; Eph 5,2; Phil 4,18). Insbesondere besteht eine nähere Beziehung zu Eph 5,2 als zur parallelen vorkanonischen Stelle *Laod 5,2, was erneut einen Hinweis auf die parallele 9 (Phil) 645 <?page no="646"?> kanonische Ebene bietet, denn in Eph wird gerade die Differenz zwischen Paulus und den Adressaten, adressiert als „euer“, hervorgehoben (Eph 5,2: ὁ Χριστὸς ἠγάπησεν ὑμᾶς καὶ παρέδωκεν ἑαυτὸν ὑπὲρ ὑμῶν προσφορὰν καὶ θυσίαν τῷ θεῷ εἰς ὀσμὴν εὐωδίας; *Laod 5,2: ὁ Χριστὸς ἠγάπησεν ἡμᾶς καὶ παρέδωκεν ἑαυτὸν ὑπὲρ ἡμῶν προσφορὰν καὶ θυσίαν τῷ θεῷ εἰς ὀσμὴν εὐωδίας). D. (4,21) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, ist positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene zu finden. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, das fast nur in der kanonischen Fassung bezeugt ist, findet sich allerdings auch in *Ev 11,2; 12,10. 12; *Laod 1,19. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. ♦ Die Wendung οἱ σὺν ἐμοὶ (πάντες) ἀδελφοί steht noch 1 weiteres Mal in Gal 1,2. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ; οἱ σὺν ἐμοὶ (πάντες) ἀδελφοί. (4,22) Zum kanonischen ἀσπάζομαι vgl. im Vers zuvor. ♦ πάντες, das 172 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 13,27; *Gal 3,26; *1Kor 10,3. 4; 15,22. 51; *2Thess 2,12; *Laod 2,3. ♦ Die Form οἱ ἅγιοι steht 4 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 6,2. ♦ μάλιστα, das 12 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Καῖσαρ steht 33 / 29 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ οἰκία, das 104 / 94 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,5. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: Semantik von ἀσπάζομαι; οἱ ἅγιοι; μάλιστα. (4,23) Die Wendung ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ steht 5 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 16,23. ♦ Die Wendung μετὰ τοῦ πνεύματος ὑμῶν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Gal 6,18. Ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegte Elemente sind: ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ; μετὰ τοῦ πνεύματος ὑμῶν. Auch bei diesem lexikalischen Vergleich wiederholt sich die Beobachtung zu den voranstehenden Passagen von Kapitel 4. Das gesamte Kapitel geht auf die kanonische Redaktion zurück und hat vorkanonisch gefehlt. Auffallend sind die vielen Hapax legomena, außerdem zeigt sich eine lexikalische Nähe zum Epheserbrief und auch zu dessen Vorlage *Laod. Die kanonische Lexik gilt auch für die von Harnack vorgeschlagenen Verse. Man stößt etwa in Vers 6 auf den nur kanonisch bezeugten Begriff αἴτημα, in Vers 8 begegnen die nur kanonisch bezeugten Begriffe ὁλόκληρος, ἀληθής, σεμνός. In Vers 22 steht das positiv 646 Rekonstruktion <?page no="647"?> gebrauchte, folglich kanonisch gedeutete ἀσπάζομαι. Demnach dürfte auch, was diese Verse betrifft, der Zeugniswert des „gefälschten Laodizenerbriefes“ (nicht zu verwechseln mit *Laod! ) nicht ein solcher für die vorkanonische Version, sondern vielmehr für die kanonische Ebene des Philipperbriefes sein. 9 (Phil) 647 <?page no="648"?> 1 Edition: M. Vinzent, Marcion and the Dating of the Synoptic Gospels (2014), 121. 10 (Phlm) Titulus und Vorwort 1 Πρὸς Φιλήμονα - Philemoni familiares litteras facit pro Onesimo servo eius. scribit autem ei a Roma de carcere. - A. *Titel: Vgl. Tert., Adv. Marc. V 21, praef.: De epistula ad Philemonem; vgl. Epiph., Pan. 42 (105 H.): ἐνάτη πρὸς Φιλήμονα; ibid. (181 H.): Πρὸς Φιλήμονα θ; vgl. auch den markionitischen Prolog. B. Die Varianten sind in der kritischen Edition vermerkt. 1 C. Zahn und Harnack geben Adresse und Titulus wie oben, allerdings ohne Quellenverweise. 1,1 [2] 3: Anschrift und Gruß Der Adressat dieses Briefes ist vorkanonisch bezeugt. Wie gewohnt, hat die ka‐ nonische Redaktion die Anschrift erweitert und einen Mitabsender, Timotheus, hinzugesetzt. 1,1 Παῦλος δέσμιος Χριστοῦ Ἰησοῦ Φιλήμονι - 1 Παῦλος δέσμιος Χριστοῦ Ἰησοῦ καὶ Τιμόθεος ὁ ἀδελφὸς Φιλήμονι τῷ ἀγαπητῷ καὶ συνεργῷ ἡμῶν - 2 καὶ Ἀπφίᾳ τῇ ἀδελφῇ καὶ Ἀρχίππῳ τῷ συστρατιώτῃ ἡμῶν καὶ τῇ κατ’ οἶκόν σου ἐκκλησίᾳ, 3 χάρις καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ. 3 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ. A. *1,1. 3: Vgl. Tert., Adv. Marc V 21, praef.-2: De epistula ad Philemonem [1]-Soli huic epistulae brevitas sua profuit ut falsarias manus Marcionis evaderet. Miror tamen, cum ad unum hominem litteras factas receperit, quod ad Timotheum duas et unam ad Titum de ecclesiastico statu compositas recusaverit. Affectavit, <?page no="649"?> opinor, etiam numerum epistularum interpolare. Vgl. Hieron., Comm. in Philem.: Et quoniam Marcionis fecimus mentionem, Pauli esse epistolam ad Philemonem saltem Marcione auctore doceantur, qui cum ceteras epistolas eiusdem vel non susceperit vel quaedam in his mutaverit atque corroserit, in hanc solam manus non est ausus mittere, quia sua illam brevitas defendebat. Vgl. Epiph., Pan. 42 (181-182 H.): Πρὸς Φιλήμονα θ̄· οὕτως γὰρ παρὰ τῷ Μαρκίωνι κεῖται, παρὰ δὲ τῷ ἀποστόλῳ ἐσχάτη κεῖται· ἕν τισιν δὲ ἀντιγράφοις τρισκαιδεκάτη πρὸ τῆς πρὸς Ἑβραίους τεσσαρρεσκαιδεκάτης τέτακται, ἄλλα δὲ ἀντίγραφα ἔχει τὴν πρὸς Ἑβραίους δεκάτην πρὸ τῶν δύο πρὸς Τιμόθεον καὶ Τίτον καὶ Φιλήμονα. πάντα δὲ τὰ άντίγραφα τὰ σῷα καὶ ἀληθῆ τὴν πρὸς ’Ρωμαίους ἔχουσι πρώτην, οὐ ὡς σύ, Μαρκίων, τὴν πρὸς Γαλάτας ἔταξας πρώτην. ὅμως ἀπὸ ταύτης τῆς πρὸς Φιλήμονα οὐδὲν παρεθέμεθα, διὰ τὸ ὁλοσχερῶς αὐτὴν ἐνδιαστρόφως παρ’ αὐτῷ κεῖσθαι. Ibid. (Πρὸς Θεσσαλονικεῖς ᾱ) (178 H.): Τῆς πρὸς Θεσσαλονικεῖς <ᾱ>, πέμπτης ἐπιστολῆς (οὕτω γὰρ κεῖται ἐν τῷ Μαρκίωνι), ὀγδόης δὲ οὔσης παρὰ τῷ ἀποστόλῳ, τὰ πάντα τοῦ Μαρκίωνος διεστραμμένως ἀπ’ αὐτῆς ἔχοντος οὐδὲν ἐξ αὐτῆς παρεθέμεθα. Ibid. (178 H.): Τῆς πρὸς Θεσσαλονικεῖς δευτέρας, ἕκτης κειμένης παρὰ τῷ Μαρκίωνι, ἐνάτης δὲ οὔσης παρὰ τῷ ἀποστόλῳ, ὁμοίως διαστραφείσης ὑπ’ αὐτοῦ τοῦ Μαρκίωνος πάλιν οὐδὲν ἐξεθέμεθα. Ibid. (Πρὸς Φιλήμονα θ) (181 H.): οὕτως γὰρ παρὰ τῷ Μαρκίωνι κεῖται ἐσχάτη καὶ δεκάτη, παρὰ δὲ τῷ ἀποστόλῳ ἕκτη. ὡσαύτως οὐδὲ ἀπ’ αὐτῆς, διὰ τὸ διαστρόφως παρ’ αὐτῷ κεῖσθαι, οὐδὲν ἐξελεξάμεθα. B. Keine nennenswerten Varianten. C. (1,1-3) Harnack hatte bereits gesehen, dass Hieronymus vom Zeugnis des Epi‐ phanius abhängt. Doch diesen Zeugnissen, zumindest in der Interpretation, die auch Harnack wiederholt („Dieser Brief ist von M. nicht geschädigt worden“), scheint Epiphanius in Pan. 42 (181-182 H.) zu widersprechen. Epiphanius äußert sich nicht nur über die andere Ordnung der Briefsammlung des *Paulus durch Markion, sondern am Ende auch über die Behandlung des Philemonbriefs, wobei er dasselbe Urteil ausspricht, das er bereits zum Ersten Thessalonicherbrief formuliert hatte, Πρὸς Θεσσαλονικεῖς ᾱ; (178 H.): Τῆς πρὸς Θεσσαλονικεῖς <ᾱ>, πέμπτης ἐπιστολῆς (οὕτω γὰρ κεῖται ἐν τῷ Μαρκίωνι), ὀγδόης δὲ οὔσης παρὰ τῷ ἀποστόλῳ, τὰ πάντα τοῦ Μαρκίωνος διεστραμμένως ἀπ’ αὐτῆς ἔχοντος οὐδὲν ἐξ αὐτῆς παρεθέμεθα, und dann zum Zweiten Thessalonicherbrief: Τῆς πρὸς Θεσσαλονικεῖς δευτέρας, ἕκτης κειμένης παρὰ τῷ Μαρκίωνι, ἐνάτης δὲ οὔσης παρὰ τῷ ἀποστόλῳ, ὁμοίως διαστραφείσης ὑπ’ αὐτοῦ τοῦ Μαρκίωνος πάλιν οὐδὲν ἐξεθέμεθα, und was er auch zum Philipperbrief vorgebracht hatte: οὕτως γὰρ παρὰ τῷ Μαρκίωνι κεῖται ἐσχάτη καὶ δεκάτη, παρὰ δὲ τῷ ἀποστόλῳ 10 (Phlm) 649 <?page no="650"?> 2 A.v. Harnack, Marcion. Das Evangelium vom fremden Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kirche (1924), 127*. 3 T.v. Zahn, Geschichte des Neutestamentlichen Kanons, Band 2: Urkunden und Belege zum ersten und dritten Band, zweite Hälfte (1892), 529. 4 Ibid. ἕκτη. ὡσαύτως οὐδὲ ἀπ’ αὐτῆς, διὰ τὸ διαστρόφως παρ’ αὐτῷ κεῖσθαι, οὐδὲν ἐξελεξάμεθα. Hiernach hatte sich Epiphanius deshalb keine Exzerpte aus diesen Briefen gemacht, weil Markion sie völlig gekürzt habe. Harnack hat, was auch Epiphanius’ Kommentar zum *Philemonbrief betrifft, nur die kritische Bemerkung übrig, dass seine „Begründung nicht“ überzeugend sei und nur „auf demselben Irrtum“ beruhe, den er ihm schon zuvor vorgehalten habe, Epiphanius habe sich nämlich in früherer Zeit keine Exzerpte aus diesem wie aus den anderen genannten Briefen gemacht und habe dies Jahre später dadurch gerechtfertigt, Markion eine Entstellung bzw. Verkürzung der Briefe vorzuwerfen. 2 Schon Zahn hatte vor Harnack ähnlich über Epiphanius geurteilt, dieser sei „mit seiner Behauptung im völligen Irrtum, daß Mrc. diesen Brief bis zur Unkenntlichkeit entstellt habe“. 3 Durch die hier vorgenommene Textrekonstruktion der genannten Briefe lässt sich jedoch feststellen, dass die vorkanonischen Versionen dieser Briefe tatsäch‐ lich, gemessen an deren kanonischen Form, erheblich kürzer sind. Epiphanius hatte demnach also für die vorstehenden Briefe richtig geurteilt. Wie lässt sich das von ihm Geschriebene aber mit Tertullian (und Hieronymus) harmonieren? Möglicherweise könnte man Tertullian auch so verstehen, dass aufgrund des ohnehin schon kurzen Briefes in der kanonischen Form, Markion es wegen der Kürze nicht gewagt habe, in ihn so einzugreifen, dass er ihn noch stärker kürzte. Dies ließe die Frage offen, ob es (und wenn ja, welche) Differenzen zwischen den beiden Versionen gibt. Nimmt man Tertullian allerdings wörtlich, wird man von einem deutlichen Widerspruch zwischen Tertullian und Epiphanius ausgehen müssen, und erst die Arbeit am Text kann Hinweise darauf geben, welchem der beiden Zeugen in diesem Fall eher zu folgen ist. Nun leidet natürlich eine mögliche Rekonstruktion daran, dass wir keine Zeugen für die Verse des Haupttextes besitzen, außer, dass uns von den Zeugen mitgeteilt wird, dass sich ein solcher *Brief an Philemon in Markions Sammlung befand, ein Brief also an Philemon gerichtet war. Zahn notierte schlicht, der Text des Philemonbriefes sei in der Sammlung Markions „völlig unverändert“. 4 650 Rekonstruktion <?page no="651"?> BeDuhn hingegen fügt in seine Übersetzung aus der Eröffnung lediglich Bruchstücke aus dem *Philemonbrief ein, denen folgender griechischer Text zugrunde liegt: 1 [Παῦλος δέσμιος Χριστοῦ Ἰησοῦ … Φιλήμονι … -] 3 χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ … und beruft sich hierfür auf Tert., Adv. Marc. V 5,1: communem scilicet et eundem in epistulis omnibus. D. (1,1) Παῦλος, der 174 / 158 Mal im NT steht, ist weiter vorkanonisch bezeugt für *Gal 1,1; *1Kor 1,1; 3,22; *2Kor 1,1; *Röm; *1Thess 1,1; *2Thess 1,1; *Kol 1,1. ♦ δέσμιος, das 17 / 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich für die kanonische Ebene bezeugt, man beachte aber den markionitischen Prolog zu diesem Brief hier (carcere). ♦ Τιμόθεος, der 25 / 24 Mal im NT erwähnt wird, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form ἀγαπητῷ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Kol 4,9; Phlm 1,1; 2Joh 1,1). ♦ συνεργός, das sich 14 / 13 Mal im NT findet, steht nur auf der kanonischen Ebene, vgl. weiter unten Vers 24. Zur Rekonstruktion: Der durch den Absender bezeugte Vers lässt sich im Rückgriff auf den Prolog versuchsweise rekonstruieren. Wenn auch für diesen Brief gilt, was Tertullian zum *Ersten Korintherbrief bezüglich der einfachen und im Wesentlichen gleichen Brieferöffnungen gesagt hat, dann wird man lediglich den obenstehenden Text annehmen. (1,2) Ἀπφία ist Hapax legomenon im NT. ♦ Ἄρχιππος steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Kol 4,17; Phlm 4,2). ♦ συστρατιώτης steht 2 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Phil 2,25; Phlm 1,2). ♦ Die Kombination κατ’ οἶκον steht 6 Mal im NT, meist in Verbindung mit ἐκκλησία, immer auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 16,5. ♦ σου (Gen. Mask. / Neut. Sg. von σύ / σός), das 361 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 5,14; *1Kor 15,55; *Röm 2,25, vgl. weiters die Verse 4. 5. 6. 7. 13. 14. 20. 21. Zur Abwesenheit: Der vorkanonisch unbezeugte Vers weist einige Elemente auf, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (Ἄρχιππος; συστρατιώτης; κατ’ οἶκον). Der Vers ist ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,3) Vgl. zu *1Kor 1,1. 10 (Phlm) 651 <?page no="652"?> 1,[4-8] 9 10 11-13 [14] 15 [16-21] 22 [23-25]: Bitte für Onesimus Auch wenn bis auf die Existenz dieses Briefes und den Adressaten vorkanonisch nichts weiter bezeugt ist, legt der lexikalische Vergleich doch einen vorkanoni‐ schen Briefkern nahe. - 4 Εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου πάντοτε μνείαν σου ποιούμενος ἐπὶ τῶν προσευχῶν μου, 5 ἀκούων σου τὴν ἀγάπην καὶ τὴν πίστιν, ἣν ἔχεις πρὸς τὸν κύριον Ἰησοῦν καὶ εἰς πάντας τοὺς ἁγίους, 6 ὅπως ἡ κοινωνία τῆς πίστεώς σου ἐνεργὴς γένηται ἐν ἐπιγνώσει παντὸς ἀγαθοῦ τοῦ ἐν ἡμῖν εἰς Χριστόν. 7 χαρὰν γὰρ πολλὴν ἔσχον καὶ παράκλησιν ἐπὶ τῇ ἀγάπῃ σου, ὅτι τὰ σπλάγχνα τῶν ἁγίων ἀναπέπαυται διὰ σοῦ, ἀδελφέ. 8 Διὸ πολλὴν ἐν Χριστῷ παρρησίαν ἔχων ἐπιτάσσειν σοι τὸ ἀνῆκον 9 διὰ τὴν ἀγάπην 9 διὰ τὴν ἀγάπην μᾶλλον παρακαλῶ, τοιοῦτος ὢν ὡς Παῦλος πρεσβύτης νυνὶ δὲ καὶ δέσμιος Χριστοῦ Ἰησοῦ· 10 παρακαλῶ σε περὶ τοῦ ἐμοῦ τέκνου, ὃν ἐγέννησα ἐν τοῖς δεσμοῖς, Ὀνήσιμον, 10 παρακαλῶ σε περὶ τοῦ ἐμοῦ τέκνου, ὃν ἐγέννησα ἐν τοῖς δεσμοῖς, Ὀνήσιμον, 11 τόν ποτέ σοι ἄχρηστον, νυνὶ δὲ ἐμοὶ εὔχρηστον, 11 τόν ποτέ σοι ἄχρηστον νυνὶ δὲ καὶ σοὶ καὶ ἐμοὶ εὔχρηστον, 12 ὃν ἀνέπεμψά σοι, 12 ὃν ἀνέπεμψά σοι, αὐτόν, τοῦτ’ ἔστιν τὰ ἐμὰ σπλάγχνα· 13 ὃν ἐγὼ ἐβουλόμην πρὸς ἐμαυτὸν κατέχειν, ἵνα ὑπὲρ σοῦ μοι διακονῇ ἐν τοῖς δεσμοῖς τοῦ εὐαγγελίου. 13 ὃν ἐγὼ ἐβουλόμην πρὸς ἐμαυτὸν κατέχειν, ἵνα ὑπὲρ σοῦ μοι διακονῇ ἐν τοῖς δεσμοῖς τοῦ εὐαγγελίου, - 14 χωρὶς δὲ τῆς σῆς γνώμης οὐδὲν ἠθέλησα ποιῆσαι, ἵνα μὴ ὡς κατὰ ἀνάγκην τὸ ἀγαθόν σου ᾖ ἀλλὰ κατὰ ἑκούσιον. 15 Τάχα γὰρ διὰ τοῦτο ἐχωρίσθη πρὸς ὥραν, ἵνα αἰώνιον αὐτὸν ἀπέχῃς. - 15 Τάχα γὰρ διὰ τοῦτο ἐχωρίσθη πρὸς ὥραν, ἵνα αἰώνιον αὐτὸν ἀπέχῃς, - 16 οὐκέτι ὡς δοῦλον ἀλλ’ ὑπὲρ δοῦλον, ἀδελφὸν ἀγαπητόν, μάλιστα ἐμοί, πόσῳ δὲ μᾶλλον σοὶ καὶ ἐν σαρκὶ καὶ ἐν κυρίῳ. 17 εἰ οὖν με ἔχεις κοινωνόν, προσλαβοῦ αὐτὸν ὡς ἐμέ. 18 εἰ δέ τι ἠδίκησέν σε ἢ ὀφείλει, τοῦτο ἐμοὶ ἐλλόγα. 19 ἐγὼ Παῦλος ἔγραψα τῇ ἐμῇ χειρί, ἐγὼ 652 Rekonstruktion <?page no="653"?> ἀποτίσω· ἵνα μὴ λέγω σοι ὅτι καὶ σεαυτόν μοι προσοφείλεις. 20 ναὶ ἀδελφέ, ἐγώ σου ὀναίμην ἐν κυρίῳ· ἀνάπαυσόν μου τὰ σπλάγχνα ἐν Χριστῷ. 21 Πεποιθὼς τῇ ὑπακοῇ σου ἔγραψά σοι, εἰδὼς ὅτι καὶ ὑπὲρ ἃ λέγω ποιήσεις. 22 ἑτοίμαζέ μοι ξενίαν· ἐλπίζω γὰρ ὅτι διὰ τῶν προσευχῶν ὑμῶν χαρισθήσομαι ὑμῖν. 22 ἅμα δὲ καὶ ἑτοίμαζέ μοι ξενίαν· ἐλπίζω γὰρ ὅτι διὰ τῶν προσευχῶν ὑμῶν χαρισθήσομαι ὑμῖν. - 23 Ἀσπάζεταί σε Ἐπαφρᾶς ὁ συναιχμάλωτός μου ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, 24 Μᾶρκος, Ἀρίσταρχος, Δημᾶς, Λουκᾶς, οἱ συνεργοί μου. - 25 Ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μετὰ τοῦ πνεύματος ὑμῶν. A. Die Verse sind vorkanonisch unbezeugt. B. (1,5) Die Reihenfolge τὴν πίστιν καὶ τὴν ἀγάπην findet sich in den Zeugen P 61vid , 06, 323, 365, 629, 945, 1739, 1881, ar, b, vg mss , sy p , Ambst. ♦ (1,11) Post νυνὶ δέ om καί in 01 c , 02, 03, 06, 018, 020, 024, 0278, 81, 365, 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, it, ar, f, sy h , add καί in 01* .2 , 010, 012, 33, 104, vg, sy p . ♦ (1,12) σοι αὐτὸν τουτ’ ἐστιν τὰ ἐμὰ σπλάγχνα προσλάβου findet sich in 04*, συ (σοι συ 042, 06*, σοι 044) δὲ αὐτὸν τουτ’ ἐστιν τὰ ἐμὰ σπλάγχνα προσλάβου steht 01 2 , 06* .2 , 018, 020, 025, 044, 0278, 81, 104, (365), 630, 1241, 1505, 1739, 1881, M, lat, (sy), dann σοι συ δὲ αὐτὸν προσλάβου τουτ’ ἐστιν τὰ ἐμὰ σπλάγχνα in 048, g, (Thret lem ), und die NA 28 gewählte Form, allerdings mit συ δέ anstelle von σοι in 010, 012, findet sich in 01*, 02, 010, 012, 33. ♦ (1,25) Post τοῦ κυρίου add ἡμῶν in 02, 04, 06, 018, 020, 044, 0278, 630, 1241, M, lat, sy p , co, Ambst, om in (P 87 ), 01, 025, 33, 81, 104, 365, 1505, 1739, 1881, b, vg mss , sy h . ♦ ἀμήν add in 01, 04, 06 1 , 018, 020, 025, 044, 0278, 104, 365, 630, 1241, 1505, 1739 c , M, lat, sy, bo, om in 02, 06*, 048 vid , 6, 33, 81, 1739*, 1881, vg mss , sa, bo mss . C. 1. (1,4-25) Nach Ausweis aller Editoren sind diese Verse unbezeugt, nur BeDuhn verweist auf Vers 10 wegen der Nennung des Onesimus, den er durch den markionitischen Prolog bezeugt sieht. Doch könnte die Relation auch umgekehrt gedacht werden, dass eine Information aus dem Prolog zur kanonischen Schaffung dieses Verses mit der Erwähnung des Onesimus geführt hat. Wir sind demnach erneut auf die Lexik angewiesen. 10 (Phlm) 653 <?page no="654"?> 2. (1,24) Man vergleiche die Parallelstelle, die auf kanonischer Ebene zu finden ist: Kol 4,10-11. 14 Phlm 1,23-24 Ἀσπάζεται ὑμᾶς Ἀρίσταρχος ὁ συναιχμάλωτός μου καὶ Μᾶρκος ὁ ἀνεψιὸς Βαρναβᾶ (περὶ οὗ ἐλάβετε ἐντολάς, ἐὰν ἔλθῃ πρὸς ὑμᾶς, δέξασθε αὐτόν) 11 καὶ Ἰησοῦς ὁ λεγόμενος Ἰοῦστος, οἱ ὄντες ἐκ περιτομῆς, οὗτοι μόνοι συνεργοὶ εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ, οἵτινες ἐγενήθησάν μοι παρηγορία. 12 ἀσπάζεται ὑμᾶς Ἐπαφρᾶς ὁ ἐξ ὑμῶν … 14 ἀσπάζεται ὑμᾶς Λουκᾶς ὁ ἰατρὸς ὁ ἀγαπητὸς καὶ Δημᾶς. 23 Ἀσπάζεταί σε Ἐπαφρᾶς ὁ συναιχμάλωτός μου ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ, 24 Μᾶρκος, Ἀρίσταρχος, ----Δημᾶς, Λουκᾶς, οἱ συνεργοί μου. D. (1,4) Die Wendung εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου steht 4 Mal im NT, davon 3 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. 1Kor 1,4. ♦ πάντοτε, das 42 / 41 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ μνεία, das 7 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ προσευχή, das 42 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,12. Zur Abwesenheit: Die Lexik mit ihren ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elementen (εὐχαριστῶ τῷ θεῷ μου; πάντοτε; μνεία) stützt die Annahme, dass dieser Vers vorkanonisch nicht gestanden war. (1,5) ἀκούω steht 466 / 430 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Laod 1,13; *Kol 1,5. ♦ Die Form ἀκούων steht 13 Mal im NT (4 Mal Mt; Lk 6,47, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 10,16; 19,48, in einem Vers, der in *Ev fehlt; 2 Mal Joh; Apg 5,5; Phlm 1,5; 2 Mal Apk), ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ πίστις, das 257 / 243 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 2,16. 20; 3,11. 26; 5,6; *1Kor 12,9; *2Kor 4,13; *Röm 1,17; 5,1; *Laod 4,5. ♦ ἀγάπη, das 133 / 116 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,42; *Gal 5,6; *1Kor 13,1, *2Thess 2,10; *Laod 5,28; *Phil 1,16. ♦ Die Wendung ἣν ἔχεις steht noch 1 weiteres Mal in Röm 14,22. ♦ Die Wendung τὸν κύριον Ἰησοῦν Χριστόν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Röm 13,14. ♦ Die Wendung εἰς πάντας τοὺς ἁγίους steht 3 Mal im NT, jeweils als Versschluss, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu Eph 1,15. Zur Abwesenheit: Die Lexik mit ihren ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elementen (ἀκούων; ἣν ἔχεις; τὸν κύριον Ἰησοῦν Χριστόν; εἰς πάντας 654 Rekonstruktion <?page no="655"?> τοὺς ἁγίους) stützt die Annahme, dass dieser Vers vorkanonisch nicht gestanden war. (1,6) ὅπως, das 58 / 53 Mal im NT steht, davon 12 Mal als Verseröffnung, ist vorka‐ nonisch bezeugt für *Gal 1,4 (im Vers); *1Kor 1,29 (Verseröffnung), vgl. zu Röm 9,17 ♦ κοινωνία, das 21 / 19 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐνεργής, das 7 / 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἐπίγνωσις, das 21 / 20 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Röm 10,2. ♦ παντός (Gen. Mask. / Neut. Sg.), das 32 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung ἐν ἡμῖν steht 26 Mal im NT, Lk 24,32, wo diese Wendung in *Ev fehlt, jedoch vorkanonisch weiter bezeugt für *Ev 7,16. ♦ Die Wendung εἰς Χριστόν steht 12 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Laod 5,32. Zur Abwesenheit: Wiederum spricht die Lexik mit ihren ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elementen (κοινωνία; ἐνεργής; παντός) dafür, dass dieser Vers auf die kanonische Redaktion zurückzuführen ist und vorkanonisch gefehlt hat. Die Wendung εἰς Χριστόν ist bemerkenswert, weil sie nur für *Laod vorkanonisch bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache verweist. (1,7) χαρά, das 62 / 59 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form πολλήν steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Mt 13,5; Mk 4,5; Lk 10,40; Apg 16,16; Eph 2,4; 1Tim 3,13; Phlm 1,7. 8; Hebr 10,32). ♦ παράκλησις, das 30 / 29 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,24. ♦ σπλάγχνον, das 12 / 11 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἅγιος als Kennzeichnung von Menschen, vgl. zuvor zu Vers 5. ♦ ἀναπαύω steht 15 / 12 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Wendung διὰ σοῦ steht 1 weiteres Mal im NT, Apg 24,2. Zur Abwesenheit: Auch bei diesem Vers spricht die Lexik mit den ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegten Elementen (χαρά; πολλήν; σπλάγχνον; ἀναπαύω; διὰ σοῦ) dafür, dass er ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. (1,8) Die Form πολλήν steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Formel ἐν Χριστῷ wird vorkanonisch nur encheiristisch gebraucht, wobei an dieser Stelle eine instrumentale Verwendung der Selbstautorisierung des Paulus vorliegt, ein semantisches Merkmal der kanonischen Redaktion. ♦ παρρησία, das 32 / 31 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 6,19. ♦ ἐπιτάσσω steht 11 / 10 Mal im NT und ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,25. ♦ σοι (Dat. Sg. oder Nom. / Vok. Mask. Pl. von σύ / σός), das 212 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,22; 10 (Phlm) 655 <?page no="656"?> *Laod 5,14, vgl. die weiteren Verse 11. 12. 16. 19. 21. ♦ ἀνήκω, das 3 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Sowohl Lexik wie Semantik (πολλήν; Semantik von ἐν Χριστῷ; ἀνήκω) sprechen auch in diesem Vers dafür, dass er ein Produkt der kanonischen Redaktion ist und vorkanonisch gefehlt hat. Erneut fällt ein Terminus auf, παρρησία, der nur für *Laod vorkanonisch bezeugt ist und auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hinweist. (1,9) Die Wendung διὰ τὴν ἀγάπην steht nur hier im NT. ♦ μᾶλλον steht 85 / 81 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13; *2Kor 3,8. 11; 5,8. ♦ παρακαλέω, das 115 / 109 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 16,25; *2Kor 12,7. ♦ Die Form παρακαλῶ steht 20 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 10,1. ♦ Die Verbform ὤν, die 48 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 24,6; *Gal 2,3. ♦ Das Bigramm ὡς Παῦλος, auf das mich Mark Bilby aufmerksam gemacht hat, ist erleuchtend, denn die Verbindung von ὡς + Nomen begegnet nirgends sonst im Apostolos, steht jedoch dreimal auf der kanonischen Ebene bei Paulus (Röm 9,29; Gal 4,14; 1Thess 2,7). ♦ πρεσβύτης steht 3 Mal im NT, nur kanonisch bezeugt. ♦ δέσμιος, das 17 / 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene, wird aber wohl auch in der Adresse gestanden sein, vgl. zuvor und den markionitischen Prolog zu diesem Brief (carcere). Zur Rekonstruktion: Auch wenn die Form παρακαλῶ sonst nur auf der kano‐ nischen Ebene zu finden ist, haben wir es hier mit einem Petitionsschreiben zu tun, in welcher diese Form vielleicht gestanden haben könnte, oder sie wurde von der kanonischen Redaktion in Abwandlung eines anderen Terminus hier eingetragen. Dass διὰ τὴν ἀγάπην nur hier im NT Verwendung findet und μᾶλλον vorkanonisch bezeugt ist, bietet die Möglichkeit, dass dieser Versanfang vorkanonisch stand, während, wie die Lexik ausweist, der letzte Teil des Verses wohl eine kanonisch-redaktionelle Erweiterung darstellt, die eine typische emphatische Selbstdarstellung des Paulus mit zusätzlicher biographischer In‐ formation bietet, welche hier auf der Information des folgenden Verses 10 (Gefängnis) aufbaut. (1,10) Zu παρακαλέω und παρακαλῶ vgl. zum Vers zuvor. ♦ Die Wendung περὶ τοῦ ἐμοῦ steht nur hier im NT. ♦ τέκνον, das 103 / 99 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *Gal 4,31; *1Kor 4,14; *Laod 2,3; 6,1. ♦ γεννάω, das 98 / 97 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 4,23. 24; *1Kor 4,15. ♦ Zu δέσμιος, das 17 / 16 Mal im NT steht, vgl. zum voranstehenden Vers. ♦ Ὀνήσιμος findet sich 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene in Kol 4,9, allerdings auch in dem markionitischen Prolog zu dem vorliegenden Brief. 656 Rekonstruktion <?page no="657"?> Zur Rekonstruktion: Was παρακαλῶ betrifft, gelten dieselben Überlegungen wie zum voranstehenden Vers. In diesem Vers begegnet, wie bereits BeDuhn gesehen hat, der Name Ὀνήσιμος, der bereits im Prolog zu finden ist, dort steht auch die Information, dass Paulus sich im Gefängnis befindet, worauf das δέσμιος geht. Die Lexik, kombiniert mit dem argumentativen Aspekt spricht dafür, dass es sich um ein Schreiben mit einem Inhalt handelt, der in Bezug zum Prolog steht. Bei diesem Vers können wir es mit einem vorkanonischen Text zu tun haben. (1,11) Die Wendung τόν ποτε steht 1 weiteres Mal im NT, Joh 9,13. ♦ ἄχρηστος ist Hapax legomenon im NT. ♦ Die Kombination νυνὶ δέ steht 18 Mal im NT, davon 14 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,13, vgl. zu 2Kor 8,11. ♦ Die Wendung νυνὶ δὲ καί steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2Kor 8,11; Phlm 1,9. 11). ♦ Die Wendung καὶ ἐμοί steht 1 weiteres Mal im NT, Lk 15,29, in einem Vers, der in *Ev fehlt. ♦ εὔχρηστος steht 3 Mal, immer auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Für die Frage der Textherstellung hilft nicht nur die Lexik, sondern auch die Textvariante von νυνὶ δέ bzw. νυνὶ δὲ καί. Während die schwächer bezeugte, mit καί ergänzte Wendung nur kanonisch steht, ist die kürzere auch vorkanonisch bezeugt. Vorkanonisch dürfte darum der Vers mit der kürzeren Wendung gestanden sein. Dann aber muss wohl auch der zweite Halbsatz des Verses gestanden sein, obwohl das nur kanonisch belegte εὔχρηστος oder ein ähnlicher Terminus erforderlich ist. Dass Onesimus in dieser Situation dem Adressaten und dem Sender nützlich sei, ist nicht ersichtlich, darauf geht auch der weitere vermutlich vorkanonische Text auch nicht ein, sondern hebt vielmehr hervor, dass *Paulus jemanden zurückschicken will, obwohl er ihm von Nutzen ist, während er dem Adressaten gar nicht von Nutzen sei. Anstelle der kanonischen Wendung (σοὶ) καὶ ἐμοί mag deshalb lediglich ἐμοί gestanden haben. (1,12) ἀναπέμπω steht 6 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,7. ♦ προσλαμβάνω, das 15 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ τουτ’ (Nom. / Akk. Neut. Sg.), das 17 Mal im NT steht, findet sich jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ σπλάγχνον steht 12 / 11 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. Zur Rekonstruktion: Aufgrund der Lexik wird man vermuten, dass lediglich der erste Teil des Verses vorkanonisch vorhanden war, während der eine Reihe von Varianten aufweisende zweite Teil von der kanonischen Redaktion ergänzt 10 (Phlm) 657 <?page no="658"?> wurde, vielleicht ist dies der Grund, weshalb wir hier den Varianten ausgesetzt sind. (1,13) Die Wendung ὃν ἐγώ steht 7 Mal im NT, jedoch nur hier als Verseröffnung, wobei sie jeweils auf der kanonischen Ebene zu finden ist (Mk 6,16; 2 Mal Joh; Apg 17,3; Phlm 1,13; 2Petr 1,17; 3Joh 1,1). ♦ Die Form ἐβουλόμην steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (Apg 25,22; 2Kor 1,15; Phlm 1,13). ♦ Die Wendung πρὸς ἐμαυτόν steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene (2 Mal Joh; Phlm 1,13). ♦ κατέχω, das 19 / 18 Mal im NT steht, ist bezeugt für *Ev 4,42; *Röm 1,18. ♦ Die Wendung ὑπὲρ σοῦ steht 1 weiteres Mal in Joh 13,37. ♦ διακονέω, das 50 / 37 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 8,3. ♦ δεσμός, das 22 / 18 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. 14. Zur Rekonstruktion: Nachdem der Versanfang nur hier im NT steht, auch wenn die Wendung sonst kanonisch begegnet, spricht dafür, dass sie vorkanonisch gestanden haben kann. Für die Form ἐβουλόμην, gilt, was zu den Versen 9 und 10 zu παρακαλῶ ausgeführt wurde: entweder ist sie dem spezifischen Briefcharakter hier geschuldet oder sie kann auf die kanonisch-redaktionelle Überarbeitung zurückgehen. Darauf würde eventuell auch die Wendung πρὸς ἐμαυτόν und ὑπὲρ σοῦ hindeuten, auch wenn diese nur noch in Joh begegnen. (1,14) χωρίς, das 43 / 41 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Laod 2,12. ♦ σῆς (Akk. Fem. Sg. von σύ / σός) steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ γνώμη steht 9 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Form γνώμης steht 1 weiteres Mal im NT, Apg 20,3. ♦ ἀνάγκη, das 19 / 18 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ ἑκούσιος steht noch 1 weiteres Mal, ebenfalls auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Was diesen Vers betrifft, spricht die Lexik mit den Elementen, die ausschließlich auf der kanonischen Ebene belegt sind (σῆς; γνώμη; ἀνάγκη; ἑκούσιος) für die Zugehörigkeit zur kanonischen Ebene. Er wird vorkanonisch gefehlt haben. χωρίς, das vorkanonisch nur für *Laod bezeugt ist, weist auf die Nähe dieses *Deuteropaulinums zur kanonischen Sprache hin. (1,15) τάχα steht nur noch 1 weiteres Mal auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination τάχα γάρ steht nur hier im NT. ♦ χωρίζω, das 13 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *1Kor 7,10. 11. ♦ ὥρα, das 116 / 106 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 23,44; *Gal 2,5. ♦ αἰώνιος, das 77 / 71 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 18,18; *2Kor 5,1; *Röm 5,21; *2Thess 1,9. ♦ ἀπέχω, das 20 / 19 Mal im NT steht, ist vorkanonisch belegt für *Ev 6,24; *1Thess 4,3. 658 Rekonstruktion <?page no="659"?> Zur Rekonstruktion: Im Unterschied zum voranstehenden Vers stützt die Lexik dieses Verses dessen Zuordnung zur vorkanonischen Version. Auch die nur hier stehende Verseröffnung spricht dafür, dass wir es mit einem vorkanonischen Text zu tun haben. (1,16) οὐκέτι, das 51 / 47 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanoni‐ schen Ebene. ♦ δοῦλος, das 128 Mal im NT steht, findet sich als kanonischer Begriff für die Verhältnisbestimmung des Menschen zu Gott oder Christus, hier jedoch in seiner gewöhnlichen Bedeutung von „Sklave“. ♦ ἀγαπητός, das sich 64 / 61 Mal im NT findet, wovon die Anrede ἀγαπητοί allein 30 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 6,13; *1Kor 1,28. ♦ μάλιστα, das 12 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ πόσος, das 27 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ σάρξ, das 154 / 147 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Gal 2,20; 4,23; 5,19. 24; *1Kor 1,29; 5,5; 6,16; *2Kor 7,1; *Röm 2,28; 7,18; 8,3. 4. 5; *Laod 2,3. 11. 14; 5,29. 31; *Phil 3,4. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. Zur Abwesenheit: Was diesen Vers betrifft, spricht die Lexik für eine Zuordnung zur kanonischen Redaktion, auch wenn ungewiss ist, ob der Vers auf einer vorkanonischen Grundlage ruht, wofür die Semantik von δοῦλος und ἐν κυρίῳ spricht. (1,17) Die Kombination εἰ οὖν steht 12 Mal im NT, davon 10 Mal als Verseröffnung, vorkanonisch bezeugt für *Ev 11,13, vgl. zu Kol 3,1. ♦ κοινωνός, das 12 / 10 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen Begriff προσλαμβάνω vgl. zuvor zu Vers 12. Zur Abwesenheit: Nachdem die beiden zentralen Termini (κοινωνός; προσλαμβάνω) nur kanonisch belegt sind, wird der Vers wohl auf die kanoni‐ sche Redaktion zurückgehen. Hierzu passt auch, dass der kanonische Paulus einen gewissen Zweifel einfügt, ob der Adressat überhaupt mit ihm in Gemein‐ schaft steht. (1,18) Die Kombination εἰ δέ τι steht 3 Mal im NT, ausschließlich auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 1Kor 14,35. ♦ ἀδικέω, das 32 / 28 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ὀφείλω, das 42 / 35 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 11,7. 10. ♦ ἐλλογέω, das 3 / 2 Mal im NT steht, findet sich immer auf der kanonischen Ebene. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers scheint der Lexik nach zur kanonischen Redaktion zu gehören und vorkanonisch gefehlt zu haben. 10 (Phlm) 659 <?page no="660"?> (1,19) Die kürzere Wendung ἐγὼ Παῦλος steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanoni‐ schen Ebene, vgl. 2Kor 10,1 ♦ γράφω, das 213 / 191 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 1,19. 31; 3,19; 9,10; 10,7. 11; 14,21; 15,54. ♦ Die Formulierung ἔγραψα τῇ ἐμῇ χειρί steht noch 1 Mal, Gal 6,11, wieder auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination von ἐμός + χείρ, auf die mich Mark Bilby aufmerksam gemacht hat, erscheint nirgends sonst im vorkanonischen Paulus, dafür aber gleich viermal auf der kanonischen Ebene bei ihm (1Kor 16,21; Gal 6,11; Kol 5,18; 2Thess 3,17). ♦ Auch die dreifache Kombination von ἵνα - μή - λέγω begegnet nur auf der kanonischen Ebene in 2Kor 9,4. ♦ Schließlich findet sich die 1. Person Aorist ἔγραψα 12 Mal, und zwar ausschließlich auf der kanonischen Ebene (etwa 1Kor 9,15). ♦ ἀποτίνω und προσοφείλω sind Hapax legomena im NT. Zur Abwesenheit: Der Lexik zufolge ist der vorliegende Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,20) ναί, das 37 / 33 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev 10,21; *2Kor 1,20. ♦ ὀνίνημι ist Hapax legomenon im NT. ♦ Bilby (in einer Email an mich vom 6.5.2023) verweist korrekterweise weiter darauf, dass der Optativ ὀναίμην, auch wenn er im *Apostolos 7 Mal zu finden ist, lediglich sehr begrenzt eingesetzt wird (τυγχάνω, γίνομαι), hingegen auf der kanonischen Ebene mit 32-maliger Präsenz sehr beliebt und für eine größere Breite an Verben verwendet wird (δίδωμι, πληρόω, πλεονάζω, περισσεύω, ἁγιάζω, παρακαλέω, κατευθύνω). ♦ Wie bereits zu Vers 9b findet sich erneut die emphatische Selbstherausstellung in diesem Vers, die der kanonischen Version eigen ist. ♦ Die Wendung ἐν κυρίῳ steht 48 Mal im NT, wohl ausschließlich auf der kanonischen Ebene und nur im kanonischen Paulus, vgl. zu Gal 5,10. ♦ ἀναπαύω, das 15 / 12 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zum kanonischen Begriff σπλάγχνον, vgl. zuvor zu Vers 7. ♦ Zum kanonischen Gebrauch der Formel ἐν Χριστῷ, vgl. zuvor zu Vers 8. Zur Abwesenheit: Nach Ausweis der Lexik ist auch der vorliegende Vers ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,21) πείθω, das 59 / 52 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Phil 1,14. ♦ Die Form πεποιθώς steht 5 Mal im NT, davon 2 Mal als Verseröffnung, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 2,3. ♦ ὑπακοή, das 16 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu γράφω vgl. zuvor zu Vers 19. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers teil die Merkmale der kanonisch-redaktio‐ nellen Sprache und wird vorkanonisch gefehlt haben. (1,22) ἅμα, das 10 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ ἑτοιμάζω, das 44 / 40 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev. 660 Rekonstruktion <?page no="661"?> ♦ ξενία steht nur noch 1 weiteres Mal, in Apg 28,23. ♦ ἐλπίζω steht 32 / 31 Mal im NT, vorkanonisch bezeugt für *Ev. ♦ προσεύχομαι, das 104 / 86 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Ev und *1Kor 14,13. 15. ♦ χαρίζω bzw. χαρίζομαι, das 24 / 23 Mal im NT steht, ist vorkanonisch bezeugt für *Kol 2,13. Zur Rekonstruktion: Bis auf die Verseröffnung, die wohl durch die Einfü‐ gung der voranstehenden Verse durch die kanonische Redaktion notwendig geworden war, dürfte der Lexik zufolge der Rest des Verses vorkanonisch gestanden sein. (1,23) ἀσπάζομαι, das 65 / 59 Mal im NT steht, findet sich positiv gebraucht nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἐπαφρᾶς, der 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ συναιχμάλωτος, das 3 Mal im NT steht, findet sich nur auf der kanonischen Ebene. ♦ Die Kombination ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ begegnet 47 Mal im Neuen Testament, ausschließlich im kanonischen Paulus, vgl. zu 1Kor 1,4. Zur Abwesenheit: Die Lexik verweist diesen Vers auf die kanonisch-redaktio‐ nelle Ebene, er hat vorkanonisch gefehlt. (1,24) Μάρκος steht 9 / 8 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Ἀρίσταρχος steht 5 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ Δημᾶς und Λουκᾶς stehen je 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene. ♦ συνεργέω, das 11 / 5 Mal im NT steht, findet sich ausschließlich auf der kanonischen Ebene. ♦ Zu συνεργός vgl. zuvor zu Vers 1. Zur Abwesenheit: Auch dieser Vers ist der Lexik zufolge ein Produkt der kanonischen Redaktion und hat vorkanonisch gefehlt. (1,25) Die Wendung ἡ χάρις τοῦ κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ steht 3 Mal im NT, jeweils auf der kanonischen Ebene, vgl. zu 2Kor 13,13. ♦ Die Wendung ἡ χάρις τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ steht 5 Mal im NT, auf der kanonischen Ebene ist sie jedoch jeweils erweitert, 2 Mal mit einem μετά, 3 Mal mit Χριστοῦ. Zur Abwesenheit: Wie die Lexik zeigt, wird der Vers wohl vorkanonisch gefehlt haben. Dafür spricht auch, dass in keinem anderen der Briefe ein Segenswunsch am Ende angeführt wird, auch wenn es möglich gewesen wäre, dass wegen der Schlussstellung dieses Briefes hier ein solcher gestanden haben könnte. 10 (Phlm) 661 <?page no="663"?> Bibliographie Abbott, P. J. (2015). Bringing Order to 1 Corinthians 14: 34-35 (Malibu). Adamantius, R. A. Pretty and G. W. Trompf (1997). Dialogue on the true faith in God = De recta in Deum fide (Leuven). Adamantius, W. H. v. d. Sande Bakhuyzen and Adamantius (1901). Der Dialog des Adamantius Peri tēs eis theon orthēs pisteōs (Leipzig). Aland, K. 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Bartholomä The Johannine Discourses and the Teaching of Jesus in the Synoptics A Contribution to the Discussion Concerning the Authenticity of Jesus` Words in the Fourth Gospel 2012, 505 Seiten €[D] 78,- ISBN 978-3-7720-8457-7 <?page no="684"?> 58 Wichard von Heyden Doketismus und Inkarnation Die Entstehung zweier gegensätzlicher Modelle von Christologie 2014, 567 Seiten €[D] 88,- ISBN 978-3-7720-8524-6 59 Julian Petkov Altslavische Eschatologie Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur in kirchenslavischer Überlieferung 2016, 495 Seiten €[D] 78,- ISBN 978-3-7720-8531-4 60 Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 1: Untersuchung || Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten 2020, 1480 Seiten €[D] 218,- ISBN 978-3-7720-8742-4 60/ 1 | 60/ 2 Matthias Klinghardt Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band I: Untersuchung | Band II: Rekonstruktion, Übersetzung, Varianten 2015, 1296 Seiten €[D] 198,- ISBN 978-3-7720-8549-9 60/ 1 Matthias Klinghardt Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 1: Untersuchung 2020, 543 Seiten €[D] 109,- ISBN 978-3-7720-8737-0 60/ 2 Matthias Klinghardt Das älteste Evangelium und die Entstehung der kanonischen Evangelien Band 2: Rekonstruktion | Übersetzung | Varianten 2020, 937 Seiten €[D] 149,- ISBN 978-3-7720-8741-7 61 Jan Heilmann, Matthias Klinghardt (Hrsg.) Das Neue Testament und sein Text im 2. Jahrhundert 2018, 322 Seiten €[D] 118,- ISBN 978-3-7720-8640-3 62 Nathanael Lüke Über die narrative Kohärenz zwischen Apostelgeschichte und Paulusbriefen 2019, 302 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-7720-8677-9 63 Alexander Goldmann Über die Textgeschichte des Römerbriefs Neue Perspektiven aus dem paratextuellen Befund 2020, 254 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-7720-8709-7 64 Viktor Löwen Die zwölf Jünger Jesu Exegetische Untersuchungen zum Kreis der zwölf Jünger im Matthäusevangelium 2021, 656 Seiten €[D] 128,- ISBN 978-3-7720-8724-0 65 Jan-A. Bühner Jesus und die himmlische Welt Das Motiv der kultischen Mittlung zwischen Himmel und Erde im frühen Judentum und in der von Jesus ausgehenden Christologie 2020, 490 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-7720-8725-7 66 Jan Heilmann Lesen in Antike und frühem Christentum Kulturgeschichtliche, philologische sowie kognitionswissenschaftliche Perspektiven und deren Bedeutung für die neutestamentliche Exegese 2021, 707 Seiten €[D] 128,- ISBN 978-3-7720-8729-5 <?page no="685"?> 67 Tobias Flemming Die Textgeschichte des Epheserbriefes Marcion änderte nichts: Eine grundlegend neue Perspektive auf den Laodicenerbrief 2022, 236 Seiten €[D] 88,- ISBN 978-3-7720-8738-7 68 Manuel Vogel (Hrsg.) Heiliger Krieg Religiöse Konzeptionen und Kontexte des Krieges im Alten Testament, im antiken Judentum und im frühen Christentum 2023, 300 Seiten €[D] 98,- ISBN 978-3-7720-8787-5 69 Matthias Klinghardt Mahl und Kanon Gesammelte Aufsätze zum 65. Geburtstag. Herausgegeben von Jan Heilmann und Kevin Künzl 2022, 508 Seiten €[D] 128,- ISBN 978-3-7720-8779-0 70 Markus Vinzent (Hrsg.) Concordance to the Precanonical and Canonical New Testament 2023, 320 Seiten €[D] 118,- ISBN 978-3-381-10601-1 71 Aaron Graser Das Fremdzeugnis für Jesus Untersuchung der narrativen Darstellung des Zeugnisgebens für Jesus im Johannesevangelium 2024, 429 Seiten €[D] 118,- ISBN 978-3-381-11001-8 72/ 1 | 72/ 2 | 72/ 3 Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil I: Untersuchung | Teil II: Rekonstruktion-- Übersetzung | Teil III: Rekonstruktion - Übersetzung 2025, 2296 Seiten €[D] 420,- ISBN 978-3-381-12691-0 72/ 1 Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil I: Untersuchung 2025, 880 Seiten €[D] 209,- ISBN 978-3-381-12561-6 72/ 2 Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil II: Rekonstruktion - Übersetzung 2025, 734 Seiten €[D] 139,- ISBN 978-3-381-12571-5 72/ 3 Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil III: Rekonstruktion - Übersetzung 2025, 682 Seiten €[D] 129,- ISBN 978-3-381-14211-8 <?page no="686"?> ISBN 978-3-381-14211-8 www.narr.de T A N Z T A N Z T A N Z TEXTE UND ARBEITEN ZUM NEUTESTAMENTLICHEN ZEITALTER Für die Anfänge des Christentums sind lediglich zwei Sammlungen christlicher Texte bekannt, die als „Neues Testament“ bezeichnet wurden - eine vor der Mi e des 2. Jh.s entstandene, die von Markion von Sinope veranstaltet wurde, und die uns bekannte des später kanonischen Neuen Testaments, die aus der Zeit um Irenäus von Lyon gegen Ende des 2. Jh.s zusammengebracht wurde. Der griechische Text der 10-Briefe Sammlung des Paulus, die von den Kirchenvätern dem „Neuen Testament“ des Markion von Sinope zugeordnet wird, wird hier erstmals rekonstruiert. In Teil II und III wird der rekonstruierte griechische Text geboten, der parallel zu dem des kanonischen Textes der zehn Briefe gesetzt ist, versehen mit Apparaten zu den altkirchlichen Zeugen und den signifikanten Varianten, ergänzt mit einer kurzen inhaltlichen Kommentierung zu einzelnen Briefabschni en und einer Vers für Vers bezogenen lexikographischen Analyse. Teil III umfasst Röm, 1Thess, 2Thess, Laod = Eph, Kol, Phil, Phlm. Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil III Markus Vinzent Die älteste Sammlung paulinischer Briefe und die Entstehung der kanonischen Paulusbriefsammlung Teil III: Rekonstruktion - Übersetzung
